# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fa70a9fc-1d23-5620-aece-d02d5841461a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-05-24
**Language:** de
**Title:** Unfallversicherung hat Versicherungsdeckung zu Unrecht verneint; Anstellungsverhältnis zum Unfallzeitpunkt ist überwiegend wahrscheinlich.
**Docket/Reference:** UV.2022.00177
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00177.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00177
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Schüpbach
Urteil
vom
24. Mai 2023
in Sa
chen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1970, war seit 1. April 2021 bei der
Y.___
GmbH als Küchenhilfe angestellt und damit bei der
AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: Axa)
versichert
.
Mit Unfallmeldung UVG vom 17. August 2021 (Urk. 6/A1) teilte die
Y.___
GmbH der Axa mit, dass
sich
X.___
am 31. Juli 2021 bei einem Starkstromunfall Verletzungen zugezogen habe (vgl. auch Urk. 6/M1).
Mit Schreiben vom 27. Oktober 2021 (Urk. 6/A47)
widerrief
die
Y.___
GmbH die Unfallmeldung und führte aus, der Versicherte
sei
im Unfallzeitpunkt nicht mehr im Betrieb
angestellt gewesen.
Dazu wurde ein Kündigungsschreiben
des Versicherten
per 3. Juni 2021 eingereicht (Urk. 6/A46).
Im Abklärungs
ge
spräch
zwischen der Axa und dem Versicherten vom 22. November 2021 (Urk.
6/A61) führte der Versicherte aus, er habe die Kündigung zurückgezogen und die Arbeit wieder voll aufgenommen.
Im Abklärungsgespräch zwischen der Axa und dem
Geschäftsführer der Arbeitgeberin
des Versicherten
,
Z.___
,
vom 30. November 2021 (Urk. 6/A71)
führte
dieser
aus, der Versi
cherte habe auf Abruf gearbeitet, seit der Kündigung vom 2. Juni 2021 habe er aber nicht mehr gearbeitet.
Das Firmenauto habe der Versicherte jedoch weiter nutzen können. Es gebe keine Zeugen. Die Unfallmeldung habe der Buchhalter gemacht
, er sei zu diesem Zeitpunkt in der Rehaklinik gewesen.
Die Lohnangaben auf der Unfallmeldung seien eine Verwechslung mit einem anderen Mitarbeiter gewesen.
Die Löhne würden in bar ausbezahlt unter Übergabe der Lohnabrech
nung als Quittung.
Nach
getätigten Abklärungen
verneinte
die
Axa mit Verfügung vom 11. Januar 2022 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 6/A77).
Die vom
Ver
sicherten am
20. Januar 2022
erhobene Einsprache (Urk.
6/A79
) wies die
Axa
am
31. August 2022
ab (Urk.
6/A91
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
26. September 2022
Beschwerde (Urk. 1) gegen den
Einspracheentscheid
vom
31. August 2022
(Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
,
dieser sei aufzuheben und ihm seien Leistungen aus der obligatorischen Unfall
versicherung auszurichten.
Mit Beschwerdeantwort vom
18. Oktober 2022
(Urk.
5
) beantragte die
Axa
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am
19. Oktober 2022
zur Kenntnis gebracht (Urk.
7
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Nach Art. 1a Abs. 1 UVG sind die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen, obligatorisch nach den Bestimmungen des UVG versichert.
1.
2
Als Arbeitnehmer
nach Art. 1a Abs. 1 UVG
gilt nach
Art.
1 UVV, wer eine unselb
stständige Erwerbstätigkeit im Sinne der Bundesgesetzgebung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) ausübt.
Die Rechtsprechung hat im Sinne leitender Grundsätze als Arbeitnehmer gemäss UVG bezeichnet, wer um des Erwerbs oder der Ausbildung willen für einen Arbeitgeber, mehr oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig ist, ohne hie
r
bei ein eigenes wirtschaftliches Risiko tragen zu müssen (BGE 115 V 55 E. 2d S. 58 f.; ebenso SVR 2012 UV Nr. 9 S. 32, 8C_503/2011 E. 3.4). Im Regelfall besteht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein Arbeitsvertrag gemäss
Art.
319 ff.
des Bun
desgesetzes über das Obligationenrecht (
OR
)
oder ein öffentlich-rechtliches An
stellungsverhältnis. Sind solche Rechtsverhältnisse gege
ben, besteht kaum Zweifel,
dass es sich um einen Arbeitnehmer gemäss UVG han
delt. Das Vorhandensein eines Arbeitsvertrages wird jedoch für die Annahme der Versicherteneigenschaft gemäss
Art.
1a
Abs.
1 UVG nicht vorausgesetzt. Liegt weder ein Arbeitsvertrag
noch ein öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis vor, gilt es unter Würdi
gu
ng der wirtschaftlichen Umstände in ihrer Gesamtheit zu beurteilen, ob die Arbeit
nehmereigenschaft gegeben ist.
Entscheidend für die Bejahung der Arbeitneh
mereigenschaft nach
Art.
1a UVG ist, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungs
verhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vor
liegen (BGE 115 V 55 E.
2d S.
59; vgl.
auch Urteile 8C_500/2018 vom 1
8.
September 2019 E. 3 mit Hinweisen; 8C_183/2014 vom 2
2.
September 2014 E. 7.1). Für die Versicherungsunter
stellung ist grundsätzlich die Bejahung eines Lohnanspruchs relevant. Einer tat
sächlichen Lohnauszahlung bedarf es hingegen nicht (
Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 24. Januar 2020 E. 2.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(Urk. 2) damit,
es sei zweifellos von einer Aushilfsanstellung
(Anstellungsverhältnis auf Abruf)
ab 1. April 2021 auszugehen, für welche keine Nichtberufsunfalldeckung habe
erworben werden können. Daran ändere sich auch nichts, dass in der erwähnten Mai-Abrechnung ein NBU-Abzug vom Bruttolohn erhoben worden sei, zumal auch nicht belegt sei, dass die 10 vergüteten Stunden effektiv in einer Woche geleistet worden seien
(S. 3
f.
)
.
Der Beschwerdeführer könne keine rechtsgenüg
lichen Dokumente vorlegen, welche seine Ausführungen beweisen würden. Infol
gedessen sei aufgrund des Kündigungsschreibens vom 2. Juni 2021 davon aus
zugehen, dass nach dem 3. Juni 2021 z
w
ischen dem Beschwerdeführer und der
Y.___
GmbH kein Arbeitsverhältnis mehr bestanden habe.
Infolgedes
sen handle es sich beim Ereignis vom 31. Juli 2021 auch nicht um einen Berufs
unfall, für welchen sie aufzukommen habe
(S. 4)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), nach seiner Kündigung habe der Arbeitgeber ihm das geschuldete Geld bezahlt und ihn gebeten, seine Arbeit wieder aufzunehmen, was er – bis zum Unfall vom 31. Juli 2021 - auch getan habe.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Unfalls vom 31. Juli 2021 nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Arbeitnehmer der
Y.___
GmbH und damit bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen des fraglichen Unfalls versichert war.
3.
3.1
Gemäss Arbeitsvertrag vom 30. März 2021 (Urk. 6/A60)
wurde der Beschwerde
führer per 1. April 2021
bei der
Y.___
GmbH als Küchenhilfe zu einem Brutto-Stundenlohn von Fr. 21.
-- (
beziehungsweise
Netto-Stundenlohn
von
Fr.
19.08)
angestellt.
3.2
Mit E-Mail vom 27. Oktober 2021 (Urk. 6/A47)
teilte Herr
Z.___
der Beschwerdegegnerin mit, dass die Unfallmeldung für den Beschwerdeführer fälschlicherweise gemacht worden sei.
Der Beschwerdeführer sei zum Zeitpunkt des Unfalls nicht mehr im Betrieb angestellt gewesen. Er habe
die
Y.___
GmbH
beim Arzt als Arbeitgeber
in
angegeben. Der Buchhalter sei dann beauftragt worden, die Unfallmeldung zu machen. Er sei zu dieser Zeit in einem Kuraufenthalt gewesen und habe den Überblick nicht gehabt.
3.
3
Im
Ereignisprotokoll vom
21. September 2021 (Urk. 6/A83) gab der Beschwerde
führer an,
er sei von einer Lieferung zurückgekommen und habe im Keller gese
hen, dass eine Wasserlache am Boden sei. Er habe daraufhin seinen Vorgesetzten, Herr
n
Z.___
, darauf aufmerksam gemacht.
Dieser habe geantwortet, sie könnten sich später darum kümmern, da viele Lieferungen zu machen seien. Um zirka 2
Uhr habe Herr
Z.___
dann gesagt, jetzt könnten sie in den Keller gehen und schauen, woher das Wasser komme
(S. 3 Ziff. 1)
.
Als si
e
in den Keller gekommen seien, habe er den Ventilator verschieben wollen, um sehen zu kön
nen, woher das Wasser komme, dann sei der Unfall passiert. Er habe versucht, den Ventilator loszulassen, dies
sei
aber nicht gegangen.
Dann habe er sein Bewusstsein verloren. Sein Vorgesetzter habe ihm gesagt, er sei dann ins Ober
geschoss gerannt und habe einen anderen Mitarbeiter angewiesen, die Sicherung rauszunehmen. Er sei dann von seinem Vorgesetzten und dem anderen Mitarbei
ter ins Spital gefahren worden. Er erinnere sich, dass er im Auto nicht richtig habe atmen können (S. 3 Ziff. 2 und 3).
3.
4
Im Abklärungsprotokoll
vom 22. November 2021 (Urk. 6/A61)
gab der Beschwer
deführer an, sein Vorgesetzter Herr
Z.___
habe Probleme mit der Lüftung (Klima) gehabt. Am 17. März 2021 habe er mit ihm vereinbart, einen Schall
dämpfer zu bauen und die Lüftung in Ordnung zu bringen. Per 1. April 2021 habe er mit den Arbeiten begonnen. Er habe zuerst die Klimaanlage instand gestellt, dies habe nur zwei bis drei Tage gedauert
,
und sei dann als Pizzakurier angestellt gewesen. Er habe zu 250 % gearbeitet. Im Vertrag sei etwas anderes gestanden. Er habe durchschnittlich 370 Stunden pro Monat gearbeitet. Herr
Z.___
habe ihn nicht bezahlt, es sei zum Streit gekommen. Er habe ihm daraufhin gesagt, dass er kündige, wenn er nicht bezahlt werde. Er habe ihm die Kündigung per WhatsApp geschickt und mit Betreibung gedroht. Sein Vorgesetzter habe ihm daraufhin telefonisch zugesichert, alles zu bezahlen. Somit habe er die Arbeit wieder aufgenommen. Gleichentags habe er zirka Fr. 2'500.-- in bar erhalten. Er habe eine Quittung unterzeichnet, aber keine Kopie erhalten. Es seien aber nach wie vor einige Tausend Franken geschuldet geblieben. Es stimme nicht, dass das Arbeitsverhältnis per 3. Juni 2021 aufgelöst worden sei. Der Beschwerdeführer verweis
e
auf die Stundenlisten von Juni und Juli 2021. Er habe die Arbeit wieder voll aufgenommen.
Es sei nichts vereinbart gewesen zur Höhe des Lohnes, aber er habe immer Fr. 15.-- pro Stunde ausbezahlt erhalten.
Eine Lohnabrechnung habe er nie erhalten. Die Stunden seien jeden Tag durch
«
A.___
»
notiert worden. Er habe jeden Abend zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr die Stunden visieren müssen.
Er habe die Auszahlung jeweils Ende Monat erhalten.
Die Lohnzahlungen seien immer in bar erfolgt.
Er habe Quittungen unterzeichnet, aber nie eine Kopie erhalten.
3.
5
Im Abklärungsprotokoll vom 30. November 2021 (Urk. 6/A71) gab der Vorge
setzte des Beschwerdeführers,
Z.___
, an, er wisse nicht genau, wann der Beschwerdeführer bei ihm angefangen habe zu arbeiten, er denke ab zirka April 2021.
Der Beschwerdeführer sei als Pizzakurier eingestellt
und ledig
lich auf Abruf
eingesetzt worden
, je nach Arbeitsanfall, jedoch eher abends.
Er sei ihm über die Arbeitslosenkasse vermittelt worden.
Der Beschwerdeführer habe jeden Monat zirka 10 Stunden gearbeitet. Seit der Kündigung vom 2. Juni 2021 habe der Beschwerdeführer nicht mehr für ihn gearbeitet. Er habe aber das Fahr
zeug der Firma weiter nutzen dürfen. Das Arbeitsverhältnis sei nicht wieder auf
genommen worden. Der Beschwerdeführer sei nach Beendigung des Arbeitsver
hältnisses einmal zu ihm gekommen, und habe um Geld für einen Grabstein für seine verstorbene Mutter gebeten. Er habe ihm daraufhin einen Kredit gegeben. Den Betrag wisse er aktuell nicht. Der Beschwerdeführer habe bei ihm ungefähr einen Lohn von Fr. 22.—pro Stunde erhalten, genau könne er dies nicht sagen. Die Unfallmeldung sei vom Buchhalter gemacht worden. Er habe ihm gesagt, dass er dies so machen solle. Er sei in dieser Zeit in der Reha gewesen. Der Buchhalter habe den Lohn mit demjenigen eines anderen Mitarbeiters verwechselt. Er habe dies der Beschwerdegegnerin aber umgehend gemeldet. Es seien Lohnabrechnun
gen erstellt worden. Diese habe der Beschwerdeführer persönlich erhalten
und auch unterzeichnet
.
Die Stundenrapporte würden durch ihn erstellt und von den Mitarbeitern nicht unterzeichnet. Die Löhne würden in bar ausbezahlt. Als Beleg gelte die unterzeichnete Lohnabrechnung.
Er habe den Beschwerdeführer ange
rufen, da dieser ihm noch Geld geschuldet habe. Er habe von ihm das Geld zurückgefordert. Der Beschwerdeführer habe daraufhin zurückgeschrieben, dass er noch unbezahlte Stunden habe, welche er einfordere. Schliesslich sei er vom Beschwerdeführer betrieben worden.
Er sei vor Ort gewesen, als der Unfall
pas
siert sei. Der Unfall habe sich in der Küche im Erdgeschoss ereignet. Der Beschwerdeführer habe eine Steckdose
neben der Fritteuse angefasst, da ein Kol
lege ihm gesagt habe, dass diese nicht funktioniere. Da der Beschwerdeführer Ahnung vom Elektrischen habe
, habe er angeboten, diese Steckdose zu überprü
fen. Dann habe er einen Stromschlag erhalten.
Der Beschwerdeführer sei dann von einem anderen Mitarbeiter mit einem Kurierfahrzeug ins Spital
B.___
gebracht worden.
Der Beschwerdeführer habe sich nach der Arbeit öfters bei ihm im Geschäft aufgehalten, um ein Auto abzuholen oder ihn zu besuchen.
3.
6
Der Telefonnotiz vom 30. November 2021 mit
C.___
, Zeuge, ist zu ent
nehmen (Urk. 6/A67), dass dieser früher Nachbar des Beschwerdeführers gewesen und seither kollegial mit ihm befreundet sei. In der
Coronazeit
habe er für die
Y.___
GmbH etwas ausgeholfen, dies aber unter dem AHV-Lohn. Er sei jeweils bar entschädigt worden. Die Auszahlungen
habe
jeweils ein gewisser
A.___
gemacht.
Der Beschwerdeführer habe seit zirka Winter 2021 bis Ende Sommer 2021 bei
Y.___
GmbH gearbeitet. Die genauen Daten und auch das genaue Pensum könne er nicht angeben.
Der Beschwerdeführer sei aber häufig dort gewesen und habe
Kurierfahrten gemacht.
Am Unfalltag sei er im Laden gewesen, unmittelbar als der Unfall geschehen sei.
Er habe sich eine Pizza zum Abendessen geholt, so um zirka 21 Uhr. Er habe dann plötzlich Schreie im Keller gehört und habe mitbekommen, wie ein weiterer Mitarbeiter in den Keller gegangen sei. Die
ser Mitarbeiter und Herr
Z.___
seien kurze Zeit später mit dem Beschwerde
führer vom Keller hochgekommen. Der Beschwerdeführer sei halb bewusstlos gewesen. Der Chef sowie der andere Mitarbeiter seien dann mit dem Beschwer
deführer in einem Fahrzeug weggefahren.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer
kann
zwar nach dem Gesagten keine schriftlichen Beweise für den (Weiter-)Bestand des Arbeitsverhältnisses mit der
Y.___
GmbH zum Zeitpunkt des Unfalls
vorlegen
. Seine A
ngabe
n (vgl. vorstehend E. 3.3 und E. 3.4)
betreffend
seine Arbeit
sind
jedoch
detailliert und wirken lebensecht
.
So erscheinen seine
Aussagen
insgesamt
als
einiges
überzeugender als jene
seines Vorgesetzten. Diesbezüglich bleibt insbesondere
auch
zu beachten, dass
die Gerichte
praxisgemäss
im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten Aussagen der ersten Stunde ab
stellen
, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 8C_120/2022 vom 4. August 2022 E. 5.1.2).
Bei der vom
Arbeitgeber eingereichten Unfallmeldung (Urk. 6/A1)
sowie den Angaben des Beschwerdeführers
handelt es sich
ohne Zweifel
um
sol
che
Aussagen der ersten Stunde.
Zum späteren Widerruf der Unfallmeldung (vgl.
vorstehend E. 3.2) bleibt anzumerken, dass es nicht
nachvollziehbar
ist
,
weshalb
Z.___
als Geschäftsführer eines Kleinbetriebes den Buchhalter zunächst angewiesen hat, eine Unfallmeldung zu machen und diese später wider
rief. Schliesslich war er,
Z.___
, im Unfallzeit
punkt unbestrit
tenermassen im Geschäft anwesend und kannte damit den genauen Sachverhalt
(vgl. vorstehend E. 3.2
). In
einem Kleinbetrieb
w
ie der
Y.___
GmbH
muss auch davon ausgegangen werden, dass der Buchhalter den Überblick über die Anstellungsverhältnisse hatte
.
Zudem sind
vorliegend keine plausiblen Gründe ersichtlich,
weshalb sich der Beschwer
deführer zum Unfallzeitpunkt in der Küche der
Y.___
GmbH hätte aufhalten sollen oder nach
Auflö
sung des Arbeitsverhältnisses
das Firmen
fahrzeug hätte weiter nutzen dürfen
,
wenn er nicht weiter für die
Y.___
GmbH gearbeitet hätte
.
Dies ist insbesondere auch deshalb nicht nachvollziehbar,
da
Z.___
angibt, der Beschwerdeführer sei ihm über die Arbeitslosenkasse vermittelt wor
den und habe
zirka zehn Stunden pro Monat gearbeitet. Bei einer zweimonatigen Einsatzdauer à zehn Stunden pro Monat (1. April bis 2. Juni 2021) ohne vorbe
stehende Beziehung
ist eine persönliche Bindung zwischen Betrieb und ausgetre
tenem Arbeitnehmer, welche die Überlassung des Firmenfahrzeuges und die Besuche der Firmenräumlichkeiten
in der Freizeit
zu erklären vermöchte, gänzlich lebensfremd.
Es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb
Z.___
dem Beschwerdeführer nach seinem Austritt ein Darlehen für den Grabstein sei
ner Mutter gegeben haben soll.
Der Auszug aus einer WhatsApp-Unterhaltung zwischen dem Beschwerdeführer
und
seinem Vorgesetzten betreffend Lohnaus
stände
(auch für Juli 2021) ist ebenfalls als authentisch zu würdigen
(vgl. Urk. 6/A46)
.
Dass diese seitens des Beschwerdeführers eingereichte WhatsApp-Unter
haltung unverfälscht ist, wird dann auch seitens
Z.___
nicht in Frage gestellt (Urk. 6/A71 Frage 20).
4.2
Zusammenfassend lassen sich den zeitnah erfolgten Angaben und Aussagen,
wel
chen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Dar
stel
lungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versi
che
rungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis),
genügend
Hinweise auf ein am
31. Juli 2021
bestan
denes Arbeitsverhältnis
zwischen dem Beschwerdeführer und der
Y.___
GmbH
entnehmen.
B
ei darüber hinaus bestehenden Ungereimt
heiten
seitens der Aussagen des Vorgesetzten des Beschwerdeführers
,
Z.___
,
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
sowie unter Würdigung sämtlicher Umstände
ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer Arbeitnehmer der
Y.___
GmbH
und damit über diesen Betrieb obligatorisch bei der Beschwerdegegnerin
für den erlittenen
Arbeits
unfall
versichert
war
.
Allfällige offene Lohnforderungen
(vgl. Urk. 6/A46)
vermögen an diesem Be
weis
ergebnis
nichts zu ändern, zumal der Lohnanspruch und das Bestehen eines Arbeitsver
hältnisses, nicht jedoch der tatsächliche Lohnfluss massgeben sind
(vorstehend E.
1.2)
.
Die Beschwerdegegnerin hat die Versicherungsdeckung für den Unfall vom 31.
Juli 2021 und den Anspruch auf Versicherungsleistungen somit zu Unrecht ver
neint, weshalb
d
er angefochtene Entscheid
aufzuhe
ben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist
, damit
sie
- sofern erforderlich
–
weitere
Abklärungen
zur Prüfung der geschuldeten Leistungen
tätige und anschliessend über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheide.
5.
5.1
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG).
5.2
Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist,
besteht kein Anspruch auf die
Zusprechung einer Parteientschädigung
.
Für persönlichen Arbeitsaufwand und Umtriebe einer nicht durch einen
berufs
mässigen
Rechtsvertreter vertretenen Partei ist in der Regel keine Parteient
schä
digung zu gewähren. Besondere Ver
hältnisse, welche ausnahmsweise die Zuspre
chung einer Parteientschädigung rechtfertigen würden (vgl. BGE 129 V 113 E. 4 und 110 V 132 E. 4d), liegen nicht vor und werden auch nicht geltend gemacht.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird mit der Feststellung
gutgeheissen
, dass der Beschwerdeführer im Unfallzeitpunkt obligatorisch versichert war. Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
31
.
August
2022
wird aufgehoben und die Sache wird an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen,
damit diese im Sinne der Erwägung
en
verfahre.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
AXA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
ge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensSchüpbach