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**Case Identifier:** 88517ef8-bcdc-526a-a4e1-3a06a231cb61
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 16.06.2023 SST.2022.307
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-307_2023-06-16.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.307 
(SST.2020.13; ST.2019.1938) 

 

 

Urteil vom 16. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin i.V. Kaileswaran 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG 

 

Privatkläger  A.L._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Bulaty,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   C._____,  

geboren am tt.mm.1966, von Wohlen AG, 

[…]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Peter Conrad,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte räuberische Erpressung, Geiselnahme, Nötigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 9. März 2020 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen mehrfacher versuchter qualifizierter räuberischer 

Erpressung, qualifizierter Geiselnahme, Nötigung, Drohung, Wider-

handlung gegen das Waffengesetz, Hausfriedensbruchs sowie Verletzung 

der Verkehrsregeln.  

 

2. 

2.1. 

Das Bezirksgericht Zurzach sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

24. Juni 2020 wegen mehrfacher versuchter räuberischer Erpressung, 

qualifizierter Geiselnahme, Nötigung, Drohung, Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz, Hausfriedensbruchs sowie Verletzung der Verkehrsregeln 

schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren sowie zu 

einer Busse von Fr. 120.00, ersatzweise 1 Tag Freiheitsstrafe. Weiter 

ordnete es eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme an, zog die 

beschlagnahmten Gegenstände ein, auferlegte dem Beschuldigten ein 

Kontaktverbot zu A.L. und B.L. und verpflichtete den Beschuldigten infolge 

Anerkennung zur Bezahlung je einer Genugtuung an die beiden.  

 

2.2. 

Das Obergericht hob auf Berufung des Beschuldigten hin das Urteil des 

Bezirksgerichts Zurzach vom 24. Juni 2020 mit Beschluss vom 10. Mai 

2021 auf und wies die Sache zur Durchführung der gesamten Haupt-

verhandlung in gesetzeskonformer Zusammensetzung an die Vorinstanz 

zurück.  

 

2.3. 

Das Bezirksgericht Zurzach fällte am 31. August 2022 im Wesentlichen 

dasselbe Urteil, stellte das Verfahren hinsichtlich des Vorwurfs der 

Verletzung der Verkehrsregeln infolge Verjährung ein und reduzierte die 

Freiheitsstrafe von 4 Jahren auf 3 ¾ Jahre.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 20. Dezember 2022 beantragte der 

Beschuldigte, dass er statt der qualifizierten Geiselnahme gemäss Art. 185 

Ziff. 2 StGB nur des Grundtatbestands der Geiselnahme gemäss Art. 185 

Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen sei. Weiter sei er von der Nötigung 

gemäss Art. 181 StGB freizusprechen. Sodann beantragte er eine 

unbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten unter Aufschub zugunsten der 

(nicht angefochtenen) ambulanten Massnahme, deren Dauer auf 3 Jahre 

zu befristen sei. Eventualiter sei die Freiheitsstrafe teilbedingt – bei einem 

vollziehbaren Teil von 12 Monaten – auszusprechen. 

 - 3 - 

 

 

3.2. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme von A.L. und B.L. als 

Auskunftspersonen und des Beschuldigten fand am 16. Juni 2023 statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die qualifizierte Form 

der Tatbegehung der Geiselnahme, den vorinstanzlichen Schuldspruch 

wegen Nötigung, damit zusammenhängend die Strafzumessung und die 

vollzugsbegleitende Anordnung der ambulanten Massnahme sowie deren 

Dauer. Im Übrigen ist das Urteil der Vorinstanz unangefochten geblieben. 

Eine Überprüfung dieser unbestrittenen Punkte findet somit grundsätzlich 

nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den zur Anklage erhobenen Sachverhalt gestützt auf die 

Schilderungen der beteiligten Personen, welche – ausser im zeitlichen 

Ablauf – in den groben Zügen übereinstimmen, als erstellt erachtet und den 

Beschuldigten der qualifizierten Geiselnahme gemäss Art. 185 Ziff. 2 StGB 

schuldig gesprochen (vorinstanzliches Urteil E. 3.4.4 i.V.m. E. 3.1.5). 

 

Der Beschuldigte bestreitet die Qualifikation und beantragt einen 

Schuldspruch gemäss dem Grundtatbestand der Geiselnahme gemäss 

Art. 185 Ziff. 1 StGB. 

 

2.2. 

Den objektiven Tatbestand der Geiselnahme gemäss Art. 185 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB erfüllt, wer jemandem durch Freiheitsentzug in seine Gewalt bringt. 

Subjektiv muss der Täter mit dem Bewusstsein handeln, dass dem Opfer 

durch die geplante Handlung mindestens möglicherweise gegen seinen 

Willen mindestens kurzfristig die Freiheit entzogen wird. Sodann muss er 

mit dem Willen handeln, das Opfer in die eigene Gewalt zu bringen oder 

dies zumindest in Kauf nehmen. Schliesslich muss er mit der Absicht oder 

Eventualabsicht handeln, dadurch einen Dritten zu einem bestimmten 

Verhalten zu nötigen. 

 

Die Strafe ist Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren, wenn der Täter droht, 

die Geisel zu töten, körperlich schwer zu verletzen oder grausam zu 

behandeln (Art. 185 Ziff. 2 StGB). Die Rechtsgüter der Geisel müssen 

objektiv erheblich stärker als beim Grundtatbestand beeinträchtigt worden 

sein. Das entscheidende Kriterium ist in der Schwere der Beeinträchtigung 

der Opferinteressen zu erblicken. Massgebend ist demnach, wie sehr das 

Opfer durch das Vorgehen des Täters in Mitleidenschaft gezogen wurde, 

 - 4 - 

 

 

wie gross zum Beispiel das Risiko eines Schocks war (BGE 121 IV 269 

E. 1c). Ein mögliches Kriterium ist auch die zeitliche Dauer der Bedrohung 

(BGE 121 IV 178 E. 2c). Die objektiv erheblich stärkere Beeinträchtigung 

der Rechtsgüter der Geisel muss zudem vom Vorsatz des Täters umfasst 

sein, was auch dann zu bejahen ist, wenn der Täter die Drohung nicht 

wahrmachen will oder kann (BGE 121 IV 178 E. 2d; Urteile des 

Bundesgerichts 6S.178/2004 vom 21. Januar 2005 und 6S.70/2004 vom 

28. Januar 2005 E. 6.1). 

 

2.3. 

2.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der 

Beschuldigte am 22. November 2019 um ca. 14:00 Uhr das Haus von A.L. 

durch die unverschlossene Türe betreten, A.L. dort festgehalten und unter 

anderem mit einer Schusswaffe, einer Bombenattrappe und diversen 

weiteren Gegenstände verbal wie auch nonverbal mit dem Tode bedroht 

hat. Der Beschuldigte hat A.L. weiter damit gedroht, das Haus anzuzünden 

und ihm mit der Zange einen Finger abzuzwacken. Des Weiteren hat er ihm 

mit einem Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Dieser war allerdings beinahe 

leer und hat deshalb kaum Wirkung entfaltet. Der Beschuldigte hat von A.L. 

ein Geständnis verlangt, dass dieser schuld daran sei, dass er seit Januar 

2019 keine weiteren Aufträge der X AG. mehr erhalten habe. Daraufhin hat 

der Beschuldigte zusätzlich eine Zahlung in der Höhe von Fr. 50'000.00 

bzw. später noch Fr. 20'000.00 verlangt. 

 

Da A.L. nicht hat zahlen können, hat sich der Beschuldigte – nach erfolglos 

versuchter räuberischer Erpressung (vorinstanzliches Urteil E. 3.3.1 ff.) – 

entschieden, ihn festzuhalten, um dann um 16:00 Uhr den Arbeitgeber von 

A.L., D., anzurufen, um das Geld von ihm zu erpressen. Anlässlich dieses 

Telefongesprächs hat A.L. D. mitgeteilt, dass der Beschuldigte mit einer 

Waffe und einer Brandbombe bei ihm sei und Fr. 50'000.00 von ihm 

verlange. Im Rahmen desselben Telefongesprächs hat der Beschuldigte D. 

mit der Frage gedroht, ob ihm denn ein Leben bzw. das Leben von A.L. 

nicht Fr. 20'000.00 wert sei. 

 

2.3.2. 

Strittig ist, ob der Beschuldigte mit seinem Verhalten die Intensität bzw. die 

Schwelle für die qualifizierte Geiselnahme erreicht hat. 

 

Der Beschuldigte macht im Wesentlichen geltend, dass sein Vorsatz keine 

erheblich stärkere Beeinträchtigung der Rechtsgüter der Geisel umfasst 

habe, wie es für den qualifizierten Fall vorausgesetzt werde. Die von ihm 

mitgeführte Waffe sei nicht geladen gewesen und er habe A.L. während 

des Telefonats mit D. nicht mit der Waffe bedroht. Des Weiteren habe er 

nie die Absicht gehabt, A.L. zu verletzen geschweige denn zu erschiessen, 

 - 5 - 

 

 

falls seine Forderung nicht erfüllt worden wäre (Berufungsbegründung 

S. 5). 

 

2.3.3. 

A.L. wurde mehrfach und erneut vor Obergericht einvernommen. Er hat zu 

Protokoll gegeben, dass er den Beschuldigten bereits im Jahre 1988 

kennengelernt habe. Sie hätten beide im gleichen Dorf gewohnt. Seither 

hätten die beiden eine freundschaftliche Beziehung miteinander gepflegt 

und sich auch öfters getroffen. A.L. hat weiter ausgeführt, dass er als EDV-

Verantwortlicher bei der X AG. tätig sei. Im Jahre 2014 habe die X AG. 

einen neuen Mitarbeiter gesucht. Er habe daraufhin den Beschuldigten 

seinem Vorgesetzten, D., vorgeschlagen, da der Beschuldigte seines 

Erachtens die Voraussetzungen für die Stelle «Support-EDV» erfüllt habe. 

Der Beschuldigte habe ihn folglich bei der Arbeit unterstützt (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 4). 

 

2.3.4. 

A.L. hat konstant, schlüssig und glaubhaft ausgesagt, nicht gewusst zu 

haben, dass die Schusswaffe des Beschuldigten – aufgrund fehlender 

Patronen – objektiv ungefährlich gewesen sei. Auf die Frage, ob er 

ernsthaft davon ausgegangen sei, der Beschuldigte könne ihm etwas antun 

– zumal der Beschuldigte doch Freund und (ehemaliger) Arbeitskollege 

gewesen sei –, führte er nachvollziehbar aus, dass er gerade aufgrund der 

jahrelangen Bekanntschaft geglaubt habe, der Beschuldigte werde seine 

Drohung bei Ausbleiben der Zahlung bzw. seiner Forderungen 

wahrmachen (VA act. 33; Protokoll der Berufungsbegründung S. 8, 10 ff.). 

Er habe ernsthaft befürchtet, der Beschuldigte könne ihn jederzeit 

erschiessen. Ferner gab er anlässlich der Berufungsverhandlung 

wiederholt an, den Beschuldigten als unberechenbar eingeschätzt zu 

haben. Es sei kein «harmloses Spiel» gewesen (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 11, 16). Auch in Bezug auf die Bombenattrappe konnte A.L. 

nicht ausmachen, dass es sich um eine blosse Attrappe gehandelt hat 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8). Auch diesbezüglich sei er von 

der Echtheit der Bombe ausgegangen, zumal der Beschuldigte ihm 

gegenüber zu einem früheren Zeitpunkt bekundet habe, eine solche bauen 

zu können (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8). Der Beschuldigte hat 

anlässlich seiner Befragung am Tag der Festnahme denn auch 

eingestanden, dass die Bombenattrappe ziemlich bedrohlich ausgesehen 

habe (UA act. 263). All diese Umstände haben A.L. nachvollziehbar in 

panische Angst um ihn selbst sowie seine Existenz und diejenige seiner 

Familie versetzt (VA act. 32, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10). 

 

Die glaubhaften Ausführungen von A.L. stehen sodann im Einklang mit den 

Aussagen seiner Tochter, B.L.. Sie hat anlässlich der 

Berufungsverhandlung glaubhaft zu Protokoll gegeben, dass sie von der 

Echtheit der Pistole überzeugt gewesen sei und diese als Bedrohung 

 - 6 - 

 

 

wahrgenommen habe. Ferner sei sie auch davon ausgegangen bzw. habe 

sie nicht daran gezweifelt, dass der Beschuldigte ihren Vater jederzeit 

erschiessen könne (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14). Auch sie 

habe den Beschuldigten zum Tatzeitpunkt als unberechenbar 

eingeschätzt. Des Weiteren hat sie wiederholt angegeben, dass ihr Vater 

extrem verängstigt und nervös gewesen sei und sie ihn noch nie in einer 

solchen Angst- oder Paniksituation erlebt habe (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 15 ff.). Ihre glaubhaften Schilderungen passen in 

das Gesamtbild der Auseinandersetzung zwischen ihrem Vater (A.L.) und 

dem Beschuldigten. 

 

Dass sich A.L. und B.L. wahrheitswidrig abgesprochen bzw. das von ihnen 

Geschilderte frei erfunden hätten – wie vom Beschuldigten geltend 

gemacht (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 20) – ist nicht ersichtlich, 

zumal B.L. am besagten Tag erst gegen Ende des Vorfalls dazu gestossen 

ist und nur so viel zu Protokoll gegeben hat, wie sie auch selbst 

mitbekommen hatte. Konnte sie sich an etwas nicht mehr erinnern, hat sie 

dies auch eingeräumt. So hat sie auf die Frage, ob der Beschuldigte – wie 

von A.L. berichtet – ihr gegenüber gesagt habe, sich auf die Seite zu 

stellen, damit er nicht sie, sondern ihren Vater treffe, denn auch ausgesagt, 

dass sie das nicht mehr wisse (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14). 

Auch auf die Frage hinsichtlich der Zange hat sie ausgesagt, dass sie dem 

Beschuldigten zwar geholfen habe, die Zange einzupacken, doch könne 

sie sich nicht mehr daran erinnern, was der Beschuldigte mit der Zange 

vorgehabt habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15). 

 

2.3.5. 

Für das Obergericht ist gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A.L. und 

B.L. erstellt, dass dieser durch die massiven Drohungen des 

Beschuldigten, die sich über mindestens eine halbe Stunde erstreckt 

haben, schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist, fürchtete er aufgrund 

der ausgesprochenen Drohungen und Forderungen sowie dem 

unberechenbar erscheinenden Verhalten des Beschuldigten, der eine 

vermeintlich geladene Schusswaffe und eine Bombe mit sich führte, doch 

ernsthaft um sein Leben und seine Existenz. Er musste über eine subjektiv 

als sehr lange empfundene Zeit mit der Befürchtung klarkommen, dass er 

jederzeit erschossen werden könnte, sein Haus angezündet würde oder 

seine Finger abgezwackt werden könnten, was eine schwere psychische 

Belastung für ihn dargestellt hat. Damit wurde A.L. in seiner persönlichen 

Freiheit in einem Mass beeinträchtigt, das deutlich über eine 

Beeinträchtigung, wie sie bereits beim Grundtatbestand der Geiselnahme 

vorausgesetzt wird, hinausgeht. Dies zeigt sich auch darin, dass die 

psychische Belastung von A.L. über den Vorfall hinaus länger angedauert 

hat (VA act. 254, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10, 13). 

 

 - 7 - 

 

 

Diese objektiv erheblich stärkere Beeinträchtigung der Rechtsgüter von 

A.L. war zudem vom Vorsatz des Beschuldigten getragen. Mithin ist aus 

dem äusseren Geschehensablauf, d.h. insbesondere den bewusst unter 

Einbezug der Schusswaffe und der Bombenattrappe ausgesprochenen 

Drohungen, ohne Weiteres darauf zu schliessen, dass der Beschuldigte im 

Bewusstsein gehandelt haben muss, dass sich A.L. mindestens 

möglicherweise zu Tode fürchten und somit stark in Mitleidenschaft 

gezogen würde, und er hat dies zur Erreichung seiner Ziele auch in Kauf 

genommen. Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten kommt es dabei 

nicht darauf an, ob die von ihm mitgeführte Schusswaffe geladen war oder 

nicht. Bereits die Echtheit der Schusswaffe ist ausreichend – unabhängig 

davon, ob die Schusswaffe geladen oder ungeladen war – um die 

gegenüber dem Grundtatbestand der Geiselnahme erheblich stärkere 

Beeinträchtigung der Rechtsgüter von A.L. zu bejahen. Sodann ist auch 

nicht entscheidend, ob der Beschuldigte A.L. explizit mit der Waffe bedroht 

hat, d.h. die Schusswaffe augenblicklich schussbereit war und insoweit 

eine besonders naheliegende Gefahr für das Leben von A.L. bestanden 

hat. Massgebend ist vielmehr, dass der Beschuldigte die Waffe während 

des Vorfalls in greifbarer Nähe bzw. in unmittelbarer Distanz gehabt hatte. 

Er hätte die Waffe jederzeit wieder in die Hand nehmen können (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 20), was A.L. denn auch befürchtet hatte. Der 

Beschuldigte hat A.L. denn auch zu verstehen gegeben, dass sich noch 

sechs Schüsse in der Waffe befinden würden, und diese reichen würden, 

um ihn umzubringen (UA act. 318). Des Weiteren habe er ihm gesagt, er 

werde ihm in die Augen schiessen, er werde jedoch ein wenig nach rechts 

zielen, da die Waffe nach links ziehe (VA act. 253, Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 9). Ausserdem hielt der Beschuldigte die Waffe 

A.L., wenn auch nur kurzzeitig, direkt an den Kopf. Hinzu kommen diverse 

weitere Gegenstände, wie die Bombenattrappe, die Blechschere, der 

Pfefferspray und die Zange. Mit seinem Verhalten hat der Beschuldigte bei 

A.L. den Eindruck verstärkt, dass er sich nicht scheuen werde, seine 

Drohungen in die Tat umzusetzen. Ebendies hat der Beschuldigte 

erreichen wollen; zumal er selber ausgesagt hat, dass er mit dem Einsatz 

des Pfeffersprays habe bezwecken wollen, dass A.L. der Ernst der Lage 

bewusst werde (UA act. 290). Nichts zu seinen Gunsten kann der 

Beschuldigte daraus ableiten, dass sein Tatplan nicht darin bestanden 

habe, jemanden zu verletzen, sollte seine Forderung nicht erfüllt werden 

(Berufungsbegründung S. 5). Während der gesamten Geiselnahme – d.h. 

während mindestens einer halben Stunde – hat er gegenüber A.L. 

wiederholt zu verstehen gegeben, dass er ihn umbringen werde. Daran 

ändert sich nichts, dass er (später) aussagte, nie den Hintergedanken 

gehabt zu haben, ihn zu verletzen oder gar zu erschiessen. 

 

Somit erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt als 

unbegründet. Der Beschuldigte hat sich der qualifizierten Geiselnahme 

gemäss Art. 185 Ziff. 2 StGB schuldig gemacht. 

 - 8 - 

 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf den angeklagten und 

von ihr als erstellt erachteten Sachverhalt auch wegen Nötigung gemäss 

Art. 181 StGB schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte bringt mit Berufung vor, dass keine zusätzliche 

Verurteilung wegen Nötigung erfolgen dürfe. 

 

3.2. 

Mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 3.2.2) hat der 

Beschuldigte den Tatbestand der (mehrfachen) Nötigung gemäss Art. 181 

StGB erfüllt. Als Nötigungsmittel setzte er die Androhung ernstlicher 

Nachteile und andere Beschränkungen der Handlungsfreiheit ein. 

Namentlich hat er A.L. mit einer Schusswaffe und verschiedenen weiteren 

Gegenständen – unter massivem psychischen Druck – gedroht, ihn zu 

töten. Er hat damit die Willensfreiheit von A.L. beeinträchtigt und ihn zu 

einem vermeintlichen «Geständnis» gedrängt. Weder lag hinsichtlich der 

Nötigung ein erlaubter Zweck vor, noch hat sich der Beschuldigte erlaubter 

Mittel bedient. Der Beschuldigte hat im Bewusstsein gehandelt, A.L. 

mindestens möglicherweise in seiner Handlungsfreiheit zu beschränken 

und ihn dadurch zu dem von ihm geforderten Verhalten, der Ablegung 

eines «Geständnisses», zu veranlassen, und er hat das auch mindestens 

in Kauf genommen. Dies, obwohl er wusste oder wissen musste, dass er 

die Schuld für den beruflichen Misserfolg sich selbst zuzuschreiben hatte 

und keinen Anspruch auf eine Geldzahlung hatte (UA act. 123 ff.; 315; 

332 ff.). 

 

Diese Nötigungen stehen in echter Konkurrenz zur Geiselnahme sowie der 

versuchten räuberischen Erpressung: 

 

Geschütztes Rechtsgut der Nötigung gemäss Art. 181 StGB ist die 

Handlungsfreiheit bzw. die Freiheit der Willensbildung und Willens-

betätigung des Einzelnen (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3). Der Tatbestand der 

Geiselnahme gemäss Art. 185 StGB schützt einerseits die persönliche 

Freiheit von Geiseln und andererseits die Willensfreiheit des zu nötigenden 

Dritten. Der Tatbestand der Erpressung gemäss Art. 156 StGB schützt 

schliesslich die Rechtsgüter der persönlichen Freiheit und des Vermögens 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6S.70/2004 vom 28. Januar 2005 E. 5.1.3). 

Die Nötigung zum Nachteil von A.L. hat zwar – wie auch bei der 

Geiselnahme sowie der versuchten räuberischen Erpressung zu seinen 

Lasten – die persönliche Freiheit betroffen. Allerdings lag der Nötigung ein 

anderer Sachverhalt zu Grunde, nämlich die Abnötigung des 

«Geständnisses». Bei der Geiselnahme und der versuchten räuberischen 

Erpressung war hingegen in erster Linie die Bewegungsfreiheit zur 

Vornahme einer Vermögensdisposition betroffen. Hinzu kommt, dass sich 

 - 9 - 

 

 

die Geiselnahme und die räuberische Erpressung auch gegen einen 

Dritten, nämlich den Arbeitgeber von A.L., D., gerichtet haben.  

 

Das ursprüngliche Ziel des Beschuldigten war es, von A.L. die «Wahrheit» 

zu erfahren (UA act. 27). Erst im späteren Verlauf und mit zunehmender 

Eskalation der Situation hat sich der Beschuldigte entschieden, A.L. die 

Freiheit zu entziehen und eine Zahlung von D. zu verlangen. Dass der 

Beschuldigte bereits zu Beginn der Auseinandersetzung eine Geiselnahme 

geplant hatte, lässt sich nicht erstellen. Das Drängen zum Geständnis 

erscheint somit nicht als Begleiterscheinung der räuberischen Erpressung 

oder der qualifizierten Geiselnahme.  

 

Zwischen der versuchten räuberischen Erpressung sowie der qualifizierten 

Geiselnahme und der Nötigung besteht somit echte Konkurrenz, wobei die 

nicht unerhebliche Überschneidung der massgeblichen Nötigungs-

handlungen im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen sind 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_880/2009 vom 30. März 2010 mit 

Verweis auf BGE 117 IV 259 E. 6; vgl. auch BGE 141 IV 104 E. 3.2). Die 

Berufung des Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt somit als 

unbegründet. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat sich wegen qualifizierter Geiselnahme gemäss 

Art. 185 Ziff. 2 StGB, mehrfacher versuchter räuberischer Erpressung 

gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 1 i.V.m Art. 22 Abs. 1 StGB, 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB, Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB, 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG 

sowie Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB schuldig gemacht und ist 

dafür angemessen zu bestrafen.  

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die schwerste Straftat festzusetzen. Es handelt sich 

dabei aufgrund des abstrakten Strafrahmens um die qualifizierte Geisel-

nahme.  

 

Der Tatbestand der qualifizierten Geiselnahme gemäss Art. 185 Ziff. 2 

StGB sieht eine Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren vor. Das Gericht 

misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem 

 - 10 - 

 

 

Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Bestimmung 

des Verschuldens ist die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des 

betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Das durch Art. 185 StGB 

geschützte Rechtsgut ist die persönliche Freiheit der Geisel und die 

Willensfreiheit des zu nötigenden Dritten (BGE 121 IV 178 E. 2a). Der 

Beschuldigte hat bei der Geiselnahme vom 22. Mai 2019 zum Nachteil von 

A.L. Letzteren während mindestens einer halben Stunde in dessen Haus in 

F. festgehalten und mit dem Tode bedroht. Dabei wurde A.L. schwer in 

Mitleidenschaft gezogen, fürchtete er aufgrund der ausgesprochenen 

Drohungen und Forderungen sowie dem unberechenbar erscheinenden 

Verhalten des Beschuldigten, der eine vermeintlich geladene Schusswaffe 

und eine Bombe mit sich führte, doch ernsthaft um sein Leben und seine 

Existenz. Er musste über eine subjektiv als sehr lange empfundene Zeit mit 

der Befürchtung klarkommen, dass er jederzeit erschossen werden könnte, 

sein Haus angezündet würde oder seine Finger abgezwackt werden 

könnten, was eine schwere psychische Belastung für ihn dargestellt hat. 

Damit wurde A.L. in seiner persönlichen Freiheit in einem Mass 

beeinträchtigt, das deutlich über eine Beeinträchtigung, wie sie bereits beim 

Grundtatbestand der Geiselnahme vorausgesetzt wird, hinausgeht. Die 

psychische Belastung von A.L. hat sodann über den Vorfall hinaus 

angedauert. Insgesamt ist innerhalb des qualifizierten Strafrahmens und 

der davon erfassten Erscheinungsformen von Geiselnahmen von einer 

mittelschweren Beeinträchtigung des geschützten Rechtsguts der 

persönlichen Freiheit von A.L. auszugehen. Sodann wurde der Arbeitgeber 

von A.L., D., aufgrund der ausgestossenen Todesdrohungen und der 

Unberechenbarkeit der Situation erheblich in seiner Willensfreiheit 

betroffen. 

 

Der Beschuldigte ist zwar planmässig vorgegangen. Die mitgeführte 

Schusswaffe und die Bombenattrappe haben jedoch in erster Linie dazu 

gedient, den von ihm ausgesprochenen Drohungen und Forderungen 

entsprechendes Gewicht zu verleihen. Die Art und Weise der Tatbegehung 

und damit einhergehend die Verwerflichkeit des Handels des 

Beschuldigten ist damit nicht wesentlich über die Erfüllung des 

qualifizierten Tatbestands, der eine ernsthaft erscheinende Androhung, die 

Geisel zu töten, körperlich schwer zu verletzten oder grausam zu 

behandeln, erfordert, hinausgegangen, zumal beim qualifizierten 

Tatbestand eine objektiv erheblich stärkere Beeinträchtigung der 

Rechtsgüter der Geisel nötig ist, was bei bloss verbalen Drohungen nur 

ausnahmsweise der Fall sein dürfte. Diese Umstände wirken sich somit 

neutral aus. 

 

Mildernde Umstände im Sinne von Art. 185 Ziff. 4 StGB sind vorliegend 

nicht ersichtlich, zumal es hauptsächlich dem Heimkommen und 

Intervenieren von B.L. und der Zustimmung zur Überweisung des 

 - 11 - 

 

 

geforderten Betrags durch D. zu verdanken ist, dass die Geiselnahme von 

A.L. nicht noch länger angedauert hat. 

 

Dem Beschuldigten wurde im Gutachten von Dr. med. E. vom 

14. November 2019 eine leicht- bis mittelgradige Verminderung der 

Schuldfähigkeit attestiert. Dennoch hat er über ein nicht unerhebliches 

Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt. Auch wenn sich der Beschuldigte 

subjektiv ungerecht behandelt gefühlt hatte, so hätten doch offensichtlich 

andere Mittel als eine Geiselnahme bestanden, um A.L. und D. zur Rede 

zu stellen oder von ihnen eine Zahlung zu erhalten. Je leichter es aber für 

den Beschuldigten – unter Berücksichtigung seiner leicht- bis mittelgradig 

verminderten Schuldfähigkeit – gewesen wäre, die persönliche Freiheit und 

die Willensfreiheit von A.L. und D. zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden 

(vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).  

 

Insgesamt wäre bei unverminderter Schuldfähigkeit von einem 

mittelschweren Verschulden auszugehen. Die leicht- bis mittelgradig 

verminderte Schuldfähigkeit führt dazu, dass nur noch von einem leichten 

bis mittelschweren Verschulden auszugehen ist. Angemessen ist dafür in 

Relation zum qualifizierten Strafrahmen von drei bis zu 20 Jahren 

Freiheitsstrafe und den davon erfassten Geiselnahmen eine Einsatzstrafe 

von 4 ½ Jahren. 

 

4.3.2. 

An sich wäre die bis anhin ermittelte Freiheitsstrafe aufgrund der weiteren 

Straftaten (versuchte räuberische Erpressung, Nötigung, Drohung, 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie Hausfriedensbruch) 

angemessen zu erhöhen bzw. es wäre – dort, wo dies bei konkreter 

Betrachtung aufgrund der Schwere des jeweiligen Verschuldens und der 

Zweckmässigkeit möglich wäre – zusätzlich eine Geldstrafe auszu-

sprechen. Dies kann jedoch unterbleiben, da bereits für die qualifizierte 

Geiselnahme auch unter Berücksichtigung der sich positiv auswirkenden 

Täterkomponente und der Verletzung des Beschleunigungsgebots (siehe 

je nachstehend) eine höhere als die von der Vorinstanz ausgesprochene 

Freiheitsstrafe von 3 ¾ Jahren auszusprechen wäre, was aufgrund des 

Verschlechterungsverbots jedoch nicht möglich ist (Art. 391 Abs. 2 StPO; 

vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, 

demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte nicht mehr 

im Einzelnen asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des 

Verschlechterungsverbots nicht zu Lasten der beschuldigten Person 

abgeändert werden darf). Nach dem Gesagten bleibt es bei der von der 

Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 3 ¾ Jahren.  

 

 - 12 - 

 

 

4.4. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

weist keine Vorstrafen auf (vgl. aktueller Strafregisterauszug), was jedoch 

als Normalfall gilt und neutral zu werten ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Das 

gilt auch für den Umstand, dass sich der Beschuldigte seit der Tatbegehung 

wohlverhalten hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_499/2013 vom 

22. Oktober 2013 E. 1.4). 

 

Der Beschuldigte hat sich weitgehend geständig gezeigt. Auch wenn er 

mitunter nur zugegeben hat, was ohnehin auf der Hand gelegen hat und 

seine Reue nicht über eine blosse Tatfolgenreue hinauszugehen scheint, 

so ist doch nicht zu verkennen, dass er die die Strafverfolgung und 

Wahrheitsfindung durch seine Geständnisse erleichtert und verkürzt hat, 

was zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_891/2017 vom 20. Dezember 2017).  

 

Weitere Faktoren, welche sich im Rahmen der Täterkomponente 

strafmindernd oder straferhöhend auswirken könnten, sind nicht ersichtlich. 

Insbesondere erweist sich die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten als 

maximal durchschnittlich. Er ist ledig und hat keine familiären 

Verpflichtungen. Das Bundesgericht hat wiederholt betont, dass eine 

erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu 

bejahen ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 

26. Februar 2019 E. 3.4 mit Hinweis). Es ist zwar unbestritten, dass ein 

Strafvollzug eine Belastung darstellt. Die Verbüssung einer Freiheitstrafe 

ist jedoch für jede Person mit einer gewissen Härte verbunden. Es ist nicht 

ersichtlich, inwiefern der Beschuldigte von einer auszusprechenden 

Freiheitsstrafe härter getroffen würde als jede andere beruflich und sozial 

integrierte Person. Auch sein Alter führt nicht zur Annahme einer erhöhten 

Strafempfindlichkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_291/2012 vom 

16. Juli 2013 E. 6.3 mit Hinweisen). 

 

Insgesamt überwiegen die positiven Faktoren, so dass sich die 

Täterkomponente – insbesondere aufgrund der weitgehend erfolgten 

Geständnisse – im Umfang von 3 Monaten strafmindernd auswirkt. 

 

5. 

5.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 

6B_1399/2021 vom 7. Dezember 2022 E. 4.2; BGE 143 IV 373). Darauf 

kann verwiesen werden.  

 

Der Beschuldigte wurde am 22. Mai 2019 verhaftet. Es wurden zwei 

Einvernahmen durchgeführt. Am 22. August 2019 wurde er aus der Haft 

entlassen. Die Mitteilung des Verfahrensabschlusses erfolgte am 2. März 

 - 13 - 

 

 

2020. Am 9. März 2020 wurde gegen den Beschuldigen Anklage erhoben. 

Zwischen der Verhaftung des Beschuldigten und der Anklageerhebung 

sind knapp 10 Monate vergangen. In der Folge lud die Vorinstanz mit 

Verfügung vom 5. Mai 2020 auf den 24. Juni 2020 zur Hauptverhandlung 

ein. Das Urteilsdispositiv wurde dem Beschuldigten am 26. Juni 2020 

zugestellt, worauf er gleichentags die Berufung angemeldet hat. Das 

begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 12. August 2020 zugestellt. 

Mit Beschluss vom 10. Mai 2021 hob das Obergericht zufolge fehlerhafter 

Besetzung das Urteil des Bezirksgerichts Zurzach vom 24. Juni 2020 auf 

und wies die Sache zur erneuten Durchführung der gesamten 

Hauptverhandlung zurück. Die Vorinstanz lud mit Verfügung vom 

19. August 2021 auf den 27. Oktober 2021 erneut zur Hauptverhandlung 

ein. Die Hauptverhandlung vom 27. Oktober 2021 wurde jedoch mit 

Verfügung vom 26. Oktober 2021 zufolge Verhandlungsunfähigkeit des 

Beschuldigten abgesagt. Nach mehrfachen Erkundigungen seitens der 

Vorinstanz nach dem Gesundheitszustand des Beschuldigten wurde mit 

Verfügung vom 18. Mai 2022 zur erneuten Hauptverhandlung am 

31. August 2022 vorgeladen. Das Urteilsdispositiv wurde dem 

Beschuldigten am 6. September 2022 zugestellt. Am 7. September 2022 

hat der Beschuldigte die Berufung angemeldet. Das begründete Urteil 

wurde dem Beschuldigtem am 30. November 2022 zugestellt. Mithin 

dauerte allein das vorinstanzliche Verfahren fast 2 ½ Jahre was – auch 

unter Berücksichtigung der zeitweisen Verhandlungsunfähigkeit des 

Beschuldigten – zu lange erscheint. Am 20. Dezember 2022 erklärte der 

Beschuldigte die Berufung. Mit Verfügung vom 15. Mai 2023, und damit 

rund fünf Monate nach Eingang der Berufungserklärung, wurde schliesslich 

zur Verhandlung auf den 16. Juni 2023 vorgeladen. Das obergerichtliche 

Verfahren dauerte weniger als ein halbes Jahr, worin offensichtlich keine 

Verletzung des Beschleunigungsgebots liegt. 

 

Seit der Strafanzeige vom 22. Mai 2019 sind mittlerweile mehr als 4 Jahre 

verstrichen. Unter diesen Umständen liegt eine Verletzung des 

Beschleunigungsgebots vor, was – wie bereits festgehalten – haupt-

sächlich auf das vorinstanzliche Verfahren zurückzuführen ist. Sie ist im 

Urteilsdispositiv festzustellen und ihr ist mit einer Strafreduktion von 

3 Monaten Rechnung zu tragen. 

 

5.2. 

Soweit sich der Beschuldigte auf eine Strafmilderung gemäss Art. 48 lit. e 

StGB beruft (vgl. zur Abgrenzung zur Verletzung des Beschleunigungs-

gebots: Urteil des Bundesgerichts 6B_260/2020 vom 2. Juli 2020 E. 2.3.5), 

ist Folgendes festzuhalten: 

 

Der Strafmilderungsgrund infolge langen Zeitablaufs im Sinne von 

Art. 48 lit. e StGB ist in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn zwei Drittel der 

Verjährungsfrist verstrichen sind und der Täter sich in dieser Zeit 

 - 14 - 

 

 

wohlverhalten hat (BGE 140 IV 145: Zusammenfassung der Recht-

sprechung). Zeitlich massgebend ist das zweitinstanzliche kantonale Urteil 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_56/2017 vom 19. April 2017 E. 3.1 mit 

Hinweisen).  

 

Bei der vorliegend zu beurteilenden versuchten räuberischen Erpressung 

i.S.v. Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und 

der qualifizierten Geiselnahme gemäss Art. 185 Ziff. 2 StGB verjährt die 

Strafverfolgung in 15 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Bei der Drohung 

nach Art. 180 StGB, der Nötigung gemäss Art. 181 StGB, dem 

Hausfriedensbruch nach Art. 186 StGB und der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG verjährt die Strafverfolgung 

in 10 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Die Taten sind am 22. Mai 2019 

erfolgt. Zwei Drittel der Verjährungsfrist sind noch nicht verstrichen. Damit 

rechtfertigt sich eine über die Verletzung des Beschleunigungsgebots 

hinausgehende zusätzliche Strafreduktion nicht. 

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat eine ambulante therapeutische Massnahme zur 

Behandlung der Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten gemäss 

Art. 63 StGB angeordnet, wobei ebenfalls eine kontrollierte Abstinenz von 

Suchtstoffen einzufordern sei (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 5.1, S. 43 ff.).  

 

Die Anordnung einer ambulanten Massnahme gemäss Art. 63 StGB ist im 

Berufungsverfahren unbestritten geblieben. Umstritten ist jedoch, ob die 

Freiheitsstrafe gestützt auf Art. 63 Abs. 2 StGB zu Gunsten der ambulanten 

Massnahme aufzuschieben ist. Des Weiteren sei die Massnahmedauer auf 

drei Jahre zu befristen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten 

Massnahme aufschieben, um der Art der Behandlung Rechnung zu tragen.  

 

Diese Voraussetzungen für einen Aufschub der Freiheitsstrafe gemäss 

Art. 63 Abs. 2 StGB sind vorliegend nicht erfüllt. Nach bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung ist eine ambulante Massnahme grundsätzlich gleichzeitig 

mit dem Strafvollzug durchzuführen. Der Aufschub ist die Ausnahme. Er ist 

an zwei Voraussetzungen gebunden. Einerseits muss der Täter 

ungefährlich und andererseits die ambulante Therapie vordringlich sein. 

Ein Aufschub muss sich aus Gründen der Heilbehandlung hinreichend 

rechtfertigen (BGE 129 IV 161 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_53/2017 vom 2. Mai 2017 E. 1.3 mit Hinweisen).  

 

 - 15 - 

 

 

Dem schlüssigen und nachvollziehbaren Gutachten von Dr. med. E. ist 

ausdrücklich zu entnehmen, dass die ambulante Behandlung auch 

während oder sogar nach einer Haft- bzw. Freiheitsstrafe zweckmässig und 

erfolgversprechend durchführbar ist (UA act. 277; VA act. 27). Von einer 

erheblichen negativen Beeinträchtigung der Behandlungschancen kann 

daher keine Rede sein. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte über mehrere 

Jahre motiviert und aus eigenem Antrieb eine niederschwellige 

Suchtberatung in Anspruch genommen hat (UA act. 221 f.). Es erfolgte 

somit eine Suchtbehandlung. Eine deliktsbezogene Therapie – namentlich 

betreffend Gewaltdelikte – blieb bisher jedoch aus, weshalb auch nicht von 

einer fehlenden Gefährlichkeit des Beschuldigten ausgegangen werden 

kann; vielmehr bestehe ein mittleres Risiko für gewalttätiges Verhalten 

(UA act. 224). 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet und die ambulante therapeutische 

Massnahme gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB ist vollzugsbegleitend 

anzuordnen. 

 

6.3. 

Die ambulante Massnahme darf in der Regel nicht länger als fünf Jahre 

dauern. Erscheint bei Erreichen der Höchstdauer eine Fortführung der 

ambulanten Behandlung notwendig, um der Gefahr weiterer mit einer 

psychischen Störung in Zusammenhang stehender Verbrechen und 

Vergehen zu begegnen, so kann das Gericht auf Antrag der 

Vollzugsbehörde die Behandlung um jeweils ein bis fünf Jahre verlängern 

(Art. 63 Abs. 4 StGB). Hinsichtlich der Dauer der ambulanten Massnahme 

ist das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten, wobei eine zeitliche 

Beschränkung der Anordnungsdauer einer ambulanten Massnahme auf 

weniger als 5 Jahre nicht nur bei der Verlängerung der Massnahme, 

sondern auch bei der Erstanordnung zulässig ist. Eine solche zeitliche 

Begrenzung der Massnahme ist vorliegend nicht vorzunehmen, da sich 

eine solche im Fall des Beschuldigten nicht aufdrängt. Im Gegenteil: Das 

Gutachten attestiert dem Beschuldigten eine stark ausgeprägte psychische 

Störung nach ICD-10 F60.9 (UA act. 221). Des Weiteren bestehe eine 

langjährige Kokainabhängigkeit nach ICD-10 F14.2 (UA act. 223; 

VA act. 29). Diese Störungen seien schwer ausgeprägt. Ferner seien 

erneute Straftaten vorstellbar, wenn der regelmässige Kokainkonsum 

fortgesetzt werde und es nicht zu einer Verbesserung der prekären 

psychosozialen Situation komme (UA act. 224). Es bestehe somit ein 

mittleres Risiko für gewalttätiges Verhalten (UA act. 224). In der Tat hängt 

die Dauer der notwendigen Behandlung von ungewissen Faktoren 

– namentlich dem Verhalten, der Krankheitseinsicht und dem 

Behandlungswillen des Beschuldigten – ab. Gemäss eigenen Angaben 

habe der Beschuldigte am Tag des Hirnschlags (Ende Mai 2022; 

Berufungsbegründung S.15) zuletzt Kokain konsumiert. Seither habe er 

 - 16 - 

 

 

kein Kokain mehr konsumiert (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 21). 

Seit dem Verlust seiner Wohnung sei er unglücklich und sehe keine 

Zukunftsperspektiven. Weiter habe er auch keine Freunde. Niemand habe 

Zeit für ihn und niemand verstehe ihn. Er sei verloren (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 3, 22). Gemäss eigenen Angaben sei diese 

Situation auf den Hirnschlag oder auf das – von ihm selbst diagnostizierte – 

Asperger-Syndrom zurückzuführen (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 22). Weiter gab er zu Protokoll, dass es ihm wichtig sei, jemanden zu 

haben, der ihm länger zuhöre. Es gehe ihm lediglich um den Kontakt zu 

anderen Menschen. Er verstehe es aber, wenn ihn die Menschen nicht 

verstehen. Die Welt eines Menschen mit dem Asperger-Syndrom sei 

anders. Man müsse jedoch verstehen, dass es sich in seinem Fall um 

Hochbegabung mit anderen Defiziten handle (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 22). Die prekäre soziale sowie medizinische 

Situation des Beschuldigten scheint somit nicht überwunden zu sein. 

Zudem erscheint – nach dem Gesagten – die Krankheitseinsicht sowie der 

Behandlungswille des Beschuldigten fraglich. Daraus wird ersichtlich, dass 

vorliegend eine zeitliche Begrenzung nicht zielführend wäre, womit auf die 

Möglichkeit die Höchstfrist bereits im Zeitpunkt der Anordnung der 

ambulanten Massnahme zu verkürzen, zu verzichten ist. 

 

7. 

7.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung 

des Beschuldigten ist abzuweisen. Unter diesen Umständen sind die 

obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) vollum-

fänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

7.2. 

Der amtliche Verteidiger ist gestützt auf die anlässlich der 

Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote – jedoch bei einem für 

eine amtliche Verteidigung anwendbaren Stundenansatz von Fr. 200.00 

(§ 9 Abs. 3bis AnwT) – mit gerundet Fr. 8'470.90 (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7.3. 

A.L., der sich als Privatkläger konstituiert hatte, sich im Berufungsverfahren 

aber nicht mehr aktiv als Partei mit eigenen Anträgen beteiligt hat, sondern 

nur als Auskunftsperson befragt worden ist, ist keine Parteientschädigung 

im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO zuzusprechen. Die vom Beschuldigten 

mit Berufung angefochtene Qualifikation der Geiselnahme und damit 

 - 17 - 

 

 

einhergehend das Strafmass konnten sich nicht mehr auf die bereits 

anerkannte und im Berufungsverfahren auch nicht angefochtene 

Zivilforderung von A.L. auswirken. Dieser Punkt war im Berufungsverfahren 

denn auch nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). Der Umstand allein, 

dass das Obergericht gemäss Art. 408 StPO ein neues Urteil fällt, welches 

dasjenige des Bezirksgerichts ersetzt und somit eine Vollstreckung der 

Zivilforderung nur gestützt auf das Urteil des Obergerichts ergehen kann, 

führt nicht dazu, dass – wenn nicht angefochten – auf die erstinstanzlich 

zugesprochene Zivilforderung zurückzukommen wäre. Hinsichtlich des 

Strafmasses und der Frage der vollzugsbegleitenden Anordnung der 

ambulanten Massnahme war A.L. ohnehin nicht legitimiert (Art. 382 Abs. 2 

StPO). Insoweit sich A.L. auch als Strafkläger konstituiert hat, so sind ihm 

im Berufungsverfahren keine notwendigen Aufwendungen im Sinne von 

Art. 433 Abs. 1 StPO entstanden, zumal der Strafanspruch grundsätzlich 

von der Staatsanwaltschaft wahrgenommen wird. A.L. steht somit zwar 

keine Parteientschädigung als Privatkläger zu, jedoch hat er Anspruch auf 

eine Entschädigung für Auskunftspersonen. 

 

8. 

8.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte wird – mit Ausnahme der Einstellung hinsichtlich des 

Vorwurfs der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG – 

gemäss Anklage schuldig gesprochen. Da sich die Einstellung auf eine 

untergeordnete Übertretung bezieht und in diesem Zusammenhang keine 

wesentlichen Untersuchungskosten angefallen sind, rechtfertigt es sich, 

dem Beschuldigten die vorinstanzlichen Kosten vollumfänglich aufzu-

erlegen. 

 

8.2. 

Der amtliche Verteidiger wurde für seinen Aufwand vor Vorinstanz mit 

Fr. 30'639.05 entschädigt. Dieser Punkt ist unangefochten geblieben, 

weshalb darauf nicht mehr zurückgekommen werden kann (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von Fr. 29'307.90 

zurückzufordern, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

8.3. 

Die den Privatklägern A.L. und B.L. für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochenen Entschädigungen wurden mit Berufung nicht 

angefochten, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist. 

 - 18 - 

 

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren wird in Bezug auf den Vorwurf der Verletzung der 

Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG (Anklageziffer 7) infolge 

Verjährung eingestellt. 

 

3. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen versuchten räuberischen Erpressung gemäss Art. 156 

Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; [in Rechtskraft 

erwachsen] 

- der qualifizierten Geiselnahme gemäss Art. 185 Ziff. 2 StGB; 

- der Nötigung gemäss Art. 181 StGB;  

- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB; [in Rechtskraft 

erwachsen] 

- der Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 

lit. a WG; [in Rechtskraft erwachsen] 

- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB. [in Rechtskraft 

erwachsen] 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 3 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 19 Abs. 2 StGB, 

Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 40 StGB 

 

zu einer Freiheitsstrafe von 3 ¾ Jahren verurteilt.  

 

4.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von insgesamt 93 Tagen (22. Mai 

2019 bis 22. August 2019) wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet.  

 

5. 

Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 StGB wird eine vollzugsbegleitende 

deliktsorientierte ambulante Behandlung angeordnet.  

 

 - 19 - 

 

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

Folgende beschlagnahmte Gegenstände werden eingezogen: 

- Faustfeuerwaffe EP 55a, Kal. 22, inkl. Magazin 

- 225 Patronen Kal. 22 Long Rifle  

- Attrappe einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung  

- zwei Holzstangen mit Nägeln, Rasierklingen und Stacheldraht besetzt 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

7. [in Rechtskraft erwachsen] 

Dem Beschuldigten wird gemäss Art. 67b Abs. 2 StGB für die Dauer von 

fünf Jahren verboten, mit A.L. und mit B.L. in Kontakt zu treten.  

 

8. [in Rechtskraft erwachsen] 

8.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A.L. eine Genugtuung 

von Fr. 7'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit 22. Mai 2019 zu bezahlen.  

 

8.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B.L. eine Genugtuung 

von Fr. 2'500.00 zzgl. Zins zu 5% seit 22. Mai 2019 zu bezahlen.  

 

9. 

9.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt.  

 

9.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 8'470.90 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

10. 

10.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 15'683.45 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 1'300.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

10.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 30'639.05 auszurichten. 

 

 - 20 - 

 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von 

Fr. 29'307.90 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben. 

 

10.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A.L. für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'645.15 zu 

bezahlen. 

 

10.4. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B.L. für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 2'431.90 zu 

bezahlen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
     

Aarau, 16. Juni 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six Kaileswaran