# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b015db2f-5589-57f3-9c8c-58b8f0474f49
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.03.2012 D-985/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-985-2010_2012-03-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-985/2010 
law/auj 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M ä r z  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Walter Stöckli, Richter Daniele Cattaneo;  

Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…),  

und dessen Ehefrau  

B._______, geboren am (…), 

Nigeria, 

(…) 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 

Verfügung des BFM vom 27. Januar 2010 / N (…). 

 

 

D-985/2010 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden verliessen eigenen Angaben zufolge am 

10. April 2007 ihren Heimatstaat und reisten über Benin, Niger und Libyen 

nach Malta, wo sie am 26. Mai 2007 ankamen und sich bis im September 

2009 aufhielten. Am 25. September 2009 reisten sie aus Malta aus und 

gelangten über Italien in die Schweiz, wo sie am 28. September 2009 um 

Asyl ersuchten.  

B.  

Am 29. September 2009 wurden die Beschwerdeführenden im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel zu ihren Ausreisegründen be-

fragt. Dabei gaben sie im Wesentlichen an, sie hätten in Malta um Asyl 

ersucht und sich dort ein neues Leben aufbauen wollen. Beide seien be-

rufstätig gewesen. Nach der Ablehnung der Asylgesuche hätten sie einen 

Rekurs eingereicht, welcher im Zeitpunkt ihrer Weiterreise in die Schweiz 

noch hängig gewesen sei. Sie hätten Malta verlassen, weil sie dort im 

August 2009 mitten in der Nacht anonyme Anrufe erhalten hätten und am 

20. September 2009 von der Schwiegermutter des Beschwerdeführers te-

lefonisch gewarnt worden seien, dass der Mann, welcher sie in Nigeria 

verfolgt habe, weil er die Beschwerdeführerin heiraten wolle, herausge-

funden habe, dass sie sich in Malta aufhielten.  

C.  

Das BFM gewährte den Beschwerdeführenden im Rahmen der Befra-

gung vom 29. September 2009 mit Blick auf ein allfälliges Nichteintreten 

auf ihre Asylgesuche im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) das rechtliche Gehör zu einer 

Wegweisung nach Malta.  

D.  

Am 8. Oktober 2009 ersuchte das BFM die maltesischen Behörden ge-

stützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates 

vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem 

Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zu-

ständig ist (Dublin-II-VO), um Wiederaufnahme der Beschwerdeführen-

den. Die Behörden Maltas stimmten diesem Ersuchen am 20. Oktober 

2009 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. ec Dublin-II-VO zu.  

D-985/2010 

Seite 3 

E.  

Mit Verfügung vom 27. Januar 2010 – eröffnet am 11. Februar 2010 – trat 

das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesu-

che der Beschwerdeführenden vom 28. September 2009 nicht ein, ordne-

te ihre Wegweisung nach Malta an und forderte sie auf, die Schweiz so-

fort zu verlassen. Gleichzeitig stellte das Bundesamt fest, der Kanton Ba-

selland sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, und ei-

ne allfällige Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine 

aufschiebende Wirkung. Sodann händigte das BFM den Be-

schwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich-

nis aus.  

F.  

Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe 

vom 18. Februar 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und 

beantragten, die Verfügung des BFM vom 27. Januar 2010 sei aufzuhe-

ben, es sei festzustellen, dass ihre Wegweisung nicht zumutbar sei und 

das Bundesamt anzuweisen, den weiteren Aufenthalt nach den Bestim-

mungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln; eventualiter sei die an-

gefochtene Verfügung aufzuheben und das BFM anzuweisen, die Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs neu zu prüfen. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht beantragten die Beschwerdeführenden, es sei der vorliegenden 

Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, und es seien die 

Vollzugsbehörden im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, 

von Vollzugshandlungen bis zum Entscheid über das Gesuch um Ertei-

lung der aufschiebenden Wirkung abzusehen. Schliesslich beantragten 

sie, es sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-

tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses zu verzichten.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2010 setzte der Instruktionsrich-

ter des Bundesverwaltungsgerichts den Vollzug der Wegweisung gestützt 

auf Art. 56 VwVG aus.  

 

 

 

D-985/2010 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des 

Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des 

BFM, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, 

vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 

AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 

2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 

vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne 

von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwal-

tungsgericht endgültig entscheidet.  

1.2. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders be-

rührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-

hungsweise Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde 

legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist 

demnach – unter Vorbehalt nachstehender Erwägung – einzutreten.  

1.3. Im Rahmen des Dublin-Verfahrens – bei dem es sich um ein Über-

stellungsverfahren in den für die Behandlung des Asylgesuches zuständi-

gen Staat handelt – bleibt systembedingt kein Raum für Ersatz-

massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i. V. m. Art. 83 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und 

Ausländer (AuG, SR 142.20). Die Frage nach der Zulässigkeit und Mög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs bildet in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 

Bst. d AsylG vielmehr bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) 

des Nichteintretensentscheides. Auch stellt sich die Frage der Zumutbar-

keit in solchen Verfahren nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 

AuG, sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen 

einer allfälligen Prüfung des Selbsteintrittsrechts aus humanitären Grün-

den (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in Verbindung mit Art. 29a AsylV 1). Eine 

entsprechende Prüfung muss somit – soweit notwendig – bereits im 

Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden (vgl. BVGE 2010/45 

E. 10.2 S. 645). Auf das Begehren, es sei festzustellen, dass die Weg-

weisung nicht zumutbar sei und das Bundesamt sei anzuweisen, den wei-

teren Aufenthalt nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

zu regeln, ist daher nicht einzutreten.  

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Seite 5 

2.  

Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-

wechsel verzichtet.  

4.   

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig 

ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). Gestützt auf die einleitenden Bestim-

mungen sowie Art. 1 Abs. 1 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwi-

schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen 

Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der 

Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, 

SR 0.142.392.68]) i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) hat die 

Prüfung der staatsvertraglichen Zuständigkeit zur (materiellen) Behand-

lung eines Asylgesuches nach den Kriterien der Dublin-II-VO zu erfolgen. 

Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG setzt im Weiteren voraus, dass der staatsver-

traglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person 

zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1). Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dub-

lin-II-VO prüfen die Mitgliedstaaten jeden Asylantrag, den ein Drittstaats-

angehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates 

stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der 

nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat be-

stimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitglied-

staates wird eingeleitet, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitglied-

staat gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), wobei die Kriterien in der 

in Kapitel III der Dublin-II-VO genannten Rangfolge (vgl. Art. 5-14 Dublin-

II-VO) anzuwenden sind sowie von der Situation zum Zeitpunkt, in dem 

die asylsuchende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat 

stellt, auszugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO).  

4.2. Die Beschwerdeführenden suchten am 28. September 2009 in der 

Schweiz um Asyl nach. Aufgrund ihrer Angaben und der Akten steht in-

dessen fest, dass sie am 26. Mai 2007 bereits im Dublin-Vertragsstaat 

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Malta Asylgesuche eingereicht und dort bis zu ihrer Ausreise am 

25. September 2009 gelebt haben (vgl. BFM-act. A13/6 S. 2 und 4, A14/7 

S. 2 und 4, A1/11 S. 7, A2/10 S. 7). Anlässlich der Befragung im EVZ gab 

der Beschwerdeführer zu Protokoll, sie hätten gegen einen ablehnenden 

Asylentscheid der maltesischen Behörden Rekurs eingelegt, welcher im 

Zeitpunkt der Ausreise in die Schweiz noch hängig gewesen sei (vgl. act. 

A1/11 S. 7). Der Beschwerdeführer sagte weiter aus, er habe in Malta ein 

College besucht und eine gute Arbeit gehabt (vgl. act. A1/11 S. 8); die Be-

schwerdeführerin, eine (…), gab an, sie sei als Zimmermädchen in einem 

Hotel tätig gewesen (vgl. act. A2/10 S. 7). In der Beschwerde wird ausge-

führt, beide seien in Malta einer regelmässigen Arbeit nachgegangen, und 

der Beschwerdeführer habe auf seinem erlernten Beruf als (…) gearbeitet 

(Beschwerde B 1 Ziff. 1.1 S. 2). Die erste Asylantragsstellung gemäss 

Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO erfolgte demnach in Malta.  

4.3.   

4.3.1. Gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO hat ein Mitgliedstaat, 

welcher Drittstaatsangehörige, deren Asylanträge er abgelehnt hat, und 

die sich unerlaubt im Hoheitsgebiet eines andern Mitgliedstaates aufhal-

ten, nach Massgabe des Artikels 20 wieder aufzunehmen. Das BFM hat 

unter Anrufung von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO die Behörden vom 

Malta am 8. Oktober 2009 um Aufnahme der – illegal in die Schweiz ein-

gereisten (vgl. act. A1/11 S. 8, A2/10 S. 8) – Beschwerdeführenden er-

sucht (vgl. act. A13/6 S. 4, A14/7 S. 4, A15/5 S. 1). Die maltesischen Be-

hörden haben mit E-Mail vom 20. Oktober 2009 gestützt auf Art. 16 

Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO – und damit innerhalb der in Art. 20 Abs. 1 

Bst. b Dublin-II-VO vorgesehenen Frist von einem Monat – einer Wieder-

aufnahme der Beschwerdeführenden zugestimmt (vgl. act. A15/1). Dem-

nach ist Malta für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-

rens staatsvertraglich zuständig.  

4.3.2. Die Beschwerdeführenden bestreiten weder im Rahmen des vo-

rinstanzlichen Verfahrens (vgl. act. A1/11, A2/10) noch auf Beschwerde-

ebene die grundsätzliche Zuständigkeit Maltas. An der anlässlich der Be-

fragung im EVZ erfolgten Gehörsgewährung wandte der Beschwerdefüh-

rer ein, er könne nicht nach Malta zurückkehren, sein Leben sei dort nicht 

sicher, er habe in Malta eine gute Arbeit zurückgelassen und würde lieber 

woanders leben als dort zu sterben (vgl. act. A1/11 S. 8). Die Beschwer-

deführerin gab an, nicht nach Malta zurückkehren zu wollen aus Angst 

davor, dass man dort ihren Ehemann töten würde (vgl. act. A2/10 S. 7). In 

der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Rückkehr 

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Seite 7 

nach Malta sei wegen gesundheitlicher Probleme der Beschwerdeführerin 

nicht zumutbar.  

5.   

5.1. Nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch 

materiell prüfen, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen 

Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (Selbsteintrittsrecht). Diese Be-

stimmung ist nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit 

einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angeru-

fen werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.). Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behan-

deln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin-II-Verordnung ein 

anderer Staat zuständig ist. Es handelt sich dabei um eine Kann-

Bestimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum 

lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.). 

Droht hingegen ein Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbe-

sondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot nach Art. 33 des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30), die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze 

der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), den Inter-

nationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II, 

SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105), so besteht ein einklagbarer Anspruch 

auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 

S. 636 f., CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II-Verordnung, 

3. Aufl., Wien/Graz 2010, K8 zu Art. 3). 

5.2.  

5.2.1. Im erstinstanzlichen Verfahren – auch anlässlich der Gehörsge-

währung im Hinblick auf eine Wegweisung nach Malta – machte die Be-

schwerdeführerin keine gesundheitlichen Probleme geltend. Für das BFM 

bestand insofern keine Veranlassung, die Ausübung des Selbsteintritts-

rechts in Betracht zu ziehen. Erst anlässlich der Eröffnung der angefoch-

tenen Verfügung durch die kantonalen Migrationsbehörden am 

11. Februar 2010 reichte der Beschwerdeführer ein vom 5. Februar 2010 

datierendes Arztzeugnis des (…)spitals (…) betreffend die Beschwerde-

führerin ein und wies darauf hin, dass seine Ehefrau gesundheitliche 

Probleme habe und in der Schweiz bereits mehrmals operiert worden sei. 

Die Oberärztin des Spitals bestätigt im erwähnten Zeugnis, dass die Be-

schwerdeführerin noch für mindestens vier weitere Monate in ärztlicher 

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Behandlung stehen werde. Einem weiteren, vom 8. Februar 2010 datie-

renden Arztzeugnis des Spitals ist zu entnehmen, dass die Beschwerde-

führerin sich dort im Dezember 2009 und im Januar 2010 je einem opera-

tiven Eingriff unterzogen hat. In einem ausführlichen Arztbericht des Spi-

tals vom 15. Februar 2010 werden der Beschwerdeführerin unter ande-

rem eine Anämisierende Hypermenorrhoe und eine Dysmenorrhoe bei 

einer gutartigen Muskelgeschwulst der Gebärmutter diagnostiziert. Als 

bisher erfolgte Therapien werden eine operative Myomresektion (Gebär-

mutterspiegelung), eine diagnostisch-therapeutische Laparoskopie 

(Bauchspiegelung) sowie eine Eisensubstitution aufgeführt; im Frühsom-

mer 2010 sei eine erneute Myomresektion geplant, und die Behandlung 

werde voraussichtlich in vier bis fünf Monaten abgeschlossen sein. In der 

Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin leide seit 

mehreren Jahren an starken Blutungen und Schmerzen im Unterleib (vgl. 

Beschwerde Ziff. B 1.1.1 S 3), deren Ursache in Malta trotz mehreren 

Arztbesuchen und drei Spitalaufenthalten nicht erkannt und demnach 

auch nicht behandelt worden sei. Ende Oktober 2010 habe sie mit erneu-

ten Schmerzen und schweren Blutungen das (…)spital (…) aufgesucht, 

wo schliesslich die Myome in der Gebärmutter diagnostiziert worden sei-

en. Da unklar sei, ob die Behandlung in Malta fortgeführt werde, und, 

wenn ja, ob die Beschwerdeführenden in der Lage sein würden, diese zu 

bezahlen, sei die Beendigung der Behandlung in der Schweiz durch das 

gegenwärtige ärztliche Team abzuwarten. Eine Rückkehr nach Malta sei 

daher aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar.  

5.2.2. Wie soeben ausgeführt, war gemäss Arztbericht des (…)spitals (…) 

vom 15. Februar 2010 im Frühsommer 2010 ein letzter medizinischer 

Eingriff bei der Beschwerdeführerin geplant, wobei festgehalten wurde, 

die Behandlung werde voraussichtlich in vier bis fünf Monaten abge-

schlossen sein. Da seither und bis heute keine anderslautenden Arzt-

zeugnisse mehr eingereicht wurden, ist davon auszugehen, dass die Be-

handlung der Beschwerdeführerin effektiv erfolgreich abgeschlossen 

werden konnte. Mangels konkreter Hinweise auf aktuelle medizinische 

Probleme der Beschwerdeführerin besteht mithin zum heutigen Zeitpunkt 

insofern kein Grund mehr, die Ausübung des Selbsteintrittsrechts in Be-

tracht zu ziehen.  

5.3. Anlässlich der Gehörsgewährung im Hinblick auf eine allfällige Weg-

weisung nach Malta äusserte die Beschwerdeführerin die Befürchtung, 

man würde dort ihren Ehemann töten (vgl. act. A2/10 S. 7). Dieser gab 

an, sein Leben sei in Malta nicht sicher, und er würde lieber woanders le-

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Seite 9 

ben als dort zu sterben (vgl. act. A1/11 S. 8). Diese Einwendungen der 

Beschwerdeführenden werden auch auf Beschwerdeebene nicht weiter 

substanziiert. Sie sind daher nicht geeignet, einen Selbsteintritt gemäss 

Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO zu begründen. Sollten die Beschwerdeführen-

den wider Erwarten irgendwelche Probleme mit Drittpersonen haben, 

können sie sich an die maltesischen Behörden wenden. Auch sonst lie-

gen keine Gründe vor, die einen Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 Dub-

lin-II-VO nahelegen würden, da Malta unter anderem Signatarstaat der 

FK und der EMRK ist und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, der 

maltesische Staat würde sich nicht an die daraus resultierenden Ver-

pflichtungen halten.  

5.4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend fest-

zustellen, dass das BFM im Ergebnis zu Recht in Anwendung von Art. 34 

Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist.  

6.  

Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz zur Folge; dabei wird der Grundsatz der Einheit der Fa-

milie berücksichtigt (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend wurde keine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung erteilt, und es besteht auch kein 

Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-

gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21), 

weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Be-

stimmungen steht und demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde. 

Für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 

Abs. AuG besteht – wie in E. 1.3 dargelegt – im Rahmen des Dublin-

Verfahrens kein Raum. Nachdem das BFM auf die Asylgesuche zu Recht 

nicht eingetreten ist, steht der angeordnete Vollzug der verfügten Weg-

weisung im Einklang mit den massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer-

de ist demnach abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist.  

8.  

Mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache selbst ist das Begehren auf 

Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde hinfällig gewor-

den.  

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Seite 10 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die 

Beschwerde jedoch nicht von Vornherein als aussichtslos zu bezeichnen 

war und die Beschwerdeführenden aufgrund der Aktenlage als bedürftig 

gelten, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und sind ihnen keine 

Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gut-

geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Jacqueline Augsburger 

 

 

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