# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5ba2bc43-86fa-5c26-a0e1-f95fbb7c6736
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 02.04.2025 VBE.2024.314
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-314_2025-04-02.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2024.314 / ms / GM 
Art. 41 

 

Urteil vom 2. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Hausherr 

Gerichtsschreiber Schweizer         

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, c/o AXA Leben AG, Legal & 

Compliance, General Guisan-Strasse 40, Postfach, 8401 Winterthur   

vertreten durch Dr. iur. Elisabeth Glättli, Rechtsanwältin, Bahnhofplatz 18, 

8401 Winterthur    

     

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

     

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 10. Mai 2024) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1966 geborene A._____ meldete sich am 18. Februar 2020 bei der 

Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integra-

tion/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Be-

schwerdegegnerin tätigte daraufhin Abklärungen in medizinischer und 

erwerblicher Hinsicht, holte die Akten der Krankentaggeldversicherung 

(Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG) ein und nahm 

Rücksprache mit ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). In der Folge 

gewährte die Beschwerdegegnerin A._____ diverse berufliche 

Eingliederungsmassnahmen (Arbeitsvermittlung, Potenzialabklärung, Auf-

bautraining). Auf Empfehlung des RAD veranlasste die Beschwerdegeg-

nerin zudem eine polydisziplinäre Begutachtung. Nach durchgeführtem 

Vorbescheidverfahren sprach die Beschwerdegegnerin A._____ mit 

Verfügung vom 10. Mai 2024 ab 1. September 2020 eine ganze Rente zu. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 10. Mai 2024 erhob die Beschwerdeführerin, bei 

welcher A._____ im Rahmen des per Ende 2019 aufgelösten Arbeits-

verhältnisses berufsvorsorgeversichert war, mit Eingabe vom 6. Juni 2024 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. Mai 2024 sei 
dahingehend abzuändern, dass die IV-Rente ab 1. August 2020 
ausgerichtet wird. 

2. unter allfälliger Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 7. August 2024 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die Leistungs-

pflicht eines anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügung zu 

eröffnen; dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die 

versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 ATSG). Nach Art. 59 ATSG ist zur 

Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den 

Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren 

Aufhebung oder Änderung hat. Im Zusammenhang mit der Drittbeschwer-

debefugnis wird vorausgesetzt, dass eine besondere, beachtenswerte, 

 - 3 - 

 

 

nahe Beziehung zur Streitsache besteht. Diese Beziehung kann darin 

bestehen, dass der eine Sozialversicherungsträger an den Entscheid des 

anderen Sozialversicherungsträgers gebunden ist (MIRIAM LENDFERS, in: 

Kieser/Kradolfer/Lendfers [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über 

den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 5. Aufl. 2024, N. 47 

zu Art. 59 ATSG mit Hinweis auf BGE 131 V 362). 

 

1.2. 

Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 

10. Mai 2024 davon aus, dass das gesetzliche Wartejahr per 1. September 

2019 eröffnet worden sei. In der Folge hat sie per 1. September 2020 einen 

Invaliditätsgrad von über 70 % errechnet und A._____ daher mit Wirkung 

ab diesem Zeitpunkt eine unbefristete ganze Rente zugesprochen 

(Vernehmlassungsbeilage [VB] 248 S. 4 ff.).  

 

Die Beschwerdeführerin rügt (zum Rügeprinzip: vgl. BGE 119 V 347 E. 1a 

S. 349 f.) einzig, A._____ sei bereits vor April 2019 im Umfang von 

mindestens 20 % arbeitsunfähig gewesen, weshalb die Rente richtiger-

weise ab 1. August 2020 hätte zugesprochen werden müssen (verspätete 

Anmeldung). Sie habe überdies ein spezifisches berufsvorsorgerechtliches 

Interesse an dieser Änderung, da ihre Leistungspflicht unter diesen 

Umständen zu verneinen sei (Beschwerde S. 5 ff.). Da aufgrund der Akten 

und der medizinischen Berichte eine mehr als 20%ige Einschränkung des 

Versicherten seit dem Jahr 2016 und vor Stellenantritt am 1. April 2019 bei 

der B._____ AG ausgewiesen sei, sei die IV-Rente ab 1. August 2020 

auszurichten (Beschwerde S. 14). 

 

2. 

2.1. 

Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG sieht eine einjährige Warte- oder Karenzzeit vor. 

Bevor ein Rentenanspruch entstehen kann, muss die versicherte Person 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sein. Unter 

Arbeitsunfähigkeit ist im Rahmen dieser Bestimmung die durch den 

Gesundheitsschaden bedingte Einbusse an funktionellem Leistungsver-

mögen im bisherigen Beruf oder anerkannten Aufgabenbereich 

(Art. 27 IVV) zu verstehen, wohingegen die finanziellen Konsequenzen 

einer solchen Einbusse für deren Beurteilung während der Wartezeit 

grundsätzlich unerheblich sind (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des 

Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die 

Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 24 f. zu Art. 28 IVG). Die 

Arbeitsunfähigkeit entspricht somit bei Erwerbstätigen der medizinisch 

festgestellten Einschränkung im bisherigen Beruf (BGE 130 V 97 E. 3.2 

S. 99). 

 

 - 4 - 

 

 

2.2. 

2.2.1. 

Aufgrund der am 18. Februar 2020 erfolgten Anmeldung zum Leistungs-

bezug (VB 1) konnte der Rentenanspruch von A._____ frühestens per 

1. August 2020 entstehen. Die Beschwerdegegnerin hatte daher bezüglich 

der Voraussetzung der Erfüllung des Wartejahrs einzig den Verlauf der 

Arbeits(un)fähigkeit ab August 2019 zu prüfen. Sofern die Beschwerde-

gegnerin sinngemäss beantragt, das Wartejahr sei bereits im Jahr 2016 

und sicher vor Stellenantritt im April 2019 zu eröffnen, ist darauf nicht 

einzutreten, denn dieser Zeitraum war für die Prüfung der invaliden-

versicherungsrechtlichen Ansprüche von A._____ nicht relevant.  

 

2.2.2. 

Aus den Akten ergibt sich, dass A._____ zuletzt vom 1. April 2019 bis 

31. Dezember 2019 bei der der B._____ AG angestellt war (VB 21 S. 28). 

Die ehemalige Arbeitgeberin gab an, der letzte effektive Arbeitstag sei am 

30. August 2019 (an einem Freitag) gewesen (VB 11 S. 2). Auf Nachfrage 

der Krankentaggeldversicherung gab der behandelnde Hausarzt an, 

A._____ sei vom 20. bis 27. Oktober 2017 wegen Lumbago zu 100 % 

arbeitsunfähig gewesen, danach erst wieder ab dem 2. September 2019 

wegen depressiven Verstimmungen, vermutlich posttraumatische 

Belastungsstörung (VB 35 S. 44). Auch der Psychiater Dr. med. C._____, 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welchem A._____ seit 

26. März 2019 in regelmässiger Behandlung war, gab an, dass ab dem 

2. September 2019 eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (VB 38 S. 3). 

Der psychiatrische Gutachter hielt demgegenüber fest, es sei im Jahre 

2016 zu einer gewissen Dekompensation der Beschwerden von Seiten der 

kombinierten Persönlichkeitsstörung gekommen. Aufgrund dessen sei ab 

dem Jahre 2016 bis Anfang September 2019 von einer 50%igen 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit auszugehen. 

Seit Ende September 2019 bestehe eine 100%ige Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit (VB 209.2 S. 33). 

 

Bezüglich der retrospektiven gutachterlichen Einschätzung der Arbeits-

fähigkeit existieren keine echtzeitlichen medizinischen Akten, denn der 

erste, gemäss Gutachten aktenkundige psychiatrische Bericht datiert vom 

5. November 2019 (vgl. VB 209.2 S. 5). Zudem hielt der psychiatrische 

Gutachter hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit 

fest, dass aufgrund der diesbezüglich unpräzisen Angaben des Ver-

sicherten sich keine verlässlichen Aussagen betreffend den Verlauf der 

Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit machen liessen (VB 209.2 

S. 34). Dabei ist unklar, gestützt auf welche echtzeitlichen Befunde der 

Gutachter die retrospektive Einschätzung hinsichtlich der bisherigen Tätig-

keit vorgenommen hat. Gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) 

erzielte A._____ im Jahr 2016 bei der D._____ AG und E._____ AG sodann 

ein Erwerbseinkommen. Daraufhin war er teilweise selbständigerwerbend 

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tätig und bezog Arbeitslosenentschädigung, bevor er im April 2019 die 

Stelle bei der B._____ AG antrat (VB 13 S. 2). Die B._____ AG hielt im 

Fragebogen vom 10. März 2020 zwar fest, dass die Kündigung erfolgt sei, 

da A._____ nach der Probezeit zu viel wegen Krankheit abwesend 

gewesen sei (VB 11 S. 2). Anderseits gab diese auch an, dass der Lohn 

der Arbeitsleistung entsprochen habe, und eine krankheitsbedingte Absenz 

wurde erst ab 2. September "2020" (recte: 2019) angegeben (VB 11 

S. 6 f.). Weiter geht aus dem neurologischen Teilgutachten hervor, dass 

A._____ nach Angaben des Arbeitgebers offenbar seine Aufgaben erfüllt 

habe und der Arbeitslohn auch der Leistung entsprochen habe. Dies weise 

sicher darauf hin, dass zumindest während diesem Zeitraum (April bis 

September 2019) auch eine gute kognitive Leistungsfähigkeit auf höherem 

Niveau bestanden haben (VB 199 S. 27). Diese Angaben lassen daher 

nicht den Schluss zu, dass A._____ aufgrund seiner gesundheitlichen 

Beschwerden nur eine Arbeitsleistung von 50 % erbracht hatte. Die 

Wartezeit wird sodann unterbrochen, wenn die versicherte Person an 

mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29ter 

IVV). Ein Unterbruch kann nur dann angenommen werden, wenn während 

mindestens 30 aufeinanderfolgender Tage eine wirtschaftlich verwertbare 

Arbeitsfähigkeit bestand, ohne Rücksicht auf die Entlöhnung 

(MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 35 zu Art. 28 IVG mit Hinweisen). Da 

A._____ bis am 30. August 2019 arbeitstätig war und erst ab dem 

2. September 2019 anhand der Berichte der behandelnden Ärzte eine 

Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist, ist davon auszugehen, dass bis Ende 

August 2019 eine wirtschaftlich verwertbare volle Arbeitsfähigkeit bestand. 

Die Eröffnung des Wartejahres per September 2019 durch die 

Beschwerdegegnerin ist daher nicht zu beanstanden und die Verfügung 

vom 10. Mai 2024 erweist sich in dieser Hinsicht als rechtens. 

 

3. 

3.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf 

einzutreten ist. 

 

3.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrens-

ausgang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

3.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als 

Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch 

auf Parteientschädigung zu. 

 - 6 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin 

auferlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom 

siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar (Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 

Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie 

in Händen hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 2. April 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Schweizer