# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 13f6c4c0-f171-5621-a957-ed1e75a6e649
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 11.11.2025 SST.2025.167
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2025-167_2025-11-11.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2025.167 
(NA.2025.8; StA.2025.1298) 

 

 

Urteil vom 11. November 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Sprenger 

 

 
   

Anklägerin  

 

 

 
    

 

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 

 

Verurteilter   A._____, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. Jürg Krumm,  

[…] 

 

 
    
Gegenstand  Anordnung einer Massnahme 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Das Bezirksgericht Aarau verurteilte A._____ mit Urteil vom 1. September 

2022 wegen versuchter qualifizierter Vergewaltigung, mehrfacher 

Vergewaltigung, Hausfriedensbruchs, mehrfacher sexueller Nötigung, 

qualifizierter sexueller Nötigung, mehrfacher einfacher Körperverletzung, 

mehrfacher versuchter Nötigung, mehrfacher Drohung, mehrfacher Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte und Störung des Eisen-

bahnverkehrs zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren. Zudem ordnete es eine 

stationäre Massnahme für junge Erwachsene gemäss Art. 61 Abs. 1 StGB 

sowie ein Tätigkeitsverbot an. 

 

2. 

2.1. 

Das Amt für Justizvollzug hob mit in Rechtskraft erwachsener Verfügung 

vom 3. Februar 2025 den Vollzug der stationären Massnahme für junge 

Erwachsene «suspensiv» auf den Zeitpunkt hin auf, an dem gerichtlich 

über den Antrag auf Änderung einer Massnahme entschieden werde. 

 

2.2. 

Am 3. Februar 2025 beantragte das Amt für Justizvollzug, es sei gestützt 

auf Art. 62c Abs. 6 StGB anstelle der mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

vom 1. September 2022 angeordneten stationären Massnahme für junge 

Erwachsene gemäss Art. 61 Abs. 1 StGB eine stationäre therapeutische 

Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB anzuordnen.  

 

Am 13. März 2025 stellte die gemäss § 39 Abs. 2 EG StPO zuständige 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beim Bezirksgerichts Aarau den 

entsprechenden Antrag auf Umwandlung einer Massnahme.  

 

2.3. 

Mit Urteil vom 12. Juni 2025 wies das Bezirksgericht Aarau die 

Umwandlung einer stationären Massnahme für junge Erwachsene gemäss 

Art. 61 Abs. 1 StGB in eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss 

Art. 59 Abs. 1 StGB ab, ordnete den Vollzug der Freiheitsstrafe gemäss 

Art. 62c Abs. 2 StGB unter Anrechnung des ausgestandenen Freiheits-

entzugs sowie eine ambulante therapeutische Massnahme gemäss Art. 63 

Abs. 1 StGB an. Mit gleichentags ergangenem Beschluss ordnete es für 

den Verurteilten Sicherheitshaft an.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 30. Juni 2025 beantragte die Staats-

anwaltschaft die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme 

gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB. 

 - 3 - 

 

 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 28. Juli 2025 wurde dem Verurteilten der vorzeitige 

Straf- und (ambulante) Massnahmenvollzug bewilligt. 

 

3.3. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme des Sachverständigen 

Dr. med. C._____ sowie des Verurteilten fand am 11. November 2025 statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Vorinstanz sah von einer Umwandlung der stationären Massnahme für 

junge Erwachsene gemäss Art. 61 StGB in eine stationäre therapeutische 

Massnahme gemäss Art. 59 StGB ab und ordnete den Vollzug der 

Freiheitsstrafe sowie eine ambulante therapeutische Massnahme gemäss 

Art. 63 StGB an. Sie erwog, dass mit Urteil vom 1. September 2022 – trotz 

der Empfehlung der Sachverständigen Dr. med. D._____ anlässlich der 

damaligen Hauptverhandlung, eine stationäre therapeutische Massnahme 

nach Art. 59 StGB anzuordnen – eine Massnahme für junge Erwachsene 

gemäss Art. 61 StGB angeordnet worden sei. Es müssten gewichtige neue 

Tatsachen vorliegen, die eine Abänderung des Sachurteils zu rechtfertigen 

vermögen, andernfalls nicht in das Ermessen des früheren Gerichts 

eingegriffen werden könne. Solche Tatsachen seien nicht geltend gemacht 

worden und lägen nicht vor. Einzig die Tatsache, dass das Massnahmen-

ziel bis zum Erreichen der Höchstdauer der Massnahme für junge 

Erwachsene nicht erreicht worden sei, genüge für sich alleine nicht für 

einen Wechsel zu einer anderen Massnahme i.S.v. Art. 62c Abs. 6 StGB. 

Zudem sei eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 

StGB unverhältnismässig, zumal der Verurteilte mehr als die Hälfte seiner 

Strafe bereits abgesessen habe und er eine gewisse aktenkundige positive 

Entwicklung aufweise (vorinstanzliches Urteil E. 4.3.1). Nachdem die 

Voraussetzungen einer ambulanten Massnahme erfüllt seien und der 

Sachverständige diese nicht als ungeeignet betrachte, sei selbige 

anzuordnen (vorinstanzliches Urteil E. 4.3.2). 

 

Die Staatsanwaltschaft bringt dagegen vor, dass sich seit dem ursprüng-

lichen Strafverfahren sehr wohl neue Tatsachen ergeben hätten. Der 

bisherige Behandlungsverlauf sei beim Verurteilten insgesamt ernüchternd 

ausgefallen. Es sei dem Verurteilten nicht gelungen, ein tiefergehendes 

Problembewusstsein zu entwickeln und er zeige weiterhin rigide 

Externalisierungs- und Bagatellisierungstendenzen und sei nicht bereit, die 

Verantwortung für seine Taten zu übernehmen. Zudem liege ein überdurch-

schnittliches Risiko für erneute Sexual- und Gewaltdelikte vor. Die 

Anordnung einer stationären Massnahme sei zudem verhältnismässig. 

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Nachdem eine dissoziale Persönlichkeitsstörung schwer zu therapieren 

sei, könne diese mit einer ambulanten Massnahme nicht nachhaltig 

behandelt werden (Plädoyer der Staatsanwaltschaft S. 1 ff.). 

 

Der Verurteilte stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass keine 

neuen Tatsachen vorliegen würden. Zudem fehle es an der Eignung, der 

Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit i.e.S. der stationären Mass-

nahme gemäss Art. 59 StGB. Es sei mit einer wesentlich längeren als vom 

Sachverständigen prognostizierten Massnahmendauer von 7 bis 12 Jahren 

und einem damit einhergehenden sehr schweren Eingriff in die Freiheits-

rechte zu rechnen. Mit der derzeitigen (vollzugsbegleitenden) ambulanten 

Massnahme könne eine Minimierung der Rückfallgefahr erreicht werden. 

Bei einer stationären Massnahme würde er hingegen nicht mitmachen 

(Plädoyer der Verteidigung S. 1 ff.).  

 

2. 

Eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB wird 

u.a. aufgehoben, wenn die Durch- oder Fortführung aussichtslos erscheint 

oder die Höchstdauer von vier Jahren erreicht wurde und die Voraus-

setzungen für die bedingte Entlassung nicht eingetreten sind (Art. 62c Abs. 

1 lit. a bzw. lit. b i.V.m. Art. 61 Abs. 4 StGB). Ist der mit der Massnahme 

verbundene Freiheitsentzug kürzer als die aufgeschobene Freiheitsstrafe, 

so wird die Reststrafe vollzogen (Art. 62c Abs. 2 StGB). Anstelle des 

Strafvollzugs kann das Gericht eine andere Massnahme anordnen, wenn 

zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand 

des Täters in Zusammenhang stehender Verbrechen und Vergehen 

begegnen (Art. 62c Abs. 3 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_828/2019 

vom 5. November 2019 E. 1.2.1; vgl. zum Verhältnis der Regelungen in Art. 

62c Abs. 3 und 6 StGB: Urteile des Bundesgerichts 6B_70/2017 vom 19. 

Juli 2017 E. 6.2 und 6B_473/2014 vom 20. November 2014 E. 1.6.1). 

 

Mit Verfügung des Amts für Justizvollzug vom 3. Februar 2025 wurde 

rechtskräftig festgestellt, dass die früher angeordnete stationäre Mass-

nahme für junge Erwachsene aussichtslos sei (vgl. Art. 62c Abs. 1 lit. a 

StGB). Zudem wurde zutreffend festgehalten, dass die Voraussetzungen 

einer bedingten Entlassung nicht vorliegen würden (vgl. Art. 62c Abs. 2 

StGB; Verfügung vom 3. Februar 2025; vgl. unten). Darüber hinaus wurde 

auch die Höchstdauer der stationären Massnahme für junge Erwachsene 

am 14. Juni 2025 – zwei Tage nach dem erstinstanzlichen Urteil – bereits 

erreicht (vgl. Art. 62c Abs. 1 lit. b StGB), womit selbige als gescheitert anzu-

sehen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_473/2014 vom 20. November 

2014 E. 1.5.1 mit Hinweis). Anstelle des damit einhergehenden Straf-

vollzugs (Art. 62c Abs. 2 StGB) ist – wie im Folgenden zu zeigen ist – in 

Anwendung von Art. 62c Abs. 3 StGB eine stationäre therapeutische Mass-

nahme gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB anzuordnen.  

 

 - 5 - 

 

 

3. 

3.1. 

Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, 

der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungs-

bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert 

und die Voraussetzungen der Artikel 59-61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind 

(Art. 56 Abs. 1 StGB). Die Anordnung einer Massnahme setzt voraus, dass 

der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im 

Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht 

unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB). Das Gericht stützt sich bei 

seinem Entscheid über die Anordnung einer Massnahme nach den Artikeln 

59-61, 63 und 64 StGB sowie bei der Änderung der Sanktion nach Artikel 

65 StGB zwingend auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 

StGB; BGE 134 IV 315 E. 4.3.1). 

 

Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das Gericht eine stationäre 

Behandlung anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen 

begangen hat, das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht 

und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner 

psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 

59 Abs. 1 StGB). Es muss eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür 

bestehen, dass sich durch eine solche Massnahme über die Dauer von fünf 

Jahren die Gefahr weiterer Straftaten deutlich verringern lässt (BGE 134 IV 

315 E. 3.4.1). Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen 

oder in anderer Weise abhängig, kann das Gericht anordnen, dass er 

ambulant behandelt wird, wenn er eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die 

mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, und zu erwarten ist, dadurch 

lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters stehender Taten 

begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB). Sind mehrere Massnahmen in gleicher 

Weise geeignet, ist aber nur eine notwendig, so ordnet das Gericht 

diejenige an, die den Täter am wenigsten beschwert (Art. 56a Abs. 1 StGB). 

 

3.2. 

Der Verurteilte wurde – nach Begutachtungen im Rahmen des Verfahrens 

hinsichtlich der Anlasstaten – im vorliegenden Verfahren am 18. sowie 

19. September 2024 durch Dr. med. C._____ psychiatrisch begutachtet. 

Das von ihm gestützt darauf erstellte forensisch-psychiatrische Gutachten 

datiert vom 11. November 2024 (VA act. 7 129 ff.) und wurde anlässlich der 

Berufungsverhandlung ergänzt und ausführlich erläutert (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 13 ff.). Die gutachterlichen Ausführungen 

beruhen auf einer sorgfältigen Sachverhaltsabklärung und sind in sich 

schlüssig sowie nachvollziehbar, weshalb nachfolgend darauf abzustellen 

ist. Das Obergericht schliesst sich den Ausführungen an. Daran ändert 

auch das Vorbringen des Verurteilten nichts, wonach das Gutachten 

mangelhaft sei (GA act. 15 ff.; GA act. 115 ff.; Plädoyer der Verteidigung 

S. 8). Insofern der Verurteilte dabei vorbringt, dass der Sachverständige 

 - 6 - 

 

 

von einem falschen Sachverhalt hinsichtlich der Beteiligung des Vaters des 

Verurteilten an dessen Flucht ausgehen würde, kann ihm nicht gefolgt 

werden. Zwar werden im Gutachten Angaben der einweisenden Behörde 

zitiert, wonach der Vater das abweichende Verhalten durch Regelverstösse 

unterstütze (Mitbringen von Handy, Hilfe bei der Fluchtvorbereitung) und 

noch ein laufendes Kindesschutzverfahren bestehe (VA act. 7 175). Der 

Sachverständige macht durch seine Zitierung jedoch klar, dass es sich um 

Informationen der einweisenden Behörde handle. Er berücksichtigt denn 

auch die Schilderung des Verurteilten, wonach der Vater ihn nach der 

Flucht nach Aarau gefahren habe, wo er sich der Polizei stellen konnte (VA 

act. 7 171). Selbiges gilt auch für die Zitierung in Anführungs- und 

Schlusszeichen aus einer Stellungnahme des Arxhofs, wonach eine 

positive Urinprobe «auf alle getesteten Substanzen» vorgelegen habe (VA 

act. 7 171), ohne dass der zitierte Bericht des Arxhofs die Substanzen 

benennt. Andere Testungen gaben ein positives Ergebnis auf THC explizit 

an. Vor dem Hintergrund, dass der Sachverständige offensichtlich zitiert 

hat – teilweise gar mit Anführungs- und Schlusszeichen – und sich im 

Übrigen auch dahingehend äusserte, die Aktenlagen genau zu referieren, 

aber auch kritisch zu würdigen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 19), 

ist nicht ersichtlich, dass vorliegend eine «falsche» Würdigung der 

Umstände stattgefunden hat. Daran ändert auch nichts, dass der Sach-

verständige von einer dreitägigen, anstatt zweitätigen Flucht ausgegangen 

ist (24 Stunden verteilt auf zwei Tage), zumal der Umstand der Flucht an 

sich entscheidend ist. Die kürzere als im Gutachten angenommene 

Fluchtdauer von lediglich 24 Stunden zeigt denn auch die eingeschränkte 

Stabilität hinsichtlich seines Abstinenzwunsches auf (vgl. Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 13). Schliesslich vermag auch der Schreibfehler, 

wonach im Gutachten einmalig von einem «Herrn M.» anstatt dem 

Verurteilten «Herrn S.» die Rede ist (VA act. 7 265), nichts daran zu 

ändern, zumal weder ersichtlich noch vorgebracht wird, inwiefern die damit 

zusammenhängende Äusserung nicht auf den Verurteilten zutreffen würde. 

Schliesslich ist nicht ersichtlich, inwiefern die von der Verteidigung 

vorgebrachten Gründe einer Mangelhaftigkeit des Gutachtens (GA 

act. 12 ff.; GA act. 115 ff.) das Ergebnis des Gutachtens derart beeinflusst 

hätten, dass Selbiges nicht als schlüssig und nachvollziehbar erscheinen 

würde. Ebenso wenig kann der Verurteilte etwas zu seinen Gunsten 

ableiten, wenn er vorbringt, dem Sachverständigen zwar anfangs eine 

Entbindungserklärung hinsichtlich der KESB erteilt zu haben, diese aber 

später wieder zurückgezogen zu haben. Inwiefern der Verurteilte die 

Beteiligten vom Rückzug seines Einverständnisses überhaupt in Kenntnis 

gesetzt hat, ist nicht ersichtlich. Der Sachverständige äusserte sich 

jedenfalls dahingehend, erst auf schriftliches Einverständnis des 

Verurteilten hin mit Mitarbeitern der KESB in Kontakt getreten zu sein. 

Selbst wenn kein Einverständnis (mehr) vorgelegen hätte, ist weder 

ersichtlich noch vorgebracht, inwiefern die damit gewonnen Informationen 

die Schlüssigkeit oder Nachvollziehbarkeit des Gutachtens tangieren 

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würden. Im Übrigen stützten die aus den Äusserungen der KESB 

gewonnenen Erkenntnisse auch Vorbringen des Verurteilten (z.B. VA act. 7 

271) und zeigen eine positive Beziehung zu seinem Sohn auf (VA act. 7 

238 f.).  

 

Dr. med. C._____ diagnostizierte beim Verurteilten eine dissoziale 

Persönlichkeitsstörung (F60.2 nach ICD-10) mit zusätzlichen emotional 

instabilen Persönlichkeitszügen sowie eine Alkoholabhängigkeit, gegen-

wärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (Fl 0.21 nach ICD-10), 

einen schädlichen Gebrauch von Opioiden (Fl 1.1), differentialdiagnostisch 

Abhängigkeit von Opioiden, gegenwärtig in früher Remission (Fl 1.200), 

einen schädlichen Gebrauch von Sedativa/Hypnotika (F13.1), differential-

diagnostisch Abhängigkeit von Sedativa/Hypnotika, gegenwärtig in früher 

Remission (Fl 3.200) sowie einen problematischer Konsum von 

Cannabinoiden (Z72.2) (Vollzugsakten [VA] act. 7 289 f.; vgl. Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 12 f.). Die Diagnosen des Sachverständigen 

werden im Abschlussbericht des Arxhofs vom 5. April 2024 (VA act. 58) 

sowie im Therapieverlaufsbericht vom 2. Oktober 2025 (S. 2) gestützt, 

wobei diese den Schwerpunkt der Persönlichkeitsstörung auf der emotional 

instabilen und nicht der dissozialen Seite sehen. Nachdem auch der 

Sachverständige emotional instabile Anteile erkannt hat, unter ICD-10 – 

neben der dissozialen Persönlichkeitsstörung – keine zusätzliche Diagnose 

wegen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vorgesehen ist 

und im Übrigen unter ICD-11 sowieso nur noch von Persönlichkeits-

störungen gesprochen wird, wobei ergänzend die jeweiligen 

Persönlichkeitsmerkmale (z.B. Dissozialität, Impulsivität, Emotions-

regulation) und eine Beurteilung des Ausmasses der Funktionsbeein-

trächtigung im Alltag angegeben werden (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 13), ist kein Widerspruch zu erkennen. Die Diagnose der 

dissozialen Persönlichkeitsstörung stimmt denn auch mit dem Gutachten 

von Dr. med. D._____ vom 2. Juni 2021 überein. Infolge des jungen Alters 

des Verurteilten hat die damalige Gutachterin noch von einem Verdacht 

hinsichtlich der dissozialen Persönlichkeitsstörung gesprochen, jedoch 

eine deutliche und schwere Fehlentwicklung der Persönlichkeit mit 

dissozialen und unreifen Zügen festgestellt (VA act. 7 095). Der Verdacht 

der dissozialen Persönlichkeitsstörung hat sich mittlerweile bestätigt 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13).  

 

Dem Verurteilten kann nicht gefolgt werden, wenn er vorbringt, es liege 

keine schwere psychische Störung (mehr) vor (Gerichtsakten [GA] act. 21 

und 117). Der Sachverständige geht von einer mittelschwer ausgeprägten 

psychischen Störung aus (VA act. 7 291). Die Frage nach der rechtlichen 

Relevanz der medizinischen Diagnose ist juristischer Natur. Mit anderen 

Worten obliegt die Beurteilung, ob eine vom Sachverständigen diagnos-

tizierte psychische Störung als schwer im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB 

zu qualifizieren ist, dem Gericht (BGE 146 IV 1 E. 3.5.3 ff., Regeste; Urteil 

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des Bundesgerichts 6B_643/2018 vom 5. September 2018 E. 1.4). Die von 

Gesetzes wegen erforderliche Schwere der psychischen Störung ist keine 

aus sich selbst heraus (resp. allein nach den Kriterien von 

Klassifikationssystemen) bestimmbare, absolute Grösse. Der funktionale 

Begriff der psychischen Störung ist auf die Rückfallprävention auszu-

richten. Die Schwere der psychischen Störung entspricht im Prinzip dem 

Ausmass, in welchem sich die Störung in der Tat spiegelt (Deliktrelevanz). 

Die Störung muss (gegebenenfalls im Zusammenwirken mit anderen 

kriminogenen Faktoren) als vorherrschende Ursache der Delinquenz 

erscheinen. Die rechtlich geforderte Schwere ergibt sich mit anderen 

Worten aus der Intensität des Zusammenhangs zwischen der Störung und 

der Straftat. Eine bestimmte Diagnoseanordnung kann daher nicht für sich 

allein genommen und per se als ausreichend schwer (oder nicht 

ausreichend schwer) bezeichnet werden. Die psychische Störung des 

Verurteilten ist in hohem Ausmass deliktsrelevant für die sexuellen und 

nicht sexuellen Gewalttätigkeiten. Die Delikte sind im Wesentlichen 

Ausdruck und Folge der dissozialen Persönlichkeitsstörung mit zusätz-

lichen emotional instabilen Persönlichkeitsmerkmalen und der Alkoholi-

sierungen im Rahmen der Alkoholabhängigkeit, und damit von persönlich-

keits- und störungsgebundenen Faktoren (VA act. 7 292). Der 

Sachverständige bezeichnet die Persönlichkeitsstörung denn auch deshalb 

als mittelschwer, weil es durchaus Bereiche gebe, in denen er psychosozial 

funktionsfähig sei und seine Emotionen adäquat regulieren könne. 

Hinsichtlich des Beziehungslebens äussert er sich hingegen dahingehend, 

dass der Verurteilte im Arxhof gegenüber seiner Freundin als sehr fordernd 

und dominant aufgetreten sei. Da bestehe die Vermutung, dass ähnliche 

Verhaltensweisen wie zuvor an den Tag getreten seien (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14). Sodann geht aus der gemäss Gutachten 

aufgrund der diagnostizierten psychischen Störung bestehenden – im 

Vergleich zu anderen Straftätern – überdurchschnittlichen Rückfallgefahr 

und des besonders hohen Risikos für ähnlich gelagerte Delikte hervor (VA 

act. 7 297-299; vgl. VA act. 7 273 f.), dass die psychische Störung als 

vorherrschende Ursache der Delinquenz anzusehen ist. Folglich ist das 

Vorliegen einer schweren psychischen Störung nach wie vor erstellt. Von 

nichts anderem scheint der Verurteilte selbst auszugehen, beantragt er 

doch eine ambulante Massnahme, für welche eine schwere psychische 

Störung ebenso eine Voraussetzung ist. 

 

Beim Verurteilten ist nach wie vor – und damit auch nach der infolge 

Aussichtslosigkeit aufgehobenen stationären Massnahme für junge 

Erwachsene – von einer überdurchschnittlichen Rückfallgefahr und einem 

besonders hohen Risiko für zukünftige häusliche Gewalt auszugehen. 

Dabei ist mit sexueller wie nicht-sexueller Gewalt gegenüber einer 

etwaigen Partnerin (höchste Risikokategorie) zu rechnen, wobei am 

ehesten mit Hands-on-Delikte (inkl. vaginaler oder analer Penetration, 

Nötigungen und Körperverletzungen mittels Schlägen und ggf. auch 

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gefährlichen Gegenständen) wie auch mit Drohungen gegenüber 

erwachsenen Frauen, insbesondere festen Intimpartnerinnen aber auch 

gegenüber Frauen, mit denen eine gewisse Bekanntschaft besteht, zu 

rechnen ist. Zudem ist mit Drohungen und nicht-sexuellen Gewalt-

handlungen gegenüber anderen, den Verurteilten begrenzenden oder 

kontrollierenden Personen (z.B. Sanitäter, Polizisten, aber auch Verwandte 

oder Freunde), zu rechnen (VA act. 7 298-300; vgl. Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14 f.). Entgegen dem Verurteilten ist es denn 

auch nicht so, dass sein Verhalten in den letzten vier Jahren das Rückfal-

lrisiko widerlegen würde (GA act. 22 f. und 120). Vielmehr kam es zu 

diversen Regelverstössen und zu problematischem sowie störungs-

immanentem bzw. prognoserelevantem Verhalten (positiv auf THC 

getestete Urinproben in den Jahren 2022 und 2024; bedrohliches und 

einschüchterndes Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin der Wohn-

abteilung im Arxhof am 12. August 2022; Disziplinararrest aufgrund des 

Besitzes eines Mobiltelefons am 25. August 2022; Nichteinhaltung von 

Besuchsregeln am 6. November 2022 und Flucht am 8. November 2022 

mit anschliessendem Disziplinararrest; dominantes, forderndes und 

teilweise manipulierendes Verhalten gegenüber Mitarbeitern; Ausreizung 

von Regeln; respektloses und forderndes Verhalten gegenüber ehemaliger 

Partnerin [VA act. 5 097; VA act. 5 109 ff.; VA act. 5 191 ff.; VA act. 5 228 

und 5 321 f.; VA act. 5 249 ff.]; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 15). Es wurde denn auch eine andere Institution für den Vollzug der 

Massnahme für junge Erwachsene gesucht. Die Aufnahme des Verurteilten 

wurde jedoch von den Massnahmenzentren Uitikon und Kalchrain 

abgelehnt, zumal die Therapiebedürftigkeit und die verbleibende 

Massnahmendauer unverhältnismässig zueinander stehen würden (VA 

act. 5 161 und 5 162). Das Massnahmenzentrum Arxhof stufte in seinem 

Abschlussbericht vom 5. April 2024 das Risiko für zukünftige Gewalt-

tätigkeiten als unverändert hoch ein (GA act.67 f.). Positiv zu werten ist, 

dass das Verhalten des Verurteilten im Strafvollzug als gut eingestuft wird 

bzw. es zu keinen Disziplinarmassnahmen gegen ihn gekommen ist (GA 

act. 97 ff; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). Entgegen dem 

Verurteilten liegt vor diesem Hintergrund jedoch keine relativ kleine 

Wahrscheinlichkeit zur Verübung schwerer Straftaten vor (Plädoyer der 

Verteidigung S. 9). Insoweit der Verurteilte damit einhergehend vorbringt, 

dass dem Sachverständigen insofern nicht gefolgt werden könne, als die 

von ihm aufgezeigten Risikoszenarien der reinen Fantasie entspringen 

würden (Plädoyer der Verteidigung S. 9 mit Ergänzung Nr. 13; vgl. VA 

act. 7 284-286), kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der 

Sachverständige stützt sich bei der Beurteilung des Rückfallrisikos 

schlüssig und nachvollziehbar auf Ergebnisse standardisierter Prognose-

instrumente und zeigt die individuellen Risikofaktoren auf (PCL-R mit 25.3 

erzielten Punkten [VA act. 7 242 ff.]; STATIC-99 bzw. STATIC-99R mit 

einem Punktewert von 3 bzw. 4 [VA act. 7 247 ff.]; STABLE-2007 13 

Punkten [VA act. 7 250 ff.]; ODARA mit 7 Punkten [VA act. 7 253 ff.]; VA 

 - 10 - 

 

 

act. 7 270 ff., 7 275 ff. und 7 297 f.). Das bisherige Setting (stationäre 

Massnahme für junge Erwachsene im Arxhof) ist gemäss den Aus-

führungen des Sachverständigen zwar prinzipiell geeignet gewesen, die 

deliktsrelevanten Störungen und Faktoren zu behandeln. Die bisherige 

Behandlung war hingegen durch die vom Verurteilten zu verantwortenden 

Regelverstösse und dadurch bedingten Unterbrechungen der Massnahme 

noch nicht weit fortgeschritten. Ein Risikobewusstsein und Risiko-

management ist bisher nicht erarbeitet worden (VA act. 7 293 f.; vgl. 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16), auch wenn der Verurteilte Fort-

schritte gemacht hat (VA act. 7 276; vgl. VA act. 7 279; vgl. unten). Es mag 

zutreffen, dass auch während der Unterbringung im Zentralgefängnis 

Lenzburg sowie im Gefängnis Muttenz «therapeutische Interventionen» 

erfolgt sind. Das ändert – entgegen dem Verurteilten (GA act. 118) – 

hingegen nichts an den Unterbrechungen im gewohnten Setting im Arxhof, 

zumal dadurch das äussere Massnahmen- und Behandlungssetting wenig 

personelle und institutionelle Kontinuität geboten hat (VA act. 7 275). Eine 

Rückversetzung in die gescheiterte Massnahme für junge Erwachsene 

nach Art. 61 StGB entfällt. Mit einer umfassenden stationären, milieu- bzw. 

sozio- und psychiatrisch-psychotherapeutischen Massnahme können 

hingegen die avisierten Ziele in einem angemessenen Zeitrahmen erreicht 

und damit das Rückfallrisiko reduziert werden (VA act. 7 302; vgl. zum 

milderen Mittel unten). Es besteht denn auch eine gewisse Krankheits-

einsicht, ein selbstkritischer Umgang mit seiner bisherigen Delinquenz, 

verbesserte kognitive Problemlösestrategien, Veränderungsfähigkeit und 

zumindest hinsichtlich einer ambulanten Massnahme eine gewisse 

Veränderungsbereitschaft und Therapiemotivation (VA act. 7 295; vgl. 

auch Abschlussbericht des Massnahmenzentrums Arxhof vom 1. April 

2025, GA act. 67 f., wonach eine Therapiefähigkeit bestehe), auch wenn 

sich der Verurteilte anlässlich der Berufungsverhandlung klar dahingehend 

geäussert hat, dass er sich einer stationären Massnahme verweigern 

würde (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7-9). Das ist ein belastender 

Faktor, wobei der Sachverständige die Herstellung der Bereitschaft als 

schwierig ansieht, gerade wenn er direkt in ein offenes Setting käme 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15). Nichtsdestotrotz benötige der 

Verurteilte aus medizinisch-psychiatrischer Sicht eine stationäre Mass-

nahme (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16). Mit Blick darauf, dass 

im forensischen Bereich viele Therapien bei Straftätern erst unter Druck 

und Auflagen möglich sind und der Verurteilte bereits früher gezeigt hat, 

dass sich die Motivation in Bezug auf eine stationäre Massnahme 

entwickeln kann (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 18; vgl. VA act. 7 

297), ist eine stationäre Massnahme durchaus geeignet. Der Verurteilte 

konnte sich auch im Rahmen der Massnahme für junge Erwachsene trotz 

Verzögerungen, Unterbrechungen und Schwankungen immer wieder auf 

Therapieangebote einlassen und davon zumindest teilweise profitieren (VA 

act. 7 301). Es war ihm auch ein Anliegen, im Rahmen des vorzeitigen 

Massnahmenantritts eine ambulante Therapie zu beginnen. Vor diesem 

 - 11 - 

 

 

Hintergrund erscheint die Anordnung einer stationären therapeutischen 

Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB als geeignet und erforderlich.  

 

Die nachträgliche Anordnung einer stationären therapeutischen Mass-

nahme gemäss Art. 59 StGB nach bereits durchlaufener stationärer 

Massnahme für junge Erwachsene stellt einen schweren Eingriff in die 

Freiheitsrechte des Verurteilten dar. Im Unterschied zu Strafen ist die 

Dauer der stationären Massnahme gemäss Art. 59 StGB zeitlich relativ 

unbestimmt. Sie hängt vom Behandlungsbedürfnis des Massnahmeunter-

worfenen und den Erfolgsaussichten der Massnahme ab. Der mit ihr 

verbundene Freiheitsentzug beträgt in der Regel maximal fünf Jahre und 

kann – wenn nötig mehrfach – um jeweils höchstens fünf Jahre verlängert 

werden (Art. 59 Abs. 4 StGB). Das Ende der Massnahme wird damit im 

Unterschied zum Ende der Strafe nicht durch simplen Zeitablauf bestimmt. 

Ihre Dauer hängt letztlich von den Auswirkungen der Massnahme auf die 

Gefahr weiterer Straftaten ab, wobei die Freiheit dem Betroffenen nur so 

lange entzogen werden darf, als die von ihm ausgehende Gefahr dies zu 

rechtfertigen vermag. Die Massnahme dauert aber grundsätzlich so lange 

an, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich eine Zweckerreichung als 

aussichtslos erweist (Urteil des Bundesgerichts 6B_354/2022 vom 

24. August 2022 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 145 IV 65 E. 2.3.3, BGE 142 

IV 105 E. 5.4, BGE 141 IV 236 E. 3.5, BGE 141 IV 49 E. 2.1 f.). Der 

Verurteilte hat bereits rund 4 ¾ Jahre seiner 8-jährigen Freiheitsstrafe 

verbüsst. Es ist zufolge des Sachverständigen mit einem Massnahmen-

verlauf von mindestens 2 bis 3 Jahren bzw. 3 bis 4 Jahren zu rechnen, 

wobei grössere Lockerungen wahrscheinlich im Laufe von ca. 1 bis 2 Jahr 

realistisch und verantwortbar erscheinen (VA act. 7 301; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 18 f.). Insofern sich der Verurteilte – in erster 

Linie gestützt auf Statistiken über die durchschnittliche Massnahmendauer 

– auf den Standpunkt stellt, die Massnahmendauer würde 7 bis 12 Jahre 

betragen (Plädoyer der Verteidigung S. 4 [Ergänzung Nr. 8] und 7), ist 

dieses Vorbringen nicht geeignet, die stationäre Massnahme als 

unverhältnismässig erscheinen zu lassen. Gestützt auf die schlüssigen und 

nachvollziehbaren Äusserungen des Sachverständigen ist von einer Dauer 

der stationären Massnahme gemäss Art. 59 StGB von mindestens 2 bis 3 

bzw. 3 bis 4 Jahren auszugehen (inklusive einem ca. einjährigen Wohn- 

und Arbeitsexternat zum Schluss), je nachdem in welchem Setting (offen 

z.B. im Massnahmenzentrum St. Johannsen oder im Bitzi bzw. 

geschlossen z.B. in der JVA Pöschwies oder Solothurn) die stationäre 

Massnahme durchgeführt wird (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16 

und 18 f.). Vor allem aber wird für die Dauer der Massnahme entscheidend 

sein, welche Fortschritte der Verurteilte macht, was massgeblich von 

seinem eigenen Verhalten und seiner Therapiebereitschaft abhängen wird. 

Die stationäre Massnahme führt zu einer Reduktion des Rückfallrisikos (VA 

act. 7 303), womit der Gefahr weiterer in Zusammenhang mit der Störung 

stehender Verbrechen und Vergehen begegnet werden kann. Es handelt 

 - 12 - 

 

 

sich dabei um Gewaltdelikte sowie gravierende Sexualdelikte. Weniger 

geeignet, weil weniger umfassend und intensiv, erscheint demgegenüber 

die Einflussmöglichkeiten im Rahmen einer vollzugsbegleitenden 

ambulanten Massnahme gemäss Art. 63 StGB (VA act. 7 289). Die 

derzeitige ambulante Massnahme ist nicht ausreichend (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 16). Die Umsetzung der empfohlenen 

Massnahmen im Rahmen des Vollzugs der Reststrafe erscheint nicht 

intensiv und umfassend genug (VA act. 7 302). Es gibt keine milieu-

therapeutischen und sozialtherapeutischen Interventionen sowie therapeu-

tisch ausgebildetes Personal, wie das in einer stationären Massnahme der 

Fall wäre (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16). Der Verurteilte 

benötigt eine stationäre Massnahme, um die avisierten Ziele in einem 

angemessenen Zeitrahmen erreichen zu können und damit das Risiko zu 

reduzieren (VA act. 7 302; vgl. auch Beurteilung durch die konkordatliche 

Fachkommission vom 16. Dezember 2024, GA act. 45 ff., wonach das 

Massnahmenzentrum Arxhof nicht geeignet erscheine, um dem schwer 

behandelbaren Störungsbild des Verurteilten zu begegnen und eine 

stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB geeignet 

erscheine). Das Amt für Justizvollzug ist darauf hinzuweisen, dass es der 

Sachverständige als besonders geeignet erachtet, die stationäre 

Massnahme z.B. im Massnahmenzentrum St. Johannsen oder im Mass-

nahmenzentrum Bitzi durchzuführen (VA act. 7 289; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 18). Mit Blick auf die überdurchschnittliche 

Rückfallgefahr und des besonders hohen Risikos für ähnlich gelagerte 

Gewalt- und schwerste Sexualdelikte ist von einem hohen öffentlichen 

Interesse am Schutz der physischen und sexuellen Integrität auszugehen. 

Angesichts des Umstands, dass von einem Massnahmenverlauf von 2 bis 

3 bzw. 3 bis 4 Jahren auszugehen ist (siehe dazu oben), der Verurteilte bis 

anhin rund 4 ¾ Jahre seiner Strafe verbüsst hat bzw. noch mehr als 3 Jahre 

zu verbüssen hat, eine bedingte Entlassung infolge der hohen Rückfall-

gefahr nicht in Frage kommt (vgl. oben; Verfügung vom 3. Februar 2025 in 

den vorinstanzlichen Akten; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 23) 

und im Rahmen der stationären therapeutischen Massnahme bereits in den 

ersten 1-2 Jahren Lockerungsschritte erwartet werden können, erscheint 

der schwere Eingriff in die Freiheitsrechte des Verurteilten und damit 

einhergehend die Anordnung einer stationären Massnahme angemessen 

und verhältnismässig. 

 

Der Beweisantrag des Verurteilten zum Beizug der gesamten Vollzugs-

akten ist abzuweisen. Die derzeit den Akten beiliegenden Vollzugsakten 

zeigen ein umfassendes Bild des Vollzugs zumindest bis Ende 2024 bzw. 

Anfang 2025 auf. Insofern der Verurteilte den Aktenbeizug beantragt, weil 

das Amt für Justizvollzug die Akten ungenau zu Lasten des Verurteilten 

geführt habe und er dies mit diversen Eingaben habe korrigieren müssen, 

ist nicht ersichtlich, weshalb dafür weitere Akten einzuholen wären. Die 

Kommunikationen mit dem Verurteilten bzw. dessen Verteidiger liegen den 

 - 13 - 

 

 

bisherigen Akten bereits bei (vgl. VA act. 9 1 bis 158). Im Übrigen unterlässt 

es der amtliche Verteidiger aufzuzeigen, welche Akten ungenau zu Lasten 

des Verurteilten geführt worden seien bzw. beizuziehen seien. Insoweit der 

Aktenbeizug aufzeigen soll, dass das Amt für Justizvollzug die Massnahme 

für junge Erwachsene «manipuliert» habe mit dem Ziel, eine unbedingte 

Massnahme nach Art. 59 StGB anordnen zu können, kann ihm nicht gefolgt 

werden. Nicht nur ist nicht ersichtlich, dass das Amt für Justizvollzug die 

Massnahme verzögert hätte oder dass dem Verurteilten willkürlich keine 

Vollzugslockerungen gewährt worden wären. Mit dem Sachverständigen ist 

vielmehr nachvollziehbar, dass infolge diverser Gründe, u.a. solcher, die 

beim Verurteilten gelegen haben, Zurückhaltung hinsichtlich von Vollzugs-

lockerungen angezeigt gewesen seien (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 15), notabene nachdem dem Verurteilten zu Beginn der 

stationären Massnahme für junge Erwachsene Öffnungen gewährt worden 

waren (VA act. 4 14 ff.; VA act. 5 11 ff.). Der Sachverständige äusserte sich 

denn auch dahingehend, dass das Regime im Arxhof nicht so streng 

gewesen sei (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15). Schliesslich ist 

nicht ersichtlich, inwiefern der Vorwurf der «Manipulation» für die 

Beurteilung, ob im heutigen Zeitpunkt eine stationäre Massnahme gemäss 

Art. 59 StGB anzuordnen sei, überhaupt relevant ist. Insofern der 

Verurteilte den Beizug der Akten schliesslich verlangt, um aufzuzeigen, 

dass die Durchführung der stationären Massnahme in einem 

geschlossenen Setting angedacht sei, erübrigt sich dies infolge der 

Würdigung dieses Szenarios.  

 

Schliesslich ist es auch nicht so, dass keine neuen Tatsachen vorliegen 

würden, insoweit solche im Rahmen der Anordnung einer Massnahme 

gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 62c Abs. 3 StGB überhaupt 

notwendig sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_828/2019 vom 

5. November 2019 E. 1.2). Die stationäre Massnahme für junge Erwach-

sene ist augenscheinlich gescheitert. Zudem ist die Anordnung selbiger 

Massnahme nicht mehr möglich, wohingegen weiterhin eine schwere 

Persönlichkeitsstörung, eine überdurchschnittliche Rückfallgefahr sowie 

die Therapiebedürftigkeit zu deren Reduzierung vorliegt. 

 

3.3. 

Zusammenfassend sind die Voraussetzungen der Anordnung einer 

stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB 

erfüllt. 

 

Die ausgestandene Sicherheitshaft und der vorzeitige Straf- und 

Massnahmenvollzug von insgesamt 153 Tagen ist dem Verurteilten auf die 

Freiheitsstrafe anzurechnen. 

 

 - 14 - 

 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Die Berufung des Verurteilten ist abzuweisen. Ausgangsgemäss sind ihm 

die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 inkl. Auslagen von 

Fr. 2’529.30 für die Erläuterung und Ergänzung des Gutachtens anlässlich 

der Berufungsverhandlung durch den Sachverständigen Dr. med. C._____ 

(§ 15 ff. GebührD) vollumfänglich aufzuerlegen.  

 

4.2. 

Der amtliche Verteidiger des Verurteilten ist für das Berufungsverfahren 

gestützt auf die von ihm anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte 

Kostennote, angepasst an die effektive Dauer der Verhandlung und eine 

angemessene Berücksichtigung der Wegzeit von 30 Minuten pro Weg (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 1B_385/2021 vom 25. Oktober 2021 E. 4.8) mit 

gerundet Fr. 5'920.00 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der 

Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

3bis AnwT; § 13 AnwT).  

 

Diese Entschädigung ist vom Verurteilten zurückzufordern, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5. 

5.1. 

Nachdem eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet wird, 

sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, die auf Fr. 2'000.00 festzu-

setzen sind (§ 17 GebührD), vollumfänglich dem Verurteilten aufzuerlegen 

(Art. 428 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO und Art. 416 StPO; vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_428/2012 vom 19. November 2012 E. 3.1). 

 

5.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung in der Höhe von Fr. 9'968.70 ist mit 

Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf im Berufungs-

verfahren nicht zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3).  

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Verurteilten zurückzu-

fordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 StPO). 

 

 - 15 - 

 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird eine stationäre Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB i.V.m. 

Art. 62c Abs. 3 StGB angeordnet. 

 

2. 

Die ausgestandene Sicherheitshaft und der vorzeitige Straf- und 

Massnahmenvollzug von insgesamt 153 Tagen werden auf die Freiheits-

strafe angerechnet.  

 

3. 

3.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 werden dem 

Verurteilten auferlegt. 

 

3.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Verurteilten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'920.00 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Verurteilten zurückgefordert, sobald es 

seine finanziellen Verhältnisse erlauben.  

 

4. 

4.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00 werden dem 

Verurteilten auferlegt.  

 

4.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Verurteilten für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'968.70 auszu-

richten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Verurteilten zurückverlangt, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

 

 

 Zustellung an: […] 

 - 16 - 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 11. November 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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