# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5385cec9-6ade-53ac-9470-7aa54bc68260
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.08.2023 SK 2022 429
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-429_2023-08-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 429

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. August 2023 

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), Oberrichterin Weingart, 
Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiberin Hafner

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
a.v.d. Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand sexuelle Handlungen mit Kindern (mehrfach)

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Ein-
zelgericht) vom 25. März 2022 (PEN 21 393)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland erkannte am 25. März 2022 was folgt (pag. 508 ff.; 
Hervorhebungen im Original, Auslassungen in eckigen Klammern):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

der sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfach begangen im Zeitraum anfangs 
Dezember 2017 bis .________, z.N. C.________ 

und in Anwendung der
Art. 40, 42, 44, 47, 49 Abs. 1, 66 Abs. 1 lit. h, 187 Ziff. 1 StGB
Art. 67 Abs. 3 StGB Stand am 01.01.2018
Art. 426 Abs. 1, 433 Abs. 1 lit. a StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Landesverweisung von 5 Jahren.

3. Für die Dauer von 10 Jahren zu einem Verbot jeder beruflichen und organisierten ausserberufli-
chen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst (Art. 67 Abs. 3 StGB 
Stand am 01.01.2018).

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 6'300.00 und Aus-
lagen von CHF 33.30, insgesamt bestimmt auf CHF 6'333.30.

[Tabellarische Zusammenstellung der Verfahrenskosten]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 600.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 5'733.30.

5. A.________ hat der Straf- und Zivilklägerin C.________ eine Entschädigung von CHF 9'096.25 
für ihre Aufwendungen im Verfahren zu bezahlen.

II.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR weiter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 3'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit .________ an die Straf- 
und Zivilklägerin C.________.

2. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

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III.

1. [Festlegung der amtlichen Entschädigung von Rechtsanwältin B.________ sowie Auferlegung 
der Rück- und Nachzahlungspflicht an A.________]

2. [Festlegung der amtlichen Entschädigung von Rechtsanwältin D.________ sowie Auferlegung 
der Rück- und Nachzahlungspflicht an A.________]

IV.

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil hat A.________ (nachfolgend: Beschuldigter), amtlich vertei-
digt durch Rechtsanwältin B.________, am 29. März 2022 fristgerecht die Berufung 
angemeldet (pag. 515). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 5. Juli 2022 
und wurde den Parteien mit Verfügung vom 6. Juli 2022 zugestellt (pag. 521 ff. und 
pag. 574).

In der ebenfalls fristgerechten Berufungserklärung vom 12. Juli 2022 (pag. 581 ff.). 
teilte der Beschuldigte mit, seine Berufung umfasse den Schuldspruch wegen se-
xuellen Handlungen mit Kindern (Ziff. I des Dispositivs) sowie die Straffolgen 
(Ziff. I.1-5 des Dispositivs) und die Genugtuung in der Höhe von CHF 3'000.00 
(Ziff. II.1 des Dispositivs).

C.________ (nachfolgend: Straf- und Zivilklägerin), amtlich vertreten durch 
Rechtsanwältin D.________, teilte am 26. Juli 2022 mit, es werde weder An-
schlussberufung erklärt noch ein Nichteintreten beantragt (pag. 588).

Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern erklärte mit Schreiben vom 
2. August 2022 ihren Verzicht auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren 
(pag. 590 f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Schreiben vom 11. November 2022 stellte die Verteidigung den Antrag, es sei-
en E.________ und F.________ oberinstanzlich als Zeuginnen zu befragen 
(pag. 603 ff.). Die beiden Beweisanträge wurden mit Beschluss vom 4. Janu-
ar 2023 abgewiesen (pag. 617 ff.).

Am 11. Juli 2023 reichte die Verteidigung verschiedene Unterlagen ein mit dem An-
trag, diese zu den Akten zu erkennen (pag. 632 ff.):

- Zwischenzeugnis der G.________ vom 5. Juni 2023;
- Schreiben von E.________ vom 26. Januar 2023;
- Diverse Wahrnehmungsberichte des familiären und beruflichen Umfelds des 

Berufungsführers;
- Fotos der Familie des Berufungsführers.

Die Unterlagen wurden mit Verfügung vom 13. Juli 2023 zu den Akten erkannt, wo-
bei die Begründung der Anträge «Zwischenzeugnis» und «Wahrnehmungsberich-
te» unlesbar gemacht wurden. Es wurde zudem festgehalten, dass E.________ 

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nicht von Amtes wegen als Zeugin zur oberinstanzlichen Hauptverhandlung gela-
den werde (pag. 649 f.).

Mit Eingabe vom 17. August 2023 reichte der Beschuldigte je einen Auszug aus 
dem Geburtsregister seiner beiden jüngeren Töchter zu den Akten (pag. 659 ff.). 
Diese wurden mit Verfügung vom 21. August 2023 zu den Akten erkannt 
(pag. 667).

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 22. August 2023 stellte Rechtsanwältin 
B.________ erneut den Antrag, E.________ sei einzuvernehmen. Der Beweisan-
trag wurde mit einer mündlichen Begründung abgewiesen (pag. 689).

Von Amtes wegen wurden im oberinstanzlichen Verfahren zudem folgende Unter-
lagen über den Beschuldigten eingeholt:

- Bericht vom 7. Juli 2023 des Amts für Bevölkerungsdienste (nachfolgend: 
ABEV), Migrationsdienst (pag. 628 f.);

- Auszug aus dem Betreibungsregister vom 4. Juli 2023 (pag. 630);
- Bericht des Sozialdienstes H.________ vom 6. Juli 2023 (pag. 631);
- Ergänzender Bericht des Staatssekretariats für Migration (nachfolgend: SEM) 

vom 5. Juli 2023 (pag. 625 f.);
- Leumundsbericht inkl. Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse vom 

11. August 2023 (pag. 651 ff.).
- Strafregisterauszug vom 14. August 2023 (pag. 656 f.);
- Geres-Auszug betreffend F.________; (pag. 669)

4. Berufungsverhandlung

Am 16. Dezember 2022 beantragte die Straf- und Zivilklägerin im Hinblick auf die 
Berufungsverhandlung die Vermeidung einer Konfrontation mit dem Beschuldigten 
sowie den Ausschluss der Öffentlichkeit inkl. der Presse (pag. 614). Der Antrag um 
Vermeidung der Konfrontation wurde mit Beschluss vom 4. Januar 2023 gutge-
heissen. Der Antrag um Ausschluss der Öffentlichkeit wurde in Bezug auf die Be-
fragung der Straf- und Zivilklägerin für das allgemeine Publikum gutgeheissen. So-
weit weitergehend (akkreditierte Medienvertreter, restliche Verhandlung) wurde der 
Antrag abgewiesen (pag. 617 ff.).

5. Anträge der Parteien

5.1 Anträge des Beschuldigten

An der Berufungsverhandlung stellte die Verteidigung folgende Anträge (pag. 698):

A. Strafpunkt 

1. A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187 
Ziff. 1, eventualiter Ziff. 4 StGB) angeblich begangen in der Zeit von anfangs Dezember 2017 bis 
.________ gemäss Ziff. 1.1 der Anklageschrift vom 22.09.2021 und von Ende Januar .________ 
bis .________ gemäss Ziff. 1.2 der Anklageschrift vom 22.09.2021 im I.________ zum Nachteil 
von C.________; 

2. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Kanton Bern aufzu-
erlegen; 

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3. A.________ sei für das erst- und oberinstanzliche Verfahren eine Entschädigung in der Höhe 
seiner Verteidigungskosten auszurichten; 

B. Zivilpunkt 

Die Forderung der Privatklägerin C.________ auf Ausrichtung einer Genugtuung in der Höhe 
von CHF 3'000.00 zuzüglich Zins seit .________, sei abzuweisen, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge im Zivilpunkt.

5.2 Anträge der Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin beantragte an der Berufungsverhandlung was folgt 
(pag. 704):

I. A.________ sei schuldig zu sprechen wegen 

sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB), mehrfach begangen im Zeitraum an-
fangs Dezember 2017 bis .________, z.N. C.________ 

Il. A.________ sei zu verurteilen 

1. zu einer angemessenen Strafe; 

2. zur Bezahlung einer Genugtuung an C.________ in der Höhe von CHF 3000.00, zuzüglich 5% 
seit .________; 

3. zur Bezahlung einer Parteientschädigung an C.________ in der Höhe von CHF 9096.25 für das 
erstinstanzliche Verfahren; 

4. zur Bezahlung einer Parteientschädigung an C.________ in der Höhe von CHF 6345.95 für das 
oberinstanzliche Verfahren; 

5. zur Bezahlung der gesamten erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten. 

Ill. Weiter sei zu verfügen 

Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin von C.________ für das erstinstanzliche Verfahren 
sei zu bestätigen und für das oberinstanzliche Verfahren gemäss eingereichter Honorarnote ge-
richtlich festzusetzen.

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte erklärte Berufung in Bezug auf den Schuldspruch, sämtliche 
Straffolgen inkl. Entschädigung an die Straf- und Zivilklägerin sowie den Zivilpunkt. 
Von der Berufung nicht erfasst sind die erstinstanzlichen Entschädigungen an die 
amtliche Verteidigung sowie die amtliche Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklä-
gerin. Diese erwachsen in Bezug auf die Höhe in Rechtskraft. Der Umfang der 
Rück- und Nachzahlungspflichten folgt der Verteilung der Verfahrenskosten und ist 
somit abhängig vom oberinstanzlichen Urteil. Die Kammer hat demnach neben den 
explizit angefochtenen Punkten auch die Rück- und Nachzahlungspflicht betreffend 
die amtlichen Entschädigungen zu prüfen.

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung dieser Punkte über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Da 
die Berufung ausschliesslich durch den Beschuldigten erhoben wurde, darf die 

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Kammer das erstinstanzliche Urteil nicht zu seinem Nachteil abändern. Sie ist an 
das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen (pag. 526 ff., S. 6 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung).

8. Angeklagter Sachverhalt

In der Anklageschrift vom 22. September 2021 wurde dem Beschuldigten Folgen-
des vorgeworfen:

1.1 in der Zeit von anfangs Dezember 2017 bis .________ in J.________, I.________, zN der 
C.________ 

A.________ griff der noch nicht 16 Jahre alten C.________, ein- bis zweimal wöchentlich willent-
lich an den Po, insgesamt zwei- bis dreimal unter dem Büstenhalter an die Brust, versuchte ins-
gesamt zwei- bis dreimal, sie über den Kleidern am Geschlechtsteil zu berühren. A.________ 
wusste dabei um das Alter der C.________, welche im I.________ als Lernende im 1. Lehrjahr 
arbeitete, und um den Umstand, dass sie noch nicht 16 Jahre alt war. 

oder:

A.________ griff der noch nicht 16 Jahre alten C.________, ein- bis zweimal wöchentlich willent-
lich an den Po, insgesamt zwei- bis dreimal unter dem Büstenhalter an die Brust, versuchte ins-
gesamt zwei- bis dreimal, sie über den Kleidern am Geschlechtsteil zu berühren. A.________ 
war dabei in der irrigen Vorstellung, C.________ sei mindestens 16 Jahre alt, unterliesses je-
doch, sich pflichtgemäss über das Alter von C.________ zu informieren, welche im I.________ 
als Lernende im 1. Lehrjahr arbeitete. Bei pflichtgemässem Vorgehen hätte A.________ seinen 
Irrtum über das Alter von C.________ vermeiden können.

1.2. in der Zeit von Ende Januar .________ bis .________ in J.________, I.________, zN der 
C.________ 

A.________ gab der nicht nicht 16 Jahre alten C.________ insgesamt zwei- bis dreimal Zun-
genküsse. A.________ wusste dabei um das Alter der C.________, welche im I.________ als 
Lernende im 1. Lehrjahr arbeitete, und um den Umstand, dass sie noch nicht 16 Jahre alt war. 

oder: 

A.________ gab der nicht nicht 16 Jahre alten C.________ insgesamt zwei- bis dreimal Zun-
genküsse. A.________ war dabei in der irrigen Vorstellung, C.________ sei mindestens 16 Jah-
re alt, unterliess es jedoch, sich pflichtgemäss über das Alter von C.________ zu informieren, 
welche im I.________ als Lernende im 1. Lehrjahr arbeitete. Bei pflichtgemässem Vorgehen hät-
te A.________ seinen Irrtum über das Alter von C.________ vermeiden können.

Mit diesem Sachverhalt habe der Beschuldigte den Tatbestand der sexuellen 
Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 oder Ziff. 4 StGB erfüllt (pag. 310 
und pag. 457).

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9. Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet die angeklagten Vorwürfe. In Bezug auf den Rahmen-
sachverhalt sind jedoch etliche Elemente unbestritten, was die Vorinstanz zutref-
fend ausgeführt hat (pag. 525 f., S. 5 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Sowohl die Privatklägerin als auch der Beschuldigte arbeiteten im I.________ in J.________ in der 
Abteilung K.________ (pag. 17, Z. 47 f. / pag. 28, Z. 40 f.). Der Beschuldigte war bereits seit April 
2017 als L.________ (Berufsbezeichnung) in der I.________ tätig (pag. 17, Z. 23 / pag. 28, Z. 34 ff.). 
Die Privatklägerin begann ihre Ausbildung als L.________ (Berufsbezeichnung) im Alter von 15 Jah-
ren am 01.08.2017 (pag. 469 Personaldossier). Der Beschuldigte war nicht direkt mit der Lehrlingsbe-
treuung betraut (pag. 17, Z. 37 f.). Die Privatklägerin begleitete den Beschuldigten aber zu den Pati-
entinnen und Patienten und er zeigte ihr, wie die Arbeiten zu erledigen sind und teilte ihr Aufgaben zu 
(pag. 31, Z. 127 / pag. 42, Z. 102 f. / pag. 43, Z. 120 ff.).

Unbestritten ist weiter, dass der Beschuldigten und die Privatklägerin während der gemeinsamen Ar-
beitszeit auch private Gespräche geführt haben und die Privatklägerin sich dem Beschuldigten anver-
traute, wenn es ihr nicht so gut ging (pag. 20, Z. 173 ff. / pag. 53, Z. 187 ff.). Ebenfalls unbestritten ist, 
dass es zu Umarmungen zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten gekommen ist (pag. 18, 
Z. 118 / pag. 54, Z. 215). Weiter kann als unbestritten festgehalten werden, dass der Beschuldigte die 
Privatklägerin einmal nach der Arbeit an den Bahnhof J.________ gefahren hat und sie sich dort mit 
drei Küssen auf die Wangen verabschiedet haben (pag. 20, Z. 193 ff. / pag. 61, Z. 487 ff.).

Am .________ wurde die Privatklägerin 16 Jahre alt. Am .________ wurde der Beschuldigte erstmals 
Vater (pag. 8). Der Beschuldigte wechselte ca. im März/April .________ vom I.________ in das 
M.________ in N.________, wobei die beiden Institutionen zusammengehören (pag. 17, Z. 23 ff. / 
pag. 35, Z. 299). 

Am 31.01.2019 fand eine Mitarbeiterschulung in der I.________ in J.________ statt, weshalb der Be-
schuldigte vor Ort war (pag. 8). Anlässlich der Schulung kam es im Treppenhaus zu einer Begegnung 
zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin. In einer Rauchpause desselben Tages 
(31.01.2019) erzählte die Privatklägerin einer anderen Lernenden, O.________, sie sei sexuell beläs-
tigt worden (pag. 8). O.________ ihrerseits informierte am Freitag 01.02.2019 die Teamleiterin und di-
rekte Vorgesetzte der Privatklägerin, P.________, die wiederum den Pflegedienstleiter Q.________ 
informierte (pag. 9) und dieser wiederum den Stv. Geschäftsleiter, R.________ (pag. 8). In der Folge 
fand am 04.02.2019 ein Gespräch zwischen P.________, R.________ und der Privatklägerin statt, in 
welchem sie geltend machte, vom Beschuldigten sexuell belästigt worden zu sein. Dies im Zeitraum 
Dezember 2017 bis .________, bis der Beschuldigte Vater geworden sei (pag. 8). 

Am 08.02.2019 fand zwischen R.________, S.________ und dem Beschuldigten ein Gespräch statt, 
in dem Letzterer mit den Vorwürfen der Privatklägerin konfrontiert wurde (pag. 25). Gemäss Ge-
sprächsnotiz bestritt der Beschuldigte die Vorwürfe unter heftigen emotionalen Ausbrüchen (pag. 25). 

Der Beschuldigte ist t.________ Staatsangehöriger, aber in U.________ (Land) aufgewachsen (pag. 
138). Er ist seit dem .________ mit einer Schweizerin verheiratet (pag. 136). Die Ehegatten haben 
zwei gemeinsame Töchter, V.________ (pag. 458, Z. 21) und W.________ (pag. 139).

Dieser Rahmensachverhalt ist auch oberinstanzlich unbestritten, wobei zu ergän-
zen ist, dass der Beschuldigte im Jahr 2023 zum dritten Mal Vater wurde 
(pag. 661 ff.).

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10. Beweismittel

Betreffend die Beweismittel wird vorab auf die Aufzählung und Zusammenfassung 
der Vorinstanz verwiesen (pag. 528 ff., S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Die oberinstanzlich ergänzten Beweismittel werden direkt in der Beweiswür-
digung ausgeführt.

11. Beweiswürdigung

11.1 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ausführlich gewürdigt 
und erachtete diese zu Recht als glaubhaft. Es wird deshalb vorab auf die Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen, denen sich die Kammer mit den nachfolgenden 
Präzisierungen und Ergänzungen anschliesst (pag. 541 ff., S. 21 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung).

Zunächst fällt ins Gewicht, dass die Straf- und Zivilklägerin das Erlebte in den we-
sentlichen Zügen stets übereinstimmend, konstant und in sich stimmig schilderte 
und zwar nicht nur im Rahmen des Strafverfahrens, sondern in den Grundzügen 
bereits bei früheren Gesprächen, als eine Anzeigeerstattung noch nicht im Raum 
stand. In den Einvernahmen erzählte sie jeweils, sie habe zu Beginn der Lehre 
gerne mit dem Beschuldigten gearbeitet, weil der sie viel habe selber machen las-
sen (pag. 41 Z. 50, pag. 42 Z. 108 f., pag. 53 Z. 181, pag. 59 Z. 411 und pag. 465 
Z. 29). Sie habe sich ihm auch mit privaten Problemen anvertraut (pag. 41 Z. 51 ff., 
pag. 53 Z. 188 ff. und pag. 465 Z. 34 ff.). Anfangs Dezember [2017] habe er ange-
fangen, sie zu umarmen, weil er sie habe trösten wollen (pag. 41 Z. 55 f., pag. 53 
Z. 203 Z. f., pag. 54 Z. 209 ff. und pag. 464 Z. 20). Von Mal zu Mal sei es mehr ge-
worden (pag. 41 Z. 56 f. und pag. 53 Z. 204). Er habe angefangen, sie ans Gefäss 
zu fassen (pag. 41 Z. 57, pag. 44 Z. 176, pag. 54 Z. 215 und pag. 464 Z. 21). Er 
habe ihr 2-3 Mal unter den BH gefasst (pag. 41 Z. 58, pag. 44 Z. 182, pag. 54 
Z. 216, pag. 58 Z. 378 und pag. 464 Z. 21). Er habe auch versucht, sie im Intimbe-
reich anzufassen, sie habe aber seine Hand weggestossen und ihm gesagt, dass 
das nicht gehe (pag. 41 Z. 58 ff., pag. 45 Z. 209 ff., pag. 54 Z. 216 ff., pag. 58 
Z. 384 ff. und pag. 464 Z. 21 f.). Dies sei zwei, vielleicht dreimal resp. zweimal vor-
gekommen (pag. 56 Z. 290 und pag. 465 Z. 1 ff.). Es sei dann der Zeitpunkt ge-
kommen, wo er ihr die Zunge in den Hals gesteckt habe. Also sei es auf ein Küs-
sen rausgelaufen (pag. 42 Z. 62 ff., pag. 54 Z. 218 und pag. 464 Z. 23). Es sei zwei 
oder drei Mal zu Zungenküssen gekommen, kurz bevor er Vater geworden sei 
(pag. 61 Z. 479 und pag. 464 Z. 28). Es sei jeweils in den Zimmern der Bewohner 
passiert. Er habe sie in das Badezimmer des jeweiligen Zimmers gezogen, verbal 
aufgefordert, ins Badezimmer zu kommen oder sich ihr in den Weg gestellt, so 
dass sie das Zimmer nicht habe verlassen können (pag. 42 Z. 71 ff., pag. 44 
Z. 170 ff., pag. 54 Z. 238, pag. 55 Z. 244 ff. und pag. 465 Z. 20 ff.). Es sei in dieser 
Zeit so 1-2 Mal durchschnittlich pro Woche passiert (pag. 42 Z. 108) resp. eigent-
lich immer, wenn sie mit ihm mitgelaufen sei, was 1-2 Mal pro Woche vorgekom-
men sei (pag. 53 Z. 197 und pag. 54 Z. 230). Sie habe es nicht richtig gefunden 
(pag. 54 Z. 223). Für sie sei fast das grösste Problem gewesen, dass es während 
den Dienstzeiten gewesen sei und er zuhause eine hochschwangere Freundin ge-

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habt habe (pag. 42 Z. 76 ff. und pag. 54 Z. 226 f.). Schliesslich schilderte sie 
mehrmals einen Vorfall, bei dem der Beschuldigte sie mit dem Auto zum Bahnhof 
gefahren und darauf bestanden habe, dass sie sich mit drei Küsschen auf die 
Wange von ihm verabschiede, was sie dann getan habe (pag. 42 Z. 80 ff., pag. 61 
Z. 483 ff. und pag. 464 Z. 36 f.). Es habe aufgehört, als der Beschuldigte Vater ge-
worden sei (pag. 46 Z. 271, pag. 56 Z. 300 f. und Z. 315).

Die Straf- und Zivilklägerin hat das aus ihrer Sicht Vorgefallene teilweise sehr de-
tailliert geschildert, so etwa, dass der Beschuldigte beim Versuch, sie im Intimbe-
reich zu berühren, an der Hüfte begonnen habe (pag. 45 Z. 215), wie er jeweils vor 
ihr gestanden sei und sie zu sich herangezogen habe (pag. 44 Z. 183) oder wie er 
sie jeweils verbal oder mit Gesten/in die Türe stehen in das Badezimmer gewiesen 
und dann immer das Licht gelöscht habe (pag. 44 Z. 192 ff.). Weiter erinnerte sie 
sich sowohl an die Nummer als auch an den Bewohner des Zimmers, in dem die 
Vorfälle im Badezimmer «meistens» resp. «immer» stattgefunden hätten (pag. 44 
Z. 170, pag. 54 Z. 238, pag. 55 Z. 264, pag. 57 Z. 343 und pag. 464 Z. 34). Der 
Bewohner sei bettlägerig gewesen, habe oft geschlafen und hätte allfällige Beob-
achtungen aufgrund seiner kognitiven Einschränkung niemandem mitteilen können 
(pag. 465 Z. 9 ff.). Der Umstand, dass die Straf- und Zivilklägerin zunächst angab, 
die Vorfälle hätten «meistens» im Zimmer .________ stattgefunden, an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung jedoch sagte, dies sei «immer» so gewesen, lässt 
sich mit dem Zeitablauf von rund 1.5 Jahren zwischen der zweiten Befragung und 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ohne weiteres erklären und vermag die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen nicht zu beeinträchtigen – zumal es sich dabei nicht 
um eine Angabe zum Kerngeschehen handelte.

Die von der Straf- und Zivilklägerin geschilderten Details sind teilweise so einzigar-
tig, dass sie in einer erfundenen Erzählung kaum anzutreffen wären. So etwa die 
Schilderung, wonach der Beschuldigte der Meinung gewesen sei, es sei nur kolle-
gial, solange nicht geküsst werde und ihre Bemerkung, wonach seine eigene Theo-
rie dann nicht mehr aufgegangen sei, als er sie geküsst habe (pag. 42 Z. 61 ff., 
pag. 54 Z. 218 ff., pag. 61 Z. 472 ff. und pag. 464 Z. 22). Oder dass sie ihn einmal 
gefragt habe, was er machen würde, wenn jemand ins Badezimmer käme und er 
gemeint habe, er würde so tun, als ob er etwas Anderes tun würde. Genau so ei-
nen Vorfall habe es danach gegeben, er habe dann so getan, als würde er das In-
halationsset eines Mitbewohners putzen, als X.________ das Zimmer betreten ha-
be (pag. 44 Z. 197 ff. und pag. 57 Z. 339 ff.). X.________ gab zwar keine entspre-
chende Beobachtung zu Protokoll. Dies spricht jedoch nicht gegen die Glaubhaftig-
keit dieser sehr detailliert erzählten und aufgrund der Nennung des Inhalationssets 
doch sehr spezifischen Episode: Wenn der Beschuldigte die Situation, wie von der 
Straf- und Zivilklägerin geschildert, als Instruktion zum Putzen des Inhalationssets 
inszenierte, traf X.________ in diesem Zimmer – selbst bei ausgeschaltetem Licht 
– eine alltägliche, unverfängliche Szene an. Es kann nicht erwartet werden, dass 
sie sich am 11. Februar 2020, mithin gut zwei Jahre nach dem Vorfall, noch daran 
erinnerte.

Sodann hat die Straf- und Zivilklägerin mit dem Berühren des Gesässes über den 
Kleidern, dem zwei- bis dreimaligen Berühren der Brüste und den wenigen Zun-

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genküssen Handlungen geschildert, die zwar keinesfalls zu bagatellisieren, ver-
gleichsweise jedoch relativ schonend ausgefallen sind. Bei einer Falschanschuldi-
gung wären dramatischere Schilderungen und insbesondere keine Entlastungen zu 
Gunsten des Beschuldigten zu erwarten. So wäre es der Straf- und Zivilklägerin 
beispielsweise ein Leichtes gewesen zu behaupten, die Hand des Beschuldigten 
sei in ihrem Slip gewesen (vgl. pag. 58 Z. 384 ff.). Stattdessen schilderte sie, dass 
sie das Berühren im Intimbereich erfolgreich habe abwehren können, der Beschul-
digte somit explizit gesetzte Grenzen respektiert habe (pag. 45 Z. 209 ff. und 
Z. 227 ff., pag. 54 Z. 216 f., pag. 55 Z. 268 ff., pag. 58 Z. 384 ff. und pag. 464 
Z. 21 f.). Ebenso betonte sie, der Beschuldigte habe sie einfach mit der Hand am 
Gesäss angefasst, ohne drauf zu schlagen (pag. 44 Z. 176). Sie verzichtete dem-
nach darauf, den Beschuldigten übermässig zu belasten, was stark für die Glaub-
haftigkeit ihrer Aussagen spricht. Auch die Erwähnungen, dass der Beschuldigte 
nach der Geburt des ersten Kindes von sich aus aufgehört habe (pag. 46 Z. 271, 
pag. 56 Z. 300 f. und Z. 315), oder dass sie keine Schmerzen gehabt habe, wenn 
er sie an der Hand oder am Arm ins Badezimmer gezogen habe (pag. 55 Z. 256 f.), 
zeigen das schonende Aussageverhalten der Straf- und Zivilklägerin auf. Dazu 
passt, dass sie den Betrug des Beschuldigten an seiner schwangeren Freundin 
sowie die Berührungen während der Dienstzeit als das «fast grösste Problem» be-
zeichnete und nicht etwa die Berührungen selber. Eine weitere Entlastung erfolgte 
im Zusammenhang mit dem ungewollten Zusammentreffen anlässlich des zweiten 
Ausbildungstermins: Es habe sich dabei um einen Zufall gehandelt, für den der Be-
schuldigte nichts gekonnt habe (pag. 44 Z. 160 ff.). Auch korrigierte sie die Aussa-
ge von F.________ zur angeblichen Aufforderung zum Geschlechtsverkehr sofort 
und stellte klar, Geschlechtsverkehr sei nie ein Thema gewesen, es sei nur um 
Berührungen gegangen (pag. 60 Z. 465 ff.). Schliesslich erzählte sie an der Beru-
fungsverhandlung offen, sie könne mittlerweile gut mit dem Geschehenen leben 
und ein uneingeschränktes Leben führen – verzichtete also auch darauf, die Folgen 
des Erlebten dramatischer darzustellen, als sie sind (pag. 673 Z. 26 ff.).

Auf die Frage, ob sie sich gewehrt habe, resp. warum sie sich nicht gewehrt habe, 
antwortete die Straf- und Zivilklägerin, dass der Beschuldigte mit .________ cm viel 
grösser und relativ kräftig sei (pag. 42 Z. 94). Sie habe Angst gehabt, dass noch 
mehr passieren könnte, wenn sie sich wehren würde (pag. 45 Z. 222). Bei diesen 
Aussagen blieb sie auch, als in den Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft und 
in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung mehrfach nachgehakt wurde, warum sie 
ihm denn nicht gesagt habe, dass sie es nicht wolle bzw. warum sie sich nicht ge-
wehrt habe (pag. 55 Z. 281, pag. 56 Z. 284, pag. 56 Z. 307 und pag. 675 Z. 4 ff.). 
Auf die Frage, warum sie gedacht habe, dass mehr passieren könnte, erklärte sie 
vielmehr, sein Wille sei ja da gewesen (pag. 56 Z. 287). Dazu führte sie oberin-
stanzlich aus, dass der Beschuldigte ja dazu bereit gewesen sei, ein junges Mäd-
chen, eine Lehrtochter «so zu bedrängen, anzufassen». Dann könne sie in so einer 
Situation nicht einschätzen, ob er zu mehr fähig sei und ob er «es» machen würde, 
wenn sie sich dagegen wehren würde (pag. 676 f. Z. 43 ff.). Bereits mit Blick auf ih-
re eigenen Körpermasse im Tatzeitpunkt (pag. 675 Z. 4 ff.: .________ cm und 
.________ kg), den Altersunterschied und das Machtgefälle innerhalb der Arbeits-
stelle ist die (fehlende) Reaktion der Straf- und Zivilklägerin mit den geschilderten 

11

Erlebenissen zu vereinbaren und stellen keinen Widerspruch dar zu ihren Aussa-
gen. Hinzu kommt, dass sowohl aus der Gesprächsnotiz vom 8. Februar 2019 als 
auch aus der Dokumentation des Mitarbeitergesprächs des Beschuldigten vom 
10. Januar 2020 sowie den Aussagen von R.________ hervorgeht, dass der Be-
schuldigte auf Kritik oder negative Rückmeldungen jeweils sehr emotional und auf-
brausend reagierte (pag. 25, pag. 129 f. und pag. 279 Z. 112 ff.), was eine Zurück-
weisung nicht vereinfacht haben dürfte. Es spricht sodann für die Glaubhaftigkeit 
der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin, dass sie im Verlaufe des Verfahrens da-
beiblieb, sich nicht gewehrt zu haben, obwohl durch die zahlreichen Fragen der 
Eindruck entstehen konnte, diese Aussage schade ihrem Anliegen. Schliesslich er-
achtet die Kammer ihre Erklärung an der Berufungsverhandlung als nachvollzieh-
bar, wonach sie nicht habe einschätzen können, wozu der Beschuldigte alles bereit 
sei, nachdem er mit dem Anfassen einer jungen Lehrtochter eine für die Straf- und 
Zivilklägerin offenbar klare Grenze überschritten hatte. Zu dieser Verunsicherung 
passen ihre geschilderten Versuche, den Beschuldigten mit Hinweisen auf Treue 
und Arbeitsmoral von weiteren Berührungen abzuhalten. So erzählte sie, dass sie 
ihm nie direkt gesagt habe, dass sie es nicht richtig finde. Sie habe ihm nur gesagt, 
dass es nicht richtig sei, da er eine hochschwangere Freundin zu Hause habe (pag. 
54 Z. 226 f. und pag. 56 Z. 293). Sie habe ihm auch nicht gesagt, ob sie ins Bade-
zimmer wolle oder nicht, sie habe lediglich gesagt, dass sie weitergehen sollte, als 
sie bei der Türe gestanden sei (pag. 55 Z. 260). 

Auch in anderen Belangen fällt auf, dass die Straf- und Zivilklägerin offene Fragen 
logisch und nachvollziehbar beantwortete. Dies gilt insbesondere für die Frage, 
weshalb sie erst rund zwei Jahre nach den Vorfällen Anzeige erstattete. So gab sie 
an, sie habe zunächst keine Anzeige erstatten wollen, weil sie nicht wollte, dass 
das Kind des Beschuldigten darunter leiden müsse (pag. 42 Z. 94 ff., pag. 62 
Z. 533 ff. und pag. 674 Z. 10 ff.). Dies ist plausibel, da der Betrug des Beschuldig-
ten an seiner schwangeren Freundin die Straf- und Zivilklägerin offenbar bereits 
während den Vorfällen stark beschäftigte. Weiter erklärte sie, die Vorfälle hätten in 
der Zeit von Dezember bis .________ stattgefunden und immer wenn es wieder 
diese Jahreszeit sei, seien ihr die Vorfälle wieder «hochgekommen». Sie habe 
«recht Mühe», ein «ungutes Gefühl» gehabt, es nicht «zurückstecken» können. Sie 
habe gedacht, sie könne die ganze Sache ablegen, wenn sie von J.________ weg 
sei, aber es gehe nicht einfach so. Deshalb habe sie sich entschieden, Anzeige zu 
erstatten (pag. 41 Z. 39, pag. 58 Z. 374 f., pag. 62 Z. 533 ff. und pag. 674 Z. 10 ff.). 
Dieselbe Begründung hatte sie offenbar auch ihrem Vater gegeben (pag. 83 
Z. 134). Es ist für die Kammer nachvollziehbar, dass sich die Straf- und Zivilkläge-
rin trotz der früheren Zurückhaltung am 24. Dezember 2019 zu einer Anzeige ent-
schied (pag. 4), nachdem sie merkte, dass ihr die Vorfälle zwei Jahre später immer 
noch Mühe bereiteten. Zumal sie am selben Tag offenbar feststellen musste, dass 
sie auch an ihrem neuen Arbeitsort mit sexuellen Übergriffen konfrontiert wurde. So 
schilderte sie in ihrer ersten Einvernahme: «Auch an meinem neuen Ort ist es nicht 
immer einfach. Denn viele Bewohner sind männlich und suchen auf eine Art Nähe. 
Erst gerade am 24. Dezember schlug mir einer auf den Po und meinte, ich sei heu-
te geil angezogen» (pag. 46 Z. 279). Der Zeitpunkt der Anzeigeerstattung ist damit 
sachlich erklärbar und es gibt entgegen der Verteidigung keine Hinweise darauf, 

12

dass die Straf- und Zivilklägerin an Weihnachten zur Polizei ging, um dem Be-
schuldigten und seiner Familie «eins auszuwischen». Desgleichen ist nachvollzieh-
bar, dass sie auf eine Meldung im Betrieb verzichtete, weil sie negative Konse-
quenzen bis hin zu einer Kündigung befürchtete (pag. 46 Z. 276, pag. 60 Z. 460 
und pag. 468 Z.39): Die Straf- und Zivilklägerin war zu dem Zeitpunkt in ihrem ers-
ten Lehrjahr, das sie direkt nach dem 9. Schuljahr angetreten hatte. Sie war in der 
Arbeitswelt unerfahren, ihr war aber bewusst, dass intime Berührungen mit Arbeits-
kollegen während der Dienstzeit nicht an den Arbeitsplatz gehören. Hinzu kommt, 
dass die Straf- und Zivilklägerin im Betrieb sehr viele verschiedene Ansprechper-
sonen hatte (pag. 43 Z. 132 ff. und pag. 51 Z. 103 ff.) und mit ihrer Vorgesetzten 
P.________ «nicht gut ausgekommen» sei (pag. 466 Z. 31). Weiter erzählte die 
Straf- und Zivilklägerin in ihren erst- und oberinstanzlichen Einvernahmen offen, 
dass sie während der Lehre teilweise Probleme hatte im Betrieb. So sagte sie etwa 
auf Vorhalt der Aussage von E.________, wonach sie hochnäsig gewesen sei und 
sich nichts habe sagen lassen: «Ich habe mich sehr viel gerechtfertigt. Ich habe für 
viele Sachen ‹ZS› bekommen, obwohl ich teilweise gar nicht Schuld hatte. Man 
konnte mir es offenbar nicht anständig sagen. Ich hatte dann versucht mich zu 
rechtfertigen. Ich habe schon auch Fehler gemacht. Ich war jung und war aus ei-
nem Grund in der Ausbildung. Aus Fehlern lernt man» (pag. 469 Z. 1 ff.). Und obe-
rinstanzlich sagte sie zu den schriftlichen Äusserungen von E.________ gar: «Ich 
war nicht einfach, das ist so, in meiner Lehrzeit. Es gab 2, 3 Sachen, die nicht ganz 
rund gelaufen sind. Ich bin auch der Meinung, dass nicht immer alles nur an mir 
lag. Aber so, wie sie es schreibt, finde ich es sehr speziell eigentlich. So habe ich 
es nicht in Erinnerung. Aber wenn sie es so in Erinnerung haben will…» (pag. 676 
Z. 24 ff.). O.________ bestätigte, die Straf- und Zivilklägerin habe es teilweise nicht 
einfach gehabt im Team, man habe ihr sonst schon wenig geglaubt (pag. 87 Z. 102 
f.). Dies ergibt sich auch aus der Aussagen von E.________, wonach die Straf- und 
Zivilklägerin schliesslich habe zurückgestuft werden müssen von der 
L.________(Berufsbezeichnung) zur Y.________ (Berufsbezeichnung) (pag. 98 
Z. 85 f.). Insgesamt entsteht dadurch das Bild einer Arbeitsatmosphäre, die es ei-
ner unerfahrenen, jungen, pubertierenden und verunsicherten Lernenden nicht ein-
fach machte, sich nach solchen Vorfällen einer Vorgesetzten anzuvertrauen und 
die Konsequenzen einer entsprechenden Meldung realistisch einzuschätzen.

Der Weg von den geschilderten Vorfällen bis hin zur Anzeigeerstattung lässt sich 
bei der Straf- und Zivilklägerin eindrücklich nachzeichnen: So hat sie lange, bevor 
eine offizielle Meldung im Betrieb oder eine Anzeigeerstattung überhaupt aktuell 
wurden, mit mehreren Personen über das Erlebte gesprochen. Allem voran gab sie 
an, ihre Eltern hätten davon gewusst. Ihre Mutter habe bemerkt, dass sie nichts 
mehr vom Beschuldigte erzählt habe resp. Schlechtes von ihm erzählt habe, da 
habe sie ihr die ganze Geschichte anvertraut (pag. 46 Z. 261 ff., pag. 57 Z. 322 ff. 
und pag. 674 Z. 30 ff.). Sie konnte den Zeitpunkt des Gesprächs mit ihrer Mutter 
nicht mehr nennen, gab jedoch an, «so wie ihr sei», habe der Beschuldigte zu die-
sem Zeitpunkt noch dort gearbeitet (pag. 57 Z. 329 ff.; an der Berufungsverhand-
lung konnte sie nicht mehr sagen, ob er gerade noch da war, oder gerade den Ar-
beitsort gewechselt hatte: pag. 674 Z. 19 ff.). Ihre Mutter habe sie gefragt, ob sie 
eine Anzeige einreichen wolle. Sie habe dies damals nicht gewollt. Ihr Vater habe 

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sich eigentlich rausgehalten und nicht viel dazu gesagt (pag. 63 Z. 552 f.). Diese 
Darstellung wurde vom Vater der Straf- und Zivilklägerin in der Einvernahme vom 
4. Februar 2021 bestätigt: Sie habe mal aufgehört über ihn zu sprechen. Er habe 
von den sexuellen Handlungen zwischen seiner Tochter und dem Beschuldigte er-
fahren, als seine Frau zu ihr gesagt habe, dass etwas nicht mit ihr stimme. Sie solle 
jetzt darüber sprechen. Dies sei einmal im Frühling [des ersten Lehrjahres] gewe-
sen (pag. 81 Z. 68 ff. und pag. 82 Z. 111). Diese innerfamiliären Vorgänge sind 
äusserst aussagekräftig: Es ist nachvollziehbar, dass einer Mutter auffällt, wenn ih-
re Tochter zunächst begeistert über einen neuen Mitarbeiter spricht und dann plötz-
lich nicht mehr, sie ihre Tochter darauf anspricht und sich diese ihrer Mutter danach 
anvertraut. Weiter gab die Straf- und Zivilklägerin an, auch ihrer Mitlernenden 
F.________ und der Arbeitskollegin X.________ etwas gesagt zu haben: 
F.________ habe «das Ganze ein wenig mitbekommen» (pag. 45 Z. 252 und 
pag. 57 Z. 334). X.________ habe sie darum gebeten, die Einführung in den 
Abenddienst nicht mit dem Beschuldigten machen zu müssen (pag. 42 Z. 105 f. 
und pag. 44 Z. 204). Sie habe ihr gegenüber einmal eine Andeutung gemacht. Die-
se habe nicht nachgefragt und es so stehen lassen. Sie habe dann auch nicht wei-
tererzählt (pag. 57 Z. 334 ff.). Sowohl F.________ als auch X.________ haben die-
se Gespräche bestätigt. Dabei fällt einerseits auf, dass F.________ das Badezim-
mer erwähnte (pag. 93 Z. 42 ff.). Andererseits bestätigte X.________ nicht nur das 
Gespräch mit der Straf- und Zivilklägerin (pag. 66 Z. 74 ff.), sondern auch deren 
Schilderung, wonach sie zu Beginn gerne mit dem Beschuldigten gearbeitet habe, 
ihm danach aber aus dem Weg gegangen sei, und der Beschuldigte sie nach der 
Geburt seines Kindes ebenfalls gemieden habe (pag. 56 Z. 300 ff.). X.________ 
schilderte in diesem Zusammenhang, das Verhältnis der beiden sei gemäss ihren 
Beobachtungen «gekippt». Die Straf- und Zivilklägerin habe versucht, dem Be-
schuldigten aus dem Weg zu gehen (pag. 66 Z. 73 ff.). Es sei offensichtlich gewe-
sen, dass sie dem Beschuldigten aus dem Weg gegangen sei (pag. 67 Z. 112 ff.). 
Das Arbeitsverhältnis der beiden sei merklich abgekühlt (pag. 68 Z. 155 f.). In die-
sem Zusammenhang gab sogar der Beschuldigte selbst an, es habe ca. im Früh-
ling .________ plötzlich einen Bruch gegeben, nach dem «es irgendwie fertig» ge-
wesen sei (pag. 19 Z. 134 ff.).

All diese Gespräche fanden zu einem Zeitpunkt statt, in dem die Straf- und Zivilklä-
gerin weder eine Anzeige noch eine Meldung im Betrieb in Betracht zog, obwohl ih-
re Eltern eine Anzeige und die beiden Arbeitskolleginnen eine Meldung an die Che-
fin empfohlen hatten (X.________: pag. 66 Z. 78; F.________: pag. 94 Z. 122 f.; 
Z.________: pag. 81 Z. 90 ff.; Straf- und Zivilklägerin: pag. 60 Z. 456 f.). Es ist 
deshalb auszuschliessen, dass die Straf- und Zivilklägerin in diesem Zeitpunkt im 
Privaten strategische Aussagen im Hinblick auf eine spätere Falschanzeige mach-
te. Insbesondere ist nicht zu erwarten, dass eine 16-Jährige, die zudem noch einen 
Freund hat, ihren Eltern ohne ernstzunehmenden Anlass eine solche Geschichte 
erzählen würde. Damit steht im Einklang, dass die Meldung der Vorfälle Anfang 
2019 nicht durch die Straf- und Zivilklägerin erfolgte, sondern durch die Mitlernende 
O.________ (pag. 86 Z. 73 ff.). Auch diese Episode schilderte die Straf- und Zivil-
klägerin eindrücklich: Die andere Lehrtochter habe es einfach nur erfahren, weil der 
Beschuldigte in J.________ einen Kurs gehabt habe. Sie sei da gerade auf die Ar-

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beit gekommen und habe völlig aufgelöst darauf reagiert. Da er ja bereits nicht 
mehr bei ihnen gearbeitet habe. Sie habe es danach im Schock der anderen Lehr-
tochter erzählt. So habe es auch ihr Arbeitgeber erfahren (pag. 43 Z. 137 und 
pag. 58 Z. 359 ff.). Es ist sodann dokumentiert, dass die Straf- und Zivilklägerin die 
Vorfälle in der Folge gegenüber ihrer Vorgesetzten P.________ bestätigt hat. Dar-
aufhin kam es am 4. Februar 2019 zu einem Gespräch zwischen der Straf- und Zi-
vilklägerin, P.________ und R.________ sowie am 8. Februar 2019 zu einem Ge-
spräch zwischen dem Beschuldigten, R.________ und der damaligen Vorgesetzten 
des Beschuldigten, S.________. Der Inhalt dieser Gespräche wurde in der Mail 
vom 1. Februar 2019 und den Gesprächsnotizen vom 4. und 8. Februar 2019 
schriftlich festgehalten. Die dortigen Angaben der Straf- und Zivilklägerin stimmen 
mit dem überein, was sie ein knappes Jahr später der Polizei schilderte (pag. 9: 
«am Po gehalten, unter den BH gegriffen, Zunge in den Mund gesteckt»; pag. 8 
und pag. 25: «Umarmungen, Küsse inkl. Zungenkuss, Anfassen am Busen»). Auch 
zu diesem Zeitpunkt war eine Anzeigeerstattung für die Straf- und Zivilklägerin 
noch kein Thema, obwohl sie explizit danach gefragt wurde (pag. 43 Z. 141 ff.). In 
Kombination mit dem Umstand, dass sie die Vorfälle nicht einmal selber im Betrieb 
meldete, erscheint ausgeschlossen, dass sie im Gespräch gegenüber den Vorge-
setzten falsche Anschuldigungen äusserte.

Gleichzeitig ist bei der Straf- und Zivilklägerin auch kein Motiv für eine Falschbe-
schuldigung auszumachen. Ein solches lässt sich insbesondere nicht mit den 
Gerüchten im Betrieb begründen, wonach die Straf- und Zivilklägerin in den Be-
schuldigten verliebt gewesen sei und sich jeweils stärker geschminkt habe, wenn 
sie mit ihm zusammengearbeitet habe. Einerseits verneinte die Straf- und Zivilklä-
gerin, in den Beschuldigten verliebt gewesen zu sein, sie habe zu dieser Zeit selber 
einen Freund gehabt (pag. 59 Z. 417 und pag. 465 Z. 26). Sie begründete auch, 
dass sie an ihren Arbeitstagen Ende Woche öfters geschminkt gewesen sei, wenn 
sie danach direkt ins Wochenende oder zu ihrem Freund gegangen sei (pag. 59 
Z. 422 ff., pag. 60 Z. 443 ff. und pag. 468 Z. 25 ff.). Andererseits gibt es in den Ak-
ten nicht den geringsten Hinweis, dass die Straf- und Zivilklägerin in Bezug auf den 
Beschuldigten eine derart ungesunde Obsession entwickelt hätte, dass sie den Be-
schuldigten aus Rache über eine Abweisung falsch beschuldigt und noch zwei Jah-
re später eine Anzeige erstattet hätte (vgl. pag. 22 Z. 282). Im Gegenteil: Das zö-
gerliche Verhalten der Straf- und Zivilklägerin im Zusammenhang mit der Anzeige-
erstattung und der Meldung im Betrieb, ihr schonendes Aussageverhalten und die 
Beschäftigung mit dem Wohlergehen der schwangeren Freundin und dem Kind des 
Beschuldigten zeigen, dass Eifersucht oder Rache bei der Anzeigeerstattung keine 
Rolle spielten (vgl. z.B. pag. 466 Z. 26 ff.). Es ist daher für die Beurteilung der 
Glaubhaftigkeit der Straf- und Zivilklägerin sowie überhaupt des angeklagten Sach-
verhalts irrelevant, ob von ihrer Seite her Anfänglich eine gewisse Schwärmerei 
bestand, oder ob es sich lediglich um ein vertrautes Zusammenarbeiten gehandelt 
hat. Erst recht muss nicht weiter darauf eingegangen werden, wie sich die Straf- 
und Zivilklägerin kleidete oder schminkte – zumal sie in diesem Zusammenhang 
am Arbeitsplatz auch nie eine Ermahnung erhielt (pag. 76 Z. 227 f.).

Die einzige Ungenauigkeit in ihren Aussagen betrifft die Frage, ob sie dem Be-
schuldigten ihr Alter ausdrücklich mitgeteilt hat: So schilderte sie zuerst, es sei im 

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Betrieb bekannt gewesen, dass sie die Lehre direkt nach der Schule begonnen ha-
be, ebenso, wie alt sie gewesen sei. Einige ihrer Kolleginnen hätte gesehen, dass 
sie sehr jung gewesen sei und hätten gefragt. Zudem sei es auf dem Geburtstags-
blatt ersichtlich gewesen, welches auf jeder Abteilung gehangen habe. Sie meine, 
dass auch der Jahrgang aufgeschrieben gewesen sei, sei sich aber nicht ganz si-
cher (pag. 50 f. Z. 86 ff.). In der zweiten Einvernahme sagte sie: «Ich habe das Ge-
fühl, dass ich ihm gesagt habe, wie alt ich bin. Ich war damals 15 Jahre alt. Ich 
wusste auch, wie alt er war» (pag. 61 Z. 493). Ob sie mit ihm über ihren 16. Ge-
burtstag [.________] gesprochen habe, wisse sie nicht (pag. 61 Z. 497 ff.). In der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte sie sodann, sie sei ziemlich sicher, dass 
sie über ihr Alter gesprochen hätten. Sie habe ihm gesagt, sie komme direkt ab der 
Schule (pag. 466 Z. 36). Sie habe ihm ihr Alter nebenbei im Arbeitsalltag genannt 
(pag. 466 Z. 41). Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, wonach sie ihm ge-
sagt habe, sie sei 16 Jahre alt, gab sie an: «Es kann sein, dass ich ihm gesagt ha-
be, ich sei noch gerade nicht 16. Ich habe nicht gesagt, dass ich 16 sei» (pag. 466 
Z. 40 ff.). Sie hätten darüber gesprochen, dass sie im .________ Geburtstag habe. 
Auf Frage, ob er dabei auch gefragt habe, wie alt sie werde, sagte die Straf- und 
Zivilklägerin nun bestimmter: «Ich habe ihm gesagt, dass ich noch nicht 16 bin» 
(pag. 467 Z. 1 ff.). Auf diese einmalige Aussage angesprochen sagte sie oberin-
stanzlich: «Ich meinte, wir hätten es mal davon gehabt, weil ich sagte, dass ich 
frisch aus der Schule bin, also noch nicht 16, aber ich kann es nicht mehr genau 
sagen» (pag. 675 Z. 36 ff.). Auch wenn die Straf- und Zivilklägerin am Schluss der 
erstinstanzlichen Einvernahme einmalig ausdrücklich sagte, sie habe dem Be-
schuldigten gesagt, dass sie noch nicht 16 Jahre alt sei, geht aus den gesamten 
Aussagen hervor, dass die Straf- und Zivilklägerin in diesem Punkt unsicher war. 
Diese Unsicherheit legte sie offen und zwar auch in den früheren Aussagen in der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer Aus-
sagen wird dadurch nicht getrübt, auf die Frage des Alters ist jedoch in der Ge-
samtwürdigung zurückzukommen.

Im Lichte all dieser Überlegungen ist nicht ersichtlich, wie und weshalb die Straf- 
und Zivilklägerin mit einer Falschbeschuldigung zu Unrecht ein aufwändiges und 
auch für sie belastendes Verfahren in Gang hätte bringen sollen – sagte sie doch 
selber: «Ich bin nicht ohne Grund da. Ich glaube, das tut man sich auch nicht zum 
Witz an, vors Gericht» (pag. 674 Z. 37 ff.). Ihre Aussagen werden als glaubhaft er-
achtet.

11.2 Aussagen des Beschuldigten

Auch betreffend die Aussagen des Beschuldigten kann grundsätzlich auf die Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 548 ff., S. 28 ff. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Diese kam zurecht zum Schluss, dass der Beschuldigte 
in vielerlei Hinsicht unglaubhafte Aussagen machte. An diesem Eindruck änderte 
sich auch durch die oberinstanzliche Einvernahme nichts.

Wie die Vorinstanz erachtet auch die Kammer bereits die ersten Aussagen des Be-
schuldigten am 27. Januar 2020 als auffällig: Auf die Frage, was ihm der Name der 
Straf- und Zivilklägerin sage, antwortete er: «Der sagt mir etwas. Sie war jung, als 
sie die Lehre begann. Sie kam damals auf meine Abteilung ‹K.________›. Sie hat 

16

aus meiner Sicht gewisse Aufgaben, welche ich ihr übertragen habe, aufgrund ih-
res Alters noch zu wenig ernst genommen» (pag. 17 Z. 46 ff.). Auf die nächste Fra-
ge, ob er während seiner Anstellung im I.________ in J.________ einmal mit An-
schuldigungen i.S. Fehlverhaltens gegenüber der Straf- und Zivilklägerin konfron-
tiert worden sei, gab er an: «Nein. Ich habe nichts solches gehört. Ich wurde von 
der Teamleitung einmal darauf angesprochen, dass sie das Gefühl habe, dass 
C.________ in mich verliebt sei, da diese mir offenbar immer nachgelaufen ist, ob-
wohl C.________ bereits mit den Arbeitsabläufen vertraut war. […] C.________ ist 
dann ab und zu auf meiner Seite in den Zimmern aufgetaucht und hat offenbar den 
Kontakt gesucht. Ich habe das aber nicht so gespürt. Damit meine ich, dass 
C.________ in mich verliebt sein soll, so wie es mir von der Teamleiterin, 
P.________ im Gespräch gesagt wurde» (pag. 17 Z. 51 ff.). Diese erste Reaktion 
ist in mehrfacher Hinsicht aussagekräftig: Es ist bekannt, dass der Beschuldigte 
nach der Meldung von O.________ im Betrieb im Februar 2019 mit den Vorwürfen 
konfrontiert worden war. Das Strafverfahren gegen ihn wurde am 9. Januar 2020 
eröffnet (pag. 1). Die Vollmacht seiner Verteidigerin datiert vom 20. Januar 2020 
(pag. 176), die Terminabsprache für die erste Einvernahme war bereits am 15. Ja-
nuar 2020 erfolgt (pag. 15). Anfänglich der Einvernahme wurde er über den Ge-
genstand des Verfahrens informiert (pag. 16 Z. 6 ff.). Dem Beschuldigten war dem-
nach bestens bekannt, was ihm vorgeworfen wurde. Vorausgesetzt, es habe sich 
dabei um eine falsche Beschuldigung gehandelt, erstaunt es daher, dass der Be-
schuldigte diese Vorwürfe nicht an erster Stelle dementierte und erklärte, die Straf- 
und Zivilklägerin habe ihn fälschlicherweise beschuldigt. Auch in Bezug auf die 
zweite Frage, erstaunt es, dass der Beschuldigte nicht erwähnte, dass es im Be-
trieb diesbezüglich zu einem Gespräch gekommen war. Auch wenn der Beschul-
digte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Standort I.________, sondern im 
M.________ arbeitete, wäre eine entsprechende Erwähnung an dieser Stelle zu 
erwarten gewesen. Sodann fällt auf, dass der Beschuldigte sofort dazu überging, 
die Straf- und Zivilklägerin in ein schlechtes Licht zu rücken und zwar in Bezug auf 
ein Thema, das mit den Vorwürfen in keinerlei Zusammenhang steht (Arbeit zu we-
nig ernst genommen; vgl. auch pag. 31 Z. 132 f., Z. 137 f. und Z. 150).

Die gleich zu Beginn erwähnte Schilderung, wonach die Straf- und Zivilklägerin in 
ihn verliebt gewesen sei, wurde im weiteren Verlauf des Verfahrens vom Beschul-
digten stark ins Zentrum gerückt. Nach seiner Darstellung habe die Straf- und Zivil-
klägerin seine Nähe gesucht und sei ihm «nachgelaufen», statt ihre Arbeit zu erle-
digen (pag. 17 Z. 51 ff., pag. 31 Z. 132 und Z. 138). Die Teamleiterin P.________ 
habe dies bemerkt und ihn im Stationszimmer darauf angesprochen, dass sie das 
Gefühl habe, die Straf- und Zivilklägerin sei in ihn verliebt (pag. 17 Z. 51 ff., pag. 19 
Z. 163 f., pag. 32 Z. 188 ff., pag. 33 Z. 203 ff., pag. 36 Z. 346 und pag. 682 Z. 7 ff.). 
Zudem hätten ihm andere Angestellte gesagt, die Straf- und Zivilklägerin schminke 
sich immer an den Tagen, an denen er arbeite und an den anderen nicht (pag. 17 
Z. 63 ff., pag. 32 Z. 177 ff., pag. 33 Z. 210 f., pag. 460 Z. 25 ff. und pag. 681 
Z. 19 ff.). Er habe darüber auch mit der Ausbildungsverantwortlichen E.________ 
gesprochen (pag. 17 Z. 68 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin habe mit ihm über ihre 
Beziehung und ihren Ex-Freund gesprochen und ihm anvertraut, dass sie gerne 
schwanger werden wolle. Er habe ihr als Arbeitskollege Tipps gegeben (pag. 19 

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Z. 139, pag. 20 Z. 174 f., pag. 31 Z. 148 ff., pag. 460 Z. 13 ff. und pag. 687 
Z. 29 ff.). Die Berührungen sowie die Zungenküsse bestritt der Beschuldigte kon-
stant. Hingegen gab er zu, die Straf- und Zivilklägerin umarmt zu haben, wobei das 
teilweise Umarmungen gewesen seien, die er so nicht gewollt habe (pag. 18 
Z. 118, pag. 19 Z. 121 ff., pag. 20 Z. 189 ff., pag. 33 Z. 229 ff., pag. 459 Z. 33, 
pag. 682 Z. 32 ff. und pag. 683 Z. 5 ff.). Ihm sei erst bewusst geworden, dass die 
Straf- und Zivilklägerin in ihn verliebt sein könnte, als ihn die anderen darauf auf-
merksam gemacht und darüber gesprochen hätten (pag. 17 Z. 59, pag. 21 Z. 258 f. 
und pag. 460 Z. 25 ff.). Als ihm P.________ resp. die anderen Mitarbeitenden ihre 
Beobachtung mitgeteilt hätten, habe er auch das Gefühl gehabt, dass sie in ihn ver-
liebt sei, «so wenn er alles reflektiert» habe (pag. 32 Z. 196, pag. 33 Z. 206, 
pag. 460 Z. 25 ff., pag. 462 Z. 32 ff., pag. 462 Z. 32 ff., pag. 681 Z. 29 ff., pag. 682 
Z. 11 ff. und pag. 684 Z. 25 ff.). Er habe mit ihr gesprochen und ihr gesagt, sie solle 
ihre Arbeiten erledigen (pag. 33 Z. 206). Er habe ihr deutlich gemacht, dass er 
nichts von ihr wolle. Er habe ihr gesagt, seine Freundin sei schwanger resp. er ha-
be eine Verlobte/eine Familie/(bald) ein Kind. Das habe sie aber wie ausgeblendet, 
obwohl er ihr mehrmals gesagt habe, er wolle nichts von ihr (pag. 19 Z. 132 ff., 
pag. 21 Z. 261 ff., pag. 35 Z. 306, pag. 462 Z. 32 ff., pag. 681 Z. 11 ff. und pag. 684 
Z. 5 ff.).

Die Darstellung, wonach der Beschuldigte erst via P.________ von der Verliebtheit 
der Straf- und Zivilklägerin erfahren haben will, widerspricht den Akten gleich mehr-
fach: P.________ selber konnte sich weder an ein entsprechendes Gespräch erin-
nern noch daran, dass die Straf- und Zivilklägerin in den Beschuldigten hätte ver-
liebt sein sollen (pag. 75 Z. 171 ff.). Angesichts ihrer Funktion als Teamleiterin wäre 
zu erwarten, dass sie sich an solche Vorkommnisse erinnern würde. Sodann 
bestätigte E.________ zwar, mit dem Beschuldigten über die Straf- und Zivilkläge-
rin gesprochen zu haben, formulierte dies allerdings wie folgt: «Er kam auf mich zu 
und sagte, dass C.________ total in ihn ‹verschossen› sei und er nichts von ihr 
wolle» (pag. 99 Z. 125 ff.). Dies lässt sich mit der Selbstdarstellung des Beschuldig-
ten, wonach er nichts wahrgenommen habe und erst durch P.________ auf die Si-
tuation aufmerksam geworden sei, schlecht vereinbaren. Schliesslich hat der Be-
schuldigte gemäss Protokoll vom 8. Februar 2019 am Gespräch mit R.________ 
und S.________ geäussert, die Straf- und Zivilklägerin habe ihm gesagt, sie sei in 
ihn verliebt. Er habe seiner Partnerin ebenfalls von dem Liebesgeständnis erzählt 
(pag. 25). Angesprochen auf diese Diskrepanz gab der Beschuldigte an, die Straf- 
und Zivilklägerin habe es ihm nie direkt gesagt (pag. 21 f. Z. 266 ff. und pag. 681 
Z. 19 ff.). Das sei im Protokoll nicht richtig wiedergegeben worden (pag. 21 f. 
Z. 266 ff.; oberinstanzlich gab der Beschuldigte an, sich nicht mehr erinnern zu 
können [pag. 681 Z. 25 ff. und pag. 682 Z. 1 ff.]). Diese Erklärung überzeugt nicht 
vollends: Es erscheint unwahrscheinlich, dass sich gleich an zwei verschiedenen 
Stellen Fehler ins Protokoll geschlichen haben. Schliesslich soll sich P.________ 
beim Gespräch im Stationszimmer gemäss dem Beschuldigten nicht dahingehend 
geäussert haben, wonach dies ein Problem sei (pag. 32 Z. 194 ff.). Es ist schwer 
nachvollziehbar, dass die Teamleitern P.________ den Beschuldigten zwar in das 
Stationszimmer «zitiert» haben soll, um ihn auf die mögliche Verliebtheit einer min-
derjährigen Lernenden hinzuweisen, ihm dabei aber keine Verhaltensanweisungen 

18

gegeben und ihn insbesondere nicht angewiesen haben soll, Annäherungen kon-
sequent zu unterbinden, da die Straf- und Zivilklägerin erst 15 Jahre alt sei. Damit 
erachtet die Kammer die Schilderung, wonach der Beschuldigte durch P.________ 
auf eine angebliche Verliebtheit der Straf- und Zivilklägerin angesprochen worden 
sei, insgesamt nicht als glaubhaft. Daran ändert auch nichts, dass der Beschuldigte 
an der Berufungsverhandlung auf Vorhalt mit Details aus seiner Erinnerung zum 
Gespräch mit P.________ aufwartete, zumal er diese zuvor noch nie geschildert 
hatte (pag. 682 Z. 17 ff.: Eingangstüre Stationsbüro, Stuhl wechseln). Die Behaup-
tung, wonach die Notiz über das Gespräch vom 8. Februar 2019 nicht richtig ver-
fasst worden sei, ist eine Schutzbehauptung.

Sodann schilderte der Beschuldigte an zahlreichen Stellen, es habe mehrere Ge-
spräche mit der Straf- und Zivilklägerin gegeben, in denen er versucht habe, ihr klar 
zu machen, dass er nichts von ihr wolle (exemplarisch: «Ich sagte ihr zum vierten 
Mal, dass ich eine Freundin habe und dass ich bald Vater werde» [pag. 35 Z. 306; 
vgl. pag. 684 Z. 5 ff.]). Auch diese anscheinend offenen Gespräche über die Bezie-
hung der beiden widersprechen der Darstellung, wonach die Straf- und Zivilklägerin 
dem Beschuldigten gegenüber ihre Gefühle nie direkt benannt habe: Diesfalls 
wären kaum vier Gespräche nötig gewesen, um das Verhältnis zu klären. Die Aus-
sagen des Beschuldigten sind auch in dieser Hinsicht nicht stimmig.

Der Beschuldigte betonte zwar, er sei einfach ein Arbeitskollege der Straf- und Zi-
vilklägerin gewesen, liess sich gemäss eigenen Aussagen aber trotzdem auf Um-
armungen und äusserst persönliche Gespräche ein mit der Straf- und Zivilklägerin 
(pag. 19 Z. 139, pag. 20 Z. 174 f., pag. 31 Z. 148 ff. und pag. 32 Z. 166). Er gab 
sogar an, an diesem Standort keine andere Arbeitskollegin so umarmt zu haben 
(pag. 36 Z. 343) und aus seinen Aussagen geht hervor, dass er andere Arbeitskol-
leginnen nur per Handschlag oder mit einem verbalen «Tschüss» begrüsst und 
verabschiedet habe (pag. 21 Z. 254; vgl. drei Küsschen am Bahnhof J.________). 
Es ist erstaunlich, dass es der Beschuldigte normal zu finden scheint, mit einer 
Lernenden im ersten Lehrjahr – und nur mit ihr – ein derart nahes Verhältnis zu 
pflegen (pag. 460 Z. 1 ff., pag. 687 Z. 29 ff. und pag. 683 Z. 20 ff.). Dies steht in ei-
nem starken Widerspruch zu seiner Selbstdarstellung als professioneller Arbeits-
kollege. Es erstaunt umso mehr, dass er die – aus seiner Sicht angeblich unver-
fänglichen – Umarmungen im Gespräch mit R.________ und S.________ nicht er-
wähnte, sondern angab, er habe körperlichen Kontakt jeweils abgelehnt, wenn sie 
diesen gesucht habe (pag. 25 und pag. 682 Z. 28 ff.). Sodann schilderte der Be-
schuldigte die Situationen, in denen es zu Umarmungen gekommen sei, später im 
Verfahren anders als zu Beginn und stellte sich dabei zunehmend als fürsorglichen 
Arbeitskollegen dar: In der ersten Einvernahme gab er an, sie hätten sich zur Be-
grüssung oder Verabschiedung umarmt, sowie, wenn die Straf- und Zivilklägerin 
eine gute Prüfung geschrieben habe (pag. 19 Z.121 ff., pag. 20 Z. 189 ff.). An der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte er hingegen, er habe die Straf- und Zi-
vilklägerin zum Trösten umarmt, wenn diese einen schlechten 
Tag/Stimmungsschwankungen/Probleme mit ihrem Freund gehabt oder geweint 
habe (pag. 459 Z. 33, pag. 682 Z. 32 ff. und pag. 683 Z. 5 ff.). Schliesslich brachte 
er vor, die Straf- und Zivilklägerin habe ihn teilweise gegen seinen Willen umarmt. 
Darauf angesprochen schilderte er in der oberinstanzlichen Einvernahme, sie sei 

19

dann gekommen und habe ihn unter den Armen gepackt, weil es ihr schlecht ge-
gangen sei. Das habe er eigentlich nicht so gewollt, er habe aber nicht gewusst, 
wie er aus der Situation raus solle (pag. 683 Z. 13 ff.). Er sei in dem Moment nicht 
«parad» gewesen und dann sei sie gekommen und habe ihn direkt umarmt und er 
sei «schockiert» gewesen und habe sich gar keine Gedanken darüber machen 
können, was überhaupt passiert sei (pag. 683 Z. 41 ff.). Auch in Bezug auf die pri-
vaten Gespräche gab er an, sie sei aufgelöst gewesen und er habe nicht gewusst, 
was er in dieser Situation machen solle. Er habe auch erst seine Lehre fertig ge-
habt, er habe ja später angefangen. Und er sei auch noch nicht so richtig im Ar-
beitsumfeld gewesen. Er sei ein hilfsbereiter Mensch (pag. 687 Z. 39 ff.). Ange-
sichts der Grössenverhältnisse (Beschuldigter .________ cm [pag. 683 Z. 26 f.], 
Straf- und Zivilklägerin .________ cm [pag. 675 Z. 4 ff.]), des Altersunterschieds, 
des Machtgefälles im Betrieb sowie des dokumentierten aufbrausenden Charakters 
des Beschuldigten erachtet es die Kammer als unglaubhaft, dass der Beschuldigte 
derartige Grenzüberschreitungen der Straf- und Zivilklägerin nicht hätte abwehren 
können und abgewehrt hätte – wenn diese denn stattgefunden haben und er sich 
tatsächlich daran gestört hat. Seine vorgebrachte Unsicherheit erscheint mit Blick 
auf die genannten Faktoren vorgeschoben: Vorausgesetzt, die Straf- und Zivilklä-
gerin hätte sich als Lernende im ersten Lehrjahr tatsächlich getraut, einen erwach-
senen Arbeitskollegen in ihrem Betrieb aus Eigeninitiative zu umarmen, wäre dies 
nur damit erklärbar, dass der Beschuldigte als erwachsene und ausgebildete Per-
son mit ihr ein unprofessionell nahes Verhältnis pflegte. Dies gilt auch für die vom 
Beschuldigten geltend gemachten «verbalen» Grenzüberschreitungen resp. das 
«Nachlaufen»: Auch hier ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschuldigte nicht im-
stande gewesen sein soll, entsprechende Grenzen wirksam zu setzen und vier An-
läufe gebraucht haben soll, um die nötige Distanz herzustellen.

Die Selbstdarstellung des Beschuldigten als auf professionelle Distanz bedachter 
Arbeitskollege wird denn auch mit Blick auf die Aussagen von F.________ und 
X.________ in Frage gestellt. So bemerkte X.________ im Zusammenhang mit 
dem angeblichen Schminken der Straf- und Zivilklägerin: «Ich denke, Herr 
A.________ reagiert auf jegliches Schminken von weiblichen Personen sehr. Wie 
soll ich das sagen? Er springt an, reicht das aus?» (pag. 68 Z. 160 f.). Und 
F.________ erzählte, der Beschuldigte sei ihr zwei bis dreimal mit dem Auto nach-
gefahren. Direkten körperlichen Kontakt habe er aber nicht zu ihr gesucht respekti-
ve habe es nicht gegeben. Er habe ihr auf Facebook geschrieben, ob sie sich tref-
fen wollten, was sie aber nicht gemacht habe. Er sei ihr in J.________ vom 
AA.________ runter auf die Hauptstrasse nachgefahren. Sie sei zu Fuss gewesen 
und sei zum Bahnhof gegangen. Er sei ihr im Schritttempo hinterhergefahren. Sie 
habe ihm Platz gemacht, sodass er hätte vorbeifahren können, was er aber nicht 
getan habe. Er habe sie aber nicht angesprochen oder so. Sie habe dabei ein ko-
misches Gefühl gehabt, habe sich unwohl, unsicher gefühlt (pag. 94 Z. 95 ff.). 
F.________ hat Jahrgang .________ (pag. 669). Sie ist somit zwar vier Jahre älter 
als die Straf- und Zivilklägerin, aber immer noch fünf Jahre jünger als der Beschul-
digte. In Kombination mit dem noch jungen Alter aller Beteiligten sowie der unter-
geordneten Position von F.________ als Lernende ist auffällig, dass der Beschul-
digte auch zu ihr den Kontakt suchte. Es ist somit davon auszugehen, dass er sich 

20

im Umgang mit seinen – teilweise deutlich jüngeren und ihm hierarchisch unterstell-
ten – Arbeitskolleginnen offensiver verhielt, als dargestellt. Die Beteuerung des Be-
schuldigten, wonach es sich bei den Kontakten mit F.________ um rein kollegiale 
Kontakte behandelt haben, steht denn auch in einem gewissen Widerspruch zur 
Reaktion seiner Partnerin, die eifersüchtig war, worauf der Beschuldigte den Kon-
takt zu F.________ abbrach (pag. 36 Z. 316 ff. und pag. 685 f. Z. 20 ff.).

Auffällig ist weiter die vom Beschuldigten geschilderte, angebliche Reaktion seiner 
heutigen Ehefrau, nachdem er ihr gesagte habe, die Straf- und Zivilklägerin laufe 
ihm nach, sei vermutlich in ihn verliebt und habe ihn «auch umarmt und so». Sie 
soll daraufhin geantwortet haben, sie «finde das nicht schön» und er solle aufpas-
sen, damit man ihm nicht plötzlich etwas vorwerfen könne (pag. 19 Z. 160 ff. und 
pag. 685 Z. 1 ff.). Diese Reaktion überrascht insofern, als dass der Beschuldigte 
seine Partnerin im Zusammenhang mit F.________ – wie erwähnt – ganz anders 
charakterisierte. Oberinstanzlich ergänzte er auf Frage, der Kontakt mit 
F.________ sei kollegial gewesen (pag. 685 Z. 25 ff.). Seine Partnerin sei vielleicht 
eine Person, die schneller eifersüchtig sei (pag. 685 Z. 29 ff.). Sofern die Partnerin 
des Beschuldigten tatsächlich bereits auf rein kollegiale Kontakte mit F.________ 
eifersüchtig reagierte, ist nicht zu erwarten, dass sie – damals mit dem ersten Kind 
schwanger – auf das vom Beschuldigten geschilderte Verhalten der Straf- und Zi-
vilklägerin so ruhig reagiert hätte.

Schliesslich ist aussagekräftig, dass die Aussagen des Beschuldigten im Zusam-
menhang mit dem Alter der Straf- und Zivilklägerin im Verlauf des Verfahrens im-
mer bestimmter wurden, bis er am Schluss angab, die Straf- und Zivilklägerin habe 
ihm selber gesagt, sie sei bereits 16 Jahre alt, wogegen seine allererste Aussage 
auf Frage nach der Straf- und Zivilklägerin lautete: «Sie war jung, als sie die Lehre 
begann» (pag. 17 Z. 47). Die Vorinstanz hat dazu zutreffend Folgendes erwogen 
(pag. 549 f., S. 29 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Weiter ist auffällig, dass der Beschuldigte wohl über die Zeit gemerkt hat, dass es besser ist zu be-
haupten, die Privatklägerin habe ihm gesagt, sie sei 16 Jahre alt. Anders lässt sich der Widerspruch 
nicht auflösen, dass er zunächst ausführte, wie alt sie gewesen sei, habe er nicht genau gewusst. Er 
habe einfach gewusst, dass sie jung gewesen sei (pag. 20, Z. 180 ff.) und später, anlässlich der 
Hauptverhandlung, sie habe erzählt, sie sei 16, sie habe aber auch schon 22- oder 23-jährige Freun-
de gehabt. Sie habe damit zeigen wollen, dass der Altersunterschied nichts mache (pag. 460, 
Z. 14 ff.). Weiter gemäss meiner Erfahrung ist man 16, wenn man die Ausbildung anfängt. Ich habe 
sie dann auch gefragt und sie sagte, sie sei 16 Jahre alt (pag. 460, Z. 33 f.). Abgesehen davon, dass 
die Schulpflicht in der Schweiz elf Jahre dauert und die Kinder bei Beginn der Schulpflicht in der Re-
gel vier Jahre alt sind, demzufolge die Schulpflicht im Alter von 15 Jahren endet, ist auch die Er-
klärung des Beschuldigten für das Erfragen des Alters der Privatklägerin speziell bzw. wirkt gesucht. 
So habe er erst mit .________ die Ausbildung anfangen können, weil er es als Ausländer schwer ge-
habt habe. Daher habe er sich für ihr Alter interessiert (pag. 461, Z. 5 ff.). Wenn dem so gewesen wä-
re, dass er dieser Ungleichbehandlung hätte auf den Grund gehen wollen, hätte er dies bereits an-
lässlich seiner ersten beiden Befragungen ausführen können.

Dem ist lediglich hinzuzufügen, dass der Beschuldigte mit 14 Jahren in die Schweiz 
kam und hier die 8. und die 9. Klasse absolvierte (pag. 652). Ihm war demnach 
bestens bekannt, wie alt Personen in der Schweiz damals normalerweise waren, 

21

wenn sie die Schule abschlossen und eine Lehre begannen. Seine Aussagen an 
der Hauptverhandlung wirken umso mehr konstruiert und vorgeschoben. Im Kom-
bination mit dem Widerspruch zu seinen ersten Aussagen sind seine späteren, wo-
nach er das Alter der Straf- und Zivilklägerin gekannt und ihm diese mitgeteilt habe, 
sie sei 16 Jahre alt, nicht glaubhaft.

Insgesamt sind in den Aussagen des Beschuldigten somit zahlreiche Ungereimthei-
ten und Widersprüche zu finden. Seine Darstellung der Ereignisse ist nicht glaub-
haft.

11.3 Gesamtwürdigung

Die Straf- und Zivilklägerin hat die Vorwürfe gegenüber dem Beschuldigten kon-
stant, detailreich, nachvollziehbar und in sich logisch geschildert. Ihre Aussagen 
sind glaubhaft und finden verschiedentlich Stütze in den weiteren Beweismitteln. 
Die Aussagen des Beschuldigten sind demgegenüber wenig glaubhaft und damit 
nicht geeignet, die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu entkräften. Im Gegen-
teil: Unter der Voraussetzung, dass die Vorwürfe der Straf- und Zivilklägerin zutref-
fen, lassen sich auch die Unstimmigkeiten und Widersprüche in den Aussagen des 
Beschuldigten nachvollziehen. In der Gesamtschau hat die Kammer demnach kei-
ne Zweifel daran, dass sich die Vorfälle wie von der Straf- und Zivilklägerin geschil-
dert zugetragen haben. Demnach trifft folgendes Beweisergebnis der Vorinstanz zu 
(pag. 550, S. 30 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Der Beschuldigte griff der Privatklägerin während der gemeinsamen Arbeit im I.________ in 
J.________ einmal wöchentlich an das Gesäss, sowie insgesamt zwei Mal unter dem Büstenhalter an 
die Brust, versuchte insgesamt zwei Mal sie über den Kleidern an den Geschlechtsteilen zu berühren 
(pag. 41. Z. 48 ff. / pag. 44, Z. 176 ff. / pag. 44, Z. 181 ff. / pag. 54, Z. 214 ff. / pag. 464, Z. 20 ff) und 
gab ihr insgesamt zwei Zungenküsse (pag. 61, Z. 478 ff. / pag. 42, Z. 61 ff. / pag. 464, Z. 26 ff.). Diese 
Handlungen fanden im Zeitraum ab Dezember 2017 statt. Wann im Dezember die Übergriffe anfin-
gen, ist nicht genau bekannt. Zu Gunsten des Beschuldigten ist für die Anzahl der Griffe an das Ge-
säss von einer Dauer von sieben Wochen auszugehen, ausmachend sieben solcher Vorfälle.

Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht der Praxisbeglei-
ter/Ausbildner oder Vorgesetzte der Straf- und Zivilklägerin war, ihr jedoch als 
L.________ (Berufsbezeichnung) konkrete Arbeiten zeigte (Straf- und Zivilklägerin: 
pag. 43 Z. 120, pag. 51 Z. 102 ff., pag. 52 Z. 154 ff. und pag. 53 Z. 184 f.; Beschul-
digter: pag. 17 Z. 34 ff., pag. 22 Z. 310 ff., pag. 30 Z. 99 ff. und pag. 31 Z. 127 f.).

Auch hinsichtlich des Endes der Vorfälle kam die Vorinstanz zutreffend zu folgen-
dem Schluss (pag. 550, S. 30 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Privatklägerin ist am .________ geboren und wurde folglich am .________ 16 Jahre alt. Ab die-
sem Zeitpunkt war die Privatklägerin nicht mehr im Schutzalter, sodass der angeklagte Sachverhalt 
der sexuellen Handlungen mit Kindern ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erfüllt sein kann und der Tat-
zeitraum entsprechend eingeschränkt ist. Es ist näher zu prüfen, ob der Beschuldigte das Alter der 
Privatklägerin kannte und ob die Zungenküsse, die gemäss Aussagen der Privatklägerin gegen Ende 
der Phase mit den Übergriffen dazu kamen, vor ihrem Geburtstag stattgefunden haben. Die Privatklä-
gerin sagte diesbezüglich aus, die Zungenküsse seien gegen Schluss der Phase der Übergriffe hin-
zugekommen, ca. in den letzten drei Wochen (pag. 61 f., Z. 506 ff.). Die Übergriffe sollen in dem Mo-
ment geendet haben, als der Beschuldigte Vater geworden ist. Das betreffende Kind kam am 

22

.________ zur Welt. Dieses Datum ist jedoch insofern nicht massgeblich für die Rückrechnung, als 
die Privatklägerin davon ausging, es sei bereits .________ zur Welt gekommen (ca. .________, pag. 
47, Z. 309). Von ihrer Zeitrechnung ausgehend, fanden folglich alle Übergriffe vor ihrem Geburtstag 
am .________ statt. Auf diese Angaben ist abzustellen. 

Es ist korrekt, für die zeitliche Einordnung der Zungenküsse auf die damalige Vor-
stellung der Straf- und Zivilklägerin abzustellen, wonach der Beschuldigte etwa am 
.________ eine Tochter bekommen habe (pag. 47 Z. 309 und pag. 675 Z. 20 ff.) 
und die Zungenküsse ungefähr in den letzten drei Wochen vor der Geburt des Kin-
des passiert seien (pag. 61 f. Z. 506 ff.). Entsprechend trifft zu, dass sich die bei-
den Zungenküsse vor dem 16. Geburtstag der Straf- und Zivilklägerin am 
.________ ereigneten.

An diesem Beweisergebnis vermag auch das oberinstanzlich eingereichte Schrei-
ben von E.________ vom 26. Januar 2023 nichts zu ändern. E.________ verfasste 
dieses Schreiben auf Bitte des Beschuldigten hin (pag. 680 Z. 22 ff.). Ihre schriftli-
chen Ausführungen entsprechen zu einem Teil ihren Aussagen am 24. Febru-
ar 2020 bei der Polizei: Bereits dort hatte sie erwähnt, sie habe die Straf- und Zivil-
klägerin als etwas überheblich wahrgenommen, diese habe über Dinge gespro-
chen, zu denen ihr die Erfahrung gefehlt habe (pag. 101 Z. 224 ff.). Sie habe bei 
Fehlern behauptet, sie sei falsch instruiert worden und habe andere Leute gegen-
einander ausgespielt (pag. 102 Z. 252 ff.). Sie habe oft erzählt, sie sei «halt ein 
Einzelkind» (pag. 102 Z. 269). Andere Angestellte hätten ihr rückgemeldet, die 
Straf- und Zivilklägerin sei «hochnäsig» (pag. 102 Z. 284). Im Gegensatz zu den 
einseitig vernichtenden Aussagen über den Charakter und das Verhalten der Straf- 
und Zivilklägerin im Schreiben gab sie in der Einvernahme jedoch auch an, der Be-
schuldigte habe ihr erzählt, die Straf- und Zivilklägerin sei «total in ihn verschos-
sen» und er wolle nichts von ihr, sie sei ihm viel zu jung (pag. 99 Z. 125 ff. und 
pag. 100 Z. 141 ff.). Sie schilderte auch, dass der Beschuldigte den Arbeitsort ge-
wechselt habe, weil er mit der Abteilungschefin P.________ nicht «klargekommen» 
sei (pag. 101 Z. 190 ff.). Ihre Aussagen waren demnach in der tatnäheren Einver-
nahme differenzierter. Aufgrund dieser neuen Einseitigkeit, des Zeitablaufs sowie 
der Differenz zu den bereits gemachten Aussagen, kann auf die Bemerkungen, 
wonach die Straf- und Zivilklägerin regelmässig mit Knutschflecken am Hals zur 
Arbeit gekommen sei, sich älter gegeben habe als sie gewesen sei und über die 
Zurückweisung des Beschuldigten gekränkt gewesen sei, kaum abgestellt werden. 
Diese wären angesichts der obenstehenden Erwägungen denn auch nicht geeig-
net, das Beweisergebnis in Frage zu stellen.

Zu prüfen bleibt, ob der Beschuldigte im Tatzeitpunkt um das Alter der Straf- und 
Zivilklägerin wusste. Wie bereits ausgeführt, stellte sich der Beschuldigte zunächst 
auf den Standpunkt, ihr Alter nicht gekannt zu haben, um dann an der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung anzugeben, die Straf- und Zivilklägerin habe ihm mitgeteilt, 
sie sei 16 Jahre alt. Diese Aussagen erscheinen aufgrund der grossen Wider-
sprüche und den umständlichen Erklärungen an der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung nicht glaubhaft. Aufgrund des Aussageverhaltens des Beschuldigten ent-
stehen starke Zweifel daran, dass er das Alter der Straf- und Zivilklägerin nicht 
kannte und es kann insbesondere ausgeschlossen werden, dass sie dem Beschul-

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digten wahrheitswidrig gesagt hat, sie sei bereits 16 Jahre alt. Auch die Straf- und 
Zivilklägerin hat in diesem Punkt allerdings nicht klare Aussagen gemacht. 
Während sie an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zuletzt angab, sie habe 
dem Beschuldigten ihr Alter mitgeteilt, sagte sie ansonsten – auch in der erstin-
stanzlichen Einvernahme, sie sei nicht sicher, ob sie dem Beschuldigten ihr Alter 
mitgeteilt habe, auch wenn sie meinte/das Gefühl habe, ihm dies gesagt zu haben 
(pag. 61 Z. 493). Allein gestützt auf ihre Aussagen kann sein Wissen um das Alter 
der Straf- und Zivilklägerin damit nicht als erstellt gelten. Es gibt in den Akten aller-
dings verschiedene zusätzliche Elemente, die darauf hinweisen, dass der Beschul-
digte um das Alter der Straf- und Zivilklägerin wusste: Der Beschuldigte gab in sei-
ner ersten Einvernahme selber an, die Straf- und Zivilklägerin sei «jung» resp. 
«sehr jung» gewesen beim Beginn ihrer Lehre. Da der Beschuldigte selber das 
8. und 9. Schuljahr und auch seine berufliche Ausbildung in der Schweiz absolviert 
hat, wusste er, dass in den einschlägigen Jahrgängen eine Lernende oft erst 
während dem ersten Lehrjahr 16 Jahre alt wurde, insbesondere, wenn sie «sehr 
jung» wirkte. Ihr junges Alter scheint im Betrieb denn auch allgemein aufgefallen zu 
sein. So beschrieben mehrere der befragten damaligen Mitarbeitenden die Straf- 
und Zivilklägerin von sich aus als «sehr jung» (X.________: pag. 66 Z. 70 und pag. 
67 Z. 99), als unerfahren/unreif (E.________: pag. 101 Z. 227 ff. und pag. 102 
Z. 259) oder betonten den Altersunterschied zwischen ihnen und der Straf- und Zi-
vilklägerin (O.________: pag. 85 Z. 37 f.; F.________: pag. 92 Z. 36). Damit über-
einstimmend hat die Straf- und Zivilklägerin angegeben, im Betrieb sei bekannt 
gewesen, wie alt sie sei. Einige hätten gesehen, dass sie sehr jung sei und sie ge-
fragt, ob sie noch ein Zwischenjahr gemacht habe (pag. 50 Z. 78 ff.). Schliesslich 
war das junge Alter der Straf- und Zivilklägerin auch Gesprächsthema zwischen 
E.________ und dem Beschuldigten, indem der Beschuldigte dieser gesagt habe, 
die Straf- und Zivilklägerin sei ihm «viel zu jung» (pag. 100 Z. 141). Es ist daher 
nicht glaubhaft, dass der Beschuldigte das Alter der Straf- und Zivilklägerin nicht 
mitbekommen haben soll. Weiter sprachen die beiden über diverse private The-
men– so wusste die Straf- und Zivilklägerin insbesondere auch, wie alt und wie 
gross der Beschuldigte war resp. ist (pag. 42 Z. 94 und pag. 61 Z. 493). Es er-
scheint daher naheliegend, dass sich die beiden auch über das Alter der Straf- und 
Zivilklägerin ausgetauscht haben, zumal sie damals kurz vor ihrem 16. Geburtstag 
stand und die Geburtstage der Mitarbeitenden auf einem aufgehängten «Geburts-
tagsblatt» ersichtlich waren (Straf- und Zivilklägerin: pag. 50 Z. 88 f.; Beschuldigter: 
pag. 33 Z. 226 f.). In der Gesamtschau hat die Kammer keine Zweifel daran, dass 
der Beschuldigte im Tatzeitraum das Alter der Straf- und Zivilklägerin kannte. Dies 
erklärt denn auch, warum der Beschuldigte in der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung derart umständlich und unglaubhaft zu begründen versuchte, weshalb er die 
Straf- und Zivilklägerin um ihr Alter gefragt habe, während er zu Beginn des Verfah-
rens keinerlei entsprechende Aussagen gemacht hatte. 

Der Sachverhalt gemäss Ziff. 1.1 erster Abschnitt und Ziff. 1.2 erster Abschnitt der 
Anklageschrift gilt als erstellt.

24

III. Rechtliche Würdigung

12. Tatbestand

Den Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB begeht, wer mit einem Kind unter 16 Jah-
ren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder 
es in eine sexuelle Handlung einbezieht. Handelte der Täter in der irrigen Vorstel-
lung, das Kind sei mindestens 16 Jahre alt, hätte er jedoch bei pflichtgemässer 
Vorsicht den Irrtum vermeiden können, wird er milder bestraft (Art. 187 Ziff. 4 
StGB). Die Vorinstanz hat die weiteren rechtlichen Voraussetzungen des Tatbe-
standes zutreffend ausgeführt, darauf wird verwiesen (pag. 552, S. 32 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung).

13. Subsumtion

Nachdem das Beweisergebnis der Vorinstanz bestätigt wurde, ergibt sich die Sub-
sumtion unter den Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB ohne weiteres aus dem 
festgestellten Sachverhalt. Es kann deshalb die entsprechende Erwägung der Vor-
instanz zitiert werden (pag. 552 f., S. 32 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Wie das Beweisverfahren ergeben hatte, hat der Beschuldigte die Privatklägerin im Zeitraum Dezem-
ber 2017 bis .________ einmal wöchentlich an den Po, sowie insgesamt zwei Mal unter dem Büsten-
halter an die Brust gefasst und gab ihr insgesamt zwei Küsse, bei denen er mit der Zunge in ihre 
Mundhöhle eindrang. Die Privatklägerin war im besagten Zeitraum unter 16 Jahren alt. Es handelt 
sich bei sämtlichen genannten Handlungen offensichtlich um sexuelle Handlungen im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 StGB. Der objektive Tatbestand ist erfüllt. Das Berühren der Geschlechtsteile über den 
Kleidern gelang dem Beschuldigten indessen nicht, da die Privatklägerin seine Hand wegs-
tiess/wegschlug. Diesbezüglich fehlt es am Erfolg des objektiven Tatbestandes. Indem er nur durch 
das Wegstossen/Wegschlagen seiner Hand daran gehindert wurde, die Berührung auszuführen, hatte 
er die Schwelle zum Versuch überschritten (Art. 22 StGB). 

Wie das Beweisverfahren weiter gezeigt hat, wusste der Beschuldigte um das Alter der Privatklägerin 
und nahm dennoch wissentlich und willentlich sexuelle Handlungen mit ihr vor. Dass dem Beschuldig-
te das in der Schweiz geltende Schutzalter von 16 Jahren nicht bekannt gewesen wäre, wurde nicht 
geltend gemacht. Dass es sich bei Zungenküssen und Berührungen der primären und sekundären 
Geschlechtsteile um sexuell motivierte Handlungen handelt, ist offenkundig und musste sich der Be-
schuldigte bewusst sein. Der Beschuldigte handelte vorsätzlich, womit auch der subjektive Tatbestand 
der sexuellen Handlungen mit Kindern erfüllt ist.

Zu ergänzen ist, dass die Verteidigung erstmals anlässlich des oberinstanzlichen 
Plädoyers ausführte, der Beschuldigte habe zu Beginn des Verfahrens noch nicht 
gewusst, wie wichtig die Altersgrenze von 16 Jahren in der Schweiz sei. Dem ist 
nicht zu folgen, da sich der Beschuldigte ansonsten selber entsprechend geäussert 
hätte. Daneben lebte der Beschuldigte bereits seit mehreren Jahren in der Schweiz 
und muss um die Bedeutung des Schutzalters und dessen Ausgestaltung hierzu-
lande gewusst haben.

Damit hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbe-
stand von Art. 187 Ziff. 1 StGB erfüllt. Rechtfertigende oder schuldausschliessende 
Umstände sind nicht ersichtlich.

25

14. Fazit

Der Beschuldigte wird der mehrfachen, teilweise versucht begangenen sexuellen 
Handlungen mit Kindern, begangen im Zeitraum anfangs Dezember 2017 bis 
.________ schuldig erklärt.

IV. Strafzumessung

15. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung

Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Strafzumessung korrekt ausgeführt, darauf 
wird verwiesen (pag. 554 f., S. 43 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

16. Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-
ten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst 
nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn 
dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnor-
men ist nach der sog. konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende 
Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzu-
stellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das 
alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist aus-
geschlossen (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1 und 6.2.3; weitere Ausführungen: 
pag. 553 ff., S. 33 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Der Beschuldigte hat mehrfach sexuelle Handlungen mit einem Kind vorgenom-
men. Ein Teil dieser Handlungen erfolgte im Jahr 2017, der andere Teil im 
Jahr .________ und somit nach in Krafttreten der revidierten Bestimmungen. Für 
diesen zweiten Teil der Delikte stellt sich die Frage nach dem anwendbaren Recht 
nicht – sie können von vornherein nur nach dem neuen Recht beurteilt werden. Für 
die Tatbegehung im Jahr 2017 beurteilt sich die Frage nach dem anwendbaren 
Recht anhand der konkreten Strafzumessung. Wie sogleich aufgezeigt wird, ist für 
jede der Tatbegehungen vorliegend eine Geldstrafe auszusprechen. Die einzelnen 
Geldstrafen sind sodann zu einer Gesamtstrafe zu asperieren. Dabei ist von be-
sonderer Relevanz, dass die Gesamtgeldstrafe seit dem 1. Januar 2018 lediglich 
180 Tagessätze betragen darf, während früher Gesamtgeldstrafen bis zu 360 Ta-
gessätzen möglich waren. Dadurch erweist sich das aktuelle Recht als das mildere.

17. Vorgehen und Methodik

Der Beschuldigte hat mehrfach dasselbe Delikt begangen, wobei die einzelnen 
Handlungen und Vorfälle individualisierbar sind. Obwohl der Beschuldigte dabei 
jeweils denselben Tatbestand erfüllt hat, ist deshalb in einem ersten Schritt nach 
der konkreten Methode für jede einzelne Tatbegehung eine Strafe zu bestimmen. 
Danach wird mit den Strafen der gleichen Strafart in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 
StGB eine Gesamtstrafe gebildet. Dabei wird die Strafe für das schwerste Delikt als 

26

Einsatzstrafe bestimmt und diese Strafe nach dem Prinzip der Asperation ange-
messen erhöht (zum ganzen Vorgehen: BGE 144 IV 217, BGE 144 IV 313).

18. Strafart

Das Gericht bestimmt beim Aussprechen einer Strafe zuerst die Art der Strafe und 
setzt danach das Strafmass fest. Bei der Wahl der Strafart trägt es neben dem 
Verschulden des Täters, der Zweckmässigkeit der Strafe, ihren Auswirkungen auf 
die Täterschaft und auf ihr soziales Umfeld sowie ihrer Wirksamkeit unter dem Ge-
sichtswinkel der Prävention Rechnung (BGE 147 IV 241 = Pra 111 [2022] Nr. 17, 
Urteil des Bundesgerichts 6B_355/2021 vom 22. März 2023 E. 3.3). Die Geldstrafe 
hat als mildere Sanktion grundsätzlich Vorrang gegenüber der Freiheitsstrafe 
(BGE 144 IV 217 E. 3.6). Im Bereich von Strafen bis zu 180 Strafeinheiten kann 
das Gericht unter den Voraussetzungen von Art. 41 StGB resp. Art. 41 aStGB statt 
auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen.

Sexuelle Handlungen mit Kindern können gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB mit Frei-
heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe sanktioniert werden, wobei die Gelds-
trafe nach neuem Recht maximal 180 Tagessätze, nach altem Recht maximal 
360 Tagessätze betragen darf (Art. 34 StGB resp. aStGB).

Der Beschuldigte ist bei den einzelnen Vorfällen jeweils ähnlich vorgegangen. Die 
Tatumstände sind identisch und das Verschulden vergleichbar. Alle Vorfälle betref-
fen denselben Tatbestand und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten 
haben sich über die Begehung der einzelnen Delikte nicht verändert. Entsprechend 
fallen die Erwägungen zur Strafart für die einzelnen Delikte identisch aus. Es recht-
fertigt sich daher, die Wahl der Strafart zusammengefasst zu begründen.

Der Beschuldigte fiel vor den vorliegend beurteilten Delikten strafrechtlich nicht auf. 
Danach – jedoch vor Eröffnung des vorliegenden Verfahrens – kam es zu einem, 
jedoch nicht einschlägigen, Strafregistereintrag wegen einem Vorfall im Strassen-
verkehr (pag. 656 f.). Der Beschuldigte befindet sich in geregelten beruflichen, fi-
nanziellen und familiären Verhältnissen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass 
es einer Freiheitsstrafe bedarf, um den Beschuldigten von der Begehung weiterer 
Delikte abzuhalten. Entsprechend kann ihm auch der bedingte Vollzug gewährt 
werden (siehe Ziff. 21.4 unten). Die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten 
sind zwar eher knapp, aber geregelt, so dass mit dem erfolgreichen Vollzug einer 
Geldstrafe gerechnet werden kann. Sowohl nach Anwendung des alten als auch 
des neuen Rechts wäre demnach für eine Strafe von weniger als 180 Tagessätzen 
eine Geldstrafe auszusprechen.

Die Geldstrafe erscheint denn auch mit Blick auf die übrigen Kriterien für die Be-
stimmung der Strafart die geeignete Sanktion. Aufgrund der erwarteten spezialprä-
ventiven Wirkung der Geldstrafe ist es vorliegend nicht angezeigt, vom Grundsatz 
abzuweichen, wonach die Geldstrafe als mildere Sanktion grundsätzlich Vorrang 
hat gegenüber der Freiheitsstrafe. Dies gilt umso mehr, als sich die zu beurteilen-
den Vorfälle kurz vor dem 16. Geburtstag der Straf- und Zivilklägerin und damit ge-
rade noch im Anwendungs-/ und Schutzbereich des Tatbestands der sexuellen 
Handlungen mit Kindern ereigneten. Ohne die Vorfälle für die Straf- und Zivilkläge-

27

rin zu bagatellisieren, erscheint eine Geldstrafe im Quervergleich mit der mit Busse 
bedrohten sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 StGB vorliegend angemessen.

Der Beschuldigte ist demnach für jeden einzelnen Vorfall mit einer Geldstrafe zu 
sanktionieren. Damit ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe 
zu bilden. Der erste Zungenkuss gilt dabei als das eingriffsintensivste Delikt; dafür 
wird die Einsatzstrafe gebildet (pag. 556, S. 36 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung).

19. Einsatzstrafe

19.1 Objektive Tatschwere

Der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern will die Gefährdung der se-
xuellen Entwicklung der Unmündigen verhindern. Es geht darum, die ungestörte 
Entwicklung des Kindes zu gewährleisten, bis es die notwendige Reife erlangt hat, 
damit es zur verantwortlichen Einwilligung zu sexuellen Handlungen in der Lage ist. 
Die Schwere der Verletzung des Rechtsguts ist bei Sexualdelikten erfahrungs-
gemäss schwierig zu bestimmen. Die Folgen und Traumatisierungen hängen unter 
anderen von der Art und Intensität der sexuellen Ausbeutung, vom Alter der betrof-
fenen Kinder, vom Geschlecht und Alter des Täters und von der Intensität der Be-
ziehung zwischen Opfer und Täter ab (MAIER in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler 
Kommentar Strafrecht, 4. Auflage 2019, N 1 f. zu Art. 187 StGB).

Der Beschuldigte verabreichte der damals kurz vor ihrem 16. Geburtstag stehen-
den Straf- und Zivilklägerin während der Dienstzeit im Badezimmer eines 
AG.________-bewohners einen Zungenkuss. Die Dauer und Intensität des Kusses 
sind nicht bekannt. Die Straf- und Zivilklägerin wollte diese Art von Intimität mit dem 
Beschuldigten nicht, wobei sie den Beschuldigten beim Kuss – im Gegensatz zum 
Versuch, sie im Intimbereich zu berühren – nicht direkt darauf hinwies. Der Be-
schuldigte wendete keine Gewalt an und die Straf- und Zivilklägerin erlitt durch sei-
ne Handlungen keine körperlichen Schmerzen. Auf dem Spektrum der denkbaren 
Rechtsgutsverletzungen ist der Kuss aufgrund dieser Kriterien im unteren Bereich 
anzusiedeln. Die Handlung ist jedoch keineswegs zu bagatellisieren: Bei einem 
aufgedrängten Zungenkuss handelt es sich um einen intensiven Eingriff in die se-
xuelle und körperliche Integrität. Ein solches Erlebnis gefährdet die sexuelle Ent-
wicklung einer jungen Person wie der Straf- und Zivilklägerin, selbst wenn sie sich 
nur noch knapp im Schutzalter befindet.

In Bezug auf die Art und Weise der Tatbegehung ist weiter zu berücksichtigen, 
dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten gegenüber der Straf- und Zivilklägerin 
als Lernende im ersten Lehrjahr eine deutliche Grenzüberschreitung begangen hat. 
Diese hat bei der Straf- und Zivilklägerin denn auch eine grosse Stressreaktion 
ausgelöst, da sie die ungewollte Nähe zum Beschuldigten erdulden musste, sich 
aufgrund der Grössen- und Machtverhältnisse nicht zu wehren traute und überdies 
befürchtete, bei einer Meldung der Vorfälle ihre Lehrstelle zu verlieren. Der Be-
schuldigte befand sich aufgrund des Altersunterschieds und der Hierarchie im Be-
trieb gegenüber der Straf- und Zivilklägerin in einer überlegenen Machtposition. Er 
war zwar weder ihr Vorgesetzter noch ihr Ausbildungsverantwortlicher, begleitete 
sie jedoch im Alltag bei der Arbeit, erklärte ihr konkrete Tätigkeiten und gab ge-

28

genüber der Ausbildnerin Rückmeldungen ab. Darüber hinaus pflegten die beiden 
zumindest zu Beginn der Lehre ein gutes Verhältnis, der Beschuldigte stellte für die 
Straf- und Zivilklägerin eine Vertrauensperson dar. Der neun Jahre ältere Beschul-
digte mit abgeschlossener Berufsausbildung trug gegenüber der Straf- und Zivilklä-
gerin die Verantwortung, im Berufsalltag für ein angemessenes Verhältnis von 
Nähe und Distanz zu sorgen. Mit dem verabreichten Zungenkuss kam er nicht nur 
dieser Verantwortung nicht nach, sondern missbrauchte seine Machtposition und 
das Vertrauen der Straf- und Zivilklägerin in verwerflicher Weise.

19.2 Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte vorsätzlich und aus egoistischen Beweggründen. Es 
ging ihm einzig um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse, welche er über 
das Wohl der Straf- und Zivilklägerin stellte. Sein Handeln war ohne weiteres ver-
meidbar. Durch diese tatbestandsimmanenten Elemente wird das Tatverschulden 
weder erhöht noch gemindert.

19.3 Fazit Tatverschulden

Nach dem Gesagten bewegt sich das Tatverschulden insgesamt noch in einem 
leichten Bereich. Mit Blick auf den Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Freiheitsstra-
fe wird die von der Vorinstanz veranschlagte Strafhöhe von 105 Tagessätzen als 
angemessen erachtet.

20. Asperation

20.1 Zweiter Zungenkuss

Für die Beurteilung des Tatverschuldens beim zweiten Zungenkuss kann auf das 
bereits Gesagte verwiesen werden – das Tatvorgehen und damit das Tatverschul-
den waren identisch. Auch für den zweiten Kuss ist somit eine Geldstrafe von 
105 Tagessätzen angemessen. Beim praxisgemässen Asperationsfaktor von zwei 
Dritteln wird die Einsatzstrafe für den zweiten Zungenkuss somit um 70 Tagessätze 
erhöht.

20.2 Berühren der Brüste

Der Beschuldigte hat die Straf- und Zivilklägerin unter dem BH an den nackten 
Brüsten berührt. Auch damit hat er ihre sexuelle Entwicklung gefährdet, wobei die 
Intensität des Eingriffs im Vergleich zu einem Zungenkuss knapp tiefer beurteilt 
wird. In Bezug auf die übrigen Faktoren des Tatverschuldens kann auf das bereits 
Gesagte verwiesen werden.

Für ein einmaliges Berühren der Brust erscheint eine Strafe im Bereich von 60-
90 Tagessätzen angemessen. Bei einer Erhöhung der Strafe mit dem Asperations-
faktor von zwei Dritteln wird damit bereits betreffend das erste Berühren der Brüste 
eine Geldstrafe von über 180 Tagessätzen erreicht.

20.3 Weitere Vorfälle

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum aktuell geltenden Recht darf 
die Gesamtgeldstrafe die Grenze von 180 Tagessätzen gemäss Art. 34 Abs. 1 
StGB nicht überschreiten – die Gesamtstrafe ist auf 180 Tagessätze zu reduzieren, 

29

selbst wenn das Ergebnis der Asperation darüber liegt (BGE 144 IV 313 E.1.1., Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_712/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 3.1). Laut der 
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist hinzunehmen, dass die vom Gesetzgeber 
getroffene Konkurrenzregelung nicht in allen Konstellationen mehrfacher Delikts-
verwirklichung befriedigt und insbesondere im Hinblick auf das seit dem 1. Janu-
ar 2018 reduzierte Höchstmass der Geldstrafe auf 180 Tagessätze bei mehrfach 
begangener (leichter) Kriminalität zu unbilligen Ergebnissen führt (BGE 144 IV 217 
E. 3.6).

Aufgrund dieser Obergrenze von 180 Tagessätzen erübrigt sich die konkrete Be-
messung der Strafe für die weitere Berührung der Brüste, die zwei Versuche, die 
Straf- und Zivilklägerin im Intimbereich zu berühren sowie die insgesamt sieben 
Berührungen am Gesäss. Die Gesamtstrafe käme weit über 180 Tagessätzen zu 
liegen, weshalb am Schluss eine Reduktion auf 180 Tagessätze vorgenommen 
werden muss.

21. Konkrete Strafe

21.1 Täterkomponente

Für die Täterkomponenten kann weitgehend die Vorinstanz zitiert werden 
(pag. 562, S. 42 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Der Beschuldigte ist t.________ Staatsangehöriger, ist aber in U.________(Land) geboren und lebte 
die ersten 14 Lebensjahre dort (pag. 458, Z. 34 / Z. 45). In der Schweiz absolvierte er zunächst Prak-
tika, bevor er zur Ausbildung als L.________ zugelassen wurde, die er erfolgreich abgeschlossen hat 
(pag. 461, Z. 35 ff.). 

Der Beschuldigte ist verheiratet und hat mit seiner Frau zwei gemeinsame Töchter. Die Familie lebt 
zusammen in AB.________ (pag. 458, Z. 20 ff.). Sein Vater wohnt im gleichen Haus wie die Familie, 
während seine Mutter in T.________ lebt (pag. 458, Z. 28 ff.). Der Beschuldigte arbeitet bei der 
G.________ und .________ (pag. 461, Z. 44 ff.). Er verdient ca. CHF 5'000.00 bis CHF 6'000.00 brut-
to im Monat (pag. 458, Z. 18), seine Frau arbeitet aufgrund der Kinderbetreuung seit mehr als einem 
Jahr nicht mehr (pag. 458, Z. 41 f.). Finanziell ist es für die Familie schwierig über die Runden zu 
kommen, der Beschuldigte hat Schulden bei seinem Vater (pag. 458, Z. 39 ff.). 

Der Beschuldigte hat eine geringfügige Vorstrafe: er wurde am 27.08.2019 von der Staatsanwalt-
schaft Oberland wegen Beschimpfung, Verletzung der Verkehrsregeln und Übertretung gegen die 
Verkehrsregelverordnung zu einer Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu je CHF 80.00, bedingt vollziehbar 
bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von CHF 560.00 verurteilt (pag. 441). 

Der Beschuldigte lebt in familiär geordneten Verhältnissen. Er hat eine Vorstrafe, die aber nicht ein-
schlägig ist und aufgrund der Art der Delikte und der geringen Höhe der Strafe nicht ins Gewicht fällt. 
Er ist immer selber für seinen Lebensunterhalt aufgekommen und finanziert auch seine junge Familie 
selber. 

Dass der Beschuldigte nicht geständig ist, ist ihm nicht negativ anzurechnen, gibt aber auch keinen 
Geständnisbonus. Der Beschuldigte verhielt sich vor Gericht höflich und korrekt. Aus den Akten geht 
nichts Anderes hervor, als dass er sich im gesamten Strafverfahren kooperativ verhalten hat. 

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aus-
sergewöhnlichen Umständen zu bejahen (Urteil BGer 6B_1095/2014 vom 24.03.2015 E. 3.3). Solche 

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Umstände sind vorliegend nicht ersichtlich. Beim Beschuldigten liegt keine besondere Strafempfind-
lichkeit vor. 

Seit der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde der Beschuldigte ein drittes Mal 
Vater. Die Beurteilung der Täterkomponente ändert sich dadurch nicht. Diese wird 
auch oberinstanzlich als neutral bewertet.

21.2 Retrospektive Konkurrenz

Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er wegen 
einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Wei-
se, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlun-
gen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB).

Der Beschuldigte wurde mit Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland 
vom 27. August 2019 unter anderem zu einer Geldstrafe von acht Tagesätzen ver-
urteilt (pag. 656 f.). Damit liegt eine Konstellation der retrospektiven Konkurrenz 
vor. Aufgrund der Tatsache, dass die Gesamtgeldstrafe für den Beschuldigten die 
Grenze von 180 Tagessätze deutlich überschreitet, erübrigen sich ausführliche Be-
rechnungen zur Zusatzstrafe: Bei Asperation der acht Tagessätze gemäss Strafbe-
fehl vom 27. August 2019 sowie Abzug der bereits ausgefällten Strafe kommt die 
vorliegende Zusatzstrafe immer noch über 180 Tagessätzen zu liegen. In Anwen-
dung der bereits zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Zusatzstrafe 
auf 180 Tagessätze zu reduzieren.

21.3 Tagessatzhöhe

Der Beschuldigte verdient monatlich und unter Berücksichtigung des 13. Monats-
lohns CHF 5'442.00. Relevante Schulden weist er nicht auf (pag. 655). Seine Ehe-
frau ist nicht erwerbstätig. Unter Gewährung eines Pauschalabzugs von 20% für 
Krankenkasse, Steuern etc., sowie 15% Unterstützungsabzüge für die Ehefrau und 
das erste Kind, 12.5% für das zweite und 10% für das dritte Kind resultiert eine Ta-
gessatzhöhe von CHF 60.00.

21.4 Bedingter Vollzug und Verbindungsbusse

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von 
höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht not-
wendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver-
gehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Eine bedingte Strafe kann mit einer Busse 
nach Art. 106 verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB).

Wie aus den Erwägungen zur Täterkomponente hervorgeht, lebt der Beschuldigte 
in geordneten beruflichen, sozialen und finanziellen Verhältnissen. Es weist ledig-
lich eine geringfügige, nicht einschlägige Vorstrafe auf und liess sich seit der Eröff-
nung des vorliegenden Strafverfahrens nichts mehr zu Schulden kommen. Auch 
wenn das Urteil der Kammer im Vergleich zum erstinstanzlichen Urteil milder aus-
fällt, gibt es beim Beschuldigten keine Anzeichen für eine schlechte Legalprognose, 
die den unbedingten Vollzug der Geldstrafe notwendig erscheinen lassen. Insbe-
sondere mit Blick auf die zwar geregelten, aber knappen finanziellen Verhältnisse 
der fünfköpfigen Familie sowie den Umstand, dass dem Beschuldigten bei einer 
weiteren strafrechtlichen Verurteilung neben einer möglichen Landesverweisung 

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auch ausländerrechtliche Konsequenzen drohen dürften, wird die bedingte Gelds-
trafe als ausreichend erachtet, um den Beschuldigten von der Begehung weiterer 
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Aus denselben Gründen ist es auch nicht 
angezeigt, einen Teil der Strafe im Sinne eines «Denkzettels» als Verbindungsbus-
se auszusondern, zumal der Beschuldigte mit den ihm auferlegten Verfahrenskos-
ten bereits eine spürbare Belastung zu tragen hat. Die Probezeit wird auf das ge-
setzliche Minimum von zwei Jahren gesetzt (Art. 44 Abs. 1 StGB).

21.5 Fazit

Der Beschuldigte wird als Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Oberland vom 27. August 2019 zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 
je CHF 60.00, ausmachend total CHF 10’800.00, verurteilt. Der Vollzug der Gelds-
trafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

V. Tätigkeitsverbot

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 67 Abs. 3 StGB, 
Stand am 1. Januar 2018, für die Dauer von zehn Jahren jede berufliche und orga-
nisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjäh-
rigen umfasst, verboten.

Die Bestimmungen zum Tätigkeitsverbot haben sich per 1. Januar 2019 geändert. 
Nach dem im Tatzeitpunkt geltenden Recht wurde gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB mit 
einem Tätigkeitsverbot von 10 Jahren belegt, wer (unter anderem) wegen sexuel-
len Handlungen mit Kindern zu einer Freiheitsstrafe von über sechs Monaten oder 
einer Massnahme nach den Art. 59–61 oder 64 verurteilt wurde. Seit dem 1. Janu-
ar 2019 wird nach Art. 67 Abs. 3 StGB einem lebenslänglichen Tätigkeitsverbot be-
legt, wer (unter anderem) wegen sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer Strafe 
oder einer Massnahme nach den Art. 59–61, 63 oder 64 verurteilt wird.

Der Beschuldigte wird wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind verurteilt. Da-
mit erfüllt er die Kriterien für ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot gemäss aktuell 
geltendem Recht, wobei die Kammer aufgrund des geltenden Verschlechterungs-
verbots nicht über das von der Vorinstanz ausgesprochene Tätigkeitsverbot von 
zehn Jahren hinausgehen kann. Aufgrund der Verurteilung zu einer Geldstrafe von 
180 Tagessätzen statt einer Freiheitsstrafe sind jedoch bei Anwendung des im Tat-
zeitpunkt geltenden Rechts die Voraussetzungen für das obligatorische Tätigkeits-
verbot nach Art. 67 Abs. 3 aStGB nicht gegeben. Da beim Beschuldigten keine 
Hinweise darauf bestehen, dass er in Ausübung einer beruflichen oder einer orga-
nisierten ausserberuflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt mit Minder-
jährigen oder mit anderen besonders schutzbedürftigen Personen umfasst, weitere 
Straftaten dieser Art begehen würde, scheidet auch die Möglichkeit eines Tätig-
keitsverbots von ein bis zehn Jahren gestützt auf Art. 67 Abs. 2 StGB aus.

Damit erweist sich die Anwendung des zum Tatzeitpunkt geltenden Rechts vorlie-
gend als milder. In Anwendung von Art. 2 Abs. 2 StGB ist für die Frage des Tätig-
keitsverbots somit das alte Recht anzuwenden und auf das Aussprechen eines 
Tätigkeitsverbots zu verzichten.

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VI. Landesverweisung

22. Rechtliche Grundlagen

Nach Art. 66a Abs. 1 Bst. h StGB verweist das Gericht den Ausländer, der wegen 
sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der 
Strafe für fünf bis 15 Jahre aus der Schweiz. Für die weiteren rechtlichen Aus-
f