# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62f42a4d-b023-52ae-bc02-0e0a5a7eae46
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-29
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt ungenügend erstellt. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2013.00938
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00938.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00938
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtssekretär Möckli
Urteil
vom
29. September 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
Mlaw
Z.___
Konradstrasse 20, Postfach 1118, 8031 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Nachdem der 1964 geborenen
X.___
mit Verfügung vom 4. Dezember 1995
(
Urk.
8/11)
die
per
1.
Juli 1994 zugesprochene halbe Rente der Invaliden
versicherung infolge erhöhte
n
Erwerbseinkommens mit Verfügung v
om 1
1.
Oktober 2005 (
Urk.
8/36)
aufgehoben worden war
, meldete sich
die Versi
cherte
am 2
2.
Mai 2006 erneut bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug (Rente) an (
Urk.
8/39). Mit Verfügung vom 30. Oktober 2007 (
Urk.
8/68), bestätigt mit Urteil des
Sozialversicherungs
gerichts
des Kantons Zürich vom 2
7.
Mai 2009 (
Urk.
8/71), wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
1.2
Am 1
3.
Juni
2012 (
Urk.
8/79 in Verbindung mit
Urk.
8/75) ersuchte
X.___
unter Hinweis
auf eine Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes
er
neut um Ausrichtung einer Rente
durch die
Invalidenversicherung.
Die IV-Stelle liess in der Folge einen aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto von
X.___
erstellen (
IK-Auszug,
Urk.
8/84), zog
den Bericht von
dipl.
psych.
A.___
, Psychotherapeutin SPV/ASP, vom
6.
Dezember 2012 (
Urk.
8/93) bei und verneinte nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
8/103-109)
mit Verfügung vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
2)
einen Rentenanspruch der Versicherten.
2.
Hiergegen liess
X.___
am 1
7.
Oktober 2013 Beschwerde erheben und beantragen, es sei bei der Bemessung des Rentenanspruchs nach der
Einkom
mensvergleichsmethode
und nicht nach der gemischten Methode vorzugehen und es sei ihr ab
1.
September 2010 eine halbe sowie ab
1.
Januar 2012 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei eine medizinische Begutachtung durchzuführen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 21.
November 2013 (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-112)
schloss
die Beschwerdegegnerin
auf
Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
9.
Dezember 2013 (
Urk.
9) angezeigt wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Während die Beschwerdegegnerin
darauf abstellte
, es bestünden weder eine dauer
haft und richtungsweisende Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin noch hinreichende Hinweise dafür, dass
sie
bei guter Ge
sundheit zu 100
%
erwerbstätig wäre (
Urk.
2), brachte
die Beschwerdeführerin
insbesondere vor, sie wäre nunmehr
bei guter Gesundheit
mangels
Betreuungs
bedürftigkeit
der Tochter
in
einem Vollzeitpensum tätig. Weil sich
zudem
ihre gesundheitliche Situation seit dem Jahr 2010 stetig verschlechtert habe, so dass
ab Anfangs 2012
nur noch von einer Arbeitsfähigkeit von 30
%
auszugehen sei, bestehe Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich,
Betätigungsver
gleich
, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächtigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstä
tigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch,
das heisst
ohne
Gesundheitsscha
den
, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
IVV).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönli
chen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
2.4
Diese Grundsätze gelten auch bei der Rentenrevision und im
Neuanmeldungs
verfahren
. Hier führen sie gegebenenfalls dazu, dass ein Rentenanspruch neu entstehen kann, nicht nur bei wesentlicher Veränderung des Gesundheitszu
standes, der erwerblichen Auswirkungen (oder der Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) und bei Wandlung des Aufgaben
bereichs (BGE 113 V 273 E. 1a, 105 V 29 mit Hinweisen), sondern auch dadurch, dass in dem für die Methodenwahl massgeblichen hypothetischen Sachverhalt wesentliche Änderungen eingetreten sind. Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der Invaliditätsschätzung präjudiziert die künftige Rechtsstellung der versicherten Person somit nicht. Vielmehr können die alternativen Kriterien der Erwerbsunfähigkeit (
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Ver
bindung mit
Art.
7 ATSG) einerseits und der Unmöglichkeit der Betätigung im nicht erwerblichen Aufgabenbereich (
Art.
5
Abs.
1 und 28a
Abs.
3 IVG in Ver
bindung mit
Art.
8
Abs.
3 ATSG) anderseits einander ablösen (BGE 117 V 198 E. 3b, 113 V 273 E. 1a, 110 V 284 E. 1a, 104 V 148 E. 2 mit Hinweisen).
2.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
2.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begeh
ren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
3.
3.1
Zwischen den Parteien ist insbesondere umstritten, in welchem Pensum die Be
schwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden erwerbstätig wäre.
3.2
Die
Beschwerdegegnerin hält
dafür
, aus dem IK-Auszug ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin
die
Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in den letzten Jahren nicht verwertet habe. Zudem
zeige ihre
Erwerbsbiographie, dass
sie
stets einen einfachen Lebensstil gepflegt habe.
Mithin
sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin nunmehr zu 100
%
erwerbstätig wäre
, wäre eine
Beschäfti
gung in
einem
solche
m Umfang
doch nicht zwingend erforderlich. Nach wie vor sei daher von einer Erwerbstätigkeit
im
Umfang von 80
%
sowie von einer Tä
tigkeit im Haushalt
im Umfang
von 20
%
auszugehen (
Urk.
2). Hiergegen bringt die Beschwerdeführerin vor, ihre Tochter sei am 2
1.
August 2013 20 Jahre alt geworden.
Damit
sei sie kein Kind mehr, welches regelmässig betreut werden müsse
,
womit
sich die Situation gegenüber jener im Jahr 2006 grundlegend verändert
habe
.
Aus dem Umstand, dass sie gesundheitlich bedingt gezwungen gewesen sei, einen einfachen Lebensstil zu pflegen, könne nicht geschlossen werden, dass sie bei guter Gesundheit nicht zu 100
%
arbeiten würde. Im Gegenteil sei es allgemein üblich, dass eine alleinerziehende Mutter eine 100%ige Erwerbstätigkeit aufnehme, sobald das jüngste Kind die obligatorische
Schulzeit beendet habe. Weil
ihre
Tochter im Sommer 2010 die Sekundarschule abgeschlossen habe,
sei ab September 2010 die Einkommensvergleichsmethode
und nicht mehr die gemischte Methode zur Anwendung zu bringen (
Urk.
1 S.
3
5).
3.3
Die Beschwerde
führerin hat - nach Absolvieren
der obligatorischen Schulzeit - keine berufliche Ausbildung
ergriffen
(
Urk.
8
/2/5), ist
seit dem Jahr 2006 ge
schieden (
Urk.
8/
78/3
)
und
Mut
ter einer volljährigen Tochter
(
Urk.
8/78/2)
.
An
gesichts dessen, dass ihr
im Scheidungsurteil infolge Leistungsunfähigkeit ihres Ehepartners keine Unterhaltsbeiträge zugesprochen wurden (Urk. 8/78/3) und sie mangels Berufsausbildung sowie fehlender beruflicher Erfahrung nur einfa
che Hilfstätigkeiten
mit entsprechend geringer
Entlöhnung
ausüben
könnte, ist entgegen der Beschwerdegegnerin
nicht ohne
weiteres - d.h. ohne erneute Haushaltsabklärung - davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit weiterhin zu 80 % erwerbstätig wäre. Die 1993 geborene Tochter ist nunmehr volljährig und volljährige Kinder müssen in der Regel nicht mehr betreut werden. Auf der anderen Seite hat die Tochter die Sekundarschule im Jahre 2010 abgeschlossen und im August 2013 eine
Attestlehre
begonnen (Urk. 8/112/5). Je nach Verdienst der Tochter wird sie daher zum
Haushalts
budget
beitragen bzw. darf ein zumutbarer Beitrag angerechnet werden, wes
halb die finanzielle Motivation einer (allfälligen) Aufstockung des
Arbeitspen
sums
von 80
%
auf 100
%
im Gesundheitsfall nicht abschliessend beurteilt werden kann.
4.
4.1
Was die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin betrifft, so lassen die aufliegenden medizinischen Akten ebenfalls keine abschliessende Beurteilung zu.
Während die Beschwerdeführerin eine laufende (
Urk.
8/75) beziehungsweise bedeutende
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
seit 2007 (Urk.
8/90) geltend gemacht hatte, berichtete ihr Hausarzt
,
Dr.
med.
B.___
, FMH für Allgemeinmedizin, im Rahmen der Neuanmeldung am
5.
Juni 2012
(Urk.
8/74)
, die
Leistungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin habe sich seit Anfang
2010 wesentlich verändert, so dass die Arbeitsfähigkeit nunmehr bloss noch 30 % betrage. In seinem Bericht zu Händen
der Beschwerdegegnerin vom 22.
Juni 2012 (
Urk.
8/77
/1-6
)
nannte
er sodann
eine HIV-Infektion mit HIV-
assoziierten Krank
h
eiten (
Konzentrationsstörungen und chronische
Fatigue
DD: HAND [
HIV
-assoziierte neurokognitive Störung
]
)
, eine chronische Hepatitis C (Therapie bis
her nicht möglich), eine chronische
Fatigue
(wahrscheinlich multifaktoriell aber
vor allem im Rahmen der HIV-Infektion), eine chronische Angsterkrankung so
wie eine
Sakroiliitis
.
Der Arzt
führte
hinsichtlich „neurokognitive Störungen“
präzisierend aus, die Beschwerdeführerin habe seit etwa 2010 einen zusätzli
chen Abfall der Leistungsfähigkeit
, welche vorher bei etwa 50
%
gelegen habe,
verbunden mit einer
ausgeprägten Müdigkeit bemerkt, was in der Ende 2010 durchgeführten neurologisch/neuropsychologischen Abklärung habe bestätigt werden können. Im Weiteren
hielt
Dr.
B.___
z
ur HIV-Infektion fest
, von dieser Seite her
gebe es
- mit Ausnahme
des
vorgehend beschriebenen Hauptproblem
s
-
wenige Probleme. Die Beschwerdeführerin nehme
die Medikamente mit einer ausgezeichneten Adhärenz ein,
was durch die seit Jahr
en bestehende
Avirämie
und gute Immunrekonsti
tuti
on bestätigt werde (
Urk.
8/77/3).
Im Gegensatz
hierzu
kamen
Dr.
med.
C.___
, FMH Neurologie, und Prof.
Dr.
phil.
D.___
, Neuropsychologin, im Bericht vom
3.
Dezember 2010 (
Urk.
8/77/8-9) zum Schluss, die Beschwerdeführerin leide insbesondere an einem
Fatigue
-Syndrom, welches mit Blick auf den unauffälligen Neurostatus sowie die normale Bildgebung vordergründig durch die HIV-Infektion und Medikamenteneinnahme bedingt sei und ein
e
Arbeitsfähigkeit von
etwa
50
%
erlaube
.
Hinweise auf eine HIV-assoziierte Beeinträchtigung der höheren
Hirn
leistung
oder eine HIV-assoziierte Demenz verneinten sie ausdrücklich.
Aus dem Bericht
die
MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule und des
Sacrum
s
vom 2
5.
Februar 2011
betreffend (Urk.
8/77/7) ergibt sich sodann, dass
- von Hin
weisen auf eine
Sakroiliitis
abgesehen - die Wirbelsäule weitgehend normal zur Darstellung kam. Und schliesslich
bestätigte
die
behandelnde Psychotherapeutin
Jaccard
nicht die von
Dr.
B.___
genannte Diagnose einer chronischen Angsterkrankung (Urk. 8/77/2-3)
,
sondern führte
unter Hinweis
auf
verschie
dene
psychosoziale
Faktoren
(
Trennung vom Ehemann, Ablösungsprozess der Tochter)
das Vorliegen
einer Neurasthenie/Erschöpfungssyndrom
bei
wieder
holten Traumatisierungen
an
(Bericht vom
6.
Dezember 2012,
Urk.
8/112/24-25).
Angesichts dieser Aktenlage ist nicht bloss eine Verschlechterung des gesund
heitlichen Zustandes der Beschwerdeführerin
dahingestellt
, sondern es ist viel
mehr
fraglich
, ob
eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit, wie sie der ursprüng
lichen Renten
verfügung
zugrunde
gelegen hatte (
Urk.
8/36
),
noch
aus
gewiesen ist
. Ins Gewicht fällt hierbei insbesondere, dass die Beschwerdeführe
rin
seitens der HIV-Infektion
bei jahrelanger
Avirämie
(Urk.
8/112/16) weitestge
hend beschwerdefrei ist
und sich eine - entgegen der Annahme von
Dr.
B.___
- HIV-assoziierte Erkrankung nicht hatte nachweisen lassen. Hinzu kommt,
dass sich zur Frage der Arbeitsfähigkeit kein einziger spezialärztlicher Bericht (
Infektiologie
) in den Akten finden lässt, sondern einzig Beurteilungen des be
handelnden Hausarztes vorliegen, welche sich zudem nicht mit der Einschät
zung
aus neuropsychologischer Sicht in Einklang bringen lassen. Schliesslich scheinen
psychosoziale Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf das Befinden der Beschw
erdeführerin auszuüben und
begründet
weder eine
chronique
Fatigue
noch eine Neurast
h
enie
als solche
eine Invalidität
(vgl. Urteile
des Bundesge
richts
9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5).
Und e
ndlich müsste eine psychiatrische Diagnose
ihre Begründung in einer
fachärztlich
en
Einschätzung
finden
.
Damit kann weder die
Beurteilung
des Hausarztes
Dr.
B.___
noch jene von
Dr.
C.___
und
Dr.
phil.
D.___
der Invaliditätsbemessung zugrunde gelegt werden,
weshalb
weitere medizinische Abklärungen von Nöten
sind
.
4.2
Zusammengefasst erweist sich mithin der medizinische Sachverhalt als ungenü
gend erstellt und die vorliegende Streitsache als nicht spruchreif.
Sie bedarf weiterer, fachkundiger Abklärungen und ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(E. 2.6)
. Diese wird ergänzende Abklärungen (
Beizug
spezial
ärztlicher
Berichte, nötigenfalls Begutachtung) durchzuführen und danach über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden haben. In die
sem Sinne ist die Beschwerde in Aufhebung der Verfügung vom 2
3.
September 2013 gutzuheissen.
4.3
Anzumerken bleibt folgendes: Vorliegend macht die Beschwerdeführerin ein Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhebung einer Rente geltend. Da die frühere Rente mit Verfügung vom 11. Oktober 2005 rückwirkend per 1. Mai 2003 aufgehoben worden war (Urk. 8/36), können bei der Berechnung der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG früher zurückgelegte Zeiten nicht mehr angerechnet werden (Art. 29
bis
IVV). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Ren
tenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Soweit in jenem Zeitpunkt das Wartejahr erfüllt sein sollte, wäre dies frühestens im Dezember 2012 der Fall.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitw
ert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), auf
Fr.
600.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
(BGE 137 V 57 E.2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend ist
eine Entschädi
gung von Fr. 1‘400.
-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in
dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 23. September 2013 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgten Abklärun
gen im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstMöckli