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**Case Identifier:** c8509c01-5c14-51e3-8013-26de6913e9fa
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 07.11.2023 VBE.2023.251
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-251_2023-11-07.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2023.251 / pm / nl 
Art. 114 

 

 

Urteil vom 7. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Peterhans  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiber Meier  

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

unentgeltlich vertreten durch lic. iur. Markus Zimmermann, Rechtsanwalt, 

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 21. April 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1978 geborene Beschwerdeführerin meldete sich im Juli 2008 bei der 

Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen In-

validenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin veranlasste im Rah-

men der daraufhin erfolgten Abklärungen unter anderem eine interdiszipli-

näre "Konsiliarisch-Medizinische Standortbestimmung" durch die asim, Ba-

sel (Bericht vom 29. März 2009). Mit Verfügung vom 11. November 2009 

verneinte die Beschwerdegegnerin schliesslich einen Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin. 

 

1.2. 

Am 24. Februar 2021 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der 

Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin 

nahm in der Folge Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst 

(RAD). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren lehnte sie das Renten-

begehren der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. April 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 23. Mai 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

 " 1. Die angefochtene Verfügung vom 21.04.2023 sei vollumfänglich aufzu-
heben und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlich geschuldeten 
Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente, zuzusprechen. 

 
 2. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur ordnungs-

gemässen Abklärung des Sachverhalts, insbesondere zur Einholung 
eines polydisziplinären Gutachtens, zurückzuweisen 

 
 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde-

gegnerin." 

 

Zudem beantragte die Beschwerdeführerin die Bewilligung der unentgeltli-

chen Rechtspflege. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 3. Juli 2023 wurde der Be-

schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und lic. iur. Mar-

kus Zimmermann, Rechtsanwalt, Baden, zu ihrem unentgeltlichen Vertreter 

ernannt. 

 - 3 - 

 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenan-

spruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. April 2023 (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 87) zu Recht verneint hat. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.2). 

 

3. 

Der angefochtenen Verfügung lag im Wesentlichen die Stellungnahme der 

RAD-Ärztin Dr. med. B._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 

vom 21. September 2022, zugrunde. Diese führte zusammengefasst aus, 

bei den Abklärungen im Jahr 2009 sei unter Berücksichtigung der Adiposi-

tas, der Wirbelsäulen-, Fuss- und Kniebeschwerden, der psychischen Be-

schwerden sowie der Herzproblematik eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attes-

tiert worden. Inzwischen habe das Körpergewicht insbesondere durch ba-

riatrische Massnahmen gesenkt, zwischenzeitlich gar normalisiert werden 

können. Allerdings gebe es auch immer wieder "Anstiege". Die kardiologi-

schen Abklärungen hätten eine Kardiomyopathie mit stabilem Befund und 

ohne Einschränkung der Pumpfunktion und der kardiologischen Leistungs-

fähigkeit ergeben. Von psychiatrischer Seite her sei eine Depression (Angst 

und Depression gemischt) als Begleitkrankheit deklariert worden. Die Be-

schwerdeführerin nehme eine Psychotherapie in Anspruch, eine medika-

mentöse Begleitung erfolge jedoch nicht. Eine Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit ergebe sich dadurch nicht. Probleme bestünden insbesondere 

aufgrund des Lipödems, verbunden mit der aufwendigen Körperpflege. 

Hierbei handle es sich in erster Linie um ein "kosmetisches Problem". Ins-

gesamt könne "aber auch jetzt von einer gewissen Einschränkung der Leis-

tungsfähigkeit von ca. 20 % ausgegangen werden". In der Folge attestierte 

 - 4 - 

 

 

 

Dr. med. B._____ der Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten, 

wie auch in einer angepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Zwi-

schenzeitlich seien "kürzer höhere Arbeitsunfähigkeiten möglich" (VB 79 

S. 5 f.). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

4.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-

stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 

465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.3. 

Eine reine Aktenbeurteilung ist nicht an sich schon unzuverlässig. Entschei-

dend ist, ob genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Untersu-

chungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und 

gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige muss 

sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild 

machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2008 vom 9. April 

2009 E. 3.3.1 und U 224/06 1. November 2007 E. 3.5; je mit Hinweisen). 

 

5. 

5.1. 

Dr. med. B._____ legte in ihrer Stellungnahme vom 21. September 2022 

unter Berücksichtigung der Vorakten grundsätzlich nachvollziehbar dar, 

weshalb den vorliegenden Beschwerden keine oder nur geringe Auswir-

 - 5 - 

 

 

 

kungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beigemessen wer-

den können. So verwies sie auf das Körpergewicht, welches abgenommen 

und sich zwischenzeitlich normalisiert habe, weshalb auch das Wirbelsäu-

lensyndrom sowie die Fuss- und Kniebeschwerden nicht mehr im Vorder-

grund stünden. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe auch das 

Lipödem und auch eine eingeschränkte Pumpfunktion oder eine Einschrän-

kung der kardiologischen Leistungsfähigkeit habe nicht festgestellt werden 

können (VB 79 S. 5 f.).  

 

Die Beschwerdeführerin verweist auf die Einschätzungen ihres behandeln-

den Arztes Dr. med. C._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 

(Beschwerde S. 6 f.). In dessen Bericht vom 19. Juli 2021 findet sich unter 

dem Titel "Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit" unter ande-

rem zwar die Diagnose "Angst und Depression gemischt (ICD10 F43.22)" 

(VB 62 S. 3). Diese wurde jedoch nicht durch Dr. med. C._____ selbst ge-

stellt, ist seinem Bericht doch zu entnehmen, dass die Diagnoseliste auf 

den Angaben der Beschwerdeführerin beruhe (VB 62 S. 4). In seinem Be-

richt vom 3. Mai 2022 (VB 73) verwies er betreffend Diagnosen lediglich 

auf seinen "Bericht vom 15. Juni 2021" (gemeint wohl Bericht vom 19. Juli 

2021, vgl. Datumsangaben in VB 62 S. 1 und S. 4). Des Weiteren begrün-

dete er seine Einschätzungen zum einen grossenteils mit der somatischen 

Verfassung der Beschwerdeführerin und zum anderen mit deren subjekti-

ven Schmerzangaben, was für eine Begründung einer (teilweisen) Arbeits-

unfähigkeit rechtsprechungsgemäss nicht genügt. Vielmehr müssen korre-

lierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde vorliegen, damit auf 

eine Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden darf (BGE 143 V 124 E. 2.2.2. 

S. 127; Urteile des Bundesgerichts 8C_809/2021 vom 24. Mai 2022 E. 5.3; 

8C_453/2021 vom 6. Oktober 2021 E. 4.2.2). Auch der Bericht von 

Dr. med. D._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin vom 16. Ja-

nuar 2023 (VB 86 S. 10 f.) vermag keine Zweifel an der Beurteilung von 

Dr. med. B._____ zu erwecken. Dr. med. D._____ verweist als Allgemein-

medizinerin unter anderem auf einen "beträchtlichen psychischen Schaden 

(depressive Entwicklung)", den sie hauptsächlich mit invaliditätsfremden 

Faktoren (längere Hospitalisationen und damit verbundene Arbeitsunfähig-

keit, Arbeitsplatzverlust, Abstieg in die Sozialhilfe) begründete (vgl. diesbe-

züglich BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil des Bundesgerichts 

9C_468/2021vom 13. Dezember 2021 E. 2.2.2).  

 

 

5.2. 

Dr. med. B._____ attestierte der Beschwerdeführerin auch in deren ange-

stammten Tätigkeit (zuletzt im E._____ [vgl. IK-Auszug in VB 56 S. 5 f.]) 

eine 80%ige Arbeitsfähigkeit, was angesichts des noch von den asim-Ärz-

ten in deren Beurteilung vom 29. März 2009 definierten, mit diversen Ein-

schränkungen behafteten Zumutbarkeitsprofils (vgl. VB 22 S. 11) nicht 

ohne Weiteres nachvollziehbar ist. Es liegt praxisgemäss indes nicht allein 

 - 6 - 

 

 

 

in der Zuständigkeit der mit dem konkreten Einzelfall befassten Arztperso-

nen, abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle verbindlich zu ent-

scheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden 

oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprä-

gung) führt (BGE 140 V 193 E. 3.1 S. 194 f.). Einer medizinischen Ein-

schätzung der Arbeitsunfähigkeit kann daher grundsätzlich die Massge-

blichkeit abgesprochen werden, ohne dass die Expertise ihren Beweiswert 

verliert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2022 vom 6. September 

2022 E. 2.4; vgl. ferner BGE 145 V 361 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 144 

V 50). 

 

Die von Dr. med. B._____ bezifferte Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer an-

gepassten Tätigkeit ist indes ohne weiteres nachvollziehbar, zumal ihrer 

Beurteilung zumindest keine Anhaltspunkte zu entnehmen sind, wonach 

sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin seit der asim-

Stellungnahme vom 29. März 2009 verschlechtert hätte. Der Stellung-

nahme von Dr. med. B._____ ist deshalb aufgrund der Diskrepanz in der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht die Be-

weiskraft abzusprechen. 

 

5.3. 

Dr. med. B._____ äusserte sich zwar nicht explizit dazu, ob sich der Ge-

sundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zum Zeitpunkt der 

Verfügung vom 11. November 2009 in relevanter Weise verändert hätte, 

weshalb gestützt auf deren Bericht vom 21. September 2022 die Frage 

nach dem Vorliegen einer neuanmeldungsrechtlich relevanten Änderung 

der tatsächlichen Verhältnisse (vgl. BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 

71; 117 V 198 E. 3 S. 198 f.; 109 V 108 E. 2 S. 114 f.; Urteil des Bundes-

gerichts 8C_29/2020 vom 19. Februar 2020 E. 3.1 f. mit Hinweisen; vgl. 

Art. 17 ATSG) nicht zuverlässig beantwortet werden kann. Die Frage kann 

indes offenbleiben, denn wie nachfolgend aufgezeigt wird, würde selbst un-

ter der Annahme, dass die Beschwerdeführerin nur noch in einer ange-

passten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist, kein rentenbegründender Invali-

ditätsgrad resultieren.  

 

6. 

Die Beschwerdegegnerin ermittelte den Invaliditätsgrad in der angefochte-

nen Verfügung – ausgehend davon, dass die Beschwerdeführerin im Ge-

sundheitsfall zu 10% ausserhäuslich und zu 90 % im Aufgabenbereich 

(Haushalt) tätig wäre – mittels gemischter Methode (Art. 28 Abs. 3 IVG). 

Rechtsprechungsgemäss fallen unter den Begriff des Aufgabenbereichs 

die übliche Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder, sowie gemein-

nützige und künstlerische Tätigkeiten (BGE 141 V 15 E. 4.2 S. 21; Urteil 

des Bundesgerichts 8C_728/2018 vom 12. Februar 2019 E. 7.1). Ausweis-

lich der Akten ist die Beschwerdeführerin alleinstehend, lebt in einer Zwei-

 - 7 - 

 

 

 

zimmerwohnung in einem Einpersonenhaushalt und ihr obliegen keine Be-

treuungsaufgaben (VB 59). Hinweise auf das Ausüben gemeinnütziger  

oder ähnlicher Tätigkeiten sind den Akten nicht zu entnehmen. Ein Aufga-

benbereich im Sinne der Rechtsprechung ist vorliegend daher nicht gege-

ben, weshalb der Invaliditätsgrad mittels der allgemeinen Methode des Ein-

kommensvergleichs (Art. 16 ATSG) zu ermitteln wäre.  

 

7. 

7.1. 

Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist 

Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG; vgl. auch Art. 25 und 

26 IVV). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-

kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-

rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung ge-

setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in-

valid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei teilerwerbstätigen Versi-

cherten ohne Aufgabenbereich, wie dies bei der Beschwerdeführerin nach 

dem oben Ausgeführten der Fall ist, ist die anhand der Einkommensver-

gleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im allein versicherten er-

werblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothetischen Teiler-

werbstätigkeit – zu berücksichtigen. Der Invaliditätsgrad entspricht der pro-

portionalen Einschränkung im erwerblichen Bereich und kann damit den 

versicherten Bereich, welcher durch das hypothetische Teilzeitpensum de-

finiert wird, nicht übersteigen (BGE 142 V 290 E. 7.3). 

 

7.2. 

7.2.1. 

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss 

entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmögli-

chen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr-

scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie 

bestenfalls verdienen könnte (BGE 131 V 51 E. 5.1.2 S. 53; Urteil des Bun-

desgerichts 9C_190/2019 vom 14. Mai 2019 E. 4.2). 

 

7.2.2. 

Den vorliegenden Akten lassen sich keine zuverlässigen Anhaltspunkte für 

einen zuletzt erzielten Verdienst entnehmen. Zur Ermittlung des Validen-

einkommens ist daher auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohn-

strukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BfS) abzustellen. 

Die Beschwerdeführerin war gemäss Aktenlage zuletzt als Betreuerin tätig 

(vgl. die Angaben in der Anmeldung vom 24. Februar 2021 in VB 47 S. 6 

sowie den Auszug aus dem individuellen Konto der Beschwerdeführerin in 

VB 56 S. 6). Das Valideneinkommen ist daher gestützt auf die LSE-Tabelle 

 - 8 - 

 

 

 

TA1 des Jahres 2020, Ziff. 86-88 Gesundheits- und Sozialwesen, Kompe-

tenzniveau 1, Frauen, unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wö-

chentlichen Arbeitszeit sowie der Lohnentwicklung bis 2021 auf 

Fr. 58'682.00 (Fr. 4'700.00 x 12 x 41.5/40 x 
105.4/105.1) festzusetzen. 

 

7.3. 

7.3.1. 

Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtspre-

chung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in wel-

cher die versicherte Person konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Er-

werbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte Person nach 

Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich 

zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der 

Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 135 

V 297 E. 5.2 S. 301 mit Hinweis unter anderem auf BGE 129 V 472 E. 4.2.1 

S. 475). 

 

7.3.2. 

Da die Beschwerdeführerin keine ihr zumutbare Erwerbstätigkeit mehr auf-

genommen hat, ist das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE-Tabelle 

TA1 des Jahres 2020, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen, zu berechnen 

und beläuft sich unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentli-

chen Arbeitszeit, der Lohnentwicklung bis 2021 sowie einer 80%igen Ar-

beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf Fr. 43'072.00 (Fr. 4'276.00 

x 12 x 41.7/40 x 
108.6/107.9 x 0.8).  

 

7.4. 

Ein Abzug vom Tabellenlohn (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 

E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 

S. 78 ff.]) ist vorliegend nicht angezeigt. Bei teilzeitlich erwerbstätigen 

Frauen ist unter dem Titel Beschäftigungsgrad gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung kein Abzug vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_799/2021 vom 3. März 2021 E. 4.3.3; vgl. auch die Tabelle T18, Mo-

natlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stellung und Ge-

schlecht, des Jahres 2020). Das Alterssegment ab 40 Jahren wirkt sich bei 

Frauen in Stellen ohne Kaderfunktion sodann gar eher lohnerhöhend aus 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2017 vom 1. Februar 2018 E. 5.3.2 mit 

Hinweisen; vgl. die Tabelle TA9, Monatlicher Bruttolohn nach Lebensalter, 

beruflicher Stellung und Geschlecht, des Jahres 2020). Weitere Gründe, 

welche einen Abzug zu rechtfertigen vermöchten, sind nicht aktenkundig. 

 

7.5. 

Bei einer Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiert eine Er-

werbseinbusse von Fr. 15'610.00 (Fr. 58'682.00 - Fr. 43'072.00), was einer 

prozentualen Einschränkung im erwerblichen Bereich von gerundet 27 % 

entspricht. Bei dieser Ausgangslage würde selbst unter der Annahme, dass 

 - 9 - 

 

 

 

die Beschwerdeführerin ausserhäuslich in einem 100%igen Pensum einer 

Erwerbstätigkeit nachgehen würde – wie sie dies im Übrigen im Fragebo-

gen betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 5. Juli 2021 auch angege-

ben hatte (VB 59 S. 2) –, kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resul-

tieren (Art. 28 Abs. 2 IVG). 

 

8. 

8.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenan-

spruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. April 2023 im Er-

gebnis zu Recht verneint. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher 

abzuweisen. 

 

8.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da dieser die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken.  

 

8.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter wird das an-

gemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versicherungsge-

richtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein (Art. 122 

Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG). 

 

8.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten 

Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 - 10 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege werden sie 

einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

4. 

Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird richterlich auf 

Fr. 2'450.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, 

dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, lic. iur. Mar-

kus Zimmermann, Rechtsanwalt, Baden, nach Eintritt der Rechtskraft das 

Honorar von Fr. 2'450.00 auszurichten. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 

 

 

 - 11 - 

 

 

 

   

Aarau, 7. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Meier