# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef30a0b4-c750-5439-9e03-a919e22a5e8a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.12.2023 F-6644/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6644-2023_2023-12-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6644/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Basil Cupa (Vorsitz), 

Richter Markus König, 

Richter Gregor Chatton,   

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geb. (…), und die Ehefrau 

2. B._______, geb. (…), sowie die Kinder 

3. C._______, geb. (…), 

4. D._______, geb. (…), 

alle aus Afghanistan,   

alle vertreten durch Melanie Kotadia,  

HEKS Rechtsschutz (…),  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 23. November 2023. 

 

 

F-6644/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden suchten am 12. Mai 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Sie hatten am 7. Mai 2023 bereits in Kroatien ein Asylgesuch 

gestellt. 

B.  

Mittels Direkterfassung im Zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS) nahm die Vorinstanz am 22. Mai 2023 die Personalien der Be-

schwerdeführenden auf. 

C.  

Die Vorinstanz gewährte am 30. Mai 2023 den Beschwerdeführenden 1-3 

im Rahmen sogenannter Dublin-Gespräche für sich und den Beschwerde-

führer 4 rechtliches Gehör, unter anderem zur Zuständigkeit Kroatiens für 

die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsich-

tigten Nichteintretensentscheid, zur potenziellen Überstellung nach Kroa-

tien sowie zu ihrem Gesundheitszustand. 

D.  

Der am 7. Juni 2023 unterbreiteten Anfrage der Vorinstanz zur Wiederauf-

nahme der Beschwerdeführenden 2-4 – basierend auf den Resultaten der 

Abfrage des Eurodac-Systems vom 16. Mai 2023 – stimmte Kroatien am 

21. Juni 2023 zu, gestützt auf Art. 20 Abs. 5 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Das Wiederauf-

nahmegesuch betreffend den Beschwerdeführer 1 vom 7. Juni 2023 lies-

sen die kroatischen Behörden hingegen unbeantwortet. 

E.  

Mit Verfügung vom 23. November 2023 – eröffnet am 24. November 2023 

– trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Überstellung nach 

Kroatien an und forderte die Beschwerdeführenden auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die 

Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen feh-

lende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Aargau mit 

dem Vollzug der Wegweisung.  

F-6644/2023 

Seite 3 

F.  

Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhoben die Beschwerdeführen-

den 1 und 2 für sich und die Beschwerdeführenden 3 und 4 am 30. Novem-

ber 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, 

die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzu-

weisen, auf ihre Asylgesuche einzutreten und ein materielles Asylverfahren 

durchzuführen. Eventualiter sei die Verfügung vom 23. November 2023 zur 

rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vor-

instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie, 

der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugs-

behörden im Sinne einer (superprovisorischen) vorsorglichen Massnahme 

unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroatien abzuse-

hen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschieben-

den Wirkung entschieden habe. Sodann sei ihnen die unentgeltliche Pro-

zessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

zu verzichten. 

G.  

Am 1. Dezember 2023 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Über-

stellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die Be-

schwerdeführenden sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-

tenwechsel verzichtet. 

2.  

Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

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Seite 4 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens zur Fortführung des Verfahrens 

zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates betreffend die Beschwer-

deführenden 2-4, respektive zur Wiederaufnahme des Beschwerdefüh-

rers 1 ist vorliegend gegeben (vgl. Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO, Art. 18 

Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO, Art. 23 Dublin-III-VO und Art. 25 Abs. 2 Dublin-

III-VO). Soweit die Beschwerdeführenden monieren, in Kroatien zur Ab-

gabe der Fingerabdrücke gezwungen worden zu sein, sind sie darauf hin-

zuweisen, dass sich die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einrei-

senden Ausländerinnen und Ausländern auf Art. 9 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 

Eurodac-Verordnung stützt und grundsätzlich rechtmässig erfolgt (vgl. statt 

vieler: Urteil des BVGer F-4364/2023 vom 24. August 2023 E. 5.5). Die 

Abnahme der Fingerabdrücke erweist sich dabei ungeachtet eines fehlen-

den Willens, ein Asylgesuch zu stellen, als zuständigkeitsbegründend be-

ziehungsweise -relevant, zumal die Dublin-III-VO kein Recht einräumt, den 

für die Durchführung des Asylverfahrens zuständigen Staat selber auswäh-

len zu können (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

4.  

Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit nicht davon aus, Asylverfahren 

und Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstel-

len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf. 

4.1. Im Koordinationsurteil vom 22. März 2023 hielt das Bundesverwal-

tungsgericht unter anderem fest, der Zugang zum Asylverfahren in Kroa-

tien sei gewährleistet; dies unabhängig davon, ob die gesuchstellende Per-

son im Rahmen eines Aufnahme- oder eines Wiederaufnahmeverfahrens 

nach Kroatien überstellt werde. Zudem bestehe nach der Überstellung 

keine beachtliche Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der aus dem Refou-

lement-Verbot fliessenden Rechte (vgl. Referenzurteil des BVGer  

E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 9 sowie insbesondere E. 9.4.2 m.H. 

auf die Rechtsprechung anderer Dublin-Staaten). Der Verdacht eines Ge-

fährdungszusammenhangs zwischen sogenannten Push-backs an den 

kroatischen Schengen-Aussengrenzen einerseits und der Rückkehr im 

Rahmen eines Dublin-Verfahrens andererseits lasse sich anhand der ver-

fügbaren Informationen nicht erhärten. Zum heutigen Zeitpunkt bestünden 

keine genügenden Anzeichen, die befürchten liessen, Dublin-Rückkeh-

rende würden ohne Eröffnung und Durchführung eines Asylverfahrens 

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rechtswidrig aus Kroatien ausgeschafft (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 

E. 9.4.4). 

4.2. Für eine Änderung der Rechtsprechung besteht auch unter Berück-

sichtigung der von den Beschwerdeführenden zitierten, kritischen Berichte 

nationaler und internationaler Organisationen (Berichte der Croatian Jour-

nalists Association vom 20. Januar 2023, Lighthouse Reports vom 6. April 

2023, Solidarité sans frontières vom 28. Juni 2023 sowie der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe vom 21. Februar 2023) keine Veranlassung (vgl. 

dazu die Urteile des BVGer E-6574/2023 vom 1. Dezember 2023;  

D-6355/2023 vom 23. November 2023; F-6012/2023 vom 15. November 

2023 E. 4.1.2; F-5976/2023 vom 8. November 2023 E. 5.4; F-1978/2023 

vom 18. April 2023 E. 7.4; je m.w.H.). Die pauschale und stereotyp vorge-

tragene Behauptung, die kroatische Polizei habe den Beschwerdeführer 1 

brutal zusammengeschlagen, ist nicht glaubhaft und daher nicht geeignet, 

die grundsätzlich geltende Annahme zu widerlegen, wonach Kroatien sei-

nen völkerrechtlichen Verpflichtungen im Rahmen eines Asylverfahrens 

nachkommt (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 8 und E. 9.5). Die Anwen-

dung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO ist unter diesen Umständen 

nicht angezeigt. 

4.3. Die Vorinstanz hat sich mit den Begebenheiten im kroatischen Asyl-

system und der Situation von Dublin-Rückkehrenden in Kroatien einläss-

lich auseinandergesetzt. Die Beschwerdeführenden begründen nicht, wel-

che zusätzlichen Abklärungen die Vorinstanz noch hätte vornehmen müs-

sen. Die Rüge der unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltsermittlung 

betreffend die Aufnahmebedingungen für Dublin-Rückkehrende sowie das 

kroatische Asylsystem ist nicht stichhaltig. Der Eventualantrag auf Rück-

weisung zur Erfüllung der rechtsgenüglichen Untersuchungs- und Begrün-

dungspflicht an die Vorinstanz ist abzuweisen. 

5.  

Zu prüfen bleibt der Antrag der Beschwerdeführenden, die Souveränitäts-

klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive die – das Selbsteintritts-

recht im Landesrecht konkretisierende – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) anzu-

wenden. Im Wesentlichen bringen sie vor, die Überstellung nach Kroatien 

setze sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aus und verletze Art. 3 EMRK. 

5.1. Ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK kann vorliegen, wenn eine schwer 

kranke Person durch die Abschiebung mit einem realen Risiko konfrontiert 

würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung 

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Seite 6 

ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei-

den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteile des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180-193 m.w.H., bestätigt durch Savran ge-

gen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, 

§§ 121 ff.). 

5.2. Der medizinische Sachverhalt präsentiert sich vorliegend wie folgt: 

5.2.1. Während ihres Aufenthaltes in der Schweiz kam es bei der Be-

schwerdeführerin 2 zu mehreren dissoziativen Anfällen (d.h. insbesondere 

psychomotorische Unruhe, Bewusstseinsverlust, Eigenaggressivität mit 

Selbstwürgen), welche teilweise eine Einweisung in ein Spital oder in die 

Psychiatrie erforderten (vgl. hierzu die Arztberichte vom 14. Mai 2023 […] 

und vom 8. Juni 2023 […]). Gemäss dem Austrittsbericht (…) vom 4. Ok-

tober 2023 leidet die Beschwerdeführerin 2 an rezidivierenden dissoziati-

ven Anfällen, einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer dissoziati-

ven Persönlichkeitsstörung sowie rezidivierenden Panikattacken. Sie 

nimmt deshalb die Medikamente Truxal, Quetiapin und Temesta ein. 

Vom 25. September 2023 bis zum 5. Oktober 2023 befand sich die Be-

schwerdeführerin 2 in stationärer Behandlung. Dem diesbezüglichen ärzt-

lichen Bericht (…) vom 9. Oktober 2023 zufolge wurde bei der Beschwer-

deführerin 2 eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD 10: 

F43.1) mit andauernder Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung 

(ICD 10: F62.0), eine mindestens mittelschwere depressive Episode 

(ICD 10: F32.1) sowie ein Verdacht auf eine Somatisierungsstörung 

(ICD 10: F45.1) diagnostiziert. Aufgrund der starken Ausprägung des psy-

chiatrischen Beschwerdebildes und des äusserst labilen psychischen Zu-

standsbildes sei die Beschwerdeführerin 2 dringend auf eine engmaschige 

psychiatrisch-psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung an-

gewiesen. Zur Gewährleistung einer adäquaten psychosozialen Versor-

gung sei die Wahrnehmung von Therapiesitzungen mindestens einmal pro 

Woche indiziert. Habe die Beschwerdeführerin 2 nur beschränkt Zugang 

zu psychiatrischer und medikamentöser Behandlung, würde dies zu einer 

Verschlechterung der aktuell ambulant tragbaren Gesundheitssituation so-

wie zu einer Chronifizierung der psychiatrischen Diagnosen führen. Seit 

der Ankunft in der Schweiz sei bereits eine leichte Besserung der depres-

siven Symptomatik eingetreten. Eine Rückkehr nach Kroatien sei mit dem 

hohen Risiko einer Retraumatisierung verbunden. 

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Seite 7 

5.2.2. Der Beschwerdeführer 1 leidet vor allem an Diabetes Mellitus Typ 2 

sowie an Schlafstörungen, Angstzuständen und psychischen Belastungen. 

Er befand sich ebenfalls mehrmals in ärztlicher Behandlung, unter ande-

rem wegen Brustschmerzen unklarer Ursache (vgl. Austrittsbericht […] 

vom 20. Mai 2023). Derzeit nimmt er die Medikamente Metfin sowie Trittico 

ein und absolviert eine Physiotherapie.  

5.2.3. Betreffend die Beschwerdeführerin 3 ist den Akten zu entnehmen, 

dass sie sich in Behandlung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie befindet. 

Eine eigentliche psychiatrische Diagnose ist jedoch nicht aktenkundig. Die 

von ihr angeführten gesundheitlichen Probleme, namentlich die chronische 

Bronchitis, die entzündliche Erkrankung der Atemwege mit Husten, Atem-

not und Infektionsanfälligkeit sowie die Laktoseintoleranz mit Blähungen 

und Durchfall, Ängste, Albträume und Konzentrationsstörungen sind durch 

medizinische Unterlagen nicht belegt. 

5.2.4. Gesundheitliche Beschwerden des Beschwerdeführers 4 sind keine 

bekannt. 

5.3. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführenden 

sind nicht derart gravierend, dass gestützt auf Art. 3 EMRK von einer Über-

stellung nach Kroatien abgesehen werden muss (vgl. E. 5.1 hiervor). Zwar 

ist nicht in Abrede zu stellen, dass die psychische Gesundheit der Be-

schwerdeführerin 2 erheblich reduziert ist, doch ist diese mit dem aktuellen 

Behandlungssetting derzeit tragbar. Kroatien verfügt über eine ausrei-

chende, für sämtliche Dublin-Rückkehrende hinreichend zugängliche me-

dizinische Infrastruktur (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 10.2 und 

E. 10.3; Urteile des BVGer D-2714/2021 vom 21. November 2023 E. 8.4.3; 

F-1992/2023 vom 3. Mai 2023 E. 5.4; F-1981/2023 vom 20. April 2023 

E. 5.6; Asylum Information Database [AIDA] Country Report Croatia, Up-

date 2022 [nachfolgend: AIDA-Report], S. 94 ff., < https://asylumineu-

rope.org/wp-content/uploads/2023/06/AIDA-HR-2022-Update.pdf >, abge-

rufen am 06.12.23). Nebst den staatlichen Einrichtungen bestehen in Kro-

atien auch Angebote von Nichtregierungsorganisationen für die psychische 

Betreuung, womit vom Angebot einer engmaschigen, wöchentlichen Be-

handlung ausgegangen werden darf (vgl. Urteile des BVGer D-2714/2021 

E. 8.4.3; F-1657/2022 vom 21. April 2022 E. 7.3 m.w.H.; AIDA-Report, 

S. 96 ff.). Die Beschwerdeführerin 2 wird daher in Kroatien ihre ambulante, 

medikamentöse psychiatrische Behandlung weiterführen können. Der Be-

schwerdeführer 1 wird in Kroatien ebenfalls eine adäquate medizinische 

Versorgung vorfinden, insbesondere für die Diabetes-Erkrankung (vgl. Ur-

teil des BVGer F-3984/2022 vom 14. November 2022 E. 4.3.3). 

https://asylumineurope.org/wp-content/uploads/2023/06/AIDA-HR-2022-Update.pdf
https://asylumineurope.org/wp-content/uploads/2023/06/AIDA-HR-2022-Update.pdf

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Medikamente können den Beschwerdeführenden auf Vorrat mitgegeben 

werden, wobei die kroatischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise 

über die spezifischen medizinischen Umstände zu informieren sind (vgl. 

Art. 31 f. Dublin-III-VO). 

5.4. Kroatien ist Signatarstaat des Übereinkommens vom 20. November 

1989 über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK, 

SR 0.107) und kommt seinen daraus erwachsenden Verpflichtungen 

grundsätzlich nach. Eine Überstellung der Beschwerdeführenden nach 

Kroatien führt deshalb nicht ohne Weiteres zu einer Verletzung von Art. 3 

KRK oder Art. 3 EMRK (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer D-5198/2023 

vom 3. Oktober 2023; E-1087/2023 vom 1. März 2023 E. 8.5; D-4163/2022 

vom 2. Februar 2023 E. 9.4). Der Rechtsschutz zur Durchsetzung der Kin-

derrechte ist in Kroatien gewährleistet. Einen unmittelbaren Anspruch auf 

die Erteilung einer ausländerrechtlichen Bewilligung, a fortiori also auch ei-

nen Anspruch auf Aufenthalt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaftesten 

Bedingungen, gewährt die KRK nicht (vgl. Urteil des BVGer E-1087/2023 

vom 1. März 2023 E. 8.5; siehe ferner BGE 143 I 21 E. 5.5.2; 139 I 315 

E. 2.4; je m.w.H.). 

6.  

Somit stehen weder Art. 3 EMRK noch aus der KRK fliessende Rechte ei-

ner Überstellung der Beschwerdeführenden nach Kroatien entgegen und 

es bleibt bei der Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführenden. Weder verletzt 

der angefochtene Entscheid eine die Schweiz bindende völkerrechtliche 

Bestimmung noch ist zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Vorliegen 

humanitärer Gründe verneint und vom Selbsteintrittsrecht keinen Ge-

brauch gemacht hat. Das ihr bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO zustehende Ermessen hat 

sie rechtskonform ausgeübt (vgl. BVGE 2015/9 E. 8). Folglich ist sie zu 

Recht auf die Asylgesuche nicht eingetreten und hat die Überstellung der 

Beschwerdeführenden nach Kroatien verfügt. Die Beschwerde ist abzuwei-

sen. Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden Urteil abge-

schlossen, womit der angeordnete Vollzugsstopp dahinfällt und sich der 

Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos 

erweist. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie ersuchen 

jedoch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Art. 65 

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Abs. 1 VwVG). Das entsprechende Gesuch ist gutzuheissen, da aufgrund 

der Aktenlage von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden auszuge-

hen ist und die gestellten Begehren überdies nicht als aussichtslos anzu-

sehen waren (BGE 142 III 138 E. 5.1; 138 III 217 E. 2.2.4). Somit sind keine 

Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

8.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, den medizinischen Umständen bei der Be-

stimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdefüh-

renden Rechnung zu tragen und die kroatischen Behörden vorgängig in 

geeigneter Weise über die spezifischen Umstände zu informieren. 

3.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Basil Cupa Mathias Lanz 

 

 

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