# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 445d97c3-f260-589b-a913-44a8d6c5b23c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.03.2010 D-313/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-313-2010_2010-03-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-313/2010
sch/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Hans Schürch (Vorsitz),
Richter François Badoud, Richter Martin Zoller, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.__________, geboren (...),
Sri Lanka,
c/o schweizerische Botschaft in Colombo,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 13. November 2009 /
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-313/2010

Sachverhalt:

A.
A.a Der  Beschwerdeführer,  srilankischer  Staatsangehöriger  tamili-
scher  Ethnie,  wohnhaft  in  B.___________,  ersuchte  die 
schweizerische Botschaft in Colombo mit englischsprachiger Eingabe 
vom 19. Februar  2009 (Eingang: 2. März  2009)  um Gewährung von 
Asyl respektive Bewilligung der Einreise in die Schweiz. 

A.b Mit Schreiben vom 11. März 2009 bestätigte die schweizerische 
Botschaft in Colombo den Eingang des Asylgesuchs. Der Beschwerde-
führer  wurde  gleichzeitig  aufgefordert,  seine  Vorbringen  detailliert 
schriftlich  festzuhalten  und  entsprechende   Beweismittel  bis  zum 
26. April 2009 in die englische Sprache übersetzt einzureichen, sollte 
er an seinem Asylgesuch festhalten.

A.c Am  16.  April  2009  übermittelte  der  Beschwerdeführer  der 
schweizerischen Botschaft  mehrere Beweismittel  und ergänzte seine 
bereits gemachten Angaben.

A.d Die  schweizerische  Botschaft  in  Colombo  befragte  den  Be-
schwerdeführer  am  13.  August  2009  zu  seinen  Asylgründen.  Er 
machte im Wesentlichen geltend, er arbeite seit März 2009 wiederum 
als  Primarlehrer. Seit  September  2008  habe  er  an  einer  Universität 
einen Kurs über Menschenrechte besucht. Am 1. November 2008 sei 
er  von  der  Polizei  anlässlich  einer  Routinekontrolle  in  der  Jugend-
herberge von C.___________ festgenommen worden. Man habe ihn 
90 Tage lang festgehalten; während der  Haft  sei  er  geschlagen und 
bedroht  worden.  Als  er  am  30. Januar  2009  auf  Anweisung  des 
"Magistrate's Court" in C.___________ freigelassen worden sei, habe 
die  Polizei  gesagt,  man  werde  ein  Auge  auf  ihn  werfen.  Er  habe 
persönlich  keine  Beziehungen  zu  den  "Liberation  Tigers  of  Tamil 
Eelam"  (LTTE).  Einer  seiner  Brüder  sei  von  den  LTTE  zwar 
zwangsrekrutiert  worden,  aber nach einem Monat sei  ihm die Flucht 
gelungen.  Nach  seiner  Freilassung  sei  er  mehrfach  telefonisch 
erpresst  worden.  Er  habe  um  Versetzung  an  eine  andere  Schule 
gebeten  und  seinem  Antrag  sei  entsprochen  worden.  Er  sei  aber 
weiterhin  telefonisch  erpresst  worden.  Seine  Schüler  hätten  ihm 
gesagt, dass sich Leute, die mit einem weissen Van unterwegs seien, 
nach  ihm  erkundigt  hätten.  Zudem  hätten  im  Februar  2009  drei 
Mitglieder  der  "People's  Liberation  Organisation  of  Tamil  Eelam" 

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(PLOTE) von ihm verlangt, dass er ihnen einen Teil seines Hauses zur 
Verfügung  stelle.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Be-
schwerdeführer mehrere Beweismittel ein.

A.e Am 13. August 2009 übermittelte die schweizerische Botschaft in 
Colombo  die  Akten  des  Asylgesuchs  zusammen  mit  einem  Begleit-
schreiben an das BFM (Eingang: 25. August 2009).

A.f Der Beschwerdeführer übermittelte der schweizerischen Botschaft 
in  Colombo weitere  Beweismittel  (Eingang: 25. August  2009). Diese 
wurden am 31. August 2009 an das BFM weitergeleitet.

B.
Mit Verfügung vom 13. November 2009 verweigerte das BFM die Ein-
reisebewilligung in die Schweiz und wies das Asylgesuch ab.

C.
Die  schweizerische  Botschaft  in  Colombo  stellte  dem  Beschwerde-
führer diese Verfügung am 25. November 2009 zu.

D.
Der  Beschwerdeführer  wandte  sich  am  21.  Dezember  2009  an  die 
schweizerische Botschaft in Colombo und übermittelte dieser mehrere 
Beweismittel.

E.
Am 7. Januar 2010 leitete die schweizerische Botschaft  die Eingabe 
vom  21.  Dezember  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weiter 
(Eingang: 19. Januar  2010),  zur  Prüfung,  ob es  sich  dabei  um eine 
Beschwerde handle.

F.
Der  Instruktionsrichter  verzichtete  mit  Zwischenverfügung  vom 
21. Januar  2010  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und 
übermittelte die Akten zur Einreichung einer Vernehmlassung an das 
BFM.

G.
In  seiner  Vernehmlassung  vom  26.  Januar  2010  hielt  das  BFM  an 
seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde, es entscheidet im Bereich 
des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Verfahren  richtet  sich 
nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.2 Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes 
abgefasst  (vgl.  Art.  70  Abs. 1  der  Bundesverfassung  der  Schweize-
rischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). Auf die 
Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung  kann  indessen 
verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe 
genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung 
zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber befunden werden kann.

1.3 Die angefochtene Verfügung wurde dem Beschwerdeführer durch 
die schweizerische Botschaft in Colombo am 25. November 2009 mit 
eingeschriebener  Postsendung  zugesandt.  Die  Beschwerde ging am 
29. Dezember 2009 bei eben dieser Botschaft ein. Mangels Kenntnis 
des genauen Eröffnungsdatums ist somit davon auszugehen, die Be-
schwerde  sei  –  abgesehen  vom  sprachlichen  Mangel  –  form-  und 
fristgerecht  eingereicht  worden.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die 
angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. 
Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert   (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

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oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  26.  Januar  2010  ist  dem  Be-
schwerdeführer bislang nicht zur Kenntnis gebracht worden. Sie ist ihm 
aus Gründen der Transparenz mit heutigem Urteil zuzustellen.

4.  
4.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen 
oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. 
Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG 
bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des 
Sachverhaltes,  wenn ihnen nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohn-
sitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land aus-
zureisen.

4.2 Bei  diesem  Entscheid  sind  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung 
einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben, 
wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben 
der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind 
namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der 
Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu 
anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumut-
barkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen 
Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen 
(vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [ARK]  in  EMARK 1997  Nr. 15,  insbesondere  S. 131  ff., 
welcher  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten 
Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Aus-
schlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die 
Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 
E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im 
Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am 
Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet 
werden kann.

5.
5.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, aufgrund der Akten 
sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vom 1. November 
2008  bis  zum 30.  Januar  2009  inhaftiert  gewesen  sei.  Das  Gericht 

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habe indessen seine bedingungslose Freilassung angeordnet und es 
gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass er seither mit den heimatlichen 
Behörden ernsthafte Schwierigkeiten gehabt hätte. Dies sei ein deut-
licher Hinweis darauf, dass ihm seitens der Behörden keine einreise-
relevanten Nachteile drohten. Hinsichtlich der geltend gemachten tele-
fonischen Drohungen sei bekannt, dass ein Grossteil der Bevölkerung 
im Norden und Osten Sri Lankas von derartigen Vorfällen betroffen sei. 
Das BFM gehe davon aus, er habe seine Situation übersteigert  dar-
gestellt. Es ergäben sich keine konkreten Anhaltspunkte, dass es zu 
konkreten  Übergriffen  gekommen  sei.  Gegen  eine  ernsthafte  Ver-
folgungsabsicht der Unbekannten spreche auch, dass er sich nach wie 
vor im familieneigenen Haus aufhalte und seiner Arbeit nachgehe. Es 
sei  zwar  verständlich,  dass  er  sich  vor  Übergriffen  fürchte,  was 
indessen  nicht  zur  Annahme  einer  einreiserechtlich  relevanten  Ver-
folgungsgefahr genüge. In Anbetracht dieser Ausführungen sowie des 
Umstands, dass er kein Gefährdungsprofil aufweise, das im heutigen 
Zeitpunkt  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  auf  eine  Verfolgung 
schliessen lasse, sei die geltend gemachte Furcht vor Übergriffen asyl-
rechtlich nicht relevant. Auch aus der Aufforderung seitens der PLOTE 
könne keine Einreiserelevanz hergeleitet werden.

5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht,  der Beschwerdeführer 
habe auch nach seiner Befragung durch die schweizerische Botschaft 
in Colombo manche Gefahr durchlebt. Er lebe unter ständiger Furcht 
und  Anspannung.  Er  habe  auch  von  seinen  Familienangehörigen 
nichts mehr gehört und fühle sich als Waise. 

6.  
6.1 Der  vom  Beschwerdeführer  bei  der  Vorinstanz  eingereichten 
"Receipt of Arrest" vom 1. November 2008 (act. A3/24 S. 4) ist zu ent-
nehmen,  dass  er  am selben  Tag unter  dem Verdacht  terroristischer 
Aktivitäten  festgenommen  wurde.  Einem  Polizeibericht  vom 
28. November 2008 (act. A3/24 S. 5 ff.) zufolge erhielt die Polizei einen 
anonymen  Hinweis  darauf,  dass  sich  unbekannte  Personen  in  der 
Gegend von C.___________ aufhielten,  die  für  die  LTTE Aktivitäten 
entfalteten.  Gemäss  Angaben  der  Polizei  unterhielt  der 
Beschwerdeführer Kontakte zur LTTE. Das Internationale Rote Kreuz 
(IKRK)  bestätigte  am  25.  März  2009  (act.  A5/43  S.  43),  dass  der 
Beschwerdeführer  von  seinen  Delegierten  am 9. Dezember  2008  in 
der Polizeistation von C.___________ besucht wurde. Das zuständige 
Gericht  verfügte  die  Einstellung  des  Verfahrens. Nach  seiner 

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Freilassung  ersuchte  der  Beschwerdeführer  die  Schulbehörde  um 
Versetzung an eine andere  Schule  (vgl.  Schreiben vom 26. Februar 
2009, act. A7/9 S. 2). Diesem Gesuch wurde umgehend entsprochen 
(vgl. Antwortschreiben vom 27. Februar 2009, act. A7/9 S. 8).

Der  Beschwerdeführer  wurde  zwar  im  Rahmen  einer  Strafunter-
suchung, die aufgrund einer Denunziation eingeleitet wurde, während 
dreier Monate in Haft gehalten und dabei auch geschlagen, indessen 
wurde er  vom Gericht  freigesprochen und auf  dessen Anhörung hin 
auf freien Fuss gesetzt. Er konnte seine Tätigkeit als vom srilankischen 
Staat  angestellter  Lehrer  wieder  aufnehmen und seinem mit  Sicher-
heitsbedenken  begründeten  Gesuch  um  Versetzung  an  eine  andere 
Schule wurde umgehend entsprochen. Aufgrund der Aktenlage kann 
nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  sich  der  Beschwerdeführer 
vor zukünftiger staatlicher Verfolgung fürchten muss, zumal er bei der 
Befragung und auch in der Beschwerde nicht geltend machte, seitens 
der srilankischen Behörden nach seiner am 30. Januar 2009 erfolgten 
Freilassung bedroht oder behelligt worden zu sein.

6.2
6.2.1 Im unter EMARK 2006 Nr. 18 publizierten Grundsatzurteil ist die 
ARK  zum  Schluss  gekommen,  dass  eine  völkerrechtskonforme  An-
wendung von Art. 3 AsylG im Lichte der Genfer Flüchtlingskonvention 
(Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 
[FK, SR 0.142.30]) ergibt, dass neben der unmittelbar oder mittelbar 
staatlichen  auch  die  nichtstaatliche  Verfolgung  flüchtlingsrechtlich 
grundsätzlich relevant ist. Mit dieser Praxisänderung erfolgte damit ein 
Wechsel von der Zurechenbarkeits- zur so genannten Schutztheorie. 
Nach der Schutztheorie hängt aber die flüchtlingsrechtliche Relevanz 
einer  Verfolgung  nicht  von  der  Frage  ihres  Urhebers,  sondern  vom 
Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat ab 
(vgl.  EMARK  2006  Nr.  18  E.  6.3.1.  und  10.2.1.).  In  diesem  Sinne 
kommt aber auch der Unterscheidung zwischen Schutzunwilligkeit und 
-unfähigkeit  des  Heimatstaates  (bzw. allenfalls  eines  Quasi-Staates) 
grundsätzlich keine entscheidende Bedeutung mehr zu: Nichtstaatliche 
Verfolgung  ist  nach  der  Schutztheorie  flüchtlingsrechtlich  relevant, 
sofern  der  Heimatstaat  (bzw. allenfalls  ein  Quasi-Staat)  nicht  in  der 
Lage oder nicht willens ist, adäquaten Schutz vor Verfolgung zu bieten 
(vgl. sinngemäss Art. 6 Bst. c der Richtlinie 2004/83/EG vom 29. April 
2004 über  Mindestnormen für  die  Anerkennung und den Status  von 
Drittstaatsangehörigen  oder  Staatenlosen  als  Flüchtlinge  oder  als 

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Personen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen und über 
den Inhalt des zu gewährenden Schutzes ["Qualifikationsrichtlinie"]).

6.2.2 Mit  Bezug  auf  die  Frage,  welche  Art  und  welcher  Grad  von 
Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im Heimatstaat  (bzw. allenfalls 
in  einem Quasi-Staat)  als  adäquat  zu erachten ist  und damit  –  auf-
grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes – eine An-
erkennung als  Flüchtling  ausschliesst,  ist  nach  dem Grundsatzurteil 
EMARK  2006  Nr.  18  nicht  eine  faktische  Garantie  für  langfristigen 
individuellen  Schutz  der  von  nichtstaatlicher  Verfolgung  bedrohten 
Person zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute 
Sicherheit aller seiner Bürger und Bürgerinnen jederzeit und überall zu 
garantieren.  Erforderlich  ist  aber,  dass  eine  funktionierende  und 
effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie 
an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts- 
und  Justizsystem  zu  denken  ist,  das  eine  effektive  Strafverfolgung 
ermöglicht.  Im  Weiteren  muss  die  Inanspruchnahme  eines  solchen 
Schutzsystems der betroffenen Person objektiv zugänglich und indivi-
duell zumutbar sein.

6.2.3 Der  Beschwerdeführer  hat  im Rahmen seiner  Befragung  nicht 
geltend gemacht, mit der LTTE ernsthafte Probleme gehabt zu haben. 
Er vermutete zwar, dass Angehörige der LTTE hinter den telefonisch 
übermittelten  Geldforderungen  stecken  könnten.  Diesbezüglich  hat 
sich  die  Situation  aber  nach  der  Zerschlagung  der  LTTE durch  die 
srilankische Armee grundlegend verändert. In Anbetracht der gesam-
ten Umstände ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 
sich  in  naher  Zukunft  vor  von  Angehörigen  der  ehemaligen  LTTE 
ausgehender Verfolgung zu fürchten hat. Zudem könnte er sich dies-
bezüglich  an  die  schutzwilligen und -fähigen  heimatlichen  Behörden 
wenden.

6.2.4 Des  Weiteren  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  werde 
von  Unbekannten  telefonisch  bedroht,  die  von  ihm  Geld  gefordert 
hätten.  Er  lebe  in  ständiger  Angst  und  fürchte  sich  vor  Übergriffen. 
Einer  der  Beschwerde  beigelegen  Bestätigung  eines  srilankischen 
Parlamentsmitglieds  ist  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer 
von Unbekannten bedroht werde.

Unbesehen  der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  des  Ausmasses  der  tele-
fonischen Drohungen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die 

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Möglichkeit  hat,  bei  den lokalen Sicherheitsbehörden um Schutz vor 
den  Unbekannten  zu  ersuchen,  von  denen  er  gemäss  eigenen  An-
gaben bedroht sei. Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass er sich be-
reits um behördlichen Schutz bemühte, weshalb den heimatlichen Be-
hörden kein mangelnder Schutzwille unterstellt werden kann.

6.3 Insofern der Beschwerdeführer geltend macht,  er  leide darunter, 
dass er keinen Kontakt mehr zu seinen Angehörigen habe, kann dies 
zwar nachvollzogen werden, damit entsteht aber keine Situation,  die 
vorliegend zur Erteilung einer Einreisebewilligung in die Schweiz oder 
gar zur Asylgewährung führen könnte. 

6.4 Das  Bundesverwaltungsgericht  verkennt  nicht,  dass  die 
Sicherheitssituation des Beschwerdeführers trotz des vor kurzer Zeit 
beendeten  langjährigen  Bürgerkrieges  in  Sri  Lanka  generell  als 
schwierig und belastend zu bezeichnen ist. Dieser Umstand betrifft in-
dessen letztlich die Mehrheit  der Zivilbevölkerung in Sri  Lanka, wes-
halb  die  vorinstanzliche Verfügung angesichts  der  restriktiven Praxis 
im Bereich  der  Auslandverfahren,  bei  denen sich  die  Frage von all-
fälligen Wegweisungsvollzugshindernissen gerade nicht  stellt,  zu be-
stätigen  ist.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Schutzbe-
dürftigkeit  des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 
AsylG als nicht gegeben zu qualifizieren ist und auch keine anderen 
Gründe  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  indizieren.  Aus  dem 
vorstehend Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz die Vorbringen 
des Beschwerdeführers zutreffend als nicht asylrelevant erachtet und 
das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  beziehungsweise  die  Ertei-
lung einer Einreisebewilligung zu Recht abgelehnt hat. Es erübrigt sich 
deshalb,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  den  Eingaben  des  Be-
schwerdeführers  und  die  eingereichten  Beweismittel  weiter  einzu-
gehen. 

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- 
grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1 
VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung 

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von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG sowie Art. 6 Bst. b des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  jedoch  auf  die 
Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  (durch  Vermittlung  der  schweizerischen 
Botschaft  in  Colombo;  Beilage:  Vernehmlassung  des  BFM  vom 
26. Januar 2010)

- die  schweizerische  Botschaft  in  Colombo  (unter  Hinweis  auf  ihre 
Referenznummer (...), mit der Bitte um Eröffnung des Urteils an den 
Beschwerdeführer  sowie  um Zustellung  der  Empfangsbestätigung 
an das Bundesverwaltungsgericht)

- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  Ref.-Nr. N  (...) 
(per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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