# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c6c64821-4b2c-57e5-8843-2190d49153c1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.05.2024 B-4086/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-4086-2022_2024-05-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung II 

B-4086/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  M a i  2 0 2 4   

Besetzung 
 Richterin Kathrin Dietrich (Vorsitz), 

Richter Christoph Errass, Richter Pascal Richard,  

Gerichtsschreiber Roger Mallepell. 
 

 
 

Parteien 
 A._______ AG,  

(…) 

vertreten durch die Rechtsanwälte 

Niklaus Glatthard und Dominic Ley,  

(…) 

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau, 

(…) 

Vorinstanz,  

 

Departement Finanzen und Ressourcen Kanton Aargau, 

Abteilung Landwirtschaft, 

(…) 

Erstinstanz.   
 

 
 

Gegenstand 
 Direktzahlungen 2021. 

 

B-4086/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die A._______ AG ist eine im Handelsregister des Kantons Aargau ein-

getragene Aktiengesellschaft mit Sitz in (…). Der Zweck der Gesellschaft 

besteht in (Gesellschaftszweck im Bereich landwirtschaftliche Produktion). 

A.b Im Jahr 2019 stellte die A._______ AG auf die biologische Bewirtschaf-

tung um. Am (…) 2019 zertifizierte die bio.inspecta AG, (…) (nachfolgend 

auch: Zertifizierungsstelle), die A._______ AG erstmals als Betrieb, dessen 

Produkte und Tätigkeiten die Anforderungen der Verordnung vom 22. Sep-

tember 1997 über die biologische Landwirtschaft und die Kennzeichnung 

biologisch produzierter Erzeugnisse und Lebensmittel (Bio-Verordnung; 

SR 910.18), von Bio Suisse und von CH-Bio erfüllen (https://www.easy-

cert.com/htm/zertifikate.htm > ID-Nummer […], […]).  

A.c Die A._______ AG bewirtschaftet unter anderem die Parzellen 

K._______ ([...]), L._______ ([...]), M._______ ([...]) und N._______ ([…]).  

A.d Im Jahr 2021 baute die A._______ AG auf den Parzellen K._______, 

L._______ und M._______ Kartoffeln und auf der Parzelle N._______ (ver-

schiedene Gemüsesorten) an. Für diese Kulturen beantragte die 

A._______ AG im Jahr 2021 Direktzahlungen für die biologische Landwirt-

schaft. 

A.e (Im Mai 2021) stellte ein anonymer Absender dem Departement Finan-

zen und Ressourcen des Kantons Aargau, Abteilung Landwirtschaft (nach-

folgend: Erstinstanz) ein Foto zu, welches laut der Bildlegende am (...) auf-

genommen wurde und (die Parzelle K._______) der A._______ AG zeige. 

In einer unterhalb vom Foto angebrachten Notiz wirft die Eingabe die Frage 

auf, ob auf dem abgebildeten, weitestgehend unkrautfreien, Kartoffelfeld 

trotz biologischer Produktion Herbizide eingesetzt worden seien. 

  

B-4086/2022 

Seite 3 

B.  

B.a Aufgrund des anonymen Hinweises vom (Mai 2021) liess die Erstin-

stanz auf den Parzellen K._______, L._______, M._______ und 

N._______ am (Ende Mai 2021) Bodenproben entnehmen. Der beauf-

tragte Kontrolleur schritt die Parzellen je in einem Zickzackkurs ab und ent-

nahm von jeder Parzelle aus einer Tiefe von drei bis fünf Centimetern ins-

gesamt je ein Kilogramm Erde. Bei den Kartoffelkulturen erfolgte die Pro-

benahme seitlich und oben auf den Dämmen. Am Schluss mischte der 

Kontrolleur die entnommene Erde zu einer einzelnen Mischprobe mit ei-

nem Gewicht von vier Kilogramm. Zusätzlich dokumentierte er die ange-

troffene Situation mit Fotos der vier beprobten Parzellen.  

B.b Am selben Tag (Ende Mai 2021) fand auf dem Betrieb der 

A._______ AG die angemeldete Hauptkontrolle der bio.inspecta AG statt. 

B.c Die Erstinstanz leitete die Mischprobe vom (Ende Mai 2021) zur Un-

tersuchung auf Pflanzenschutzmittelrückstände an das Labor I._______, 

(…), weiter. Dieses stellte mit Prüfbericht vom (Juni 2021) die folgenden 

Rückstände der Herbizide Aclonifen und Pendimethalin sowie des Fungi-

zids Boscalid fest: 0.37 mg/kg Aclonifen, 0.011 mg/kg Pendimethalin, <0.01 

mg/kg Boscalid. 

Ergänzend merkte das Labor im Prüfbericht vom (Juni 2021) an, dass der 

Einsatz von Produkten mit den detektierten Wirkstoffen gemäss dem Pflan-

zenschutzmittelverzeichnis des Bundesamtes für Landwirtschaft in der 

Schweiz bei Kartoffeln nicht zugelassen sei. Dem Labor sei nicht bekannt, 

"ob es eine Zulassung neueren Datums oder eine schlafende (alte, jedoch 

noch gültige) Zulassung" gebe. Weiter bewertete das Labor das Analyseer-

gebnis mit dem Kommentar, dass "eine finale Beurteilung nicht möglich" 

sei, "da es sich um eine Mischprobe" handle (…).  

B.d Am 11. Juni 2021 orientierte die Erstinstanz die A._______ AG über 

die positiv ausgefallene Laboranalyse und gab ihr Gelegenheit zur Stel-

lungnahme. Zudem forderte die Erstinstanz die A._______ AG auf, die Auf-

zeichnungen über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie "die Par-

zellenaufzeichnungen/Ackerschlagkartei/Kulturblätter" der Jahre 2020 und 

2021 einzureichen. 

  

B-4086/2022 

Seite 4 

B.e Die A._______ AG reichte der Erstinstanz die verlangten Dokumente 

am 24. Juni 2021 ein. Weiter teilte die A._______ AG mit, dass sie sich die 

Ergebnisse der Erstinstanz nicht erklären könne. In den drei Jahren, seit 

sie Bio produziere, sei ihre Bodenbeschaffenheit noch nie beanstandet 

worden. Die Erstinstanz werde um Zustellung der Akten mit den Laborer-

gebnissen ersucht. Nur so könne die A._______ AG die Situation prüfen 

und eingehend dazu Stellung nehmen. 

B.f Darauf übermittelte die Erstinstanz der A._______ AG am 21. Juli 2021 

ein mit dem Titel "Beurteilung Ihrer Direktzahlungen für das Jahr 2021" 

überschriebenes Schreiben. Darin teilte die Erstinstanz der A._______ AG 

mit, dass sie einen Herbizideinsatz durch diese gestützt auf das vorlie-

gende Analyseergebnis als erwiesen erachte. Zudem habe die A._______ 

AG die eingesetzten Pflanzenschutzmittel nicht vollständig aufgezeichnet. 

Die Beiträge für die biologische Landwirtschaft würden daher um (rund 

Fr. 100’000.-) gekürzt. Zusätzlich erfolge eine Direktzahlungskürzung um 

(unter Fr. 500.-) wegen nicht korrekt geführtem Feldkalender. Falls die 

A._______ AG damit nicht einverstanden sei, könne sie innert 30 Tagen 

Einwände vorbringen oder eine beschwerdefähige Verfügung verlangen. In 

der Beilage liess die Erstinstanz der A._______ AG wunschgemäss den 

Prüfbericht des Labors I._______ vom (Juni 2021) zukommen.  

B.g Eine Kopie des Schreibens vom 21. Juli 2021 sandte die Erstinstanz 

an die bio.inspecta AG. Zusätzlich informierte sie diese per E-Mail und er-

suchte sie, die Angelegenheit "auf Labelebene / Zertifizierung" zu klären 

und Bio Suisse zu informieren. 

B.h Am 23. August 2021 äusserte sich die A._______ AG zur angekündig-

ten Direktzahlungskürzung. Sie führte aus, dass sie sich die Vorkommnisse 

trotz der zwischenzeitlich durchgeführten internen Abklärungen nach wie 

vor nicht erklären könne. Die bio.inspecta AG habe aufgrund der Meldung 

der Erstinstanz ein eigenes Verfahren eröffnet. In diesem habe die bio.in-

specta AG eine Zusatzkontrolle durchgeführt, weitere Bodenproben ent-

nommen und zur Analyse einem wissenschaftlichen Institut übergeben. 

Das Resultat dieser Analyse stehe noch aus. Die Erstinstanz werde des-

halb ersucht, das Direktzahlungsverfahren zu sistieren. Ansonsten möge 

die Erstinstanz die Einwände der A._______ AG im Verfahren der bio.in-

specta AG berücksichtigen (nachfolgend C.b) oder eine beschwerdefähige 

Verfügung erlassen. 

B-4086/2022 

Seite 5 

B.i Darauf verfügte die Erstinstanz am 27. Oktober 2021 eine Kürzung der 

Direktzahlungen der A._______ AG für das Jahr 2021 im Umfang von (rund 

Fr. 100’000.-). Wie angekündigt beinhaltete die Kürzung einen Betrag von 

(rund Fr. 100’000.-) aufgrund Verletzung der Vorgaben für die biologische 

Landwirtschaft durch den Einsatz von Herbiziden sowie einen Betrag von 

(unter Fr. 500.-) wegen nicht korrekt geführtem Feldkalender (Mangel beim 

ökologischen Leistungsnachweis). Die Beitragskürzung sei mit den Direkt-

zahlungen 2021 verrechnet worden. 

C.  

C.a Die bio.inspecta AG stellte der A._______ AG gestützt auf die Meldung 

der Erstinstanz (B.g) am 28. Juli 2021 einen "Vorbescheid betreffend Re-

zertifizierung und Aberkennung Ihres Betriebes" zu. Der Einsatz von Her-

biziden stelle einen schwerwiegenden Verstoss sowohl gegen die Bestim-

mungen der Bio-Verordnung als auch gegen die Richtlinien der Bio Suisse 

dar. Die bio.inspecta AG ziehe aufgrund der klaren Sachverhalts- und 

Rechtslage in Erwägung, der A._______ AG die Betriebszertifizierungen in 

beiden Bereichen abzuerkennen. Vor dem definitiven Zertifizierungsent-

scheid könne die A._______ AG schriftlich Stellung nehmen. 

C.b In der am 4. August 2021 eingereichten Stellungnahme kritisierte die 

A._______ AG die Testung der Bodenproben vom (Ende Mai 2021) durch 

die Erstinstanz als Mischprobe (B.a). Bei diesem Vorgehen sei nicht nach-

vollziehbar, ob auf allen vier geprüften Parzellen Herbizide festgestellt wor-

den seien oder zum Beispiel nur auf einer. Der Prüfbericht des Labors 

I._______ vom (Juni 2021) (B.c) halte ausdrücklich fest, dass eine finale 

Beurteilung bei der eingereichten Mischprobe nicht möglich sei.  

Zudem berief sich die A._______ AG auf ein am (Juni 2021) an sie gesand-

tes, anonymes Schreiben, welches wie folgt lautet (Erstinstanz, act. 90 f.): 

"(Text des Schreibens [u.a. Hinweis auf das Herbizid-Verbot für Bio-Betriebe 

und dass ein Herbizideinsatz durch die A._______ AG offensichtlich sei])" 

  

B-4086/2022 

Seite 6 

Die A._______ AG könne aufgrund dieses anonymen Schreibens nicht 

ausschliessen, dass der Verfasser oder die Verfasserin böswillig Herbizide 

auf ihren Parzellen eingesetzt habe, um ihr wirtschaftlich zu schaden. Ab-

gesehen davon könnten früher eingesetzte Herbizide nach einer längeren 

Zeit im Boden wieder an die Oberfläche treten; dies namentlich, wenn die 

Böden wie vorliegend einen grösseren Tonanteil beinhalten würden. 

C.c (Mitte August 2021) entnahm die bio.inspecta AG auf den Parzellen 

K._______, L._______, M._______ und N._______ ihrerseits Bodenpro-

ben. Die Kontrolleure schritten die vier Parzellen in einem "X" ab. Wie be-

reits der Kontrolleur der Erstinstanz am (Ende Mai 2021) (B.a), entnahmen 

auch die Kontrolleure der bio.inspecta AG die Proben "seitlich und (oben) 

auf den Dämmen" der Kartoffelkulturen. Dabei erfolgte die Probenahme 

am (Mitte August 2021) nach übereinstimmenden Angaben aus tieferen 

Bodenschichten als jene am (Ende Mai 2021), nämlich aus einer Boden-

tiefe von "bis ca. 10 cm" statt einer Tiefe von drei bis fünf Centimetern (B.a; 

[…]). Zudem liess die bio.inspecta AG die Proben vom (Mitte August 2021) 

im Unterschied zur Erstinstanz nicht als Mischprobe, sondern für jedes der 

vier beprobten Felder als Einzelprobe analysieren. 

C.d Das Pestizidscreening des Labors J._______(…), stellte in den Einzel-

proben vom (Mitte August 2021) einen Rückstand des Herbizids Aclonifen 

einzig auf der Parzelle M._______ fest. Gemessen wurde ein Wert von 

0.012 mg/kg Aclonifen (gegenüber 0.37 mg/kg Aclonifen in der Mischprobe 

vom (Ende Mai 2021) [B.c]). Zudem ergab die Analyse der Einzelproben 

vom (Mitte August 2021) einen Nachweis von geringen Mengen der Pesti-

zide Chlorpyrifos (0.013 mg/kg), Difenocanazol (0.010 mg/kg) und Pendi-

methalin (0.033 mg/kg; Prüfberichte Labor J._______ vom (August 2021); 

[…]). 

C.e In der Folge leitete die bio.inspecta AG die Akten mit dem Prüfbericht 

des Labors I._______ vom (Juni 2021) und den Prüfberichten des Labors 

J._______ vom (August 2021) an das Forschungsinstitut O._______, (…), 

weiter und beauftragte dieses, die Wahrscheinlichkeit einer Anwendung 

von Herbiziden durch die A._______ AG wissenschaftlich zu beurteilen.  

C.f Am 2. September 2021 reichte das Forschungsinstitut O._______ der 

bio.inspecta AG den Bericht "Ursachenabklärung bei Rückstandsfällen" 

ein.  

  

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Seite 7 

C.g Darauf fällte die bio.inspecta AG am 6. Oktober 2021 den Zertifizie-

rungsentscheid. Laut diesem sah die bio.inspecta AG davon ab, der 

A._______ AG die Zertifizierung als Bio-Betrieb abzuerkennen. Gleichzei-

tig stellte die bio.inspecta AG der A._______ AG eine zeitnahe Zusatzkon-

trolle sowie Probenahmen in regelmässigen Abständen in Aussicht.  

D.  

D.a Am 28. November 2021 erhob die A._______ AG gegen die Verfügung 

der Erstinstanz vom 27. Oktober 2021 (B.i) Beschwerde beim Verwaltungs-

gericht des Kantons Aargau (nachfolgend: Vorinstanz). Sie stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

"1. Die Verfügung vom 27. Oktober 2021 des Departement Finanzen und Res-

sourcen, Landwirtschaft Aargau, Direktzahlungen & Beiträge sei aufzuheben. 

2. Es sei festzustellen, dass die [A._______ AG] wie bis anhin Anspruch auf 

Beiträge für die biologische Landwirtschaft hat. 

3. Es seien die Beiträge für die biologische Landwirtschaft an die 

[A._______ AG] im vollen Betrag unverändert auszuzahlen. 

4. Das vorliegende Beschwerdeverfahren sei bis zur rechtskräftigten Erledi-

gung des Verfahrens der bio.inspecta AG zu sistieren. 

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MWST) zulasten des Kantons 

Aargau." 

Die A._______ AG bestritt unverändert, Herbizide eingesetzt zu haben. Die 

festgestellten Rückstandswerte seien zudem zu tief, um effektiven Pflan-

zenschutz zu betreiben. Es könne nicht sein, dass das Zertifizierungs- und 

das Direktzahlungsverfahren, bei welchen es je um den angeblichen Ein-

satz von Herbiziden gehe, ungleich beurteilt würden. Das Beschwerdever-

fahren vor der Vorinstanz sei daher bis zum Eintritt der Rechtskraft des 

Zertifizierungsentscheids vom 6. Oktober 2021 zu sistieren.  

D.b Die Erstinstanz beantragte mit Beschwerdeantwort vom 25. Februar 

2022 die Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei darauf mangels ge-

nügender Begründung nicht einzutreten. 

D.c In der Folge lud die Vorinstanz die Parteien auf den 29. Juni 2022 zu 

einer Verhandlung mit Partei- und Zeugeneinvernahmen ein. Als Vertreter 

der A._______ AG befragte die Vorinstanz die Herren B._______ und 

C._______ und als Vertreter der Erstinstanz die Herren D._______ und 

E._______. Als Zeugen befragte die Vorinstanz am 29. Juni 2022 folgende 

Personen: 

B-4086/2022 

Seite 8 

– (1) Herrn F._______, (…) (Kontrolleur, welcher am [Ende Mai 2021] die 

Mischprobe für die Erstinstanz entnommen und die Situation mit Fotos 

dokumentiert hatte),  

– (2) Herrn G._______ (zuständiger Kontrolleur für die Einzelprobenah-

men der bio.inspecta AG am [Mitte August 2021]),  

– (3) Herrn H._______ (Verfasser des Berichts "Ursachenabklärung bei 

Rückstandsfällen" vom 2. September 2021).  

Die Erstinstanz gab als Vorbemerkung bekannt, dass sie auf den vier Par-

zellen der A._______ AG am (Mai 2022) erneut eine Mischprobe entnom-

men habe. Deren Analyse spreche gegen Altlasten. Denn laut dem ent-

sprechenden Laborbericht seien in der Nachbeprobung vom (Mai 2022) 

abgesehen von <0.01 mg/kg Difenoconazol und 0.016 mg/kg Spinosad 

keine Pflanzenschutzmittel mehr nachgewiesen worden. Der Zeuge 

H._______ gab der Vorinstanz einen Artikel über eine Studie zu Rück-

standwerten auf Bioparzellen zu den Akten ("Widespread Occurrence of 

Pesticides in Organically Managed Agricultural Soils - the Ghost of a Con-

ventional Agricultural Past?"). 

D.d Die Vorinstanz fällte ihren Entscheid unmittelbar im Anschluss an die 

Verhandlung vom 29. Juni 2022. Mit Urteil vom 29. Juni 2022 wies sie die 

Beschwerde der A._______ AG unter Auferlegung der Verfahrenskosten 

auf diese ab.  

  

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Seite 9 

E.  

E.a Gegen dieses Urteil erhebt die A._______ AG (nachfolgend: Be-

schwerdeführerin) am 13. September 2022 Beschwerde beim Bundesver-

waltungsgericht. Sie wirft den Vorinstanzen eine unrichtige und unvollstän-

dige Feststellung des Sachverhalts sowie eine Verletzung von Bundes-

recht vor und beantragt die Aufhebung des angefochtenen Urteils unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge (Rechtsbegehren-Ziffern 1 und 4). Die 

Erstinstanz sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin zusätzliche Bei-

träge für die biologische Landwirtschaft für das Beitragsjahr 2021 im Um-

fang von mindestens (rund Fr. 100’000.-) auszuzahlen (Rechtsbegehren-

Ziffer 2). Eventualiter sei das Urteil vom 29. Juni 2022 aufzuheben und die 

Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Rechtsbe-

gehren-Ziffer 3).  

E.b Die Vorinstanz liess sich am 25. Oktober 2022 vernehmen. Sie hielt 

am angefochtenen Urteil und der darin vorgenommenen Beweiswürdigung 

fest. Sämtliche Ausführungen der Beschwerdeführerin seien unbegründet.  

E.c Die Erstinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 9. November 

2022 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.  

E.d Am 2. Dezember 2022 reichte die Erstinstanz verschiedene weitere 

Akten ein. Darunter befinden sich drei zusätzliche – während der Kontrolle 

vom (Ende Mai 2021) aufgenommene – Fotos, eine Gesamtübersicht über 

die im Recht liegenden Fotos der Kontrolle vom (Ende Mai 2021) mit An-

gabe der genauen Aufnahmezeiten sowie eine E-Mail des deutschen Bun-

desamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum Vor-

gehen bei der Abschätzung der Konzentration von Pflanzenschutzmitteln 

im Boden.  

E.e Mit Replik vom 23. Januar 2023 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem 

Standpunkt fest.  

E.f Während die Vorinstanz auf die Erstattung einer Duplik verzichtete, be-

kräftigte die Erstinstanz ihre Position mit Duplik vom 22. Februar 2023.  

E.g In der Folge lud das Bundesverwaltungsgericht das Bundesamt für 

Landwirtschaft (BLW) am 14. März 2023 zur Einreichung eines Fachbe-

richts ein. Gleichzeitig ersuchte es das BLW, diverse Fragen zu beantwor-

ten.  

B-4086/2022 

Seite 10 

E.h Das BLW reichte den Fachbericht mit den Antworten auf die Fragen 

innert erstreckter Frist am 16. Juni 2023 ein. Zusammenfassend kam es 

zum Schluss, dass die Kürzung der Direktzahlungen der Beschwerdefüh-

rerin für das Jahr 2021 in Bezug auf die Anwendung des Herbizids Acloni-

fen rechtmässig erfolgt sei. Das BLW habe gestützt auf die vorliegenden 

Akten keine ernsthaften Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin das 

Herbizid Aclonifen bewusst angewendet habe. Allerdings weise die Be-

rechnung der Direktzahlungskürzung einen Fehler auf. Korrekterweise 

habe die Erstinstanz den Beitrag der Beschwerdeführerin für die biologi-

sche Landwirtschaft nicht nur um (rund Fr. 100’000.-), sondern um (rund 

Fr. 110’000.-) kürzen müssen, was dem Gesamtbetrag für die biologische 

Landwirtschaft entspreche.  

E.i Am 22. Juni 2023 und am 29. Juni 2023 nahmen die Erstinstanz und 

die Vorinstanz Stellung zum Fachbericht des BLW vom 16. Juni 2023. 

Während die Vorinstanz diesen als schlüssig und nachvollziehbar bezeich-

nete, nahm die Erstinstanz einerseits zustimmend zur Kenntnis, dass das 

BLW ihre Feststellungen und Erläuterungen gestützt habe. Andererseits 

wies die Erstinstanz darauf hin, dass die vom BLW geltend gemachte, an-

geblich zu tiefe Beitragskürzung aus den folgenden Gründen unzutreffend 

sei: 

Die Schlussabrechnung der Direktzahlungen für das Beitragsjahr 2021 

vom (November 2021) weise die Berechnung des Beitrags für die biologi-

sche Landwirtschaft mit einer Summe von total (rund Fr. 100’000.-) aus. 

Die Kürzung dieses Betrags um 100% finde sich wiederum unter der Rubrik 

"Korrekturen und Kürzungen Bundesprogramme (DZV + EKBV)". Damit sei 

die Direktzahlungskürzung für das Jahr 2021 nachweislich korrekt vorge-

nommen worden. Das BLW sei offenbar davon ausgegangen, dass 110 

Punkte 100 Prozent der Beiträge entsprächen, was jedoch nicht der Fall 

sei. Die 110 Punkte entsprächen 110 Prozent der Beiträge und die 100 

Punkte 100 Prozent der Beiträge, da im Biolandbau maximal die ganzen 

Beiträge gekürzt werden könnten.  

E.j Das Bundesverwaltungsgericht gab dem BLW daher Gelegenheit, sich 

zur Frage der korrekten Höhe der Direktzahlungskürzung erneut zu äus-

sern. Mit Eingabe vom 13. Juli 2023 teilte das BLW mit, dass es der Dar-

stellung der Erstinstanz aufgrund der nachgereichten Schlussabrechnung 

vom (November 2021) zustimme. Die Erstinstanz habe gemäss ihrer Klar-

stellung effektiv (rund Fr. 100’000.-) Direktzahlungen gekürzt. Dieser Be-

trag entspreche 100 Prozent der Beiträge für die biologische 

B-4086/2022 

Seite 11 

Landwirtschaft. Damit habe die Erstinstanz die Kürzungsvorgaben korrekt 

umgesetzt.  

E.k Am 14. Juli 2023 lud das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde-

führerin zur Einreichung einer abschliessenden Stellungnahme ein. Darauf 

teilte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 31. August 2023 fristge-

recht mit, dass die Ausführungen sowie die Schlussfolgerung des BLW im 

Fachbericht für sie unverständlich seien und vollumfänglich bestritten wür-

den. Im Übrigen verwies die Beschwerdeführerin auf die Beschwerde und 

bekräftigte, dass sie das Herbizid Aclonifen nicht angewendet habe.  

E.l Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und der übrigen Beteiligten 

sowie die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägun-

gen eingegangen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG; SR 173.32) be-

urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen 

nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-

waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021). 

Gegen Verfügungen kantonaler Instanzen ist die Beschwerde an das Bun-

desverwaltungsgericht zulässig, soweit ein Bundesgesetz gegen ihre Ver-

fügungen die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vorsieht 

(Art. 33 Bst. i VGG). Art. 166 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 29. April 

1998 über die Landwirtschaft (Landwirtschaftsgesetz, LwG; SR 910.1) hält 

fest, dass gegen Verfügungen letzter kantonaler Instanzen in Anwendung 

des LwG und seiner Ausführungsbestimmungen Beschwerde beim Bun-

desverwaltungsgericht erhoben werden kann. Ausgenommen davon sind 

kantonale Verfügungen über Strukturverbesserungen (Art. 166 Abs. 2 

LwG).  

  

B-4086/2022 

Seite 12 

1.2 Der vorliegend angefochtene Beschwerdeentscheid vom 29. Juni 2022 

ist eine hoheitliche Anordnung der Vorinstanz im Einzelfall, welche die da-

maligen Begehren der Beschwerdeführerin (D.a) vollumfänglich abweist 

und sich auf das LwG sowie die Verordnung vom 23. Oktober 2013 über 

die Direktzahlungen an die Landwirtschaft (Direktzahlungsverordnung, 

DZV; SR 910.13) stützt. Die Vorinstanz behandelte die Angelegenheit als 

letzte kantonale Instanz (§ 59 Abs. 1 des kantonalen Landwirtschaftsge-

setzes vom 13. Dezember 2011 [LwG AG; SAR 910.200]). 

1.3 Demnach liegt eine in Anwendung des LwG und seiner Ausführungs-

bestimmungen ergangene Verfügung nach Art. 5 VwVG vor, die von einer  

Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. i VGG i.V.m. Art. 160 Abs. 2 LwG 

stammt. Im Übrigen geht es vorliegend weder um eine kantonale Verfü-

gung über Strukturverbesserungen (Art. 166 Abs. 2 LwG) noch besteht 

eine andere gesetzliche Ausnahme (vgl. Art. 32 VGG).  

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Behandlung der vorliegen-

den Streitsache zuständig. 

2.  

2.1 Zur Beschwerde berechtigt ist nach Art. 48 VwVG, wer vor der 

Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teil-

nahme erhalten hat (Abs. 1 Bst. a), durch die angefochtene Verfügung be-

sonders berührt ist (Abs. 1 Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an de-

ren Aufhebung oder Änderung hat (Abs. 1 Bst. c). Diese Voraussetzungen 

sind mit Bezug auf die Beschwerdeführerin als vor der Vorinstanz unterle-

gene Partei ohne Weiteres erfüllt. 

2.2 Die Beschwerde gegen den – der Beschwerdeführerin am 13. Juli 2022 

zugestellten (Vorinstanz, act. 107 f.) – Beschwerdeentscheid vom 29. Juni 

2022 erfolgte rechtzeitig (Art. 50 VwVG). Der Kostenvorschuss wurde frist-

gerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Die Anforderungen an Form und 

Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen ebenfalls vor (Art. 44 ff. VwVG). 

2.3 Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 

  

B-4086/2022 

Seite 13 

3.  

3.1 Streitgegenstand der gerichtlichen Prüfung ist das Rechtsverhältnis, 

das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, soweit es im Streit 

liegt. Was Streitgegenstand ist, bestimmt sich demnach durch den ange-

fochtenen Entscheid und die Parteibegehren, wobei der angefochtene Ent-

scheid den möglichen Streitgegenstand begrenzt (BGE 133 II 35 E. 2; Ur-

teil des BVGer B-1499/2022 vom 23. November 2023 E. 2.1; FLÜCKIGER, 

in: Waldmann/Krauskopf, Praxiskommentar VwVG, 3. Aufl. 2023, Art. 7 

N. 19; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor dem Bun-

desverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 2.8). 

3.2 Die Vorinstanz hat die Beschwerde der Beschwerdeführerin mit dem 

angefochtenen Entscheid, wie erwähnt, abgewiesen (Dispositiv-Ziff. 1 des 

angefochtenen Entscheids). Inhaltlich bestätigte die Vorinstanz damit die 

von der Erstinstanz verfügte Kürzung der Direktzahlungen der Beschwer-

deführerin für das Jahr 2021 im Umfang von insgesamt (rund Fr. 100'000.-

) wegen (1) Verletzung der Vorgaben für die biologische Landwirtschaft 

durch den Einsatz von Herbiziden ([rund Fr. 100’000.-]) sowie wegen (2) 

nicht korrekt geführtem Feldkalender ([unter Fr. 500.-], B.i). Weiter aufer-

legte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin Verfahrenskosten (…) und 

verzichtete auf die Zusprechung einer Parteikostenentschädigung (Dispo-

sitiv-Ziff. 2 und 3 des angefochtenen Entscheids). 

3.3 Die Beschwerdeführerin verlangt die vollständige Aufhebung des an-

gefochtenen Entscheids (Rechtsbegehren-Ziff. 1). Dieser bildet daher als 

Ganzes den Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.  

3.4 Zu beachten ist, dass sich der Vorwurf des unzulässigen Einsatzes von 

Herbiziden (E. 3.2) auf den angeblichen Einsatz des Herbizids Aclonifen 

durch die Beschwerdeführerin beschränkt. Die beiden weiteren Rück-

stände, welche der Prüfbericht des Labors I._______ vom (Juni 2021) in 

deutlich geringeren Konzentrationen festgestellt hat (Pendimethalin und 

Boscalid, B.c), stufte die Vorinstanz übereinstimmend mit der Erstinstanz 

unstrittig nicht als bewusste Anwendung einer unerlaubten Substanz durch 

die Beschwerdeführerin während laufender Bioproduktion ein. Die nachfol-

genden Ausführungen beziehen sich deshalb ebenfalls auf den Vorwurf 

des angeblichen Einsatzes der Substanz Aclonifen durch die Beschwerde-

führerin. 

  

B-4086/2022 

Seite 14 

4.  

4.1 Der vorliegend zu beurteilende Direktzahlungsanspruch betrifft die Pe-

riode vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2021. In intertemporaler 

Hinsicht finden auf den der Direktzahlungskürzung zugrunde liegenden 

(zeitlich abgeschlossenen) Sachverhalt diejenigen Rechtsnormen Anwen-

dung, die während dieser Zeitspanne in Geltung standen (Urteil des BVGer 

B-2362/2022 vom 21. November 2023 E. 2, m.w.H.).  

4.2 Die vorliegend relevanten Normen haben seit dem Jahr 2021 keine ma-

terielle Änderung erfahren. Dies gilt insbesondere für die hier massgebli-

chen Kürzungsbestimmungen der DZV zu den Beiträgen für die biologi-

sche Landwirtschaft. Diese Kürzungsbestimmungen wurden zwischenzeit-

lich unverändert von Anhang 8 Ziffer 2.8 aDZV in Anhang 8 Ziffer 2.5a der 

aktuell gültigen DZV verschoben (AS 2022 264). Die relevanten Bestim-

mungen werden im Folgenden demnach in ihrer aktuell gültigen Fassung 

gemäss der Systematischen Sammlung des Bundesrechts (SR) zitiert. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 70 Abs. 1 LwG werden Bewirtschafterinnen und Bewirt-

schaftern von landwirtschaftlichen Betrieben zur Abgeltung der gemeinwirt-

schaftlichen Leistungen Direktzahlungen ausgerichtet. Das Gesetz regelt 

die Voraussetzungen für die Ausrichtung entsprechender Zahlungen in 

Art. 70a LwG und ermächtigt den Bundesrat, weitere Voraussetzungen und 

Auflagen für die Ausrichtung der Direktzahlungen festzulegen (Art. 70a 

Abs. 4 LwG).  

5.2 Die Direktzahlungen umfassen insbesondere sog. "Produktionssys-

tembeiträge". Solche Beiträge werden zur Förderung besonders naturna-

her, umwelt- und tierfreundlicher Produktionsformen ausgerichtet (Art. 70 

Abs. 2 Bst. e i.V.m. Art. 75 Abs. 1 LwG). Welche Produktionsformen geför-

dert werden, legt der Bundesrat fest (Art. 70 Abs. 3 LwG, Art. 75 Abs. 2 

LwG).  

5.3 Zu den Direktzahlungen in der Form von Produktionssystembeiträgen 

gehört der "Beitrag für die biologische Landwirtschaft" (Art. 2 Bst. e Ziff. 1 

DZV). Für dessen Ausrichtung müssen die Anforderungen der Art. 3, 6-16h 

und 39-39h der Bio-Verordnung erfüllt sein (Art. 67 Abs. 1 DZV). 

  

B-4086/2022 

Seite 15 

5.4 Laut Art. 3 Bio-Verordnung gilt für die Produktion, die Aufbereitung und 

die Vermarktung biologischer Erzeugnisse unter anderem der Grundsatz, 

dass der Einsatz chemisch-synthetischer Hilfsstoffe und Zutaten vermie-

den wird (Bst. b). Art. 6 Bio-Verordnung schreibt vor, dass der gesamte Bio-

Betrieb biologisch bewirtschaftet werden muss (Gesamtbetrieblichkeit). 

Schädlinge, Krankheiten und Beikräuter müssen durch ganzheitliche An-

wendung verschiedener Massnahmen reguliert werden (Art. 11 Abs. 1 

[Satz 1] Bio-Verordnung). Der Einsatz von Wachstumsregulatoren, Wel-

kemitteln und Herbiziden ist im biologischen Pflanzenbau nicht erlaubt 

(Art. 11 Abs. 4 Bio-Verordnung). 

5.5 Art. 11 Abs. 2 Bio-Verordnung überträgt dem Eidgenössischen Depar-

tement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Aufgabe, die zu-

lässigen Pflanzenschutzmittel sowie ihre Verwendung festzulegen. Unter 

anderem gestützt darauf erliess das WBF am 22. September 1997 im Ein-

vernehmen mit dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) die 

Verordnung des WBF über die biologische Landwirtschaft (SR 910.181). 

Diese legt die in der biologischen Landwirtschaft zugelassenen Pflanzen-

schutzmittel und die besonderen Vorschriften zu deren Verwendung im An-

hang 1 fest (Art. 1 Verordnung WBF über die biologische Landwirtschaft).  

5.6 Die Direktzahlungen können gekürzt oder verweigert werden, wenn der 

Gesuchsteller oder die Gesuchstellerin das LwG, die Ausführungsbestim-

mungen oder die gestützt darauf erlassenen Verfügungen verletzt (Art. 170 

Abs. 1 LwG). Gemäss Art. 105 Abs. 1 DZV richtet sich die Kürzung oder 

Verweigerung von Beiträgen durch die Kantone nach dem Anhang 8 der 

DZV. Dieser Anhang regelt die Kürzung der Beiträge für die biologische 

Landwirtschaft in Ziffer 2.5a (E. 4.2). Die Kürzungen für Mängel nach den 

Ziffern 2.5a2 – 2.5a5 erfolgen mit Punkten, die im Wesentlichen folgender-

massen in Beträge umgerechnet werden (Anhang 8 Ziffer 2.5a.1 DZV): 

"(…) Summe der Punkte minus 10 Punkte, dividiert durch 100 und dann mul-

tipliziert mit den gesamten Beiträgen für die biologische Landwirtschaft. 

(…) 

Liegt die Summe der Punkte im Biobereich (…) bei 110 oder mehr, so werden 

keine Beiträge für die biologische Landwirtschaft im Beitragsjahr ausgerichtet.  

Es können in jedem Fall maximal die Beiträge für die biologische Landwirt-

schaft gekürzt werden. (…) " 

  

B-4086/2022 

Seite 16 

6.  

6.1 Wie bereits erwähnt (A.b), anerkannte die bio.inspecta AG als unbe-

strittenermassen akkreditierte Kontroll- und Zertifizierungsstelle den Be-

trieb der Beschwerdeführerin erstmals am (…) 2019 als Bio-Betrieb. Nach-

dem die bio.inspecta AG der Beschwerdeführerin "aufgrund der klaren 

Sachverhalts- und Rechtslage" zunächst mit Vorbescheid vom 28. Juli 

2021 in Aussicht gestellt hatte, eine Aberkennung der Betriebszertifizierung 

in Erwägung zu ziehen (C.a), bestätigte sie die Anerkennung des Betriebs 

der Beschwerdeführerin als Bio-Betrieb schliesslich mit Zertifizierungsent-

scheid vom 6. Oktober 2021 (C.g, Erstinstanz, act. 172 ff.).  

6.2 Die bio.inspecta AG begründete die Aufrechterhaltung der Bio-Zertifi-

zierung mit dem Bericht "Ursachenabklärung bei Rückstandsfällen", wel-

chen sie in Auftrag gegeben hatte, um die Resultate ihrer eigenen Probe-

nahme vom (Mitte August 2021) (C.d) im Vergleich zu den Ergebnissen der 

Probenahme der Erstinstanz vom (Ende Mai 2021) (B.c) wissenschaftlich 

beurteilen zu lassen (C.f, Erstinstanz, act. 167 ff.). Der erwähnte Bericht 

habe die gezielte Anwendung von Herbiziden durch die Beschwerdeführe-

rin zwar nicht ausgeschlossen. Er habe aber keine eindeutige Ursache für 

die festgestellten Rückstände identifizieren können. 

6.3 In der Folge kürzten die Erstinstanz und die Vorinstanz die Direktzah-

lungen der Beschwerdeführerin für das Jahr 2021 dennoch, da sie im Ge-

gensatz zur bio.inspecta AG zum Schluss gelangten, dass der Einsatz von 

Aclonifen auf biologisch bewirtschafteten Flächen durch die Beschwerde-

führerin nachgewiesen sei.  

6.4 Die Direktzahlungskürzung erfolgte gestützt auf Anhang 8 Ziffer 2.5a.2 

Bst. a i.V.m. Ziffer 2.5a.3 Bst. m DZV. Die Bestimmung von Bst. a sieht eine 

Kürzung um 110 Punkte vor für den Fall, dass nicht der gesamte Betrieb 

biologisch bewirtschaftet wird (Art. 6 Bio-Verordnung). Der zur Anwendung 

gebrachte Bst. m statuiert eine Kürzung um 110 Punkte, wenn Herbizide, 

Wachstumsregulatoren oder Welkemittel eingesetzt oder durch betriebszu-

gehörige Personen ausgebracht werden (Art. 11 Abs. 4 Bio-Verordnung). 

6.5 Festzuhalten ist weiter, dass es sich bei der Substanz Aclonifen unstrit-

tig um ein Herbizid handelt. Da Aclonifen auch nicht in der Positivliste der 

erlaubten Pflanzenschutzmittel gemäss Anhang 1 der Verordnung des 

WBF über die biologische Landwirtschaft (E. 5.5) gelistet ist (weder im Jahr 

2021 noch heute), ist der Einsatz dieses Herbizids in der biologischen 

Landwirtschaft gestützt auf Art. 11 Abs. 4 Bio-Verordnung verboten 

(E. 5.4).  

B-4086/2022 

Seite 17 

7.  

Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob die unterschiedliche Beurteilung des Be-

triebs der Beschwerdeführerin durch die bio.inspecta AG und die Erst- bzw. 

die Vorinstanz vor dem Bundesrecht standhält. 

7.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet dies. Sie sieht im Umstand, dass die 

Vorinstanz die Nichtauszahlung des Beitrags 2021 für die biologische 

Landwirtschaft bestätigt hat, obwohl die bio.inspecta AG zuvor entschieden 

hatte, die Bio-Zertifizierung der Beschwerdeführerin aufrecht zu erhalten, 

eine Verletzung von Bundesrecht. Diesen Standpunkt begründet die Be-

schwerdeführerin wie folgt:  

Das Bundesgericht sehe im Bereich von Teilrechtsordnungen, welche für 

denselben Lebenssachverhalt Regelungen mit zum Teil unterschiedlicher 

Zielsetzung enthielten, vor, dass die für ein bestimmtes Projekt erforderli-

chen Entscheide bei engem Sachzusammenhang entweder zusammenge-

legt oder aber in gleichwertiger Weise aufeinander abgestimmt werden 

müssten. Diese inhaltliche und verfahrensmässige Koordinationspflicht er-

gebe sich unter anderem aus dem Willkürverbot und dem Grundsatz der 

Einheit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung (m.H. auf BGE 137 II 

182 E. 3.7.4.1). Die Anwendung des Grundsatzes der Einheit und Wider-

spruchsfreiheit der Rechtsordnung setze voraus, dass zwischen den an-

wendbaren materiellrechtlichen Vorschriften ein derart enger Sachzusam-

menhang bestehe, sodass diese Vorschriften nicht getrennt und unabhän-

gig voneinander angewendet werden dürften (m.H. auf BGE 116 lb 50 

E. 4b).  

Im vorliegenden Fall liege ein enger Sachzusammenhang im Sinne des 

Grundsatzes der Einheit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung vor. 

Denn die Bio-Zertifizierung und die Direktzahlungen seien unmittelbar von-

einander abhängig. Die faktischen Abläufe der Verfahren verdeutlichten 

dies. Beide Verfahren beträfen den gleichen Betrieb, die gleichen Parzellen 

und die gleiche Thematik. Es sei davon auszugehen, dass die bio.inspecta 

AG ein rechtskräftiges Urteil gegen die Beschwerdeführerin als neue Er-

kenntnis im Zertifizierungsverfahren werten würde. Diesfalls müsste die 

bio.inspecta AG das Zertifizierungsverfahren laut der Beschwerdeführerin 

wieder aufnehmen und der Beschwerdeführerin die Zertifizierung entzie-

hen. Dies, obwohl die bio.inspecta AG bei ihrer eigenen Nachkontrolle 

keine Herbizide in unzulässiger Menge nachgewiesen habe. Diese weitrei-

chende Folge der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den Verfahren 

lasse die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid unbeachtet.  

B-4086/2022 

Seite 18 

Es sei unerklärlich, dass die bio.inspecta AG der Beschwerdeführerin das 

Bio-Zertifikat aIs Fachstelle wieder erteilt habe und der gleiche Betrieb den-

noch Direktzahlungen verlieren solle. Die beiden Verfahren hätten koordi-

niert und grundsätzlich einheitlich entschieden werden müssen. Indem die 

bio.inspecta AG die Bio-Zertifizierung aufrechterhalte, während die Erstin-

stanz der Beschwerdeführerin trotz des gleichen Sachverhalts eine Nicht-

einhaltung der Bio-Bestimmungen vorwerfe und die Direktzahlungen redu-

ziere, erfahre die Beschwerdeführerin eine unzulässige Ungleichbehand-

lung. Der Entscheid der Vorinstanz sei daher auch infolge einer Verletzung 

des Rechtsgleichheitsgebots von Art. 8 der Bundesverfassung der Schwei-

zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) aufzuhe-

ben. 

7.2  

7.2.1 Die Vorinstanz betont demgegenüber, dass sie und die Erstinstanz 

als mit dem Vollzug der DZV betraute staatliche Behörden nicht daran ge-

bunden seien, von welchem Sachverhalt die bio.inspecta AG im Zertifizie-

rungsentscheid ausgegangen sei und wie sie diesen Sachverhalt rechtlich 

gewürdigt habe. Dem Zertifizierungsentscheid komme für die Beurteilung 

der Ausrichtung von Direktzahlungen für die biologische Landwirtschaft 

keine präjudizielle Bedeutung zu.  

Dies gelte unabhängig davon, dass es im Zertifizierungs- wie im Direktzah-

lungsverfahren letztlich um die Klärung derselben Sachlage gehe (Herbizi-

deinsatz auf biologisch bewirtschafteten Feldern). Zwar seien in Art. 30e 

Bio-Verordnung gegenseitige Meldepflichten und ein Informationsaus-

tausch zwischen den Zertifizierungsstellen und den staatlichen Vollzugs-

behörden geregelt. Eine gesetzliche Grundlage für eine weitergehende Ko-

ordination mit einer Verpflichtung zu einer inhaltlichen Abstimmung von 

Entscheiden über die Ausrichtung von Direktzahlungen und die Zertifizie-

rung von Betrieben mit biologischer Landwirtschaft gebe es aber nicht.  

Auch der Grundsatz der Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit der 

Rechtsordnung spreche nicht dagegen, dass an einen Betrieb trotz Zertifi-

zierung keine Direktzahlungen für die biologische Landwirtschaft ausge-

richtet würden. Im Gegenteil wäre es laut der Vorinstanz stossend, wenn 

sich ein landwirtschaftlicher Betrieb wegen seiner Zertifizierung als Bio-Be-

trieb automatisch auch staatliche Beitragszahlungen für die biologische 

Landwirtschaft sichern könnte, obwohl nachweislich nicht alle Vorgaben 

eingehalten worden seien. Entgegen der Beschwerdeführerin sei zudem 

davon auszugehen, dass die bio.inspecta AG den Zertifizierungsentscheid 

B-4086/2022 

Seite 19 

grundsätzlich aufrechterhalten oder die Beschwerdeführerin zumindest in 

den Folgejahren wieder neu zertifizieren werde, wenn diese die Gesetzge-

bung im Bereich der biologischen Landwirtschaft nun einhalte und bei künf-

tigen Kontrollen keine Verstösse nachzuweisen seien. Auch aus dem 

Rechtsgleichheitsgebot könne die Beschwerdeführerin keinen Anspruch 

auf Ausrichtung von Direktzahlungen für die biologische Landwirtschaft ab-

leiten.  

7.2.2 Mit vergleichbaren Ausführungen macht auch die Erstinstanz gel-

tend, dass sie den Direktzahlungsanspruch der Beschwerdeführerin als 

dafür zuständige Behörde ohne Bindung an den Zertifizierungsentscheid 

der bio.inspecta AG habe beurteilen können.  

7.2.3 Das BLW beruft sich im Fachbericht vom 16. Juni 2023 auf das Urteil 

des BGer 2C_44/2011 vom 26. Juli 2011. In diesem Urteil sei das Bundes-

gericht zum Schluss gekommen, dass die für die Direktzahlungen zustän-

digen Behörden an die Bestätigung einer Zertifizierungsstelle nicht zwin-

gend gebunden seien. Die Feststellungen der Zertifizierungsstelle im Zer-

tifizierungsverfahren seien bei der Beurteilung von Direktzahlungskürzun-

gen laut dem Bundesgericht aber unter Wahrung der gebotenen Sorgfalt 

als Beweismittel zu prüfen.  

7.3  

7.3.1 Die Beschwerdeführerin vertritt gemäss dem Ausgeführten (E. 7.1) 

sinngemäss den Standpunkt, dass die Vorinstanz aufgrund des positiven 

Zertifizierungsentscheids der bio.inspecta AG vom 6. Oktober 2021 ver-

pflichtet gewesen wäre, die Direktzahlungskürzung der Erstinstanz aufzu-

heben und damit gleichzeitig die Anforderungen der Bio-Verordnung an die 

Ausrichtung der Direktzahlungen 2021 für die biologische Landwirtschaft 

als durch die Beschwerdeführerin erfüllt zu bestätigen (E. 5.2 f.). Zur Be-

gründung beruft sich die Beschwerdeführerin auf eine – aus dem Grund-

satz der Einheit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung und dem 

Rechtsgleichheitsgebot von Art. 8 BV abgeleitete – inhaltliche Koordinati-

onspflicht des Direktzahlungsverfahrens mit dem Zertifizierungsverfahren. 

Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, vermögen diese Ausführun-

gen der Beschwerdeführerin nicht zu überzeugen.  

  

B-4086/2022 

Seite 20 

7.3.2 Vorab verweist das BLW zu Recht auf die bereits erfolgte Klärung der 

Streitfrage durch das Bundesgericht.  

So hat dieses im Urteil 2C_44/2011 vom 26. Juli 2011 (in den E. 6.2 ff.) 

festgehalten, dass mit der Anerkennung eines Betriebs als Bio-Betrieb 

zwar grundsätzlich zum Ausdruck gebracht wird, dass die Produktion nach 

den Anforderungen der Bio-Verordnung erfolgt und die entsprechende Be-

stätigung einer akkreditierten Zertifizierungsstelle mithin grundsätzlich 

auch für den Entscheid über die Direktzahlungen massgeblich ist. Dies be-

deutet gemäss dem Bundesgericht aber ausdrücklich nicht, dass die Be-

stätigung einer Zertifizierungsstelle in jedem Fall zwingend auch den Aus-

schlag für den Direktzahlungsentscheid gibt. 

Eine Zertifizierungsstelle ist laut dem Bundesgericht nämlich in erster Linie 

zuständig, über die Anerkennung eines landwirtschaftlichen Betriebs als 

Bio-Betrieb zu befinden. Diesem werde dadurch ermöglicht, seine Pro-

dukte – deren Herstellung sich nach biologischen Grundsätzen richtet – als 

solche zu bezeichnen, und sie allenfalls mit einer entsprechenden speziel-

len Kennzeichnung (wie der Bio-Knospe) zu versehen. Hingegen ent-

scheide die Zertifizierungsstelle nicht direkt über die Direktzahlungen. Die 

Feststellung der entsprechenden Beitragsberechtigung sowie die Festset-

zung der Beiträge lägen in der Zuständigkeit des Kantons und nicht der 

Zertifizierungsstelle. Diese werde überdies vom Kanton überwacht und 

habe ihm die notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Dies weise 

auf ein Unterordnungsverhältnis hin und spreche dagegen, dass der Kan-

ton den Entscheid der Zertifizierungsstelle vorbehaltlos übernehmen 

müsse.  

Daher ist gemäss dem Bundesgericht davon auszugehen, dass die für die 

Direktzahlungen zuständige kantonale Behörde an die Bestätigung einer 

Zertifizierungsstelle nicht zwingend gebunden ist, sondern diese Bestäti-

gung beim Entscheid über die Direktzahlungen lediglich als – immerhin ge-

wichtiges – Beweismittel unter Wahrung der gebotenen Sorgfalt, Gewis-

senhaftigkeit und Unvoreingenommenheit zu würdigen hat. Falls die Zerti-

fizierungsstelle (wie im damals beurteilten Fall) etwa den ökologischen 

Leistungsnachweis akzeptiert hat, kann die für die Direktzahlungen zustän-

dige kantonale Behörde davon ausgehen, dieser sei auch für die Direkt-

zahlungen erbracht. Für den Entscheid über die Direktzahlungen dürfen 

laut dem Bundesgericht aber ausdrücklich auch zusätzliche Beweise ver-

langt oder erhoben werden, wenn begründete Zweifel oder Unklarheiten 

bestehen.  

B-4086/2022 

Seite 21 

Im Ergebnis bestätigte das Bundesgericht das damals angefochtene Urteil 

ausdrücklich als bundesrechtskonform, soweit dieses davon ausging, dass 

der Kanton beim Entscheid über die Direktzahlungen an den Zertifizie-

rungsentscheid nicht zwingend gebunden sei (Urteil des BGer 2C_44/2011 

vom 26. Juli 2011 E. 6.2 ff.; vgl. damit übereinstimmend auch das Urteil des 

BGer 2C_812/2022 vom 12. Januar 2024 [insbes. E. 4.2 und E. 6], mit wel-

chem das Bundesgericht eine zwingende Bindung der kantonalen  

Vorinstanzen an einen [in casu letztlich nicht entscheidwesentlichen] In-

spektionsbericht der bio.inspecta AG im Kontext eines Wiedererwägungs-

gesuches gegen ein rechtskräftiges teilweises Tierhalteverbot sinngemäss 

ebenfalls verneint hat).  

7.3.3 Genau gleich betont auch das Bundesverwaltungsgericht in seiner 

Rechtsprechung, dass der Einschätzung einer Zertifizierungsstelle keine 

umfassende Bindungswirkung zukommt. Vielmehr könne die für den Voll-

zug der Bio-Verordnung zuständige Behörde die (in den damaligen Be-

schwerdeverfahren beurteilte) "Konformität eines Produkts" zu Gunsten 

wie auch zu Ungunsten einer zertifizierungspflichtigen Unternehmung an-

ders beurteilen als die Zertifizierungsstelle, welcher keine Verfügungskom-

petenz zukomme. Da Zertifizierungsstellen als Fachorganisationen aller-

dings ausgewiesene Sachverständige mit einer breiten Erfahrung und ei-

nem hohen Fachwissen seien, dürfe eine andere Beurteilung nicht leicht-

fertig erfolgen, sondern setze – übereinstimmend mit der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung (E. 7.3.2) – voraus, dass begründete Vorbehalte ge-

genüber der Tatsachenfeststellung, der Tatsachenwürdigung oder der 

rechtlichen Einschätzung der Sachlage durch die jeweilige Zertifizierungs-

stelle bestehen (Urteil des BVGer B-903/2022 vom 13. März 2023 

E. 10.5.5, Urteil des BVGer B-4751/2018 vom 18. Oktober 2019 

E. 5.4.10.1). 

7.3.4 Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung ist auch im vorliegen-

den Fall nicht einzusehen, inwiefern die Erstinstanz oder die Vorinstanz 

Bundesrecht verletzt haben sollen, indem sie sich an den Entscheid der 

bio.inspecta AG vom 6. Oktober 2021 nicht zwingend gebunden erachte-

ten. Bei der bio.inspecta AG handelt es sich zwar um eine ausserhalb der 

Verwaltung stehende beigezogene Organisation, welche zur Erfüllung der 

ihr ausdrücklich übertragenen öffentlichen Aufgaben beauftragt ist (Urteil 

des BVGer B-4751/2018 vom 18. Oktober 2019 E. 5.3, m.H.). Die Beurtei-

lung des vorliegend strittigen Direktzahlungsanspruchs der Beschwerde-

führerin lag jedoch fraglos in der ausschliesslichen Zuständigkeit der Erst-

instanz und der Vorinstanz in deren Funktion als übergeordnete Vollzugs- 

B-4086/2022 

Seite 22 

bzw. Gerichtsbehörde. Zudem erheben vorliegend beide Vorinstanzen aus-

drücklich grundlegende Vorbehalte gegenüber der – als falsch bezeichne-

ten – Tatsachenfeststellung der bio.inspecta AG und legen dar, weshalb sie 

den Nachweis des strittigen Herbizideinsatzes durch die Beschwerdefüh-

rerin im Gegensatz zur bio.inspecta AG als erfüllt ansehen (dazu nachfol-

gend E. 8.1.2, E. 8.3.2).  

7.3.5 Ob die Vorinstanz ihre abweichende Einschätzung im Sinne der dar-

gelegten Rechtsprechung auf sachlich begründete Vorbehalte abstützt und 

der Beweis insgesamt als erfüllt zu betrachten ist, wird daher nachfolgend 

näher zu prüfen sein (E. 8).  

7.3.6 An dieser Einschätzung vermag der von der Beschwerdeführerin an-

gerufene Grundsatz der Einheit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsord-

nung nichts zu ändern.  

7.3.6.1 Die Beschwerdeführerin bezieht sich in diesem Zusammenhang 

auf die folgende Passage des Bundesgerichts in BGE 137 II 182 (vgl. 

E. 3.7.4.1): 

"Nach der Rechtsprechung muss die Rechtsanwendung materiell koordiniert, 

d.h. inhaltlich abgestimmt erfolgen, wenn für die Verwirklichung eines Projekts 

verschiedene materiellrechtliche Vorschriften anzuwenden sind und zwischen 

diesen Vorschriften ein derart enger Sachzusammenhang besteht, dass sie 

nicht getrennt und unabhängig voneinander angewendet werden dürfen. In 

solchen Fällen ist die Anwendung des materiellen Rechts überdies in formel-

ler, verfahrensmässiger Hinsicht in geeigneter Weise zu koordinieren (…). 

Diese aus dem materiellen Recht hervorgehende inhaltliche und verfahrens-

mässige Koordinationspflicht ergibt sich u.a. aus dem Willkürverbot und dem 

Grundsatz der Einheit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung (…), der 

Verhinderung von Verfahrensverzögerungen sowie der Vereitelung von Bun-

desrecht (…)." 

7.3.6.2 Die Beschwerdeführerin übersieht, dass die dem vorliegenden Be-

schwerdeverfahren zugrunde liegende Konstellation mit jener, welche das 

Bundesgericht in BGE 137 II 182 zu prüfen hatte, nicht vergleichbar ist:  

a) So ging es im BGE 137 II 182 um ein Verfahren des bäuerlichen Bo-

denrechts, bei welchem sich die Frage stellte, ob zwei Grundstücke ein 

"landwirtschaftliches Gewerbe" im Sinne des Bundesgesetzes vom 

4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 

211.412.11) bildeten (BGE 137 II 182, unter C). Strittig war die Grösse 

der sogenannten "Standardarbeitskraft", welche sich aus mehreren 

Faktoren zusammensetzt. Von diesen Faktoren war insbesondere die 

B-4086/2022 

Seite 23 

landwirtschaftliche Nutzfläche relevant, deren Grösse aufgrund von 

Waldgrundstücken unklar war (BGE 137 II 182 E. 3.2.1.1).  

b) Die Frage, was Wald ist, und wie gross die strittigen Waldgrundstücke 

somit sind, war für das Verfahren des bäuerlichen Bodenrechts von 

grundsätzlicher Bedeutung. Allerdings konnte nur im förmlichen Wald-

feststellungsverfahren nach Art. 10 des Bundesgesetzes vom 4. Okto-

ber 1991 über den Wald (WaG; SR 921.0) rechtskräftig entschieden 

werden, wie gross die Waldfläche des landwirtschaftlichen Betriebs des 

betroffenen Beschwerdeführers ist (BGE 137 II 182 E. 3.7.3.1 f.).  

c) Das Bundesgericht folgerte deshalb, dass die kantonale Behörde ver-

pflichtet gewesen wäre, von Amtes wegen ein Waldfeststellungsverfah-

ren einzuleiten und dieses mit jenem nach dem BGBB materiell und 

formell zu koordinieren, "weil sie ohne eine förmliche Waldfeststellung 

(…) die Frage der Grösse der landwirtschaftlichen Nutzungsflächen gar 

nicht behandeln konnte und auch nicht durfte" (BGE 137 II 182 

E. 3.7.3.1 f. und E. 3.8). 

7.3.6.3 Im Gegensatz zur Konstellation im BGE 137 II 182 ist die vorliegend 

strittige Beurteilung des Direktzahlungsanspruchs der Beschwerdeführerin 

im Jahr 2021 nicht abhängig von der Beurteilung einer relevanten Voraus-

setzung im Verfahren einer anderen Behörde. Das Vorliegen oder Nicht-

vorliegen der Bio-Zertifizierung der Beschwerdeführerin im Jahr 2021 bildet 

für die Frage, ob die Beschwerdeführerin die Anforderungen, welche die 

DZV und die Bio-Verordnung an die Ausrichtung von Direktzahlungen für 

die biologische Landwirtschaft stellen (E. 5.2 ff.), keinen entscheidenden 

Faktor. 

7.3.6.4 Gewähr dafür, dass die Direktzahlungen der Beschwerdeführerin 

entsprechend den bundesrechtlichen Vorschriften korrekt bestimmt wer-

den, bietet im Gegenteil allein die rechtmässige Durchführung des Direkt-

zahlungsverfahrens vor den dafür ausschliesslich zuständigen kantonalen 

Behörden. Diese entscheiden autonom, ob die Voraussetzungen für die 

Ausrichtung der Direktzahlungen erfüllt sind. Dies gilt auch und gerade für 

die Frage, ob die Beschwerdeführerin Herbizide auf biologisch bewirtschaf-

teten Flächen eingesetzt und somit gegen Art. 11 Abs. 4 Bio-Verordnung 

verstossen hat.  

  

B-4086/2022 

Seite 24 

7.3.6.5 Eine zwingende Bindung an die Einschätzung der bio.inspecta AG 

– welche, wie erwähnt (E. 7.3.2 f.), unter Wahrung der gebotenen Sorgfalt, 

Gewissenhaftigkeit und Unvoreingenommenheit als Beweismittel gewür-

digt werden muss – ist nach dem bereits Ausgeführten ausdrücklich zu ver-

neinen. Es besteht zwar durchaus die Möglichkeit von sich insofern wider-

sprechenden Entscheiden, als der Direktzahlungsanspruch im Direktzah-

lungsverfahren verneint werden kann, während die Zertifizierung eines Be-

triebs als Bio-Betrieb durch die bio.inspecta AG bestätigt wird. Auch ist 

denkbar, dass Zertifizierungsentscheide, welche das Ergebnis eines Di-

rektzahlungsverfahrens weder abwarten noch einbeziehen, zu einem spä-

teren Zeitpunkt wieder geändert werden können. Ob letzteres vorliegend 

mit Bezug auf das Jahr 2021, dessen Landwirtschaftsprodukte längst ver-

marktet sind, allerdings überhaupt noch eintreffen kann, bildet aber nicht 

Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens. Dasselbe gilt für die Frage, 

wie das Vorgehen der bio.inspecta AG allenfalls aufsichtsrechtlich zu beur-

teilen ist. Auch dies ist hier nicht zu beurteilen.  

7.3.6.6 Zusammenfassend vermag die Beschwerdeführerin aus der von ihr 

angerufenen Passage des Bundesgerichts in BGE 137 II 182 (oben 

E. 7.3.6.1), welche für die vorliegende Konstellation nicht einschlägig ist, 

nichts für sich abzuleiten.  

7.3.7 Schliesslich lässt sich entgegen der Beschwerdeführerin auch aus 

dem Rechtsgleichheitsgebot von Art. 8 BV nicht herleiten, dass die  

Vorinstanz verpflichtet gewesen wäre, den Entscheid der bio.inspecta AG 

vorbehaltlos zu übernehmen.  

7.3.7.1 Die Argumentation der Beschwerdeführerin scheitert bereits daran, 

dass mit der Vorinstanz und der bio.inspecta AG verschiedene Stellen mit 

je unterschiedlichen Zuständigkeiten gehandelt haben. Die Rechtsgleich-

heit bezieht sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aber nur 

auf den Zuständigkeitsbereich ein und derselben Behörde. Eine rechtsun-

gleiche Behandlung könnte nur dann vorliegen, wenn "ein und dieselbe 

Behörde" eine Frage ohne sachlichen Grund das eine Mal so und das an-

dere Mal anders beantwortet (BGE 138 I 321 E. 5.3.6; BGE 90 I 1 E. 2; 

BIAGGINI GIOVANNI, in: BV Kommentar, Bundesverfassung der Schweizeri-

schen Eidgenossenschaft, 2. Aufl., Zürich 2017, Art. 8 N 9, 15). Dies ist mit 

Bezug auf die Vorinstanz und die bio.inspecta AG von vorneherein nicht 

der Fall. 

  

B-4086/2022 

Seite 25 

7.3.7.2 Darüber hinaus kann es im Lichte der vorstehend beschriebenen 

Rechtsprechung (E. 7.3.2 f.) auch unter dem Titel der Rechtsgleichheit 

nicht angehen, dass die mit dem Vollzug der DZV und der Bio-Verordnung 

betrauten Behörden gezwungen werden, Direktzahlungen im Widerspruch 

zu den agrarrechtlichen Vorgaben auszuzahlen. Genau dies wäre aller-

dings der Fall, falls der Beschwerdeführerin gefolgt würde und sich die Vor-

behalte der Erstinstanz und der Vorinstanz gegenüber der Tatsachenfest-

stellung der bio.inspecta AG im Ergebnis als sachlich begründet heraus-

stellen. 

7.4 Der in E. 7.1 beschriebene Standpunkt der Beschwerdeführerin erweist 

sich demnach als unbegründet. Der angefochtene Entscheid der Vor-

instanz verstösst nicht gegen Bundesrecht, soweit die Vorinstanz darin da-

von ausgeht, weder sie noch die Erstinstanz seien an den Zertifizierungs-

entscheid der bio.inspecta AG vom 6. Oktober 2021 zwingend gebunden 

gewesen.  

8.  

Somit wird im Folgenden geprüft, ob es die Vorinstanz zu Recht für erwie-

sen hält, dass die Beschwerdeführerin das Herbizid Aclonifen im Jahr 2021 

auf biologisch bewirtschafteten Flächen eingesetzt hat, insbesondere ob 

die Vorbehalte gegenüber der Tatsachenfeststellung der bio.inspecta AG 

sachlich begründet sind. 

8.1  

8.1.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet dies. Die Beweislage sei schon 

deshalb nicht eindeutig, weil mit den Ergebnissen der Probenahme der 

Erstinstanz vom (Ende Mai 2021) (B.c) und den Ergebnissen der Proben-

ahme der bio.inspecta AG vom (Mitte August 2021) (C.d) zwei sich wider-

sprechende Ergebnisse von Bodenproben auf denselben Parzellen vorlä-

gen: Während die Erstinstanz das Herbizid Aclonifen in verbotener Menge 

in einer Mischprobe festgestellt habe, belege die Rückstandsanalyse der 

bio.inspecta AG, dass Aclonifen nicht in verbotener Menge eingesetzt wor-

den sei. Weshalb die Probenahme der bio.inspecta AG weniger verlässlich 

als jene der Erstinstanz sein solle, sei nicht nachvollziehbar. Die Rück-

standsanalyse der bio.inspecta AG sei im Gegenteil verlässlicher als jene 

der Erstinstanz. 

Denn die Befunde der bio.inspecta AG seien laut dem (unter E. 7.3.2 dar-

gestellten) Urteil des Bundesgerichts BGer 2C_44/2011 als gewichtiges 

Beweismittel zu würdigen und es werde angenommen, dass diese Befunde 

B-4086/2022 

Seite 26 

korrekt seien. Zudem führe die bio.inspecta AG jährlich rund 300 Rück-

standsanalysen durch und sei in diesem Bereich somit deutlich erfahrener 

als die Erstinstanz. Auch mache die bio.inspecta AG ihre Probeentnahmen 

anders als die Erstinstanz nach einer standardisierten, behördlich abge-

segneten Anleitung. Die Probemethodik der bio.inspecta AG sei klar fest-

gelegt und transparent. Jene der Erstinstanz sei unklar und nicht dokumen-

tiert. Die Fotografien, welche der Kontrolleuer der Erstinstanz zur Doku-

mentation der am (Ende Mai 2021) angetroffenen Situation vorgelegt habe, 

seien sehr nah aufgenommen, sodass eine örtliche Zuordnung nicht mög-

lich sei. Auch sei der Zustand der Felder nicht nur vom Kontrolleur der Erst-

instanz optisch wahrgenommen worden, sondern auch von den Vertretern 

der bio.inspecta AG; dies an einer unangemeldeten Kontrolle am (April 

2021) sowie bei der Hauptkontrolle vom (Ende Mai 2021) (B.b). Im Unter-

schied zum Kontrolleur der Erstinstanz hätten die Vertreter der bio.inspecta 

AG aber weder einen verdächtigen Unkrautbewuchs in den Kartoffeldäm-

men noch gelbliche Verfärbungen an den Unkräutern wahrgenommen. 

Eine Befragung des Kontrolleurs der bio.inspecta AG über dessen optische 

Wahrnehmung am (Ende Mai 2021) sei nicht erfolgt. 

Der Zeitpunkt der Probenahme durch die bio.inspecta AG am (Mitte August 

2021) schade der Verlässlichkeit dieser Beprobung nicht. Selbst bei einem 

schnellen Abbau hätten die Werte rund 80 Tage nach der Probe der Erst-

instanz vom (Ende Mai 2021) nur rund zur Hälfte abgenommen. Laut der 

Beschwerdeführerin hätte der Wirkstoff im Fall eines Herbizideinsatzes im 

Frühling 2021 bei der Bodenprobe der bio.inspecta AG am (Mitte August 

2021) daher nach wie vor nachgewiesen werden müssen. Die bio.inspecta 

AG habe den Wirkstoff aber einzig auf der Parzelle M._______ in kleiner 

Menge festgestellt. Die von der bio.inspecta AG festgestellte Konzentration 

sei zu gering, als dass auf den fraglichen Parzellen anlässlich der Proben-

ahme der Erstinstanz am (Ende Mai 2021) eine verbotene Menge hätte 

vorhanden sein können. Der Wirkstoff könne auch nicht durch Umpflügen 

in tiefere Bodenschichten gelangt sein, zu welchen auch die Kontrolleure 

der bio.inspecta AG (mit der Entnahme der Proben aus einer Bodentiefe 

von "bis ca. 10 cm" [C.c]) nicht vorgestossen seien. Die fraglichen Parzel-

len seien vor der Probeentnahme der bio.inspecta AG nicht umgepflügt 

worden. Dies sei auf den Fotos der bio.inspecta AG ersichtlich ([…]). 

Stattdessen begründe die Vorinstanz ihr Beweisergebnis mit dem Ergebnis 

der Probenahme der Erstinstanz vom (Ende Mai 2021). Der entsprechende 

Prüfbericht (B.c) halte aber ausdrücklich fest, dass eine finale Beurteilung 

nicht möglich sei, da es sich um eine Mischprobe handle. Aufgrund der 

Vermengung in der Mischprobe sei es nicht nachvollziehbar, ob Herbizide 

B-4086/2022 

Seite 27 

auf allen vier geprüften Parzellen festgestellt worden seien oder zum Bei-

spiel nur auf einer Parzelle. Die Mischprobe der Erstinstanz lasse keine 

Rückschlüsse auf allfällige Wirkstoffe im Boden der Parzellen K._______, 

L._______ und M._______ und auf der Parzelle N._______ zu. Auch ob 

der Wirkstoff Aclonifen homogen oder nicht homogen verteilt vorhanden 

sei, lasse sich bei einer Mischprobe nicht feststellen. Insbesondere bei Ab-

drift, einer Altlast, einem Unfall oder einer Sabotage sei es möglich, dass 

die Wirkstoffkonzentration an verschiedenen Stellen der Parzelle unter-

schiedlich hoch sei. Deshalb müsse beim Nachweis einer auffälligen Kon-

zentration eines Wirkstoffes durch eine Mischprobe überprüft werden, wie 

dieses Ergebnis zustande gekommen sei. Um einen allfälligen Herbizidei-

nsatz sorgfältig nachzuweisen, seien aufgrund der Ergebnisse einer Misch-

probe anschliessend punktuelle Einzelproben zu entnehmen. Es sei uner-

klärlich, warum die Erstinstanz keine weitere Probeentnahme mit Einzel-

proben in Auftrag gegeben habe. 

Das Ergebnis der Mischprobe vom (Ende Mai 2021) könne sich die Be-

schwerdeführerin nicht erklären. Das darin festgestellte Aclonifen könne 

zum Beispiel auf den Gebrauch entsprechender Wirkstoffe vor der Bio-Zer-

tifizierung zurückzuführen sein. Die Beschwerdeführerin habe auf den frag-

lichen Parzellen vor der Bio-Zertifizierung auch Mittel mit Aclonifen einge-

setzt. Zudem habe sie einzelne Parzellen zeitweise mit anderen Landwirt-

schaftsbetrieben abgetauscht und in dieser Zeit keine Kontrolle über den 

Mitteleinsatz gehabt. Altlasten seien keine Seltenheit, sondern die Regel.  

Auch könne nicht ausgeschlossen werden, dass Spritzmittel des benach-

barten Bauern vom Wind auf die geprüften Parzellen der Beschwerdefüh-

rerin getragen worden seien. Durch eine solche Abdrift könne eine Stelle 

derart kontaminiert gewesen sein, dass dadurch die ganze Mischprobe ei-

nen erhöhten Wert aufweise.  

Zudem habe die Vorinstanz die Möglichkeit eines Sabotageakts nicht ge-

nügend geprüft und auch jene einer Verunreinigung durch einen Unfall 

nicht berücksichtigt. Denkbare Unfälle durch einen benachbarten Bauern 

seien (1) ein gelöster Schlauch, (2) eine defekte Düse oder (3) das Absprit-

zen eines Sektors ohne Schliessung der Spritze bei der Drehbewegung.  

  

B-4086/2022 

Seite 28 

Des Weiteren sei der in der Mischprobe festgestellte Rückstand von 0.37 

mg/kg Aclonifen zu tief, um wirkungsvolle Unkrautbekämpfung zu betrei-

ben. Hätte die Beschwerdeführerin Herbizide eingesetzt, hätte sie diese in 

einer zur Unkrautbekämpfung effektiven Höhe gespritzt. In diesem Fall wä-

ren die Unkräuter laut der Beschwerdeführerin länger nicht gewachsen. Auf 

den Fotos der bio.inspecta AG vom (Mitte August 2021) seien aber ver-

schiedene Unkräuter ersichtlich ([…]). Das Vorhandensein der Unkräuter 

in diesem Ausmass am (Mitte August 2021) spreche gegen einen gezielten 

Herbizideinsatz. Stattdessen müsse eine andere Begründung – wie Abdrift, 

Unfall, Sabotage oder Altlasten – herhalten. 

Zusammenfassend bestünden mindestens ernsthafte Zweifel, dass die Be-

schwerdeführerin den Wirkstoff Aclonifen gezielt eingesetzt habe. Das er-

forderliche Beweismass für den Nachweis des unerlaubten Herbizideinsat-

zes sei nicht erfüllt.  

8.1.2 Die Vorinstanz betont, dass die Vergleichbarkeit der Bodenprobe der 

Erstinstanz vom (Ende Mai 2021) und der Bodenprobe der bio.inspecta AG 

vom (Mitte August 2021) mit ihren stark divergierenden Aclonifen-Werten 

nicht gewährleistet sei. Das Analyseergebnis der Mischprobe der Erstin-

stanz sei verlässlicher einzustufen, da diese Beprobung zeitlich näher am 

vorgeworfenen Herbizideinsatz liege. Auch sei bei der Probenahme der 

bio.inspecta AG am (Mitte August 2021) gemäss der Zeugenaussage ihres 

damaligen Kontrolleurs (D.c) zumindest die Parzelle M._______ bereits 

abgeerntet und abgeflammt gewesen. Dies sei ohne Eingriff in die Erd-

schichten nicht möglich.  

Die vom Kontrolleur der Erstinstanz zur Anwendung gebrachte Methodik 

sei gemäss dessen Ausführungen gegenüber der Vorinstanz ebenfalls 

standardisiert (m.H. auf Verhandlungsprotokoll, S. 5, 7 [Vorinstanz, 

act. 65 ff.]). Für die Zwecke des vorliegenden Verfahrens spiele es keine 

Rolle, wo genau die Herbizidrückstände gefunden worden seien, da alle 

untersuchten Parzellen für eine biologische Bewirtschaftung angemeldet 

gewesen seien. Auf die Entnahme von Einzelproben habe daher verzichtet 

werden können.  

Die Vorinstanz schätze die Zeugenaussage des Kontrolleurs der Erstin-

stanz (D.c) zum von ihm bei der Probenahme vom (Ende Mai 2021) fest-

gestellten Zustand der Felder als glaubhaft und schlüssig ein. Diese Aus-

sagen würden durch das vom Zeugen zur Dokumentation angefertigte Bild-

material untermauert. So falle auf einigen Bildern der Parzellen L._______ 

([…]) und M._______ ([…]) auf, dass es auf den Kartoffeldämmen praktisch 

B-4086/2022 

Seite 29 

keinen Unkrautbewuchs habe. Ebenso zeigten die Detailaufnahmen der 

Parzellen N._______ ([…]), M._______ ([…]) und K._______ ([…]) gelblich 

verfärbte Unkräuter und einzelne an den Rändern gelblich verfärbte Kar-

toffelstauden, welche nach dem erwähnten Zeugen auf einen kürzlichen 

Herbizideinsatz schliessen liessen. 

Der Standpunkt der Beschwerdeführerin, dass sich der am (Ende Mai 

2021) festgestellte "chlorotische" Zustand der Unkräuter auch mit dem Ein-

satz eines Abflammgerätes oder anderen mechanischen Unkrautbekämp-

fungsmassnahmen erklären lasse, sei unglaubwürdig. Zur Begründung be-

ruft sich die Vorinstanz einerseits auf fehlende Aufzeichnungen der Be-

schwerdeführerin von mechanischen Unkrautbekämpfungsmassnahmen. 

Andererseits hätten die beiden Vertreter der Erstinstanz bei ihrer Parteibe-

fragung (D.c) eindrücklich beschrieben, dass die Kartoffelfelder der Parzel-

len L._______ und M._______ – deren Dämme am (Ende Mai 2021) ge-

mäss dem vorliegenden Bildmaterial praktisch keinen Unkrautbewuchs 

aufgewiesen hätten – auch keine Spuren für den Einsatz eines Sternhack-

gerätes zeigen würden (m.H. auf Verhandlungsprotokoll, S. 12 und S. 14 

sowie ein eingereichtes Foto einer Vergleichsparzelle [Erstinstanz, 

act. 68]). Der am (Ende Mai 2021) persönlich vor Ort anwesende Kontrol-

leur der Erstinstanz habe dies ebenfalls bestätigt. Dieser habe auch keine 

Hinweise für den Einsatz von anderen mechanischen Unkrautbekämp-

fungsmassnahmen gehabt (m.H. auf Verhandlungsprotokoll, S. 13).  

Des Weiteren deuteten die im Bildmaterial der Erstinstanz ersichtlichen 

gelblichen Verfärbungen auch nach der Einschätzung der beiden landwirt-

schaftlichen Fachrichter im Spruchkörper der Vorinstanz auf einen langsa-

men Zelltod hin, wie er für den Einsatz von Herbiziden typisch sei. Der 

durch Fotoaufnahmen belegte Eindruck des Kontrolleurs der Erstinstanz 

habe sich durch das Ergebnis der Laboranalyse der Mischprobe der Erst-

instanz bestätigt. 

Den Hinweisen, dass sich das in der Mischprobe festgestellte Aclonifen 

möglicherweise auch durch eine Altlast, Abdrift, einen Unfall mit einem 

beim Spritzen gelösten Schlauch oder einen Sabotageakt erklären lasse, 

schenkt die Vorinstanz keinen Glauben. Mit 0.37 mg/kg Aclonifen sei die 

Mischprobe derart eindeutig ausgefallen, dass sich alle der an der Ver-

handlung der Vorinstanz anwesenden Fachleute darin einig gewesen 

seien, dass sich der Wert nicht mit einer Altlast oder Abdrift erklären lasse. 

Die Behauptung der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe die Möglich-

keit einer Abdrift im angefochtenen Entscheid nicht behandelt, sei akten-

widrig (m.H. auf E. II/2.2.3 des Entscheids).  

B-4086/2022 

Seite 30 

Ein Unfall mit einem beim Spritzen gelösten Schlauch habe in der An-

nahme, dass die Beschwerdeführerin Aclonifen – wie geltend gemacht – 

selber nicht verwendet habe, nur einem nicht biologisch produzierenden 

Nachbarn der Beschwerdeführerin passieren können. Die landwirtschaftli-

chen Fachrichter im Spruchkörper der Vorinstanz hätten einen solchen Un-

fall seitens eines benachbarten Landwirts aus technischen Gründen für un-

wahrscheinlich gehalten. Auch sei es schwer vorstellbar, dass wegen einer 

defekten Düse oder des Abspritzens eines Sektors auf einer Nachbarpar-

zelle ohne Schliessung der Spritze bei der Drehbewegung eine derart 

grosse Menge des Wirkstoffs Aclonifen auf eine Parzelle der Beschwerde-

führerin gelangt sein könnte, dass die kreuz und quer über vier Parzellen 

entnommene Mischprobe der Erstinstanz noch einen Rückstandswert von 

0.37 mg/kg geliefert hätte.  

Eine flächige Ausbringung durch einen Dritten hätte der Beschwerdeführe-

rin nach Ansicht der Vorinstanz auffallen müssen. Selbst die beiden Vertre-

ter der Beschwerdeführerin hätten nicht so richtig an einen gezielten Sa-

botageakt glauben wollen (m.H. auf Verhandlungsprotokoll, S. 20 f.). Wes-

halb das von der Beschwerdeführerin angerufene anonyme Schreiben mit 

Poststempel vom (Juni 2021) (C.b) einen Sabotageakt des Verfassers die-

ses Schreibens nahelegen sollte, sei nicht ersichtlich.  

Im Übrigen kritisiert die Vorinstanz das Vorgehen der bio.inspecta AG. 

Diese habe im Zertifizierungsentscheid vom 6. Oktober 2021 nur den Be-

richt "Ursachenabklärung bei Rückstandsfällen" (C.f) gewürdigt und daraus 

(voreilig) den definitiven Schluss auf eine angeblich fehlende eindeutige 

Ursache für die gefundenen Herbizidrückstände gezogen. Der erwähnte 

Bericht habe jedoch explizit weitere Abklärungen empfohlen, "weil der Vor-

wurf der Herbizidanwendung schwer wiege" sowie auch festgehalten, dass 

"die bisher vorliegenden Indizien aus Sicht des [Forschungsinstituts 

O._______] keine eindeutigen Schlüsse" zuliessen (m.H. auf Erstinstanz, 

act. 171). Empfohlen habe der Bericht in erster Linie die Befragung des am 

(Ende Mai 2021) anwesenden Kontrolleurs der Erstinstanz zur Unkrautfrei-

heit der Felder und zur Frage, ob sich die Unkrautfreiheit mit etwas ande-

rem als einem Herbizideinsatz erklären lasse. Die Vorinstanz habe diese 

empfohlene Befragung im Unterschied zur bio.inspecta AG durchgeführt. 

  

B-4086/2022 

Seite 31 

Weiter habe der ebenfalls als Zeuge befragte Verfasser des Berichts "Ur-

sachenabklärung bei Rückstandsfällen" auch gegenüber der Vorinstanz 

betont, dass die Beurteilung, ob ein fehlender Unkrautbewuchs im konkre-

ten Einzelfall für oder gegen einen Herbizideinsatz spreche, primär den 

Kontrolleuren vor Ort und deren Fachkunde zu überlassen sei (m.H. auf 

Verhandlungsprotokoll, S. 13). Einen Anlass die Glaubwürdigkeit des Kon-

trolleurs der Erstinstanz oder die Aussagekraft seiner Fotodokumentation 

in Frage zu stellen, habe die Vorinstanz nicht.  

Der Unkrautbewuchs am (Mitte August 2021) gemäss den Fotos der bio.in-

specta AG widerlege den Einsatz eines Vorlaufherbizids im Mai 2021 nicht. 

Ein Hirsebewuchs am (Mitte August 2021) sei nicht weiter verwunderlich, 

hätten damals doch nur noch minimale Konzentrationen eines Insektizids 

und eines Fungizids festgestellt werden können.  

An der Beurteilung der Vorinstanz vermöge schliesslich nichts zu ändern, 

dass die bio.inspecta AG bei ihrer Hauptkontrolle am (Ende Mai 2021) (B.b) 

keine Auffälligkeiten wie Verfärbungen des Unkrauts festgestellt habe. Es 

müsse davon ausgegangen werden, dass der fragliche Kontrolleur die – 

immerhin fotografisch dokumentierten – Verfärbungen an Unkräutern und 

Kartoffelstauden übersehen habe. Dies lasse sich damit erklären, dass die 

verfärbten Pflanzen relativ klein gewesen seien und der Kontrolleur die be-

sichtigten Felder gemäss der Parteiaussage des Produktionsleiters der Be-

schwerdeführerin auch nicht näher inspiziert habe, sondern lediglich daran 

vorbeigefahren sei (m.H. auf Verhandlungsprotokoll, S. 22). Zudem habe 

die Beschwerdeführerin eine Besichtigung der fraglichen Felder durch die 

bio.inspecta AG anlässlich der Hauptkontrolle vom (Ende Mai 2021) erst-

mals an der Verhandlung vor der Vorinstanz vorgebracht, ohne dass sie 

den betreffenden Kontrolleur je als Zeugen angerufen habe. Auf eine Zeu-

genbefragung desselben habe die Vorinstanz in zulässiger antizipierter Be-

weiswürdigung verzichtet. 

  

B-4086/2022 

Seite 32 

8.2  

8.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Recht von Amtes wegen 

an und prüft den vorinstanzlichen Entscheid grundsätzlich mit voller Kog-

nition (Art. 62 Abs. 4 VwVG, Urteil des BVGer B-1499/2022 vom 23. No-

vember 2023 E. 3). Indessen auferlegt sich das Bundesverwaltungsgericht 

praxisgemäss eine gewisse Zurückhaltung, wenn die Natur der Streitsache 

dies sachlich rechtfertigt bzw. gebietet, wozu auch die Beurteilung von 

technischen Sachverhalten gehört. Das Gericht soll nicht aus eigenem Gut-

dünken, sondern nur aus triftigen Gründen von der Beurteilung einer  

Vorinstanz abweichen, die über besondere Fachkompetenz verfügt, wel-

che dem Gericht selber abgeht. Dies gilt jedenfalls soweit, als die mit be-

sonderer Fachkompetenz ausgestattete Instanz die für den Entscheid we-

sentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen 

sorgfältig und umfassend durchgeführt hat (Urteil des BGer 2C_698/2021 

vom 5. März 2024 E. 11.5; Urteil des BGer 1C_583/2021 vom 31. August 

2023 E. 2.6; Urteil des BVGer B-903/2022 vom 13. März 2023 E. 2.2). 

8.2.2 Eine solche Instanz mit besonderer Fachkompetenz ist vorliegend 

nicht nur die Erstinstanz, sondern auch das BLW, welches die Oberaufsicht 

über den Vollzug des LwG und dessen Verordnungen durch die Kantone 

ausübt und vom Bundesverwaltungsgericht als Fachbehörde in das vorlie-

gende Verfahren einbezogen worden ist (E.g. f., E.j; Art. 179 Abs. 1 LwG; 

Art. 33 Abs. 2 Verordnung vom 7. Dezember 1998 über landwirtschaftliche 

Begriffe und die Anerkennung von Betriebsformen [Landwirtschaftliche Be-

griffsverordnung, LBV; SR 910.91]). Amtsberichte und Stellungnahmen 

von Fachstellen des Bundes wie dem BLW überprüft das Bundesverwal-

tungsgericht nur dann inhaltlich und weicht bei der Prüfung naturwissen-

schaftlicher und technischer Fragen nur dann davon ab, wenn stichhaltige 

Gründe, etwa offensichtliche Mängel oder innere Widersprüche, dafür vor-

liegen (Urteil des BVGer A-1186/2022 vom 13. Dezember 2023 E. 2, m.H.). 

8.2.3 Die Untersuchungsmaxime verlangt, dass die Behörde von sich aus 

für die richtige und vollständige Abklärung des Sachverhalts sorgt (Art. 12 

VwVG; § 17 Abs. 1 aargauisches Verwaltungsrechtspflegesetz vom 4. De-

zember 2007, VRPG, SAR 271.200). Abzuklären sind die rechtserhebli-

chen Tatsachen, also alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob 

über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem 

Rahmen müssen zusätzliche Abklärungen stets vorgenommen oder veran-

lasst werden, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder Anhalts-

punkten aus den Akten hinreichender Anlass besteht (BGE 143 II 425 

E. 5.1, BGE 117 V 282 E. 4a; Urteil des BVGer B-1014/2019 vom 24. Juli 

B-4086/2022 

Seite 33 

2020 E. 7.2; PIERRE TSCHANNEN / MARKUS MÜLLER / MARKUS KERN, Allge-

meines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., 2022, S. 301; CHRISTOPH AUER, ANJA 

MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-

tungsverfahren, Auer/ Müller/Schindler [Hrsg.], 2. Aufl., 2019, Art. 12 N. 2, 

7; PATRICK L. KRAUSKOPF / MARKUS WYSSLING, in: Praxiskommentar 

VwVG, a.a.O., Art. 12 N. 16, 19 ff., 27 f.). 

8.2.4 Ein Sachverhalt ist im ordentlichen Verwaltungsverfahren unter Be-

rücksichtigung der Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Erkenntnisse 

nach Massgabe des sogenannten Voll- oder Überzeugungsbeweises zu 

werten. Ein Beweis gilt nach diesem Regelbeweismass als erbracht, wenn 

die Behörde nach objektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit eines 

Sachverhaltselements überzeugt ist. Absolute Gewissheit kann dabei nicht 

verlangt werden. Es genügt, wenn die Behörde am Vorliegen des rechtser-

heblichen Sachumstands keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls 

verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (BGE 148 III 105 E. 3.3.1; Urteil 

des BVGer B-1014/2019 vom 24. Juli 2020 E. 8.3, m.H.; MEYER CHRISTIAN, 

Die Mitwirkungsmaxime im Verwaltungsverfahren des Bundes, Ein Beitrag 

zur Sachverhaltsfeststellung als arbeitsteiligem Prozess, Zürich - Basel - 

Genf 2019, Rz. 51). 

8.3  

8.3.1 Der in Zusammenarbeit mit Agroscope erstellte Fachbericht des BLW 

vom 16. Juni 2023 (E.h) ist in sich schlüssig und weist keine Widersprüche 

auf. Er stützt die Beurteilung der Vorinstanz im Wesentlichen mit den fol-

genden Hauptaussagen: 

8.3.1.1 Aclonifen sei ein klassisches, im Vorlauf eingesetztes Bodenherbi-

zid. Als solches müsse es der Oberfläche anhaften und sollte ohne Boden-

bearbeitung kaum in tiefere Bodenschichten gelangen, auch nicht nach 

Niederschlägen. Bei einem Pflugeinsatz könnten Bodenherbizide wie Aclo-

nifen jedoch auch in Tiefen von 20-30 cm gelangen. 

8.3.1.2 Aufgrund der nicht gleich durchgeführten Probenahmen könnten 

die Bodenanalysen der Erstinstanz vom (Ende Mai 2021) und der bio.in-

specta AG vom (Mitte August 2021) nicht miteinander verglichen werden. 

Die später und in tieferen Bodenschichten erfolgte Bodenanalyse der 

bio.inspecta AG sei weniger aussagekräftig als jene der Erstinstanz. Die 

Art und Weise der Probenahme, insbesondere die Tiefe der Beprobung, 

hätten einen grossen Einfluss auf die nachweisbaren Rückstände. Proben 

aus unterschiedlichen Tiefen taugten nicht für einen Vergleich.  

B-4086/2022 

Seite 34 

8.3.1.3 Eine Probenahme aus den obersten fünf Centimetern entspre-

chend dem Vorgehen der Erstinstanz (B.a) sei sinnvoll, da Aclonifen eher 

an der Erdoberfläche haften bleibe und auch kaum durch Niederschläge in 

tiefere Bodenschichten verlagert werde. Die Entnahme der Proben aus tie-

feren Bodenschichten ("bis ca. 10 cm") durch die bio.inspecta AG (C.c) 

habe zu einer Verdünnung des oberflächlich ausgebrachten Wirkstoffs ge-

führt. Weiter gelte es zu beachten, dass eine Bodenprobe möglichst rasch 

nach der Applikation erfolgen solle, um einen möglichen Herbizideinsatz 

nachzuweisen. Je rascher die Bodenprobe nach einem mutmasslichen 

Eintrag eines Herbizids entnommen werde, desto höher sei die nachweis-

bare Konzentration des gesuchten Wirkstoffs. Die Bodenprobe der Erstin-

stanz vom (Ende Mai 2021) sei somit auch deshalb verlässlicher als jene 

der bio.inspecta AG, weil sie zeitlich näher bei der vorgeworfenen Herbi-

zidanwendung stattgefunden habe. 

8.3.1.4 Die Anwendung von Herbiziden könne in der biologischen Land-

wirtschaft auch mit einer Mischprobe festgestellt werden. Das BLW ver-

lange in Bezug auf den Direktzahlungsanspruch keine Einzelproben. Für 

die massgebliche Feststellung, ob Herbizide eingesetzt worden seien oder 

nicht, sei es sinnvoll gewesen, dass die Erstinstanz die Bodenproben von 

vier verschiedenen Feldern genommen und zu einer Mischprobe zusam-

mengefügt habe.  

8.3.1.5 Zwar könne aufgrund der Mischprobe der Erstinstanz nicht ab-

schliessend beurteilt werden, ob Aclonifen auf allen beprobten Parzellen 

oder nur auf einer Teilfläche angewendet worden sei. Dies sei vorliegend 

aber nicht relevant, da in der biologischen Landwirtschaft gesamtbetrieb-

lich keine chemischen Herbizide erlaubt seien. Werde ein positiver Wert 

festgestellt, liege eine Herbizidanwendung auf zumindest einer Fläche vor. 

Durch die Vermischung von Flächen, auf denen allenfalls keine Herbizide 

eingesetzt worden seien, könne der festgestellte Wert aufgrund einer Ver-

dünnung mit Herbizid-freier Erde geringer ausfallen. Ein positiver Wert ei-

ner Mischprobe weise aber dennoch auf eine unzulässige Anwendung hin. 

Des Weiteren könne man nie davon ausgehen, dass die Verteilung von 

chemischen Substanzen über die gesamte Fläche gleichmässig sei. Durch 

die Analyse einer grossen Zahl von Einzelproben statt einer Mischprobe 

erhalte man zwar Informationen zur Variabilität der Rückstände. Der rech-

nerische Mittelwert sei aber nicht genauer als der Mittelwert durch Mi-

schung der Probe vor der Analyse. 

B-4086/2022 

Seite 35 

8.3.1.6 Weiter beantwortete das BLW die ihm unterbreitete Frage, ob der 

Kontrolleur der Erstinstanz am (Ende Mai 2021) bei der Entnahme der Bo-

denproben und der fotografischen Dokumentation der von ihm angetroffe-

nen Situation fachmännisch vorgegangen sei, unter Hinweis auf die Anga-

ben im Protokoll der vorinstanzlichen Gerichtsverhandlung mit "Ja". Die 

Bodenproben seien systematisch an einer Vielzahl von Stellen in den Par-

zellen so genommen worden, dass eine möglichst repräsentative Mi-

schung der beprobten Flächen entstanden sei. Die Tiefe von 3-5 cm sei 

adäquat. Die von der Erstinstanz gefundenen Werte könnten laut dem BLW 

höchstens dadurch – zu Gunsten der Beschwerdeführerin – verfälscht wor-

den sein, dass der Kontrolleuer in den Furchen zwischen den Dämmen 

keine Proben entnommen habe, sondern (wie die bio.inspecta AG) nur auf 

den Dämmen und an den seitlichen Flächen. Dies könne bei feuchter Wit-

terung und langem Zeitraum zwischen Applikation und Probenahme zu ei-

ner Abnahme der Wirkstoffkonzentration auf den Dämmen und einer Zu-

nahme in den Furchen führen. Der Effekt lasse sich aber nicht quantifizie-

ren. 

8.3.1.7 Die vom Kontrolleur der Erstinstanz am (Ende Mai 2021) ange-

troffenen und auf den Fotos ersichtlichen, gelblich verfärbten Unkräuter 

könnten laut dem BLW die Folge einer zu spät erfolgten Aclonifen-Behand-

lung sein. Denn Aclonifen unterdrücke das Auflaufen von Samenunkräu-

tern und führe zum "unauffälligen" Absterben von unscheinbaren Sämlin-

gen im Keimblattstadium einige Tage nach der Applikation. Die (korrekte) 

Anwendung von Aclonifen führe daher nicht zu auffälligen Symptomen von 

Phytotoxizität in Form von Chlorosen oder Blattdeformationen an bereits 

vorhandenen Unkrautbeständen, wie sie nach einer Anwendung von 

Blattherbiziden nach einigen Tagen oder bis zwei Wochen sichtbar würden. 

Von Aclonifen getroffene Unkräuter, die in der Entwicklung bereits fortge-

schritten seien, würden aber nach einigen Tagen bis zwei Wochen je nach 

Unkrautart mit leichten Vergilbungen, Wachstumshemmungen etc. reagie-

ren.  

8.3.1.8 Zu Gelbverfärbungen könnten auch Umfeldfaktoren wie Lichtman-

gel oder Vernässung im Wurzelraum führen. Auch sei nicht auszuschlies-

sen, dass mechanisch ausgehackte oder ausgerissene Unkräuter Gelbver-

färbungen zeigten. Dies könne insbesondere bei wechselfeuchten Witte-

rungsbedingungen der Fall sein, wenn die entwurzelten Unkrautpflanzen 

nicht innerhalb von wenigen Tagen vertrocknen und vollständig absterben 

würden. Unkräuter in fortgeschrittenen Entwicklungsstadien, an deren 

Wurzeln noch einiges an Resterde anhafte, würden versuchen, erneut 

B-4086/2022 

Seite 36 

anzuwachsen. Auch bei solchen –"ums Überlegen kämpfenden" – Pflan-

zen könnten Gelbverfärbungen auftreten, da hier neben der Wasser- auch 

die Nährstoffversorgung gestört sei. Dann müsste man auf den im Recht 

liegenden Fotos aber entwurzelte Unkräuter sehen können. Dies sei je-

doch nicht der Fall.  

8.3.1.9 Da die Erstinstanz die Bodenproben in den einzelnen Parzellen 

über die gesamte Fläche verteilt genommen habe, sei der in der Misch-

probe vom (Ende Mai 2021) gemessene Wert von 0.37 mg/kg Aclonifen für 

seit 2019 biologisch bewirtschaftete Flächen zu hoch für eine Altlast. Dass 

die Erstinstanz Probematerial an einer Stelle entnommen habe, welche frü-

her – etwa durch einen Gerätedefekt mit Eintrag von Herbizidbrühe oder 

eine Spritzenreinigung im Feld – mit Aclonifen überbelastetet worden sei, 

erscheine insofern eher unwahrscheinlich, als in der späteren Probe der 

bio.inspecta AG vom (Mitte August 2021) ein positiver Aclonifen-Wert ein-

zig auf einer Parzelle (C.d) gemessen worden sei. Eine Abdrift aus benach-

barten, mit Herbiziden behandelten, Flächen sei aufgrund der am (Ende 

Mai 2021) festgestellten, sehr hohen Wirkstoffmenge ebenfalls sehr un-

wahrscheinlich. 

8.3.1.10 Der in der Bodenprobe der bio.inspecta AG vom (Mitte August 

2021) festgestellte tiefere Wert von Aclonifen lasse sich einerseits dadurch 

erklären, dass die Probe aus einer tieferen Bodenschicht stamme. Ande-

rerseits seien sowohl die Probe vom Mai 2021 als auch die Probe vom 

August 2021 "seitlich und oben auf den Dämmen" (B.a, C.c) entnommen 

worden. Die Oberflächenerde inklusive das daran anhaftende Pflanzen-

schutzmittel werde insbesondere durch Regen von den Dämmen in die 

Furchen abgeschwemmt, womit das Pflanzenschutzmittel auf den Däm-

men abnehme. Gemäss den vorliegenden Wetterdaten sei nach der Pro-

benahme der Erstinstanz am (Ende Mai 2021) bis zur Probenahme der 

bio.inspecta AG am (Mitte August 2021) mehrfach stärkerer Regen gefal-

len, nämlich an insgesamt 52 Regentagen durchschnittlich 9.08 mm/h Re-

gen. Auch dies und die durch sonstige Erosion erfolgte Abschwemmung 

bzw. Abdrift habe den Aclonifen-Wert der Erde auf den Dämmen zwangs-

läufig um Einiges verringert. Auch gelte es die Abbaurate zu beachten, wel-

cher jeder Wirkstoff unterworfen sei. 

8.3.1.11 Das Vorhandensein verschiedener Unkräuter anlässlich der Pro-

benahme der bio.inspecta AG vom (Mitte August 2021) spreche nicht ge-

gen einen Herbizideinsatz im Frühling. Da zwischen einer Herbizidanwen-

dung im Frühling bis zur Probenahme der bio.inspecta AG drei bis vier 

B-4086/2022 

Seite 37 

Monate lägen, könne bis zu diesem zweiten Zeitpunkt keine vollständige 

Unkrautunterdrückung mehr erwartet werden. Im Laufe des Sommers neu 

auflaufende Unkräuter und Ungräser würden von der – insbesondere durch 

Abbau und oberflächliche Abschwemmung – reduzierten Wirkstoffmenge 

in der obersten Bodenschicht nur noch teilweise oder gar nicht mehr er-

fasst. Eine kleinräumige Erosion innerhalb der Fläche durch Bewegung 

und Verschiebung von Erdmaterial unter dem Einfluss von Niederschlags-

wasser sei in Kartoffelkulturen, welche auf Dämmen angebaut würden, 

eine häufige Erscheinung. Bei diesen Vorgängen werde oberflächliches 

Erdmaterial von den Dammflanken in den Zwischenreihenbereich verla-

gert, so dass die Dammoberfläche nur noch einen unvollständigen Herbi-

zidfilm aufweise. Auch das Vorhandensein von altem abgeflammten Un-

kraut spreche nicht gegen einen Herbizideinsatz. 

8.3.1.12 Insgesamt habe das BLW gestützt auf die vorliegenden Akten 

keine ernsthaften Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin das Herbizid 

Aclonifen bewusst angewendet habe. 

8.3.2 Die Erstinstanz beurteilt die Angelegenheit in Übereinstimmung mit 

den oben wiedergegebenen Hauptaussagen des BLW und von Agroscope. 

Zusammenfassend führt die Erstinstanz Folgendes aus:  

8.3.2.1 Sie betont, dass Aclonifen ein Bodenherbizid sei, welches vorwie-

gend im Vorlauf der Kultur eingesetzt werde. Die Beschwerdeführerin habe 

die Zwiebeln am (…) und die Kartoffeln am (…) und (…) gesetzt. Somit 

habe die Probenahme der Erstinstanz vom (Ende Mai 2021) bei den Zwie-

beln 54 Tage und bei den Kartoffeln 38 sowie 43 Tage nach dem Setzen 

stattgefunden. 

8.3.2.2 Der in der Mischprobe vom (Ende Mai 2021) gefundene Rück-

standswert sei unter Berücksichtigung der nach einer Aclonifen-Behand-

lung zu erwartenden ursprünglichen Wirkstoffmenge von ca. 0.45 mg/kg 

sowie einer Reduktion dieses Ausgangswerts um 50% in 40-80 Tagen (sog. 

DT50-Wert) nachvollziehbar. Von dieser Abbaurate sei auch die Beschwer-

deführerin in ihrer Stellungnahme vom 4. August 2021 im Zertifizierungs-

verfahren (C.b) ausgegangen. Ebenso habe die Beschwerdeführerin in 

dieser Stellungnahme selber ausdrücklich festgehalten, dass der Rück-

standwert von 0.37 mg/kg Aclonifen unter Berücksichtigung der erwähnten 

Abbaurate auf eine Behandlung mit Aclonifen "kurz vor der Probenahme" 

schliessen lasse (m.H. auf Erstinstanz, act. 88 [Ziff. 3]). 

  

B-4086/2022 

Seite 38 

8.3.2.3 Auf welcher Parzelle wie viel Herbizid eingesetzt worden sei, spiele 

für die Beurteilung der Direktzahlungen keine Rolle, da im Biolandbau eine 

Nulltoleranz bezüglich Herbiziden gelte. Mit 0.37 mg/kg Aclonifen sei das 

Resultat der Mischprobe derart klar und eindeutig gewesen, dass sich eine 

zusätzliche Einzelprobe erübrigt habe.  

8.3.2.4 Eine Mischprobe sei für die Beschwerdeführerin sogar grundsätz-

lich vorteilhafter, da man nie mehr Rückstände finden könne, als tatsäch-

lich vorhanden seien und ein allfälliger Anteil einer herbizidlos geführten 

Parzelle die Probe verdünnen würde. Das Risiko, dass das Analyseergeb-

nis unter dem tatsächlichen Rückstandswert liege, sei in einer Mischprobe 

daher gross. 

8.3.2.5 Die zusätzliche Probenahme der bio.inspecta AG vom (Mitte Au-

gust 2021) (C.c) habe erst 119, 124 und 135 Tage nach den oben erwähn-

ten Setzdaten stattgefunden. Seit der Probenahme durch die Erstinstanz 

am (Ende Mai 2021) bis zur Probenahme durch die bio.inspecta AG habe 

es in der Region der vier Parzellen ca. 450 mm/m2 geregnet. In den Mona-

ten Mai bis Juli 2021 seien zwischen 150 bis 250% der üblichen Regen-

mengen gefallen. Vor allem im Juni 2021 habe es mehrere Starknieder-

schläge gegeben, welche verbreitet zu Erosion geführt hätten (belegt mit 

Wetterdaten […]). Die Starkniederschläge hätten bewirkt, dass das Boden-

herbizid ausgewaschen, versickert oder abgeschwemmt worden sei. 

8.3.2.6 Das tiefere Analyseresultat der bio.inspecta AG – mit einem Rück-

stand von Aclonifen einzig auf der Parzelle M._______ im Wert von 0.012 

mg/kg (C.d]) – erstaune angesichts der normalen Abbaurate von 50% in 

40-80 Tagen, den überdurchschnittlichen Regenmengen und den Starknie-

derschlägen nicht. Die beiden Probedurchgänge würden lediglich einen 

anderen Zeitpunkt im Anwendungszyklus eines Herbizids aufzeigen und 

widersprächen sich nicht: Die Probe der Erstinstanz zeige den Anfang mit 

hoher Konzentration nach dem Einsatz und die Probe der bio.inspecta AG 

zeige den Schluss am Ende der Kultur mit niedrigen bis bereits nicht mehr 

nachweisbaren Werten. 

8.3.2.7 Der Zeitpunkt der Probenahme der bio.inspecta AG im Herbst sei 

ungünstig gewesen. Unter den vorliegend gegebenen Umständen sei nach 

den durchschnittlich 126 Tagen bis zu dieser Probenahme davon auszuge-

hen, dass nicht mehr viel habe nachgewiesen werden können. Die Probe 

der bio.inspecta AG eigne sich daher nicht um zu beweisen, dass im Früh-

ling keine Herbizide eingesetzt worden seien. 

B-4086/2022 

Seite 39 

8.3.2.8 Dies gelte erst recht, da auch die Tiefe der Probenahme einen Ein-

fluss auf das Analyseresultat habe. Bei der bio.inspecta AG sei die Ent-

nahme der Proben aus einer Bodentiefe von "bis ca. 10 cm" statt einer 

Tiefe von drei bis fünf Centimetern erfolgt (B.a, C.c). Dies sei zu tief und 

habe die Proben der bio.inspecta AG verdünnt.  

8.3.2.9 Zudem habe die Beschwerdeführerin die Kartoffeln laut ihren Auf-

zeichnungen am (Juni 2021) gehäufelt, was zu einer weiteren Verdünnung 

des Wirkstoffs geführt habe ([…]). Auch seien die Kartoffeln im Zeitpunkt 

der Probenahme der bio.inspecta AG gemäss der Zeugenaussage des da-

mals zuständigen Kontrolleurs auf einem Feld bereits geerntet gewesen 

([…]). Bei der Kartoffelernte werde der Damm komplett aufgenommen und 

die Kartoffeln würden aus dem Boden gesiebt. Dadurch sei praktisch auf 

der ganzen betroffenen Parzelle und in der gesamten Arbeitstiefe ein ma-

ximales Mischverhältnis und damit eine maximale Verdünnung des Wirk-

stoffs im Boden entstanden. 

8.3.2.10 Im Verdacht der Beschwerdeführerin, der Verfasser eines anony-

men Schreibens könnte böswillig Herbizide eingesetzt haben, um ihr zu 

schaden, liege keine nachvollziehbare Erklärung für den festgestellten Her-

bizidrückstand. Die von der Erstinstanz beprobte Gesamtfläche habe min-

destens (…) Hektar betragen und die beprobten Flächen seien teilweise 

zufällig ausgewählt worden, um gerade auch die Möglichkeit eines geziel-

ten Sabotageaktes ausschliessen zu können. Alle beprobten Flächen hät-

ten gemäss der vorliegenden Fotodokumentation ([…]) Herbizidspuren 

aufgewiesen. Ein Sabotageakt gegen einen Bio-Betrieb in diesem Aus-

mass wäre laut der Erstinstanz in der Schweiz nicht nur einzigartig, son-

dern auch kaum unentdeckt ausführbar gewesen und überzeuge offen-

sichtlich nicht. Die mit der erwähnten Fotodokumentation belegte optische 

Wahrnehmung des Kontrolleurs der Erstinstanz könne dadurch, dass die 

Vertreter der bio.inspecta AG in den beiden Kontrollrapporten vom (April 

2021) und (Ende Mai 2021) ([…]; B.b) keine gelblich verfärbte Unkräuter 

oder ungewöhnlich wenig Unkrautbewuchs beanstandet hätten, nicht in 

Zweifel gezogen werden. 

8.3.2.11 Die Ursache "Altlast im Boden" sei mittlerweile widerlegt. Denn die 

fraglichen Parzellen der Beschwerdeführerin seien am (März 2022) und am 

(Mai 2022) (D.c) noch einmal beprobt worden und es sei kein Aclonifen 

mehr gefunden worden. Der Kontrolleur der bio.inspecta AG habe diesbe-

züglich gegenüber der Vorinstanz ausgesagt, dass eine tatsächliche Altlast 

"jetzt nicht einfach weg" wäre. Die Abbaukurve verlaufe zunächst steil nach 

B-4086/2022 

Seite 40 

unten und bleibe dann lange flach. Bis man gar nichts mehr sähe, ginge es 

lange ([…]). Auch der Artikel "Widespread Occurrence of Pesticides in Or-

ganically Managed Agricultural Soils" (D.c) lasse nicht auf eine Altlast 

schliessen. Nach Aclonifen sei in dieser Studie gar nicht gesucht worden. 

Zudem seien auf den in der Studie beprobten Bioparzellen viel tiefere 

Rückstandwerte als die vorliegend nachgewiesenen Werte gefunden wor-

den. 

8.3.2.12 Des Weiteren sei der anlässlich der Probenahme vom (Ende Mai 

2021) gefundene Wert von 0.37 mg/kg Aclonifen in Anbetracht der Grösse 

der vier beprobten Felder unmöglich mit Abdrift zu erreichen. Diese Theorie 

sei eine Ausrede ohne Realitätsbezug.  

8.3.2.13 Ebenso reiche ein Unfall mit einer Feldspritze nicht, damit ein Bild 

wie in der erwähnten Fotodokumentation über Hektaren und an vier ver-

schiedenen Standorten, welche ziemlich weit auseinander lägen, entste-

hen könne.  

8.3.2.14 Falsch sei auch das Argument der Beschwerdeführerin, dass der 

in der Mischprobe gefundene Rückstandswert zu tief sei, um effektiven 

Pflanzenschutz zu betreiben. Der vorgeworfene Herbizideinsatz falle näm-

lich in die schwierigste Phase bezüglich der Unkrautbekämpfung ganz zu 

Beginn der Kultur, in welcher diese extrem konkurrenzschwach und das 

schneller wachsende Unkraut mit den im Biolandbau zugelassenen Mög-

lichkeiten nur schwierig zu bekämpfen sei. Um die Kultur aus dieser 

schwierigsten Zeit rausbringen zu können, habe die Beschwerdeführerin 

eine "volle Dosis" Herbizid gar nicht benötigt. Der festgestellte Rückstand 

habe hier ausgereicht, um rundum saubere Dämme zu erhalten.  

8.3.2.15 Ebenso wenig spreche das Vorhandensein von Unkräutern im Au-

gust 2021 für einen Verzicht auf ein Vorlaufherbizid. Die Fotos der bio.in-

specta AG vom (Mitte August 2021), auf welche sich die Beschwerdefüh-

rerin berufe ([…]), zeigten eine Spätverunkrautung, wie sie im Anbaujahr 

2021 auf vielen Felder zu sehen gewesen sei. Ohne Herbizideinsatz wäre 

der Unkrautdruck im August 2021 laut der Erstinstanz massiver ausgefal-

len, wobei anders als auf den erwähnten Fotos nicht nur Hirse als Spätkei-

mer, sondern auch breitblättrige Unkräuter vorhanden wären. 

  

B-4086/2022 

Seite 41 

8.3.2.16 Schliesslich kritisiert die Erstinstanz grundlegend die Qualität des 

Berichts "Ursachenabklärung bei Rückstandsfällen" (C.f). Dieser Bericht 

bleibe in allem vage. Er beruhe auf unvollständigen Unterlagen, habe der 

Verfasser doch beispielsweise nur über zwei von insgesamt 35 Fotos ver-

fügt. Zudem wirke der Bericht widersprüchlich und entspreche keinem wis-

senschaftlichen Standard. Entweder habe hier die Fachexpertise gefehlt, 

oder es handle sich um ein Gefälligkeitsgutachten. 

8.3.2.17 Insgesamt zeigten die in der Mischprobe der Erstinstanz vom 

(Ende Mai 2021) gefundenen Werte im Zusammenhang mit dem fotogra-

fisch dokumentierten Zustand der Kulturen einen eindeutigen Herbizidein-

satz. Die bio.inspecta AG habe mit ihren Bodenproben, welche sie zu spät, 

zu tief, nach starken Regenfällen und auf zum Teil bereits abgeernteten 

Parzellen entnommen habe, eine ungenügende bis unbrauchbare Daten-

grundlage geschaffen. Die Begründung des Zertifizierungsentscheids vom 

6. Oktober 2021 sei sehr mager und stütze sich lediglich auf den kritisierten 

Bericht. 

8.3.3  

8.3.3.1 Die Darstellung der Beschwerdeführerin (E. 8.1.1) wird durch die 

oben beschriebenen Ausführungen des BLW und der Erstinstanz in allen 

aufgeworfenen Kritikpunkten entkräftet. Was die Darlegungen des BLW in 

Kooperation mit Agroscope im Fachbericht vom 16. Juni 2024 (E. 8.3.1) 

anbelangt, begnügte sich die Beschwerdeführerin in ihrer abschliessenden 

Stellungnahme vom 31. August 2023 damit, mit Hinweis auf die Beschwer-

deschrift pauschal mitzuteilen, dass diese Ausführungen sowie die daraus 

gezogene Schlussfolgerung für sie unverständlich seien und bestritten 

würden (E.k). Wie nachfolgend ergänzend dargelegt wird, vermag die Be-

schwerdeführerin damit der fachlich fundierten, detaillierten und auch aus-

gewogenen Darstellung des BLW und von Agroscope offensichtlich nichts 

Stichhaltiges entgegenzuhalten. Dazu kommt, dass nach dem Dafürhalten 

des Bundesverwaltungsgerichts auch die Darstellung der Erstinstanz 

(E. 8.3.2) in sich schlüssig und widerspruchsfrei ist und auch die Vorinstanz 

(E. 8.1.2) ihre Einschätzung der Sachlage überzeugend begründet. 

  

B-4086/2022 

Seite 42 

8.3.3.2 Im Einzelnen besteht für das Bundesverwaltungsgericht zunächst 

keine Veranlassung, die differenzierte Einschätzung des BLW 

(E. 8.3.1.4 f.), der Erstinstanz (E. 8.3.2.3 f.) wie auch der Vorinstanz 

(E. 8.1.2, Absatz 2) in Frage zu stellen, dass die Entnahme einer Misch-

probe im vorliegenden Fall geeignet war und auch ausreichte, um den Be-

weis bezüglich des strittigen Herbizideinsatzes auf einem oder mehreren 

der vier beprobten Bio-Felder der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich zu 

führen. Die beiden Fachinstanzen BLW und Erstinstanz betonen zu Recht, 

dass in der biologischen Landwirtschaft gesamtbetrieblich keine chemi-

schen Herbizide erlaubt sind (E. 5.4) und vorliegend entgegen der Be-

schwerdeführerin nicht relevant ist, ob Herbizide auf allen vier geprüften 

Parzellen festgestellt worden sind oder zum Beispiel nur auf einer. Die For-

derung der Beschwerdeführerin nach einer zwingenden Ergänzung der 

vorliegenden Mischprobe mit Einzelproben ist angesichts der sachgerech-

ten Ausführungen der Fachinstanzen unbegründet. Daran vermag auch 

der letztlich unqualifizierte Kommentar des – einzig zur Durchführung der 

chemischen Analyse des vorgelegten Probematerials beauftragten – La-

bors nichts zu ändern, dass eine "finale Beurteilung" der analysierten 

Mischprobe "nicht möglich" sei (B.c). 

8.3.3.3 Weiter besteht für das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf die 

vorliegende Aktenlage kein Grund, die Vorgehensweise oder die fachliche 

Qualität der erstinstanzlichen Probenahme vom (Ende Mai 2021) anzu-

zweifeln. Die Vorinstanz befragte den Kontrolleur der Erstinstanz im Zeu-

genstand auch ausdrücklich zu seinem konkreten Vorgehen bei der Probe-

nahme. Aus seiner Schilderung, welche mit der übrigen Aktenlage überein-

stimmt, folgerte die Vorinstanz zu Recht, dass die vom erstinstanzlichen 

Kontrolleur am (Ende Mai 2021) zur Anwendung gebrachte Methodik stan-

dardisiert war (Verhandlungsprotokoll, S. 5, 7 [Vorinstanz, act. 65 ff.]). 

Ebenso lassen die Ausführungen des BLW keinen Zweifel daran, dass die 

Probenahme der Erstinstanz aus den obersten fünf Centimetern – im Ge-

gensatz zur Entnahme der Proben aus tieferen Bodenschichten ("bis ca. 

10 cm") durch die bio.inspecta AG – sinnvoll war (E. 8.3.1.3). Selbiges gilt 

für den Zeitpunkt der erstinstanzlichen Probenahme im Frühling und damit 

"möglichst rasch" nach der zu prüfenden Applikation eines Herbizids 

(E. 8.3.1.3). Schliesslich weist das BLW auf die Frage nach der fachlichen 

Qualität der Beprobung einzig darauf hin, dass es sowohl die Erstinstanz 

als auch