# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0555eb6c-d503-560c-b267-d05e360f6067
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-08-21
**Language:** de
**Title:** ; Rückweisung. Ungenügende Abklärungen des medizinischen Sachverhaltes
**Docket/Reference:** IV.2023.00452
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00452.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00452
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Curiger
Sozialversicherungsrichter Kübler
Gerichtsschreiberin Schilling
Urteil
vom
21. August 2024
in S
achen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene
X.___
meldete sich am
26. Juli
20
21
(Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf
Long Covid und ein CFS-Syndrom
bei der Sozialversiche
rungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
6
/
7
).
Die IV-Stelle klärte im Folgenden den erwerblichen und medizi
ni
schen Sachverhalt ab, zog die Akten de
r
zuständigen
Krankentaggeldversicher
ung
bei (Urk.
6/9,
6/18 ff.,
6/
38
ff.
) und stellte mit Vorbescheid vom 24. Februar 2023 die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/69). Nach Eingang des Einwan
des vom 29. März 2023 (Urk. 6/71) wies die IV-Stelle das Leis
tungs
begehren wie angekündigt mit Verfügung vom
7. August 2023
ab (Urk. 2
[
=
6
/
7
9
]
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 11. September 2023 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte, dass die Verfügung vom 7. August 2023 aufzuheben und ihm spätestens ab 1. Februar 2022 eine abgestufte IV-Rente auszurichten sei. Eventualiter sei ein polydis
ziplinäres Gutachten inklusive EFL-Testung in Auftrag zu geben (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom 17. Oktober 2023 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 19. Oktober 2023 angezeigt wurde (Urk. 7). Am 23. Oktober 2023 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Rechtsschrift ein (Urk. 8), welche der Beschwerde
gegnerin
am 26. Oktober 2023 zugestellt wurde (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs
nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen zu den Übergangsbestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems [KS ÜB WE IV], gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022. Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend
frühestens ab Februar 2022 (allfälliger Ablauf des Wartejahres)
in Betracht fällt, sind die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechts
vorschriften anwendbar.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG).
1.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, dass eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar ausgewiesen sei. Zwar lägen gesundheitliche Einschrän
kungen vor
;
diese würden den Beschwerdeführer jedoch nicht dauerhaft in seiner Tätigkeit als Geschäftsführer einschränken. Demzufolge liege keine Invalidi
t
ät im Sinne des Gesetzes vor und es bestehe kein Anspruch auf IV-Leistungen (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass
er
ab dem 1. Februar 2021 infolge einer Covid-Infektion arbeitsunfähig gewesen sei. Nach Ablauf des Wartejahres
am 1. Februar 2022
habe die Arbeitsunfähigkeit
gemäss den ärztlichen Zeugnissen mindestens 50 %
betragen
.
Aufgrund einer
weiteren
Covid-Infektion
habe sich der Gesundheitszustand
noch
verschlechtert,
so dass die Arbeitsunfähigkeit
ab dem 24. Dezember 2022
bei
70 %
gelegen sei
. Die Beschwerdegegnerin habe trotz Vorliegens eines komplexen Gesundheits
leidens und entgegen der Empfehlung ihres R
AD
-Arztes keine polydisziplinäre Begutachtung inklusive EFL-Testung durchgeführt. Damit habe sie gegen die Untersuchungspflicht gemäss Art.
43 ATSG verstossen
(Urk. 1).
3.
3.1
Der Hausarzt Dr.
med.
Y.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, behandelte den Beschwerdeführer
ab dem 17. Februar 2021
aufgrund einer Covid-Infektion
und
anschliessender Post
-
Covid-Symptome mit grosser E
r
mü
d
barkeit
, Konzentrationsstörungen sowie einem Anstieg von
Puls- und Blutdruck
und attestierte ihm eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Feb
ruar bis 28.
März 2021 und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab 29. März 2021 (Urk. 6/9/29 ff.
,
6/15/1 ff.,
6/20, 6/23
).
3.
2
Dr. med.
Z.___
, Facharzt FMH für Kardiologie, stellte in seinem Bericht vom 28.
Mai 2021
(Urk. 6/9/23
f.
)
die Verdachtsdiagnose
eines
Long-Covid-Syndrom
s
. Der Beschwerdeführer habe berichtet, seit der Covid-Infektion nicht mehr in die Gänge zu kommen und
an
ausgeprägte
r
Ermüdbarkeit mit schnellem Pulsanstieg und hohem Blutdruckwert
sowie einer Gewichtszunahme und diffusem Schwindelgefühl und Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen zu leiden. Hinweise für eine kardiale Affektion der Covid-Infektion bestünden
hingegen
nicht.
Er erwog eine kurzzeitige antidepressive Therapie, Ausdauer
training und eventuell auch eine stationäre Rehabilitation.
3.3
Dr. med.
A.___
, Fachärztin
FMH
für Neurologie,
nannte im Bericht vom
26.
Juli 2021 (Urk. 6/13/7 ff.)
folgende
Diagnosen
:
P
rotrahierte Müdigkeit, ungerichteter
Schwindel und Konzentrationserschwernis seit Covid-Infekt 02/2021, Arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Adipositas und Status nach Nikotin als va
s
kuläre Risikofaktoren
. Sie führte aus, dass die detaillierte somatisch orientierte Standortbestimmung
durchwegs normale Befunde
ergeben habe,
klinisch-neurologisch,
elektroenzephalographisch
, dopplersonogra
ph
isch an den hirnzuführenden Arterien und auch im Kernspintomogramm.
Damit bestehe keine strukturelle Läsion, die die protrahierte Müdigkeit, den ungerichteten Schwindel und das Konzentrationserschwernis nach der Covid-Infektion erkläre.
Die Fachärztin meldete den Beschwerdeführer
deshalb
zur detaillierten
neuropsycho
logischen Standortbestimmung
an.
3.4
Eine
MRI
-Untersuchung des Schädels vom 29. Juli 2021 zeigte
n
ormale
Hirn
parenchymstrukturen
und
eine normale
Abbildung des
vestibulo-cochleären
Sys
tems
sowie eine
u
nauffällige Darstellung des Gesichtsschädels/der Nebenhöh
len
und
des
cranio
-zervikalen Überganges
(Urk. 6/13/11).
3.
5
Die verhaltensneurologisch-neuropsychologische Untersuchung wurde am 26. August 2021 durch
Dr.
med.
B.___
,
Fachärztin
FMH
für Neurologie
,
durchgeführt. Dr.
B.___
stellte
folgende Diagnosen
:
-
M
ittelschwere neurokognitive Funktionsstörung
(G31.84)
-
residuelle
Folge der SARS-C
O
V-2-Infektion 02/2021 und der auto
immun
vermittelten schweren Fatigue-Symptomatik
-
Aggravation durch altersbedingt abnehmende kognitive Ressourcen und eine leichte affektpathologische Begleitkomponente
-
DD Entwicklung einer neurodegenerativen Erkrankung
S
ie empfahl dem Beschwerdeführer ein spezielles Energie-Management-Pro
gramm zur Behandlung der Fatigue-Symptomatik im Rahmen einer Ergotherapie, eine psychotherapeutische B
e
glei
t
ung sowie regelmässige körperliche Bewegung
im Hinblick auf einen
positiven Effekt auf die Müdigkeitssymptomatik und die G
e
wichtsreduktion
. Die Arbeitsfähigkeit setzte sie auf 5
0
%
fest
(Urk.
6/13/14 ff.)
.
3.
6
Mit Bericht vom 16.
September 2021 (Urk. 6/13/12) bestätigte Dr.
A.___
, dass die ergänzende Schädel-MRI-Untersuch
ung
einen normalen Befund ergeben habe und die neuropsychologische Abklärung eine mittelschwere kognitive Funktions
störung, wahrscheinlich multifaktoriell nach S
ARS
-COV-2
-
Infekt, Aggravation durch altersbedingte abnehmende kognitive Ressourcen, affektpathologischer Begleitkomponente
, DD beginnende neurodegenerative Erkrankung,
zu Tage gefördert habe. Es bleibe damit bei der symptomatischen Therapie aktiv physi
kalisch, psychologisch kognitiv und medikamentös wie bereits vom Hausarzt eingeleitet.
3.7
Am 25. November 2021
(Urk. 6/13/20 f.)
berichtete Dr.
B.___
, dass es dem Beschwerdeführer
gemäss
seinen Angaben
nicht gut gehe, wobei sich klinisch eine Akzentuierung der affektpathologischen Symptomatik (DD Erschöpfungs
de
pression) zeig
e
. Lei
d
er ha
be der Beschwerdeführer
das empfohlene Therapiepro
gramm nicht umsetzen können, da er derzeit
die
gesamte Energie für
das
Aufrechterhalten des 50%igen Arbeitspensums benötige. Bald
stehe jedoch ein
6-wöchiger Ferienaufenthalt in Brasilien
an
, von welchem sich der Beschwer
deführer Erholung erhoffe
.
Mit Bericht vom
7.
Februar 2022
(Urk. 6/13/22 f.)
führte die Fachärztin
sodann
aus, dass es e
igenanamnestisch-subjektiv sowie klinisch-phänomenologisch
zu einer
Stabilisierung der Gesamtsituation mit Reduk
tion der Erschöpfungssymptomatik sowie Normalisierung der Schlafquali
t
ät
unter
der
vollständige
n
berufliche
n
Entlastung
gekommen sei
.
Sie erhob einen unauffälligen Befund und hielt zur Arbeitsfähigkeit fest, es erfolge
der sofortige b
erufliche Wiedereinstieg mit e
i
nem 50%igen Arbeitspensum
.
E
ine g
raduelle Steigerung um 10
bis
20
% alle
vier
Wochen
sei
geplant
.
3.8
Mit Bericht vom 22. Februar 2022 (Urk. 6/13/1 ff.) teilte Dr.
A.___
auf Anfrage
mit, dass sie den Beschwerdeführer seit dem 16.
September 2021 nicht mehr gesehen habe sowie dass eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe und eine Steigerung geplant sei.
3.
9
RAD-Arzt Dr. med.
C.___
, Facharzt für Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Allgemeine Innere Medizin, nahm am 19. Mai 2022 eine kurze Beurteilung vor, in welcher er die Arbeitsfähigkeit sowie das Belastungsprofil als unklar bezeichnete und eine
Medas
-Begutachtung inklusive Neurologie, Pneumologie, Neuropsychologie und AIM empfahl (Urk. 6/
25
).
3.
10
Am 9.
Juni 2022
teilte Dr.
B.___
im
Auftrag
des Beschwerdeführers mit, dass nach wie vor
eine 50%ige A
rbeitsunfähigkeit
bestehe. Unter der Pensums-Erhöhung
sei
es
zu
eine
r
Zunahme der schweren Fatigue-Symptome ge
kommen
(Urk. 6/34).
3.11
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Pneumologie
, Schlafmedizin
und Allgemeine Innere Medizin, stellte am 22. Juli 2022 (Urk. 6/41/1 ff.) ein posi
tions
bedingtes (Rückenlage) obstruktives Schlafapnoesyndrom schweren Grades fest. Am 13. September 2022 (Urk. 6/42) berichtete er, dass sich die Schlafqualität seit Beginn der CPAP-Behandlung deutlich verbessert habe und der Patient morgens ausgeruht erwache. Bereits im Verlaufe des Vormittags zeige sich jedoch eine bleierne Müdigkeit, die sicher auf das Post-Covid-Syndrom zurückzuführen
sei
. Objektiv zeig
e
sich ein einwandfreies Resultat unter der CPAP-Therapie, sowohl der Apnoe-H
y
popnoe-Index wie auch der Oxygen-
Desaturations
-Index
hätten
sich vollständig normalisiert.
Aufgrund des obstruktiven Schlafapnoe
syndroms liege
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (vgl. Bericht vom
24.
Oktober 2022
[
Urk. 6/44
]
)
.
3.12
Am
27. Oktober (recte
:
November)
2022
berichtete
Dr.
B.___
, dass im Oktober 2022 eine weitere Corona-Infektion stattgefunden habe und am 11. November 2022 eine verhaltensneurologisch-neuropsychologische Verlaufsuntersuchung
durchgeführt worden
sei, wobei das Befundausmass im Vergleich zur Erstun
tersuchung im August 2021 weitgehend unverändert ausgeprägt sei. Aufgrund der Gesamtsituation schätzte sie die Arbeitsfähigkeit auf höchstens 30 bis 50
% ein
(Urk.
6/54
)
.
3.1
3
RAD-Arzt Dr.
C.___
führte in
seiner
Stellungnahme vom
31. Oktober 2022
(Urk.
6
/
6
8/
8
)
aus, dass bei Müdigkeit, ungerichtetem Schwindel und Konzen
trationserschwernissen eine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
unklar sei
. Als
Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
führte er ein Schlafapnoesyndrom (erfolgreiche CPAP-Behand
lung), Arterielle Hypertonie, Dyslipidämie und Adipositas
auf
.
Der RAD-Arzt
hielt fest
, dass keine medizinischen Befunde vorliegen würden, welche die Tätigkeit als Geschäftsführer beeinträchtigen würden. Die Angabe einer 50%-
igen
Arbeitsunfähigkeit sei nicht begründet. Weder die Neurologin noch die Neuropsychologin noch der Pneumologe würden eine Arbeitsun
fähig
keit dokumentieren. Zusammengefasst könne festgehalten werden, dass vom 1. Februar 2021 bis 28. März 2022 (gemeint wohl 2021) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, vom 29. März 2021 bis 31. August 2022 eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit und ab 1. September 2022 eine vollständige Arbeitsfähigkeit vorlie
gen würden. Insbesondere könne an der geplanten Steigerung der A
r
beits
fähig
keit um 10 % alle vier Wochen ab dem 7. Februar 2022 festgehalten werden.
4.
4.
1
Die IV-Stelle stützte sich auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes Dr.
C.___
und verneinte einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers (Urk. 2).
Der Beschwerdeführer macht geltend, gemäss Einschätzung des RAD-Arztes habe von Februar bis März 2021 eine vollständige und ab dem 29. März 2021 bis 31. August 2022 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Damit sei das Wartejahr Ende Januar 2021 abgelaufen, weshalb er ab Februar 2022 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung habe (Urk. 1 S. 11).
Dem Beschwerdeführer ist insoweit beizupflichten, als es widersprüchlich erscheint, dass die IV-Stelle in ihrer Verfügung einerseits festhielt, es sei eine von Februar 2021 bis August 2022 dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen und
andererseits eine
Leistungszusprache
unter Hinweis darauf, dass die Einschränkung nicht langdauernd sei, verneinte. Würde die Einschätzung des RAD-Arztes als beweiskräftig erachtet, wäre – wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt – das Wartejahr Ende Januar 2022 abgelaufen und es müsste für die Zeit ab Februar 2022 zur Berechnung des Rentenanspruchs ein Einkommens
vergleich vorgenommen werden, was die IV-Stelle unterliess. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle rechtfertigt es sich indes nicht, auf die Einschätzung von Dr.
C.___
abzustellen.
Dr.
C.___
kam in seiner Einschätzung zum Schluss, es würden unklare Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen und die Angaben der behan
delnden Ärzte zur Arbeitsunfähigkeit seien nicht begründet (Urk. 6/68/8). Gleichzeitig übernahm er jedoch für die Zeit von Februar 2021 bis August 2022 deren Angaben zur Arbeitsunfähigkeit. Dies erscheint weder nachvollziehbar noch überzeugend, insbesondere vor dem Hintergrund dessen, dass die behan
delnden Ärzte in ihren Berichten die attestierten Arbeitsunfähigkeiten überwie
gend mit den subjektiv berichteten Beschwerden begründeten. Objektive Befunde, welche auf eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schliessen lassen würden, wurden nicht genannt. So konnten keine Hinweise auf kardiale Ursachen der Beschwerden gefunden werden (Urk. 6/9/23) und im MRI zeigten sich normale Strukturen (Urk. 6/13/11). Die behandelnde Neurologin wies darauf hin, dass die detaillierte somatisch orientierte Standortbestimmung durchwegs normale Befunde ergeben habe (Urk. 6/13/7). Zwar wurden in den verhaltensneurologisch-neuropsychologischen Untersuchungen im August 2021 und November 2022 Einschränkungen festgestellt (Urk. 6/13/14 ff., 6/54). Seltsam erscheint jedoch, dass Dr.
B.___
trotz der attestierten mittelschweren neurokognitiven Ein
schrän
kungen mit
dysattentionalem
Syndrom (Urk. 6/13/20) die Fahrtauglichkeit des Beschwerdeführers nicht in Frage stellte, sondern darauf hinwies, er würde regelmässig Auto fahren (Urk. 6/13/16). Zudem fällt auf, dass der von ihr anlässlich der Untersuchung im August 2021 erhobene Befund unauffällig erscheint (Urk. 6/13/17). So fanden sich weder Hinweise für Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen noch eine Verminderung im Antrieb oder eine Ver
langsamung der Psychomotorik. Dr.
C.___
unterliess es, sich fundiert mit den Berichten der behandelnden Ärzte auseinanderzusetzen. Praxisgemäss
kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E.
5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
Da sich Dr.
C.___
inhaltlich zu wenig mit den Berichten der behandelnden Fachpersonen auseinandersetzte und seine Angaben zur attestierten
Arbeitsfähigkeit kaum begründete, bestehen Zweifel an der Schlüssigkeit seiner Einschätzung. Es rechtfertigt sich daher nicht, auf die Aktenbeurteilung abzustellen.
4.
2
Zusammenfassend ist es bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers abschliessend zu beur
teilen. Damit erweist sich der medizinische Sachverhalt als ergän
zungsbedürftig. Die angefoch
tene Verfügung vom 7. August 2023 ist demnach aufzuheben und die Sache zur Durchführung weiterer
– vorzugsweise polydisziplinärer (vgl.
E.
3.9) -
Abklärungen und zu neuem Entscheid über den Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädi
gung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 2’
0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzulegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 7. August 2023 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Parteientschädigung von Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
PhilippSchilling