# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e10342b6-d378-5b16-bfe7-e512bb61c31f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 04.03.2025 SBK.2024.332
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2024-332_2025-03-04.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2024.332  
(STA.2023.5550)  

Art. 64 

 

 

Entscheid vom 4. März 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Schär  

Oberrichter Giese  

Gerichtsschreiberin Flütsch  

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, geboren am tt.mm.jjjj, von […], 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Lukas Fischer,  

[…] 

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

 

Beschuldigter   B._____, geboren am tt.mm.jjjj, von […], 

[…]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Rudolf Studer,  

[…]   

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Teil-Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 30. Oktober 2024 

 

in der Strafsache gegen B._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 21. Juli 2023 meldete E._____ von der Kinderschutzgruppe des 

K._____ der Kantonspolizei Aargau eine potenzielle Kindesmisshandlung 

zum Nachteil von A._____ (vormals AB._____; fortan: Beschwerdeführer), 

nachdem dieser am 19. Juli 2023 mit Hämatomen im Arm- und Brustbe-

reich beim K._____ vorstellig geworden war. 

 

1.2. 

Aufgrund der Meldung von E._____ entzog das Familiengericht Lenzburg 

mit Verfügung vom 21. Juli 2023 C._____ (Mutter des Beschwerdeführers; 

fortan: Mitbeschuldigte; vgl. separates Beschwerdeverfahren 

SBK.2024.331) das Aufenthaltsbestimmungsrecht für den Beschwerdefüh-

rer mit sofortiger Wirkung und platzierte ihn vorläufig im K._____. Am sel-

ben Tag leitete die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eine Strafuntersu-

chung (ST.2023.5550) gegen die Mitbeschuldigte sowie den Kindsvater 

B._____ (fortan: Beschuldigter) wegen Verdachts auf einfache Körperver-

letzung an einer wehrlosen oder schutzbefohlenen Person sowie auf Ver-

letzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht ein. Gegen den Beschuldig-

ten leitete sie überdies eine Strafuntersuchung wegen Widerhandlung ge-

gen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum von Betäubungsmitteln 

ein. 

 

1.3. 

Mit Verfügung vom 26. Juli 2023 setzte das Familiengericht Lenzburg den 

Vertreter des Beschwerdeführers als dessen Prozessbeistand für das 

Strafverfahren ST.2023.5550 der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ein. 

 

1.4. 

Am 13. Oktober 2023 reichte der Beschwerdeführer bei der Staatsanwalt-

schaft Lenzburg-Aarau eine weitere Strafanzeige gegen D._____ ein und 

stellte Strafantrag. 

 

2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verfügte am 30. Oktober 2024 die 

(von der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau am 1. November 

2024 genehmigte) Teil-Einstellung des Verfahrens gegen den Beschuldig-

ten wegen einfacher Körperverletzung an einer wehrlosen oder schutzbe-

fohlenen Person sowie wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungs-

pflicht. Mit gleichentags erlassenem Strafbefehl sprach sie ihn der Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum von Betäu-

bungsmitteln schuldig. 

 

 - 3 - 

 

 

3. 

3.1. 

Mit Eingabe vom 18. November 2024 erhob der Beschwerdeführer gegen 

die ihm am 6. November 2024 zugestellte Teil-Einstellungsverfügung bei 

der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aar-

gau Beschwerde mit den folgenden Anträgen: 

 

" 1. 
In Gutheissung der Beschwerde sei die Einstellungsverfügung der Staats-
anwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 30.10.2024 aufzuheben und die Sache 
sei zur weiteren Behandlung an die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 
zurückgewiesen 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWST)" 

 

3.2. 

Mit Beschwerdeantwort vom 9. Dezember 2024 beantragte die Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, 

soweit darauf eingetreten werden könne. 

 

3.3. 

Mit Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2024 beantragte der Beschul-

digte, die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Las-

ten des Beschwerdeführers abzuweisen. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft sind gemäss Art. 322 

Abs. 2 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO mit Beschwerde anfechtbar. Be-

schwerdeausschlussgründe i.S.v. Art. 394 StPO liegen nicht vor. Damit ist 

die Beschwerde zulässig. 

 

1.2. 

Der Beschwerdeführer hat sich am 27. Juli 2023 als Privatkläger konstitu-

iert (Art. 118 Abs. 1 StPO). Er ist als Partei zur Anfechtung der 

Einstellungsverfügung legitimiert und in Bezug auf die im Raum stehenden 

Delikte der Körperverletzung an einer wehrlosen oder schutzbefohlenen 

Person und der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht als ge-

schädigte Person zu betrachten. Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

und von einem hinreichenden Rechtsschutzinteresse getragene Be-

schwerde (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO und Art. 382 

Abs. 1 StPO) ist daher einzutreten. 

 

 - 4 - 

 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hält in der Einstellungsverfügung 

fest, dem Gutachten des I._____ des K._____ vom 11. September 2023 

(fortan: Gutachten) sei zu entnehmen, dass die beim Betroffenen festge-

stellten Blutergüsse durch stumpfe Gewalteinwirkung (festes Packen, 

Schläge oder Anschlagen) entstanden seien, weshalb von einer Kindes-

misshandlung auszugehen sei. Allerdings habe die rechtsmedizinische Un-

tersuchung nicht feststellen können, welche konkreten Handlungen zu den 

festgestellten Verletzungen geführt hätten. 

 

Die Mitbeschuldigte habe bei ihrer Befragung angegeben, sich die Häma-

tome des Beschwerdeführers nicht erklären zu können. Sie habe diesen 

am 18. Juli 2023 für eine bis zwei Stunden ihrer Bekannten D._____ über-

geben, wobei sich deren Sohn mit dem Beschwerdeführer offensichtlich 

nicht verstanden habe, weil er ihm immer wieder den Bleistift auf die Brust 

geschlagen habe. Als sie den Beschwerdeführer später wieder abgeholt 

habe, sei sie nach Hause gegangen und habe ihm einen Schoppen gege-

ben. Als der Beschuldigte später nach Hause gekommen sei, sei sie zur 

Arbeit gegangen. Nach ihrer Rückkehr nach Hause sei sie vom Beschul-

digten über die Flecken am Körper des Beschwerdeführers informiert wor-

den. Sie sei entsetzt gewesen und habe gewusst, dass die Kinderschutz-

gruppe informiert werde, wenn sie jetzt ins K._____ gehe. Sie habe am 

nächsten Tag den Kinderarzt informiert und ihm Fotos von den Verletzun-

gen zugestellt. Auch D._____ habe sich die Flecken am Körper des Be-

schwerdeführers nicht erklären können. 

 

Der Beschuldigte habe in seiner Einvernahme angegeben, dass sie den 

Beschwerdeführer am 18. Juli 2023 gemeinsam bei D._____ abgegeben 

hätten und er danach einen Termin bei S._____ wahrgenommen habe. Er 

sei später nach Hause gekommen und für den Rest des Abends allein mit 

dem Beschwerdeführer gewesen. Der Beschwerdeführer habe bis um 

19:00 oder 20:00 Uhr geschlafen, danach habe er ihm einen Schoppen ge-

geben und ihn gewickelt. Dabei habe er die Hämatome festgestellt und ge-

merkt, dass etwas nicht stimme. Er habe gewartet, bis die Mitbeschuldigte 

wieder zuhause gewesen sei, um die Sache mit ihr zu besprechen. Er habe 

ihr das weitere Vorgehen überlassen. Er habe D._____ nach den Hämato-

men gefragt. Sie sei ihm jedoch einfach davongefahren und ignoriere ihn 

seither. 

 

D._____ sei als Auskunftsperson einvernommen worden und habe am 

2. Mai 2024 erklärt, sie habe den Beschwerdeführer weniger als eine 

Stunde lang betreut. Dabei habe sie dessen Windel kontrolliert und mit sei-

nen Händen gespielt bzw. ihn gekitzelt. Der Beschwerdeführer habe sich 

bei ihr gut verhalten und habe nicht geweint. Es sei zu keinem Zwischenfall 

gekommen und sie habe keine Hämatome wahrgenommen. 

 - 5 - 

 

 

 

Die beigezogenen Akten und die Befragungen hätten keine eindeutigen 

Hinweise auf die Schuld der Mitbeschuldigten, des Beschuldigten oder von 

D._____ ergeben. Die Aussagen sämtlicher Beteiligter würden dem Grund-

satz nach glaubhaft wirken und deckten sich grossmehrheitlich auch mit 

den beigezogenen Akten des K._____. Zudem hätten alle Befragten uni-

sono angegeben, dass sie für die Hämatome beim Beschwerdeführer nicht 

verantwortlich seien und sie sich diese nicht erklären könnten. Den Kind-

seltern sei weiter zugute zu halten, dass sie nach der Feststellung der Hä-

matome den Kinderarzt bzw. das K._____ informiert hätten, obwohl sie um 

die möglichen Konsequenzen (Beizug der Kinderschutzgruppe) gewusst 

bzw. diese erahnt hätten. Dem Beschuldigten könnten keine konkreten Tat-

handlungen nachgewiesen werden, welche eine solche Verletzungsfolge 

beim Beschwerdeführer begründe. Unter diesen Umständen könne daher 

offenbleiben, ob den beim Beschwerdeführer festgestellten Blutergüssen 

Verletzungsqualität im Sinne einer einfachen Körperverletzung zukomme 

oder ob es sich um die Folgen von Tätlichkeiten handle. Ebenfalls könne 

offenbleiben, ob die Blutergüsse fahrlässig oder vorsätzlich verursacht wor-

den seien. 

 

Da der Beschwerdeführer als Säugling keine nachhaltige körperliche oder 

seelische Gefährdung erlitten habe und die Verletzungen folgenlos abge-

heilt seien, erfülle der Vorfall die Voraussetzungen des Tatbestands der 

Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht nicht.  

 

Zusammenfassend sei zu konstatieren, dass ein Gericht die Aussagen der 

beschuldigten Personen als glaubhaft einstufen würde. Es existierten keine 

objektiven Beweise für die Schuld des Beschuldigten. Ihm könnten weder 

konkrete Handlungen nachgewiesen werden, welche die festgestellten 

Verletzungen beim Beschwerdeführer begründeten, noch könne ihm so-

dann vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln nachgewiesen werden. Bei 

gegebener Aktenlage sei nicht mit einer gerichtlichen Verurteilung des Be-

schuldigten zu rechnen. Vielmehr müsse davon ausgegangen werden, 

dass ein Gericht im Fall einer Anklageerhebung die Aussagen des Beschul-

digten als glaubhaft einstufen und den Beschuldigten mit Blick auf die feh-

lenden objektiven Beweise sowie die gesamte Situation mit an Sicherheit 

grenzender Wahrscheinlichkeit in den vorliegenden Anklagepunkten frei-

sprechen würde. Entsprechend sei das Verfahren gegen den Beschuldig-

ten wegen einfacher Körperverletzung an einer wehrlosen oder schutzbe-

fohlenen Person und Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht vom 

18. Juli 2023 in Y._____ gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO einzustellen 

(angefochtene Verfügung, Rz. B.1.). 

 

2.2. 

Der Beschwerdeführer argumentiert, die beschuldigten Eltern des Be-

schwerdeführers seien am 8. September 2023 von der Kantonspolizei 

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Aargau delegiert einvernommen worden. Da die beiden D._____ zumindest 

indirekt als Täterin beschuldigt hätten, habe er eine Strafanzeige einge-

reicht und Strafantrag gegen diese gestellt. D._____ sei in der Folge im 

Verfahren ST.2023.5550, mithin im selben Verfahren, in welchem er Straf-

antrag gegen sie gestellt habe, als Auskunftsperson befragt worden. Da sie 

als beschuldigte Person hätte einvernommen werden müssen, seien im 

Verfahren gegen den Beschuldigten noch nicht alle Beweise abgenommen 

worden, weshalb bereits aus diesem Grund eine Einstellung des Verfah-

rens ausgeschlossen sei (Beschwerde, Rz. 15). 

 

Die Verletzungen des Beschwerdeführers seien aktenkundig und nicht von 

allein entstanden. Es sei rechtsmedizinisch erstellt, dass die Verletzungen 

auf Fremdeinwirkung zurückzuführen seien. Angesichts des Alters des Be-

schwerdeführers und der Betreuungsverhältnisse komme lediglich eine be-

schränkte Anzahl an Personen als Täterschaft in Frage: der Beschuldigte 

sowie die Mitbeschuldigte als Eltern des Beschwerdeführers und gegebe-

nenfalls dessen Fremdbetreuerin D._____. Dies schränke den Raum für 

allfällige Zweifel erheblich ein (Beschwerde, Rz. 19). 

 

In der Vergangenheit seien auch beim Bruder des Beschwerdeführers Hä-

matome festgestellt worden, was auf eine mögliche Täterschaft der Eltern 

hinweise. Zudem hätten der Beschuldigte und die Mitbeschuldigte wider-

sprüchliche Angaben zu einer speziellen Wickeltechnik als mögliche Ursa-

che gemacht. So hätten diese vorab angegeben, die Hämatome des Be-

schwerdeführers hätten durch "Pucken" entstanden sein müssen, jedoch 

habe sich herausgestellt und sei aktenkundig, dass der Beschwerdeführer 

gar nicht "gepuckt" werde, da dies bereits bei seinem älteren Bruder zu 

Hämatomen geführt haben solle. Davon abgesehen halte das Gutachten 

fest, dass eine flächenhafte Einwirkung eines Wickeltuches nicht geeignet 

sei, Hämatome zu verursachen. In jedem Fall seien die widersprüchlichen 

Aussagen der beschuldigten Eltern ein klares Indiz dafür, dass sie für die 

Verletzungen des Beschwerdeführers verantwortlich seien (Beschwerde, 

Rz. 21 ff.). 

 

Die gutachterlich festgehaltenen Blutergüsse des Beschwerdeführers an 

der linken Brustkorbaussenseite, am Rücken sowie an beiden Oberarmen 

seien durch stumpfe Gewalteinwirkung, wie namentlich festes Packen, 

Schlagen oder Anschlagen entstanden. Sie liessen sich jedoch nicht durch 

etwas festeres Halten erklären. Aufgrund mehrerer teils geformter Bluter-

güsse an untypischen Stellen beim Beschwerdeführer bestätige die rechts-

medizinische Untersuchung den Verdacht auf eine Kindesmisshandlung 

zum Nachteil des Beschwerdeführers. Es sei auch dokumentiert, dass das 

von der Mitbeschuldigten geschilderte etwas feste Halten nicht geeignet 

sei, die vorliegenden kräftigen, grossflächigen Blutergüsse zu verursachen. 

Die Erklärungsversuche der Beschuldigten erwiesen sich im Lichte der 

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Verletzungen als Indizien für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der 

Eltern (Beschwerde, Rz. 23 f.). 

 

Die Verlaufseinträge des Pflegepersonals in den Krankenunterlagen des 

Beschwerdeführers liessen auf eine Überforderung der Eltern schliessen, 

was eine häufige Ursache von Kindesmisshandlungen darstelle und den 

Tatverdacht gegen die Eltern weiter erhärte (Beschwerde, Rz. 26). 

 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau habe die Einvernahmen delegiert 

und dadurch keinen persönlichen Eindruck der Beschuldigten gewonnen, 

was der für eine Einstellung des Verfahrens notwendigen Feststellung einer 

klaren Straflosigkeit widerspreche (Beschwerde, Rz. 27).  

 

Die Aussagen des Beschuldigten und der Mitbeschuldigten seien wider-

sprüchlich und wenig glaubhaft (Beschwerde, Rz. 28 ff.). Sowohl die Aus-

sagen der Mitbeschuldigten als auch die Feststellungen des K._____ deu-

teten darauf hin, dass der Beschwerdeführer am Abend des 18. Juli 2023 

misshandelt worden sei. Der Tatverdacht sei daher dringend und die Straf-

tatbestände seien klar erfüllt (Beschwerde, Rz. 55). Für die Verfahrensein-

stellung sei es irrelevant, ob die Verletzungen als einfache Körperverlet-

zung oder Tätlichkeit einzuordnen seien, da der Tatbestand der Verletzung 

der Fürsorge- oder Erziehungspflicht in jedem Fall erfüllt sei. Ob das erst-

malige "Blauschlagen" eines Säuglings geeignet sei, dessen seelische und 

körperliche Entwicklung zu gefährden, müsse ein Richter entscheiden (Be-

schwerde, Rz. 56). 

 

2.3. 

In ihrer Beschwerdeantwort hält die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau an 

ihren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung fest. Ergänzend führt 

sie aus, es sei für die Formulierung eines anklagegenügenden Sachver-

halts relevant, durch welche konkrete Tathandlung die Verletzungen ent-

standen seien. Dies habe gemäss rechtsmedizinischem Gutachten nicht 

festgestellt werden können. Ausserdem sinke die Verurteilungswahr-

scheinlichkeit bei Alleintäterschaft mit jeder weiteren tatverdächtigen Per-

son. Selbst wenn eine konkrete Tathandlung hätte ermittelt werden können, 

müsse diese einer natürlichen Person zugerechnet werden. Hinweise auf 

Mittäterschaft oder sonstige Formen der Teilnahme bestünden nicht. Das-

selbe gelte für die Frage des Vorsatzes bzw. der Fahrlässigkeit (Beschwer-

deantwort Staatsanwaltschaft, S. 2 f.). 

 

2.4. 

Der Beschuldigte führt mit Beschwerdeantwort aus, der Beschwerdeführer 

stelle sich auf den Standpunkt, D._____ hätte als beschuldigte Person be-

fragt werden müssen, obschon dessen Rechtsvertreter an dieser Befra-

gung anwesend gewesen sei und sich nicht gegen die Befragung als Aus-

kunftsperson gewehrt habe. Sich erst im Beschwerdeverfahren dazu zu 

 - 8 - 

 

 

äussern, sei rechtsmissbräuchlich. Die Rechtsbelehrung habe den Hinweis 

auf das Aussageverweigerungsrecht enthalten und wäre auch bei einer Be-

fragung als beschuldigte Person nicht anders ausgefallen. Ausserdem sei 

D._____ nicht anwaltlich vertreten gewesen, weshalb davon auszugehen 

sei, dass sie den rechtlichen Unterschied zwischen den beiden Befra-

gungsarten ohnehin nicht verstanden hätte (Beschwerdeantwort Beschul-

digter, Rz. 5). Zur Begründung der angefochtenen Verfügung könne im We-

sentlichen auf die darin gemachten Ausführungen verwiesen werden. Es 

bestünden keine objektiven Beweise für die dem Beschuldigten vorgewor-

fenen Tathandlungen, weshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rech-

nen sei, dass ein Gericht den Beschuldigten von Schuld und Strafe frei-

sprechen würde (Beschwerdeantwort Beschuldigter, Rz. 6 ff.). 

 

3. 

3.1. 

Nach Art. 7 Abs. 1 StPO sind die Strafbehörden grundsätzlich verpflichtet, 

im Rahmen ihrer Zuständigkeit ein Verfahren einzuleiten und durchzufüh-

ren, wenn ihnen Straftaten oder auf Straftaten hinweisende Verdachts-

gründe bekannt werden. Gemäss Art. 324 Abs. 1 StPO erhebt die Staats-

anwaltschaft beim zuständigen Gericht Anklage, wenn sie aufgrund der Un-

tersuchung die Verdachtsgründe als hinreichend erachtet und keinen Straf-

befehl erlassen kann. Nach Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO verfügt sie nament-

lich dann die (vollständige oder teilweise) Einstellung des Verfahrens, wenn 

kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt. Entscheidend 

dafür ist, ob der Verdacht gegen die beschuldigte Person in der Untersu-

chung nicht in dem Masse erhärtet wurde, dass Aussicht auf eine Verurtei-

lung besteht, m.a.W. ein Freispruch zu erwarten ist. Der Tatverdacht ist 

bereits dann als anklagegenügend anzusehen, wenn die Tatbeteiligung der 

beschuldigten Person und eine strafrechtliche Reaktion (Strafe oder Mass-

nahme) im Zeitpunkt des Entscheids über die Frage, ob Anklage zu erhe-

ben oder das Verfahren einzustellen ist, bloss wahrscheinlich erscheint 

(LANDSHUT/BOSSHARD, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-

ordnung, 3. Aufl. 2020, N. 15 zu Art. 319 StPO). 

 

3.2. 

Der Entscheid über die Einstellung des Verfahrens richtet sich nach dem 

aus dem Legalitätsprinzip fliessenden Grundsatz "in dubio pro duriore" 

(vgl. Art. 5 Abs. 1 BV und Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 319 Abs. 1 und Art. 324 

Abs. 1 StPO). Danach darf eine Einstellung durch die Staatsanwaltschaft 

grundsätzlich nur bei klarer Straflosigkeit oder offensichtlich fehlenden Pro-

zessvoraussetzungen angeordnet werden. Hingegen ist, sofern die Erledi-

gung mit einem Strafbefehl nicht in Frage kommt, Anklage zu erheben, 

wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Ist 

ein Freispruch gleich wahrscheinlich wie eine Verurteilung, drängt sich in 

der Regel, insbesondere bei schweren Delikten, eine Anklageerhebung auf 

(vgl. BGE 138 IV 186 E. 4.1; 138 IV 86 E. 4.1; je mit Hinweisen). Bei 

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zweifelhafter Beweis- oder Rechtslage hat nicht die Staatsanwaltschaft 

über die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs zu entscheiden, son-

dern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht. Der Grundsatz, 

dass im Zweifelsfall nicht eingestellt werden darf, ist auch bei der Überprü-

fung von Einstellungsverfügungen zu beachten (vgl. BGE 143 IV 241 E. 

2.2.1 mit Hinweisen). 

 

3.3. 

Die Sachverhaltsfeststellung obliegt grundsätzlich dem Sachgericht. Die 

Staatsanwaltschaft und die Beschwerdeinstanz dürfen bei Entscheiden 

über die Einstellung eines Strafverfahrens den Sachverhalt daher nicht wie 

ein urteilendes Gericht feststellen. Sachverhaltsfeststellungen müssen in 

Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio pro duriore" jedoch auch bei 

Einstellungen zulässig sein, soweit gewisse Tatsachen "klar" bzw. "zwei-

felsfrei" feststehen, so dass im Falle einer Anklage mit grosser Wahrschein-

lichkeit keine abweichende Würdigung zu erwarten ist. Davon kann indes 

nicht ausgegangen werden, wenn eine abweichende Beweiswürdigung 

durch das Gericht ebenso wahrscheinlich erscheint. Den Staatsanwalt-

schaften ist es nach dem Grundsatz "in dubio pro duriore" lediglich bei einer 

unklaren Beweislage untersagt, der Beweiswürdigung des Gerichts vorzu-

greifen (vgl. BGE 143 IV 241 E. 2.3.2 mit Hinweisen). 

 

4. 

4.1. 

Der einfachen Körperverletzung macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen 

Menschen in nicht schwerer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt 

(Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 StGB). Wird die Tat an einer wehrlosen oder schutz-

befohlenen Person, namentlich an einem Kind begangen, wird der Täter 

von Amtes wegen verfolgt (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 StGB). 

 

Der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht macht sich strafbar, 

wer diese Pflicht gegenüber einer minderjährigen Person verletzt oder ver-

nachlässigt und diese Person dadurch in ihrer körperlichen oder seelischen 

Entwicklung gefährdet (Art. 219 Abs. 1 StGB). 

 

4.2. 

Unbestritten wurden beim Beschwerdeführer anlässlich seines Eintritts ins 

K._____ am 19. Juli 2023 Hämatome an mehreren Körperstellen (Rücken 

linksseitig halbrund, an beiden Armen, kleines Hämatom am Auge links, 

kleines Hämatom unterhalb des linken Mundwinkels [laut Mitbeschuldigter 

vorbestehend]) festgestellt (act. 203, 209, 222), was im Rahmen des am 

21. Juli 2023 von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau angeordneten fo-

rensisch-klinischen Untersuchs und dem in diesem Zusammenhang erstell-

ten Gutachten vom 21. September 2023 bestätigt wurde (act. 43). Unbe-

stritten ist weiter die gutachterliche Feststellung, dass die entsprechenden 

Hämatome aufgrund ihrer Lokalisation, Form und Ausprägung beim im 

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mutmasslichen Ereigniszeitpunkt prämobilen Beschwerdeführer höchst-

wahrscheinlich auf eine Kindesmisshandlung in Form einer stumpfen Ge-

walteinwirkung zurückzuführen sind (Gutachten, S. 5 ff.). Strittig ist demge-

genüber, wie und durch wen diese Verletzungen des Beschwerdeführers 

zustande gekommen sind. 

 

4.3. 

Beim Beschwerdeführer handelt es sich um den (zum mutmasslichen Tat-

zeitpunkt rund einen Monat alten) Sohn des Beschuldigten und der Mitbe-

schuldigten (vgl. paralleles Beschwerdeverfahren SBK.2024.331). Der Be-

schuldigte bestreitet, für die Verletzungen des Beschwerdeführers verant-

wortlich zu sein. Anlässlich seiner Einvernahme durch die Kantonspolizei 

Aargau gab er an, dass der Beschwerdeführer am Nachmittag des 18. Juli 

2023 bei D._____ gewesen sei, da sowohl er als auch die Mitbeschuldigte 

zur gleichen Zeit einen Termin gehabt hätten. Die Mitbeschuldigte habe 

den Beschwerdeführer wieder abgeholt und nachhause gebracht, während 

er noch zu seinem kleinen Bruder gegangen sei. Später sei er nachhause 

gekommen (act. 439, Frage 14). Die Mitbeschuldigte habe ihm zuhause 

vom Fleck am Auge des Beschwerdeführers erzählt sowie davon, dass sie 

mit D._____ noch ein Red Bull in der Wohnung getrunken und deren Sohn 

mit dem Beschwerdeführer gespielt habe. Ansonsten habe sie nichts Spe-

zielles erwähnt und sei dann zur Arbeit gegangen (act. 443, Frage 48). Den 

Rest des Abends habe er allein mit dem Beschwerdeführer verbracht. Als 

er ihn um 19:00 Uhr oder 20:00 Uhr gewickelt habe, seien ihm die Häma-

tome aufgefallen und er sei schockiert gewesen. Er habe jedoch noch 

nichts unternommen und abgewartet, bis die Mitbeschuldigte nachhause 

gekommen sei, um die Sache gemeinsam zu besprechen (act. 439, Frage 

14). Als die Mitbeschuldigte von der Arbeit nachhause gekommen sei, habe 

er den Beschwerdeführer ausgezogen und ihr die Hämatome gezeigt. Er 

habe den Entscheid über das weitere Vorgehen der Mitbeschuldigten über-

lassen (act. 440, Fragen 25 und 26). Ihm sei bis auf die Hämatome beim 

Wickeln nichts aufgefallen. Im Nachhinein würde er sagen, dass der Be-

schwerdeführer eventuell Schmerzen gehabt habe (act. 443, Fragen 50 f.). 

Der Beschwerdeführer sei ihm nie vom Wickeltisch gefallen und so etwas 

könnte ihm auch nie passieren (act. 444, Frage 65). Er könne nicht sagen, 

wie die Verletzungen des Beschwerdeführers entstanden seien. Er sei auf 

D._____ zugegangen und habe sie gefragt. Er mache keine falschen Aus-

sagen, da er ansonsten bestraft werde. Er wisse nicht, was passiert sei 

(act. 448, Frage 100). 

 

4.4. 

4.4.1. 

Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erwei-

sen sich die vorstehend dargelegten Aussagen des Beschuldigten gegen-

über der Kantonspolizei Aargau mit Blick auf dessen Aussagen und Ver-

halten im Verlauf der medizinischen Betreuung bzw. Fremdplatzierung des 

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Beschwerdeführers im K._____ sowie auf die Aussagen von D._____ als 

teilweise widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. 

 

4.4.2. 

Gemäss übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der Mitbe-

schuldigten war es der Beschuldigte, der die Hämatome des Beschwerde-

führers am Abend des 18. Juli 2023 beim Wickeln entdeckte. Konkret gab 

er an, es habe sich um mehrere blau-schwarze Flecken gehandelt, die da-

nach ausgesehen hätten, als wäre der Beschwerdeführer "fest gepackt" 

worden. Der Beschwerdeführer habe beim Wickeln angefangen zu weinen. 

Er habe allerdings nicht den Eindruck gehabt, dass er Schmerzen gehabt 

habe. Der Beschuldigte gab zudem an, schockiert gewesen zu sein 

(act. 439 f., Fragen 14, 19, 20 und 21). Angesichts der offensichtlichen Ver-

letzungen des lediglich rund einen Monat alten Beschwerdeführers er-

schliesst sich nicht, weshalb der angeblich schockierte Beschuldigte als 

dessen Vater nicht umgehend medizinische Hilfe anforderte und 

stattdessen mindestens zwei Stunden auf die Rückkehr der Mitbeschuldig-

ten zwischen 22:00 Uhr und 23:00 Uhr wartete. Soweit der Beschuldigte 

aussagte, der Beschwerdeführer habe sichtlich nicht unter Schmerzen ge-

litten, steht dies im Widerspruch zu den Aussagen der Mitbeschuldigten, 

wonach der Beschwerdeführer am linken Arm Schmerzen gehabt, diesen 

nicht richtig bewegt und sehr laut geweint und geschrien habe (act. 411, 

Frage 29). Wenn der Beschuldigte zudem davon ausging, dass der Be-

schwerdeführer durch "festes Packen" derart verletzt worden war, musste 

er folgerichtig annehmen, dass dies entweder während der Betreuung 

durch die Mitbeschuldigte oder durch D._____ geschehen war. Entspre-

chend ist nur schwer nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte die Ent-

scheidung über das weitere Vorgehen nach eigener Aussage komplett der 

Mitbeschuldigten überliess und in Bezug auf D._____ offenbar lediglich je 

einmal (erfolglos) versuchte, diese telefonisch zu erreichen und auf der 

Strasse anzusprechen (act. 440, Fragen 24 f. und act. 448 f., Fragen 101 

ff.; E. 4.4.4 hiernach). Wenn es auch nicht Sache der Beschwerdekammer 

in Strafsachen ist, den Sachverhalt abschliessend zu würdigen, kann dem 

Beschuldigten dieses Verhalten entgegen der Auffassung der Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau nicht zugutegehalten werden. Vielmehr weist 

es darauf hin, dass der Beschuldigte auf Kosten des Kindeswohls des Be-

schwerdeführers entweder sich selbst oder die Mitbeschuldigte 

bzw. D._____ vor möglichen Konsequenzen zu schützen beabsichtigte. 

Das passive Verhalten des Beschuldigten führte denn auch dazu, dass erst 

am nächsten Tag durch die Mitbeschuldigte eine Meldung an den Kinder-

arzt erfolgte und anlässlich der medizinischen Gutachtenerstellung nicht 

mehr zweifelsfrei festgestellt werden konnte, ob es sich bei den Verletzun-

gen – wie vom […] des K._____ vermutet – um Hämatome verschiedenen 

Alters gehandelt habe (act. 43). Entsprechend kann dem Beschuldigten un-

ter diesem Aspekt keine klare Straflosigkeit attestiert werden. 

 

 - 12 - 

 

 

4.4.3. 

Begründete Zweifel an der klaren Straflosigkeit des Beschuldigten ergeben 

sich auch mit Blick auf dessen Verhalten während des stationären Aufent-

halts des Beschwerdeführers im K._____. Dem von den Pflegepersonen 

des K._____ geführten Verlaufsprotokoll ist u.a. zu entnehmen, dass sich 

der Beschuldigte oft agitiert zeigte und teilweise nicht wollte, dass die Mit-

beschuldigte selbständig Fragen des Pflegepersonals beantwortet 

(act. 256, 19.07.2023, 19:00; act. 245, 28.07.2023, 15:00). Auch wehrte er 

sich bereits am Tag nach dem Eintritt des Beschwerdeführers gegen die 

umfassende medizinische Abklärung der Verletzungen und spielte deren 

Schwere herunter, indem er u.a. äusserte, die Untersuchungen würden für 

den Beschwerdeführer eine grössere Qual darstellen als die Verletzungen 

selbst (act. 256, 20.07.2023, 18:00). Hinsichtlich der Betreuung des Be-

schwerdeführers wurde zudem festgehalten, der Beschuldigte wirke im 

Umgang nicht besonders liebevoll, versuche die Schuld im Gespräch mit 

Pflegepersonal immer auf andere abzuwälzen und werde im Tonfall schnell 

laut (act. 254, 21.07.2023, 13:45). Er äussere zudem, nicht zu wissen, wie 

er den Beschwerdeführer halten soll (act. 244, 29.07.2023, 12:47) und 

habe den Beschwerdeführer im Bett und im Kinderwagen falsch gelagert 

(act. 243, 30.07.2023, 13:45). Ausserdem scheint der Beschuldigte den Be-

schwerdeführer zu verschiedenen Tageszeiten wiederholt unter Einfluss 

von Cannabis besucht oder während des Besuchs Cannabis konsumiert zu 

haben. Dies ist insofern relevant, als der Beschuldigte auch in diesem Zu-

sammenhang teilweise als nervös, verwirrt, angespannt und unsicher im 

Handling des (weinenden) Beschwerdeführers beschrieben wurde 

(act. 253, 21.07.2023, 17:00; act. 241, 31.07.2023, 18:00; act. 239, 

02.08.2023, 13:30; act. 237, 03.08.2023, 12:30, act. 235, 06.08.2023, 

15:15). Die Mitbeschuldigte äusserte gegenüber dem Pflegepersonal denn 

auch, sich vorstellen zu können, dass der Beschuldigte im Zusammenhang 

mit seinem Cannabiskonsum bzw. aufgrund von Entzugserscheinungen 

die Geduld und Nerven verlieren könnte und deshalb "so etwas" passiert 

sei. Ausserdem gab sie an, den Beschwerdeführer nicht nachhause neh-

men zu wollen, solange der Vorfall nicht geklärt sei und sich darum zu sor-

gen, dass die Betreuung zweier Kinder, insbesondere eines Säuglings, für 

den Beschuldigten zu viel sei (act. 248, 24.07.2023, 15:00). Die Mitbeschul-

digte bat das Pflegepersonal zudem darum, in regelmässigen Abständen 

nach dem Beschwerdeführer zu schauen, wenn der Beschuldigte allein bei 

ihm sei (act. 244, 29.07.2023, 13:01). Nicht gegen eine mögliche Verursa-

chung der Verletzungen des Beschwerdeführers spricht auch, dass der Be-

schuldigte der Mitbeschuldigten gesagt habe, die Fingerabdrücke seien 

schon dort gewesen, als er dessen Kleider ausgezogen habe (act. 427, 

Frage 179). Nachdem die Mitbeschuldigte es offenbar mindestens für mög-

lich erachtete, der Beschuldigte sei für die Verletzungen des Beschwerde-

führers verantwortlich und auch den Wunsch äusserte, einen Neustart ohne 

ihn in einem Mutter-Kind-Haus zu versuchen (act. 248, 24.07.2023, 15:00), 

 - 13 - 

 

 

erscheint eine klare Straflosigkeit des Beschuldigten in dieser Hinsicht – 

ohne dem Sachgericht vorzugreifen – nicht gegeben. 

 

4.4.4. 

Weiter ergeben sich auch mit Blick auf die Aussagen des Beschuldigten 

und von D._____ gewisse Widersprüche, welche von der Staatsanwalt-

schaft Lenzburg-Aarau in der angefochtenen Verfügung nicht rechtsgenüg-

lich gewürdigt wurden. So gab der Beschuldigte an, er habe die Mitbeschul-

digte gebeten, den Beschwerdeführer nach der Betreuung wieder bei 

D._____ abzuholen, da er noch zu seinem Bruder habe gehen wollen. Er 

sei erst später nachhause gegangen (act. 439, Frage 14). D._____ gab 

demgegenüber an, es sei der Beschuldigte gewesen, der den Beschwer-

deführer bei ihr abgeholt habe (act. 459, Fragen 64-66). D._____ bestritt 

denn auch, vom nachfolgenden Spitalaufenthalt des Beschwerdeführers 

gewusst zu haben oder vom Beschuldigten in diesem Zusammenhang je-

mals angesprochen worden zu sein (act. 455, Fragen 16 ff.). Der Beschul-

digte gab demgegenüber an, dass er noch am Abend des 18. Juli 2023 

erfolglos versucht habe, D._____ telefonisch zu erreichen und auch später 

einmal auf sie zugegangen sei, um sie zu den Verletzungen zu befragen, 

wobei diese ihn ignoriert habe und ihm davongefahren sei (act. 448, Fragen 

100 ff.). Die jeweiligen Darstellungen der Ereignisse rund um die Abholung 

des Beschwerdeführers von der Fremdbetreuung sowie des darauffolgen-

den Kontakts zu D._____ erweisen sich damit als derart widersprüchlich, 

dass sich für die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eine weiterführende 

Abklärung des Sachverhalts hätte aufdrängen müssen. Jedenfalls lässt 

sich eine klare Straflosigkeit des Beschuldigten auch vor diesem Hinter-

grund nicht rechtsgenüglich begründen. 

 

4.4.5. 

Ebenso verhält es sich mit der bislang ungeklärten Frage des (fehlerhaften) 

Puckens des Beschwerdeführers. So ist der Gefährdungsmeldung vom 

20. Juli 2023 zu entnehmen, fehlerhaftes Pucken sei von den beschuldig-

ten Eltern als Grund für die Verletzungen angegeben worden (act. 366). 

Am 21. Juli 2023 fragte die Mitbeschuldigte sodann das Pflegepersonal, ob 

die Verletzungen durch das Pucken hervorgerufen werden könnten und 

äusserte, sich nicht mehr zuzutrauen, den Beschwerdeführer selbständig 

zu pucken (act. 254). Dies, obschon die Mitbeschuldigte gegenüber der 

Kantonspolizei Aargau angegeben hat, den Beschwerdeführer nicht zu pu-

cken, da sie dies nicht könne (act. 427 f., Fragen 187 und 190). Angesichts 

dieser widersprüchlichen Angaben und der Tatsache, dass in der Vergan-

genheit bereits beim älteren Bruder des Beschwerdeführers Hämatome 

aufgrund von fehlerhaftem Pucken festgestellt und als Folge Kindesschutz-

massnahmen installiert worden waren, lässt sich nicht ausschliessen, dass 

es sich bei den anfänglichen Angaben der beschuldigten Eltern gegenüber 

dem K._____ um Schutzbehauptungen handelte. Auch in dieser Hinsicht 

 - 14 - 

 

 

erweist sich die Beweislage nach wie vor als unklar und kann basierend 

darauf keine klare Straflosigkeit des Beschuldigten festgestellt werden. 

 

4.5. 

Nach dem Dargelegten kann offenbleiben, ob D._____ als beschuldigte 

Person und nicht als Auskunftsperson hätte befragt werden müssen (Be-

schwerde, Rz. 15), zumal der Beschwerdekammer in Strafsachen auch 

nicht bekannt ist, ob gegen D._____ zwischenzeitlich ein Strafverfahren er-

öffnet worden ist. Weiter kann mit dem Beschwerdeführer auch offenblei-

ben, ob es sich bei den beim Beschwerdeführer festgestellten Verletzungen 

um Folgen einer einfachen Körperverletzung oder reiner Tätlichkeiten han-

delt, zumal diese zumindest gutachterlich bestätigt auf eine Kindesmiss-

handlung zurückzuführen sind und den Tatbestand der Verletzung der Für-

sorge- oder Erziehungspflicht ungeachtet der Frage des Vorsatzes oder der 

Fahrlässigkeit damit – ohne dem Sachgericht vorzugreifen – erfüllen dürf-

ten (Beschwerde, Rz. 56). 

 

5. 

Zusammengefasst ergeben sich auf Grundlage der erhobenen Beweise 

Widersprüche und Unklarheiten hinsichtlich des vom Beschuldigten ge-

schilderten Ereignisablaufs vom 18. Juli 2023, auf deren Grundlage die 

Feststellung einer klaren Straflosigkeit des Beschuldigten zumindest aktu-

ell nicht möglich ist. Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Einstellung 

des Strafverfahrens in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO hinsicht-

lich des Vorwurfs der einfachen Körperverletzung an einer schutzbefohle-

nen Person und der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht sind 

damit nicht erfüllt. Die Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen und die 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wird die zur weiteren Sachverhalts-

feststellung notwendigen Ermittlungshandlungen vorzunehmen haben. 

 

6. 

6.1. 

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-

mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Hebt 

die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist die Sache zu neuer 

Entscheidung an die Vorinstanz zurück, trägt der Kanton die Kosten des 

Rechtsmittelverfahrens und, nach Ermessen der Rechtsmittelinstanz, jene 

der Vorinstanz (Art. 428 Abs. 4 StPO). Diese letztgenannte Bestimmung 

bezieht sich insbesondere auf kassatorische Entscheide über Beschwer-

den gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO (vgl. DOMEISEN, in: Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 25 zu Art. 428 

StPO). 

 

Gestützt auf Art. 428 Abs. 4 StPO sind die Kosten des obergerichtlichen 

Beschwerdeverfahrens ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

 - 15 - 

 

 

6.2. 

Der Anspruch des Beschwerdeführers auf angemessene Entschädigung 

für notwendige Aufwendungen richtet sich nach Art. 433 StPO und hängt 

vom Ausgang des Strafverfahrens ab. Dieser ist derzeit noch offen. Es ist 

daher nicht möglich, im vorliegenden Entscheid eine Entschädigung für das 

Beschwerdeverfahren festzulegen. Eine allfällige Parteientschädigung wird 

somit im Rahmen der Regelung der Entschädigung im Endentscheid und 

in Abhängigkeit vom Verfahrensausgang zu behandeln und zu verlegen 

sein (Art. 421 Abs. 1 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_531/2012 

vom 27. November 2012 E. 3). 

 

6.3. 

Die dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für dieses Beschwerde-

verfahren auszurichtende Entschädigung ist ebenfalls am Ende des Haupt-

verfahrens durch die zuständige Instanz festzusetzen (Art. 135 Abs. 2 

StPO). 

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird die Teil-Einstellungsverfügung der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 30. Oktober 2024 aufgehoben 

und die Sache an die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zurückgewiesen. 

 

2. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse ge-

nommen. 

 

  

 - 16 - 

 

 

   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 4. März 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Flütsch