# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f0271fe-ba56-5783-bc0d-cb0bfc109de8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-31
**Language:** de
**Title:** IV-Stelle stützte sich bezüglich somatischem Gesundheitszustand auf die SUVA-Verfügung. Zwischen SUVA-Verfügung und IV-Verfügung fand dritte Rücken-OP statt, IV-Stelle liess dies unberücksichtigt. Einschätzung psychiatrischer Gesundheitszustand mangels Begründung nicht nachvollziehbar. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2014.01072
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.01072.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.01072
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
31. März 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Daniel
Christe
Christe
& Isler Rechtsanwälte
Obergasse 32, Postfach 1663, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1975,
gelernter Detailhandelsfachmann,
meldete sich am 2
8.
März 2012 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf einen Unfall am 2
8.
November 2011 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/5; vgl.
Urk.
7/4).
Mit Verfügung vom
9.
September 2013 (
Urk.
7/42) hielt die Schweizerische Unfall
versicherungsanstalt (SUVA) als zuständiger Unfallversicherer fest, dass dem Versicherten leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten ganztags ohne qualitative Einschränkungen zumutbar seien. Neben den organisch bedi
ngten Unfallfolgen sei die SUVA
nicht leistungspflichtig bezüglich der psy
chogenen Störungen, da diese nicht adäquat kausal zum Unfall vom 2
8.
November 2011 seien. Die SUVA sprach dem Versicherten
gestützt auf einen Einkommensvergleich
eine Invalidenrente in Höhe von 10
%
zu.
Die IV-Stelle
tätigte berufliche und medizinische Abklärungen und
holte
insbeson
dere
das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
Y.___
,
Fachärz
tin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 1
3.
Juni 2014 (
Urk.
7/65) ein. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
1.
Juli 2014,
Urk.
7/73; vorsorglicher Einwand vom 1
6.
Juli 2014,
Urk.
7/74; ergänzende
Einwandbegründung
vom 1
6.
September 2014,
Urk.
7/84) verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 2
3.
September 2014 (
Urk.
2) einen
Renten
an
-
spruch des Versicherten.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
4.
Oktober 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung und zum Neuentscheid über die Invali
denrente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und Bewilligung der unentgeltli
chen
Rechtsverbeiständung
durch Rechtsanwalt Daniel
Christe
. Mit
Beschwer
deantwort
vom
3.
November 2014 (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-94) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
4.
November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11). Mit Eingabe vom 1
5.
Juni 2015 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht der
Z.___
vom
8.
Juni 2015 ein (
Urk.
12 und
Urk.
13), was der Beschwerdegegnerin am 1
7.
Juni 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
14). Ergänzend reichte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2
1.
Juli 2015 wei
tere Arztberichte ein (
Urk.
15 und
Urk.
16/1-2). Mit Schreiben vom
6.
August 2015 verzichtete die
Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme (
Urk.
19), was dem Beschwerdeführer am 1
0.
August 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
20).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
In der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
hielt die Beschwerdegegnerin dafür, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit aufgrund der Unfallfolgen bis August 2013 nicht mehr zumutbar gewesen sei. Eine angepasste Tätigkeit sei aber seit Ablauf des Wartejahres vollumfänglich zumutbar. Gestützt auf einen Einkommensvergleich resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 8
%
.
Der Beschwerdeführer
brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass die angefochtene Verfügung vor allem bezüglich der somatischen Unfallfolgen nicht überzeuge (
Urk.
1 S. 3). Aufgrund der seit Anfang 2014 negativen Ent
wicklung könne nicht auf die Verfügung des zuständigen Unfallversicherers, der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA), abgestellt werden. Es wür
den sich in Bezug auf die Unfallfolgen ergänzende fachärztliche Abklärungen aufdrängen (
Urk.
1 S. 4). Hinzu komme, dass sich der psychische Gesundheits
zustand gestützt auf den aktuellen Bericht der
A.___
vom 1
0.
September 2014 verschlechtert habe, so dass sich auch aus psychiatrischer Sicht weitere Abklärungen aufdrängen würden (
Urk.
1 S. 6).
2.
2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3.1
Im Austrittsbericht des
B.___
über die
Hospitalisation
vom 2
8.
November 2011 bis zum 1
6.
Dezember 2011 hielten die behandelnden Ärzte folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/7 S. 121 ff.):
-
PKW-Selbstunfall
-
Ventrale Kompressionsfraktur LWK1 mit Ausläufern in die
Hinter
kante
und in die
Pedikel
beidseits
-
Ventrale Deckplattenfraktur von BWK12
-
Rechtsbetontes
Epiduralhämatom
mit Abhe
bung des vorderen
Längs
bandes
Hö
he BWK11-LWK2 mit spinaler Einengung des Duralsacks betont
rezessal
rechts
-
Undislozierte
Frakturen der
Processus
transversi
BWK7-BWK9 links
-
Undislozierte
Fraktur der
9.
Rippe dorsal rechts sowie Fraktur der 1
1.
Rippe dorsal rechts mit abgesprengtem
ossärem
Fragment ventral
-
Leichte traumatische Hirnverletzung
Als Nebendiagnosen hielten sie einen Status nach chronischem
Aethylabusus
mit stationärem Alkoholentzug 2004 sowie einen Sui
zidversuch mit Tentamen mit Benz
odiazepinen,
Aethyl
und
Mogadon
im Jahr 2000 fest. Ab dem 2
8.
November 2011 bis zum 2
1.
März 2012 sei er vollumfänglich arbeitsunfähig (
Urk.
7/7 S. 121).
3.2
3.2.1
Die bis zur
psychiatrischen
Begutachtung aufliegenden Arztberichte
bezüglich des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
wurden in der Expertise vom
1
3.
Juni 2014
zusammengefasst (
Urk.
7/65 S. 3 ff
.), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden.
3.2.2
Dr.
med.
Y.___
hielt im von der Beschwerdegegnerin eingeholten psychiat
rischen Gutachten vom 1
3.
Juni 2014 keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gab sie folgende psychiatrischen Diagnosen an
(
Urk.
7/65
S.
30):
-
Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
-
Störungen durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch, gegenwärtig absti
nent (ICD-10 F12.1)
-
Rezidivierende psychoreaktive depressive Störung, gegenwärtig remit
tiert (ICD-10 F33.4)
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit, öko
nomischen Verhältnissen und Wohnbedingungen (ICD-10 Z56, Z59)
-
nach schwerem Selbstunfall 11/2011
-
Akzentuierte
histrionisch
-narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
Dr.
Y.___
konstatierte, dass keine psychischen Störungen/psychiatrische Krankheiten vorlägen, die eine aktuelle/andauernde/langfristige Arbeitsunfähig
keit begründen könnten. Der Beschwerdeführer sei in seinem angestammten Berufsgebiet als Verkäufer aus re
in psychiatrischer Sicht zu 100
% arbeitsfähig (
Urk.
7/65 S. 30).
Der Beschwerdeführer leide an einer primären Alkoholabhängigkeit, die gegen
wärtig
bei
seit Juli 2013 nachgewiesener Abstinenz die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke. Unter Eindruck schwerer psychosozialer Belastungsfaktoren ver
bunden mit dem Unfall vom 2
8.
November 2011 in
alkoholintoxiniertem
Zustand, mit Rückenverletzung mit anhaltenden Schmerzen und drei chirurgi
schen Eingriffen, Verlust der Arbeitsst
elle, vorübergehender
Fürsorge
abhängig
keit
, Einschränkung der beruflichen Perspektiven durch anhaltende Unfallfol
gen, sowie finanziellen Problemen mit hohen Schulden, habe der Beschwerde
führer (wie schon in früheren Belastungssituationen) eine depressive Reaktion, die anamnestisch bis zu mittelgradig schwer gewesen sei, entwickelt (
Urk.
7/65 S. 30 f.).
Am
3.
Februar 2012 sei eine ambulante, suchttherapeutisch fokussierte Behand
lung aufgenommen worden. Die Depression sei zu keinem Zeitpunkt
psycho
pharmakologisch
mit einem genügend ausdosierten Antidepressivum behandelt worden, erst Ende Dezember 2013 sei ein Antidepressivum (
Trittico
) installiert worden, allerdings nicht in antidepressiv wirksamem, sondern bloss
schlafan
stossendem
Dosierungsbereich (50 mg). Auch diese Tatsache verweise indirekt auf die relative Milde der depressiven Reaktion. Bei Austritt aus der
C.___
am 3
0.
Oktober 2013 sei eine Remission der depressiven Episode festgestellt worden (cf. Austrittsbericht vom
1
3.
November 2013;
Urk.
7/65 S.
31).
Aus rein psychiatrischer Sicht könne somit retrospektiv für den Zeitraum vom
3.
Februar 2012 (Aufnahme der psychiatrischen Behandlung) bis/mit 3
0.
Oktober 2013 (Remi
ssion der depressiven Reaktion)
aufgrund der zwischen
zeitlich maximal mittelgradigen depressiven Reaktion eine 50%ige Arbeitsunfä
higkeit angenommen werden. Seit Remission der Depression bzw. seit
dem
1.
November 2013 sei
aus psychiatrischer Sicht
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit (100%ige Arbeitsfähigkeit seit
1.
November 2013) auszugehen. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge würden keine Arbeitsunfähigkeit begrün
den (
Urk.
7/65 S. 31).
3.3
Assoc
. Prof.
Dr.
med.
Dr.
phil. PD
D.___
, Facharzt FMH für orthopädi
sche Chirurgie und Traumatologie, Spez. Spinal Chirurgie, hielt in seinem Bericht vom 1
9.
August 2014 folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/83 S. 3 f.):
-
Chronisches belastungsabhängiges Schmerzsyndrom im Bereiche des
thora
kolumbalen
Überganges mit/bei
-
Status nach L1 Kompressionsfraktur und Th12 Deckplattenfraktur nach Polytrauma (28.11.2011)
-
Status nach Aufrichtungsoperation (1.12.2011) der L1-Fraktur und
Spondylodese
Th12-L2
-
Status nach Metallentfernung (
Pedikelschrauben
und Stäbe) von Th12 auf L2 (02/2013)
-
aktuell: Verdacht auf Instabilität im Bereiche des
thorakolumbalen
Überganges mit Verdacht auf
Pseudarthrose
Th12 nach
Aufrichtungs
operation
(01.12.2011)
-
SPECT-CT (28.01.2014): Inaktive Deckplattenimpression L1, praktisch reaktionsloser Befund bei Status nach Schraubenentfernung in der Spongiosa von Th12/L2
-
Druckempfindlichkeit paravertebral rechts am
thorakolumbalen
Über
gang
-
starke Schmerzen, zum Teil einschiessend, v.a. auch bei der Beugung des Oberkörpers nach vorne
-
deutlich eingeschränkte Beugung des Oberkörpers nach rechts
-
MRI BWS-LWS (02/2014): Wirbelkörper L1 mit grossem Defekt im Bereiche der Deckplatte rechts. Hypermobilität Th12/L1 ca. 30° im Stehen und ca. 20° im Liegen, d.h. die Mobilität beträgt ca. 10°
-
3
1.
März 2014: Re-Re-Revision, Th11/L2 aufrichten und Re-Stabilisa
tion mittels USS2,
Pedikelschrauben
und Stäbe der Firma
DePuy
Synthes
, Th10-L2 Re-
Spondylodese
interlaminär
und anfrischen Gelenke von Th11 auf L2
-
0
4.
Juli 2014: Nervenwurzelinfiltration Th12 links, diagnostisch und therapeutisch
-
1
6.
Juli 2014: Nervenwurzelinfiltration L1 links, diagnostisch und thera
peutisch
In den durchgeführten konventionell-radiologischen Aufnahmen der Wirbel
säule würden sich keine Anhaltspunkte für einen
ossären
Durchbau
des fraktu
rierten Wirbelkörpers L1 zeigen, d.h. zwischen Th12 und L1 habe sich bis anhin wahrscheinlich keine
ossäre
Brücke gebildet. Es sei somit möglich, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Insuffizienz der ventralen Säule und einer damit verbundenen leichten Hypermobilität die beschriebenen Schmerzen wei
terhin habe. Ansonsten seien die von ihnen eingebrachten Schrauben und Stäbe stabil und wiesen keine Zeichen einer Lockerung auf. Er habe von der Operation praktisch nichts profitiert und habe weiterhin ausgeprägte Schmerzen am
tho
rakolumbalen
Übergang. Trotz der Einnahme von hochdosierten
Schmerzmedi
kamenten
habe er immer noch Schmerzen und die Physiotherapie könne des
halb nicht optimal greifen (
Urk.
7/83 S. 4).
3.4
Dr.
med.
E.___
, Oberarzt der
A.___
, und
lic
. phil.
F.___
, Fachpsychologin für Psy
chotherapie FSP, notierten in ihrem Zwischenbericht vom 1
0.
September 2014 folgende Diagnosen (
Urk.
7/83 S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.10)
-
Chronische Rückenschmerzsymptomatik seit einem Unfall mit
Rücken
bruch
im November 2011
-
Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent seit Juli 2013 (ICD
-
10 F10.20)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstischen Zügen (ICD-10 73.1)
-
Somatisch (gemäss Bericht von
Dr.
D.___
vom 1
4.
Mai 2014)
-
Chronisches belastungsabhängiges Schmerzsyndrom im Bereich des
thorakolumbalen
Überganges
-
Status nach schwerem Polytrauma am 2
8.
November 2011 bei PKW-Selbstunfall
Auf Anraten seines behandelnden Arztes
Dr.
D.___
sei der Beschwerdeführer Ende März 2014 einer zweiten Rückenoperation unterzogen worden. Dies, weil die anhaltenden Schmerzen seit dem Unfall trotz Operation, dauerhafter Medi
kation sowie Physiotherapie nicht hätten gelindert werden können. Man habe sich von der erneuten Operation eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptomatik erhofft, welche jedoch bis heute, rund sechs Monate spä
ter, nicht eingetroffen sei. Der erneute Rückschlag in Form der enttäuschten Hoffnung auf Linderung und weiterhin andauernder, ja phasenweise sogar ver
stärkten Schmerzen seit dem Eingriff Ende März, hätten beim Beschwerdeführer im Verlauf des Sommers 2014 zu einer vergrösserten psychischen Belastung geführt. Die Schmerzen hätten wieder vermehrt Ein- und Durchschlafprobleme sowie geistige und körperlich rasche Erschöpfbarkeit verursacht. Die zuvor leicht verbesserte Symptomatik sei wieder verstärkten depressiven Episoden mit Antriebsminderung, Freudlosigkeit, gedrückter Stimmung, vermindertem Selbstvertrauen, Insuffizienzgefühlen, Appetitverminderung und negativen Zukunftsperspektiven gewichen (
Urk.
7/83 S. 1 f.).
Trotz den Belastungen und der Verschlechterung der depressiven Symptomatik sei es dem Beschwerdeführer gelungen weiterhin totalabstinent auf Alkohol zu bleiben. Er setze die in der Behandlung erarbeiteten Fähigkeiten bewusst ein, um schwierige Situationen suchtfrei zu meistern (
Urk.
7/83 S. 2).
4.
4.1
4.1.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
ging die Beschwerdegegnerin
in somati
scher Hinsicht davon aus
, dass dem Beschwerdeführer seit dem Ablauf des Wartejahres eine angepasste Tätigkeit (einfache Tätigkeit, körperlich sehr leicht und wechselbelastend, ohne Lastenheben über 5 kg) vollumfänglich zumutbar (
Urk.
2) sei. Diese Arbeitsfähigkeitseinschätzung beruhte auf der Stellungnahme von
Dr.
med.
G.___
, Facharzt Allgemeinmedizin, des Regi
onalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 1
1.
Juli 2014, worin er ausführte, dass bei einem reinen Unfallgeschehen grundsätzlich betreffend Arbeitsunfähigkeit angestammt und angepasst mit dem Unfallversicherer koordiniert werden könne
(
Urk.
7/72 S. 4)
.
In der SUVA-Verfügung vom
9.
September 2013 wurde noch festgehalten, dass dem Beschwerdeführer eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ganztags ohne qualitative Einschränkungen
zumutbar sei (
Urk.
7/42 S. 2).
Wie RAD-Arzt
Dr.
G.___
zur davon abweichenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kam, ist aus den im Recht liegenden Unterlagen nicht nachvollziehbar.
4.1
.
2
Hinzu kommt, dass
der Beschwerdeführer am 3
1.
März 2014 - und somit erst nach Erlass der Verfügung des Unfallversiche
rers vom 9. September 2013
(Urk.
7/42) - erneut am Rücken operiert
wurde
(Austrittsbericht vom 1
1.
April 2014,
Urk.
7/62; vgl. E. 3.3). Aus dem Verlaufsbericht von
Dr.
D.___
vom 1
9.
August 2014 geht diesbezüglich hervor, dass der Beschwerdeführer von dieser Operation praktisch nicht profitiert habe und weiterhin Schmerzen am
thorakolumbalen
Übergang habe. Der Beschwerdeführer würde zu einer
Zweit
meinung
überwiesen (E. 3.3,
Urk.
7/83 S. 4).
RAD-Arzt
Dr.
G.___
nahm
im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
erneut Stel
lung. Darin führte er aus, dass mit dem aktuellen Bericht der Ärzte der
A.___
fachspezifisch nur eine mittelgradige depressive Episode beschrieben werde, vor dem Hintergrund eines chronischen Schmerzsyndroms am
thorakolumbalen
Übergang, was beides nicht relevant leistungsspezifisch sei. Damit müsse, ohne weitere medizinische Abklärungen, vollumfänglich an den bisherigen
RAD-Stellungnahmen vom 1
1.
Juli und 2
0.
Juni 2014 festgehalten werden. Weiterhin sei jedoch ein Gesundheitsschaden ausgewiesen
,
leistungsspezifisch für Einglie
derung (
Urk.
7/86 S. 2).
Aufgrund der Re-Re-Revision kann
aber nicht
von einem
verglichen mit dem Zeitpunkt des Erlasses der SUVA-Verfügung
unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen werden
- vielmehr hätten zumindest aktuelle Arztberichte
bezüg
lich des somatischen Gesundheitszustandes
mit entsprechenden
Belastungspro
filen
und einer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eingeholt werden müssen, da dies
e Angaben
jeweils nicht aus den Berichten von
Dr.
D.___
hervorgeh
en
(vgl.
Urk.
7/62;
Urk.
7/83
S. 3 f.)
.
Die vorliegende medizinische Aktenlage erweist sich damit als unzulänglich in Bezug auf den somatischen Gesundheitszustand.
4.2
Des Weiteren liegt kein reines Unfallgeschehen vor
,
da
nebst den somatischen Einschränkungen auch psychische Beschwerden beklagt werden.
So führte
Dr.
Y.___
in ihrem Gutachten vom 1
3.
Juni 2014 insbesondere aus, dass sie retrospektiv aus rein psychiatrischer Sicht für den Zeitraum vom
3.
Februar 2012 bis zum 3
0.
Oktober 2013 aufgrund der zwischenzeitlich maximal mittel
gradigen depressiven Reaktion eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit annehme. Seit Remission der Depression bzw. seit dem
1.
November 2013 sei von einer unein
geschränkten Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen (
Urk.
7/65 S. 31).
Gestützt auf die Ausführungen von
Dr.
Y.___
würde dem Beschwer
deführer allenfalls von November 2012 (Ablauf des Wartejahres) bis zum 3
1.
Oktober 2013 zumindest eine befristete Rente zustehen.
In der angefochtenen Verfügung wurde diesbezüglich
einzig
festgehalten, dass aus psychiatrischer Sicht kein IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Im Bericht der
A.___
vom 1
0.
September 2014
sei
fachspezifisch eine mittelgradig
e depressive Episode
, vor dem Hintergrund eines chronischen
Schmerzsyndromes
am
thorakolumbalen
Übergang
, beschrie
ben worden
. Dies erfülle gemäss gültiger Rechtsprechung die Anforderungen an einen invalidisierenden Gesundheit
sschaden nicht (
Urk.
2).
Warum die Beschwerdegegnerin abweichend von
Dr.
Y.___
Gutachten von keiner befristeten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausging, ist
- mangels jeglicher Begründung -
nicht nachvollziehbar.
A
uch RAD-Arzt
Dr.
G.___
kon
statierte
entgegen den gutachterlichen Einschätzungen
diesbezüglich
lediglich
, dass im Gutachten keine relevanten Einschränkungen im psychiatrischen Bereich attestiert worden seien (vgl.
Stellungnahme vom 2
0.
Juni 2014,
Urk.
7/72 S. 4; Stellungnahme vom 1
1.
Juli 2014,
Urk.
7/72 S. 4; Stellung
nahme vom 2
2.
September 2014,
Urk.
7/86 S. 2).
4.3
Zusammenfassend erweist sich die medizinische Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt, insbesondere den somatischen Gesund
heitszustand, als unzuläng
lich. Auch ist
mangels Begründung seitens der Beschwerdegegnerin
nicht nach
vollziehbar, warum entgegen des psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
Y.___
von keiner befristeten Einschränkung des psychischen Gesundheitszustandes ausgegangen wurde.
Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den Gesundheits
zustand und die Arbeitsfähigkeit in geeigneter Weise
korrekt abklärt
-
insbe
sondere unter Einholu
ng der vollständigen SUVA-Akten -
und anschliessend
mit nachvollziehbarer Begründung
über den Rentenanspruch neu verfügt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
auf
Fr.
1‘9
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer
und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsvertre-tung
vom 1
4.
Oktober 2014 (
Urk.
1) erweist sich damit als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen
und
die
angefochtene Verfügung vom
23.
September 2014 wird
aufgehoben und die Sache
wird
an die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den L
eistungsanspruch des Beschwerde
führers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessentschä
digung
von
Fr.
1‘900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Daniel
Christe
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler