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**Case Identifier:** bbb99092-9752-56a3-8425-822c196df648
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-05-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 22.05.2013 IV 2012/192
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-192_2013-05-22.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/192

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 22.05.2013

Entscheiddatum: 22.05.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 22.05.2013
Art. 16 ATSG. Invaliditätsbemessung mittels Einkommensvergleich 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 22. Mai 
2013, IV 2012/192). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 
9C_454/2013.

Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei, 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

 

Entscheid vom 22. Mai 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Jakob, Rosenbergstrasse 42b,9000 St. 

Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

 

 

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___ meldete sich am 11. Mai 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). 

Im Gesuchsformular gab sie u.a. an, sie habe die Primar- und die Realschule besucht 

und dann von 1993 bis 1996 den Beruf der Coiffeuse erlernt. Die Schweizerische Post 

teilte der IV-Stelle am 26. Mai 2009 mit (IV-act. 10), sie habe die Versicherte bis 3. 

Januar 2009 als Betriebsmitarbeiterin Logistik beschäftigt. Der Lohn habe sich 2007 

auf Fr. 69'425.-- und 2008 auf Fr. 70'506.-- belaufen. Dr. med. B.___, Innere Medizin 

FMH, berichtete der IV-Stelle am 21. September 2009 (IV-act. 18), die Versicherte leide 

seit Januar 2009 an anhaltenden psychosozialen Friktionen. Diese hätten Müdigkeit, 

Schwindel und Motivationsprobleme zur Folge. Bei der Arbeit sei die Versicherte 

verlangsamt und sie sei unkonzentriert. Vorläufig bestehe eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. C.___, Assistenzärztin, und Dr. med. D.___, Oberarzt und 

Leiter des Ambulatoriums für Sozialpsychiatrie in X.___, teilten am 30. Oktober 2009 

mit (IV-act. 25), es liege eine Erschöpfungsdepression vor. Die Versicherte fühle sich 

als Hausfrau und Mutter ausgelastet und könne sich nicht vorstellen, wieder auswärts 

arbeiten zu gehen. Sie sei aktuell zu 100% arbeitsunfähig. Eine langfristige Prognose 

könne noch nicht gestellt werden, sie sei jedoch angesichts der blanden Vorgeschichte 

bei einer regelmässigen therapeutischen Begleitung als eher günstig einzuschätzen. Dr. 

C.___ und Dr. D.___ gaben am 5. Februar 2010 an (IV-act. 29), sie könnten die 

Entwicklung des Gesundheitszustands nicht beurteilen, da die Versicherte die 

Behandlung abgebrochen habe. Dr. med. E.___, Spezialärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie, bei der die Versicherte seit Dezember 2009 in Behandlung stand, 

berichtete am 21. September 2010 (IV-act. 35), als Diagnose kämen eine Neurasthenie 

oder ein Verdacht auf eine ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) im 

Erwachsenenalter (mit Erschöpfungssymptomen) in Frage. Die Kindheit der 

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Versicherten sei von der psychischen Störung der Mutter geprägt gewesen. Diese habe 

an einer Angststörung mit psychosomatischen Störungen ohne körperliches Substrat 

gelitten. Sie habe die Familie und die Ärzte tyrannisiert. Es bestehe keine aktuelle 

Medikation. Die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei zu empfehlen, damit die 

Versicherte dem "krankmachenden Milieu" zuhause entkommen könne. Die 

Arbeitsfähigkeit könne nicht beurteilt werden. Da Dr. med. F.___ vom RAD von einer 

Arbeitsfähigkeit von 50% (steigerbar auf 80%) ausging (IV-act. 36), wurden die 

Möglichkeiten einer beruflichen Eingliederung geprüft. Dr. E.___ teilte am 2. März 2011 

mit (IV-act. 48), dass sich eine Wiedereingliederung im geschützten Rahmen mit einem 

Beschäftigungsgrad von 30-50% positiv auf die Diagnose auswirken würde. Mit einer 

Mitteilung vom 11. April 2011 bewilligte die IV-Stelle eine berufliche Abklärung (IV-act. 

53). Die Massnahme wurde vorzeitig abgebrochen, weil die Versicherte sich nicht in der 

Lage sah, zu mehr als 30% zu arbeiten (IV-act. 57). Die durchführende Institution, die 

G.___ gmbh, gab am 1. Juni 2011 an (IV-act. 60), nachdem die Versicherte bereits in 

den ersten Wochen krankheitshalber ausgefallen sei, habe man ihr Pensum auf 30% 

reduziert, um ihr einen einfacheren Einstieg zu ermöglichen. Die Versicherte habe 

angegeben, dass bereits die Steigerungsankündigung zu einer Migräne geführt habe. 

Da die Zielsetzung eines mindestens 50%igen Einsatzes nicht habe erreicht werden 

können, sei das Arbeitstraining am 24. Mai 2011 beendet worden. Am 2. August 2011 

erging eine entsprechende Mitteilung (IV-act. 69). Dr. B.___ gab am 16. August 2011 an 

(IV-act. 70), die Versicherte könne zu 20-30% einer körperlich leichten Hilfsarbeit 

nachgehen. Dr. E.___ berichtete am 7. September 2011 (IV-act. 72), der 

Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Die Behandlung bestehe in der 

Einnahme eines Antidepressivums und in einer begleitenden Psychotherapie. Aufgrund 

des psychischen Zustands (Erschöpfungsdepression) bestehe eine verminderte 

Leistungsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit betrage aber mindestens 50%. Eine 

Berufsberatung wäre sinnvoll.

A.b   Dr. F.___ vom RAD empfahl eine psychiatrische Begutachtung (IV-act. 73). MR Dr. 

med. H.___, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beeideter und 

gerichtlich zertifizierter Sachverständiger in Österreich, führte in seinem Gutachten vom 

8. Dezember 2011 aus (IV-act. 78), die Versicherte leide an einer mittelgradigen 

depressiven Störung bestehend seit mindestens 1/09 und - ohne Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit - an einer Neurasthenie. Das neurasthenische Beschwerdebild sei 

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gekennzeichnet durch rasche Erschöpfung, vermehrte Müdigkeit, anfangs vermehrte 

Unruhe mit Reizbarkeit und häufigem Streit bei der Arbeit und in der Familie, 

Schlafstörungen, Lustlosigkeit und Antriebsminderung. Ausserdem bestünden soziale 

Belastungen mit Angst vor sozialem Abstieg und Existenzängsten. Die Versicherte fühle 

sich rasch überfordert mit Konzentrationsschwierigkeiten und eingeengtem Denken. 

Aufgrund der mittelgradigen depressiven Störung seien die emotionale Belastbarkeit, 

die geistige Flexibilität, der Antrieb, die Interessen, die Motivation und die 

Dauerbelastbarkeit beeinträchtigt. Ausserdem bestünden Somatisierungstendenzen 

(rezidivierende Kopfschmerzen, Neigung zu rezidivierenden Infekten). Er habe 

Ressourcen und Restaktivitäten erheben können. Trotz der mittelgradigen depressiven 

Störung sei keine Beeinträchtigung der Schmerzverarbeitung und -bewältigung 

anzunehmen. Damit bestehe keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, 

Ausprägung und Dauer und die Versicherte verfüge über die notwendigen Ressourcen 

für den Umgang mit den Schmerzen und den neurasthenischen Beschwerden. Die 

Schmerzen und die Symptome der Neurasthenie seien mit einer zumutbaren 

Willensanstrengung ausreichend überwindbar. Es seien auch keine weiteren 

massgebenden Kriterien (chronische körperliche Begleiterkrankungen usw.) erkennbar. 

Trotz der zu erhebenden Störungen sei eine zumutbare Willensanstrengung zur 

Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit anzunehmen. Aus rein psychiatrischer Sicht 

könne in einer adaptierten Tätigkeit seit 1/09 eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bei vollem 

Stundenpensum angenommen werden. Für die angestammte Tätigkeit bei der Post sei 

von einer Arbeitsfähigkeit von 40% auszugehen. Adaptiert seien Tätigkeiten ohne 

erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne erforderliche geistige 

Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte, ohne Nachtarbeit und ohne 

überdurchschnittliche Dauerbelastung. Nach dem bisherigen Krankheitsverlauf sei 

innerhalb eines Jahres eine Besserung des psychischen Zustandsbilds mit einer 

Leistungssteigerung (75%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit) zu 

erwarten. Berufliche Massnahmen seien aussichtsreich, die Versicherte zeige 

diesbezüglich eine gewisse Motivation. Der Verdacht von Dr. E.___ auf ein ADHS im 

Erwachsenenalter könne nicht bestätigt werden (keine typischen Symptome). Die 

mittelgradige depressive Störung mit zugrunde liegender Neurasthenie sei ein 

psychisches Leiden mit Krankheitswert. Obwohl sich neben der Arbeitslosigkeit auch 

finanzielle und existenzielle Probleme wegen der zusätzlichen Erkrankung des 

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Ehemanns erheben liessen, überwögen die psychosozialen Faktoren nicht. Auf die 

Frage, ob zur Neurasthenie eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere 

vorliege, antwortete Dr. H.___, neben der Neurasthenie lasse sich eine mittelgradige 

depressive Störung erheben. Trotz dieser Störung sei keine Beeinträchtigung der 

Schmerzverarbeitung und -bewältigung anzunehmen. Somit bestehe keine psychische 

Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer und die Versicherte 

verfüge über ausreichende Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen und den 

neurasthenischen Beschwerden. Die Schmerzen und die Symptome der Neurasthenie 

seien mit einer zumutbaren Willensanstrengung ausreichend überwindbar. Dr. med. 

I.___ vom RAD notierte am 10. Januar 2012 (IV-act. 79-2), das Gutachten sei 

umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. Es liege eine 

mittelgradige depressive Störung vor, die sich aus einer Neurasthenie entwickelt habe. 

Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit betrage 60%. Das Defizit-/

Ressourcen-Profil sei gut herausgearbeitet, aber die Diskussion über die Komorbidität 

sei etwas verwirrend, weil primär eine autonome depressive Erkrankung vorliege.

A.c   Der Rechtsdienst der IV-Stelle ging davon aus, dass die Neurasthenie die 

Grunderkrankung sei, die zur Entstehung einer mittelgradigen depressiven Störung 

geführt habe. Letztere sei das Ergebnis v. a. der belastenden psychosozialen Situation, 

die bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung auszuklammern sei. Die Foerster'schen Kriterien 

seien nicht erfüllt, weshalb von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen 

sei. Dementsprechend ergab der Einkommensvergleich keine Invalidität (IV-act. 81-2). 

Mit einem Vorbescheid vom 20. Februar 2012 (richtig: 20. Januar 2012) kündigte die IV-

Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 83). Die 

Versicherte liess am 21. Februar 2012 einwenden (IV-act. 98), der Sachverhalt sei 

unvollständig abgeklärt worden. Am 22. März 2012 machte die (damalige) 

Rechtsvertreterin ergänzend geltend (IV-act. 100), gemäss den Angaben von Dr. H.___ 

habe die Neurasthenie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit; zur Neurasthenie 

liege keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere vor. Es frage sich nun, 

ob neben der Neurasthenie und der mittelgradigen depressiven Störung ein weiteres 

psychisches Leiden vorliege. Zur Diskussion stehe der Verdacht auf ADHS im 

Erwachsenenalter. Die behandelnde Psychiaterin nehme zur Zeit entsprechende 

Abklärungen vor. Dr. H.___ habe die Aussage, der Verdacht auf ADHS im 

Erwachsenenalter habe nicht bestätigt werden können, nicht begründet. Deshalb 

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müssten weitere und umfassendere Abklärungen in dieser Hinsicht getätigt werden. In 

Bezug auf die mittelgradige depressive Episode habe Dr. H.___ angegeben, es liege 

primär eine autonome depressive Erkrankung vor. Der Rechtsdienst der IV-Stelle 

verkenne, dass eine eigenständige Depression vorliege. Im Übrigen hätte bei der 

Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ein "Leidensabzug" von wenigstens 

15% berücksichtigt werden müssen, weil die Versicherte einen Anfangslohn erhalten 

würde, der niedriger wäre als derjenige einer langjährigen Angestellten und weil sie nie 

auf ihrem erlernten Beruf (Coiffeuse) habe arbeiten können und auch sonst keinerlei 

Berufserfahrung habe. Das Valideneinkommen belaufe sich nicht auf Fr. 59'614.--, 

denn die Versicherte habe 2007 und 2008 Fr. 69'425.-- und Fr. 70'506.-- verdient. Die 

IV-Stelle wies das Rentengesuch mit einer Verfügung vom 4. April 2012 ab (IV-act. 

102). Sie begründete das mit einem Invaliditätsgrad von 0%.

B.       

B.a   Die Versicherte liess am 15. Mai 2012 Beschwerde erheben und die Zusprache

einer Dreiviertelsrente rückwirkend ab 1. Januar 2010 beantragen; eventualiter sei das 

Verfahren zur Vornahme ergänzender medizinischer Abklärungen sowie zur erneuten 

psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 1). 

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führte zur Begründung insbesondere aus, 

das Gutachten von Dr. H.___ sei unvollständig, weil es den Verdacht der behandelnden 

Psychiaterin auf das Bestehen einer ADHS im Erwachsenenalter ohne weitere 

Abklärung und Begründung negiere. Das Gutachten sei auch widersprüchlich, weil es 

zwar das Bestehen einer Komorbidität verneine, jedoch gleichzeitig eine Einschränkung 

des Gesundheitszustands in einem invalidisierenden Ausmass attestiere. Schliesslich 

sei es auch verwirrend in Bezug auf die Ausführungen betreffend die 

Schmerzüberwindung, weil primär eine autonome depressive Erkrankung vorliege. 

Selbst wenn auf dieses Gutachten abgestellt werde, sei die seitens des Rechtsdienstes 

der Beschwerdegegnerin gezogene Schlussfolgerung medizinisch unhaltbar. Die 

Abklärungen betreffend ADHS im Erwachsenenalter dauerten zwar noch an, aber es 

könne bereits mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Bestehen dieser Krankheit 

ausgegangen werden. Die typischen Auffälligkeiten bei einer an ADHS leidenden 

Person seien geeignet, die Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen. Weil Dr. H.___ die 

Diagnose ADHS ohne jede Abklärung pauschal verneint habe, erfülle sein Gutachten 

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die Anforderungen der bundesgerichtlichen Praxis nicht und sei deshalb unvollständig. 

Das Gutachten sei auch widersprüchlich, denn wenn eine autonome depressive 

Erkrankung in der Form einer mittelgradigen depressiven Störung für die 

Arbeitsunfähigkeit verantwortlich sei, dann schössen die Ausführungen zur 

Überwindbarkeit der Schmerzen und der neurasthenischen Beschwerden mangels 

Relevanz am Ziel vorbei. Die Invalidisierung stütze sich auf die depressive Störung und 

eben gerade nicht auf die Neurasthenie. In sämtlichen ärztlichen Berichten sei der 

Gesundheitszustand als stationär bezeichnet worden. Dr. H.___ gehe aber davon aus, 

dass sich die Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahres auf 75% steigern lasse. Der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt zusammenfassend fest, dass mit der 

Bestätigung der mittelgradigen depressiven Störung als eigenständige Krankheit von 

invalidisierendem Ausmass keine weiteren Abklärungen bezüglich der Zumutbarkeit der 

Schmerzüberwindung mit Blick auf die Neurasthenie mehr nötig seien. Mit Blick auf die 

Depression liege eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer 

vor. Deshalb sei auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit abzustellen. Massgebend für die 

Bemessung des Valideneinkommens sei der zuletzt erzielte Lohn. Bei der Ermittlung 

des zumutbaren Invalideneinkommens sei von einem durchschnittlichen Jahreslohn 

von Fr. 52'056.-- auszugehen. Davon sei ein Abzug von 15% zu machen, was bei 

einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% ein Einkommen von Fr. 26'548.55 ergebe. 

Verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 69'965.50 resultiere eine Einbusse von 

Fr. 43'416.95. Das entspreche einem Invaliditätsgrad von 62%.

B.b   Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Juni 2012 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 4). Sie machte sinngemäss geltend, es sei nicht erkennbar, wieso 

die Feststellung von Dr. H.___, es lägen keine Symptome vor, die auf eine ADHS 

hindeuten würden, falsch sein sollte. Selbst wenn eine ADHS vorläge, könnte sie nicht 

invalidisierend sein. Sie hätte sich nämlich im Kindesalter entwickelt und deshalb 

Auswirkungen auf den schulischen und beruflichen Werdegang der 

Beschwerdeführerin gehabt. Diese habe die Schule aber normal absolviert und dann 

einen Beruf erlernt. Von 1999 bis 2008 habe sie in einem Vollpensum arbeiten können. 

Das zeige, dass eine allfällige ADHS keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben 

könne. Demnach seien weitere Abklärungen diesbezüglich überflüssig. Die 

diagnostizierte Neurasthenie sei unbestrittenermassen nicht invalidisierend. Die 

Entwicklung des Gesundheitszustands zeige, dass sich die Depression aus der 

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Neurasthenie ableite. Die Beschwerdeführerin sei durch die Überforderung 

(Vollzeitpensum, Nachtarbeit, Kinder) überfordert gewesen, was dazu geführt habe, 

dass sie "ausgebrannt" gewesen sei. Dabei handle es sich um psychosoziale Faktoren, 

die keine Invalidität begründen könnten. Die Aussage von Dr. H.___, die 

psychosozialen Umstände überwögen nicht, sei nicht nachvollziehbar, denn Dr. H.___ 

leite die mittelgradige depressive Störung ja gerade aus der Neurasthenie bzw. den 

belastenden psychosozialen Umständen ab. Das Fehlen einer antidepressiven 

Medikation spreche gegen eine invalidisierende Depression. Es sei keine massgebende 

psychische Komorbidität vorhanden. Das Valideneinkommen betrage Fr. 70'506.--. Die 

selbstverschuldete Arbeitslosigkeit sei nicht invalidisierend, d.h. es sei von einem 

zumutbaren Invalideneinkommen von ebenfalls Fr. 70'506.-- auszugehen. Selbst bei 

einem zumutbaren Invalideneinkommen von lediglich Fr 51'368.-- (Durchschnittslohn 

der Hilfsarbeiterinnen) würde nur ein Invaliditätsgrad von 28% resultieren.

B.c   Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wandte am 30. August 2012 

insbesondere ein (act. G 6), entscheidend sei, dass Dr. H.___ bezüglich der 

mittelgradigen depressiven Störung von einem autonomen Leiden ausgegangen sei. 

Zudem habe er eine invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung attestiert. Er habe 

aber nur in einem Satz erwähnt, dass keine ADHS vorliege. Weder habe er erklärt, wie 

er das abgeklärt habe, noch habe er seine Auffassung begründet. Damit sei sein 

Gutachten unvollständig. Die ADHS könne aufgrund ihrer organischen Ursache nicht 

durch eine zumutbare Willensanstrengung überwunden werden. Es sei plausibel, dass 

sie sich erst im Zusammenhang mit der kompletten Überlastungssituation störend 

bemerkbar gemacht habe. Gemäss dem Zwischenbericht von Dr. E.___ entspreche die 

von Dr. H.___ umschriebene Symptomatik weitgehend den Symptomen der ADHS. 

Diese wirke sich sehr wohl auf die Leistungspflicht der Beschwerdeführerin aus. Die 

Beschwerdegegnerin gehe fälschlicherweise davon aus, dass sich die Depression aus 

der Neurasthenie ableite. Dr. H.___ sei sehr wohl in der Lage gewesen, diese zwei 

Diagnosen sauber auseinander zu halten. Die mittelgradige Depression und die 

neurasthenischen Beschwerden bestünden nebeneinander. Die Beschwerdegegnerin 

habe die mittelgradige depressive Störung willkürlich auf psychosoziale Faktoren 

zurückgeführt. Dr. H.___ sei zum gegenteiligen Schluss gelangt, nämlich dass die 

psychosozialen Faktoren nicht überwögen. Die Beschwerdeführerin werde seit längerer 

Zeit mit dem Medikament Concerta behandelt. Dieses werde sowohl bei ADHS als 

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auch bei therapieresistenten Depressionen eingesetzt. Dr. E.___ hatte in einem an den 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin adressierten Bericht vom 17. Juli 2012 (act. G 

6.1) u. a. festgehalten, die ADHS könne sowohl mit Störungen der Impulsivität und mit 

Hyperaktivität, aber auch mit einem Aufmerksamkeitsdefizit einhergehen. Die 

Beschwerdeführerin weise die Symptome der Hyperaktivität und der 

Aufmerksamkeitsstörung auf. Unter der Behandlung mit Concerta habe sich das 

Zustandsbild erheblich gebessert. Die Beschwerdeführerin arbeite seit dem 1. Mai 

2012 teilzeitlich als Verkaufshilfe in einer Bäckerei. Sie habe sich dort gut bewährt. Sie 

leide an einer ADHS im Erwachsenenalter und an einer Erschöpfungsdepression.

B.d   Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:

1.      

Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder 

verbessern können (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG), die während eines Jahres ohne 

wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen 

sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und die nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% 

invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG), denn ein Rentenanspruch besteht erst ab diesem 

Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 IVG).

2.      

Die Post als letzte Arbeitgeberin hat angegeben, die Beschwerdeführerin sei ab

4. Januar 2009 krankheitsbedingt nicht mehr zur Arbeit erschienen. Dr. B.___ hat als 

Beginn der Arbeitsunfähigkeit ebenfalls den 4. Januar 2009 angegeben. Dr. H.___ hat 

diese Angaben in seinem Gutachten als überzeugend qualifiziert und deshalb den 

Beginn der Arbeitsunfähigkeit ebenfalls auf Januar 2009 datiert. Besteht eine 

Arbeitsunfähigkeit in mindestens dem von Dr. H.___ angegebenen Ausmass von 40%, 

so ist das in Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG vorgesehene Wartejahr im Januar 2010 erfüllt 

gewesen, so dass ein allfälliger Rentenanspruch ab 1. Januar 2010 zu prüfen ist. 

Sowohl im Zusammenhang mit der Erfüllung des Wartejahrs als auch im 

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Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung stellt sich also die Frage nach der 

überwiegend wahrscheinlichen Arbeitsunfähigkeit in der Zeit ab 4. Januar 2009. Die 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. B.___ und des Ambulatoriums für 

Sozialpsychiatrie (0%) vermögen nicht zu überzeugen, zum einen weil sie aus einer 

therapeutischen Sicht heraus abgegeben worden sind, zum andern weil darauf 

hingewiesen worden ist, dass bei einer geeigneten Therapie mit einer baldigen 

Besserung zu rechnen sei. Eine in dieser Erwartung abgegebene 

Arbeitsfähigkeitsschätzung kann nicht geeignet sein, als Grundlage einer 

notwendigerweise auf lange Dauer angelegten Invaliditätsbemessung zu dienen. Die 

während der beruflichen Abklärung beobachtete Arbeitsleistung der 

Beschwerdeführerin ist ebenfalls nicht geeignet, die Grundlage der 

Invaliditätsbemessung zu bilden, da sie im Ergebnis nur die Selbsteinschätzung der 

Beschwerdeführerin wiedergespiegelt hat. Das dürfte auch für die von Dr. B.___ nach 

der beruflichen Abklärung angegebene Arbeitsfähigkeit von 20-30% gelten. Der Bericht 

von Dr. E.___, in dem die Arbeitsfähigkeit auf wenigstens 50% geschätzt worden ist, 

dürfte zwar auf einer längerfristig ausgerichteten Betrachtung beruht haben, da 

gleichzeitig eine Berufsberatung empfohlen worden ist. Aber grundsätzlich gilt auch für 

sie, dass sie von einer behandelnden Ärztin abgegeben worden ist, was praxisgemäss 

als gegen ihre Überzeugungskraft sprechend zu betrachten ist. Immerhin ist sie als 

Indiz dafür zu würdigen, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters Dr. H.___ 

richtig ist. Dr. H.___ hat seine Einschätzung aus rein gutachterlicher Sicht abgegeben. 

Das bedeutet, dass er den Arbeitsfähigkeitsgrad objektiv (d.h. unter Berücksichtigung 

einer zumutbaren Willensanstrengung zur Übermittlung der subjektiven 

Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung) ermittelt hat und dass die Einschätzung - unter 

Berücksichtigung der innert Jahresfrist erwarteten Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 

60% auf 75% - grundsätzlich langfristig ausgerichtet gewesen ist. Die Ausführungen 

von Dr. H.___ lassen darauf schliessen, dass er die Untersuchung lege artis 

vorgenommen hat. Dass er den von Dr. E.___ geäusserten Verdacht auf das Vorliegen 

einer ADHS im Erwachsenenalter verneint, dies aber nicht weiter begründet hat, ist 

zwar als Schwäche des Gutachtens zu werten, ändert aber bei der Gesamtwürdigung 

nichts daran, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung als überwiegend wahrscheinlich 

richtig zu betrachten ist. Es muss nämlich davon ausgegangen werden, dass Dr. H.___ 

als erfahrener Gutachter den Verdacht auf ein ADHS sorgfältig geprüft hat und dass 

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das Ergebnis dieser Prüfung negativ gewesen ist. Gemäss den Angaben von Dr. H.___ 

hat die Mehrfachbelastung der Beschwerdeführerin durch die Schichtarbeit, die 

Haushaltsbesorgung und die Kinderbetreuung zunächst eine Neurasthenie 

(Erschöpfungssyndrom) ausgelöst. Diese ist gekennzeichnet gewesen durch rasche 

Erschöpfbarkeit, vermehrte Müdigkeit, anfangs vermehrte Unruhe mit Reizbarkeit und 

häufigem Streit bei der Arbeit und der Familie, Schlafstörungen, Lustlosigkeit und 

Antriebsminderung. Das psychische Zustandsbild hat sich dann verschlechtert und es 

hat sich zusätzlich eine mittelgradige depressive Störung entwickelt. Die Symptome 

des neurasthenischen Beschwerdebildes sind erhalten geblieben. Dr. H.___ hat diese 

Kombination aus Neurasthenie und mittelgradiger depressiver Störung in Bezug auf die 

neurastheniebedingten Beschwerden als durch eine zumutbare Willensanstrengung 

überwindbar qualifiziert. Die von ihm angegebene Arbeitsunfähigkeit beruht also nicht 

auf den Auswirkungen der Neurasthenie, sondern auf denjenigen der mittelgradigen 

depressiven Störung. Deren typische Symptome wie Antriebsminderung, 

Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen, eingeengtes Denken usw. lassen 

sich durch eine Willensanstrengung nicht überwinden, da sie nicht oder nur 

ansatzweise willentlich beeinflusst werden können. Der Alltag der Beschwerdeführerin 

zeigt aber, dass noch erhebliche Ressourcen bestehen, so dass die 

Beschwerdeführerin noch verschiedenen Aktivitäten (Haushaltbesorgung, 

Kinderbetreuung) nachgehen kann. Deshalb kann die mittelgradige depressive Episode 

keine vollständige Arbeitsunfähigkeit bewirkt haben. Im Gegenteil ist davon 

auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit in einem erheblichen Ausmass erhalten 

geblieben ist. Dies deckt sich mit der von Dr. H.___ angegebenen Arbeitsfähigkeit. 

Dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit mit 

60% deutlich höher ist als in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin 

bei der Post (40%), ist nachvollziehbar. Vergleicht man nämlich die Charakteristika 

einer adaptierten Arbeit (keine emotionale Belastung, kein erhöhter Zeitdruck, kein 

Bedarf nach geistiger Flexibilität, keine Nachtarbeit, keine überdurchschnittliche 

Dauerbelastung) mit den Anforderungen, welche die frühere Arbeit bei der Post stellen 

würde, so ist offensichtlich, dass diese frühere Arbeit weitgehend nicht adaptiert ist. 

Die Symptome der mittelgradigen depressiven Episode würden sich hier erheblicher 

stärker auf die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin auswirken als in einer 

adaptierten Erwerbstätigkeit. Dass die Neurasthenie und später - teilweise indirekt - 

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auch die mittelgradige depressive Episode ihre Ursache in den belastenden 

psychosozialen Verhältnissen gehabt haben, in denen die Beschwerdeführerin seit 

Jahren lebte, ist in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit irrelevant, denn deren direkte 

Ursache ist die Krankheit mit ihren belastenden Symptomen und nicht die 

psychosoziale Situation. Diese ist zwar die Ursache der Krankheit, aber das ist in der 

rein final ausgerichteten Invalidenversicherung irrelevant. Selbst wenn man für die 

Zukunft eine ideale psychosoziale Situation fingieren würde (was wohl nur unter 

Berufung auf die - damit aber völlig überdehnte - IV-spezifische 

Schadenminderungspflicht möglich wäre), wäre die Arbeitsunfähigkeit nicht einfach 

wieder zu 100% gegeben, denn die Krankheit würde sich nur allmählich wieder 

zurückbilden. Die Beschwerdeführerin ist somit seit Januar 2009 mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 40% und in der früheren 

Tätigkeit bei der Post zu 60% arbeitsunfähig. Sie hat somit das Wartejahr im Januar 

2010 erfüllt, so dass ein Rentenanspruch ab 1. Januar 2010 zu prüfen ist.

3.      

Die für den Rentenanspruch massgebende Invalidität ist gemäss Art. 16 ATSG durch 

einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte 

Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen 

könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das 

sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Als 

Folge der Erwerbsunfähigkeit ihres Ehemanns wäre die Beschwerdeführerin im 

hypothetischen "Gesundheitsfall" auf ein möglichst hohes Erwerbseinkommen 

angewiesen. Als Coiffeuse oder als Hilfsarbeiterin in der Privatwirtschaft wäre es ihr 

nicht möglich, ein Einkommen zu erzielen, das höher wäre als dasjenige, das sie an 

ihrem (früheren) Arbeitsplatz bei der Post erhalten würde. Deshalb ist anzunehmen, 

dass die Beschwerdeführerin auch in den Jahren ab 2009 ihre Arbeitsstelle bei der 

Post behalten hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. Ihre "Validenkarriere" besteht 

deshalb in der hypothetischen weiteren Ausübung der angestammten Tätigkeit bei der 

Post. Davon ist auch die Beschwerdegegnerin ausgegangen. Sie hat das 

Valideneinkommen aber im Rahmen des Verwaltungsverfahrens nicht anhand des 2008 

effektiv ausbezahlten Lohns von Fr. 70'506.-- ermittelt. Stattdessen hat sie den Betrag 

von Fr. 59'614.-- als Valideneinkommen in den Einkommensvergleich eingesetzt. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

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Dieser Betrag stammt ebenfalls aus dem von der Post ausgefüllten 

Arbeitgeberfragebogen. Auf die Frage, ob der Lohn der Arbeitsleistung entspreche, 

hatte die Post angegeben, der Leistungslohn betrage Fr. 0.--, der Anteil Soziallohn Fr. 

59'614.--. Dabei dürfte es sich aber nicht um einen Soziallohn im rechtlichen Sinn, 

sondern um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (allenfalls die Krankentaggelder) 

gehandelt haben, die der Beschwerdeführerin nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit 

ausgerichtet worden ist. Für das Valideneinkommen ist dieser Betrag nicht 

massgebend. Auszugehen ist von dem - hypothetischen - Lohn, den die 

Beschwerdeführerin im Jahr 2010 erzielt hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. Der 

Jahreslohn 2008 hat Fr. 70'506.-- betragen. Der allgemeinen Nominallohnentwicklung 

bis 2010 angepasst ergibt das ein Valideneinkommen von Fr. 72'461.--. Die 

angestammte Tätigkeit bei der Post könnte noch zu 40% ausgeübt werden. Das ergibt 

ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 28'984.--. Über den 

Arbeitsunfähigkeitsgrad hinausgehende Nachteile hätte die Beschwerdeführerin bei der 

Post nämlich nicht in Kauf zu nehmen. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von 

Fr. 43'477.-- entspricht einem Invaliditätsgrad von 60%. Da die Beschwerdeführerin 

den erlernten Beruf der Coiffeuse seit langer Zeit nicht mehr ausgeübt hat, kommt die 

Wiederaufnahme dieser Tätigkeit als "Invalidenkarriere" nicht in Frage. Die 

Beschwerdeführerin könnte aber zu 60% einer adaptierten Hilfsarbeit nachgehen. Der 

Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen hat sich im Jahr 2010 auf Fr. 52'790.-- 

belaufen (vgl. die von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebene Textausgabe des 

IVG, Stand 1. Januar 2012, Anhang 2). Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% ergibt 

das ein Jahreseinkommen von Fr. 31'674.--. Die Beschwerdeführerin würde als 

Arbeitnehmerin für einen potentiellen Arbeitgeber verschiedene Nachteile gegenüber 

einer gesunden Hilfsarbeiterin aufweisen. Diese Nachteile (Gefahr 

überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, Unfähigkeit zur Leistung von Überstunden 

bzw. zu einer vorübergehenden Anhebung des Beschäftigungsgrads, fehlende 

Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsplatz, Bedarf nach besonderer Rücksichtnahme 

usw.) stellen betriebswirtschaftlich betrachtet zusätzliche Lohnkosten dar, die bei 

gesunden Hilfsarbeiterinnen nicht anfallen. Deshalb müsste die Beschwerdeführerin 

ihre Arbeitskraft zu einem unterdurchschnittlichen Lohn anbieten, um dieselbe Chance 

auf einen Arbeitsplatz zu haben wie eine gesunde Hilfsarbeiterin. Diese Lohnnachteile 

sind allerdings nicht genau bezifferbar. Deshalb wird praxisgemäss ein pauschaler 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

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Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Im vorliegenden Fall erscheint ein Abzug von 

10% als angemessen. Das ergibt ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 

28'507.--. Die Erwerbseinbusse von Fr. 43'954.-- entspricht einem Invaliditätsgrad von 

(aufgerundet) 61%. Grundsätzlich besteht somit ein Anspruch auf eine 

Dreiviertelsrente.

4.      

Ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht nur, wenn die Erwerbsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen verbessert 

werden kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl. 

etwa U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Vorbemerkungen N. 47) umfasst medizinische 

und berufliche Eingliederungsmassnahmen. Von medizinischen Massnahmen ist nur 

bei langfristiger Betrachtung eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu erwarten. 

Sollte sich in der Zukunft eine erhebliche Verbesserung einstellen, wird die 

Beschwerdegegnerin der entsprechenden Erhöhung der Erwerbsfähigkeit im Rahmen 

eines Rentenrevisionsverfahrens (Art. 17 Abs. 1 IVG) Rechnung tragen. Das vorliegende 

Verfahren kann nicht bis zum Zeitpunkt sistiert werden, in dem eine allfällige 

Verbesserung erreicht sein wird, denn eine rentenrelevante Invalidität liegt gemäss Art. 

8 Abs. 1 ATSG bereits dann vor, wenn voraussichtlich für eine längere Zeit eine 

teilweise Erwerbsunfähigkeit vorliegen wird. In Bezug auf die berufliche Eingliederung 

ist festzuhalten, dass eine Wiedereinschulung (Art. 17 Abs. 2 IVG) in den Beruf der 

Coiffeuse keine rentenrelevante Eingliederung wäre, weil auch in diesem Beruf eine 

Arbeitsunfähigkeit von wenigstens 40% bestehen würde und weil das durchschnittliche 

Lohnniveau dieses Berufs erheblich unter dem Valideneinkommen, d.h. dem Lohn liegt, 

den die Beschwerdeführerin an ihrem angestammten Arbeitsplatz bei der Post erzielen 

könnte. Auch bei einer erfolgreichen Wiedereinschulung käme es also nicht zu einer 

Verbesserung der Erwerbsfähigkeit. Die einzige berufliche Eingliederungsmöglichkeit, 

die dazu führen würde, dass die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin wesentlich, 

d.h. rentenrelevant besser wäre, ist eine sogenannte höherwertige Umschulung, also 

eine berufliche Ausbildung, die der Beschwerdeführerin eine deutlich höhere berufliche 

Qualifikation und damit auch ein deutlich höheres Lohnniveau verschaffen würde. Das 

Einkommen müsste neu so hoch sein, dass behinderungsbedingte Erwerbseinbusse - 

trotz der Arbeitsunfähigkeit von 40% und trotz des hohen Valideneinkommens - unter 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

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40% zu liegen käme. Ob die Beschwerdeführerin über die Fähigkeiten verfügt, die nötig 

sind, um einen solchen Beruf zu erlernen, ist von der Beschwerdegegnerin nicht 

berufsberaterisch abgeklärt worden, weil diese von einem Invaliditätsgrad von weniger 

als 40% ausgegangen ist. Die Frage kann vorliegend unbeantwortet bleiben, denn 

angesichts der Art und der Schwere der Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit 

ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht umschulungsfähig, d.h. nicht 

in der Lage ist, sich erfolgreich einer qualifizierten Berufsausbildung zu unterziehen. 

Sollte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Zukunft so weit 

verbessern, dass die Beschwerdeführerin eine qualifizierte Umschulung absolvieren 

kann, wird die Beschwerdegegnerin anschliessend ein Rentenrevisionsverfahren 

eröffnen und gegebenenfalls dem Eingliederungserfolg durch eine Herabsetzung oder 

Aufhebung der Invalidenrente Rechnung tragen. Da somit auch die Voraussetzung des 

Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG erfüllt ist, steht fest, dass die Beschwerdeführerin einen 

Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat.

5.      

Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ist mit 

Wirkung ab 1. Januar 2010 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Die 

Beschwerdegegnerin, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird den Betrag der 

Dreiviertelsrente zu ermitteln und eine entsprechende Nachzahlung auszurichten 

haben. Da die Beschwerdeführerin vollumfänglich obsiegt, hat sie einen Anspruch auf 

eine volle Parteientschädigung. Diese ist angesichts des als durchschnittlich zu 

wertenden Vertretungsaufwands praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die vollumfänglich unterliegende 

Beschwerdegegnerin hat für die Kosten des Gerichtsverfahrens aufzukommen. Auch 

der Beurteilungsaufwand ist als durchschnittlich zu werten, so dass die Gerichtsgebühr 

praxisgemäss auf Fr. 600.-- festgesetzt wird. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist 

dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

 

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

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entschieden:

1.       Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, dass der Beschwerdeführerin 

rückwirkend ab 1. Januar 2010 eine Dreiviertelsrente zugesprochen wird; die Sache 

wird zur Ermittlung des Rentenbetrags und zur Ausrichtung der Rentenleistungen an 

die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- zu bezahlen (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).

3.       Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen; der 

in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird dem Beschwerdeführer 

zurückerstattet.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 22.05.2013
	Art. 16 ATSG. Invaliditätsbemessung mittels Einkommensvergleich (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 22. Mai 2013, IV 2012/192). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 9C_454/2013.

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