# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fcd4921b-6013-5869-9872-6f7e138d3ee3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.06.2010 E-4159/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4159-2010_2010-06-11.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4159/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  J u n i  2 0 1 0

Einzelrichter Kurt Gysi, 
mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

A._______, geboren _______,
Nigeria,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach 
Italien (Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 26. Mai 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4159/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 21. März 2010 im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) Chiasso um Asyl nachsuchte,

dass  das  BFM am 30.  März  2010  im  EVZ die  Personalien  des  Be-
schwerdeführers erhob und ihn zum Reiseweg sowie zu den Gründen 
für das Verlassen des Heimatlandes befragte,

dass bezüglich der Vorbringen im Einzelnen auf die Akten zu verweisen 
ist,

dass  das  BFM  die  zuständigen  italienischen  Behörden  am 12.  April 
2010  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin-II-VO  (Verordnung 
Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrags  zuständig  ist)  um  Rückübernahme  des  Be-
schwerdeführers ersuchte, 

dass die italienischen Behörden bis zum Ablauf der Frist vom 27. April 
2010 keine Antwort erteilten,

dass das BFM mit  Verfügung vom 26. Mai  2010 in Anwendung von 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,   SR 
142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, die 
Wegweisung aus der Schweiz nach Italien verfügte, den Beschwerde-
führer  aufforderte,  die  Schweiz  bis  spätestens  nach  Ablauf  der  Be-
schwerdefrist zu verlassen, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug 
der Wegweisung beauftragte, feststellte,  einer allfälligen Beschwerde 
komme keine  aufschiebende Wirkung zu, und dem Beschwerdeführer 
die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  über  die  zu-
ständige kantonale Behörde aushändigte,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  8.  Juni  2010  (Post-
stempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  erhob  und  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei 
aufzuheben  und  es  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  ihr  Recht  zum 
Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren für 
zuständig zu erklären,

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dass  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  die  aufschiebende 
Wirkung (der Beschwerde)  zu erteilen sei  und die Vollzugsbehörden 
anzuweisen seien, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis 
das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde ent-
schieden habe,

dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die 
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 9. Juni 2010 den 
Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  einer 
vorsorglichen Massnahme (Art. 56 des Verwaltungsverfahrensgesetzes 
vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) per sofort aussetzte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]); Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzu-
treten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art.  105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und 52 Abs. 1 VwVG),

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens,  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  ent-

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schieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie 
nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 
AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu prüfen ist, ob das BFM 
gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist und infolgedessen die 
Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 
des  Dublin-Assoziierungsabkommen  (DAA,  SR  0.142.392.68  i.V.m. 
Art. 29a  Abs.  1  der  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom 
11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) die Prüfung der staatsvertrag-
lichen  Zuständigkeit  zur  Behandlung  eines  Asylgesuches  nach  den 
Kriterien der Dublin-II-VO zu erfolgen hat, 

dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG im Weiteren voraussetzt,  dass der 
staatsvertraglich  zuständige  Staat  einer  Übernahme  der  asyl-
suchenden Person zugestimmt hat (Art. 29a Abs. 2 AsylV 1),

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO die Mitgliedstaaten jeden Asyl-
antrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im 
Hoheitsgebiets  eines  Mitgliedstaates  stellt,  wobei  der  Antrag  von 
einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des 
Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird, 

dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates 
eingeleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat 
gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), wobei die Kriterien in der in 
Kapitel III der Dublin-II-VO genannten Rangfolge (vgl. Art. 5-14 Dublin-
II-VO) anzuwenden sind sowie von der Situation zum Zeitpunkt, in dem 
der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, 
auszugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO), 

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dass sich den Akten entnehmen lässt, dass der Beschwerdeführer am 
6. Juli 2008 in Italien wegen illegaler Einreise angehalten wurde, in der 
Folge am 27. August 2008 in Italien ein Asygesuch stellte und bis zu 
seiner Einreise in die Schweiz in (...) und Rom gelebt hat,

dass  das BFM im Zeitpunkt  seiner  Anfrage  vom 12. April   2010  zu 
Recht gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO die italienischen 
Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers ersuchte und 
diese Anfrage zudem fristgerecht erfolgte (Art. 17 Abs. 1 Dublin-II-VO),

dass die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist nicht 
geantwortet haben und das BFM zu Recht feststellte, dass damit ge-
stützt auf Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO die Zuständigkeit für das 
Asylverfahren auf Italien übergegangen ist,

dass auch keine Gründe vorliegen,  die  einen Selbsteintritt  des BFM 
gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahegelegt hätten, da Italien  unter 
anderem Signatarstaat  des  Abkommens  vom 28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und der Konvention 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  vom 
4. November  1950 (EMRK,  SR 0.101)  ist,  das  Übereinkommen vom 
10. Dezember  1984 gegen Folter  und  andere  grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) rati -
fiziert hat und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, Italien würde 
sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten, 

dass  die  in  der  Beschwerde  angeführte  Argumentation,  dem  Be-
schwerdeführer  drohe  bei  einer  Wegweisung  nach  Italien  mit  sehr 
grosser  Wahrscheinlichkeit  eine  Auslieferung  nach  Libyen  und  -  im 
Sinne einer  Kettenabschiebung -  nach Nigeria  und folglich  eine Ver-
letzung  des  Non-Refoulement-Prinzips  sowie  von  Art.  3  EMRK, 
gemäss gefestigter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nicht gehört 
werden kann,

dass in Italien ein rechtsstaatlich konformes Verfahren zur Prüfung des 
Asylgesuches und der Wegweisung garantiert ist,

dass entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht eine Weg-
weisung nach Italien nicht als unzulässig zu erachten ist,

dass auch das Vorbringen in der Beschwerde, selbst für Personen, die 
in  Italien  als  Flüchtlinge  anerkannt  würden,  seien  die  Existenz-

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bedingungen  unzumutbar,  jedenfalls  in  dieser  generell  geltend  ge-
machten Form nicht der Einschätzung des Gerichts entspricht,

dass keine Gründe ersichtlich sind,  die einen Selbsteintritt  des BFM 
nahegelegt hätten,

dass auf  die  zu  bestätigenden Erwägungen und  Folgerungen in  der 
angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden  kann  und  die  Ent-
gegnungen  in  der  Beschwerde  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht 
offenkundig nicht durchzudringen vermögen,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass die vom BFM angeordnete Wegweisung aus der Schweiz gemäss 
Art. 44 Abs. 1 AsylG ohne Weiteres zu bestätigen ist, da bereits auf-
grund  der  Prüfung  gemäss  Dublin-II-VO weder  ein  Aufenthaltsrecht 
des  Beschwerdeführers  für  die  Schweiz  noch  Hindernisse  aufgrund 
der Einheit der Familie vorliegen,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Weg-
weisungsvollzuges  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG 
bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides bildet,

dass sich die Frage der Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges im 
vorliegenden Verfahren nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 
4  AuG,  sondern  ebenfalls  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im 
Rahmen  einer  allfälligen  Prüfung  des  Selbsteintrittsrechts  aus 
humanitären  Gründen  stellt  (Art.  43  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  i.V.m. 
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete,

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dass der Beschwerdeführer nicht darzutun vermag, inwiefern die an-
gefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen 
ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen die Beschwerde als 
aussichtslos erweist,  weshalb  - ungeachtet der Bedürftigkeit  des Be-
schwerdeführers  - das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

dass  mit  vorliegendem  Urteil  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Er -
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Der Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des vorliegenden 
Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Ausländerbehörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

Versand: 

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