# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5866e690-26a2-5e20-9067-79e115e32648
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-02-27
**Language:** de
**Title:** Aktenkundige psychische Beschwerden wurden nicht fachärztlich abgeklärt; beantragte berufliche Massnahmen wurden nicht geprüft; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2017.01103
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.01103.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.01103
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Grieder-Martens
Urteil
vom
27. Februar 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Manfred Lehmann
Erdös
& Lehmann, Rechtsanwälte
Kernstrasse 37, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1966, meldete sich am 2
0.
März 2009 unter Hinweis auf
Herz
beschwerden
, Diabetes und den Unfall vom
9.
März 2009
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/8
[Vorname und Geburtsdatum weichen hier von den nachfolgenden Anmeldungen ab]
). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte mi
t Verfügung vom
2
4.
September 2010 einen Leistungsanspruch
(
Urk.
11/38
).
1.2
Am 1
4.
November 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/46). Mit Verfügung vom
6.
Mai 2013 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch und einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
(
Urk.
11/58).
1.
3
Am 1
5.
Januar 2016 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an, unter Hinweis auf offene Schienbeinfrakturen beidseits nach dem
U
nfall vom 2
1.
Dezember 2015 (
Urk.
11/59). Die IV-Stelle
tätigte m
edizinische und er
werbliche Abklärungen und zog die Akten der Suva bei (
Urk.
11/
64,
Urk.
11/70,
Urk.
11/74,
Urk.
11/97,
Urk.
11/100,
Urk.
11/106
). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(
Urk.
11/85;
Urk.
11/87,
Urk.
11/99) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
September 2017 einen Rentenanspruch (Urk. 11/103 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 10.
Oktober
201
7
Beschwerde gegen die Verfügung vom 6.
September
2017 (
Urk.
2) und beantragte
die Aufhebung des angefochte
nen Entscheids und die Durchführung von beruflichen Massnahmen, eventu
aliter die Rückweisung der Angelegenheit zur Einholung eines medizinisch-psychiatrischen Gutachtens
(
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragt
e mit Beschwerdeantwort vom 27. November
2017 (
Urk.
10) die Abweisung der Be
schwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 9.
Januar
201
8
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
;
IVV
), so ist im Beschwerde
verfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Renten
anspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117
V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Gesetz und Verordnung enthalten keine Vorschriften über die
materiell
rechtliche
Revision von Eingliederungsleistungen wegen einer seit ihrer Zuspre
chung eingetretenen Veränderung der Verhältnisse. Ebenso wenig ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen im Falle einer vorangegangenen Verweigerung von Eingliederungsleistungen ein neues Gesuch entgegenzunehmen und zu prü
fen ist. In BGE 105 V 173 hat das Bundesgericht entschieden, dass Eingliede
rungsleistungen gleich wie Renten und
Hilflosenentschädigungen
zu behandeln sind und dass demzufolge
Art.
17 ATSG sowie die dazugehörigen Verordnungs
bestimmungen in analoger Weise auch auf die Revision von Eingliederungs
leistungen angewendet werden müssen.
1.
4
Versicherungsträger und Sozial
versicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förm
liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um
fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich
nung der eingereichten oder in Auftrag ge
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
5
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsäch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln
(BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung
vor
-
gesehenem
Ur
teil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe.
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reforma
torisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hinge
gen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher voll
ständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
1.
7
Invalide oder von einer Invalidi
tät (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid davon aus, dass in angepasster Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Ausgehend von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
51‘588.45 und einem Invalideneinkommen von
Fr.
66‘453.10 resultiere ein Invaliditätsgrad von 0
%
. Gestützt auf die kreisärzt
liche Untersuchung der Suva sei von einer ganztätigen Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit auszugehen. Abgese
hen von der somatisch nicht erklärbaren Schmerzproblematik bei normaler Be
weglichkeit in unbeobachteten Momenten lägen keine unfallfremden Faktoren vor, weshalb sich ein Gutachten erübrige. Eine Parallelisierung der Einkommen sei nicht durchzuführen. Abzustellen sei auf das zuletzt erzielte Einkommen gemäss individuellem Lohnkonto
.
D
er Beschwerdeführer habe sich jahrelang aus freien Stücken mit einem bescheidenen Einkommen zufriedengegeben. Selbst unter Berücksichtigung eines – nicht gerechtfertigten - beantragten leidens
bedingten Abzuges von 25
%
resultiere noch ein rentenausschliessender Invali
ditätsgrad (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf berufliche Massnahmen ungenügend geprüft habe. Gemäss Fest
stellungen der Beschwerdegegnerin verfüge er über keine Ausbildung, keine be
rufliche
n
Qualifikationen, schlechte Deutschkenntnisse, befinde sich im 5
2.
Altersjahr und könne aufgrund der somatischen Einschränkungen nur noch sitzende Tätigkeiten ausführen. Die Beschwerdegegnerin habe weder zumutbare Verweistätigkeiten noch ein Belastungsprofil genannt, auch habe sie nicht berücksichtigt, dass er seit knapp zwei Jahren nicht mehr im Arbeitsprozess gewe
sen sei. Er verfüge nicht über die Ressourcen, um das behauptete
Validen
einkommen
(richtig wohl: Invalideneinkommen)
zu erzielen. Unter Berücksich
tigung eines Leidensabzugs von 25
%
ergebe sich eine Einkommenseinbusse von 26
%
. Insgesamt bestehe damit ein Anspruch auf Durchführung von beruf
lichen Massnahmen (
Urk.
1
Ziff.
III.13-23). Aufgrund der aktenkundigen An
passungsstörung, der depressiven Störung und der Schmerzverarbeitungs
störung sowie der aus dem Unfall resultierenden
Retraumatisierung
erweise sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, weshalb
die Sache
an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens zu
rückzuweisen sei (
Urk.
1
Ziff.
IV.29-35).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers seit
der letzten, nicht angefochtenen Verfügung vom
6.
Mai 2013 (
Urk.
11/5
8
)
in einer anspruchsbegründenden Weise verschlechtert hat
.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung vom
6.
Mai 2013 (
Urk.
11/58
)
präsentierte sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wie folgt:
3.2
Am 2
3.
Februar 2009 erlitt der Beschwerdeführer aufgrund eines Sturzes auf der Treppe eine Deckplatten-Impressionsfraktur mit deutlicher Höhenminderung des Wirbelkörpers und trug in der Folge tagsüber während drei Monaten ein Drei
punktekorsett (
Urk.
11/21
/8-14
). Gemäss Berichten von
Dr.
med.
Y.___
,
Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin, vom 1
2.
Mai 2010 (
Urk.
11/29/6) und von den Ärzten der
Z.___
vom
1.
September 2009 (
Urk.
11/24/6) war vom 2
3.
Februar 2009 bis 1
5.
November 2009 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 100
%
und spätestens ab 1
6.
November 2009 von einer vollen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Hilfskoch auszugehen.
Gestützt darauf verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 2
4.
September 2010 (
Urk.
11/38) einen Leistungsanspruch.
3.3
Gemäss Arztbericht von
Dr.
Y.___
vom
8.
Februar 2013 (
Urk.
11/53/6) und gemäss Stellungnahme des RAD vom
9.
März 2013 (
Urk.
11/55 S. 2 unten) lagen eine
hypertensive
Herzkrankheit, eine
Sarkoidose
mit Lungen- und Lymph
knotenbefall sowie eine beginnende Leberzirrhose bei einem chronischen Alko
holkonsum vor. Angesichts der nicht weiter therapiebedürftigen
Sarkoidose
und des medikamentös gut eingestellten Bluthochdruckes und Diabetes war aus in
ternistischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit im bisher ausgeübten Pensum von 80
%
beziehungsweise von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Küchenhilfe auszugehen.
Mangels eines Gesundheitsschadens verneinte die Beschwerdegegnerin mit Ver
fügung vom
6.
Mai 2013 (
Urk.
11/58) einen Rentenanspruch
und erachtete berufliche Massnahmen angesichts der angemessenen Eingliederung des Beschwerdeführers als nicht notwendig.
4.
4.1
Im Rahmen der Neuanmeldung gingen folgende Arztberichte ein:
4.2
A
m 2
1.
Dezember 2015
wurde der Beschwerdeführer
auf dem Gehsteig von einem Auto angefahren
und
dabei gegen die Wand gedrückt
und erlitt Brüche an beiden Beinen (
Urk.
11/64/27,
Urk.
11/70/7,
Urk.
11/70/13
). In der Folge wurde der Beschwerdeführer am
A.___
, Klinik für Unfallchirurgie, operiert
(
Urk.
11/64/10-11). Dort
war
er bis am
3
1.
Dezember 2015 hospitalisiert, wobei er nach einem komplikationslosen intra- und post
operativen Verlauf
rollstuhlmobil und mit Reserven schmerzkompensiert ent
lassen wurde
(
Urk.
11/64/
23-25
).
4.3
Mit Bericht vom 2
4.
Februar 2016 (
Urk.
11/67) nannten die
Ärzte
des
A.___
, Klinik für Unfallchirurgie, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
offene nicht dislozierte laterale
Tibiaplateaufraktur
links Typ
Schatzker
II
-
offene nicht dislozierte mediale
Tibiaplateaufraktur
rechts Typ
Schatzker
IV
-
nicht dislozierte
Fibulaköpfchenfraktur
beidseits
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen
Diabetes mellitus Typ II
und eine
Epilepsie
.
Die Ärzte attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 2
1.
Dezember 2015
bis 2
1.
März 2016, danach gemäss Nachkontrollen. Der Beschwerdeführer sei sechs Wochen postoperativ rollstuhlmobil gewesen, aktuell könne er nur mit Hilfsmitteln laufen (
Ziff.
1.7). Mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit zu 100
%
sei zu rechnen, gemäss Nachkontrollen (
Ziff.
1.9).
4.
4
Med.
pract
.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
C.___
,
hielt gestützt auf das
psychosomatische
Konsilium
vom
5.
Januar 2016 mit Bericht vom
9.
März 2016 (
Urk.
11/70/68-70) als psychi
atrische Diagnose eine Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22)
fest (S. 1). In der Bewertung führte er aus, dass der Beschwerdeführer vor dem Hintergrund einer langjährigen gesundheitlichen Problematik nach dem Unfall
in Verbindung mit dem Wegfall beruflicher Perspektiven eine An
passungs
stö
rung mit depressiven und ängstlichen Symptomen entwickelt habe. Erschwe
rend
wirk
-
ten
sich in diesem Zusammenhang die mangelnde Integration des Be
schwer
deführers aus, die sprachlichen Unsicherheiten und die Schwierig
keiten in der Kommunikation mit dem Behandler- und Helfersystem. Es sei zu befürchten, dass die Einnahme der Krankenrolle mangels fehlender Alternativ
rollen
nega
-
tive
Auswirkungen auf den Therapieverlauf
und
die Schmerz
situa
tion haben werde (S. 2 unten). Die Fortführung einer psychiatrischen Behand
lung sei vor dem Hintergrund einer Anpassungsstörung mit
katastro
phisie
renden
Überzeu
gungen und einer erlebten Perspektivlosigkeit bei bereits einge
leiteter psy
chopharmakologischer Therapie indiziert (S. 3).
4.
5
Mit Austrittsbericht vom 2
5.
März 2016 berichteten die Ärzte der
C.___
über den Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 3
1.
Dezember 2015 bis 1
0.
März 2016 (
Urk.
11/68)
und nannten darin folgende Diagnosen
im Zu
sammenhang mit dem Unfall vom 2
1.
Dezember 2015 (S. 1)
:
-
offene nicht dislozierte laterale
Tibiaplateaufraktur
links Typ
Schatzker
II
-
23.
Dezember
2015:
open-
reduction
and
internal
fixation
(
ORIF
)
mit
tels 4x4.5 mm
kanülierter
Schrauben, jeweils mit Unterlegscheibe
-
offene nicht dislozierte mediale
Tibiaplateaufraktur
rechts Typ
Schatzker
IV
-
23.
Dezember
2015: ORIF proximale laterale Tibia-LCP
(
locking
compression
plate
)
4.5 mm
-
nicht dislozierte
Fibulaköpfchenfraktur
beidseits
Als Nebendiagnosen nannten sie einen Diabetes mellitus Typ
I
, eine Epilepsie und eine (medikamentös eingestellte) arterielle Hypertonie
.
Die Ärzte führten aus, dass d
er Beschwerdeführer in die Weiterbetreuung des Hausarztes entlassen
werde
. Die Physiotherapie sei ambulant fortzuführen, und aus psychosomatischer Sicht sei eine
ambulante
psychiatrische Weiterbetreuung
i
ndiziert. Die angestammte Tätigkeit als Hilfskoch sei nicht zumutbar, und es be
stehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab 1
0.
März 201
6.
Die Arbeits
fähigkeit sei durch die nachbehandelnden Ärzte im Verlauf neu zu beurteilen (S. 2).
4.
6
Am
14
.
Juni
2016
(
Urk.
11/70/88-90)
berichteten die Ärzt
innen
des
A.___
, Klinik für Neurologie, über die
gleichentags durchgeführte
elektrodiagnostische Unter
suchung des Beschwerdeführers
zur Abklärung einer
Peroneusläsion
und einer Polyneuropathie
. Sie führten aus, dass eine leichtgradige Schädigung und Irri
tation der lateralen Hautnerven des Knies sowie der Nervenäste zum
Muskulus
tibialis
anterior
möglich seien. Schmerzen im Berei
c
h des
(
lateralen
)
Knies wären durch eine
lokale Irr
itation dieser
Hautäste
nachvollziehbar. Die Nerven
kontinuität sei aber ansonsten erhalten, und die neurologischen Befunde erklär
ten das Ausmass der angegebenen Beschwerden (manschettenförmige Hypästhesie der Unterschenkel, Gangstörung) ansonsten nicht vollumfänglich (S. 2 unten).
4.
7
Am
2
5.
August 201
6
(
Urk.
11/74/15-16)
berichtete
der Arzt des
A.___
, Klinik
für Plastische Chirurgie und Handchirurgie,
über die elektrodiagnostische Unter
suchung vom 2
3.
August 2016 und führte in der Beurteilung aus, dass beim Beschwerdeführer ein panvertebrales,
myofaszial
überlagertes Schmerzsyndrom und bilaterale Knieschmerzen bestünden, wobei bei durchwegs normalen Neurographien des
Nervus
peroneus
,
tibialis
,
Nervus
suralis
und seitengleichen Amplituden in der
Femoralis
-Ableitung keine Hinweise für eine Affektion des
Plexus
lumbosakralis
oder eine Schädigung peripherer Nerven objektivierbar seien. Unter Zusammenschau der Klinik und der elektrodiagnostischen Befunde entstehe nicht der Eindruck, dass sich die radiologisch nachgewiesene lumbale Spinalkanalstenose auf Höhe L1 klinisch durch eine Kompression der
Cauda
equina
manifestiere.
4.
8
Im Wesentlichen in Übereinstimmung mit ihren früheren Verlaufsberichten vom 2
9.
März, 1
2.
Mai,
6.
Juli und 1
2.
August 2016 (
Urk.
11/70/55-56,
Urk.
11/70/76-77,
Urk.
11/70/95-96,
Urk.
11/71/1), in welchen die behandeln
den Ärzte ein diffuses Schmerzgeschehen ohne erklärbares Korrelat, eine ausge
prägte Berührungsempfindlichkeit und eine massive Einschränkung der Beweg
lichkeit in beiden unteren Extremitäten feststellten, hielten die Ärzte des
A.___
, Klinik für Unfallchirurgie
,
im Bericht vom 3
0.
August 2016
(
Urk.
11/74/23-24)
eine unveränderte Schmerzsymptomatik fest und
nannten
neben den bereits bekannten
Diagnosen
(vorstehend E. 4.3, E. 4.5)
folgende
(S. 1)
:
-
u
nklare Schmerzsymptomatik beider Unterschenkel sowie im Lumbal
bereich
-
Differentialdiagnose: postoperativ peripher, Differentialdiagnose: zentral bei
rezessaler
Spinalkanalstenose Brustwirbelkörper 12 / Len
denwirbelkörper 1
-
Status nach konservativ therapierter Berstungsspaltfraktur Lenden
wirbelkörper 1 mit
-
Spinalkanalstenose,
rezessal
-
kyphotische
Achsfehlstellung
-
ängstlich depressive Störung
-
degenerative Wirbelsäulenveränderungen
-
Spondylarthrose
-
Osteochondrose
Die Ärzte führten aus, dass bei unveränderter Schmerzsymptomatik und unauf
fällige
r
Elektroneuromyographie
d
ie klinische Untersuchung keinen Anhalt für eine kausale Pathologie ergebe, und attestierten eine volle Arbeitsunfähigkeit
vom 30. August bis 30. September 2016
(S. 2).
4.
9
Dr.
med.
D.___
, Fachärztin für Chirurgie, Kreisärztin Suva, führte in ihrem Bericht vom
1.
September 2016 über die Untersuchung vom 3
1.
August 2016 (
Urk.
11/74/25-32) unter anderem aus, dass den geschilderten Beschwer
den gesamthaft die Authentizität fehle. Das aktuelle Schmerzerleben auf der Schmerzskala könne mit dem Eindruck während der Anamnese,
während dem
Entkleiden, nicht in Einklang gebracht werden (S. 6 unten).
Auch der vorliegen
de neurologische Bericht könne die subjektiven Beschwerden nicht erklären.
Die Zumutbarkeit lasse sich nur medizinisch-theoretisch postulieren, da der Be
schwerdeführer bei der klinischen Untersuchung nicht wirklich mitgearbeitet habe und die vorliegende bildgebende Diagnostik das demonstrierte Verhalten und
die
Beschwerden nicht wirklich erklären könne. Rein medizinisch seien dem Beschwerdeführer eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar, auch manchmal Treppen steigen, und kniende kauernde Tätigkeiten
(S. 7 oben)
.
Aufgrund der beiden Gelenkfrakturen seien belastungs
abhängige Restbeschwerden im Bereich der Kniegelenke nachvollziehbar, das demonstrierte Ausmass nicht (S. 8).
4.
10
Mit Bericht vom 2
9.
Dezember 2016
(
Urk.
11/82)
hielten die Ärzte des
A.___
, Klinik für Unfallchirurgie, in deren Behandlung der Beschwerdeführer seit 1
1.
Februar 2016 stand (S. 2
Ziff.
1.2), folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1 f.
Ziff.
1.1):
-
beginnende posttraumatische Gonarthrose beidseits
-
störendes
Osteosynthesematerial
proximale laterale Tibia beidseits bei Status nach Osteosynthese einer lateralen
Tibiaplateaufraktur
links am 2
3.
Dezember 2015
-
Status nach lateraler
Tibiaplateaufraktur
links, Typ
Schatzker
II
,
sowie
Tibiaplateaufraktur
rechts, Typ
Schatzker
IV
,
vom 2
1.
Dezember 2015
-
Verdacht auf
Facettengelenksarthropathie
lumbal
-
Status nach konservativ therapierter Berstungsspaltfraktur Lenden
wirbelkörper 1
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärz
te einen Diabetes mellitus Typ I
sowie eine ängstlich depressive Störung.
Die Ärzte hielten im Befund
in Übereinstimmung mit ihrer Untersuchung vom 1
6.
November 2016 (
Urk.
11/74/114-115)
fest, dass bei den Knien beidseits dif
fuse Schmerzen über dem gesamten Gelenk bestünden, ohne Hinweise auf einen Erguss
, ohne
Schwellung, ohne Rötung
. Die weitere Untersuchung sei aufgrund
von
vermehrtem Zittern bei Berührung erschwert beurteilbar.
Am 2
2.
November 2016 sei
en
eine Kniearthroskopie beider Kniegelenke mit einer Operations
erweiterung mit Behandlung der Knorpel- und Meniskusschäden und
Osteo
synthesematerialentfernung
durchgeführt worden (
Ziff.
1.4 und
1.5).
Prognos
tisch wäre der Beschwerdeführer nach der Kniearthroskopie beidseits und angesichts der aktuellen intraoperativen Befunde nach ein oder zwei Wochen ge
heilt, jedoch trotz Verbesserung der Beschwerden postoperativ bestehe noch eine deutliche Einschränkung der Mobilität (S. 2 f.
Ziff.
1.4). In der ange
stammten Tätigkeit als Koch bestehe eine medizinisch begründete Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
vom 2
1.
November 2016 bis
4.
Januar 2017
(S. 3
Ziff.
1.6). Der Beschwerdeführer äussere immer noch starke Knieschmerzen beidseits, er
sei nur an Krücken mobil, jedoch selbständig. Es sei auch eine vorbestehende depressive Störung vorhanden, welche sich auch wegen der persistierenden Beschwerden am Knie und den chronischen Rückenschmerzen verschlechtert habe (S. 3
Ziff.
1.7).
4.
11
Dr.
D.___
nannte aufgrund der kreisärztlichen Untersuchung vom
2.
Juni 2017 in ihrer Beurteilung folgende Diagnosen (
Urk.
11/100/2-12
S. 8
):
-
Restbeschwerden im Bereich beider Kniegelenke bei Status nach
Tibiaplateaufraktur
lateral links/medial rechts
im
Dezember 2015
-
Status nach Metallentfernung
am
2
2.
November 2016 beide Kniegelenke
-
Differentialdiagnose: Schmerzverarbeitungsstörung
/ anhaltende soma
toforme Schmerzstörung
Als u
nfallfremde Diagnosen
nannte sie ferner
Epilepsie, Diabetes mellitus Typ I, Keilwirbelbildung LWK 1
.
Dr.
D.___
führte aus, dass seit der letzten kreisärztlichen Untersuchung vom 3
1.
August 2016 (
Urk.
11/74/25-32)
eine Behandlung
in der Schmerzklinik
des Universitätsspitals erfolgt sei
und dass
der Verlauf nach der
Metallentfernung an beiden Kniegelenken
unauffällig gewesen sei.
Auch bei der heutigen klini
schen Untersuchung seien die ob
jektiv passiven Untersuchungsbefunde limitiert. Viele Aufgaben würden vom Beschwerdeführer wegen Angst vor vermehrten Schmerzen nicht ausgeführt. Auch im Liegen sei eine passive Bewegung der Kniegelenke nicht möglich, da der Beschwerdeführer sofort dagegen spanne. Wie bereits bei der letzten kreisärztlichen Untersuchung
(
Urk.
11/74/25-32)
sei das gesamte Verhalten und Schmerzerleben mit der vorliegenden objektiven bildgebenden Diagnostik nicht vereinbar. Aufgrund der Untersuchung, den un
veränderten Befunden und Klagen des Beschwerdeführers im Vergleich zur letzten Untersuchung könne man heute, sechs Monate nach Metallentfernung, von einem Endzustand ausgehen, da auch sämtliche Therapieansätze bisher zu keiner wesentlichen Verbesserung oder Veränderung des Gesamtzustandes ge
führt hätten. Aus rein unfallkausaler Sicht sei dem Beschwerdeführer eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit mit einem sitzenden An
teil von 30 bis 50
%
ganztags zumutbar. Nach de
n
Tibiaplateaufrakturen
, der osteosynthetischen Versorgung und Metallentfernung seien gewisse subjektive Beschwerden und eine
endgradige
Bewegungseinschränkung aus chirurgisch-m
edizinischer Sicht nachvollzieh
bar. Jedoch könne das heute demonstrierte Ausmass weder klinisch noch aufgrund der aktuellen MRI-Diagnostik vom 1
0.
April 2017 erklärt werden
(S. 9)
.
In diesem MRI zeigten sich in beiden Knie
gelenken in etwa gleich eine zunehmende Knorpeldegeneration/Verschmälerung im Bereich der
Femurkondylen
lateral rechts, medial links sowie Knorpelglatze
im Bereich der Patella (S. 8).
Der Integritätsschaden sei für jedes Kniegelenk auf 10
%
zu schätzen (
Urk.
11/100/12).
4.
12
Mit Stellungnahme vom 3
0.
August 2017 hielt
Dr.
med.
E.___
, Fach
arzt für Chirurgie,
Regional
er Ä
rztlicher Dienst
(RAD)
,
fest, dass auf die kreis
ärztliche Untersuchung vom
2.
Juni 2017 abgestellt werden könne. Die bishe
rige Tätigkeit als Hilfskoch sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar, eine angepasste Tätigkeit sei jedoch zu 100
%
zumutbar. Abgesehen von der somatisch nicht erklärbaren Schmerzproblematik bei normaler Beweglichkeit in unbeobachteten Momenten lägen keine unfallfremden Faktoren vor
(
Urk.
11/102 S. 4)
.
5.
5.1
Unbestrittenermassen lieg
t
mit den Kniebeschwerden
nach dem Unfall vom 2
1.
Dezember 2015
eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers vor
(vorstehend E. 1.1-1.3)
, so dass der Anspruch umfassend
,
ohne Bindung an frühere Beurteilungen zu prüfen ist (BGE 141 V 9 E. 2.3).
5.
2
Was den
somatischen
Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
betrifft
, so
erscheint die Beurteilung durch
die Kreisärztin
Dr.
D.___
vom
2.
Juni 2017
(vorstehend E. 4.11)
grundsätzlich als schlüssig und vollständig. Insbesondere
berücksichtigt sie das
nach Durchführung der Operation
vo
m 2
2.
November 2016
erstellte
MRI der Kniegelenke
vo
m 1
0.
April 2017 und
formuliert
das Belastungsprofil in Kenntnis der daraus ersichtlichen
,
zunehmenden degenerativen Veränderungen
.
Überdies sind d
ie
geschätzte
Arbeitsfähigkeit und d
as Belas
tungsprofil m
it der Einschätzung
durch die
Ärzte des
A.___
vereinbar,
welche
prognostisch nach der Operation und angesichts der intraoperativen Befunde
grundsätzlich
von einer Heilung nach
ein bis zwei Wochen und einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Koch
ausgingen
, sich aber zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht
weiter
äusserten
(vor
stehend E. 4.10)
.
In Würdigung der Akten (
vorstehend E
. 1.4) ist damit auf
die Untersuchung
du
r
ch
Dr.
D.___
vom
2.
Juni 2017 (vorstehend E. 4.11;
Urk.
11/100/2-12)
ab
zustellen. Demnach
ist
aus
rein somatischer Sicht von einer vollen Arbeits
fähigkeit in
einer angepassten,
leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit mit einem sitzenden Anteil von 30 bis 50
%
ganztags auszugehen.
Dies wurde vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten.
5.
3
Was den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers angeht, so sind sowohl eine depressive Störung und eine Angststörung (E. 4.4, E. 4.8, E. 4.10)
als
auch eine somatisch nicht objektivierbare Schmerzproblematik akten
kundig. Deren Verlauf
–
vo
n der
ursprünglich lediglich als Risiko für den Therapie
-
verlauf formulierte
n
Schmerzsituation hin zur Entwicklung eines Schmerz
syndroms - wird insbesondere von den Ärzten des
A.___
eingehend be
schrieben (E. 4.6-4.8, E. 4.10)
. A
uch die Kreisärztin
Dr.
D.___
nennt differenti
aldiagnostisch eine Schmerzverarbeitungsstörung beziehungsweise eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung (E. 4.11).
Damit sind klare Anhaltspunkte für
psychische Leiden vorhanden, welche zur verlässlichen Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und der Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
einer
fachärztlich
en Abklärung
nach den Grundsätzen eines strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens
bedürfen
(vorstehend E. 1.5).
Als einzige
psychiatrische
Beurteilung
findet sich in den Akten der Bericht des Psychiaters der
C.___
vom
9.
März 2016 (vorstehend E. 4.4)
, wel
che auf
dem psychosomatischen Kons
ilium vom
5.
Januar 2016
basiert.
Dieser Bericht lag i
m Zeitpunkt des Verfügungserlasses
über eineinhalb Jahre zurück und wurde
noch vor dem Auftreten der Schmerzstörung verfasst
. Zudem
äussert
er
sich
nicht zur Arbeitsfähigkeit aus psychi
atrischer
Sicht.
Darauf
lässt sich da
her nicht abstellen
.
Au
ch
die Berichte der Ärzte des
A.___
und die Berichte der Kreisärztin
Dr.
D.___
erweisen
sich diesbezüglich nicht a
ls schlüssig
.
Denn es
fehlt
ihnen
nicht nur die
fachärztliche
psychiatrische
Qualifikation,
sondern
sie
erheben
auch keine Befunde in einem Verfahren
, welche
s
den Anforderungen eines strukturierten Beweisverfahrens genügen würde
(vorstehend E. 1.
5
)
.
Dr.
D.___
setzt
sich
zu
dem
weder
mit dem von den Ärzten des
A.___
beschriebenen Schmerzgeschehen noch
mit
de
r dem Beschwerdeführer empfohlenen
Psychotherapie und deren Verlauf auseinander.
Selbst die Möglichkeit
ein
er
-
wenn auch
in
ihren
Unter
suchungsberichten
nicht ausdrücklich als solche bezeichnete
n -
Aggravation
(
vgl.
vorstehend E.
4.9, E. 4.11)
wäre
von
einer
qualifiziert
en Fachperson
abzu
klären.
Im Übrigen ist auch nicht auszuschliessen, dass
Dr.
D.___
die
psychi
schen Beschwerden nicht weiter
prüft,
weil sie insofern vom Fehlen einer Un
fallkausalität ausgeht.
Entsprechend
hält auch d
ie Verfügung der Suva vom 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
11/97) zu den psychischen Beschwerden lediglich fest, dass diese nicht unfallkausal seien.
Damit
erweist sich die medizinische
Sach
lage in psychischer Hinsicht als unzu
reichend abgeklärt
, weshalb die Sache
zur Abklärung des
medizinisch-psychiatrischen Sachverhalts
an die Beschwe
rdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.
4
Bei diesem Ausgang
erweisen sich
Ausführungen zu
den weiteren Vorbringen
de
s
Beschwerdeführer
s
bezüglich der
Einkommensparallelisierung
beziehungs
weise des Leidensabzugs
(vorstehend E. 2.2)
- da verfrüht - als entbehrlich.
6.
Was die
mit der Neuanmeldung beantragten Eingliederungsmassnahmen
an
geht, so
erliess die Beschwerdegegnerin
einzig die Mitteilung vom
5.
April 2016 (
Urk.
11/69). Darin hielt sie fest, dass aufgrund des Gesundheitszustandes zur
zeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Gemäss Arzt
berichten des
A.___
und der
C.___
bestehe derzeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2)
ging die Beschwerdegegnerin
vo
n
einer vollen Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
aus
,
ohne allerdings die im Vorbescheid- und Beschwerdeverfahren erneut beantragten
(vorstehend E. 2.2)
beruflichen Massnahmen zu prüfen
. S
olche wurden seit der genannten Mittei
lung nicht mehr geprüft.
Aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten – die um ein psychiatrisches Gutachten zu ergänzen sein werden
(vorstehend E. 5.3)
– lässt sich der Anspruch auf berufliche Massnahmen durch das Gericht nicht ab
schliessend beurteilen. Angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer längere Zeit vom Arbeitsmarkt abwesend war, in seiner angestammten Tätigkeit als Hilfskoch nicht mehr arbeitsfähig und
bereits aus somatischen Gründen
auf eine angepasste
,
leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit mit einem sitzenden Anteil von 30-50
%
angewiesen ist, ist ein solcher Anspruch jedenfalls nicht
von vornherein
auszuschliessen.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
im Rahmen der Rückweisung zur Sachverhalts
abkläru
ng auch
den Anspruch des
Beschwerdeführers
auf Eingliederungsmassnahmen, insbesondere
auf Arbeits
vermittlung, prüfe und gegebenenfalls
d
urchführe (vorstehend E. 1.
7
).
7.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als begründet, weshalb der an
gefochtene Entscheid aufzuheben und
die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese ein medizinisch-psychiatrisches Gutachten
nach den Grundsätzen des strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens
veran
lasse
, den Anspruch des Beschwerdeführers auf Eingliederungsmassnahmen prüfe und
gegebenenfalls durchführe und hernach
über den Rentenanspruch neu entscheide.
8
.
8
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung
hatund
die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Damit erweist sich das
Gesuch um Gewährung der unentgelt
lichen Rechtspflege und
Rechtsver
beiständung
(
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.
8
.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
I
V-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- festzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8
.3
D
ie Beschwerdegegnerin
ist
zu verpflichten,
dem obsiegenden Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung aus
zurichten. Diese
bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des
Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streit
wert
(§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
In Ermangelung einer Honorar
note wird die Entschädigung
gemäss
§ 7 Absatz 2 der Verordnung über die Ge
bühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) vom Gericht festgesetzt.
Beim pra
xis
ge
mässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) sowie unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses
rechtfertigt sich vorliegend die
Zusprache
einer Prozessentschädigung von
Fr. 2‘
2
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
6.
September 2017 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklä
rung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Manfred Lehmann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannGrieder-Martens