# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 96e87d81-038d-525f-93a6-cf07ef5c89f1
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-05
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 05.09.2023 BS 2023 68
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BS-2023-68_2023-09-05.pdf

## Full Text

20230824_100929_ANOM.docx

I. Beschwerdeabteilung BS 2023 68

Oberrichter St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter P. Huber
Oberrichter M. Siegwart
Gerichtsschreiber C. Schwegler

Beschluss vom 5. September 2023 [rechtskräftig]

in Sachen

A.________,
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, I. Abteilung, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug,
vertreten durch den stellvertretenden Leitenden Staatsanwalt D.________,
Beschwerdegegnerin,

betreffend

Untersuchungshaft

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Sachverhalt

1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, I. Abteilung, führt eine Strafuntersuchung gegen 
A.________ wegen mehrfachen Diebstahls und versuchter schwerer Körperverletzung (Ver-
fahren 1A 2023 1340). A.________ wurde am 27. Juli 2023 von der Zuger Polizei festge-
nommen. Mit Eingabe vom 28. Juli 2023 beantragte die Staatsanwaltschaft beim Zwangs-
massnahmengericht die Anordnung der Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei 
Monaten. Mit Verfügung vom 30. Juli 2023 hiess das Zwangsmassnahmengericht den Antrag 
der Staatsanwaltschaft auf Anordnung von Untersuchungshaft gut und versetzte A.________ 
einstweilen bis zum 27. Oktober 2023 in Untersuchungshaft (Verfahren SZ 2023 75). Es er-
achtete den allgemeinen Haftgrund des dringenden Tatverdachts und die besonderen Haft-
gründe der Fluchtgefahr und der Wiederholungsgefahr als gegeben.

2. Gegen diese Verfügung liess A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 
18. August 2023 Beschwerde bei der I. Beschwerdeabteilung des Obergerichts Zug erheben 
und folgende Anträge stellen:

1. Dispositiv-Ziff. 1.1 und 1.2 der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Zug im 
Verfahren SZ 2023 75 vom 30. Juli 2023 seien aufzuheben und der Beschwerdeführer umgehend 
aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

2. Eventualiter seien Dispositiv-Ziff. 1.1 und 1.2 der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des 
Kantons Zug im Verfahren SZ 2023 75 vom 30. Juli 2023 aufzuheben und die Sache zur Neubeur-
teilung an das E.________ zurückzuweisen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der Staatskasse.

3. Die Staatsanwaltschaft beantragte in der Vernehmlassung vom 23. August 2023 die kosten-
fällige Abweisung der Beschwerde.

4. Das Zwangsmassnahmengericht verzichtete am 24. August 2023 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen

1. Die verhaftete Person kann Entscheide über die Anordnung, die Verlängerung und die Auf-
hebung der Untersuchungs- oder Sicherheitshaft bei der Beschwerdeinstanz anfechten 
(Art. 222 StPO).

2. Nach Art. 221 Abs. 1 StPO sind Untersuchungs- und Sicherheitshaft nur zulässig, wenn die 
beschuldigte Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtigt ist und ernst-
haft zu befürchten ist, dass sie sich durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu erwarten-
den Sanktion entzieht (lit. a), Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die 
Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (lit. b), oder durch schwere Verbrechen oder Vergehen 
die Sicherheit anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten 
verübt hat (lit. c). Haft ist auch zulässig, wenn ernsthaft zu befürchten ist, eine Person werde 
ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszuführen, wahrmachen (Art. 221 Abs. 2 StPO). 

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Das zuständige Gericht ordnet gemäss Art. 237 Abs. 1 StPO an Stelle der Untersuchungs- 
oder Sicherheitshaft eine oder mehrere Massnahmen an, wenn sie den gleichen Zweck wie 
die Haft erfüllen.

3. Die Staatsanwaltschaft führte in ihrem Haftantrag an das Zwangsmassnahmengericht zum 
allgemeinen Haftgrund u.a. Folgendes aus:

"Diebstahl vom 28.06.2023 z.N. von C.________

A.________ wird dringend verdächtigt, am 28.06.2023 im Raum F.________ / G.________ in 
H.________ das Portemonnaie von C.________ entwendet zu haben. Der Verdacht fusst auf dem Um-
stand, dass A.________ am 30.06.2023 einen aus dem am 28.06.2023 zum Nachteil von C.________ 
begangenen Diebstahl stammenden Ring für CHF 154.00 der I.________ an der J.________, 
H.________, verkaufte, wobei A.________ vorgab, rechtmässiger Eigentümer des Rings zu sein (der 
Verkauf des Rings dürfte unpräjudiziell als Hehlerei mitbestrafte Nachtat des Diebstahls sein, ist aber 
aktuell als Betrug rapportiert). Es besteht der dringende Verdacht des Diebstahls gemäss Art. 139 
StGB.

Diebstahl vom 25.07.2023 z.N. der Familie K.________

Am 25.07.2023 verübte A.________ im Bahnhof H.________ zum Nachteil der Familie K.________ ei-
nen Taschendiebstahl. Es besteht der dringende Verdacht des Diebstahls gemäss Art. 139 StGB.

Versuchte schwere Körperverletzung etc. vom 27.07.2023 z.N. von L.________

Am 27.07.2023 kam es um ca. 01:00 Uhr im Zimmer von L.________ in der M.________ an der
N.________, O.________, zu einer Auseinandersetzung zwischen A.________ und L.________. 
A.________ wird vorgeworfen, L.________ im Verlauf dieser Auseinandersetzung ein Rüstmesser an 
den Hals gehalten sowie einen Stich in den Bereich der linken Rippen versetzt zu haben, welcher zufäl-
lig ohne Verletzungsfolge blieb. Aufgrund der Beschaffenheit des Messers sowie des Bereichs des 
Körpers, gegen welchen A.________ gestochen haben soll, hätte A.________ eine lebensgefährliche 
Verletzung verursachen können. Ebenfalls hätten aufgrund des dynamischen Geschehens im Halsbe-
reich von L.________ lebensgefährliche Verletzungen entstehen können. Es besteht der dringende 
Verdacht der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 
StGB (wobei der Tatbestand der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB konsumiert werden 
würde). Weiter stehen Delikte wie Drohung und Hausfriedensbruch im Raum, welche Gegenstand der 
laufenden Ermittlung sind, und für welche ein Strafantrag vorliegt.

Der allgemeine Haftgrund des dringenden Tatverdachtes betreffend ein Vergehen oder Verbrechen ist 
evident."

3.1 Ein dringender Tatverdacht besteht, wenn aufgrund der aktuellen Untersuchungsergebnisse 
genügend konkrete Anhaltspunkte für ein Verbrechen oder Vergehen und eine Beteiligung 
der beschuldigten Person an dieser Tat vorliegen. Aufgrund des Beschleunigungsgebots im 
Haftverfahren besteht wenig Raum für ausgedehnte Beweisabnahmen, mit Vorbehalt der 
Abnahme eines liquiden Alibibeweises. Je länger die Untersuchung bereits gedauert hat, 
umso strenger sind die Anforderungen an die Dringlichkeit des Tatverdachts (Forster, Basler 

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Kommentar, 2. A. 2014, Art. 221 StPO N 3 m.H.). Macht ein Inhaftierter geltend, er befinde 
sich ohne ausreichenden Tatverdacht in strafprozessualer Haft, ist zu prüfen, ob aufgrund 
der bisherigen Untersuchungsergebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für ein Verbre-
chen oder Vergehen und eine Beteiligung des Beschuldigten an dieser Tat vorliegen, die 
Strafbehörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen 
bejahen durften. Im Haftprüfungsverfahren genügt dabei der Nachweis von konkreten Ver-
dachtsmomenten, wonach das untersuchte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die 
fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte (Urteil des Bundesgerichts 1B_270/2018 
vom 27. Juni 2018 E. 4.3 m.H.). Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass das Untersuchungs-
verfahren gegen den Beschwerdeführer gerade erst eröffnet wurde, womit an die Dringlich-
keit des Tatverdachts gemäss erwähnter bundesgerichtlicher Rechtsprechung noch keine 
allzu strengen Anforderungen zu stellen sind. 

3.2 Das Zwangsmassnahmengericht kam hinsichtlich des Vorwurfs des Diebstahls zum Nachteil 
von C.________ zum Schluss, der Umstand, dass der Beschwerdeführer den von 
C.________ gestohlenen Ring verkauft habe, begründe einen dringenden Tatverdacht des 
Diebstahls, eventuell der Hehlerei. Die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er den 
Ring von einem P.________ als Sicherheit für ein Darlehen in der Höhe von CHF 100.00 
bzw. CHF 200.00 erhalten habe, seien nicht glaubhaft und vermöchten den dringenden Tat-
verdacht jedenfalls nicht zu entkräften, zumal gemäss Polizeirapport keine Hinweise auf die 
Existenz von P.________ existierten. Was den Diebstahl zum Nachteil der Familie 
K.________ betreffe, sei der Beschwerdeführer geständig.

3.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, es bestehe gegen ihn kein dringender Tatverdacht be-
treffend mehrfachen Diebstahl. Was er in diesem Zusammenhang vorbringt, vermag jedoch 
nicht zu überzeugen: 

3.3.1 In Bezug auf den Diebstahl zum Nachteil der Familie K.________ ist der Beschwerdeführer 
geständig. Dieser Familie wurde Bargeld in der Höhe von CHF 1'200.00 entwendet, wobei 
beim Beschwerdeführer anlässlich einer Hausdurchsuchung CHF 600.00 gefunden wurden, 
welche aus diesem Diebstahl stammten (Vi act. 1/3/2 S. 5).

3.3.2 Im Zusammenhang mit dem Diebstahl zum Nachteil von C.________ wendet der Beschwer-
deführer zwar zu Recht ein, dass bei der Hausdurchsuchung kein Deliktsgut gefunden wor-
den sei und aufgrund der Kamerabilder im Q.________ und in der R.________ keine Rück-
schlüsse auf die Täterschaft des Beschwerdeführers gezogen werden könnten (Vi act. 1/2/1 
S. 3). Unglaubhaft ist hingegen die Aussage des Beschwerdeführers gegenüber der Polizei 
und der Staatsanwaltschaft, er habe den Ring am 29. Juni 2023 von seinem Kollegen 
P.________ als Sicherheit dafür erhalten, dass er diesem einen Geldbetrag ausgeliehen ha-
be. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, den Ring der I.________ zum Kauf angeboten zu 
haben. Zudem erfolgte der Verkauf des Ringes genau einen Tag, nachdem er diesen als Si-
cherheit von seinem Kollegen erhalten haben soll. Folgt man der Darstellung des Beschwer-
deführers, hätte dieser sich somit der Sicherheit für sein Darlehen umgehend entäussert und 
wäre nicht mehr in der Lage gewesen, den Ring seinem Kollegen nach Rückzahlung des 
Darlehens zurückzugeben. Die Staatsanwaltschaft erachtet ein solches Vorgehen zu Recht 
als äusserst unwahrscheinlich. 

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Auch der Standpunkt des Beschwerdeführers, es handle sich beim Diebstahl zum Nachteil 
von C.________ um einen geringfügigen Diebstahl im Sinne von Art. 172ter StGB und somit 
um eine Übertretung, kann nicht geteilt werden. Im Polizeirapport wird von einem Delikts-
betrag von insgesamt CHF 2'143.90 ausgegangen (Vi act. 1/2/1 S. 5), wobei der gestohlene 
Ring mit CHF 2'000.00 eingesetzt wurde, was als Wert für einen Ehering mit Gravur wesent-
lich realistischer erscheint als ein Betrag von CHF 154.00, für den der Beschwerdeführer den 
Ring weiterverkauft hat. Aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse besteht jeden-
falls der dringende Verdacht im Sinne von Art. 221 StPO, dass der Beschwerdeführer den 
Diebstahl vom 28. Juni 2023 zum Nachteil von C.________ begangen hat. 

3.4 Auch in Bezug auf den Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil von 
L.________ bejahte das Zwangsmassnahmengericht den dringenden Tatverdacht zu Lasten 
des Beschwerdeführers. Es begründete diesen zum einen mit den glaubhaften Aussagen von 
L.________ als Auskunftsperson, welche sich mit dem in der Ergänzung zum Haftantrag do-
kumentierten Verletzungsbild an dessen Oberkörper in Einklang bringen lasse, und zum an-
dern mit den wenig überzeugenden Angaben des Beschwerdeführers, wonach dieser 
L.________ wegen Nichterscheinens zum Essen in dessen Zimmer aufgesucht und von die-
sem unvermittelt mit dem Messer angegriffen worden sei. 

3.4.1 Demgegenüber macht der Beschwerdeführer insbesondere geltend, L.________ habe seine 
Version des Vorfalls vom 27. Juli 2023 frei erfunden. Der Beschwerdeführer habe kein Motiv 
gehabt, die vermeintlich versuchte schwere Körperverletzung zu begehen, insbesondere 
nicht aus Rache für einen angeblichen Verrat betreffend den Diebstahl, den der Beschwerde-
führer gegenüber der Polizei sowieso eingestanden habe. Für den Vorfall vom 27. Juli 2023 
gebe es keine unmittelbaren Zeugen und L.________ habe sich in der Einvernahme wieder-
holt widersprochen, so dass nicht auf seine Aussagen abgestellt werden könne. Demge-
genüber habe der Beschwerdeführer detailliert, stringent und weitgehend widerspruchsfrei 
ausgesagt. 

3.4.2 Im Haftprüfungsverfahren ist zur Frage des dringenden Tatverdachts weder ein eigentliches 
Beweisverfahren durchzuführen noch dem erkennenden Sachrichter vorzugreifen. Die Aus-
sagen des Beschwerdeführers und der Auskunftsperson L.________ werden vielmehr zu ge-
gebener Zeit vom Sachgericht abschliessend zu würdigen sein. Der Beschwerdeführer hat 
aber zugegeben, zur Tatzeit das Zimmer von L.________ betreten und mit diesem eine Aus-
einandersetzung gehabt zu haben, bei welcher er diesem das sichergestellte Messer ent-
wunden habe (Vi act. 2/9 Ziff. 8, 13-16). Der Grund für den Besuch sei gewesen, dass er 
L.________ zum Essen habe einladen wollen (Vi act. 2/9 Ziff. 6). Gemäss dem Zeugen 
S.________, der in der M.________ das Zimmer gegenüber demjenigen von L.________ 
bewohnt, hat der Beschwerdeführer mehrmals gegen die Tür von L.________ gehämmert 
und geschrien, was ein Anzeichen dafür ist, dass der Beschwerdeführer aufgebracht war und 
eine Auseinandersetzung mit L.________ suchte. Ausserdem gab L.________ gegenüber 
dem Zeugen S.________ nach dem Vorfall an, dass der Beschwerdeführer ihn habe töten 
wollen (vgl. Vi act. 2/6 Ziff. 2 und 2/12 Ziff. 11). Ob L.________, wie vom Beschwerdeführer 
behauptet, tatsächlich ein notorischer Lügner und deshalb innerhalb des M.________ ver-
hasst ist, so dass nicht auf seine Aussagen abgestellt werden kann, wird – wie erwähnt – 
vom urteilenden Gericht zu entscheiden sein. Jedoch lässt sich auch aus den Aussagen des 
Zeugen T.________ schliessen, dass der Beschwerdeführer und L.________ einen Konflikt 

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austrugen, wobei es sich um Deliktsgut gehandelt haben soll. So riet der Zeuge T.________ 
Letzterem am Tag vor dem Vorfall, er solle sich im Zimmer einschliessen (vgl. Vi act. 2/11 
Ziff. 20), was L.________ auch getan hat, indem er einen Tisch hinter die Türe geschoben 
hat. Nur schon aufgrund der Aussagen dieser beiden Zeugen und der Umstände, wie sich 
der Beschwerdeführer Zugang zum Zimmer von L.________ verschaffen wollte, erscheint 
der vom Beschwerdeführer angegebene Grund für den Besuch bei L.________ mitten in der 
Nacht wenig glaubhaft. Auch wenn die beiden Zeugen das Geschehen nicht direkt mitverfolgt 
haben, konnten sie doch in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Vorfall Angaben zu den Um-
ständen machen. Der Fotodokumentation des Kriminaltechnischen Dienstes (KTD) vom 
28. Juli 2023 lässt sich darüber hinaus entnehmen, dass L.________ am linken Rippenbogen 
Verletzungen aufweist, welche mit einer Messerklinge verursacht worden sein könnten 
(Vi act. 1/5/6). Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Zusammenhang beim Institut für 
Rechtsmedizin in Zürich ein Gutachten über die festgestellten Verletzungen bzw. den Messe-
reinsatz in Auftrag gegeben (Vi act. 3/2), welches in absehbarer Zeit vorliegen soll. Ebenso 
ist gemäss Staatsanwaltschaft Gegenstand der laufenden Ermittlungen, unter welchen Um-
ständen die Klinge des Messers abgebrochen ist. Nach dem Gesagten bestehen beim ge-
genwärtigen Stand der Untersuchung konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerde-
führer am 27. Juli 2023 die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil von 
L.________ begangen hat. 

4. Es bleibt nachfolgend zu prüfen, ob auch die besonderen Haftgründe der Flucht- und Wie-
derholungsgefahr im Sinne von Art. 221 Abs. 1 lit. a und c StPO zu bejahen sind, was der 
Beschwerdeführer in Abrede stellt. 

4.1 Beim Haftgrund der Fluchtgefahr gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO geht es um die Siche-
rung der Anwesenheit der beschuldigten Person im Verfahren. Nach der Rechtsprechung 
des Bundesgerichts braucht es für die Annahme von Fluchtgefahr eine gewisse Wahrschein-
lichkeit, dass sich die beschuldigte Person, wenn sie in Freiheit wäre, dem Vollzug der Strafe 
durch Flucht entziehen würde. Im Vordergrund steht dabei eine mögliche Flucht ins Ausland, 
denkbar ist jedoch auch ein Untertauchen im Inland. Bei der Bewertung, ob Fluchtgefahr be-
steht, sind die gesamten konkreten Verhältnisse zu berücksichtigen. Es müssen Gründe be-
stehen, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. 
Die Schwere der drohenden Strafe darf als ein Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden, 
genügt jedoch für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Miteinzubeziehen sind ins-
besondere die familiären und sozialen Bindungen, die berufliche und finanzielle Situation und 
die Kontakte zum Ausland (BGE 143 IV 160 E. 4.3 m.H.). 

Der Beschwerdeführer ist U.________ Staatsangehöriger und hält sich seit Jahren illegal in 
der Schweiz auf. Er ist mit 14 Vorstrafen im Schweizerischen Strafregister verzeichnet 
(Vi act. 13/3). Angesichts dieses langen Vorstrafenregisters hat er im Falle einer Verurteilung 
mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen. Ausserdem liegt gegen den Beschwerde-
führer ein rechtskräftiger Landesverweis vor. Er bezieht in der Schweiz Nothilfe und verfügt 
über keine nennenswerten finanziellen Mittel. Es kann daher in Übereinstimmung mit den 
Ausführungen des Zwangsmassnahmengerichts nicht ausgeschlossen werden, dass der Be-
schwerdeführer angesichts der ihm drohenden Freiheitsstrafe geneigt sein könnte, in ein an-
deres Land zu flüchten oder unterzutauchen. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass sei-
ne erwachsene Tochter und seine Ex-Frau in der Schweiz leben. Der Umstand, dass der Be-

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schwerdeführer zu den beiden Personen keinen Kontakt hat, lässt stark daran zweifeln, ob 
ihn der Aufenthalt seiner Tochter von einer Flucht oder einem Untertauchen abhalten würde. 
Der Beschwerdeführer macht denn auch nicht geltend, über weitere gefestigte soziale Kon-
takte in der Schweiz zu verfügen. Angesichts der vorerwähnten Umstände besteht daher die 
ausgeprägte Möglichkeit, dass sich der Beschwerdeführer dem Verfahren und der möglichen 
Bestrafung durch Flucht entziehen könnte. 

4.2 Nach Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO sind drei Elemente für das Vorliegen von Wiederholungsge-
fahr konstitutiv. Erstens muss grundsätzlich das Vortatenerfordernis erfüllt sein und es müs-
sen schwere Vergehen oder Verbrechen drohen. Zweitens muss hierdurch die Sicherheit an-
derer erheblich gefährdet sein. Drittens muss die Tatwiederholung ernsthaft zu befürchten 
sein, was anhand einer Rückfallprognose zu beurteilen ist (BGE 146 IV 136 E. 2.2; 143 IV 9 
E. 2.5).

Der Beschwerdeführer ist mehrfach vorbestraft, so u.a. auch wegen Körperverletzungsdelik-
ten und Gewalt oder Drohung gegen Behörden und Beamte. Es handelt sich entgegen der 
Darstellung des Beschwerdeführers nicht lediglich um Übertretungen oder weniger schwere 
Delikte aus dem Bereich der Beschaffungskriminalität für die Drogensucht oder aus dem Be-
reich des Ausländerrechts. Das Vortatenerfordernis ist damit erfüllt. Sodann besteht die Ge-
fahr von weiteren Handlungen gegen die körperliche Integrität, somit auf schwere, sicher-
heitsrelevante Delikte. Die Voraussetzung einer erheblichen Gefährdung der Sicherheit an-
derer ist damit ebenfalls gegeben. Der Beschwerdeführer wurde am 19. Juni 2023 aus dem 
Strafvollzug entlassen. Es besteht der dringende Verdacht, dass er nur wenige Woche später 
die vorerwähnten Delikte begangen hat. Aufgrund dessen und des langen Vorstrafenregis-
ters (Vi act. 13/3) hat das Zwangsmassnahmengericht dem Beschwerdeführer zu Recht eine 
schlechte Legalprognose gestellt und die Wiederholungsgefahr bejaht.

5. Das Zwangsmassnahmengericht hat die auf vorläufig drei Monate angeordnete Haft ange-
sichts der Schwere des Tatvorwurfes und der vom Beschwerdeführer im Falle einer Verurtei-
lung zu erwartenden Sanktion zu Recht in zeitlicher Hinsicht als verhältnismässig bezeichnet. 
Das Zwangsmassnahmengericht hat zudem die Möglichkeit der Anordnung von Ersatzmass-
nahmen geprüft und zu Recht verworfen. Der Beschwerdeführer macht dazu in der Be-
schwerdeschrift keine Ausführungen. Es kann daher insoweit auf die zutreffenden Aus-
führungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden.

6. Nach dem Gesagten hat das Zwangsmassnahmengericht den Antrag der Staatsanwaltschaft 
auf Anordnung von Untersuchungshaft wegen dringenden Tatverdachts und Flucht- sowie 
Wiederholungsgefahr zu Recht gutgeheissen. Die Beschwerde erweist sich somit als unbe-
gründet und ist abzuweisen.

7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten zu tragen 
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Der amtliche Verteidiger ist für das Beschwerdeverfahren unabhän-
gig von den Erfolgsaussichten der Beschwerde angemessen aus der Gerichtskasse zu ent-
schädigen, nachdem es sich um eine notwendige Verteidigung handelt (Urteil des Oberge-
richts Zug vom 20. Juli 2017, in: CAN 2017 S. 246 ff. = GVP 2017 S. 182 ff.). Der Beschwer-
deführer hat dem Staat diese Kosten zu ersetzen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-
nisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).

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Beschluss

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten dieses Verfahrens betragen

CHF 800.00 Gebühren
CHF 25.00 Auslagen
CHF 825.00 Total

und werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt B.________, wird für das Beschwerdeverfahren mit 
CHF 2'000.00 (inkl. MWST) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

Der Beschwerdeführer hat dem Staat die Kosten der amtlichen Verteidigung von 
CHF 2'000.00 zu vergüten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

4. Gegen Ziff. 3 Abs. 1 dieses Entscheides ist die Beschwerde gemäss Art. 135 Abs. 3 lit. b in 
Verbindung mit Art. 393 ff. StPO zulässig. Die Beschwerde ist innert 10 Tagen seit Zustellung 
des Entscheids schriftlich und begründet sowie unter Beilage des Entscheids beim Bundes-
strafgericht, Postfach 2720, 6501 Bellinzona, einzureichen.

5. Gegen die übrigen Ziffern dieses Entscheides ist die Beschwerde in Strafsachen gemäss 
Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwerdegründe richten sich 
nach Art. 95 ff. BGG. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheids 
schriftlich, begründet und mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage des Entscheides und 
der Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 
14, einzureichen.

6. Mitteilung an:
- Parteien (an die Staatsanwaltschaft unter Rückgabe der eingereichten Akten)
- Rechtsanwalt B.________ (amtlicher Verteidiger)
- Zwangsmassnahmengericht des Kantons Zug (SZ 2023 75; unter Rückgabe der einge-

reichten Akten)
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
I. Beschwerdeabteilung

St. Scherer C. Schwegler
Abteilungspräsident Gerichtsschreiber

versandt am: