# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1fbc8a76-090c-5004-b6f2-f259023826e4
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-02
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 02.10.2017 IV.2017.105 (SVG.2017.303)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_IV-2017-105_2017-10-02.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 2.
Oktober 2017

 

 

Mitwirkende

 

Dr. A. Pfleiderer (Vorsitz), P.
Kaderli, lic. iur. R. Ley     

und
Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Dreyer 

 

 

 

 

Parteien

 

A____

[...]  

vertreten durch lic. iur. B____, Advokat,

[...]   

                                                                                                 Beschwerdeführer

 

 

 

IV-Stelle Basel-Stadt, Rechtsdienst,

Lange Gasse 7, Postfach,
4002 Basel   

                                                                                            Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

IV.2017.105

Invalidenrente; Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit

 

 

Tatsachen

I.       
 

a)        A____ (Beschwerdeführer), geboren am [...] 1954, ist
seit Jahren als Pianist tätig. Er leidet an kongenitaler Epilepsie mit
Grand-mal-Anfällen seit dem Jahr 2002. Im August 2014 hatte er wiederum einen
"grossen Anfall". Im Januar 2015 meldete sich der
Beschwerdeführer zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung
an (vgl. IV-Akten 2 und 5). Die IV-Stelle Basel-Stadt traf in der Folge
entsprechende Abklärungen, insbesondere medizinischer Natur. Namentlich holte
sie bei Dr. med. C____, Neurologie FMH, Basel, den Bericht vom 16. Januar 2015
ein (vgl. IV-Akte 5) und forderte von Pract. med. D____, c/o Regionaler
Ärztlicher Dienst (RAD), die Stellungnahme vom 29. April 2015 an (vgl. IV-Akte
15). Im weiteren Verlauf holte die IV-Stelle bei Dr. med. E____, Innere
Medizin, Basel, den Bericht vom 17. Mai 2015 ein (vgl. IV-Akte 19) und erteilte
der F____ ([...]), [...]spital Basel (nachfolgend: F____ Begutachtung), einen
Auftrag zur polydisziplinären Begutachtung des Beschwerdeführers (Gutachten vom
31. Mai 2015; IV-Akte 38). 

b)        Mit Vorbescheid vom 13. Dezember 2016 teilte die
IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit, man gedenke, einen Anspruch auf eine
IV-Rente abzulehnen (vgl. IV-Akte 42). Dazu äusserte sich der Versicherte
am 28. Februar 2017 (vgl. IV-Akte 48). Dessen ungeachtet erliess die IV-Stelle
am 21. April 2017 eine dem Vorbescheid entsprechende Verfügung (vgl. IV-Akte
53). 

II.       

a)        Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 21. April 2017
hat der Beschwerdeführer am 26. Mai 2017 Beschwerde beim
Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt erhoben. Er beantragt, es sei die
IV-Stelle zu verpflichten, ihm ab August 2014 eine seiner realen
Erwerbsunfähigkeit entsprechende Rente auszurichten, zuzüglich 5 % Verzugszins
ab theoretischer Fälligkeit der Rente. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen und eine Rente
entsprechend der Erwerbsunfähigkeit festzusetzen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersucht er um Bewilligung des Kostenerlasses.

b)        Die IV-Stelle (Beschwerdegegnerin) schliesst mit
Beschwerdeantwort vom 12. Juli 2017 auf Abweisung der Beschwerde. 

c)         Mit Verfügung der Instruktionsrichterin vom 19. Juli
2017 wird dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung durch lic. iur. B____, Advokat, bewilligt. 

d)        Der Beschwerdeführer hält mit Replik vom 11. August
2017 an seiner Beschwerde fest. 

e)        Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom
4. September 2017 auf Einreichung einer ausführlichen Duplik und hält an der
beantragten Abweisung der Beschwerde fest. 

III.      

Am 2. Oktober 2017 fand die Beratung der Sache durch die Kammer
des Sozialversicherungsgerichts statt. 

Entscheidungsgründe

1.           
 

1.1.      
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist
als einzige kantonale Instanz zuständig zum Entscheid über die vorliegende
Streitigkeit (§ 82 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation
der Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SG
154.100). Die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus
Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). 

1.2.       Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
rechtzeitig erhobene Beschwerde einzutreten. 

2.           
 

2.1.      
Die Beschwerdegegnerin macht im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer
verfüge in Bezug auf eine leidensangepasste Tätigkeit über eine 80%ige
Restarbeitsfähigkeit. Bei dieser medizinischen Ausgangslage habe man zu Recht einen
Rentenanspruch verneint (vgl. insb. die Verfügung vom 21. April 2017; die Beschwerdeantwort).

2.2.      
Der Beschwerdeführer wendet hiergegen zur Hauptsache ein, seine
Restarbeitsfähigkeit könne nicht mehr verwertet werden. Aus diesem Grunde sei
die Ablehnung eines Rentenanspruches als falsch zu qualifizieren (vgl. insb.
die Beschwerde; siehe auch die Replik). 

2.3.      
Zu prüfen ist daher im Folgenden, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
gestützt auf die vorliegenden Unterlagen einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers
verneint hat. 

3.           
 

3.1.      
Im Rahmen der Invaliditätsbemessung ist es Aufgabe der ärztlichen
Fachperson, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese
arbeitsunfähig ist. Des Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93, 99 f. E. 4). 

3.2.      
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134
V 231, 232 E. 3a mit Hinweis auf BGE 125 V 352). Gutachten externer
Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt
wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht
vollen Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465, 470 E. 4.4; BGE 125
V 352, 353 E. 3b/bb). 

3.3.      
3.3.1.  Im Gutachten der F____ Begutachtung vom 31. Mai 2015
(IV-Akte 38) wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit festgehalten: (1.) V.a. symptomatische/strukturelle Epilepsie
(ICD-10: G40.2); (2.) chronischer Spannungskopfschmerz (ICD-10: G44.2), (3.)
Status nach disseminierter Varizellen Infektion mit ZNS-Beteiligung, Erstdiagnose
26. Februar 2015 (ICD-10: G02.0); (4.) schweres obstruktives
Schlafapnoesyndrom, Erstdiagnose November 2011 (vgl. S. 21 des Gutachtens).  

3.3.2.   In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
wurde im Gutachten der F____ Begutachtung ausgeführt, der vom Exploranden ausgeübte
Beruf als freischaffender Pianist sei aufgrund der aktiven Epilepsie gesamthaft
betrachtet als ungünstig einzustufen (unregelmässige Arbeits- und somit Schlafenszeiten,
massive Stigmatisierung durch Anfälle vor Publikum). Man gehe davon aus, dass
die Tätigkeit, so wie sie bisher konkret ausgeübt worden sei, aufgrund der
erwähnten ungünstigen Rahmenbedingungen nicht mehr ausübbar sei (vgl. S. 25 des
Gutachtens). Als Beginn der vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit als Barpianist sei der 11. August 2014 anzusehen (vgl. S. 26 des
Gutachtens). 

3.3.3.   Des Weiteren wurde im
Gutachten der F____ Begutachtung klargestellt, aus rein neurologischer (und
damit aus gesamtmedizinischer) Sicht erachte man den Exploranden grundsätzlich
als Pianist zu 80 % arbeitsfähig. Die 20%ige Reduktion der Arbeitsfähigkeit begründe
sich mit dem chronischen Spannungskopfschmerz, den postiktalen Kopfschmerzen
und der multifaktoriell bedingten Tagesmüdigkeit. Medizinisch-theoretisch spreche
nichts gegen die Tätigkeit als Pianist mit geregelten Arbeitszeiten (z.B. als
Klavierlehrer). Auch einzelne Auftritte als Pianist seien durchaus denkbar,
wenn sie zeitlich klar limitiert seien (keine Nachtarbeit, regelmässige Arbeitszeit,
keine längeren Engagements, kein Alkohol etc.). Des Weiteren wurde im Gutachten
dargetan, insgesamt gehe man von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer
angepassten Tätigkeit aus. Aufgrund der aktiven Epilepsie seien Tätigkeiten,
die mit einer erhöhten Sturzgefahr verbunden seien (z.B. Besteigen von Leitern
und Gerüsten) oder eine Eigen- resp. Fremdgefährdung mit sich brächten (durch
das Bedienen von Maschinen), ungeeignet. Aus pneumologischer Sicht sei der
Explorand für leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten nicht eingeschränkt.
Durch eine konsequente Verwendung der CPAP-Therapie über vier bis fünf Stunden
pro Nacht wäre die Schlafapnoe des Exploranden gut behandelbar. Diese
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer
Verweistätigkeit dürfte seit ungefähr Juli 2015 bestehen (vgl. S. 25 f.
des Gutachtens). 

3.4.      
3.4.1.  Auf dieses Gutachten der F____ Begutachtung kann abgestellt
werden. Es erfüllt die Anforderungen an beweiskräftige medizinische Erhebungen
(vgl. Erwägung 3.2. hiervor). Es ist daher davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Pianist – so wie er sie de
facto ausgeübt hat – mit unregelmässigen Arbeitszeiten seit August 2014 nicht
mehr arbeitsfähig ist. Des Weiteren ergibt sich aus dem Gutachtens der F____
Begutachtung, dass der Beschwerdeführer seit Juli 2015 in einer
leidensangepassten leichten bis mittelschweren Tätigkeit noch über eine Restarbeitsfähigkeit
von 80 % verfügt. Wie im Gutachten der F____ Begutachtung dargetan wurde,
sollte es sich um eine Tätigkeit handeln, bei der keine Leitern und Gerüste
bestiegen werden und auch keine Maschinen bedient werden müssen. Im Übrigen
sollte es sich um eine Tätigkeit handeln mit geregelten Arbeitszeiten und unter
Ausschluss von Nachtarbeit. Medizinisch-theoretisch möglich ist daher auch eine
Tätigkeit als Pianist, bei der die erwähnten Rahmenbedingungen gegeben sind
(insb. geregelte Arbeitszeiten, keine Nachtarbeit, keine längeren Engagements).

3.4.2.  Der Bericht von Dr. E____ vom 17. Mai 2015 (IV-Akte 19)
ist nicht geeignet, Zweifel an der Richtigkeit der Einschätzung durch die F____
Begutachtung hervorzurufen. Dr. E____ attestierte dem Beschwerdeführer eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten. Dies wurde von der behandelnden
Ärztin nicht näher begründet und kann nicht nachvollzogen werden. Im Übrigen gilt
es in Bezug auf die Beurteilung von Dr. E____ auch der Erfahrungstatsache
Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte nicht nur in der
Funktion als Hausärzte (BGE 135 V 465 E.
4.5. S. 470; 125 V 351 E. 3a/cc S.
353), sondern auch als spezialärztlich behandelnde Medizinalpersonen im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts
8C_180/2017 vom 21. Juni 2017 E. 4.4.2.). 

3.4.3.  Gleiches gilt auch für die Stellungnahme von Dr. med. G____,
FMH Infektiologie und Allgemeine Innere Medizin, Basel, vom 14. Juni 2017 (Beilage
zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 14. Juni 2017). Diesbezüglich ist zu
bemerken, dass sich die behandelnde Ärztin im Ergebnis nur zur angestammten
Tätigkeit des Beschwerdeführers äussert. Im Übrigen geht es nicht an, eine
medizinische Administrativexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum
Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten (vgl. u.a. Urteile des Bundesgerichts
9C_338/2016 vom 21. Februar 2017 E. 5.5. und 9C_276/2016 vom 19. August
2016 E. 3.1.1.). 

3.5.      
Zu prüfen ist daher, wie es sich mit der erwerblichen Umsetzung der
festgestellten 80%igen Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
angepassten Alternativtätigkeit verhält. 

4.           
 

4.1.      
4.1.1.  Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist
entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt des
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt
erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit
ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem
Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 58, 59 E.
3.1; BGE 134 V 322, 325 E. 4.1
mit Hinweisen). 

4.1.2.  Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung weiterhin als Barpianist
(mit unregelmässigen Arbeitszeiten etc.) tätig wäre. Dem Auszug aus dem
Individuellen Konto (IK) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit jahrelang nur ein sehr bescheidenes Einkommen generiert
hat (vgl. IV-Akte 41). Mangels Aufnahme einer besser entlöhnten Tätigkeit ist
davon auszugehen, dass er sich freiwillig mit diesem geringen Einkommen begnügt
hat. Es ist daher zur Bestimmung des hypothetischen Valideneinkommens auf die
effektiven Einkommenszahlen gemäss IK-Auszug (IV-Akte 41) abzustellen (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2017 vom
27. September 2017 E. 4.2.). 

4.1.3.  Wird das durchschnittliche Einkommen der letzten fünf
Jahre vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, so ergibt sich ein hypothetisches
Valideneinkommen von Fr. 18'009.20 (2014: Fr. 10'038.--; 2013: Fr.
13'233.--; 2012: Fr. 14'910.--; 2011: Fr. 20'640.--; 2010:
Fr. 31'225.--).

4.2.      
4.2.1.  In Bezug auf die Festlegung des Invalideneinkommens gilt es
zu beachten, dass die versicherte Person, bevor sie Leistungen verlangt,
aufgrund der Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukehren
hat, um die Folgen der Invalidität bestmöglichst zu mindern. Ein Rentenanspruch
ist zu verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls
mit einem Berufswechsel, zumutbarerweise in der Lage ist, ein rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2017
vom 27. September 2017 E. 4.1). 

4.2.2.  Das trotz der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Einkommen ist bezogen
auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine
übermässigen Anforderungen zu stellen sind (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts
8C_338/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 2.). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch
sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen
Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen
können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann einzig dann nicht mehr gesprochen
werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder
sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von
vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017
vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1.). Je offener das medizinische
Anforderungsprofil umschrieben ist, desto weniger eingehend ist die Verwertbarkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in der Regel abzuklären und nachzuweisen (vgl.
u.a. Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1 e
contrario). Die Hürden betreffend die Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit sind generell relativ hoch (vgl. u.a. Urteile des
Bundesgerichts 9C_847/2015 vom 30. Dezember 2015 E. 4.1.2 und 9C_536/2015 vom
21. März 2016 E. 4.2). 

4.2.3.  Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein
invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt,
welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu
führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf
die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer
wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit
vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (vgl. u.a. Urteil
des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.2.). Für den Zeitpunkt,
in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit bei
vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der medizinischen
Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit abzustellen (BGE 138 V 457, 461 f.
E. 3.3). Dieses ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen
diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 457, 462 E.
3.4). 

4.2.4.  Im vorliegenden Fall massgebend ist somit der 31. Mai
2016. Zu diesem Zeitpunkt war der im März 1954 geborene Beschwerdeführer 62
Jahre und zwei Monate alt. Damit ist von einer relativ kurzen Aktivitätsdauer
von zwei Jahren und zehn Monaten auszugehen. Gleichwohl kann nicht von einer Unverwertbarkeit
der ihm attestierten 80%igen Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit ausgegangen werden. 

4.2.5.  Zunächst ist es als überwiegend wahrscheinlich
anzusehen, dass der Beschwerdeführer ungeachtet seines Alters auch noch als
Pianist arbeiten kann und er dabei ein rentenausschliessendes Einkommen zu
erzielen vermag. Denn es kann davon ausgegangen werden, dass er auch
Engagements erhält, bei denen seinem Leiden Rechnung getragen wird (insb. keine
Nachtarbeit, Pausen zwischen den einzelnen Engagements) und mit denen er ein
Einkommen zu erzielen vermag, das jedenfalls seinem bisherigen bescheidenen
Einkommen entspricht. Allenfalls hat der Beschwerdeführer ergänzend zu den
Engagements Klavierstunden an interessierte Erwachsene zu erteilen. 

4.2.6.  Im Übrigen kann dem Beschwerdeführer auch ein
Berufswechsel zugemutet werden. Zwar ist der Beschwerdeführer angesichts der
langjährigen Tätigkeit als spezialisierter Musiker sicherlich nicht leicht
vermittelbar. Die medizinischen Anforderungen an eine zumutbare
Verweistätigkeit (vgl. dazu Erwägung 3.3.3. hiervor) bieten jedoch einen
genügend grossen Spielraum für das Ausüben einer anderen Tätigkeit. Wie bereits
ausgeführt wurde, sind dem Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten der F____
Begutachtung immer noch sämtliche Tätigkeiten möglich, welche geregelte
Arbeitszeiten mit sich bringen und bei denen keine Nachtarbeit gefordert wird
sowie Tätigkeiten, bei der keine Leitern und Gerüste bestiegen werden und auch
keine Maschinen bedient werden müssen (vgl. Erwägung 3.4.1. hiervor). 

4.2.7.  Wird daher zur Berechnung des
Invalideneinkommens auf die sog. Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik abgestellt,
so lässt sich – angesichts des sehr tiefen Valideneinkommens (vgl. dazu
Erwägung 4.1.2. hiervor) – klarerweise (selbst bei Vornahme eines
Leidensabzuges; vgl. dazu BGE 134 V 322, 327 f. E. 5.2) kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG) ermitteln. Wird beispielsweise
der Berechnung der Lohn im Bereich "Kunst, Unterhaltung und Erholung"
zu Grunde gelegt, so ergibt sich (bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von
40 Stunden) ein Monatslohn von Fr. 5'200.-- (vgl. LSE 2014, Tabelle TA1,
Ziff. 90-93, Kompetenzniveau 1). Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen
wöchentlichen Arbeitszeit von 41.9 Stunden im Jahr 2014 (vgl. BFS, betriebsübliche
Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) resultiert – bei einer 80%igen
Restarbeitsfähigkeit – ein hypothetisches Jahreseinkommen von Fr. 52'291.20.

4.3.          
Da der Beschwerdeführer somit weiterhin in der
Lage ist, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen, hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch verneint. 

5.           
 

5.1.      
Den obigen Ausführungen zufolge ist die Beschwerde somit abzuweisen.

5.2.      
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die ordentlichen Kosten,
bestehend aus einer Gebühr von Fr. 800.--, zu Lasten des Beschwerdeführers. Da
ihm die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, gehen diese Kosten zu
Lasten des Staates. 

5.3.       Die
ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Da dem Beschwerdeführer der
Kostenerlass bewilligt worden ist, ist seinem Vertreter ein angemessenes
Kostenerlasshonorar zuzusprechen. Das Sozialversicherungsgericht spricht in
durchschnittlichen IV-Fällen – bei einem vollständigen Unterliegen – ein
Kostenerlasshonorar von Fr. 2'650.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich
Mehrwertsteuer zu. Vorliegend ist in Anbetracht der sich stellenden
Sachverhalts- und Rechtsfragen von einem durchschnittlichen Fall auszugehen.
Daher ist ein Kostenerlasshonorar von Fr. 2'650.-- (inklusive Auslagen)
zuzüglich Mehrwertsteuer zuzusprechen. 

Demgemäss erkennt das
Sozialversicherungsgericht:

://:        Die Beschwerde wird abgewiesen.

            Der Beschwerdeführer trägt die ordentlichen
Kosten, bestehend aus einer Gebühr von Fr. 800.--. Sie gehen zufolge
Bewilligung des Kostenerlasses an ihn zu Lasten des Staates.

            Die ausserordentlichen Kosten werden
wettgeschlagen. 

            Dem Vertreter des Beschwerdeführers im
Kostenerlass, lic. iur. B____, Advokat, wird ein Anwaltshonorar von Fr.
2'650.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer von Fr. 212.-- aus der
Gerichtskasse zugesprochen. 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die Beschwerdefrist
kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdegründe sind in
Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführer

–          Beschwerdegegnerin

–          Bundesamt für Sozialversicherungen

 

Versandt am: