# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b05987f3-ea07-57f0-b9ee-6ca1308eb5bd
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 17.11.2021 IV 2020/96
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2020-96_2021-11-17.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/96

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 06.05.2022

Entscheiddatum: 17.11.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 17.11.2021
Art. 7 ATSG; Art. 8 ATSG; Art. 28 IVG: Der Beschwerdeführer leidet seit 
Kindheit an einem ADHS und an lumbalen bzw. lumboradikulären 
Beschwerden. Es liegen zwei von der Verwaltung veranlasste bidisziplinäre 
Gutachten vor. Die Einholung des zweiten Gutachtens stellt keine 
unzulässige second opinion dar. Bei vorliegen von zwei sich 
widersprechenden Gutachten besteht vorliegend ein Anspruch auf 
unentgeltliche Rechtsvertretung im Vorbescheidverfahren (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. November 2021, IV 
2020/96 und IV 2020/261). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
9C_27/2022.

Entscheid vom 17. November 2021

Besetzung

Versicherungsrichterin Michaela Machleidt Lehmann (Vorsitz), Versicherungsrichterin 

Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin 

Beatrix Zahner

Geschäftsnr.

IV 2020/96, IV 2020/261

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

vertreten durch Rechtsanwältin Ilona Zürcher, M.A. HSG in Law, Tobelmülistrasse 1, 

9425 Thal,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente und unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherter) wurde am 11. September 1998 wegen Verdachts 

auf ein POS (Psychoorganisches Syndrom, heute Aufmerksamkeitsdefizit-/

Hyperaktivitätsstörung) bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug 

angemeldet (IV-act. 1). In der Folge wurden ihm medizinische Massnahmen 

zugesprochen, insbesondere Psychomotorik-Therapie und Psychotherapie (Verfügung 

vom 7. Oktober 1998, IV-act. 5, Mitteilung vom 7. Dezember 1999, IV-act. 7, Mitteilung 

vom 20. Januar 2000, IV-act. 9, Verfügung vom 6. November 2000, IV-act. 13, und 

Verfügung vom 17. Juni 2003, IV-act. 19).

A.a. 

Der gelernte Maurer (IV-act. 24-4) und Strassenbauer (IV-act. 24-1) meldete sich 

am 30. Juni 2014 erneut bei der IV an (IV-act. 20), nachdem ihm seit dem 23. Mai 2014 

aufgrund einer Diskushernie L4/5 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links (Bericht 

MRT LWS vom 26. Mai 2014, IV-act. 22) bzw. aufgrund lumbaler bzw. lumboradikulärer 

Beschwerden und einer Ischialgie die bisherige Tätigkeit nicht mehr zuzumuten war 

(vgl. Bericht Dr. med. B.___, Facharzt für Neurochirurgie, vom 7. Juni 2014, IV-

act. 31-3 f., und Arztbericht Dr. C.___, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 

14. Juli 2014, IV-act. 31-2; Bericht MRI LWS vom 28. November 2014, IV-act. 63-14).

A.b. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Eine vom 26. Oktober 2015 bis 23. Januar 2016 vorgesehene berufliche Abklärung 

im D.___ (Zusprache Kostenübernahme Mitteilung vom 3. November 2015, IV-act. 49), 

musste am 9. Dezember 2015 schmerzbedingt vorzeitig abgebrochen werden 

(Schlussbericht D.___ vom 8. Januar 2016, IV-act. 58; Schlussbericht Berufsberatung 

vom 20. Januar 2016, IV-act. 59; Aufhebung der Mitteilung vom 3. November 2015 mit 

Mitteilung vom 21. Januar 2016, IV-act. 62). Dr. B.___ berichtete am 19. Dezember 

2015 unter anderem über eine akut exazerbierte rezidivierende Lumbago mit 

linksseitiger Ischialgie bei Bandscheibendegeneration L4/5 mit 

Bandscheibenprotrusion bis -vorfall linksseitig. Der Versicherte habe das 

Integrationsprogramm wegen Kreuzschmerzen abbrechen müssen. Diese hätten einen 

somatischen Grund, inwieweit sie als somatoforme Schmerzstörung bezeichnet 

werden könnten, bleibe für ihn offen (IV-act. 63-6 f.). Dr. C.___ hielt im Arztbericht vom 

30. Januar 2016 fest, nachdem die Versuche, eine Lehrstelle im Bereich Informatik zu 

finden, gescheitert seien, sei der Versicherte zunehmend in eine depressive Phase 

gefallen und die Rückenschmerzen seien schlimmer geworden (IV-act. 63-1 ff.).

A.c. 

Vom 15. bis 24. Februar 2016 war der Versicherte in stationärer Rehabilitation in 

der Klinik Valens. Dort wurden unter anderem ein lumbovertebrales Syndrom 

linksbetont und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10 

F60.30) bei/mit anamnestisch hyperkinetischer Störung des Sozialverhaltens 

(hyperkinetische Störung plus Störung des Sozialverhaltens, ICD-10 F90.1), Problemen 

bei der Lebensführung und Gebrauch psychotroper Substanzen und Alkoholgenuss 

(ICD-10 Z72.2 und Z72.1) diagnostiziert. Die psychiatrischen Diagnosen wurden 

anlässlich eines psychiatrischen Konsils gestellt, nachdem es unter 

Schmerzexazerbation zu einem stark fremd- und autoaggressiv gefärbten 

Erregungszustand im Rahmen einer anzunehmenden (und vom Patienten auch 

bestätigten) massiven emotionalen Instabilität bei anamnestisch ADHS und 

anhaltendem Gebrauch psychotroper Substanzen (Cannabis und eventuell auch 

Alkohol) gekommen war. Zur Behandlung des trotz Schmerzmedikation und lokaler 

Massnahmen verbliebenen Schmerzes im gesamten Thorakolumbalbereich sowie auch 

auf Grund des Gebrauches diverser Schmerz- und psychotroper Substanzen im 

Privatbereich sei am 18. Februar 2016 mit einer Methadontherapie begonnen worden 

A.d. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(Austrittsbericht vom 8. März 2016, IV-act. 105; Austrittsbericht Psychosomatik vom 

2. März 2016, IV-act. 107).

Med. pract. E.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelte den 

Versicherten ab 3. März 2016 und diagnostizierte eine emotional instabile 

Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10:F60.30) bei/mit anamnestisch 

hyperkinetischer Störung des Sozialverhaltens (ICD-10:F90.1) und psychischer 

Misshandlung durch massive Entwertung, Verdacht auf körperliche Misshandlungen in 

der Kindheit (Arztbericht vom 5. Januar 2017, IV-act. 109). Dr. C.___ hielt im Arztbericht 

vom 4. November 2016 fest, seit Beginn der gezielten psychiatrischen Therapie im 

März 2016 gehe es dem Versicherten deutlich besser. Er habe das Arbeitspensum 

deutlich steigern können. Im Verlauf habe sich auch der Zusammenhang der 

Rückenbeschwerden mit der psychischen Verfassung deutlich gezeigt. Als Maurer und 

Strassenbauer sei der Versicherte weiterhin nicht einsetzbar (IV-act. 89). Die IV-Stelle 

sprach dem Versicherten daraufhin Berufsberatung zu (Mitteilung vom 15. Dezember 

2016, IV-act. 102). Im Arztbericht vom 5. Januar 2017 hielt med. pract. E.___ fest, 

aufgrund der Symptomatik und einiger Äusserungen (welche der Versicherte bei 

Nachfrage revidiert habe), gehe sie von psychischen und körperlichen Misshandlungen 

aus. Im Laufe der Behandlung sei es mit traumatherapeutischen Behandlungen zu einer 

erstaunlichen Stabilisierung gekommen und es seien gute Ressourcen zu Tage 

gekommen. Der Versicherte habe eine erstaunliche Willenskraft und die emotionalen 

Durchbrüche hätten sich reduziert. Aktuell habe er eine Arbeitsmöglichkeit und 

mögliche Lehrstelle als Unterhaltspraktiker gefunden, er sehe darin die optimale 

Wechselbelastung. Sie gehe davon aus, dass das lumbovertebrale Schmerzsyndrom 

durch eine somatoforme Störung überlagert worden sei, welche bisher gut auf 

psychotherapeutische Interventionen angesprochen habe. Der Versicherte sei aus ihrer 

Sicht umschulungsfähig für eine leidensangepasste Tätigkeit (Unterhaltspraktiker; IV-

act. 109).

A.e. 

Im Strategieprotokoll vom 16. Januar 2017 wurde festgehalten, der Versicherte 

habe eine Anstellung (präziser wohl: Lehrstelle) in Aussicht für den Sommer 2017 als 

Fachmann Betriebsunterhalt EFZ im Altersheim F.___. Er sei bereits knapp vier Wochen 

schnuppern (volle Stundenzeit) gewesen und habe fast alle Arbeiten erproben und 

ausführen können. Er könnte dort bereits im Februar/ März 2017 ein Praktikum 

A.f. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

beginnen (IV-act. 111). Mit Mitteilung vom 13. Februar 2017 sprach die IV-Stelle dem 

Versicherten die Kostenübernahme für die Arbeitsvorbereitung vom 20. Februar bis 

31. Juli 2017 und für die Umschulung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ bei F.___, 

vom 1. August 2017 bis 31. Juli 2019 zu (IV-act. 126; Verträge IV-act. 115). Gemäss 

Schlussbericht Eingliederung vom 24. Februar 2017 erlitt der Versicherte beim 

Abnehmen der Weihnachtsbeleuchtung einen stichartigen Schmerz. Der Praktikums- 

und der Lehrvertrag wurden aufgelöst, da eine Rückkehr an den Arbeitsplatz sehr 

unwahrscheinlich erschien. Aus Sicht der Berufsberatung waren vorderhand keine 

weiteren Ausbildungen/Umschulungen möglich, da der Gesundheitszustand zu instabil 

war (IV-act. 129). Mit Mitteilung vom 21. März 2017 hob die IV-Stelle die Mitteilung vom 

13. Februar 2017 per 13. März 2017 auf (IV-act. 132).

Bis zum 10. März 2017 war der Versicherte wegen einer Lumbalgie ohne Ischialgie 

in der Klinik für Neurochirurgie des KSSG hospitalisiert, wo keine chirurgische 

Interventionsmöglichkeit gesehen wurde (vgl. Bericht vom 8. Mai 2017, IV-act. 142). 

Vom 23. März bis 12. April 2017 war er in stationärer Behandlung im Zentrum G.___. 

Dort erzielte er gute Fortschritte in der Stabilisierung der LWS, jedoch gelang es nicht, 

die Schmerzen zu verbessern. Bei einer körperlichen Übung ereignete sich ein 

Missgeschick mit daraus folgender lumbaler Schmerzexazerbation (Austrittsbericht 

Ergotherapie vom 10. April 2017, IV-act. 137-3 ff.; Austrittsbericht vom 5. Mai 2017, IV-

act. 143; Bericht der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom 8. Mai 2017, IV-act. 142). 

Seitens der Klinik für Neurochirurgie des KSSG wurde ein chronisches 

lumbovertebrales Schmerzsyndrom, Stadium II nach Gerbershagen, mit akut 

exazerbierter rezidivierender Lumbago diagnostiziert (Bericht vom 8. Mai 2017, IV-

act. 142) und im Bericht vom 16. Juni 2017 festgehalten, es bestünden weiterhin 

Schmerzen der unteren LWS ohne Ausstrahlung in die Beine. Des Weiteren bestehe 

seit längerem ein leichtes Kribbelgefühl in der Fusssohle links. Im MRI der LWS vom 

1. Mai 2017 zeigten sich keine Hinweise für eine Neurokompression. Ebenso finde sich 

kein klinisches Korrelat. Aus neurochirurgischer Sicht ergäben sich keine weiteren 

erfolgversprechende therapeutische Möglichkeiten (IV-act. 149).

A.g. 

Med. pract. E.___ führte im Verlaufsbericht vom 23. Juni 2017 aus, der Verlauf 

beim Arbeitseinstieg mit erneuter rascher somatischer Arbeitsunfähigkeit deute leider 

darauf hin, dass die unbewussten Ängste des Patienten doch zu stark seien, um sich 

A.h. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

im Arbeitsalltag wieder zu behaupten und sich den inneren Ansprüchen und 

lnsuffizienzempfindungen zu stellen. Neu berichtete der Versicherte, dass Y.___ ihm 

schon früh „asiatische Kampfkunstausbildungseinheiten" zugemutet habe. Mangels 

kognitiver Ressourcen, die vielschichtige Problematik zu durchschauen und zu 

bearbeiten, gehe sie nach dem bisherigen Verlauf nicht von einer 

Wiedereingliederungsfähigkeit, sondern von einer auch längerfristig bestehenden 

100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 151). Der Abklärung in der Klinik für 

Neurochirurgie des KSSG folgten Vorstellungen im Schmerzzentrum des KSSG 

(Bericht vom 2. August 2018, IV-act. 159-19 ff.) und in der Klinik für Psychosomatik des 

KSSG (Berichte vom 28. und 29. September 2017, IV-act. 159-21 ff.).

Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte bidisziplinär begutachtet (Gutachten 

vom 11. November 2017; Dr. med. H.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparates; Dr. med. I.___, Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie; Untersuchungen vom 6. Oktober 2017; IV-act. 159). Die Gutachter 

holten Berichte des Schmerzzentrums des KSSG vom 2. August 2017 (zitiert IV-

act. 159-19 ff.) und der Klinik für Psychosomatik des KSSG vom 28. September 2017 

(zitiert IV-act. 159-21 ff.) und vom 29. September 2017 (zitiert IV-act. 159-22 ff.) ein. 

Der orthopädische Gutachter diagnostizierte unter anderem ein chronisches 

Panvertebral-Syndrom bei leichtgradigen degenerativen Veränderungen vorwiegend 

diskogener Art (IV-act. 159-34, 59). Er befand, die den geltend gemachten 

Beschwerden entsprechenden Einschränkungen könnten nicht zur Gänze 

nachvollzogen werden (IV-act. 159-37). In der bisherigen Tätigkeit als Strassenbauer 

bestehe aufgrund der Notwendigkeit vermehrter Pausen und eines verminderten 

Arbeitstempos eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. In einer wechselbelastenden, körperlich 

mittelschweren bis gelegentlich schweren Arbeit ohne Zwangspositionen der 

Wirbelsäule sei der Versicherte voll arbeitsfähig (IV-act. 159-41). Die psychiatrische 

Gutachterin diagnostizierte eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung mit 

emotional-instabilen, dissozialen und paranoiden Anteilen (ICD-10: F61.0), ein ADHS im 

Erwachsenenalter (ICD-10: F90.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung 

(ICD-10: F45.4), einen Zustand nach schädlichem Gebrauch von Cannabis und Alkohol 

(ICD-10: F10.1, F12.1) sowie Probleme in Bezug auf negative Kindheitserlebnisse 

(ICD-10: Z61.3, Z61.7), wobei sich die beiden letztgenannten Störungen nicht auf die 

A.i. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeitsfähigkeit auswirken würden (IV-act. 159-51, 59). Sie legte dar, infolge der 

Persönlichkeitsproblematik sei es früh zu Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, 

Impulsivität und dissozialem Verhalten gekommen. Aus gutachterlicher Sicht sei die 

Zumutbarkeit des Exploranden gegenüber einem Arbeitgeber in der freien Wirtschaft 

sehr fraglich (IV-act. 159-53). Die Somatisierungsschmerzen seien als körperliches 

Korrelat von Angst, Wut und Aggression zu verstehen, welche im Rahmen des 

niedrigen Strukturniveaus der Grundpersönlichkeit aufträten (IV-act. 159-55). Aktuell sei 

lediglich eine stundenweise Eingliederung im beschützen Rahmen möglich (IV-

act. 159-56). Sowohl angestammt als auch adaptiert bestehe aus psychiatrischer Sicht 

seit 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der freien Wirtschaft (IV-act. 159-57, 

60).

Der RAD-Arzt Dr. med. J.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm 

am 17. November 2017 Stellung, auf das Gutachten sei abzustellen. Aus den 

vorliegenden Akten könne eine hohe Konsistenz der bisherigen Angaben des 

Versicherten und der medizinischen Beurteilungen entnommen und deshalb die 

gutachterliche Einschätzung weitgehend nachvollzogen werden. Es blieben aber 

Zweifel an der schwerwiegenden Auswirkung in unterschiedlichen Lebensbereichen 

offen, und insbesondere könne die aus den subjektiven Angaben des Versicherten 

abgeleitete Schwere des Leidens nicht nachvollzogen werden. Es werde daher eine 

vertiefte Überprüfung der Auswirkungen im Alltag angeregt, um die von der 

psychiatrischen Sachverständigen beschrieben Argumente durch Drittauskünfte zu 

verifizieren (IV-act. 160).

A.j. 

Die IV-Stelle wies das Gesuch um berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 

24. November 2017 aufgrund des aktuellen Gesundheitszustandes ab (IV-act. 163). 

Sodann wurde der Versicherte wegen exzessiver Tagesschläfrigkeit im Zentrum für 

Schlafmedizin des KSSG abgeklärt, wo eine ungenügende Schlafhygiene und ein 

Schlafmangel festgestellt wurden (Berichte vom 12. März 2018, IV-act. 184, und vom 

1. Juni 2018, IV-act. 203). Med. pract. E.___ führte am 22. März 2018 aus, der 

Versicherte leide an einer komplexen Traumafolgestörung mit emotional instabiler 

Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30) sowie einer 

Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.41). Die Persönlichkeitsstörung führe wiederholt 

und in rascher Folge in emotionale Krisenzustände mit impulsivem Verhalten, welches 

A.k. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

den Versicherten und seine Umwelt stark beeinträchtige (IV-act. 189; vgl. auch 

Zuweisungsbericht vom 14. Juni 2018 an den nachfolgend behandelnden 

med. pract. K.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, IV-act. 226-7 ff.). 

Dr. C.___ hielt im Arztbericht vom 20. April 2018 unter anderem fest, der MRI-Befund 

(wohl vom 27. Februar 2018, vgl. IV-act. 253-20 f.) sei gegenüber dem Vorbefund von 

2015 unverändert. Kenntnis einer Suchtproblematik oder einer Methadonbehandlung 

habe er nicht (IV-act. 197). Ferner wurden Berichte vom Mentalcoach L.___ (vom 

27. Februar 2018, IV-act. 182) sowie Auskünfte früherer Arbeitgeber (Berichte M.___ 

vom 12. April 2018, IV-act. 191, und der N.___ AG vom 24. April 2018, IV-act. 196) 

eingeholt.

Die IV-Stelle führte am 29. August 2018 mit dem Versicherten im Beisein seiner 

Mutter ein Assessmentgespräch durch (IV-act. 211-1 ff.) und eröffnete ihm mit 

Mitteilung vom 26. September 2018, er habe sich bei der MEDAS Bern einer 

bidisziplinären Begutachtung durch Dr. med. O.___, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, und Dr. med. P.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie u. 

Traumatologie des Bewegungsapparates, zu unterziehen (IV-act. 218). Hiergegen liess 

der Versicherte, fortan vertreten durch Rechtsanwältin I. Zürcher, M.A. in Law, durch 

Einwand vom 5. Oktober 2018 geltend machen, es sei keine fachärztliche 

Stellungnahme zur Notwendigkeit einer weiteren Begutachtung eingeholt worden. 

Zudem werde im Internet die Unabhängigkeit der MEDAS Bern in Frage gestellt (IV-

act. 220). Mit Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2018 hielt die IV-Stelle an der 

Gutachterstelle fest (IV-act. 223). Diese blieb unangefochten.

A.l. 

Med. pract. K.___ hielt im Arztbericht vom 23. November 2018 fest, er behandle 

den Versicherten seit 9. August 2018. Der Versicherte leide unter anderem an einer 

emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F63.31), 

differenzialdiagnoslisch einer intermittierenden explosiblen Störung (ICD-10: F63.9). 

Eine Arbeitsfähigkeit werde nach dem Verlauf und dem aktuellen Befund auch künftig 

nicht bestehen (IV-act. 226). Am 30. April 2019 lehnte er gegenüber dem Versicherten 

nach einem als unzumutbar empfundenem Ausraster die Fortsetzung der Therapie ab 

(IV-act. 249).

A.m. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gemäss bidisziplinärem Gutachten vom 9. September 2019 (Untersuchungen vom 

20. März 2019, IV-act. 252) diagnostizierten der psychiatrische Gutachter Dr. O.___ und 

der orthopädische Gutachter Dr. P.___ als die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigend 

Störungen durch multiplen Substanzgebrauch, ein Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: 

F19.2) und ein chronisches vertebragenes Schmerzsyndrom bei 

Bandscheibendegeneration L4/5 links sowie Bandscheibenprotrusion und minimaler 

Spondylarthrose. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden unter anderem eine 

vorwiegend histrionische, narzisstische Persönlichkeit (ICD-10: F60.4), ein ADHS bei 

Erwachsenen (ICD-10: F90), eine Fehlhaltung der Wirbelsäule bei einem Rundrücken 

und Hohlkreuz mit deutlicher muskulärer Dysbalance sowie folgenlos verheilte 

Fingerfrakturen infolge einer Kampfsportausübung sowie eines Aggressionsverhaltens 

(IV-act. 252-5, IV-act. 254-15, IV-act. 255-15). Der orthopädische Gutachter hielt fest, 

während der Exploration sei es aus einer Nichtigkeit heraus zu einem erheblichen 

Wutanfall gekommen wegen einer Angabe in der Vorgeschichte, die mit seiner 

Erinnerung nicht übereinstimme. Er habe wütend einen Gehstock in die Ecke geworfen, 

sei vegetativ erheblich alteriert, kurzatmig gewesen und habe mehrere Minuten 

benötigt, um sich wieder zu beruhigen (IV-act. 255-10). Der psychiatrische Gutachter 

protokollierte, der Versicherte habe ihn am Abend kurz nach der orthopädischen 

Untersuchung nochmals aufgesucht und ihm in höflichem Ton mitgeteilt, dass er 

Amphetamine (Speed) konsumiert habe, um überhaupt zur Begutachtung erscheinen 

zu können; es sei für ihn anstrengend gewesen, dafür müsse der Gutachter 

Verständnis haben. Dann habe er lächelnd wieder den Raum verlassen (IV-act. 254-11). 

Die Gutachter führten aus, das Verhalten des Versicherten im Rahmen der aktuellen 

Untersuchung habe zum Teil übertrieben, demonstrativ, nicht authentisch und 

aufgesetzt gewirkt. Es sei von einer Aggravation auszugehen. 

Versicherungsmedizinisch könne lediglich für die zuletzt ausgeübte angestammte 

Tätigkeit eine leichte Minderung des Rendements um maximal 20 % begründet 

werden, in besser adaptierter Tätigkeit dürfe aber eine volle Arbeitsfähigkeit erwartet 

werden (IV-act. 255-18 f.). Der psychiatrische Gutachter schätzte die Arbeitsfähigkeit 

sowohl in der bisherigen als auch - interdisziplinär führend - in einer adaptierten 

Tätigkeit auf 80 % (IV-act. 252-7; IV-act. 254-18).

A.n. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die IV-Ärztin Dr. med. Q.___, Fachärztin für Neurologie, führte in ihrer 

Stellungnahme vom 17. Oktober 2019 aus, auf das Gutachten könne aus 

versicherungsmedizinischer Sicht abgestellt werden. Eine psychiatrische Betreuung 

finde erst seit März 2016 statt. Eine rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht seither sei aufgrund der Aggravation und des Suchtleidens nicht 

ausgewiesen. Die Berichte der Behandler und das psychiatrische Vorgutachten seien 

nicht beweistauglich, da sie auf ungenauer Ausarbeitung und teilweise sogar auf 

falsche Tatsachen abstützten (IV-act. 256). Mit Vorbescheid vom 13. November 2019 

gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das rechtliche Gehör zur vorgesehenen 

Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 258). Dagegen liess der Versicherte am 

16. Dezember 2019 vorsorglich (IV-act. 264) mit Ergänzung vom 24. Januar 2020 (IV-

act. 266) Einwand erheben. Gestützt unter anderem auf eingereichte Berichte des 

Zentrums für integrative Medizin des KSSG, Dr. med. R.___, vom 31. Dezember 2019 

(IV-act. 268-1), von Dr. med. S.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

6. Dezember 2019 (IV-act. 267) und von Coach L.___ vom 27. November 2019 (IV-

act. 269) wurde im Wesentlichen vorgebracht, es bestehe eine relevante Einschränkung 

der psychophysischen Belastbarkeit, die keine Arbeitsfähigkeit ermögliche (IV-

act. 264). Dass er aggraviere, werde bestritten. Weiter liess der Versicherte um 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren ersuchen (IV-act. 266). 

In einer weiteren Stellungnahme vom 5. März 2020 kam die IV-Ärztin Dr. Q.___ zum 

Schluss, zusammenfassend seien die Berichte der behandelnden Ärzte nicht geeignet, 

die gutachterliche Einschätzung in Frage zu stellen. Es handle sich um eine andere 

Beurteilung eines ähnlichen Sachverhaltes. Die Diskrepanz der Einschätzungen erkläre 

sich durch die unterschiedlichen Aufgaben eines Gutachters und eines behandelnden 

Arztes (IV-act. 273).

A.o. 

Die IV-Stelle verfügte am 30. März 2020 im Sinne des Vorbescheides. Zur 

Begründung führte sie aus, insgesamt ergäben sich keine Anhaltspunkte, die ein 

Abweichen von der gutachterlichen Beurteilung rechtfertigen würden. Anlässlich der 

Begutachtung hätten die Experten eine zweckgerichtete Aggravation mit 

bewusstseinsnaher Verstärkung der vorhandenen Symptome festgestellt (IV-act. 275).

A.p. 

Der Versicherte liess sich am 17. April 2020 zur unentgeltlichen Rechtspflege im 

Verwaltungsverfahren vernehmen und Akten zur Sozialhilfeabhängigkeit (IV-

A.q. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

act. 277-1 f.), zur Anschaffung von Hilfsmitteln (IV-act. 277-3 f.) und zu negativen 

Drogenscreenings (IV-act. 277-6 ff.) einreichen.

Mit Beschwerde vom 14. Mai 2020 lässt der Versicherte (nachfolgend: 

Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin I. Zürcher, beantragen, 

die Verfügung vom 30. März 2020 (betreffend Rente) sei unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge vollumfänglich aufzuheben und es sei ihm eine ganze IV-Rente ab 

dem 1. Juli 2014 auszurichten. Eventualiter sei ein neutrales polydisziplinäres/

interdisziplinäres Gutachten zu erstellen. Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege 

für das vorliegende Verfahren zu bewilligen. Zur Begründung wird im Wesentlichen 

ausgeführt, die Annahme einer Aggravierung werde durch die Gutachter nicht 

begründet. Obwohl der psychiatrische Gutachter während der orthopädischen 

Begutachtung gar nicht dabei gewesen sei, habe er sich der Annahme des 

orthopädischen Gutachters angeschlossen. Dies zeige, dass das psychiatrische 

Gutachten von Beginn weg darauf abziele, eine Aggravation festzuhalten. Er habe 

während der psychiatrischen Untersuchung unter Einfluss von Amphetaminen 

gestanden, was der Gutachter nicht bemerkt bzw. diskutiert habe. Nicht 

nachvollziehbar sei, dass ausschliesslich infolge „Drogenabhängigkeit" eine 

Leistungseinbusse von 20 % bestehen solle, während seine Angaben im Übrigen nicht 

glaubwürdig bzw. nicht authentisch sein sollen. Die zur Überprüfung seiner Aussagen 

zur Diskussion gestellte Haarprobe hätte der psychiatrische Gutachter selbst in Auftrag 

geben können. Er habe zwischenzeitlich den Konsum von Betäubungsmittel schon seit 

mehreren Monaten vollumfänglich eingestellt. Der Gutachter halte die Aussagen einzig 

für nicht glaubwürdig, weil er sie zurückgenommen habe, da die ursprünglichen 

Angaben vorgebracht worden seien, um eine IV-Rente zu erhalten. Dies sei absolut 

nicht nachvollziehbar und bezeichnend für die gesamten Schlussfolgerungen im 

Gutachten. Wenn er sein Aussageverhalten danach richten würde, eine IV-Rente zu 

erhalten, hätte er dieses sicher nicht zu einem späteren Zeitpunkt geändert. Der 

psychiatrische Gutachter begründe auch nicht hinreichend, weshalb die Feststellungen 

und Diagnosen der Vorgutachterin nicht korrekt sein sollten. Insgesamt stimmten die 

Schlussfolgerungen und die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit im ersten Gutachten 

vom 11. November 2017 mit den bestehenden Akten, der Anamnese und den 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ausführungen der behandelnden Ärzte überein. Das aktuelle Gutachten der MEDAS 

Bern sei zu seiner Vorgeschichte widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Seit 

Jahren befinde er sich durchgehend in intensiver ärztlicher und therapeutischer 

Behandlung. Ein Leidensdruck sei nachgewiesen. Alle Ärzte, die ihn behandelt hätten, 

seien geschlossen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Die starken 

Lumbalgien mit zeitweisen Ausfällen des linken Beines seien aktenkundig, weshalb er 

auf Gehhilfen angewiesen sei. Auch in diesem Zusammenhang sei der Vorwurf der 

Aggravation unbegründet. Er sei zu 100 % sowohl in der angestammten als auch in 

einer den Leiden angepassten Tätigkeit arbeitsunfähig und habe daher Anspruch auf 

eine ganze IV-Rente (IV 2020/96, act. G 1).

Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin, die 

Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung legt sie dar, die in der Beschwerde 

verlangte Haaranalyse hätte wohl auch keine Klärung bringen können, ob der 

Beschwerdeführer den Drogenkonsum im Sinne einer Aggravation überzeichnet 

dargestellt habe. Wesentlich sei, dass dieser in der Lage sei, den Cannabis-Konsum zu 

sistieren. In Bezug auf eine mögliche Aggravation sei von Bedeutung, dass der 

Beschwerdeführer am Tag der Begutachtung "Speed" konsumiert habe. Bis dahin sei 

zumindest ein aktueller Konsum von Amphetaminen von den Ärzten nicht beschrieben 

worden. Es sei naheliegend, dass der Beschwerdeführer seine angebliche Schwäche 

habe betonen wollen und - durch den "Speed"-Konsum unterstützt - die angeblich 

nicht kontrollierbare Impulsivität bewusst aggravieren wollte. Nicht stimmig sei zudem 

der behauptete Blackout nach seinen Gefühlsausbrüchen, zumal er sich trotz 

Erinnerungslücke bei den Gutachtern für seinen Ausraster spontan entschuldigt habe. 

Med. pract. E.___ habe trotz der erkannten Widersprüche in den Schilderungen des 

Beschwerdeführers ihre gesamte Beurteilung und Therapie auf der Hypothese von 

psychischen und physischen Misshandlungen aufgebaut. Dennoch sei es der 

Beschwerdeführer gewesen, der ihr gegenüber widersprüchliche und damit auch 

falsche Angaben gemacht und so den Irrtum begünstigt habe. Es sei gut 

nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer seine früheren Angaben zum Elternhaus 

und zum Verhalten von Y.___ später zurückgenommen habe. Insgesamt sei die 

gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung trotz der durch das Verhalten des 

Beschwerdeführers verursachten Unsicherheiten schlüssig (IV 2020/96, act. G 5).

B.b. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Am 13. Juli 2020 bewilligt die vorsitzende Richterin dem Beschwerdeführer die 

unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche 

Rechtsvertretung) für das Verfahren IV 2020/96; (act. G 6).

B.c. 

Mit Replik vom 5. November 2020 lässt der Beschwerdeführer vorbringen, er habe 

in Abhängigkeit von den Schmerzen variierend sporadisch Cannabis konsumiert. Daher 

sei jegliche Erwägung von Aggravation in diesem Zusammenhang nicht 

nachvollziehbar. Alle behandelnden Ärzte hätten neben weiteren Einschränkungen eine 

chronifizierte Schmerzstörung festgestellt, welche im MEDAS-Gutachten keine 

Berücksichtigung finde. Weshalb der Konsum von Speed am Tag der Begutachtung 

eine Aggravation belegen solle, sei nicht nachvollziehbar. Er sei schon früher ohne die 

Einnahme von Aufputschmitteln ausgerastet. Alle Behandler und Therapeuten 

bestätigten in den aktuellen Berichten, dass sie nie Anzeichen von Aggravation 

festgestellt hätten, und gingen von einem massiven Leidensdruck aus. Er habe stets 

verneint, geschlagen worden zu sein und nie irgendwie widersprüchliche Angaben 

hierzu gemacht. Dr. S.___ vertrete ganz klar die Ansicht, dass er in Bezug auf eine 

Kindsmisshandlung traumatisiert sei. Die Gutachter hätten eine Einschränkung 

festgehalten, weshalb die Beschwerdegegnerin berufliche Massnahmen hätte abklären 

müssen. Die langjährige Schmerzproblematik hätte schon mit Blick auf die jahrelang 

anhaltende Therapiehäufigkeit im Zentrum der Beurteilung stehen müssen. Dass dem 

nicht so sei, widerspreche einem fairen Verfahren. Er sei zu 100 % arbeitsunfähig (IV 

2020/96, act. G 12). Mit der Replik lässt der Beschwerdeführer unter anderem einen 

Bericht von T.___, Suchtberatung U.___ vom 13. Oktober 2020 (IV 2020/96, 

act. G 12.2), einen Arztbericht von Dr. S.___ vom 14. Oktober 2020

(IV 2020/96, act. G 12.1), einen Bericht von Dr. med. Z.___, Facharzt für Medizinische 

Onkologie und Allgemeine Innere Medizin, Zentrum für Integrative Medizin KSSG, vom 

30. September 2020 (IV 2020/96, act. G 12.3), negative Drogenscreenings vom 18. Mai, 

16. Juni, 28. Juli, 11. August, 11. September und 26.Oktober 2020 (IV 2020/96, act. G 

12.4), einen Bericht von Coach L.___ vom 14. August 2020 (IV 2020/96, act. G 12.7) 

sowie einen Bericht von Dr. C.___ vom 25. August 2020 (IV 2020/96, act. G 12.5) ins 

Recht legen.

B.d. 

In ihrer Duplik vom 2. Dezember 2020 bringt die Beschwerdegegnerin vor, es 

bestünden erhebliche Divergenzen und Widersprüche in den Akten. Wenn der 

B.e. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

C.  

Beschwerdeführer den Cannabis-Konsum eingestellt habe, sei umso mehr von einer 

hohen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Im orthopädischen Teilgutachten sei ein 

chronifiziertes vertebrogenes Schmerzsyndrom als Diagnose mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit aufgeführt worden. Das Aufputschmittel sei nicht nur geeignet 

gewesen, einen Ausraster zu begünstigen, sondern als Symbol für das geltend 

gemachte Unvermögen zu interpretieren (IV 2020/96, act. G 14).

Am 2. Februar 2021 lässt der Beschwerdeführer einen Bericht des Zentrums für 

Schlafmedizin des KSSG vom 25. Januar 2021 einreichen (IV 2020/96, act. G 16; 

act. G 16.1).

B.f. 

Mit Verfügung vom 27. November 2020 lehnte die IV-Stelle das in der 

ergänzenden Begründung zum Einwand gestellte Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege im Vorbescheidverfahren vom 24. Januar 2020 (IV-act. 266) mangels 

sachlicher Gebotenheit, fehlender Notwendigkeit und gegebener Aussichtslosigkeit ab 

(IV-act. 296).

C.a. 

Mit Beschwerde vom 28. Dezember 2020 lässt der Beschwerdeführer, auch hier 

vertreten durch Rechtsanwältin I. Zürcher, beantragen, die Verfügung vom 

27. November 2020 (betreffend unentgeltliche Rechtsverbeiständung im 

Vorbescheidverfahren) sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und das 

Verfahren sei mit dem Verfahren IV 2020/96 betreffend IV-Rente zu vereinigen. Weiter 

sei ihm auch für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege 

zu bewilligen. Zur Begründung wird vorgebracht, er sei nicht in der Lage, 

Schwachstellen in einer fachärztlichen Expertise zu erkennen oder mit der 

Rechtsvertreterin zu kommunizieren; dies erledige seine Mutter für ihn. Die im Recht 

liegenden medizinischen Gutachten seien so verfasst, dass ein juristischer Beistand 

angezeigt und notwendig sei, um auf die vorhandenen tatsächlichen Widersprüche 

hinweisen zu können. Andernfalls wäre der Anspruch auf Gewährung des rechtlichen 

Gehörs verletzt. Dies sei auch der Fall, wenn über Gesuche betreffend unentgeltliche 

Rechtspflege erst nach Abschluss des eigentlichen IV-Verfahrens entschieden werde 

(IV 2020/261, act. G 1).

C.b. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die 

Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen 

eingegangen.

Mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Sie weist darauf hin, dass die Mutter des 

Beschwerdeführers diesen auch formell und engagiert begleite und vertrete. Somit sei 

diese gewillt und in der Lage, sich für den Beschwerdeführer einzusetzen und seine 

Interessen gegenüber der IV-Stelle zu vertreten. Der Eingabe der Rechtsvertreterin sei 

nichts zu entnehmen, was die Mutter des Beschwerdeführers nicht auch hätte geltend 

machen können bzw. die Rechtsvertretern habe sie nur geltend machen können, was 

sie von der Mutter des Beschwerdeführers habe in Erfahrung bringen können (IV 

2020/261, act. G 3).

C.c. 

Die vorsitzende Richterin bewilligt dem Beschwerdeführer am 1. März 2021 die 

unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren betreffend unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Vorbescheidverfahren (IV 2020/261, act. 4).

C.d. 

Mit Replik vom 30. April 2021 lässt der Beschwerdeführer geltend machen, das 

viel zu späte Verfügen über die unentgeltliche Rechtspflege im Vorbescheidverfahren 

verletzte den Anspruch auf ein faires Verfahren. Würde er nicht durch seine Mutter 

unterstützt, wäre er allenfalls auf einen Beistand angewiesen, was zeige, wie 

eingeschränkt seine Leistungsfähigkeit sei. Ein faktischer Vertreterwechsel habe nicht 

stattgefunden, die Mutter sei Ansprechperson bei Fragen betreffend den 

Beschwerdeführer, als juristische Laiin sei diese gar nicht in der Lage, ihn im 

Vorbescheidverfahren zu vertreten (IV 2020/261, act. G 8).

C.e. 

Mit Duplik vom 17. Mai 2021 bringt die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen vor, 

der Beschwerdeführer habe die unentgeltliche Rechtsverbeiständung erst mit Einwand 

vom 24. Januar 2000 - nach dem Standortgespräch vom 29. August 2018 und der 

Eingabe vom 16. Dezember 2019 - beantragt. Damit bestehe kein Anhalt dafür, dass 

der Verfügungszeitpunkt Einfluss auf die Mandatsführung gehabt habe. Daher sei die 

Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung zu verneinen (IV 2020/261, act. G 10).

C.f. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.

Streitgegenstand im Verfahren IV 2020/96 bildet die Frage der Rechtmässigkeit der 

Abweisung des Begehrens um Rente (Verfügung vom 30. März 2020). Im Verfahren IV 

2020/261 bildet die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren 

jenes Leistungsverfahrens den Streitgegenstand (Verfügung vom 27. November 2020). 

Da die Streitgegenstände eng zusammenhängen und sich dieselben Parteien 

gegenüberstehen, rechtfertigt es sich, die Verfahren IV 2020/96 und IV 2020/261 zu 

vereinigen.

2.  

Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich 

bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und 

nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar 

ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

2.1. 

Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und 

gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen 

und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis einer lang andauernden und 

erheblichen gesundheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nach dem strukturierten 

Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 

E. 7.2; BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Mit BGE 145 V 215 hat das 

Bundesgericht betreffend Suchterkrankungen entschieden, dass fortan - gleich wie bei 

allen anderen psychischen Erkrankungen (vgl. BGE 143 V 409 und 418) - auf der 

Grundlage eines strukturierten Beweisverfahrens (Standardindikatorenprüfung) nach 

BGE 141 V 281 zu ermitteln ist, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich 

diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der 

versicherten Person auswirkt. Dabei kann und muss im Rahmen des strukturierten 

Beweisverfahrens insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten 

Einzelfall Rechnung getragen werden (BGE 145 V 215 E. 6.3 und E. 7 S. 228; Urteil des 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Bundesgerichts vom 17. Februar 2021, 8C_701/2020. E. 4). Der Beweis für eine lang 

andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als 

geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im 

Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer 

Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer 

Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).

Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 

831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person 

mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine 

halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).

2.3. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen 

haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie 

umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, 

auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob 

die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit 

Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens 

eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund 

eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten 

Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die 

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.  

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des 

Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).

Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und 

Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle 

Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder 

anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das 

Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu 

veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den 

Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).

2.5. 

Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz 

nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit 

Hinweisen).

2.6. 

Zunächst ist zu prüfen, ob die Aktenlage eine genügende Basis zur Beurteilung des 

Rentenanspruchs des Beschwerdeführers darstellt und insbesondere, ob bereits nach 

Vorliegen des bidisziplinären Gutachtens der Dres. H.___ und I.___ hätte entschieden 

werden können bzw. müssen. In dessen Rahmen gelangte die psychiatrische 

Gutachterin zum Schluss, der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht zu 

100 % arbeitsunfähig bzw. sei seine Zumutbarkeit gegenüber einem Arbeitgeber in der 

freien Wirtschaft sehr fraglich (IV-act. 159-53). Der RAD-Arzt Dr. J.___ führte in seiner 

Stellungnahme vom 17. November 2017 aus, auf die ausführliche gutachterliche 

Begründung sei abzustellen. Es blieben aber Zweifel an den schwerwiegenden 

Auswirkungen in unterschiedlichen Lebensbereichen bestehen; insbesondere die aus 

den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers abgeleitete Schwere des Leidens 

könne nicht nachvollzogen werden. Es werde daher eine vertiefte Überprüfung der 

Auswirkungen im Alltag durch Drittauskünfte angeregt, um die von der psychiatrischen 

Sachverständigen beschriebenen Argumente zu verifizieren (IV-act. 160). Der RAD-Arzt 

erachtete das Gutachten lediglich unter der Bedingung als beweistauglich, dass sich 

die den medizinischen Schlussfolgerungen zugrunde liegenden Annahmen bestätigen 

lassen würden.

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die nach der ersten Begutachtung erfolgten weiteren Abklärungen ergaben 

Folgendes: Im Rahmen der Abklärungen nach Vorliegen des ersten Gutachtens 

berichtete M.___, er sei während der Lehrzeit des Beschwerdeführers Bauführer 

gewesen. Nach ein paar Monaten sei der bis dahin aufgestellte und motivierte 

Beschwerdeführer durch plötzliche Zornesausbrüche zum Problem geworden. Er habe 

erklärt, dass Y.___ ihn dazu gebracht hätte, die ihm verschriebenen Medikamente 

abzusetzen. Er erinnere sich an den Beschwerdeführer als tollen, aufgestellten, sehr 

kräftigen Mann, der aber bei einem massiven Gewaltausbruch habe zur Gefahr werden 

können (E-Mail vom 12. April 2018, IV-act. 191-1). Während der Arbeit bei der N.___ 

AG vom 15. November 2011 bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Mai 2014 kam es 

gemäss V.___ nie zu Auffälligkeiten, aggressivem oder unangepasstem Verhalten und 

der Beschwerdeführer wurde als Mitarbeiter und Mensch geschätzt (IV-act. 196). 

Weiter wurde bekannt, dass der Beschwerdeführer am 26. Februar 2016 im Spital 

W.___ gegenüber einer Oberärztin ausrastete, was einen Polizeieinsatz zur Folge hatte 

(IV-act. 169; Zuweisungsbericht med. pract. E.___ an med. pract. K.___ vom 14. Juni 

2018, IV-act. 226-7 ff.; Journal Kantonspolizei, IV-act. 169-2 f.). Ein weiterer Vorfall 

ereignete sich während des Standortgesprächs bei der IV-Stelle am 29. August 2018: 

Nachdem der Befragende dem Beschwerdeführer erklärte, bei der somatoformen 

Schmerzstörung handle es sich um eine "Flucht in die Krankheit", stellte der 

Beschwerdeführer fest, dies bedeute, dass er ein "verdammter Simulant" sei, fiel zu 

Boden und schrie während mehrerer Minuten unansprechbar herum, bevor er sich 

wieder beruhigen konnte (IV-act. 211-16).

3.2. 

Anlässlich des Standortgesprächs vom 29. August 2018 führte der 

Beschwerdeführer zum Widerspruch zwischen der eigenen Einschätzung einerseits, 

wonach er wegen der körperlichen Schmerzen arbeitsunfähig sei, und der 

gutachterlichen Einschätzung andererseits, wonach er aus psychischer Sicht 

arbeitsunfähig sei, Folgendes aus: Er sei mittlerweile extrem psychisch angeschlagen. 

Er sei schon sein halbes Leben in psychiatrischer Behandlung. Aufgrund des 

Kraftverlusts in den Beinen falle er und liege dann während einer halben bis zu drei 

Stunden weinend und tobend auf dem Boden, bis er sich an einem Möbelstück 

hochziehen könne. Ohne die Schmerzen würde er sofort wieder arbeiten (IV-

act. 211-4 f.). Mit dem Konsum von THC-haltigem Cannabis gelinge es ihm, seine 

Aggressivität zu zügeln (IV-act. 211-8 f.). Auf einer Baustelle sei es ein einziges Mal zu 

einem aggressiven Durchbruch gekommen, welcher einen Polizeieinsatz notwendig 

gemacht habe (IV-act. 211-11). Es habe auch Ausraster auf Baustellen gegeben, bei 

denen die Polizei nicht gekommen sei (IV-act. 211-11). Der im Gutachten beschriebene 

Vorfall in der Schule habe sich nicht in der fünften Klasse, sondern in der Oberstufe 

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ereignet (IV-act. 211-12). Von Y.___ habe er nie körperliche, wohl aber verbale Gewalt 

erfahren. Dies hätten er und seine Mutter bei med. pract. E.___ erfolglos klarzustellen 

versucht (IV-act. 211-12 f.). Unzutreffend war offenbar auch die im Gutachten von 

Dr. I.___ protokollierte Aussage, er habe wegen Konsums von Cannabis Auflagen des 

Strassenverkehrsamtes gehabt (IV-act. 211-9).

Ein impulsiv-aggressiver Durchbruch des Versicherten im Erwachsenenalter wurde 

echtzeitlich erstmals am 16. Februar 2016 in der Klinik Valens aktenkundig und führte 

dort zu einem psychiatrischen Konsil und zur Diagnose einer emotional instabilen 

Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F90.1; vgl. Austrittsbericht Klink 

Valens vom 8. März 2016, IV-act. 105; Bericht psychosomatisches Konsilium Dr. med. 

X.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. März 2016, IV-act. 107). In 

den Berichten von med. pract. E.___ vom 5. Januar 2017 (IV-act. 109) und der Klinik für 

Psychosomatik des KSSG vom 28. und 29. September 2017 (IV-act. 159.21 ff.) wurden 

frühere Ausraster mit impulsiven Reaktionen lediglich eigenanamnestisch festgehalten. 

Weder im Assessmentprotokoll vom 1. Oktober 2014 (IV-act. 39), noch im 

Schlussbericht vom D.___ vom 8. Januar 2016 (IV-act. 58) und auch nicht im 

Strategieprotokoll vom 15. Dezember 2016 (IV-act. 101) wurden aggressive emotionale 

Durchbrüche erwähnt. Med. pract. E.___ bejahte im Arztbericht vom 5. Januar 2017 

noch eine Umschulungsfähigkeit (IV-act. 109-4). Zur Auflösung des vorgesehenen 

Praktikums- und Ausbildungsverhältnisses als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ im 

Wohn- und Pflegehaus F.___ führte nicht eine Ausfälligkeit des Versicherten, sondern 

das Auftreten eines starken Schmerzereignisses im Rücken beim Entfernen der 

Weihnachtsbeleuchtung mit anschliessendem Aufenthalt im KSSG und Rehabilitation 

im Zentrum G.___, wo ein Missgeschick zu einer erneuten Schmerzexazerbation führte 

(Schlussbericht Berufsberatung vom 21. März 2017, IV-act. 129; Protokoll 

Eingliederung, IV-act. 130-6 f.; Austrittsbericht Zentrum G.___ vom 10. April 2017, IV-

act. 137-3 ff.; Bericht Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom 8. Mai 2017, IV-

act. 142). Erst danach - mit Verlaufsbericht vom 23. Juni 2017 - änderte 

med. pract. E.___ ihre Beurteilung dahingehend, dass der Beschwerdeführer nicht die 

kognitiven Ressourcen zeige, um die vielschichtige Problematik zu durchschauen und 

zu bearbeiten, damit ein Wiedereinstieg in die Arbeitswelt möglich würde, weshalb sie 

von einer auch längerfristig bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgehe (IV-

act. 151-3). Mit den Gründen für diese nicht ohne Weiteres einsichtige Änderung der 

Sichtweise der behandelnden Psychiaterin setzte sich die psychiatrische 

Erstbegutachterin nicht auseinander. Zudem wurden im Bericht der Klinik für 

Psychosomatik des KSSG vom 29. September 2017 lediglich von Vorfällen bis Anfang 

2017 bzw. von "früher" berichtet (IV-act. 159-22 ff.), und weiter gab der 

3.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.

Zu prüfen ist somit die Beweistauglichkeit des Gutachtens der MEDAS Bern vom 

9. September 2019. Bestritten werden namentlich die von den Gutachtern bejahte 

Aggravation und die attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten.

Beschwerdeführer gegenüber der Gutachterin selbst an, aus psychiatrischen Gründen 

halte er seine Arbeitsfähigkeit nicht für eingeschränkt (IV-act. 159-45). Aus dem 

Gutachten geht nicht hervor, dass die Expertin vertieft geprüft hätte, ob bzw. inwieweit 

die Aussagen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Ausraster zuträfen. Eine dem 

strukturierten Beweisverfahren genügende Konsensprüfung ist damit nicht ersichtlich.

Die von RAD-Arzt Dr. J.___ angeregte weitere Abklärung bestätigten die Aussagen 

sowohl des Beschwerdeführers sowie insbesondere auch jene von med. pract. E.___ 

gesamthaft betrachtet nicht in einem Ausmass, dass mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit von einer ausreichend gegebenen Konsistenz ausgegangen werden 

könnte. Im Gegenteil taten sich mit den neuen Erkenntnissen erhebliche Zweifel auf 

bzw. wurden konkrete Indizien bekannt, die gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprachen. Die zweite Begutachtung wurde somit nicht lediglich angeordnet, weil die 

Beschwerdegegnerin die im ersten Gutachten ermittelte Arbeitsunfähigkeit nicht für 

nachvollziehbar hielt (bzw. ihr diese "nicht passte"). Das zweite Gutachten vom 

9. September 2019 ist demnach keine unzulässige second opinion, die aus dem Recht 

zu weisen wäre, was explizit so auch nicht geltend gemacht wurde. Ein entsprechender 

Einwand wäre zudem ohnehin nicht stichhaltig, denn der Beschwerdeführer hätte 

Einwendungen gegen eine neuerliche Begutachtung mittels Beschwerde geltend 

machen können, wovon er wie im Sachverhalt (Ai) dargetan abgesehen hat (Urteil des 

Bundesgerichts vom 21. Januar 2019, 9C_382/2018, E. 4.1, SVR 2019 IV 68).

3.5. 

Der orthopädische Gutachter erwähnte im Befund, aus einer Nichtigkeit heraus sei 

es zu einem erheblichen Wutanfall gekommen. Der Beschwerdeführer habe gebrüllt 

und über eine Angabe in der Vorgeschichte geschimpft, die nicht mit seiner Erinnerung 

übereingestimmt habe. Er habe wütend einen Gehstock in die Ecke geworfen, sei 

vegetativ erheblich alteriert, kurzatmig gewesen und habe mehrere Minuten benötigt, 

um sich wieder zu beruhigen. Danach habe ein normales Gespräch fortgesetzt werden 

können. Er habe wieder gelächelt und sich verhalten, als wäre nichts geschehen. Am 

Ende der Untersuchung habe er sich entschuldigt. Im Rahmen der objektiven 

Untersuchung hätten sich verschiedentlich eine erhebliche Blockadehaltung und eine 

Gegenspannung gezeigt, die eine objektive Beurteilung des Funktionsmasses deutlich 

erschwert hätten. Bei Entspannung habe ein wesentlich besseres Funktionsmass der 

4.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Lendenwirbelsäule festgestellt werden können, so dass die gezeigten Einschränkungen 

nur zu einem Teil nachvollziehbar seien. Eine wesentliche Einschränkung sei nicht 

feststellbar. Der Beschwerdeführer habe das Untersuchungszimmer mit einem sehr 

flotten Gangbild betreten. Er habe sich auch bei der körperlichen Untersuchung ohne 

Gehstützen bewegen können (IV-act. 255-10 ff.). Im MRI LWS 24. September 2019 

seien nur minimal degenerative Veränderungen sichtbar, radiologisch zeige der aktuelle 

Befund gleichbleibende Veränderungen mit bekannter Diskopathie LWK4/5 ohne eine 

signifikante radikuläre Kompression (IV-act. 255-13). Die radiologischen Befunde seien 

nicht sehr stark ausgeprägt und seit 2014 im Wesentlichen unverändert mit einer 

Diskopathie L4/5 ohne eine signifikante radikuläre Kompression (IV-act. 255-16). Es 

lägen keine über die altersgemässe Degeneration hinausgehenden wesentlichen 

Veränderungen der Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule vor (IV-act. 255-15). Von 

neurochirurgischer Seite habe keine eindeutige Wurzelkompression bestätigt werden 

können, weshalb bisher lediglich eine konservative Behandlung durchgeführt worden 

sei. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung hätten sich keine neurologischen 

Störungen gezeigt (IV-act. 255-17). Das Verhalten des Beschwerdeführers anlässlich 

der Untersuchung habe zum Teil übertrieben, demonstrativ, nicht authentisch und 

aufgesetzt gewirkt (IV-act. 252-4). Bei der Untersuchung sei es zu Blockadehaltungen 

und Gegenspannungen des Beschwerdeführers gekommen mit besserem 

Funktionsmass im Rahmen der manuellen Untersuchung und bei Entspannung (IV-

act. 252-5; IV-act. 255-10 f., 15 f.). Die subjektiv empfundenen erheblichen 

Beschwerden sowie die demonstrierte Blockadehaltung und die Selbstlimitierung 

könnten anhand des aktuellen radiologischen Befundes in keiner Weise objektiviert 

werden (IV-act. 255-13). Es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den 

demonstrierten Einschränkungen in der Lendenwirbelsäule und den geschilderten 

Beschwerden gegenüber dem objektiv nachweisbaren orthopädischen Befund. Der 

erhobene identische Beinumfang spreche gegen ein Schonungsverhalten (IV-

act. 252-7; IV-act. 255-12, 16, 23). Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass der 

Beschwerdeführer weiterhin Unterarmgehstützen als Vorsichtsmassnahme benütze (IV-

act. 255-14 f.). Trotz beklagter starker Schmerzen erfolge keine Einnahme von 

Schmerzmedikamenten (IV-act. 255-16). Anhand des orthopädischen Befundes könne 

von einer deutlichen Überbetonung, wenn nicht gar von Aggravation ausgegangen 

werden. Weiter falle auch eine vehemente Behauptung von absurden Symptomen auf. 

Möglicherweise habe es sich auch beim Wutanfall um eine bewusste Demonstration 

des Aggravationsverhaltens gehandelt (IV-act. 252-7, 19 f.; IV-act. 255-16 f.). Es 

bestünden aufgrund des orthopädischen Befundes genügend Ressourcen, die 

bisherige berufliche Tätigkeit in etwas begrenzter Form weiterzuführen. In einer gut 

angepassten Verweistätigkeit ergäben sich anhand des orthopädischen Befundes 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

keine Einschränkungen (IV-act. 255-15 ff.). Der Versicherte sei in der Lage, 

mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Gewichten mit kurzfristigen 

Belastungsspitzen von 25 kg in rückenschulgerechter Haltung, im Wechsel zwischen 

Gehen, Stehen und Sitzen zu verrichten. Vermieden werden sollten Tätigkeiten mit 

Heben und Tragen von Gewichten über 25 kg, ausserhalb des Körperlotes, ständige 

Zwangshaltungen, häufige Vibrationen, Kälte- und Nässeexposition, Zugluft sowie 

ruckartige Bewegungen (IV-act. 252-6).

Wie bereits der orthopädische Vorgutachter Dr. H.___ (IV-act. 159-37 f.) konnte 

auch der orthopädische Gutachter Dr. P.___ kein organisches Korrelat zu den vom 

Beschwerdeführer angegebenen Schmerzen und zur beklagten Beinschwäche 

feststellen (vgl. E. 4.1; IV-act. 255-15 f.). Er konnte die dem orthopädischen Fachgebiet 

zuzuordnenden Beschwerden nicht konsistent objektivieren. Daraus lässt sich nur auf 

das Vorliegen einer Aggravation schliessen, sofern eine Objektivierung auch aus Sicht 

anderer medizinischer Fachgebiete, insbesondere der Psychiatrie, nicht möglich ist.

4.2. 

 4.3. 

Der psychiatrische Gutachter hielt im Befund fest, während der Untersuchung sei 

der Beschwerdeführer immer wieder aufgestanden, um kurz im Raum umherzugehen. 

Es bestehe eine psychomotorische Unruhe mit einem Bewegungsdrang, der 

Beschwerdeführer wirke leicht angespannt. Zu keinem Zeitpunkt habe er 

niedergedrückt oder depressiv gewirkt, sei höflich geblieben und habe keine 

Reizbarkeit gezeigt. Es bestünden keine Auffassungsstörungen, keine 

Konzentrationsprobleme, keine relevanten Gedächtnisstörungen, auch wenn der 

Beschwerdeführer diese beschreibe (IV-act. 254-12). Das formale Denken sei leicht 

beschleunigt, mitunter umständlich und weitschweifig. Beim Beschwerdeführer zeigten 

sich deutliche narzisstische Persönlichkeitszüge, die schon in seinem Auftreten und in 

seinem Äusseren durchaus erkennbar seien. Im Verhalten wirke er extrovertiert, 

eloquent, versuche zu überzeugen. Er vermittle einen selbstbewussten und 

durchsetzungsfähigen bis dominanten Eindruck, dabei erscheine er wenig kritikfähig, 

zum Teil seien auch histrionische und hypochondrische Tendenzen bei ihm erkennbar. 

Der Wille und Antrieb seien reduziert. Realitätsorientierung und Realitätsbezug seien 

verschwommen reduziert (IV-act. 254-12). Das Labor testete positiv auf Amphetamine 

(+Ecstasy) und Cannabis (THC; IV-act. 254-13). Der Gutachter diagnostizierte eine 

vorwiegend histrionische, narzisstische Persönlichkeit (ICD-10: F60.4), ein ADHS bei 

Erwachsenen (ICD-10: F90) sowie Störungen durch multiplen Substanzgebrauch, 

Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F19; IV-act. 254-15). Die Schilderungen der Anamnese 

4.3.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 24/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(namentlich in Bezug auf das Verhältnis des Beschwerdeführers zu Y.___) und 

demzufolge auch die medizinische Beurteilung durch med. pract. E.___ seien 

unzutreffend. Das Vorgutachten sei nicht beweistauglich, da es sich auf ungenaue und 

teilweise gar falsche Angaben stütze (IV-act. 254-14). Aufgrund der vorhandenen 

Inkonsistenzen sei auf das Vorliegen einer Aggravation zu schliessen (IV-act. 254-16 f.). 

Aus psychiatrischer Sicht bestehe beim Beschwerdeführer aktuell zwar eine 

verminderte Anpassung an Regeln und Routinen. Er könne jedoch Termine 

verabredungsgemäss wahrnehmen und sich auch in Organisationsabläufe adäquat 

einfügen (speziell im häuslichen Bereich und bei der Betreuung der Tochter erkennbar). 

Die Planung und Strukturierung von Aufgaben gelinge ihm zuhause gut; die berichtete 

Schonung führe er selbst auf somatische Ursachen zurück. Die Flexibilität und 

Umstellungsfähigkeit seien zwar erschwert, jedoch im häuslichen Bereich nicht relevant 

beeinträchtigt und motivational beeinflussbar. Die Durchhaltefähigkeit in der 

Untersuchungssituation sei gut gewesen, dies könne auch in den beruflichen Bereich 

übertragen werden. Die Selbstbehauptungsfähigkeit sei überdurchschnittlich. Bei der 

Kontaktfähigkeit zu Dritten hätten bei guter Kommunikationsfähigkeit keine Defizite 

festgestellt werden können. Die Kontaktpflege sollte besser eingeübt werden, dies 

gelte auch für die Gruppenfähigkeit. Spontane Aktivitäten könnten gegenwärtig 

durchaus initiiert werden (Freizeit). Für die Selbstpflege und die Verkehrsfähigkeit 

bestünden keine Einschränkungen (IV-act. 252-6, 17 f.). Aus psychiatrischer Sicht sei 

die Arbeitsfähigkeit aufgrund des fortgesetzten Drogenkonsums aktuell um 20 % 

eingeschränkt. Die Sucht erfordere eine Behandlung, die gegenwärtig nicht stattfinde. 

Somit könne von keiner dauerhaften Arbeitsunfähigkeit aus diesem Grund 

ausgegangen werden. Bei fortgesetztem Drogenkonsum könne eine schwankende 

Leistungsfähigkeit im Berufsleben bestehen. Gegenwärtig sei von einer reduzierten 

Leistungsfähigkeit von 20 % auszugehen (Arbeitsfähigkeit 80%; IV-act. 254-16, 18).

Im Gegensatz zum Gutachter stellten der Konsiliarpsychiater in der Klinik Valens 

(IV-act. 105, 107), med. pract. E.___ (Arztbericht vom 5. Januar 2017, IV-act. 109; 

Verlaufsbericht vom 23. Juni 2017, IV-act. 151; Berichte vom 22. März 2018, IV-

act. 189, und vom 14. Juni 2018, IV-act. 226-7 ff.), med. pract. K.___ (Arztbericht vom 

23. November 2018, IV-act. 226) sowie Dr. S.___ (Bericht vom 6. Dezember 2019, IV-

act. 267) unter anderem die Diagnose einer emotional instabilen 

Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10: F60.30). Die psychiatrische 

Vorgutachterin diagnostizierte gar eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung mit 

emotional-instabilen, dissozialen und paranoiden Anteilen (ICD-10: F61.0; IV-

act. 159-51). Die behandelnden Fachärzte betonen, dass der Beschwerdeführer nicht 

4.3.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 25/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

über ausreichende Ressourcen für eine adäquate Bewältigungsstrategie verfüge. So 

hielt med. pract. E.___ im Arztbericht vom 23. Juni 2017 fest, aufgrund des niedrigen 

Strukturniveaus, der eingeschränkten kognitiven Erfassungsmöglichkeit und des 

eingeschränkten Weltbildes sei es dem Beschwerdeführer nicht anders als durch 

somatische Erkrankung möglich, sich den herkunftsfamilienbedingten "Werten" von 

Gewalt und Aggression zu entziehen (IV-act. 151). Med. pract. K.___ führte im 

Arztbericht vom 23. November 2018 aus, dass bei jeder Art von subjektiv erlebter 

Belastung eine starke psychische Anspannung entstehe, die sich einerseits im 

episodischen Verlust der Impulskontrolle, andererseits in einer Zunahme der 

lumbosakralen Schmerzsymptomatik äussere (IV-act. 226). Dr. S.___ erörterte am 

6. Dezember 2019, auf dem Boden einer Traumatisierung bereits in der Kindheit 

verfüge der Beschwerdeführer nur über ein sehr geringes Spektrum emotionaler 

selbstwertstabilisierender Bewältigungsstrategien. Auch bestehe weiterhin eine 

deutlich erhöhte affektive Labilität, welche sich primär in Form von häufigen Ausrastern 

abzeichne. Es bestehe eine relevante Einschränkung der psychophysischen 

Belastbarkeit, die keine Arbeitsfähigkeit ermögliche. Sie erlebe den Beschwerdeführer 

sehr pflichtbewusst, offen und motiviert. Seit seiner Kindheit unterziehe er sich diversen 

Therapien. Sie sei bereits die 13. Therapeutin, so dass von einem Ärztehopping 

ausgegangen werden müsse (IV-act. 267). Im Arztbericht vom 14. Oktober 2020 wies 

sie darauf hin, der Beschwerdeführer habe bereits in der Kindheit Schwierigkeiten mit 

seiner Impulsivität gehabt. Von Y.___ und in der Schule habe er Entwertung erfahren. 

Nach dem Bandscheibenvorfall sei die Unzufriedenheit mit sich selbst weiter 

angestiegen. Es liege eine adäquate Symptomatik einer chronifizierten Schmerzstörung 

vor, welcher fehlende emotionsregulierende Copingstrategien vorausgegangen seien 

(IV 2020/96, act. G 12.1).

Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung setzt eine deutliche Abweichung von 

kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben voraus, unter anderem im Bereich der 

Impulskontrolle. Diese muss stabil, von langer Dauer sein und im späten Kindesalter 

oder der Adoleszenz begonnen haben (vgl. H. Dilling / H. J. Freyberger, Taschenführer 

zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 9. Aufl., Bern 2019, S. 234 f.). Somit 

ist schlüssig, dass die Diagnose beim Beschwerdeführer (auch) von der Verlässlichkeit 

seiner Angaben abhängt. Der psychiatrische Gutachter äusserte sich zur Konsistenz 

dahingehend, die Angaben des Beschwerdeführers zu Aggressivität und Affektlabilität 

seien aktuell nicht im geschilderten Umfang nachvollziehbar und glaubhaft. Dass eine 

unzureichende Affektkontrolle im geschilderten Umfang bestehe, erscheine eher 

zweifelhaft, auch wenn verminderte Frustrationstoleranz und Wutausbrüche vom 

4.3.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 26/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführer beschrieben würden. Der Beschwerdeführer habe seine früheren 

Angaben zum Elternhaus und zum Verhalten des Y.___ wieder zurückgenommen, da 

die Auskunft bei seiner Psychiaterin nicht wahrheitsgemäss gemacht worden sei, 

offensichtlich um sich Vorteile bei der Bewertung durch die IV zu verschaffen. Auch 

aktuell scheine dieses Verhalten zu dominieren. Das Verhalten im Rahmen der aktuellen 

Untersuchungen habe speziell im orthopädischen Teil der Begutachtung zum Teil 

übertrieben, demonstrativ, nicht authentisch und deutlich aufgesetzt gewirkt. Die 

überprotektive Haltung seiner Familienangehörigen würde den Beschwerdeführer darin 

eher bestärken. Soziale Anpassungsschwierigkeiten seien in diesem Kontext möglich, 

diese hätten sich jedoch in der Vergangenheit kaum auf die Integrationsfähigkeit 

ausgewirkt und seien aktuell auch nicht im geschilderten Umfang anzunehmen (IV-

act. 254-15).

Dokumentierte Wutausbrüche erfolgten während der Lehrzeit, anamnestisch 

nach dem Absetzen von Ritalin, dann erst wieder zweimal im Februar 2016 in der Klink 

Valens und anschliessend im Spital W.___ (mit Polizeieinsatz), während des 

Standortgesprächs in der IV-Stelle, während der orthopädischen Begutachtung bei der 

MEDAS Bern am 20. März 2019 und bei med. pract. K.___ offenbar im April 2019 (E-

Mail vom 30. April 2019 an den Beschwerdeführer, worin er diesem mitteilt, er 

beendige die Therapie nach einem für alle Anwesenden unzumutbaren Ausraster, IV-

act. 249). Der Zornausbruch bei der orthopädischen Begutachtung erfolgte im 

Zusammenhang mit dem Beschwerdeführer vorgehaltenen eigenen Angaben, die nicht 

seiner Erinnerungen entsprachen (vgl. bei der orthopädischen Begutachtung, IV-

act. 255-10). Der Vorfall in der IV-Stelle geschah, nachdem der Befragende dem 

Beschwerdeführer erklärte, die Beschwerden stünden in Verbindung mit einer "Flucht 

in die Krankheit", was der Beschwerdeführer einem Vorwurf der Simulation gleichsetzte 

(IV-act. 211-16). Zwar ist in Betracht zu ziehen, dass das Verhalten des 

Beschwerdeführers eine Reaktion auf seine unzutreffende Annahme darstellt, 

psychisch verursachte Schmerzen seien eingebildet oder simuliert bzw. dass ihm das 

Verständnis dafür fehlt, dass psychosomatische Beschwerden durchaus real 

vorhanden sein können, wenn sie auch organisch nicht erklärbar sind. Jedoch spricht 

die Tatsache, dass der Beschwerdeführer einen beruflichen Abschluss erlangen und 

sich jahrelang in entsprechenden Arbeitsverhältnissen bewähren konnte, gegen eine 

emotional instabile Persönlichkeitsstörung als Ursache der Entgleisungen, weil diese 

definitionsgemäss seit der Jugend oder Adoleszenz bestehen müsste (vgl. E. 4.2.2). 

Sodann geschah der Vorfall während der orthopädischen Begutachtung 

nachgewiesenermassen nach dem Konsum von Amphetaminen und Cannabis (IV-

4.3.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 27/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

act. 254-13). Weder im Kontext der beruflichen Abklärung im D.___ (Schlussbericht 

vom 8. Januar 2016, IV-act. 58) noch mit der stationären Rehabilitation in Valens (wo 

bei sonst therapieresistenten Schmerzen "auch aufgrund des Gebrauchs diverser 

Schmerz- und psychotroper Substanzen" eine Methadontherapie probiert wurde; 

Austrittsbericht vom 8. März 2016, IV-act. 105), nicht mit dem Aufenthalt im Zentrum 

G.___ (Austrittsbericht vom 10. April 2017, IV-act. 137-3 ff.) und auch nicht durch die 

behandelnden Psychiater oder durch die Vorgutachter wurden Auswirkungen eines 

Substanzmissbrauchs festgestellt oder eine entsprechende Diagnose gestellt. Der 

Beschwerdeführer bestritt im Assessmentgespräch vom 29. August 2018 die im 

Gutachten vom 11. November 2017 protokollierte Aussage, er rauche konsequent 

Joints ohne THC wegen der Auflagen bezüglich Führerschein (IV-act. 159-46; IV-

act. 211-9), wobei eine Abklärung beim Strassenverkehrsamt ergab, dass er bis dahin 

nie irgendwelche Auflagen hatte (Aktennotiz vom 16. April 2018, IV-act. 192). Erst 

aufgrund des der angefochtenen Verfügung zugrundeliegenden Gutachtens wurden 

solche verfügt, worauf der Beschwerdeführer von Januar bis Oktober 2020 monatlich 

negative Laborscreenings nachweisen konnte (act. G 1.1.3; act. G 12.4). Der Konsum 

von Amphetaminen und Cannabis ist somit lediglich vor dem Ausraster bei der 

orthopädischen Begutachtung nachgewiesen. Eine durch eine 

Abhängigkeitsproblematik verursachte massgebliche Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit oder dass die dokumentierten Emotionsausbrüche mit 

Substanzkonsum zu assoziieren wären, steht daher nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit fest. Dass die Gutachter die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % 

dennoch mit den Auswirkungen des Substanzkonsums begründeten, ist von 

untergeordneter Bedeutung, da die Arbeitsunfähigkeit in diesem Ausmass vorliegend 

nicht rentenbegründend ist und weil der Nachweis durch eine Haarprobe zum 

Ausschluss der Aggravation ausdrücklich vorbehalten wurde (IV-act. 254-16).

Als weiterer Anhaltspunkt für eine Aggravation wird vom psychiatrischen 

Gutachter angeführt, dass der Beschwerdeführer seine Aussage, er sei von Y.___ 

körperlich misshandelt worden, widerrufen habe. Med. pract. E.___ führte im 

Arztbericht vom 5. Januar 2017 aus, aufgrund der Symptomatik und einiger 

Äusserungen des Beschwerdeführers, welche dieser bei Nachfrage revidiert habe, 

gehe sie von psychischen und körperlichen Misshandlungen aus (IV-act. 109). Es ist 

demnach nicht festgehalten, dass der Beschwerdeführer explizit angegeben hätte, 

Y.___ habe ihn geschlagen, und diese Aussage später zurückgenommen hätte. Im 

Verlaufsbericht vom 23. Juni 2017 führte sie aus, neu berichte der Beschwerdeführer, 

dass Y.___ ihm schon früh asiatische Kampfkunst zugemutet hätte (IV-act. 151). Im 

4.3.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 28/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Überweisungsbericht an med. pract. K.___ vom 14. Juni 2018 erwähnte med. pract. 

E.___ in diesem Zusammenhang denn auch imaginative Bilder beim Beschwerdeführer 

mit kindlichen Gewalterfahrungen (IV-act. 226-7 ff.) als Grundlage ihrer Annahme. Eine 

bewusste Änderung in seiner Aussage im Hinblick auf eine mögliche Berentung kann 

somit aus den Berichten von med. pract. E.___ entgegen den Ausführungen der 

Beschwerdegegnerin nicht abgeleitet werden.

Zusammenfassend ergibt sich weder hinsichtlich der somatischen noch 

hinsichtlich der psychiatrischen Beschwerden ein stimmiges Gesamtbild. Die 

Beurteilung durch die behandelnden Ärzte beruht massgeblich auf subjektiven 

Angaben des Beschwerdeführers, die sich bei näherer Prüfung als nicht ausreichend 

konsistent erweisen. Die beklagten Schmerzen und die Beinschwäche sind 

orthopädisch nicht objektivierbar. Emotionale Durchbrüche sind seit dem 

Erwachsenenalter des Beschwerdeführers nur vereinzelt und nicht im normalen 

Tagesablauf aktenkundig, was gegen eine die Arbeitsfähigkeit dauerhaft 

einschränkende Persönlichkeitsstörung spricht. Schliesslich ist zu berücksichtigen, 

dass der behandelnde Arzt in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zum 

Beschwerdeführer steht, das heisst im Zweifelsfall eher zu dessen Gunsten aussagen 

wird bzw. die subjektiv vorgetragenen Beschwerden grundsätzlich nicht in Zweifel 

ziehen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_295/2017, 

E. 6.4.2, mit weiteren Verweisen; BGE 135 V 470, E. 4.5). Die unterschiedliche Natur 

von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und 

Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits 

lässt es nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen 

und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu 

anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich 

eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und 

nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die 

im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (statt vieler: 

Entscheide des Bundesgerichts vom 3. Mai 2021, 8C_164/2021, E. 3.2.1, und vom 

17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 5.2, je mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der 

Fall. Somit ist auf die gutachterliche Einschätzung abzustellen.

4.4. 

Bezüglich der Auswirkungen der fraglichen und gemäss dem psychiatrischen 

Gutachter (IV-act. 254-16) therapierbaren Sucht ist festzuhalten, dass die angefochtene 

Verfügung vom 30. März 2020 erging, nachdem das Bundesgericht mit BGE 145 V 215 

vom 11. Juli 2019 diese Leiden dem strukturierten Beweisverfahren unterstellt hatte. 

Ob aufgrund des Substanzkonsums von einer 80%igen oder einer 100%igen 

4.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 29/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.

Abschliessend bleibt über den Anspruch auf Rechtsverbeiständung im 

Vorbescheidverfahren zu befinden.

Arbeitsfähigkeit auszugehen ist, kann indes offen gelassen werden. Der 

Beschwerdeführer erzielte zuletzt im Jahr 2014 einen dem Valideneinkommen 

entsprechenden Lohn von Fr. 71'240.-- (Angaben der Arbeitgeberin vom 17. Juli 2014, 

IV-act. 30). Wird für die Bemessung des Invalideneinkommens vom Tabellenlohn 

gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS), 

Durchschnittseinkommen Kompetenzniveau 1, 2014, Männer, von Fr. 66'453.-- 

(Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2019, Bern 2019, Anhang 2) ausgegangen (eine 

Aufrechnung der Vergleichseinkommen auf das Jahr 2015 kann annäherungsweise 

unterbleiben), würde bei angenommener 80%iger Arbeitsfähigkeit erst bei Gewährung 

eines Tabellenlohnabzuges von 20 % ein rentenbegründender 40%iger Invaliditätsgrad 

resultieren. Ein solcher lässt sich vorliegend nicht begründen. Der Beschwerdeführer 

hat somit keinen Anspruch auf eine Rente.

Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der schweizerischen 

Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, Anspruch auf 

unentgeltliche Rechtspflege. Falls es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie 

ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand. Beim Anspruch gemäss 

Art. 29 Abs. 3 BV handelt es sich um einen "eigentlichen Pfeiler des 

Rechtsstaates" (BGE 132 I 214 E. 8.2). Im Sozialversicherungsverfahren wird der 

gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die 

Verhältnisse es erfordern (Art. 37 Abs. 4 ATSG). Voraussetzungen sind (in Analogie zum 

gerichtlichen Verfahren) die finanzielle Bedürftigkeit, die fehlende Aussichtslosigkeit 

und die Erforderlichkeit der Vertretung (vgl. BBl 1999 4595). Vorliegend sind die 

finanzielle Bedürftigkeit und die fehlende Aussichtslosigkeit ausgewiesen bzw. 

unbestritten, und es wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung für beide Beschwerdeverfahren bewilligt (IV 2020/96, act. G 6; 

IV 2020/261, act. G 4). Zu prüfen bleibt somit die Frage der Notwendigkeit der 

Rechtsvertretung im Vorbescheidverfahren.

5.1. 

Den höheren Anforderungen im Verwaltungsverfahren soll insofern Rechnung 

getragen werden, als die Erforderlichkeit der Vertretung eingehend zu prüfen ist. Dabei 

wird auf die Schwierigkeit des Falles und auf die Verfahrensphase abgestellt (BBl 1999 

4595; vgl. auch BGE 132 V 201; Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2009, 

5.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 30/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

9C_816/2008, E. 4.1). Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im 

Verwaltungsverfahren wird in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung namentlich mit 

Blick darauf, dass die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen 

Sozialversicherungen den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien 

nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und 

Gesetzesgebundenheit (BGE 136 V 376) zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG), nur 

zurückhaltend bejaht. Es müssen sich danach schwierige rechtliche oder tatsächliche 

Fragen stellen und eine Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, 

Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss 

ausser Betracht fallen (BGE 132 V 201 E. 4.1 in fine; vgl. auch Urteil des 

Bundesgerichts vom 2. September 2019, 8C_353/2019, E. 3.1; Urteile des 

Bundesgerichts vom 26. November 2012, 9C_878/2012, E. 3.6 und vom 22. Februar 

2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinweis darauf, dass die IV-Stellen unter Umständen 

auf soziale Einrichtungen hinzuweisen haben, die fachkundige Unterstützung im 

Verwaltungsverfahren bieten [würden], und darauf aufmerksam zu machen haben, bei 

diesen ein entsprechendes Gesuch zu stellen). Von Bedeutung ist schliesslich auch die 

Fähigkeit der versicherten Person, sich im Verfahren zurechtzufinden (Urteil des 

Bundesgerichts vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).

Die hohe Bedeutung medizinischer Gutachten für sich allein genommen vermag 

die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung nicht zu begründen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts vom 16. Dezember 2013, 9C_692/2013, E. 4.2), sondern es bedarf 

weiterer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche 

Vertretung als notwendig erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 

22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 5.2 mit Hinweisen). Solche Besonderheiten liegen 

beispielsweise vor, wenn das kantonale Gericht die Sache zur umfassenden 

medizinischen Abklärung und Veranlassung eines polydisziplinären Gutachtens an die 

IV-Stelle zurückweist, ein komplexer Sachverhalt vorlag und die versicherte Person 

bereits im damaligen gerichtlichen Verfahren vertreten war (Urteil des Bundesgerichts 

vom 16. Dezember 2013, 9C_692/2013, E. 4.2, und vom 14. Dezember 2017, 

9C_436/2017, sowie 9C_746/2017, E. 3.6.1).

5.3. 

Zur Begründung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im 

Vorbescheidverfahren lässt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vorbringen, es 

werde ihm unterstellt, die zweite Begutachtung sei wegen von ihm getätigten falschen 

Aussagen notwendig geworden. Weder er noch seine Mutter seien in der Lage, 

Schwachstellen in einer fachärztlichen Expertise zu erkennen. Die medizinischen 

Gutachten, welche im Recht lägen, seien derart verfasst, dass juristischer Beistand 

5.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 31/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.  

angezeigt und notwendig sei (IV 2020/261, act. G 1). Ferner lässt er vorbringen, die 

Beschwerdegegnerin habe den Anspruch Wahrung des rechtlichen Gehörs verletzt, da 

erst nach der Verfügung in der Sache über das Gesuch entschieden worden sei (IV 

2020/261, act. G 1; IV 2020/261, act. G 8).

Der vorliegende Fall zeichnet sich dadurch aus, dass zwei Gutachten im Recht 

liegen, in denen hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stark abweichende 

Beurteilungen getroffen wurden, was hauptsächlich darauf beruht, dass im ersten 

Gutachten auf die anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers abgestellt wurde, 

während im zweiten Gutachten von Aggravation ausgegangen wurde. Gemäss der 

Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. J.___ vom 17. November 2017, war die 

(medizinische) Begründung des ersten Gutachtens schlüssig und nachvollziehbar, 

jedoch empfahl der RAD-Arzt, zur Verifizierung der Angaben des Beschwerdeführers 

Dritteinkünfte einzuholen (IV-act. 160). Zwar hatte der Beschwerdeführer bzw. seine 

Mutter mehrfach im Erstgutachten festgehaltene anamnestische Angaben korrigiert. 

Dass es sich jedoch nicht mehr um einen Fall mit üblicher Komplexität handelte, zeigt 

sich auch daran, dass das zweite Gutachten - wie erwähnt - zu einem ganz anderen 

Schluss kam. Somit war der Beizug einer anwaltlichen Vertretung erforderlich und 

notwendig.

5.5. 

In zeitlicher Hinsicht tritt die Wirkung des (gutgeheissenen) Gesuchs um 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung grundsätzlich im Zeitpunkt von dessen 

Einreichung ein. Sie umfasst die Aufwendungen für die Rechtsschrift, mit welcher das 

Gesuch gestellt wurde (BGE 122 I 403 ff.; R. Rhinow, H. Koller, Ch. Kiss, D. Thurnherr, 

D. Brühl-Moser, Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl., Basel 2014, Rz. 389). Vorliegend 

reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers das Gesuch mit der ergänzenden 

Begründung des Einwandes vom 24. Januar 2020 ein (IV-act. 266). Die Entschädigung 

deckt somit lediglich den mit dem aktuellen Einwand verbundenen Aufwand ab, nicht 

aber denjenigen im Zusammenhang mit dem früher erhobenen Einwand gegen die 

vorgesehene Zweitbegutachtung vom 5. Oktober 2018 (IV-act. 220). Aufgrund der 

Bewilligung des Gesuchs ab Einreichung ist nicht ersichtlich, inwiefern dem 

Beschwerdeführer dadurch ein Nachteil entstanden sein sollte, dass erst mit separater 

Verfügung vom 27. November 2020 (IV-act. 296) darüber entschieden wurde. Auch der 

- von der unentgeltlichen Rechtspflege im Beschwerdeverfahren gedeckte - Aufwand 

für die Anfechtung dieser Verfügung ist vom Zeitpunkt ihres Erlasses unabhängig.

5.6. 

Auf Grund der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die 

Verfügung betreffend Rente vom 30. März 2020 (IV 2020/96) abzuweisen.

6.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 32/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die Beschwerde gegen die Verfügung betreffend unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren vom 27. November 2020 (IV 2020/261) 

ist gutzuheissen, die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und dem 

Beschwerdeführer ist die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im 

Verwaltungsverfahren rückwirkend ab dem Einwand vom 16. Dezember 2019 für die 

notwendigen Aufwendungen zu bewilligen sowie Rechtsanwältin Zürcher zur 

unentgeltlichen Rechtsbeiständin zu ernennen. Die Sache ist zur Festsetzung der Höhe 

der Entschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.2. 

Das Beschwerdeverfahren IV 2020/96 betreffend Rente ist kostenpflichtig. Die 

Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine 

Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden 

Angelegenheit als angemessen. Der Beschwerdeführer ist im Verfahren unterlegen, 

weshalb ihm die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge 

unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.

6.3. 

bis

Demgegenüber sind im Beschwerdeverfahren IV 2020/261 betreffend 

unentgeltliche Verbeiständung im Verwaltungsverfahren keine Gerichtskosten zu 

erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Da es sich vorliegend nicht um eine Streitigkeit betreffend 

"IV-Leistungen" handelt, findet die Kostenregelung von Art. 69 Abs. 1  IVG keine 

Anwendung (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. 

Januar 2012, IV 2010/270 E. 6.4).

6.4. 

bis

Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung im Verfahren IV 

2020/96 die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers (vgl. IV 2020/96, 

act. G 6). Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und 

ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der 

Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 

Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 

15'000.--. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale 

Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen 

(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetztes; sGS 963.70). Somit hat der Staat die 

Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 3'200.-- (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

6.5. 

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen 

6.6. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 33/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Im Verfahren IV 2020/96 betreffend Rente wird die Beschwerde abgewiesen.

2.

Im Verfahren IV 2020/261 betreffend unentgeltliche Rechtsverbeiständung im 

Verwaltungsverfahren wird die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung vom 27. November 2020 gutgeheissen. Dem Beschwerdeführer wird die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren ab 16. Dezember 

2019 bewilligt und Rechtsanwältin Zürcher wird zur unentgeltlichen Vertreterin ernannt. 

Zur Festsetzung und Ausrichtung der Entschädigung wird die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

3.

Im Verfahren IV 2020/96 wird der Beschwerdeführer zufolge unentgeltlicher 

Rechtspflege von der Bezahlung der Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- befreit.

4.

Im Verfahren IV 2020/261 werden keine Gerichtskosten erhoben.

5.

Im Verfahren IV 2020/96 entschädigt der Staat die Rechtsvertreterin des 

Beschwerdeführers zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung mit Fr. 3'200.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).

6.

Im Verfahren IV 2020/261 hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine 

Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).

Im Verfahren IV 2020/261 hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Partei­

entschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei 

insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen 

ist (Art. 61 lit. g ATSG). Für dieses Verfahren erscheint eine Parteientschädigung von 

pauschal Fr. 1'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Damit 

erübrigt sich eine Beurteilung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsverbeiständung in 

diesem Beschwerdeverfahren.

6.7. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 34/34

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) 

zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 17.11.2021
	Art. 7 ATSG; Art. 8 ATSG; Art. 28 IVG: Der Beschwerdeführer leidet seit Kindheit an einem ADHS und an lumbalen bzw. lumboradikulären Beschwerden. Es liegen zwei von der Verwaltung veranlasste bidisziplinäre Gutachten vor. Die Einholung des zweiten Gutachtens stellt keine unzulässige second opinion dar. Bei vorliegen von zwei sich widersprechenden Gutachten besteht vorliegend ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung im Vorbescheidverfahren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. November 2021, IV 2020/96 und IV 2020/261). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_27/2022.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T02:16:16+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen