# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7dc5ef34-b201-5a02-ad8b-814e50c75b95
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.08.2010 E-5511/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5511-2010_2010-08-05.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5511/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Kurt Gysi, 
mit Zustimmung von Richter François Badoud;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A._______
Türkei,
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar,

Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 12. Juli 2010 / 
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5511/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 27. Mai 2010 in der Schweiz um Asyl  
nachsuchte,

dass er  anlässlich der summarischen Befragung vom 2. Juni 2010 im 
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen zur Begründung 
seines Asylgesuchs geltend machte, er habe die Türkei verlassen, weil 
er  beschuldigt  worden  sei,  die  PKK  (Partiya  Karkerên  Kurdistan) 
unterstützt zu haben,

dass für den Inhalt der weiteren Aussagen auf die Akten zu verweisen 
ist, 

dass das BFM mit Verfügung vom 12. Juli 2010 – eröffnet am 26. Juli 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und 
den Beschwerdeführer nach Deutschland wegwies, 

dass das Bundesamt ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag 
nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  und  den  Kanton 
B._______ mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung beauftragte, 

dass die Vorinstanz festhielt,  eine allfällige Beschwerde gegen diese 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und die Aushändigung 
der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  an  den  Be-
schwerdeführer anordnete,

dass das BFM zur Begründung anführte, der Beschwerdeführer habe 
ausgesagt,  er  sei  am 18. Mai  2010  mit  einem gefälschten  französi-
schen Visum von der Türkei nach Düsseldorf eingereist, wo er ange-
halten und befragt worden sei,

dass er sich am 20. Mai 2010 im Asylzentrum Düsseldorf  gemeldet, 
dort eine Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender erhalten 
habe  und  einen  Tag später  untergetaucht  und  in  einem  PW  in  die 
Schweiz eingereist sei,

dass  gemäss  dem  Dublin-Assoziierungsabkommen  (DAA, 
SR 0.142.392.68) und dem Übereinkommen vom 17. Dezember  2004 
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island 

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und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und 
Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Ver-
fahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines 
in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags 
Deutschland für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei,

dass Deutschland für  die Durchführung des Asylverfahrens zuständig 
sei und sich am 21. Juni 2010 einer Übernahme des Beschwerdeführers 
gestützt auf Art. 16 (1e) der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates 
vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung eines von einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist (VO Dublin) zugestimmt habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung – bis spätestens am 21. Dezember 2010 zu erfol -
gen habe,

dass das BFM dem Beschwerdeführer am 2. Juni 2010 das rechtliche 
Gehör zu einer Rückkehr nach Deutschland gewährt und dieser dabei 
ausgesagt  habe,  er  fühle  sich  dort  nicht  sicher,  weil  die  deutschen 
Behörden gute Beziehungen zur Türkei hätten und weil er keine Ver-
wandten in Deutschland habe,

dass  diese  Aussagen  kein  Hindernis  für  eine  Wegweisung  nach 
Deutschland  darstellten  und  auf  das  Asylgesuch  somit  nicht  einzu-
treten sei,

dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe 
vom 2.  August  2010  (Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  erhob  und  in  materieller  Hinsicht  beantragt,  die  vor-
instanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  ge-
währen, eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbar-
keit der Wegweisung festzustellen und als Folge davon dem Beschwer-
deführer die vorläufige Aufnahme zu gewähren,

dass er  in  prozessualer  Hinsicht  um Gewährung der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  ersucht,  ausserdem seien  die  Vollzugsbehörden  anzu-
halten, von allfälligen Vollzugshandlungen abzusehen,

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dass das Bundesverwaltungsgericht mit per Telefax übermittelter Ver-
fügung vom 3. August  2010 den Vollzug der  Wegweisung per  sofort  
aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 4. August 2010 beim Gericht ein -
gingen,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  AsylG i.V.m.  Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilge-
nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung hat  und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 
ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  im  Übrigen  fristgerecht  und  formgerecht  ein-
gereichte  Beschwerde,  abgesehen  vom  Antrag  auf  Gewährung  von 
Asyl, der nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden kann, 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli- 
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfol-
gend aufgezeigt,  um eine solche handelt,  weshalb  der  Beschwerde-
entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensents-
cheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell  geprüft  hat,  weshalb  dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüg-
lich grundsätzlich volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich diese Fragen 
–  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugs-
hindernissen (Durchführbarkeit  der  Überstellung an den  zuständigen 
Staat)  –  in  den  Dublin-Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichtein-
tretensentscheides stellen,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass der Beschwerdeführer ausgesagt hat, er sei in Düsseldorf ange-
halten worden und habe dort um Asyl nachgesucht,

dass  bei  dieser  Sachlage  Deutschland  für  die  Prüfung  des  Asyl-
gesuchs des Beschwerdeführers zuständig ist  (vgl. die einschlägigen 
staatsvertraglichen  Bestimmungen  namentlich  im  Dublin-
Assoziierungsabkommen und in der Dublin-II-Verordnung),

dass  das  deutsche  Bundesamt  für  Migration  und  Flüchtlinge  mit 
Schreiben  vom  21.  Juni  2010  mitteilte,  dass  dem  entsprechenden 
Wiederaufnahmeersuchen des BFM entsprochen und der  Beschwer-
deführer von der Bundesrepublik Deutschland übernommen werde,

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dass  der  Beschwerdeführer  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat 
(vorliegend  Deutschland)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung 
seines Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist,

dass Deutschland unter anderem Signatarstaat  des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30), der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  ist,  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen, 
dieses  Land  werde  sich  im  vorliegenden  Fall  nicht  an  die  aus  den 
Übereinkommen resultierenden Verpflichtungen halten,

dass für das Bundesverwaltungsgericht damit keine Gründe ersichtlich 
sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz 
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung) hätten veranlassen sollen, 

dass  auch  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde,  wonach  der  Be-
schwerdeführer  bei  einer eventuellen Überführung nach Deutschland 
mit  an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  an  die  Türkei  aus-
geliefert würde, unbehelflich sind, 

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht einget-
reten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweis-
ung aus der  Schweiz zur Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  wobei  in 
Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zu- 
lässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig be-
reits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensent-
scheides und deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist,

dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt 
von  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, 
sondern  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im  Rahmen  der  Aus-
übung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Dublin-II-Verordnung) oder ge-
gebenenfalls – wenn sich Familienmitglieder in verschiedenen Dublin-
Mitgliedstaaten  befinden  und  allenfalls  zusammengeführt  werden 

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sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären  Klausel 
(Art. 15 Dublin-II-Verordnung),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, darzutun, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, 
soweit darauf einzutreten ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens das Gesuch um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  infolge  Aussichtslosigkeit  der 
Rechtsbegehren abzuweisen ist und die Kosten von Fr. 600.− (Art. 1-3 
des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, an 
das BFM und an die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Jonas Tschan

Versand: 

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