# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c00c845-4dfc-5f1b-a0fe-5fdaabde65f3
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-27
**Language:** de
**Title:** Mobilfunk-Basisstation. Einordnung. Gutheissung der Nachbarrekurse.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0080-0082/2016
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nrn._0080-0082-2016_vom_27._mai_2016.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE I Nrn. 

R1S.2015.05088, R1S.2015.05094 und R1S.2015.05096 
0080/2016, 0081/2016 und 0082/16 

Entscheid vom 27. Mai 2016 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Bruno  Grossmann,  Baurichter  Walter  Baumann,  Bau-
richter Jürg Trachsel, Gerichtsschreiber Roland Blaser     

in Sachen 

Rekurrierende 

R1S.2015.05088 
L. M., [….]  

R1S.2015.05094 
R. S., [….]  

R1S.2015.05096 
Rekurrierende Nrn. 1 – 32, [….]    

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich  

2.  X SA, [….]  

betreffend 

Bausektionsbeschluss  Nr.  845/15  vom  17.  Juni  2015;  Baubewilligung  für 
Mobilfunk-Antennenanlage,  Kat.-Nr.  RI3754,  Südstrasse  85,  Zürich  8  - 
Weinegg 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben:  

A.  

Mit Beschluss BE 845/15 vom 17. Juni 2015 bewilligte die Bausektion der 

Stadt Zürich der X SA die Erstellung einer Mobilfunk-Basisstation auf dem 

Gebäude Südstrasse 85 in Zürich 8 (Grundstück Kat.-Nr. RI3754).  

B.  

Dagegen  gingen  drei  fristgerechte  Rekurse  beim  Baurekursgericht  des 

Kantons Zürich ein, nämlich:  

–  Am  2.  Juli  2015  von  L.  M.  (G.-Nr.  R1S.2015.05088),  welcher  sinngemäss  die 

Aufhebung der angefochtenen Baubewilligung beantragte. 

–  Am 15. Juli 2015 von R. S. (G.-Nr. R1S.2015.05094), welche beantragte: 

  "1.  Der Bauentscheid N° 845/15 vom 17. Juni 2015 sei aufzuheben. 

  2.  Die Baubewilligung für eine Mobilfunk-Antennenanlage 800-900 MHz; 3 
x 800 WERP und 1'800-2'600 MHz; 2 x 2'400 WERP, 1 x 2'050 WERP an ei-
nem Mast auf dem Dach des Wohnhauses Südstrasse 85, 8008 Zürich, sei 
zu verweigern. 

  3.  Dem vorliegenden Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 

  4.  Unter gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

–  Am  17. 

Juli  2015  von 
R1S.2015.05096), welche beantragten: 

[….]  32  weiteren  Rekurrierenden 

(G.-Nr. 

  "1.  Es  sei  der  angefochtene  Beschluss  aufzuheben  und  die  nachgesuchte 

Baubewilligung zu verweigern. 

 2. 

Eventuell sei die Angelegenheit im Sinne der nachstehenden Begründung 
zur weiteren Behandlung und zu neuer Entscheidung an die erstinstanzli-
chen Behörden zurückzuweisen. 

 3. 

Es sei ein Augenschein durchzuführen. 

 4.  Alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Rekursgeg-

nerschaft." 

C.  
Mit Verfügungen vom 7., 17. und 22. Juli 2015 wurde der Eingang der Re-
kurse  vorgemerkt,  diesen  die  aufschiebende  Wirkung  zuerkannt  und  das 

Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

R1S.2015.05088 

Seite 2 

 
 
 
 
 
 
 
 
D.  

In  ihren  Rekursantworten  vom  13.  August  2015  beantragte  die  X  SA  im 

Wesentlichen die Abweisung der Rekurse sowie die Zusprechung entspre-

chender Umtriebsentschädigungen.  

Die  Vorinstanz  schloss  in  ihren  Vernehmlassungen  vom  18.  August  und 

1. September ebenfalls zur Hauptsache auf Abweisung der Rekurse.  

Die rekurrentische Replik im Verfahren G.-Nr. R1S.2015.05096 datiert vom 

28.  September  2015;  die  Dupliken  der  Rekursgegnerschaft  vom  13.  bzw. 

20. Oktober 2015. Repliken bzw. Dupliken in den beiden anderen Rekurs-

verfahren gingen nicht ein.  

E. 

Am 10. November 2015 führte eine Delegation der 1. Abteilung des Baure-
kursgerichts  einen Augenschein  vor Ort  durch.  Dabei wurde  u.a. anderem 

festgestellt,  dass  mittlerweile  eine  in  den  Baugesuchsplänen  nicht  einge-

zeichnete Alarmantenne auf dem Dach des Standortgebäudes Südstrasse 

85  montiert  worden  war.  Deshalb  wurde  einerseits  die  private  Rekursgeg-

nerin  aufgefordert  dem  Baurekursgericht  entsprechend  angepasste  Pläne 

einzureichen;  andererseits  hatte  die  Vorinstanz  abzuklären,  ob  für  diese 

Alarmantenne  überhaupt  ein  Baubewilligungsverfahren  durchgeführt  wor-

den war (Dossier G.-Nr. R1S.2015.05096; Prot. S. 6). Die Rekursverfahren 

wurden in der Folge informell sistiert.  

F. 

Die revidierten bzw. aktualisierten Baugesuchspläne gingen am 14. Januar 

2016  beim  Baurekursgericht  ein  (Dossier  G.-Nr.  R1S.2015.05096;  act. 24 
und 25.1 – 25.3) und wurden den Rekurrierenden in der Folge vom Gericht 
zugestellt.  Am  29.  März  2016  liess  die  Vorinstanz  das  Baurekursgericht 

wissen, für die neue Alarmantenne des Typs Delta-8 (sichtbare Länge 3 m) 

sei bis dato keine Baubewilligung erteilt worden. In der Zwischenzeit sei al-

lerdings  ein  nachträgliches  Baubewilligungsverfahren  eingeleitet  worden 

(Dossier G.-Nr. R1S.2015.05096; act. 33).  

G. 
Die rekurrentische Stellungnahme zu den aktualisierten Plänen datiert vom 

7. April 2016 (Dossier G.-Nr. R1S.2015.05096; act. 31).  

R1S.2015.05088 

Seite 3 

 
 
H. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  Ergebnisse  des  Augenscheins 

wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  nachstehenden  Erwägungen  Bezug 

genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  das  gleiche  Bauvorhaben  betreffenden  Rekursverfahren  G.-

Nrn. R1S.2015.05088,  R1S.2015.05094  und  R1S.2015.05096  sind  zu  ver-

einigen. 

2.  

Alle  Rekurrierenden  bewohnen  und/oder  besitzen  Wohnliegenschaften, 

welche sich im gemäss bundesgerichtlicher Definition rechtsmittelberechtig-
ten Umkreis der strittigen Kommunikationsanlage (Einsprecherradius) – der 
hier rund 1'120 m beträgt (Dossier G.-Nr. R1S.2015.05088; act. 9.8, S. 5) – 
befinden. Sie  sind damit  mehr als irgendwelche  Dritte  oder die  Allgemein-

heit in ihren eigenen Interessen betroffen sowie aufgrund der nachstehend 

unter Ziffer 5.1 zusammengefassten Rügen gemäss § 338a des Planungs- 

und  Baugesetzes  (PBG)  rechtsmittellegitimiert.  Da  die  übrigen  Prozessvo-

raussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auf die Rekurse einzutreten.  

3. 

Die strittige Basisstation der X SA soll mit einer Gesamtleistung von maxi-
mal 9250 WERP betrieben werden. Die Anlage besteht im Wesentlichen aus 
einem 4,5 m hohen Mast, an welchen 3 Doppelantennen des Typs Kathrein 

80010665-V01 mit folgenden Spezifikationen angebracht werden sollen:  

Ant.-Nr. 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

Frequenzen  800-900 

800-900 

800-900 

1800-2600 

1800-2600 

1800-2600 

WERP  

Azimut  

800 

20° 

800 

150° 

800 

290° 

2400 

20° 

2050 

150° 

2400 

290° 

R1S.2015.05088 

Seite 4 

 
 
Zudem  sollen  zwei  Richtstrahl-Rundantennen  für  die  Signalübertragung 

montiert werden. Die Technikboxen mit der Anlagesteuerung sind im Haus-

innern geplant. Das Standortgebäude liegt in der Wohnzone W2.  

4.  

Die  neue  Alarmantenne  des  Typs  Delta-8,  welche  letztes  Jahr  ohne  Bau-

bewilligung  auf  dem  Standortgebäude  errichtet  wurde  und  für  welche  die 

Vorinstanz  in  der  Zwischenzeit  ein  nachträgliches  Baubewilligungsverfah-

ren eingeleitet hat, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Rechtsmittelver-

fahrens. 

5.1.  

Nach Auffassung des Rekurrenten im Verfahren G.-Nr. R1S.2015.05088 ist 

die  Mobilfunk-Basisstation  aus  gesundheitlichen  Gründen  nicht  bewilli-

gungsfähig und in unmittelbarer Nähe seines Hauses deshalb nicht zu tole-

rieren.  Er  verweist  diesbezüglich  auf  eine  neue  wissenschaftliche  Studie 

aus  Brasilien,  welche einen  Zusammenhang  zwischen  Krebserregung  und 

Mobilfunkdichte belege.  

Die Rekurrentin im Verfahren G.-Nr. R1S.2015.05094 führt zur Begründung 

hauptsächlich an, das Baugesuch sei insoweit unvollständig, als die Einhal-

tung der Strahlengrenzwerte nicht an allen massgebenden Orten überprüft 

worden sei. Im Weiteren wiesen die Grenzwertberechnungen substantielle 
Fehler  auf,  so  auch  im  Bereich  ihrer  Eigentumswohnung  [….].  Dort  werde 
der  Anlagegrenzwert  von  5  V/m  mit  6,06 V/m  deutlich  überschritten. 

Schliesslich habe die kommunale Baubehörde absurde Einordnungskriteri-

en angewendet. 

Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R1S.2015096  rügen  neben 

Fehlern  in  den  Grenzwertberechnungen  im  Wesentlichen  die  mangelnde 

Einordnung  des  Streitobjekts  in  die  ortsbaulich  besonders  empfindliche 

Umgebung. Das zonenwidrig um 2 m zu hohe Standortgebäude liege äus-

serst  exponiert  an  einer  Strassenkreuzung.  Die  auf  dem  Dach  geplante 

massive 4,5 m lange Antennenanlage sei von weit her als störender Blick-

fang  sichtbar,  verunstalte  das  Landschaftsbild  des  Burghölzli-Hügels  und 

beeinträchtige  die  benachbarte  inventarisierte  Wohnsiedlung  Wonneberg. 
Andere  Schutzobjekte  in  der  Umgebung  würden  ebenfalls  erheblich  tan-

R1S.2015.05088 

Seite 5 

 
 
giert. Ins gut gestaltete Standortgebäude selbst ordne sich das Streitobjekt 

in keiner Weise rechtsgenügend ein. Schon aus diesem Blickwinkel sei die 

Bewilligungserteilung  völlig  unbegreiflich.  Ferner  sei  das  aufgrund  der 

Höhenüberschreitung  zonenwidrige  Standortgebäude  im  Lichte  von  §  357 

PBG nicht bewilligungsfähig. Wegen der hohen Gesamtleistung des Streit-

objektes  diene  es  vorab  der  quartierexternen  Mobilfunkerschliessung  und 

sei somit eine nicht mehr zonenkonforme technische Einrichtung, die für die 

Nachbarschaft überdies unzumutbare ideelle Immissionen verursache.  

5.2.  

Im  Gegensatz  dazu  hält  die  Rekursgegnerschaft  zusammengefasst  fest, 

die geplante zonenkonforme Basisstation stehe im Einklang mit sämtlichen 

massgebenden  planungs-,  bau-  und  umweltschutzrechtlichen  Bestimmun-

gen. Das Vorhaben der X SA halte die gesetzlichen Immissions- und Anla-
gegrenzwerte  an  allen  relevanten  Orten  ein.  Die  schweizerischen  Grenz-

werte  würden  die  Bevölkerung  ausreichend  vor  übermässiger  elektromag-

netischer Strahlung schützen, was wissenschaftlich längst erhärtet sei.  

Das Streitobjekt ordne sich rechtsgenügend in die landschaftliche und städ-

tebauliche  Umgebung  ein.  Es  würden  weder  das  Landschaftsschutzobjekt 

"Glaziallandschaft  Burghölzli  und  Bachtobel  Burgwies"  tangiert  noch  wür-

den  die  umliegenden  inventarisierten  Gebäude  in  ihrem  Erscheinungsbild 

beeinträchtigt.  Ohnehin  gebe  es  in  der Nähe  des Standortgebäudes  keine 

formell  geschützten  Liegenschaften.  Basisstationen  müssten  aus  techni-

schen  Gründen  oft  an  relativ  exponierten  Orten  realisiert  werden.  Die  Ba-

sisstation  sei  im  Lichte  von  §  357  Abs.  1  PBG  ohne  weiteres  bewilli-

gungsfähig.  

6.1.  

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich 

und  in  ihrem  Zusammenhang  mit  der  baulichen  und  landschaftlichen  Um-

gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine 

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für 

Materialien  und  Farben.  Die  genannte  Bestimmung  enthält  eine  Grundan-

forderung an Bauten, Anlagen und Umschwung. Verlangt wird sowohl eine 

gewisse Qualität der Gestaltung in sich als auch der Einordnung in die bau-
liche und landschaftliche Umgebung.  

R1S.2015.05088 

Seite 6 

 
 
Die Frage, ob eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird, ist gestützt 

auf objektive, nachvollziehbare Kriterien zu beantworten. Subjektives Emp-

finden  rechtfertigt  keinen  Eingriff  in  das  Eigentum.  Im  Kontext  mit  Mobil-

funk-Basisstationen, welche als standardisierte technische Anlagen im kon-

kreten  Einzelfall  (mit Ausnahme  der Farbgebung  oder möglichen Kaschie-

rung)  kaum  individuell  gestaltet  werden  können,  stellt  sich  vor  allem  die 

Frage,  ob  eine  genügende  Einordnung  in  die  bauliche  und  landschaftliche 

Umgebung zu bejahen ist. 

6.2.  

Gestützt  auf  §  238  Abs.  2  PBG  ist  auf  Objekte  des  Natur-  und  Heimat-

schutzes besondere Rücksicht zu nehmen. Im beurteilungsrelevanten Um-

kreis  der  geplanten  Kommunikationsanlage  finden  sich,  wie  nachstehend 

im  Detail  erläutert  wird,  mehrere  Schutzobjekte.  Insoweit  ist  hier  Abs.  2 
massgebend.  

6.3.  

Das Baurekursgericht ist bei der Anwendung von Bestimmungen des kan-

tonalen Rechts grundsätzlich nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflich-

tet, seine gesetzliche Überprüfungsbefugnis (§ 20 Abs. 1 des Verwaltungs-

rechtspflegegesetzes [VRG]) auszuschöpfen. Soweit solche Bestimmungen 

den Gemeinden als Konsequenz der Gemeindeautonomie einen gewissen 

Beurteilungsspielraum  belassen,  ist  indes  zwischen  der  Gemeindeautono-

mie und dem verfassungsmässigen Anspruch auf Ausschöpfung der Über-

prüfungsbefugnis im Sinne eines Ausgleichs praktische Konkordanz herzu-

stellen.  

In erster Linie ist die örtliche Baubewilligungsbehörde verpflichtet, die in der 

Norm verwendeten offenen Formulierungen ortsbezogen zu konkretisieren. 

Die  Rekursinstanz  hat  die  im  konkreten  Fall  angeführten  Entscheidgründe 

gebührend  zu  berücksichtigen  und  sich  mit  den  Kriterien  auseinanderzu-

setzen, welche von der Baubehörde im Rahmen der ortsbezogenen Konk-

retisierung der Vorschrift entwickelt worden sind. Es steht dem Baurekurs-

gericht nicht zu, die sich stellenden Fragen so zu beurteilen, wie dies eine 

rechtsanwendende  erstinstanzliche  Behörde  tun  würde.  Abgesehen  von 

der  insoweit  gebotenen  Rücksichtnahme  auf  die  Gemeindeautonomie 

rechtfertigt sich jedoch keine weitergehende Einschränkung der grundsätz-
lich  vollen  Kognition  des  Baurekursgerichts  (VB.2013.00468  in  BEZ  2014 

R1S.2015.05088 

Seite 7 

 
 
Nr. 3; VB.2014.00232 und VB.2014.00248 vom 27. März 2015, E. 4.3.1 und 

dort zitierte Entscheide).  

Stets  vorauszusetzen  ist,  dass  die  Baubewilligungsbehörde  die  genannte 

Konkretisierung  rechtzeitig,  d.h.  spätestens  mit  der  Rekursantwort,  vorge-

nommen  hat  (VB.2012.00365  vom  21.  November  2012).  Im  vorliegenden 

Fall  hat  die  Vorinstanz  die  Aspekte  der  Einordnung  rechtsgenügend  kon-

kretisiert. 

Ob  eine  Bestimmung  des  kantonalen  Rechts  den  Gemeinden  einen  auto-

nomen Entscheidungsspielraum einräumt, ist durch Auslegung zu ermitteln 

(Marco  Donatsch,  in:  Kommentar  VRG,  3.  Aufl.,  Zürich/Basel/Genf  2014, 

§ 20  Rz.  62).  Nach  ständiger Praxis der kantonalen  Instanzen  gilt  solches 

u.a. für die Einordnungsbestimmung von § 238 PBG.  

6.4.1.  

Das  eine  Firsthöhe  von  16,3  m  aufweisende  Standortgebäude  mit  Walm-

dach  (das  auch  Mansardendachelemente  hat;  siehe  den  nachfolgenden 

Planausschnitt 1:100) steht als Eckbau dominant an der Abzweigung Süd-

strasse/Lenggstrasse.  Einige  Meter  westwärts  mündet  die  Wonnen-

bergstrasse  (Stichstrasse)  in  die  Südstrasse  ein.  Dadurch  ergibt  sich  vor 

dem Standortgebäude, das im Jahre 1878 erstellt wurde und einen polygo-

nalen Grundriss aufweist, eine Art Platzsituation.  

Die  Eckfassade  weist  im  1.  Obergeschoss  eine  übergiebelte  Fensterfront 

auf (INSA, Inventar der neueren Schweizer Architektur, 1850-1920, Zürich, 

Bern 1992, S. 417). Das Walmdach ist mit je drei auf die Lengg- und Süd-

strasse  ausgerichteten  Lukarnen  sowie  einer  stirnseitigen  Lukarne  harmo-

nisch  gegliedert.  Als  etwas  störender,  jedoch  nicht  von  allen  Seiten  wahr-

nehmbarer  Fremdkörper  wirkt  einer  der  beiden  neuzeitlichen  Kamine. 

Überaus  markant  prägt  hingegen  die  kürzlich  ohne  Bewilligung  und  nahe 

der  Stirnseite  des  Gebäudes  platzierte  aluminiumfarbige  Alarmantenne 

nicht  nur  das  Dach,  sondern  das  ganze  Standortgebäude  (Dossier  G.-

Nr. R1S.2015096; Fotos Prot. S. 8 - 12 und 15; vgl. auch die nachfolgende 

Planwiedergabe).  

R1S.2015.05088 

Seite 8 

 
 
Im  Erdgeschoss  der  gut  erhaltenen  (jedoch  denkmalschützerisch  nicht  in-

ventarisierten)  Liegenschaft  wird  eine  PR-Agentur  betrieben.  Im  Übrigen 

dient  das  Standortgebäude  Wohnzwecken  (http://www.search.ch/?q=S%-

C3%BCdstrasse+85+Z %C3%BCrich).  

6.4.2.  

Die streitbetroffene Basisstation besteht aus einem 4,5 m hohen Mast (mit 

zusätzlich  aufgesetztem  Blitzableiter  von  1  m  Länge),  welcher  in  unmittel-

barer Firstnähe platziert werden soll. Zuoberst sollen die bereits erwähnten 

drei Doppelantennen (je 1,99 m x 0,30 m x 0,15 m) montiert werden. Darun-

ter,  immer  noch  1,3  m  oberhalb  des  Dachfirsts,  sind  zwei  Richtfunk-

Rundantennen (MW1 und MW2) mit einem Durchmesser von je 0,7 m ge-
plant.  Dadurch  weist  das  Streitobjekt  eine  horizontale  Ausladung  von  ma-

R1S.2015.05088 

Seite 9 

 
 
 
ximal 2 m auf (Dossier G.-Nr. R1S.2015.05088; act. 9.3 - 9.5.). Von Aussen 

nicht  sichtbar  ist  hingegen  die  Anlagesteuerung,  für  welche  im  Estrich  ein 

Technikraum vorgesehen ist (Dossier G.-Nr. R1S.2015.05088; act. 9.6).  

Im Vergleich zu dieser Basisstation, welche als massive technische Einrich-

tung  an  einem  äusserst  exponierten  Standort  in  Erscheinung  träte,  ist  die 

erwähnte neue  Alarmantenne (Höhe 3 m; Durchmesser von maximal rund 

0,45  m),  die  auf  dem  Dach  des  Standortgebäudes  anlässlich  des  Augen-

scheins vom 10. November 2015 bereits als sehr dominantes technisches 

Element  aufgefallen  ist,  geradezu  schlank  dimensioniert  (Dossier  G.-

Nr. R1S.2015096; u.a. Foto Prot. S. 9 und act. 24.2). 

Insgesamt erreicht die streitbetroffene Basisstation im Zusammenhang mit 

dem Standortgebäude in keiner Weise die von § 238 Abs. 1 PBG geforder-

te befriedigende Gesamtwirkung. Die Anlage wirkt, wie rekurrentischerseits 
zutreffend  pointiert  festgehalten  wird,  vielmehr  wie  die  sprichwörtliche 

"Faust  aufs  Auge".  Ihre  Grösse  und  Positionierung  mag  zwar  sendetech-

nisch ideal sein, kann im Lichte der Einordnung jedoch überhaupt nicht ge-

nügen.  

6.4.3.  

Das  Standortgebäude  liegt  zudem  in  einem  ortsbaulich  empfindlichen  Ge-

biet  in unmittelbarer Nachbarschaft  von  mehreren  kommunal inventarisier-

ten Gebäuden, nämlich: Südstrasse 80, 86 und 88 sowie Wonnebergstras-

se  71  (Dossier G.-Nr.  R1S.2015096;  act.  14  sowie  Fotos  Prot.  S. 8,  9, 13 

und  14).  Diese  Liegenschaften  befinden  sich  lediglich  20  -  60  m  von  der 
streitbetroffenen Basisstation entfernt und sind  – wie der Augenschein ge-
zeigt  hat  –  aus  vielen  Blickwinkeln  zusammen  visuell  störend  wahrnehm-
bar.  

Mit  den  ebenfalls  in  der  Nähe  liegenden  Inventarobjekten  Südstrasse  76 

und 78 sowie Wonnebergstrasse 67, 69 und 70 bilden diese Gebäude die 

1914  erstellte  "Wohnkolonie  Wonneberg",  welche  wie  folgt  charakterisiert 

wird: 

"Frühes  Zürcher  Beispiel  einer  in  einheitlicher  Planung  entstandenen  Gar-
tenstadtsiedlung:  Drei  frei  stehende  Einzelhäuser  und  sechs  Doppelhäuser 
gruppieren  sich  in  malerischer,  lockerer  Art  und  Weise  um  eine  das  Areal 
erschliessende Sackgasse. Die Siedlung zeigt eine Durchmischung von tra-
ditionellem Zürichseehaus-Typus, mit hohem, geschweiftem Satteldach und 
schlichter Fassadengestaltung einerseits und dem eher barocken Typus mit 

R1S.2015.05088 

Seite 10 

 
 
Walmdach bzw. Mansardengiebeldach andererseits. Unterschiedliche Haus- 
und  Dachformen  suggerieren  ein  sich  über  längere  Zeit  hinziehendes 
Wachstum  der  Siedlung  im  Sinne  eines  historisch  entstandenen  Weilers. 
Beispielhaft  für  die  städtebauliche  Auffassung  des  Heimatstiles  ist  die  Bil-
dung  einer  Art  Dorfplatz"  (Baukultur  in  Zürich,  Hirslanden  und  Riesbach, 
Hochbaudepartement der Stadt Zürich, Verlag NZZ, Zürich 2009, S. 153). 

Die  streitbetroffene  Kommunikationsanlage  würde  das  Erscheinungsbild 

dieser  Gartenstadtsiedlung  im  bereits  genannten  Kreuzungsbereich  Süd-

strasse/Lenggstrasse  erheblich  beeinträchtigen.  Von  einer  guten  Einord-

nung  bzw.  besonderen  Rücksichtnahme  im  Sinne  von  §  238  Abs.  2  PBG 

kann folglich keine Rede sein. An dieser einordnungsmässigen Beurteilung 

ändert  nichts,  dass  in  der  Nähe  auch  moderne  neuzeitliche  Architektur  – 
etwa  die Wohnüberbauung  Lenggstrasse  1 bis 5  –  zu  finden  ist. Somit  ist 
die  Basisstation  der  X  SA  auch  im  Zusammenhang  mit  der  ortsbaulichen 

Umgebung  entgegen der unzutreffenden  Auffassung  der Vorinstanz  sowie 
der privaten Rekursgegnerin nicht bewilligungsfähig.  

Hingegen würde eine Realisation des Streitobjekt aufgrund der doch relati-

ven grossen Distanz von über 100 m wohl kaum zu einer rechtsrelevanten 

Beeinträchtigung  des  dortigen  Landschaftsschutzobjektes  führen  (Dossier 

G.-Nr. R1S.2015096; Foto Prot. S. 15).  

6.4.4.  

Verfehlt ist in diesem Zusammenhang der Schluss der Rekursgegnerschaft, 
Anlagen der vorliegenden Grösse würden an vielen Orten – so auch in der 
Stadt Zürich – im Lichte einer genügenden Einordnung regelmässig bewil-
ligt, weshalb diese hier konsequenterweise ebenfalls rechtskonform sei. Die 

Vorinstanz  verweist  diesbezüglich  auf  ein  "Vergleichsbeispiel"  an  der 

Kreuzstrasse 19 in Zürich. Bei dieser Argumentation wird übersehen, dass 

es dort um einen völlig anderen baulichen bzw. ortsbaulichen Kontext ging. 
Auch  eine  mehr  oder  weniger  standardisierte  technische  Anlage  wie  eine 

Mobilfunk-Basisstation kann nicht per se als im Lichte von § 238 PBG zu-

lässig erklärt werden, sondern stets nur im Rahmen einer Einzelfallbeurtei-

lung  im  Zusammenhang  mit  der  jeweiligen  baulichen  und  landschaftlichen 

Umgebung.  

R1S.2015.05088 

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7.  

Ist  die  Mobilfunk-Basisstation  bereits  aufgrund  ihrer  mangelnden  Einord-

nung  nicht  bewilligungsfähig,  erübrigt  sich  die  Prüfung  der  übrigen  rekur-

rentischen Rügen.  

8. 

Zusammenfassend  sind  die  Rekurse  gutzuheissen  und  der  angefochtene 

Beschluss der Bausektion der Stadt Zürich ist aufzuheben. 

[….] 

R1S.2015.05088 

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