# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2bf81ecf-7eeb-5991-a279-e49e93dd7ac3
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-07
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 07.03.2012 UV 2011/78
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2011-78_2012-03-07.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2011/78

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 09.08.2019

Entscheiddatum: 07.03.2012

Entscheid Versicherungsgericht, 07.03.2012
Art. 4 ATSG, Art. 9 Abs. 2 UVV: Verneinung eines Unfalls sowie einer 
unfallähnlichen Körperschädigung bei Verhebetrauma mit Hartspann lumbal 
rechts nach Auffangen eines 70-80 kg schweren Patienten (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. März 2012, UV 
2011/78).

Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei, 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser; a.o. Gerichtsschreiberin Annina Baltisser

Entscheid vom 7. März 2012

in Sachen

avanex Versicherungen AG, Debitorenmanagement, Postfach, 8081 Zürich Helsana,

Beschwerdeführerin,

und

A.___,

Beigeladene,

gegen

SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

A.

A.a A.___ war als Pflegeassistentin im Alterszentrum B.___, tätig und dadurch bei der 

SWICA obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie 

Berufskrankheiten versichert. Laut Angaben in der Bagatell-Unfallmeldung vom 2. März 

2011 habe sich die Versicherte am 24. Februar 2011 am Rücken verletzt, als sie einem 

Bewohner beim Aufrichten aus dem Bett geholfen habe. Als dieser plötzlich 

zusammengesackt sei und sie ihn aufgefangen habe, habe sie einen Zwick im Rücken 

verspürt (act. G 1.1). Im Arztzeugnis vom 9. März 2011 erhob Dr. med. C.___, Facharzt 

FMH für Allgemeinmedizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation, als Befund einen 

"Hartspann lumbal rechts, untere LWS hypomobil, ISG rechts blockiert". Als Diagnose 

nannte er ein Verhebetrauma LSS (wohl: LWS) rechts (act. G 1.2).

A.b Nach Vornahme ergänzender Abklärungen (vgl. act. G 1.5) und Einholung von 

Arztzeugnissen (act. G 1.10 ff.) lehnte die SWICA den Anspruch der Versicherten auf 

Leistungen aus der Unfallversicherung mit Verfügung vom 21. Juli 2011 mit der 

Begründung ab, nach den Unterlagen liege weder ein Unfall noch eine unfallähnliche 

Körperschädigung vor (act. G 1.21).

B.

B.a Gegen diese Verfügung erhob die avanex Versicherungen AG (nachfolgend: 

avanex) als Krankenversicherer der Versicherten am 16. August 2011 Einsprache. Sie 

machte im Wesentlichen geltend, entgegen den Ausführungen der SWICA habe eine 

Einwirkung im Sinn eines ungewöhnlichen äusseren Faktors stattgefunden und die 

zitierten Urteile entsprächen nicht dem vorliegenden Sachverhalt (act. G 1.22).

B.b Mit Einspracheentscheid vom 28. September 2011 hielt die SWICA an ihrer Ab­

lehnung fest. Es fehle am Erfordernis der mechanischen Einwirkung eines äusseren 

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Faktors, da die Versicherte den Patienten die ganze Zeit am hinteren Hosenbund 

festgehalten und demzufolge im Zeitpunkt des Einsackens des Patienten 

Körperkontakt bestanden habe. Zudem stellten mögliche Stürze von Patienten 

alltägliche Situationen dar, mit denen in der Tätigkeit einer Pflegeassistentin gerechnet 

werden müsse, weshalb das Zusammensacken eines Patienten im Rahmen dessen 

liege, was für den Lebensbereich der Versicherten üblich sei. Es fehle demnach auch 

am Merkmal der Ungewöhnlichkeit (act. G 1.23).

C.

C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde der 

avanex vom 30. September 2011 mit den Anträgen, die Beschwerde sei gutzuheissen, 

der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. September 2011 und die Verfügung 

vom 21. Juli 2011 seien aufzuheben und die Beschwerdegegnerin habe die gesetz­

lichen Leistungen zu erbringen. Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors 

sei aufgrund des plötzlichen, unerwarteten Zusammensackens des ansonsten 

selbständig stehfähigen und deutlich schwereren Patienten sowie der unüblichen 

Drehbewegung erfüllt. Die Annahme einer beruflichen Gewöhnung an das Auffangen 

eines bis zu 16 kg schwereren und grösseren Patienten wäre vollkommen lebensfremd 

(act. G 1).

C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. November 2011 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge. Im Licht der Praxis des Bundesgerichtes sowie im Hinblick auf 

die berufliche Gewöhnung und die Konstitution der Versicherten (164 cm, 64 kg) im 

Vergleich zum Patienten (170 cm, 70-80 kg) sei ein aussergewöhnlicher Kraftaufwand 

zu verneinen (act. G 3).

C.c Die zum Verfahren beigeladene Versicherte nahm mit Eingabe vom 9. Dezember 

2011 (Postaufgabe) Stellung. Sie führte aus, dass sie durch das ruckartige Heben des 

Patienten sofort einen Schmerz im Rücken verspürt habe. Dieses plötzliche Einsacken 

des Patienten sei der Auslöser für ihre Rückenprobleme gewesen (act. G 6).

C.d Mit Replik vom 20. Dezember 2011 hält die Beschwerdeführerin an den Anträgen 

gemäss Beschwerde fest (act. G 8).

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Erwägungen:

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer für die 

Folgen des Ereignisses vom 24. Februar 2011 leistungspflichtig ist.

2. 

2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes 

bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.

2.2 Unfall wird definiert als die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung 

eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine 

Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge 

hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).

2.3 Gemäss Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; 

SR 832.202) sind folgende Körperschäden auch ohne ungewöhnliche äussere 

Einwirkung den Unfällen gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung 

oder eine Degeneration zurückzuführen sind: Knochenbrüche, Verrenkungen von 

Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen 

sowie Trommelfellverletzungen.

3. 

Zu prüfen ist im Folgenden, ob das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors für 

die Annahme eines Unfallereignisses (vgl. E. 2.2) erfüllt ist.

3.1 Das Begriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors bezieht sich nach der 

Definition des Unfalls nicht auf die Wirkung dieses Faktors, sondern auf den Faktor 

selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere 

Faktor allenfalls schwerwiegende Folgen nach sich zieht. Der äussere Faktor ist 

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ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder 

Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich 

nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; BGE 

122 V 233 E. 1 = Pra 1997 Nr. 823 S. 415 f.). Nach Lehre und Rechtsprechung kann 

das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten 

Bewegung (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b, S. 176 f.) 

oder in einer ausserordentlichen Überanstrengung (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 

1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2) bestehen.

3.2 Gemäss der Bagatell-Unfallmeldung vom 2. März 2011 (act. G 1.1) verletzte sich 

die Versicherte am 24. Februar 2011 am Rücken, als sie einem Patienten half, sich aus 

dem Bett aufzurichten, dieser plötzlich zusammensackte und sie ihn auffing. In der 

Befragung vom 15. März 2011 (act. G 1.5) gab die Versicherte an, sie habe den 70-80 

kg schweren Patienten die ganze Zeit am Hosenbund festgehalten und als dieser 

zusammensackte, habe sie ihn nur noch reflexartig am Hosenbund ziehen und im 

Gegenuhrzeigersinn in den Rollstuhl drehen können. Sie habe täglich mit dem 

Patienten zu tun; dieser sei vorher noch nie zusammengesackt. In der Stellungnahme 

vom 9. Dezember 2011 (act. G 6) führte die Versicherte aus, sie habe dem Patienten 

mit ihrer rechten Hüfte einen Schubs gegeben und ihn mit der rechten Hand am 

Hosenbund sehr schnell auf den Rollstuhl gezogen.

3.3 Bei Körperbewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in 

der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung 

gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten 

Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn dieser - 

Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten 

Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; Urteil 

des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche 

Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Oktober 2003, U 322/02, E. 2.2; RKUV 1996 

Nr. U 253 S. 204 E. 4c und 1994 Nr. U 180 S. 380 E. 2, mit Hinweisen).

3.4 Die Rechtsprechung bejaht das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors 

auch dann, wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher 

Kraftaufwand erfolgt und zu einer, gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten, 

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Schädigung führt. Es muss jedoch von Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung 

im Hinblick auf Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der 

betreffenden Person ausserordentlich war (BGE 116 V 139 E. 3b, mit Hinweisen; RKUV 

1994 Nr. U 180 S. 38). So wie die Aussergewöhnlichkeit bei einer Körperbewegung erst 

dann gegeben ist, wenn diese unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt wurde, 

erfüllt auch der Tatbestand der Überanstrengung den Unfallbegriff nur dann, wenn ihm 

eine besondere Sinnfälligkeit zukommt. Das Heben von Gewichten bedingt zwar 

ebenfalls eine Körperbewegung. Trotz allem handelt es sich bei den Tatbeständen 

"Körperbewegung" und "Überanstrengung" um zwei verschiedene Tatbestände. Bei 

demjenigen der "Überanstrengung" steht nicht die Körperbewegung an sich, sondern 

die übermässige Belastung im Zentrum (vgl. den Entscheid des Versicherungsgerichtes 

des Kantons St. Gallen vom 1. März 2011, UV 2010/28, E. 3.4.1).

3.5 Das Auffangen eines Patienten bei einem drohenden Sturz ist als solches nicht 

ungewöhnlich. Dies hat selbst dann zu gelten, wenn die Bewegung reflexartig 

ausgeführt wurde (vgl. das Urteil des EVG vom 23. Mai 2006, U 144/06, E. 2.2, mit 

einer Zusammenfassung der Rechtsprechung). Im vorliegenden Fall geht aus den 

Akten zudem nicht hervor, dass der natürliche Ablauf der Körperbewegung durch 

etwas Programmwidriges oder Sinnfälliges wie Ausgleiten, Stolpern, reflexartiges 

Abwehren eines Sturzes beeinträchtigt wurde. Eine unkoordinierte Bewegung ist daher 

zu verneinen. Auch ein ausserordentlicher Kraftaufwand ist im Hinblick auf die 

berufliche Gewöhnung und das Gewicht des Patienten auszuschliessen. Bei der 

Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit ist eine Pflegeassistentin zuweilen mit der 

Situation konfrontiert, dass Patienten bei der Mobilisation resp. Verlagerung vom Bett 

in den Rollstuhl stürzen könnten und aufgefangen werden müssen. Dies sprengt den 

Rahmen des Üblichen nicht. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die 

Beschwerdeführerin nicht im 100%-Pensum tätig war, zumal sie den betreffenden 

Patient gemäss ihren Aussagen täglich betreute, da er zu der Patientengruppe gehörte, 

welche die meiste Betreuung benötigte. Im Gegensatz zum von der 

Beschwerdeführerin zitierten Fall, bei dem eine Krankenschwester einen 

schwergewichtigen Patienten vor einem Sturz bewahrte (RKUV 1994 Nr. U 185 S. 80 E. 

2b), ist eine Überanstrengung aufgrund des Gewichtes des Patienten vorliegend zu 

verneinen, zumal ein Unfall bei Überanstrengungen ohne Störung des 

Bewegungsablaufs durch etwas Programmwidriges nach der höchstrichterlichen 

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Rechtsprechung nur selten, z.B. bei sehr hohen Gewichten, anerkannt wird (Unfall z.B. 

auch verneint im Falle eines Hilfspflegers, der beim Transfer eines 100-120 kg 

schweren Patienten vom Operationstisch ins Bett einen heftigen Schmerz im Rücken 

verspürte; vgl. BGE 116 V 136 ff.). Dies hat auch mit Blick auf die Konstitution der 

Versicherten (164 cm, 64 kg) im Vergleich zum Patienten, welcher nach Angaben der 

Versicherten 70-80 kg wog und ca. 170 cm gross war, zu gelten. Zusammenfassend 

lässt sich der ungewöhnliche äussere Faktor sowohl in Form einer unkoordinierten 

Bewegung als auch einer Überanstrengung ausschliessen. Damit liegt kein Unfall 

gemäss Art. 4 ATSG und daher keine Leistungspflicht im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG 

vor.

4.

Zu prüfen bleibt, ob eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt. Dem Arztzeugnis 

von Dr. C.___ vom 3. März 2011 (act. G 1.2) ist keine in Art. 9 Abs. 2 UVV erwähnte 

Körperschädigung zu entnehmen. Ein Verhebetrauma mit Hartspann lumbal rechts 

lässt sich nicht unter die unfallähnlichen Körperschädigungen subsumieren. In der 

Rechtsprechung wurde sodann wiederholt bestätigt, dass der in Art. 9 Abs. 2 UVV 

enthaltenen Aufzählung der unfallähnlichen Körperschädigungen abschliessender 

Charakter zukommt (BGE 114 V 302 E. 3d; RKUV 1989 Nr. U 67 S. 165). Somit kann 

vorliegend nicht von einer unfallähnlichen Körperschädigung ausgegangen werden.

5. 

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des 

Einspracheentscheids vom 28. September 2011 abzuweisen. Gerichtskosten sind 

keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der Beschwerdegegnerin, als einer mit öffentlich-

rechtlichen Aufgaben betrauten Institution, steht keine Parteientschädigung zu (vgl. 

BGE 128 V 133 f. E. 5b).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 

VRP entschieden:

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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