# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 543e76d7-6a4d-5ce8-8c8c-30328a97f9a6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-28
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 28.03.2024 IV 2023/116
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2023-116_2024-03-28.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2023/116

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 16.04.2024

Entscheiddatum: 28.03.2024

Entscheid Versicherungsgericht, 28.03.2024
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Würdigung eines polydisziplinären 
Administrativgutachtens. Kompensation von einen Tabellenlohnabzug 
rechtfertigenden Nachteilen durch eine überdurchschnittliche 
Leistungsfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kanton St. 
Gallen vom 28. März 2024, IV 2023/116). Bestätigt durch Urteil des 
Bundesgerichts 8C_255/2024.

Entscheid vom 28. März 2024

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Tanja 

Petrik-Haltiner; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2023/116

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17, 

Postfach, 9001 St. Gallen,

gegen

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 2/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im November 2006 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland das 

Gymnasium besucht und nach der Einreise in die Schweiz zunächst als „Roulladier“ 

und anschliessend als Hilfsmetzger gearbeitet. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die 

Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH am 29. April 2008 ein polydisziplinäres 

Gutachten (IV-act. 33). Die Sachverständigen hielten fest, die Intelligenz des 

Versicherten habe sich klinisch in einem durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen 

Bereich bewegt. Der Versicherte sei seinem Schmerzgeschehen nicht willenlos 

ausgeliefert; vielmehr sei der Eindruck einer bewusstseinsnahen Schmerzausweitung 

entstanden. Die angeblich eingenommenen Medikamente hätten bei der Laboranalyse 

nicht nachgewiesen werden können. Der Versicherte leide an einem Status nach einer 

Quetschverletzung der rechten Hand mit einer offenen Endgliedfraktur des Mittel- und 

Ringfingers, an einem chronischen Schmerzsyndrom an der rechten Hand sowie – 

ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer funktionellen sensiblen Störung am 

linken Bein, an einer Adipositas, an einer arteriellen Hypertonie, an einem Status nach 

einer extracorporalen Stosswellenlithotripsie bei einem Nierenkelchkonkrement rechts, 

an einem Status nach einer Beckenkontusion und Distorsion des oberen 

Sprunggelenks links und an einem Status nach einer Fraktur des Os metacarpale IV-

Köpfchens links. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfsmetzger sei dem Versicherten 

wegen der hohen Belastung der rechten Hand nicht mehr zumutbar. Für eine 

leidensadaptierte Tätigkeit sei dagegen eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu 

attestieren. Im Mai 2008 notierte Dr. med. B.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen 

A.a. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 3/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Dienst (RAD), das Gutachten der ABI GmbH überzeuge, weshalb auf es abzustellen sei 

(IV-act. 34). Mit einer Verfügung vom 10. Januar 2009 wies die IV-Stelle das 

Rentenbegehren ab (IV-act. 54). Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde vom 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem Entscheid vom 3. Februar 2011 

abgewiesen (IV 2009/59; vgl. IV-act. 75).

Im Juni 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 77). Die IV-Stelle wies das Begehren um berufliche 

Eingliederungsmassnahmen mit einer Mitteilung vom 25. Februar 2013 ab (IV-act. 114). 

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Zentrum für interdisziplinäre medizinische 

Begutachtungen (ZIMB) AG am 30. Oktober 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-

act. 124). Die Sachverständigen führten aus, in neurologischer Hinsicht sei von einem 

dysfunktionalen Krankheitsverhalten mit einer Symptomausweitung auszugehen. Der 

Versicherte leide zusammenfassend an einer mittelgradigen depressiven Episode ohne 

ein somatisches Syndrom sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem 

chronischen Schmerzsyndrom der rechten oberen Extremität, an einer funktionellen 

sensiblen Störung am linken Bein, an einer Reizdarmsymptomatik mit einem 

imperativen Stuhldrang, an einer Nephrolithiasis beidseits, an einer linksbetonten 

chronisch-venösen Insuffizienz, an einer Adipositas und an einer essentiellen arteriellen 

Hypertonie. Aus psychiatrischer Sicht sei er wegen einer verminderten Belastbarkeit, 

einer schnellen Erschöpfung und subjektiv erlebten Gedächtnis- und 

Konzentrationsstörungen zu 40 Prozent arbeitsunfähig. Die RAD-Ärztin Dr. med. C.___ 

qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 125). Mit einer Verfügung vom 26. 

März 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren bei einem unter Berücksichtigung 

der „gängigen Rechtsprechung“ berechneten Invaliditätsgrad von null Prozent ab (IV-

act. 135). Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Versicherungsgericht des 

Kantons St. Gallen mit der Begründung abgewiesen, hinsichtlich der Frage, in welchem 

Grad der Versicherte in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt wäre, wenn er bezüglich 

der psychiatrischen Behandlung eine ausreichende Compliance zeigen würde, liege 

eine objektive Beweislosigkeit vor (Entscheid IV 2014/227 vom 24. August 2017; vgl. 

IV-act. 146).

A.b. 

Im Januar 2019 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal zum Bezug von 

Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 149). Nach einer Würdigung der vom 

A.c. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 4/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Versicherten eingereichten medizinischen Berichte hielt der RAD-Arzt Dr. med. D.___ 

am 14. März 2019 fest, eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes seit der 

Abweisung des letzten Rentenbegehrens sei nicht glaubhaft gemacht (IV-act. 165). Mit 

einer Verfügung vom 13. Juni 2019 trat die IV-Stelle nicht auf die Neuanmeldung ein 

(IV-act. 172). Der Versicherte liess eine Beschwerde gegen diese Verfügung erheben. 

Mit einem Entscheid vom 6. August 2020 ersetzte das Versicherungsgericht die 

Nichteintretensverfügung vom 13. Juni 2019 durch den – aus der Sicht des Gerichtes 

verfahrensabschliessenden, für die IV-Stelle jedoch verfahrensleitenden – Entscheid, 

dass auf die Neuanmeldung eingetreten werde (IV 2019/202; vgl. IV-act. 201). Zur 

Begründung führte es aus, der Versicherte habe glaubhaft gemacht, dass sich seine 

Compliance bezüglich der psychiatrischen Behandlung seit dem 26. März 2014 

relevant verändert habe.

Im November 2020 berichtete die behandelnde Psychiaterin Dr. med. E.___ (IV-

act. 212), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer 

gegenwärtig mittelgradigen Episode, an einer posttraumatischen Belastungsstörung 

nach dem im September 2005 erlittenen Arbeitsunfall, an einer andauernden 

Persönlichkeitsstörung bei chronischen Schmerzen sowie an einem neuropathischen 

Schmerzsyndrom. Die Prognose sei schlecht. Der Versicherte sei seit 15 Jahren 

„schwerst schmerzgeplagt“. Er sei vollständig arbeitsunfähig. Die IV-Stelle beauftragte 

am 6. Mai 2021 das Zentrum für medizinische Begutachtung (ZMB) mit einer 

polydisziplinären Begutachtung des Versicherten (IV-act. 220).

A.d. 

Am 8. November 2021 erstattete das ZMB das in Auftrag gegebene Gutachten (IV-

act. 238). Der internistische Sachverständige hielt fest, aus rein internistischer Sicht 

bestehe keine Gesundheitsbeeinträchtigung, die sich auf die Arbeitsfähigkeit des 

Versicherten auswirken würde. Der orthopädische Sachverständige führte aus, der 

Versicherte habe dysthym und resigniert gewirkt, aber kooperativ und adäquat 

Auskunft gegeben. Hinweise auf eine Aggravation oder eine übermässige 

Beschwerdeverdeutlichung hätten nicht festgestellt werden können. Der Versicherte 

habe den Untersuchungsraum langsam und schwerfällig betreten. Er habe ein leichtes 

Entlastungshinken links gezeigt. Die Anamneseerhebung im Sitzen sei problemlos 

möglich gewesen. Bei den Transfers während der Untersuchung habe sich der 

Versicherte schwerfällig und unbeholfen gezeigt. Er habe Mühe gehabt, die Liege zu 

A.e. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 5/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

besteigen. Das Aus- und Ankleiden sei langsam erfolgt. Beim Handling der Socken und 

Schuhe habe sich eine deutliche Beeinträchtigung gezeigt. Objektiv klinisch hätten eine 

ausgeprägte hohlrunde Rückenform und eine hochgradige Schwäche der 

Abdominalmuskulatur imponiert. Inspektorisch habe sich eine leichte S-förmige 

Skoliose gezeigt. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei etwas 

bewegungsvermindert, aber nur wenig druck- und kompressionsschmerzhaft gewesen. 

Die Hauptschmerzhaftigkeit sei auf das linksseitige Iliosacralgelenk lokalisiert gewesen, 

wo es zu überschiessenden Schmerzreaktionen bei der Palpation gekommen sei. Das 

Lasègue’sche Zeichen sei links grenzwertig ausgefallen. Der Langsitz auf der Liege sei 

nur unvollständig möglich gewesen. An der Aussenseite des linken Beins habe der 

Versicherte ein Taubheitsgefühl angegeben. Motorische Defizite seien aber nicht 

erkennbar gewesen. Die Funktion der Halswirbelsäule sei leicht vermindert gewesen. 

Die Funktionseinschränkung der beiden verletzten Finger der rechten Hand sei gering 

ausgeprägt gewesen. Die zusätzlich geltend gemachten Beeinträchtigungen an der 

rechten Hand seien aus objektiver Sicht nicht plausibel gewesen. Die Belastbarkeit der 

Knie sei wegen einer beginnenden beidseitigen Gonarthrose leicht vermindert 

gewesen. Auch die Belastbarkeit der Hüftgelenke sei leicht gemindert gewesen. Aus 

orthopädischer Sicht sei für eine leidensadaptierte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 

80 Prozent zu attestieren. Die Einschränkung von 20 Prozent trage einem 

schmerzbedingt erhöhten Pausenbedarf Rechnung. Der neurologische 

Sachverständige hielt fest, der (im Gutachten detailliert beschriebene) objektive 

klinische Befund sei wenig ergiebig gewesen. Insbesondere hätten objektiv keine 

fassbaren Befunde am rechten Arm im Sinne einer segmentalen oder einer peripher-

neurogenen Läsion nachgewiesen werden können. Angesichts der beschriebenen 

starken Funktionsbeeinträchtigung seien der unauffällige Reflexbefund, die erhaltene 

Muskeltrophik sowie das Fehlen motorischer Paresen am rechten Arm bemerkenswert. 

Klinisch habe sich weder ein neuropathisches Schmerzsyndrom noch ein CRPS 

nachweisen lassen. Aus rein neurologischer Sicht könne dem Versicherten jedenfalls 

keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Der gastro-enterologische Sachverständige 

führte aus, die vom Versicherten geltend gemachte abdominelle Schmerzsymptomatik 

habe gemäss den Akten zu keinem Zeitpunkt zu einem offensichtlichen 

Vermeidungsverhalten geführt. Trotz des vom Versicherten geltend gemachten hohen 

Leidensdruckes habe er nie eine adäquate symptomatische Therapie in Anspruch 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 6/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

genommen. Multiple Abklärungen hätten nie eine ätiologische Klärung erbracht. 

Hinweise für eine eigentliche Malassimilation hätten sich nicht feststellen lassen. Der 

konstante Gewichtsverlauf in den letzten Jahren spreche gegen eine signifikante 

Resorptionsstörung. Auf die Bitte, eine Fotodokumentation abzugeben, habe sich der 

Versicherte in die Aussage geflüchtet, er sei im Umgang mit dem Smartphone nicht 

vertraut genug, um Fotos zu machen. Offenbar habe er damit zu vermeiden versucht, 

in den Stunden nach der Untersuchung eine Fotodokumentation des angeblich 

auffälligen Stuhlgangs abgeben zu müssen. Der Sachverständige habe nicht weiter 

insistiert. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb der Versicherte Antidiarrhoika konsequent 

vermieden habe. Aus gastro-enterologischer Sicht lasse sich jedenfalls keine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestieren. Der oto-rhino-laryngologische 

Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an einer sozialen Taubheit links nach 

einer Mittelohrentzündung im Jahr 2019 sowie an einer diskreten Innenohr-

Schwerhörigkeit rechts. Er sei bereits mit Hörgeräten versorgt worden. 

Schwindelbeschwerden hätten nicht verifiziert werden können. Bei der Untersuchung 

sei ein (sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkender) Bruxismus mit einer 

Kiefergelenksfehlbelastung links festgestellt worden. Für Tätigkeiten ohne hohe 

akustische Anforderungen und ohne Lärm sei der Versicherte uneingeschränkt 

arbeitsfähig. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, der Versicherte habe sich 

langsam bewegt und vorgealtert gewirkt. Während des zweistündigen Gesprächs habe 

er problemlos im Stuhl sitzen bleiben können, wobei er sich allerdings meist nach 

vorne gebeugt und abgestützt habe. Der Versicherte sei sehr umgänglich gewesen, 

weshalb ein guter Rapport zustande gekommen sei. Im Hinblick auf die Konzentration, 

die Merkfähigkeit und das Gedächtnis hätten keine offensichtlichen Einschränkungen 

festgestellt werden können. Die Intelligenz sei gut gewesen; der Versicherte habe sich 

differenziert zu seiner Situation geäussert. Der Gedankengang sei unauffällig gewesen. 

Allerdings habe ein ausgeprägtes Klageverhalten und Insuffizienzerleben imponiert. 

Einmalig habe in der Untersuchungssituation der Eindruck bestanden, der Versicherte 

werde von intrusiven Erinnerungen überflutet. Auf genaues Nachfragen hin habe er 

jedoch nicht geäussert, dass es sich um spezifische Umstände des Unfalles oder 

Aspekte des damaligen Geschehens gehandelt habe. Zudem sei nicht der Eindruck 

eines spezifischen „flash back“ mit einem szenisch bildhaften Wiedererleben 

entstanden. Affektiv habe der Versicherte leicht deprimiert gewirkt; die affektive 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 7/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schwingungsfähigkeit sei aber noch erhalten gewesen. Diagnostisch leide der 

Versicherte an einer somatoformen Schmerzstörung und an einer Dysthymia. Eine 

posttraumatische Belastungsstörung könne nicht diagnostiziert werden. Auch von einer 

Persönlichkeitsänderung könne nicht die Rede sein. Vielmehr sei davon auszugehen, 

dass vorbestehende bevorzugte Bewältigungsmodi dem Versicherten die Verarbeitung 

der erlebten gesundheitlichen Probleme und des kränkenden Verlustes sozialer Rollen 

erschwerten. Dazu gehörten offenbar ein hoher Leistungsanspruch, ein 

Perfektionismus und eine Konfliktvermeidung. Im Hinblick auf das Ergebnis der 

neuropsychologischen Untersuchung seien die Testergebnisse als Ausdruck der 

bestehenden psychischen Belastungen und nicht als ein zusätzlicher Krankheitsfaktor 

zu werten. Die neuropsychologische Sachverständige hatte ausgeführt, die 

Performanzvalidierungstests hätten keine Hinweise auf ein ungültiges Testprofil 

geliefert. Aufgrund der Verhaltensbeobachtung sei die Leistungsbereitschaft des 

Versicherten jedoch als nicht durchgängig unauffällig zu werten. Blende man die 

Auffälligkeiten aus, seien die Befunde weitestgehend konsistent mit der geschilderten 

Alltagsfunktionalität. Die Testergebnisse wiesen auf eine leichte neuropsychologische 

Störung bei einer somatoformen Schmerzstörung hin. Da die 

Aufmerksamkeitsfunktionen uneingeschränkt gewesen seien, könne für die 

angestammte Tätigkeit respektive für eine Hilfsarbeit keine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Nach der Konsensbesprechung hielten die 

Sachverständigen fest, der Versicherte leide an einer somatoformen Schmerzstörung, 

an einer Dysthymia, an einem chronischen ilio-lumbo-sacralen Schmerzsyndrom, an 

einem chronischen cervico-vertebrogenen Schmerzsyndrom, an einem chronischen 

Schmerzsyndrom der rechten Hand mit einer geringen Funktionseinschränkung, an 

einer sozialen Taubheit links, an einer diskreten Innenohr-Schwerhörigkeit rechts, an 

einem Bruxismus, an nicht objektivierbaren Schwindelbeschwerden, an Gonarthrosen 

beidseits, an einem abdominellen Schmerzsyndrom unklarer Ätiologie, an einer 

Refluxoesophagitis, an einer Nephrolithiasis, an einer initialen Coxarthrose beidseits 

und an einer leichten neuropsychologischen Störung. Rein somatisch betrachtet 

bestünden deutliche Inkonsistenzen. Aus psychiatrischer Sicht seien diese 

Inkonsistenzen jedoch im Rahmen des somatoformen Störungsbildes nachvollziehbar. 

Die zugrunde liegenden psychischen Konflikte seien unbewusster Natur. Eine 

Erwerbstätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über fünf Kilogramm, ohne 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 8/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

häufiges Bücken, ohne Arbeiten in kniender oder kauernder Position und ohne Gehen 

auf unebenem Boden sei vollzeitig mit einer Einschränkung von 20 Prozent wegen 

eines erhöhten Pausenbedarfs zumutbar.

Die RAD-Ärztin Dr. med. F.___ empfahl im Dezember 2021, dem psychiatrischen 

Sachverständigen verschiedene Ergänzungsfragen zu stellen (IV-act. 240). Die IV-Stelle 

forderte den psychiatrischen Sachverständigen am 14. Dezember 2021 auf, zu den 

Blutlaborergebnissen Stellung zu nehmen und sich nochmals eindeutig zur 

Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu äussern (IV-act. 241). Den orthopädischen 

Sachverständigen forderte sie gleichentags auf zu erklären, weshalb er einen höheren 

Arbeitsfähigkeitsgrad als der Sachverständige der ZIMB AG attestiert habe, obwohl 

sich der Gesundheitszustand des Versicherten seinen Ausführungen zufolge seither 

verschlechtert habe (IV-act. 242). Die Sachverständigen antworteten am 22. Februar 

2022 (IV-act. 247), die Begutachtung durch die ZIMB AG habe keine rheumatologische 

oder orthopädische Untersuchung beinhaltet, weshalb das Gutachten der ZIMB AG 

nicht ohne Weiteres mit dem aktuellen Gutachten verglichen werden könne. Zudem 

hätten die Sachverständigen damals als einzige Diagnose mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit eine depressive Störung ohne ein somatisches Syndrom genannt. Die 

Laborergebnisse seien bezüglich der Einnahme von Pregabalin mit den Angaben des 

Versicherten vereinbar, bezüglich der Einnahme von Surmontil hingegen nicht. Diese 

Diskrepanz habe im Rahmen der Begutachtung nicht mit dem Versicherten besprochen 

werden können, da die Laborergebnisse erst später eingetroffen seien. Das sei nun 

zwischenzeitlich nachgeholt worden. Der Versicherte habe angegeben, dass er sich 

damals wahrscheinlich in einer Phase der Umstellung von Saroten auf Surmontil 

befunden habe, was eine mögliche Erklärung darstellen könnte. Für eine weitere 

Klärung müsse die behandelnde Psychiaterin um eine erneute 

Serumspiegelbestimmung gebeten werden. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht sei im Gutachten festgehalten worden, dass die psychische 

Problematik die Arbeitsfähigkeit des Versicherten grundsätzlich nicht einschränke. Mit 

Blick auf die „überlappende“ Problematik sei dann in der Konsensbeurteilung 

festgehalten worden, dass eine etwaige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus 

psychischer Sicht jedenfalls durch die aus orthopädischer Sicht attestierte 

Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent abgedeckt sei. Im Auftrag des RAD wurde Mitte 

A.f. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 9/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

März 2022 eine weitere Laboruntersuchung durchgeführt, die ergab, dass der 

Serumspiegel von Trimipramin unterhalb des Referenzbereichs lag (IV-act. 257).

Am 5. Mai 2022 führte der Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle ein 

„Assessmentgespräch“ mit dem Versicherten. Er berichtete (IV-act. 258), der 

Versicherte habe sich sehr leidend präsentiert, seinen Gesundheitszustand 

ausschweifend beschrieben, gedrückt gewirkt und sich blockiert gezeigt. Berufliche 

Massnahmen seien sinnlos, da sich der Versicherte als vollständig arbeitsunfähig 

ansehe. Mit einer Mitteilung vom 30. Mai 2022 wies die IV-Stelle das Begehren um 

berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 260).

A.g. 

Mit einem Vorbescheid vom 17. August 2022 teilte die IV-Stelle dem Versicherten 

mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden 

Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 264). Dagegen liess der Versicherte am 21. 

September 2022 einwenden (IV-act. 270), die Sachverständigen des ZMB hätten 

bestätigt, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der Begutachtung 

durch die ZIMB AG weiter verschlechtert habe. Damals sei ein Arbeitsunfähigkeitsgrad 

von 40 Prozent attestiert worden. Folglich müsse der Arbeitsunfähigkeitsgrad aktuell 

mindestens 50 Prozent betragen. Der psychiatrische Sachverständige des ZMB habe 

kein leitliniengerechtes strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt. Die Verwertung 

der Restarbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei angesichts der langen 

Diagnoseliste illusorisch. Das neuropsychologische Teilgutachten sei unvollständig und 

teilweise unleserlich. Die IV-Stelle nahm in der Folge eine besser lesbare Version des 

Gutachtens des ZMB zu den Akten (IV-act. 276) und stellte diese dem Rechtsvertreter 

des Versicherten zur Verfügung. Mit einer Verfügung vom 30. Mai 2023 wies sie das 

Rentenbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 16 Prozent ab (IV-act. 280).

A.h. 

Am 28. Juni 2023 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Mai 2023 erheben (act. G 1). Er liess die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache einer Rente bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent mit Wirkung ab dem 17. Januar 2019 und 

eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die 

Beschwerdegegnerin) zu weiteren Abklärungen beantragen. Zur Begründung liess er 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 10/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.

Da sich der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens in der Überprüfung der 

angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit erschöpft, muss sein Gegenstand 

jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Dieses hat die 

Prüfung des im Januar 2019 eingereichten Rentenbegehrens und damit die Frage zum 

Gegenstand gehabt, ob der Beschwerdeführer ab dem 1. Juli 2019 (vgl. Art. 29 Abs. 1 

IVG) einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat. Auch in 

diesem Beschwerdeverfahren ist folglich, nachdem die Eintretensfrage bezüglich der 

Neuanmeldung vom Januar 2019 bereits entschieden worden ist, zu prüfen, ob der 

Beschwerdeführer rückwirkend ab dem 1. Juli 2019 einen Anspruch auf eine Rente der 

Invalidenversicherung hat.

2.

ausführen, die Sachverständigen des ZMB hätten in ihrem Gutachten explizit 

festgehalten, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der 

letzten Begutachtung in orthopädischer und in psychiatrischer Hinsicht verschlechtert 

habe. Trotzdem hätten sie einen höheren Arbeitsfähigkeitsgrad attestiert. Das sei nicht 

nachvollziehbar, weshalb das Gutachten nicht überzeuge. Zudem habe der 

psychiatrische Sachverständige kein strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt. 

Aufgrund der ausgewiesenen, ausgeprägten Multimorbidität des Beschwerdeführers 

stehe aber ohnehin fest, dass dieser nicht mehr arbeitsfähig sei.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. September 2023 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten des ZMB 

überzeuge in jeder Hinsicht. Das Zumutbarkeitsprofil sei nicht derart einschränkend, 

dass von einer Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden müsste. 

Unter Berücksichtigung des Arbeitsfähigkeitsgrades von 80 Prozent und eines Abzuges 

vom Tabellenlohn von zehn Prozent resultiere ein nicht rentenbegründender 

Invaliditätsgrad von 28 Prozent.

B.b. 

Der Beschwerdeführer liess am 10. November 2023 an seinen Anträgen festhalten 

(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

B.c. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 11/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht gemäss dem Art. 28 

Abs. 1 IVG, wenn die versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie 

während eines Jahres durchschnittlich mindestens 40 Prozent invalid gewesen ist und 

wenn sie nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die 

Bemessung der Invalidität wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem 

Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

3.

Der Beschwerdeführer hat keine Berufsausbildung absolviert. Nach seiner Einreise in 

die Schweiz hat er typische Hilfsarbeiten verrichtet. Als er bereits an einer 

Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat, ist es ihm im Jahr 2011 gelungen, für neun 

Monate eine Tätigkeit in einer „leitenden“ Stellung im Reinigungsdienst auszuüben, für 

die er einen Lohn von 48’332 Franken erhalten hat (= [6’008 + 28’752 + 1’489] Franken 

÷ 9 × 12; vgl. IV-act. 159). Das ist weniger als der statistische Zentralwert der 

Hilfsarbeiterlöhne in jenem Jahr gewesen. Der Beschwerdeführer hat denn auch über 

keine Qualifikationen verfügt, die es ihm erlaubt hätten, eine echte Führungsposition zu 

übernehmen und dementsprechend einen Lohn zu erzielen, der über dem statistischen 

Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne gelegen hätte. Folglich ist der Beschwerdeführer als 

ein typischer Hilfsarbeiter zu qualifizieren, was bedeutet, dass das Valideneinkommen 

dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne entspricht.

4.

Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

entscheidend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht in 

welchem Umfang zugemutet werden können. Zur Beantwortung dieser Frage hat die 

Beschwerdegegnerin die Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt und das ZMB mit 

einer polydisziplinären Begutachtung des Beschwerdeführers beauftragt. Die 

Sachverständigen des ZMB haben den Beschwerdeführer umfassend internistisch, 

gastro-enterologisch, oto-rhino-laryngologisch, neurologisch, orthopädisch, 

psychiatrisch und neuropsychologisch untersucht. Zudem haben sie die medizinischen 

Vorakten eingehend gewürdigt. Nichts deutet darauf hin, dass sie eine wesentliche 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 12/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tatsache übersehen oder ignoriert hätten. Aus internistischer und aus neurologischer 

Sicht hat trotz der durch die detaillierten Befundschilderungen dokumentierten 

eingehenden Untersuchungen keine Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden können. Bei der neurologischen Untersuchung 

sind Inkonsistenzen aufgefallen. Der Beschwerdeführer hat nämlich eine starke 

Funktionsbeeinträchtigung geltend gemacht, aber der Reflexbefund ist unauffällig und 

die Muskeltrophik ist erhalten gewesen; zudem haben keine motorischen Paresen 

festgestellt werden können. Der objektive klinische Befund ist insgesamt wenig 

ergiebig gewesen, was sich nicht mit den geltend gemachten 

Funktionsbeeinträchtigungen vereinbaren lässt, wie der neurologische Sachverständige 

überzeugend aufgezeigt hat. Auch bei der gastro-enterologischen Untersuchung sind 

keine objektiven Beeinträchtigungen, dafür aber verschiedene Inkonsistenzen 

aufgefallen. Der Sachverständige hat anschaulich aufgezeigt, dass die Akten weder ein 

Vermeidungsverhalten noch eine adäquate symptomatische Therapie dokumentierten. 

Der Beschwerdeführer habe nicht einmal Antidiarrhoika eingenommen, was angesichts 

der geltend gemachten Problematik nicht nachvollziehbar sei. Der konstante 

Gewichtsverlauf in den vergangenen Jahren spreche gegen eine Malassimilation. Die 

vom Beschwerdeführer zur Begründung für die angebliche Unmöglichkeit, eine 

Fotodokumentation zu erstellen, vorgebrachte Behauptung, er könne mit seinem 

Smartphone keine Fotos erstellen, ist zu Recht als Ausflucht gewertet worden. 

Entscheidend ist, dass der gastro-enterologische Sachverständige weder in den Akten 

noch bei der persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers einen objektiv 

fassbaren Anhaltspunkt für eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung hat entdecken 

können. In oto-rhino-laryngologischer Hinsicht hat zwar eine Beeinträchtigung der 

Hörfähigkeit festgestellt werden können, diese ist aber durch die bereits erfolgte 

Hörgeräteversorgung kompensiert gewesen, weshalb für Tätigkeiten ohne eine erhöhte 

Lärmbelastung und ohne hohe Anforderungen an die Hörfähigkeit überzeugend eine 

uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert worden ist. Nur der orthopädische 

Sachverständige hat eine relevante somatische Gesundheitsbeeinträchtigung 

objektivieren können. Er hat anschaulich aufgezeigt, dass die Funktionalität und die 

Belastbarkeit der Wirbelsäule, der beiden verletzten Finger der rechten Hand (nicht 

aber die übrigen Teile der rechten oberen Extremität), der Knie und der Hüftgelenke 

geringfügig beeinträchtigt gewesen sind. Seine Schlussfolgerung, dem 

Beschwerdeführer könnten deshalb nur noch Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von 

Lasten über fünf Kilogramm, ohne häufiges Bücken, ohne Arbeiten in kniender oder 

kauernder Position und ohne Gehen auf unebenem Boden zugemutet werden, 

überzeugt. Ebenso überzeugend ist das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent 

für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten aufgrund eines schmerzbedingt erhöhten 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 13/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Pausenbedarfs. In neuropsychologischer Hinsicht ist bei einem grenzwertig validen 

Testergebnis eine leichte neurokognitive Funktionsbeeinträchtigung festgestellt 

worden. Die neuropsychologische Sachverständige hat aber überzeugend aufgezeigt, 

dass diese leichte Störung den Versicherten weder bei der Bewältigung des Alltages 

noch bei einer Hilfsarbeit relevant beeinträchtigt. Der psychiatrische Sachverständige 

hat die vom Beschwerdeführer demonstrierten Inkonsistenzen bei den somatischen 

und psychischen Untersuchungen als ein unbewusstes, krankheitsbedingtes Verhalten 

interpretiert und festgehalten, dabei handle es sich nicht um eine Aggravation oder 

Simulation. Seine Argumentation ist gut nachvollziehbar und überzeugend, zumal auch 

die übrigen Sachverständigen darauf hingewiesen haben, dass der Beschwerdeführer 

trotz der Inkonsistenzen nicht den Eindruck einer Aggravation oder einer bewussten 

oder zumindest bewusstseinsnahen eingeschränkten Kooperation hinterlassen habe. 

Damit belegt sein Teilgutachten auch, dass der Beschwerdeführer in psychischer 

Hinsicht trotz einer ausreichenden Therapieakzeptanz (geringfügig) arbeitsunfähig 

gewesen ist. Bei der neuropsychologischen Untersuchung ist zwar das Verhalten des 

Beschwerdeführers leicht auffällig, das Ergebnis der Performanzvalidierungstests aber 

regelrecht gewesen, was sich mit der Argumentation des psychiatrischen 

Sachverständigen deckt. In seinem Teilgutachten hat der psychiatrische 

Sachverständige mit einer (überdurchschnittlich) sorgfältigen Begründung überzeugend 

aufgezeigt, dass weder die Kriterien für die Diagnose einer depressiven Störung noch 

jene für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer 

Persönlichkeitsänderung respektive Persönlichkeitsstörung erfüllt gewesen sind, dass 

der Beschwerdeführer vielmehr hauptsächlich an einer ungünstigen psychischen 

Verarbeitung der Folgen eines an sich banalen Arbeitsunfalls im Sinne einer 

somatoformen Schmerzstörung gelitten hat. Die RAD-Ärztin Dr. F.___ hat zwar zu 

Recht kritisiert, dass die Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen zur 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht nicht eindeutig 

gewesen seien, aber auf eine entsprechende Rückfrage hin hat der psychiatrische 

Sachverständige nachvollziehbar erklärt, dass der Beschwerdeführer schmerzbedingt 

einen leicht erhöhten Pausenbedarf habe und dass sein Rendement geringfügig 

vermindert sei. Das bedeutet allerdings, dass die in der Konsensbeurteilung vertretene 

Auffassung der Sachverständigen, das Arbeitsunfähigkeitsattest des Psychiaters decke 

sich vollständig mit jenem des Orthopäden, nicht zutreffend sein kann, denn der vom 

Orthopäden attestierte Pausenbedarf kann die Verlangsamung des Beschwerdeführers 

nicht vollständig abdecken. Die beiden Arbeitsunfähigkeitsatteste müssen folglich als 

teil-additiv interpretiert werden. Angesichts der von den Sachverständigen des ZMB 

vertretenen Auffassung, der Beschwerdeführer sei aus polydisziplinärer Sicht zu 

80 Prozent arbeitsfähig, kann der Anteil der „nicht deckungsgleichen“ 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 14/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeitsunfähigkeit nicht allzu hoch sein. Überwiegend wahrscheinlich beträgt er 

lediglich fünf bis maximal zehn Prozent. Der Gesamtarbeitsfähigkeitsgrad für ideal 

leidensadaptierte Tätigkeiten beträgt folglich gestützt auf das überzeugende Gutachten 

des ZMB mindestens 70 Prozent. Der Umstand, dass der psychiatrische 

Sachverständige kein „strukturiertes Beweisverfahren“ durchgeführt hat, schadet nicht, 

denn bei diesem „strukturierten Beweisverfahren“ handelt es sich um eine vom 

Bundesgericht aufgestellte Beweisregel, die nur darauf abzielt, medizinische 

Sachverständige dazu anzuhalten, eine sich an den massgebenden objektiven 

klinischen Befunden orientierende Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben und nicht 

von der Diagnose direkt auf die Arbeitsfähigkeit zu schliessen, was früher gelegentlich 

geschehen ist. Da die Sachverständigen des ZMB eine anhand der objektiven 

klinischen Befunde überzeugend begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben 

haben, die sich inhaltlich mit den vom Bundesgericht aufgestellten Kriterien befasst 

hat, die bei somatoformen Schmerzstörungen zu berücksichtigen sind, sind sie nicht 

verpflichtet gewesen, eine formelle Checkliste abzuarbeiten. Auch aus dem Umstand, 

dass die Sachverständigen des ZMB eine (leichte) Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes seit dem Jahr 2013 bestätigt, aber trotzdem einen höheren 

Arbeitsfähigkeitsgrad als die Sachverständigen der ZIMB AG im Jahr 2013 attestiert 

haben, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten, denn der 

psychiatrische Sachverständige des ZMB hat aufgezeigt, dass die damalige 

psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugend gewesen ist. Eine 

irgendwie geartete „Bindung“ an das Gutachten der ZIMB AG hat nicht bestanden, 

zumal der Beschwerdeführer ja nie eine Rente bezogen hat. Der Vorwurf, die 

Sachverständigen des ZMB hätten sich nicht eingehend mit den Vorakten befasst, geht 

fehl, da sich die Sachverständigen sowohl in ihrem Gutachten als auch in ihrer 

ergänzenden Stellungnahme eingehend mit den medizinischen Vorakten auseinander 

gesetzt haben. Gestützt auf das in jeder Hinsicht überzeugende Gutachten des ZMB 

steht folglich mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit fest, dass dem Beschwerdeführer im hier massgebenden Zeitraum 

leidensadaptierte Tätigkeiten zu mindestens 70 Prozent zumutbar gewesen sind.

5.

Die Berechnung der Beschwerdegegnerin, die bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 

20 Prozent zu einem Invaliditätsgrad von 16 Prozent geführt hat, muss offensichtlich 

falsch sein, denn das würde ja bedeuten, dass die Erwerbsfähigkeit des 

Beschwerdeführers bei einem Invaliditätsgrad von null Prozent tiefer als jene bei einem 

Validitätsgrad von 100 Prozent wäre. Effektiv entspricht der Ausgangswert des 

zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem statistischen Zentralwert der 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 15/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Hilfsarbeiterlöhne und damit dem Valideneinkommen. Der Betrag kann folglich bei der 

Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch gar keine Rolle spielen. Der 

Invaliditätsgrad entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen 

allfälligen, dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzug (sog. 

Prozentvergleich). Ein solcher Abzug ist vorzunehmen, weil davon ausgegangen 

werden muss, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit nicht mit demselben 

ökonomischen Erfolg verwerten kann wie eine gesunde, im selben Pensum tätige 

Person. Ein strikt ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkender, also keinen Soziallohn 

ausrichtender Arbeitgeber wird ihm nämlich keinen durchschnittlichen, sondern nur 

einen unterdurchschnittlichen Lohn ausbezahlen, um seinen aus der Anstellung des 

Beschwerdeführers resultierenden „Arbeitsmehrwert“ – die Differenz zwischen dem 

ökonomischen Wert der Arbeitsleistung und den direkten und indirekten Lohn- und 

Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu erhöhen. Der 

Beschwerdeführer kann nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen Mehrwert 

generieren, da die indirekten Lohnkosten und die Lohnnebenkosten 

überdurchschnittlich hoch sind, sodass für den Arbeitgeber nur ein 

unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Ein strikt betriebswirtschaftlich 

operierender, also ganz bewusst keinen Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber wird das 

nicht hinnehmen, sondern diese „Einbusse“ auf den Beschwerdeführer überwälzen, 

indem er ihm nur einen unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt, sodass für ihn im 

Ergebnis ein durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Ein potentieller 

Arbeitgeber müsste bei einer Beschäftigung des Beschwerdeführers unter anderem in 

Kauf nehmen, dass der Beschwerdeführer nicht so flexibel wie ein gesunder, in einem 

Pensum von mindestens 70–80 Prozent tätiger Arbeitnehmer eingesetzt werden 

könnte, weil er nur ideal leidensadaptierte Tätigkeiten ausführen könnte, weil er keine 

Mehr- oder Überstunden leisten könnte, da das zumutbare Pensum von (mindestens) 

70 Prozent das Maximum dessen darstellen würde, was er zu leisten in der Lage ist, 

weil der Beschwerdeführer seinen Arbeitsplatz den ganzen Tag besetzen, aber nur zu 

(mindestens) 70 Prozent mit der Erzielung eines ökonomischen Mehrwertes „auslasten“ 

würde usw. Nach der ständigen Praxis der Abteilung II des Versicherungsgerichtes des 

Kantons St. Gallen rechtfertigen diese Einschränkungen grundsätzlich einen 

zusätzlichen Abzug von zehn Prozent, was von der Beschwerdegegnerin im Übrigen im 

Beschwerdeverfahren als richtig eingeräumt worden ist. Allerdings ist der 

Beschwerdeführer von den Sachverständigen der ABI GmbH als für einen Hilfsarbeiter 

überdurchschnittlich intelligent qualifiziert worden, was bedeutet, dass er überwiegend 

wahrscheinlich in der Lage ist, die oben erwähnten ökonomischen Lohnnachteile durch 

einen überdurchschnittlich hohen ökonomischen Mehrwert seiner Arbeitsleistung zu 

kompensieren. Folglich rechtfertigt sich die Berücksichtigung eines 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 16/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tabellenlohnabzuges nicht. Der Invaliditätsgrad beträgt damit maximal 30 Prozent. Da 

erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine Rente der 

Invalidenversicherung besteht, hat die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des 

Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen.

6.

Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen 

Verfahrensaufwandes praxisgemäss auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten 

sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihm 

geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der unterliegende 

Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; diese sind 

durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.

3.

Das Begehren um eine Parteientschädigung wird abgewiesen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 28.03.2024
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Würdigung eines polydisziplinären Administrativgutachtens. Kompensation von einen Tabellenlohnabzug rechtfertigenden Nachteilen durch eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kanton St. Gallen vom 28. März 2024, IV 2023/116). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_255/2024.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2026-01-28T05:26:39+0100
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen