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**Case Identifier:** c03d590e-43d3-5fd3-8902-a532e7ab9cbe
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 04.07.2023 VBE.2023.77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-77_2023-07-04.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

 

VBE.2023.77 / aw / fi  

Art. 57 

 

 

Urteil vom 4. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin 

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber i.V. Walder          

 

 
   

Beschwerde- 

führer 

 A._____   

unentgeltlich vertreten durch lic. iur. Markus Trottmann, Rechtsanwalt, 

Eisengasse 5, 4051 Basel    

 

     
   

Beschwerde-

gegnerin 

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 9. Januar 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1984 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 8. Februar 2012 

unter Hinweis auf starke rheumatische Beschwerden sowie Rücken-

schmerzen erstmals bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistun-

gen (berufliche Integration/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversiche-

rung (IV) an. Mit Mitteilung vom 22. Oktober 2012 sprach ihm die Be-

schwerdegegnerin Frühinterventionsmassnahmen in Form von Beratung 

und Unterstützung bei der beruflichen Integration zu. Nach weiteren Abklä-

rungen beendete sie die Frühinterventionsmassnahmen mit Verfügung 

vom 24. Juni 2013 und verneinte einen Rentenanspruch. Diese Verfügung 

erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

 

1.2. 

Mit undatiertem Gesuch (Posteingang am 1. Oktober 2020) meldete sich 

der Beschwerdeführer aufgrund andauernder Rückenschmerzen entlang 

der gesamten Wirbelsäule erneut zum Leistungsbezug (berufliche Integra-

tion/Rente) bei der Beschwerdegegnerin an. In der Folge tätigte die Be-

schwerdegegnerin diverse medizinische und erwerbliche Abklärungen. Auf 

Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Diensts (RAD) veranlasste sie ins-

besondere eine polydisziplinäre Begutachtung bei der GA eins AG Gutach-

tenstelle, Frick (GA eins-Gutachten vom 20. Dezember 2021). Mit Vorbe-

scheid vom 21. März 2022 stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwer-

deführer die Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht. Aufgrund der 

dagegen erhobenen Einwände hielt die Beschwerdegegnerin Rücksprache 

mit dem RAD und in der Folge verneinte sie mit Verfügung vom 9. Januar 

2023 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 9. Januar 2023 erhob der Beschwerdeführer mit 

Eingabe vom 9. Februar 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

 
"1. Es sei die angefochtene Verfügung vom 9. Januar 2023 aufzuheben 

und es seien dem Beschwerdeführer nach Massgabe des noch einzu-
holenden gerichtlichen medizinischen Gutachtens die ihm gestützt auf 
das IVG zustehenden Leistungen, mindestens jedoch eine Viertelrente 
zuzusprechen. 

 
 2.  Eventualiter sei die angefochtene Verfügung vom 9. Januar 2023 auf-

zuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzu-
weisen, damit diese nach Massgabe der gerichtlichen Vorgaben wei-
tere Abklärungen vornehme und anschliessend über den Leistungsan-
spruch des Beschwerdeführers neu entscheide. 

 - 3 - 

 

 

 

 3. Es sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfah-
ren die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es sei dem Be-
schwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren den Unter-
zeichneten als unentgeltlicher Rechtsvertreter beizugeben. 

 
 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 6. März 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 8. März 2023 wurde dem Be-

schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und lic. iur. Mar-

kus Trottmann, Rechtsanwalt, Basel, zu seinem unentgeltlichen Rechtsver-

treter ernannt. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenan-

spruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 9. Januar 2023 (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 84) zu Recht verneint hat. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 

9. Januar 2023 in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das polydis-

ziplinäre GA eins-Gutachten vom 20. Dezember 2021 (VB 68). Dieses ver-

eint eine internistische, psychiatrische und rheumatologische Beurteilung 

und enthält folgende Diagnosen (VB 68.2 S. 4): 

 

 - 4 - 

 

 

 

"a) Diagnosen mit Einfluss auf Arbeitsfähigkeit 

 Chronisches, primär myogelotisch und dekonditionierungsbeding-
tes panvertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.8) 
(…) 

 

 b) Diagnosen ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit 
1. Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto-

ren (ICD-10 F45.41) 
2. Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (ICD-10 

F12.25) 
3. Fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ca. 20 pack 

years) (ICD-10 F17.1)". 

 

Die Gutachter führten aus, dass bei der rheumatologischen Untersuchung 

ein chronisches, primär myogelotisches panvertebrales Schmerzsyndrom 

diagnostiziert worden sei. Es bestehe eine Fehlhaltung der Wirbelsäule. 

Radiologisch seien die Befunde weitgehend unauffällig gewesen. Aufgrund 

der Konstitution und der Dekondition seien dem Beschwerdeführer aus 

rheumatologischer Sicht körperlich schwere Tätigkeiten nicht zumutbar. 

Jede andere körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, wechsel-

belastende Tätigkeit sei ohne Leistungseinschränkung möglich. Aus allge-

meininternistischer und psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer un-

eingeschränkt arbeitsfähig. Da der Beschwerdeführer noch nicht regelmäs-

sig in der freien Wirtschaft gearbeitet habe, könne keine angestammte Tä-

tigkeit definiert werden. Eine optimal angepasste Tätigkeit sei bei körperlich 

leichter bis intermittierend mittelschwerer, wechselbelastender Tätigkeit zu-

mutbar, wobei eine maximale Präsenz von 8 – 8.5 Stunden täglich möglich 

sei. In einer solchen Tätigkeit bestehe eine 100 % Arbeits- und Leistungs-

fähigkeit. Aufgrund der anamnestischen Angaben und der Untersuchungs-

befunde würden sich keine Hinweise ergeben, dass die Arbeitsfähigkeit im 

Verlauf über eine längere Zeitspanne wesentlich eingeschränkt gewesen 

sei (VB 68.2 S. 4 f.). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

 - 5 - 

 

 

 

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-

zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar 

zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 

E. 5.2.8 S. 105). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des GA eins-Gutachtens vom 

20. Dezember 2021 fachärztlich umfassend und in Kenntnis sowie unter 

Würdigung der Vorakten (vgl. VB. 68.3) und unter Berücksichtigung der ge-

klagten Beschwerden (vgl. VB 68.4 S. 2 f.; 68.5 S. 1 f.; 68.6 S. 1 ff.) unter-

sucht. Es wurde ferner eine Laboruntersuchung durchgeführt (vgl. 

VB 61.6). Dabei beurteilten die Gutachter die medizinischen Zusammen-

hänge sowie die medizinische Situation einleuchtend und gelangten zu 

einer nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerung. Das Gutachten ist 

somit im Sinne vorstehender Kriterien grundsätzlich geeignet, den Beweis 

für den anspruchserheblichen medizinischen Sachverhalt zu erbringen. 

 

5. 

5.1. 

5.1.1. 

Der Beschwerdeführer macht geltend, dass das psychiatrische Teilgutach-

ten nicht beweistauglich sei. So suche man vergebens eine Auseinander-

setzung des psychiatrischen Gutachters mit den medizinischen Berichten 

von Dr. med. B., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Psychiatrie 

und Psychotherapie, vom 26. Juni 2012 (VB 12) und vom 10. April 2013 

(VB 29), und den dort gestellten Diagnosen (Beschwerde S. 5 f.). Auch 

setze sich der psychiatrische Gutachter weder mit der Beurteilung von 

Dr. med. B. auseinander noch werde eine plausible Begründung für das 

"Fehlen einer Persönlichkeitsstörung" vorgebracht, obwohl es keinerlei 

Hinweise für seine volle Leistungsfähigkeit gäbe und die Besonderheiten 

bei seinem Auftritt bei der Begutachtung eine Persönlichkeitsstörung ge-

radezu aufdrängen würden (Beschwerde S. 6 f.). 

 

5.1.2. 

Soweit der Beschwerdeführer auf die Angaben des ihn ehemals behan-

delnden Dr. med. B. verweist (Berichte vom 26. Juni 2012 [VB 12] und 

10. April 2013 [VB 29]), ist zunächst festzuhalten, dass es die unterschied-

liche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Per-

son einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi-

zinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, 

ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum 

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Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztper-

sonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben 

Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be-

handelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut-

achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 8C_60/2020 vom 8. April 2020 E. 3.2 mit Hinweisen). 

 

5.1.3. 

Der psychiatrische Gutachter hielt im GA eins-Gutachten vom 20. Dezem-

ber 2021 fest, dass bei der Untersuchung keine psychopathologischen Be-

funde für die Diagnose einer psychischen Störung mit Einfluss auf die Ar-

beitsfähigkeit habe erhoben werden können. Der Beschwerdeführer leide 

nicht unter depressiven Verstimmungen oder deutlichen Konzentrations-

störungen. Sein Selbstwert sei mit Insuffizienzgedanken zwar etwas ver-

mindert, da er sich nicht mehr arbeitsfähig fühle, aber er leide nicht an 

Schuldgedanken und allumfassenden negativen Zukunftsperspektiven. Die 

Diagnose einer depressiven Episode könne nicht gestellt werden. Auch 

eine Angststörung mit vegetativen Symptomen als Ausdruck der Angst 

könne nicht diagnostiziert werden. Der Beschwerdeführer wirke in der 

äusseren Erscheinung auffällig, lehne sich gegen den Staat auf, rauche 

Cannabis und könne sich nicht vorstellen, einer Erwerbstätigkeit nachzu-

gehen. Dies passe gut zum chronischen Cannabiskonsum. Irreversible 

konsumbedingte Sekundärschäden seien nicht erwiesen. Weitere auffäl-

lige Persönlichkeitsmerkmale für die Diagnose einer spezifischen Persön-

lichkeitsstörung würden sonst nicht bestehen. Gegen diese Diagnose spre-

che auch der Längsverlauf, da vor der Erkrankung eine volle Leistungsfä-

higkeit bestanden habe (VB 68.5 S. 6). 

 

Der Beschwerdeführer hat nach einem Jahr Kleinklasse die Realschule ab-

geschlossen, ohne eine Klasse wiederholen zu müssen. Danach absol-

vierte er während ungefähr zwei Jahren eine erste Lehre als Koch, die er 

abbrach, arbeitete danach gemäss seinen Angaben an verschiedenen 

Stellen temporär und war ab 1. August 2008 mehr als zwei Jahre in seiner 

Lehrstelle im Vollzeitpensum als Mechanikpraktiker tätig (VB 14.1. S. 2; 27 

S. 2). Eine medizinisch begründete 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 3. März 

2011 wurde erst mit Bericht von Dr. med. D., Facharzt für Physikalische 

Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, vom 23. Mai 2012 

aufgrund von rheumatologischen Befunden attestiert (VB 11 S. 2). Ange-

sichts der vom Beschwerdeführer selbst angegeben unauffälligen Schul-

laufbahn und der bis ins Jahr 2011 erfolgten Arbeitstätigkeit ist der Schluss 

des psychiatrischen Gutachters, es habe vor der Erkrankung eine volle 

Leistungsfähigkeit bestanden, begründet und nicht zu beanstanden. Das 

äussere Erscheinungsbild und das Auftreten des Beschwerdeführers wur-

den vom psychiatrischen Gutachter gewürdigt und dieser hielt dazu fest, 

dies passe gut zum chronischen Cannabiskonsum (VB 68.5 S. 6). Der Gut-

achter Dr. med. E. hat somit aufgezeigt und begründet, weshalb er die 

 - 7 - 

 

 

 

Persönlichkeitsmerkmale für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung als 

nicht gegeben erachtete.  

 

Im Weiteren nahm der psychiatrische Gutachter Stellung zu den von 

Dr. med. B. gestellten Diagnosen einer posttraumatischen Belastungs-

störung und einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembe-

lastung, wobei dann aber 2013 (Bericht vom 10. April 2013, VB 29) ein ver-

besserter Gesundheitszustand festgehalten worden sei. Zur posttraumati-

schen Belastungsstörung führte der psychiatrische Gutachter aus, dass 

diese aufgrund der Untersuchung nicht bestätigt werden könne. Der Be-

schwerdeführer habe zwar in der Kindheit häusliche Gewalt seitens der 

strengen Mutter erlitten, im Übrigen sei ein schweres traumatisches Ereig-

nis – auch auf explizite Nachfrage – nicht eruierbar gewesen. Für die Diag-

nose einer posttraumatischen Belastungsstörung fordere die ICD-10 ein 

deutlich schweres traumatisches Ereignis, das bei fast jedem eine tiefe Ver-

zweiflung hervorrufen würde, und dazu sei beispielsweise das Erleben 

eines schweren Katastrophenereignisses oder eines schweren Ver-

brechens wie Folterung oder Vergewaltigung zu nennen. Auch fehle beim 

Beschwerdeführer die für die Diagnose einer posttraumatischen Belas-

tungsstörung notwendige Symptomatik mit wiederholtem Erinnern trauma-

tischer Erlebnisse in sich aufdrängenden Gedanken und Träumen und mit 

einer emotionalen Abstumpfung der Umgebung gegenüber oder Phasen 

von Erregtheit im Sinne eines Vermeidungsverhaltens bei Erinnerungen an 

das Trauma. Bei einer andauernden Persönlichkeitsänderung sei neben 

einer ständigen Nervosität und Angespanntheit vor allem auch eine Ent-

fremdung bezeichnend, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall gewe-

sen sei. Im Untersuchungsgespräch sei dieser gut zugänglich und aufmerk-

sam bis zum Schluss gewesen. Leichte Konzentrationsstörungen seien 

aufgefallen, aber der Beschwerdeführer sei freundlich gewesen und habe 

sich angepasst verhalten. Eine depressive Episode und eine Angststörung 

hätten nicht diagnostiziert werden können (VB 68.5 S. 7 f.). Der psychiatri-

sche Gutachter legte folglich nachvollziehbar dar, weshalb weder eine post-

traumatische Belastungsstörung noch eine Persönlichkeitsstörung vor-

liege.  

 

5.1.4. 

Bezüglich der posttraumatischen Belastungsstörung weist der Beschwer-

deführer darauf hin, dass Dr. med. B. seine Diagnose nicht aus den Er-

lebnissen des Beschwerdeführers aus der Kindheit, sondern aus einem 

traumatisierenden Erlebnis während der Militärzeit hergeleitet habe (Be-

schwerde S. 8). Wie der Beschwerdeführer selbst feststellte, hatte der psy-

chiatrische Gutachter Kenntnis (VB 68.5 S. 3) von jenem sowie weiteren 

einschneidenden Ereignissen und ordnete diese folglich nicht als schwer 

traumatisch ein. Diesbezüglich führte der Gutachter zudem aus, dass ne-

ben der häuslichen Gewalt durch die Mutter auch auf explizite Nachfrage 

beim Beschwerdeführer kein schweres traumatisches Ereignis eruierbar 

 - 8 - 

 

 

 

gewesen sei (VB 68.5 S. 7). Der psychiatrische Gutachter setzte sich somit 

mit der in den Vorakten diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstö-

rung auseinander und legte nachvollziehbar und schlüssig dar, weshalb 

eine solche aufgrund der vorgenommenen Untersuchung nicht bestätigt 

werden konnte. 

 

Im Übrigen ist es nicht erforderlich, dass der Gutachter zu jedem Bericht 

des behandelnden Arztes Stellung nimmt (Urteil des Bundesge-

richts 8C_313/2020 vom 12. August 2020 E. 8.2.1 mit Hinweis). Zudem la-

gen die Berichte von Dr. med. B. den Gutachtern vor (vgl. VB 68.5 S. 1 mit 

Verweis auf VB 68.3 S. 3) und gelten demnach als berücksichtigt (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_616/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 6.2.2). We-

sentliche Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unge-

würdigt geblieben wären (vgl. hierzu statt vieler: Urteil des Bundesge-

richts 8C_60/2020 vom 8. April 2020 E. 3.2 mit Hinweisen), liegen dem-

nach nicht vor. 

 

5.2. 

Im Weiteren bemängelt der Beschwerdeführer, der psychiatrische Gutach-

ter habe weder die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psy-

chischen Faktoren (ICD-10: F45.41) noch die psychischen Verhaltensstö-

rungen durch Cannabinoide (ICD-10: F12.25) und deren Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer strukturierten Beweiserhebung disku-

tiert. Insbesondere führt der Beschwerdeführer hinsichtlich der psychi-

schen Verhaltensstörungen durch Cannabinoide aus, dass diese einerseits 

zwar als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im GA eins-

Gutachten aufgeführt worden seien, andererseits sei in der Konsensbeur-

teilung gefordert worden, dass für eine Wiedereingliederung eine vollstän-

dige Cannabisabstinenz erforderlich sei. Damit würden die psychischen 

Verhaltensstörungen durch Cannabinoide auch in den Augen der Gutach-

ter einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben (Beschwerde S. 7 f.). 

 

Die Gutachter hielten interdisziplinär fest, dass die Schmerzstörung die 

subjektiven Beschwerden erkläre, welche somatisch nicht hinreichend ob-

jektiviert werden könnten. Belastungsfaktoren würden in den chronischen 

Schmerzen und der psychosozialen Situation mit Abhängigkeit von der So-

zialhilfe bestehen. Der Beschwerdeführer habe aber Ressourcen für eine 

berufliche Tätigkeit. Er lebe allein und führe seinen Haushalt. Er habe auch 

weitere Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte (VB 68.2 S. 4). Im psy-

chiatrischen Teilgutachten wird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe 

eine Freundin, mit der er gerne Ausflüge in der Region unternehme, zudem 

habe er Freunde im Grossraum Q. die er zum Teil besuche, und unter-

nehme etwas mit seinem Zwillingsbruder. Alle vier bis fünf Monate 

empfange er seine Eltern aus dem R. zu Besuch (VB 68.5 S. 4). Zu den 

psychischen Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (ICD-10: F12.25) 

führte der psychiatrische Gutachter aus, dass diagnostisch auch eine 

 - 9 - 

 

 

 

Störung durch Cannabinoide im Sinne eines Abhängigkeitssyndroms mit 

frühem Beginn und regelmässigem Konsum bestehe, der nicht so einfach 

sistiert werden könne. Dieser habe negative Folgen in Form von ver-

minderter Motivation und leichten Konzentrationsstörungen. Der Be-

schwerdeführer wirke in der äusseren Erscheinung auffällig, lehne sich 

auch gegen den Staat auf, rauche Cannabis und könne sich nicht vorstel-

len, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies würde gut zum chronischen 

Cannabiskonsum passen. Der regelmässige deutliche Cannabiskonsum 

sei nicht gut, wirke sich schlecht auf die Motivation aus und könne die Kon-

zentration verschlechtern. Der Beschwerdeführer sei nun aber in der Moti-

vation und Konzentration auch wieder nicht derart beeinträchtigt, dass ihm 

eine Arbeit nicht zugemutet werden könne. Trotzdem sei eine Cannabisab-

stinenz zu empfehlen, wozu die Betreuung auf einer Beratungsstelle für 

Suchtprobleme hilfreich sein könne. Der Beschwerdeführer sei gegenwär-

tig aber nicht sonderlich motiviert, auf den Cannabiskonsum zu verzichten 

bzw. daran zu arbeiten (VB 68.5 S. 6 f.). Aufgrund der Untersuchung wür-

den sich erhaltene psychische Funktionen ergeben, die doch für prinzipiell 

bestehende Ressourcen und gegen eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatri-

scher Sicht sprächen (VB 68.5 S. 8). Die Gutachter hielten in Bezug auf die 

Arbeitsfähigkeit in ihrer Konsensbeurteilung entsprechend fest, dass keine 

Einschränkungen bestehen und sich keine Hinweise darauf ergeben wür-

den, dass die Arbeitsfähigkeit im Verlauf über eine längere Zeitspanne we-

sentlich eingeschränkt gewesen sei (VB 68.2 S. 5).   

 

Folglich findet sich entgegen dem Beschwerdeführer im GA eins-Gutach-

ten vom 20. Dezember 2021 eine Auseinandersetzung mit den mit 

BGE 141 V 281 und 145 V 215 eingeführten Indikatoren zur Beurteilung, 

ob ein psychisches Leiden bzw. eine Abhängigkeit von psychotropen Sub-

stanzen eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag (BGE 143 

V 409 E. 4.5.2 S. 46; BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). So sind Ausführungen 

zum Schweregrad der diagnostizierten Störung und zur Ausprägung der 

diagnoserelevanten Befunde, zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg 

sowie zum in diesem Zusammenhang ausgewiesenen Leidensdruck, zur 

Persönlichkeitsdiagnostik beziehungsweise den persönlichen Ressourcen, 

zum sozialen Kontext und zur Konsistenz (VB 68.5 S. 3, S. 5 bis 9) sowie 

Erhebungen zur Alltagsgestaltung (VB 68.5 S. 4) zu entnehmen. Das Gut-

achten berücksichtigt damit sämtliche Indikatoren hinreichend. Zudem sind 

die gutachterlichen Ausführungen nachvollziehbar begründet, womit die 

funktionellen Auswirkungen der diagnostizierten psychischen Störung me-

dizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt wurden (BGE 141 V 281 E. 6 

S. 308). Das Gutachten stimmt mit den normativen Vorgaben der erwähn-

ten Rechtsprechung überein. Es kann folglich – ohne juristische Parallel-

prüfung – auf die gutachterlichen Schlussfolgerungen abgestellt werden 

(vgl. statt vieler BGE 144 V 50 E. 4.3 und E. 6.1 S. 53 ff. sowie Urteil des 

Bundesgerichts 8C_890/2017 vom 15. Mai 2018 E. 6.1.3). 

 - 10 - 

 

 

 

 

5.3. 

Zusammenfassend sind keine konkreten Indizien ersichtlich, die gegen die 

Zuverlässigkeit des GA eins-Gutachten vom 20. Dezember 2021 sprechen, 

sodass darauf abzustellen ist (Beweisgrad der überwiegenden Wahr-

scheinlichkeit, vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 

V 177 E. 3.1 S. 181). Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem 

Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb in antizipierter Beweiswür-

digung auf weitere Abklärungen (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 1 und 2) zu ver-

zichten ist (vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69, 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f.). Ge-

stützt auf das beweiskräftige GA eins-Gutachten vom 20. Dezember 2021 

ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Verlauf seit 2011 in 

einer körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren, wechselbelas-

tenden Tätigkeit 100 % arbeits- und leistungsfähig ist (vgl. VB 68.2 S. 5 f.).  

 

6. 

Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG sieht eine einjährige Warte- oder Karenzzeit vor. 

Bevor ein Rentenanspruch entstehen kann, muss die versicherte Person 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-

destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sein. Wenn der 

frühere Beruf aus invaliditätsfremden Gründen aufgegeben wurde und – als 

Arbeitsloser – grundsätzlich auch andere Tätigkeiten infrage gekommen 

wären, kann für die Arbeitsunfähigkeit nicht allein auf die frühere Tätigkeit 

abgestellt werden (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesge-

richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenver-

sicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 29 zu Art. 28 IVG mit Hinweisen auf 

SVR 2007 IV Nr. 38 = I 943/06). Der Beschwerdeführer hat seit Abbruch 

der Lehre als Mechanikpraktiker aus invaliditätsfremden Gründen im März 

2011 (vgl. VB 27 S. 2) weder in der bisherigen, noch in einer alternativen 

Tätigkeit eine Erwerbstätigkeit ausgeübt, obwohl eine volle Arbeitsfähigkeit 

bestanden hätte (vgl. E. 5.3 hiervor). Das Erfordernis von Art. 28 Abs. 2 

lit. b IVG einer ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 

40%igen Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres ist demnach nicht erfüllt. 

Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. Januar 2023 erweist sich 

als rechtmässig. 

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

7.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da diesem die unentgeltliche 

 - 11 - 

 

 

 

Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken. 

 

7.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter 

wird das angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versiche-

rungsgerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein 

(Art. 11 Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG). 

 

7.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie dem Rechtsvertreter ausgerichteten Ent-

schädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege werden sie 

einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

4. 

Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird richterlich auf 

Fr. 2'450.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, dem 

unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, lic. iur. Markus 

Trottmann, Rechtsanwalt, Basel, nach Eintritt der Rechtskraft das Honorar 

von Fr. 2'450.00 auszurichten. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

 - 12 - 

 

 

 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 4. Juli 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Gössi Walder