# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aef355df-97e0-5019-b0ad-08567b9e6c16
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Kammer für Kindes-und Erwachsenenschutz 20.01.2022 XBE.2021.79
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_002_XBE-2021-79_2022-01-20.pdf

## Full Text

Obergericht 

Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz 

 

XBE.2021.79  
(KE.2019.435 / KEKV.2021.2) 

Art. 7 

 

 

Entscheid vom 20. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Lienhard, Präsident 

Oberrichter Marbet 

Oberrichter Lindner 

Gerichtsschreiberin B. Gloor 

 

 
   

Beschwerde-

führerin 1 

 A._____, 

 

 

 

Beschwerde-

führer 2 

 B._____, 

 

Beiständin: C._____ 

 

1 und 2 vertreten durch lic. iur. Markus Härdi, Rechtsanwalt 

 

 
   

Vater  D._____, 

 

vertreten durch lic. iur. Christine Hess-Keller, Rechtsanwältin 

 

 

 

Anfechtungs 

gegenstand 

 Entscheid des Familiengerichts Q._____ vom 31. August 2021 

 

 

Betreff  Regelung der elterlichen Sorge / Besuchsrecht 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entnimmt den 

Akten: 

 

1. 

A. und D. sind die getrenntlebenden unverheirateten Eltern von B., geboren 

tt.mm.2018. Gemäss der gemeinsamen Erklärung vom 2. September 2019 

besteht für B. die gemeinsame elterliche Sorge, er befindet sich weiter in 

der Obhut der Mutter und es wurde für ihn eine Erziehungsbeistandschaft 

errichtet. 

 

2. 

2.1. 

Mit Eingabe vom 4. Januar 2021 beantragte die Mutter beim Familienge-

richt Q. nebst der Verpflichtung des Vaters zur Leistung von Unterhaltsbei-

trägen, die Einräumung eines beschränkten Besuchsrechts sowie insbe-

sondere den Entzug der elterlichen Sorge.  

 

2.2. 

Nach Anhörung der Eltern am 31. August 2021 erliess das Familiengericht 

Q. gleichentags folgenden Entscheid. 

 
" 1. 

Der Antrag auf Entzug der elterlichen Sorge des Kindsvaters und Über-
tragung der alleinigen elterlichen Sorge an die Kindsmutter wird abge-
wiesen. 
 
2. 
Der Vater wird berechtigt und verpflichtet, seinen Sohn B. einstweilen 
für die Dauer von einem Jahr ab dem ersten Besuch mindestens 1x pro 
Monat im Rahmen der Begleiteten Besuchstage Aargau (BBT) zu be-
suchen. 
 
3. 
Die Beiständin wird aufgefordert, die Anmeldung bei der BBT umge-
hend vorzunehmen. 
 
4. 
Es wird in einem separaten Verfahren ein Mandatsträgerwechsel in die 
Wege geleitet. 
 
5. 
Auf das Begehren Ziffer 4. des Gesuches vom 04.01.2021 betreffend 
Festlegung des Kinderunterhaltsbeitrages des Kindsvaters an den 
Sohn B. wird mangels Zuständigkeit nicht eingetreten. 
 
6. 
Auf die Erhebung von Gerichtskosten wird verzichtet. 
 
7. 
Die Parteikosten werden wettgeschlagen." 

 

 - 3 - 

 

 

3. 

3.1. 

Gegen diesen ihr in begründeter Ausfertigung zugestellten Entscheid führte 

die Mutter A. (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 10. No-

vember 2021 im Namen von B. Beschwerde bei der Kammer für Kindes- 

und Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau mit folgen-

den Anträgen: 

 

" Es sei Ziff. 1 des Entscheids vom 31.08.2021 aufzuheben und im Sinne 
der nachfolgenden Anträge neu zu entscheiden: 
 
1.  
Es sei dem Gesuchsgegner die elterliche Sorge zu entziehen.  
 
2.  
Es sei die elterliche Sorge auf die Gesuchstellerin alleine zu übertra-
gen.  
 
3.  
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerde-
gegners.  
 
4.  
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-
währen unter Beiordnung des unterzeichnenden Rechtsanwaltes zu 
deren unentgeltlichem Rechtsvertreter. Auf die Auferlegung von Kosten 
sei zu verzichten.  
 
Eventuell: 
 
1.  
Es sei Ziff. 1 des Entscheids vom 31.08.2021 aufzuheben und es sei 
die Angelegenheit zur vollständigen Abklärung der Kindeswohlgefähr-
dung, Vervollständigung des massgeblichen Sachverhaltes und Neu-
entscheidung an die KESB E. zurückzuweisen.  
 
2.  
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerde-
gegners.  
 
3.  
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-
währen unter Beiordnung des unterzeichneten Rechtsanwaltes zu de-
ren unentgeltlichem Rechtsvertreter. Auf die Auferlegung von Kosten 
sei zu verzichten." 

 

3.2. 

Der Vater D. (nachfolgend: Beschwerdegegner) stellte mit Beschwerdean-

twort vom 26. November 2021 folgende Rechtsbegehren:  

  

" 1.  
Die Beschwerde vom 10. November 2021 sei vollumfänglich abzuwei-
sen.  
 

 - 4 - 

 

 

2.  
Der Entscheid des Familiengerichts Q. vom 31. August 2021 sei zu be-
stätigen.  
 
3.  
Dem Beschwerdegegner sei für das vorliegende Verfahren die vollum-
fängliche unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei ihm die 
unterzeichnende Rechtsanwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin 
beizugeben.  
 
4. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdefüh-
rerin." 
 

3.3. 

Die Vorinstanz verzichtete mit Eingabe vom 23. November 2021 auf eine 

Vernehmlassung. 

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz zieht in 

Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Zuständig für Beschwerdeverfahren gegen Entscheide der Kindes- und 

Erwachsenenschutzbehörde wie das vorliegende ist die Kammer für Kin-

des- und Erwachsenenschutz des aargauischen Obergerichts als einzige 

Beschwerdeinstanz (§ 41 EG ZGB i.V.m. § 10 Abs. 1 lit. c EG ZPO und 

Anhang 1 zur Geschäftsverteilungsordnung des Obergerichts 

[GKA 155.200.3.101]).  

 

1.2. 

In formeller Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführe-

rin nur im eigenen Namen und nicht im Namen von B. Beschwerde führen 

kann, da sie schon nicht über die alleinige elterliche Sorge verfügt und zu-

dem B. im vorinstanzlichen Verfahren keine Parteistellung zukam. Im Übri-

gen ist jedoch auf die Beschwerde einzutreten, die frist- und formgerecht 

eingereicht worden ist. 

 

2. 

2.1. 

Angefochten wird mit Beschwerde das gemeinsame Sorgerecht, unange-

fochten ist die Regelung des begleiteten Besuchsrechtes.  

 

Die Beschwerdeführerin begründet ihren Antrag im Wesentlichen damit, 

dass insbesondere aufgrund des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. 

H. im gegen den Vater stattgefundenen Strafverfahren, sowie des Kontakt-

verbots des Vaters mit der Mutter wegen der psychiatrischen Befunde eine 

 - 5 - 

 

 

Gefährdung des Kindeswohls belegt sei. Die mittel- bis hochgradige Rück-

fallgefahr für Gewaltdelikte verbunden mit der Persönlichkeitsstruktur des 

Vaters mit nur eingeschränkter Fähigkeit zur Impulskontrolle stelle für B. 

eine Gefährdung dar. Die damals abgegebene Erklärung auf gemeinsame 

elterliche Sorge sei offensichtlich nicht ohne Druck des Vaters abgegeben 

worden: Es sei bei der Beschwerdeführerin ein Angstgefühl ausgelöst wor-

den, welches sie zur Erklärung bewogen habe, ohne dafür die Möglichkeit 

der Beweisführung zu haben. 

 

2.2. 

In der Beschwerdeantwort wird dagegen im Wesentlichen eingewendet, bei 

den vorgebrachten Bedenken gehe es um Bereiche, welche den persönli-

chen Kontakt und nicht die elterliche Sorge beträfen, das Gutachten sei 

nicht aktuell und sei nicht relevant. Selbst wenn die psychischen Störungen 

des Beschwerdegegners Krankheitswert aufweisen sollten, hätten sie kei-

nen Einfluss auf die erzieherische Fähigkeit. Dass Druck hinsichtlich der 

Erklärung zur elterlichen Sorge ausgeübt worden sei, sei unbewiesen und 

unwahr.  

 

3. 

3.1. 

Im angefochtenen Entscheid wird die Beibehaltung der gemeinsamen 

elterlichen Sorge im Wesentlichen damit begründet, dass weder die geltend 

gemachte Persönlichkeitsstruktur des Vaters, noch der Umstand, dass der 

Vater mit Urteil des Strafgerichts des Kantons S. vom 18. September 2020 

zu einer zwischenzeitlich verbüssten 27-monatigen Freiheitsstrafe verur-

teilt worden sei, generell den Schluss zuliessen, der Vater werde in Bezug 

auf B. Entscheidungen treffen, welche dem Kindeswohl zuwiderlaufen wür-

den. Abgesehen davon, dass das vielfach zitierte Gutachten aus dem Straf-

verfahren gegen den Vater nicht vorliege, weshalb darauf nicht abgestellt 

werden könne, sei nicht ersichtlich, wie sich die darin erhobenen psychiat-

rischen Befunde im Zusammenhang mit der elterlichen Sorge negativ aus-

wirken sollten. Die gegenüber der Mutter begangene Gewalt habe sich nie 

gegen B. gerichtet. Der im Bericht der Beiständin erwähnte Schlag auf den 

Hinterkopf von B. sei nicht bestätigt. Die Sorgerechtserklärung sei deshalb 

in Kenntnis des Charakters des Vaters und dessen Verhalten im Umgang 

mit B. abgegeben worden, ohne dass für die Mutter auch die damals schon 

vollzogene Trennung und die Schwierigkeit der Kommunikation problema-

tisch gewesen wäre. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die gemeinsame elterliche Sorge kann bei nicht verheirateten Eltern 

gestützt auf Art. 298a Abs. 1 ZGB durch eine gemeinsame Erklärung der 

Eltern zustande kommen. In der Erklärung bestätigen die Eltern, dass sie 

bereit sind, gemeinsam die Verantwortung für das Kind zu übernehmen und 

 - 6 - 

 

 

sich über die Obhut und den persönlichen Verkehr oder die Betreuungsan-

teile sowie über den Unterhaltsbeitrag für das Kind verständigt haben 

(Art. 298a Abs. 2 ZGB). Die Eltern müssen gegenüber der Behörde aber 

keine genaueren Angaben machen, wie sie die Aufgaben konkret wahrneh-

men wollen. Die Erklärung kann somit auch abgegeben werden, wenn sich 

die Eltern inhaltlich nicht konkret geeinigt haben. Es handelt sich somit um 

eine rein formelle Bestätigung, die von den nicht miteinander verheirateten 

Eltern verlangt wird. Entsprechend der rein formellen Abgabe der Erklärung 

ohne den Inhalt konkret darzulegen, entfällt auch jegliche Prüfungspflicht 

der Behörde. Mit der Abgabe der Erklärung entsteht die gemeinsame Sorge 

der Eltern von Gesetzes wegen. Massgebender Zeitpunkt für die Entste-

hung der gemeinsamen Sorge ist die Kenntnisnahme der abgegebenen 

Erklärung durch die Kindesschutzbehörde (AFFOLTER-FRINGELI / VOGEL, 

Berner Kommentar, 2016, N. 9 f. und 34 zu Art. 298a ZGB m.w.H.). 

 

3.2.2. 

Die Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge vom 2. September 

2019 befindet sich in den vorinstanzlichen Akten (act. 149) und ist daher 

eingereicht worden. Dementsprechend steht B. unter gemeinsamer elterli-

cher Sorge.  

 

Auf Begehren eines Elternteils, des Kindes oder von Amtes wegen regelt 

die Kindesschutzbehörde die Zuteilung der elterlichen Sorge neu, wenn 

dies wegen wesentlicher Änderung der Verhältnisse zur Wahrung des Kin-

deswohls nötig ist (Art. 298d Abs. 1 ZGB).  

 

Die Beschwerdeführerin beruft sich, ohne Auseinandersetzung mit der  

vorinstanzlichen Erwägung, im Wesentlichen auf das Gutachten im Straf-

verfahren vom 23. September 2019 von Dr. med. H., welches zwar nicht 

aktenkundig ist, von der Kindesschutzbehörde aber unter der Geltung der 

umfassenden Untersuchungsmaxime von den Strafbehörden beigezogen 

werden könnte. Dazu besteht von Amtes wegen jedoch kein Anlass, da die 

darin gestellte Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit be-

tont dissozialen narzisstischen Zügen einhergehend mit einer Pseudologia 

Phantastica in der als Beschwerdebeilage verurkundeten Verfügung des 

Amts für Justizvollzug Kanton S. vom 18. Februar 2021 hinreichend doku-

mentiert ist (Beschwerdebeilage 3) und vom Beschwerdegegner auch nicht 

in Frage gestellt wird. Bekannt ist weiter auch der der Anklage der Staats-

anwaltschaft Kanton S. vom 26. Mai 2020 zugrunde gelegte Sachverhalt 

(act. 42 ff.), der zur Verurteilung des Beschwerdegegners vom 18. Septem-

ber 2020 durch das Strafgericht des Kantons S. führte (act. 49 ff.) und von 

ihm nicht bestritten wird. Mit Ausnahme des Vorfalls vom 15. September 

2019 (Drohung, vgl. act. 44) ereigneten sich die Vorfälle, welche die Be-

schwerdeführerin betreffen, vor der Unterzeichnung der Erklärung über die 

gemeinsame elterliche Sorge vom 2. September 2019. Aus dem Sachver-

halt zur Anklage ergibt sich weiter, dass die Eltern seit spätestens Mitte 

 - 7 - 

 

 

Juni 2019 getrennt leben, nachdem die Beschwerdeführerin zusammen mit 

B. vorübergehend zu ihrer Mutter umgezogen ist. Der Vorfall vom 15. Sep-

tember 2019, welcher sich nach der Erklärung über die gemeinsame elter-

liche Sorge ereignete, ändert nichts daran, dass die gemeinsame elterliche 

Sorge in Kenntnis der mehrfachen häuslichen Gewalt des Vaters errichtet 

worden ist und daher diese Gewaltvorfälle kaum geeignet sein können, die 

gemeinsame elterliche Sorge aufzuheben. Vor diesem Hintergrund sind 

keine wesentlichen Sachverhaltsänderungen nach der Erklärung über die 

gemeinsame elterliche Sorge geltend gemacht und bestehen weiter auch 

keine Hinweise auf Druck oder Drohung von Seiten des Beschwerdegeg-

ners, der sich gemäss dem Bericht des Justizvollzugs des Kantons S. seit 

5. November 2019 im (vorzeitigen) Strafvollzug befand.  

 

3.3. 

Zu prüfen bleibt damit, ob sich eine Änderung von Amtes wegen aufdrängt. 

Die Voraussetzungen zur Entziehung der elterlichen Sorge sind im ange-

fochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Erwägung 3.1.), weshalb 

zur Vermeidung von Wiederholungen darauf verwiesen werden kann.  

 

Die in der Beschwerde mit Verweis auf die psychiatrischen Abklärungen 

vorgetragenen Bedenken erscheinen zwar im Hinblick auf die Regelung 

des Besuchsrechts gerechtfertigt und wurden diesbezüglich mit der Anord-

nung der begleitenden Besuchskontakte auch berücksichtigt, erscheinen 

jedoch mit Bezug auf das Sorgerecht nicht relevant: Die Ausübung des Sor-

gerechts bedeutet insbesondere die Entscheidfindung über Fragen der Er-

ziehung, der Ausbildung oder der medizinischen Versorgung des Kindes. 

Es ist nicht dargetan oder ersichtlich, inwiefern die diagnostizierten psychi-

atrischen Befunde des Vaters die dafür erforderliche Fähigkeit zur Ent-

scheidung im Kindesinteresse beeinträchtigen könnten. Jedenfalls bieten 

diese allein keinen Grund zur Abänderung der gemeinsamen elterlichen 

Sorgen von Amtes wegen, zumindest solange sich keine Konkretisierung 

dieser Bedenken ergibt. Daran ändert auch die Stellungnahme der Beistän-

din vom 20. August 2021 (act. 175 ff.) nichts, die sich allein auf die erhobe-

nen Angaben der Beschwerdeführerin und auf keine eigenen Wahrneh-

mungen im Kontakt mit dem Beschwerdegegner stützt und dabei ebenfalls 

auf die Verhältnisse vor der Unterzeichnung der gemeinsamen Sorge-

rechts-Erklärung Bezug nimmt. 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang hat 

die Beschwerdeführerin gestützt auf § 38 Abs. 3 EG ZGB i.V. Art. 106 

Abs. 1 ZPO die obergerichtlichen Verfahrenskosten zu tragen und dem 

Vater eine Parteientschädigung auszurichten. Die Voraussetzungen für die 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege erscheinen mit Einreichung 

 - 8 - 

 

 

der einschlägigen Unterlagen zu den Einkommens- und Vermögensver-

hältnisse für beide Elternteile erfüllt, weshalb beiden ihren Anträgen ent-

sprechend die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren ist. Daher sind die 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegenden Verfahrenskosten für das Be-

schwerdeverfahren vorläufig vorzumerken (Art. 122 Abs. 1 lit. b ZPO, 

Art. 123 ZPO). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege des Beschwer-

degegners ist mit Bezug auf die Verfahrenskosten, welche der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen sind, gegenstandslos geworden.  

 

4.2. 

Gestützt auf § 3 Abs. 1 lit. b des Anwaltstarifs (AnwT) richtet sich die Par-

teientschädigung nach dem mutmasslichen Aufwand der Anwälte sowie 

nach der Bedeutung und Schwierigkeit des Falls und liegt grundsätzlich 

(vorbehältlich der Zu- und Abschläge gem. § 6 ff. AnwT) zwischen 

Fr. 1'210.00 und Fr. 14'700.00. Im Rechtsmittelverfahren beträgt die Ent-

schädigung 50-100 % dieses Betrags. Vorliegend rechtfertigt sich im Hin-

blick auf die einfache Fragestellung im Beschwerdeverfahren die Anwen-

dung einer reduzierten Grundentschädigung zur üblichen von Fr. 2'000.00 

(vgl. AGVE 2017 50, S. 276 f.) in der Höhe von Fr. 1'800.00, welche wegen 

der darin inbegriffenen und im vorliegenden Beschwerdeverfahren wegfal-

lenden Teilnahme an einer Verhandlung (§ 6 Abs. 2 AnwT) um 20 % zu 

kürzen ist. Von daraus resultierenden Entschädigung von Fr. 1'440.00 ist 

gestützt auf § 8 AnwT ein Abschlag von 20 % vorzunehmen, weil es sich 

um ein Rechtsmittelverfahren handelt. Unter Berücksichtigung des pau-

schalen Auslagenersatzes von Fr. 34.60 (§ 13 Abs. 1 AnwT) und der Mehr-

wertsteuer von 7,7 % (Fr. 91.40) ergibt sich ein Honorar der Rechtsvertreter 

der Beschwerdeparteien von je Fr. 1'278.00 (gerundet).  

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz beschliesst: 

 

1. 

Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt, und 

es wird ihr Rechtsanwalt Markus Härdi zu ihrem unentgeltlichen Rechtsver-

treter bestellt.  

 

Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungspflicht bei Verbesse-

rung der wirtschaftlichen Verhältnisse hingewiesen (Art. 123 Abs. 1 ZPO). 

 

2. 

Dem Beschwerdegegner wird die unentgeltliche Rechtsvertretung gewährt, 

und es wird ihm Rechtsanwältin Christine Hess-Keller, zu seiner unentgelt-

lichen Rechtsvertreterin bestellt. Sein Gesuch um unentgeltliche Rechts-

pflege für die Verfahrenskosten wird als gegenstandslos geworden von der 

Kontrolle abgeschrieben.  

 - 9 - 

 

 

 

Der Beschwerdegegner wird auf die Nachzahlungspflicht bei Verbesserung 

der wirtschaftlichen Verhältnisse hingewiesen (Art. 123 Abs. 1 ZPO).  

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt und ihr zufolge der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstwei-

len vorgemerkt, unter dem Vorbehalt der Nachzahlung von Art. 123 ZPO.  

 

3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem unentgeltlichen Rechtvertre-

ter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Markus Härdi, dessen gericht-

lich auf Fr. 1'278.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) festgesetztes Honorar für 

das Beschwerdeverfahren zu vergüten.  

 

4. 

Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, dem Beschwerdegegner dessen 

richterlich auf Fr. 1'278.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) festgesetzten Partei-

kosten zu bezahlen. Zufolge Uneinbringlichkeit wird die Obergerichtskasse 

angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdegeg-

ners, Rechtsanwältin Christine Hess-Keller, deren gerichtlich auf 

Fr. 1'278.00 (inklusive Auslagen und MwSt.) festgesetztes Honorar für das 

Beschwerdeverfahren zu vergüten.