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**Case Identifier:** fc277eb3-3457-5496-9603-6c4096030a09
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 07.05.2025 VBE.2024.536
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-536_2025-05-07.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2024.536 / AZ / bs 
Art. 48 

 

Urteil vom 7. Mai 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Gössi         

Ersatzrichter Zürcher  

Gerichtsschreiberin Biehler  

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

 

     
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

     
   

Beigeladene   Vorsorgestiftung B._____      

 

    
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 25. September 2024) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1976 geborene Beschwerdeführerin war zuletzt als Reinigungsfachfrau 

tätig und meldete sich am 19. November 2019 aufgrund psychischer 

Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum 

Leistungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin wies nach Durchführung 

verschiedener Abklärungen sowie eines Arbeitstrainings einen Renten-

anspruch mit Verfügung vom 4. Oktober 2021 ab (IV-Grad: 0 %).  

 

1.2. 

Am 16. Dezember 2022 (Posteingang) meldete sich die Beschwerde-

führerin erneut zum Leistungsbezug an und machte verschiedene 

somatische Beschwerden geltend. Die Beschwerdegegnerin holte in der 

Folge verschiedene medizinische Berichte ein und legte diese med. pract. 

C._____, Praktische Ärztin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), zur 

Prüfung vor. Gestützt auf die daraus resultierende Beurteilung verneinte 

die Beschwerdegegnerin nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit 

Verfügung vom 25. September 2024 einen Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin.  

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1. November 

2024 Beschwerde, beantragte sinngemäss die Zusprache einer ganzen 

Rente der Invalidenversicherung und ersuchte um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege. 

 

Sie liess zudem mit Eingabe vom 14. November 2024 die hausärztliche 

Krankengeschichte einreichen. 

 

2.2. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 

6. Dezember 2024 nach Prüfung der hausärztlichen Krankengeschichte 

durch den RAD die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 17. Dezember 2024 gewährte der Instruktionsrichter 

der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege für die Gerichts-

kosten. 

  

 - 3 - 

 

 

2.4. 

Gleichentags lud der Instruktionsrichter verfügungsweise die berufliche 

Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren bei und gab ihr 

Gelegenheit zur Stellungnahme. Sie liess sich in der Folge nicht ver-

nehmen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob unter Würdigung der medizinischen Akten die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit in renten-

begründendem Umfang herabgesetzt ist. Während die Beschwerde-

gegnerin von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgeht, 

erachtet sich die Beschwerdeführerin nicht mehr als (voll) arbeitsfähig 

(Vernehmlassungsbeilage [VB] 144 S. 1; 152 S. 3). 

 

2. 

2.1. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig-

keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die 

ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, 

welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können 

(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen).  

 

2.2. 

Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG) 

haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweis-

regeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 

auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 

einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Ausschlaggebend 

für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines 

Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 

gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 

E. 3a S. 352; 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). Dennoch hat es die Recht-

sprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar 

erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und 

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Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 

V 351 E. 3b S. 352). 

 

2.3. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner medi-

zinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder 

einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der 

Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen 

Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 

V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 

25. September 2024 im Wesentlichen auf den RAD-Bericht von med. pract. 

C._____ vom 3. Juli 2024. Darin führte die RAD-Ärztin sämtliche aus den 

relevanten Akten hervorgehenden somatischen und psychiatrischen 

Diagnosen auf und nahm dazu Stellung. Demnach hätten die Abklärungen 

der abdominellen Beschwerden einen unauffälligen Befund ergeben. Die 

betreffend Rückenbeschwerden mittels MRI LWS und MRI ISG gemachten 

Untersuchungen hätten keine Anhaltspunkte für eine floride ISG Arthritis 

ergeben. Die Veränderungen an LWS und ISG seien degenerativer Natur. 

Im erweiterten Labor hätten sich bei fehlenden Entzündungsparametern 

und unauffälligen Auto-Antikörpern keine Anhaltspunkte für eine alternative 

systemische Ursache der Beschwerden ergeben. Rheumatologisch sei 

eine ausgeprägte Haltungsinsuffizienz mit muskulären Dysbalancen vor-

liegend sowie beständen Zeichen einer Schmerzausweitung lumbal gluteal 

und am Abdomen mit diffusen, nicht strukturellen Druckdolenzen. Es 

fänden sich keine Hinweise für entzündliche Rückenschmerzen oder eine 

axiale Spondylarthritis bei Psoriasis. Gemäss rheumatologischem Bericht 

des Kantonsspitals D._____ vom 28. November 2023 stehe eine Psoriasis-

arthritis der peripheren Gelenke im Vordergrund bei generalisierter 

Psoriasis guttata. Die Therapie mit MTX sei wieder aufgenommen worden. 

Die zusätzliche Einnahme von Otezia sei durch die Beschwerdeführerin 

trotz positiver Wirkung selbständig wieder abgesetzt worden. Einer aus 

Sicht der Rheumatologin dringend indizierten Behandlung der latenten 

Tuberkulose stehe die Beschwerdeführerin ablehnend gegenüber. 

Psychiatrischerseits habe die Beschwerdeführerin ihre Behandlung im 

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März 2023 wieder aufgenommen. Im aktuellen Bericht von Januar 2024 sei 

eine remittierte leichte depressive Episode bei deutlicher Stabilisierung 

dokumentiert und es werde eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert. Aus der 

Anamnese gingen erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren hervor 

aufgrund familiärer Trennung sowie beruflicher Belastung / Mobbing 

(VB 140 S. 3 ff.).  

 

Zusammengefasst bestehe eine komplexe gesundheitliche Situation. Hin-

sichtlich der Rückenschmerzen lägen aktuell keine Hinweise für ein 

entzündliches Geschehen / eine axiale Spondylarthritis bei Psoriasis vor. 

Es fänden sich lediglich altersentsprechende degenerative Veränderungen 

ohne Nervenwurzelkompression. Eine organische Ursache für die 

geklagten Beschwerden fände sich nicht. Dies gelte auch für die Schulter-

beschwerden, wo bis auf eine minimale Bursitis subcoracoidea keine 

Auffälligkeiten beständen. Die leichte depressive Episode sei remittiert und 

es werde eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die derzeit führende 

Diagnose sei eine leichtgradige Psoriasisarthritis der peripheren Gelenke, 

aktuell der Hände. Eine indizierte Behandlung mit Otezia in Kombination 

mit MTX habe die Beschwerdeführerin trotz Besserung der Beschwerden 

sistiert. Eine zwingend indizierte Behandlung der latenten Tuberkulose 

lehne die Beschwerdeführerin ab. Aus medizinischen Gründen sei der 

Beschwerdeführerin eine medikamentöse Behandlung zumutbar und die 

latente Tuberkulose sei behandelbar. Es ergäben sich Hinweise, dass die 

Beschwerdeführerin der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht 

ungenügend nachkomme. Unter Einhaltung einer fachgerechten Therapie 

wäre die Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit in einer angepassten leichten Tätigkeit ganztags 

arbeitsfähig, dies spätestens seit Juli 2023 (VB 140 S. 5).  

 

3.2. 

Die RAD-Ärztin legte zwar dar, wie hoch die Arbeitsunfähigkeit in 

angepasster Tätigkeit unter Einhaltung einer fachgerechten Therapie wäre, 

machte jedoch keine Ausführungen dazu, wie es sich mit der Arbeits-

fähigkeit im offenbar im Verfügungszeitpunkt und einige Zeit davor unbe-

handelten Zustand verhält. Sollte der unbehandelte Gesundheitszustand 

eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben, wäre vor dem 

Entscheid über einen Rentenanspruch, wie dies die RAD-Ärztin sinnge-

mäss selber ausführte, ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchzuführen. 

Das Ergebnis des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens mittels ablehnenden 

Rentenentscheids vorwegzunehmen, ist nicht zulässig. Dies wäre mangels 

Relevanz lediglich dann möglich, wenn auch in unbehandeltem Zustand 

eine einen Rentenanspruch ausschliessende Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 

resultieren würde. Hierzu machte die RAD-Ärztin jedoch keine Aus-

führungen. Bereits aus diesem Grund bestehen zumindest geringe Zweifel 

an der Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit des RAD-Berichts. Die RAD-

Ärztin stützte sich sodann bezüglich Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer 

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Sicht lediglich auf den Bericht der Psychiatrische Dienste E._____ vom 

16. Januar 2024, welcher sich einzig über die Arbeitsfähigkeit in eben 

diesem Zeitpunkt ausspricht. Mit Zeugnis vom 20. Juni 2023 attestierte die 

Psychiatrische Dienste E._____ hingegen eine Arbeitsunfähigkeit von 

100 % (zumindest bis zum 19. Juli 2023; VB 121 S. 5).  

 

Folglich ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, um die notwendigen Abklärungen 

und ein allfälliges Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchzuführen. Hierbei 

ist abschliessend darauf hinzuweisen, dass nicht nachvollziehbar ist, 

weshalb die Beschwerdegegnerin bei der Berechnung des Validen-

einkommens der Beschwerdeführerin von den LSE Tabellenlöhnen 

Kompetenzniveau 2 ausgegangen ist, hat doch die Beschwerdeführerin 

gemäss IK-Auszug soweit ersichtlich nie ein nur ansatzweise den Tabellen-

löhnen entsprechendes Einkommen erzielt (vgl. IK-Auszug [VB 109]; Brief 

der Öffentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau vom 3. Mai 2023 

[VB 110 S. 2]; Fragebogen Arbeitgeber vom 28. April 2023 [VB 119.1]).  

 

3.3. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00 und sind gemäss dem Verfahrens-

ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen 

 

3.4. 

Die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch 

auf Parteientschädigung, da die Interessenwahrung keinen Arbeitsaufwand 

verursacht hat, der den Rahmen dessen überschreitet, was der Einzelne 

üblicher- und zumutbarerweise zur Besorgung seiner persönlichen Ange-

legenheiten auf sich zu nehmen hat (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

9C_525/2020 vom 29. April 2021 E. 6 mit Hinweisen). 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 

25. September 2024 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen sowie zur Neuverfügung an die Beschwerde-

gegnerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf- 

erlegt. 

 

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3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom 

siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar (Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 

Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie 

in Händen hat (Art. 42 BGG). 

 
 
   

Aarau, 7. Mai 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Kathriner Biehler