# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d72987b-cf34-5365-b5e2-174ebe515e14
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-24
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 24.07.2013 SB120386
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120386_2013-07-24.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer   
 
 

Geschäfts-Nr.: SB120386-O/U/cs 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, die Ersatzoberrichter lic. iur. 

Muheim und lic. iur. Ernst sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. 

Leuthard 

 

Urteil vom 24. Juli 2013 

 

in Sachen 

 

1. A._____,  
2. B._____,  
Privatkläger und Berufungskläger 

 

1, 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

C1._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ 

 

betreffend Drohung etc.  
 
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Uster vom 
14. Juni 2012 (GG110048) 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 28. November 2011 

(Urk. 38) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen. 

2. Die Zivilklage der Privatklägerschaft 1 und 2 wird abgewiesen. 

3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten, inklusive der-

jenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genom-

men. 

Berufungsanträge: 

a) Der Vertretung der Privatklägerschaft:  

 (Urk. 80 S. 1) 

1. In Abänderung des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte und 

Berufungsbeklagte C1._____ anklagegemäss schuldig zu sprechen 

und angemessen zu bestrafen.  

 2. Der Beschuldigte C1._____ sei zu verpflichten, dem Privatkläger 

A._____ CHF 4'000.00 und der Privatklägerin B._____ CHF 2'500.00, 

jeweils als angemessene Genugtuungszahlung, zuzüglich 5% Zins ab 

mittlerem Verfalltag, auszurichten. Weiter sei der Beschuldigte zu ver-

pflichten, den beiden Privatklägern eine Prozessentschädigung in der 

Höhe von insgesamt CHF 25'994.50 für das vorinstanzliche Verfahren 

und eine angemessene Prozessentschädigung für das Berufungsver-

fahren zu bezahlen.  

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 3. Ausgangsgemäss seien die Kosten der Untersuchung und des gericht-

lichen Verfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen.  

b) Der Verteidigung des Beschuldigten 

(Urk. 82 S. 1) 

 1. Der Beschuldigte sei nicht schuldig und sei freizusprechen.  

 2. Die Zivilklage der Privatklägerschaft 1 und 2 sei abzuweisen.  

3. Die erstinstanzliche Kostenregelung sei zu bestätigen.  

 4. Die Kosten des Berufungsverfahrens (inkl. Kosten der amtlichen Ver-

teidigung) seien den Privatklägern unter solidarischer Haftung aufzuer-

legen.  

c) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland: 

(schriftlich, Urk. 69) 

 Verzicht auf Antragsstellung. 

Ergänzende Berufungsanträge: 

a) Der Vertretung der Privatklägerschaft: 

 (Urk. 95 S. 1) 

1. Das Verfahren sei zur Ergänzung und Erweiterung der Anklageschrift 

bzgl. ND1 an die zuständige Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. 

2. Eventualiter seien die Anträge der Privatklägerschaft in der Berufungs-

verhandlung vom 22. März 2013 gutzuheissen. 

3. Ausgangsgemäss seien die Kosten der Untersuchung und des gericht-

lichen Verfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

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b) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Prot. II S. 19) 

 Der Antrag 1 der Privatklägerschaft sei abzuweisen. 

 
 
 

________________________________ 
 
 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

 1. Berufungsanmeldung und Berufungserklärung 

 Mit Eingabe vom 18. Juni 2012 (Poststempel vom gleichen Tag) meldete die 

Privatklägerschaft innert der gesetzlichen Frist Berufung gegen das erstinstanzli-

che Urteil vom 14. Juni 2012 an (HD 58 und 65, Art. 399 Abs. 1 StPO).  

 Am 27. August 2012 versandte das Bezirksgericht Uster den begründeten 

Entscheid (Prot. I S. 22). In der Berufungserklärung vom 10. September 2012 

(Poststempel vom gleichen Tag) teilte der Vertreter der Privatklägerschaft recht-

zeitig mit, die Berufung werde nicht beschränkt, das vorinstanzliche Urteil mithin 

vollumfänglich angefochten (HD 66, Art. 399 Abs. 3 StPO).  

 Der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft ergriffen kein Rechtsmittel. 

 2. Berufungsverhandlung und Zeugeneinvernahme  

 Die Berufungsverhandlung vom 22. März 2013 musste unterbrochen wer-

den, da die gestellten Beweisergänzungsanträge einer eingehenderen Prüfung zu 

unterziehen waren (Prot. II S. 13, vgl. nachfolgend Ziff. 3).  

 Am 27. März 2013 beschloss das Gericht, D._____ (früher: CC._____) als 

Zeugin einzuvernehmen (HD 85). Die auf den 12. April 2013 anberaumte Befra-

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gung konnte allerdings infolge ärztlich attestierter Einvernahmeunfähigkeit der 

Zeugin (HD 87, eingegangen am 12. April 2013) nicht durchgeführt werden. Glei-

chentags erging ein Beschluss, worin der Zeugin eine Einvernahmedauer von 

höchstens einer Stunde und bestimmte Schutzmassnahmen in Aussicht gestellt 

wurden und ihr Frist zur Einreichung eines ergänzten ärztlichen Zeugnisses an-

gesetzt wurde (HD 88, HD 92/1). Dieses sollte sich über die Dauer der Einver-

nahmeunfähigkeit unter den erwähnten Umständen äussern. Gleichzeitig wurde 

eine amtsärztliche Untersuchung vorbehalten. In der Folge erklärte sich die Zeu-

gin als einverstanden mit einer Befragung, die dann am 12. Juni 2013 stattfand 

(HD 93).  

 Im Anschluss daran wurde die Berufungsverhandlung mit den ergänzenden 

Plädoyers der Parteien fortgesetzt (Prot. II S. 16 ff. und HD 95). 

 3. Rückweisung der Anklage / Beweisergänzungsanträge 

 3.1. Rückweisung der Anklage 

 Die Privatklägerschaft verlangt, die Anklageschrift sei an die Staatsanwalt-

schaft zurückzuweisen, damit diese Gelegenheit erhalte, den Vorfall vom 3. Feb-

ruar 2010 (ND 1) als versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 in Ver-

bindung mit Art. 22 StGB, versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 StGB oder zumindest Gefährdung des Lebens 

im Sinne von Art. 139 StGB einzuklagen; das Verhalten des Beschuldigten stelle 

nicht bloss - wie derzeit eingeklagt - eine Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB 

dar (HD 42 S. 1, 4 f. und 8, Prot. I S. 6 ff., HD 78 S. 2, HD 95 S. 1 f.).  

 Gemäss Art. 333 Abs. 1 StPO räumt das Gericht der Staatsanwaltschaft Ge-

legenheit ein, die Anklage zu ändern, wenn nach seiner Auffassung der in der An-

schlageschrift umschriebene Sachverhalt einen anderen Straftatbestand erfüllen 

"könnte", die Anklageschrift aber den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht 

(Art. 333 Abs. 1 StPO).  

 Sinnvoll ist eine solche Rückweisung selbstredend nur dann, wenn das Ge-

richt zuvor zum Schluss gelangt ist, dass sich - basierend auf der bestehenden 

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Aktenlage (Basler Kommentar StPO, Stephenson/Zalunardo-Walser, N 6 zu 

Art. 333) - ein Sachverhalt erstellen lässt, der bei ergänzter Anklageschrift mit 

zumindest höchster Wahrscheinlichkeit zur Verurteilung führt. Mit dem in Art. 333 

Abs. 1 StPO verwendeten Ausdruck "könnte" wollte der Gesetzgeber offensicht-

lich lediglich darauf hinweisen, dass die Staatsanwaltschaft frei darüber entschei-

det, ob sie die Anklageschrift ergänzen will oder nicht. 

 Wie unter Ziffer II.2 dieser Urteilsbegründung im Einzelnen dargelegt werden 

wird, würde im vorliegenden Fall eine Änderung bzw. Ergänzung der Anklage-

schrift nicht zu einer Verurteilung des Beschuldigten führen. Dem Antrag der Pri-

vatklägerschaft um Rückweisung der Anklageschrift an die Staatsanwaltschaft ist 

daher nicht stattzugeben. 

 3.2. Beweisanträge  

 Die Privatklägerschaft erneuerte in der Berufungserklärung und der Beru-

fungsverhandlung ihre bereits im erstinstanzlichen Verfahren gestellten und dort 

weitgehend abgewiesenen Beweisanträge (HD 42, HD 45, HD 65 S. 7 f., 

HD 66 S. 1 ff., HD 78, Prot. I S. 7 f.).  

 Weshalb die beantragten Einvernahmen - mit Ausnahme der Befragung von 

D._____, welche wie erwähnt am 12. Juni 2013 erfolgte (HD 93) - unterbleiben 

konnten und können, wird im Rahmen der Erwägungen zum Schuldpunkt näher 

ausgeführt werden. 

 Was den von der Privatklägerschaft geforderten Beizug von Akten betrifft, so 

wurde diesem Antrag mit Präsidialverfügung vom 22. Februar 2013 insoweit ent-

sprochen, als die Akten des obergerichtlichen Geschäfts Nummer SB120127 und 

die damit zusammenhängenden Akten des Bezirksgerichts Dielsdorf (Prozess 

Nummer DG110001) beigezogen wurden. Sie trafen am 11. März 2013 hierorts 

ein, da sie zuvor dringend vom Bundesgericht im Zusammenhang mit der Be-

handlung einer bundesgerichtlichen Beschwerde gegen das Urteil im erwähnten 

obergerichtlichen Prozess benötigt wurden, und standen den Parteien danach zur 

Verfügung. Zusätzlich wurden von der III. Strafkammer des Obergerichts die Ak-

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ten in Sachen A._____ gegen die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland und 

E._____ betreffend Einstellung der Untersuchung beigezogen (Geschäfts-Nr. 

UR100220). Der Beizug weiterer Akten ist nicht erforderlich, wie aus der weiteren 

Urteilsbegründung erhellen wird.  

 4. Verwertbarkeit der Handy-Aufzeichnung 

 Die Tochter der Privatkläger, F._____, hat einen Teil der Auseinanderset-

zung vom 4. Januar 2010 in der Wohnung der Privatkläger mit einem Mobiltelefon 

als Video mit Ton aufgezeichnet (HD 24/1 [Video-Datei auf CD-R], HD 24/2 [Bild-

auszüge], HD 23 S. 7 ff., insb. S. 8 ff. [Abschrift des Gesprochenen im Original 

und in deutscher Übersetzung]). 

 Es stellt sich die Frage, ob dieses Beweismittel im vorliegenden Strafverfah-

ren verwertbar ist. 

 Am 4. Januar 2010, als die Beweiserhebung erfolgte, stand noch die kanto-

nale Strafprozessordnung (StPO-ZH) in Kraft. Die seit dem 1. Januar 2011 gel-

tende Schweizerische Strafprozessordnung (StPO) hält in den Übergangsbe-

stimmungen fest, dass Verfahrenshandlungen, die vor deren Inkrafttreten ange-

ordnet oder durchgeführt wurden, ihre Gültigkeit behalten (Art. 448 Abs. 2 StPO). 

Insbesondere gilt dies für Beweise: Sie bleiben auch unter dem neuen Recht ver-

wertbar, selbst wenn sie der Schweizerischen Strafprozessordnung widerspre-

chen oder nach dieser sogar ungültig wären (Schmid, StPO Praxiskommentar, 

Art. 448 N 3). Die Gültigkeit früher erhobener Beweise entscheidet sich damit auf-

grund des Zürcher Verfahrensrechts (Schmid, a.a.O. N 5).  

 In der Lehre wurde und wird die Auffassung vertreten, die von Privaten delik-

tisch erlangten Beweise (wie entwendete Urkunden oder erpresste Geständnisse) 

seien zwar grundsätzlich von den Strafverfolgungsbehörden nicht zu beachten. 

Es sei jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob etwa der Geschädigte - den Grundge-

danken von § 55 StPO-ZH 55 ("Privatfestnahme") und § 96 StPO-ZH ("Privatbe-

schlagnahmung") folgend - dazu berechtigt sei, in dringenden Fällen und unter 

Beachtung der Verhältnismässigkeit selbst zuhanden der Strafverfolgungsbehör-

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den Beweise zu sichern, auch wenn dies an sich deliktisch sei (Schmid, Strafpro-

zessrecht, 4. Aufl., 2004, N 612; ähnlich für die Schweizerische Strafprozessord-

nung: Schmid, Handbuch StPO, N 802 und Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kom-

mentar StPO, N 7 ff. zur Art. 141). Ein solches Vorgehen könne unter Umständen 

- wenn nicht wegen Notwehr (Art. 33 aStGB, Art. 15 f. StGB) oder Notstands 

(Art. 34 aStGB, Art. 17 f. StGB), so doch wegen Wahrung berechtigter Interessen 

- gerechtfertigt sein, beispielsweise, wenn der Bedrohte das Gespräch unerlaub-

terweise aufnehme. Bei schweren Straftaten könne im Übrigen das öffentliche In-

teresse an der Wahrheitsfindung das Interesse des Privaten an der Wahrung sei-

ner Privat- und Geheimsphäre überwiegen (vgl. dazu insb. BGE 109 Ia 244 = 

Pr. 72 [1983] Nr. 275]).  

 Was den vorliegenden Fall betrifft, so ist zunächst festzuhalten, dass die 

Beweiserhebung durch die Tochter der Privatkläger weder im Auftrag der  

(Straf-)Behörden noch mit deren Unterstützung erfolgte. Die sich gegen den Staat 

richtenden Beweisverwertungsverbote der Strafprozessordnung gelangen mithin 

nicht ohne Weiteres zur Anwendung. Es liegt bei der hier interessierenden priva-

ten Beschaffung eines Beweismittels auch kein krasser, zur absoluten Unverwert-

barkeit führender Verstoss gegen die Rechtsordnung vor, wie dies etwa der Fall 

wäre, wenn Gegenstand der Verwertungsfrage ein unter Folter oder mittels Er-

pressung erzwungenes Geständnis wäre.  

 Das teilweise recht lautstarke Gespräch zwischen den Brüdern CC._____ 

und den Privatklägern fand - zumindest während der vierminütigen Videoaufnah-

me - bei gänzlich offener Tür zum Treppenhaus überwiegend im Eingangsbereich 

der Wohnung der Privatkläger statt. Einzelne Teilnehmer hielten sich zeitweise 

sogar jenseits der Schwelle - im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses - auf, wie 

sich aus der Aufnahme ergibt. Andere Mieter, die das Treppenhaus benützten 

(was um diese Zeit [ca. 18.00 Uhr] keine Seltenheit gewesen sein dürfte), konnten 

die verbale Auseinandersetzung unter diesen Umständen problemlos mithören. 

Dem Schutz der Vertraulichkeit ihrer Diskussion massen die Beteiligten offenbar 

keine Bedeutung bei. Es stellt sich daher die Frage, ob überhaupt von einem 

nichtöffentlichen Gespräch im Sinne von Art. 179bis StGB (Abhören und Aufneh-

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men fremder Gespräche) oder 179ter StGB (Unbefugtes Aufnehmen von Gesprä-

chen) gesprochen werden kann, zumal nicht dieselbe Konstellation vorliegt wie in 

BGE 133 IV 253, wo die Tür zwar ebenfalls teilweise offen stand, aber das Ge-

spräch in einem Zimmer bzw. einem "privaten Umfeld" geführt wurde. Das Bun-

desgericht liess in jenem Entscheid denn auch offen, wie zu entscheiden wäre, 

wenn das Gespräch im Treppenhaus geführt worden wäre. Fehlt es aber am Er-

fordernis des nichtöffentlichen Gesprächs, liegt auch kein strafbares Vorgehen 

vor.  

 Abgesehen davon handelt es sich bei den beiden obgenannten Straftatbe-

ständen (wobei vorliegend eher Art. 179ter StGB denn Art. 179bis StGB anwendbar 

wäre, ist doch davon auszugehen, dass die Tochter der Privatkläger allseits er-

kannte und geduldete Zuhörerin bei der Auseinandersetzung war) um Antragsde-

likte. Ein Strafantrag des Beschuldigten ist aber nicht aktenkundig. Auch aus die-

sem Grund kann nicht von einer strafbaren Beweiserlangung ausgegangen wer-

den. 

 Doch selbst wenn von einem nichtöffentlichen Gespräch auszugehen und 

ein sinngemässer Strafantrag rechtzeitig gestellt worden wäre, sich die Tochter 

der Privatkläger also - nachdem auch die weiteren objektiven und subjektiven 

Tatbestandsmerkmale erfüllt wären - wegen Aufnehmens eines Gesprächs ohne 

Einwilligung der Betroffenen normwidrig verhalten hätte, könnte sie sich auf den 

Rechtfertigungsgrund des Notstandes (Art. 17 StGB) und alternativ der Wahrung 

berechtigter Interessen berufen.  

 Die Aufnahme dieses Gesprächs war die einzige Möglichkeit, in der aktuel-

len Situation ein objektives Beweismittel zu erlangen. Die Straftat, für die es den 

Beweis zu sichern galt, war laut Anklageschrift (von der für die Frage der Ver-

wertbarkeit auszugehen ist) eine Nötigung mittels Todesdrohung und wog damit 

schwerer als die Verletzung der Geheimsphäre des Beschuldigten und des Bru-

ders desselben. Bei der Aufnahme hat die Tochter der Privatkläger höherwertige 

Interessen gewahrt, mithin verhältnismässig gehandelt. Insgesamt sind nach dem 

Gesagten die Voraussetzungen für die Annahme einer Notstandshilfe im Sinne 

von Art. 17 StGB erfüllt. Die Tat der Tochter der Privatkläger erweist sich als ge-

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rechtfertigt und das Beweismittel - die Bild- und Tonaufnahme mit dem Handy - 

nicht als unrechtmässig erlangt.  

 Die von der Tochter der Privatkläger erstellte Videoaufnahme ist somit  

- selbst unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet - verwertbar, und zwar auch 

zu Lasten des Beschuldigten.  

 Inwiefern auch eine Verwertbarkeit aufgrund einer Notwehrsituation im Sin-

ne von Art. 15 StGB auf Seiten F._____s angenommen werden könnte (vgl. dazu 

die beigezogenen Akten SB120127, Urk. 100 S. 14 ff.), kann nach dem Gesagten 

vorliegend offen bleiben.  

 

II. Schuldpunkt 

 A. Anklage Ziffer I (HD): Mehrfache Drohung 

 1. Anklagevorwurf 

 Dem Beschuldigten wird unter Ziffer I der Anklageschrift bzw. Aktenzeichen 

HD (HD 38) zur Last gelegt, am späteren Nachmittag des 4. Januar 2010 in der 

eigenen Wohnung in G._____ im Rahmen einer Aussprache zum Privatkläger 1 

(nachfolgend nur: Privatkläger) gesagt zu haben, falls es zutreffe, dass dieser ein 

Liebesverhältnis mit der Ehefrau des Beschuldigten habe, werde er ihn töten. So-

dann habe er gegenüber der ebenfalls anwesenden Privatklägerin 2 (nachfol-

gend: Privatklägerin) "erwähnt", er werde auch sie töten.  

 Etwas später habe der Beschuldigte die zwei Häuser weiter lebenden Pri-

vatkläger aufgesucht und vor deren Wohnungstüre zum Privatkläger gesagt, 

wenn dieser die Wohnung nicht verlasse, so werde er ihn töten. Gegenüber der 

Privatklägerin habe er zumindest die Worte ausgesprochen, man sehe ab mor-

gen, wie ihr Leben weitergehe, als Erstes werde sie getötet, danach ihre Kinder, 

anschliessend ihr Ehemann, sie habe sechs Monate Zeit, die Wohnung zu verlas-

sen.  

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 Daraufhin seien die Privatkläger in grosse Furcht geraten, der Beschuldigte 

werde "in seiner Wut über die Vorwürfe, seine Ehefrau unterhalte ein Liebesver-

hältnis" mit dem Privatkläger, seine Drohungen ausführen und ihnen sowie den 

Kindern ein Leid antun. 

 2. Zum Sachverhalt 

 2.1. Aussagen der Beteiligten und Handy-Aufzeichnung 

 2.1.1. Aussagen des Privatklägers  

 2.1.1.1. Der Privatkläger führte in der polizeilichen Befragung vom 5. Januar 

2010 aus, etwa zwei Wochen zuvor habe ihn - als er im Begriff, zur Migros zu ge-

hen, im Treppenhaus gewesen sei - der Bruder des Beschuldigten auf das Mobil-

telefon angerufen und ihn geheissen, nach draussen zu kommen (HD 4 S. 1). Auf 

dem zu den Häusern gehörenden Parkplatz habe er dann ihn und E._____ gese-

hen. Sie hätten ihn gefragt, wohin er gehe, worauf er geantwortet habe, zum be-

sagten Grossverteiler unterwegs zu sein. Daraufhin habe ihm E._____ vorgewor-

fen, nur wegen der Ehefrau des Beschuldigten, die der Privatkläger verfolge, hin-

aus gegangen zu sein. In der Folge habe E._____ ihn an den Kleidern gepackt 

und gesagt, er wolle die Wahrheit wissen und schneide ihm den Kopf ab (S. 1 f.). 

Als er ihnen daraufhin gesagt habe, es sei eine Beleidigung, was sie ihm sagten, 

und ihnen angeboten habe, nach oben zu kommen, damit man über das Problem 

sprechen könne, seien sie davongelaufen.  

 Er habe dann einige Male versucht, mit dem Beschuldigten das Problem zu 

besprechen, doch habe sich nie Gelegenheit dazu ergeben. Der Bruder des Be-

schuldigten und E._____ hätten versucht, die Geschichte vor dem Beschuldigten 

geheim zu halten (S. 2). Am 4. Januar 2010 habe der Privatkläger den ganzen 

Tag über versucht, den Beschuldigten telefonisch zu erreichen. Als dies schliess-

lich gelungen sei, habe er ihm erklärt, dass er "ein Problem mit ihm besprechen 

wolle". Der Beschuldigte habe ihn und die Privatklägerin eingeladen, zu diesem 

Zweck zu ihm zu kommen.  

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 In der Wohnung des Beschuldigten seien dann (zunächst) dieser sowie des-

sen Bruder und die Eltern anwesend gewesen. Der Privatkläger habe sich zuerst 

erkundigt, ob der Beschuldigte wisse, was der Bruder und E._____ von ihm be-

haupteten, worauf der Beschuldigte geantwortet habe, sie hätten es ihm erzählt. 

Alsdann habe der Privatkläger ihm versichert, dass die Behauptung nicht wahr 

sei, worauf der Beschuldigte erwidert habe, doch, es stimme, der Bruder und 

E._____ hätten es gesehen. Daraufhin habe der Privatkläger vorgeschlagen, der 

Beschuldigte solle seine Ehefrau holen, die dann sagen könne, ob es stimme; 

dann sei das Problem gelöst. Dieser habe aber gemeint, er solle warten, E._____ 

komme auch noch vorbei.  

 E._____ sei dann sehr aggressiv aufgetreten und habe zum Privatkläger ge-

sagt, was er überhaupt in dieser Wohnung mache; er sei ein Hurensohn und ge-

höre nicht hier hin (S. 3). Noch einmal habe der Privatkläger dem Beschuldigten 

versichert, es stimme alles nicht. Er solle doch nun seine Frau holen. Diese habe 

dann bestätigt, dass die Beschuldigungen nicht zuträfen und gesagt, E._____ sei 

ein Idiot, so etwas zu behaupten, worauf E._____ auf die Frau los gegangen sei, 

sie als "Hure" tituliert und "zu 80%" geschlagen habe (S. 4). Hierauf sei es zu ei-

nem Durcheinander gekommen. E._____ habe den Privatkläger mit der Faust an 

die rechte Gesichtshälfte in der Höhe des Mundes und auf den Hinterkopf ge-

schlagen. Der Privatkläger habe zum Schutz die Jacke über den Kopf gezogen, 

sei aber zu Boden gegangen. Dort habe er, von wem wisse er nicht, einen Tritt in 

die linke Seite erhalten. Als er hoch gesehen habe, habe er erkannt, wie die Brü-

der CC._____ E._____ zurückgehalten hätten. In dieser Zeit hätten der Beschul-

digte und E._____ gesagt: "Wir werden die ganze Familie umbringen" (S. 4). Die 

Privatkläger seien dann mit den Schuhen in der Hand aus der Wohnung gerannt 

und die Privatklägerin habe noch im Treppenhaus der Polizei telefoniert.  

 Auf die Frage, ob er mitbekommen habe, dass und von wem die Privatkläge-

rin geschlagen worden sei und ob er gehört habe, dass sie zum Beschuldigten 

gesagt habe "Hast du nun gehört, dass dieser Vorfall nicht stattgefunden hat?", 

verneinte dies der Privatkläger; es sei ein grosses Durcheinander gewesen. Als 

der befragende Polizeibeamte daraufhin wissen wollte, weshalb er denn trotz des 

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geltend gemachten Durcheinanders so konkret sagen könne, wer zu ihm gesagt 

habe, dass er seine Familie töten wolle, antwortete er, E._____ sei direkt auf ihn 

zu gekommen (S. 5). Deshalb wisse er, was dieser zu ihm gesagt habe. Was ne-

ben ihm gesagt worden sei, sei für ihn (dagegen) "schwierig zu sagen". Der be-

fragende Beamte wies den Privatkläger nun darauf hin, dass er zuerst gesagt ha-

be, der Beschuldigte habe ihn ebenfalls mit dem Tod bedroht, nun aber erkläre, 

wegen des Durcheinanders - abgesehen vom Ausspruch E._____s - nicht mehr 

genau sagen zu können, wer was gesagt habe. Der Privatkläger blieb hierauf da-

bei, dass der Beschuldigte zu ihm gesagt habe, er werde ihn umbringen, wenn die 

Anschuldigungen stimmen würden. Neu führte er aber ergänzend aus, der Be-

schuldigte habe das bereits am Anfang (der Auseinandersetzung) gesagt, als 

E._____ noch nicht in der Wohnung gewesen sei. Es sei für ihn "auch schwierig 

und deshalb" habe er "den genauen Zeitpunkt nicht klar sagen können" (S. 5).  

 In seiner Schilderung der Ereignisse vom 4. Januar 2010 fortfahrend gab der 

Privatkläger an, etwa zwei, drei Minuten, nachdem die Privatkläger die Wohnung 

des Beschuldigten verlassen hätten, seien der Beschuldigte, dessen Bruder und 

E._____ vor der Haustüre der Privatkläger gestanden (S. 5). Das habe er durch 

den Türspion gesehen. Schon zuvor habe die Privatklägerin, die gleichzeitig mit 

der Polizei am Telefon gewesen sei, durch den Türspion geschaut gehabt; sie 

habe vermutlich deshalb nur den Bruder des Beschuldigten vor der Tür gesehen, 

weil die anderen beiden erst hinzugekommen seien, als sie sich abgewandt habe. 

Etwas später habe er die drei vor der Haustüre gesehen. 

 Drei bis vier Minuten später sei der Bruder des Beschuldigten wieder vor ih-

rer Türe gestanden. Die Privatklägerin habe ihm geöffnet. Kurze Zeit später sei 

der Beschuldigte ebenfalls gekommen (S. 5). Der Privatkläger habe zum Bruder 

des Beschuldigten gesagt: "Siehst du, was du machst?", worauf ihm dieser direkt 

ins Gesicht gesagt habe, sobald er ihn wieder treffe, werde er sehen, was passie-

re und/oder: "Sobald wir uns das nächste Mal sehen, lebst du oder ich." (S. 6). 

Dann habe er (C2._____) sich an die Privatklägerin gewandt und sie als "Hure" 

etc. beschimpft (S. 6). Den Privatkläger habe er "Idiot, Hurensohn" etc. genannt.  

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 Der Beschuldigte habe direkt zum Privatkläger gesagt, wenn dieser die 

Wohnung verlasse (gemeint offensichtlich - entgegen der Auffassung der Vertei-

digung, HD 55 S. 3 - nicht verlasse, vgl. auch HD 71 S. 5 und unten 

Ziff. 2.2.1.2.2), werde er die Privatkläger und deren Kinder umbringen. Er habe 

gemerkt, dass sich die Situation zuspitze und habe die beiden aus der Woh-

nungstür gestossen und abgeschlossen.  

 Er denke, der Beschuldigte und E._____ wären dazu fähig, solche Drohun-

gen wahrzumachen, der Bruder des Beschuldigten dagegen eher nicht. Er habe 

entsprechend Angst (S. 6).  

 2.1.1.2. In der Befragung vom 7. Mai 2010 führte der Privatkläger - ohne Be-

zug auf die einzelnen Phasen des Geschehens (in der Wohnung des Beschuldig-

ten / in der Wohnung des Privatklägers) zu nehmen - aus, im Januar 2010 vom 

Beschuldigten, dessen Bruder und E._____ zusammengeschlagen worden zu 

sein (ND 1/2 S. 6). Ausserdem hätten sie ihm gedroht, ihn, seine Frau und die 

Kinder zu töten.  

 2.1.1.3. In der Einvernahme vom 21. April 2011 bestätigte der Privatkläger 

als Auskunftsperson, der Beschuldigte habe am 4. Januar 2010 in dessen eigener 

Wohnung gesagt, er werde den Privatkläger und dessen Familie töten (HD 17 

S. 5). Danach sei er mit dem Bruder zur Wohnung der Privatkläger gekommen 

und habe zu ihm gesagt, er müsse innert sechs Monaten die Wohnung verlassen, 

ansonsten er ihn, die Privatklägerin und die Kinder töten würde. Er habe einen 

Beweis für diese Aussagen, denn seine Tochter habe diese Szene mit ihrem 

Handy aufgenommen/gefilmt. Der Beschuldigte habe auch gesagt, er würde den 

Kindern die Ohren und Füsse abschneiden.  

 Auf die Frage, weshalb er überhaupt die Türe geöffnet habe, nachdem er 

schon kurz vorher vom Beschuldigten bedroht worden sei, antwortete der Privat-

kläger, er habe zwar Angst gehabt, aber sie hätten gesagt, sie wollten mit den 

Privatklägern sprechen; darum habe er die Türe geöffnet (S. 5). Er habe aber 

schon die Polizei benachrichtigt gehabt und gewartet, dass sie vorbei komme.  

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 2.1.2. Aussagen der Privatklägerin 

 2.1.2.1. Die Privatklägerin führte in der polizeilichen Befragung vom 5. Janu-

ar 2010 aus, der Privatkläger habe den Beschuldigten angerufen, da seit zwei 

Wochen ein Problem mit ihm bestanden habe (HD 5 S. 1). Dem Privatkläger sei 

vorgeworfen worden, die Frau des Beschuldigten angehalten zu haben, als diese 

auf dem Arbeitsweg vorbeigefahren sei.  

 Der Beschuldigte habe dem Privatkläger am Telefon gesagt, er solle doch 

(bei ihm) vorbei kommen. Als die Privatkläger dort angekommen seien, hätten 

sich der Beschuldigte, dessen Bruder und die Eltern in der Wohnung aufgehalten. 

Der Beschuldigte habe vorgebracht und darauf bestanden, dass der Vorfall ge-

schehen sei, die Privatkläger dies bestritten (S. 1). Dann habe der Beschuldigte 

E._____ angerufen. Als dieser gekommen sei, habe man nicht mehr miteinander 

reden können. E._____ habe den Privatkläger als "Hurensohn" etc. beschimpft. 

Die Ehefrau des Beschuldigten, die sich zuvor in einem anderen Zimmer aufge-

halten gehabt habe, sei auf Vorschlag des Privatklägers ebenfalls herbeigerufen 

worden. Sie habe gesagt, dass nie etwas mit dem Privatkläger gewesen sei und 

auch die Geschichte mit dem Anhalten nicht stimme (S. 2).  

 Daraufhin habe die Privatklägerin E._____ in normalem Ton gesagt, er habe 

nun gehört, dass dieser Vorfall nicht stattgefunden habe, worauf dieser sie als 

"Hure" beschimpft und sie mit der Faust geschlagen habe (S. 2). Er habe sie auf 

der rechten Seite auf der Höhe des Mundwinkels getroffen. Weiter habe er ge-

sagt: "Ich bringe euch um, ihr lebt nicht mehr lange. Ich werde eure Kinder zer-

reissen" (S. 2). Es sei ein Durcheinander gewesen. Sie habe dann ihren Mann am 

Boden liegen sehen. Weshalb er dort gelegen habe, habe sie nicht gesehen. Sie 

habe den Privatkläger aus der Wohnung ziehen wollen, was E._____ zu verhin-

dern versucht habe. Die Schwiegereltern hätten ihnen dann geholfen, damit sie 

die Wohnung hätten verlassen können.  

 Die (vom befragenden Polizeibeamten der Privatklägerin vorgehaltene) Be-

hauptung der Brüder CC._____ und von E._____, diese seien danach nicht zu ih-

rer Wohnung gekommen, entspreche nicht den Tatsachen (S. 4). Vielmehr habe 

- 16 - 

es wenig später an der Wohnungstür der Privatkläger geklingelt (S. 3). Die Privat-

klägerin habe durch den Türspion den Bruder des Beschuldigten gesehen, der 

gesagt habe, sie solle die Tür öffnen. Sie habe ihm gesagt, dass sie das unterlas-

sen werde. Nach ein paar Minuten habe sie auch den Beschuldigten gesehen. Sie 

habe dann die Wohnungstüre geöffnet. Die Besucher hätten gesagt, dass sie 

noch einmal mit ihr reden wollten. Sie aber habe gesagt, sie wolle nicht mehr re-

den. Als sie dann die Türe geschlossen habe, hätten sie den Privatklägern ge-

droht. Konkret habe der Beschuldigte (zunächst) gesagt: "Ich will mit euch noch-

mals sprechen, damit ich die Wahrheit erfahre". Sie habe erwidert, sie wolle nicht 

mehr diskutieren. Dann habe er gesagt: "Jetzt sehen wir ab morgen wie dein Le-

ben weiter geht" (S. 3). Als erstes werde sie getötet, dann die Kinder, dann der 

Privatkläger. Sie habe sechs Monate Zeit, die Wohnung zu verlassen. Nichts zu 

ihr gesagt habe (in diesem Moment) der Bruder des Beschuldigten. Dieser habe 

sie aber noch als "Hure" bezeichnet. Die Privatklägerin habe nach dem Vorgefal-

lenen Angst, dass sie umgebracht werden und der Familie etwas zustossen kön-

nte (S. 4).  

 Die Tochter der Privatkläger habe die Szene vor ihrer Haustüre (gemeint: 

Wohnungstüre) im Übrigen mit dem Handy aufgenommen (S. 4).  

 Auf die Frage der einvernehmenden Person, weshalb die Privatklägerin die 

Türe nicht sofort (wieder) geschlossen habe, erklärte sie, die beiden hätten die 

Türe festgehalten. Erst als ihr Ehemann gekommen sei und die beiden 

CC._____s weggestossen habe, habe sie die Türe schliessen können (S. 4). Da-

nach habe sie die Polizei gerufen.  

 2.1.2.2. In der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 21. April 2011 

(HD 19) gab die Privatklägerin an, der Beschuldigte habe sie am 4. Januar 2010 

bedroht. Er habe zu ihr gesagt, er werde sie umbringen (HD 19 S. 6). Danach ha-

be er bei der Wohnung der Privatkläger gesagt, er werde sie, ihren Ehemann und 

die Kinder umbringen. Die Kinder werde er an den Ohren auseinandernehmen. 

Sie müsse innert sechs Monaten die Wohnung verlassen. Die Wohnungstüre ha-

be der Privatkläger aufgemacht, nachdem der Beschuldigte und dessen Bruder 

- 17 - 

immer wieder an die Tür geklopft und gesagt hätten, sie möchten nur sprechen 

(S. 6 f.).  

 2.1.3. Aussagen des Beschuldigten 

 2.1.3.1. Der Beschuldigte gab am 12. Januar 2010 bei der Polizei an, etwa 

zwei Wochen vor der Auseinandersetzung vom 4. Januar 2010 habe der Privat-

kläger die Ehefrau des Beschuldigten, die zu Fuss unterwegs gewesen sei, "an-

gehalten", indem er sein Auto gestoppt und das Fenster geöffnet habe (HD 6 

S. 1). Die verängstigte Frau habe ihren Bruder E._____ angerufen. Daraufhin sei 

der Privatkläger mit voller Geschwindigkeit weggefahren, ohne zu sagen, wer er 

sei und was er gewollt habe. Der Beschuldigte habe von dieser Sache erst erfah-

ren, als der Privatkläger und dessen Ehefrau nun zu ihm gekommen seien und 

davon erzählt hätten. Die Geschichte habe den Beschuldigten "auf 180" gebracht, 

weil er davon ausgehe, dass der Privatkläger die Frau nicht nur mit dem Auto ha-

be mitnehmen wollen, sondern mehr von ihr gewollt habe. Es stimme "seit zwei 

Jahren etwas nicht mehr" und er habe - ohne Einzelheiten zu wissen - das Ge-

fühl, dass sich der Privatkläger an seine Frau heranmache. Bei "ihnen" sei es so, 

dass man sich nicht an die Frau eines Kollegen heranmache. Seine Ehefrau be-

streite allerdings, dass sich der Privatkläger beim besagten Vorfall in diesem Sin-

ne verhalten habe.  

 Anlässlich der Auseinandersetzung vom 4. Januar 2010 hätten sich die Pri-

vatkläger, E._____, die Ehefrau des Beschuldigten und der Beschuldigte in der 

Wohnung der Familie CC._____ aufgehalten. E._____ habe bestätigt, dass der 

Privatkläger angehalten habe und dann wieder weggefahren sei. Der Beschuldig-

te habe dem Privatkläger seinen Standpunkt klar gemacht und die beiden nach 

ca. 15 Minuten aus der Wohnung gewiesen (S. 2). Zu Drohungen oder Tätlichkei-

ten sei es weder von seiner Seite noch von derjenigen E._____s gekommen. 

Richtig sei, dass der Beschuldigte mit seinem Bruder dann noch zu den Privatklä-

gern gegangen sei, um die Sache weiter zu klären, doch hätten sie (auch dort) 

niemanden bedroht (S. 2).  

- 18 - 

 2.1.3.2. In einer polizeilichen Befragung vom 13. April 2010 gab der Be-

schuldigte an, sein Bruder habe mehrmals beobachtet, dass der Privatkläger, der 

ein Kollege von ihm gewesen sei, am Bahnhof G._____ auf die Frau des Be-

schuldigten gewartet habe (HD 12/3/2 S. 1 f.). Sie arbeite gegenüber dem Bahn-

hof und müsse jeweils daran vorbeigehen. Verschiedene Hinweise würden ihm 

zeigen, dass der Privatkläger ihn mit der Ehefrau betrüge. Oder sie betrüge ihn 

mit einem anderen Mann (S. 2). Anscheinend solle sie sich von ihm trennen und 

einen anderen heiraten. Weiter erklärte er, die Familie A._____/B._____ nie be-

droht zu haben (S. 2).  

 2.1.3.3. In der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 23. September 2010 

führte der Beschuldigte aus, erst am 4. Januar 2010 vom angeblichen Verhältnis 

des Privatklägers zur Frau des Beschuldigten erfahren zu haben (HD 10 S. 3). 

E._____ habe dies dem Bruder des Beschuldigten erzählt gehabt, worauf dieser 

die Ehefrau des Beschuldigten überwacht und zwei Mal gesehen habe, wie der 

Privatkläger mit seinem Auto zu ihr hin gefahren sei, der neben dem Auto stehen-

den Frau des Beschuldigten etwas gesagt habe und dann sofort weggefahren sei, 

als er den Wagen des Bruders des Beschuldigten gesehen habe (S. 4). Weiter 

brachte der Beschuldigte in dieser Einvernahme zunächst vor, er sei nicht wütend 

geworden, als er vom Fremdgehen seiner Frau erfahren habe, aber sehr ent-

täuscht von ihr gewesen (S. 3). Kurz danach gab er an, wütend geworden zu sein 

und auf den Tisch geschlagen zu haben, wobei der Tisch beschädigt worden sei 

und der Beschuldigte derartige Schnittwunden erlitten habe, dass er sich zum Arzt 

habe begeben müssen (S. 4).  

 Der Privatkläger habe offenbar erfahren, dass der Beschuldigte von seinem 

Verhältnis zur Gattin des Beschuldigten wisse. Er habe ihm mindestens zehn Mal 

auf das Handy telefoniert, doch habe der Beschuldigte nicht abgenommen. Er ha-

be vorerst wegen der schmerzenden Schnittwunden nichts mit ihm zu tun haben 

wollen. Um 16.45 Uhr habe er dann den Anruf entgegengenommen. Der Privat-

kläger habe gesagt, er wolle zusammen mit der Privatklägerin unbedingt mit ihm 

sprechen, worauf sie ein Treffen in der Wohnung des Beschuldigten vereinbart 

hätten. E._____ habe er im Verlauf des Gesprächs beigezogen, weil dieser  

- 19 - 

- im September 2009 - ebenfalls beobachtet gehabt habe, wie die Frau des Be-

schuldigten mit dem Privatkläger zusammen gewesen sei (S. 4, 5 und 6). Der Be-

schuldigte habe "immer gedacht der Vorwurf treffe nicht zu und dies auch ge-

hofft". Als nun aber der Privatkläger gleich ausgesagt habe wie die Ehefrau des 

Beschuldigten, sei er überzeugt gewesen, dass die beiden etwas miteinander ge-

habt hätten (S. 4). Später führte er in dieser Einvernahme aus, die Aussagen von 

E._____, des Bruders (C2._____) und der Ehefrau des Beschuldigten seien 

gleichlautend gewesen (S. 6). Daraufhin habe er die Privatkläger aufgefordert, die 

Wohnung zu verlassen bzw. sie hinausgestossen. E._____ habe den Beschuldig-

ten lediglich zurückgehalten und ihm gesagt, er solle sich beruhigen.  

 Der Beschuldigte habe zum Privatkläger anlässlich dieser Auseinanderset-

zung nicht gesagt, er würde ihn töten, sondern nur, der Privatkläger sei doch ein 

Kollege, trinke, esse und wohne sogar bei ihnen, wie er dann solche "Scheisse" 

machen könne (S. 5 f.).  

 Richtig sei, dass er danach mit seinem Bruder zur Wohnung der Privatkläger 

gegangen sei und ihnen gesagt habe, es sei unter den gegeben Umständen bes-

ser, wenn sie wegziehen würden, damit sie nicht mehr in der Nähe wären (S. 6). 

Der Beschuldigte habe nämlich befürchtet, dass etwas geschehen könnte, habe 

er doch gewusst, dass der Privatkläger eine Waffe habe. Er habe den Privatkläger 

aber weder mit dem Tod bedroht, noch habe er sonstwie Drohungen ausgestos-

sen; vielmehr habe er das Gespräch beendet und sei mit dem Bruder nach Hause 

zurückgekehrt, weil er ja keine Probleme mit den Privatklägern habe haben wollen 

(S. 5 und 6). Die Aufforderung wegzuziehen habe die Eheleute offenbar wütend 

gemacht, weshalb sie die Polizei gerufen und behauptet hätten, der Beschuldigte 

habe gedroht.  

 2.1.3.4. In der erstinstanzlichen Verhandlung vom 14. Juni 2012 bestritt der 

Beschuldigte erneut, den Privatkläger jemals bedroht zu haben (HD 52 S. 4). Die 

Privatkläger würden das nur behaupten, weil sie wüssten, was der Privatkläger 

getan habe bzw. dass er ein Verhältnis mit der Ehefrau des Beschuldigten gehabt 

habe (S. 4 und 5). Er habe dem Privatkläger gesagt, dass es besser wäre, wenn 

er ausziehen würde, da er mit seiner Familie einfacher eine neue Wohnung fände. 

- 20 - 

Nicht gesagt habe er aber, der Privatkläger müsse innerhalb von sechs Monaten 

ausziehen, ansonsten der Beschuldigte ihn und seine Familie töten würde. Der 

Privatkläger habe ja dann drei Monate später auf den Bruder des Beschuldigten 

geschossen; genau vor einem solchen Vorfall habe sich der Beschuldigte ge-

fürchtet, und deshalb habe er den Privatkläger gebeten, eine andere Wohnung zu 

suchen (S. 4 und 5).  

 Nach Details gefragt gab der Beschuldigte an, die Privatkläger seien - nach-

dem der Privatkläger vorab mehrmals angerufen gehabt habe - zum Beschuldig-

ten in die Wohnung gekommen. Er habe zugegeben, mit dem Auto "dort" gewe-

sen zu sein und die Ehefrau des Beschuldigten auch gesehen, aber nicht erkannt 

zu haben. Deshalb sei der Beschuldigte derart wütend geworden, dass er die Pri-

vatkläger mit den Worten, es sei jetzt erledigt, sie dürften nach Hause gehen bzw. 

sollten die Wohnung verlassen, alles andere interessiere ihn nicht, aus der Woh-

nung geworfen habe (S. 4). Er habe keine Schimpfwörter von sich gegeben, son-

dern sei ruhig geblieben, als er ihnen gesagt habe, sie sollten die Wohnung ver-

lassen.  

 Als die Privatkläger gegangen gewesen seien, sei die Ehefrau des Beschul-

digten in das Untergeschoss des Hauses gegangen. Der Beschuldigte habe an-

genommen, sie sei beim Privatkläger. Zusammen mit seinem Bruder sei er dann 

zu den Privatklägern gegangen, wo der Privatkläger ihm ganz normal die Tür ge-

öffnet habe. Im folgenden Gespräch habe er ihm erklärt, dass es besser sei, wenn 

er ausziehen würde und gesagt, er habe das Ganze verbockt. Es sei die Schuld 

des Privatklägers gewesen, dass die Frau des Beschuldigten verschwunden sei.  

 Auf Vorhalt der anderslautenden Darstellung der Privatkläger erwiderte der 

Beschuldigte, er habe die Videoaufnahme des Gesprächs, welche die Tochter der 

A._____/B._____s gemacht habe, gesehen. Es habe keine Drohungen in dem 

Gespräch gegeben.  

 2.1.3.5. In der Berufungsverhandlung vom 22. März 2013 bestritt der Be-

schuldigte weiterhin, die Privatkläger bedroht zu haben (HD 79 S. 4 ff.). Wenn er 

in der Wohnung des Privatklägers gesagt habe, von jetzt an werde es der Privat-

- 21 - 

kläger mit ihm (und nicht mehr mit E._____) zu tun haben, dann habe er damit 

gemeint, dass der Privatkläger zu ihm und nicht E._____ kommen solle, wenn er 

Probleme habe (S. 5). Soweit er davon gesprochen habe, den Kindern Ohren und 

Beine zu zerreissen, sei dies "ein Gag" gewesen (S. 6). Der Privatkläger habe 

gewusst, dass der Beschuldigte kein Mensch sei, der einen Menschen an Ohren 

oder Beinen auseinander reisse. Das könne ja keiner bzw. dazu brauche man 

"wirklich viel Muskeln". Den Auszug des Privatklägers aus der Wohnung habe er 

gefordert, weil er Angst gehabt habe. Genau drei Monate später sei der Privatklä-

ger ja dann auch auf seinen Bruder losgegangen (S. 6).  

 2.1.4. Aussagen von C2._____ 

 Der Bruder des Beschuldigten, C2._____, erklärte in der polizeilichen Befra-

gung, der Privatkläger habe im Verlauf der Diskussion vom 4. Januar 2010 zuge-

geben, zwei Wochen zuvor am Bahnhof G._____ auf die Frau des Beschuldigten 

gewartet zu haben (HD 7 S. 1). Darob seien sowohl der Beschuldigte als auch die 

Privatklägerin wütend geworden, und Letztere habe den Privatkläger am Arm aus 

der Wohnung gezerrt, während der Beschuldigte die beiden gleichzeitig aus der 

Wohnung gewiesen habe.  

 Geschlagen oder bedroht worden sei niemand (S. 1 und 2).  

 Später seien er und der Beschuldigte an der Wohnungstür der Privatkläger 

gewesen. Der Befragte sei hingegangen, um zu erfahren, ob "es" wirklich wahr 

sei (S. 1). Es sei dann nur (darüber) gesprochen worden (S. 2). 

 2.1.5. Handy-Aufzeichnung  

 Wie bereits erwähnt, liegt in den Akten eine (verwertbare [oben Ziff. I.4]) Vi-

deoaufnahme, welche von der Tochter der Privatkläger mit einem Handy in der 

Wohnung der Familie A._____/B._____ aufgezeichnet wurde (HD 24/1). Die 

knapp vierminütige Aufnahme deckt allerdings nicht den gesamten Zeitraum der 

verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dessen Bruder 

einerseits und den Privatklägern andererseits ab: Das Video beginnt, als die 

Wohnungstür bereits offen und die Diskussion voll im Gang ist.  

- 22 - 

 Eine Übersetzung des Gesprochenen findet sich in HD 23 S. 8 ff.  

 Auf den Gesprächsinhalt wird - soweit von Belang - im Rahmen der Sach-

verhaltswürdigung zurückgekommen werden. 

 2.2. Sachverhaltswürdigung 

 2.2.1. Darstellung der Privatkläger 

 2.2.1.1. Glaubwürdigkeit der Privatkläger 

 Was die Glaubwürdigkeit der Privatkläger betrifft, so bringt die Verteidigung 

vor, der Privatkläger stehe selbst als Beschuldigter in einem Strafverfahren, 

nachdem er am 12. April 2010 auf den Bruder des Beschuldigten geschossen ha-

be. Die Privatkläger belasteten den Beschuldigen nun zu Unrecht, um die (ganze) 

Familie CC._____ als besonders aggressiv und gewalttätig erscheinen zu lassen 

und sich damit im eigenen Verfahren eine bessere Position zu verschaffen (HD 55 

S. 1 f., HD 82 S. 1, Prot. I S. 13). 

 Mit dieser Argumentation sticht die Verteidigung bezüglich der vorliegend in-

teressierenden, unter Anklageziffer I eingeklagten Vorwürfe ins Leere. Die Privat-

kläger haben ihre diesbezüglichen Belastungen bereits am 5. Januar 2010 depo-

niert, folglich mehr als drei Monate, bevor C2._____, der Bruder des Beschuldig-

ten, vom Privatkläger angeschossen wurde. Dass die Privatkläger - und zwar 

gleich beide - schon damals darauf aus gewesen sein könnten, im Hinblick auf ei-

nen (allfälligen) späteren Angriff auf C2._____ ein günstiges Fundament für die 

Geltendmachung von Notwehr im danach zu erwartenden Strafverfahren zu 

schaffen, erscheint als zu weit hergeholt, um mit Fug angenommen werden zu 

können. Dazu würde auch überhaupt nicht passen, dass der Privatkläger in der 

ersten Einvernahme noch ausdrücklich zu Protokoll gab, er sei der Meinung, dass 

C2._____ im Gegensatz zum Beschuldigten und E._____ eher nicht fähig wäre, 

die ausgestossenen Drohungen wahr zu machen (HD 4 S. 6).  

 Als wenig plausibel erscheint sodann die in der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung aufgestellte Behauptung des Beschuldigten, die Privatkläger bezichtig-

- 23 - 

ten ihn fälschlicherweise der Straftaten, weil sie genau wüssten, dass der Privat-

kläger eine Affäre mit der Ehefrau des Beschuldigten gehabt habe (HD 52 S. 4 

und 5). Zwar konnten die Privatkläger mit der Anzeige den Fokus des Beschuldig-

ten vorübergehend auf ein anderes Thema lenken. Den Vorwurf, ein Verhältnis 

mit der Ehefrau des Beschuldigten zu unterhalten, konnten sie damit jedoch nicht 

aus der Welt schaffen. Mit einer Falschbeschuldigung hätten sie vielmehr noch 

zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Dass sie daran ein Interesse gehabt haben 

könnten, ist unwahrscheinlich. 

 Festzuhalten ist sodann, dass aus den Akten nicht hervorgeht - wenn auch 

andererseits nicht völlig auszuschliessen ist -, dass aus einem anderen (den Be-

hörden gegenüber verschwiegenen) Grund eine Fehde zwischen den beiden Fa-

milien herrschte, die zu einem Angriff oder Racheakt mittels falscher Anschuldi-

gung führen konnte.  

 Wenig Überzeugungskraft kommt schliesslich dem Vorbringen des Beschul-

digten in der Untersuchung zu, er werde von den Eheleuten A._____/B._____ zu 

Unrecht beschuldigt, Drohungen ausgestossen zu haben, weil der Privatkläger 

wütend darüber sei, dass er ihn - ohne negative Konsequenzen anzudrohen - 

aufgefordert habe, wegzuziehen (HD 10 S. 6). Auch wenn diese Aufforderung 

vom Privatkläger als Verletzung seiner Ehre angesehen worden wäre, hätte er 

sich allein deshalb wohl kaum zu einer falschen Anschuldigung und einer Irrefüh-

rung der Rechtspflege hinreissen lassen.  

 Gewichtige Gründe dafür, an der (allgemeinen oder sachverhaltsbezogenen) 

Glaubwürdigkeit der Privatkläger zu zweifeln, sind somit weder von Seiten des 

Beschuldigten dargetan noch sonstwie ersichtlich.  

 2.2.1.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers 

 2.2.1.2.1. Was nun die konkreten Aussagen des Privatklägers betrifft, so er-

weisen sich diese zu einem grossen Teil als durchaus klar, detailliert, farbig, fol-

gerichtig, lebensnah und im Wesentlichen widerspruchsfrei. 

- 24 - 

 Umso erstaunlicher ist, dass gerade seine Aussagen zu einem Kernpunkt 

der Anklage, nämlich der Drohung des Beschuldigten in der Wohnung der Familie 

CC._____, sehr unpräzis blieben, und dies schon in der ersten Befragung, die 

weniger als 17 Stunden nach dem Vorfall stattfand. 

 Der Privatkläger schilderte in dieser Einvernahme zunächst ausführlich,  

 - wie er bereits zwei Wochen zuvor eine Auseinandersetzung mit dem 

Bruder des Beschuldigten und E._____ gehabt habe, wobei diese ihm 

wegen der angeblichen Affäre mit der Ehefrau des Beschuldigten ge-

droht hätten,  

 - wie er danach des Öfteren versucht habe, den Beschuldigten zu errei-

chen, um das Problem mit ihm zu besprechen und 

 - wie und in wessen Anwesenheit er dann mit der Privatklägerin am 

4. Januar 2010 in der Wohnung des Beschuldigten die Sache diskutiert 

habe, ohne dass der Beschuldigte seinen Beteuerungen (und denjeni-

gen der Gattin des Beschuldigten), die Vorwürfe träfen nicht zu, Glau-

ben geschenkt habe (HD 4 S. 1 ff.).  

 Weiter führte der Privatkläger in der Einvernahme aus, dass der die Vorwür-

fe bestätigende E._____ von der Gattin des Beschuldigten zurechtgewiesen wor-

den sei, worauf E._____ auf sie los gegangen sei und sie höchstwahrscheinlich 

geschlagen habe (S. 4). Alsdann erzählte er in allen Einzelheiten, wie im nachfol-

genden "Durcheinander" auch er (jedenfalls) von E._____ körperlich malträtiert 

worden und zu Boden gegangen und dort getreten worden sei. Als er hoch gese-

hen habe, habe er gesehen, wie die Brüder CC._____ E._____ zurückgehalten 

hätten. "In dieser Zeit" hätten nun der Beschuldigte und E._____ gesagt, sie wür-

den die ganze Familie (A._____/B._____) umbringen (S. 4). 

 Wenig später machte der Privatkläger auf Vorhalt einer Aussage der Privat-

klägerin geltend, er habe wegen des Durcheinanders "nicht alles hören" können 

und "auch nicht, wer was gesagt" habe (S. 5). Dass E._____ erklärt habe, er wolle 

die ganze Familie des Privatklägers töten, habe er mitbekommen, weil dieser di-

rekt auf ihn zugekommen sei. Was (dagegen) neben ihm gesagt worden sei, sei 

- 25 - 

für ihn "schwierig zu sagen". Auf die kritische Bemerkung des Befragenden hin, 

dass er einerseits gesagt habe, der Beschuldigte habe ihn ebenfalls mit dem Tod 

bedroht, andererseits aber, im Durcheinander könne er nicht mehr genau sagen, 

wer was gesagt habe (mit Ausnahme der Drohung E._____s), erklärte der Privat-

kläger, der Beschuldigte habe zu ihm gesagt, er werde ihn umbringen, wenn die 

Anschuldigungen stimmen würden. Dies habe er ihm "bereits am Anfang, als 

E._____ noch nicht in der Wohnung" gewesen sei, gesagt.  

 Während der Privatkläger zunächst also sinngemäss aussagte, im Zeitraum, 

in dem die körperliche Auseinandersetzung im Gang gewesen sei ("in dieser 

Zeit"), hätten sowohl der Beschuldigte als auch E._____ ihm gegenüber gedroht, 

sie würden die ganze Familie des Privatklägers töten, behauptete der Privatkläger 

nur sieben Fragen (bzw. 1 Protokollseite) später, der Beschuldigte habe viel frü-

her, nämlich am Anfang, als E._____ noch nicht eingetroffen gewesen sei, damit 

gedroht, ihn (und nicht die gesamte Familie A._____/B._____) umzubringen, und 

dies auch nicht auf jeden Fall, sondern einzig, wenn die Anschuldigungen stim-

men würden.  

 Diese Aussagen lassen sich nicht in Einklang miteinander bringen. Das war 

offensichtlich auch dem Privatkläger klar, weshalb er unmittelbar anschliessend 

an die letztgenannte Aussage ausführte: "Es ist für mich auch schwierig und des-

halb hatte ich den genauen Zeitpunkt nicht klar sagen können" (HD 4 S. 5). Diese 

Erklärung vermag nun aber nicht zu überzeugen. Eine Todesdrohung ist eindrück-

lich und gravierend. Dann aber wäre zu erwarten gewesen, dass der Privatkläger 

diese angebliche Todesdrohung des Beschuldigten, wenn sie - wie er schliesslich 

behauptete - schon im ersten, rein verbalen Teil der Auseinandersetzung, noch 

vor dem Eintreffen E._____s, erfolgt wäre, an passender Stelle in seiner Schilde-

rung des Ablaufs der Ereignisse erwähnt hätte, und nicht erst dort, wo einige Zeit 

nach dem Eintreffen E._____s eine körperliche Auseinandersetzung im Gang 

war, während der auch E._____ eine Todesdrohung ausgestossen haben soll.  

 Alsdann lässt sich mit der mageren Erklärung des Privatklägers, es sei 

"schwierig für ihn", der Widerspruch nicht auflösen, dass der Beschuldigte  

- 26 - 

 - nach der ersten Darstellung des Privatklägers (bedingungslos) in Aus-

sicht gestellt habe, die gesamte Familie auszulöschen, 

 - nach der kurz darauf abgegebenen Schilderung aber dem Privatkläger 

allein in Aussicht gestellt haben soll, ihn zu töten, und auch dies nur für 

den Fall, dass sich die Vorwürfe betreffend die Affäre bewahrheiten 

sollten. 

 Dass der Beschuldigte anlässlich der Auseinandersetzung mit dem Privat-

kläger in der Wohnung des Beschuldigten (zu verschiedenen Zeitpunkten) beide 

Drohungen gegenüber ihm, A._____, ausgestossen habe, hat der Privatkläger im 

Übrigen nie behauptet und ist denn auch nicht eingeklagt. 

 Bemerkenswert ist, dass der Privatkläger in einer weiteren Befragung wieder 

auf seine erste (nicht zur Anklage erhobene) Sachverhaltsversion zurück-

schwenkte und behauptete, C1._____ habe in dessen Wohnung gesagt, er werde 

ihn und seine Familie töten (HD 17 S. 5).  

 Diese in verschiedener Hinsicht unerklärlich ungereimten Aussagen des Pri-

vatklägers zum Kerngeschehen lassen bereits Zweifel daran aufkommen, ob sich 

die Geschehnisse in der Wohnung des Beschuldigten tatsächlich so abgespielt 

haben, wie sie dem Beschuldigten in der Anklageschrift zur Last gelegt werden. 

 Der Vollständigkeit halber erwähnt sei, dass die Untersuchung gegen 

E._____, dem der Privatkläger vorwirft, ihn bedroht und geschlagen zu haben, 

durch die Staatsanwaltschaft eingestellt wurde (HD 8). Sie erachtete die belas-

tenden Aussagen der Eheleute A._____/B._____ und der Ehefrau des Beschul-

digten (welche sogar - über die Beschuldigungen des Privatklägers hinaus - be-

hauptete, der Privatkläger sei nicht nur von E._____, sondern auch vom Beschul-

digten und dessen Bruder, mithin von drei Personen, geschlagen worden) nicht 

als glaubhafter als die bestreitenden Depositionen E._____s und des Beschuldig-

ten. Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde abgewiesen (beigez. Akten des 

Obergerichts des Kantons Zürich, III. Strafkammer, Geschäfts-Nr. UR100220). 

Dieser Entscheid ist rechtskräftig. Selbstverständlich schliesst dies aber nicht ge-

- 27 - 

radezu aus, dass E._____ sich wie von den Privatklägern vorgebracht verhalten 

hat. 

 Was den zweiten Teil der Auseinandersetzung vom 4. Januar 2010 angeht, 

welcher sich im Eingangsbereich der Wohnung der Privatkläger abspielte, so fin-

det sich schon bei der Frage, wer dem Beschuldigten und seinem Bruder die Tür 

öffnete, ein Widerspruch. Während der Privatkläger in der ersten Befragung an-

gab, dies sei seine Gattin gewesen, gab er später an, selbst die Tür geöffnet zu 

haben (HD 4 S. 5, HD 17 S. 5). Genau gleich diskrepant äusserte sich übrigens 

die Privatklägerin (HD 5 S. 3, HD 19 S. 6), was darauf hinweist, dass die Eheleute 

zumindest diesbezüglich die Erinnerung miteinander (sei es unbewusst im Rah-

men von gemeinsamen Gesprächen, sei es wissentlich und willentlich) abgegli-

chen haben. 

 Doch wer auch immer die Tür geöffnet hat - nicht recht einleuchten will, wa-

rum sie überhaupt aufgemacht worden wäre, hätten sich die vorgängigen Ereig-

nisse so abgespielt, wie von den Privatklägern behauptet. Die Privatkläger wollen 

wenige Minuten zuvor in der Wohnung des Beschuldigten von diesem (und der 

Privatkläger auch von E._____) mit dem Tod bedroht und ausserdem beide von 

E._____ ins Gesicht geschlagen worden sein, wobei der Privatkläger sogar zu 

Boden gegangen und dort weiter malträtiert worden sein will. Die Drohungen des 

Beschuldigten (und von E._____) wollen sie ernst genommen und entsprechend 

Angst gehabt haben (HD 4 S. 6, HD 17 S. 5 f.). Noch im Treppenhaus hätten sie 

die Polizei angerufen (HD 4 S. 4) und nun in der Wohnung auf deren Eintreffen 

gewartet (HD 17 S. 5). Die Tochter der Privatkläger soll sogar auf Anweisung der 

Eltern eine Gastfamilie angerufen haben, um zu verhindern, dass der Sohn der 

Privatkläger zurückkommen und mit gefährdet würde (HD 23 S. 5). Geht man hy-

pothetisch davon aus, dass diese Darstellung der Privatkläger zutrifft, ist festzu-

halten, dass unter solchen Umständen kein vernünftiger Mensch darauf vertrauen 

würde, dass die nun vor der eigenen Wohnungstür stehenden Beteiligten nur re-

den wollten (auch wenn sie dies mehrfach beteuern), zumal auch damit zu rech-

nen war, dass der (vom Privatkläger nach eigenem Bekunden ja bereits vor der 

Haustür gesichtete) Aggressor E._____ sich bald wieder hinzugesellen würde und 

- 28 - 

die Situation dann (erneut und womöglich schlimmer als in der Wohnung der Fa-

milie CC._____) eskalieren würde. Zumindest würde jede verständige Person in 

einer solchen Situation die um Einlass Begehrenden bis zum - bald erwarteten - 

Eintreffen der Polizei vertrösten. 

 Letztlich weist damit die Tatsache, dass die Privatkläger die Türe öffneten, 

indiziell darauf hin, dass die vorangegangenen Ereignisse (nämlich diejenigen in 

der Wohnung des Beschuldigten) nicht derart dramatisch waren, wie sie von den 

Privatklägern geschildert wurden, denn jedenfalls war die Angst vor den Brüdern 

CC._____ in diesem Moment offensichtlich (noch) nicht sehr gross. 

 2.2.1.2.2. Der Privatkläger führte in der ersten Befragung zum weiteren Ge-

schehen in der Wohnung A._____/B._____ aus, der Beschuldigte habe ihm ge-

droht, wenn er die Wohnung nicht verlasse, werde er ihn, seine Frau und die Kin-

der umbringen (HD 4 S. 6). Wie bereits ausgeführt, fehlt zwar im Protokoll das 

Wort "nicht" vor "verlasse", doch macht die Drohung, dass dann, wenn der Privat-

kläger die Wohnung verlasse, dieser und die restliche Familie umgebracht wür-

den, vorliegend keinen Sinn. An keiner anderen Stelle der Akten wird denn auch 

Solches behauptet. Auch der Beschuldigte bestätigte, dass er einen Auszug aus 

der Wohnung forderte, und die Handy-Aufzeichnung belegt dies ebenfalls. Beim 

fehlenden Wort "nicht" handelt es sich mithin offensichtlich um einen unentdeckt 

gebliebenen Protokollierungsfehler. 

 In der Einvernahme vom 21. April 2011 führte der Privatkläger (erneut) aus, 

der Beschuldigte habe zu ihm gesagt, er müsse innert sechs Monaten die Woh-

nung verlassen, ansonsten er ihn, seine Ehefrau und seine Kinder töten werde 

(HD 17 S. 5). Das könne mittels der Handy-Aufnahme der Tochter auch bewiesen 

werden. Er habe auch gesagt, er würde den Kindern die Ohren und Füsse ab-

schneiden. 

 Diese Depositionen des Privatklägers erscheinen für sich betrachtet zwar 

nicht als unglaubhaft. Angesichts der bereits geschilderten Vorbehalte zum Ge-

schehen in der Wohnung des Beschuldigten vermögen sie allein den hier interes-

- 29 - 

sierenden zweiten Abschnitts des unter HD eingeklagten Anklagesachverhalts je-

doch nicht zu belegen.  

 2.2.1.3. Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 

 2.2.1.3.1. Die Privatklägerin erwähnte in der ersten polizeilichen Befragung, 

wenige Stunden nach den Vorfällen, an keiner Stelle, dass der Privatkläger - wie 

dieser zeitweise behauptete - vom Beschuldigten mit dem Tod bedroht worden 

sei, noch bevor E._____ in der Wohnung des Beschuldigten eintraf. Sie erklärte 

vielmehr, bis dann habe man noch miteinander reden können (HD 5 S. 2). Von 

einem Durcheinander sprach sie erst mit Bezug auf den Zeitraum nach der An-

kunft E._____s. Unter diesen Umständen wäre nun aber zu erwarten gewesen, 

dass die Privatklägerin es mitbekommen hätte, wenn der Beschuldigte in dieser 

noch verhältnismässig ruhigen Phase des Geschehens eine Todesdrohung gegen 

ihren Ehemann ausgestossen hätte, zumal die Privatklägerin nicht geltend macht, 

abgelenkt gewesen zu sein; eine derart schockierende Ankündigung überhört 

man als Angehörige des Opfers nicht. 

 Sodann brachte die Privatklägerin vor, von E._____ ins Gesicht geschlagen 

worden zu sein (HD 5 S. 2). Darüber hinaus habe dieser zu ihr gesagt, er werde 

sie alle töten, sie würden nicht mehr lange leben, er werde ihre Kinder zerreissen 

(a.a.O.). Hingegen erklärte die Privatklägerin in dieser 80 Minuten dauernden, tat-

nächsten Befragung mit keinem Wort, der Beschuldigte habe in seiner Wohnung 

sie oder ihren Ehemann bedroht. Erst 14 Monate später behauptete sie im Ge-

gensatz dazu auf die Frage hin, ob sie am 4. Januar 2010 vom Beschuldigten in 

dessen Wohnung bedroht worden sei, das sei der Fall gewesen, er habe zu ihr 

gesagt, er werde sie (die Privatklägerin) umbringen.  

 Die Aussagen der Privatklägerin sind nach dem Gesagten - auch im Ver-

bund mit den Vorbringen des Privatklägers - nicht geeignet, den Sachverhalt, wie 

er bezüglich der Geschehnisse in der Wohnung des Beschuldigten in die Anklage 

aufgenommen wurde, rechtsgenügend zu erstellen.  

- 30 - 

 2.2.1.3.2. Hinsichtlich des Tatablaufs in der Wohnung des Ehepaars 

A._____/B._____ führte die Privatklägerin übereinstimmend mit ihrem Ehemann 

aus, der Beschuldigte habe gedroht, die ganze Familie umzubringen, wenn sie 

nicht innert sechs Monaten auszögen (HD 5 S. 3, HD 19 S. 6). Insbesondere ha-

be er gesagt, er werde die Kinder an den Ohren auseinandernehmen. 

 Diese (freilich wenig detaillierten) Aussagen sind zwar für sich betrachtet 

durchaus glaubhaft, doch sind angesichts der Tatsache, dass die Privatkläger ihre 

Erinnerungen vor den Einvernahmen offenbar jedenfalls teilweise miteinander ab-

glichen und die Aussagen der Privatklägerin zu den anderen eingeklagten Sach-

verhalten nicht zu überzeugen vermögen, gleichwohl Vorbehalte angebracht.  

 2.2.2. Handy-Aufzeichnung 

 Die Translation der Gespräche, welche mittels Handy-Aufzeichnung durch 

die Tochter der Privatkläger aufgenommen wurde, erscheint als verlässlich, wes-

halb keine erneute Übersetzung - wie von der Verteidigung gefordert (HD 29 

S. 4) - anzuordnen ist. Es kann in diesem Zusammenhang auf die Bestätigungen 

für eine richtige Übersetzung der Dolmetscher I._____ und J._____ in HD 24/3 f. 

verwiesen werden. Auch der Gerichtsdolmetscher K._____ hat, wie einer Akten-

notiz (HD 43/1) zu entnehmen ist, mit - abgesehen von einem Wort, auf das zu-

rückzukommen sein wird - bloss unwesentlichen Korrekturen bestätigt, dass die 

eingereichte Übersetzung korrekt ist und damit korrespondiert, was auf den Auf-

nahmen gesprochen wird.  

 Aus dem Gesprächsinhalt seien folgende Stellen hervorgehoben:  

 An Position 02:19 der Aufnahme wirft der Privatkläger dem Beschuldigten 

vor: "Du warst derjenige, der deine Frau und mich bei dir zu Hause geschlagen 

hat. Und das bei dir zu Hause, nachdem du uns eingeladen hast, Mann! Vielen 

Dank dafür, C1._____!" (HD 23 S. 13). Dabei nimmt er offensichtlich Bezug auf 

die einige Minuten zuvor in der Wohnung des Beschuldigten stattgefundene Aus-

einandersetzung. Dieser Vorwurf des Privatklägers an die Adresse des Beschul-

digten irritiert insofern, als die Privatklägerschaft keine durch den Beschuldigten 

- 31 - 

verübten Tätlichkeiten oder gar eine Körperverletzung zur Anzeige gebracht hat 

und sich dementsprechend auch kein solcher Sachverhalt in der Anklage findet. 

Der Privatkläger erklärte denn auch vielmehr, er sei von E._____ niedergeschla-

gen worden und habe zwar am Boden noch einen Tritt versetzt erhalten, wisse 

aber nicht, wer diesen ausgeführt habe. Im aufgezeichneten Video spricht er spä-

ter auch bloss noch von E._____ als einzigem handgreiflich gewordenem Aggres-

sor. Aus welchem Grund der Privatkläger die offensichtlich unrichtigen Vorwürfe 

zusammenfantasiert hat, muss offen bleiben. Der Glaubhaftigkeit seiner übrigen 

Darstellung ist aber auch dieses eigenartige Verhalten nicht zuträglich. 

 An der Aufnahmeposition 3:27 beklagt sich der Privatkläger beim Beschul-

digten über E._____: "Ich sage dir, dass er meine Frau geschlagen hat, dass er 

auch mich geschlagen hat und zudem hat er auch deine Frau geschlagen, weil 

sie die Wahrheit gesagt hat!". Der Beschuldigte erwidert darauf: "Von jetzt an 

wirst du es mit mir zu tun haben" (3:42), was - wie auch der Beschuldigte in der 

Berufungsverhandlung sinngemäss geltend machte (HD 79 S. 6) - nicht mehr be-

sagt, als dass E._____ nach dem Willen des Beschuldigten in Zukunft nicht mehr 

in die Auseinandersetzung um das angebliche Liebesverhältnis zwischen dem 

Privatkläger und der Gattin des Beschuldigten mit einbezogen werden solle (er 

war denn auch, obschon zunächst zum Haus mitgegangen, bei der Diskussion in 

der Wohnung der Privatkläger nicht zugegen). Nicht hineininterpretiert werden 

kann in die Aussage des Beschuldigten, er habe dem Privatkläger gedroht, ihn zu 

schlagen. Das ist denn auch nicht eingeklagt. 

 Kurz danach sagt der offensichtlich erregte Beschuldigte zum Privatkläger: 

"Oh, ich schwöre bei Gott! Oh, ich schwöre bei meinen Kindern, ich zerreisse dei-

ne Kinder, an den Ohren und an den Beinen!" (3:44). Dazu macht er mit den 

Händen und Armen eine Bewegung nach aussen, als ziehe er die Ohren eines 

Menschen auseinander. Der Privatkläger reagiert mit den Worten: "Genug, ge-

nug!". Der Beschuldigte erklärt nun, der Privatkläger habe "noch sechs Monate 

Zeit, diese Wohnung zu kündigen! (3:50)", worauf der Privatkläger noch einmal 

mit "Genug!" antwortet. Die Privatklägerin wirft ein: "Ok, dann zerreiss sie doch!" 

(3.51). Der Beschuldigte sagt zum Privatkläger, er werde dessen "Mutter ficken!". 

- 32 - 

Schliesslich ruft die filmende Tochter der Privatkläger: "Hau ab, du schrecklicher 

Kerl!" oder "Hau ab, du schrecklicher Arschficker" (HD 23 S. 15, HD 43/1 S. 2; 

vgl. ferner HD 43/2 S. 11).  

 Die Äusserung, die Kinder an den Ohren und Beinen zu zerreissen, wird von 

einem vernünftigen Menschen in der Lage des Privatklägers und der Privatkläge-

rin durchaus als Todesdrohung mit Bezug auf die Nachkommen verstanden. Da-

rauf, ob das physisch genau so möglich wäre, kommt es - entgegen der Auffas-

sung des Beschuldigten (HD 79 S. 6) - nicht an. Insoweit ist der Sacherhalt also 

erstellt.  

 In der gesamten, insgesamt rund vierminütigen Aufzeichnung der Auseinan-

dersetzung - welche die letzte Phase bis zum Abschliessen der Tür durch den 

Privatkläger zeigt - droht der Beschuldigte aber - entgegen der ausdrücklichen 

Behauptung beider Privatkläger (HD 5 S. 4, HD 17 S. 5) - nirgends, er werde den 

Privatkläger und/oder die Privatklägerin töten. Bemerkenswert ist diesbezüglich 

zweierlei:  

 In der ersten Einvernahme, wenige Stunden nach dem Vorfall, führte der 

Privatkläger aus, der Beschuldigte habe zu ihm gesagt, wenn der Privatkläger die 

Wohnung nicht verlasse, werde er die Privatkläger und deren Kinder umbringen. 

Er (der Privatkläger) habe gemerkt, dass sich die Situation zuspitze und die bei-

den aus der Wohnungstür gestossen und diese dann abgeschlossen (HD 4 S. 6). 

Schon aus dieser Aussage ist zu schliessen, dass diese Drohung kurz vor der 

(aufgezeichneten) Wegweisung der Brüder CC._____ aus der Wohnung erfolgt 

sein müsste, und nicht mehr als vier Minuten (Dauer der Videoaufnahme) zuvor. 

Betrachtet man die Aufnahme und liest den zugehörigen Text, gewinnt man denn 

auch tatsächlich den Eindruck, dass zunächst zwar heftig, aber noch einigermas-

sen kontrolliert, diskutiert wird; erst gegen das Ende der vierminütigen Aufzeich-

nung eskaliert die Lage, indem sich der Beschuldigte immer mehr aufregt und 

sich schliesslich zur besagten "Drohung" hinreissen lässt. Die betreffende Dro-

hung müsste also auf der Videoaufnahme ersichtlich sein. Das ist aber nicht der 

Fall. 

- 33 - 

 Darüber hinaus haben beide Privatkläger im Verlauf des Strafverfahrens so-

gar explizit behauptet, die Szene mit der Todesdrohung gegen sie (und nicht nur 

gegen die Kinder) sei im Handy-Video der Tochter enthalten (HD 5 S. 4, HD 17 

S. 5). Doch wie erwähnt: Dem ist nicht so. 

 Es ist angesichts all dessen in höchstem Masse zweifelhaft, dass der Be-

schuldigte im Rahmen der verbalen Auseinandersetzung in bzw. bei der Woh-

nung der Privatkläger je damit gedroht hat, die Privatkläger zu töten. In der Pha-

se, die als Video aufgezeichnet wurde, war dies jedenfalls mit Sicherheit nicht der 

Fall.  

 2.2.3. Aussagen des Beschuldigten und von C2._____ 

 2.2.3.1.1. Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

 Gegen den Beschuldigten wurden zwar schon verschiedene, auch einschlä-

gige Strafverfahren geführt, doch endeten alle mit einer Einstellungsverfügung. 

Hinsichtlich der allgemeinen oder besonderen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

lässt sich daraus nichts ableiten. 

 Ansonsten ist er nicht glaubwürdiger oder weniger glaubwürdig als andere 

Beschuldigte: Jeder einer Straftat Verdächtigte könnte ein Interesse daran haben, 

den Sachverhalt zu seinen Gunsten zu modifizieren. Das führt aber noch nicht zu 

einer eingeschränkten Glaubwürdigkeit.  

 2.2.3.1.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten 

 Der Beschuldigte hat stets bestritten, den Privatklägern jemals damit gedroht 

zu haben, ein Familienmitglied zu töten. Die Auseinandersetzung um die Frage, 

ob der Privatkläger ein Liebesverhältnis zu seiner Frau gepflegt habe, sei seiner-

seits immer auf einer verbalen Ebene geblieben. Eingeräumt hat der Beschuldig-

te, den Privatkläger aufgefordert zu haben, aus der Wohnung auszuziehen, doch 

sei dies aus der Angst heraus passiert, dass die Situation mit dem Privatkläger  

- von dem er gewusst habe, dass er eine Waffe besitze - eskalieren und dieser 

ihn verletzen könnte.  

- 34 - 

 Dass diese Darstellung zumindest insofern nicht zutrifft, als er gegenüber 

den Privatklägern sehr wohl in Aussicht stellte, deren Kindern ein Leid anzutun, 

wenn sie nicht auszögen, ist wie bereits dargelegt durch die Videoaufnahme er-

stellt. 

 Der Beschuldigte verwickelte sich sodann in nicht wenige Widersprüche.  

 So gab er etwa in der ersten Befragung an, selbst von der Affäre, die der 

Privatkläger mit der Ehefrau des Beschuldigten habe, erst erfahren zu haben, als 

der Privatkläger und dessen Ehefrau (am 4. Januar 2010) zu ihm gekommen sei-

en und dann davon die Rede gewesen sei (HD 6 S. 1). Demgegenüber führte er 

in einer anderen Einvernahme aus, der Privatkläger habe ihn am 4. Januar 2010 

(vor den eingeklagten Vorfällen) deshalb ständig zu erreichen versucht, weil er of-

fenbar erfahren gehabt habe, dass der Beschuldigte von seinem Verhältnis zur 

Gattin des Beschuldigten wisse, wovon er (schon) am Morgen des 4. Januar 2010 

erfahren habe (HD 10 S. 3 und 4). Diese Aussagen sind inkompatibel.  

 Sodann behauptete er - teilweise innert kürzester Zeit in der gleichen Ein-

vernahme - einerseits, er sei nicht wütend geworden, als er davon gehört habe, 

dass seine Ehefrau fremdgegangen sein solle, sondern nur von ihr enttäuscht 

gewesen zu sein, und andererseits, so wütend gewesen zu sein, dass er derart 

stark auf eine Tischplatte geschlagen habe, dass er schmerzende und eine ärztli-

che Versorgung nötig machende Schnittwunden erlitten habe (HD 10 S. 3 f.). 

 Sodann verhedderte er sich mitunter in Widersprüche, wenn es darum ging, 

wer in den verbalen Auseinandersetzungen um das Liebesverhältnis welche Aus-

sagen gemacht haben soll. 

 Aus alledem und weiteren Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschul-

digten erhellt, dass dieser durchaus fähig ist, zu lügen. Daraus lässt sich aber an-

dererseits nicht herleiten, dass die belastenden Aussagen der Privatkläger (die 

selbst zweifelhaft sind, soweit sie nicht durch die Videoaufzeichnung erhärtet 

werden), den Tatsachen entsprechen. 

 2.2.3.2.1. Glaubwürdigkeit von C2._____ 

- 35 - 

 Bei C2._____ handelt es sich um den Bruder des Beschuldigten. Die beiden 

stehen offenbar in einem guten Einvernehmen. Sodann ist die unbefleckte Fami-

lienehre für Menschen aus dem Balkan bekanntlich oft ein wichtiges Gut. 

C2._____ könnte daher versucht gewesen sein, zu Gunsten seines Bruders un-

richtig auszusagen. Diese Möglichkeit bedeutet aber nicht mehr, als dass seine 

Aussagen mit besonderer Vorsicht zu prüfen sind. 

 C2._____ hat sodann den Privatkläger massiv tätlich angegriffen (beigez. 

Akten SB120127), so dass sich dieser veranlasst sah, einen Schuss gegen den 

Angreifer abzufeuern. Sich negativ auf die Glaubwürdigkeit von C2._____ auswir-

kende Schlüsse können aus jenem Verfahren aber nicht gezogen werden.  

 2.2.3.2.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen von C2._____ 

 Laut C2._____ hat der Beschuldigte am 4. Januar 2010 keine Drohungen 

ausgestossen. Die kurze Einvernahme mit C2._____ ist widerspruchsfrei, deckt 

sich aber nicht mit der Videoaufzeichnung, aus der hervorgeht, dass der Beschul-

digte sehr wohl drohende Worte an die Privatkläger richtete.  

 2.2.4. Zusammenfassung 

 2.2.4.1. Zusammenfassend lässt sich mit Bezug auf das Geschehen vom 

4. Januar 2010 in der Wohnung des Beschuldigten weder rechtsgenügend erstel-

len, dass der Beschuldigte zum Privatkläger sagte, er werde ihn töten, wenn sich 

herausstelle, dass er tatsächlich ein Liebesverhältnis zur Ehefrau des Beschuldig-

ten unterhalte, noch, dass er gegenüber der Privatklägerin drohte, er werde sie 

ebenfalls töten. Die Aussagen der Privatkläger erweisen sich aus den dargelegten 

Gründen als zu wenig verlässlich, um mit ihnen den Nachweis führen zu können, 

dass der bestrittene Anklagesachverhalt den Tatsachen entspricht. Daran ändert 

nichts, dass sich auch der Beschuldigte - bezüglich des Randgeschehens - in Wi-

dersprüche verstrickte.  

 Was die Ereignisse vom selben Tag in der Wohnung der Privatkläger an-

geht, so sind die Aussagen der Privatkläger dazu zwar isoliert betrachtet und al-

lein auf die Drohungen bezogen nicht unglaubhaft. Doch schon bei der Frage, wer 

- 36 - 

die Tür geöffnet hat und weshalb dies geschah, findet sich ein Widerspruch, der 

auf Absprache hindeutet. Vergleicht man sodann die Aussagen der Privatkläger 

mit den Videoaufnahmen, ergeben sich grösste Zweifel, dass der Beschuldigte 

A._____ oder B._____ in dieser zweiten Phase des Geschehens jemals mit dem 

Tod drohte. Insbesondere ist entgegen der Behauptung beider Privatkläger keine 

solche Szene in der Video-Aufzeichnung auszumachen.  

 Offen bleiben muss, kann aber auch, ob die Privatkläger den Beschuldigten 

zumindest teilweise bewusst falsch belasteten oder ob sie von verschiedenen 

Personen ausgestossene Drohungen unabsichtlich verwechselten bzw. miteinan-

der vermengten (vgl. dazu auch die unten aufgeführten Aussagen der Tochter der 

Privatkläger).  

 Erstellt sind immerhin die Anklagebestandteile,  

 - der Beschuldigte habe gegenüber der Privatklägerin gesagt, er werde 

die Kinder töten (indem er sie auseinander reisse) und sie habe sechs 

Monate Zeit, die Wohnung zu verlassen und 

 - der Beschuldigte habe den Privatkläger aufgefordert, wegzuziehen. 

 Darauf wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung näher eingegangen. 

 Weitere verwertbare und klar belastende Aussagen oder andere Beweismit-

tel zu den unter HD eingeklagten Vorwürfen finden sich weder in den vorliegen-

den, noch in den beigezogenen Akten.  

 2.2.4.2. An diesem Beweisergebnis vermöchte auch die Einvernahme weite-

rer Personen nichts zu ändern, weshalb die entsprechenden Beweisanträge der 

Privatklägerschaft abzuweisen sind.  

 F._____, die Tochter der Privatkläger - die bisher nie mit dem Beschuldigten 

konfrontiert wurde, weshalb ihre Aussagen erst nach erneuter Befragung mit An-

wesenheits- und Fragerecht des Beschuldigten zu dessen Ungunsten verwertet 

werden könnten - gab in einer Befragung im Prozess DG110001 (in welchem der 

Privatkläger beschuldigt wurde, er habe C2._____ vorsätzlich töten wollen, vgl. 

- 37 - 

die beigez. Akten, Urk. 76/1 bzw. HD 43/2 der vorliegenden Akten) etwa an, als 

C2._____ damals zu ihnen gekommen sei, sei sein "erstes Wort" gewesen, er 

werde den Privatkläger umbringen (HD 43/2 S. 4 und 6). Der Beschuldigte 

(C1._____) habe am Ende gesagt, dass er die Kinder umbringen werde, wenn sie 

nicht umziehen würden (S. 4 und 11). In ihren Aussagen ist also keine Rede da-

von, dass der Beschuldigte in der Wohnung der Privatkläger gedroht hätte, einen 

der Privatkläger zu töten. Aber auch bezüglich der vorausgegangenen Ereignisse 

in der Wohnung der Familie CC._____ ergeben sich keine anderen Erkenntnisse: 

Die Befragte erklärte diesbezüglich, die Eltern hätten davon gesprochen, dort ge-

schlagen worden zu sein (was laut den Privatklägern - zumindest vor allem - 

E._____ betrifft), und die Mutter habe deswegen die Polizei angerufen. Dass sie 

auch gehört habe, in der Wohnung der CC._____s seien Drohungen gefallen, be-

richtete sie nicht. Würde die Tochter der Privatkläger heute anders aussagen, 

könnte diesen Aussagen nach dem bereits in dieser Urteilsbegründung Erwoge-

nen und insbesondere angesichts ihrer früheren Depositionen nicht geglaubt wer-

den.  

 Auch auf eine (für die Verwertbarkeit gegen den Beschuldigten erforderliche) 

Einvernahme von C3._____, der Ehefrau des Beschuldigten, kann verzichtet wer-

den. Sie sprach in einer zu den vorliegenden Akten gelegten polizeilichen und ei-

ner staatsanwaltschaftlichen Befragung hinsichtlich des Geschehens in ihrer 

Wohnung nur davon, dass die Privatkläger dort geschlagen worden seien 

(HD 16/1 S. 4 und ND 1/23/3/3 S. 4). Drohungen des Beschuldigten gegenüber 

den Privatklägern erwähnte sie nicht. Sämtliche aktenkundigen Strafverfahren 

gegen den Beschuldigten, in welchen sie als Geschädigte auftrat, wurden im Üb-

rigen (auf ihr Bestreben hin) eingestellt. Würde sie in einer erneuten Einvernahme 

behaupten, der Beschuldigte habe den Privatkläger in ihrer Wohnung bedroht (nur 

dort war sie zeitweise zugegen), könnte dieser Aussage kein Glauben geschenkt 

werden, nachdem sie in der obgenannten, relativ tatnahen Befragung nichts da-

von verlauten liess.  

 Auch D._____ brachte in der Zeugeneinvernahme vom 16. November 2011 

nichts vor, was die Behauptungen der Privatkläger zu stützen vermochte 

- 38 - 

(DG110001, Urk. 77 S. 10 f.). In der Zeugeneinvernahme vor Obergericht vom 

12. Juni 2013 brauchte auf die Ereignisse vom 4. Januar 2010 deshalb nicht ein-

gegangen zu werden. 

 Für die Sachverhaltserstellung im vorliegenden Verfahren nicht von ent-

scheidender Bedeutung ist sodann, inwiefern sich Nachbarn des Beschuldigten 

oder andere Personen von diesem bedroht fühlten und welchen allgemeinen 

Leumund der Beschuldigte hatte. Weitere diesbezügliche Abklärungen erübrigen 

sich deshalb. 

 Über das bereits Erwogene hinausgehende sachdienliche Erkenntnisse (die 

allenfalls zwecks Verwertbarkeit nach Weiterungen rufen würden), ergeben sich 

schliesslich auch nicht aus den beigezogenen Akten.  

 3. Rechtliche Würdigung 

 3.1.1. Tatbestand der Drohung und der Nötigung 

 3.1.1.1. Den Tatbestand der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB er-

füllt, wer durch schwere Drohung jemanden in Schrecken oder Angst versetzt. 

Schwer ist die Drohung, wenn ein verständiger Mensch mit durchschnittlicher Be-

lastbarkeit sie als schwerwiegend empfindet. Ist die Drohung verbal erfolgt, ist de-

ren Schwere nicht allein nach den gefallenen Äusserungen zu beurteilen; viel-

mehr kommt es darauf an, ob diese nach den gesamten Umständen geeignet wa-

ren, das Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen. Vollendet ist der Tatbe-

stand, wenn das Opfer tatsächlich in Angst oder Schrecken (heftige Erschütterung 

des Gemüts) versetzt wird (BSK Strafrecht II, Delnon/Rüdy, 3. Aufl., Basel 2013, 

Art. 180 N 12 ff.; Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen, 9. Aufl., 

Zürich-Basel-Genf 2008, S. 402). 

 3.1.1.2. Eine Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB begeht, wer jemanden 

durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschrän-

kung in seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dul-

den. Nötigungsmittel kann unter anderem das In-Aussicht-Stellen eines Übels 

sein, dessen Eintritt (jedenfalls nach der beim Opfer geweckten Vorstellung) vom 

- 39 - 

Willen des Täters abhängt. Nicht erforderlich ist die Absicht, die Drohung wahr zu 

machen, doch muss das Opfer sie ernst nehmen (Trechsel/Pieth, StGB Praxis-

kommentar, 1. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 181 N 4). Überdies muss der 

Nachteil ernstlich sein, was der Fall ist, wenn die Androhung geeignet ist, auch 

eine verständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so 

deren Willensbildung und -betätigung zu beschränken (Trechsel/Pieth, a.a.O., 

Art. 181 N 5.). 

 3.1.2. Drohungen / Nötigung gegenüber dem Privatkläger (HD) 

 3.1.2.1. Nicht erstellt ist zunächst, dass der Beschuldigte dem Privatkläger in 

dessen Wohnung sagte, "falls die Anschuldigungen (A._____ soll ein Liebesver-

hältnis mit der Ehefrau von C1._____ gehabt haben) zutreffend seien, werde er 

ihn töten" (HD 38, Ziff. I Abs. 1 der Anklage [HD]). 

 3.1.2.2. Ebenfalls nicht nachgewiesen werden konnte, dass der Beschuldig-

te gegenüber dem Privatkläger in oder bei der Wohnung der Privatkläger "ausge-

führt hat, wenn er, A._____, die Wohnung nicht verlasse, so werde er ihn töten" 

(Ziff. I Abs. 2 der Anklage [HD]).  

 Erstellt ist vom hier massgebenden Anklagesachverhalt allein, dass der Be-

schuldigte den Privatkläger aufforderte, aus der Wohnung wegzuziehen. Das al-

lein ist nicht strafbar. Dass der Beschuldigte dem Privatkläger damit gedroht ha-

be, dessen Kindern etwas anzutun, ist nicht eingeklagt. Die Anklageschrift um-

reisst und begrenzt den Sachverhalt, der zu beurteilen ist. Besagte Drohung in die 

vorliegende Anklage hinein zu interpretieren und auf dieser Basis einen Schuld-

spruch zu fällen, würde das Anklageprinzip verletzen.  

 3.1.2.3. Mit Bezug auf das unter Ziffer I der Anklage geschilderte Verhalten 

des Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger hat daher weder ein Schuld-

spruch wegen Drohung noch ein solcher wegen (versuchter) Nötigung zu erge-

hen. 

 3.1.3. Drohungen / Nötigung gegenüber der Privatklägerin 

- 40 - 

 3.1.3.1. Der unter Ziff. I Abs. 1 (HD) enthaltene Vorwurf, der Beschuldigte 

habe gegenüber "B._____ erwähnt, er werde sie … töten", konnte nicht erhärtet 

werden. 

 3.1.3.2. In Abs. 2 von Ziff. I der Anklage wird behauptet, der Beschuldigte 

habe "gegenüber B._____ mindestens die Worte ausgesprochen, man sehe ab 

Morgen, wie ihr Leben weitergehe, als Erstes werde sie getötet, danach ihre Kin-

der, anschliessend ihr Ehemann, sie habe sechs Monate Zeit, die Wohnung zu 

verlassen".  

 Aus der Videoaufzeichnung ergibt sich, dass der erregte Beschuldigte dem 

Privatkläger innert sieben Sekunden an den Kopf warf,  

 - er schwöre bei seinen eigenen Kindern, dass er dessen Kinder an den 

Ohren und Beinen zerreisse (wobei er eine entsprechende Geste 

machte), und 

 - der Privatkläger habe noch sechs Monate Zeit, die Wohnung zu kündi-

gen.  

 Es steht ausser Frage, dass der Beschuldigte damit ausdrücken wollte, er 

werde die Kinder der Privatkläger töten, wenn der Wegzug des missliebigen, als 

Nebenbuhler betrachteten Privatklägers nach einem halben Jahr noch nicht er-

folgt oder gesichert sei, und genau so durften und mussten die Äusserungen des 

Beschuldigten auch von einem durchschnittlich vernünftigen Menschen in der La-

ge des Privatklägers verstanden werden. 

 Die unmittelbar daneben stehende und in die verbale Auseinandersetzung 

involvierte Privatklägerin hörte diese Worte, die selbstredend eine "schwere Dro-

hung" im Sinne von Art. 180 StGB darstellen, klar und deutlich. Sie reagierte denn 

auch sofort (Video Position: 3:51) mit dem Satz: "Dann zerreiss sie doch". Daraus 

ist nun - entgegen dem Vorbringen der Verteidigung - nicht etwa zu schliessen, 

die Drohung des Beschuldigten habe die Privatklägerin nicht in Angst und Schre-

cken versetzt. Ihr Ausspruch ist vielmehr als verzweifelter Versuch zu verstehen, 

dem Beschuldigten durch gespielte Gleichgültigkeit vorzugaukeln, die Drohung 

- 41 - 

erziele nicht die gewünschte Wirkung. Die Privatklägerin war aber - wie sie es 

auch geltend machte und womit der Beschuldigte rechnete - fraglos im Innersten 

erschüttert, denn es waren (auch) ihre Kinder, und für eine Mutter ist der Gedan-

ke, die Kinder auf eine solche Weise zu verlieren, unerträglich. 

 Es mag sein, dass die Privatklägerin sich überdies insofern angesprochen 

fühlte, als sie glaubte, die Aufforderung wegzuziehen gelte auch für sie selbst. In-

des kann dem Beschuldigten bei der bestehenden Aktenlage nicht nachgewiesen 

werden, er habe mit der Drohung (auch) erreichen wollen, dass die Privatklägerin 

ausziehe. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass er gegen ihren weiteren Ver-

bleib in der Wohnung nichts einzuwenden gehabt hätte, denn nur der Beschuldig-

te, der zumindest vermeintlich ein Verhältnis mit der Ehefrau des Beschuldigten 

hatte, war ihm im Weg. Ein Schuldspruch wegen (versuchter) Nötigung zum 

Nachteil der Privatklägerin fällt damit ausser Betracht. 

 Hingegen hat der Beschuldigte in Kauf genommen, dass die Privatklägerin 

seine schwere Drohung hören und ernst nehmen würde, und dass sie dadurch in 

Angst und Schrecken versetzt würde, was denn auch der Fall war. Er rechnete 

damit, dass auch sie sich als Adressatin der Drohung betrachten würde und nahm 

dies hin. 

 Ob er seine Ankündigung jemals verwirklicht hätte, ist für den Schuldspruch 

nicht von Belang. 

 Der objektive wie der subjektive Tatbestand von Art. 180 StGB sind damit 

erfüllt, und C1._____ ist entsprechend der Drohung schuldig zu sprechen, zumal 

auch der erforderliche, rechtzeitig gestellte Strafantrag vorliegt (HD 3).   

 B. Anklage Ziffer II (ND 1): Nötigung 

 1. Anklagevorwurf 

 Unter Ziffer II (ND 1) der Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgewor-

fen, er sei am 3. Februar 2010, etwa um ein Uhr mittags, mit dem von ihm gelenk-

ten VW Touareg auf einem Privatparkplatz in G._____ direkt auf den dort gehen-

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den Privatkläger zugefahren, was diesen gehindert habe, seinen Weg intentions-

gemäss fortzusetzen, weil er aus Angst vor einer Kollision mit dem Auto einen 

Sprung zur Seite (zwischen parkierte Fahrzeuge) habe machen müssen. Der Be-

schuldigte habe sich so verhalten, um den Privatkläger, den der Vorwurf getroffen 

habe, mit der Frau des Beschuldigten ein Liebesverhältnis zu unterhalten, einzu-

schüchtern. 

 2. Zum Sachverhalt   

 2.1. Aussagen der Parteien und weitere Beweismittel 

 2.1.1. Aussagen des Privatklägers 

 2.1.1.1. Der Privatkläger gab in der polizeilichen Befragung vom 7. Mai 2010 

an, er habe am 3. Februar 2010 zu Hause am … [Adresse] in G._____ seine Mit-

tagspause verbracht (ND 1/2 = ND 1/7 S. 1). Als er danach um ca. 13.00 Uhr vom 

Haus her kommend linksseitig über den zu den Häusern … [Adresse] bis … [Ad-

resse] gehörenden Parkplatz geschritten und beim (in seiner Gehrichtung gese-

hen) ersten linken Parkfeld angelangt sei, habe er vor dem gegenüberliegenden 

Parkfeld den VW Touareg erkannt, den - wie ihm bekannt gewesen sei - der Bru-

der des Beschuldigten jeweils lenke (ND 1/2 S. 3 f.; vgl. zu den örtlichen Verhält-

nissen die Skizze im Anhang zu ND 1/2, die von der Polizei erstellten Fotografien 

unter ND 1/6, die unter ND 1/5 und im Internet [GIS-Browser, http://maps.zh.ch/] 

zu findende Karte des Geografischen Informations-System des Kantons Zürich 

sowie die Online-Abbildungen in Google Maps [http://maps.google.ch/maps], je-

weils mit Adresseingabe … [Adresse], G._____). Der Geländewagen, auf dessen 

Insassen er nicht geachtet habe, habe quer vor dem gegenüberliegenden Park-

feld, mit in Richtung der Barriere bei der Parkplatzeinfahrt zeigender Front, ge-

standen (S. 2 f.). Bei der Barriere habe der Privatkläger gesehen, wie der Lenker 

den Motor angelassen habe und voll auf ihn zugefahren sei (S. 3) bzw. als der 

VW Touareg 7 bis 10 Meter hinter ihm gewesen sei, habe er gehört, dass der Mo-

tor gestartet worden sei und er habe - den Kopf drehend - gesehen, dass das 

Fahrzeug diagonal über den Parkplatz voll auf ihn zu gefahren sei (S. 4). Am En-

de habe die Distanz zwischen Fahrzeug und Privatkläger keinen Meter mehr be-

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tragen. Er habe, um nicht erfasst zu werden, einen halben Meter nach links zur 

Seite springen müssen (S. 4). Hätte er dies nicht getan, wäre er wahrscheinlich 

tot (S. 5). Der Lenker des Autos habe kurz vor der Barriere voll gebremst (S. 4). 

Andernfalls wäre er voll in die Barriere geprallt. Der ganze Vorfall habe nur zwei 

bis drei Sekunden gedauert (S. 5). Als der Privatkläger ins Auto geschaut habe, 

habe er am Steuer den Beschuldigten und daneben dessen Vater gesehen 

(S. 4 f.).  

 Die Privatklägerin habe den Vorfall im Übrigen am Fenster stehend beo-

bachtet und hernach die Gemeindepolizei benachrichtigt, doch sei diese weder 

am Tatort erschienen, noch habe sie andere Massnahmen ergriffen (ND 1/2 S. 5). 

Er sei dann ca. um 13.15 Uhr mit seinem Firmenwagen zur Gemeindepolizei ge-

fahren, doch sei der Posten bis 14.00 Uhr geschlossen gewesen, weshalb er zur 

Arbeit gefahren sei (S. 5 f.). Weiter habe er nichts mehr unternommen und insbe-

sondere nicht persönlich Anzeige erstattet, weil er gedacht habe, der Anruf seiner 

Ehefrau habe genügt, zumal die Polizei ihr (nach einer früheren Anzeige) gesagt 

gehabt habe, falls es Probleme gebe, solle sie anrufen. 

 2.1.1.2. Am 21. April 2011 wurde der Privatkläger von der Staatsanwalt-

schaft als Auskunftsperson einvernommen (ND 1/25 = HD 17). Er führte aus, er 

sei am 3. Februar 2010 aus Angst vor den anderen zum Mittagessen nicht ins 

Restaurant, sondern nach Hause gegangen (S. 2). Um 13.00 Uhr habe er sich zur 

Arbeit begeben wollen. Als er sich ungefähr fünf Meter im Freien aufgehalten ha-

be, habe er das Auto des Beschuldigten gesehen, das bei einem Parkfeld ge-

standen habe, aber nicht in einem solchen einparkiert gewesen sei (vgl. Skizze 

ND 1/26, Position P1: gelbe Markierung). Er sei dann aus Angst (weil er "jedes 

Mal" von der Familie CC._____ bedroht worden sei), nicht wie sonst quer über 

den Parkplatz gegangen, sondern links an den Parkfeldern vorbeigegangen (S. 

3). Er habe in diesem Zeitpunkt niemanden im Auto, das "abgestellt" gewesen sei, 

gesehen. Als er ein paar Meter gegangen sei (Position: orange Markierung), sei 

der Motor des Autos gestartet worden. Bei der grünen Markierung habe er das 

Aufheulen des Motors vernommen, den Kopf gedreht und festgestellt, dass das 

Auto beschleunigt habe und er überfahren werden sollte. In diesem Moment habe 

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er einen grossen Sprung nach links in das Parkfeld, zwischen zwei parkierte Au-

tos, gemacht (S. 3 f.; Skizze: rote Markierung). Das Auto sei davor nur noch einen  

oder eineinhalb Meter von ihm entfernt gewesen (S. 4). In diesem Moment habe 

er auch gesehen, dass der Beschuldigte am Steuer gesessen sei und dessen Va-

ter auf dem Beifahrersitz. Er habe sodann gehört, wie das Auto sehr stark abge-

bremst worden sei, denn die Barriere sei geschlossen gewesen. Aus Angst und 

um die Polizei zu benachrichtigen sei er dann zurück in die Wohnung gegangen. 

Als er sich vor dem Eingang umgedreht habe, habe er gesehen, dass die Barriere 

nun offen gewesen sei und das Auto in Richtung Hauptstrasse weggefahren sei. 

Befragt dazu, weshalb er danach nur einmal versucht habe, persönlich bei der 

Polizei eine Anzeige zu erstatten, und dann erst Monate später formell Anzeige 

erhoben habe, erklärte er, er habe gedacht, die Mitteilung, die seine Ehefrau ge-

macht habe, reiche aus (S. 5).  

 2.1.2. Aussagen der Privatklägerin 

 2.1.2.1. Die Privatklägerin wurde am 4. Juni 2010 polizeilich zur Sache ein-

vernommen (ND 1/8). Sie erklärte, der inkriminierte Vorfall habe sich Ende Febru-

ar oder Anfang März während der Woche zwischen 12.55 und 13.05 Uhr ereignet. 

Der Privatkläger sei zum Mittagessen nach Hause gekommen und dann wieder 

arbeiten gegangen. Sie habe das Geschehen vom Esszimmerfenster der im zwei-

ten Stock gelegenen Wohnung aus beobachtet (S. 1 f.). Sie habe nach dem 

4. Januar 2010 (Zeitpunkt der unter HD eingeklagten Drohungen) immer Angst 

um den Privatkläger gehabt und darum sowohl morgens wie auch mittags aus 

dem Fenster geschaut, wenn er das Haus verlassen habe. Der Privatkläger habe 

über den Privatparkplatz gehen wollen. Der VW Touareg der CC._____s sei auf 

deren Parkfeld parkiert gewesen. Auf die Frage, ob vorwärts oder rückwärts, er-

klärte die Befragte, das Auto sei vorwärts einparkiert gewesen; der Hauswart las-

se die Bewohner wegen der Abgase nicht rückwärts parkieren (S. 2).  

 Als ihr Ehemann linksseitig über den Parkplatz gegangen sei, sei der 

Touareg rückwärts aus dem Parkfeld gefahren, habe mit heulendem Motor den 

Vorwärtsgang eingelegt und sei in Richtung des Privatklägers gefahren, der die 

Situation nicht habe kommen sehen können, weil das Fahrzeug in seinem Rücken 

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gewesen sei (S. 2 f.). Wann er sich zum Fahrzeug umgedreht habe, wisse sie 

nicht, aber sicherlich, als er das Motorgeräusch gehört habe. Er sei ca. zwei Me-

ter zur Seite gesprungen (S. 2 f.). Die Distanz des Touareg habe in diesem Zeit-

punkt nur noch etwa zwanzig Zentimeter betragen (S. 3). Wäre er stehen geblie-

ben, wäre er überfahren worden (S. 5). Zum Glück seien auf jenen Parkfeldern, 

die zur Physiotherapie gehörten, keine Autos parkiert gewesen (S. 2). Die vom 

Touareg zurückgelegte Distanz sei kurz gewesen, wobei sie keine Meterangaben 

machen könne, aber es vielleicht dreissig bis fünfzig Meter gewesen sein könnten 

(S. 3). Nachher sei der Touareg-Fahrer zur Hauptstrasse gefahren. Bereits zuvor 

habe er mit der Fernbedienung die Barriere geöffnet gehabt, weshalb er dort nicht 

habe bremsen müssen (S. 4). Auf der Hauptstrasse sei er dann langsam in Rich-

tung Lichtsignal gefahren. Dort hätten sie verkehrsbedingt anhalten müssen. Der 

Beschuldigte habe das Auto gelenkt, und auf dem Beifahrersitz habe dessen Va-

ter gesessen (S. 5). Letzterer habe zu ihr hochgeschaut und sie gesehen.  

 Darauf hingewiesen, dass ihr Ehemann ausgesagt habe, der Touareg habe 

vor der Barriere bremsen müssen, führte die Privatklägerin aus, sie sei oben ge-

standen und habe (deshalb) nicht alle Details gesehen (S. 5). Konfrontiert damit, 

dass der Privatkläger ausserdem erklärt habe, der Touareg sei ausserhalb des 

Parkfelds gestanden, erklärte sie, sie habe gemeint, er sei im Parkfeld parkiert 

gewesen.  

 Weiter gab die Privatklägerin zu Protokoll, einer Dame bei der Polizei den 

Vorfall gemeldet zu haben. Diese habe gesagt, die zuständige Person, Herr 

R._____, werde sich bei ihr melden, was jedoch nicht der Fall gewesen sei (S. 5). 

Sie sei dann davon ausgegangen, dass sie ja drei Monate Zeit hätten, um Anzei-

ge zu erstatten.  

 2.1.2.2. Am 14. Juli 2010 brachte die Privatklägerin einen Auszug der Tele-

fongesellschaft Sunrise bei, aus dem hervorgeht, dass sie am 3. Februar 2010, 

um 13.57 Uhr, mit der Gemeindepolizei G._____ telefonierte (ND 1/12, ND 

1/13/1). In der Befragung vom 14. Juli 2010 führte die Privatklägerin 2 aus, sie 

habe schon ca. eine Stunde vorher versucht, die Behörde zu erreichen, doch ha-

be niemand abgenommen. 

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 2.1.2.3. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme als Auskunftsperson 

vom 21. April 2011 lag der Privatklägerin - offenbar versehentlich - die vom Pri-

vatkläger eingereichte Tatort-Skizze vor (ND 1/27 = HD 19 S. 2). Die Ehefrau des 

Privatklägers gab erneut zu Protokoll, den Vorfall von der Wohnung aus beobach-

tet zu haben, als ihr Ehemann nach dem Mittagessen gegangen sei (ND 1/27 

S. 3). Sie habe bei geöffnetem Fenster bzw. an einer geöffneten Tür stehend den 

VW Touareg gesehen, den der Beschuldigte, dessen Bruder und dessen Vater 

fahren würden. Man sehe von dort aus den zur Liegenschaft gehörenden Park-

platz, aber auch den gegenüber liegenden Migros-Parkplatz und die Hauptstras-

se. Der Privatkläger sei ausserhalb eines Parkfeldes gestanden (ND 1/27 S. 3 f.). 

Dort würden häufig Autos stehen, wenn auf jemanden gewartet werde. Wenn im 

Protokoll der polizeilichen Einvernahme stehe, das Auto sei in einem Parkfeld ge-

standen, dann sei das falsch. Sie sei "offenbar nicht richtig verstanden worden" 

(S. 4). Es sei ja kein Dolmetscher anwesend gewesen (S. 4). Mit ihrer damals an-

gefertigten Skizze (auf welcher das Auto auf dem Parkfeld steht) habe sie "nur er-

klären wollen, wie die Situation jeweils ist" (S. 4); tatsächlich sei das Auto aber 

"neben dem Parkplatz" gestanden. Der Privatkläger habe, als er sich im Freien 

befunden habe, zunächst geradeaus, dann nach links zum Migros-Parkplatz ge-

hen müssen, wo er sein Auto abgestellt gehabt habe. Als der Privatkläger über 

den (zum Haus gehörenden) Parkplatz bzw. an dessen linker Seite gegangen sei, 

sei der Motor gestartet worden und das Auto sei mit hoher Geschwindigkeit in 

dessen Richtung gefahren (S. 5). Sie habe gesehen, dass der Privatkläger "auf 

die Seite geblickt und einen Sprung zur Seite vorgenommen" habe. Auf der obe-

ren Foto auf Seite 2 von ND 1/6 zeichnete sie mit einem Kreuz die Position ihres 

Ehemanns ein.  

 Alsdann antwortete die Privatklägerin auf die Frage, ob am Ort, an dem der 

Privatkläger weggesprungen sei, Autos auf den Parkplätzen gestanden hätten 

oder ob diese frei gewesen seien: "Die Parkplätze sind frei gewesen" (S. 5).  

 Weiter habe sie gehört, wie das Auto stark abgebremst habe und gesehen, 

wie es vor der Barriere angehalten habe (S. 5). Ob die Barriere geschlossen oder 

offen gewesen sei, könne sie heute nicht mehr sagen. Als das Auto auf der 

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Hauptstrasse gewesen sei, habe sie den Beschuldigten als Lenker und dessen 

Vater als Beifahrer erkannt. Sie habe dann die Polizei anzurufen versucht. Sie 

habe wegen des Vorfalls vom 4. Januar 2010 eine Visitenkarte vom Polizisten 

gehabt, der gesagt habe, sie solle ihm telefonieren, wenn sich etwas ereigne. Sie 

habe dann aber zuerst niemanden auf dem Posten erreicht. Nach 14.00 Uhr habe 

sie es noch einmal versucht und mit einer Frau gesprochen, der sie erzählt habe, 

was geschehen sei, worauf diese geantwortet habe, der Polizist werde sich mel-

den, wenn er zurück sei, was aber nicht der Fall gewesen sei (S. 6).   

 2.1.3. Amtsberichte 

 2.1.3.1. Gemäss Amtsbericht von Pm M._____, Beamter der Gemeindepoli-

zei G._____, hatte der Polizeibeamte der Privatklägerin nach dem Vorfall, der als 

Drohung eingeklagt ist, eine Visitenkarte überlassen (ND 1/11 S. 1, vgl. auch ND 

1/15/3). Wer den Anruf der Privatklägerin im Februar 2010 entgegen genommen 

habe, könne nicht mehr eruiert werden (ND 1/11 S. 1). Ein Journaleintrag sei nicht 

erfolgt.  

 2.1.3.2. In einem Bericht von N._____, ebenfalls Beamter der Gemeindepo-

lizei G._____, vom 30. Juli 2010 wird sodann festgehalten, es sei am 3. Februar 

2010, um 13.57 Uhr, lediglich O._____ im Dienst gewesen, doch vermöge sie sich 

nicht an den Telefonanruf zu erinnern (ND 1/19/4 S. 2). Sie sei der Auffassung, 

dass ihr das Telefonat in Erinnerung geblieben wäre, wenn sie tatsächlich erfah-

ren hätte, es handle sich um eine akute, lebensbedrohliche Situation, und dass 

sie die Meldung dann auch an die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich wei-

tergeleitet hätte.  

 2.1.4. Aussagen des Beschuldigten 

 2.1.4.1. Der Beschuldigte erklärte in einer parallel zur Einvernahme seines 

Vaters durchgeführten Befragung, er fahre nur mit seinem Golf (ND 1/10 S. 1). 

Sein Bruder C2._____ und der Vater würden dieses Auto fahren. Er selber habe 

es vor zwei Jahren letztmals gelenkt (S. 2). Der Touareg stehe auf dem 5. Park-

feld vom Zentrum G._____ her gesehen (S. 3). Der Beschuldigte bestritt aus-

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drücklich, den Touareg am Tag des eingeklagten Vorfalls gelenkt zu haben (S. 3). 

Im Februar 2010 habe er sowieso immer gearbeitet. Unmittelbar darauf fragte er, 

wann sich der Vorfall überhaupt ereignet haben solle, ob am Wochenende oder 

unter der Woche. Alsdann führte er aus, der Privatkläger behaupte die Tat bloss, 

weil er selbst in einem Strafverfahren stehe, nachdem er auf den Bruder des Be-

schuldigten geschossen habe; er wolle damit erreichen, dass er freigesprochen 

werde. Schliesslich gab der Beschuldigte zu, selten ebenfalls mit dem Touareg zu 

fahren, doch sei dies nur auf Auslandfahrten der Fall (S. 4).  

 2.1.4.2. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. September 

2010 räumte der Beschuldigte ein, im fraglichen Zeitraum zu Hause gewesen zu 

sein (ND 1/21 = HD 10 S. 7). Die Familie nehme um diese Zeit normalerweise das 

Mittagessen ein. Die Anschuldigungen der Privatkläger träfen nicht zu. Das Auto 

gehöre dem Bruder und stehe jeweils auf dem Parkplatz Nr. …; ob der Bruder, 

der den Wagen für den Arbeitsweg benutze, damals damit gefahren sei, wisse er 

nicht. Er selber lenke das Fahrzeug sehr selten.  

 2.1.4.3. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bezeichnete der 

Beschuldigte die Darstellung der Privatkläger als Lüge. Er habe den Privatkläger 

auf diesem Parkplatz gar nie gesehen, obgleich er sein eigenes Fahrzeug schon 

seit einem Jahr dort parkiere (HD 52 S. 6).  

 In jener Zeit habe er drei Tage frei genommen. Am 2. Februar habe er Ge-

burtstag gehabt. Er vermöge sich zu erinnern, dass er am fraglichen Tag seinen 

Sohn zu Fuss abgeholt gehabt habe. Den Touareg fahre er "nur für grosse Stre-

cken".  

 2.1.4.4. In der Berufungsverhandlung beharrte der Beschuldigte darauf, 

dass der Anklagevorwurf auf einer reinen Lüge basiere (HD 79 S. 6). Der Privat-

kläger habe ja auch erst etwa drei Monate später Anzeige erstattet, nachdem er 

auf den Bruder des Beschuldigten geschossen gehabt habe.  

 2.1.5. Aussagen von C4._____ 

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 Der Vater des Beschuldigten, C4._____, erklärte in der Befragung vom 17. 

Juni 2010, der VW Touareg gehöre seinem Sohn C2._____ (dem Bruder des Be-

schuldigten), sei nun aber aus Kostengründen auf den Namen der Tochter einge-

löst (ND 1/9 S. 1). Gefahren