# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 298410b4-3149-54ad-bd66-dbfab6a94374
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.09.2023 D-894/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-894-2021_2023-09-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-894/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger,  

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,    

Gerichtsschreiberin Leslie Werne. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Annina Mullis, Advokatur 4A GmbH,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 22. Januar 2021 / N (…). 

 

 

 

D-894/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 3. März 2017 in der Schweiz um Asyl 

nach. Am 8. März 2017 wurde sie zu ihrer Person befragt. Das SEM hörte 

sie am 14. September 2018 vertieft zu ihren Asylgründen an. 

B.  

Zu ihrem persönlichen Hintergrund sowie zur Begründung ihres Asylge-

suchs brachte sie im Wesentlichen vor, sie sei türkische Staatsangehörige 

kurdischer Ethnie sowie alevitischen Glaubens und stamme aus 

B._______. Einen Beruf habe sie nie erlernt und ihr Studium an der Uni-

versität von C._______ habe sie abgebrochen.  

Sie habe sich in der Türkei als studentische Aktivistin engagiert und an ver-

schiedenen Veranstaltungen der Halkların Demokratik Partisi (HDP) teilge-

nommen. Aufgrund dieses politischen Engagements verdächtigten sie die 

türkischen Behörden der Mitgliedschaft der Arbeiterpartei Kurdistans 

(PKK). Im Jahr 2014 respektive 2015 hätten sie sie deshalb mehrfach fest-

genommen und sie sei für mehrere Monate inhaftiert worden. Da mehrere 

Strafverfahren gegen sie hängig seien und sie mit ihrer erneuten Fest-

nahme habe rechnen müssen, sei sie Anfang 2017 aus der Türkei ausge-

reist und am 3. März 2017 in die Schweiz gelangt.  

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin unter anderem zahlreiche 

amtliche Dokumente in türkischer Sprache (überwiegend in Kopie und teil-

weise mit Übersetzung) ein. 

C.  

Mit Verfügung vom 22. Januar 2021 – eröffnet am 27. Januar 2021 – stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz 

und ordnete den Vollzug an. 

D.  

Am 26. Februar 2021 erhob die Beschwerdeführerin gegen die vorinstanz-

liche Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-

tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Eventualiter sei sie vorläu-

fig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der 

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Seite 3 

unentgeltlichen Rechtspflege und die unentgeltliche Verbeiständung durch 

die rubrizierte Rechtsvertretung.  

Der Beschwerde lagen unter anderem Ausdrucke aus e-Devlet sowie ein 

Kurzbericht der Hilfswerkvertretung vom 25. September 2018 (in Kopie) 

bei. 

E.  

Am 16. März 2021 reichte die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsver-

tretung zahlreiche Kopien weiterer Anklageschriften und Gerichtsprotokolle 

in türkischer Sprache zu den Akten. Gleichzeitig führte sie aus, die Über-

setzungen der vorgenannten Dokumente seien mit einem grossen finanzi-

ellen Aufwand verbunden, weshalb sie das Gericht vorgängig um Über-

nahme der Übersetzungskosten ersuche.  

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. April 2021 hiess der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und der unent-

geltlichen Verbeiständung gut und ordnete die rubrizierte Rechtsvertretung 

der Beschwerdeführerin amtlich bei.  

G.  

Am 26. April 2021 liess sich die Vorinstanz zur Beschwerde vernehmen. 

Die Beschwerdeführerin liess mit Eingabe vom 6. Juni 2023 sinngemäss 

ausführen, sie verzichte auf eine Stellungnahme zur Replik der Vorinstanz. 

H.  

Am 31. August 2021 reichte Rechtsanwalt Felix Schöpfer im Namen und 

Auftrag der Beschwerdeführerin zahlreiche weitere Beweismittel zu den 

Akten. Gleichzeitig teilte er mit, am Gesuch um Bevorschussung des Über-

setzungsaufwandes vom 16. März 2021 festzuhalten. 

I.  

Mit Schreiben vom 15. Dezember 2021 beantwortete der Instruktionsrich-

ter die Verfahrensstandanfrage der Beschwerdeführerin vom 11. Dezem-

ber 2021 und teilte ihr mit, das Gericht gehe (ohne gegenteilige Mitteilung) 

davon aus, dass die rubrizierte Rechtsvertretung ab dem 1. Januar 2022 

das Mandat wieder selbst führe. Somit werde ihr Gesuch um amtliche Ein-

setzung von Rechtsanwalt Felix Schöpfer als vorübergehenden Stellver-

treter vom 4. Mai 2021 gegenstandslos. 

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Seite 4 

J.  

Die Vorinstanz liess sich am 10. Januar 2021 ein weiteres Mal zur Be-

schwerde vernehmen. Die Beschwerdeführerin nahm dazu am 2. Februar 

2022 unaufgefordert Stellung. 

K.  

Mit Eingaben vom 12. Juli 2022, 11. Oktober 2022, 3. April 2023 respektive 

17. Mai 2023 erkundigte sich die Beschwerdeführerin respektive ihre 

Rechtsvertretung neuerlich nach dem Stand des Verfahrens. Der Instrukti-

onsrichter beantwortete diese Anfragen letztmals mit Schreiben vom 

22. Mai 2023. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden. 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet 

des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 

1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadres-

satin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 5 

4.   

4.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des 

Untersuchungsgrundsatzes beziehungsweise der Pflicht zur vollständigen 

und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts; diese Rügen 

sind vorab zu beurteilen, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassa-

tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Sie begründet ihre Rüge 

damit, dass die Vorinstanz es versäumt habe, sie zur Einreichung konkre-

ter – allenfalls aus Sicht des SEM fehlender – Unterlagen aufzufordern.  

4.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den 

Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Die Unter-

suchungsmaxime besagt, dass die Behörde von Amtes wegen für die rich-

tige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu 

sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die 

rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber 

Beweis zu führen hat. Solange Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit 

des Sachverhalts bestehen, haben sie weitere Abklärungen zu treffen, zumal 

die korrekte Ermittlung des Sachverhalts unabdingbare Voraussetzung der 

richtigen Rechtsanwendung ist (vgl. WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, in: 

VwVG Kommentar, Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren und 

weitere Erlasse, 2022, Art. 12 N 2 ff.). Unrichtig ist die Sachverhaltsfest-

stellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder 

nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig 

ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungs-

maxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn 

nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt 

wurden (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3).  

Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ver-

pflichtet die Vorinstanz nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, sich zu äus-

sern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören, sondern sie auch sorgfältig 

und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen 

(Art. 30 VwVG [Pflicht zur Anhörung] und Art. 32 VwVG [Pflicht zur Würdi-

gung der Vorbringen]). Eng damit zusammen hängt naturgemäss die 

Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). 

Denn ob sich die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der 

Parteien befasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der 

Begründung erkennen. Im Asylverfahren sind die Anforderungen an die 

Begründungsdichte regelmässig hoch, wiegen die rechtlich geschützten In-

teressen der Betroffenen doch allgemein schwer (vgl. SUTTER, in: Kom-

mentar VwVG, 2008, Art. 32 VwVG, Rz. 2). Insgesamt muss der Entscheid 

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Seite 6 

so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene sachgerecht anfechten kann, 

was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechts-

mittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. 

Dabei darf die Behörde nur diejenigen Argumente stillschweigend überge-

hen, die für den Entscheid erkennbar unbehelflich sind (vgl. BGE 134 I 83 

E. 4.1; BVGE 2007/21 E. 10.2 m.w.H.).  

4.3 Das SEM begründet die angefochtene Verfügung im Wesentlichen da-

mit, dass die Beschwerdeführerin lediglich an verschiedenen Veranstalt- 

ungen der HDP teilgenommen habe; eine spezifische Funktion habe sie 

nicht innegehabt und sie sei auch nicht Mitglied der Partei gewesen. Die 

Beschwerdeführerin sei zwar Angeklagte in diversen Strafverfahren in der 

Türkei, sie sei jedoch (zumindest teilweise) erstinstanzlich freigesprochen 

worden. Bei dem eingereichten gerichtlichen Vorführbefehl handle es sich 

denn lediglich um einen prozessualen Festnahmebeschluss der zweiten 

Instanz, da die die Beschwerdeführerin freisprechenden Urteile durch die 

Staatsanwaltschaft angefochten worden und diese Berufungsverfahren 

noch hängig seien. Es sei bisher keine Strafe gegen die Beschwerde- 

führerin ausgefällt worden, welche aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsyIG 

genannten Gründe deutlich höher als bei anderen Personen ausgefallen 

oder unverhältnismässig streng wäre und in keinem Verhältnis zum krimi-

nellen Unrecht stehen würde. Eine Kollektivverfolgung von Personen kur-

discher Ethnie finde sodann in der Türkei nicht statt. Die Verwandtschaft 

mit politischen Aktivisten wie dem Bruder, welchem in der Schweiz im Jahr 

2013 Asyl gewährt worden sei, begründe im Regelfall keine Furcht vor asyl-

relevanter Reflexverfolgung. Dementsprechend sei in einer Gesamtwürdi-

gung festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bislang zu keiner Strafe 

verurteilt worden sei, weshalb ihre Vorbringen den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft nicht stand hielten. 

4.4 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin bereits wäh-

rend des erstinstanzlichen Verfahrens diverse Beweismittel zu den vom 

SEM nicht in Zweifel gezogenen Strafverfahren in der Türkei zu den Akten 

reichte (vgl. beispielsweise A31/34). Die Vorinstanz gibt diese, ohne ihre 

Authentizität in Frage zu stellen, denn in der angefochtenen Verfügung 

auch wieder. Ob die knappen Ausführungen, wonach angesichts der (teil-

weisen) erstinstanzlichen Freisprüche keine Strafe gegen die Beschwer-

deführerin ausgesprochen worden sei (vgl. A36/8, S. 4 f.), einer sorgfälti-

gen und differenzierten inhaltlichen Auseinandersetzung mit den einge-

reichten Beweismitteln zu genügen vermögen, kann aufgrund des Nachfol-

genden offen bleiben. Denn gemäss den weiteren Ausführungen des SEM 

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in der angefochtenen Verfügung, habe die Beschwerdeführerin kein be-

gründetes erstinstanzliches Strafurteil vorgelegt. Gemäss den Ausführun-

gen der Vorinstanz sei dabei insbesondere das erstinstanzliche Urteil der 

Kammer 2 des Schweren Strafgerichts von C._______, vom 24. November 

2017 (mit der Verfahrensnummer […] und der Urteilsnummer […]) von In-

teresse, welches offenbar ebenfalls angefochten worden sei (vgl. a.a.O., 

S. 5). Demgemäss war die Vorinstanz im Verfügungszeitpunkt selbst der 

Ansicht, die sich bei den Akten befindenden Beweismittel genügten zur 

vollständigen Sachverhaltsfeststellung nicht. Sie wäre somit gehalten ge-

wesen, die geltend gemachten Strafverfahren betreffend zusätzliche Ab-

klärungen vorzunehmen und alle diesbezüglich beachtlichen Aspekte des 

Sachverhalts abzuklären, zumal das SEM, sich nach den erstinstanzlichen 

türkischen Urteilen, die es offensichtlich als wesentlich erachtete, hätte er-

kundigen sollen. Mit seinem Schreiben vom 2. Juli 2020 forderte es die Be-

schwerdeführerin lediglich dazu auf, Auskunft zum aktuellen Stand der Ge-

richtsverfahren zu geben und «neu entstandene Gerichtsdokumente» ein-

zureichen (vgl. A26/3). Der Untersuchungspflicht wurde damit – auch unter 

Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht – nicht Genüge getan. Letztlich er-

schliesst sich aus den Erwägungen des SEM auch nicht, inwiefern die erst-

instanzlichen Urteile im Verhältnis zu den übrigen Dokumenten besonders 

gewichtig sein sollen. Eine rechtsgenügliche Begründung dazu fehlt.  

Darüber hinaus ist denn auch festzustellen, dass die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 16. März 2021 an das Bundesverwaltungsgericht diverse 

weitere Beweismittel betreffend die gegen sie erhobenen Strafverfahren zu 

den Akten reichen liess, mithin auch die Gerichtsprotokolle und Urteile der 

Verfahren Nr. (…) und Nr. (…) in türkischer Sprache (vgl. Eingabe vom 

16. März 2021, Beilage 16 und 18). Die Vorinstanz würdigte diese in ihrer 

darauf folgenden ersten Vernehmlassung mangels Übersetzung nicht 

(vgl. Vernehmlassung vom 26. April 2021). Mit Eingabe vom 31. August 

2021 liess die Beschwerdeführerin neuerlich weitere Beweismittel – unter 

anderem Teilübersetzungen der Gerichtsprotokolle des Verfahrens Nr. (…) 

zu den Akten reichen. Aufgrund der äusserst knappen Ausführungen der 

Vorinstanz in der zweiten Vernehmlassung, worin sie sich ohne nähere Be-

gründung auf den Standpunkt stellte, dass auch die weiteren zu den Akten 

gereichten Dokumente eine Änderung ihres Standpunktes nicht rechtfer-

tigten (vgl. zweite Vernehmlassung vom 10. Januar 2022), steht fest, dass 

die Vorinstanz es ein weiteres Mal versäumte, sich mit den Beweismitteln 

der Beschwerdeführerin und folglich auch mit ihren diesbezüglichen Vor-

bringen auseinanderzusetzen.   

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Seite 8 

4.5 Demgemäss ist festzustellen, dass die Vorinstanz den rechtserhebli-

chen Sachverhalt unvollständig festgestellt hat und ihrer Pflicht, die rechts-

erheblichen Vorbringen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und zu würdigen 

in ungenügender Weise nachgekommen ist. Damit hat sie den Untersu-

chungsgrundsatz sowie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtli-

ches Gehör verletzt.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungs- 

gericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli-

chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rück- 

weisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tat-

sachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren 

durchzuführen ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann 

grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt 

werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen ange-

bracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5).  

5.2 Vorliegend stellen die ungenügenden Abklärungen und die fehlende 

Auseinandersetzung mit den Vorbringen und eingereichten Beweismitteln 

einen relevanten Verfahrensmangel dar. Da die Vorinstanz das Versäumte 

im Rahmen des Schriftenwechsels nicht nachgeholt hat, kommt auf Be-

schwerdeebene keine Heilung in Betracht, zumal das Bundesverwaltungs-

gericht die einzige Beschwerdeinstanz ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2009/53 

E. 7.3).  

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als mit ihr 

die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung an die Vo-

rinstanz beantragt wird. Die Verfügung des SEM vom 22. Januar 2021 ist 

aufzuheben, und die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG 

zur vollständigen Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung im Sinne der 

Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei dieser Sachlage erüb-

rigt es sich, auf die materiellen Rügen der Beschwerdeführerin einzugehen 

und ihr Gesuch um Bevorschussung der Übersetzungskosten ist gegen-

standslos geworden. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erhe-

ben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

D-894/2021 

Seite 9 

8.   

8.1 Der Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung 

von Art. 64 VwVG und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

(VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise 

erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

8.2 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte letztmals am 

6. Juni 2023 eine Kostennote ein (Aufwand von rund 26 Stunden à 

Fr. 250.– und Auslagen von gesamthaft Fr. 148.50; inkl. zeitlichen Auf-

wands/ Auslagen von Rechtsanwalt Felix Schöpfer). Der für die Bemühun-

gen ausgewiesene zeitliche Aufwand erscheint aufgrund der Akten über-

höht. Angesichts dessen, dass das Gericht der Beschwerdeführerin res-

pektive ihrer Rechtsvertretung mehrfach mitteilte, dass ihr kein genauer 

Urteilszeitpunkt genannt werden könne, sind insbesondere die ausgewie-

senen Aufwendungen für die zahlreichen Verfahrensstandanfragen als 

nicht notwendig zu erachten. Der ausgewiesene zeitliche Aufwand ist dem-

entsprechend auf 16 Stunden zu kürzen. Der Stundenansatz von Fr. 250.– 

liegt innerhalb der in Art. 10 Abs. 2 VGKE definierten Spannbreite und ist 

somit nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz wird demnach angewiesen, der 

Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'470.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten. Die unentgelt-

liche Rechtsverbeiständung ist gegenstandslos geworden.  

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit damit die Kassation der ange-

fochtenen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 22. Januar 2021 wird aufgehoben und die 

Sache zur korrekten Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 4'470.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Leslie Werne