# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd2b6621-f96f-5023-a6ec-c5fdce3c3e0d
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-22
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 22.08.2023 BZ 2023 57
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BZ-2023-57_2023-08-22.pdf

## Full Text

20230717_083026_ANOM.docx

II. Beschwerdeabteilung BZ 2023 57

Oberrichter St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter M. Siegwart
Oberrichter A. Sidler
Gerichtsschreiberin D. Huber Stüdli

Urteil vom 22. August 2023 [rechtskräftig]

in Sachen

A.________, 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

C.________,
vertreten durch Rechtsanwalt D.________,
Beschwerdegegner,

betreffend

Bekanntgabe der Wohnadresse
(Beschwerde gegen den Entscheid des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 8. Mai 2023)

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Sachverhalt

1. Vor dem Einzelrichter am Kantonsgericht Zug ist ein Verfahren betreffend Massnahmen 
gemäss Art. 172 ff. ZGB zwischen den Eheleuten A.________ (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rerin) und C.________ (nachfolgend: Beschwerdegegner) hängig (Verfahren ES 2022 919). 
Dem Massnahmeverfahren vorausgegangen war eine Strafanzeige der Beschwerdeführerin 
gegen den Beschwerdegegner wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch der gemein-
samen Kinder E.________, geb. tt.mm.jj, und F.________, geb. tt.mm.jj. 

1.1 Mit Entscheid vom 19. Dezember 2022 wurden die gemeinsamen Kinder superprovisorisch 
unter die alleinige elterliche Sorge und Obhut der Beschwerdeführerin gestellt und ihr zur 
Pflege und Erziehung zugewiesen. Dem Beschwerdegegner wurde einstweilen kein Be-
suchsrecht eingeräumt. Zudem wurde ihm einstweilen verboten, den Sohn E.________, die 
Tochter F.________ oder die Beschwerdeführerin telefonisch, schriftlich oder auf eine ande-
re Weise zu kontaktieren oder sich ihnen sowie der ehelichen Wohnung ________ näher als 
200 m anzunähern (Vi act. 6). 

1.2 Im Anschluss an die Instruktionsverhandlung und Parteibefragung vom 23. Februar 2023 
schlossen die Parteien einen Vergleich. Demgemäss wurden die gemeinsamen Kinder unter 
die alleinige elterliche Sorge und Obhut der Mutter gestellt und ihr zur Pflege und Erziehung 
zugewiesen. Dem Vater wurde das Recht eingeräumt, die Kinder im Rahmen der begleiteten 
Besuchstage Zug (BBT) ab 1. Mai 2023 zwei Mal pro Monat zu besuchen. Für die beiden 
Kinder wurde eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB angeordnet und 
die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Kantons Zug darum ersucht, den Beistand 
zu bestellen. Weiter wurde die mit Entscheid vom 19. Dezember 2022 superprovisorisch ver-
hängte Kontaktsperre des Beschwerdegegners zu den Kindern und der Beschwerdeführerin 
bestätigt und nur insoweit ergänzend aufgehoben, als dies für die Ausübung des begleiteten 
Besuchsrechts erforderlich ist. Schliesslich wurden die Unterhaltszahlungen festgelegt (Vi 
act. 25b). 

1.3 Am 9. März 2023 widerrief die Beschwerdeführerin die Regelung betreffend den persönlichen 
Verkehr zwischen dem Vater und den Kindern (Vi act. 17), worauf das Verfahren in diesem 
Punkt weitergeführt wurde (Vi act. 24). 

1.4 Am 25. April 2023 meldete die Beschwerdeführerin dem Einzelrichter eine Adressänderung 
und ersuchte darum, diese dem Beschwerdegegner nicht bekannt zu geben (Vi act. 27). 

1.5 In der Stellungnahme vom 1. Mai 2023 sprach sich der Beschwerdegegner gegen den Antrag 
auf Nichtbekanntgabe der Adresse aus (Vi act. 29). 

1.6 Mit Entscheid vom 8. Mai 2023 wies der Einzelrichter den Antrag der Beschwerdeführerin ab 
und verfügte, dass die Wohnsitzadresse der Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner 
nach Ablauf der Rechtsmittelfrist mit separatem Schreiben eröffnet werde (Dispositiv-Ziffer 1; 
Vi act. 33). 

2. Gegen diesen Entscheid reichte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 19. Mai 2023 Be-
rufung beim Obergericht des Kantons Zug ein und stellte folgende Anträge (act. 1): 

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1. Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur neuerlichen Be-
urteilung zurückzuweisen.

2. Eventualiter sei Ziffer 1 des angefochtenen Entscheides aufzuheben und die Adresse der Be-
schwerdeführerin dem Beschwerdegegner nicht bekanntzugeben.

3. Subeventualiter sei Ziffer 1 des angefochtenen Entscheids aufzuheben und dem Beschwerdegeg-
ner lediglich der Wohnort, nicht jedoch die genaue Adresse der Beschwerdeführerin bekanntzuge-
ben.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdegegners. 

3. Mit Präsidialverfügung vom 23. Mai 2023 trat der Abteilungspräsident der II. Zivilabteilung 
des Obergerichts Zug auf die Berufung nicht ein und überwies diese als Beschwerde an die 
II. Beschwerdeabteilung des Obergerichts Zug zur Entscheidung (Verfahren Z2 2023 41; 
act. 2).  

4. Mit Verfügung vom 24. Mai 2023 erkannte der Präsident der II. Beschwerdeabteilung der Be-
schwerde aufschiebende Wirkung zu (act. 3). 

5. In der Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2023 beantragte der Beschwerdegegner, die Beru-
fung bzw. Beschwerde vom 19. Mai 2023 sei vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und 
Entschädigungsfolge (zuzüglich MWST) zu Lasten der Beschwerdeführerin (act. 5). 

6. In der Replik vom 22. Juni 2023 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Rechtsbegehren fest 
(act. 8).  

7. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. 

Erwägungen

1. Angefochten ist ein Entscheid des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug, mit welchem der 
prozessuale Antrag der Beschwerdeführerin auf Nichtbekanntgabe ihrer Adresse an den Be-
schwerdegegner abgewiesen wurde. Dieser Entscheid stellt eine prozessleitende Verfügung 
dar. Gegen einen solchen prozessleitenden Entscheid ist die Beschwerde nur zulässig, wenn 
durch sie ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil droht (Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO). 
Der nicht leicht wiedergutzumachende Nachteil (der nach der Praxis des Obergerichts des 
Kantons Zug rechtlicher Natur sein muss [vgl. Urteil des Obergerichts Zug vom 12. Novem-
ber 2013, in: CAN 1-14 Nr. 7]) liegt vorliegend darin, dass die Bekanntgabe der Wohnadres-
se weder im weiteren Verfahren noch im Endentscheid rückgängig gemacht werden könnte. 
Folglich ist auf die Beschwerde einzutreten. 

2. Mit der Beschwerde können unrichtige Rechtsanwendung und offensichtlich unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Neue Behauptungen und 
neue Beweismittel sind im Beschwerdeverfahren ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Der 

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Novenausschluss gilt auch für Verfahren, die der Untersuchungsmaxime unterstehen (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 5A_405/2011 vom 27. September 2011 E. 4.5.3). 

3. In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das rechtliche Gehör der Beschwer-
deführerin verletzt hat, indem sie ihr die Eingabe des Beschwerdegegners vom 1. Mai 2023 
erst zusammen mit dem angefochtenen Entscheid zugestellt hat. 

3.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 53 Abs. 1 ZPO). Dieser Anspruch 
ist auch grundrechtlich gewährleistet (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Er umfasst na-
mentlich das Recht, von den beim Gericht eingereichten Stellungnahmen Kenntnis zu erhal-
ten und sich dazu äussern zu können, unabhängig davon, ob diese Eingaben neue und er-
hebliche Gesichtspunkte enthalten. Nach der Praxis des Bundesgerichts ist den Parteien da-
her von allen bei Gericht eingereichten Eingaben Kenntnis zu geben, und es ist ihnen ausrei-
chend Gelegenheit einzuräumen, sich dazu zu äussern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
4D_2/2019 vom 27. März 2019 E. 3). 

Vorliegend brachte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin die Eingabe des Beschwerdegeg-
ners vom 1. Mai 2023 nicht zur Kenntnis, bevor sie den angefochtenen Entscheid fällte. Da-
durch verletzte sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör, auch wenn 
sie in Dispositiv-Ziffer 2 des Entscheids anordnete, dass das Doppel der Eingabe des Be-
schwerdegegners vom 1. Mai 2023 an die Beschwerdeführerin zur Stellungnahme innert 
5 Tagen gehe (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 5A_1022/2015 vom 29. April 2016 
E. 5.4). 

3.2 Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann ausnahms-
weise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer 
Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei 
überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung 
des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches 
Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die 
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen 
führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei 
an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wäre (vgl. Urteil des 
Bundesgerichts 5A_1022/2015 vom 29. April 2016 E. 5.3 mit Hinweisen). 

Im vorliegenden Fall ist die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht als besonders schwer zu 
werten, da die vorliegende Angelegenheit (auch) Kinderbelange betrifft, weshalb die unein-
geschränkte Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1 ZPO) zur Anwendung gelangt (vgl. BGE 
140 III 485 E. 3.3). Zudem betrifft die Gehörsverletzung im gesamten erstinstanzlichen Ver-
fahren nur einen Nebenpunkt. Die II. Beschwerdeabteilung hat in rechtlicher Hinsicht die 
gleiche Überprüfungsbefugnis wie die Vorinstanz (vgl. Art. 320 lit. a ZPO). Die Bekanntgabe 
der Wohnadresse betrifft eine Rechtsfrage. Folglich kann die Verletzung des rechtlichen 
Gehörs im Beschwerdeverfahren geheilt werden.  

4. In materieller Hinsicht ist zu prüfen, ob die neue Adresse der Beschwerdeführerin dem Be-
schwerdegegner bekannt zu geben ist. 

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4.1 Die Vorinstanz führte aus, bei der Wohnadresse handle es sich um eine Tatsache aus dem 
Gemein- und Öffentlichkeitsbereich, welche nicht nur ohne Weiteres wahrgenommen, son-
dern grundsätzlich von jedermann auch weiterverbreitet werden dürfe, weshalb die Informati-
on nicht besonders schutzwürdig erscheine. Die Beschwerdeführerin habe nicht glaubhaft 
dargelegt und überdies bestünden keine Anhaltspunkte, dass der Beschwerdegegner sich 
nicht an das ihm auferlegte Kontaktverbot gehalten hätte und mit der Bekanntgabe der neuen 
Adresse der Beschwerdeführerin eine Persönlichkeitsverletzung drohe. Folgerichtig sei die 
Schutzbedürftigkeit der Beschwerdeführerin betreffend die Bekanntgabe ihrer Adresse als 
gering einzustufen. Demgegenüber sei das Interesse des Beschwerdegegners an der Be-
kanntgabe der Adresse als hoch einzustufen, sei doch der Wohnsitz der Beschwerdeführerin 
und der gemeinsamen Kinder hinsichtlich der Besuchsrechtsregelung und der zu leistenden 
Unterhaltsbeiträge relevant. Das Interesse des Beschwerdegegners an der Bekanntgabe der 
neuen Wohnadresse der Beschwerdeführerin und damit sein Interesse an der Gewährung 
des Gehörsanspruchs seien deutlich höher zu gewichten als die Interessen der Beschwerde-
führerin an der Geheimhaltung. Die neue Adresse der Beschwerdeführerin sei dem Be-
schwerdegegner mithin nach Ablauf der Rechtsmittelfrist offenzulegen (Vi act. 33). 

4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe glaubhaft dargelegt, dass ihr durch die Be-
kanntgabe der Adresse eine Persönlichkeitsverletzung drohe. Der Beschwerdegegner habe 
die vormalige Nachbarin, G.________, von sich aus unmittelbar nach dem Auszug angeru-
fen. Er habe sie gefragt, ob sie wisse, ob und wohin sie (die Beschwerdeführerin) umziehe. 
G.________ könne dies bezeugen. Sie (die Beschwerdeführerin) könne sich nicht erklären, 
wie der Beschwerdegegner innert so kurzer Zeit mitbekommen habe, dass sie ihren Wohn-
sitz verlegt habe. Sie könne sich auch keinen Reim daraus machen, weshalb der Beschwer-
degegner sich so zeitnah bei der Nachbarschaft nach ihrer neuen Adresse erkundigt habe, 
wolle er sich doch seinen Angaben zufolge an das Annäherungs- und Kontaktverbot halten. 
Der Gesundheitszustand der Kinder habe sich stark stabilisiert, seit sie keinen Kontakt mehr 
mit dem Beschwerdegegner hätten. Gleichwohl habe E.________ vermehrt Ängste geäus-
sert, auf den Beschwerdegegner zu treffen. Vor diesem Hintergrund könne die Nichtbekannt-
gabe der Adresse als zusätzliche Sicherheit betrachtet werden, um sie und die Kinder wirk-
sam vor ungeregelten Kontakten mit dem Beschwerdegegner zu schützen. Für die Unter-
haltsberechnung sei die Bekanntgabe der Wohnadresse nicht erforderlich, könnten doch die 
erforderlichen Parameter auch in geschwärzter Form zur Kenntnis gebracht werden (act. 1).  

4.3 Dem hält der Beschwerdegegner entgegen, er habe von H.________, einem besorgten 
Nachbarn, erfahren, dass die Beschwerdeführerin mit den Kindern ohne Verabschiedung 
oder weitere Informationen an die Nachbarschaft weggezogen sei. H.________ habe erklärt, 
dass sich die Beschwerdeführerin länger mit G.________ unterhalten habe. Nach Rückspra-
che mit seinem Anwalt habe er (der Beschwerdegegner) G.________ angerufen. Ob er seine 
Nachbarin explizit nach der neuen Wohnadresse der Beschwerdeführerin und der Kinder ge-
fragt habe, könne er sich nicht mehr genau erinnern. Das spiele jedoch auch keine Rolle. Vor 
dem Eheschutzrichter hätten sich die Parteien mit Ausnahme des Besuchsrechts für die Kin-
der auf alle übrigen Punkt der Ehetrennung geeinigt, insbesondere auch über die Unterhalts-
beiträge. Diese Zahlungen seien davon abhängig, wo sich die Familie aufhalte und wie hoch 
die Lebenshaltungskosten seien. Die Beschwerdeführerin habe weder bewiesen noch glaub-
haft gemacht, dass ihr durch die Bekanntgabe der Adresse eine Persönlichkeitsverletzung 
drohe. Er werde sich selbstredend an das ihm auferlegte Kontaktverbot halten. Es liege im 

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Interesse der Kinder, dass sie so rasch und so umfangreich wie möglich Kontakt mit ihm hät-
ten. Aus all diesen Gründen habe er Anspruch darauf, dass ihm die genaue Adresse bzw. 
der genaue Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin und der Kinder bekannt gegeben werde. 
Dazu reiche nur die Bekanntgabe des Ortsnamens nicht aus (act. 5). 

4.4 Gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. a ZPO hat eine Klage die Bezeichnung der Parteien und allfälliger 
Vertreterinnen und Vertreter zu enthalten. Diese Norm will sicherstellen, dass keine Zweifel 
über die Identität der Parteien und allfälliger Vertreter bestehen (Leuenberger, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessord-
nung, 3. A. 2016, Art. 221 ZPO N 15). Dass vorliegend solche Zweifel bestehen, wird nicht 
geltend gemacht. Im Übrigen verhält es sich nicht so, dass die Beschwerdeführerin ihre ak-
tuelle Adresse nicht angegeben hätte. Vielmehr ist diese der Vorinstanz bekannt, was im Ru-
brum des vorinstanzlichen Entscheids festgehalten wird, aber sie wurde dem Beschwerde-
gegner (noch) nicht bekannt gegeben. Art. 221 Abs. 1 lit. a ZPO ist mithin nicht verletzt (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 5A_786/2011 vom 26. Januar 2012 E. 2.2).  

4.5 Die Bekanntgabe einer Wohnadresse fällt unter die Thematik der Akteneinsicht. Inhaltlich 
geht es um die Frage, ob der Beschwerdegegner umfassend Einsicht in die Akten nehmen 
und somit auch die den Gerichten bekannte Adresse ersehen darf (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 5A_786/2011 vom 26. Januar 2012 E. 2.2). 

Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wozu auch 
das Recht gehört, Einsicht in die Akten zu nehmen. Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich 
grundsätzlich auf sämtliche Akten eines Verfahrens, die für dieses erstellt oder beigezogen 
wurden, ohne dass ein besonderes Interesse geltend gemacht werden müsste, und unab-
hängig davon, ob die fraglichen Akten aus Sicht der Behörde entscheiderheblich sind. Das 
Akteneinsichtsrecht gilt jedoch nicht absolut, sondern kann zum Schutz von überwiegenden 
öffentlichen oder privaten Interessen durch Abdeckung und nötigenfalls Aussonderung ein-
geschränkt werden. Art. 53 Abs. 2 ZPO sieht als gesetzliche Grundlage eine entsprechende 
Einschränkung des Akteneinsichtsrechts denn auch explizit vor. Das Verhältnismässigkeits-
prinzip (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV) gebietet dabei, die Akteneinsicht bei überwiegenden entgegen-
stehenden Interessen möglichst nicht gänzlich zu verbieten, sondern bloss einzuschränken, 
sei dies in sachlicher, zeitlicher oder persönlicher Hinsicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 
5A_848/2021 und 5A_854/2021 vom 5. Mai 2022 E. 2.3; Beschluss und Urteil des Ober-
gerichts Zürich LZ200034 vom 7. September 2021 E. 1.3). Im Einzelfall sind die einander 
entgegenstehenden Interessen an der Akteneinsicht auf der einen Seite und an deren Ver-
weigerung auf der anderen Seite sorgfältig gegeneinander abzuwägen (vgl. Gehri, Basler 
Kommentar, 3. A. 2017, Art. 53 ZPO N 31).  

4.6 Im vorliegenden Fall sind die privaten Geheimhaltungsinteressen der Beschwerdeführerin 
(und der Kinder) grundsätzlich höher zu gewichten als das (umfassende) Akteneinsichtsrecht 
des Beschwerdegegners. Fest steht, dass der Beschwerdegegner am 21. April 2023, unmit-
telbar nach dem Auszug der Beschwerdeführerin aus der ehelichen Wohnung, mit zwei vor-
maligen Nachbarn, H.________ und G.________, telefoniert hat (vgl. act. 1 Rz 4 und act. 5 
Rz 2a-e). Weshalb er dies getan hat, nachdem er sich seinen eigenen Angaben zufolge an 
das Annäherungs- und Kontaktverbot halten will, bleibt unklar. Sodann spielt für das vorlie-
gende Verfahren keine Rolle, wer bei diesen Gesprächen was gesagt hat. Soweit der Be-

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schwerdegegner dazu im Beschwerdeverfahren neu eine E-Mail von H.________ vom 
21. April 2023 (act. 5/1), den E-Mailverkehr zwischen ihm und seinem Rechtsvertreter vom 
21. April 2023 (act. 5/2) sowie einen Screenshot der WhatsApp-Gruppe I.________ (act. 5/3) 
zu den Akten reicht und H.________ als Zeugen nennt (vgl. act. 5 Rz 2), kann er damit auf-
grund des Novenverbots im Beschwerdeverfahren (vgl. vorne E. 2) nicht gehört werden. Aus 
dem gleichen Grund kann auch der neue Antrag der Beschwerdeführerin auf Befragung von 
G.________ als Zeugin (act. 1 Rz 4) nicht berücksichtigt werden. Letztendlich geht es vorlie-
gend nicht nur um die Interessen der Beschwerdeführerin, sondern auch um diejenigen der 
Kinder, die für eine positive Entwicklung ein geschütztes Umfeld brauchen. Bei der Interes-
senabwägung sind auch die Unterlagen zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs (vgl. etwa 
Vi act. 5/1-5/4; Vi act. 26/1-6; Vi act. 26/34) zu berücksichtigen, ohne dass zu den darin ent-
haltenen Vorwürfen Stellung bezogen wird oder diese strafrechtlich gewürdigt werden. Vor 
diesem Hintergrund kann die Nichtbekanntgabe der Adresse sowohl die Beschwerdeführerin 
als auch die Kinder vor unerwünschten Nachfragen und ungeregelten Kontakten durch den 
Beschwerdegegner wirksam schützen. 

Gleichzeitig ist für den Beschwerdegegner zumutbar, eine gewisse Einschränkung des Ak-
teneinsichtsrechts hinzunehmen. Diese soll sich aber lediglich auf Angaben beziehen, die 
einen Rückschluss auf die genaue Wohnadresse der Beschwerdeführerin und der Kinder zu-
lassen. Für die (neue) Unterhaltsberechnung, die neue Besuchsrechtsregelung und die An-
passung des Annäherungs- und Kontaktverbots (das sich derzeit räumlich auf die ehemalige 
eheliche Wohnung ________ beschränkt [vgl. Dispositiv-Ziffer 3.1 des Entscheids des Ein-
zelrichters am Kantonsgericht Zug vom 19. Dezember 2022; Vi act. 6]) ist es einstweilen nur 
erforderlich, dass dem Beschwerdegegner bekannt gegeben wird, an welchem Wohnort sich 
die Beschwerdeführerin mit den Kindern aufhält. In diesem Teilumfang ist die Beschwerde 
gutzuheissen. 

4.7 Nach dem Gesagten ist Dispositiv-Ziffer 1 des Entscheids des Einzelrichters am Kantonsge-
richt Zug vom 8. Mai 2023 aufzuheben. Der prozessuale Antrag der Beschwerdeführerin, ihre 
Wohnsitzadresse sei dem Beschwerdegegner nicht zur Kenntnis zu bringen, ist teilweise 
gutzuheissen. Der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug ist anzuweisen, dem Beschwerde-
gegner nach Ablauf der Rechtsmittelfrist den Wohnort, an dem sich die Beschwerdeführerin 
mit den Kindern aufhält, bekannt zu geben. 

5. Die Beschwerdeführerin dringt mit ihren Anträgen rund zur Hälfte durch. Bei diesem Ausgang 
des Verfahrens sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens je zur Hälfte der Beschwerdefüh-
rerin und dem Beschwerdegegner aufzuerlegen. Zudem hat jede Partei ihre eigenen Partei-
kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 106 Abs. 2 ZPO). 

Urteilsspruch

1.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird Dispositiv-Ziffer 1 des Entscheids des Einzel-
richters am Kantonsgericht Zug vom 8. Mai 2023 aufgehoben. 

1.2 Der prozessuale Antrag der Beschwerdeführerin, ihre Wohnsitzadresse sei dem Beschwer-
degegner nicht zur Kenntnis zu bringen, wird teilweise gutgeheissen. 

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1.3 Der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug wird angewiesen, dem Beschwerdegegner nach Ab-
lauf der Rechtsmittelfrist nur den Wohnort bekannt zu geben, an dem sich die Beschwerde-
führerin mit den Kindern aufhält. 

2. Die Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren von CHF 800.00 wird den Parteien je zur 
Hälfte auferlegt und mit dem von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss in 
gleicher Höhe verrechnet. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin den Kosten-
vorschuss im Umfang von CHF 400.00 zu ersetzen. 

3. Jede Partei trägt ihre eigenen Parteikosten des Beschwerdeverfahrens. 

4. Gegen diesen Entscheid ist unter den Voraussetzungen von Art. 93 BGG die Beschwerde in 
Zivilsachen nach den Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwer-
degründe richten sich nach Art. 95 ff. BGG. Eine allfällige Beschwerde ist innert 30 Tagen 
seit Zustellung des Entscheids schriftlich, begründet und mit bestimmten Anträgen sowie un-
ter Beilage des Entscheids und der Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Die Beschwerde hat nach Art. 103 Abs. 1 
BGG in der Regel keine aufschiebende Wirkung.

5. Mitteilung an:
- Parteien 
- Kantonsgericht Zug, Einzelrichter (ES 2022 919) 
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
II. Beschwerdeabteilung

St. Scherer D. Huber Stüdli
Abteilungspräsident Gerichtsschreiberin

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