# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c7b40dc-0366-5d5d-a371-a8fd92a31969
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-03-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.03.2022 E-686/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-686-2018_2022-03-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-686/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  M ä r z  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger, Richter Grégory Sauder,    

Gerichtsschreiber Urs David. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin, 

Anwältinnenbüro, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 28. Dezember 2017 / N (…). 

 

 

 

E-686/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit unangefochten gebliebener Verfügung vom 22. Januar 2015 lehnte das 

SEM ein von B._______ (ebenfalls N […]; vorläufige Aufnahme als Flücht-

ling) gestelltes Asylgesuch beziehungsweise Familienzusammenführungs-

gesuch für drei ihrer sich im Sudan aufhaltenden Geschwister – die Be-

schwerdeführerin und die zwei jüngeren Schwestern C._______ und 

D._______ (damals alle N […]; C._______ später Zuweisung einer eige-

nen Verfahrensnummer N […]) – unter gleichzeitiger Verweigerung der 

Einreisebewilligung in die Schweiz ab. 

B.  

Die zu jenem Zeitpunkt minderjährige Beschwerdeführerin reiste am 

30. Juni 2015 dennoch illegal in die Schweiz ein und stellte am 1. Juli 2015 

im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylge-

such. Am 29. Juli 2015 erfolgte dort ihre Befragung zur Person (BzP). Am 

27. Januar 2016 mandatierte sie ihre damalige Rechtsvertretung für das 

Asylverfahren, welche ihrerseits das SEM am 28. Januar 2016 um vollstän-

dige Akteneinsicht und Einräumung des Rechts zur Stellungnahme nach 

abgeschlossener Instruktion ersuchte.  

Anlässlich der BzP vom 29. Juli 2015 und der im Beisein der Rechtsvertre-

tung durchgeführten Anhörung vom 13. Dezember 2018 zu den Asylgrün-

den machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen Folgendes geltend: 

Sie sei ethnische Tigrinya und stamme aus E._______ ([…]), wo sie von 

der Land- und Viehwirtschaft gelebt hätten. Ihr Vater sei um (…) im Krieg 

beziehungsweise im Militärdienst verstorben. Die Mutter sei krank und bett-

lägerig. Im Jahre 2012, zu Beginn der (...) Klasse, seien die Schülerinnen 

und Schüler mündlich informiert worden, dass alle, die die Abschlussprü-

fung der (...) Klasse nicht bestehen würden, in den Militärdienst eintreten 

müssten. Dies sei ihr in einem vom Englischlehrer überreichten persönli-

chen Brief des Rektors zudem ausdrücklich bestätigt worden, da sie wegen 

der Betreuung ihrer Mutter und der beiden jüngeren Schwestern sowie der 

Bewältigung des Haushalts bereits viele Schulabsenzen aufgewiesen 

habe. In jener Zeit habe auch ihr Bruder F._______ (N […]; Asylgesuch 

vom 14. Juni 2015 seit dem Urteil D-7174/2017 vom 2. Oktober 2018 

rechtskräftig abgewiesen, inkl. Anordnung Wegweisung und Wegwei-

sungsvollzug; Vollzugsmeldung ausstehend) seine Zwangsrekrutierung 

aufgrund dessen Schulabbruchs und nachfolgenden Militärdienstaufge-

bots befürchtet und den Ausreiseentschluss gefasst, zumal im Jahr zuvor 

E-686/2018 

Seite 3 

bereits zwei andere Brüder (G._______ [N […]; positiver Asylentscheid des 

SEM vom 25. September 2017] und H._______) zwangsrekrutiert worden 

seien. Da F._______ auch Ernährer der Familie und somit für diese verant-

wortlich gewesen sei, habe er sie (Beschwerdeführerin) und die zwei wei-

teren Schwestern um den Juni 2012 auf dem Landweg illegal über die 

Grenze in den Sudan mitgenommen. Ihre Mutter hätte nicht für ihre Kinder 

sorgen können und das Leben wäre für sie (Beschwerdeführerin) in eine 

Sackgasse geraten, wenn sie in Eritrea zurückgeblieben wäre. Dort habe 

sie abgesehen vom Erwähnten keine persönlichen Probleme mit Behörden 

oder Dritten gehabt. Im Sudan habe sie die ersten zwei Jahre als (…) ge-

arbeitet. Zwischenzeitlich seien sie in einem Flüchtlingslager und zuletzt, 

nachdem F._______ von Unbekannten entführt worden sei, in I._______ 

bei einer (…) wohnhaft gewesen; die Zeit im Sudan sei sehr schwierig ge-

wesen. Ungefähr im April 2015 habe sie den Sudan alleine in Richtung Li-

byen verlassen. Von dort sei sie auf dem Seeweg nach Italien weitergereist 

und schliesslich am 30. Juni 2015 mit dem Zug in die Schweiz gelangt. In 

Italien sei sie registriert, aber nicht daktyloskopiert worden. Hier befänden 

sich neben ihrer Schwester B._______ nunmehr auch ihre Brüder 

F._______ und G._______. In ihrer Heimat lebe nach wie vor ihre kranke 

Mutter und womöglich der Bruder H._______; zur Mutter habe sie mangels 

Telefonverbindung im Dorf keinen Kontakt und auch über das Schicksal 

und den Aufenthaltsort von H._______ wisse sie nicht Bescheid. Im Sudan 

seien damals die beiden mit ihr ausgereisten Schwestern zurückgeblieben. 

Als Beweismittel gab die Beschwerdeführerin im Verlaufe des Verfahrens 

ihren Impfausweis (als Beleg für ihr Geburtsdatum und ihre eritreische 

Staatsangehörigkeit) zu den Akten. Einen Reisepass oder eine Identitäts-

karte habe sie nie besessen oder beantragt. Weitere Dokumente (insb. 

Taufschein) existierten nicht mehr, weil vor einigen Jahren ihr Haus abge-

brannt sei. 

C.  

Nach zwei seitens des SEM unbeantwortet gebliebenen Verfahrensstands-

anfragen der Rechtsvertretung vom 4. Oktober und vom 18. November 

2016 orientierte diese das SEM mit Schreiben vom 27. Dezember 2016, 

dass das Rechtsvertretungsmandat für die (inzwischen volljährig gewor-

dene) Beschwerdeführerin nicht mehr bestehe.  

D.  

Mit Verfügung vom 28. Dezember 2017 – eröffnet am 4. Januar 2018 – 

E-686/2018 

Seite 4 

stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, und lehnte deren Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es ihre 

Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. 

E.  

Mit Eingabe vom 1. Februar 2018, Ergänzungen vom 13. Februar, 16. Feb-

ruar und 13. März 2018 sowie einer weiteren Ergänzung vom 14. Februar 

2020 erhob die Beschwerdeführerin durch ihre neu mandatierte und rubri-

zierte Rechtsvertreterin gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundes-

verwaltungsgericht. Darin beantragt sie die Aufhebung der Verfügung, die 

Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft, eventualiter die Gewährung der 

vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit, allenfalls der 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, sowie subeventualiter die 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und 

die Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als amtlich bestellte Rechtsbeistän-

din. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2018 stellte die damals zuständige 

Instruktionsrichterin den rechtmässigen Aufenthalt der Beschwerdeführerin 

in der Schweiz während des Beschwerdeverfahrens fest. Weiter hiess sie 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung der rubrizier-

ten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin gut. 

G.  

Am 3. Dezember 2018 wurde das Verfahren aus organisatorischen Grün-

den von Instruktionsrichterin Regula Schenker Senn auf Instruktionsrichte-

rin Roswitha Petry übertragen. 

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Asylverfahrensakten der Geschwis-

ter der Beschwerdeführerin beigezogen. Das Urteil E-1005/2019 betref-

fend die Schwester C._______ ergeht ebenfalls mit heutigem Datum. 

 

  

E-686/2018 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

Bereits auf den 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. De-

zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-

der- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) umbenannt. Der vorliegend 

bedeutsame Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1-4) ist unverändert vom AuG 

ins AIG übernommen worden. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

E-686/2018 

Seite 6 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1  

4.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht 

haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder 

wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be-

gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls 

Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl 

(vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe 

geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden 

sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder 

Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei 

die Einhaltung der FK dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Es 

bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten 

Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). 

4.1.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-

sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 

die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

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Seite 7 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der 

Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der 

Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im 

Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-

krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet 

sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist 

schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder 

in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-

sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

5.  

5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus, 

die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen 

von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. 

Die schwierigen Versorgungsbedingungen aufgrund des Gesundheitszu-

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Seite 8 

standes der Mutter und allgemein die schwierigen wirtschaftlichen Verhält-

nisse seien nicht von Art. 3 AsylG erfasst. Auch die blosse Befürchtung der 

ihr von Schulvertretern für den Fall eines Nichtbestehens der Abschluss-

prüfungen angedrohten zukünftigen Rekrutierung zum Militärdienst sei 

nicht asylrelevant, da sie nie persönlich eine konkrete Vorladung erhalten 

habe oder mit den Behörden diesbezüglich in Kontakt gekommen sei. 

Schliesslich bleibe ebenso die vorgebrachte illegale Ausreise unter Berück-

sichtigung des Koordinationsurteils des Bundesverwaltungsgerichts  

E-7898/2015 vom 30. Januar 2017 flüchtlingsrechtlich unbeachtlich, zumal 

keine weiteren Anknüpfungspunkte ersichtlich seien, die sie in den Augen 

des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könn-

ten; es könne ausgeschlossen werden, dass sie deswegen bei einer Rück-

kehr nach Eritrea ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-

fürchten habe. Aufgrund der fehlenden Asylrelevanz könne darauf verzich-

tet werden, auf Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen. Die gesetzliche 

Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der 

Schweiz. Deren Vollzug sei mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft 

unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1 AsylG sowie mangels Anhaltspunkten 

für eine nach Art. 3 (Verbot der Folter) oder Art. 4 EMRK (Verbot der Skla-

verei und der Zwangsarbeit) verbotene Strafe oder Behandlung völker-

rechtlich zulässig, da ein dahingehend gefordertes und mit hohen Anforde-

rungen verknüpftes «real risk» beziehungsweise ein tatsächliches und un-

mittelbares Risiko in ihrem Fall nicht ersichtlich sei. Der Vollzug der Weg-

weisung sei unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation in Eritrea 

und mangels gegenteiliger, insbesondere individueller Gründe ebenso zu-

mutbar. Dort herrsche weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situation 

allgemeiner Gewalt. Die inzwischen volljährige Beschwerdeführerin sei zu-

dem jung, gesund und kinderlos. Sie weise eine siebenjährige Schulbil-

dung und Erfahrungen im (…) auf. Zudem verfüge sie in ihrer Herkunftsre-

gion über ein tragfähiges und reintegrationsförderliches Beziehungsnetz 

(Bruder und mehrere Verwandte). Zur finanziellen Unterstützung und Wie-

dereingliederung könnten auch Rückkehrhilfe durch die Schweiz und Un-

terstützung durch die in der Schweiz lebenden Geschwister beitragen. Es 

sei somit nicht von einer existenzbedrohenden Lage im Falle ihrer Rück-

kehr auszugehen. Der Vollzug der Wegweisung sei schliesslich technisch 

möglich und praktisch durchführbar. 

5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe und den Beschwerdeergänzungen bekräf-

tigt die Beschwerdeführerin zunächst den geltend gemachten Sachverhalt. 

Betreffend die vorinstanzliche Erkenntnis fehlender Asylrelevanz habe es 

das SEM unterlassen, neben der illegalen Ausreise das Vorliegen weiterer 

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Seite 9 

aktenkundiger Faktoren miteinzubeziehen. So sei ihr Vater während des 

Militärdienstes unter ungeklärten Umständen gestorben und es sei nicht 

zum vornherein auszuschliessen, dass er als politisch missliebige Person 

sein Leben gelassen habe. Zudem seien ihre Schwester B._______ und 

der Bruder G._______ in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt. Letzterer 

habe zudem Asyl erhalten. Auch der Bruder F._______ habe hier um Asyl 

ersucht. Dies alles mache deutlich, dass sie aus einer regimekritischen Fa-

milie stamme, deren Mitglieder fast alle aus Eritrea geflüchtet seien. Eine 

legale Wiedereinreise ohne asylrelevante Bestrafung sei daher für sie (Be-

schwerdeführerin) ausgeschlossen und ihre Furcht vor Verfolgung sei mit-

hin begründet, womit sie Anspruch auf Anerkennung als Flüchtling habe. 

Sodann sei ein Vollzug der Wegweisung jedenfalls unzulässig, da er gegen 

die Art. 3 und 4 EMRK verstossen würde. De facto gelte in Eritrea eine 

nationale Dienstpflicht für eritreische Staatsangehörige im Alter von 18 bis 

50 Jahren und seit 1998 der Ausnahmezustand. Beim Nationaldienst 

handle es sich um eine nicht freiwillige Arbeit, die unter Androhung von 

Strafe jeder Person im dienstpflichtigen Alter abverlangt werde. Der Sold 

im Nationaldienst reiche in der Regel nicht zur Bestreitung des Lebensun-

terhaltes. Es handle sich somit um Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 

2 EMRK; Ausnahmen gemäss dem Abs. 3 lägen nicht vor, denn es handle 

sich nicht (nur) um eine militärische Dienstleistung, sondern beinhalte ins-

besondere auch Tätigkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung, für Baupro-

jekte jeglicher Art sowie in der Verwaltung, Schulen, Spitälern, Landwirt-

schaft und Bauunternehmen. Der dauerhafte Ausnahmezustand im Land 

falle zudem nicht unter Notstände und Katastrophen. Ebenso wenig handle 

es sich beim Nationaldienst um eine blosse und übliche Bürgerpflicht. Es 

ergebe sich daraus, dass mit dem Einzug in den Nationaldienst ein reales 

Risiko für eine unmenschliche Behandlung oder Bestrafung im Sinne von 

Art. 3 EMRK bestehe, auch ohne Desertion. Die Bedingungen des Natio-

naldienstes gefährdeten laut dem Urteil EMARK 2006/3 den Zugang zu 

medizinischer Versorgung, das wirtschaftliche Überleben und das Recht 

auf Familienleben und es müsse jederzeit mit willkürlicher Behandlung, 

Haft ohne Verfahren oder schweren Misshandlungen gerechnet werden. 

Sie befinde sich nun im dienstpflichtigen Alter und müsse bei einer Rück-

kehr nach Eritrea mit dem Einzug in den Nationaldienst rechnen, zumal sie 

keine Aussicht auf eine Freistellung habe. Erschwerend kämen ihr erwähn-

ter familiärer Hintergrund und ihr damit erhöhtes Risikoprofil hinzu. Spätes-

tens bei der Zumutbarkeitsprüfung müssten diese Umstände aber zu einer 

Schutzgewährung aus humanitären Gründen führen. Trotz der im Urteil 

D-2311/2016 vom 28. August 2017 erwähnten allgemeinen Verbesserun-

gen der Situation in Eritrea müsse bei ihr von einer Existenzbedrohung im 

E-686/2018 

Seite 10 

Falle einer Rückkehr nach Eritrea ausgegangen werden. Sie sei zwar jung 

und gesund, könne sich aber entgegen der Vorinstanz dort auf kein sozia-

les Netz abstützen, denn ihre Mutter lebe inzwischen im Sudan und der 

Aufenthalt und das Schicksal des Bruders H._______ seien unbekannt. 

Zudem sei ihr Status mit den eritreischen Behörden vor der Rückkehr nicht 

geregelt, da sie insbesondere die Diasporasteuer nicht entrichtet habe. Be-

sonders erschwerend komme hinzu, dass sie ihre Heimat mit (…) Jahren 

verlassen habe, sich hier in beeindruckender Weise persönlich, sozial, 

schulisch und beruflich integriert und assimiliert habe, was aus verschie-

denen Beilagen (Referenzen von Lehrpersonen; Praktikumsvertrag; zwei 

Vorlehrverträge, ein Zwischenzeugnis Vorlehre, einen Lehrvertrag und ein 

Zwischenzeugnis Fachfrau […]) hervorgehe. Die entscheidenden Jugend-

jahre habe sie hier verbracht. Demgegenüber habe ihre lange Landesab-

wesenheit zu einer weitgehenden Entwurzelung aus den heimatlichen Ver-

hältnissen geführt. Ein Wegweisungsvollzug nach Eritrea komme daher für 

sie als alleinstehende junge Frau infolge Unzumutbarkeit nicht in Betracht. 

6.  

6.1  

6.1.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person 

die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so-

fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG 

aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt 

zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor 

zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die 

Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im 

Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger 

Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beru-

hendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfin-

dung der betroffenen Person als subjektives Element andererseits. Be-

gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, 

wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) 

für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden 

(vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, 

je m.w.H.). Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete 

Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer 

Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorru-

E-686/2018 

Seite 11 

fen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivier-

ten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der 

betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in 

vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine stärker ausge-

prägte (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57, E. 2.5). 

6.1.2 Das SEM ist nach korrekter Sachverhaltsfeststellung in seinen Erwä-

gungen mit überzeugender Begründung zur zutreffenden Erkenntnis ge-

langt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdefüh-

rerin würden den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtli-

che Beachtlichkeit nicht genügen, weshalb sie keinen Anspruch auf Zuer-

kennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls habe. Es 

kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die betreffenden Erwägun-

gen gemäss angefochtener Verfügung (dort E. II) und deren Zusammen-

fassung oben (E. 5.1) verwiesen werden. Diese sind nicht zu beanstanden. 

Die Ausführungen in der Beschwerde führen zu keiner anderen Betrach-

tungsweise. Soweit sie sich nicht in blossen Wiederholungen oder Gegen-

behauptungen erschöpfen, bleibt Folgendes festzuhalten: Betreffend die 

illegale Ausreise hat sich das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen des 

Referenzurteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage befasst, 

ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein 

deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das Ge-

richt kam dabei zum Schluss, dass sich die bis dahin geltende Praxis eines 

Anspruchs auf die Flüchtlingseigenschaft bereits aufgrund der illegalen 

Ausreise aus Eritrea nicht weiter aufrechterhalten lasse. Für das Gericht 

war auch die Tatsache von Bedeutung, dass damals Personen aus der erit-

reischen Diaspora für kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehrten 

und sich unter ihnen auch Personen befanden, die Eritrea zuvor illegal ver-

lassen hatten. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlings-

rechtlich begründeten Nachteilen ist gemäss dieser angepassten Praxis 

dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukom-

men, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Be-

hörden als missliebige Person erscheinen lassen (vgl. a.a.O., E. 5). In casu 

trifft es zunächst nicht zu, dass das SEM es gemäss Beschwerdeschrift 

unterlassen habe, neben der illegalen Ausreise das Vorliegen weiterer ak-

tenkundiger Faktoren zu prüfen. Dass eine solche Prüfung – wenngleich 

zuungunsten der Beschwerdeführerin – stattgefunden hat, ergibt sich aus 

der vorinstanzlichen Erkenntnis, dass andere Anknüpfungspunkte, welche 

die Beschwerdeführerin neben der illegalen Ausreise in den Augen des erit-

reischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, nicht 

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ersichtlich seien (vgl. angefochtene Verfügung S. 4). Der in der Be-

schwerde erwähnte Umstand, wonach nicht zum vornherein auszuschlies-

sen sei, dass der Vater der Beschwerdeführerin als politisch missliebige 

Person sein Leben habe lassen müssen, geht nicht über eine bloss vage 

Möglichkeit hinaus; er entbehrt jeglicher konkretisierender Grundlagen. 

Auch die Tatsache, dass die Schwester B._______ und der Bruder 

G._______ in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt sind und letzterer zu-

dem Asyl erhalten hat, führt für sich alleine noch nicht zu einer reflexiv auf 

die Beschwerdeführerin wirkende Missliebigkeit in den Augen des eritrei-

schen Regimes. Dies zeigt sich ebenso bei Betrachtung des Asylbe-

schwerdeentscheids D-7174/2017 des Bruders F._______ (S. 4 f.): Auch 

dort hat das Bundesverwaltungsgericht solche zum Faktor der illegalen 

Ausreise hinzukommenden familiären Anknüpfungspunkte verneint.  

Insgesamt ist somit nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführerin habe 

bei einer heutigen Rückkehr nach Eritrea mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zukunft die Zufügung ernsthafter Nachteile im 

flüchtlingsrechtlichen Sinn zu befürchten. Der Vollständigkeit halber ist er-

neut darauf hinzuweisen, dass eine allfällige zukünftige Einziehung der Be-

schwerdeführerin in den eritreischen Nationaldienst für sich besehen je-

denfalls unter flüchtlingsrechtlichen Gesichtspunkten nicht relevant ist, 

denn diese knüpft nicht an ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv an 

(vgl. Urteil des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 5.1). 

6.1.3 Das SEM hat somit das Bestehen einer Verfolgungssituation der Be-

schwerdeführerin und mithin deren Anspruch auf Feststellung der Flücht-

lingseigenschaft und auf Gewährung des Asyls zu Recht verneint. Die Be-

schwerde ist daher betreffend ihr materielles Hauptbegehren Ziffer 3 abzu-

weisen und betreffend diese behauptungsgemässen Ansprüche besteht 

auch kein Rückweisungsbedarf an die Vorinstanz. 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach unter dem Aspekt 

von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 

E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der Beschwerde auch nicht 

bestritten. 

  

E-686/2018 

Seite 13 

6.3  

6.3.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Sodann ergeben sich weder aus den Aus-

sagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten genügende Anhalts-

punkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat 

dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 

FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 

des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine kon-

krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im 

Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse 

Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die von der Beschwerdeführerin 

aufgeworfene Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei (allen-

falls) anstehender Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom 

Bundesverwaltungsgericht in einem Grundsatzurteil geklärt worden 

(vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1). Das Gericht hat die Zulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt 

des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des 

Verbots der Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behand-

lung (Art. 3 EMRK) geprüft und bejaht. Im besagten Urteil führte das Bun-

desverwaltungsgericht diesbezüglich aus, dass keine hinreichenden Be-

lege dafür existieren, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Na-

tionaldienst derart flächendeckend stattfänden, dass jede Dienstleistende 

und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wären, selbst 

solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher kein ernsthaftes Risiko ei-

ner Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritrei-

schen Nationaldienst. Die Einziehung in den Nationaldienst stellt sodann 

kein ernsthaftes Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK 

dar, dies auch nicht unter Berücksichtigung der zu erwartenden Dienst-

dauer, der niedrigen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und 

Übergriffe während der Dienstzeit (vgl. a.a.O. E. 6.1, 6.1.5). Auch die all-

gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei-

sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2018%20VI/4

E-686/2018 

Seite 14 

6.3.2 Für die Beurteilung der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzuges können neben den in Art. 83 Abs. 4 AIG beispielhaft aufgezählten 

Faktoren (Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not-

lage) namentlich auch die fehlenden oder mangelhaften medizinischen Be-

handlungsmöglichkeiten, die Beeinträchtigung des Kindeswohls bei min-

derjährigen Gesuchstellenden oder eine Kombination von Faktoren wie Al-

ter, Beeinträchtigung der Gesundheit, fehlendes Beziehungsnetz und düs-

tere Aussichten für das wirtschaftliche Fortkommen von Bedeutung sein 

(vgl. BVGE 2014/26 E. 7.1-7.7 m.w.H.). Gemäss nach wie vor aktueller 

Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder 

einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise einer generellen Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. Das Bun-

desverwaltungsgericht geht in Übereinstimmung mit der Beschwerdefüh-

rerin zwar davon aus, dass sich die Lebensbedingungen in Eritrea in den 

vergangenen Jahren in einigen Bereichen verbessert haben, wogegen die 

allgemeine und insbesondere die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie-

rig bleiben. In Einzelfällen muss daher nach wie vor von einer Existenz-

bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen, 

wenngleich – anders als noch unter der früheren Rechtsprechung – be-

günstigende individuelle Faktoren nicht mehr zwingende Voraussetzung 

für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sind (vgl. Referenzurteil 

des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 

Das Bundesverwaltungsgericht geht vorliegend entgegen der Auffassung 

des SEM und trotz mehrjähriger Schulbildung von einer solchen existenz-

bedrohenden konkreten Gefährdung der Beschwerdeführerin im Falle ihrer 

Rückkehr aus: So verbessert die im Sudan erworbene Erfahrung im (…) 

der Beschwerdeführerin kaum berufliche Perspektiven in Eritrea. Weiter 

kann offensichtlich nicht von einem tragfähigen und reintegrationsförderli-

chen Beziehungsnetz (Bruder und mehrere Verwandte) in ihrer Herkunfts-

region gesprochen werden, zumal der Aufenthalt des Bruders H._______ 

seit dessen Zwangsrekrutierung unbekannt ist und – für den hypotheti-

schen Fall einer aktuellen Militär- beziehungsweise Nationaldienstleistung 

dieses Bruders – der Beschwerdeführerin auch nicht nützlich wäre. Die 

Mutter ist inzwischen gemäss Angaben der Beschwerdeführerin ebenfalls 

aus Eritrea ausgereist (vgl. auch die diesbezüglich im Verfahren E-

7073/2018 vorgelegten Beweismittel). Die seit Jahren bestehende Krank-

heit und Bettlägrigkeit der Mutter würden selbst bei deren weiteren Aufent-

halt in Eritrea dazu führen, dass die Beschwerdeführerin für deren Pflege 

und Betreuung verantwortlich wäre und dadurch einer Erwerbsarbeit nicht 

http://links.weblaw.ch/BVGer-D-2311/2016

E-686/2018 

Seite 15 

würde nachgehen können, zumal ihr keine weiteren Geschwister unterstüt-

zend beiseite stehen könnten. Der Bruder F._______ trat gemäss dessen 

Akten letztmals im Oktober 2020 aktenkundig in der Schweiz auf ([…]); 

eine Vollzugserledigung betreffend sein rechtskräftig abgewiesenes Asyl-

gesuch oder gar seine Rückkehr nach Eritrea sind nicht aktenkundig. Die 

Schwester C._______ erlangt mit Urteil heutigen Datums ebenfalls einen 

Anspruch auf Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Über die von der Be-

schwerdeführerin in F28 der Anhörung erwähnten «paar Onkel» in Eritrea 

bestehen sodann keine weiteren Angaben insbesondere betreffend deren 

Unterstützungsfähigkeit. Als besonderes Erschwernis erwähnt die Be-

schwerdeführerin, dass sie ihre Heimat mit (…) (recte […]) Jahren verlas-

sen habe. Dieser Umstand wird von der Vorinstanz insofern weitgehend 

verkannt, als das SEM sich in der angefochtenen Verfügung bloss auf die 

zwischenzeitlich eingetretene und mithin nicht mehr als vollzugshinderlich 

betrachtete Volljährigkeit beruft, die mehrjährige Landesabwesenheit aus 

Eritrea und die Qualität der seither im Ausland verbrachten Jahre aber nicht 

in die Würdigung miteinbezieht. Die Beschwerdeführerin ist denn auch im 

heutigen Zeitpunkt rund zehn Jahre landesabwesend und sie hat praktisch 

den ganzen für die Persönlichkeitsbildung prägenden Lebensabschnitt im 

Ausland und insbesondere auch in der Schweiz verbracht. Hier hat sie sich 

nicht bloss auf ihre familiäre Bande zu ihren Geschwistern und deren Fa-

milien abgestützt, sondern durch ihre aktenkundigen eigenen Integrations- 

und Assimilierungsbemühungen und –erfolge zu ihrer Verwurzelung beige-

tragen. Sie verweist insoweit in ihrer Beschwerde zurecht auf die praxisge-

mäss mitzuberücksichtigende reziproke Wirkung einer Verwurzelung in der 

Schweiz auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges (vgl. 

BVGE 2009/51 E. 5.6; 2009/28 E. 9.3.2, Urteil D-5473/2019 vom 25. No-

vember 2019 E. 5.3.2). Die weitgehende Entwurzelung aus den heimatli-

chen Verhältnissen liegt angesichts des Erwogenen bei der Beschwerde-

führerin denn auch auf der Hand. Ebenfalls als Erschwernis in die Gesamt-

beurteilung einzubeziehen ist die Tatsache, dass sie die Rückkehr nach 

Eritrea als junge und alleinstehende Frau zu bewältigen hätte und gleich-

zeitig die Beziehung zu ihren in der Schweiz lebenden Geschwistern weit-

gehend aufgeben müsste. 

Ein Wegweisungsvollzug nach Eritrea erscheint somit angesichts des Er-

wogenen für die Beschwerdeführerin nicht zumutbar. Nach dem Gesagten 

kann offenbleiben, ob auch die von kriegerischen Ereignissen geprägte Si-

tuation im unmittelbar an den Herkunftsort der Beschwerdeführerin gren-

zenden Konfliktgebiet in J._______ einen Einfluss auf die vorliegende Zu-

mutbarkeitsprüfung gehabt hätte. 

E-686/2018 

Seite 16 

6.3.3 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin aufgrund der gesam-

ten vorliegenden Akten und Umstände Anspruch auf Anordnung der vor-

läufigen Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, 

zumal keine Anhaltspunkte für die Anwendbarkeit des Vorbehalts von 

Art. 83 Abs. 7 AIG erkennbar sind. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung be-

treffend den angeordneten Vollzug der Wegweisung Bundesrecht verletzt, 

im Übrigen aber rechtskonform ergangen ist. Die Ziffern 4 und 5 des Dis-

positivs der angefochtenen Verfügung sind entsprechend aufzuheben und 

das SEM ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin infolge Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Die Be-

schwerde ist insoweit teilweise gutzuheissen. Im Übrigen ist die Be-

schwerde abzuweisen. 

8.  

8.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 

Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist bezüglich ih-

res Hauptantrags auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft (mit entspre-

chender Aufhebung der angefochtenen Verfügung) unterlegen. Bezüglich 

des Wegweisungsvollzugs gilt sie als obsiegend. Praxisgemäss bedeutet 

dies ein hälftiges Obsiegen. 

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären somit die Kosten hälftig der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Vorliegend ist jedoch auf deren Erhe-

bung in Anbetracht des mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2018 gut-

geheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

zu verzichten. 

8.3 Der Beschwerdeführerin ist im Umfang ihres hälftigen Obsiegens für 

die ihr erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zu 

Lasten der Vorinstanz zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Die Rechtvertreterin hat in ihrer Beschwerde zwar eine Honorarnote in Aus-

sicht gestellt, eine solche aber nie eingereicht, weshalb die notwendigen 

Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine 

E-686/2018 

Seite 17 

VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 8–13 VGKE) ist der Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine 

(hälftige) Parteientschädigung im Betrag von insgesamt Fr. 1’000.– (inkl. 

Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c 

VGKE) zuzusprechen.  

8.4 Das vom Bundesverwaltungsgericht zugunsten der Rechtsvertreterin 

auszurichtende amtliche Honorar für das hälftige Unterliegen ist unter Be-

rücksichtigung der in der Zwischenverfügung vom 6. Februar 2018 erwähn-

ten Rahmenbedingungen auf insgesamt Fr. 800.– (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzu-

setzen (Art. 9–12 VGKE). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-686/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.   

Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung werden 

aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin infolge 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme zu 

gewähren. Die Beschwerde wird insoweit teilweise gutzuheissen. 

2.  

Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1’000.– auszurichten. 

5.  

Fürsprecherin Laura Rossi wird vom Bundesverwaltungsgericht für das 

Verfahren ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 800.– ausgerichtet. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Roswitha Petry Urs David 

 

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