# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b8d7c625-147a-5c5f-8ff6-eec751b60e9a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 05.05.2025 VBE.2024.480
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-480_2025-05-05.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2024.480 / KB / ss       
Art. 49 

 

Urteil vom 5. Mai 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Hausherr  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiberin Biehler 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

gesetzlich vertreten durch B._____, vertreten durch Dominique Flach, Ad-

vokatin, Steinengraben 55, 4051 Basel 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG allgemein; Hilflosenentschädigung 

(Verfügung vom 22. August 2024) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der am D 2015 geborene Beschwerdeführer wurde am 30. Juni 2023 von 

seinen Eltern wegen eines Diabetes mellitus Typ 1 bei der Beschwerde-

gegnerin zum Bezug einer Hilflosenentschädigung für Minderjährige der 

Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) angemeldet. Die Beschwerde-

gegnerin tätigte medizinische Abklärungen und führte am 6. Mai 2024 eine 

Abklärung über die Hilflosigkeit und den Betreuungsaufwand des Be-

schwerdeführers durch (Abklärungsbericht für eine Hilflosenentschädigung 

für Minderjährige [inkl. Intensivpflegezuschlag] vom 7. Mai 2024). Aufgrund 

der daraus resultierenden Ergebnisse und nach durchgeführtem Vorbe-

scheidverfahren wies die Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch des 

Beschwerdeführers mit Verfügung vom 22. August 2024 ab.  

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. September 

2024 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. August 2024 
aufzuheben und es sei diese zu verpflichten, die gesetzlichen Leistun-
gen zu erbringen. 

 
 2. Unter o/e-Kostenfolge." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 2024 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des 

Beschwerdeführers auf eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige mit 

Verfügung vom 22. August 2024 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 28) zu 

Recht verneint hat.  

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 42 Abs. 1 Satz 1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und ge-

wöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz (Art. 13 ATSG), die hilflos sind 

(Art. 9 ATSG), Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt 

eine Person, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche 

Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Über-

wachung bedarf (Art. 9 ATSG).  

 - 3 - 

 

 

 

 

Die Hilflosenentschädigungen der Invalidenversicherung werden in drei 

Betragsstufen entsprechend dem Grad der Hilflosigkeit ausbezahlt (vgl. 

Art. 42ter Abs. 1 IVG). Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittel-

schwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 37 IVV). 

 

2.2. 

Zur Beurteilung der Hilflosigkeit sind praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a 

S. 90 mit Hinweis) die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen 

massgebend: 

 

- Ankleiden, Auskleiden; 

- Aufstehen, Absitzen, Abliegen; 

- Essen; 

- Körperpflege; 

- Verrichtung der Notdurft; 

- Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme. 

 

Für das Vorliegen der Hilflosigkeit in einer Lebensverrichtung, welche meh-

rere Teilfunktionen umfasst, genügt dabei, dass die versicherte Person bei 

einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte 

oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (BGE 121 V 88 E. 3c S. 91). 

 

2.3. 

Als leichte Hilflosigkeit nach Art. 37 Abs. 3 IVV gilt, wenn der Versicherte 

trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebens-

verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange-

wiesen ist (lit. a), einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf 

(lit. b), einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders auf-

wendigen Pflege bedarf (lit. c; sog. "Sonderfall"), wegen einer schweren 

Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank 

regelmässigen und erheblichen Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche 

Kontakte pflegen kann (lit. d) oder dauernd auf lebenspraktische Beglei-

tung im Sinne von Art. 38 angewiesen ist (lit. e).  

 

2.4. 

Gemäss Art. 37 Abs. 4 IVV ist bei Minderjährigen nur der Mehrbedarf an 

Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behin-

derten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen. Für die Bestim-

mung der Hilflosigkeit Minderjähriger dienen die im Anhang 2 des Kreis-

schreibens über Hilflosigkeit (KSH) enthaltenen Richtlinien zur Bemessung 

der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 E. 3.2.4).  

 

2.5. 

Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive 

Betreuung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht; dieser 

 - 4 - 

 

 

 

Zuschlag wird bei einem Heimaufenthalt nicht gewährt. Der monatliche In-

tensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungs-

aufwand von mindestens acht Stunden pro Tag 100 Prozent, bei einem 

solchen von mindestens sechs Stunden pro Tag 70 Prozent und bei einem 

solchen von mindestens vier Stunden pro Tag 40 Prozent des Höchstbe-

trages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 AHVG (Art. 42ter Abs. 3 

IVG). 

 

2.6. 

Nach der Rechtsprechung ist bei der Bearbeitung der Grundlagen für die 

Bemessung der Hilflosigkeit eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit 

zwischen Arzt und Verwaltung erforderlich. Die Ärztin oder der Arzt hat an-

zugeben, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geis-

tigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungs-

träger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen 

(BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Auf einen voll beweiskräftigen Abklärungsbericht 

ist zu erkennen, wenn als Berichterstatterin eine qualifizierte Person wirkt, 

welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus 

den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beein-

trächtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physi-

sche oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltäg-

liche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinische Fachper-

son nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der 

Hilfe leistenden Person, regelmässig der Eltern, zu berücksichtigen, wobei 

divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der 

Berichtstext muss schliesslich plausibel, begründet und detailliert bezüglich 

der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandlichen 

Erfordernissen der dauernden persönlichen Überwachung und der Pflege 

sein. Er hat in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen An-

gaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige 

Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das 

Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststell-

bare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Um-

stand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkre-

ten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 130 

V 61 E. 6.2 S. 63). 

 

3. 

Die angefochtene Verfügung vom 22. August 2024 basiert auf dem Abklä-

rungsbericht vom 7. Mai 2024. Darin kam die Abklärungsperson zum 

Schluss, dass der zum Abklärungszeitpunkt am 6. Mai 2024 9 Jahre und 

3 Monate alte Beschwerdeführer im Lebensbereich Körperpflege der nicht 

altersgemässen regelmässigen und erheblichen Hilfe bedürfe (beim Haa-

rewaschen und Zähneputzen), was einen täglichen Mehraufwand für die 

alltäglichen Lebensverrichtungen von 3 Minuten (3-4 mal pro Woche Du-

schen à 5 Minuten, täglich Zähneputzen à 5 Minuten) ergebe. In den 

 - 5 - 

 

 

 

weiteren massgeblichen Lebensbereichen sei er nicht regelmässig und er-

heblich auf Dritthilfe angewiesen (VB 22 S. 3 ff.). Im Rahmen der Behand-

lungspflege bedürfe es eines täglichen Mehraufwands von 72 Minuten bzw. 

1 Stunde und 12 Minuten, welcher sich wie folgt zusammensetze (VB 22 

S. 9 f.): 

 

10-15-mal Blutzucker messen (Sensor) à 1 Min. 12,5 Min./Tag 

2-3-mal Blutzucker messen (manuell) à 3,5 (3-4) 
Min. 

8,75 Min./Tag 

Alle 14 Tage Sensorwechsel à 5 Min.  0,35 Min./Tag 

5-mal Mahlzeiten abwägen und berechnen à 5 
Min. 

25 Min./Tag 

5-mal Verabreichung Insulin Tag subkutan à 5 
Min. 

25 Min./Tag 

2-3-mal pro Woche Verabreichung Insulin Nacht 
subkutan à 5 Min. 

0,35 Min./Tag 

Total Mehraufwand 72 Min./Tag 

 

Im Rahmen des Mehraufwandes für die Begleitung zu Arzt- oder Therapie-

besuchen berücksichtigte die Abklärungsperson für die Begleitung zur 

Diabetesberatung des KS A (4 mal pro Jahr à 95 Minuten) einen Aufwand 

von täglich 1 Minute (VB 22 S. 10). Dies ergab einen Mehraufwand für die 

alltäglichen Lebensverrichtungen, die Behandlungspflege und die Arzt- 

oder Therapiebegleitung von 76 Minuten bzw. 1 Stunde und 16 Minuten 

(VB 22 S. 13). Die Abklärungsperson gab zudem an, dass die Überwa-

chungsbedürftigkeit altersentsprechend sei (VB 22 S. 11).  

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, dass die gestützt auf 

das – als bundesrechtswidrig zu qualifizierende – IV-Rundschreiben 

Nr. 443 vom 31. Juli 2024 (Hilflosenentschädigung für Minderjährige mit 

Diabetes) erfolgten Abklärungen der Beschwerdegegnerin unvollständig 

seien und den Untersuchungsgrundsatz verletzten (Beschwerde S. 4 ff.).  

 

4.2. 

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass es sich beim IV-Rundschreiben Nr. 443, 

sowie im Übrigen auch beim KSH, um Verwaltungsweisungen handelt. Sol-

che richten sich grundsätzlich nur an die Durchführungsstellen und sind für 

das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Indes berücksichtigt das 

Gericht die Verwaltungsweisungen insbesondere dann und weicht nicht 

ohne triftigen Grund davon ab, wenn sie eine dem Einzelfall angepasste 

und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim-

mungen zulassen und eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen 

Vorgaben enthalten. Dadurch trägt es dem Bestreben der Verwaltung 

Rechnung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen-

 - 6 - 

 

 

 

dung zu gewährleisten (BGE 148 V 144 E. 3.1.3 S. 147; 148 V 102 E. 4.2 

S. 107 f.; je mit Hinweisen).  

 

4.3. 

4.3.1. 

Im Abklärungsbericht vom 7. Mai 2024 wurde zur Überwachungsbedürftig-

keit des Beschwerdeführers einzig festgehalten, dass diese altersentspre-

chend sei (VB 22 S. 11). Der Beschwerdeführer macht geltend, dass eine 

dauernde persönliche Überwachung notwendig sei (Beschwerde S. 6 ff.).  

 

4.3.2. 

Eine dauernde persönliche Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen 

werden, wenn die versicherte Person infolge ihres physischen und/oder 

psychischen Gesundheitszustands ohne Überwachung mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit sich selbst oder andere Personen gefährden würde 

(vgl. Ziff. 2076 f. KSH). Die Überwachung ist z.B. erforderlich, wenn eine 

versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während des ganzen 

Tages allein gelassen werden kann oder wenn eine Drittperson mit kleine-

ren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss, da sie 

nicht allein gelassen werden kann. Um als anspruchsrelevant zu gelten, 

muss die persönliche Überwachung ein gewisses Mass an Intensität auf-

weisen. "Dauernd" heisst nicht rund um die Uhr, sondern ist als Gegensatz 

zu "vorübergehend" zu verstehen. Dies kann nach der Rechtsprechung er-

füllt sein, wenn bei einer versicherten Person z.B. Anfälle zuweilen nur alle 

zwei bis drei Tage auftreten, diese aber unvermittelt und oft auch täglich 

oder täglich mehrmals erfolgen, sodass tägliche Überwachung vonnöten 

ist. Das Erfordernis der Dauer bedingt auch nicht, dass die betreuende Per-

son ausschliesslich an die überwachte Person gebunden ist. Ob Hilfe und 

persönliche Überwachung notwendig sind, ist objektiv nach dem Zustand 

der versicherten Person zu beurteilen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_535/2022 vom 1. Juni 2023 E. 4.3.5.2 mit Hinweisen).  

 

4.3.3. 

4.3.3.1. 

Dem IV-Rundschreiben Nr. 443 ist in Bezug auf eine allfällige erforderliche 

dauernde persönliche Überwachung zu entnehmen, dass die regelmässi-

gen Kontrollen des Blutzuckergehaltes unter die pflegerischen Massnah-

men fallen würden und nicht unter die Überwachung subsumiert werden 

könnten. Minderjährige mit Diabetes würden sich altersentsprechend ver-

halten. Sie könnten Gefahren im Alltag altersentsprechend wahrnehmen. 

Anweisungen und Aufforderungen würden verstanden und könnten befolgt 

werden. Obwohl die Eltern den Blutzuckerspiegel ständig im Auge haben 

müssten, um nötigenfalls Massnahmen ergreifen zu können (z.B. der ver-

sicherten Person geeignete Nahrungsmittel oder zusätzliches Insulin ver-

abreichen), könnten Minderjährige mit Diabetes die Obhut der Eltern regel-

mässig verlassen, die Schule besuchen und Freizeitaktivitäten mit 

 - 7 - 

 

 

 

Freunden nachgehen (draussen spielen, Fussball spielen). Auch wenn die 

Eltern wohl dafür sorgen werden, dass in aller Regel jemand anwesend ist, 

der die Symptome einer Unterzuckerung erkennen und reagieren kann, be-

deute das nicht, dass man die Minderjährigen nicht auch nur für einige Mi-

nuten aus den Augen lassen dürfte. Deshalb bestehe also bloss ein gewis-

ser, aber kein dauernder ("intensiver") Überwachungsbedarf im Sinne von 

Art. 37 Abs. 3 Bst. b IVV. Unter einer solchen dauernden persönlichen 

Überwachung sei eine andauernde Beobachtung einer versicherten Per-

son zu verstehen, die nur ab und zu für wenige Minuten unterbrochen wer-

den könne, ohne dass eine wesentliche Gefahr für das Leben der betroffe-

nen Person oder für Dritte eintritt. Minderjährige mit Diabetes benötigten 

keine derart intensive dauernde persönliche Überwachung. Das Bundes-

gericht (Urteil 8C_719/2022 vom 5. März 2024) habe den Anspruch auf 

eine dauernde Überwachung in einer Situation verneint, bei der in mehre-

ren Nächten pro Woche ein Zeitaufwand für Kontrollen und Massnahmen 

notwendig gewesen sei. Im Sinne der Schadenminderungspflicht seien 

auch digitale Hilfsmittel zu berücksichtigen, die eine erhöhte Anwesenheit 

der Eltern reduzieren könnten (z. B. Smartphone-Apps, mit denen sich die 

Werte einfach und schnell überprüfen lassen). Es gebe allenfalls wenige 

Ausnahmen (Minderjährige ab 6 Jahren), bei denen die Überwachung an-

erkannt werden könne, wenn der Diabetes sehr instabil sei und ein koma-

töser Zustand jederzeit ohne Vorwarnsignale eintreten könne.  

 

4.3.4. 

4.3.4.1. 

Dem Abklärungsbericht vom 7. Mai 2024 ist zu entnehmen, dass die Mutter 

des Beschwerdeführers angab, dieser habe keinen Umgang mit dem Blut-

zucker, halte sich selber kaum an die Abläufe und sie müsse alles über-

nehmen. In der Schule messe er den Blutzucker kaum. Er vergesse es oder 

habe keine Lust dazu (VB 22 S. 2). Ausserdem höre er den Alarm des Sen-

sors nicht und werde dann von den Lehrern angesprochen. In der Schule 

werde nicht gespritzt, reagiert werde nur bei einem "Hypo" (Hypoglykämie 

bzw. Unterzuckerung; VB 22 S. 9). 

 

4.3.4.2. 

Dem Bericht von Dr. med. C._____, Fachärztin für Kinder- und Jugendme-

dizin, vom 2. April 2024 ist zu entnehmen, dass es sich beim diagnostizier-

ten Diabetes mellitus Typ 1 um eine chronische Krankheit mit Beginn im 

jungen Alter handle, weshalb eine gute metabolische Kontrolle schon im 

Kindesalter sehr wichtig sei, um längerfristig im Erwachsenenalter diabeti-

sche Folgekomplikationen an Nieren, Augen und Gefässen sowie am peri-

pheren Nervensystem, vor allem der Füsse, zu verhindern. Durch solche 

diabetischen Spätfolgen könne im Erwachsenenleben eine zunehmende 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und Invalidität verursacht werden. Mit 

der aktuellen modernen Diabetestherapie mit technischen Hilfsmitteln wie 

Glukosesensoren und Insulinpumpen könne das sehr variable und 

 - 8 - 

 

 

 

aufwändige Alltagsleben der Kinder oft flexibler gestaltet werden und durch 

raschere Anpassungen eine bessere HbA1c-Einstellung unter 7,5 % er-

reicht werden, was die Entwicklung von Spätfolgen deutlich hinauszögern 

könne. Dr. med. C._____ führte zudem aus, dass der Beschwerdeführer 

eigentlich körperlich gut leistungsfähig sei. Dies bedinge aber ein gutes 

bzw. genaues Diabetesmanagement vor und nach einer körperlichen An-

strengung, z.B. beim Turnen in der Schule, wo vor und nach dem Turnen 

der Blutzucker resp. aktuell die Sensorglukose gemessen resp. beachtet 

werden müsse und zudem die Gabe von Zusatz-Kohlenhydraten vor dem 

Turnen und gegebenenfalls auch in der Pause nach dem Turnen. Da der 

Beschwerdeführer in der 3. Klasse dies nicht alleine regeln könne, gehe 

dessen Mutter oft in den Schulpausen in der Schule vorbei. Je nach kör-

perlicher Aktivität kämen auch gehäufte Hypoglykämien (Unterzuckerun-

gen) vor, je nach Aktivitäten auf dem Schulweg oder in der Schulpause, 

weshalb die Mutter sehr oft von der Schule angerufen werde, um nach dem 

Rechten zu schauen. Kürzlich habe eine Aussprache (zwei Lehrpersonen, 

eine schulische Förderlehrperson resp. Heilpädagogin, der Schulleiter und 

die Eltern) stattgefunden, um die Sorgen und Verantwortlichkeiten im Zu-

sammenhang mit der Krankheit des Beschwerdeführers zu besprechen, da 

sich die Schule um tiefe Blutzuckerwerte auf dem Sensor sorge, aber wenig 

Engagement bzw. Verantwortung in Bezug auf die Korrektur des Blutzu-

ckers übernehmen wolle, sodass immer die Mutter angerufen werde. Der 

zum Zeitpunkt der Berichterstattung 9-jährige, altersentsprechend entwi-

ckelte Beschwerdeführer sei noch auf die enge Betreuung durch Erwach-

sene (Eltern, Betreuungspersonen) angewiesen. Schliesslich wies 

Dr. med. C._____ darauf hin, dass der grosse Betreuungsaufwand der El-

tern von an Diabetes mellitus Typ 1 leidenden Kindern der Verhinderung 

von zu frühen diabetischen Spätfolgen diene und es diesen Kindern ermög-

liche, später mehr Selbstverantwortung zu übernehmen und eine normale 

Berufsausbildung zu absolvieren und eine langfristige Berufstätigkeit aus-

üben zu können. Aufgrund dieser speziellen und zeitintensiven Krankheits-

aspekte bestehe eine Hilflosigkeit (VB 21 S. 2 ff.).  

 

4.3.5. 

Aufgrund dieser Angaben der Mutter des Beschwerdeführers (vgl. 

E. 4.3.4.1) sowie auch von Dr. med. C._____ (vgl. E. 4.3.4.2) zur Überwa-

chungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers, aus welchen hervorgeht, 

dass sich dieser nicht an die Abläufe halte, (insbesondere im Zusammen-

hang mit körperlichen Aktivitäten) einer engen Betreuung durch Erwach-

sene bedürfe und zudem je nach körperlicher Aktivität gehäuft Hypoglykä-

mien auftreten würden, ist die gänzlich unbegründete Feststellung der Ab-

klärungsperson im Abklärungsbericht vom 7. Mai 2024, dass die Überwa-

chungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers altersentsprechend sei, nicht 

nachvollziehbar. Soweit die Beschwerdegegnerin den Überwachungsbe-

darf des Beschwerdeführers gestützt auf das IV-Rundschreiben Nr. 443 

S. 3 ohne weitere Abklärungen verneint hat, ist dies unzulässig. Die 

 - 9 - 

 

 

 

Überwachungsbedürftigkeit von Minderjährigen mit Diabetes ist nach den 

gesetzlichen Bestimmungen und der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

zur durch eine erforderliche dauernde persönliche Überwachung begrün-

deten Hilflosenentschädigung konkret abzuklären und zu beurteilen (vgl. 

E. 2 und 4.3.2). Die Beschwerdegegnerin hat daher bezüglich der Intensität 

der erforderlichen Überwachung des Beschwerdeführers sowie auch der 

Häufigkeit und der Umstände der auftretenden Hypoglykämien des Be-

schwerdeführers weitere Abklärungen zu tätigen. 

 

4.4. 

4.4.1. 

Im Abklärungsbericht vom 7. Mai 2024 berücksichtigte die Abklärungsper-

son unter dem Titel "Behandlungspflege" den Zeitaufwand für das Blutzu-

cker messen, die Verabreichung des Insulins und den Sensorwechsel so-

wie auch den Zeitaufwand für das Mahlzeiten Abwägen und Berechnen und 

stellte gesamthaft einen Mehraufwand von 72 Min bzw. 1 Stunde und 

12 Minuten pro Tag fest. Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beschwer-

degegnerin habe diverse geltend gemachte Pflegeleistungen, wie das täg-

liche fachgerechte Ausgleichen und Kontrollieren von eingetretenen Über- 

und Unterzuckerungen, das tägliche Pflegen der Einstichstellen und die 

tägliche mehrfache Überprüfung der Insulinpumpe auf ihre Position hin und 

das Schützen derselben beim Baden/Duschen nicht berücksichtigt. Aus-

serdem habe sie die diversen anfallenden Hausarztbesuche nicht berück-

sichtigt (Beschwerde S. 9 f.).  

 

4.4.2. 

Die durch das Gebrechen bedingte ständige und besonders aufwendige 

Pflege im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV bezieht sich praxisgemäss be-

grifflich nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen (Ankleiden, Ausklei-

den; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der 

Notdurft; Fortbewegung; Kontaktaufnahme, vgl. BGE 133 V 450 E. 7.2). Sie 

wird als eine Art medizinische oder pflegerische Hilfeleistung verstanden, 

die infolge des physischen oder psychischen Zustandes der versicherten 

Person notwendig ist (BGE 107 V 136 E. 1b, 106 V 153 E. 2a, Urteile des 

Bundesgerichts 8C_920/2013 vom 17. Juli 2014 E. 2; 8C_310/2009 vom 

24. August 2009 E. 9.1; I 231/02 vom 23. Januar 2003 E. 3.2). Dabei kann 

die Pflege aus verschiedenen Gründen aufwendig sein: Sie ist es nach ei-

nem quantitativen Kriterium, wenn sie einen grossen Zeitaufwand erfordert 

oder besonders hohe Kosten verursacht. In qualitativer Hinsicht kann sie 

es sein, wenn die pflegerischen Verrichtungen unter erschwerenden Um-

ständen zu erfolgen haben, so etwa, weil sich die Pflege besonders müh-

sam gestaltet oder die Hilfeleistung zu aussergewöhnlicher Zeit (z.B. je-

weils gegen Mitternacht) zu erbringen ist (Urteile des Bundesgerichts 

8C_920/2013 vom 17. Juli 2014 E. 2; 9C_384/2013 vom 10. Oktober 2013 

E. 4.1, je mit Hinweisen).  

 

 - 10 - 

 

 

 

Nach der Verwaltungspraxis ist ein täglicher Pflegeaufwand von mehr als 

zwei Stunden sicher dann als besonders aufwendige Pflege zu qualifizie-

ren, wenn erschwerende qualitative Momente mit zu berücksichtigen sind. 

Bei einem täglichen Pflegeaufwand von mehr als drei Stunden kann eine 

Pflege als aufwendig qualifiziert werden, wenn mindestens ein qualitatives 

Moment (z.B. pflegerische Hilfeleistung in der Nacht) hinzukommt. Ab ei-

nem täglichen Pflegeaufwand von vier Stunden bedarf es keines weiteren 

qualitativen Moments (vgl. Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit 

in der Invalidenversicherung [KSIH] Rz. 8058; Urteil des Bundesgerichts 

8C_663/2016 vom 17. Januar 2017 E. 2.2.3 mit Hinweisen). Als Beispiele 

von erschwerenden qualitativen Momenten gelten: hochgradige Spastik, 

überaus empfindliche Hautpflege z.B. bei Epidermolysis bullosa sowie pfle-

gerische Hilfeleistung in der Nacht (22.00-06.00 Uhr). 

 

4.4.3. 

Das fachgerechte Ausgleichen und Kontrollieren von eingetretenen Über- 

und Unterzuckerungen bei an Diabetes leidenden Minderjährigen ist nach 

dem IV-Rundschreiben Nr. 443 S. 5 grundsätzlich im Rahmen der Behand-

lungspflege zu berücksichtigen. Entsprechend ist im IV-Rundschreiben 

Nr. 443 S. 6 festgehalten, dass es sich bei der Antwort auf Signale (zur 

Verhinderung von Notfallsituationen) am Tag und in der Nacht um Pflege-

leistungen handle. Die Signale seien zu beobachten und allenfalls mit 

Massnahmen zu behandeln. Bei einem Signal/Alarm müsse der Glukose-

spiegel im Blut kontrolliert werden und es brauche je nachdem eine Inter-

vention, um eine Hypo- oder Hyperglykämie auszugleichen. Die Häufigkeit 

der Anzahl Signale sei fallabhängig, ebenso wie die Zeit zur Normalisie-

rung. Der Zeitaufwand könne einige Minuten (Ablesen des Glukosespie-

gels, Traubenzucker verabreichen) bis maximal 10 Minuten betragen 

(wenn Insulin verabreicht werden müsse). Gemäss dem IV-Rundschreiben 

Nr. 443 S. 6 ist auch ohne Warnsignal der Aufwand für die Behandlung ei-

ner Hypoglykämie zu berücksichtigen, wobei diese nur wenig Zeit in An-

spruch nehme (z.B. Traubenzucker geben). Die Werte müssten danach 

aber nochmals kontrolliert werden.  

 

4.4.4. 

Gemäss dem Abklärungsbericht vom 7. Mai 2024 (VB 22 S. 9) und dem 

Bericht von Dr. med. C._____ vom 2. April 2024 (VB 21 S. 3) treten beim 

Beschwerdeführer immer wieder Hypoglykämien auf, bei welchen die Be-

treuungspersonen intervenieren müssten, wobei bezüglich deren Häufig-

keit keine weiteren Angaben vorliegen und ausserdem ein entsprechender 

Aufwand für das Ausgleichen und Kontrollieren von eingetretenen Unterzu-

ckerungen im Abklärungsbericht nicht erfasst ist. Diesbezüglich hat die Be-

schwerdegegnerin ergänzende Abklärungen vorzunehmen und einen all-

fälligen zusätzlichen Pflegeaufwand zu berücksichtigen. Ebenfalls abzuklä-

ren hat sie den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Unterstützungs-

bedarf bei durch den Diabetes bedingten Hausarztbesuchen, welcher 

 - 11 - 

 

 

 

jedoch nicht als Behandlungspflegeaufwand aufzuführen ist (vgl. Rz. 2058 

KSH), sondern als Betreuungsaufwand, welcher bei der Prüfung eines In-

tensivpflegezuschlags zu berücksichtigen ist (vgl. VB 22 S. 10, 13; 

Rz. 5008 KSH).  

 

4.5. 

Die Abklärung des anspruchsrelevanten Sachverhalts erweist sich unter 

Berücksichtigung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) 

somit als unvollständig. Die Sache ist folglich zur (vollständigen) Abklärung 

der Überwachungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers sowie dessen 

Hilfsbedürftigkeit im Rahmen der Behandlungspflege für den Zeitraum ab 

Juni 2022 (ein Jahr vor Geltendmachung des Anspruchs auf Hilflosenent-

schädigung; Art. 42 Abs. 4 und Art. 48 Abs. 1 IVG) an die Beschwerdegeg-

nerin zurückzuweisen. Im Anschluss daran wird sie über einen Anspruch 

des Beschwerdeführers auf Hilflosenentschädigung (inklusive Intensivpfle-

gezuschlag) neu zu befinden haben. 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 22. August 2024 aufzuheben und 

die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die Beschwer-

degegnerin zurückzuweisen ist.  

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 400.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.  

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

  

 - 12 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 22. Au-

gust 2024 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der 

Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge-

wiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 400.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 1'500.00 zu bezahlen. 

 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

  

 - 13 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 5. Mai 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Biehler