# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09b37d3f-b093-579b-ab29-278fe2458138
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-03-22
**Language:** de
**Title:** Wiederherstellung rechtmässiger Zustand. Anordnung der Umdeckung eines Daches in der Kernzone. Verhältnismässigkeit (Kasuistik).
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0059/2002
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_59_2002_918.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 59/2002 vom 22. März 2002 in BEZ 2002 Nr. 39

Zunächst  wurde  festgehalten,  dass  Gründe  des  Vertrauensschutzes  der  Anord-
nung,  das  Dach  mit  Ziegeln  vorschriftskonform  umzudecken,  nicht  entgegenstehen. 
Nicht relevant war auch der Umstand, dass die Nachbarn dem Projekt zugestimmt hat-
ten, weil eine Eindeckung des Daches mit Eternit statt mit Ziegeln eine geringere Dach-
neigung erlaubt und damit eine kleinere Gesamthöhe der Baute erreicht wird.

6. Der  Verstoss  gegen  Art.  10  BZO,  wonach  für  Dächer  Ziegel  in  herkömmlicher
Form und Farbe zu verwenden sind, stellt keine untergeordnete Regelabweichung dar. 
Unbesehen  der  Frage  der  Einsehbarkeit  steht  die  strittige  Bedachung  in  einem  deutli-
chen Gegensatz zum Normziel einer ästhetisch gut und in herkömmlicher Weise gestal-
teten Dachlandschaft, an der ein erhebliches öffentliches Interesse besteht. 

Entscheidend sind im vorliegend zu beurteilenden Fall insbesondere auch die prä-
judiziellen  Aspekte.  Würde  hier  auf  die  Einhaltung  der  fraglichen  Norm  verzichtet,  so 
müsste  die  Vorinstanz  – wie  sie  zutreffend  ausführt  – aus  Gründen  rechtsgleicher  Be-
handlung in vergleichbaren Fällen in derselben Weise verfahren und damit das mit Art. 
10 BZO verfolgte gestalterische Ziel unterlaufen. Unter analogen Fällen sind nicht – wie 
die  Rekurrentin  vermeint  – nur reine Stallbauten zu verstehen, sondern (neben Haupt-
gebäuden)  allgemein  Besondere  Gebäude  (Garagen  oder  ähnliche  Unterstände),  bei 
denen  eine  Bedachung  mit  Eternit  anstelle  von  Ziegeln  ebenso  gut  in  Betracht  fallen 
könnte.  Im  übrigen  liess  sich  denn  auch  anlässlich  des  Lokaltermins  nicht  feststellen, 
dass  die  Baubehörde  in  der  Kernzone  vergleichbare  Eternitbedachungen  zugelassen 
hätte.

Es  ist  zwar  nicht  zu  verkennen,  dass  die  Sanierung  mit  gewissen  Umtrieben  ver-
bunden ist. Dass der finanzielle Aufwand für den Ersatz der bestehenden Eternitbeda-
chung  durch  eine  Ziegeldachkonstruktion  in keinem  Verhältnis  zum  anvisierten  Zweck 
stehe, ist jedoch nicht festzustellen. Die Kosten für eine Sanierung des Daches werden 
auf rund Fr. 20'000.– geschätzt und halten sich damit durchaus im Rahmen.

In Fällen, da ein Bauherr Bauvorschriften missachtet und durch rechtswidriges Ver-
halten Tatsachen schafft, verbietet es sich, die Wiederherstellung nachträglich von einer 
Abwägung  der  Interessen  der  Bauherrschaft  an  ihren  getroffenen  Investitionen  einer-
seits sowie der öffentlichen und nachbarlichen Interessen andererseits abhängig zu ma-
chen. Sonst ergäbe sich die unhaltbare Folge, dass der Grundsatz der Verhältnismäs-
sigkeit umso eher verletzt und die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes um-
so  erschwerter  wäre,  je  umfangreichere  Investitionen  in  Abweichung  von  der  erteilten 
Baubewilligung und im Widerspruch zum materiellen Baurecht getätigt worden sind.