# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 102ba0ff-63bf-561a-bf39-674b4bc6623b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.07.2009 E-4677/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4677-2009_2009-07-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4677/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 
mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Jan Feichtinger.

A._______, geboren (...),
Kosovo,
vertreten durch lic. iur. Bernhard Zollinger, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 9. Juli 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4677/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer – ein kosovarischer Staatsangehöriger al-
banischer Ethnie aus B._______ (Gemeinde C._______) – am 28. No-
vember 1998 in Begleitung  seiner damaligen Ehefrau erstmals an die 
Schweizerischen Asylbehörden gelangte,

dass das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute: BFM) die 
Asylgesuche  mit  Verfügung  vom  12. Oktober 1999  abwies  und  die 
Wegweisung sowie deren Vollzug anordnete,

dass die  Eheleute  mit  ihren zwischenzeitlich geborenen Kindern  am 
Kosovo-Rückkehrhilfeprogramm teilnahmen und am 1. Juni 2000 in ih-
ren Herkunftsstaat – die damalige Bundesrepublik Jugoslawien –  zu-
rückkehrten,

dass  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angeben 
zufolge am 11. Januar 2009 erneut verliess und in einem Personenwa-
gen über  Serbien,  Ungarn,  Österreich  respektive Deutschland sowie 
ihm unbekannte Transitländer am 13. Januar 2009 in die Schweiz ge-
langte, wo er gleichentags erneut um Asyl nachsuchte,

dass  er  anlässlich  der  Kurzbefraung  (...)  am 19. Januar 2009  sowie 
der  direkten  Anhörung  vom  22. April 2009  zur  Begründung  seines 
Asylgesuches  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  habe  (...)  die  in 
D._______  lebende  (...)  E._______  geheiratet,  welche  über  eine 
Aufenthaltsbewilligung B verfüge und mit der er eine (...) Tochter habe,

dass er mit seiner Frau und seiner Tochter zusammen leben wolle, der 
Kanton D._______ jedoch bereits zwei Visagesuche von ihm abgelehnt 
habe,

dass keine anderen Gründe gegen eine Rückkehr in sein Heimatland 
sprechen würden, 

dass  der  Beschwerdeführer  keine  Identitätspapiere  zu  den  Akten 
reichte,  dem BFM jedoch von seiten  des  Migrationsamts  D._______ 
ein  Identitätsdokument  der  Übergangsverwaltung  der  Vereinten 
Nationen im Kosovo (UNMIK) zugestellt wurde,

Seite 2

E-4677/2009

dass für weitere Einzelheiten auf die angefochtene Verfügung und die 
vorinstanzlichen Akten verwiesen werden kann,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  9. Juli 2009  –  eröffnet  am 
14. Juli 2009 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und 
die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete,

dass die Vorinstanz zur Begründung des Nichteintretens auf das Asyl-
gesuch  zusammenfassend  festhielt,  der  Beschwerdeführer  begründe 
sein  Asylgesuch  ausschliesslich  mit  familiären  Gründen,  indem  er 
angebe, in die Schweiz gekommen zu sein,  um hier mit  seiner Frau 
und seiner Tochter zusammen zu leben,

dass  er damit in keiner Weise zu erkennen gebe, dass er um Schutz 
vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG oder Art. 3  der Konvention 
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) ersuche, mithin kein Asylgesuch gemäss 
Art. 18 AsylG vorliege, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Juli 2009 (Poststem-
pel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Be-
schwerde erhob und dabei beantragte, der vorinstanzliche Entscheid 
sei aufzuheben, es sei auf sein Gesuch einzutreten und ihm Asyl zu 
gewähren,  eventualiter  sei  infolge  Undurchführbarkeit  des  Wegwei-
sungsvollzugs seine vorläufige Aufnahme anzuordnen, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 23. Juli 2009 beim Bundesverwal-
tungsgericht eingegangen sind (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG),

 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 34 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

Seite 3

E-4677/2009

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – 
unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Erwägungen  –  einzutreten  ist 
(Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass deshalb auf  die Beschwerde,  soweit  hierin  die Gewährung von 
Asyl beantragt wird, nicht einzutreten ist,

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer 
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (vgl. Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

Seite 4

E-4677/2009

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde, 

dass nach Art. 32 Abs. 1 AsylG auf Gesuche, welche die Vorausset-
zungen von Art. 18 AsylG nicht erfüllen, nicht eingetreten wird,

dass jede Äusserung, mit der eine Person zu erkennen gibt, dass sie 
die Schweiz um Schutz vor Verfolgung nachsucht, als Asylgesuch gilt 
(Art. 18 AsylG),

dass das Bundesamt zu Recht zum Schluss gelangt ist, der Beschwer-
deführer mache keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG oder Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 EMRK geltend, 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des vorinstanzlichen Verfah-
rens vielmehr unmissverständlich angab, im Kosovo keine Schwierig-
keiten gehabt zu haben (B18 S. 7) und allein deshalb in die Schweiz 
gekommen zu sein,  weil  er  mit  seiner Familie  zusammen sein wolle 
(B1 S. 6; B18 S. 4), 

dass er entgegen der Behauptung in der Rechtsmitteleingabe mit kei-
nem Wort vorbrachte, er werde in der Heimat durch die Familie seiner 
geschiedenen Frau verfolgt, 

dass insbesondere das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei  infolge 
des Einflusses des genannten Familienclans im Gefängnis gewesen, 
mit dessen Aussage – wonach die besagte Verhaftung nichts mit vor-
liegendem Asylgesuch zu tun habe (B18 S. 7) – nicht vereinbar ist,

dass  insgesamt  keine  Anhaltspunkte  vorliegen,  aufgrund  derer  sich 
das BFM vernünftigerweise hätte veranlasst sehen müssen, zusätzli-
che Abklärungen zur Sachverhaltsfeststellung vorzunehmen, weshalb 
auch dem Vorhalt in der Beschwerdeschrift, wonach das BFM  den Un-
tersuchungsgrundsatz verletzt habe, jede Grundlage entzogen ist, 

dass vielmehr festzustellen ist, dass es sich bei der auf Beschwerde-
ebene  geltend  gemachten  Verfolgung  klarerweise  um  eine  nachge-
schobene Sachverhaltsanpassung handelt,

dass das Bundesamt somit zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 
AsylG auf das Gesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

Seite 5

E-4677/2009

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch die Wegweisung aus der 
Schweiz zur Folge hat, ausser der Beschwerdeführer verfügt über eine 
Aufenthaltsbewilligung  oder  hat  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21),

dass der Beschwerdeführer über keine Aufenthaltsbewilligung verfügt 
und sich im Weiteren aufgrund seiner Ehe mit  E._______ sowie des 
gemeinsamen  Kindes,  welche  lediglich  über  eine  Aufenthaltsbewilli-
gung  B  verfügen,  in  Berücksichtigung  der  weiterhin  auch  für  das 
Bundesverwaltungsgericht geltenden Praxis (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 
E.  8a  und  b)  keinen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  geltend 
machen kann,

dass im Weiteren aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer 
am 2. Februar 2009 bei der zuständigen ausländerrechtlichen Behörde 
ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung eingereicht hat, 
die  vom Bundesamt  angeordnete  Wegweisung  nicht  aufzuheben  ist, 
da  der  Beschwerdeführer,  wie  erörtert,  keinen  grundsätzlichen  An-
spruch auf eine solche hat (vgl. EMARK 2001 E. 9-11) und das Ge-
such mit Verfügung vom 5. März 2009 rechtmässig abgewiesen wurde,

dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Gründe aus seiner fa-
miliären  Situation,  welche  nach  seiner  Auffassung  den  Vollzug  der 
Wegweisung als  unverhältnismässig  erscheinen liessen,  von der  zu-
ständigen Ausländerbehörde zu prüfen waren und nicht  Gegenstand 
des vorliegenden Verfahrens bilden können,

dass zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegenstehen,  da im Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren 
oder unmöglichen Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-
setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu  regeln ist 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers nach den völ-
kerrechtlichen  Verpflichtungen  der  Schweiz  (Art.  3  EMRK;  Art.  33 
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) sowie nach Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 
25 Abs. 2 der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] zulässig ist, da er, wie ausge-
führt, keine Gefährdung geltend macht,

Seite 6

E-4677/2009

dass nach dem Gesagten der Vollzug der Wegweisung in Beachtung 
dieser  massgeblichen  völker-  und  landesrechtlichen  Bestimmungen 
zulässig ist, 

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 des Bundesgeset-
zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer 
[AuG, SR 142.20]),

dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimatstaat  noch  individuelle 
Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle 
einer  Rückkehr schliessen lassen,  weshalb  der  Vollzug der  Wegwei-
sung vorliegend zumutbar ist,

dass  der  Beschwerdeführer  die  meisten  Jahre  seines  Lebens  im 
Kosovo gelebt und dort zuletzt (...) gearbeitet hat sowie mit (...) über 
ein familiäres Beziehungsnetz verfügt (A1 S. 2 ff.), weshalb nicht da-
von  auszugehen  ist,  er  gerate  nach  seiner  Rückkehr  in  eine 
existenzbedrohende Lage,

dass  der  Vollzug der  Wegweisung  des Beschwerdeführers in  seinen 
Heimat-  bzw. Herkunftsstaat  schliesslich  möglich  ist  (Art.  83  Abs. 2 
AuG), da er über ein UNMIK-Reisedokument verfügt,

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist (Art. 83 Abs. 1-4 AuG),

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 2 und 3  des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und Entschädigungen vor dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

Seite 7

E-4677/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das 
BFM und (...).

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Jan Feichtinger

Versand: 

Seite 8