# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b498070-0bc7-5973-84bf-4e98701b180e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 09.04.2025 SR1 2024 39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SR1-2024-39_2025-04-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Graubünden
Dretgira superiura dal chantun Grischun
Tribunale d'appello del Cantone dei Grigioni

Urteil vom 9. April 2025
mitgeteilt am 8. Juli 2025

Referenz SR1 24 39

Instanz Erste strafrechtliche Kammer

Besetzung Moses, Vorsitz
Cavegn und Richter-Baldassarre
Bernhard, Aktuarin

Parteien A._____,
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Heinz Holzinger
Postfach 29, Felderstrasse 13, 6467 Schattdorf

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

Gegenstand grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc.

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 17. August 2023, mitgeteilt am 
6. Juni 2024 (Proz. Nr. 515-2022-47)

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Sachverhalt

A. Das Regionalgericht Plessur sprach A._____ (im Folgenden: Beschuldigter) 
am 17. August 2023 der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 34 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 
SVG (Überholen nach Kreisverkehrsplatz am 29. Juli 2020 und Vorfall vom 
17. Oktober 2020) schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 
150 Tagessätzen zu je CHF 100.00 (Dispositivziffern 2 und 3). Das Verfahren 
wurde in Bezug auf die Vorwürfe des Überholens auf der Einspurstrecke und des 
Beschleunigens an der Lichtsignalanlage (Vorfälle vom 29. Juli 2020) wegen 
Verjährung eingestellt (Dispositivziffer 1). Die Kosten wurden zu 3/5 dem 
Beschuldigten auferlegt und der Rechtsvertreter des Beschuldigten wurde im 
Umfang von 2/5 entschädigt (Dispositivziffern 4 und 5).

B. Der Beschuldigte meldete am 21. August 2023 Berufung an. Die 
Berufungserklärung erfolgte am 20. Juni 2024. Der Beschuldigte beantragt den 
Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 34 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG 
(Überholen nach Kreisverkehrsplatz am 29. Juli 2020 und Vorfall vom 17. Oktober 
2020), eventualiter einen Schuldspruch wegen Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 34 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG 
(Überholen nach Kreisverkehrsplatz am 29. Juli 2020 und Vorfall vom 17. Oktober 
2020) und die Einstellung des Verfahrens wegen Eintritts der Verjährung. Im Falle 
eines Schuldspruchs wegen mehrfacher grober Verkehrsregelverletzung beantragt 
der Beschuldigte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 100.00 unter 
Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von drei Jahren; 
eventualiter sei eine teilbedingte Geldstrafe auszusprechen. 

C. Die Staatsanwaltschaft erhob am 2. Juli 2024 Anschlussberufung. Sie 
beantragt, der Beschuldigte sei zusätzlich wegen des Vorfalls vom 29. Juli 2020 
(Überholen auf der Einspurstrecke) wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln 
(Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 13 Abs. 3 VRV [Verkehrsregelnverordnung; 
SR 741.11] i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG) schuldig zu sprechen. Der Beschuldigte sei 
mit einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten, bedingt bei einer Probezeit von 
vier Jahren, und einer Busse von CHF 2’000.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 
20 Tagen) zu bestrafen. Die Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

D. Die Berufungsverhandlung fand am 8. April 2025 statt. Es erschienen der 
Beschuldigte und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Heinz Holzinger, sowie die 
Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte ergänzte seine Berufung aufgrund der 

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Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft mit folgenden Anträgen: Die 
Anschlussberufung sei abzuweisen. Der Beschuldigte sei bezüglich des Vorwurfs 
vom 29. Juli 2020 (Überholen auf der Einspurstrecke) freizusprechen, eventualiter 
sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen (Einstellung wegen Verjährung).

Erwägungen

1. Prozessuales

Gegen das Urteil des Regionalgerichts ist die Berufung zulässig. Die 
Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die 
Berufung und die Anschlussberufung ist einzutreten.

Das Urteil des Regionalgerichts ist in Bezug auf den Vorfall "Beschleunigen bei der 
Lichtsignalanlage" am 29. Juli 2020 nicht angefochten und zu bestätigen (act. E.1 
E. 3). Das Verfahren ist diesbezüglich wegen Verjährung einzustellen.

2. Sachverhalt

2.1. Anklage vom 10. Oktober 2022

Der angeklagte Sachverhalt – soweit noch von Belang – lässt sich in drei Vorwürfe 
einteilen. Zunächst soll der Beschuldigte am 29. Juli 2020 nach dem 
Kreisverkehrsplatz Felsberg beim Überholen eines Personenwagens, gelenkt von 
B.D._____, die Sicherheitslinie überfahren haben ("Überholen nach 
Kreisverkehrsplatz"). Danach soll der Beschuldigte weiter vorne auf derselben 
Strecke einen weiteren Personenwagen überholt haben und dabei über eine 
Einspurstrecke gefahren sein ("Überholen auf der Einspurstrecke"). Der dritte 
Vorfall soll sich am 17. Oktober 2020 ereignet haben. Der Beschuldigte soll eine 
Sicherheitslinie überfahren haben und auf der Gegenfahrbahn seitlich/frontal mit 
einem entgegenkommenden Fahrzeug (gelenkt von E._____) kollidiert sein.

2.2. Beweismittel und Verwertbarkeit

2.2.1. Zur Erstellung des Sachverhalts bezüglich der Vorfälle vom 29. Juli 2020 
dienen insbesondere die Aussagen von B.D._____ und C.D._____ (beide Insassen 
im Fahrzeug, das der Beschuldigte nach dem Kreisverkehr überholt hatte), die 
Aussagen des Beschuldigten, der Polizeirapport und Videoaufnahmen. Letztere 
sind nicht verwertbar, wie das Regionalgericht zutreffend feststellte (act. E.1 
E. 2.1.7.3).

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Die Verteidigung macht geltend, die belastenden Aussagen von B.D._____ und 
C.D._____ seien nicht verwertbar, weil die Teilnahmerechte des Beschuldigten 
nicht gewahrt worden seien (act. H.1 S. 3). Die Ehegatten D._____ sind nach den 
Überholmanövern direkt zur Polizei gegangen und wurden befragt. 
Teilnahmerechte der beschuldigten Person bestehen erst ab dem 
staatsanwaltschaftlichen Untersuchungsverfahren (Art. 147 StPO; so auch die 
Verteidigung). Die beschuldigte Person hat weiter das Recht, Belastungszeugen 
Ergänzungsfragen zu stellen (Konfrontationsrecht, Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK). Die 
Staatsanwaltschaft führte nach eröffnetem Untersuchungsverfahren eine 
Konfronteinvernahme durch. Damit wurden sowohl die Teilnahmerechte als auch 
das Konfrontationsrecht des Beschuldigten gewahrt. Die Aussagen von B.D._____ 
und C.D._____ bei der Polizei sind verwertbar.

2.2.2. Für den Vorfall vom 17. Oktober 2020 stehen insbesondere die Aussagen 
von E._____ (dem Kollisionsgegner) und des Beschuldigten sowie der 
Polizeirapport als Beweismittel zur Verfügung. Die Verteidigung bringt vor, dass die 
Aussagen von E._____ nicht verwertbar seien, weil er zunächst als beschuldigte 
Person befragt worden sei und dann ein "Rollenwechsel" zur Auskunftsperson 
stattgefunden habe und weil die Teilnahmerechte des Beschuldigten nicht gewahrt 
worden seien (act. H.1 S. 5). Es trifft zu, dass E._____ zunächst als beschuldigte 
Person einvernommen und entsprechend belehrt wurde. Dass er später als 
Auskunftsperson befragt wurde – mit anderer Belehrung –, hat aber keine 
Auswirkung auf die Verwertbarkeit der ersten Aussage. Eine Verletzung der 
Teilnahmerechte liegt auch nicht vor, da die Staatsanwaltschaft am 28. September 
2022 eine Konfronteinvernahme mit dem Beschuldigten und E._____ durchführte 
(StA-act. 16 [VV.2021.215]). Die Aussagen von E._____ sind verwertbar.

2.2.3. Das Regionalgericht hat die Beweismittel und insbesondere die Aussagen 
der beteiligten Personen ausführlich wiedergegeben. Im Folgenden ist nur noch 
punktuell darauf einzugehen.

2.3. Überholen nach Kreisverkehrsplatz

2.3.1. Wiedergabe der Beweismittel

Der Vorwurf, wonach der Beschuldigte beim Überholen des Fahrzeugs von 
B.D._____ eine Sicherheitslinie überfahren habe, ergibt sich aus der ersten 
Aussage von B.D._____ bei der Polizei, kurz nach der angezeigten Fahrt. 
B.D._____ sagte, er sei um ca. 21.00 Uhr von Domat/Ems herkommend über die 
Emserstrasse in Richtung Chur über den Kreisverkehrsplatz Felsberg gefahren. Auf 

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Höhe der Bushaltestelle sei er über die dortige Sicherheitslinie vom Beschuldigten 
überholt worden. Zuvor habe er im Rückspiegel bereits feststellen können, dass der 
Beschuldigte den Kreisverkehrsplatz mit hoher Geschwindigkeit befahren habe. Der 
Beschuldigte sei ihm dann mit hoher Geschwindigkeit sehr nahe aufgefahren und 
habe ihn, wie gesagt, anschliessend überholt (StA-act. 3.5 [VV.2020.2611] F/A 2). 
Anlässlich der Konfronteinvernahme am 16. März 2022 gab B.D._____ an, nicht 
genau gesehen zu haben, wo der Beschuldigte die Mittellinie überfahren habe. Es 
sei schwierig zu sagen, ob dieser die Doppellinie überfahren habe. Er wisse es nicht 
mehr genau. Es sei aber unmittelbar nach dem Kreisverkehr gewesen. Es habe 
noch eine gestreifte Linie am Boden gehabt (StA-act. 1.34 [VV.2020.2611] F/A 1). 
Er sei sich schon bei der Polizei nicht ganz sicher gewesen, ob der Beschuldigte 
die Sicherheitslinie überfahren habe (StA-act. 1.34 [VV.2020.2611] F/A 3).

C.D._____ konnte gegenüber der Polizei keine Angaben machen zur Frage, ob die 
Sicherheitslinie überfahren wurde oder nicht. Sie sagte aus, der Beschuldigte habe 
sie nach dem Kreisverkehrsplatz mit stark überhöhter Geschwindigkeit überholt 
(StA-act. 3.4 [VV.2020.2611] F/A 1). Bei der Staatsanwaltschaft war sich C.D._____ 
sicher, dass der Beschuldigte beim Überholen über die Sicherheitslinie gefahren sei 
(StA-act. 1.46 [VV.2020.2611] F/A 1).

Auf dem Fotoblatt der Polizei ist ersichtlich, dass die Sicherheitslinie bis zum 
Bushäuschen auf der rechten Strassenseite reicht (StA-act. 3.2 [VV.2020.2611]).

2.3.2. Würdigung

Anlässlich der Anzeigeerstattung bei der Polizei kurz nach dem Vorfall gab 
B.D._____ in freier Rede wieder, der Beschuldigte habe die Sicherheitslinie 
überfahren. Das Überholmanöver habe unmittelbar nach dem Kreisverkehr auf 
Höhe der Bushaltestelle stattgefunden. Diese Angaben (nach dem Kreisverkehr, auf 
Höhe der Bushaltestelle, über die Sicherheitslinie) decken sich mit dem Foto, das 
die Polizei aufgenommen hat. Ende Juli ist es um 21.00 Uhr noch nicht dunkel. Es 
ist nicht widersprüchlich, dass B.D._____ sich zwei Jahre nach dem Ereignis nicht 
ganz sicher ist, ob der Beschuldigte die Sicherheitslinie überfahren habe oder nicht. 
Im Gegenteil: Dass B.D._____ diesbezüglich Unsicherheiten einräumt, spricht für 
die Glaubhaftigkeit seiner Aussage. Aus demselben Grund sind die Aussagen 
seiner Ehefrau bei der Staatsanwaltschaft eher unglaubhaft. Bei der Polizei, kurz 
nach dem Vorfall, konnte sie keine Angaben machen. Zwei Jahre später aber war 
sie sich sicher, dass der Beschuldigte die Sicherheitslinie überfahren hatte. Dass 
sie als Beifahrerin das tatsächlich so eindeutig gesehen hat, ist unwahrscheinlich. 
Da B.D._____ den Beschuldigten schon im Kreisverkehr hinter sich wahrnahm, ist 

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naheliegend, dass er dessen Fahrt genau beobachtete und deshalb auch feststellen 
konnte, dass die Sicherheitslinie überfahren wurde. Die Aussage von B.D._____, 
wonach der Beschuldigte beim Überholen die Sicherheitslinie überfahren hat, ist 
glaubhaft und es kann darauf abgestellt werden. Daran ändern auch die Aussagen 
des Beschuldigten und von C.D._____ nichts.

2.4. Überholen auf der Einspurstrecke

2.4.1. Wiedergabe der Beweismittel

B.D._____ sagte bei der Polizei, dass der Beschuldigte auf Höhe Plankis einen vor 
ihm fahrenden Personenwagen über die dortige Einspurstrecke überholt habe (StA-
act. 3.5 [VV.2020.2611] F/A 2). Bei der Staatsanwaltschaft sagte B.D._____ aus, 
dass der Beschuldigte Höhe Plankis auf den Linksabbieger gewechselt habe und 
ein Fahrzeug überholt habe (StA-act. 1.34 [VV.2020.2611] F/A 5).

C.D._____ gab ebenfalls an, der Beschuldigte habe den anderen Personenwagen 
auf Höhe Plankis auf der Einspurstrecke überholt (StA-act. 3.3 [VV.2020.2611] 
F/A 1). Auf die Frage, ob es zu gefährlichen Situationen gekommen sei, antwortete 
sie, der Beschuldigte habe an Orten überholt, wo er nicht hätte sollen, zum Beispiel 
auf der Einspurstrecke bei Plankis (StA-act. 3.3[VV.2020.2611] F/A 3). 

Auf dem von der Polizei erstellten Foto ist ersichtlich, dass die Einspurstrecke (nach 
links) sich kurz vor dem Plankis befindet (StA-act. 3.2 S. 2).

Der Beschuldigte antwortete auf entsprechende Frage der Polizei, es könne sein, 
dass das Überholmanöver über die Einspurstrecke stattgefunden habe (StA-act. 3.6 
[VV.2020.2611] F/A 16). Gegenüber der Staatsanwaltschaft äusserte er, es werde 
so sein, wie bei der Polizei gesagt (StA-act. 1.34 [VV.2020.2611] F/A 15).

2.4.2. Würdigung

Die Aussagen von B.D._____ und C.D._____ sind klar. Sie entsprechen auch dem 
Foto der Situation. Überdies bestritt der Beschuldigte nicht, über die Einspurstrecke 
gefahren zu sein, um zu überholen. Daher kann festgestellt werden, dass der 
Beschuldigte einen Personenwagen über die Einspurstrecke fahrend überholt hat.

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2.5. Vorfall vom 17. Oktober 2020

2.5.1. Wiedergabe der Beweismittel

Der Beschuldigte gab zu, dass er auf die Gegenfahrbahn gefahren sei. Er sagte 
aus, es habe so ausgesehen, wie wenn ein Kind (oder ein dachsähnliches Tier oder 
eine Katze) rechts den Hang herunterkomme und auf die Strasse springen würde. 
Er sei nach links ausgewichen. Es sei dann zu einer Kollision mit dem 
entgegenkommenden Fahrzeug gekommen (StA-act. 4, 10 und 16 [VV.2021.215]; 
RG-act. 37).

Der entgegenkommende Lenker, E._____, gab an, der Beschuldigte sei 
kontinuierlich auf seine Fahrbahn gefahren. Er selbst sei dann auf das Trottoir 
gefahren, um auszuweichen. Mit zwei Rädern habe er sich auf dem Trottoir 
befunden. Weiter habe er nicht mehr fahren können, weil ein Kandelaber dort 
gewesen sei. In dem Moment sei es zur Kollision gekommen (StA-act. 5, 16 
[VV.2021.215]).

2.5.2. Würdigung

Die Aussagen des Beschuldigten und von E._____ stimmen dahingehend überein, 
als sich daraus ergibt, dass der Beschuldigte auf die Fahrbahn von E._____ 
gefahren ist. Nach der Version von E._____ geschah dies kontinuierlich. Der 
Beschuldigte sei, statt um die Kurve zu fahren, geradeaus gefahren. E._____ hatte 
genügend Zeit, um auszuweichen, und schildert nachvollziehbar, was seine 
Gedanken dabei waren. Die Aussagen von E._____ sind in sich stimmig und über 
die Einvernahmen hinweg konstant. Er hat keinen Grund, den Beschuldigten zu 
Unrecht zu belasten und tut dies auch nicht unnötig. Die Aussagen des 
Beschuldigten weisen im Grossen und Ganzen keine offensichtlichen Widersprüche 
auf. Einzig was das Wesen anbelangt, dem er habe ausweichen wollen, sind die 
Aussagen nicht konstant: Er habe zunächst gemeint, es sei ein Kind gewesen, dann 
aber ein dachsähnliches Tier oder eine Katze. Das allein macht seine Aussagen 
zwar nicht unglaubhaft, hat er doch von Anfang an angegeben, nicht genau zu 
wissen, was er meinte gesehen zu haben. Dennoch vermögen die Ausführungen 
des Beschuldigten die glaubhaften Aussagen von E._____ nicht in Zweifel zu 
ziehen. Die Version des Beschuldigten steht konträr zu derjenigen von E._____. Es 
ist nicht ersichtlich, warum jener von einem Geradeausfahren sprechen sollte, wenn 
es effektiv – nach Version des Beschuldigten – ein abruptes Ausweichmanöver 
gewesen sein soll. In letzterem Fall hätte E._____ auch nicht so viel Zeit gehabt, 

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auf das Trottoir auszuweichen. Der angeklagte Sachverhalt kann gestützt auf die 
Aussagen von E._____ als erstellt gelten.

2.6. Zusammenfassung Sachverhalt

Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass der Sachverhalt wie angeklagt erstellt 
ist. Demnach hat der Beschuldigte am 29. Juli 2020 nach dem Kreisverkehrsplatz 
Felsberg das von B.D._____ gelenkte Fahrzeug überholt und dabei die 
Sicherheitslinie überfahren. Kurz darauf ist er zum Überholen eines weiteren 
Fahrzeugs über die Einspurstrecke gefahren. Am 17. Oktober 2020 hat der 
Beschuldigte eine Sicherheitslinie überfahren und ist auf der Gegenfahrbahn mit 
dem von E._____ gelenkten Fahrzeug kollidiert.

3. Rechtliches

3.1. Verkehrsregeln

Durch das Überfahren der Sicherheitslinie am 29. Juli 2020 und am 17. Oktober 
2020 hat der Beschuldigte die Verkehrsregeln von Art. 27 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 2 
SVG verletzt. Diese besagen, dass Signale und Markierungen zu befolgen sind und 
dass auf Strassen mit Sicherheitslinien immer rechts dieser Linien zu fahren ist. 
Durch das Befahren der Einspurstrecke zum Zweck des Überholens hat der 
Beschuldigte gegen Art. 13 VRV verstossen, wonach das Wechseln auf andere 
Fahrstreifen zum Überholen auf Einspurstrecken untersagt ist. Zu prüfen ist, ob der 
Beschuldigte mit seinem Fahrverhalten die Verkehrsregeln jeweils in grober Weise 
verletzt hat (Art. 90 Abs. 2 SVG).

3.2. Grobe Verkehrsregelverletzung

In objektiver Hinsicht setzt eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln voraus, dass 
die Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet wurde. Dabei genügt eine erhöhte 
abstrakte Gefährdung. Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG 
ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein 
schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung grobe Fahrlässigkeit (BGE 148 
IV 374 E. 3.1; 142 IV 93 E. 3.1 je m.w.H.). Das Überfahren der Sicherheitslinie stellt 
regelmässig eine erhöhte abstrakte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer dar 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1427/2017 vom 25. April 2018 E. 2.1.2. m.w.H.).

3.2.1. Überfahren Sicherheitslinie nach Kreisverkehr

In objektiver Hinsicht ist der Tatbestand durch das Überfahren der Sicherheitslinie 
erfüllt. Dass das Überholmanöver am Ende der Sicherheitslinie erfolgte, ändert 

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daran nichts. Vielmehr äussert sich in diesem Fahrverhalten die Gleichgültigkeit des 
Beschuldigten gegenüber der Signalisation und seine Ungeduld zeugt von einer 
gewissen Rücksichtslosigkeit, weshalb auch der subjektive Tatbestand von Art. 90 
Abs. 2 SVG erfüllt ist. Der Beschuldigte hat sich demnach mit dem Überholen des 
von B.D._____ gelenkten Fahrzeugs nach dem Kreisverkehrsplatz der groben 
Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 2 SVG i.V.m. 
Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig gemacht.

3.2.2. Überholen auf der Einspurstrecke

Entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft ist das Befahren der Einspurstrecke 
zum Überholen als einfache Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 
Abs. 1 SVG zu werten. Im vorliegenden Fall bestehen keine Hinweise auf eine 
erhöhte Gefährdung des überholten Fahrzeugs oder auf entgegenkommende 
Fahrzeuge. Das Überholen auf diesem Streckenabschnitt war nicht per se 
gefährlich, da er übersichtlich ist. Mit hohem Verkehrsaufkommen ist um 21.00 Uhr 
an dieser Stelle nicht zu rechnen. Da links überholt werden darf, muss auch ein auf 
die Einspurstrecke fahrender Lenker grundsätzlich mit links vorfahrenden 
Fahrzeugen rechnen (so die Vorinstanz, act. E.1 E. 2.3.2.2. zweiter Absatz). Die 
Situation ist anders, wenn ein Autofahrer rechts (über die Einspurstrecke) überholt, 
wie das im von der Staatsanwaltschaft zitierten Urteil der Fall war (act. H.2 S. 5 
m.H.a. Urteil des Obergerichts Zürich SB120060 vom 10. Juli 2012). Da die 
einfache Verkehrsregelverletzung eine Übertretung darstellt, für die die 
Verfolgungsverjährungsfrist drei Jahre beträgt, ist der Vorfall verjährt. Das 
Strafverfahren ist bezüglich Überholen auf der Einspurstrecke einzustellen 
(entsprechend dem Urteil der Vorinstanz).

3.2.3. Überfahren der Sicherheitslinie mit Kollisionsfolge

Dass der Beschuldigte die Sicherheitslinie überfahren hat und auf der 
Gegenfahrbahn mit dem von E._____ gelenkten Fahrzeug kollidiert ist, ist 
unumstritten. Die Insassen der beiden Fahrzeuge wurden dadurch konkret 
gefährdet. Damit hat der Beschuldigte die Verkehrsregeln, wonach rechts der 
Sicherheitslinie zu fahren ist, in objektiv grober Weise verletzt. Warum der 
Beschuldigte auf die Gegenfahrbahn geriet, liess sich nicht eindeutig erstellen. Das 
Fahrverhalten und die Aussagen von E._____ deuten auf eine Ablenkung hin. 
Jedenfalls war der Beschuldigte nicht auf seine Fahrt konzentriert und handelte 
somit grob fahrlässig. Damit hat der Beschuldigte die Verkehrsregeln in grober 
Weise verletzt. Der Beschuldigte sagte aus, er sei einem Tier oder einem Kind 
ausgewichen. Er macht damit eine Notstandsituation geltend (Art. 17 und 18 StGB). 

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Das Ausweichmanöver liess sich aber nicht erstellen, weshalb auch nicht von einem 
Notstand auszugehen ist. Der Beschuldigte ist für die Verletzung von Art. 27 Abs. 1 
und Art. 34 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen.

3.3. Fazit Rechtliches

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Urteil der Vorinstanz zu 
bestätigen ist. Demnach ist das Strafverfahren in Bezug auf den Vorwurf "Überholen 
auf der Einspurstrecke" (wie auch in Bezug auf den Vorwurf "Beschleunigung an 
der Lichtsignalanlage") wegen Verjährung einzustellen. Für das Überfahren der 
Sicherheitslinie am 29. Juli 2020 ("Überholen nach Kreisverkehr") und am 
17. Oktober 2020 (Kollision mit E._____) ist der Beschuldigte wegen mehrfacher 
grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 2 
SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen.

4. Strafe

4.1. Art der Strafe

Das Regionalgericht verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe. Die 
Staatsanwaltschaft erachtet – ausgehend von ihrem Antrag, wonach der 
Beschuldigte wegen drei groben Verkehrsregelverletzungen zu verurteilen ist – eine 
Freiheitsstrafe von 13 Monaten als angemessen (act. H.2 S. 8). Der 
Staatsanwaltschaft ist dahingehend zuzustimmen, als die bedingten Geldstrafen 
den Beschuldigten angesichts seines Strafregisters offensichtlich bis anhin nicht 
abzuschrecken vermochten. Allerdings ist zu beachten, dass bisher noch keine 
Geldstrafe vollzogen wurde. Nun direkt auf eine Freiheitsstrafe zu erkennen, 
widerspräche dem in Art. 41 StGB statuierten Vorrang der Geldstrafe vor der 
Freiheitsstrafe. Es ist vorliegend auf eine Geldstrafe zu erkennen.

4.2. Strafzumessung

Der Beschuldigte beantragt für den Fall eines Schuldspruchs wegen (mehrfacher) 
grober Verkehrsregelverletzung eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 
CHF 100.00. Der Beschuldigte liefert keine Gründe, weshalb die von der Vorinstanz 
festgelegte Sanktion nicht angemessen ist. Die Strafzumessung der Vorinstanz ist 
denn auch nicht zu beanstanden. Es kann daher auf die entsprechenden 
Erwägungen verwiesen werden (act. E.1 E. 4.4 f.). Der Beschuldigte ist demnach 
zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu CHF 100.00 zu verurteilen.

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4.3. Vollzug

Der Beschuldigte beantragt den Aufschub des Vollzugs unter Gewährung einer 
Probezeit von drei Jahren. Dem kann nicht gefolgt werden. Der Beschuldigte weist 
einschlägige Vorstrafen auf. Die vorliegend zu beurteilenden Vorfälle ereigneten 
sich innerhalb von drei Monaten. Der Beschuldigte zeigte sich im Verfahren nicht 
sonderlich einsichtig. Er gestand die Sachverhalte zwar insgesamt ein, schien aber 
sein Verschulden nicht anzuerkennen, sondern stritt ab, dass sein Fahrverhalten 
verkehrsregelwidrig war bzw. ging davon aus, dass es gerechtfertigt bzw. 
entschuldbar war (Ausweichen wegen Tier/Kind). Es trifft zu, dass der Beschuldigte 
seither, also seit bald fünf Jahren, keine neuen Einträge (betreffend den 
Strassenverkehr) im Strafregister mehr hat. Dies ist ihm zu Gute zu halten. Von 
einer fehlenden ungünstigen Prognose kann angesichts des getrübten Leumunds 
dennoch nicht ausgegangen werden, weshalb die Strafe zu vollziehen ist. 

4.4. Fazit Strafe

Der Beschuldigte ist mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu CHF 100.00 zu 
bestrafen. Die Strafe ist zu vollziehen.

5. Kosten und Entschädigung

5.1. Untersuchung und erste Instanz

Grundsätzlich trägt der Staat die Kosten des Strafverfahrens. Wird die beschuldigte 
Person verurteilt, so trägt sie die Kosten. Das vorinstanzliche Kostendispositiv ist zu 
bestätigen. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft, die CHF 3'690.40 
betragen, sind im Umfang von CHF 2’214.25 (3/5) dem Beschuldigten und im 
Umfang von CHF 1’476.15 (2/5) dem Kanton Graubünden (Staatsanwaltschaft) 
aufzuerlegen. Von den Verfahrenskosten des Regionalgerichts, welche 
CHF 4'000.00 betragen, sind CHF 2'400.00 (3/5) dem Beschuldigten und 
CHF 1'600.00 dem Kanton Graubünden (Regionalgericht Plessur) aufzuerlegen.

5.2. Entschädigung erste Instanz

Der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Heinz Holzinger, hatte für das 
erstinstanzlichen Verfahren einen Aufwand von 2377 Minuten geltend gemacht. 
Das Regionalgericht strich 90 Minuten für Sekretariatsarbeiten und erachtete ein 
Honorar von CHF 10'508.45 (inkl. Spesen und MwSt.) als angemessen. Dies ist 
nicht zu beanstanden. Entsprechend dem Verfahrensausgang ist der Verteidiger für 

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seinen Aufwand im erstinstanzlichen Verfahren mit CHF 4'203.40 (2/5 von 
CHF 10'508.45; inkl. Spesen und MwSt.) zu entschädigen.

5.3. Berufungsverfahren

Die Kosten des Berufungsverfahrens – welche CHF 4'000.00 betragen – sind nach 
Obsiegen und Unterliegen zu verteilen. Der Beschuldigte beantragte mit Berufung 
in erster Linie Freisprüche von allen Vorwürfen. Damit unterliegt er vollumfänglich. 
Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Anschlussberufung einen zusätzlichen 
Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln in Bezug auf den 
Vorwurf des Überholens auf der Einspurstrecke. Auch die Staatsanwaltschaft 
unterliegt mit ihrem Antrag. Dieser Verfahrensausgang rechtfertigt, dem 
Beschuldigten drei Viertel der Kosten und dem Kanton Graubünden ein Viertel der 
Kosten aufzuerlegen.

5.4. Entschädigung Berufungsverfahren

Rechtsanwalt Heinz Holzinger macht für das Berufungsverfahren einen Aufwand 
von 714 Minuten geltend (Honorarnote vom 7. April 2025, act. G.1). 
Hinzuzurechnen ist die Dauer der Verhandlung von 70 Minuten. Insgesamt 
erscheint ein Aufwand von 784 Minuten als angemessen. Mangels Vorliegen einer 
Honorarvereinbarung ist der Stundenansatz auf CHF 240.00 festzusetzen. Hinzu 
kommen die effektiven Spesen von CHF 107.00 und die Mehrwertsteuer von 8.1 %, 
was insgesamt CHF 3'505.60 ergibt. Der Kanton Graubünden (Obergericht) hat 
Rechtsanwalt Heinz Holzinger mit einem Viertel davon, entsprechend CHF 876.40, 
zu entschädigen.

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Es wird erkannt:

1. Das Strafverfahren gegen A._____ wird hinsichtlich der Anklagevorwürfe 
"Überholen auf der Einspurstrecke" und "Beschleunigen an der 
Lichtsignalanlage" eingestellt.

2. A._____ ist schuldig der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 34 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Abs. 2 SVG.

3. A._____ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 
CHF 100.00.

4. Die Untersuchungskosten von CHF 3’690.40 gehen im Umfang von 
CHF 2’214.25 zulasten von A._____ und im Umfang von CHF 1’476.15 
zulasten des Kantons Graubünden (Staatsanwaltschaft).

5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 4’000.00 gehen im 
Umfang von CHF 2’400.00 zulasten von A._____ und im Umfang von 
CHF 1’600.00 zulasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht Plessur).

6. Rechtsanwalt Heinz Holzinger wird für das erstinstanzliche Verfahren mit 
CHF 4’203.40 (inkl. Spesen und MwSt.) zulasten des Kantons Graubünden 
(Regionalgericht Plessur) entschädigt.

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 4’000.00 gehen im Umfang 
von CHF 3’000.00 zulasten von A._____ und im Umfang von CHF 1’000.00 
zulasten des Kantons Graubünden (Obergericht).

8. Rechtsanwalt Heinz Holzinger wird für das Berufungsverfahren mit 
CHF 876.40 (inkl. Spesen und MwSt.) zulasten des Kantons Graubünden 
(Obergericht) entschädigt.

9. [Rechtsmittelbelehrung]

10. [Mitteilung an:]