# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df84010b-a877-5b61-98d3-de00ed42e41c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.05.2024 E-1495/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1495-2021_2024-05-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1495/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Regina Derrer (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann, Richter Grégory Sauder,  

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

beide vertreten durch MLaw Nora Maria Riss,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 4. März 2021 / N (…). 

 

 

 

E-1495/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – afghanischer Staatsangehöriger und Paschtune 

mit letztem Wohnsitz in einem Dorf im Distrikt C._______ in der Provinz 

D._______ – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge gegen 

Ende des Jahres 2019 (1398) zusammen mit seinem ältesten Kind und 

gelangte über verschiedene Länder am 15. November 2020 in die 

Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 19. November 

2020 wurden seine Personalien aufgenommen. Am 30. November 2020 

wurde ein Dublin-Gespräch durchgeführt.  

Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens wurden für den Beschwerdefüh-

rer verschiedene medizinische Berichte für die Zeit vom 17. November 

2020 bis 22. Dezember 2020 eingereicht (medizinische Abklärung, Doku-

mentation der EVZ E._______ Pflege, mehrere Laborberichte von 

F._______, Endbefund des Instituts für Infektionskrankheiten, ärztliche Be-

richte des Bundesasylzentrums [BAZ] E._______). 

Mit Eingabe vom 17. Dezember 2020 reichte die damalige Rechtsvertre-

tung verschiedene Beweismittel (Foto der Tazkera des Beschwerdefüh-

rers, Fotos von ärztlichen Berichten des [Spital in Afghanistan], Fotos einer 

Liste (…) [Nr. {…}], Fotos und ein Video aus dem Militärdienst [USB-Stick]) 

zu den Akten. 

Am 12. Januar 2021 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen 

angehört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er habe nach der Ge-

burt seines ältesten Kindes aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, zur 

afghanischen Nationalarmee zu gehen. Er sei am (…) 2016 ([…] 1395) in 

den Militärdienst eingetreten und sei vorerst in Kabul militärisch ausgebil-

det worden. Danach habe er in unterschiedlichen Provinzen und Distrikten 

Militärdienst geleistet. Im Jahre 2017 (1396) sei er bei der Explosion einer 

Strassenmine verletzt worden. Er sei während zwei Monaten im [Spital] 

behandelt worden. In der Folge habe er sich zu Hause auskuriert. Dadurch 

hätten die Dorfbewohner von seiner Tätigkeit erfahren. Da in seiner Hei-

matregion Taliban gewesen seien, habe er befürchtet, dass Dorfbewohner 

ihn an die Taliban verraten würden. Militärangehörige würden von den Ta-

liban hingerichtet. Nach seiner Genesung – nach dreieinhalb Monaten – 

sei er zum Militärdienst zurückgekehrt. Bei einem militärischen Einsatz im 

Jahre 2018 (1397) sei er durch Schüsse der Taliban erneut verletzt worden. 

In der Folge habe er sich während eineinhalb Monaten zu Hause aufgehal-

ten. Zuletzt sei er im Distrikt G._______ stationiert gewesen. Ferner sei er 

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während seiner freien Zeit jeweils nach Hause gegangen. Seine Ehefrau 

habe ihm schliesslich verboten, in den Militärdienst zurückzukehren und 

ihn aufgefordert, aus Sicherheitsgründen ins Ausland zu gehen. Er und 

seine Familie hätten aus Angst kaum aus dem Haus zu gehen gewagt. Sein 

ältestes Kind habe deswegen die Schule nicht besuchen können. Aus die-

sen Gründen habe er sich zur Ausreise zusammen mit dem ältesten Kind 

entschieden. 

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. 

B.  

Mit Verfügung vom 4. März 2021 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-

schaft der Beschwerdeführer, wies ihre Asylgesuche ab und verfügte ihre 

Wegweisung, wobei es den Vollzug der Wegweisung zu Gunsten einer vor-

läufigen Aufnahme in der Schweiz aufschob. 

C.  

Mit Eingabe vom 1. April 2021 erhoben die Beschwerdeführer durch ihre 

Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragten die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung, die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, 

eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die Rückweisung an die 

Vorinstanz zwecks Neubeurteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er-

suchten sie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung 

der unterzeichnenden Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.  

D.  

Mit Verfügung vom 13. April 2021 hiess die damals zuständige Instrukti-

onsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung – unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung und 

einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Be-

schwerdeführer – gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Gleichzeitig wurde das Gesuch um amtliche Rechtsverbeistän-

dung gutgeheissen und den Beschwerdeführern MLaw Nora Maria Riss als 

amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die Vorinstanz wurde zur Einrei-

chung einer Stellungnahme eingeladen. 

E.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 26. April 2021 die 

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Seite 4 

Abweisung der Beschwerde. Diese wurde den Beschwerdeführern am 

29. April 2021 zur Kenntnis gebracht. 

F.  

Mit Eingabe vom 28. April 2021 reichten die Beschwerdeführer eine Für-

sorgebestätigung und eine Honorarnote zu den Akten. 

G.  

Mit Eingabe vom 9. September 2021 wiesen die Beschwerdeführer auf die 

geänderte Lage in Afghanistan hin.  

H.  

Am 8. Januar 2023 reiste die Ehefrau des Beschwerdeführers zusammen 

mit ihren beiden jüngeren Kindern in die Schweiz ein und ersuchte glei-

chentags um Asyl. Mit Verfügung vom 17. April 2023 wurden ihre Asylge-

such abgewiesen, ihre Wegweisung angeordnet, der Wegweisungsvollzug 

jedoch zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz aufgescho-

ben. Am 22. November 2023 reichten sie beim SEM ein Mehrfachgesuch 

ein.   

I.  

Die Vorinstanz wurde am 5. Januar 2024 zur Einreichung einer Stellung-

nahme eingeladen. Diese liess sich nicht vernehmen. 

J.  

Aus organisatorischen Gründen wurde das Verfahren der vorsitzenden 

Richterin übertragen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden nur die angefoch-

tenen Dispositivziffern 1 (Flüchtlingseigenschaft), 2 (Asyl) und 3 (Anord-

nung der Wegweisung) der vorinstanzlichen Verfügung. Der Wegwei-

sungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwerde-

führer mit Verfügung vom 4. März 2021 wegen Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

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Seite 6 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führt in ihrer Verfügung aus, mit den geltend gemachten 

Befürchtungen, wegen seiner Tätigkeit in der afghanischen Nationalarmee 

von Dorfbewohnern bei den Taliban denunziert zu werden und deshalb in 

deren Fokus zu geraten, vermöge der Beschwerdeführer keine begründete 

Furcht vor zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen darzule-

gen. Zwar seien seine Befürchtungen aus subjektiver Sicht nachvollzieh-

bar. Indes könnten seinen Schilderungen objektiv betrachtet keine hinrei-

chenden Hinweise dafür entnommen werden, dass ihm deswegen Verfol-

gungsmassnahmen drohen könnten. Er habe keine konkreten Anzeichen 

nennen können, die darauf hindeuten würden, dass er tatsächlich von Dorf-

bewohnern an die Taliban verraten worden und dadurch zu deren Ziel-

scheibe geworden sei respektive dass ihm ein solcher Verrat gedroht habe. 

Er sei nach seiner ersten Verletzung und Rückkehr nach Hause, aufgrund 

derer seine Zugehörigkeit zur Armee bekannt geworden sei, noch mehr-

mals zu Hause gewesen, so auch nach seiner zweiten Verletzung und ur-

laubsbedingt. Dieses Verhalten entspreche nicht demjenigen einer Person, 

die befürchte, in ihrer Heimatregion getötet zu werden. Er habe auch von 

keinem konkreten Ereignis mit den Taliban berichten können, bei welchem 

er durch diese als Armeeangehöriger identifiziert worden wäre. Ferner 

weise er aufgrund seiner Tätigkeit bei der afghanischen Nationalarmee 

kein besonderes Profil auf, weshalb nicht von einem erhöhten Verfolgungs-

interesse der Taliban auszugehen sei. Überdies sei sein Weggang aus der 

afghanischen Nationalarmee vor Abschluss des kompletten Militärdienstes 

flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Auch die allgemeine Lage in seiner Her-

kunftsregion, die wegen der Präsenz der Taliban unsicher und wegen der 

schlechten Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung schwierig sei, 

würde keine Verfolgungsmassnahmen darstellen und sei damit flüchtlings-

rechtlich nicht relevant. Schliesslich behielt sich die Vorinstanz in Bezug 

auf vorhandene Unglaubhaftigkeitselemente deren spätere Geltendma-

chung ausdrücklich vor. 

5.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, er und seine Familie hät-

ten aufgrund der schwierigen Situation in ihrer Herkunftsprovinz begrün-

dete Furcht, ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden, und seien des-

wegen auch einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt gewe-

sen. Seit 2015 seien in der Herkunftsprovinz des Beschwerdeführers nicht 

nur die Taliban, sondern auch der Islamische Staat und andere Milizen 

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aktiv. Es gebe Rekrutierungen von Kindern und viele Fälle von Entführun-

gen mit Lösegelderpressungen. Seine Ehefrau und Kinder hätten sich vor 

einer Entführung oder einem Anschlag gefürchtet, weshalb der Schulbe-

such unmöglich gewesen sei und sie kaum aus dem Haus gegangen seien. 

Die Konsequenzen für seine Familie wären gravierend gewesen, wenn die 

Taliban von seiner Arbeit erfahren hätten. Er habe überdies als Unterleut-

nant eine leitende Funktion innegehabt und sich mit seiner Teilnahme an 

Gefechten exponiert. Auch stamme er aus einem Gebiet, in dem die Prä-

senz der Taliban und vergleichbarer Milizen und krimineller Gruppen sehr 

hoch sei. Ferner komme er aus einer sehr armen Familie, weshalb er, um 

das Einkommen seiner Familie zu sichern, in den Militärdienst eingetreten 

sei. Im Falle einer Rückkehr aus Europa würde er zusätzlich Aufmerksam-

keit auf sich ziehen. Sollte das Gericht Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen haben, wäre ihm vorgängig das rechtliche Gehör dazu zu ge-

währen. Zur Untermauerung seiner Asylvorbringen weist er auf verschie-

dene Urteile des Bundesverwaltungsgerichts betreffend Personen mit ei-

nem Risikoprofil, darunter Angehörige der afghanischen Streitkräfte, hin 

(Urteile des BVGer E-3520/2014 vom 3. November 2015, D-4286/2016 

vom 4. Juni 2018, D-3480/2019 vom 27. Mai 2020 und E-4258/2016 vom 

20. Dezember 2017). 

Ferner macht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. September 2021 

geltend, sein Risikoprofil müsse vor dem Hintergrund der jüngsten Entwick-

lungen der Lage in Afghanistan neu beurteilt werden. Mit dem Abzug der 

US-Streitkräfte und der Machtübernahme durch die Taliban sei es zu zahl-

reichen Exekutionen durch die Taliban gekommen. Es sei mit weiteren Re-

pressionen gegen Personen zu rechnen, die der alten Regierung angehört 

oder mit den internationalen Truppen zusammengearbeitet hätten. Auch 

Rückkehrer nach Afghanistan hätten mit solchen zu rechnen. Der Anschlag 

am Flughafen von Kabul am 26. August 2021 zeige zudem die fragile Si-

cherheitslage. Gleichzeitig wird auf den Bericht der Schweizerischen 

Flüchtlingshilfe (SFH) vom 2. September 2021 (Afghanistan: Gefährdung 

durch die Taliban) hingewiesen. Die von den Taliban aufgestellte Über-

gangsregierung setze sich aus religiösen Hardlinern zusammen. 

6.  

Das Bundesverwaltungsgericht stellt vorab fest, dass die Vorinstanz die 

Vorbringen des Beschwerdeführers ausschliesslich auf ihre flüchtlings-

rechtliche Relevanz gemäss Art. 3 AsylG geprüft hat. Zwar hat sie in ihrem 

Entscheid einen generellen Vorbehalt betreffend eine allfällige spätere 

Glaubhaftigkeitsprüfung nach Art. 7 AsylG angebracht (vgl. SEM-

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Verfügung 4. März 2021, S. 6), ohne jedoch auf konkrete Unglaubhaftig-

keitselemente hinzuweisen. Auch im Rahmen des Schriftenwechsels hat 

sich das SEM nicht geäussert. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht 

von der Glaubhaftigkeit der wesentlichen Verfolgungsvorbringen des Be-

schwerdeführers ausgeht, sieht es keinen Anlass, näher darauf einzuge-

hen. 

7.  

7.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers 

flüchtlingsrechtlich relevant im Sinne von Art. 3 AsylG sind. 

Länderberichte verschiedener internationaler Organisationen und Organe 

halten fest, dass Personen mit bestimmten Profilen in Afghanistan einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem 

Personen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen 

Gemeinschaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder 

als Unterstützer derselben wahrgenommen werden (vgl. UNITED NATIONS 

HIGH COMMISSIONER FOR REFUGEES [UNHCR], Guidance Note on the In-

ternational Protection Needs of People Fleeing Afghanistan, Update 1, 

February 2023, Ziff. 16; UNITED NATIONS GENERAL ASSEMBLY SECURITY 

COUNCIL, The situation in Afghanistan and its implications for international 

peace and security, Report oft he Secretary-General, 27.02.2023, Ziff. II/3.; 

HUMAN RIGHTS WATCH, World Report 2023 – Afghanistan, 

www.hrw.org/world-report/2023/country-chapters/afghanistan; EUROPEAN 

UNION AGENCY FOR ASYLUM [EUAA], Afghanistan – Targeting of Individuals, 

August 2022, alle abgerufen am 03.05.2024). Auch afghanische Staatsan-

gehörige, welche als Dolmetscher für westliche – insbesondere amerikani-

sche – Sicherheitskräfte tätig waren, gelten als besonders gefährdet (vgl. 

UK HOME OFFICE, Country Policy and Information Note, Afghanistan: Fear 

of the Taliban, Version 3.0, April 2022, Ziff. 6.3). Gemäss EUAA kommen 

die gezielten Verfolgungshandlungen der Taliban gegen Personen, welche 

von ihnen als den internationalen Truppen nahstehend identifiziert werden, 

asylbeachtlicher Verfolgung gleich und die Betroffenen haben noch immer 

eine begründete Furcht vor drohender Verfolgung in Afghanistan (vgl. 

EUAA, Country Guidance: Afghanistan, Januar 2023, Ziff. 3.3., S. 58 f.).  

Auch das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass für Personen 

mit einschlägigem Profil seit dem vollständigen Abzug der ausländischen 

Streitkräfte und der im August 2021 erfolgten Machtübernahme durch die 

Taliban weiterhin ein erhöhtes Verfolgungsrisiko besteht, vorausgesetzt, es 

handelt sich dabei um Personen, welche sich in besonderer Weise 

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Seite 9 

exponiert haben, so dass sie den Taliban aufgefallen und in deren Fokus 

geraten sind (vgl. Urteil des BVGer D-1191/2023 vom 8. Mai 2023 E. 5.2.1).  

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt vorliegend fest, dass der Be-

schwerdeführer vorgebracht hat, er sei mit den Taliban im Dorf nie persön-

lich, das heisst nie in direktem Kontakt gewesen (vgl. SEM-Akte […]-31 

F126). Zwar sei er bei zwei militärischen Einsätzen, beim ersten Mal bei 

einer Explosion einer Strassenmine, beim zweiten Mal bei einem Schuss-

wechsel mit den Taliban im Jahre 2018, verletzt worden. Indessen ereig-

neten sich diese Vorfälle im Rahmen militärischer Einsätze und galten of-

fenbar nicht ihm persönlich (vgl. a.a.O. F120, F157, F164 ff.).  

Jedenfalls erholte der Beschwerdeführer sich nach der ersten Verletzung 

während drei Monaten und nach der zweiten während eineinhalb Monaten 

zu Hause in seinem Dorf, ohne dass er seitens der Taliban bedroht worden 

oder mit ihnen in Kontakt gekommen wäre. Zwar befürchtete er, Behelli-

gungen durch die Taliban ausgesetzt zu werden, nachdem seine militäri-

sche Tätigkeit bereits nach seinem ersten verletzungsbedingten längeren 

Aufenthalt bei sich zu Hause im Dorf bekannt geworden sei, weil die Dorf-

bewohner ihn denunziert haben dürften. Indes entspricht sein Verhalten – 

er habe sich nach seinen zwei Verletzungen jeweils für längere Zeit und 

wiederholt auch zwecks Urlaubs zu Hause aufgehalten – nicht demjenigen 

einer Person, die sich vor akuten Nachstellungen fürchtet (vgl. a.a.O. 

F182 ff.). Dies gilt insbesondere aufgrund der von ihm vorgebrachten ho-

hen Präsenz der Taliban in der Heimatregion (vgl. a.a.O. F120 ff.).  

Dem Beschwerdeführer ist zwar dahingehend zuzustimmen, dass er – auf-

grund der Machtübernahme der Taliban im August 2021 – als ehemaliger 

Angehöriger der Armee grundsätzlich einem erhöhten Risiko ausgesetzt 

ist. Ein systematisches Vorgehen seitens der Taliban gegen alle Personen, 

welche für die Sicherheitskräfte der vormaligen Regierung gearbeitet ha-

ben, ist indessen nicht erstellt (vgl. Landinfo, Temanotat Afghanistan: Tali-

bans regime – situasjonen etter maktovertakelsen, 09.03.2022; EUAA, Af-

ghanistan – Country Focus, Dezember 2023, Ziff. 4.1 ff. S. 55 ff.). Insbe-

sondere liegen im Fall des Beschwerdeführers keine konkreten Hinweise 

dafür vor, dass die Taliban über seine Tätigkeit im Militär überhaupt Be-

scheid wussten und er deswegen bei einer Rückkehr in deren Visier gera-

ten könnte. Ausserdem geht das Gericht nicht davon aus, dass seine Rolle 

im Militärdienst der ehemaligen Regierung so bedeutend gewesen ist, dass 

davon auszugehen wäre, es bestünde nach der Machtübernahme durch 

die Taliban die Gefahr, dass der Beschwerdeführer Opfer von 

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Seite 10 

Vergeltungsakten würde. Es liegen auch sonst keine zusätzlichen Risiko-

faktoren vor, die zum heutigen Zeitpunkt eine konkrete Verfolgung bei einer 

(angesichts der vorläufigen Aufnahme) hypothetischen Rückkehr des Be-

schwerdeführers nach Afghanistan nahelegen würden. Gemäss mehreren 

Quellen würden sich Racheakte der Taliban oft auf private Konflikte zurück-

führen lassen, die sich auf lokaler Ebene entfalten können. Dabei sei nicht 

die formale Position, der Rang oder das Profil der Opfer von Gewaltanwen-

dungen ausschlaggebend, sondern die jeweilige Beziehung zwischen Tä-

tern und Opfern (vgl. Landinfo, Temanotat Afghanistan: Talibans regime – 

situasjonen etter maktovertakelsen, 09.03.2022). Der Beschwerdeführer 

hat keine persönlichen Probleme mit den Taliban vorgebracht und auch 

nicht, dass er aufgrund seiner Tätigkeit oder sonst in irgendeiner anderen 

Weise deren Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Dabei ist wie bereits 

erwähnt zu berücksichtigen, dass die Taliban seinen Angaben zufolge in 

seinem Heimatgebiet bereits seit 2015 stark präsent gewesen seien. Es ist 

den Akten auch nicht zu entnehmen, dass er persönlichen Feindschaften 

seitens der Taliban ausgesetzt sein könnte, die ihm bei einer allfälligen 

Rückkehr zum Verhängnis werden könnten. Weiter gibt es keine Hinweise 

darauf, dass er Träger von Informationen sein könnte, die heute für die Ta-

liban von Interesse sein könnten. Er will zwar als Unteroffizier mehrere Sol-

daten unter sich gehabt haben (vgl. SEM-Akte […] F148). Wie bereits er-

wähnt, sind den Akten jedoch keine konkreten Hinweise dafür zu entneh-

men, dass die Taliban Kenntnis von seiner Tätigkeit im Militär hatten und 

er deshalb bei seiner Rückkehr in deren Fokus geraten könnte. Insgesamt 

ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner bereits 

über vier Jahre zurückliegenden Tätigkeit im Fokus der Taliban steht und 

entsprechende konkrete Verfolgungsmassnahmen zu befürchten hat.  

Nach dem Gesagten liegen zusammenfassend unter Berücksichtigung der 

aktuellen Situation in Afghanistan keine genügend konkreten Hinweise da-

für vor, dass der Beschwerdeführer in Afghanistan in den Fokus der Taliban 

geraten ist und bei einer hypothetischen Rückkehr in den Heimatstaat mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einem Verfolgungsinteresse seitens der 

Taliban ausgesetzt sein könnte. Angesichts dessen ist auch nicht davon 

auszugehen, dass die in der Beschwerde vorgebrachte Furcht der Be-

schwerdeführenden vor einer Entführung oder einem Anschlag auf eine 

gezielt dem Beschwerdeführer geltende Verfolgung zurückzuführen gewe-

sen wäre. Vielmehr ist die zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ge-

schilderte Angst als Folge der prekären Sicherheitslage in der Herkunftsre-

gion des Beschwerdeführers zu bewerten, welche die gesamte Bevölke-

rung in der Region D._______ gleichermassen betroffen hat (vgl. EASO, 

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Seite 11 

Country Guidance: Afghanistan, November 2021, S. […]), womit der auf 

Beschwerdeebene geltend gemachte unerträgliche psychische Druck zu 

verneinen ist.   

7.3 Überdies vermag der Beschwerdeführer auch aus den von ihm zitierten 

Urteilen (vgl. E. 5.2 hievor), in denen das Bundesverwaltungsgericht teil-

weise Asyl gewährt hat, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. So wiesen 

die Beschwerdeführenden in jenen der zitierten Urteile, in denen die Be-

schwerde gutgeheissen wurde, ein anderes, exponierteres Risikoprofil auf 

als der Beschwerdeführer.  

7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs-

gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat die Asyl-

gesuche der Beschwerdeführer demzufolge zu Recht abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführer verfügen insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Nachdem das SEM die Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt 

sich die Frage nach dem Vorliegen von anderen Vollzugshindernissen – 

Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht. Die Weg-

weisungsvollzugshindernisse sind alternativer Natur; ist eines erfüllt, gilt 

der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2011/7 E. 8; 

2009/51 E. 5.4). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

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Seite 12 

besteht keine Veranlassung, zumal der entsprechende Subeventualantrag 

nicht näher begründet wurde. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Auf 

die Erhebung von Kosten ist indessen angesichts der mit Verfügung vom 

13. April 2021 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten.  

11.2 Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch um Gewährung der amt-

lichen Verbeiständung gutgeheissen (Art. 102m Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 53 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) und den 

Beschwerdeführern MLaw Nora Maria Riss als amtliche Rechtsbeiständin 

beigeordnet. Dieser ist folglich ein amtliches Honorar auszurichten. Die 

Rechtsvertreterin reichte am 28. April 2021 eine Honorarnote ein. Der darin 

ausgewiesene Vertretungsaufwand für die Beschwerdeerhebung (Bespre-

chung, Aktenstudium, Ausarbeiten der Beschwerdeschrift) von acht Stun-

den erscheint zu hoch und ist entsprechend zu reduzieren. Das Bundes-

verwaltungsgericht geht – unter Berücksichtigung der Eingaben vom 

28. April 2021 und 9. September 2021 – von einem notwendigen zeitlichen 

Gesamtaufwand von acht Stunden aus. Der geltend gemachte Stundenan-

satz von Fr. 150.– liegt im Kostenrahmen. Die in der Kostennote ausgewie-

senen Spesen in Höhe von Fr. 25.20 sind angemessen und ebenfalls zu 

entschädigen. Für die Rechtsverbeiständung ist der amtlichen Rechtsbei-

ständin somit ein Honorar von Fr. 1'225.– (inkl. Auslagen) durch das Ge-

richt auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1495/2021 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzten Rechtsvertreterin wird zu-

lasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1'225.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regina Derrer Alexandra Püntener 

 

 

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