# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 375e3687-f6c1-574e-9717-a7686f599df7
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-13
**Language:** de
**Title:** Einheitsverbindung für die Übermittlung von Datensignalen im Hochfrequenzhandel bei der SIX: Beratung des Sekretariats vom 13. Oktober 2022
**Docket/Reference:** Einheitsverbindung%20f%C3%BCr%20die%20%C3%9Cbermit
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2023/einheitsverbindung_fuer_uebermittlung_datensignalen_hochfrequenzhandel_bei_six_beratung_sekretariat_vom_13_oktober_2022.pdf.download.pdf/Einheitsverbindung%20f%C3%BCr%20die%20%C3%9Cbermittlung%20von%20Datensignalen%20im%20Hochfrequenzhandel%20bei%20der%20SIX_Beratung%20des%20Sekretariats%20vom%2013.%20Oktober%202022.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

54-0641:   Beratung betreffend die Übermittlung von Datensignalen im Zusammenhang 

mit dem Hochfrequenzhandel bei der SIX Swiss Exchange AG 

Dieser Beratung lag eine Anfrage der SIX Swiss Exchange AG («SIX») an das Sekretariat der 
Wettbewerbskommission («Sekretariat») zugrunde, im Rahmen derer SIX um die kartellrecht-
liche  Beurteilung  ihres  Vorhabens,  im  Bereich  ihrer  Finanzhandelsplattform  für  den  Daten-
transfer  vom  Einspeisepunkt  zum  Co-Location-Service  für  Low  Latency-Verbindungen  eine 
Einheitsverbindung bereitzustellen, ersucht hat. Diese Beurteilung durch das Sekretariat er-
folgte im Rahmen einer Beratung nach Art. 23 Abs. 2 KG1.  

1. 

Vorbemerkungen 

1. 
Eine  erste  rudimentäre  Einschätzung  hat  […]  das  Sekretariat  [SIX]  bereits  mit  E-Mail 
vom 25. März 2022 gegeben. Diese wird nachfolgend auf […] Ersuchen [von SIX] hin schriftlich 
begründet.  Basis  für  die  Einschätzung  sind  die  Ausführungen  von  SIX  in  der  Beratungsan-
frage.  

2. 
Der guten Ordnung halber [hält das Sekretariat] fest, dass mit dem Instrument der Bera-
tung generell zwei Vorbehalte verbunden sind: Erstens erfolgt eine kartellrechtliche Beurtei-
lung vorliegend einzig auf Basis der von SIX gemachten Angaben. Im Rahmen einer Beratung 
tätigt  das  Sekretariat  seinerseits  keine  Sachverhaltsabklärungen.  Zusätzliche  oder  abwei-
chende  tatsächliche  Gegebenheiten  können  zu einer  anderen  Beurteilung  führen.  Zweitens 
[weist das Sekretariat] darauf hin, dass [mit vorliegender Beratung] alleine die Einschätzung 
des Sekretariats wiedergegeben wird. Die Wettbewerbskommission wird dadurch nicht gebun-
den. 

3. 
Zudem bleibt für den konkreten Fall anzufügen, dass das Sekretariat gemäss Art. 23 KG 
Unternehmen zu Fragen zu «diesem Gesetz», das heisst zum Kartellgesetz, berät. Für die in 
casu aufgeworfenen finanzmarktrechtlichen Fragestellungen erscheint das Gefäss der kartell-
rechtlichen Beratung an sich nichtzutreffend. Da aber in der Beratungsanfrage ein potenzieller 
Kompetenzkonflikt  zwischen  der  Eidgenössischen  Finanzmarktaufsicht  FINMA  («FINMA») 
und den Wettbewerbsbehörden in den Raum gestellt wird, macht es durchaus Sinn, dass sich 
das Sekretariat trotzdem mit diesen Fragestellungen befasst, zumal je nach Antwort auf diesen 
ersten Fragekomplex die Wettbewerbsbehörden für die Beurteilung in der Angelegenheit zu-
ständig sein könnten.  

2. 

Anwendbarkeit des KG und Zuständigkeit der Wettbewerbsbehörden 

4. 
Die Anwendung des Kartellgesetzes wird eingeschränkt, soweit Vorschriften auf einem 
bestimmten Markt keinen Wettbewerb zulassen (sogenannte vorbehaltene Vorschriften, Art. 3 
Abs. 1 KG). Grundsätzlich liegt dem Kartellgesetz der Gedanke einer möglichst umfassenden 
Wettbewerbsordnung zugrunde. Der Anwendungsbereich des Gesetzes ist dementsprechend 
weit.2  Aus  diesem  Grund  sind  vorbehaltene  Vorschriften  im  Sinne  von  Art. 3  KG  restriktiv 

1  

2  

Bundesgesetzes vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartell-
gesetz, KG; SR 251).  
MARKUS SCHOTT, in: Basler Kommentar zum Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2. Auflage 
2021, Art. 3 N 1.  

Wettbewerbskommission Sekretariat 
Hallwylstrasse 4, CH-3003 Bern 
Tel. +41 58 462 20 40, Fax +41 58 462 20 53 
weko@weko.admin.ch 
www.weko.admin.ch 

 
 
 
 
 
 
 
 
auszulegen und Regelungen, welche dem Kartellgesetz vorgehen sollen, müssen ausdrück-
lich in der betroffenen gesetzlichen Vorschrift enthalten sein.3 Es ist jeweils zu fragen, ob der 
Gesetzgeber  beabsichtigte,  mit  einer  konkreten  Regulierung  den  Wettbewerb  für  einen  be-
stimmten  Wirtschaftsbereich  geradezu  auszuschliessen.4  Abgesehen  von  solchen  Sachver-
halten, bei denen das Gesetz nicht angewendet werden kann und Vorgänge und Verhaltens-
weisen  von  den  Wettbewerbsbehörden  nicht  analysiert  werden  können,  sind  die 
Wettbewerbsbehörden zur Beurteilung einer Fragestellung auch dann nicht zuständig, wenn 
der Gesetzgeber diese Kompetenz abschliessend und vollumfänglich einer anderen Behörde 
zugewiesen hat (Art. 18 Abs. 3 KG).5  

5. 
Das Sekretariat hat bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der Fusion der 
Börsen festgehalten, dass es für die damals untersuchten relevanten Märkte keine Vorschrif-
ten gab, die Wettbewerb nicht zulassen würden. Hingegen wurde festgestellt, dass gewisse 
Vorschriften bestehen, welche insofern wettbewerbsrelevant sind, als dass sie in bestimmten 
Bereichen  prokompetitive  Elemente  ausdrücklich  festhalten,  allen  voran  die  Vorschriften  zu 
Nichtdiskriminierung und zum offenen Zugang zu den Dienstleistungen der Börsen.6  

6. 
In der vorliegenden Beratungsanfrage werden ebenfalls Fragen im Zusammenhang mit 
den Bestimmungen zum offenen und diskriminierungsfreien Zugang zu den Dienstleistungen 
der Börse aufgeworfen. Diese Vorschriften sind hauptsächlich wettbewerbspolitisch motiviert, 
da  viele  Finanzmarktinfrastrukturen  Merkmale  eines  Monopols  aufweisen.  Ein  wesentlicher 
Grund  dafür  liegt  darin, dass  der  Betrieb  von  Finanzmarktinfrastrukturen  typischerweise  mit 
sehr  hohen  Fixkosten  verbunden  ist.  Unter  anderem  für  die  Abwicklung  von  Wertpapierge-
schäften steht deshalb auf einem bestimmten Markt häufig nur ein einziges System zur Verfü-
gung. Die sich daraus ergebende Marktmacht einzelner Finanzmarktinfrastrukturen wird durch 
gesetzliche  Verpflichtungen  der  Teilnehmer,  für  die  Abwicklung  bestimmter  Transaktionen 
eine Finanzmarktinfrastruktur in Anspruch zu nehmen, zusätzlich akzentuiert.7 Der Grundsatz 
des  offenen  und  diskriminierungsfreien  Zugangs  soll  sicherstellen,  dass  Finanzmarktinfra-
strukturen ihre Marktmacht nicht missbrauchen, um einen Teilnehmer zu benachteiligen. Die 
Pflicht,  offenen  und  diskriminierungsfreien  Zugang  zu  gewähren,  stellt  mithin  die  aufsichts-
rechtliche Antwort auf fehlenden oder ungenügenden Wettbewerb und die damit einhergehen-
den Missbrauchsmöglichkeiten dar.8 Die Botschaft rechtfertigt den Grundsatz des offenen Zu-
gangs 
zwischen 
Finanzmarktinfrastrukturen zu fördern und die Effizienz ihrer Dienstleistungen zu steigern, wo-
bei in der Lehre umstritten ist, ob der Grundsatz des offenen Zugangs für sich alleine tatsäch-
lich zur Stärkung des Wettbewerbs oder zu effizienteren Dienstleistungen führt.9 

den  Wettbewerb 

der  Absicht, 

auch  mit 

darüber 

hinaus 

7.  Gemäss Art. 4 Abs. 1 FinfraG10 benötigen Finanzmarktinfrastrukturen, worunter die SIX 
als Börse fällt (Art. 2 lit. a Ziff. 1 FinfraG), eine Bewilligung der FINMA. Die Bewilligung wird 
gemäss  Art.  5  FinfraG  erteilt,  wenn  die  antragstellende  Finanzmarktinfrastruktur  alle 

3  

4  
5  

6  

7  

8  
9  

10  

RPW 2006/3, 443 Rz 18, Börsenpflicht der SWX. Ferner: BGE 129 II 497, 516 E. 3.3.3, Entrepri-
ses électriques fribourgeoises.  
RPW 2006/3, 443 Rz 16, Börsenpflicht der SWX.  
SIMON BANGERTER, in: Basler Kommentar zum Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2. Auflage 
2021, Art. 18 N 37 f. 
RPW 2007/4, 564 Rz 32, SWX Group/Verein SWX Swiss Exchange/SIS Swiss Financial Services 
Group AG/Telekurs Holding AG.  
Zum Ganzen: HANS KUHN, in: Basler Kommentar Finanzmarktaufsichtsgesetz/Finanzmarktinfra-
strukturgesetz, Watter/Bahar (Hrsg.), 3. Auflage 2018, Art. 18 FinfraG N 2.  
BSK FINMAG/FinfraG-KUHN (Fn 7), Art. 18 FinfraG N 3. 
Botschaft vom 3.9.2014 zum Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG), BBl 2014 7483, 7523. Vgl. 
für  Meinungen  aus  der  Lehre:  OLIVER  ZIBUNG/SARAH JUNGO/DANIEL ROTH, in: Schulthess Kom-
mentar  zum  Finanzmarktaufsichtsgesetz  FinfraG,  Sethe  et  al.  (Hrsg.),  2017,  Art.  18  N  2; 
BSK FINMAG/FinfraG-KUHN (Fn 7), Art. 18 FinfraG N 3.  
Bundesgesetz  vom  19.6.2015  über  die  Finanzmarktinfrastrukturen  und  das  Marktverhalten  im 
Effekten- und Derivatehandel (Finanzmarktinfrastrukturgesetz, FinfraG; SR 958.1).  

2 

 
 
 
 
 
 
 
Voraussetzungen  des  1.  Abschnitts  des  1.  Kapitels  des  2.  Titels  des  FinfraG  erfüllt. Ob  die 
Bewilligungsvoraussetzungen  erfüllt  sind,  entscheidet  die  FINMA  als  Bewilligungsbehörde. 
Insbesondere muss die Finanzmarktinfrastruktur gemäss Art. 18 Abs. 1 FinfraG einen diskri-
minierungsfreien  und  offenen  Zugang zu  ihren  Dienstleistungen  gewährleisten.  Das Gesetz 
sieht vor, dass dieser Zugang beschränkt werden kann, wenn dadurch die Sicherheit oder die 
Effizienz gesteigert werden und diese Wirkung durch andere Massnahmen nicht erreicht wer-
den kann (Art. 18 Abs. 2 lit. a FinfraG). Ob eine unzulässige Zugangsbeschränkung vorliegt, 
entscheidet  ebenfalls  die  FINMA,  entweder  im Rahmen  des  Bewilligungsverfahrens,  oder  – 
wenn die Zugangsbeschränkung nachträglich eingeführt werden soll – im Rahmen ihrer Auf-
sichtstätigkeit.  

8.  Macht eine Finanzmarktinfrastruktur für die Rechtfertigung einer Zugangsbeschränkung 
Effizienzgründe  geltend,  hört  die  FINMA  gemäss  Art. 17  Abs. 3  FinfraV11  im  Rahmen  ihrer 
Beurteilung die Wettbewerbskommission («WEKO») an. Dabei handelt es sich nicht um einen 
formlosen Austausch, sondern um eine Anhörung gemäss Art. 62a ff. RVOG12. Auch für die-
ses  Anhörungsverfahren  bestehen  demnach  klare  gesetzliche  Vorgaben,  insbesondere  für 
den Fall, dass die FINMA und die Wettbewerbskommission keine Einigung finden sollten, wo-
bei die Entscheidhoheit bei der FINMA als Leitbehörde verbleibt (Art. 62b Abs. 3 RVOG).  

9. 
Damit sei hier auch gleich der Vorbehalt angebracht, dass die vorliegende Beratungsan-
twort eine Stellungnahme der WEKO im Rahmen einer Anhörung gemäss Art. 17 Abs. 3 Fin-
fraV nicht ersetzen kann. 

10.  Der Gesetzgeber hat für die Überprüfung von Zugangsbeschränkungen zu den Dienst-
leistungen von Finanzmarktinfrastrukturen einen klaren Weg vorgegeben, für den ebenso klare 
Verfahrensvorschriften gelten. Der diskriminierungsfreie und offene Zugang, den die Finanz-
marktinfrastrukturen  zu gewährleisten  haben, stellt  eine  Bewilligungsvoraussetzung  dar,  die 
von der Finanzmarktinfrastruktur dauernd einzuhalten ist und es ist primär Sache der FINMA, 
im Einzelfall zu überprüfen, ob die Bewilligungsvoraussetzungen auch mit einer Zugangsbe-
schränkung nach wie vor gegeben sind und falls nicht, den ordnungsgemässen Zustand wie-
derherzustellen.13 Die aufsichtsrechtliche Tätigkeit der FINMA schliesst aber ein Aktivwerden 
der Wettbewerbsbehörden nicht aus. Die Befugnisse der WEKO gemäss Kartellgesetz treten 
in einem solchen Fall neben jene der FINMA.14  

11.  Wie bereits erwähnt, hat das Sekretariat im Rahmen dieser Beratungsanfrage – wie üb-
lich – keine eigenen Sachverhaltsabklärungen vorgenommen. Das Sekretariat geht jedoch mit 
den Ausführungen von SIX in Rz 38 der Beratungsanfrage nicht einig und ist der Ansicht, dass 
eine – parallele – Kompetenz der Wettbewerbsbehörden gegeben ist. Selbst wenn die vorlie-
gend  zu  beantwortende  Frage  in  den  Regulierungsrahmen  von  Art. 18  FinfraG  und  Art. 17 
Abs. 3 FinfraV fallen sollte, ist es den Wettbewerbsbehörden nicht verwehrt, die Ausgestaltung 
einer  Zugangsbeschränkung  auf  deren  Konformität  mit  dem  Kartellrecht  hin  zu  überprüfen. 
Nur wenn eine konkrete Zugangsbeschränkung das Verfahren gemäss Art. 18 Abs. 2 FinfraG 
und Art. 17 Abs. 3 FinfraV durchlaufen hat und sowohl von der Wettbewerbskommission für 
effizient als auch von der FINMA als zulässig erachtet wurde, erscheint diese Verhaltensweise 
einer zusätzlichen Überprüfung durch die Wettbewerbsbehörden – nach Massgabe von Art. 7 
KG  –  nicht  zugänglich.  Alle  anderen  Verhaltensweisen  einer  Finanzmarktinfrastruktur  sind 
aber  einer  Überprüfung  durch  die  Wettbewerbsbehörden  nicht  entzogen.  Am  Ergebnis  der 

11  

12  
13  
14  

Verordnung vom 25.11.2015 über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhalten im Ef-
fekten- und Derivatehandel (Finanzmarktinfrastrukturverordnung, FinfraV; SR 958.11).  
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz vom 21.3.1997 (RVOG; SR 172.010).  
BSK FINMAG/FinfraG-KUHN (Fn 7), Art. 18 FinfraG N 31.  
SK  FinfraG-ZIBUNG/JUNGO/ROTH  (Fn  9),  Art.  18  N  15;  Erläuterungsbericht  des  EFD  vom 
5.11.2015 zur Verordnung über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhalten im Effek-
ten-  und  Derivatehandel  (Finanzmarktinfrastrukturverordnung,  FinfraV),  14.  Der  Vollständigkeit 
halber sei erwähnt, dass unter Umständen auch dem Preisüberwacher Kompetenzen zukommen.  

3 

 
 
 
 
 
 
 
Beratung ändert dies aber insofern nichts, da auch im Rahmen einer Prüfung nach Art. 7 KG 
Effizienzgründe berücksichtigt werden können.  

3.  Missbräuchliches Verhalten 

a) 

Vorbemerkungen 

12.  Bei dieser Ausgangslage ist das Verhalten von SIX nach Massgabe von Art. 7 KG zu 
prüfen, für etwas Anderes bietet die Beratungsanfrage keine Grundlage.  

13.  Vorab ist festzuhalten, dass das Sekretariat grundsätzlich mit SIX davon ausgeht, dass 
das Einrichten der Einheitsverbindung keine Beschränkung des offenen und diskriminierungs-
freien Zugangs zu ihren Dienstleistungen darstellt (Art. 18 Abs. 1 FinfraG). Eine Diskriminie-
rung liegt vor, wenn Teilnehmer, welche die Dienstleistungen einer Finanzmarktinfrastruktur 
direkt in Anspruch nehmen, in einer vergleichbaren Situation ungleich behandelt werden oder 
wenn  die  Teilnahmevoraussetzungen  zwar  einheitlich  statuiert  aber  in  der  Sache  nicht  ge-
rechtfertigt sind, weil sie zu streng sind, so dass die Zielsetzung von Art. 18 FinfraG unterlau-
fen wird.15  

14.  Beides hat das Sekretariat vorliegend – zumindest basierend auf den in der Beratungs-
anfrage zur Verfügung gestellten Informationen – nicht festgestellt: Vor und nach dem Einrich-
ten der Einheitsverbindung werden Marktteilnehmer, die sich in gleichen Situationen befinden, 
gleichbehandelt.  Für  Marktteilnehmer,  die  auf  die  schnellste  Verbindung  nicht  angewiesen 
sind, ändert sich nichts, da die weniger schnellen Anbindungsmöglichkeiten an die Matching 
Engine der Börsen nach wie vor angeboten werden. Aber auch diejenigen Marktteilnehmer, 
welche  die  schnellste  Verbindung  nachfragen  –  so  ebenfalls  Marktteilnehmer  in  einer  ver-
gleichbaren  Situation  –,  werden  gleichbehandelt,  indem  ihnen  allen  nur  die  eine  schnellste 
Verbindung angeboten wird. Ob die Anforderungen an den Zugang zur Einheitsverbindung im 
Einzelnen zu streng sind, kann das Sekretariat nicht beurteilen; dazu reichen die Ausführun-
gen tatsächlicher Natur in der Beratungsanfrage nicht aus. SIX betont in der Beratungsanfrage 
aber mehrfach, den Zugang zu dieser schnellsten Verbindung allen interessierten Marktteil-
nehmern gleichermassen nach den Prinzipien der Offenheit, Fairness und Diskriminierungs-
freiheit sowie zu angemessenen Bedingungen zur Verfügung zu stellen, was aus wettbewerb-
lichen Gesichtspunkten zu begrüssen ist.  

15.  Bei dieser Ausgangslage wäre das Vorhaben von SIX einer Überprüfung durch die Wett-
bewerbsbehörden indes nicht entzogen – im Gegenteil: Während für das Verfahren zur Über-
prüfung  einer  Zugangsbeschränkung  finanzmarktrechtlich  ein  klares  Verfahren  normiert  ist, 
müssen sich Verhaltensweisen der SIX, die sich nicht darunter subsumieren lassen, gleich-
wohl  an  den  kartellrechtlichen  Normen  messen  lassen.  Vor  diesem  Hintergrund  kann  nicht 
alleine die Tatsache, dass die Finanzmarktinfrastrukturregularien für einen konkreten Fall eine 
Kompetenzzuteilung vornehmen, jegliches Verhalten der SIX mit kartellrechtlicher Immunität 
ausstatten.  

b) 

Ausführungen von SIX in der Beratungsanfrage 

16.  SIX  führt  aus,  dass  bezüglich  des  Angebots  von  schnellen  Datenverbindungen  keine 
wesentliche  Wettbewerbsbeschränkung  oder  gar  -beseitigung  entstehe,  weil  die  Beschrän-
kung  nur  eine  ganz  bestimmte  Datenverbindung  betreffe  und  keinen  Einfluss  auf  andere 
schnelle Datenverbindungen zwischen Börsenhandelsplätzen oder anderen Branchen, welche 
auf schnelle Datenverbindungen angewiesen seien, habe. Es werde mit der Einheitsverbin-
dung sichergestellt, dass keine – vorwiegend durch exogene, technische und nicht beeinfluss-
bare  Faktoren  begründete  –  Diskriminierungen  entstehen  können.  Die  Einheitsverbindung 
stelle  keine  Zugangsbeschränkung  dar,  sondern  sei  vielmehr  Voraussetzung,  dass  der 

15  

SK FinfraG-ZIBUNG/JUNGO/ROTH (Fn 9), Art. 18 N 4.  

4 

 
 
 
 
 
 
 
Börsenhandel auf den Plattformen der SIX überhaupt im Sinne der regulatorischen Vorgaben 
betrieben werden könne.  

17.  Das Einrichten der Einheitsverbindung hat gemäss Ausführungen in der Beratungsan-
frage zur Folge, dass nur eine schnellste Verbindung zur Handelsplattform besteht, die von 
SIX selbst betrieben wird. Wie in der Beratungsanfrage ausgeführt, sind einer Einheitsverbin-
dung beschränkende Elemente inhärent, indem alternative Verbindungen auf der Route der 
Einheitsverbindung nicht angeboten werden können und somit Wettbewerb gar nicht entste-
hen kann. Andere schnelle Datenverbindungen zwischen Börsenhandelsplätzen oder präziser 
der Zugang zum Co-Location-Service der Börse seien vom Vorhaben der SIX nicht betroffen 
und  würden  weiterhin  angeboten;  eine  unsachliche  Monopolisierung  des  Zugangs  zu  den 
Dienstleistungen von SIX finde demnach nicht statt. Gemäss Ausführungen in der Beratungs-
anfrage sind nicht alle Marktteilnehmer für ihre Handelsaktivitäten auf diese schnellsten Ver-
bindungen, die über die Einheitsverbindung laufen, gleichermassen angewiesen. Für Markt-
teilnehmer  mit  Niedriglatenzstrategien  (beispielweise  Market  Maker  und  Liquidity  Provider), 
seien diese schnellsten Verbindungen aber essentiell.  

c) 

Einschätzung des Sekretariats 

18.  Gemäss Ausführungen in der Beratungsanfrage sind für den Hochfrequenzhandel ge-
rade von Derivaten die schnellsten Verbindungen zwischen zwei Börsenplätzen entscheidend. 
Diese Verbindungen zwischen den zwei Börsen werden von der SIX – allenfalls gemeinsam 
mit anderen Handelsplätzen – betrieben und stehen allen Marktteilnehmern gleichermassen 
zur Verfügung. Allerdings muss ein Marktteilnehmer auch an die Signalquelle bei der SIX an-
gebunden werden, um von den schnellen Verbindungen zwischen den Börsenplätzen profitie-
ren zu können. Wenn nun SIX auf diesem schnellsten Pfad eine Einheitsverbindung einrichtet, 
verhindert sie damit, dass ein anderer Anbieter eine gleich schnelle oder schnellere Verbin-
dung anbieten kann, weil die «Erstanbindung» an die SIX und damit an die Datenquelle für 
den Marktteilnehmer gar nicht in derselben Geschwindigkeit angeboten werden kann; dieser 
Zugang wird von der Einheitsverbindung der SIX blockiert.  

19.  Die Ausführungen von SIX in der Beratungsanfrage zeichnen das Bild, dass die Einheits-
verbindung die einzige Möglichkeit sei, den Hochfrequenzhandel im Einklang mit dem Kartell-
recht  betreiben  zu  können.  Das  dem  nicht  so  ist,  zeigt  ein  Blick  auf  ausländische  Börsen-
märkte,  wo  ein  Wettbewerb  zwischen  High  Frequency  Tradern  («HFT»)  um  die  schnellste 
Verbindung grundsätzlich existiert. Damit sei noch nicht gesagt, dass dies auch eine volkswirt-
schaftlich  effiziente  Lösung  wäre,  aber  immerhin,  dass  der  Hochfrequenzhandel  durchaus 
auch  ohne  solche  Einheitsverbindungen  unter  Respektierung  der  börsen-  und  kartellrechtli-
chen Vorgaben betrieben werden kann.16  

20.  Damit kann zumindest a priori nicht ausgeschlossen werden, dass – eine marktbeherr-
schende  Stellung  vorausgesetzt17  –  mit  dem  Einrichten  der  Einheitsverbindung  durch  SIX 

16  
17  

Vgl. dazu insbesondere die Überlegungen und Belegstellen weiter unten in Kapitel 4. c).  
Bereits im Rahmen des Schlussberichts des Sekretariats vom 13.6.2006 zur Vorabklärung be-
treffend Börsenpflicht der SWX wurde festgehalten, dass es für Investoren auf dem Schweizer 
Markt «keine oder nur sehr begrenzte Alternativen zur SWX» gebe und somit «starke Indizien 
[bestehen], dass die SWX eine marktbeherrschende Stellung auf dem Schweizer Markt für den 
Handel  börsenkotierter  Wertpapiere  von  schweizerischen  Unternehmen  inne»  hatte  (RPW 
2006/3, 443 Rz 39, Börsenpflicht der SWX). Zwar betrifft die vorliegende Beratungsanfrage ge-
mäss Ausführungen in der Beratungsanfrage nicht den Handel mit Wertpapieren, sondern diesen 
Dienstleistungen  vor-  und  nachgelagerte  Aktivitäten,  nämlich  den  Informationszugang  zu  den 
Börsendienstleistungen  –  präziser  definiert  wird  der  betroffene  Markt  in  der  Beratungsanfrage 
nicht.  Da  aber  auch  heute  in  der  Schweiz  nebst  der  SIX  nach  wie  vor  nur  die  BX  Swiss  eine 
Bewilligung  zum  Betrieb  einer  Börse  besitzt,  dürften  im  Vergleich  mit  der  Situation,  wie  sie  in 
RPW 2006/3, 443 Rz 38, Börsenpflicht der SWX festgestellt wurde, keine grundsätzlichen Unter-
schiede vorliegen. Es dürften demnach nach wie vor starke Indizien dafür bestehen, dass SIX – 

5 

 
 
 
 
 
 
 
kartellrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Im Ergebnis kann diese Frage aber offengelas-
sen werden, da nach der Ansicht des Sekretariats prima facie sachliche Gründe gegeben sind, 
die das Verhalten von SIX als gerechtfertigt erscheinen lassen.  

4. 

a) 

Sachliche Gründe 

Vorbemerkungen 

21.  Ein Verhalten eines marktbeherrschenden Unternehmens ist nur dann missbräuchlich, 
wenn  es  sich nicht  durch  sachliche Gründe,  sog.  legitimate  business  reasons,  rechtfertigen 
lässt. Als solche sachlichen Rechtfertigungsgründe kommen einerseits betriebswirtschaftliche 
und  andererseits  –  zumindest  nach  herrschender  Lehre  und  Praxis  –  Effizienzgründe  in 
Frage.18 Eine Effizienzrechtfertigung ist möglich, wenn durch eine an sich unzulässige Verhal-
tensweise Effizienzvorteile erzielt werden, wodurch die wettbewerbsbeschränkenden Auswir-
kungen aufgewogen werden.19 In jedem Fall ist eine konkrete Rechtfertigung nur dann mög-
lich, wenn zusätzlich das Gebot der Verhältnismässigkeit gewahrt bleibt. 

b) 

Ausführungen von SIX in der Beratungsanfrage 

22.  SIX führt in der Beratungsanfrage aus, dass durch diesen minimalen Eingriff der Wett-
bewerb nicht beschränkt, sondern im Gegenteil gerade gefördert werde. Die geplante Einheits-
verbindung ermögliche es unter anderem, Börsenplätze, welche auf Hochgeschwindigkeitsda-
tenverbindungen  angewiesen  sind,  als  Handelsplätze  zu  erschliessen,  womit  neue  und 
attraktive handelsplatzübergreifende Börsengeschäftsmodelle erst ermöglicht würden. Mit der 
Einheitsverbindung soll zudem sichergestellt werden, dass Angebot und Zugang zur Handels-
plattform mittels Höchstgeschwindigkeit für alle Marktteilnehmer zu denselben Bedingungen 
möglich  ist  und  nicht  nur  für  eine  kleine  Gruppe  oder  gar  einen  einzelnen  Marktteilnehmer. 
Damit  stünden  allen  interessierten  Marktteilnehmern  dieselben  Instrumente  zur  Verfügung, 
womit Wettbewerbsverfälschungen beim eigentlichen Börsenhandel vermieden würden. Be-
treffend den Technologiewettbewerb ermögliche es die Einheitsverbindung, technologisch und 
wettbewerblich attraktive Angebote machen zu können und gleichzeitig stelle sie sicher, dass 
damit auf einer Low Latency-Technologie beruhende Angebote ihre Wettbewerbsvorteile ge-
genüber anderen schnellen Datenverbindungen ausspielen könnten.  

23.  Sofern  also  das  Einrichten  der  Einheitsverbindung  kartellrechtlich  problematisch  sein 
sollte, liessen sich insofern sachliche Gründe dafür finden, als dass dadurch für interessierte 
Marktteilnehmer der Zugang zu anderen Börsenplätzen, die solche Hochgeschwindigkeitsver-
bindungen voraussetzen, eröffnet und den Marktteilnehmern so das Angebot von innovativen, 
börsenplatzübergreifenden neuen Produkten und Angeboten ermöglicht werde.  

24.  Es solle gerade verhindert werden, dass einzelne – oder im Extremfall ein einzelner – 
Marktteilnehmer ein Monopol auf die schnellsten Verbindungen zwischen zwei Handelsplät-
zen, und damit auf den Zugang zur Matching-Engine der Börsen, erlangen könne. Eine solche 
Situation würde für alle diejenigen Marktteilnehmer, die über keinen entsprechenden Zugang 
verfügen,  einen  Wettbewerbsnachteil  darstellen,  denn  wer  schneller  Zugang  zu  aktuellen 
Marktinformationen hat und schneller Geschäfte abschliessen kann, verfügt über einen Wett-
bewerbsvorteil. Aufgrund der möglichen Renditen seien HFT bereit, grosse Summen zu inves-
tieren,  um  sich  einen  Latenzvorteil  gegenüber  ihren  Konkurrenten  zu  verschaffen.  Sollte  es 
einem HFT so gelingen, auf einem Markt eine dominante Position zu erlangen, könne dies die 

18  

auch auf dem vorliegend relevanten Markt – über eine marktbeherrschende Stellung verfügt. Da-
bei wird festgehalten, dass diese Beratungsantwort nicht das geeignete Gefäss ist, diese Frage 
abschliessend zu klären.  
LUCA STÄUBLE/FELIX SCHRANER,  in:  DIKE-Kommentar,  Bundesgesetz  über  Kartelle  und  andere 
Wettbewerbsbeschränkungen, Zäch et al. (Hrsg.), 2018, Art. 7 N 107 ff., mit Hinweisen.  
19   MARC  AMSTUTZ/BLAISE  CARRON,  in:  Basler  Kommentar  zum  Kartellgesetz,  Amstutz/Reinert 
(Hrsg.), 2. Auflage 2021, Art. 7 N 176 f.; DIKE KG-STÄUBLE/SCHRANER (Fn 18), Art. 7 N126. 

6 

 
 
 
 
 
 
 
Gewinnaussichten  anderer  HFT  erheblich  beeinträchtigen,  was  deren  Interesse  an  einem 
Handel  im  betreffenden  Markt  verringere.  Der  daraus  resultierende  Rückgang  an  HFT  und 
dem Wettbewerb zwischen den HFT könne die Wettbewerbssituation auf dem betreffenden 
Markt in Bezug auf Preisbildung, Spreads und Liquidität erheblich beeinträchtigen, was sich 
letztendlich negativ auf die Attraktivität dieses Marktes auswirke, da dadurch die Transaktions-
kosten für alle Marktteilnehmer steigen würden.20  

25.  Das  Vorhaben  der  SIX  solle  eine  solche  Situation  gerade  verhindern,  indem  allen  an 
einer Low Latency-Verbindung interessierten Marktteilnehmern dieselbe Verbindung zur Ver-
fügung steht. Die Einheitsverbindung soll für alle am Hochgeschwindigkeitshandel interessier-
ten  Marktteilnehmer  einheitliche  Wettbewerbsbedingungen  schaffen,  damit  keine  Wettbe-
werbsverzerrungen  entstehen.  Um  dies  zu  erreichen,  sei  das  Einrichten  der 
Einheitsverbindung  ein  geeignetes  Vorhaben.  Ein  milderes  Mittel,  mit  dem  der  angestrebte 
Zweck gleichermassen erreicht wird, sei nicht ersichtlich. Zwar gäbe es die Möglichkeit, den 
Marktteilnehmern einheitliche Vorgaben zu machen und so vom Einrichten der Einheitsverbin-
dung abzusehen. Dies sei aber technisch schwierig umzusetzen und müsste durch SIX kon-
trolliert werden, weshalb der Erlass von einheitlichen Vorgaben nicht als geeignete Alternative 
zum Einrichten der Einheitsverbindung angesehen werde.  

26.  Nicht  zuletzt  handle  es  sich  um  einen  verhältnismässig  leichten  Eingriff:  Es  werde  im 
Ergebnis lediglich eine schnellste Verbindungsroute zur Handelsplattform bestehen, auf der 
keine alternativen Verbindungen möglich seien und die von SIX selbst betrieben werde. Dies 
sei aber gerade Zweck der geplanten Einheitsverbindung, denn nur so könne der diskriminie-
rungsfreie  Zugang  zum Höchstgeschwindigkeitshandel  allen  Marktteilnehmern  gleichermas-
sen garantiert werden. SIX betont in der Beratungsanfrage mehrfach, dass sie den Zugang 
allen Marktteilnehmern zu einem angemessenen Preis offen und die Einheitsverbindung im-
mer auf dem technisch neusten Stand halten werde. Weiter werde ein Handel über die Hoch-
geschwindigkeitsinfrastruktur  der  SIX  jederzeit  möglich  bleiben,  da  die  SIX  gesetzlich  dazu 
verpflichtet sei, einen offenen und diskriminierungsfreien Zugang zu ihren Dienstleistungen zu 
gewährleisten.  Zudem  blieben  die  bisherigen,  weniger  schnellen,  Anbindungsmöglichkeiten 
zum  Co-Location-Service,  und  damit  zur  Matching  Engine,  via  Meet-me-Room  oder  direkt, 
weiterhin möglich. Kein Marktteilnehmer werde gezwungen, die neue Einheitsverbindung zu 
verwenden. Denjenigen Marktteilnehmern, die an der schnellsten Datenübertragung interes-
siert oder darauf angewiesen seien, stelle SIX mit der Einheitsverbindung die neuste Techno-
logie fair, diskriminierungsfrei und zu einheitlichen Bedingungen zur Verfügung. Dadurch er-
scheine  die  von  SIX  vorgesehene  Einheitsverbindung  nicht  unverhältnismässig,  um  das 
angestrebte Ziel zu erreichen.  

c) 

Einschätzung des Sekretariats 

27.  Unter dem status quo ist die Situation wahrscheinlich, dass zu jedem Zeitpunkt jeweils 
ein  einziger  HFT  die  schnellste  Verbindung  zur Handelsplattform  anbieten  kann.21  Weil  ge-
wisse Marktteilnehmer auf diese schnellste Verbindung angewiesen sind, verfügt dieser HFT 
damit, unabhängig von sämtlichen anderen Faktoren seines Angebots, in dieser Hinsicht über 
eine Monopolstellung. Mit entsprechenden Investitionen könnte ein anderer HFT versuchen, 
seinerseits  eine noch  schnellere  Verbindung  aufzubauen,  was  wiederum  diesem  HFT  dann 
die Monopolstellung einräumen würde;22 die Monopolposition kann sich also verschieben. Für 
sämtliche Marktteilnehmer, die auf die schnellste Verbindung angewiesen sind, steht aber nur 
derjenige HFT, der aktuell die schnellste Verbindung betreibt, zur Verfügung: Es ist nicht so, 

20  
21  

22  

Beilage 2 zur Beratungsanfrage, 3.  
Theoretisch wäre zwar möglich, dass zwei oder mehrere HFT gleich schnelle Verbindungen an-
bieten können, was aber angesichts der erheblichen Unterschiede, die im Hochfrequenzhandel 
bereits Nanosekunden ausmachen, unwahrscheinlich ist.  
Allerdings sind die Möglichkeiten hierzu aufgrund der zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbaren 
technologischen Möglichkeiten begrenzt.  

7 

 
 
 
 
 
 
 
dass der HFT mit der schnellsten Datenverbindung «lediglich» zum Anbieter mit einem mass-
geblichen Anteil am Markt würde; wer die schnellste Verbindung anbieten kann, beherrscht 
faktisch den gesamten hier relevanten Markt («the winner takes it all»). Dahingehend könnte 
sich der vorliegend zur Abklärung unterbreitete Fall von einer «klassischen» Wettbewerbssi-
tuation unterscheiden.  

28.  Es erscheint möglich, dass dieser Wettbewerb um die schnellste Verbindung mit volks-
wirtschaftlichen Ineffizienzen verbunden sein kann. Dies, zumal die Investitionen in eine noch 
schnellere Verbindung immens sind, jede zusätzliche Steigerung der Geschwindigkeit tenden-
ziell mit zunehmend höheren Kosten verbunden ist und bei Erfolg die gesamte Infrastruktur für 
die ehemals schnellste Verbindung obsolet und die getätigten Investitionen wertlos werden. 
Darüber hinaus ist selbst, wenn ein HFT (vorübergehend) die schnellste Verbindung anbieten 
kann nicht klar, wie lange dies tatsächlich der Fall sein wird. Kritische Stimmen betrachten die 
enormen Investitionen, die HFT im Wettbewerb um die schnellste Infrastruktur am Markt vor-
nehmen, denn auch als eine Verschwendung von Ressourcen mit potenziell negativen Aus-
wirkungen auf das Funktionieren des Marktes.23 Tatsächlich erscheint es plausibel, dass es 
volkswirtschaftlich wenig Sinn macht, solche Netzwerkinfrastrukturen, die nur unter sehr hohen 
initialen Kosten eingerichtet werden können, zu duplizieren. Zudem sind HFT im Wettbewerb 
um die schnellste Verbindung erheblichen Unsicherheiten sowohl bezüglich der Erfolgswahr-
scheinlichkeit als auch bezüglich der Dauer einer temporären Monopolstellung im Erfolgsfall 
ausgesetzt. Die vorliegende Kombination von immensen Investitionskosten und hohen Unsi-
cherheiten  in  Bezug  auf  den  aus  diesen Investitionen  resultierenden  Ertrag  stellt  eine  hohe 
Markteintrittsschranke dar und könnte darüber hinaus über die Zeit zu Marktaustritten führen. 
Dies  könnte  zu  einer  weiteren  Zementierung  der  Monopolstellung  des  zu  diesem  Zeitpunkt 
schnellsten Anbieters und damit zu potenziell negativen Auswirkungen auf dem Markt führen, 
wie SIX in der Beratungsanfrage ausführt.  

29.  Weiter ist ebenfalls denkbar, dass der Wettbewerb zwischen HFT mit Einrichten der Ein-
heitsverbindung nicht ausgeschaltet wird, selbst wenn es nur noch eine schnellste Verbindung 
gibt, die von SIX betrieben wird. Das Einrichten der Einheitsverbindung durch SIX dürfte je-
denfalls nach Einschätzungen des Sekretariats keine Anbieter aus dem Markt drängen. Viel-
mehr  erscheint  wahrscheinlich,  dass  eine  Verlagerung stattfindet:  Anstatt  dass  HFT  um  die 
schnellste Verbindung konkurrieren, die ihnen dann eine – allenfalls temporäre – Monopolstel-
lung einräumt («competition for the market»), müssen HFT auf andere Weise in Wettbewerb 
treten. Sie müssen sich so über attraktivere Produkte und Dienstleistungen an ihre Endkunden 
von ihren Konkurrenten abheben («competition in the market»). Dabei erscheint nachvollzieh-
bar, dass eine auch temporäre Monopolstellung eines Anbieters aus der Optik des Gesamt-
markts weniger erstrebenswert ist, als wenn verschiedene HFT über ihre Produkte und Dienst-
leistungen  direkt  um  Endkunden  konkurrieren  (müssen).  Wettbewerb  auf  dieser  Ebene  ist 
auch nicht mit prohibitiv hohen Investitionen verbunden, womit die Gefahr, dass HFT grund-
sätzlich aus dem Wettbewerb aussteigen oder gar nicht erst in diesen eintreten, nach Ansicht 
des Sekretariats geringer ist.  

30.  Einschränkend  ist  jedoch  anzumerken,  dass  mehr  Wettbewerb  zwischen  HFT  nicht 
zwingend  zu  Verbesserungen  der  Effizienz  der  entsprechenden  Wertschriftenmärkte  führt. 
HFT können am Markt grundsätzlich auf zwei Arten auftreten: als Market Maker einerseits oder 
spekulativ andererseits.24 Als Market Maker sind sie aufgrund ihrer Infrastruktur in der Lage, 
ihre  Kurse  schnell  anzupassen  und  den  Markt  mit  Liquidität  zu  versorgen.  In  diesem  Fall 

23  

24  

JOHANNES BRECKENFELDER, How does competition among high-frequency traders affect market 
liquidity?, ECB Research Bulletin No. 78, 15 December 2020, 4 f. (abrufbar unter: ‹www.ecb.eu 
ropa.eu/pub/economic-research/resbull/2020/html/ecb.rb201215~210477c6b0.en.pdf›, 
zuletzt 
aufgerufen am 12.10.2022). 
JOHANNES BRECKENFELDER Competition among high-frequency traders, and market quality, ECB 
Working  Paper  Series  No  2290  /  June  2019,  2  (abrufbar  unter:  ‹www.ecb.europa.eu/pub/pdf/ 
scpwps/ecb.wp2290~b5fec3a181.en.pdf›, zuletzt aufgerufen am 12.10.2022).  

8 

 
 
 
 
 
 
 
profitieren die «Low Frequency Trader», das heisst primär die Anleger, von niedrigeren Trans-
aktionskosten, da die HFT durch ihre Infrastruktur in der Lage sind, zur price discovery beizu-
tragen. Beim spekulativen Handel ermöglicht ihnen diese Infrastruktur aber, ihren Geschwin-
digkeitsvorteil  auszunutzen,  um  die  von  Konkurrenten  mit  höheren  Latenzen  eingestellten 
Quotes bei Veränderungen auf dem Markt schnell zu übernehmen und an diese Veränderun-
gen anzupassen. Da die übernommenen Quotes aufgrund der Veränderungen am Markt nun 
veraltet sind, können die agierenden HFT in diesen Momenten auf Kosten ihrer Wettbewerber 
– ihrerseits häufig HF-Market Maker – Gewinne erzielen. Um diese antizipierten Verluste ab-
zufedern, müssen Market Maker ihre Spreads erweitern.25 Es sind diese Wettläufe zwischen 
Market Makern und HF-Spekulanten, die der Liquidität am Markt abträglich sind. Damit bezah-
len die Anleger letztendlich höhere Transaktionskosten, beispielsweise in Form erweiterter bid 
ask-spreads.26 Dies wiederum führt dazu, dass die Liquidität am Markt abnimmt, während die 
kurzfristige  Volatilität  steigt.27  Diese  möglicherweise  ambivalenten  Wettbewerbswirkungen 
sprechen aus Sicht des Sekretariats aber nicht per se gegen die geplante Einführung einer 
Einheitsverbindung durch SIX, zumal die entsprechenden Erwartungen in der Beratungsan-
frage bezüglich positiver Wettbewerbswirkungen einer einzigen schnellsten Leitung glaubhaft 
erscheinen.  

31.  Das Sekretariat geht aber mit den Ausführungen von SIX insoweit einig, als dass jede 
Monopolstellung potentiell Risiken für das Funktionieren des Wettbewerbs birgt. Dies gilt auch 
für einen möglichen Missbrauch einer Monopolstellung von SIX nach Massgabe von Art. 7 KG 
im Falle einer Umsetzung des geplanten Vorhabens. Das Risiko einer entsprechenden miss-
bräuchlichen Verhaltensweise von SIX wird vorliegend jedoch einerseits durch die Zusiche-
rungen von SIX relativiert, den Zugang zu dieser schnellsten Verbindung allen interessierten 
Marktteilnehmern gleichermassen nach den Prinzipien der Offenheit, Fairness und Diskrimi-
nierungsfreiheit und zu angemessenen Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Andererseits 
ist vorliegend auch auf die zuvor erwähnten finanzmarktrechtlichen Rahmenbedingungen hin-
zuweisen, welche SIX faktisch dazu zwingen, den diskriminierungsfreien und offenen Zugang 
zu ihrer Finanzmarktinfrastruktur sicherzustellen. Überdies ist SIX, welche die Einheitsverbin-
dung zur Verfügung stellt, selbst nicht als Händlerin auf dem Markt tätig und steht so mit den-
jenigen Marktteilnehmern, die auf diese Verbindung angewiesen sind, nicht im Wettbewerb.  

32.  Wohlgemerkt wäre theoretisch denkbar, dass SIX den Betrieb der schnellsten Verbin-
dung auch dauerhaft einem von SIX als Börsenbetreiberin unabhängigen Unternehmen über-
trägt. Eine solche Entflechtung würde insbesondere möglichen Gefahren im Zusammenhang 
mit  der  Tatsache,  dass  SIX  auch  in  anderen  Bereichen  der  Finanzmärkte  über  eine  starke 
Marktstellung verfügt, entgegenwirken. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob so ein diskri-
minierungsfreier und offener Zugang zu angemessenen Bedingungen gleichermassen sicher-
gestellt werden kann wie bei einem Betrieb durch SIX selbst.  

5. 

Schlussfolgerungen 

33.  Es erscheint dem Sekretariat plausibel, dass sich die Marktsituation durch das Einrichten 
der Einheitsverbindung zwar verändert, indem neue Markt- und Wettbewerbsbedingungen zu-
gunsten einer entsprechenden Monopolstellung von SIX künstlich geschaffen werden («mar-
ket design»). Dies heisst allerdings nicht automatisch, dass das Vorhaben kartellrechtlich prob-
lematisch wäre. Es erscheint nachvollziehbar, dass mit dem Einrichten der Einheitsverbindung 

25  

26  
27  

«High-frequency speculative trading entails ‹sniping› stale quotes of high-frequency market mak-
ers, and is detrimental to investors because it increases the cost of liquidity provision. In [study] 
any change from a non-competitive high-frequency trading environment to an environment with 
two or more HFTs harms market liquidity since high-frequency speculative trading increases and 
liquidity  providers  incorporate  the  cost  of  getting  sniped  into  the  bid-ask  spread  they  charge» 
(BRECKENFELDER [Fn 24], 2, mit weiteren Hinweisen).  
BRECKENFELDER, (Fn 23), 2.  
BRECKENFELDER (Fn 24), 29.  

9 

 
 
 
 
 
 
 
das  sehr  investitionsintensive  –  und  damit  potentiell  volkswirtschaftlich  ineffiziente  –  «arms 
race» um die schnellste Datenverbindung wegfällt. Ebenfalls plausibel erscheint, dass nach 
dem Einrichten der Einheitsverbindung negative Wettbewerbswirkungen der jeweils temporä-
ren Monopolstellung eines einzigen HFT wegfallen und sich der Wettbewerb unter den HFT 
auf andere Bereiche (vor)verlagern kann, insbesondere auf die Produkte und die Dienstleis-
tungen der HFT. Aus Sicht des Sekretariats bestehen vor diesem Hintergrund keine grund-
sätzlichen kartellrechtlichen Bedenken mit Blick auf das Vorhaben von SIX, im Bereich ihrer 
Finanzhandelsplattform für den Datentransfer vom Einspeisepunkt zum Co-Location-Service 
für Low Latency-Verbindungen eine Einheitsverbindung bereitzustellen.  

34.  Darüber  hinaus  bestehen  aus  Sicht  des  Sekretariats  aufgrund  der  finanzmarktrechtli-
chen Rahmenbedingungen und der Zusicherungen von SIX, den Betrieb eines solchen Mono-
polzugangs jederzeit fair, diskriminierungsfrei und zu angemessenen Bedingungen offen zu 
halten,  auch  keine  unmittelbaren  Bedenken  bezüglich  eines  möglichen  Missbrauchs  einer 
marktbeherrschenden Stellung nach Massgabe von Art. 7 KG. 

Im Ergebnis geht das Sekretariat davon aus, dass das Vorhaben von SIX gestützt auf 
35. 
die Ausführungen und Zusicherungen in der Beratungsanfrage prima facie kartellrechtlich nicht 
unzulässig erscheint, solange der Zugang allen interessierten Marktteilnehmern gleichermas-
sen gemäss den Prinzipien der Offenheit, Fairness und Diskriminierungsfreiheit und zu ange-
messenen Bedingungen zur Verfügung gestellt wird. Das Sekretariat nimmt die Zusicherung 
von SIX dahingehend (Rz 53 der Beratungsanfrage) zur Kenntnis.  

10