# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d302a613-51c6-5492-a65b-849abc4a7fb6
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.07.2023 SK 2022 389
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-389_2023-07-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 389

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. Juli 2023 

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), Obergerichtssuppleantin 
Pfänder Baumann, Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiberin Schürch

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigte/Anschlussberufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

und

C.________
a.v.d. Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilkläger 1/Anschlussberufungsführer 2

und

E.________
v.d. Rechtsanwältin F.________

Straf- und Zivilklägerin 2/Anschlussberufungsführerin 3

und

2

G.________
v.d. Rechtsanwältin F.________,

Straf- und Zivilkläger 3/Anschlussberufungsführer 4

und

H.________
v.d. Rechtsanwältin F.________

Straf- und Zivilklägerin 4/Anschlussberufungsführerin 5

Gegenstand qualifizierte Freiheitsberaubung und Entführung und Entziehung von 
Minderjährigen

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-See-
land (Kollegialgericht) vom 6. April 2022 (PEN 2021 166)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 6. April 2022 erkannte das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Drei-
ergericht; nachfolgend Vorinstanz) was folgt (pag. 721 ff.; Hervorhebungen im Origi-
nal):

Das Gericht erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Entführung, qualifiziert begangen vom 09.09.2018 bis zum 28.02.2020 in I.________ (Orts-
chaft), Frankreich und Tunesien zum Nachteil von E.________, G.________, H.________;

2. der Entziehung von Minderjährigen, begangen vom 09.09.2018 bis zum 28.02.2020 in 
I.________(Ortschaft), Frankreich und Tunesien zum Nachteil von C.________.

und in Anwendung der Art. 34, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 51, 183 Ziff. 2, 184, 220 StGB, 

Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

Die Ersatzmassnahmen von 657 Tagen (19.06.2020-06.04.2022) werden im Umfang von 66 Tagen 
(gerundet 10 %) auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 2'400.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 21'150.00 und Ausla-
gen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Rechtspflege) von 
CHF 20'362.15, insgesamt bestimmt auf CHF 41'512.15 (ohne Kosten für die amtliche Verteidi-
gung und die unentgeltliche Rechtspflege auf CHF 21'150.00).

4

Kosten der Untersuchung CHF 10’150.00
Auftritt Staatsanwaltschaft CHF 1’000.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 10’000.00
Total CHF 21’150.00

Entschädigung für Zeugen CHF 0.00
Kosten für die amtliche Verteidigung (vgl. Tabelle) CHF 11’724.60
Kosten der uR der Privatklägerschaft (vgl. Tabelle) CHF 8’637.55
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 0.00
Total CHF 20’362.15

Total Verfahrenskosten CHF 41’512.15

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1000.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 40’512.15 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung CHF 20'150.00).

II.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Rechtsanwalt B.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 52.59 200.00 CHF 10’518.00

CHF 368.35
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 10’886.35 CHF 838.25

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 11’724.60

volles Honorar 52.59 270.00 CHF 14’199.30
CHF 368.35

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 14’567.65 CHF 1’121.70
CHF 0.00

Total CHF 15’689.35

nachforderbarer Betrag CHF 3’964.75

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 11'724.60.

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 3'964.75 zwischen der amtlichen Entschädigung 
und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 
135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Rechtsanwalt D.________ werden wie folgt bestimmt:

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Stunden Satz
amtliche Entschädigung 38.75 200.00 CHF 7’750.00

CHF 270.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 8’020.00 CHF 617.55

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 8’637.55

volles Honorar 38.75 280.00 CHF 10’850.00
CHF 270.00

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 11’120.00 CHF 856.25
CHF 0.00

Total CHF 11’976.25

nachforderbarer Betrag CHF 3’338.70

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von C.________ mit CHF 8'637.55. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die unent-
geltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn sie sich in günstigen wirtschaftlichen 
Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO).

A.________ wird verpflichtet, C.________ zuhanden von Rechtsanwalt D.________ als Differenz 
zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen Hono-
rar CHF 3'338.70 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwalt D.________ hat in diesem 
Umfang gegenüber seiner Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

III.

A.________ wird in Anwendung von Art. 49 OR sowie Art. 126 StPO weiter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 2'000.00 Genugtuung an den Straf- und Zivilkläger C.________. 
Soweit weitergehend, wird die Zivilklage abgewiesen.

2. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

IV.

Weiter wird verfügt:

1. Die Ersatzmassnahmen gemäss Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 
13.12.2021 (ARR 21 477) werden per sofort aufgehoben (Art. 237 i.V.m. Art. 231 StPO) und 
der Reisepass Nr. .________ wird der Beschuldigten ausgehändigt.

2. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der 
erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN-Nr. .________) nach Ablauf 
der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die 
Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

3. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen das erwähnte Urteil meldete die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Re-
gion Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) am 19. April 2022 form- 

6

und fristgerecht die Berufung an (pag. 738). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert 
vom 22. Juni 2022 (pag. 746 ff.) und wurde am gleichen Tag mit Verfügung an die 
Parteien versendet (pag. 783 f.).

Mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 7. Juli 2022 beschränkte die 
Generalstaatsanwaltschaft ihre Berufung auf die Strafzumessung (pag. 792 f.). Mit 
Verfügung vom 8. Juli 2022 wurde von der Berufungserklärung der Generalstaats-
anwaltschaft Kenntnis genommen und gegeben und den anderen Parteien Gelegen-
heit eingeräumt, innert Frist Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein 
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (pag. 794 f.). Mit Eingabe vom 15. Juli 
2022 reichte Rechtsanwalt D.________ namens und im Auftrag von C.________ 
(nachfolgend: Straf- und Zivilkläger 1) Anschlussberufung ein und beschränkte diese 
auf Ziffer III. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (Höhe der Genugtuung; 
pag. 800 f.). Am 19. Juli 2022 reichte Rechtsanwalt B.________ namens von 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigte) Anschlussberufung ein und focht damit den 
Schuldspruch gemäss Ziffer I. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (Entführung, 
qualifiziert), die Strafzumessung, den Zivilpunkt und die Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen an (pag. 803 ff.). Mit Eingabe vom 20. Juli 2022 erklärte Rechtsanwältin 
F.________ namens und im Auftrag von E.________ (nachfolgend: Straf- und Zivil-
klägerin 2 oder E.________), G.________ (nachfolgend: Straf- und Zivilkläger 3 oder 
G.________) und H.________ (nachfolgend: Straf- und Zivilklägerin 4 oder 
H.________) Anschlussberufung und beschränkte diese auf den Schuldspruch 
gemäss Ziffer I. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (Entführung, qualifiziert; 
pag. 807). Mit Verfügung vom 21. Juli 2022 wurde von den Anschlussberufungen 
Kenntnis genommen und gegeben und den Parteien Gelegenheit eingeräumt, innert 
Frist schriftlich und begründet ein Nichteintreten auf die Anschlussberufungen zu be-
antragen (pag. 809 f.). Seitens der Parteien wurde kein Nichteintreten auf die An-
schlussberufungen beantragt (pag. 817 ff.).

Am 17. Oktober 2022 wurden die Parteien und eine Übersetzerin für die französische 
Sprache zur Hauptverhandlung im Berufungsverfahren vorgeladen. Gleichzeitig 
wurde die Zusammensetzung der Kammer bekannt gegeben und die Straf- und Zi-
vilkläger/innen 2-4 vom persönlichen Erscheinen an der oberinstanzlichen Hauptver-
handlung dispensiert (pag. 835 ff.). 

Die Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer fand am 4./ 5. Juli 2023 statt 
(pag. 883 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz ein aktueller Strafregisterauszug (datie-
rend vom 21. Juni 2023, pag. 865) sowie ein aktueller Leumundsbericht inkl. Bericht 
über die wirtschaftlichen Verhältnisse über die Beschuldigte (datierend vom 23. Juni 
2023, pag. 860 ff.) und ein Bericht von J.________ (ehemalige Beständin der Kinder) 
betreffend die Gestaltung und Wahrnehmung des Besuchsrechts des Straf- und Zi-
vilklägers 1 (datierend vom 1. November 2022, pag. 843) eingeholt. Weiter wurde 
der von Rechtsanwältin F.________ eingereichte E-Mail-Verkehr zwischen ihr und 
der Beschuldigten sowie K.________ (neue Beiständin der Kinder) vom Mai 2023 zu 
den Akten erkannt (pag. 851 ff.).

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Zudem wurden der Straf- und Zivilkläger 1 und die Beschuldigte an der oberinstanz-
lichen Berufungsverhandlung einvernommen (pag. 887 ff. und pag. 891 ff.).

4. Anträge der Parteien

4.1 Generalstaatsanwaltschaft

Die stv. Generalstaatsanwältin .________ stellte und begründete an der oberinstanz-
lichen Verhandlung folgende Anträge (Hervorhebungen im Original; pag. 906 f.):
I.
Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kolle-
gialgericht in Dreierbesetzung) vom 6. April 2022 in Rechtskraft erwachsen ist als

1. A.________ der Entziehung von Minderjährigen schuldig erklärt wurde, begangen vom 
09.09.2018 bis zum 28.02.2020 in I.________(Ortschaft), Frankreich und Tunesien zum Nach-
teil von C.________ (Ziff. I. 1. AKS);

2. verfügt wurde, dass die Ersatzmassnahmen gemäss Entscheid des Zwangsmassnahmenge-
richts vom 13.12.2021 per sofort aufgehoben werden und der Reisepass Nr. .________ der 
Beschuldigten ausgehändigt wird.

II.
A.________ sei schuldig zu erklären der Entführung, qualifiziert begangen vom 09.09.2018 bis zum 
28.02.2020 in I.________(Ortschaft), Frankreich und Tunesien zum Nachteil von E.________, 
G.________, H.________;
und sie sei in Anwendung von Art. 34, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 51, 183 Ziff. 2, 184, 220 StGB, Art. 426 
Abs. 1 StPO
zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Ersatz-
massnahmen von 4 Monaten (657 Tagen) im Umfang von 66 Tagen (gerundet 10%);

2. zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 4400.00, 
unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer Probezeit von 2 Jahren;

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer Gebühr 
gemäss Art. 21 VKD).

III. 
Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Die Honorare der amtlichen Verteidigungen sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).
2. Es sei über die Aufbewahrung bzw. Löschung des erhobenen DNA-Profils sowie der erhobenen 

erkennungsdienstlichen Daten zu befinden.

Abweichend von diesen schriftlich eingereichten Anträgen beantragte die stv. Gene-
ralstaatsanwältin in ihrem Plädoyer vor oberer Instanz, dass die Beschuldigte der 
Entführung, mehrfach und qualifiziert begangen schuldig zu sprechen sei (pag. 892).

4.2 Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete namens und im Auftrag der Be-
schuldigten an der oberinstanzlichen Verhandlung folgende Anträge (Hervorhebun-
gen im Original; pag. 908):
I.
Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 04.04.2022 inso-
weit in Rechtskraft erwachsen ist, als A.________ wegen Entziehens von Minderjährigen, begangen 

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in der Zeit vom 09.09.2018 bis 28.02.2020 in I.________(Ortschaft), Frankreich und Tunesien zN von 
C.________, schuldig erklärt wurde.

II.
Das Strafverfahren gegen A.________ wegen Freiheitsberaubung und Entführung, angeblich qua-
lifiziert begangen in der Zeit vom 09.09.2018 bis 28.02.2020 in I.________(Ortschaft), Frankreich und 
Tunesien, zum Nachteil von E.________, G.________ und H.________, ist einzustellen, eventualiter 
sei A.________ vom genannten Vorwurf freizusprechen, unter Ausscheidung der darauf entfallenden 
anteilsmässigen erstinstanzlichen und gesamten zweitinstanzlichen Verfahrens - und Parteikosten und 
Auferlegung an den Kanton Bern.

Ill.
A.________ sei in Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen
zu verurteilen zu:

1. einer Geldstrafe von 80 TS à CHF 30.00, ausmachend den Betrag von 2'400.00, unter Ge-
währung einer Probezeit von 2 Jahren. Die Ersatzmassnahmen von 657 Tagen (19.06.2020-
06.04.2022) seien im Umfang von 66 Tagen an die Geldstrafe anzurechnen.

2. zu den anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten.

IV.
Im Weiteren sei zu verfügen:

1. A.________ sei zu verpflichten, C.________ eine Genugtuungszahlung in der Höhe von CHF 
2'000.00 zu leisten.

2. Es seien von Amtes wegen die notwendigen Verfügungen im Zusammenhang mit der Erstel-
lung des DNA-Profils und der erkennungsdienstlichen Erfassung zu treffen.

3. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das oberinstanzliche Verfahren sei gestützt auf die 
eingereichte Kostennote gerichtlich zu bestimmen. 

4.3 Straf- und Zivilkläger 1

Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete namens und im Auftrag des Straf- 
und Zivilklägers 1 an der oberinstanzlichen Verhandlung folgende Anträge (Hervor-
hebungen im Original; pag. 909):

Sur le plan pénal:
1. Reconnaître la prévenue coupable d'enlèvement et séquestration au sens des articles 183, 184 

et 220 CP ;
2. Partant, condamner la prévenue à une peine à dire de justice;
3. Mettre les frais de la procédure à la charge de la prévenue;

Sur le plan civil:
4. Condamner la prévenue à payer à la partie plaignante un montant de CHF 10000.00 au titre de 

tort moral.
5. Taxer les honoraires du soussigné selon note d'honoraires remise en procédure.

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4.4 Straf- und Zivilkläger/innen 2-4

Rechtsanwältin F.________ stellte und begründete namens der Straf- und Zivilklä-
ger/innen 2-4 folgenden Antrag (Antrag gemäss Berufungserklärung, pag. 807; für 
den gleichlautenden Antrag an der oberinstanzlichen Verhandlung vgl. pag. 901):

Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Entführung, angeblich qualifiziert begangen zum Nachteil von 
E.________, G.________ und H.________ vom 09.09.2018 bis 28.02.2020 in I.________(Ortschaft), 
Frankreich und Tunesien, freizusprechen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen 
Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]). Die Generalstaatsanwaltschaft hat das erstinstanzliche Urteil nur hinsichtlich 
der Strafzumessung angefochten (höhere Freiheitsstrafe) und die Beschuldigte hat 
das Urteil als Anschlussberufungsführerin ebenfalls nur in Teilen angefochten 
(Schuldspruch gemäss Ziffer I. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, Strafzu-
messung sowie Kosten- und Entschädigungsfolgen). Der Straf- und Zivilkläger 1 ver-
langt eine Abänderung der ausgesprochenen Genugtuung (Ziffer III. 1. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs) und die Straf- und Zivilkläger/innen 2-4 beschränkten 
ihre Anschlussberufung auf den Schuldspruch gemäss Ziffer I. 1. des erstinstanzli-
chen Urteilsdispositivs. Es kann mithin festgestellt werden, dass das erstinstanzliche 
Urteil insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als die Beschuldigte der Entziehung von 
Minderjährigen, begangen vom 9. September 2018 bis 28. Februar 2020 in 
I.________(Ortschaft), Frankreich und Tunesien zum Nachteil des Straf- und Zivil-
klägers 1 schuldig erklärt wurde (Ziff. I. 2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). In 
Rechtskraft erwachsen ist sodann die Verfügung gemäss Ziffer IV. 1. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs, wonach die Ersatzmassnahmen gemäss Entscheid 
des Zwangsmassnahmengerichts vom 13. Dezember 2021 (ARR 21 477) per sofort 
aufgehoben (Art. 237 i.V.m. Art. 231 StPO) und der Reisepass Nr. .________ der 
Beschuldigten ausgehändigt wird.

Was den Zivilpunkt anbelangt, hat die Beschuldigte die Verpflichtung zur Bezahlung 
einer Genugtuung in der Höhe von CHF 2'000.00 an den Straf- und Zivilkläger 1 
(Ziff. III. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) nicht angefochten. Aufgrund der 
Anschlussberufung des Straf- und Zivilklägers 1 ist aber noch zu prüfen, ob die Be-
schuldigte dem Straf- und Zivilkläger 1 eine Genugtuung schuldet, welche die Höhe 
von CHF 2'000.00 übersteigt.

Nicht der Rechtskraft zugänglich und daher ebenfalls zu überprüfen ist die vorzeitige 
Zustimmung zur Löschung der von der Beschuldigten erhobenen biometrischen er-
kennungsdienstlichen Daten (Ziff. IV. 2. des erstinstanzlichen Dispositivs). Ferner 
hat die Kammer über die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten, die erstin-
stanzliche Entschädigung von Rechtsanwalt D.________ (angefochten durch die 
Beschuldigte; vgl. pag. 897) sowie die amtliche Entschädigung von Rechtsanwalt 
B.________ und Rechtsanwalt D.________ in oberer Instanz einschliesslich der 
Rück- und Nachzahlungspflichten der Beschuldigten für das gesamte Verfahren zu 
befinden.

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Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen – und/oder der Rechts-
kraft nicht zugänglichen – Punkte über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Auf-
grund der Berufung der Generalstaatsanwaltschaft darf der Sanktionenpunkt auch 
zum Nachteil der Beschuldigten abgeändert werden. Die Kammer ist dabei nicht an 
die Anträge der Parteien gebunden (Art. 391 Abs. 1 Bst. b StPO). Soweit weiterge-
hend gilt das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Verletzung des Anklagegrundsatzes

6. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung rügt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Dies mit der Begrün-
dung, dass in der Anklageschrift nicht ausgeführt sei, inwiefern das Kindeswohl 
durch das Verhalten der Beschuldigten beeinträchtigt worden sein soll. Zudem gehe 
aus der Anklageschrift nicht hervor, ob der Beschuldigten eine vorsätzliche Tatbe-
gehung vorgeworfen werde (pag. 896).

7. Rechtliche Grundlagen

Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die 
Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; vgl. 
auch Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 6 
Ziff. 1 und Ziff. 3 Bst. a und b der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101]). Das Gericht ist an den in der Anklage wieder-
gegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen 
rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat 
die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so prä-
zise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genü-
gend konkretisiert sind. Dabei muss aus der Anklageschrift selbst hervorgehen, wel-
cher konkrete Lebensvorgang zur Beurteilung steht (zum Ganzen statt vieler Urteil 
des Bundesgerichts 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 2.3.3; BGE 143 IV 63 E. 2.2). 
Zugleich hat das Anklageprinzip eine Informationsfunktion, weil es den Schutz der 
Verteidigungsrechte der beschuldigten Person bezweckt und den Anspruch auf 
rechtliches Gehör garantiert (BGE 143 IV 63 E. 2.2; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; je mit 
Hinweisen). Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO hält die gesetzlichen Minimalanforderungen 
an die Formulierung des Sachverhalts in inhaltlicher Hinsicht fest. Demnach bezeich-
net die Anklageschrift die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten möglichst 
kurz, aber genau mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tataus-
führung. Dennoch sind an eine Anklageschrift keine überspitzten Anforderungen zu 
stellen. Das Bundesgericht hielt in zahlreichen Entscheiden fest, die Anklageschrift 
sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Umgrenzung des Prozessge-
genstandes und der Information des Beschuldigten, damit dieser die Möglichkeit 
habe, sich zu verteidigen. Etwaige Ungenauigkeiten seien nicht von entscheidender 
Bedeutung, solange für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestünden, 
welches Verhalten ihr angelastet werde (Urteile des Bundesgerichts 6B_28/2018 
vom 7. August 2018 E. 6.3; 6B_760/2017 vom 23. März 2018 E. 1.3; 6B_684/2017 
vom 13. März 2018 E. 2; je mit Hinweisen).

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Hinsichtlich der Vorsatzelemente genügt grundsätzlich der Hinweis auf den gesetz-
lichen Straftatbestand im Anschluss an die Darstellung des Sachverhalts als zurei-
chende Umschreibung der subjektiven Merkmale, wenn der betreffende Tatbestand 
nur vorsätzlich begangen werden kann. Die Schilderung des objektiven Tatgesche-
hens reicht aus, wenn sich daraus die Umstände ergeben, aus denen auf einen vor-
handenen Vorsatz geschlossen werden kann. Anders verhält es sich, wenn dem Be-
schuldigten ein Eventualvorsatz mit «hat in Kauf genommen» vorgeworfen wird und 
sich in Bezug auf die Wissens- und Willenselemente diffizile Fragen in sachverhalts-
mässiger Hinsicht stellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_638/2019 vom 17. Oktober 
2019 E. 1.4.2; BGE 120 IV 348 E. 3c m.w.H).

8. Subsumtion

Mit Blick auf diese Erwägungen des Bundesgerichts und entgegen der Auffassung 
der Verteidigung ist der Tatvorwurf in der Anklageschrift vom 17. März 2021 und der 
Ergänzung vom 4. April 2022 genügend umschrieben. So wird hinreichend konkret 
dargelegt, dass die Beschuldigte die drei minderjährigen Kinder, welche ihren Le-
bensmittelpunkt in der Schweiz gehabt hätten, nach Tunesien gebracht habe, wo 
diese in ihrer Gewalt gewesen seien. Die Kinder hätten während 18 Monaten keinen 
Kontakt zu ihrem Vater und anderen Angehörigen gehabt und während eines Teils 
ihres Aufenthaltes in Tunesien unter der Woche bei einer ihnen vorher nicht bekann-
ten Pflegefamilie gelebt. Die Kinder hätten auch dort übernachtet und das jüngste 
Kind habe auch am Wochenende bei diesem Ehepaar gelebt. Die Anklageschrift hält 
ausdrücklich fest, dass die drei Kinder von der Beschuldigten aus ihrer gewohnten 
Umgebung herausgerissen worden seien. Diese aufgeführten Umstände und der 
verwendete Begriff «Herausreissen» machen deutlich, inwiefern das Kindeswohl 
verletzt worden sein soll. Ein Sachverhalt kann freilich immer noch präziser darge-
stellt werden. Der Anklagesachverhalt soll aber gemäss Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO 
(bloss) «möglichst kurz, aber genau: die der beschuldigten Person vorgeworfenen 
Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung» 
umschreiben. Dies ist vorliegend erfüllt. Was die Vorsatzelemente in der Anklage 
anbelangt, ist der Vorinstanz folgend (vgl. S. 17 f. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 762 f.) auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wo-
nach der Hinweis auf den gesetzlichen Straftatbestand im Anschluss an die Darstel-
lung des Sachverhalts als zureichende Umschreibung der subjektiven Merkmale 
genügt, wenn der betreffende Tatbestand nur vorsätzlich begangen werden kann. 
Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 2 StGB kann nicht fahrlässig begangen werden 
und die Anklageschrift enthält den Hinweis auf Art. 183 Ziff. 2 StGB.

Nach dem Gesagten sieht die Kammer den Anklagegrundsatz nicht verletzt. Die An-
klageschrift enthält alle notwenigen Elemente gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO und 
macht unmissverständlich klar, welches Verhalten der Beschuldigten vorgeworfen 
wird.

12

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Vorwurf gemäss Anklageschrift vom 17. März 2021

Gemäss Anklageschrift vom 17. März 2021 und Ergänzung vom 4. April 2022 wird 
der Beschuldigten Freiheitsberaubung und Entführung qualifiziert und mehrfach be-
gangen vom 9. September 2018 bis zum 28. Februar 2020 in I.________(Ortschaft), 
Frankreich und Tunesien, zum Nachteil der Straf- und Zivilkläger/innen 2-4 durch 
folgendes Verhalten vorgeworfen (pag. 505 ff. und 702):

«indem die beschuldigte Person mit ihren drei minderjährigen Kindern E.________, geboren am 
.________, G.________, geboren am .________, und H.________, geboren am .________, über die 
sie die Obhut hatte und deren elterliche Sorge sie mit dem Kindsvater C.________ teilte, von 
I.________(Ortschaft) via Frankreich nach Tunesien reiste und die Kinder von September 2018 bis zum 
28.02.2020 bei sich in Tunesien behielt, wo sie sich ebenfalls aufhielt. Durch ihr Handeln verbrachte 
die beschuldigte Person ihre Kinder an Orte, wo diese in ihrer Gewalt waren. Die Kinder, die bis zu ihrer 
Abreise aus der Schweiz hauptsächlich hier ihren Lebensmittelpunkt gehabt hatten, hatten in den rund 
18 Monaten von ihrer Abreise aus der Schweiz bis zu ihrer Rückkehr hierher ausser mit ihrer Mutter 
keinen Kontakt mit Angehörigen, insbesondere nicht mit ihrem Vater. Ausserdem liess die Beschuldigte 
ihre Kinder während eines Teils des Aufenthalts in Tunesien unter der Woche bei einer den Kindern 
vorher nicht bekannten Pflegefamilie, wo die Kinder auch übernachteten; das jüngste Kind lebte teil-
weise sogar auch am Wochenende bei diesem Ehepaar. Dieses Herausreissen von E.________, 
G.________ und H.________ aus ihrer gewohnten Umgebung verstiess gegen deren Kindeswohl und 
lässt sich nicht mit dem Aufenthaltsbestimmungsrecht der sorgeberechtigten beschuldigten Person be-
gründen.

Durch das beschriebene Handeln entzog die Beschuldigte ihre Kinder gleichzeitig dem ebenfalls sor-
geberechtigten Vater der Kinder, C.________, bzw. sie weigerte sich implizit, C.________ die Kinder 
zurückzugeben».

10. Beweismittel

Es liegen der Kammer diverse objektive Beweismittel vor (insbesondere der Anzei-
gerapport der Kantonspolizei vom 9. April 2020, diverse Berichtsrapporte der Kan-
tonspolizei, Trennungs- und Scheidungsunterlagen, Kontoauszug L.________-
Konto, diverse Fotografien usw.). Angesichts der Vielzahl dieser Unterlagen wird da-
von abgesehen, diese einzeln aufzulisten. Hierfür wird auf die Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen, welche die Beweismittel aufgeführt und zutreffend zusammenge-
fasst hat (S. 7 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 752 ff.).

Als subjektive Beweismittel liegen der Kammer die Aussagen des Straf- und Zivilklä-
gers 1 anlässlich der delegierten Einvernahme vom 30. November 2018 (pag. 178 
ff.), der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 26. Oktober 2020 (pag. 186 
ff.), der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. April 2022 (pag. 672 ff.) und der 
oberinstanzlichen Verhandlung vom 4. Juli 2023 (pag. 887 ff.), die Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin 2 anlässlich der delegierten Einvernahme vom 19. März 2020 
(pag. 198 ff.), die Aussagen des Straf- und Zivilklägers 3 anlässlich der delegierten 
Einvernahme vom 19. März 2020 (pag. 198 ff.), die Aussagen von M.________ an-
lässlich der delegierten Einvernahme vom 18. Mai 2020 (pag. 206 ff.), der Einver-
nahme bei der Staatsanwaltschaft vom 1. Februar 2021 (pag. 213 ff.) und anlässlich 

13

der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. April 2022 (pag. 688 ff.) sowie die 
Aussagen der Beschuldigten anlässlich der delegierten Einvernahme vom 19. März 
2020 (pag. 140 ff.), der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2020 
(pag. 164 ff.), der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. April 2022 (pag. 680 
ff.) und der oberinstanzlichen Verhandlung vom 4. Juli 2023 (pag. 891 ff.) vor. Die 
Vorinstanz fasste die subjektiven Beweismittel zutreffend zusammen. Darauf kann 
verwiesen werden (S. 10 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 755 ff.).

11. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Aussageanalyse

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach sei-
ner freien, aus dem gesamten Verfahren und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass 
jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpften Über-
zeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen soll. Die 
freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logi-
schen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse Ver-
mutung stützen (HOFER, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, 
N. 58 und 61 zu Art. 10 StPO m.w.H.). Bestehen unüberwindliche Zweifel an der 
Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Ge-
richt von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 
StPO).

Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der 
modernen Aussagepsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder Wahr-
haftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle Glaubhaf-
tigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aussage von Bedeutung 
(NACK, in: Kriminalistik 4/95, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, S. 257 ff. m.w.H.; 
BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und 
Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Aufl. 2014, N. 219 ff.). 

Die Analyse des Aussageinhaltes erfolgt anhand spezieller Textmerkmale oder in-
haltlicher Qualitäten, den sogenannten Realkennzeichen oder Glaubwürdigkeitskri-
terien. Diese Kriterien beschreiben inhaltliche Qualitäten einer Aussage, die hinrei-
chend trennscharf zwischen realitätsbegründeten und phantasierten Aussagen dif-
ferenzieren sollen. Eine Gruppe der Realkennzeichen basiert auf der Annahme, dass 
sie in einer phantasierten Aussage nur selten vorkommen, weil ein/e Auskunftsper-
son/Zeuge nicht in der Lage wäre, eine Aussage mit den in den Realkennzeichen 
beschriebenen Qualitäten ohne eigene Erlebnisgrundlage zu erfinden. Eine zweite 
Gruppe, die sogenannten motivationsbezogenen Realkennzeichen, gehen dagegen 
von der Annahme aus, dass ein/e Auskunftsperson/Zeuge derartige Äusserungen 
vermeiden würde, um ihre/seine Glaubwürdigkeit nicht zu schädigen. Die Realkenn-
zeichenanalyse kann aber nicht im Sinne einer Checkliste abgearbeitet werden, wo-
bei einfach aufgezählt wird, wie viele Realkennzeichen in einer Aussage festgestellt 
wurden. Die inhaltlichen Merkmale erhalten ihre diagnostische Bedeutung vielmehr 
erst durch ein In-Beziehung-Setzen zu anderen diagnostischen Befunden (KÖHNKEN, 
Referat am Lehrgang richterlicher Tätigkeit, Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von 
Kinderaussagen).

14

12. Beweiswürdigung der Kammer

12.1 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Die zur Diskussion stehenden äusseren Abläufe des Geschehens werden von der 
Beschuldigten nicht bestritten. Die Vorinstanz hat vor diesem Hintergrund die objek-
tiven und subjektiven Beweismittel zusammengefasst, auf eine eigentliche Beweis-
würdigung verzichtet und kam zu folgendem Schluss (S. 14 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 759):

Die Beschuldigte ist geständig, die drei Kinder ohne Einverständnis des getrenntlebenden Vaters nach 
Tunesien mitgenommen zu haben und dort 18 Monate (September 2018 bis zum 28.02.2020) verbracht 
zu haben. Dabei hatten die Kinder gemäss Aussagen der Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt Kontakt 
zu ihrem ebenfalls sorgerechtsberechtigten Vater oder anderen Verwandten. Nicht bestritten ist zudem, 
dass die Kinder in Tunesien unter der Woche durch ein ihnen vorher nicht bekanntes Ehepaar 
(N.________ und O.________) betreut wurden und dort auch übernachtet haben. Unbestritten ist wei-
ter, dass es sich in Tunesien nicht um die gewohnte Umgebung der Kinder gehandelt hat. 
Das Geständnis der Beschuldigten deckt sich zudem in den wesentlichen Punkten der Anklageschrift 
mit den übrigen subjektiven sowie objektiven Beweismitteln. Auf eine Darlegung der theoretischen 
Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussageanalyse sowie auf eine vertiefte Beweiswürdigung 
kann unter diesen Umständen verzichtet werden. Der angeklagte Sachverhalt, inkl. die vor Regional-
gericht vorgebrachten Änderungen der Staatsanwaltschaft, gelten damit als erwiesen.

Auch die Kammer erachtet die in der Anklageschrift vom 17. März 2021 (pag. 505 ff. 
ff.) und in der Ergänzung vom 4. April 2022 (pag. 702) umschriebenen Umstände als 
erstellt. Ob die Beschuldigte mit ihrem Verhalten das Kindeswohl verletzt hat, ist eine 
Rechtsfrage und wird daher unter dem Rechtlichen zu prüfen sein. Es gilt jedoch, 
den in der Anklageschrift verwendeten Terminus «gegen das Kindswohl verstossen» 
und damit die Umstände rund um die Ausreise und den Aufenthalt in Tunesien in 
sachverhaltlicher Hinsicht zu konkretisieren.

12.2 Beweiswürdigung in concreto

12.2.1 Vorbemerkungen

Wie bereits erwähnt, fasste die Vorinstanz die objektiven und subjektiven Beweis-
mittel zutreffend zusammen, vorauf verwiesen werden kann (S. 7 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung, pag. 752 ff.). Soweit sich ergänzende und/oder präzisie-
rende Ausführungen zu den einzelnen Beweismitteln aufdrängen, erfolgen diese im 
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen der Kammer.

12.2.2 Zur Familiensituation vor der Ausreise nach Tunesien

Gemäss Trennungsvereinbarung (pag. 284 ff.) ist der Straf- und Zivilkläger 1 am 
1. August 2017 aus der ehelichen Wohnung ausgezogen. Für die Trennungsphase 
wurde die Obhut der Beschuldigten zugeteilt und ein Besuchsrecht zu Gunsten des 
Straf- und Zivilklägers 1 vereinbart. Dieses wurde in vier Phasen gegliedert, wobei 
für die dritte Phase, welche vom 21. Juli 2018 bis am 30. September 2018 dauerte, 
ein Besuchsrecht jedes Wochenende von Samstag 12:00 Uhr bis Sonntag 12:00 Uhr 
vorgesehen war. Aus den übereinstimmenden Aussagen der Beschuldigten und des 
Straf- und Zivilklägers 1 sowie implizit auch aus den Aussagen von E.________ und 
G.________ ergibt sich, dass der Straf- und Zivilkläger 1 sein Besuchsrecht vor der 

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Abreise der Kinder nach Tunesien wahrgenommen hat. So führte die Beschuldigte 
aus, dass der Straf- und Zivilkläger 1 die Kinder jedes Wochenende habe sehen 
dürfen (pag. 142 Z. 56 f.), was der damals gegoltenen dritten Phase der Trennungs-
vereinbarung entspricht. Der Straf- und Zivilkläger 1 gab ebenso an, dass er jeden 
Samstag auf die Kinder geschaut habe. Er sei die beiden grösseren Kinder abholen 
gegangen und habe sie normalerweise am Sonntag wieder zurückgebracht. Zwei 
Mal habe die Beschuldigte das Besuchsrecht verweigert. Vor diesen beiden Malen 
habe er sein Besuchsrecht ohne Probleme ausüben können (pag. 190 Z. 135 ff.). 
Darüber hinaus liegen Fotografien vor, welche den Straf- und Zivilkläger 1 mit den 
Kindern zeigen, und welche gemäss den Aussagen der Beschuldigten aus der Zeit 
stammen, in der er die Kinder am Wochenende bei sich gehabt habe, bevor sie nach 
Tunesien gereist seien (pag. 173 Z. 323 f.). Davon, dass zwischen dem Straf- und 
Zivilkläger 1 und seinen Kindern keine Beziehung bestanden habe bzw. die Bezie-
hung lose gewesen sei, wie dies die Verteidigung vor oberer Instanz vorbrachte 
(pag. 895), kann bereits vor diesem Hintergrund nicht die Rede sein. Hinzu kommt, 
dass E.________ und G.________ bei der Polizei ausführten, dass sie ihren Papi 
vermisst hätten, als sie in Tunesien gewesen seien. E.________ gab an, dass sie 
traurig sei, dass ihr Papi nicht bei ihr sei und dass sie ihren Papi gerne sehen möchte 
(pag. 199 Z. 22). Sie freue sich, dass ihr Papi wieder da sei und ihre Grosseltern 
(pag. 199 Z. 55 f.). Auf die Frage, ob sie nicht in die Schweiz habe zurückkehren 
wollen, antwortete sie: «Doch, weil ich meinen Papi vermisse. Mein Papi ist ja hier 
in der Schweiz. Meine Mami findet es doof hier, deswegen finde ich es jetzt auch 
doof hier» (pag. 200 Z. 83 f.). G.________ gab zudem an, dass er gerne bei Papi 
und Mami wohnen würde (pag. 204 Z. 109). Bei einer nicht vorhandenen Vater-Kind-
Beziehung wären solche Aussagen wohl kaum gemacht worden. Schliesslich sah 
sich die Beschuldigte selbst dazu veranlasst, die Ausreise nach Tunesien geheim zu 
halten, was nicht nötig gewesen wäre, wenn sich der Kindesvater für die Kinder nicht 
interessiert hätte. Die Beschuldigte verfasste sogar inhaltlich falsche Nachrichten, 
um ihren Aufenthaltsort zu vertuschen (u.a. pag. 84, pag. 91 ff.). Letztlich bleibt dar-
auf hinzuweisen, dass die Kinder bis am 1. August 2017 mit dem Straf- und Zivilklä-
ger 1 und der Beschuldigten in der Familienwohnung zusammengelebt haben und, 
dass sich der Straf- und Zivilkläger 1 sehr bemüht hat, seine Kinder zu finden. Die 
Kammer hat daher keine Zweifel daran, dass vor der Abreise nach Tunesien zwi-
schen dem Straf- und Zivilkläger 1 und den drei Kindern eine normale Vater-Kind-
Beziehung bestanden hat. Dass sich der Straf- und Zivilkläger 1 erst am 29. Novem-
ber 2018 an die Polizei wandte, steht dem, entgegen der Auffassung der Kinderan-
wältin (pag. 900), nicht entgegen. Vielmehr verstand es die Beschuldigte geschickt, 
den Kindesvater zunächst mit der angeblichen Mutter-Kind-Kur und mit Schreiben 
vom 11. November 2018 mit der erfundenen Europareise hinzuhalten. Der Straf- und 
Zivilkläger 1 selbst befand sich zudem noch bis am 27. November 2018 in 
.________, um von seinem verstorbenen Vater Abschied zu nehmen.

Was die Beziehung zwischen der Beschuldigten und dem Straf- und Zivilkläger 1 vor 
der Abreise betrifft, so geht die Kammer aufgrund der übereinstimmenden Aussagen 
davon aus, dass diese insbesondere vor der Trennung vom 1. August 2017 schwie-
rig gewesen ist. Zur Frage, worauf die entstandenen Probleme genau zurückzu-

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führen waren, gehen die Aussagen der Beschuldigten und des Straf- und Zivilklä-
gers 1 hingegen auseinander. Der Straf- und Zivilkläger 1 führte zusammengefasst 
aus, dass die Ehe durch den Einfluss, welchen P.________ auf die Beschuldigte 
gehabt habe, schwierig geworden sei (vgl. seine Aussagen u.a. pag. 180 Z. 92, 
pag. 181 Z. 148, pag. 180 Z. 93 f., pag. 180 Z. 100, pag. 181 Z. 152, pag. 181 Z. 158 
ff.), wohingegen die Beschuldigte die Eheprobleme mit dem Lebensstil des Straf- 
und Zivilklägers 1 begründete (u.a. pag. 144 Z. 142 ff.). Die Frage kann letztlich of-
fengelassen werden. Gleichermassen kann dahingestellt bleiben, inwiefern 
P.________ Einfluss auf die Beschuldigte hatte. Immerhin gab die Beschuldigte an, 
dass es alleine ihre Entscheidung gewesen sei, nach Tunesien auszureisen (pag. 
896 Z. 41). Soweit die Beschuldigte vorbringt, der Straf- und Zivilkläger 1 habe sie 
massiv unter Druck gesetzt und sie bei den Kinderübergaben beschimpft und be-
droht, finden ihre Ausführungen keine Stütze in den Akten. Im Gegenteil. So geht 
hervor, dass der Straf- und Zivilkläger 1 sein Besuchsrecht, wie bereits erwähnt, re-
gelmässig ausübte. Am unbegleiteten Besuchsrecht hatten die Behörden (insbeson-
dere die KESB) und die Beiständin der Kinder – anders als die Beschuldigte – offen-
sichtlich keine Bedenken. Zudem führten E.________ und G.________ bei der Poli-
zei bloss aus, dass die Eltern miteinander geschimpft (pag. 199 Z. 34) bzw. einmal 
miteinander Streit gehabt und sich angeschrien hätten (pag. 203 Z. 30 ff.) und nicht 
etwa, dass der Papi böse gewesen sei mit Mami oder ähnlich. So wurde auch im 
Berichtsrapport vom 12. Dezember 2018 festgehalten, dass die Beiständin die Vor-
würfe der Beschuldigten gegen den Straf- und Zivilkläger 1 wegen häuslicher Gewalt 
bezweifle, da zumindest E.________ nie solche Streitereien mitbekommen habe 
(pag. 115).

12.2.3 Zur Ausreise nach Tunesien

Die Ausführungen der Beschuldigten zu Zeitpunkt (vgl. u.a. pag. 146 Z. 281 ff.), Rei-
seroute, Transportmittel, involvierten Personen bei der Reise, Wohnen in der Woh-
nung von P.________ (vgl. u.a. pag. 142 Z. 73 f., pag. 142 Z. 77 ff., pag. 148 Z. 389, 
pag. 142 Z. 77 ff.; pag. 148 Z. 389) und Hinterlassen ihrer L.________-Bankkarte in 
der Schweiz (vgl. u.a. pag. 147 Z. 313, pag. 893 Z. 30 und Z. 37) sind detailliert und 
blieben über das ganze Verfahren konstant. Dass die Beschuldigte ihre L.________-
Karte in der Schweiz zurückgelassen hat, deckt sich mit ihrem Kontoauszug (pag. 
160 ff.), welcher belegt, dass nach der Abreise der Beschuldigten nach Tunesien 
noch Geldbezüge in der Schweiz getätigt wurden. Die Kammer erachtet diese Aus-
sagen daher grundsätzlich als glaubhaft und stellt darauf ab. Der Beschuldigten kann 
hingegen nicht gefolgt werden, wenn sie unter den geschilderten Umständen davon 
spricht, dass sie die Ausreise nach Tunesien nicht geplant, sondern dass es sich um 
eine Kurzschlussreaktion gehandelt habe (u.a. pag. 141 Z. 31 ff.). Bereits die Art und 
Weise der Ausreise belegt, dass die Beschuldigte die Schweiz nicht blindlings ver-
lassen hat. Die Ausreise war offenbar gut organisiert und es wurden Helferinnen und 
Helfer beigezogen. Die Beschuldigte musste für die Reise sowohl Bustickets nach 
Y.________ (Ortschaft in Frankreich) als auch Flugtickets von Y.________(Ortschaft 
in Frankreich) nach Z.________ (Ortschaft in Tunesien) organisieren. Diese hat sie 
gemäss eigenen Angaben über das Internet gebucht. Ob sie mit dem Flug ab 
Y.________(Ortschaft in Frankreich) (und nicht etwa ab Genf, Zürich oder Basel) 

17

beabsichtigte, keine Spuren zu hinterlassen, kann offengelassen werden. Die Be-
schuldigte selbst verneinte dies (pag. 895 Z. 29 ff.), die gewählte Reiseroute lässt 
dies aber vermuten. Es wurde sodann organisiert, dass Q.________ die Beschul-
digte und ihre Kinder von I.________(Ortschaft) nach AA.________ (Ortschaft) 
chauffierte (pag. 149 Z. 404), um von dort aus den Flixbus nach Y.________(Orts-
chaft in Frankreich) zu nehmen. Weiter stellte P.________ der Beschuldigten und 
ihren drei Kindern ihre Wohnung in Tunesien zur Verfügung. Der Transport vom 
Flughafen in Z.________(Ortschaft in Tunesien) zur Wohnung von P.________ er-
folgte durch R.________. Die Bankbezüge nach dem 9. September 2018 in 
I.________(Ortschaft) von rund CHF 5'000.00 belegen im Übrigen, dass Drittperso-
nen in der Schweiz über eine Bankkarte der Beschuldigten verfügt und diese durch 
die Geldbezüge unterstützt haben. Die Aussage der Beschuldigten an der oberin-
stanzlichen Hauptverhandlung, wonach sie das nach ihrer Abreise in der Schweiz 
abgehobene Geld nicht erhalten habe (pag. 899 Z. 40), stellt nach Ansicht der Kam-
mer eine reine Schutzbehauptung dar. So sagte die Beschuldigte anlässlich ihrer 
tatnächsten Einvernahme selbst aus, dass sie das Geld erhalten wollte (pag. 147 
Z. 313). Hinzu kommt, dass die Beschuldigte neben den Einkünften, welche auf das 
L.________-Konto flossen, über kein Vermögen und kein Einkommen verfügte. In 
Tunesien ging sie erst ab November 2018 einer Erwerbstätigkeit nach (pag. 686 
Z. 44). Es liegt daher auf der Hand, dass sie auf die Einkünfte des Sozialdienstes, 
welche auf das L.________-Konto eingingen, angewiesen war. Dass die Beschul-
digte die Ausreise nach Tunesien plante, zeigt sich schliesslich auch daran, dass 
P.________ über die Telefonnummer verfügte, welche die Beschuldigte in der 
Schweiz am 14. August 2018, mithin nur kurze Zeit vor der Ausreise, eingelöst hatte 
(pag. 127 i.V.m. 128). Nicht zuletzt spielte die Beschuldigte bereits zu einem frühe-
ren Zeitpunkt mit der Idee, nach Tunesien auszureisen. So gab ihre Mutter, 
M.________, anlässlich der Einvernahme bei der Polizei, wie auch an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung an, dass bereits im Januar 2018 die Befürchtung be-
standen habe, dass die Beschuldigte mit P.________ nach Tunesien gehen wolle. 
Sie habe damals der Beschuldigten und P.________ gesagt, dass es für Tunesien 
kein «Fünfi» gebe (pag. 208 Z. 75 ff. und pag. 688 Z. 35 ff.). Der «Plan Tunesien» 
war also bereits damals, zumindest als Idee, vorhanden. Letztlich machen auch die 
Fotografien der verlassenen Wohnung in I.________(Ortschaft) (pag. 106 ff.), wel-
che anlässlich der Domizilkontrolle vom 29. November 2018 gemacht wurden, nicht 
den Eindruck, dass die Wohnung überstürzt verlassen wurde. Vielmehr befanden 
sich in der Wohnung nur noch Gegenstände, welche auf eine grössere Reise mit 
Bus und Flugzeug nicht mitgenommen werden können (wie bspw. ein Bett, Matrat-
zen, leere Regale, Pflanzen) oder den Anschein erwecken, nicht mehr gebraucht zu 
werden (bspw. die gefüllten Abfallsäcke, leere PET-Flaschen, eine Zahnbürste 
usw.).

Bereits unter diesen Umständen ist bei den Aussagen, in Deutschland eine Mutter-
Kind-Kur konkret geplant zu haben (vgl. u.a. pag. 141 Z. 22 ff., pag. 680 Z. 30 f., 
pag. 894 Z. 6 und 12 ff.), von einer reinen Schutzbehauptung auszugehen. Zwar litt 
die Beschuldigte im Zeitpunkt der Ausreise an einer rezidivierenden depressiven 
Störung, mittelgradige Episode (vgl. Arztzeugnis von Dr. S.________ vom 30. Au-
gust 2018 [pag. 498] und die Aussagen von M.________ [pag. 208 Z. 68 ff., pag. 

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209 Z. 103 f., pag. 215 Z. 57 ff., pag. 688 Z. 22 f.]) und brach den Kontakt zu ihrer 
Familie ab, nachdem diese eine Gefährdungsmeldung bei der KESB gemacht hatte 
(pag. 146 Z. 255 f., pag. 215 Z. Z. 72 ff.). Zudem mag es auch zutreffen, dass die 
Beschuldigte mit dem Gedanken einer Yoga-Kur spielte. Es liegt aber letztlich nichts 
vor, das dafür spricht, dass der Besuch der Kur realistisch war, wie die Beschuldigte, 
welche sogar schon für die Abreise nach Deutschland gepackt gehabt haben will, 
vorbringt. So liegt kein Schreiben an die Institution «T.________», keine ärztliche 
Bestätigung und keine Kostengutsprache vor. Es blieb bis am Schluss unklar, wo die 
Kur genau stattgefunden, wie viel sie gekostet und wer sie bezahlt hätte. Die Be-
schuldigte, welche ansonsten sehr detailliert aussagte, konnte dazu keine bzw. nur 
vage Angaben machen (vgl. insbesondere pag. 894 Z. 16 ff.). Daneben wäre eine 
solche Kur in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit weder von der Kranken-
kasse, noch vom Sozialdienst finanziert worden (vgl. dazu .________; die Beschul-
digte bestätigte, dass es sich dabei um die korrekte Internetadresse handelt [pag. 
891 Z. 10 f.]). Über eigene Mittel verfügte die Beschuldigte nicht (pag. 124), weswe-
gen auch nicht von einer Eigenfinanzierung der Kur auszugehen ist. Demnach ist 
nicht davon auszugehen, dass die Beschuldigte für die Kur in Deutschland bereits 
gepackt gehabt und sich dann kurzfristig anders entschlossen hat. Es war von An-
fang an klar, dass die Beschuldigte mit den Kindern zu P.________ nach Tunesien, 
wo sie bereits zwei Mal war (pag. 142 Z. 79), gehen würde. Aufgrund des tatsächli-
chen Aufenthaltes der Beschuldigten in Tunesien und der zwangsweisen Rückkehr 
in die Schweiz (pag. 167 Z. 110) wird klar, dass diese mit der Absicht, dort zu bleiben, 
die Schweiz verliess. Mit der Ausreise wollte die Beschuldigte zur Ruhe kommen. 
Sie wollte weg von den missliebigen Behörden (insbesondere der KESB), ihrer be-
sorgten Familie und dem Straf- und Zivilkläger 1.

12.2.4 Zum Aufenthalt in Tunesien

Die Aussagen der Beschuldigten zum Aufenthalt in Tunesien, insbesondere betref-
fend die Erwerbstätigkeit in einem U.________ (pag. 147 Z. 326 ff.), die Kinderbe-
treuung durch eine Pflegefamilie (pag. 148 Z. 342 ff), die Wohnsituation (Wohnen 
bei P.________, dann Umzug in eine eigene Wohnung; pag. 147 Z. 337 ff.), den 
Kindergartenbesuch von E.________ und G.________ und die Reduktion des Kin-
dergartenpensums von E.________ (pag. 148 Z. 351 ff.), die Änderung der Rufna-
men der Kinder (pag. 169 Z. 168 ff.) und den gänzlichen Kontaktunterbruch zum 
Kindesvater (pag. 168 Z. 136, pag. 682 Z. 36), blieben während des ganzen Verfah-
rens im Kern konstant und sind detailliert. Die Beschuldigte verzichtete mit ihren 
Schilderungen nicht darauf, sich selbst zu belasten und gab auch offen zu, sich wi-
derrechtlich in Tunesien aufgehalten (pag. 895 Z. 41) und über keine Arbeitsbewilli-
gung verfügt zu haben (pag. 896 Z. 5). Auch führte sie mit der gleichen Offenheit 
aus, dass es in Tunesien keine Krankenkasse (pag. 897 Z. 10) und für E.________ 
kein mit der V.________-Schule vergleichbares Kindergartenangebot gegeben habe 
(pag. 896 Z. 15 ff. und Z. 22). Betreffend das Wohlbefinden der Kinder in Tunesien 
und den Umstand, dass die Beschuldigte in Tunesien gearbeitet hat, decken sich 
ihre Aussagen sodann mit den Ausführungen von E.________ und G.________. 
E.________ führte aus, dass es in Tunesien viel schöner gewesen sei. Sie würde 
gerne bei N.________ und O.________ sein. Sie sei gerne bei N.________ und 
O.________ gewesen (pag. 199 Z. 43 und Z. 50). Dort sei es einfach schön (pag. 

19

199 Z. 53). E.________ gab weiter an, dass Mami dort gearbeitet habe, um Geld zu 
verdienen (pag. 199 Z. 59). Im Kindergarten hätten alle Französisch oder Arabisch 
gesprochen. Sie verstehe Arabisch. Das habe sie dort gelernt (pag. 199 Z. 48 f.). Sie 
freue sich hier (gemeint: in der Schweiz), dass ihr Papi wieder da sei und ihre Gross-
mutter (pag. 199 Z. 55 f.). Sie hätten 8-9 Hunde und Katzen gehabt in Tunesien 
(pag. 200 Z. 71 f.). Dort habe ihr nicht gefallen, dass die Kinder sie gehauen oder 
gebissen hätten. Also vor allem G.________ (pag. 200 Z. 79). Sie habe zurück in die 
Schweiz gewollt, weil sie ihren Papi vermisst habe (pag. 200 Z. 83). In Tunesien 
habe sie manchmal Freunde gefunden. Aber da gebe es ein Mädchen, mit welchem 
sie nicht mehr befreundet sein wolle. Also sie wolle, dass sie (gemeint: E.________) 
nicht mehr mit ihnen befreundet sei. Sie sage immer Dinge, die sie nicht verstehe 
(pag. 200 Z. 95 ff.). G.________ führte aus, dass die Zeit in Tunesien gut gewesen 
sei (pag. 203 Z. 43). Er habe sich wohl gefühlt bei O.________ und N.________ 
(pag. 203 Z. 62). Manchmal sei es aber auch Stress gewesen. Dann hätten ganz 
viele angerufen und Mami habe noch arbeiten müssen (pag. 204 Z. 73 f.). Mami 
habe viel gearbeitet. Manchmal habe sie auch ein wenig mit ihnen spielen können 
(pag. 203 Z. 51). Er habe schon zurück in die Schweiz gewollt, aber Mami habe noch 
viel erledigen müssen in Tunesien (pag. 204 Z. 76 f.). Dort habe er W.________ als 
Freund gefunden. Der sei aber ein wenig doof gewesen, weil er Schlägereien ange-
zettelt habe (pag. 204 Z. 90). Er habe nur Arabisch gelernt. Französisch habe er 
nicht gelernt. Er verstehe es auch nicht (pag. 204 Z. 94). Mit W.________ habe er 
Arabisch gesprochen. Als er noch nicht in der .________ gewesen sei, habe er ihn 
noch nicht so gut verstanden (pag. 204 Z. 97). Die Beschuldigte und die beiden Kin-
der schildern somit allesamt, dass es ihnen in Tunesien grundsätzlich gut gegangen 
sei. Die Aussagen der Beschuldigten zum Aufenthalt in Tunesien erachtet die Kam-
mer daher grundsätzlich als glaubhaft.

12.3 Beweisergebnis

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die mehr oder weniger mittel-
lose Beschuldigte, welcher eine depressive Störung diagnostiziert worden und wel-
che mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert war, mit den drei Kindern aus der 
gewohnten Umgebung und mit der Absicht zu bleiben nach Tunesien zog. Die Kinder 
wurden, ohne sich von ihrem Vater verabschieden zu können, in einen fremden Kul-
turkreis gebracht und konnten sich dort zuerst nicht verständigen. Dadurch wurde 
insbesondere auch ihre schulische Karriere gefährdet. Hinzu kommt, dass sie über 
keinen Aufenthaltstitel verfügten (vgl. dazu auch pag. 394). Vielmehr hielten sie sich 
illegal in Tunesien auf und die Beschuldigte leistete Schwarzarbeit. Die Beschuldigte 
musste somit jederzeit damit rechnen, von den tunesischen Behörden ausgewiesen 
zu werden und das Land wieder verlassen zu müssen, was schliesslich auch ge-
schah. In Tunesien liess sie die Kinder unter der Woche fremdbetreuen. H.________ 
gar dauernd. Da die Beschuldigte und die Kinder vorerst bei P.________ logierten 
(pag. 147) und erstere im November 2018 zu arbeiten begann (pag. 686 Z. 43), kann 
die von der Vorinstanz positiv hervorgehobene Eingewöhnungsphase der Kinder im 
Rahmen der Fremdplatzierung nicht allzu lange gedauert haben. Nach den Aussa-
gen der Beschuldigten bestand diese sodann lediglich aus einigen wenigen Treffen 
(bspw. auf dem Spielplatz, pag. 898 Z. 33 f.). Die auswärtigen Übernachtungen der 

20

Kinder waren vorerst nicht geplant, erwiesen sich aufgrund der langen Tage, insbe-
sondere für die Kinder (vgl. pag. 897 Z. 42 ff.), und der allgemeinen Überforderung 
der Beschuldigten aber als notwendig (u.a. pag. 148 Z. 344 ff.). E.________ ist am 
.________ geboren und wurde somit im Alter von 5 Jahren und 3 Monaten von der 
Beschuldigten nach Tunesien gebracht. Sie musste das Pensum im tunesischen Kin-
dergarten reduzieren, weil es ihr zu viel geworden ist, was wenig erstaunt, zumal sie 
bereits in der Schweiz im Kindergarten der V.________-Schule Mühe hatte. In Tu-
nesien gab es kein mit der V.________-Schule vergleichbares Kindergartenangebot. 
Zudem musste sie, die der lokalen Sprache nicht mächtig war, den Kindergarten in 
Tunesien anfangs gar Vollzeit besuchen. G.________ ist am .________ geboren 
und wurde im Alter von 3 Jahren und 9 Monaten von der Beschuldigten nach Tune-
sien gebracht. E.________ und G.________ haben ihren Papi vermisst. Sie hatten 
während ihrem ganzen Aufenthalt in Tunesien keinen Kontakt zu ihm. Die Beschul-
digte hatte keinen Kontakt zum Kindesvater gewünscht. Als die Kinder nach 18 Mo-
naten in die Schweiz zurückkehrten, mussten sie ihren Vater wieder kennenlernen. 
H.________, welche am .________ geboren ist und im Alter von knapp 10 Monaten 
von der Beschuldigten nach Tunesien gebracht wurde, dürfte bei der Rückkehr keine 
Erinnerungen an ihren Vater gehabt haben. Die Beschuldigte wusste um all die das 
Leben der Kinder massiv beeinträchtigenden Faktoren (fremdes Land, fremde Spra-
che und Kultur, abrupter Kontaktabbruch zum Kindesvater und den Grosseltern, De-
pression, Überforderung mit der Kinderbetreuung, Fremdplatzierung, fast mittellos, 
illegaler Aufenthalt, Schwarzarbeit), handelte gleichwohl und nahm all die negativen 
Folgen für die Kinder als Begleiterscheinung ihrer Auswanderung hin. Die Aussagen 
der Beschuldigten, wonach sie den Kindern keinen Schaden zugefügt habe bzw. 
zufügen wollte (u.a. pag. 152 Z. 534), erscheinen in erster Linie darauf ausgerichtet, 
das eigene Verhalten zu verharmlosen und ohne realen Hintergrund zu beschöni-
gen.

IV. Rechtliche Würdigung

13. Kindesentführung (Art. 183 Ziff. 2 StGB)

13.1 Objektiver Tatbestand
Nach Art. 183 Ziff. 2 StGB macht sich strafbar, wer jemanden entführt, der urteilsun-
fähig, widerstandsunfähig oder noch nicht 16 Jahre alt ist. Geschütztes Rechtsgut ist 
die körperliche Bewegungsfreiheit des Opfers (BGE 141 IV 10 E. 4.5.2 und 4.5.4). 
Entführen bedeutet das widerrechtliche Sichbemächtigen einer Person durch Weg-
bringen von ihrem bisherigen Aufenthaltsort (DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar 
Strafrecht, 4. Aufl. 2018, N. 23 zu Art. 183 StGB). Der Tatbestand der Entführung 
setzt voraus, dass sich als Folge des Verbringens an einen anderen Ort eine Macht-
position des Täters über sein Opfer ergibt. Erforderlich ist zudem, dass die Ortsver-
änderung für eine gewisse Dauer vorgesehen und das Opfer in seiner persönlichen 
Freiheit tatsächlich beschränkt ist, es insbesondere nicht die Möglichkeit hat, unab-
hängig vom Willen des Täters an seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort zurückzukeh-
ren (Urteil des Bundesgerichts 6B_248/2017 vom 17. Mai 2017 E. 4). Bei Personen, 
die noch nicht 16 Jahre alt sind, sind keine besonderen Tatmittel erforderlich. Die im 

21

Sinne von Art. 183 Ziff. 2 StGB besonders schutzbedürftigen Opfer können in eine 
unzulässige Freiheitsbeschränkung nicht in relevanter Weise einwilligen (DEL-
NON/RÜDY, a.a.O., N. 52 zu Art. 183 StGB). Auf ihren Willen kommt es nicht an. Das 
Gesetz schützt sie unabhängig davon, ob sie Widerstand leisten oder ob sie in die 
Entführung einwilligen (Urteils des Bundesgerichts 6B_248/2017 vom 17. Mai 2017 
E. 4.2 mit Verweis auf BGE 141 IV 10 E. 4.5.4). 

Grundsätzlich keine Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 2 StGB liegt vor, wenn 
ein Elternteil, der das Recht hat, über den Aufenthaltsort eines Kindes zu bestimmen, 
diesen verändert. Gemäss der nunmehr gefestigten Rechtsprechung des Bundes-
gerichts sind aber Konstellationen denkbar, in denen die Verbringung eines Kindes 
an einen anderen Aufenthaltsort derart massiv in dessen Interessen und letztlich 
auch in sein Freiheitsrecht eingreift, dass sie strafrechtlich relevant wird. In diesen 
Ausnahmefällen lässt sich die Ortsveränderung nicht mehr mit dem Aufenthaltsbe-
stimmungsrecht der Eltern rechtfertigen. Voraussetzung hierfür ist, dass die konkre-
ten Umstände eindeutig ausserhalb des Kindeswohls liegen. Geringfügige Beein-
trächtigungen der Interessen des Kindes, die mit einer Veränderung des Aufenthalts-
ortes zwangsläufig einhergehen, genügen nicht (BGE 141 IV 10 E. 4.5.5; auch Ur-
teile des Bundesgerichts 6B_82/2018 vom 25. September 2018 E. 2.2 ff.; 
6B_1235/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 2.3 ff.; 6B_248/2017 vom 17. Mai 2017 
E. 4; 6B_1279/2015 vom 14. April 2016 E. 2 je mit Hinweisen).

Nach dem am 1. Juli 2014 in Kraft gesetzten Art. 301a Abs. 2 ZGB müssen Eltern, 
welche das Sorgerecht gemeinsam ausüben, beim anderen Elternteil, Gericht oder 
der Kindesschutzbehörde die Zustimmung einholen, wenn sie den Aufenthaltsort des 
Kindes wechseln wollen und der neue Aufenthaltsort im Ausland liegt (lit. a) oder der 
Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die Ausübung der 
elterlichen Sorge und den persönlichen Verkehr durch den andern Elternteil hat (lit. 
b).

Eine qualifizierte Entführung im Sinne von Art. 184 Abs. 4 StGB liegt vor, wenn der 
Entzug der Freiheit objektiv mehr als 10 Tage dauert und der Täter diese Dauer auch 
subjektiv zumindest in Kauf genommen hat (DELNON/RÜDY, a.a.O., N 21 zu Art. 184 
StGB).

13.2 Subjektiver Tatbestand
In subjektiver Hinsicht setzt der Tatbestand der Entführung die vorsätzliche Bege-
hung voraus, wobei Eventualvorsatz genügt (DELNON/RÜDY, a.a.O., N 57 zu Art. 183 
StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_1279/2016 vom 14. April 2016 E. 2.3.1). Nach 
ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn 
der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die Verwirklichung des Tatbestands für mög-
lich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf 
nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB), sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht 
sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis).

Der direkte Vorsatz lässt sich in zwei Unterkategorien aufteilen: Direkter Vorsatz ers-
ten Grades und direkter Vorsatz zweiten Grades. Anders als die Ordinalbezeichnun-
gen (erster und zweiter) anzudeuten scheinen, unterscheiden sich die zwei Katego-
rien jedoch weder hinsichtlich Strafbarkeit noch Strafmass; die Unterscheidung ist 

22

primär akademischer Natur (NIGGLI/MAEDER, in: Basler Kommentar Strafrecht, 
4. Aufl. 2019, N. 43 zu Art. 12 StGB). Beim direkten Vorsatz ersten Grades will oder 
nimmt der Täter den Erfolg in Kauf und sieht diesen als sicher voraus (BGE 129 IV 
230 E. 5.2). Direkter Vorsatz zweiten Grades ist demgegenüber gegeben, wenn der 
Täter den deliktischen Erfolg als notwendige Folge oder als Mittel zur Erreichung des 
verfolgten Zwecks in seinen Entschluss miteinbezogen hat, selbst wenn dieser ihm 
gleichgültig oder sogar unerwünscht sein mag. Der Erfolg braucht nicht das direkt 
vom Täter erstrebte Ziel zu sein. Es genügt, dass er mitgewollt ist (BGE 119 IV 193 
E. 2b/cc mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1248/2017 vom 21. Februar 
2019 E. 4.5.3; 6B_913/2016 vom 13. April 2017 E. 1.1.1; vgl. auch NIGGLI/MAEDER, 
a.a.O., N. 44-47 zu Art. 12 StGB). Im Ergebnis gilt in beiden Fällen, dass es auf die 
innere Einstellung des Täters – ob ihm der Eintritt der Nebenfolge erwünscht, gleich-
gültig oder gar zuwider ist – nicht ankommt und in seiner Vorstellung wiederum nur 
die Verbindung mit dem eigentlichen Handlungsziel eine notwendige bzw. «sicher» 
sein muss, nicht die Verwirklichung des Tatbestandes an sich (NIGGLI/MAEDER, 
a.a.O., N. 47 zu Art. 12 StGB).

13.3 Verhältnis zu Art. 220 StGB

Der Entziehung von Minderjährigen nach Art. 220 StGB macht sich strafbar, wer eine 
minderjährige Person dem Inhaber des Rechts zur Bestimmung des Aufenthaltsortes 
entzieht oder sich weigert, sie ihm zurückzugeben.

Wenn ein Elternteil ein Kind, das unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht, ohne 
die Zustimmung des andern Elternteils oder der zuständigen Behörden ins Ausland 
verbringt, beschneidet er damit grundsätzlich das Recht des anderen Elternteils, den 
Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen und hat sich, wie von den Beschuldigten 
zutreffend ausgeführt, unter Umständen wegen einer Entziehung von Minderjährigen 
im Sinne von Art. 220 StGB zu verantworten (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des 
Bundesgerichts 5A_293/2016 vom 8. August 2016 E. 4.3). Geschütztes Rechtsgut 
von Art. 220 StGB ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern als Teilgehalt der 
elterlichen Sorge (BGE 141 IV 205 E. 5.3.1). Hat ein Elternteil die alleinige elterliche 
Sorge inne oder verfügt er über das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht, fällt eine 
Strafbarkeit ausser Betracht. 

Anders als Art. 220 StGB schützt Art. 183 Ziff. 2 StGB nicht den Elternteil, dem der 
Kontakt zum gemeinsamen Kind verunmöglicht wurde, sondern das Kind, welches 
durch die Verbringung an einen anderen Aufenthaltsort massiv in seinen 
geschützten Interessen und damit letztlich in seinem Freiheitsrecht beschnitten wird. 
Aufgrund der Verschiedenheit der betroffenen Rechtsgüter besteht zwischen den 
beiden Bestimmungen echte Konkurrenz (ULRICH WEDER, in: Andreas Donatsch 
[Hrsg.], Kommentar StGB / JStGB, 20. Aufl. 2018, N 9 f. zu Art. 220 StGB; ANDREAS 
ECKERT, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2018, N 37 zu Art. 220 StGB). Ent-
scheidend für die Erfüllung des Tatbestandes der Kindsentführung ist damit nicht, ob 
die Ortsverschiebung vom Inhaber des Aufenthaltsbestimmungsrechts vorgenom-
men wurde, sondern ob mit der Ortsveränderung eine Situation geschaffen wurde, 
die dem Wohl des betroffenen Kindes klar entgegensteht. 

23

14. Subsumtion

14.1 Objektiver Tatbestand

Wie dargelegt wurden die drei minderjährigen Kinder aus ihrer gewohnten Umge-
bung gerissen und von der Beschuldigten nach Tunesien gebracht. Sie hatten be-
reits aufgrund ihres sehr jungen Alters keine Möglichkeit, unabhängig vom Willen der 
Beschuldigten, an ihren gewohnten Aufenthaltsort zurückzukehren. So befanden sie 
sich in einem fremden Land, sprachen die dortige Sprache nicht und waren mit des-
sen Kultur nicht vertraut. Die Wohnsitzverlegung war auf eine längere Dauer ange-
legt. Die Beschuldigte blieb mit den drei Kindern insgesamt 18 Monate in Tunesien, 
bevor sie das Land (unfreiwillig) verlassen musste. Der objektive Tatbestand der Kin-
desentführung ist insoweit erfüllt.

Es bleibt zu prüfen, ob die Beschuldigte mit der unangekündigten und plötzlichen 
Verlegung des Wohnsitzes nach Tunesien eine Situation schuf, die klar ausserhalb 
des Wohls der Kinder lag. Bei der Beurteilung ist nicht nur zu berücksichtigen, wie 
sich der neue Wohnort bzw. die neue Betreuungssituation auf das Wohl der Kinder 
auswirkte, sondern auch, wie die Wohnsitzverlegung ihr aktuelles und künftiges 
Beziehungsnetz beeinflusste. Nicht entscheidend ist dagegen, ob die 
Ortsveränderung bei den Kindern tatsächlich einen (nachweisbaren) Schaden 
hinterliess. Es reicht vielmehr aus, wenn die von der Beschuldigten mit der 
Ortsverschiebung geschaffene Situation dem Wohl und den Bedürfnissen der Kinder 
klar entgegenstand (Urteil des Bundesgerichts 6B_1235/2016 vom 16. Oktober 2017 
E. 2.4.3).

Wie erwähnt, wurden die noch kleinen Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung 
gerissen und in ein Land gebracht, in welchem sie sich anfangs nicht verständigen 
konnten. E.________ und G.________ vermissten ihren Vater, durften diesen aber 
nicht kontaktieren, denn die Beschuldigte wünschte keinen Kontakt der Kinder zum 
Kindesvater. Dem Straf- und Zivilkläger 1 war es vollständig verwehrt, seine Kinder 
zu sehen und zu H.________ eine Beziehung aufzubauen. Die gesundheitlich 
angeschlagene Beschuldigte, die mit der alleinigen Betreuung der Kinder überfordert 
war, platzierte E.________ und G.________ unter der Woche und H.________ gar 
die ganze Zeit fremd, wobei die Kinder auch bei der Pflegefamilie übernachteten. 
Das Alter der Pflegeeltern N.________ und O.________ und deren Nachnamen 
kennt die Beschuldigte nicht (pag. 148 Z. 363 und pag. 166 Z. 62 f.). Sie hat diese 
über Facebook kennengelernt (pag. 148 Z. 364), wobei die Fremdbetreuung bereits 
nach wenigen persönlichen Kontakten in wohnfernen Situationen (Spielplatz und 
dergleichen, vgl. pag. 890 Z. 23 ff.) erfolgte. Von einer sanften und 
verantwortungsvollen Eingewöhnungsphase bei den Pflegeeltern kann dabei nicht 
die Rede sein. E.________ war bereits im halbtags in der Schweiz besuchten 
Kindergarten der V.________-Schule überfordert und in Tunesien im ganztägigen 
erst recht, worauf sie schliesslich das Pensum reduzieren durfte. Sie verstand mit 
der Zeit Arabisch. Eine Krankenkasse bestand nicht und die Beschuldigte scheint 
von der Hand in den Mund gelebt zu haben. Entgegen der Vorinstanz kann nicht 
gesagt werden, die Kinder hätten aufgrund des relativ jungen Alters als 
anpassungsfähig zu gelten und in der Schweiz hätten sie noch nicht über 
(übermässig) gefestigte Verhältnisse, die einer Kontinuität bedurft hätten, verfügt. 

24

Immerhin hat E.________ bereits den Kindergarten besucht. Bereits das grundlose 
Verlassen der Schweiz grenzt an eine Kindeswohlgefährdung. Diese trat spätestens 
mit dem abrupten Kontaktabbruch zum Kindesvater, welcher vorher regelmässig 
sein Besuchsrecht ausübte und im Verbund mit der Fremdbetreuung in einem 
fremden Land ein. Auch wenn es in der Ehe der Beschuldigten nicht immer rosig 
zugegangen sein mag und sich die Eltern nicht einig sind, wer nun die Kinder 
während dem Zusammenleben betreut hat, ist festzuhalten, dass zumindest 
E.________ und G.________ die ersten Lebensjahre mit ihren Eltern verbrachten. 
Entsprechend haben sie den Willen geäussert, wieder mit Mami und Papi zusammen 
zu leben. Nach der Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes betreute die 
Beschuldigte die Kinder hauptsächlich und der Straf- und Zivilkläger 1 nahm sein 
Besuchsrecht gemäss Trennungsvereinbarung wahr. Ein Entwurzeln mit 
einhergehender Fremdbetreuung mit dem einzigen Grund, den nicht genehmen 
Behörden (KESB) und dem missliebigen Ehegatten sowie der missliebigen Mutter 
zu entfliehen, gefährdete das Wohl von E.________, G.________ und H.________ 
massiv und in unnötiger Weise. Es kommt hinzu, dass die Beschuldigte 
gesundheitlich angeschlagen war, die Kinder nicht alleine betreuen konnte, wenig 
Geld hatte, Schwarzarbeit leistete und sich illegal in Tunesien aufhielt. Aufgrund des 
illegalen Aufenthalts war im Übrigen klar, dass die Beschuldigte Tunesien über kurz 
oder lang wieder wird verlassen müssen, was zwangsläufig zu einer erneuten, dem 
Kindeswohl nicht förderlichen Entwurzelung, namentlich in Bezug auf die 
Pflegeeltern, führte (vgl. ihre Aussagen pag. 683 Z. 3 f.). Betreffend Auswirkungen 
auf das Besuchsrecht des Straf- und Zivilklägers 1 kann auf die Ausführungen der 
Vorinstanz verwiesen werden (S. 17 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 
762):

Zweitens, und am ausschlaggebendsten, hat die Beschuldigte während der gesamten 18 Monaten in 
Tunesien den Kontakt der Kinder zu ihrem Vater nicht nur erschwert, sondern gänzlich unterbunden. 
Der Vater hatte bis zum Zeitpunkt der Ausreise ein wöchentliches Besuchsrecht ausgeübt, welches 
dann mit einer List der Beschuldigten (Vorwand Deutschlandaufenthalt) abrupt beendet wurde. Die 
Kinder konnten sich weder von ihrem Vater verabschieden noch hatten sie die Möglichkeit, mit ihm 
Kontakt aufzunehmen oder mit ihm zu kommunizieren (z.B. via moderne Kommunikationsmittel). Die 
18 Monate haben in Bezug auf das junge Alter der Kinder (viele Entwicklungsschritte in einer kurzen 
Zeitdauer) als sehr lange zu gelten (vgl. dazu auch die Qualifikation nach Art. 184 StGB). Diese lange 
Abwesenheit führte zwangsläufig zu einer Entfremdung der Kinder von ihrem Vater. Dies zeigte sich 
auch bei deren Reaktion bei Rückkehr in die Schweiz. Die Kinder mussten sich wieder an ihren Vater 
gewöhnen bzw. ihn überhaupt erst kennenlernen (bei der jüngsten Tochter). Der Vorwurf der 
Verteidigung, der Vater habe über keine enge Beziehung zu seinen Kindern verfügt bzw. er habe das 
Verschwinden der Kinder erst nach drei Monaten bemerkt, ändert nichts an der massiven 
Kindeswohlgefährdung. C.________ hat durchaus als wichtige, wenn auch nicht primäre, 
Bezugsperson der Kinder agiert und sein Besuchsrecht nach der Trennung grundsätzlich 
wahrgenommen. Des Weiteren hielt er sich bei Ausreisezeitpunkt der Kinder länger in .________ auf 
(Beerdigung seines Vaters) und ist davon ausgegangen, dass die Beschuldigte sich mit den Kindern in 
der Kur in Deutschland befinde. Zudem hat er unmittelbar nach seiner Rückkehr Nachforschungen 
angestellt und war in Kontakt mit den Behörden (Beiständin und Polizei). Er unternahm etliche 
Bestrebungen, um seine Kinder wieder zu erlangen. 

25

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass der Umzug nach Tunesien aus nicht sachlichen 
Gründen erfolgte und insbesondere der abrupte und langandauernde komplette Verlust des Vaters, den 
Kindsinteressen massiv widersprach und damit das Kindswohl massiv gefährdete. Die objektiven Tat-
bestandselemente der Entführung nach Art. 183 Ziff. 2 StGB sind somit erfüllt. 

14.2 Subjektiver Tatbestand

Hinsichtlich des subjektiven Tatbestands hielt die Vorinstanz dafür, die Beschuldigte 
habe nicht direktvorsätzlich gehandelt, da ihr als Mutter und angesichts ihrer dama-
ligen Depression nicht vorgeworfen werden könne, dass der Umzug auf eine Schä-
digung der Kinder gerichtet gewesen sei. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt wer-
den. Vielmehr ist zu prüfen, ob die Beschuldigte zumindest für möglich hielt und in 
Kauf nahm, dass die Verbringung der Kinder nach Tunesien und das auf Dauer an-
gelegte Leben der Kinder in Tunesien massiv in deren Interessen sowie Wohl eingriff 
(so auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1279/2015 vom 14. April 2016 E. 2.3.1). Es 
ist erstellt, dass die Beschuldigte um all die das Leben der Kinder massiv beeinträch-
tigenden Faktoren rund um die Ausreise und den Aufenthalt in Tunesien (fremdes 
Land, fremde Sprache und Kultur, abrupter Kontaktabbruch zum Kindesvater und 
den Grosseltern, Depression, Überforderung mit der Kinderbetreuung, Fremdplat-
zierung, fast mittellos, illegaler Aufenthalt, Schwarzarbeit) wusste, sie gleichwohl 
handelte und die negativen Folgen für die Kinder als Begleiterscheinung ihrer Aus-
wanderung hinnahm. Damit handelte sie mit direktem Vorsatz zweiten Grades.

14.3 Qualifikation

Es ist offenkundig, dass der Freiheitsentzug deutlich mehr als 10 Tage dauerte 
(9. September 2019 bis 28. Februar 2020), weshalb ein erschwerender Umstand 
gemäss Art. 184 Abs. 4 StGB gegeben ist (vgl. dazu die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz, S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 763).

14.4 Fazit

Die Beschuldigte brachte die drei noch nicht 16 Jahre alten Kinder von ihrem bishe-
rigen Aufenthaltsort weg, ohne dass sich dies mit dem Aufenthaltsbestimmungsrecht 
der Mutter rechtfertigen lassen würde. Sie griff damit massiv in die Interessen der 
Kinder ein und verletzte letztlich auch deren Freiheitsrechte. Der Tatbestand der Ent-
führung (Art. 183 Ziff. 2 i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB) ist sowohl in objektiver als auch 
in subjektiver Hinsicht erfüllt. Weil drei Kinder betroffen waren, liegt eine Mehrfach-
begehung vor.

Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich.

Die Beschuldigte ist der mehrfachen qualifizierten Entführung nach Art. 183 Ziff. 2 
i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB schuldig zu erklären.

26

V. Strafzumessung

15. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung

Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung korrekt wieder-
gegeben. Darauf kann verwiesen werden (S. 20 f. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 765 f.).

16. Strafrahmen, Strafart und konkretes Vorgehen

Die Beschuldigte hat sich der qualifizierten Entführung, mehrfach begangen und der 
Entziehung von Minderjährigen, mehrfach begangen schuldig gemacht. Für die qua-
lifizierte Entführung lautet der Strafrahmen nicht bloss – wie in Art. 183 StGB für den 
Grundtatbestand vorgesehen – auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Gelds-
trafe, sondern auf Freiheitsstrafe von einem bis 20 Jahren (Art. 184 i. V. m. Art. 40 
Abs. 2 StGB).

Die Kammer ist der Ansicht, dass aufgrund der Tatschweren für sämtliche Delikte 
nach der konkreten Methode einzig das Aussprechen einer Freiheitsstrafe als ver-
hältnismässig und schuldadäquat erscheint.

Bei der qualifizierten Entführung zum Nachteil von E.________ handelt es sich, ins-
besondere aufgrund ihres Alters und des Umstandes, dass sie in der Schweiz bereits 
eingeschult (Kindergarten) war, um das schwerste Delikt, für welches die Einsatz-
strafe zu bestimmen ist. Diese ist anschliessend in Anwendung von 
Art. 49 Abs. 1 StGB infolge der weiteren Schuldsprüche angemessen zu erhöhen. 
Zur Festlegung des konkreten Strafmasses wird diese hypothetische Gesamtstrafe 
schliesslich aufgrund der Täterkomponenten gegebenenfalls anzupassen sein.

17. Einsatzstrafe für die qualifizierte Entführung von E.________

17.1 Objektive Tatkomponenten

Wie bereits von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, ist das geschützte Rechtsgut 
bei der Entführung die Bewegungsfreiheit, wobei eine Verschiebung des Opfers von 
einem Ort an einen anderen bewirkt wird (DELNON/RÜDY, a.a.O., N. 23 zu Art. 183 
StGB).

Die Beschuldigte hat die noch nicht einmal 6-jährige E.________ am 9. September 
2018 an einen ihr unbekannten Ort in Tunesien gebracht, fernab von ihrem Vater 
und sie dort unter der Woche (inkl. Übernachtungen) von ihr bisher unbekannten 
Pflegeltern betreuen lassen. Zum Kindesvater hat die Beschuldigte keinen Kontakt 
zugelassen und auch eine Verabschiedung hat nicht stattgefunden. Dadurch hat die 
Beschuldigte das noch kleine Kind aus seiner angestammten, vertrauten Umgebung 
rücksichtslos herausgerissen. Erschwerend kommt die auch innerhalb des qualifi-
zierten Tatbestands als lang zu bezeichnende Deliktsdauer von 18 Monaten hinzu. 
Die 18-monatige Trennung vom Kindesvater war für die im Tatzeitpunkt noch nicht 
einmal 6-jährigen E.________ zweifelsohne einschneidend. Die Beschuldigte hin-
derte ihre Tochter daran, die Vater-Tochter-Beziehung zu leben, mit ihrem Vater Um-
gang zu pflegen und ihn an ihrer Erziehung teilhaben zu lassen. Dabei befand sich 

27

E.________ in den ersten prägenden Lebensjahren. Als wäre die Trennung vom Va-
ter nicht genug, liess die Beschuldigte E.________ unter der Woche fremdbetreuen, 
wodurch E.________ grösstenteils auch von ihrer Mutter getrennt war (vgl. dazu 
pag. 899 Z. 21 f.). Ebenso erschwerend ins Gewicht fällt, dass die Beschuldigte ihre 
Tochter in Tunesien einen ganztägigen Kindergarten besuchen liess, obschon ihr 
bewusst gewesen war, dass E.________ bereits in der Schweiz im halbtags 
besuchten Kindergarten der V.________-Schule Mühe hatte. Ein mit der 
V.________-Schule vergleichbares Angebot gab es in Tunesien nicht. Hinzu kommt, 
dass E.________ anfangs die dortige Sprache und Kultur nicht kannte. Soweit die 
Verteidigung und die Kinderanwältin vorbringen, die Beschuldigte habe im Interesse 
von E.________ gehandelt, indem sie das Kindergartenpensum von E.________ in 
Tunesien später reduziert habe, kann ihnen nicht gefolgt werden. Es hätte gar nie zu 
einer solchen handlungsbedürftigen Situation kommen dürfen, lag es doch auf der 
Hand, dass E.________ ein ganztägiger Kindergarten in einem fremden Land und 
bei fremder Sprache Mühe bereiten würde. Eine Krankenkasse bestand für 
E.________ nicht, ebenso wenig kümmerte sich die Beschuldigte um einen legalen 
Aufenthalt ihres Kindes in Tunesien. Das Verhalten der Beschuldigten stellt eine 
schwere Missachtung des Kindeswohls mit irreversiblen Folgen dar, auch wenn zu 
ihren Gunsten zu berücksichtigen ist, dass es E.________ in Tunesien grundsätzlich 
gut ging und die Ausreise nicht auf eine übermässig traumatisierende Weise, 
sondern geordnet, erfolgte. Auch konnte sich E.________ in der neuen Umgebung 
frei bewegen. Dennoch ist nicht zu vergessen, dass die Ausreise für E.________ 
plötzlich erfolgte und sie ihren Vater vermisste.

Die Art und Weise der Tatbegehung war nicht besonders raffiniert. Die Abreise aus 
der Schweiz und der definitive Umzug nach Tunesien war aber sehr wohl geplant. 
Der Beschuldigten war in der Folge auch jedes Mittel recht, den Aufenthalt von 
E.________ zu verheimlichen. So verschickte sie diverse inhaltlich unwahre 
Nachrichten in die Schweiz (u.a. an den Kindesvater). Ferner stellte die Beschuldigte 
sicher, dass Drittpersonen in der Schweiz über ihre Bankkarte verfügten, um sie 
durch Geldbezüge zu unterstützen. Das Verhalten der Beschuldigten ist als zielge-
richtet und fokussiert zu bezeichnen und ihr ist eine nicht unerhebliche kriminelle 
Energie zu attestieren. Die Beschuldigte wäre denn auch nicht von sich aus in die 
Schweiz zurückgekehrt. Dies obschon aufgrund des illegalen Aufenthalts klar war, 
dass die Beschuldigte Tunesien über kurz oder lang wieder wird verlassen müssen, 
was zwangsläufig zu einer erneuten, dem Kindeswohl nicht förderlichen 
Entwurzelung, namentlich in Bezug auf die Pflegeeltern, und zu einer 
Neueingliederung in der Schweiz führte.

17.2 Subjektive Tatkomponenten

Die Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz, was deliktsimmanent ist und sich 
neutral auswirkt. Ebenfalls neutral sind die rein egoistischen Beweggründe der Be-
schuldigten zu werten. Für die Beschuldigte bestand keine Zwangslage, die ihre Ent-
scheidungsfähigkeit oder die Vermeidbarkeit der Delikte in irgendeiner Weise als re-
duziert erscheinen liesse. Sie hätte die Rechtsgutsverletzung ohne weiteres verhin-
dern können. Die subjektiven Tatkomponenten wirken sich neutral aus. 

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17.3 Fazit Tatverschulden

Verglichen mit anderen denkbaren Sachverhaltsvarianten, beispielsweise einer 
Entführung, bei der das Opfer jahrelang in einem Verlies gefangen gehalten wurde, 
ist die Tatschwere noch im unteren Drittel des weiten Strafrahmens anzusiedeln. 
Konkret erachtet die Kammer aufgrund des objektiven und subjektiven Tatverschul-
dens und mit Blick auf Vergleichsfälle (vgl. Urteil des Obergerichts SK 18 51 vom 
15. Oktober 2018, wo eine deutlich kürzere Deliktsdauer vorlag; Urteile des Bundes-
gerichts 6B_82/2018 E. 4.2; 6B_1279/2015 E. 3.3.2; 6B_694/2012 E. 2.3.1 ff.) für 
die qualifizierte Entführung zum Nachteil von E.________ eine Freiheitsstrafe von 
22 Monaten als angemessen.

18. Asperation qualifizierte Entführungen von G.________ und H.________

18.1 Vorbemerkung

Das Tatvorgehen und die subjektiven Aspekte sind bei beiden Betroffenen identisch, 
weshalb es sich rechtfertigt, die qualifizierten Entführungen von G.________ und 
H.________ nachfolgend zusammen zu behandeln.

18.2 Objektive Tatkomponenten

Die Beschuldigte nahm auch mit der Verbringung von G.________ und H.________ 
nach Tunesien eine Handlung vor, die in ihren Auswirkungen dem Kindeswohl klar 
entgegenstand. Erschwerend ins Gewicht fällt auch hier die lange Dauer der Ent-
führungen von 18 Monaten und der Umstand, dass sich auch G.________ und 
H.________ in den ersten prägenden Lebensjahren befanden. Die Beschuldigte 
liess keinen Kontakt zum Kindesvater zu. G.________ vermisste seinen Vater und 
H.________ kannte ihren Vater aufgrund des sehr jungen Alters noch kaum und es 
konnte keine Bindung hergestellt werden. G.________ wurde unter der Woche und 
H.________ die ganze Woche fremdbetreut und damit grösstenteils auch von ihrer 
Mutter, der Beschuldigten, getrennt. Es bestand weder eine Krankenkasse, noch ein 
(gültiger) Aufenthaltstitel in Tunesien. Zu Gunsten der Beschuldigten ist einzig zu 
berücksichtigen, dass es G.________ und H.________ in Tunesien grundsätzlich 
gut ging. Was die weiteren Umstände der Ausreise und des Aufenthalts in Tunesien 
anbelangt, kann auf das bei der Entführung von E.________ Gesagte verwiesen 
werden (Ziff. V. 17.1 vorne).

18.3 Subjektive Tatkomponenten

Betreffend die subjektiven Tatkomponenten kann auf das bereits Erwähnte bei der 
Entführung von E.________ verwiesen werden (Ziff. V. 17.2). Sie wirken sich neutral 
aus.

18.4 Fazit Tatverschulden

Ausgehend von einem im Vergleich zur Entführung von E.________ insgesamt et-
was leichteren Tatverschulden ist die Einzelstrafe im Fall der Entführung von 
G.________ und H.________ auf jeweils 20 Monate festzusetzen. Die Kammer as-
periert diese Strafen aufgrund des engen sachlichen Zusammenhangs jeweils im 
Umfang von 10 Monaten (½) zur Einsatzstrafe. Es resultiert somit eine Freiheitsstrafe 
von 42 Monaten.

29

19. Asperation Entziehen von Minderjährigen

19.1 Vorbemerkung

Das Entziehen von E.________, G.________ und H.________ zum Nachteil des 
Straf- und Zivilklägers 1 erfolgte jeweils identisch, weshalb es sich rechtfertigt, diese 
Delikte nachfolgend gemeinsam zu behandeln.

19.2 Objektive Tatschwere

Die drei noch sehr jungen Kinder wurden dem Straf- und Zivilkläger 1 am 9. Septem-
ber 2018 für eine Dauer von 18 Monaten entzogen, wodurch er keine Möglichkeit 
mehr hatte, sein Besuchsrecht wahrzunehmen und seine Kinder zu sehen. Er konnte 
in dieser Zeit an der Erziehung der Kinder nicht teilhaben und wusste lange Zeit gar 
nicht, wo sich diese aufhalten. Die Beschuldigte verheimlichte ihm den Aufenthaltsort 
und sendete ihm eine inhaltlich unwahre Nachricht. Durch das Verhalten der Be-
schuldigten wurde die väterliche Beziehung zu den drei Kinder enorm beeinträchtigt. 
Dies zeigt sich unter anderem darin, dass sich die Kinder nach ihrer Rückkehr wieder 
an ihren Vater gewöhnen mussten. H.________, welche bei der Ausreise noch nicht 
einmal jährig gewesen ist, musste ihn erst kennenlernen. Zwar ging es den Kindern 
in Tunesien gut, aber geschütztes Rechtsgut von Art. 220 StGB sind die Rechte und 
Gefühle der sorge- und betreuungsberechtigten Eltern und nicht das Wohlbefinden 
der Kinder. Der Straf- und Zivilkläger 1 schilderte an der oberinstanzlichen Verhand-
lung glaubhaft, dass er kein gutes Verhältnis zu den Kindern habe, seit diese aus 
Tunesien zurückgekehrt seien (pag. 887 Z. 20 f. und Z. 24). Es habe lange gedauert, 
bis er wieder alleine mit den Kindern habe sein können (pag. 889 Z. 3). H.________ 
sei nur einige Monate alt gewesen und habe ihn gar nicht gekannt. Entsprechend 
habe sie auch nichts von ihm wissen wollen (pag. 889 Z. 42 f.). Die Entfremdung ist 
mithin noch heute zu spüren und zeitigt Folgen.

19.3 Subjektive Tatschwere

Die Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz und aus rein egoistischen Beweg-
gründen (vgl. S. 20 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 765), was delikt-
simmanent ist und sich neutral auswirkt. Die Tathandlungen wären für die Beschul-
digte ohne weiteres vermeidbar gewesen. Die subjektive Tatschwere wirkt sich neu-
tral auf die Strafe aus.

Aufgrund des objektiven und subjektiven Tatverschuldens erscheint eine Freiheits-
strafe von insgesamt 10 Monaten für das Entziehen von E.________, G.________ 
und H.________ zum Nachteil des Beschuldigten als angemessen. Die Kammer as-
periert diese Freiheitsstrafe aufgrund des engen sachlichen Zusammenhangs zu den 
Entführungen im Umfang von 5 Monaten (½). Damit resultiert eine Freiheitsstrafe 
von 47 Monaten.

20. Täterkomponenten

20.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse

Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten weisen keine 
strafrelevanten Besonderheiten auf, was sich neutral auswirkt. So verfügt die Be-

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schuldigte insbesondere über keine Vorstrafen (pag. 865). Es kann auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 32 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 768).

20.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren

Strafmindernd im Sinne eines entlastenden Nachtatverhaltens wirken gemäss 
Rechtsprechung und Lehre vor allem das Bekunden von Reue und Bedauern und 
eine Stabilisierung der Lebensverhältnisse. Ein Geständnis ist nur dann strafmin-
dernd zu berücksichtigen, wenn es Ausdruck von Einsicht und Reue der beschuldig-
ten Person ist und die Strafverfolgung erleichtert (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Schwei-
zerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N. 175 und 177 zu Art. 47 StGB; MATHYS, 
a.a.O., N. 334 ff.). Die Beschuldigte hat sich im Strafverfahren anständig und wohl 
verhalten, was jedoch erwartet werden darf und daher neutral zu werten ist. Sie war 
den äusseren Ablauf der Geschehnisse betreffend geständig, zeigte jedoch keine 
wirkliche Einsicht und Reue. Anders als noch bei ihrer ersten Einvernahme führte die 
Beschuldigte oberinstanzlich zwar aus, dass sie nicht mehr nach Tunesien zurück-
kehren möchte (pag. 893 Z. 26) und, dass sie heute keinen Kontakt zu P.________ 
mehr habe (pag. 892 Z. 39). Hingegen ist sie aber nach wie vor davon überzeugt, 
dass das schwierige Verhältnis der Kinder zum Straf- und Zivilkläger 1 nicht auf den 
18-monatigen Tunesienaufenthalt zurückzuführen sei. Die Schuld dafür sieht sie viel-
mehr beim Straf- und Zivilkläger 1 (pag. 890 Z. 17 ff.). Auf der gleichen Linie liegen 
die Ausführungen der Beschuldigten in der E-Mail vom 24. Mai 2023 an die Kinder-
anwältin (pag. 851). Sie spricht bei den begangenen Straftaten von einer «Sache», 
welche sie hofft, endlich «ad acta» legen zu können. Die Beschuldigte sieht nicht ein, 
etwas falsch gemacht und entgegen dem Wohl ihrer Kinder gehandelt zu haben. Von 
einem wirklichen Geständnis, das auf Einsicht und Reue schliessen liesse, kann des-
halb nicht die Rede sein. Das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren wirken 
sich folglich neutral auf die Strafe aus.

20.3 Strafempfindlichkeit

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine erhöhte Strafempfind-
lichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen, da die Verbüssung ei-
ner Freiheitsstrafe für jede arbeitstätige und in ein familiäres Umfeld eingebettete 
Person mit einer gewissen Härte verbunden ist (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1095/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3. mit Hinweis). Solche aussergewöhnlichen 
Umstände sind bei der Beschuldigten nicht ersichtlich. Was die von der Verteidigung 
vorgebrachte allfällige Fremdplatzierung der Kinder während dem Strafvollzug be-
trifft (pag. 897), so ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wo-
nach der Umstand, dass ein Kind während des Strafvollzugs allenfalls fremdbetreut 
werden muss, noch keinen Grund für die Annahme erhöhter Strafempfindlichkeit dar-
stellt (Urteil des Bundesgerichts 6B_243/2016 vom 8. September 2016 E. 3.4.2; vgl. 
auch Urteil des Bundesgerichts 6B_540/2010 vom 21. Oktober 2010 E. 1.4.2).

21. Beschleunigungsgebot

Die Verteidigung führte in oberer Instanz aus, dass die lange Verfahrensdauer bei 
der Strafzumessung strafmildernd zu berücksichtigen sei und macht damit eine Ver-
letzung des Beschleunigungsgebots geltend (pag. 897).

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Das in Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft (BV; SR 101) garantierte und in Art. 5 StPO konkretisierte Beschleunigungs-
gebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um die be-
schuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Unge-
wissen zu lassen (BGE 124 I 139 E. 2.a). Welche Verfahrensdauer angemessen ist, 
hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab, welche in ihrer Gesamtheit 
zu würdigen sind (Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003 vom 20. Januar 2004 E. 
3.2). Kriterien für die Angemessenheit der Verfahrensdauer sind etwa die Schwere 
des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die dadurch gebotenen Unter-
suchungshandlungen, das Verhalten des Beschuldigten und dasjenige der Behörden 
sowie die Zumutbarkeit für den Beschuldigten (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 
2. Aufl. 2019, N. 367; Urteil des Bundesgerichts 6B_1303/2018 vom 9. September 
2019 E. 1.2; BGE 143 IV 373 E. 1.4.1; 130 I 269 E. 2.3 und 3.1). Eine Verletzung 
des Beschleunigungsgebots führt in der Regel zu einer Strafreduktion, in Ausnah-
mefällen sogar zum Verzicht auf jegliche Strafe oder in extremen Fällen – als ultima 
ratio – zu einer Verfahrenseinstellung (BGE 143 IV 373 E. 1.4 sowie BGE 133 IV 158 
E. 8). Dabei kommt dem Gericht ein weites Ermessen zu (BGE 143 IV 373 E. 1.4.2). 
Die Verletzung des Beschleunigungsgebots muss im Urteil ausdrücklich festgehalten 
und es muss dargelegt werden, in welcher Weise dieser Umstand berücksichtigt 
wurde (BGE 117 IV 124 E. 4.d).

Vorliegend sieht die Kammer das Beschleunigungsgebot als verletzt. Die Beschul-
digte kam am 28. Februar 2020 mit ihren Kindern aus Tunesien zurück. Die Ankla-
geschrift datiert vom 17. März 2021 (pag. 505 ff.), die erstinstanzliche Hauptverhand-
lung fand am 4. April 2022 statt (pag. 667 ff.) und die Urteilsbegründung wurde am 
22. Juni 2022 fertiggestellt (pag. 746 ff.). Oberinstanzlich erging das Urteil am 5. Juli 
2023. Sowohl in erster wie auch in oberer Instanz erweisen sich die Zeitspannen 
zwischen dem Eingang des Dossiers beim Gericht und der Hauptverhandlung als zu 
lange. Dieser zu langen Verfahrensdauer ist mit einer Reduktion der Strafe um zwei 
Monat Rechnung zu tragen. Die Verletzung des Beschleunigungsgebots ist im Ur-
teilsdispositiv festzuhalten.

22. Konkretes Strafmass, Strafvollzug und Anrechnung von Ersatzmassnahmen

In Würdigung des gesamten Verschuldens und unter Berücksichtigung der Täter-
komponenten sowie der festgestellten Verletzung des Beschleunigungsgebots er-
achtet die Kammer eine Freiheitsstrafe von 45 Monaten (d.h. 3 Jahren und 9 Mona-
ten) als angemessen. Die ausgefällte Strafe kann aufgrund ihrer Höhe nur unbedingt 
ausgesprochen werden (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB).

Die Beschuldigte war vom 19. Juni 2020 bis am 6. April 2022 d.h. für insgesamt 657 
Tagen von einer Schriftensperre als Ersatzmassnahme i.S.v. Art. 237 Abs. 2 Bst. b 
StPO betroffen (pag. 36 ff. und pag. 226.1). Sie hatte während dieser Zeit keinen 
Pass. Die Identitätskarte wurde ihr am 12. Juni 2020 hingegen wieder ausgehändigt 
(pag. 227). Die Schriftensperre brachte keine Nachteile mit sich. So führte die Be-
schuldigte aus, dass die Schriftensperre kein Problem gewesen sei und sie diese 
nicht eingeschränkt hätte (pag. 684 Z. 9 und Z. 13). Aufgrund der Covid-19-Pande-
mie waren die Reisemöglichkeiten ohnehin begrenzt. Die persönliche Freiheit der 

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Beschuldigten wurde mit der Schriftensperre folglich nicht eingeschränkt, weshalb 
die Ersatzmassnahme nicht an die Freiheitsstrafe angerechnet wird.

VI. Zivilpunkt

23. Ausgangslage

Was den Zivilpunkt anbelangt, hat die Beschuldigte die erstinstanzliche ausgespro-
chene Verpflichtung zur Bezahlung einer Genugtuung in der Höhe von CHF 2'000.00 
an den Straf- und Zivilkläger 1 nicht angefochten. Aufgrund der Anschlussberufung 
des Straf- und Zivilklägers 1 bleibt zu prüfen, ob die Beschuldigte dem Straf- und 
Zivilkläger 1 eine Genugtuung schuldet, welche die Höhe von CHF 2'000.00 über-
steigt (vgl. Ziff. I. 5. vorne).

24. Rechtliche Grundlagen

Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundlagen zur Genugtuung korrekt widergege-
ben. Darauf kann verwiesen werden (S. 28 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 773 f.).

25. Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erwog, dass die Beschuldigte durch die Entführung und Entziehung 
der Kinder und der damit einhergehenden Verletzung des Besuchsrechts des Straf- 
und Zivilklägers 1 widerrechtlich in dessen persönliche Sphäre eingegriffen habe. Er 
habe eine seelische Unbill erlitten, deren objektive und subjektive Schwere die Zu-
sprechung einer Genugtuung rechtfertige. Es seien sämtliche Voraussetzungen von 
Art. 49 des Obligationenrechts (OR; SR 220) erfüllt.

Zur Genugtuungshöhe führte die Vorinstanz aus, dass der Straf- und Zivilkläger 1 
einer 18-monatigen Ungewissheit ausgesetzt gewesen sei. Er habe anfangs nicht 
gewusst, wo sich seine Kinder aufhalten und, ob er diese überhaupt nochmals sehen 
werde. Allerdings trage der Straf- und Zivilkläger 1 die Beweislast für das Ausmass 
der Beeinträchtigung. Er habe unter der Abwesenheit der Kinder gelitten und sich 
Hilfe bei einem Freund gesucht und gebetet. Eine weitergehende Einschränkung, 
die eine psychiatrische Behandlung erfordert hätte, und die geltend gemachte Suizi-
dalität habe er aber nicht belegen können. Die Vorinstanz erachtete gestützt darauf 
eine Genugtuung in der Höhe von CHF 2'000.00 als angemessen (S. 29 f. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung, pag. 774 f.).

26. Einschätzung der Kammer

Wie die Vorinstanz erachtet auch die Kammer die Voraussetzungen für eine Genug-
tuung gemäss Art. 49 OR als gegeben. Zwischen dem Straf- und Zivilkläger 1 und 
den Kindern hat vor dem Tunesienaufenthalt eine normale Vater-Kind-Beziehung be-
standen (vgl. Ziff. III. 12.2.2 vorne). Die Beschuldigte entführte die drei Kinder und 
liess den Straf- und Zivilkläger 1 im Unwissen über deren Aufenthaltsort. Der Straf- 
und Zivilkläger 1 wusste nicht, ob er seine Kinder überhaupt noch einmal sehen wird. 
Die durch das Entziehen der Kinder ausgelöste psychische Belastung hat er sowohl 
an der erstinstanzlichen wie auch an der oberinstanzlichen Verhandlung geäussert: 

33

«Ich hatte zum Glück einen Freund, der mich zu Hause unterstützt hat. Ich wollte 
mich umbringen. Er hat mir dann aber gesagt, dies könne keine Lösung sein. […]. 
Ich habe selbst überlegt nach Tunesien zu gehen, um sie zu suchen. […]. Es war 
sehr schlimm» (pag. 674 Z. 42 ff.). «Als sie weg waren, habe ich viele Probleme 
gehabt. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ein Freund hat mir geholfen, er heisst 
X.________. Er hat mir moralisch geholfen und kam oft zu mir nach Hause. Auch 
zum Übernachten» (pag. 887 Z. 36 ff.). «Es war schwierig für mich» (pag. 888 Z. 39). 
Die 18-monatige Dauer der Entziehung, die geplante Vorgehensweise der Beschul-
digten, das Alter der Kinder und die heute geschwächte Vater-Kinder-Beziehung 
stützen die vom Straf- und Zivilkläger 1 geschilderte psychische Belastung. Dass der 
Straf- und Zivilkläger 1 keine psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen hat, ist ihm 
– entgegen der Auffassung der Vorinstanz – nicht negativ anzulasten. Insgesamt 
und mit Blick auf Vergleichsfälle erachtet die Kammer eine Genugtuung in der Höhe 
von insgesamt CHF 5'000.00 als angemessen.

27. Kosten für die Beurteilung der Zivilklage

Für die wenig Aufwand verursachende Beurteilung der Zivilklagen werden erst- und 
oberinstanzlich keine Kosten ausgeschieden.

VII. Kosten und Entschädigung

28. Verfahrenskosten

28.1 Erstinstanzliche Verfahrenskosten

Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung des 
Aufwands und den Auslagen im konkreten Fall (Art. 422 Abs. 1 StPO). Fällt die 
Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von 
der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Die beschuldigte 
Person trägt die Verfahrenskosten, soweit sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO).

Der Tarifrahmen für Verfahren vor den Regionalgericht beträgt bei Fällen in Dreier-
besetzung 500 bis 15'000 Taxpunkte, wobei in besonders umfangreichen und zeit-
raubenden Geschäften, bei querulatorischer Prozessführung sowie in Geschäften 
mit sehr hohem Streitwert eine Gebühr bis zum doppelten Betrag des Höchstansat-
zes erhoben werden kann (Art. 22 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 6 Abs. 1 des Verfahrens-
kostendekrets [VKD; BSG 161.12]). 

Die Vorinstanz hat die erstinstanzlichen Kosten, bestehend aus den Kosten der Un-
tersuch von CHF 10'150.00, den Gebühren der Staatsanwaltschaft für den Auftritt an 
der erstinstanzlichen Verhandlung von CHF 1'000.00, den Gerichtsgebühren von 
CHF 10'000.00, auf insgesamt CHF 21'150.00 festgelegt (pag. 840 und S. 36 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 887).

Mit Blick auf die Schwierigkeit sowie den Umfang des vorliegenden Falles erachtet 
die Kammer die Gerichtsgebühren der Vorinstanz von CHF 10'000.00 als übersetzt. 
Eine Gerichtsgebühr von insgesamt CHF 5'000.00 erscheint im Vergleich mit ande-
ren gleichgelagerten Fällen als angemessen. Ausgangsgemäss werden die Kosten 

34

für das erstinstanzliche Verfahren, insgesamt bestimmt auf CHF 16'150.00, vollum-
fänglich der Beschuldigten zur Bezahlung auferlegt.

28.2 Oberinstanzliche Verfahrenskosten

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im Rechtsmit-
telverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in welchem Aus-
mass ihre vor dem Berufungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden (DO-
MEISEN, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 428 
StPO).

Die Beschuldigte beantragte oberinstanzlich ohne Erfolg einen Freispruch vom Vor-
wurf der Entführung. Die Kosten für das oberinstanzliche Verfahren werden in An-
wendung von Art. 24 Abs. 1 Bst. b VKD auf CHF 3’500.00 bestimmt und zufolge ihres 
Unterliegens der Beschuldigten auferlegt.

29. Entschädigungen

29.1 Amtliche Entschädigung der Verteidigung

29.1.1 Erstinstanzliches Verfahren

Wie eingangs unter Ziffer I. 5. erwähnt, ist die Höhe der amtlichen Entschädigung 
von Rechtsanwalt B.________ in Rechtskraft erwachsen, zumal diese von keiner der 
Parteien angefochten wurde. Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt 
B.________ für die amtliche Verteidigung der Beschuldigten im erstinstanzlichen 
Verfahren mit insgesamt CHF 11'724.60.

Die Beschuldigte wurde auch oberinstanzlich schuldig gesprochen und entspre-
chend verurteilt. Damit ändert sich an der Auferlegung und Rück- und Nachzahlungs-
pflicht der Entschädigung für die amtliche Verteidigung der Beschuldigten im erstin-
stanzlichen Verfahren nichts. Die Beschuldigte hat dem Kanton Bern die für das erst-
instanzliche Verfahren ausgerichtete Entschädigung von insgesamt CHF 11'724.60 
zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz zwischen der amtlichen 
Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend CHF 3'964.75, zu erstatten, 
sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

29.1.2 Oberinstanzliches Verfahren 

Zu den Verfahrenskosten gehören grundsätzlich auch die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung (Art. 422 Abs. 2 Bst. a StPO). Diese werden von der Kammer jedoch pra-
xisgemäss separat ausgewiesen. Gemäss Art. 42 Abs. 1 des k