# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 559547eb-0bff-5204-8a47-c6b4decf9e34
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-09
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 09.08.2017 SK.2017.17
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2017-17_2017-08-09.pdf

## Full Text

Urteil vom 9. August 2017 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Martin Stupf, Vorsitz, 

Sylvia Frei und Joséphine Contu Albrizio, 

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch  

Staatsanwalt des Bundes Hansjörg Stadler,  

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

1. B., vertreten durch Rechtsanwalt Artan Sadiku, 

 

2. C. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Philipp Stud-

halter,  

 

 

 

gegen 

  

A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwältin Manuela 

Schiller,  

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2017.17 

- 2 - 

Gegenstand  Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und gif-

tige Gase in verbrecherischer Absicht, schwere Kör-

perverletzung, mehrfache Sachbeschädigung, began-

gen aus Anlass einer öffentlichen Zusammenrottung, 

mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffge-

setz 

  

- 3 - 

(alle Anträge redaktionell sinngemäss) 

 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen: 

 

-  der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), 

- der schweren Körperverletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB), 

- der mehrfachen Sachbeschädigung, begangen aus Anlass einer öffentlichen Zu-

sammenrottung (Art. 144 Abs. 2 StGB), 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz (Art. 3 Abs. 1, 

Art. 15 Abs. 1 i.V.m. Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG und Art. 17, Art. 22 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG). 

 

2. A. sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, unter Anrechnung der 

ausgestandenen Polizeihaft von 1 Tag, sowie mit einer Busse von Fr. 500.--. 

 

3. Die bei A. am 7. März 2016 beschlagnahmten pyrotechnischen Gegenstände und 

alle Gegenstände gemäss der „Materialauflistung aus HD A. vom 07.03.2016“ des 

WFD seien nach Rechtskraft des Urteils einzuziehen und unbrauchbar zu machen 

oder zu vernichten. 

 

4. Die bei A. am 7. März 2016 beschlagnahmten zwei A4-Seiten mit Auflistungen sowie 

die am 21. Juni 2016 beschlagnahmte Festplatte „WD Elements“ (3.5 Zoll) seien 

nach Rechtskraft des Urteils in den Akten zu belassen.  

 

5. Die Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 13‘312.35 ohne die vom Gericht festzule-

genden Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, seien im reduzierten Betrag von 

Fr. 6‘000.-- A. aufzuerlegen. 

 

6. Es sei der Kanton Luzern als Vollzugskanton zu bestimmen. 

  

- 4 - 

Anträge der Privatklägerschaft B.: 

1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen: 

 

-  der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), 

- der schweren Körperverletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB), 

- der mehrfachen Sachbeschädigung, (Art. 144 Abs. 2 StGB), 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz (Art. 3 Abs. 1, 

Art. 15 Abs. 1 i.V.m. Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG und Art. 17, Art. 22 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG), 

 

und den Anträgen der Bundesanwaltschaft entsprechend zu bestrafen. 

 

2. Die Schadenersatzforderungen des Privatklägers seien im Umfang von Fr. 99.-- so-

wie betreffend die Gesundheitskosten und den Erwerbsausfall dem Grundsatz nach 

gutzuheissen. 

 

3. Der Beschuldigte sei zur Bezahlung einer angemessenen Genugtuung, mindestens 

jedoch Fr. 60‘000.--, an den Privatkläger zu verpflichten. 

 

4. Der Beschuldigte sei zur Übernahme der gesamten Verfahrenskosten sowie zur 

Zahlung einer angemessenen Parteientschädigung an den Privatkläger zu verurtei-

len. 

 

Anträge der Privatklägerschaft C. AG: 

1. Der Beschuldigte sei angemessen zu bestrafen. 

 

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin den gesamten verursachten 

Schaden zu ersetzen. 

 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten. 

 

  

- 5 - 

Anträge der Verteidigung: 

1. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen der mehrfachen vorsätzlichen Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 

StGB), der schweren Körperverletzung (Art. 122 StGB) und der mehrfachen Wider-

handlung gegen das Sprengstoffgesetz (Art. 3 Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 i.V.m. Art. 37 

Ziff. 1 Abs. 1 SprstG und Art. 17, Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG) 

von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

2. Der Beschuldigte sei von der Sachbeschädigung zum Nachteil von B. freizuspre-

chen. 

 

3. Der Beschuldigte sei der einfachen Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) zum 

Nachteil der C. AG schuldig zu sprechen. 

 

4. Er sei dafür angemessen mit einer bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von maxi-

mal 30 Tagessätzen à Fr. 30.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu bestrafen. 

 

5. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte den von der Privatklägerin 

C. AG geltend gemachten Schaden von Fr. 800.-- anerkennt. 

 

6. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers B. sei abzuweisen; eventuell sei es 

auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

7. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass sich der Beschuldigte den Anträgen in Ziff. 4 

(beschlagnahmte Gegenstände und Vermögenswerte [gemäss Anklageschrift]) 

nicht widersetzt. 

 

8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

  

- 6 - 

Sachverhalt: 

A. Am Sonntag, 21. Februar 2016, um 16.00 Uhr, begann das Fussballspiel der 

Super League zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen in der Swisspo-

rarena in Luzern. Kurz nach Anpfiff des Spiels wurden aus dem Gästesektor C6 

des St. Galler Fanblocks zwei Rauch- und zwei Feuerwerkskörper in Richtung 

Spielfeld geworfen. Unmittelbar nach der Detonation des zweiten Feuerwerks-

körpers verliessen mehrere Personen das Stadion, darunter B., der sich in einer 

Distanz von 20,3 Meter zum detonierenden Knallkörper im Sektor D1 der Luzer-

ner Fans befand. B. machte geltend, wegen diesem Ereignis auf dem linken Ohr 

einen massiven Gehörsverlust erlitten zu haben, und seine Jacke habe aufgrund 

des Funkenwurfs Brandlöcher. 

B. Am 22. Februar 2016 meldete sich B. bei der Luzerner Polizei. Er sei am Vortag 

als Zuschauer am Super League-Spiel des FC Luzern gewesen und habe im 

Stadion durch einen Knallkörper, der vom Gästesektor her in seine Richtung ge-

worfen worden sei, einen Gehörsschaden erlitten (pag. BA 10-01-0001 ff.). B. 

konstituierte sich am 22. Februar/7. März 2016 als Privatkläger im Straf- und Zi-

vilpunkt und stellte Strafantrag wegen einfacher Körperverletzung und Sachbe-

schädigung (pag. BA 15-01-0002 und -0010 f.). Er machte Schadenersatz von 

Fr. 120.-- wegen Sachbeschädigung und in unbezifferter Höhe für Arzt- und Spi-

talkosten sowie Genugtuung geltend. Ab 8. August 2016 liess er sich im Verfah-

ren anwaltlich vertreten (pag. BA 15-03-0003).  

C. Am 22. Februar 2016 erhob die C. AG bei der Luzerner Polizei Strafanzeige we-

gen Sachbeschädigung. Sie führte aus, die zwei beim Fussballspiel vom 21. Feb-

ruar 2016 auf das Spielfeld geworfenen Rauchkörper hätten den Rasen des 

Spielfelds an zwei Stellen zerstört (pag. BA 10-01-0012 ff.). Die C. AG konstitu-

ierte sich am 8. März 2016 als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt und stellte 

gegen den Beschuldigten Strafantrag wegen Sachbeschädigung. Sie machte 

Schadenersatz von Fr. 800.-- und eine Genugtuung von Fr. 10‘000.-- geltend 

(pag. BA 15-02-0001).  

D. Die Luzerner Polizei wertete die Aufnahmen aus der Videoüberwachung im Sta-

dion aus. Aufgrund dieser Auswertung konnte A. (nachfolgend: Beschuldigter) 

als mutmassliche Person, welche kurz nach Spielbeginn vier pyrotechnische Ge-

genstände auf das Spielfeld geworfen hatte, identifiziert werden (pag. BA 10-01-

0020). Am 7. März 2016 nahmen die Polizei Ausserrhoden und die Luzerner Po-

lizei den Beschuldigten vorläufig fest (pag. BA 06-00-0001 ff.) und führten an 

dessen Wohnsitz in Z. eine Hausdurchsuchung durch (pag. BA 08-01-0001 ff.). 

- 7 - 

Dabei wurden rund 100 Kilogramm pyrotechnische Gegenstände sichergestellt 

(pag. BA 08-01-0006 ff.; 07-02-0019 ff.; 10-01-0037 ff.).  

E. Die Staatsanwaltschaft Luzern Abteilung 2 Emmen (nachfolgend: Staatsanwalt-

schaft Luzern) eröffnete eine Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten u.a. 

wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Widerhandlungen gegen das 

Sprengstoffgesetz (Akten-Nr. SA2 16 1698 23). Mit Gerichtsstandsanfrage vom 

31. März 2016 ersuchte sie die Bundesanwaltschaft um Übernahme des Verfah-

rens (pag. BA 02-00-0001 ff.). Am 9. Mai 2016 übernahm diese das Verfahren 

gegen den Beschuldigten (pag. BA 02-00-0004; Verfahrens-Nr. SV.16.0539-SH). 

F. Die Bundesanwaltschaft teilte dem Beschuldigten am 15. Juni 2016 die Verfah-

rensübernahme mit und forderte ihn auf, eine Wahlverteidigung zu bestellen 

(pag. BA 16-01-0001). Der Beschuldigte liess sich ab dem 12. Juli 2016 durch 

Rechtsanwältin Manuela Schiller erbeten verteidigen (pag. BA 16-02-0002).  

G. Am 21. Februar 2017 kündigte die Bundesanwaltschaft dem Beschuldigten sowie 

der Privatklägerschaft den Abschluss der Untersuchung an und stellte in Aus-

sicht, gegen den Beschuldigten Anklage zu erheben (pag. BA 16-02-0027 f.). 

H. Mit Verfügungen vom 22. und 29. März 2017 vereinigte die Bundesanwaltschaft 

das Verfahren SA2 16 1698 23 der Staatsanwaltschaft Luzern und ihr Verfahren 

SV.16.0539-SH in der Hand der Bundesbehörden (pag. BA 02-00-0005 ff.). 

I. Am 30. März 2017 erhob die Bundesanwaltschaft gegen den Beschuldigten An-

klage beim Bundesstrafgericht wegen mehrfacher Gefährdung durch Spreng-

stoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), 

schwerer Körperverletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB), mehrfacher Sachbeschädi-

gung, begangen aus Anlass einer öffentlichen Zusammenrottung (Art. 144 Abs. 2 

StGB), und mehrfacher Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz (Art. 3 

Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 i.V.m. Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG und Art. 17 und Art. 22 

Abs. 1 i.V.m. Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG) (TPF pag. 3.100.1 ff.). 

J. Die Verfahrensleitung der Strafkammer erteilte am 19. Mai 2017 Dr. med. D. ei-

nen Gutachterauftrag, welcher die Frage der Gehörsschädigung des Privatklä-

gers B. zum Gegenstand hatte (pag. TPF 3.291.1 ff.). Das Gutachten wurde am 

30. Juni 2017 erstattet (pag. TPF 3.291.8 ff.) und den Parteien für Zusatzfragen 

zugestellt (pag. TPF 3.300.3). Die Bundesanwaltschaft wurde am 27. Juni 2017 

aufgefordert, die vermassten Werkpläne der Swissporarena einzureichen (TPF 

pag. 3.280.3). Diese wurden am 3. Juli 2017 eingereicht (TPF pag. 3.510.10). 

- 8 - 

Von Amtes wegen wurden die Akten um je einen Strafregister- und Betreibungs-

registerauszug sowie um die aktuellen Steuerunterlagen des Beschuldigten er-

gänzt (TPF pag. 3.300.1, 3.280.1, 3.221.1 ff.).  

K. Mit Eingabe vom 28. Juli 2017 stellte und begründete die C. AG ihre Anträge im 

Straf- und Zivilpunkt und stellte diverse Beweisanträge (pag. TPF 3.562.2 ff.). 

L. Die Hauptverhandlung fand am 8. August 2017 in Anwesenheit der Parteien am 

Sitz des Gerichts statt. Die mündliche Urteilseröffnung erfolgte am 9. Au-

gust 2017. 

 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Zuständigkeit 

Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet auf 

mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer 

Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), schwere Körperverletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB), 

mehrfache Sachbeschädigung, begangen aus Anlass einer öffentlichen Zusam-

menrottung (Art. 144 Abs. 2 StGB) und mehrfache Widerhandlung gegen das 

Sprengstoffgesetz (Art. 3 Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 i.V.m. Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG 

und Art. 17 und Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 SprstG). Gemäss Art. 35 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bun-

des vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71) i.V.m. Art. 23 Abs. 1 lit. d StPO 

unterstehen vorliegend einzig die Verbrechen und Vergehen der Art. 224 bis 

226ter StGB der Bundesgerichtsbarkeit. Für die Verfolgung der weiteren ange-

klagten Delikte sind die Kantone zuständig (Art. 22 StPO). lst in einer Strafsache 

sowohl Bundes- als auch kantonale Zuständigkeit gegeben, kann die Staatsan-

waltschaft des Bundes die Vereinigung der Verfahren in der Hand der Bundes-

behörden oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO). Die 

Bundesanwaltschaft hat die Verfahren mit Verfügungen vom 22. und 29. März 

2017 vereinigt (vgl. Prozessgeschichte Bst. H). Die Zuständigkeit des Bun-

desstrafgerichts für die Beurteilung aller Anklagepunkte ist demnach gegeben. 

2. Anklagesachverhalt 

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in der Anklageschrift vom 

30. März 2017 zusammengefasst vor, er habe sich anlässlich des Super League 

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Fussballspiels FC Luzern – FC St. Gallen vom 21. Februar 2016 mit einer gros-

sen Anzahl von Sympathisanten des FC St. Gallen im Gästesektor C6 der 

Swissporarena in Luzern aufgehalten. Die Sympathisanten des FC St. Gallen 

sollen sich u.a. durch eine schwarz-grüne Fan-Jacke sowie eine gemeinsame 

„Fan-Choreo“ gegen aussen als zusammengehörige Gruppe ausgewiesen und 

mittels provozierenden, teils beleidigenden Sprechchören und Transparenten zu 

einer für die Friedensordnung bedrohlichen Grundstimmung beigetragen haben. 

Diese Personenansammlung habe der Beschuldigte als Versteck und Rückzugs-

möglichkeit benutzt, um kurz nach Spielbeginn, zwischen 16:01:10 und 16:02:00 

Uhr, zunächst zwei Rauchkörper (Ultra Rauchtopf Schwarz, Blackboxx Fire-

works, NEM: ca. 103 g) zu zünden und in den Strafraumbereich des Spielfelds 

zu werfen. Die zwei Rauchkörper seien auf dem Spielfeld abgebrannt und hätten 

einen dichten, schwarzen Rauch mit toxischen Eigenschaften erzeugt. An-

schliessend habe der Beschuldigte zwei Sprengkörper (KreiselbIitz mit Silberper-

lenschweif, Zink-Feuerwerk GmbH, NEM: ca. 18 g, davon ca. 10 g Blitzknallsatz) 

gezündet und zwischen Strafraum und Seitenlinie des Spielfelds geworfen. Der 

erste Sprengkörper habe sich nicht umgesetzt (sog. Blindgänger). Der zweite 

Sprengkörper sei in der Luft über dem Spielfeld mit einem heftigen Blitzknall und 

gleichzeitigem Funkenwurf detoniert. In den betroffenen Bereichen des Spiel-

felds und den angrenzenden Sektoren (Zuschauerbereich) hätten sich Spieler, 

Zuschauer, ein Schiedsrichter und Stewart sowie Gegenstände befunden, wel-

che durch die vom Beschuldigten gezündeten Rauch- bzw. Sprengkörper gefähr-

det worden seien. Die zwei Rauchkörper sollen zudem auf dem Stadionrasen 

zwei Brandlöcher (ca. 50 x 20 cm) verursacht und damit das Eigentum der C. AG 

Luzern (Privatklägerin 2) in der Höhe von Fr. 800.-- geschädigt haben. Auf Grund 

der Detonation des zweiten Sprengkörpers habe der Zuschauer B. (Privatkläger 

1) im Sektor D1 eine massive Hörschädigung erlitten. Auf dem linken Ohr betrage 

B. Hörfähigkeit 10% und auf dem rechten Ohr 60%, was einer Hörminderung von 

81% bzw. 27% entspreche. Durch den Funkenwurf des Sprengkörpers sei zudem 

die Jacke von B. beschädigt worden. Ausserdem habe der Beschuldigte diverse 

pyrotechnische Gegenstände – alle ohne CH-Identifikationsnummer – besessen, 

welche anlässlich der Hausdurchsuchung vom 7. März 2016 in seiner Wohnung 

bzw. in seinem Schlafzimmer in Z. sichergestellt worden seien. 

Laut Anklage habe der Beschuldigte dabei wissentlich und willentlich sowie in 

verbrecherischer Absicht gehandelt, indem er mit dem Wurf der vier pyrotechni-

schen Gegenstände einerseits das Spielfeld beschädigt habe und andererseits 

aufgrund seiner eingeschränkten Sicht, der unkontrollierten Wurfbahn und der 

nicht eingehaltenen Abstandsvorschriften eine Verletzung von mehreren Perso-

nen (Fussballspieler, Schiedsrichter etc.) sowie insbesondere mit dem Wurf des 

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zweiten Sprengkörpers eine schwere Körperverletzung und Sachbeschädigung 

zum Nachteil von B. (Privatkläger 1) zumindest in Kauf genommen habe. 

3. Feststellungen zum äusseren Sachverhalt 

3.1 Tathergang und Täterschaft 

3.1.1 Auswertung von sichergestellten Bild- und Tonaufnahmen 

3.1.1.1 Die Bundesanwaltschaft edierte bei der Privatfernsehsender AG (Sport) Bildma-

terial des Fussballspiels FC Luzern gegen FC St. Gallen vom 21. Februar 2016 

in Luzern (pag. BA 07-01-0005 und 0008 [zwei USB-Sticks]). Die Swissporarena 

in Luzern ist videoüberwacht (pag. BA-07-03-0004 ff.). Die Bundesanwaltschaft 

beschlagnahmte am 21. Juni 2016 u.a. Videomaterial der Stadionüberwachungs-

kameras (pag. BA 08-02-0001 [Festplatte „WD Elements“, pag. BA-08-02-0003]). 

3.1.1.2 Auf den Aufnahmen der Stadionkameras ist eine vermummte Person erkennbar, 

welche unter einer Choreo-Fahne hervortritt (16.00 Uhr 27 Sekunden). Diese 

Person trägt nebst einer schwarzen Maske (Sturmhaube), blaue Jeans, weisse 

Turnschuhe, eine schwarze Jacke mit einem grünen und einem weissen Streifen. 

Die Person hält mehrere Gegenstände in der Hand und begibt sich hinunter zum 

Zaun (16.00 Uhr 49 Sekunden). Danach zündet dieselbe Person mehrere (pyro-

technische) Gegenstände an und wirft deren vier über den Zaun jeweils in die-

selbe Richtung aufs Spielfeld (zwischen 16.01 Uhr 06 Sekunden und 16.02 Uhr 

00 Sekunden). Auf der Frontkamera ist zu sehen, wie schwarzer Rauch vom 

Spielfeld emporsteigt (ab 16.01 Uhr 26 Sekunden) und der vierte geworfene Ge-

genstand in der Luft detoniert (16.02 Uhr 06 Sekunden). Die vermummte Person 

begibt sich anschliessend sofort zur gespannten Choreo-Fahne zurück und ver-

schwindet darunter (16.02 Uhr 04 Sekunden). Die Choreo-Fahne wird weggezo-

gen und am Boden deponiert. Ab diesem Zeitpunkt (16.02 Uhr 34 Sekunden) 

sind keine vermummten Personen mehr zu erkennen (pag. BA 10-01-0006 f.). 

3.1.1.3 Die Stadtpolizei St. Gallen wertete rechtshilfeweise Videodaten des Spiels vom 

21. Februar 2016, welche von Sicherheitsmitarbeitern des FC St. Gallen erstellt 

worden waren, aus und erstellte daraus fünf Filme (Bericht Stadtpolizei St. Gallen 

vom 24. Mai 2016, pag. BA 07-02-0005 ff.). Film 1 zeigt den Einlass der Spielbe-

sucher (Gäste); der Beschuldigte ist dabei mit einem roten Pfeil markiert. Es ist 

ersichtlich, wie Rauchkörper, wie sie später aufs Spielfeld geworfen werden, zur 

Ablenkung des Sicherheitspersonals gezündet werden. Film 2 zeigt den komplet-

ten Aufzug der Choreo und den Abbrand der Pyrotechnik. Film 3 zeigt den Ab-

brand der pyrotechnischen Gegenstände durch den Beschuldigten. In Film 4 sind 

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die St. Galler Fans zu sehen, wobei der Beschuldigte mit einem roten Pfeil mar-

kiert ist. Film 5 zeigt eine bearbeitete Version der Rohaufnahme beim Anpfiff der 

Partie um 16.00 Uhr (pag. BA 07-02-0007 f.). Die Auswertung (gemäss Timecode 

und mit Referenzzeitpunkt 16.00 Uhr) ergab folgenden zeitlichen Ablauf:  

15.57 Uhr 50 Sekunden:  Eine Choreo, die gegen den (ehemaligen) Sicherheitsverantwortlichen 

gerichtet ist, wird über dem Gästesektor aufgezogen. Es handelt sich 

um eine Comic-Figur, die ein T-Shirt mit der Aufschrift „F.“ trägt. 

15.58 Uhr 46 Sekunden: Aus dem Hinterteil der Comic-Figur wird ein Rauchkörper gezündet. 

Es tritt schwarzer Rauch aus. 

16.00 Uhr 00 Sekunden: Anpfiff der Partie. 

16.00 Uhr 25 Sekunden Wurf des ersten Rauchkörpers, der auf dem Spielfeld abbrennt. 

16.00 Uhr 31 Sekunden: Wurf des zweiten Rauchkörpers, der auf dem Spielfeld abbrennt. 

16.00 Uhr 48 Sekunden: Wurf des ersten Knallkörpers in Richtung Spielfeld, der nicht detoniert 

(Blindgänger). 

16.01 Uhr 18 Sekunden: Wurf des zweiten Knallkörpers in Richtung Spielfeld und Detonation 

desselben. 

3.1.1.4 Im Auftrag der Bundesanwaltschaft (pag. BA 11-04-0001 f.) erstellte das Foren-

sische Institut des Kantons Zürich mit dem sichergestelltem Videomaterial eine 

chronologische Zusammenstellung (Dauer: 12 Minuten und 24 Sekunden) mit 

unmittelbarem Bezug zum Beschuldigten (pag. BA 11-04-0004 f., -0007 [DVD]). 

Die Aufnahmen zeigen zunächst den Einzug der St. Galler Fans zum Sektor C6 

der Swissporarena. Die Fans tragen mehrheitlich schwarze Jacken mit einem 

weiss-grünen Streifen. Sie werden vom Sicherheitspersonal beim Eingang kon-

trolliert, welcher videoüberwacht ist. Im Hintergrund bei den Absperrgittern sind 

weitere Fans zu erkennen, die auf ihren Einlass warten. Die Videoaufnahmen 

zeigen, wie die Fans im Aussenbereich (pyrotechnische) Gegenstände über die 

Absperrgitter in den Eingangsbereich zum Sektor C6 werfen. Das Sicherheits-

personal wird abgelenkt, indem von den Fans im Aussenbereich WC-Rollen zum 

Sicherheitspersonal geworfen und auch Rauchkörper (schwarzer Rauch) gezün-

det werden. Im Treppenaufgang zum Sektor C6 ist ein mit einem Kapuzenpullo-

ver bekleideter, einen Rucksack in der Hand haltender Fan erkennbar, der die 

(pyrotechnischen) Gegenstände rasch einsammelt und zum Sektor C6 hingeht. 

Im Stadion deutlich erkennbar ist auch der Beschuldigte, der sich kurz vor Spiel-

beginn im Fan-Sektor C6 befindet. Er trägt die erwähnte Fan-Jacke, blaue Jeans-

hosen und weisse Turnschuhe, wobei aus einer Hosentasche eine Ecke seines 

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Smartphones herausschaut. Ein brauner Aufnäher ist auf der Hosentasche sicht-

bar. Der Beschuldigte begibt sich in den hintersten Teil des Sektors C6 und be-

reitet seine Vermummung vor: Er stülpt sich einen schwarzen Gegenstand 

(Maske) über den Kopf, jedoch noch ohne das Gesicht zu verdecken. Beim Ein-

zug der Mannschaften – kurz vor 16 Uhr – ziehen die FC St. Gallen Fans im 

Sektor C6 die Choreo-Fahne mit dem Comic-Konterfei von F. (ehemaliger Si-

cherheitschef des FC Luzern) hoch, wobei der Beschuldigte mithilft. Der Beschul-

digte verschwindet danach unter der Fahne. Aus dem Hinterteil der Comicfigur 

erscheinen plötzlich zwei gezündete Rauchkörper, aus welchen schwarzer 

Rauch ausströmt. Es erfolgt eine (erste) Durchsage der Stadionansagerin, dass 

Feuerwerkszündungen im Stadion aus Gründen der Sicherheit zu unterlassen 

seien. Gerade in diesem Moment tritt eine Person unter der Choreo-Fahne hervor 

– komplett vermummt und eine Strumpfmaske über das Gesicht gestülpt. Klar 

erkennbar sind indessen die Jeanshose, die Ecke des Smartphones in der Ho-

sentasche, die weissen Turnschuhe etc. Die vermummte Person begibt sich mit 

zwei pyrotechnischen Gegenständen (Rauchkörper) in der Hand bis hinunter zur 

Abschrankung des Sektors C6. An den Absperrgittern hängt ein Banner mit der 

Aufschrift: „Dis Wort isch für en Arsch“. Aus einer anderen Kameraperspektive 

ist erkennbar, wie sich die vermummte Person bückt und dadurch ihre Unterhose 

mit der Aufschrift „Jack & Jones“ sowie die Ecke des Smartphones erkennbar 

wird. Die vermummte Person wirft sodann den ersten (pyrotechnischen) Gegen-

stand (Rauchkörper) aufs Spielfeld. Unmittelbar danach zündet und wirft sie den 

zweiten Gegenstand, wiederum ein Rauchkörper. Die vermummte Person, die 

sich in dem Moment immer noch bei der Abschrankung befindet, hält nun einen 

anderen (pyrotechnischen) Gegenstand in der Hand und zündet diesen. Sie wirft 

diesen Gegenstand in Richtung Spielfeld, wobei wieder die Ecke des Smartpho-

nes sichtbar wird. Danach will sie sich sofort wieder unter die noch aufgezogene 

Choreo-Fahne begeben. Dabei bemerkt sie offenbar, dass der geworfene (pyro-

technische) Gegenstand nicht detonierte, greift in ihre Jackentasche und nimmt 

einen weiteren (pyrotechnischen) Gegenstand hervor. Kurz vor dem (mittlerweile 

vierten) Wurf wendet sich die Stadionansagerin zum zweiten Mal an die Zu-

schauer und erneuert ihren Aufruf, jegliches Abbrennen von Feuerwerk aus 

Gründen der Sicherheit zu unterlassen. Noch während laufender Durchsage wirft 

die vermummte Person den (pyrotechnischen) Gegenstand in Richtung Spielfeld. 

Diesmal ist ein deutlicher Knall zu vernehmen und ein Funkenwurf in Richtung 

Sektor D1 ist auf der Aufnahme klar erkennbar. Die St. Galler Fans im Sektor C6 

jubeln und klatschen. Eine andere Kameraperspektive zeigt zeitgleich die Reak-

tionen der Zuschauer im Sektor D1, wo sich auch der Privatkläger B. aufhält: 

Einige Zuschauer erschrecken und erheben sich; einige verlassen den Sektor 

D1. Kurz nach der Detonation des (pyrotechnischen) Gegenstands begibt sich 

die vermummte Person unter die nach wie vor aufgezogene Choreo-Fahne. 

- 13 - 

Diese wird nun eingezogen und der Beschuldigte ist (ohne Vermummung) unter 

den St. Galler Fans erkennbar. 

Die Auswertung hält die von der Polizei ermittelten Merkmale fest, aufgrund derer 

der Beschuldigte identifiziert worden ist. Aufgrund seiner Kleidung – insbeson-

dere seiner weissen Turnschuhe (Marke „Reebock“), dem braunen Aufnäher auf 

seiner Hosentasche, dem Schriftzug auf seiner Unterhose (Marke „Jack & Jo-

nes“), dem aus der Hosentasche herausragenden Mobiltelefon – konnte der Be-

schuldigte trotz Vermummung zweifelsfrei und eindeutig als Werfer der pyrotech-

nischen Gegenstände identifiziert werden. Der Kriminaltechnische Dienst (KTD) 

des Kantons Luzern erstellte von der Kleidung des Beschuldigten eine Fotodo-

kumentation (pag. BA 10-01-76, BA-08-02-001 ff. [Festplatte WD Elements]). 

Nebst den erwähnten Kleidern trug der Beschuldigte am 21. Februar 2016 ein 

graues T-Shirt mit dem Aufdruck „PYRO SQUAD – No Pyro No Party“ und einen 

schwarzen Pullover mit dem Logo „MBFC – Maribor Football Club, 1960“ (pag. 

BA-08-02-003 [Festplatte WD Elements], Ordner Bilder KTD, Bild 12 und 46). 

3.1.2 Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen 

3.1.2.1 Der Privatkläger B. wurde am 22. Februar 2016 durch die Luzerner Polizei als 

Auskunftsperson einvernommen (pag. BA 12-01-0001 ff.). Er sagte zusammen-

gefasst aus, sein Sohn sei ausgelost worden, um beim Fussballspiel mit einem 

Spieler einzulaufen. Vom FC Luzern sei ihm als Begleitperson der Platz 107, 

Reihe 6, Sektor D1, zur Verfügung gestellt worden. Der Sektor D1 befände sich 

direkt neben dem Gästesektor. Er habe sich an seinem Sitzplatz befunden, als 

Gästefans zwei schwarze Rauchkörper geworfen hätten und etwa ein bis zwei 

Minuten später zwei Knallköper vor ihm detoniert seien. Er sei danach aus dem 

Sektor gelaufen. Zum Tathergang könne er nur sagen, dass der Knallkörper von 

einer Gruppe St. Galler Fans mit schwarzen Jacken, schwarzen Brillen und 

schwarzen Kapuzen geworfen worden sei. Der Knallkörper sei 1 bis 1,5 Meter 

von ihm entfernt detoniert. Die Funken habe es zu ihm herauf geworfen und seine 

Jacke habe Brandlöcher davongetragen. Er sei beim Arzt gewesen. Er höre auf 

dem linken Ohr nur noch 10%. Er müsse eine Woche lang Medikamente nehmen. 

Bei der Einvernahme durch die Bundesanwaltschaft vom 25. Januar 2017 (pag. 

BA 12-01-0008 ff.) bestätigte B. seine Aussagen. Er führte präzisierend aus, dass 

er aufgrund des plötzlichen lauten Knalles nicht gewusst habe, ob es sich um 

einen Terroranschlag handle. Er habe nur noch aus dem Sektor gewollt. 

Schliesslich sei er seinen Sohn abholen gegangen. Alles im Ohr habe gepfiffen. 

Er habe gedacht, dies gehe nicht mehr weg. Er habe einen Druck im Ohr gehabt 

und immer wieder versucht, einen Druckausgleich zu machen. Auch zu Hause 

- 14 - 

sei es nicht besser geworden. Am darauffolgenden Tag sei er zum Hausarzt, 

Dr. G., gegangen und habe Medikamente erhalten. Als es nicht besser geworden 

sei, habe ihn Dr. G. zum Spezialisten Dr. H. geschickt. Er habe mittlerweile fünf 

Operationen gehabt. Sie seien schmerzhaft gewesen. Danach habe er jeweils 

zwei Stunden liegen müssen. Da die Behandlungen keinen Erfolg gebracht hät-

ten, müsse er nun Hörgeräte testen. Zur Detonation führte er aus, dass der Knall 

sehr laut gewesen sei. Er habe nach dem Knall einen grossen Druck im ganzen 

Kopf und ein Pfeifen im Ohr wahrgenommen. Diesen Knall habe er auch nachher 

noch im Ohr gehört. Auf Vorhalt, dass er gemäss Fotodokumentation der Luzer-

ner Polizei (pag. BA 10-01-0042) 20,3 Meter von der Detonation entfernt gewe-

sen sei, konnte er keine Erklärung abgeben. Er bekräftigte seine frühere Aus-

sage, wonach er sich sehr nahe, 1 bis 1,5 Meter, bei der Detonation befunden 

habe. Er führte weiter aus, er habe vor dem Vorfall immer gut gehört und nie 

Probleme mit dem Gehör gehabt. Heute hingegen sei es lästig. Die Operationen 

hätten nach seiner Einschätzung zwar eine Besserung gebracht, aber es sei nicht 

mehr so gut wie vorher. Er höre nicht alles, wenn sich im Restaurant viele Leute 

befänden; dann müsse er den Raum verlassen. Es rausche alles in seinem Kopf. 

Er könne nicht mehr an Anlässe mit vielen Personen, wie die Fasnacht, gehen, 

selbst wenn er sich Watte ins Ohr stopfe. Er sei kein Wehleidiger.  

B. bestätigte auf Vorhalt eines grauen Pullovers mit FC Luzern-Beschriftung, der 

Brandlöcher aufweist, dass es sich um den Pullover handle, den er am 22. Feb-

ruar 2016 der Luzerner Polizei übergeben habe (pag. BA 12-01-0015). 

Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte B. als Auskunftsperson im Wesent-

lichen seine Aussagen zur Detonation des Knallkörpers. Er führte in Bezug auf 

seine gesundheitliche Situation und Hörfähigkeit aus, dass er mit dem Gehör 

Schwierigkeiten habe und nicht so gut höre. Er habe seit der letzten Einvernahme 

keine Behandlung (Operation) mehr gehabt. Er teste seit sechs Wochen Hörge-

räte. Mit dem Hörgerät sei es etwas besser geworden. Er müsse den Leuten auf 

den Mund schauen, damit er sie besser verstehe. Er habe vom Knall her manch-

mal tagsüber einen grossen Druck im Kopf; er meine dann, dass der Kopf explo-

diere. Er müsse dann Schmerztabletten nehmen und sich hinlegen. In der Nacht 

könne er nicht gut schlafen, er wache auf und denke wieder an den Vorfall. Es 

sei psychisch belastend. Er habe auch einen Tinnitus, ein dauerndes Pfeifen im 

Ohr. Nachts, wenn es rundherum still sei, sei es am schlimmsten. Bei der Arbeit 

sei es manchmal unangenehm; wenn viele Leute im Gastbetrieb seien, sei es 

nicht zum Aushalten, man meine dann, man habe tausend Leute um sich herum. 

Er müsse dann für eine Weile aus der Gaststube gehen. Weil er aber trotzdem 

arbeiten müsse, gehe er dann wieder in die Gaststube (TPF pag. 3.932.2 ff.). 

- 15 - 

3.1.2.2 Die Bundeskriminalpolizei befragte am 27. September 2016 sechs Stadionbesu-

cher, welche sich im gleichen Sektor wie B. (Sektor D1) aufgehalten hatten, als 

Auskunftspersonen (pag. BA 12-03-0003 ff.; 12-04-0003 ff.; 12-05-0003 ff.; 12-

06-0003 ff.; 12-07-0003 ff.; 12-08-0003 ff.). Die Auskunftspersonen machten im 

Wesentlichen übereinstimmende Aussagen. Sie erklärten, es habe einen sehr 

lauten Knall gegeben. Sie seien erschrocken, jedoch nicht verletzt worden. Eine 

Auskunftsperson führte ausserdem aus, sie habe „eine richtige Angstattacke“ er-

litten, und ihre Ohren hätten etwa drei Tage lang gepfiffen (pag. BA 12-05-0005). 

3.1.2.3 Die Bundeskriminalpolizei befragte ebenfalls am 27. September 2016 den Ste-

wart (gekennzeichnet mit der Gilet-Nr. „1“), welcher die beiden Rauchkörper und 

den Blindgänger mittels Zange und Eimer auf dem Spielfeld eingesammelt hatte, 

als Auskunftsperson (pag. BA 12-02-0003 ff.). Dieser sagte aus, dass er den 

Rauch der beiden Rauchkörper eingeatmet und deshalb gehustet habe. Wäh-

rend des Einsammelns der Rauchkörper habe es wieder geknallt. Der Knall sei 

ihm wie eine Bombe vorgekommen. Es sei trotz den von ihm getragenen Ohren-

schützern sehr laut gewesen. Verletzungen habe er aber keine davongetragen. 

3.1.2.4 I., die Ehefrau des Privatklägers B., wurde am 25. Januar 2017 durch die Bun-

desanwaltschaft als Zeugin befragt (pag. BA 12-09-0003 ff.). Sie erklärte, sie sei 

in einem anderen Sektor gesessen als ihr Ehemann, hinter dem Tor und weiter 

weg vom Spielfeld. Ihr Ehemann sei direkt neben dem Gästesektor gesessen. 

Nach dem Knall sei er zu ihr gekommen und habe gesagt, dass der Knall direkt 

neben ihm gewesen sei, dass er fast nichts mehr höre und seine Ohren pfeifen 

würden. Er habe immer noch Probleme beim Hören und man merke, auf welcher 

Seite er fast nichts höre. Vor dem Vorfall habe ihr Mann nie Probleme mit dem 

Gehör gehabt. Er beklage sich manchmal, dass es zu laut sei im Raum, wenn 

mehrere Personen sprechen, und er dann den Raum verlassen müsse. I. bestä-

tigte auf Vorhalt eines grauen Pullovers mit FC Luzern-Beschriftung, der Brand-

löcher aufweist, dass es sich um den Pullover handle, den ihr Ehemann am 

21. Februar 2016 getragen und danach zur Luzerner Polizei gebracht habe. Der 

Pullover sei vorher nicht beschädigt gewesen. 

3.1.3 Aussagen des Beschuldigten 

3.1.3.1 Der Beschuldigte wurde am 7. März 2016 im Rahmen der vorläufigen Festnahme 

in delegierter Einvernahme durch die Luzerner Polizei befragt (pag. BA 13-01-

0004 ff.). Er verzichtete auf den Beizug eines Verteidigers und erklärte sich be-

reit, ohne Anwesenheit einer Verteidigung auszusagen (pag. BA 13-01-0005). 

- 16 - 

Der Beschuldigte erklärte, er sei am 21. Februar 2016, um 16.00 Uhr, in Luzern 

am Fussballspiel Luzern gegen St. Gallen gewesen. Er sei mit dem Extrazug 

angereist und mit dem Bus zum Stadion chauffiert worden. Die Stimmung sei 

gemütlich und das Verhältnis zwischen den Fanlagern des FC St. Gallen und des 

FC Luzern sei „easy“ gewesen. Von der Anfahrt bis zum Stadion habe er keinen 

Alkohol konsumiert. Er habe weisse „Reebock“-Turnschuhe, blaue Jeans der 

Marke „Carhart“, einen schwarzen Kapuzenpullover mit der violetten Aufschrift 

„MBFC“ (= Maribor Fussball-Club), eine Unterhose der Marke „Jack & Jones“ und 

einen schwarzen Gurt getragen. Eine schwarze Jacke mit grünen und weissen 

Streifen habe er von einem Kollegen im Zug erhalten. Das Eintrittsbillett habe er 

für Fr. 25.-- im Zug bei der Fanarbeit gekauft. Er besitze keine Saisonkarte in 

St. Gallen und gehöre keiner Fangruppierung an. Er besuche seit etwa drei Jah-

ren Spiele des FC St. Gallen, jedoch nicht regelmässig (pag. BA 13-01-0006 ff.). 

Nach anfänglichem Bestreiten einer Täterschaft (pag. BA 13-01-0009 Fragen 36 

und 37) – erklärte der Beschuldigte, er habe im Stadion pyrotechnische Gegen-

stände in der Hand gehabt, zwei schwarze Rauchtöpfe und zwei Böller, wobei 

sich ein Böller nicht entzündet habe. Er wisse nicht, wie diese Gegenstände ins 

Stadion gelangt seien, jedenfalls nicht durch ihn, da er kontrolliert worden sei. Er 

verweigere die Aussage dazu, wer ihm die Gegenstände im Stadion übergeben 

habe (pag. BA 13-01-0009 Fragen 38 bis 41). Auf die Frage nach dem Tatablauf 

erklärte er, er habe sich vermummt und sein Gesicht mit einer schwarzen Sturm-

haube maskiert. In der Szenenjacke habe es eine Kapuze mit integriertem Netz, 

mit welchem man sich vermummen könne. Mit diesem habe er sein Gesicht ab-

gedeckt. Er sei unter die grosse Fahne gegangen, habe sich nach vorne an die 

Absperrung begeben und die vier Gegenstände mit dem Feuerzeug gezündet. 

Er sei danach wieder unter der Fahne abgetaucht und habe sich „entmummt“. 

Die Kommandos habe ihm jemand aus der Szene gegeben. Die pyrotechnischen 

Gegenstände habe er unmittelbar vor der Aktion erhalten. Der Gebrauch sei für 

ihn selbsterklärend gewesen, diesen habe ihm niemand erklärt. Er habe zuerst 

zwei Rauchkörper und danach zwei Knallkörper gezündet (pag. BA 13-01-0010).  

Auf die Frage, wie diese pyrotechnischen Gegenstände gezündet würden, er-

klärte der Beschuldigte, es befinde sich eine Lunte an den Gegenständen, wel-

che die Detonation ca. zehn Sekunden hinauszögere. Sobald die Lunte zu bren-

nen beginne, könne man werfen. Alle vier Gegenstände seien mit einem Feuer-

zeug gezündet worden; ein Knallkörper habe sich jedoch nicht entzündet. Zuerst 

habe er die beiden Rauchkörper gezündet; diese hätten einwandfrei funktioniert. 

Dann habe er einen Böller (Knallkörper) gezündet. Die Lunte habe gebrannt. Er 

habe den Böller geworfen, aber dieser sei nicht detoniert. Deshalb habe er sich 

entschlossen, den zweiten Böller ebenfalls zu zünden. Er habe ihn geworfen; 

- 17 - 

dieser sei dann detoniert. Wo und wann er detoniert sei, wisse er nicht. Er habe 

ihn in dieselbe Richtung geworfen wie die Knallkörper (pag. BA 13-01-0015). Er 

habe die zwei Rauchkörper auf das Spielfeld in den Sechzehner (Strafraum) des 

FC Luzern und die Knallkörper auch nach vorne aufs Spielfeld geworfen. Er habe 

definitiv niemanden verletzen wollen (pag. BA 13-01-0011). Bei seinem Wurf hät-

ten sich der Torhüter des FC Luzern und der rechte Verteidiger in unmittelbarer 

Nähe befunden. Es seien insgesamt ca. vier Spieler gewesen, aber alle ca. 10-

15 Meter von der Detonation entfernt. Ihm sei bewusst gewesen, dass er mit dem 

Wurf Spieler gefährde, und deshalb habe er eigentlich geschaut, dass nicht zu 

viele Spieler in der Nähe gewesen seien (pag. BA 13-01-0015). Auf Vorhalt, dass 

aufgrund des Vorfalls eine Person an den Ohren verletzt worden sei, sagte der 

Beschuldigte, dies sei tragisch und nicht gewollt. Es tue ihm „mega leid“. Er sei 

selber erschrocken, dass der Böller so laut gewesen sei (pag. BA 13-01-0011).  

Angesprochen auf das Motiv erklärte der Beschuldigte, dass ihn jemand aus der 

Szene motiviert habe, diese Gegenstände zu zünden. Aus „Verrücktheit“ über 

Herrn F., den ehemaligen Sicherheitschef des FC Luzern, habe er die Gegen-

stände gezündet. Denn beim letzten Spiel in Luzern – bei welchem er selber nicht 

dabei gewesen sei – hätten (St. Galler) Fans das Transparent „Fussball macht 

frei“ aufgehängt. Die Fans seien aufgefordert worden, den Schriftzug zu entfer-

nen, was diese auch gemacht hätten. Der Sicherheitschef habe im Gegenzug 

versprochen, keine Stadionverbote auszusprechen. Dies sei dann trotzdem ge-

schehen, weshalb die St. Galler Fans verärgert gewesen seien. Der Beschuldigte 

erklärte, „wir“ hätten am Spiel in Luzern mit einer Choreo mit der Aufschrift „Dis 

Wort esch för en Arsch“ reagiert, mit einem Bild, aus dessen „Arschloch“ es mit 

einem Rauchkörper geraucht habe (pag. BA 13-01-0009). Er habe die Rauch- 

und Knallkörper gezündet, weil er an diesem Tag sehr schlechte Laune gehabt 

habe. Es sei ein Tag zum Vergessen gewesen, er habe diverse Probleme ge-

habt. Daher sei er wohl die richtige Person dafür gewesen (pag. BA 13-01-0010). 

Zu den bei ihm zu Hause im Schlafzimmer sichergestellten pyrotechnischen Ge-

genständen von ca. 100 kg gab der Beschuldigte zu Protokoll, dass er „diese für 

die Feiertage vom 1. August und 31. Dezember brauche“ (pag. BA 13-01-0013). 

Auf Vorhalt, dass am 7. März (Tag der Einvernahme) keiner dieser Tage bevor-

stehe, erklärte der Beschuldigte, er habe immer ein solches Lager bei sich zu 

Hause, da er jeweils an diesen Feiertagen sehr grosse Feuerwerke abbrenne. 

Der Gesamtwert der gelagerten pyrotechnischen Gegenstände betrage ca. 

Fr. 1‘000.-- (pag. BA 13-01-0014). Der Beschuldigte machte keine Angaben 

dazu, wo er die Ware bezogen habe. Er nenne seinen Lieferanten nicht, weil ein 

Teil der Artikel illegal sei und er niemanden belasten wolle (pag. BA 13-01-0014). 

- 18 - 

3.1.3.2 Am 28. September 2016 wurde der Beschuldigte in Anwesenheit seiner Verteidi-

gerin durch die Bundeskriminalpolizei in delegierter Einvernahme befragt. Er er-

klärte auf den Vorhalt, er habe am 7. März 2016 gegenüber der Luzerner Polizei 

umfangreiche Aussagen gemacht und eingestanden, pyrotechnische Gegen-

stände auf das Spielfeld geworfen zu haben, dass er weiterhin zu seinen Aussa-

gen stehe (pag. BA 13-01-0021). In Bezug auf das bei ihm zu Hause sicherge-

stellte pyrotechnische Material verweigerte er die Aussage und verwies darauf, 

dass er dazu schon bei der Luzerner Polizei eine Aussage gemacht habe (pag. 

13-01-0022 ff.). Die Fragen, ob er im Besitz eines Erwerbsscheines oder einer 

Abbrandbewilligung für den Erwerb der Feuerwerkskategorie F4 sei und ob er 

eine Verwendungsberechtigung habe, verneinte er (pag. BA 13-01-0024 Z. 2-6).  

3.1.3.3 In der Schlusseinvernahme durch die Bundesanwaltschaft vom 25. Januar 2017 

verweigerte der Beschuldigte die Aussage (pag. 13-01-0031 ff.).  

3.1.3.4 In der Hauptverhandlung verweigerte der Beschuldigte die Aussage zur Anklage 

und zur Sache (TPF pag. 3.931.4 f.). Im Rahmen des Parteivortrags der Vertei-

digung anerkannte er, am 21. Februar 2016 „zwei Rauchtöpfe und zwei Böller“ 

auf das Spielfeld geworfen zu haben. Er anerkannte weiter, dass anlässlich der 

Hausdurchsuchung in seinem Zimmer eine stattliche Menge pyrotechnischer Ge-

genstände beschlagnahmt worden war. Diesen Sachverhalt habe er „seit seiner 

ersten Einvernahme“ anerkannt; er bestreite dies nicht. Streitig sei aber, ob bzw. 

wie er sich mit diesen Handlungen strafbar gemacht habe (TPF pag. 3.925.21 f.).  

3.1.4 Aufgrund des polizeilich ausgewerteten Bild-/Tonmaterials und der Aussagen 

des Beschuldigten sind sowohl der Tathergang als auch die Täterschaft des Be-

schuldigten und damit der in der Anklageschrift dargestellte äussere Ablauf der 

Geschehnisse vom 21. Februar 2016 in der Swissporarena in Luzern erstellt.  

3.2 Zu den vom Beschuldigten geworfenen Gegenständen und den von diesen aus-

gehenden Gefahren erstellte der Wissenschaftliche Forschungsdienst der Stadt-

polizei Zürich (WFD) aufgrund eines Fragenkatalogs der Bundesanwaltschaft am 

20. Juli 2016 einen schriftlichen Bericht (pag. BA 11-01-0012 ff.; Bericht WFD).  

3.2.1 Gemäss Bericht WFD handelt es sich bei den ersten zwei geworfenen pyrotech-

nischen Gegenständen um Rauchkörper der Marke „Ultra Rauchtopf Schwarz“ 

(Label: Blackboxx Fireworks; NEM [Nettoexplosivstoffmasse]: ca. 103 g; pag. BA 

11-01-0013). Dieser Rauchkörper untersteht laut WFD der Kategorie T1. Er hat 

eine Brenndauer von etwa 80 Sekunden und erzeugt einen dichten, schwarzen 

Rauch. Der Rauchkörper enthält pyrotechnische Sätze, welche, einmal in Brand 

- 19 - 

gesetzt, unabhängig von Sauerstoff aus der Umgebungsluft, mit hohen Tempe-

raturen abbrennen. Es sind Brandverletzungen möglich. Laut Herstelleretikette 

muss mindestens ein Meter Sicherheitsabstand zu Personen und leicht entzünd-

lichem Material eingehalten werden. Die Rauchsätze weisen toxische Eigen-

schaften auf. Die beim Abbrand entstehenden Gase und Rauchpartikel können 

zu Reizungen der Schleimhäute und Atemwege führen. Auf der Etikette des Ultra 

Rauchtopfs ist vermerkt, dass der Rauch beim Einatmen gesundheitsschädlich 

sei (pag. BA-11-01-0014). Laut WFD geht keine Gefahr durch Splitter aus, da die 

Rauchkörper abbrennen und sich nicht explosiv umsetzen. Die dabei entstehen-

den Funken fliegen kaum weiter als ein bis zwei Meter (pag. BA-11-01-0015).  

3.2.2 Beim dritten (Blindgänger) und vierten geworfenen Gegenstand handelt es sich 

gemäss Bericht WFD je um einen „Kreiselblitz mit Silberperlenschweif“ (Label: 

Zink-Feuerwerk GmbH; NEM: ca. 18 g, davon ca. 10 g Blitzknallsatz; pag. BA 11-

01-0013). Gemäss Hersteller würden bei bestimmungsgemässer Verwendung 

Kreiselblitze mittels 8 g Schwarzpulver als Ausstossladung aus einem Mörser 

(Abschussvorrichtung) geschossen. Beim Aufstieg – nach dem Abschuss aus 

dem Mörser – brenne der „Silberperlenschweif“ ab, anschliessend erfolge ein 

Blitzknall mit Funken. Der auf der Verpackung angegebene Sicherheitsabstand 

betrage mindestens 55 Meter. Bei diesem pyrotechnischen Gegenstand handelt 

es sich laut Bericht WFD um einen Feuerwerkskörper der Kategorie F4. Diese 

Feuerwerkskörper dürfen nicht in den offenen Verkauf gebracht werden. Seit 

2014 besteht eine Buchführungspflicht. Wer als Verbraucher pyrotechnische Ge-

genstände der Kategorie F4 beziehen will, muss über einen Erwerbsschein bzw. 

eine Abbrandbewilligung verfügen. Da der zur bestimmungsgemässen Verwen-

dung notwendige Mörser selber geladen werden muss – der Kreiselblitz also 

nicht fertig verbaut ist –, benötigt man als Nachweis der Fachkenntnisse einen 

Ausweis für die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände, Verwendergruppe 

Feuerwerk B (FWB). Der im Produkt enthaltene Blitzknallsatz ist ein energierei-

ches pyrotechnisches System mit hoher Reaktionsgeschwindigkeit. Dementspre-

chend gross sind Explosionsdruck und Knalleffekt (pag. BA-11-01-0014). Zur 

Frage einer Gefährdung für Personen und fremde Sachen führt der Bericht WFD 

aus, der zylindrische Körper der Kreiselblitze bestehe aus Karton; eine Gefähr-

dung durch Splitter liege daher höchstens für Personen vor, die sich in unmittel-

barer Nähe befinden. Die bei der Explosion entstehenden Funken seien gerichtet 

zur Tribüne D1 geflogen. Aufgrund der Beschädigung der Jacke eines Zuschau-

ers, der gemäss verifizierten Angaben in 20,3 Metern Entfernung zum explodie-

renden pyrotechnischen Gegenstand gesessen habe, sei abzuleiten, dass min-

destens in diesem Radius eine Gefährdung durch Funken (Brandverletzungen, 

Materialschäden) bestanden habe. Dies korrespondiere überdies mit dem vom 

Hersteller angegebenen Sicherheitsabstand von 55 m (pag. BA-11-01-0014 f.). 

- 20 - 

3.2.3 Der Bericht WFD hält anhand des zur Verfügung gestellten Bildmaterials fest, 

dass die pyrotechnischen Gegenstände nicht bestimmungsgemäss eingesetzt 

worden seien. Schäden an der menschlichen Gesundheit könnten daher nicht 

ausgeschlossen werden. Mögliche Verletzungen seien stark abhängig von der 

Distanz zum Abbrandort des pyrotechnischen Gegenstands. Besonders schwere 

Verletzungen seien bei einer Umsetzung direkt am menschlichen Körper zu er-

warten. Für detaillierte Angaben zur Toxizität einzelner freigesetzter Stoffe und 

Gase oder zu den Auswirkungen des Schalldrucks auf den menschlichen Körper 

seien indes weiterführende Untersuchungen notwendig (pag. BA-11-01-0014 f.).  

3.3 Ärztliche Berichte und Gutachten zur Frage der Gehörsschädigung von B. 

3.3.1 Die Bundesanwaltschaft ernannte am 17. Oktober 2016 Dr. sc. techn. ETH J., 

Leiter Bereich Physik bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt 

(SUVA), zum Sachverständigen nach Art. 184 StPO (pag. BA-11-03-0001 ff.). In 

seinem akustischen Gutachten vom 28. Oktober 2016 (nachfolgend: Gutachten 

SUVA; pag. BA 11-03-0009 ff.) führt Dr. J. Folgendes aus: Der Sprengkörper 

„Kreiselblitz mit Silberperlenschweif“ habe einen Schallpegel von 119 dB(AI) @ 

50 m (bei einer Distanz zur Schallquelle von 50 Metern). Bei einem wie hier vor-

liegenden Einzelknall von weniger als 10 Millisekunden Dauer entspreche der 

Schallpegel von 119 dB(AI) einem LAE von 104.4 dB. B. habe sich 20.30 Meter 

von der Schallquelle entfernt aufgehalten. Aus dieser gegenüber der Herstel-

lermessung verkürzten Distanz ergebe sich am Ohr von B. ein erhöhter Schall-

expositionspegel von LAE von 112.2 dB mit einer Unsicherheit von etwa +/- 4 dB. 

Bei einer einmaligen Schallbelastung von LE 112 dB(A) sei normalerweise keine 

bleibende Gehörschädigung – und schon gar nicht in diesem Ausmass – zu er-

warten, da diese Belastung noch deutlich (um 8 dB) unter dem Präventionsgrenz-

wert der Suva von LE von 120 dB liege. Das Gutachten geht von einer Wahr-

scheinlichkeit einer bleibenden Schädigung von unter 1% nach einer Gehörbe-

lastung mit einem Schallexpositionspegel LAE von 112 dB aus. Trotzdem könne 

nicht ausgeschlossen werden, dass B. Hörschädigung durch die Detonation aus-

gelöst worden sei: Dann nämlich, wenn eine individuelle temporäre oder dau-

ernde Schwächung oder Schädigung des Innenohres zu erhöhter Anfälligkeit ge-

genüber solchen Belastungen geführt habe. 

3.3.2 Dr. med. G., Hausarzt von B., beantwortete am 6. Juli 2016 Fragen der Bundes-

anwaltschaft zu B. Hörfähigkeit (pag. BA 11-02-0003). B. habe vor dem schädi-

genden Ereignis nie Probleme mit dem Gehör gehabt. Dem Audiogramm vom 

22. Februar 2016 sei zu entnehmen, dass das linke Ohr erst bei einer Frequenz 

von 80 Dezibel und mehr reagiere. Im rechten Ohr sei das Hörvermögen zwar 

- 21 - 

deutlich besser, jedoch auch – vor allem ab 1‘000 Hertz – abgeschwächt. Im Au-

diogramm vom 29. Februar 2016, nach einer Woche hochdosierter Cortison-

gabe, habe sich das linke Ohr wenig erholt und das rechte Ohr noch weiter ver-

schlechtert. Er habe deshalb B. direkt an den Spezialisten Dr. med. H. weiterver-

wiesen. 

3.3.3 Die Bundesanwaltschaft ernannte am 28. November 2016 Dr. med. H. (nachfol-

gend: Dr. H.) zum Sachverständigen nach Art. 184 StPO (pag. BA-11-05-0001 

ff.). Dr. H. führt im Gutachten vom 11. Januar 2017 (pag. BA 11-05-0009 ff.), 

aufgrund von Zusatzfragen der Bundesanwaltschaft ergänzt am 13. Februar 

2017 (pag. BA 11-05-0016), aus, gemäss Tonaudiogramm vom 2. März 2016 

liege bei B. am rechten Ohr ein Hörverlust von 27% vor. Am linken Ohr habe er 

eine mittel- bis schwergradige Schallempfindungsschwerhörigkeit pantonal mit 

einer Hörminderung von 81%. Bei der Verlaufskontrolle vom 27. April 2016 habe 

sich keine Verbesserung gezeigt. Der Knall des detonierten Sprengkörpers habe 

aus medizinischer Sicht zu einer bleibenden Ohrschädigung bei B. geführt. Es 

handle sich am ehesten um einen akustischen Unfall mit einem akuten Hörverlust 

auf einem Ohr, welcher bei Lärmeinwirkung einer mittleren Intensität (90–120 dB) 

auftrete und bei B. zu einem irreversiblen Schaden im Innenohrbereich auf der 

linken Seite geführt habe. 

3.3.4 Das vom Gericht beim HNO-Spezialisten PD Dr. med. D. eingeholte medizinische 

Gutachten vom 21. Juni 2017 (nachfolgend: Gutachten Dr. D.; TPF pag. 3.291.11 

ff.) – das auf einer spezialärztlichen Untersuchung mit Reintonaudiogramm vom 

21. Juni 2017 beruht – hält Folgendes fest: Auf dem rechten Ohr habe B. eine 

beginnende Altersschwerhörigkeit (Tonhörverlust von 18%), welche sich subjek-

tiv jedoch nicht störend auswirke. Auf dem linken Ohr liege eine hochgradige 

Schwerhörigkeit mit einem prozentualen Tonhörverlust von 85% bei pancochle-

ärer Innenohrschwerhörigkeit zwischen 65 und 95 dB mit Ertaubung in den Fre-

quenzen über 4 kHz vor. Bezüglich der Art der linksseitigen Gehörsschädigung 

lasse sowohl der Kurvenverlauf im Audiogramm wie auch die anamnestische An-

gabe von Unbehaglichkeit und verzerrtem Hören bereits bei Tönen mässiger 

Lautstärke neben dem Verlust an inneren Haarzellen auf eine Zerstörung von 

äusseren Haarzellen des Innenohrs schliessen. Es sei von einer dauernden Ge-

hörsschädigung auszugehen, da eine Regeneration von Haarzellen bei derarti-

ger Schädigung nicht zu erwarten sei. Die Gehörsschädigung auf dem linken Ohr 

(nicht jedoch die rechtseitige Altersschwerhörigkeit) sei durch die Detonation des 

Knallkörpers verursacht worden. Es sei von einem Knalltrauma auszugehen. Es 

sei höchstwahrscheinlich eine vorbestehende, beginnende Altersschwerhörigkeit 

auf beiden Ohren vorhanden gewesen, die aber subjektiv nicht wahrgenommen 

worden sei. Diese Altersschwerhörigkeit werde über die Jahre noch zunehmen. 

- 22 - 

Die zusätzliche Minderung des Gehörs in den hohen Frequenzen beidseitig sei 

der wohl bereits vorgängig vorhandenen beginnenden Altersschwerhörigkeit ge-

schuldet. Gemäss retrospektiver Schätzung sei der Hörverlust auf dem linken 

Ohr zu 18% auf die Altersschwerhörigkeit und der zusätzliche Hörverlust von 

67% auf insgesamt 85% auf das schädigende Ereignis zurückzuführen. Ferner 

bestehe auf der linken Seite ein Tinnitus. Dieser sei für B. insbesondere nachts 

sehr störend, jedoch kompensiert, d.h. er sei in seinen täglichen Verrichtungen 

durch den Tinnitus zwar gestört, aber nicht völlig beeinträchtigt. B. habe seine 

Hörfähigkeit gegenüber dem Gutachter wie folgt beschrieben: Die Gehörsschä-

digung sei bezüglich seiner Tätigkeit als Landwirt meist erträglich, ausser wenn 

ein lauter Motor laufe, dann sei es aufgrund des Hördrucks und der damit einher-

gehenden Lärmempfindlichkeit unangenehm. Bei seiner Arbeit als Wirt habe er 

insbesondere im Störlärm (Musik in der Gaststube oder lauten Gesprächsrun-

den) erhebliche Probleme und müsse den Raum verlassen. Im Alltag sei er von 

lauten Geräuschen geplagt und habe bei Störlärm starke Verständigungsschwie-

rigkeiten, weshalb er angefangen habe, von den Lippen abzulesen. Der Gutach-

ter beschreibt B. als hochmotivierten Patienten, welcher versuche, seine Situa-

tion aktiv zu verbessern, aber aufgrund der ausbleibenden Besserungen ob sei-

ner Schädigung verzweifelt sei. 

Dr. D. bestätigt sodann die Schlussfolgerungen im Gutachten Dr. H., wonach die 

Gehörsschädigung von B. auf die Detonation zurückzuführen und irreversibel sei, 

insgesamt für schlüssig und richtig (Gutachten S. 6). Zum Gutachten der SUVA 

äussert sich Dr. D. wie folgt: Die auf statistischen Einschätzungen beruhende 

Aussage, wonach eine Hörstörung bei einem Knalltrauma dieser Art nicht zu er-

warten sei bzw. nur dann, wenn das Ohr klar (temporär oder permanent) vorge-

schädigt sei, lasse die Berücksichtigung der individuellen Empfindlichkeit des 

Menschen ausser Acht. Eine statistische Auswertung bilde in der Medizin den 

Fall des individuellen Patienten niemals exakt ab. So seien aus der militärärztli-

chen Praxis Fälle individuell unterschiedlich ausgeprägter Gehörsverluste bei 

Schiessunfällen mit mehreren jungen Beteiligten bekannt. Als Erklärung sei es 

beispielsweise möglich, dass eine temporäre erregerbedingte, jedoch subklini-

sche (d.h. nicht bemerkbare) Schädigung des Innenohrs bei zusätzlichem Lärm-

trauma zu einem Hörverlust kumuliere. Zudem könnten bei älteren Erwachsenen 

die meisten Ohren zumindest im Hochtonfrequenzbereich als vorgeschädigt be-

trachtet werden, wie auch bei B. eine solche Altersschwerhörigkeit im Hochton-

bereich erkennbar sei (Gutachten S. 5). 

- 23 - 

3.4 Beschädigte Gegenstände 

Der Beschuldigte anerkannte in der Hauptverhandlung im Rahmen des Partei-

vortrags der Verteidigung, für den Schaden am Spielfeldrasen, verursacht durch 

das Werfen von zwei Rauchkörpern, verantwortlich zu sein (TPF pag. 3.925.43). 

Er bestritt hingegen, dass der Funkenregen des zweiten Sprengkörpers die Fan-

Jacke des Privatklägers B. beschädigt haben soll (TPF pag. 3.925.43 f.). Darauf 

ist beim Anklagevorwurf der Sachbeschädigung näher einzugehen (E. 6).  

4. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) 

4.1 Nach Art. 224 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich und in verbreche-

rischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Men-

schen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt. 

4.1.1 Der Sprengstoffbegriff gemäss Art. 224 Abs. 1 StGB deckt sich im Wesentlichen 

mit dem Begriff im Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe vom 

25. März 1977 (Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 941.41). Als Sprengstoffe gelten 

gemäss Art. 5 Abs. 1 SprstG "einheitliche chemische Verbindungen oder Gemi-

sche solcher Verbindungen, die durch Zündung, mechanische Einwirkung oder 

auf andere Weise zur Explosion gebracht werden können und die wegen ihrer 

zerstörenden Kraft, sei es in freier oder verdämmter Ladung, schon in verhältnis-

mässig geringer Menge gefährlich sind". Darunter fallen Stoffe gemäss Art. 2 der 

Verordnung über explosionsgefährliche Stoffe vom 27. November 2000 (Spreng-

stoffverordnung, SprstV; SR 941.411). Nicht unter den Sprengstoffbegriff fallen 

Molotow-Cocktails (Brandwurfkörper) und Stoffe nach Art. 5 Abs. 2 lit. a SprstG 

(explosionsfähige Gase, Dämpfe von flüssigen Brennstoffen sowie andere Stoffe, 

die erst nach einer Vermischung mit Luft explodieren), lit. b (bei der Herstellung 

chemischer Produkte verwendete Hilfsstoffe oder entstehende Zwischenerzeug-

nisse, die explosionsgefährlich sind, aber diese Eigenschaft vor Abschluss des 

Produktionsverfahrens verlieren) und lit. c (explosionsfähige Erzeugnisse und 

Präparate, die nicht zu Sprengzwecken hergestellt und in den Handel gebracht 

werden). Die Definition in Art. 5 Abs. 1 SprstG gilt auch für die Art. 224–226 StGB, 

wobei das Merkmal der zerstörerischen Kraft entscheidend ist (BGE 104 IV 232 

E. Ia; 103 IV 241 E. I.1; Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2015.28 vom 

7. April 2016, E. 4.1; TRECHSEL/FINGERHUTH, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 224 StGB N. 2; ROELLI/ 

FLEISCHANDERL, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 224 StGB N. 4).  

- 24 - 

Feuerwerkskörper und andere gebrauchsfertige Erzeugnisse mit einem Explosiv- 

oder Zündsatz, die nicht zum Sprengen bestimmt sind, gelten als pyrotechnische 

Gegenstände (Art. 7 SprstG). Sie fallen nicht unter den Sprengstoffbegriff von 

Art. 5 SprstG. Pyrotechnische Gegenstände sind daher grundsätzlich nicht als 

Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Ausgenommen 

sind Erzeugnisse, die besonders grosse Zerstörungen bewirken oder zum Zwe-

cke der Zerstörung verwendet werden (BGE 104 IV 232 E. 1a; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_299/2012 vom 20. September 2012 E. 2.2; Entscheid des Bun-

desstrafgerichts SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.2).  

Für die im Tatbestand genannten „giftigen Gase“ lässt das StGB eine Definition 

oder eine nähere Abgrenzung vermissen. Gemäss einem Teil der Lehre muss 

infolgedessen jeder gasförmige Stoff genügen, der in seiner konkreten Menge 

geeignet ist, eine Leib oder Leben gefährdende Vergiftung hervorzurufen (STRA-

TENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II: Straftaten 

gegen Gemeininteressen, 7. Aufl., Bern 2013, § 29 N. 15; ROELLI/FLEISCHAN-

DERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 5). TRECHSEL/FINGERHUTH plädieren hingegen für 

eine Beschränkung auf eigentliche Giftgase, wie sie als Kampfgas Verwendung 

finden (a.a.O., Art. 224 StGB N. 3). Jedoch kann auch ein Gas, welches der in-

dustriellen Nutzung dient, zumindest dann ein giftiges Gas gemäss Art. 224 StGB 

darstellen, wenn es durch seine Verwendungsweise oder Beschaffenheit ein 

ähnliches Risiko wie ein Kampfgas darstellt (DUPUIS et. al., Petit Commentaire, 

Code pénal, Basel 2012, Art. 224 StGB N. 10).  

4.1.2 Art. 224 StGB setzt voraus, dass der Täter durch Sprengstoffe oder giftige Gase 

Leib und Leben von Menschen oder fremdes Eigentum in konkrete Gefahr bringt 

(vgl. BGE 115 IV 111 E. 3b). Die Gefahr muss nicht einer Mehrzahl von Personen 

oder Sachen von grosser Substanz gelten; es genügt die gezielte Gefährdung 

eines bestimmten Menschen oder einer bestimmten fremden Sache (BGE 103 

IV 241 E. I.1; 115 IV 113; CORBOZ, Les infractions en droit suisse, Volume II, 

3. Aufl., Bern 2010, Art. 224 StGB N. 12). Deshalb erfüllt bereits der taugliche 

Versuch eines Sprengstoffattentats den Tatbestand von Art. 224 StGB (RO-

ELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7; Entscheid des Bundesstrafge-

richts SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.1).  

4.2 Der subjektive Tatbestand erfordert zunächst Gefährdungsvorsatz. Dieser liegt 

vor, sobald der Täter die Gefahr kennt und trotzdem handelt; nicht erforderlich ist 

hingegen, dass der Täter die Verwirklichung der Gefahr, sei es auch nur eventu-

ell, gewollt hat (BGE 103 IV 241 E. I.1). Die verbrecherische Absicht bezieht sich 

auf das Handlungsziel des Täters. Dieses muss in der Verwirklichung eines (an-

deren) Verbrechens oder – über den Wortlaut hinaus – Vergehens bestehen, wie 

- 25 - 

beispielsweise Delikte gegen Leib und Leben oder Sachbeschädigung; eine an-

gestrebte Übertretung reicht dagegen nicht aus (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., 

Art. 224 StGB N. 9; TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7). Gemäss 

Bundesgericht (BGE 103 IV 241 E. I.1 m.H.a. BGE 80 IV 117 S. 121) genügt eine 

entsprechende Eventualabsicht (wobei sich die Doktrin auf Grund des hohen Re-

gelstrafrahmens kritisch dazu äussert; vgl. DONATSCH/WOHLERS, Strafrecht IV, 

Delikte gegen die Allgemeinheit, Zürich 2011, S. 50; STRATENWERTH/BOMMER, 

a.a.O., § 29 N. 20; ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 9).  

4.3 Subsumtion objektiver Tatbestand 

4.3.1 Es ist zunächst zu prüfen, ob es sich bei den vier pyrotechnischen Gegenstän-

den, die der Beschuldigte auf das Spielfeld geworfen hat, um Sprengstoffe oder 

giftige Gase im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB handelt. 

4.3.1.1 Rauchkörper 

Wie dem Bericht WFD entnommen werden kann (E. 3.2.1), sind die ersten beiden 

geworfenen Gegenstände Rauchkörper mit dem Markennamen „Ultra Rauchtopf 

Schwarz“, welche in die Kategorie T1 der pyrotechnischen Gegenstände einge-

ordnet werden. Gemäss Anhang 1 Ziff. 1.1 der Sprengstoffverordnung handelt 

es sich bei der Kategorie T1 um pyrotechnische Gegenstände zu gewerblichen 

Zwecken, die für die Verwendung auf Bühnen im Innen- und Aussenbereich ein-

schliesslich der Verwendung bei Film- und Fernsehproduktionen oder ähnlichen 

Verwendungen bestimmt sind und eine geringe Gefahr darstellen. Die beiden 

Rauchkörper fallen somit unter pyrotechnische Gegenstände gemäss Art. 7 

SprstG und werden nur dann unter den Sprengstoffbegriff nach Art. 224 Abs.1 

StGB subsumiert, wenn sie eine grosse Zerstörung bewirken oder zum Zweck 

der Zerstörung verwendet werden (E. 4.1.1). Pyrotechnische Gegenstände der 

Kategorie T1 stellen schon gemäss gesetzlicher Definition nur eine geringe Ge-

fahr dar. Der Bericht WFD attestiert dem Rauchkörper „Ultra Rauchtopf Schwarz“ 

– ausser dem Risiko von Brandverletzungen – kein besonders hohes Gefähr-

dungspotenzial (E. 3.2.1). Auch sein Verwendungszweck im Rahmen von Büh-

nen-, Film- und Fotoproduktionen sowie bei Musik- und Showveranstaltungen 

(pag. BA-11-01-0014) zeigt auf, dass kein hohes Gefährdungspotenzial besteht. 

Die Rauchkörper entfalten mithin grundsätzlich keine grosse zerstörerische Kraft. 

Es ist zwar denkbar, dass auch pyrotechnische Gegenstände der Kategorie T1 

bei nicht sachgerechter Verwendung eine zerstörerische Kraft entwickeln kön-

nen. Dies kann vorliegend verneint werden. Die durch den Beschuldigten auf das 

Spielfeld geworfenen Rauchkörper haben einen eher kleinen Schaden am Rasen 

verursacht und brannten im Freien ab. Es kann demnach nicht gesagt werden, 

- 26 - 

dass sie eine besonders grosse Zerstörung hätten bewirken können. Die Rauch-

körper stellen damit nicht Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB dar. 

Es bleibt zu prüfen, ob von einer zerstörerischen Verwendung der beiden Rauch-

körper auszugehen ist und deshalb eine Subsumtion unter Art. 224 StGB in 

Frage kommt. Auf den Videoaufnahmen aus zwei Kameraperspektiven (pag. BA 

11-04-0007) ist deutlich erkennbar, wie der Beschuldigte – trotz eingeschränkter 

Sicht wegen der Bannerhöhe – aus dem Sektor C6 die beiden Rauchkörper in 

Richtung Spielfeld wirft. Seine Vorgehensweise lässt einzig darauf schliessen, 

dass er mit dem Wurf und mithin der unzulässigen Verwendung der beiden 

Rauchkörper mindestens eine Beschädigung von fremdem Eigentum (Stadion-

rasen) ins Auge fasste. Eine solche Beschädigung erfolgte denn auch aufgrund 

des Abbrennens der beiden Rauchkörper. Die beiden Rauchkörper entfalten je-

doch keine zerstörerische Sprengwirkung bzw. einen Explosionsdruck oder ei-

nen Knalleffekt, wie dies etwa bei der Sprengung eines Briefkastens mit „Kra-

chern“ der Fall ist (vgl. BGE 104 IV 234); ihre „zerstörerische“ Wirkung be-

schränkt sich auf ein Abbrennen, eine explosive Umsetzung ist nicht möglich 

(pag. BA-11-01-0015). Die beiden Rauchkörper stellen daher auch unter dem 

Aspekt ihrer konkreten Verwendung durch den Beschuldigten keinen Sprengstoff 

im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB dar. 

Die Rauchsätze des Rauchkörpers „Ultra Rauchtopf Schwarz“ weisen laut Be-

richt WFD toxische Eigenschaften auf. Die beim Abbrand entstehenden Gase 

und Rauchpartikel könnten zu Reizungen der Schleimhäute und Atemwege füh-

ren und der Rauch könne beim Einatmen gesundheitsschädlich sein. Der Bericht 

weist darauf hin, dass für detaillierte Angaben zur Toxizität einzelner freigesetzter 

Stoffe und Gase spezifische Abklärungen notwendig seien (pag. BA-11-01-0014 

f.). Von solchen konnte indes abgesehen werden. Laut Herstelleretikette muss 

bei Verwendung des Rauchkörpers ein Mindestabstand von 1 Meter zu Personen 

und leicht entzündlichem Material eingehalten werden (pag. BA-11-01-0014). Die 

beiden Rauchkörper brannten in wesentlich grösserem Abstand zu Personen auf 

dem Spielfeld oder Zuschauern auf den Stadiontribünen ab, weshalb eine kon-

krete Gefährdung von Menschen schon aus diesem Grund ausgeschlossen wer-

den kann. Beim Stadionrasen handelt sich sodann nicht um leicht entzündliches 

Material. Der Stewart mit der Gilet-Nr. 1 erklärte in der Einvernahme als Aus-

kunftsperson vom 27. September 2016 sodann, er habe beim Wegräumen der 

Rauchkörper wegen dem eingeatmeten Rauch zwar stark husten müssen; er 

klagte jedoch nicht über irgendwelche Folgebeschwerden (pag. BA-12-2-0005). 

Im Übrigen kann die Art und Menge der freigesetzten Stoffe nicht geeignet sein, 

eine Leib und Leben gefährdende Vergiftung hervorzurufen, da der Rauchkörper 

ansonsten nicht der Kategorie T1 – mithin einem geringen Gefahrenpotenzial, 

- 27 - 

mit Verwendung auch in Innenräumen – zugeordnet worden wäre. Dies gilt umso 

mehr, als die beiden Rauchkörper vorliegend im Freien gezündet wurden.  

Damit steht fest, dass es sich bei den fraglichen Rauchkörpern weder um 

Sprengstoffe noch um Gift- oder Kampfgase oder aufgrund der freigesetzten 

Gase um andere „giftige Gase“ im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB handelt. 

4.3.1.2 Sprengkörper 

Beim dritten (Blindgänger) und vierten durch den Beschuldigten geworfenen Ge-

genstand handelt es sich gemäss Bericht WFD um Sprengkörper mit dem Han-

delsnamen „Kreiselblitz mit Silberperlenschweif“. Dieser Sprengkörper ist ein py-

rotechnischer Gegenstand der Kategorie F4 (E. 3.2.2). In diese Kategorie fallen 

Feuerwerkskörper, die eine grosse Gefahr darstellen, die nur für die Verwendung 

durch Personen mit Fachkenntnissen vorgesehen sind (sogenannte „Feuer-

werkskörper im gewerblichen Gebrauch“) und deren Lärmpegel bei bestim-

mungsgemässer Verwendung die menschliche Gesundheit nicht gefährdet (An-

hang 1 Ziff. 2.4 SprstV). Wie auf den Videoaufnahmen (E. 3.1.1) zu sehen bzw. 

zu hören ist, detonierte der Sprengkörper mit einem lauten Knall und warf Fun-

ken. Die Zuschauer erschraken und manche verliessen das Stadion. Selbst der 

Beschuldigte erschrak ob der Lautstärke des Knalls (pag. BA-13-01-11). Stewart 

mit Gilet Nr. 1 hatte gerade die Rauchtöpfe auf dem Spielfeld eingesammelt und 

den Eimer im Strafraum abgestellt, als ein Sprengkörper – nach seiner Wahrneh-

mung – wenige Schritte entfernt von ihm detonierte. Obwohl er Gehörschutz trug, 

war der Knall „noch sehr laut“, „wie eine Bombe“ (pag. BA-12-02-5 f.). Der grosse 

Explosionsdruck und der Knalleffekt sind auf den im Sprengkörper enthaltenen 

Blitzknallsatz – ein energiereiches pyrotechnisches System mit hoher Reaktions-

geschwindigkeit – zurückzuführen (Bericht WFD, E. 3.2.2). Wird ein derartiger 

pyrotechnischer Gegenstand der Kategorie F4 – welchem definitionsgemäss 

eine grosse Gefahr immanent ist – in einem Fussballstadion, im Bereich von Zu-

schauern und Spielern, durch eine nicht autorisierte Person ohne Einhaltung der 

Nutzungsbedingungen und des Sicherheitsabstandes von mindestens 55 Metern 

gezündet, kann er eine grosse Zerstörung an Menschen und Eigentum bewirken. 

Gemäss Bericht „Verletzungspotenzial pyrotechnischer Gegenstände direkt am 

Körper“ des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) der Universität Bern vom 14. De-

zember 2016 (TPF pag. 3.925.81 ff.) sind – bei direkter Umsetzung am Körper – 

Verletzungen an Menschen, etwa an der Hand, erwiesen bei Detonation eines 

pyrotechnischen Gegenstandes mit einer gleichen Menge Blitzknallsatz (10 g), 

wie sie vorliegend die Kreiselblitze aufweisen (WFD-Bericht S. 2). Das Gutachten 

SUVA beschäftigt sich mit der spezifischen physikalischen Frage, welchem tem-

porären Lärmpegel der Privatkläger B. ausgesetzt war, und setzt dies in Relation 

- 28 - 

zu Lärmvorschriften bezüglich Arbeitssicherheit. Das Gutachten Dr. D. zeigt hin-

gegen auf, dass aufgrund unterschiedlicher Empfindlichkeiten, wie Fälle aus der 

militärärztlichen Praxis aufzeigen, Personen gleichen Alters auf Knalltrauma un-

terschiedlich reagieren können. Aufgrund des Funkenwurfs sind ausserdem 

Brandverletzungen und Materialschäden möglich (Bericht WFD, pag. BA-11-01-

15) – zu denken ist etwa an Augen- und Hautverletzungen. 

Die beiden pyrotechnischen Gegenstände „Kreiselblitz mit Silberperlenschweif“ 

fallen demzufolge unter den Sprengstoffbegriff nach Art. 224 Abs. 1 StGB.  

4.3.2 Konkrete Gefährdung 

In Bezug auf die konkrete Gefährdung ist erstellt, dass der Beschuldigte die 

Sprengkörper aus einer Menschenmenge heraus im Fussballstadion zündete. 

Der vom Hersteller vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 55 Metern wurde 

durch den Beschuldigten nicht annähernd beachtet. Es befanden sich in diesem 

Radius zahlreiche Zuschauer (namentlich jene in den Sektoren C5, C6 [der Fan-

Sektor mit dem Beschuldigten], D1 [Sektor mit Privatkläger B.] und D2), aber 

auch Spieler, der Schiedsrichter, ein Stewart sowie Sachen im unmittelbaren und 

näheren Umkreis und damit im Gefahrenbereich beider vom Beschuldigten ge-

worfenen Sprengkörper. Auf der Videoaufnahme der Stadtpolizei Zürich (pag. 

BA-11-04-0007 [CD]) ist der Stewart mit der Gilet-Nr. 1 zu erkennen, der sich in 

unmittelbarer Nähe zum detonierten Kreiselblitz aufhielt, weil er noch damit be-

schäftigt war, die brennenden Rauchkörper mit einer Greifzange in einen Eimer 

zu legen. Dieser Stewart war es auch, der den ersten, nicht detonierten Kreisel-

blitz, welcher sich als Blindgänger entpuppte, einsammelte. Ebenso in unmittel-

barer Nähe zur Gefahrenquelle hielt sich der Torwart auf. Der Abstand zwischen 

dem Ort der Detonation des zweiten Kreiselblitzes und der Gästetribüne im Sek-

tor C6, wo sich auch der Beschuldigte befand, betrug nach Vermessungen der 

Stadtpolizei Zürich ca. 11.10 Meter (pag. BA-11-04-0007 [CD]; pag. BA-08-02-

0003 [Festplatte WD Elements], Ordner Bearbeitete Bilder, Knallkörper 4_2). Der 

Beschuldigte erklärte, im Moment des Wurfs hätten sich etwa vier Spieler in der 

Nähe der Detonation, in ca. 10-15 Meter Entfernung, aufgehalten (pag. BA-13-

01-0015). Dass in diesem näheren Umkreis ohne weiteres von einer konkreten 

Gefährdung für sich dort aufhaltende Personen und Sachen ausgegangen wer-

den kann, zeigt die Gehörsverletzung und die Beschädigung der Jacke des Pri-

vatklägers B., der im Sektor D1 in 20,30 Meter Distanz zur Gefahrenquelle bzw. 

zum Detonationspunkt sass (pag. BA-11-04-0007 [CD]; pag. BA-08-02-0003 

[Festplatte WD Elements], Ordner Bearbeitete Bilder, Knallkörper 4_2). 

- 29 - 

Da im Sinne der zitierten Rechtsprechung die konkrete Gefährdung auch bezüg-

lich des nicht detonierten Sprengkörpers bestand, ist die konkrete Gefährdung in 

Bezug auf beide vom Beschuldigten geworfenen Sprengkörper nachgewiesen. 

4.3.3 Der Beschuldigte hat mit dem Zünden und Werfen der beiden Sprengkörper den 

objektiven Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB mehrfach erfüllt. 

4.4 Subsumtion subjektiver Tatbestand  

4.4.1 Der Beschuldigte zündete und warf die Sprengkörper wissentlich und willentlich. 

Er wusste um die Gefahr, welche von diesen Sprengkörpern ausging. So führte 

er aus, ihm sei bewusst gewesen, dass er mit dem Wurf Spieler gefährde, des-

halb habe er geschaut, dass sich nicht zu viele Spieler in der Nähe befinden wür-

den (pag. BA-13-01-0015). Er hielt es somit für möglich, Personen zu verletzen. 

Die grosse Menge der bei ihm sichergestellten pyrotechnischen Gegenstände 

und seine Aussage, dass er ständig ein Lager an solchen Gegenständen habe, 

weil er am 1. August und an Silvester jeweils sehr grosse Feuerwerke abbrenne 

(pag. BA-13-01-0013 f.), lassen darauf schliessen, dass er sich besonders gut 

mit Pyrotechnika auskennt. Das stützt die Feststellung, dass dem Beschuldigten 

das Gefährdungspotenzial der von ihm eingesetzten Sprengkörper in einem gut 

besetzten Fussballstadion während eines laufenden Spiels bewusst war. Hinzu 

kommt, dass zwischen dem Zünden der Rauchkörper und dem Werfen der 

Sprengkörper durch den Beschuldigten die Stadionansage zweimal deutlich auf 

das Verbot des Einsatzes von Pyrotechnika hinwies (vgl. Videofilm Stadtpolizei 

Zürich, pag. BA-11-04-0007). Nach dem Gesagten ist der Gefährdungsvorsatz 

ohne Zweifel gegeben. Der Beschuldigte wusste um die Gefahr für Leib und Le-

ben von Menschen und setzte die beiden Sprengkörper trotzdem ein.  

4.4.2 Wer sich vermummt und während laufendem Spiel pyrotechnische Gegenstände 

der hier in Frage stehenden Art auf das Spielfeld wirft, nimmt zumindest in Kauf, 

beliebigen Personen (Spielern, Funktionären oder Zuschauern) einen gesund-

heitlichen Schaden zuzufügen und damit ein Verbrechen oder Vergehen zu be-

gehen. Diese Absicht wird – als inneres Element des Willens – durch die Miss-

achtung der Handhabungsvorschriften (u.a. 55 m Mindestabstand) untermauert. 

Auch der Umstand, dass sich der Beschuldigte unmittelbar vor dem Verwenden 

der Sprengkörper vermummte, um von der Polizei nicht identifiziert werden zu 

können (pag. BA-13-01-0010), lässt auf nicht lautere Absichten schliessen. Zu-

dem hatte der Beschuldigte nach seiner Aussage ein Motiv für seine Taten, die 

Durchführung einer Art „Vergeltungsaktion“ gegen den (ehemaligen) Sicherheits-

verantwortlichen des FC Luzern (pag. BA-13-01-0009). Der Umstand, dass der 

Beschuldigte laut eigener Aussage nach dem nicht detonierten ersten Kreiselblitz 

- 30 - 

einen zweiten Kreiselblitz zündete und warf, weil der erste nicht detoniert war, 

spricht ebenfalls für eine Schädigungsabsicht. Wenn der Beschuldigte aussagte, 

er habe die Sprengkörper wegen ihrer Gefährlichkeit dorthin geworfen, wo sich 

weniger Spieler aufgehalten hätten, dann kann er nur in der Eventualabsicht ge-

handelt haben, beliebige Menschen an ihrer Gesundheit zu beeinträchtigen. 

Dass dies nicht sein primäres Ziel gewesen sein muss oder ihm der Verletzungs-

erfolg gar unerwünscht gewesen sein mag, ist unerheblich. Eine Eventualabsicht 

des Verletzungserfolgs (im Sinne einer Körperverletzung) ist damit zu bejahen. 

4.4.3 Nach dem Gesagten sind sowohl der Gefährdungsvorsatz als auch die verbre-

cherische Absicht gegeben. Der subjektive Tatbestand ist in beiden Fällen erfüllt.  

4.5 Der Beschuldigte erklärte, er habe den zweiten Sprengkörper gezündet, weil der 

erste nicht detoniert sei (pag. BA-13-01-0015). Es liegt mithin ein neuer Tatent-

schluss vor. Mit dem Zünden und Werfen der beiden Sprengkörper hat der Be-

schuldigte den Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB somit mehrfach erfüllt. Der 

Beschuldigte ist der mehrfachen vorsätzlichen Gefährdung durch Sprengstoffe in 

verbrecherischer Absicht gemäss Art. 224 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

5. Schwere Körperverletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB) 

5.1 Gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schul-

dig, wer den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstüm-

melt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen 

bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht oder das Gesicht 

eines Menschen arg und bleibend entstellt. Nach der ersten, hier in Frage ste-

henden Beispielgruppe in Abs. 2 gilt die „Verstümmelung oder das Unbrauchbar-

machen des Körpers oder eines wichtigen Organs oder Gliedes“ als schwere 

Körperverletzung. Ob ein Organ als wichtig einzustufen sei, soll vorab nach des-

sen Funktion beurteilt werden. In erster Linie geht es um lebenswichtige Organe, 

wobei gemäss einem Teil der Lehre bei paarigen Organen – wie z.B. dem Ohr – 

wiederum die Beeinträchtigung des einen genügt (BERKEMEIER/ROTH, Basler 

Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 122 StGB N. 13; TRECHSEL/FINGERHUTH, 

a.a.O., Art. 122 StGB N. 5; a.M. HEINE/TRUNIGER, Die strafrechtliche Verantwort-

lichkeit des Konzertveranstalters, ZStrR 128/2010, S. 83 ff., S. 88). Bei einer Be-

einträchtigung eines wichtigen Organs liegt jedoch nicht schon per se eine 

schwere Körperverletzung vor. Diese ist vielmehr erst dann gegeben, wenn das 

Organ oder Glied verstümmelt oder „in seinen Grundfunktionen erheblich gestört 

ist“. Eine zwar dauerhafte, aber nur leichte Beeinträchtigung genügt nicht (BER-

KEMEIER/ROTH, a.a.O., Art. 122 StGB N. 15; BGE 129 IV 1). Alsdann vermögen 

- 31 - 

auch bloss vorübergehende Hörstörungen die Anforderungen an Art. 122 Abs. 2 

StGB nicht zu erfüllen (HEINE/TRUNIGER, a.a.O., S. 88).  

In der Lehre wird überdies der Ansatz vertreten, dass zumindest bei teilweiser 

Schwerhörigkeit oder bei Hörverlust auf nur einem Ohr nicht auf Art. 122 Abs. 2 

StGB – und damit auf das wichtige Organ – abzustellen sei. Gemäss HEINE/TRU-

NIGER (a.a.O., S. 89) sei die Hörfähigkeit auf einem Ohr nicht lebensnotwendig 

und daher solle nicht Art. 122 Abs. 2 StGB, sondern vielmehr die Generalklausel 

gemäss Art. 122 Abs. 3 StGB herbeigezogen werden. Um diesem Tatbestand 

die nötigen rechtsstaatlichen Konturen zu geben, sei gemäss den beiden Autoren 

auf den Grad der Behinderung abzustellen. Als qualifizierte Auslegungshilfe sei 

dabei die international gebräuchliche Feldmann-Tabelle herbeizuziehen. Die 

Feldmann-Tabelle setzt den Behinderungsgrad in Relation zum Hörverlust in 

Prozenten. Gemäss HEINE/TRUNIGER empfehle sich – weil zu der physischen Be-

einträchtigung des Hörverlusts nach Art. 122 Abs. 3 StGB noch die psychische 

Minderung typisierend beigefügt werden muss – normativ ab 50% Behinderung 

von einer schweren Körperverletzung auszugehen. Im Falle einer mittelgradigen 

Schwerhörigkeit sei hingegen in der Regel von einer einfachen Körperverletzung 

auszugehen (HEINE/TRUNIGER, a.a.O., S. 89). Gemäss dem Bundesgericht er-

scheint das mögliche Bestehenbleiben eines teilweisen Gehörsverlusts zumin-

dest dann als „andere“ schwere Schädigung des Körpers im Sinne vom Art. 122 

Abs. 3 StGB, wenn eine Hirnerschütterung, Schädelbruch, bleibende Entstellung 

des Gesichts und die Arbeitsunfähigkeit von mehreren Wochen dazu tritt (BGE 

101 IV 381, E. 1a). 

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt 

(Art. 12 Abs. 2 StGB). Der Vorsatz muss sich auf die schwere Schädigung selbst 

beziehen. Gefordert ist indessen nicht, dass sich der Täter gerade die eingetre-

tene Folge vorgestellt hat (BERKEMEIER/ROTH, a.a.O., Art. 122 StGB N. 25).  

5.2 Subsumtion objektiver Tatbestand 

5.2.1 Es ist zu prüfen, ob das Werfen des zweiten (detonierten) Sprengkörpers eine 

schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers B. bewirkt hat. Dazu 

liegen zwei medizinische Gutachten (Gutachten Dr. H. und Gutachten Dr. D.) so-

wie ein akustisches Gutachten (Gutachten SUVA) vor (E. 3.3).  

Das gerichtliche Gutachten Dr. D. ist in sich stimmig, logisch aufgebaut und nach-

vollziehbar. Es stützt sich für seine Feststellungen auf ein vom Gutachter erstell-

tes aktuelles Reintonaudiogramm ab. Es setzt sich zudem mit den im Vorverfah-

ren eingeholten Gutachten Dr. H. und Gutachten SUVA auseinander. Dabei teilt 

- 32 - 

es die Feststellungen im Gutachten Dr. H. und stimmt dessen Schlussfolgerun-

gen zu; es hält fest, dass jenes „lege artis“ erstellt worden sei. Die pysikalisch-

akustischen Berechnungen im Gutachten SUVA stellt das Gutachten Dr. D. in 

Relation zu den eigenen medizinischen Feststellungen und Schlussfolgerungen 

im konkreten Fall. Anhand empirischer Erkenntnisse aus der Militärmedizin er-

läutert es die Wahrscheinlichkeitsberechnungen im Gutachten SUVA (vgl. E. 

3.3.4). Bei der Prüfung der Frage der schweren Körperverletzung ist aufgrund 

der Beleuchtung sämtlicher relevanten Aspekte auf das gerichtliche Gutachten 

Dr. D. abzustellen. 

5.2.2 Natürliche Kausalität  

Das Gutachten Dr. D. (TPF pag. 3.291.11 ff.) stellt fest, dass beim Privatkläger 

B. ein altersbedingter Tonhörverlust von 18% auf dem rechten Ohr und eine 

hochgradige Schwerhörigkeit von 85% auf dem linken Ohr besteht. Es legt dar, 

dass die verminderte Hörfähigkeit auf dem rechten Ohr nicht auf die Detonation 

des Sprengkörpers, sondern auf eine bereits vorhandene Altersschwerhörigkeit 

zurückzuführen ist. Es besteht somit keine natürliche Kausalität zwischen der 

Detonation des Sprengkörpers und dem Tonhörverlust auf dem rechten Ohr. Laut 

Gutachten beträgt beim linken Ohr der Tonhörverlust 85%. Davon sind 18% auf 

eine vorbestehende Altersschwerhörigkeit und der zusätzliche Hörverlust von 

67% auf die Detonation des Sprengkörpers zurückzuführen. Diese Hörschädi-

gung ist irreversibel. Damit ist die Detonation sine qua non für den Tonhörverlust 

von 85%, das heisst die Detonation kann nicht weggedacht werden, ohne dass 

auch der Erfolg, also die Hörminderung von 85%, entfiele. Für den Erfolg als 

Ganzes haftet auch derjenige, wer ihn nur mitverursacht hat, z.B. indem er sein 

Ausmass vergrössert hat (NIGGLI/MAEDER, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 

2013, Art. 12 StGB N. 92). Auch die Verschlechterung einer bereits geschädigten 

Gesundheit ist Verletzung (TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., vor Art. 122 StGB 

N. 5). Somit ist die natürliche Kausalität zwischen der Detonation des Sprengkör-

pers und dem Hörverlust für den gesamten Tonhörverlust von 85% gegeben. 

5.2.3 Adäquate Kausalität 

5.2.3.1 Damit neben der natürlichen auch die adäquate Kausalität vorliegt, muss das 

Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfah-

rungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder min-

destens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz ausser-

gewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers beziehungsweise 

eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, 

- 33 - 

mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wie-

gen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs er-

scheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren – namentlich das Ver-

halten des Angeschuldigten – in den Hintergrund drängen (BGE 131 IV 145 

E. 5.1 und E. 5.2; BGE 130 IV 7 E. 3.2; BGE 128 IV 49 E. 2b; BGE 127 IV 62 

E. 2d; je mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vermö-

gen ein schlechter Gesundheitszustand und eine ungünstige konstitutionelle Prä-

disposition des Opfers den Kausalzusammenhang nicht zu unterbrechen (BGE 

131 IV 145 E. 5.3; Urteil des Bundesgerichtes 6S.243/2006 vom 4. Oktober 2006, 

E. 2.2; vgl. auch Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2015.39 vom 29. Ja-

nuar 2016 E. 2.7.4). Die Adäquanz wird selbst dann nicht durchbrochen, wenn 

ein Automobilist einen Fussgänger verletzt und dieser in der Folge stirbt, weil er 

Bluter ist (BGE 131 IV 145 E. 5.3; kritisch dazu etwa RIKLIN, Schweizerisches 

Strafrecht, Allgemeiner Teil I, Verbrechenslehre, 3. Aufl., 2007, S. 166). 

5.2.3.2 Das Gutachten SUVA führt aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden 

Schädigung nach einer Gehörbelastung mit einem wie hier vorliegenden Schall-

expositionspegel LAE von 112 dB weit unter 1 Prozent beträgt. Das medizinische 

Gutachten Dr. D. hält dazu fest, dass diese pauschale Aussage die individuelle 

Empfindlichkeit eines jeden Menschen ausser Acht lasse. Aus der militärärztli-

chen Praxis sei bekannt, dass individuell unterschiedlich ausgeprägte Gehörs-

verluste bei Schiessunfällen mit mehreren Beteiligten im jungen wehrtauglichen 

Alter eintreten könnten (Gutachten S. 5). Gemäss Gutachten SUVA müssten – 

in analoger Interpretation seiner Kernaussage – die betroffenen Wehrleute, so-

weit sie praktisch im gleichen Abstand zur Schallquelle stehen, eine ungefähr 

gleich starke Gehörsschädigung erleiden. Das Gutachten SUVA geht von einer 

technisch-physikalischen Untersuchung des hier zu beurteilenden Vorfalles aus. 

Es weist denn auch darauf hin, dass weitergehende Feststellungen zu speziellen 

medizinischen Voraussetzungen für die Hörschädigung mit einem medizinischen 

(ORL-)Gutachten vorzunehmen seien. Dies hat das Gericht mit dem bei Dr. D. 

eingeholten Gutachten gemacht. Dieses ist daher stärker zu gewichten, weil es 

die individuellen Besonderheiten des Falles in die Beurteilung miteinbezieht. 

Beide Gutachten wurden, soweit für das Gericht feststellbar, lege artis erstellt. 

Sie sind in sich schlüssig und nachvollziehbar. Die Differenz in ihrer Aussage ist 

darauf zurückzuführen, dass die beiden Gutachten einen anderen Ansatz verfol-

gen bzw. das Problem aus einem anderen Blickwinkel beleuchten. Ferner ist zu 

beachten, dass im Bereich der Sozialversicherung, in welcher die SUVA tätig ist, 

der Adäquanzbegriff durch die Rechtsprechung eingeengt wurde (vgl. BGE 134 

V 109), was nicht direkt ins Strafrecht zu übernehmen ist. Der Grundsatz der 

adäquaten Kausalität wird mit Rücksicht auf die Besonderheiten des jeweiligen 

Rechtsgebietes unterschiedlich angewendet (BGE 127 V 102 E. 5.b; vgl. Urteil 

- 34 - 

des Bundesgerichts 4A_171/2012 vom 25. Juni 2012 zum unterschiedlichen 

Adäquanzbegriff im Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht).  

5.2.3.3 Bezogen auf die strafrechtliche Adäquanz ist Folgendes festzuhalten: Nach dem 

allgemeinen Lauf der Dinge kann ein lauter Knall bei einem Menschen eine 

schwere Hörschädigung hervorrufen. Die allgemeine Lebenserfahrung legt zu-

dem nahe, dass Menschen – auch solche gleichen Alters und mit gleicher kör-

perlicher Konstitution – unterschiedlich stark auf Schalleinwirkungen reagieren. 

Der durch die Detonation eines Sprengkörpers entstehende Knall kann mithin bei 

einzelnen Personen eine schwere Gehörsschädigung verursachen, während an-

dere geringe oder keine Folgen davon tragen. Die Aussage im Gutachten D. in 

Bezug auf militärische Schiessunfälle untermauert dies. Sodann ist Folgendes 

von Relevanz: Der Beschuldigte hatte auf die Wurfweite zwar Einfluss, er konnte 

aber nur ungefähr abschätzen, wie weit genau und in welche Richtung der 

Sprengkörper fliegt. Aufgrund der Zeitverzögerung der Zündung von ca. 10 Se-

kunden konnte er zudem nur annähernd abschätzen, ob dieser im Flug oder erst 

nach dem Aufprall auf dem Stadionrasen explodiert. Es hing also vom Zufall ab, 

in welcher Distanz vom Explosionsort – und in welcher konkreten Gefahr für das 

Erleiden eines Gehörsschadens – sich der Privatkläger B. befand. Bei geringerer 

Distanz wären die physikalischen Berechnungen im Gutachten SUVA und die 

daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen für die Wahrscheinlichkeit eines Ge-

hörsschadens anders, zum Nachteil des Beschuldigten, ausgefallen. Umgekehrt 

hätten sich bei grösserer Wurfweite möglicherweise Spieler und Funktionäre auf 

dem Spielfeld näher beim Explosionsort befunden, was für diese im Lichte des 

Gutachtens SUVA zu den gleichen Schlussfolgerungen geführt hätte. Nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge konnte also durch das Werfen des Sprengkörpers 

im Stadion während eines Fussballspiels ein schwerer Gehörsschaden eintreten. 

Das Verhalten des Beschuldigten ist damit adäquat kausal zum Gehörsschaden.  

5.2.3.4 Dieser adäquate Kausalzusammenhang wird nicht durch äussere Umstände un-

terbrochen, wie etwa eine allfällige ungünstige Prädisposition. Gemäss dem Gut-

achten Dr. D. können die meisten Ohren älterer Erwachsener im Hochtonfre-

quenzbereich als vorgeschädigt betrachtet werden (Gutachten S. 5). Ein minimal 

geschwächter Gesundheitszustand bzw. eine altersbedingte, geringfügig herab-

gesetzte Hörfähigkeit des Opfers stellt demnach keinen derart aussergewöhnli-

chen Umstand dar, dass damit schlechthin nicht zu rechnen wäre (vgl. Entscheid 

des Bundesstrafgerichts SK.2015.39 vom 29. Januar 2016, E. 2.7.4). Die vom 

Gutachter festgestellte, sehr wahrscheinlich vorliegende vorbestehende Alters-

schwerhörigkeit des Privatklägers bewegt sich im normalen Rahmen. Sie unter-

- 35 - 

bricht schon deshalb nicht den rechtserheblichen Kausalzusammenhang. Aus-

serdem wusste der Beschuldigte, dass sich üblicherweise Menschen fast jeden 

Alters zu einem Fussballspiel begeben, und er konnte dies selber feststellen.  

5.2.3.5 Die adäquate Kausalität ist für den gesamten Hörverlust von 85% (einschliesslich 

der vorbestehenden Beeinträchtigung von 18%) auf dem linken Ohr gegeben. 

5.2.4 Unbrauchbarmachen eines wichtigen Organs 

Gemäss herrschender Lehre stellt bereits ein Ohr ein wichtiges Organ im Sinne 

von Art. 122 Abs. 2 StGB dar und es ist für die Bejahung einer schweren Körper-

verletzung nicht erforderlich, dass beide Ohren geschädigt worden sind (E. 5.1). 

Dieser Auffassung ist der Vorzug zu geben. Eine einfache Körperverletzung im 

Sinne von Art. 123 StGB ist demgegenüber gegeben, wenn innere oder äussere 

Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse 

Behandlung und Heilungszeit erfordern. Zu denken ist an Knochenbrüche, Hirn-

erschütterungen, Quetschungen und Blutergüsse, die nach einer gewissen Zeit 

wieder aus- bzw. verheilen (vgl. BERKEMEIER/ROTH, a.a.O., Art. 123 StGB N. 4).  

Die Hörminderung auf dem linken Ohr des Privatklägers beträgt 85%. Der ge-

richtliche Gutachter bezeichnet dies als hochgradige Schwerhörigkeit (Gutachten 

Dr. D. S. 2). Gemäss Feldmann-Tabelle (abgedruckt in HEINE/TRUNIGER, a.a.O., 

S. 82) liegt damit eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit vor. Der gerichtli-

che Gutachter führt zudem aus, dass die mit der Zeit zunehmende Altersschwer-

hörigkeit auf dem linken Ohr zur Ertaubung führen kann, auch wenn das rechte 

Ohr noch adäquat hörgerätversorgt werden kann (Gutachten Dr. D. S. 4). Das 

linke Ohr ist mithin in seiner Grundfunktion erheblich gestört und wenn nicht völ-

lig, dann doch weitgehend unbrauchbar gemacht. Laut den beiden medizinischen 

Gutachten bestehen keine Heilungschancen. Aufgrund der (höchstwahrschein-

lich) bis ans Lebensende dauernden Beeinträchtigung dieses wichtigen Organs 

ist von einer schweren Körperverletzung auszugehen. Das Gehör ist ein funda-

mentales Sinnesorgan. Eine einseitige, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit 

ist ein starker Eingriff in die Lebensqualität eines Menschen. Die soziale Interak-

tion ist dadurch erheblich erschwert. Insbesondere bei Stör- oder Hintergrundge-

räuschen wirkt sich die eingeschränkte Hörfähigkeit belastend aus, da zur Neut-

ralisation von Störgeräuschen die Hörfähigkeit auf beiden Ohren von Nöten ist. 

So beschreibt der Privatkläger, dass er bei Störgeräuschen von den Lippen ab-

lesen muss (TPF pag. 3.932.3 sowie Gutachten Dr. D. S. 4). An Veranstaltungen 

wie beispielsweise Open Air-Festivals kann er nicht mehr teilnehmen (Gutachten 

Dr. D. S. 4). Darüber hinaus birgt die einseitige Hörunfähigkeit diverse Gefahren. 

So kann es etwa im Strassenverkehr erfahrungsgemäss fatale Folgen haben, 

- 36 - 

wenn man bei einseitiger Hörunfähigkeit nicht erkennen kann, aus welcher Rich-

tung sich ein Fahrzeug nähert oder dessen Entfernung falsch einschätzt. Er-

schwerend kommt ein Tinnitus hinzu, der das Leben des Privatklägers weiter be-

einträchtigt (Gutachten Dr. D. S. 4). Der Privatkläger kann ferner seinen Beruf als 

Gastwirt nur noch eingeschränkt ausüben und ist, wenn auch weniger stark, in 

seiner Tätigkeit als Landwirt eingeschränkt. Die einseitige, an Taubheit gren-

zende Schwerhörigkeit (Gehörsminderung von 85%) ist nach dem Gesagten als 

schwer im Sinne von Art. 122 StGB einzustufen.  

5.2.5 Der Beschuldigte hat somit mit dem Zünden und Werfen des zweiten (detonier-

ten) Sprengkörpers ein wichtiges Organ eines Menschen dauernd verletzt und 

somit den objektiven Tatbestand von Art. 122 Abs. 2 StGB erfüllt. 

5.3 Subsumtion subjektiver Tatbestand 

5.3.1 Wie sich aus den Ausführungen zum subjektiven Tatbestand bei der Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase (vorne E. 4.4) ergibt, war die Herbeiführung 

einer schweren Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers B. nicht das di-

rekte Handlungsziel des Beschuldigten. Ein direkter Vorsatz (ersten oder zweiten 

Grades) liegt nicht vor. Es bleibt der Eventualvorsatz zu prüfen.  

5.3.2 Eventualvorsatz ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtes gege-

ben, wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber den-

noch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich 

mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit 

Hinweis; vgl. auch Art. 12 Abs. 2 StGB). Die Abgrenzung zwischen Eventualvor-

satz und bewusster Fahrlässigkeit kann im Einzelfall schwierig sein, da sowohl 

der eventualvorsätzlich als auch der fahrlässig handelnde Täter um die Möglich-

keit oder das Risiko der Tatbestandsverwirklichung weiss. Hinsichtlich der Wis-

sensseite stimmen somit beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbestan-

des überein. Unterschiede bestehen jedoch beim Willensmoment. Der bewusst 

fahrlässig handelnde Täter vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, 

dass der von ihm als möglich vorausgesehene Erfolg nicht eintrete, sich das Ri-

siko der Tatbestandserfüllung mithin nicht verwirklichen werde (BGE 130 IV 58 

E. 8.3). Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich handelnde Täter den Ein-

tritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit 

ihm ab. Wer den Erfolg derart in Kauf nimmt, „will" ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2 

StGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg „billigt“ (BGE 130 IV 58 

E. 8.3; eingehend BGE 96 IV 99 S. 101; BGE 103 IV 65 E. I.2 S. 68).  

- 37 - 

Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss das 

Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses der beschuldigten Person – aufgrund 

der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten 

Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverlet-

zung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die 

Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorg-

faltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter 

habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 

mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schlies-

sen, wenn sich diesem der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, 

dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als In-

kaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 133 IV 

222 E. 5.3 mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann auch vorliegen, wenn sich der 

Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs statistisch gesehen nur relativ selten 

verwirklicht. Doch darf in diesem Fall nicht allein aus dem Wissen des Beschul-

digten um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme und damit 

auf Eventualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände 

hinzukommen (BGE 131 IV 1 E. 2.2 mit Hinweis). 

5.3.3 Dem Beschuldigten war die Gefahr, welche von den Sprengkörpern ausgeht, be-

kannt. Er sagte aus, es sei ihm bewusst gewesen, dass er mit dem Wurf Spieler 

gefährde. Gemäss Bericht WFD (S. 5) befanden sich unter den anlässlich der 

Hausdurchsuchung beim Beschuldigten sichergestellten Gegenständen 14 Krei-

selblitze des vom Beschuldigten in der Swissporarena verwendeten Typs. Auf-

grund seiner Erfahrung mit pyrotechnischen Gegenständen musste er sich bei 

der unsachgemässen Verwendung der beiden Kreiselblitze im Klaren gewesen 

sein, dass diese einen erheblichen Lärmpegel und Funkenwurf verursachen, sie 

mithin bei derartiger Verwendung zu schweren Gesundheitsbeeinträchtigungen 

bei Menschen im Wurfbereich führen können. Der Hinweis auf der Herstellereti-

kette bezüglich des einzuhaltenden Mindestabstands von 55 Metern musste ihm 

dies zusätzlich bewusst gemacht haben. Deshalb ist es unerheblich, dass er nur 

damit rechnete, Spieler – und nicht auch Zuschauer – zu gefährden. Das Wissen 

des Beschuldigten um die Möglichkeit einer schweren Körperverletzung bzw. ei-

ner schweren Hörschädigung ist demnach zu bejahen (vgl. E. 4.4). Dabei musste 

der Beschuldigte nicht wissen, welche Art von Verletzungen er konkret verursa-

chen konnte. So hätten etwa auch Verletzungen durch den Funkenwurf eintreten 

können (Bericht WFD S. 4). Bezogen auf die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden 

Gehörsschädigung führt das Gutachten SUVA aus, dass eine solche vorliegend 

äusserst gering gewesen sei (E. 3.3.1). Das Gutachten Dr. D. setzt sich mit dieser 

Feststellung auseinander. Es legt in nachvollziehbarer Weise aus medizinischer 

- 38 - 

Sicht dar, dass die schwere Gehörsschädigung des Privatklägers nicht unge-

wöhnlich ist (E. 3.3.4). Somit ist in Würdigung der beiden Gutachten der Schluss 

zu ziehen, dass die Wahrscheinlichkeit einer schweren Gehörsschädigung bei 

einer bestimmten Person in 20,3 m Entfernung von der Detonation des Spreng-

körpers klein ist, aber keineswegs als aussergewöhnliche Folge der Detonation 

zu betrachten ist. Bei dieser Sachlage brauchen keine weiteren Umstände hin-

zuzutreten, damit vom Wissen des Beschuldigten um den möglichen Erfolgsein-

tritt auf Eventualvorsatz geschlossen werden kann. Der Beschuldigte hat eine 

schwere Körperverletzung in Kauf genommen; er hat demnach eventualvorsätz-

lich gehandelt. Der subjektive Tatbestand ist gegeben. 

5.4 Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten der schweren Körperverletzung ge-

mäss Art. 122 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.  

6. Mehrfache Sachbeschädigung, begangen aus Anlass einer öffentlichen Zu-

sammenrottung (Art. 144 Abs. 2 StGB) 

6.1 Wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutznies-

sungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, wird, auf An-

trag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 144 

Abs. 1 StGB). Gemäss Art. 144 Abs. 2 StGB wird der Täter von Amtes wegen 

verfolgt, wenn er die Sachbeschädigung aus Anlass einer öffentlichen Zusam-

menrottung begangen hat. Eine Beschädigung setzt voraus, dass in die physi-

sche Substanz der Sache eingegriffen wird; Beeinträchtigung ihrer Ansehnlich-

keit genügt (BGE 115 IV 26 E. 2b). Nur die vorsätzliche Begehung ist strafbar 

(Art. 12 Abs. 1 StGB); Eventualvorsatz (Art. 12 Abs. 2 StGB) genügt (vgl. auch 

Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 6.1). 

Gemäss Art. 172ter StGB wird der Täter – auf Antrag – mit Busse bestraft, wenn 

sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert oder auf einen geringen 

Schaden richtet. Der Geltungsbereich von Art. 172ter StGB erstreckt sich auf alle 

im Zweiten Titel des Besonderen Teils des StGB erfassten Vermögensdelikte – 

und damit insbesondere auch auf die Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB 

(WEISSENBERGER, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 172ter StGB N. 9). 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt die objektive Grenze für den 

geringen Vermögenswert oder Schaden bei Fr. 300.-- (vgl. u.a. BGE 121 IV 261). 

- 39 - 

6.2 Prozessvoraussetzungen 

6.2.1 Die Privatklägerin 2 (C. AG) verlangt die Bestrafung des Beschuldigten, weil die-

ser mit dem Werfen von zwei Rauchkörpern den Stadionrasen vorsätzlich be-

schädigt und ihr dadurch einen Schaden von Fr. 800.-- zugefügt haben soll. Die 

Privatklägerin 2 hat rechtzeitig und gültig Strafantrag gestellt (pag. BA 15-02-

0001). Die Prozessvoraussetzung für eine Strafverfolgung ist damit gegeben. 

6.2.2 Der Privatkläger 1 (B.) verlangt die Bestrafung des Beschuldigten, weil dieser mit 

dem Werfen des zweiten (detonierten) Sprengkörpers seine Jacke vorsätzlich 

beschädigt und ihm einen Schaden von Fr. 99.-- zugefügt haben soll. Der Privat-

kläger 1 hat rechtzeitig und gültig S