# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 131122f2-8855-5dc7-aa2b-163d0da4292c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 E-5260/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5260-2009_2011-11-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­5260/2009

U r t e i l   v om   1 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richter Walter Lang,
Richter Jean­Pierre Monnet,
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…),
Staatsangehörigkeit unbekannt,
alias
A._______, geboren (…),
Irak,
vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt,
(…),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Entscheidgebühr;
Verfügung des BFM vom 14. Juli 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a. Der  Beschwerdeführer  verliess  den  Irak  eigenen  Angaben  zufolge 
zusammen mit  seiner  (…) Ehefrau  und  seinen  (…)  ältesten Kindern  im 
(…)  und  gelangte  am  19.  Januar  1998  (…)  nach  B._______,  wo  er 
gleichentags  für  sich  und  seine  Familie  ein  erstes  Mal  um  Asyl 
nachsuchte.  Am  20.  Januar  1998  bewilligte  das  BFF  (Bundesamt  für 
Flüchtlinge,  seit  1.1.2005:  BFM)  dem  Beschwerdeführer  und  seiner 
Familie die Einreise in die Schweiz zur Prüfung des Asylgesuchs.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs machte  der  Beschwerdeführer  bei 
der  kantonalen Anhörung  vom  19. März  1998  geltend,  er  sei  irakischer 
Staatsangehöriger kurdischer Ethnie mit  letztem Wohnsitz  in C._______ 
(…).  Er  habe  zwischen  (…)  und  (…)  als  (…)  im  Dienst  von  (…)  (…) 
gestanden.  Ab  (…)  sei  er  Anhänger  der  (…)  (…)  gewesen,  welche  er 
finanziell  unterstützt  und  deren  Mitglieder  er  bei  sich  essen  und 
übernachten  lassen  sowie  in  der  Stadt  engen  Kontakt  zu  weiteren 
Anhängern gehabt habe. Deshalb sei er Anfang (…) von der (…)­Gruppe 
festgenommen und (…) Monate  festgehalten worden. Da  ihm bei seiner 
Festnahme und Freilassung die Augen verbunden gewesen seien, habe 
er nicht feststellen können, wo er festgehalten worden sei. Auch wisse er 
nicht,  weshalb  er  schliesslich  freigelassen  worden  sei.  Nach  seiner 
Freilassung sei er stets vor der (…)­Gruppe auf der Flucht gewesen und 
habe  sich  versteckt,  dies  bei  Anhängern  der  (…)  in  C._______, 
manchmal auch  "in Dörfern". Die  (...)­Gruppe habe  ihn gesucht  und bei 
ihm  zu  Hause  nach  ihm  gefragt,  wie  er  jeweils  von  seinem  Bruder 
erfahren habe. Er sei aber auch durch Angehörige der (...) festgenommen 
und  etwa  einen Monat  lang  in  den  Bergen  festgehalten  worden.  Diese 
hätten  darüber  Auskunft  verlangt,  weshalb  er  von  der  (...)­Gruppe 
freigelassen  worden  sei,  hätten  sie  doch  befürchtet,  dass  er  sie  im 
Auftrag  (…)  ausspioniere.  Etwa  zehn  Tage  nach  der  Freilassung  durch 
die (…) sei er im Jahre (…) ­ er wisse nicht mehr, ob Anfang, Mitte oder 
Ende  (…)  ­  erneut  von der  (...)­Gruppe  festgenommen worden und drei 
Monate  festgehalten worden. Man habe von  ihm  Informationen über die 
(...)  und  deren  Anhänger  gefordert  und  ihn  gefoltert.  Weshalb  er 
schliesslich  freigelassen worden sei, wisse er nicht. Nach dieser  letzten 
Freilassung habe er weiterhin Angst  vor der  (...)­Gruppe, aber auch vor 
der türkischen Gendarmerie und Saddam Hussein gehabt. Ein Grund für 
die  Ausreise  sei  auch  die  allgemeine  Situation  gewesen:  Türkische 

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Soldaten  seien  in  den  Nordirak  eingedrungen,  und  stets  sei  auch  eine 
Rückkehr der irakischen Truppen zu befürchten gewesen.

Mit Verfügung vom 22. Dezember 2000 lehnte das BFF die Asylgesuche 
des  Beschwerdeführers  und  seiner  Familie  ab,  verfügte  deren 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  an.  Zur 
Begründung  führte  das  Bundesamt  aus,  die  Ergebnisse  der 
durchgeführten  Sprach­  und  Länderkunde­Analysen  hinterliessen  zwar 
nicht  unbeträchtliche  Zweifel  an  der  tatsächlichen  Staatsangehörigkeit 
des Beschwerdeführers, sie müssten aber insgesamt zu seinen Gunsten 
gewertet werden, weshalb er "vorerst" als irakischer Staatsangehöriger zu 
betrachten sei. Weiter  sei  festzustellen, dass die gesuchsbegründenden 
Vorbringen  einerseits  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  und 
anderseits  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  standzuhalten 
vermöchten.  Der  Vollzug  der Wegweisung  des  Beschwerdeführers  und 
seiner Familie  in den zentralstaatlich kontrollierten Teil des Irak sei zwar 
zum  gegenwärtigen  Zeitpunkt  ausgeschlossen,  in  den  kurdisch 
kontrollierten Teil des Nordirak hingegen möglich, zulässig und zumutbar.

Mit Urteil vom 12. Juli 2002 hiess die vormals zuständige Schweizerische 
Asylrekurskommission (ARK) die dagegen eingereichte Beschwerde vom 
26.  Januar  2001  im  Vollzugspunkt  zufolge  Vorliegens  einer 
schwerwiegenden persönlichen Notlage gut, hob die Ziffern 4 und 5 des 
Dispositivs  der  (BFF­)Verfügung  vom 22. Dezember  2000  auf  und wies 
das  Bundesamt  an,  den  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  vorläufig 
aufzunehmen. Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen.

Mit  Verfügung  vom  16.  August  2002  nahm  das  BFF  den 
Beschwerdeführer  und  seine  Familie  zufolge  Vorliegens  einer 
schwerwiegenden persönlichen Notlage in der Schweiz vorläufig auf.

A.b.  Mit  schriftlicher  Eingabe  vom  2.  Februar  2009  liess  der 
Beschwerdeführer  durch  seinen Rechtsvertreter  ein  zweites Asylgesuch 
einreichen. Am 27. März 2009 hörte das BFM den Beschwerdeführer zu 
seinen Asylgründen an.

Zur  Begründung  seines  zweiten  Asylgesuchs  machte  der 
Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  im  rechtskräftig  abgeschlossenen 
ersten Asylverfahren falsche Angaben zu seiner Identität gemacht und er 
fühle sich verpflichtet,  jetzt die Wahrheit zu sagen. Er sei  in Wirklichkeit 
nicht  irakischer  Staatsangehöriger,  sondern  Kurde  syrischer  Herkunft 

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ohne Nationalität. Seine Ehefrau besitze die (…) Staatsangehörigkeit. Er 
habe im ersten Asylverfahren mit Ausnahme der Nationalität die Wahrheit 
gesagt. Hinzu komme, dass er in der Schweiz exilpolitisch aktiv sei. Er sei 
seit fünf oder sechs Monaten einfaches Mitglied der (…) (…) und nehme 
an  deren  Sitzungen  sowie  Demonstrationen  teil.  Daneben  habe  er  seit 
zehn  Jahren  an  verschiedenen  Anlässen  und  Demonstrationen 
teilgenommen, die Kurden aus Syrien, der Türkei, dem Irak und dem Iran 
in  der Schweiz  organisiert  hätten. Auf  entsprechende Fragen  anlässlich 
der  Anhörung  antwortete  der  Beschwerdeführer,  er  habe  ein  zweites 
Asylgesuch eingereicht, weil es schwierig sei, mit einem F­Ausweis Arbeit 
zu  finden,  und  für  seine  Kinder  sei  es  nicht  einfach,  eine  Lehrstelle  zu 
finden.  Er  möchte  jetzt  die  Wahrheit  sagen  und  in  der  Schweiz  als 
Flüchtling anerkannt werden. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird 
auf die Akten verwiesen.

Der  Beschwerdeführer  reichte  im  erstinstanzlichen  Verfahren  zur 
Stützung seiner Vorbringen verschiedene Dokumente (…) zu den Akten, 
auf  die,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen wird.

B. 
Mit Verfügung vom 14. Juli 2009 – eröffnet am 22. Juli 2009 – stellte das 
BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht, 
lehnte  dessen  Asylgesuch  vom  2.  Februar  2009  ab  und  ordnete  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Des  Weiteren  hielt  das  Bundesamt 
fest, die am 16. August 2002 angeordnete vorläufige Aufnahme bestehe 
weiterhin bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen und erhob gleichzeitig 
eine Gebühr von Fr. 600.­.

Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  an,  die  geltend  gemachten 
Vorfluchtgründe  genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit 
nicht, zumal diese Vorbringen  im abgeschlossenen ersten Asylverfahren 
als  unglaubhaft  qualifiziert  worden  seien  und  die  Behauptung  des 
Beschwerdeführers  im  zweiten  Asylverfahren,  er  habe  damals  ­ 
abgesehen  von  der  Nationalität  ­  die  Wahrheit  gesagt,  durch  nichts 
begründet sei.

Exilpolitische  Aktivitäten  führten  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven 
Nachfluchtgründen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, wenn sie 
für  die  betroffene  Person  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Syrien  mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile zur Folge hätten. 

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Das Bundesamt gehe zwar davon aus, dass die syrischen Behörden die 
Aktivitäten  von  regimekritischen  Exilorganisationen  beobachten  würden. 
Angesichts  der  umfangreichen  exilpolitischen  Betätigungen  syrischer 
Staatsangehöriger  im Ausland dürfte aber ein behördliches  Interesse an 
der  Identifizierung  nur  Personen  betreffen,  deren  Aktivitäten  über 
massentypische  exilpolitische  Proteste  hinausgingen  und  die  aufgrund 
ihrer Funktionen oder Aktivitäten als gefährliche Regimekritiker eingestuft 
würden.

Dies  sei  vorliegend  nicht  der  Fall.  Der  Beschwerdeführer  sei  erst  seit 
Ende  (…) Mitglied der  (…) und habe sich eigenen Angaben zufolge als 
einfaches  Mitglied  nicht  exponiert.  Die  Teilnahme  an  Demonstrationen 
vermöge  diese  Erkenntnis  nicht  umzustürzen.  Zudem  sei  seine 
Behauptung, er habe  in der Schweiz an weit über  (…) Demonstrationen 
teilgenommen, überzeichnet und nicht dokumentiert. Ferner sei er  in der 
Schweiz  als  irakischer  Staatsangehöriger  in  Erscheinung  getreten  und 
dürfte  schon  deshalb  nicht  die Aufmerksamkeit  der  syrischen Behörden 
auf  sich  gezogen  haben.  Nach  dem  Gesagten  vermöchten  die 
exilpolitischen  Aktivitäten  nicht  zu  einer  konkreten  Gefährdung  des 
Beschwerdeführers  im Falle seiner Rückkehr nach Syrien  führen. Daran 
änderten  auch  die  ins  Recht  gelegten  Beweismittel  nichts,  da  diese 
lediglich belegten, dass der Beschwerdeführer syrischer Herkunft und  in 
der  Schweiz  für  die  (…)  politisch  aktiv  sei.  Die  geltend  gemachten 
subjektiven  Nachfluchtgründe  hielten  somit  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht stand.

Die  Folge  der  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  sei  in  der  Regel  die 
Wegweisung aus der Schweiz. Mit Verfügung vom 16. August 2002 habe 
das  Bundesamt  zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die 
vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet, 
welche bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen gültig sei.

Aufgrund  der  Ablehnung  des  zweiten  Asylgesuchs  sei  gestützt  auf 
Art. 17b  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  eine 
Gebühr von Fr. 600.­ zu erheben.

C. 
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  20.  August  2009  beantragte  der 
Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  in  materieller  Hinsicht 
unter  Aufhebung  der  Dispositivziffern  1  (Verneinung  der 
Flüchtlingseigenschaft)  und  5  (Entscheidgebühr)  die  Zuerkennung  der 

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Flüchtlingseigenschaft  zufolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  sowie  in 
prozessualer  Hinsicht  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses.

Für die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit  für den Entscheid 
wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen.

D. 
Mit Zwischenverfügung vom 31. August 2009 teilte der Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz abwarten, wies das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses  ab  und  forderte  ihn  unter  Androhung  des 
Nichteintretens auf die Beschwerde im Unterlassungsfall auf, bis zum 15. 
September 2009 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­ zu bezahlen.

Der Kostenvorschuss wurde am 7. September 2009 bezahlt.

E. 
Das  BFM  beantragte  in  seinen  Vernehmlassungen  vom  24.  September 
2009 und vom 2. August 2011, die dem Beschwerdeführer zur Kenntnis 
gebracht wurden, die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht. Der Beschwer­
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 
angefochtene Verfügung besonders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges 
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist  daher 
zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Entsprechend  den Rechtsbegehren  in  der Beschwerde  vom 20.  August 
2009 ist im vorliegenden Verfahren lediglich zu prüfen, ob die Vorinstanz 
in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  festgestellt  hat,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositivziffer 
1),  und  ihm  eine  Entscheidgebühr  von  Fr.  600.­  (Dispositivziffer  5) 
auferlegt hat. Die Ziffern 2 (Ablehnung des Asylgesuchs), 3 (Wegweisung 
aus  der  Schweiz)  und  4  (Feststellung,  dass  die  am  16.  August  2002 
angeordnete  vorläufige  Aufnahme  bis  zu  deren  Aufhebung  oder 
Erlöschen weiterhin  bestehe)  der  vorinstanzlichen Verfügung  sind  somit 
mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen.

4. 
4.1.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  durch  sein 
exilpolitisches  Engagement  in  der  Schweiz  Grund  für  eine  zukünftige 
Verfolgung  durch  die  syrischen  Behörden  gesetzt  hat  und  aus  diesem 
Grund die Flüchtlingseigenschaft erfüllt.

4.2. 
4.2.1.  Wer  sich  darauf  beruft,  dass  durch  sein  Verhalten  nach  der 
Ausreise aus dem Heimat­ oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation 
erst  geschaffen  worden  ist,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend 
(vgl. Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die 
Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG,  führen  jedoch  nach 

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Art. 54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie 
missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom 
Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von 
subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst, 
verbietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche 
vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind 
und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und 
zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352,  mit 
weiteren Hinweisen). Massgebend ist, ob die heimatlichen Behörden das 
Verhalten  des  Asylsuchenden  als  staatsfeindlich  einstufen  und  dieser 
deswegen  bei  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine  Verfolgung  im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  befürchten  muss.  Es  bleiben  damit  die 
Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich 
(Art. 3 und 7 AsylG).

4.2.2.  Die  syrischen  Sicherheits­  und  Geheimdienste  verfügen  über 
umfassende  Sondervollmachten  und  unterstehen  keinen  gesetzlichen 
oder administrativen Kontrollen. Sie sind auch im Ausland aktiv, wo eine 
ihrer  Aufgaben  im  Wesentlichen  darin  besteht,  syrische  Oppositionelle 
und  deren  Kontaktpersonen  auszuforschen  und  zu  überwachen  sowie 
Exilorganisationen  syrischer  Kurden  zu  infiltrieren.  Die  so  gewonnenen 
Informationen  bilden  im  Heimatland  häufig  die  Grundlage  für  die 
Aufnahme  in  sogenannte  "Schwarze  Listen",  über  die  eine  lückenlose 
Überwachung  dieser  Personen  bei  der  Einreise  sichergestellt  wird.  Vor 
diesem Hintergrund ist es denkbar, dass der syrische Geheimdienst auch 
von  der  Einreichung  eines  Asylgesuchs  in  der  Schweiz  durch  syrische 
Staatsangehörige  oder  staatenlose  Kurden  syrischer  Herkunft  erfährt, 
insbesondere wenn  sich  diese  im Exilland  politisch  betätigen  oder mit  ­ 
aus  der  Sicht  des  syrischen  Staates  ­  politisch  missliebigen, 
oppositionellen  Organisationen,  Gruppierungen  oder  Tätigkeiten  in 
Verbindung  gebracht  werden  können.  Es  bestehen  indessen  keine 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Einreichung  eines  Asylgesuchs  für  sich 
allein  bei  einer  Rückkehr  nach  Syrien  regelmässig  zu  behördlicher 
Verfolgung  führt  (vgl.  beispielsweise  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­6662/2008 vom 19. August 2011).

4.3. 
4.3.1.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht 
gelungen  ist, eine politisch motivierte asylrelevante Verfolgung  in Syrien 
darzutun, weshalb auch nicht davon auszugehen  ist, dass er  vor  seiner 

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Einreise in die Schweiz im Visier der syrischen Behörden stand oder gar 
als Regimegegner oder politischer Aktivist registriert war.

4.3.2. Aus  den  im  erstinstanzlichen  Verfahren  zu  den  Akten  gereichten 
Dokumenten geht hervor, dass der Beschwerdeführer Mitglied respektive 
Sympathisant  der  (…)  ist,  an  einer  Demonstration  vor  der  (…)  in  der 
Schweiz im Jahre (…) und an weiteren, aufgrund der eingereichten Fotos 
nicht näher spezifizierbaren Kundgebungen teilgenommen hat. Daneben 
ergibt  sich  aufgrund  des  diesbezüglich  eingereichten  Dokumentes 
(Antrag auf Mitgliedschaft), dass der Beschwerdeführer Mitglied beim (…) 
in der Schweiz ist. Dennoch ist ein exponierter exilpolitischer Einsatz, der 
ihn  ins  Zentrum  des  Interesses  des  syrischen  Geheimdienstes  rücken 
könnte,  zu  verneinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass 
bei behaupteten subjektiven Nachfluchtgründen  in der Regel ein  strikter 
Beweis möglich  und  deshalb  auch  erforderlich  ist  (vgl WALTER STÖCKLI, 
Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. 
Aufl.,  Basel  2009,  Rz.  11.148).  Das  BFM  führt  denn  auch  in  seiner 
Verfügung  vom  14.  Juli  2009  zu  Recht  aus,  die  syrischen  Behörden 
hätten nur dann ein  Interesse an der  Identifizierung einer Person, wenn 
deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System 
wahrgenommen würden. Für die Annahme, der Beschwerdeführerin habe 
sich in dieser besonderen Art und Weise betätigt, bestünden aufgrund der 
eingereichten  Dokumente  keine  Anhaltspunkte,  zumal  diese  lediglich 
belegten,  dass  er  syrischer  Herkunft  und  in  der  Schweiz  für  die  (…) 
politisch  aktiv  sei.  Er  habe  sich  als  einfaches  Mitglied  der  (…)  nicht 
exponiert  und  die  Teilnahme  an  Demonstrationen  allein  vermöge  an 
dieser Einschätzung nichts zu ändern. Zudem sei seine Behauptung, er 
habe  in  der Schweiz  an weit  über  (…) Demonstrationen  teilgenommen, 
überzeichnet  und  nicht  dokumentiert.  Zudem  sei  er  in  der  Schweiz  als 
irakischer  Staatsangehöriger  in  Erscheinung  getreten  und  dürfte  schon 
deshalb  nicht  die  Aufmerksamkeit  der  syrischen  Behörden  auf  sich 
gezogen  haben.  Dieser  Beurteilung  schliesst  sich  das 
Bundesverwaltungsgericht an.

4.3.3.  Vorliegend  ist  darauf  zu  schliessen,  dass  sich  die  bisherigen 
exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  lediglich  in  wenig 
exponierten  Tätigkeiten  erschöpft  haben.  Der  Beschwerdeführer  ist 
gemäss  dem  Be­stätigungsschreiben  vom  (…)  Mitglied  respektive 
Sympathisant  der  (…)  und betätigt  sich  nicht  in  einer  hohen und  in  der 
Öffentlichkeit  exponierten  Kaderstelle,  weshalb  die  syrischen  Behörden 
auch  aus  diesem  Grunde  in  dessen  Person  keinen  ernsthaften  und  in 

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seinem  Wirkungsgrad  gefährlichen  Regimegegner  sehen  dürften.  Vor 
diesem  Hintergrund  lässt  die  Beteiligung  des  Beschwerdeführers  an 
exilpolitischen  Aktivitäten  –  Teilnahme  an  Sitzungen  und  an 
Demonstrationen  der  (…)  sowie  an  von Kurden  aus Syrien,  der  Türkei, 
dem  Irak  und  dem  Iran  organisierten  Anlässen  und  Demonstrationen – 
von  vornherein  nicht  das  Gefährdungspotenzial  ersehen,  welches  der 
Beschwerdeführer geltend macht.

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde ist demnach nicht davon 
auszugehen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine 
asylrechtlich  relevante  Gefährdung  zu  befürchten  hätte.  Soweit  der 
Beschwerdeführer anführen  lässt, er sei bereits vor zehn Jahren an der 
Besetzung des (…) Konsulats in (…) beteiligt gewesen und im Anschluss 
an  die  Besetzung  polizeilich  registriert  und  gebüsst  worden,  ist 
festzuhalten,  dass  diese  Angaben  nicht  weiter  belegt  werden  und  nicht 
ersichtlich  ist,  inwiefern  er  dadurch  den  syrischen  Behörden  besonders 
aufgefallen  sein  sollte.  Ebenso  wenig  ist  davon  auszugehen,  dass  er 
durch  seine  Teilnahme  an  der  Demonstration  im  Jahre  (…)  besonders 
hervorgetreten  wäre,  zumal  diese  Kundgebung  nicht  vor  der  syrischen 
Botschaft,  sondern  vor  der  (…)  Vertretung  stattfand.  Zudem  ist 
festzustellen, dass es sich beim weiteren Vorbringen in der Beschwerde, 
es müsse  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  im 
Zusammenhang mit seinen über ein  (…) andauernden Beteiligungen an 
verschiedensten  Kundgebungen  und  Protestaktionen  der 
Kurdenbewegung  in  der  Schweiz,  die  bis  vor  (…)  geführt  hätten,  von 
Botschaftsangehörigen  gefilmt  respektive  auf  Video  aufgezeichnet 
worden  sei,  um  nicht  weiter  substanziierte  Behauptungen  handelt. 
Diesbezüglich ergibt eine Durchsicht des Anhörungsprotokolls,  dass der 
Beschwerdeführer  auf  die  Frage,  wann  die  mit  den  gleichzeitig 
eingereichten  Fotoausdrucken  belegten  Demonstrationen  stattgefunden 
hätten,  antwortete,  er  habe das Datum nicht mehr  im Kopf,  er  habe an 
verschiedenen  Demonstrationen  teilgenommen  (Akten  BFM  B7/9  S.  6 
Frage 50).

4.3.4.  Im  vorliegenden  Verfahren  fehlen  jegliche  Hinweise  darauf,  dass 
gegen  den Beschwerdeführer  aufgrund  der  vorgebrachten Aktivitäten  in 
Syrien behördliche Massnahmen eingeleitet worden sein könnten, wobei 
in  diesem  Zusammenhang  unter  Hinweis  auf  die  in  Art.  8  AsylG 
verankerte  Mitwirkungspflicht  festzuhalten  ist,  dass  es  nicht  Sache  der 
schweizerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise und 

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abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  des 
Beschwerdeführers abzuklären.

4.3.5.  Insgesamt  lassen  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  und 
die  von  ihm  eingereichten  Beweismittel  nicht  auf  ein  wesentliches 
exilpolitisches  Engagement  schliessen,  aufgrund  dessen  er  damit 
rechnen  müsste,  dass  er  dem  syrischen  Geheimdienst  als  ernsthafter 
Regimegegner  aufgefallen  und  entsprechend  registriert  worden  wäre. 
Somit  ist  davon  auszugehen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  nach  Syrien 
nicht mit einer ernsthaften Benachteiligung seitens der dortigen Behörden 
zu  rechnen hätte. Seine Furcht vor künftiger Verfolgung erscheint damit 
als unbegründet.

4.4.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  sich  eine  Aus­
einandersetzung mit  den anderen Ausführungen auf Beschwerdeebene, 
weil diese nicht geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. 
Dem Beschwerdeführer  ist es nicht gelungen, aus seinen exilpolitischen 
Aktivitäten  in  der  Schweiz  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von 
Art. 54  AsylG  abzuleiten,  welche  zur  Zuerkennung  seiner 
Flüchtlingseigenschaft führen könnten.

5. 
Stellt  eine  Person  nach  rechtskräftigem  Abschluss  ihres  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens  oder  nach Rückzug  ihres Asylgesuches  erneut 
ein  Asylgesuch,  so  erhebt  das Bundesamt  gestützt  auf  Art.  17b Abs.  4 
AsylG  in  sinngemässer  Anwendung  der  Absätze  1­3  zum 
Wiedererwägungsgesuch  für  dieses  Verfahren  eine Gebühr,  ausser  die 
asylsuchende  Person  sei  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  in  die 
Schweiz zurückgekehrt (Art. 17b Abs. 4 AsylG).

Vorliegend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  vor  dem 
Einreichen  seines  zweiten  Asylgesuchs  weder  aus  dem  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  in  die  Schweiz  zurückgekehrt  ist  noch  das  BFM  im 
erstinstanzlichen  Verfahren  gestützt  auf  Art.  17b  Abs.  2  AsylG  um 
Befreiung  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  ersucht  hat.  Die 
Vorinstanz hat demnach zu Recht in Anwendung von Art. 17b AsylG eine 
Gebühr für das erstinstanzliche zweite Asylverfahren erhoben.

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

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vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwer­
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.­ 
festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR  173.320.2]).  Sie  sind  durch  den  am  7.  September  2009  geleisteten 
Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  gedeckt  und  mit  diesem  zu 
verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  sind  durch  den  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher 
Höhe gedeckt und werden mit diesem verrechnet.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…).

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

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