# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5277c747-49d8-5557-a406-e6b6944074c5
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR cap_2001_69_30_04_02.pdf
**Docket/Reference:** cap_2001_69_30_04_02.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf2/cap_2001_69_30_04_02.pdf

## Full Text

CAP 69/01 

STRAFAPPELLATIONSHOF 

30. April 2002 

______________________________________________________________ 

Der Strafappellationshof hat in Sachen 

Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg, Berufungsführerin, 

gegen 

X, Beschuldigter, 
verbeiständet durch Rechtsanwalt _______, 

betreffend  Berufung  vom  2.  November  2001  gegen  das  Urteil  des  Polizeirichters  _______ 
vom  4.  September  2001  (fahrlässige  Tötung,  fahrlässige  schwere  Körperverletzung, 
Widerhandlung gegen das SVG), 

______________________ 

nachdem sich ergeben hat: 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
A.— Am 18. April 1999 fuhr X mit einem Gesellschaftswagen auf der Hauptstrasse von 
Murten  Richtung  Löwenberg.  Bei  der  Autobahnausfahrt kam  es  zu  einer  heftigen  Kollision  mit 
dem von Y gelenkten Personenwagen. Y verschied an den Folgen der Kollision auf der Stelle, 
während  seine  Mitfahrerin  Z  mit  schweren  Verletzungen  ins  Inselspital  in  Bern  eingeliefert 
wurde.  Gemäss  dem  im  Anschluss  an  den  Unfall  durch  die  Kantonspolizei  Freiburg 
ausgewerteten Fahrtschreiber betrug die Geschwindigkeit des Gesellschaftswagen unmittelbar 
vor dem Unfall ca. 72 km/h. 

B.—  Mit  Verfügung  vom  24.  August  1999  eröffnete  der  Untersuchungsrichter  gegen  X 
eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Am 
14.  Februar  2000  hat  er  den  Beschuldigten  X  sowie  die  Zeugen  A  und  B  einvernommen.  Am 
17. März 2000 ordnete er ein Gutachten zum Unfallhergang an. Nach diesem Gutachten betrug 
die aufgrund eines Lasergerätes berechnete Geschwindigkeit des Gesellschaftswagens unmit-
telbar  vor  dem  Unfall  70  km/h  und  die  Kollisionsgeschwindigkeit  47  km/h.  Unter  Zugrundele-
gung  einer  normalen  Reaktions-  und  Bremsschwellzeit  hätte  der  Anhalteweg  des Wagens  bei 
Berücksichtigung  der  gesetzlichen  Höchstgeschwindigkeit  von  60  km/h  etwa  46  m  betragen. 
Auch  bei  Einhaltung  der  gesetzlichen  Höchstgeschwindigkeit  wäre  eine  Kollision  nicht 
vermeidbar gewesen, allerdings hätte die Kollisionsgeschwindigkeit nur noch 26 km/h betragen. 
Unter der Prämisse, dass Y die bei einer Annäherungsgeschwindigkeit X von 60 km/h statt 70 
km/h gewonnene Zeit von 0,6 sec. zu einem konsequenten Weiterbeschleunigen genutzt hätte, 
wäre die Kollisionsschwere auch aufgrund des Umstandes, dass sich der Personenwagen beim 
Aufprall  nicht  mehr  im  direkten  Anstossbereich  des  Gesellschaftswagens  befunden  hätte,  in 
Bezug auf den Lenker Y deutlich entschärft. Der technische Gutachter schloss daraus, dass Y 
unter  diesen  Umständen  mit  sehr  hoher  Wahrscheinlichkeit  keine  tödlichen  Verletzungen 
erlitten hätte.  

C.—  Am  27.  November  2000  schloss  der  Untersuchungsrichter  die  gegen  X  eröffnete 
Untersuchung  ab  und  übermittelte  die  Akten  mit  dem  Antrag  auf  Einstellung  der  Strafkammer 
des  Kantonsgerichts.  Mit  Entscheid  vom  11.  April  2001  überwies  diese  X  wegen  fahrlässiger 
Tötung,  schwerer  fahrlässiger  Körperverletzung  und  Verstoss  gegen  die  Gesetzgebung  über 
den Strassenverkehr dem Polizeirichter ______. 

D.—  Mit  Urteil  vom  4.  September  2001  sprach  der  Polizeirichter  X  vom  Vorwurf  der 
fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen schweren Körperverletzung frei, verurteilte ihn wegen 
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (Art. 27, 32 Abs. 2 und 3 SVG i.V.m. Art. 4a 
VRV)  und  bestrafte  ihn  mit  einer  Busse  von  CHF  120.--.  Die  Verfahrenskosten  wurden  X  im 
Betrag von CHF 70.-- auferlegt und im Übrigen dem Staate Freiburg überbunden.  

Der Polizeirichter hielt folgende Sachverhaltselemente für erwiesen: X fuhr am Sonntag 
Nachmittag,  18.  April  1999,  mit  seinem  Autocar  von  Murten  in  Richtung  Löwenberg.  Auf  der 
Höhe der Autobahnausfahrt A1 Richtung Lausanne hatte ein Personenwagen bei der weissen 
gezackten Nichtvortrittslinie angehalten. Dieser Personenwagen bog plötzlich von der Ausfahrt 
her in Richtung Murten ab. Der Autocar war in diesem Zeitpunkt etwa 40 Meter entfernt und fuhr 
mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h. X als Fahrer des Autocars leitete eine Vollbremsung ein 

 
 
 
 
 
und  versuchte,  gegen  die  linke  Strassenseite  auszuweichen.  Es  kam  auf  der  linken  Seite  der 
in  Richtung  Löwenberg  zu  einer  heftigen  Kollision,  und  der  Lenker  des 
Fahrbahn 
Personenwagens,  Y,  wurde  auf  der  Stelle  getötet  und  die  Beifahrerin  Z  schwer  verletzt.  Weil 
sich  der  Unfall  auf  einer  Hauptstrasse  mit  einer  signalisierten  Höchstgeschwindigkeit  von  60 
km/h  ereignete,  die  Strasse  trocken,  eben,  und  trotz  einer  leichten  Rechtskurve  sehr 
übersichtlich war, erachtete der Polizeirichter eine Geschwindigkeit von 60 km/h an dieser Stelle 
als angemessen und stellte fest, dass sich X im Sinne von Art. 27, 32 Abs. 2 und 3 SVG i.V.m. 
Art.  4a  VRV  verkehrsregelwidrig  verhalten  hatte,  weil  er  die  zulässige  Höchstgeschwindigkeit 
um 10 km/h überschritten hatte und ihm daher eine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen sei.  

Der  Polizeirichter  prüfte  alsdann  den  Zusammenhang  zwischen  der  festgestellten 
Sorgfaltspflichtverletzung  und  dem  eingetretenen  Erfolg.  Er  kam  zum  Schluss,  das  sorg-
faltswidrige Verhalten von X sei geeignet, den eingetretenen Erfolg herbeizuführen. Es sei für X 
voraussehbar gewesen, dass er bei einem plötzlichen Hinausfahren des Personenwagens nicht 
würde abbremsen können. Dass den hinausfahrenden Automobilisten ein Mitverschulden trifft, 
vermöge  die  Adäquanz  des  Kausalverlaufs  nicht  zu  unterbrechen,  da  ein  solches  Verhalten 
nicht derart aussergewöhnlich sei. Gerade an Wochenenden und Feiertagen seien regelmässig 
sogenannte Sonntagsfahrer unterwegs, deren Verhalten mithin nur schwer eingeschätzt werden 
könne.  

Zuletzt  prüfte  der  Polizeirichter,  ob  der  Unfall  und  die  damit  verursachte  Tötung  resp. 
schwere  Körperverletzung  vermeidbar  gewesen  wäre.  Für  die  technische  Analyse  des  Un-
fallhergangs und dessen Vermeidbarkeit, stellte er auf die Angaben im Gutachten der Dr. W AG 
führt  zusammengefasst  Folgendes  aus:  Nach  der 
vom  18.  Juli  2000  ab.  Dieses 
Fahrtenschreiberauswertung  lag  die  Kollisionsgeschwindigkeit  des  Fahrzeugs  des  X  bei  49 
km/h. Dieser Wert sei aufgrund der vergleichenden Messungen der Kantonspolizei ______ mit 
dem  Lasergerät  um  2  km/h  nach  unten  zu  korrigieren.  Damit  ergebe  sich  aus  dem  Fahrten-
schreiber  eine  Kollisionsgeschwindigkeit  des  Gesellschaftswagens  von  47  km/h.  Der  Anhal-
teweg  von  X  aus  60  km/h  hätte  unter  Zugrundelegung  einer  normalen  Reaktions-  und 
Bremsschwellzeit von 1,0 Sekunden sowie bei einer Annahme einer Bremsverzögerung von 4,5 
m/s2  etwa  46 Meter  betragen.  X  wäre  somit  bei  gleichzeitiger  und  rechtzeitiger  Reaktion  auch 
aus  60  km/h  anstatt  aus  70  km/h  erst  5,60  Meter  nach  der  Kollisionsstelle  zum  Stehen 
gekommen.  Eine  räumliche  Vermeidbarkeit  sei  nicht  gegeben  gewesen,  die  Geschwindigkeit 
des  Gesellschaftswagens  hätte  allerdings  nur  noch  26  km/h  statt  der  tatsächlichen  47  km/h 
betragen. Zur zeitlichen Vermeidbarkeit führt der Gutachter aus, dass X die Kollisionsstelle aus 
60  km/h  beziehungsweise  den  Fahrweg  des  Personenwagens  erst  etwa  0,6  Sekunden  später 
erreicht  hätte.  Dabei  sei  mitzuberücksichtigen,  dass  der  Personenwagen  beim  weiteren 
Einfahren  links  abbiegend  dem  Gesellschaftswagen  etwas  entgegengefahren  wäre.  Während 
dieser  gewonnenen  Zeit  von  0,6  Sekunden  hätte  der  Lenker  des  Personenwagens  bei 
konstanter  Weiterbeschleunigung  mit  knapp  2,0  m/s  eine  zusätzliche  Fahrtstrecke  von  etwa 
3,50 Metern zurückgelegt. Allerdings wäre auch der Linksausweichvorgang von X aus 60 km/h 
statt 70 km/h bis zur Begegnung mit dem Personenwagen bereits etwas weiter fortgeschritten 
gewesen als tatsächlich, das heisst der Gesellschaftswagen hätte sich bereits etwas weiter links 
als  tatsächlich  befunden.  Dies  bedeute,  dass  X  aus  60  km/h  statt  70 km/h  mit  der  linken 
vorderen  Ecke  seines  Gesellschaftswagens  mit  26  km/h  gegen  die  linke  hintere  Seitenwand 
aufgefahren  wäre.  Dadurch  hätte  sich  die  Kollisionsschwere  im  Hinblick  auf  den  Lenker  des 

 
 
Personenwagens  deutlich  entschärft,  weil  einerseits  die  Kollisionsgeschwindigkeit mit  26 km/h 
deutlich unter den tatsächlichen 47 km/h gelegen hätte, und weil sich andererseits der Lenker 
des  Personenwagens  nicht  mehr 
im  direkten  Anstossbereich  der  Front  des 
Gesellschaftswagens  befunden  hätte.  Mit  sehr  hoher  Wahrscheinlichkeit  wäre  es  damit  zu 
keinen tödlichen Verletzungen von Y gekommen. Der Gutachter führte dazu  weiter aus, diese 
Feststellungen würden aber nur unter der Prämisse gelten, dass der Lenker des Personenwa-
gens  die  bei  einer  Annäherungsgeschwindigkeit von  X  von  60  km/h statt  70  km/h gewonnene 
Zeit von 0,6 Sekunden tatsächlich auch zum konsequenten Weiterbeschleunigen genutzt hätte. 
Wenn Y aus irgendwelchen Gründen abgebremst und nicht weiterbeschleunigt hätte, bliebe es 
zwar  bei  der  Aufprallgeschwindigkeit  von  nur  noch  26  km/h,  nicht 
jedoch  bei  der 
entscheidenden  Feststellung,  dass  sich  der  Lenker  des  Personenwagens  beim  Aufprall    nicht 
mehr im direkten Anstossbereich der Front des Gesellschaftswagens befunden hätte. Solange 
sich  der  Lenker  des  Personenwagens,  Y,  im  direkten  Anstossbereich  der  Front  des 
Gesellschaftswagens von X befunden hätte, so hätte es auch bei einer Aufprallgeschwindigkeit 
von nur 26 km/h zu tödlichen Verletzungen von Y kommen können.  

Gestützt auf diese Ausführungen des Gutachters kam der Polizeirichter ________ zum 
Schluss,  dass  selbst  bei  einer  Ausgangsgeschwindigkeit  von  60 km/h  eine  räumliche  Ver-
meidbarkeit  der  Kollision  nicht  gegeben  gewesen  wäre.  Die  Möglichkeit,  dass  X  bei  einer 
Geschwindigkeit von 60 km/h anstatt 70 km/h die Kollisionsstelle 0,6 Sekunden später erreicht 
und  Y  sel.  möglicherweise  eine  zusätzliche  Strecke  von  3.50  Metern  zurückgelegt  hätte  und 
damit möglicherweise die linke vordere Ecke des Autocars gegen die linke hintere Seitenwand 
des  Personenwagens  geprallt  wäre,  was  bei  einer  Geschwindigkeit  von  26  km/h  die 
Kollisionsschwere  deutlich  entschärft  hätte,  hat  der  Polizeirichter  geprüft  und  aus  folgenden 
Gründen  verworfen:  Er  ist  diesbezüglich  der  Auffassung,  dass  keine  Anhaltspunkte  für  die 
Annahme  einer  konsequenten  Weiterbeschleunigung  bestehen.  Seiner  Ansicht  nach  ist  es 
wahrscheinlicher, beziehungsweise nicht auszuschliessen, dass Y den Gesellschaftswagen im 
letzten  Moment  doch  noch  gesehen  und  deshalb  abgebremst  hätte.  Ebenso  hätte  die 
Möglichkeit  bestanden,  dass  Y  nicht  konsequent  weiter  beschleunigt,  sondern  in  der 
Zwischenzeit  noch  einen  Schaltvorgang  vornehmen  wollte.  Dem  Grundsatz  in  dubio  pro  reo 
folgend ging  er  daher  von  dem für  den  Beschuldigten günstigeren  Sachverhalt  aus  und  nahm 
an,  der  Lenker  des  Personenwagens  habe  nicht  konsequent  weiter  beschleunigt.  Er  hielt 
folglich fest, es lägen keine genügenden Anhaltspunkte vor, dass es bei einer Geschwindigkeit 
des  Gesellschaftswagens  von  60  km/h  nicht  dennoch  zu  den  tödlichen  Verletzungen  von  Y 
beziehungsweise  zu  den  schweren  Körperverletzungen  von  Z  gekommen  wäre  und  sprach  X 
vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen schweren Körperverletzung frei. 

E.—  Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  am  20.  September  2001  die  vollständige 
Urteilsbegründung,  die  ihr  am  3.  Oktober  2001  zugestellt  wurden,  und  legte  am  2.  November 
2001  Berufung  ein.  Sie  beantragt,  das  Urteil  des  Polizeirichters  aufzuheben,  X  wegen 
fährlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingt vollziehbaren 
Gefängnisstrafe von einem Monat zu verurteilen und ihm die Kosten aufzuerlegen. 

X  hat  am  19.  Dezember  2001  beantragt,  die  Berufung  abzuweisen  und  das  Urteil  des 
Polizeirichters vom 4. September 2001 zu bestätigen. Zudem sei ihm eine Parteientschädigung 

 
 
 
für  das  vorliegende  Berufungsverfahren  zuzusprechen  und  die  Verfahrenskosten  dem  Staat 
aufzuerlegen. 

F.—  Auf  Anfrage  haben  die  Parteien  am  15.  April  2002  auf  eine  Parteiverhandlung 

verzichtet. 

e r w o g e n : 

1.— Eine Berufung kann innert 30 Tagen nach Zustellung des begründeten Urteils beim 
Kantonsgericht eingereicht werden (Art. 214 Abs. 1 StPO). Das angefochtene Urteil wurde den 
Parteien  am  4.  September  2001  mündlich  eröffnet,  worauf  die  Berufungsführerin  am  20. 
September  2001  und  damit  rechtzeitig  (vgl.  Art.  186  Abs.  3  i.V.m.  Art.  64  Abs.  2  StPO)  um 
Ausfertigung  des  begründeten  Urteils  ersuchte.  Dieses  wurde  ihr  am  3.  Oktober  2001 
zugestellt.  Die  Berufung  wurde  am  2.  November  2001  und  damit  fristgerecht  eingereicht.  Sie 
genügt den gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 214 Abs. 2 StPO). Auf die Berufung ist folglich 
einzutreten. 

2.— Mit der Berufung können alle Mängel des Verfahrens und des Urteils angefochten 
werden  (Art.  212  Abs.  1  StPO).  Neue  Vorbringen  und  Beweismittel  sind  zulässig  (Art.  213 
StPO).  Der  Strafappellationshof  hat  keine  Veranlassung,  das  Beweisverfahren  zu  ergänzen. 
Von der Berufungsführerin wurde dies auch nicht beantragt. 

Soweit die Berufungsführerin sich in ihrer Berufungsschrift auf eine "Stellungnahme der 
Staatsanwaltschaft  vom  11.  Dezember  2000"  beruft  und  ausdrücklich  festgehalten  haben  will, 
diese  bilde  Bestandteil  der  Berufungsschrift,  sei  darauf  hingewiesen,  dass  sich  diese 
Stellungnahme  nicht  in  den  Strafakten  befindet  und  der  Berufungsschrift  auch  nicht  beigelegt 
wurde. Es kann daher offen bleiben, ob eine solche Verweisung zulässig wäre. 

3.—  Die  Berufungsführerin  rügt,  der  Polizeirichter  sei  in  falscher  Anwendung  der  Be-
weiswürdigungsregel  in  dubio  pro  reo  davon  ausgegangen,  der  Verkehrsunfall  mit  Todesfolge 
resp. einer schweren Körperverletzung wäre auch dann eingetreten, wenn der Berufungsgegner 
mit 60 km/h statt 70 km/h gefahren wäre.  

Die  vom  Polizeirichter  angeführte  Begründung  sei  eine  reine  Arbeitshypothese,  und  es 
genüge  nicht,  bei  zwei  theoretisch  möglichen  Kausalabläufen für  die  Urteilsfindung  auf  die für 
den  Angeklagten  günstigere  Version  abzustellen.  Die  Berufungsführerin  plädiert  dafür,  von 
einer  konsequenten  Weiterbeschleunigung  auszugehen.  Dafür  spräche  die  Verkehrslage;  ein 
zögerliches  Anfahren  sei  mit  grossem  Risiko  verbunden  und  würde  zudem  die 
Wiedereingliederung  in  den  Verkehr  verhindern.  Im  weiteren  sei  erwiesen,  dass  Y  bei  der 
Einfahrt  stillgestanden  sei.  Im  Gegensatz  zum  Rollstopp  nehme  sich  ein  Automobilist  bei 
diesem  Vorgehen  Zeit,  sich  über  die  Verkehrslage  ein  Bild  zu  machen.  Die  Berufungsführerin 
bringt schliesslich vor, die Annahme, Y hätte den Car vielleicht doch noch gesehen, sei verfehlt, 
da sie einerseits den Zeugenaussagen widersprächen sowie als Reaktion auch eine zusätzliche 
Beschleunigung denkbar wäre. 

 
 
 
 
 
 
 
in  keinem  Moment  zum  Bus  geschaut;  somit 

Soweit sich die Berufungsführerin mit der Begründung des Polizeirichters auseinander-
setzt,  ist  dies  unbehilflich:  Es  ist  eben  gerade  nicht  erwiesen,  dass  sich  Y  ein  Bild  über  die 
Verkehrslage machte, bevor er losfuhr. Zwei Zeugen und der Berufungsgegner sagten aus, er 
habe 
ist  die  mögliche  Reaktion  des 
Fahrzeuglenkers  im  Moment  der  Wahrnehmung  der  Gefahr  nicht  auszumachen.  Es  ist 
zumindest  nicht  auszuschliessen,  dass  diese  inadäquat  gewesen  wäre.  Es  ist  im  Übrigen 
wahrscheinlich,  dass  Y,  auch  wenn  er  den  Kopf  zuvor  nicht  nach  links  drehte,  den  Autobus 
wahrgenommen hätte, da er nach links abbog und so seinen Wagen dem entgegenkommenden 
Fahrzeug  X  zuwendete.  Ebenso  wenig  bestehen  zusätzliche  Anhaltspunkte  dafür,  dass  Y 
konsequent  weiterbeschleunigt  hätte.  Die  Annahme  des  Polizeirichters,  dass  ein  76-jähriger 
Fahrzeuglenker,  der  aus  dem  Stillstand  in  eine  Hauptstrasse  einbiegt,  ohne  sich  über  die 
Verkehrslage zu vergewissern, die "gewonnene Zeit" von 0,6 sec nicht allein zur konsequenten 
Weiterbeschleunigung  genützt  hätte,  ist  nicht  nur  theoretisch.  Y  fuhr  mit  einem  Toyota  Starlet 
1.3 Xli mit einem mechanischen 5-Gang Getriebe. Vom Losfahren bis zur Kollision verstrichen 
ca.  2,3  Sekunden,  und  er  legte  ein  Strecke  von  ungefähr  8  m  zurück.  Es  ist  durchaus 
wahrscheinlich  und  plausibel,  dass  er  in  dieser  Zeit  respektiv  in  den  "gewonnenen"  0,6  Se-
kunden  einmal  geschaltet  hat.  Dies  und  die  unwiderlegten  Aussagen,  Y  sei  gemütlich 
herausgefahren,  begründen  berechtigte  Zweifel  daran,  ob  sich  im  vorliegenden  Fall  die 
"Prämisse" der konsequenten Weiterbeschleunigung durch den Fahrzeugführer Y realisiert hat. 

Die Berufung ist in diesem Punkt abzuweisen. 

4.—  Die  Berufung  hat  aufschiebende  Wirkung  und  hemmt  den  Eintritt  der  Rechtskraft 
des  Urteils  im  Umfang  der  Anfechtung  (Art.  215  Abs.  1  StPO).  Der  Strafappellationshof  ist, 
ausser im Zivilpunkt und unter Vorbehalt des Schlechterstellungsverbotes, nicht an die Anträge 
der Parteien gebunden (Art. 220 StPO). 

Der Polizeirichter verurteilte X am 4. September 2001 wegen Widerhandlung gegen das 
Strassenverkehrsgesetz (Art. 27, 32 Abs. 2 und 3 SVG i.V.m. Art. 4a VRV). Die Berufung der 
Staatsanwaltschaft hat zu Folge, dass diese Verurteilung nicht in Rechtskraft erwachsen ist. 

Der  Unfall  ereignete  sich  am  18.  April  1999.  Soweit  eine  Verurteilung  wegen  einfacher 
Verkehrsregelnverletzung (Art. 90 Ziff. 1 SVG) und mithin einer Übertretung erfolgte, war diese 
bereits im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Urteils verjährt.  

Die  Verjährung  ist  von  Amtes  wegen  zu  berücksichtigen  (BGE  116  IV  81).  Der  Straf-
appellationshof  sieht  sich  daher  veranlasst,  die  Berufung  teilweise  gutzuheissen  und  das 
vorinstanzliche Urteil abzuändern, um dem Umstand der Verjährung Rechnung zu tragen. Es ist 
somit  davon  Vormerk  zu  nehmen,  dass  der  Vorwurf  der  Widerhandlung  gegen  das 
Strassenverkehrsgesetz  verjährt  ist.  Die  Kosten  des  erstinstanzlichen  Verfahren  sind  folglich 
vollumfänglich dem Staat zu überbinden (Art. 229 StPO e contrario). 

5.— a) Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Kosten des Berufungsver-
fahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 800.– und den Auslagen von Fr. 86.–, der 
Berufungsführerin aufzuerlegen (Art. 231 Abs. 2 StPO, Art. 11 StKT).  

 
 
 
 
 
b)  Der  Berufungsgegner  beantragt  die  Ausrichtung  einer  Parteientschädigung  für  das 
Berufungsverfahren. In Anbetracht des Aufwandes für die Verfassung der Berufungsantwort ist  
dem  Berufungsgegner  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  800.—  pauschal  zuzusprechen, 
zuzüglich 7,6 % MWSt (Art. 241 Abs. 1 StPO, Art. 1 Tarif vom 16. November 1998). 

u n d   e r k a n n t : 

I.  Die Berufung wird teilweise gutgeheissen. 

II.  Das  Urteil  des  Polizeirichters  ________  vom  4.  September  2001  wird  geändert  und  lautet 

neu wie folgt: 

1.  X  wird  vom  Vorwurf  der 

fahrlässigen  Tötung  und  der 

fahrlässigen  schweren 

Körperverletzung freigesprochen. 

2.  Es  wird  davon  Vormerk  genommen,  dass  der  Vorwurf  der  Widerhandlung  gegen  das 
Strassenverkehrsgesetz (Art. 27, 32 Abs. 2 und 3, 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 4a VRV) verjährt 
ist. 

3.  Die Kosten dieses Verfahrens werden dem Staat Freiburg auferlegt (Art. 229 StPO). 

III. Die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  bestehend  aus  einer  Gerichtsgebühr  von  Fr.  800.— 

und den Auslagen von Fr. 86.—, werden dem Staat Freiburg auferlegt. 

IV. X  wird  für  das  Berufungsverfahren  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  800.—,  zuzüglich  Fr. 

60.80 MWSt, zugesprochen. 

Die Parteien werden darauf hingewiesen, dass sie gegen dieses Urteil innert einer Frist von 30 
Tagen  nach  der  Zustellung  des  begründeten  Entscheides  Nichtigkeitsbeschwerde  an  das 
Bundesgericht  erheben  können.  Die  Beschwerdebefugnis  und  die  übrigen  Voraussetzungen 
sind in Art. 268 ff. BStP festgelegt.  

Freiburg, 30. April 2002