# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62747bdf-bd39-51cd-9581-f6ccd2504f69
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.07.2010 D-3830/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3830-2008_2010-07-05.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3830/2008/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  J u l i  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richter Robert Galliker, Richter Blaise Pagan, 
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

A._______ B._______, geboren [...], 
und deren Kinder B._______ B._______, geboren [...], 
und C._______ B._______, geboren [...], Sri Lanka,
c/o schweizerische Vertretung in Colombo (CL),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 8. Mai 2008 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3830/2008

Sachverhalt:

A.
Mit an die schweizerische Vertretung in Colombo gerichteter und dort  
am 3. August 2007 eingegangener Eingabe vom 27. Juli 2007 ersuchte 
die  Beschwerdeführerin  –  eine  srilankische  Staatsangehörige  tamili -
scher Ethnie aus D._______ – für sich und ihre minderjährigen Kinder 
um Gewährung von Asyl in der Schweiz. Zur Begründung machte sie 
im  Wesentlichen  geltend,  ihr  Ehemann habe  seit  dem Jahr  2001  in 
D._______  als  [...]  der  [...]  Nichtregierungsorgansiation  E._______ 
gearbeitet und sei am 4. August 2006 zusammen mit 16 tamilischen 
Arbeitskollegen bei  einem mutmasslich  von der  srilankischen Armee 
verübten  Attentat  auf  deren  Geschäftssitz  erschossen  worden.  Die 
srilankische Justiz habe eine Untersuchung des Vorfalles eröffnet und 
nun werde sie von unbekannter Seite bedroht.

B.
Die  Botschaft  forderte  die  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom 
27. August 2007 unter Androhung der Abschreibung des Verfahrens im 
Unterlassungsfalle  zur  schriftlichen  Präzisierung  ihres  Asylgesuches 
sowie zur Einreichung entsprechender Beweismittel auf.

C.
Mit an die Botschaft gerichteter Eingabe vom 10. September 2007 prä-
zisierte  die  Beschwerdeführerin  ihre  bereits  im  Asylgesuch  vom 
27. Juli 2007 vorgebrachten Gründe und reichte in diesem Zusammen-
hang  zahlreiche  Beweismittel  zu  den Akten,  darunter  Bestätigungen 
der  E._______  vom  22.  August  2006  und  vom  2.  Oktober  2006 
betreffend  die  Anstellung  und  Ermordung  des  Ehemannes  der 
Beschwerdeführerin,  die  Kopie  des  Totenscheines  ihres  Ehemannes 
und  eines  entsprechenden  Auszuges  aus  dem  Todesregister,  eine 
Bestätigung  des  IKRK vom 15.  März  2007  betreffend  die  Eröffnung 
eines  Schutzverfahrens  für  die  Beschwerdeführer,  eine  Bestätigung 
des Regionalzentrums D._______ der  Human Rights Commission of 
Sri  Lanka  vom  15.  März  2007  betreffend  die  Einreichung  einer 
Menschenrechtsbeschwerde  durch  die  Beschwerdeführerin, 
Geburtsregisterauszüge  betreffend  die  Beschwerdeführer  und  ihren 
verstorbenen  Ehemann/Vater,  einen  Auszug  aus  dem  Eheregister, 
Pressemitteilungen  und  Kondolenzbezeugungen  diverser 
internationaler Menschenrechtsorganisationen im Zusammenhang mit 

Seite 2

D-3830/2008

dem  Attentat  vom  4. August  2006  auf  den  Geschäftssitz  der 
E._______ sowie Zeitungsberichte über dieses Ereignis.

D.
Die Botschaft übermittelte die Akten am 7. Dezember 2007 zuständig-
keitshalber an das BFM; sie führte dabei aus, dass von einer persön-
lichen Befragung der Beschwerdeführerin abgesehen worden sei, weil 
ihres  Erachtens  die  vorgebrachten  Gründe  voraussichtlich  nicht  zur 
Bewilligung der Einreise in die Schweiz führen dürften.

E.
Mit an die Botschaft gerichteter Eingabe vom 27. Januar 2008 – wel-
cher  sie  ein  weiteres  an die  Vertretung adressiertes  Schreiben vom 
19. November 2007 beilegte – teilte die Beschwerdeführerin unter an-
derem mit,  sie habe in der Zwischenzeit  telefonische Drohungen er -
halten  und  sei  im  Oktober  2007  vom  C.I.D.  (Criminal  Investigation 
Department) vorgeladen worden; ferner werde sie auf der Strasse von 
unbekannten Personen verfolgt, so beispielsweise am 5. Januar 2008, 
als ihr jemand auf den F._______ gefolgt sei.

F.
Mit  an  die  Vertretung  in  Colombo gerichteter  Eingabe  vom 5.  März 
2008 verwies die Beschwerdeführerin auf ihr hängiges Asylverfahren, 
reichte erneut Kopien der bereits bei den Akten liegenden Dokumente 
ein  und brachte  vor,  sie  habe anonyme Anrufe  erhalten und zudem 
klopften nachts unbekannte Personen an ihre Haustüre.

G.
Die Botschaft übermittelte die bei ihr eingegangenen Eingaben der Be-
schwerdeführerin am 19. März 2008 zuständigkeitshalber an das BFM. 
Gleichzeitig  teilte  sie  dem  Bundesamt  mit,  die  Beschwerdeführerin 
melde sich praktisch täglich bei ihr und mache erneute Bedrohungen 
im Zusammenhang mit der Untersuchung der Ermordung ihres Ehe-
mannes geltend; die Beschwerdeführerin habe ferner angegeben, sie 
habe sich auch bei der Vertretung des Staats H._______ in Colombo 
gemeldet, jedoch keine schriftliche Antwort erhalten.

H.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2008 wies das BFM das Asylgesuch der Be-
schwerdeführer ab und verweigerte ihnen gestützt auf Art. 52 Abs. 2 
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  die Einreise 

Seite 3

D-3830/2008

in die Schweiz. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, 
in den Erwägungen eingegangen.

I.
Mit  an  das  Bundesverwaltungsgericht  adressierter  Eingabe  vom 
30. Mai 2008 brachte die Beschwerdeführerin vor, sie habe am 10. Mai 
2008 zwei anonyme Telefonanrufe erhalten, in welchen sie unter Mord-
drohungen zur Zahlung einer Summe von 200'000 Rupien aufgefordert  
worden sei. Sie habe noch immer keine Antwort auf ihr Asylgesuch er-
halten und bitte das Gericht, ihr die Einreise in die Schweiz zu ermög-
lichen.

Der  zuständige Instruktionsrichter  übermittelte  die  Eingabe,  bei  wel-
cher es sich angesichts ihres Inhaltes nicht um eine Beschwerde ge-
gen  die  Verfügung  des  BFM  vom  8.  Mai  2008  handelte,  zur  gut-
scheinenden Behandlung an das Bundesamt.

J.
Mit an das Bundesverwaltungsgericht beziehungsweise in Kopie an die 
schweizerische  Vertretung  in  Colombo  gerichteter  Eingabe  vom 
21. Juni 2008 (Posteingang bei der Botschaft am 30. Juni 2008, beim 
Bundesverwaltungsgericht  am  8. Juli  2008)  erhob  die  Beschwerde-
führerin gegen die Verfügung des BFM vom 8. Mai 2008 Beschwerde. 
Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Er-
wägungen eingegangen.

K.
Mit Eingaben vom 30. Juni 2008, vom 14. Januar 2009, vom 21. Mai 
2009 und vom 10. Mai 2010 machte die Beschwerdeführerin weitere 
Angaben zu in der Zwischenzeit erfolgten Ereignissen im Zusammen-
hang mit ihrem Asylgesuch und reichte weitere Beweismittel in Kopie 
zu den Akten, so eine Eingabe vom 19. August 2009 an das UNHCR 
mit dem Ersuchen um Unterstützung im Hinblick auf eine Asylgewäh-
rung in H._______ oder einem anderen europäischen Land, eine Be-
stätigung  des  Friedensrichters  des  Distrikts  D._______  vom 
25. Dezember  2008  betreffend  die  Drohungen  gegenüber  der  Be-
schwerdeführerin, eine vom 15. September 2008 datierende Vorladung 
der  Beschwerdeführerin  als  Zeugin  vor  die  G._______,  sowie  das 
Protokoll  vom 2.  Dezember  2008  einer  von der  Beschwerdeführerin 
eingereichten  Anzeige  gegen  Unbekannt  im  Zusammenhang  mit 
anonymen telefonischen Drohungen. Auf  diese Beweismittel  und die 

Seite 4

D-3830/2008

ergänzenden  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde ist  nicht  in  einer  Amtssprache des Bundes ab-
gefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung 
kann indessen verzichtet  werden,  da der  in  Englisch verfassten Be-
schwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und 
deren Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber be-
funden werden kann.

1.4 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
mangels  Vorliegens  einer  Empfangsbestätigung  nicht  fest.  Die  Be-
schwerdeführer  geben  in  ihren  Eingaben  vom  21.  Juni  2008  be-
ziehungsweise  vom 30. Juni  2008  an,  sie  hätten  die  Verfügung des 
BFM am 9. Juni 2008 beziehungsweise am 6. Juni 2008 erhalten. Trotz 
diesen widersprüchlichen Angaben ist angesichts der Tatsache, dass 
die  Beweislast  für  die  Zustellung  an die  Partei  der  eröffnenden  Be-
hörde obliegt (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., 
Bern  1983,  S. 61),  zugunsten  der  Beschwerdeführer  davon  auszu-

Seite 5

D-3830/2008

gehen, dass ihre am 30. Juni 2008 bei der schweizerischen Vertretung 
in Colombo eingelangte Beschwerde rechtzeitig erfolgt ist.

1.5 Die  Beschwerde  ist  demnach  –  mit  Ausnahme  des  genannten 
sprachlichen  Mangels  –  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführer  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise  Änderung.  Die  Beschwerdeführer  sind  daher  zur  Einreichung 
der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 
und 52f. VwVG). Auf  die  Beschwerde ist  einzutreten. Schliesslich  ist 
die nach dem Erlass der Verfügung des BFM vom 8. Mai 2008 beim 
Bundesverwaltungsgericht  eingegangene  Eingabe  der  Beschwerde-
führer  vom 30.  Mai  2008  (vgl.  Sachverhalt,  Bst.  I)  im  Beschwerde-
verfahren zu berücksichtigen.

2.
2.1 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 
AsylG).

2.2 In  Anwendung von  Art.  111a  Abs. 1  AsylG hat  das  Bundesver-
waltungsgericht  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  ver-
zichtet.

3.
3.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Be-
fragung  durch (Art.  10  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht 
möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  auf -
gefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 
1).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Be-
stimmungen in  BVGE 2007/30 erkannt,  dass  sich  die  Unmöglichkeit 
einer  Befragung  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen 
Gründen bei der jeweiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im 
betreffenden Land oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden 
persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). 
Da  die  Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung 

Seite 6

D-3830/2008

des  rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.5),  ist  die 
asylsuchende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung 
unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in  einem  individualisierten 
Schreiben  mittels  konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe 
schriftlich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen 
Anforderungen damit in aller Regel nicht zu genügen (BVGE a.a.O. E. 
5.4).  Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine 
schriftliche  Sachverhaltsabklärung  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt 
bereits  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif 
erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls 
immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, 
sich  zu  einem  abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest 
schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7).  Schliesslich  ist  das 
Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung 
in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE a.a.O. E. 
5.6 sowie 5.7).

3.2 Im  vorliegenden  Fall  wurde  die  Beschwerdeführerin  von  der 
schweizerischen Vertretung in Colombo zu ihrem am 3. August 2007 
eingegangenen Asylgesuch vom 27. Juli  2007 nicht  befragt; die Bot-
schaft  hielt  dazu in  ihrem Überweisungsschreiben vom 7. Dezember 
2007 an das BFM fest, es sei von einer persönlichen Befragung der 
Beschwerdeführerin abgesehen worden, weil die vorgebrachten Grün-
de nach Ansicht der Botschaft voraussichtlich nicht zur Bewilligung der 
Einreise  in  die  Schweiz  führen  würden;  eigentliche  Gründe,  welche 
eine Anhörung verunmöglicht hätten, bringt die Botschaft demgegen-
über nicht vor. Sie gab indessen der Beschwerdeführerin mit  Schrei -
ben vom 27. August 2007 Gelegenheit, ihre Asylgründe schriftlich zu 
präzisieren,  was  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrer  Eingabe  vom 
10. September 2007 – sowie in der Folge mit weiteren Eingaben vom 
27. Januar  2008  und  vom  5.  März  2008  –  unter  Einreichung  zahl -
reicher Beweismittel denn auch tat. Damit ist zum einen der entscheid-
wesentliche Sachverhalt als abgeklärt zu bezeichnen und im Weiteren 
der  erforderlichen  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  im Sinne  der 
genannten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  Genüge 
getan.

3.3 Die Vorinstanz hat allerdings den Verzicht  auf eine Befragung in 
der  angefochtenen  Verfügung  nicht  begründet,  was  vor  dem Hinter-
grund  von  BVGE  2007/30  einer  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs 
gleichkommt. Angesichts  des  vorab  deklaratorischen  Charakters  der 

Seite 7

D-3830/2008

diesbezüglichen  Begründungspflicht  und  unter  Berücksichtigung  der 
Gegebenheiten des konkreten Einzelfalles erscheint die Gehörsverlet-
zung indessen nicht  schwerwiegend; insbesondere hat  sie  die  Mög-
lichkeit der Beschwerdeführerin, die Verfügung vom 8. Mai 2008 sach-
gerecht anfechten zu können, in keiner Weise beeinträchtigt. Eine Auf-
hebung  der  angefochtenen  Verfügung  aus  formellen  Gründen  käme 
demnach  einem  blossen  prozessualen  Leerlauf  gleich,  weshalb  der 
Mangel durch die im vorliegenden Beschwerdeentscheid nachgereich-
te Begründung als geheilt zu bezeichnen ist. Es bleibt somit im Folgen-
den zu prüfen, ob das Bundesamt das Asylgesuch in materieller Hin-
sicht zu Recht abgewiesen und den Beschwerdeführern die Einreise in 
die Schweiz verweigert hat.

4.
4.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt  das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, 
im  Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes 
Land auszureisen.

4.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutz-
gewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu 
anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbar-
keit  zur  anderweitigen Schutzsuche sowie die  voraussichtlichen Ein-
gliederungs-  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen 
(vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  gemäss  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1997  Nr.  15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welche  angesichts  bloss 
redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asyl-
gesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Er-
teilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der 
betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin 
die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

Seite 8

D-3830/2008

glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die 
Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

5.
5.1 Das BFM hat in seiner Verfügung vom 8. Mai 2008 das Asylgesuch 
der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG abgewiesen 
und diesbezüglich ausgeführt,  der Ehemann der Beschwerdeführerin 
sei  von  2001  bis  zu  seiner  Ermordung  im  Jahr  2006  bei  der  [...] 
Nichtregierungsorganisation E._______ angestellt gewesen, was auch 
für  seine  Angehörigen  Beziehungungen  und  Bindungen  zum  Staat 
H._______ habe entstehen lassen. Auch wenn H._______ über kein 
formalisiertes Asyl- und Einreiseverfahren auf seiner Vertretung in Sri 
Lanka verfüge, sei es den Beschwerdeführern daher zuzumuten, dort 
ein  Gesuch  um Erteilung  einer  Einreisebewilligung  einzureichen.  In 
einem  konkreten  Fall  hätten  die  [...]  Behörden  den 
Familienangehörigen  eines  ebenfalls  beim  Attentat  von  Muttur 
getöteten E._______-Mitarbeiters Asyl  gewährt,  woraus sich ergebe, 
dass nicht nur die faktische Möglichkeit bestehe, bei den [...] Behörden 
ein  Gesuch  um Aufnahme zu  stellen,  sondern  dass  einem solchen 
auch entsprochen werden könne. Die Beschwerdeführerin habe zwar 
angegeben, die [...] Botschaft in Colombo diesbezüglich kontaktiert zu 
haben,  ohne  indessen  entsprechende  Unterlagen  vorzulegen;  damit 
sei weder der angebliche Kontakt belegt, noch sei das BFM über eine 
allfällige Stellungnahme seitens der [...] Behörden informiert.

5.2 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem Gesuch  keine  besonders 
nahen Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht; dies wird von den 
Beschwerdeführern selber denn auch nicht bestritten. Im Weiteren hat 
das Bundesamt zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführern 
zuzumuten  sei,  in  einem anderen  Land  um Asylgewährung  nachzu-
suchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). Dabei steht namentlich H._______ 
im Vordergrund, da die Beschwerdeführer über die frühere berufliche 
Tätigkeit ihres Ehemannes/Vaters gewisse Bande zu diesem Staat ge-
knüpft  haben;  es  kann  diesbezüglich  zur  Vermeidung  von  Wieder-
holungen  vollumfänglich  auf  die  Erwägungen  des  BFM  in  der  an-
gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Bis zum Zeitpunkt des vor-
liegenden Entscheides scheinen sich die Beschwerdeführer indessen 
noch nicht  an die  [...]  Behörden  gewendet  zu  haben; aus  ihrem mit 
Eingabe vom 20. Mai  2010 eingereichten Schreiben an das UNHCR 

Seite 9

D-3830/2008

vom  19.  August  2009  ergibt  sich  lediglich  eine  Bitte  an  die 
Flüchtlingskommission, H._______ oder einen anderen europäischen 
Staat zur Gewährung von Asyl zu bewegen. Neben der Beziehung zu 
H._______  besteht  sodann  eine  weitere  zu  Indien.  So  hat  die 
Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 21. Mai 2009 ausgeführt, sie 
habe sich mit ihren Kindern "recently" für einige Zeit in diesem Staat 
aufgehalten,  um  den  ihr  in  Sri  Lanka  drohenden  Behelligungen  zu 
entkommen. In ihrer Eingabe vom 10. Mai 2010 gab sie sodann an, sie 
habe sich mit ihren Kindern "from time to time" nach Indien begeben 
müssen,  um  sich  in  Sicherheit  zu  bringen.  Auch  wenn  die 
Beschwerdeführerin – entgegen ihren Ausführungen in dieser Eingabe 
– keine Kopien der Reisepässe der Beschwerdeführer eingereicht hat,  
steht  demnach  fest,  dass  es  den  Beschwerdeführern  offensichtlich 
möglich  und  auch  zumutbar  ist,  sich  in  Indien  um  Schutz  vor  den 
geltend  gemachten  Verfolgungsmassnahmen  zu  bemühen.  Dieser 
Staat  hat  zwar  weder  das Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  noch  das  dies-
bezügliche Zusatzprotokoll vom 31. Januar 1967 ratifiziert und verfügt 
auch  über  kein  eigentliches  nationales  Asylrecht;  die  Rechte  von 
Flüchtlingen und Asylsuchenden stehen jedoch unter dem Schutz der 
indischen Verfassung, und der indische Supreme Court hat 1996 ein 
landesrechtliches Non-Refoulement-Gebot für Flüchtlinge im Sinne der 
FK  festgestellt.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungs-
gerichts ist es ferner – soweit tamilische Schutzsuchende betreffend – 
bislang zu keinen Verletzungen dieses Gebotes  gekommen und das 
UNHCR, welches in Indien über kein offizielles Mandat verfügt,  aber 
dennoch  unter  anderem  in  Chennai  (Bundesstaat  Tamil  Nadu)  mit 
einem Büro vor Ort ist, überprüft vor der Rückkehr von Tamilen nach 
Sri Lanka jeweils deren Freiwilligkeit.

5.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die 
Beschwerdeführer aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe zur 
Schweiz verfügen, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutz-
suche  haben.  Unter  diesen  Umständen  hat  die  Vorinstanz  den  Be-
schwerdeführern  zu Recht  die  Erteilung der  Einreisebewilligung ver-
weigert und das Asylgesuch abgewiesen.

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 

Seite 10

D-3830/2008

und vollständig feststellt und angemessen ist. Die Beschwerde ist nach 
dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- 
an sich den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG); 
aus verwaltungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung 
von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

D-3830/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführer, durch Vermittlung der schweizerischen Ver-
tretung in Colombo (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in Colombo (Ref. COL [...]), mit  der 
Bitte um Eröffnung des Urteils an die Beschwerdeführer und um Zu-
stellung  einer  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungs-
gericht ad acta (per EDA-Kurier; in Kopie)

- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  Ref.-Nr. N  [...] 
(per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

Seite 12