# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5cb6c483-f60f-5aa6-9d0d-3be120aab4ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.11.2015 D-7283/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7283-2015_2015-11-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-7283/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  N o v e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Einzelrichter Fulvio Haefeli, 

Richterin Christa Luterbacher; 

Gerichtsschreiber Gert Winter. 

 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

Türkei, 

vertreten durch MLaw Roman Kern, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 27. Oktober 2015 / N (…). 

 

 

D-7283/2015 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer erstmals am 5. Oktober 1986 ein Asylgesuch 

in der Schweiz einreichte, 

dass er dieses Gesuch im Hinblick auf eine fremdenpolizeiliche Regelung 

mit Erklärung vom 24. April 1991 zurückzog, 

dass er seit dem 15. März 2003 wegen Wegzugs ins Ausland in der 

Schweiz als abgemeldet galt, 

dass sich seinen eigenen Angaben anlässlich der Befragung vom 8. Sep-

tember 2015 zur Person (BzP) zufolge seine Frau nicht in der Schweiz 

habe adaptieren können, weshalb er im Sommer 2002 in die Türkei, seinen 

Heimatstaat, zurückgekehrt sei und sich dort bis am 27. Juni 2015 in  

M._______ aufgehalten habe, 

dass der Beschwerdeführer am 10. August 2015 zum zweiten Mal in der 

Schweiz um Asyl nachsuchte, 

dass das SEM mit Verfügung vom 27. Oktober 2015 – eröffnet am 5. No-

vember 2015 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach 

Deutschland anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die 

Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-

deführer verfügte, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. November 2015 gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben 

und die nachstehend aufgeführten Rechtsbegehren stellen liess: Die Ver-

fügung der Vorinstanz vom 27. Oktober 2015 sei aufzuheben. Es sei die 

Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers ein-

zutreten. Es sei der Beschwerde vorsorglich die aufschiebende Wirkung 

zuzusprechen, 

  

D-7283/2015 

Seite 3 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-

gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, 

(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt, 

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dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass Deutschland dem Beschwerdeführer ein vom 25. Juni 2015 bis 

24. September 2015 gültiges Schengen-Visum ausgestellt hat, mit wel-

chem dieser auf dem Luftweg von Ankara aus in den Schengen-Raum 

nach Köln einreiste, 

dass er nach eigenen Angaben in der Folge umgehend in die Schweiz wei-

terreiste und im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) N._______ sein 

zweites Asylgesuch einreichte, 

dass bei dieser Sachlage – entsprechend den vom SEM angerufenen Be-

stimmungen zum Dublin-Verfahren – Deutschland für die Prüfung seines 

Asylantrags zuständig ist (vgl. dazu Art. 12 Abs. 2 i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Dub-

lin-III-VO), was von Deutschland mit Abgabe der Erklärung vom 26. Okto-

ber 2015 ausdrücklich anerkannt worden ist, 

dass damit die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwen-

dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG gegeben ist, 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Beschwerde die Zuständig-

keit Deutschlands nicht bestreitet, jedoch geltend macht, das SEM hätte 

aus humanitären Gründen auf sein Asylgesuch eintreten müssen, 

dass er im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs anlässlich der 

BzP ausführte, er hätte auch die Möglichkeit gehabt, in Deutschland ein 

Asylgesuch zu stellen, doch habe er davon abgesehen, weil er schon 

16 Jahre in der Schweiz gelebt habe und hier türkische, spanische, portu-

giesische und schweizerische Freunde habe, mithin integriert sei, 

dass dem Beschwerdeführer zunächst entgegenzuhalten ist, dass es nicht 

die Sache der asylsuchenden Person ist, den für ihr Asylverfahren zustän-

digen Staat selbst zu bestimmen, sondern die Bestimmung des zuständi-

gen Staates nach der Dublin-III-VO erfolgt und alleine den beteiligten Dub-

lin-Vertragsstaaten obliegt (vgl. dazu BVGE 2010/45 E. 8.3), 

dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Antragsteller in Deutschland wiesen systemische 

Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf, 

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dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass der Beschwerdeführer mit den nachstehend aufgeführten Beschwer-

devorbringen grundsätzlich die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-

VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert, 

dass er in der Eingabe vom 12. November 2015 geltend machte, er be-

trachte die Schweiz als zweite Heimat, weil er hier bereits 16 Jahre ver-

bracht und zuletzt über eine Niederlassungsbewilligung verfügt habe, 

dass er in der Schweiz so gut integriert gewesen sei, sich ein soziales Netz 

von Freunden erhalten habe, diese um seine Situation wüssten, sie ver-

stünden und ihn bei der Verarbeitung seiner Leidensgeschichte unterstütz-

ten, 

dass es der körperlichen und geistigen Unversehrtheit des Beschwerde-

führers abträglich sei, wenn er die Schweiz und sein soziales Umfeld ver-

lassen und ein Asylgesuch in Deutschland stellen müsse, 

dass das SEM nicht hinreichend begründet habe, weshalb es nicht unter 

der Ausnahmebestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 auf das Gesuch 

habe eintreten können, 

dass sich das SEM insoweit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs habe 

zuschulden kommen lassen, 

dass nach dem Gesagten das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerde-

führers aus humanitären Gründen einzutreten habe, 

dass Deutschland Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

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Seite 6 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) 

ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach-

kommt, 

dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben, 

dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-

tan hat, die deutschen Behörden würden sich weigern ihn aufzunehmen 

und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln 

der erwähnten Richtlinien zu prüfen, 

dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, 

Deutschland werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulements 

missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, 

sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 

gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-

ches Land gezwungen zu werden, 

dass die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers längst erlo-

schen (vgl. Art. 61 AuG [SR 142.20]) und der Beschwerdeführer nach dem 

Gesagten nicht mehr im Besitz einer gültigen Niederlassungsbewilligung 

ist, 

dass weder eine Verletzung der Begründungspflicht noch des rechtlichen 

Gehörs vorliegt, 

dass es sich mangels Relevanz erübrigt, auf weitere Vorbringen des Be-

schwerdeführers näher einzugehen, 

dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen 

zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine 

gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) 

durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, 

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dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umstände weiterer 

Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, 

dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und 

– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-  

oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die 

Überstellung nach Deutschland angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),  

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, 

dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, 

weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als 

gegenstandslos erweist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.–  

(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Fulvio Haefeli Gert Winter 

 

 

Versand: