# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 486de23d-1fad-587e-9fa7-ad6db617b02f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2016 E-808/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-808-2014_2016-11-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-808/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  N o v e m b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Gérard Scherrer, Richter Markus König, 

Gerichtsschreiber Peter Jaggi. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

seine Ehefrau 

B._______, geboren am (…), 

Beschwerdeführende, 

und ihre Kinder 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

F._______, geboren am (…), 

G._______, geboren am (…), 

Russland, 

(…), 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des BFM vom 9. Januar 2014 / N (…). 

 

E-808/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer (A._______) verliess seinen Heimatstaat eige-

nen Angaben zufolge zusammen mit (…) am (…) und gelangte am 17. De-

zember 2012 in die Schweiz, wo er gleichentags im H._______ für sich und 

(…) um Asyl nachsuchte. Am 9. Januar 2013 erfolgte die Befragung zu sei-

ner Person (BzP), am 22. Januar 2013 die Anhörung zu seinen Asylgrün-

den und am 24. Januar 2013 die Rückübersetzung seiner Aussagen bei 

der Anhörung. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen an, er sei russischer Staatsangehöriger tschetschenischer Eth-

nie und (…). Er sei in (...) im Gebiet (...) geboren und er habe zuletzt mit 

seiner Familie in (...) gewohnt. Er habe in der Umgebung des Dorfes (...) 

regelmässig zusammen mit anderen Leuten unter anderem (…) und dann 

verkauft. Am (...) sei er im Wald einem bärtigen Rebellen begegnet, der von 

ihm verlangt habe, dass er den Rebellen gegen Bezahlung (…) bringe. 

Nachdem er dies einige Male getan habe, hätten ihn Leute von Kadyrov 

am (…) auf dem Weg zu einer weiteren Übergabe verhaftet. Während der 

Haft sei er geschlagen (…) worden. Am (…) hätten ihn die Leute von Kady-

rov freigelassen mit der Auflage, nach dem nächsten Treffen mit den Re-

bellen sofort Kontakt mit ihnen aufzunehmen, damit sie ihm folgen und ihr 

Lager ausfindig machen könnten, was er aber nicht getan habe. Nach sei-

ner Freilassung habe er keine Rebellen mehr angetroffen. Am (…) habe 

ihn anlässlich einer Zusammenkunft für religiöse Bräuche (BzP) respektive 

eines Gedenkfestes für einen Verstorbenen (Anhörung) ein Mann ange-

sprochen und ihn gefragt, weshalb er am (…) nicht zur Übergabe erschie-

nen sei. Er habe ihm gesagt, er sei verhindert gewesen, weil er (…) ins 

Spital habe bringen müssen. Der Mann habe ihn daraufhin aufgefordert, 

die (…) am (…) zum vereinbarten Treffpunkt zu bringen. Auch dieser Auf-

forderung sei er nicht nachgekommen, weil er befürchtet habe, zwischen 

die Fronten zu geraten und von den Kadyrov-Leuten oder den Rebellen 

umgebracht zu werden. Am (…) sei er auf Anraten (…), (…) zuvor anläss-

lich eines Besuchs bei ihnen über diese Ereignisse informiert worden sei, 

zusammen mit (…) zu (…) gegangen. (…) habe sein Auto verkauft und so 

die Ausreise finanziert. 

Für die weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit für den Entscheid 

wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. 

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Seite 3 

A.b Die Beschwerdeführerin (B._______) verliess ihren Heimatstaat eige-

nen Angaben zufolge zusammen mit (…) am (…) und gelangte am (…) in 

die Schweiz, wo sie am 14. Mai 2013 für sich und (…) um Asyl nachsuchte. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie im Wesentlichen an, sie ma-

che keine eigenen Asylgründe geltend, sondern sie sei wegen den Proble-

men ihres Ehemannes ausgereist. Am (…) und (…) seien Kadyrov-Leute 

vorbeigekommen und hätten sich nach dem Verbleib ihres Ehemannes er-

kundigt. Am (…) sei (…) den Leuten entgegen gegangen und (…) habe 

ihnen gesagt, (…) und (…) seien nicht zu Hause. Am (…) seien sie zu (…) 

gekommen und sie habe einem (…) Mann, der die meisten Fragen gestellt 

habe, gesagt, dass ihr Mann mit (…) zum (…) gegangen sei. Daraufhin 

habe der (…) Mann sie aufgefordert, ihrem Ehemann auszurichten, er solle 

sich am folgenden Tag bei ihnen melden. Am (…) seien die Männer zum 

Glück nicht vorbeigekommen. Am (…) habe ihr (…) telefonisch mitgeteilt, 

dass ihr Ehemann nun weggereist sei. Daraufhin habe sie (…) gebeten, 

sie zu (…) zu fahren. Nach dem Aufenthalt bei (…) sei sie zu einem (…) 

nach (…) gereist, von wo aus sie schliesslich mit Hilfe von (…), die ihr Geld 

gegeben hätten, ausgereist sei. 

Für die weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit für den Entscheid 

wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. 

Die Beschwerdeführenden reichten (…) ein. 

B.  

Mit am 15. Januar 2014 eröffneter Verfügung vom 9. Januar 2014 stellte 

das BFM fest, die Beschwerdeführenden und ihre Kinder erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche vom 17. Dezem-

ber 2012 (Beschwerdeführer) und vom 14. Mai 2013 (Beschwerdeführerin) 

ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. 

Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen der Be-

schwerdeführenden vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nicht zu genügen, weshalb ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 

Insbesondere habe der Beschwerdeführer zwar einerseits in seinem freien 

Bericht zu den Asylgründen bilderreich erzählt, andererseits habe er aber 

auf konkrete Fragen zu Details nicht plausibel geantwortet, er sei ausgewi-

chen oder vage geblieben. So habe er nicht substanziiert beschreiben kön-

nen, was er mit seiner Aussage, einen „Rebellen“ im Wald getroffen zu ha-

ben, gemeint habe. Seine diesbezüglichen Schilderungen seien allgemein 

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Seite 4 

geblieben. Zudem habe er hinsichtlich seiner Inhaftierung in erster Linie 

beschrieben, wie die Behörden mit den verhafteten Personen umgehen 

würden, ohne seine diesbezüglichen Erlebnisse ins Zentrum zu stellen. 

Seine Aussage, er sei zwischen zwei Fronten geraten, habe er nicht prä-

zise erläutert, sondern die allgemeine Lage in Tschetschenien beschrie-

ben. Zudem habe er nicht plausibel erklären können, wieso die Rebellen 

gerade ihn für die Lieferdienste ausgewählt hätten, obwohl er regelmässig 

zusammen mit anderen Leuten in den Wald gegangen sei. Ausserdem 

seien seine Angaben dazu, wie die Lieferungen jeweils vereinbart worden 

seien und wie er in Erfahrung gebracht habe, wann und wo diese stattfin-

den sollten, vage geblieben. 

Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer unterschiedliche Aussagen zur 

Anzahl der Lieferungen an die Rebellen gemacht habe. Bei der BzP habe 

er angegeben, (…)mal (…) geliefert zu haben, wobei er bei der (…) Liefe-

rung verhaftet worden sei. Bei der Anhörung habe er einmal von (…) oder 

(…) (…)lieferungen, ein anderes Mal von (…) respektive (…) (…)- und (…) 

(…)lieferungen, und ein anderes Mal davon gesprochen, dass er am (…) 

anlässlich der (…) oder (…) (…)lieferung verhaftet worden sei. 

Erfahrungsgemäss würden persönliche Betroffenheit und subjektives Emp-

finden die Angaben der gesuchstellenden Personen untermauern. Diesbe-

züglich sei festzustellen, dass die Antworten der Beschwerdeführerin auf 

die Fragen, wie sie selber und später (…) auf die Erzählungen ihres Ehe-

mannes zu seinem Kontakt mit den Rebellen reagiert habe, sehr stereotyp 

ausgefallen seien. Gleich verhalte es sich mit ihren Ausführungen zum Be-

such der Kadyrov-Leute und zur Reaktion der (…). 

Da die Asylgesuche abgelehnt würden, seien die Beschwerdeführenden 

zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet. Der Grundsatz der Nichtrück-

schiebung gelange nicht zur Anwendung, weil sie die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfüllen würden. Zudem ergäben sich aus den Akten keine An-

haltspunkte dafür, dass ihnen im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene 

Strafe oder Behandlung drohe. Die Sicherheitslage in Tschetschenien 

habe sich in den letzten Jahren kontinuierlich und nachhaltig verbessert. 

Es herrsche heute keine Situation allgemeiner Gewalt mehr. Parallel zur 

Stabilisierung der Sicherheit habe sich auch die Menschenrechtslage deut-

lich verbessert. Wahllose Personenkontrollen und Inhaftierungen durch 

das russische Militär kämen nicht mehr vor. Drastisch zurückgegangen 

seien vor allem auch die Fälle verschwundener oder entführter Personen. 

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Nach Einschätzung der UNO und des Internationalen Komitees vom Roten 

Kreuz (IKRK) bestehe heute in Tschetschenien auch keine humanitäre 

Krise mehr. Die medizinische Grundversorgung sei mittlerweile wieder ge-

währleistet. Aus Russland, aber auch aus Europa, würden vermehrt Per-

sonen unterschiedlichen Profils freiwillig nach Tschetschenien zurückkeh-

ren. Die Rückkehr von abgewiesenen Asylsuchenden nach Tschetsche-

nien sei daher grundsätzlich zumutbar. Zudem würden auch keine indivi-

duellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs spre-

chen. Der Vollzug der Wegweisung sei technisch möglich und praktisch 

durchführbar. 

C.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 14. Februar 2014 und mit Beschwerdever-

besserung vom 15. Februar 2014 gelangten die Beschwerdeführenden an 

das Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die Verfügung vom 9. Ja-

nuar 2014 sei aufzuheben und es sei ihnen und ihren Kindern unter Zuer-

kennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die 

Dispositivziffer 3 (Wegweisung aus der Schweiz), subeventualiter die Dis-

positivziffern 4 und 5 (Vollzug der Wegweisung) der angefochtenen Verfü-

gung aufzuheben und sie seien vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie die Bewilligung der unent-

geltlichen Prozessführung und, im Falle der Abweisung dieses Antrages, 

den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Sämtliche Ver-

fahrensakten seien von Amtes wegen beizuziehen und es sei ein Schrif-

tenwechsel zu eröffnen. Als Beilagen reichten sie nebst einer Kopie der 

angefochtenen Verfügung und einer Bestätigung der Sozialhilfeabhängig-

keit vom (…) verschiedene Dokumente zur Situation in Tschetschenien 

(vgl. Beilagenverzeichnis auf Seite 13 der Beschwerde vom 15. Februar 

2014) zu den Akten. 

Zur Begründung führten sie unter Wiederholung ihrer asylgesuchsbegrün-

denden Aussagen, unter Verweis auf die Zusammenfassung des rechtser-

heblichen Sachverhalts in den Verfahrensakten und auf die gleichzeitig ein-

gereichten Dokumente im Wesentlichen an, der bei der Anhörung anwe-

sende Hilfswerkvertreter habe die Aussagen des Beschwerdeführers als 

substanziiert, plausibel und glaubhaft erachtet. Er gehöre gemäss einem 

Bericht zum COI-Workshop vom 17. Februar 2012 in Wien mit Vorträgen 

von (…) und (…) einer Risikogruppe an. Zu den Erwägungen in der ange-

fochtenen Verfügung sei zunächst grundsätzlich festzuhalten, dass auch 

heute noch ein prekärer Zustand in der tschetschenischen Republik und im 

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gesamten kaukasischen Raum vorherrsche. Die Vorbringen des Be-

schwerdeführers seien glaubhaft. Insbesondere sei er sehr wohl fähig ge-

wesen, detaillierte Angaben zum Umstand, dass ausgerechnet er von den 

Rebellen ausgesucht worden sei, zu machen. Es sei gut denkbar, dass 

Rebellen die (…) in der Umgebung einige Zeit beobachtet und ihre eigenen 

Recherchen dazu vorgenommen hätten, wer von den (…) vertrauenswür-

dig sei und sie nicht an die Behörden verraten würde. In Tschetschenien 

existiere der sogenannte „Buschfunk“. 

In den Protokollen seien keine gravierenden Widersprüche aktenkundig, 

die den Kriterien der Flüchtlingseigenschaft (recte: Glaubhaftigkeit) nicht 

standzuhalten vermöchten. Die Vorinstanz habe zu Unrecht auf eine Prü-

fung der Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers verzichtet. 

Der rechtserhebliche Sachverhalt sei somit bereits in diesem Punkt unvoll-

ständig erkannt. Auch sei seine Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe nicht 

in Erwägung gezogen worden. Die Vorinstanz habe bei der Beurteilung des 

Asylgesuchs des Beschwerdeführers nur geringere Widersprüche in den 

Aussagen festgestellt. Erfahrungsgemäss seien Widersprüche bei Befra-

gungen praktisch unvermeidbar, da es niemandem gelinge, mehrmals bei 

verschiedenen Gelegenheiten identische Schilderungen abzugeben oder 

einen Sachverhalt widerspruchsfrei abzugeben. Zeitliche und örtliche Di-

vergenzen oder Ungenauigkeiten seien häufig anzutreffen und gehörten 

somit zur Normalität. Sie seien insbesondere auch durch die ungewohnte 

Befragungssituation, das sehr persönliche und teilweise intime Gesprächs-

thema sowie durch sprachliche Missverständnisse beim Übersetzen be-

dingt. Hinzu komme, dass die dargelegten asylbegründenden Erfahrungen 

entscheidende Ereignisse im Leben einer Person darstellen würden. Der-

artige Erfahrungen führten bekanntlich regelmässig zu bleibenden gesund-

heitlichen Schäden wie einem posttraumatischen Stresssyndrom, einer 

Depression oder gar Angststörungen, die allesamt das Denk- und Erinne-

rungsvermögen einer Person erheblich beeinflussen könnten. Auch sie 

seien davon nicht verschont worden. Der Unterstellung der Vorinstanz, der 

Beschwerdeführer habe widersprüchliche Angaben zur Häufigkeit der Lie-

ferungen an die Rebellen gemacht, könne nicht gefolgt werden. 

Der Beschwerdeführer habe in seiner Antwort auf Frage 50 bei der Anhö-

rung sehr wohl genaue Angaben dazu gemacht, was er gekauft habe. Es 

erstaune angesichts seiner Schulbildung von (…) Jahren auch nicht, dass 

er die genaue Bezeichnung von (…) nicht kenne. Es bleibe dem Bundes-

verwaltungsgericht unbenommen, seine volle Kognition auszuschöpfen 

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und die Vorbringen auf ihren Wahrheitsgehalt und auf bestehende Real-

kennzeichen frei zu überprüfen. Zusammenfassend werde festgehalten, 

dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle und den ge-

suchsbegründenden Sachverhalt im Rahmen seiner Möglichkeiten glaub-

haft gemacht habe. Seine Schilderungen des Sachverhaltes seien entspre-

chend der Mentalität eines Mannes aus Tschetschenien, der nicht gerne 

mit Drittpersonen über Misshandlungen und über Erlittenes rede, sehr 

sachlich und ohne Emotionen ausgefallen. Sollte das Gericht wider Erwar-

ten zum Schluss gelangen, die Kriterien für die Feststellung der Flücht-

lingseigenschaft seien nicht erfüllt, werde beantragt, die Wegweisung in die 

russische Föderation zufolge Unzumutbarkeit derzeit nicht zu vollziehen. 

Das Gericht werde darum ersucht, in ihrem Fall von der Bestimmung von 

Art. 44 AsylG abzuweichen, wonach bei Ablehnung oder Nichteintreten auf 

ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und deren 

Vollzug verfügt werde. Einem Bericht des österreichischen roten Kreuzes 

zufolge sollte niemand nach Russland zurückgeschickt werden, wenn es 

sich nicht um eine Person handle, die ein schreckliches Verbrechen, etwa 

gegen den Frieden oder die Menschlichkeit, begangen habe. Dem Bericht 

könne weiter entnommen werden, dass es zwar Personen gebe, die nach 

Tschetschenien zurückkehren würden, doch ihre Rückkehr bedeute, dass 

sie vorhätten, mit Ramsan Kadyrov zusammenzuarbeiten. Dieser habe in 

einem Bericht mit dem Titel „Frauen in Tschetschenien“ vom 4. Juli 2012 

(abrufbar auf www.ecoi.net) zu Personen, die er versammelt habe, weil er 

den Verdacht gehegt habe, dass sich ihre Kinder den Rebellen angeschlos-

sen hätten, folgendes gesagt: „Wenn irgendjemand an Wahhabismus 

denkt, oder wenn jemand auch nur nach Wahhabismus riecht, dann wer-

den wir ihn einfach mitnehmen und umbringen. Wir werden diese Leute 

nicht an ein Gericht übergeben.“ Seine Aussagen seien also nicht gerade 

ein verlockendes Angebot, das die Leute dazu bringe, wieder „aus dem 

Wald“ zu kommen. Vorliegend müssten diese Empfehlungen und die für 

den Beschwerdeführer aufgezeigte Gefahr sowohl bei der Asylfrage als 

auch beim Wegweisungsvollzug auf jeden Fall berücksichtigt werden, was 

von der Vorinstanz zu Unrecht unterlassen worden sei. Zur Frage der in-

ternen Fluchtalternative könne auf Empfehlungen des oben angegebenen 

Berichts abgestellt werden, welcher diese Möglichkeit sogar bei allen Per-

sonen nicht slawischer Ethnie verneine. 

D.  

Mit Eingabe vom 16. Februar 2014 reichte der Beschwerdeführer den Kurz-

bericht der Hilfswerkvertretung zur Anhörung der Beschwerdeführerin vom 

http://www.ecoi.net/

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Seite 8 

6. Juni 2013 zu den Akten und führte an, dieses als Beilage 6 zur Be-

schwerdeschrift aufgeführte Dokument sei versehentlich nicht beigelegt 

worden. 

E.  

Am 18. Februar 2014 bestätigte das Gericht den Beschwerdeführenden 

den Eingang ihrer Beschwerde. 

F.  

Mit Verfügung vom 9. April 2014 teilte das Gericht den Beschwerdeführen-

den mit, sie und ihre Kinder dürften den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Gleichzeitig verzichtete es auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses und verlegte den Entscheid über die Anträge auf Bewilli-

gung der unentgeltlichen Prozessführung und auf Eröffnung eines Schrif-

tenwechsels auf einen späteren Zeitpunkt. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. September 2016 hiess das Gericht den An-

trag auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und lud die Vorinstanz ein, sich bis am 22. Sep-

tember 2016 zur Beschwerde und insbesondere auch im Hinblick auf einen 

allfälligen Wegweisungsvollzug zum Aspekt des Kindeswohls im Rahmen 

der Zumutbarkeitsprüfung vernehmen zu lassen. 

H.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 22. September 

2016 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, in 

Bezug auf das Kindeswohl müsse festgehalten werden, dass die Familie 

erst seit fast vier respektive etwas mehr als drei Jahre in der Schweiz wohn-

haft sei. Die Kinder der Beschwerdeführenden seien zwischen (…) und (…) 

Jahre alt. Somit seien sie noch in einem Alter, in dem die Eltern die Haupt-

bezugspersonen seien. Auch wenn die drei älteren Kinder bereits zur 

Schule gehen würden, könne noch nicht von einer zusehends an die 

schweizerische Lebensweise angepasste Assimilierung gesprochen wer-

den, zumal die prägenden Jahre der Adoleszenz, denen hinsichtlich der 

Beurteilung der Verwurzelung in der Schweiz besonderes Gewicht beizu-

messen sei, noch bevorstehen würden. Somit sei unter dem Aspekt des 

Kindeswohls ein Wegweisungsvollzug zumutbar. Zudem würden, wie be-

reits im Entscheid vom 9. Januar 2014 ausgeführt, keine individuellen 

Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. So 

habe der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise gearbeitet und für seine 

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Seite 9 

Familie gesorgt. Ergänzend müsse noch bemerkt werden, dass sowohl der 

Beschwerdeführer als auch die Beschwerdeführerin über Familienangehö-

rige in der Heimat, unter anderen (…), verfügen würden. Im Übrigen werde 

auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, an denen vollum-

fänglich festgehalten werde, verwiesen. 

I.  

Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 20. Oktober 2016 an den 

gestellten Rechtsbegehren fest und beantragte die Gutheissung der Be-

schwerde. Als Beilagen reichte er einen Online-Report vom 7. Okto-

ber 2016 zu Tschetschenien und Referenzschreiben betreffend seine Kin-

der zu den Akten. 

Zur Begründung führte er unter Verweis auf einen unter www.ecoi.net ab-

rufbaren Bericht zu Tschetschenien an, er gehöre einer Risikogruppe in der 

Teilrepublik Tschetschenien an, wozu sich die Vorinstanz nie geäussert 

habe. Die aktuelle Situation habe sich ab Datum des Asylgesuchs im Jahr 

2012 nicht geändert. Das einzige Gesetz sei das Wort von Kadyrov. Er sei 

in seiner Heimat von den Angehörigen der Sicherheitsorgane mit (…) wor-

den, und er stehe unter dringendem Verdacht, die Aufständischen mit (…) 

und mit (…) versorgt zu haben, was auch stimme. Er halte an seinem Asyl-

gesuch vollumfänglich fest und verweise auf die schriftliche Stellungnahme 

der Hilfswerkvertretung vom 22. Januar 2013 im Zusatzblatt zum Kurzbe-

richt auf Seite 4 zur Flüchtlingseigenschaft und zur inländischen Fluchtal-

ternative. Der Machtbereich von Kadyrov habe sich in letzter Zeit ausge-

weitet. Letzten Medienberichten vom Oktober 2016 zufolge (Artikel „Russia 

beyond the headlines“ vom 7. Oktober 2016, abrufbar auf Instagram) habe 

er gar den besten Kampfsportler Russlands für den Medienwirbel um die 

Veranstaltung von Wettkämpfen im Kampfsport mit Beteiligung von min-

derjährigen Kindern nach seiner simplen Kritik verantwortlich gemacht. Am 

9. Oktober 2016 sei die ältere Tochter des Kampfsportlers in Moskau von 

Unbekannten spitalreif geschlagen worden. Nur dank der persönlichen In-

tervention von Putin sei die Hetze auf ihn abrupt gestoppt und die Einträge 

auf Instagram entfernt worden. Auf dem unter www.youtube.com abrufba-

ren Video habe Kadyrov (…) vor den versammelten Polizeioberhäuptern 

aus Stawropol in (…) Folgendes gesagt: „Ich erkläre euch allen. Wenn 

ohne eure Kenntnis auf eurem Territorium einer erscheint, es spielt keine 

Rolle, ob es ein Moskowiter (Polizist) oder einer aus Stawropol ist, eröffnet 

auf ihn das Feuer („shoot-to-kill“). Mit uns soll man rechnen.“ 

http://www.ecoi.net/
http://www.youtube.com/

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Seite 10 

Der Unterzeichnete hoffe, dass er und seine Familie aus der Schweiz nicht 

weggewiesen würden und er sei bereit, allfällige Fragen des Bundesver-

waltungsgerichts zu beantworten. Er fürchte um sein Leib und Leben in der 

Heimat, in der er als Sympathisant der Aufständischen angesehen werde. 

Seine Befürchtungen seien gut begründet und asylrelevant. Die Kinder der 

Beschwerdeführenden würden derzeit (…) und (…) besuchen. Wie sich 

aus den beigelegten Referenzschreiben ergeben würde, beherrschten sie 

Deutsch in Wort und Schrift. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). Mit Beschwerde 

an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwendungsbereich des 

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Seite 11 

AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und 

Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 

Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht wie zu-

vor die Vorinstanz zum Schluss, dass die gesuchsbegründenden Vorbrin-

gen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nicht zu genügen vermögen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann 

vorab auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung 

verwiesen werden. Ergänzend ist festzustellen, dass die wiederholten 

Käufe von (…) und von (…), deren Bezeichnung dem Beschwerdeführer 

bei der Anhörung nicht in den Sinn kamen (A8/21 S. 10 Frage 43), aufgrund 

ihrer Beschaffenheit und ihres Umfangs wohl aufgefallen wären. Seine Ant-

wort auf die Frage, ob man bei ihm in der Ortschaft ohne Probleme für (…) 

US Dollars (…) und (…) kaufen könne, er habe nicht in (…) einzigen (…) 

eingekauft, sie hätten in ihrem Dorf (…) (A8/21 S. 10 Frage 47), vermag 

nicht zu überzeugen. Nicht nachvollziehbar erscheint zudem, dass sich die 

Kadyrov-Leute anlässlich der Haftentlassung lediglich mit der Zusicherung 

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Seite 12 

des Beschwerdeführers begnügt hätten, er werde sie sofort darüber infor-

mieren, wann und wohin er das nächste Mal in die Berge gehen würde 

(A8/21 S. 6 f.), zumal davon auszugehen ist, dass er nach seiner Freilas-

sung überwacht worden wäre. Vor diesem Hintergrund erscheint auch re-

alitätsfremd, dass sich der Beschwerdeführer und (…) unbehelligt bei (…) 

aufgehalten haben wollen, um dort die Ausreise vorzubereiten. 

4.2 Die Entgegnungen auf Beschwerdeebene und die eingereichten Be-

richte zur Situation in Tschetschenien sind nicht geeignet, zu einer anderen 

Beurteilung zu gelangen. Insbesondere erweist sich das Vorbringen, die 

Vorinstanz habe zu Unrecht auf die Überprüfung der Asylrelevanz der Vor-

bringen des Beschwerdeführers verzichtet und dadurch bereits in diesem 

Punkt den Sachverhalt unvollständig erkannt, als unbegründet, zumal in 

der angefochtenen Verfügung in rechtsgenüglicher Weise ausgeführt 

wurde, weshalb die gesuchsbegründenden Aussagen den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit nicht genügen vermöchten und demzufolge deren 

Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Zudem ist auch der Verweis auf 

den mit Eingabe vom 16. Februar 2014 eingereichten Kurzbericht der Hilfs-

werkvertretung (Kopie) zur Anhörung der Beschwerdeführerin, wonach sie 

glaubhaft (recte: glaubwürdig) scheine, alle Fragen detailliert sowie sub-

stanziiert beantwortet habe und ihre Aussagen vollkommen mit denjenigen 

ihres Ehemannes übereinstimmen würden, nicht geeignet, die gesuchsbe-

gründenden Aussagen des Beschwerdeführers glaubhafter erscheinen zu 

lassen. Des Weiteren erweist sich die Erklärung, es sei denkbar, dass die 

Rebellen die (…) in der Umgebung einige Zeit beobachtet und ihre eigenen 

Recherchen vorgenommen hätten, um herauszufinden, wer von den 

Sammlern vertrauenswürdig sei, als wenig stichhaltig, zumal den Rebellen 

laut Aussagen des Beschwerdeführers ohnehin andere Mittel zur Verfü-

gung gestanden seien, um sich ihrer Loyalität zu versichern (A8/21 S. 10 

Frage 46). 

Als unbegründet erweist sich sodann die Rüge, die Vorinstanz habe die 

Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zu einer Risikogruppe in Tschet-

schenien nicht in Erwägung gezogen. Zudem erweist sich die Entgegnung, 

der Beschwerdeführer habe bei der Frage 50 sehr wohl genaue Angaben 

dazu gemacht, was er auf Wunsch gekauft habe, als wenig stichhaltig. 

Diesbezüglich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer in seiner Ant-

wort auf die Frage 50 zwar einerseits die von den Rebellen verlangten (…) 

aufzuzählen vermochte, aber andererseits nicht in der Lage war, die von 

ihm gelieferten (…) zu bezeichnen, obwohl er diese in verschiedenen (…) 

selbst gekauft habe (Fragen 43 und 47). Vor diesem Hintergrund vermag 

E-808/2014 

Seite 13 

die Erklärung, es erstaune nicht, dass der Beschwerdeführer aufgrund sei-

ner (…) Schulbildung die genaue Bezeichnung der (…) nicht kenne, nicht 

zu überzeugen. Angesichts dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinan-

dersetzung mit den weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe und 

den diversen Berichten zur Situation in Tschetschenien, zumal sie nicht ge-

eignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. 

4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihre Asyl-

gesuche abgelehnt hat. 

5.  

5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

5.2 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder verfügen weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-

ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2  

6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

E-808/2014 

Seite 14 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

6.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 

Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden 

in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-

mässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr («real risk») 

nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-

bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). In BVGE 2009/52 definierte das Bundesverwaltungs-

gericht Kategorien von Personen, welchen in Tschetschenien beziehungs-

weise in Russland eine Menschenrechtsverletzung droht (vgl. E. 10.2.3): 

Dabei handelt es sich um Aktivisten, kritische Journalisten, Rebellen und 

deren Familien, welchen die Teilnahme an Aufständen vorgeworfen wird, 

von einer Amnestie betroffene Personen, welche sich nicht den tschetsche-

nischen Sicherheitskräften unterordnen wollen, Personen mit Beziehungen 

zum Regime von Mashkadov, welche gegen das Regime von Kadyrov ein-

gestellt sind, Personen, welche Menschenrechtsverletzungen vor interna-

E-808/2014 

Seite 15 

tionalen oder regionalen Gerichten angezeigt haben, sowie Fahnenflüch-

tige. Auch alleinstehende ledige oder verwitwete Frauen ohne familiären 

Rückhalt und Personen, von welchen angenommen wird, sie würden mit 

beträchtlichen finanziellen Mitteln nach Tschetschenien zurückkehren, 

könnten Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden. Vorliegend ist 

festzustellen, dass die Beschwerdeführenden und ihre Kinder keiner der 

genannten Kategorien angehören und es ihnen mangels Glaubhaftigkeit 

ihrer gesuchsbegründenden Aussagen nicht gelungen ist, eine konkrete 

Gefahr darzutun. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimat-

staat der Beschwerdeführenden lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-

tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist 

der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völ-

kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

6.3  

6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

6.3.2 Im Heimatstaat der Beschwerdeführenden liegt keine Situation allge-

meiner Gewalt vor, und es deuten auch keine individuellen Gründe auf ihre 

konkrete Gefährdung hin. Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder sind 

soweit aktenkundig gesund. Der Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise 

gearbeitet und für seine Familie gesorgt. Sowohl der Beschwerdeführer als 

auch die Beschwerdeführerin verfügen in ihrem Heimatstaat über ein ver-

wandtschaftliches Beziehungsnetz (…), das ihnen bei der Reintegration 

behilflich sein wird. 

6.3.3 Auch das Kindeswohl steht der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs nicht entgegen. Das Kindeswohl bildet im Rahmen der Zumutbar-

keitsprüfung einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt 

sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 

Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. No-

vember 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem As-

pekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen 

und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erschei-

nen. Diesbezüglich können namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer 

E-808/2014 

Seite 16 

gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängig-

keiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigen-

schaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereit-

schaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbil-

dung, sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufent-

halt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in 

der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse 

einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor 

zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten 

Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsycho-

logischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes 

(d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen übrige 

soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke 

Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, 

indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung 

im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rück-

kehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. die vom Bundesverwal-

tungsgericht übernommene Praxis der Asylrekurskommission: Entschei-

dungen und Mitteilungen der ehemaligen Schweizerischen Asylrekurskom-

mission [EMARK] 2005 Nr. 6 E. 6.; 2006 Nr. 24 E. 6.2.3., BVGE 2009/28 

E. 9.3.2; 2009/51 E. 5.6). 

Wie bereits in der Vernehmlassung ausgeführt wurde, befinden sich die 

(…) Kinder seit fast vier respektive etwas mehr als drei Jahren in der 

Schweiz. (…) jüngste (…) ist am (…) in der Schweiz geboren. Diese relativ 

kurze Anwesenheitsdauer spricht gegen eine derart fortgeschrittene Ver-

wurzelung in der Schweiz. Die zwischen (…) und (…) Jahre alten Kinder 

sind noch in einem Alter, in dem die Eltern die Hauptbezugspersonen sind. 

Auch wenn die (…) Kinder bereits zur Schule gehen, kann angesichts ihres 

relativ kurzen Aufenthaltes noch nicht von einer fortgeschrittenen Integra-

tion gesprochen werden. An dieser Beurteilung vermögen die zusammen 

mit der Replik eingereichten Referenzschreiben nichts zu ändern. Hinzu 

kommt, dass den Kindern die prägenden Jahre der Adoleszenz (vgl. Urteile 

des Bundesverwaltungsgerichts D-6415/2011 vom 24. Juni 2013 6.2.2 und 

D-1088/2010 vom 13. August 2012 E. 4.2.3.10), welchen hinsichtlich der 

Beurteilung der Verwurzelung in der Schweiz besonderes Gewicht beizu-

messen ist, grösstenteils noch bevorstehen. 

6.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

E-808/2014 

Seite 17 

6.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-

digen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine Rückkehr erforderlichen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten grund-

sätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

Weil indessen der Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 

7. September 2016 gutgeheissen wurde, und sich aus den Akten keine 

Hinweise auf eine nachträgliche Veränderung der finanziellen Verhältnisse 

ergeben, sind die Beschwerdeführenden von der Bezahlung der Verfah-

renskosten zu befreien. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-808/2014 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Beschwerdeführenden werden von der Bezahlung der Verfahrenskos-

ten befreit. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Esther Marti Peter Jaggi 

 

 

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