# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 903ecf4c-bca1-58aa-995f-a48abcdbd793
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.12.2011 E-5382/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5382-2011_2011-12-08.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5382/2011

U r t e i l   v om   8 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richterin Regula Schenker Senn,   
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

Partei A._______, geboren am (…),
Irak,  
vertreten durch lic. iur. Alban Brodbeck, Rechtsanwalt, 
(…),
Gesuchsteller, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
21. März 2011 / E­8250/2007 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  5.  November  2007  feststellte,  der 
Gesuchsteller  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  sein  Asylgesuch 
vom  2.  Oktober  2007  ablehnte  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz 
anordnete,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  21.  März  2011  die 
gegen  die  vorinstanzlichen  Verfügung  erhobene  Beschwerde 
vollumfänglich abwies,

dass  der  Gesuchsteller  mit  an  das  BFM  gerichteter  Eingabe  vom  23. 
September 2011 erneut um Asyl ersucht und beantragt, es sei  ihm Asyl 
zu  gewähren,  eventuell  sei  festzustellen,  dass  seine Wegweisung  nicht 
zumutbar  sei,  weshalb  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  sei, 
eventuell  sei  festzustellen,  dass  ihm  aus  humanitären  Gründen  Asyl 
respektive  Aufnahme  zu  gewähren  sei  und  eventuell  sei  festzustellen, 
dass  im  Sinne  des  Gesetzes  ein  Härtefall  vorliege  und  ihm  Asyl  zu 
gewähren sei,

dass  ihm  bis  zur  rechtskräftigen  Erledigung  des  Asylverfahrens  zu 
gestatten  sei,  in  der  Schweiz  bleiben  zu  können  und  weiterhin  einer 
verdienstbringenden Ganztagesarbeit nachzugehen,

dass der Gesuchsteller persönlich anzuhören sei,

dass  das  BFM  sich  in  der  Sache  als  unzuständig  erachtete  und  die 
Eingabe  vom  23.  September  2011  inklusive  eingereichte  Beilagen  und 
bereits  bestehende  Verfahrensakten  mit  Begleitschreiben  vom  29. 
September 2011 gestützt auf Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. 
Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021) 
zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht weiterleitete,

dass  das BFM dem Rechtsvertreter  des Gesuchstellers  eine Kopie  des 
Begleitschreibens vom 29. September 2011 zukommen liess,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Verfügung  vom  29.  September 
2011 gestützt  auf Art. 112 des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) den Vollzug der Wegweisung vorsorglich aussetzte, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  7. 
November 2011 feststellte, die Eingabe vom 23. September 2011 werde 
als sinngemässes, gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom   

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21.  März  2011  gerichtetes  Revisionsgesuch  entgegengenommen  und 
behandelt,

dass  mit  der  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom    
7. November 2011 die am 29. September 2011 angeordnete vorsorgliche 
Massnahme  (Aussetzung  des  Vollzuges  der  Wegweisung)  aufgehoben 
wurde  und  der  Gesuchsteller  aufgefordert  wurde,  innert  Frist  einen     
Kostenvorschuss im Betrage von Fr. 1200.­­ zu leisten,

dass der Kostenvorschuss innert Frist vollumfänglich geleistet wurde,

dass  der  Gesuchsteller  mit  seiner  Eingabe  vom  23.  September  2011 
Beweismittel  einreicht,  welche  die  bereits  im  ordentlichen  Verfahren 
vorgebrachten,  aber  als  unglaubhaft  erachteten  Umstände  (Gefährdung 
an  Leib  und  Leben  durch  islamistische  Gruppierung)  belegen  sollen 
(Bestätigung des Justizministeriums und Obergerichtsrates der Irakischen 
Republik  vom  1.  Juli  2011  [Beweismittel  1],  Bestätigung  des 
Justizministeriums/Polizeiamtes  der  Provinz  Bagdad  vom  30.  Juni  2011 
[Beweismittel  2]  sowie  ein  undatiertes  Schreiben  der  Firma  (…) 
[Beweismittel 3]),

dass  der  Gesuchsteller  sich  somit  flüchtlings­  und  asylrechtlich  auf 
Umstände  beruft,  welche  die  Sach­  und  Rechtslage  betreffen,  wie  sie 
bereits  bei  Ergehen  des  Beschwerdeentscheides  vom  21.  März  2011 
bestand,

dass  in  der  Eingabe  des  Gesuchstellers  damit  sinngemäss 
Revisionsgründe  im  Sinne  von  Art.  123  Abs.  2  Bst.  a  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  (neue 
entscheidende Beweismittel) geltend gemacht werden,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Revision  von  Entscheiden 
zuständig ist, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat 
(vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242 mit Hinweisen),

dass  gemäss  Art. 45  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR  173.32)  für  die  Revision  von  Urteilen  des 
Bundesverwaltungsgerichts die Art. 121­128 BGG sinngemäss gelten,

dass  mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  die 
Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen 
Beschwerdeentscheides  angefochten  wird,  damit  in  der  Sache  neu 

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entschieden  wer­den  kann  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI, 
Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269),

dass das Bundesverwaltungsgericht auf Gesuch hin seine Urteile aus den 
in Art. 121­123 BGG genannten Gründen in Revision zieht (Art. 45 VGG),

dass die Revision demgegenüber nicht aus einem Grund verlangt werden 
kann,  der  schon  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  hätte  geltend 
gemacht werden können (vgl. sinngemäss Art. 46 VGG),

dass  zudem  selbst  dann  kein  Revisionsgrund  gegeben wäre,  wenn  die 
Justizbehörden  im  vorangegangenen  Verfahren  bekannte  Tatsachen 
möglicherweise  falsch  gewürdigt  hätten,  zumal  die  Bewertung  und 
Würdigung  tatsächlichen  Materials  keine  revisionsbegründenden 
Tatsachen darstellen,

dass  es  an  der  genügenden  prozessualen  Sorgfalt  fehlt,  wenn  die 
Entdeckung  neuer  Tatsachen  oder  Beweismittel  auf  Nachforschungen 
zurückzuführen sind, die bereits  im  früheren Verfahren hätten angestellt 
werden können und müssen (vgl. HANSJÖRG SEILER/NICOLAS VON WERDT 
/ANDREAS GÜNGERICH, Bundesgerichtsgesetz  [BGG]: Bundesgesetz über 
das Bundesgericht, Handkommentar, Bern 2007, zu Art. 123 Rz. 8),

dass  es  der  um  Revision  ersuchenden  Partei  obliegt,  rechtzeitig  und 
prozesskonform  zur  Klärung  des  Sachverhalts  entsprechend  ihrer 
Beweispflicht beizutragen (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Basler Kommentar, 
Bun­desgerichtsgesetz,  Basel  2008,  N.  8  zu  Art.  123  BGG;  zur 
Einschränkung  der  behördlichen  Untersuchungspflicht  durch  die 
Mitwirkungspflicht der Verfahrensparteien und deren Beweisführungslast 
bezüglich  ihnen  naturgemäss  besser  bekannter  und  behördlicherseits 
schwierig  zu  ermittelnder  Tatsachen  im  Asylverfahren  siehe  BVGE 
2007/30 E. 5.5.2 S. 365 f. mit weiteren Hinweisen),

dass  die  objektive  Unmöglichkeit  eines  früheren  Beibringens  von 
Tatsachen und Beweismitteln nur mit Zurückhaltung anzunehmen ist und 
der Revisionsgrund der unechten Noven nicht dazu dienen darf, bisherige 
Versäumnisse  in  der Beweisführung wieder  gutzumachen  (vgl.  ESCHER, 
a.a.O., N. 8 zu Art. 123 BGG),

dass  der  ­  im Beschwerdeverfahren  vor  dem Bundesverwaltungsgericht 
zwar  nicht  formell  vertretene  ­  Gesuchsteller  nicht  schlüssig  darlegt, 
warum es  ihm trotz umsichtiger Prozessführung nicht hätte möglich sein 

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sollen,  die  nunmehr  eingereichten  Beweismittel  bereits  während  des 
erstinstanzlichen  Asylverfahrens  oder  des  beim 
Bundesverwaltungsgericht  angehobenen  Beschwerdeverfahrens 
vorzubringen beziehungsweise zu den Akten zu reichen,

dass der pauschale Verweis  in der Revisionseingabe, der Gesuchsteller 
sei  im ordentlichen Beschwerdeverfahren nicht vertreten gewesen, nicht 
zu  überzeugen  vermag,  zumal  von  einer  inoffiziellen  rechtlichen 
Hilfestellung zugunsten des Gesuchstellers  im Rahmen des ordentlichen 
Beschwerdeverfahrens auszugehen ist,

dass  die  erwähnten  Beweismittel  ­  ungeachtet  der  Fragen  von  deren 
Neuheit  und  Beachtung  der  zumutbaren  Sorgfalt  betreffend  die 
Einreichung  im ordentlichen Verfahren ­ als nicht erheblich  im Sinne der 
revisionsrechtlichen Bestimmungen zu qualifizieren sind,

dass die eingereichten Schreiben (Beweismittel 1­3) nicht geeignet sind, 
an  der  die  individuellen Verfolgungsvorbringen  betreffenden Beweislage 
in erheblicher Weise etwas zu ändern,

dass  die  nachgereichten  Beweismittel  mithin  bei  Vorliegen  im 
ordentlichen  Verfahren  in  Berücksichtigung  des  Aussageverhaltens  des 
Gesuchstellers  und  der  gesamten  Aktenlage  nicht  zu  einer  anderen 
Beurteilung geführt hätten,

dass den Bestätigungsschreiben der Eindruck anhaftet,  deren  Inhalt  sei 
geradezu in Auftrag gegeben worden,

dass deren Inhalt zudem mit erheblichen Unstimmigkeiten behaftet ist,

dass im Beweismittel 1 ausgeführt wird, die das Dokument ausstellenden 
Richter hätten versucht, den Gesuchsteller zu verteidigen, obwohl dieser 
im  gesamten  ordentlichen Asylverfahren  nie  geltend  gemacht  hatte,  die 
Justizbehörden  angegangen  zu  sein  oder  konkrete Schutzmassnahmen 
seitens der zentralirakischen Behörden anbegehrt zu haben,

dass er vielmehr vorbrachte, kurz nach dem Tod seines Bruders  in den 
Nordirak zurückgekehrt zu sein,

dass  auch  unerfindlich  ist,  wie  die  das  Dokument  unterzeichnenden 
Richter zu bestätigen vermögen, die terroristische Gruppe habe versucht, 
den  Gesuchsteller  zu  töten,  zumal  der  Gesuchsteller  selbst  nie  einen 

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konkreten  Tötungsversuch  ihm  gegenüber  zum  Gegenstand  des 
Sachverhaltes machte,

dass ebenso im Beweismittel 2 von einem Untersuchungsrichter und dem 
Chef  einer  Polizeistelle  in  Bagdad  bestätigt  wird,  die  kriminelle  Gruppe 
habe versucht, den Gesuchsteller zu töten, 

dass weiter schwer nachzuvollziehen  ist, dass der Untersuchungsrichter 
und der Chef der Polizeistelle  in Bagdad  in der Lage sein sollten zu be­
stätigen,  dass  der  Gesuchsteller  aus  Angst  vor  Tötung  durch  diese 
Gruppe gezwungen gewesen sein soll, das Land zu verlassen, wenn sich 
der Gesuchsteller  fernab von Bagdad seit Dezember 2006 bis zu seiner 
Ausreise  aus  seinem  Heimatland  im  September  2007  im  von  den 
kurdischen Regionalregierung kontrollierten Nordirak aufgehalten hat,

dass  im  Weiteren  das  Beweismittel  3  selbstredend  keine  erhebliche 
Beweiskraft zu entfalten vermag,

dass,  soweit  im  Revisionsgesuch  die  Auffassung  vertreten  wird,  es  sei 
nicht  verständlich,  weshalb  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers 
hinsichtlich  der  Glaubhaftigkeit  (auch  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht)  gezweifelt  werde,  als  Urteilskritik  zu  werten 
ist, die im Revisionsverfahren unbeachtet zu bleiben hat, 

dass  der Gesuchsteller  im  vorliegenden Revisionsverfahren  somit  keine 
entscheidenden Beweismittel  im Sinne  von Art.  123 Abs.  2 Bst.  a BGG 
beizubringen vermochte,

dass das Revisionsgesuch demnach abzuweisen ist,

dass  eine  Prüfung  der  Akten  keine  konkreten  Hinweise  auf  die 
Begründetheit der Rechtsmittelbegehren ergibt und das Revisionsgesuch 
aussichtslos erscheinen lässt,

dass  auf  die Rechtsbegehren  in  der Eingabe  vom 23. September  2011 
bezüglich  "Härtefall"  im vorliegenden Verfahren mangels Prozessgegen­
stand nicht einzutreten ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  im  Betrage  von     
Fr. 1200.­­ dem Gesuchsteller aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),

dass  die  Verfahrenskosten  durch  den  geleisteten  Kostenvorschuss 
vollumfänglich gedeckt sind.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Das Revisionsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Die  Verfahrenskosten  im  Betrage  von  Fr.  1200.­­  werden  dem 
Gesuchsteller auferlegt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss 
vollumfänglich gedeckt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  zuständige 
kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

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