# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9917322-0585-5beb-93f1-ccd6a86bfb6c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.03.2010 E-1797/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1797-2010_2010-03-25.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1797/2010/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 5 .  M ä r z  2 0 1 0

Einzelrichter Kurt Gysi, 
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiber Nicholas Swain.

X._______,
Syrien,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin);
Verfügung des BFM vom 11. März 2010 / N (...) .

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1797/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest 

dass der Beschwerdeführer am 23. Oktober 2009 in der Schweiz um 
Asyl ersuchte,

dass er im Rahmen der Kurzbefragung im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum A._______ vom 30. Oktober 2009 zu Protokoll  gab, er habe 
sich  von 2007 bis  im Juli  oder  August  2009 in  Grossbritannien auf-
gehalten und dort ein Asylgesuch gestellt,  

dass  ein  Fingerabdruckvergleich  mit  der  EURODAC-Datenbank  vom 
26.  Oktober  2009  ergab,  dass  der  Beschwerdeführer  von  den  briti-
schen  Behörden  am  6.  und  9.  Oktober  2007  erkennungsdienstlich 
erfasst worden war, 

dass  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Kurzbefragung  vom 
30. Oktober  2009  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  Rückführung  nach 
Grossbritannien gewährt wurde,

dass das BFM mit Verfügung vom 11. März 2010 in Anwendung von 
Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus 
der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  das  BFM zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  aufgrund 
der  durch  den  EURODAC-Treffer  festgestellten  daktyloskopischen 
Erfassung  des  Beschwerdeführers  am  6.  und  9.  Oktober  2007  in 
Grossbritannien  sei  dieses  Land  gestützt  auf  das  Abkommen  vom 
26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dub-
lin-Assoziierungsabkommen,  [DAA,  SR  0.142.392.68])  und  auf  das 
Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizeri-
schen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem  Königreich 
Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des 
Schengen-Besitzstands  und  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig,

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dass zudem die britischen Behörden einer Übernahme des Beschwer-
deführers zugestimmt hätten.

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  22. März 2010  (Post-
stempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erhob und dabei unter anderem beantragte, dieser sei auf-
zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen,

dass er in prozessualer Hinsicht um Zuerkennung der aufschiebenden 
Wirkung der Beschwerde sowie um Verzicht  auf  die Erhebung eines 
Kostenvorschusses ersuchte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 23. März 2010 beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und erwägt,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden 
gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021])  des BFM 
entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d 
Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass der Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung man-
gels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht feststeht, 

dass angesichts der Tatsache, dass die Beweislast für die Zustellung 
an die  Partei  der  eröffnenden Behörde obliegt  (vgl.  FRITZ GYGI,  Bun-
desverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 61), zugunsten des 
Beschwerdeführers  davon auszugehen ist,  er  habe die  Beschwerde, 
welche am 22. März 2010 der Schweizerischen Post übergeben wurde, 
rechtzeitig eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG), 

dass  die  Beschwerde  ansonsten  formgerecht  eingereicht  worden  ist 
und der Beschwerdeführer am Verfahren vor dem BFM teilgenommen 
hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

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rung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG sowie Art. 
52 VwVG), 

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  -  sofern  sie  den  Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet - einer selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidung-
en  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), 

dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich 
volle Kognition zukommt,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) 
und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-

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führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerdeeingabe  rügt,  die 
Vorinstanz  habe  seinen  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  verletzt, 
dadurch  dass  sie  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Bestimmung 
der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003 
zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den 
ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt 
hat  (Dublin-II-Verordnung)  nicht  genannt  habe,  aufgrund welcher  sie 
auf die Zuständigkeit Grossbritanniens geschlossen habe, 

dass gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG Verfügungen zu begründen sind,

dass  ein  Mindestanspruch  auf  Begründung  sich  bereits  aus  Art.  29 
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ergibt,

dass  diese  Bestimmungen  den  Inhalt  der  Begründungspflicht  nicht 
näher umschreiben, die Begründung eines Entscheides jedoch so ab-
gefasst  sein  muss,  dass  der  Betroffene  ihn  gegebenenfalls  sachge-
recht anfechten kann (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum Bun-
desgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Auer/Müller/ 
Schindler  [Hrsg.],  Zürich  2008,  N.  6  ff.  zu  Art.  35;  BVGE  2007/30 
E. 5.6), 

dass die Behörde wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen hat, 
von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt, 
wobei sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann 
(vgl. BVGE 2008/44 E. 4.4, S. 632 f., mit weiteren Hinweisen; EMARK 
2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256; BGE 112 Ia 110 E.2b),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  vorliegend zum Schluss  kommt, 
dass die angefochtene Verfügung diesen Kriterien offensichtlich nicht 
gerecht  wird,  da  die  Vorinstanz  zur  Begründung  der  Zuständigkeit 
Grossbritanniens  in  ihrer  Verfügung pauschal  auf  das  DAA und das 
Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 verwies,

dass das BFM gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 1 und 
Art. 29a Abs. 1 Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 1] verpflichtet ist, die Zuständigkeit zur Behandlung 

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eines  Asylgesuchs  nach  den  Kriterien,  die  in  der  Dublin-II-VO fest-
gelegt sind, zu prüfen, 

dass mit dieser völkerrechtlich neu geschaffenen Verpflichtung die Mit-
gliedstaaten  zwingend  ein  Zuständigkeitprüfungsverfahren  nach  den 
hierarchisch aufgebauten Kriterien der Art. 6 bis 12 bzw. 14 und 15 der 
Dublin-II-VO durchzuführen haben,  bevor der Asylantrag materiell  zu 
prüfen ist (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II-Verordnung, 
3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K2 zu Art. 4, S. 73), 

dass  das  BFM in  der  angefochtenen Verfügung vom 11. März  2010 
weder die Dublin-II-VO als rechtliche Grundlage noch das zutreffende 
Zuständigkeitskriterium in Kapitel III  (Art. 5-14 der Dublin-II-VO) bzw. 
allenfalls die Anwendung von Art. 4 dieser Verordnung nannte,  nach 
welchem Grossbritannien für die Durchführung der materiellen Prüfung 
des Asylantrags zuständig ist, 

dass  das  BFM  damit  seine  sich  aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches 
Gehör ergebende Begründungspflicht verletzt hat und dem Beschwer-
deführer  dadurch  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Beschwerde 
betreffend  die  Zuständigkeit  Grossbritannien  gemäss  Dublin-II-VO 
nicht möglich war,

dass zusammenfassend festzustellen ist, dass die Vorinstanz den ver-
fassungsmässigen  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches 
Gehör verletzt hat,

dass die Beschwerde demnach im Sinne der Erwägungen gutzuheis-
sen, die angefochtene Verfügung vom 11. März 2010 aufzuheben und 
das Bundesamt anzuweisen ist, in der Sache eine neue Verfügung mit 
rechtsgenüglicher Begründung zu erlassen, 

dass  mit  vorliegendem  Direktentscheid  ohne  vorgängige  Instruktion 
das Gesuch um Verzicht  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses 
gegenstandslos geworden ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG),

dass der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren nicht  anwaltlich 
vertreten  wurde,  und keine Anhaltspunkte  dafür  vorliegen,  dass  ihm 
durch  die  Beschwerdeführung  sonstige  unverhältnismässige  Kosten 

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erwachsen wären, weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. des Reglements vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Verfügung  des  BFM  vom 
11. März 2010 wird aufgehoben

2.
Die Akten werden ans BFM überwiesen zum Erlass einer neuen Ver-
fügung im Sinne der Erwägungen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde. 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Nicholas Swain

Versand: 

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