# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 196ca32a-38da-51df-b228-63934ec3265e
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-10
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 10.03.2025 RR.2025.10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2025-10_2025-03-10.pdf

## Full Text

Entscheid vom 10. März 2025 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Miriam Forni und Felix Ulrich, 

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja 

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Hermann Näf, 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung, 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an Deutschland 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); 

Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2025.10 

Nebenverfahren: RP.2025.3  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) vom 12. De-

zember 2023 ersuchten die deutschen Behörden um Fahndung und Verhaf-

tung des deutschen Staatsangehörigen A. zwecks Auslieferung (act. 4.1). 

 

 

B. Gestützt auf die Ausschreibung im SIS wurde A. am 16. April 2024 im Kanton 

Uri angehalten und mit Haftanordnung des Bundesamtes für Justiz (nachfol-

gend «BJ») vom selben Tag in provisorische Auslieferungshaft versetzt 

(act. 4.2). Im Rahmen der Einvernahme vom gleichen Tag sprach sich A. 

gegen die vereinfachte Auslieferung an Deutschland aus (act. 4.3).  

 

 

C. Am 17. April 2024 ordnete das BJ die provisorische Haftentlassung von A. 

an (act. 4.4). 

 

 

D. Das Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz des Freistaats 

Thüringen ersuchte das BJ mit Schreiben vom 25. April 2024, ergänzt am 

15. Mai 2024, formell um Auslieferung von A. zwecks Vollstreckung einer 

Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Der Gesamtfrei-

heitsstrafe liegen insgesamt acht Verurteilungen zwischen 2010 und 2022 

zugrunde (act. 4.7 und act. 4.14).  

 

 

E. A. wurde am 7. Mai und 26. Juli 2024 zum formellen Auslieferungsersuchen 

befragt, wobei er sich jeweils mit der vereinfachten Auslieferung an Deutsch-

land nicht einverstanden erklärte (act. 4.10 und act. 4.16).  

 

 

F. Mit Schreiben vom 21. Mai und 8. August 2024 liess A. durch seinen Rechts-

vertreter zum Auslieferungsersuchen und dessen Ergänzung Stellung neh-

men (act. 4.11 und act. 4.17).  

 

 

G. Mit Auslieferungsentscheid vom 30. Dezember 2024 bewilligte das BJ die 

Auslieferung von A. für die im Auslieferungsersuchen des Justizministeriums 

des Freistaats Thüringen vom 25. April 2024 und dessen Ergänzung vom 

13. Mai 2024, genannten Straftaten (act. 4.20). 

- 3 - 

 

 

H. Dagegen liess A. bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit 

Eingabe vom 23. Januar 2025 Beschwerde erheben. Er stellt folgende An-

träge (act. 1, S. 2): 

«1. Der Auslieferungsentscheid B-24-69-1/2 des Beschwerdegegners vom 

30.12.2024, Dispositiv Ziff. 1, sei aufzuheben. 

  2. Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Deutschland sei nicht zu bewilli-

gen. 

  3. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten sei zu verzichten. 

  4. Unter Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten des Be-

schwerdegegners. 

 5. Dem Beschwerdeführer sei für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und es sei der unterzeichnete Rechtsanwalt als 

dessen unentgeltlicher Rechtsbeistand einzusetzen». 

 

 

I. Das BJ beantragt mit Beschwerdeantwort vom 30. Januar 2025, welche am 

darauffolgenden Tag der Gegenseite zur Kenntnis zugestellt wurde, die Ab-

weisung der Beschwerde unter Kostenfolge (act. 4 und 5).  

 

 

J. Mit Beschwerdereplik vom 13. Februar 2025 hält der Rechtsvertreter von A. 

an den in der Beschwerde vom 23. Januar 2025 gestellten Anträgen fest 

(act. 6). Die Beschwerdereplik wurde dem BJ am 14. Februar 2025 zur 

Kenntnis gebracht (act. 7). 

 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sind 

primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-

ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1), die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 

17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12) und vom 10. November 2010 (ZPIII 

EAUe; SR 0.353.13) sowie der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutsch-

land über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung 

(ZV EAUe; SR 0.353.913.61) massgebend.  

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Darüber hinaus anwendbar sind das Schengener Durchführungsüberein-

kommen vom 14. Juni 1985 (SDÜ; CELEX-Nr. 42000A0922(02); ABl. L 239 

vom 22. September 2000, S. 19-62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch 

abrufbar auf der Webseite der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter 

«Rechtssammlung zu den sektoriellen Abkommen mit der EU», 8.1 Anhang 

A; https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agree-

ments/008.html) i.V.m. der Verordnung (EU) 2018/1862 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 28. November 2018 über die Einrichtung, 

den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems (SIS) im 

Bereich der polizeilichen Zusammenarbeit und der justiziellen Zusammenar-

beit in Strafsachen, zur Änderung und Aufhebung des Beschlusses 

2007/533/JI des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EG) 

Nr. 1986/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates und des 

Beschlusses 2010/261/EU der Kommission, namentlich Art. 26–31 (CELEX-

Nr. 32018R1862; Abl. L 312 vom 7. Dezember 2018, S. 56–106; abrufbar 

unter «Rechtssammlung zu den sektoriellen Abkommen mit der EU», 

8.4 Weiterentwicklungen des Schengen-Besitzstands), sowie diejenigen 

Bestimmungen des Übereinkommens vom 27. September 1996 über die 

Auslieferung zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-

Auslieferungsübereinkommen; CELEX-Nr. 41996A1023(02); Abl. C 313 vom 

23. Oktober 1996, S. 12–23), welche gemäss dem Beschluss des Rates 

2003/169/JI vom 27. Februar 2003 (CELEX-Nr. 32003D0169; Abl. L 67 vom 

12. März 2003, S. 25 f.; abrufbar unter «Rechtssammlung zu den sektoriellen 

Abkommen mit der EU», 8.2 Anhang B) eine Weiterentwicklung des 

Schengen-Besitzstands darstellen. Die zwischen den Vertragsparteien 

geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bilateraler oder multila-

teraler Abkommen bleiben unberührt (Art. 59 Abs. 2 SDÜ; Art. 1 Abs. 2 EU-

Auslieferungsübereinkommen). 

 

1.2 Soweit die Staatsverträge und Zusatzprotokolle bestimmte Fragen weder 

ausdrücklich noch stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landes-

recht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeits-

prinzip; BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 

E. 2.3; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière 

pénale, 6. Aufl. 2024, N. 263), sind das Bundesgesetz vom 20. März 1981 

über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die 

dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11) an-

wendbar. Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 139 II 

65 E. 5.4; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2; 2008 24 

E. 1.1). 

 

https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html

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1.3 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 

sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-

ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 

lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12 

Abs. 1 IRSG).  

 

 

2.  

2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Eröff-

nung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; 

Art. 50 Abs. 1 VwVG). 

 

2.2 Der Auslieferungsentscheid vom 30. Dezember 2024 wurde dem Beschwer-

deführer am 31. Dezember 2024 eröffnet (act. 1.2), womit die Beschwerde 

fristgerecht erhoben wurde. Der Beschwerdeführer ist als Verfolgter und 

Adressat des Auslieferungsentscheids zu dessen Anfechtung legitimiert. Auf 

die formgerecht erhobene Beschwerde ist daher einzutreten. 

 

 

3.  

3.1 Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der Gewäh-

rung der Auslieferung allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, 

die aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 

E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009 E. 1.6; 

TPF 2011 97 E. 5). 

 

3.2 Ausserdem muss sich die Beschwerdeinstanz nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann 

sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es 

genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von 

denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 142 

II 49 E. 9.2; 141 IV 294 E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 

1A.59/2004 vom 16. Juli 2004 E. 5.2 m.w.H.). 

 

  

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4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass im Berufungsverfahren vor dem Landge-

richt Gera, in welchem die rechtzeitig eingelegte Berufung mit Entscheid vom 

9. Januar 2023 verworfen worden sei, die Mindestrechte der Verteidigung 

nicht gewahrt worden seien. Mit der Verwerfung der Berufung sei das Urteil 

des Amtsgerichts Altenburg vom 17. März 2022 (7 DS 431 Js 40566/17), mit 

welchem der Beschwerdeführer zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem 

Jahr und drei Monaten verurteilt worden sei, rechtskräftig geworden. Das 

Landgericht Gera habe in seinem Urteil vom 9. Januar 2023 die Verwerfung 

der Berufung damit begründet, dass gegen das Urteil des Amtsgerichts 

Altenburg vom 17. März 2022 zwar rechtskräftig Berufung eingelegt worden 

sei, der nachweislich vorgeladene Beschwerdeführer aber nicht zur Beru-

fungsverhandlung erschienen und auch nicht in zulässiger Weise vertreten 

worden sei. Ausser in Fällen der notwendigen Verteidigung habe das Gericht 

gemäss § 329 Abs. 1 der deutschen StPO eine Berufung des Beschuldigen 

ohne Verhandlung zur Sache zu verwerfen, wenn bei Beginn eines Haupt-

verhandlungstermins weder der Beschuldigte noch ein Verteidiger mit nach-

gewiesener Vertretungsvollmacht erschienen und das Ausbleiben nicht 

genügend entschuldigt sei. Dies setze jedoch voraus, dass der Beschuldigte 

in der Vorladung gemäss § 323 Abs. 1 der deutschen StPO auf die Folgen 

des Ausbleibens ausdrücklich hingewiesen worden sei. Das Landgericht 

Gera habe jedoch nicht festgestellt und es ergebe sich auch nicht aus den 

Rechtshilfeakten, dass der Beschwerdeführer in der Vorladung auf die 

Rechtsfolgen seines Ausbleibens hingewiesen worden sei. Wegen Unterlas-

sung der notwendigen Rechtsbelehrung sei es nicht zulässig gewesen, die 

Berufung des Beschwerdeführers zu verwerfen. Das Landgericht Gera hätte 

die Verhandlung aussetzen und zu einem neuen Termin vorladen müssen.  

 

Ausserdem habe ein Fall notwendiger Verteidigung vorgelegen, weshalb die 

Berufung nicht habe verworfen werden dürfen, nachdem weder der Be-

schwerdeführer selbst noch sein Verteidiger zur Berufungsverhandlung 

erschienen seien (act. 1, S. 4 ff.; act. 6, S. 2 f.). 

 

4.2  

4.2.1 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im 

Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem Ersu-

chen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass 

das ausländische Verfahren den Grundsätzen der EMRK oder UNO-Pakt II 

nicht entspricht oder andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 Abs. 1 lit. a und 

d IRSG). Gemäss konstanter Praxis wird die Gültigkeit von solchen auslän-

dischen Verfahrensentscheiden nur ausnahmsweise, wenn besonders 

schwere Verletzungen des ausländischen Rechts vorliegen, überprüft. Dies 

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ist der Fall, wenn das Auslieferungsersuchen rechtsmissbräuchlich erscheint 

und Zweifel aufkommen, ob die grundsätzlichen Verteidigungsrechte im aus-

ländischen Verfahren gewahrt werden bzw. gewahrt worden sind (Urteile des 

Bundesgerichts 1A.118/2004 vom 3. August 2004 E. 3.8; 1A.15/2002 vom 

5. März 2002 E. 3.2; Entscheide des Bundesstrafgerichts RH.2014.3 vom 

5. März 2014 E. 9.4; RR.2013.89 vom 25. Juni 2013 E. 4.5; RR.2012.259 

vom 28. Mai 2013 E. 5.3).  

4.2.2 Besondere Regelungen gelten bei Abwesenheitsurteilen (vgl. GARRÉ, Basler 

Kommentar, 2015, Art. 37 IRSG N. 3; vgl. auch Entscheid des Bundesstraf-

gerichts RR.2015.99 vom 30. Juli 2015 E. 5.3 ff.; je m.w.H.). Ein Beschuldig-

ter hat grundsätzlich Anspruch darauf, in seiner Anwesenheit verurteilt zu 

werden (Art. 6 EMRK; Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 14 UNO-Pakt II; BGE 127 I 213 

E. 3a). Dieses Recht ist jedoch nicht absolut: Nach der Rechtsprechung des 

Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte sind Abwesenheitsverfah-

ren zulässig, sofern der in Abwesenheit Verurteilte nachträglich (grundsätz-

lich auch nach Eintritt der Vollstreckungsverjährung) verlangen kann, dass 

ein Gericht, nachdem es ihn zur Sache angehört hat, nochmals überprüft, ob 

die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen begründet sind (vgl. Urteil des 

Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 24379/02 vom 23. Mai 2006 

i.d.S. Kounov/Bulgarien, N 41 f. und 9024/80 vom 12. Februar 1985 i.d.S. 

Colozza/Italien, série A, N 89, S. 15, § 29). Das Recht, eine Neubeurteilung 

zu verlangen, besteht jedoch nicht uneingeschränkt (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_268/2011 vom 19. Juli 2011, E. 1.1 mit Verweis auf das Urteil 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte i.S. Sejdovic gegen 

Italien vom 1. März 2006, Recueil CourEDH 2006-II S. 201 § 81 ff. m.w.H.).  

4.2.3 Im Auslieferungsverkehr regelt u.a. der hier massgebende Art. 3 Ziff. 1 ZPII 

EAUe das Verfahren bei Abwesenheitsurteilen: Ersucht eine Vertragspartei 

eine andere Vertragspartei um Auslieferung einer Person zur Vollstreckung 

einer Strafe oder einer sichernden Massnahme, die gegen sie in einem 

Abwesenheitsurteil verhängt worden ist, so kann die ersuchte Vertragspartei 

die Auslieferung zu diesem Zweck ablehnen, wenn nach ihrer Auffassung in 

dem diesem Urteil vorangegangenen Verfahren nicht die Mindestrechte der 

Verteidigung gewahrt worden sind, die anerkanntermassen jedem einer 

strafbaren Handlung Beschuldigten zustehen (1. Satz). Bestehen aufgrund 

der eingereichten Akten Zweifel, ob die Mindestrechte der Verteidigung 

gewahrt worden sind, so hat der ersuchte Staat dieser Frage nachzugehen, 

mithin beim ersuchenden Staat nachzufragen (Entscheid des Bundesstraf-

gerichts RR.2007.123 vom 10. Oktober 2007 E. 8.4). Er verfügt bei der 

Beurteilung der Frage, ob im ausländischen Abwesenheitsverfahren die Min-

destrechte der Verteidigung gewahrt worden sind, über einen erheblichen 

Ermessensspielraum (BGE 117 Ib 337 E. 5c S. 345; Urteil des Bundes-

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gerichts 1A.261/2006 vom 9. Januar 2007 E. 3.2). Das Auslieferungsgericht 

muss dabei die Besonderheiten des Einzelfalls würdigen (BGE 117 Ib 337 

E. 5c in fine). Nach der Rechtsprechung sind die minimalen Verteidigungs-

rechte des abwesenden Angeklagten im Sinne von Art. 3 ZPII EAUe jedoch 

gewahrt und das Abwesenheitsurteil bildet kein Hindernis für die Ausliefe-

rung, wenn dieser an der Gerichtsverhandlung durch einen frei gewählten 

Verteidiger vertreten wurde, der an der Verhandlung teilgenommen hat und 

Anträge stellen konnte (129 II 56 E. 6.2 in fine und E. 6.3; Urteil des Bundes-

gerichts 1A.261/2006 vom 9. Januar 2007 E. 3.2). Die Wirksamkeit dieser 

Verteidigung im Einzelnen zu überprüfen, kann nicht Aufgabe der Rechtshil-

febehörden sein; dies ist ihnen in aller Regel, mangels Kenntnis der Akten 

und der Verfahrensordnung des ersuchenden Staates, auch nicht möglich. 

Insofern kann ein Auslieferungshindernis allenfalls bei einer offensichtlich 

ungenügenden Verteidigung in Frage kommen (Urteil des Bundesgerichts 

1A.135/2005 vom 22. August 2005 E. 3.2.2; Entscheid des Bundesstrafge-

richts RR.2018.235 vom 4. Oktober 2018 E. 4.2). Gleiches gilt, wenn der in 

Abwesenheit Verurteilte gegen das Abwesenheitsurteil bei einer Rechtsmit-

telinstanz, welche in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht über eine umfas-

sende Kognition verfügt, ein Rechtsmittel erhoben hat und wenn in diesem 

Beschwerdeverfahren die Mindestrechte der Verteidigung gewahrt wurden 

(BGE 129 II 56 E. 6.4). 

4.3 Der Beschwerdeführer verkennt, dass es nicht Aufgabe des Auslieferungs-

gerichts ist, ausländische Entscheide im Sinne einer Rechtsmittelinstanz zu 

überprüfen. Gemäss dem Urteil des Amtsgerichts Altenburg vom 

17. März 2022 war an der Hauptverhandlung der Verteidiger des Beschwer-

deführers, Rechtsanwalt B., anwesend. Dass auch der Beschwerdeführer 

persönlich anwesend gewesen wäre, ergibt sich aus dem Urteil nicht. Mit der 

Anwesenheit von Rechtsanwalt B. waren die Verteidigungsrechte des Be-

schwerdeführers vor dem Amtsgericht Altenburg jedoch hinreichend gewahrt 

(vgl. supra E. 4.2.3). Den Akten kann ferner entnommen werden, dass der 

Beschwerdeführer gegen das Urteil des Amtsgerichts Altenburg vom 

17. März 2022 rechtzeitig Berufung eingelegt habe, aber an der Hauptver-

handlung vom 9. Januar 2023 ungeachtet der nachgewiesenen Ladung ohne 

genügende Entschuldigung ausgeblieben sei (zum Ganzen: act. 4.7). Entge-

gen der Ansicht des Beschwerdeführers bestehen keine Anhaltpunkte für die 

Annahme, er sei mit der Vorladung nicht auf die Folgen eines unentschuldig-

ten Säumnisses hingewiesen worden. Hinzu kommt, dass gemäss Rubrum 

des Urteils der Beschwerdeführer durch einen Verteidiger vertreten war, der 

die Folgen eines unentschuldigten Säumnisses kennen musste. Ob darüber-

hinaus ein Fall von notwendiger Verteidigung nach deutschem Recht vorlag, 

ist – wie bereits erwähnt – nicht vom Auslieferungsrichter zu beurteilen. Nach 

Art. 3 ZPII EAUe kann der ersuchte Staat die Auslieferung einer Person zur 

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Vollstreckung einer Strafe, die gegen sie in einem Abwesenheitsurteil ver-

hängt worden ist, ablehnen, wenn nach seiner Auffassung in dem diesen 

Urteil vorangegangen Verfahren nicht die Mindestrechte der Verteidigung 

gewährt worden sind, die anerkanntermassen jedem einer strafbaren Hand-

lung Beschuldigten zustehen (vgl. supra E. 4.2.3).  Wie gezeigt, sind die Min-

destrechte des Beschwerdeführers im deutschen Verfahren gewahrt wor-

den. Es liegt daher kein Ablehnungsgrund weder gemäss Art. 3 ZP II EAUe 

noch gemäss Art. 37 Abs. 2 IRSG vor. 

 

 

5. Andere Gründe, welche eine Auslieferung offensichtlich ausschliessen oder 

sonst zu einer Aufhebung der Auslieferung zu führen vermöchten, werden 

weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich. Die Beschwerde ist 

daher abzuweisen. 

 

 

6.  

6.1 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV. 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren 

als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich gerin-

ger erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als 

aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr 

die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend 

ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger 

Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (BGE 139 III 475 E. 2.2; 

139 III 396 E. 1.2; 138 III 217 E. 2.2.4).  

 

6.2 Nach dem oben Ausgeführten muss die vorliegende Beschwerde als aus-

sichtslos bezeichnet werden. Schon aus diesem Grund ist das Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen.  

 

 

7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist 

auf Fr. 3'000.– festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG 

sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). 

  

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung wird abge-

wiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.– wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 11. März 2025 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Hermann Näf 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Eingaben müssen spätestens am letzten Tag 
der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder 
einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 48 
Abs. 1 BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für die Wahrung einer Frist der Zeitpunkt 
massgebend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die bestätigt, dass alle Schritte abgeschlossen 
sind, die auf der Seite der Partei für die Übermittlung notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 BGG). 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).