# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c1da4c4e-9204-5462-a85a-052d9f605fa8
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-26
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 26.10.2023 VG.2023.00047 (VG.2023.1297)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00047_2023-10-26.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 26. Oktober 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Olivia Lattmann,
  Verwaltungsrichter Fritz Jnglin und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00047

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Prof.
    Dr. Hardy Landolt, Rechtsanwalt,

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  Die am […] geborene
  A.______ meldete sich am 27. September 2005 erstmals bei der
  Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Am 4. Mai 2006 sprach ihr
  die IV-Stelle Glarus rückwirkend ab dem 1. November 2005 eine halbe
  Invalidenrente zu. Nach medizinischen Abklärungen teilte sie ihr am
  1. Oktober 2010 sodann die beabsichtigte Einstellung der
  Rentenleistungen mit, woran sie am 12. Januar 2011 festhielt.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am 18. März 2019
  meldete sich A.______ erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
  an. Nach erneuten medizinischen Abklärungen, einem Belastbarkeitstraining,
  beruflichen Massnahmen sowie einer Haushaltsabklärung stellte ihr die
  IV-Stelle mit Vorbescheid vom 20. Juli 2022 die Zusprache einer ganzen
  Rente vom 1. März 2020 bis zum 31. März 2021 und eine unbefristete
  Viertelsrente ab dem 1. April 2021 in Aussicht, woran sie trotz der
  dagegen erhobenen Einwände am 31. März 2023 festhielt.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  A.______ gelangte mit
  Beschwerde vom 15. Mai 2023 ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Aufhebung der Verfügung vom 31. März 2023 sowie die Zusprache einer
  ganzen Invalidenrente ab dem 1. März 2020. Eventualiter sei die Sache
  zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
  Entschädigungsfolge zu Lasten der IV-Stelle sowie unter Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.
  Die IV-Stelle beantragte am 15. August 2023 die Abweisung der
  Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das
  Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des
  Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG)
  zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 1. Januar 2022 trat die Änderung des IVG
  vom 19. Juni 2020 (Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft. Liegt
  in einem Revisionsfall die massgebende Änderung vor dem 1. Januar 2022,
  finden die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
  Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV) in der bis zum
  31. Dezember 2021 gültigen Fassung Anwendung. Liegt die massgebende
  Änderung demgegenüber nach dem 31. Dezember 2021, sind die Bestimmungen
  des IVG und diejenigen der IVV in der ab dem 1. Januar 2022 gültigen
  Fassung anwendbar. Der Zeitpunkt der massgebenden Änderung bestimmt sich nach
  Art. 88a IVV (Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der
  Invalidenversicherung [KSIR]) vom 1. Januar 2022, Rz. 9102).
  Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin ab dem 1. März 2020 bis zum
  31. März 2021 eine Vollrente und ab dem 1. April 2021 eine
  unbefristete Viertelsrente zugesprochen. Es erscheint damit offensichtlich,
  dass der mutmassliche Zeitpunkt der massgebenden Änderung vor dem 1. Januar
  2022 liegt, weshalb nach dem oben Dargelegten die Bestimmungen des IVG und
  der IVV in der Fassung bis zum 31. Dezember 2021 zur Anwendung gelangen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei mit dem
  Untersuchungsgrundsatz nicht vereinbar, wenn die Beschwerdegegnerin
  ausschliesslich auf medizinische Abklärungen des Krankentaggeldversicherers
  abstelle. Die vertrauensärztliche Stellungnahme sei darüber hinaus nicht
  umfassend, sondern betreffe nur die neurologischen
  bzw. neuropsychologischen Aspekte. Der Vertrauensarzt des
  Taggeldversicherers habe selbst angeregt, eine Begutachtung und eine
  ergänzende MRI-Untersuchung vorzunehmen. Letzteres sei dann zwar
  durchgeführt, die psychiatrischen Defizite seien aber trotz entsprechender
  Diagnose nicht abgeklärt worden. Die behandelnden Ärzte seien sodann der
  Auffassung, dass nicht nur in neurologischer bzw. neuropsychologischer
  Hinsicht Defizite bestünden, sondern zwischenzeitlich auch eine eigentliche
  psychiatrisch relevante Störung eingetreten sei, welche die Arbeitsfähigkeit
  in angepasster Tätigkeit erheblich einschränke bzw. aufhebe. Die von der
  Vertrauensärztin des Taggeldversicherers behauptete objektivierte
  Verbesserung des Gesundheitszustands seit Juni 2021 werde ferner nicht näher
  begründet. Es sei davon auszugehen, dass ihr Gesundheitszustand und ihre
  Arbeitsunfähigkeit gleichgeblieben seien und aufgrund der kognitiven und
  psychischen Einschränkungen sowohl in Bezug auf den Erwerb als auch auf den
  Haushalt eine signifikante funktionelle Leistungseinbusse bestehe. Die
  Anwendung der gemischten Methode sei schliesslich nicht korrekt, da sie im
  Gesundheitsfall aufgrund des Alters ihrer Kinder sowie der finanziellen
  Situation voll arbeitstätig wäre. Im Übrigen sei aufgrund ihres Alters davon
  auszugehen, dass sie ihre Resterwerbsfähigkeit nicht mehr verwerten könne.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den
  Standpunkt, sie habe ihre Abklärungspflichten vollumfänglich wahrgenommen.
  Dr. med. B.______, FMH Neurologie, habe in ihrer
  vertrauensärztlichen Beurteilung eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
  festgestellt, was auch der behandelnde Psychiater bestätigt habe. Ein
  relevantes depressogenes Störungsbild habe nicht objektiviert werden können.
  Dr. B.______ sei am 1. Februar 2021 sodann von einem Endzustand mit
  anhaltender Arbeitsunfähigkeit von 50-70% ausgegangen. Ferner sei bei der
  Beschwerdeführerin eine Magnetresonanztomographie (MRI) durchgeführt worden,
  welche keine Auffälligkeiten gezeigt habe. Darüber hinaus habe die
  Beschwerdeführerin angegeben, dass sie im Gesundheitsfall zu 80 %
  erwerbstätig wäre, was angesichts der volljährigen Kinder und der Tatsache,
  dass sie stets in Teilzeit gearbeitet habe, nachvollziehbar und glaubhaft
  sei. Die 40%ige Restarbeitsfähigkeit sei schliesslich verwertbar, unter anderem
  weil die Beschwerdeführerin noch im Februar 2020 zu 50-60 % erwerbstätig
  gewesen sei. Da die Invaliditätsbemessung im Übrigen mittels realer
  Lohnangaben erfolgt sei, könne kein Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen
  werden.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
  über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom
  6. Oktober 2000 (ATSG) ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder
  längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
  Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
  körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
  zumutbarer Behandlung sowie Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
  Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
  Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

  
	
   

  
	
  3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem
  Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente,
  bei einem solchen von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
  mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab mindestens 70 %
  auf eine ganze Rente. Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m.
  Art. 16 ATSG ist für die
  Bestimmung des Invaliditätsgrads bei erwerbstätigen Versicherten das
  Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung
  der medizinischen Behandlung und allfälligen Eingliederungsmassnahmen durch
  eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
  könnte, dem Erwerbseinkommen gegenüberzustellen, das sie erzielen könnte,
  wenn sie nicht invalid geworden wäre.

  
	
   

  
	
  3.3 Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder
  befristeten Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden Art. 17
  Abs. 1 ATSG und Art. 88a IVV über die Änderung des Leistungsanspruchs
  bei einer Verbesserung oder Verschlechterung der analog anzuwenden, weil noch
  vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung
  eingetreten ist. Dabei ist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine
  Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente
  von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass
  sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu
  berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate
  gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (vgl. zum Ganzen
  BGer- Urteil 9C_687/2018 vom 16. Mai 2019 E. 2, mit Hinweisen).
  Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Versicherten erheblich, so wird die
  Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft erhöht, herabgesetzt
  oder aufgehoben (Art. 17 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede
  wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist,
  den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Eine
  Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt unter anderem auch bei
  gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität
  und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat
  (BGer-Urteil 8C_339/2015 vom 25. August 2015 E. 3.1). Dagegen
  stellt eine bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
  wesentlich gleich gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit
  für sich allein genommen keinen Revisionsgrund dar.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Nach
  dem für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren
  geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
  Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
  förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für
  das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel,
  unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
  entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung
  des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere
  darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
  nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
  anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
  abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). 

  
	
   

  
	
  4.2 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht
  seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
  fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
  Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
  Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
  Geschehens-abläufen als die wahrscheinlichste würdigt
  (BGE 119 V 7 E. 3c/aa, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.3 Es ist Aufgabe der Ärztin oder des
  Arztes, sämtliche Auswirkungen einer Krankheit oder eines Unfalls auf den
  Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu
  nehmen, bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang sie
  arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige
  Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
  versicherten Person im Hinblick auf ihre persönlichen Verhältnisse noch
  zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4).

  
	
   

  
	
  4.4 Praxisgemäss spricht der Umstand, dass ein Gutachten
  im Auftrag eines Krankentaggeldversicherers und somit nicht im Verfahren nach
  Art. 44 ATSG erstellt wurde, nicht gegen dessen Beweiskraft für die
  Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung. Indessen
  sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch
  nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit einer solchen
  Expertise, so sind - wie bei versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen
  - ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Einem "Fremdgutachten" kommt somit
  nicht von vornherein dieselbe Beweiskraft zu wie einer gerichtlich oder im
  Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten
  Expertise unabhängiger Sachverständiger (BGer-Urteil 9C_89/2020 vom
  18. Juni 2020 E. 4.2, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1

  
	
  5.1.1 Dr. B.______ hielt am 3. August 2020
  gegenüber der Krankentaggeldversicherung der Beschwerdeführerin fest, den
  Unterlagen seien ein schweres ADHS seit Kindheit, biografisch schwere
  Vertrauensmissbräuche mit aktuell chronischem Misstrauen gegenüber der Umwelt
  bis hin zu systematisiertem Wahn ohne Zeichen einer Schizophrenie sowie ein
  Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden
  und leichtgradigen Borderline-Zügen zu entnehmen. Aus
  verhaltensneurologisch-psychopathologischer Sicht lasse sich ausserhalb einer
  leichtgradig affektbetonten dysthymen Zeichnung kein relevantes depressogenes
  Störungsbild objektivieren. Es zeigten sich aber relevante
  neuropsychiatrische Symptome und die psychische und kognitive Belastbarkeit
  seien mittelschwer beeinträchtigt. Unter weniger vorgegebener Arbeitsstruktur
  sowie in Stress- und Belastungssituationen sei von einer Aggravation der
  Befunde und einer weiteren Leistungsabnahme auszugehen. Für die bisherige
  sowie jede andere bildungsangepasste Tätigkeit sei medizinisch-theoretisch
  von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Es sei ein Schädel-MRI
  durchzuführen und eine nochmalige Medikation zu diskutieren, wodurch jedoch
  höchstens eine teilweise Erholung erwartet werden könne. 

  
	
   

  
	
  5.1.2 Am 1. Februar 2021 ergänzte Dr. B.______,
  dass das zwischenzeitlich durchgeführte Schädel-MRI einen unauffälligen
  Befund ohne strukturelle Auffälligkeiten ergeben habe. Aktuell lasse sich
  eine relevante Beeinträchtigung der geistig-mentalen bzw. neurokognitiven
  Leistungsfähigkeit objektivieren. Es bestünden mittelschwere kognitive
  Einschränkungen an die im angestammten Beruf gestellten Anforderungen. Unter
  weniger ruhigen Bedingungen nehme die Leistung weiter ab. Dies ergebe
  medizinisch-theoretisch eine 50-70%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen
  Tätigkeiten. Sinnvoll erscheine ein Einstieg mit einem 10%igen und einer
  darauffolgenden graduellen Steigerung des Pensums bis hin zu einem solchen
  von 50 %. Die Arbeitsunfähigkeit von 50-70 % stelle schliesslich einen
  Endzustand dar und es sei von keiner signifikanten Besserung auszugehen.

  
	
   

  
	
  5.2

  
	
  5.2.1 Dr. med. C.______, FMH Psychiatrie und
  Psychotherapie, diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin am
  25. Oktober 2019 eine seit Jahren bestehende rezidivierende depressive
  Störung, aktuell mittelgradig ohne somatisches Syndrom, starke Hinweise auf
  ADHS seit der Kindheit sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge. Eine
  kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen,
  passiv-aggressiven, dependenten und stark paranoiden Anteilen sei nicht
  ausgeschlossen. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % seit dem
  24. September 2019 bis auf Weiteres, wobei keine Steigerung zu erwarten
  sei. Die Beschwerdeführerin sei trotz einer gewissen psychischen Stabilität
  am Limit und ihre Alltagsroutine sowie ihr Aktivitätsniveau seien stark
  reduziert.

  
	
   

  
	
  5.2.2 Am 8. Mai 2020 diagnostizierte
  Dr. C.______ bei der Beschwerdeführerin sodann ein schweres ADHS sowie
  eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden und
  leichtgradigen Borderline-Zügen. Aktuell sei sie zu 100 % arbeitsunfähig
  und die Integrationsprognose sei schlecht. Unter optimalsten Bedingungen mit
  wenig Leistungsanspruch, hoher Regelmässigkeit und sehr leichten körperlichen
  Arbeiten wäre eine Arbeitsstelle zumutbar. Es sei aber davon auszugehen, dass
  die Beschwerdeführerin auch dann rasch überfordert wäre, was zu einem
  erneuten Abbruch führen würde. Die Psychopathologie bleibe sowohl auffällig
  als auch chronisch und die Beschwerdeführerin zeige kaum Resilienz oder Copingstrategien.
  Am 21. Dezember 2020 teilte Dr. C.______ weiter mit, ein
  Therapiefortschritt sei nicht ersichtlich und er sehe kaum Chancen zur
  Verbesserung der Erwerbsfähigkeit. Am 24. Februar 2021 beurteilte er
  eine Weiterführung der beruflichen Massnahmen weder als zielführend noch als
  erfolgsversprechend. Die Beschwerdeführerin ziehe sich aufgrund psychotischer
  wahnhafter Verknüpfung immer weiter zurück.

  
	
   

  
	
  5.2.3 Am 26. Mai 2021 wiederholte Dr. C.______
  die bisher gestellten Diagnosen und hielt überdies fest, die rezidivierende
  depressive Störung sei aktuell mittel- bis schwergradig. Überdies bestehe
  eine Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung und ein ausgeprägter
  Wahn. Seit Behandlungsbeginn habe keine wesentliche oder anhaltende Besserung
  erreicht werden können. Das Störungsbild sei geprägt von raschen affektiven
  Wechseln mit Impulsivität, Rechtfertigungslogik und kognitiven
  Leistungseinbrüchen. Verwertbare Leistungen oder gar eine Belastbarkeit der
  Patientin seien nicht zu erwarten. Multiple Ablenkungen, Gedankenkreisen und
  depressive Einbrüche, Trauer, oft dysphorgereizte Stimmung mit
  wahnhafter/paranoider Verarbeitung seien regelmässig vorhanden, wobei das
  Zustandsbild sehr oft und stark variiere. Sie sei generell affektlabil mit
  Impulsivität vor allem in Drucksituationen, bei tiefen Ängsten und bei hohem
  Misstrauen im Umfeld. Dadurch bestünden sehr oft Interaktionsprobleme ohne
  positiv korrektive Erfahrungen. Die Beschwerdeführerin sei nicht
  integrierbar, da die Behandlung auch mittels vorgeschlagenen Zusatztherapien
  wie gängige ADHS-Medikation und Ergotherapie keinen Nutzen gebracht hätten
  und die kognitiven Leistungen überhaupt nicht konstant seien. Im Haushalt
  komme sie schliesslich an ihre Belastungsgrenze.

  
	
   

  
	
  5.2.4 Am 7. Juni 2021 berichtete Dr. C.______
  sodann, dass sich die volle Arbeitsunfähigkeit trotz diverser Behandlungen
  nicht geändert habe. Die Therapie diene einzig dem Erhalt der
  Überlebensfähigkeit mit sehr wenig Lebensqualität. Diese Ansicht wiederholte
  Dr. C.______ am 31. Mai 2022. Am 18. Februar 2022 bestätigte
  er seine bisherige Einschätzung einer vollen Arbeitsunfähigkeit. Die
  Beschwerdeführerin sei nicht belastbar, paranoid und depressiv.
  Psychiatrische Sitzungen hätten nicht geholfen und es komme krankheitsbedingt
  regelmässig zu einer Reizüberflutung, emotionalen Durchbrüchen und
  Sitzungsabbrüchen. Beispiele für den Wahn der Beschwerdeführerin seien die
  Überzeugung, dass die Post ihre Briefe abfange und öffne, oder dass während
  der beruflichen Massnahme Gift in den herzustellenden Anzündhilfen gewesen
  sei. Fest stehe, dass sie ein situationsübergreifendes, für sich selbst und
  Dritte störendes Verhaltensmuster habe, welches therapeutisch nicht
  zugänglich sei. Es habe sich keine Besserung ergeben. Die Wahnhaftigkeit sei
  eher verstärkt und die depressive Symptomatik sei bisher nicht beeinflussbar
  gewesen. Da sie weder auf Medikation noch auf Psycho- oder Ergotherapie
  angesprochen habe, könne nicht davon ausgegangen werden, dass eine
  Therapieintensivierung zu namhaften Besserungen führen werde. Schliesslich
  sei sie nicht fahrfähig.

  
	
   

  
	
  5.2.5 Am 11. Juli 2022 führte Dr. C.______
  weiter aus, die Beschwerdeführerin sei seit Behandlungsbeginn grundsätzlich
  nicht fahrfähig gewesen. Seit Mai 2022 sei sie in der Behandlung etwas
  ruhiger und bedachter, sodass sie aktuell theoretisch verkehrstauglich wäre.
  Sie lebe aber seit Monaten zurückgezogen und sei kaum Stressoren ausgesetzt.
  Überdies mangle es ihr an der Fahrpraxis. Am 31. Mai 2022 bestätigte
  Dr. C.______ erneut die volle Arbeitsunfähigkeit. Am 20. Januar
  2023 wiederholte er schliesslich, dass die Beschwerdeführerin massiv instabil
  sei, sehr rasch in Affekten beeinträchtigt sei und interaktionell und
  kognitiv abrupte Störungen habe. Diese könnten einen halben Tag bis im
  Extremfall mehrere Tage andauern und führten immer wieder zu
  zwischenmenschlichen Konflikten. Er sehe keine Möglichkeiten, die
  Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies wäre auch im
  geschützten Rahmen schwierig.

  
	
   

  
	
  5.3

  
	
  5.3.1 Dr. med. D.______, Facharzt Allgemeine Innere
  Medizin, führte am 12. April 2019 aus, bei der Beschwerdeführerin
  bestünden psychische Probleme seit 1999. Es handle sich um chronische Leiden
  mit einer kontinuierlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands. Aktuell
  zeigten sich Symptome einer depressiven leicht paranoiden Störung. Die
  Arbeitsfähigkeit sei marginal. Sie könne kaum eine leichte Arbeit von
  15 Stunden pro Woche ausüben. Die aktuelle Tätigkeit entspreche einer
  angepassten. Schwierig sei es, wenn die Beschwerdeführerin in einem Team
  arbeiten müsse oder physisch oder psychisch überfordert werde. Die Störung
  manifestiere sich seit gut 20 Jahren und sei bis anhin nicht
  therapierbar gewesen. Am 2. Juli 2019 diagnostizierte Dr. D.______
  eine zunehmende Paranoia bei vor allem emotional instabiler
  Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline, rezidivierende depressive
  Episoden, mögliches Erwachsenen-ADHS und Bruxismus. Aktuell sei die
  Beschwerdeführerin von paranoiden Gedanken sehr eingenommen.

  
	
   

  
	
  5.3.2 Am 5. Januar 2021 berichtete Dr. D.______, die
  Beschwerdeführerin sei aktuell stark wahnhaft, paranoid und stark isoliert
  und lasse praktisch keinen konstruktiven Input zu. Faktisch sei sie nicht
  behandelbar, da sie die Medikamente zum Teil nicht vertrage und Ergotherapie
  ablehne. Eine Reintegration erscheine nicht realistisch. Am 1. Juni 2021
  hielt Dr. D.______ an den bisher gestellten Diagnosen fest. Es bestehe
  eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 11. März bis zum 11. Juni 2019,
  eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vom 27. Dezember 2019 bis zum 2. März
  2020 und wiederum eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 3. März 2020 bis auf
  Weiteres. Die Prognose sei schlecht. Die Beschwerdeführerin habe über die
  Jahre immer versucht, trotz psychischer Störung zu arbeiten. Hieraus
  resultiere eine Erschöpfung, welche mit der paranoiden Störung überlagert
  sei. Eine Reintegration in den Arbeitsprozess sei illusorisch.

  
	
   

  
	
  5.3.3 Am 27. Januar 2023 führte Dr. D.______
  aus, er habe in den letzten Jahren ein Vertrauensverhältnis zur
  Beschwerdeführerin aufbauen können. Dies habe die regelmässige
  antipsychotische Medikamenteneinnahme erlaubt und der Verfolgungswahn stelle
  sich nur noch in Situationen mit einem erhöhten Stress ein. Trotz dieser
  Stabilisierung und regelmässiger hausärztlicher sowie psychiatrischer Begleitung
  könne die Beschwerdeführerin aktuell nicht kontinuierlich der Aushilfsarbeit
  an zwei Tagen pro Woche während dreieinhalb Stunden nachgehen, ohne in der
  Folge total erschöpft zu sein und von paranoiden Gedanken geplagt zu werden.
  Sie sei trotz stabilisierter Gesundheit bei schwerem ADHS und Wahnkrankheit
  vollständig arbeitsunfähig.

  
	
   

  
	
  5.4 Pract. med. E.______, Facharzt für Arbeitsmedizin
  vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD), hielt am 18. März 2022 fest,
  gemäss Dr. B.______ sei eine Verbesserung ausgewiesen, weshalb von einer
  gewissen medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Vor
  diesem Hintergrund könne der vom behandelnden Psychiater festgehaltenen
  durchgehenden vollen Arbeitsunfähigkeit nicht gefolgt werden. Es sei ab dem
  20. Juni 2021 von einer Arbeitsunfähigkeit von 60 % auszugehen,
  wobei keine wesentliche Verbesserung zu erwarten sei. Am 20. Oktober
  2022 ergänzte pract. med. E.______, dass auch Dr. C.______
  eine Verbesserung des Gesundheitszustands attestiert habe.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Die Beschwerdegegnerin sprach der
  Beschwerdeführerin vom 1. März 2020 bis zum 31. März 2021 eine
  ganze Rente und ab dem 1. April 2021 eine unbefristete Viertelsrente zu.
  Der Anspruch bis zum 31. März 2021 ist dabei unbestritten, weshalb nachfolgend
  lediglich zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin per 1. April 2021 zu
  Recht von einer Verbesserung des Gesundheitszustands mit einer entsprechenden
  Rentenreduktion ausgegangen ist.

  
	
   

  
	
  6.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass des
  vorliegend angefochtenen Entscheids insbesondere auf die Einschätzung der
  Vertrauensärztin der Krankentaggeldversicherung und diejenige des RAD. Die
  Beurteilung von Dr. B.______ erscheint dabei zwar grundsätzlich
  schlüssig. Letztere wies jedoch bereits selbst darauf hin, dass die Ergebnisse
  der durchgeführten Tests nicht einfach auf weniger vorgegebene
  Arbeitsstrukturen oder Stress- und Belastungssituationen übertragen werden
  könnten, womit sie ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung bereits relativierte.
  Sodann bezifferte sie die Arbeitsunfähigkeit mit 50-70 %, was im
  Hinblick auf die Invaliditätsbemessung zu ungenau erscheint. Ferner gibt ihre
  Einschätzung lediglich das Fachgebiet der Neurologie wieder und vermag damit
  das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin, unter anderem bezüglich der depressiven
  Symptomatik, nicht rechtsgenüglich abzubilden. Die Beschwerdegegnerin durfte
  dementsprechend nicht allein gestützt auf die Unterlagen der
  Krankentaggeldversicherung von einer Verbesserung des Gesundheitszustands
  ausgehen.

  
	
   

  
	
  6.3 Sodann erwecken auch die weiteren im Recht liegenden
  medizinischen Unterlagen Zweifel an der Einschätzung von Dr. B.______.
  Dr. D.______ und Dr. C.______ hielten über den gesamten
  Beobachtungs- und Behandlungszeitraum eine depressive Störung fest. Letzterer
  veranschaulichte überdies, inwiefern die Beschwerdeführerin auch durch ihre
  Wahnideen sowohl im Alltag als auch im Rahmen einer Arbeitstätigkeit
  eingeschränkt sei. Zwar hat der RAD alle Unterlagen geprüft. Er hat jedoch
  nicht dargelegt, inwiefern eine depressive Störung oder ein Wahn nicht
  vorhanden seien. Darüber hinaus stellt er sich auf den Standpunkt, dass
  Dr. C.______ eine Verbesserung des Gesundheitszustands ausgewiesen habe,
  was nicht der Fall ist. Vielmehr hat dieser lediglich einmal festgehalten,
  dass die Beschwerdeführerin ruhiger wirke und sie theoretisch fahrfähig sei.
  Dies hat er sogleich aber relativiert und für denselben Zeitraum eine
  weiterhin volle Arbeitsunfähigkeit festgehalten.

  
	
   

  
	
  6.4 Die Berichte der behandelnden Ärzte dokumentieren
  den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin schliesslich insgesamt
  ausführlicher, sind aktueller als die Einschätzung von Dr. B.______ und
  decken die gesundheitliche Situation über einen längeren Zeitraum ab.
  Dr. C.______ und Dr. D.______ legen dabei nachvollziehbar, schlüssig
  und glaubhaft dar, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen und
  neurologischen Beschwerden nicht mehr arbeitsfähig ist. Diese Einschätzung
  widerspricht darüber hinaus auch nicht derjenigen von Dr. B.______, da
  auch sie die Arbeitsunfähigkeit auf bis zu 70 % festsetzte und von einem
  chronischen Gesundheitszustand ausging. Vor diesem Hintergrund kann im
  Übrigen auch von einer erneuten Abklärung abgesehen werden, da die hieraus
  gewonnenen Erkenntnisse gering erscheinen und zur Entscheidfindung nur
  begrenzt tauglich wären. Dementsprechend ist im Ergebnis mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch in
  angepassten Tätigkeiten dauerhaft bzw. über den 31. März 2021
  hinaus nicht mehr arbeitsfähig ist.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1 Im Rahmen der Berechnung des Invaliditätsgrads ist
  sodann der Status zu bestimmen. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, sie
  würde im Gesundheitsfall einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen, weshalb die
  gemischte Methode nicht zur Anwendung gelange. Praxisgemäss kommt im Bereich
  der Statusbestimmung der sogenannten Aussage der ersten Stunde indessen ein
  höherer Beweiswert zu als späteren Darstellungen (vgl. BGer-Urteil 8C_133/2022 vom 7. September 2022
  E. 4.1.2, mit Hinweisen), worauf die Beschwerdegegnerin zu Recht
  hinweist. Da die Beschwerdeführerin im Rahmen der Haushaltsabklärung angab,
  dass sie im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig wäre, fällt diese Aussage nach dem oben Dargelegten
  grundsätzlich stärker ins Gewicht als das spätere Vorbringen, wonach sie im
  Gesundheitsfall voll erwerbstätig wäre.

  
	
   

  
	
  Die Beschwerdeführerin hat
  ihre Aussage zur Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall anlässlich der
  Haushaltsabklärung jedoch bereits unter dem Vorbehalt getätigt,
  Schwierigkeiten mit der Beantwortung dieser Frage zu haben, was die
  Abklärungsperson ebenfalls anmerkte. Dies erscheint mit Blick auf den von
  Dr. C.______ genannten psychischen Gesundheitszustand als
  nachvollziehbar. In Fällen, in denen Versicherte bereits sehr lange Zeit oder
  gar seit Geburt gesundheitlich eingeschränkt sind, ist dies zudem bei der
  Bewertung ihrer eigenen Aussagen zu berücksichtigen (vgl. BGer-Urteil
  9C_281/2017 vom 4. Juli 2017 E. 3.4.1; Urteil des
  Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 2020 19 vom
  6. Oktober 2020 E. 4.3). Vor dem Hintergrund, dass die
  Beschwerdeführerin offenbar seit der Kindheit bzw. seit Jahren unter
  gesundheitlichen Beeinträchtigungen leidet, ihre (Berufs-)Ausbildung
  hierdurch beeinflusst wurde und sie bereits seit längerer Zeit aufgrund ihrer
  gesundheitlichen Beschwerden lediglich teilzeiterwerbstätig ist, ist es
  nachvollziehbar, dass sie sich die hypothetische Situation bei voller
  Gesundheit nicht vorstellen kann. Dementsprechend darf nicht unbesehen auf
  ihre Aussage erster Stunde abgestellt werden, sondern es ist ihre gesamte
  Situation mitzuberücksichtigen. Dabei ergibt sich aus den Akten, dass ihre
  Kinder volljährig sind, sie über keine abgeschlossene Ausbildung verfügt und
  sich in einer angespannten finanziellen Situation befindet. Mit Blick auf die
  gesamten Umstände und mangels anderweitiger einschränkender Verpflichtungen
  im Aufgabenbereich ist deshalb davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall
  voll erwerbstätig wäre (vgl. Ueli Kieser, Kommentar zum ATSG,
  4. A., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 8
  N. 41; BGer-Urteil 9C_281/2017 vom 4. Juli 2017 E. 3.4.2;
  VGer-Urteil VG.2022.00010 vom 16. Juni 2022 E. 7.1, nicht
  publiziert).

  
	
   

  
	
  7.2 Die Beschwerdegegnerin hat schliesslich zu Recht
  keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen, da dieser nur auf statistische
  (Tabellen-)Löhne und nicht (wie vorliegend) auf reale, bisher erzielte Löhne
  angewendet werden darf. Mit einer Erwerbsunfähigkeit von 100 %
  resultiert beim oben Dargelegten Status (vgl. vorstehende
  E. II/7.1) somit ein Invaliditätsgrad von 100 %, was die
  Beschwerdeführerin zum Bezug einer dauerhaften ganzen Invalidenrente auch
  über den 31. März 2021 hinaus berechtigt.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Gutheissung
  der Beschwerde. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 31. März 2023
  ist dahingehend anzupassen, als dass die Beschwerdeführerin ab dem
  1. März 2020 Anspruch auf eine ganze Rente hat. Die Sache ist zur
  Festlegung der Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  8.

  
	
  Hinzuweisen bleibt darauf,
  dass auch bei Annahme einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit die Verwertbarkeit der
  Restarbeitsfähigkeit von 40 % aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin
  (vgl. Philipp Egli/Martina Filippo/Thomas Gächter/Michael E. Meier,
  Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, Winterthur/Zürich,
  2021, Rn. 125), der Rückmeldungen aus der durch den Anbieter
  abgebrochenen beruflichen Massnahme sowie ihrer gesundheitlichen Beschwerden
  und den daraus resultierenden Einschränkungen für einen allfälligen
  Arbeitsplatz, namentlich bezüglich Teamarbeit, Stress und Absenzen (vgl.
  obenstehende E. II/5.1), fraglich erscheint. Aufgrund der fehlenden
  Restarbeitsfähigkeit erübrigen sich jedoch Weiterungen hierzu.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134
  Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom
  4. Mai 1986 (VRG) i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei,
  welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die
  Gerichtskosten von pauschal Fr. 600.- sind dementsprechend der
  unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Sie ist überdies zu
  verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung in
  der Höhe von pauschal Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen
  (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 VRG befreit
  die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen, um neben dem Lebensunterhalt
  für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin
  ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das
  Verfahren nicht aussichtslos ist. Unter denselben Voraussetzungen weisen die
  kantonalen Behörden der Partei auf Gesuch hin oder von Amtes wegen einen
  Anwalt als Rechtsbeistand zu, sofern ein solcher für die gehörige Interessenwahrung
  erforderlich ist (Art. 139 Abs. 2 VRG). Der Nachweis der
  Bedürftigkeit obliegt der gesuchstellenden Partei (Art. 139
  Abs. 3 VRG).

  
	
   

  
	
  2.2 Da die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin
  aufzuerlegen sind, ist das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

  
	
   

  
	
  2.3 Die Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin
  erscheint aufgrund der Aktenlage als gegeben. Zudem können ihre Begehren beim
  vorliegenden Ausgang des Verfahrens nicht als aussichtslos
  qualifiziert werden. Da sie auf eine rechtliche Vertretung angewiesen war,
  ist ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
  gutzuheissen und es ist ihr in der
  Person von Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy
  Landolt ein unentgeltlicher
  Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser ist mit Fr. 1'500.-
  (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Daran anzurechnen
  ist die Parteientschädigung seitens der Beschwerdegegnerin in gleicher Höhe.

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Das
    Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
    Prozessführung wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

    
	
    2.

    	
    Das
    Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
    Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen. Ihr wird in der Person von
    Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy
    Landolt ein unentgeltlicher
    Rechtsbeistand bestellt.

    
	
    3.

    	
    Der Rechtsbeistand wird zu Lasten der
    Gerichtskasse mit Fr. 1'500.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)
    entschädigt. Daran angerechnet wird die Parteientschädigung seitens der
    Beschwerdegegnerin in gleicher Höhe.

    

  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
    31. März 2023 wird dahingehend angepasst, als dass die
    Beschwerdeführerin ab dem 1. März 2020 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
    Die Sache ist zur Festlegung der Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin
    zurückzuweisen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 1'500.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu
    bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]