# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9c7dce78-08e7-5e83-9c6d-eea3155df876
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-20
**Language:** de
**Title:** Entscheid der IV-Stelle (Vereninung eines Rentenanspruchs) aufgehoben, da noch nicht alle erforderlichen medizinischen Abklärungen durchgeführt wurden. Rückweisung an die IV-Stelle zur Durchführung dieser Abklärung und Prüfung eines zumindest befristeten Rentenanspruchs.
**Docket/Reference:** IV.2015.01227
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.01227.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.01227
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Wilhelm
Urteil
vom
20. Juni 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Laube
Anwaltskanzlei Kieser Senn Partner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1978, war ab Juli 2012 als „Agent 24h Contact Center“ bei der
Y.___
SA angestellt
und bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) gegen die Folgen von Unfällen versichert
. Am
4.
Februar 2013 verlor er kurz vor sechs Uhr am Morgen auf vereister Strasse die Herrschaft über den von ihm gelenkten Personenwagen und prallte in eine Strassenlaterne (vgl. Unfallmeldung vom 5. Februar 2013 und den am 1
3.
Februar 2013 ausgefüllten Frag
ebogen zum Verkehrsunfall; Urk. 6/19/48-50
). Dabei zog er sich eine Fissur am Sternum und am zweiten Lendenwirbelkörper (LWK) eine Deckplattenimpressionsfraktur zu. Die Behand
lung der Unfallfolgen erfolgte notfallmässig und zog einen stationären Spital
aufenthalt bis zum
8.
Februar 2013 nach sich (vgl. Austrittsbericht des Stadt
spitals
Z.___
vom
8.
Februar 2013 und Arztzeugnis vom 1
9.
Februar 2013;
Urk.
6/19/17,
Urk.
6/16/19-20
). Die Helsana kam für die Kosten der Heilbe
handlung auf und sie richtete für die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit Tag
geldleistungen aus.
Mit Verfügung vom
1
1.
März 2014
stellte
die Helsana die Taggeldleistungen und die ärztliche Heilbehandlung per
1.
April 2014
ein
und bestätigte dies mit Einspracheentscheid vom
8.
Oktober 2014
(
6/107/19-51
). Dagegen erhob der Versicherte Beschwerde
(
Urk.
6/90)
. Dieses Verfahren ist unter der Verfahrensnummer UV.2014.00252 am hiesigen Gericht hängig. Der Entscheid wird mit heutigem Datum gefällt.
1.2
Am 2
6.
Juli 2013 hatte sich der Beschwerdeführer bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/16,
Urk.
6/22/1).
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 6/19/1-50,
Urk.
6/44/1-38
,
Urk.
6/80/1
-36
), holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) und einen Arbeitgeberbericht ein (Urk. 6/10,
Urk.
6/41), nahm verschiedene Unterlagen zur medizinischen Situation zu den Akten (Urk. 6/23-24,
Urk.
6/42,
Urk.
6/55,
Urk.
6/60
,
Urk.
6/62,
Urk.
6/68,
Urk.
6/70-72
) und veranlasste eine
orthopädische und psychiatrische
Untersu
chung durch
Ärzte ihres
Regionalen Ärztlichen Dienst
es
(RAD;
Urk.
6/53
,
Urk.
6/75
).
Am 2
6.
Mai 2015 erliess die IV-Stelle den Vorbescheid,
mit dem sie die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht stellte
(Urk. 6/84). Am
3.
Juni 2015, ergänzt am 2
3.
Juni 2015, erhob der Versicherte dagegen Ein
wände (Urk. 6/87,
Urk.
6/92). Am 1
9.
November 2015 erliess die IV-Stelle die Verfügung, mit der sie das Leistungsbegehren abwies (
Urk.
2 = Urk. 6/99).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
9.
November 2015 erhob der Versicherte am 27. November 2015 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Ent
scheid sei aufzuheben und es sei ihm ab
1.
Februar 2014 eine halbe Rente zuzusprechen (Urk. 1). Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 2
1.
Januar 2016 die Anordnung eines Gerichtsgutachtens und eventualiter die Rückweisung der Sache zwecks Vornahme weiterer Abklärungen (Urk. 5). In der Replik vom
2.
Februar 2016 hielt der Versicherte an seinem Rechtsbegehren fest (Urk. 8). Die IV-Stelle verzichtete auf Duplik (Urk. 11).
Mit Eingabe vom 6. Juni 2016 äusserte sich der Beschwerdeführer erneut zur Sache (Urk. 13 und
Urk.
14/1-3).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Be
i
ungenügenden Sachverhaltsa
bklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen
medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hä
lt oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
fällt in Betracht
, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht
unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesge
richts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin ausgeführt, die Abklärungen hätten ergeben, dass der Besc
hwerdeführer aufgrund des am 4.
Februar 2013 erlittenen Unfalls in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewe
sen sei. Die Unfallversicherung habe die nach dem Unfall ausgerichteten Taggeldzahlungen
per Ende März 2014 eingestellt, da medizinisch-theoretisch wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit habe ausgegangen werden können. Sie (die Beschwerdegegnerin) habe sodann geprüft, ob unfallfremde Leiden vorlä
gen. Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten nur die Unfallfolgen gehabt. Da der Beschwerdeführer bezüglich der Unfallfolgen aber bereits im April 2014 und damit zwei Monate nach Ablauf des Wartejahres wieder arbeitsfähig gewesen sei, liege keine langdauernde Arbeitsunfähigkeit vor.
Im Einwandver
fahren seien keine weiteren medizinischen Fakten genannt worden, die eine abweichende Beurteilung erforderten.
Die von den Ärzten des RAD attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % ab Februar 2014 sei bei Beachtung einer konsequen
ten konservativen Therapie schrittweise auf 100 % steigerbar. Die vom Psychi
ater
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie
, diagnostizierte schwere reaktive depressive Störung sei
ein
Folgezustand im Zusammenhang mit dem Unfall und keine eigenständige Erkrankung. Ein psy
chischer Befund als Beleg für eine schwere Depression fehle (Urk. 2 S. 1 ff.).
In der Beschwerdeantwort vom 2
1.
Januar 2016 führte die Beschwerdegegnerin aus, der angefochtene Entscheid basiere auf der versicherungsmedizinischen Einschätzung
der Unfallversicherung,
a
usgehend von der Beurteilung von Prof.
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates. Eine Auseinandersetzung mit der Mei
nung von Prof.
B.___
und der divergierenden Beurteilung der Ärzte des RAD habe nicht stattgefunden. Hinzu komme, dass Prof.
B.___
der jüngste Bericht des RAD nicht vorgelegen habe. Der angefochtene Entscheid beruhe somit auf einem nicht
genügend abgeklärten Sachverhalt
(Urk. 5 S. 2
Ziff.
3 lit.
b f.).
2.2
Der Beschwerdeführer
machte geltend
, aufgrund der Untersuchung
im Mai 2014 sowie aufgrund der Kontrolluntersuchung im April 2015
seien die Ärzte des RAD zum Schluss gekommen,
als Folge
des
somatischen Gesundheitsschadens liege
bis auf W
eiteres
eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
vor. Aus dem Bericht vom April 2015 ergebe sich zudem, dass zusätzliche klinische und radiologische
Abklärungen nötig seien. Ferner sei abzuklären, ob eine Operation nötig sei. Erst nach Vornahme dieser Abklärungen falle im weiteren Verlauf eine
s
chritt
weise Steigerung der Arbeitsfähigkeit in Betracht.
Die Beschwerdegegnerin habe die von ihr selbst aus orthopädischer Sicht als notwendig erachteten weiteren Abklärungen nicht durchgeführt, sondern stattdessen die von einer weiteren Untersuchung und dem Verlauf abhängige mögliche Steigerung der Arbeitsfä
higkeit als bereits eingetretene Tatsache behandelt. Damit habe sie die Abklä
rungspflicht gemäss
Art.
43 ATSG verletzt. Hinzu komme,
dass
auch aus psy
chiatrischer Sicht ein Leiden mit Krankheitswert nicht einfach verneint werden könne. Dies sei im Untersuchungsbericht jedenfalls nicht
nachvollziehbar dar
gelegt worden (Urk. 1 S. 3 ff.
Rz 4 ff.
).
In der Replik ergänzte der Beschwerdeführer, die Einholung eines weiteren Gut
achtens sei nicht erforderlich. Abgesehen von Prof.
B.___
, der sich im Übrigen für seine Beurteilung auf eine eigene, inzwischen 23 Jahre alte Publi
kation bezogen habe, seien alle anderen mit
der Sache befassten Ärzte (RAD-
Arzt
Dr.
C.___
und die behandelnden Ärzte
Dr.
A.___
und PD
Dr.
med.
D.___
,
Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie) zum Schluss gekom
men,
es bestehe in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %.
Eine vom Gericht oder von der Beschwerdegegnerin veranlasste Begutachtung könne die echtzeitlichen Akten bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit
nicht
ersetzen
(Urk. 8 S. 2 ff. Rz 1 ff.).
3.
3.1
Der beratende Arzt der
Helsana
, Prof.
B.___
(
Urk.
6/80/8-17, Urk. 6/80/22-35),
und der behandelnde Orthopäde,
Dr.
D.___
(
Urk.
6/42,
Urk.
6/44/7-8,
Urk.
7/44/10-11,
Urk.
7/55,
Urk.
6/68,
Urk.
6/80/6-7,
Urk.
6/86/1,
Urk.
6/97/6
-7)
, äusserten sich in verschiedenen Berichten und Stellungnahmen. Sodann untersuchte
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, den Beschwerdeführer.
Dr.
C.___
ist Arzt des Regionalen Ärztli
chen Dienstes (RAD) der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV
Stelle (
Urk.
6/53,
Urk.
6/74
).
3.2
Prof.
B.___
kam in der Aktenstellung
n
ahme vom 2
2.
September 2014 und im ergänzenden Bericht vom 1
5.
November 2014 (Urk.
6/80/13
ff., Urk.
6/80/29
ff.) zum Schluss, die durch den Unfall verursachte Kompres
sions
/Im
pressionsfraktur des
2.
Lendenwirbelkörpers habe zu einer bleibenden leichten Keildeformität dieses Wirbels geführt. Bildgebend (Röntgenbild vom März 2013) habe ein Winkel von 14 Grad ermittelt werden können. Die Hei
lungsvorgänge im Zusammenhang mit einer solchen Fraktur liefen schematisch nach biologischen Gesetzmässigkeiten ab. In diesem Fall handle es sich um eine Fraktur vom Kompressionstyp (AO-Klassifikation A1.2.1) mit in den Wirbelkör
per eingesprengtem Bandscheibengewebe. Die Ausheilungszeit bis zur ausrei
chenden Stabilisierung betrage nicht mehr als drei Monate.
Eine Wirbelkörperdeformation nach Fraktur mit keilförmiger Konfiguration und stehen gebliebener Wirbelkörperhinterkante sei per se eine stabile Verletzung. Die Untersuchung durch
den RAD
mehr als ein Jahr nach dem Unfall habe keine nach aussen hin sichtbare
n
, auf die Fraktur des zweiten Lendenwirbelkör
pers zurückzuführende
n
Wirbelsäulendeformation ergeben, etwa im Sinne einer akzentuierten Kyphose (=Rundrücken) oder einer kurzbogigen seitlichen skolio
tischen Komponente. Bei der Untersuchung durch den RAD sei
zwar
eine ein
geschränkte Beweglichkeit der Wi
rbelsäule festgestellt worden, e
ine derartige Funktionseinschränkung sei betreffend das für den Beschwerdeführer in Frage kommende Tätigkeitsprofil
jedoch
irrelevant. Bei der RAD-Untersuchung habe der Beschwerdef
ührer dem Orthopäden während 80
Minuten ohne Probleme
Rede und Antwort stehen können. Dies müsse als Ausdruck einer zumindest statisch leistungsfähigen Wirbelsäule angesehen werden.
Persistierende Beschwerden seien bei dieser Art von Wirbelfraktur keine Selten
heit und seien auf die Fehlstellung der kleinen Wirbelgelenke zurückzuführen. Bei grösseren Fehlstellungen der Wirbelsäule beträfen die
Auswirkungen auch weiter
entfernte Bereiche, was hier aber kaum der Fall sei. Hier konkurriere ein eventuell posttraumatischer Zustand mit den häufigen degenerativen Verände
rungen an der unteren Lendenwirbelsäule. Nachdem die eigentliche Wirbel
fraktur in leichter Fehlstellung verheilt sei, finde jetzt noch eine symptomati
sche Therapie statt.
Patienten seien ein Jah
r nach Wirbelfrakturen leichter
en Grades ohne neu
ro
logi
sche Beteiligung durch Adaption und Gewöhnung beschwerdefrei oder beschwerdearm und könnten ihrer früheren Beschäftigung nachgehen, sofern nicht ein besonders rückenstrapazierendes Betätigungsprofil vorliege. Diese Erfahrungen hätten bereits seit längerer Zeit Eingang in die Literatur gefunden, die sich mit der beruflichen Reintegration Unfallverletzter beschäftige.
Im Integrationsleitfaden Unfall des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV) wer
de bei Deckplattenimpressionen
von einer maximalen Behandlungs
dauer von 16 Wochen und hernach bei körperlicher Tätigkeit von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit während 6 Wochen und einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % während zwei Wochen ausgegangen. Bei geistiger Tätigkeit betrage die vollständige Arbeitsunfähigkeit 2 Wochen, woran sich eine Arbeitsunfähig
keit von 50 % während einer Woche anschliesse. Nach gesicherter ärztlicher Erfahrung korrelierten die funktionellen Beeinträchtigungen der Wirbelsäule
mit dem Ausmass der verblieben
en posttraumatischen Verformung am Wirbelkör
per, so dass die Röntgenanatomie Anhaltspunkte liefere, wie eine plausible Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen sei. Nach dieser Regelhaftigkeit sei der erwähnte Leitfaden aufgebaut. Das Zeitschema sei beim Beschwerdefüh
rer um ein Vielfaches überschritten. Eine über den
1.
April 2014 hinausgehende Dispensierung aufgrund der Unfallfolgen an der Wirbelsäule sei
bezüglich angepasster Arbeit
nicht plausibel.
3.3
Dr.
C.___
fasste gestützt auf die Untersuchung des Beschwerdeführers am
6.
Mai 2014 zusammen, der Beschwerdeführer leide an einer schmerzhaften Bewe
gungs
einschränkung der Lendenwirbelsäule nach einer Deckplattenimpressions
fraktur am zweiten Lendenwirbelkörper mit innerer Diskusherniation und zuneh
mender Bandscheibenverschmälerung. Aufgrund der medizinischen Berich
te und der Ergebnisse der Untersuchung sei ein unfallbedingter somati
scher Gesundheitsschaden ausgewiesen. Dieser beeinträchtige die Arbeitsfähig
keit. Der Zustand sei noch nicht stabil. In der bisherigen Tätigkeit als kaufmän
nischer Angestellter bestehe aus somatischer Sicht seit Februar 2014 eine Arbeitsfähig
keit von 50 % (Bericht vom
6.
Mai 2014;
Urk.
6/53
S. 6 ff.).
Am 1
6.
April 2015 untersuchte
Dr.
C.___
den Beschwerdeführer erneut und berich
tete, gestützt auf die aktuell erhobenen klinischen Befunde und die anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers habe sich die orthopädische Situation im Vergleich zum Zustand vor einem Jahr nicht verändert. Ungeklärt sei weiterhin, ob nicht eine operative Behandlung erfolgen müsse. In der bishe
rigen Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter
bestehe weiterhin und bis auf W
eiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Dabei handle es sich um einen Ein
stiegswert, da medizinisch-theoretisch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
unter der Voraussetzung einer konsequent durchgeführten konservativen The
ra
pie mit Kräftigung der Rumpfmuskulatur - im Verlauf mit einer Steigerung gerechnet werden könne. Unbedingt erforderlich sei indessen eine erneute kli
ni
sche und radiologische Abklärung zur Klärung der Frage, ob eine operative Inter
vention notwendig respektive zu empfehlen sei. Abhängig vom Resultat die
ser Untersuchung und dem weiteren Verlauf sei dann die tatsächlich mögli
che und zumutbare Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu beurteilen (Urk.
6/74
S.
5 f.).
3.4
Der behandelnde Orthopäde,
Dr.
D.___
, berichtet
e mehrfach über den Verlauf
(
Urk.
6/42,
Urk.
6/44/7-8,
Urk.
7/44/10-11,
Urk.
7/55,
Urk.
6/68,
Urk.
6/80/6-7,
Urk.
6/86/
3
,
Urk.
6/97/6-7
). In
den Berichten
erwähnte
er
e
inen prolongierten Heilungsprozess
. Der Beschwerdeführer habe fortgesetzt über persistierende Schmerzen im Frakturbereich
geklagt
. Mehrfach seien Facettengelenksinfiltrati
onen durchgeführt worden. Aufgrund der ausgeprägten Restbeschwerden habe keine Arbeitsfähigkeit über 50 % attestiert werden können. Am
6.
Mai
2014 hielt
Dr.
D.___
fest, die angegebenen Beschwerden seien glaubhaft und auf
grund der Fehlstellung beziehungsweise der Osteochondrose mit kompensatori
scher, tieflumbaler Hyperlordose erklärbar (Urk.
6/55/1
). Am
3.
November 2014 führte
Dr.
D.___
aus, es lägen zweifellos unfallbedingte Schäden vor. Die Deckplattenimpressionsfraktur habe zu einer Kyphosierung des Bandscheibenfa
ches L1/2 geführt. Zusätzlich habe der Unfall eine Verletzung der Bandscheibe L1/2 und eine zunehmende Dehydration der Bandscheibe von L1/2 zur Folge gehabt. Ein Endzustand sei noch nicht erreicht. Eine weitere therapeutische Option sei eine Radiofrequenztherapie nach vorheriger Testung. Bei zunehmen
der Kyphosierung des Bewegungssegments L1/2 sei auch eine Operation zu erwägen (Urk.
6/86/3
).
4.
4.1
Zentrale Frage des Rechtsstreites ist, ob aus medizinischer Sicht rechtsgenüg
liche Entscheidungsgrundlagen vorliegen. Die Beschwerdegegnerin stützte
sich
beim Erlass der angefochtenen Verfügung auf die Beurteilung des Orthopäden Prof.
B.___
, der zum Schluss gekommen war, der Beschwerdeführer sei wieder arbeitsfähig
. In der Beschwerdeantwort vertrat sie die Auffassung, der Sachverhalt sei noch abklärungsbedürftig. Der Beschwerdeführer erachtet die Beurteilung von
Dr.
D.___
als
massgebend
, der bis auf W
eiteres von einer Beschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % sowohl in der ange
stammten als auch in ein
er angepassten Tätigkeit ausging
.
4.2
Der Beschwerdeführer kritisiert
e
,
Prof.
B.___
habe
die innere Diskusherni
ation, die zunehmende Bandscheibenverschmälerung und die segmentale Kypho
se
im Bewegungssegment
L1/
2 nicht erwähnt (Urk. 8 S. 3 Rz
3.3). Prof.
B.___
erwähnte tatsächlich weder eine Bandscheibenverschmälerung noch eine Kyphose. Letztere verneinte er sogar ausdrücklich (
Urk.
6/6/80/31
Ziff.
1).
Prof.
B.___
hielt fest
, eine bildgebende Untersuchung im März 2013 habe gezeigt, dass die Wirbelfraktur in leichter Fehlstellung abgeheilt sei (bleibende Keildeformität mit einem Winkel von 14 Grad; Urk. 13/M15 S. 7,
Urk.
13/M17 S. 10).
Dr.
D.___
berichtete am
2
3.
Juni 2014
über
eine am 1
9.
Februar 2014 erfolgte bildgebende Untersuchung (Kernspintomographie)
,
anlässlich der eine deutliche Kyphosierung festgestellt worden sei
(Urk.
6/
97/6
). Die Konsultation bei Dr.
D.___
vom 1
9.
Februar 2014 erwähnte Prof.
B.___
zwar, nicht jedoch den erwähnten bildgebende
n
Befund (vgl.
Urk.
6/80/11
und
Urk.
6/80/25
).
Es bleibt offen, ob ihm der Befund
vorlag
. Offen ist auch
,
welche
anderen
bildgebenden Befunde
Prof.
B.___
zur Verfügung standen. Expli
zit erwähnt
e
er
nur ärztliche Berichte, die seit dem Unfall über die Behandlung und
den
Verlauf von den verschiedenen Ärzten verfasst
worden waren
.
Fest steht
, dass er den Beschwerdeführer persönlich nicht untersucht hat, wobei letzteres nicht zu seinem Auftrag zählte. Inwiefern er die Beurteilung von
Dr.
D.___
, der eine deutliche K
yphosierung erwähnte, überprüft
und eine solche
begründet
ausschliessen konnte,
erschliesst sich aus seinen Darlegungen nicht
.
4.3
Anders als Prof.
B.___
untersuchte
Dr.
C.___
den Beschwerdeführer
insge
samt zweimal
per
s
önlich.
Die bildgebenden Befunde, die ihm zur Verfügung standen, bezeichnete er explizit (Urk. 6/53/6). Bereits im ersten Untersuchungs
bericht vom
6.
Mai 2014 kam er zum Schluss, bezüglich der Wirbelfraktur sei der Zustand noch nicht stabil und es liege eine um 50 % reduzierte Arbeitsfä
higkeit vor. Der weitere Verlauf müsse abgewartet werden und weitere Untersu
chungen hätten zu erfolgen (Urk. 6/53/7
Ziff.
9 f.). Im Bericht vom 2
1.
April 2015 stellte
Dr.
C.___
fest,
der
Zustand nach einem Jahr habe sich nicht verbes
sert, was nicht zuletzt auch auf den Umstand zurückzuführen sei, dass keine konsequente Therapie stattfinde.
Unbedingt erforderlich seien erneute klinische und radiologische Abklärungen zur Beantwortung der Frage, ob eine operative Intervention notwendig respektive zu empfehlen sei. Abhängig vom Resultat dieser Untersuchung und dem weiteren Verlauf sei dann die Arbeitsfähigkeit und deren Steigerung zu beurteilen (Urk. 6/74/4 5 f.
Ziff.
9 f.). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
1 S. 5 Rz 13), nahm
Dr.
C.___
keine Kehrtwende vor. Bereits im ersten Bericht stellte er einen nicht stabilisierten Zustand fest und erachtete weitere Abklärungen für notwendig, vorerst in Form
von Verlaufsuntersuchungen. Ein
Jahr später stellte er einen unveränderten Zustand fest und wies
erneut
auf die Notwendigkeit
weiterer Abklärungen
hin.
4.4
Anders als
Dr.
C.___
erachtete
Prof.
B.___
die Wirbelfraktur als abgeheilt und ging bezüglich der posttraumatischen
Deformation
von einer günstigen Prognose aus (Urk.
6/80/32
).
Dr.
D.___
erwähnte in der Stellungnahme vom
3.
November 2014 ein operatives Vorgehen für den Fall einer weiteren Kypho
sierung (Urk.
6/86
). Somit schloss er eine
ungünstige
Entwicklung nicht aus. In dieses Bild passen die sowohl von
Dr.
D.___
als auch von
Dr.
C.___
erwähn
ten und als objektiv beurteilten erheblichen Schmerzen des Beschwerdeführers. Auch Prof.
B.___
verwies in seinen Ausführungen betreffend Integritäts
schaden auf
Dr.
C.___
und die von ihm geschilderte grosse Zahl von Schmer
zauslösungen an verschiedenen Stellen des Körpers (
Urk.
6/80/32
). Vor diesem Hintergrund vermag die Beurteilung von Prof.
B.___
, es liege ein stabili
sierter Zustand und seit spätestens
1.
April 2014 wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit
vor
(Urk.
6/80/34
), nicht zu überzeugen. Entgegen der Ansicht von Prof.
B.___
(vgl.
Urk.
6/80/34
f.) basiert die Beurteilung von
Dr.
C.___
primär auf der durch den Unfall verursachten Problematik im Bereich der Len
denwirbelsäule. Nur diesbezüglich stellte
Dr.
C.___
eine Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl.
Urk.
6/74
S. 6
Ziff.
3). Hinzu kommt, dass
Dr.
C.___
den Beschwerdeführer nicht nur im Mai 2014 (vgl.
Urk.
6/53
), sondern rund ein Jahr später im April 2015 erneut untersuchte und wiederum zum Schluss kam, dass
weiterhin
eine A
rbeitsfähigkeit von 50 % bestehe
und
noch
nicht alle Abklärungs- und Behandlungsoptionen ausgeschöpft worden seien (Urk.
6/74
S. 6
Ziff.
10).
4.5
Ob und in welchem
Ausmass sich der Beschwerdeführer
der erforderlichen
physi
kalischen Kräftigungstherapie unterzogen hat,
ist nicht geklärt
.
Die
ärztli
chen Berichte geben hierzu nur unzureichend Auskunft.
Dr.
D.___
schlug als weitere Massnahme eine
Radiofrequenztherapie vor (Urk.
6/97/7,
Urk.
6/86
).
Nötig
sind gemäss
Dr.
C.___
zusätzliche
bildgebende Untersuchungen und die definitive Klärung der Frage, ob ein operatives Vorgehen
den
Zustand erheblich zu verbessern vermag
. Erst dann ist gemäss
Dr.
C.___
eine schrittweise Steige
rung der Arbeitsfähigk
eit konkret ins Auge zu fassen
(Urk.
6/74
S. 6
Ziff.
10).
Da die Arbeitsfähigkeit im Anschluss an die noch nötigen Abklärungen schritt
weise nach ärztlicher Festlegung zu steigern ist, erfolgte der Hinweis der Beschwer
degegnerin an den Beschwerdeführer betreffend Schadenminderungs
pflicht (vgl.
Urk.
6/83) verfrüht respektive lässt sich
daraus bislang
noch nichts zu Lasten des Beschwerdeführers ableiten.
4.6
Die Darlegungen von
Dr.
C.___
vermögen
insgesamt
zu überzeugen. Sie stützen sich auf eine zweimalige persönliche Untersuc
hung des Beschwerdeführers. Dr.
C.___
konnte insbesondere den Verlauf über ein Jahr berücksichtigten. Die zweite Untersuchung im Frühjahr 2015 bestätigte die Einschätzungen der ersten Untersuchung vom Mai 201
4.
Seine Schlussfolgerungen lassen sich anhand der erhobenen Befunde nachvollziehen. Allerdings ist seine Beurteilung nicht abschliessend, was
Dr.
C.___
selber betonte. Beispielsweise konnte er neuere bildgebende Befunde (die nach Angaben des Beschwerdeführers im Januar oder Februar 2015 erhoben wurden) nicht berücksichtigen (
Urk.
6/74
S. 5).
Auch die Beschwerdegegnerin verwies in der Beschwerdeantwort auf die noch
ergän
zungsbedürftige
Sachverhaltsabklärung
aus orthopädischer Sicht (
Urk.
5 S. 2
Ziff.
3 lit. b)
.
Es besteht somit ein weiterer Abklärungsbedarf, ob und in wel
chem Umfang mit einer bleibenden erwerblichen Beeinträchtigung zu r
echnen respektive in welchem Zeitrahmen die Erwerbsfähigkeit
verbessert oder
wieder
hergestellt werden kann.
4.7
Da die Arbeitsunfähigkeit bereits längere Zeit andauert, ist
zu prüfen, ob der Beschwerdeführer gegebenenfalls Anspruch auf eine Rente hat.
Das Wartejahr im Sinne von
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG begann am
4.
Februar 2013 (Unfalltag) zu laufen. Ab dann lag zunächst eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor
. Im weiteren Verlauf variierte die attestierte Arbeitsunfähigkeit, betrug aber stets mindestens 50 % (vgl.
Urk.
6/19/9)
. Mit Ablauf des Wartejahres im Februar 2014 betrug die
Arbeitsunfähigkeit
gemäss den Darlegungen von
Dr.
C.___
50 %. A
uch anlässlich der zweiten Untersuchung
durch
Dr.
C.___
im April 2015 dau
erte
die Arbeitsunfähigkeit in diesem Umfang an
. Die verbliebene Restarbeitsfä
higkeit konnte der Beschwerdeführer sowohl in der angestammten als auch in jeder anderen angepassten Tätigkeit verwerten
(Urk. 6/53/7
Ziff.
10,
Urk.
6/74/6
Ziff.
10).
Am 2
6.
Juli 2013 hatte sich der Beschwerdeführer bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/16,
Urk.
6/22/1).
Gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG konnte der
Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs entstehen,
das heisst im Januar 201
4.
Da das Wartejahr aber erst im Februar 2014 ablief,
ist der Rentenanspruch
ab dann
näher zu prüfen. Dies hat unter Berücksichtigung der gegebenenfalls auch aus psychiatrischer Sicht
beachtlichen
erwerblichen Beeinträchtigung zu er
folgen (vgl. nachstehende E. 5.5
).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer
macht geltend, auch aus psychischen Gründen sei er beein
trächtigt, auch wenn RAD Arzt med. pract.
E.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, dies gestützt
auf seine Untersuchung vom 16.
April 2015 (vgl.
Urk.
6/75) verneint habe. Demgegenüber habe der behan
delnde
Psychiater
Dr.
A.___
eine erhebliche und dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht attestiert (Urk. 1 S. 6 f. Rz 17 ff.).
5.2
Dr.
A.___
stellte
zunächst (Bericht vom
8.
Juli 2014) die Diagnose einer reak
tiven depressiven Störung
.
Er
beschrieb den Beschwerdeführer als niederge
schlagen, hoffnungslos, reizbar, emotio
nal instabil
mit schlechtem Schlaf und reduzierten kognitiven Fähigkeiten.
Er
attestierte ab
7.
Februar 2014 eine
voll
ständige Arbeitsunfähigkeit als kaufmännischer Angestellter (Urk. 6/60/1). In der Folge (Bericht vom
3.
Dezember 2014 resp. 1
3.
Januar 2015)
stellte
Dr.
A.___
die
Diagnose eine
r
mittel- bis schwergradige
n
depr
essive
n
Episode gemäss ICD-10: F
32.1-F32.
2.
Als Symptome nannte
er
eine traurige Stimmung, Angstzustände, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Für die Zeit ab
1.
April 2014 ging
er
von einer Arbeitsunfähigkeit von nunmehr 50 % aus (Urk. 6/72/1).
5.3
Med. pract.
E.___
untersuchte den Bes
chwerdeführer am 1
6.
April 2015 und
nannte als Diagnose
n
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpas
sungsstörung (ICD-10 F43.2) und psychosoziale Belastungen (Schulden, Arbeitslosigkeit, drohender Wohnungsverlust;
Urk.
6/75/5
Ziff.
11
). Er hielt fest
, der Beschwerdeführer sei pünktlich zur Untersuchung erschienen und habe bereitwillig Auskunft gegeben. Es habe ein häufiger Blickkontakt bestanden. Die Gedankengänge seien zusammenhängend gewesen und der Beschwerdeführer habe ausgiebig von sich aus berichtet. Sinnestäuschungen, Ich-Störungen und inhaltliche Denkstörungen seien nicht wahrnehmbar gewesen
und es habe keine Suizidalität bestanden
. Affektiv sei der Beschwerdeführer gut schwingungsfähig (mehrfaches Lachen bei Scherzen, Tränen bei schmerzhaften Darstellungen) und die Mimik
sowie die
Gestik seien lebhaft gewesen.
Der Beschwerdeführer sei während der gesamten Untersuchungszeit (140 Minuten) aufmerksam und kon
zentriert gewesen (Urk. 6/75/4
Ziff.
8).
Zur Einschätzung von
Dr.
A.___
hielt
med. pract.
E.___
fest, die depressive Stimmungslage sei als Folge des Unfalles
und der damit zusammenhängenden Beschwerden erkannt worden und nicht ein
e
eigenständige Erkrankung (Urk. 6/75/5
Ziff.
10).
5.4
Die von med. pract.
E.___
beschriebenen Befunde
(vgl. vorstehende E. 5.3) und seine
weiteren Feststellungen (keine Hinweise a
uf Zwangsgedanken, Aggrava
tion oder
Selbstli
mitierung) lassen seine Einschätzung, es liege kein
e
die Arbeits
fähigkeit beeinträchtigende Arbeitsunfähigkeit vor, als nachvollziehbar erscheinen. Dafür spricht auch, dass der Beschwerdeführer intakte soziale Beziehungen schilderte (Freundin und deren Kinder, Kontakte mit Kollegen, Kontakt zum eigenen
,
nicht bei ihm lebenden
Kind) und sich selbst psychisch nicht in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sieht (Urk. 6/75/4
Ziff.
8).
Dr.
A.___
begründete seine Beurteilung nicht näher. Die von ihm erwähnte Stimmungslage (Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, emotionale Instabi
lität
; vgl.
Urk.
6/62/1
) waren bei der Untersuchung durch med. pract.
E.___
jedenfalls nicht mehr wahrnehmbar. Der Beschwerdeführer erwähnte lediglich
noch Ängste beim Einschlafen (Urk. 6/75/4
Ziff.
8). Dies allein
deutet
indessen nicht
auf
eine erhebliche erwerbliche Beeinträchtigung
hin
. Die anlässlich der RAD-U
ntersuchung erhobenen Befu
nde sprechen
vielmehr
für eine Besserung
der psychischen Befindlichkeit des Beschwerdeführers.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestand im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfü
gung keine relevante erwerbliche Beeinträchtigung aus psychiatrischer Sicht
mehr
. Eine genauere Bewertung der von
Dr.
A.___
gestellten Diagnose (
eigens
tändige oder reaktive Störung) kann bei
dieser Sachlage offen bleiben, denn f
ür die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit
ist
nicht
die Diagnose, sondern es
sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beei
nträchtigung zu berücksichtigen (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
5.5
Med. pract.
E.___
vermochte im Zeitpunkt seiner Untersuchung (1
6.
April 2015) keine Arbeitsunfähigkeit mehr aus psychiatrischer Sicht festzustellen (vgl.
Urk.
6/75/5
Ziff.
11). Für die Zeit davor attestierte
Dr.
A.___
zunächst ab
7.
Februar 2014 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und ab
1.
April 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
(vorstehende E. 5.2).
Da er von einer Verminde
rung bezüglich Konzentration, Auffassung, Anpassung und Belastbarkeit aus
ging (vgl.
Urk.
6/63/1)
,
ist von einer Beeinträchtigung in grundsätzlich allen in Frage kommenden Tätigkeiten auszugehen.
Ab dem Zeitpunkt des frühest mög
lichen Rentenbeginns, das heisst ab
Februar
2014
,
ergibt
sich
damit
eine wei
testgehend
e
Übereinstimmung mit der
attestierten
Arbeitsunfähigkeit aus soma
tischer Sicht.
Die beiden Arbeitsunfähigkeiten kumulieren sich nicht. Eine vorübergehend höhere Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (nämlich 100 %) wurde nur für die
Zeit
ab dem
7.
Februar bis Ende März 2014
attestiert
. Die
knapp
zwei Monate mit einer höheren Arbeitsunfähigkeit vermögen sich
indessen
nicht auf den Leistungsanspruch auszuwirken. Erforderlich ist eine Veränderung von mindestens drei Monaten (
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV).
Zum Ren
tenanspruch gilt somit das in vo
rstehender Erwägung 4.7 Ausgeführte.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass
beim Erlass der angefochtenen Verfügung
noch nicht mit der erforderlichen Gewissheit (Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit) feststand, welche funktionellen Auswirkungen die erlittene Wirbelfraktur
längerfristig
auf die erwerbliche Leistungsfähigkeit des Beschwer
deführers hat.
Insbesondere
war
en
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses noch nicht
alle
massgebliche
n
Abklärungen
abgeschlossen.
An dieser Sachlage ändern auch die vom Beschwerdeführer neu eingereichten Unterlagen betreffend eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule nichts. Es handelt sich lediglich um einen Befund (vgl.
Urk.
14/1). Eine Würdigung des Befundes fehlt, so dass sich daraus für dieses Verfahren keine relevanten Erkenntnisse ergeben.
Die
noch notwendigen Ergänzungen hat die
Beschwerdegegnerin nachzuholen.
Ferner hat
sie
den Anspruch auf eine Rente - zumindest für eine befristete Zeit - zu prüfen.
Zu diesem Zwecke ist d
ie Sache an sie zurückzuweisen.
Da im vorlie
genden Ver
fahren in erster Linie Unfallfolgen zu beurteilen sind, haben d
ie weiteren Ab
klärungen vorzugsweise in Koordinati
on mit der Helsana
Unfall AG
zu erfol
gen.
7.
7.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
800
.-- als ange
messen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Ausgangsgemäss hat
der Beschwerdeführer
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
3‘000
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
9.
November 2015 aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und über den Leistungsanspruch erneut verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
3‘000
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Thomas Laube
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage je einer Kopie von
Urk.
13 und
Urk.
14/1
3
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigWilhelm