# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d0467e3d-ba1d-511a-ad76-f08f134f5797
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2018 E-4530/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4530-2018_2018-10-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4530/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  O k t o b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti,  

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner,    

Gerichtsschreiberin Regina Derrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Volksrepublik China (Tibet),   

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

(…), 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Verweigerung des Asyls (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 10. Juli 2018 / N (…). 

 

 

 

E-4530/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin – eine chinesische Staatsangehörige tibeti-

scher Ethnie – verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Feb-

ruar 2015 und reiste über Nepal, wo sie sich während fast fünf Monaten 

aufgehalten habe, Thailand und Frankreich am 13. August 2015 in die 

Schweiz ein. Noch gleichentags stellte sie im Empfangs- und Verfahrens-

zentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. In der Befragung zur Person 

(BzP) vom 26. August 2015 sowie in der vertieften Anhörung vom 15. Sep-

tember 2017 machte sie zu ihren Familienverhältnissen im Wesentlichen 

geltend, dass sie in Tibet einen minderjährigen Sohn und zwei jüngere Brü-

der habe (vgl. A6/14, Rz. 3.01). Der ältere der beiden Brüder, B._______, 

lebe in C._______ und sei (…) von Beruf. Der jüngere der beiden Brüder, 

D._______, lebe mit seiner Ehefrau im Heimatdorf. In der vertieften Anhö-

rung bezeichnete die Beschwerdeführerin teilweise sowohl B._______ 

(vgl. A18/26, F103, S. 12) als auch D._______ (vgl. A18/26, F105, S. 13) 

als „ihren jüngeren Bruder“, was insofern zutreffend ist als sie tatsächlich 

älter ist als die beiden (vgl. A6/14, Rz. 3.01). An gewissen Stellen ist nicht 

ganz klar, ob sie, wenn sie den jüngeren Bruder erwähnte, B._______ oder 

D._______ meinte (vgl. A18/26, F64).   

A.b Ihr Flucht aus Tibet begründete die Beschwerdeführerin in der BzP und 

der vertieften Anhörung wie folgt: Über ihren Onkel mütterlicherseits, der 

Mönch in einem Kloster in Nepal sei, und B._______ habe sie eine DVD 

mit einer Rede des Dalai Lama organisieren können. Da es der Wunsch 

aller Tibeterinnen und Tibeter sei, dem Dalai Lama vor ihrem Tod einmal 

zu begegnen, dies aber für jene Angehörigen ihres Volkes, die in China 

lebten, nicht möglich sei, habe sie den Film jenen Personen, denen sie 

vertraut habe, gezeigt. Irgendwann müsse sie von jemandem bei den chi-

nesischen Behörden verraten worden sein, da die Polizei eines Tages bei 

ihr zu Hause vorbeigekommen sei und ihre Wohnung durchsucht habe, 

wobei sie auf die DVD mit der Rede des Dalai Lamas gestossen sei. Da-

raufhin sei die Beschwerdeführerin auf den Posten im Bezirkshauptort ge-

bracht worden, wo sie für sieben Tage inhaftiert und wiederholt dazu be-

fragt worden sei, von wem sie die DVD erhalten habe. Die Polizei habe ihr 

ihre Erklärung, wonach sie den Film beim Wasserholen im Steinbrunnen 

gefunden habe, nicht geglaubt, weshalb sie misshandelt und dazu ermahnt 

worden sei, die Wahrheit zu sagen. Nach sieben Tagen sei sie aus der Haft 

entlassen worden, wobei sie darauf hingewiesen worden sei, dass dies nur 

für den Moment sei und sie die Zeit nutzen solle, um sich Gedanken über 

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Seite 3 

ihr Verhalten und ihre Aussagen zu machen. Auch sei ihr mitgeteilt worden, 

dass sie sich, wenn sie erneut von der Polizei aufgeboten werde, stellen 

müsse, und sie, wenn sie irgendwohin reisen wolle, eine Bewilligung bei 

den Behörden einzuholen habe.  

Kurze Zeit darauf sei sie über den Dorfvorstand von der Polizei des Be-

zirkshauptortes einbestellt worden. Sie habe den Dorfvorstand um einen 

Aufschub von einem Tag gebeten. Einen Tag nach dem ursprünglich ange-

setzten Termin sei die Polizei ins Dorf gekommen und habe sie unter dem 

Vorwurf, dass sie nicht rechtzeitig erschienen sei, erneut auf den Posten 

im Bezirkshauptort mitgenommen. Dort sei sie geschlagen und dazu ver-

hört worden, wer ihr erlaubt habe, das Aufgebot zu missachten, und wer 

ihr die DVD des Dalai Lama besorgt habe. Weil sie beteuert habe, dass sie 

diese beim Wasserholen im Steinbrunnen gefunden habe, sei sie am zwei-

ten Tag in einen anderen Verhörraum mitgenommen worden. Dort sei sie 

dazu aufgefordert worden, sich auszuziehen. Nachdem ihr die Hände zu-

sammengebunden worden seien, sei sie mit kaltem Wasser beschüttet und 

geschlagen worden. Da sie auf ihrer Version der Geschichte beharrt habe, 

seien die Misshandlungen immer schlimmer geworden, und als sie nichts 

mehr gesagt habe, sei ihr ein Stromstab in die Vagina hineingestossen 

worden. Sie habe zeitweise ihren Körper nicht mehr gespürt und als sie 

gesehen habe, wie das Blut an ihren Beinen heruntergelaufen sei, habe 

sie geglaubt, dass sie nun getötet würde. Irgendwann sei sie aufgefordert 

worden, sich wieder anzuziehen, und in ihre Zelle zurückgebracht worden. 

Sie habe immer noch geblutet, ihr Körper sei sehr schwach gewesen und 

sie habe kaum atmen können. Am nächsten Morgen sei sie erneut verhört 

worden. Sie habe Angst gehabt, sei gleichzeitig am Ende ihrer Kräfte ge-

wesen und habe das Gefühl gehabt, fast zu ersticken. Irgendwann sei sie 

in Ohnmacht gefallen. Daraufhin sei sie nach Hause geschickt worden, wo-

bei sie erneut darauf hingewiesen worden sei, dass sie ohne Erlaubnis nir-

gends hinreisen dürfe. Der jüngere ihrer beiden Brüder, der mit ihr im Dorf 

gelebt habe, habe sie im Gefängnis abgeholt.   

Ungefähr während eines Monats habe sie sich zu Hause im Dorf aufgehal-

ten. In dieser Zeit habe sie noch zwei Mal beim Parteisekretär der Ge-

meinde vorsprechen müssen. Dann habe sie einen Telefonanruf ihres Bru-

ders aus C._______ erhalten, der sie darüber informiert habe, dass auch 

er sich auf Anordnung der Polizei nicht mehr frei bewegen dürfe. Danach 

sei es ihr sehr schlecht gegangen. Es sei ihr bewusst geworden, dass sie 

weiterhin befragt würde, wenn sie im Dorf bleiben würde, und irgendwann 

den Namen ihres Bruders verraten würde. Als eine Freundin aus 

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Seite 4 

E._______ im Dorf zu Besuch gewesen sei, habe die Beschwerdeführerin 

sich kurzfristig dazu entschieden, diese darum zu bitten, sie auf der Rück-

reise nach E._______ mitzunehmen, von wo aus sie dann zu ihrem Onkel 

mütterlicherseits nach Nepal fliehen würde. Die Freundin habe eingewilligt 

und so sei die Beschwerdeführerin schliesslich aus Tibet entkommen.   

A.c Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin 

zwei Fotos von ihr und ihren Angehörigen im Dorf und vor einem Tempel in 

Lhasa ein. Zudem legte sie ihr chinesisches Familienbüchlein (sog. „Hu-

kou“) ins Recht (vgl. A8).  

B.  

Am 14. Mai 2018 führte die Fachstelle Lingua im Auftrag des SEM ein Te-

lefongespräch mit der Beschwerdeführerin durch. Gestützt darauf wurde 

am 21. Juni 2018 ein schriftliches Gutachten betreffend die linguistische 

Eigenart der Sprechweise und die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse 

der Beschwerdeführerin (sogenannte "Lingua-Analyse") erstellt. Aus die-

sem Gutachten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin nach Einschät-

zung der sachverständigen Person mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit aus dem Kreis F._______, Autonomes Gebiet Tibet, stammt. 

C.  

C.a Gestützt auf das Ergebnis der Lingua-Analyse, und weil das von der 

Beschwerdeführerin eingereichte Hokou nicht eindeutig als Fälschung 

identifizierbar sei, bejahte das SEM in seiner Verfügung vom 10. Juli 2018 

– am 11. Juli 2018 eröffnet – die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde-

führerin. Ihr Asylgesuch wies es jedoch ab und verfügte ihre Wegweisung 

aus der Schweiz, wobei es sie wegen Unzulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs hierzulande vorläufig aufnahm.   

C.b Zur Begründung seines negativen Entscheids im Asylpunkt führte das 

SEM im Wesentlichen aus, die Vorfluchtgründe der Beschwerdeführerin 

seien nicht glaubhaft. Sie habe widersprüchliche Angaben zur Dauer der 

ersten und zweiten Festnahme gemacht. In der BzP habe sie erwähnt, zu-

erst für drei Tage und dann eine Woche festgenommen worden zu sein. 

Anlässlich der Anhörung habe sie diese Angaben vertauscht und auch auf 

Nachfrage hin erwidert, zuerst sieben und dann drei Tage lang festgehalten 

worden zu sein. Es könne zwar nachvollziehbar sein, dass exakte Zeitan-

gaben nach einigen Jahren nicht mehr möglich seien. Auffällig sei aber, 

dass die Beschwerdeführerin sowohl bei der Befragung als auch bei der 

Anhörung genau die gleiche Dauer, jedoch vertauscht, angegeben habe. 

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Ferner sei auch ihre Begründung dafür, weshalb sie dem Aufgebot der Po-

lizei nicht Folge geleistet habe und daraufhin ein zweites Mal festgenom-

men worden sei, widersprüchlich. Anlässlich der BzP habe sie erwähnt, 

dass sie verhindert gewesen sei, weil sie auf dem Feld mit dem Düngen 

beschäftigt gewesen sei. Anlässlich der Anhörung habe sie ausgeführt, sie 

habe beim Dorfvorstand um einen Aufschub ersucht, weil sie starke Kopf-

schmerzen gehabt habe. Diese Ungereimtheiten seien insofern nicht nach-

vollziehbar, als es sich bei den Festnahmen doch um einschneidende Er-

lebnisse gehandelt habe. Des Weiteren sei es ihr auf Nachfrage hin nicht 

möglich gewesen, detailreich und ausführlich darüber zu berichten, was sie 

in ihrer Zelle erlebt habe. Ihre entsprechenden Ausführungen wirkten viel-

mehr konstruiert, und es entstehe der Eindruck, dass sie das Geschilderte 

nicht selbst erlebt habe. Bei einem Vergleich ihrer auf Nachfrage hin gege-

benen Antworten mit ihren Schilderungen in ihrem freien Bericht falle auf, 

dass ihr freier Bericht viel ausführlicher ausgefallen sei und zudem viele 

Details enthalte. Es scheine, als ob sie auf die Nachfragen nicht gefasst 

gewesen sei und die Schilderungen im freien Bericht auswendig gelernt 

seien.  

D.  

D.a Mit Eingabe vom 8. August 2018 (Poststempel) liess die Beschwerde-

führerin von ihrer Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid des SEM Be-

schwerde erheben und beantragen, die Verfügung vom 10. Juli 2018 sei in 

den Dispositivziffern 2 und 3 aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft 

festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht liess sie 

darum ersuchen, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege, inklusive Ver-

beiständung, zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sei zu verzichten.  

D.b In der Beschwerdebegründung wurde zunächst geltend gemacht, dass 

die vertiefte Anhörung unter Umständen stattgefunden habe, die die Be-

schwerdeführerin sehr verunsichert und unter Druck gesetzt hätten. Es sei 

aktenkundig, dass die Übersetzerin einen anderen tibetischen Dialekt ge-

sprochen habe als die Beschwerdeführerin, was die Anhörung erheblich 

erschwert und zu zahlreichen Missverständnissen und Unklarheiten ge-

führt habe. Die Verständigungsprobleme, die sogar der Befragerin des 

SEM aufgefallen seien, hätten die Beschwerdeführerin nervös gemacht, 

weil sie ständig befürchtet habe, nicht richtig verstanden zu werden. Er-

schwerend komme hinzu, dass die anfänglich anwesende Hilfswerkvertre-

tung ihre Arbeit in der Mittagspause krankheitsbedingt ersatzlos eingestellt 

habe. Dies entspreche nicht den Anforderungen von Art. 30 AsylG (SR 

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Seite 6 

142.31). Schliesslich sei die Anhörung auch nicht von jener Mitarbeiterin 

durchgeführt worden, die den Entscheid gefällt habe, weshalb die genann-

ten schwierigen Umstände in der Verfügung nur beschränkt hätten berück-

sichtigt werden können.  

In der Sache habe es das SEM unterlassen, die Ausführungen der Be-

schwerdeführerin zum Grund der Nichtbefolgung des Aufgebots der Polizei 

differenziert zu betrachten. Es sei ohne weiteres nachvollziehbar, dass sie 

angesichts der schlechten Behandlung während des ersten Gefängnisauf-

enthalts eine triviale Ausrede habe vermeiden wollen und mit einer vorge-

schobenen gesundheitlichen Erklärung auf mehr Verständnis gehofft habe. 

Es liege somit kein Widerspruch vor. Vielmehr habe sie ihre Notlüge ge-

genüber den chinesischen Behörden genau beschrieben. Die Ungereimt-

heiten in den Angaben zur Dauer der ersten und zweiten Festnahme an-

lässlich der BzP und der Anhörung seien wohl darauf zurückzuführen, dass 

es auch in der BzP zu Verständigungsproblemen mit dem Dolmetscher ge-

kommen sei. Darauf weise beispielsweise hin, dass bei der Frage, ob die 

Behörden den Wohnort der Beschwerdeführerin kennen würden, eine Zah-

lenkombination protokolliert worden sei. In der Anhörung habe die Be-

schwerdeführerin eindeutig bekräftigt, dass die Angaben anlässlich der An-

hörung korrekt gewesen seien. Aufgrund eines einzigen Widerspruchs 

werde die von ihr mit einer Vielzahl von Glaubhaftigkeitselementen darge-

legte Verfolgung nicht unglaubhaft. Die Tatsache, dass die auf Nachfrage 

hin gegebenen Antworten nicht so detailliert ausgefallen seien wie die freie 

Schilderung, sei darauf zurückzuführen, dass die traumatischen Verhörer-

lebnisse auf Nachfrage hin geradezu aus der Beschwerdeführerin heraus-

gebrochen seien, was auch durch zahlreiche Vermerke von emotionalen 

Gefühlsregungen im Protokoll belegt werde. Im Übrigen seien ihre Schil-

derungen substantiiert, schlüssig, plausibel und enthielten eine Vielzahl 

von persönlichen Elementen und Details. So habe sie die in den Verhören 

der Polizei erlittenen Misshandlungen und auch den Grund ihrer Verhaf-

tung widerspruchsfrei und überzeugend dargelegt. Zudem habe sie auch 

bei unvorhersehbaren Nachfragen Details angegeben, wie etwa zum Ab-

lauf einer Personenkontrolle oder als sie den Namen eines tibetischen Me-

dikaments gegen ihre Schmerzen genannt habe. Auch über ihren Gefäng-

nisaufenthalt habe sie hinreichend detailliert berichten können. Sie habe 

ihre Zellgenossinnen sowie die Verpflegung im Gefängnis beschrieben. 

Auch habe sie eine Situation geschildert, in der eine ihrer Zellgenossinnen 

für sie eine Schürze auf dem Boden ausgebreitet habe. Im Übrigen hätten 

sich im Gefängnisalltag nicht allzu viele spezifische Dinge ereignet, wes-

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Seite 7 

halb es auch nicht so viel zu erzählen gegeben habe. Zudem sei es ver-

ständlich, dass sie während ihrer Haft, die sie wahrscheinlich dem Verrat 

einer mit ihr befreundeten Person zu verdanken habe, misstrauisch gewe-

sen und isoliert geblieben sei. Das SEM habe es unterlassen, die spärli-

chen zweifelhaften Aspekte in ihren Vorbringen in Relation zu ihren gröss-

tenteils glaubhaften Angaben zu setzten, und habe den Sachverhalt somit 

nicht korrekt gewürdigt.    

E.  

In ihrer Zwischenverfügung vom 15. August 2018 hielt die Instruktionsrich-

terin fest, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens auf-

grund der vom SEM festgestellten Flüchtlingseigenschaft und der infolge-

dessen angeordneten vorläufigen Aufnahme in der Schweiz abwarten 

könne. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

hiess sie gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Zudem setzte sie die von der Beschwerdeführerin mandatierte Rechtsver-

treterin als amtliche Rechtsbeiständin ein. Schliesslich lud sie das SEM zur 

Einreichung einer Stellungnahme zur Beschwerde ein.  

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 23. August 2018 führte das SEM im We-

sentlichen aus, dass bezüglich der geltend gemachten zahlreichen Miss-

verständnisse und Unklarheiten festzuhalten sei, dass die Beschwerdefüh-

rerin anlässlich der BzP erwähnt habe, ihre Muttersprache sei (…). Zudem 

habe sie sowohl bei der BzP als auch bei der vertieften Anhörung zu Pro-

tokoll gegeben, den/die Dolmetscher/in zu verstehen. Die Verständigungs-

probleme anlässlich der Anhörung seien denn auch nicht auf die Sprache 

zurückzuführen, sondern hätten sich aufgrund von Unklarheiten in den Fra-

gestellungen oder wegen der unterschiedlichen Betonung von Worten er-

geben. Hinzu komme, dass es teilweise zwei Bedeutungen für ein Wort 

gebe oder die Beschwerdeführerin sich – wie dies wohl bei Frage 149 der 

Anhörung der Fall gewesen sei – unklar ausgedrückt habe. Die befragende 

Person habe daraufhin versucht, einfachere, konkrete Fragen zu stellen, 

womit sie auf die Beschwerdeführerin eingegangen sei. Beim in der Ant-

wort zur Frage 187 erwähnten Problem könne es sich demgegenüber nicht 

um ein Verständigungsproblem und auch nicht um eine falsche Überset-

zung handeln. Dort habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht früher 

nicht erwähnt zu haben, dass nicht der jüngere, sondern der ältere ihrer 

Brüder [Beruf] sei. Nach dem Gesagten sei nicht von einer mangelhaften 

Verständigung zwischen der Beschwerdeführerin und dem Dolmetscher 

auszugehen.  

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Seite 8 

Auch wenn die Hilfswerkvertretung nur bis zum Mittag anwesend gewesen 

sei, seien die rechtlichen Anforderungen an die Anhörung erfüllt. Gemäss 

Art. 30 Abs. 3 AsylG teilten die Behörden den Hilfswerken die Anhörungs-

termine rechtzeitig mit. Leiste die Vertretung der Hilfswerke der Einladung 

keine Folge, so würden die Anhörungen gleichwohl volle Rechtswirkung 

entfalten. Im Übrigen seien auf dem Blatt der Hilfswerkvertretung, welches 

dem Anhörungsprotokoll angeheftet sei, keine Bemerkungen zur Anhörung 

notiert. Es sei deshalb davon auszugehen, dass bei der Anhörung keine 

schwierigen Umstände vorhanden gewesen seien. Spezielle Vorkomm-

nisse seien denn auch noch nach der Mittagspause ins Protokoll aufge-

nommen worden.  

Bezüglich der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerde-

führerin werde vollumfänglich auf die Erwägungen in der angefochtenen 

Verfügung verwiesen.  

G.  

In ihrer Replik vom 10. September 2018 machte die Beschwerdeführerin 

geltend, die tibetische Sprache kenne ungefähr 200 Variationen und Dia-

lekte. Insbesondere das Autonome Gebiet Tibet weise eine bemerkens-

werte Vielfalt an Dialekten auf. Wenn sie als ihre Sprache (….) nenne, sei 

dies demnach nur eine sehr grobe Angabe des Sprachgebiets, in dem ihr 

Dialekt anzusiedeln sei. Während der Anhörung habe sie erklärt, dass sie 

den [spezifischer Dialekt] spreche, während sie den Dialekt der Dolmet-

scherin nicht genau zuordnen könne. Dass ihre beiden Dialekte unter-

schiedlich seien, zeige sich aber insbesondere in der teilweise unterschied-

lichen Betonung der Wörter. Sprachliche Schwierigkeiten seien demnach 

nicht von der Hand zu weisen. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin 

teilweise Mühe mit der Formulierung der Fragen gehabt habe, obwohl Ver-

ständigungsschwierigkeiten sprachlicher Natur auch hier nicht ausge-

schlossen werden könnten. Teilweise sei in der Übersetzung für ein Wort 

auch eine andere Bedeutung verwendet worden. Es sei nicht auszuschlies-

sen, dass es zu weiteren Übersetzungsfehlern infolge Doppeldeutigkeiten 

von Wörtern gekommen sei, die der Beschwerdeführerin nicht aufgefallen 

seien.  

Abgesehen von diesen sprachlichen Problemen sei erneut darauf hinzu-

weisen, dass die Beschwerdeführerin ihre Asylgründe insbesondere in ih-

rem freien Bericht äusserst detailliert und nachvollziehbar geschildert 

habe.  

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Seite 9 

Gemäss Handbuch Asyl und Rückkehr des SEM diene die Anwesenheit 

der Hilfswerkvertretung bei der vertieften Anhörung nicht nur dazu, die 

Sachverhaltsfeststellung zu optimieren, sondern auch die Legitimität des 

Verfahrens zu stärken. Zudem müsse die Hilfswerkvertretung der Kommu-

nikationsqualität zwischen den befragenden, den dolmetschenden und den 

asylsuchenden Personen Beachtung schenken, die Parteien auf Kommu-

nikationsmankos aufmerksam machen und Verbesserungsvorschläge an-

bringen. Die Beschwerdeführerin hätte zumindest darauf aufmerksam ge-

macht werden müssen, was die Abwesenheit der Hilfswerkvertretung wäh-

rend der restlichen Anhörung bedeute. Sodann erstaune es nicht, dass die 

Hilfswerksvertretung auf ihrem Unterschriftenblatt nichts weiter vermerkt 

habe, weil sie im Zeitpunkt, als die Beschwerdeführerin ihre Asylgründe 

geschildert habe, schon nicht mehr anwesend gewesen sei.    

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

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Seite 10 

3.  

Mit Verfügung des SEM vom 10. Juli 2018 wurde die Flüchtlingseigenschaft 

der Beschwerdeführerin bejaht, und sie wurde wegen Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Gegen-

stand des vorliegenden Verfahrens bildet demnach ausschliesslich die 

Frage der Asylgewährung und die Frage der Wegweisung.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, 

wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt 

wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen 

Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament-

lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die 

einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).  

4.2 Personen, die erst wegen ihrer Ausreise oder ihrem Verhalten danach 

solchen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind respektive begründete 

Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach Art. 54 

AsylG zwar als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, indes wegen soge-

nannter subjektiver Nachfluchtgründe von der Asylgewährung auszu-

schliessen. Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat demnach 

nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusse-

ren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Ein-

fluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaf-

ten Nachteile befürchten müsste (sog. objektive Nachfluchtgründe). 

4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss das Bestehen von Vorfluchtgründen      

oder objektiven Nachfluchtgründen nachweisen oder zumindest glaubhaft 

machen. Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – 

im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

asylsuchenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Rich-

tigkeit ihrer Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Da-

bei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Vo-

raussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist 

eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen 

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Seite 11 

widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkomm-

nisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Ver-

folgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende 

Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung 

von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, ge-

steigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der 

Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente 

(Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanzi-

iertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), 

die für oder gegen die asylsuchende Person sprechen. Glaubhaft ist eine 

Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der 

Vorbringen zwar möglich ist, in Würdigung der gesamten Aspekte jedoch 

wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-

verhaltsdarstellung sprechen. 

5.  

Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass es der Beschwerdeführerin bei einer Gesamtbeurteilung al-

ler ihrer Vorbringen gelungen ist, ihre Vorfluchtgründe glaubhaft zu ma-

chen. 

5.1 Zunächst ist festzuhalten, dass ihre Geschichte als solche nicht unplau-

sibel ist. Angesichts der Bedeutung von Zeugnissen des Dalai Lama für 

einen grossen Teil der Tibeterinnen und Tibeter erscheint es nicht abwe-

gig, dass die Beschwerdeführerin ihre Möglichkeiten nutzte und sich von 

ihrem in Nepal lebenden Onkel über ihren in Tibet als [Beruf] tätigen Bruder 

eine DVD des Dalai Lama besorgen liess. So schilderte sie denn auch ein-

drücklich, dass sie sich bewusst gewesen sei, den Dalai Lama wohl nie 

persönlich zu Gesicht zu bekommen, und dass sie ein grosses Glücksge-

fühl überkommen und sie geweint habe, als sie sicher gewesen sei, zumin-

dest einen Film von ihm sehen zu können (A18/26, F113). Auch erscheint 

es nicht unwahrscheinlich, dass sie dieses Glück mit den Glaubensgenos-

sinnen und -genossen, denen sie vertraute, teilen wollte, insbesondere mit 

den älteren unter ihnen, erklärte sie doch, dass es ihren Eltern leider nicht 

vergönnt gewesen sei, den Dalai Lama vor dem Tod zu erleben (A18/26, 

F114 ff.). Ebenfalls plausibel erscheint die Reaktion der chinesischen Be-

hörden. Einerseits diente die Inhaftierung der Beschwerdeführerin wohl 

dazu, an ihr ein Exempel zu statuieren. Andererseits verfolgten die chine-

sischen Behörden damit wahrscheinlich das Ziel, jene zu identifizieren, die 

fähig sind, Aufzeichnungen des Dalai Lama nach Tibet zu bringen, wobei 

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Seite 12 

sie allenfalls bereits einen Verdacht gegenüber dem als [Beruf] tätigen Bru-

der hegten. Schliesslich konnte die Beschwerdeführerin auch überwiegend 

glaubhaft darlegen, dass sie den Besuch einer Freundin, die in E._______ 

wohnt und zufälligerweise kurz nach ihrer Inhaftierung für religiöse Zwecke 

bei deren Familie im Dorf zu Besuch war, nutzte, um aus Tibet auszureisen 

(A18/26, F105, S. 14 sowie F178 ff.).  

5.2 In ihrem freien Bericht schilderte die Beschwerdeführerin die Gescheh-

nisse, die zu ihrer Flucht geführt haben, ferner detailliert, kohärent und 

fassbar. Diesen Eindruck schien auch die Befragerin des SEM zu teilen 

(vgl. A18/26, F157). Beispielsweise erklärte die Beschwerdeführerin, dass 

die DVD mit der Rede des Dalai Lama in eine Glücksschleife eingewickelt 

gewesen sei, als sie bei ihr zu Hause von der Polizei gefunden worden sei 

(A18/26, F103, S. 11). Auch äusserte sie sich immer wieder zu ihrer Ge-

fühlslage im Zeitpunkt der Geschehnisse in Tibet. Als sie gefoltert worden 

sei und das Blut an ihrem Bein habe herunterlaufen sehen, habe sie grosse 

Angst bekommen, getötet zu werden. Ferner gab sie in diesem Zusam-

menhang zu Protokoll, dass ihr dieser Tag „wie der längste“ erschienen sei  

(A18/26, F104 f., S. 13). Als sie davon erfahren habe, dass ihr in 

C._______ lebender Bruder ebenfalls von der Polizei angegangen worden 

sei, sei es ihr „wirklich sehr schlecht“ gegangen (A18/26, F105, S. 14). Dies 

könnte Ausdruck eines in ihrer Situation nachvollziehbaren schlechten Ge-

wissens sein. Ferner zeigte die Beschwerdeführerin bei der freien Wieder-

gabe ihrer Geschichte wiederholt Gefühle. An mehreren Stellen ist proto-

kolliert, dass sie Tränen in den Augen gehabt oder sogar geweint habe. 

Bei der Lektüre des Protokolls entsteht zudem der Eindruck, dass sie sich, 

als sie davon berichtete, dass ihr ein Elektrostab in ihre Vagina hineinges-

tossen worden sei, schämte, verdeckte sie doch ihr Gesicht und entschul-

digte sich (A18/26, F104, S. 13). Für die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen 

spricht auch, dass sie diese stets aus ihrer eigenen Perspektive schilderte 

und nie Vorkommnisse erwähnte, über die sie aus ihrem Gesichtswinkel 

heraus gar nicht Bescheid wissen konnte. Zum letzten Tag ihrer Fest-

nahme machte sie beispielsweise geltend, dass sie glaube, in Ohnmacht 

gefallen zu sein (A18/26, F105, S. 13).  

5.3 Des Weiteren ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin auch die 

im Anschluss an ihren freien Bericht gestellten Fragen weitgehend detail-

liert, nachvollziehbar und kohärent beantworten konnte. Beispielsweise 

konnte sie auf Nachfrage hin angeben, dass auf der DVD eine (…)-Beleh-

rung des Dalai Lama zu sehen gewesen sei (A18/26, F110 f.). Wie in der 

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Seite 13 

Beschwerdeschrift erwähnt, nannte sie ferner den Namen des Medika-

ments, den ihr ein Tierarzt nach dem zweiten Gefängnisaufenthalt in der 

Nachbarschaft zur Linderung ihrer Schmerzen gegeben habe (A18/26, 

F177). Nach den Vorsichtsmassnahmen gefragt, die sie jeweils getroffen 

habe, wenn sie den Film jemandem gezeigt habe, machte sie die einleuch-

tende Bemerkung, sie hätten die Kinder jeweils vorher ins Bett gebracht, 

da sich diese leichter versprechen oder gegenüber den falschen Personen 

etwas erzählen könnten (A18/26, F119). Als sie gebeten wurde, zu erklä-

ren, was sie ihrem damals zehn- oder elfjährigen Sohn nach dem zweiten 

Gefängnisaufenthalt auf dessen Frage hin, wie es ihr gehe, erzählt habe, 

führte sie aus, sie habe ihn beschwichtigt, dass es ihr gut gehe und ihr 

seitens der Polizei nichts angetan worden sei (A18/26, F175). Diese Erklä-

rung erscheint nachvollziehbar, wollte sie als Mutter ihrem Sohn doch nicht 

unnötig Sorgen bereiten. Schlüssig sind auch die auf Nachfrage hin ge-

machten Ausführungen der Beschwerdeführerin, sie habe nicht gewusst, 

dass ihre Freundin aus E._______ im Dorf zu Besuch sein werde, weshalb 

sie seit der zweiten Entlassung aus dem Gefängnis darüber nachgedacht 

habe, wie sie mit Hilfe ihres Onkels aus Tibet fliehen könnte; die Gelegen-

heit, mit ihrer Freundin nach E._______ zu reisen, habe sich dann unver-

hofft ergeben (A18/26, 178 ff.). Zudem ist verständlich, dass sie nicht ihren 

im Dorf lebenden Bruder um Hilfe bitten wollte, da es für die Polizei leicht 

gewesen wäre, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, wenn herausgekommen 

wäre, dass er ihr bei der Flucht geholfen hätte (A18/26, F184 und F188 f.).    

Weniger detailliert sind hingegen tatsächlich die Ausführungen der Be-

schwerdeführerin zu ihren Aufenthalten in den Gefängniszellen ausgefal-

len. Allerdings lässt sich dies aus dem Kontext ihrer Vorbringen heraus er-

klären. Vor dem Hintergrund der glaubhaft geschilderten Misshandlungen 

und des erwartungsgemäss damit einhergehenden Schocks erscheint es 

nicht abwegig, dass ihre Wahrnehmung kurz danach, als sie jeweils wieder 

in ihre Zelle zurückgebracht wurde, eingeschränkt war, was sich in der Teil-

nahmslosigkeit ihrer Schilderungen dieser Sachverhaltselemente manifes-

tierte. Sie schien derart durch das Erlebte überwältigt, dass sie ihre Umge-

bung nicht mehr richtig registrierte und erst recht keine Gespräche mehr 

führen konnte. Entsprechend gab sie an einer Stelle zu Protokoll, „[…] ich 

war so schlecht drauf, ich konnte da nicht darauf achten, wie die [Mädchen] 

reagierten“ (A18/26, F160). Ferner kann nicht ausgeschlossen werden, 

dass auch die Erinnerung der Beschwerdeführerin angesichts der ihr wi-

derfahrenen Misshandlungen beeinträchtigt ist. Im Allgemeinen ist aber da-

von auszugehen, dass sich der Austausch in einer Haftzelle – angesichts 

der bedrückenden Lage der Häftlinge, aber auch angesichts des von der 

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Seite 14 

Beschwerdeführerin selbst angesprochenen Umstands, dass man als be-

schuldigte Person niemandem vertraue (A18/26, F155) – auf das Notwen-

digste beschränkt. Die Tatsache, dass die Ausführungen der Beschwerde-

führerin zu ihren Aufenthalten in den Gefängniszellen weniger detailliert 

ausgefallen sind und sich durch eine gewisse Ungerührtheit auszeichnen, 

ist somit erklärbar und vermag den Schluss, ihre Vorbringen seien unglaub-

haft, nicht zu rechtfertigen.  

5.4 Gesamthaft betrachtet ist schliesslich festzustellen, dass die Schilde-

rungen der Beschwerdeführerin auch weitgehend widerspruchsfrei ausge-

fallen sind. Das Gericht erkennt – anders als das SEM – in den von ihr 

genannten Gründen dafür, weshalb sie dem Aufgebot der Polizei nicht 

Folge geleistet hat und daraufhin ein zweites Mal festgenommen wurde, 

keinen Widerspruch. Dem Protokoll der vertieften Anhörung ist zu entneh-

men, dass die starken Kopfschmerzen die Begründung waren, die sie ge-

genüber den chinesischen Behörden nach ihrer zweiten Festnahme 

nannte (A18/26, F104, S. 13: „Ich sagte ihnen, dass ich wegen starken 

Kopfschmerzen nicht kommen konnte […]“). Ob die Arbeit auf dem Feld, 

der sie nachgegangen sei (A6/14, Rz. 7.01), tatsächlich so dringend war, 

dass sie dachte, das Aufgebot deswegen verschieben zu müssen, oder ob 

sie letztendlich aus Angst, ohnehin wieder festgenommen und misshandelt 

zu werden, eine Ausrede suchte, um den Termin mit der Polizei hinauszu-

zögern, was durchaus verständlich wäre, wurde vom SEM nicht erfragt, ist 

nach dem Gesagten aber auch nicht erheblich. Bei der Verwechslung der 

Namen ihrer Brüder im Zusammenhang mit der Tätigkeit des einen als [Be-

ruf] (A18/26, F91 und F186 ff.) könnte es sich allenfalls um einen Verspre-

cher handeln. Verwirrend ist auch, dass die Beschwerdeführerin die beiden 

Brüder jeweils als „jüngeren Bruder“ bezeichnet, was ja gemäss ihren An-

gaben zu ihren Familienverhältnissen anlässlich der BzP auch stimmt (vgl. 

Bst. A.a m.w.H.), was aber beim Leser des Protokolls zu Verwechslungen 

der beiden Personen führen kann. In jedem Fall reichen aber weder diese 

Ungereimtheit noch jene bezüglich den Angaben zur Länge der ersten und 

der zweiten Festnahme aus, um von der Unglaubhaftigkeit der ansonsten 

widerspruchsfreien, kohärenten, nachvollziehbaren und, so dies den Um-

ständen nach verlangt werden kann, substantiierten Vorbringen auszuge-

hen. Vielmehr sind die Schilderungen der Beschwerdeführerin bei einer 

Gesamtbeurteilung aller Elemente glaubhaft.  

5.5 Die glaubhaften Vorbringen der Beschwerdeführerin sind ferner auch 

asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG. Sie wurde von den chinesischen 

Behörden wegen des Besitzes einer DVD mit einer Rede des Dalai Lama 

E-4530/2018 

Seite 15 

und damit aus asylrelevanten Motiven gezielt schwerwiegender Misshand-

lung ausgesetzt und hat auch begründete Furcht, inskünftig weitere ernst-

hafte Nachteile seitens ihrer heimatlichen Behörden erleiden zu müssen.       

5.6 Da den Akten keinerlei Hinweise für das Vorliegen von Asylausschluss-

gründen im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen sind, ist die Be-

schwerde demnach gutzuheissen. Die Dispositiv-Ziffern 2 und 3 der ange-

fochtenen Verfügung sind aufzuheben und das SEM ist anzuweisen, der 

Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl zu gewähren.  

6.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt es sich, auf die formellen Rü-

gen – es sei während den Befragungen zu Verständigungsschwierigkeiten 

gekommen und die vertiefte Anhörung sei nicht rechtsgenüglich durchge-

führt worden, weil die Hilfswerksvertreterin nur während der Hälfte der Zeit 

anwesend gewesen sei – einzugehen.  

7.  

7.1 Da die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren obsiegt hat, sind 

ihr keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 In Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist ihr jedoch eine Entschädi-

gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Der in der Kostennote ihrer Rechtsvertreterin vom 10. Septem-

ber 2018 ausgewiesene Aufwand von 8.5 Stunden für eine 9-seiteige Be-

schwerdeschrift und eine 3-seiteige Replik erscheint nicht vollumfänglich 

angemessen und ist auf 6 Stunden zu kürzen. Der ausgewiesene Stunden-

ansatz bei Obsiegen von Fr. 200.– ist angemessen. Unter Berücksichti-

gung der Auslagen (inkl. Dolmetscherkosten) von Fr. 80.–, beläuft sich die 

Parteientschädigung auf Fr. 1‘280.–. Das SEM ist anzuweisen, der Be-

schwerdeführerin diesen Betrag auszurichten.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl 

zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1‘280.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Regina Derrer 

 

 

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