# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc77a6ee-4e51-53c1-a1e4-eb7d2f9cd63e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-28
**Language:** de
**Title:** Beitragsstatut einer Coiffeuse bei Stuhlmiete, in casu als Selbständigerwerbende qualifiziert
**Docket/Reference:** AB.2017.00022
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AB.2017.00022.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AB.2017.00022
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiber Hausammann
Urteil
vom
28. September 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt David Zünd
AMPARO, Anwälte und Notare
Neugasse
26, Postfach 148, 9001 St. Gallen
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Y.___
Beigeladene
vertreten durch Rechtsanwalt Rémy
Ribbe
Bachmann Rechtsanwälte AG
Schulhausstrasse 14, Postfach, 8027 Zürich
Sachverhalt:
1.
X.___
meldete sich am
1.
April 2016 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, zur Registrierung als Selbständigerwer
bende an (
Urk.
8/1).
Am 2
5.
April 2016 teilte die Ausgleic
hskasse
X.___
sowie der Kollektivgesellschaft
Y.___
mit, dass
keine selbständige, sondern eine unselbständige Tätigkeit vorliege
(Urk.
8/5-6)
.
Nachdem der
Y.___
eine
einsprachefähige
Verfügung verlangt hatte (
Urk.
7
/
4
)
, wies die Ausgleichskasse den Anschluss und die Registrierung
von
X.___
als
Selbständigerwer
bende
mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2016 ab (
Urk.
8/17
-18
).
Hiergegen erhob der
Y.___
am 1
4.
September 2016 Einsprache (
Urk.
7/7)
. Mit Entscheid vom 1
6.
November 2016
zu Händen des
Y.___
hob die Ausgleichskasse die Ver
fügung vom 1
5.
Juli 2016 auf und schrieb die Einsprache vom 1
4.
September 2016 als gegenstand
slos geworden ab (Urk.
7/45).
Mit Schreiben vom 1
6.
Februar 2017 teilte die Ausgleichskasse
X.___
unter Beilage des Einsprache
entscheids vom 1
6.
November 2016 mit, dass sie rückwirkend vom
1.
März bis 3
0.
September 2017 als Selbständigerwerbende in die Kassenmitgliedschaft auf
genommen werde (
Urk.
8/22) und erhob mit Verfügung vom 2
1.
Februar 2017 für diese Periode «
Akontobeiträge
» aufgrund ihrer Selbstangaben (
Urk.
8/25). Hiergegen erhob
diese am 2
0.
März 2017 Einsprache
und beantragte, das Ein
spracheverfahren vorläufig z
u sistieren bis
zum Entscheid über die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 1
6.
November 2016
(Urk.
8/27).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
6.
November 2016
(
Urk.
7/45)
erhob
X.___
mit Eingabe vom 2
0.
März 2017 Besc
hwerde (
Urk.
1) und bean
tragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Qualifikation als
Unselbständigerwerbende (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Nichteintreten
, eventuell Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
6
, unter Beilage ihrer Akten [
Urk.
7/1-59,
Urk.
8/1-28])
, was der Beschwerdeführerin
mitgeteilt wurde (
vgl.
Urk.
9)
.
Mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2017 wurde der
Y.___
zum Prozess beigeladen
(
Urk.
9). D
ie
Beigeladene
nahm mit Eingabe
n
vom 1
6.
Oktober 2017 (
Urk.
13) und 1
4.
November 2017
, unter Beilage des Urteils und Beschlusses des Bezirksgerichts Winterthur, Arbeitsgericht, vom
6.
November 2017 in Sachen
X.___
gegen
Y.___
(
Urk.
19),
Stellung (
Urk.
18) und beantragte Nichteintreten, eventuell Abweisung
der Beschwerde
,
soweit auf
s
ie eingetreten werde (
Urk.
13 S. 2). Während die Beschwerdegegnerin auf eine wei
tere Stellungnahme verzichtete (
Urk.
22)
,
hielt die Beschwerdeführerin mit
Ein
gabe
vom 2
7.
November 2017 an ihren Anträgen fest (
Urk.
23)
, was den Parteien
mit Verfügung vom
1.
Dezember 2017
zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
26
)
.
Am 1
3.
September 2018 wurde eine
Rechtskraftsbescheinigung
beim Arbeitsge
richt Winterthur eingeholt (
Urk.
27), welche am 1
9.
September 2018 zu den Akten gereicht wurde (
Urk.
28-29).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1
.
1.1
In ihrer Beschwerdeantwort beantragte die Beschwerdegegnerin Nichteintreten, da es am Rechtsschutzinteresse fehle, die Beschwerdeführerin habe kein schutz
würdiges Interesse an der Aufhebung des Einspracheentscheids. Ihr Vorgehen entspreche einem
venire
contra
factum
proprium (
Urk.
6).
Die Beigeladene hielt dafür, der Beschwerdeführerin fehle es an der formellen Beschwer sowie an einem praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde der Beschwerdeführerin verschaffen würde (
Urk.
13 S. 6 und 9).
1.2
1.2.1
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren bezie
hungsweise dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Entsprechend dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens dürfen an die Beschwerdebefugnis auf kantonaler Ebene nicht strengere Anforderungen gestellt werden, als sie Art. 89 Abs. 1 BGG für die Legitimation im Verfahren vor dem Bundesgericht vorsieht. Wer im letztinstanzlichen Verfahren beschwerdebefugt ist, muss mithin im erst
instanzlichen Beschwerdeverfahren ebenfalls zum Weiterzug berechtigt sein. Daher sind die mit dieser Bestimmung gesetzten bundesrechtlichen Massstäbe sowie die hierzu ergangene Praxis auch für das kantonale Rechtsmittelverfahren richtungweisend (BGE 131 V 298 E. 2; 130 V 560 E. 3.2). Namentlich ist der Begriff des schutzwürdigen Interesses gemäss Art. 59 ATSG gleich auszulegen wie derjenige nach Art. 89 Abs. 1
lit
. c BGG für das bundesrechtliche Beschwer
deverfahren (BG
E 133 V 188 E. 4.1 mit Hinweis).
1
.2.2
Die Rechtsprechung betrachtet als schutzwürdiges Interesse im Sinne von
Art.
89
Abs.
1
lit
. c BGG jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einem Entscheid betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem
Entscheidadressaten
verschaffen würde, oder – anders ausgedrückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die von der beschwerde-führenden Person als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht übereinzu
stimmen. Immerhin wird verlangt, dass die Person durch den angefochtenen Ent
scheid stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beachtens
werten, nahen Beziehung zur Streitsache stehe (BGE 133 V 188 E. 4.3.1, 239
E.
6.2; 131 II 361 E. 1.2; 131 V 298 E. 3; 130 V 560 E. 3.3).
1.3
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin sowie der Beigeladenen ist die Beschwerdeführerin in
casu
formell beschwert,
da es um die AHV-rechtliche Qua
lifikation ihrer von März bis September 2016 ausgeübten Tätigkeit geht, wovon sie unmittelbar betroffen ist und woran die ursprüngliche Anmeldung als Selb
ständigerwerbende nichts ändert. Die Beschwerdeführerin hatte
sich mit der
Ablehnung ihres Gesuchs und der
Qualifizierung als Unselbständigerwerbende
offensichtlich
zufrieden
gegeben
und
ist
gegen die diesbezüglich erlassene Ver
fügung der Beschwerdegegnerin vom
1
5.
Juli 2016 (
Urk.
8/17)
nicht
vorgegan
gen
. Es war die Beigeladene, welche gegen diese Verfügung Einsprache erhob.
Darin liegt denn auch der Unterschied zum Sachverhalt im Beschluss vom 1
3.
Oktober 2016 im Verfahren Nr. ZL.2016.00138, weshalb dieser nicht einschlä
gig ist.
Auch wenn sich die Beschwerdeführerin am
1.
April 2016 (Urk.
8/1)
als Selbständig
erwerbende
angemeldet hatte,
ist
ihre Beschwerdeerhebung beim Sozialversicherungsgericht
nicht
als
widersprüchlich
es Verhalten (
venire
contra
factum
proprium) zu werten
. Nachdem sie die Qualifikation als Unselbständige akzeptiert hatte, blieb sie berechtigt,
gegen
den Wiedererwägungsentscheid
eben
falls rechtliche Schritte einzuleiten
. Die Gutheissung der Beschwerde würde der Beschwerdeführerin zudem auch einen praktischen Nutzen verschaffen, hat doch die Frage des Beitragsstatuts unter anderem weitreichende sozialversicherungs
rechtliche
und finanzielle
Auswirkungen auf die versicherte Person.
Sodann war der Entscheid der Beschwerdegegnerin, die Bes
chwerdeführerin als selbständig
Erwerbstätige zu qualifizieren
,
nicht bloss ein reiner Feststellungsent
scheid
. Mi
t dem Gesuch um Anschluss und Registrierung als Selbständigerwer
bende
wurde
nicht auf einen reinen Fests
tellungsentscheid abgezielt
, es
wurde
vielmehr beabsichtigt, ein Rechtsverhältnis mit der Beschwerdegegnerin einzuge
hen. Der Entscheid über ein solches Gesuch
ist somit
ohne weiteres als
rechtsge
staltend zu erachten
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 47/05 vom
3.
Mai 2006 E. 2.4.2)
.
1.4
Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde
einzutreten.
2.
2
.1
Die Beschwerdeführerin brachte in formeller Hinsicht – was
als Erstes
zu prüfen ist – vor, der
Einspracheentscheid
sei
nur schon deswegen aufzuheben, da die Einsprache
(der Beigeladenen)
nicht hätte als gegenstandslos geworden abge
schrieben werden dürfen, sondern
unter Aufhebung der dieser zugrundeliegenden Verfügung
hätte
gut
ge
heissen
werden müssen
(
Urk.
1 S. 6)
.
2.2
Mit der Einsprache wird eine Verfügung zwar - einem Rechtsmittel gleich - angefochten (BGE 125 V 121 Erw. 2a). Dabei bleibt jedoch die nämliche Verwal
tungsbehörde zuständig. Die Einsprache ist also kein
devolutives
Rechtsmittel, das die Entscheidungszuständigkeit an eine Rechtsmittelinstanz übergehen lässt. Vielmehr erhält die verfügende Stelle die Möglichkeit, die angefochtene Verfü
gung nochmals zu überprüfen und über die bestrittenen Punkte zu entscheiden, bevor allenfalls die Beschwerdeinstanz angerufen wird. Die Verwaltung nimmt in diesem Rahmen - soweit nötig - weitere Abklärungen vor und überprüft die
eigenen Anordnungen aufgrund des vervollständigten Sachverhalts. Bei Erhe
bung einer Einsprache wird das Verwaltungsverfahren erst durch den Einsprache
entscheid abgeschlossen, welcher die ursprüngliche Verfügung ersetzt. Es ist nicht zulässig, einen kassatorischen Einspracheentscheid zu erlassen, der sich darauf beschränkt, die vorausgegangene Verfügung wegen weiteren Abklärungsbedarfs aufzuheben. Die neuen Erhebungen sind vielmehr in die Beurteilungsgrundlagen eines reformatorischen,
instanzabschliessenden
Ein
spracheentscheids
einzubezie
hen
(BGE 131 V 407 E. 2). Grundsätzlich ist es indes zulässig, einen formellen Einspracheentscheid zu erlassen und die Einsprache als gegenstandslos geworden abzuschreiben, wenn der verfügende Versicherungsträger während des Ein
spracheverfahrens eine neue Verfügung erlässt (BGE 125 V 122 E. 3a).
Praxisgemäss ist eine Verfügung nicht nach ihrem (zuweilen nicht sehr treffend gefassten) Wortlaut zu verstehen, sondern es ist nach ihrem tatsächlichen recht
lichen Gehalt zu fragen (BGE 120 V 497). Insoweit kommt – vorbehältlich des Prinzips des Vertrauensschutzes – dem Wortlaut und dem formalen Erschei
nungsbild letztlich keine entscheidende Bedeutung zu (vgl. BGE 130 V 388 nicht publizierte E. 3.1, Urteil des Bundesgerichts C 266/03 vom 1
2.
März 2004; vgl. SVR 2004 ALV Nr. 16).
2.3
Mit dem Entscheid vom 1
6.
November 2016, welcher der Beschwerdeführerin unstrittig erst am 1
6.
Februar 2017 eröffnet wurde, qualifizierte die Beschwerde
gegnerin ihre Tätigkeit als Coiffeuse im Zeitraum März bis September 2016 als selbständige Erwerbstätigkeit und zog die Verfügung vom 1
5.
Juli 2016 (
Urk.
8/17) kassatorisch in Wiedererwägung, wobei die Aufnahme der Beschwer
deführerin erst am 2
1.
Februar 2017 «verfügt» wurde (
Urk.
8/25). Dem Gehalt nach entspricht der Einspracheentscheid einer Gutheissung der Einsprache der Beigeladenen. Angesichts dessen, dass vorgängig bzw. zeitgleich keine (separate) Wiedererwägungsverfügung erging, ist – wie die Beschwerdeführerin zutreffend ausführt – der Wortlaut von Dispositiv Ziffer 2 des Einspracheentscheides
nicht zutreffend
. Kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin als von dem Entscheid über das Beitragsstatut Mitbetroffene ins Einspracheverfahren hätte einbezogen werden müssen, weshalb – bei widersprechenden Anträgen – keine Abschreibung infolge Gegenstandslosigkeit (weil dem Antrag des Einsprechers verfügungsweise entsprochen wird), sondern ein (materieller) Einspracheentscheid hätte ergehen müssen. Wie die Beschwerdeführerin ausführte, hätte die Einsprache der Beigela
denen daher nicht als gegenstandslos geworden abgeschrieben werden dürfen. Der Einspracheentscheid ist jedoch seinem Gehalt nach auszulegen. Die Aufhe
bung des Entscheids und Rückweisung zu redaktionellen Zwecken führte zu einem formalistischen Leerlauf. Aus der mangelhaften Eröffnung des Einsprache
entscheids vom 1
6.
November 2016 erwuchsen der Beschwerdeführerin keine
Nachteile, das heisst sie wurde letztlich nicht der Möglichkeit, ein Rechtsmittel zu ergreifen, beraubt (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 9C_791/2010 vom 1
0.
November 2010 E. 2.2). Dem Antrag der Beschwerdeführerin, den Entscheid aus formellen Gründen aufzuheben, ist daher nicht zu folgen.
3
.
3.
1
Strittig und zu prüfen ist, ob die von der Beschwerdeführerin in den Räumlich
keiten der Beigeladenen ausgeübte Tätigkeit als Coiffeuse AHV-beitragsrechtlich als selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist.
3.2
Hierzu brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde im Wesentlichen vor, sie sei als unselbständig Erwerbstätige zu qualifizieren, wie dies bereits mit Ver
fügung vom 1
5.
Juli 2016 entschieden worden sei, da diverse Merkmale für eine unselbständige Tät
i
gkeit sprächen. Dazu zähle unter anderem die Zahlung von
Akontokosten
für die Herstellung gemeinsamer Werbeflyer, für Supervision, für eine Sachversicherung und für Kundenlektüre. Es habe zudem ein gemeinsamer Auftritt im Internet mit gemeinsamer Preisliste und Aufführung der Beschwerde
führerin als Teammitglied auf der Webseite des
Salon
s sowie eine gemeinsame Facebook-Seite bestanden. Die Beigeladene habe sodann Vorschriften bei der Inneneinrichtung und der Schaufenstergestaltung gemacht. Ferner habe sie sich ein Mitsprache- respektive Weisungsrecht bei der Werbung (
DeinDeal
-Gut
scheine, Zeitungsinserate) und dem Geschäftsauftritt vorbehalten. Die Beschwer
deführerin habe Telefonate im Namen des
Salon
s entgegen
genommen
und man habe gemeinsam Haarprodukte bestellt. Es sei bei EC-Zahlungen ausserdem ein Durchlaufkonto verwendet worden. Ganz generell habe der Aussenauftritt für Dritte nicht zum Schluss geführt, dass im
Salon s
elbständige
Coiffeusen
tätig seien. Die Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO sehe denn auch vor, dass eine Coiffeur-Stuhlmiete keine selbständige Tätigkeit sei (
Urk.
1).
3.3
Die Beigeladene führte aus, die von der Beschwerdeführerin bei der Beigeladenen ausgeführte Tätigkeit entsprechen einem Geschäftsmodell, welches bereits mit mehreren
Coiffeusen
in dieser Art durchgeführt und von der Beschwerdegegnerin bislang akzeptiert worden sei. Die Beschwerdeführerin beharre nur deshalb auf ihrem Standpunkt, da dies ihrer zivilrechtlichen Klagebegründung in einer arbeitsrechtlichen Streitigkeit vor dem Winterthurer Arbeitsgericht diene. Die Beschwerdeführerin sei als Selbständigerwerbende bei der Beigeladenen einge
mietet gewesen, sie habe ihre eigenen Preise festgelegt, einen eigenen Produkte
bestand gehabt, sich die Arbeits-, Ferien- und Freizeit selbständig eingeteilt und selber Kunden akquiriert sowie Einnahmen strikt getrennt abgerechnet. Die
Beschwerdeführerin habe das volle Unternehmerrisiko getragen, sie habe erheb
liche Investitionen in der Höhe von rund
Fr.
7'500.-- tätigen müssen, da nur das, was zum festen Inventar eines Coiffeur-Arbeitsplatzes gehöre, zur Verfügung gestellt worden sei. Hinsichtlich der Einnahmen und Ausgaben bestünden jeweils separate
Geschäftskonti
und jede Einzelfirma trage ihren eigenen Verlust. Es wür
den eigene Buchhaltungen geführt. Ein Inkasso- oder Delkredere-Risiko bestehe im
Coiffeurberuf
eher nicht, das Risiko der Zahlungsunfähigkeit eines Kunden trage die Coiffeuse jedoch selbst. Jede Coiffeuse trage ihren Anteil an den anfal
lenden Unkosten mittels Bezahlung eines
Akontos
. Sodann handle die Beschwer
deführerin in eigenem Namen und auf eigene Rechnung. Die Bezahlung erfolge der Einfachheit halber durch ein Durchlaufkonto bei Kartenzahlung. Der entspre
chende Betrag werde in vollem Umfang an die jeweilige Coiffeuse überwiesen. Die Beigeladene habe der Beschwerdeführerin nur deshalb die Werbung via die Online-Plattform deindeal.ch untersagt, da diese im Namen der Beigeladenen Inserate aufgeschaltet habe. Die Beschwerdeführerin sei ansonsten ganz alleine für ihre Werbetätigkeit und die
Kundenaquise
verantwortlich gewesen. Die Beschwerdeführerin habe sodann ihren eigenen Arbeitsplatz mit Schaft und Spind zur Verfügung gehabt. Ferner bestehe kein Abhängigkeitsverhältnis zu der Beigeladenen, sie sei frei in der Gestaltung ihres Pensums, der Arbeitszeit, ihrem Angebot und der Preise gewesen. Die wenigen Pflichten, die bestanden hätten, ergäben sich aus der gemeinsamen Nutzung einer Geschäftsräumlichkeit. Es sei auch klar eine Abgrenzung zwischen dem bestehenden
Salon
und der Beschwer
deführerin erkennbar gewesen. So sei sofort nach Arbeitsaufnahme einer neuen Coiffeuse jeweils deren Name am Schaufenster angeschrieben worden. Bei den
Akontokosten
für Flyer handle es sich um einen nie hergestellten Flyer, welcher sämtliche
Coiffeusen
hätte aufführen sollen, um die Popularität des Geschäftslo
kals nutzen zu können. Eine Supervision sei nicht geplant gewesen und es habe auch nie eine gegeben, es seien Mediationskosten bei allfälligen Streitigkeiten gemeint gewesen. Bei den geteilten Kosten handle es sich um die Nutzung von Synergien zur Aufteilung des Aufwands und keineswegs um Weisungsgebunden
heit gegenüber der Beigeladenen. Des Weiteren sei es erforderlich gewesen, einen einheitlichen Aussenauftritt zu haben, so seien auch alle
Coiffeusen
als Teammit
glieder auf der Webseite des
Salon
s aufgeführt gewesen. Die
Coiffeusen
sähen sich tatsächlich als Team im Sinne der gemeinsamen Führung eines
Coiffeur
salon
s
durch verschiedene Selbständige. Die gemeinsame Facebook-Seite diene der gemeinsamen Bekanntmachung des Salons. Es gehe aus der Facebook-Seite jedoch klar hervor, dass es sich um selbständige Stylistinnen handle (Urk. 13).
4.
4.1
Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwerbstätiger richtet sich unter anderem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkom
men als solches aus selbständiger oder aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und 9
des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlas
senenversicherung [AHVG]
sowie Art. 6 ff.
der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV]
). Nach Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massge
bender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit; als Einkommen aus selbständiger Erwerbstä
tigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt.
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirtschaft
licher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zutage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE
144 V 111 E. 4.2,
123 V 161 E. 1, 122 V 169 E. 3a, 283 E. 2a, 119 V 161 E. 2 mit Hinweisen).
4.2
Selbständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall dann vor, wenn der Beitrags
pflichtige durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selbstorgani
sation und nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruch
nahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegenleistungen abgegolten wird (BGE 115 V 161 E. 9a). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die Tätigung erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäftsräum
lichkeiten sowie die Beschäftigung von eigenem Personal charakteristische Merk
male einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die der
Versicherte selber zu tragen hat. Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszu
gehen, wenn die für den Arbeitsvertrag typischen Merkmale vorliegen, das heisst wenn der Versicherte Dienst auf Zeit zu l
eisten hat, wirtschaftlich vom «
Arbeit
geber
»
abhängig ist und während der Arbeitszeit auch in dessen Betrieb einge
ordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Notwendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten, sowie das
Angewiesensein
auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko des Versicherten erschöpft sich diesfalls in der (alleinigen) Abhängigkeit vom persönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine äh
nliche Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust eines Arbeitnehmers der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c mit weiteren Hinweisen).
4.
3
Gemäss der
Wegleitung über den
massgebenden
Lohn in der AHV, IV und EO (WML
; g
ültig
ab
1.
Januar
2008; Stand:
1.
Januar
2018)
gehören z
u den
Arbeit
nehmenden
im
Coiffuregewerbe
Fest- und Teilzeitangestellte sowie sogenannte
«
Untermieter(innen)
»
von Frisierstühlen
, was insbesondere dann gilt, wenn die Mieterin nicht über die Einrichtung frei verfügen kann wie in eigenen Geschäfts
räumlichkeiten
(
Rz
.
4416, vgl. ZAK 1978 S. 507 f.
; vgl. im Übrigen auch die
WML
, worin die Erwerbstätigkeit in unselbständiger Stellung in Ziff. 2.4 umschrieben wird
)
.
5.
Dem Untermietvertrag zwischen den Parteien vom 2
9.
Januar 2016 (
Urk.
3/1
8
) kann
unter anderem
entnommen werden, es
würden
der Untermieterin durch die Beigeladene ein Frisierplatz inklusive Frisierstuhl und
Produkteschaft
, ein Farb
gestell und ein abschliessbares
Spindfach
überlassen (Ziffer 1.1). Der Untermiete
rin
stünden
der Gemeinschaftsraum, die Küche (inklusive Kühlschrank und Waschmaschine), die Waschstationen und ein
Klimazon
zur Mitbenützung zur Verfügung (Ziffer 1.2). Die Untermieterin miete das Mietobjekt als selbständige Hairstylistin (Ziffer 2.1). Der Untermietvertrag bedürfe zur Zweckänderung des Einverständnisses de
r
Untervermieter
in
(Ziffer 2.2). Der Mietzins betrage monat
lich
Fr.
900.-- (Ziffer 4.1). Zusätzlich leiste d
ie
Untermieter
in
für die anfallenden Betriebs- und Nebenkosten folgende monatliche Zahlungen
akonto
:
Fr.
400.-- für Reinigung, Betriebsbedarf (Kaffee, Reinigungsmittel, Büromaterial usw.), Strom- und Wasserverbrauch, Abfallgebühren, Sachversicherung, Kundenlektüre, Flyer und allfällige Supervision (Ziffer 4.2). Ziffer 7 enthält folgende Bestimmung: gemeinsamer Auftritt: Beschriftung des Arbeitsplatzes (Schablone für Vorname und Name), Beschriftung des Schaufensters (Vorname, Name und Telefonnum
mer) und Internetauftritt (Fotoaufnahme, Beschreibung der Person und der Pro
dukte) seien inte
g
rierter Bestandteil des gemeinsamen Auftritts und gingen zu Lasten de
r
Untermieter
in
(Ziffer 7.1). Werbung und Geschäftsauftritt de
r Unter
mieterin
lägen in
ihrer
Eigenverantwortung und müss
ten den Qualitätsanforde
rungen der Beigeladenen
entsprechen (Ziffer 7.2)
.
Ziffer 13 regelt, dass die Ein
richtung Eigentum der Beigeladenen sei und der Salon nicht verändert werden dürfe
.
6.
6.1
Vorwegzuschicken ist,
dass das
Arbeitsgericht
Winterthur mit
mittlerweile rechts
kräftigem
Urteil
und Beschluss
vom
6.
November 2017
(
Urk.
29)
das Vorliegen eines Arbeitsvertrags verneint hatte
(Urk. 1
9
)
. Dieses Urteil ist
im vorliegenden Zusammenhang
nicht
präjudizierend
.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh
rerin ist als formales Kriterium genau so wenig massgebend, mit welchem Unter
nehmenszweck die Beigeladene im Handelsregister
eingetragen ist
, wie die Bezeichnung des Vertrages zwischen den Parteien.
Vielmehr ist die Frage, ob
eine
selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, in Bezug auf die kon
krete Tätigkeit einzeln nach Massgabe der AHV-rechtlichen Kriterien (Unterneh
merrisiko und Abhängigkeitsverhältnis
; vgl. E.
4.2
hievor) zu beurteilen.
6.2
6.2.1
Was das
Kriterium des Unternehmerrisikos
betrifft, ist dieses zwar als geri
ng ein
zustufen, hat die Beschwerdeführerin
als Coiffeuse
doch naturgemäss keine bedeutenden Investitionen zu tätigen. Wie die
Beschwerdeführerin
jedoch aus
führte, betrug die Anfangsinvestition
unstrittig
rund
Fr.
7'500.--
(
Urk.
13/17)
.
In der Anmeldung als Selbständigerwerbende
gab
d
ie
Beschwerdeführerin
an,
die Anfangsinvestitionskosten
hätten
Fr.
20'000.-- betragen
(
Urk.
3/4 S. 2).
Von Seiten der Beigeladenen wurde
der Beschwerdeführerin
ein Frisierplatz, bestehend aus einem Frisierstuhl sowie einem
Produkteschaft
mit Spiegel, ein Lagerabteil für die eigenen Produkte und ein abschliessbarer Spind
zur Verfügung gestellt
. Der Gemeinschaftsraum, die Küche und die Waschstationen standen zur Mitbenutzung zur Verfügung.
Die Beigeladene brachte diesbezüglich vor, dass a
lles, was sonst noch zur Ausübung des
Coiffeurberufs
notwendig
sei
, die Beschwerdeführerin
sich habe selber anschaffen müssen, so unter anderem
wich
tige Arbeitsgeräte und -produkte
, wie Scheren, Pinsel, Fön,
«
Boy
»
, sowie die von der Beschwerd
eführerin verwendeten Produkte
(vgl.
auch die Feststellungen im
Urteil des Arbeitsgerichts Winterthur AN160011 vom
6.
November 2017 E. 4.1
[
Urk.
19]
)
.
Als zusätzliche Anfangsinvestition
fielen laut der
Beigeladene
n
Wer
bemassnahmen, die Beschriftung des Schaufensters und des Arbeitsplatzes
an
.
Es bestand
brancheninhärent
ein nur mässiges
Verlust- sowie Inkass
o
- und Del
kredererisiko
. Es
erscheint
stimmig
und wurde
auch
nicht bestritten, dass die Beschwerdeführerin im Falle von Zahlungsunfähigkeit eines Kunden den Verlust der Einnahmen
p
ersönlich
und in vollem Umfang
zu tragen
hatte
. Es bestanden sodann fixe Betriebskosten
(Unkostentragung)
, wobei laut der Aufstellung zur Aufteilung der gemeinsam anfallenden Kosten (
Urk.
14/25) eine klare Trennung zwischen den Unternehmerinnen zu erkennen ist.
Sodann wurde
untermietver
traglich
die Leistung von
Akontozahlungen für diverse Fixkosten verabredet
(
Urk.
3/18)
.
Im arbeitsrechtlichen Verfahren anerkannte die Beschwerdeführerin, in eigenem Namen und auf eigene Rechnung gehandelt zu haben
(Urk.
19 S. 12).
6.2.2
Als weiteres Kriterium für das Tragen des Unternehmerrisikos gilt das Beschaffen von Aufträgen, ein allfälliges Beschäftigen von Personal und das
Verfügen
über eigene Geschäftsräumlichkeiten. Während Letzteres
und
das Beschäftigen von Personal bei der Stuhlmiete in einem
Coiffeursalon
nicht als entscheidendes
Unterscheidungsk
riterium
geeignet schein
t
,
ist aktenkundig,
dass die Beschwer
deführerin teilweise Termine ihrer Co-
Coiffeusen
übernommen hatte
(
Urk.
24/49). Ob die
Coiffeusen
sich gegenseitig Kunden zuhielten
und es
zu einer Durchmi
schung des Kundenstammes kam
und insbesondere
ob die Beschwerdeführerin
von der Beigeladenen
angewiesen wurde
– was auch im Rahmen der Prüfung des Vorliegens eines Subordinationsverhältnisses zu berücksichtigen ist –
, auch Kun
den der weiteren
Coiffeusen
zu bedienen, ist gestützt auf die Akten und zufolge bestrittener Angaben nicht abschliessend beurteilbar
.
Jedenfalls ist eine solche Pflicht dem Vertrag vom 2
9.
Januar 2016 nicht zu entnehmen.
Aus den von der Beschwerdeführerin eingereichten (unvollständigen) Auszügen aus ihrer Agenda (
Urk.
24/29) ergibt sich, dass
sie
während der sechsmonatigen Tätigkeit bei der Beigeladenen lediglich zehn Kundentermine für die Gesellschafterinnen der Bei
geladenen übernommen
hatte
. Damit erscheinen die Ausführungen der Beigela
denen nachvollziehbar, dass es sich um das Vermitteln einzelner Termine, insbe
sondere in Ausnahmesituationen, gehandelt hat. Würde es sich um eine grössere Zahl an Kundenterminen handeln, so ist davon auszugehen, dass die Beschwer
deführerin
eine Kopie der gesamten
Agenda zu den Akten gereicht hätte. Aus einer Edition der Kundenbücher/Agenda der Beigeladenen beziehungsweise deren Gesellschafterinnen sind keine massgebenden weiteren Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet wird.
Somit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihren eigenen Kundenstamm pflegte.
6.2.3
Bezüglich Tätigkeiten, für deren Ausübung weder besondere Investitionen erfor
derlich noch Angestelltenlöhne zu bezahlen sind
(so namentlich für Tätigkeiten
im Dienstleistungsbereich
)
, hat das damalige Eidgenössische Versicherungsge
richt (heute Bundesgericht) festgestellt, dass das Unternehmerrisiko als Unter
scheidungsmerkmal gegenüber dem Kriterium der
betriebswirtschaftlich-arbeits
organisatorischen Abhängigkeit in den Hintergrund
tritt  (
BGE 110 V 72).
Auch vorliegend kommt es daher für die Frage, ob eine selbständige oder unselb
ständige Er
werbstätigkeit vorliegt, nicht
massgebend auf das Unternehmerrisiko an. Vielmehr ist entscheidend, ob eine betriebswirtschaftliche bzw. arbeitsorga
ni
satorische Abhängigkeit besteht.
6.3
6.3.1
Bezüglich der arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit
– abgesehen von der Tatsa
che, dass beim Abschluss eines Untermietvertrags
ohnehin aufgrund der Natur des Vertrags
ein grundsätzliches Machtgefälle beziehungsweise Abhängigkeit zwischen dem Untervermieter und dem Untermieter besteht –
ist
zunächst fest
zustellen, dass
e
ine gewisse auf unselbständige Erwerbstätigkeit hindeutende arbeitsorganisatorische Integration in den Betrieb insoweit auszumachen
ist
, als
untermietvertraglich unter dem Punkt Untermieterwerbung
zwischen einem gemeinsamen
Auftritt und ein
em
individuelle
n
Auftritt
unterschieden
wurde
(vgl.
E. 5)
. Die Beigeladene machte diesbezüglich
der Beschwerdeführerin
hin
sichtlich der Beschriftung des Arbeitsplatzes und des Schaufensters
Vorschriften
und g
ab
vor, wie der Internetauftritt aus
gestaltet zu sein hat
te
(Urk.
3/
18
).
Die Beigel
adene führte diesbezüglich
jedoch
überzeugend aus, es mache keinen Sinn, wenn jede der Untermieterinnen ihre
n
Arbeitsplatz
ohne Rücksicht auf das Gesamtbild gestalte
, die Natur der Sache,
nämlich,
dass die Untermieterinnen zwar ihren eigenen Arbeitsplatz h
aben
, aber keine eigenen abgetrennten Räum
lichkeiten, bedinge eine gewisse Einheitlichkeit im Erscheinungsbild, was nicht von einem Abhängigkeitsverhältnis zeuge
, sondern
den Willen ausdrücke,
ein attraktives Lok
al mit Wiedererke
nnungswert
zu
schaffe
n
, wozu auch
die trendige
Bezeichnung und
das a
nsprechende Logo
passten
(
Urk.
13 S. 34).
Es ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin in eigenem Namen Werbung für ihre Tätigkeit machte und ein Sonderangebot über die Webseite deindeal.ch auf
geschaltet und auf ihren Namen lautende Gutscheine ausgestellt hat (Urk. 14/34). Wie bereits das Arbeitsgericht Winterthur in seinem Urteil vom 6. November 2017 festgestellt hat, machte die Beigeladene der Beschwerdeführerin gewisse Vor
schriften bei ihrer Werbetätigkeit (vgl. E. 4.1 des besagten Urteils [
Urk.
19]). Wenn die Beigeladene der Beschwerdeführerin jedoch untersagt hat, weitere gleichartige
DeinDeal
-Angebote, wie das bei den Akten liegende (
Urk.
14/34) aufschalten zu lassen, so ist darin keine Weisungsbefugnis bezüglich der Werbetätigkeit im Generellen zu sehen. Vielmehr – wie die Beigeladene stimmig ausführte – vertrat
die Beigeladene die Ansicht, die Beschwerdeführerin habe in ihrem
DeinDeal
-Angebot nicht klargestellt, dass es sich nicht um ein Angebot des
Coiffuresalons
sondern nur der Beschwerdeführerin persönlich handelte, weshalb für Dritte der Eindruck entstehen konnte, dass alle
Coiffeusen
, welche in den Räumlichkeiten der Beigeladenen arbeiteten, diesen Deal anböten, was – wie ausgeführt wurde – gerade nicht der Fall war. Anzumerken ist diesbezüglich, dass im Angebot auf deindeal.ch ausdrücklich die Beschwerdeführerin als Vertragspartnerin genannt und auch einzig deren Telefonnummer als Kontaktnummer angegeben wurde.
Die festgestellten Weisungsbefugnisse erweisen sich somit als untergeordneter Natur.
6.3.2
Den
mietvertraglich vereinbarten,
punktuellen Weisungsbefugnissen der Beigela
denen gegenüber der Beschwerdeführe
rin sind die Elemente gegenüber
zustellen, welche nicht auf ein betriebswirtschaftliches
und arbeitsorganisatorisches Abhängigkeitsverhältnis schliessen lassen
(damit übereinstimmend das Urteil des Arbeitsgerichts Winterthur vom
6.
November 2017 [
Urk.
19 S. 13 f.])
.
Untermietvertraglich wurde weder ein Konkurrenzverbot
noch
die Pflicht zur per
sönlichen Aufgabenerfüllung
vereinbart
.
Den arbeitsgerichtlichen Feststellungen ist zur Ausgestaltung der vertraglichen Beziehung zwischen der Beschwerdefüh
rerin und der Beigeladenen sodann zu entnehmen, es habe keine Probezeit bestanden, es habe keine Vereinbarung über Ferien gegeben und die Beigeladene habe keine Personalakte geführt (
Urk.
19 S. 14).
Das Arbeitsgericht stellte fest,
es sei
nicht
geltend gemacht w
orden
, es hätten feste Arbeitszeiten,
K
ontrolle
n
der Arbeitszeit, eine Pflicht der Beschwerdeführerin zum regelmässigen Erscheinen
oder
die Pflicht, ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen
, bestanden
(
Urk.
19
S.
13).
Es gibt keinen Grund, in
casu
zu einem anderen Schluss zu gelangen.
Die Beigeladene muss sich
aber
immerhin vorhalten lassen, auf ihrer Webs
e
ite keine individuellen Öffnungszeiten veröffentlicht zu haben, sondern solche, welche den Eindruck erwecken, für den gesamten Salon und alle Untermieterinnen Geltung zu haben (
Urk.
3/19/8).
Die Beschwerdeführerin war laut den Akten
bei der Gestaltung ihrer Dienstleistungsp
reise selbständig. Bei der
aufliegenden Ange
bots-/Preisliste (Urk.
3/19 S. 2) ist
mit der Beigeladenen davon
auszugehen, dass es sich um eine Übersicht über die im
Coiffuresalon
angebotenen Preise
ge
handelt
hatte
. Hierfür spricht insbesondere die Formulierung «ab
xy
CHF», was
offen lässt
, dass die einzelnen
Coiffeusen
den effektiven Preis jeweils individuell verhandeln
können
.
Einzig
bezüglich des Haarschnitts für Kinder und Teenager
sowie weitere Dienstleistungen wurden
in der Preisliste fixe Preise
bzw. ein fixer Stundenlohn genannt
(vgl.
Urk.
3/19 S. 2)
.
N
icht
als Zeichen eines
Abhängigkeitsverhältnis
ses ist sodann
Ziffer 2 des Unter
mietvertrags (
Urk.
3/
18
)
zu interpretieren
, worin festgehalten wurde, dass eine Zweckänderung nur im Einverständnis mit de
r
Untervermieter
in
vorgen
ommen werden darf (
Urk.
3/15 S.
26).
Diese Vorschrift
ist dem Miet- bzw. Pachtverhältnis zuzuordnen und dort nicht unüblich
und zeugt nicht von einer Unterordnung
hinsichtlich der Tätigkeit
.
Dass die Beschwerdeführerin Akontozahlungen
für diverse Fixkosten
zu leisten hatte, ist für eine Untervermietung eine
r
(
Geschäfts
-)R
äumlichkeit
nicht unge
wöhnlich, fallen doch unter die vereinbarten Nebenkosten die Reinigung, der Betriebsbedarf (Kaffee, Reinigungsmittel, Büromaterial etc.), die Strom- und Warmwasserkosten, Abfallgebühren, eine Sachversicherung, Kosten für Kunden
lektüre und Flyer sowie eine allfällige Supervision
(vgl. E. 5)
.
Die Beschwerde
führerin vermag aus der Zusammensetzung
der Neben- und Betriebskosten nicht
abzuleiten,
dass zwischen der Beschwerdeführerin und der Beigeladenen ein Unterordnungsverhältnis
respektive eine arbeitsorganisatorische Eingliederung in den Betrieb der Beigeladenen
bestanden hatte. Zwecks effiziente
n
Wirtsch
a
ften
s
macht es durchaus Sinn,
wenn
gewisse Produkte, wie beispielsweise
die
Kunden
lektüre
, gemeinsam
an
ge
schaff
t werden
.
Gleiches gilt auch für
den allfälligen
Druck von Flyern
und die Versicherung der
den Untermieterinnen zur Verfügung gestellten
Innen
ein
richtung
(
Urk.
13 S. 33-34)
.
Wenn die Beschwerdeführerin aus der Ausgestaltung der Webs
e
ite ableiten möchte, die Tatsache, dass sie als Teil des «Team fürs Haar» aufgeführt sei, sei ein Indiz dafür, dass sie
als Teammitglied in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Bei
geladenen
ge
stand
en hatte
,
vermag dies nicht zu überzeugen. Vielmehr sind die
je separat
aufgeführten Telefonnummern
und die angelegten
Webseiten-
Profile der Hairstylistinnen
als
Hinweis auf eine
klare Abgrenzung voneinander
zu deu
ten
und somit auf
s
elbständig
es Handeln
.
Dies
ergibt sich auch aus der
Ausge
staltung des Schaufensters, auf welchem analog zur Webs
e
ite die persönlichen Telefonnummern der Hairstylistinnen aufgeführt sind (
Urk.
3/22,
Urk.
3/24
,
Urk.
14/37,
Urk.
14/39
).
Die Beschriftung des Schaufensters hat die Beschwerde
führerin sodann selber finanziert (
Urk.
14/22).
I
n Bezug auf das Vereinbaren von Terminen
bestand
kein gemeinsames Sekretariat
(Urk.
3/19 S.
3).
Gestützt auf die Ausgestaltung der Webs
e
ite der Beigeladenen kann denn auch nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin sei nicht in eigenem Namen aufgetreten. Die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin
ging zunächst noch aufgrund
der Adressierung von Sendungen an die Beschwerde
führerin
davon aus
, dass diese gegenüber Dritten nicht i
m
eigene
n
Namen auf
getreten sei (
Urk.
3/19 S. 4). Den sich in den Akten befindlichen Beispielen ist zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin gewisse Produkte zu sich nach Hause liefern liess, teilweise den Salon als Adressatin angab und teilweise den Salon als Lieferadresse angab, die Sendung
sich
jedoch zu ihren Händen zuschicken liess (
Urk.
3/19 S. 5). Die Beschwerdeführerin trat somit gegenüber Dritten
zwar nicht immer identisch, aber
durchaus in eigenem Namen auf.
Hinsichtlich der Eigen
verantwortung bei der Ausstellung von Gutscheinen und der Regelung der Zah
lungsmodalitäten ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin eigenmächtig Gutscheine in ihrem eigenen Namen ausgestellt hat und überdies Zahlungen per EC-Karte direkt mit ihrer Pe
rson verknüpft waren und
ihrem per
sönlichen
Konto zugewiesen wurden (
Urk.
3/19 S.
7
,
Urk.
14/26-28
)
.
Das über
wiegend nach aussen hin sichtbare Auftreten in eigenem Namen stellt denn auch der massgebliche Unterschied zum im Entscheid ZAK 1978 S. 507 zu beurteilen
den Sachverhalt dar.
6.4
Z
usammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin zwar das Logo der Geschäftsadresse gebrauchte bzw. mitaufführte, nach aussen hin gegenüber Kun
den wie Lieferanten jedoch unter eigenem Namen in Erscheinung trat, und dass weder hinsichtlich Integration in die Arbeitsorganisation noch hinsichtlich Sub
ordination ein im AHV-rechtlichen Sinne massgebliches Mass vorlag. Die Beschwerdeführerin war hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsgestaltung, Dienstleis
tungsangebot und Produktewahl frei, für ihren Kundenstamm selber verantwort
lich, zu einem grossen Teil auch in der Preisgestaltung frei, und trug – soweit in diesem Bereich existent – in Form von Fixkosten ein gewisses Unternehmerrisiko. Die Weisungsbefugnis der Beigeladenen – soweit vorhanden – beschlug nicht die Tätigkeit als solches und ging nicht über Massnahmen zur Wahrung eines ein
heitlichen Auftritts im Geschäftslokal oder im Rahmen jedes Mietverhältnisses übliche Anweisungen hinaus. Damit ist der Entscheid der Beschwerdegegnerin, die von März bis September 2016 ausgeübte Tätigkeit gestützt auf den Vertrag vom 2
9.
Januar 2016 als selbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren, nicht zu beanstanden.
7.
Diese Erwägungen führen zur
Abweisung der Beschwerde.
8.
8.1
Soweit Beigeladene aktiv am Verfahren teilnehmen, trifft sie auch eine allfällige Kostenpflicht (Melchior Volz, in: Zünd/Pfiffner
Rauber
, Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer, 2. Auflage, Zürich 2009, N 33 zu
§ 14 GSVGer). Umgekehrt haben sie, soweit obsiegend und anwaltlich vertreten, Anspruch auf Prozessentschädigung (Volz, a.a.O., N 34 zu § 14 GSVGer).
8.2
Der obsiegenden Beigeladenen steht somit gegenüber der unterliegenden Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung zu, die nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert zu bemessen ist, und die angesichts ihrer Eingabe
n
vom 1
6
.
Oktober und 1
4.
November 2017
(Urk. 1
3,
Urk.
18
) auf Fr.
2'600.
-- festzusetzen ist (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdeführerin wird
verpflichtet,
der Beigeladenen
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2’600
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt David Zünd
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Rechtsanwalt Rémy
Ribbe
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHausammann