# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 690c3543-8695-57ab-a525-502a86bfb073
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-30
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 30.01.2015 SK1 2014 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2014-22_2015-01-30.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 30. Januar 2015 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 14 22 [nicht mündlich eröffnet] 4. Februar 2015

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schnyder
RichterInnen Brunner und Michael Dürst
Aktuarin Thöny

In der strafrechtlichen Berufung

der X._____, Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael 
Fleischhauer, Tittwiesenstrasse 29, 7001 Chur, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 16. April 2014, mitgeteilt am 13. Juni 
2014, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstras-
se 17, 7001 Chur, gegen die Berufungsklägerin,

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. X._____ wurde am _____1980 als Tochter des A._____ und der B._____ 
geboren. Sie ist verheiratet mit C._____, hat zwei Kinder und ist von Beruf kauf-
männische Angestellte. Derzeit arbeitet sie zu 80% als Bankangestellte bei der 
D._____ und studiert nebenbei Betriebswirtschaft an der Höheren Fachschule Sü-
dostschweiz (IbW) in O.1_____.

X._____ ist weder im Schweizerischen Strafregister noch im Register für Adminis-
trativmassnahmen (ADMAS) verzeichnet.

B. Mit Strafbefehl vom 7. Januar 2014 wurde X._____ der groben Verletzung 
der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und 
Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG für schuldig erkannt. 
Dafür wurde sie mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 80.00, bedingt 
aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 
500.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 
sechs Tagen, bestraft. 

C. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._____ am 10. Januar 2014 Einsprache. 
Am 28. Januar 2014 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass die Strafuntersuchung 
abgeschlossen sei. Gleichzeitig überwies sie den Strafbehelf gestützt auf Art. 355 
Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO wegen grober Verletzung von Verkehrsre-
geln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und Art. 10 Abs. 2 
VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG an das Gericht. X._____ wurde eine 
Frist von zehn Tagen angesetzt, um allfällige Beweisanträge geltend zu machen.

D. Am 11. März 2014 übermittelte die Staatsanwaltschaft die Verfahrensakten 
ans Bezirksgericht Plessur, verbunden mit dem Hinweis, dass der Strafbefehl vom 
7. Januar 2014 im Sinne von Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklageschrift gelte. Die-
sem lag der folgende Sachverhalt zugrunde:

"Am Donnerstag, 23. Mai 2013, um 07:50 Uhr, fuhr die Beschuldigte mit 
dem Personenwagen G._____, Kontrollschild _____, von O.2_____ kom-
mend über die _____strasse nach O.1_____. Höhe der Örtlichkeit 
O.3_____, Gemeindegebiet O.1_____, überholte sie mit einer Geschwin-
digkeit von 80 km/h den von E._____ mit einer Geschwindigkeit von 60 
km/h gelenkten Personenwagen H._____, Kontrollschild _____. Dabei fuhr 
sie auf die Gegenfahrbahn und befand sich unmittelbar vor der dortigen 
unübersichtlichen Linkskurve auf der Höhe des überholten Personenwa-
gens. Das Überholmanöver schloss sie in der Linkskurve ab. X._____ führ-
te das Überholmanöver aus, obwohl sie nicht die Gewissheit hatte, dass 
die für den Überholvorgang benötigte Strecke und die Strecke, die ein ent-

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gegenkommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo sie die lin-
ke Strassenseite freigegeben haben wird, frei sind. Beim Entscheid, an der 
fraglichen Stelle zu überholen, zog die Beschuldigte zumindest aus grober 
Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass sie mit ihrem Verhalten in vorher-
sehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation schaffen würde."

E. Die Hauptverhandlung, zu der mit prozessleitender Verfügung vom 
27. März 2014 vorgeladen wurde, fand am 16. April 2014 statt. X._____ war dazu 
persönlich erschienen. Sie wurde von ihrem privaten Verteidiger, Rechtsanwalt lic. 
iur. Michael Fleischhauer, begleitet. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. 
X._____ liess die folgenden Schlussanträge stellen:

"1. X._____ sei von der Anklage der groben Verletzung von Verkehrsre-
geln freizusprechen.

2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."

F. Das am 16. April 2014 gefällte und gleichentags mündlich eröffnete Urteil 
des Bezirksgerichts Plessur wurde X._____ am 16. April 2014 ohne schriftliche 
Begründung im Dispositiv mitgeteilt. Gegen dieses Urteil meldete X._____ am 23. 
April 2014 beim Bezirksgericht Plessur Berufung an (act. A.1). Daraufhin teilte das 
Bezirksgericht Plessur den Parteien am 13. Juni 2014 das begründete Urteil mit. 
Darin erkannte es wie folgt:

1. X._____ ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 34 Abs. 4 SVG, 
Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 
2 SVG.

2.a) Dafür wird X._____ mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 
CHF 80.00 und einer Busse von CHF 500.00 bestraft.

   b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 
Jahren aufgeschoben.

   c) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 6 Tage. Sie tritt an die 
Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.

3.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 3'320.00 (Untersuchungsge-
bühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 
1'820.00, Gerichtsgebühren CHF 1'500.00) gehen zu Lasten von 
X._____.

   b) X._____ schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:

Busse CHF    500.00
Verfahrenskosten CHF 3'320.00
Total CHF 3'820.00

In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind dem 
Bezirksgericht Plessur innert 30 Tagen nach Zustellung des begründe-
ten Urteils zu bezahlen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung)."

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G. Mit Schreiben vom 13. Juni 2014 übermittelte das Bezirksgericht Plessur 
dem Kantonsgericht von Graubünden die Berufungsanmeldung von X._____ so-
wie die Akten des Verfahrens. 

H.  Am 26. Juni 2014 liess X._____ die Berufungserklärung (act. A.2) beim 
Kantonsgericht von Graubünden einreichen, wobei sie die folgenden Rechtsbe-
gehren stellte:

"1. Das Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 16.04.2014 sei vollumfäng-
lich aufzuheben.

2. X._____ sei bzgl. der Anklage der Widerhandlung gegen Art. 34 Abs. 4 
SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV i.V.m. Art. 
90 Abs. 2 SVG vollumfänglich freizusprechen.

3. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz, sowohl 
für das Verfahren vor der Vorinstanz, wie auch für das Verfahren vor 
Kantonsgericht."

I. Mit Schreiben vom 30. Juni 2014 verzichteten sowohl das Bezirksgericht 
Plessur (act. A. 3) wie auch die Staatsanwaltschaft Graubünden (act. A.4) auf die 
Einreichung einer Stellungnahme. 

J. Gestützt auf Art. 406 Abs. 2 lit. a StPO wurde mit Verfügung vom 2. Juli 
2014 das schriftliche Verfahren angeordnet (vgl. act. D.3).

K. Am 14. November 2013 reichte X._____ beim Kantonsgericht von 
Graubünden die Berufungsbegründung ein (act. A. 5), wobei sie an den mit 
Berufungserklärung vom 26. Juli 2014 gestellten Anträgen festhielt. Zur Begrün-
dung machte sie im Wesentlichen geltend, die Verurteilung beruhe einzig und al-
lein auf den subjektiven Wahrnehmungen von E._____ und ihrer Tochter F._____. 
Die Vorinstanz habe die Aussagen der beiden Personen gewürdigt und den Aus-
sagen der Beschuldigten gegenübergestellt, wobei sie zum Schluss gelangt sei, 
dass keine ernsthaften Zweifel an den Aussagen von E._____ und F._____ 
bestünden. Entscheidend sei, dass nicht eine einzige objektive Tatbestandsfest-
stellung vorliege, welche im Verbund mit den subjektiven Aussagen gewürdigt 
werden könnte. Die Umstände der Verzeigung würden jedoch aufzeigen, dass die 
Anzeigeerstatterin selbst das Überholmanöver nicht als schlimm empfunden habe, 
da sie andernfalls unverzüglich zur Polizei gefahren wäre, um eine Anzeige zu 
erstatten. Die Vorinstanz habe sich auch mit keinem Wort damit auseinanderge-
setzt, dass Mutter und Tochter auf dem Weg vom L._____ nach Hause und dann 
zu Hause die Möglichkeit gehabt hätten, den Vorfall miteinander zu besprechen 
und ihre Wahrnehmungen anzugleichen beziehungsweise aufeinander abzustim-
men. Die Aussagen von F._____ seien daher unbrauchbar und hätten für die 

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Würdigung des Beweisverfahrens nicht beigezogen werden dürfen. E._____ sei in 
ihren Aussagen sehr unsicher gewesen und habe Orientierungsschwierigkeiten 
gehabt. Dennoch habe die Vorinstanz bei der Beweiswürdigung nur auf deren 
Aussagen abgestellt. Bei objektiver Betrachtung zeige sich jedoch, dass das 
Überholmanöver relativ gefahrlos habe durchgeführt werden können. Gemäss den 
Vermessungen der Kantonspolizei Graubünden betrage die maximal einsehbare 
Strecke 424 Meter. Lege man dem Überholmanöver die angenommenen Ge-
schwindigkeiten von 60 km/h (E._____) und 80 km/h (Berufungsklägerin) zugrun-
de, habe dieses 12.6 Sekunden gedauert und eine Strecke von 280 Meter in An-
spruch genommen. Die Verurteilung sei damit völlig zu Unrecht erfolgt.

L. In ihrer Stellungnahme vom 12. August 2014 beantragte die Staatsanwalt-
schaft Graubünden die kostenfällige Abweisung der Berufung. Entgegen den Aus-
führungen der Berufungsklägerin seien die Aussagen von F._____ verwertbar. 
X._____ sei zu deren Befragung fakultativ vorgeladen worden, womit ihr somit die 
Möglichkeit gegeben worden sei, das ihr zustehende Fragerecht auszuüben. Die 
Einvernahme stehe damit der freien Beweiswürdigung offen. Bei der Berechnung 
des erforderlichen Überholwegs habe die Berufungsklägerin nicht berücksichtigt, 
dass das Überholmanöver nicht bereits zu Beginn der einsehbaren Strecke habe 
stattfinden können, da zwischen den Fahrzeugen eine Distanz bestanden habe 
und X._____ zuerst zu E._____ habe aufschliessen müssen. Auch sei die Strecke 
nur am Anfangspunkt 424 Meter einsehbar. Durch den Streckenverlauf werde die 
Einsehbarkeit erheblich verringert. Sodann seien die Strecke, welche ein allenfalls 
entgegenkommendes Fahrzeug während des Überholmanövers zurücklege, und 
der zu diesem Gegenverkehr einzuhaltende Sicherheitsabstand unberücksichtigt 
geblieben.

M. Auf die weiteren Erwägungen im angefochtenen Urteil sowie auf die Aus-
führungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1.a) Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit de-
nen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 
StPO). Die Berufung bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und 
Zivilfragen materiell befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie 
Urteile, die auf Verurteilung oder Freispruch lauten und der Fall vor der ersten In-

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stanz damit abgeschlossen wird (Luzius Eugster, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger 
[Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Basel 
2011, N 2 zu Art. 398 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem 
erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder 
mündlich zu Protokoll anzumelden, worauf das erstinstanzliche Gericht die An-
meldung nach Ausfertigung des begründeten Urteils zusammen mit den Akten 
dem Kantonsgericht als Berufungsgericht übermittelt (Art. 399 Abs. 2 StPO; 
Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung 
[EGzStPO; BR 350.100]). Nach Art. 399 Abs. 3 StPO reicht die Partei, die Beru-
fung angemeldet hat, dem Kantonsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des 
begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie anzugeben 
hat, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche 
Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Be-
weisanträge sie stellt (lit. c).

b) Gegen das am 16. April 2014 mündlich eröffnete und gleichentags ohne 
schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Plessur meldete 
X._____ am 23. April 2014 die Berufung an (act. A.1). Nach Zustellung des be-
gründeten Urteils am 13. Juni 2014 reichte sie alsdann fristgemäss am 26. Juni 
2014 ihre Berufungserklärung ein (act. A.2). Da auch alle anderen Zulässigkeits-
voraussetzungen gegeben sind, ist auf die Berufung einzutreten.

2. Als Berufungsgericht kann das Kantonsgericht das erstinstanzliche Urteil in 
allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Die 
Berufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit welchem erstinstanzliche 
Urteile in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hinsicht mit freier Kognition 
überprüft werden können (vgl. Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessord-
nung, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, N 1 zu Art. 398 StPO; Markus 
Hug, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO], Zürich 2010, N 14 zu Art. 398 StPO). Tritt das Beru-
fungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstin-
stanzliche ersetzt (Art. 408 StPO). Weist das erstinstanzliche Verfahren aber 
Mängel auf, die im Berufungsverfahren nicht geheilt werden können, so hebt das 
Berufungsgericht das angefochtene Urteil auf und weist die Sache zur Durch-
führung einer neuen Hauptverhandlung und zur Fällung eines neuen Urteils an 
das erstinstanzliche Gericht zurück (Art. 409 Abs. 1 StPO). Im vorliegenden Fall ist 
– wie sich nachstehend ergibt – eine Rückweisung nicht erforderlich.

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3. Die Berufungsklägerin wurde von der Vorinstanz der groben Verletzung der 
Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und 
Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig gesprochen und 
hierfür mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 80.--, bedingt bei einer 
Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 500.--, bei schuldhafter 
Nichtbezahlung derselben mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen bestraft. Mit 
der vorliegenden Berufung verlangt X._____ die Aufhebung des angefochtenen 
Urteils und damit einen vollumfänglichen Freispruch in Bezug auf die ihr zur Last 
gelegten Verletzungen der Verkehrsregeln. Dies unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge gemäss Gesetz. Die Staatsanwaltschaft stellt Antrag auf Abweisung 
der Berufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

4. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die 
Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch-
lich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. BGE 136 I 229 E. 
5.1 S. 236; BGE 124 I 49 E. 3.a S. 51; BGE 124 I 241 E. 2 S. 242, je mit Hinwei-
sen). Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. 
Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einläss-
lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Viel-
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. 
Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Trag-
weite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an 
die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz 
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen 
und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236; BGE 134 I 
83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen). Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht 
gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des 
angeklagten Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz verweisen.

5. Die Vorinstanz erachtete es namentlich gestützt auf die Aussagen von 
E._____ und deren Tochter F._____ als zweifelsfrei erstellt, dass das Überhol-
manöver auf der _____strasse im Bereich der unübersichtlichen Linkskurve auf 
Höhe der Örtlichkeit O.3_____ stattgefunden haben müsse. Dabei sei die Strecke, 
welche der unübersichtlichen Linkskurve folge, vom J._____ her - wenn überhaupt 
- nur erschwert einsehbar, werde doch das Sichtfeld durch die Leitplanken und 
den Stall auf der rechten Seite stark eingeschränkt. Diese Strecke sei spätestens 
70 Meter nach dem J._____ in Fahrtrichtung O.1_____ nicht mehr einsehbar. Es 
bestehe lediglich eine Sichtweite von maximal 216 Metern bis zur besagten Links-
kurve. Der Überholweg betrage jedoch basierend auf den weitestgehend überein-

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stimmenden Aussagen der beteiligten Personen annäherungsweise 350 Meter. 
Somit habe kein genügender Raum für ein gefahrloses Überholmanöver bestan-
den. Hinzuzufügen sei, dass selbst wenn von der Darstellung der Beschuldigten 
ausgegangen würde, wonach sich die beiden in das Überholmanöver involvierten 
Fahrzeuge auf Höhe des Signals "Vorwegweiser auf Hauptstrasse" auf gleicher 
Höhe befunden haben sollen, eine Sichtdistanz von weniger als 175 Metern be-
standen habe. Das Manöver wäre damit bei korrekt eingehaltenen Abstandsvor-
schriften erst im Bereich der unübersichtlichen Linkskurve, wo jederzeit mit Ge-
genverkehr gerechnet werden müsse, abgeschlossen gewesen. Da die Beschul-
digte bei ihrem Überholmanöver keine Gewissheit haben konnte, dass der zum 
Überholen notwendige Raum bis zum Abschluss ihres Manövers freibleiben wür-
de, habe sie den Tatbestand von Art. 35 Abs. 2 SVG somit erfüllt. Indem sie das 
Überholmanöver im Bereich der unübersichtlichen Kurve durchgeführt habe, habe 
sie sodann gegen Art. 35 Abs. 4 SVG verstossen. Da es sich dabei um eine ernst-
liche Gefährdung der Verkehrssicherheit handle und die Fahrweise der Beschul-
digten als rücksichtslos und zumindest grobfahrlässig taxiert werden müsse, sei 
der Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 
SVG vorliegend erfüllt. 

6. Die Berufungsklägerin rügt zunächst die Vorgehensweise der Vorinstanz 
mit Bezug auf die Ermittlung des Sachverhalts. So sei insbesondere der Grund-
satz der freien Beweiswürdigung beziehungsweise der Unschuldsvermutung nicht 
gesetzeskonform angewendet worden. Ihre Verurteilung beruhe einzig und allein 
auf den subjektiven Wahrnehmungen von E._____ und in Ergänzung dazu von 
ihrer Tochter F._____. Die Vorinstanz habe die Aussagen der beiden Parteien 
gewürdigt und den Aussagen der Beschuldigten gegenübergestellt, wobei sie zum 
Schluss gelangt sei, dass keine ernsthaften Zweifel an den Aussagen von 
E._____ und F._____ bestünden. Entscheidend sei, dass nicht eine einzige objek-
tive Tatbestandsfeststellung (wie beispielsweise die Geschwindigkeit der Fahr-
zeuge, der Ort des Überholens etc.) vorlägen, welche im Verbund mit den subjek-
tiven Aussagen gewürdigt werden könnten. 

a) Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, besagt der Grundsatz der frei-
en Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO), dass das Gericht die Beweise frei 
nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung würdigt. 
Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (Art. 10 
Abs. 1 StPO). Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächli-
chen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die 
beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Die Schuld 

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des Angeklagten muss sich auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die ver-
nünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 
1987 Nr. 12; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, Eine Einführung auf der Grundla-
ge des Strafprozessrechts des Kantons Zürich und des Bundes, 4. Aufl., Zürich 
2004, N 294 f.). Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grund-
satz der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung (Schmid, Praxiskommentar, 
StPO, N 5 zu Art. 10 StPO). Vielmehr schliesst der strafprozessuale Grundsatz 
der Ermittlung der materiellen Wahrheit eine Bindung an die Anträge und Vorlagen 
der Parteien aus (ZR 90 1991 Nr. 30). Wenn auch grundsätzlich vom sachver-
haltsnächsten oder "bestmöglichen" Beweismittel auszugehen ist, so gibt es doch 
keinen Vorrang von Beweisen, denen man gelegentlich besondere Zuverlässigkeit 
attestiert (vgl. zum Ganzen Niklaus Schmid, Handbuch des schweizerischen 
Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, N. 229). Gerade bei Überholmanövern 
liegen in den wenigsten Fällen "objektive Tatbestandsfeststellungen" vor, welche 
den genauen Ablauf und damit den exakten Überholweg für den fraglichen Zeit-
punkt rekonstruieren und errechnen lassen. Daher sind anhand der Schilderungen 
der am Vorgang beteiligten Personen Annäherungswerte zu ermitteln und - worauf 
später noch zurückzukommen sein wird - Berechnungsformeln im Sinne einer 
Richtschnur zur Anwendung zu bringen (vgl. dazu das Urteil des 
Kantonsgerichtsausschusses SB 02 42 vom 23. Januar 2003, S. 19 f; ferner auch 
Urteil des Kantonsgerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005). Im konkre-
ten Fall hat die Vorinstanz sämtliche Aussagen sowohl der Berufungsklägerin wie 
auch der Anzeigeerstatterin und deren Tochter geprüft und miteinander vergli-
chen. Aufgrund einer umfassenden Würdigung gelangte sie zum Ergebnis, dass 
sich der Vorfall so abgespielt haben musste, wie er von E._____ geschildert wor-
den war. Insoweit ist die Vorgehensweise der Vorinstanz nicht zu beanstanden.

b) Die Berufungsklägerin stellt insbesondere die Beweiskraft der Aussagen 
von E._____ in Frage, wobei sie zum einen auf die Umstände der Verzeigung und 
zum anderen auf angebliche Orientierungsschwierigkeiten der Anzeigeerstatterin 
verweist. 

ba) F._____ weist zunächst darauf hin, dass die Anzeigeerstatterin gemäss 
eigenen Aussagen nach dem Vorfall zunächst nach Hause gefahren sei. Dies zei-
ge, dass sie das Überholmanöver nicht als schlimm empfunden habe, ansonsten 
sie unverzüglich zur Polizei gegangen wäre, um eine Anzeige zu erstatten. Ent-
scheidend für die Erstattung der Anzeige sei jedoch das Vorkommnis gewesen, 
das zwischen dem Überholmanöver und dem Gang zur Polizei gelegen sei. Sie 
und E._____ seien am L._____ aufeinander getroffen, wobei diese behaupte, sie 

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habe ihr den Mittelfinger gezeigt, was jedoch nicht zutreffe. Unabhängig davon, 
welche Worte tatsächlich gefallen und welche Gesten gemacht worden seien, ste-
he doch fest, dass zwischen den beiden Frauen eine Spannung erzeugt worden 
sei. Dies sei massgebend, dass sich E._____ mit einiger Verzögerung zur Anzeige 
entschlossen habe. Die Aussage, dass der Mittelfinger für die Anzeigeerstatterin 
kein Problem sei, wirke wenig glaubhaft und lese sich wie ein Alibi für die Anzeige. 
Dieser Einwand der Berufungsklägerin zielt ins Leere. Zunächst ist darauf hinzu-
weisen, dass für die Beurteilung des Sachverhalts nicht massgeblich ist, ob die 
Anzeigeerstatterin selbst das Überholmanöver als "schlimm" empfunden hatte. 
Vielmehr gilt es zu ermitteln, wie sich der Vorfall konkret abgespielt hat und ob es 
dadurch zu einer ernstlichen Gefährdung der Verkehrssicherheit kam. Der Um-
stand, dass die Anzeigeerstatterin zunächst nach Hause fuhr und erst rund 55 Mi-
nuten nach dem Vorfall bei der Polizei erschien (vgl. act. 1), lässt keine Rück-
schlüsse auf die Intensität einer Verkehrsgefährdung zu. Dass es nach dem Vor-
fall zu einem Zusammentreffen der beiden Beteiligten und einem Wortwechsel 
kam, ist unbestritten. Wie aus den Akten hervorgeht, stand für die Anzeigeerstatte-
rin zu jenem Zeitpunkt jedoch bereits fest, dass sie den Vorfall der Polizei melden 
würde (vgl. act. 3, 2. Frage und act. 13, 17. Frage). Ausschlaggebend für die An-
zeige war gemäss ihren Aussagen der Umstand gewesen, dass sich bei X._____ 
auch noch ein Kind im Auto befunden hat. E._____ führte dazu aus, sie habe des-
halb der Lenkerin des Fahrzeugs auch gesagt, dass sie sich schämen sollte. Dies 
sei nicht als Beleidigung gemeint gewesen, sondern mehr, dass sie dies als Mutter 
so gemacht habe. Das sei das Schlimmste gewesen (vgl. act. 3 7. Frage). Wäre 
der Auslöser für die Verzeigung - wie von der Berufungsklägerin behauptet - 
tatsächlich der Wortwechsel beziehungsweise das allfällige Zeigen des Mittelfin-
gers gewesen, so hätte E._____ wohl auch nicht auf eine Anzeige wegen Be-
schimpfung verzichtet, obwohl sie von der Polizei auf diese Möglichkeit aufmerk-
sam gemacht worden war (vgl. act. 1, S. 4). Die Umstände der Verzeigung lassen 
somit keine Rückschlüsse auf eine Falschaussage von E._____ zu.

bc) Ein weiterer Hinweis für die geringe Beweiskraft der Aussagen von E._____ 
erblickt die Berufungsklägerin in angeblichen Orientierungsschwierigkeiten der 
Anzeigeerstatterin anlässlich der Einvernahmen. So habe sie Mühe gehabt mit der 
Unterscheidung zwischen dem J._____ und dem K._____. Daraus leitet die Beru-
fungsklägerin ab, dass die Angaben der Anzeigeerstatterin zum Ort des Vorfalles 
nicht zuverlässig seien. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Die Beru-
fungsklägerin verkennt, dass die richtige Bezeichnung der Örtlichkeiten im vorlie-
genden Fall nicht entscheidrelevant ist. Massgeblich ist vielmehr, dass die Kan-

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tonspolizei Graubünden umgehend nach der Anzeigeerstattung mit E._____ an 
den Ort des Vorfalls gefahren war (act. 1), wo diese eine detaillierte Schilderung 
abgeben und die Stelle, an welcher das Überholmanöver ihrer Ansicht nach 
durchgeführt worden war, bezeichnen konnte. Sowohl bei der ersten Befragung 
(act. 3, 8. Frage) wie auch anlässlich der Konfronteinvernahme (act. 13, 18. Fra-
ge) bestätigte sie die bei der Begehung angegebenen Stellen ausdrücklich. Die 
Aussage, dass es schwierig gewesen sei, den genauen Punkt zu bezeichnen, weil 
die Fahrzeuge sich bewegt hätten, vermag die Beweiskraft nicht zu schmälern. 
Die Berufungsklägerin übersieht dabei nämlich, dass auch sie selbst anlässlich 
der Konfronteinvernahme darauf hingewiesen hatte, sie könne die Örtlichkeiten 
nicht genau bezeichnen, da es ein fliessendes Überholmanöver gewesen sei (act. 
13, 18. Frage). Auch die Aussage von E._____, es sei Fakt, dass sie damals mehr 
als 60 km/h gefahren sei, weil sie bei der entsprechenden Geschwindigkeitstafel 
habe abbremsen müssen (act. 13 5. Frage), kann nicht dahingehend interpretiert 
werden, dass sie damit behauptete, das Überholmanöver habe auf Höhe dieser 
Tafel stattgefunden. Vielmehr bezog sich diese Aussage einzig auf die umstrittene 
Frage, mit welcher Geschwindigkeit sie auf diesem Streckenabschnitt unterwegs 
gewesen war. Damit steht fest, dass auch die Aussagen von E._____ zu den Ört-
lichkeiten keine Rückschlüsse auf einen verminderten Beweiswert zulassen.

c) Schliesslich stellt die Berufungsklägerin die Beweiskraft der Aussagen von 
F._____ in Abrede. Die Vorinstanz habe sich mit keinem Wort damit auseinander-
gesetzt, dass Mutter und Tochter auf dem Weg vom L._____ nach Hause und 
dann zuhause die Möglichkeit gehabt hätten, den Vorfall miteinander zu bespre-
chen und ihre Wahrnehmungen anzugleichen beziehungsweise aufeinander ab-
zustimmen. Zunächst müsse als Mangel in der Untersuchung beanstanden wer-
den, dass zwischen F._____ und X._____ keine Konfronteinvernahme durchge-
führt worden sei. So habe die Tochter die Gelegenheit gehabt, die mit der Mutter 
vorbesprochene Version des Überholmanövers ohne Einwände zu Protokoll zu 
geben. Im Ergebnis resultiere, dass die Aussagen von F._____ unbrauchbar seien 
und für die Würdigung des Beweisverfahrens nicht beigezogen werden dürften.

ca) Nach den Verfahrensgarantien von Art. 6 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 6 Ziff. 
3 lit. d EMRK hat der Beschuldigte ein Recht darauf, den Belastungszeugen zu 
befragen. Abgesehen von Ausnahmen, in denen eine Konfrontation aus objektiven 
Gründen nicht möglich ist, ist eine belastende Zeugenaussage grundsätzlich nur 
verwertbar, wenn der Beschuldigte den Belastungszeugen wenigstens einmal 
während des Verfahrens in direkter Konfrontation befragen konnte. Um sein Fra-
gerecht wirksam ausüben zu können, muss der Beschuldigte in die Lage versetzt 

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werden, die persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen zu prüfen und den Beweis-
wert seiner Aussagen zu hinterfragen (vgl. BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 41, Urteil des 
Bundesgerichts 6B_510/2013 vom 3. März 2014, E. 1.3). Die Berufungsklägerin 
rügt in diesem Zusammenhang, es habe keine Konfronteinvernahme zwischen ihr 
und F._____ stattgefunden. Diesen Umstand hat sie sich jedoch selbst zuzu-
schreiben. Wie die Staatsanwaltschaft Graubünden in ihrer Stellungnahme vom 
12. August 2014 (act. A.6) zutreffend darauf hinweist, wurde X._____ mit fakultati-
ver Vorladung vom 5. Dezember 2013 (act. 16) über die Einvernahme von 
F._____ in Kenntnis gesetzt und sie auf ihr Recht hingewiesen, an dieser Befra-
gung beizuwohnen. Davon hat die Berufungsklägerin jedoch - ohne Angabe von 
Gründen - keinen Gebrauch gemacht. Hat sie trotz rechtzeitigem Hinweis aus ei-
genen Stücken auf eine Teilnahme an der Befragung der Belastungszeugin ver-
zichtet, kann sie daraus auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs seitens der 
Untersuchungsbehörde ableiten. Insbesondere besteht keine Pflicht der Straf-
behörde, die Befragung nur in Anwesenheit der beschuldigten Person durchzu-
führen (vgl. Niklaus Schmid, Schweizerischen Strafprozessordnung, Praxiskom-
mentar, a.a.O., N. 6 zu Art. 147 mit Verweis auf die Botschaft zur Vereinheitli-
chung des Strafprozessrechts, S. 1187). In dieser Hinsicht steht einer Verwertbar-
keit der Aussagen von F._____ nichts entgegen.

cb) Auch die Rüge der Berufungsklägerin, die Aussagen von F._____ dürften 
für das Beweisverfahren nicht herangezogen werden, weil Mutter und Tochter vor 
Erstattung der Anzeige die Möglichkeit gehabt hätten, den Vorfall miteinander zu 
besprechen und ihre Wahrnehmungen anzugleichen, ist unbegründet. Zunächst 
einmal ist darauf hinzuweisen, dass mit Bezug auf die Befragung der Zeugin 
F._____ kein Beweisverwertungsverbot im Sinne von Art. 141 StPO vorliegt, wes-
halb auch nicht ersichtlich ist, aus welchen Gründen deren Aussagen nicht heran-
gezogen werden dürften. Des Weiteren ist nicht jeder Verwandte aufgrund seiner 
Beziehung zu einer Prozesspartei an sich ungeeignet, Aussagen zu machen. Die 
Aussagen müssen vielmehr in Bezug auf deren Inhalt gewertet werden. Bei der 
Beweiswürdigung ist mit anderen Worten nicht die Form, sondern der Gesamtein-
druck, d.h. die Art und Weise der Bekundung, sowie die Überzeugungskraft der 
Beweismittel im Einzelfall, entscheidend, wobei nicht in erster Linie die Glaubwür-
digkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner konkreten 
Aussage im Vordergrund steht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_985/2008 vom 
28. Januar 2009, E. 1.6.2; Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schwei-
zerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 5). So unterliegen auch 
Aussagen von einer Partei nahestehenden Personen der freien Beweiswürdigung 

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durch das Gericht. Dieses hat zu gewichten, welche Beweiskraft der jeweiligen 
Schilderung zukommt. Die Vorinstanz hat sich dazu auf S. 13 des angefochtenen 
Urteils ausführlich geäussert. So führte sie aus, F._____ habe zwar als Tochter 
der beschuldigten Person (recte: der Anzeigeerstatterin) ein gewisses Interesse 
am Ausgang des Verfahrens, grundsätzlich handle es sich jedoch auch bei Zeu-
genaussagen von nahen Verwandten um vollgültige Beweismittel. Die Zeugen sei 
im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 20. Dezember 2013 
auf die strafrechtlichen Folgen eines falschen Zeugnisses aufmerksam gemacht 
worden. Wie F._____ bei der damaligen Befragung ausgeführt habe, habe sie die 
beschuldigte Person nicht gekannt. Es sei daher nicht ersichtlich, weshalb sie als 
Drittbeteiligte die Beschuldigte absichtlich falsch habe bezichtigen sollen. Die 
Sachverhaltsschilderung von F._____ sei daher zu werten. Nach Würdigung der 
Aussagen gelangte die Vorinstanz sodann zum Ergebnis, dass sich diese als 
glaubhaft erweisen würden, weshalb vorliegend darauf abgestellt werden könne. 
Die Berufungsklägerin bringt dagegen einzig vor, es habe die Möglichkeit bestan-
den, dass Mutter und Tochter den Vorfall miteinander hätten besprechen können. 
Sie legt jedoch nicht dar, inwieweit Anhaltspunkte dafür bestehen, dass von dieser 
Möglichkeit auch tatsächlich Gebrauch gemacht wurde und F._____ damit be-
wusst eine Falschaussage zu Protokoll gegeben hätte. Vielmehr erscheint die 
Schilderung der Zeugin, wonach sie zwar zunächst mit dem Handy beschäftigt 
gewesen sei, jedoch aufgrund des abrupten Abbremsens aufgeschaut und aus 
dem Fenster gesehen habe, als nachvollziehbar. Da sie zudem ortskundig ist 
(wohnhaft in O.2_____) erscheint es entgegen den Behauptungen der Berufungs-
klägerin auch als erklärbar, dass sie die Stelle, an welcher sie das überholende 
Fahrzeug wahrgenommen hatte, auf dem Fotoblatt einzeichnen konnte und auch 
wusste, dass es dort eine Wegabzweigung gibt. Wie die Vorinstanz zutreffend dar-
legte, behauptete sie nämlich nicht, den fraglichen Weg während des Überhol-
manövers gesehen zu haben. Sie sagte vielmehr aus, dass es, wenn man von 
O.1_____ her fahre, dort einen Weg habe, welcher vermutlich zu einer Weide füh-
re (vgl. act. 17, 1. Frage). Insofern bestehen keine Gründe, welche gegen die 
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sprechen würden.

d) Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die Vorinstanz 
bei der Ermittlung des Sachverhalts in korrekter Weise vorgegangen ist. So hat sie 
die Aussagen sowohl der beschuldigten Person wie auch der Anzeigeerstatterin 
und deren Tochter einander gegenübergestellt und mit Blick auf deren Beweiskraft 
gewürdigt. Der Einwand der Berufungsklägerin, den Schilderungen von E._____ 
und F._____ komme dabei ein geringerer Beweiswert zu, hat sich als nicht zutref-

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fend erwiesen, weshalb deren Aussagen bei der Ermittlung des konkreten Ablaufs 
des Überholmanövers ohne weiteres beigezogen werden können.

7. Die Vorinstanz errechnete in einem ersten Schritt annäherungsweise den 
Überholungsweg, den X._____ vom Ausscheren auf die Gegenfahrbahn bis zum 
Wiedereinbiegen auf die Fahrspur nach Abschluss des Überholmanövers zurück-
legen musste. Die Berechnung basiert auf Geschwindigkeitsangaben, welche die 
beteiligten Parteien anlässlich ihrer Einvernahmen gemacht hatten. Die Beru-
fungsklägerin rügt dabei, dass wiederum lediglich auf die Aussagen von E._____ 
abgestellt worden sei, was sich zu ihren Ungunsten auswirke. Dies trifft jedoch 
nachweislich nicht zu. Bei der Ermittlung der Geschwindigkeit des Fahrzeugs der 
Berufungsklägerin ging die Vorinstanz zu deren Gunsten von 80 km/h aus. Dies 
obwohl X._____ selbst anlässlich ihrer ersten polizeilichen Einvernahme am Tag 
des Vorfalls (act. 4) zu Protokoll gab, während des Überholens mit 75 km/h gefah-
ren zu sein, nachdem sie zunächst bei 50-55 km/h in den 2. Getriebegang ge-
schaltet habe (vgl. 4. Frage). Bei der Konfronteinvernahme vom 26. November 
2013 (act. 13) korrigierte sie diese Angabe dahingehend, als sie aussagte, mit 80 
km/h überholt zu haben (vgl. 8. Frage). Insofern legte die Vorinstanz ihrer Berech-
nung die für die Berufungsklägerin günstigere Geschwindigkeit zugrunde, obwohl 
grundsätzlich den "Aussagen der ersten Stunde" grössere Aufmerksamkeit ge-
bührt, da diese zeitnah zum Geschehen erfolgen und weniger mit 
Erinnerungslücken und allfälligen Absprachen behaftet sind als Aussagen, welche 
Wochen oder Monate später erfolgten (vgl. dazu auch PKG 1991 Nr. 39 E. 3 
sowie im Bereich des Sozialversicherungsrechts BGE 121 V 47, wonach die 
spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Regel unbefangener und 
zuverlässiger sind als die späteren Darstellungen). Auch die von der Vorinstanz 
angenommene Geschwindigkeit des Fahrzeugs von E._____ von 60 km/h liegt im 
Bereich dessen, was die Berufungsklägerin selbst wahrgenommen hatte. So 
schätzte sie bei der ersten Befragung die Geschwindigkeit des voranfahrenden 
Fahrzeugs auf 50-60 km/h (vgl. 1. Frage). Anlässlich der Konfronteinvernahme 
antwortete sie auf die Frage, was sie mit der Aussage, E._____ sei unsicher ge-
fahren, gemeint habe, dass diese nur mit 60 km/h und nicht mit der den Strassen-
verhältnissen angepassten Geschwindigkeit von 80 km/h gefahren sei (vgl. 15. 
Frage). E._____ selbst gab ihre Geschwindigkeit zunächst mit 60-65 km/h (act. 3, 
3. Frage) und später mit 65 km/h (act.13, 5. Frage) an. Auch insofern trifft der 
Vorwurf der Berufungsklägerin, die Vorinstanz habe einzig und allein auf die sub-
jektiven Wahrnehmungen von E._____ abgestellt, nicht zu. Die Werte, welche die 

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Vorinstanz ihrer Berechnung zugrunde legten, sind demzufolge nicht zu bean-
standen. 

8. Ausgehend von den vorstehend ermittelten Geschwindigkeiten und in An-
wendung der Berechnungsformel nach Giger (vgl. hierzu Hans Giger, Kommentar 
zum Strassenverkehrsgesetz, 8. Aufl., Zürich 2014, N 10 zu Art. 35 SVG), stellte 
die Vorinstanz fest, dass ein Überholungsweg von annäherungsweise 350 Metern 
zurückzulegen gewesen sei. Die Strecke unmittelbar nach dem J._____ bis zur 
Stelle, wo sich gemäss Aussagen von X._____ ihr Fahrzeug mitten im Überhol-
vorgang befunden haben soll (Höhe Signal Vorwegweiser auf Hauptstrassen) be-
trage gemäss polizeilicher Erhebung lediglich 133.5 Meter. Somit hätten sich die 
Fahrzeuge bei korrekt eingehaltenen Abstands- und Geschwindigkeitsvorschriften 
auf Höhe des erwähnten Signals nicht bereits inmitten des Überholmanövers be-
funden haben können, zumal die Hälfte des Überholungswegs ca. 175 Meter be-
tragen habe. Daraus lasse sich schliessen, dass sich der Überholvorgang nicht 
gemäss Schilderung der Beschuldigten abgespielt habe, sondern sich die Fahr-
zeuge erst weiter unten in Fahrtrichtung O.1_____, unmittelbar vor der unüber-
sichtlichen Linkskurve, auf gleicher Höhe befunden hätten. In ihrer Berufung führt 
die Berufungsklägerin eine eigene Berechnung des Überholungsweges durch und 
gelangt dabei ebenfalls zum Ergebnis, dass das Überholmanöver 12.6 Sekunden 
gedauert und bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h 280 Meter in Anspruch ge-
nommen haben müsse. Unter Einrechnung des Tachoabstandes und der Fahr-
zeuglänge von total 70 Metern resultiere eine Strecke von 350 Metern. Dieser Be-
rechnung legt sie die Annahme zugrunde, dass die beiden Lenkerinnen ungefähr 
zeitgleich vom J._____ in die _____strasse eingebogen sind. Bei dieser Berech-
nung bestehe allerdings erhebliches Korrekturpotenzial zugunsten von X._____, 
wenn die Geschwindigkeit des überholten Fahrzeugs nach unten auf ca. 50 km/h 
korrigiert würde. Dafür bestünden gute Gründe, habe doch E._____ gesagt, dass 
sie während des Überholmanövers abgebremst habe. 

a) Bei ihrer Berechnung geht die Berufungsklägerin zunächst davon aus, dass 
beide Lenkerinnen zeitgleich in die _____strasse eingebogen sind. Diese Annah-
me ist klar aktenwidrig. So verneinte E._____ eine entsprechende Frage anläss-
lich der Konfronteinvernahme ausdrücklich, wobei sie anfügte, sie habe zuerst 
vom _____weg in die _____strasse schauen und dann in die _____stras-
se/_____strasse einbiegen müssen; sie habe X._____ nicht gesehen (act. 13 4. 
Frage). Doch auch die Berufungsklägerin selbst sagte aus, E._____ sei nicht vor 
ihr gewesen, als sie am J._____ gewartet habe, um in die Kantonsstrasse einzu-
fahren. Sie sei direkt bei der Vortrittsmarkierung gewesen. Vor ihr habe sich kein 

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Fahrzeug befunden (act. 13, 14. Frage). Gestützt auf diese übereinstimmenden 
Aussagen muss davon ausgegangen werden, dass X._____ nach dem J._____ 
zunächst zu E._____ aufschloss, da diese mit geringerer Geschwindigkeit unter-
wegs war. Dies bestätigte die Berufungsklägerin auch anlässlich der polizeilichen 
Einvernahme vom 23. Mai 2013 (act. 4, 3. Frage). Somit ist entgegen der Behaup-
tung der Berufungsklägerin auszuschliessen, dass beide Lenkerinnen ungefähr 
zeitgleich in die _____strasse eingefahren sind und das Überholmanöver damit 
unmittelbar nach dem J._____ eingeleitet wurde.

b) Auch der Einwand der Berufungsklägerin, es sei von einer Geschwindigkeit 
des überholten Fahrzeugs von 50 km/h auszugehen, ist aufgrund der Beweislage 
unbegründet. Wie bereits ausgeführt wurde (vgl. dazu vorne E. 7.b) gab X._____ 
selbst die von der Anzeigeerstatterin gefahrene Geschwindigkeit zunächst mit 50-
60 km/h und sodann mit 60 km/h an, während E._____ von 60-65 km/h ausging. 
Zwar trifft es zu, dass letztere anlässlich der Einvernahmen ausgesagt hatte, 
während des Überholmanövers gebremst zu haben. Jedoch erfolgte das Abbrem-
sen zweifellos als Reaktion auf das Überholmanöver der Berufungsklägerin. So 
gab sie zu Protokoll, gebremst zu haben, weil sie Angst bekommen habe. Zu je-
nem Zeitpunkt habe sie gedacht, es käme zu einer Kollision, wenn Gegenverkehr 
auftauchen würde. Sie habe dem G._____ ermöglichen wollen, so schnell als 
möglich vor ihr einzubiegen (vgl. act. 3, 11. Frage und act. 13, 2. und 7. Frage). 
Selbstredend durfte die Berufungsklägerin beim Ansetzen zum Überholmanöver 
nicht davon ausgehen, dass das zu überholende Fahrzeug seine Geschwindigkeit 
verlangsamt, um ihr ein gefahrenfreies Wiedereinbiegen zu ermöglichen. Dement-
sprechend kann eine solche Geschwindigkeitsreduktion auch bei der Berechnung 
des erforderlichen Überholwegs nicht berücksichtigt werden. 

c) Muss nach dem Gesagten davon ausgegangen werden, dass das Über-
holmanöver nicht unmittelbar nach dem Einbiegen in die _____strasse eingeleitet 
werden konnte und der reine Überholweg rund 350 Meter betrug, kann ausge-
schlossen werden, dass sich die beiden Fahrzeuge entsprechend den Aussagen 
der Berufungsklägerin bereits 133.5 Meter (vgl. act. 2) nach dem J._____ auf glei-
cher Höhe befanden. Dies, weil der tatsächlich benötigte Überholweg zu halbieren 
ist, sofern die Mitte eines kompletten Überholmanövers Ausgangspunkt der Be-
rechnung bildet. Mit anderen Worten musste die Berufungsklägerin gemäss vor-
stehender Berechnung rund 175 Meter zurücklegen, um auf die Höhe des Fahr-
zeugs von E._____ zu gelangen. Hinzu kommt die Strecke, die sie benötigte, um 
vom J._____ zum Fahrzeug der Anzeigeerstatterin aufzuschliessen. Gemäss ih-
ren eigenen Aussagen betrug ihre Geschwindigkeit vor Einleitung des Überholvor-

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gangs 50-55 km/h (act. 4, 4. Frage). Unter Berücksichtigung dieser Faktoren er-
scheint die Schilderung von E._____, wonach sich die Fahrzeuge erst rund 150 m 
weiter vorne auf gleicher Höhe befanden, als glaubhafter, weshalb in Bestätigung 
der vorinstanzlichen Erwägungen darauf abzustellen ist.

d) Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass es nach Würdi-
gung sämtlicher Beweise als erstellt gilt, dass der Überholvorgang an der von 
E._____ bezeichneten Stelle stattgefunden hat. Die Behauptung der Berufungs-
klägerin, die beiden Fahrzeuge seien bereits im Bereich des Signals "Vorwegwei-
ser auf Hauptstrasse" auf gleicher Höhe gewesen, erscheint als unglaubhaft. Das 
von der Vorinstanz ermittelte Ergebnis der Beweiswürdigung erweist sich damit als 
zutreffend, weshalb auch in den nachfolgenden Erwägungen darauf abzustellen 
ist. 

9. X._____ wird zunächst vorgeworfen, gegen Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG 
verstossen zu haben. 

a) Gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG ist Überholen und Vorbeifahren an Hindernis-
sen nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegen-
verkehr nicht behindert wird. Den Gegenverkehr behindert, wer bei einem Über-
holmanöver mit nicht ausreichendem Abstand vom entgegenkommenden Fahr-
zeug wieder auf seine Fahrbahn einbiegt (vgl. René Schaffhauser, Grundriss des 
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl., Bern 2002, N. 738). Ein 
korrekt durchgeführtes Überholmanöver setzt somit unter anderem voraus, dass 
die Gegenfahrbahn über die eigentliche Überholstrecke hinaus frei überblickbar ist 
und in diesem Bereich auch kein Fahrzeug entgegen fährt. Konkret bedeutet dies, 
dass nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Wegstrecke übersichtlich und 
frei sein muss, sondern zusätzlich auch jene, die ein entgegenkommendes Fahr-
zeug bis zu diesem Punkt zurücklegt oder zurücklegen könnte, wo der Überholen-
de die linke Strassenseite wieder freigibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 1.1). Das Überholmanöver muss soweit vor die-
sem Punkt beendet sein, dass ein während des Überholvorgangs allenfalls auf der 
Gegenfahrbahn auftauchendes Fahrzeug seinen Weg unter Einhaltung einer an-
gemessenen Geschwindigkeit fortsetzen kann, ohne gefährdet zu werden (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 6B_272/2010 vom 9. Juli 2010 E. 4; BGE 121 IV 235 E. 
1b; 109 IV 134 E. 2; Philippe Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrs-
gesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N 11 zu Art. 35 SVG). Dabei muss derjenige, der 
überholt, berücksichtigen, dass ein Fahrzeug mit der zulässigen Höchstgeschwin-
digkeit entgegen kommen könnte (BGE 118 IV 277, E. 5). Erkennt der Überholen-

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de während des Überholmanövers, dass er es nicht gefahrlos zu Ende fahren 
kann, so ist er verpflichtet, das Manöver abzubrechen und sich hinter dem zu 
Überholenden in den Verkehr einzuordnen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 
6B_1209/2013 vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1 und 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 
1.1). Der Überholende muss aber von Anfang an die Gewissheit haben, sein 
Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können, das 
heisst, er muss sich vergewissern, dass die gesetzlichen Voraussetzungen in dem 
Zeitpunkt erfüllt sind, wo er zum Überholen ansetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_1209/2013 vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1). Wer keine Gewissheit hat, bevor er 
das Überholmanöver einleitet, gefahrlos vor dem Ende des für ihn sichtbaren 
Raumes wieder einbiegen zu können, verletzt somit Art. 35 Abs. 2 SVG (vgl. BGE 
129 IV 155 E. 3.2.1; PKG 1997 Nr. 24; Schaffhauser, a.a.O., N. 551; Weissenber-
ger, a.a.O., N. 17 zu Art. 35 SVG). Weiter ist beim Beenden des Überholvorgangs 
ein Sicherheitsabstand sowohl gegenüber dem überholten Fahrzeug als auch ge-
genüber dem allenfalls entgegenkommenden Fahrzeug einzuhalten. Was den Ab-
stand zum entgegenkommenden Fahrzeug betrifft, hat das Kantonsgericht von 
Graubünden in Anlehnung an Jürg Boll wiederholt ausgeführt, dass ein Sicher-
heitsabstand von mindestens 2 Sekunden einzuhalten ist. So führte der Kantons-
gerichtsausschuss Graubünden in seinem Urteil SB 02 45 vom 23. Januar 2003 in 
E. 4 und 5 mit eingehender Begründung aus, dass ein Abstand von zwei Sekun-
den der Sache angemessen sei (Rechtsprechung bestätigt mit Urteil des Kan-
tonsgerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005 E. 7b; sodann auch mit 
den Urteilen der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden SK1 11 39 
vom 14. März 2012 E. 7b bzw. SK1 14 8 vom 11. Juni 2014 E. 13; vgl. auch Jürg 
Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos, 1999, S. 84). Es wird somit verlangt, 
dass zwischen dem Zeitpunkt des Wiedereinbiegens nach dem Überholmanöver 
und dem Kreuzen eines (allfällig) entgegenkommenden Fahrzeuges eine gewisse 
Sicherheitsmarge bestehen muss, damit nicht die Gefahr droht, dass der (allfällig) 
entgegenfahrende Fahrzeuglenker sich aufgrund einer drohenden Frontalkollision 
falsch verhalten und dadurch einen Unfall verursachen könnte.

b) Die Länge des Überholwegs kann gemäss Giger annäherungsweise wie 
folgt berechnet werden (vgl. Hans Giger, Kommentar zum Strassenverkehrsge-
setz, 8. Aufl., Zürich 2014, N 10 zu Art. 35 SVG): Überholweg = Durchschnittliche 
Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges x (Aus- + Einbiegestrecke in m + 
Länge des überholenden Fahrzeuges + Länge des überholten Fahrzeuges) / 
(durchschnittliche Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges in km/h - durch-
schnittliche Geschwindigkeit des überholten Fahrzeuges in km/h). Obwohl das 

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Kantonsgericht von Graubünden bereits mehrfach festgestellt hat, dass sich die 
Giger-Formel in vieler Hinsicht als ungenau erweist, kann mit ihr jedoch immerhin 
auf eine einfache Art und Weise ein Annährungswert berechnet werden, sodass 
dieser Wert durchaus im Sinne einer Richtschnur Anwendung finden kann. Dies 
rechtfertigt sich insbesondere, weil in den wenigsten Fällen der genaue Überhol-
vorgang und damit der exakte Überholweg für den fraglichen Zeitpunkt rekonstru-
iert und errechnet werden kann (vgl. dazu das Urteil des Kantonsgerichtsaus-
schusses SB 02 42 vom 23. Januar 2003, S. 19 f; ferner auch Urteil des Kantons-
gerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005). 

c) Wie vorstehend dargelegt wurde, wird für das überholte Fahrzeug von 
E._____ eine Geschwindigkeit von durchschnittlich 60 km/h angenommen, 
währenddem davon ausgegangen wird, dass die Berufungsklägerin ihr Überhol-
manöver mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h durchgeführt hat. 
Für beide Fahrzeuge wird eine Länge von 4 Metern angenommen. Die Aus- und 
Einbiegestrecke entspricht ungefähr der in km/h ausgedrückten Geschwindigkeit 
des überholenden Fahrzeuges (Giger, a.a.O., N 11 zu Art. 35 SVG) und beträgt 
vorliegend daher 80 Meter. Gestützt auf diese Angaben resultiert somit ein theore-
tischer Überholweg von 352 m (80 m x [(80 m + 4 m + 4 m) / (80 km/h - 60 km/h)] 
= 352 m). Das Überholmanöver dauerte nach dieser Berechnung somit 15.84 Se-
kunden. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass in dieser Zeit ein (allfällig) heran-
nahendes Fahrzeug mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit von 80 km/h 
ebenfalls 352 m zurückgelegt hätte. Berücksichtigt man bei einer Geschwindigkeit 
von 80 km/h (entspricht 22.22 m/s) weiter eine Sicherheitsmarge von 2 Sekunden, 
so ergibt dies mit Hinblick auf die für das Überholen nötige Sichtweite eine Strecke 
von 88.88 m ([22.22m/s x 2 Sekunden] x 2), welche in der Zeit von 2 Sekunden 
von beiden Fahrzeugen zurückgelegt wird und zum Überholweg (352 m) sowie zur 
Strecke eines allenfalls herannahenden Fahrzeugs (352 m) hinzuzuzählen ist. Auf 
diese Weise ergibt sich eine Strecke von insgesamt 792.88 Metern, welche für das 
von der Berufungsklägerin durchgeführte Überholmanöver hätte überblickt werden 
müssen. Da die Sichtweite jedoch erwiesenermassen nur 424 Meter betrug (vgl. 
act. 2), erweist sich das Überholmanöver nach dieser Berechnungsart bei Weitem 
nicht als regelkonform. Dies würde im Übrigen auch dann gelten, wenn auf die 
Angaben der Berufungsklägerin, nämlich eine Geschwindigkeit des überholten 
Fahrzeugs von 50 km/h (die von ihr in Abweichung der vorinstanzlichen Berech-
nung angenommene Fahrzeuglänge von je 5m erweist sich dabei für sie als un-
günstiger, weshalb diese vorliegend nicht berücksichtigt wird) abgestellt würde. In 
Anwendung der vorstehenden Formel ergäbe dies immer noch eine Strecke von 

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556.88 Metern (234m + 234m + 88.88m), welche im konkreten Fall jedoch nicht 
einsehbar war. Die Berufungsklägerin errechnete gestützt auf diese Angaben eine 
Gesamtstrecke von 350 Metern. Dabei hat sie jedoch übersehen, dass zusätzlich 
zum benötigten Überholweg - gemäss der vorstehend beschriebenen Lehre und 
Rechtsprechung - auch die Strecke hinzuzurechnen ist, die ein entgegenkommen-
des Fahrzeug bis zum Abschluss des Überholmanövers zurücklegen würde. Die 
Berufungsklägerin hat demzufolge Art. 35 Abs. 2 SVG verletzt. Dabei kann offen 
gelassen werden, ob die Strecke - wie die Vorinstanz ausführt und von der 
Berufungsklägerin bestritten wird - nur erschwert einsehbar sei, weil das Sichtfeld 
durch die Leitplanken und den Stall auf der rechten Seite stark eingeschränkt 
werde. Selbst wenn von einer einsehbaren Strecke von 424 Metern ausgegangen 
wird, hatte die Berufungsklägerin zu Beginn des Überholmanövers keine 
Gewissheit, dieses auch gefahrenlos abschliessen zu können. 

d) In unübersichtlichen Kurven, auf und unmittelbar vor Bahnübergängen ohne 
Schranken sowie vor Kuppen darf nicht überholt werden, auf Strassenverzwei-
gungen nur, wenn sie übersichtlich sind und das Vortrittsrecht anderer nicht beein-
trächtigt wird (Art. 35 Abs. 4 SVG). Wie bereits dargelegt wurde, muss in Bezug 
auf die Länge der Überholstrecke nicht nur die für den Überholvorgang benötigte 
Strecke übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein entgegen-
kommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Überholende die 
linke Strassenseite freigegeben haben wird. Es genügt daher beispielsweise nicht, 
dass der Überholende danach trachtet, den Überholvorgang kurz vor einer unü-
bersichtlichen Kurve abzuschliessen (Philippe Weissenberger, Kommentar zum 
Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N. 11 zu Art. 35 mit Verweis auf 
das Urteil des Bundesgerichts 6B_272/2010 vom 9. Juli 2010 E. 4). Im vorliegen-
den Fall ist sowohl aufgrund der theoretischen Berechnung wie auch aufgrund der 
Aussagen von E._____ und F._____ erstellt, dass das von X._____ durchgeführte 
Überholmanöver nicht vor der unübersichtlichen Linkskurve zu Ende gebracht 
werden konnte. Somit steht fest, dass die Berufungsklägerin mit ihrer Fahrweise 
auch gegen Art. 35 Abs. 4 SVG verstossen hat.

10. Des Weiteren wird X._____ vorgeworfen, mit ihrem Überholmanöver auch 
gegen Art. 34 Abs. 4 und Art. 35 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VRV 
verstossen zu haben. 

a) Die Vorinstanz führte hierzu aus, die Aussage von X._____, wonach für das 
zu überholende Fahrzeug kein Anlass für eine Geschwindigkeitsreduzierung be-
standen habe, erscheine angesichts der Stelle, an welcher sich die beiden Fahr-

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zeuge auf gleicher Höhe befunden hätten, als wenig glaubhaft. Naheliegender er-
scheine dagegen die Schilderung der Anzeigeerstatterin, wonach sie habe ab-
bremsen müssen, um das Risiko einer allfälligen Kollision zu vermindern. Auf-
grund dessen, dass E._____ habe abbremsen müssen und ihre Fahrt aufgrund 
des Manövers der Beschuldigten nicht ungestört habe fortsetzen können, ergebe 
sich, dass X._____ bei ihrem Überholmanöver die Pflicht zur Rücksichtnahme ge-
genüber anderen Verkehrsteilnehmern missachtet und gegen die Abstandsvor-
schriften von Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 3 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV ver-
stossen habe. 

b) Art. 34 Abs. 4 SVG schreibt vor, in allen Situationen einen genügenden Ab-
stand zu den anderen Verkehrsteilnehmern zu halten, damit diese nicht gefährdet 
oder behindert werden. Art. 34 Abs. 4 SVG missachtet beim Überholen, wer bei-
spielsweise vor der Einleitung des Überholmanövers zu nahe auf den Vordermann 
aufschliesst, während des Überholmanövers einen ungenügenden seitlichen Ab-
stand zum Fahrzeug, das überholt wird, einhält und beim Abschluss des Überhol-
manövers zu nahe vor dem Überholten wieder nach rechts einbiegt. Wer überholt, 
muss zudem gemäss Art. 35 Abs. 3 SVG auf die übrigen Strassenbenützer, na-
mentlich auf jene, die er überholen will, besonders Rücksicht nehmen. In den Be-
fragungsprotokollen finden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die Berufungs-
klägerin vor Beginn des Überholvorgangs zu nahe auf das Fahrzeug von E._____ 
aufgefahren sein oder beim Überholen den erforderlichen seitlichen Abstand nicht 
eingehalten haben könnte. Insbesondere lässt sich auch dem Sachverhalt des als 
Anklageschrift geltenden Strafbefehls (act. 19) nichts dergleichen entnehmen. Die 
Vorinstanz wie auch die Staatsanwaltschaft in ihrem Schlussbericht (act. 29) be-
gründete die Verletzung dieser Vorschrift lediglich damit, dass E._____ habe ab-
bremsen müssen und ihre Fahrt aufgrund des Manövers der Beschuldigten nicht 
ungestört habe fortsetzen können (vgl. angefochtenes Urteil S. 15 E. 3.c). Wie aus 
den Aussagen von E._____ jedoch hervorgeht (vgl. act. 3, 11. Frage und act. 13, 
2. und 7. Frage), hatte diese aber bereits abgebremst, als sich die Fahrzeuge auf 
gleicher Höhe befanden. Sie führte aus, dass sie in dem Moment, als das Auto 
neben ihr gewesen sei, nicht habe sehen können, ob ein Auto entgegenkomme. 
Dies sei nicht ersichtlich gewesen, weil die Kurve nach links führe, sie habe des-
halb abgebremst (act. 13, 2. Frage). X._____ sagte anlässlich der Konfronteinver-
nahme in diesem Zusammenhang aus, E._____ habe keinen Grund zum Abbrem-
sen gehabt. Sie habe diese nicht abgedrängt oder dergleichen. Aufgrund dieser 
Äusserungen muss davon ausgegangen werden, dass E._____ ihre Geschwindig-
keit bereits vor dem Wiedereinbiegen von X._____ reduzierte, weil sie einen Zu-

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sammenstoss mit einem allfälligen aus der Kurve entgegenkommenden Fahrzeug 
verhindern wollte. Anhaltspunkte dafür, dass X._____ - mit oder ohne Abbremsen 
- nach dem Überholen zu nahe vor ihr wieder nach rechts eingebogen wäre, erge-
ben sich jedoch nicht. Da gestützt auf die Aussagen der Anzeigeerstatterin zum 
Widerhandlungsort (vgl. act. 2 Foto Nr. 8) davon ausgegangen werden muss, dass 
das Überholmanöver erst nach der Linkskurve abgeschlossen werden konnte und 
ab der Kurvenmitte der Raum für den Abschluss des Manövers einsehbar (vgl. 
act. 2 Foto Nr. 1 und Nr. 9) und auch frei war, ist nicht erstellt, dass die Beru-
fungsklägerin beim Wiedereinbiegen auf die rechte Fahrspur tatsächlich keinen 
angemessenen Abstand wahrte. Ebenso wenig ist nachgewiesen, dass X._____ 
vor der Einleitung des Überholmanövers zu nahe auf E._____ aufgeschlossen 
oder während des Überholmanövers einen ungenügenden seitlichen Abstand zu 
deren Fahrzeug eingehalten hat. Obwohl die Berufungsklägerin diese Rüge nicht 
ausdrücklich vorbrachte, ist das Urteil in diesem Punkt zu korrigieren. Die Beru-
fungsklägerin wird vom Vorwurf der Widerhandlung gegen Art. 35 Abs. 3 SVG und 
Art. 34 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VRV freigesprochen.

11. Der qualifizierte Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist objektiv erfüllt, wenn 
der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet 
und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Ob eine konkrete, eine erhöhte 
abstrakte oder nur eine abstrakte Gefahr geschaffen wird, hängt von der Situation 
ab, in welcher die Verkehrsregelverletzung begangen wird. Wesentliches Kriterium 
für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der Verwirkli-
chung. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr genügt dem-
nach nur zur Erfüllung des Tatbestands von Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn in Anbe-
tracht der Umstände der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verlet-
zung nahe liegt (vgl. BGE 123 IV 88 E. 3a; BGE 118 IV 285 E. 3a; zum Ganzen 
auch Philippe Weissenberger, a.a.O., N. 45 ff. zu Art. 90 SVG). Im vorliegenden 
Fall sind die Ausführungen der Vorinstanz betreffend die Qualifikation der Ver-
stösse als grobe Verkehrsregelverletzungen (Art. 90 Abs. 2 SVG) nicht zu bean-
standen, weshalb in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO darauf verwiesen wer-
den kann (vgl. angefochtenes Urteil, E. 5 S. 19 ff.). Zustimmung verdient insbe-
sondere der Hinweis auf die geltende Rechtsprechung, dass es sich bei Art. 34 
und 35 SVG um Bestimmungen handelt, welche für die Gewährleistung der Si-
cherheit im Strassenverkehr wichtig sind. Das Bundesgericht bejaht denn auch 
eine mindestens erhöhte abstrakte Gefährdung und damit eine objektiv grobe Ver-
letzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn ein Fahrzeuglenker 
überholt, obschon er aufgrund einer eingeschränkten Sicht nach vorne oder ande-

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rer Umstände wie dichten Kolonnenverkehrs nicht sicher sein kann, ohne Behin-
derung beziehungsweise Gefährdung des Überholten und der entgegenkommen-
den Fahrzeuge wieder einbiegen zu können (vgl. BGE 121 IV 235 E. 1b und Phi-
lippe Weissenberger, a.a.O., N. 69 zu Art. 90 SVG). Wie vorstehend aufgezeigt 
wurde, setzte X._____ vor einer unübersichtlichen Kurve zum Überholen an, ohne 
dabei die Gewissheit zu haben, das Manöver ohne Gefährdung des Gegenver-
kehrs wieder abschliessen zu können. Dies stellt nach der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung ungeachtet der konkreten Umstände eine grobe Verkehrsregel-
verletzung dar. Damit hat sie zumindest in Kauf genommen, eine ernstliche Gefahr 
für die Sicherheit anderer zu schaffen, womit der Tatbestand auch in subjektiver 
Hinsicht erfüllt ist. 

12. Die Vorinstanz bestrafte die Berufungsklägerin mit einer Geldstrafe von 30 
Tagessätzen zu je Fr. 80.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei 
Jahren und einer Busse von Fr. 500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 
sechs Tagen. Zu prüfen bleibt, ob das Kantonsgericht diese Strafe aufgrund des 
Freispruchs bezüglich der Verletzung von Art. 34 Abs. 4 und Art. 35 Abs. 3 SVG in 
Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VRV anzupassen hat. Das Bundesgericht hielt im 
Urteil 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 (= Pra 2001 Nr. 197) fest, dass die Beru-
fungsinstanz, auch wenn sie von einem weniger gravierenden Sachverhalt als die 
erste Instanz ausgeht oder einzelne Sachverhaltselemente etwas anders gewich-
tet, an die erstinstanzliche Strafzumessung nicht gebunden ist und sie die Strafe 
grundsätzlich gleich belassen (oder gar verschärfen) kann. Das Kantonsgericht 
verurteilt die Berufungsklägerin abweichend von der Vorinstanz wegen einer gro-
ben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG und Art. 35 Abs. 4 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG. Die weggefallene Verletzung der Ab-
standsregel beim Wiedereinbiegen und die mangelnde Rücksicht ist dabei im Ver-
gleich zur Gefährlichkeit des Überholmanövers als Ganzes vor der unübersichtli-
chen Kurve von untergeordneter Bedeutung. Aus diesem Grund ist nicht ersicht-
lich, weshalb dies zu einer tieferen Strafe führen soll. In Anbetracht dessen, dass 
die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe trotz der hohen Verkehrsgefähr-
dung im Rahmen von Art. 35 Abs. 2 und Art. 35 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 
90 Ziff. 2 SVG ohnehin schon milde ist, rechtfertigt sich eine Reduktion dieser 
Strafe nicht. Die ausgesprochene Strafe ist auch im Rahmen der Beurteilung des 
Verhaltens der Berufungsklägerin durch das Berufungsgericht schuldangemessen, 
zumal es bei einer groben Verletzung von Verkehrsregeln bleibt. Im Übrigen kann 
gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzli-
chen Urteil (Erwägung 6.) verwiesen werden.

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13. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Berufungsklägerin ge-
gen Art. 35 Abs. 2 und Art. 35 Abs. 4 SVG verstossen hat und nach Art. 90 Ziff. 2 
SVG schuldig zu sprechen ist. Hinsichtlich der Verletzung von Art. 34 Abs. 4 SVG 
und Art. 35 Abs. 3 SVG ist sie freizusprechen. Die Berufung erweist sich damit 
teilweise als begründet und Ziffer 1. des angefochtenen vorinstanzlichen Urteils 
vom 16. April 2014 ist aufzuheben. Da die Strafzumessung der Vorinstanz zu 
bestätigen ist, ist die Berufung im Übrigen abzuweisen.

14. X._____ ficht gemäss Rechtsbegehren in der Berufung das gesamte vorin-
stanzliche Urteil an, mithin auch die Verteilung der Kosten. In der Begründung hat 
sie sich dazu indessen nicht geäussert. Da das vorinstanzliche Urteil jedoch be-
züglich zwei Tatbestandsvorwürfen zu korrigieren ist, stellt sich von Amtes wegen 
die Frage, ob auch Anpassungen am vorinstanzlichen Kostenspruch notwendig 
sind. Vorliegend ist X._____ vom Vorwurf der Verletzung von Art. 34 Abs. 4 SVG 
und Art. 35 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VRV freizusprechen. Im 
Übrigen haben sich die gegen sie erhobenen Vorwürfe - insbesondere der qualifi-
zierte Tatbestand der Verkehrsregelverletzung in zweifacher Hinsicht - bestätigt. 
Vor diesem Hintergrund erscheint es angebracht, die Kosten des Vorverfahrens 
und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens von 3'320.-- (Untersuchungsge-
bühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 1'820.-- sowie 
Gerichtsgebühren von Fr. 1'500.--) zu 4/5, somit Fr. 2'656.--, X._____ und zu 1/5, 
somit Fr. 664.--, dem Kanton Graubünden aufzuerlegen, welcher X._____ ausser-
amtlich reduziert mit Fr. 300.-- zu entschädigen hat.

15. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-
mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Vorliegend 
obsiegt die Berufungsklägerin nur in zwei untergeordneten Punkten. Gemäss 
Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO könnten der Berufungsklägerin, da der angefochtene 
Entscheid nur unwesentlich abgeändert wird, die Verfahrenskosten grundsätzlich 
vollumfänglich auferlegt werden. Diese Bestimmung findet auf den vorliegenden 
Sachverhalt, wie dem Schrifttum zu entnehmen ist, indessen keine Anwendung, 
da sie primär für Fälle gedacht ist, in welchem die Rechtsmittelinstanz von dem 
den Gerichten zustehenden Ermessen anders Gebrauch macht, also zum Beispiel 
die Dauer einer Sanktion oder eine Busse geringfügig herabsetzt (vgl. Yvona 
Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 12 f. zu 
Art. 428; Thomas Domeisen, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 21 zu Art. 
428). Im vorliegenden Fall obsiegt die Berufungsklägerin materiell in zwei unter-
geordneten Schuldpunkten, womit sich eine Anpassung der Kosten aufdrängt. Für 
Entscheide im Berufungsverfahren wird eine Gerichtsgebühr von Fr. 1‘500.-- bis 

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Fr. 20‘000.-- erhoben (vgl. Art. 7 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in 
Strafsachen [VGS; BR 350.210]). Die Kosten des vorliegenden Berufungsverfah-
rens werden auf Fr. 2‘000.-- festgelegt. Demnach ist die Berufungsklägerin zu 4/5 
der Kosten des Berufungsverfahrens zu verurteilen, während 1/5 der Kosten auf 
die Staatskasse genommen werden. Analog dazu wird der Berufungsklägerin in 
Anwendung von Art. 436 Abs. 1 StPO und Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine (redu-
zierte) aussergerichtliche Entschädigung – welche mangels Einreichung einer Ho-
norarnote seitens des Rechtsvertreters für das Berufungsverfahren nach richterli-
chem Ermessen festgesetzt wird – in der Höhe von Fr. 200.-- (inkl. MwSt. und 
Spesen) aus der Staatskasse zugesprochen. 

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III. Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und die Ziffern 1. und 3. des an-
gefochtenen Urteils vom 16. April 2014 werden aufgehoben.

2. X._____ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss 
Art. 35 Abs. 2 SVG und Art. 35 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 
SVG.

3. Vom Vorwurf der Verletzung von Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 3 SVG 
und Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG wird X._____ 
freigesprochen.

4. Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen.

5. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens von Fr. 3'320.-- (Untersu-
chungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Fr. 1'820.--, Ge-
richtsgebühren Fr. 1'500.--) gehen zu 4/5, somit Fr. 2'656.--, zu Lasten von 
X._____ und zu 1/5, somit Fr. 664.--, zu Lasten des Kantons Graubünden, 
welcher X._____ zudem ausseramtlich reduziert mit Fr. 300.-- (einschliess-
lich Mehrwertsteuer) zu entschädigen hat.

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2‘000.- gehen zu 4/5 zu 
Lasten von X._____ und zu 1/5 zu Lasten des Kantons Graubünden, 
welcher X._____ für das Berufungsverfahren mit Fr. 200.-- (einschliesslich 
Mehrwertsteuer) zu entschädigen hat.

7. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

8. Mitteilung an: