# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 02d53a09-e2c5-506d-945a-0cc89f1a5a8f
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 27.10.2008 SK.2007.12
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2007-12_2008-10-27.pdf

## Full Text

Entscheid vom 11. Juli 2008 und  
Ergänzung vom 27. Oktober 2008 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Daniel Kipfer Fasciati, Vorsitz, 
Sylvia Frei und Jean-Luc Bacher, 
Gerichtsschreiberin Elena Maffei  

Parteien  
BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Patrick 
Lamon,  

und 

als Privatklägerin: 
 
Aeroflot Russian Airlines, vertreten durch Rechts-
anwalt Dieter Jann, sowie vertreten durch Rechtsan-
walt Michel Bergmann,  

 gegen 

 
 A., erbeten verteidigt durch Fürsprecher Konrad Ro-

thenbühler,  

 

und 

als Drittbetroffene: 

 
1. Forus Holding S.A., vertreten durch Rechts-

anwalt Thomas P. Zemp,  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

           Geschäftsnummer:  SK.2007.12 

 

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2. Anros S.A., vertreten durch Rechtsanwalt  

Laurent Moreillon,  
 
3. Andava Finance Ltd, vertreten durch Rechts-

anwalt Michel Dupuis und Rechtsanwältin  
Miriam Mazou,  

 
4. B., vertreten durch Rechtsanwalt Roger Mock,  
 
5. Ruco Trading Ltd, vertreten durch Fürsprecher 

LL.M. Andreas H. Keller,  
 

Gegenstand: Ungetreue Geschäftsbesorgung und Geldwäscherei 

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Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. Der Angeklagte hat sich schuldig gemacht der qualifizierten ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung sowie der Geldwäscherei. 

2. Der Angeklagte sei zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und einer 
Busse von Fr. 500'000.--. 

3. Die beschlagnahmten Vermögenswerte seien einzuziehen. 

4. Der Angeklagte habe die Verfahrenskosten zu tragen.  

 

Anträge der Privatklägerin Aeroflot 

1. Namens und im Auftrag der Aeroflot Russian Airlines verweisen wir hinsichtlich der 
Anträge auf die Anträge der Bundesanwaltschaft, soweit wir nicht davon abwei-
chen, sowie 

2. auf unsere schriftliche Eingabe vom 26. Februar 2008. 

3. Wir beantragen zusammengefasst einen Schuldspruch und die Einziehung aller 
gesperrten Vermögenswerte und deren Zuweisung an die Aeroflot im Umfang der 
geltend gemachten zivilrechtlichen Schaden- und Herausgabeansprüche von ins-
gesamt rund CHF 65 Mio. zuzüglich Zinsen. 

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

5. Es sei Joint Stock Company Aeroflot Russian Airlines die Summe von USD 
12'284'000.-- mit Zins zu 5% seit dem 1. Januar 2000 von den beschlagnahmten 
Geldern der Andava Gruppe und vor allem der Andava Finance Ltd. auszuzahlen. 

6. Der Angeklagte sei zu verurteilen, der Firma C. Aeroflot Russian Airlines die fol-
genden Summen zu bezahlen: 

 - CHF 11'336'513 mit Zins zu 5% seit dem 15. September 1996 

 - CHF 42'122'976.92 mit Zins zu 5% seit dem 15. März 1997 

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7. Eventualiter sei der Angeklagte zu verurteilen, der Firma C. Aeroflot Russian Airli-
nes zusätzlich folgende Summe zu bezahlen: 

 - USD 12'284'000.-- mit Zins zu 5% seit dem 1. Januar 2000 

8. Das Gericht hat zur Festlegung der Schadenersatzansprüche über die beschlag-
nahmten Vermögenswerte auf Seite 28 und 29 der Anklageschrift zu entscheiden.  

9. Es wird die Herausgabe der beschlagnahmten Vermögenswerte der Aeroflot bis 
zur Höhe der zugesprochenen Schadenersatzforderung beantragt. In diesem Um-
fang wird die Forderung gegenüber dem Angeklagten an den Staat abgetreten 
(Art. 73 Abs. 2 StGB).  

10. Der Angeklagte sei zu einer Ersatzforderung zu verurteilen im Umfang der Diffe-
renz zwischen den zugesprochenen beschlagnahmten Vermögenswerten und ei-
ner allenfalls höheren Schadenersatzforderung. Diese Ersatzforderung sei der Ae-
roflot in Anwendung von Art. 73 StGB zuzusprechen. 

11. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.  

 

Anträge der Drittbetroffenen Anros S.A. (im Folgenden Anros) 

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen.  

2. Die zivilrechtlichen Ansprüche der Aeroflot seien abzuweisen.  

3. Die beschlagnahmten Guthaben seien zu Gunsten der Anros S.A. freizugeben. 

 

Anträge der Drittbetroffenen Andava Finance Ltd (im Folgenden : Andava) 

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen.  

2. Die beschlagnahmten Vermögenswerte seien zu Gunsten der Andava Finance Ltd 
freizugeben.  

Anträge der Drittbetroffenen Forus Holding S.A. (im Folgenden : Forus) 

1. Die beantragte Einziehung der Vermögenswerte der Forus Holding S.A. sei abzu-
weisen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse. 

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Anträge der Drittbetroffenen Ruco Trading Ltd (im Folgenden Ruco) 

1.  Es sei der Antrag auf Beschlagnahme der Mittel der Ruco Trading Ltd abzuweisen 
und es seien diese Mittel zugunsten der Ruco Trading Ltd freizugeben (act. 
145.660.014).  

2. Im Übrigen werde auf eine Teilnahme an der Verhandlung verzichtet.  

Anträge des Drittbetroffenen B.: 

1. Es seien zugunsten von B. die Beschlagnahme auf seinem Konto Nr. 1 bei der 
Bank D. aufzuheben sowie die blockierten Guthaben zurückzugeben (act. 
145.654.015). 

2. Es werde auf eine Teilnahme an der Verhandlung verzichtet. 

 

Anträge der Verteidigung des Angeklagten : 

1. Der Beschuldigte sei freizusprechen.  

2. Die Verfahrenskosten seien dem Staat aufzuerlegen und der Beschuldigte sei an-
gemessen zu entschädigen.  

3. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung nach richterlichem Ermessen zuzuspre-
chen.  

4. Die beschlagnahmten Vermögenswerte auf den Konten der Bank E. seien heraus-
zugeben.  

5. Die Zivilklage sei abzuweisen. 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.  

 

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Sachverhalt: 

A. Am 5. Mai 1999 stellte die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation 
im Rahmen ihres Verfahrens Nr. 2 ein Rechtshilfegesuch an die Schweizerische 
Bundesanwaltschaft (im Folgenden „BA“). Das russische Verfahren richtete sich 
namentlich gegen Nikolai Glouchkov, Boris Beresowski, F., G., und H. Es bestand 
der Verdacht, der russischen Fluggesellschaft Aeroflot seien in deliktischer Weise 
mehrere Millionen Dollar entzogen und die Gesellschaft sei in diesem Umfang ge-
schädigt worden; ausserdem bestand der Verdacht der Geldwäscherei, wobei ein 
Teil der inkriminierten Geschäftsvorgänge über eine Gruppe von Gesellschaften - 
die Andava-Gruppe - in der Schweiz abgewickelt worden sei. Die russische Gene-
ralstaatsanwaltschaft beantragte unter anderem die rechtshilfeweise Beschlag-
nahme diverser Bankkonten in der Schweiz, was in der Folge auch geschah. Die 
Aeroflot konstituierte sich als Zivilpartei. Am 18. Dezember 2001 wurde das russi-
sche Strafverfahren gegen Boris Beresowski vom Verfahren gegen die anderen 
Personen abgetrennt. Am 12. März 2004 erging ein erster Schuldspruch eines 
erstinstanzlichen russischen Gerichts gegen verschiedene Personen (vgl. act. 
008246ff.), unter anderem gegen Nikolai Glouchkov in der Hauptsache in Anwen-
dung von Art. 201 russ. StGB wegen Missbrauchs der Autoritätsstellung eines 
Managers in Bereicherungsabsicht zu Lasten der von ihm vertretenen Organisati-
on. Gegen dieses Urteil erhob die Staatsanwaltschaft Berufung; Nikolai Glouchkov 
ergriff keine Rechtsmittel. Mit Urteil vom 3. Juli 2006 erkannte in der Folge das 
Regionalgericht Savelovskii der Stadt Moskau Nikolai Glouchkov, G. und H. des 
Betrugs nach Art. 159 Abs. 3 des russischen Strafgesetzbuches schuldig (Boris 
Beresowski wurde später in Abwesenheit verurteilt). Auch dieses Urteil blieb sei-
tens der Verurteilten unangefochten. Auf den Entscheid wird, soweit erforderlich, 
in den Erwägungen eingegangen (zum Ganzen vgl. Schlussbericht des Eidgenös-
sischen Untersuchungsrichteramts [im Folgenden „URA“] vom 31. Januar 2007, 
act. 013730, S. 1-5, mit Hinw.).      

B. Auf Grund des russischen Rechtshilfeersuchens eröffnete die BA am 31. Januar 
2002 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren gegen A., Rechtsanwalt, Ge-
sellschafter und Verwaltungsratspräsident diverser Gesellschaften der Andava-
Gruppe sowie Bevollmächtigter für verschiedene der auf Antrag der russischen 
Behörden gesperrte Bankkonten in der Schweiz. Bevor die Bundesanwaltschaft 
am 11. Juli 2003 die Eröffnung der Voruntersuchung beantragte, ordnete sie die 
Beschlagnahme an bzw. ersuchte um die Beschlagnahme diverser Unterlagen, 
v.a. Bankunterlagen in der Schweiz und im Ausland. Sie sperrte im Übrigen aus 
eigener Kompetenz die bereits rechtshilfeweise blockierten Bankkonten und zu-
sätzlich bis dahin nicht gesperrte Konten von A. (vgl. Schlussbericht URA, S. 5f., 
sowie den zusammenfassenden Zwischenbericht der Bundeskriminalpolizei [im 
Folgenden „BKP“], act. BA 000343-000357).  

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C. Am 22. Juli 2003 eröffnete das URA die Voruntersuchung gegen A. und erhob am 
23. Februar 2004 gegenüber A. formell die Vorwürfe der Gehilfenschaft zu unge-
treuer Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei und der Unterstützung einer kri-
minellen Organisation. Den letzten Vorwurf liess das URA in der Folge fallen und 
konzentrierte die Untersuchung auf die beiden anderen Vorwürfe. Das URA tätigte 
umfangreiche Beweiserhebungen, insbesondere befragte es verschiedene in die 
Geschäftsvorgänge involvierte Personen. Der Beschuldigte hat sich im Verfahren 
vorwiegend auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen und kaum Aussagen 
zur Sache gemacht. Der Schlussbericht datiert vom 31. Januar 2007 (act. URA 
013730).        

D. Gestützt auf den Schlussbericht des URA erhob die BA am 19. Juli 2007 Anklage 
gegen A. wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen qualifi-
zierter Geldwäscherei (act. 145.100.001-031).  

E. Gerichtliches Vorverfahren 

1. Verhandlungssprache. Obwohl A. deutscher Muttersprache ist, wurde das gesam-
te Vorverfahren in französischer Sprache geführt und die Akten in französischer 
Sprache erstellt. Das Gericht entsprach dem Gesuch der Verteidigung, die Haupt-
verhandlung in deutscher Sprache abzuhalten. Die Verteidigung hatte gleichzeitig 
keine Einwände gegen ein französischsprachiges schriftlich begründetes Urteil.  

2. Da das Vorverfahren in französischer Sprache geführt worden, die Verhandlung 
aber auf Antrag des Angeklagten in deutscher Sprache abzuhalten war, liess das 
Gericht auf Antrag der Verfahrensbeteiligten je zwei Vertreter pro Partei bzw. Dritt-
betroffene zu. Von dieser Möglichkeit machten die BA, die Privatklägerin und die 
Drittbetroffene Andava Gebrauch.  

3. Gemäss Information des Verteidigers waren alle Drittbetroffenen, deren Konten 
beschlagnahmt worden waren, über die Anhebung des gerichtlichen Verfahrens 
im Bild. Spontan konstituierten sich folgende Personen bzw. Firmen als Parteien: 
Forus, Anros, Andava, Ruco und B. Die übrigen Drittbetroffenen in Russland wur-
den - mit Ausnahme der Nachlassberechtigten an dem in der Zwischenzeit ver-
storbenen F. - auf dem Rechtshilfeweg über ihre Rechte und den Antrag der BA 
auf Einziehung sowie über die bevorstehende Hauptverhandlung informiert. Sei-
tens der Adressaten in Russland erfolgte keine Reaktion. Das Gericht geht davon 
aus, dass auch Nikolai Glouchkov über das Verfahren informiert war. Gemäss 
Angabe des Verteidigers war er über das Gerichtsverfahren orientiert (vgl. Schrei-
ben von Fürsprecher Rothenbühler an das Gericht vom 22. Oktober 2007); ein 
schweizerischer Rechtsanwalt, der sich beim Gericht telefonisch informieren woll-
te und die Absicht äusserte, sich als Vertreter von Nikolai Glouchkov zu konstituie-
ren, liess in der Folge nichts mehr von sich hören. Die Vertreter von Ruco und von 
B. teilten mit, nicht am gerichtlichen Verfahren teilnehmen zu wollen, wünschten 

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jedoch, über die weiteren Verfahrensschritte auf dem Laufenden gehalten zu wer-
den.  

4. Beweisanträge: Die Beweisanträge der Parteien (Zeugenbefragung, Beizug einge-
reichter Akten bzw. von Akten von Amtes wegen) hiess der vorsitzende Richter 
weitgehend gut; den Antrag der Verteidigung und der Drittbetroffenen Anros und 
Andava auf Ladung zweier russischer Rechtsanwälte, die Nikolai Glouchkov im 
russischen Strafverfahren vertreten hatten, wies der vorsitzende Richter ab. Eben-
falls auf Antrag der Verteidigung versuchte das Gericht, via BA die Originalbuch-
haltung der Aeroflot für die Anklageperiode einzuholen. Es ergab sich, dass diese 
nicht mehr verfügbar ist (zu den Buchhaltungsunterlagen der Aeroflot vgl. auch 
Schreiben von Fürsprecher Rothenbühler vom 7. Dezember 2007). Auf Antrag der 
Privatklägerin holte das Gericht zwei Entscheide der Aufsichtskommission VSB 
ein, welche Bankkonten im Umfeld des Anklagesachverhalts betreffen. Ebenfalls 
auf Antrag der Privatklägerin verlangte das Gericht beim Schweizerischen Institut 
für Rechtsvergleichung in Lausanne Auskünfte über Gutachten, die dort im Auf-
trag anderer Verfahrensbeteiligter erstellt worden waren.  

5. Von Amtes wegen holte das Gericht bei der BA zusätzliche Unterlagen ein und es 
stellte dem Buchhaltungsexperten des URA schriftlich Zusatzfragen zu seinen Be-
richten. Einzelne Fragen konnte der Experte unter Hinweis auf mangelnde Kennt-
nis der wirtschaftlichen Verhältnisse in Russland nicht beantworten. 

6. Zusatz zur Anklageschrift: Mit Schreiben vom 14. Februar 2008 teilte der vorsit-
zende Richter dem zuständigen Vertreter der BA mit, dass in Erwägung gezogen 
werde, den Anklagevorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung unter dem Titel 
der Gehilfenschaft zu prüfen, und er lud die BA ein, die Anklageschrift (im Folgen-
den „AS“) gegebenenfalls zu ergänzen bzw. zu modifizieren. Mit Schreiben vom 
20. Februar 2008 teilte die BA mit, es bestehe kein Anlass, die AS zu modifizie-
ren. In der Folge wandte sich der vorsitzende Richter direkt an den Bundesanwalt 
und legte im Anschluss daran seine Kontakte mit der Anklagebehörde im Ganzen 
in einer allen Parteien zugestellten Aktennotiz vom 21. Februar 2008 offen. Am 
26. Februar 2008 reichte die BA einen Zusatz zur Anklageschrift ein (act. 
145.100.037-041).   

7. Verfahrensanträge: Nach Eingang der Zusatz-Anklageschrift beantragte die Ver-
teidigung, die Hauptverhandlung vom 4. März 2008 sei zu verschieben und diese 
sei aus dem Recht zu weisen (act. 145.960.011-016). Mit Verfügung vom 28. Feb-
ruar 2008 wies der Vorsitzende den letzt genannten Antrag ab (act. 145.450.005). 
Mit Präsidialverfügung vom 29. Februar 2008 wurde der Sistierungsantrag abge-
wiesen (act. 145.450.006-008), unter Hinweis auf eine Reihe offener Fragen, die, 
mit Gewährung des rechtlichen Gehörs für alle Parteien, nur in einer mündlichen 
Verhandlung ohne unverhältnismässigen Aufwand beantwortet werden könnten. 
Zudem teilte er mit, dass nach Eröffnung der Hauptverhandlung sämtliche bereits 

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gestellten Beweis- und Verfahrensanträge an das Gericht noch einmal einge-
bracht und überdies neue Anträge gestellt werden könnten. Das Bundesgericht 
trat auf eine dagegen gerichtete Beschwerde nicht ein und wies das Sistierungs-
gesuch ab (act. 145.960.007-010).  

F. Gerichtliches Hauptverfahren 

1. Der erste Teil der Hauptverhandlung fand am 4. März 2008 in Anwesenheit der 
Parteien sowie der Drittbetroffenen Anros, Andava und Forus statt (act. 
145.910.001-015). Die Vertreter der Firma Ruco und von B. blieben der Verhand-
lung entschuldigt fern.  

1.1 Nach Behandlung der Präliminarien rekapitulierte der vorsitzende Richter unter 
Hinweis auf seine Aktennotiz vom 21. Februar 2008 die Umstände, unter welchen 
die Zusatz-Anklageschrift zustande gekommen war und er räumte den Parteien 
die Gelegenheit ein, dem Gericht und der Bundesanwaltschaft dazu Fragen zu 
stellen. Dabei ergab sich, dass der Bundesanwaltschaft seitens des Gerichts kei-
nerlei Instruktionen erteilt worden sind. Auf explizite Rückfrage an die Verfahrens-
beteiligten war festzustellen, dass kein Ausstandsbegehren gegen den Spruch-
körper oder einzelne Mitglieder desselben gestellt wurden (act. 145.910.005).  

1.2 Beweisanträge: Im Wesentlichen wurden von der Verteidigung bzw. von den Dritt-
betroffenen Anros und Andava anlässlich der Verhandlungseröffnung folgende 
Beweisanträge erneuert bzw. neu gestellt: Es seien die beiden russischen Straf-
verteidiger von Nikolai Glouchkov als Zeugen zu befragen, damit sie über Verfah-
rensfehler in Russland berichten könnten (bzw. es seien alternativ, so Anros, die 
Protokolle der privat von der Verteidigung in Z. durchgeführten Befragungen zu 
den Akten zu erkennen) und es seien die im Vorverfahren eingereichten weiteren 
Unterlagen zu den Akten zu erkennen; soweit es sich dabei um Übersetzungen 
handelte, stellten Verteidigung und Drittbetroffene deren Autorisierung in Aussicht. 
Die Ladung der russischen Rechtsanwälte als Zeugen lehnte das Gericht erneut 
ab, die übrigen Beweisanträge hiess es gut (act. 124.910.016 f. [zur Begründung, 
vgl. Erwägungen unten]).  

1.3 Verfahrensanträge: Die Verteidigung bzw. die Drittbetroffenen Anros SA und An-
dava Finance Ltd stellten folgende Verfahrensanträge: es sei die Zusatz-
Anklageschrift aus den Verfahrensakten zu weisen; es sei der Privatklägerin Aero-
flot die Parteistellung abzusprechen und sie sei aus der Verhandlung auszu-
schliessen; es seien die Gutachten des Experten Bardola aus den Akten zu wei-
sen und der Experte selbst in der Verhandlung nicht zuzulassen; es sei der ganze 
wirtschaftliche Sachverhalt von einem anderen, noch zu bestimmenden Experten 
neu zu begutachten; die Verhandlung sei zu vertagen. Das Gericht wies die Ver-

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fahrensanträge im Wesentlichen ab (act. 124.910.016 f.) [zur Begründung, vgl. 
Erwägungen unten]), stellte jedoch in Aussicht, einen zusätzlichen Experten für 
die Fortsetzung der Verhandlung zu laden, damit dieser vom Experten Bardola of-
fen gelassene Fragen beantworte. Schliesslich vertagte das Gericht die Verhand-
lung auf den 9. Juni 2008, um den Beteiligten die für die Vorbereitung Verteidi-
gung gegen die Zusatz-Anklageschrift erforderliche Zeit einzuräumen sowie um 
einen zweiten Sachverständigen zu bestimmen, der zu den vom Experten Bardola 
offen gelassenen Fragen Stellung nehmen könnte und insbesondere in der Lage 
wäre, Angaben zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und Geschäftsusanzen in 
Russland während der 90-er Jahre zu machen. 

2. Das gerichtliche Verfahren zwischen dem 5. März 2008 und dem 8. Juni 2008 

2.1 Zwischen der ersten und der zweiten Hauptverhandlung hatte das Gericht von 
Amtes wegen einen Bankfachmann als zusätzlichen Experten zu bestimmen. Eine 
erste Ernennung scheiterte an der Befürchtung des Betroffenen, es könnte ein In-
teressenkonflikt entstehen.  

Das wiederum von einzelnen Verfahrensbeteiligten gestellte Begehren, der ge-
samte Sachverhalt sei umfassend neu zu begutachten, wies das Gericht ab.  

Mit dem Einverständnis aller Verfahrensbeteiligten ernannte das Gericht Herrn 
Steven Beekman als zusätzlichen Experten, nachdem Interessenkonflikte ausge-
schlossen werden konnten. Zwecks Vorbereitung der mündlichen Befragung wäh-
rend der Verhandlung übermittelte das Gericht dem Experten die wesentlichen 
Unterlagen, insbesondere die vom Experten Bardola offen gelassenen Fragen 
und teilte ihm zugleich mit, dass es ihm frei stehe, in die gesamten Akten Einblick 
zu nehmen, falls ihm das erforderlich erscheine. Überdies stellte es ihm einen Teil 
der Akten (insb. Einvernahmeprotokolle) in elektronischer Form zu. 

2.2 Unmittelbar vor Beginn des zweiten Verhandlungsteils reichten die Drittbetroffe-
nen Andava und Anros zusätzliche Unterlagen ein - in der Hauptsache autorisierte 
Übersetzungen von Unterlagen, die bereits vor der ersten Hauptverhandlung ohne 
Autorisierung eingereicht worden waren, sowie eine in ihrem Auftrag durch I., Ex-
perte für osteuropäische Rechtssysteme beim Schweizerischen Institut für 
Rechtsvergleichung, erstellte gutachterliche Analyse diverser Prozessunterlagen 
(Aufzählung aller zu den Akten genommenen Dokumente vgl. Anhang des Haupt-
verhandlungsprotokolls).  

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3. Der zweite Teil der Hauptverhandlung fand vom 9. bis zum 12. Juni 2008 am Sitz 
des Gerichts statt. Es wurden als Experten Curdin Bardola und Steven Beekman 
gemeinsam, als Zeugen J., K., L. und I. sowie als Auskunftspersonen Philippe 
Séchaud und Jean-Claude Gsponer befragt.  

Die Eröffnung des Urteils betreffend Schuld, Strafe und Kosten für den Angeklag-
ten sowie die Zivilforderung im Grundsatz fand am 11. Juli 2008 in öffentlicher 
Verhandlung statt; betreffend allfällige Einziehung entschied das Gericht wie folgt: 
„Der Entscheid über die allfällige Einziehung beschlagnahmter Vermögenswerte, 
gegebenenfalls über deren Verwendung sowie über das allfällige Festsetzen von 
Ersatzforderungen gegenüber einzelnen Verfahrensbeteiligten ergeht später in 
Schriftform.“ Den am 27. Oktober 2008 in geheimer Beratung getroffenen ergän-
zenden Entscheid betreffend Einziehungen, Ersatzforderungen und Beschlag-
nahmungen eröffnete das Gericht schriftlich. Die beiden Entscheide sind im vor-
liegenden Urteil (Dispositiv) zusammengeführt und werden im Folgenden als 
Ganzes begründet.  

G. Das Hauptverhandlungsprotokoll wurde unter Hinweis auf und im Sinne von Art. 
181 BStP verfasst, soweit es deutschsprachige Verhandlungsteile betrifft als 
Wortprotokoll, soweit es französischsprachige Verhandlungsteile betrifft als zu-
sammenfassendes Protokoll. Gleichzeitig wurde die gesamte Hauptverhandlung 
mit dem Einverständnis der Beteiligten auf Tonträger aufgezeichnet. Von der vom 
Vorsitzenden eröffneten Möglichkeit, während der Verhandlung überprüfen zu las-
sen, wie eine bestimmte Aussage protokolliert worden ist, wurde kein Gebrauch 
gemacht. Nach Eröffnung des Teilentscheids vom 27. Oktober 2008 wurden die 
Protokolle denjenigen Verfahrensbeteiligten zugestellt, die dies verlangt hatten. In 
der Folge wurden Mängel in der zusammenfassenden Protokollierung geltend 
gemacht. Von der darauf eingeräumten Möglichkeit, gestützt auf die Tonaufzeich-
nungen Protokollberichtigungen bzw. -ergänzungen zu beantragen, machten die 
Verteidigung und die Drittbetroffenen Anros und Andava Gebrauch. Das Gericht 
hat nach Einsicht in die eingereichten Ergänzungs- und Modifikationsbegehren 
beschlossen, von den französischsprachigen Verhandlungsteilen eine Transkripti-
on der Tonaufzeichnung zu erstellen, um ein allfälliges Rechtsmittelverfahren 
nicht unnötig mit Beschwerden betreffend die Protokollierung zu belasten und es 
den Beteiligten zu ermöglichen, auf die Tonaufzeichnung Bezug zu nehmen. Das 
ursprüngliche Protokoll verblieb unverändert in den Akten (vgl. Entscheid der 
Strafkammer vom 17. Dezember 2008).  

 

 

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Das Gericht erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Anwendbares Recht 

Grundsätzlich ist dasjenige Recht anwendbar, welches zum Zeitpunkt der ange-
klagten Tat in Kraft war, in casu mithin altes Recht. Das neue Recht gelangt zu 
Anwendung, wenn es milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). In materieller Hinsicht un-
terscheiden sich das alte und das neue Recht nicht; dasselbe gilt hinsichtlich 
schweizerischer Gerichtsbarkeit in den hier relevanten Punkten; verjährungsrech-
tlich führen sowohl das alte wie das neue Recht zu einer Frist der Verfolgungsver-
jährung von 15 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. a nStGB); soweit die Verjährung von 
Vergehen in Frage stünde (einfache ungetreue Geschäftsbesorgung, einfache 
Geldwäscherei), wären die Taten nach altem und nach neuem Recht verjährt 
(sieben bzw. siebeneinhalb Jahre ab 1997); ebenso verhält es sich schliesslich für 
das Recht der Einziehung. Insoweit ist also integral altes Recht anzuwenden. Ein-
zig hinsichtlich der Strafzumessung ist das neue Recht in mehrfacher abstrakter 
und konkreter Hinsicht milder: In casu kommt eine Strafe in Betracht, welche nach 
altem Recht nur unbedingt ausgefällt werden könnte, für welche aber nach neuem 
Recht der voll- oder der teilbedingte Vollzug möglich wäre (zwischen achtzehn 
Monaten und drei Jahren). Sodann kennt das neue Recht zwei obligatorische 
Strafmilderungsgründe, welche nach altem Recht fakultativ waren (Art. 25 StGB 
und Art. Art. 48 lit. e StGB). Das Gericht wendet insoweit neues Recht an. (Müsste 
die Wahl einheitlich getroffen werden, wäre integral neues Recht anzuwenden, 
welches sich in relevanten Punkten nur hinsichtlich der Strafzumessung als milde-
res vom alten unterscheidet).      

1.2 Schweizerische Gerichtsbarkeit 

Die Verteidigung und die Drittbetroffenen Andava und Anros machen geltend, für 
die eingeklagten Taten sei die schweizerische Gerichtsbarkeit nicht gegeben (Ver-
teidigung: jedenfalls für die Vermögensdelikte). Die Anklageschrift und deren Zu-
satz umschreiben in der Schweiz und in Russland begangene Taten. Der Ange-
klagte ist für seine Handlungen in der Schweiz angeklagt. Insoweit ist die schwei-
zerische Gerichtsbarkeit ohne weiteres gegeben. Soweit der Angeklagte gegebe-
nenfalls nur der Gehilfenschaft schuldig wäre, hinge seine Strafbarkeit bezie-
hungsweise örtliche Zuständigkeit für seine Verfolgung nach dem Prinzip der Ak-
zessorietät vom Ort der Strafbarkeit des Haupttäters ab (BGE 104 IV 77, vgl. auch 
Popp/Levante, Basler Kommentar zum Strafgesetzbuch, Band I, Basel 2007, N. 
14 zu Art. 8). Sollte dieser nur im Ausland gehandelt haben beziehungsweise nur 

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im Ausland belangt werden können, dürfte der Angeklagte grundsätzlich auch nur 
dort strafrechtlich verfolgt werden.  

Der Haupttäter, Nikolai Glouchkov, hat in casu sowohl in Russland als auch in der 
Schweiz gehandelt: Aus den Akten geht hervor, dass er an Sitzungen in der 
Schweiz teilgenommen (act. 0071.66 ff.; act. 0072.70) und diverse mit den inkri-
minierten Taten im Zusammenhang stehende Verträge in der Schweiz unter-
schrieben hat (act. 0040.97 ff.). Nikolai Glouchkov unterzeichnete beispielsweise 
im Namen der Aeroflot in Lausanne am 9. Mai 1996 mit K. seitens der Aeroflot 
das Agreement (ref. Nr. 9604-AFL01 [act. 004097 ff.]) sowie die Interest, Fees 
and Commissions (act. 004104). Ausserdem war Nikolai Glouchkov als Organ in-
nerhalb der Andava-Gruppe, von welcher Einzelgesellschaften Sitz in der Schweiz 
hatten, mit der Schweiz verbunden. Er wäre also gemäss Art. 3 Abs. 1 StGB in 
der Schweiz strafrechtlich verfolgbar. Daran ändert nichts, dass er faktisch nur in 
Russland angeklagt und dort verurteilt worden ist. Der Umstand, dass Nikolai 
Glouchkov auch in der Schweiz gehandelt hat und deshalb in der Schweiz hätte 
verfolgt werden können, genügt für die präsumtive Bejahung der schweizerischen 
Gerichtsbarkeit für Nikolai Glouchkov. 

Überdies sind die schweizerischen Behörden nach Art. 7 aStGB bzw. Art. 8 
nStGB befugt, einen Täter strafrechtlich zu verfolgen, der exklusiv im Ausland ge-
handelt hat, wenn der Deliktserfolg in der Schweiz eingetreten ist. Das ist vorlie-
gend der Fall, zumal Aeroflot ihr Devisenvermögen auf Dauer von Andava in Lau-
sanne verwalten liess und der präsumtive Schaden auch dort - in dem in Lau-
sanne verwalteten Devisenvermögen der Aeroflot - eingetreten ist (was im Übri-
gen auch für die Bereicherung gilt). Nikolai Glouchkov hätte demnach selbst dann 
in der Schweiz strafrechtlich verfolgt werden können, wenn er ausschliesslich im 
Ausland gehandelt hätte.  

Daraus folgt, dass auch für die allenfalls nur als Gehilfenhandlungen zu qualifizie-
renden Taten des Angeklagten in der Schweiz die schweizerische Gerichtsbarkeit 
gegeben ist. Das neue Recht führt zu keinem anderen Ergebnis.  

Die materielle Strafbarkeit von Nikolai Glouchkov nach schweizerischem Recht ist 
gegebenenfalls als Vorfrage zu prüfen; dass er sich nach russischem Recht straf-
bar gemacht hat, ergibt sich aus seiner ersten, nur von der Staatsanwaltschaft, 
nicht aber von ihm selbst angefochtenen Verurteilung sowie aus der zweiten und 
rechtskräftigen Verurteilung ohne weiteres.  

 

 

- 14 - 

1.3 Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts 

Die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts wurde nicht in Frage gestellt. Sie ist 
gestützt auf Art. 340bis aStGB (bzw. Art. 337 nStGB) zu bejahen. Im Übrigen geht 
die bundesgerichtliche Rechtsprechung dahin, dass die Strafkammer ihre Zustän-
digkeit aus Zweckmässigkeits- und Effizienzgründen nicht in Frage zu stellen hat, 
es sei denn, die Bundesanwaltschaft mache Bundeszuständigkeit in missbräuchli-
cher Art und Weise geltend, was vorliegend offensichtlich nicht der Fall ist (BGE 
133 IV 235 E. 7.1).  

1.4 Beweisanträge  

1.4.1 Sämtliche von den Parteien und Drittbetroffenen zusätzlich eingereichten Unterla-
gen stehen im Zusammenhang mit dem vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt 
und werden deshalb zu den Verfahrensakten des Gerichts genommen. Dasselbe 
gilt für die auf Antrag der Privatklägerin bei der Bankenkommission herausver-
langten Entscheide der Aufsichtskommission VSB betreffend Bankkonten bei der 
Bank E. und der Bank D., welche vom Angeklagten eröffnet bzw. verwaltet wor-
den sind, sowie die von den Banken edierten internen Compliance-Akten gemäss 
Geldwäschereigesetzgebung.  

1.4.2 Ohne Ergebnis blieben die von der Privatklägerin beantragten Anfragen des Ge-
richts beim Schweizerischen Institut für Rechtsvergleichung, da sich dieses unter 
Hinweis auf Geheimnispflichten weigerte, Auskunft über den Gegenstand eines 
von einem Verfahrensbeteiligten bestellten Gutachtens sowie über die Identität 
des Bestellers zu geben.  

1.4.3 Das Gericht weist den bereits im Vorverfahren beim Vorsitzenden gestellten An-
trag auf persönliche Befragung zweier Rechtsanwälte ab, die Nikolai Glouchkov in 
den russischen Verfahren verteidigt hatten. Angebliche Fehler in den russischen 
Verfahren sind für das schweizerische Strafverfahren, wenn überhaupt, nur von 
ganz mittelbarer Bedeutung. Wollte sich das Gericht, wenn es dies überhaupt für 
relevant erachten würde, ein zuverlässiges Bild der russischen Verfahren ver-
schaffen, müssten neben den Verteidigern auch die Ankläger und die Richter als 
Zeugen befragt werden, was den Rahmen und den Zweck des nationalen Straf-
verfahrens offensichtlich sprengen würde. Im Übrigen hat die Verteidigung eine 
private Befragung eines der beiden Rechtsanwälte in Z. durchgeführt. Das Proto-
koll dieser Befragung ist beim Gericht samt einer privatgutachterlichen Analyse 
dessen sowie weiterer Akten durch das Institut für Rechtsvergleichung zu den Ak-
ten gegeben worden (vgl. oben F.1.2). Das Gericht verfügt demnach über hinrei-
chende Unterlagen, um sich ein Bild der behaupteten Verfahrensmängel in Russ-
land zu machen, soweit das überhaupt erforderlich ist (vgl. dazu unten 1.5.4)  

- 15 - 

1.5 Verfahrensanträge der Verteidigung und der Drittbetroffenen 

1.5.1 Parteistellung der Geschädigten: Zunächst wird geltend gemacht, dass die Privat-
klägerin nicht als Partei zum Verfahren zugelassen werden dürfe und deshalb von 
der Prozessteilnahme auszuschliessen sei. Sie habe bereits in Russland eine 
Schadenersatzforderung zu Lasten von Nikolai Glouchkov und dessen Mitange-
klagten zugesprochen erhalten; insoweit handle es sich um eine res iudicata. Im 
Übrigen versuche die mutmasslich Geschädigte, im schweizerischen Strafverfah-
ren gegen den hier Angeklagten eine sehr viel höhere Schadenersatzforderung 
durchzusetzen als diejenige, die sie im russischen Verfahren geltend gemacht ha-
be bzw. ihr als Schadenersatz zugesprochen worden sei. Das Gericht weist den 
Antrag ab, da es sich in casu aus folgenden Gründen nicht um eine res iudicata 
handelt: Vorliegend wird gegen den Angeklagten verhandelt und nicht gegen die 
in Russland angeklagten und verurteilten Personen. Die Identität der strafrechtlich 
angeklagten adhäsionsweise zivilrechtlich beklagten Personen ist nicht gegeben, 
weshalb sich die Rechtskraft der russischen Urteile nicht auf den Angeklagten be-
zieht. Es steht einer allenfalls Geschädigten frei, gegen eine andere Person, die in 
einem anderen Land angeklagt wird, eine Schadenersatzforderung adhäsionswei-
se zu stellen, auch wenn sie in ihrem nationalen Strafverfahren gegen weitere Be-
teiligte bereits vorgegangen ist. Darüber hat die jeweils befasste Justiz ebenso au-
tonom zu entscheiden wie über die Höhe des gegebenenfalls zuzusprechenden 
Ersatzes.  

Zum selben Ergebnis führt die teleologische Auslegung der Rechtslage: Der Ge-
setzgeber wollte mit den Artikeln 58f. aStGB bzw. 70ff. nStGB die Restitution des 
strafrechtlich Geschädigten durch direkte Zuwendung beschlagnahmter Gelder 
bzw. durch Zusprechung von eingezogenen Vermögenswerten und Ersatzforde-
rungen in einem einfachen Verfahren sicherstellen. Deshalb muss die Teilnahme 
der Privatklägerin möglich sein, damit die mutmasslich in einem kriminellen Ge-
schäftskomplex erzielten Gelder, welche in der Schweiz beschlagnahmt worden 
sind, im Falle eines Schuldspruchs an eine allfällige Schadenersatzforderung an-
gerechnet und gegebenenfalls der Privatklägerin direkt herausgegeben werden 
können. Anders entscheiden hiesse, dass Gelder, die hier beschlagnahmt sind, 
nicht mehr in einem Adhäsionsverfahren herausverlangt werden könnten, wenn 
sie durch auch im Ausland begangene Taten kriminell erlangt und die ausländi-
schen Täter im Ausland bereits belangt worden sind, während die strafrechtliche 
Verfolgung anderer Täter in der Schweiz noch nicht abgeschlossen ist. Dies wi-
derspräche Sinn und Zweck der vom Gesetzgeber gewollten Gesetzesdispositio-
nen. Die Privatklägerin ist demnach im Verfahren als Partei zuzulassen.  

1.5.2 Die Verteidigung stellt den Antrag, die Zusatzanklageschrift vom 26. Februar 2008 
sei aus dem Recht zu weisen: Sie genüge dem Anklagegrundsatz nicht, weil u.a. 

- 16 - 

nicht klar sei, auf welchen Zeitraum und Ort sie sich beziehe, und sie sei zu spät 
eingegangen, weshalb es nicht möglich gewesen sei, die Verteidigung angemes-
sen vor dem Hintergrund der neuen Sachlage vorzubereiten. 

Die Ergänzung der Anklageschrift vom 26. Februar 2008 ist klar als Zusatz bzw. 
Ergänzung gekennzeichnet; die zusätzlichen Schilderungen beziehen sich klar 
und deutlich auf die Geschäftsvorgänge, die Gegenstand der Hauptanklageschrift 
sind, erweitert allein um den Fokus auf Nikolai Glouchkov. Die Angaben des An-
klagezusatzes sind im Zusammenhang mit der Hauptanklage hinreichend klare 
Schilderungen dessen, was dem Angeklagten vorgeworfen wird. Sie ermöglichen 
dem Angeklagten und der Verteidigung, das Recht der Verteidigung vollumfäng-
lich wahrzunehmen. Dem Anklagegrundsatz ist damit Genüge getan. Der Antrag 
ist demnach abzuweisen. Soweit sich der Antrag auf Verunmöglichung der Vertei-
digung in zeitlicher Hinsicht bezieht, ist er nach dem Entscheid über die Vertagung 
der Verhandlung gegenstandslos geworden.  

1.5.3 Im Weiteren beantragen Verteidigung und Drittbetroffene, die Expertisen des 
Sachverständigen Bardola seien aus den Verfahrensakten zu entfernen und der 
Sachverständige Bardola sei aus dem Verfahren auszuschliessen bzw. er dürfe 
im weiteren Verfahren nicht als Sachverständiger befragt werden; schliesslich sei 
der Sachverhalt von einem anderen Experten neu zu begutachten. Zur Begrün-
dung wird einerseits geltend gemacht, dass Curdin Bardola als Angestellter des 
Untersuchungsrichteramtes nicht unabhängig sei und deshalb gar nicht als Sach-
verständiger amten dürfe (b.), anderseits wird darauf hingewiesen, dass der 
Sachverständige mit seiner Antwort, die vom Gericht schriftlich gestellten Zusatz-
fragen nicht beantworten zu können, eingestehe, von den relevanten Zusammen-
hängen nichts zu verstehen (c.). Wesentliche materielle Einwände gegen die 
Richtigkeit der von ihm erstellten Berichte werden indessen keine vorgebracht, 
ausser dem Umstand, dass die Originalbuchhaltung der Aeroflot nicht zu Grunde 
gelegt worden sei (d.).  

a) Zunächst ist festzuhalten, dass der Antrag auf Ausschluss der Berichte Bardo-
la aus den Akten grundsätzlich verspätet erfolgt, insoweit gleichzeitig beantragt 
wird, der Sachverhalt sei neu zu begutachten. Den Verfahrensbeteiligten war spä-
testens im Herbst 2007 klar, dass das Gericht wesentlich auf diese abstellen wür-
de, nachdem die Bundesanwaltschaft bereits mit Anklageerhebung die gesamten 
Verfahrensakten als Beweismittel beantragt hatte. Insofern später entstandene 
Gründe geltend gemacht werden, ist materiell zu entscheiden. 

b) Soweit die Unabhängigkeit des Buchhaltungsexperten Curdin Bardola aus in-
stitutionellen Gründen bestritten wird, ist der Antrag unbegründet: Als Angestellter 
des Eidgenössischen Untersuchungsrichteramtes gehört er einer richterlichen Be-

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hörde an, die als solche zur Unparteilichkeit verpflichtet ist. Das Untersuchungs-
richteramt ist im Übrigen auch nicht Partei im Verfahren. Sodann hat Curdin Bar-
dola auf entsprechende Frage des Gerichts geantwortet, innerhalb des Amts un-
abhängig und ohne Weisungen seitens des zuständigen Untersuchungsrichters 
zu arbeiten. Es sind mithin keine Gründe ersichtlich, an der Neutralität des amtsin-
ternen Buchhaltungsexperten Curdin Bardola zu zweifeln und ihn deshalb vor Ge-
richt nicht als Sachverständigen zu befragen. Dasselbe gilt hinsichtlich der Ver-
wertbarkeit der von ihm erstellten oder mitverantworteten Berichte zu den inkrimi-
nierten Geschäftsvorgängen.  

c) Unbegründet ist der Antrag auch insoweit, als die Fachkompetenz des Sach-
verständigen in Frage gestellt wird, weil er zu einzelnen Fragen betreffend Ge-
schäftsbedingungen und -usanzen in Russland während der 90-er Jahre nicht zu 
antworten vermochte. Der Umstand, dass ein Sachverständiger die Grenzen sei-
nes Wissens klar kennzeichnet, spricht nicht gegen seine Fachkompetenz, im 
Gegenteil: Dies wäre gerade dann der Fall, wenn er Fragen zu Sachverhalten be-
antworten würde, die er nicht oder nicht hinreichend kennt. Im Übrigen haben die 
in casu fehlenden Kenntnisse keinerlei Auswirkungen auf den Wahrheitsgehalt der 
erstellten Berichte, welche die Buchhaltung und die Geldflüsse betreffen und nicht 
die in Russland üblichen Geschäftsmodalitäten im letzten Jahrzehnt. 

d) Soweit gerügt wird, die Berichte Bardola seien nicht zuverlässig, weil sie ohne 
Kenntnis der Originalbuchhaltung der Aeroflot erstellt worden seien, ist die Argu-
mentation nicht stichhaltig: Die Analyse der Verträge und der darauf beruhenden 
Geschäftsmechanismen zwischen Andava und Aeroflot sowie der Geldflüsse ist 
ohne weiteres in zuverlässiger Weise möglich, ohne dass deren Abbildung in der 
in Moskau geführten Buchhaltung der Aeroflot berücksichtigt wird, zumal die in der 
Schweiz beschlagnahmten und analysierten Geschäftsunterlagen die gesamten 
inkriminierten Vorgänge wiedergeben. Das Gericht geht im Übrigen davon aus, 
dass die bei Aeroflot als Kosten (Zinsen, Konventionalstrafen) angefallenen inkri-
minierten Einnahmen der Andava in der Buchhaltung der Aeroflot ausgewiesen 
worden sind. 

Andere materielle Einwände gegen die Richtigkeit der erstellten Berichte wurden 
im Übrigen nicht erhoben und sind auch nicht ersichtlich. Damit ist auch auf eine 
neue gutachterliche buchhalterische Analyse der inkriminierten Geschäftsvor-
gänge zu verzichten.  

e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Anträge betreffend Curdin Bar-
dola als Sachverständigen, die Verwertbarkeit seiner Berichte und die Neubegut-
achtung des Sachverhalts abzuweisen sind.  

- 18 - 

f) Das Gericht entscheidet sodann, die Sachverständigen Bardola und Beekman 
gemeinsam zu befragen und weist den Antrag der Drittbetroffenen Andava auf ge-
trennte Befragung ab. Da der Sachverständige Beekman vor Gericht geladen 
wurde, um Fragen zu beantworten, für deren Beantwortung sich Curdin Bardola 
nicht kompetent erachtete, erscheint die gemeinsame Befragung sachgerecht und 
rechtlich unproblematisch. Im Übrigen standen beide Personen unter der Wahr-
heitspflicht von Art. 307 StGB und Art. 93ff. BStP. 

1.5.4 Angebliche Verfahrensfehler in Russland 

a) Die Verteidigung sowie die Drittbetroffenen Anros und Andava bringen vor, 
dass es im russischen Strafverfahren zu einer Vielzahl von Verfahrensfehlern so-
wohl hinsichtlich der russischen Strafprozessordnung wie auch hinsichtlich der 
EMRK gekommen sei. Diese Fehler wögen insgesamt so schwer, dass auf die 
Ergebnisse des russischen Verfahrens nicht abgestellt werden dürfe, da andern-
falls der schweizerische ordre public verletzt würde. Es handle sich im Übrigen 
beim gesamten russischen Strafverfahren um die Abrechnung einer neuen 
Machtelite mit den Repräsentanten der alten, um einen gleichsam politisch moti-
vierten Strafprozess also.  

b) Die mittels diverser Eingaben - insbesondere das Gutachten I. des Instituts für 
Rechtsvergleichung in Lausanne - geltend gemachten angeblichen Verfahrens-
fehler betreffen ganz unterschiedliche Aspekte der im Zusammenhang stehenden 
russischen Verfahren, so insbesondere Fristen, Anordnung und Dauer der Unter-
suchungshaft, Haftbedingungen, fehlende faktische Unabhängigkeit der erken-
nenden Gerichte (angebliche Druckversuche seitens der Staatsanwaltschaft bzw. 
der Politik), faktische Beschränkung der Verteidigungsrechte u.w.m..  

c) Zum Gutachten I. ist festzustellen, was folgt: Wie sich in der Verhandlung 
zeigte, war es der Vertreter der Anros, der bereits zu einem frühen Zeitpunkt im 
gerichtlichen Verfahren das Institut für Rechtsvergleichung als Gutachter manda-
tiert hat. Wenigstens ein Gutachten war erstellt worden, ohne dass dieses jedoch 
beim Gericht eingereicht worden wäre. Das Institut verweigerte jede Auskunft ge-
genüber dem Gericht sowohl hinsichtlich der Klientschaft wie auch hinsichtlich des 
Inhalts des Auftrags unter Hinweis auf Geheimhaltungspflichten. Wegen angebli-
cher Interessenkonflikte war das Institut nicht bereit, einen Auftrag der im Verfah-
ren als Geschädigte auftretenden Aeroflot entgegenzunehmen. Die Drittbetroffe-
nen Anros und Andava reichten erst unmittelbar vor Beginn des zweiten Haupt-
verhandlungsteils ein Gutachten des Instituts ein. Wie die Befragung des Gutach-
ters I. als Zeuge vor Gericht ergab, hatte er die von ihm schliesslich zu beurteilen-
den Unterlagen von den Auftraggebern erst wenige Tage vorher erhalten. Seinen 
Bericht stützte er auf eine von den Drittbetroffenen zusammengestellte - und im 

- 19 - 

Gutachten ausgewiesene - Auswahl von Unterlagen, die auch beim Gericht einge-
reicht worden sind. Einblick in die übrigen Verfahrensakten hatte er nicht. Seine 
Schlussfolgerungen im Gutachten bzw. als Zeuge in der Verhandlung stützen sich 
teilweise allein auf die Aussagen der Verteidiger von Nikolai Glouchkov (z.B. for-
melle Fragen betreffend dessen Untersuchungshaft in Russland); gewisse 
Schlussfolgerungen erscheinen mehr als Mutmassungen, denn als abgestützte 
gutachterliche Untersuchungsergebnisse (z.B. hinsichtlich der Motive für die an-
geblich tiefen Strafmasse im russischen Strafverfahren). Das Gericht hat weder 
Anlass, das Prozessverhalten der Drittbetroffenen zu qualifizieren noch Anlass, 
die Geschäftspraxis des Schweizerischen Instituts für Rechtsvergleichung zu be-
urteilen. Es versteht sich unter den gegebenen Umständen jedoch von selbst, 
dass das Gutachten I. ausschliesslich als Privatgutachten und als Parteibehaup-
tung entgegengenommen werden kann und nicht als gutachterliche Expertise ei-
ner neutralen eidgenössischen Fachbehörde taugt.  

d) Die Vorbringen hinsichtlich angeblicher russischer Verfahrensfehler zielen als 
pauschale im Grundsatz an der Sache vorbei. Die schweizerische Gerichtsbarkeit 
hat - im Rahmen eines nationalen Verfahrens und gestützt auf die in diesem Ver-
fahren erstellten Akten - das schweizerische Strafprozessrecht anzuwenden und 
auf diesem Weg ihr Urteil zu finden. Fehler konnexer ausländischer Verfahren 
sind, wenn überhaupt, nur insoweit relevant, als sie Auswirkung haben auf die ma-
terielle Richtigkeit von im nationalen Verfahren rechtshilfeweise hinzugezogenen 
ausländischen Aktenstücken - die insoweit der freien richterlichen Beweiswürdi-
gung unterliegen - oder nach schweizerischem oder internationalem Recht zu de-
ren formellen Unverwertbarkeit führen würden (so beispielsweise Protokolle von 
Aussagen unter Folter, vgl. zum Ganzen beispielsweise Piquerez, Traité de pro-
cédure pénale suisse, 2. Auflage, § 92, N 692; § 95 ff., Hauser/Schweri/Hartmann, 
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, § 60).  

e) Der Hinweis auf russische Verfahrensschritte, die dem schweizerischen ordre 
public widersprechen, ist insoweit pauschal, als nicht konkret und im Einzelnen 
dargetan wird, welche angeblichen Fehler sich in welcher Weise auf das schwei-
zerische Verfahren auswirken würden. So könnte vieles ohne weiteres offen ge-
lassen werden, da die angeblichen Fehler für das schweizerische Verfahren selbst 
dann nicht relevant wären, wenn sie sich tatsächlich ereignet haben sollten (z.B. 
Verletzungen strafprozessualer Formalitäten nach russischem Recht betreffend 
Haftanordnung). Weshalb das zweite, die Parteien vor allem zu interessieren 
scheinende Urteil gegen Nikolai Glouchkov und Konsorten als Ganzes unverwert-
bar sein sollte, wird nicht dargetan. Dasselbe gilt im Einzelnen: So ist zum Beispiel 
nicht dargetan, ob und wie sich die unterschiedliche Zusammenfassung und Wür-
digung von Zeugenaussagen im ersten und im zweiten russischen Strafverfahren 
überhaupt auf die im schweizerischen Verfahren materiell zu klärenden Fragen 

- 20 - 

auswirkt. Die behaupteten Widersprüche beziehen sich nicht auf die dem Ange-
klagten in der Schweiz vorgeworfenen Handlungen.  

Sodann ist festzustellen, dass die Beanstandungen vor allem das zweite, auf Be-
rufung der Staatsanwaltschaft hin ergangene Urteil vom 3. Juli 2006  (act. 
011605-464 bis 545) betreffen, mit welchem Nikolai Glouchkov und Konsorten des 
Betrugs schuldig gesprochen worden sind (angebliche Verfahrensfehler, welche 
das erste, hier durchaus auch interessierende Urteil betreffen würden, werden 
nicht geltend gemacht). Die Frage, ob, wie geltend gemacht, die Staatsanwalt-
schaft Druck auf das Gericht ausgeübt und die Verteidigungsrechte eingeschränkt 
hat, um eine Verurteilung wegen Betrugs statt, wie im ersten Urteil, wegen Un-
treue (Art. 201 russ. StGB, Missbrauch seiner Autoritätsstellung durch einen Ma-
nager, vgl. Urteil vom 12. März 2004, act. 008246ff.) zu erwirken, ist für das 
schweizerische Strafverfahren irrelevant und kann offen bleiben: Der Angeklagte 
wurde nicht wegen Betrugs, sondern wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung be-
ziehungsweise Gehilfenschaft dazu angeklagt. Insoweit spielt es keine Rolle, ob 
die Vorgesetzten von Nikolai Glouchkov um die Hintergründe der Geschäftsmoda-
litäten und insbesondere dessen persönliche Interessenlage wussten. Sollten sie 
in der Tat darum gewusst haben, was nach russischem Recht möglicherweise ei-
ner Verurteilung wegen Betrugs entgegenstünde, jedenfalls der Verurteilung eines 
Extraneus, würde das nicht Nikolai Glouchkov hinsichtlich einer Treupflichtverlet-
zung entlasten, sondern vielmehr dessen Vorgesetzte belasten. Selbst die Vertei-
digung behauptet nicht, dass Nikolai Glouchkov die inkriminierten Geschäftsmo-
dalitäten auf Anweisung seiner Vorgesetzten eingerichtet hätte - wofür es im Übri-
gen keinerlei Hinweise gäbe. Unbestritten ist, dass die Einrichtung eines Treasury 
Centers in Lausanne als solchem in der Unternehmensspitze abgesprochen war. 
Der Vollständigkeit halber bleibt anzufügen, dass Betrug nach russischem Recht 
in den alternativen Tatvarianten der Täuschung oder der Untreue begangen wer-
den kann (Art. 159 Ziff. 1 russ. StGB). Ob die angeblich auf Druck der Staatsan-
waltschaft ergangene Feststellung der Täuschung seiner Vorgesetzten durch Ni-
kolai Glouchkov dem Zwecke dienen sollte, auch Boris Beresowski als Extraneus 
anklagen zu können, kann offen bleiben, da das Urteil gegen diesen im vorliegen-
den Verfahren nicht von Interesse ist.  

Im Übrigen machen die Verteidigung und die Drittbetroffenen keine weiteren rele-
vanten Mängel geltend, die grundsätzliche materielle Fehler in den Feststellungen 
der russischen Gerichte als möglich oder gar wahrscheinlich erscheinen lassen, 
jedenfalls nicht hinsichtlich des ersten Urteils, mit welchem, wie beim zweiten im 
Rahmen des Betrugs, die Untreue Nikolai Glouchkovs gegenüber der Geschädig-
ten festgestellt worden ist. Schliesslich haben nicht die Verurteilten, sondern die 
Staatsanwaltschaft das erste Urteil angefochten, um eine weiter gehende Verur-
teilung zu erreichen, als im ersten Urteil ausgesprochen. Seitens der Verurteilten 

- 21 - 

blieb sowohl das erste als auch das zweite Urteil unangefochten, und zwar im na-
tionalen Instanzenzug wie auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschen-
rechte.  

f) Das weitere Vorbringen, wonach das russische Verfahren eine Abrechung der 
neuen mit der alten Machtelite darstelle, zielt an der Sache vorbei und ist durch 
nichts belegt, sondern wird bloss evoziert. Aus diesem Umstand allein könnte im 
Übrigen, wenn er denn gegeben wäre, jedenfalls nicht abgeleitet werden, dass ein 
solches Verfahren nicht rechtmässig wäre, zumal nicht ausgeschlossen werden 
kann, dass die alte Machtelite illegale Machenschaften geduldet hat, die die neue 
Machtelite nun verfolgen will. Schliesslich trifft auch die tatsächliche Vorausset-
zung gar nicht zu: Das russische Verfahren wurde bereits Ende der 90-er Jahre 
eröffnet, zu einem Zeitpunkt also, zu dem Boris Jelzin - als dessen direkter Ver-
trauter Boris Beresowski und indirekt Nikolai Glouchkov gelten dürften - noch im 
Amt war.  

g) Schliesslich ist auf die im Sachzusammenhang ergangenen, zahlreichen, die 
nämlichen Vorbringen betreffenden und öffentlich zugänglichen Entscheide des 
Bundesgerichts hinzuweisen. Sie befassen sich mit angeblichen Verfahrensfeh-
lern in Russland und führen zu keinem anderen Ergebnis (u.a. Bundesgerichts-
entscheide 1A.32/2000; 1A.88/2000; 1A.91/2000). Das Bundesgericht geht im Üb-
rigen davon aus, dass die Einhaltung der Verfahrensgarantien der EMRK für die 
Vertragsstaaten vermutet wird (vgl. BGE 126 II 324) und die erwähnten Entschei-
de halten schliesslich fest, dass die Individualbeschwerde an den Europäischen 
Gerichtshof für Menschenrechte gegebenenfalls offen stünde (1A.91/2000, E. 
4a)bb).  

h) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, weshalb Nikolai 
Glouchkov in Russland zu Unrecht verurteilt worden sein sollte, wobei offen blei-
ben kann, ob er seine Vorgesetzten getäuscht hat oder ob er sich nur der Untreue 
schuldig gemacht hat. Seine Strafbarkeit ist im Übrigen gegebenenfalls vorfrage-
weise auch nach schweizerischem Recht zu prüfen. Es ist mithin kein Grund er-
sichtlich, um das zweite russische Urteil als ganzes oder andere von Russland er-
hältlich gemachte Unterlagen aus dem Recht zu weisen, auch wenn nicht ganz 
ausgeschlossen werden kann, dass das russische Verfahren gewisse Mängel, vor 
allem formeller Art, aufwies. Ausserdem unterliegen die gesamten russischen Ak-
ten der freien Beweiswürdigung durch das Gericht. Sollten sich im Einzelnen in 
einem relevanten Punkt Zweifel an deren Rechtmässigkeit oder deren Zuverläs-
sigkeit ergeben, würde das Gericht nur darauf abstellen können, wenn sich deren 
Inhalt in anderen Aktenstücken der schweizerischen Verfahrensakten bestätigen 
liesse.  

- 22 - 

1.5.5 Die Verteidigung macht geltend, auf rechtshilfeweise in Russland beschaffte be-
ziehungsweise bei den russischen Behörden herausverlangte Aussageprotokolle 
von Personen in Russland dürfe nicht abgestellt werden, soweit diese Protokolle 
den Angeklagten belasten und eine Konfrontation nicht stattgefunden habe. Die 
Verteidigung habe solche Konfrontationen vergeblich verlangt; ein entsprechender 
Termin in Russland, zu dem die Verteidigung ursprünglich auch eingeladen gewe-
sen sei, sei schliesslich am Widerstand der russischen Behörden gescheitert. Je-
denfalls sei auf Konfrontationen nie verzichtet worden. Das Recht auf Konfrontati-
on mit Belastungszeugen ist ein formeller Anspruch eines Angeklagten, der ge-
mäss Rechtsprechung nur unter sehr restriktiven Bedingungen eingeschränkt 
werden darf. Diese sind vorliegend für diverse Einvernahmen nicht erfüllt und auf 
die Konfrontation wurde nicht verzichtet, weshalb das Gericht auf die entspre-
chenden Aktenstücke nicht abstellt, sofern eine Konfrontation nicht stattgefunden 
hat und darauf bestanden wird. Für die Hauptverhandlung wurde keine konfronta-
tive Einvernahme eines Belastungszeugen beantragt.  

2. Sachverhalt 

2.1 Der in der Anklageschrift geschilderte objektive Sachverhalt ist in Bezug auf die 
dokumentierten Verträge und Geschäftsvorgänge, die beteiligten Firmen und Per-
sonen sowie die Geldflüsse in den wesentlichen Punkten unbestritten. Der Ange-
klagte bestätigt die entsprechenden Sachverhaltselemente als grundsätzlich und 
die Zahlen, insbesondere die im Anhang 2 der Anklageschrift genannten, als je-
denfalls in der Grössenordnung richtig. Die Schilderungen in der Anklage sind in-
soweit auch abgestützt auf die in die Verfahrensakten aufgenommenen Vertrags-
dokumente, die vom Experten Bardola erstellte Buchhaltungsanalyse der Andava-
Gruppe sowie die Aussagen diverser involvierter Personen, die im Vorverfahren 
und teilweise auch im gerichtlichen Verfahren als Zeugen bzw. Auskunftsperso-
nen befragt worden sind. Davon ist im Folgenden ohne weiteres auszugehen. 
Soweit die Parteien den zur Anklage gebrachten objektiven Sachverhalt im Ein-
zelnen in Frage stellen, wird darauf, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen (so zum Beispiel hinsichtlich der Frage, ob die Vorgesetz-
ten von Nikolai Glouchkov über die von ihm abgeschlossenen Verträge mit der 
Andava-Gruppe und dessen Stellung in dieser Gruppe informiert waren, oder hin-
sichtlich des persönlichen Verhältnisses des Angeklagten zu Nikolai Glouchkov 
[„Vertrauensperson“, „Vertreter der russischen Interessen“, oder ob der Angeklag-
te im Verwaltungsrat einer involvierten Gesellschaft tatsächlich Einsitz hatte etc.]). 

Vollumfänglich bestritten ist jedoch die der Anklage zu Grunde gelegte Würdigung 
der Geschäftsvorgänge als wirtschaftlich sinnlos und deshalb - da für die Privat-
klägerin nur mit Kosten verbunden - als schädigend. Bei den inkriminierten Ge-

- 23 - 

schäften habe es sich um normale und übliche Vorgänge gehandelt, die zwar in 
casu und aus einer Ex-post-Betrachtung für die Zivilklägerin nicht gewinnbringend 
gewesen seien, die dies aber unter anderen Umständen und jedenfalls in einer 
Ex-Ante-Betrachtung ohne Weiteres hätten sein können, wobei für die Beurteilung 
der Strafbarkeit der Geschäftsvorgänge allein die Ex-ante-Betrachtung relevant 
sei: Es habe sich um spekulative Geschäfte gehandelt, die auf der Annahme ba-
sierten, dass der Rubel in der Zukunft erheblich an Wert verlieren würde, und es 
sei darum gegangen, das Währungsrisiko abzusichern bzw. auf den fallenden 
Rubel zu spekulieren; ausserdem habe es die russische Gesetzgebung russi-
schen Unternehmen nicht erlaubt, Devisen länger als sechs Monate im Ausland 
zu belassen. Die Anklage verkenne den wirtschaftlichen Sinn der Geschäftsmoda-
litäten und sie kriminalisiere betriebswirtschaftlich zulässige Managementent-
scheidungen, die sich erst im Nachhinein als nachteilig erwiesen hätten. Im We-
sentlichen stehen demnach nicht die Geschäftsvorgänge als solche, sondern de-
ren strafrechtliche Bewertung in Frage (vgl. zum Ganzen Einvernahmeprotokoll 
des Angeklagten vom 9. Juni 2008).  

2.2 Der aus den Akten von der Anklagebehörde rekonstruierte und - unter den oben 
genannten Einschränkungen - unbestrittene Anklagesachverhalt stellt sich in Kür-
ze wie folgt dar:  

2.2.1 Generelles 

a) Der aus familiären Gründen der russischen Sprache mächtige Angeklagte war 
bereits in den 80-er Jahren als Vertreter der Firma M., Lausanne, im damals 
noch kommunistischen Russland tätig. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Firma 
M. lernte er zu Beginn der 90-er Jahre Nikolai Glouchkov und dessen Geschäfts-
partner Boris Beresowski kennen. Diese beiden Personen waren zu diesem Zeit-
punkt wesentlich mit der russische Firma N. (oder O.) befasst, deren Geschäfts-
tätigkeit die Produktion von und den Handel mit Automobilen betraf. Die Firma M. 
war Geschäftspartnerin. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde anfangs der 90-er 
Jahre auch die Firma Andava (deren Name sich aus den Namen der beteiligten 
Firmen M. und O. bildete) in Lausanne gegründet. Das Aktionariat dieser Firma 
setzte sich unter andrem sowohl aus der Firma M. als auch aus Boris Beresowski 
und Nikolai Glouchkov zusammen; beide Seiten waren ausserdem im Verwal-
tungsrat vertreten (auf Änderungen in Besitz- und Vertretungsverhältnissen wird, 
soweit erforderlich, in den weiteren Erwägungen eingegangen). Ende 1995 war 
Andava, die kaum eine Geschäftstätigkeit entwickelt hatte, dem Konkurs nahe, 
wobei die Aktionäre kein Interesse hatten, diese in den Konkurs fallen zu lassen. 
Der Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt unter anderem Anwalt und Vertreter von 
Nikolai Glouchkov bei dessen Geschäften in der Schweiz; dass seine Beziehung 
zu diesem über ein anwaltliches Vertrauensverhältnis hinaus gegangen sei, hat 

- 24 - 

der Angeklagte anlässlich seiner Befragung in der Hauptverhandlung in Abrede 
gestellt. 

b) Im Winter 1995/96 übernahm Nikolai Glouchkov die Stelle des stellvertreten-
den Generaldirektors der Aeroflot (formelle Ernennung am 4. Januar 1996). Er 
war vom Unternehmen in diese Charge berufen worden, damit er sich um die Fi-
nanzen des Unternehmens und insbesondere um dessen Devisenverwaltung 
kümmere (vgl. act. 008249 und 011605-465). Ein Versuch der Aeroflot, ein Fi-
nanzzentrum ausserhalb Russlands zu gründen, war vor diesem Zeitpunkt, da-
mals in Südostasien, bereits einmal gescheitert. 

c) Nach Prüfung der die Devisenguthaben der Aeroflot betreffenden Sachlage 
entschied der stellvertretende Generaldirektor - mit Wissen und Einverständnis 
und schliesslich mit Unterstützung der ihm im Unternehmen vorgesetzten Stel-
len -, die ausserhalb Russlands bei den weltweit verstreuten Niederlassungen 
dezentral vorhandenen Guthaben der Aeroflot an harten Währungen in der 
Schweiz zu zentralisieren und den Zahlungsverkehr für in Devisen fakturierte 
Forderungen gegenüber Aeroflot ebenfalls von der Schweiz aus mit Mitteln der 
zentralisierten Devisenguthaben abzuwickeln.  

d) Zu diesem Zweck wurden in den ersten Monaten des Jahres 1996 die vertrag-
lichen Grundlagen für eine Zusammenarbeit von Andava und Aeroflot geschaffen 
(Grundlagenverträge act. 4097-4103, 4104, unterschrieben unter anderem von 
Nikolai Glouchkov für Aeroflot und K. für Andava), wobei an der Ausarbeitung der 
zahlreichen weiteren Verträge diverse Personen beteiligt waren. Der Angeklagte 
hatte von den relevanten Verträgen jedenfalls Kenntnis, zumal er diese nach ei-
genen Angaben auf juristische Punkte hin prüfte (Einvernahmeprotokoll des An-
geklagten vom 9. Juni 2008, S. 15); wie weit seine aktive Rolle bei deren Ausar-
beitung ging, wird Gegenstand der weiteren Beweiswürdigung sein (vgl. unten). 
Im Ergebnis sollten die gesamte Devisenverwaltung und der Zahlungsverkehr der 
Aeroflot in Devisen bei Andava abgewickelt werden. In diesem Zusammenhang 
wies der stellvertretende Generaldirektor die ausländischen, weltweit verstreuten 
Niederlassungen der Aeroflot an, ihre Guthaben in harten Währungen zu 80% 
auf ein bei der Andava in Lausanne geführtes Bank E.-Bankkonto zu überweisen, 
wo in der Folge regelmässig namhafte Beträge von Aeroflot-Niederlassungen 
eingingen (durchschnittlich $ 27 Mio. pro Monat seitens der Aeroflot-
Niederlassungen im Ausland zuzüglich weiterer Einkünfte in der Grössenordnung 
von 50 Mio. bis Ende Mai 1997). Das Konto lautete auf Andava - wirtschaftlich 
Berechtigte war Aeroflot -, ab dem 12. März 1997 auf Aeroflot selbst. Andava 
verwaltete die der Aeroflot gehörenden Devisen und wickelte den Zahlungsver-
kehr in Devisen für Aeroflot ab. Sie beglich insbesondere Forderungen gegen-
über Aeroflot in harten Währungen aus den Mitteln des von ihr verwalteten Devi-

- 25 - 

senkontos der Aeroflot in Lausanne. Für ihre diesbezüglichen Dienste wurde An-
dava von Aeroflot entschädigt. Dieser Sachverhaltsteil ist nicht Gegenstand der 
Anklage.  

e) Gegenstand der Anklage ist hingegen der weitere Sachverhaltsteil, welcher 
den oben geschilderten Sachverhalt - insbesondere die Zentralisierung der Devi-
sen in Y. und den Zahlungsverkehr mit Lieferanten - voraussetzt: Parallel zum 
Geschäftszweig Devisenverwaltung und Zahlungsabwicklung durch Andava wur-
de in der ersten Hälfte 1996 ein zusätzlicher Geschäftszweig entwickelt und die 
dafür nötige Infrastruktur geschaffen, welcher den von Andava abgewickelten 
Zahlungsverkehr im Verhältnis zu den Aeroflot-Lieferanten mit der Aeroflot-
Zentrale in Moskau rechtlich und buchhalterisch verknüpfte. Zu diesem Zweck 
wurden die Andava-Gruppe ausgebaut und die verschiedenen Gesellschaften 
entsprechend ausgerichtet bzw. eingebunden (zur Firmenstruktur vgl. AS S. 3ff., 
Schlussbericht URA, act. 013730 ff., mit Hinweisen auf die Akten, insoweit im 
Wesentlichen unbestritten).  

f)  Für die zweite Hälfte 1996 sind folgende Beteiligungsverhältnisse festzustel-
len: Die 1994 in Lausanne gegründete Andava S.A. hielt 75% an der in Luxem-
burg domizilierten und im September 1996 eingetragenen Andava Holding S.A. 
Diese hielt ihrerseits je 100% an der auf den British Virgin Islands domizilierten 
und im September 1996 gegründeten Andava Finance Ltd, an der 1993 gegrün-
deten  Firma P. in Dublin und an der im April 1996 in Moskau eingetragenen  
Firma Q. sowie ihrerseits wiederum 75% an der Andava S.A. Hauptaktionäre der 
Andava Holding S.A. waren Nikolai Glouchkov und Boris Beresowski (act. 
002376 in fine, 012098 f.; EV A. vom 26. November 1999, Anhang 6 des 
Schlussberichts URA). Der Angeklagte war Mitglied des Verwaltungsrates oder 
dessen Präsident bei den Gesellschaften der Andava-Gruppe, mit Ausnahme der 
Firma P., mithin bei der Andava S.A., Andava Holding S.A. und Andava Finance 
Ltd und er hielt je die gesetzlichen Pflichtaktien. Er war ausserdem unterschrifts-
berechtigt für die Bankkonten der Firmengruppe (zwei Konten der Andava Hol-
ding S.A., drei Konten der Andava S.A., ein Konto der Firma P. und ein Konto der 
Andava Finance Ltd). Anders als in der Anklageschrift behauptet, war die Firma 
Q. nach Angabe des Angeklagten eine Gesellschaft nach russischem Recht, die 
keinen Verwaltungsrat hatte, weshalb der Angeklagte auch nicht dessen Mitglied 
hätte sein können (vgl. AS, S. 5; seine faktische Involvierung in dieser Firma ist 
gegebenenfalls Gegenstand der Beweiswürdigung). Die Andava-Gruppe wurde 
direkt oder indirekt in der Mehrheit der Anteile von Boris Beresowski und Nikolai 
Glouchkov sowie von der Firma M. gehalten. (Die einzelnen Firmen werden im 
Folgenden nur soweit erforderlich auseinander gehalten; der Einfachheit wegen 
wird, wo möglich, nur von der Andava als Gruppe und Geschäftspartnerin der Ae-
roflot gesprochen.) 

- 26 - 

Für die interne Abwicklung  der Zahlungen der Andava an die Lieferanten der Ae-
roflot - im Verhältnis Aeroflot zu Andava - wurde in groben Zügen das folgende 
Vorgehen gewählt: Traf eine in harter Währung ausgestellte Rechnung eines Lie-
feranten bei Aeroflot in Moskau ein, leitete Aeroflot diese Rechnung an die Firma 
Q. weiter und verpflichtete sich gegenüber der Firma Q. im Sinne einer Darle-
hensnahme für den Rechnungsbetrag in Rubeln; gesichert wurde diese Verpflich-
tung mittels eines Wechsels in Rubeln. Die Firma Q. leitete ihrerseits die Rech-
nung an die Firma P. weiter und verpflichtete sich in US-$ gegenüber der Firma P. 
in analoger Weise. Dasselbe galt schliesslich im Verhältnis von der Firma P. zu 
Andava II. Weder die Firma Q. noch die Firma P. verfügten über eigene Mittel. 
Andava beglich in der Folge die Lieferantenrechnung - oder hatte diese bereits 
beglichen -, worauf die Forderungen von Andava gegenüber der Firma P., von der 
Firma P. gegenüber der Firma Q. und von der Firma Q. gegenüber Aeroflot ver-
rechnet wurden. Geld floss in diesem Verbuchungssystem nur zwischen Andava 
und den Lieferanten. Die übrigen Vorgänge waren ausschliesslich buchhalteri-
scher Natur (ausgenommen davon sind Gelder, die Andava effektiv an die betei-
ligten Firmen für Forderungen überwies, die als Kosten durch das System gene-
riert und von den Guthaben der Aeroflot bei Andava abgebucht wurden, sowie in 
einzelnen Fällen Gelder, die Firma P. von Andava zu Lasten der Guthaben von 
Aeroflot überwiesen erhalten hat, um die Lieferanten der Aeroflot selbst zu bezah-
len). Der gesamte von Andava für Aeroflot abgewickelte reale Zahlungsverkehr 
mit deren Lieferanten wurde in dieses Geschäftsmodell übertragen bzw. darin ab-
gebildet, wobei Aeroflot bei Andava stets über hinreichende Liquiditäten verfügte, 
um ihren Verpflichtungen in Devisen nachzukommen (vgl. AS, Anhang 2). Die 
einzelnen Schritte im Verhältnis Aeroflot – Firma Q. – Firma P. - Andava waren für 
Aeroflot mit erheblichen Kosten in Form von Zinsen und Konventionalstrafen ver-
bunden. Diese Kosten wurden direkt von den Devisenguthaben der Aeroflot bei 
Andava abgebucht. Oder mit anderen Worten: Das effektive Guthaben der Aero-
flot bei Andava verminderte sich um die durch den Geschäftsmechanismus verur-
sachten Kosten. Das einzige geldwerte Substrat, auf welchem dieses - auf den 
gesamten von Andava für Aeroflot abgewickelten Zahlungsverkehr angewandte - 
System beruhte, waren die Devisenguthaben der Aeroflot bei Andava, aus-
schliesslich Gelder also, die materiell stets der Aeroflot gehörten. Auf Details ist 
unten bei der Schilderung der zwei in der Anklageschrift unterschiedenen delikti-
schen Geschäftsmechanismen einzugehen.  

2.2.2 Mechanismus I (Juni bis Dezember 1996) 

Der von der Anklage geschilderte Mechanismus I (AS, S. 9ff.) wurde auf die Liefe-
rantenzahlungen der Aeroflot von Juni bis Dezember 1996 angewandt. Er beruhte 
auf einer Serie von Verträgen zwischen den verschiedenen beteiligten Firmen 
(act. 3380-83, 4196f., 4180-83, 3365-67, 3368, 4184-88, 4189-92, nicht paginier-

- 27 - 

tes Aktenstück als Anhang 52 zum Bericht URA vom 21. August 2003, Ordner an-
nexe Nr. 2, sowie act. 4109f., 4589.). Aus diesen Verträgen ergab sich das fol-
gende Prozedere.  

1. Aeroflot erstellte periodisch Zahlungslisten, auf welchen sie ihre Gläubiger in 
harten Währungen, die je geschuldeten Beträge und die Bankkonten aufführ-
te, über welche die Zahlungen abzuwickeln waren. Diese Listen übergab sie 
die Firma Q., welche sich ihrerseits verpflichtete, die Zahlungen für Rech-
nung Aeroflot zu leisten. Für die Gesamtsumme der jeweiligen Zahlungsliste 
verpflichtete sich Aeroflot gegenüber der Firma Q. in Rubeln. Abgesichert 
wurde diese Verpflichtung durch Wechsel („promissory notes“). Die im 
Wechsel verbriefte Schuld setzte sich zusammen aus dem Betrag der jewei-
ligen Zahlungsliste zuzüglich Zinsen von 65% p.a. abzüglich 15% Quel-
lensteuer auf den Zinsen (drei Wechsel in den Akten, act. 3409; 3412; 3415; 
deren Laufzeit betrug 156, 151 und 136 Tage). Die Firma Q. verfügte selbst 
nicht über die nötigen Mittel, um die Gläubiger der Aeroflot zu befriedigen. 
Sie wandte sich deshalb gestützt auf die vertraglichen Vereinbarungen an 
die Firma P.  

2. Die Firma Q. verpflichtete sich gegenüber der Firma P. in harter Währung, 
damit diese den in den Zahlungslisten aufgeführten Verpflichtungen der Ae-
roflot nachkomme. Zur Sicherheit stellte sie ebenfalls einen Wechsel aus 
(„promissory note“), der die von Aeroflot geschuldeten Devisenbeträge um-
fasste zuzüglich Zinses von 30% p.a.). Die Firma P. verfügte ihrerseits selbst 
nicht über die nötigen Mittel, um die Gläubiger der Aeroflot zu befriedigen. 
Sie wandte sich deshalb an Andava, die die Devisenguthaben der Aeroflot 
verwaltete.  

3. In der Folge zahlte Andava mittels der für Aeroflot verwalteten Gelder die 
Lieferanten entweder direkt oder überwies die dafür notwendigen Gelder der 
Aeroflot an die Firma P., damit diese die Lieferanten bezahle.  

4. Schliesslich wurden die Forderungen der beteiligten Firmen der Andava-
Gruppe und der Aeroflot verrechnet, wobei Aeroflot nicht bloss die an die 
Lieferanten ausbezahlten Beträge von ihrem Konto abgebucht wurden, son-
dern die um vertraglich vereinbarten Kosten (Zinsen) erhöhten Beträge 
(betreffend effektive Kosten für Aeroflot, vgl. unten, Würdigung des Ge-
schäftsmodells, Zahlen können aus Schlussbericht und den dort genannten 
Analysen entnommen werden). Für Guthaben zu Gunsten der Andava-
Gruppe konnte und durfte Andava aufgrund der mit Aeroflot vertraglich ver-
einbarten Konditionen direkt auf die verwalteten Aeroflot-Gelder zugreifen 
(vgl. General Conditions, act. 003365 ff.; vgl. auch Confirmation vom 10. Juni 

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1996, unterschrieben von Nikolai Glouchkov, act. 000402; Authorisation vom 
9./24. September 1996, act. 004109).  

2.2.3 Mechanismus II (Januar bis Mai 1997) 

Der von der Anklage geschilderte Mechanismus II (AS, S. 14ff.) löste ab Januar 
1997 den Mechanismus I ab und wurde bis Ende Mai 1997 auf die Zahlungsver-
pflichtungen der Aeroflot gegenüber ihren in harten Währungen fakturierenden 
Lieferanten angewandt, wobei der Mechanismus wegen zeitlicher Verschiebung 
über dieses Datum hinaus bis gegen Ende 1997 für Geschäfte vor Ende Mai 
1997 wirksam blieb. Das neue Geschäftsmodell beruhte auf einer Reihe von Zu-
sätzen zu den früher zwischen den beteiligten Firmen geschlossenen Verträgen 
(act. 3394, 3399, 4459, 4109f., 3404, 4123 f., 3443, 3383, 3444 f., 4458). In den 
Grundzügen blieb das Prozedere jedoch dasselbe (Verpflichtung der Aeroflot ge-
genüber der Firma Q., der Firma Q. gegenüber der Firma P., der Firma P. ge-
genüber Andava, welche aus den Geldern der Aeroflot deren Lieferanten bezahl-
te und anschliessende Verrechnung). Neu hinzu kam im Verhältnis die Firma Q. 
die Andava Finance. Im Unterschied zur Erhebung von Zinsen für die als Darle-
hensnahme ausgestaltete Verpflichtung der Aeroflot wurden ab Januar 1997 der 
Aeroflot Strafgelder („penalities“, Konventionalstrafen) in Rechnung gestellt, die 
zu den Zahlungsverpflichtungen gegenüber Lieferanten hinzugerechnet und vom 
Konto der Aeroflot bei Andava abgebucht wurden. Nach Aussage des Angeklag-
ten wurde das Prozedere „penalities“ gewählt, um der auf 1997 erhöhten Quel-
lensteuerpflicht auf Zinsen in Russland zu entgehen. Im Übrigen sollte die Anda-
va-Gruppe für ihre Leistungen entschädigt werden wie bis anhin, nur wurde die 
Entschädigung vertraglich anders begründet und errechnet. Danach wurden die 
Wechsel („promissory notes“), welche dieselbe Funktion hatten wie oben bei Me-
chanismus I, mit einer Konventionalstrafe von 15% belegt, wenn die verbriefte 
Schuld später als 150 Tage nach Emission beglichen wurde. Gleichzeitig ver-
sprach Aeroflot, ihrer Verpflichtung nach dem 150. und vor dem 180. Tag nach-
zukommen (vgl. Annex 1 vom 1. August 1996 zum Vertrag 249/1, act. 003394, 
Ziff. 1; Autorisation vom 1. Januar 1997, Ziff. II, act. 004123; vgl. auch Agreement 
vom 9. Mai 1996, S. 2, act. 4098); den Zeitpunkt der effektiven Verrechnung hat-
te Andava in der Hand, da die entsprechenden Buchungen von ihr vorgenommen 
werden konnten und vorgenommen wurden. Damit wurde sichergestellt, dass die 
Andava-Gruppe aus diesem Geschäftsmodell stets 15% des Geschäftsvolumens, 
zwischen Aeroflot und ihren Lieferanten als Ertrag für sich selbst generieren 
konnte (in diesen Beträgen sind die Kosten für die Verwaltung des Geldes und 
die Abwicklung des Zahlungsverkehrs durch Andava für Aeroflot nicht enthalten; 
diese sind, wie oben bemerkt, auch nicht Gegenstand der Anklage). 

- 29 - 

2.2.4 Die von der Anklage als deliktisch qualifizierten und angeklagten Geschäftsme-
chanismen I und II erbrachten für die Andava-Gruppe Einnahmen von rund 
14,47 Mio. Franken (Mechanismus I) und 41,12 Mio. Franken (Mechanismus II) 
bzw. insgesamt 55,59 Mio. Franken für die gesamte Anklageperiode (vgl. 
Schlussbericht URA, S. 27, mit Hinweis auf die Akten bzw. die Analysen). In die-
sem Betrag sind die gemäss Anklage rechtmässigen Einnahmen für die Verwal-
tung der Gelder und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs nicht enthalten. Das 
Gericht geht gegebenenfalls mit der Anklageschrift im Sinne des Anklagegrund-
satzes von einer leicht reduzierten Deliktsumme von Fr. 53,4 Mio. aus. 

3. Veruntreuung 

Das Gericht hat sich die Würdigung des Anklagesachverhalts unter dem Ge-
sichtspunkt der Veruntreuung in Anwendung von Art. 170 BStP vorbehalten. Nach 
Prüfung der Akten und des Beweisergebnisses der Hauptverhandlung kommt das 
Gericht zum Schluss, dass sich die in der Anklageschrift umschriebnen Taten den 
Tatbestand der Veruntreuung nicht erfüllen. Der entsprechende Vorbehalt ist da-
mit hinfällig; ein formeller Freispruch ist nicht erforderlich, da eine Veruntreuung 
nicht angeklagt ist.  

4. Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung      

Gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 
oder Geldstrafe bestraft, wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftra-
ges oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu 
verwalten oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei 
unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Ver-
mögen geschädigt wird. Gemäss Abs. 3 derselben Bestimmung kann auf Frei-
heitsstrafe bis zu fünf Jahren erkannt werden, wenn der Täter die Absicht hatte, 
sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern. Es müssen mithin zwei 
Voraussetzungen erfüllt sein: Der Eintritt eines Schadens und die für diesen 
Schaden kausale Pflichtverletzung, wobei die Pflichten ihrerseits rechtlich begrün-
det sein und sich auf die - mindestens faktisch übernommene - Vermögensverwal-
tung oder deren Beaufsichtigung beziehen müssen. 

4.1 Schaden  

4.1.1 Die Bundesanwaltschaft und die Zivilklägerin machen geltend, dass die inkrimi-
nierten Geschäftsmechanismen für Aeroflot unnötig und wirtschaftlich sinnlos ge-
wesen seien, weshalb die für Aeroflot damit verbundenen und von ihren Devisen-

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guthaben durch Andava abgebuchten Kosten einen Vermögensschaden darstell-
ten. Dagegen wenden die Verteidigung und die Drittbetroffenen ein, Aeroflot habe 
aus den Geschäftsmechanismen zwar in casu keinen Gewinn erwirtschaftet, was 
indessen nicht a priori ausgeschlossen gewesen sei. Nicht bestritten wird hinge-
gen, dass die Andava-Gruppe mittels der beiden inkriminierten Mechanismen Ein-
nahmen von rund 55 Mio. Franken erzielte. Als Gründe für die - betriebs- und fi-
nanzwirtschaftlich angeblich sinnvolle und deshalb zulässige - Etablierung dieser 
Mechanismen wurden im Vorverfahren und in der Hauptverhandlung im Wesentli-
chen drei Punkte namhaft gemacht, wobei der erste und der zweite in engem Zu-
sammenhang stehen: (a.) Absicherung des Währungsrisikos; (b.) Spekulation auf 
die Abwertung des russischen Rubels; (c.) dem Umstand Rechnung tragen, dass 
es russischen Unternehmen nicht erlaubt war, Devisenguthaben für mehr als 180 
Tage im Ausland zu belassen. Das ist im Folgenden zu prüfen. 

a) Absicherung des Währungsrisikos 

Alle Beteiligten gingen in der Anklageperiode davon aus, dass der Rubel an Wert 
verlieren bzw. abgewertet werden würde (vgl. Befragung der Angeklagten anläss-
lich der Hauptverhandlung; bestätigt vom Experten Beekman, HV-Protkoll, im Üb-
rigen notorisch). Währungsrisiken bestanden demnach, wenn überhaupt, nur für 
den russischen Rubel. Soweit Aeroflot über harte Währungen verfügte, hätte de-
ren Wert in Rubeln mit der Abwertung des Rubels zugenommen. Ein Interesse für 
die Aeroflot, die bei Andava verwalteten Devisen gegen ein Währungsrisiko abzu-
sichern, bestand in Erwartung der Rubelentwertung also gerade nicht. Soweit Ae-
roflot aber über freie Liquiditäten in Rubel verfügt haben sollte, wären diese - in 
Erwartung ihrer Abwertung - gegen Wertzerfall abzusichern gewesen, wenn da-
von ausgegangen worden wäre, dass diese liquiden Mittel später zur Begleichung 
von Verpflichtungen in harten Währungen benötigt würden. Dafür hätte Aeroflot 
mit frei verfügbaren Rubeln auf dem offenen Markt harte Devisen oder Anlagen in 
harten Währungen kaufen müssen. Diese hätten nach der erwarteten Abwertung 
des Rubels für die Begleichungen von Verpflichtungen in harten Währungen ohne 
Währungsverlust verwendet werden oder mit Währungsgewinn in Rubel zurück-
gewechselt werden können (vgl. dazu auch unten, b.). Ebenso hätte vorgegangen 
werden müssen, wenn die Devisenguthaben bei Andava nicht ausgereicht hätten, 
um die in harten Währungen fakturierenden Lieferanten der Aeroflot zu bezahlen. 
Dieser Fall trat bekanntermassen nicht ein; die bei Andava verfügbaren Mittel der 
Aeroflot waren zumindest ab Beginn 1996 stets ausreichend, um den Verbindlich-
keiten der Aeroflot nachzukommen. Es bestand im Übrigen auch ex ante kein An-
lass - was auch nicht geltend gemacht wird -, sich mit den gewählten Geschäfts-
mechanismen I und II auf diesen Fall vorzubreiten, da damit für Aeroflot gar keine 
zusätzlichen Devisen hätten beschafft werden können: Andava war nicht verpflich-
tet und in grösserem Umfang auch nicht in der Lage, Lieferanten zu bezahlen, 

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wenn die verfügbaren Mittel der Aeroflot bei Andava dafür nicht ausgereicht hätten 
(mittelbar, z.B. vgl. Overdraft Facility Agreement vom 3. Juni 1996, act, 004184 f., 
Ziff. IV; im Übrigen sahen die Verträge eine solche Pflicht nicht vor; schliesslich 
war Andava berechtigt, sich direkt mit den hinterlegten Mitteln der Aeroflot schad-
los zu halten, vgl. oben, E. 2.2.2, Pkt. 4). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass 
die inkriminierten Geschäftsmechanismen unter dem Titel Absicherung des Wäh-
rungsrisikos sinnlos waren, zumal für die von Andava verwalteten Gelder der Ae-
roflot ein solches Risiko in Erwartung der Rubelentwertung gar nicht bestand.  

b) Spekulatives Währungsgeschäft  

Anlässlich der Hauptverhandlung hat der Angeklagte, der sich im Verfahren  
überhaupt erstmals zur Sache äusserte, vorgebracht, die inkriminierten Ge-
schäftsmechanismen seien als spekulative Währungsgeschäfte zu verstehen. Die 
Aeroflot hätte einen Gewinn aus dem Geschäft erzielt, wenn - im Grundsatz - die 
Abwertung des Rubels während der Laufzeit einer einzelnen Transaktion mehr 
entwertet worden wäre, als die prozentual in Rechnung gestellten Kosten (Zinsen; 
Konventionalstrafen) der Andava. So könne es wirtschaftlich durchaus sinnvoll 
sein, obwohl man über liquide Mittel verfüge, sich in einer anderen Währung zu 
verschulden, wenn man aufgrund der erwarteten Währungsentwicklungen davon 
ausgehe, dass sich die Rückzahlungsverpflichtung durch die Veränderung der 
Wechselkurse vermindere. Im Übrigen seien die Vertragsbedingungen (Verzin-
sung der Darlehen von 65% p.a. bzw. die als Konventionalstrafe ausgestalteten 
Kosten von 15% auf den Wechseln bei einer Laufzeit von 150 bis 180 Tagen für 
die damalige Zeit in Russland marktüblich gewesen (was der Experte Beekman 
bestätigte, vgl. HV-Protokoll, Befragung Beekman). Diese Vorbringen sind in einer 
abstrakten Betrachtung zwar durchaus zutreffend, es wird jedoch zu zeigen sein, 
dass sie in einer Gesamtwürdigung aller konkreten Umstände nicht standhalten 
und dass, auch vor deren Hintergrund, kein plausibles wirtschaftliches Interesse 
der Aeroflot an den geschlossenen Verträgen und den darauf beruhenden Ge-
schäftsvorgängen erkennbar ist (vgl. unten, Ziff. 4.1.2).  

c) Bewilligung der Zentralbank; zeitliche Befristung des Rechts für russische 
Firmen auf 180 Tage, Devisen im Ausland zu belassen 

Ob die Aeroflot über die an sich erforderliche Bewilligung der russischen Zentral-
bank verfügte, um die vereinbarten Geschäftsverbindungen mit Andava zu unter-
halten, kann offen bleiben. Die Verteidigung geht davon aus, dass eine solche 
Bewilligung, möglicherweise nicht formgültig, aber materiell vorlag (die formelle 
Bewilligung wurde am Ende der Anklageperiode erteilt). Die Frage ist für die Beur-
teilung des Anklagesachverhalts nicht von Bedeutung; die Anklageschrift erwähnt 
zwar das angebliche Fehlen der Bewilligung, die entsprechende Feststellung ist 

- 32 - 

für den zu beurteilenden Tatbestand irrelevant, und die Bundesanwaltschaft stellt 
darauf auch in ihrem Plädoyer nicht ab.  

In den Akten findet sich mehrfach der Hinweis, dass die gewählten Geschäftsmo-
dalitäten mit dem Umstand in Verbindung stehen könnten, wonach es russischen 
Unternehmen nicht erlaubt war, Bankguthaben für länger als sechs Monate im 
Ausland zu belassen. In der Tat war es so, dass die inkriminierten Geschäfte so-
wohl nach dem Mechanismus I faktisch als auch nach dem Mechanismus II ver-
traglich kurz vor dem Verstreichen dieser Frist abgewickelt wurden (Laufzeit der 
Wechsel nach Mechanismus II war auf mindesten 150 Tage und auf maximal 180 
Tage vereinbart). Der Angeklagte selbst hat darauf jedoch in der Hauptverhand-
lung nicht in dem Sinne Bezug genommen, als er die Modalitäten insgesamt mit 
dieser Frist erklären wollte. Indessen kann auch diese Frage offen gelassen wer-
den, weil die inkriminierten Modalitäten daran nichts änderten, dass die Devisen-
guthaben der Aeroflot faktisch im Ausland blieben und kurz vor Ablauf der 180 
Tage und nur durch buchungsmässige Verrechnung, nicht aber real nach Russ-
land zurücktransferiert wurden. Insoweit wäre die Befristung durch die inkriminier-
ten Geschäftsmodelle gar nicht eingehalten, und, wenn man es anders betrachten 
wollte, bloss umgangen worden. Jedenfalls waren die eingerichteten Geschäfts-
modalitäten nicht erforderlich, um das Geld dort zu belassen, wo es ohnehin lag, 
auf einem Bankkonto der Andava in Lausanne. Schliesslich sei darauf hingewie-
sen, dass der genannten Frist real in sehr viel preiswerterer Art hätte entsprochen 
werden können, nämlich durch die Überweisung nach Russland und die umge-
hende Rücküberweisung in die Schweiz. Es wären so lediglich Transaktionskos-
ten und gegebenenfalls minimale Wechselkursverluste angefallen.) Zusammen-
fassend ist festzuhalten, dass sich aus der genannten Fristen-Thematik kein 
Grund für die Einrichtung der für die Aeroflot kostenträchtigen Geschäftsmecha-
nismen herleiten lässt.  

d) Im Ergebnis steht fest, dass von vorgebrachten Begründungen der inkriminier-
ten Geschäftsmechanismen I und II allein die Variante des spekulativen Wäh-
rungsgeschäfts konkret zu prüfen bleibt.  

4.1.2 Gesamtwürdigung der inkriminierten Geschäftsmodelle 

a) Das Beweisverfahren hat ergeben, dass die Einrichtung eines Finanzzent-
rums („treasury center“) der Aeroflot für die Verwaltung der harten Devisen aus-
serhalb Russlands und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs durch dieses Zent-
rum grundsätzlich sinnvoll war, was unter anderem der Experte Beekman aus-
drücklich bestätigte - aus wirtschaftlichen, organisatorischen, währungstechni-
schen und schliesslich auch aus politischen Gründen. Ob die Bedingungen für die 
entsprechenden Dienstleistungen marktkonform waren, was der Experte in Frage 

- 33 - 

stellte, und ob Aeroflot Offerten bei anderen Anbietern, in erster Linie Banken, hät-
te einholen sollen, kann an dieser Stelle offen bleiben: Der entsprechende Sach-
verhaltsabschnitt ist nicht Gegenstand der Anklage. Zu prüfen ist jedoch, wie sich 
die inkriminierten Geschäftsmechanismen zum Geschäftsteil treasury center ge-
schäftsmässig verhalten.  

Ob Nikolai Glouchkov bereits zu demjenigen Zeitpunkt die Absicht hatte, den in-
kriminierten Geschäftsmechanismus einzurichten, als er entschied, die weltweit 
verstreuten Devisenguthaben der Aeroflot bei Andava zu zentralisieren, kann of-
fen bleiben. Der zweite Entscheid stand zum ersten, fachlich nicht in Zweifel ge-
zogenen Entscheid jedoch in enger zeitlicher Nähe: Zwischen dem Amtsantritt Ni-
kolai Glouchkovs und der Inkraftsetzung des Mechanismus I - samt den dafür er-
forderlichen vertraglichen und infrastrukturellen Vorarbeiten - sind lediglich fünf 
Monate vergangen, zwischen der Anweisung an die Aeroflot-Niederlassungen 
vom 22. April 1996, 80% ihrer Guthaben nach Lausanne zu überweisen und der 
Inkraftsetzung des Mechanismus I, bloss sechs Wochen. Auch für den Fall, dass 
beide Entscheide zusammen getroffen worden sein sollten, könnte daraus nicht 
abgeleitet werden, dass die inkriminierten Geschäftsmechanismen in einem wirt-
schaftlich notwendigen Zusammenhang stünden - im Gegenteil. Wie sich oben (E. 
4.1.1) ergeben hat, kommt als einzige zu prüfende Begründung für die Einrichtung 
der Mechanismen I bzw. II die These des spekulativen Währungsgeschäfts in 
Frage. Ein spekulatives Währungsgeschäft kann abgeschlossen werden oder 
auch nicht. Nachdem die Hypothese, wonach es um die Absicherung des Wäh-
rungsrisikos gegangen sei, verworfen werden musste, bleibt als einzige ge-
schäftsmässige Verknüpfung des treasury centers mit den Mechanismen I bzw. II 
als spekulativem Währungsgeschäft, dass Aeroflot bei Andava faktisch über liqui-
de Mittel verfügte, mit welchen auf Währungsentwicklungen hätte spekuliert wer-
den können. Ob es sich tatsächlich um ein solches Geschäft gehandelt hat, bleibt 
unten zu prüfen. An dieser Stelle ist lediglich festzuhalten, dass es sich bei den 
Mechanismen I bzw. II um Geschäfte handelte, welche vom treasury center unab-
hängig und mit diesem allein faktisch - es stand Geld zur Verfügung - und willkür-
lich verknüpft waren. Oder mit anderen Worten: das treasury center hätte unab-
hängig von und damit ohne die inkriminierten Geschäftsmechanismen betrieben 
werden können.  

b) Wird zunächst ausser Betracht gelassen, dass im Geschäftsmodell nur Geld 
zirkulierte, welches materiell Aeroflot gehörte, und wird gleichzeitig unterstellt, Ae-
roflot hätte mit den Mechanismen I bzw. II tatsächlich Geld verdienen können, er-
gibt sich hinsichtlich Kosten und Gewinnaussichten das folgende Bild: Die Mecha-
nismen I bzw. II wurden auf den gesamten bei Andava betreuten Zahlungsverkehr 
der Aeroflot angewandt. Daraus folgt, dass Aeroflot aus allen der von Andava ab-
gewickelten Transaktionen - über die für die Transaktionen in Rechnung gestellten 

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Gebühren hinaus - vertraglich notwendige Kosten im Bereich zweistelliger Pro-
zentbeträge erwuchsen und Andava in demselben Umfang garantierte Erträge für 
sich selbst generierte. Demgegenüber waren die Gewinnaussichten für Aeroflot 
höchst ungewiss: Ein Währungsgewinn hätte sich für den Lauf eines einzelnen 
Wechsels nur realisieren lassen, wenn der Rubelkurs in der Laufzeit stärker gefal-
len wäre als der prozentuale Satz der notwendig anfallenden Kosten (Zinsen, 
Konventionalstrafen). Notwendig anfallenden Kosten standen also ungewisse 
Gewinnerwartungen gegenüber. Oder mit einem konkreten Beispiel: Für jede Mil-
lion Dollar, die Aeroflot von einem Lieferanten in Rechnung gestellt worden sind, 
musste Aeroflot zwingend mindestens eine Millioneinhundertfünfzigtausend Dollar 
aufwenden (eine Million Dollar zuzüglich 15% Konventionalstrafe auf der promis-
sory note nach Mechanismus II), ohne dass sie dafür die Gewissheit hatte, mit 
dem Geschäft auch nur einen einzigen Dollar bzw. Rubel zu verdienen.  

c) Das Vertragsverhältnis war auf Dauer angelegt. Die Gewinnaussichten für ein 
einzelnes Teilgeschäft hingen, wie oben dargelegt, davon ab, ob sich der Rubel 
stärker entwerten würde als die prozentual erhobenen Kosten. Es war zum vorn-
herein damit zu rechnen, dass einzelne Teilgeschäfte keinen Gewinn erbringen 
würden (was dann für alle Teilgeschäfte in der gesamten Anklageperiode auch 
der Fall war). War für ein einzelnes Teilgeschäft mit einem Gewinn zu rechnen, so 
wäre das auf Dauer angelegte Geschäftsmodell im Ganzen jedoch für Aeroflot nur 
gewinnbringend gewesen, wenn mit dem gewinnbringenden Teilgeschäft auch die 
Kosten für Phasen ausgeglichen worden wäre, in welchen die erwartete Rubel-
entwertung kleiner gewesen wäre als die kritische Grösse; Phasen also, in wel-
chen Aeroflot nur Kosten und kein Gewinn erwachsen wären. Dieser Umstand 
schmälerte die hier zunächst nur hypothetisch unterstellten Gewinnaussichten für 
Aeroflot abermals ganz erheblich.  

d) Damit stellt sich die nächste, im Folgenden zu prüfende Frage: Ob sich die 
erheblichen Kosten, die Andava für die Geschäftsmechanismen vertraglich Aero-
flot belasten und für sich als Ertrag generieren durfte, geschäftsmässig begründen 
lassen. Der Angeklagte hat dazu vorgebracht, die angewandten Zinssätze bzw. 
die als Konventionalstrafe ausgestalteten und prozentual erhobenen Kosten hät-
ten den marktüblichen Bedingungen für den russischen Darlehensmarkt in den 
90-er Jahren entsprochen. Der Experte Beekman hat dies bestätigt. Die Kosten, 
die für ein Darlehen aufgewendet werden müssen, sind im Wesentlichen eine Ri-
sikoprämie für den Darlehensgeber. Je höher das Risiko für diesen, umso höher 
sind die für das Darlehen verlangten Kosten (Zinsen). Das Risiko kann in der Bo-
nität des Schuldners begründet sein, Risiken können aber auch beispielsweise in 
der Währungsentwicklung liegen. Je höher die Wahrscheinlichkeit, dass das ge-
liehene Geld in der Laufzeit des Darlehens erheblich an Wert verliert, umso höher 
wird die Risikoprämie ausfallen. Hier dürfte unter anderem ein wesentlicher Grund 

- 35 - 

für die mit 65% sehr hohen Darlehenszinsen in Russland während der Anklagepe-
riode liegen. Ausserdem wird ein professioneller Darlehensgeber die für ihn durch 
seine Geschäftstätigkeit selbst entstehenden Kosten, wie Löhne und ähnliches, 
als Darlehenskosten auf den Darlehensnehmer abwälzen. In beiderlei Hinsichten - 
Risiko (1.) und Aufwand für Andava (2.) - lassen sich die Kosten für Andava nicht 
rechtfertigen.  

(1.) Zwar mag ein Darlehenszinssatz von 65% für russische Verhältnisse in der 
Anklageperiode marktkonform gewesen sein; die Relevanz dieser Feststellung für 
die zu prüfende Frage setzt indessen voraus, dass fremdes Geld geliehen wird 
und dass der Darlehensgeber damit ein Risiko trägt. Beides ist offensichtlich nicht 
der Fall: Aeroflot hat im Ergebnis ausschliesslich ihr eigenes Geld geliehen und 
Andava hat in diesem Geschäft keinerlei Risiko getragen. Vertraglich war Andava 
nicht verpflichtet, die Forderungen der Aeroflotlieferanten zu begleichen, wenn da-
für nicht genügend Aeroflot gehörende Mittel bei Andava zur Verfügung standen 
(vgl. oben, E. 4.1.1, lit. a). Aeroflot konnte mithin, obwohl das Geschäft als Darle-
hen ausgestaltet war, durch dieses Geschäft nicht mehr Mittel verfügbar machen, 
als diejenige bei Andava hinterlegte Summe, auf die sie ohnehin berechtigt war. 
Aber auch faktisch bestand für Andava keinerlei Risiko, als die zur Gruppe gehö-
renden und zwischen Andava und Aeroflot geschalteten Firmen über keinerlei ei-
gene Mittel verfügten. Hätten diese Firmen, die Firma Q. oder die Firma P., aus 
welchen Gründen auch immer, Verpflichtungen gegenüber Aeroflot nicht erfüllen 
können, wäre keinerlei Substrat vorhanden gewesen, welches Andava verloren 
hätte und auf welches Aeroflot hätte greifen können - mit dem Ergebnis eines To-
talverlusts der Forderung für Aeroflot. Im Übrigen lag, wie der Experte ausführte 
(vgl. Einvernahmeprotokoll Beekman), das Geschäftsrisiko für das bei Andava 
verwaltete Geld ausschliesslich bei der Aeroflot selbst. Das entsprechende Bank-
konto hätte beispielsweise in irgendeinem Verfahren gegen Andava ohne weiteres 
beschlagnahmt werden können, was in casu ja auch geschehen ist. Die Bezah-
lung von 65% Zins p.a. für die Leihe eigenen Geldes ist in einer geschäftsmässi-
gen Betrachtung wirtschaftlich sinnlos, da dieser Prämie keinerlei sinnvolle Ge-
genleistung zum Beispiel in Form einer Risikoübernahme entspricht. Dasselbe gilt 
auch für die veränderten Bedingungen gemäss Mechanismus II.  

(2.) Damit könnte auf die Prüfung des zweiten Gesichtspunkts verzichtet werden; 
der Vollständigkeit halber sei auch dieser in Kürze behandelt. Bei Andava arbeite-
ten in der Anklageperiode gemäss Aussage von K. (vgl. Einvernahmeprotokoll K.) 
maximal sechs Personen. Diese Personen betreuten auch die nicht inkriminierten 
und damit a priori legalen Geschäfte der Firma - u.a. den Zahlungsverkehr für Ae-
roflot wie anderes auch - und erwirtschafteten damit legale Einkünfte. Darüber 
hinaus besorgten sie die im Rahmen der inkriminierten Mechanismen anfallenden 
Arbeiten, die damit die Arbeitskraft von deutlich weniger als sechs Personen in 

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Anspruch nahmen. Damit erwirtschaftete Andava Einkünfte von mindestens rund 
Fr. 53,4 Mio., was offensichtlich in einem eklatanten Missverhältnis zu den Auf-
wendungen stand. An dieser Feststellung vermag auch der Umstand nichts zu 
ändern, dass bei der Firma Q. in Moskau auch noch einige wenige Personen in-
volviert gewesen waren, zumal dort und damals das für die Branche und die Stel-
lung durchschnittliches Monatseinkommen nicht höher als bei $ 500.-- gelegen hat 
und die Aufgabe dieser Personen allein darin bestand, die Zahlungslisten von Ae-
roflot zu erfassen und mit der entsprechenden promissory note an die Firma P. 
weiterzuleiten (vgl. Einvernahmeprotokoll des Angeklagten vom 9. Juni 2008).  

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich die Höhe der durch die inkrimi-
nierten Mechanismen für Aeroflot entstehenden Kosten wirtschaftlich und ge-
schäftsmässig nicht begründen lässt - und zwar auch dann nicht, wenn unterstellt 
wird, dass Aeroflot mit dem Geschäft einen Gewinn hätte erzielen können.  

e) Als Zwischenergebnis steht somit fest: Die inkriminierten Mechanismen I und 
II sind mit dem treasury center willkürlich - und nur faktisch - verknüpfte, und das 
heisst davon wirtschaftlich unabhängige Geschäftsmodalitäten, die für Aeroflot 
notwendige, prozentual festgesetzte, hohe und wirtschaftlich nicht zu rechtferti-
gende Kosten verursachten und gleichzeitig Aeroflot, wenn überhaupt, nur höchst 
ungewisse Gewinnaussichten eröffneten. Bereits an dieser Stelle steht somit wei-
ter fest, dass die vereinbarten Geschäftsmodalitäten in einer wirtschaftlichen Be-
trachtung für Aeroflot zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt werden konnten und kön-
nen, da der Verpflichtung von Aeroflot keine adäquate Gegenleistung der Andava 
gegenüber steht. 

f) Bleibt schliesslich zu prüfen, welcher Art die Gewinnaussichten waren, die 
sich für Aeroflot mit den Geschäftsmodalitäten eröffneten: Es ist erstellt und un-
bestritten, dass die Mechanismen I und II ausschliesslich auf Gelder angewandt 
worden sind, die in Form harter Währungen bei Andava hinterlegt waren und die 
Aeroflot gehörten. Mit und auf diesen Geldern beruhend wurde mithin ein ge-
schlossenes System errichtet, in dem Gelder der Aeroflot einer Kaskade von Um-
wechslungs- und Buchungsvorgängen ohne Aussenbezug unterworfen wurden, 
Vorgänge also, die als solche a priori für Aeroflot keinen realen Mehrwert schaffen 
konnten. Die Gewinnaussichten der Aeroflot waren beschränkt auf - wenig wahr-
scheinliche - Buchgewinne, während Andava in grossem Stil real profitierte. Diese 
Gewinne wären überdies allein durch die zeitliche Verzögerung generiert worden: 
Je später die Devisenguthaben der Aeroflot bei fallendem Rubelkurs in der Kon-
zernbuchhaltung der Aeroflot in Rubel verbucht worden wären, umso mehr wären 
diese Guthaben in Rubel wert gewesen. Mit den Mechanismen I und II wurde im 
Ergebnis nichts anderes erreicht als eine um die Laufzeit der Wechsel verzögerte 
Verbuchung in Rubel. Eine solche Verzögerung mit einem möglichen Buchgewinn 

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hätte jedoch von Aeroflot ohne eine einzige zusätzliche Buchung und ohne zu-
sätzliche Kosten erreicht werden können, wenn sie ihre Devisenguthaben bei An-
dava nach Bezahlung der Lieferanten erst jeweils per Ende Jahr und gemäss dem 
zu diesem Zeitpunkt geltenden Wechselkurs in ihrer Bilanz in Rubel verbucht hät-
te.  

g) Zu keinem anderen Ergebnis führen die Angaben, die der Direktor der Anda-
va, K., während der Voruntersuchung und in der Hauptverhandlung zur Plausibili-
tät des Geschäftsmodells gemacht hat, soweit diese sich primär auf die Absiche-
rung des Währungsrisikos beziehen (z.B. act. 004082-84, Zeile 10; 004094, HV-
Protokoll), aber auch soweit sie von positiven Gewinnaussichten für Aeroflot aus-
gehen (act. 4293, HV-Protokoll). Letzteres gilt umso mehr, als Andava gemäss 
Vertrag 249/1 vom 10 Juni 1996 (act. 003390) die Marktentwicklung bei der Ab-
rechnung hätte berücksichtigen dürfen (EV K., act. 004293; Bericht URA vom 11. 
September 2006, act. 00434-117 bis 123 und 129f.) 

h) Eine andere als die geltend gemachte und oben behandelte Begründung für 
die zwischen Andava und Aeroflot vereinbarten inkriminierten Geschäftsmodalitä-
ten ist weder vorgebracht worden noch ist eine solche sonst wie ersichtlich. 

i) Die Mechanismen I und II sind somit nicht nur unter wirtschaftlichem Ge-
sichtspunkt mangels sinnvollem Verhältnis von Aufwand und Gewinnerwartung 
nicht zu rechtfertigen, sie sind in wirtschaftlicher Hinsicht sinnlos, was gleicher-
massen für die Argumente gilt, mit welchen dieser Sinn begründet werden sollte. 
Damit wird der Schluss unvermeidlich, dass die gewählten Geschäftsmodalitäten 
keinen anderen Zweck haben konnten, als Aeroflot in grossem Stil Liquidität zu 
entziehen - ein Schluss, der vom bisher nicht berücksichtigten Umstand bestätigt 
wird, dass Nikolai Glouchkov selbst von den bei Andava generierten Einnahmen 
persönlich in erheblichem Umfang profitierte (vgl. dazu unten).  

4.1.3 Die in casu für Aeroflot entstandenen Kosten von rund Fr. 53,4 Mio., die Andava 
direkt aus den Devisenguthaben der Aeroflot für sich als Einnahmen bezog, sind 
demnach als strafrechtlich relevante Deliktsumme und als tatbestandsmässiger 
Schaden gemäss Art. 158 StGB zu qualifizieren, wenn auch die übrigen Tatbe-
standsmerkmale verwirklicht sind. Allfällige spätere und freiwillige Rückleistungen 
der Andava vermöchten an dieser Summe nichts zu ändern, da das Delikt mit der 
wirtschaftlich sinnlosen und damit tatbestandsmässigen Zahlung an Andava je-
weils erfüllt gewesen wäre. 

 

 

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4.2 Tatbestandsmässige Pflichten; Pflichtverletzung 

Nach Art. 158 StGB ist nur strafbar, wer damit betraut ist, das Vermögen eines 
anderen zu verwalten - oder diese Verwaltung zu beaufsichtigen - und dabei in 
Verletzung seiner Pflichten zulässt, dass der andere an seinem Vermögen ge-
schädigt wird. Es handelt sich mithin um ein Sonderdelikt.  

 

4.2.1 Sonderpflicht des Angeklagten 

a) Die Sonderpflicht kann begründet sein durch Gesetz, behördlichen Auftrag 
oder durch ein Rechtsgeschäft. Vorliegend scheiden Gesetz und behördlicher Auf-
trag aus. Die Bundesanwaltschaft gründet ihre Anklage im Hauptpunkt auf Vertrag 
(AS, S. 21). Danach habe Andava die Pflicht zur Vermögensfürsorge gestützt auf 
die Verträge übernommen, in deren Folge Aeroflot einen Teil ihrer Devisengutha-
ben Andava zur Verwaltung anvertraut habe; sie geht mithin davon aus, dass die 
Pflicht zur Vermögensfürsorge von Aeroflot an Andava vertraglich delegiert wor-
den sei und Andava - unter anderem in der Person des Angeklagten - diese Pflicht 
verletzt habe. Sie geht gleichzeitig davon aus, dass die Verträge deliktischer Natur 
seien und gar nicht hätten abgeschlossen werden dürfen. In seinem Plädoyer hat 
der Ankläger ausserdem seine Rechtsauffassung insofern präzisiert, als die Über-
nahme der Sonderpflicht konkludent vereinbart worden sei und schliesslich der 
neu für die Periode ab Mai 1997 geschlossene Grundvertrag ausdrückliche und in 
der Anklageperiode verletzte Sonderpflichten der Andava begründe.  

b) Die strafbegründende Sonderpflicht gemäss Art. 158 StGB ist eine qualifizier-
te Pflicht. Die Anforderung an deren vertragliche Begründung sind hoch (vgl. Stra-
tenwerth, BT I, 6. Aufl., N. 5ff.). Daraus folgt zunächst, dass eine konkludente 
Vereinbarung, wenn überhaupt, nur in Ausnahmenfällen in Frage kommen kann. 
Eine rückwirkende Vereinbarung wäre jedenfalls strafrechtlich von Vornherein irre-
levant. Die Prüfung aller für die Anklageperiode relevanten Verträge zwischen den 
beteiligten Firmen ergibt, dass weder Andava noch der Angeklagte persönlich ir-
gendwelche generellen Vermögensfürsorgepflichten gegenüber Aeroflot über-
nommen hätten. Den Verträgen ist diesbezügl