# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e36418cf-f5d2-5ae2-ba39-def1324c9aaa
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 03.05.2021 HG190089
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG190089_2021-05-03.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 

 

Geschäfts-Nr.: HG190089-O U/mk 

 

 

Mitwirkend: Oberrichterin Dr. Claudia Bühler, Vizepräsidentin, und Oberrichterin 

Flurina Schorta, die Handelsrichter Alexander Pfeifer, Rony Müller 

und Roger Neukom sowie die Gerichtsschreiberin Claudia Iunco-

Feier 

 

Urteil vom 3. Mai 2021 

 

in Sachen 

 

A._____ AG,  
Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____ AG,  
Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ 

 

betreffend Forderung 
 
 

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Inhaltsverzeichnis 

Rechtsbegehren .................................................................................................. 4 
 
A. Sachverhaltsübersicht ................................................................................. 5 
a. Parteien und ihre Stellung .............................................................................. 5 
b. Prozessgegenstand ........................................................................................ 5 
 
B. Prozessverlauf .............................................................................................. 6 
 
1. Formelles ...................................................................................................... 7 
 
2. Noven ............................................................................................................ 7 
2.1. Ausgangslage ................................................................................................. 7 
2.2. Rechtliche Grundlagen ................................................................................... 7 
2.3. Eingabe der Klägerin vom 8. Juni 2020 zu Dupliknoven (act. 50) .................. 9 
2.4. Eingabe der Klägerin vom 28. September 2020 (act. 52) ............................... 9 
2.5. Eingabe der Klägerin vom 8. Oktober 2020 (act. 59, act. 60) ....................... 10 
 
3. Passivlegitimation ...................................................................................... 11 
3.1. Parteistandpunkte ........................................................................................ 11 
3.2. Rechtliche Grundlagen ................................................................................. 12 
3.3. Würdigung .................................................................................................... 13 
 
4. Absichtliche Täuschung ............................................................................ 15 
 
4.1. Anfechtungsobjekt ..................................................................................... 15 
 
4.2. Genehmigung ............................................................................................. 15 
4.2.1. Parteistandpunkte ...................................................................................... 15 
4.2.2. Unbestrittener Sachverhalt ........................................................................ 16 
4.2.3. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 16 
4.2.4. Würdigung ................................................................................................. 17 
 
4.3. Wegbedingung durch Gewährleistungsausschluss ............................... 18 
 
4.4. Täuschungshandlung ................................................................................ 18 
4.4.1. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 18 
4.4.2. Unbestrittener Sachverhalt ........................................................................ 20 
4.4.3. Vorbemerkung zum Behauptungsfundament ............................................ 21 
4.4.4. Leistung ..................................................................................................... 22 
4.4.5. Kosten ....................................................................................................... 25 
4.4.6. Q._____ ................................................. Fehler! Textmarke nicht definiert. 
4.4.7. Testanlage AC._____ ................................................................................ 31 
4.4.8. Produktions- und Auftragslage .................................................................. 34 
4.4.9. Unternehmensbewertung .......................................................................... 36 
4.4.10. Verschraubungskonstruktion ................................................................... 38 
4.4.11. ...-Preis .................................................................................................... 39 

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4.5. Täuschungsabsicht .................................................................................... 40 
4.5.1. Parteistandpunkte ...................................................................................... 40 
4.5.2. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 41 
4.5.3. Würdigung ................................................................................................. 41 
 
4.6. Irrtum ........................................................................................................... 42 
4.6.1. Parteistandpunkte ...................................................................................... 42 
4.6.2. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 43 
4.6.3. Würdigung ................................................................................................. 43 
 
4.7. Kausalzusammenhang............................................................................... 46 
4.7.1. Parteibehauptungen .................................................................................. 46 
4.7.2. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 47 
4.7.3. Würdigung ................................................................................................. 47 
 
5. Zusammenfassung ..................................................................................... 58 
 
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................... 59 
6.1. Gerichtskosten ............................................................................................. 59 
6.2. Parteientschädigungen ................................................................................. 59 
 
Urteilsdispositiv ................................................................................................. 60 

 

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Rechtsbegehren: 
(act. 1) 

" 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin einen Betrag von 
CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. Oktober 2018 
zu bezahlen. 

 2. Es sei im Umfang gemäss Ziffer 1 der Rechtsvorschlag in der Be-
treibung Nr. 1 des Betreibungsamtes Zürich 8 zu beseitigen. 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten 
der Beklagten." 

 
 

Geändertes Rechtsbegehren: 
(act. 31) 

" 1.1 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin einen Betrag von 
CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. Oktober 2018 
zu bezahlen. 

 1.2. Eventualiter: Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin ei-
nen Betrag von CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. 
Oktober 2018 Zug um Zug gegen die Erteilung einer Zessionser-
klärung bezüglich 10'000 Namenaktien der B._____ AG, … [Ad-
resse], mit einem Nennwert von je CHF 1.00 zu Gunsten von 
Herrn C._____, … [Adresse], zu bezahlen. 

 2. Es sei im Umfang von CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab 
dem 22. Oktober 2018 der Rechtsvorschlag in der Betreibung 
Nr. 1 des Betreibungsamtes Zürich 8 zu beseitigen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten 
der Beklagten." 

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Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien und ihre Stellung 

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._____. Sie bezweckt den 

Kauf, den Verkauf, das Halten und die Verwaltung beweglichen oder unbewegli-

chen Vermögens. Die Klägerin wird durch E._____ als einziger Verwaltungsrat 

vertreten (act. 1 Rz. 20). 

Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich. Im Zeitpunkt des hier 

relevanten Vertragsschlusses am 10. Oktober 2018 verfügte sie über sechs Ver-

waltungsräte, wovon C._____, F._____ und G._____ die Geschäftsleitung bilde-

ten und über eine Kollektivunterschrift zu zweien verfügten. Die übrigen damali-

gen Verwaltungsratsmitglieder (H._____, I._____, J._____) waren nicht zeich-

nungsberechtigt (act. 1 Rz. 21). Die Beklagte bezweckt die Entwicklung und For-

schung sowie die Herstellung und den Verkauf von … sowie die Erbringung von 

Beratungs- und Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit diesen Tätigkei-

ten (act. 1 Rz. 22, act. 3/2). Das Kernprodukt der Beklagten ist ein PVT-Kollektor, 

d.h. ein photovoltaisch-thermischer Solarkollektor, der im Gegensatz zu rein pho-

tovoltaischen Anlagen nicht nur elektrische Energie, sondern auch nutzbare 

Wärme gewinnt (act. 13 Rz. 2.2). 

b. Prozessgegenstand 

Mit Vertrag vom 10. Oktober 2018 erwarb die Klägerin von C._____ 10'000 Aktien 

(entspricht 10 %) der Beklagten zu einem Preis von CHF 10'000.– und verpflichte-

te sich gleichzeitig, eine Zahlung von CHF 4'990'000.– an die Beklagte als Kapi-

taleinlage zu leisten (act. 1 Rz. 39, act. 3/3). Am 11. und 25. Januar 2019 hat die 

Klägerin den Vertrag aufgrund von Willensmängeln angefochten (act. 3/4 und 

3/5). Mit der vorliegenden Klage verlangt sie die Rückerstattung der geleisteten 

Zahlungen mit der Begründung, sie sei von der Beklagten bzw. deren Geschäfts-

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leitung absichtlich getäuscht worden (act. 1 Rz. 11). Namentlich hätten diverse 

falsche Angaben der Geschäftsleitung in einer Präsentation vom 11. September 

2018 zum Vertragsschluss geführt (act. 1 Rz. 1). Die Beklagte bestreitet das Vor-

liegen sämtlicher Voraussetzungen einer absichtlichen Täuschung (act. 39 

Rz. 3.1.3). 

B. Prozessverlauf  

Am 17. Mai 2019 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage mit dem 

vorstehend zitierten Rechtsbegehren ein (act. 1). Den ihr auferlegten Gerichtskos-

tenvorschuss leistete sie fristgerecht (act. 4 und 6). Im Sommer 2019 und Früh-

jahr 2020 wurde gegen die Verwaltungsratsmitglieder der Beklagten, C._____, 

F._____ und G._____, Strafanzeige eingereicht. Das Strafverfahren ist pendent 

(act. 39 Rz. 2.1.1). Mit Eingabe vom 28. August 2019 stellte die Staatsanwalt-

schaft Zürich-Limmat ein Auskunftsbegehren gemäss Art. 195 Abs. 1 StPO 

(act. 9). Nach entsprechender Fristansetzung nahmen die Parteien am 10. und 

12. September 2019 zum Auskunftsbegehren Stellung (act. 10, 15 und 16). Mit 

Schreiben vom 13. September 2019 wurde das Auskunftsbegehren beantwortet 

(act. 17). Die Klageantwort datiert vom 5. September 2019 (act. 13). Am 26. No-

vember 2019 fand eine Vergleichsverhandlung statt, welche zu keiner Einigung 

führte (Prot. S. 8 f.). Mit Verfügung vom 10. Dezember 2019 wurde ein zweiter 

Schriftenwechsel angeordnet und von der Klägerin ein zusätzlicher Gerichtskos-

tenvorschuss eingeholt (act. 24 und 26). Die Replik datiert vom 28. Februar 2020 

(act. 31). Am 23. April 2020 reichte die Klägerin eine Noveneingabe ein (act. 35). 

Die Erstattung der Duplik erfolgte am 15. Mai 2020 (act. 39) und wurde mit einer 

Eingabe vom 19. Mai 2020 ergänzt (act. 41). Ein Antrag der Klägerin betreffend 

Fristansetzung zur Stellungnahme zu Dupliknoven wurde unter Hinweis auf das 

ohnehin bestehende Replikrecht abgewiesen (act. 46 und 48). Am 8. Juni 2020 

nahm die Klägerin zu Dupliknoven Stellung (act. 50). Am 28. September 2020 

folgte eine weitere Noveneingabe der Klägerin (act. 52). Die Beklagte äusserte 

sich hierzu am 2. Oktober 2020 (act. 56). Am 8. Oktober 2020 reichte die Klägerin 

eine weitere Noveneingabe ein (act. 59). Danach folgten keine weiteren Einga-

ben. Mit Verfügung vom 12. April 2021 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu 

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erklären, ob auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichtet werde 

(act. 63). Beide Parteien haben auf die Durchführung einer Hauptverhandlung 

verzichtet (act. 65 f.). Der Prozess ist spruchreif (Art. 236 Abs. 1 ZPO).  

Erwägungen 

1. Formelles 

Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts wird nicht bestritten 

und ist gegeben (act. 1 Rz. 15 ff., act.13 Rz. 1.2; Art. 17 ZPO; Art. 6 Abs. 2 ZPO 

i.V.m. § 44 lit. b GOG). Die übrigen Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls er-

füllt, weshalb auf die Klage einzutreten ist (Art. 59 Abs. 1 und 2 ZPO). 

2. Noven 

2.1. Ausgangslage 

Parallel zum vorliegenden Zivilverfahren hat (unter anderem) die Klägerin eine 

Strafanzeige gegen drei Verwaltungsräte der Beklagten eingereicht, welche zur 

Einleitung eines Strafverfahrens wegen Betrugs etc. durch die Staatsanwaltschaft 

III geführt hat (act. 31 Rz. 5 ff.). Mit ihrer Noveneingabe vom 28. September 2020 

hat die Klägerin nach Abschluss des Schriftenwechsels vier diesem Strafverfah-

ren entstammenden Protokolle von polizeilichen bzw. staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahmen von C._____, G._____, F._____ und K._____ eingereicht und ihre 

Behauptungen damit weiter untermauert (act. 52, act. 53/3-6). 

2.2. Rechtliche Grundlagen 

Nach dem zweiten Schriftenwechsel treten Novenrechtsschranken ein. Neue Tat-

sachen und Beweismittel können nur noch nach den Voraussetzungen von 

Art. 229 Abs. 1 ZPO in den Prozess eingebracht werden. In Abs. 1 lit. a und b 

wird zwischen echten und unechten Noven unterschieden. Nach der Definition 

des Gesetzes handelt es sich um echte Noven, wenn sie erst nach Abschluss des 

Schriftenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung entstanden oder 

gefunden worden sind. Unechte Noven liegen vor, wenn sie in diesem Zeitpunkt 

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bereits vorhanden waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher vorgebracht 

werden konnten. Unabhängig von dieser begrifflichen Unterscheidung liegt das 

massgebliche Kriterium für die Zulässigkeit von Noven in der Entschuldbarkeit der 

Verspätung: Sind Tatsachen oder Beweismittel erst nach Abschluss des Schrif-

tenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung entstanden (lit. a, ers-

te Variante), war ein früheres Vorbringen objektiv nicht möglich und ist die Ver-

spätung damit per se entschuldbar. Entsprechendes gilt hinsichtlich der in lit. a 

ebenfalls erwähnten erst nachträglich gefundenen Tatsachen oder Beweismittel, 

soweit ihr früheres Auffinden objektiv nicht möglich gewesen ist. Im Übrigen be-

stimmt sich bei bereits früher entstandenen, aber erst nachträglich gefundenen 

Noven deren Zulässigkeit nach lit. b. Waren Tatsachen oder Beweismittel bereits 

vor Abschluss des Schriftenwechsels bzw. vor der letzten Instruktionsverhandlung 

vorhanden, ist die Verspätung entschuldbar, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt 

nicht vorgebracht werden konnten. Dies ist der Fall, wenn – zumindest für die be-

treffende Partei – ein gangbarer Weg fehlte, die Tatsachen oder Beweismittel auf-

zufinden bzw. zu beschaffen und in den Prozess einzubringen. Unzulässig ist 

demgegenüber neues Vorbringen, wenn die Tatsachen oder Beweismittel der 

Partei zugänglich waren, aber absichtlich oder aus Nachlässigkeit bisher nicht in 

den Prozess eingeführt worden sind. Die erforderliche Sorgfalt bestimmt sich 

nach einem objektiven Massstab. Abzustellen ist auf ein durchschnittliches Mass 

an Sorgfalt und Umsicht, wie es von jeder Prozesspartei erwartet werden darf und 

muss, wobei im Zivilprozess im Allgemeinen eher grössere Anforderungen an die 

Sorgfalt zu stellen sind als im aussergerichtlichen Verkehr. Nach Entstehung oder 

Entdeckung der neuen Tatsachen und Beweismittel bzw. nach Wegfall des Hinde-

rungsgrundes müssen die Noven in der Hauptverhandlung unverzüglich bzw. so-

fort vorgebracht werden. Unbegründetes Zuwarten führt zur Verwirkung des No-

venrechts (PAHUD, in: DIKE-Kommentar zur ZPO, 2. Auflage 2016, N 11 ff. zu 

Art. 229). 

Es obliegt derjenigen Partei, welche das Novenrecht beansprucht, substantiiert 

darzutun, dass die Zulässigkeitsvoraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO in zeit-

licher und inhaltlicher Hinsicht erfüllt sind. Sie hat daher auszuführen, inwiefern 

die Verspätung entschuldbar ist, und insbesondere, warum ein früheres Vorbrin-

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gen nicht möglich war, und worin die von ihr unternommenen Anstrengungen be-

standen haben sollen (SCHMID, Das Verfahren vor Handelsgericht: aktuelle pro-

zessuale Probleme, in: ZZZ 42/2017, S. 129, 156 f.). Als unzulässig befundene 

nachträgliche Vorbringen sind nicht zu berücksichtigen, gleichwohl aber zu den 

Akten zu nehmen (PAHUD, a.a.O., N 24 zu Art. 229). 

2.3. Eingabe der Klägerin vom 8. Juni 2020 zu Dupliknoven (act. 50) 

Mit dieser Eingabe nach Abschluss des Schriftenwechsels nimmt die Klägerin zu 

diversen angeblich neuen Vorbringen in der Duplik Stellung. Im Wesentlichen 

bringt sie in dieser Eingabe nichts vor, was nicht bereits in ihren Rechtsschriften 

enthalten ist.  

2.4. Eingabe der Klägerin vom 28. September 2020 (act. 52) 

Parallel zum vorliegenden Zivilverfahren hat (unter anderem) die Klägerin eine 

Strafanzeige gegen drei Verwaltungsräte der Beklagten eingereicht, welche zur 

Einleitung eines Strafverfahrens wegen Betrugs etc. durch die Staatsanwaltschaft 

III geführt hat (act. 31 Rz. 5 ff.). Mit ihrer Noveneingabe vom 28. September 2020 

hat die Klägerin nach Abschluss des Schriftenwechsels vier diesem Strafverfah-

ren entstammende Protokolle von polizeilichen bzw. staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahmen von C._____, G._____, F._____ sowie K._____ eingereicht, um ihre 

Behauptungen weiter zu untermauern (act. 52, act. 53/3-6). 

Die genannten Einvernahmen fanden am 20., 21. und 22. Oktober 2019 statt, die 

schriftlichen Protokolle wurden unmittelbar im Anschluss an die Einvernahmen er-

stellt. Damit handelt es sich um bereits vor Abschluss des Schriftenwechsels ent-

standene Tatsachen. Es stellt sich daher die Frage, ob das verspätete Einbringen 

der Protokolle durch die Klägerin entschuldbar war, mithin, ob es ihr überhaupt 

möglich war, die Protokolle vor Abschluss des Schriftenwechsels einzureichen. 

Die Parteien eines Strafverfahrens können spätestens nach der ersten Einver-

nahme der beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen wichtigsten Be-

weise durch die Staatsanwaltschaft die Akten des Strafverfahrens einsehen 

(Art. 101 Abs. 1 StPO). 

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Die Klägerin hat sich im Strafverfahren als Privatklägerin konstituiert. Der Zeit-

punkt der Konstituierung ist unklar. Jedenfalls war sie bereits als Privatklägerin 

konstituiert, als E._____ am 3. März 2020 durch die Polizei als Auskunftsperson 

einvernommen wurde. Dies ergibt sich aus dem entsprechenden Protokoll 

(act. 40/2). Gemäss gesetzlicher Vorschrift müsste die Klägerin spätestens ab 

diesem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt haben, die Akten des Strafverfahrens 

und damit auch die Einvernahmeprotokolle einzusehen. Die Klägerin macht in ih-

rer Noveneingabe keine Ausführungen dazu, weshalb es ihr trotz ihres ab Konsti-

tution als Privatklägerin grundsätzlich bestehenden Akteneinsichtsrechts nicht 

möglich gewesen sein sollte, in den Protokollen allenfalls enthaltene Noven zu ei-

nem früheren Zeitpunkt in den Prozess einzubringen. In ihrer Noveneingabe führt 

sie lediglich aus, dass ihr die Einvernahmen am 18. September 2020 und 

22. September 2020 von der Staatsanwaltschaft zugestellt wurden, ohne zu erklä-

ren, weshalb sie von ihrem Akteneinsichtsrecht nicht schon vorher Gebrauch ge-

macht hat (act. 52 Rz. 3). Damit kam sie ihrer Pflicht zur substantiierten Begrün-

dung der Zulässigkeit der Noven nicht nach. Auch nachdem die Beklagte mit Ein-

gabe vom 2. Oktober 2020 die Zulässigkeit der neuen Vorbringen explizit bestrit-

ten hat, kam die Klägerin ihrer Begründungs- und Substantiierungspflicht im Hin-

blick auf die Eingabe vom 28. September 2020 nicht nach (act. 56 Rz. 2.1 ff.). Die 

mit der Eingabe vom 28. September 2020 eingereichten Einvernahmen und sich 

darauf stützende neue Vorbringen sind daher im vorliegenden Verfahren nicht zu 

berücksichtigen.  

2.5. Eingabe der Klägerin vom 8. Oktober 2020 (act. 59, act. 60) 

Am 8. Oktober 2020 reichte die Klägerin ein Protokoll der am 24. September 2020 

durchgeführten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme von K._____ als Zeugen 

ein. Die begleitende Eingabe enthielt lediglich den Hinweis, dass es sich um eine 

Noveneingabe handle. Eine weitergehende Begründung der Zulässigkeit der Ein-

reichung dieses neuen Beweismittels enthält die Eingabe nicht. Da die Klägerin 

auch mit dieser Eingabe ihrer Pflicht zur substantiierten Begründung der Zuläs-

sigkeit der Noven nicht nachgekommen ist, ist das Beweismittel zwar zu den Ak-

ten zu nehmen, im vorliegenden Verfahren aber nicht zu berücksichtigen. Selbst 

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wenn man von der Zulässigkeit der Einbringung des Novums ausgehen würde, 

müsste darauf nicht eingegangen werden, da es die Klägerin unterlassen hat, das 

neue Beweismittel im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit konkre-

ten Behauptungen zu verbinden (BGE 4A_381/2016 E. 3.1.2.). 

3. Passivlegitimation 

3.1. Parteistandpunkte 

Die Beklagte bestreitet ihre Passivlegitimation. Zum Einen macht sie geltend, mit 

dem Aktienkaufvertrag habe die Klägerin 10'000 Aktien von C._____ erworben, 

welchem sie dafür einen Kaufpreis von CHF 10'000.– schulde. Als Zahlstelle sei 

zwar das Konto der Beklagten definiert worden, jedoch sei der Kaufpreis ins Ver-

mögen von C._____ geflossen. Daher sei die Beklagte mindestens im Umfang 

von CHF 10'000.– nicht passivlegitimiert (act. 13 Rz. 4.2.1). Zum Anderen macht 

die Beklagte geltend, dass die Klägerin nicht einfach gegen die Beklagte auf die 

Rückerstattung ihrer Leistung klagen könne. Da das Synallagma des unverbindli-

chen Vertrages nachwirke, könne sie die eigene Leistung nur Zug um Zug gegen 

Rückgabe des Empfangenen, namentlich der ihr von C._____ übertragenen Ak-

tien, zurückverlangen. Die entsprechende Einrede (Art. 82 OR) erhebe die Be-

klagte explizit. Die Klägerin hätte ihre Klage sowohl gegen die Beklagte als auch 

gegen C._____ richten müssen (act. 13 Rz. 5.2.2.1 ff., act. 39 Rz. 4.3). 

Die Klägerin erachtet die Beklagte im vollen Forderungsumfang als passivlegiti-

miert, da der gesamte Betrag von CHF 5 Mio. gemäss vertraglicher Vereinbarung 

der Beklagten überwiesen worden sei (act. 31 Rz. 24). Sie bestreitet das Vorlie-

gen eines synallagmatischen Vertrages, weshalb die Rückabwicklung nicht Zug 

um Zug vorzunehmen sei (act. 31 Rz. 14). Sodann bestreitet sie das Vorliegen ei-

ner notwendigen, passiven Streitgenossenschaft, weshalb es in ihrer Dispositi-

onsfreiheit liege, als Eventualbegehren die Zahlung von CHF 5 Mio. Zug um Zug 

gegen Rückzession der Aktien an C._____ zu beantragen, ohne diesen ins Ver-

fahren einzubeziehen (act. 31 Rz. 21 ff.).  

 

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3.2. Rechtliche Grundlagen 

Zur Rückabwicklung von Verträgen wegen Willensmangels hielt das Bundesge-

richt folgendes fest: "Unabhängig davon, ob der so genannten Anfechtungs- oder der so ge-
nannten Ungültigkeitstheorie gefolgt wird, ist Rechtsfolge der begründeten Geltendmachung des 
Willensmangels grundsätzlich das Dahinfallen des Vertrags ex tunc. Bereits erbrachte Leistungen 
sind zurückzuerstatten. Dabei sind nach herkömmlicher Ansicht die Grundsätze der Vindikation ei-
nerseits und der ungerechtfertigten Bereicherung anderseits anwendbar. In der Lehre wird zudem 
mit guten Gründen die Auffassung vertreten, nicht nur im Falle des verzugsbedingten Rücktritts vom 
Vertrag, sondern auch bei dessen Unverbindlichkeit wegen Willensmängeln sei von einem vertragli-
chen Rückabwicklungsverhältnis auszugehen, welches auf dem ursprünglichen formalen Konsens 
gründe. Insoweit bleibt der Vertragsschluss trotz berechtigter Anfechtung nicht bedeutungslos. Dies 
zeigt sich etwa darin, dass die Rückerstattung empfangener Leistungen trotz Ungültigkeit des Ver-
trags in Beachtung dessen Synallagmas Zug um Zug zu erfolgen hat" (BGE 129 IIII 320, 
E. 7.1.1, m.w.H. insb. auf SCHMIDLIN, in: BK OR, 2. Aufl. 2013, N. 101 zu Art. 31). 

Insbesondere SCHMIDLIN spricht sich für die Annahme eines Rückabwicklungsver-

hältnisses aus und verweist unter anderem auf BGE 83 II 18. Darin erwog das 

Bundesgericht, dass die ursprüngliche Verknüpfung und Abhängigkeit der Leis-

tungen auch in der Phase der Wiederherstellung des früheren Zustandes, also bei 

der Rückerstattung, zu beachten sei. Diese führe zur Verpflichtung zur Rücker-

stattung der Leistungen Zug um Zug. In BGE 137 III 243 lehnte das Bundesge-

richt die Annahme eines vertraglichen Liquidationsverhältnisses ab. 

Bei der notwendigen Streitgenossenschaft müssen mehrere Personen gemein-

sam als Kläger oder gemeinsam als Beklagte auftreten, da das streitige Rechts-

verhältnis nur allen Streitgenossen gegenüber einheitlich festgestellt werden 

kann. Inwiefern eine gemeinsame Prozessführung als notwendige Streitgenossen 

erforderlich ist, beurteilt sich in erster Linie nach dem anwendbaren materiellen 

Recht. In Fällen einer notwendigen Streitgenossenschaft sind mehrere Personen 

an einem Rechtsverhältnis beteiligt, über das nur mit Wirkung für alle entschieden 

werden kann. Es besteht keine allgemeine Regelung, die bestimmt, in welchen 

Fällen eine notwendige Streitgenossenschaft gebildet werden muss. Vielmehr fin-

den sich die relevanten Bestimmungen im materiellen Bundesrecht verteilt. Ihnen 

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gemeinsam ist der Normzweck, dass das streitige Rechtsverhältnis allen Streitge-

nossen gegenüber einheitlich festgestellt werden muss. Im Weiteren bestehen 

Konstellationen, in denen die Notwendigkeit einer einheitlichen Entscheidung für 

alle betroffenen Personen sich nicht aus dem materiellen Recht, sondern aus der 

Natur der Sache ergibt (BALZ/ZUBER, in: Berner Kommentar zum Obligationen-

recht, 2012, N 7 ff. zu Art. 70).  

Ob ein Fall der Streitgenossenschaft vorliegt, ist eine prozessuale Frage und von 

Amtes wegen zu prüfen. Ob alle und die richtigen Streitgenossen als Parteien am 

Verfahren beteiligt sind, beschlägt die Aktiv- oder Passiv-, das heisst die Sachle-

gitimation. Werden im Falle einer notwendigen Streitgenossenschaft nicht alle 

Verpflichteten zusammen ins Recht gefasst bzw. gehen nicht alle Berechtigten 

gemeinsam vor, fehlt es an der notwendigen Aktiv- bzw. Passivlegitimation und 

die Klage ist abzuweisen (Balz/Zuber, a.a.O., N 33 zu Art. 70). 

3.3. Würdigung 

Am streitgegenständlichen "Aktienkaufvertrag" vom 10. Oktober 2018 sind unbe-

strittenermassen drei Parteien beteiligt, nämlich C._____, die Beklagte und die 

Klägerin. Es handelt sich nicht um einen klassischen Aktienkaufvertrag zwischen 

zwei Parteien, sondern um eine Art Beteiligungsvertrag, dessen Zweck die Zur-

verfügungstellung von Kapital gegen die Beteiligung am Erfolg durch Aktiener-

werb ist. Da die Beklagte im Vertrag selber keine Leistung zu erbringen hat, stellt 

sich die Frage, ob ein reines Austauschverhältnis vorliegt. Fest steht, dass sowohl 

die Leistung von CHF 10'000.– an C._____ als auch die Leistung von 

CHF 4'990'000.– mit der Übertragung der Aktien der Beklagten im Sinne einer 

Abhängigkeit verknüpft ist. Etwas anderes behauptet auch die Klägerin nicht. In 

ihrer Replik schreibt sie explizit, dass die an die Beklagte geleistete Zahlung die 

Gegenleistung für die Übertragung der Aktien sei (act. 31 Rz. 13). Mit der Unver-

bindlichkeit des vorliegenden Vertrages sind nicht nur die beiden Zahlungen 

rechtlich grundlos erfolgt, sondern auch die Übertragung der Aktien. Zur Wieder-

herstellung des ursprünglichen Zustandes müssen Rückleistungen in alle Rich-

tungen erfolgen. Im ursprünglichen Rechtsbegehren der Klägerin fehlt ein ent-

sprechendes Begehren, was allein – folgt man der Ansicht des Bundesgerichts in 

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BGE 83 II 18, E. 7 – noch nicht problematisch wäre, da ein Rechtsbegehren auf 

unbedingte Leistung auch beschränkt zugesprochen werden darf, sei es nur teil-

weise, sei es unter einer Modalität. Vorliegend könnte aber keine Rückübertra-

gung der Aktien Zug um Zug mit der Zahlung angeordnet werden, da die Person, 

welche die Aktien aufgrund des dahingefallenen Vertrages übertragen hat, nicht 

ins Verfahren einbezogen wurde und ihr die Rückübertragung nicht ohne vorgän-

gige Beteiligung am Verfahren aufgezwungen werden kann. Für die von der Klä-

gerin angestrebte Rückabwicklung des Vertrages hätte sie sowohl die Beklagte 

als auch C._____ einklagen müssen. Dieser Schluss würde sich umso mehr auf-

drängen, wenn man von einem vertraglichen Rückabwicklungsverhältnis ausge-

hen würde, dessen Zweck darin besteht, die endgültige Güterzuordnung in Refe-

renz an den Mangel nach der Mechanik des ursprünglichen Vertrages, aber mit 

umgekehrten Vorzeichen herbeizuführen (vgl. HUGUENIN, Obligationenrecht, All-

gemeiner und Besonderer Teil, 2019, N 583). Um eine saubere und wider-

spruchsfreie Rückabwicklung des streitgegenständlichen Vertragsverhältnisses zu 

gewährleisten, erscheint die Annahme eines vertraglichen Rückabwicklungsver-

hältnisses vorliegend als sinnvoll. Es steht ausser Frage, dass bei Annahme eines 

solchen Rückabwicklungsverhältnisses alle am ursprünglichen Vertrag beteiligten 

Parteien einbezogen werden müssen und keine Selektion getroffen werden kann. 

Die prozessuale Konsequenz ist die Annahme einer notwendigen passiven Streit-

genossenschaft zwischen C._____ und der Beklagten. Entgegen dem Einwand 

der Klägerin beschränkt sich die Annahme einer notwendigen Streitgenossen-

schaft nicht auf Gestaltungsklagen. Entscheidend ist vielmehr, dass die drei Ver-

tragsparteien vorliegend an einem Rechtsverhältnis beteiligt sind, über das nur 

mit Wirkung für alle entschieden werden kann. Da die Leistungen im vorstehen-

den Sinne miteinander verknüpft sind, kann die Rückabwicklung nicht auf einzel-

ne Leistungen bzw. Vertragsparteien beschränkt werden. Da sich sowohl das ur-

sprüngliche wie auch das modifizierte Rechtsbegehren nur gegen die Beklagte 

richtet, wurden nicht alle Beteiligten ins Recht gefasst, weshalb die Klage bereits 

mangels Passivlegitimation abzuweisen ist. 

- 15 - 

Selbst wenn man in dieser Frage zu einem anderen Schluss kommen würde, 

würde sich im Ergebnis nichts ändern, wie nachfolgend zu zeigen sein wird. 

4. Absichtliche Täuschung 

Ist ein Vertragschliessender durch absichtliche Täuschung seitens des andern 

zum Vertragsabschluss verleitet worden, ist der Vertrag für ihn auch dann nicht 

verbindlich, wenn der erregte Irrtum kein wesentlicher war (Art. 28 Abs. 1 OR). 

Die Berufung auf Art. 28 OR setzt eine Täuschungshandlung voraus, die absicht-

lich ist, in pflichtwidriger Weise erfolgte und beim Anfechtenden einen Irrtum her-

vorgerufen hat (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, in: BSK OR I, 7. Aufl., N 2a zu 

Art. 28). 

4.1. Anfechtungsobjekt 

Es ist unbestritten, dass die Klägerin mit Schreiben vom 11. und 25. Januar 2019 

den "Aktienkaufvertrag" vom 10. Oktober 2018 (act. 3/3) aufgrund von Willens-

mängeln und Täuschungen angefochten hat und sich auf die Unverbindlichkeit 

dieses Vertrages berief (act. 1 Rz. 11). Dem Vertrag ging ein Vorvertrag voraus, 

welcher bereits am 11. September 2018 geschlossen wurde (act. 3/17). Darin 

verpflichteten sich die Parteien zum Abschluss eines Kaufvertrages mit bestimm-

ten zentralen Punkten. Selbst wenn die Eckwerte des Vorvertrages unverändert in 

den Aktienkaufvertrag eingeflossen sind, ist es nicht der Vorvertrag, dessen Un-

verbindlichkeit zu prüfen ist, sondern der am 10. Oktober 2018 geschlossene Ak-

tienkaufvertrag. Anfechtungsobjekt ist allein der Vertrag vom 10. Oktober 2018. 

Sämtliche Voraussetzungen der Täuschung müssen hinsichtlich dieses Zeitpunk-

tes gegeben sein. 

4.2. Genehmigung 

4.2.1. Parteistandpunkte 

Die Beklagte ist der Ansicht, die Klägerin habe den Vertrag durch ihr Verhalten im 

Vorfeld der Verwaltungsratssitzung vom 4. Februar 2019 genehmigt (act. 13 

Rz. 3.27.6). Sie stützt sich insbesondere auf eine E-Mail vom 23. Januar 2019 

- 16 - 

(act. 3/44). Einen weiteren Nachweis der Genehmigung erblickt sie im Verhalten 

der Klägerin im Zusammenhang mit dem von der Beklagten in Auftrag gegebenen 

Gutachten der L._____. Sie stützt sich dabei insbesondere auf die E-Mail vom 

11. März 2019 (act. 3/55). Es sei nicht ersichtlich, aus welchem Rechtsgrund die 

Klägerin solche Unterlagen einfordern könnte, wenn nicht gestützt auf die beste-

hende Vertragsbeziehung (act. 13 Rz. 3.29.10). Die Klägerin bestreitet eine Ge-

nehmigung des Vertrages (act. 31 Rz. 536). 

4.2.2. Unbestrittener Sachverhalt 

Am 23. Januar 2019 schrieb E._____ F._____ eine E-Mail mit folgendem Inhalt: 

"Ich habe mir eingetragen, dass am 4.2.2019 eine ordentliche VR-Sitzung stattfindet. Leider habe 
ich bis zum heutigen Zeitpunkt weder eine Einladung noch eine Traktandenliste erhalten. Am 
12.12.2018 hast Du und die übrigen Verwaltungsräte mir zugesichert, dass ich an der ersten VR-
Sitzung 2019 in den Verwaltungsrat gewählt werde. Dies als Vollzug einer Bedingung im Kaufver-
trag über den Erwerb von 10 % der B._____-Aktien durch die A._____. Ich vertraue darauf, dass 
Verträge und Zusagen eingehalten werden." (act. 3/44). Am 11. März 2019 forderte 
E._____ F._____ sodann per E-Mail auf, ihm sämtliche Ergebnisse und den Auf-

tragstext eines von der Beklagten bei der L._____ eingeholten Gutachtens zuzu-

stellen (act. 3/55). 

4.2.3. Rechtliche Grundlagen 

Die Anfechtung wegen eines Willensmangels muss binnen Jahresfrist erfolgen. 

Im Fall einer Täuschung beginnt die Frist mit der Kenntnis der Täuschungshand-

lung, andernfalls der Vertrag als genehmigt gilt (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, in: 

BSK OR I, 7. Aufl. 2019, N 11 f. und 20 zu Art. 31 OR). Eine Genehmigung kann 

schon während der Jahresfrist angenommen werden, wenn der Anfechtungsbe-

rechtigte durch positive Handlungen oder durch ausdrückliche Willenserklärung 

deutlich zu verstehen gibt, dass er sich mit dem mangelhaften Vertrag abgefun-

den hat. Eine Genehmigung ist selbst nach einer Berufung auf Unverbindlichkeit 

noch möglich, wenn die Gegenpartei einverstanden ist, dass der Vertrag aufrecht 

bleibt. In jedem Fall setzt die Genehmigung sichere Kenntnis des Willensmangels 

voraus. Unbestimmte, nicht näher belegte Zweifel genügen nicht. Im Falle der 

- 17 - 

Täuschung ist neben der Entdeckung des Irrtums zudem die Erkenntnis erforder-

lich, dass der Mangel durch absichtliche falsche Vorspiegelungen verursacht wor-

den ist. Wo eine ausdrückliche Erklärung fehlt, darf angesichts der Tragweite des 

Rechtsverzichts, der in einer Genehmigung liegt, namentlich bei einer absichtli-

chen Täuschung, nicht leichthin auf vorbehaltsloses Einverständnis geschlossen 

werden. Ob eine bestimmte Handlung des Anfechtungsberechtigten als eindeuti-

ger Ausdruck einer Genehmigung zu verstehen sei, beurteilt sich nach den 

Grundsätzen der Vertrauenstheorie (BGE 108 II 102 E. 2a, m.w.H.).  

4.2.4. Würdigung 

Der Beklagten ist darin zuzustimmen, dass insbesondere die E-Mail von E._____ 

vom 23. Januar 2019 mit der nur wenige Tage zuvor erklärten Anfechtung des 

Vertrages wegen absichtlicher Täuschung nicht vereinbar ist. Zwar äussert 

E._____ darin keine ausdrückliche Genehmigung des Vertrags in Kenntnis und im 

Bewusstsein der Tatsache, dass die Klägerin bei dessen Abschluss einer Täu-

schung erlegen sei. Nachdem die Klägerin im Schreiben vom 11. Januar 2019 je-

doch eingehend und deutlich die Anfechtung des Vertrages wegen eines Wil-

lensmangels erklärt hat, kann das Bestehen von E._____ auf einer Einladung zur 

auf den 4. Februar 2019 terminierten ordentlichen Verwaltungsratssitzung, einer 

Zusendung der Traktandenliste und insbesondere auf einer Wahl in den Verwal-

tungsrat nicht anders verstanden werden, als dass er namens der Klägerin auch 

weiterhin am Kaufvertrag festhalten will. Dies gilt umso mehr, als sich E._____ 

ausdrücklich auf den "Vollzug einer Bedingung im Kaufvertrag" beruft und über-

dies festhält, er vertraue darauf, "dass Verträge und Zusagen eingehalten wer-

den". Es ist offensichtlich, dass er sich mit dieser Äusserung von einer Anfechtung 

des Vertrages wegen Willensmängeln distanziert und im Gegenteil die Beklagte 

auf dem abgeschlossenen Vertrag behaften will.  

Daran ändert nichts, dass die Klägerin mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom 

25. Januar 2019 an die Beklagte und die Verwaltungsräte F._____, G._____ und 

C._____ umgehend klargestellt hat, dass sie an einer umfassenden Anfechtung 

infolge Willensmängeln festhalte und das Schreiben von E._____ keine Geneh-

migung darstelle (act. 3/5). Denn entgegen den Ausführungen des klägerischen 

- 18 - 

Rechtsvertreters hat sich E._____ gerade nicht auf die Zeit bis zur Rückabwick-

lung des Vertrages bezogen, sondern vorbehaltlos dessen Einhaltung verlangt. 

Anhaltspunkte dafür, dass diese Erklärung ihrerseits wieder auf einem Willens-

mangel beruht, liegen nicht vor, so dass nicht ersichtlich ist, was die Klägerin be-

rechtigen könnte, auf die erfolgte Genehmigung zurück zu kommen. Unter diesen 

Umständen braucht auf die von den Beklagten zusätzlich als Genehmigungs-

handlung bezeichnete E-Mail vom 11. März 2019 nicht mehr eingegangen zu 

werden. Die Klage ist auch zufolge Genehmigung des geltend gemachten Wil-

lensmangels abzuweisen.  

Selbst wenn man auch in dieser Frage zu einem anderen Schluss kommen wür-

de, würde sich im Ergebnis nichts ändern, wie nachfolgend zu zeigen sein wird. 

4.3. Wegbedingung durch Gewährleistungsausschluss 

In Ziffer 4 des Vertrages vom 10. Oktober 2019 wird die Gewährleistung betref-

fend Aktienkauf geregelt. Darin sichert der Verkäufer einerseits zu, dass er in sei-

ner Verfügungsbefugnis über die Aktien nicht beschränkt ist, diese in seinem al-

leinigen und unbeschwerten Eigentum stehen und er keine Zustimmung der Mit-

aktionäre für die Abtretung der Aktien benötigt. Andererseits gewährleistet der 

Verkäufer die Rechtsbeständigkeit der Patente für die Hybride Solaranlage. Dar-

über hinaus wird in Ziffer 4.3 jede weitergehende Gewährleistung wegbedungen 

(act. 3/3 S. 3). Diese Wegbedingung der Gewährleistung schliesst die Berufung 

auf absichtliche Täuschung nicht aus (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, in: BSK OR I, 

7. Aufl. 2019, N 25 zu Art. 28, m.w.H.). Die vorliegend behauptete absichtliche 

Täuschung wird demnach vom vertraglichen Gewährleistungsausschluss nicht er-

fasst. 

4.4. Täuschungshandlung 

4.4.1. Rechtliche Grundlagen 

Ein täuschendes Verhalten besteht in der Vorspiegelung falscher Tatsachen oder 

im Verschweigen vorhandener Tatsachen. Die täuschende Handlung muss sich 

auf Tatsachen beziehen, d.h. auf objektiv feststellbare Zustände oder Ereignisse 

- 19 - 

tatsächlicher oder rechtlicher Art. Subjektive Werturteile und Meinungsäusserun-

gen fallen nicht darunter, es sei denn, sie knüpfen an Tatsachen an. Tatsachen 

können sowohl äussere als auch innere Umstände sein. Eine Täuschung über 

künftige Tatsachen ist möglich, soweit diese als vorweggenommenes Faktum 

dargestellt werden. Die Täuschung kann durch positive Handlungen erfolgen, z.B. 

Behauptungen in mündlichen oder schriftlichen Mitteilungen, wie auch konkludent. 

Für die Würdigung der Behauptung ist dabei nach dem Vertrauensprinzip auf den 

Verkehrskreis des Getäuschten abzustellen. Der Vorspiegelung falscher Tatsa-

chen ist das Unterdrücken wahrer Tatsachen gleichzustellen, insbesondere durch 

positive Behauptung des Gegenteils. Tatsachenverschweigung stellt nur dann ei-

ne Täuschung dar, wenn eine Aufklärungspflicht besteht. Eine solche kann sich 

aus besonderer gesetzlicher Vorschrift oder aus Vertrag ergeben oder wenn eine 

Mitteilung nach Treu und Glauben und den herrschenden Anschauungen geboten 

ist (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N 3 ff. zu Art. 28). 

Tatsachen, von denen jedermann weiss oder wissen müsste, dass sie von Natur 

aus risikobehaftet, spekulativ und daher ungewiss sind, entziehen sich grundsätz-

lich der Täuschung. Lässt sich jemand auf die Überredungen und Überredungs-

künste seines Partners ein, so täuscht er sich im Grund nicht über Tatsachen und 

deren Risiken, sondern über das Vertrauen, das er in seinen Partner und dessen 

Angaben hegte. Sein Vertrauen galt der Person und deren Risikoeinschätzung. 

Dies trifft vor allem dann zu, wenn sich der in seinen Erwartungen Enttäuschte 

selbst gar nicht richtig und objektiv um die Tatsachen gekümmert hat (SCHMIDLIN, 

in: BK OR, 2. Auflage 2013, N 64 zu Art. 28). 

Die Täuschung ist von der blossen Anpreisung abzugrenzen. Anpreisung und 

Täuschung unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie die zum Vertrag mo-

tivierenden Tatsachen dargestellt werden. Der Täuschende fälscht oder unter-

drückt wahre Tatsachen, um den Getäuschten absichtlich irrezuführen. Das An-

preisen begnügt sich mit dem Hervorheben vertragsgünstiger Eigenschaften und 

dem Zurückstellen ungünstiger Eigenschaften. Der Gegensatz zwischen Täu-

schung und Anpreisung lässt sich am deutlichsten an der unterschiedlichen Wir-

kung der beiden Verhaltensweisen verdeutlichen. Für die Täuschung sind die 

- 20 - 

vorgespiegelten falschen Tatsachen conditio sine qua non des Vertragsabschlus-

ses. Ein solches Kausalverhältnis liegt bei der Anpreisung nicht vor, denn die An-

preisung beeinflusst zwar den Abschlusswillen des Vertragspartners, schaltet die-

sen aber nicht aus (SCHMIDLIN, a.a.O., N 81 ff. zu Art. 28). 

4.4.2. Unbestrittener Sachverhalt  

H._____, selber Investor und seit 20. Juni 2018 Verwaltungsrat der Beklagten, 

suchte für die Beklagte Grossinvestoren. In diesem Zusammenhang nahm er im 

Sommer 2018 mit der Klägerin Kontakt auf (act. 1 Rz. 24 f., act. 31 Rz. 205, 

act. 39 Rz. 4.30.3). Nachdem die Klägerin selber Interesse an einer Investition 

geäussert hatte, organisierte H._____ ein Treffen mit der Geschäftsleitung der 

Beklagten am 11. September 2018 in den Geschäftsräumen von E._____ in 

M._____ (act. 13 Rz. 3.7.3). An diesem Treffen nahmen auf Seiten der Klägerin 

E._____ und N._____ als dessen rechtlicher Berater teil. Seitens der Beklagten 

waren deren Verwaltungsräte C._____, F._____ und H._____ anwesend (act. 1 

Rz. 26 f.). Anlässlich des Treffens hielt C._____ eine PowerPoint gestützte Prä-

sentation zum PVT-Kollektor der Beklagten (act. 31 Rz. 220). In der Präsentation 

wurden die in act. 14/59 enthaltenen Folien gezeigt. Noch am selben Tag schlos-

sen die Klägerin, C._____ und die Beklagte einen schriftlichen Vorvertrag zum 

Erwerb von Aktien an der Beklagten (act. 31 Rz. 245, act. 3/17). Am 10. Oktober 

2018 vollzogen die Parteien den Vorvertrag mit dem Abschluss einer als Aktien-

kaufvertrag bezeichneten Vereinbarung. Darin verpflichtete sich C._____, der 

Klägerin 10'000 Namensaktien der Beklagten zu einem Nennwert von CHF 1.00 

zu verkaufen. Die Klägerin verpflichtete sich im Gegenzug, C._____ 

CHF 10'000.– als Kaufpreis zu entrichten und der Beklagten CHF 4'990'000.– als 

Kapitalanlage zu leisten. Die Auszahlung des Gesamtbetrages von 

CHF 5'000'000.– erfolgte am 22. Oktober 2018 auf das Bankkonto der Beklagten 

(act. 1 Rz. 39, act. 31 Rz. 256).  

Auslöser für die Überzeugung der Klägerin, dass sie getäuscht worden war, wa-

ren Äusserungen von K._____ gegenüber H._____. K._____ ist ein ehemaliger 

Studienkollege von C._____ und seit 2016 bei der Beklagten als technischer Ent-

wickler angestellt (act. 13 Rz. 3.2.6 f.). Ende 2016 bauten C._____ und K._____ 

- 21 - 

den ersten PVT-Kollektor zusammen (act. 13 Rz. 3.2.10). Das Verhältnis zwi-

schen C._____ und K._____ verschlechterte sich in der Folge. K._____ kritisierte 

die Geschäftsführung der Beklagten und von C._____ im Speziellen. Die Ausei-

nandersetzung führte schliesslich dazu, dass K._____ am 20. Dezember 2018 

das Arbeitsverhältnis kündigte. Die Vorwürfe von K._____ fanden zu grossen Tei-

len auch Eingang in die Klageschrift (act. 1 Rz. 54 ff., act. 13 Rz. 3.23.4, 

act. 14/129).  

4.4.3. Vorbemerkung zum Behauptungsfundament 

In der Klagebegründung bezeichnet die Klägerin die Aussagen in der Präsentati-

on vom 11. September 2018 in M._____ als Täuschungshandlung und kon-

zentriert sich auf die Auseinandersetzung mit diesen Aussagen (z.B. act. 1 

Rz. 108.1). In der Replik erweitert sie ihre Tatsachenbehauptungen zudem um 

sehr ausführliche Schilderungen von Umständen, die sich im Vorfeld dieser In-

formationsveranstaltung abgespielt haben sollen. Namentlich führt sie im Detail 

aus, wie es zur ersten Investition von H._____ in die Beklagte gekommen und wie 

dieser ebenfalls von der Beklagten getäuscht worden sein soll (act. 31 Rz. 108 

ff.). Sodann legt die Klägerin dar, wie sich die Beziehung von H._____ zur Beklag-

ten weiter entwickelt hat, wie H._____ nach Investoren suchte und mit E._____ 

ins Gespräch kam (act. 31 Rz. 205 ff.). Weiter enthält die Replik eine ausführliche 

Darstellung der Ereignisse nach Abschluss des Kaufvertrages durch die Klägerin 

(act. 31 Rz. 256 ff.). In der Replik unterteilt die Klägerin ihre Sachverhaltsdarstel-

lung neu in drei "Täuschungsphasen". Was genau die Klägerin aus den zusätzli-

chen Sachverhaltselementen, insbesondere aus dem behaupteten Verhalten der 

Beklagten gegenüber H._____, für den vorliegenden Fall ableiten will, bleibt un-

klar. Die Klägerin stellt auch keine konkreten Behauptungen dazu auf, welche 

Handlungen von H._____ die Klägerin getäuscht haben sollen. Es ist daher davon 

auszugehen, dass die Klägerin nach wie vor den Standpunkt vertritt, dass die von 

C._____ anlässlich der Präsentation vom 11. September 2018 gemachten Aus-

sagen die massgebliche Täuschungshandlung waren. Dies ergibt sich zumindest 

teilweise auch explizit aus der Replik (z.B. act. 31 Rz. 651). Die Äusserungen in 

der Präsentation beschreibt die Klägerin zum Teil sehr ausführlich und repetitiv, 

- 22 - 

wobei nicht immer leicht festzustellen ist, welche der behaupteten Aussagen ihrer 

Meinung nach falsche Tatsachen enthalten (z.B. act. 1 Rz. 27-34 und act. 31 

Rz. 220-245). In der Klageschrift verwendete sie gar die unsubstantiierte Formu-

lierung "Dass beinahe alle Aussagen von Herrn C._____ vom 11. September 2018 unzutreffend 
waren (…)" (act. 1 Rz. 8). Die von der Klägerin erkennbar als falsch beurteilten 
Aussagen werden nachfolgend unter entsprechenden Stichworten zusammenge-

fasst und gewürdigt (Erw. 4.4.4.– 4.4.11.).  

Die Beklagte vertritt vorwiegend die Ansicht, dass die in der Präsentation ge-

machten Aussagen wahr sind. Die Vorwürfe von K._____ bezeichnet sie als un-

gerechtfertigte Verleumdungen. In einzelnen Fällen bestreitet sie, dass die Aus-

sagen in der behaupteten Form überhaupt gemacht wurden. Die konkreten Be-

streitungen der Beklagten werden nachfolgend im Zusammenhang mit den ein-

zelnen Vorwürfen wiedergegeben. 

4.4.4. Leistung 

4.4.4.1. Parteibehauptungen 

Die Klägerin behauptet, C._____ habe in der Präsentation gesagt, der revolutio-

näre PVT-Kollektor der Beklagten erzeuge im Vergleich zu einem herkömmlichen 

PV-Kollektor 400% mehr Leistung, was einem fünffach so hohen Wirkungsgrad im 

Vergleich zu herkömmlichen PV-Kollektoren entspreche. Der Gesamtwirkungs-

grad von 73% könne voll genutzt werden (insb. act. 1 Rz. 3, 8.2. und 28). Diese 

Angaben seien falsch. Der Wirkungsgrad des PVT-Kollektors der Beklagten be-

trage auf ein Jahr gesehen lediglich das 2.4-fache im Vergleich zu einem her-

kömmlichen PV-Kollektor (act. 31 Rz. 214). Berechnungen von K._____, wonach 

der Jahreswirkungsgrad nur bei 2 bis 2.5 liege, hätten sich im Bericht des 

O._____ bestätigt (act. 31 Rz. 282 f.). Für Investoren sei entscheidend, wie der 

Gesamtenergieertrag während allen vier Jahreszeiten ausfalle und nicht wie hoch 

der Ertrag an einem einzigen Tag oder in einem kurzen Moment sein könne 

(act. 31 Rz. 350). Zum Beweis der Unrichtigkeit der Aussagen zum Wirkungsgrad 

stützt sich die Klägerin auf einen Bericht sowie ein Schreiben des O._____ in 

- 23 - 

P._____ (act. 3/56 und 3/59), die Sachverhaltsdarstellung von K._____ (act. 3/35) 

und die als Beweis offerierte Zeugenaussage von K._____.  

Es ist unbestritten, dass C._____ die behaupteten Aussagen zur Leistung ge-

macht hat. Die Beklagte erachtet diese Aussagen als wahr. Sie stützt sich dabei 

im Wesentlichen auf einen Messbericht des Q._____ vom 9. August 2018 (act. 

3/37). 

4.4.4.2. Würdigung 

Die behaupteten Aussagen zur Leistung ergeben sich im Wesentlichen aus den 

Folien der PowerPoint-Präsentation, welche unbestrittenermassen so gezeigt 

wurden (act. 14/59). Teil der Präsentation war auch ein Auszug aus dem Messbe-

richt des Q._____ (act. 3/37 S. 37, act. 14/59 S. 9). Um die beanstandeten Werte 

nachvollziehen zu können, ist vorauszuschicken, dass der Wirkungsgrad das 

Verhältnis von Nutzenergie zu zugeführter Energie bzw. von Nutzleistung zu zu-

geführter Leistung beschreibt. Beim Hybridkollektor der Beklagten ergibt sich der 

Wirkungsgrad gemäss Angaben der Beklagten einerseits aus dem elektrischen 

Wirkungsgrad der Photovoltaikmodule und anderseits aus dem thermischen Wir-

kungsgrad des Kollektors. Dies wird von der Klägerin nicht bestritten. Der elektri-

sche Wirkungsgrad des PVT-Kollektors der Beklagten ergibt sich gemäss unbe-

strittenen Aussagen der Beklagten aus den Herstellerangaben und beläuft sich 

auf 17% (act. 39 Rz. 3.2.3.3). Den behaupteten thermischen Wirkungsgrad von 

55 % entnimmt die Beklagte der Tabelle 5.5.3 des Berichts des Q._____s vom 

9. August 2018 (act. 3/37 S. 37). Dort sind für verschiedene Messungen verschie-

dene thermische Wirkungsgrade aufgeführt. In einer dieser Messungen wurde ein 

Wirkungsgrad von 0.539 ermittelt, was rund 55 % entspricht. Zusammengezählt 

ergibt dies einen Gesamtwirkungsgrad von 72 %. In ihrer Stellungnahme zu Dup-

liknoven stellt die Klägerin denn auch nicht in Abrede, dass der behauptete Ge-

samtwirkungsgrad von 73 % gemessen wurde (act. 50 Rz. 10). Die Klägerin 

scheint die Angabe des Wirkungsgrades von 73 % vor allem deshalb als täu-

schend zu erachten, weil der fragliche Wert unter Laborbedingungen und nicht in 

einem Feldtest erreicht wurde. Für Investoren sei der Gesamtenergieertrag in al-

len vier Jahreszeiten relevant (act. 50 Rz. 10). Dass auch der unter realen Bedin-

- 24 - 

gungen zu erzielende Energieertrag über das ganze Jahr von Interesse ist, ist 

nicht zu bezweifeln. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Aussage von 

C._____ zur Leistung des beklagtischen PVT-Moduls nicht falsch war, da die 

Messungen tatsächlich gemacht wurden. Die Präsentation stützt sich hier eindeu-

tig auf die Messungen des Q._____s, die Folien sind entsprechend auch mit 

"Q._____ Leistungsbestimmung" betitelt und enthalten Auszüge aus dem Bericht des 
Q._____s. Dass es sich dabei um Messungen unter Laborbedingungen handelt, 

ergibt sich nicht zuletzt auch aus Folie 6 der Präsentation, welche die Versuchs-

anordnung fotografisch darstellt. Nichts impliziert, dass die Resultate in einem 

Feldversuch unter realen Bedingungen über ein ganzes Jahr hinaus gewonnen 

wurden. Es ist auch nicht derart abwegig, wie es die Klägerin darstellt, mit Labor-

werten zu arbeiten. Dies gilt insbesondere in einem frühen Stadium der Entwick-

lung einer technischen Anlage. Laborwerte können ein Bild davon vermitteln, 

wozu die Anlage grundsätzlich in der Lage ist, und sie vereinfachen die Ver-

gleichbarkeit mit anderen Anlagen. Vor diesem Hintergrund können die Angaben 

der Beklagten zum Wirkungsgrad auch nicht mit jenen von K._____ (act. 3/35 

S. 8) und des O._____s (act. 3/56) verglichen werden, da sich diese explizit auf 

Jahreswirkungsgrade beziehen.  

Sollte ein Laborversuch vielversprechend ausfallen, so ist es nachvollziehbar und 

legitim, dass das positive Ergebnis hervorgehoben wird. Vor dem Hintergrund, 

dass der Wirkungsgrad einer PVT-Anlage von einer Vielzahl von Faktoren beein-

flusst wird und in einem Test über einen längeren Zeitraum und unter realen Be-

dingungen anders ausfallen könnte, könnte man die Aussage über die Leistung 

des Kollektors der Beklagten allenfalls als verkürzend bezeichnen. Dies ist im vor-

liegenden Kontext jedoch nicht problematisch. Die gesamte Präsentation hatte 

anpreisenden Charakter. Es ging nicht darum, sämtliche technischen Einzelheiten 

des Kollektors, der Prüfverfahren und dessen Vor- und Nachteile im Detail zu er-

örtern. Vielmehr lassen die unbestrittenen Inhalte der Präsentation darauf schlies-

sen, dass es das Ziel war, die Beklagte und ihr Produkt in einem möglichst guten 

Licht erscheinen zu lassen und die Vorteile und die besten Ergebnisse hervorzu-

heben. Der anpreisende Charakter widerspiegelt sich denn auch in der Wortwahl, 

indem mit eindeutig wertenden Begriffen wie "Neuheit", "revolutionär", "preiswert", 

- 25 - 

"Schlüssel zum Erfolg" operiert wird. Verkürzende Aussagen sind in diesem Umfeld 
zu erwarten.  

Die Klägerin beanstandet ferner die – soweit ersichtlich unbestritten gebliebene –

Aussage, dass der Wirkungsgrad "voll genutzt" werden könne, ohne darzulegen, 

inwiefern diese Aussage falsch ist. Act. 31 Rz. 264 ff. lässt vermuten, dass die 

Klägerin darauf anspielt, dass die in Form von Wärme gewonnene Energie in den 

Sommermonaten zufolge geringeren Heizbedarfs nicht vollständig genutzt werden 

kann. Bekanntlich ist der Bedarf an Wärme im Sommer geringer, zumindest was 

übliche Haushalte betrifft. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Wärme ge-

nutzt werden könnte, wenn im konkreten Fall ein entsprechender Bedarf besteht. 

Ebenfalls denkbar ist die Speicherung von Wärme mithilfe von entsprechenden 

Anlagen. Die Aussage zur Leistung ist demnach nicht falsch, sondern auch hier 

höchstens im Sinne einer Anpreisung verkürzt. 

4.4.5. Kosten 

4.4.5.1. Parteibehauptungen 

Die Klägerin behauptet sodann, C._____ habe in der Präsentation erklärt, dass 

die Mehrkosten im Vergleich zu einem herkömmlichen PV-Kollektor bei ca. 30% 

lägen (insb. act. 1 Rz. 3, 8.2 und 28). Diese Angabe sei ohne Kostenkalkulation 

aufgestellt worden und sei falsch. Die Beklagte habe unterschlagen, dass (im Ge-

gensatz zu einem herkömmlichen PV-Kollektor, act. 31 Rz. 342) zusätzlich zu den 

PVT-Modulen erhebliche Mehrkosten für weitere notwendige Anlagen und deren 

Installation anfielen, die den PVT-Kollektor unwirtschaftlich machen würden. In 

Bezug auf die Unrichtigkeit der Darstellung der Kosten beruft sich die Klägerin auf 

einen Bericht der R._____ GmbH (act. 3/57) sowie auf die Sachverhaltsdarstel-

lung von K._____ (act. 3/35) und dessen Zeugenaussage. Dass eine PVT-Anlage 

massive Mehrkosten nach sich ziehe, zeige sich auch in der Berechnung der 

Mehrkosten für die Überbauung in S._____ durch die T._____ AG (act. 31 

Rz. 288, act. 32/72). Überdies habe die Geschäftsleitung in act. 3/47 selber ein-

gestanden, dass die Angabe von 30 % Mehrkosten aus dem Hut gezaubert wor-

den sei (act. 1 Rz. 80.7). 

- 26 - 

Die Beklagte bestreitet, dass die Aussage "nur geringe Mehrkosten von ca. 30 %" 

an der Präsentation gemacht worden sei (act. 13 Rz. 4.1.7.2). Vielmehr seien auf 

S. 16 der Präsentationsunterlagen nur die geschätzten Einkaufs- und Produkti-

onskosten für ein herkömmliches PV-Panel einerseits und die beiden von der Be-

klagten entwickelten PVT-Panele U._____ (ohne Treibhauseffekt) und V._____ 

(mit Treibhauseffekt) andererseits einzeln aufgelistet und einander gegenüberge-

stellt worden. Um die Vergleichbarkeit zu ermöglichen, seien lediglich die für die 

Panele geschätzten Kosten verglichen worden. Mehr sei am Treffen vom 11. Sep-

tember 2018 nicht gesagt worden (act. 39 Rz. 3.2.4.1). 

4.4.5.2. Würdigung 

Die Klägerin beruft sich zunächst auf die Präsentationsunterlagen. Diesen kann 

die behauptete Aussage, wonach die Mehrkosten für den von der Beklagten ent-

wickelten PVT-Kollektor mit fünffachem Wirkungsgrad im Vergleich zu einem her-

kömmlichen PV-Kollektor bei ca. 30 % lägen, bei genauerem Hinsehen gar nicht 

entnommen werden. Auf Seite 16 der Präsentationsunterlagen sind drei verschie-

dene Kollektormodelle aufgeführt. Die beiden B._____-Kollektoren sind dabei in 

Einzelteile zerlegt dargestellt und mit Preisen pro Einzelteil versehen. Für jedes 

Kollektormodell ist eine Summe angegeben: 

… [Bild aus der Präsentation] 

Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass es sich bei diesen Sum-

men um Einkaufs- und Produktionskosten handelt. Vergleicht man die aufgeführ-

ten Beträge, ergibt sich, dass die Kosten des B._____-Moduls V._____, für wel-

ches der hier umstrittene Gesamtwirkungsgrad von 73% angegeben wird, mit 

CHF 161.– rund 53 % höher sind als die Kosten für das Standard Modul W._____ 

mit CHF 105.–. Für ein anderes als U._____ bezeichnetes Kollektormodell wer-

den Kosten von CH 142.– angegeben. Damit wären die Kosten dieses Moduls 

etwa um 35 % höher als jene des Standard Moduls W._____. Für dieses Modell 

würde demnach die Behauptung "ca. 30 % Mehrkosten" zutreffen, allerdings er-

zielt dieses Modul einen Gesamtwirkungsgrad von nur 20 % und stützt die kläge-

rische Darstellung nicht.  

- 27 - 

Sodann werden in der Darstellung klarerweise nur die Kosten der einzelnen Mo-

dule verglichen und nicht etwa die Gesamtkosten einer ganzen Anlage. Die Dar-

stellung impliziert auch nicht, dass gar eine abschliessende Wirtschaftlichkeitsbe-

rechnung vorgenommen wurde. Es entsteht sogar der Eindruck, dass nur reine 

Materialkosten für die einzelnen Komponenten und nicht einmal Fertigungskosten 

in das Kostentotal eingeflossen sind. Insgesamt ist die in den Präsentationsunter-

lagen enthaltene Kostenaufstellung derart knapp und lückenhaft, dass – gerade 

für die geschäftserfahrenen Adressaten der Präsentation – klar sein musste, dass 

sie höchstens eine grobe Kostenschätzung oder ein Kostenziel beinhalten kann 

und schon gar keine abschliessende Gesamtrechnung darstellt. 

Auch das Dokument "Stellungnahme der Geschäftsleitung zu den Behauptungen 

im Schreiben von Herrn RA Dr. AA._____ vom 11.01.2019" (act. 3/47) vermag 

nicht zu beweisen, dass die behauptete Äusserung betreffend 30 % Mehrkosten 

in der behaupteten Form an der Veranstaltung vom 11. September 2018 gemacht 

wurde. Sowohl die entsprechenden Fragen von Dr. AA._____ (act. 3/46 Ziff. 4.6, 

4.7 und 4.8) als auch die Antwort der Geschäftsleitung sind sehr offen formuliert 

und beziehen sich weder auf Aussagen an der Präsentation vom 11. September 

2018 noch auf ein bestimmtes Kollektormodell, und haben daher keine Beweis-

kraft in Bezug auf die klägerische Behauptung. 

Ferner beruft sich die Klägerin auf eine Aktennotiz, welche vom Investor N._____ 

während der Präsentation geschrieben worden sein soll (act. 3/12). Die Beklagte 

bestreitet, dass die Aktennotiz den Ausführungen von C._____ an der Präsentati-

on vom 11. September 2018 entspricht (act. 13 Rz. 4.5.2.2). Entgegen der An-

sicht der Klägerin lässt die stichwortartige und schlecht lesbare handschriftliche 

Notiz keine Schlüsse darauf zu, ob die behauptete Aussage an der Präsentation 

tatsächlich so gemacht wurde. Es kann nicht zuverlässig verifiziert werden, wer 

diese Notiz wann geschrieben hat und ob diese Person die Ausführungen erstens 

richtig verstanden und zweitens korrekt aufgeschrieben hat. Bereits jetzt kann 

vorweggenommen werden, dass auch die offerierten Zeugenaussagen von 

H._____, N._____ und E._____ diesbezüglich keinen Erkenntnisgewinn bringen 

würden. Aufgrund dessen, dass sie bzw. die von ihnen vertretenen Gesellschaf-

- 28 - 

ten sich allesamt mit der Beklagten bzw. deren Organe wegen angefochtener In-

vestitionsentscheide in Rechtsstreiten befinden, haben sie ein offenkundiges Inte-

resse am Prozessausgang. Dieser Umstand schmälert den Beweiswert der zu 

erwartenden Bestätigung der behaupteten Aussage so stark, dass erhebliche 

Zweifel bestehen bleiben würden, ob die Aussage tatsächlich so gemacht wurde.  

Somit gelingt der Beweis dafür nicht, dass C._____ in der Präsentation die Mehr-

kosten der PVT-Anlage mit den beklagtischen Modulen im Sinne einer definitiven 

und vollständigen Mehrkostenberechnung auf 30 % beziffert hat. 

4.4.6. Q._____ 

4.4.6.1. Parteibehauptungen 

Weiter behauptet die Klägerin, dass C._____ in der Präsentation gesagt habe, 

das Q._____ habe die Leistungsfähigkeit und die Funktionsweise des 36-Zellen-

PVT-Kollektors vorzertifiziert. Das Institut habe dabei bestätigt, dass der PVT-

Kollektor einen fünffach so hohen Wirkungsgrad wie ein herkömmlicher PV-

Kollektor aufweise (act. 31 Rz. 230). C._____ habe in diesem Zusammenhang 

zwar darauf hingewiesen, dass die Zertifizierung dieses Kollektors mittels einer 

Langzeitstudie durch das Q._____ noch ausstehend sei, aber aufgrund der Vor-

zertifizierung nur eine Formsache und unproblematisch sei (act. 31 Rz. 234). Die 

Klägerin ist der Ansicht, im Messbericht des Q._____ sei nirgends von einem Ge-

samtwirkungsgrad von 73 % die Rede. Die Messungen des Instituts seien viel-

mehr nur Momentaufnahmen unter idealen Laborbedingungen. Unter realen Be-

dingungen würde dieser Wert nie erreicht (act. 31 Rz. 232). Da nur Werte unter 

Laborbedingungen gemessen und vereinzelte Aspekte geprüft worden seien, lie-

ge auch keine Vorzertifizierung vor. Das als Formsache bezeichnete in Aussicht 

gestellte Zertifizierungsverfahren sei nie eingeleitet worden. Stattdessen habe die 

Beklagte einen Strategiewechsel vorgenommen und mitgeteilt, dass auf eine Zer-

tifizierung verzichtet werde (act. 31 Rz. 259).  

Die Beklagte bestreitet nicht, dass die behaupteten Aussagen an der Präsentation 

gemacht wurden. Sie stellt sich auf den Standpunkt, die Aussagen seien richtig, 

- 29 - 

da das Q._____ den Gesamtwirkungsgrad von 73 % bestätigt habe. Die Leis-

tungsmessung des Instituts sei in der Präsentation korrekt wiedergegeben worden 

(act. 39 Rz. 3.2.3.3). Dass ein Strategiewechsel zugunsten des 72-Zellen-Moduls 

stattgefunden hat, bestreitet die Beklagte nicht. Sie macht diesbezüglich geltend, 

dass E._____ in den Entscheid eingebunden gewesen sei, und beruft sich auf das 

Besprechungsprotokoll des Workshops vom 5./6. November 2018 (act. 39 

Rz. 4.6.12, act. 3/29). Die Klägerin bestreitet, dass in diesem Workshop etwas 

beschlossen wurde (act. 31 Rz. 466). Sie macht geltend, C._____ habe den 

Workshop-Teilnehmern lediglich die Entscheidung mitgeteilt, den Fokus auf das 

72-Zellen-Modul zu verlegen (act. 1 Rz. 46 f.). 

4.4.6.2. Würdigung 

Das Q._____ erstellte mit Datum vom 8. August 2018 einen Messbericht mit dem 

Titel "…, Standortbestimmung zum PVT-Kollektorkonzept" (act. 3/37). Dessen erklärtes Ziel 
ist es, das PVT-Kollektorkonzept der Beklagten zu bewerten. Als Bewertungspa-

rameter werden dabei die Eignung zur Solar Keymark Zertifizierung sowie IEC-

Zertifizierung des PVT-Kollektors durch ausgesuchte Qualitäts- und Dauerhaftig-

keitstests und Leitungsprüfungen aus dem Spektrum der genannten Zertifizie-

rungsverfahren genannt (act. 3/37 S. 7). Getestet wurde ein Kollektor der Beklag-

ten, welcher nicht näher bezeichnet wird, dessen Aufbau jedoch beschrieben wird 

(act. 3/37 S. 8). Das getestete Photovoltaikmodul enthält unbestrittenermassen 36 

Zellen (act. 3/37 S. 11). Wie bereits ausgeführt, hat das Q._____ die dem be-

haupteten Wirkungsgrad von rund 73 % zugrundeliegenden Werte bei diesem 

Modul tatsächlich gemessen, weshalb die Aussage, dass der Gesamtwirkungs-

grad von 73 % vom Q._____ bestätigt worden sei, nicht falsch, sondern höchs-

tens verkürzt ist, zumal das Q._____ mehrere Messungen mit unterschiedlichen 

Leistungswerten vorgenommen hat (vgl. Erw. 4.4.4.2.). Dass im Rahmen einer 

Präsentation wie der vorliegenden das beste Messergebnis hervorgehoben wird, 

liegt im Bereich der erlaubten Anpreisung. 

Überdies liegt ein weiterer Bericht des gleichen Instituts mit dem Titel "Abschlussbe-
richt …, Qualitätsprüfungen an PVT-Kollektoren" vom 24. September 2018 vor (act. 3/38). 
Dabei wurden an drei PVT-Kollektoren der Beklagten verschiedene Belastungs-

- 30 - 

prüfungen durchgeführt (act. 3/38 S. 6 f.). Die Beklagte ist der Meinung, mit die-

sen beiden Berichten des Q._____s liege eine Vorzertifizierung vor, was die Klä-

gerin zumindest teilweise zu bestreiten scheint (z.B. act. 1 Rz. 8). Die Klägerin 

legt aber nicht dar, was ihrer Meinung nach unter einer Vorzertifizierung im vorlie-

genden Zusammenhang zu verstehen wäre. Eine entsprechend substantiierte 

Behauptung wäre aber notwendig, um zu beurteilen, ob die vorliegenden Berichte 

bereits eine Vorzertifizierung darstellen oder nicht. Ebenso legt die Klägerin nicht 

dar, welche Schritte nach einer Vorzertifizierung noch notwendig wären, um eine 

Zertifizierung zu erlangen. Daher kann auch nicht beurteilt werden, ob die be-

hauptete Aussage, dass die Zertifizierung nur noch Formsache sei, falsch ist. 

Teilweise scheint die Klägerin aber auch zu beanstanden, dass die Beklagte mit 

dem Begriff der Vorzertifizierung einen Terminus verwendet habe, den es gar 

nicht gibt (z.B. act. 31 Rz. 251). Tatsächlich findet sich dieser Begriff in den Be-

richten selber nicht. Es könnte sich um eine inoffizielle Bezeichnung dieser, der 

eigentlichen Zertifizierung vorangehenden Prüfungen handeln. Immerhin soll ge-

mäss Bericht vom 9. August 2018 die Eignung des PVT-Kollektorkonzepts der 

Beklagten zur Solar Keymark Zertifizierung und zur IEC-Zertifizierung durch ver-

schiedene Tests aus diesen Zertifizierungsverfahren beurteilt werden (act. 3/37 

S. 7). Demnach besteht durchaus ein Bezug dieser Berichte zu einer möglichen 

Zertifizierung, und eine Interpretation als Vorstufe der Zertifizierung ist nicht gänz-

lich aus der Luft gegriffen. Die Verwendung des Begriffs Vorzertifizierung kann 

demnach nicht als falsch bezeichnet werden. 

Es ist unbestritten, dass es in der Folge aufgrund eines Strategiewechsels nicht 

zur Zertifizierung der in den beiden Berichten geprüften 36-Zellen-Kollektoren ge-

kommen ist (act. 13 Rz. 4.11.4). Gemäss Angaben der Beklagten wurde in einem 

Workshop am 5./6. November 2018 entschieden, dass der 36-Zellen-Kollektor auf 

dem Stand der Vorzertifizierung belassen werden soll, während der 72-Zellen-

Kollektor vorzertifiziert und anschliessend zertifiziert werden soll, da dieser in der 

Produktion günstiger sei (act. 13 Rz. 3.13.7, 3.20.8). Im Besprechungsprotokoll 

des Workshops wird Folgendes festgehalten (act. 3/29 S. 6): 

 

- 31 - 

"Produktpriorisierung: 
- Das 36er-Modul soll nicht zertifiziert werden. Trotzdem kann/soll es an Interessenten verkauft 

werden, wenn diese die Vorzertifizierung akzeptieren. 
- Der Fokus liegt auf dem effizienteren 72-er Modul. 
 - Vorzertifizierung durch Hr. AB._____ (bis Jan. 2019) 
 - Vorzertifizierung durch Q._____ (bis Feb. 2019) Zertifizierung durch Q._____ 
Es wurden keine Einträge für das Inhaltsverzeichnis gefunden. (bis Okt. 2019)" 

Die Klägerin behauptet nicht, dieser Strategiewechsel sei bereits vor Vertrags-

schluss festgestanden und von der Beklagten verheimlicht worden. Ob darüber 

anlässlich des Workshops entschieden wurde und von wem, ergibt sich nicht aus 

dem Besprechungsprotokoll. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass erst nach 

Vertragsschluss ein Strategiewechsel zugunsten des Moduls mit 72 Zellen statt-

gefunden hat und dies im Workshop vom 5./6. November 2018 zumindest thema-

tisiert wurde. Bei der Beklagten handelt es sich um ein Start-up-Unternehmen (so 

explizit act. 3/3 Präambel), dessen Kernprodukt sich noch im Entwicklungsstadi-

um befindet. Anpassungen der Strategie aufgrund von neuen Erkenntnissen hin-

sichtlich Produktion und Produktionskosten sind in diesem Stadium normal und 

aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung zu erwarten. Bei der vorliegenden 

Anpassung wurde ausserdem kein gänzlich neues Produkt ins Spiel gebracht; 

vielmehr wurde der Fokus von einem Produkt der Palette auf ein anderes gerich-

tet, wobei sich dieses nur durch die Anzahl der verwendeten Zellen unterscheidet. 

Die Idee und der Funktionsmechanismus blieben dieselben. Ein derartiger Strate-

giewechsel nach erfolgtem Investment indiziert unter den konkreten Umständen 

keine Täuschungshandlung. Dass sich im Übrigen auch die Klägerin von diesem 

Strategiewechsel nicht überrascht zeigte, wird im Zusammenhang mit dem Irrtum 

und der Kausalität erörtert (vgl. Erw. 4.6.3. und Erw. 4.7.4.7.). 

4.4.7. Testanlage AC._____ 

4.4.7.1. Parteibehauptungen 

Sodann behauptet die Klägerin, C._____ habe in der Präsentation ausgeführt, 

dass eine seit 2017 laufende Langzeitstudie in einer Testanlage in AC._____ stö-

- 32 - 

rungsfrei verlaufen sei und hervorragende Messdaten ergeben habe. Die Lang-

zeitstudie in AC._____ bestätige die vom Q._____ gemessenen Zahlen und die 

Funktion des PVT-Kollektors. Überdies zeige die Testanlage, dass der Wirkungs-

grad von 73 % voll genutzt werden könne (act. 31 Rz. 235 f.). Diese Aussagen 

seien falsch, da in der Testanlage in AC._____ mangels der hierfür nötigen Infra-

struktur überhaupt keine Messdaten erhoben worden seien. Der Kollektor, den 

das Q._____ geprüft habe, sei auch nicht auf der Testanlage installiert gewesen, 

sondern nur eine Vorläuferversion (act. 31 Rz. 274, act. 32/111). Der Betrieb der 

Testanlage sei darüber hinaus auch nicht störungsfrei verlaufen. Bei mehreren 

der installierten PVT-Kollektoren habe die Dichtung versagt und Wasser sei aus-

gelaufen, weshalb die Solarpumpe mindestens eine Woche trocken gelaufen sei. 

Ausserdem sei eine der Glasscheiben zersprungen. Ferner habe sich beim Be-

trieb der PVT-Kollektoren immer wieder Luft angesammelt, welche die Energie-

übertragung vom Solarspeicher zum Heizungsspeicher verhindert habe 

(act. 31/277 ff.). Als Beweis für ihre Behauptungen stützt sich die Klägerin auf die 

schriftlichen Unterlagen zur Präsentation (act.14/59), die Aktennotiz von N._____ 

(act. 3/12), die schriftliche Sachverhaltsdarstellung von K._____ (act. 3/35) und 

die Stellungnahme der Geschäftsleitung (act. 3/47). Weiter offeriert sie als Beweis 

die Zeugenaussagen von K._____, H._____, N._____ und E._____. 

Die Beklagte bestreitet nicht, dass in AC._____ keine Langzeitmessungen an den 

36-Zellen-Kollektoren vorgenommen worden waren. Solche seien in der Präsen-

tation auch nicht erwähnt oder versprochen worden. Vielmehr sei die Testanlage 

in AC._____ erläutert worden, wo verschiedene Kollektortypen und Betriebssys-

teme auf ihre Funktion getestet und mit vor Ort erhobenen momentanen Mess-

werten geprüft worden seien (act. 13 Rz. 4.1.6.2). Im Juni 2018 seien auf der Tes-

tanlage in AC._____ fünf Stück des 36-Zellen-Kollektors zur Prüfung der Ther-

mohydraulik des Batchsystems installiert worden, jedoch nicht zum Zweck von 

Langzeitmessungen (act. 13 Rz. 4.1.11.5). Die Beklagte beruft sich diesbezüglich 

auf die schriftlichen Unterlagen zur Präsentation (act. 14/59) und die Aktennotiz 

von N._____ (act. 3/12). Dass in AC._____ die behaupteten Probleme aufgetre-

ten sind, bestreitet die Beklagte – soweit ersichtlich – nicht. Sie bezeichnet diese 

Probleme im Wesentlichen als durch externe Faktoren verursachte Materialschä-

- 33 - 

den, wie sie bei jeder Testanlage vorkämen und nichts mit der Kollektor-

Entwicklung der Beklagten zu tun hätten (act. 13 Rz. 3.3.2 ff.). 

 

4.4.7.2. Würdigung 

Die von der Klägerin zum Beweis offerierten schriftlichen Unterlagen zur Präsen-

tation enthalten zur Testanlage AC._____ nur diese Folie: 

… [Abbildung der Folie, die ein Foto der Testanlage aus der Luft zeigt] 

Dieser sehr knapp gehaltenen Folie kann lediglich die Existenz einer Testanlage 

in AC._____ entnommen werden. Es ist nicht ersichtlich, welche Modelle wie lan-

ge und hinsichtlich welcher Faktoren getestet wurden. Die Aussage, dass jenes 

Modul, welches auch Gegenstand der Berichte des Q._____ ist, hier im Rahmen 

einer Langzeitstudie getestet wurde, kann den schriftlichen Präsentationsunterla-

gen jedenfalls nicht entnommen werden, auch dann nicht, wenn die gesamten 

Präsentationsunterlagen im Sinne eines Gesamteindrucks einbezogen werden. 

Auch das Attribut "störungsfreier Betrieb seit April 2017" impliziert keine Langzeit-

studie. Die als Beweis angebotene Aktennotiz von N._____ bestätigt zwar die 

Aussage, wonach in AC._____ eine Langzeitstudie durchgeführt worden sei. An-

dererseits weist die Beklagte zu Recht darauf hin, dass dieselbe Notiz im Zu-

sammenhang mit der Zertifizierung auf das Fehlen einer Langzeitstudie hinweist 

und sich insofern widerspricht (act. 3/12). Hinzu kommt, dass der Beweiswert der 

Aktennotiz aus bereits dargelegten Gründen ohnehin sehr gering ist (vgl. Erw. 

4.4.5.2.). Entgegen der Darstellung der Klägerin hat die Geschäftsleitung der Be-

klagten auch in der Stellungnahme vom 29. Januar 2019 nicht eingeräumt, dass 

in der Präsentation tatsachenwidrig von einer Langzeitstudie in AC._____ gespro-

chen wurde. Darin hat sie vielmehr festgehalten, dass es kein funktionierendes 

Monitoring mittels Daten-Fernübertragung gegeben habe, mit der Testanlage aber 

dennoch bestimmte Funktionen hätten getestet werden können. Die Testmodule, 

welche zwecks Vorzertifizierung beim Q._____ gewesen seien, seien nur deshalb 

auf der Testanlage installiert worden, um zu testen, ob der Batch-Betrieb für die-

- 34 - 

sen Typ gut funktioniere. Eine aussagekräftige Testreihe mit Erfassung aller Da-

ten hätte technische Anpassungen der Anlage erfordert (act. 3/47 S. 8 ff.). Auch 

die als Beweis offerierten Zeugenaussagen von H._____, N._____ und E._____ 

könnten die Behauptung der Klägerin nicht beweisen, da die Aussagen dieser 

Personen aufgrund ihrer offenkundigen eigenen Interessen am Prozessausgang 

erhebliche Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussagen begründen würden (vgl. Erw. 

4.4.5.2.). Eine Einvernahme von K._____ erübrigt sich bereits deshalb, weil er an 

der Präsentation nicht anwesend war. Damit bleibt die Behauptung zur Langzeit-

studie in der Testanlage AC._____ unbewiesen. Es bleibt die Frage, ob die unbe-

strittenermassen in der Testanlage AC._____ aufgetretenen Probleme die Formu-

lierung "störungsfreier Betrieb" noch erlauben oder ob damit bereits eine falsche 

Aussage vorliegt. Die Klägerin stellt nicht in Abrede, dass die Probleme auf exter-

ne Fehler zurückzuführen sind, z.B. Materialfehler (act. 31 Rz. 280 f.). Sie ist den-

noch der Meinung, dass diese Probleme den Investoren gegenüber hätten er-

wähnt werden müssen (act. 31 Rz. 598). Störung ist ein weiter Begriff. Im vorlie-

genden Kontext (Produkt im Entwicklungsstadium, komplexe Testanlage) kann 

kaum jedes auftretende Problem als Störung betrachtet werden, welche potentiel-

len Investoren mitgeteilt werden müsste. Insbesondere, wenn es sich um Proble-

me handelt, welche nicht von der Beklagten zu verantworten sind und nicht die 

Funktionsfähigkeit des eigentlichen Produkts betreffen und leicht zu beheben 

sind, scheint es vertretbar, solche Probleme im Rahmen einer Präsentation vor 

Investoren nicht explizit zu thematisieren und von einem störungsfreien Betrieb zu 

sprechen. Die Aussagen zur Testanlage AC._____ sind demnach nicht als täu-

schend einzustufen. 

4.4.8. Produktions- und Auftragslage 

4.4.8.1. Parteibehauptungen 

Weiter behauptet die Klägerin, C._____ habe in der Präsentation ausgeführt, für 

die Produktion bestehe eine Kooperation mit der AD._____ GmbH in AE._____ 

(D) und die Produktion sei bereits angelaufen. Die Produktionskapazität der 

AD._____ GmbH von bis zu 20'000 Solarpanels könne man sofort abrufen. Es lä-

gen bereits Bestellungen der AF._____ sowie im Zusammenhang mit einer 

- 35 - 

Wohnanlage in S._____ vor. Mit dem AG._____ Spital Zürich stünden Vertrags-

abschlüsse unmittelbar bevor (act. 1 Rz. 32, act. 31 Rz. 238, 577). Die Klägerin 

beruft sich auf die schriftlichen Unterlagen der Präsentation (act. 14/59), die Notiz 

von N._____ (act. 3/12) und offeriert darüber hinaus H._____, N._____ und 

E._____ als Zeugen. In ihrer Replik vom 28. Februar 2020 erachtet die Klägerin 

die Aussage betreffend Produktion insofern als unwahr, als die Produktion bis 

heute nicht angelaufen sei (act. 31 Rz. 161, 450). Auf die behaupteten Aussagen 

zur Auftragslage (AG._____, AF._____) geht die Klägerin nicht weiter ein und 

macht auch nicht deren Unwahrheit geltend. Sie scheint daraus keine Täuschung 

abzuleiten, weshalb hier nicht weiter darauf einzugehen ist. 

Die Beklagte bestreitet, dass in der Präsentation gesagt worden sei, dass die 

Produktion laufe und 2019 20'000 Paneele produziert werden sollten. Sie beruft 

sich vor allem auf die Aussagen von E._____ in der polizeilichen Einvernahme 

(act. 39 Rz. 3.2.6.1 f.). In der Klageantwort führt sie aus, dass die Produktion der 

PVT-Kollektoren "in diesem Monat" (also im September 2019) angelaufen sei 

(act. 13 Rz. 2.13). Im Übrigen werde aus den Ereignissen nach Vertragsschluss 

deutlich, dass viele Fragen der Produktion, insbesondere des Produktionspartners 

und des Produktionsortes, noch offen gewesen seien, wobei E._____ aktiv an den 

entsprechenden Abklärungen und Diskussionen beteiligt gewesen sei (act. 39 

Rz. 3.2.6.5 ff.). 

4.4.8.2. Würdigung 

Es scheint unbestritten zu sein, dass zumindest bis im September 2019 die Pro-

duktion der PVT-Kollektoren der Beklagten nicht gestartet ist. Die Aussage, dass 

die Produktion laufe und 2019 20'000 Paneele produziert werden sollen, findet 

sich in den schriftlichen Unterlagen nicht. Die Handnotizen von N._____ enthalten 

zwar einige Stichworte hierzu, welche sich mit den klägerischen Behauptungen 

decken. Aus bereits dargelegten Gründen (vgl. Erw. 4.4.5.2.) erbringen diese No-

tizen keinen hinreichenden Beweis für das in der Präsentation Gesagte. Auch von 

den offerierten Zeugeneinvernahmen kann aus bereits genannten Gründen kein 

verlässlicher Beweis erwartet werden (vgl. Erw. 4.4.5.2.). Hingegen ist der Be-

klagten darin zuzustimmen, dass die klägerische Behauptung den Aussagen von 

- 36 - 

E._____ in der polizeilichen Einvernahme widerspricht. Dort hat er nämlich ausge-

führt: "Ich war mir des Risikos einer solchen Investition bewusst. Aussage C._____: Alle Risiken 
sind raus, es muss nur noch produziert werden. Es blieb nur noch das Risiko, dass die Produktion 
nicht funktioniert." (act. 40/2 Frage 190). Darüber hinaus hat die Klägerin sogar sel-
ber an anderer Stelle ausgeführt "Herr C._____ erklärte, […] AH._____ sei sogar der An-
sicht, dass das Unternehmen, sobald dereinst eine eigene Produktion vorliege, mit CHF 500 Millio-
nen bewerten werden könnte." (act. 31 Rz. 239). Diese Aussage widerspricht der Dar-
stellung, C._____ habe behauptet, die Produktion laufe schon. Damit gelingt der 

Klägerin der Beweis der Aussage bezüglich der laufenden Produktion nicht. Dass 

die Klägerin auch nicht davon ausgegangen ist, dass die Produktion schon ange-

laufen ist bzw. dass dieser Umstand für ihr Investment gar nicht von Bedeutung 

war, wird unter den Titeln Irrtum und Kausalzusammenhang näher erörtert (Erw. 

4.6.4 und Erw. 4.7.4.7). 

4.4.9. Unternehmensbewertung 

4.4.9.1. Parteibehauptungen 

Schliesslich behauptet die Klägerin, C._____ habe in der Präsentation gesagt, 

aufgrund der störungsfreien Langzeitstudie in AC._____ mit sensationellen Mess-

daten und der Vorzertifizierung durch das Q._____ sei eine Unternehmensbewer-

tung von CHF 50 Mio. angebracht. Das Risiko sei "raus". Auch die AI._____ gehe 

von einer Bewertung in dieser Höhe aus. AH._____ sei sogar der Ansicht, dass 

das Unternehmen, sobald eine eigene Produktion vorliege, mit CHF 500 Mio. be-

wertet werden könnte. Mit einem Gewinn sei bereits im Jahr 2019 zu rechnen 

(act. 31 Rz. 239). Diese Aussagen erachtet die Klägerin insofern als falsch, als 

H._____ im Dezember 2018 von K._____ erfahren habe, dass es nie eine Bewer-

tung der Beklagten mit 50 Mio. durch die AI._____ gegeben habe. Vielmehr habe 

die AI._____ die Beklagte noch vor dem Jahr 2018 auf CHF 1 Mio. geschätzt 

(act. 31 Rz. 240). Es handle sich um eine Fantasie-Bewertung (act. 1 Rz. 10). Als 

Beweis beruft sich die Klägerin im Wesentlichen auf die Präsentationsunterlagen 

(act. 14/59), die Aktennotiz von N._____ (act. 3/12), die (zu edierenden) Unter-

nehmensbewertungen der B._____ AG durch die AI._____, die offerierte Zeugen-

aussage von K._____ sowie die Sachverhaltsdarstellung von K._____ vom 9. Ja-

- 37 - 

nuar 2019 (act. 3/35). Die Beklagte bestreitet die Behauptungen bezüglich Unter-

nehmensbewertung (act. 13 Rz. 4.5.1.1 und Rz. 4.5.6). 

4.4.9.2. Würdigung 

Den Präsentationsunterlagen sind keine Aussagen zur Unternehmensbewertung 

zu entnehmen. Die Aktennotiz von N._____ enthält Stichworte hierzu, welche sich 

mit den klägerischen Behauptungen decken. Aus bereits dargelegten Gründen, 

eignen sich diese Notizen aber nicht als Beweis dafür, was genau in der Präsen-

tation gesagt wurde (Erw. 4.4.5.2.). Dasselbe gilt für die angebotenen Zeugen-

aussagen. Es ist zudem fraglich, ob die Aussage über einen Unternehmenswert 

eines Start-up Unternehmens wie es die Beklagte ist, überhaupt täuschend sein 

kann. Im Gegensatz zur Bewertung etablierter Unternehmen fehlen bei Jungun-

ternehmen und bei vielen unternehmerischen Projekten repräsentative Vergan-

genheitszahlen als Basis zur Herleitung prospektiver Daten. Hinzu kommen hohe 

Risiken eines Fehlschlags, Sensitivität gegenüber Änderungen der Marktbedin-

gungen, das Fehlen marktfähiger Produkte und personelle Unsicherheiten (vgl. 

GANTENBEIN/FORRER, in: Der Schweizer Treuhänder, ST 11/11 S. 915, Bewertung 

unter Unsicherheit). Die Bewertung eines solchen Unternehmens ist daher stark 

mit Unsicherheiten behaftet und von Erwartungen und Prognosen geprägt, wes-

halb schwerlich darüber getäuscht werden kann. In der Duplik führt die Beklagte 

zudem aus, dass die Grundlage der Unternehmensbewertung ein Dokument mit 

der Überschrift "…" vom 9. Mai 2017 gewesen sei. Darin hätten die Unterneh-

mensberater AJ._____ und AK._____ (ehemaliger AI._____-Mitarbeiter) Umsatz- 

und Gewinnprognosen getroffen (act. 39 Rz. 4.36.8). Dies blieb unbestritten. Im 

besagten Dokument wird immerhin ein "Terminal Value" von "48'225'309" festge-

halten (act. 40/45). Vor diesem Hintergrund wäre die Aussage, wonach eine Un-

ternehmensbewertung von 50 Mio. vorliege, selbst wenn sie so gemacht wurde, 

nicht gänzlich falsch.  

 

 

- 38 - 

4.4.10. Verschraubungskonstruktion 

4.4.10.1. Parteibehauptungen 

Ferner erblickt die Klägerin eine Täuschungshandlung darin, dass C._____ Prob-

leme mit der Verschraubungskonstruktion verschwiegen habe. Der PVT-Kollektor 

der Beklagten sehe eine Verschraubung der Glasscheiben vor. Diese Verschrau-

bung funktioniere nicht. Für eine Verschraubung müssten Löcher in die Glas-

scheiben gebohrt werden, was ein grosses Risiko für Glasbrüche beinhalte 

(act. 31 Rz. 330, 337, 289 ff.). K._____ habe die Konstruktion durch das 

AL._____ (AL._____) prüfen lassen. Dieses habe mitgeteilt, dass die Verschrau-

bungskonstruktion fragwürdig sei. C._____ habe in der Folge das AL._____ be-

auftragt, eine Simulation des Bauteils durchzuführen. Das AL._____ habe aber 

mitgeteilt, dass eine derartige Berechnung nicht durchgeführt werden könne, weil: 

"Bei unseren, speziell für die Glasindustrie erstellten FEM-Simulationsprogrammen, sind die Glas-
normen, welche am Bau gültig sind, hinterlegt. Weist eine Konstruktion Merkmale auf, welche aus 
Sicherheitsgründen nicht zulässig sind, verweigert das Programm die Berechnung. So wird verhin-
dert, dass fehlerhafte oder aus sicherheitstechnischen Gründen nicht zulässige Bauteile berechnet 
werden können." C._____ habe K._____ untersagt, die problematische Verschrau-
bungskonstruktion mit den Investoren zu besprechen oder diese darüber zu in-

formieren (act. 31 Rz. 292). Die Klägerin beruft sich auf die Sachverhaltsdarstel-

lung von K._____ (act. 32/35), K._____ als Zeugen sowie AM._____ vom 

AL._____ als Zeugen.  

Die Beklagte bestreitet Probleme im Zusammenhang mit der Verschraubung. Die 

von K._____ favorisierte Alternative des Klebens sei in wissenschaftlichen Publi-

kationen bereits vor längerer Zeit als problematisch erkannt worden, weshalb sich 

entsprechende Technologien nicht durchgesetzt hätten (act. 13 Rz. 4.10.5). 

4.4.10.2. Würdigung 

Es ist unbestritten, dass der Kollektor der Beklagten auf einer Verschraubung der 

Panele basiert (act. 13 Rz. 3.2.5). Dies ergibt sich auch aus der Patentschrift 

(act. 14/2, S. 2). Die Klägerin erachtet dies als irrelevant. Relevant sei, dass die 

- 39 - 

Verschraubung nicht funktioniere (act. 31 Rz. 330). Die Ausführungen des 

AL._____ in act. 31 Rz. 290 werden von der Beklagten nicht bestritten. Allerdings 

gelingt damit der Nachweis nicht, dass die Verschraubungskonstruktion nicht 

funktioniert. Der AL._____ Mitarbeiter bezeichnete die Konstruktion lediglich als 

"sehr fragwürdig". Dass sie nicht funktioniert, kann daraus nicht abgeleitet wer-

den. Aus der Ablehnung des AL._____ eine Simulation durchzuführen, kann 

ebenfalls nicht fehlende Funktionalität abgeleitet werden. Sie impliziert zwar, dass 

die Konstruktion Merkmale aufweist, welche deren Sicherheit beeinträchtigen 

könnten. Welches diese Merkmale sind, geht aus den Behauptungen jedoch nicht 

hervor. Selbst wenn die offerierte Zeugeneinvernahme ein Problem mit Sicher-

heitsnormen bestätigen würde, bedeutet dies nicht auch fehlende Funktionalität. 

Von einer entsprechenden Einvernahme ist daher abzusehen, da damit die be-

hauptete fehlende Funktionalität nicht bewiesen werden könnte. Der Sachver-

haltsdarstellung von K._____ – sei es in schriftlicher Form oder anlässlich der of-

ferierten Zeugeneinvernahme – fehlt es aufgrund der vorliegenden Konstellation 

an Verlässlichkeit. K._____s Glaubwürdigkeit ist stark eingeschränkt, da er auf-

grund der persönlichen Auseinandersetzung mit C._____ gegenüber diesem bzw. 

der Beklagten offenkundig negativ eingestellt ist, was sehr deutlich aus seinem 

Schreiben an den Bruder von C._____ hervorgeht (act. 40/47). Somit gelang es 

der Klägerin nicht hinreichend darzulegen, dass die gewählte Verschraubungs-

technik die Funktionalität in einer Weise beeinträchtigen würde, die eine aktive In-

formation der Investoren erfordern würde.  

4.4.11. ...-Preis 

4.4.11.1. Parteibehauptungen 

Die Klägerin behauptet schliesslich, C._____ habe in der Präsentation gesagt, 

dass er ein erfolgreicher Erfinder sei, der den … …-Peis gewonnen habe (act. 31 

Rz. 220). Dies treffe nicht zu. Es gebe nicht "einen" … …-Preis. Im Jahr 2012 sei-

en von der AN._____ ...-Preise vergeben worden. C._____ bzw. die AO._____ 

GmbH habe keinen davon erhalten, wie sich der ...-Preispublikation 2012 ent-

nehmen lasse. C._____ werde einzig auf Seite … unter dem Projekt "… ", für wel-
ches die AP._____ einen ...-Preis erhalten habe, als eine von sechs am Projekt 

- 40 - 

beteiligten Personen genannt. Der Beitrag zum Gesamtprojekt habe ferner in der 

Schichtspeichertechnologie bestanden, die C._____ nicht einmal selbst entwickelt 

habe (act. 31 Rz. 294 ff., act. 32/43). 

Die Beklagte macht geltend, C._____ habe sich nicht als "der" Gewinner des … 

…-Preises ausgegeben, sondern darauf hingewiesen, dass er diesen zusammen 

mit AQ._____ und AR._____ gewonnen habe. Der ...-Preis werde in den Katego-

rien B und C jeweils für verschiedene Bauprojekte verliehen und die an deren Re-

alisierung Beteiligten dürften sich dann damit berühmen (act. 39 Rz. 4.14.4).  

4.4.11.2. Würdigung 

Es ist demnach unbestritten, dass die Vergabe des ...-Preises in der Präsentation 

erwähnt wurde. Unbestritten ist auch, dass 2012 der Schweizer ...-Preis in der "Ka-
tegorie …" unter anderem für das Projekt "AP._____ …" verliehen wurde, wo unter 
"Beteiligte Personen" die für die Konzeptplanung mit Schichtspeichertechnologie ver-
antwortliche AO._____ GmbH und deren Gesellschafter C._____ aufgeführt wer-

den. Dies ergibt sich aus act. 40/31 S. 76. Ob C._____ den ...-Preis für sich allein 

beansprucht oder auf die Mitgewinner hingewiesen hat, kann anhand der angebo-

tenen Beweismittel nicht ermittelt werden. Die Klägerin beruft sich als Beweis al-

lein auf Zeugenaussagen von H._____, E._____ und N._____. Aus bereits darge-

legten Gründen (Erw. 4.4.5.2.) kann vorweggenommen werden, dass deren Aus-

sagen allein zum Nachweis der Aussage nicht ausreichen. Selbst wenn man da-

von ausgehen würde, dass C._____ in der Präsentation gesagt hat, er habe den 

...-Preis erhalten, wäre dies lediglich eine Halbwahrheit, welche im Bereich der er-

laubten Anpreisung anzusiedeln und nicht als Täuschungshandlung zu qualifizie-

ren wäre. 

4.5. Täuschungsabsicht 

4.5.1. Parteistandpunkte 

Die Klägerin behauptet, die Beklagte habe von sämtlichen behaupteten Täu-

schungen Kenntnis gehabt. Dies ergebe sich aus den zahlreichen Eingeständnis-

sen der Beklagten und den zahlreichen Ermahnungen von K._____ an C._____, 

- 41 - 

dass er die Investoren mittels falscher Informationen in die Irre führe (act. 1 

Rz. 109 f.). Die Klägerin beruft sich auf act. 3/47 und act. 3/35. Eine Täuschungs-

absicht wird von der Beklagten bestritten (act. 13 Rz. 5.2.4.4).  

4.5.2. Rechtliche Grundlagen 

Die Täuschung muss absichtlich erfolgen, wobei es genügt, wenn der Täuschen-

de zumindest in Kauf nimmt, dass der hervorgerufene Irrtum den anderen zum 

Vertragsschluss verleitet. Dieser dolus eventualis muss sich sowohl auf die Täu-

schungshandlung, die Irrtumserregung und die dadurch erfolgende Willensbeein-

flussung erstrecken. Besteht die Täuschung in der Behauptung einer unwahren 

Tatsache, ist die Täuschungsabsicht bereits dann zu bejahen, wenn jemand auf 

Geratewohl unrichtige Angaben macht, d.h. zwar nicht weiss, dass seine Informa-

tion falsch ist, aber damit rechnet, dass es sich um eine Falschinformation han-

deln könnte, und damit in Kauf nimmt, dass sein Vertragspartner dadurch in die Ir-

re geleitet wird. Fahrlässige Falschangaben sind keine Täuschungshandlung 

(SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N. 11 f. zu Art. 28). 

4.5.3. Würdigung 

Wären die Angaben in der Präsentation erwiesenermassen unrichtig, wäre dies 

ein Indiz für eine Täuschungsabsicht. Wie dargelegt waren die Angaben aber 

nicht falsch, sondern allenfalls ungenau, verkürzt und anpreisend. Entgegen der 

Ansicht der Klägerin kann der Stellungnahme der Geschäftsleitung in act. 3/47 

kein Eingeständnis einer Täuschungsabsicht entnommen werden. Vielmehr weist 

die Geschäftsleitung darin eine absichtliche Täuschung von sich. Bei act. 3/35 

handelt es sich um ein von K._____ verfasstes Dokument, worin er zahlreiche 

Vorwürfe gegen C._____ erhebt, unter anderem jenen der absichtlichen Täu-

schung der Investoren. Bei diesem Dokument handelt es sich um blosse Behaup-

tungen von K._____, einem ehemaligen Angestellten der Beklagten. Das einst 

freundschaftliche Verhältnis zwischen K._____ und C._____ ist aus nicht restlos 

geklärten Gründen offensichtlich zerrüttet. Dies geht nicht nur aus dem Dokument 

in act. 3/35, sondern auch aus dem Schreiben von K._____ in act. 40/47 deutlich 

- 42 - 

hervor. Unter diesen Umständen ist das Dokument von K._____ als Beweismittel 

nicht geeignet. Damit fehlt es auch am Nachweis einer Täuschungsabsicht. 

4.6. Irrtum 

4.6.1. Parteistandpunkte 

Die Klägerin behauptet, E._____ hätte C._____ aufgrund seines überzeugenden 

Auftretens und seinen Aussagen über vergangene Erfolge vertraut. Dasselbe gel-

te für H._____ und N._____. Da keiner der Genannten über einen technischen 

Hintergrund verfüge, hätten sie sich auf die vermeintliche technische Expertise 

von C._____ und das fachliche Renommee des Q._____ s verlassen (act. 31 

Rz. 237). Als Folge sei die Klägerin irrigerweise von folgenden Tatsachen ausge-

gangen (act. 1 Rz. 6, 35, 112, act. 31 Rz. 25, 95): 

- Die Beklagte verfügt über einen PVT-Kollektor, dessen Entwicklung schon 

sehr weit fortgeschritten ist. Dieser wurde in einer Langzeitstudie in 

AC._____ getestet.  

- Die dabei erhobenen Messdaten sowie die Vorzertifizierung durch das 

Q._____ haben bestätigt, dass der PVT-Kollektor der Beklagten fünffach so 

viel nutzbare Energie wie ein herkömmlicher PV-Kollektor erzeugt.  

- Dem fünffach höheren Energieertrag stehen nur geringe Mehrkosten von ca. 

30% gegenüber.  

- Die Vorzertifizierung im Q._____ und die störungsfreie Langzeitstudie des 

PVT-Kollektors auf der Testanlage in AC._____ haben belegt, dass der 

PVT-Kollektor der Beklagten ein fertig entwickeltes, funktionierendes Pro-

dukt ist. Die (Voll-)Zertifizierung des PVT-Kollektors durch das Institut ist nur 

noch Formsache und der Zertifizierungsprozess wird baldmöglichst eingelei-

tet.  

- Die Produktion läuft und im Jahr 2019 sollen 20'000 Paneele produziert wer-

den. 

Die Beklagte bestreitet, dass sich die Klägerin beim Abschluss des Aktienkaufver-

trages am 10. Oktober 2018 in Bezug auf diese Gegebenheiten in einem Irrtum 

- 43 - 

befunden hat. Als Grund nennt sie unter anderem, dass E._____ in diesem Zeit-

punkt schon während fast eines Monats in die Geschäftsführung der Beklagten 

involviert war (act. 13 Rz. 4.1.5.3 und act. 13 Rz. 5.2.4.2).  

4.6.2. Rechtliche Grundlagen 

Durch die Täuschung muss auf Seiten des Getäuschten ein Irrtum hervorgerufen 

oder aufrechterhalten werden. Dieser wird regelmässig ein Motivirrtum sein, was 

unter Art. 28 OR ausreicht; im Unterschied zu Art. 23 OR wird die Wesentlichkeit 

des hervorgerufenen Irrtums nicht vorausgesetzt (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, 

a.a.O., N. 13 ff. zu Art. 28). Der Irrtum ist eine Vorstellung über einen Sachverhalt, 

die nicht der wirklichen Sachlage entspricht (SCHMIDLIN, a.a.O., N 4 zu Art. 24). 

4.6.3. Würdigung 

Die Vorstellung über einen Sachverhalt ist eine innere Tatsache und als solche 

mit gewissen Beweisschwierigkeiten behaftet. Bei der Ermittlung von inneren Tat-

sachen erlangen regelmässig äussere Umstände Bedeutung, welche Schlüsse 

auf innere Tatsachen zulassen. Hätte C._____ an der Präsentation erwiesener-

massen unrichtige Tatsachen behauptet, bestünde Anlass zur Annahme, dass 

dadurch auch ein entsprechender Irrtum erzeugt wurde. Nachdem jedoch, wie 

dargelegt, keine unrichtigen Ausführungen gemacht wurden, kann daraus nicht 

ohne weiteres auf einen Irrtum geschlossen werden. Überdies lassen auch die 

weiteren äusseren Umstände des Vertragsschlusses darauf schliessen, dass die 

Ausführungen in der Präsentation vom 11. September 2018 nicht zu falschen 

Vorstellungen bei der Klägerin geführt haben. Dies betrifft insbesondere die (im-

plizite) Behauptung der Klägerin, sie sei davon ausgegangen, dass die Beklagte 

kein Start-up Unternehmen mehr sei und die Produktion bereits etabliert sei. Im 

unmittelbar nach der Präsentation geschlossenen Vorvertrag wurde folgende 

Formulierung gewählt: "[Die Beklagte] beschäftigt sich mit der Entwicklung, Produktion und 
Vertrieb von Hybrid-Sonnenkollektoren (das "Produkt"). Der Verkäufer soll ein funktionstüchtiges 
Modell entwickelt haben (…)." (act. 3/17). Der am 10. Oktober 2018 geschlossene 
Hauptvertrag enthält sodann abgesehen von der bereits erwähnten Bezeichnung 

der Beklagten als "Start up Gesellschaft" in der Präambel, folgende Formulierun-

- 44 - 

gen: "Die Käuferin möchte der Gesellschaft Kapital für den Aufbau ihres Unternehmens zur Verfü-
gung stellen und durch den Erwerb einer Beteiligung an dieser an deren Erfolg beteiligt sein." und 
"Jegliche weitergehende Gewährleistung wird wegbedungen. Die Käuferin ist sich insbesondere des 
Risikos einer Beteiligung an einer im Aufbau befindlichen Gesellschaft bewusst." (act. 3/3). Bei-
de Formulierungen implizieren, dass der Klägerin bereits bei Vertragsschluss be-

wusst war, dass sich das Unternehmen der Beklagten noch im Aufbau befand, es 

sich mithin um ein Start-up-Unternehmen handelte. Ebenso widerspiegelt die zi-

tierte Formulierung im Vorvertrag eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die 

Existenz und die Funktionsfähigkeit des Produkts. Dass dieses Bewusstsein die 

Klägerin nicht am Investment hinderte, wird im Zusammenhang mit dem Kausal-

zusammenhang näher erörtert (Erw. 4.7.4.5.). 

Zur Beurteilung, ob ein Irrtum vorlag, ist zwar allein die Vorstellung bzw. das Be-

wusstsein der irrenden Person im Zeitpunkt des Vertragsschlusses relevant. 

Äussere Umstände vor und nach Vertragsschluss, namentlich ihr Verhalten, kön-

nen jedoch Hinweise auf diese Vorstellung bzw. das Bewusstsein geben. Gewis-

se in der Präsentation thematisierte Sachverhalte wurden im Zeitraum zwischen 

Vertragsschluss und Vertragsanfechtung zum Gesprächsgegenstand. Namentlich 

wurden anlässlich eines Workshops vom 5./6. November 2018, woran unter ande-

rem C._____, F._____, H._____ und E._____ teilnahmen, diverse Themen be-

sprochen, vor allem auch Fragen der Produktion. Aus dem inhaltlich unbestritte-

nen Besprechungsprotokoll dieses Workshops ergibt sich, dass nun Abklärungen 

und Analysen betreffend Produktionsgesellschaften und Produktionsstätten an-

hand bestimmter Kriterien vorzunehmen waren. E._____ selber wurde mit dies-

bezüglichen Abklärungen betraut (act. 3/29 S. 4 f.). Im Anschluss an den Work-

shop wurde die Diskussion über Produktionspartner und -standorte per E-Mail 

fortgeführt, wobei sich auch E._____ ausdrücklich äusserte (act. 3/30, 

act. 14/108). Nichts in dieser Diskussion deutet darauf hin, dass E._____ in die-

sem Zeitpunkt davon ausging, dass die Produktion bereits läuft. Träfe die Be-

hauptung der Klägerin zu, wäre zu erwarten gewesen, dass E._____ angesichts 

der noch ungeklärten grundsätzlichen Fragen zur Produktion in irgendeiner Form 

interveniert oder sich wenigstens überrascht gezeigt hätte.  

- 45 - 

Das Besprechungsprotokoll des Workshops gibt auch Aufschluss über das Be-

wusstsein von E._____ in Bezug auf die Produktpalette der Beklagten. Nament-

lich wird darin festgehalten, dass die Beklagte über einen PVT-Kollektor mit 36 

oder 72 Zellen in zwei Ausführungen (U._____ und V._____) verfügt, wobei nur 

der Kollektor mit 72 Zellen zertifiziert werden soll (act. 3/29 S. 6). Auch hier deutet 

nichts im Besprechungsprotokoll oder in der folgenden Diskussion darauf hin, 

dass E._____ davon ausging, dass die Beklagte über einen PVT-Kollektor ver-

fügt, welcher bereits voll entwickelt ist. 

Insbesondere der auf den Workshop folgende E-Mail-Verkehr lässt auch Schlüsse 

auf die Vorstellungen von E._____ bezüglich der Kosten zu. Bemerkenswert ist 

insbesondere, dass C._____ in seiner unter anderem an E._____ adressierten E-

Mail vom 8. November 2018 schrieb: "Wir haben die erfreuliche Nachricht, welche auch 
vom Q._____ bestätigt ist, dass wir rund 400 % mehr Energie aus einem PV Modul rausholen. Nur, 
die Realität ist auch, dass wir Stand heute mit einer Produktion in D._____ mit AD._____ PV Modu-
len, mit unseren Kollektoren 400 % teurer sein werden (…). Wie abgemacht müssen wir mit der 
Produktion D._____ starten, aber nur meine Vision, dass wir mit nur 30-50% mehr Aufwand 400% 
mehr Energie offerieren, wird uns den grossen, schnellen und einfachen Erfolg bringen. Ich will da-
mit sagen, dass wir keine Sekunde mehr mit dem Start der Massenproduktion verlieren dürfen, be-
vor die anderen schneller sind als wir. Ohne diese Massenproduktion mit den günstigen Hers