# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 40f6549b-5149-557e-9e36-b1492df9ca0f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-19
**Language:** de
**Title:** überzeugendes Gutachten; in der Invalidenversicherung wird nicht nach Art und Genese des Gesundheitsschadens gefragt, der die Erwerbsunfähigkeit verursacht.
**Docket/Reference:** IV.2012.00971
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00971.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00971
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Locher
Urteil
vom
19. August 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt David Husmann
schadenanwaelte.ch AG
Alderstrasse
40, Postfach, 8034 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Vorsorgestiftung VSAO
Kollerweg 32, Postfach 389, 3000 Bern 6
Beigeladene
vertreten durch Fürsprecher Daniel Hoffet
Uhlmann Herrmann Hoffet
Jaggi
Straub
Bahnhofstrasse 54, 2501 Biel/Bienne
Sachverhalt:
1.
Die
1972 geborene
X.___
meldete sich am
2.
März
2010 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
(Wiedereingliederungsmassnahmen und Rente)
an (
Urk.
8/
3-
4).
Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse zog die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuellen Konto bei
(
Urk.
8/10) und holte einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
8/12) sowie Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
8/2, 8/11, 8/13
-
14, 8/16-17 und 8/22)
. Zusätzlich liess sie die Versicherte von den Ärzten der
Medas
Y.___
begutachten (Expertise vom 5. Januar 2012 [
Urk.
8/1]). Mit Vorbescheid vom 1
3.
April 2012 stellte die Verwaltung die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk.
8/36). Daran hielt sie – auf Einwand von
X.___
hin
(
Urk.
8/41 und
Urk.
8/45) – mit Verfügung vom 1
6.
Juli 2012 fest (
Urk.
8/49 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
4.
September 2012 Beschwerde und beantragte im Wesentlichen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten. In pro
zessualer Hinsicht ersuchte sie um Durchführung
einer öffentlichen
Hauptv
er
handlung (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerde
führerin am 2
3.
Oktober 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Am 1
4.
Oktober 2013 legte die Versicherte ein Gutachten von PD
Dr.
med.
Z.___
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
9.
Juni 201
3
auf (
Urk.
10-11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf eine Stel
lungnahme (
Urk.
14).
Am
1
5.
April 2014 wurde ein
e Instruktionsverhandlung
die Beschwerdeführerin hatte sich mit dieser anstelle einer mündlichen Haupt
verhandlung einverstanden erklärt (
Urk.
16)
-
durchgeführt, zu welcher die Ver
sicherte in Begleitung von Rechtsanwalt David Husmann erschien (
Urk.
24 und Seite 3 ff. des Protokolls). Die Beschwerdegegnerin hatte am
9.
April 2014 den
Verzicht auf eine Teilnahme an der Instruktionsverhandlung erklärt (
Urk.
22), nachdem ihr das persönliche Erscheinen freigestellt worden war (vgl.
Urk.
20). Mit Gerichtsverfügung vom 2
5.
April 2014 wurde die Vorsorgestiftung VSAO zum Prozess beigeladen (Urk. 25). Diese reichte am
1.
Juli 2014 eine Stellungnahme ein (
Urk.
33).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U.
Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutac
hten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.5
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis).
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist eine Rente bei Wegfall der Invalidität im Normalfall erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der anspruchserheblichen Veränderung aufzuheben (BGE 119 V 98 E. 4a, Urteil des Bundesgerichts I 569/06 vom 20. November 2006 E. 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsablehnung damit, aus medi
zini
scher Sicht
sei der Beschwerdeführerin die Ausübung der bisherigen Tätig
keit als Anästhesistin uneingeschränkt zumutbar.
So würden d
ie
therapier
bare
Müdig
keit und die nicht objektivierbare Veränderung der kognitiven Leis
tungsfähigkeit nicht in den Leistungskatalog der Invalidenversicherung fallen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei
zudem
die
gutachterliche
Beurteilung einer 40%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schwer nachvollziehbar. Denn die Ausübung einer Anästhesietätigkeit ohne die ständige Bereitschaft
und Fähigkeit, auch hektische
Notfall
s
ituationen zu meistern, sei unvorstellbar.
Ein invalidenversicherungsrechtlicher Gesundheitsschaden sei daher nicht aus
gewiesen, weshalb kein Anspruch auf eine Rente bestehe (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
sie habe anlässlich der Gabe von
Venofer
i.V. am 1
7.
September 2008 eine allergische oder toxische Reaktion erlitten. Sie leide seit
her
an geteilter Aufmerksamkeit und schneller Erschöpfung. Sie habe deshalb ihr vollzeitliches Pensum auf 50
%
respektive seit
6.
Januar 2012 auf 60
%
reduzieren müssen
. Sie könne an ihrem jetzigen Arbeitsort
jeweils einen Tag arbeiten und am darauffolgenden Tag ausruhen
, was aufgrund ihrer Einschränkung betreffend ihre mentale Belastbar
keit ideal sei
(
Urk.
1 S. 3 f.). Sie habe zudem ihre Arbeitstage so eingeteilt, dass sie die
Anästhesierung
und Betreuung von Patienten im Operationssaal am Morgen durchführe, wenn ihre kognitiven Fähigkeiten noch nicht eingeschränkt seien. Am Nachmittag erledige sie sodann Büroarbeiten, erhebe die Anamnese und
prämediziere
die Patienten
(
Urk.
1 S.
7
)
.
Eine
stressfreiere
ärztliche
Fachrichtung
könn
t
e sie
– wie von der
Beschwerde
geg
nerin
empfohlen –
nur einschlagen, wenn sie sich erneut fach
ärztlich weiter
bilde. Eine entsprechende Ausbildung sei jedoch
mit einer erhöhten Belastung verbunden
und die Assistenzzeit sei durch hohe Präsenz- und Arbeitszeiten gekennzeichnet.
Gleiches gelte für eine vollzeitliche Tätigkeit als Assistenzärztin
.
Der Wechsel in eine andere Funktionsstufe (Assistenzärztin) oder in eine andere Fachrichtung (Pathologie oder Versicherungsmedizin) sei daher
weder sinnvoll noch zumutbar. A
us gutachterlicher Sicht sei ihr ausser
dem die Ausübung einer 1
00%igen Tätigkeit nicht möglich
und si
e müsste eine beträchtliche
Lohneinbusse in Kauf nehmen
(
Urk.
1 S. 8 ff.
).
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
sei davon auszugehen, dass si
e bei voller Leistungsfähigkeit ei
n
überproportional
grösseres
Einkommen als das aktuell erzielte
verdienen
könnte. Ihr in einem 60
%
-Pensum
ausbezahlter
Lohn
sei daher nicht auf ein 100%iges Pensum, sondern ein 120%iges Pensum hoch
zurechnen
(Urk. 1 S. 17)
.
2.3
Von der Beigeladenen wird vorgebracht, sie erachte die Beurteilung des Regio
na
len Ärztlichen Dienstes (RAD) als nachvollziehbar, weshalb die Vor
aus
setzungen für die Ausrichtung einer Rente der Invalidenversicherung nicht gegeben seien. In Bezug auf die Festlegung des
Valideneinkommens
stelle die Beschwerdeführerin auf Spekulationen ab. Bei der Bestimmung d
es
Invali
deneinkommens
sei
zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin Anfang 2013 die
A.___
gegründet habe und daher
anzunehmen sei, dass sie
ein höheres Arbeitspensum erfüllen und daraus ein zusätzliches Einkommen gene
rieren könne (
Urk.
33)
.
3
.
Gestützt auf die Ergebnisse der
im Oktober 2011 in der
Medas
Y.___
durchgeführten
internistischen, rheumatologischen, neuropsychologischen und psychiatrischen Untersuchungen
(Expertise vom
5.
Januar 2012
[
Urk.
8/1])
diagno
st
izierten die Gutachter mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
eine leichte kognitive Störung (ICD-10 F06.7) nach anaphylaktischem Schock nach Eiseninfusion mit Herzstillstand und Reanimation am 1
7.
September 2008 (S.
19). Den folgenden Diagnosen massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit bei
(S. 19 f.):
-
Undifferenzierte
Konnektivitis
(Erstdiagnose September 2008)
-
aktuell:
initial
Monoarthritis PIPG II rechts, Raynaud-Symptomatik, Adynamie und Labor-immunologisch erhöhte
antinukleäre
Antikörper
-
Subakute
lymphozytäre
Thyreoiditis (autoimmun-Thyreoiditis)
-
initial
passagere Hyperthyreose
-
erhöhte
Thyreoglobulin
-Antikörper
-
Laktose-Intoleranz (anamnestisch)
Die internistische Untersuchung habe – so
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin – das Bild einer 39-jährigen, zugewandten und freundli
chen, aber situativ verletzlichen Versicherten ergeben.
Die physikalische Untersuchung von Thorax und Lungen sei unauffällig gewesen. Gleiches gelte
mit Ausnahme eines diskreten Flachrückens
-
auch für den Bewegungsapparat (S. 15).
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt FMH für Rheumatologie, berichtete in seinem rheumatologischen Fachgutachten,
angesichts der aktuellen
Beschwerdesymp
tomatik
, der klinischen Befunde und der Laborbefunde würde keine Aktivität hinsichtlich der undifferenzierten
Konnektivitis
und auch kein Anhalt für einen Organbefall bestehen. Die Beschwerdeführerin befinde sich unter Behandlung
mit dem
Antimalarikum
Plaquenil
in Remission. Aus rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (S. 29).
Dem neurops
ychologischen Teilgutachten der
lic
. phil.
D.___
und
E.___
,
Fach
psy
chologinnen
für Neuropsychologie FSP, kann entnommen werden,
dass die kognitiven Funktionen der Beschwerdeführerin nicht per se beeinträchtigt sind. Auch die Aufmerksamkeitskapazität sei grundsätzlich durchschnittlich. Die kognitiven Leistungen, insbesondere die Aufmerksamkeitsleistungen, würden
gemäss den Angaben der Versicherten
im Verlauf des Tages mit Zunahme der Müdigkeit abnehmen. Zusammenfassend seien alters- und
ausbildungsadä
quate
kognitive Leistungen bei im Vordergrund stehender
anamnestisch erfass
ter
reduzierter mentaler Belastbarkeit beobachtbar.
Aus neuropsychologischer Sicht sei die Ausübung der bisherigen Tätigkeit zumutbar. Aufgrund der durch
geführten Untersuchung könne aber keine differenzierte Aussage über die Belastbarkeit im Verlaufe eines längeren Zeitrahmens gemacht werden (S. 36 f.).
Dr.
med.
F.___
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem psychiatrischen Fachgutachten aus, es sei von einer fast voll
ständig remittierten, rezidivierenden Depression auszugehen
(S. 42)
.
Am 17. Sep
tember 2008 sei es nach einer Eiseninfusion
zu einem anaphylaktische
n
Schock mit Herzstillstand und Reanimation gekommen. Die Beschwerdeführerin habe dabei eine Nahtod-Erfahrung gemacht. Als ausgebildete Anästhesistin seien für sie die Wahrnehmung der nicht optimalen Vorgehensweise und der ungenügenden Vorbereitung bei bekanntem Risiko sowie insbesondere die Rückkehr in den Körper belastend gewesen. Es könne daher eine inzwischen abgeklungene posttraumatische Belastungsstörung vermutet werden. Nach diesem Ereignis seien anfänglich deutliche kognitive Defizite aufgefallen. Die Versicherte habe ihr Fachwissen nicht mehr abrufen und
zunächst
nur stun
denweise und unter Aufsicht arbeiten können. Sie habe realisieren müssen, dass sie mit einem Pensum von 80
%
überfordert sei und habe daher auf 50
%
redu
ziert. Da sich subjektiv ihre Belastbarkeit nicht wesentlich verbessert habe, habe sie sich für ein
e Stelle ohne leitende Funktion und
Notfalldienst
sowie mit nur wenigen und meist ruhig verlaufenden Nachtdiensten entschieden. Sie habe sich ihre selbständige Erwerbstätigkeit so eingerichtet, dass sie diese subjektiv bewältigen könne und die zusätzlich notwendige Erholungszeit bekomme. Zusammenfassend hielt der Gutachter fest, die vo
m behandelnden Psychiater
Dr.
med.
G.___
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, gestellte Diagnose einer leichten kognitiven Störung sei nachvollziehbar und genügend belegt. Aufgrund der neuen neuropsychologischen Befunde seien die diagnos
tischen Kriterien noch knapp erfüllt. Für sehr anspruchsvolle Tätigkeiten könn
ten sie aber dennoch zu Einschränkungen führen
(S. 44)
.
Die kognitive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei – so Dr.
F.___
weiter – zwar überdurchschnittlich,
für die Arbeit als Anästhesistin könne
diese aber, insbesondere wenn d
ie
Versicherte
müde sei, zu wenig sein. Denn
ihr Beruf
sei ein Hochrisikoberuf. Es würden sehr hohe Anfor
derungen an die Zuverlässigkeit, Eigenverantwortung und Risikokontrolle gestellt. Wer einen vermeidbaren Fehler mache, riskiere nebst einem
Haft
pflichtprozess
den Tod oder die irreversible Schädigung eines anvertrauten Pati
enten. Bei objektiv hohen Risiken bestehe eine sehr geringe Fehlertoleranz. Aus psychiatrischer Sicht könne – insbesondere aufgrund der zusätzlich notwendi
gen Erholungszeit – von einer Arbeitsfähigkeit von 60
%
für die bisherige Tätigkeit ausgegangen werden. In einer Verweistätigkeit – wie zum Beispiel die Arbeit in der Pathologie oder der Versicherungsmedizin –
sei die Beschwerde
führerin zu 80
%
arbeitsfähig (S. 45 f.).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führten die beteiligten Spezialärzte zusammen
fas
send aus, aus interdisziplinärer Sicht b
etrage
in der bisherigen Tätigkeit – die ideale Rahmenbedingungen biete – eine 60%ige Arbeitsfähigkeit. Die Ausübung einer leidensangepassten Arbeit sei zu 80
%
zumutbar. Es bestehe aber die Aussicht, dass sich die mentale Belastbarkeit und damit die Arbeitsfähigkeit in absehbarer Zeit weiter verbessern
könnte
, weshalb ein Wechsel des Berufsfeldes nicht angezeigt sei (S. 20).
4
.
4.1
Das
Medas
-Gutachten vom
5.
Januar 2012 (
Urk.
8/1) äussert sich umfassend zu den vorhandenen Gesundheitsstörungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Es basiert auf internistischen, rheumatologischen, neuropsy
chologischen und psychiatrischen Untersuchungen, berücksichtig
t
die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und erging in Kenntnis der medizi
nischen
Vorakten
. Die Gutachter begründeten ihre Beurteilung des psychischen und physischen Gesundheitszustands beziehungsweise der Auswirkungen der festgestellten Defizite auf die Leistungsfähigkeit ausführlich und nachvollzieh
bar. So legten sie einleuchtend dar,
dass
die Beschwerdeführerin in einem geistig überaus anspruchsvollen und eine geringe Fehlertoleranz aufweisenden Berufsumfeld
arbeitet
, in dem
– im Gegensatz zu anderen Tätigkeiten –
bereits eine leichte kognitive Störung mit damit einhergehender vermehrter Müdigkeit
erhebliche
Auswirkungen haben kann
. Diese Einschätzung
lässt sich
im
W
esentlichen
mit der von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich
ausge
stellten Berufsausübungsbewilligung vom
6.
Januar 2012 vereinbaren
(
Urk.
8/46 S. 4
, Beschränkung auf höchstens 40 Stunden pro Woche entspre
chend einem
Pensum von 66
2/3
%
, vgl.
Urk.
8/46/2-3
) und steht im Einklang mit dem von der Beschwerdeführerin tatsächlich ausgeübten Arbeitspensum (
Urk.
24).
Gestützt auf die demnach beweiskräftige (vgl. E. 1.4
hievor
)
Medas
-Expertise
ist daher von einer um 40
%
reduzierten Arbeitsfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit auszugehen.
4.2
Die
RAD
-Ärzte
Dres
. med.
H.___
,
Fachärztin FMH für Allgemeine Medizin und Arbeitsmedizin, und
I.___
,
Facharzt FMH für Anästhesiologie,
führten in ihrer aufgrund der Akten verfassten Stellungnahme
vo
m 27.
Januar 2012 (Urk.
8/34 S.
5 ff.)
aus, die therapierbare Müdigkeit und die nicht objektivier
bare Veränderung der kognitiven Leistungsfähigkeit seit September 2008 wür
den nicht in den Leistungskatalog der Invalidenversicherung fallen (S. 8). Dieser Beurteilung kann nicht gefolgt werden.
Denn die
Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, das heisst, es wird nicht nach der Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsunfähigkeit verursacht
(Aus
nahme: das Leistungssystem für Geburtsgebrechen nach
Art.
13 IVG und der Verordnung über Geburtsgebrechen).
Der Gesundheitszustand ist folglich immer
gesamtheitlich
zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts
8C_830/2013 vom 2
9.
April 2014 E. 5.2.3 und Meyer, Rechtsprechung des Bundesgericht
s zum IVG, Zürich 2010, S. 27) und es gibt keine zusammenfassende Darstellung von Ausschlussdiagnosen, die von vornherein keinen Ans
pruch auf
IV-
Leistungen begründen. Die
RAD-Ärzte verkennen zudem, dass die
von der Beschwerde
führerin beklagte Müdigkeitsproblematik
nicht auf einem – grundsätzlich über
windbaren –
Chronic
Fatigue
Syndrome (chronisches Müdigkeitssyndrom) basiert, sondern
auf einem ausgewiesenen anaphylaktische
n
Schock mit Nahtoderfahrun
g.
Die Beschwerdeführerin legte diesbezüglich schlüssig
dar, dass sie am Morgen voll l
eistungsfähig sei und dann die geistig
fordernde
Arbeit im Operationssaal ausübe
. Nachmittags
– wenn ihre kognitiven Fähig
keiten etwas ein
ge
schränkt seien –
erledige sie administrative Tätigkeiten und führe Gespräche mit Patienten (
Urk.
1 S. 7 und
Urk.
24).
Die Versicherte hat denn auch – e
ntgegen den entsprechenden Ausführungen der
Dres
.
H.___
und
I.___
(Urk. 8/34 S.
8)
–
ihre Arbeitswoche so organisiert,
dass
sie sich
n
ach ihren Arbeitstagen
jeweils einen Tag ausruhen kann (
Urk.
1 S.
7, 8/1 S. 11 und
Urk.
2
4).
Inwiefern
ihre
wenig belastungsintensiven
sportlichen Aktivitäten
an ihren freien Tagen
– die Beschwerdeführerin
betreibt Nordic Walking und Yoga
, schwimmt
und spielt Golf (
Urk.
8/1 S. 11
und S. 1
4
) –
Rückschlüsse auf ihr funktionelles Leistungsvermögen
zulassen,
ist
nicht
ersichtlich.
So dien
t die sportliche Betätigung der
Bewegung und
Entspannung
d
er Beschwerdeführerin und hat
nicht
die Erzielung von sportlichen Höchstleistungen
zum Zweck
.
Die
Einschätzung
der RAD-Ärzte stellt damit die Beweiskraft des Gutachtens nicht in Frage.
4.3
G
estützt auf die Beurteilung der Gutachter der
Medas
Y.___
ist damit ab 2
6.
Oktober 2011 von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit auszugehen.
Vom
1.
September 2010
(vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG,
Ren
tenanmeldung
am
2.
März 2010 [
Urk.
8/3]) bis am 2
5.
Oktober 2011 besteht
so
auch die be
gutachtenden
Ärzte – eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
8/1
S. 21).
5.
5.1
Angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
in ihrer bisherigen Tätig
keit im ihr zumutbaren
Arbeits
pensum von
50
%
beziehungsweise
60
%
ein höheres Einkommen als
in einer
leidensangepassten Tätigkeit
mit einem 80%igen Pensum
erzielt,
kann für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf den
Lohn
als selbständig erwerbende Anästhesistin abgestellt werden.
Dies gilt selbst dann, wenn auf die RAD-Beurteilung einer uneingeschränkten Arbeitsfä
higkeit abgestellt werden würde.
Im Übrigen
erscheint der von der
Beschwerde
gegnerin
empfohlene Wechsel der
ärztlichen
Fachrichtung beziehungsweise der Funktionsstufe als inadäquat
, zumal die Gutachter wie auch die Beschwerde
führerin eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation und damit auch der Arbeitsfähigkeit zukünftig für möglich halten (
Urk.
1 S. 11
und S. 13 sowie
Urk.
8/1 S. 20 und S. 46).
5.2
Was das Vorbringen der Beigeladenen betrifft, bei der Bestimmung des
Invali
den
einkommens
sei die von der Beschwerdeführerin Anfang 2013 erfolgte Gründung der
A.___
zu
berücksichtigen (
Urk.
33 S. 4), ist zu bemerken, dass massgeblicher Zeitpunkt
für die Bestimmung der Vergleichseinkommen der (potentielle) Beginn des Rentenanspruchs ist, wobei allfällige rentenwirksame Änderungen der Einkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (Meyer, a.a.O., S. 297 mit Verweis auf BGE 129 V 222 E. 4.1
f. und BGE 128 V 174). Da die angefochtene Verfügung vom Juli 2012 (
Urk.
2) stammt, kann vor
liegend auf eine genauere Prüfung des diesbezüglichen Sachverhalts verzichtet werden (vgl.
hiezu
aber E. 5.4)
.
5.3
Der Beschwerdeführerin kann nicht gefolgt werden, wenn sie bei der Festse
t
zung des
Valideneinkommens
eine Hochrechnung ihres erzielten Einkommens auf mehr als ein 100
%
-Pensum fordert (
Urk.
1 S. 17).
Hierfür macht
sie in der Beschwerdeschrift keine
konkreten Anhaltspunkte geltend
. In Übereinstimmung damit g
ing
sie
sodann
im Rahmen
der Instruktionsverhandlung von einem
Valideneinkommen
basierend auf einem Pensum von 100
%
aus (
Urk.
24 S. 2).
Anderes ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
5.
4
Z
ur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Lohn zu berechnen,
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
.
Vom
1.
September 2010 bis am
3
1.
Januar 2012 (vgl. E. 1.5)
besteht daher bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
Anspr
uch auf eine halbe Rente. Ab
Oktober 2011 (Zeitpunkt der psychiatrischen Untersuchung,
Urk.
8/1/21
Ziff.
5.4)
redu
ziert sich die Arbeits
un
fähigkeit auf 40
%
und der Rentenanspruch besteht
(plus drei Monate)
ab
1.
Februar 2012
noch aus einer
Viertelsrente
.
Zu ergänzen bleibt, dass sich aufgrund der
zwischenzeitlich erfolgten
Gründung der
A.___
und der möglicherweise eingetretenen gesundheitlichen Ver
besserung (
Urk.
1 S. 11
und S. 13
,
Urk.
8/1 S. 20
und
Urk.
33 S. 4
)
eine
baldige Revision aufdrängt
.
5.5
Die angefochtene Verfügung, mit welcher ein Rentenanspruch der Beschwerde
führerin verneint wurde, ist in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und es ist festzustellen, dass
die Beschwerdeführerin
vom 1.
September 2010 bis am 31. Januar 2012 Anspruch auf eine halbe Rente und ab
1.
Februar 2012 auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung
hat.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 900.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung (Art. 61
lit
. g ATSG). Die Entschädigung wird unab
hängig vom Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwie
rigkeit des Prozesses bemessen (§ 34 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
3‘6
00.--
(inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der
Beschwerde
wird
die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
6.
Juli 2012 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass
die Beschwerdeführerin vom
1.
September 2010 bis am 3
1.
Januar 2012 Anspruch auf eine halbe Rente und ab
1.
Februar 2012 auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversi
cherung hat
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schä
digung
von
Fr.
3'600
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt David Husmann
unter Beilage des Doppels von
Urk.
33
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage des Doppels von
Urk.
33
-
Fürsprecher Daniel Hoffet
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLocher