# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ec89c4b5-15d9-5132-b894-77ca7c8af7c0
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-03-22
**Language:** de
**Title:** Hobbytierhaltung in der Wohnzone. Minipigs. Zonenkonformität. Beschränkungen.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nrn. 0042-0043/2018
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iv_nrn._0042_und_0043-2018_vom_22._maerz_2018.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

4. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE IV Nrn. 

R4.2017.00148 und R4.2017.00149 
0042/2018 und 0043/2018 

Entscheid vom 22. März 2018 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichter Andreas Madianos, Baurichter 
Alexander Seiler, Gerichtsschreiberin Nicole Herzig     

in Sachen 

Rekurrierende 

R4.2017.00148 
1.  N. und D. L., [….]  
2.  M. G., [….]  
3.  E. M., [….] 
4.  L. S., [….]  
5.  R. O., [….]  

R4.2017.00149 
1.  A. und D. R., [….]  
2.  S. und G. T., [….]  

gegen 

Rekursgegnerschaft 

1.  Gemeinderat X, [….]  

2.  A. U., [….]  

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss vom 18. September 2017; Bewilligung für Tierhal-
tung (Minipigs) 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 18. September 2017 erteilte der Gemeinderat [….] A. U. 

unter Auflagen und Bedingungen die baurechtliche Bewilligung zur Haltung 

von maximal sechs Minipigs auf dem Grundstück Kat.-Nr. 7035 [….] in X. 

B. 

Hiergegen wandten sich N. und D. L., M. G., E. M., L. S. und R. O. (Rekur-

rentschaft 1)  mit  gemeinsamer  Rekursschrift  vom  16. Oktober  2017  sowie 

A.  und  D.  R.  und  S.  und  G.  T.  (Rekurrentschaft 2)  mit  gemeinsamer  Re-

kursschrift vom 17. Oktober 2017 an das Baurekursgericht des Kantons Zü-

rich und beantragten die Aufhebung des angefochtenen Entscheides, even-

tualiter  sei  die  erlaubte  Tierhaltung  auf  drei  Minipigs  ohne  Nachzucht  zu 

beschränken und es seien Massnahmen zur Begrenzung der Immissionen 

unter Anwendung der FAT-Richtlinien zu verfügen. 

C. 

Mit  Verfügungen  vom  18.  bzw.  19. Oktober  2017  wurde  von  den  Re-

kurseingängen Vormerk genommen und es wurden die Vernehmlassungs-

verfahren eröffnet.  

D. 

Die  private  Rekursgegnerin  beantragte  mit  ihrer  am  10. November  2017 

versandten Rekursantwort sinngemäss die Abweisung der Rekurse. 

Die  Vorinstanz  schloss  mit  Vernehmlassungen  vom  16. November  2017 

ebenfalls auf Abweisung der Rekurse,  unter Kosten- und Entschädigungs-

folgen zulasten der Rekurrentschaften. 

E. 

Mit  Repliken  vom  4. Dezember  2017  blieben  beide  Rekurrentschaften  bei 

ihren Anträgen. Mit Duplik vom 3. bzw. Triplik vom 20. Januar 2018 im Ver-
fahren  G.-Nr. R4.2017.00148  hielten  die  Parteien  an  den  gestellten  Anträ-
gen fest.  

R4.2017.00148 

Seite 2 

 
 
F. 

Auf die Parteivorbringen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, 

in den nachstehenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekurse richten sich gegen die nämliche nachträgliche Bewilligung für 

die Haltung von Tieren (Minipigs) und weisen die gleichen Rügen auf. Die 

Rekursverfahren sind entsprechend zu vereinigen. 

2. 
Das  rund  770 m2  grosse  Baugrundstück  befindet  sich  in  der  Wohnzo-
ne W/A  mit  Empfindlichkeitsstufe  ES III  und  ist  mit  einem  Einfamilienhaus 

überstellt. Die private Rekursgegnerin hält auf dem Baugrundstück seit Ok-

tober 2012 Minipigs. Das am 9. Juni 2016 nachträglich eingereichte Bauge-

such  umfasst  vier  südlich  an  das Wohnhaus  angrenzende,  umzäunte  Ge-

hege, welche teilweise mit Betonplatten befestigte Flächen und im übrigen 

Erdboden sowie je ein Holzhäuschen umfassen. Die Häuschen stehen mit 

Abständen  von  1,70 m  zur  südwestlichen,  5,20 m  zur  südöstlichen  und 

3,80 m zur nordöstlichen Grundstücksgrenze. Die Einfriedungen reichen im 

Süden  und  Osten  bis  ca. 3,50 m,  im  Südwesten  teilweise  bis  ganz  an  die 

Grundstücksgrenze.  

Die  Minipighaltung  wurde  im  Baugesuch  als  Hobbytierhaltung  mit  zehn 

Schweinchen  in  den  Gehegen  plus  fünf  in  einer  sogenannten  "drinnen-

draussen  Kombiehaltung"  und  jährlich  zwei  bis  drei  Würfen  umschrieben, 

wobei  die  Gesuchstellerin  einräumte,  dass  sie  sich  inzwischen  mit  ihrem 

"Littleminipigs  Projekt"  "nebenbei  selbständig"  gemacht  habe.  Angeboten 

wurden  Ferienpass-Tage,  Kindergeburtstage  und  Workshops,  welche  teil-

weise  in  einem  zugemieteten  Raum  [….]  in X,  teilweise  aber auch  bei  der 

Gesuchstellerin zu Hause auf dem Baugrundstück durchgeführt wurden.  

R4.2017.00148 

Seite 3 

 
 
Die  Vorinstanz  erteilte  die  nachträgliche  baurechtliche  Bewilligung  für  die 

Minipigs-Haltung mit folgenden Auflagen: 

"1.  Im Sinne der Erwägungen wird die Haltung von maximal 6 Minipigs zu 
rein  privaten  Zwecken  und  somit  als  reine  Freizeitbeschäftigung  unter 
Bedingungen zur Immissionsbegrenzung bewilligt. 

2.  Zur Immissionsbegrenzung im Sinne der Erwägungen ist der Mist täg-
lich aus den Mistecken zu entfernen und in einer geschlossenen Mist-
mulde im östlichen Bereich an der Südfassade möglichst kurzzeitig bis 
zum weiteren Abtransport zu lagern. 

3.  Die  beiliegenden  "Allgemeinen  Bedingungen  zur  Baubewilligung"  der 
Gemeinde X vom 1. Januar 2005 bilden integrierenden Bestandteil die-
ses Beschlusses." 

3. 

Die  Rekurrierenden  sind  Eigentümer der  direkt  an  das  Baugrundstück  an-

grenzenden  oder  von  diesem  nur  durch  die  südwestlich  des  Baugrund-

stücks verlaufenden B.-strasse getrennten Parzellen. Als direkte Nachbarn 

sind sie mehr als beliebige Dritte von der umstrittenen Tierhaltung betroffen 

und  angesichts  der  gerügten  Beeinträchtigungen  (insbesondere  Immissio-

nen) im Sinne von § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) zur Re-

kurserhebung  legitimiert.  Da  auch  die  übrigen  formellrechtlichen  Voraus-

setzungen  unbestrittenermassen  erfüllt  sind,  ist  auf  die  Rekurse  einzutre-

ten.  

4. 

Die  Rekurrierenden  machen  geltend,  die  Haltung  von  Schweinen  gehöre 

grundsätzlich nicht in eine Wohnzone. Es komme auch mit einer reduzier-

ten  Anzahl  von  Tieren  zu  übermässigen  Geruchsimmissionen.  Die  Rasse 

Minipig werde ausgewachsen ca. 70 bis 100 kg schwer. Die Geruchsbelas-

tung von bis zu sechs Schweinen dieser Grösse sei für die Nachbarn nicht 

zumutbar. Die Anzahl Tiere sei deshalb im Falle einer Bewilligung auf ma-

ximal drei zu beschränken und die Tierhaltung habe auf Antrag der Rekur-

rentschaft 2 einen Abstand von 5 m zur Grundstücksgrenze zu den Parzel-

len  Kat.-Nrn. [….]  und  [….]  einzuhalten.  Die  Rekurrentschaft 2  moniert  zu-

dem, die durch die  Vorinstanz  verlangte  Platzierung  der Mistmulde  an  der 

Grenze  zum  Grundstück  Kat.-Nr. [….]  führe  nicht  zu  einer  Immissionsbe-
grenzung, sondern zu einer Immissionsverstärkung.  

R4.2017.00148 

Seite 4 

 
 
Zudem  bemängeln  die  Rekurrierenden,  dass  keinerlei  Massnahmen  zur 

Unterbindung  einer  Hobbyzucht  statuiert  worden  seien.  Eine  solche  hätte 

mit mehreren Würfen pro Jahr auf die Umgebung die gleichen Auswirkun-

gen wie eine gewerbliche Haltung. Allerdings werde ein Gewerbe auch an-

derweitig  weiterhin  angestrebt,  wie  aus  den  Angeboten  der  Website 

www.[....].ch zu sehen sei.  

5. 

Wohnzonen  sind  gemäss  § 52  PBG  in  erster  Linie  für  die  Wohnnutzung 

und damit für Wohnbauten bestimmt. Die Zulässigkeit anderer Nutzweisen 

steht in Wohnzonen unter dem grundsätzlichen Vorbehalt, dass der Zonen-

zweck, nämlich ein gesundes und angenehmes Wohnen zu gewährleisten, 

nicht  in  Frage  gestellt  wird.  Dabei  sind  insbesondere  die  zu  erwartenden 

Immissionen,  aber  auch  der  funktionelle  Zusammenhang  mit  dem  Haupt-

zweck der Zone zu prüfen (RB 1984 Nr. 75). Zonenkonform sind somit oh-

ne  weiteres  Bauten,  die  Wohnraum  enthalten,  aber  auch  diejenigen,  die 

zum Wohnen zusätzlich nötig sind, wie Garagen oder Gartenhäuser. Eben-

so fällt die Hobbynutzung unter den Begriff der Wohnnutzung im Sinne von 

§ 52 Abs. 1 PBG (vgl. BEZ 1998 Nr. 32). 

Hobbynutzung  ist  somit  grundsätzlich  als  Teil  der  Wohnnutzung  anzuse-

hen. Das Wohnen in einer dafür bestimmten Zone wird unter anderem ge-

rade  dadurch  charakterisiert,  dass  deren  Bewohner  im  allgemeinen  die 

Möglichkeit  haben,  in  ihren  Gärten  verschiedenen  Freizeitbeschäftigungen 

nachgehen zu können. Dies verhält sich auch dann nicht anders, wenn Tie-

re Gegenstand der hobbymässigen Beschäftigung bilden. Die hobbymässi-

ge Haltung von Minipigs fällt daher - nicht anders als das Halten von Hun-

den  oder  das  Basteln  in  einer  Hobbywerkstatt  -  unter  den  Begriff  der 

Wohnnutzung  im  Sinne  von  § 52  Abs. 1  PBG  und  erweist  sich  daher  als 

zonenkonform. 

Wann  eine  Tierhaltung  noch  als  hobbymässig  bezeichnet  werden  kann, 

hängt von der Zweckbestimmung der Tiere ab. Nur diejenige Tierhaltung ist 

zonenkonform,  die  rein  privaten  Zwecken,  also  der  eigenen  Freizeitbetäti-

gung dient (vgl. dazu Carmen Walker Späh in pbg-aktuell, 1/2004). Handelt 

es  sich  um  eine  Hobbytierhaltung,  die  eben  gerade  nicht  gewerblichen 

Charakter hat, ist es irrelevant, ob in der betroffenen Zone mässig störende 
oder nur nicht störende Betriebe zulässig sind. 

R4.2017.00148 

Seite 5 

 
 
Die  von  der  Vorinstanz  bewilligte  Minipighaltung  darf  gemäss  dem  ange-

fochtenen  Beschluss  ausschliesslich  der  privaten  Freizeitbeschäftigung 

dienen und keine gewerblichen Ziele verfolgen. Diese hobbymässige Tier-

haltung und die dafür notwendigen Bauten und Anlagen sind somit grund-

sätzlich Teil der Wohnnutzung und damit in der Wohnzone W/A zonenkon-

form. 

6. 

Auch wenn die Zonenkonformität einer geplanten Tierhaltung in der Wohn-

zone zu bejahen ist, darf diese im Interesse der Nachbarschaft nicht ein be-

liebiges Ausmass annehmen.  

Die  Haltung  von  Schweinen  führt  naturgemäss  zu  Immissionen.  Die  Tiere 

bringen  einen  Eigengeruch  mit  sich,  produzieren  aber  insbesondere  auch 

Mist,  der  selbst  bei  regelmässiger  Abfuhr  für  eine  gewisse  Zeit  gelagert 

werden  muss.  Dies  wiederum  zieht  in  den  Sommermonaten  Insekten  an. 

Zudem  können  die  Tiere  durch  Eigenlaute  und  spielen  mit  Gegenständen 

Lärm verursachen. Die Frage, ob eine konkrete Hobbytierhaltung aufgrund 

der durch sie verursachten Immissionen durch Lärm und Geruch nicht oder 

nur  unter  Nebenbestimmungen  zulässig  ist,  betreffen  nicht  die  Zonenkon-

formität,  sondern  ist  für  sich  anhand  der  einschlägigen  Vorschriften  der 

Umweltschutzgesetzgebung  zu  überprüfen  und  führt  zu  Einschränkungen 

auch der an sich zonenkonformen Tierhaltung zur Hobbyzwecken in Wohn-

zonen. 

7.1. 

Die von den Nachbarn zu ertragenden Immissionen werden in erster Linie 

durch eine Beschränkung der Anzahl Tiere in einer Hobbyhaltung begrenzt.  

Es ist die zulässige Anzahl Tiere und allenfalls auch deren Geschlechtszu-

gehörigkeit  zu  definieren.  Letzteres  kann  bei  gewissen  Tierarten  (zB.  Zie-

gen)  zur  Reduktion  der  Immissionen  führen,  sich  aber  allenfalls  auch  im 

Zusammenhang  mit  deren  Vermehrung  rechtfertigen.  Entsprechend  ist 

auch  die  zulässige  Anzahl Würfe  pro  Jahr  sowie  die  maximale  Dauer  des 

Verbleibs der Jungtiere festzulegen.  

R4.2017.00148 

Seite 6 

 
 
Die  Vorinstanz  hat  die  Anzahl  Tiere  auf  sechs  beschränkt.  Aufgrund  der 

bisher betriebenen Zucht auf dem Baugrundstück ist jedoch nicht ohne wei-

teres davon auszugehen, dass keine weiteren Ferkel nachgezogen werden 

sollen. Eine diesbezügliche Regelung fehlt jedoch.  

7.2. 

Neben diesen quantitativen Einschränkungen können die Baubehörden im 

Rahmen des Umweltrechts auch weitere konkrete Massnahmen anordnen, 

um die Immissionen in Grenzen zu halten. 

Geruchsemissionen sind für neue stationäre Anlagen durch die zuständige 

Behörde vorsorglich so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieb-

lich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 4 Abs. 1 der Luftreinhalte-

verordnung [LRV]). Ist zu erwarten, dass die geplante Anlage trotz vorsorg-

licher  Emissionsbegrenzung  übermässige  Immissionen  verursachen  wird, 

sind  die  Massnahmen  durch  die  zuständige  Behörde  so  weit  zu  verschär-

fen, dass keine übermässigen Immissionen verursacht werden (Art. 5 LRV). 

Gemäss  Art. 2  Abs. 5  lit. b  LRV  gelten  Immissionen  beim  Fehlen  von 

Grenzwerten  dann  als  übermässig,  wenn  aufgrund  einer  Erhebung  fest-

steht,  dass  sie  einen  wesentlichen  Teil  der Bevölkerung  in  ihrem  Wohlbe-

finden  erheblich  stören  können.  Für  Gerüche,  wie  sie  eine  Minipighaltung 

mit sich bringt, bestehen keine Immissionsgrenzwerte.  

Für Anlagen der bäuerlichen Tierhaltung und der Intensivtierhaltung sind in 

Ziff. 5  Anhang 2  LRV  Spezialbestimmungen  aufgestellt  worden,  nicht  hin-

gegen  für  die  Hobbytierhaltung  in  Wohngebieten.  Das  Verwaltungsgericht 

des Kantons Zürich bestätigte zur Frage des einzuhaltenden Abstandes der 

Anlagen  zu  den  Nachbargrundstücken  in  VB.2004.00462  das  hilfsweise 

Herbeiziehen  der  so  genannten  FAT-Empfehlungen  (Empfehlungen  der 

Eidgenössischen Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik 

aus dem Jahr 1995) zur Festlegung der Geruchsbelastung auch für Vorha-

ben,  die  weder  die  bäuerliche  Tierhaltung  noch  die  Intensivtierhaltung  be-

treffen.  

Die  Geruchsbelastung  (GB)  durch  eine  Tierart  errechnet  sich  aus  der  An-

zahl Tiere mal den Geruchsfaktor für die entsprechende Tierart. Eine kon-
krete  Abstandsberechnung  wird  erst ab  einer Geruchsbelastung von  4 GB 
vorgenommen.  Bei  geringer Belastung  gilt  der aus 4 GB  resultierende  Ab-

stand (vgl. FAT-Bericht Nr. 476, S. 6). Gemäss FAT-Bericht ergibt sich bei 

R4.2017.00148 

Seite 7 

 
 
Geruchsbelastungen von 4 oder weniger GB in Wohnzonen ein Normalab-

stand von 19,61 m, welcher je nach Standort, Anlage und Betrieb korrigiert 

werden kann. Dieser Abstand ist gemäss FAT-Bericht für einen Stall auf ei-

nem Areal mit weiteren Gebäuden in einem Abstand von weniger als 50 m 

von der nächstgelegenen Austrittsöffnung aus zu messen. Liegt die Tierhal-

tungsanlage  innerhalb  einer  bewohnten  Zone,  gilt  der  Mindestabstand  bis 

zum nächstgelegenen bewohnten Gebäude.  

Wird  eine  deutlich  geringere  Anzahl  Tiere  gehalten,  als  diejenige,  welche 

gemäss FAT-Bericht zu einer Geruchsbelastung von 4 GB führen würde, ist 

im Sinne von Art. 11 Abs. 2 USG im Rahmen einer Interessenabwägung zu 

prüfen, ob dieser Mindestabstand sich im konkreten Fall als verhältnismäs-

sig erweist oder ob er allenfalls zu reduzieren ist. Hierbei sind neben dem 

FAT-Bericht alle in Betracht kommenden Aspekte zu prüfen. Die kommuna-

le Behörde hat dazu, allenfalls unter Beizug einer Fachperson, die konkret 

gegebenen Verhältnisse zu würdigen und begründet darzulegen,  inwiefern 

sich eine Reduktion des Mindestabstandes für die zu beurteilende Tierhal-

tung in Nachachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips rechtfertigt (vgl. da-

zu  VB.2008.00227 oder auch  der Entscheid  B 2015/5  des  Verwaltungsge-

richts St. Gallen vom 24. November 2016). 

Mit  der  Nichtanwendung  der  FAT-Richtlinien  durch  die  Vorinstanz  erfolgte 

keinerlei  Abstandsbestimmung.  Der  angefochtene  Entscheid  basiert  somit 

nicht  auf  einer  vollständigen  Interessenabwägung  und  erfüllt  die  Kriterien 

des  Vorsorgeprinzips  nicht.  Eine  Interessenabwägung  im  Sinne  der  Erwä-

gungen  ist  durch  die  Vorinstanz  unter  Berücksichtigung  des  sich  aus  den 

FAT-Richtlinien  ergebenden  Mindestabstandes  sowie  dessen  Verhältnis-

mässigkeit aufgrund der konkreten lokalen Begebenheiten nachzuholen.  

Neben der Tierhaltung selbst ist auch die Mistentfernung und  -lagerung zu 

beurteilen. Gemäss Ziff. II.2. des Dispositivs des angefochtenen Beschlus-

ses hat diese im östlichen Bereich der Südfassade zu erfolgen. Eine dies-

bezügliche  Interessenabwägung  und  Begründung  fehlt  jedoch  ebenfalls 

und ist nachzuholen. 

7.3. 

Schliesslich ist die lärmrechtliche Situation zu beachten, wobei zu überprü-

fen  ist,  ob  Massnahmen  aufgrund  des  Vorsorgeprinzips  gemäss  Art. 11 

R4.2017.00148 

Seite 8 

 
 
Abs. 2  USG  und  Art. 7  Abs. 1  lit. a  Lärmschutzverordnung  (LSV)  festzule-

gen sind.  

8.1. 

Entsprechend ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angele-

genheit  in  teilweiser  Gutheissung  der  Rekurse  zur  weiteren  Untersuchung 

und Neufestlegung der umweltschutzrechtlichen Massnahmen im Sinne der 

Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

[….] 

R4.2017.00148 

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