# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aa6caa69-1f41-5806-b36f-feff93f6b46d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.06.2010 D-3832/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3832-2010_2010-06-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3832/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  J u n i  2 0 1 0

Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi,
Richter Gérard Scherrer;
Gerichtsschreiber Daniel Widmer.

A._______,
geboren (...),
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 12. Januar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3832/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer – ein (...) kolumbianischer Staatsangehöriger – 
suchte mit Schrei-ben vom 9. März 2009 an die Schweizer Botschaft in 
Bogotá  (Eingangsstempel:  10.  März 2009)  unter  Beilage  zahlreicher 
Unterlagen sinngemäss um Asyl nach. Dieses Asylgesuch ergänzte er 
mit  Schrei-ben  vom 8.  Juni  2009  (Eingangsstempel:  23.  Juni  2009) 
und, auf schriftliche Zusatzfragen der Schweizer Botschaft vom 6. Juli 
2009 hin, mit zwei Schreiben vom 3. August 2009 (Eingangsstempel: 
9. August 2009) und 7. September 2009 (Eingangsstempel).

B.
Mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2009 (Versand am 19. Oktober 
2009;  Zustellung  am  12.  November  2009)  teilte  das  BFM dem  Be-
schwerdeführer durch Vermittlung der Schweizer Botschaft in Bogotá 
mit,  dass  es  aufgrund  der  Akten,  namentlich  der  schriftlichen  Be-
gründung des Asylgesuchs sowie der beigelegten ausführlichen Doku-
mentation,  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  als  erstellt  erachte 
und sich daher eine Anhörung auf der Botschaft  als nicht notwendig 
erweise. Unter Berücksichtigung namentlich der Beziehungsnähe der 
Asyl  suchenden  Person  zur  Schweiz,  deren  Assimilationsmöglich-
keiten in der Schweiz, der aktuellen Gefährdung im Heimatstaat,  der 
Möglichkeit der Schutzsuche in einem anderen Staat und des öffentli-
chen Interesses der Schweiz erwäge das BFM, das Asylgesuch abzu-
lehnen  und  die  Einreisebewilligung  zu  verweigern. Insbesondere  er-
achte das BFM die Möglichkeit  einer anderweitigen Schutzsuche als 
gegeben. Dazu wurde dem Beschwerdeführer eine Frist von 30 Tagen 
zur Stellungnahme gesetzt.

C.
Mit  Schreiben vom 19. Oktober 2009 (Eingangsstempel: 21. Oktober 
2009)  ergänzte  der  Beschwerdeführer  das  Asylgesuch  weiter.  Am 
12. November  2009 (Eingangsstempel)  und 9. Dezember  2009 (Ein-
gangsstempel:  10.  Dezember  2009)  nahm er  unter  Beilage  weiterer 
Unterlagen schriftlich Stellung zur  Zwischenverfügung des BFM vom 
6. Oktober 2009. 

D.
Die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Eingaben  samt  Beilagen 
wurden  von  der  Schweizer  Botschaft  in  Bogotá  mit  Schreiben  vom 

Seite 2

D-3832/2010

25. August 2009, 14. September 2009, 26. Oktober 2009, 2. Dezember 
2009,  11.  Dezember  2009  und  16.  Dezember  2009  an  das  BFM 
weitergeleitet; sie führte dabei aus, dass eine persönliche Befragung 
des Beschwerdeführers aus Kapazitätsgründen nicht möglich sei. 

Aus  den  vom Beschwerdeführer  eingereichten  Eingaben  und  Unter-
lagen ergeben sich im Wesentlichen folgende Sachverhaltsvorbringen: 
Der  Beschwerdeführer  war  in  (...)  wohnhaft  und  als  (...)  aktiv.  Er 
arbeitete als (...) für eine Organisation, die (...) aufzeigte. Am (...) be -
fand  er  sich  (...),  wo  er  (...),  als  (...)  Personen  (...)  der  Fuerzas 
Armadas  Revolucionarias  de  Colombia  (FARC)  ihm  (...)  weg-
genommen und ihn unter Todesandrohung aufgefordert haben, (...) zu 
verlassen. Daraufhin  hat  er  mehrmals  den  Wohnort  gewechselt  und 
sich nach (...) begeben, wo am (...) nach ihm gesucht wurde. Auch in 
Santa  Marta  erkundigten  sich  Personen  nach  ihm  und  drohten,  ihn 
wegen  Verrats  zu  töten.  Verschiedentlich  ersuchte  er  bei  (...)  um 
Schutz. 

E.
Mit am 26. Januar 2010 über die Schweizer Botschaft in Bogotá ver-
sandter  Verfügung  vom 12. Januar  2010  verweigerte  das  BFM dem 
Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  dessen 
Asylgesuch ab. Diese Verfügung gelangte am 29. Januar 2010 nach 
erfolgloser Zustellung an die Schweizer Botschaft in Bogotá und wurde 
gemäss deren Schreiben vom 19. Mai 2010 am 12. April 2010 erneut 
versandt.

Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, der kolumbiani-
sche Staat  verfüge grundsätzlich über eine funktionierende und effi-
ziente Schutzinfrastruktur, welche vom  Beschwerdeführer  zumutba-
rerweise in Anspruch genommen werden könne. Ferner handle es sich 
bei  ihm  nicht  um  eine  landesweit  bekannte  Person,  weshalb  davon 
auszugehen  sei,  dass  ihm  innerstaatliche  Fluchtalternativen  offen-
stünden, und schliesslich sei es ihm möglich und zumutbar, gegebe-
nenfalls  in  einem  anderen  Land  als  der  Schweiz  um  Schutz  nach-
zusuchen,  beispielsweise  in  einem der  Nachbarstaaten  Kolumbiens, 
welche  sowohl  das  Abkommen  vom 28. Juli  1951  über  die  Rechts-
stellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  entspre-
chende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 1967 ratifiziert hätten.

Seite 3

D-3832/2010

F.
Mit an das Bundesverwaltungsgericht adressierter, bei der Schweizer 
Botschaft  in  Bogotá  eingereichter  Eingabe  vom  4.  Mai  2010  (Ein-
gangsstempel)  beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, es sei 
die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm die Einreise in die 
Schweiz  zu  bewilligen  beziehungsweise  Asyl  zu  gewähren.  Gleich-
zeitig wurden diverse Dokumente und Ausschnitte aus Presseerzeug-
nissen in Kopie als Beweismittel eingereicht. Darauf sowie auf die Be-
gründung  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG genannten  Behörden. Dazu 
gehören  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls;  das 
Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art.  105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]; 
Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Verfahren  richtet  sich  nach 
dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.2 Die  Beschwerde ist  nicht  in  einer  Amtssprache des Bundes ab-
gefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung 
kann indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten Be-
schwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und 
deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber 
befunden werden kann.

1.3 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Angesichts 
der Tatsache, dass der (zweite) Versand der angefochtenen Verfügung 

Seite 4

D-3832/2010

gemäss  Angaben  der  Schweizer  Bortschaft  in  Bogotá  am 12.  April 
2010  erfolgt  ist  und  die  Beschwerdeeingabe  vom 4.  Mai  2010  dort  
gleichentags eingegangen ist, ist die Beschwerde indessen offensicht-
lich rechtzeitig erfolgt.

1.4 Der  Beschwerdeführer hat  am Verfahren vor  der  Vorinstanz teil-
genommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise Änderung und ist  daher zur Einreichung der Beschwerde legi-
timiert  (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art.  48  Abs. 1  und  Art.  52  VwVG). Auf  die  –  abgesehen vom unter 
E. 1.2 festgestellten Mangel – frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Be-
fragung  durch (Art.  10  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht 
möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  auf -
gefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 
1).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Be-
stimmungen in BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit ei -
ner Befragung aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Grün-
den bei der jeweiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im be-
treffenden  Land  oder  aus  bei  der  asylsuchenden  Person  liegenden 
persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). 
Da  die  Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung 
des rechtlichen Gehörs dient  (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5),  ist  die asyl-

Seite 5

D-3832/2010

suchende Person bei gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter 
Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in  einem  individualisierten 
Schreiben  mittels  konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe 
schriftlich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen 
Anforderungen  damit  in  aller  Regel  nicht  zu  genügen  (vgl.  BVGE 
a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung beziehungsweise 
eine schriftliche Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachver-
halt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif 
erstellt  erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls immer-
hin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich 
zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu 
äussern (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in 
jedem Fall  gehalten,  das  Absehen  von  einer  Befragung  in  der  Ver-
fügung über das Asylgesuch zu begründen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 
sowie 5.7).

4.2
4.2.1 Im  vorliegenden  Fall  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der 
schweizerischen Vertretung in  Bogotá  zu seinem am 10.  März 2009 
eingegangenen Asylgesuch  vom 9.  März 2009  nicht  befragt,  da  die 
Botschaft dazu gemäss Überweisungsschreiben vom 25. August 2009 
aus Kapazitätsgründen nicht  in  der Lage war; der Beschwerdeführer 
wurde  indessen  mittels  Schreiben  vom  6.  Juli  2009  zur  weiteren 
Konkretisierung seiner Asylgründe aufgefordert. Die in diesem Schrei-
ben enthaltenen Fragestellungen decken sämtliche für die Beurteilung 
des  Asylgesuches  aus  dem  Ausland  notwendigen  Aspekte  ab  (vgl. 
dazu nachfolgende E. 5.2),  namentlich  die genauen Personalien der 
asylsuchenden  Person,  deren  verwandtschaftliche  Beziehungen 
ausserhalb  des Heimatstaates,  die Asylvorbringen,  die  unternomme-
nen Massnahmen zur Schutzsuche, die Möglichkeit  einer innerstaat-
lichen  Fluchtalternative  sowie  die  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in 
anderen  latein-  und  südamerikanischen  Staaten.  Der  Beschwerde-
führer hat die ihm gestellten Fragen mit Eingabe vom 3.  August 2009 
ausführlich  beantwortet,  seine  Angaben  aufforderungsgemäss  mit 
entsprechenden  Beweismitteln  unterlegt  und  in  der  Folge  noch 
mehrmals  schriftlich  ergänzt.  Bei  dieser  Sachlage  ist  festzuhalten, 
dass im erstinstanzlichen Verfahren dem Anspruch des Beschwerde-
führers  auf  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  grundsätzlich  Rech-
nung getragen und der entscheidwesentliche Sachverhalt  in genügli-
cher Weise und umfassend abgeklärt wurde, zumal der Beschwerde-
führer seine Asylgründe bereits im Rahmen seines schriftlichen Asyl-

Seite 6

D-3832/2010

gesuchs vom 9.  März 2009 ausführlich dargelegt  und in  diesem Zu-
sammenhang eine Vielzahl von Beweismitteln eingereicht hatte.

4.2.2 Die Vorinstanz hat allerdings den Verzicht auf eine Befragung in 
der  angefochtenen  Verfügung  nicht  begründet,  was  vor  dem Hinter-
grund der genannten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 
einer Verletzung des rechtlichen Gehörs gleichkommt. Angesichts des 
vorab deklaratorischen Charakters der diesbezüglichen Begründungs-
pflicht und unter Berücksichtigung der Gegebenheiten des konkreten 
Einzelfalles  erscheint  die  Gehörsverletzung  indessen  nicht  schwer-
wiegend; insbesondere hat sie die Möglichkeit des Beschwerdeführers, 
die Verfügung vom 12. Januar 2010 sachgerecht anfechten zu können, 
in  keiner  Weise  beeinträchtigt.  Eine  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung  aus  formellen  Gründen  käme  demnach  einem  blossen 
prozessualen Leerlauf  gleich,  weshalb der Mangel  durch die im vor-
liegenden  Beschwerdeentscheid  nachgereichte  Begründung  als  ge-
heilt zu bezeichnen ist. Es bleibt somit im Folgenden zu prüfen, ob das 
Bundesamt  das  Asylgesuch  in  materieller  Hinsicht  zu  Recht  ab-
gewiesen  und  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz 
verweigert hat.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt  das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, 
im  Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes 
Land auszureisen.

5.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutz-
gewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu 
anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbar-
keit  zur  anderweitigen Schutzsuche sowie die  voraussichtlichen Ein-
gliederungs-  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen 
(vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  gemäss  Entscheidungen  und 

Seite 7

D-3832/2010

Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1997  Nr.  15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welche  angesichts  bloss 
redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asylge-
setzes nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung 
der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  be-
troffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die 
Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 
glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die 
Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
der Beschwerdeführer habe in seinem Gesuch keine besonders nahen 
Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Im Weiteren hat das Bun-
desamt zu Recht erwogen, dass es dem Beschwerdeführer zuzumuten 
sei,  in  einem anderen  Land  um Asylgewährung  nachzusuchen  (vgl. 
Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nachbarstaaten Bra-
silien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als 
auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Ve-
nezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht ratifiziert, wohl 
aber das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme Venezuelas 
über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung 
von Flüchtlingen. Zudem halten  sie  sich  gemäss  den Erkenntnissen 
des Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich an das Gebot des Non-
Refoulement von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung festgestellt 
werden  muss,  dass  es  in  den  Grenzgebieten  –  insbesondere  den-
jenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu  un-
kontrollierten Rückschiebungen durch die Grenzbehörden gekommen 
ist.  Für  die  praktische  Möglichkeit  und  die  Zumutbarkeit  der  ander-
weitigen  Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der  vi-
sumsfreien Einreise nach Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Um-
stand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsange-
hörige  in  den  Nachbarländern  –  namentlich  in  Ecuador  –  um  Asyl 
nachsuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als 
Flüchtlinge  anerkannt  werden.  Insgesamt  ergeben  sich  keine  An-
haltspunkte,  die darauf  schliessen liessen,  es sei  dem Beschwerde-
führer  praktisch  unmöglich  oder  objektiv  unzumutbar,  sich  in  einen 
anderen Staat,  insbesondere einen der  Nachbarstaaten Kolumbiens, 
zu  begeben  (vgl.  EMARK 2004  Nr. 20  sowie  1997  Nr. 15,  Erw. 2f, 
S. 132). Dies gilt umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es 

Seite 8

D-3832/2010

sich  beim  Beschwerdeführer  nicht  um  eine  landesweit  bekannte 
Persönlichkeit  handelt,  die  aufgrund  ihrer  besonders  exponierten 
Stellung auch bei einer Flucht ins nahe Ausland allenfalls befürchten 
müsste,  weiterhin  verfolgt  zu  werden.  Vor  diesem  Hintergrund  ver-
mögen die Entgegnungen des Beschwerdeführers in seiner Beschwer-
de  vom  4.  Mai  2010,  wonach  er  keine  Möglichkeit  sehe,  in  einem 
anderen lateinamerikanischen Staat um Schutz nachzusuchen, da in 
diesen Ländern dieselben Probleme wie in Kolumbien herrschten und 
die  Menschenrechte  nicht  geachtet  würden,  zu  keiner  anderen  Ein-
schätzung zu führen.

6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich der Be-
schwerdeführer  den  Bedrohungen  durch  die  Paramilitärs  allenfalls 
durch  eine  innerstaatliche  Wohnsitzverlegung  entziehen  könnten. 
Ebensowenig braucht auf das erstmals auf Beschwerdeebene geltend 
gemachte  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einzugehen,  dass, 
nachdem  er  seine  Verfolgungsvorbringen  den  kolumbianischen  Be-
hörden dargelegt habe, diese von ihm nun forderten, (...).

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe zur 
Schweiz verfügt, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutz-
suche  haben. Unter  diesen  Umständen  hat  die  Vorinstanz  dem Be-
schwerdeführer  zu  Recht  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ver-
weigert und das Asylgesuch abgewiesen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von  Art.  63 
Abs. 1  in  fine  VwVG und  Art.  2  und  3  Bst.  b  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht,  VGKE,  SR  173.320.2)  ist  indes  auf  die  Er-
hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

Seite 9

D-3832/2010

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-3832/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (...)
- die schweizerische Vertretung in Bogotá, (...)
- das BFM, (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Daniel Widmer

Versand: 

Seite 11