# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6c7dec0-2339-5c21-8bb7-e350f3c73b0a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.12.2023 F-6669/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6669-2023_2023-12-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6669/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Yannick Antoniazza-Hafner (Vorsitz), 

Richterin Deborah D'Aveni,  

Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. 
 

 
 

Parteien 
 1. A. _______, 

2. B. _______, 

3. C. _______, 

Syrien,   

alle vertreten durch MLaw Mara Todeschini,  

(…) 

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 
Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 23. November 2023. 

 

 

 

F-6669/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (nachstehend: Beschwerdeführer) und seine Kinder B._______ 

(nachstehend: B._______) und C._______ (nachstehend: C._______) er-

suchten am 10. April 2023 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich der Fin-

gerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) 

ergab, dass der Beschwerdeführer am 7. April 2023 in Kroatien um Asyl 

ersucht hatte. 

B.  

Mit Verfügung vom 23. November 2023 (eröffnet am 24. November 2023) 

trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete deren 

Überstellung nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die 

Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen 

Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung 

zu. 

C.  

Am 1. Dezember 2023 gelangten die Beschwerdeführenden an das Bun-

desverwaltungsgericht und beantragten unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolge, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vo-

rinstanz sei anzuweisen auf ihre Asylgesuche einzutreten und in der 

Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die 

Verfügung aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhalts-

abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sube-

ventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, vor einer allfälligen Überstellung 

individuelle Zusicherungen bezüglich der Gewährleistung adäquater Un-

terbringung, Verpflegung sowie medizinischer und psychologischer Be-

handlung von Kroatien einzuholen. Der Beschwerde sei die aufschiebende 

Wirkung zu gewähren und die Vollzugsbehörde sei vorsorglich und super-

provisorisch anzuweisen, von einer Überstellung der Beschwerdeführen-

den nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die 

Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Sie ersuchten 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Am 4. Dezember 2023 ordnete der Instruktionsrichter einen superproviso-

rischen Vollzugsstopp an. 

F-6669/2023 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.   

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) 

und das Gericht entscheidet über diese endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG). Die üblichen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf 

die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG 

und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet das Gericht auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 In formeller Hinsicht machen die Beschwerdeführenden geltend, die 

Vorinstanz habe insbesondere den medizinischen Sachverhalt unvollstän-

dig und unrichtig abgeklärt. Dieser bedürfe weiterer Abklärung, um beurtei-

len zu können, wie gravierend die psychischen Erkrankungen aller Be-

schwerdeführenden seien und welche gesundheitlichen Konsequenzen 

eine Überstellung mit sich bringen würde. Weiter seien die Verhältnisse, 

die die Beschwerdeführenden in Kroatien bei einer Rückkehr erwarten wür-

den, nicht korrekt und unvollständig abgeklärt worden. 

3.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren – gilt der Un-

tersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl. BVGE 

2012/21 E. 5.1. m.w.H.). Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien An-

spruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befug-

nisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Ver-

fahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE  

144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korre-

liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft 

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Seite 4 

zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. 

Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte An-

fechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit 

allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

Dem Anspruch auf rechtliches Gehör lässt sich keine allgemeine Pflicht der 

Behörde zur Abnahme aller angebotenen Beweise und zur Würdigung 

sämtlicher Argumente entnehmen. Die Abweisung eines Beweisantrags er-

weist sich namentlich als zulässig, falls die Verwaltungs- oder Gerichtsbe-

hörde sich ihre Meinung aufgrund zuvor erhobener Beweise bereits bilden 

konnte und sie in antizipierter Beweiswürdigung annehmen darf, die ge-

wonnene Überzeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht er-

schüttert (BGE 136 I 229 E. 5.3). 

3.3 Soweit die Beschwerdeführenden darauf hinweisen, die Vorinstanz 

habe in Bezug auf ihre verschiedenen Krankheiten keine gesamthafte Prü-

fung vorgenommen und den medizinischen Sachverhalt ungenügend ab-

geklärt, gehen diese Rügen fehl. Die Vorinstanz hat die gesundheitliche 

Situation der Beschwerdeführenden in ihren Erwägungen berücksichtigt 

und sich mit ihren einzelnen gesundheitlichen Beschwerden eingehend 

auseinandergesetzt (siehe dazu näher E 8.3 unten). Sie hat auch den ak-

tuellen, augenscheinlichen Gesundheitszustand der Beschwerdeführen-

den in ihrem derzeitigen Wohnkanton sowie insbesondere den Umstand 

berücksichtigt, dass diese seit ihrer dortigen Ankunft vor ca. drei Monaten 

noch nie den Gesundheitsdienst aufgesucht haben. Aufgrund der Akten 

und der restriktiven Rechtsprechung in Bezug auf Gesundheitsprobleme 

und Überstellungen nach Kroatien (vgl. u.a. Urteil des BVGer E-6093/2022 

vom 8. Juni 2023 E 5.6) ist festzustellen, dass das SEM gestützt auf die 

vorliegenden umfangreichen medizinischen Unterlagen keinen Anlass ge-

habt hat, von sich aus weitere Abklärungen der gesundheitlichen Probleme 

der Beschwerdeführenden in die Wege zu leiten.  

3.4 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführenden bezüglich 

der Lage in Kroatien angemessen berücksichtigt beziehungsweise in ihren 

Entscheid einbezogen. Sie macht in der angefochtenen Verfügung sowohl 

Ausführungen zur Situation von Personen, welche gestützt auf die Dublin-

III-VO von der Schweiz nach Kroatien überstellt werden im Allgemeinen als 

auch zur Situation der Beschwerdeführenden im Besonderen. Sie äussert 

sich dabei insbesondere in rechtsgenüglicher Weise zum Zugang zum 

Asylverfahren in Kroatien, zur Frage von Kettenabschiebungen, zu 

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systematischer Gewaltanwendung seitens der kroatischen Polizei und dem 

Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln. Den Beschwerdeführenden ist eine 

sachgerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung folglich möglich 

gewesen. 

Der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführenden die Beurteilung 

durch das SEM nicht teilen, stellt weder eine Verletzung der Begründungs-

pflicht, des Anspruchs auf rechtliches Gehör im engeren Sinn noch der 

Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhalts dar. Ob die materielle Beurteilung des SEM zutrifft, ist nach-

folgend zu prüfen. Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen 

als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur rechts-

genüglichen Sachverhaltsabklärung und Begründung sowie Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Begehren ist 

abzuweisen. 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Ge-

mäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen 

Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger 

Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mit-

gliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein 

Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Der Mitgliedstaat, bei 

dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehal-

ten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet ei-

nes anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationa-

len Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während 

des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückge-

zogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder 

aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mit-

gliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). 

4.2 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

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entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU–Grund-

rechtecharta [GRC] mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prü-

fende Mitgliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien 

fort, um festzustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt 

werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen 

aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an 

den ersten Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen 

werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zustän-

dige Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.3 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylge-

such «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür ge-

mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entschei-

dung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht darf 

sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 

und E. 8.1 in fine). 

5.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers ergab, dass er 

am 7. April 2023 in Kroatien daktyloskopisch erfasst wurde. Gleichentags 

stellte er gemäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank ein Asylgesuch. 

Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmeersuchen  

der Vorinstanz hinsichtlich des Beschwerdeführers und seiner Kinder – ent-

gegen den Ausführungen in der Beschwerde – gestützt auf  

Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zu (Vorakten [SEM-act.] 32/2). Somit sind so-

wohl die Antragsstellung in Kroatien als auch der Umstand, dass das kro-

atische Verfahren zur Bestimmung des für die Asylgesuche der Beschwer-

deführenden zuständigen Mitgliedstaats gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-

VO noch nicht abgeschlossen wurde, als erstellt zu betrachten mit der 

Folge, dass die Verfahren nach einer Rücküberstellung der Beschwerde-

führenden fortgesetzt werden (Urteil des BVGer E-6460/2023 vom 1. De-

zember 2023 E. 4.3). Der nicht belegte Einwand des Beschwerdeführers, 

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Seite 7 

er sei in Kroatien zur Einreichung eines Asylgesuches gezwungen bezie-

hungsweise erpresst worden, ist eine blosse Schutzbehauptung, welche 

bezüglich der Zuständigkeitsfrage ohnehin unbehilflich ist, da bereits die 

von den Beschwerdeführenden unbestrittene Einreise in das Hoheitsgebiet 

des Dublin-Staates die Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens begründet (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-

III-VO; Urteil des BVGer E-6836/2023 vom 15. Dezember 2023 E. 7.1). Zu-

dem haben sich die Beschwerdeführenden durch ihre Weiterreise in die 

Schweiz wenige Tage nach Erfassung der Fingerabdrücke und Stellung 

des Asylgesuchs in Kroatien einem dortigen Asylverfahren entzogen. Zu-

sammenfassend ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. 

6.   

6.1 Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am (…) 2015 

ein Asylgesuch in Deutschland gestellt hatte und dort am (…) 2015 als 

Flüchtling anerkannt wurde (SEM-act. 16, S. 2). Laut Auskunft der deut-

schen Behörden war sein Aufenthaltsort seit dem Jahr 2016 unbekannt. 

Die Aufenthaltsgestattung erlosch demnach im Jahr 2019 und die Flücht-

lingseigenschaft wurde widerrufen (SEM-act. 25). 

6.2 Im Dublin-Gespräch vom 23. April 2023 (SEM-act. 22) gab der Be-

schwerdeführer an, im Jahr 2015 in Deutschland ein Asylgesuch gestellt 

zu haben. Er habe dieses Land allerdings nach einem Monat wieder ver-

lassen. Er sei begleitet von einer Frau, D._______, von Deutschland nach 

Libanon gereist. Er habe beabsichtigt, dort seinen (…) Sohn und seinen 

(…) Sohn zu sehen. (…) Die Kindesmutter, E._______, und die beiden 

Söhne seien ihrerseits nie nach Libanon gereist, sondern in Syrien geblie-

ben. Seither habe er keinen Kontakt mehr zu seiner ersten Familie. Mit 

D._______ habe er seine erste Tochter, B._______, gezeugt. Diese sei im 

Jahr 2017 im Libanon geboren worden. Die Kindesmutter D._______ sei 

dann nach Syrien zurückgekehrt und dort im Krieg umgebracht worden. Er 

selbst sei mit B._______ Ende 2018 in die Türkei gegangen. Vor seiner 

Abreise in die Türkei habe er mit einer anderen Frau, F._______, seine 

zweite Tochter, C._______, gezeugt. Diese sei 2019 in Syrien geboren wor-

den. Die Kindesmutter F._______ sei allerdings im (…) in Syrien gestorben 

und C._______ habe dann bei ihrer Tante gelebt. Im Jahr 2022 habe man 

ihm C._______ nach Bosnien gebracht. Er habe mehrmals versucht, nach 

Kroatien zu gelangen und sei immer wieder zurückgeschickt worden. 

Schliesslich habe er in Kroatien unterschreiben müssen, um weiterreisen 

zu können. Es sei vor den Augen seiner Kinder von kroatischen Beamten 

geschlagen und misshandelt worden. 

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Seite 8 

6.3 In der Beschwerdeschrift unterstrich der Beschwerdeführer, dass seine 

beiden Töchter ihre Mütter im Krieg in Syrien verloren hätten. Er habe 

mehrmals versucht, mit seinen Töchtern nach Kroatien zu gelangen, sei 

aber immer wieder von der kroatischen Polizei nach Bosnien zurückge-

schickt worden. Die Polizei habe ihn geschlagen und ihm sein Handy weg-

genommen. Er sei vor den Augen seiner Töchter bedroht und misshandelt 

worden. Letztere würden deshalb an Albträumen leiden und seien bis 

heute stark traumatisiert. Er habe keine medizinische Versorgung erhalten 

und sei gezwungen worden, ein Dokument zu unterschreiben um weiter-

reisen zu können; man habe gedroht, ihm seine Töchter wegzunehmen. 

Es gehe der gesamten Familie gesundheitlich sehr schlecht. Er sei auf-

grund der Erlebnisse auf der Flucht und in seiner Heimat psychisch sehr 

angeschlagen. Zudem sei er in seinem Alltag als alleinerziehender Vater 

wesentlich eingeschränkt, da er seinen Arm kaum noch benutzen könne. 

(…) Anfang April 2023 habe die kroatische Polizei ihm den Arm so verdreht, 

dass der Knochen herausgekommen sei. Die Familie sei besonders vul-

nerabel und es sei damit zu rechnen, dass sie im Falle einer Rückkehr 

erneut Gewalt erfahren würden. Die besonderen Bedürfnisse vulnerabler 

Personen würden in Kroatien oft übersehen. Insbesondere sei das Wohl-

befinden seiner Töchter aufgrund ihrer labilen psychischen Gesundheit 

akut gefährdet. Auch habe sich eine Psychotherapeutin Sorgen um ihre 

körperliche Gesundheit, insbesondere im Hinblick auf Gewicht und Ernäh-

rung gemacht. Ferner benötige seine Tochter B._______ weitere psycho-

therapeutische Behandlung. Es drohe mithin eine Verletzung von Art. 3 

EMRK und der KRK. Es müsse mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus-

gegangen werden, dass die Kinder im Falle einer Wegweisung nach Kroa-

tien retraumatisiert würden. Es sei auch nicht garantiert, dass die Familie 

bei einer Überstellung Zugang zu einer angemessenen Unterbringung und 

Versorgung haben würden. Das Kindeswohl wäre daher im Falle einer 

Rückkehr gefährdet und müsse daher zwingend auf eine Überstellung ver-

zichtet werden. 

7.  

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Referenzurteil des BVGer  

E-1488/2020 vom 22. März 2023 – entgegen dem Beschwerdevorbrin-

gen – das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO aufweisen. Demnach sind Dublin-Überstellungen nach 

Kroatien grundsätzlich sowohl in Aufnahme- ("take-charge") als auch in 

Wiederaufnahmeverfahren ("take back") zulässig. Es wird demnach ver-

mutet, dass Kroatien die Sicherheit der Asylbewerber garantiert und ihre 

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Seite 9 

Rechte gemäss dem internationalen Recht einhält (namentlich die EMRK, 

das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

[FoK, SR 0.105], das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]; die Richtlinien des Europäischen Parla-

ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen 

Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

Schutzes [sog. Verfahrensrichtlinie] sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-

onalen Schutz beantragen [sog. Aufnahmerichtlinie]). Die gegenteiligen 

Vorbringen der Beschwerdeführenden (Akten im Beschwerdeverfahren 

[BVGer-act.) 1, S. 8 ff.) vermögen diese Rechtsprechung nicht in Frage zu 

stellen. Sie können diese Vermutung jedoch im Einzelfall widerlegen. Wie 

dies bei der Prüfung von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO dargelegt wird 

(vgl. E. 8 unten), gelingt ihnen dies vorliegend jedoch nicht. 

8.  

Betreffend die Ausübung des Selbsteintrittsrechtes der Schweiz nach der 

letztgenannten Bestimmung ist Folgendes festzuhalten: 

8.1 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt zwar, dass das Verhalten 

der kroatischen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchenden 

im Rahmen der Erstaufnahme bis zur Gesuchstellung problematisch sein 

können. Vor diesem Hintergrund ist nicht auszuschliessen, dass die Be-

hauptungen des Beschwerdeführers über schlechte Behandlungen in Kro-

atien der Wahrheit entsprechen, auch wenn diese nicht hinreichend belegt 

wurden. Dies vermag jedoch die angefochtene Verfügung nicht in Frage zu 

stellen. In objektiver Hinsicht ist die notwendige hohe Wahrscheinlichkeit, 

dass sich eine entsprechende schlechte Behandlung bei einer Rückkehr 

im Rahmen des Dublin-Verfahrens wiederholen könnte, nicht gegeben. Die 

Beschwerdeführenden vermögen nicht darzutun, dass sie in Kroa-

tien  - nach legaler Rückkehr aus einem Dublin-Mitgliedstaat - kein faires 

Asylverfahren erhalten und ernsthaft Gefahr laufen würden, unmenschlich 

im Sinne von Art. 3 EMRK behandelt zu werden (siehe auch E. 8.3 unten). 

Sie werden sich nach der Dublin-Überstellung in einer anderen Situation 

als bei ihrer ersten (zuerst illegalen) Einreise befinden. Das Bundesverwal-

tungsgericht geht ferner davon aus, dass Kroatien grundsätzlich als 

Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem einzustufen ist. Der 

Umstand, dass für die Beschwerdeführenden ein rechtliches Vorgehen 

möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein 

könnte als in der Schweiz, vermag an dieser Einschätzung nichts zu 

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Seite 10 

ändern (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-595/2023 vom 8. Februar 2023 

E. 7.2). Folglich ist von der grundsätzlichen Schutzwilligkeit und Schutzfä-

higkeit dieses Staates auszugehen. Es bestehen auch unter Berücksichti-

gung der geltend gemachten tieferen Schutzquote in Kroatien keine kon-

kreten Gründe für die Annahme, Kroatien werde den Grundsatz des Non-

Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in wel-

chem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach  

Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur 

Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Urteil des BVGer E-

6836/2023 vom 15. Dezember 2023 E. 7.4.1). Bei einer allfälligen vorüber-

gehenden Einschränkung der den Beschwerdeführenden zustehenden 

Aufnahmebedingungen könnten sie sich an die kroatischen Behörden wen-

den und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern. Dies gilt auch in Be-

zug auf die geltend gemachte Gewalt seitens der Polizisten (Urteil des 

BVGer E-1508/2023 vom 5. Mai 2023 E. 8.5.1). Dabei stehen ihnen die 

von der Vorinstanz in der Verfügung erwähnten Möglichkeiten offen (Zuhil-

fenahme von Nichtregierungsorganisationen, Anzeige mittels Anwalts, 

Kontaktaufnahme mit der kroatischen Ombudsfrau). 

8.2 Der Umstand, dass die Lebensverhältnisse im ersuchenden Mitglied-

staat günstiger sind als im grundsätzlich zuständigen Mitgliedstaat, lassen 

nicht den Schluss zu, die betreffende Person sei im Fall ihrer Überstellung 

tatsächlich der Gefahr ausgesetzt, eine gegen Art. 4 GRC verstossende 

Behandlung zu erleiden (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 

19. März 2019, Deutschland gegen A. J., C-163/17 Rn. 93 ff.). Eine Verlet-

zung von Art. 4 GRC wäre demnach erreicht, wenn die Gleichgültigkeit der 

Behörden eines Mitgliedstaats zur Folge hätte, dass eine unterstützungs-

bedürftige Person sich unabhängig von ihrem Willen in einer Situation ext-

remer Not befände, die es ihr nicht ermöglichte, ihre elementarsten Bedürf-

nisse zu befriedigen, wie insbesondere sich zu ernähren, sich zu waschen 

und eine Unterkunft zu finden, und die ihre physische oder psychische Ge-

sundheit beeinträchtigt oder sie in einen Zustand der Verelendung versetzt, 

der mit der Menschenwürde unvereinbar ist (vgl. a.a.O. Rn. 87 ff.). Auch in 

Würdigung der von den Beschwerdeführenden gemachten Aussagen zu 

ihrer Behandlung in Kroatien - ohne allfällige Probleme und Schwierigkei-

ten bei der Anhaltung von Asylsuchenden zu verkennen - ist nicht davon 

auszugehen, sie würden nach einer Überstellung in dieses Land in eine 

Situation extremer Not im Sinne der vorstehend skizzierten Rechtspre-

chung geraten. Überdies obliegt es den kroatischen Behörden im Rahmen 

der von ihnen eingegangenen Verpflichtungen, Familien mit Kindern 

rechtskonform unterzubringen und zu betreuen (vgl. Urteil des BVGer F-

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Seite 11 

3957/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 6.4). Es liegen keine Hinweise vor, 

dass die kroatischen Behörden dieser Verpflichtung nicht nachkommen 

würden. 

8.3 Die Beschwerdeführenden berufen sich darauf, ihr Gesundheitszu-

stand stehe einer Überstellung entgegen; die Überstellung nach Kroatien 

setze sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aus und verletze damit  

Art. 3 EMRK. 

8.3.1 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen  

Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-

troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-

stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit 

dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-

zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama-

lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). 

Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die 

durch die Abschiebung - mangels angemessener medizinischer Behand-

lung im Zielstaat - mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-

ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer 

erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 

8.3.2 Beim Beschwerdeführer wurden folgende Krankheiten beziehungs-

weise Beschwerden diagnostiziert: ein Ganglion (gutartige Gewebsverän-

derung, die von einer Bindegewebshülle umgeben ist) am rechten Hand-

gelenk, eine Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut; seit ca. 10 Jah-

ren), eine Dysästhesie (Sensibilitätsstörung) im rechten Arm mit muskulä-

rer Schwäche und Schmerzen an zwei Fingern (mögliche konsolidierte 

Fraktur in der proximalen Phalanx), Cerumenpfropfen (Ohrenschmalz-

pfropfen) in beiden Ohren mit leichten Ekzemen in den Hörgängen, eine 

linkskonvexe Rotationsskoliose (seitliche Fehlstellung der Wirbelsäule), 

eine AtIantodentalarthrose (Abnutzung eines Gelenks oben am Hals), eine 

Sehschwäche, Follikulitiden (entzündete Haarfollikel) am rechten Hoden, 

Verruca vulgaris (Warzen) an den Händen, ein Verdacht auf ein Restless-

Legs-Syndrom sowie ein Verdacht auf eine Posttraumatische Belastungs-

störung (PTBS) und reaktive Episode bei zusätzlichem psychosozialem 

Stress als Alleinerziehender. Eine Behandlung der verschiedenen 

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Seite 12 

Gebrechen (Medikamente, Ohrenspülung, Handgelenksschiene usw.) 

wurde durchgeführt; eine Physiotherapie wurde als nicht sinnvoll erachtet. 

Beim Kantonswechsel am 28. August 2023 waren noch nachstehende Di-

agnosen aktuell: Verdacht auf PTSD und reaktive depressive Episode, Ver-

dacht auf Restless-Legs-Syndrom und eine Dysästhesie im rechten Arm 

und muskuläre Schwäche M4. Es wurde Medikation gegen Sodbrennen, 

gegen Schmerzen und Schwellungen sowie gegen Verstimmungszustände 

mit oder ohne Angststörung verschrieben (SEM-act. 45/18).  

8.3.3 Bei B._______ wurden folgende Krankheiten beziehungsweise Be-

schwerden diagnostiziert: viraler Infekt der oberen Atemwege, eine TonsiI-

IenhyperpIasie (unphysiologische Vergrösserung der Mandeln) und Ge-

wichtsverlust. Eine Behandlung (Medikation gegen den Infekt, Nahrungs-

ergänzungsmittel) wurde durchgeführt. Aufgrund von diversen Ängsten, 

Selbstaggression, Fremdaggression, Ablehnung von Grenzen und Albträu-

men fanden zwischen Mai und Juli 2023 insgesamt sieben Sitzungen in 

einer psychiatrischen Kinderklinik statt (siehe dazu E. 8.3.5 unten). Dabei 

wurde ihr ein Verdacht auf eine komplexe Traumafolgestörung mit Bin-

dungsenthemmung diagnostiziert. Beim Kantonswechsel am 28. August 

2023 waren die beiden Diagnosen TonsiIIenhyperpIasie und Verdacht auf 

eine komplexe Traumafolgestörung weiterhin aktuell (SEM-act. 47/14).  

8.3.4 Bei C._______ konnte während ihres Aufenthaltes im G._______ ein 

Gewichtsverlust beobachtet werden, wogegen ihr Nahrungsergänzungs-

mittel zugeführt wurden. Beim Kantonswechsel am 28. August 2023 wurde 

keine Diagnose gestellt (SEM-act. 46/12). 

8.3.5 Zwischen Mai und Juli 2023 fanden insgesamt sieben Sitzungen mit 

dem Beschwerdeführer und seinen Töchtern in einer psychiatrischen Kin-

derklinik statt. Im Verlaufsbericht wird u.a. Folgendes festgestellt (vgl. 

SEM-act. 47/14, S. 8-10): 

- 22. Mai 2023: Der Kindesvater (nachstehend: KV) wirkt stark überfor-

dert und erschöpft als Alleinerziehender der beiden Mädchen. (…)  

KV sendet indirekte aber deutliche Hilferufe, dass er die aktuelle  

Wohn-, Reise- und Erziehungssituation emotional kaum noch schaffe. 

(…) KV gibt an, die angebotene psychologische Hilfe zulassen zu wol-

len, obwohl dies in seiner Kultur eine Scham (ein Stigma) sei – er sei 

dermassen hilflos. (…) 

- 5. Juni 2023: Der KV berichtet, dass sich die Angst- und aggressiven 

Zuständen seiner älteren Tochter zunächst leicht verbessert, dann sich 

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aber wieder verschlimmert hätten. (…) Er wirkt deutlich verzweifelt. (…) 

Die Ärztin schätzt im «Procedere» gegenüber der Pflege ein, dass der 

KV eine eigene psychotherapeutische Begleitung u.a. zur eigenen 

emotionalen Stabilisierung in seiner Vaterrolle braucht. Weiter weist sie 

auf die Notwendigkeit einer Beschleunigung des Asylverfahrens hin, 

um der Familie ein stabiles und sicheres Umfeld zu schaffen. 

- 12. Juni 2023: Die ältere Tochter ist gut in der Schule gestartet. (…) Der 

KV wirkt weiterhin sehr erschöpft und überfordert mit den beiden Mäd-

chen. Die Besprechung einer eigenen Psychotherapie für ihn u.a. zur 

Selbstfürsorge und Verarbeitung seiner eigenen Traumata lehnt der KV 

ab. (…) 

- 26. Juni 2023: Der KV wird von seiner älteren Tochter stark provoziert. 

Sie rennt weg, macht Gegenstände kaputt und spuckt den KV an. (…) 

Ein Gespräch ist kaum möglich. (…) Der KV weint und meint, er halte 

es nicht mehr aus. (…). Die Psychotherapeutin schätzt im «Procedere» 

u.a. ein, dass eine emotionale sowie Alltagsentlastung des KV dringend 

indiziert ist. Am neuen Aufenthaltsort im Kanton H. ist die Familie und 

insbesondere B._______ stärkeren Stressfaktoren ausgesetzt 

(Security/Lautstärke/mehr Menschen/weniger Rückzug), was sich auf 

die psychiatrische Symptomatik negativ auswirkt. Eine Gefährdungs-

meldung bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wird 

von ihr empfohlen.  

- 10. Juli 2023: (..) Durch das Einzelzimmer, welches die Familie erhalten 

hat, hat sich der Zustand von B._______ klar verbessert. Ihre Stim-

mung sei stabiler geworden. (…) Der KV zeigt blaue Flecken an 

C._______s Armen und Beinen, die von anderen Kindern verursacht 

worden seien. (…) Die Psychotherapeutin schätzt im «Procedere» u.a. 

die aktuelle Lebenssituation in Kombination mit dem hohen Belas-

tungslevel des KV als akut gefährdend für das Kindeswohl ein. Die Psy-

chotherapeutin wurde von der Pflege darüber informiert, dass sich das 

SEM gegen eine Gefährdungsmeldung bei der KESB ausgesprochen 

hat, da vermutlich eine Rückführung der Familie bevorstehe und keine 

körperliche Misshandlung vorliege. 

- 19. Juli 2023: Der KV zeigt blaue Flecken bei beiden Mädchen, die 

durch Konflikte mit anderen Kindern im Aufenthaltszentrum entstanden 

seien. Die Familie hätte einen besseren Rhythmus erhalten, wobei ihr 

Familieneinzelzimmer sehr positiv sei. Die beiden Mädchen könnten 

seitdem meist jede Nacht durchschlafen. Der KV hat Schlaftabletten 

erhalten. (…) 

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Seite 14 

- 26. Juli 2023: Die beiden Mädchen kommen deutlich ausgeglichener 

zur Sprechstunde und können sich gut selbst beschäftigen. Der KV we-

cke die Kinder nun regelmässig gegen 7 Uhr, damit sie bereits einen 

Schulrythmus hätten. (…) Wegen ihres grenzwertig niedrigen Gewichts 

erhalten beide Kinder nun täglich «Spezial-Drinks» zur Nahrungser-

gänzung. Der KV hat die Einnahme von Schlaftabletten gestoppt und 

lehnt eine pflanzliche Alternative ab, da der Schlaf kein Thema mehr 

sei. (…) 

8.3.6 Die obgenannten medizinischen Beschwerden sind nicht unerheblich 

und zweifellos mit besonderen Schwierigkeiten und (Behandlungs- und 

Unterstützungs-)Bedürfnissen verbunden. Wenn die Situation Ende Juli 

2023 noch durchaus besorgniserregend erschien (SEM-act. 47, S. 9), hat 

sie sich mittlerweile offenbar verbessert. Nach dem 19. Juli 2023 liegen 

keine negativen Arztberichte mehr vor. Auch ist eine Meldung an die KESB 

nicht erfolgt. Weiter geht aus den Akten hervor, dass die Beschwerdefüh-

renden per 28. August 2023 in das Aufenthaltszentrum I._______ im Kan-

ton J._______ umgezogen sind (SEM-act. 48, S. 2). Laut einem Bericht 

dieses Zentrums vom 6. November 2023 (SEM-act. 48, S. 1) waren die 

Beschwerdeführenden seit ihrer Ankunft nie beim Gesundheitsdienst. Zu-

dem ist in der Familie niemand in psychologischer Behandlung. B._______ 

besucht ganz normal den Schulunterricht und C._______ ist bei der Spiel-

gruppe angemeldet. Im Allgemeinen wird die Familie als ziemlich unauffäl-

lig und ruhig wahrgenommen. Die Familienmitglieder halten sich an der 

Hausordnung und der Beschwerdeführer nimmt am obligatorischen inter-

nen Beschäftigungsprogramm teil. Er möchte auch an weiteren Beschäfti-

gungen teilnehmen, falls solche gegen Bezahlung angeboten werden kön-

nen. Er kann seinen Arm ziemlich gut bewegen. Seine momentane Be-

schäftigung ist die Reinigung der Toiletten und Nasszellen im Zentrum.  

Aus diesen Umständen ergeben sich keine Anhaltspunkte für die An-

nahme, dass die erforderliche medizinische Betreuung mit den notwendi-

gen Untersuchungen und Therapien in Kroatien - einem Mitgliedstaat der 

Europäischen Union mit einem dem Schweizer Niveau qualitativ vergleich-

baren Gesundheitssystem - nicht verfügbar respektive zugänglich wäre. 

Auch ist davon auszugehen, dass der Zugang zum dortigen Gesundheits-

system für asylsuchende Personen gewährleistet ist, zumal die Mitglied-

staaten den Antragsstellenden die erforderliche medizinische Versorgung, 

die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behand-

lung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zu-

gänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Den 

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Seite 15 

Antragsstellenden mit besonderen Bedürfnissen ist sodann die erforderli-

che medizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologischer Be-

treuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie; vgl. auch Urteile 

des BVGer D-919/2023 vom 11. Mai 2023 E. 8.4, E-1488/2020 E. 10.2). Es 

ist davon auszugehen, dass Kroatien seinen diesbezüglichen Verpflichtun-

gen nachkommt und es sind keine Hinweise ersichtlich, dass das Land den 

Beschwerdeführenden eine adäquate medizinische sowie psychologische 

Behandlung verweigern werde. Dass die Beschwerdeführenden seit ihrem 

Aufenthalt im Kanton J._______ per Ende August den Gesundheitsdienst 

nicht mehr aufsuchten (SEM-act. 48/3), spricht nach der Lebenserfahrung 

und in Anbetracht der früheren häufigen Arztbesuche gegen aktuelle gra-

vierende Leiden. Die gegenteiligen Vorbringen der Beschwerdeführenden 

(Annahme psychologischer Hilfe wäre kulturbeding mit Scham behaftet; 

Angst des Beschwerdeführers, dass die Involvierung der KESB zur Weg-

nahme seiner Kinder führen würde; vgl. BVGer-act. 1, S. 14 f.) überzeugen 

nicht. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass den Beschwerdeführen-

den bei einer Überstellung nach Kroatien eine ernste, rasche und unwie-

derbringliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands droht, die zu 

intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwar-

tung und damit einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen würde. Vielmehr 

ist davon auszugehen, dass sich die Familie nach einer Anpassungszeit 

zurechtfinden wird.  

8.4 Im Zusammenhang mit den Rügen bezüglich der Beachtung des Kin-

deswohls ist festzuhalten, dass Kroatien Signatarstaat der KRK ist und sei-

nen daraus erwachsenen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt, wes-

halb eine Überstellung nach Kroatien weder eine Verletzung von  

Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet. Aus der Kinderrechtskonvention 

kann kein Anspruch auf Aufenthalt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaf-

testen Lebensbedingungen abgeleitet werden kann. Angesichts der relativ 

kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz sind die Kinder hier noch nicht ver-

wurzelt, sodass ein Vollzug der Wegweisung nicht gegen das Kindeswohl 

spricht. Die notwendige medizinische Behandlung kann nach dem Ausge-

führten (vgl. E. 8.3 oben) auch in Kroatien erfolgen. 

8.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis - ebenso wie das 

SEM - davon aus, dass die schweizerischen Behörden bei den kroatischen 

Behörden in der Regel keine individuellen Zusicherungen bezüglich des 

Zugangs zu adäquater Unterbringung, Betreuung und medizinischer Ver-

sorgung einzuholen haben, zumal wie vorstehend ausgeführt davon aus-

zugehen ist, dass sich die kroatischen Behörden an die entsprechenden 

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Seite 16 

Verpflichtungen halten (Urteil des BVGer E-6460/2023 vom 1. Dezember 

2023 E. 4.4). Vorliegend bestehen keine Gründe, die ein Abweichen von 

dieser Regel aufdrängten, der entsprechende Subeventualantrag ist abzu-

weisen. Die Vorinstanz hat selbst anerkannt, dass es sich vorliegend um 

einen Medizinalfall handelt (SEM-act. 50). Die schweizerischen Behörden, 

die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, haben 

dem aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden bei der Or-

ganisation der Überstellung nach Kroatien Rechnung tragen, indem sie die 

dortigen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig 

diesbezüglich informieren. Im Zuge dieser Information sind sowohl Kopien 

der gesammelten Medizinalakten (SEM act. 45/18; 46/12; 47/14) zu über-

mitteln, als auch darauf hinzuweisen, dass die psychiatrische Symptomatik 

insbesondere durch die Zurverfügungstellung eines Familieneinzelzim-

mers gelindert werden kann. Um einen Unterbruch bei der Medikamenten-

einnahme zu vermeiden, ist dem Beschwerdeführer allenfalls ein entspre-

chender Medikamentenvorrat mitzugeben. 

8.6 Nach dem Ausgeführten können die Beschwerdeführenden kein kon-

kretes und ernsthaftes Risiko dartun, wonach ihre Überstellung nach Kro-

atien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Dar-

über hinaus bestehen keine Hinweise auf eine nicht gesetzeskonforme 

Ausübung des Ermessens hinsichtlich Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (humanitäre 

Gründe). 

9.  

Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss  

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vor. Kroatien 

bleibt zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, 

die Beschwerdeführenden wiederaufzunehmen. 

10.  

Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Die Überstel-

lung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu 

Recht angeordnet. 

Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 

11.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der 

aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines 

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Seite 17 

Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Der am 4. Dezember 2023 

verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würden die Beschwerdeführenden 

grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die in der Rechtsmit-

teleingabe formulierten Begehren waren allerdings nicht als aussichtslos 

zu betrachten und die prozessuale Bedürftigkeit ist hinreichend erstellt. 

Das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist daher gutzuheissen. Die Beschwerdeführenden werden somit 

von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen 

2.  

2.1 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von  

Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

2.2 Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Die schweizerischen Behörden werden angewiesen, den kroatischen Be-

hörden alle notwendigen Informationen über die medizinischen Beschwer-

den der Beschwerdeführenden mitzuteilen, ihnen Kopien der gesammelten 

Medizinalakten (SEM act. 45/18; 46/12; 47/14) zu übermitteln sowie sie auf 

die ergriffenen Massnahmen zur Linderung der psychiatrischen Sympto-

matik (insb. Zuteilung eines Familieneinzelzimmers) hinzuweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter 

 

 

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