# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a4bcaab-fe16-523d-b8f3-5620f2230bad
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-03-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 16.03.2005 SB 2004 47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2004-47_2005-03-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 16. März 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 04 47 (mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Vital und Möhr
Aktuarin ad hoc Nüssle

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In der strafrechtlichen Berufung

der Staatsanwaltschaft Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, Berufungsklä-
gerin, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Plessur vom 28. Juli 2004, mitgeteilt am 
13. Dezember 2004, in der Sache des X., Berufungsbeklagter, vertreten durch 
Rechtsanwalt Dr. iur. Hans-Jürg Tarnutzer, Hartbertstrasse 1, 7000 Chur,

betreffend vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 30. Juni 1969 in Chur geboren und wuchs zusammen mit 
zwei Schwestern in geordneten Verhältnissen bei seinen Eltern in G. auf, wo er 
sechs Jahre die Primarschule und anschliessend in H. drei Jahre die Realschule 
besuchte. Nach der Schulentlassung absolvierte er eine vierjährige 
landwirtschaftliche Lehre auf dem Plantahof in Landquart, ohne allerdings die 
Abschlussprüfung erfolgreich bestanden zu haben. In der Folge arbeitete X. jeweils 
im Sommer als Knecht an verschiedenen Orten und im Winter als Skilehrer. Seit 
1996 führt er in G. einen Landwirtschaftsbetrieb, anfänglich zusammen mit seinem 
Onkel, seit 1998 mit seiner Ehefrau D., welche er im gleichen Jahr heiratete. Aus 
dieser Ehe gingen ein Sohn (geb. 2000) und eine Tochter (geb. 2002) hervor.

Nach Angaben der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden weist X. ein 
jährliches Einkommen von Fr. 50'800.- auf; über Vermögen verfügt er bis auf das 
hälftige Eigentum an seinem Gutsbetrieb nicht. 

Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit zwei Verurteilungen 
verzeichnet. Am 17. Februar 1994 verurteilte ihn der Kreisgerichtsausschuss 
Schanfigg wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand, versuchter 
Vereitelung der Blutprobe, pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall sowie Verletzung 
von Verkehrsregeln zu 60 Tagen Gefängnis und einer Busse von Fr. 300.-. Am 20. 
März 1997 verurteilte ihn der Kreisgerichtsausschuss Schanfigg erneut wegen 
vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand, vollendetem Versuch der 
Vereitelung einer Blutprobe, Verletzung von Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen 
Verhaltens bei Unfall zu fünf Monaten Gefängnis und einer ambulanten Behandlung 
gemäss Art. 44 Ziff. 1 StGB und Art. 43 Ziff. 2 StGB. Am 21. Januar 1992 war er 
überdies vom Kreispräsidenten Davos wegen vorsätzlichen Fahrens in 
angetrunkenem Zustand und wegen Verletzung von Verkehrsregeln mit 25 Tagen 
Gefängnis und einer Busse von Fr. 500.-- bestraft worden, dies bedingt bei einer 
Probezeit von zwei Jahren.

Gemäss SVG-Massnahmeregister (ADMAS) musste das 
Strassenverkehrsamt Graubünden X. den Führerausweis dreimal entziehen. Am 8. 
Januar 1992 wegen Angetrunkenheit die Führerausweiskategorie 0001 für zwei 
Monate, die Kategorie 0303 für drei Monate. Am 27. Mai 1993 wegen 
Angetrunkenheit die Führerausweiskategorie 0001 für zwölf Monate, die Kategorie 
2203 für 18 Monate. Am 8. Mai 1996 wurde ihm der Führerausweis der Kategorie 
2203 wegen Angetrunkenheit und Charakter unbefristet entzogen. Dieser Entzug 
wurde am 1. Mai 1998 aufgehoben. 

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Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 15. 
November 2003 geniesst X. in seiner Wohngemeinde G. einen guten Ruf. Er gelte 
als aufrichtiger und arbeitsamer Bürger, der sich um eine geordnete Lebensführung 
bemühe. 

B. Dem vorliegenden Strafverfahren liegt gemäss Anklageschrift der 
Staatsanwaltschaft Graubünden vom 13. April 2004 folgender Sachverhalt 
zugrunde:

„Am 25. August 2003 konsumierte X. zu Hause in G. von 13.00 Uhr 
bis 17.00 Uhr drei grosse Flaschen Bier à 0.7 Liter. Um ca. 22.30 Uhr 
fuhr er mit dem PW Datsun Patrol 4WD von E., ZH F., nach H., wo er 
im Restaurant I. bis um 1.30 Uhr eine grosse Flasche Bier à 0.7 Liter 
und drei Stangen Bier à 0.3 Liter zu sich nahm. Anschliessend setzte 
er sich wieder in den erwähnten PW und fuhr über die J.-Strasse von 
H. nach G.. Die Strecke zwischen K. und L. befuhr er nach eigenen 
Angaben mit einer Geschwindigkeit von ca. 60-70 km/h. Eingangs der 
Linkskurve nach dem Haus M. geriet sein Fahrzeug ins Schleudern, 
rutschte nach rechts weg und kollidierte mit der bergseitigen Mauer 
der Fahrbahn. Das Fahrzeug kam schliesslich quer zur Fahrbahn 
stehend, teilweise auf der Gegenfahrbahn, zum Stillstand. Die um 
03.05 Uhr beim Angeklagten entnommene Blutprobe ergab gemäss 
Bericht des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen einen 
Mindestblutalkoholgehalt von 1.96 Gewichtspromille. Der 
Führerausweis wurde dem Angeklagten von der Polizei auf der Stelle 
abgenommen. Das Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden 
entzog dem Angeklagten mit Verfügung vom 6. Oktober 2003 den 
Führerausweis vorsorglich auf unbestimmte Zeit, mit Wirkung ab 25. 
August 2003.“

C. X. wurde bereits 1996 psychiatrisch begutachtet. Damals gelangte A., 
Oberarzt in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Waldhaus, 7000 Chur, zum 
Schluss, dass bei X. eine nicht unwesentliche und demnach behandlungsbedürftige 
Alkoholproblematik vorliege, die in den Rahmen einer Trunksucht im weiteren Sinne 
eingereiht werden könne. Er zeige wenig Einsicht und Kritikfähigkeit und neige zu 
Bagatellisierungs- und Verharmlosungstendenzen. In dem im Zusammenhang mit 
dem vorliegenden Strafverfahren in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten 
vom 29. Januar 2004 beantwortete die begutachtende Ärztin B., Oberärztin in der 
Psychiatrischen N., die vom Untersuchungsrichter gestellten Fragen wie folgt:

„1. Litt der Angeschuldigte im Zeitpunkt der Taten an einer Geis-
teskrankheit, an Schwachsinn oder einer schweren Störung 
des Bewusstseins, so dass seine Fähigkeit zur Einsicht in 
das Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Ein-
sicht aufgehoben war (Art. 10 StGB)?

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Entfällt.

2. War der Angeschuldigte zur Zeit der Taten in seiner geistigen 
Gesundheit oder in seinem Bewusstsein beeinträchtigt oder 
war er geistig mangelhaft entwickelt, so dass seine Fähigkeit 
zur Einsicht in das Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss 
dieser Einsicht herabgesetzt war, wenn ja, in welchem Grad 
(Art. 11 StGB)?
Zum Tatzeitpunkt war der Expl. trunksüchtig und damit in seiner 
geistigen Gesundheit beeinträchtigt. Die Alkoholisierung führte zu-
sätzlich zu einer leichten Bewusstseinsbeeinträchtigung. Daher 
war seine Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat zwar nicht 
beeinträchtigt, jedoch die Fähigkeit zum Handeln gemäss dieser 
Einsicht leicht herabgesetzt. Das entspricht einer leichtgradigen 
Minderung der Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt gemäss 
Art. 11 StGB.

3. Im Falle einer Verminderung resp. Aufhebung der Zurech-
nungsfähigkeit, ist diese auf die Alkoholisierung im konkreten 
Fall oder auf einen anderweitigen Grund (welchen) zurückzu-
führen?
Im konkreten Fall wird die Verminderung der Zurechnungsfähigkeit 
vor allem auf die Alkoholabhängigkeit zurückgeführt. Die Alkoholi-
sierung spielte dabei zwar auch, jedoch eine geringere Rolle.

4. Ist der Angeschuldigte trunksüchtig oder rauschgiftsüchtig 
und erscheint daher zur Verhütung einer allfälligen Rückfall-
gefahr die Einweisung in eine Trinkerheilanstalt, eine Drogen-
entzugsanstalt oder eine andere Heilanstalt zweckmässig (Art. 
44 Abs. 1 StGB)?
Der Expl. ist trunksüchtig. Zur Verhütung einer allfälligen Rückfall-
gefahr wäre die Einweisung in eine Trinkerheilanstalt gemäss Art. 
44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sinnvoll. Allerdings ist sie bei bestehender 
Uneinsichtigkeit des Expl. in seine Alkoholabhängigkeit nicht 
durchführbar.

Genügt eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 44 Ziff. 
1 Abs. 1 letzter Satz StGB?
Nein.

Wäre der sofortige Vollzug einer Strafe mit einer ambulanten 
Behandlung vereinbar oder würde diese durch den Strafvoll-
zug schwer beeinträchtigt?
Der sofortige Vollzug einer Strafe wäre mit der Fortsetzung der to-
talen Alkoholabstinenz (siehe Frage 5) und einer ambulanten psy-
chotherapeutischen Begleitbehandlung vereinbar.

5. Für den Fall eines bedingten Strafvollzuges:

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Ist eine psychiatrische Behandlung notwendig oder zweck-
mässig (Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB), so dass Weisungen (wel-
che?) angezeigt wären oder Schutzaufsicht angeordnet wer-
den sollte?
Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung ist notwen-
dig. Sie sollte dem Expl. ermöglichen, sein Problembewusstsein zu 
stärken und neue, sinnvolle Verhaltensweisen im Umgang mit Al-
kohol zu lernen. Wir empfehlen die Auflage einer mindestens 18-
monatigen totalen Alkoholabstinenz, die wie unter Punkt 6 aufge-
führt, kontrolliert wird. Eine Schutzaufsicht erachten wir zur Kon-
trolle der Einhaltung von Weisungen als nötig.

6. Wäre der sofortige Vollzug einer Strafe bei gleichzeitiger am-
bulanter Behandlung in einer Massnahmenanstalt gemäss 
Art. 2 VStGB 3 zweckmässig?
Der sofortige Vollzug einer Strafe bei gleichzeitiger ambulanter Be-
handlung in einer Massnahmenanstalt gemäss Art. 2 VStGB 3 hal-
ten wir für zweckmässig. Darüber hinaus empfehlen wir eine min-
destens 18-monatige totale Alkoholabstinenz, die mittels folgender 
monatlich durchzuführender Blutuntersuchungen kontrolliert wird: 
CDT, MCV, GOT, GPT und -GT.

7. Sind andere Massnahmen aus medizinischer Sicht zweckmäs-
sig, z.B. Bevormundung, Verbeiständung?
Nein.“

D. Mit Urteil vom 28. Juli 2004, mitgeteilt am 13. Dezember 2004, er-
kannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur:

„1. X. ist schuldig des vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zu-
stand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG sowie der Verletzung von Ver-
kehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 1 SVG.

2. Dafür wird X. mit sechs Monaten Gefängnis und einer Busse von 
CHF 800.—bestraft.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu Gunsten einer ambulanten 
Massnahme im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 
43 Ziff. 2 StGB aufgeschoben.

4. X. wird gemäss Art. 41 Ziff. 2 StGB die Weisung erteilt, sich bis 
Ende November 2008 alkoholabstinent zu verhalten.

5. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 5'364.—(Untersuchungskosten 
der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2'864.--, Gerichtsgebühr 
von CHF 2'500.--) gehen zu Lasten des Verurteilten und sind zu-
sammen mit der Busse innert 30 Tagen auf das PC-Konto 70-3596-
3 des Bezirksgerichts Plessur zu überweisen.

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Die Kosten eines allfälligen Strafvollzuges gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

6. (Rechtsmittelbelehrung)

8. (Mitteilung)“.

E. Mit Verfügung vom 13. Dezember 2004 erteilte das Strassenverkehrs-
amt des Kantons Graubünden X. den Führerschein gestützt auf ein Gutachten vom 
9. Dezember 2004 von B., Oberärztin in der Psychiatrischen N., welches von einer 
seit mindestens einem Jahr eingehaltenen Alkoholabstinenz ausgeht, mit Wirkung 
ab 9. Dezember 2004 auf Zusehen und Wohlverhalten hin wieder, nachdem es ihm 
diesen mit Verfügung vom 3. März 2004 auf unbestimmte Zeit entzogen hatte.

F. Gegen das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Plessur vom 28. 
Juli 2004 erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Eingabe vom 21. Dezember 
2004 Berufung beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden. Sie beantragt die 
Aufhebung der Ziffern 3 und 4 des angefochtenen Urteils, die Strafe sei zu vollzie-
hen und es sei eine ambulante Massnahme im Sinne des Gutachtens gerichtlich 
anzuordnen; unter gesetzlicher Kostenfolge. 

In seiner Vernehmlassung vom 31. Januar 2005 beantragte X. die Abweisung 
der Berufung. Er machte insbesondere geltend, dass der Strafvollzug sich negativ 
auf die bisherige Behandlung seiner Trunksucht auswirken würde. Zudem würde 
der Strafvollzug im vorliegenden Fall schwere Unannehmlichkeiten zur Folge ha-
ben, da er eine Familie zu betreuen hätte und selbständig einen Landwirtschaftsbe-
trieb führe. Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei deshalb abzuweisen und das 
vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.

Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 10. Januar 2005 auf eine Stel-
lungnahme und reichte die Akten ein.

Am 16. März 2005 fand eine mündliche Berufungsverhandlung statt, an wel-
cher X. und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Hans-Jürg Tarnutzer, teilnah-
men. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Teilnahme (Art. 145 Abs. 4 StPO).

Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen:

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Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. a) Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse, sowie gegen Verfügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten 
(ausgenommen Untersuchungshandlungen, prozessleitende Verfügungen und 
Strafmandate) können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichts-
ausschuss innert 20 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefochtenen Ent-
scheides Berufung einreichen. Diese ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder Gerichtsverfahrens gerügt werden 
und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 141 ff. 
StPO). 

b) Diesen Anforderungen vermag die im übrigen form- sowie fristgerecht ein-
gereichte Berufung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 21. Dezember 2004 
zu genügen, weshalb auf die einzutreten ist.

2. a) Der Kantonsgerichtspräsident kann von Amtes wegen oder auf 
Antrag eine mündliche Berufungsverhandlung durchführen, wenn die persönliche 
Befragung des Angeklagten für die Beurteilung der Streitsache wesentlich ist (Art. 
144 Abs. 1 StPO). Findet keine mündliche Berufungsverhandlung statt, so trifft der 
Kantonsgerichtsausschuss seinen Entscheid ohne Parteivortritt auf Grund der 
Akten (Art. 144 Abs. 3 StPO). Der Angeschuldigte in einem Strafverfahren hat aber 
unabhängig von der kantonalen Verfahrensordnung gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK 
Anspruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise und öffentlich gehört wird. 
Dieser Anspruch ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein faires Verfahren. 
Das Gebot der Verfahrensöffentlichkeit gilt dem Grundsatz nach nicht nur für das 
erstinstanzliche Strafverfahren, sondern erstreckt sich auf die Gesamtheit eines 
korrekten Strafverfahrens inklusive des gesamten Rechtsmittelweges, somit auch 
auf das Berufungsverfahren gemäss Art. 141 ff. StPO. Die Art der Anwendung von 
Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf ein Verfahren vor einer Rechtsmittelinstanz hängt von deren 
Besonderheiten ab. Von einer mündlichen Verhandlung vor der Rechtsmittelinstanz 
kann etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz tatsächlich mündlich 
verhandelt hat, wenn nur Rechtsfragen oder Tatfragen zur Diskussion stehen, die 
sich leicht nach den Akten beurteilen lassen, ferner wenn eine reformatio in peius 
ausgeschlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist und sich keine Fragen 
zur Person und deren Charakter stellen (vgl. BGE 119 Ia 316 E. 2b; ZGRG 2/99, S. 
46). Zudem darf einem nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches 
Interesse entgegenstehen. Der Betroffene kann von sich aus auf eine mündliche 

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Verhandlung verzichten. Voraussetzung eines wirksamen Verzichts ist, dass er 
ausdrücklich erklärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des Betroffenen 
eindeutig ergibt.

b) Vorliegend hat der Berufungsbeklagte eine mündliche 
Berufungsverhandlung beansprucht und die Staatsanwaltschaft beantragte die 
Abänderung des vorinstanzlichen Urteils zu Ungunsten des Verurteilten. Zudem ist 
im vorliegenden Fall bei der Prüfung der Bewährungsaussichten der persönliche 
Eindruck vom Berufungsbeklagten von erheblicher Bedeutung. Der vorliegende 
Entscheid wurde deshalb aufgrund einer mündlichen Verhandlung gefällt und 
anschliessend mündlich eröffnet.

3. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognition zukommt (Art. 146 Abs. 1 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil 
grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft. Vor-
liegend unbestritten geblieben sind gemäss Berufungsschrift der von der Staatsan-
waltschaft Graubünden relevierte Sachverhalt, der Schuldspruch sowie das Straf-
mass. Es geht im vorliegenden Verfahren daher einzig um die Frage der Gewährung 
beziehungsweise Verweigerung des Aufschubs des Strafvollzugs zugunsten einer 
ambulanten Behandlung eines Trunksüchtigen (Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung 
mit Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Es gilt dabei jedoch zu berücksichtigen, dass der 
Kantonsgerichtsausschuss auch weitere Urteilspunkte abändern oder ergänzen 
kann und muss, wenn sonst der Würdigung aller Umstände unzureichend Rech-
nung getragen würde beziehungsweise einzelne Fragen aus dem Sachzusammen-
hang gerissen würden und damit Bundesrecht verletzt würde (vgl. BGE 117 IV 104 
ff.). Dies bedeutet vorliegend, dass auch die Frage der Gewährung eines bedingten 
Strafvollzugs zu prüfen ist.

4. a) Der Bezirksgerichtsausschuss Plessur sprach X. des vorsätzlichen 
Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs.1 SVG sowie der Verlet-
zung von Verkehrsregelns gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 1 SVG schuldig. Dafür bestrafte er ihn mit sechs Monaten Gefängnis und einer 
Busse von Fr. 800.-. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde zugunsten einer ambu-
lanten Massnahme im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 43 Ziff. 
2 StGB aufgeschoben und es wurde X. gemäss Art. 41 Ziff. 2 StGB die Weisung 
erteilt, sich bis Ende November 2008 alkoholabstinent zu verhalten. Die Vorinstanz 
wertete das Verschulden von X. als schwerwiegend. Trotz einschlägiger Vorstrafen, 

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zweimaligem Verbüssen einer unbedingten Gefängnisstrafe, diverser Führeraus-
weisentzüge müsse er sich wiederholt wegen Trunkenheit am Steuer vor Schranken 
verantworten. Aus diesen Gründen könne dem Angeklagten keine günstige Pro-
gnose gestellt werden, weshalb der bedingte Strafvollzug zu verweigern sei. Der 
Bezirksgerichtsausschuss Plessur erachtete jedoch die Voraussetzungen für die 
Aufschiebung des Strafvollzugs zugunsten der Anordnung einer ambulanten Mass-
nahme gestützt auf Art. 44 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 43 Ziff. 2 StGB als gegeben, 
da die vorliegend zu beurteilenden Taten in Zusammenhang mit einer Trunksucht 
stehen würden und der Angeklagte bereits heute unter Aufsicht alkoholabstinent 
lebe. Diese Alkoholabstinenz solle bis Ende November 2008 fortgeführt werden. 
Zugunsten dieser Massnahme rechtfertige es sich die unbedingte Gefängnisstrafe 
aufzuschieben.

b) Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragte die Aufhebung der Ziffern 
3 und 4 des angefochtenen Urteils, die Strafe sei zu vollziehen und es sei eine am-
bulante Massnahme im Sinne des Gutachtens gerichtlich anzuordnen; unter gesetz-
licher Kostenfolge. In ihrer Berufungsbegründung hält sie fest, dass gemäss der 
Rechtsprechung des Bundesgerichts sich ein Strafaufschub zugunsten einer ambu-
lanten Massnahme nur dann rechtfertige, wenn eine tatsächliche Aussicht auf er-
folgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe 
erheblich beeinträchtigt würde. Da die psychiatrische Gutachterin nicht der Auffas-
sung sei, dass ein sofortiger Strafvollzug im vorliegenden Fall mit der empfohlenen 
ambulanten Behandlung unvereinbar sei und keine Gründe er-sichtlich seien, wel-
che die Überzeugungskraft des Gutachtens erschüttern könnten, widerspreche die 
Erkenntnis des Bezirksgerichtsausschusses Plessur der Praxis. Zudem sei der 
Strafaufschub ungenügend begründet worden.

c) X. beantragte in seiner Stellungnahme die Abweisung der Berufung. Er 
machte insbesondere geltend, dass der Strafvollzug sich negativ auf die bisherige 
Behandlung seiner Trunksucht auswirken würde. Er habe sich seit der Tat im Au-
gust 2003 intensiv behandeln lassen und sei alkoholabstinent seit der fraglichen 
Trunkenheitsfahrt. Hätte er nun eine Gefängnisstrafe zu verbüssen, wäre er kaum 
noch motiviert aktiv mitzuarbeiten, da er nach der Verbüssung der Strafe so oder so 
aus dem Strafvollzug entlassen würde, ob die Massnahme wirkt oder nicht. Es sei 
für ihn deshalb besser, wenn er das „Damokles-Schwert“ des Vollzugs während län-
gerer Zeit über sich schweben habe, so dass er die ärztlichen Weisungen befolge. 
Zudem würde der Strafvollzug im vorliegenden Fall schwere Unannehmlichkeiten 
zur Folge haben, da er eine Familie zu betreuen habe und selbständig einen Land-

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wirtschaftsbetrieb führe. Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei deshalb abzuwei-
sen und das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.

d) An der mündlichen Verhandlung vom 16. März 2005 ging es der Berufung 
der Staatsanwaltschaft entsprechend einzig um die Frage, ob die Voraussetzungen 
für den Aufschub der Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme gegeben sind 
beziehungsweise ob die Voraussetzungen der Gewährung des bedingten Strafvoll-
zugs vorliegen. X. war anwesend, während die Staatsanwaltschaft Graubünden ge-
stützt auf Art. 145 Abs. 4 StPO auf eine Teilnahme verzichtet hatte. X. bestätigte 
den von der Staatsanwaltschaft Graubünden relevierten Sachverhalt. Er führte aus, 
dass er seit der fraglichen Trunkenheitsfahrt keinen Alkohol mehr trinke. Es sei ihm 
eine Lehre gewesen, denn heute habe er eine Familie und sein Onkel könne ihm 
auf dem Hof nicht mehr aushelfen. Im Rahmen der richterlichen Befragung 
bestätigte X., dass er einen stationären Klinikaufenthalt in einer Trinkerheilanstalt 
als nicht nötig erachte, da er bereits seit bald zwei Jahren alkoholabstinent lebe. 
Sein Verteidiger wies in seinem Plädoyer insbesondere darauf hin, dass der Vollzug 
der Freiheitsstrafe für X. mit gravierenden Konsequenzen in beruflicher, finanzieller 
und sozialer Hinsicht verbunden wäre, da er selbständig einen Landwirtschaftsbe-
trieb führe und eine Familie zu ernähren habe. Ein sofortiger Strafvollzug würde sich 
negativ auf die Resozialisierung von X. auswirken, da er sich in diesem Fall unko-
operativ und unmotiviert der ambulanten Massnahme unterwerfen würde und die 
Strafe „einfach absitzen“ würde. Die Rückfallgefahr würde derart erhöht, dass der 
Gesellschaft eine ambulante Massnahme mehr dienen würde als eine unbedingte 
Freiheitsstrafe.

Der Berufungsbeklagte legte, insbesondere zum Beweis seiner Alkoholab-
stinenz, anlässlich der Hauptverhandlung verschiedene Urkunden ins Recht: die 
Aufhebungsverfügung betreffend des Führerausweisentzugs des Strassenver-
kehrsamtes des Kantons Graubünden vom 13. Dezember 2004, das psychiatrische 
Gutachten vom 9. Dezember 2004 von B., Oberärztin in der Psychiatrischen N., 
zuhanden des Strassenverkehrsamtes des Kantons Graubünden sowie zwei Be-
richte der Hausärztin von X., C., H., welche bestätigen, dass die monatlich ermittel-
ten Blutwerte von X. seit Oktober 2003 einen chronischen Alkoholmissbrauch aus-
schliessen und, dass X. weiterhin monatlich zur Blutuntersuchung erscheine.

5. a) Nach Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann der Richter, wenn der Täter 
trunksüchtig ist und die von ihm begangene Tat damit in Zusammenhang steht, 
seine Einweisung in eine Trinkerheilanstalt, oder, wenn nötig, in eine andere Heil-

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anstalt anordnen, um die Gefahr künftiger Verbrechen oder Vergehen zu verhüten. 
Der Richter kann auch eine ambulante Behandlung anordnen. Wird eine ambulante 
Massnahme angeordnet, kann der Richter den Vollzug der Strafe mit der ambulan-
ten Massnahme verbinden oder aber den Vollzug der Strafe aufschieben, damit die 
ambulante Behandlung vorweg durchgeführt werden kann (Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 in 
Verbindung mit Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Gemäss der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts ist der Strafaufschub anzuordnen, wenn eine tatsächliche Aussicht auf 
erfolgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheits-
strafe erheblich beeinträchtigt würde. Die Therapie geht vor, wenn eine sofortige 
Behandlung gute Resozialisierungschancen bietet, welche der Strafvollzug klarer-
weise verhindern oder vermindern würde. Unter dem Gesichtspunkt des Gleich-
heitsgebots muss der Behandlungsbedarf um so ausgeprägter sein, je länger die 
zugunsten der ambulanten Therapie aufzuschiebende Freiheitsstrafe ist (BGE 129 
IV 161 ff. mit Hinweisen). Der Richter hat diesbezüglich ein psychiatrisches Gutach-
ten einzuholen (BGE 129 IV 163; BGE 116 IV 101 mit Hinweisen). Der Richter be-
urteilt im Rahmen von Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB den Einzelfall unter Berücksichti-
gung der erwähnten Grundsätze und aller konkreter Umstände, insbesondere von 
Notwendigkeit und Chancen einer Behandlung im Vergleich zu den Auswirkungen 
des Strafvollzugs sowie des Erfordernisses, Straftaten zu ahnden. Doch selbst 
wenn er zum Ergebnis gelangt, eine Behandlung sei wegen der Beeinträchtigung 
der Erfolgsaussichten vollzugsbegleitend nicht durchführbar, verlangt Art. 43 Ziff. 2 
Abs. 2 StGB nicht zwingend, den Vollzug der Freiheitsstrafe auch tatsächlich auf-
zuschieben. Denn nach der Lehre und Praxis kann es nicht der Sinn und Zweck des 
Gesetzes sein, sämtlichen Verurteilten, bei denen eine krankheitswertige behandel-
bare Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde, den Strafvollzug zugunsten einer 
ambulanten Massnahme zu ersparen. Vielmehr wollte der Gesetzgeber mit Art. 44 
Ziff. 1 Abs. 1 StGB einen Ausnahmefall statuieren. Wenn die Erfolgsaussichten der 
Therapie durch den Strafvollzug nicht erheblich gemindert werden, sind die Voraus-
setzungen für einen Strafaufschub deshalb grundsätzlich nicht erfüllt. Anders zu 
entscheiden hiesse, Straftäter mit therapierbaren Persönlichkeitsstörungen in ei-
nem dem strafrechtlichen Schuldprinzip und dem Gebot der Rechtsgleichheit nicht 
zu vereinbarenden Masse zu privilegieren (vgl. BGE 129 IV 167). 

b) Der Bezirksgerichtsausschuss Plessur erachtete die Voraussetzungen für 
einen Aufschub des Strafvollzugs im vorliegenden Fall als gegeben. Zumal das 
strafbare Verhalten von X. mit dem Konsum von Alkohol und der daraus entstande-
nen Abhängigkeit in direktem Zusammenhang stehe, wie sich aus dem Gutachten 
vom 29. Januar 2004 ergebe. Da X. sich jedoch in Bezug auf eine stationäre Be-

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handlung seiner Trunksucht unkooperativ und uneinsichtig zeige, sei eine ambu-
lante Massnahme (Alkoholabstinenz) anzuordnen. Zugunsten dieser ambulanten 
Massnahme sei der Strafvollzug im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB aufzu-
schieben. Mit dieser Auffassung setzte sich der Bezirksgerichtsausschuss ohne 
weitere Begründung über die Äusserungen und Empfehlungen der psychiatrischen 
Gutachterin hinweg. Denn die Expertin gelangte zum Schluss, dass der sofortige 
Vollzug einer Strafe mit der Fortsetzung der totalen Alkoholabstinenz und einer am-
bulanten psychotherapeutischen Begleitbehandlung vereinbar wäre. In Fachfragen 
darf nicht ohne triftige Gründe vom Gutachten abgewichen werden; wird abgewi-
chen, muss die Abweichung begründet werden (BGE 129 I 57, vgl. hinten E. 8 b).

c) Der Aufschub des Strafvollzugs gestützt auf Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Art. 43 Ziff. 2 StGB kommt nicht in Frage, wenn der Strafvollzug bedingt 
ausgesprochen wird (vgl. M. Heer, Basler Kommentar Strafgesetzbuch I, Ba-
sel/Genf/München 2003, Art. 43 StGB, N. 85). Denn bei einem Täter, der einer 
Massnahme unterworfen wird, sind die Voraussetzungen gemäss Art. 41 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB nicht gegeben. Eine günstige Prognose ist nicht möglich (P. Maier/F. Urba-
niok, Die Anordnung und praktische Durchführung von Freiheitsstrafen und Mass-
nahmen, Zürich 1998, S. 203). Deshalb ist vorliegend vorweg zu prüfen, ob die 
Strafe von der Vorinstanz zu Recht unbedingt ausgesprochen worden ist. Oder an-
ders gesagt: Kann dem Berufungsbeklagten eine günstige Prognose gestellt wer-
den, ist ihm der bedingte Strafvollzug zu gewähren, was einen Strafaufschub ge-
stützt auf Art. 44 Ziff. 1 StGB beziehungsweise eine ambulante Massnahme aus-
schliessen würde.

6. a) Nach Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann der Vollzug einer Freiheits-
strafe von nicht mehr als 18 Monaten aufgeschoben werden, wenn Vorleben und 
Charakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde dadurch von weiteren Verbre-
chen oder Vergehen abgehalten. Gemäss Abs. 2 der genannten Bestimmung ist 
der Aufschub einer Freiheitsstrafe von Gesetzes wegen nicht zulässig, wenn der 
Verurteilte innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat wegen eines vorsätzlich be-
gangenen Verbrechens oder Vergehens eine Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe von 
mehr als drei Monaten verbüsst hat. 

b) Die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Straf-
vollzugs sind bei X. erfüllt. So wird für den hier zu behandelnden Vorfall eine Strafe 
von weniger als 18 Monaten verhängt und X. hatte innerhalb der letzten fünf Jahre 
keine Freiheitsstrafe von mehr als drei Monaten zu verbüssen.

13

c) Wie ausgeführt, verlangt Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in subjektiver Hinsicht, 
dass Vorleben und Charakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde durch den 
Aufschub der Freiheitsstrafe von weiteren Verbrechen oder Vergehen abgehalten. 
Nach der früheren Rechtsprechung durfte einem angetrunkenen Fahrzeugführer 
nur mit grosser Zurückhaltung der bedingte Strafvollzug gewährt werden. Das Bun-
desgericht führte diesbezüglich aus, es sei allgemein bekannt, dass die Fahrtüch-
tigkeit schon durch geringe Mengen Alkohol beeinträchtigt werde. Bei jenen Motor-
fahrzeugführern, welche unbekümmert um dieses Wissen durch Angetrunkenheit 
am Steuer Leben und Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erheblich gefährden, 
könne somit auf eine rücksichtslose Gesinnung sowie auf einen Charakterfehler ge-
schlossen werden. Aus spezial- und generalpräventiven Gründen seien daher hohe 
Anforderungen an die Gewähr für künftiges Wohlverhalten zu stellen. So war etwa 
demjenigen, der innerhalb von zehn Jahren rückfällig wurde, der bedingte Strafvoll-
zug in der Regel zu verweigern. Das Bundesgericht ist nun aber von dieser stren-
geren Praxis abgerückt und hat festgehalten, dass bei der Gewährung oder Verwei-
gerung des bedingten Strafvollzugs auch beim Tatbestand des vorsätzlichen Fah-
rens in angetrunkenem Zustand die gleichen Kriterien wie bei den anderen Delikten 
zugrunde zu legen sind. Bei der Beurteilung der Bewährungsaussichten dürfe nicht 
aus generalpräventiven Überlegungen ein derart strenger Massstab angelegt wer-
den, dass angetrunkenen Fahrzeuglenkern der bedingte Strafvollzug von vorneher-
ein verschlossen bleibe (BGE 118 IV 97; PKG 1993 Nr. 24). Massgeblich sei somit 
in erster Linie der Grundsatz der Spezialprävention (BGE 118 IV 97). 

Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr 
bietet, ist eine Gesamtwürdigung der gesamten Umstände vorzunehmen. In die Be-
urteilung mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und 
der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter 
des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung 
des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Rele-
vante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Hinweise auf Suchtgefähr-
dung, allgemeines Verhalten und weitere. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse 
bis zum Zeitpunkt des Entscheides mit einzubeziehen (BGE 128 IV 198 f.). 

Unzulässig ist es jedoch, bei der Prüfung der nach Art. 41 Ziff. 1 StGB zu 
berücksichtigenden Umständen einzelnen eine vorrangige Bedeutung beizumessen 
und andere zu vernachlässigen oder überhaupt ausser Acht zu lassen, also etwa 
einseitig auf die Umstände der Tat abzustellen. Die Besonderheiten des Rückfalls 
und die Tatsache, dass ein Fahrzeugführer bei Trinkbeginn weiss, dass er später 

14

ein Fahrzeug führen wird, sind Umstände, die neben allen anderen bei einer Ge-
samtwürdigung zu berücksichtigen sind. Auch spielen die konkreten Umstände der 
früheren wie auch der neuen Trunkenheitsfahrt sowie die Dauer seit der früheren 
Tat respektive deren Beurteilung eine Rolle. Weiter kann bedeutsam sein, ob für die 
frühere Tat lediglich eine Busse oder aber eine Freiheitsstrafe ausgefällt worden ist 
und auf welche Dauer der Führerausweis entzogen worden ist (BGE 118 IV 101 = 
Pra 78 (1989), Nr. 257, S. 918 ff.). Mit anderen Worten müssen die genannten Um-
stände eine günstige Prognose zulassen. Die Besserungsaussichten müssen auf-
grund des Verhaltens und der Gesinnung des Verurteilten beurteilt werden. Es ist 
jedoch offensichtlich, dass sich selbst durch eine umfassende und intensive Aus-
einandersetzung mit der Täterpersönlichkeit keine absolut zuverlässige Zukunfts-
voraussage treffen lässt. Bei der Prüfung der günstigen Prognose im Sinne von Art. 
41 Ziff. 1 StGB steht daher die Frage im Vordergrund, unter welchen Voraussetzun-
gen einem Verurteilten trotz unsicherer Zukunftsaussichten Vertrauen geschenkt 
werden kann (vgl. P. Albrecht, Der bedingte Strafvollzug bei Alkohol am Steuer, SJZ 
1988, S. 101). Vermag der Richter begründetes Vertrauen zu gewinnen, so ist der 
Vollzug aufzuschieben. Der Richter muss von der Besserungsaussicht mit Begrün-
dung überzeugt sein. Schwankt er zwischen vager Hoffnung und Bedenken, so hat 
er kein Vertrauen auf eine Bewährung und er hat daher auf die Gewährung des 
bedingten Strafvollzugs zu verzichten (PKG 1993 Nr. 24). 

Wird befürchtet, eine bedingte Freiheitsstrafe vermöge den Verurteilten nicht 
genügend zu beeindrucken, so kann – wo das Gesetz wahlweise Freiheitsstrafe 
oder Busse androht – der Richter die beiden Strafen auch verbinden (Art. 50 Abs. 
2 StGB). Ebenfalls kann er den Verurteilten gemäss Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB 
unter Schutzaufsicht stellen oder ihm für sein Verhalten während der Probezeit be-
stimmte Weisungen erteilen. Dabei empfiehlt sich das Instrument der Schutzauf-
sicht besonders dann, wenn die Prognose günstig ist, jedoch einige Schwierigkeiten 
in der Bewährung vorausgesehen werden (vgl. R. M. Schneider, Basler Kommentar 
zum Strafgesetzbuch I, Basel/Genf/München 2003, Art. 41 StGB, N. 160 ff.). 
Schliesslich kann allfälligen Bedenken auch bei der Festsetzung der Dauer der Pro-
bezeit Rechnung getragen werden (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 StGB), indem die Probezeit 
um so länger bemessen werden soll, je höher die Gefahr des Rückfalls eingeschätzt 
wird (BGE 95 IV 122 ff.).

d) aa) Bei der Beurteilung der Frage, ob X. eine günstige Prognose gestellt 
werden und damit der bedingte Strafvollzug gewährt werden kann, sind einmal die 
Vorstrafen, welche er auf demselben Gebiet erlitten hat, zu berücksichtigen. Dabei 

15

können grundsätzlich auch Vorstrafen herangezogen werden, welche bereits im 
Strafregister gelöscht wurden (BGE 121 IV 9). Zu berücksichtigen ist demnach auch 
die Vorstrafe aus dem Jahre 1992. Am 21. Januar 1992 wurde X. vom Kreispräsi-
denten Davos unter anderem wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zu-
stand mit 25 Tagen Gefängnis bedingt und Fr. 500.- Busse bestraft. Am 17. Februar 
1994 wurde X. wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand, versuchter 
Vereitelung der Blutprobe, pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall sowie Verletzung 
von Verkehrsregeln zu 60 Tagen Gefängnis unbedingt und einer Busse von Fr. 
300.- verurteilt. Am 20. März 1997 wurde X. erneut wegen vorsätzlichen Fahrens in 
angetrunkenem Zustand, vollendetem Versuch der Vereitelung einer Blutprobe, 
Verletzung von Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall mit fünf 
Monaten Gefängnis unbedingt sowie mit einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 
44 Ziff. 1 StGB und Art. 43 Ziff. 2 StGB bestraft. Am 25. August 2003 lenkte X. 
wiederum einen Personenwagen in angetrunkenem Zustand, welche Fahrt Anlass 
des vorliegenden Verfahrens bildet. Zwar führt der verkehrsstrafrechtliche Rückfall 
nicht automatisch zu einer negativen Prognose bezüglich künftigem Wohlverhalten. 
Die erneute Tat bildet jedoch ein Indiz für die Uneinsichtigkeit des Fehlbaren und 
kann zusammen mit seinem Vorleben Anlass zu negativer Bewertung der 
Bewährungsaussichten geben (vgl. BGE 115 IV 81 f.). Erschwerend fällt sodann ins 
Gewicht, dass X. bei allen vier Vorfällen ein erheblicher Alkoholgehalt 
nachgewiesen werden konnte (1992 1,81 Gewichtspromille; 1994 1,54 
Gewichtspromille; 1997 2,25 Gewichtspromille; 2003 1,96 Gewichtspromille). 
Insbesondere aus den zwei unbedingten Gefängnisstrafen hätte X. seine Lehren 
ziehen müssen. Auch die diversen Führerausweisentzüge (1991/1992 für zwei 
Monate beziehungsweise drei Monate; 1993/1994 für 12 Monate beziehungsweise 
18 Monate; 1996 für unbestimmte Zeit, mindestens 24 Monate ab 1. Januar 1996) 
vermochten den Verurteilten nicht von einer erneuten Trunkenheitsfahrt abzuhalten. 
X. muss sich also eine gewisse Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit vorwerfen 
lassen, welche die Wirksamkeit einer erneuten Warnstrafe in Frage stellen.

bb) Auf den ersten Blick scheint auch das von den Psychiatrischen Diensten 
Graubünden über X. erstellte Gutachten vom 29. Januar 2004 gegen eine günstige 
Prognose bezüglich seinem künftigen Wohlverhalten zu sprechen. So wird festge-
halten, dass der Berufungsbeklagte trunksüchtig und uneinsichtig in seine Alko-
holabhängigkeit sei. Es wird deshalb empfohlen, dem Berufungsbeklagten eine 
mehrmonatige ärztlich kontrollierte Alkoholabstinenz zu verordnen und ihn unter 
Schutzaufsicht zu stellen. Im Falle einer über mehrere Monate dauernden, kontrol-
lierten Abstinenz kann die Gutachterin die dem Berufungsbeklagten gestellte un-

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günstige Prognose offensichtlich nicht aufrecht erhalten. So kommt die gleiche Gut-
achterin, B., Oberärztin in der Psychiatrischen N., gut ein Jahr nach ihrer ersten 
Begutachtung vom 29. Januar 2004 und nach mehrmonatiger Alkoholabstinenz des 
Berufungsbeklagten in ihrem Gutachten vom 9. Dezember 2004, welches sie zu-
handen des Strassenverkehrsamtes Graubünden erstellte, zum Schluss:

„unter Berücksichtigung der unauffälligen Laborwerte sowie den ana-
mnestischen Angaben des Expl. und der ebenfalls unauffälligen kör-
perlichen Untersuchung kann davon ausgegangen werden, dass der 
Expl. seit September 2003 eine totale Alkoholabstinenz eingehalten 
hat. Aus medizinischer Sicht kann aktuell keine Alkoholabhängigkeit 
diagnostiziert werden. Ausserdem wird im Gespräch deutlich, dass 
sich der Expl. mit seinem problematischen Verkehrsverhalten ausein-
andergesetzt hat und sich konkrete Strategien überlegt hat, wie er 
künftig das Führen von Fahrzeugen in angetrunkenem Zustand ver-
meiden kann. Die Ergebnisse der testdiagnostischen Untersuchung 
ergeben ebenfalls keine Hinweise auf auffällige Einstellungs- oder 
Verhaltensmuster in verkehrsspezifischen Bereichen. Es sind auch 
keine Bagatellisierungstendenzen erkennbar.“ 

cc) X. hat sich also nachweisbar bemüht, mit seinem bisherigen Lebenswan-
del abzuschliessen. Diesen Eindruck hat er auch vor Schranken glaubhaft vermittelt. 
X. zeigte Einsicht in das Unrecht seiner Tat und bereute seine Trunkenheitsfahrt. 
Auch haben der mehrmonatige Führerausweisentzug und die damit verbundenen 
Probleme bei der Bewirtschaftung des Bauernhofs beim Berufungsbeklagten offen-
bar einen starken Eindruck hinterlassen. In der Tat muss zu Gunsten des 
Verurteilten berücksichtigt werden, dass die Straftaten mit seiner Alkoholsucht in 
Zusammenhang standen und er seit dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall alko-
holabstinent lebt. So zeugt bereits die nunmehr 19 Monate dauernde Alkoholabsti-
nenz von X. von einem Umdenken. Er trinkt seit dem Unfall im August 2003, welcher 
Anlass für das vorliegende Verfahren bildet, keinen Alkohol mehr und lässt sein Blut 
freiwillig monatlich auf Alkoholmissbrauch kontrollieren. Diese Tests sind bisher al-
lesamt negativ bewertet worden. Es ist deshalb von einer stabilen und auch intrin-
sischen Abstinenzmotivation auszugehen, wie sich dem Gutachten vom 9. Dezem-
ber 2004 von B., Oberärztin in der Psychiatrischen N., zuhanden des Strassenver-
kehrsamtes des Kantons Graubünden sowie den zwei Berichten der Hausärztin von 
X., C., entnehmen lässt. 

dd) Zu Gunsten einer günstigen Prognose spricht auch, dass der Berufungs-
beklagte inzwischen seine Risikosituationen erkannt hat, das heisst, er nimmt we-
niger an gesellschaftlichen Anlässen teil, sondern verbringt seine Freizeit vorwie-
gend mit seiner Frau und den Kindern zuhause. Für den Fall, dass er ausgeht, hat 

17

er tragfähige Strategien entwickelt wie er die Gefahr einer Trunkenheitsfahrt zukünf-
tig verhindern kann, nämlich indem er auf den Konsum von alkoholischen Geträn-
ken vollständig verzichtet und sich im hypothetischen Fall eines Rückfalls mit dem 
Taxi nach Hause bringen lassen würde (vgl. dazu das Gutachten von B. vom 9. 
Dezember 2004, S. 7).

ee) Positiv ins Gewicht fällt zudem der gute Leumund des Verurteilten und 
seine Geständigkeit sowie, dass zwischen seinen beiden letzten 
Trunkenheitsfahrten mehr als fünf Jahre vergangen sind. Er hat in der Zwischenzeit 
eine Familie gegründet und den Landwirtschaftsbetrieb seines Onkels übernom-
men, welchen er mit seiner Frau zusammen selbständig führt. Im Winter ist er aus-
serdem zwischen zirka 11.00 Uhr und 16.00 Uhr als Skilehrer tätig. Von diesen per-
sönlichen und beruflichen Beziehungen darf eine stabilisierende Wirkung erwartet 
werden. X. hat vor Schranken glaubhaft dargestellt, dass sein Landwirtschaftsbe-
trieb auch mit einer Halbgefangenschaft nicht ohne fremde, bezahlte Hilfe aufrecht 
erhalten werden könnte. Beim Strafvollzug im Jahre 1997 habe er den Betrieb noch 
mit seinem Onkel zusammen geführt, so dass dieser morgens und abends das 
Nötige verrichten konnte. Heute führe er den Betrieb alleine mit seiner Frau. Seine 
Frau sei jedoch vorwiegend mit der Betreuung der beiden noch kleinen Kinder be-
schäftigt und könne die schweren landwirtschaftlichen Maschinen nicht lenken. Al-
lein der Führerausweisentzug im letzten Sommer sei ihm eine Lehre gewesen, sei 
es doch unmöglich gewesen, ohne fremde Hilfe das Heu einzuholen. Er werde des-
halb auch weiterhin alkoholabstinent leben, damit es nie mehr zu einer Trunken-
heitsfahrt mit ihren Konsequenzen kommen könne. 

ff) Zwar wiegen die negativen Punkte, vor allem die einschlägigen Vorstrafen, 
in der Gesamtwürdigung schwer, doch hat X. eingesehen, dass er stark alkoholge-
fährdet ist und hat sich freiwillig entschieden, alkoholabstinent zu leben, was sehr 
positiv zu werten ist. Kann aber mit dieser Therapie die Alkoholrückfallgefahr redu-
ziert werden, so bestehen aufgrund der übrigen Umstände, insbesondere des star-
ken Eindrucks, den der letzte Führerausweisentzug wegen der beruflichen Ein-
schränkungen bei ihm offenbar hinterliess, ausreichend Anhaltspunkte für ein künf-
tiges Wohlverhalten des Berufungsbeklagten (vgl. Urteil des Kantonsgerichtsaus-
schusses vom 18. Juni 2003 in Sachen G. F. M., SB 03 18). Sodann würde ein 
unbedingter Strafvollzug für ihn und seine Familie wegen der beruflichen Selbstän-
digkeit und den bedrängten finanziellen Verhältnissen der jungen Familie eine 
grosse Härte darstellen. Diese finanziellen und sozialen Konsequenzen gehen über 

18

die „normalen“ Unannehmlichkeiten hinaus, welche mit einem Strafvollzug immer 
verbunden sind. 

Daher kommt das Gericht unter Würdigung der gesamten Umstände zur 
Überzeugung, dass dem Verurteilten angesichts seiner beruflichen und familiären 
Situation sowie insbesondere, weil er seine Trunksucht seit dem 25. August 2003 
erwiesenermassen im Griff hat, also in der Zwischenzeit Einsicht in seine Alkohol-
suchtgefährdung beziehungsweise weniger Tendenzen zur Bagatellisierung zeigt, 
seine Risikosituationen kennt, begonnen hat, sich mit seinem Deliktsverhalten aus-
einanderzusetzen und eine konsistente Motivation in der Alkoholabstinenz zeigt so-
wie seine Tat bereut, eine günstige Prognose gestellt werden kann. X. ist aus diesen 
Gründen eine allerletzte Chance zu geben und der bedingte Strafvollzug kombiniert 
mit einer Schutzaufsicht und der Weisung, sich alkoholabstinent zu verhalten und 
seine Alkoholprobleme psychiatrisch behandeln zu lassen (vgl. dazu sogleich E. 7), 
zu gewähren. Die Dauer der Probezeit wird auf die maximal mögliche Dauer von 
fünf Jahren festgelegt. 

7. a) Der Richter kann gemäss Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB einem bedingt 
Verurteilten für sein Verhalten während der Probezeit bestimmte Weisungen ertei-
len, wie beispielsweise eine ärztliche Betreuung oder den Verzicht auf alkoholische 
Getränke. Die Weisung soll eine erzieherische, die Rückfallgefahr vermindernde 
Wirkung haben und den Täter zur Besinnung bringen (vgl. P. Meier/F. Urbaniok, Die 
Anordnung und praktische Durchführung von Freiheitsstrafen und Massnahmen, 
Zürich 1998, S. 63).

b) X. galt gemäss Gutachten vom 29. Januar 2004 als trunksüchtig und muss 
auch weiterhin als alkoholsuchtgefährdet eingestuft werden. Seine Suchterkran-
kung ist behandlungsbedürftig. Die Gutachterin empfiehlt eine komplette, ärztlich 
kontrollierte Alkoholabstinenz von mindestens 18 Monaten, eine psychotherapeuti-
sche Behandlung sowie, dass der Berufungsbeklagte unter Schutzaufsicht gestellt 
wird. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände, insbesondere in Anbetracht 
dessen, dass dem Berufungsbeklagten die Rechtswohltat des bedingten Strafvoll-
zugs gewährt wird, erscheint es vorliegend zwingend, dass der Berufungsbeklagte 
der Fortsetzung der begonnenen Alkoholtherapie bedarf. Die Gewährung des be-
dingten Strafvollzugs ist daher im Sinne von Art. 41 Ziff. 2 StGB mit der Weisung zu 
verbinden, dass X. während der Dauer der Probezeit eine von seiner Hausärztin 
kontrollierte Alkoholabstinenz einzuhalten und sich zweimal pro Jahr beim zustän-
digen Bezirksarzt zwecks Kontrolle dieser Alkoholabstinenz einzufinden hat. Aus-

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serdem hat er sich im Sinne des Gutachtens vom 29. Januar 2004 psychiatrisch-
psychotherapeutisch behandeln zu lassen. Diese Behandlung soll dem Verurteilten 
ermöglichen, sein Problembewusstsein zu stärken und neue, sinnvolle Verhaltens-
weisen im Umgang mit Alkohol zu lernen beziehungsweise die von ihm begonnene 
Auseinandersetzung mit seinem Verhalten fortzuführen und seine bereits unter Be-
weis gestellte Stabilität im Suchtbereich auszubauen. Zur Kontrolle der Einhaltung 
dieser Weisungen ist der Verurteilte unter Schutzaufsicht zu stellen.

8. Da der Kantonsgerichtsausschuss zum Schluss gelangt, dass die Vor-
aussetzungen zur Gewährung des bedingten Strafvollzugs in der vorliegenden An-
gelegenheit erfüllt sind und der Aufschub der Strafe zugunsten einer ambulanten 
Massnahme unter diesen Umständen ausgeschlossen ist (vgl. E. 5 c), erübrigt sich 
bei diesem Ausgang des Verfahrens die Auseinandersetzung mit der Frage, ob die 
Vorinstanz zu Unrecht den Aufschub der Strafe zugunsten einer ambulanten Mass-
nahme verhängt hat. 

a) Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle jedoch – wie die Staatsan-
waltschaft Graubünden zu Recht vorbringt - daraufhin hinzuweisen, dass die Vorin-
stanz ihre Beweggründe für die Gewährung eines Strafaufschubs zugunsten einer 
ambulanten Massnahme nicht angemessen dargelegt hat (vgl. zu den Vorausset-
zungen eines Strafaufschubs zugunsten einer ambulanten Massnahme oben E. 5 
a). Zumal die Expertin gemäss Gutachten vom 29. Januar 2004 (das Gutachten 
vom Dezember 2004 lag zum Zeitpunkt der Urteilsfällung des Bezirksgerichtsaus-
schusses noch nicht vor) die Auffassung vertrat, die ambulante Alkoholtherapie 
könne im Strafvollzug fortgeführt werden. Der gleichzeitige Vollzug schliesse den 
Erfolg nicht aus. Ebenso wenig wurde von der Gutachterin im Januar 2004 verfoch-
ten, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe günstige aktuelle Resozialisierungsaus-
sichten klarerweise zunichte machen oder deutlich mindern würde. Vielmehr kam 
sie zum Schluss, dass der sofortige Vollzug einer Strafe mit der Fortsetzung der 
totalen Alkoholabstinenz und einer ambulanten psychotherapeutischen Begleitbe-
handlung vereinbar wäre.

b) Gemäss Lehre und Praxis ist ein Gutachter, der zur Beantwortung gewis-
ser Fragen (vorliegend die Frage, ob der sofortige Strafvollzug mit den Erfolgsaus-
sichten einer ambulanten Massnahme vereinbar sei) beigezogen wird, zwar Gehilfe 
und nicht Richter (vgl. PKG 1994 Nr. 45). Die Würdigung des Gutachtens unterliegt 
der freien richterlichen Beweiswürdigung. Doch sind Abweichungen von der Exper-
tenmeinung in aller Regel nur dann zulässig, wenn deren Überzeugungskraft durch 

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gewichtige Tatsachen oder Indizien ernstlich gefährdet sind (W. Padrutt, Kommen-
tar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, S. 
231; M. Helfenstein, Der Sachverständigenbeweis im schweizerischen Strafpro-
zess, Diss., Zürich 1978, 254 f.). Das Bundesgericht hielt in BGE 101 IV 130 fest, 
dass der Richter, der mangels eigener Fachkenntnisse einen Experten beiziehe, 
zwar grundsätzlich in der Würdigung des Gutachtens frei sei. Allerdings dürfe er in 
Fachfragen von der Ansicht des Experten nur abweichen, wenn triftige Gründe vor-
lägen (so auch BGE 129 I 57). Mit anderen Worten dürfe der Richter nur dann von 
den Folgerungen eines Experten abweichen, wenn wirklich gewichtige zulässig be-
gründete Tatsachen oder Indizien deren Überzeugungskraft ernstlich erschüttern. 
Weiter führt es in BGE 101 IV 130 aus: „Der Richter wird namentlich dann von den 
Schlussfolgerungen des Gutachters abweichen dürfen, wenn dieser sich schon in 
seinem Gutachten widersprüchlich äussert oder bei einer nachfolgenden Einver-
nahme in wichtigen Punkten von der im Gutachten vertretenen Auffassung ab-
weicht. Dasselbe gilt, wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten zu anderen 
Schlussfolgerungen gelangt. Auch dort, wo ein Gutachten ausdrücklich auf be-
stimmte Akten oder Zeugenaussagen gestützt wird, deren Beweiskraft oder Gehalt 
vom Richter anders bewertet werden, ist dieser in seinem Entscheid weitgehend 
frei.“ Ebenfalls wird der Richter dann von den Schlussfolgerungen des Gutachters 
abweichen dürfen, wenn dieser für die Beurteilung wesentliche Umstände ausser 
Acht gelassen hat, wobei diesfalls wohl in den meisten Fällen die Einholung eines 
ergänzenden Gutachtens erforderlich sein wird. 

c) Im Lichte dieser Rechtsprechung darf der Richter deshalb erst nach erfolg-
ter gründlicher Auseinandersetzung mit der Expertenmeinung und nachdem er die 
Gründe für ein Nichtbefolgen der gutachterischen Ratschläge dargelegt hat, im Wi-
derspruch zur Expertenmeinung entscheiden. Diese Grundsätze hat die Vorinstanz 
nicht rechtshinreichend beachtet. Da der Kantonsgerichtsausschuss das vorin-
stanzliche Urteil jedoch bereits aus anderen Gründen aufhebt, spielt dies vorliegend 
keine Rolle mehr beziehungsweise kann offen gelassen werden, ob vorliegend im 
Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfällung (als erst das Gutachten vom 29. Januar 
2004 vorlag) genügend gewichtige Gründe vorgelegen haben, die ein Abweichen 
von der Auffassung der Gutachterin gerechtfertigt hätten.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Beru-
fungsverfahrens zu Lasten des Kantons Graubünden, welcher den Berufungsbe-
klagten zudem ausseramtlich angemessen zu entschädigen hat (Art. 160 StPO).

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird dahin entschieden, als die Ziffern 3 und 4 des angefoch-
tenen Urteils aufgehoben werden.

2. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer 
Probezeit von 5 Jahren.

3. X. wird im Sinne von Art. 41 Ziff. 2 StGB die Weisung erteilt, während der 
Dauer der Probezeit eine von der Hausärztin kontrollierte Alkoholabstinenz 
einzuhalten und sich zweimal pro Jahr beim zuständigen Bezirksarzt zwecks 
Kontrolle dieser Alkoholabstinenz einzufinden sowie sich psychiatrisch-psy-
chotherapeutisch im Sinne der Erwägungen behandeln zu lassen.

4. X. wird für die Dauer der Probezeit unter Schutzaufsicht gestellt.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden, welcher X. für das Berufungsverfahren mit Fr. 1'000.- 
zu entschädigen hat.

6. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

7. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: