# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ccdb5c7-95e4-5845-9f1c-ae1a03c6be7a
**Source:** Aargau (entscheidsuche) (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2026-01-06
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 06.01.2026 WPR.2026.1
**Docket/Reference:** WPR.2026.1
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2026-1_2026-01-06.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2026.1 / sa / bs / Bu 
ZEMIS [***]; N [***] 

 

 

Urteil vom 6. Januar 2026 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Gerichtsschreiberin i.V. Angliker 

Rechtspraktikant Strittmatter 

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 

vertreten durch Marcel Schneider, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 

 

 
   

Gesuchsgegner   A._____, geboren am tt.mm.jjjj, von Tunesien 

z. Zt. im Bezirksgefängnis, 5000 Aarau 

amtlich vertreten durch lic. iur. Dominic Frey, Rechtsanwalt,  

Bachstrasse 57, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftüberprüfung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Am 13. Oktober 2023 reiste der Gesuchsgegner nach Italien ein, ohne dort 

ein Asylgesuch zu stellen, war danach zunächst unbekannten Aufenthalts 

und ersuchte am 23. März 2024 in der Schweiz um Asyl (Akten des Amts 

für Migration und Integration [MI-act.] 41, 110). 

 

Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft verurteilte den Gesuchsgegner 

mit Strafbefehl vom 27. Mai 2024 wegen mehrfachen versuchten Dieb-

stahls sowie wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-

telgesetz (MI-act. 54 ff.). 

 

Am 11. Juni 2024 trat das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf das 

Asylgesuch nicht ein und wies den Gesuchsgegner nach Italien, den zu-

ständigen Dublin-Mitgliedstaat, weg (MI-act. 40 ff.). 

 

Anlässlich des am 27. August 2024 mit dem Amt für Migration und Bürger-

recht Kanton Basel-Landschaft geführten Ausreisegesprächs gab der Ge-

suchsgegner zu Protokoll, er sei nicht bereit, nach Italien zurückzukehren 

(MI-act. 65).  

 

Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft verurteilte den Gesuchsgegner 

mit Strafbefehl vom 10. September 2024 wegen mehrfachen, teilweise ge-

ringfügigen Diebstahls (MI-act. 74 ff.) sowie mit Strafbefehl vom 7. Novem-

ber 2024 wegen mehrfachen, teilweise geringfügigen Diebstahls, mehrfa-

cher Beschimpfung, Hinderung einer Amtshandlung sowie wegen Wider-

handlung gegen das basel-städtische Übertretungsstrafgesetz und Über-

tretung des Betäubungsmittelgesetzes (MI-act. 79 ff.). 

 

Nachdem die Frist gemäss Dublin-Verfahren zur Überstellung des Ge-

suchsgegners an die italienischen Behörden abgelaufen war, nahm das 

SEM das Asylverfahren des Gesuchsgegners am 23. Dezember 2024 wie-

der auf und wies ihn dem Kanton Aargau zu (MI-act. 85 ff.). Mit Entscheid 

vom 21. Februar 2025 lehnte das SEM das Asylgesuch des Gesuchsgeg-

ners ab, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz 

sowie den Schengen-Raum am Tag nach Eintritt der Rechtskraft des Ent-

scheids zu verlassen (MI-act. 109 ff.). Dieser Entscheid erwuchs am 

5. März 2025 in Rechtskraft (MI-act. 117 f.). 

 

Der zwischenzeitlich nach Deutschland ausgereiste Gesuchsgegner galt 

ab dem 26. Februar 2025 als unbekannten Aufenthalts (MI-act. 121, 125).  

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg verurteilte den Gesuchs-

gegner mit Strafbefehl vom 6. Mai 2025 wegen geringfügigen Diebstahls 

(MI-act. 122 ff.). 

 

 - 3 - 

 

 

Am 29. Juli 2025 wurde der Gesuchsgegner durch die deutsche Bundes-

polizei von Deutschland in die Schweiz überstellt und der Kantonspolizei 

Basel-Stadt übergeben (MI-act. 125 ff.). Gleichentags wurde der Gesuchs-

gegner zur Verbüssung mehrerer Ersatzfreiheitsstrafen aufgrund nicht be-

zahlter Bussen bis am 10. September 2025 im Gefängnis Q._____ in den 

Strafvollzug versetzt (MI-act. 140 f.).  

 

Der Gesuchsgegner meldete sich gemäss Aktennotiz vom 11. September 

2025 gleichentags am Schalter des Amts für Migration und Integration Kan-

ton Aargau (MIKA) und gab an, er sei nach wie vor nicht bereit, nach Tu-

nesien zurückzureisen (MI-act. 153).  

 

Anlässlich einer Polizeikontrolle wurde der Gesuchsgegner am 7. Oktober 

2025 im Kanton Basel-Landschaft verhaftet (MI-act. 155). In der Folge ver-

büsste er im Gefängnis R._____ bis zur bedingten Entlassung am 5. Ja-

nuar 2026 diverse weitere Ersatzfreiheitsstrafen (MI-act. 156 ff., 171 ff.). 

 

Nachdem das SEM am 2. September 2025 eine Identifikationsanfrage an 

die tunesischen Behörden übermittelt hatte (MI-act. 147), wurde der Ge-

suchsgegner am 23. Oktober 2025 durch die tunesischen Behörden als 

A._____, geboren am tt.mm.jjjj, identifiziert (MI-act. 162, 165 f.). 

 

Am 18. Dezember 2025 ordnete das MIKA die vorläufige Festnahme und 

direkte Zuführung des Gesuchsgegners im Anschluss an den Strafvollzug 

an (MI-act. 201). 

 

Dem Entscheid des Amtes für Justizvollzug des Sicherheitsdepartementes 

des Kantons Basel-Statt vom 27. November 2025 ist zu entnehmen, dass 

der Gesuchsgegner per 5. Januar 2026 bedingt aus der Haft entlassen wer-

den soll (MI-act. 171 ff.). Gemäss Transportauftrag der Haftleitstelle der 

Kantonspolizei Basel-Stadt wurde der Gesuchsgegner am 5. Januar 2026, 

06.15 Uhr, der Kantonspolizei Aargau zu Handen des MIKA übergeben (MI-

act. 200). 

 

B. 

Im Rahmen der Befragung durch das MIKA wurde dem Gesuchsgegner am 

5. Januar 2026 das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung einer Aus-

schaffungshaft gewährt (MI-act. 212 ff.). Im Anschluss an die Befragung 

wurde dem Gesuchsgegner die Anordnung der Ausschaffungshaft wie folgt 

eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet. 
 

 - 4 - 

 

 

2. 
Die Haft begann am 5. Januar 2026, 06.15 Uhr. Sie wird in Anwendung 
von Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 4. April 2026, 12.00 Uhr, angeord-
net. 
 
3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) oder im Gefängnis Bässlergut Basel vollzogen. Soweit für die Befra-
gung oder die Durchführung einer Haftverhandlung zwingend, erfolgt die 
Inhaftierung für die notwendige Dauer im Bezirksgefängnis Aarau.  

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des Verwal-

tungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner befragt. 

 

D. 

Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung (Proto-

koll S. 6, act. 49). 

 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 6, act. 49; 

52): 

 

1. 
Der Antrag auf Anordnung der Ausschaffungshaft sei abzuweisen. Herr 
A._____ sei per sofort aus der Haft zu entlassen. 
 
2. 
Herrn A._____ sei als amtlicher Rechtsbeistand der Sprechende zu be-
stellen bzw. sei der Sprechende in dieser Funktion zu bestätigen. 
 
3. 
Die Verfahrens- und Vollzugskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. 
 
4. 
Dem amtlichen Rechtsvertreter sei eine angemessene Entschädigung zu-
zusprechen. 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und Angemessen-

heit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft aufgrund einer 

mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden (Art. 80 Abs. 2 des 

Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die In-

tegration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- und Integrationsgesetz, 

AIG; SR 142.20], § 6 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 

25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die Haftüberprüfungsfrist be-

ginnt mit der ausländerrechtlich motivierten Anhaltung der betroffenen Per-

son zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2. b/aa). 

 - 5 - 

 

 

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde der Gesuchsgegner am 5. Januar 2026, 

06.15 Uhr, aus dem Strafvollzug entlassen und dem MIKA zugeführt. Die 

mündliche Verhandlung begann am 6. Januar 2026, 09.05 Uhr; das Urteil 

wurde um 09.40 Uhr eröffnet. Die richterliche Haftüberprüfung erfolgte so-

mit innerhalb der Frist von 96 Stunden. 

 

II. 

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet 

oder wurde die betroffene Person mit einer erstinstanzlichen Landesver-

weisung belegt, kann die zuständige kantonale Behörde die betroffene Per-

son zur Sicherstellung des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG). 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist bei mig-

rationsamtlichen Wegweisungen gemäss § 13 Abs. 1 EGAR und bei Lan-

desverweisungen gemäss § 89 der Verordnung über den Vollzug von Stra-

fen und Massnahmen vom 23. September 2020 (Strafvollzugsverordnung, 

SMV; SAR 253.112) das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die Haftanord-

nung durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde erlassen 

(act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es den Gesuchs-

gegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug sicher-

stellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche Lan-

desverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG).  

 

Das SEM lehnte das Asylgesuch des Gesuchsgegners mit Entscheid vom 

21. Februar 2025 ab, wies ihn aus der Schweiz weg und verpflichtete ihn, 

auch den Schengen-Raum zu verlassen (MI-act. 109 ff.). Da der Wegwei-

sungsentscheid des SEM mit der Ausreise des Gesuchsgegners nach 

Deutschland konsumiert wurde, wies das MIKA den Gesuchsgegner mit 

Verfügung vom 5. Januar 2026 erneut aus der Schweiz und dem Schen-

gen-Raum weg (MI-act. 208 ff.). Damit liegt ein rechtsgenüglicher Wegwei-

sungsentscheid vor. 

 

 - 6 - 

 

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen Grün-

den undurchführbar ist. 

 

Es sind keine Anzeichen vorhanden, die an der Ausschaffungsmöglichkeit 

in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen wür-

den. 

 

3. 

3.1. 

Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG, 

wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten 

lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will, 

insbesondere, weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8 

Abs. 1 lit. a oder Art. 47 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

(AsylG, SR 142.31) nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser Gesetzesbestim-

mung konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich eine Person der 

Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen bisherigen Verhal-

tens, insbesondere auch gegenüber den Behörden, sowie ihrer eigenen 

Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten für sich eine Aus-

schaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der Gesamtheit der 

Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige Anhaltspunkte 

dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung entziehen und un-

tertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der Wegweisung ent-

ziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich gefährdet er-

scheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).  

 

Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem 

auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen Per-

son darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen wi-

dersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).  

 

Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis 

kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als Präzisie-

rung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die beiden 

Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl. AN-

DREAS ZÜND, in: Spescha/Bolzli/de Weck/Hruschka/Priuli/Zünd [Hrsg.], 

Kommentar Migrationsrecht, 6. Aufl., Zürich 2026, N. 7 zu Art. 76 AIG; 

JANINE SERT, in: Caroni/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum 

Ausländer- und Integrationsgesetz [AIG], 2. Aufl., Bern 2024, N. 17 zu 

Art. 76). 

 

3.2. 

Der Gesuchsgegner ist aufgrund der Wegweisungsverfügung des MIKA 

verpflichtet, die Schweiz und den Schengen-Raum Weg zu verlassen (MI-

 - 7 - 

 

 

act. 208 ff.). Aufgrund fehlender Reisepapiere und nachdem der Gesuchs-

gegner nicht belegen konnte, dass er berechtigt wäre, in ein anderes Land 

als sein Heimatland auszureisen, besteht für ihn einzig die Möglichkeit mit 

einem Ersatzreisepapier in sein Heimatland zurückzukehren. Dennoch er-

klärte er anlässlich eines Gesprächs am 11. September 2025 beim MIKA 

sowie anlässlich der Befragung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs am 

5. Januar 2026, er sei nicht zur Ausreise nach Tunesien bereit (MI-act. 153, 

213). Die anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 5. Januar 2026 vorge-

brachte Bereitschaft, zu seiner Familie nach Frankreich auszureisen (MI-

act. 213 f.), stellt keine rechtlich zulässige Alternative zur Rückkehr in sein 

Heimatland dar. Zwar erklärte der Gesuchsgegner anlässlich der heutigen 

Verhandlung, er sei nun doch bereit, nach Tunesien zurückzukehren. Diese 

Bereitschaft erscheint jedoch aufgrund seines bisherigen Verhaltens als 

blosse Schutzbehauptung, um die drohende Ausschaffungshaft abzuwen-

den. Dies umso mehr, als er die Rückkehr nach Tunesien vom Erhalt von 

finanzieller Unterstützung zur Tilgung bestehender Schulden abhängig 

machte (Protokoll S. 4, act. 47). Von einer effektiven Ausreisebereitschaft 

kann damit keine Rede sein. Ebenso kann den in diesem Zusammenhang 

gemachten Vorbringen des Vertreters des Gesuchsgegners, der Gesuchs-

gegner habe nun erkannt, dass ihm keine andere Wahl als die Kooperation 

mit den Behörden bleibe (Protokoll, S. 6, act. 55), nicht gefolgt werden. Mit 

seiner bis anhin stetigen Weigerung zur Ausreise in sein Heimatland setzte 

der Gesuchsgegner klare Anzeichen für eine Untertauchensgefahr, und es 

ist nicht davon auszugehen, dass er die Schweiz nach einer Entlassung 

aus der Ausschaffungshaft freiwillig in Richtung Tunesien verlassen würde. 

Vielmehr wäre damit zu rechnen, dass der Gesuchsgegner illegal zu seiner 

Familie nach Frankreich reisen und von dort wieder in die Schweiz zurück-

geführt würde.  

 

Hinzu kommt, dass der Gesuchsgegner bereits einmal unbekannten Auf-

enthalts war (MI-act. 121). Er hielt sich den Behörden demnach bereits in 

der Vergangenheit nicht zur Verfügung. Auch dieses Verhalten zeigt, dass 

er nicht bereit ist, behördlichen Anordnungen Folge zu leisten und in Bezug 

auf seine Ausreise zu kooperieren. Damit ist der Haftgrund von Art. 76 

Abs. 1 lit. b Ziff. 3 und 4 AIG erfüllt. 

 

3.3. 

Ein weiterer Haftgrund stellt Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 

lit. h AIG dar, wonach eine Person in Haft genommen werden kann, wenn 

sie wegen eines Verbrechens verurteilt worden ist. Verbrechen sind ge-

mäss Art. 10 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. De-

zember 1937 (StGB, SR.311.0) Taten, die mit einer Freiheitsstrafe von 

mehr als drei Jahren bedroht sind. Für den Haftgrund nach Art. 76 Abs. 1 

lit. b Ziff. 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. h AIG ist erforderlich, dass eine rechts-

kräftige Verurteilung vorliegt (ANDREAS ZÜND, a.a.O., N. 15 zu Art. 75 AIG). 

 

 - 8 - 

 

 

Gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei diesem 

Haftgrund keine Prognose darüber erforderlich, ob sich die ausländische 

Person dem Vollzug der Wegweisung tatsächlich entziehen wird. Vielmehr 

besteht aufgrund der schweren Straffälligkeit eine gesetzliche Vermutung, 

dass sich eine wegen eines Verbrechens verurteilte Person behördlichen 

Anordnungen widersetzen und versuchen wird, sich der Ausschaffung zu 

entziehen (Urteile des Bundesgerichts 2C_455/2009 vom 5. August 2009, 

Erw. 2.1 und 2C_312/2018 vom 11. Mai 2018, Erw. 3.2). 

 

Der Gesuchsgegner wurde von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft 

mit Strafbefehl vom 27. Mai 2024 wegen mehrfachen versuchten Dieb-

stahls sowie wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz rechtskräftig verurteilt (MI-act. 54 ff.). Darüber hinaus liegen 

weitere rechtskräftige Strafbefehle wegen Diebstahls vor (MI-act. 74 ff., 

79 ff., 122 ff.). Diebstahl wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren 

oder Geldstrafe geahndet und stellt somit ein Verbrechen dar (Art. 10 

Abs. 2 StGB). Der Gesuchsgegner ist somit mehrfach rechtskräftig wegen 

eines Verbrechens verurteilt worden, womit der Haftgrund von Art. 76 

Abs. 1 lit. b Ziff. 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. h AIG ebenfalls erfüllt ist. 

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor (Proto-

koll S. 5, act. 48). 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem Beschleu-

nigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung geschenkt 

hätte. 

 

6. 

Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der 

Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchsgegners 

abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen kann, ist die 

beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass das MIKA bisher stets bemüht war, Ausschaffungen so rasch wie 

möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner bisherigen Ge-

wohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die Möglichkeit, ein 

Haftentlassungsgesuch zu stellen.  

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu 

bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der Verhältnis-

mässigkeit verstossen würde.  

 

Dass die Ausschaffungshaft geeignet ist, den Vollzug der Wegweisung si-

cherzustellen, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Ausführungen. 

 - 9 - 

 

 

Gleiches gilt mit Blick auf die Notwendigkeit der Anordnung einer Ausschaf-

fungshaft (vgl. oben Erw. II/3). 

 

Eine mildere Massnahme zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung 

ist überdies vorliegend nicht ersichtlich. Entgegen den Vorbringen des amt-

lichen Vertreters des Gesuchsgegners (Protokoll S. 6, act. 55) reicht eine 

Meldepflicht oder eine Eingrenzung auf das Gebiet des Kantons Aargau 

nicht aus, da dadurch nicht sichergestellt werden kann, dass der Gesuchs-

gegner tatsächlich ausreisen wird. Dies gilt umso mehr, als der Gesuchs-

gegner bereits einmal unbekannten Aufenthalts war (MI-act. 121). 

 

Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden. Der Gesuchsgegner 

macht auch nicht geltend, er sei nicht hafterstehungsfähig und führt auch 

sonst nicht aus, inwiefern die Haft unverhältnismässig wäre. Insgesamt 

sind keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete Haft als unver-

hältnismässig erscheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Dem Gesuchsgegner ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein amtlicher 

Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für eine Dauer 

von mehr als 30 Tagen anordnete. Der Vertreter des Gesuchsgegners wird 

aufgefordert, nach Haftentlassung des Gesuchsgegners seine Kostennote 

im Verfahren WPR.2026.1 einzureichen. 

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein Haftentlassungsge-

such frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung gestellt werden kann 

(Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist (§ 15 Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine Ver-

handlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische Gerichts- und 

Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359 ff., Erw. I/4.3 ff.). Im Rahmen 

der Befragung zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs hat das MIKA 

dem Gesuchsgegner daher die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchfüh-

rung einer mündlichen Verhandlung wünscht und ob er in diesem Fall eine 

Präsenzverhandlung verlangt oder mit einer Verhandlung via Videotelefo-

nie einverstanden ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. No-

vember 2021). Die Anordnung einer allfälligen Haftverlängerung ist dem 

 - 10 - 

 

 

Verwaltungsgericht spätestens acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten 

Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 5. Januar 2026 angeordnete Ausschaffungshaft wird bis zum 4. Ap-

ril 2026, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 

oder im Gefängnis Bässlergut Basel zu vollziehen. Für die Dauer der Be-

fragung oder die Durchführung einer Haftverhandlung kann die Inhaftie-

rung, soweit zwingend notwendig, im Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Der Gesuchsgegner ist spätestens am 7. Januar 2026 ins Zentrum für aus-

länderrechtliche Administrativhaft Zürich oder in eine andere Haftanstalt, 

welche den Anforderungen an eine Haftanstalt für Ausschaffungshaft ent-

spricht, zu überführen. Erfolgt keine Überführung, ist der Gesuchsgegner 

aus der Haft zu entlassen. 

 

4. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

5. 

Als amtlicher Rechtsvertreter wird lic. iur. Dominic Frey, Rechtsanwalt, 

Aarau, bestätigt. Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach Haftentlas-

sung des Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 - 11 - 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-rechtli-

chen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bun-

desgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz; BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 6. Januar 2026 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Busslinger Angliker