# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c51859dd-ef44-5d30-8968-92f8df22e9ed
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsrekurskommission 09.09.2010 I/1-2009/124
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VWEK_001_I-1-2009-124_2010-09-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: I/1-2009/124

Stelle: Verwaltungsrekurskommission

Rubrik: Abgaben und öffentliche Dienstpflichten

Publikationsdatum: 02.08.2019

Entscheiddatum: 09.09.2010

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 09.09.2010
Art. 29 DBG (SR 642.11) Die Erhöhung des Selbstbehaltes bei der 
Berufshaftpflicht eines Rechtsanwaltes auf Fr. 100'000.-- berechtigt nicht, 
eine Rückstellung für Haftpflichtfälle in der gleichen Höhe vorzunehmen. Es 
müssen für eine Rückstellung konkrete Haftpflichtfälle nachgewiesen 
werden (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung I/1, 9. September 2010, I/
1-2009/124).

Präsident Nicolaus Voigt, Mitglieder Fritz Buchschacher und Markus Frei; 

Gerichtsschreiber Vitus Demont

X, Beschwerdeführer,

vertreten durch lic.iur. Urs Bertschinger, Rechtsanwalt, Haus am See, St. 

Gallerstrasse 46, 9471 Buchs,

gegen

Kantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen, Vorinstanz,

und

Eidgenössische Steuerverwaltung, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Abteilung 

Rechtswesen, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Beschwerdebeteiligte,

betreffend

Direkte Bundessteuer (Einkommen 2005 und 2006)

Sachverhalt:

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A.- X und Y sind in A wohnhaft. X ist selbstständig als Rechtsanwalt tätig, und Y 

arbeitet als Angestellte in der Anwaltskanzlei ihres Ehemannes. In der Steuererklärung 

2004 wies X eine Rückstellung für Haftpflichtrisiken seiner Anwaltstätigkeit in der Höhe 

von Fr. 30'000.-- aus. Diese Rückstellung wurde von der Veranlagungsbehörde in ihrer 

Verfügung vom 24. Juli 2007 zugelassen, allerdings mit dem Vermerk, die Rückstellung 

sei im Jahr 2006 allenfalls aufzulösen.

B.- a) In der Steuererklärung 2005 erhöhten X und Y die bereits in der Steuererklärung 

2004 ausgewiesene Rückstellung für Haftpflichtrisiken um Fr. 70'000.-- auf insgesamt 

Fr. 100'000.-- und deklarierten ein steuerbares Einkommen von Fr. 123'379.--. 

Begründet wurde die Erhöhung der Rückstellung durch eine entsprechende Erhöhung 

des Selbstbehalts der Berufshaftpflichtversicherung. Die Veranlagungsbehörde 

akzeptierte die Erhöhung der Rückstellung für Haftpflichtrisiken wegen fehlenden 

belegmässigen Nachweises nicht, erhöhte die Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit auf 

Fr. 242'584.-- und veranlagte X und Y für die direkte Bundessteuer 2005 mit einem 

steuerbaren Einkommen von Fr. 195'100.--.

b) Für das Jahr 2006 beliessen X und Y die Rückstellung für Haftpflichtrisiken 

unverändert bei Fr. 100'000.-- und deklarierten ein steuerbares Einkommen von 

Fr. 129'639.--. Wie in der Veranlagungsverfügung für das Jahr 2004 vom 24. Juli 2007 

angekündigt, reduzierte die Veranlagungsbehörde die im Jahr 2004 zugelassene 

Rückstellung für Haftpflichtrisiken in der Höhe von Fr. 30'000.-- um Fr. 20'000.-- auf 

noch Fr. 10'000.--. Sie veranlagte X und Y für das Jahr 2006 mit einem steuerbaren 

Einkommen von Fr. 150'300.--.

C.- Gegen diese Veranlagungsverfügungen erhoben X und Y mit Eingabe vom 

25. Februar 2009 Einsprache und beantragten, die Rückstellungen für Haftpflichtrisiken 

seien für die Jahre 2005 und 2006, wie in den entsprechenden Steuererklärungen 

deklariert, zuzulassen. In der Folge forderte die Veranlagungsbehörde mit Schreiben 

vom 13. März und 17. April 2009 die Beschwerdeführer auf, belegmässige Nachweise 

sämtlicher Haftungsfälle seit dem Jahr 1998, welche zu einer Haftung geführt bzw. 

noch zu einer Haftung führen könnten, einzureichen. Mit Eingabe vom 8. Mai 2009 

ergänzten die Beschwerdeführer ihre Einsprache entsprechend und stellten Unterlagen 

zu zwei Vergleichen zu. Mit Entscheiden vom 12. Juni 2009 wies das kantonale 

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Steueramt die Einsprachen ab und veranlagte X und Y für das Jahr 2005 mit einem 

steuerbaren Einkommen von Fr. 195'100.-- und für das Jahr 2006 mit einem 

steuerbaren Einkommen von Fr. 150'300.--.

D.- Gegen diese Einspracheentscheide erhoben X und Y mit Eingabe ihres Vertreters 

vom 30. Juni 2009 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit den 

Anträgen, die angefochtenen Einspracheentscheide des Steueramtes vom 12. Juni 

2009 betreffend direkte Bundessteuer 2005 und 2006 seien unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge aufzuheben und die Streitsache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei seien die für Haftpflichtrisiken gebildeten 

Rückstellungen von insgesamt Fr. 100'000.-- zuzulassen, es sei festzustellen dass die 

Veranlagung aufgrund der eingereichten Steuererklärungen zu erfolgen habe und 

entsprechend die Berechnung der Ausgleichszinsen anzupassen sei. Eventualiter seien 

die Steuerfaktoren durch die Verwaltungsrekurskommission festzulegen.

Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 24. August 2009 die kostenfällige 

Abweisung der Beschwerden. Die eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht 

vernehmen. 

Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird, 

soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die 

Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur 

Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 30. Juni 2009 ist rechtzeitig 

eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen 

Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 

642.11, abgekürzt: DBG; Art. 1 Abs. 2 und Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz 

über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.

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2.- Soweit in der Beschwerde beantragt wird, die Ausgleichszinsen seien anzupassen, 

ist darauf nicht einzutreten. Die Ausgleichszinsen werden mit der Schlussrechnung 

berechnet. Diese setzt eine Veranlagung voraus (vgl. Art. 162 Abs. 1 DBG). Auf zuviel 

bezahlten Steuern, die auf eine nachträglich herabgesetzte definitive oder provisorische 

Rechnung zurückzuführen sind, wird ein Rückerstattungszins gewährt (Art. 5 der 

Verordnung über Fälligkeit und Verzinsung der direkten Bundessteuer, SR 642.124). 

Eine neue Schlussrechnung wird den Beschwerdeführer nach dem rechtskräftigen 

Entscheid über die Veranlagung zugestellt.

3.- Bestritten und zu prüfen ist im Rahmen der Veranlagung 2005 die Erhöhung der 

Rückstellung für Haftpflichtrisiken um Fr. 70'000.-- auf Fr. 100'000.--. Bezüglich der 

Veranlagung 2006 ist schliesslich die Reduktion dieser Rückstellung von den im Jahr 

2004 zugelassenen Fr. 30'000.-- auf noch Fr. 10'000.-- zu überprüfen.

a)  Die Beschwerdeführer führen in der Eingabe vom 30. Juni 2009 im Wesentlichen 

aus, gemäss dem Vorsichts- und Imparitätsprinzip seien sie verpflichtet, potentiell 

drohende Verluste zwingend bereits bei der Feststellung bilanzmässig zu 

berücksichtigen. Dabei sei es nicht notwendig, dass Verluste mit Sicherheit und 

unmittelbar drohten, sondern es sei einzig glaubhaft zu machen, dass der Eintritt in 

näherer oder ferner Zukunft möglich scheine. Rückstellungen für Haftpflichtrisiken 

seien handelsrechtlich geschäftsmässig begründet, wenn annähernde Gewissheit der 

Realisierung in einem nahen oder entfernteren Zeitpunkt bestehe. Entgegen der 

Auffassung der Vorinstanz genüge eine Rückstellung von Fr. 10'000.-- in ihrem Fall bei 

weitem nicht. Allein der Selbstbehalt der Berufshaftpflichtversicherung betrage 

Fr. 100'000.-- und sei pro Ereignis zu tragen. Die Ausübung der Anwaltstätigkeit 

beinhalte ein inhärentes Grundrisiko, mit Haftpflichtfällen konfrontiert zu werden. Dies 

mache es notwendig, den Versicherungsselbstbehalt auf jeden Fall zurückzustellen, um 

für den Eintritt eines Haftpflichtfalls gerüstet zu sein. Gemäss Auskunft der 

Versicherung habe jeder Rechtsanwalt während seiner Laufbahn zwischen fünf und 

zehn Haftpflichtfälle zu verzeichnen. Daher müsse die Bildung einer Rückstellung für 

Haftpflichtfälle in der Höhe des Selbstbehalts aufgrund des Vorsichtsprinzips auch 

ohne den Nachweis konkreter Haftpflichtfälle zulässig sein. Im Weiteren sei er von 

konkreten Haftpflichtfällen betroffen. Die Haftpflichtansprüche von N.G. und O.S. 

(vgl. act. I/1.7) seien im Jahr 2003 entstanden und erst im Juli 2006 durch einen 

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Vergleich geregelt worden. In einem weiteren Fall seien im Jahr 2006 gegen eine 

Aktiengesellschaft und ihn als Verwaltungsrat dieser Aktiengesellschaft Ansprüche in 

der Höhe von Fr. 1,7 Mio. erhoben worden. Weitere Fälle zeigten, dass sich im 

beruflichen Alltag fortlaufend Situationen ergäben, die zu Haftpflichtansprüchen 

führten. Schliesslich habe die Vorinstanz die Rückstellung für die Jahre 2005 und 2006 

aufgrund des Stetigkeitsprinzips anzuerkennen, da sie Rückstellungen für 

Haftpflichtrisiken bereits in früheren Jahren als geschäftsmässig begründet zugelassen 

habe. 

Dem hält die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2009 entgegen, der 

Selbstbehalt der Berufshaftpflichtversicherung gemäss Art. 12 lit. f BGFA 

berechtige nicht zur Bildung einer Rückstellung in gleicher Höhe. Abzugsfähig, und 

damit als Geschäftsaufwand zu qualifizieren, seien lediglich die für solche 

Versicherungen bezahlten Versicherungsprämien. Entgegen der Meinung des 

Beschwerdeführers seien die Haftpflichtansprüche von N.G. und O.S. in der Höhe von 

Fr. 312'431.20 nicht bereits im Jahr 2003, sondern erst mit Schreiben vom 2. Mai 2006 

geltend gemacht worden (act. I/1.9, Ziff. 1 Abs. 3). Diese Forderung sei am 5. Juli 2006 

mit einem Betrag "per Saldo aller gegenseitigen Ansprüche" von Fr. 173'000.-- 

auseinander gesetzt worden. Daher habe dieser Forderungsanspruch weder am 

31. Dezember 2005 noch am 31. Dezember 2006 bestanden. Auch die 

Verantwortlichkeitsansprüche der A. Stiftung und der G. Stiftung seien erst am 

15. Januar 2007 geltend gemacht und bereits am 7. September 2007 "per Saldo aller 

Ansprüche" auseinander gesetzt worden. Zudem wären diese Ansprüche beim 

Beschwerdeführer nicht geschäftsmässig begründet. Die weiteren Fälle würden das 

Jahr 2007 betreffen und seien daher für die steuerliche Beurteilung der Jahre 2005 und 

2006 nicht erheblich. Schliesslich entfalte jede Veranlagung lediglich Rechtskraft für die 

betreffende Steuerperiode; die Veranlagung für spätere Jahre werde dadurch nicht 

präjudiziert. 

b) Bei der direkten Bundessteuer werden zur Ermittlung des Reineinkommens von den 

gesamten steuerbaren Einkünften die Aufwendungen und die allgemeinen Abzüge nach 

Art. 26-33 DBG abgezogen (Art. 25 DBG). Nach Art. 27 Abs. 1 DBG können 

Selbstständigerwerbende geschäfts- und berufsmässig begründete Kosten in Abzug 

bringen. Diese Bestimmung entspricht im Wortlaut der Regelung des kantonalen 

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Steuerrechts in Art. 40 Abs. 1 des Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt: StG). Zu den 

geschäfts- und berufsmässig begründeten Kosten gehören gemäss Art. 27 Abs. 2 lit. a 

DBG insbesondere die Abschreibungen und Rückstellungen nach Art. 28 und 29 DBG.

Mit einer Rückstellung wird dem laufenden Geschäftsjahr ein tatsächlich oder 

mindestens wahrscheinlich verursachter, betragsmässig aber noch nicht genau 

bekannter Aufwand oder Verlust, der erst in einem späteren Geschäftsjahr verwirklicht 

wird, gewinnmindernd angerechnet (vgl. Duss/Greter/von Ah, Die Besteuerung 

Selbstständigerwerbender, 2004, S. 79). Rückstellungen sind also Passiven, die im 

Rechnungsjahr entstandene Aufwendungen berücksichtigen, deren Höhe oder 

Rechtsbestand noch ungewiss ist (Mäusli-Allenspach/Oertli, Das schweizerische 

Steuerrecht, 4. Aufl. 2006, S. 81). Nach Art. 27 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a DBG sind 

Rückstellungen nur zulässig, soweit sie geschäfts- oder berufsmässig begründet sind. 

Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung sind zulässig für im Geschäftsjahr 

bestehende Verpflichtungen, deren Höhe noch unbestimmt ist; Verlustrisiken, die mit 

Aktiven des Umlaufvermögens, insbesondere mit Waren und Debitoren verbunden 

sind, sowie andere unmittelbar drohende Verlustrisiken, die im Geschäftsjahr bestehen 

(Art. 29 Abs. 1 lit. a-c DBG). Als nicht geschäftsmässig begründet gelten 

Rückstellungen insbesondere, wenn sie im Hinblick auf künftige Anschaffungen 

vorgenommen werden; wenn der Eintritt der Bedingung oder des die Ausgabe 

auslösenden Ereignisses wenig wahrscheinlich ist sowie wenn kein zwangsläufiger 

Zusammenhang mit der Einkommenserzielung besteht. Die Rückstellungen müssen im 

Einzelnen sachlich begründet und nach Bestand und Höhe nachgewiesen werden, 

auch wenn es sich um Schätzungen handelt (vgl. Mäusli-Allenspach/Oertli, a.a.O., S. 

81). Gemäss Art. 29 Abs. 2 DBG werden bisherige Rückstellungen, die nicht mehr 

begründet sind, dem steuerbaren Geschäftsertrag zugerechnet, also erfolgswirksam 

aufgelöst. Daraus folgt, dass Rückstellungen stets mit einem konkreten Risikoereignis 

verknüpft sind. Tritt das Risikoereignis nicht wie erwartet ein, so ist die Rückstellung 

aufzulösen und eine entsprechende Aufrechnung beim steuerbaren Gewinn 

vorzunehmen; verwirklicht sich das Risikoereignis, so ist die Rückstellung ebenfalls 

aufzulösen.

c) Die Beschwerdeführer begründen die von ihnen in der Jahresrechnung 2005 

getätigte Erhöhung der Rückstellung für Haftpflichtfälle um Fr. 70'000.-- auf insgesamt 

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Fr. 100'000.-- mit der durch einen Haftpflichtfall eingetretenen Erhöhung des 

Selbstbehalts der Berufshaftpflichtversicherung auf Fr. 100'000.-- (act. I/1.8). Weiter 

machen sie mehrere hängige Haftpflichtfälle geltend, welche möglicherweise zu einer 

Haftung des Beschwerdeführers führen könnten.

aa) Zunächst ist zu prüfen, ob eine Rückstellung in der Höhe des 

Versicherungsselbstbehalts ohne Weiteres steuerrechtlich zuzulassen ist.

Die Beschwerdeführer vertreten die Meinung, der von ihnen im Falle einer Realisierung 

eines Haftpflichtfalls zu tragende Selbstbehalt in der Höhe von Fr. 100'000.-- (act. 2/5) 

sei in jedem Fall und unabhängig von konkret bestehenden Haftpflichtfällen als 

Rückstellung zuzulassen. Dabei verweisen sie auf das allgemeine Risiko, bei der 

Tätigkeit als Anwalt von Haftpflichtfällen betroffen zu sein.

Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Rückstellungen werden nur dann 

steuerrechtlich anerkannt, wenn sie der Sicherung unmittelbar drohender 

Verlustgefahren dienen, deren Ursache im Geschäftsjahr bereits eingetreten ist. Die 

geschäftsmässige Begründetheit einer Rückstellung setzt voraus, dass der 

entsprechende Aufwand unter den konkreten Umständen dem abgelaufenen 

Geschäftsjahr wirtschaftlich zugeordnet werden kann. Rückstellungen zur Abdeckung 

künftiger Risiken werden steuerrechtlich nicht anerkannt (M. Reich/M. Züger in: 

Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2a, Basel 2008, 2. Auflage, RZ 10 

zu Art. 29 DBG, mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Obwohl 

die Tätigkeit als Rechtsanwalt mit dem Risiko verbunden ist, haftpflichtrechtlich belangt 

zu werden, ist eine allgemeine Rückstellung in der Höhe des 

Vermögensschadenselbstbehalts nicht zulässig. Eine solche Rückstellung erfüllt die 

Voraussetzungen für eine steuerrechtliche Zulassung nicht. Im Falle einer allgemeinen 

Zulassung einer Rückstellung für Haftpflichtrisiken in der Höhe des 

Versicherungsselbstbehalts kann weder angenommen werden, dass eine Verlustgefahr 

unmittelbar droht, noch kann die Ursache einem konkreten Geschäftsjahr zugeordnet 

werden. Bei der Rückstellung für den Selbstbehalt einer Haftpflichtversicherung 

handelt es sich somit klar um eine Rückstellung zur Abdeckung künftiger Risiken, 

welche steuerrechtlich nicht zugelassen werden können. Aufgrund des Selbstbehalt 

von Fr. 100'000.-- in Verbindung mit einem der Anwaltstätigkeit innewohnende 

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"inhärente Grundrisiko", haftpflichtrechtlich belangt zu werden, kann die Rückstellung 

folglich weder für das Jahr 2005 noch für das Jahr 2006 zugelassen werden.

bb) Sodann ist zu prüfen, ob die in den Steuererklärungen 2005 und 2006 deklarierten 

Rückstellungen aufgrund konkret eingetretener Haftpflichtfälle steuerrechtlich 

zugelassen werden können.

Die Beschwerdeführer reichten mit der Einspracheergänzung vom 8. Mai 2009 eine 

Liste von offenbar hängigen Haftpflichtfällen ein, welche die steuerrechtliche Zulassung 

der Rückstellungen beweisen sollen. Darunter reichten sie auch Unterlagen zu zwei 

Vergleichen ein.

Der erste Vergleich steht im Zusammenhang mit einer erbrechtlichen 

Auseinandersetzung, bei der der Beschwerdeführer die Anspruchsteller vertrat, und 

diese ihm Pflichtverletzungen vorwarfen. Gemäss Vergleich vom 5. Juli 2006 wurde die 

Schadenersatzforderung in der Höhe von Fr. 312'431.20 mit Schreiben vom 2. Mai 

2006 geltend gemacht (vgl. act. I/1.9). Der Beschwerdegegner führt im Schreiben vom 

8. Mai 2009 an, die Schadenersatzforderung sei bereits am 13. Februar 2003 geltend 

gemacht worden (act. I/1.7). Diese Angabe wird jedoch nicht nachgewiesen, weshalb 

davon auszugehen ist, dass die Forderung mit Schreiben vom 2. Mai 2006 geltend 

gemacht und am 2./5. Juli 2006 reguliert wurde. Eine steuerliche Zulassung der 

Rückstellung rechtfertigt sich aufgrund dieses Vergleichs somit nicht.

Beim zweiten Vergleich handelt es sich um die Regulierung von Haftpflichtansprüchen 

gegen eine Aktiengesellschaft, bei welcher der Beschwerdeführer als Verwaltungsrat 

tätig ist. Gemäss Vergleich vom 27. August 2007 wurde die Zahlung von Fr. 300'000.-- 

vereinbart. Wer die Forderung letztlich zu tragen hatte, geht aus den Akten nicht 

hervor. Am wahrscheinlichsten wurde wohl die Aktiengesellschaft belangt; inwiefern 

diese Rückgriff auf die Verwaltungsräte, und damit auch auf den Beschwerdeführer 

genommen hat, geht aus den Akten nicht hervor. Unter diesen Umständen hat die 

Vorinstanz die Rückstellung zu Recht steuerlich nicht zugelassen.

Zudem führt der Beschwerdegegner in seiner Eingabe vom 8. Mai 2009 (act. I/1.7) eine 

Reihe von nicht näher erläuterten Fällen auf, die offenbar zu einer Haftpflicht des 

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Beschwerdegegners führen könnten. Die nicht näher spezifizierten Fälle, vermögen den 

Beweis für die steuerliche Zulässigkeit der Rückstellung nicht zu erbringen.

d) In gewissen Branchen ist ein Mindestmass an Verlusten infolge von Garantiefällen 

mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten, so dass allenfalls eine entsprechende 

pauschale Rückstellung als geschäftsmässig begründet erscheint (vgl. StR 48/1993 S. 

388 f.) Die Vorinstanz reduzierte die Rückstellung für Haftpflichtfälle in der 

Steuerveranlagung 2006 um Fr. 20'000.-- auf noch Fr. 10'000.--. Sie reduzierte die 

Rückstellung auf noch 2% des Umsatzes. Eine Rückstellung, die über diese pauschale 

Rückstellung hinausgeht, bedarf jedoch für ihre Zulassung eines konkreten Nachweises 

ihrer Begründung. Der Beschwerdegegner vermag wie oben ausgeführt keine 

konkreten Fälle auszuweisen, welche die Bildung einer Rückstellung für Haftpflichtfälle 

über die pauschal gewährte Rückstellung rechtfertigen würde. Folglich hat die 

Vorinstanz zu Recht die Rückstellung für Haftpflichtfälle für das Jahr 2006 auf 

Fr. 10'000.-- reduziert.

4.- Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die bisherige steuerliche Behandlung nicht 

ausschlaggebend ist. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass eine frühere 

Veranlagung grundsätzlich keine Bindungswirkung auf spätere Veranlagungen ausübt. 

Vielmehr ist in jeder Neuveranlagung sowohl die tatsächliche als auch die rechtliche 

Ausgangslage vollumfänglich zu überprüfen und kann abweichend von der Vorperiode 

gewürdigt werden. Die Veranlagung entfaltet als befristeter Verwaltungsakt nur für die 

betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen.

5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Rückstellung für Haftpflichtrisiken in der 

Höhe des Versicherungsselbstbehalts von Fr. 100'000.-- für die Jahre 2005 und 2006 

nicht zuzulassen ist. Die für das Jahr 2006 durch die Vorinstanz vorgenommene 

Reduktion der Rückstellung für Haftpflichtrisiken ist rechtmässig. Die Beschwerde ist 

somit abzuweisen.

6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den 

Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von 

Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 13 Ziff. 

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522 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist 

zu verrechnen.

Entscheid:

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.  Die Beschwerdeführer bezahlen die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- unter

Verrechnung des Kostenvorschusses von Fr. 600.--.

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		2025-07-19T13:25:48+0200
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