# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 95cc37c8-e24c-5bf4-b8fd-e959a52d5871
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-04-08
**Language:** de
**Title:** Auf die Beurteilung der «Fachexpertin» kann nicht abgestellt werden; Rückweisung zur Prüfung des Rentenanspruchs.
**Docket/Reference:** IV.2018.00716
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00716.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00716
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger
Urteil
vom
8.
April 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Christine Fleisch
Meier
Fingerhuth
Fleisch
Häberli
, Rechtsanwälte
Lutherstrasse 36, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
,
geboren
1977
,
meldete sich am 1. Februar 2016
u
nter Hinweis auf
ein Burno
ut,
eine Angststörung sowie Angstzustände
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/5
). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbli
che Situation ab und
zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (Urk.
10/16
; Urk. 10/54
)
.
Am 23. Februar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Kosten für einen Arbeitsversuch bei seinem jetzigen Arbeitgeber
, der
Y.___
AG,
mit zusätzlicher Begleitung durch ein Job Coaching vom 18. Januar bis zum 17. Juli 2017 übernehme (Urk. 10/50).
Die berufliche Mass
nahme wurde jedoch per 30. April 2017 abgebrochen (vgl. Verfügung vom 12. Juni 2017, Urk. 10/67). Mit Vorbescheid vom 27. November 2017 (Urk. 10/81
= Urk. 10/86
) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungs
begehrens
in Aussicht und
am 22. Dezember 2017
teilte sie ihm
den
Abschluss der Eingliederungsberatung mit (Urk. 10/84). Der Versicherte erhob am 10. Ja
nuar 2018 Einw
ä
nd
e
gegen den Vorbescheid (U
rk. 10/87) und begründete diese
mit Eingabe vom 19. Februar 2018 (Urk. 10/91). Mit Verfügung vom 3. Juli 2018 (Urk. 10/100 = Urk. 2) hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und wies das Leistungsbegehren ab.
2.
Der
Versicherte erhob am
3. September 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
3. Juli 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die IV-Stelle zu verpflichten, den rechtlich-relevanten Sachverhalt ergänzend abzuklä
ren und eine psychiatrische Begutachtung in die Wege zu leiten. Gestützt darauf sei über den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung neu zu verfügen
(Urk.
1 S.
2
Ziff. 1
).
Mit Eingabe vom 20. September 2018 (Urk. 6) reichte der Versicherte weitere Unterlagen ein (Urk. 7/1-13).
Die IV-Stelle beantragte mit Be
schwerdeantwort vom
4. Oktober 2018
(Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
18. Oktober 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
11
).
Mit Verfügung vom 1. November 2018 (Urk. 12) ersuchte das Gericht den
Beschwerdeführer
, einen unvollständigen Austrittsbericht vollständig sowie einen fehlenden Austrittsbericht einzureichen. Dieser Aufforderung kam der
Be
schwerdeführer
mit Eingabe vom 20. November 2018 (Urk. 14) nach (Urk. 15/1-2), worüber die
Beschwerdegegnerin
am 24. Januar 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 16). Mit Eingabe vom 8. Februar 2019 (Urk. 17) reichte der
Beschwer
deführer
einen weiteren Bericht ein (Urk. 18)
. Dies wurde der
Beschwerdegegnerin
am 11. Februar 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 19).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts
9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerun
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, der
Beschwerdeführer
sei
mit einem Job Coaching bei einem
Arbeitsversuch unter
stützt worden, wobei er das Arbeitspensum trotz Unterstützung nicht habe weiter steigern können. Die Eingliederungsmassnahmen seien daraufhin abgeschlossen worden.
Mitte Dezember 2017 sei der
Beschwerdeführer
erneut für ein Gespräch eingeladen worden. Da er sich für einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeits
markt nicht in der Lage gefühlt habe, habe die Eingliederungsberatung abge
schlossen werden müssen.
In Bezug auf einen Rentenanspruch hätte
n
die
Abklä
rungen ergeben, dass es aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar sei, wes
halb eine Steigerung des Pensums nach dem ersten Monat nicht möglich gewesen sei. Gemäss der medizinischen Beurteilung lägen keine Befunde vor, welche eine längerfristige und erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten
(S. 1)
. Prognostisch bestünden bei einer beruflichen Wiedereingliederung in einem angepassten Tätigkeitsbereich und Fortsetzung der psychiatrischen Therapie gute Chancen für eine nachhaltige Besserung der gesundheitlichen Beeinträchtigun
gen.
Es sei dem
Beschwerdeführer
daher trotz Beschwerden zumutbar, einer Er
werbstätigkeit nachzugehen (S.
2
).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) geltend,
dass die aktuelle Aktenlage - aus näher dargelegten Gründen - zur Beurteilung seiner Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ungenügend sei. So halte eine abschlies
sende Beurteilung gestützt auf die aktuelle Aktenlage einer schlüssigen Beurtei
lung im Lichte der massgeblichen Indikatoren nicht stand, weshalb sich vorlie
gend eine psychiatrische Begutachtung zur Beurteilung eines rentenbegründeten Invaliditätsgrades aufdränge (S. 5 ff. Ziff. III.2-10).
3.
3.1
Im
Austrittsbericht vom 8. September 2015 (Urk. 15/1) über die stationäre Be
handlung des
Beschwerdeführer
s
in der K
linik
Z.___
vom 1
3.
Juli bis zum 25. August 2015
wurden
folgende Diagnosen
genannt
(S. 1):
-
Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0), Erstdiagnose 2010
-
depressive Episode, aktuell leichtgradig (ICD-10 F32.0)
-
Neigung zu hypochondrischen Gedanken
-
Abhängigkeitspersönlichkeit, Zustand nach Alkoholabhängigkeit
-
schädlicher Gebrauch: Tabak (ICD-10 F17.1)
-
Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56.0)
-
Unstimmigkeiten mit Ehepartnerin (ICD-10 Z63.0)
Der
Beschwerdeführer
habe die Klinik vorzeitig und auf eigenen Wunsch verlas
sen.
Er benötige ärztliche sowie ambulant-psychiatrische Anschlussbehandlun
gen, um Gespräche fortzuführen und die pharmakologische Behandlung zu be
gleiten (S. 3 f.).
3.2
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte in ihrem Bericht vom 29. Februar 2016 (Urk. 10/14/1-6) aus, dass sie den
Be
schwerdeführer
seit Januar 2016 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0), Erstdiagnose 2010
-
Verdacht auf Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) mit Colon
irritabile
-
Verdacht auf Panikstörung (ICD-10 F41.0)
,
soweit bekannt seit Dezember 2014
Es sei davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitstätig
keit in seinem angestammten Beruf als Informatiker nicht wieder möglich sein werde, da er überfordert sein könnte (Ziff. 1.4). Die bisherige Tätigkeit sei ihm jedoch in reduziertem zeitlichen Rahmen zu 70 % bis 80 % zumutbar (Ziff. 1.7). Möglicherweise wäre er in einem ganz anderen Beruf zu 100 % wieder einglie
derbar (Ziff. 1.11).
3.3
Med.
pract
.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 9. April 2016 (Urk. 10/18/1-7) aus, dass er den
Beschwer
deführer
von August 2015 bis Januar 2016 behandelt habe (Ziff. 1.2)
,
und nannte folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), seit zirka
dem
2
0.
Lebensjahr
-
einfache
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS;
ICD-10 F90.0)
-
Störungen durch Nikotin, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2)
-
rezidivierende depressive Störung, weitgehend remittiert (ICD-10 F33.4)
Insgesamt habe sich ein sehr schwankendes Zustandsbild mit recht instabilen Zu
ständen gezeigt. Teils sei es dem Beschwerdeführer gut gegangen, teilweise sei er aber auch von starken Ängsten und körperlichen Symptomen mit starkem Ma
genbrennen und körperlichen Missempfindungen eingeschränkt
gewesen
. Die Konzentrationsfähigkeit sei aufgrund der form
algedanklichen Einengung auf der
Symptomatik mittelgradig eingeschränkt gewesen. Insgesamt sei der Beschwer
deführer durch die lange Arbeitslosigkeit mit zwei gescheiterten Arbeitsversuchen ebenfalls verunsichert und neige dazu, sich
katastrophisierende
Szenarien auszu
malen. Die Arbeitsfähigkeit sei dadurch erheblich eingeschränkt. In der
bisherigen
Tätigkeit habe
vom 27. August bis zum 14. November 2015 eine 100%ige,
vom 15. November 2015 bis zum 28. Januar 2016 eine 50%ige und vom 29. Januar bis zum 29. Februar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen.
Die bis
herige Tätigkeit sei ihm noch maximal vier Stunden pro Tag an vier bis fünf Tagen pro Woche zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit sollte ihm in einem 40-50 % Pensum möglich sein. Für aktuellere Angaben sei
Dr.
A.___
anzufra
gen (Ziff. 1.6-1.7; vgl. Ziff. 1.9, Ziff. 1.11).
3.4
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, führte in seinem Bericht vom 1. November 2016 (Urk. 10/31) aus, dass er den
Beschwerdeführer
seit
September 2016 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0), Erstdiagnose 2010
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
s
chädlicher Gebrauch: Tabak (ICD-10 F17.1)
Bislang liege ein eher ungünstiger Krankheitsverlauf mit entsprechenden psycho
sozialen Auswirkungen vor. Bei guter Mitarbeit und Motivationsbereitschaft des Beschwerdeführers sei jedoch eine deutliche Besserung des Beschwerdebildes durchaus möglich (Ziff. 1.4). Momentan seien die medizinischen Voraussetzun
gen für anspruchsvollere berufliche Tätigkeiten nicht gegeben, konzentriertes Ar
beiten sei derzeit über ein bis zwei Stunden hinaus nicht möglich. Die bisherige Tätigkeit als IT-Techniker sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar, eine Tätigkeit als Hausmeister sei ihm zu sechs Stunden täglich möglich (Ziff. 1.7). Durch medikamentöse und psychothe
rapeutische Massnahmen und eine
Nikoti
nentwöhnung sei langfristig von einer positiven Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit auszugehen, eine Prognose sei jedoch schwierig (Ziff. 1.8). Ab 2017 könne mit einer Arbeitsfähigkeit von zirka 50-60 % gerechnet werden (Ziff. 1.9).
3.5
Die Ärzte des Universitätsspitals
D.___
, Klinik für Neurochirurgie, führten in ihrem Austrittsbericht vom 6. April 2017 (Urk. 10/90/1-3
= Urk. 3/1
) aus, dass der Beschwerdeführer vom
4.
bis
6.
April 2017 aufgrund eines
cervikobrachialen
Schmerz- und Ausfallsyndroms C6 rechts stationär behandelt worden sei
. Am 6. April 2017 sei eine CT-gesteuerte
periradikuläre
Infiltration am Halswirbelkör
per (HWK) 5/6 rechts durchgeführt worden
. Der Beschwerdeführer sei für min
destens zwei Wochen zu 100 % arbeitsunfähig
(S. 1).
3.6
Ein Arzt der K
linik
E.___
berichtete am 1. Juni 2017 (Urk. 7/2-3) über die stationäre Behandlung des
Beschwerdeführer
s vom 17. Mai bis zum 2. Juni 2017 und
nannte folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
ADHS
(
ICD-10 F90.0)
-
Nikotinabhängigkeit, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
-
Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10
.20)
Während des stationären Aufenthaltes habe keine Arbeitsfähigkeit bestanden (S. 1 unten).
3.
7
Ein Arzt des Spitals
F.___
berichtete am 26. September 2017 (Urk. 10/75/1-6) über den seit dem 15. August 2017 bestehenden stationären Aufenthalt
des
Be
schwerdeführers
im Psychiatriestützpunkt, wobei die Entlassung noch offen sei (Ziff. 1.3), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Ziff. 1.1):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
Störung durch Tabakabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2)
-
Vordiagnose:
ADHS
(ICD-10 F90.0)
-
Status nach Alkoholabhängigkeit (seit zirka acht Jah
ren abstinent)
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als IT-Systemtechniker bestehe seit dem 15. August 2017 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Eine Tätigkeit als IT-Systemtechniker,
wie sie auf dem ausgeglichenen
Schweizer Arbeitsmarkt durchzuführen sei, sei mit einer Ausheilung der aktuellen Erkran
kung nicht kompatibel. Eine angepasste Tätigkeit sei ab November 2017 mit ei
nem Pensum von 40-50 % möglich und könne im
weiteren Verlauf nach Mass
gabe
der Beschwerden gesteigert werden. Im klinischen Kontext sei mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein nachhaltiger Heilungs
verlauf der betroffenen biologischen Systeme im Gehirn me
hrere Jahre beanspru
chen könnte
(Ziff. 1.7).
Es werde eine psychiatrisch-psychotherapeutische min
destens 60-minütige wöchentliche Behandlung empfohlen (Ziff. 1.8).
Zirka sechs Monate nach Beginn
d
er beruflichen Wiedereingliederung mit 40-50 % im Sinne einer schrittweisen Belastungssteigerung in einer angepassten Tätigkeit sollte
ein Pensum von 80-100 % möglich sein (Ziff. 1.9).
3.
8
Die Fachexpertin
G.___
führte in ihrer Stellungnahme vom 12. Oktober 2017 (Urk. 10/80/7-8) aus, dass der Beschwerdeführer die fachärztliche Behandlung erst vor einem Jahr wiederaufgenommen habe. Im Spital
F.___
sei er am 15. August 2017 eingetreten. Es liege eine gute Prognose vor und eine Teilar
beitsfähigkeit werde ab November 2017 ausgewiesen. Die Therapieoptionen seien noch nicht ausgeschöpft und eine Therapieresistenz könne verneint werden. Aus Sicht der Eingliederung könne nicht nachvollzogen werden, weshalb der Be
schwerdeführer nicht zu 100 % arbeite. Es liege daher kein invaliditätsrelevantes psychisches Leiden vor. Die Fortsetzung der psychiatrischen Therapie werde emp
fohle
n, s
ie trage zu einer nachhaltigen Besserung der Krankheitssymptomatik bei.
3.
9
Die Ärzte des Spitals
F.___
berichteten in ihrem Austrittsbericht vom 1. De
zember 2017 (
Urk. 15/2) über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 15. August bis zum 24. November 2017 und nannten folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
ängstlich-vermeidende und
dependente
Persönlichkeitsanteile
-
somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3)
-
ADHS
(ICD-10 F90.0)
-
ADHS des Erwachsenenalters
-
Störung durch Tabakabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2)
-
Störungen durch Sedativa, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
-
Status nach Alkoholabhängigkeit (seit zirka acht Jahren abstinent)
-
breitbasige
Diskushernie HWK 5/6
Der
Beschwerdeführer
habe sich bei Eintritt
syndromal
ängstlich-agitiert mit dif
fuser somatischer Beschwerdesymptomatik präsentiert.
Im stationären Kontext habe jeweils im Verlauf der Woche
bei tragender
Tagesstruktur und dosierter Be
lastung eine gute Stabilisierung beobachtet werden können. Bei Belastungserpro
bungen, meist an den Wochenenden, habe der
Beschwerdeführer
bei der Bewäl
tigung der im Raum stehenden psychosozialen Schwierigkeiten immer wieder eine körperliche Beschwerdesymptomatik, die weitestgehend stressassoziiert er
schienen sei, gezeigt. Der
Beschwerdeführer
habe die Klinik in teilremittiertem
Zustandsbild verlassen und in die angestammten Verhältnisse austreten können (S. 2 f.).
3.10
Med.
pract
.
H.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 28. März 2018 (Urk. 10/93) aus, dass sie den
Be
schwerdeführer
seit Dezember 2017 zirka ein Mal pro Woche behandle (Ziff. 1.1-1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
ängstlich-vermeidende und
dependente
Persönlichkeitsanteile
-
somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3)
-
A
DHS
(ICD-10 F90.0)
-
ADHS des Erwachsenenalters
-
Störung durch Sedativa (ICD-10 F13.2)
-
breitbasige
Diskushernie HWK 5/6, zeitweilig Schmerzen
Der Beschwerdeführer sei insoweit eingeschränkt, als dass sein Konzentrations
vermögen herabgesetzt sei, er leicht ablenkbar sei, leicht unter Druck gerate sowie unsicher, ängstlich besorgt und wenig belastbar sei. Auch sei die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie die Planung und Strukturierung von Aufgaben redu
ziert.
Körperlicherseits
sei er aufgrund des Diskusprolaps HWK 5/6 eingeschränkt (Ziff. 3.4).
Im erlernten Beruf sowie für vergleichbare Tätigkeiten habe vom 25. November 2017 bis zum 30. April 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
be
standen (Ziff. 1.3). Ab dem 1. Mai 2018 bestehe für die
bisherige
Tätigkeit als IT-Systemtechniker voraussichtlich eine 20-30%ige Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.7, vgl.
Ziff. 1.3), diese Tätigkeit sei ihm zu zwei bis zwei
einhalb
Stunden täglich zumut
bar (Ziff. 4.1). Eine angepasste Tätigkeit sei ihm zu drei Stunden täglich zumutbar (Ziff. 4.2). Mit genügend langsamer Steigerung der Tätigkeit, um den Beschwer
deführer nicht zu überfordern, sei die Prognose von diesem Zeitpunkt ausgehen
d
positiv (Ziff. 4.3).
3.
1
1
Dr.
med.
I.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
RAD,
führte in ihrer Stellungnahme vom 20. April 2018 (Urk. 10/99/3-5) aus,
dass aufgrund eines Gesundheitsschadens die Arbeitsfähi
gkeit im ersten Arbeits
markt vom 1.
Januar
bis zum 23. März 2017 zu 50 % eingeschränkt u
nd dann vom 24. März 2017 bis zum 30.
April 2018 aufgehoben gewesen sei. Aktuell
, mithin ab dem 1. Mai 2018,
könne mit eine
m
Pensum von 20 % mit Eingliede
rungsmassnahmen begonnen werden
. Durch eine Fortführung der integrativen psychiatrischen-psychotherapeutischen Behandlung sowie durch Eingliederungs
massnahmen könne innerhalb eines Jahres medizinisch-theoretisch, unter opti
malen Bedingungen, wieder eine 80%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt erreicht werden.
3.1
2
Die Fachexpertin
G.___
führte in ihrer Stellungnahme vom 21. Juni 2018 (Urk. 10/99/5-6) aus, es sei davon auszugehen, dass eine wesentliche Verbesse
rung der Erwerbsfähigkeit durch Eingliederungsmassnahmen
und
eine Fortfüh
rung
der integrativen psychiatrisch
-psychotherapeutischen Behandlung mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit erreichbar wäre. In einer Gesamtwürdigung habe kein stimmiges Gesamtbild für eine Bejahung einer andauernden Arbeitsunfähig
keit aufgezeigt werden können. Es sei daher dem Beschwerdeführer trotz Be
schwerden zumutbar, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es liege kein invalidi
tätsrelevantes Leiden vor.
3.13
Med.
pract
.
J.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in
ihren undatierten
, vom Beschwerdeführer
am
8. Februar 2019 einge
reichten (vgl. Urk. 17)
Bericht (Urk. 18) aus, dass sie den
Beschwerdeführer
bisher zu drei Gesprächen gesehen habe, zuletzt am 12. Dezember 2018 (
Ziff. 1, Ziff. 4a).
Sie nannte folgende Diagnosen (Ziff. 2a):
-
Autismusspektrumstörung
(ICD-10 F84.5)
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
ADHA
: ADHS des Erwachsenenalters (Erstdiagnose 2010; ICD-10 F90.0)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden,
depen
denten
und emotional instabilen Anteilen
(ICD-10 F61)
-
Störungen durch Sedative, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
-
Diskushernie HWK 5/6
Nebst der somatischen Problematik (Halswirbelsäule
n
-Beschwerden) leide der Be
schwerdeführer an verminderter Ausdauer, Belastbarkeit und Konzentration
und sei durch äussere Reize rasch ablenkbar. Er habe wenig Durchsetzungsvermögen und eine rigide Haltung gegenüber seinen eigenen Anforderungen. Der Beschwer
deführer könne im Bereich Informatik im geschützten Bereich aktuell maximal zwei bis drei Stunden täglich arbeiten. In einer angepassten einfacheren Tätigkeit mit Pausen im geschützten Rahmen könne er maximal drei bis vier Stunden täg
lich arbeiten (Ziff. 2c).
Es sei von einer ungünstigen Prognose betreffend Integra
tion in den ersten Arbeitsmarkt auszugehen, sollten die spezifischen Bedürfnisse des Beschwerdeführers hinsichtlich des Arbeitssettings nicht berücksichtigt wer
den (Ziff. 4b). Vom 12. Dezember 2018 bis zum 15. Januar 2019 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
(Ziff. 6a).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen eines invalidisierenden Gesund
heitsschadens unter Hinweis darauf, es lägen gemäss der medizinischen Beurtei
lung keine Befunde vor, welche eine längerfristige und erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Prognostisch bestünden bei einer beruflichen Wiedereingliederung in einem angepassten Tätigkeitsbereich und Fortsetzung der psychiatrischen Therapie gute Chancen für eine nachhaltige Besserung der ge
sundheitlichen Beeinträchtigungen, weshalb es dem Beschwerdeführer trotz Be
schwerden zumutbar sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (vorstehend E. 2.1). Dabei stützte sie sich auf die Beurteilung der Fachexpertin vom 12. Oktober 2017 (vorstehend E. 3.8) und vom 21. Juni 2018 (vorstehend E. 3.12).
4.2
Die RAD-Ärztin
Dr.
I.___
kam in ihrer Stellungnahme vom 20. April 2018 (vorstehend E. 3.11) nach Würdigung der medizinischen Akten
zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt aufgrund des Gesundheitsschadens - namentlich aufgrund der diagnostizierten generalisier
t
en Angststörung, der somatoformen autonomen Funktionsstörung, de
s
ADHS
, der mittelgradigen depressiven Episode beziehungsweise der rezidivierenden depres
siven Störung, der
breitbasigen
Diskushernie HWK 5/6 mit zeitweiligen Schmer
zen sowie dem
cervikobrachialen
Schmerz- und Ausfallsyndrom C6 rechts (vgl. Urk. 10/99/3-5 S. 1) - vom 1.
Januar
bis zum 2
3.
März 2017 zu 50
%
einge
schränkt und dann vom 24. März 2017 bis zum 3
0.
April 2018
zu 100 % einge
schränkt
gewesen sei. A
b dem 1.
Mai 2018
könne mit einem Pensum von 20
% mit Eingliederungsmassnahmen begonnen werden
; mithin ging sie von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit aus.
Auch die den Beschwerdeführer zum Verfügungszeitpunkt behandelnde Psychi
aterin med.
pract
.
H.___
attestierte dem Beschwerdeführer vom 25. November 2017 bis zum 30. April 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und erachtete
ihn
ab
dem 1.
Mai 2018 in der angestammten Tätigkeit als IT-Systemtechniker als zu 20-30
%
arbeitsfähig
. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm zu drei Stunden täglich zumutbar
(vorstehend E. 3.10)
.
In diversen ärztlichen Zeugnissen attestierte sie dem Beschwerdeführer denn auch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 25. No
vember 2017 bis zum 30. April 2018 (Urk. 7/4-8) sowie eine 80%ige Arbeitsun
fähigkeit vom 1. Mai bis zum 31. August 2018 (Urk. 7/9-12). Ab dem 1. Septem
ber 2018 erachtete sie den Beschwerdeführer
noch als zu 70 % a
rbeitsunfähig (Urk. 7/13).
4.3
Die Beurteilung der als solche bezeichnete
n
Fachexpertin (unbekannter Qualifi
kation), wonach eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit durch Ein
gliederungsmassnahmen wie auch durch eine Fortführung der integrativen psy
chiatrischen-psychotherapeutischen Behandlung mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erreichbar wäre und wonach in einer Gesamtwürdigung kein stimmiges Gesamtbild für eine Bejahung einer andauernden Arbeitsunfähigkeit habe aufge
zeigt werden können, weshalb es dem Beschwerdeführer trotz Beschwerden zu
mutbar sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (vorstehend E. 3.12), ist nicht nachvollziehbar. Dies insbesondere aufgrund
der
gegensätzlichen
nachvollzieh
baren
Beurteilung
en
der RAD-Ärztin
Dr.
I.___
und der den Beschwerdeführer zum Verfügungszeitpun
kt behandelnden Psychiater
in
med.
pract
.
H.___
(vorstehend E. 4.2)
, die
beide
einen invalidisierenden Gesundheitsschaden bejah
ten.
Im Übrigen hat das Bundesgericht
m
it BGE 143 V 418
seine Praxis zur Beurtei
lung des Anspruchs auf eine Invalidenrente bei psychischen L
eiden geändert
:
G
rundsätzlich
sind
sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren na
ch BGE 141 V 281 zu unterziehen
. Für leichte bis mittelschwere Depressionen im Speziellen bedeutet dies, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesund
heitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen ist (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.4
In Bezug auf den nach Verfügu
ngserlass erstellten Bericht der Psychiaterin
med.
pract
.
J.___
(vorstehend E. 3.13) gilt, dass
nach ständiger Rechtsprechung das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Ent
scheids in der Regel nach dem Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver
fügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Der Beri
cht von med.
pract
.
J.___
, die
n
eu auch eine
Autissmusspektrums
törung
diagnostizierte und dem Beschwerdeführer vom 12. Dezember 2018 bis zum 15. Januar 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, bezieht sich auf den Zeitraum nach Ver
fügungserlass, weshalb
er
nicht zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
zum Verfügungszeitpunkt im Juli 2018
herangezogen werden kann.
4.5
Nach dem Gesagten
erweist sich der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, wo
nach kein anspruchsrelevanter Gesundheitsschaden mit dauerhafter Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit vorliege (vorstehend E. 2.1
, E. 4.1
), der sich auf die von der als
solche bezeichnete
n
Fachexpertin
abge
g
ebenen nichtfachärztlichen Beur
teilung stützt, als nicht nachvollziehbar.
Die
von der
Beschwerdegegnerin ange
führten Gründe, einen Rentenanspruch zu verneinen,
erweisen sich somit
als nicht stichhaltig.
Mithin ist d
ie Sache an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese
- unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung zur Beurteilung psychischer Erkrankungen - entweder ausgehend von der medizinischen Beurteilung der RAD-Ärztin
Dr.
I.___
den Fall weiter behandle oder den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s noch weiter abkläre und hernach über das Leistungsbegehren neu entscheide.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
-
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Da die
Rechtsvertreter
in
der Beschwerdeführerin vor Fällung des Endentscheids keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach
§
7
Abs.
2 der Ver
ordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversi
cherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach Ermessen festzusetzen. Vorliegend erscheint beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- eine Prozessent
schädigung in der Höhe von
Fr.
2‘4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als an
gemessen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
3.
Juli 2018 aufgehoben und die Sache an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgte
r
Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Christine Fleisch
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannPeter-Schwarzenberger