# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55d79f25-a156-5573-9170-91dd0794a5c3
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.06.2021 SB200372
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB200372_2021-06-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 
 

Geschäfts-Nr.: SB200372-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Schärer, Präsidentin, Ersatzoberrichterin lic. iur. 

Mathieu und Ersatzoberrichter lic. iur. Vogel sowie Gerichtsschreibe-

rin MLaw Wolter 

 

Urteil vom 15. Juni 2021 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Kloiber,  

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatklägerin 

 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,  

 

betreffend Vergewaltigung 
 

- 2 - 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 
8. Juni 2020 (DG190340) 
 

 

- 3 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 29. November 2019 

(Urk. 21) ist diesem Urteil beigheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 

2. Von den Vorwürfen  

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB, 

− der Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 StGB sowie 

− der mehrfachen sexuellen Belästigungen im Sinne von Art. 198 Abs. 1 

und 2 StGB 

wird der Beschuldigte freigesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis 

und mit heute 11 Tage durch Haft erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 26 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate, ab-

züglich 11 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Frei-

heitsstrafe vollzogen. 

5. Der Beschuldige wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 10'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

6. Rechtsanwalt MLaw X._____ wird für die amtliche Verteidigung des Be-

schuldigten mit Fr. 28'860.80 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse 

entschädigt. 

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7. Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ wird für die unentgeltliche Vertretung der 

Privatklägerin B._____ mit Fr. 16'650.20 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Ge-

richtskasse entschädigt.  

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 4'000.–   Gebühr für das Vorverfahren 
Fr. 1'105.–   Auslagen Vorverfahren (Videobefragung und Auswertung) 
Fr. 100.–   Entschädigung Zeuge 
Fr. 888.55   Entschädigung amtliche Verteidigung im Vorverfahren 
Fr. 28'860.80   Entschädigung amtliche Verteidigung 
Fr. 16'650.20   Entschädigung unentgeltliche Vertretung Privatklägerin 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen 

Vertreterin der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertreterin 

der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten 

bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 74 S. 2; Urk.75 S. 2; sinngemäss) 

 Zu den Vorfragen: 

1. Es sei festzustellen, dass die im Recht liegenden Aussagen der Privat-

klägerin (Urk. 7/2, Urk. 7/3, Urk 7/6, Urk. 7/7) nicht rechtskonform er-

hoben worden sind und daher nicht zum Nachteil von meinem Mandan-

ten verwertet werden dürfen. 

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2. Die Privatklägerin sei parteiöffentlich durch das Gericht zu befragen. 

Zur Sache: 

1. Es sei festzustellen, dass die nicht angefochtenen Dispositivziffern 2, 6, 

7 und 8 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 8. Juni 2020 

(DG190340) in Rechtskraft erwachsen sind. 

2. Es seien die Dispositivziffern 1, 3, 4, 5, 9 und 10 des Urteils des Be-

zirksgerichts Zürich vom 8. Juni 2020 (DG190340) sowie die dazuge-

hörigen Erwägungen aufzuheben. 

3. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der Vergewaltigung freizuspre-

chen. 

4. Die Zivilklage der Privatklägerin sei abzuweisen oder eventualiter auf 

den Zivilweg zu verweisen. 

5. Das mit Verfügung vom 8. Januar 2019 erstellte DNA-Profil vom Beru-

fungskläger sei zu löschen. 

6. Dem Berufungskläger sei eine Genugtuung von CHF 2'200.– zzgl. Zins 

zuzusprechen. 

7. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien definitiv – ohne 

Nachforderungsvorbehalt – auf die Staatskasse zu nehmen. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu-

lasten der Staatskasse. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:  

(Urk. 70; sinngemäss) 

Rückzug der Anschlussberufung vom 29. September 2020 

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c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft: 

(Prot. II S. 9, 10, 14; Urk. 63 S. 2; sinngemäss) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils in Bezug auf die Genugtuung. 

Für den Fall einer nochmaligen Befragung wird beantragt, dass gesetzlich 

vorgesehene Massnahmen zum Schutze von Opfern von Straftaten gegen 

die sexuelle Integrität (Art. 153 StPO) sowie zum Schutze von Kindern als 

Opfer (Art. 154 StPO analog) und von Personen mit einer psychischen Stö-

rung als Opfer (Art. 155 StPO) angeordnet werden, so namentlich: 

- Vermeidung jeder Art von Begegnung der Privatklägerin mit dem Be-

schuldigten (Art. 153 Abs. 2 StPO); 

- Einvernahme der Privatklägerin durch eine Person weiblichen Ge-

schlechts (Art. 153 Abs. 1 StPO), nach Möglichkeit durch eine der bei-

den Personen, welche die Befragungen der Privatklägerin am 26. No-

vember 2018 (Fw C._____) und am 20. Dezember 2018 (Det Wm mba 

D._____) durchgeführt haben (Art. 155 Abs. 2 StPO; Art. 154 Abs. 4 lit. 

c letzter Satz StPO analog); 

- Einvernahme im Beisein einer Spezialistin (Art. 154 Abs. 4 lit. d und f 

StPO analog; Art. 155 Abs. 2 StPO, nach Möglichkeit wieder dipl. Psy-

chologin FH E._____); 

- Ausübung der Parteirechte durch die befragende Person (Art. 154 

Abs. 4 lit. e) 

Es sei in Anwendung von Art. 425 StPO davon abzusehen, der Privatkläge-

rin Kosten aufzuerlegen. 

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Erwägungen: 

1. Prozessverlauf 

1.1. Mit Urteil vom 8. Juni 2020 sprach das Bezirksgericht Zürich, 4. Abteilung, 

den Beschuldigten der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB schul-

dig. Von den Vorwürfen der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 

Abs. 1 StGB, der Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 StGB sowie der 

mehrfachen sexuellen Belästigungen im Sinne von Art. 198 Abs. 1 und 2 StGB 

sprach es den Beschuldigten frei. Es bestrafte den Beschuldigten mit 36 Monaten 

Freiheitsstrafe und schob den Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 26 Mo-

naten auf. Weiter verpflichtete es den Beschuldigten, der Privatklägerin 

Fr. 10'000.– als Genugtuung zu bezahlen. Die Kosten der Untersuchung und des 

gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung 

sowie der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin, auferlegte es dem Be-

schuldigten (Urk. 50).  

1.2. Mit Eingabe vom 18. Juni 2020 meldete der Beschuldigte rechtzeitig Beru-

fung an (Urk. 51). Das begründete Urteil (Urk. 55 = Urk. 57) wurde den Parteien 

am 4. September 2020 zugestellt (Urk. 56/1-3). Die Berufungserklärung des Be-

schuldigten ging in der Folge fristgereicht ein (Urk. 59). Die Staatsanwaltschaft 

Zürich-Sihl (nachfolgend Staatsanwaltschaft) erhob mit Eingabe vom 29. Septem-

ber 2020 innert Frist Anschlussberufung (Urk. 62). Die Privatklägerin teilte mit 

Eingabe vom 20. Oktober 2020 mit, dass auf Anschlussberufung verzichtet werde 

und beantragte, dass dem urteilenden Gericht eine Person weiblichen Ge-

schlechts angehört (Urk. 63). Mit Eingabe vom 14. Juni 2021 zog die Staatsan-

waltschaft ihre Anschlussberufung zurück (Urk. 70). Die Berufungsverhandlung, 

zu der der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie die 

Vertreterin der Privatklägerin erschienen, fand am 15. Juni 2021 statt (Prot. II 

S. 4).  

2. Umfang der Berufung 

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

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sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

2.2. Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf den Schuldspruch (Dis-

positivziffer 1), die Strafe (Dispositivziffer 3 und 4), die Genugtuung (Dispositivzif-

fer 5) sowie die Kostenauflage (Dispositivziffer 9 und 10; Urk. 59).  

2.3. Es ist deshalb vorab mittels Beschluss festzustellen, dass das Urteil des 

Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 8. Juni 2020 bezüglich der Dispositivzif-

fern 2 (Freisprüche), 6 und 7 (Entschädigungen amtliche Verteidigung und unent-

geltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin) sowie 8 (Kostenfestsetzung) in 

Rechtskraft erwachsen ist. Sodann ist vom Rückzug der Anschlussberufung durch 

die Staatsanwaltschaft Vormerk zu nehmen.  

3. Sachverhalt 

3.1. Vorbemerkungen 

3.1.1. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte wegen verschiedenen 

Vorwürfen und Straftatbeständen angeklagt wurde (Urk. 21), von diesen jedoch 

mit Ausnahme des Vorwurfs der Vergewaltigung rechtskräftig freigesprochen 

wurde (Urk. 57).  

3.1.2. Der (noch streitgegenständliche) Tatvorwurf ergibt sich aus der Anklage-

schrift vom 29. November 2019 (Urk. 21). Zusammengefasst wirft die Staatsan-

waltschaft dem Beschuldigten vor, die Privatklägerin zunächst überall am Körper 

angefasst zu haben, obschon die Privatklägerin ihn mehrmals deutlich aufgefor-

dert habe aufzuhören. Danach habe er der Privatklägerin gegen deren Willen die 

Hose und die Unterhose ausgezogen und sich in der Folge auf die Privatklägerin 

gelegt, um mit ihr den vaginalen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, was diese 

nicht gewollt und sich deshalb verbal gewehrt habe. Obschon dem Beschuldigten 

bewusst gewesen sei, dass die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr mit ihm 

nicht wolle, habe er weiter gemacht und der Privatklägerin zunächst einen Finger 

und dann seinen erigierten Penis in die Vagina gesteckt. Dies habe der Privatklä-

gerin grosse Schmerzen verursacht, worauf er von ihr abliess (Urk. 21 S. 3 f.).  

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3.1.3. Verletzung des Anklageprinzips 

3.1.3.1. Die Verteidigung macht eine Verletzung des Anklageprinzips geltend. In 

der Anklageschrift fehle es an einem klar umschriebenen Tatort und einer klar de-

finierten Tatzeit und ausserdem beschreibe die Anklageschrift das Nötigungsmit-

tel nicht. Es sei nicht ersichtlich, welches Nötigungsmittel die Staatsanwaltschaft 

als gegeben erachte. An keiner Stelle werde ausgeführt, dass der Beschuldigte 

gedroht oder Gewalt angewendet habe. Die Anklageschrift schreibe auch nichts 

von psychischem Druck oder der hierfür notwendigen tatsituativen Zwangssituati-

on. Schliesslich werde auch nicht beschrieben, dass der Beschuldigte die Privat-

klägerin zum Widerstand unfähig gemacht haben soll. Die vage Umschreibung, 

wonach sich die Privatklägerin angeblich adäquat gegen die mutmasslichen 

Übergriffe gewehrt habe, sei keine genügende Umschreibung eines Nötigungsmit-

tels; kognitive Unterlegenheit sei kein Nötigungsmittel. Zusätzlich brauche es eine 

tatsituative Zwangssituation (Urk. 49 S. 6 f.; Urk. 75 S. 4 f.).  

3.1.3.2. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 

und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festge-

schriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des 

Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldig-

ten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu um-

schreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend 

konkretisiert sind. Das Akkusationsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Ver-

teidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtli-

ches Gehör (Informationsfunktion). Die beschuldigte Person muss unter dem Ge-

sichtspunkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können, wessen 

sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entschei-

dend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlungen er be-

schuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner 

Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst an der Ge-

richtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGE 143 

IV 63 E. 2.2. m.w.H.). 

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3.1.3.3. Ungenauigkeiten in der Zeitangabe sind solange nicht von entscheiden-

der Bedeutung, als für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, 

welches Verhalten ihr angelastet wird (BGer-Urteil 6B_684/2017 vom 13. März 

2018,E. 2.2; BGer-Urteil 6B_907/2013 vom 3. Oktober 2014 E. 1.5). Ob die zeitli-

che Umschreibung ausreicht, ist nicht abstrakt, sondern zusammen mit dem übri-

gen Inhalt der Anklage zu beurteilen (BGer-Urteil 6B_432/2011 vom 26. Oktober 

2011 E. 2.2). Die Zeitangabe ist nur eine der Angaben zur Umschreibung der Tat-

ausführung. Es hängt wesentlich von Beweissituation und Gewährleistung effekti-

ver Verteidigungsmöglichkeiten und damit von der Verfahrensfairness ab, ob ein 

längerer Zeitrahmen noch als im Sinne von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO genügend 

bestimmt beurteilt werden kann. Die (noch) zulässige Zeitangabe bestimmt sich 

nach Massgabe des konkreten Anklagesachverhalts (BGer-Urteil 6B_489/2018 

vom 31. Oktober 2018 E. 2.3.). Eine unpräzise Anklage führt nicht dazu, dass es 

zu keinem Schuldspruch kommt, solange für den Beschuldigten jedenfalls klar ist, 

welcher Sachverhalt ihm vorgeworfen wird (BGE 145 IV 407 E. 3.3.2.). 

3.1.3.4. Gemäss der Anklageschrift soll es an einem nicht genauer bestimmbaren 

Zeitpunkt zwischen dem 16. September 2018 und 21. November 2018 zu dem 

dem Beschuldigten vorgehaltenen Vorfall gekommen sein (Urk. 21 S. 3). Bezüg-

lich Örtlichkeit führt die Anklageschrift eine nicht genauer bestimmbare Örtlichkeit 

im Wald an, vermutlich zwischen Zürich und F._____, in einem nicht genau be-

stimmbaren Wald, wo er mit seinem Auto parkiert habe. Weiter ergibt sich aus 

dem Anklagesachverhalt, dass es im Auto des Beschuldigten zum ihm vorgehal-

tenen Vorfall gekommen sein soll (Urk. 21 S. 3 f.). Der Anklagesachverhalt hält 

damit sowohl betreffend Tatzeitpunkt als auch betreffend Örtlichkeit ein klar um-

grenztes Zeitfenster und ein genügend präzis umschriebener Tatort fest, so dass 

eine hinreichende Individualisierung der zu beurteilenden Tat möglich ist. Für den 

Beschuldigten ergibt sich aus der Anklageschrift genügend konkret, was ihm vor-

geworfen wird und ist es ihm ohne weiteres möglich, sich angemessen zu vertei-

digen.  

3.1.3.5. Mit Blick auf das Nötigungsmittel bei einer Vergewaltigung gemäss 

Art. 190 StGB (oder einer sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 StGB) hat die 

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Rechtsprechung den Anklagegrundsatz dahingehend konkretisiert, dass die tatsi-

tuative Zwangssituation im Anklagesachverhalt umschrieben sein muss (BGer-

Urteil 6B_8/2008 vom 28. August 2008 E. 3).  

3.1.3.6. Die Anklageschrift umschreibt, dass der Beschuldigte sein Fahrzeug in 

ein Waldstück lenkte und die Privatklägerin dort unter einem Vorwand auf den 

Rücksitz zu sich gebeten habe und sich die Privatklägerin sowohl verbal als auch 

körperlich gegen das Ansinnen des Beschuldigten zur Wehr gesetzt habe. Dies-

bezüglich hält die Anklageschrift beispielsweise fest, dass die Geschädigte den 

Beschuldigten mehrmals mit Worten deutlich aufgefordert habe, aufzuhören und 

seine Hände wegzunehmen. Ferner habe die Privatklägerin mit beiden Händen 

gegen die Brust des Beschuldigten gestossen, so dass sich dieser seinen Hinter-

kopf gestossen habe. Weiter führt die Anklageschrift an, dass der Beschuldigte 

ungeachtet dieser körperlichen Gegenwehr weitermachte und die Privatklägerin 

aufgefordert habe, sich hinzulegen, und er sich auf die Privatklägerin gelegt habe, 

um mit ihr den vaginalen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, was diese jedoch 

nicht gewollt habe und sich deshalb verbal gewehrt habe. Die Gegenwehr der Pri-

vatklägerin sei, so die Anklageschrift weiter, ihrer Entwicklungsstörung angemes-

sen gewesen. Sie habe sich angesichts ihrer geistigen Entwicklung, der Nähe des 

Beschuldigten zu ihrer Familie und des Vertrauens, das dem Beschuldigten sei-

tens ihrer Familie entgegengebracht worden sei, nicht auf andere als die be-

schriebene Weise zu wehren vermocht. Das sei dem Beschuldigten bewusst ge-

wesen und er habe trotzdem weitergemacht. Er habe ungeachtet der ihm bewuss-

ten klaren Signale, dass die Privatklägerin seine Berührungen und den Ge-

schlechtsverkehr mit ihm ablehne, weitergemacht. Die Anklage umschreibt damit 

entgegen der Kritik der Verteidigung nicht nur die kognitive Unterlegenheit der 

Privatklägerin, sondern eine vom Beschuldigten aktiv geschaffene Situation, in 

der der Privatklägerin aufgrund u.a. ihrer kognitiven Unterlegenheit keine zumut-

baren Selbstschutzmöglichkeiten mehr zur Verfügung standen. Sie wirft ihm damit 

in einer dem Anklageprinzip genügenden Weise eine Vergewaltigung in der Tat-

bestandsvariante des "Unter-psychischen-Druck-Setzens" vor (vgl. dazu auch 

nachfolgend E. 4.).  

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3.1.3.7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der streitgegenständ-

liche Sachverhalt (Anklage Ziffer II.) rechtsgenügend umschrieben und eine Ver-

letzung des Akkusationsprinzips zu verneinen ist. 

3.1.4. Der Beschuldigte bestreitet – wie bereits in der Strafuntersuchung (Urk. 6/1 

S. 3 ff.; Urk. 6/5 S. 2, S. 6) und vor Vorinstanz (Prot. I. S. 14 und S.25) – die Pri-

vatklägerin vergewaltigt zu haben. Es ist deshalb nachfolgend anhand der vor-

handenen Beweismittel zu prüfen, ob der angeklagte Sachverhalt der Vergewalti-

gung rechtsgenügend erstellt werden kann. 

3.2. Erstellung des Sachverhalts 

3.2.1. Als Beweismittel liegen nebst den Aussagen des Beschuldigten (Urk. 6/1-5) 

und den Aussagen der Privatklägerin (Urk. 7/2-8) verschiedene Zeugenaussagen 

vor (Urk. 7/9-13) vor. Eine körperliche Untersuchung der Privatklägerin erfolgte 

nicht. Auf die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin und der Zeugen ist 

nachfolgend – soweit für die Sachverhaltserstellung relevant – einzugehen. 

3.2.2. Die Grundsätze der Beweiswürdigung wurden von der Vorinstanz zutref-

fend wiedergegeben (Urk. 57 S. 15 f.). Sodann hat sie sich ausführlich und korrekt 

mit der Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen und der Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen auseinandergesetzt (Urk. 57 S. 16 ff.). Es kann – um Wiederholungen 

zu vermeiden – darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

3.2.3. Aussagen des Beschuldigten 

3.2.3.1. Der Beschuldigte machte nur in der polizeilichen Einvernahme vom 

11. Dezember 2018 Angaben zu den Vorwürfen, wobei er diese vehement bestritt 

(Urk. 6/1). Es kann auf die zutreffende Zusammenfassung der Vorinstanz verwie-

sen werden (Urk. 57 S. 19 f.). In den weiteren Einvernahmen (Urk. 6/2 S. 2 ff.; 

Urk. 6/3 S. 2 ff.; Urk. 6/4 S. 2; Urk. 6/5 S. 2 ff.) sowie vor Vorinstanz (Prot. I S. 11 

ff.) und anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 8) machte der Beschul-

digte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.  

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3.2.3.2. Die Vorinstanz weist zutreffend darauf hin, dass die wenigen, anlässlich 

der polizeilichen Einvernahme gemachten Aussage einige Widersprüche aufwei-

sen: So führte der Beschuldigte zunächst aus, dass er keine Pornos schaue, 

räumte dann aber zwei Antworten später ein, dass er doch Videos mit pornogra-

phischem Inhalt konsumiere (Urk. 6/1 Frage 24 und 26 f.). Sodann behauptete er, 

sich solche Filme nur alleine anzuschauen und führte dann im Widerspruch dazu 

aus, dass er die auf seinem Handy gespeicherten Bilder auch der Privatklägerin 

gezeigt und diese mit ihr angesehen habe (Urk. 6/1 Frage 27, 22 und 29). Des 

Weiteren fällt auf, dass er – konfrontiert mit dem Vorwurf, er habe den Ge-

schlechtsverkehr mit der Privatklägerin vollzogen – nicht nur sehr vehement rea-

gierte und erklärte, dass dies eine Lüge sei, sondern darüber hinaus die Privat-

klägerin in ein schlechtes Licht rückt, indem er aussagte, dass sie solche Sachen 

erzähle, weil sie krank im Kopf sei und auch Tabletten nehme (Urk. 6/1 Frage 40). 

Sodann beschuldigte er die Privatklägerin, ihm, wenn er ihren Freund nicht mit 

dem Auto mitnehme, gedroht zu haben, bei der Polizei etwas Schlechtes über ihn 

zu erzählen (Urk. 6/1 Frage 13). Weiter gestand der Beschuldigte ein, dass er mit 

der Privatklägerin über Sex gesprochen habe (Urk. 6/1 Frage 42). 

3.2.4. Aussagen der Privatklägerin 

3.2.4.1. Die Privatklägerin wurde zweimal durch die Abteilung Kindesschutz der 

Stadtpolizei Zürich als Auskunftsperson befragt. Die Befragungen wurden aufge-

zeichnet und liegen dem Gericht vor (Urk. 7/2 und Urk. 7/6). Sodann liegen Ab-

schriften der aufgezeichneten Einvernahmen der Privatklägerin vor (Urk. 7/3 und 

Urk. 7/7 vor). Schliesslich liegen zu den Befragungen je ein Bericht über die Vide-

obefragung von E._____, Dipl. Psychologin FH, vor (Urk. 7/5 und Urk. 7/7).  

3.2.4.2. Die Verteidigung macht geltend, dass die von der Privatklägerin anläss-

lich ihrer polizeilichen Einvernahme gemachten Aussagen nicht verwertbar seien. 

Beim Protokoll der ersten Einvernahme handle es sich um eine nachträgliche Ab-

schrift der Videobefragung. Bei der im Recht liegenden Videoaufnahmen handle 

es sich nicht um gültig erhobene Beweismittel. Die Privatklägerin sei zum Zeit-

punkt der Einvernahme kein Kind mehr gewesen (Urk. 74 S. 3 ff.). Zusätzlich sei 

zu beachten, dass weder der Beschuldigte noch die Verteidigung bei der ersten 

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Einvernahme ein Teilnahmerecht gehabt hätten. Es gebe somit keinerlei Kontrolle 

darüber, was vorgängig der Einvernahme passiert sei. Sodann habe zu keinem 

einzigen Zeitpunkt eine rechtsgültige Konfrontation des Beschuldigten mit den 

Aussagen der Privatklägerin stattgefunden (Urk. 49 S. 8 ff.; Urk. 74 S. 3 ff.).  

3.2.5. Die im Zeitpunkt der beiden umstrittenen Einvernahmen gut 18-jährige Pri-

vatklägerin leidet (ausser an einer Epilepsie) unbestritten an einer Entwicklungs-

störung. Soweit die Verteidigung im Berufungsverfahren einwendet, dass bis heu-

te ungeklärt bleibe, an welcher Entwicklungsstörung die Privatklägerin konkret lei-

de und wie sich diese auf ihr Aussageverhalten auswirke (Urk. 74 S. 7), ist ihr in-

soweit zuzustimmen, als kein psychiatrisches Gutachten vorliegt, dass sich zu 

den Defiziten und deren Umfang äussert. Dennoch besteht kein Zweifel daran, 

dass die Privatklägerin an einer kognitiven Entwicklungsstörung leidet, die ihre 

Fähigkeit einschränkt, Informationen zu verarbeiten und aufgrund derer sie teil-

weise auf dem Entwicklungsstand einer 9-Jährigen ist, ihr u.a. das Verständnis für 

Zeit und Zahlen fehlt und sie sprachliche Defizite (Verständnis und Ausdrucksfä-

higkeit) aufweist. Eine Begutachtung der Privatklägerin drängte und drängt sich 

nicht auf. So lebte die Privatklägerin im Jahr 2018 unter der Woche in einer be-

treuten Wohngruppe für kognitiv beeinträchtigte Menschen in der "G._____" und 

besuchte die Fachschule "H._____", eine Schule für junge Erwachsene mit einer 

Beeinträchtigung. Zu ihrem Entwicklungsstand liegen die Zeugenaussagen ihrer 

Betreuerinnen in diesen Institutionen vor, die nicht nur aus eigener Wahrneh-

mung, sondern als Sozialpädagogin (I._____; Urk. 7/10) bzw. Erziehungswissen-

schaftlerin und Fachperson Betreuung (J._____; Urk. 7/9) auch sachkundige An-

gaben zum Entwicklungsstand der Privatklägerin machen konnten. I._____ be-

schrieb diesen als je nach Bereich sehr unterschiedlich entsprechend einer 9- bis 

18-Jährigen. Namentlich zeitliche Räume seien für sie schwierig zu beurteilen. Es 

gebe auch Entwicklungsseiten, die durchaus einer jungen Frau entsprächen, sie 

habe beispielsweise Interesse am anderen Geschlecht und einen (ebenfalls kog-

nitiv beeinträchtigten) Freund, mit dem sie eine wohl eher platonische Beziehung 

führe (Urk. 7/10 S. 6). Es sei schwierig für sie, eigene Gefühle zu benennen. Sie 

lebe sehr fest im Moment (Urk. 7/10 S. 8). J._____ gab ebenfalls an, dass der 

Privatklägerin das zeitliche Verständnis weitgehend fehle; sie könne keine Uhr le-

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sen. Sie könne nicht mit Geld umgehen, wisse beispielsweise nicht, wie viel Wert 

5 Franken sind. Sonst sei sie recht aufmerksam, je nachdem wie viel Konzentrati-

on sie schon verbraucht habe. Sonst seien sie sich manchmal unsicher, wie viel 

sie verstehe. Wenn sie etwas erzähle, sei es manchmal nicht immer klar, auch, 

weil ihr das Zeitverständnis fehle (Urk. 7/9 S. 5). Sie schilderte ferner ebenfalls, 

dass die Privatklägerin einen Freund habe. Soweit sie wisse, beschränkten sich 

die sexuellen Handlungen mit diesem auf Küssen. Zum einen weil der Raum gar 

nicht da sei und zum anderen auch, weil sie sich sehr mit Ekel äussere, wenn 

über Sex gesprochen werde. Es sei mehr so Nähe und Küssen (Urk. 7/9 S. 6). 

Nichts anderes ergibt sich aus den Zeugenaussagen von K._____, einer weiteren 

Gruppenleiterin in der "G._____", die für die Privatklägerin vor allem ausserhalb 

der Wohngruppe koordinativ tätig war (Urk. 7/13 S. 6). Sie gab nach dem Entwick-

lungsstand der Privatklägerin gefragt an, dass sie in Teilbereichen noch nicht wie 

eine 18-Jährige entwickelt sei. Sie sei in der "G._____". Das sei eine Stiftung für 

Leute mit Lernbehinderungen und geistigen Beeinträchtigungen. Sie glaube, dass 

die Privatklägerin Unterstützung in der hauswirtschaftlichen Tätigkeit und in der 

Körperpflege brauche. Sie habe keine zeitliche Orientierung. Einen Weg schaffe 

sie, wenn man ihn ihr zwei- oder dreimal zeige (Urk. 7/13 S. 6). Die kognitiven 

Beeinträchtigungen der Privatklägerin trat denn bei ihren beiden Befragungen 

auch offensichtlich zu Tage (vgl. Urk. 7/2 und Urk. 7/6; vgl. auch Urk. 7/3 und Urk. 

7/7). Ihr Verhalten wirkte – wie sich aus den Aufzeichnungen ergibt – eher kind-

lich. Ihr sprachliches Verständnis war eingeschränkt. Fragen mussten kurz und 

konkret formuliert sein, damit sie darauf antworten konnte. Ihre Antworten bezo-

gen sich zwar im weitesten Sinn auf das erfragte Thema, sie waren aber, sofern 

sie nicht ganz kurz ausfielen, meist sprunghaft und unstrukturiert. Ihre Fähigkeit, 

sich präzise auszudrücken und Geschehen zeitlich und örtlich nachvollziehbar 

einzuordnen, war offensichtlich stark eingeschränkt. Die Psychologin E._____ 

hielt in ihren Berichten zu den Videobefragungen denn auch u.a. fest, dass die 

Privatklägerin geistig einen leichten Entwicklungsrückstand aufweise. Chronolo-

gisch zu erzählen falle ihr schwer, sie benutze teilweise falsche Wörter und über-

lege länger, weil ihr ein Wort nicht in den Sinn komme. Sie frage auch häufig 

nach, weil sie etwas nicht verstehe. Mit zeitlichen Angaben und offenen Fragen 

- 16 - 

sei sie überfordert. Sie schildere kurz, manchmal stichwortartig, ungeordnet und 

sprunghaft. Sie zeige hin und wieder auch etwas vor und unterstütze ihre Erklä-

rungen mit Gesten. Sie berichte zwar viel, ihre Erzählungen seien jedoch oft ver-

wirrend und Zusammenhänge schwer erkennbar. Sie habe Mühe bei einem The-

ma zu bleiben, schweife ab oder mache Andeutungen. Auf Nachfrage könne die 

Privatklägerin manchmal etwas mehr erzählen. Sie drücke sich sehr einfach und 

teilweise kindlich aus. Die Frage nach ihrer Grösse und ihrem Gewicht könne sie 

nicht beantworten. Sie sei offensichtlich nicht in der Lage, detailliert und struktu-

riert zu berichten oder Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Sie erzähle, 

was ihr gerade in den Sinn komme. Das direkte Antworten auf eine Frage falle ihr 

schwer. Manchmal erzähle sie von verschiedenen Begebenheiten, die sie meis-

tens nicht vertiefe und gehe davon aus, dass alles klar sei und sie verstanden 

werde. Sie berichte ausschweifend und ausufernd. Eine logische Reihenfolge o-

der Details seien in ihrem Denken offenbar nicht so wichtig (Urk. 7/5; Urk. 7/8).  

3.2.5.1. Gemäss Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO werden Einvernahmen von Kindern im 

Sinne von Abs. 1 der Bestimmung, bei denen keine Gegenüberstellung stattfindet, 

in Bild und Ton aufgezeichnet. Die befragende Person und die Spezialisten oder 

der Spezialist, die den Einvernahmen beizuwohnen haben, halten ihre besonde-

ren Beobachtungen in einem Bericht fest. Eine laufende Protokollierung von Fra-

gen und Antworten und eine Unterzeichnung des gelesenen oder vorgelesenen 

schriftlichen Protokolls durch das einvernommene Kind sieht die Bestimmung da-

gegen nicht vor. Ob die Videoaufnahme nachträglich in Schriftform übertragen 

werden muss, ist umstritten (Zürcher Kommentar StPO-Wohlers, Art. 154 N 14 

[FN 37]). 

3.2.5.2. In Art. 155 StPO betreffend die Massnahmen zum Schutz von Personen 

mit einer psychischen Störung fehlt eine Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO entsprechende 

Regelung zur Aufzeichnung von Einvernahmen. Die sachliche Nähe zu Art. 154 

StPO zeigt sich allerdings darin, dass die Bestimmung mit diesem vergleichbar 

statuiert, dass Einvernahmen von Personen mit einer psychischen Störung auf 

das Notwendige zu beschränken und mehrfache Befragungen zu vermeiden sind 

und die Verfahrensleitung spezialisierte Straf- oder Sozialbehörden mit der Ein-

- 17 - 

vernahme beauftragen oder zur Einvernahme Familienangehörige, andere Ver-

trauenspersonen oder Sachverständige beiziehen kann (Art. 155 Abs. 1 und 2 

StPO). Im Zweifelsfalle wird bei Einvernahmen nach Art. 155 Abs. 1 StPO mithin 

ein analoges Verfahren wie nach Art. 154 StPO zu wählen sein (BSK StPO-

Wehrenberg, 2. Aufl., Art. 155 N 5).  

3.2.5.3. Gestützt auf die von Art. 155 Abs. 2 StPO eingeräumte Möglichkeit, spe-

zialisierte Ermittlungsbeamte beiziehen zu können, kann das Vorgehen der 

Staatsanwaltschaft, die Privatklägerin aufgrund ihres Entwicklungsstandes durch 

eine spezialisierte Polizistin der Abteilung Kindesschutz der Stadtpolizei Zürich 

befragen zu lassen, nicht beanstandet werden. Bereits anlässlich der Anzeigeer-

stattung durch die Privatklägerin hatte sich sodann gezeigt, dass die Privatkläge-

rin aufgrund ihrer Einschränkungen nicht in der Lage gewesen wäre, einer proto-

kollarische Befragung gemäss Art. 78 StGB zu folgen, die aufgrund der laufenden 

Protokollierung von Fragen und Antworten zu Unterbrüchen im Dialog führt, die 

die Kontrolle von Gedanken erschwert, und die voraussetzt, dass die einvernom-

mene Person in der Lage ist, das schriftliche Protokoll der Einvernahme zu lesen 

und den darin enthaltenen Text zu erfassen oder das ihr vorgelesene Protokoll zu 

verstehen (vgl. Urk. 1 S. 3). Der Sinngehalt von Art. 155 StPO ist in diesem Zu-

sammenhang eindeutig und soll ermöglichen, dass auch erwachsene Personen 

mit psychischen bzw. kognitiven Einschränkungen als Auskunftspersonen einver-

nommen werden können. Nachdem sich die Privatklägerin in ihrer Entwicklung 

teilweise auf dem Stand eines neunjährigen Kindes befand und Art. 155 Abs. 1 

StPO vorsieht, dass die Befragungen auf das Notwendige beschränkt werden sol-

len, drängte sich eine Einvernahme nach den Regeln von Art. 154 StPO auf und 

kann nicht beanstandet werden. Eine solche Einvernahme mit Bild und Ton ist 

dabei vom Erkenntniswert höherwertig und ermöglicht es dem Gericht, einen per-

sönlichen Eindruck von der Privatklägerin zu erhalten. Von beiden Videobefra-

gungen wurden sodann nachträglich Abschriften erstellt. Eine Einschränkung der 

Verteidigungsrechte durch dieses Vorgehen ist nicht ersichtlich.  

3.2.5.4. Entsprechend führt der Umstand, dass die Videobefragungen nicht paral-

lel protokolliert wurden, sondern hiervon nachträglich Abschriften erstellt wurden, 

- 18 - 

nicht zur Unverwertbarkeit der Einvernahmen der Privatklägerin (vgl. zur Zuläs-

sigkeit von der nachträglichen Protokollierung auch BGE 143 IV 408 E. 8). Auf-

grund der zu Recht erfolgten analogen Anwendung von Art. 154 StPO führt so-

dann auch der Umstand, dass die Niederschriften nicht von der Privatklägerin un-

terzeichnet sind, weder zur Unverwertbarkeit der Niederschriften noch der Aussa-

gen der Privatklägerin.  

3.2.5.5. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO, Art. 29 Abs. 2 BV). Dazu zählt das Recht, Belastungszeugen zu befragen 

(Art. 147 Abs. 1 StPO; Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK). Eine belastende Aussage ist da-

nach grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Beschuldigte wenigstens einmal 

während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, die 

Aussage in Zweifel zu ziehen und der einvernommenen Person Ergänzungsfra-

gen zu stellen (BGer-Urteil 6B_269/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 2.2.). 

3.2.5.6. Zutreffend weist die Vorinstanz darauf hin, dass es sich bei der Einver-

nahme vom 26. November 2018 um eine Beweiserhebung, welche im selbststän-

digen polizeilichen Ermittlungsverfahren durchgeführt worden ist, handelte. Diese 

erste Einvernahme erfolgte – nach der Strafanzeige vom 22. November 2018 – 

erst am 26. November 2018, weil aufgrund der kognitiven Defizite der Privatkläge-

rin eine schriftliche Befragung anlässlich der Anzeigeerstattung nicht möglich war 

(Urk. 1 S. 3) und diente einer ersten Sachverhaltsermittlung. Erhebt die Polizei 

Beweise im polizeilichen Ermittlungsverfahren, haben die Parteien grundsätzlich 

keine Teilnahmerechte (Zürcher Kommentar StPO-Wohlers, 3. Aufl., Art. 147 N 

2). Entsprechend kam dem Beschuldigten kein Teilnahmerecht gemäss Art. 147 

StPO zu und ist die Einvernahme verwertbar. In der im Rahmen der von der 

Staatsanwaltschaft delegierten Einvernahme vom 20. Dezember 2018 wurden die 

Teilnahmerechte des Beschuldigten gewahrt und hatte dieser die Möglichkeit, Er-

gänzungsfragen zu stellen (Urk. 7/7). Der Beschuldigte war mit seiner amtlichen 

Verteidigung bei der Befragung der Privatklägerin am 20. Dezember 2018 anwe-

send (Urk. 7/8 S. 1) und die Befragung der Privatklägerin wurde zweimal unter-

brochen, damit die einvernehmende Polizistin bei den im Technikerraum anwe-

senden Personen nach Ergänzungsfragen nachfragen konnte (Urk. 7/7 S. 19, S. 

- 19 - 

24). Auch wenn dies nicht ausdrücklich protokolliert wurde, ergibt sich aus diesem 

Ablauf der Befragung ohne weiteres, dass die Möglichkeit des Beschuldigten, Er-

gänzungsfragen stellen zu können, bestand. Die Verteidigung monierte eine Ver-

letzung des Anspruchs des Beschuldigten auf rechtliches Gehör denn auch weder 

im Vorverfahren noch vor Vorinstanz.  

3.2.5.7. Damit hatte der Beschuldigte im Laufe des gesamten Verfahrens einmal 

eine angemessene und geeignete Gelegenheit, von seinem Konfrontationsrecht 

Gebrauch zu machen und die Aussagen der Privatklägerin in Zweifel zu ziehen 

(vgl. auch die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz, Urk. 57 S. 9 f.). 

3.2.5.8. Soweit die Verteidigung geltend macht, dass bei der Rechtsbelehrung 

unzulässiger Druck auf die Privatklägerin ausgeübt worden sei (Urk. 49 Ziff. 31 f.), 

ist festzuhalten, dass die befragende Polizistin die Privatklägerin – vor dem Hin-

tergrund ihrer kognitiven Entwicklungsstörung – in einer verständlichen Weise auf 

ihr Aussageverweigerungsrecht hingewiesen hat. In keiner Weise hat sie dabei – 

auch im Verlaufe der Befragung nicht – Druck auf die Privatklägerin ausgeübt. 

Unmittelbar vor der vom Verteidiger zitierten Aussage der befragenden Polizistin 

führte diese aus, dass es Dinge gebe, die einem ein bisschen peinlich seien und 

sie froh wäre, wenn die Privatklägerin auch diese sagen würde (Urk. 7/3 Frage 

13). Die Polizistin versucht an dieser Stelle nicht Druck aufzubauen, sondern der 

Privatklägerin die Scham – die im Verlauf der Einvernahme sehr deutlich zutage 

tritt (vgl. dazu insbesondere Urk. 7/3 Frage 52 ff.) – zu nehmen, über ihr unange-

nehme Dinge zu sprechen. Sodann kann auf die zutreffenden Ausführungen der 

Vorinstanz (Urk. 57 S. 7 f.) verwiesen werden. 

3.2.5.9. Mit der Vorinstanz kann – hinsichtlich der Frage der grundsätzlichen Ver-

wertbarkeit der Aussagen – sodann offen bleiben, ob sich die Befragende anläss-

lich der polizeilichen Einvernahme der Privatklägerin vom 26. November 2018 

suggestiver Fragen bedient hat (vgl. Urk. 49 Ziff. 27 ff.). Denn die herrschende 

Lehre und Rechtsprechung qualifiziert das Verbot von Suggestivfragen als Ord-

nungsvorschrift im Sinne von Art. 141 Abs. 3 StPO. Somit sind Suggestivfragen 

zwar grundsätzlich unzulässig, führen aber nicht zur Unverwertbarkeit entspre-

chender Antworten (BSK StPO-Häring, Art. 143 N 37).  

- 20 - 

3.2.5.10. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die polizeilichen 

Einvernahmen der Privatklägerin vom 26. November 2018 und 20. Dezember 

2018 verwertbar sind. 

3.2.5.11. Schliesslich beantragte die Verteidigung, dass die Privatklägerin durch 

das Gericht parteiöffentlich zu befragen sei (Urk. 74 S. 2; Prot. II S. 9). Hierzu ist 

vorab festzuhalten, dass eine erneute Einvernahme der Privatklägerin aufgrund 

ihrer Einschränkungen durch den Beizug einer sachverständigen Person und 

nicht durch das Gericht zu erfolgen hätte. Wie dargelegt, sind die beiden erfolgten 

Einvernahmen der Privatklägerin verwertbar. Diese vermitteln aufgrund der erfolg-

ten Aufzeichnung auch einen unmittelbaren Eindruck der Privatklägerin und ihres 

Aussageverhaltens. Ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn ist nicht zuletzt angesichts 

der offensichtlichen kognitiven Einschränkungen der Privatklägerin drei Jahre 

nach dem angeklagten Vorfall nicht zu erwarten. Davon geht im Ergebnis auch 

die Verteidigung aus (Prot. II S. 9). Eine erneute Befragung erscheint deshalb 

nicht erforderlich und stünde im Widerspruch zu Art. 155 Abs. 1 StPO, der ver-

langt, dass unnötige Befragungen zu vermeiden sind.  

3.2.5.12. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, kann bei der ersten polizeilichen 

Videobefragung vom 26. November 2018 festgestellt werden, dass die Privatklä-

gerin sehr kindlich wirkt und ihre kognitiven Defizite deutlich zutage treten. So fällt 

es der Privatklägerin beispielsweise schwer, komplexere Sätze und Schilderun-

gen sowie offene Fragen zu verstehen, wobei sie meist nachfragt, wenn sie etwas 

nicht versteht. Darüber hinaus wird klar, dass die Privatklägerin Mühe hat, Ereig-

nisse und Abläufe in chronologischer Reihenfolge zu schildern, was dazu führt, 

dass ihre Aussagen sprunghaft und chaotisch sind und teilweise zusammen-

hangslos wirken. Dies führte dazu, dass die befragende Polizistin oft nachfragen 

musste. Ebenfalls auffällig ist, dass die Privatklägerin nicht ganz so intensive 

Emotionen zeigt, wie dies vielleicht von einem Opfer sexueller Gewalt zu erwarten 

wäre. Dennoch äussert sie deutlich Ekel und Empörung. Die Privatklägerin be-

nutzt immer wieder das Wort "gruusig" und kann es angesichts des grossen Al-

tersunterschiedes sowie des Umstandes, dass der Beschuldigte zwei Kinder und 

eine Frau hat, kaum fassen, dass der Beschuldigte sie unter anderem angefasst 

- 21 - 

und geküsst hat. Auch zeigt sich, dass es der Privatklägerin offensichtlich peinlich 

ist, über die sexuellen Handlungen zu sprechen. Es bereitet ihr Mühe, über die 

Geschehnisse im Detail zu berichten oder die Geschlechtsorgane beim Namen zu 

nennen. Hier beginnt die Privatklägerin teilweise zu kichern, verlegen zu lächeln 

oder leiser zu sprechen. Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt die Privatklägerin 

auch anlässlich der zweiten Videobefragung vom 20. Dezember 2018, wobei im 

Rahmen einer Gesamtbetrachtung auffällt, dass die Privatklägerin etwas distan-

zierter zum geschilderten Geschehen wirkt. Die Aussagen der Privatklägerin sind 

sehr sprung- und fragmenthaft. Jedoch wirkt die Privatklägerin sowohl in Mimik 

als auch Gestik sehr authentisch.  

3.2.5.13. Bei der ersten Befragung vom 26. November 2020 schildert die Privat-

klägerin das Geschehen im Wald in freier Erzählung wie folgt: Sie sei auf dem 

Rücksitz gesessen und der Beschuldigte habe sich mit seinem Handy dazu ge-

setzt. Daraufhin habe sie gesehen, wie er das Wort "Pornos" geschrieben und ihr 

im Anschluss einen entsprechenden Film gezeigt habe und ihr gesagt habe, dass 

er das auch bei ihr machen wolle. Er habe ihr die Kleider und Unterhosen und so 

ausgezogen, und habe sich auf sie gelegt. Dann habe er gesagt, dass sie mal in 

ein Hotel gehen sollten, anstatt in diesem "scheiss" Auto (Urk. 7/3 Frage 100). Auf 

entsprechende Nachfrage erklärt die Privatklägerin, der Beschuldigte habe sie 

und sich selbst ganz nackt ausgezogen. Dann sei er auf sich draufgekommen. Er 

habe ein Kondom angezogen und sei auf sie draufgelegen. Das Kondom habe er 

sich selber überzogen (Urk. 7/3 Frage 101 ff.). Der Beschuldigte habe den Penis 

in ihre "Muschi" getan. Und sie habe es "gruusig" gefunden (Urk. 7/3 Frage 112). 

Auf entsprechende Nachfrage, ob der Beschuldigte es geschafft habe, seinen 

Penis in ihre "Muschi" zu tun oder nicht, sagt sie aus, nein, eben nicht. Er habe es 

schaffen wollen, es sei aber nicht gegangen. Er sei lang (Urk. 7/3 Frage 113 und 

115). Sie habe dem Beschuldigten gesagt, dass es ihr weh tue und er sie lassen 

solle. Nachher sei er aufgestanden und nachher habe er es sich selber gemacht, 

weil sie nicht gewollt habe (Urk. 7/3 Frage 117 f.). Er habe sogar gewollt, dass sie 

seinen Penis anfasse und er habe an ihrer Vagina geleckt (Urk. 7/3 Frage 120 f.). 

Er habe gesagt, sie habe aber ein "Kleine", aber er habe es dann nochmals pro-

biert. Sie habe gesagt, geh weg jetzt, und habe ihn geschubst. Der Beschuldigte 

- 22 - 

habe sie richtig "hässig" bzw. "aggro" gemacht (act. 7/3 Frage 124). Sodann führ-

te die Privatklägerin aus, dass sie aufgrund der Dunkelheit nicht habe sehen kön-

nen, ob es zu einem Samenerguss gekommen sei. Der Beschuldigte habe ihr 

aber gesagt, dass bei ihm etwas gekommen sei (Urk. 7/3 Frage 130 f.). Auf die 

Frage, wo der Beschuldigte sie überall gehalten und berührt habe, führte sie aus, 

bei der Brust und am Körper und am T-Shirt "raufgelang und so", wo sie es nicht 

gerne habe (Urk. 7/3 Frage 139). Sodann gab sie auf die Frage, ob er auch bei ih-

rer "Muschi" mit den Fingern etwas gemacht habe, an, ja, genau, das meine sie. 

Den Zeige- oder Mittelfinger habe er in ihre "Muschi" gesteckt. Und das habe sie 

auch nicht gern gehabt (Urk. 7/3 Frage 140). 

3.2.5.14. Anlässlich der zweiten Einvernahme vom 20. Dezember 2018 führte die 

Privatklägerin aus, dass der Beschuldigte mal im Wald angehalten habe. Er habe 

dann immer so… Das wo sie nicht so gerne habe, zum Körper und so. Er habe 

sie am Körper und an ihrem Busen angefasst und sie auf die Backe und den 

Mund geküsst. Sie finde das komisch. Sie habe sich immer gewehrt. Er habe 

nicht aufgehört. Sie habe ihm auf Tamilisch gesagt, er solle einfach aufhören, sie 

habe es nicht gerne. Er habe sie über den Kleidern angefasst und ihr nachher ihre 

Hose und alles ausgezogen und nachher habe er da, da und da… Er habe ange-

fangen zu schlecken und so, es sei so "gruusig" (Urk. 7/7 S. 9 ff.). Auf entspre-

chende Nachfrage präzisiert die Privatklägerin ihre Antwort dahingehend, dass 

der Beschuldigte ihr die Hosen, die Schuhe und die Unterhosen – nicht aber das 

T-Shirt – ausgezogen habe und sich danach selbst vollständig seiner Kleidung 

entledigt habe (Urk. 7/7 S. 19 f.). Weiter sagte die Privatklägerin aus, dass der 

Beschuldigte ihr auch den Zeigefinger in die "Muschi" gesteckt habe und dies, 

obwohl sie "Stopp" gesagt habe (Urk. 7/7 S. 22). Auf entsprechende Nachfrage, 

ob sie sich gegen den Beschuldigten auch körperlich gewehrt habe, führt die Pri-

vatklägerin aus, dass sie ihn geschubst habe, als er ihr näher gekommen sei. Da-

raufhin habe er sich da (zeigt auf den Hinterkopf) angeschlagen, wo das Fenster 

sei (Urk. 7/7 S. 12). Auf die Nachfrage, wie sie vom Vordersitz auf den Rücksitz 

gelangt seien, erklärt die Privatklägerin, der Beschuldigte habe ihr die Autotür 

aufgemacht und ihr gesagt, dass sie nach hinten kommen solle, damit er ihr einen 

lustigen Film zeigen könne. Dann habe sie gesehen, dass er Pornofilm schreibt 

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(Urk. 7/7 S. 12, Abschrift insoweit nicht korrekt, vgl. Urk. 7/6) und er habe ihr Por-

nos gezeigt (Urk. 7/7 S. 12). Dann habe er ihr gesagt, dass sie sich das anschau-

en solle, und sie das dann auch machen würden. Dann seien sie gelegen, weil er 

gesagt habe, sie solle sich hinlegen. Dann sei er auf sie draufgelegen. Nackt! 

(Urk. 7/7 S. 12 f.). Es sei nackt auf ihr draufgelegen. Er habe versucht sie unten 

anzufassen, unten an der "Muschi" (Urk. 7/7 S. 14). Sein Schwanz sei gross und 

dick gewesen. Sie habe gesagt, dass es weh tue und so. Daraufhin habe er ge-

sagt, dass er dann mal Creme mitbringe, damit es nicht so weh täte. Er habe ver-

sucht, den Schwanz in ihre "Muschi" zu tun. Es habe ihr weh getan, mega (Urk. 

7/7 S. 15).  

3.2.6. Zeugenaussagen 

3.2.6.1. Weiter liegen verschiedene Zeugenaussagen vor. Hierzu kann vorab 

festgehalten werden, dass die Vorinstanz die Zeugenaussagen (von I._____, Urk. 

7/10; J._____, Urk. 7/9; L._____ (Vater der Privatklägerin, Urk. 7/11) und 

M._____ (Mutter der Privatklägerin, Urk. 7/12) zutreffend zusammenfasst und 

würdigt (Urk. 57 S. 27 ff.). Um Wiederholungen zu vermeiden, kann auf diese 

Ausführungen verwiesen werden. Nachfolgend werden nur noch die Kernaussa-

gen der Zeugen wiedergegeben.  

3.2.6.2. I._____, Sozialpädagogin an der Schule, die die Privatklägerin im Tatzeit-

punkt besuchte und für die Berufsfindung der Privatklägerin zuständig ist (Urk. 

7/10 S. 3), begleitete die Privatklägerin, als diese Anzeige bei der Polizei erstatte-

te (Urk. 1; Urk. 7/1). Am 20. Dezember 2020 wurde I._____ als Zeugin einver-

nommen (Urk. 7/9). Gefragt, was ihr die Privatklägerin am 22. November 2020 er-

zählt habe, erklärte sie, sie habe ihr gesagt, dass er sie am Bein und Knie anfas-

se und sie das nicht wolle, dass er sie am Rest des Körpers anfasse, auch an den 

Brüsten und dass sie immer wieder sage, dass sie das nicht wolle, und dass er ihr 

Filme gezeigt habe. Sachen, die er mit anderen Mädchen gemacht habe. Er habe 

gesagt, dass er mit ihr nach Deutschland in ein Hotel fahren wolle, und dass er 

ein Freund ihres Vaters und 37 Jahre alt sei. Weiter habe sie ihr erzählt, dass es 

im Auto gewesen sei, einmal sei er auf sie draufgelegen und einmal sei er mit ihr 

in den Wald gefahren (Urk. 7/10 S. 4 f.). Sodann erklärte sie auf entsprechende 

- 24 - 

Fragen, dass die Privatklägerin eine ehrliche Person sei und sie ihres Wissens 

nach nicht zu Übertreibungen neige. Sie sei in gewissen Dingen sehr emotional, 

das schon, und das sei dann vielleicht auch ein Moment, in dem sie übertreibe, 

wenn sie wütend sei oder so. Sie komme aber immer sehr schnell wieder runter 

(Urk. 7/10 S. 7). 

3.2.6.3. J._____, Fachperson Betreuung in der Wohngruppe, in der die Privatklä-

gerin im Tatzeitpunkt, wohnte, führte als Zeugin befragt aus, dass sie selbst mit 

der Privatklägerin über allfällige Übergriffe gesprochen habe und zwar am 

20. November 2018. Es sei Abends nach dem Abendessen gewesen und dann 

habe sie ihr darüber berichtet, weil wohl an jenem Abend der Beschuldigte die 

Privatklägerin von der Schule abgeholt und zur Wohngruppe gebracht habe, aber 

eigentlich habe die Privatklägerin gemeinsam mit ihrem Freund in die Wohngrup-

pe kommen wollen. Der Beschuldigte habe sie dann aber abgefangen und sie ha-

be so nicht mit ihrem Freund kommen können. Die Privatklägerin habe dann dar-

über berichtet, dass an dem Tag, aber auch schon an vorherigen Fahrten – das 

sei bei der Privatklägerin zeitlich nicht immer ganz klar – zu Übergriffen durch den 

Beschuldigten gekommen sei, dass der Beschuldigte ihr die Hand auf den Ober-

schenkel gelegt habe und sie versucht habe zu küssen bzw. zu einem Kuss zu 

überreden. Ausserdem habe der Beschuldigte der Privatklägerin Pornos gezeigt 

und habe mit ihr in einem Hotel in Deutschland übernachten gehen wollen. Die 

Privatklägerin sei recht gefasst gewesen, als sie dies erzählt habe. Als sie das 

dann ernst genommen und deutlich gesagt habe, dass so ein Verhalten nicht ok 

sei, habe sie dann auch so reagiert, dass das für sie nicht selbstverständlich sei. 

Sie habe dann nachgefragt, ob es nicht ihre Schuld sei (Urk. 7/9 Frage 18 ff.). 

Weiter führte die Zeugin aus, dass die Privatklägerin ihr gegenüber das erste Mal 

nach ihrer Befragung am 20. Dezember 2018 von der versuchten Vergewaltigung 

erzählt habe. Vorher hätten sie darüber noch nicht gesprochen. Die Privatklägerin 

habe erzählt, dass sie einmal mit dem Beschuldigten mitgefahren sei und dieser 

zu ihren Eltern gesagt habe, dass sie im Stau gewesen seien. Tatsächlich hätten 

sie aber irgendwo angehalten. Er hätte sich auf sie gelegt und er hätte versucht, 

seinen Penis in sie hineinzustecken (Urk. 7/9 Fragen 13 f.). 

- 25 - 

3.2.6.4. K._____, Gruppenleiterin in der G._____, führte am 16. April 2019 als 

Zeugin aus, sie wisse, dass eine Anzeige erstattet worden sei. Die Privatklägerin 

habe ihr davon erzählt, bevor es zur Anzeige gekommen sei. Sie sei im Dienst 

gewesen. Die Privatklägerin sei zu ihr ins Büro gekommen. Wortwörtlich könne 

sie das nicht mehr sagen, es sei bereits ein paar Monate her. Die Privatklägerin 

habe ihr gesagt, dass sie belästigt worden sei, und sie schien sehr erregt gewe-

sen zu sein. Sie wisse nicht, ob sie dies mit diesen Worten gesagt habe. Die Pri-

vatklägerin habe gesagt, er habe sie angepackt und sie wolle das nicht. Sie habe 

die Stelle – Oberschenkel, Brust und Küssen habe sie auch noch erzählt – ge-

zeigt, wo er sie berührt habe. Sie habe ihr erzählt, dass er ein Handy habe. Sie 

habe etwas von einem Handy erzählt und von Dingen, die sie nicht habe sehen 

wollen. Es sei Sex drauf mit Frauen. Er wolle sie nach Deutschland in ein Hotel 

mitnehmen. Und sie habe gesagt, dass sie das nicht wolle. Sie wisse nicht in wel-

chem Zusammenhang das gewesen sei, aber die Privatklägerin habe auch ge-

sagt, dass er manchmal irgendwo stehe und sie dann abfange und mit dem Auto 

zur Schule oder zum Zug bringe (Urk. 7/13 Fragen 23 ff.). Zudem erklärte sie auf 

entsprechende Frage, so wie sie die Privatklägerin kennengelernt habe, sei sie 

ehrlich und authentisch (Urk. 7/13 Frage 35). Die Frage, ob die Privatklägerin zu 

Übertreibungen neige, verneinte sie (Urk. 7/13 Frage 53).  

3.2.6.5. Der Vater der Privatklägerin erklärte als Zeuge am 21. Dezember 2018 

befragt, er wisse es seit letztem Samstag. Die Privatklägerin habe ihm nie gross 

etwas erzählt (Urk. 7/11 Frage 19, 21 und 24). Zutreffend hält die Vorinstanz fest, 

dass die Aussagen für die Erstellung des Sachverhalts nicht herangezogen wer-

den können. 

3.2.6.6. Die Mutter der Privatklägerin erklärte als Zeugin befragt, sie habe es vor-

her nicht gewusst. Nachher, nach der Anzeige, habe sie es erfahren (Urk. 7/12 

Frage 14). Weiter führte sie an, die Privatklägerin habe ihr auch gesagt, dass der 

Beschuldigte ihr so gruusige Fotos gezeigt habe. Solche Sachen habe sie ihr ge-

sagt. Die Privatklägerin habe ihr gesagt, dass er sie angefasst habe, sie wisse 

nicht genau wie. Er habe sie auch geküsst. Gruusige Fotos habe er ihr gezeigt 

und sie solle das anschauen (Urk. 7/12 Fragen 33 ff.). Die Privatklägerin habe 

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immer zu ihr gesagt, dass der Beschuldigte immer so heimlich mit ihr rede, dass 

er ihr sogar SIM-Karten gekauft habe. Der Beschuldigte sage auch nie B._____ 

zu ihr, sondern nenne sie immer nur Meiteli (Urk. 7/12 Frage 46). Auch aus den 

Aussagen der Mutter der Privatklägerin ergeben sich keine direkten Erkenntnisse 

für die Sachverhaltserstellung. 

3.2.7. Würdigung 

3.2.7.1. Der Anklagesachverhalt stützt sich einzig auf die Aussagen der Privatklä-

gerin. Aussagen von Drittpersonen liegen hierzu nicht vor. Zutreffend weist die 

Verteidigung daraufhin, dass die Privatklägerin zivilrechtliche Ansprüche geltend 

macht und daher ein Interesse am Ausgang des Verfahrens hat. Jedoch führte die 

Zeugin J._____ glaubhaft aus, dass die Privatklägerin nicht mit Geld umgehen 

könne und nicht wisse, wie viel Wert 5 Franken haben (Urk. 7/9 S 5). Eine finan-

zielle Motivation seitens der Privatklägerin kann deshalb ausgeschlossen werden. 

3.2.7.2. Die Aussagen der Zeugin I._____, J._____ und K._____ sind glaubhaft. 

Die Zeugin I._____ sagte sowohl anlässlich ihrer polizeilicher Befragung als auch 

anlässlich der Zeugeneinvernahme konstant und nachvollziehbar aus. War sie 

sich einer Sache nicht sicher oder konnte sie eine Frage nicht beantworten, sagte 

sie dies (Urk. 7/1 Fragen 7 f. und 15; Urk. 7/10 Fragen 19 und 28). Auch die Aus-

sagen der Zeuginnen J._____ und K._____ sind schlüssig und in sich stimmig. Es 

sind keine Gründe ersichtlich, weshalb diese Zeuginnen falsche Angaben machen 

sollten. Jedoch können die Zeuginnen keine eigenen Angaben zum Sachverhalt 

machen, sondern nur wiedergeben, was ihr die Privatklägerin erzählte. Die Aus-

sagen dieser Zeuginnen sind aber insofern von Bedeutung, dass sie die Privat-

klägerin als grundsätzlich ehrlich beschreiben und sie ein stimmiges Bild der Pri-

vatklägerin und den Auswirkungen ihrer kognitiven Beeinträchtigung und der dar-

aus resultierenden Defiziten liefern. Aus den Aussagen der Zeuginnen I._____, 

J._____ und K._____ ergibt sich sodann, dass die Privatklägerin diesen gegen-

über – wenn auch mit Abweichungen und unterschiedlichen Formulierungen – im 

Kernbereich übereinstimmende Angaben machte.  

- 27 - 

3.2.7.3. Die Privatklägerin leidet – wie bereits ausgeführt – an einer kognitiven 

Entwicklungsstörung, aufgrund derer ihr Gehirn nicht alle Informationen verarbei-

ten kann. Dies trat denn bei ihren beiden Befragungen auch offensichtlich zu Ta-

ge (vgl. Urk. 7/2 und Urk. 7/6). Im Tatzeitpunkt war die Privatklägerin in Teilberei-

chen ihrer Entwicklung auf einem Stand eines neunjährigen Mädchens. Insbe-

sondere fehlte ihr das zeitliche Verständnis, so dass sie Abläufe kaum chronolo-

gisch erzählen kann. Zudem hatte sie ein Defizit im verbalen Verständnis und es 

fiel ihr schwer, sich sprachlich auszudrücken. Sie hatte zudem kein Zahlenver-

ständnis (Urk. 7/10 S. 3 ff.; Urk. 7/9 S. 5; Urk. 7/13 S. 6). Die anlässlich der bei-

den Videobefragungen der Privatklägerin erstellten Berichte der Psychologin 

E._____ führen – wie erwähnt – ebenfalls an, dass es der Privatklägerin schwer 

falle, chronologisch zu erzählen. Sie schildere das ihr zugestossene Geschehen 

kurz, manchmal stichwortartig, ungeordnet sowie sprunghaft und die Privatkläge-

rin habe Mühe, bei einem Thema zu bleiben und schweife ab bzw. verliere sich 

schnell in ihren Erzählungen. Sie drücke sich sehr einfach und teilweise kindlich 

aus (Urk. 7/5 S. 2; Urk. 7/8 S. 2 f.). Die Privatklägerin sei ganz offensichtlich nicht 

in der Lage, detailliert und strukturiert zu berichten oder Wichtiges von Unwichti-

gem zu unterscheiden (Urk. 7/5 S. 3; Urk. 7/8 S. 3). Mit zeitlichen Angaben sei sie 

überfordert, eine leichte kognitive Beeinträchtigung sei spürbar (Urk. 7/8 S. 2). 

Diese Umstände gilt es bei der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin – die 

wie ausgeführt aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen sehr sprung- und 

fragmenthaft sind – zu berücksichtigen. Insbesondere kann deshalb nicht von 

vorneherein aus dem teilweise sehr widersprüchlich erscheinenden Aussagever-

halten der Privatklägerin geschlossen werden, dass die Privatklägerin falsche An-

gaben macht. Die Psychologin hält den auch weiter fest, dass die Privatklägerin 

den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit kenne (act. 7/5 S. 2). I._____ er-

klärte sodann, die Privatklägerin lebe auch sehr fest im Moment (Urk. 7/10 S. 8). 

3.2.7.4. Die Psychologin hält in ihrem Bericht zur zweiten Einvernahme der Pri-

vatklägerin fest, sie könne sich aufgrund des Verhaltens der Privatklägerin vor-

stellen, dass sie sehr leicht zu manipulieren sei (Urk. 7/8 S. 3). Dass die Psycho-

login dies nicht auf die Aussagen der Privatklägerin bezieht, ergibt sich daraus, 

dass sie weiterfährt, dass die Privatklägerin auch nicht gewusst habe, wie sie sich 

- 28 - 

anders hätte wehren sollen. Soweit die Verteidigung aus dem Umstand, dass die 

befragende Polizistin wiederholt Beispiele aufzählte, ableitet, dass die Privatklä-

gerin durch diese Fragen beeinflusst worden sei (Urk. 49 S. 13 ff.; Urk. 75 S. 8 f.), 

ist ihr nicht zu folgen. Aus der Befragung ergibt sich offensichtlich, dass die Pri-

vatklägerin nicht nur mit zeitlichen Angaben resp. der zeitlichen Einordnung der 

Geschehnisse, sondern auch mit offenen Fragen heillos überfordert ist (vgl. auch 

Urk. 7/5 S. 2) und zwar auch, wenn es nicht um die vorliegend zu beurteilenden 

Sachverhalte geht (vgl. z.B. Urk. 7/7 S. 2: "Erzähl doch mal, was du gerne 

machst." Antwort Privatklägerin: "Name oder was?"). Jedoch war die Privatkläge-

rin durchaus in der Lage, die ihr angebotenen Antwortmöglichkeiten zu differen-

zieren und ihr gestellte Fragen zu verneinen. So beantwortete sie zum Beispiel 

die Frage, ob sie danach irgendwo geblutet habe, mit nein (Urk. 7/3 Frage 123). 

Auf die Frage, ob er es geschafft habe, den Penis in ihre Muschi zu tun, antworte-

te sie, er wollte es schaffen, aber es sei nicht gegangen; er ist lang (Urk. 7/3 Fra-

ge 115). Oder die Frage: "Nicht irgendwie oben ohne oder so" beantwortete sie 

mit "Nein. Mit Kleidern" (Urk. 7/3 Frage 215). Auf die Frage, ob sie noch wisse, 

wie sie gesessen seien, gab sie an, dann sind wir gelegen, weil er hat gesagt, leg 

dich da hin ... (Urk. 7/7 S. 13). Soweit die Verteidigung einwendet, dass es gut 

möglich sei, dass verschiedene Personen, denen sich die Privatklägerin anver-

traut habe, bewusst oder unbewusst Einfluss auf das Aussageverhalten genom-

men hätte (Urk. 49 S. 14), ist anzumerken, dass dies tatsächlich nicht ausge-

schlossen werden kann, jedoch deshalb nicht generell von der Unglaubhaftigkeit 

der Aussagen der Privatklägerin ausgegangen werden kann. Die Aussagen der 

Privatklägerin sind nachfolgend unter Berücksichtigung ihrer dargelegten Ein-

schränkungen sorgfältig zu prüfen. 

3.2.7.5. Nicht ersichtlich ist, was die Verteidigung daraus ableiten will, dass der 

Beschuldigte die Privatklägerin jeweils gefahren habe, um den Kontakt zu 

N._____, ihrem Freund, zu unterbinden (Urk. 49 S. 15 ff.). Daraus ableiten zu wol-

len, dies sei ein plausibles Motiv, warum die Privatklägerin den Beschuldigten 

falsch beschuldigte (Urk. 75 S. 9), geht fehl. Sämtliche befragten Zeugen gaben 

an, den Eindruck zu haben, dass die Privatklägerin mit ihrem Freund nicht sexuell 

verkehre. Die Privatklägerin hat dies glaubhaft verneint (Urk. 7/7 S. 17 f.) und 

- 29 - 

auch die während den Befragungen der Privatklägerin anwesende Psychologin 

führte in ihrem Bericht an, dass die Privatklägerin sexuell unerfahren erscheine 

(act. 7/8 S. 3; vgl. dazu auch act. 7/5 S. 3) und spürbar sei, dass es ihr sehr pein-

lich sei, über Sexuelles zu sprechen (act. 7/5 S. 3; act. 7/8 S. 3). Der Privatkläge-

rin war es denn in den Einvernahmen auch peinlich, die Geschlechtsteile zu be-

nennen (vgl. Urk. 7/3 Fragen 51 ff., Fragen 63 ff.; Urk. 7/7 S. 11). Sodann er-

scheinen ihre Aussagen, dass sie es "gruusig" finde (vgl. z.B. Urk. 7/3 Frage 112 

und Urk. 7/7 S. 11 resp. Urk. 7/2 und Urk. 7/6), sehr authentisch. Es erscheint 

deshalb äusserst unwahrscheinlich, dass sich die Privatklägerin einer Vergewalti-

gung und sexuellen Belästigungen bedient, um sich am Beschuldigten dafür zu 

rächen, dass er mithilft, den Kontakt zu ihrem Freund zu unterbinden. Jedoch 

spricht das dem Beschuldigten seitens der Familie der Privatklägerin entgegen 

gebrachte Vertrauen dafür, dass sich der Beschuldigte sicher fühlte. Es ist nicht 

erklärbar, wie der Beschuldigte, 51-jährig und lediglich ein Freund der Familie, 

dazu kommt, mit der 18-jährigen Privatklägerin Pornos anzuschauen und ihr Bil-

der mit Sexszenen von sich selber mit Freundinnen zu zeigen. Die Erklärung, sie 

habe von sich erzählt und dann habe er ihr diese Bilder gezeigt, erscheint als rei-

ne Schutzbehauptung und rechtfertigt sein Handeln in keiner Weise (Urk. 6/1 Fra-

gen 3 und 24 ff.), insbesondere der Beschuldigte um die kognitiven Einschrän-

kungen der Privatklägerin wusste (Urk. 6/1 Fragen 9 und 45), und es nicht Aufga-

be des Beschuldigten war, die Privatklägerin über sexuelle Praktiken aufzuklären. 

Während es bei Jugendlichen durchaus reine Neugier sein kann, konsumieren 

Erwachsene Pornos in der Regel aus sexuellen Motiven. Entsprechend erschei-

nen die Erzählungen der Privatklägerin durchaus stimmig. Zudem hätte es wohl 

bereits genügt, wenn die Privatklägerin ihren Eltern erzählt hätte, dass der Be-

schuldigte ihr Pornos zeige, damit diese den Kontakt zum Beschuldigten abbre-

chen resp. die Eltern dem Beschuldigten nicht mehr erlaubt hätten, die Privatklä-

gerin zu fahren. Selbst wenn die Privatklägerin bereits volljährig ist, wird sie ins-

besondere von ihrer Mutter sehr behütet, vor allem auch, was sexuelle Dinge an-

belangt (vgl. Urk. 7/12 Fragen 23, 28 und 30). Zudem fällt auf, dass der Beschul-

digte die Privatklägerin in der polizeilichen Einvernahme bereits in der ersten 

Antwort diskreditierte und angab, die Privatklägerin habe ihm gesagt, dass sie seit 

- 30 - 

sie 15 Jahre alt sei, sexuellen Kontakt pflege (Urk. 6/1 Frage 3). Schliesslich steht 

das vom Beschuldigten geltend gemachte grosse Interesse der Privatklägerin an 

Sexualität (Urk. 6/1 Fragen 3 und 42 f.; Urk. 49 S. 30), in offensichtlichem Wider-

spruch zum verlegenen Aussageverhalten der Privatklägerin und dem Umstand, 

dass sie diesbezüglich von "gruusigen" Sachen sprach. Die Privatklägerin ver-

neinte sodann glaubhaft, mit ihrem Freund sexuell zu verkehren. Demgegenüber 

hat der Beschuldigte eingestandenermassen nicht nur Interesse an Pornofilmen 

sondern auch an Sex mit jungen Frauen, und hat er der Privatklägerin entspre-

chende Videos von sich selber gezeigt (Urk. 6/1 S. 4). Für diese Tatsache gibt es 

keine plausible Erklärung und kann deshalb nur so gedeutet werden, dass er da-

mit der Privatklägerin zeigen wollte, dass dies ganz normal sei und sie dadurch zu 

sexuellen Handlungen motivieren wollte. 

3.2.7.6. Alle drei Zeuginnen – J._____, I._____ und K._____ – beschreiben die 

Privatklägerin sodann als ehrliche Person. Zwar führte die Zeugin J._____ aus, 

dass es schon sein könne, dass sie die Frage, z.B. wenn das Bad dreckig sei, 

und man sie frage, ob sie das gewesen sei, sage, dass sie das nicht gewesen sei. 

Weiter hielt sie aber fest, wenn man sie aber bei einer Verabredung in der Wohn-

gruppe frage, wo sie gewesen sei, sage sie einem dann schon, wo sie gewesen 

sei (Urk. 7/9 Frage 26). Die Mutter der Privatklägerin führte sodann an, dass die 

Privatklägerin, wenn sie mit ihrem Freund telefoniere und sie nachfrage, wer es 

gewesen sei, sage, dass es eine Kollegin gewesen sei. Oder wenn ihr Freund ihr 

einen Liebesbrief mitgebe, sie diesen verstecke (Urk. 7/12 Frage 40). Warum die 

Privatklägerin Anlass hat, ihr diese Tatsachen zu verheimlichen führt die Mutter 

der Privatklägerin gleich selber an, nämlich, dass wenn sie den Brief finde, sie mit 

der Privatklägerin schimpfe (Urk. 7/12 Frage 40). Die Mutter der Privatklägerin 

macht denn auch keinen Hehl daraus, dass sie gegen die Beziehung ihrer Toch-

ter mit N._____ ist. Wenn die Privatklägerin unter diesen Umständen ihrer Mutter 

verheimlicht, dass sie mit ihrem Freund telefoniert, oder die Zeugen I._____ aus-

führt, die Privatklägerin wisse, wann sie etwas sagen solle und wann nicht (Urk. 

7/10 Frage 32), kann daraus nicht auf eine allgemeine Unehrlichkeit der Privat-

klägerin geschlossen werden. Etwas nicht sagen und Sachen erfinden, ist ein Un-

terschied. Keine der Zeuginnen erklärte, dass die Privatklägerin Sachen erfinde. 

- 31 - 

Zudem ist kaum vorstellbar, dass die Privatklägerin mit ihrem Entwicklungsrück-

stands und ihrer sexuellen Unerfahrenheit in der Lage wäre, eine mit dem Verhal-

ten und den Vorlieben des Beschuldigten stimmige Anschuldigung und die erfolg-

ten Handlungen zu erfinden.  

3.2.7.7. Die Aussage der Zeugin I._____, dass die Privatklägerin zu Übertreibun-

gen neige, wenn sie emotional oder wütend sei, lässt – entgegen der Auffassung 

der Verteidigung (Urk 49 S. 17 f.) – ebenfalls nicht den Schluss zu, dass die An-

gaben der Privatklägerin zum Vorfall im Wald falsch sind. Die Übertreibungen be-

schrieb die Zeugin mit Türe zuknallen oder Verweigerung (Urk. 7/10 Frage 33 f.), 

so auch die Mutter der Privatklägerin (Urk. 7/12 Frage 45), und nicht damit, dass 

die Privatklägerin dazu neige, Vorfälle etc. übertrieben darzustellen. Sowohl die 

Zeugin I._____ als auch die Mutter der Privatklägerin erwähnten ausschliesslich 

emotionale Überreaktionen. Die Zeuginnen J._____ und K._____ verneinten denn 

auch die Frage, ob die Privatklägerin zu Übertreibungen neige (Urk. 7/9 Frage 53; 

Urk. 7/13 Frage 53). Sodann vermag die Aussage der Zeugin K._____ auf die 

Frage, ob sie der Privatklägerin geglaubt habe, sie habe die Aussagen der Privat-

klägerin zur Kenntnis genommen (Urk. 7/13 Frage 26), keine Zweifel an der Ehr-

lichkeit der Privatklägerin aufkommen. Die Zeugin brachte deutlich zum Ausdruck, 

dass das für sie in diesem Moment gar nicht relevant war und sie sich hierzu gar 

keine Gedanken gemacht hat (Urk. 7/13 Fragen 27 f.). Dies nicht, weil sie der Pri-

vatklägerin nicht glaubte, sondern aufgrund professioneller Distanz. 

3.2.7.8. Die Privatklägerin schildert das Kerngeschehen des Vorfalls im Wald im 

Kerngehalt übereinstimmend. Insbesondere in der ersten Einvernahme schilderte 

sie die Geschehnisse auch in freier Erzählung, auch wenn diese Schilderung de-

tailarm ausfiel (Urk. 7/3 Fragen 39 f., 49, 100, 105). Dies deutet jedoch nicht eine 

Falschbezichtigung hin, sondern ist der kognitiven Einschränkungen, an denen 

die Privatklägerin leidet, geschuldet. Verschiedene Aussagen der Privatklägerin 

sprechen dafür, dass sie das Geschilderte tatsächlich erlebt hat. So erklärte sie 

auf die Frage, ob er es geschafft habe, den Penis in ihre Muschi zu tun, er habe 

es schaffen wollen, aber es sei nicht gegangen. Er sei lang (Urk. 7/3 Frage 115). 

Weiter führte sie aus, sie habe gesagt, es tue weh, nein, er solle sie lassen, wo-

- 32 - 

rauf der Beschuldigte gesagt habe, er mache nur ein wenig. Nachher sei er auf-

gestanden und nachher habe er es sich selber gemacht, weil sie es nicht habe 

machen wollen (Urk. 7/3 Frage 117 f.). Dabei gab sie fassungslos an, dass er ihre 

Muschi habe schlecken wollen und erklärte weiter, obwohl sie nein gesagt habe, 

habe er doch ein bisschen geschleckt und so (Urk. 7/3 Frage 120 f., vgl. Urk. 7/2). 

Er habe gesagt, sie solle anfassen und sie habe nein gesagt. Dann habe der Be-

schuldigte gesagt, ja dann mache er halt, wenn sie nicht wolle (Urk. 7/7 S. 25). 

Weiter führte sie aus, er habe einfach den Penis genommen und ganz fest bei ihr 

reingetan. Sie habe weinen wollen, es habe so fest weh getan. Er habe gesagt, 

du hast aber eine "Kleine", aber er habe es dann nochmals probiert (Urk. 7/3 Fra-

ge 123 f.). Nachdem sie gesagt habe, es tue ihr weh und sie habe es nicht gern 

und so, habe er gesagt, ok, wenn du nicht willst, dass ich den Penis da reintue, 

dann lass mich mit meinen Fingern (Urk. 7/3 Frage 141). Auch in der zweiten Ein-

vernahme führte sie aus, er habe probiert, den Schwanz in ihre Muschi zu tun. Es 

habe ihr weh getan, mega (Urk. 7/7 S. 15). Diese Erzählungen erscheinen sehr 

authentisch und wiederspiegeln tatsächlich Erlebtes. Insbesondere den bei der 

Penetration erlebten Schmerz beschreibt sie eindrücklich. Es erscheint sehr un-

wahrscheinlich, dass sie die von ihr erwähnten Details (z.B. dass er nicht [voll-

ständig] in sie habe eindringen können, weil der Penis so lang gewesen sei; sie 

habe weinen wollen, so fest habe es weh getan) aus Pornofilmen oder Erzählun-

gen entnommen hat. Sodann erklärte die Privatklägerin – ohne dass sie direkt da-

rauf angesprochen worden war, ob oder dass der Beschuldigte auf ihr gelegen 

habe –, dass der Beschuldigte schwer sei (Urk. 7/3 Frage 188), was auch wenn 

der Beschuldigte etwas fester ist, in Anbetracht des Aussageverhaltens der Pri-

vatklägerin dafür spricht, dass er tatsächlich auf ihr gelegen ist.  

3.2.7.9. Bei Konsultation der Videoaufzeichnung sticht sodann die Empörung über 

den Altersunterschied und ihr kindliches Unverständnis darüber, dass ein älterer 

Mann so etwas mit ihr gemacht hat, deutlich zu Tage und wirkt sehr authentisch 

(vgl. Urk. 7/3 Fragen 30, 159 und Urk. 7/7 S. 4, S. 11 f., S. 14, S. 26 resp. Urk. 7/2 

und Urk. 7/6). Ebenfalls sehr authentisch wirkt ihre Aussage, sie habe sich nicht 

ausgezogen. Warum sollte sie sich ausziehen? Er habe sie ausgezogen, "er so: 

Zieh deine Unterhose aus." Dann habe er alles was unten ist ausgezogen, ausser 

- 33 - 

diesen Kleidern (zeigt auf den Oberkörper). "Er so: Schleck das da" (zeigt auf die 

Brust) "und ich so nein" (Urk. 7/7 S. 14 resp. Urk. 7/6).  

3.2.7.10. Weiter spricht für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin, 

dass sie den Beschuldigten nicht übermässig belastet. So erklärte sie, dass der 

Beschuldigte aufgehört habe, als sie ihm gesagt habe, dass es ihr weh tue 

(Urk. 7/3 Fragen 114 ff.). Die Fragen, ob sie nachher z.B. geblutet habe, und ob 

der Beschuldigte sie geschlagen oder bedroht habe, verneinte sie (Urk. 7/3 Fra-

gen 123, 181 und 189; Urk. 7/7 S. 15). Auf die Frage, ob so etwas, wie das, was 

im Auto geschehen sei – also dass der Beschuldigte versucht haben soll, den Pe-

nis reinzuschieben – nur da passiert sei, antwortete die Privatklägerin unmissver-

ständlich mit "Ja" und gibt an anderer Stelle ebenfalls zu Protokoll, dass dies nur 

einmal vorgekommen sei (Urk. 7/3 Fragen 180 und 150). Entgegen der Ansicht 

der Verteidigung ist keine Dramatisierungstendenz zu erkennen (Urk. 49 S. 25; 

Urk. 75 S. 12 f.). Aufgrund der Tatsache, dass es der Privatklägerin sichtlich pein-

lich ist, die Geschlechtsteile zu benennen und sie das Geschehen "gruusig" fin-

det, ist nachvollziehbar, dass sie erst nach und nach auf entsprechende Fragen 

weitere Aussagen zum Vorgefallenen macht. Entsprechend kann aus dem Um-

stand, dass sie gegenüber ihren Betreuerinnen nicht erwähnte, dass der Beschul-

digte sie vaginal penetrierte (Urk. 49 S. 25 f.), nicht auf eine Dramatisierungsten-

denz geschlossen werden.  

3.2.7.11. Sodann erklärte die Privatklägerin, sie habe gesehen, wie er in seinem 

Handy "Porno" eingegeben und ihr dann gezeigt und gesagt habe, das wolle er 

auch bei/mit ihr machen (Urk. 7/3 Frage 100; Urk. 7/7 S. 12 [wobei die Privatklä-

gerin entgegen der Abschrift sagt: … und dann habe ich gesehen, er schreibt 

Pornofilm.]). Nachdem sie gesagt habe, es tue weh und so, habe er gesagt, er 

bringe dann mal Creme mit, dass es nicht weh tue (Urk. 7/7 S. 15, S. 22). Weiter 

führte sie aus, dass der Beschuldigte, da wo das Fenster sei, mit dem Hinterkopf 

angeschlagen habe, als sie ihn weggestossen habe (Urk. 7/7 S. 12, S. 24). Dann 

habe er so Kopfweh gehabt, habe er gesagt; also selber schuld, er habe mit den 

"gruusigen" Sachen angefangen, so dass sie ihn gestossen habe (Urk. 7/7 S. 21). 

Und der Beschuldigte habe gesagt, gehen wir mal in ein Hotel anstatt in diesem 

- 34 - 

scheiss Auto (Urk. 7/3 Frage 100; Urk. 7/7 S. 28). Diese Schilderungen sind nicht 

nur sehr realitätsnah, sondern sie sind auch in sich und mit dem geschilderten Er-

eignissen stimmig und sprechen ebenfalls dafür, dass die Privatklägerin die ge-

schilderten Handlungen tatsächlich erlebt hat. Daran ändert nichts, dass sie erst 

in der zweiten Einvernahme erwähnte, dass sie den Beschuldigten so gestossen 

habe, dass dieser den Kopf angestossen hatte (Urk. 49 S. 23). Der Beschuldigte 

verweigerte Aussagen dazu, was für ein Auto er in dieser Zeit fuhr. Es ist durch-

aus realistisch, dass der Beschuldigte, den Kopf am Fenster angestossen hatte, 

als ihn die Privatklägerin wegstiess, nachdem sie beide auf dem Rücksitz sassen 

(Urk. 49 S. 24 f.). Eine weitere erlebnisbasierte Schilderung ist ihre Aussage, wo-

nach der Beschuldigte ihre Eltern angelogen und "verarscht" habe, indem er 

ihnen erzählt habe, dass sie im Stau gestanden hätten und deshalb zu spät ge-

kommen seien, obwohl er in Wirklichkeit mit ihr in den Wald gefahren sei (act. 7/3 

Frage 39 und 233; act. 7/7 S. 13). 

3.2.7.12. In Würdigung der Aussagen der Privatklägerin ergibt sich, dass sie die 

Geschehnisse durcheinanderbringt – wie beispielweise jenes im Wald und der 

Garage (Urk. 7/7 S. 24 ff.) – und ihre Aussagen teilweise sehr sprunghaft, wider-

sprüchlich und schwer nachvollziehbar sind (vgl. Urk. 7/5 und 7/8). Auch betref-

fend das Kerngeschehen im Wald lassen sich vereinzelt solche Aussagen finden. 

Diese hätten bei einer gleichaltrigen Frau ohne Defizite vielleicht zur Folge, dass 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in Zweifel gezogen werden müsste. Bei der 

Würdigung der Aussagen der Privatklägerin müssen aber auch ihre Defizite in 

angemessener Weise berücksichtigt werden und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-

gen darf folglich – wie bereits erwähnt – nicht nur aufgrund einzelner Widersprü-

che und Ungenauigkeiten beurteilt werden, sondern hat aufgrund einer Gesamt-

würdigung ihres Aussageverhaltens zu erfolgen. Diesbezüglich fällt ins Gewicht, 

dass die Aussagen der Privatklägerin eine Vielzahl von Realitätskriterien aufwei-

sen und sie die Geschehnisse sehr authentisch schildert, so dass – trotz der teil-

weisen Widersprüche – kein Zweifel verbleibt, dass sie diese auch tatsächlich er-

lebt hat. Aufgrund des von der Privatklägerin gewonnenen Eindrucks (kindliche 

Naivität und Unbedarftheit) ist nur schwer vorstellbar, dass sie in der Lage wäre, 

solche Aussagen vorzubringen, ohne das Geschilderte auch tatsächlich erlebt zu 

- 35 - 

haben, geschweige denn, es anlässlich einer zweiten Videobefragung in praktisch 

identischer Weise wiederzugeben. Auch wenn die Privatklägerin sehr empört über 

das Vorgefallene ist, erscheint sie das Ausmass des Vorgefallenen nicht wirklich 

zu realisieren. So empört sie sich über den Altersunterschied und darüber, dass 

das "gruusig" sei, nicht jedoch darüber, dass sich der Beschuldigte über ihr 

Selbstbestimmungsrecht hinweg gesetzt hat. Wie die Psychologin zutreffend fest-

hielt, ist die Privatklägerin sehr naiv und damit leicht manipulierbar. So fragte die 

Privatklägerin auch bei ihrer Betreuerin nach, ob es nicht ihre Schuld sei (Urk. 7/9 

Frage 21). Die Naivität und leichte Manipulierbarkeit wurde vom Beschuldigten 

schamlos ausgenützt, indem er ihr Pornos zeigte und fand, das könnten sie auch 

mal probieren. Angesichts der Naivität der Privatklägerin und ihrer leichten Mani-

pulierbarkeit waren denn auch keine Drohungen nötig, das Geschehene nicht zu 

erzählen (Urk. 49 S. 23). Der Beschuldigte scheint davon ausgegangen zu sein, 

dass der Privatklägerin sowieso niemand glauben werde, da sie im Kopf krank sei 

(vgl. Urk. 6/1 Frage 40).  

3.2.7.13. Soweit die Privatklägerin in der zweiten Einvernahme nicht mehr gleich 

detailliert aussagte, wie in der ersten Einvernahme ist darauf hinzuweisen, dass 

die Privatklägerin sehr fest im Moment lebt (Urk. 7/10 S. 8) und sie keinerlei Zeit-

verständnis hat (vgl. auch die Aussage, sie habe jetzt einen neuen Freund; sie 

seien seit vier Jahren zusammen, Urk. 7/7 S. 16 f.). Der Umstand, dass die Pri-

vatklägerin in der zweiten Einvernahme weniger detailliert und sehr sprunghaft 

aussagte, vermag aufgrund ihrer Einschränkungen die Glaubhaftigkeit ihrer Aus-

sagen nicht zu vermindern. Dies insbesondere weil sie auch in der zweiten Ein-

vernahme verschiedene realitätsnahe Schilderungen wiederholte.  

3.2.7.14. Weiter können zwar die Zeuginnen I._____, J._____ und K._____ keine 

eigenen Beobachtungen zum Tatgeschehen schildern, jedoch sagten sie überein-

stimmend aus, dass die Privatklägerin ihnen davon erzählt habe, dass der Be-

schuldigte sie angefasst habe, sie das nicht wolle und, dass der Beschuldigte mit 

ihr nach Deutschland in ein Hotel fahren wollte. Die Privatklägerin machte auch 

diesen gegenüber im Kerngeschehen identische Angaben, ohne dass die Erzäh-

- 36 - 

lung gravierende Abweichungen enthielten. Dies spricht ebenfalls für die Wahrheit 

der Angaben der Privatklägerin.  

3.2.7.15. Schliesslich ist in keiner Weise ersichtlich, dass die Privatklägerin von 

ihren Eltern zu einer Anzeige angestachelt worden wäre (Urk. 49 S. 31). Im Ge-

genteil scheint dem Vater der Privatklägerin der Vorfall eher peinlich zu sein. So 

erklärte dieser, er wisse es von seiner Frau. Die Privatklägerin habe ihm nicht 

gross etwas erzählt. Seine Frau habe ihm gesagt, dass der Beschuldigte so unnö-

tige Sachen rede (Urk. 7/11 Fragen 20-24). Die Verteidigung weist denn auch 

selber darauf hin, dass das Sexualität in der tamilischen Kultur stark schambehaf-

tet ist (Urk. 49 S. 30). Entsprechend ist es äusserst unwahrscheinlich, dass die El-

tern der Privatklägerin diese zu einer Anzeige gedrängt haben. Hierfür hätten sie 

ihr auch vorgeben müssen, was sie der Polizei schildern müsse.  

3.2.7.16. Soweit die Verteidigung einwendet, dass die Privatklägerin von einer 

Garage spreche, es aber am Wohnort der Privatklägerin gar keine Garage gebe 

und daraus die Unglaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin ableitete 

(Urk. 49 S. 19; Urk. 75 S. 10), ist festzuhalten, dass die Privatklägerin mit Garage 

durchaus auch einen Abstellplatz gemeint haben kann, ein Ort, wo man ein Auto 

parkieren kann. Der Umstand, dass die Privatklägerin davon sprach, dass der Be-

schuldigte bei der Garage geparkt habe, vermag deshalb die Aussagen der Pri-

vatklägerin nicht in Frage zu stellen. Es ist sodann durchaus nachvollziehbar, 

dass die Privatklägerin den in der zweiten Einvernahme geschilderten Vorfall bei 

der "Garage" in der ersten Einvernahme nicht schilderte. So ging diesem Vorfall 

gemäss ihrer eigenen Schilderung keine körperliche Bedrängung der Privatkläge-

rin voraus, sondern der Beschuldigte habe ihr "lediglich" gezeigt, dass Sperma 

rausgekommen sei (Urk. 7/7 S. 16).  

3.2.7.17. Soweit die Verteidigung einwendet, die Privatklägerin habe sich wider-

sprochen, indem sie einmal ausgesagt habe, sie sei ganz nackt gewesen und in 

der zweiten Einvernahme erklärt habe, das T-Shirt habe sie anbehalten (Urk. 49 

S. 21; Urk. 75 S. 10 f.), ist festzuhalten, dass die diesbezüglichen Aussagen in der 

ersten Einvernahme nicht eindeutig so zu verstehen sind, dass sie ganz nackt 

gewesen sei. So führte sie aus, er habe ihre Kleider abgezogen und so und Un-

- 37 - 

terhosen und so (Urk. 7/3 Frage 100). Auf Nachfrage, ob er sie ganz ausgezogen 

habe, führte sie an, ja und er auch (Urk. 7/3 Frage 101). In der Folge macht sie – 

empört – einzig Aussagen dazu, dass der Beschuldigte ganz nackt gewesen sei 

(Urk. 7/3 Frage 102 ff.). Auch wenn sie in der Folge nochmals erklärte, er habe ih-

re Kleider abgezogen bis sie nackt gewesen sei (Urk. 7/3 Frage 105), scheint sich 

dies nicht auf sämtliche Kleider zu beziehen. Sie erklärte von sich aus nie, dass 

sie auch ganz nackt gewesen sei. Das "ja" auf die Nachfrage scheint sich nur 

auch Hosen, Unterhosen etc. zu beziehen und das ganz nackt einzig auf den Be-

schuldigten. Auch der Umstand, dass die Privatklägerin in der zweiten Einver-

nahme das Kondom nicht mehr erwähnte und aussagte, es sei nass gewesen 

(Urk. 49 S. 22; Urk. 75 S. 11), vermag die erlebnisbasierten, glaubhaften und 

schlüssigen Aussagen der Privatklägerin, dass der Beschuldigte sie vaginal pene-

trierte, nicht zu erschüttern.  

3.2.8. Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass die von der Privatklägerin 

gemachten Aussagen als glaubhaft zu qualifizieren sind. Anhaltspunkte für eine 

Falschbelastung sind keine erkennbar. Einzig bezüglich der zeitlichen Abfolge der 

verschiedenen von ihr geschilderten Vorkommnisse bleiben Unklarheiten beste-

hen. Nachdem jedoch die Privatklägerin bezüglich des Vorfalls im Wald glaubhaft 

und – im Rahmen ihrer Fähigkeiten – stimmig aussagte, vermag dies – wie darge-

legt – die Aussagen der Privatklägerin nicht in Zweifel zu ziehen. Gestützt auf die 

glaubhaften Aussagen der Privatklägerin kann der Anklagesachverhalt II (Urk. 21 

S. 2 f.) erstellt werden. Offen bleiben muss mit der Vorinstanz, was genau auf den 

Videofilmen, die der Beschuldigte der Privatklägerin zeigte, zu sehen war. 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1. Die Vorinstanz würdigte den Sachverhalt mit der Staatsanwaltschaft als 

Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB (Urk. 57 S. 35 ff.). Der Be-

schuldigte macht insbesondere geltend, dass es am Einsatz eines erheblichen 

Nötigungsmittels fehle, und dass es ihm nicht gelungen sei, in die Privatklägerin 

einzudringen (Urk. 49 S. 37 f.; Urk. 75 S. 14 ff.). 

- 38 - 

4.2. Der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, wer 

eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötig, namentlich 

indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder 

zum Widerstand unfähig macht. In subjektiver Hinsicht ist gemäss Art. 12 Abs. 1 

und 2 StGB Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. 

4.3. Der Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 StGB setzt vo-

raus, dass der Täter das Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu bringt, eine 

sexuelle Handlung zu erdulden oder vorzunehmen. Die Tatbestände erfassen alle 

erheblichen Nötigungsmittel, auch solche ohne unmittelbaren Bezug zu physi-

scher Gewalt. Es soll ebenfalls das Opfer geschützt werden, das in eine ausweg-

lose Situation gerät, in der es ihm nicht zuzumuten ist, sich dem Vorhaben des 

Täters zu widersetzen, auch wenn dieser keine Gewalt anwendet. Dementspre-

chend umschreibt das Gesetz die Nötigungsmittel nicht abschliessend. Es er-

wähnt namentlich die Ausübung von Gewalt und von psychischem Druck sowie 

das Bedrohen und das Herbeiführen der Widerstandsunfähigkeit, wobei der zu-

letzt genannten Variante kaum eigenständige Bedeutung zukommt (BGer-Urteil 

6B_479/2020 E. 4.3.2. mit Verweis auf BGE 131 IV 167 E. 3 S. 169 f. u.w.H.). 

4.4. Gewalt im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist nach der Rechtsprechung 

gegeben, wenn der Täter ein grösseres Mass an körperlicher Kraft aufwendet, als 

zum blossen Vollzug des Akts notwendig ist bzw. wenn sich der Täter mit körper-

licher Kraftentfaltung über die Gegenwehr des Opfers hinwegsetzt. Eine körperli-

che Misshandlung, rohe Gewalt oder Brutalität etwa in Form von Schlägen und 

Würgen ist indes nicht erforderlich. Es genügt, wenn der Täter seine überlegene 

Kraft einsetzt, indem er die Frau festhält oder sich mit seinem Gewicht auf sie 

legt. Vom Opfer wird nicht verlangt, dass es sich gegen die Gewalt mit allen Mit-

teln zu wehren versucht. Dieses muss sich nicht auf einen Kampf einlassen oder 

Verletzungen in Kauf nehmen. Die von der Rechtsprechung geforderte Gegen-

wehr des Opfers meint eine tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit wel-

cher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Handlungen 

nicht einverstanden zu sein. Der Tatbestand der Vergewaltigung ist auch erfüllt, 

wenn das Opfer unter dem Druck des ausgeübten Zwangs zum Voraus auf Wi-

- 39 - 

derstand verzichtet oder ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt (BGer-Urteil 

6B_479/2020 E. 4.3.3. mit Verweis auf BGE 126 IV 124 E. 3c und BGE 118 IV 

52 E. 2b und weiteren Hinweisen). 

4.5. Gemäss erstelltem Sachverhalt wehrte sich die Privatklägerin zwar und 

stiess den Beschuldigten weg. Jedoch legte sich die Privatklägerin in der Folge 

auf Aufforderung des Beschuldigten hin auf die Rückbank, ohne dass der Be-

schuldigte diesbezüglich Gewalt angewendet hätte. Eine Gewaltanwendung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist zu verneinen. 

4.6. Die Tatbestandsvariante "Unter-psychischen-Druck-setzen" ist dann gege-

ben, wenn vom Täter für das Opfer eine Zwangssituation geschaffen wird, in der 

dem Opfer keine zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten mehr zur Verfügung ste-

hen, eine konkrete Gefahr für sein sexuelles Selbstbestimmungsrecht besteht und 

das Tatmittel der Gewalt (gemäss der voranstehenden Definition) nicht gegeben 

ist. Vorausgesetzt wird, dass aufgrund der gesamten Umstände klar sein muss, 

dass das Opfer befürchten muss, Opfer eines sexuellen Übergriffs zu werden. 

Nicht jede Gefahr einer Tangierung der sexuellen Integrität reicht aus. Es braucht 

konkrete Anzeichen, dass ein Täter das Opfer zur Duldung oder Vornahme einer 

sexuellen Handlung i. S. v. Art. 189 oder zum Beischlaf zwingen will. Der Täter 

muss tatsituativ, also kurz vor oder während der sexuellen Handlung eine 

Zwangssituation schaffen, die das Opfer kapitulieren lässt. Es genügt nicht, wenn 

der Täter bloss eine vorbestehende, nicht selber geschaffene Abhängigkeit oder 

eine Notlage des Opfers ausnützt (objektiver Massstab). Sodann muss festste-

hen, dass zum Tatzeitpunkt keine zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten mehr 

für das Opfer bestanden haben (individueller Massstab). Die Beurteilung der 

Zwangswirkung erfolgt nach dem sog. objektiv-individuellen Massstab. Der Täter 

muss bewusst Zwang auf das Opfer ausüben, um seinen (allfälligen) Widerstand 

zu brechen. Die Zwangsintensität muss einen gewissen objektiven Grad errei-

chen. Dabei können räumlich und zeitlich unmittelbar mit der Tat zusammenhän-

gende Umstände massgebend sein. Auch psychologische Faktoren können eine 

Rolle spielen. Bei der Frage, ob dem Opfer keine zumutbaren Selbstschutzmög-

lichkeiten zur Verfügung stehen, muss die gesamte Persönlichkeit des Opfers mit 

- 40 - 

einbezogen werden. Von einer erwachsenen Frau wird bspw. mehr Widerstand zu 

erwarten sein als von Kindern. Aus der Sicht des Opfers muss vom Täter eine 

derartige Zwangswirkung ausgehen, dass ein Nachgeben unter den konkreten 

Umständen verständlich erscheint. Es muss also neben dem objektiven psychi-

schen Druck auch beurteilt werden, was er subjektiv bei seinem Opfer auslöst. 

Die Tatbestandsvariante des Unter-psychischen-Druck-Setzens bringt zum Aus-

druck, dass sich die tatbestandsmässige Ausweglosigkeit auch aus einer Situati-

on ergeben kann, in der der Täter keine eigentliche Gewalt anwendet. Immer ist 

aber eine erhebliche Einwirkung des Täters auf das Opfer erforderlich, wobei die 

Persönlichkeit des Opfers stets in Betracht gezogen werden muss. Psychischer 

Druck ist gegeben, wenn sich die tatbestandsmässige Ausweglosigkeit der Situa-

tion ergibt, ohne dass der Täter eigentliche Gewalt anwendet und dem Opfer ein 

Widersetzen nicht zugemutet werden kann (BSK StGB-Maier, Art. 189 N 28 ff.). 

4.7. Gemäss erstelltem Sachverhalt lenkte der Beschuldigte sein Fahrzeug in 

einen nicht genau bestimmbaren Wald, und parkierte dort. Unter dem Vorwand, 

dass er ihr auf seinem Handy lustige Videos zeigen wolle, brachte der Beschul-

digte die Privatklägerin dazu, sich zusammen mit ihm auf den Rücksitz seines Au-

tos zu setzen. Dort begann er – nachdem er der Privatklägerin Sexvideos gezeigt 

hatte – die Privatklägerin zunächst über den Kleidern überall am Körper anzufas-

sen, an den Armen, den Oberschenkeln und den Brüsten und küsste sie auf die 

Wangen und den Mund. Obschon die Geschädigte ihn mehrmals mit Worten 

deutlich aufforderte aufzuhören und seine Hände wegzunehmen, liess der Be-

schuldigte nicht von ihr ab. Die Privatklägerin stiess darauf mit beiden Händen 

gegen die Brust des Beschuldigten, so dass sich dieser mit dem Hinterkopf am 

Fenster/Dach seines Autos stiess. Ungeachtet dieser körperlichen Gegenwehr 

der Privatklägerin, die dem Beschuldigten unzweifelhaft deutlich machte, dass 

diese nichts mit ihm zu tun haben wollte, machte er weiter und forderte die Privat-

klägerin auf, sich hinzulegen. Danach zog er der Privatklägerin gegen deren Wil-

len die Hose und die Unterhose aus. Er selbst zog sich ganz nackt aus. Der Be-

schuldigte fasste die Privatklägerin erneut am ganzen Körper und auch am Vagi-

nalbereich an und begann diese dort mit seiner Zunge zu schlecken. Zudem for-

derte er die Privatklägerin auf, seinen erigierten Penis zu berühren, was diese 

- 41 - 

nicht wollte und sich weigerte. Darauf legte sich der Beschuldigte auf die Privat-

klägerin, um mit ihr den vaginalen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, was diese 

jedoch nicht wollte und sich deshalb verbal wehrte. Die Privatklägerin sagte dem 

Beschuldigten mehrmals, dass sie seine Berührungen nicht wolle und dass er zu 

schwer sei. Er solle sich anziehen und sie nach Hause bringen. Dennoch machte 

der Beschuldigte weiter und steckte zunächst einen Finger und dann seinen eri-

gierten Penis in die Vagina der Privatklägerin, und zwar gegen deren erklärten 

Willen. Dies alles geschah im Fahrzeug des Beschuldigten an einem der Privat-

klägerin unbekannten Ort im Wald nach Einbruch der Dunkelheit.  

4.8. Die Privatklägerin leidet unter eine kognitiven Beeinträchtigung und handelt 

sehr naiv. Die Psychologin geht davon aus, dass die Privatklägerin leicht manipu-

lierbar ist (Urk. 7/8 S. 3). Zudem hielt sie fest, dass sich die Privatklägerin nicht 

gegen den Beschuldigten habe wehren können und vermutlich auch nicht ge-

wusst habe, wie sie das hätte tun können (Urk. 7/5 S. 3). Dies widerspiegelt sich 

auch in den Aussagen der Privatklägerin. Dem Beschuldigten waren die Defizite 

der Privatklägerin bekannt. Sodann genoss er nicht nur das Vertrauen der Familie 

der Privatklägerin sondern auch das der Privatklägerin. Er brachte die Privatklä-

gerin regelmässig mit dem Auto von der Schule zum betreuten Wohnen. Er nutzte 

die Vulnerabilität der Privatklägerin und das ihm entgegen gebrachte Vertrauen 

schamlos aus und fuhr mit der Privatklägerin nach Einbruch der Dunkelheit an ei-

nen ihr unbekannten Ort im Wald. Dort lockte er sie unter einem Vorwand auf den 

Rücksitz seines Autos und setzte sich zu ihr. Er zeigte ihr Videos mit sexuellen 

Handlungen und erklärte ihr, dass sie das auch machen könnten. In der Folge 

begann er zunächst, die Privatklägerin über den Kleidern überall am Körper anzu-

fassen und sie zu küssen. Obschon die Privatklägerin mehrmals mit Worten deut-

lich zum Ausdruck brachte, dass sie das nicht will, und den Beschuldigten weg-

stiess, forderte der Beschuldigte sie auf, sich hinzugelegen und begann, sie aus-

zuziehen und legte sich in der Folge auf sie, um mit ihr den Geschlechtsverkehr 

zu vollziehen. Der Beschuldigte verbrachte die Privatklägerin nicht nur an einen 

ihr unbekannten, einsamen Ort, an dem sie sich nicht hilfesuchend an Dritte wen-

den konnte, sondern setzte sich auch wiederholt über ihren Willen hinweg, indem 

er die verbale und physische Gegenwehr der Privatklägerin ignorierte und bei sei-

- 42 - 

nem Vorhaben einfach weitermachte. Damit versetzte er die Privatklägerin in eine 

Lage, in der sie sich nicht mehr weiter zu wehren vermochte. Es bestand ein 

Machtgefälle, wenn auch nicht zwischen einem Kind und einem Erwachsenen, so 

doch zwischen einem älteren Erwachsenen und einer verletzlichen und kognitiv 

eingeschränkten jungen Erwachsenen. Die Privatklägerin machte denn aufgrund 

ihres Entwicklungsstandes zunächst auch, was der Beschuldigte von ihr wollte. 

Als ihr die Handlungen des Beschuldigten zu weit gingen, versuchte sie sich ihm 

Rahmen ihrer Möglichkeiten zu wehren. Jedoch ignorierte der Beschuldigte so-

wohl die körperliche als auch die verbale Gegenwehr. Ihre verbale Gegenwehr, 

ihr klar zum Ausdruck gebrachtes Nein, und auch das Wegstossen überging der 

Beschuldigte, wie wenn sich die Privatklägerin nicht gegen sein Vorhaben ge-

wehrt hätte, und machte der körperlich klar überlegene Beschuldigte einfach wei-

ter. Damit brachte der Beschuldigte die Privatklägerin in eine ausweglose Situati-

on, in der sie sich aufgrund ihrer Defizite nicht weiter zu wehren vermochte resp. 

sich ihr keine weiteren Möglichkeiten, wie sie sich sonst noch wehren könnte, er-

schlossen. Daran ändert nichts, dass während des eigentlichen Geschlechtsver-

kehrs keine expliziten Gewalthandlungen oder Drohungen erfolgten. Auch wenn 

die Privatklägerin die ihrerseits erfolgte Kapitulation und die Gründe dafür auf-

grund ihrer kognitiven Einschränkungen in den Einvernahmen nicht zu verbalisie-

ren vermochte, ergibt sich aus den Aussagen der Privatklägerin klar, dass sie kei-

ne weiteren Möglichkeiten, sich noch mehr oder anders zu wehren, sah. Die Pri-

vatklägerin hat die ihr in der konkreten Situation zur Verfügung stehenden und in 

Anbetracht ihrer persönlichen Verhältnisse zumutbaren Selbstschutzmöglichkei-

ten ausgeschöpft und in der Folge kapituliert, so dass es dem Beschuldigten mög-

lich wurde, sich gegen ihren Willen auf die Privatklägerin zu legen und mit seinem 

Penis in sie einzudringen. Das Vorliegen des Nötigungsmittels "Unter-

psychischen-Druck-Setzens" ist deshalb gegeben.  

4.9. Die strafbare Handlung der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

StGB ist vollendet, wenn es zum Beischlaf kommt. Dabei ist nach der Rechtspre-

chung des Bundesgerichts unter Beischlaf die naturgemässe Vereinigung der Ge-

schlechtsteile zu verstehen. Wieweit das männliche Glied in den weiblichen Ge-

schlechtsteil eindringt und ob der Same in die Scheide ausgestossen wird, ist un-

- 43 - 

erheblich (BGE 99 IV 151 E. 1). Das Einführen des Glieds in den sog. Scheiden-

vorhof reicht aus. Das männliche Glied (Penis) muss dabei – wenn auch nur un-

vollständig – in den Scheidenvorhof oder in den Anfang der weiblichen Scheide 

(Vagina) eindringen, da die Handlung nach ihrer Art allgemein zur Zeugung ge-

eignet sein muss (BSK StGB-Maier, Art. 190 N 13 m.w.H.).  

4.10. Auch wenn die Privatklägerin davon sprach, dass der Beschuldigte ver-

sucht habe, in sie einzudringen, ist aufgrund der Aussagen der Privatklägerin er-

stellt, dass er mit seinem Penis zumindest in den Scheidenvorhof eindrang, an-

sonsten es nicht zu den von der Privatklägerin eindrücklich geschilderten 

Schmerzen gekommen wäre. Damit ist der Beischlaf im Sinne des Gesetzes voll-

zogen worden. Der Vollzug des Beischlafs gelang dem Beschuldigten sodann ge-

gen den Willen der Privatklägerin nur aufgrund des "Unter-psychischen-Druck-

Setzens" der Privatklägerin.  

4.11. In subjektiver Hinsicht ist der Tatbestand der Vergewaltigung nur erfüllt, 

wenn der Täter vorsätzlich handelt, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 87 IV 

66 E. 3.). Dieser muss wissen oder zumindest in Kauf nehmen, dass das Opfer 

mit dem Beischlaf bzw. den sexuellen Handlungen nicht einverstanden ist. 

4.12. Aufgrund des erstellten Sachverhalts wehrte sich die Privatklägerin sowohl 

verbal als auch durch wegstossen des Beschuldigten. Auch wenn sich die Privat-

klägerin während des eigentlichen Vollzugs des Beischlafs nicht mehr physisch 

wehrte, war dem Beschuldigten aufgrund des von der Privatklägerin deutlich zum 

Ausdruck gebrachten "Neins" bewusst, dass diese sexuelle Handlungen und den 

Beischlaf nicht will. Darüber setzte er sich wissentlich und willentlich hinweg. Der 

Beschuldigte handelte vorsätzlich. 

4.13. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte der Verge-

waltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat. Rechtferti-

gungs- und Schuldausschlussgründe liegen keine vor. 

4.14. Nachdem die Vorinstanz den Beschuldigten vom Vorwurf der sexuellen 

Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der Pornographie im Sinne von 

- 44 - 

Art. 197 Abs. 2 StGB und der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB 

freigesprochen hat, ist nicht weiter darauf einzugehen, ob der dem Beschuldigten 

vorgehaltene Sachverhalt allenfalls zusätzlich auch diese Tatbestände erfüllt.  

5. Strafzumessung 

5.1. Vorbemerkungen 

5.1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 

36 Monaten. Dabei schob es den Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 

26 Monaten auf und setzte die Probezeit auf 2 Jahre fest. Im Übrigen ordnete es 

den Vollzug der Freiheitsstrafe an (Urk. 57).  

5.1.2. Es kann – um Wiederholungen zu vermeiden – auf die zutreffenden Aus-

führungen der Vorinstanz zum Strafrahmen und der Strafzumessung im Allgemei-

nen (Urk. 57 S. 40 f.) verwiesen werden. 

5.2. Tatkomponente 

5.2.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass das vom 

Beschuldigten eingesetzte Nötigungsmittel gemessen an allen denkbaren Nöti-

gungsmitteln als verhältnismässig mild zu qualifizieren ist und er von der Privat-

klägerin abliess, als diese über Schmerzen bei der Penetration klagte. Er kam 

denn auch nicht in der Privatklägerin zum Samenerguss. Erschwerend fällt aller-

dings ins Gewicht, dass nicht von einer spontanen Tat auszugehen ist. Der Be-

schuldigte nahm ein Kondom mit und suchte insbesondere einen geeigneten 

Platz im Wald zum Parkieren und lockte die Privatklägerin in der Folge auf den 

Rücksitz des Autos. Er nutzte die kognitive Beeinträchtigung der Privatklägerin 

und das in ihn gesetzte Vertrauen zwar schamlos aus. Anzeichen dafür, dass die 

Privatklägerin aufgrund des Vorfalls in physischer oder psychischer Hinsicht 

nachhaltig Schaden genommen hätte, liegen allerdings keine vor. Zwar brachte 

sie deutlich ihre Empörung über den Vorfall zum Ausdruck, jedoch scheint sie 

diesen nicht als sehr schlimm erlebt zu haben. In Anbetracht des weiten Straf-

rahmes ist die objektive Tatschwere insgesamt im oberen Bereich des untersten 

Drittels anzusiedeln und als gerade noch leicht zu qualifizieren. 

- 45 - 

5.2.2. Mit Blick auf das subjektive Tatverschulden ist zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte direktvorsätzlich und aus rein egoistischem Motiv zur Befriedigung 

seines sexuellen Bedürfnisses handelte, was dem Tatbestand allerdings imma-

nent ist. Die subjektive Tatschwere relativiert die objektive nicht.  

5.2.3. In Würdigung der gesamten Umstände ist das Verschulden des Beschuldig-

ten insgesamt als gerade noch leicht einzustufen und die hypothetische Einsatz-

strafe auf 27 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. 

5.3. Täterkomponente 

5.3.1. Nachdem der Beschuldigte mehrheitlich von seinem Aussageverweige-

rungsrecht Gebrauch machte (Prot. I S. 11 ff.; Prot. II S. 8), ist zu seinen persönli-

chen Verhältnisse wenig bekannt. Der Beschuldigte ist verheiratet und hat zwei 

Kinder (Urk. 6/1 Frage 52). Er lebt von seiner Familie getrennt (Urk. 6/5 Frage 

32). Der Beschuldigte arbeitet im Stundenlohn im Restaurant O._____ und ver-

dient ungefähr Fr. 3'200.– pro Monat (Urk. 6/5 Fragen 28 ff.; Prot. I. S. 13). Er hat 

Schulden in Höhe von rund Fr. 70'000.– (Urk. 6/5 Frage 34; Prot. I S. 13). Letzt-

lich ist es irrelevant, wie es sich konkret mit den persönlichen Verhältnissen des 

Beschuldigten verhält, weshalb genauere Abklärungen unterbleiben können. Es 

liegen keine Anzeichen vor, dass aus den persönlichen Verhältnissen des Be-

schuldigten etwas Relevantes zugunsten des Beschuldigten für die Strafzumes-

sung abgeleitet werden kann. 

5.3.2. Der Beschuldigte