# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac40c64e-8059-545c-afd1-305821fc17a7
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-26
**Language:** de
**Title:** Unterschutzstellung von zwei Bäumen. Verfahrensablauf. Schutzwürdigkeit.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0069/2018
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_ii_nr._0069-2018_vom_26._juni_2018.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE II Nr. 

R2.2017.00153 
0069/2018 

Entscheid vom 26. Juni 2018 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Peter Rütimann, Ersatzrichter Antoine Berger, Baurich-
terin Sabine Ziegler, Gerichtsschreiberin Lisa Kälin     

in Sachen 

Rekurrierende 

1.  M. + Co., [….] 
2.  H. U., [….]  

gegen 

Rekursgegner 

1.  Gemeinderat X, [….]  

Mitbeteiligte 

2.  T. S und R. Y., [….] 

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss  vom  23. August  2017;  Unterschutzstellung  von 
zwei Ahornbäumen 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 23. August 2017 stellte der Gemeinderat X die zwei im 

kommunalen  Baumkataster  [….]  aufgeführten  kolchischen  Ahorne  in  der 

nördlichen Ecke des Grundstückes  Kat.-Nr. 0000 [….] an der Einmündung 

des G.-Wegs in die N.-Gasse unter Schutz.  

B. 

Gegen  diesen  Entscheid  erhoben  die  M.  +  Co.  sowie  H.  U.  mit  Eingabe 

vom  11. Oktober  2017  beim  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  Rekurs 

und  beantragten,  der  angefochtene  Beschluss  sei aufzuheben,  unter  Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerschaft. 

C. 

Mit Präsidialverfügung vom 12. Oktober 2017 wurde vom Rekursverfahren 

Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Die  als  Mitbeteiligte  ins  Verfahren  aufgenommenen  Grundeigentümer  und 

die Vorinstanz beantragten mit Eingaben vom 13. bzw. 14. November 2017 

die Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu-

lasten der Rekurrierenden. 

E. 

Mit  Replik  vom  11. Dezember  2017  und  Duplik  vom  19. Dezember  2017 

hielten  die  Rekurrierenden  und  die  Vorinstanz  an  den  gestellten  Anträgen 

fest.  Die  Mitbeteiligten  verzichteten  stillschweigend  auf  Erstattung  einer 

Duplik.  

F. 

Am 6. Februar 2018 führte eine Delegation der 2. Abteilung des Baurekurs-

gerichts in Anwesenheit der Parteien einen Augenschein vor Ort durch.  

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Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  Rekurrierenden  sind  Miteigentümer  einer  Parzelle  [….],  welche  nur 

durch  den  G.-Weg  vom  streitbetroffenen  Grundstück  getrennt  ist.  Ange-

sichts  dieser  nachbarlichen  Beziehungen  und  der  vorgebrachten  Rügen 

sind  die  Rekurrierenden  mehr  als beliebige  Dritte  vom  angefochtenen  Be-

schluss  betroffen,  so  dass  sie  zur  Rekurserhebung  im  Sinne  von  § 338a 

des Planungs-  und Baugesetzes  (PBG)  ohne Weiteres  legitimiert sind.  Da 

auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  den  Rekurs 

einzutreten. 

2. 

Das  streitbetroffene  Grundstück  liegt  gemäss  der  geltenden  Bau-  und  Zo-

nenordnung der Gemeinde X (BZO) in der Wohnzone W2/1.4. In der nördli-

chen  Ecke  des  Grundstücks  stehen  die  zwei  am  4. August  2011  [….]  ins 

kommunale Baumkataster aufgenommenen kolchischen Ahornbäume. 

Die  Mitbeteiligten  teilten  der Vorinstanz  mit Schreiben  vom  11. September 

2015  (bei  dieser  am  1. Oktober  2015  eingegangen)  mit,  dass  sie  der  An-

sicht  seien,  die  zwei  alten  Ahorne  seien  schützenswert  und  erkundigten 

sich,  ob  man  sie  ins  Baumkataster  aufnehmen  oder  unter  Schutz  stellen 

könne.  Die  Vorinstanz  bestätigte  mit  Schreiben  vom  7. Oktober  2015  den 

Erhalt  des  besagten  Schreibens  und  ersuchte  die  Mitbeteiligten  um  einen 

Katasterplan, in welchem die strittigen Bäume eingezeichnet seien und der 

klaren Beantwortung der Frage, ob eine Schutzabklärung nach § 213 PBG 

ausgelöst  werden  solle.  Auf  vorinstanzliches  Nachfragen  mit  Schreiben 

vom 12. Februar 2016 beantworteten die Mitbeteiligten die Fragen und be-

stätigten  mit  Mail  vom  3. März  2016,  dass  eine  Schutzabklärung  an  die 

Hand  genommen  werden  solle.  Die  Vorinstanz  beauftragte  entsprechend 

mit  Beschluss  vom  19. April  2016  die  Firma  Y  mit  der Ausarbeitung  eines 

Gutachtens  [künftig:  Gutachten  Y].  Dieses  wurde  am  28. Juni  2016  fertig-

gestellt. Die Natur- und Denkmalschutzkommission und die Baukommission 

übermittelten ihre entsprechenden Anträge für eine Unterschutzstellung am 

15. August  2016  bzw.  am  27. September  2016  an  den  Gemeinderat.  Mit 
Schreiben  vom  2. März  2017  wurden  die  Mitbeteiligten  darüber  informiert, 

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dass  die  Frist  für  die  Schutzabklärungen  und  das  damit  einhergehende 

Veränderungsverbot gestützt auf § 213 Abs. 3 PBG um ein Jahr verlängert 

würden,  da  ein  Rekursverfahren  betreffend  eine  Bewilligung  oberhalb  des 

G.-Wegs pendent sei. Das Verfahren der Schutzabklärung werde nach Er-

ledigung des Rekursverfahrens abgeschlossen.  

Nachdem besagtes Verfahren rechtskräftig erledigt worden war, erliess die 

Vorinstanz  den  hier  angefochtenen  Beschluss  vom  23. August  2017  und 

stellte  –  dem  Gutachten  Y  und  den  Anträgen  der  Natur-  und  Denkmal-

schutzkommission  sowie  der  Baukommission  folgend  –  die  zwei  kolchi-

schen  Ahornbäume  aufgrund  ihres  Situationswertes  im  Sinne  von  § 203 

Abs. 1  lit. f  PBG  unter  Schutz,  wogegen  sich  die  Rekurrierenden  nun  zur 

Wehr setzen. 

3. 

Zugunsten des rekurrentischen Grundstücks und zulasten des Grundstücks 

der  Mitbeteiligten  besteht  eine  grundbuchlich  gesicherte,  privatrechtliche 

Bau- und Pflanzungsbeschränkung mit folgendem Wortlaut:  

"[…] 

Bauten und Pflanzen (Bäume, Sträucher usw.) auf dem belasteten Grund-
stück  dürfen  die  Höhenkote  559,5 m.ü.M.  (fünfhundertneunundfünfzig  Me-
ter fünzig Zentimeter) nicht übersteigen. 

Bei Gebäuden gilt diese Höhenkote für den Dachfirst bzw. Oberkant Flach-
dach. Das im Eingabeplan (der als Servitutsplan anerkannt wird) Nr. 49/106 
dat. 29.3.1960  eingezeichnete  Kamin  auf  der  Südost-Seite  des  projektier-
ten Wohnhauses  darf  diese  Höhenkote  übersteigen,  ebenso  eine  allfällige 
Radio- oder Fernsehantenne. 

Die  Bäume  und  Sträucher  sind  soweit  notwendig  entsprechend  zurückzu-
schneiden.". 

Gemäss dem digitalen Höhenmodell im GIS-Browser liegt die besagte Hö-

henkote  an  der  Ecke  G.-Weg/N.-Gasse  ca.  5,5 m  über  dem  Strassenni-

veau. 

4.1. 
Die Rekurrierenden monieren eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Wie 
den einleitenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid und dem Gut-

achten  Y  zu  entnehmen  sei,  sei die  privatrechtliche  Bau-  und  Pflanzungs-

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beschränkung sowie deren Verletzung durch die 18 m hohen Ahornbäume 

der Vorinstanz bestens bekannt gewesen. Obwohl die Unterschutzstellung 

die Eigentumsrechte der heutigen Rekurrierenden direkt und massiv tangie-

re,  habe  es  die  Vorinstanz  unterlassen,  die Rekurrierenden  vor Erlass  der 

Unterschutzstellung auch nur anzuhören. Dies sei unzulässig. In jedem Fall 

hätte  den  Rekurrierenden  der  angefochtene  Entscheid  aufgrund  von  § 10 

Abs. 3  lit. a  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  (VRG)  persönlich  eröff-

net werden müssen. 

4.2. 

Die Vorinstanz und die Mitbeteiligten stellen sich auf den Standpunkt, dass 

die Eröffnung des Unterschutzstellungsbeschlusses mittels Publikation aus-

reichend  gewesen  sei.  Es  bestehe  keine  rechtliche  Grundlage,  die  Rekur-

rierenden vorgängig zum Erlass einer Unterschutzstellung anzuhören oder 

diesen  den  angefochtenen  Beschluss  persönlich  zu  eröffnen,  so  die  Vor-

instanz.  

4.3.1. 

Gemäss  § 10  Abs. 3  lit. a  VRG  sind  schriftliche  Anordnungen  den  Verfah-

rensbeteiligten mitzuteilen, d.h. all jenen, die durch einen erstinstanzlichen 

Hoheitsakt mehr als die Allgemeinheit berührt werden und ein schutzwürdi-

ges Interesse an der Aufrechterhaltung, Aufhebung oder Änderung der Ver-

fügungen  haben  (Kaspar  Plüss  in:  Alfred  Kölz/Jürg  Bosshart/Marin  Röhl, 

VRG-Kommentar,  3. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf  2014,  § 10  Rz. 64).  Die  indi-

viduelle  Zustellung  ergänzt  die  amtliche  Publikation  in  besonderen  Fällen, 

vorab dann, wenn die potenziell rechtsmittelberechtige Person aufgrund der 

gesamten Umstände des Verfahrens klar bekannt ist (VB.2015.00057 vom 

21. Mai 2015 in BEZ 2015 Nr. 26). 

4.3.2 

Wie  die  Vorinstanz  in  ihrem  Beschluss  festhält,  liegt  auf  dem  Grundstück 

eine  grundbuchlich  angemerkte  privatrechtliche  Höhenbeschränkung  für 

Bauten und Pflanzen zugunsten "eines Nachbargrundstückes" vor. Im vor-

liegenden Fall wies die Vorinstanz auch darauf hin, dass sich die Mitbetei-

ligten mit dem Eigentümer des berechtigen Grundstückes in einem mittler-
weile  abgeschlossenen  Verfahren  vor  dem  hiesigen  Gericht  gegenüber-
standen. Im konkreten Fall handelte es sich damit um eine ohne besonde-

ren Aufwand bestimmbare Person resp. Personen, nämlich die Eigentümer 

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des berechtigten Grundstücks. Da die Rekurrierenden im vorliegenden Ver-

fahren  rechtsmittellegitimiert  sind,  wäre  es  zumindest  nicht  unbegründet 

gewesen,  ihnen  den  Unterschutzstellungsentscheid  aufgrund  von  § 10 

Abs. 3  lit. a  VRG  persönlich  zuzustellen.  Letztlich  kann  die  Frage  aber  of-

fenbleiben,  denn  eine  möglicherweise  erfolgte  Verletzung  des  rechtlichen 

Gehörs wurde in der Zwischenzeit geheilt, da die Rekurrierenden durch die 

Publikation von der Unterschutzstellung erfahren haben und rechtzeitig Re-

kurs  erheben  konnten,  wobei  sie  im  vorliegenden  Verfahren  alle  Rügen 

vorbringen können. 

5.1. 

Die  Rekurrierenden  monieren,  dass  die  Vorinstanz  die  von  Gesetzes  we-

gen (§ 213 Abs. 3 PBG) vorgesehene Behandlungsfrist ohne das Vorliegen 

eines Ausnahmefalles verlängert habe. Im vorliegenden Fall würden durch 

die Unterschutzstellung der Ahornbäume in erster Linie die Eigentumsrech-

te der Rekurrierenden beeinträchtigt. Aus diesem Grund hätte eine Verlän-

gerung  der  Einjahresfrist  nur  im  gesetzlich  vorgesehenen  Ausnahmefall 

und  nicht  einfach  im  Einvernehmen  zwischen  der Vorinstanz  und den  Mit-

beteiligten erfolgen können bzw. dürfen. Begründet worden sei die Fristver-

längerung  mit  dem  Verweis  auf  ein  Baurekursverfahren  zwischen  dem 

(heutigen) Rekurrenten 2 sowie der S. AG und den Mitbeteiligten sowie der 

Vorinstanz. Das damalige Baurekursverfahren habe Null und Nichts mit der 

Unterschutzstellung  der  zwei  Ahornbäume  zu  tun  gehabt.  Verfahrensge-

genstand  sei  nämlich allein  das  vom  heutigen  Rekurrenten 2  sowie  der  S. 

AG  auf  den  Grundstücken  Kat.-Nrn.  0004  [….]  und  0005  [….]  geplante 

Bauprojekt  für  drei  Mehrfamilienhäuser  gewesen.  Eine  Präjudizierung  sei 

damit  ausgeschlossen  gewesen.  Damit  habe  kein  Ausnahmefall  vorgele-

gen,  der  die  verfügte  Fristverlängerung  gerechtfertigt  hätte,  weshalb  das 

Recht der Vorinstanz, die zwei Ahornbäume unter Schutz zu stellen, mithin 

am 1. Oktober 2016 verwirkt worden und der angefochtene Entscheid auf-

zuheben sei. 

5.2. 

Aus  einem  Provokationsbegehren  muss  eindeutig  hervorgehen,  dass  der 

Grundeigentümer einen förmlichen Schutzentscheid verlangt. Es darf schon 

wegen  seiner  einschneidenden Wirkung  nicht  leichthin  angenommen  wer-

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den,  sondern  muss  sich  klar  als  solches  ergeben  (VB.2012.00373  vom 

27. März 2013 E. 3.1.3. in BEZ 2013 Nr. 10). 

Nach  dem  Wortlaut  von  § 213  Abs. 3  PBG  ist  eine  Verlängerung  der  Ein-

jahresfrist nur "in Ausnahmefällen" zulässig. Ratio legis der Bestimmung ist, 

– wie dies auch die Rekurrierenden festhalten  – die Stellung des Eigentü-

mers des potentiellen Schutzobjektes zu stärken. Damit soll dem Umstand 

Rechnung getragen werden, dass die Normen des III. Titels des Planungs- 

und  Baugesetzes  dem  Gemeinwesen  im  Natur-  und  Heimatschutz  gegen-

über dem Grundeigentümer sehr weitgehende Eingriffsmöglichkeiten in die 

Eigentumsrechte gewähren (BRKE I Nr. 206/1998 vom 13. November 1998 

E. 3.1 in BEZ 1999 Nr. 5 m.w.H.). Auch aus den Marginalien zu § 213 PBG 

ergibt  sich,  dass  damit  die  "Ansprüche  des  Grundeigentümers"  geregelt 

werden sollen.  

Auch bei der Erörterung, ob es sich bei § 213 Abs. 3 PBG um eine Verwir-

kungsfrist  handelt,  hält  das  Verwaltungsgericht  fest,  dass  die  Bestimmung 

auf  die  Grundeigentümerinteressen  ausgerichtet  ist  und  die  Behörde  zu-

gunsten  der  Eigentümerschaft  zum  Handeln  zwingt  (VB.2003.00046  vom 

18. August 2004 E. 3.2 in BEZ 2004 Nr. 65). 

5.3. 

Die Vorinstanz hat damit für die Einreichung des Provokationsbegehrens zu 

Recht auf den 3. März 2016 abgestellt, als sie die explizite Bestätigung der 

Mitbeteiligten  erhalten  hat,  dass  eine  Schutzabklärung  an  die  Hand  ge-

nommen werden solle. Die mit Schreiben vom 2. März 2017 erfolgte Mittei-

lung an die Mitbeteiligten, dass die Frist gestützt auf § 213 Abs. 3 PBG um 

ein  Jahr  verlängert  werde,  erfolgte  damit  innert  der  Einjahresfrist.  Der 

Schutzentscheid  wurde  innerhalb  der  verlängerten  Frist  am  23. August 

2017 erlassen. Damit stellt sich die Frage nach einer allfälligen Verwirkung 

gar nicht. 

Die  Fristverlängerung  soll  nur  in  begründeten  Ausnahmefällen  erfolgen. 

Vorliegend  waren  die  Mitbeteiligten  mit  der  Verlängerung  einverstanden. 

Und  da  die  Frist  die  Grundeigentümer  schützen  soll,  können  sich  die  Re-

kurrierenden  nicht  auf  diese  Bestimmung  berufen.  Zudem  hat  die  Vor-

instanz  den  Entscheid,  den  sie  als  Begründung  für  die  Verlängerung  her-

angezogen  hat,  zu  Recht  abgewartet.  Denn  dieser  hat  nicht  wie  von  den 
Rekurrierenden  vorgebracht, "Null und  Nichts"  mit der Unterschutzstellung 

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zu  tun  gehabt  hat,  sondern  es  wurde  die  Frage  nach  dem  Weiterbestand 

der  Dienstbarkeit  bei  den  vorgesehenen  Grenzmutationen  aufgeworfen; 

auch  wenn  das  Baurekursgericht  letztlich  in  diesem  Punkt  nicht  auf  den 

Rekurs  eingetreten  ist.  Damit  liegt  auch  keine  unzulässige  Fristverlänge-

rung nach § 213 Abs. 3 PBG vor. 

6.1. 

Gemäss dem am 28. Juni 2016 durch die Firma Y verfassten Gutachten sei 

davon auszugehen, dass die beiden kolchischen Ahorne im Winter 1960/61 

gepflanzt worden seien. Sie hätten somit heute ein Alter von rund 60 Jah-

ren, was vor Ort durch ihre Grösse bestätigt worden sei. 

Es handle sich um mehrstämmige kolchische Ahorne (Acer cappadocicum 
"Rubrum"), eine in unseren Breiten fremdländische Ahornart, die sich durch 
eine hohe Anpassungsfähigkeit an den Standort und ein sehr gesundes, im 

Herbst leuchtend gelb gefärbtes Laub auszeichne. Die beiden Bäume wür-

den aufgrund  des  geringen  Abstands  zueinander eine  gemeinsame  Krone 

mit ca. 13 m Durchmesser bilden. Sie seien in etwa ebenso hoch wie breit. 

Der  näher  am  Haus  stehende  Baum  habe  zwei  Hauptstämmlinge  mit  135 

und 185 cm Umfang, der andere habe drei Hauptstämmlinge mit 100, 105 

und 140 cm Umfang.  

Die  Bäume  stünden  im  vorderen  Grundstücksbereich  an  der  Ecke  G.-

Weg/N.-Gasse. Der Wurzelbereich der Bäume sei frei, allerdings werde das 

Gelände zum Garten hin mit z.T. nur wenig Abstand zum Stammfuss durch 

Mauern  abgefangen. Diese  Situation  sei jedoch  von  Anfang  an bestehend 

gewesen. Vom Gartentor verlaufe ein Weg aus einzelnen Trittplatten in den 

hintern Gartenbereich. Es sei abgesehen von einigen Wildgräsern kein Un-

terwuchs vorhanden.  

Anlässlich der Begehung vom 24. Juni 2016 hätten sich die Bäume bereits 

gut belaubt präsentiert, auch wenn zu diesem Zeitpunkt die Laubentfaltung 

noch  nicht  vollständig  abgeschlossen  gewesen  sei.  Auch  sei  das  Laub 

(noch)  etwas  heller  gewesen  als  das  später  arttypische  dunkle  Grün.  Der 

Kronenmantel  der  Bäume  sei  weitgehend  geschlossen  und  das  Trieblän-

genwachstum  gleichmässig.  In  der  Kronenperipherie  zeigten  sich  zudem 

keine  abgestorbenen  Zweige.  Auf  der  Skala  der  Vitalitätsstufen  (0=vital, 
1=geschwächt, 2=geschädigt, 3=stark  geschädigt, 4=tot) könnten die Bäu-

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me insgesamt auf der Vitalitätsstufe 1 "geschwächt" eingestuft werden, wo-

bei der westliche Baum etwas besser sei als der östliche. Dies sei mit ziem-

licher Sicherheit auf die stärker beengten Standortverhältnisse und frühere 

Grabarbeiten  entlang  der  Hausfassade  zurückzuführen.  Anzeichen  einer 

Verschlechterung lägen nicht vor. 

Die  Bäume  seien  in  einem  guten  statischen  Zustand:  Sie  wiesen  zwar  in 

mehreren Vergabelungen eingewachsene Rinde auf und in den Stämmlin-

gen  zeigten  sich  die  für  diese  Baumart  typischen  Risse,  doch  seien  die 

Ahorne  recht  kompakt  und  geschlossen  gewachsen,  ohne  einzelne,  aus 

dem Kronenmantel herausragende Astpartien. Auch die zahlreichen gebo-

genen  Äste  –  ebenfalls  typisch  für  diese  Baumart  –  zeigten  keine  Anzei-

chen für  eine mangelnde Sicherheit.  Die am östlichen  Baum  vorhandenen 

Rindenschäden  an  mehreren  Wurzelanläufen  seien  auf  vergangene  Bau-

massnahmen am Gebäude zurückzuführen. Es lägen keine Indizien für ei-

ne  Fäule  im  Stammfuss  und Wurzelstock  vor.  Die  Bäume  seien daher als 

stand- und bruchsicher zu bezeichnen. 

Es sei von einer langfristigen Lebenserwartung, d.h. mindestens zehn Jah-

ren, wahrscheinlich aber noch mehreren Jahrzehnten auszugehen.  

Das  Quartier  G.  befinde  sich  in  einer  starken  Umbruchphase.  Vielerorts 

seien in den vergangenen Jahren Wohnbauten abgerissen und verdichtete 

Neubauten erstellt worden. Die Verdichtung erfolge auf Kosten des Grüns, 

insbesondere  der  Bäume.  Der  durchgehend  schön  entwickelte  Baumbe-

stand aus  den  1960ern  sei vielerorts  weg.  Die  verbleibenden  Bäume  wür-

den durch die bauliche Verdichtung für das Siedlungsbild umso wertvoller. 

Die  zwei  kolchischen  Ahorne  stünden  markant  an  der  Wegkreuzung  G.-

Weg/N.-Gasse. Sie würden aus verschiedenen Richtungen schon von wei-

tem gesehen und prägten die Kreuzung wohltuend. Die schöne Wuchsform 

und das Grün der Bäume würden vom öffentlichen Raum aus wahrgenom-

men.  Zudem  verengten  sie  den  Raum  der  Strassen  punktuell,  was  ent-

schleunigend  auf  die  Fahrgeschwindigkeit  wirke.  Nebst  den  zwei  strittigen 

Bäumen seien auch Föhren, zwei Buchen, eine Trauer-Weide und diverse 

Laubgehölze  wie  Feld-Ahorne  und  Pappeln  für  das  nähere  Umfeld  prä-

gend.  Die  zwei  kolchischen  Ahorne  seien  dabei  eine  gute  Ergänzung  und 
fügten sich in den Kanon der Gehölze ein.  

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Seite 9 

 
 
Die kolchischen Ahorne stellten zwar keine absolute botanische Besonder-

heit dar und der ökologische Wert sei deutlich geringer als bei den einhei-

mischen Ahornarten, doch seien die Bäume an diesem Standort aus gestal-

terischen  Gründen  gezielt  gepflanzt  worden.  Sie  prägten  das  Strassenbild 

durch ihren markanten Standort an einer Wegkreuzung, mit ihrer stattlichen 

Grösse und ihrem schönen Wuchs wohltuend und schafften einen markan-

ten  Punkt.  Sie  schafften  Intimität  für  die  Bewohner  der  Liegenschaft  G.-

Weg [….]  und  bildeten  unter  den  Bäumen  einen  angenehmen  Raum.  Sie 

fügten sich in den Kanon der umgebenden Baumarten ein und seien wich-

tige  Zeitzeugen  der  1960er Jahre,  wo  diese  Baumart  häufig  verwendet 

worden sei. Sie prägten so den historischen Charakter des Quartiers mit. 

6.2. 

Die  Vorinstanz  stützt  sich  auf  das  Gutachten  Y  und  begründet  die  Unter-

schutzstellung  der  zwei  kolchischen  Ahorne  im  angefochtenen  Beschluss 

mit  ihrem  ortsbaulichen  Wert  durch  ihre  Lage  an  der  Kreuzung,  wo  die 

Bäume  bewusst  gepflanzt  worden  seien  und  die  Umgebung  des Quartiers 

im  Süden  wesentlich  mitprägen  würden.  Dies  sei  in  einem  sich  baulich 

stark  wandelnden  Quartier  umso  wertvoller.  Die  Unterschutzstellung  ge-

schehe  im  Einvernehmen  mit  der  Eigentümerschaft.  Die  Würdigung  der 

Bäume unter Berücksichtigung der Interessen der Eigentümerschaft hätten 

ergeben,  dass  es  sich  bei  diesen  Objekten  um  wichtige  Zeugen  im  Sinne 

von  § 203  PBG  handeln  würde,  die  unter  Schutz  zu  stellen  seien.  Selbst 

wenn die Interessen der Rekurrierenden miteinbezogen worden wären, hät-

ten  deren  Interesse  das  öffentliche  Interesse  an  der  Unterschutzstellung 

nicht zu überwiegen vermögen: Die behauptete Seesicht, welche durch die 

Grunddienstbarkeit angeblich  dauerhaft hätte  geschützt  werden  sollen,  sei 

durch die beiden strittigen Bäume nicht oder – falls überhaupt – nur unwe-

sentlich  eingeschränkt,  was  sich  anlässlich  des  beantragten  Augenschei-

nes leicht feststellen lasse.  

Die Mitbeteiligten folgen der vorinstanzlichen Auffassung und weisen eben-

falls  auf das  untergeordnete  private  Interesse  der Rekurrierenden hin.  Zu-

dem  bestehe  ohnehin  nur  eine  marginale  Seesicht,  die  von  den  strittigen 

Bäumen – falls überhaupt – nur unwesentlich eingeschränkt werde.  

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6.3.  

Die  Rekurrierenden  reichten  ein  Parteigutachten  der  Z  GmbH  sowie  ein 

kurzes  Schreiben  der  L.  Gartenpflege  AG  ein,  welche  beide  zum  Schluss 

gekommen seien, dass den Bäumen aus biologisch-ökologischer Sicht kei-

nerlei  Schutzwürdigkeit  zukomme.  Sie  seien  keine  Besonderheit  und  öko-

logisch weit weniger wertvoll als einheimische Bäume wie Eichen oder Bu-

chen. Der kolchische Ahorn sei eine im 19. Jahrhundert aus Kleinasien und 

dem Kaukasus eingeführte Baumart. Es handle sich hierbei um ein robus-

tes, frosthartes Gehölz mit wenig Ansprüchen an den Standort. Ausserdem 

wiesen die Bäume baumbiologische Unzulänglichkeiten auf: Beide Garten-

fachfirmen  beurteilten  den  heutigen  Zustand  der  Ahornbäume  als  ge-

schwächt.  Dies  sei  vor  allem  auf  die  seit  der  Pflanzung  unterlassene 

Baumpflege  und  die  engen  Platzverhältnisse  zurückzuführen.  Sogar  das 

Gutachten Y bezeichne den Zustand der Bäume als "geschwächt", attestie-

re ihnen dann aber doch einen guten gesundheitlichen und statischen Zu-

stand. Wie im Gutachten Z ausführlich abgehandelt, sei es nur eine Frage 

der  Zeit,  bis  die  ersten  Astbrüche  erfolgten  und  hierdurch  auch  eine  Ge-

fährdung für die Nutzer des öffentlichen Strassenraumes entstehen könne.  

Es sei auch nicht ersichtlich, wie die zwei Ahorne die Wegkreuzung wohltu-

end  prägen  sollten.  Ihre  Wirkung  sei,  wenn  überhaupt,  höchstens  lokal 

wahrnehmbar.  Sowohl  von  Südwesten  als  auch  von  Nordosten  blickend 

verdeckten andere grosse Gehölze die Sicht auf die Ahornbäume. Die Um-

gebung  im  Quartier  sei  von  Nadelgehölzen  geprägt  und  folge  keinem  be-

stimmten Muster, in das sich die zwei fraglichen Bäume einordnen liessen. 

Insbesondere handle es sich bei den beiden Ahornen nicht um rare, wert-

volle  Solitärpflanzen,  welche  bereits  von  weit  her  ins  Auge  springen  und 

das Quartier- und Strassenbild dominieren würden. Vielmehr handle es sich 

bei den strittigen Ahornen um ganz gewöhnliche grössere Allerweltsbäume, 

wie sie in jedem Quartier und in jedem Dorf zu Dutzenden vorkämen. 

Zudem sei die Herleitung der angeblichen Schutzwürdigkeit der Ahornbäu-

me  im  Gutachten  Y  (wohltuende  Prägung  der  Kreuzung,  schöne  Wuchs-

form,  markante  Stellung  an  der  Kreuzung)  abwegig.  Die  entsprechende 

Beschreibung treffe praktisch auf jeden noch bestehenden, grösseren grü-

nen  Baum  an  einer  Kreuzung  zu.  Damit  könne  jedenfalls  kein  besonderer 

Schutzwert der zwei kolchischen Ahorne begründet werden.  

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Die  Vorinstanz  habe  im  Übrigen  die  Interessen  der  Rekurrierenden  völlig 

unberücksichtigt gelassen. Dies, obwohl durch die Unterschutzstellung der 

zwei  Ahorne  die  heute  bestehende  Dienstbarkeit  zugunsten  des  Grund-

stücks  der  Rekurrierenden  in  einem  zentralen  Punkt  öffentlich-rechtlich 

ausgehebelt und damit ein massiver direkter Eingriff in die Eigentumsrechte 

der  Rekurrierenden  bewirkt  werde.  Korrekterweise  hätte  die  Dienstbarkeit, 

mit  welcher  u.a.  die  Seesicht  vom  berechtigten  Grundstück  aus  dauerhaft 

hätte  geschützt  und  erhalten  werden  sollen,  gewichtet  und  in  die  Beurtei-

lung  miteinbezogen  werden  müssen.  Dies  hätte  zur  logischen  Folge  ge-

habt,  dass  ganz  grundsätzlich  noch  viel  höhere  Anforderungen  an  die 

Schutzwürdigkeit  und  Schutzfähigkeit  der  Bäume  hätten  gestellt  werden 

müssen.  Selbst  wenn  die  Bäume  schutzwürdig  wären,  würde  dies  nicht 

ausreichen, um die betroffenen privaten Interessen der Rekurrierenden zu 

überwiegen.  

6.4. 

Die  angefochtene  Schutzmassnahme  stützt  sich  auf  § 203  lit. f  PBG,  wo-

nach  wertvolle  Park-  und  Gartenanlagen,  Bäume,  Baumbestände, Feldge-

hölze und Hecken Schutzobjekte darstellen. Massgebend für die Qualifika-

tion  als  "wertvoll"  in  Sinne  dieser  Bestimmung  sind  der  biologische  oder 

ökologische Wert oder auch der gestalterische Wert, der etwa Bäumen für 

das  Quartier-  oder  Strassenbild  zukommt,  wobei  dieses  selbst  nicht  etwa 

unter  irgendeinem  Titel  schutzwürdig  sein  muss.  Obgleich  primär  Objekte 

des  Natur-  und  Landschaftsschutzes,  können  Bäume  und  Baumgruppen 

demnach  unter  Umständen  auch  wegen  ihrer  prägenden  Wirkung  für  ein 

Quartier-  oder  Strassenbild  unter  Schutz  gestellt  werden.  Allerdings  sind 

hier  strenge  Massstäbe  anzulegen,  zumal  der  Gesetzgeber  es  abgelehnt 

hat, eine Bestimmung aufzunehmen, wonach Bäume und Baumgruppen in 

dicht besiedelten Gebieten generell besonderen Schutz genössen. Im Inte-

resse  des  Quartier-  oder  Strassenbildes  ist  ein  einzelner  Baum  nur  dann 

schutzwürdig, wenn er aufgrund seines Standortes und seiner Erscheinung 

in  markanter  Weise  einen  dominierenden,  aussergewöhnlichen  Akzent 

setzt  und  damit  das  Quartier-  und  Strassenbild  wesentlich  mitprägt 

(RB 1990 Nr. 71 und BEZ 1995 Nr. 1 = RB 1994 Nr. 78). 

Bei  sich  auf  § 203  Abs. 1  PBG  stützenden  Schutzentscheiden  kommt  den 

kommunalen  und  kantonalen  Behörden  teilweise  ein  gewisser  Beurtei-
lungsspielraum zu. Dies namentlich dann, wenn es um fachtechnische Fra-

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gen  des  Natur-  und  Heimatschutzes  geht,  wie  sie  sich  bei  der  Frage  der 

Qualifikation eines Objekts als Schutzobjekt, bei der Bestimmung von Um-

fang und Inhalt einer Schutzmassnahme oder bei der Auswahl unter meh-

reren Schutzobjekten stellen können. Allerdings führt dies nicht etwa dazu, 

dass  die  Rekursinstanz  gleich  wie  das  Verwaltungsgericht  auf  eine  reine 

Rechtskontrolle beschränkt wäre (§ 20 Abs. 1 und § 50 VRG). Konsequenz 

ist vielmehr, dass das Baurekursgericht den angefochtenen Entscheid unter 

gebührender  Berücksichtigung  der  Entscheidgründe  der  Schutzbehörde 

und  in  sorgfältiger,  einlässlicher  Auseinandersetzung  mit  diesen  zu  über-

prüfen  hat.  Dergestalt  ist  zwischen  der  Entscheidungsfreiheit  der  erstin-

stanzlichen  Behörde  einerseits  und  dem  Anspruch  auf  wirksamen Rechts-

schutz  andererseits  (Art. 77  der  Kantonsverfassung  [KV]  und  Art. 29a  der 

Bundesverfassung  [BV])  praktische  Konkordanz  herzustellen.  Im  Übrigen 

kommt dem Baurekursgericht bei der Überprüfung von sich auf § 203 PBG 

stützenden in der Regel volle Kognition zu (§ 20 Abs. 1 VRG). Namentlich 

kann die Rekursinstanz die Frage, was unter einem Schutzobjekt im Sinne 

von § 203 Abs. 1 PBG zu verstehen ist, frei beantworten. Ebenso ist ihr zu-

zubilligen,  dass  sie  die  örtlichen  Verhältnisse  in  der  Regel  frei  würdigen 

kann,  sofern  ihr  diese  hinreichend  bekannt  sind  (vgl.  zum  Ganzen  Marco 

Donatsch,  in:  Kommentar  VRG,  3. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf 2014,  § 20 

Rz. 64 ff. und 85 f., mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

6.5. 

Wie richtigerweise auch von den Rekurrierenden festgehalten wird, handelt 

es sich beim kolchischen Ahorn um eine importierte Baumart. Wie auch das 

Gutachten Y kritisch festhält, stellen die beiden kolchischen Ahorne "keine 

absolute botanische Besonderheit dar und der ökologische Wert ist deutlich 

geringer als bei den einheimischen Ahornarten". Aufgrund des mittelmässi-

gen  biologischen  und  des  geringen  ökologischen  Werts  lässt  sich  damit 

keine Schutzwürdigkeit begründen. 

Ebenfalls  ist  den  Rekurrierenden  in  ihren  Ausführungen  beizupflichten, 

dass zwei Bäume nicht einfach schon zu wichtigen Zeitzeugen werden, nur 

weil sie möglicherweise in den 1960ern häufig gepflanzt worden sind. Auch 

ist heute nicht mehr ersichtlich, wie die strittigen Bäume den im Gutachten 

Y angetönten historischen Charakter des Quartiers mitprägen sollen: Beim 

Augenschein  zeigte  sich  kaum  eine  historische  Baute.  In  der  Umgebung 
hat  es  vor  allem  Neubauten  oder  zumindest  neuere  Bauten  und  diverse 

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Baustellen. Weiter ist nachvollziehbar, wenn die Rekurrierenden bestreiten, 

dass  die  zwei  strittigen  Bäume  den  Mitbeteiligten  Intimität  und  unter  den 

Bäumen  einen angenehmen  Raum  schaffen  würden.  Die  geschaffene  Pri-

vatsphäre  im  Garten  wird  in  erster  Linie  durch  die  das  Grundstück 

Kat.-Nr. 0000  in  der  nordwestlichen  Ecke  umgebende  Hecke  hergestellt. 

Auch  das  behauptete  lauschige  Plätzchen  unter  den  Bäumen  zeigte  sich 

anlässlich  des  Augenscheins  nicht:  Der  Raum  unter  den  Bäumen  präsen-

tiert  sich  als  nicht  begrünter  Durchgangsbereich  mit  einigen  Betonschritt-

platten und Hühnern. Letztlich ist dies aber für die Frage der Schutzwürdig-

keit zweitrangig. 

Einig  sind  sich  die  Parteien  jedoch  darüber,  dass  die  beiden  Bäume  rund 

60 Jahre alt sind und um das Jahr 1960 gepflanzt wurden. Die Bäume sind 

gut  erhalten  und  gemäss  Gutachten  Y  standfest,  auch  wenn  es  ihnen  auf 

der  Skala  der  Vitalitätsstufe  lediglich  eine  1  attestiert,  welche  mit  "ge-

schwächt"  gleichgesetzt  wird.  Anlässlich  des  Augenscheines  zeigten  sich 

jedoch  zwei gesunde Bäume,  die  zwar  –  wie  sowohl das  Gutachten  Y  als 

auch  Z  richtigerweise  festhalten  –  nicht  sehr  gehegt  und  gepflegt  wurden. 

Die Krone ist etwas verwachsen, das Gutachten Z befürchtet aufgrund der 

mangelnden  Pflege  Astbrüche.  Da  die  Äste  auch  in  den  Strassenbereich 

hineinragen, könne eine Gefährdung für die Nutzer des öffentlichen Stras-

senraumes  nicht  ausgeschlossen  werden.  Dies  bestätigte  sich  anlässlich 

des Augenscheins nicht: Die zwei intakten Bäume stehen zwar in unbestrit-

tenermassen  beengten  Verhältnissen.  Trotz  dieser  Tatsache  und  der  er-

folgten Abgrabungen am Grundstück sind die Bäume aber stabil. Ein weite-

rer  Indikator  für  ihre  Standfestigkeit  ist  der  Aspekt,  dass  Anfang  Jahr  das 

Sturmtief "Burglind" über das Land zog, dem viele Bäume zum Opfer fielen, 

so auch eine Tanne auf dem betroffenen Grundstück, nicht jedoch die strit-

tigen Bäume. Damit geht das Gutachten Y zu Recht von einer langfristigen 

Lebenserwartung  aus  und  versteht  darunter  "mindestens  zehn  Jahre, 

wahrscheinlich  aber  noch  mehrere  Jahrzehnte".  Damit  ist  auch  keine  Ge-

fährdung der Nutzer des öffentlichen Strassenraumes ersichtlich. 

Die zwei kolchischen Ahorne haben zwei mehrstämmige Stämme und sind 

auch als zwei Bäume im Kataster erfasst. Aufgrund ihrer grossen Nähe zu-

einander ergibt sich jedoch bloss eine grosse Krone. Diese ist dafür umso 

eindrücklicher,  auch  wenn  sie  anlässlich  des  Augenscheins  im  Februar 

noch nicht belaubt war. Wie die beiden Bäume mit belaubter Krone ausse-
hen,  ist  auf  einem  Foto  im  rekurrentischen  Gutachten  Z  ersichtlich.  Die 

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Krone überragt sämtliche in der Umgebung befindlichen Häuser und ist ge-

rade  auf  der  von  Norden  zu  den  Bäumen  hin  leicht  abfallenden  N.-Gasse 

sehr gut zu sehen. Zur eindrücklichen Wahrnehmbarkeit der beiden Bäume 

trägt auch der gute Platz direkt an der Strassenkreuzung N.-Gasse/G.-Weg 

bei, aus welcher letztlich die im Gutachten Y erwähnte wohltuende Prägung 

der Kreuzung resultiert. Es zeigte sich auch die schöne und symmetrische 

Wuchsform der Krone, trotz ihrer grossen Nähe zum Gebäude der Mitbetei-

ligten.  Die  Rekurrierenden  behaupten,  diese  Beschreibung  (wohltuende 

Prägung  der  Kreuzung,  schöne Wuchsform  und  markante  Stellung  an  der 

Kreuzung) treffe  auf praktisch  jeden  noch bestehenden,  grösseren  grünen 

Baum an einer Kreuzung zu. Dies mag sogar sein, doch ist vorliegend nur 

die  Beschreibung  dieser  zwei  Bäume  ausschlaggebend  und  die  hat  sich 

anlässlich des Lokaltermins bestätigt: Gerade aufgrund ihres Alters und der 

daraus resultierenden eindrücklichen Grösse der beiden Bäume sowie ihrer 

guten  Positionierung  in  der  Nähe  einer  öffentlichen  Strassenkreuzung,  an 

welcher  sie  aus  allen  vier  Himmelsrichtungen  gut  sichtbar  sind,  lässt  sich 

das  im  Gutachten  Y  attestierte  markante  Erscheinungsbild  bejahen.  Die 

Bäume sind standhaft und gesund und es ist ihnen eine prägende Wirkung 

für das Quartier- und Strassenbild zu attestieren. Damit gelten sie im Sinne 

des Gesetzes als wertvoll und sind grundsätzlich schutzwürdig. 

7.1. 

Massnahmen des Natur- und Heimatschutzes müssen im öffentlichen Inte-

resse  liegen  und  verhältnismässig  sein  (Art. 36  Abs. 2  und  3  der  Bundes-

verfassung  [BV]).  Das  Verhältnismässigkeitsprinzip  im  engeren  Sinne  ver-

langt,  dass  eine  Schutzmassnahme  durch  ein  das  private  Interesse  über-

wiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt ist. Nur in diesem Fall ist die 

Massnahme  den  Privaten  zumutbar  (s.  Ulrich  Häfelin/Georg  Müller/Felix 

Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  7. Aufl.,  Zürich/St. Gallen 2016, 

Rz. 555 ff.). 

Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zur  Verhältnismässigkeit 

von Schutzmassnahmen im engeren Sinne vermag das finanzielle Interes-

se an einer gewinnbringenden oder gar höchstmöglichen Ausnützung einer 

Liegenschaft  für  sich  allein  das  öffentliche  Interesse  an  Denkmalschutz-
massnahmen  grundsätzlich  nicht  zu  überwiegen  (BGE 120 Ia 270 ff., 
E. 6c).  Dies  ist  allerdings  nicht  so  zu  verstehen,  dass  den  wirtschaftlichen 

Interessen privater Eigentümer bei der Interessenabwägung überhaupt kei-

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ne Bedeutung zukommt. Sehr erhebliche finanzielle Interessen können der 

Verfolgung  eines  weniger gewichtigen  öffentlichen  Interesses durchaus  im 

Wege stehen. Hingegen müssen unter Umständen auch sehr grosse finan-

zielle  Interessen  der  Grundeigentümer  öffentlichen  Interessen  weichen, 

weil das Gemeinwesen sonst kaum noch Bauten unter Schutz stellen könn-

te. Die Frage der Verhältnismässigkeit im engeren Sinne darf nicht isoliert 

nur  anhand  der  zu  erwartenden  finanziellen  Aufwendungen  beurteilt  wer-

den. Vielmehr ist im Rahmen der Interessenabwägung auch das Mass des 

öffentlichen Interesses an der Unterschutzstellung und damit der Grad der 

Schutzwürdigkeit  zu  berücksichtigen.  Dabei  gilt  der  Grundsatz,  dass,  je 

schutzwürdiger eine Baute ist, desto geringer die Rentabilitätsüberlegungen 

zu gewichten sind (BGr 1P.584/1995, E. 6b, in ZBl 1996 366 ff.). 

Vorliegend stehen dem öffentlichen Interesse am Erhalt der Bäume die pri-

vaten Rechte der Mitbeteiligten als auch der Rekurrierenden gegenüber. 

7.2. 

Die Rechte der Mitbeteiligten werden als Eigentümer der Bäume durch de-

ren  Unterschutzstellung  ebenfalls  tangiert.  So  werden  ihnen  im  Beschluss 

auch  Auflagen  für  die  künftige  Pflege  der  Bäume  gemacht.  Sie  haben  je-

doch  den  Unterschutzstellungsbeschluss  nicht  angefochten,  weshalb  nicht 

weiter darauf einzugehen ist.  

Die den Rekurrierenden eingeräumte Dienstbarkeit ist zwar rein privatrecht-

licher Natur, jedoch ist sie unter dem Aspekt entgegenstehender Interesse 

in  die  Güterabwägung  miteinzubeziehen,  auch  wenn  der  damit  verfolgte 

Zweck  eines  Aussichtsschutzes  im  öffentlichen  Recht  keine  Berücksichti-

gung findet. Aufgrund der im vollen Gange tätigen Bauarbeiten auf dem re-

kurrentischen Grundstück konnte dieses anlässlich des Augenscheins nicht 

betreten werden. Von der nördlichsten Ecke auf der N.-Gasse direkt an der 

rekurrentischen  Grundstücksgrenze  hat  man  aber  einen  ziemlich  guten 

Eindruck  erhalten.  Dabei  zeigte  sich,  dass  der  tatsächliche  Blick  auf  den 

See  sich auf einen  kleinen  Fleck  Richtung  Südwesten  beschränkt. Zudem 

sieht  man  zumindest  vom  grössten  Teil  des  Grundstücks  aus  westlich  an 

den  zwei  strittigen  Bäumen  vorbei.  Ausserdem  zeigt  sich  im  digitalen  Hö-

henmodell  vom  GIS-Browser,  dass  das  rekurrentische  Grundstück  schon 
im  ersten  Drittel  2 m  höher  (556 m.ü.M.)  liegt  als  das  der  Mitbeteiligten 
(554 m.ü.M) und bis zur nördlichen Grenze um weitere 6 m auf 562 m.ü.M. 

ansteigt. Eine anderweitige Beeinträchtigung wie insbesondere die befürch-

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tete Verdunkelung der zu bauenden Wohnungen oder eine durch die Bäu-

me  verursachte  Wertverminderung  ist  nicht  ersichtlich  und  würde  auch 

nicht genügend ins Gewicht fallen. Ausserdem liegt zwischen der rekurren-

tischen  Grundstücksgrenze  und  den  zwei  strittigen  Bäumen  wie  erwähnt 

der  gut  6,50 m  breite  G.-Weg,  der  damit  noch  für  einen  zusätzlichen  Ab-

stand sorgt.  

Unbestrittenermassen  sind  die  Bäume  vom  rekurrentischen  Grundstück 

aus sicht- und wahrnehmbar. Die höchstens minim beeinträchtigte Seesicht 

ist jedoch nicht geeignet, das überwiegende öffentliche Interesse am Erhalt 

der  Bäume  ernsthaft  in  Frage  zu  stellen.  Die  von  den  Rekurrierenden  ge-

äusserten Sicherheitsbedenken konnten bereits ausgeräumt werden.  

Abschliessend  ist  zu  bemerken,  dass  ein  Rückschnitt  der  Bäume  auf  die 

von  der  Dienstbarkeit  eingeräumten  5,5 m  über  Strassenniveau 

(559,5 m.ü.M.)  nicht  mit  dem  Schutzgedanken  vereinbar  ist.  Den  Bäumen 

wäre die gesamte Krone zu entfernen. Gerade weil die privatrechtlich mög-

licherweise  geschützte  Seesicht  das  öffentliche  Interesse  an  einer  Unter-

schutzstellung  nicht  überwiegt,  ist  dies  unter  dem  Aspekt  der  Verhältnis-

mässigkeit nicht weiter zu evaluieren. 

8. 

Zusammengefasst ist der Rekurs abzuweisen.  

[….] 

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