# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80939307-7f30-5284-bafb-812f2ff44a38
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2021 D-2820/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2820-2020_2021-08-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

Entscheid berichtigt durch Entscheid 

des BVGer vom 21.10.2021  

(D-4455/2021) 

 
 
    
 

 
 

  

 

 Abteilung IV 

D-2820/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger,  

Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Rajeevan Linganathan, Rechtsanwalt, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. April 2020 / N (…). 

 

 

 

D-2820/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 

5. August 2016 und gelangte über den Oman, die Türkei, Georgien, Un-

garn und weitere ihm unbekannte Länder am 17. August 2016 in die 

Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 29. August 2016 

wurde er summarisch befragt und am 5. November 2018 einlässlich ange-

hört. 

Zur Begründung seines Asylgesuches gab er im Wesentlichen an, er habe 

an einer Nachhilfeunterrichtsschule bei einem Strassentheater mit Verbin-

dungen zu den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) mitgemacht. Er 

habe auch an Demonstrationen und Festtagen der LTTE teilgenommen. Im 

Jahr 2006 seien der Leiter der Schule, ein Mitglied der LTTE und andere 

Personen vom Militär umgebracht sowie andere Jugendliche entführt wor-

den. Deshalb habe er sich ins Vanni-Gebiet begeben und sei dort bis 

Kriegsende bei einem Pfarrer geblieben. Daraufhin sei an seiner Stelle sein 

Vater mitgenommen worden, welcher seither verschwunden sei. Während 

seiner Zeit im Vanni habe ihn die LTTE zwangsmässig für ein dreiwöchiges 

Training mitgenommen. Er habe aber von dort weggehen und zum Pfarrer 

zurückkehren können. Im Mai 2009 habe er sich ergeben und sei für vier 

Tage in ein Flüchtlingslager gebracht worden. Er sei von einem Kopfnicker 

durchgewinkt worden. Auf Intervention eines Verwandten bei der EPRLF 

(Eelam People's Revolutionary Liberation Front) und des Pfarrers habe er 

das Camp heimlich verlassen können. Bis (…) 2010 habe er an verschie-

denen Orten in Vavuniya gelebt und sei dann nach Jaffna zurückgekehrt. 

Kaum eine Woche später sei er vom Militär zweimal für etwa zwei Stunden 

nach seinem Aufenthalt im Vanni befragt und beschuldigt worden, bei den 

LTTE gewesen zu sein. Die zweite Befragung habe im Camp stattgefunden 

und er habe seinen Verwandten bei der EPRLF mitgenommen. Ihm sei 

eine weitere Befragung angedroht worden. Seine Mutter habe ihn danach 

nach Indien geschickt. Während seiner Abwesenheit sei seine Mutter 

mehrmals nach ihm befragt worden. Im (…) 2015 sei er auf Bitten seiner 

Mutter nach Sri Lanka zurückgekehrt, weil sich die Lage beruhigt habe. 

Etwa eine Woche nach seiner Rückkehr sei er von drei Personen in zivil zu 

einer Befragung mitgenommen worden. Dabei sei er misshandelt worden. 

Seine Mutter habe ihn nach drei Tagen über den Verwandten bei der 

EPRLF freikaufen können. Er sei dann einige Zeit zu Hause geblieben. Er 

habe aber unter Beobachtung gestanden. Bis im (…) 2016 hätten sich ver-

schiedene Leute, mutmasslich Armeeangehörige, sieben bis achtmal bei 

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Seite 3 

seiner Mutter nach ihm erkundigt. Wenn er anwesend gewesen sei, sei er 

auch befragt worden. Danach habe er sich in einer Kirche versteckt. Im (…) 

2016 sei ihm über seine Mutter eine weitere Befragung in Colombo ange-

droht worden. Seine Mutter habe sich an eine Richterin gewandt, welche 

zu einer Anzeige bei einer Menschenrechtsorganisation geraten habe. Bei 

verschiedenen Institutionen sei ihm gesagt worden, sie könnten ihm nicht 

helfen. Sie hätten ihn an die Polizei verwiesen, an welche er sich aber nicht 

habe wenden wollen. Deshalb sei er ausgereist. Nach seiner Ausreise hät-

ten die Sicherheitskräfte weiterhin bei seiner Mutter nach ihm gefragt. Auch 

bei seiner Tante sei er gesucht worden, weil er deren Adresse bei einer 

Kontrolle angegeben habe. Er sei auch zweimal vorgeladen worden. Ver-

mutlich um sicherzustellen, dass er an dieser Adresse lebe. 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer verschie-

dene Bestätigungsschreiben sowie eine Vorladung vom (…) 2016 und ei-

nen Haftbefehl vom (…) 2016 zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung 27. April 2020 – eröffnet am 1. Mai 2020 – lehnte das SEM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung 

sowie den Vollzug an.  

C.  

Mit Eingabe vom 30. Mai 2020 erhob der Beschwerdeführer – handlend 

durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asyl-

gewährung, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und 

subeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sowie die Erteilung einer vorläufi-

gen Aufnahme. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer 

zur Zahlung eines Kostenvorschusses aufgefordert, welcher fristgerecht 

geleistet wurde. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 14. Juli 2020 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

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Seite 4 

F.  

Mit Replik vom 31. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-

sung des SEM Stellung. 

G.  

Mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer ein wei-

teres Beweismittel zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig  

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 5 

3.  

Die formellen Rügen des Beschwerdeführers sind vorab zu prüfen, da sie 

gegebenenfalls zu einer Kassation führen könnten. 

3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Befragungsprozess sei in 

mehrerlei Hinsichte mangelhaft gewesen. Er habe den Vorgaben des 

rechtlichen Gehörs nicht entsprochen, sodass der rechtserhebliche Sach-

verhalt unvollständig abgeklärt worden sei. Die Anhörungen seien auf eine 

Art und Weise durchgeführt worden, die es ihm nicht erlaubt habe, seine 

Asylgründe vollständig darzulegen. Die Hilfswerksvertreterin habe ange-

merkt, dass es zu vielen Unterbrüchen gekommen sei und bei der Rück-

übersetzung oft Fehler im Protokoll hätten korrigiert werden müssen. Dies 

lasse sich auch aus den Korrekturen im Protokoll erkennen. Ein Vertrau-

ensklima habe gefehlt. Zwischen den beiden Anhörungen habe zudem ein 

Zeitraum von zwei Jahren gelegen, was zur Analysierung durch verschie-

dene Sachbearbeiter geführt habe. 

Das SEM hielt hierzu in seiner Vernehmlassung fest, der Sachverhalt sei 

vollständig aufgenommen worden. Dem Beschwerdeführer sei auch mehr-

mals Gelegenheit zu weiteren Ausführungen gegeben worden, was er je-

doch nicht vollumfänglich wahrgenommen habe. Die im Protokoll enthalte-

nen handschriftlich eingefügten Kommas seien vor der Rückübersetzung 

und die Korrekturen erst bei der Rückübersetzung und somit nicht während 

der Befragung selber eingefügt worden. 

In der Replik wurde festgehalten, dass der Sachverhalt «vollständig aufge-

nommen» worden sei, stelle eine blosse Behauptung dar, die der protokol-

lierten Aussage der Hilfswerksvertreterin entgegenstehe. Wann die vom 

SEM erwähnten Korrekturen stattgefunden hätten, sei nicht relevant. 

Dem Beschwerdeführer ist insofern beizupflichten, als das Protokoll der 

Anhörung zahlreiche Korrekturen aufweist. Diesbezüglich ist auch auf die 

Ausführungen der Hilfswerksvertreterin zum Protokoll zu verweisen. Die 

Hilfswerkvertreterin weist sodann darauf hin, dass der Erzählfluss durch 

die Protokollierung regelmässig hat unterbrochen werden müssen. Dies ist 

jedoch für die vollständige und korrekte Aufnahme der Aussagen unerläss-

lich und es ergibt sich auch nichts aus dem Protokoll, was darauf hinweisen 

würde, dass der Beschwerdeführer seine Fluchtgründe deshalb nicht um-

fassend hätte vorbringen können. Daran ändern auch die notwendigen 

Korrekturen nichts. Das SEM hat daher in seiner Vernehmlassung richtig 

festgehalten, dass der Sachverhalt rechtsgenüglich hat festgestellt werden 

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können. In der Beschwerde wird denn auch nicht weiter ausgeführt, inwie-

fern der Befragungsprozess konkret zu einer mangelhaften Feststellung 

des Sachverhaltes geführt hat. Von einer Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs kann nicht ausgegangen werden. Eine Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz lässt sich nicht rechtfertigen. Der Sachverhalt kann als erstellt 

gelten. 

3.2 Des Weiteren habe das SEM die von ihm erwähnten Narben nicht in 

die Glaubhaftigkeitsprüfung einbezogen. 

Das SEM hielt hierzu in seiner Vernehmlassung fest, entgegen den Aus-

führungen in der Beschwerde habe der Beschwerdeführer weder in der 

Befragung noch in der Anhörung Narben erwähnt. Somit habe auch nicht 

darauf eingegangen werden können. Auch in der Beschwerde würden 

keine entsprechenden Stellen in den SEM-Protokollen angeführt. 

In der Replik wurde auf die lückenhafte Protokollierung verwiesen, weshalb 

nicht ausgeschlossen werden könne, dass er Narben erwähnt habe. Zu-

dem weise er auch Narben im Gesicht auf, weshalb das SEM diese ohne-

hin hätte erkennen müssen und verpflichtet gewesen wäre, ihn zu diesen 

zu befragen. Ungeachtet dessen, seien die Narben im vorliegenden Be-

schwerdeverfahren ohnehin zwingend zu beachten. 

Die vorinstanzlichen Erwägungen sind auch in diesem Zusammenhang zu 

bestätigen. Was der Beschwerdeführer im Verfahren nicht erwähnt, kann 

vom SEM auch nicht berücksichtigt werden. Dass eine entsprechende Er-

wähnung gänzlich unprotokolliert geblieben wäre, ist nicht denkbar. Auch 

dem Einwand, das SEM hätte den Beschwerdeführer auf die Narben im 

Gesicht ansprechen oder in seinen Erwägungen darauf Bezug nehmen 

müssen, kann nicht gefolgt werden, zumal die geltend gemachten Narben 

gemäss den eingereichten Fotos sehr unauffällig bleiben und der Ursprung 

solcher Narben ohnehin mannigfaltig sein kann. Eine Verletzung des recht-

lichen Gehörs lässt sich demnach nicht erkennen. 

3.3 Schliesslich habe das SEM den Sachverhalt in Bezug auf die Glaub-

haftigkeit, das Verfolgungsrisiko und die aktuelle Lage in Sri Lanka unvoll-

ständig, unrichtig und willkürlich festgestellt. 

Dazu ist festzuhalten, dass die diesbezüglichen Ausführungen des Be-

schwerdeführers überwiegend die rechtliche Würdigung beschlagen und 

dort abzuhandeln sind, weshalb an dieser Stelle nicht näher darauf einge-

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gangen wird. Alleine der Umstand, dass das SEM zum einen in seiner Län-

derpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer 

vertreten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer an-

deren Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom Beschwerde-

führer verlangt, spricht weder für eine ungenügende Sachverhaltsfeststel-

lung noch stellt dies eine Verletzung der Begründungspflicht dar. 

3.4 Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wegen Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs oder mangelhaft erstelltem Sachverhalt ist 

nach dem Gesagten abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen fest, 

die Art und Weise, wie der Beschwerdeführer bei Kriegsende behandelt 

worden sei, zeige auf, dass für die sri-lankischen Behörden offensichtlich 

kein Verdacht bestanden habe, dass er ein LTTE-Aktivist gewesen sein 

könnte, ansonsten er nicht so schnell und bedingungslos wieder ins Zivil-

leben entlassen worden wäre. Auch sein damals noch sehr jugendliches 

Alter – zwischen 2005 und 2009 sei er (…) Jahre alt gewesen – dürfte einer 

Annahme, dass er bei den L TTE gekämpft habe, entgegengestanden ha-

ben. Es stehe somit fest, dass er bei Kriegsende keinen staatlichen Verfol-

gungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei. Aus dem Umstand, dass 

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während des Krieges sein Vater mitgenommen worden sei und seither ver-

misst werde, könne kein Zusammenhang mit dem Beschwerdeführer er-

kannt werden. Ansonsten hätte er nach Kriegsende selber behördliche 

Massnahmen gewärtigen müssen, zu denen es jedoch – wie festgestellt – 

nicht gekommen sei.  

Die Mitnahme und Befragung im Jahr 2010 sei nicht asylrelevant. Um ein 

erneutes Aufflammen des Krieges zu verhindern, habe die tamilische Be-

völkerung in den Jahren nach Kriegsende unter der besonderen Aufmerk-

samkeit des sri-lankischen Militärs und des Criminal Investigation Depart-

ment gestanden. Es sei deswegen gehäuft zu Kontrollen und Befragungen 

von Einzelpersonen gekommen. Seine auch damals erfolgte schnelle Frei-

lassung auf Intervention seiner Mutter weise aber auch diesbezüglich da-

rauf hin, dass gegen ihn kein weitergehender Verdacht bestanden habe. 

Dieselbe Feststellung sei bezüglich der Befragung nach seiner Rückkehr 

aus Indien im Jahr 2015 zu machen. Er gebe dazu an, dass es die Behör-

den interessiert habe, wo er während mehrerer Jahre gewesen sei und was 

er in dieser Zeit gemacht habe. Auch diese Massnahme habe indes nicht 

lange gedauert und er habe nach drei Tagen wieder gehen können. Somit 

stehe fest, dass seine Vorbringen auf Grund ihrer Art und Intensität ein 

menschenwürdiges Leben in Sri Lanka nicht verunmöglicht oder in unzu-

mutbarer Weise erschwert hätten. Diese seien somit nicht asylrelevant ge-

mäss Art. 3 AsylG.  

Die angeblich nachfolgenden Verfolgungsmassnahmen im Jahr 2016 seien 

durch den Beschwerdeführer nicht hinreichend begründet und damit nicht 

glaubhaft gemacht worden. Aufgefordert zu schildern, was nach der drei-

tägigen Festnahme weiter geschehen sei, habe er sich nur knapp und ru-

dimentär geäussert. So sei er von Personen auf einem Motorrad beobach-

tet worden und wenn in der Nähe zum Beispiel Demonstrationen stattge-

funden hätten, sei er nach seiner Beteiligung gefragt worden. Aus diesen 

Schilderungen könne nicht erkannt werden, dass er tatsächlich Probleme 

gehabt habe. Um weitere Ausführungen gebeten, habe er sich auf eine 

Wiederholung des zuvor Gesagten beschränkt und sei nicht ausführlicher 

geworden. 

Bei den Fürspracheschreiben handle es sich um Dokumente, welche ohne 

weiteres aus Gefälligkeit ausgestellt werden könnten. Sie würden das Be-

stehen einer Verfolgung nicht beweisen. Was die Vorladung und den Haft-

befehl betreffe, so sei es in Sri-Lanka leicht möglich, derartige Dokumente 

käuflich zu erwerben. Diese Ansicht werde dadurch bestätigt, dass er über 

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einen Haftbefehl gar nicht verfügen dürfte, da er dadurch wüsste, dass er 

verhaftet werden sollte und sich einer solchen entziehen könnte. Zudem 

könne nicht nachvollzogen werden, dass er plötzlich gesucht werden sollte. 

Hätten die Behörden seiner habhaft werden wollen, hätten sie in den Jah-

ren 2009/2010 und nach seiner Rückkehr aus Indien ohne weiteres Gele-

genheit zu seiner Ergreifung gehabt. 

Auch bei einer Rückkehr nach Sri Lanka habe er keine Verfolgung zu be-

fürchten. Die sri-lankischen Behörden wiesen zwar gegenüber Personen 

tamilischer Ethnie, die nach einem Auslandaufenthalt zurückkehren wür-

den, eine erhöhte Wachsamkeit auf. Allfällige Kontrollen der Rückkehrer 

am Flughafen und am Herkunftsort nähmen jedoch grundsätzlich kein asyl-

relevantes Ausmass an. Anlässlich der Anhörung hätten sich keine Hin-

weise ergeben, dass ihm aufgrund von Verwandten oder Familienangehö-

rigen mit einem LTTE-Hintergrund eine Verfolgung drohen könnte. Seine 

Verwandten hätten Sri Lanka teils entweder vor langer Zeit verlassen und 

er sei deswegen keiner Verfolgung ausgesetzt gewesen oder es handle 

sich um weit entfernte Verwandte, zu denen er nicht befragt worden sei. Er 

sei nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Indien im (…) 2015 wieder nach 

Sri Lanka zurückgekehrt. Wie weiter oben ausgeführt, sei er in Sri Lanka 

nicht in asylrelevanter Weise verfolgt worden. Allfällige im Zeitpunkt seiner 

Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinte-

resse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei 

aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr 

nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asyl-

relevanter Weise verfolgt werden sollte. 

5.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, angesichts der oben ver-

merkten mangelhaften Protokollierung der Anhörung mit Unterbrüchen und 

Unklarheiten sei es auch nachvollziehbar, dass seine Antworten jeweils 

kurz ausgefallen seien. Er befürchte, dass ihm Widersprüche zugeschrie-

ben würden, die aufgrund der falschen Kommunikation und Protokollierung 

aufgenommen worden seien. Er reiche deshalb mit seiner Beschwerde ei-

nen schriftlichen Eigenbericht zu den Akten. Weiter sei entgegen der Kon-

klusion des SEM der Umstand, dass er gegen Ende der Kriegszeit schnell 

entlassen worden sei, nicht der Tatsache zuzuschreiben, dass die Behör-

den kein Interesse an ihm gehabt hätten. Er sei allein aufgrund der Inter-

vention des Pfarrers und der internen Beziehung zu Beamten schnell frei-

gelassen worden. Auch sei er von den LTTE zwangsrekrutiert worden, 

habe jedoch fliehen können. Somit sei er stets für die sri-lankischen Behör-

den von Interesse gewesen. Nach Kriegsende hätten sich diese jedoch im 

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Chaos auf offenkundige LTTE-Kämpfer konzentriert und sich erst später 

Personen mit seinem Profil zugewandt. Auch gehe das SEM fälschlicher-

weise davon aus, dass sein junges Alter von (…) Jahren ihn kaum zur lnte-

ressensperson für die LTTE selbst und somit auch nicht für die sri-lanki-

schen Behörden habe machen können. Es sei notorisch bekannt, dass Ju-

gendliche (insbesondere Minderjährige) von den LTTE rekrutiert und an 

Schulen aktive Rebellenaktionen durchgeführt worden seien. Dass die 

Massnahme der Behörden nicht lange angedauert beziehungsweise durch 

die Intervention der Familienmitglieder habe entschärft werden können, ba-

nalisiere die Tatsache nicht, dass er gezielt vom Staatsapparat in einem 

Zeitintervall von mehreren Jahren aufgesucht und befragt worden sei. Der 

Umstand, dass er trotz der Flucht nach Indien anlässlich seiner Rückkehr 

nochmals verhaftet worden sei, bezeuge, dass er das Risikoprofil eines 

tamilischen LTTE-Aktivisten in Sri Lanka aufweise. Entscheidend sei hier-

bei, ob er mit einem solchen Profil zurückkehren und ein menschenwürdi-

ges Leben führen könne. Aufgrund der bisherigen Behelligungen sei mit 

grösster Wahrscheinlichkeit die Registrierung auf einer Stopp-Liste bezie-

hungsweise Watch-Liste anzunehmen.  

In Bezug auf seine Aussagen betreffend die Inhaftierung im Jahre 2015 

und die nachfolgenden Behelligungen sei noch einmal auf die unorgani-

sierte Anhörung zu verweisen. Nichtsdestotrotz sei es ihm gelungen, die 

wichtigsten Fakten betreffend die Zeit nach der Inhaftierung zu Protokoll zu 

geben. Es sei nicht auszumachen, dass absichtlich Fakten verschwiegen 

oder ungenügend dargelegt worden seien. Er habe sich auf das Wesentli-

che beschränkt. Seine Ausführungen seien nicht stereotyp und würden mit 

dem schriftlichen Eigenbericht übereinstimmen. Der Inhalt und die Erinne-

rungen könnten ausschliesslich von einer Person reproduziert worden 

sein, die das Geschehene auch wirklich erlebt habe. Auch die Daten und 

Summen, die anlässlich der Anhörung angegeben worden seien, würden 

mit den Zahlen im eigenen Bericht übereineinstimmen. Insbesondere wür-

den seine Ausführungen bezüglich der durch die Misshandlungen erlang-

ten Verletzungen und Narben herausstechen. Das SEM verkenne, dass 

etliche Realkennzeichen vorlägen. Auch bei wahrheitsgetreuer Wieder-

gabe sei mit kleinen Abweichungen zu rechnen, insbesondere angesichts 

des langen Zeitraums, der zwischen Befragung und Anhörung gelegen 

habe. Ergänzungen, Präzisierungen und Verbesserungen würden keine 

Widersprüche bilden und im Gegenteil für die Glaubhaftigkeit sprechen.  

Die eingereichten Beweismittel habe er entsprechend seiner Mitwirkungs-

pflicht eingereicht. Er habe diese im Heimatland heimlich erlangen können. 

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Mithin sei ihm der Haftbefehl nicht bereits im Heimatland beziehungsweise 

vor der Inhaftierung unterbreitet worden. Das SEM irre sich betreffend die 

Natur des Haftbefehls. Offenkundig seien die Behörden ermächtigt gewe-

sen, ihn jederzeit aufzusuchen und zu behelligen. Nach der Rückkehr aus 

Indien sei er offiziell aufgrund des Verdachts auf exilpolitische Tätigkeiten 

für mehrere Tage festgenommen worden. Mithin habe es sich verglichen 

zu den bisherigen Massnahmen um weitergehende Eingriffe gehandelt, die 

einen Haftbefehl vorausgesetzt hätten.  

Schliesslich stelle das SEM falsch fest, dass er keine Familienmitglieder 

mit Verbindungen zu den LTTE habe. Er habe zu Protokoll gegeben, dass 

ihm unterstellt worden sei, seine Verwandten seien LTTE-Unterstützer. 

Auch sei er konkret wegen seines (…) in der Schweiz befragt worden. Al-

lein als entfernt Verwandte Thema der Anhörung gewesen seien, habe er 

jegliche LTTE-Verbindungen verneint. Des Weiteren sei der Umstand, dass 

der Vater verschwunden sei, in diesem Zusammenhang nicht berücksich-

tigt worden. Bei einer Rückkehr sei er massiv gefährdet, von den Behörden 

erneut aufgesucht und verhaftet zu werden. Aufgrund des Verdachts auf 

enge Verbundenheit mit den LTTE, der Zusammenarbeit mit dem verdäch-

tigten Studentenverein, des Verschwindens des Vaters, der LTTE-Aktivitä-

ten der Verwandtschaft, der Körpernarben und der regelmässigen Aufsu-

chungen und Befragungen der Behörde erfülle er ein relevantes Risikopro-

fil. Er gehöre zudem zur sozialen Gruppe der abgewiesenen Asylgesuch-

steller mit tamilischer Abstammung und vermeintlichen LTTE-Verbindun-

gen. Dieser Gruppe drohe gemäss allgemeinen Berichten bei einer Rück-

kehr Verhaftung mit anschliessender Folter. Die Gefährdungslage werde 

durch die jüngere politische Entwicklung in Sri Lanka und der erneuten 

Machtergreifung des Rajapaksa-Clans zusätzlich intensiviert. 

Zur Stützung seiner Beschwerde reichte der Beschwerdeführer unter an-

derem den erwähnten Eigenbericht, Fotografien seiner Narben und ver-

schiedene allgemeine Berichte zur Lage in Sri Lanka zu den Akten. 

5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, der Frage, ob LTTE-Ver-

bindungen von Verwandten Auswirkungen auf den Beschwerdeführer ha-

ben könnten, sei sachgerecht nachgegangen worden. Die an ihn gerichte-

ten Fragen hätten indessen keine Hinweise ergeben, dass er deswegen in 

Sri Lanka eine asylrelevante Verfolgung erlitten habe beziehungsweise ihm 

derartige Probleme bei der Rückkehr drohen würden. 

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Seite 12 

5.4 In der Replik wurden in materieller Hinsicht keine weiteren Ausführun-

gen gemacht. 

5.5 Mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer Fo-

tografien seiner Mutter von den Protesten für die Verschwundenen und ei-

nen Zeitungsbericht zur aktuellen Lage in Sri Lanka zu den Akten. 

6.  

6.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten 

muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt 

zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen 

Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils 

m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist 

aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen 

hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, 

die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfolgung her-

vorrufen würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Be-

troffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleich-

baren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnah-

men ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjek-

tive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6; BVGE 

2008/4 E. 5.2, je m.w.H). 

6.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit 

der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen  

oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge-

samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli-

chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per-

sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller bzw. 

die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, 

wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht 

es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, 

aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende 

D-2820/2020 

Seite 13 

Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

6.3 Das SEM hat richtig festgehalten, dass die Art und Weise, wie der Be-

schwerdeführer bei Kriegsende behandelt worden ist, aufzeigt, dass ihn die 

sri-lankischen Behörden offensichtlich nicht für einen LTTE-Aktivisten hiel-

ten. Der Hinweis in der Beschwerde, wonach er nur aufgrund der Interven-

tion des Pfarrers und der internen Verbindung zu Beamten so schnell frei-

gelassen worden sei, vermag daran nichts zu ändern. Hätten die Behörden 

tatsächlich ein Interesse an ihm gehabt, hätte auch dies wohl nicht gehol-

fen. Der Verweis des SEM auf das damals jugendliche Alter des Beschwer-

deführers während des Krieges zwischen (…) Jahren vermag zwar nicht 

zu überzeugen. In der Beschwerde wurde diesbezüglich richtig auf die Pra-

xis der LTTE verwiesen, auch Kindersoldaten zu rekrutieren. Dies ändert 

aber in der Sache nichts. Der Beschwerdeführer konnte nicht dartun, dass 

er seit Kriegsende Opfer von besonderen Verfolgungsmassnahmen asyl-

relevanten Ausmasses geworden wäre. So wurde er gemäss seinen Anga-

ben lediglich dreimal kurzzeitig durch die Sicherheitsbehörden mitgenom-

men. Die ersten beiden Male im Jahr 2010 und damit kurz nach Kriegs-

ende, als die tamilische Bevölkerung noch unter besonderer Überwachung 

stand. Und das letzte Mal im Jahr 2015 kurz nach seiner Rückkehr von 

einem langjährigen Aufenthalt in Indien. Dabei wurde er nicht wie in der 

Beschwerde ausgeführt trotz, sondern gerade wegen seines Aufenthalts in 

Indien anlässlich seiner Rückkehr nochmals verhaftet. Beide Kontrollen 

können vor dem jeweiligen Hintergrund als legitim bezeichnet werden. Der 

Beschwerdeführer wurde nach den Befragungen nach kurzer Zeit wieder 

entlassen. An der Anhörung gab er zwar an, er sei bei der dreitägigen Fest-

haltung im Jahr 2015 geschlagen worden. Die Angaben zu den angeblich 

massiven Misshandlungen und Verletzungen wurden aber lediglich im 

nachgereichten schriftlichen Eigenbericht gemacht. Sie sind deshalb als 

nachgeschoben und unglaubhaft zu werten, zumal schriftlich verfasste 

nachträgliche Erlebnisberichte nicht die gleiche Unmittelbarkeit wie münd-

liche Aussagen an der Anhörung aufweisen und deshalb bei der Glaubhaf-

tigkeitsprüfung nur wenig ins Gewicht fallen. Überdies weicht der ausführ-

liche Erzählstil des Beschwerdeführers im Bericht massiv von seinen rudi-

mentären Aussagen an der mündlichen Anhörung ab. Dem Beschwerde-

führer ist seine Mitwirkungspflicht im vorinstanzlichen Verfahren entgegen-

zuhalten. Auch die geltend gemachten Narben vermögen an dieser Ein-

schätzung nichts zu ändern, zumal solche auch anderen Ursprungs sein 

können. Weiter wies das SEM richtig darauf hin, dass aus dem Umstand, 

D-2820/2020 

Seite 14 

dass während des Krieges der Vater des Beschwerdeführers mitgenom-

men worden sei und seither vermisst werde, kein Zusammenhang mit dem 

Beschwerdeführer erkannt werden kann. Der Beschwerdeführer behaup-

tete lediglich pauschal, dass sein Vater an seiner Stelle mitgenommen wor-

den sei, machte hierzu aber keine weiteren Ausführungen. Dass er wegen 

dieser Mitnahme selber Probleme erhalten hätte, machte er nicht geltend. 

6.4 In Bezug auf die Glaubhaftigkeit gilt es zunächst festzuhalten, dass das 

SEM die Mitnahme des Beschwerdeführers im Jahr 2015 nicht, wie in der 

Beschwerde offenbar angenommen, für unglaubhaft, sondern für nicht 

asylrelevant hielt. Die Erwägungen des SEM zur fehlenden Glaubhaftigkeit 

der weiteren Suchen nach dem Beschwerdeführer im Jahr 2016 vermögen 

zu überzeugen. Hier kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Er-

wägungen in der Verfügung verwiesen werden, wonach sich der Be-

schwerdeführer nur knapp, rudimentär und auf Rückfrage in wiederholen-

der Weise geäussert habe. In der Beschwerde wurde dem einerseits der 

mangelhafte Befragungsstil entgegengehalten. Wie oben ausgeführt, lässt 

sich aber den Protokollen nicht entnehmen, dass der Sachverhalt nicht 

richtig hat aufgenommen werden können. Der Befragungsstil vermag die 

vagen und allgemeinen Antworten des Beschwerdeführers nicht zu erklä-

ren. Der Beschwerdeführer vermochte nicht plausibel anzugeben, auf wel-

cher Grundlage die Suche nach ihm hätte erfolgen sollen. Er verwies le-

diglich diffus auf Ereignisse in der Umgebung, welche die Besuche jeweils 

provoziert hätten, beziehungsweise auf Personen auf einem Motorrad, wel-

che ihn beobachtet hätten. In der Beschwerde wurde dem lediglich allge-

mein entgegengehalten, dass der Beschwerdeführer durchaus das Wich-

tigste gesagt habe. Seine Aussagen seien nicht stereotyp ausgefallen und 

hätten viele Realkennzeichen enthalten. Weiter wurde ausgeführt, dass er 

nichts absichtlich verschwiegen habe, was in der Verfügung aber gar nicht 

behauptet wurde. Zum mit der Beschwerde eingereichten nachträglich 

schriftlich verfassten Eigenbericht des Beschwerdeführers gilt es auf oben 

Gesagtes zu verweisen. Zudem erwähnte der Beschwerdeführer in diesem 

Bericht lediglich einen Besuch der Behörden nach einer Demonstration in 

der Nähe seines Wohnortes im (…) 2016. Dabei sei ihm auch die Befra-

gung in Colombo angedroht worden, welche er an der Anhörung noch auf 

den (…) datierte, als er schon nicht mehr zu Hause gewohnt habe. Er 

machte im Bericht aber keine Angaben zu der an der Anhörung diffus er-

wähnten Beobachtung und den diversen Besuchen durch die Sicherheits-

kräfte im Jahr 2016.  

D-2820/2020 

Seite 15 

6.5 In Bezug auf die Vorladung vom (…) 2016 und den Haftbefehl vom (…) 

2016 kann einerseits auf die Erwägungen des SEM verwiesen werden. Ins-

besondere gilt es andererseits aber festzuhalten, dass diese Dokumente 

gemäss Angaben des Beschwerdeführers offenbar mit seiner falschen Ad-

ressangabe bei einer Kontrolle in Zusammenhang stehen (vgl. A13 F87). 

Sie wurden denn offenbar auch seiner Tante zugestellt, deren Adresse er 

angegeben hatte. In der Vorladung selber ist die Rede von einer Anzeige, 

die gegen den Beschwerdeführer erstattet worden sei und jetzt untersucht 

werde. In der Beschwerde wird offenbar davon ausgegangen, der Haftbe-

fehl betreffe die Haft im (…) 2015. Er wurde aber erst im Jahr 2016 ausge-

stellt. Eine intensive Suche nach dem Beschwerdeführer aufgrund seiner 

LTTE-Verbindungen vermögen diese Beweismittel nach dem Gesagten je-

denfalls nicht zu belegen. Das Gleiche gilt für die Bestätigungsschreiben 

von diversen Personen, welche das SEM richtig als Gefälligkeitsschreiben 

gewertet hat, und die Fotografien seiner Mutter an den Demonstrationen 

für Verschwundene. 

7.  

Nach dem Gesagten erfüllte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner 

Ausreise die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es bleibt zu prüfen, ob er bei ei-

ner Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernst-

hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die 

Flüchtlingseigenschaft festzustellen wäre. 

7.1 Im Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht eine 

aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorge-

nommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurück-

kehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden 

Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E-1866/2015 

E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von 

Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Fol-

ter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um 

das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder 

vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen 

regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Verhaftungen 

durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit 

einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark 

risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem ge-

steigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen aus-

serdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri 

Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt 

D-2820/2020 

Seite 16 

werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) 

nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben 

(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.4 und 

8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach-

ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen-

den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene 

Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne 

von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge-

schrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wie-

deraufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1). 

An dieser Einschätzung vermag die aktuelle – zwar als volatil zu bezeich-

nende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsge-

richt ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Ent-

wicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfin-

dung. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass 

seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv 

einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im 

Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-

nen zur Präsidentschaftswahl respektive deren Folgen besteht. 

7.2 Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass die Behörden dem Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr eine enge Verbindung zu den LTTE im 

Sinne obiger Rechtsprechung unterstellen würden. So war der Beschwer-

deführer neben einem dreiwöchigen Kurztraining, von dem er habe flüch-

ten können, nicht für die LTTE tätig. Dass dieses Training den Behörden 

bekannt geworden wäre, macht er nicht geltend. Die kurzzeitigen Mitnah-

men im Jahr 2010 und 2015, bei denen er auch nach LTTE-Verbindungen 

befragt worden sei, vermögen ebenfalls kein Risikoprofil zu begründen, zu-

mal der Beschwerdeführer jeweils nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde 

und keine massgeblichen, asylrelevanten Nachteile erlitten hat. In diesem 

Zusammenhang gilt es zu betonen, dass die zweite Mitnahme nach einem 

langjährigen Aufenthalt in Indien erfolgte. Nach der einmaligen Mitnahme 

im (…) 2015 konnte der Beschwerdeführer bis zur Ausreise fast ein Jahr 

später keine weiteren asylrechtlich relevanten Behelligungen mehr glaub-

haft machen. In Bezug auf seinen verschwundenen Vater gibt der Be-

schwerdeführer ebenfalls nicht an, dass dies mit einem LTTE-Engagement 

in Zusammenhang gestanden hätte. Die Teilnahme seiner Mutter an den 

Protesten für Verschwundene vermag für den Beschwerdeführer selber 

ebenfalls kein Risikoprofil zu begründen, zumal er auch diesbezüglich nicht 

geltend macht, dass dies den Behörden bekannt geworden wäre. Zu den 

D-2820/2020 

Seite 17 

Verwandten mit LTTE-Verbindung gilt es festzuhalten, dass allein die Be-

hauptung, Familienangehörige hätten in der Vergangenheit die LTTE un-

terstützt, nicht zu asylrelevanter Verfolgung zu führen vermag. In Bezug 

auf den in der Schweiz lebenden (…) gilt es festzuhalten, dass der Be-

schwerdeführer an der Anhörung angab, dieser sei an der Befragung zwar 

erwähnt worden, er habe aber keine Probleme wegen ihm gehabt (vgl. A13 

F74). Das Gesagte gilt auch unter Berücksichtigung der schwach risikobe-

gründenden Faktoren des langjährigen Auslandaufenthaltes in der 

Schweiz, zumal auch der vormalige Auslandaufenthalt ab dem Jahr 2010 

langjährig war, der Rückkehr ohne Identitätspapiere und der Aufweisung 

von insgesamt wenig auffälligen Narben. Im vorliegenden Verfahren ver-

mögen schliesslich auch die politischen Veränderungen seit November 

2019 zu keiner anderen Beurteilung zu führen. Der Beschwerdeführer hat 

keinen persönlichen Bezug zu diesen Ereignissen. Dass seit dem Macht-

wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-

gungsgefahr ausgesetzt wären, lässt sich, wie oben ausgeführt, nicht be-

stätigen. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

D-2820/2020 

Seite 18 

9.2  

9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er-

geben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in 

den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 

EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt 

wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-

rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der 

Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte 

dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die 

D-2820/2020 

Seite 19 

über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprü-

fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass 

er persönlich gefährdet wäre.  

Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich die 

jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter Weise 

auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Menschen-

rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen 

Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen (vgl. statt vieler Urteil 

des BVGer D-1278/2021 vom 28. April 2021 E. 11.2.2). 

9.3   

9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und 

den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka 

weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter 

Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen. 

Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri 

Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass 

der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorlie-

gen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines 

tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten 

auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann 

(vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3). Diese 

Einschätzung hat weiterhin Gültigkeit (vgl. statt vieler Urteil des BVGer  

D-4546/2017 vom 18. Mai 2021 E. 10.4.2). 

9.3.3 Das SEM hielt hierzu fest, der Beschwerdeführer verfüge in seinem 

Heimatland über seine Mutter, seine Grosseltern und einen Bruder. Er sei 

somit bei der Rückkehr nicht auf sich allein gestellt. Zwar gebe er an, über 

keine Berufsausbildung zu verfügen, was aber auf einen Grossteil der Be-

völkerung seines Heimatlandes zutreffe. Gemäss seinen Angaben verfüge 

er aber über Berufserfahrung, die er in Indien erlangt habe, wo er Reini-

gungsarbeiten ausgeführt habe. Schliesslich stehe auch sein Alter und sein 

guter Gesundheitszustand einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht entgegen.   

D-2820/2020 

Seite 20 

In der Beschwerde wurde dem entgegengehalten, bei einer Rückkehr zu 

seiner Familie wäre er erneuten Misshandlungen durch die sri-lankischen 

Sicherheitskräfte ausgesetzt. Die Wohnsituation könne somit nicht als ge-

sichert gelten. Das SEM verkenne, dass er aufgrund der fehlenden Ausbil-

dung und Berufserfahrung verglichen mit der restlichen Bevölkerung über 

keine guten Berufschancen verfüge. Die langjährige Absenz vom Heimat-

land in Indien und in der Schweiz hätten dazu geführt, dass er sich von der 

sozialen und wirtschaftlichen Struktur in Sri Lanka vollumfänglich entfrem-

det habe. Aufgrund der Narben im Gesicht könne er sich zudem kaum auf 

die Strasse wagen. Zudem habe er sich in der Schweiz hervorragend inte-

griert.  

9.3.4 Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend ebenfalls als zumutbar. 

Diesbezüglich kann zu Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich 

auf die überzeugenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. 

Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er wäre bei einer Rückkehr 

zu seiner Familie erneuten Misshandlungen durch die sri-lankischen Si-

cherheitskräfte ausgesetzt, ist auf obige Erwägungen zu den Asylgründen 

zu verweisen. In Bezug auf die Integration in den Arbeitsmarkt in Sri Lanka 

gilt es darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer während seiner 

Aufenthalte in Indien und der Schweiz langjährige Arbeitserfahrung in der 

(…) und der (…) sammeln konnte, die ihm auch in seinem Heimatland von 

Nutzen sein wird. Auch gab er an, dass der Pfarrer, bei dem er sich im 

Vanni jahrelang aufgehalten habe, eine (…)schule geführt habe. In dessen 

Bestätigungsschreiben wird ausgeführt, der Beschwerdeführer sei in der 

Schule aufgrund seiner (…)kenntnisse als Helfer eingesetzt worden. 

Schliesslich ist nicht davon auszugehen, dass ihn die wenig auffälligen 

Narben im Gesicht massgeblich an einer Integration in den Arbeitsmarkt 

hindern werden. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenz-

bedrohende Situation geraten würde. Die Integration in der Schweiz spielt 

beim Wegweisungsvollzug mangels Intensität in aller Regel und so auch 

vorliegend keine Rolle. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

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Seite 21 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Zur Begleichung der Verfahrenskosten ist der in 

gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2820/2020 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung der Verfah-

renskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner 

 

 

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