# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64a42f35-3862-5ee8-8e91-cb3a1cb56570
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 E-4298/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4298-2008_2011-10-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­4298/2008

U r t e i l   v om   2 8 .   O k t ob e r   2 0 1 1  

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richter Kurt Gysi,
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______,
Beschwerdeführerin,

und ihr Kind B._______,
Beschwerdeführer,

Kongo (Kinshasa), (…),

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 7. Mai 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  die  Beschwerdeführerin  ihren 
Heimatstaat am (…) 2006 mit dem Flugzeug und gelangte am (…) 2006 
über  den  Flughafen  Genf  mit  einem  gültigen  Visum  versehen  in  die 
Schweiz. (…). 

Am 24. Juli 2006 suchte sie im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) 
Vallorbe um Asyl nach.

Anlässlich der Befragung vom 28. Juli 2006  im EVZ und der kantonalen 
Anhörung  vom  6.  Oktober  2006  zu  den  Asylgründen  machte  die 
Beschwerdeführerin im Wesentlichen Folgendes geltend: 

Sie habe in Kinshasa für die Firma C._______ gearbeitet und sei zudem 
(…)  der  Universität  Kinshasa  gewesen.  (…).  Ihr  Bruder  D._______  sei 
seit ungefähr dem Jahr 2002 Präsident der Partei (…) gewesen und habe 
die Wahlkampagne  des  Präsidentschaftskandidaten  E._______  geleitet. 
Am (…) 2006 habe die Beschwerdeführerin versucht, den (…) telefonisch 
zu erreichen; die Verbindung sei jedoch unterbrochen gewesen. Am (…) 
2006 habe sie von diesem Bruder eine E­Mail erhalten,  in der er  ihr von 
seinen  politischen  Problemen  berichtet  habe:  Nach  einem  von  ihm 
organisierten Marsch der Opposition vom (…) habe das Militär bei Ihnen 
zu Hause eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Bruder und andere 
im  Haus  befindliche  Familienangehörige  hätten  sich  noch  rechtzeitig 
entfernen können. In der E­Mail habe der Bruder sie aufgefordert, nicht in 
die  Heimat  zurückzukehren.  Anschliessend  sei  er  nach  F._______ 
zurückgekehrt,  wo  er  eine  Aufenthaltsbewilligung  habe.  Die 
Beschwerdeführerin habe seit dem (…) 2006 keine Verbindung mit ihren 
Eltern  mehr.  Der  andere  Bruder  G._______  sei  immer  noch  inhaftiert. 
Dem Cousin H._______ sei ebenfalls Schlimmes widerfahren. Nach einer 
Rückkehr würde sie mit Sicherheit auch festgenommen.

Zum Beleg  ihrer Vorbringen übergab die Beschwerdeführerin  dem BFM 
unter  anderem die  folgenden Beweismittel:  zwei  den Bruder D._______ 
betreffende Vorladungen, die Zeitung (…) vom (…) 2006 mit zwei Fotos 
der erwähnten Kundgebung, zwei UNO­Schreiben betreffend D._______, 
einen  Bericht  von  (…),  zwei  Berichte  über  Wahlfälschungen,  einen 
Zeitungsartikel über Brandstiftungen an Wahlbüros und Entführungen von 
Mitarbeitern jenes Bruders, Unterlagen über das Gerichtsverfahren gegen 
den Bruder G._______ und andere Personen, die Zeitung  (…) vom (…) 

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2006  über  die  Festnahme  von  (…)  Delegierten  einschliesslich  des 
Bruders  G._______,  ein  Schreiben  dieses  Bruders  an  (…),  Fotografien 
und mehrere Internet­Ausdrucke.

Mit  Schreiben  vom  15.  Februar  2008  ersuchte  das  BFM  die 
schweizerische  Botschaft  in  Kinshasa  um  nähere  Abklärungen.  Die 
Botschaftsantwort  vom  19. März  2008  traf  am  3.  April  2008  beim  BFM 
ein; am 14. April 2008 wurde der Beschwerdeführerin dazu das rechtliche 
Gehör gewährt. Mit Eingabe vom 20. April 2008 bezog sie Stellung.

B. 
Mit Verfügung vom 7. Mai 2008 – eröffnet am 9. Mai 2008 – stellte das 
BFM  im  Wesentlichen  fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin 
würden  den Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  nicht  standhalten,  so 
dass keine Prüfung der der asylrechtlichen Relevanz erforderlich sei. Das 
BFM  lehnte  deshalb  das  Asylgesuch  ab,  verfügte  die Wegweisung  der 
Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.

C. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  29.  Mai  2008,  die  beim  BFM  eingereicht 
und  von  diesem  am  25.  Juni  2008  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  worden  war,  beantragte  die 
Beschwerdeführerin  sinngemäss  die  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung, die Feststellung des Erfüllens der Flüchtlingseigenschaft und 
die Gewährung von Asyl.

D. 
Mit  Instruktionsverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  27.  Juni 
2008  bestätigte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Eingang  der 
Beschwerde  vom  29.  Mai  2008  und  verwies  gleichzeitig  auf  die 
Bestimmung von Art. 42 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 
142.31).

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E. 
Mit Zwischenverfügung vom 28. Juli 2008 wurde der Beschwerdeführerin 
Frist  zur  Leistung  eines  Kostenvorschusses  von  Fr.  600.–  gesetzt,  den 
sie am 4. August 2008 fristgerecht überwies.

F. 
Mit Zwischenverfügung vom 25. Mai 2009 wurde das BFM in Anwendung 
von  Art.  57  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zur  Einreichung  einer 
Stellungnahme  bis  am  10.  Juni  2009  eingeladen.  Am  27.  Mai  2009 
reichte das BFM seine Vernehmlassung zu den Akten und beantragte die 
Abweisung des Rechtsmittels. 

Am  28.  Mai  2009  wurde  die  Vernehmlassung  des  BFM  der 
Beschwerdeführerin  zur  Kenntnisnahme  zugestellt.  Mit  Eingabe  vom 
9. Juni 2009 verdankte die Beschwerdeführerin die  ihr am 28. Mai 2009 
zur Kenntnis gebrachte Stellungnahme des BFM. 

G. 
Mit Eingabe  vom 11. September  2009  ersuchte  die Beschwerdeführerin 
um Einsicht  in  die  Akten  des BFM. Der  Instruktionsrichter  überwies  die 
Vorakten mit Verfügung vom 17. September 2009 zu diesem Zweck an 
das BFM, das der Beschwerdeführerin am 29. September 2009 Einsicht 
in ihre Akten gewährte.

H. 
(…) brachte die Beschwerdeführerin in der Schweiz einen Sohn zur Welt. 
Den Akten ist die Identität des Vaters nicht zu entnehmen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

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vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.4.  Der  während  des  Beschwerdeverfahrens  geborene  Sohn  der 
Beschwerdeführerin  ist  in  das  Asyl(beschwerde)verfahren  der  Mutter 
einzubeziehen.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

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Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  In  ihrer  Beschwerdeeingabe  macht  die  Beschwerdeführerin  zuerst 
geltend, in der angefochtenen Verfügung sei den Ergänzungen, die sie in 
ihren  Eingaben  an  das  BFM  vom  24.  und  25.  April  2008  zur  Stützung 
ihrer  früheren  Aussagen  angebracht  habe,  nicht  Rechnung  getragen 
worden. Die von ihr geltend gemachte Unsicherheit im Kongo (Kinshasa) 
bestehe  weiterhin  und  dass  die  Risiken  für  ihr  Leben  sowie  dasjenige 
ihrer  Familie  seien  gross.  Die  Feststellungen  des  BFM,  ihr  Bruder 
G._______  sei  in  der  Heimat  unbehelligt  und  könne  sich  frei  bewegen, 
seien  unzutreffend;  vielmehr  stehe  er  unter  Hausarrest.  Weil  die 
Regierung ihn nicht mehr direkt belangen könne, ohne eine Reaktion des 
Volkes zu provozieren, habe sie  ihre Taktik geändert und  lasse nun die 
Familienangehörigen  derjenigen  leiden,  die  als  Bedrohung  für  die 
Regierung  angesehen  würden.  Der  in  F._______  als  Flüchtling 
anerkannte Bruder D._______  stehe  unter  besonderem Schutz  der  (…) 
Regierung  und  seine  in  H._______  lebende  ehemalige  Sekretärin  und 
Mitarbeiterin  habe  von  der  (…)  Regierung  ebenfalls  politisches  Asyl 
erhalten.  Schliesslich  äussert  die  Beschwerdeführerin  ihre  Zweifel 
darüber,  dass  die  vor  Ort  recherchierenden  Vertrauenspersonen  der 
Botschaft tatsächlich ihre Familienangehörigen getroffen hätten. 

4.2.  Die  Vorinstanz  hatte  sich  zur  Begründung  ihres  ablehnenden 
Entscheids  ausschliesslich  auf  das  Ergebnis  der  Abklärungen  der 
Botschaft  in  Kinshasa  abgestützt  und  die  Asylvorbringen  der 
Beschwerdeführerin  als  unglaubhaft  qualifiziert,  weshalb  die  Frage  der 
flüchtlingsrechtlichen Relevanz sich nicht mehr stelle.

4.3.  Der  Beschwerdeführerin  ist  insoweit  beizupflichten  als  diese 
Argumentation des BFM zu kurz greift: 

Im  Rahmen  des  vorliegenden  Asylverfahrens  waren  verschiedene 
Dokumente  zu  den  Akten  gereicht  worden,  die  das  regimekritische 
politische  Wirken  ihres  Bruders  D._______  und  staatliche 
Verfolgungsmassnahmen  gegen  diesen  sowie  den  Bruder  G._______ 
belegen.  Die  Botschaft  hielt  in  ihrem  Bericht  vom  19.  März  2008 

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ausdrücklich  fest,  die  von  der  Beschwerdeführerin  eingereichten 
Beweismittel,  namentlich  die  gerichtlichen  Vorladungen  und  die 
Medienberichte,  hätten  sich  als  authentisch  erwiesen.  Mit  der 
Stellungnahme  vom  20.  April  2008  hatte  die  Beschwerdeführerin 
einerseits  eine  Kopie  des  positiven  Asylentscheids  der  (…)  Behörden 
betreffend  D._______  (und  dessen  Angehörige)  zu  den  Akten  gereicht; 
andererseits  erlaubt  das  ebenfalls  beigebrachte  Urteil  eines  (…) 
Asylrichters  vom  (…)  zugunsten  einer  früheren  Mitarbeiterin  von 
D._______  einen  guten  Einblick  in  die  relativ  exponierte  politische 
Tätigkeit  des  Bruders  der  Beschwerdeführerin  als  "chief  advisor"  des 
Präsidentschaftskandidaten E._______.

4.4.  Bei  der  Beurteilung  der  flüchtlingsrechtlichen  Relevanz  der 
Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht  indessen  zum  gleichen  Ergebnis  wie  das 
BFM, der Nichtanerkennung der Flüchtlingseigenschaft:

4.4.1.  Die  Beschwerdeführerin  war  bisher  keinen  Nachteilen  gemäss 
Art. 3  Abs.  2  AsylG  ausgesetzt.  Es  stellt  sich  die  Frage,  ob  sie  solche 
berechtigterweise in Zukunft befürchten muss.

4.4.2.  Von  einer  begründeten  Furcht  vor  künftiger  flüchtlingsrechtlich 
relevanter  Verfolgung  ist  nach  Lehre  und  Praxis  auszugehen,  wenn 
konkreter  Anlass  für  die  Annahme  besteht,  diese  werde  sich  mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine 
bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung  genügt  demgegenüber 
nicht;  es  müssen  konkrete  Indizien  vorliegen,  welche  den  Eintritt  der 
erwarteten  (aus  einem  der  vom  Gesetz  abschliessend  aufgezählten 
Motive erfolgenden) Nachteile  als wahrscheinlich und dementsprechend 
die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  erscheinen  lassen 
(vgl.  zum  Ganzen:  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen] 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr.  21  E.  7  S. 
193 f., EMARK 2005 Nr. 7 E. 7.1 S. 69 f. und EMARK 2000 Nr. 9 E. 5a S. 
78,  je  mit  weiteren  Hinweisen).  Die  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung 
umfasst  gemäss  den  von  der  Rechtsprechung  entwickelten  Kriterien 
einerseits  ein  auf  tatsächlichen  Gegebenheiten  beruhendes  objektives 
Element  sowie  andererseits  die  persönliche  Furchtempfindung  der 
betroffenen Person als  subjektives Element. Dabei hat eine Person, die 
bereits früher staatlicher Verfolgung ausgesetzt war, objektive Gründe für 
eine  ausgeprägtere  Furcht,  selbst  wenn  die  frühere  Verfolgung  für  sich 
allein  mangels  der  erforderlichen  Intensität  keine  flüchtlingsrechtliche 

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Relevanz  aufweisen  sollte.  Als  Flüchtling  im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  ist 
demnach  anzuerkennen,  wer  gute  –  das  heisst  von  Dritten 
nachvollziehbare  –  Gründe  (objektives  Element)  für  seine  Furcht 
(subjektives  Element)  hat,  mit  gewisser  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer Zukunft das Opfer von gezielter Verfolgung zu werden.

Für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Situation  im 
Zeitpunkt des Asylentscheides massgebend. Ausgangspunkt der Prüfung 
ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht vor 
einer  absehbaren  Verfolgung  im  Heimatstaat.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  zugunsten  und  zulasten  der  gesuchstellenden  Person  zu 
berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., EMARK 2000 Nr. 2 E. 
8a  S.  20,  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser 
[Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz.  11.17  und 
11.18).

4.4.3.  Die  Schweizer  Botschaft  hatte  in  ihrer  Stellungnahme  vom 
19. März 2008 unter anderem festgehalten, dass die  im Zusammenhang 
mit den Wahlen von 2006 festzustellenden Behelligungen von politischen 
Oppositionellen  in  der  Folge  wieder  abgenommen  hätten,  was  sich 
grundsätzlich  mit  den  Feststellungen  des  Bundesverwaltungsgerichts 
deckt.  Hingegen  scheint  sich  die  Lage  der Menschenrechtsaktivisten  in 
Kongo (Kinshasa), wie aus einem publizierten Urteil des Gerichts vom 1. 
September  2010  dargelegt  wird,  seit  einiger  Zeit  wieder  zu 
verschlechtern, wobei Angehörige solcher Personen Opfer so genannter 
Anschluss­ oder Reflexverfolgung werden können (vgl. BVGE 2010/57 E. 
4  mit  weiteren  Hinweisen).  Diese  Feststellungen  dürfen  im  politischen 
Landeskontext  zweifellos  auch  auf  die  Situation  anderer  (politischer) 
Oppositioneller und ihrer Familien übertragen werden. Bei der Beurteilung 
der  Gefahr  einer  Reflexverfolgung  ist  die  konkrete  Situation  der 
asylsuchenden  Person  und  ihrer  Angehörigen  unter  Würdigung  aller 
Umstände des Verfahrens individuell zu beurteilen (vgl. a.a.O. E. 4.1.3 S. 
832 f.). 

Nach  den  von  der  Rechtsprechung  definierten  Kriterien  ist  die 
Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung  zu  werden, 
üblicherweise  insbesondere  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen 
Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung 
hat,  dass  jemand  mit  dem  Gesuchten  in  engem  Kontakt  steht.  Diese 
Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn ein nicht unbedeutendes politisches 

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Engagement  des  Reflexverfolgten  für  regimekritische  politische 
Organisationen hinzukommt (vgl. bereits EMARK 1994 Nr. 5 S. 42 ff.).

4.4.4.  Die  Beschwerdeführerin  war  in  ihrer  Heimat  nicht  Mitglied  einer 
politischen Partei und hat zu Protokoll gegeben, aus Sympathie zur Partei 
ihres Bruders diesem beim Verteilen von Flugblättern geholfen zu haben 
(vgl. Protokoll  kantonale Befragung S. 11  f.). Gegen die Annahme einer 
Reflexverfolgung  spricht,  dass  ihr  Bruder  D._______  das  Heimatland 
bereits im Jahr 2006 verlassen hat und sich seither in F._______ aufhält 
(vgl.  a.a.O.  S.  7);  unter  Berücksichtigung  der  konkreten  Umstände  ist 
kaum davon auszugehen, dass nach ihm noch sehr aktiv gefahndet wird. 
Die Beschwerdeführerin hatte zwar  in  ihrer Stellungnahme vom 20. April 
2008 angegeben,  ihre älteste Schwester sei mittlerweile nach  I._______ 
geflohen;  von  einer  Verfolgung  der  übrigen  (…)  Schwestern  hatte  sie 
hingegen nie berichtet. 

4.4.5.  Bei  der  vorliegenden  Aktenlage  ist  ein  gewisses  (Reflex­) 
Verfolgungsrisiko  zwar  nicht  gänzlich  auszuschliessen;  die 
Beschwerdeführerin  dürfte  sich  in  ihrer  Heimat  auch  gelegentlichen 
Schikanen  und  Diskriminierungen  aufgrund  der  relativ  exponierten 
früheren  politischen  Aktivitäten  ihres  Bruders  ausgesetzt  sehen.  Die 
Grenze  der  beachtlichen Wahrscheinlichkeit  einer  nach  einer  Rückkehr 
drohenden  Anschlussverfolgung  mit  flüchtlingsrechtlich  relevanter 
Intensität ist nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts vorliegend 
aber nicht erreicht.

4.5.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin 
keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen  oder  nachweisen 
kann.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde 
weiter einzugehen. 

4.6. Das BFM hat  das Asylgesuch der Beschwerdeführerin  im Ergebnis 
zu Recht abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

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Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9).

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6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2.  Die  drei  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der 
Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind 
alternativer  Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).

Vorliegend  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  aufgrund  der 
nachstehenden  Erwägungen  als  unzumutbar,  weshalb  auf  eine 
Erörterung  der  beiden  anderen  Bedingungen  zum  jetzigen  Zeitpunkt 
verzichtet werden kann.

6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818).

6.4. 
6.4.1. Für  die  allgemeine  Lage  in  Kongo  (Kinshasa)  kann  zunächst  auf 
die  detaillierte,  noch  von  der  ARK  in  EMARK  2004  Nr.  33  publizierte 
Lageanalyse  verwiesen  werden,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht 

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als  im  Wesentlichen  weiterhin  zutreffend  erachtet.  Nach  den 
Präsidentschaftswahlen von Ende 2006 kam es im März 2007 im Westen 
des  Landes  und  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  zu  gewalttätigen 
Auseinandersetzungen  zwischen  der  regulären  kongolesischen  Armee 
und  der  Garde  des  Ex­Rebellenchefs  (und  unterlegenen 
Präsidentschaftskandidaten)  Jean­Pierre  Bemba,  nachdem  sich  dieser 
geweigert  hatte,  seine  Kämpfer  in  die  nationale  Armee  zu  integrieren. 
Nach der Niederlage von Bemba und dessen Flucht nach Europa (am 25. 
Mai  2008 wurde  der mit  internationalem Haftbefehl  gesuchte  Bemba  in 
Brüssel  verhaftet  und  an  den  Internationalen  Strafgerichtshof  in  Den 
Haag überstellt; der Prozess gegen ihn begann am 22. November 2010) 
beruhigte  sich  die  Lage  wieder.  Seither  wurden  aus  der  Hauptstadt 
Kinshasa  und  dem  Westen  des  Landes  keine  schwerwiegenden 
Zwischenfälle mehr gemeldet, so dass  in dieser Region nicht von Krieg, 
Bürgerkrieg  oder  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  gesprochen 
werden kann.

6.4.2. Die Rückkehr von Personen aus Kongo (Kinshasa) kann indes nur 
unter bestimmten, eingeschränkten Umständen als zumutbar bezeichnet 
werden,  nämlich  dann,  wenn  sich  der  letzte  Wohnsitz  der  betroffenen 
Person  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  oder  in  einer  anderen,  über  einen 
Flughafen verfügenden Stadt  im Westen des Landes befand, oder wenn 
die  Person  in  einer  dieser  Städte  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz 
verfügt.  Trotz  Vorliegens  dieser  Kriterien  erscheint  der  Vollzug  der 
Wegweisung  jedoch  nach  Prüfung  und  Abwägung  der  individuellen 
Umstände  in  der Regel  als  nicht  zumutbar, wenn  die  zurückzuführende 
Person (kleine) Kinder bei sich hat, für mehrere Kinder verantwortlich ist, 
sich  in einem  fortgeschrittenen Alter befindet, oder wenn es sich bei  ihr 
um  eine  alleinstehende,  nicht  über  ein  soziales  oder  familiäres  Netz 
verfügende Person handelt (vgl. EMARK 2004 Nr. 33).

6.4.3. Die  Beschwerdeführerin  gehört  als  alleinerziehende Mutter  eines 
(…)  jährigen Kindes  trotz  ihres  langjährigen Wohnsitzes  in  (…)Kinshasa 
im  Sinn  der  erwähnten  Praxis  zu  einer  Risikogruppe,  deren 
Wegweisungsvollzug  in der Regel als nicht zumutbar zu qualifizieren  ist. 
Vorliegend  ist  angesichts  der  politischen  Aktivitäten  der  Angehörigen 
auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind 
sich  bei  der  Rückkehr  in  das  Heimatland  auf  ein  tragfähiges  familiäres 
Beziehungsnetz abstützen könnten. 

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6.4.4.  In Würdigung  aller  Verfahrensumstände  erweist  sich  der  Vollzug 
der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach  Auffassung  des 
Bundesverwaltungsgerichts heute als unzumutbar.

7. 
Zusammenfassend folgt, dass die Beschwerde insoweit gutzuheissen ist, 
als die Gewährung der vorläufigen Aufnahme beantragt wird; im Übrigen 
ist sie abzuweisen. 

Nachdem  den  Akten  keine  Hinweise  auf  Ausschlussgründe  gemäss 
Art. 83  Abs.  7  AuG  zu  entnehmen  sind,  sind  die  Ziffern  4  und  5  des 
Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  des  BFM  vom  7.  Mai  2008 
aufzuheben  und  ist  das BFM anzuweisen,  die  vorläufige Aufnahme  der 
Beschwerdeführenden anzuordnen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  trägt  die 
Beschwerdeführerin  aufgrund  ihres  bloss  teilweisen  Obsiegens 
praxisgemäss  die  Hälfte  der  Verfahrenskosten  (vgl.  Art.  63  Abs. 1 
VwVG). Diese sind mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen; 
der  Überschuss  ist  der  Beschwerdeführerin  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht rückzuerstatten.

9. 
Nachdem  die  teilweise  obsiegenden  Beschwerdeführenden  im 
vorliegenden  Verfahren  nicht  vertreten  waren,  ist  nicht  davon 
auszugehen, dass ihnen verhältnismässig hohe Parteikosten im Sinn von 
Art.  64  Abs.  1  VwVG  erwachsen  sind.  Deshalb  ist  keine 
Parteientschädigung zuzusprechen.

(Dispositiv nächste Seite)

 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  soweit  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend 
gutgeheissen; im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  des 
BFM vom 7. Mai 2008 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, 
die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden anzuordnen.

3. 
Den Beschwerdeführenden werden die reduzierten Verfahrenskosten von 
Fr.  300.–  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 600.–  verrechnet.  Der  Überschuss  von  Fr.  300.–  wird  den 
Beschwerdeführenden  durch  das  Bundesverwaltungsgericht 
rückerstattet.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
kantonale Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

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