# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc2e0ac0-f361-5f60-9548-85aa5d32100d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 28.11.2018 SK2 2018 61
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2018-61_2018-11-28.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

1 / 6

Ref.: Chur, 28. November 2018 Schriftlich mitgeteilt am:
SK2 18 61 14. Dezember 2018

Verfügung
II. Strafkammer

Vorsitz Pritzi
Aktuarin ad hoc Adank

In der strafrechtlichen Beschwerde

des X._____, Beschwerdeführer, 

gegen

den Beschluss des Regionalgerichts Maloja vom 02. Oktober 2018, mitgeteilt am 02. 
Oktober 2018, und den berichtigten Beschluss des Regionalgerichts Maloja vom 09. 
Oktober 2018, mitgeteilt am 15. Oktober 2018, in Sachen des Beschwerdeführers,

betreffend Verstoss gegen das Waffengesetz,

2 / 6

hat der Vorsitzende der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden nach 
Kenntnisnahme der undatierten Beschwerde, eingegangen am 25. Oktober 2018, 
nach Einsicht in die Verfahrensakten sowie aufgrund der Feststellungen und Erwä-
gungen,

– dass die Staatsanwaltschaft Graubünden X._____ mit Strafbefehl vom 27. April 
2018, mitgeteilt am 7. Mai 2018, wegen Übertretung gegen das Waffengesetz 
gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 33 Abs. 2 WG schuldig 
sprach und ihn mit einer Busse von CHF 200.00 bestrafte (vgl. StA act. 10), 

– dass X._____ gegen den Strafbefehl Einsprache erhob (vgl. StA act. 12) und 
diese am 30. Mai 2018 der ungarischen Post übergab, welche die Eingabe am 1. 
Juni 2018 der schweizerischen Post übermittelte (vgl. StA act. 12 und 13), 

– dass er darin einerseits seinen Standpunkt in Bezug auf die mitgeführte Waffe 
darlegte und andererseits darauf hinwies, dass die verspätete Ankunft seiner 
Einsprache auf den in italienischer Sprache abgefassten Strafbefehl zurückzu-
führen sei; es sei eine Sprache, welche er nicht verstehe und es habe lange ge-
dauert, bis er eine Person gefunden habe, welche bereit war, den Strafbefehl zu 
übersetzten, 

– dass die Staatsanwaltschaft Graubünden X._____ am 15. Juni 2018 mitteilte, 
dass sie die Einsprache als verspätet betrachten würde, weshalb sie die Strafsa-
che zum Entscheid über die Rechtzeitigkeit der Einsprache dem Regionalgericht 
Maloja weiterleiten würde (vgl. StA act. 14), 

– dass X._____ in seiner, am 28. Juni 2018 der ungarischen Post übergebenen 
und am 09. Juli 2018 bei der Staatsanwaltschaft Graubünden eingegangene 
Stellungnahme darauf hinwies, dass sein Übersetzter in den Ferien sei, weshalb 
er die Stellungnahme in Deutsch einreiche, somit in einer Amtssprache der 
Schweiz, die er spreche (vgl. StA act. 15), 

– dass er damit wiederholt und unmissverständlich zum Ausdruck brachte, die Ver-
fahrenssprache nicht zu verstehen, 

– dass die Staatsanwaltschaft Graubünden den Strafbefehl am 31. August 2018 
dennoch dem Regionalgericht Maloja überwies und beantragte, die Einsprache 
sei für ungültig zu erklären (vgl. StA act. 19), 

– dass das Regionalgericht Maloja mit Beschluss vom 02. Oktober 2018 auf die 
Einsprache von X._____ nicht eintrat, und feststellte, dass der Strafbefehl vom 

3 / 6

27. April 2018, mitgeteilt am 7. Mai 2018, in Rechtskraft erwachsen sei und ihm 
die Kosten des Verfahrens im Betrag von CHF 500.00 auferlegte, 

– dass das Regionalgericht Maloja am 09. Oktober 2018, mitgeteilt am 15. Oktober 
2018, einen berichtigten Beschluss erliess, in welchem es nebst den Verfahrens-
kosten auch die vergessen gegangenen Untersuchungskosten der Staatsanwalt-
schaft sowie die dem Beschuldigten auferlegte Strafe ins Dispositiv aufnahm, 

– dass X._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) gegen diesen Beschluss mit un-
datierter Eingabe (aufgegeben bei der ungarischen Post am 19. Oktober 2018, 
eingetroffen bei der schweizerischen Post am 24. Oktober 2018 und eingegan-
gen beim Kantonsgericht von Graubünden am 25. Oktober 2018) beim Kantons-
gericht von Graubünden Beschwerde erheben liess und sinngemäss beantragte, 
auf die Einsprache sei einzutreten, zumal die verspätete Einsprache darauf 
zurückzuführen sei, dass er den Strafbefehl in Italienischer Sprache erhalten ha-
be, obwohl anlässlich der Grenzkontrolle geklärt worden sei, dass er zwar Eng-
lisch und Deutsch beherrsche, jedoch nicht italienisch, 

– dass gegen Beschlüsse der erstinstanzlichen Gerichte innert 10 Tagen schriftlich 
und begründet beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde gemäss Art. 
393 ff. StPO geführt werden kann, 

– dass sich die Beschwerde somit als fristgerecht erweist und darauf eingetreten 
werden kann, 

– dass das Regionalgericht Maloja mit Schreiben vom 13. November 2018 auf eine 
Stellungnahme verzichtete und die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Schrei-
ben vom 23. November 2018 an der kostenfälligen Abweisung der Beschwerde 
festhielt, 

– dass sich im Vorliegenden die Frage stellt, ob der Strafbefehl (StA act. 10) in Be-
achtung von Art. 68 StPO rechtsgenügend eröffnet worden ist, 

– dass in den StA act. 3 und StA act. 9 zu entnehmen ist, dass der Beschwerde-
führer sich gegenüber der Grenzwacht in englischer Sprache geäussert hat, 

– dass sich die Vorinstanz mit der Problematik der mangelhaften Eröffnung des 
Strafbefehls mit keinem Wort auseinandergesetzt hat, 

– dass sie lediglich festgehalten hat, dass die Zustellung des Strafbefehls erfolgt 
sei und die Einsprache des Beschwerdeführers nicht innert Frist ergangen sei, 

4 / 6

weshalb auf die Einsprache nicht eingetreten werden könne und der Strafbefehl 
in Rechtskraft erwachsen sei, 

– dass gemäss Art. 68 Abs. 1 StPO eine beschuldigte Person, die die Sprache des 
gegen sie gerichteten Strafbefehls nicht versteht, Anspruch auf Übersetzung des 
Strafbefehls in eine ihr verständliche Sprache hat, 

– dass der wesentliche Inhalt eines Strafbefehls selbst dann zu übersetzten ist, 
wenn die beschuldigte Person verteidigt wird (Art. 68 Abs. 2 StPO), 

– dass der Strafbefehl zweifelslos zu den "wichtigen Verfahrenshandlungen" im 
Sinne des Gesetztes gehört (vgl. Adrian Urwyler, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger 
[Hrsg.], Schweizerische Strafprozessordnung Art. 1-195, 2. Aufl., Basel 2014, N 7 
zu Art. 68 StPO; Michael Daphinoff, Das Strafbefehlsverfahren in der Schweize-
rischen Strafprozessordnung, S. 428), 

– dass es sich beim Recht auf Kenntnisnahme in einer verständlichen Sprache, um 
einen Grundsatz handelt, dem im Bereich einer Anklage bzw. Strafbefehls Ver-
fassungsrang zukommt (vgl. Art. 6 Ziff. 3 lit. a der Menschenrechtskonvention 
(EMRK; SR 0.101); vgl. auch Urwyler, a.a.O., N 7 zu Art. 68 StPO; Daphinoff, 
a.a.O., S. 428 ff.),

– dass sich sodann die Frage stellt, ob eine in Verletzung von Art. 68 StPO erfolgte 
Eröffnung des Strafbefehls überhaupt einen Fristenlauf in Gang setzten kann, 

– dass es sich bei der Übersetzung der wichtigen Verfahrenshandlungen nach Art. 
68 Abs. 2 StPO um eine elementare Schutzfunktion handelt, welche es einer be-
schuldigten Person überhaupt ermöglicht, sich zu verteidigen, was insbesondere 
bei einer unvertretenen Person, welche der Verfahrenssprache nicht mächtig ist, 
zu gelten hat (vgl. Entscheid des Kantonsgericht Basel-Landschaft 470 14 212 
vom 4. November 2014 E. 4.2), 

– dass nach der Rechtsprechung beim Unterbleib einer Einsprache wegen einer 
sprachlichen Verständnisschwierigkeit von einer mangelhaften Eröffnung auszu-
gehen ist, aus der der beschuldigten Person kein Rechtsnachteil erwachsen darf 
(Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt BES.2018.141 vom 3. September 
2018 E. 3; Entscheid des Appellationsgerichts BES 2016.32 vom 3. Mai 2016 E. 
3.3 m.H. auf Urteil des Bundesgerichts 1P.279/2002 vom 6. November 2002 E. 
2; Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 470 14 212 vom 4. Novem-
ber 2014 E. 4.4),

5 / 6

– dass der betroffenen Person diesfalls eine Fristsäumnis nicht entgegengehalten 
werden darf, zumal es nicht angehen kann, dass eine Zustellung, deren Mangel-
haftigkeit die unverschuldete Unkenntnis des Empfängers über den wesentlichen 
Inhalt der zugestellten Verfügung zur Folge hat, einen Fristenlauf in Gang zu 
setzten vermag (Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt BES.2018.141 vom 
3. September 2018 E. 3 m.H. auf Entscheid des Appellationsgerichts Basel-Stadt 
BES.2016.32 vom 3. Mai 2016 E. 3.3; vgl. auch BGE 142 IV 201 E. 2.4),

– dass dem Beschwerdeführer somit kein Rechtsnachteil daraus entstehen darf, 
dass es die Staatsanwaltschaft versäumt hat, dem der italienischen Sprache 
nicht mächtigen Beschwerdeführer den Strafbefehl als wesentliche Verfahrens-
handlung zumindest im Dispositiv und in der Rechtsmittelbelehrung zu übersetz-
ten (Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 470 14 212 vom 4. No-
vember 2014 E. 4.4; Nils Stohner, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger, Schweizerische 
Strafprozessordnung Art. 1-195 StPO, 2. Aufl. Basel 2014, N 3 zu Art. 81 StPO), 

– dass die Rüge der fehlenden Übersetzung des Strafbefehls daher begründet ist 
und aufgrund der mangelhaften Eröffnung keine Fristen ausgelöst wurden, 

– dass die Beschwerde nach dem Gesagten gutzuheissen ist und die Beschlüsse 
des Regionalgerichts Maloja vom 2. Oktober 2018 und 9. Oktober 2018 aufgeho-
ben werden und die Sache an die Staatsanwaltschaft zur korrekten Eröffnung 
des Strafbefehls vom 7. Mai 2018 zurückzuweisen ist, 

– dass der Strafbefehl gegen den Beschwerdeführer wegen Verletzung von Art. 33 
Abs. 1 lit. a des Waffengesetztes (WG; SR 514.54) i.V.m. Art. 33 Abs. 2 WG 
ausgestellt wurde, wobei es sich dabei um eine Übertretung im Sinne von Art. 
103 StGB handelt, 

– dass der Vorsitzende der II. Strafkammer bei Übertretungen in Anwendung von 
Art. 395 lit. a StPO in einzelrichterlicher Kompetenz entscheidet, 

– dass bei diesem Ausgang des Verfahrens nach Art. 428 Abs. 4 StPO der Kanton 
Graubünden die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen hat und die Kosten 
in Anwendung von Art. 8 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Strafver-
fahren (VGS; BR 350.201) auf CHF 1'000.00 festgesetzt werden.

– dass keine ausseramtliche Entschädigung beantragt worden ist und sich eine 
solche ohnehin nicht aufdrängen würde, zumal der Beschwerdeführer nicht an-
waltlich vertreten ist, 

6 / 6

erkannt:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die Beschlüsse des Regionalgerichts Ma-
loja vom 02. Oktober 2018 und 09. Oktober 2018 aufgehoben und die Sache 
an die Staatsanwaltschaft Graubünden zur korrekten Eröffnung des Strafbe-
fehls vom 07. Mai 2018 zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von CHF 1'000.00 gehen zu Lasten 
des Kantons Graubünden. 

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in Straf-
sachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 Ta-
gen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der 
gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zuläs-
sigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das 
Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: