# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4e4d031-b10d-56ff-bbb1-8b629b7b865c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.05.2020 D-44/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-44-2020_2020-05-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-44/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  M a i  2 0 2 0   

Besetzung 
 Richter Jürg Marcel Tiefenthal (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, 

Richterin Claudia Cotting-Schalch; 

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Sri Lanka,   

vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, 

(...),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 29. November 2019. 

 

 

 

D-44/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine sri-lankische Staatsangehörige tamilischer 

Ethnie, suchte am 10. November 2015 im Empfangs-und Verfahrenszent-

rum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Am 17. November wurde sie zu ihrer 

Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen befragt (Be-

fragung zur Person [BzP]). Dabei machte sie zur Begründung ihres Asyl-

gesuchs im Wesentlichen geltend, sie stamme aus C._______ (Distrikt 

D._______, Nordprovinz). Im Jahr (...) habe sie das A-Level bestanden, 

wobei die Noten für die Universität nicht ausreichend gewesen seien. Da-

nach habe sie bis zu ihrer Ausreise als (...) in einem (...) gearbeitet. Sie 

habe mit ihren Eltern, ihren beiden jüngeren Geschwistern und ihrer Gross-

mutter (...) zusammengewohnt. Am (...) 2015 habe sie an einer Studenten-

demonstration gegen die Vergewaltigung einer Schülerin teilgenommen. 

Dabei sei sie von (...) Männern beobachtet worden. Als sie dies bemerkt 

habe, habe sie sich von der Demonstration entfernt und mit dem Motorrad 

auf den Heimweg gemacht. Die (...) Männer seien ihr auf (...) Motorrädern 

gefolgt, es sei ihr aber gelungen, sie abzuschütteln. Die Männer seien dann 

während einer Woche immer wieder bei der Bushaltestelle hin- und herge-

fahren. Sie habe dies ihren Eltern erzählt, woraufhin ihr Vater sie fortan zur 

Bushaltestelle gebracht und wieder abgeholt habe. In der Folge seien die 

Männer nur noch sporadisch erschienen. Als später ihr Bruder sie zur Bus-

haltestelle begleitet und abgeholt habe, seien sie wieder regelmässig auf-

getaucht. Als sie am (...) 2015 von ihrem Bruder mit dem Motorrad zur Bus-

haltestelle gebracht worden sei, habe ihnen ein Kastenwagen (Van) den 

Weg abgeschnitten. (...) Männer seien ausgestiegen und hätten versucht, 

sie zu packen. Ihr Bruder habe versucht, sie zu beschützen, und es sei zu 

einem Handgemenge gekommen. Als sich ein Tuk Tuk genähert habe, 

seien die Männer geflüchtet. Der Tuk Tuk-Fahrer habe die Beschwerdefüh-

rerin und ihren Bruder in ein Spital gebracht. Dort habe sie aber aus Grün-

den der Ehre nichts über den Angriff gesagt. Am übernächsten Tag seien 

die Männer zu ihr nach Hause gekommen, als sie sich dort mit ihrer Mutter 

allein aufgehalten habe. Sie hätten das Haus auf der Suche nach ihr ge-

stürmt und dabei ihrer Mutter (...) gebrochen. Als diese vor Schmerzen ge-

schrien habe, sei ein Nachbar erschienen. Noch in der gleichen Nacht sei 

sie, die Beschwerdeführerin, von ihrem Vater nach Colombo gebracht wor-

den. Aber aus Angst vor den Männern habe sie nicht dort bleiben können. 

Am (...) 2015 sei sie mithilfe eines Schleppers mit einem gefälschten, auf 

den Namen E._______ lautenden Reisepass illegal auf dem Luftweg über 

F._______ nach G._______ gereist. 

D-44/2020 

Seite 3 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 20. April 2016 trat das SEM im Rahmen eines Dub-

lin-Verfahrens auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz und forderte die Beschwerdeführerin auf, die Schweiz am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, ansonsten sie in Haft ge-

nommen und unter Zwang nach Italien zurückgeführt werden könnte. Zur 

Begründung wurde ausgeführt, ein Abgleich mit der zentralen Datenbank 

zur Speicherung und Abfrage von Visumsdaten CS-VIS habe ergeben, 

dass ihr ein (...) Visum, gültig vom 7. bis 11. Oktober 2015, ausgestellt wor-

den sei. 

Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

B.b Gemäss Mitteilung des Kantons H._______ vom (...) 2016 galt die Be-

schwerdeführer seit dem (...) 2016 als verschwunden. 

B.c Mit Schreiben vom 20. Dezember 2017 informierte die damalige 

Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin das SEM, dass sich diese wie-

der in der Schweiz aufhalte. Sie habe seit dem (...) 2016 bei Bekannten in 

I._______ gelebt. 

B.d Da die Frist für die Überstellung nach Italien abgelaufen war, hob das 

SEM mit Verfügung vom 25. Januar 2018 seine Verfügung vom 20. April 

2016 auf und nahm das nationale Verfahren auf. 

C.  

C.a Am 13. März 2018 hörte das SEM die Beschwerdeführerin in Anwe-

senheit ihrer damaligen Rechtsvertretung einlässlich zu den Asylgründen 

an. Dabei machte sie zusätzlich zur BzP Folgendes geltend: 

Im Jahr (...) habe sie als Schülerin den ersten Preis bei einem (...)wettbe-

werb gewonnen. Dies habe sie dazu bewogen, in ihrer Freizeit Flüchtlingen 

in Flüchtlingslagern zu helfen, wie dies damals viele Studenten der Univer-

sität heimlich getan hätten. (...) habe sie A-Level-Prüfung abgelegt, aber 

nicht genügend Punkte zum Besuch der Universität erzielt. Im darauffol-

genden Jahr habe sie die Prüfung wiederholt. Das Resultat hätte ihr er-

laubt, (...) an einem College in J._______ zu besuchen, worauf sie aber 

wegen der Entfernung verzichtet habe. Wegen des Krieges habe es im 

Jahr (...) ständig Strassensperren und Kontrollen gegeben. Bei einer sol-

chen Kontrolle sei sie von einem Soldaten angeschaut worden. Dieser 

habe auch versucht, Singhalesisch mit ihr zu sprechen, aber sie habe ihn 

nicht verstanden. Nach Abschluss ihrer Schulzeit habe sie diesen Soldaten 

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Seite 4 

beim Besuch eines (...)-Kurses im Jahr (...) wiedergesehen, wobei er ihr 

seine Liebe gestanden habe. Da sie Angst um ihre Ehre und den Ruf ihrer 

Familie gehabt habe, sei sie auf seine Avancen nicht eingegangen und 

habe ihm gedroht, ihn bei seinem Kommandanten anzuzeigen, wenn er ihr 

weiterhin nachstellen würde. Sie habe auch eine Soldatin über sein Ver-

halten orientiert. Dies habe ihn verärgert. Er habe ihr am nächsten Tag ge-

droht, sie nicht in Ruhe zu lassen. Er wisse um ihre Hilfeleistungen und 

würde dafür sorgen, dass sie deswegen Probleme bekomme würde. Aus 

Angst habe sie den Besuch des Kurses abgebrochen, sei aber trotzdem zu 

den Prüfungen angetreten. Auf dem Heimweg sei sie am Kontrollpunkt von 

einem Kollegen des Soldaten in den danebenliegenden Garten gezerrt 

worden. Der besagte Soldat sei hinzugekommen, habe sie beschimpft, an-

gefasst und zu vergewaltigen versucht. Er habe dann von ihr abgelassen, 

sie jedoch bedroht, dass er sie und ihre Aktivitäten genau beobachten 

würde. Zuhause habe sie diesen Übergriff nicht erwähnt. Aus Angst, dass 

der Soldat sie zuhause aufsuchen könnte, sei sie zu ihrem (...) nach 

K._______ gegangen. Um sich abzulenken, habe sie ihre Sozialarbeit wie-

der aufgenommen. Sie habe an Schulen Geld für Waisenhäuser gesam-

melt und zuhause Verdächtigen und ehemaligen Kämpfern aus der Vanni-

Region Unterschlupf und finanzielle Unterstützung gewährt. Dann habe sie 

einen (...)-Kurs angefangen und nur noch an den Wochenenden Hilfeleis-

tungen erbracht. Aus Angst vor dem Soldaten sei sie aber nie alleine zum 

Kurs gegangen, sondern immer zusammen mit einer Kollegin. 

Wegen ihrer Teilnahme an der Demonstration vom (...) 2015 sei sie von 

(...) unbekannten Männern verfolgt und schliesslich am 15. September 

2015 überfallen worden, als sie mit ihrem Bruder auf dem Motorrad unter-

wegs gewesen sei. Nachdem die Täter sie (...) Tage später zuhause auf-

gesucht und ihrer Mutter bei der Stürmung des Hauses (...) gebrochen hät-

ten, habe ihr Vater sie noch in der gleichen Nacht zu einem Bekannten 

nach L._______ gebracht. Ihre Mutter habe Kontakt mit einem Schlepper 

aufgenommen, um die Ausreise zu organisieren. 

Nach ihrer Ausreise habe sie von ihrer Familie erfahren, dass die (...) Män-

ner dem Criminal Investigation Department (CID) angehörten. Diese seien 

vom besagten Soldaten informiert worden und hätten sie wegen ihrer Akti-

vitäten – dem Verfassen und Verteilen von (...) und (...), dem (...), ihrer Un-

terstützungsleistungen sowie der Demonstrationsteilnahme vom (...) 2015 

– gesucht. 

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Seite 5 

C.b Die Beschwerdeführerin reichte einen Geburtsregisterauszug, ein 

selbstverfasstes (...), (...) Zertifikate zum (...)wettbewerb und verschiedene 

Schulunterlagen zu den Akten. 

C.c Am 17. Juli 2019 ersuchte das SEM die Schweizer Vertretung in Co-

lombo um weitere Abklärungen. Dazu und zum Abklärungsergebnis der 

Botschaft vom 20. September 2019 wurde der Beschwerdeführerin am 

22. Oktober 2019 das rechtliche Gehör gewährt. Diese nahm dazu am 

12. November 2019 Stellung, wobei sie gleichzeitig medizinische Unterla-

gen und Röntgenbilder von ihrer Mutter sowie ein Berufsdiplom einreichte.  

D.  

Mit Verfügung vom 29. November 2019 – eröffnet am 2. Dezember 2019 – 

stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der 

Wegweisung. 

E.  

Mit Beschwerde vom 3. Januar 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be-

antragte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter die Aufhe-

bung der Verfügung vom 29. November 2019 sowie die Gewährung von 

Asyl. Eventualiter sei die Unmöglichkeit, die Unzulässigkeit und die Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und der Beschwerde-

führerin die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht er-

suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Bei-

ordnung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt. Auf die gleichzeitig 

eingereichten Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in 

den Erwägungen eingegangen. 

 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. Januar 2020 teilte der Instruktionsrichter 

der Beschwerdeführerin mit, sie dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und amtlichen Verbeiständung gut, verzichtete auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses und bestellte ihr Fürsprecher Daniel Weber 

als amtlicher Rechtsbeistand. 

G.  

Mit Instruktionsverfügung vom 10. März 2020 wurde die Vorinstanz zur Ein-

reichung einer Vernehmlassung bis zum 25. März 2020 eingeladen. 

 

D-44/2020 

Seite 6 

H.  

H.a Am 24. März 2020 reichte das SEM eine Vernehmlassung ein. 

 

H.b Die Vernehmlassung wurde dem Rechtsvertreter am 26. März 2020 

unter Einräumung des Replikrechts zur Kenntnis gebracht. 

H.c Die Replik der Beschwerdeführerin datiert vom 11. April 2020. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG 

(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-

herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des 

AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden wird. 

1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 Asyl). 

1.4 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) 

ist einzutreten. 

 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 7 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht sinngemäss zwei 

Verletzungen des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. E. 5.2). 

3.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat 

die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Ver-

fahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich 

relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis 

führen (beispielsweise durch die Einholung eines Gutachtens). Dieser 

Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der 

Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; 

BVGE 2015/4 E. 3.2 S. 75). Trotz des Untersuchungsgrundsatzes kann 

sich nämlich die entscheidende Behörde in der Regel darauf beschränken, 

die Vorbringen eines Gesuchstellers zu würdigen und die von ihm angebo-

tenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu 

müssen. Eine ergänzende Untersuchung kann sich jedoch aufdrängen, 

wenn aufgrund dieser Vorbringen und Beweismittel berechtigte Zweifel 

oder Unsicherheiten bestehen, die voraussichtlich nur mit Ermittlungen von 

Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 S. 414 f. 

sowie EMARK 1995 Nr. 23 E. 5a S. 222). 

3.3 Der Vorwurf, die Vorinstanz habe ihre Amtspflicht verletzt, weil sie ent-

gegen der Anregung der Hilfswerksvertreterin (HWV) kein psychiatrisches 

Gutachten eingeholt habe, ist unbegründet. Diesbezüglich ist vorweg auf 

die entsprechenden Ausführungen in der Vernehmlassung des SEM zu 

verweisen (vgl. E. 5.3). Zudem schloss die Vorinstanz aufgrund der Schil-

derungen der Nachstellungen und Übergriffe nicht aus, dass die Beschwer-

deführerin tatsächlich solche oder ähnliche Übergriffe erfahren hat. Ebenso 

wenig hat das SEM seine Amtspflicht dadurch verletzt, dass auf die Über-

setzung des im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten (...)s verzichtet 

wurde. Auch diesbezüglich kann auf die Vernehmlassung des SEM verwie-

sen werden (vgl. E. 5.3). Namentlich gelang es der Beschwerdeführerin 

auch nicht, einen Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten 

Vorfällen im Nachgang ihrer Teilnahme an der Demonstration vom (...) 

2015 und ihren (...), die sie in der Öffentlichkeit vorgetragen habe, sowie 

weiteren angeblichen regierungsfeindlichen Aktivitäten (insbesondere Un-

terstützung und Beherbergung von verdächtigen Personen aus der Vanni-

Region) glaubhaft zu machen (vgl. E. 5.5.2). 

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Seite 8 

3.4 Die Rügen, die Vorinstanz habe ihre Amtspflicht beziehungsweise den 

Untersuchungsgrundsatz verletzt, erweisen sich demnach als unbegrün-

det. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 

2015/3 E 6.5.1 und 2012/5 E.2.2). 

5.  

5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides führte die 

Vorinstanz aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten teils den 

Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG und teils denen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

 

Das SEM hielt einleitend fest, dass Teile ihrer Schilderungen substanziiert 

und detailreich ausgefallen seien, namentlich, was die erfahrenen Nach-

stellungen und Übergriffe betreffe. Deshalb sei nicht ausgeschlossen, dass 

sie tatsächlich solche oder ähnliche Belästigungen erfahren habe, wie sie 

bedauerlicherweise zahlreiche Frauen in Sri Lanka erlebten. Hingegen sei 

es ihr nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass die Belästigungen aus 

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einem in Art. 3 AsylG genannten Motiv erfolgt seien oder sie ein Risikoprofil 

erfülle, welches eine asylrelevante Verfolgung begründen könnte. 

Zunächst sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bei der BzP we-

der ihr Engagement zugunsten von Flüchtlingen und ehemaligen Kämpfern 

aus der Vanni-Region noch die Nachstellungen und den Übergriff durch 

einen Armeeangehörigen in den Jahren (...) und (...) erwähnt habe. Ange-

sichts der zentralen Bedeutung dieser Ereignisse, die Auslöser für das be-

hördliche Interesse an ihr gewesen sein sollten, erstaune, dass sie diese 

Vorbringen bei der ersten Befragung auch nicht ansatzweise vorgebracht 

habe. Bei der vertieften Anhörung zu den Asylgründen habe sie nämlich 

einen Kausalzusammenhang zwischen den Behelligungen durch den be-

sagten Soldaten, ihrer Sozialarbeit und ihrer Teilnahme an der Protestak-

tion vom (...) 2015 hergestellt. Ihre diesbezüglichen Erklärungen vermöch-

ten nicht zu überzeugen. Ihre Versuche, anlässlich der vertieften Anhörung 

ein Risikoprofil zu konstruieren, zeigten sich auch in weiteren Punkten. So 

sei kaum davon auszugehen, dass sie, hätte sie tatsächlich heimlich regie-

rungsfeindliche Aktivitäten und Unterstützungsleistungen ausgeführt, diese 

einem ihr feindlich gesinnten Armeeangehörigen gegenüber geradezu pro-

pagiert hätte. Sodann vermöge ihre Begründung, weshalb sie zuhause 

nicht sofort erwähnt hätte, dass sie nach der besagten Demonstration von 

unbekannten Männern auf Motorrädern verfolgt worden sei, nicht zu über-

zeugen. Auch das von ihr dargestellte Verhalten des CID sei nicht plausi-

bel, wobei insbesondere nicht einleuchte, weshalb das CID kriminell anmu-

tende Methoden benutzen sollte, um ihrer habhaft zu werden.  

Bezeichnenderweise habe sie zu ihrem angeblichen sozialen Engagement 

lediglich vage und oberflächliche Angaben gemacht und in diesem Zusam-

menhang seien auch Widersprüche festzustellen, die gegen die Glaubhaf-

tigkeit sprächen. Dabei sei sie Fragen zur Art und Weise ihrer Sozialarbeit 

immer wieder ausgewichen. Nebst der diesbezüglichen Substanzarmut fie-

len auch Widersprüche ins Auge, die verdeutlichten, dass es ihr nicht ge-

lungen sei, ihre Aktivitäten in einen Kausalzusammenhang einzubetten. 

Aufgrund der besagten Unglaubhaftigkeitselemente bestünden Zweifel an 

ihren Vorbringen. Insbesondere erschienen ihre angeblichen Unterstüt-

zungsleistungen für verdächtigte Personen aus der Vanni-Region vor ihrem 

biografischen Hintergrund ungewöhnlich. Deshalb habe das SEM die 

Schweizer Vertretung in Colombo um Abklärungen zu ihren Tätigkeiten so-

wie ihrem familiären und sozialen Umfeld gebeten. In ihrer Stellungnahme 

zu den Abklärungsergebnissen halte die Beschwerdeführerin am Wahr-

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Seite 10 

heitsgehalt ihrer Angaben fest. Entgegen ihren diesbezüglichen Ausführun-

gen ergänzten sich die Aussagen ihrer Mutter und ihre eigenen Angaben 

nicht. Vielmehr stünden sie teilweise sogar gänzlich im Widerspruch zuei-

nander. Die Abklärungsergebnisse untermauerten den Eindruck der Kon-

struiertheit der Vorbringen in Bezug auf die geltend gemachte Vorverfol-

gung. Die Erklärungsversuche der Beschwerdeführerin für die fehlende 

Kongruenz der Abklärungsergebnisse mit ihren Vorbringen überzeugten 

insgesamt nicht und müssten als reine Schutzbehauptung qualifiziert wer-

den, um die Auskünfte der Mutter in ein für sie günstigeres Licht zu rücken. 

Folglich sei ihre Stellungnahme nicht geeignet, die Einschätzung des SEM 

zu entkräften. Daran änderten auch die eingereichten Beweismittel nichts.  

Weder aus dem (...) noch aus den Schulunterlagen der Beschwerdeführe-

rin gehe eine asylrelevante Verfolgung hervor. Auch die im Rahmen ihrer 

Stellungnahme eingereichten Unterlagen stützten ihre Vorbringen nicht. 

Weder die medizinischen Unterlagen noch die Röntgenbilder von ihrer Mut-

ter belegten die Ursache für ihren (...), welcher vom SEM nicht bestritten 

werde. Aus dem Berufsdiplom gehe ebenso wenig hervor, dass sie in be-

sagtem (...) nach Abschluss der Ausbildung bis zu ihrer Ausreise gearbeitet 

habe. Selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, liesse diese Anstel-

lung keine Rückschlüsse auf eine asylrelevante Verfolgung oder ein erhöh-

tes Risikoprofil zu. 

Im Ergebnis sei somit festzuhalten, dass es ihr nicht gelungen sei, ein Ri-

sikoprofil glaubhaft zu machen und deswegen ins Visier der sri-lankischen 

Behörden gelangt zu sein. Ebenso wenig habe sie zu plausibilisieren ver-

mocht, dass allfällig erlittene sexuelle Belästigungen aus einem asylrecht-

lich relevanten Motiv erfolgt seien oder sie aufgrund eines Politmalus zur 

Zielscheibe von sexuellen Übergriffen geworden sei. Da ein asylrelevanter 

Gesamtkontext fehle, sei somit davon auszugehen, dass die erlittenen Be-

helligungen, soweit diese glaubhaft seien, lediglich lokalen Charakter auf-

wiesen und auf Verfolgungen von einzelnen Armeeangehörigen oder Zivi-

listen zurückgingen. Eine landesweite Verfolgung gehe aus ihrem Sachvor-

trag nicht hervor. 

Ihre Vorbringen hielten den Anforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht 

stand.  

Nachdem die Vorbringen betreffend die geltend gemachte Vorverfolgung 

nicht glaubhaft seien, sei gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Recht-

sprechung (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.9.1 

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Seite 11 

[als Referenzurteil publiziert]) anhand von sogenannten Risikofaktoren zu 

prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka 

dennoch begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im 

Sinne von Art. 3 AsylG habe. Sie sei vor ihrer Ausreise in Sri Lanka keinen 

asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen. Sie habe 

nach Kriegsende noch gut sechs Jahre in ihrem Heimatstaat gelebt. Allfäl-

lige zum Zeitpunkt ihrer Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich 

kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen 

vermocht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb sie bei ei-

ner Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten 

und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Auch die am 16. No-

vember 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von Gotabaya 

Rajapaksa vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Somit be-

stehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin 

bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 

in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-

setzt sein würde. 

5.2 Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Rechtsmitteleingabe an der 

Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen fest, wobei sie alle von ihr bei den Befra-

gungen gemachten Aussagen als richtig und wahr bestätigte. Sie wandte 

ein, die von der Vorinstanz in Sri Lanka getätigten Abklärungen seien un-

tauglich und nicht verwertbar. Auch sei ihr der Wortlaut des Berichts der 

Botschaft vorenthalten worden, weshalb sich nicht genau eruieren lasse, 

wie diese konkret vorgegangen sei. Sodann verwies sie auf das als Be-

weismittel eingereichte Schreiben ihrer Mutter, worin diese darlege, wes-

halb sie den ihr unbekannten Vertretern der Schweiz nicht die Wahrheit 

gesagt habe. Dieses Dokument widerlege die Abklärungen der Botschaft 

vor Ort und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen des SEM vollum-

fänglich. Der Beschwerdeführerin sei zwar das rechtliche Gehör zu den 

Abklärungen in Sri Lanka gewährt worden. Die Stellungnahme der früheren 

Rechtsvertreterin entspreche aber nicht den Angaben der Beschwerdefüh-

rerin, da die Rücksprache telefonisch mit ihrem (...) als Übersetzer erfolgt 

sei. Dieser habe nicht alles genau verstanden, weil er sich damals in einem 

Zug befunden habe. Deshalb sei die Übersetzung unvollständig und feh-

lerhaft. Die Beschwerdeführerin legte (...) von ihr aufgeschriebene (...) so-

wie die Übersetzung des bereits im vorinstanzlichen Verfahren eingereich-

ten (...) als Beweismittel ins Recht. Letzteres stelle aus ihrer Sicht ein zent-

rales Beweismittel dar. Da es nie übersetzt worden sei, habe das SEM 

seine Amtspflicht verletzt. Die (...) seien öffentlich vorgetragen worden und 

sie befürchte, dass sie wegen diesen öffentlichen Tätigkeiten (nebst Hilfe 

D-44/2020 

Seite 12 

an Waisenkindern) verfolgt werde. Bei ihrer Schilderung der Gründe und 

Urheber der geltend gemachten Verfolgung handle es sich um Spekulatio-

nen und nicht um Sachverhaltsschilderungen. Deshalb könnten sie nicht 

dazu dienen, ihre Glaubwürdigkeit zu beurteilen. Auch habe sie nie von 

Flüchtlingslagern, sondern von Waisenkindern gesprochen. Dies beruhe 

wohl auf einem Missverständnis bei der Bundesanhörung beziehungs-

weise sei falsch übersetzt worden. Dass sie im (...) erwerbstätig gewesen 

sei, werde sowohl durch das Schreiben ihrer Mutter als auch durch jenes 

des (...) belegt, das sie ebenfalls als Beweismittel einreichte. Auch die HWV 

erachte die Beschwerdeführerin als glaubwürdig. In dem als Beweismittel 

eingereichten Protokoll habe die HWV darauf hingewiesen, dass im Zu-

sammenhang mit den Selbstverletzungen der Beschwerdeführerin von 

Amtes wegen ein psychiatrisches Gutachten einzuholen sei. Dies sei von 

der Vorinstanz ignoriert worden. Dadurch habe sie ihre Amtspflicht verletzt. 

Sowohl die öffentlichen Vorträge und Hilfe an Waisenkinder als auch die 

geheimen Handlungen zugunsten von Vertriebenen aus der Vanni-Region 

könnten Grund dafür sein, dass die Beschwerdeführerin von Exponenten 

des Staates – möglicherweise des Geheimdienstes – verfolgt werde. 

5.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung hinsichtlich des Antrags der 

HWV auf Einholung eines psychiatrischen Gutachtens aus, die bereits bei 

ihrer Anhörung anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin habe auf Nach-

frage hin verneint, damals in psychiatrischer oder psychologischer Be-

handlung gewesen zu sein. Aus dem Anhörungsprotokoll hätten sich keine 

sonstigen Hinweise darauf ergeben, dass das Einholen eines Arztberichts 

für das Erstellen des rechtsgenüglichen Sachverhalts unabdingbar gewe-

sen wäre. Sie habe auch im späteren Verlauf des Asylverfahrens – bei-

spielsweise im Rahmen des ihr beziehungsweise ihrer Rechtsvertretung 

gewährten rechtlichen Gehörs zum Botschaftsbericht – keine entsprechen-

den Arztberichte eingereicht. Dies hätte von ihr nicht zuletzt auch im Rah-

men ihrer gesetzlichen Mitwirkungspflicht erwartet werden können, zumal 

sie damals anwaltlich vertreten gewesen sei. Auch auf Beschwerdeebene 

habe sie keine entsprechenden Berichte eingereicht. Gemäss Beschwer-

deschrift besuche sie eine Integrationslehre und werde ab Sommer eine 

(...)jährige Lehre als (...) absolvieren. Auch diese zweifellos lobenswerten 

Integrationsbemühungen zeugten nicht davon, dass die psychischen Prob-

leme derart gravierend wären, dass ihr die Bewältigung des Alltags nicht 

oder nur erschwert möglich wäre. Bezüglich der Rüge, dass das anlässlich 

der Anhörung eingereichte (...) nicht übersetzt worden sei, merkte das SEM 

an, dass sich aus diesem keine flüchtlingsrechtlich relevante und aktuelle 

Gefährdung der Beschwerdeführerin ergäbe. Zum einen sei nicht erstellt, 

D-44/2020 

Seite 13 

dass sie mit dem (...) den nationalen (...)wettbewerb im Jahr (...) gewonnen 

habe, sei doch davon auszugehen, dass sie mit einem politisch brisanten 

(...) keinen nationalen Wettbewerb gewonnen hätte. Zum andern wäre ein 

solches (...) auch nicht öffentlich vorgetragen worden. Die Tatsache, dass 

ein tamilisches (...) im Jahr (...) einen nationalen Wettbewerb gewonnen 

habe und öffentlich vorgetragen worden sein solle, zeuge – im Gegenteil – 

davon, dass sowohl Inhalt wie auch Verfasserin in den Augen der Behör-

den keine Gefahr für den sri-lankischen Staat dargestellt hätten. Im Übri-

gen verwies das SEM auf seine Erwägungen, an denen es vollumfänglich 

festhielt. 

5.4 Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Replik fest, dass die Beschwerde 

sehr wohl erhebliche neue Tatsachen und Beweismittel enthalte, die es 

durchaus rechtfertigen würden, dass die Vorinstanz ihren Standpunkt über-

denke. Diese habe nur zu zwei eher nebensächlichen Rügen der Be-

schwerde Stellung genommen. Die Vernehmlassung äussere sich nicht zu 

den zentralen Rügen. Auch fehle eine Auseinandersetzung der Vorinstanz 

mit den jüngsten Vollzugshindernissen im Zusammenhang mit der Covid-

19-Krise. 

5.5  

5.5.1 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde sind die Abklärun-

gen durch die Schweizer Vertretung in Colombo nicht zu beanstanden. Be-

reits im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Resultat der Abklärungen 

wandte die Beschwerdeführerin ein, ihre Mutter habe Zweifel gehabt, ob 

es sich tatsächlich um Angestellte der Schweizer Botschaft gehandelt 

habe. Die Familie habe in letzter Zeit mehrfach Besuche erhalten, die sie 

zu ihrer Tochter befragt hätten. Auch seien während der Befragung durch 

die Schweizer Vertretung viele Nachbarn anwesend gewesen, weshalb die 

Mutter angegeben habe, sie habe niemals Probleme mit den sri-lankischen 

Sicherheitsbehörden gehabt, und den Vorfall im Jahr 2015 nicht erwähnt. 

Das SEM führte dazu in der angefochtenen Verfügung zutreffend aus, die-

ser Einwand sei nicht nachvollziehbar, zumal die Beschwerdeführerin in 

ihrer Anhörung geschildert habe, wie die unbekannten Angreifer im Jahr 

2015 weggegangen seien, nachdem die Nachbarn, alarmiert durch die 

Schreie der Mutter, erschienen seien. Insofern vermag die Beschwerdefüh-

rerin aus der im Schreiben ihrer Mutter vom 28. Dezember 2019 sinnge-

mäss wiederholten Erklärung, weshalb sie den ihr unbekannten Vertretern 

der Schweizer Botschaft nicht die Wahrheit erzählt habe, nichts zu ihren 

Gunsten abzuleiten. Gestützt auf die Aktenlage ist dieses Beweismittel als 

Gefälligkeitsschreiben zu werten, mit welchem erneut versucht wird, die 

D-44/2020 

Seite 14 

Divergenzen zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin und den Ab-

klärungsergebnissen zu erklären. 

Der weitere Vorwurf in der Beschwerde, der Wortlaut des Berichts der Bot-

schaft sei der Beschwerdeführerin vorenthalten worden, weshalb sich nicht 

genau eruieren lasse, wie die Botschaft konkret vorgegangen sei, ist nicht 

stichhaltig. So wurde der Beschwerdeführerin der wesentliche Inhalt der 

Botschaftsanfrage vom SEM im Sinne von Art. 28 VwVG zur Kenntnis ge-

bracht und das Abklärungsresultat umfassend offengelegt. Somit ist die 

Gewährung des rechtlichen Gehörs rechtsgenüglich erfolgt (vgl. Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

[EMARK] 1994 Nr. 26 S. 192 ff.). Sodann muss sich die Beschwerdeführe-

rin allfällige Mängel bezüglich ihrer Stellungnahme anrechnen lassen be-

ziehungsweise wären diesbezügliche Übersetzungsprobleme von ihrer da-

maligen Rechtsvertretung im Rahmen der Stellungnahme vorzubringen 

gewesen. Der entsprechende Einwand erweist sich mithin als unbehelflich. 

5.5.2 Die Beschwerdeführerin wies den Vorwurf des SEM, ihre Vorbringen 

enthielten realitätsfremd anmutende Elemente, als pauschal und ungenü-

gend substanziiert zurück, weil eine sachgerechte Stellungnahme hierzu 

nicht möglich sei. Auch dieser Einwand verfängt nicht. So begründete das 

SEM dem Versuch der Beschwerdeführerin, nachträglich eine asylrele-

vante Verfolgung zu motivieren, insbesondere wie folgt: Gemäss ihren An-

gaben habe sie mit dem Soldaten, der kein Tamile gewesen sei und über 

ihre Aktivitäten Bescheid gewusst habe, diskutiert und ihm gesagt, dass sie 

ihren Leuten helfen würde und ein Recht habe, weiterzuleben, weil sie an 

guten Aktivitäten beteiligt sei. Eine solch unbedarfte Aussage gegenüber 

einem Armeeangehörigen, der sie angeblich bereits im Visier gehabt habe, 

wirke – so das SEM – angesichts der rigorosen Vorgehensweise der sri-

lankischen Sicherheitsbehörden gegenüber mutmasslichen Unterstützern 

der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) und Regierungskritikern eini-

germassen realitätsfremd. Hätte sie tatsächlich heimlich regierungsfeindli-

che Aktivitäten und Unterstützungsleistungen ausgeführt, sei kaum anzu-

nehmen, dass sie diese einem ihr feindlich gesinnten Armeeangehörigen 

gegenüber geradezu propagiert hätte. Sodann vermöge angesichts ihrer 

schlimmen Erfahrung mit dem Soldaten und dessen Drohungen auch ihre 

Begründung nicht zu überzeugen, weshalb sie zuhause nicht sofort er-

wähnt habe, dass sie nach der Demonstration vom (...) 2015 von unbe-

kannten Männern auf Motorrädern verfolgt worden sei. Schliesslich sei 

auch das von ihr dargestellte Verhalten des CID nicht plausibel. Insbeson-

dere leuchte nicht ein, weshalb das CID kriminell anmutende Methoden 

D-44/2020 

Seite 15 

benutzen sollte, um ihrer habhaft zu werden. Hätte der kleinste Verdacht 

bestanden, dass sie an regierungsfeindlichen Aktionen beteiligt gewesen 

wäre oder missliebigen oder verdächtigen Personen Unterschlupf gewährt 

hätte, wären die CID-Beamten professioneller vorgegangen und hätten 

sich auch kaum durch das Schreien der Mutter und Herannahen der Nach-

barn in die Flucht schlagen lassen. Die entsprechenden Erwägungen in der 

angefochtenen Verfügung sind weder pauschal noch unsubstanziiert aus-

gefallen, und erscheinen dem Gericht zutreffend. 

Dasselbe gilt hinsichtlich der weiteren Erwägung, wonach die Beschwer-

deführerin Fragen zur Art und Weise ihrer Sozialarbeit immer wieder aus-

gewichen sei und ihre Schilderungen zu Umfang und Qualität ihres Enga-

gements pauschal wirkten und nicht über Allgemeinplätze hinausgingen. 

Dazu ist zwecks Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorab auf die ent-

sprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen. 

Der in der Beschwerde erhobene Einwand, die Beschwerdeführerin habe 

nie von Flüchtlingslagern gesprochen, sondern von Waisenhäusern, die 

entsprechende Passage in der Bundesanhörung (vgl. […]) beruhe wohl auf 

einem Missverständnis und sei falsch übersetzt worden, weshalb sich der 

diesbezügliche Vorwurf in der angefochtenen Verfügung als haltlos er-

weise, trifft nicht zu. Aus den Akten ergeben sich diesbezüglich keine Hin-

weise auf Missverständnisse oder Übersetzungsfehler. Zwar brachte die 

Beschwerdeführerin anlässlich der Rückübersetzung des Protokolls hin-

sichtlich (...) drei Korrekturen beziehungsweise Präzisierungen an, diese 

betrafen aber nicht den besagten Einwand. So erklärte sie wörtlich, dass 

sie sich, als sie den (...)wettbewerb gewonnen habe, dafür interessiert 

habe, Leuten zu helfen. Damals hätten viele Personen in Flüchtlingslagern 

gelebt. Solchen Personen sei von Unistudenten heimlich geholfen worden. 

Dabei habe sie auch mithelfen wollen (vgl. a.a.O.). In der Folge habe sie 

insbesondere verdächtigen Personen, die aus der Vanni-Region nach 

D._______ gekommen seien, bei sich zuhause Unterkunft und finanzielle 

Unterstützung gewährt (vgl. […] und auch Geld für Waisenkinder gesam-

melt (vgl. a.a.O., […]). Sodann führte das SEM weiter zutreffend aus, dass 

nebst der Substanzarmut in Bezug auf das soziale Engagement auch Wi-

dersprüche ins Auge fielen, die verdeutlichten, dass es der Beschwerde-

führerin nicht gelungen sei, ihre Aktivitäten in einen zeitlichen und kausalen 

Zusammenhang einzubetten. So habe sie einerseits zu Protokoll gegeben, 

dass sie nach ihrer A-Level-Prüfung mit ihren Unterstützungsleistungen an-

gefangen habe. Dies sei ab (...) oder (...) gewesen. Ab (...) habe sie wegen 

der Probleme mit der Armee keine Tätigkeiten mehr ausgeübt, weil sie 

Angst gehabt habe, dass sie beobachtet und notiert würde (vgl. […]). Auf 

D-44/2020 

Seite 16 

Vorhalt habe sie präzisiert, dass sie diese Arbeit nicht bis (...) gemacht 

habe, sondern nur nach der A-Level-Prüfung bis zu den Problemen mit 

dem Soldaten (vgl. a.a.O., […]). In Abweichung dazu habe sie bei der freien 

Erzählung zu den Asylgründen angegeben, dass sie nach den Problemen 

mit dem Soldaten zur Ablenkung wieder ihre Sozialarbeit angefangen und 

auch Personen zu Hause beherbergt habe (vgl. a.a.O., F58). Später habe 

sie dann den (...)-Kurs absolviert und dort mit ihrer Arbeit als (...) angefan-

gen, weshalb sie ihre Hilfeleistungen nur noch an den Wochenenden habe 

weiterführen können (vgl. a.a.O.). Unter diesen Umständen und in Kombi-

nation mit dem Ergebnis der in Sri Lanka getätigten Abklärungen ist ein 

Kausalzusammenhang zwischen den Behelligungen durch den Soldaten, 

der geltend gemachten Sozialarbeit und den Vorbringen im Zusammen-

hang mit der Teilnahme an der Demonstration vom (...) 2015 zu verneinen. 

Insbesondere vermag die Erklärung der Beschwerdeführerin nicht zu über-

zeugen, sie habe die Probleme mit dem Soldaten anlässlich der BzP ver-

heimlicht, weil sie mit niemandem über diese Ereignisse gesprochen habe 

und es sich dabei nicht um ein Problem mit den Behörden, sondern um 

eine Liebeserklärung von einem Soldaten gehandelt hätte (vgl. a.a.O., 

[…]), habe ihr doch der Soldat gesagt, dass er über ihre Aktivitäten Be-

scheid wisse und ihr mit Problemen für den Fall gedroht, dass er seine 

Kenntnisse weiterleiten würde (vgl. a.a.O., […]). 

5.5.3 Nach dem Gesagten vermag die Beschwerdeführerin auch aus den 

beiden weiteren im Beschwerdeverfahren eingereichten (...) nichts zu ihren 

Gunsten abzuleiten, und zwar ungeachtet der Frage, ob sie tatsächlich von 

ihr verfasst und öffentlich vorgetragen wurden. Ebenso kann offen bleiben, 

ob sie, wie im Schreiben des (...) bestätigt wird, dort in der Zeit von (...) bis 

(...) gearbeitet hat, zumal – wie die Vorinstanz zutreffend ausführte – diese 

Anstellung keine Rückschlüsse auf eine asylrelevante Verfolgung oder ein 

erhöhtes Risikoprofil zulässt. 

5.6 Aufgrund der Akten ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-

men ausgesetzt sein wird. Das Bundesverwaltungsgericht hält diesbezüg-

lich fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop-List», Verbindung 

zur LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu 

qualifizieren, da sie unter bestimmten Umständen bereits für sich alleine 

genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Dem-

gegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine 

D-44/2020 

Seite 17 

zwangsweise respektive begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Nar-

ben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass 

diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor 

ernsthaften Nachteilen zu begründen vermögen. Jegliche glaubhaft ge-

machten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechsel-

wirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer 

Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 

bejaht werden müsse (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 

E. 8.5.5). 

 

5.7 Die Beschwerdeführerin vermochte keine asylrelevante Verfolgung vor 

ihrer Ausreise nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wobei eine da-

mals allfällig bestehende begründete Furcht vor Verfolgung zum heutigen 

Zeitpunkt zu verneinen ist. 

 

5.8 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht, 

was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin-

dest glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen 

in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzu-

gehen, da sie an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts 

zu ändern vermögen. Das SEM hat demnach zu Recht die Flüchtlingsei-

genschaft der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.  

6.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt; es 

berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. Die Beschwer-

deführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli-

gung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde zu Recht 

angeordnet. 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 83 Abs. 1 

AIG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

D-44/2020 

Seite 18 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-

liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder 

des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-

stehen.  

Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Be-

gründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der 

Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine 

Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-

dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch 

die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-

vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 E. 12.2 f.). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-

rechte (EGMR) hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt fest-

gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-

milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-

schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des 

EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, 

Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, 

die Beschwerdeführerin hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über ei-

nen sogenannten „Backgroundcheck“ (Befragung und Überprüfung von 

Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden oder dass sie 

dadurch persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zuläs-

sig. 

7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

7.3.1 Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in 

Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass 

der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des Vanni-Ge-

biets) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-

terien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen 

D-44/2020 

Seite 19 

Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und 

Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 E. 13.2). In seinem als Referenzurteil publizierten Entscheid 

erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins 

Vanni-Gebiet als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer 

D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Daran vermögen auch die An-

schläge am 22. April 2019 und der gleichentags von der sri-lankischen Re-

gierung verhängte Ausnahmezustand (Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 

22. April 2019, Colombo spricht von islamistischem Terror, 

< https://www.msn.com/de-ch/nachrichten/international/colombo-spricht-

von-islamistischem-terror/ar-BBWbdz3#page=1 >) nichts zu ändern (vgl. 

Urteil des BVGer D-2361/2019 vom 2. Juli 2019 E. 9.3). 

Des Weiteren wurde am 16. November 2019 Gotabaya Rajapaksa zum 

neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. NZZ, In Sri Lanka kehrt der 

Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar-

dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-

premadas-count-continues, abgerufen am 28. April 2020). Gotabaya Raja-

paksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Ma-

hinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungs-

sekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistin-

nen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er 

von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen 

verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human 

Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der 

Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premier-

minister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regie-

rung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kon-

trollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungs-

abteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in/news/world/ 

asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-

as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 28. April 2020). Be-

obachter und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten insbesondere 

mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechts-

aktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositio-

nellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flücht-

lingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 

21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament 

vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident 

löst das Parlament auf, 3.3.2020). 

D-44/2020 

Seite 20 

Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka 

bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt 

diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand 

durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-

gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind 

beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil 

E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, Human Rights Watch, Sri Lanka: Families 

of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen 

Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri 

Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-

gesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein 

persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts-

wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein solcher 

ist nach den vorstehenden Erwägungen zu verneinen. 

7.3.2 Die Beschwerdeführerin ist jung und leidet an keinen schwerwiegen-

den gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Nach dem A-Level-Abschluss 

besuchte sie gemäss eigenen Angaben verschiedene Kurse, liess sich zur 

Kosmetikerin ausbilden und verfügt über Berufserfahrung (vgl. […]). Ihre 

Eltern und (...) leben immer noch in C._______. Weitere Verwandte sind 

ebenfalls in der Gegend von D._______ wohnhaft. Die Familie besitzt ei-

nen Landwirtschaftsbetrieb und lebt in guten finanziellen Verhältnissen 

(vgl. […]). Somit ist von einem tragfähigen sozialen Beziehungsnetz in ih-

rem Heimatstaat auszugehen, durch das sie nötigenfalls bei der Wieder-

eingliederung unterstützt werden könnte. Im Bedarfsfall dürfte sie auch auf 

finanzielle Unterstützung durch ihre Verwandten in der Schweiz zählen 

können. Der Vollzug erweist sich deshalb auch in individueller Hinsicht als 

zumutbar. 

7.4  

7.4.1 Auch die Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht 

entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt 

voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, 

sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens 

zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporä-

ren Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. 

EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d und e). 

Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss 

temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-

dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem 

D-44/2020 

Seite 21 

etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst 

wird. 

7.4.2 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls not-

wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und 

dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung 

auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin 

die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit 

Zwischenverfügung vom 7. Januar 2020 ihr Gesuch um unentgeltliche Pro-

zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine 

Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich ihre finanzielle Lage (in der 

Schweiz) seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von 

Verfahrenskosten abzusehen. 

9.2 Mit der gleichen Verfügung wurde das Gesuch um amtliche Rechtsver-

beiständung gutgeheissen und der Beschwerdeführerin der rubrizierte 

Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Demnach ist 

diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im 

Beschwerdeverfahren auszurichten. In der zu den Akten gereichten Kos-

tennote werden ein zeitlicher Vertretungsaufwand von 14.3 Stunden à 

Fr. 270.–, Auslagen von Fr. 66.90 und eine Mehrwertsteuer von Fr. 302.40 

ausgewiesen. Der ausgewiesene zeitliche Aufwand scheint bezüglich der 

Besprechungen mit der Klientschaft nicht vollumfänglich angemessen. Un-

ter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und der 

Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen ist der Vertretungsaufwand 

D-44/2020 

Seite 22 

für das vorliegende Verfahren um 1.3 Stunden auf 13 Stunden zu kürzen. 

Wie dem Rechtsvertreter bereits mit Zwischenverfügung vom 7. Januar 

2020 mitgeteilt wurde, wird bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem 

Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte 

ausgegangen (Art. 8 Abs. 2, Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), weshalb 

der angeführte Stundenansatz von Fr. 270.– praxisgemäss auf Fr. 220.– 

zu reduzieren ist. Das amtliche Honorar für den Rechtsvertreter ist somit 

auf insgesamt Fr. 3'152.30 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) fest-

zusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-44/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zulasten der Gerichtskasse eine Ent-

schädigung von Fr. 3'152.30 zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jürg Marcel Tiefenthal Daniel Widmer 

 

 

Versand: