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**Case Identifier:** 972a3764-c4bb-51e1-b16e-72b2fdc92266
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-12
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 12.07.2023 200 2022 544
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-544_2023-07-12.pdf

## Full Text

200 22 544 IV
KNB/ZID/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 12. Juli 2023

Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiber Zimmermann

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern 
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 22. Juli 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Juli 2023, IV/22/544, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 2003 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) 
meldete sich im Januar 2022 unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen 
Trichterbrust (Ziff. 163 des Anhangs der Verordnung des Eidgenössischen 
Departements des Innern [EDI] vom 3. November 2021 über Geburtsge-
brechen [GgV-EDI; SR 831.232.211], in Kraft seit 1. Januar 2022; "Angebo-
rene Trichterbrust und kombinierte Thoraxwanddeformitäten, sofern eine 
Operation notwendig ist") bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung 
(IV) zum Bezug medizinischer Massnahmen an (Akten der IV, Antwortbei-
lage [AB] 1). Nach medizinischen Abklärungen (insbes. Bericht des Spitals 
C.________ vom 21. Februar 2020; AB 7/2) stellte die IV-Stelle Bern (IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin) dem Versicherten mit Vorbescheid vom 7. Fe-
bruar 2022 die Abweisung der Kostengutsprache für medizinische Mass-
nahmen in Aussicht, da der erforderliche Schweregrad nicht erfüllt und eine 
Operation nicht notwendig sei (AB 9). Auf Einwand des Versicherten 
(AB 10) und nachgereichte Arztberichte (AB 14) hin tätigte die IVB auf 
Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; AB 17) weitere me-
dizinische Abklärungen (AB 19). Gestützt auf die RAD-ärztlichen Stellung-
nahmen (AB 21 ff.) verneinte die IVB mit Verfügung vom 22. Juli 2022 
(AB 28) entsprechend dem Vorbescheid einen Leistungsanspruch des Ver-
sicherten.

B.

Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin 
B.________ mit Eingabe vom 14. September 2022 Beschwerde, welche er 
am 11. Oktober 2022 mit einer nachgereichten Begründung und am 
12. Januar 2023 mit nachgereichten Arztberichten ergänzte.

Mit Beschwerdeantwort vom 24. März 2023 schloss die Beschwerdegegne-
rin – verweisend auf Stellungnahmen des RAD vom 1. März 2023 (in den 
Gerichtsakten) – auf Abweisung der Beschwerde.

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 22. Juli 2022 (AB 28). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf medizi-
nische Massnahmen (Trichterbrustoperation).

1.3 Die Kosten der umstrittenen Trichterbrustoperation belaufen sich 
auf Fr. 12'000.-- bis 15'000.-- (vgl. https://blog.hirslanden.ch/2016/08/29/ 
trichterbrust-wenn-die-brust-ein-loch-hat/). Der Streitwert liegt daher unter 
Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterli-
che Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei voll-
endeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Die blosse Veranlagung zu 
einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 der Verordnung 
vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). 
Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist 
unerheblich (Art. 3 Abs. 3 IVV). Nach Art. 3bis Abs. 1 IVV erstellt das EDI 
die Liste nach Art. 14ter Abs. 1 lit. b IVG mit den Geburtsgebrechen, für die 
medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG gewährt werden. Das EDI 
kann nähere Vorschriften über die Liste erlassen (Art. 3bis Abs. 2 IVV). Die 
Geburtsgebrechen sind in der GgV-EDI aufgeführt.

2.2 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 
20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung 
von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Gemäss Art. 13 Abs. 2 IVG 
werden medizinische Massnahmen nach Abs. 1 gewährt für die Behand-
lung angeborener Missbildungen, genetischer Krankheiten sowie prä- und 
perinatal (zur Präzisierung dieser Begriffe, vgl. Art. 3 Abs. 1 IVV) aufgetre-
tener Leiden, die:

a. fachärztlich diagnostiziert sind;
b. die Gesundheit beeinträchtigen;
c. einen bestimmten Schweregrad aufweisen;
d. eine langdauernde oder komplexe Behandlung erfordern; und
e. mit medizinischen Massnahmen nach Art. 14 behandelbar sind.

Der Umfang der medizinischen Massnahmen und die Voraussetzungen für 
die Leistungsübernahme richten sich nach Art. 14 IVG. Gemäss Art. 14 
Abs. 2 IVG müssen die medizinischen Massnahmen wirksam, zweckmäs-
sig und wirtschaftlich sein. Die Wirksamkeit muss nach wissenschaftlichen 
Methoden nachgewiesen sein; im Fall von seltenen Krankheiten wird die 
Häufigkeit des Auftretens einer Krankheit berücksichtigt.

2.3 Gemäss Ziff. 163 Anhang GgV-EDI wird eine angeborene Trichter-
brust als Geburtsgebrechen anerkannt, sofern eine Operation notwendig ist 
(vgl. zur Operationsnotwendigkeit BGE 142 V 58 E. 3.1 ff. S. 61). Gemäss 
Rechtsprechung leuchtet mit Blick auf die Materialien gerade bei dem das 

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Skelett betreffenden Geburtsgebrechen der Trichterbrust ein, dass das 
Erfordernis der Operationsnotwendigkeit im Sinne einer qualifizierten 
Umschreibung eines besonderen Schweregrades des Geburtsgebrechens 
als leistungsbegründende Voraussetzung nicht aus 
geisteswissenschaftlich-psychologischer Fachrichtung, sondern aus 
naturwissenschaftlich-medizinischer Sicht eines für die betreffende 
Operation befähigten Spezialarztes zu beurteilen ist, zumal der 
gegebenenfalls notwendige invasive Eingriff nach bewährter Erkenntnis der 
medizinischen Wissenschaft angezeigt sein und den therapeutischen Erfolg 
in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben muss (BGE 142 V 58 E. 
3.2 S. 61; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; 
heute Bundesgericht {BGer}] vom 10. Februar 2003, I 693/02, E. 3.1.4).

2.4 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen 
Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte 
ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz besagt, dass die 
verfügende Instanz den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen, 
aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisan-
träge der Parteien, abklären und feststellen muss. Rechtserheblich sind alle 
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen An-
spruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Ver-
waltungsbehörden zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu 
veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich 
aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht 
(BGE 117 V 282 E. 4a S. 283). Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen 
nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten 
der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158; SVR 
2020 KV Nr. 23 S. 111 E. 8.3.2).

3.

3.1 In medizinischer Hinsicht lassen sich den Akten im Wesentlichen 
die folgenden Angaben entnehmen:

3.1.1 Im Bericht vom 21. Februar 2020 führte Dr. med. D.________, 
Facharzt für Kinderchirurgie, Spital C.________, aus, infolge guten Trai-

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nings mit der Saugglocke betrage die Tiefe der Trichterbrust nur noch etwa 
1.5 cm. Eine Operation wünsche der Beschwerdeführer weiterhin nicht; 
sollte sich dies später ändern, müsste er sich in der Thorax-Chirurgie des 
Spitals C.________ vorstellen (AB 7/2).

3.1.2 Im MRI des Thorax vom 15. Februar 2022 wurde eine ausgeprägte 
Trichterbrust mit einem Haller-Index von 8 sowie eine Pelottierung und Ver-
lagerung des Herzens nach links befundet (AB 14/22).

3.1.3 Die Spiroergometrie vom 16. Februar 2022 zeigte keine Obstrukti-
on, aber leicht verminderte dynamische Volumina (FEV1 und FVC von je 
75 % Soll). Im Belastungstest, welcher wegen Muskelschwäche abgebro-
chen wurde, resultierte eine maximale Sauerstoffaufnahme VO2max von 
42.4 ml/min/kg, entsprechend 79 % des theoretischen Sollwerts. Dies ent-
spreche beim 18-jährigen Beschwerdeführer einer leicht eingeschränkten 
körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Leistungslimitierung sei bei erreichter 
Herzfrequenzreserve (94 % Soll) kardiozirkulatorisch bedingt. Daneben 
bestehe eine Dekonditionierung bei vorzeitigem Erreichen der anaeroben 
Schwelle (AB 14/20 f.).

3.1.4 Prof. em. Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin sowie für Kardiologie, diagnostizierte im Bericht vom 30. März 
2022 eine (1.) Trichterbrust mit/bei Haller-Index von 8.0 (Norm unter 2.5), 
eingeschränkter Vitalkapazität der Lungenfunktion (< 75 %), eingeschränk-
ter körperlicher Leistungsfähigkeit sowie Zunahme der Deformität im Rah-
men der pubertären zweiten Streckung und (2.) eine erhebliche psychoso-
ziale Einschränkung mit/bei zufolge Veränderungen wegen Diagnose 1, 
psychometrisch mit signifikantem sozialem Rückzug sowie anaklitischen 
depressiven Elementen bei "Besetzungsabzug" des eigenen Körpers 
(AB 14/3). Die anamnestischen Angaben (Scham, den Oberkörper nackt zu 
zeigen, und deshalb im Sommer oft Rückzug von sozialen Aktivitäten; zu-
dem leistungsmässige Einschränkungen, besonders im Ausdauersport und 
auch beim Krafttraining), untermauert durch die psychometrischen Tests, 
zeigten, dass die Situation mit der Trichterbrust, zusammen mit der sichtba-
ren körperlichen Auffälligkeit, eine klare Operationsindikation darstellten. Es 
handle sich bei diesem operativen Eingriff somit keineswegs um eine kos-
metische Angelegenheit, was auch durch die verminderte körperliche Leis-

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tungsfähigkeit und den über der Norm liegenden Haller-Index belegt sei. Er 
empfehle deshalb, die Sanierung der Trichterbrust umgehend in Angriff zu 
nehmen, nicht zuletzt auch deshalb, dass die Last an psychischer Beein-
trächtigung möglichst rasch vermindert werden könne (AB 14/5 f.).

3.1.5 Im Kostengutsprachegesuch des Spitals C.________ vom 5. April 
2022 hielt PD Dr. med. M.________, Facharzt für Chirurgie sowie für Tho-
raxchirurgie, fest, es seien fünf der sechs Kriterien (Haller-Index von 8 
[ausserdem eindeutig eine Pelottierung und Verlagerung des Herzens nach 
links]; Lungenfunktion VO2max: 42.4 ml/min/kg; belastungsabhängige 
Symptomatik [verminderte körperliche Leistungsfähigkeit mit Atemnot und 
Thoraxschmerzen]; psychosoziale Belastung [Vermeidungsverhalten von 
öffentlichen Badeanstalten, Gemeinschaftsduschen etc.]; Zunahme der 
Deformität mit dem Alter [deutliche Progredienz im Rahmen des pubertären 
Wachstumsschubes]; in Bezug auf die Herzkompression erfolgte lediglich 
ein Verweis auf das zum ersten Kriterium Ausgeführte]) zur operativen 
Trichterbrustkorrektur erfüllt (AB 14/1).

3.1.6 Der RAD-Arzt Dr. med. F.________, Facharzt für Kinder- und Ju-
gendmedizin, bejahte im Bericht vom 10. Mai 2022 einen Haller-Index über 
3.25, wies auf die Verlagerung des Herzens nach links hin, verneinte so-
wohl einen Mitralklappenprolaps als auch eine kardial bedingte Arrhythmie 
(normaler Sinusrhythmus; vgl. AB 14/20 ff.) und wies darauf hin, dass sich 
eine (durch die Thoraxdeformität bedingte) restriktive Lungenerkrankung 
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht feststellen lasse. Soweit in die-
sem Zusammenhang auf die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) 
hingewiesen worden sei (vgl. E. 3.1.5 hiervor), sei anzumerken, dass es 
sich dabei um die maximale Sauerstoffaufnahme während einer maximalen 
Belastung handle. Angaben zum Residualvolumen und zur Gesamtlungen-
kapazität (TLC) fänden sich nicht (AB 17/7).

3.1.7 Auf Empfehlung des RAD (vgl. AB 17/7) unterbreitete die Be-
schwerdegegnerin dem behandelnden Arzt des Spitals C.________ Fragen 
zur Beantwortung. Dieser führte aus, ein kausaler Zusammenhang zwi-
schen restriktiver Lungenfunktionseinschränkung und Veränderung der 
Thoraxform sei schwer zu erbringen. Das Gegenteil sei aber auch nicht zu 
beweisen. Die Spirometrie (vgl. AB 14/20 f.) weise keine Obstruktion, aber 

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verminderte Volumina (FEV1 und FVC von je 75 % Soll) auf; als Ursache 
für die entsprechenden Werte eines so jungen und ansonsten gesunden 
Patienten käme "NUR" die Trichterbrust (Haller-Index 8) in Frage. Die er-
hobenen Befunde liessen "keinen anderen" kausalen Zusammenhang (ein-
geschränkte Leistungsfähigkeit und ausgeprägte Trichterbrust) zu. Der Be-
schwerdeführer sei nicht schwergewichtig und weise ausser der Kompres-
sion des Herzens durch die Trichterbrust keine andere kardiale oder pul-
monale Erkrankung auf. Die Herzechographie habe eine Organanomalie 
ausgeschlossen (AB 19/1).

3.1.8 In der orthopädischen Beurteilung vom 14. Juni 2022 kam der RAD-
Arzt Dr. med. G.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates, zum Schluss, es liege insgesamt 
ein mässiger Befund einer Trichterbrust vor. Es könne zwar eine OP-Indi-
kation, nicht aber eine entsprechende Notwendigkeit gestellt werden. Die 
bestehende Trichterbrust habe nicht den Schweregrad, um als Geburtsge-
brechen Ziff. 163 anerkannt zu werden (AB 21).

3.1.9 Im RAD-Bericht vom 23. Juni 2022 stimmte Dr. med. H.________, 
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, der Auffassung, wonach die Leis-
tungsbegrenzung kardiozirkulatorisch bedingt sei (und somit möglicherwei-
se ursächlich mechanisch mit der Trichterbrust im Zusammenhang stehen 
könnte; vgl. AB 14/21), nicht zu. Seiner Meinung nach sei eine reduzierte 
Herzfrequenzreserve alleine nicht ausreichend, um eine pathologische 
Kardiozirkulation zu begründen, da der Sauerstoffpuls hier im Verlauf keine 
Plateaubildung zeige und dieser Parameter als Mass der kardialen Pump-
funktion aussagekräftiger eingeschätzt werden müsse als nur die maximale 
Herzfrequenz. Bei guter "Ausbelastung" und relativ niedrig gelegener anae-
rober Schwelle scheine die Begrenzung überwiegend muskulär bedingt zu 
sein (Dekonditionierung), dies aufgrund mangelnder Ausdauerbelastbarkeit 
bzw. mangelndem Training im aeroben Bereich. Ausserdem sei darauf hin-
zuweisen, dass der "Goldstandard" im Hinblick auf eine relevante restriktive 
Ventilationseinschränkung die TLC (totale Lungenkapazität) in der Bodyple-
thysmografie sei (AB 23/3).

3.1.10 Nach Meinung des RAD-Arztes Dr. med. F.________ im Bericht 
vom 7. Juli 2022 liefere das Spital C.________ keinen Nachweis einer gra-

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vierenden (restriktiven) Lungenfunktionseinschränkung. Vielmehr sei im 
Bericht der Spiroergometrie vom 16. Februar 2022 (vgl. AB 14/20 f.) be-
schrieben, dass die Befunde einer leicht eingeschränkten körperlichen 
Leistungsfähigkeit entsprächen (daneben Dekonditionierung bei vorzeiti-
gem Erreichen der anaeroben Schwelle, zudem "Abbruch wegen Muskel-
schwäche"). Dass diese Befunde keinen anderen kausalen Zusammen-
hang als die Trichterbrust zuliessen (vgl. AB 19/1), werde vom Spital 
C.________ weder weiter ausgeführt noch begründet. Es fänden sich in 
der "Zusammenschau" der eingereichten Unterlagen weder Nachweise für 
das Vorliegen einer eindeutig kardio-respiratorischen Beeinträchtigung 
noch Befunde, die einen besonderen Schweregrad aufzeigten (AB 25/3).

3.1.11 Die RAD-Ärztin Dr. med. I.________, Fachärztin für Kinder- und 
Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, führte im Bericht vom 13. Juli 2022 
aus, dass sich in keinem Arztbericht eine medizinisch begründete, nach-
vollziehbare psychiatrische Diagnose mit drohender Invalidität finde. Es 
finde auch keine psychotherapeutische Behandlung statt. Dass eine ver-
mehrte Auseinandersetzung mit dem Aussehen im Jugendalter vor allem 
bei körperlichen Besonderheiten eine Anpassungsleistung erfordere, sei 
verständlich; schwere funktionelle Einschränkungen würden aber nicht be-
schrieben (AB 27/2).

3.1.12 Auf Fragen der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers berichte-
ten Prof. Dr. med. J.________ und PD Dr. med. K.________, Fachärztin-
nen für Allgemeine Innere Medizin sowie für Pneumologie, Spital 
C.________, am 24. Oktober 2022, beim Beschwerdeführer seien der 
Schweregrad der Thoraxdeformität (gemäss Akten Haller-Index von 8) so-
wie die dokumentierte Einschränkung der kardiopulmonalen Leistungs-
fähigkeit (VO2 peak 79 % Soll) formal als medizinische Indikationskriterien 
gegeben. Letzterer Wert sei in jedem Fall unter der Norm. Physiologisch 
betrage die Atemreserve unter maximaler Belastung 30 - 40 %, beim Be-
schwerdeführer sei diese mit 30 % genau an der unteren Limite, was auf 
eine ventilatorische Ursache der Leistungseinschränkung hindeute, zumal 
ihrer Ansicht nach keine eindeutigen Zeichen einer kardiozirkulatorischen 
Limitation vorlägen. Die anaerobe ventilatorische Schwelle liege physiolo-
gisch zwischen 40 - 60 % des VO2 peak Sollwertes; mit 48 % vom Soll sei 

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diese beim Beschwerdeführer im Normbereich. Werte unter 40 % VO2 
peak Soll sprächen für eine Dekonditionierung, falls keine Zeichen einer 
kardiopulmonalen Limitation gefunden würden. Eine respiratorische Limitie-
rung sei aufgrund der grenzwertigen Atemreserven möglich. Eine restriktive 
Ventilationsstörung könne (gegebenenfalls) mit der Bodyplethysmografie 
bewiesen werden, welche noch nachgeholt werden könnte. Beim Be-
schwerdeführer bestünden bereits verminderte dynamische Lungenvolumi-
na in der Spirometrie (FEV1 und FVC von je 75 % Soll) ohne Zeichen einer 
Obstruktion, was auf eine Restriktion hindeute. Aufgrund der vorliegenden 
Unterlagen scheine es plausibel, dass die Trichterbrust die Ursache der 
Leistungslimitation des Beschwerdeführers sei. Eine schwere Trichter-
brustdeformität führe typischerweise zu einer kardiopulmonalen Einschrän-
kung, welche die Leistungsintoleranz gut erklären könnte. Generell könne 
eine Trichterbrustdeformität mit kardiopulmonalen Einschränkungen der 
Leistungsfähigkeit ein effizientes Ausdauertraining und den Muskelaufbau 
erschweren. Bei Betroffenen mit einer ventilatorischen Limitation könne 
aufgrund der Atemnot die nötige muskuläre Last, welche ein Training effizi-
ent mache, z.T. nicht bewältigt werden. Gerade wenn eine fachkundige 
Anleitung fehle, könne dies eine Leistungsintoleranz weiter aggravieren 
und zu einer sekundären Dekonditionierung führen (Akten des Beschwer-
deführers, Beschwerdebeilage [BB] 4).

3.1.13 Der Beschwerdeführer konsultierte am 12. Oktober und 15. Novem-
ber 2022 Dr. med. L.________, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
und -psychotherapie. Im fachärztlichen Zeugnis vom 15. November 2022 
führte dieser aus, eine solch schwere Körperdeformität wie eine Trichter-
brust habe immer "allerschwerste Auswirkungen" auf die psychische Ent-
wicklung eines jungen Mannes. Dies zu ignorieren erweise sich als äus-
serst schädlich. Daneben sei der Beschwerdeführer psychisch robust und 
bewältige seinen Lebensweg trotz dieser Behinderung erstaunlich gut 
(BB 5).

3.1.14 Nach Meinung der RAD-Ärzte Dres. med. G.________ und 
H.________ würden die im vorliegenden Verfahren eingereichten Berichte 
(vgl. E. 3.1.9 hiervor) keine andere Beurteilung bezüglich der Operation der 
Trichterbrust ergeben. Es müsse davon ausgegangen werden, dass ein 

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nicht genau abgrenzbarer Übergangsbereich ohne Hinweis auf eine ein-
deutige Pathologie, vor allem beim VO2 peak, vorliege. Ähnlich verhalte es 
sich mit der Atemreserve, welche an der unteren Grenze liege und somit 
auf eine ventilatorische Ursache hinweisen könnte, aber nicht müsse. Die 
anaerobe Schwelle liege im Normbereich. Dass eine respiratorische Limi-
tierung aufgrund der grenzwertigen Atemreserve möglich sei, weise wie-
derum darauf hin, dass man hier noch im Übergangsbereich liege. Die 
Trichterbrust werde als Möglichkeit der Leistungslimitation dargestellt, doch 
bestehe diesbezüglich keine Sicherheit. Zusammengefasst ergebe sich aus 
Sicht des RAD somit keine sicher pathologisch-funktionelle Einschränkung 
der kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Trichterbrust. Die 
Trichterbrust habe beim Beschwerdeführer keine Auswirkung auf die kardi-
ale Funktion, dies aufgrund einer fehlenden Plateaubildung des Sauerstoff-
pulses in der Spiroergometrie. Weiterer Abklärungen bedürfe es nicht 
(RAD-Stellungnahmen vom 1. März 2023; in den Gerichtsakten).

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.2.1 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 

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dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

3.2.2 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt 
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 
Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354; SVR 2022 UV 
Nr. 3 S. 8 E. 3.2). Beratende Ärzte eines Versicherungsträgers sind, was 
den Beweiswert ihrer ärztlichen Beurteilung angeht, versicherungsinternen 
Ärzten gleichzusetzen (SVR 2021 UV Nr. 34 S. 155 E. 2.3). Trotz dieser 
grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinter-
ner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft 
zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Ver-
sicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. 
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens ent-
schieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen 
zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 
ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Insbesondere sind die von der 
versicherten Person aufgelegten Berichte der behandelnden Ärztinnen und 
Ärzte mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen der 
versicherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollziehbaren Be-
richt eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pau-
schale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 
E. 3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr wird das 
Gericht vorab die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen ha-
ben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung ver-
anlasst, oder ein Gerichtsgutachten anordnen (vgl. BGE 142 V 58 E. 5.1 
S. 65, 139 V 225 E. 5.2 S. 229, 135 V 465 E. 4.4 - 4.6 S. 469; SVR 2021 
UV Nr. 34 S. 155 E. 2.3).

3.2.3 Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein 
lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztli-
che Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts 
geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in 
den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Juli 2023, IV/22/544, Seite 13

und Stellungnahmen Regionaler Ärztlicher Dienste (SVR 2020 IV Nr. 38 
S. 134 E. 4.3).

3.3 Beim Beschwerdeführer besteht unbestrittenermassen eine Trich-
terbrust mit einem Haller-Index von 8. Ob darüber hinaus eine Tangierung 
der Lungenfunktion und des Herzens aufgrund der Deformation durch die 
Trichterbrust im Fokus steht, wird von den Behandlern und den RAD-
Ärzten unterschiedlich eingeschätzt.

3.3.1 Ausgangspunkt bilden die gemessenen Werte anlässlich der Spiro-
ergometrie vom 16. Februar 2022 mit leicht verminderten dynamischen 
Volumina (FEV1 und FVC von je 75 % Soll) und einer maximalen Sauer-
stoffaufnahme VO2max von 42.4 ml/min/kg bzw. 79 % des theoretischen 
Sollwerts (AB 14/20). Die dabei gezogene Schlussfolgerung, wonach die 
Leistungslimitierung kardiozirkulatorisch bedingt sei (AB 14/21), wurde in 
der Folge sowohl behandler- (BB 4/2) als auch RAD-seitig (AB 23/3) ver-
neint.

3.3.2 Die behandelnden Ärzte gehen unter Hinweis auf die eingeschränk-
te Vitalkapazität der Lungenfunktion übereinstimmend davon aus, dass 
– nebst der Verlagerung des Herzens aufgrund der Trichterbrust – relevan-
te Befunde bestehen (AB 14/3, 14/1, 19/1; BB 4/1 f.), dies insbesondere 
mangels anderer kardialer oder pulmonaler Erkrankungen (AB 19/1; 
BB 4/2). Dabei handelt es sich unter anderem um fachärztlich kardiologi-
sche (Prof. em. Dr. med. E.________) und pneumologische Einschätzun-
gen (Prof. Dr. med. J.________ und PD Dr. med. K.________).

3.3.3 Andererseits vertreten die RAD-Ärzte die Auffassung, dass keine 
massgebliche Herzkompression und Einschränkung der Lungenfunktion 
vorliegen. So folgerte Dr. med. F.________ in den Berichten vom 10. Mai 
und 7. Juli 2022, eine (durch die Thoraxdeformität bedingte) restriktive 
Lungenerkrankung lasse sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht 
feststellen (AB 17/7, 25/3) und die Begrenzung scheine überwiegend wahr-
scheinlich muskulär bedingt zu sein (Dekonditionierung; AB 25/4). Er relati-
vierte den Wert der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max von 79 %), 
wies auf die Vitalkapazität (VC) von 75 % hin und fügte an, Angaben zum 
Residualvolumen und zur Gesamtlungenkapazität (TLC) fänden sich nicht 

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(AB 17/7). Ebenso wies Dr. med. H.________ darauf hin, dass im Hinblick 
auf eine relevante restriktive Ventilationseinschränkung die TLC (totale 
Lungenkapazität) in der Bodyplethysmografie der Goldstandard sei 
(AB 23/3). Schliesslich bestätigten auch Prof. Dr. med. J.________ und PD 
Dr. med. K.________, dass eine restriktive Ventilationsstörung mit einer 
(nachzuholenden) Bodyplethysmografie bewiesen werden könne (BB 4/2).

3.3.4 Im Lichte des von der Beschwerdegegnerin zu befolgenden Unter-
suchungsgrundsatzes (vgl. E. 2.4 hiervor) geht es nicht an, dass der RAD 
trotz der seines Erachtens unvollständigen Untersuchungswerte (Residual-
volumen und TLC) und in Kenntnis der von den behandelnden Ärzten er-
wähnten restriktiven Ventilationseinschränkung auf eine Bodyplethysmo-
grafie verzichtet hat. Der medizinische Sachverhalt erweist sich insoweit als 
nicht vollständig abgeklärt.

3.3.5 Eben Ausgeführtes gilt nicht nur in Bezug auf die nachzuholende 
Bodyplethysmografie, sondern ganz allgemein. Es mag durchaus zutreffen, 
dass der Beweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen der Verände-
rung der Thoraxform und der restriktiven Lungenfunktionseinschränkung 
(bzw. das Gegenteil) nur schwer zu erbringen ist (vgl. AB 19/1). Generell 
betrachtet kann insbesondere die vom Beschwerdeführer gezeigte Begren-
zung durchaus (überwiegend) muskulär bedingt sein (Dekonditionierung; 
vgl. AB 25/4), genauso gut kann aber auch eine Trichterbrustdeformität mit 
kardiopulmonalen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit (wie auch eine 
ventilatorische Limitation) ein effizientes Ausdauertraining und den Muske-
laufbau erschweren und so zu einer sekundären Dekonditionierung führen 
(vgl. BB 4/3), mithin die Dekonditionierung gerade wegen der Trichterbrust 
bestehen. Hierbei handelt es sich um blosse Annahmen bzw. allgemein 
gehaltene medizinische Erkenntnisse ("Bei guter Ausbelastung und relativ 
niedrig gelegener anaerober Schwelle […] scheint die Begrenzung über-
wiegend muskulär bedingt zu sein [Dekonditionierung]" [AB 23/3], "Somit 
muss auch davon ausgegangen werden, dass ein nicht genau abgrenzba-
rer Übergangsbereich ohne Hinweis auf eine eindeutige Pathologie, vor 
allem beim VO2 peak, vorliegt. Ähnlich verhält es sich mit der Atemreserve, 
welche an der unteren Grenze liegt und somit auf eine ventilatorische Ur-
sache hinweisen könnte aber nicht muss." [Stellungnahme des RAD-Arztes 

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Dr. med. H.________ vom 1. März 2023; in den Gerichtsakten]), zumal der 
Beschwerdeführer – soweit erkennbar – weder von den RAD-Ärzten noch 
von den Pneumologen des Spitals C.________ (vgl. BB 4/2) je untersucht 
worden ist. In Ermangelung entsprechender (insbes. kardialer und pulmo-
naler [vgl. bereits E. 3.3.4 hiervor]) Untersuchungsergebnisse und -befunde 
liegt somit noch kein feststehender medizinischer Sachverhalt vor (vgl. E. 
3.2.3 hiervor), weshalb sich die Widersprüche zwischen den verschiedenen 
medizinischen Meinungen nicht auflösen lassen. Nachdem keiner der in-
volvierten RAD-Ärzte auf pulmonale und kardiale Abklärungen spezialisiert 
ist und es, wie erwähnt, nicht um die Beurteilung eines feststehenden me-
dizinischen Sachverhalts geht, bleibt somit insbesondere unklar, ob eine 
Kompression des Herzens durch die Trichterbrust besteht und dies in Zu-
sammenschau mit der Einschränkung der kardiopulmonalen Leistungs-
fähigkeit (offenbar unterhalb bzw. an der Schwelle des Sollwertes) eine 
Indikation zur Operation beim Beschwerdeführer begründet. Insoweit be-
stehen nicht nur divergierende Einschätzungen, sondern aufgrund dessen 
auch Zweifel an den Beurteilungen des RAD (vgl. Entscheid des BGer vom 
3. Oktober 2022, 9C_526/2021, E. 4.2). Nota bene hat der gleiche RAD-
Arzt im vorerwähnten Verfahren, das vor Bundesgericht mit einer Rückwei-
sung zu weiteren Abklärungen endete (vgl. BGer 9C_526/2021), festgehal-
ten, "eine Operation sei nicht notwendig", wogegen er im vorliegenden Ver-
fahren immerhin eine Operationsindikation stellte, wenn auch seiner – nicht 
spezialärztlichen – Meinung nach ohne IV-relevanten Schweregrad (AB 
21).

3.4 Nach dem Dargelegten erweist sich der medizinische Sachverhalt 
als nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Zur Abklärung des massgebenden me-
dizinischen Sachverhalts und der Frage, ob eine somatische Operationsin-
dikation zur Behandlung der Trichterbrust vorliegt, sind daher ergänzende 
gutachterliche Abklärungen erforderlich. In diesem Rahmen wird auch zu 
beurteilen sein, inwieweit die vom Beschwerdeführer bzw. von Prof. em. Dr. 
med. E.________ vorgebrachten psychosozialen Beeinträchtigungen, die 
kaum (allein) die Notwendigkeit einer Operation im Sinne von Ziff. 163 
GgV-EDI zu begründen vermögen (EVG I 693/02, E. 3.3), zu 
berücksichtigen sind. Hierzu ist die Sache in Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nach Vornahme 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Juli 2023, IV/22/544, Seite 16

der Abklärungen im Sinne der Erwägungen hat die Beschwerdegegnerin 
über den Leistungsanspruch neu zu verfügen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 500.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der vom Beschwerdeführer 
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist diesem nach Eintritt der 
Rechtskraft des Urteils zurückzuerstatten.

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert 
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Pro-
zesses bemessen (vgl. Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Nach 
der Rechtsprechung gilt es unter dem Gesichtspunkt des (bundesrechtli-
chen) Anspruchs auf eine Parteientschädigung im Streit um eine Sozialver-
sicherungsleistung bereits als Obsiegen, wenn die versicherte Person ihre 
Rechtsstellung im Vergleich zu derjenigen nach Abschluss des Administra-
tivverfahrens insoweit verbessert, als sie die Aufhebung einer ablehnenden 
Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu ergän-
zender Abklärung und neuer Beurteilung erreicht (BGE 137 V 57 E. 2.1 
S. 61). Dies gilt unabhängig davon, ob die Rückweisung beantragt oder ob 
das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt 
wird (SVR 2020 KV Nr. 23 S. 112 E. 11.1).

Mit Kostennote vom 14. April 2023 macht Rechtsanwältin B.________ ein 
Honorar von Fr. 4'590.-- (15.3 Stunden à Fr. 300.--) zuzüglich Auslagen 
von Fr. 105.30 und Mehrwertsteuer von 7.7 % von Fr. 361.50, total 
Fr. 5'056.80, geltend. Mit Blick auf die gesamten Umstände, namentlich das 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Juli 2023, IV/22/544, Seite 17

nicht umfangreiche und somit überschaubare IV-Dossier ohne komplexe 
Fragestellung und die nicht von der Beschwerdegegnerin zu verantworten-
de späte Bevollmächtigung mit der Folge einer ausführlichen Replik bzw. 
Beschwerdeergänzung (samt teilweisen Wiederholungen) in Kenntnis der 
IV-Akten, sowie im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen erscheint der 
geltend gemachte Aufwand überhöht. Angemessen erscheint vorliegend 
ein Aufwand von maximal 12 Stunden und folglich eine Parteientschädi-
gung von (ermessenweise) pauschal Fr. 4'000.-- (inkl. Auslagen und 
MWST); diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdefüh-
rer zu ersetzen.

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 22. Juli 2022 aufgehoben und die Sache an die Be-
schwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der 
Abklärungen im Sinne der Erwägungen – über den Anspruch des Be-
schwerdeführers auf medizinische Massnahmen (Trichterbrustoperati-
on) neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 800.-- wird diesem nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 4'000.-- (inkl. Auslagen und MWST), zu er-
setzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Juli 2023, IV/22/544, Seite 18

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin lic. iur. B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.