# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 801b697c-6f58-5172-a1ce-41a2067459f3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.07.2008 D-4611/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4611-2008_2008-07-16.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4611/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  J u l i  2 0 0 8

Einzelrichter Thomas Wespi, 
mit Zustimmung von Richter Walter Lang, 
Gerichtsschreiberin Regula Frey.

A._______, geboren B._______, unbekannter Herkunft, 
alias A._______, geboren C._______, Sudan,
vertreten durch Felicity Oliver, D._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfü-
gung des BFM vom 30. Juni 2008 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4611/2008

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
(AsylV 1, SR 142.311) 

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
(BGG, SR 173.110),

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

stellt fest,

dass der  Beschwerdeführer  am 15. Mai  2008 ohne Einreichung von 
Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nachsuchte, 

dass er lediglich einen Geburtsschein in Kopie zu den Akten reichte,

dass  er  im  E._______  am  29.  Mai  2008  einer  Erstbefragung 
unterzogen und am 10. Juni 2008 nach Art. 29 Abs. 1 AsylG angehört 
wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  zu  seinen asylbegründenden Vorbringen 
im Wesentlichen geltend machte, sein Vater habe sich über die Regie-
rung  seines  Heimatlandes  kritisch  geäussert,  weshalb  im  Februar 

Seite 2

D-4611/2008

2008  sein  Vater  und  seine  Mutter  von Unbekannten  getötet  worden 
seien,

dass auch er bei diesem Massaker verletzt worden sei, indessen von 
seinen Nachbarn gefunden und gepflegt worden sei,

dass für weitere Einzelheiten auf die angefochtene Verfügung und die 
vorinstanzlichen  Akten  verwiesen  werden  kann  (vgl.  Art.  109 
Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 und Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass der Beschwerdeführer trotz Aufforderung im E._______ bis zum 
jetzigen Zeitpunkt keine Identitätspapiere eingereicht hat,

dass das BFM mit Verfügung vom 30. Juni 2008 - eröffnet am 4. Juli 
2008 - in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG auf 
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegwei-
sung anordnete und den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich 
erachtete,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Juli 2008 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 
dabei beantragte, es sei die Verfügung des BFM vollumfänglich aufzu-
heben und das Asylgesuch gutzuheissen, eventualiter sei die Wegwei-
sungsverfügung aufzuheben und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, 

dass in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG beantragt wurde,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31 - 34 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

Seite 3

D-4611/2008

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  sowie  Art.  6  AsylG  i.V.m. 
Art. 52 VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass daher auf den Antrag in der Beschwerdeschrift, das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers sei gutzuheissen, nicht einzutreten ist, 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer 
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche 
Beschwerde handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summa-
risch zu begründen ist, wobei auf die Erwägungen in der angefochte-
nen Verfügung verwiesen werden kann  (vgl. Art. 111a Abs. 2 AsylG 
und 109 Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde, 

dass nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf Asylgesuche nicht eingetre-
ten  wird,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von 
48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspa-
piere abgeben,

dass diese Bestimmung keine Anwendung findet,  wenn Asylgesuch-
steller  glaubhaft  machen können, dass sie dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage sind oder auf Grund der Anhörung sowie 
gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt 
wird oder zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingsei-

Seite 4

D-4611/2008

genschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind 
(vgl. Art. 32 Abs. 3 AsylG),

dass vorab festzuhalten ist, dass das BFM korrekt festgehalten hat, bei 
dem  vom  Beschwerdeführer  in  Kopie  eingereichten  Geburtsschein 
handle es sich nicht um ein Reise- oder Identitätspapier im Sinne von 
Art. 1 Bst. c AsylV 1 (vgl. BVGE 2007/7 E. 6 S. 69 f.),

dass die Vorinstanz im Weiteren zu Recht zum Schluss gelangt ist, der 
Beschwerdeführer stamme aufgrund seiner Unkenntnis über die Stadt 
F._______,  wo  er  immer  gelebt  haben  wolle,  und  der 
tatsachenwidrigen  Aussagen  über  den  Reiseweg  nicht  wie  von  ihm 
behauptet  aus  dem  Sudan,  sondern  aus  einem  anderen 
englischsprachigen afrikanischen Land,

dass das BFM ebenfalls  richtigerweise zum Schluss gelangt  ist,  der 
Beschwerdeführer mache keine entschuldbaren Gründe für das Unter-
lassen der Einreichung rechtsgenüglicher Identitätspapiere  geltend, 

dass hierzu auf die zutreffenden Erwägungen des Bundesamtes ver-
wiesen werden kann, zumal in der Beschwerdeschrift auf diese Argu-
mente der Vorinstanz in keiner Weise eingegangen wird, 

dass im Weiteren die asylbegründenden Vorbringen des Beschwerde-
führers  aufgrund  der  zahlreichen  Unglaubhaftigkeitsmerkmale  (un-
glaubhafte Herkunft, detaillose Schilderung der Fluchtgründe, unglaub-
hafte Organisation der Flucht) zu Recht als nicht glaubhaft bezeichnet 
worden sind, 

dass sich die Argumente in der Beschwerdeschrift in einer Wiederho-
lung der bereits im vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachten Vor-
bringen,  blossen  Behauptungen  und  allgemeinen  Ausführungen  er-
schöpfen, 

dass somit keine Abklärungen im Sinne von Art. 32 Abs. 3 AsylG not-
wendig erscheinen,

dass  das  Bundesamt  somit  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass, befindet sich der Asylsuchende nicht im Besitz einer fremdenpo-
lizeilichen  Aufenthaltsbewilligung,  die  Anordnung  einer  Wegweisung 

Seite 5

D-4611/2008

die gesetzliche Regelfolge des Nichteintretens auf ein Asylgesuch ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  über  keine  derartige  Bewilligung  verfügt 
und auch keinen Anspruch auf eine solche geltend machen kann, wes-
halb die von der Vorinstanz ausgesprochene Wegweisung im Einklang 
mit  den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist  (vgl. 
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2001 Nr. 21),

dass das Bundesamt, ist der Vollzug nicht möglich, nicht zulässig oder 
nicht  zumutbar,  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme von  Ausländern  regelt 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG) grundsätzlich von Amtes we-
gen zu prüfen sind, diese Untersuchungspflicht jedoch nach Treu und 
Glauben ihre Grenzen an der  Mitwirkungspflicht  der  beschwerdefüh-
renden Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substan-
ziierungslast trägt (Art. 7 AsylG), und es nicht Sache der Asylbehörden 
sein  kann,  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen  in  hypotheti-
schen Herkunftsländern zu forschen,

dass der  Beschwerdeführer deshalb die  Folgen seiner  mangelhaften 
Mitwirkung respektive Verheimlichung seiner wahren Identität und Her-
kunft zu tragen hat, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es 
würden einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat keine lan-
des- oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 -  4 AuG (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 
E. 3.2.2. S. 4 f.) entgegen stehen,

dass es in diesem Zusammenhang ergänzend festzuhalten gilt,  dass 
die  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemachten  gesundheitlichen 
Schwierigkeiten des Beschwerdeführers - dieser sei wegen seiner Ver-
letzungen in ärztlicher Behandlung - beziehungsweise die Vermutung 
der  Rechtsvertreterin,  ihr  Mandant  leide  an  einer  posttraumatischen 
Belastungsstörung, kein grundsätzliches Vollzugshindernis bilden, ins-
besondere da die Vermutung der Rechtsvertreterin nicht belegt ist und 
zudem davon ausgegangen werden kann, dass eine allfällige gesund-
heitliche  Beeinträchtigung  auch  im  tatsächlichen  Herkunftsstaat  des 
Beschwerdeführers behandelbar ist,

Seite 6

D-4611/2008

dass  somit  keine Wegweisungshindernisse  vorliegen  und  der  vom 
BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,

dass die  angefochtene Verfügung,  da diese weder  Bundesrecht  ver-
letzt noch unangemessen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von 
der  Vorinstanz  richtig  und  vollständig  festgestellt  wurde  (vgl. 
Art. 106 AsylG), zu bestätigen und die Beschwerde daher abzuweisen 
ist, soweit darauf einzutreten ist,

dass die eingereichte Beschwerde als aussichtslos erschien, weshalb 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 VGKE) dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 7

D-4611/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.
Dieses Urteil geht an:

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila-
gen: Einzahlungsschein und Verfügung des BFM vom 30. Juni 2008 
im Original)

- das BFM, E._______, mit den Akten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; 
in Kopie)

- G._______ (per Telefax)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Regula Frey

Versand: 

Seite 8