# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad4d720b-2bc4-5c59-8f86-57270b241f70
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-21
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 1.1.2008 - 31.12.2008 und 1.1.2009 - 31.12.2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 1.1.2008 - 31.12.2008 und 1.1.2009 - 31.12.2009
**Docket/Reference:** DB.2014.208
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2014_208_sr.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2014.208 
1 ST.2014.262 

Entscheid 

 21. August 2018 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Walter Balsiger, Steuerrichter Michael Ochsner, Ersatzrichter  
Oliver Untersander und Gerichtsschreiberin Andrea Schmid 

A   A G ,    

vertreten durch B AG,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführerin/ 
Rekurrentin,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,   

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 1.1.2008 - 31.12.2008 und 1.1.2009 - 31.12.2009 sowie 
Staats- und Gemeindesteuern 1.1.2008 - 31.12.2008 und 1.1.2009 - 31.12.2009 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. 1. A AG (nachfolgend die Pflichtige) erbringt Beratungsdienstleistungen im 

"Private  Equity"-Bereich.  Sie  wird  je  zu  50%  von  C  und  D  gehalten,  beides  Vermö-

gensverwalter mit langjähriger Erfahrung im Private Equity-Geschäft. Die Gesellschaft 

erbrachte  in  den  streitbetroffenen  Jahren  2008  und  2009  praktisch  ausschliesslich  

Beratungsdienstleistungen  gegenüber  der  E  Ltd.,  einer  Körperschaft  nach  dem  Recht 

von  F  (nachfolgend  E).  E  ist  der  General  Partner  der  "G",  einer  Limited  Partnership 

nach dem Recht von F, welche als Anlagegefäss für Investoren dient (nachfolgend G 

oder der Fonds). Sie ist eine geschlossene kollektive Kapitalanlage, die in mittelständi-

sche  Unternehmen  in  der  Schweiz  und  im  angrenzenden  deutschsprachigen  Ausland 

investiert. E wird ebenfalls je zur Hälfte von den Herren C und D gehalten, jeweils indi-

rekt  über  ihnen  zu  100%  gehörende,  im  Kanton  H  domizilierte  Aktiengesellschaften 

(I AG bzw. J AG).  

Die  Beratungstätigkeit  der  Pflichtigen  gegenüber  E  ist  in  einem  "Investment 

Advisory  Agreement"  geregelt,  welches  eine  Beratungsgebühr  von  1.5%  ("Advisory 

Fee") des zugesagten Kapitals ("committed capital") vorsieht. Vom Fonds, d.h. von G, 

erhält  E  als  General  Partner  eine  Vermögensverwaltungs-Gebühr  von  2.25%  ("Ma-

nagement  Fee"),  neben  einer  allfälligen  zusätzlichen  Performance-Gebühr  von  20% 

(bei einer Hurdle-Rate von 8%).  

2. Für die Steuerperioden 2008 und 2009 führte das kantonale Steueramt eine 

Buchprüfung  bei  der  Pflichtigen  durch.  Nach  weiteren  Abklärungen  und  Besprechun-

gen  mit  den  Vertretern  der  Pflichtigen  wurden  doppelt  verbuchte  Konsumationsauf-

wendungen  von  total  Fr.  8'264.-  (2008)  sowie  private  Lebenshaltungskosten  von 

Fr. 3'314.- (2008) und Fr. 1'944.- (2009) aufgerechnet. Die Hauptaufrechnungen betra-

fen indes solche für eine Gewinnvorwegnahme im Betrag von Fr. 46'950.- (2008) und 

Fr. 601'165.- (2009). Das Steueramt stellte sich auf den Standpunkt, die Advisory Fees 

seien  zu  tief  und  die  entsprechenden  Beträge  zu  korrigieren.  Es  kam  aufgrund  einer 

Funktionsanalyse zum Schluss, dass sämtliche werttreibenden Funktionen (Kapitalbe-

schaffung/Investorensuche,  Portfoliomanagement,  Exitentscheidung)  und  Risiken  der 

Pflichtigen zuzuordnen seien, während E lediglich Routinefunktionen ausübe und keine 

Risiken  trage.  Es  ging  bei  der  Korrektur  dergestalt  vor,  dass  es  den  operativen  Ge-

samtgewinn  der  Pflichtigen  und  E  ermittelte,  den  Gewinnanteil  von  E  mit  10%  der  

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(gesamten eigenen) Kosten festsetzte und in der Folge den Restgewinn der Pflichtigen 

zuteilte  (Details  der  Berechnung).  Es  veranlagte  die  Pflichtige  am  7.  März  2014  mit 

steuerbaren Erträgen von Fr. 61'300.- (2008) und Fr. 603'400.- (2009) und mit steuer-

baren Eigenkapitalien von Fr. 102'000.- (2008) und Fr. 103'000.- (2009) für die Staats- 

und Gemeindesteuern.  

B.  Die  hiergegen  erhobene  Einsprache  wies  das  kantonale  Steueramt  am 

23. September 2014 ab. Es wies dabei auch den Eventualantrag der Pflichtigen ab, die 

Steuern, die aus der Aufrechnung resultieren, zu berücksichtigen.  

C.  Hiergegen  erhob  die  Pflichtige  am  23.  Oktober  2014  Rekurs  bzw.  Be-

schwerde  und  wiederholte  im  Wesentlichen  ihre  Einsprachebegehren.  Zudem  wurde 

weiterhin  im  Eventualstandpunkt  beantragt,  die  durch  die  Aufrechnung  ausgelösten 

Steuern gewinnmindernd zu berücksichtigen. Sodann beantragte sie die Zusprechung 

einer Parteientschädigung. 

Das  kantonale  Steueramt  und  die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV) 

schlossen mit Vernehmlassungen vom 19. November 2014 bzw. 9. März 2015 auf Ab-

weisung der Rechtsmittel. 

Nach  zwischenzeitlicher  Verfahrenssistierung  wurde  mit  Präsidialverfügung 

vom  7.  März  2016  die  Einholung  eines  Gutachtens  zur  Bestimmung  der  im  Streit 

liegenden  Verrechnungspreise  angeordnet.  Mit  weiterer  Präsidialverfügung  vom 

16. Mai 2018  wurde  diese  Anordnung  widerrufen  bzw.  als  gegenstandslos  erklärt, 

nachdem der eingesetzte Experte kurz zuvor wegen eines Interessenskonflikts in den 

Ausstand getreten war.  

Auf die Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.  

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Die Pflichtige und E sind Schwestergesellschaften (E wird indirekt gehal-

ten).  Hauptstreitpunkt  ist  vorliegend,  ob  eine  Gewinnvorwegnahme  anzunehmen  ist, 

wie  es  das  Steueramt  verficht.  Es  stellt  sich  auf  den  Standpunkt,  der  Verrechnungs-

preis  für  die  von  der  Pflichtigen  erbrachten  Leistungen  –  die  Advisory  Fee  –  sei  sub-

stanziell zu erhöhen und steuerlich zu korrigieren. Dadurch, dass die Pflichtige nur eine 

Beratungsgebühr  von  1.5%  erhielt  (und  E  die  Differenz  zu  2.25%),  sei  eine  Gewinn-

vorwegnahme  erfolgt.  Die  entsprechende  Korrektur  des  Verrechnungspreises  nimmt 

das Steueramt in der Folge mit einer von beiden Parteien als residuale Gewinnauftei-

lungsmethode bezeichneten Methode vor.  

b) Die Schweizer Steuergesetze enthalten kein explizites Verrechnungspreis-

Recht,  wie  dies  mittlerweile  viele  Steuerordnungen  kennen.  Die  Verrechnungspreis-

Problematik  wird  in  der  Schweiz  über  das  Rechtsinstitut  der  verdeckten  Gewinnaus-

schüttung  (oder  verdeckten  Kapitaleinlage)  erfasst,  in  Form  eigentlicher  verdeckter 

Gewinnausschüttungen  (z.B.  Bezahlung  überhöhter  Preise  an  einen  Nahestehenden) 

sowie  Gewinnvorwegnahmen  (Verzicht  auf  Gewinn/Einnahmen  gegenüber  Naheste-

henden). Es kommen mithin die allgemeinen Normen des Unternehmenssteuerrechts, 

insbesondere Art. 58 Abs. 1 Ziff. 2 lit. b des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-

steuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 64 Abs. 1 Ziff. 2 lit. e des Steuergeset-

zes  vom  8. Juni  1997 (StG)  zur  Anwendung,  wonach "verdeckte Gewinnausschüttun-

gen" dem Saldo der Erfolgsrechnung hinzugerechnet werden.  

c)  In  seiner  Rechtsprechung  zu  den  verdeckten  Gewinnausschüttungen  folgt 

das  Bundesgericht  seit  jeher  dem  sog.  "at  arm’s  length-Standard",  d.h.  dem  Drittver-

gleichsprinzip. Spätestens seit dem "Bellatrix-Entscheid" (BGE 107 1b 325) ist es eine 

Rechtsprechung,  die  dem  Drittvergleichskonzept  folgt,  verstanden  als  ein  Ist-Konzept 

(keine  Soll-Besteuerung).  Gefragt  wird  danach,  welchen  Preis  unabhängige  Dritte  in 

einer  Marktsituation  vereinbart  hätten.  Auf  die  verdeckten  Gewinnausschüttungen 

übersetzt,  liegen  solche  nach  konstanter  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  vor, 

wenn  ein  Missverhältnis  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung  besteht,  dieses  Miss-

verhältnis  in  der  Aktionärsstellung  begründet  ist  und  das  Missverhältnis  den  Organen 

erkennbar war (BGr, 29. Mai 2012, StE 2012 B 72.22 Nr. 17 = StR 2012, 600).  

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d)  Von  der  Grundkonzeption  –  nämlich  der  Anwendung  des  Drittvergleichs-

prinzips – entspricht die bundesgerichtliche Rechtsprechung praktisch vollständig den 

Grundsätzen, wie sie in den Verrechnungspreis-Richtlinien der OECD seit ihrer Entste-

hung im Jahr 1995 enthalten sind. Schon das OECD-Musterabkommen 1977 folgte seit 

jeher streng dem Drittvergleichsprinzip, im Gegensatz etwa zum UN-Musterabkommen 

und dessen Richtlinien, welche teilweise Regelungen vorsehen, die klar dem Drittver-

gleichsprinzip widersprechen.  

Die  OECD-Verrechnungspreis-Richtlinien  sind  vom  Rang  her 

identisch 

mit  dem  OECD-Kommentar  zum  Musterabkommen,  von  dessen  Kommentierung  zu 

Art.  9  sie  sozusagen  der  ausgegliederte  Verrechnungspreis-Teil  sind.  Sie  haben,  wie 

der Kommentar selber, keine direkte normative Kraft in der Schweiz, können aber als 

Auslegungshilfen  herangezogen  werden,  was  das  Bundesgericht  bei  der  Auslegung 

von  Doppelbesteuerungsabkommen  regelmässig  macht  (siehe  die  Verweise  bei 

Matteotti/Krenger,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Internationales 

Steuerrecht, 2015, Einleitung N 163 ff.). Sie können aber auch als Auslegungshilfe für 

das  unilaterale  Aussensteuerrecht  der  Schweiz  herangezogen  werden,  hier  für  die 

Auslegung von Art. 58 DBG und § 64 StG. Es spricht viel dafür, auch im vorliegenden 

Fall  (trotz  Fehlen  eines  Doppelbesteuerungsabkommens)  die  OECD-Verrechnungs-

preis-Richtlinien  für  die  streitige  Frage  heranzuziehen,  sind  es  doch  vor  allem  techni-

sche Regeln, die das Drittvergleichsprinzip für Steuerpflichtige und Behörden vollzieh-

bar  machen  sollen.  Die  vorliegende  Verrechnungspreis-Frage  ist  deshalb  –  wie  es 

beide  Parteien  letztlich  verlangen  –  nach  den  OECD-Richtlinien  und  den  darin  vor-

gesehenen Methoden zu entscheiden.  

e)  Die  Parteien  sind  sich  zwar  im  Grundsatz  einig,  nämlich  dass  die  OECD-

Richtlinien  anzuwenden  sind,  die  Pflichtige  verficht  aber,  es  seien  die  Richtlinien  des 

Jahres  1995  massgebend,  was  aus  ihrer  Sicht  Auswirkungen  auf  die  anzuwendende 

Methode habe. Zur zeitlichen Komponente der Richtlinien sowie deren Verhältnis zum 

innerstaatlichen Recht sei Folgendes festgehalten:  

aa)  Vorliegend geht  es um  die  Anwendung  des innerstaatlichen  Aussensteu-

errechts,  und  die OECD-Richtlinien,  egal  welchen  Jahrgangs,  schreiben dem  Rechts-

anwender,  letztlich  den  Steuergerichten,  nicht  vor,  wie  der  Inhalt  dieser  Normen  sein 

soll.  Für  die  innerstaatlichen  Regeln  sind  vielmehr  nur  diejenigen  OECD-Regeln  zu 

übernehmen (im Sinne einer "Auslegungshilfe"), die auch und vor allem den "Schwei-

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zer Drittvergleichs-Test" bestehen. So sind z.B. die Regeln zu "Location Savings" der 

Kommentars-Änderung  aus  dem  Jahr  2015  (OECD-Verrechnungspreis-Richtlinien 

2017,  Rz.  1.139  ff.)  Regeln,  die  dem  Drittvergleichsprinzip  eher  widersprechen  und 

man sich fragen kann, ob sie ohne weiteres übernommen werden sollen. Dies bedeutet 

nicht,  dass  die  Regeln  gerade  zu  den  "Location  Savings"  nicht  auch  in  der  Schweiz 

verbindlich  sein  können:  In  einem  Abkommenskontext  kann  sich  ein  steuerpflichtiges 

Unternehmen  darauf  berufen.  Die  Grundlage  dafür  ist  dann  aber  das  (den  Steueran-

spruch der Schweiz eingrenzende) Staatsvertragsrecht. Umgekehrt ist es wie erwähnt 

sachgerecht, die OECD-Richtlinien so umfassend wie möglich auch für die Auslegung 

des  unilateralen  Aussensteuerrecht  heranzuziehen,  da  diese  Regeln  eine  konsistente 

Methodenlehre  enthalten,  wie  Verrechnungspreise  zwischen  verbundenen  Unterneh-

men zu bestimmen sind, wenn dem Drittvergleichsprinzip gefolgt werden soll.  

bb) An diesem Umstand ändert auch das Kreisschreiben Nr. 4 der ESTV vom 

19.  März  2004  betreffend  Besteuerung  von  Dienstleistungsgesellschaften  nichts.  Das 

Kreisschreiben  ist  lediglich  eine  behördliche  Verlautbarung,  wie  die  Behörde  das  Ge-

setz bzw. dessen Inhalt verstanden wissen will, ohne dass dies die Steuergerichte bin-

den würde. Es kann deshalb auch offen bleiben, ob dieser "Verweis" der ESTV auf die 

(damaligen) OECD-Richtlinien  ein  statischer  oder  dynamischer  Verweis  ist.  Zuzustim-

men  ist  dem  Ansatz  der  ESTV  wie  erwähnt  durchaus:  Die  "Implementierung"  abkom-

mensrechtlicher Regeln in das innerstaatliche Aussensteuerrecht verhindert – sozusa-

gen  durch  Gleichschaltung  –  unnötige  Unterschiede  zwischen  innerstaatlichem  Recht 

und Abkommensrecht.    

2.  a)  Die  Verrechnungspreis-Methodik  der  OECD-Richtlinien  ist  im  Wesentli-

chen  ein  zweistufiger  Prozess.  In  einem  ersten  Schritt  wird  die  Transaktion  ermittelt 

("establishing the  transaction"),  im  zweiten  Schritt  wird  die  Transaktion  bewertet  ("pri-

cing  the  transaction").  Der  erste  Schritt  betrifft  alleine  den  Sachverhalt,  welcher  über 

die  sog.  Funktionsanalyse  ermittelt  wird.  Hierzu  werden  die  ausgeübten  Funktionen 

("functions  performed"),  die  übernommenen  Risiken  ("risk  assumed")  und  die  hierzu 

eingesetzten  Wirtschaftsgüter  ("assets  used")  lokalisiert  und  den  involvierten  Unter-

nehmen zugeordnet. Diese Zuordnung ermöglicht in der Folge zu bestimmen, welches 

Unternehmen  welchem  Unternehmen  welche  Leistung  erbringt.  Denn  nur  wenn  fest-

steht, welche Leistung erbracht wurde, kann der zweite Schritt, das Ermitteln des Ver-

rechnungspreises,  erfolgen  ("Bepreisung").  Die  Funktionsanalyse  ermittelt  und  lokali-

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siert mithin die Funktionen (Nicht-Routine- und Routine-Funktionen), was bei Produkti-

onsbetrieben einfach ist (Ort der Fabrik). Bei vielen wertschöpfenden Funktionen aber, 

bei denen eine lokale Zuordnung nicht offensichtlich ist (z.B. das Erschaffen von Imma-

terialgütern), erfolgt die Zuordnung über die natürliche Person: Funktionen werden dort 

zugeordnet, wo die natürlichen Personen, welche die entsprechenden Funktionen aus-

üben, physisch anwesend sind. Der gleiche Anknüpfungspunkt, nämlich über die natür-

liche  Person,  besteht  bei  der  Zuordnung  der  Risiken.  Risiken  werden  dort  lokalisiert, 

wo  die  Personen,  welche  die  entsprechenden  Entscheide  treffen,  anwesend  sind. 

Denn es sind immer Entscheide von Personen, welche Risiken begründen. Es sind die 

Entscheidträger ("risk-taking persons") bzw. der Ort, wo sich diese Personen aufhalten, 

wo die Risiken lokalisiert werden.  

Die  einzelnen  Schritte  der  Funktionsanalyse  hat  die  OECD  im  Jahr  2015 

überarbeitet  und  detailliert(er)  geregelt.  Unter  dem  Titel  "accurately  delineating  the 

actual  transaction"  (OECD-Verrechnungspreis-Richtlinien  2017,  Rz.  1.33  ff.)  hat  die 

OECD die Regeln verfeinert, wie man die tatsächliche Transaktion ermittelt. Oder an-

ders ausgedrückt: Die OECD will die Verrechnungspreise anhand von Leistungen, wie 

sie tatsächlich erbracht wurden ("actual transaction"), bewerten, und nicht wie Leistun-

gen in schriftlichen Verträgen der verbundenen Parteien zum Ausdruck kommen. Diese 

Regeln  sind  zwar  erst  in  der  Überarbeitung  2015  detaillierter  formuliert  worden,  sind 

aber schon in den Richtlinien von 1995 angelegt. Auf jeden Fall entsprechen diese neu 

ausformulierten  Regeln seit  jeher  den Grundsätzen,  wie  sie  das  Bundesgericht  inner-

staatlich  anwendet.  Klarer  Ausdruck  hiervon  ist  die  doppelbesteuerungsrechtliche 

Rechtsprechung  zu  Briefkastengesellschaften.  Hier  teilt  das  Bundesgericht  seit  jeher 

die  Besteuerungsbefugnis  demjenigen  Kanton  zu,  wo  die  Gesellschaft  über  tatsächli-

che Substanz verfügt. Nichts anderes erfolgt in der Funktionsanalyse: Es wird ermittelt, 

wo  die  Funktionen  tatsächlich  ausgeübt  werden,  wer  welche  Risiken  tatsächlich  trägt 

und wer welche betrieblichen Vermögenswerte tatsächlich einsetzt.  

Der zweite Schritt betrifft die "Bepreisung". Auch dieser Schritt ist letztlich eine 

Sachverhaltsfrage  (Bestimmung  des  Preises),  der  Prozess  ist  aber  mit  zahlreichen 

Wertungen  durchsetzt,  die  in  den  Methoden  der  Richtlinien  zum  Ausdruck  kommen. 

Es  müssen  die  angemessenste  Methode  ermittelt  ("most  appropriate  method"),  allen-

falls  die  "tested  party"  bestimmt,  die  Vergleichspreise  ("comparables")  definiert  (in-

tern/extern)  sowie  ermittelt  und  schliesslich  die  gewählte  Methode  korrekt  umgesetzt 

werden.  

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b) Das Steueramt hat das Geschäftsmodell der Pflichtigen richtig wiedergege-

ben:  Für  eine  Private  Equity-Gesellschaft  wie  die  Pflichtige  sind  die  werttreibenden 

Funktionen  zum  einen  die  Mittelbeschaffung  (Akquisition  von  Investoren,  die  gewillt 

sind,  in  den  entsprechenden  Fonds  zu  investieren).  Die  Beschaffung  von  Investoren-

Gelder schafft erst die Grundlage für Einkommen für die Pflichtige. Zum anderen ist es 

das  eigentliche  Portfolio-Management,  d.h.  die  Evaluierung  und  Auswahl  der  Zielge-

sellschaften,  der  Entscheid,  ein  Investment  in  eine  entsprechende  Zielgesellschaft 

zu machen, und die Nachbetreuung der Zielgesellschaft, was schliesslich in einen er-

folgreichen  Exit  münden  soll.  Bei  Private  Equity-Investments  sind  die  Portfolio-

Tätigkeiten  weitaus  intensiver  als  bei  Investments  in  leicht  verwertbare  bzw.  liquide 

Titel. Im Auswahlprozess müssen – neben dem eigentlichen Due Diligence-Prozess – 

Gespräche/Verhandlungen  mit  Eigentümern  und  Management  geführt  werden,  nach 

dem  Anlage-Entscheid  wird  oftmals  im  Verwaltungsrat  Einsitz  genommen  oder  das 

Management  in  anderer  Weise  begleitet,  um  dann  im  richtigen  Zeitpunkt  den  Exit  zu 

entscheiden. Gleiches gilt auch für die Investoren-Suche: Für geschlossene Fonds wie 

dem  vorliegenden,  mit  Investments  in  massgebliche  Beteiligungen  mittelständischer 

Unternehmen, kommen nur qualifizierte Investoren mit einem gewissen Risiko-Appetit 

in Frage. 

c) Das Steueramt hat eine Bücherrevision durchgeführt, es wurden zahlreiche 

Unterlagen (Protokolle, Offering Memorandum und dgl.) zu den Akten gegeben und es 

wurden  Verhandlungen  zwischen  dem  Steueramt  und  der  Pflichtigen  durchgeführt. 

Nach diesen Abklärungen kam das Steueramt in seiner Funktions- und Risikoanalyse 

zum  Ergebnis,  dass  sämtliche  wertschöpfenden  Funktionen  in  der  Schweiz  ausgeübt 

wurden, nämlich durch die beiden Fonds-Promotoren sowie die Angestellten der Pflich-

tigen,  dass  die  Risiken  ebenfalls  bei  der  Pflichtigen  zu  lokalisieren  sind  und  dass 

die  E  lediglich  Routine-Funktionen  im  Zusammenhang  mit  der  Fonds-Administration 

ausgeübt  hat.  Diesen  sachverhaltsmässigen  Feststellungen  kann  sich  das  Steuerre-

kursgericht vollumfänglich anschliessen. Auch für das Steuerrekursgericht ist sachver-

haltsmässig  erstellt,  dass  sämtliche  wertschöpfenden  Funktionen  von  der  Pflichtigen 

ausgeübt wurden und dass die entsprechenden Risiken ebenfalls bei der Pflichtigen zu 

lokalisieren sind, während die E lediglich Administrations-Aufgaben im Zusammenhang 

mit der Fonds-Administration und dem "Unterhalt" der Investitionsgefässe (Stellen von 

Board-Mitgliedern/Directors, Verantwortung für gesellschaftsrechtliche Compliance und 

dgl.) wahrgenommen hat. Im Einzelnen:  

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aa)  Das  Steueramt  bringt  zu  Recht  vor,  dass  in  F  keine  natürlichen 

Personen  arbeiten,  welche  die  entsprechenden  Fachkenntnisse  als  Private  Equity-

Vermögensverwalter  haben.  Dem  ist  zuzustimmen:  Das  Private  Placement  Memoran-

dum  präsentiert  das  Investment-Team  mit  den  beiden  Eigentümern  und  Promotoren 

des Fonds als erfahrene Private-Equity-Manager an vorderster Stelle. Die Personen in 

F, welche nach Darstellung der Pflichtigen mindestens 31% zur Wertschöpfung beige-

tragen und die Investmententscheide getroffen haben sollen, sind dort nicht aufgeführt. 

Es  wirkt  zudem  realitätsfremd  anzunehmen,  dass  die  beiden  Directors,  welche  von 

lokalen Service-Providern angestellt sind, Verhandlungen mit Investoren und Stakehol-

dern  von  Zielgesellschaften geführt  und schliesslich  den  Investment-Entscheid  getrof-

fen haben sollen. Zudem verfügte die E über keine Büroräumlichkeiten. Wie es sich mit 

dem Umstand verhält, dass im Jahr 2011 die beiden Directors formell mit einem Jah-

ressalär von je GBP 15‘000.- angestellt wurden und E im Jahr 2012 für monatlich GBP 

475.- ein Büro gemietet hat, kann hier offen bleiben.  

bb)  Sodann  führt  das  Steueramt  zu  Recht  das  Missverhältnis  der  operativen 

Ergebnisse  an.  Beispielhaft  ist  das  Jahr  2009,  in  welchem  E  einen  Gewinn  von 

Fr. 600'865.-  bei  Kosten  von  Fr.  16'782.-  erzielte,  während  der  Pflichtigen  bei  Kosten 

von Fr. 1'625'519.- ein Gewinn von Fr. 385.- verblieb.  

cc) Welche Tätigkeiten die Personen in F neben der Fondsadministration und 

dem "Unterhalt der Investitionsgefässe" tatsächlich wahrgenommen haben sollen, führt 

die  Pflichtige  nicht  aus.  Sie  bleibt  pauschal  ("Die  Mittelbeschaffung  umfasst 

die Kapitalbeschaffung, die Akquise von Investoren sowie die Investorenpflege. Diese 

Tätigkeiten  werden  vorwiegend  durch  die  E  durchgeführt."),  ohne  zu  substantiieren, 

geschweige  denn  nachzuweisen,  welche  Personen  in  F  tatsächlich  z.B.  "Investoren-

pflege" betrieben haben sollen. Sie verweist vielmehr zur Hauptsache auf das "Invest-

ment Advisory Agreement" vom … 2010, welches eine drittkonforme Regelung sei und 

die  Beziehung  zwischen  der  Pflichtigen  und  E  regle.  Nach  diesem  Vertrag  sei  die 

Pflichtige  lediglich  "Investment-Adviser"  (Vermögensberater),  während  E  der  "Invest-

ment-Manager"  (Vermögensverwalter)  sei.  Nach  dieser  Vereinbarung  verpflichtet  sich 

die  Pflichtige,  praktisch  sämtliche  Aufgaben,  welche  das  Vermögensverwaltungsge-

schäft  nach  sich  zieht,  auf  Mandatsbasis  gegenüber  E  zu  erbringen  (z.B.  Evaluation 

und  Identifizierung  von  Investment-Möglichkeiten,  fortlaufendes  Risiko-Management/ 

Überwachung  der  Anlagen/Performance).  Schlüsselstelle  der  Vereinbarung  ist  aus 

Sicht der Pflichtigen wohl Art. 4.1 lit. c: "During the continuance of this Agreement the 

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Investment Adviser shall perform the following investment advisory duties in respect of 

the  Partnership: (c) recommend  to the General Partner  the  acquisition  and/or  realisa-

tion of Investments." Die Pflichtige macht folglich nur Anlage-Vorschläge, welche dann 

–  so  die  Darstellung  der  Pflichtigen  –  von  E  unter  deren  Verantwortung  entschieden 

und umgesetzt würden. Zudem wurden entsprechende Protokolle von Board-Meetings 

eingereicht, worin es z.B. heisst: "Consider and subsequent approval of an investment 

proposal in K S.A. […]". Auch wenn der Vertrag dem Buchstaben nachgelebt wurde, so 

gilt das oben Gesagte gleichsam: Dass die von Service Providern angestellten Perso-

nen,  die  als  Directors  von  E  die  Investment-Entscheide  tatsächlich  und  "in  letzter  In-

stanz" getroffen haben sollen, wirkt abwegig. So ist denn auch kein einziger Vorschlag 

abgewiesen  worden,  sondern  die  Vorschläge  wurden  jeweils  immer  "approved"  und 

sind dann nur noch formalisiert worden. Hätte E einen Vorschlag abgewiesen oder sich 

geweigert,  einen  solchen  umzusetzen,  wären  diese  Personen  einfach  ausgewechselt 

worden. Dass die beiden Promotoren des Fonds die Endverantwortung für ihre Investi-

tionsentscheide  tatsächlich  abgetreten  haben  –  wie  dies  nach  dem Wortlaut  der  Ver-

einbarung geschehen sein soll –, wirkt nicht nur künstlich, sondern steht in klarem Wi-

derspruch zum Private Placement Memorandum: Die beiden Promotoren und ihr Team 

sind  das  eigentliche  Verkaufsargument  des  Fonds.  Daraus  folgt,  dass  das  Steueramt 

zu Recht die Zuständigkeit und die entsprechende Endverantwortung über die Anlage-

entscheide, und damit auch das damit verbundene Risiko, bei der Pflichtigen lokalisiert.  

dd) Das Steueramt hat die Funktionsanalyse mithin korrekt vorgenommen und 

die richtigen Schlüsse gezogen: Die Pflichtige ist nicht bloss Investment-Adviser, son-

dern der eigentliche Investment-Manager, der alle wertschöpfenden Funktionen ausübt 

und die entsprechenden Risiken trägt, während E lediglich als formelles Vollzugsorgan 

der  von  den  Fondspromotoren  getroffenen  Anlage-Entscheide  wirkte.  In  die  Sprache 

der Verrechnungspreis-Richtlinien übersetzt, bedeutet dies: Die Pflichtige ist der Entre-

preneur,  und  nicht  die  E,  wie  es  das  Investment  Advisory  Agreement  dem  Wortlaut 

nach vorgibt.  

Das Steueramt bezeichnet sein Vorgehen als "Substance-over-Form"-Ansatz, 

was  das  Vorgehen  methodisch  korrekt  einfängt.  Es  ist  insbesondere  keine  Form  der 

Steuerumgehungsdoktrin, welche hier anzuwenden ist. Bei einer Steuerumgehung wird 

ein tatsächlich erfolgter und in ein bestimmtes zivilrechtliches Rechtskleid gegossener 

Vorgang  die  steuerliche  Anerkennung  verweigert  und  die  Steuerfolgen  anhand  eines 

fingierten,  steuerlich  "korrekten"  Sachverhalts  bestimmt.  Hier  verhält  es  sich  anders: 

1 DB.2014.208 
1 ST.2014.262 

 
 
 
 
 
 
 
- 11 - 

Das zivile Rechtskleid bildet nicht den tatsächlichen Vorgang ab, sondern Rechtskleid 

und Sachverhalt klaffen auseinander.  

3. a) Ist die Funktionsanalyse erstellt, folgt der zweite Schritt, die Bestimmung 

des Verrechnungspreises. Aufgrund der Funktionsanalyse steht auch fest, welche Leis-

tungen  zu  bepreisen  sind:  Es  sind  umfassende  Vermögensverwaltungs-Leistungen 

(und  nicht  blosse  Vermögensberatungs-Leistungen),  welche  die  Pflichtige  der  E  er-

bracht hat und angemessen zu entschädigen sind. Man kann das Resultat der Funkti-

onsanalyse auch umgekehrt formulieren: Die Pflichtige als Vermögensverwalterin hätte 

die volle Vermögensverwaltungs-Gebühren vom Fonds erhalten sollen, während E ihre 

Dienstleistung  der  Pflichtigen  entsprechend  hätte  verrechnen  müssen.  Es  sind  dies 

spiegelbildliche  Sichtweisen,  die  letztlich  durch  den  von  der  Pflichtigen  vorgenommen 

Set-Up  verursacht  wurden:  Anstatt  dass  der  Entrepreneur,  hier  die  Pflichtige,  die  Ge-

bühren  vom  Fonds  erhält  und  E  Rechnung  stellt 

für 

ihre  Administrations-

Dienstleistungen,  wird  die  Sache  umgedreht:  E  wurde  formell  zum  Entrepreneur  und 

die Pflichtige zum risikoarmen Dienstleister gemacht. 

b) Die Pflichtige stellt sich auf den Standpunkt, die Preisbestimmung sei nach 

der  sog.  Preisvergleichsmethode  vorzunehmen  ("comparable  uncontrolled  price 

method",  CUP-Methode),  wie  dies  die  OECD-Verrechnungspreis-Richtlinien  aus  dem 

Jahre  1995  vorschreiben,  "welche  die  Preisvergleichsmethode  ausdrücklich  favori-

siert."  Sie  reicht  hierzu  eine  Übersicht  von  32  Schweizer  Private  Equity-Fonds  ins 

Recht,  woraus  sich  durchschnittlich  eine  Grundvermögensverwaltungs-Gebühr  (Ma-

nagement Fee) von 1% ergebe. Demnach sei die Beratungsgebühr, welche die Pflich-

tige erhalten habe (rund 1.5%), sogar über diesem Durchschnitt und – so sinngemäss 

die Pflichtige – deshalb drittkonform. Des Weiteren reichte die Pflichtige einen Transfer 

Pricing  Review  von  K  ins  Recht,  der  zum  selben  Ergebnis  kommt.  Im  Wesentlichen 

wehrt  sich  die  Pflichtige  gegen  die  Anwendung  der  residualen  Gewinnaufteilungsme-

thode, wie sie das Steueramt vorgenommen hat.  

c)  Es  ist  zutreffend,  dass  die  Richtlinien  die  CUP-Methode  favorisieren,  und 

zwar  nicht  nur  die  Richtlinien  aus  dem  Jahr  1995,  sondern  auch  diejenige  aus  dem 

Jahr 2010. Dies gilt – zumindest im Grundsatz – auch unter den aktuellsten Richtlinien 

(OECD-Verrechnungspreis-Richtlinien  2017,  Rz.  2.1  ff.,  insbesondere  Rz.  2.3),  wobei 

aber  die  Gewinnmethoden  aufgewertet  wurden.  Es  ist  aber  keine  feste  Hierarchie, 

1 DB.2014.208 
1 ST.2014.262 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 12 - 

sondern auch die Richtlinien lassen eine andere Methode zu, wenn diese ein Ergebnis 

produzieren, welches "more reliable" ist (Rz. 2.2.). Es kommt hierin ein jeder Verrech-

nungspreis-Analyse  zugrunde  liegendes  Prinzip  zum  Ausdruck:  Es  ist  jeweils  die  an-

gemessenste Methode ("most appropriate method") auszuwählen, welche die verläss-

lichsten  Ergebnisse  hervorbringt.  Als  weiteres  Prinzip  für  die  Methodenwahl  gilt,  dass 

nach  Möglichkeit  die  Verrechnungspreis-Bestimmung  bei  demjenigen  Unternehmen 

anknüpfen sollte, welches am wenigsten komplex ("least complex") ist.  

d)  Die  Pflichtige  verlangt  im  Ergebnis  eine  Preisvergleichsmethode,  die  auf 

externen  Vergleichspreisen  basiert  und  listet  32  Fonds  mit  Angabe  der  Grundvermö-

gensverwaltungs-Gebühr  auf.  Diese  Vergleichspreise  sind  untauglich,  abgesehen  da-

von,  dass  die  Vorbringen  der  Pflichtigen  nicht  konsistent  sind:  Sie  stellt  sich  auf  den 

Standpunkt, es liege lediglich Vermögensberatung vor, führt als Vergleichspreise aber 

Gebühren  für  Vermögensverwaltung  ins  Recht.  Diese  Vergleichspreise  beschränken 

sich  zudem  jeweils  auf  die  Grundvermögensverwaltungs-Gebühren  (Management 

Fee),  ohne  allfällige  Performance-Gebühren  und  ohne  Angaben  über  die  Höhe  der 

verwalteten Vermögen, Anlagestrategie und dgl. Eine Preisbestimmung basierend auf 

diesen  externen  "Vergleichspreisen" kommt  deshalb  von  vornherein  nicht  in  Betracht, 

ist eine Überprüfung der Vergleichbarkeit doch in keiner Weise gegeben.  

Darüber  hinaus  stellt  sich  allgemein  die  Frage,  ob  in  Fällen  wie  dem  vorlie-

genden  die  Preisvergleichsmethode,  angewendet  mit  externen  Vergleichspreisen, 

überhaupt als Methode in Frage kommen kann: Wie die Funktionsanalyse gezeigt hat, 

ist die Pflichtige die komplexe Gesellschaft, die sämtliche wertschöpfenden Tätigkeiten 

ausübt,  während  E  reine  Routinefunktionen  erbringt.  Eine  Methode,  die  in  einer  sol-

chen Konstellation die komplexen Leistungen mit externen Vergleichspreisen ermitteln 

will, führt in der Regel zu weniger verlässlichen Ergebnissen als Methoden, die bei der 

nicht-komplexen Gesellschaft anknüpfen. Die ins Recht gelegte Übersicht ist ein gutes 

Beispiel  für  diesen  Befund:  Die  "Vergleichspreise"  für  die  Grundvermögensverwal-

tungs-Gebühren  bewegen  sich  zwischen  1%  und  1.8%,  während  vorliegend  die 

Grundvermögensverwaltungs-Gebühr,  welche  dem  Fonds  belastet  wird, zwischen  2% 

(ab Fr. 200 Mio.) und 2.25% (bis Fr. 200 Mio.) beträgt. Diese erheblichen Differenzen 

dürften  im  Wesentlichen  in  der  unterschiedlichen  Ausgestaltung  der  Performance-

Gebühren  und  der  Höhe  der  verwalteten  Vermögen  liegen,  was  die  Vergleichbarkeit 

externer Vergleichspreise noch zusätzlich erschwert. Was dies letztlich zeigt: Komple-

xe  und  einzigartige  ("unique")  Leistungen  mittels  externen  Vergleichspreisen  zu  be-

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1 ST.2014.262 

 
 
 
 
 
 
 
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preisen,  ist  mit  erheblichen  Schwierigkeiten  und  Unsicherheiten  verbunden.  Dass 

in  solchen  Fällen  in  der  Regel  eine  andere  Methode  zu  wählen  ist,  ist  schon  in  den 

Richtlinien  aus  dem  Jahr  1995  angelegt  (OECD-Verrechnungspreis-Richtlinien  1995, 

Rz.  2.49):  "In  those  exceptional  situations,  where  there  are  no  data  available  or  the 

available data are not of sufficient quality to rely solely or at all on the traditional trans-

action methods, it may become necessary to address whether and under what condi-

tions other methods may be used."  

e) Die Vergleichspreis-Methode kann im vorliegenden Fall aber durchaus an-

gewendet werden, denn es liegt ein interner Vergleichspreis vor: Die dem Fonds belas-

teten  Gebühren  sind  der  Preis,  den  unabhängige  Dritte  (die  Investoren)  für  Vermö-

gensverwaltung  einschliesslich  Fondsadministration  zahlen.  Es  ist  ein  "halbinterner" 

Vergleichspreis,  denn  es  ist  der  Preis,  den  nicht  die  Pflichtige,  sondern  Egegenüber 

den Dritten vereinnahmt hat. Dennoch kann dieser Vergleichspreis als Ausgangspunkt 

genommen werden: Es ist wie erwähnt der vertragliche Set-Up, der E als Entrepreneur 

auftreten lässt, der die Gebühren als Vermögensverwalter vereinnahmt und in der Fol-

ge  einen  Teil  an  die  Pflichtige  auf  "Beraterbasis"  weiterleitet.  Dieser  Vergleichspreis 

muss  lediglich  angepasst  werden  ("adjusted")  für  die  Routine-Funktionen,  welche  auf 

Stufe  E  erbracht  werden.  Im  Ergebnis  hat  das  kantonale  Steueramt  genau  dies  ge-

macht:  Es  hat  den  Wert  der  Leistungen  der  E  für  die  von  ihr  ausgeübten  Tätigkeiten 

mittels "Kosten plus 10%" ermittelt und von diesem Preis ausgehend die Vermögens-

verwaltungs-Gebühr  der  Pflichtigen  abgeleitet,  welche  diese  der  E  hätte in  Rechnung 

stellen  sollen.  Das  Vorgehen  des  Steueramts  führt  im  Ergebnis  dazu,  dass  von  den 

durch E vereinnahmten Gebühren derjenige Teil bei ihr verbleibt, der sie für die von ihr 

erbrachten Tätigkeiten entschädigt.  

f) Das Steueramt bezeichnet seine Methode im Buchprüfungsbericht als Cost 

plus  10%,  im  Einspracheentscheid  als  residuale  Gewinnaufteilungsmethode.  Die  ge-

nannte Cost plus 10%-Methode entspricht nicht der Kostenaufschlagsmethode gemäss 

Richtlinien.  Diese  Methode  operiert  mit  Bruttomargen,  macht  also  den  Aufschlag  von 

den  "Cost  of goods  sold/services  rendered",  während  das  Steueramt  als  Kostenbasis 

sämtliche  Kosten  (unter  Ausklammerung  des  Finanzergebnisses)  berücksichtigt,  also 

auch  die  operativen  Kosten.  Hält  man  sich  dies  vor  Augen,  erkennt  man,  dass  das 

Steueramt  eigentlich  die  sog.  Nettomargen-Methode  ("Transactional  Net  Margin-

Method"  TNMM)  anwendet,  mit  E  als  "tested  party"  und  dem  Gewinnlevel-Indikator 

"Nettogewinn zu totalen Kosten (ohne Finanzergebnis)", welchen es mit 10% bemisst. 

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1 ST.2014.262 

 
 
 
 
 
 
 
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Diese beiden Methoden – Kostenaufschlag plus 10% auf den vollen operativen Kosten 

einerseits,  Nettomargen-Methode  mit  einem  Gewinnlevel-Indikator  über  volle  Kosten 

mit  10%  andrerseits  –  führen  zum  selben  Ergebnis.  Der  Aufschlag  von  10%  über  die 

vollen Kosten, und damit die Annahme eines Nettogewinns von 10%, erscheint dabei 

angemessen.  Der  vom  Steueramt  vorgenommene  Aufschlag  von  10%  deckt  die  Risi-

ken von E ohne weiteres ab und ist eher grosszügig bemessen; er ist auf keinen Fall 

zu  tief  angesichts  des  Umstands,  dass  die OECD für  wenig  wertschöpfende Tätigkei-

ten  ("low  value-adding  intra-group  services")  als  Safe  Harbour-Regel  5%  postuliert 

(Verrechnungspreis-Richtlinien 2017, Rz. 7.61). Bei dieser Lage der Dinge kann auf die 

ursprünglich vorgesehene Einholung eines Gutachtens zur Bestimmung des (exakten) 

Verrechnungspreises verzichtet werden. 

g) Zusammenfassend folgt daraus: Die Preisvergleichsmethode mittels exter-

ner  Vergleichspreise  ist  nicht  anzuwenden,  weil  die  Vergleichspreise  untauglich  sind 

und  keinerlei  Vergleichbarkeit  zulassen.  Ob  eine  solche  Methode  in  Situationen,  in 

welchen komplexe Leistungen an ein Routineunternehmen erbracht werden, überhaupt 

in Frage kommen kann, kann letztlich offen bleiben. Das Steueramt hat im Ergebnis die 

Nettomargen-Methode  angewendet,  welche  sich  zugleich  auch  als  eine  vertretbare 

Ableitung der Vergleichspreismethode darstellt, die auf internen Vergleichspreisen ba-

siert und Korrekturen für die von E erbrachten Tätigkeiten vornimmt. Dabei ist sowohl 

die Methodenwahl als auch deren Umsetzung auf den vorliegenden Fall nicht zu bean-

standen. Wie man die angewendete Methode letztlich bezeichnet, ist ohne Bedeutung. 

Was auf jeden Fall zutrifft, ist, dass das Vorgehen des Steueramts "richtlinienkonform" 

ist, und zwar auch unter den damals geltenden Richtlinien des Jahres 1995: Auch die 

Richtlinien  1995  lassen  ein  Abweichen  von  der  Vergleichspreismethode  vor,  und  die 

angewendete  Nettomargen-Methode  ist  dort  ebenfalls  vorgesehen  für  Konstellationen 

wie  die  Vorliegende.  Dass  das  Steueramt  kein  Benchmarking  für  den  Nettogewinn 

durchgeführt hat, sondern diesen mit 10% schätzt, ist ebenfalls nicht zu beanstanden, 

da dieser grosszügig, sicher nicht zu tief ist.  

h)  Daraus  folgt,  dass  die  Verrechnungspreis-Korrektur  des  Steueramts 

rechtsbeständig ist.  

4.  a)  Schliesslich  beantragt  die  Pflichtige  die  Korrektur  von  aufgerechneten 

Konsumationsleistungen  und  die  Berücksichtigung  der  Steuern  auf  den  geldwerten 

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1 ST.2014.262 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
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Leistungen.  Was  den  ersten  Punkt  angeht:  Die  Aufrechnung  betrifft  eine  Doppelbu-

chung, d.h., die entsprechenden Aufwendungen sind doppelt verbucht worden, was die 

Treuhänderin  der  Pflichtigen  schon  während  der  Bücherrevision  eingeräumt  hat.  Zu 

diesem Umstand bringt die Pflichtige nichts Neues vor. Mangels Substantiierung hat es 

bei dieser Korrektur zu bleiben.  

b)  Hingegen  ist  der  Antrag,  die  Steuern  zu  berücksichtigen,  gemäss 

bundesgerichtlicher  Rechtsprechung 

(BGr, 19. Dezember 2014,  2C_1218/2013  + 

2C_1219/2013)  begründet.  Die  Steuern  sind  dabei  iterativ  zu  berechnen,  woraus 

sich neu folgende Steuerfaktoren ergeben: 

geldwerte Leistungen, total 
direkte Bundessteuer 
Staats- und Gemeindesteuern 
geldwerte Leistungen, nach Steuern 

8.5% 
18.4% 

Gewinn gemäss Steuererklärung 
Vorjahrsverluste 
total, vor geldwerten Leistungen 
geldwerte Leistung, netto 
steuerbarer Ertrag 
Steuerbarer Ertrag, Bund und Kanton (in Fr.) 

2008 

2009 

58'528.- 
-3'910.- 
-8'600.- 
46'018.- 

42'849.- 
-40'044.- 
2'805.- 
46'018.- 
48'823.- 
48'800.- 

603'109.- 
-40'409.- 
-87'296.- 
475'404.- 

385.- 
0.- 
385.- 
475'404.- 
475'789.- 
475'700.- 

steuerbares Eigenkapital gem. Vorentscheid 
Steuerrückstellung Steuerbilanz 
Eigenkapital für Bundessteuer (in Fr.) 
Eigenkapital Staat und Gemeinde (in Fr.) 

2008 

2009 

  102'805.- 
-12'510.- 
90'295.- 
  100'000.- 

103'190.- 
-127'705.- 
0.- 
100'000.-. 

5.  Dies  führt  zur  teilweisen  Gutheissung  der  Rechtsmittel.  Die  Kosten  des 

Verfahrens  sind  den  Parteien  nach  Massgabe  des  Obsiegens  aufzuerlegen  (Art. 144 

Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG). Da die Pflichtige zur Hauptsache unterliegt, kann ihr 

keine  Parteientschädigung  zugesprochen  werden  (Art.  144  Abs.  4  DBG i.V.m.  Art. 64 

Abs.  1–3  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezem-

ber 1968,  §  152  StG  i.V.m.  §  17  Abs.  2  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  vom 

24. Mai 1959). 

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1 ST.2014.262 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 16 - 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführerin  wird für  die 

direkte Bundessteuer wie folgt veranlagt: 

Steuerperiode 

1.1. - 31.12.2008 

1.1. - 31.12.2009 

steuerbarer 
Reingewinn 

Fr. 

48'800.- 

475'700.- 

Satz 

% 

8,5 

8,5 

massgebendes 
Eigenkapital 

Fr. 

90'295.- 

0.-. 

2.  Der  Rekurs  wird  teilweise  gutgeheissen.  Die  Rekurrentin  wird  für  die  Staats-  und 

Gemeindesteuern wie folgt eingeschätzt: 

steuerbarer 
Reingewinn 

Fr. 

48'800.- 

475'700.- 

Satz 

% 

8,0 

8,0 

steuerbares 
Eigenkapital  Satz 

Fr. 

‰ 

100'000.- 

0,75 

100'000.- 

0,75. 

Steuerperiode 

1.1. - 31.12.2008 

1.1. - 31.12.2009 

[…] 

1 DB.2014.208 
1 ST.2014.262