# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 746ad6f7-b9a9-584b-9994-919c81ee47c2
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-28
**Language:** de
**Title:** Grundstückgewinnsteuer
**Docket/Reference:** GR.2015.15
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_GR_2015_15_vo.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 GR.2015.15 

Entscheid 

 28. Oktober 2015 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichterin Micheline Roth, Steuerrichter  
Alexander Widl und Gerichtsschreiberin Vivienne Blunschi 

1.  A ,    

2.  B,    

vertreten durch C,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrenten,  

G e m e i n d e   D ,    

vertreten durch den Finanzausschuss,  

Rekursgegnerin,  

betreffend 

Grundstückgewinnsteuer 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  A  und  B  (nachfolgend  der  bzw.  die  Pflichtige,  zusammen  die  Pflichtigen) 

veräusserten am ... … 2012 die ihnen je zur Hälfte gehörende Eigentumswohnung an 

der … …strasse 297 in D für Fr. 2'050'000.- an E und F. Zuvor hatte B am ... … 2012 

von ihrem verstorbenen Vater die Liegenschaft …weg 3 in G geerbt. In der Folge bau-

ten  die  Pflichtigen  diese  Liegenschaft  um  und  wendeten  hierfür  gemäss  Steuererklä-

rung  für  die  Grundstückgewinnsteuer  insgesamt  Fr.  603'476.-  auf.  Mit  Veranlagungs-

entscheid  vom  10.  Juni  2014  auferlegte 

ihnen  der  Finanzausschuss  D  eine 

Grundstückgewinnsteuer von Fr. 301'920.-. Dabei ermittelte die Behörde einen steuer-

baren Grundstückgewinn von Fr. 1'124'517.-, von dem sie einen Anteil von Fr. 77'993.- 

aufschob (Kaufpreis Ersatzliegenschaft Fr. 1'003'476.- ./. Anlagekosten Fr. 925'483.-).  

B.  Eine  hiergegen  erhobene  Einsprache  wies  der  Finanzausschuss  am  

7. April 2015 ab und erhöhte die Grundstückgewinnsteuer auf Fr. 325'008.-. 

C.  Mit  Rekurs  vom  8.  Mai  2015  liessen  die  Pflichtigen  dem  Steuerrekursge-

richt beantragen: 

"1. 

 2. 

 3. 

 4. 

 5. 

Es sei festzuhalten, dass der genehmigte Vorabentscheid für die Gemeinde D 
verbindlich  und  somit  die  Berechnungsweise  für  die  anteilige  Ersatzbeschaf-
fung von Frau B konsequent anzuwenden sei. 

Es  sei  festzustellen,  dass  die  Rekurrenten  sich  auf  den  Grundsatz  von  Treu 
und  Glauben  berufen  und  die  Berechnungsweise  gemäss  dem  bestätigten 
Vorabentscheid unverändert anwenden können. 

Es sei festzuhalten, dass die Entschädigung und somit der Anschaffungswert 
der Ersatzliegenschaft in der Höhe des übernommenen Erbteils (Fr. 500'000.-) 
betrage. 

Es sei festzuhalten, dass für die Berechnung des reinvestierten Erlöses in das 
Ersatzobjekt  keine  Unterscheidung  zwischen  werterhaltenden  und  wertver-
mehrenden Aufwendungen vorzunehmen sei. 

Es  sei  analog  der  Einsprache  vom  9.  Juli  2014  ein  steuerbarer  Grundstück-
gewinn in der Höhe von Fr. 562'258.- und ein Steueraufschub infolge Ersatz-
beschaffung in der Höhe von Fr. 562'260.- zu veranlagen. 

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 6. 

Den  Rekurrenten  sei  eine  angemessene  Parteientschädigung  für  die  Kosten 
des Rekurses in der Höhe von Fr. 3'500.- zuzusprechen. 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Rekursgegnerin." 

In seiner Rekursantwort vom 7./13. Juli 2015 schloss der Finanzausschuss – 

unter Zusprechung einer Parteientschädigung – auf teilweise Gutheissung des Rekur-

ses und Herabsetzung der Grundstückgewinnsteuer auf Fr. 240'618.-. Mit Replik vom 

17. August 2015 hielten die Pflichtigen an ihren Anträgen fest und verlangten nunmehr 

eine Parteientschädigung von Fr. 6'000.-. 

Auf die Erwägungen des Einspracheentscheids und die Parteivorbringen wird, 

soweit wesentlich, in den nachfolgenden Urteilsgründen zurückgekommen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Die Grundstückgewinnsteuer wird laut § 216 Abs. 1 des Steuergesetzes 

vom 8. Juni 1997 (StG) von den Gewinnen erhoben, die sich bei Handänderungen an 

Grundstücken oder Anteilen von solchen ergeben. Gemäss § 216 Abs. 3 lit. i StG und 

§ 226a Abs. 1 StG wird – im Einklang mit Art. 12 Abs. 3 lit. e des Bundesgesetzes über 

die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden  vom 

14. Dezember 1990 (StHG) – die Steuer aufgeschoben bei vollständiger oder teilweiser 

Veräusserung  einer  dauernd  und  ausschliesslich  selbstgenutzten  Wohnliegenschaft 

(Einfamilienhaus oder Eigentumswohnung), soweit der Erlös innert angemessener Frist 

zum Erwerb oder Bau einer gleichgenutzten Ersatzliegenschaft im Kanton oder in der 

übrigen Schweiz verwendet wird. 

b) Objektive Voraussetzungen für einen Steueraufschub bilden somit die dau-

ernde  und  ausschliessliche  Selbstnutzung  sowohl  der  veräusserten  als  auch  der  als 

Ersatz erworbenen Liegenschaft durch die steuerpflichtige Person, die gleiche Nutzung 

der Ersatzliegenschaft und die Verwendung des Erlöses für die Ersatzliegenschaft. In 

subjektiver  Hinsicht  wird  vorausgesetzt,  dass  die  Ersatzbeschaffung  durch  den  Ver-

äusserer  selbst  vorgenommen  wird.  Sodann  muss  das  Ersatzobjekt  in  der  Schweiz 

liegen (örtliche Voraussetzung) und der Ersatz in der Regel innerhalb von zwei Jahren 

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nach der Veräusserung der ursprünglichen Liegenschaft erfolgen (zeitliche Vorausset-

zung). 

2.  In  der  Rekursantwort  hat  die  Rekursgegnerin  den  von  der  Pflichtigen  im 

Rahmen  der  Erbteilung  an  ihren  Bruder  bezahlten  Betrag  von  Fr.  100'000.-  als  Be-

standteil  des  Erwerbspreises  zu Recht  anerkannt.  Der  von  der  Pflichtigen für  die  Lie-

genschaft …weg 3 in G erbrachte entgeltliche Anteil beläuft sich somit auf Fr. 500'000.-

, was dem Erbteilungsvertrag vom ... … 2011 entspricht. 

3.  Die  Pflichtigen  haben  an  der  Liegenschaft  …weg  3 umfangreiche  Umbau- 

und  Unterhaltsarbeiten  vorgenommen.  Die  hierfür  aufgewendeten  Kosten  bezifferten 

sie  in  der  Steuererklärung  für  die  Grundstückgewinnsteuer  auf  Fr.  603'476.-;  mit  der 

Einsprache  machten  sie  Fr.  657'900.-  geltend.  In  der  Steuererklärung 2012  deklarier-

ten sie Fr. 198'840.- als Unterhaltskosten und in der Steuererklärung 2013 solche von 

Fr. 211'221.-, insgesamt also Fr. 410'061.-, die von der zuständigen Veranlagungsbe-

hörde  anerkannt  wurden.  Im  Streit  liegt  die  Frage,  ob  diese  Unterhaltskosten  neben 

den  wertvermehrenden  Aufwendungen  für  die  Ermittlung  des  aufzuschiebenden 

Grundstückgewinns zu berücksichtigen sind oder nicht. 

a) Der Finanzausschuss vertrat im Einspracheentscheid die Auffassung, dass 

nur  die  wertvermehrenden  Aufwendungen  am  Ersatzobjekt 

im  Umfang  von  

Fr.  247'839.-,  nicht  aber  der  Liegenschaftenunterhalt  von  insgesamt  Fr.  410'061.-  als 

reinvestierter  Betrag  berücksichtigt  werden  dürften.  An  diesem  Standpunkt  hielt  er  in 

der Rekursantwort – unter Hinweis auf das Rundschreiben der Finanzdirektion an die 

Gemeinden  über  den  Aufschub  der  Grundstückgewinnsteuer  bei  Ersatzbeschaffung 

einer  dauernd  und  ausschliesslich  selbstgenutzten  Wohnliegenschaft  vom  

31. März 2014 (ZStB I Nr. 37/461; im Folgenden Rundschreiben) – fest. 

b)  Demgegenüber  stellen  sich  die  Pflichtigen  in  der  Rekursschrift  und  in  der 

Replik auf den Standpunkt, dass der vorgenommene Unterhalt ebenfalls zur Reinvesti-

tion  zähle.  Denn  die  Erlösverwendung  umfasse  nicht  nur  die  Kosten  für  den  Erwerb 

des  Ersatzgrundstücks,  sondern  auch  die  Mittel  für  dessen  Umbau  und  Renovation, 

und  zwar  unbekümmert  darum,  ob  die  entsprechenden  Arbeiten  wertvermehrenden 

oder bloss werterhaltenden Charakter hätten. Der Umstand, dass die zuständige Ver-

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anlagungsbehörde den Unterhalt am Ersatzobjekt einkommensmindernd berücksichtigt 

habe, ändere nichts am Gesagten. Weil es sich nur um den Aufschub der Grundstück-

gewinnsteuer handle, falle der für den Unterhalt am Ersatzobjekt aufgewendete Anteil 

des  Erlöses  für  die  Besteuerung  nicht  definitiv  weg,  sondern  werde  nach  späterem 

Wegfall der Voraussetzungen für den Steueraufschub nachbesteuert. Somit komme es 

entgegen  der  Auffassung  der  Rekursgegnerin  nicht  zu  einer  doppelten  Anrechnung. 

Das Rundschreiben sei unklar und rechtfertige als blosse Dienstanweisung keine Pra-

xisänderung. Weder die Gesetzesmaterialien definierten den reinvestierten Erlös noch 

spreche  sich  das  Bundesgericht  im  Grundsatzentscheid  BGE  130  II  202  dazu  aus. 

Ebenso  wenig  treffe das  Kreisschreiben  Nr.  19  der  Schweizerischen  Steuerkonferenz 

vom 31. August 2001 wie auch der Bericht der Kommission für Wirtschaft und Abgaben 

des  Nationalrates  vom  19.  Januar  2010  eine  solche  Unterscheidung.  Es  sei  gerade 

Sinn und Zweck des Instituts der Ersatzbeschaffung, dass die Grundstückgewinnsteuer 

die liquiden Mittel für den Erwerb eines Ersatzobjekts nicht einschränke. Selbst  wenn 

im  Sinn  des  Rundschreibens  anders  zu  entscheiden  wäre,  dürfte  eine  solche  Praxis-

änderung nicht rückwirkend vorgenommen werden. 

c) aa) Im Grundsatzentscheid RB 2003 Nr. 103 (= StE 2004 B 42.38 Nr. 23 = 

StR 2003, 770 = ZStP 2003, 156), der durch das Bundesgericht in BGE 130 II 202 be-

stätigt worden ist, hat das Verwaltungsgericht in E. 2c/cc erwogen: 

"Unter  diesem  Gesichtswinkel  betrachtet  ist  es  bei  einer  Teilreinvestition  des  Erlöses 
sachgerecht  und entspricht  dem  Sinn  des Gesetzes,  den Steueraufschub lediglich im 
Umfang des nicht realisierten Grundstückgewinns zu gewähren. Nicht realisiert ist der 
Gewinn – der Mehrwert des Grundstücks –, der nicht frei verfügbar ist, weil er für die 
Anlagekosten  des  Ersatzobjekts  verwendet  wird  und  daher  im  Grundstück  gebunden 
ist. Der Steueraufschub ist somit nur in dem Umfang gerechtfertigt, in welchem der in 
das  Ersatzobjekt  reinvestierte  Erlös  die  Anlagekosten  des  veräusserten  Grundstücks 
übersteigt. Demnach findet kein Aufschub statt, wenn der reinvestierte Erlös niedriger 
ist als die Anlagekosten des ersetzten Grundstücks." 

Nach  den  kurzen,  aber  klaren  Ausführungen  des  Verwaltungsgerichts  recht-

fertigt sich ein Steueraufschub nur insoweit, als der realisierte Gewinn für die Anlage-

kosten  des  Ersatzobjekts  verwendet  wird.  Der  Begriff  der  Anlagekosten  findet  sich  in 

der Legaldefinition des Grundstückgewinns von Art. 12 Abs. 1 StHG und § 219 Abs. 1 

StG. Danach ist Grundstückgewinn der Betrag, um welchen der Erlös die Anlagekosten 

übersteigt.  Letztere  setzen  sich  aus  dem  Erwerbspreis  (§ 220 StG)  und den Aufwen-

dungen  (§  221  StG)  zusammen.  Aufwendungen  sind  nur  in  dem  Umfang  zu  berück-

sichtigen,  als  sie  wertvermehrend  sind  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar 

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zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 221 N 25 ff. StG). Im Gegensatz dazu stehen 

werterhaltende  Aufwendungen,  wie  Unterhalts-  und  Reparaturkosten,  die  bei  der  Er-

mittlung  der  Grundstückgewinnsteuer  ausser  Betracht 

fallen  (Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, § 221 N 30 ff. StG), indessen einkommensmindernd zu berücksichtigen 

sind (Art. 32 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. De-

zember  1990  [DBG]  und  §  30  Abs.  2  StG;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkom-

mentar zum DBG, 2. A. 2009, Art. 32 N 35 ff. DBG und § 30 N 34 ff. StG). 

Das vorne in E. 3a erwähnte Rundschreiben hält in Rz 12 fest: 

"Der  Erlös  aus  der  Veräusserung  der Wohnliegenschaft  muss  zum  Erwerb  oder  zum 
Bau  einer  gleichgenutzten  Ersatzliegenschaft  verwendet  werden.  Vorausgesetzt  wird 
nicht, dass der tatsächlich erzielte Erlös reinvestiert wird, sondern es können auch an-
dere eigene Mittel dazu eingesetzt werden (RB 1992 Nr. 48). Der Erlös muss für Anla-
gekosten des Ersatzobjekts verwendet werden (RB 2003 Nr. 103). Aufwendungen mit 
bloss  werterhaltendem  Charakter  wie  Unterhaltskosten  können  nicht  berücksichtigt 
werden." 

bb)  Entgegen  der  Auffassung  der  Pflichtigen  fordert  das  Rundschreiben  die 

Gemeinden nicht zu einer Praxisänderung auf, wie bei der Ersatzbeschaffung der rein-

vestierte Erlös zu ermitteln sei; vielmehr fasst die Finanzdirektion die vorstehend zitier-

te Erwägung des Verwaltungsgerichts im Präjudiz RB 2003 Nr. 103 zusammen. Nichts 

zu  ihren  Gunsten  vermögen  die  Pflichtigen  aus  der  Lehrmeinung  von  Richner/Frei/ 

Kaufmann/Meuter, § 216 N 270, abzuleiten, wonach die Erlösverwendung neben den 

wertvermehrenden  auch  die  werterhaltenden  Massnahmen  am  Ersatzobjekt  umfasst. 

Abgesehen davon, dass die Autoren ihre Ansicht noch auf einen Verwaltungsgerichts-
entscheid stützen, der zu § 170bis Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juli 1951 ergan-

gen ist, welcher das Institut der Ersatzbeschaffung anders als das geltende Recht kon-

zipiert hat, vertritt Richner in seinem Aufsatz "Ersatzbeschaffung von selbstgenutztem 

Wohneigentum" ohne nähere Ausführungen dazu den gegenteiligen Standpunkt (ZStP 

2010, 183 ff., 279 ff., 293). 

cc) Das Steuerrekursgericht verkennt nicht, dass die vom Verwaltungsgericht 

vorgezeichnete Lösung die mit dem Steueraufschubstatbestand der Ersatzbeschaffung 

geförderte  Mobilität  der  Bevölkerung  etwas  einschränkt.  Indessen  wiegt  diese  Ein-

schränkung  nicht  allzu  schwer,  denn  der  Steuerpflichtige  kann  meistens  selbst  ent-

scheiden,  ob  er  Unterhaltsarbeiten  an  einer  Liegenschaft  früher  oder  später  ausführt. 

Entgegen  der  Auffassung  der  Pflichtigen  verhält  es  sich im  Fall  des  Steueraufschubs 

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nicht  so,  dass  der  bei  der  Veräusserung  des  Ursprungsgrundstücks  erzielte  Gewinn 

später doch besteuert wird; vielmehr trifft dies nur dann zu, wenn das Ersatzgrundstück 

innert  eines  Zeitraums  von  20  Jahren  veräussert  wird  (vgl.  Richner/Frei/Kaufmann/ 

Meuter, § 216 N 294, und Richner, ZStP 2010, 297). Soweit es ausserhalb der Ersatz-

beschaffung um die Koordination der Abgrenzung zwischen werterhaltenden und wert-

vermehrenden  Liegenschaftenaufwendungen  im  Veranlagungsverfahren  der  Einkom-

mens-  und Grundstückgewinnsteuer geht,  hat  die  Rechtsprechung festgehalten,  dass 

eine als Unterhalt anerkannte Aufwendung nicht später noch als Wertvermehrung gel-

tend gemacht  werden könne  (StRK III,  20. Juni 2005,  ZStP  2005,  397 ff., mit  zustim-

mendem redaktionellem Kommentar [S. 404 f.]).  

dd) Nach dem Gesagten sind für das Ersatzobjekt nur die wertvermehrenden 

Investitionen  anrechenbar,  die  nach  übereinstimmender  Darstellung  der  Parteien  auf 

Fr.  247'839.-  zu  bemessen  sind,  nicht  aber  die  werterhaltenden  Aufwendungen  von 

insgesamt Fr. 410'061.-. 

4. An diesem Ergebnis könnte sich nur dann etwas ändern, wenn der Finanz-

ausschuss  den  Pflichtigen  über  die  mit  der  Veräusserung  der  Liegenschaft,  … 

…strasse 297, D, und dem Erwerb des Ersatzgrundstücks, …weg 3, G, verbundenen 

Steuerfolgen eine verbindliche Auskunft erteilt hätte. 

a)  Der  in  Art.  9  der  Bundesverfassung  vom  18.  April  1999  (BV)  verankerte 

Grundsatz  von Treu  und  Glauben verleiht  einer  Person Anspruch  auf  Schutz  des  be-

rechtigten Vertrauens in unrichtige Zusicherungen, Auskünfte, Mitteilungen oder Emp-

fehlungen einer Behörde, wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf 

bestimmte  Personen  gehandelt  hat,  die  Behörde  für  die  Erteilung  der  betreffenden 

Auskunft zuständig war, der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres 

erkennen konnte, er im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getrof-

fen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und die gesetzli-

che  Ordnung  seit  der  Auskunftserteilung  keine  Änderung  erfahren  hat  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, VB zu §§ 119 - 131, N 57 ff., mit weiteren Hinweisen). 

b) Die Pflichtigen machen geltend, dass sie den Finanzausschuss am 20. De-

zember  2011  um  einen  "rechtsverbindlichen  Vorentscheid  betreffend  eine  Ersatzbe-

schaffung" ersucht hätten. Nach Vornahme von weiteren Abklärungen habe das Steu-

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eramt D am 5. Juni 2012 einen solchen "unter Vorbehalt der effektiven Zahlen" getrof-

fen.  "Die  Berechnungsweise  der  getrennten  Gewinnermittlung  für  die  Ersatzbeschaf-

fung" sei daher bestätigt worden. Im Veranlagungs- wie im Einspracheentscheid sei die 

Rekursgegnerin von dieser Zusage rechtswidrig abgerückt. 

c)  Das  Schreiben  des  Steueramts  D  an  den  Vertreter  der  Pflichtigen  vom 

5. Juni 2012 hält fest: 

"Gemäss  den  eingereichten  Unterlagen  und  unseren  Abklärungen  können  wir  Ihnen 
mitteilen,  dass  wir  einen  teilweisen  Steueraufschub  bei  der  Grundstückgewinnsteuer 
erkennen  können.  Die  genaue  Höhe  des  Steueraufschubes  ist  jedoch  aufgrund  der 
noch unklaren Endkosten des Ersatzobjektes zum heutigen Zeitpunkt nicht genau ab-
zuschätzen." 

Diese Auskunft besagt lediglich, dass eine Ersatzbeschaffung nach der Akten-

lage  mutmasslich  vorliege,  was  zu  einem  partiellen  Steueraufschub  führe.  Hingegen 

legt  sich  die  Rekursgegnerin  nicht  auf  die  Methode  der  Steuerberechnung  und  erst 

recht nicht auf die mutmassliche Höhe der zu entrichtenden und der aufgeschobenen 

Grundstückgewinnsteuer  fest.  Die  allgemein  und  unbestimmt  gehaltene Auskunft  des 

Steueramts war somit von vornherein nicht geeignet, bei den Pflichtigen schutzwürdi-

ges Vertrauen zu begründen. Unter diesen Umständen kann dahingestellt bleiben, ob 

auch die weiteren Voraussetzungen des Vertrauensschutzes erfüllt sind oder nicht. 

5.  Zusammenfassend  beläuft  sich  die  massgebende  Reinvestition  in  das  Er-

satzobjekt,  …weg  3, G, auf  (Fr.  500'000.-  Leistung  in Erbteilung +  Fr. 247'839.-  wert-

vermehrende Aufwendungen =) Fr. 747'839.-. Dies führt in teilweiser Gutheissung des 

Rekurses zu folgender Neuberechnung der Grundstückgewinnsteuer: 

Steuerberechnung 

B 
Anteil 1/2  (in Fr.) 

Anlagekosten  veräusserte  Liegenschaft 
(unbestritten) 
Verkaufserlös (unbestritten) 
Grundstückgewinn (unbestritten) 
Reinvestition in Ersatzobjekt 
aufgeschobener Grundstückgewinn 
realisierter Grundstückgewinn 
Total steuerpflichtiger Grundstückgewinn 

462'740 

1'025'000 
562'260 
747'839 
285'099 
277'161 

A 
Anteil 1/2  (in Fr.) 
462'742 

1'025'000 
562'258 
0 
0 
277'161 
839'419 

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GGSt nach § 225 Abs. 1 StG 
Besitzesdauer 12 Jahre (Erm. 26%) 
reine Grundstückgewinnsteuer 

325'160 
./. 84'542 
240'618 

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten je zu 3/8 den 

Pflichtigen, unter solidarischer Haftung eines jeden für 3/4, und zu 1/4 der Rekursgeg-

nerin  aufzuerlegen  (§  151  Abs.  1  StG).  Den  überwiegend  unterliegenden  Pflichtigen 

steht  von  vornherein  keine  Parteientschädigung  zu.  Eine  solche  muss  aber  auch  der 

Rekursgegnerin versagt bleiben, weil sie ebenfalls teilweise unterlegen ist und sich ihre 

Bemühungen  im  Rekursverfahren  im Wesentlichen  auf  die  Verteidigung  des  Einspra-

cheentscheids beschränkt haben (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 lit. a des Verwaltungs-

rechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der  Rekurs  gegen  den  Einspracheentscheid  des  Finanzausschusses  D  vom 

7. April  2015  wird  teilweise  gutgeheissen  und  die  Grundstückgewinnsteuer  von 

Fr. 325'008.- auf Fr. 240'618.- herabgesetzt. 

Für den Gewinnanteil von Fr. 285'099.- wird Steueraufschub gewährt. 

[…] 

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