# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 396d041c-69a9-5d59-8568-74f0e50aaadc
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-02
**Language:** de
**Title:** Nutzungsänderung. Hundebetreuungsstätte in einer Wohnzone.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0166/2014
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_ii_nr._0166-2014_vom_2._dezember_2014.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
2. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE II Nr. 

R2.2014.00084 
0166/2014 

Entscheid vom 2. Dezember 2014 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Peter  Rütimann,  Baurichter  Emil  Seliner,  Baurichter 
Stefano Terzi, Gerichtsschreiberin Nicole Herzig     

in Sachen 

Rekurrierende 

S. und B. B., [….]  

gegen 

Rekursgegnerschaft 

1.  Planungs- und Baukommission X, [….] 

2.  F. und A. L., [….]  

betreffend 

Verfügung  der  Planungs-  und  Baukommission  vom  23.  Mai  2014;  Nut-
zungsänderung, nachträgliche Bewilligung für Hundebetreuung 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Verfügung  vom  23. Mai  2014  erteilte  der  Präsident  der  Planungs-  und 

Baukommission  X  dem  Ehepaar  F.  und  A. L.  die  nachträgliche  baurechtli-

che Bewilligung für eine Hundebetreuungsstätte. 

B. 

Hiergegen wandten sich S. und B. B. mit Rekurseingabe vom 19. Juni 2014 

fristgerecht  an  das  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  und  stellten  fol-

gende Anträge: 

"1.  Es sei Ziff. 1 der Präsidialverfügung aufzuheben und die baurechtliche 
für  Gewerbe  auf  dem  Grundstück 

Bewilligung/Nutzungsänderung 
Kat.-Nr. 0000, Gemeinde X, zu verweigern; 

2.  Eventualiter  sei  Ziff. 1.2  der  Präsidialverfügung  aufzuheben,  und  der 
Betrieb auf den Aufenthalt von maximal 3 Hunden zu beschränken; 

3.  Subeventualiter sei das Verfahren an die Gemeinde X zurückzuweisen 
und  dieser  aufzutragen,  anstelle  des  Anzeigeverfahrens  ein  ordentli-
ches baurechtliches Verfahren durchzuführen; 

4.  Es sei dem Rekurs aufschiebende Wirkung zu erteilen, und es sei den 
Rekursgegnern mit Einräumung einer kurzen Übergangsfrist zu verbie-
ten,  gewerbsmässig  Hunde  zu  betreuen,  bis  über  die  Baubewilligung 
rechtskräftig entschieden ist; 

5.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegner." 

C. 

Mit  Verfügung  vom  25. Juni 2014  wurde  vom  Rekurseingang  Vormerk ge-

nommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Das Gesuch der Rekurrierenden um vorsorgliche Einstellung des Betriebes 
(Rekursantrag  Ziff. 4,  zweiter  Halbsatz)  wurde  nach  vorheriger  Anhörung 

der Rekursgegnerschaft mit Verfügung vom 8. August 2014 abgewiesen. 

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Seite 2 

 
 
E. 

Die  Vorinstanz  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  25. Juli  2014  die  Ab-

weisung des Rekurses unter Kostenfolge zulasten der Rekurrierenden. 

Die  private  Rekursgegnerschaft  stellte  mit  Rekursantwort  vom  21. August 

2014 ebenfalls Antrag auf Abweisung des Rekurses unter Kosten- und Ent-

schädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden. 

F. 

Mit Replik vom 11. September 2014 hielt die Rekurrentschaft an ihren An-

trägen fest. 

Die  Rekursgegnerschaft  hielt  mit  Dupliken  vom  6.  und  7. Oktober  2014 

ebenfalls an ihren Anträgen fest. 

G. 

Auf  die  Parteivorbringen  wird,  soweit  entscheidnotwendig,  in  den nachste-

henden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Gemäss § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ist zum Rekurs be-

rechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutz-

würdiges  Interesse  an  ihrer  Aufhebung  oder  Änderung  hat.  Der  Nachbar 

eines  Bauvorhabens  ist  dann  zum  Rekurs  berechtigt,  wenn  er  über  eine 

hinreichend  nahe  räumliche  Beziehung  zum  Baugrundstück  verfügt  und 

wenn  er  darüber  hinaus  durch  die  Erteilung  der  Baubewilligung  mehr  als 

die  Allgemeinheit  in  eigenen  Interessen  berührt  ist  (BGE  103  Ib  149 f. 

Erw. 4; 104 Ib 256 Erw. 7 d). 

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Die Rekurrierenden sind Stockwerkeigentümer des südlich an das streitbe-

troffene  Grundstück  angrenzenden  Grundstückes.  Als  Nachbarn  sind  sie 

angesichts der gerügten Beeinträchtigungen (insbesondere mangelnde Zo-

nenkonformität  und  Lärmimmissionen)  mehr als  beliebige  Dritte  vom  Bau-

vorhaben  betroffen  und  damit  grundsätzlich  zum  Rekurs  legitimiert.  Da 

auch  die  übrigen  formellrechtlichen  Voraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf 

den Rekurs einzutreten. 

2. 

Das Baugrundstück liegt in der Wohnzone W2 und ist im nordöstlichen Be-

reich  mit  einem  im  Grenzbau  an  das  östlich  benachbarte  Gebäude  ange-

bauten  Wohnhaus  überstellt.  Die  private  Rekursgegnerschaft  ist  Mieterin 

der Parterrewohnung der Liegenschaft, die sie bewohnt und in der sie seit 

rund  drei  Jahren  eine  Hundebetreuungsstätte  betreibt.  Gemäss  Betriebs-

konzept werden bis zu acht Hunde gegen Entgelt betreut. Die Tiere werden 

zwischen  6.30 Uhr  und  7.30 Uhr  gebracht  oder  von  den  privaten 

Rekursgegnern  abgeholt.  Anschliessend  wird  ein  Morgenspaziergang  un-

ternommen.  Zwischen  10 Uhr  und  13 Uhr  halten  sich  die  Hunde  in  der 

Wohnung und im Garten auf, danach werden sie erneut rund drei Stunden 

spazieren geführt. Ab ca. 16.30 Uhr sind sie wieder zurück. Die Rückgabe 

der  Tiere  an  ihre  Halter  erfolgt  bis  20 Uhr.  Mit  der  angefochtenen  Verfü-

gung  wurde  die  Nutzungsänderung  für  einen  Betrieb  mit  maximal  acht 

Hunden nachträglich bewilligt. 

3. 

Die baurechtliche Überprüfung der umstrittenen Hundebetreuungsstätte er-

folgte  aufgrund  wiederholter  Schreiben  der  Rekurrentschaft  an  die  Ge-

meinde  X.  Die  angefochtene  Verfügung  erfolgte  im  Anzeigeverfahren  und 

wurde den Rekurrierenden zugestellt. Damit wurden ihre verfahrensmässi-

gen Rechte gewahrt, zumal im zürcherischen Baurecht kein Einsprachever-

fahren  und  damit  auch  keine  Anhörung  von  allfällig  betroffenen  Nachbarn 

vorgesehen ist. Den Rekurrierenden entstand durch die Wahl des Anzeige-

verfahrens  keinerlei  Nachteil,  auch  wenn  die  zu  beurteilende  Nutzungsän-

derung durchaus geeignet ist, sich auf die Nachbarschaft auszuwirken und 

daher  im  ordentlichen  Verfahren  zu  behandeln  gewesen  wäre  (vgl.  §  325 

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Seite 4 

 
 
Abs. 1 PBG). Auf eine Rückweisung an die Vorinstanz aus formellen Grün-

den kann deshalb verzichtet werden. 

4. 

Materiell  machen  die  Rekurrierenden  geltend,  bei  der  Hundebetreuung 

handle es sich um ein störendes Gewerbe, welches gemäss Art. 4 der Bau- 

und Zonenordnung der Gemeinde  X (BZO) in der Wohnzone W2 nicht zu-

lässig sei. Es handle sich um einen Dienstleistungsbetrieb, welcher mit ei-

ner Wohnnutzung nicht vereinbar sei. Sie stützten sich dabei auf die soge-

nannte  "Berner  Praxis",  wonach  in  reinen  Wohnzonen  höchstens  drei  bis 

vier  Hunde  erlaubt  seien.  Der  Betrieb  generiere  morgens  und  abends  ein 

erhebliches  zusätzliches  Verkehrsaufkommen.  Das  Gebell  im  Garten,  von 
dem den Hunden nur ein relativ kleiner Bereich von rund 100 m2 zugewie-
sen  sei,  sei  sehr  störend,  zumal  sich  die  Tiere  von  6.30 Uhr  bis  20 Uhr 

(zeitweise  auch  an  Wochenenden)  in  der  Betreuung  der  privaten  Rekurs-

gegner befänden. Zudem führe die Versäuberung von acht Hunden (wobei 

diese Zahl zeitweise überschritten werde) zu Geruchsimmissionen und hy-

gienisch unhaltbaren Zuständen, und das Baugrundstück verfüge über kei-

ne Abstellplätze. 

5. 

Die  Vorinstanz  vertritt  die  Ansicht,  dass  die  bewilligte  Nutzung  in  der 

Wohnzone  W2  zonenkonform  sei.  Dem  früher  vorwiegend  in  immissions-

rechtlicher  Hinsicht  verwendeten  Begriff  "nicht  störend"  seien  in  Wohnzo-

nen Wohnungen, Büros, Ateliers und Praxen sowie Läden zugeordnet wor-

den. Gewerbliche Nutzung sei in der Wohnzone W2 zulässig, soweit sie mit 

dem Wohnen vereinbar sei. Dazu gehöre alles, was zum Wohnen und all-

täglichen  Leben  gehöre.  Darunter  fielen  Einrichtungen  für  den  täglichen 

Bedarf  sowie  der  Kultur,  Bildung  und  Sozialisierung.  Der  sogenannten 

"Berner  Praxis"  komme  keine  Bedeutung  zu,  da  die  Frage,  ob  etwas  als 

nicht  störend  oder  störend  einzustufen  sei,  kommunales  Recht  betreffe. 

Haustiere  gälten  als  "Familienmitglieder"  und  erfüllten  wichtige  soziale 

Funktionen. In der Gemeinde X habe Ende des Jahres 2013 die Anzahl der 

Kindergartenkinder 346, die der Primarschüler 835 und die der registrierten 

Hund 605 betragen. Diese Zahlen zeigten unmissverständlich, dass Hunde 
und  Hundehaltung  Teil der Wohnnutzung  bildeten  und  entsprechende  Be-

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treuungsangebote  genauso  wie  Kinderhorte  zonenkonform  seien.  Die  Im-

missionen, die aus einer professionell geführten Hundebetreuung resultier-

ten, seien jedenfalls nicht störender als bei einem Hort oder Kindergarten.  

6. 

Die private Rekursgegnerschaft bringt ergänzend vor, Art. 4 BZO erlaube in 

Wohnzonen alle Nutzungen, welche mit dem Wohnen vereinbar seien und 

zum alltäglichen Leben gehörten. Dies treffe auch auf Schulhäuser, Kinder-

gärten oder Kindertagesstätten zu, welche regelmässig als mit dem Zweck 

einer  Wohnzone  vereinbar  beurteilt  würden.  Genauso  gehöre  das  Halten 

von Hunden zur Wohnnutzung. Auch für sie bestehe eine Nachfrage nach 

Betreuungsstätten, welche genau gleich wie Kinderkrippen als nicht störend 

und damit zonenkonform einzustufen seien. Das Betriebskonzept sei darauf 

ausgerichtet,  dass  die  Nachbarn  nicht  durch  Hundegebell  gestört  würden. 

Im Gegensatz  zu den  von den Rekurrierenden vorgebrachten Fällen gehe 

es  nicht  um  eine  Dauerbetreuung,  sondern  nur  darum,  bis  zu  acht  Hunde 

tagsüber aufzunehmen.  

7. 

Nach Art. 22 Abs. 2 lit. a des Raumplanungsgesetzes (RPG) müssen Bau-

ten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen.  

Wohnzonen  sind  gemäss  § 52  PBG  in  erster  Linie  für  Wohnbauten  be-

stimmt;  dieser  Nutzweise  zugerechnet  werden  auch  Arbeitsräume,  die  mit 

einer Wohnung zusammenhängen und in einem angemessenen Verhältnis 

zur  eigentlichen  Wohnfläche  stehen  (Abs. 1).  Mässig  störende  Betriebe 

sind  gestattet,  wo  die  Bau-  und  Zonenordnung  sie  zulässt;  stark  störende 

und  solche,  die  unverhältnismässig  Verkehr  auslösen,  sind  unzulässig 

(Abs. 3). 

In der Wohnzone W2 der Gemeinde X sind gemäss Art. 4 BZO einzig nicht 

störende Betriebe gestattet.  

Die  kantonalrechtlichen  Kategorien  "nicht  störend",  "mässig  störend"  und 

"stark störend" waren ursprünglich vor allem, wenn auch nicht ausschliess-

lich  Begriffe  immissionsrechtlichen  Gehaltes.  Gemäss  § 294  PBG  in  der 
Fassung  vom  7. September  1975  galten,  sofern  die  Bau-  und  Zonenord-

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nung nichts anderes bestimmte, als zulässige Nutzweise in Kern- und Zent-

rumszonen:  Wohnungen,  Büros,  Ateliers  und  Praxen,  Läden,  mässig  stö-

rendes  Gewerbe  (lit. a);  in  Wohnzonen:  Wohnungen,  Büros,  Ateliers  und 

Praxen, Läden, nicht störendes Gewerbe (lit. b); in Industriezonen: Industri-

elle und gewerbliche Betriebe (lit. c). Gestützt auf diese Bestimmung wurde 

im Kanton Zürich in langjähriger Praxis eine verschiedenste Betriebe erfas-

sende  Kategorisierung  in  nicht,  mässig  und  stark  störende  Betriebe  ge-

schaffen.  So  galten  etwa  Schneiderateliers  als  nicht  störende  und  Schrei-

nereien als mässig störende Betriebe. Damit wurde in einer typisierenden, 

der  allgemeinen  Erfahrung  entsprechenden  Umschreibung  festgestellt, 

welchen Betrieben welches Immissionspotential zuzuordnen war, und wur-

den  diese  Betriebe  mit  den  planungsrechtlichen  Immissionsvorschriften  in 

den einzelnen Zonen als nicht, mässig oder stark störende Betriebe zuge-

lassen oder untersagt. Ob ein Betrieb aufgrund seiner konkreten Immissio-

nen effektiv störte, war demgegenüber im Rahmen der kumulativ erfolgen-

den  Anwendung  der  polizeilichen  Immissionsvorschrift  von  § 226  PBG  zu 

beurteilen  (BRKE IV  Nr. 14/1982  in  BEZ 1982  Nr. 29;  Elisabeth  Brüngger, 

Bedeutung  kantonaler  und  kommunaler  Nutzungsvorschriften  unter  Be-

rücksichtigung des Bundesumweltrechts, PBG aktuell 2/1994, S. 5 ff., auch 

zum Folgenden). 

Mit der Revision des Planungs- und Baugesetzes vom 1. September 1991 

wurde  die  Bestimmung  von  § 294  altPBG  aufgehoben.  Nunmehr  ist  aus-

schliesslich  in  den  die  einzelnen  Bauzonen  definierenden  Bestimmungen 

von  §§ 50 ff. PBG festgehalten,  in  welchen Zonen nicht, mässig  und  stark 

störende Betriebe erlaubt sind bzw. durch die Bau- und Zonenordnung als 

zulässig erklärt werden können. 

Mit der Einführung des Bundesumweltschutzrechtes haben kantonalrechtli-

che  Bestimmungen,  soweit  sie  dem  Immissionsschutz  dienten,  ihre  selb-

ständige  Bedeutung  verloren.  Nachdem  der  Bundesrat  mit  der 

Luftreinhalteverordnung  und  der  Lärmschutzverordnung  bundesrechtliche 

Vorschriften  aufgestellt  und  insbesondere  auch  Grenzwerte  festgelegt  hat, 

sind  die  betreffenden  Immissionen  nur mehr nach  diesen  Regeln  zu  beur-

teilen (BGE 114 Ib 214 ff., E. 4a). Dementsprechend verbleibt den Bestim-

mungen  über  die  Zulässigkeit  von  nicht,  mässig  und  stark  störenden  Be-

trieben nur noch ein raumplanerischer, d.h. die Zonenkonformität beschla-

gender Gehalt, unter welchem Aspekt diese Vorschriften weiterhin beacht-
lich sind. 

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8. 

Zonenvorschriften  sind  grundsätzlich  generell  und  abstrakt  formuliert. 

Welch Arten von Nutzungen nach ihrer Immissionsstärke in einer bestimm-

ten  Zone  zugelassen bzw.  verboten  sind,  wird  in  typisierten,  der allgemei-

nen  Erfahrung  entsprechenden  Umschreibungen  ausgesagt.  Die  Beurtei-

lung der Zonenkonformität erfolgt daher abstrakt, losgelöst von den konkre-

ten Einwirkungen in der Nachbarschaft. Entscheidend ist, ob mit der betref-

fenden  Nutzung  typischerweise  Belästigungen  verbunden  sind,  die  über 

das hinausgehen, was normalerweise mit dem Wohnen verbunden ist. Erst 
in  einer  zweiten  Beurteilungsstufe  ist  –  gestützt  auf  das  Umweltschutzge-
setz und seine Ausführungen – zu prüfen, ob der Betrieb auch hinsichtlich 
der  konkreten,  für  die  Umgebung  resultierenden  Immissionen  mit  der 

Wohnnutzung  vereinbar 

ist  (BGr,  1C_538/2011  vom  25. Juni  2012, 

E. 5.1.1).  

Entsprechend  ist  bei  der  Beurteilung  der  Bewilligungsfähigkeit  einer  ge-

werblichen  Nutzung,  worum  es  sich  bei  einer  Hundebetreuung  des  vorlie-

genden Ausmasses gegen Entgelt im Gegensatz zu einer hobbymässigen 

Hundehaltung  zweifelsfrei  handelt,  zwischen  den  raumplanerischen  und 

den umweltrechtlichen Aspekten zu unterscheiden. Zunächst ist zu prüfen, 

ob sich das umstrittene Vorhaben in der Wohnzone W2 als zonenkonform 

erweist. 

9. 

Wohnzonen  sind  in  erster  Linie  für  Wohnbauten  bestimmt.  Die  Wohnnut-

zung  bildet  den  primären  Zonenzweck.  Betriebliche  Nutzungen  dürfen 

demnach nur dann bewilligt werden, wenn sie mit diesem Zweck zumindest 

vereinbar sind.  

Erlaubt eine Gemeinde in einer Wohnzone nur nicht störende Betriebe, wie 

dies vorliegend in der Standortzone der Fall ist, sind an diese Vereinbarkeit 

offenkundig  höhere  Anforderungen  zu  stellen,  als  wenn  auch  mässig  stö-

rende  Betriebe  zugelassen  wären.  Diese  erhöhten  Anforderungen  an  die 

Vereinbarkeit  einer  betrieblichen  Nutzung  mit  Wohnnutzung  lassen  sich 

dahingehend umschreiben, dass Betriebe ihrem Wesen nach einwandfrei in 

eine  Wohnzone  passen  müssen.  In  Lehre  und  Rechtsprechung  wird  für 

Wohnzonen, in denen nur nicht störende Betriebe zugelassen werden, ver-
langt, dass ein funktionaler Zusammenhang zwischen dem Betrieb und der 

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Wohnzone bestehen muss, indem der betreffende Betrieb der Befriedigung 

der  täglichen  Bedürfnisse  der  Quartierbevölkerung  dient  und  damit  für  die 

Quartierbewohner eine bestimmte notwendige Funktion hat.  

Die privaten Rekursgegner bieten in ihrer Gartenwohnung in der Wohnzone 

W2 eine Hundetagesbetreuung, einen Spazierdienst sowie Ferienplätze für 

Hunde  an.  Dass  in  der  Gemeinde  X  wie  auch  in  der  weiteren  Umgebung 

viele  Hunde  leben,  wird  nicht  bestritten,  wenn  auch  der  zahlenmässige 

Vergleich mit den Kindergartenkindern insofern hinkt, als damit die Zahl al-

ler  Hunde  zwei  Jahrgängen  an  Kindern  gegenübergestellt  wird  und  auch 

unter Einbezug der Primarschüler noch immer die vier jüngsten Jahrgänge 

ausgelassen  werden.  Insbesondere  besteht  für  Hunde  keine  Schulpflicht, 

und sie sollten grundsätzlich von ihren Haltern selber betreut werden kön-

nen. Nichtsdestotrotz kommen auch Hundehalter regelmässig in die Situa-

tion, ihre Tiere tageweise betreuen lassen zu müssen, und nicht alle finden 

eine  Lösung  im  privaten  Bereich.  Ein  gewisser  Bedarf  an  Hundebe-

treuungsplätzen ist unbestrittenermassen vorhanden.  

Es  stellt  sich  jedoch  die  Frage,  ob  ein  Betrieb,  der  eine  solche  Betreuung 

für bis zu acht Tiere professionell anbietet, zu einem erhöhten Verkehrsauf-

kommen und zudem zu atypisch konzentriertem Gebell der in einer Gruppe 

betreuten  Hunde führt,  in  einer Wohnzone,  in  der nur nicht  störendes  Ge-

werbe zulässig ist, zonenkonform sei. Dies ist zu verneinen. Von einem ty-

pischen "stillen Gewerbe", das von seinem Charakter her einwandfrei in ei-

ne  Wohnzone  passen  würde,  kann  keine  Rede  sein.  Gemäss  Bundesge-

richt führt die gewerbliche Haltung "von bis zu neun Hunden" (recte: von ca. 

9 Hunden; in der Formulierung des Bundesgerichtes fehlt die Untergrenze) 

typischerweise  zu  Immissionen  (insbesondere  Bellen),  die  über  das  hin-

ausgehen,  was  normalerweise  mit  dem  Wohnen  verbunden  ist  (BGr, 

1C_538/2011  vom  25. Juni  2012,  E. 5.1.2).  Ferner  trifft  nicht  zu,  dass  die 

Nutzung  im  Sinne  der  vorhergehenden  Ausführungen  derart  eng  mit  dem 

Wohnen verknüpft ist, dass sie diesem zuzurechnen ist oder typischer- und 

sinnvollerweise innerhalb eines Wohnquartiers angeboten werden sollte. Im 

Gegensatz  zu  von  den  Kindern  des  Quartiers  besuchten  Kindergärten, 

Schulen und auch zu Horten (welche die Kinder vor oder nach der Schule 

aufsuchen),  welche  Einrichtungen  allesamt  für  die  Kinder  auch  ohne  Be-

gleitung  durch  Erwachsene  erreichbar  sein  sollen,  muss  eine  Hundebe-

treuungsstätte  nicht  im  Wohnquartier  der  Hundehalter  angesiedelt  sein. 
Vielmehr  bringen  die  Halter  ihre  Tiere,  oder  diese  werden  zu  Hause  oder 

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am  Bahnhof  X  abgeholt.  Das  Einzugsgebiet  deckt  sich  damit  nicht  typi-

scherweise mit dem betroffenen Wohnquartier.  

Auch  kann  ein  Standort  mitten  in  einem  Wohnquartier  nicht  als  ideal  be-

zeichnet  werden,  da  sich  ein  solches  nicht  für  die  täglichen  Spaziergänge 

mit ganzen Hundegruppen eignet. Dies zeigt sich auch darin, dass die pri-

vate  Rekursgegnerschaft  die  Hunde  gemäss  dem  vom  Veterinäramt  fest-

gehaltenen Tagesablauf für die Spaziergänge mit dem Auto auf die Zürcher 

Allmend oder ins Gebiet Sihlhalde fahren muss (act. 5.10). Das Ausführen 

von (angeleinten) Hunden in grosser Zahl kann mit Beeinträchtigungen der 

Fussgänger verbunden  sein,  was  gegen  die  Zonenkonformität  spricht.  Zo-

nenkonformitätsüberlegungen  haben  ja  gerade  auch  das  Ziel,  vor  Beein-

trächtigungen zu schützen, die nicht schon mit spezielleren Gesetzen (z.B. 

mit der Lärmschutzverordnung) abgewendet werden können. Ob es einem 

Quartierbewohner frei stünde, privat acht Hunde zu halten und gleichzeitig 

auszuführen, kann offen blieben. Die Frage der Zonenkonformität stellt sich 

nur, wenn eine betriebliche Nutzung vorliegt.  

Damit muss  die  Zonenkonformität  eines  solchen  Betriebes  in  der betroffe-

nen Wohnzone als nicht zonenkonform eingestuft werden. 

Die  Gemeinde  verfügt  zwar  bei  der  Auslegung  ihres  eigenen  Rechts  über 

einen  Beurteilungsspielraum,  wenn  dieses  wie  hier  unbestimmte  Rechts-

begriffe  enthält.  Auf  der  andern  Seite  ist  der  Beurteilungsspielraum  der 

Gemeinde  nicht  unbeschränkt.  Vielmehr  steht  das  Recht  auf  wirksame 

Überprüfung  auf  derselben  Stufe  wie  die  Gemeindeautonomie.  Diese  bei-

den  gleichrangigen  Verfassungsnormen  sind  im  Rahmen  praktischer  Kon-

kordanz auszulegen (VB.2013.00788 vom 28. August 2014, E. 4.5).  

Die  Frage,  ob  der  Beurteilungsspielraum  einer  Gemeinde  bei  der  Ausle-

gung ihres eigenen Rechts weiter reicht als bei der Auslegung kantonalen 

Rechts,  hat  das  Verwaltungsgericht  im  zitierten  Entscheid  offen  gelassen. 

Auch vorliegend kann diese Frage offen bleiben, ergibt sich doch im Lichte 

der  vorstehend  dargelegten  klaren  Sach-  und  Rechtslage,  dass  der  Ent-

scheid  der  Vorinstanz  auch  dann  aufzuheben  ist,  wenn  ihr  ein  erweiterter 

Beurteilungsspielraum  zuzubilligen  ist  (vgl.  zum  Ganzen  Marco  Donatsch, 

in: Kommentar VRG 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014 § 20 Rz. 54 ff.). 

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Seite 10 

 
 
10. 

Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es sich bei einer Hundebe-

treuungsstätte  in  diesem  Umfang  nicht  mehr  um  ein  nicht  störendes,  ein-

wandfrei in eine Wohnzone passendes Gewerbe handelt, weshalb der um-

strittenen Nutzungsänderung die Zonenkonformität abzusprechen ist. Unter 

diesen Umständen erübrigt sich eine umweltrechtliche Beurteilung der vom 

Betrieb ausgehenden Immissionen. 

Entsprechend  ist  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben  und  die  Vor-

instanz  aufzufordern,  der  privaten  Rekursgegnerschaft  eine  angemessene 

Frist zur Verlegung oder Aufhebung ihres Betriebes anzusetzen. 

[….] 

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