# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1361746e-3745-5f3a-a32c-582b3867d653
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.11.2023 BVGE 2023 II/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2023-II-1_2023-11-16.pdf

## Full Text

Schifffahrt 2023 II/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF II 1 

 

2023 II/1 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung I 
i.S. A. gegen Vereinigung der Schifffahrtsämter 

A-3474/2022 vom 16. November 2023 

Widerruf eines Typenscheins für Schiffe infolge Praxisänderung. 

Interessenabwägung. 

Art. 9 BV. Art. 12, Art. 56 BSG. Art. 96 Abs. 2 BSV. 

1. Voraussetzungen für die Ausstellung des Typenscheins und dessen 
rechtliche Bedeutung (E. 5.4.3, 5.6 und 5.8). 

2. Allgemeine Voraussetzungen für den Widerruf einer Verfügung 
und Interessenabwägung (E. 7.1 und 7.2).  

3. Für den Widerruf einer Verfügung aufgrund einer Praxisände-
rung müssen besonders wichtige öffentliche Interessen auf dem 

Spiel stehen. In casu höhere Gewichtung des privaten Interesses 

bei Investitionen im Vertrauen auf einen Typenschein (E. 7.3 und 

7.5.3). 

Révocation du certificat de type d'un bateau à la suite d'un change-

ment de pratique. Pesée des intérêts. 

Art. 9 Cst. Art. 12, art. 56 LNI. Art. 96 al. 2 ONI.  

1. Conditions préalables à l'octroi du certificat de type et valeur juri-
dique de celui-ci (consid. 5.4.3, 5.6 et 5.8).  

2. Conditions générales de révocation d'une décision et pesée des in-
térêts (consid. 7.1 et 7.2). 

3. Une décision ne peut être révoquée en raison d'un changement de 
pratique que si des intérêts publics particulièrement importants 

sont en jeu. En l'espèce, plus forte pondération de l'intérêt privé 

en cas d'investissements effectués en se fiant à un certificat de type 

(consid. 7.3 et 7.5.3). 

Revoca di un certificato del tipo per battelli in seguito a un cambia-

mento di prassi. Ponderazione degli interessi. 

Art. 9 Cost. Art. 12, art. 56 LNI. Art. 96 cpv. 2 ONI.  

2023 II/1 Schifffahrt 

 

 

2 II BVGE / ATAF / DTAF  

 

1. Condizioni per il rilascio del certificato del tipo e sua portata giuri-
dica (consid. 5.4.3, 5.6 e 5.8).  

2. Presupposti generali per la revoca di una decisione e ponderazione 
degli interessi (consid. 7.1 e 7.2). 

3. Per poter revocare una decisione in seguito a un cambiamento di 
prassi devono sussistere importanti interessi pubblici. Nella fatti-

specie prevalenza dell'interesse privato in presenza di investimenti 

effettuati sulla base della fiducia in un certificato del tipo 

(consid. 7.3 e 7.5.3). 

 

Der Beschwerdeführer betreibt ein Import- und Handelsgeschäft und han-

delt unter anderem mit einem Schwimmcaravan (nachfolgend auch: C.), 

welcher auch als Motorfahrzeuganhänger bewegt werden kann. Am 

28. September 2017 erhielt er für diesen von der Typenprüfstelle der Ver-

einigung der Schifffahrtsämter (vks; nachfolgend auch: Vorinstanz) einen 

Typenschein.  

Im Jahr 2018 gab die vks nach Konsultation des Bundesamtes für Verkehr 

(BAV) in Anlehnung an die betreffende EU-Richtlinie über Sportboote das 

Merkblatt Nr. 12 zum Begriff des Amphibienfahrzeugs heraus. Diesem 

war zu entnehmen, dass amphibische Fahrzeuge mit eigenem Antriebsmo-

tor, die sowohl im Wasser als auch an Land betrieben werden können, nicht 

immatrikuliert werden können. Amphibische Fahrzeuge ohne eigenen An-

triebsmotor, welche nicht selbstständig an Land betrieben werden können, 

dürfen jedoch für den schweizerischen Schiffsverkehr zugelassen werden, 

wenn sie den Vorschriften der Binnenschifffahrtsverordnung vom 8. No-

vember 1978 (BSV, SR 747.201.1) entsprechen. 

Im Februar 2022 informierte das BAV die kantonalen Schifffahrtsämter, 

dass amphibische Fahrzeuge – so auch das durch den Beschwerdeführer 

gehandelte – gemäss Art. 96 Abs. 2 BSV in der Schweiz nicht zugelassen 

werden dürfen und das Merkblatt Nr. 12 zurückzuziehen sei. Eine Unter-

scheidung zwischen an Land selbstfahrenden Amphibienfahrzeugen und 

Amphibienanhängern sei fliessend. Der Typenschein des Schwimmcara-

vans wurde infolgedessen mit Verfügung vom 27. Juni 2022 rückwirkend 

per 24. Februar 2022 annulliert. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die dagegen erhobene Beschwerde 

vom 11. August 2022 gut. 

Schifffahrt 2023 II/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF II 3 

 

Aus den Erwägungen: 

5.4 Gestützt auf Art. 12 und Art. 56 des Bundesgesetzes vom 3. Ok-
tober 1975 über die Binnenschifffahrt (BSG, SR 747.201) hat der Bundes-

rat die Verordnung vom 23. Januar 1985 über die Typenprüfung von Schif-

fen (SR 747.201.5, nachfolgend: Typenprüfungsverordnung) erlassen. 

5.4.1 An zulassungspflichtigen Schiffen, die der Aufsicht der Kantone 
unterstellt sind und serienmässig hergestellt werden, wird auf Antrag eine 

Typenprüfung durchgeführt (Art. 1 Abs. 1 Typenprüfungsverordnung). 

Der Antrag kann vom Hersteller, Vertreter oder Importeur gestellt werden 

(Art. 4 Typenprüfungsverordnung).  

5.4.2 Durch die Typenprüfung wird an einem Schiff festgestellt, ob es 
sich für den vorgesehenen Gebrauch eignet und den Vorschriften über die 

Schifffahrt auf schweizerischen Gewässern und über die Schifffahrt auf 

Grenzgewässern entspricht (Art. 1 Abs. 2 Typenprüfungsverordnung).  

5.4.3 Für jedes geprüfte Schiff wird ein Typenschein ausgestellt. Dieser 
enthält die für die Zulassung notwendigen Angaben oder, wenn das Schiff 

die Prüfung nicht besteht, die Gründe für das Nichtbestehen (Art. 7 Abs. 1 

Typenprüfungsverordnung). Der Typenschein wird dem Anmelder und mit 

dessen Zustimmung den übrigen betroffenen Personen nach Art. 4 Typen-

prüfungsverordnung zugestellt (Art. 7 Abs. 2 Typenprüfungsverordnung).  

5.4.4 Der Typenschein für ein Schiff, das die Prüfung bestanden hat, 
gilt so lange, als keine Änderungen vorgenommen werden, welche Haupt-

abmessungen, Gewicht, Schiffsform, Einteilung, Manövriereigenschaften 

sowie Seetüchtigkeit, insbesondere die Stabilität oder Schwimmfähigkeit 

beeinflussen (Art. 8 Typenprüfungsverordnung). 

5.4.5 Die Typenprüfung obliegt der Vereinigung kantonaler Schiff-
fahrtsämter (Art. 3 Abs. 1 Typenprüfungsverordnung). Das mit der Typen-

prüfung beauftragte Organ der Vereinigung führt den Namen « Typenprüf-

stelle » (Art. 3 Abs. 2 Typenprüfungsverordnung). Die Vereinigung legt 

die Organisation der Typenprüfstelle und das Verfahren in einem Regle-

ment fest, das vom Bundesamt für Verkehr zu genehmigen ist (Art. 3 

Abs. 3 Typenprüfungsverordnung). Die Typenprüfstelle trifft alle Ent-

scheide betreffend Bau und Ausrüstung; insbesondere legt sie die Auflagen 

fest. Die Entscheide sind für die kantonalen Zulassungsbehörden verbind-

lich (Art. 3 Abs. 4 Typenprüfungsverordnung). 

5.5 (…) 

2023 II/1 Schifffahrt 

 

 

4 II BVGE / ATAF / DTAF  

 

5.6 Mit einer Typengenehmigung wird bestätigt, dass der Typ bezie-
hungsweise das Muster einer Serie den technischen Anforderungen ent-

spricht; als generelle sachbezogene Bewilligung erstreckt sie sich auf alle 

Fahrzeuge, Apparate oder Produkte einer Serie, die in gleicher Weise und 

Funktion verwendet werden sollen (vgl. BGE 147 II 300 E. 2.1 f.; 144 II 

218 E. 6.1; BVGE 2016/14 E. 1.4.1; 2012/9 E. 3.2.4; TSCHANNEN/ 

MÜLLER/KERN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl. 2022, § 28 

Rz. 687; zur Typenzulassung als produktbezogenes Bewilligungserforder-

nis s. GIOVANNI BIAGGINI, Kapitel 19 « Aufsichtsrecht », in: Fachhand-

buch Verwaltungsrecht, 2015, S. 804, nachfolgend: FHB Verwaltungs-

recht; KERN/KÖNIG, Kapitel 9 « Verkehr: Öffentlicher Verkehr », in: FHB 

Verwaltungsrecht, a.a.O., S. 422). 

5.7 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der C. laut Typen-
schein (…) vom 28. September 2017 die Typenprüfung der Vorinstanz be-

standen und den für die Zulassung notwendigen Anforderungen an ein 

Schiff entsprochen hat (vgl. E. 5.4.1 und 5.4.2). Beim Typenschein handelt 

es sich um eine Allgemeinverfügung, mit der die Vorinstanz auf ver-

bindliche Weise für einen mehr oder weniger grossen Adressatenkreis 

(Hersteller, Vertreter, Importeure) in Bezug auf den C. die Einhaltung der 

Vorschriften festgehalten hat (vgl. E. 5.4.3). Der Typenschein bezieht sich 

zwar nur auf ein Muster der Serie, regelt aber – vom Bundesgesetzgeber 

gewollt – verbindlich wiederkehrende Sachverhalte als Voraussetzung für 

die Erteilung von Schiffsausweisen. Da er sich konstitutiv auf die schweiz-

weite Erteilung der Schiffsausweise auswirkt ([…]), ist er de facto ein Teil 

dieser Bewilligungen und bezweckt die in die Zukunft gerichtete Regelung 

eines (Dauer-)Sachverhaltes (vgl. TSCHANNEN/MÜLLER/KERN, a.a.O., 

§ 28 Rz. 712 ff.). 

5.8 Der Typenschein ist nachweislich Grundlage für das Import-, Ver-
triebs- und Handelsgeschäft des Beschwerdeführers; er hat die Geschäfts-

beziehungen zu jener Werft in Deutschland aufgebaut, die den C. herstellt, 

und vertritt den Hersteller in der Schweiz ([…]). Wie dargelegt, haben Ge-

setz- und Verordnungsgeber für Hersteller, Importeure und Händler die 

Möglichkeit geschaffen, eine Typenprüfung zu beantragen, um die typen-

geprüften Schiffe von der einzelnen amtlichen Prüfung zu befreien (vgl. 

[…] E. 5.4.1). Der Typenschein hält zur Vereinfachung der Zulassungsver-

fahren vor den kantonalen Schifffahrtsämtern verbindlich die vorschrifts-

konforme Bauweise und Gebrauchseignung der Schiffe fest (E. 5.4.2). Der 

Typenschein verleiht zwar kein subjektives Recht, Hersteller, Importeure 

Schifffahrt 2023 II/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF II 5 

 

und Händler können sich aber nach der allseitigen Prüfung bei seiner Aus-

stellung darauf verlassen, dass die nach dem Muster der Serie hergestellten 

Schiffe den Vorschriften für die Schifffahrt entsprechen und sie deshalb in 

den Bau, Vertrieb und Handel mit Schiffen investieren können. 

6. (…) 

7.  
Zu prüfen ist, ob der Widerruf des Typenscheins Bundesrecht verletzt. 

7.1 Der in Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben 
verleiht einer Person Anspruch auf den Schutz des berechtigten Vertrauens 

in eine formell rechtskräftige Verfügung. Fehlerhafte Verfügungen können 

daher nur unter bestimmten erschwerten Voraussetzungen geändert wer-

den (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

8. Aufl. 2020, Rz. 628). Fehlen positivrechtliche Bestimmungen über die 

Möglichkeit der Änderung einer Verfügung, so ist über diese anhand einer 

Interessenabwägung zwischen dem Interesse an der richtigen Anwendung 

des objektiven Rechts und jenem am Vertrauensschutz zu befinden (BGE 

137 I 69 E. 2.3; 127 II 306 E. 7a m.H.). Ein Widerruf ist grundsätzlich 

nicht zulässig, wenn das Interesse am Vertrauensschutz demjenigen an der 

richtigen Anwendung des objektiven Rechts vorgeht. Dies ist der Fall, 

wenn durch die Verfügung ein subjektives Recht begründet wurde oder die 

behördliche Anordnung in einem Verfahren ergangen ist, in dem die sich 

gegenüberstehenden Interessen einer Gesamtwürdigung zu unterziehen 

waren, oder wenn die betroffene Person von einer ihr durch die Verfügung 

eingeräumten Befugnis bereits Gebrauch gemacht hat. Diese Regel gilt 

allerdings nicht absolut. Auch in diesen drei Fällen kann ein Widerruf 

infrage kommen, wenn er durch ein besonders gewichtiges öffentliches 

Interesse geboten ist (vgl. statt vieler BGE 144 III 285 E. 3.5 m.H.; 137 I 

69 E. 2.3; 143 II 1 E. 5.1). Die in der Praxis wichtigste Konstellation 

betrifft Rechtssuchende, die von einer in einer Verfügung zuerkannten Be-

rechtigung in gutem Glauben bereits Gebrauch gemacht haben und für die 

sich die deshalb getroffenen Dispositionen nicht ohne erhebliche Nachteile 

rückabwickeln lassen (vgl. etwa BGE 137 I 69 E. 2.5 zu vermögenswerten 

Dispositionen und Lebensentscheidungen; BGE 137 II 182 E. 3.7.4.2 zu 

aufgrund der Verfügung bereits getätigten Geschäften; TSCHANNEN/MÜL-

LER/KERN, a.a.O., § 31 Rz. 874).  

7.2 Voraussetzung für den Widerruf ist die Fehlerhaftigkeit einer Ver-
fügung, die ursprünglicher oder nachträglicher Natur sein kann. Die 

2023 II/1 Schifffahrt 

 

 

6 II BVGE / ATAF / DTAF  

 

ursprünglich fehlerhafte Verfügung ist von Anfang an mit einem Rechts-

fehler behaftet (falsche Erhebung des Sachverhaltes oder unrichtige recht-

liche Würdigung). Nachträgliche Fehlerhaftigkeit liegt demgegenüber vor, 

wenn seit dem Ergehen der Verfügung eine Änderung der Rechtsgrund-

lagen oder eine erhebliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse ein-

getreten ist (HANSJÖRG SEILER, Rechtsbeständigkeit und Änderung von 

Verfügungen, in: 8. Forum für Verwaltungsrecht – Brennpunkt « Verfü-

gung », 2022, S. 124 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1229; 

TSCHANNEN/MÜLLER/KERN, a.a.O., § 31 Rz. 838). Je nachdem, ob der 

Entscheid einen abgeschlossenen oder einen in die Zukunft offenen 

(Dauer-)Sachverhalt regelt, kann die Behörde ihre Verfügung trotz einge-

tretener formeller Rechtskraft nachträglich ändern. Die materielle Rechts-

kraft kann sich nämlich abhängig vom Regelungsgegenstand nur auf das 

beziehen, was im Zeitpunkt des Entscheides beurteilt werden konnte. Ver-

fügungen, die in die Zukunft wirkende Regelungsgegenstände betreffen, 

können auch bei nachträglicher Änderung der Sach- oder Rechtslage 

widerrufen werden, sofern wichtige öffentliche Interessen berührt sind 

(vgl. SEILER, a.a.O., S. 124 Fn. 2, S. 133, 141).  

7.3 Soll aber nur ein rechtmässiger Verfügungsinhalt durch einen an-
deren rechtmässigen Verfügungsinhalt ersetzt werden, kann nicht von der 

Fehlerhaftigkeit der Verfügung gesprochen werden, sondern allenfalls von 

einer Unangemessenheit beziehungsweise Neubeurteilung oder Praxisän-

derung (SEILER, a.a.O., S. 125 f.). Zwar ist es einer Behörde gewiss nicht 

verwehrt, eine Bewilligungspraxis aufzugeben, die sie als unrichtig be-

trachtet oder deren Verschärfung sie wegen veränderter Verhältnisse oder 

zunehmender Missbräuche für zweckmässig hält. Eine solche Praxisände-

rung kann aber nicht ohne Weiteres zur Folge haben, dass Bewilligungen, 

die nach der alten Praxis erteilt worden sind und nach der neuen nicht mehr 

erteilt würden, einfach widerrufen werden (BGE 100 Ib 299 E. 6c m.H. 

auf BGE 91 I 218). Wird eine blosse Praxisänderung als Anlass zur Umge-

staltung von dauernden Rechtsverhältnissen genommen, müssen beson-

ders wichtige öffentliche Interessen auf dem Spiel stehen. Besonders wich-

tig ist etwa der Schutz gefährdeter Polizeigüter (BGE 127 II 306 E. 7a 

m.w.H.) oder aber auch die allgemeine Verbreitung einer neuen Praxis, 

sodass deren Nichtbefolgung als Verstoss gegen das Gleichheitsgebot er-

scheinen würde (BGE 144 III 285 E. 3.4; 147 V 234 E. 5.2). 

7.4 Da sich der Typenschein konstitutiv auf in der Zukunft liegende 
Regelungsgegenstände auswirkt (Erteilung der Schiffsausweise für 

Schiffe des gleichen Typs), ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz auch 

Schifffahrt 2023 II/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF II 7 

 

bei nachträglicher Fehlerhaftigkeit darauf zurückkommen kann, wenn da-

für hinreichende Gründe bestehen (E. 7.2). Art. 8 Typenprüfungsverord-

nung regelt die Folgen bei nachträglicher Änderung der Sachlage, indem 

bauliche Veränderungen am Schiff zum Verlust eines gültigen Typen-

scheins führen, ohne dass eine Interessenabwägung notwendig wäre (vgl. 

E. 5.4.4). Nicht geregelt ist hingegen der Widerruf bei nachträglicher Än-

derung der Rechtslage. 

7.5  
7.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Widerruf 
keine Verfügung betrifft, die mit einem ursprünglichen oder nachträg-

lichen Fehler behaftet ist (vgl. E. 7.2). Die Vorinstanz hat den Typenschein 

Nr. (…) auf der Grundlage eines Verfahrens ausgestellt, in dem sie alle in 

Betracht kommenden Interessen geprüft hat. Antragsgemäss hat sie für die 

Ausstellung des Typenscheins untersucht, ob der C. den binnenschiff-

fahrtsrechtlichen Vorgaben entspricht. Ihr lagen die technischen Unter-

lagen vor und sie hatte Kenntnis davon, dass der C. auch als Motorfahr-

zeuganhänger bewegt werden kann. Sie hätte daher zum Zeitpunkt der 

Ausstellung des Typenscheins das für den Widerruf angeführte Argument 

berücksichtigen können, es handle sich um ein amphibisches Fahrzeug, 

das nach Art. 96 Abs. 2 BSV nicht zulassungsfähig sei. Wie aber aus dem 

Merkblatt Nr. 12 hervorgeht, hat sie in Konsultation mit dem BAV bewusst 

in Anlehnung an die Bestimmungen der Richtlinie 2013/53/EU des Euro-

päischen Parlaments und des Rates vom 20. November 2013 über Sport-

boote und Wassermotorräder und zur Aufhebung der Richtlinie 94/25/EG, 

ABl. L 354/90 vom 28.12.2013 ihre Praxis etabliert, dass der C. – mangels 

geeigneten Antriebsmotors zur Bewegung an Land – gerade nicht unter 

den Begriff des amphibischen Fahrzeugs nach Art. 96 Abs. 2 BSV zu sub-

sumieren ist. Da der C. den Vorschriften für die Schifffahrt entsprochen 

hat, ist die Vorinstanz mit guten Gründen jahrelang nicht auf ihren Ent-

scheid zurückgekommen. Der Verfügung liegt daher weder eine unrichtige 

Feststellung des Sachverhaltes noch eine unrichtige Rechtsanwendung zu-

grunde. Da sich auch nachträglich weder Sach- noch Rechtslage geändert 

haben, liegt kein Widerrufsgrund in diesem Sinne vor. Demnach ist auch 

die in der angefochtenen Verfügung enthaltene Feststellung, der Typen-

schein verstosse gegen geltendes Recht, unbegründet. 

7.5.2 Soweit die Vorinstanz in der Vernehmlassung ausführt, neue 
interne Vorgaben des BAV hätten zu einer geänderten Auslegung des 

Begriffs amphibischer Fahrzeuge geführt, ist zu wiederholen, dass das 

2023 II/1 Schifffahrt 

 

 

8 II BVGE / ATAF / DTAF  

 

Informationsschreiben des BAV eine blosse Verwaltungsverordnung be-

ziehungsweise Weisung darstellt. Damit kann die vorzunehmende Aus-

legung der BSV gelenkt und eine Praxisänderung eingeleitet werden. Es 

kann vorliegend offenbleiben, ob die Voraussetzungen für eine solche Pra-

xisänderung erfüllt sind oder nicht. Denn der Typenschein, der nach der 

alten Praxis erteilt wurde, kann nicht einfach aus dem Grund, dass er nach 

der neuen Praxis nicht mehr erteilt würde, widerrufen werden. Da er ur-

sprünglich in Kenntnis aller Umstände nach alter Praxis ausgestellt wurde 

und der Beschwerdeführer vorbringt, im berechtigten Vertrauen darauf 

vermögenswerte Dispositionen getroffen zu haben (E. 7.1), hängt die Zu-

lässigkeit des Widerrufs davon ab, ob besonders wichtige öffentliche Inte-

ressen das private Interesse des Beschwerdeführers überwiegen (vgl. 

E. 7.3).  

7.5.3 Die Vorinstanz bringt insbesondere umweltschutzrechtliche Be-
denken in Bezug auf das Einwassern des C. vor (Ufer- und Gewässer-

schutz). Sie befürchtet mögliche Verunreinigungen durch Treibstoffe, 

Chemikalien oder Abwässer beziehungsweise das Einwassern ausserhalb 

der bezeichneten Stellen. Mit der neuen Auslegung von Art. 96 Abs. 2 

BSV möchte sie die genannten öffentlichen Interessen besser schützen.  

Demgegenüber hat der Beschwerdeführer im Vertrauen auf den Typen-

schein vermögenswerte Dispositionen getroffen, die nicht leicht rückgän-

gig zu machen sind. Er betreibt ein Import- und Handelsgeschäft mit dem 

C. und vertritt den Hersteller in der Schweiz. Nach dem Widerruf des 

Typenscheins kann er eingegangene Verpflichtungen aus Kaufverträgen 

nicht mehr erfüllen. Da er über mehrere Jahre hinweg in den Aufbau seines 

Geschäfts investiert hat, ist es nachvollziehbar, dass er diese Investitionen 

mit der Annullierung des Typenscheins zu einem grossen Teil verlieren 

würde. Es wäre ihm zwar nicht verwehrt, weiterhin mit Sportbooten zu 

handeln, doch hätte er im verfehlten Vertrauen auf den Typenschein eine 

Werft nach Leistung von Anzahlungen durch seine Kundinnen und Kun-

den Boote bauen lassen, die dann weder ausgeliefert noch bezahlt werden 

könnten. Es ist nachvollziehbar, dass dies nicht nur Schadenersatzpflichten 

gegenüber seiner Kundschaft auslösen, sondern auch zu erheblichen Repu-

tationsschäden führen könnte.  

Die strittige Frage, ob der Beschwerdeführer einige Monate vor der Annul-

lation informell über die geänderte Sichtweise des BAV in Kenntnis ge-

setzt worden ist oder nicht, kann offenbleiben, denn sowohl die Verträge, 

die er abwickeln muss, als auch die getätigten Investitionen stammen aus 

Schifffahrt 2023 II/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF II 9 

 

einer Zeit davor. Die Vertrauensgrundlage, das berechtigte Vertrauen und 

die Vertrauensbetätigung sind jedenfalls gegeben. 

Das Bundesverwaltungsgericht stuft das Interesse des Beschwerdeführers 

am Schutz des Vertrauens in den Bestand des Typenscheins höher ein als 

die von der Vorinstanz geltend gemachten öffentlichen Interessen. Es ist 

zwar nicht in Abrede zu stellen, dass Gewässer- und Uferschutz wichtige 

Güter betreffen. Das Einwassern des C. dürfte aber in vergleichbarer Weise 

erfolgen wie bei anderen kleinen Booten auch, die ebenfalls widerrechtlich 

an Orten, die für Motorfahrzeuge gesperrt sind, ins Wasser gelassen wer-

den könnten. Die bereits dagegen existierenden Schutzmassnahmen bezie-

hungsweise Verbote müssten auch in Bezug auf den C. greifen. Zudem 

relativiert die Argumentation des Beschwerdeführers die befürchtete Ge-

fahr der Verunreinigung beim regulären Einwassern des C. (fehlende Be-

triebs- und Anlaufbremse). Nachdem die Vorinstanz pauschal auf abstrak-

te, mögliche Gefahren hinweist, lässt die konkrete Einzelfallbeurteilung 

anhand der dargelegten Umstände nicht auf eine überwiegende ernsthafte 

Gefährdung besonders wichtiger Polizeigüter durch den C. schliessen. 

Demgegenüber würde der Beschwerdeführer bei der Annullation des 

Typenscheins einen erheblichen Vertrauensschaden erleiden. Auch mit 

Blick auf seine künftige Geschäftstätigkeit wären die Beziehungen zu sei-

ner Kundschaft und zum Hersteller empfindlich gestört.  

Bei dieser Sachlage kann eine Praxisänderung aufgrund neuer umwelt-

schutzrechtlicher Bedenken in Bezug auf « Amphibienanhänger » nicht zu 

einem – noch dazu rückwirkenden – Widerruf des Typenscheins für den 

C. führen. Im Weiteren ist die Berufung der Vorinstanz auf eine Vereinfa-

chung der Zulassungsvorschriften nicht geeignet, wichtige öffentliche In-

teressen darzulegen, die die schützenswerten Interessen des Beschwerde-

führers überwiegen könnten. Zu Recht bringt sie auch nicht vor, dass ihre 

geänderten Beurteilungskriterien für amphibische Fahrzeuge, die dem C. 

ähnlich sind, im Interesse der Rechtsgleichheit auch gegenüber dem 

Beschwerdeführer als bisherigem Inhaber des Typenscheins für den C. an-

gewendet werden müssten, zumal er nachweist, beim Widerruf des Typen-

scheins einen Vertrauensschaden zu erleiden beziehungsweise seine ver-

traglichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen zu können.  

Nach dem Gesagten wird das Interesse am Vertrauensschutz nicht durch 

besonders wichtige öffentliche Interessen überwogen. Die Aufrechterhal-

tung des Typenscheins setzt weder den Schutz gefährdeter Polizeigüter 

aufs Spiel, noch steht eine Verletzung des Gleichheitsgebots im Raum (vgl. 

2023 II/1 Schifffahrt 

 

 

10 II BVGE / ATAF / DTAF  

 

E. 7.3 in fine). Bei dieser Sachlage verstösst der Widerruf des Typen-

scheins aufgrund einer geänderten Beurteilungspraxis in Bezug auf « Am-

phibienanhänger » gegen Art. 9 BV.