# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9a59682-3e8e-5206-9c83-381f5da932c5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 11.03.2024 SST.2023.140
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-140_2024-03-11.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.140 
(ST.2022.129; StA.2021.1397) 

 

 

Urteil vom 11. März 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Sprenger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatkläger 1  A._____, 

[…] 

 

Privatklägerin 2  B._____, 

[…] 

 

beide Privatkläger vertreten durch Rechtsanwalt Martin Basler,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   C._____,  

geboren am tt.mm.1992, von Spanien, 

[…] 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt André Derendinger,  

[…] 

  

 
 

Gegenstand  Qualifizierter Raub, Hausfriedensbruch, Widerhandlungen gegen das 

Strassenverkehrsgesetz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 21. September 2022 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung sowie 

gegen den Beschuldigten und drei Mitbeschuldigte (F._____ 

[SST.2023.141], D._____ [SST.2023.142] und E._____) wegen Raubs, 

Nötigung und Hausfriedensbruchs. 

 

Dem Beschuldigten wird in Bezug auf den vorliegend noch umstrittenen 

Raub und Hausfriedensbruch vorgeworfen, sich als Mittäter in einem 

weissen Nissan (AG […]) am 20. Februar 2021 um ca. 08:50 Uhr zum 

Einfamilienhaus von A._____ und B._____ am Q-weg in R._____ begeben 

zu haben. Er habe Gummihandschuhe getragen und sei mit einer 

Hygienemaske vermummt gewesen. Einer der Beschuldigten – vermutlich 

der Mitbeschuldigte F._____ – habe als Postbote verkleidet und mit einem 

Paket in der Hand an der Haustüre geklingelt. Nach dem Öffnen habe er 

A._____ zur Unterschrift aufgefordert und ihn am Handgelenk gepackt, 

woraufhin es zu einem Gerangel gekommen sei. Die Beschuldigten hätten 

versucht, dem sich wehrenden A._____ die Handgelenke 

zusammenzubinden und ihm Augen und Mund zugehalten. Zwei Täter 

seien sogleich in den oberen Stock gerannt, wo sich B._____ aufgehalten 

habe. Nach mehreren Versuchen, A._____ die Arme und Hände mit breiten 

Bändern und Kabelbindern zu fesseln, sei es diesen erst gelungen, als ein 

Dritter Beschuldigter dazugekommen sei und geholfen habe. Schliesslich 

sei A._____ um den ganzen Körper herum gefesselt worden. Die 

Beschuldigten hätten A._____ den Mund zugehalten, sodass dieser nicht 

habe schreien können. Sie hätten ihn über eine Toilettenschüssel im 

Erdgeschoss gedrückt, wodurch dieser eine Rippenquetschung sowie eine 

Prellung des Beckenknochens erlitten habe. Zwei Beschuldigte hätten 

A._____ ein Messer mit jeweils 5-15 cm langer Klinge in drohender Haltung 

gezeigt, als dieser sich gewehrt habe. Schliesslich sei A._____ in den 

Heizungsraum gebracht worden, wo ihm die Fussgelenke mit Klebeband 

verklebt, wobei ein Fuss an das Heizungsrohr gefesselt worden sei, die 

Handgelenke wiederum mit Kabelbindern zusammengebunden und 

A._____ Klebeband um den Kopf insbesondere über Mund und Nase 

gebunden worden sei, sodass dieser an Atemnot gelitten habe. Der auf der 

Seite liegende A._____ habe sich nur noch leicht wenden und ansonsten 

kaum bewegen, geschweige denn aufstehen können. Schlussendlich sei 

es A._____ gelungen, das Klebeband im Gesicht etwas zu lockern, um 

besser atmen zu können, wobei er nach wie vor Luftnot verspürt habe. 

Seine diesbezüglichen Äusserungen, dass er fast verrecke, sei von den 

Beschuldigten ignoriert worden. Er habe bei geschlossener Tür mindestens 

zwanzig Minuten im dunklen Heizungsraum gelegen. Zu einem späteren 

Zeitpunkt habe einer der Beschuldigten A._____ nach Geld gefragt und ihm 

mindestens zwei Mal gedroht, dass er seine beiden Söhne töten werde, 

 - 3 - 

 

 

wenn er die Polizei anrufe. Er wisse, wo die beiden wohnen würden. 

A._____ habe diese Äusserungen sehr ernst genommen und sei dadurch 

derart in Angst und Schrecken versetzt worden, dass er die Polizei nicht 

verständigt habe. Dies habe schliesslich ein Nachbar gemacht. Einer der 

Beschuldigten habe A._____ die Fingerkuppen gewaschen und ihm erklärt, 

dass seine Frau in ca. zehn Minuten kommen und ihn befreien würde. 

 

B._____ sei im oberen Stockwerk von zwei Beschuldigten an den 

Handgelenken gepackt und durch einen Schlag auf den Rücken zu Boden 

gedrückt worden. Ihr seien Mund und Augen zugehalten worden, wobei 

zwei Beschuldigte in drohender Weise ein Messer in den Händen gehalten 

hätten. B._____ seien die Augen verbunden, die Handgelenke gefesselt 

und sie sei mit Klebeband verklebt worden. Sodann sei ihr Klebeband straff 

über Nase und Mund geklebt worden, wodurch sie an Atemnot litt und dies 

gegenüber den Beschuldigten kundtat. Schliesslich sei sie in das 

Nähzimmer gezogen und mit einem die Luftzufuhr weiter einschränkenden 

Kissenbezug überstülpt und am Boden platziert worden. Sodann seien ihr 

die Beine mit einem weissen Tuch zusammengebunden worden. Die 

Beschuldigten seien mehrmals wiedergekehrt und hätten ihr versichert, 

dass ihr nichts passieren werde und sich ca. fünf Mal in gebrochenem 

Deutsch nach Geld erkundigt. B._____ habe nach mehrmaligem Verneinen 

ein Versteck preisgegeben, in dem sich Fr. 4'000.00 befunden hätten, das 

aber von den Beschuldigten nicht gefunden worden sei. Sie nahmen ihr 

sodann gewaltsam den Ring vom linken Ringfinger, wobei sie diesen 

mehrfach gebrochen und die Fingerkuppen des Mittelfingers verletzt 

hätten. Die Beschuldigten hätten B._____ zudem gesagt, dass sie um ihre 

beiden Söhne im Alter von 40-50 Jahren wüssten. Nach einer Weile habe 

ein Beschuldigter B._____ Hände und Nägel gewaschen, ihre rechte Hand 

befreit und sie aufgefordert, in zehn Minuten ihren Mann zu befreien. 

 

Die Mitbeschuldigten hätten insgesamt mindestens Fr. 500.00 erbeutet und 

den Tatort um ca. 09:25 Uhr wieder verlassen. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Zofingen erkannte mit Urteil vom 16. März 2023: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- des qualifizierten Raubes (besondere Gefährlichkeit) gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB 

(Anklageziffer 1.); 
- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB (Anklageziffer 1.); 
- des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises 

gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG (Anklageziffer 2.).  
 

 - 4 - 

 

 

2.  
2.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 1 
Monat verurteilt. 
 
2.2. 
Die Untersuchungshaft von 624 Tagen (6. Mai 2021 - 2. September 2021 und 29. Oktober 
2021 - 16. März 2023) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
3. 
Der mit Urteil der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020 für 30 
Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 80.00 (30 Tagessätze abzüglich 2 
Tagessätze für die ausgestandene Untersuchungshaft) gewährte bedingte Vollzug wird 
gestützt auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen.  
 
Die widerrufene Geldstrafe von total Fr. 2'240.00 ist zu bezahlen.  
 
4.  
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für 10 Jahre des Landes 
verwiesen. Auf eine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system SIS wird verzichtet.  
 
5.  
Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten zurückgegeben: 
- 1 Stromkabel grau, 5-phasig, Durchmesser 20mm, Länge 56cm (bei SIWAS) 
- 1 Arbeitsrapport Februar 2021 
 
6.  
6.1.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 [B._____] unter 
solidarischer Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und F._____ eine Genugtuung 
von Fr. 6'500.00 zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.2.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 [B._____] unter 
solidarischer Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und F._____ Schadenersatz in 
Höhe von Fr. 1'865.95 zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.3. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 2 [A._____] unter 
solidarischer Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und F._____ eine Genugtuung 
von Fr. 6'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.4. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 2 [A._____] unter 
solidarischer Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und F._____ Schadenersatz in 
Höhe von Fr. 598.20 zuzüglich Zins zu 5 % ab 20. Februar 2021 zu bezahlen.  
 
6.5.  
Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Zivil- und Strafklägern 1 und 2 [A._____ und 
B._____] unter solidarischer Haftbarkeit mit den Beschuldigten D._____ und F._____ eine 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 17'593.10 (inkl. Fr. 1'257.80 MwSt.) zu bezahlen.  
 
7.  
7.1.  
Die Anklagegebühr wird auf Fr. 1'450.00 festgesetzt und dem Beschuldigten auferlegt.  

 - 5 - 

 

 

7.2. 
Die weiteren Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  38'484.30 
c) den Kosten für Übersetzungen von Fr.  190.55 
d) den Kosten für Gutachten von Fr.  8'415.70 
e) den anrechenbaren Polizeikostenrapporten von Fr. 900.00 
 (IT-Forensik) 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.  5'288.70 
 (EJPD) 
g) den Spesen von Fr.  132.00 
h) den anderen Auslagen von Fr.  317.20 
Total  Fr.  55'228.45 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr sowie die Kosten gemäss lit. d-h im 
Gesamtbetrag von Fr. 16'553.60 auferlegt. Der Restbetrag geht zu Lasten des Staates. 
 
7.3.  
7.3.1.  
Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt Patrick Imbach in Höhe von 
Fr. 793.00 (inkl. MwSt.) gehen einstweilen zu Lasten des Kantons Aargau. Diese Kosten 
wurden mit Verfügung vom 11. Juni 2021 bereits ausbezahlt. Der Beschuldigte ist 
verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, 
sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  
 
7.3.2.  
Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt André Derendinger in Höhe 
von Fr. 37'691.30 (inkl. Fr. 2'675.50 MwSt.) gehen einstweilen zu Lasten des Kantons 
Aargau. Abzüglich der mit Verfügung vom 30. Mai 2022 bereits ausbezahlten 
Entschädigung von Fr. 17'581.50 (inkl. Fr. 1'257.00 MwSt.) bleibt noch ein Restbetrag von 
Fr. 20'109.80 (inkl. Fr. 1'418.50 MwSt.) zu bezahlen. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem 
Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  
 
8. 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 16. Juni 2023 beantragte die Staats-

anwaltschaft die Verurteilung des Beschuldigten wegen qualifizierten 

Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB statt Art. 140 Ziff. 3 StGB sowie eine 

Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 10 Jahre und 3 Monate und der 

Landesverweisung auf 15 Jahre. 

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 26. Juni 2023 beantragte der Beschuldigte 

einen Freispruch betreffend den qualifizierten Raub sowie den 

Hausfriedensbruch, eine tiefere Strafe, das Absehen vom Widerruf des 

Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020, 

das Absehen von einer Landesverweisung sowie die Abweisung der 

Zivilforderungen. 

 

 - 6 - 

 

 

3.3. 

Mit Anschlussberufungserklärungen vom 18. Juli 2023 beantragten die 

Privatkläger A._____ und B._____ eine Erhöhung der Genugtuung. 

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 14. August 2023 und der Beschuldigte 

am 25. September 2023 vorgängig zur Berufungsverhandlung eine 

schriftliche Berufungsbegründung und die Privatkläger am 24. August 2023 

eine schriftliche Anschlussberufungsbegründung ein. 

 

3.5. 

Mit vorgängigen Berufungsantworten vom 9. Oktober 2023 beantragten die 

Staatsanwaltschaft und die Privatkläger die Abweisung der Berufung des 

Beschuldigten. Mit Berufungsantwort vom 23. Oktober 2023 beantragte der 

Beschuldigte die Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft und mit 

gleichtägiger (separater) Anschlussberufungsantwort die Abweisung der 

Anschlussberufung der Privatkläger. 

 

3.6. 

Die Berufungsverhandlung fand am 11. März 2024 zusammen mit den 

Berufungsverfahren i.S. F._____ [SST.2023.141] und D._____ 

[SST.2023.142] statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Schuldsprüche des 

Raubs und des Hausfriedensbruchs, die Strafzumessung, die Landes-

verweisung und den Zivilpunkt. Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet 

sich gegen die Qualifikation des Raubs, die Strafzumessung und die Dauer 

der Landesverweisung. Die Anschlussberufung der Privatkläger richtet sich 

gegen die Höhe der Genugtuungssumme. In den übrigen Punkten 

(Schuldspruch wegen Fahrens ohne Berechtigung, Herausgabe beschlag-

nahmter Gegenstände, Höhe der Entschädigung der amtlichen Vertei-

digung) ist das vorinstanzliche Urteil unangefochten geblieben und deshalb 

nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des qualifizierten Raubs mit 

besonderer Gefährlichkeit nach Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB in 

Mittäterschaft sowie des Hausfriedensbruchs nach Art. 186 StGB verurteilt. 

Sie erwog nach einer Würdigung der Beweise (Videoaufnahmen Q-weg, 

Auswertung der Apple Watch des Mitbeschuldigten D._____, Kontroll-

schilderkennung, Auswertung von RTI-Daten, Spurensicherungsbericht, 

 - 7 - 

 

 

forensisch-klinischen Untersuchungen von A._____ und B._____, 

Aussagen von A._____ und B._____, Aussagen des Mitbeschuldigten 

F._____ und Aussagen des Beschuldigten), dass der Beschuldigte im 

Fahrzeug des Mitbeschuldigten D._____ nach R._____ mitgefahren und in 

das Haus von A._____ und B._____ eingedrungen sei. Dort seien A._____ 

und B._____ unter unnötig heftiger Gewaltanwendung übermässig stark 

gefesselt und geknebelt worden, indem ihnen insbesondere Klebeband 

über Nase und Mund geklebt worden sei, was ihre Atmung erschwert habe. 

Der 83-jährige A._____ sei schliesslich im dunklen Heizungsraum mit 

einem Fuss am Heizungsrohr angebunden und während mindestens 

zwanzig Minuten alleine gelassen worden. Die 77-jährige B._____ sei im 

oberen Stockwerk überwältigt worden. Der Beschuldigte habe zusammen 

mit den Mitbeschuldigten F._____ und D._____ A._____ und B._____ mit 

Gewalt widerstandsunfähig gemacht, um einen Diebstahl zu begehen, 

wobei insgesamt Fr. 500.00 Bargeld gestohlen worden sei (vorinstanz-

liches Urteil E. 3.1.3, 3.2.3, 3.3 und 4.2.2). 

 

Der Beschuldigte bestreitet seine Täterschaft. Er bestreitet in erster Linie 

die Verwertbarkeit der Videoaufnahmen Q-weg bzw. daraus bearbeiteter 

Standbilder eines Kontrollschildes, der AFV-Kontrollschilderkennung, der 

Videoaufnahmen der Migrolino-Tankstelle in S._____ (AG) und der unkon-

frontierten Einvernahmen des Mitbeschuldigten F._____ (Berufungs-

begründung des Beschuldigten, Ziff. 3.1.1, 3.1.2, 3.2.2). Ferner würden nur 

Indizien vorliegen, die allenfalls auf eine Tatbeteiligung des Mitbe-

schuldigten D._____ hindeuten könnten, nicht jedoch auf seine Tat-

beteiligung. Es fehle ein Nachweis dafür, dass der Beschuldigte näher als 

20 Kilometer beim Tatort gewesen sei (Berufungsbegründung des 

Beschuldigten, Ziff. 2 und 4). Der Beschuldigte bestreitet zudem, dass sein 

Fahrzeug im Rahmen der AFV-Kontrollschilderkennung von Verkehrs-

überwachungskameras fotografiert worden sei, nachdem keine 

diesbezüglichen Beweisfotos vorliegen würden, sondern lediglich ein 

Polizeirapport mit einer Auflistung, an der herummanipuliert worden sei. 

Weitere diesbezüglich eingereichte Beweismittel würden reine Partei-

behauptungen darstellen (Berufungsbegründung des Beschuldigten, 

Ziff. 3.1.2).  

 

Die Staatsanwaltschaft wendet sich gegen die rechtliche Würdigung der 

Vorinstanz und geht davon aus, dass ein qualifizierter Raubüberfall nach 

Art. 140 Ziff. 4 StGB vorliege, nachdem der Beschuldigte insbesondere 

zusammen mit den Mitbeschuldigten A._____ und B._____ in Lebens-

gefahr gebracht und deren Tod in Kauf genommen habe (Berufungs-

begründung der Staatsanwaltschaft, Ziff. B.2). 

 

 - 8 - 

 

 

2.2. 

2.2.1. 

Des qualifizierten Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 4 StGB macht 

sich strafbar, wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung 

gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem er den 

Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht 

und dabei das Opfer u.a. in Lebensgefahr bringt. Bei der Tatbestands-

variante, bei welcher der Täter das Opfer in Lebensgefahr bringt, ist eine 

naheliegende, konkrete, unmittelbare, akute und hochgradige Lebens-

gefahr erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 6B_789/2020 vom 

31. Januar 2022 E. 2.3.4 mit Hinweisen). Die Lebensgefahr herbeiführen 

kann insbesondere die Art der Bedrohung oder Gewaltanwendung, zum 

Beispiel durch eine Fesselung oder Knebelung, an der das Opfer zu 

ersticken droht (vgl. BGE 117 IV 427 E. 3.b.bb; Urteil des Appellations-

gerichts Basel-Stadt vom 7. Februar 2003 in: SJZ 2004 S. 472). In 

subjektiver Hinsicht muss der Täter erkennen, dass er das Opfer mit 

seinem Vorgehen in Lebensgefahr bringt. Sein Vorsatz muss sich also auf 

die Verwirklichung der Todesgefahr richten. Dabei genügt Eventualvorsatz 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_789/2020 vom 31. Januar 2022 E. 2.3.4 mit 

Hinweisen).  

 

2.2.2. 

Gemäss Art. 186 StGB macht sich des Hausfriedensbruchs u.a. schuldig, 

wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus unrechtmässig 

eindringt oder, trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, 

darin verweilt. Er wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft. 

 

2.2.3. 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der 

Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in 

massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als 

Hauptbeteiligter dasteht. Nach den Umständen des konkreten Falls muss 

der Tatbeitrag des Mittäters als für die Ausführung des Delikts wesentlich 

erscheinen. Die Mittäterschaft setzt einen gemeinsamen Tatentschluss 

voraus, der indessen nicht notwendigerweise ausdrücklich sein muss, 

sondern sich auch im konkludenten Handeln äussern kann, wobei 

Eventualvorsatz bezüglich des Erfolgs genügt. Es ist nicht erforderlich, 

dass der Mittäter an der Planung des Delikts beteiligt ist; er kann später 

dazu stossen. Es ist auch nicht notwendig, dass von Beginn an ein Vorsatz 

besteht; der Mittäter kann sich den Vorsatz während der Ausführung zu 

eigen machen. Massgeblich ist, dass der Mittäter am Entschluss, ein Delikt 

zu begehen, oder an seiner Ausführung unter Umständen oder in einem 

Mass beteiligt ist, die ihn nicht als weiteren Beteiligten, sondern als Haupt-

beteiligten erscheinen lassen (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1). Erscheint die Tat 

demnach als Ausdruck eines gemeinsamen Willens und Handelns, ist jeder 

 - 9 - 

 

 

der Mittäter für die Tat als Ganzes verantwortlich (BGE 120 IV 17 E. 2d; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 1.2.2). 

 

2.3. 

In tatsächlicher Hinsicht ist grösstenteils unbestritten (Berufungs-

begründung des Beschuldigten, Ziff. 3.2.1; Berufungsbegründung des Mit-

beschuldigten D._____, Ziff. 1.8 und 1.10; Eingabe des Mitbeschuldigten 

F._____ vom 22. Januar 2024) und im Übrigen gestützt auf die Ergebnisse 

der Spurensicherung am Tatort (UA act. 218 ff.), auf die schlüssigen, 

konstanten und widerspruchsfreien Aussagen von A._____ und B._____ 

zum Kerngeschehen (Einvernahmen von A._____ vom 20. Februar 2021 

[UA act. 851 ff.], vom 7. Juni 2021 [UA act. 873 ff.], vom 26. April 2021 [UA 

act. 900 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA act. 227 ff.] und vom 11. März 2024 

[Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.]; Einvernahmen von B._____ 

vom 23. Februar 2021 [UA act. 798 ff.], vom 7. Juni 2021 [UA act. 818 ff.], 

vom 26. April 2022 [UA act. 839 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA act. 233 ff.] 

und vom 11. März 2024 [Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7 ff.]), die 

forensisch-klinische Untersuchungen von A._____ und B._____ 

(Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 1. März 2021, UA 

act. 279 ff. und UA act. 291 ff.) und die schlüssigen und konfrontierten 

Aussagen des Mitbeschuldigten F._____ (Einvernahme vom 

13. Dezember 2021 [UA act. 602 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA act. 239 ff.] 

und vom 11. März 2024 [Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11 ff.]) 

erstellt, dass am Vormittag des 20. Februar 2021 ein Raubüberfall durch 

vier Täter – darunter der Mitbeschuldigte F._____ (UA act. 606; GA 

act. 243; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11) – bei A._____ und 

B._____ am Q-weg in R._____ stattfand. Der zum Tatzeitpunkt 83-jährige 

A._____ öffnete die Haustüre, nachdem der als Postbote verkleidete und 

eine Hygienemaske tragende Mitbeschuldigte F._____ an der Haustüre 

geklingelt hat. Als er für den Erhalt eines Pakets unterzeichnen wollte, 

wurde er am Handgelenk gepackt und es kam zu einem Gerangel. Dabei 

sind weitere Täter, die Hygienemasken und Handschuhe getragen haben, 

hinzugekommen (UA act. 854-856, 877 f., 902 und 906; GA act. 229 und 

233; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 f.). Die damals 77-

jährige B._____ befand sich zu diesem Zeitpunkt im Obergeschoss. Zwei 

Täter stürmten hoch, packten sie an den Händen und hielten ihr den Mund 

zu. Beide Täter hatten ein Rüstmesser in den Händen. Die Täter fesselten 

die Hände von B._____ mit Kabelbindern – wobei an einem die DNA des 

Mitbeschuldigten F._____ festgestellt wurde (UA act. 264 f.) – und 

Klebeband und verbanden ihr die Augen. Sie zogen sie ins Nähzimmer und 

banden ihre Beine zusammen und verklebten ihr zumindest teilweise den 

Mund, sodass sie nur schwer atmen konnte. Dabei wollten die Täter immer 

wieder von ihr wissen, wo das Geld sei. Ein Täter hat versucht, ihr den Ring 

abzustreifen, wobei der Finger von B._____ brach. Nach einer Weile 

wurden ihr die Hände und Nägel mit Seife gewaschen und ein Täter schnitt 

einen Kabelbinder an der rechten Hand auf, gab ihr eine Schere und sagte 

 - 10 - 

 

 

ihr, sie solle in zehn Minuten die Fesselung lösen und anschliessend ihren 

Mann befreien (UA act. 802, 821 f. und 841-843; GA act. 235 und 237 f.; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7 f.; vgl. UA act. 242 f.; UA 

act. 291 ff.). Insgesamt wurde B._____ während einer Weile alleine 

gelassen (UA act. 822 und 841; GA act. 237 [eine halbe oder dreiviertel 

Stunde]; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 7 [lange Zeit]). 

Währenddessen wurde A._____ auf der Toilette gegen die 

Toilettenschüssel gedrückt. Anschliessend sind ihm die Hände mit Bändern 

zusammengebunden worden. Nachdem er die Bänder die ersten zwei Mal 

zerrissen hat, halfen weitere Täter bei der Fesselung. Zwei der Täter trugen 

ein Rüstmesser bei sich. A._____ wurden im Anschluss auch die Füsse 

zusammengebunden und Klebeband um seinen Kopf insbesondere über 

Mund, Nase und Augen geklebt, so dass er fast nicht mehr atmen konnte. 

Er habe mit einem Finger das Klebeband im Gesicht noch etwas lockern 

können. Schliesslich ist er gefesselt und verklebt ca. 15-30 Minuten im 

Heizungsraum auf dem Boden gelegen und konnte sich fast nicht mehr 

bewegen. Ein Fuss war dabei am Heizungsrohr angemacht. Danach kam 

erneut ein Täter in den Heizungsraum und sagte ihm, dass seine beiden 

Söhne tot seien, wenn er die Polizei rufen würde. A._____ wurde schliess-

lich durch seine Frau befreit, wobei seine Hände und sein Kopf derart 

verklebt waren, dass der Nachbar diese lösen musste. Dieser hat 

schliesslich auch die Polizei gerufen, weil A._____ aufgrund der Drohung 

zu grosse Angst gehabt hat (UA act. 855 f.und 902-904; GA act. 229 f.; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.; vgl. UA act. 240). Die Täter 

haben die Portemonnaies von A._____ und B._____ geleert und insgesamt 

ca. Fr. 500.00 erbeutet (UA act. 805 f., 823, 857, 880 und 905; GA act. 233 

und 238). A._____ erlitt infolge Fesselung, Verkleben des Kopfes und 

Gerangel diverse Hautrötungen, Hämatome, Hautabschürfungen und 

Druckstellen infolge stumpfer Gewalteinwirkung (UA act. 279 ff.). B._____ 

erlitt durch die Fesselung, das Klebeband, die stumpfe Gewalteinwirkung 

und den Versuch, ihr den Ring vom Finger zu ziehen diverse Hautrötungen, 

Hämatome, Hautabschürfungen, Stauungssyndrom, einen Bluterguss 

sowie einen Trümmerbruch des linken Ringfingers (UA act. 291 ff.).  

 

Weiter ist erstellt, dass der Mitbeschuldigte D._____ den Tatort kannte, 

nachdem er im Jahr 2018 einen zu verkaufenden Grill bei A._____ und 

B._____ zuhause anschaute (UA act. 447; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 8). Zudem kannte er A._____ und B._____, zumal die Frau 

des einen Sohnes von A._____ und B._____ seine Tante ist (UA act. 394; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8). Bei diesem – wie A._____ und 

B._____ als Schausteller tätigen – Sohn hat der Beschuldigte zu einem 

früheren Zeitpunkt gearbeitet (UA act. 875; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 3). Später arbeitete der Mitbeschuldigte D._____ 

bei der Post (UA act. 442). Im Tatzeitpunkt arbeitete der Mitbeschuldigte 

D._____ zusammen mit dem Mitbeschuldigten F._____ bei der G._____ 

 - 11 - 

 

 

AG in Bremgarten (UA act. 613; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15) 

und wohnte zusammen mit dem Beschuldigten in T._____ (UA act. 444 f.). 

 

Umstritten ist die Tatbeteiligung des Beschuldigten. 

 

2.4. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den Ange-

klagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein 

indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten 

Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind 

(Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache 

geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet 

nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache 

oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, können in 

ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen 

rechtsgenüglichen Beweis von Tat und Täter erlauben (statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 mit 

Hinweisen).  

 

2.5. 

Es gibt keine direkten Beweise für eine Täterschaft des Beschuldigten. Es 

liegen jedoch zahlreiche Indizien und Umstände vor, die es erlauben, die 

Geschehnisse, die einen zuverlässigen Rückschluss auf die Täterschaft 

des Beschuldigten ermöglichen, zu rekonstruieren: 

 

2.5.1. 

Der geständige Mitbeschuldigte F._____ äusserte sich im Rahmen der 

Einvernahme an der Berufungsverhandlung schlüssig und detailliert zur 

Tatvorbereitung und dem Ablauf des Tattages insbesondere vor dem 

eigentlichen Kerngeschehen und bestätigte bzw. ergänzte damit seine 

bisherigen konfrontierten und schlüssigen Aussagen. Obwohl er es 

unterliess, die Identität seiner Mittäter offenzulegen, sind seine Aussagen 

 - 12 - 

 

 

– teilweise unter Einbezug weiterer Indizien (vgl. unten) – geeignet, 

Rückschlüsse auf die Identitäten zweier Mittäter zu ermöglichen. 

 

Eine Person, die er gut kenne und mit der er zusammengearbeitet habe 

(später betitelt als «sein Kollege»), habe ihn angefragt, ob er beim 

Raubüberfall mitmachen wolle (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11 

und 15). Insgesamt seien sie vier Mittäter gewesen (UA act. 608, vgl. GA 

act. 240 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12: sein Kollege sowie 

die Personen «B und C»). Die anderen – neben seinem Kollegen –, d.h. 

Personen «B und C» habe er nicht gut gekannt (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 18). Der Kollege habe ihm erklärt, dass es sich bei den 

Opfern um seine Tante und seinen Onkel handle (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 13 f., wobei sich der Mitbeschuldigte F._____ zu 

einem späteren Zeitpunkt an der Berufungsverhandlung nicht mehr dazu 

äussern wollte, dass es sich bei A._____ und B._____ um die Tante und 

den Onkel seines Kollegen gehandelt habe, vgl. Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 14) und man dort Geld im Millionenbereich stehlen könne 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14). Am Tattag sei er von einem 

Mittäter mit einem blauen oder grauen Fahrzeug (UA act. 608; an der 

Berufungsverhandlung äusserte er sich nicht mehr zur Farbe des 

Fahrzeugs, das ihn abgeholt habe) an seinem Wohnort in S._____ 

abgeholt worden (UA act. 608; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). 

Man sei mit zwei Autos unterwegs gewesen, wobei pro Auto jeweils zwei 

Mittäter mitgefahren seien (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). 

Man habe einen Zwischenstopp in S._____ bei der Tankstelle gemacht, um 

zu tanken. Auf Nachfrage bestätigte er, dass einer der Mittäter hinein-

gegangen sei, um zu bezahlen und auf den Videoaufzeichnungen der 

Tankstelle zu sehen sein müsse (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 15). Man sei auf Nebenstrassen unterwegs gewesen, habe bei einem 

Wald geparkt und sei danach zu viert in einem weissen Auto weiter-

gefahren (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). In diesem weissen 

Auto sei er auch schon auf dem Weg zur Arbeit mitgefahren (UA act. 608; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). Vom Kollegen habe er eine 

Postbotenuniform und ein Paket erhalten (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 11 f.; vgl. UA act. 606). Als Postbote verkleidet, habe er an 

der Haustüre geklingelt. Als die Haustüre geöffnet worden sei, seien zwei 

weitere Personen «B und C» dazugekommen und dann seien sie im Haus 

drin gewesen (UA act. 606 und 610 f.; vgl. GA act. 242 f.; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 11 f.). Die zwei Personen «B und C» seien die 

Treppe hochgestürmt und hätten B._____ gefesselt. Er habe A._____ in 

der Toilette festgehalten. Später habe er Hilfe von «B und C» beim Fesseln 

von A._____ erhalten. Danach sei er auf Geldsuche gegangen, wobei alle 

Mittäter immer wieder gefragt hätten, wo das Geld sei. Man habe nichts 

gefunden und sei dann wieder gegangen. Zudem habe man Messer dabei-

gehabt (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12-14 und 16). 

 

 - 13 - 

 

 

Nachdem sich die schlüssigen Aussagen des Mitbeschuldigten F._____ 

grösstenteils mit dem durch A._____ und B._____ geschilderten Tat-

geschehen und den Erkenntnissen der Spurensicherung decken, ist auf 

seine Aussagen abzustellen. Daran ändert nichts, dass der Mitbeschuldigte 

F._____ erst in der Berufungsverhandlung detailliert zum Ablauf des Tat-

morgens Stellung bezogen hat und seine Aussage – insbesondere in 

Bezug auf die Absicht, Geld im Millionenbereich stehlen zu wollen, auf den 

Zwischenstopp bei der Tankstelle, das Parkieren am Waldrand, die 

teilweise Fahrt in zwei verschiedenen Autos sowie den verwandt-

schaftlichen Bezug zwischen seinem Kollegen und A._____ und B._____ 

(Onkel und Tante; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f. und 20) – 

ergänzte, zumal seine vorangegangenen und konfrontierten Aussagen auf 

seiner Strategie beruhten, von einem als «Prank» bezeichneten Streich 

auszugehen und deshalb nur wenige, ihn belastende Angaben zu machen. 

Nach vorgängiger Ankündigung hat er schliesslich an der Berufungs-

verhandlung ein umfassendes Geständnis abgelegt (vgl. Eingabe vom 

22. Januar 2024 S. 2). Die ausgebliebene Wiederholung an der Berufungs-

verhandlung zur Farbe des Autos, mit dem er von zuhause abgeholt wurde 

(UA act. 608: blau oder grau) erklärt sich schlüssig mit der konstanten 

Weigerung des Mitbeschuldigten F._____, die Identität der Mittäter preis-

geben zu wollen. Diese sollen selber entscheiden, ob sie aussagen oder 

nicht (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). Dass der Mit-

beschuldigte F._____ an der Berufungsverhandlung einen möglichen 

Zwischenstopp bei einem Mittäter zuhause nicht mehr erwähnte (GA 

act. 240; vgl. UA act. 608.), wobei er auch nicht explizit danach gefragt 

wurde, ist nicht von entscheidender Bedeutung. 

 

Nach den Aussagen des Mitbeschuldigten F._____, dass er schon im 

weissen Auto des als «Kollegen» bezeichneten Mittäters zur Arbeit 

mitgefahren sei und A._____ und B._____, Onkel und Tante des Kollegen 

seien, liegt eine Täterschaft des Mitbeschuldigten D._____ auf der Hand. 

Er arbeitete zusammen mit dem Mitbeschuldigten F._____ bei der G._____ 

AG in Bremgarten, hatte einen ähnlichen Arbeitsweg wie der 

Mitbeschuldigte F._____, kannte A._____ und B._____ bzw. war im 

entferntesten Sinne mit ihnen verwandt (angeheiratet), zumal die Frau des 

einen Sohnes von A._____ und B._____ – bei dem er zeitweise gearbeitet 

hat – seine Tante ist (vgl. oben) und war zu einem früheren Zeitpunkt bei 

der Besichtigung eines zu verkaufenden Grills bei A._____ und B._____ 

zuhause und damit am Tatort (vgl. oben). Zudem fuhr er im Tatzeitpunkt 

einen weissen Nissan Qashqai und war denn auch zu einem früheren 

Zeitpunkt für die Post tätig, weshalb es naheliegt, dass er diesbezügliche 

Arbeitskleider besitzt. 

 

2.5.2. 

Die Erkenntnisse aus den Aussagen des Mitbeschuldigten F._____ werden 

durch die sich in unmittelbarer Tatortnähe befindende Überwachungs-

 - 14 - 

 

 

kamera am Q-weg bestätigt (UA act. 217; Polizeirapport vom 2. März 2021, 

UA act. 271 ff.): Diese zeichnete am Tattag einen weissen Nissan Qashqai 

auf, der um ca. 08:51 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 08:47 Uhr) in Richtung 

Tatort (Q-weg) und kurz darauf wieder zurückfährt (UA act. 189, 191). 

Einige Minuten später um ca. 09:03 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 

08:58 Uhr) joggt eine Person aus der Richtung, in die der weisse Nissan 

gefahren ist, in Richtung Tatort (UA act. 193), kehrt kurz um (UA act. 195) 

und joggt schliesslich wieder in Richtung Tatort (UA act. 199). Um ca. 09:32 

Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 09:27 Uhr) joggt die Person erneuet – dieses 

Mal mit einer grossen Tasche auf dem Rücken – aus Richtung Tatort in 

Richtung weisser Nissan (UA act. 203), wobei das Fahrzeug kurz darauf 

um 09:34 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 09:30 Uhr; UA act. 207) in Richtung 

Tatort fährt bzw. anschliessend um ca. 09:37 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 

09:32 Uhr) wegfährt. Nachdem der «Jogger» jeweils einige Minuten 

versetzt zum Bewegen des Fahrzeugs aus Fahrzeugrichtung kommt bzw. 

sich in Fahrzeugrichtung bewegt und zwischenzeitlich kurz umkehrt – wohl, 

weil er etwas im Fahrzeug vergessen hat –, ist erstellt, dass der «Jogger» 

und der weisse Nissan zusammengehören. Das Fahrzeug bewegt sich 

zudem entsprechend dem Tatablauf. A._____ und B._____ sagten 

übereinstimmend aus, dass sich der Raubüberfall nach dem Frühstück 

ereignet habe und – übereinstimmend mit der Tatdauer gemäss 

Videoaufzeichnung von ca. 45 Minuten –, ca. 45-60 Minuten gedauert habe 

(UA act. 802, 804, 854 und 859). Hinzukommen die Auffälligkeiten des für 

Joggingaktivitäten lebensfremd grossen Rucksacks, den der «Jogger» auf 

der letzten von ihm gemachten Bildsequenz bei sich trägt, sowie das 

Fahrverhalten des weissen Nissans, der nicht einfach durch den Q-weg hin 

und schliesslich wieder zurückfährt, sondern jeweils einen doppelten Weg 

zurücklegt, der ins Bild des Ein- und Aussteigens von Personen am Tatort 

und anschliessendem Parkieren des Fahrzeugs passt. 

 

Aufgrund der Übereinstimmung mit dem Tatzeitpunkt, der zum Tatablauf 

passenden Auffälligkeiten und Bewegung des Fahrzeugs sowie des 

Verhaltens des «Joggers» sowie der Aussage des Mitbeschuldigten 

F._____, wonach er auf den Videoaufnahmen gesehen habe, dass ein 

Mittäter als «Jogger» verkleidet gewesen sei (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14), ist davon auszugehen, dass die Täterschaft 

mit dem weissen Nissan zum Tatort fuhr, wo die Täter am Q-weg 

ausstiegen. Anschliessend wurde das Fahrzeug durch einen Mittäter 

parkiert, der sich joggend ebenfalls zum Tatort begab, wobei er etwas 

vergessen zu haben schien und deshalb nochmals umkehren musste. Im 

Anschluss an den Raubüberfall joggte die gleiche Person mit einem 

grossen Rucksack wieder zum Fahrzeug, fuhr in Richtung Q-weg, um die 

Mittäter einsteigen zu lassen und fuhr anschliessend weg. 

 

Gemäss dem Polizeirapport vom 2. März 2021 konnte durch 

Bildbearbeitung der Videosequenz das Kontrollschild des Mitbeschuldigten 

 - 15 - 

 

 

D._____ AG […] sichtbar gemacht werden (UA act. 271 ff.). Nichts zu 

seinen Gunsten ableiten kann der Beschuldigte, wenn er vorbringt, auf den 

bearbeiteten Bildern sei das Kontrollschild nicht lesbar (Berufungs-

begründung des Beschuldigten, Ziff. 31.1. S. 9). Vielmehr ist auf die 

Erkenntnisse und Einschätzungen der Kriminaltechnik abzustellen, 

nachdem gemäss Polizeirapport vom 2. März 2021 nicht ausschliesslich 

auf das bearbeitete Bild abgestellt wurde, sondern zur Kontrolle eine 

Recherche nach weissen Nissan Qashqai im Kanton Aargau durchgeführt 

wurde, die die Richtigkeit des für das Obergericht zumindest teilweise 

durchaus lesbar gemachten Kontrollschildes bestätigte (UA act. 271). Dass 

zur Bildbearbeitung ein «Report» der Software Amped Five vorliegt, der 

lediglich in englischer und nicht in deutscher Sprache abgefasst wurde (UA 

act. 275 ff.), ist nicht von Belang. Es wird nicht auf den Report abgestellt, 

sondern auf das bearbeitete Bild. Welche Farbveränderungen, Auflösung, 

Filter, Schärfeeinstellungen, Speicherorte, Parameter und weitere Tools 

verwendet wurden, um das Kontrollschild sichtbar zu machen, ist ebenfalls 

nicht von entscheidender Bedeutung, weshalb eine diesbezügliche 

Dokumentation nicht notwendig erscheint. Im Übrigen wird von der 

Verteidigung zurecht nicht behauptet, dass sie den «Report» nicht verstan-

den hätte. Dass der Mitbeschuldigte D._____ mit seinem weissen Nissan 

auf den Videoaufzeichnungen abgebildet ist, wird durch die Auswertung der 

Apple Watch des Mitbeschuldigten D._____ sowie die Bekleidung des 

Joggers untermauert. Just in der Zeitspanne des Raubüberfalls war der 

Puls des Mitbeschuldigten D._____ verhältnismässig hoch und wurden 

verhältnismässig viele Schritte zurückgelegt (UA act. 482 f.), genauso wie 

es zu erwarten wäre beim vorgenannten Tatablauf. Zudem weisen die 

Trainerjacke und die Mütze des Mitbeschuldigten D._____ eine hohe 

optische Übereinstimmung mit derjenigen des «Joggers» auf (UA act. 270 

und 416 f.). Insbesondere sticht das Logo des FC H._____ ins Auge. 

 

Insgesamt ist für das Obergericht gestützt auf diese Indizien zweifelsfrei 

erstellt, dass es sich beim «Jogger» um den Mitbeschuldigten D._____ 

handelte. Nichts daran zu ändern vermag der Umstand, dass auf der 

Überwachungskamera lediglich ein weisser Streifen auf der Schulter der 

Trainerjacke sichtbar scheint und nicht drei voneinander getrennte Streifen 

(vgl. Berufungsbegründung des Mitbeschuldigten D._____, Ziff. 1.2), ist 

dies doch allein auf die Qualität der Videoaufnahme zurückzuführen. Ein 

ähnliches Phänomen lässt sich denn auch auf einem Bild der Überwachung 

des Mitbeschuldigten D._____ vom Dienstag, 13. April 2021 erkennen, auf 

dem er ebendiese Kleidung trägt (UA act. 1869). 

 

2.5.3. 

Entgegen dem Beschuldigten (Berufungsbegründung des Beschuldigten, 

Ziff. 3.1.1) ist es nicht so, dass auf die Videoaufnahmen vom Q-weg nicht 

abgestellt werden dürfte. 

 

 - 16 - 

 

 

Durch Private autonom erhobene Beweise sind verwertbar, wenn sie 

rechtmässig erlangt worden sind. Von Privaten rechtswidrig erlangte 

Beweismittel sind nur verwertbar, wenn sie von den Strafverfolgungs-

behörden rechtmässig hätten erlangt werden können (hypothetische 

Erreichbarkeit) und kumulativ dazu eine Interessenabwägung für deren 

Verwertung spricht. Bei der Interessenabwägung ist derselbe Massstab wie 

bei staatlich erhobenen Beweisen anzuwenden. Die Verwertung 

rechtswidrig erlangter Beweismittel ist damit nur zulässig, wenn dies zur 

Aufklärung einer schweren Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO 

unerlässlich ist (BGE 147 IV 9 E. 1.4.1; BGE 146 IV 226). 

 

Es kann offenbleiben, ob die Videoaufnahmen der Liegenschaft Q-weg 

rechtmässig erstellt worden sind. Denn selbst wenn dies nicht der Fall sein 

sollte, sind sie unter dem Gesichtspunkt von Art. 141 Abs. 2 StPO 

verwertbar: Dem Beschuldigten wird die Begehung eines qualifizierten 

Raubüberfalls in Mittäterschaft und damit ein Verbrechen zum Vorwurf 

gemacht. Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher überwiegt 

das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse des 

Beschuldigten daran, dass der fragliche Beweis unverwertet bleibt (BGE 

147 IV 9 E. 1.3.1). Im Raum steht ein durch mehrere Personen ausgeübter 

Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar, das über eine nicht unerhebliche Zeit 

gefesselt und geknebelt worden ist. Mithin handelt es sich um eine sehr 

schwere Straftat. Mitzuberücksichtigen ist sodann, dass die Video-

aufnahmen der Liegenschaft Q-weg in erster Linie den Parkplatz eines 

Wohnhauses gefilmt haben und nur damit einhergehend ein kleiner 

Abschnitt der Quartierstrasse miteinsehbar war. Wenn überhaupt, dann lag 

hinsichtlich des Mitfilmens dieses allgemein zugänglichen und für die 

Öffentlichkeit einsehbaren Ortes ein nur leichter Eingriff in die Privatsphäre 

des Beschuldigten vor. In Abwägung aller Aspekte ergibt sich ein deutlich 

überwiegendes öffentliches Interesse an der Wahrheitsfindung gegenüber 

dem Interesse des Beschuldigten an der Privatsphäre. 

 

Weiter hätten die fraglichen Beweismittel für die Strafverfolgungsbehörde 

entgegen dem Beschuldigten auch hypothetisch erlangt werden können. 

Relevant sind die Aufzeichnungen kurz vor, während und nach dem 

Eindringen der Täterschaft in das Haus von A._____ und B._____ und 

somit von ca. 08:51 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 08:47 Uhr) bis ca. 

09:38 Uhr (Anzeigezeit Kamera ca. 09:33 Uhr). Dabei kommt es nicht 

darauf an, ob vor den Videoaufzeichnungen ein konkreter Tatverdacht 

bestanden hat. Entscheidend ist vielmehr, ob die Beschaffung zulässig 

gewesen wäre, wenn der Tatverdacht bekannt gewesen wäre (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_68/2023 vom 9. Oktober 2023 E. 2.3 mit Hinweis). 

Dazu ist vorab festzuhalten, dass das in tatsächlicher Hinsicht belastendste 

Bildmaterial der Videoaufzeichnung, das schliesslich zur Identifikation des 

Fahrzeugs des Mitbeschuldigten D._____ geführt hat, nach dem 

eigentlichen Kerngeschehen des Raubs bzw. im Zeitpunkt des Wegfahrens 

 - 17 - 

 

 

des Fahrzeugs aufgenommen wurde. Die Annahme, dass der Raubüberfall 

auf A._____ und B._____ keinen ausreichend konkreten Anhaltspunkt 

bieten soll, um von einem Verbrechen auszugehen, ist abwegig. Es sind 

aber auch die Videoaufzeichnungen vor und während des Raubüberfalls 

verwertbar, nachdem sich die Täterschaft vor der Videoaufzeichnung an 

einem unbekannten Ort versammelt, Informationen über die Söhne von 

A._____ und B._____ eingeholt, ein Täter sich als Postbote verkleidet und 

sich schliesslich mit dem Fahrzeug in Tatortnähe begeben hat. Damit hat 

die Täterschaft im Zeitpunkt der Videoaufnahme kurz vor und während dem 

Tatzeitpunkt bereits vorsätzlich planmässige, konkrete, organisatorische 

Vorkehrungen deren Art und Umfang den Willen zur Begehung eines 

Raubüberfalles aufzeigen, getroffen. Folglich ist es auch nicht so, dass 

vorab, d.h. vor dem Eindringen in die Liegenschaft, keine Anhaltspunkte für 

den Raubüberfall bestanden hätten. Vielmehr lagen bereits zahlreiche 

Anhaltspunkte vor, bei deren Kenntnis der Staatsanwaltschaft – entgegen 

dem Beschuldigten – ausreichend Zeit geblieben wäre, die verdeckten Bild- 

und Tonaufzeichnungen von Personen und Fahrzeugen am allgemein 

zugänglichen Ort der Strasse um den Q-weg herum, rechtmässig 

aufzunehmen, zumal die Ermittlungen andernfalls unverhältnismässig 

erschwert worden wären (vgl. Art. 282 Abs. 1 StPO).  

 

2.5.4. 

Dem Obergericht verbleiben nach einer einlässlichen Würdigung der 

schlüssigen Aussagen des Mitbeschuldigten F._____, der Videoauf-

zeichnungen am Q-weg, der insbesondere daraus gefolgerten Täterschaft 

des Mitbeschuldigten D._____ und den nachfolgend zusammengefassten 

Videoaufzeichnungen der Migrol-Tankstelle in S._____ keine Zweifel an 

der Tatbeteiligung des Beschuldigten.  

 

Die Videoaufzeichnung der Migrol-Tankstelle in S._____ hält am 

Tatmorgen um ca. 08:10 Uhr einen Tankstopp des – einen blauen Ford 

fahrenden – Beschuldigten fest (Aufzeichnungen der Migrol Tankstelle 

S._____ des Beschuldigten [Aussen- und Kassenbereich], UA act. 214). 

Nachdem der Beschuldigte die Tankladung mit der Migrol-Karte des 

Mitbeschuldigten D._____ bezahlte (zwei separate Quittungen von 08:10 

Uhr für Malboro Gold Zigaretten [in bar bezahlt] und für Benzin [mit Migrol-

Karte bezahlt inkl. Information zum Eigentümer der Migrol-Karte], UA 

act. 3480 ff.) und es sich beim Beschuldigten um den Mitbewohner des 

Mitbeschuldigten D._____ handelte (vgl. oben), ist anzunehmen, dass die 

beiden am Tatmorgen gemeinsam – wenn auch in separaten Autos – 

unterwegs waren. Dies wird durch die Aussagen des Mitbeschuldigten 

F._____ bestätigt. Er wurde vor dem Raubüberfall – und somit passend 

zum Zeitpunkt des Tankstopps – zuhause in S._____ (Kirchenbreitestrasse 

20, lediglich wenige hundert Meter von der Migrol-Tankstelle entfernt) von 

einem blauen oder grauen Fahrzeug – das Auto des Beschuldigten war 

blau – abgeholt. Anschliessend wurde in S._____ ein Tankstopp eingelegt, 

 - 18 - 

 

 

wobei gemäss seinen Aussagen, der Mittäter auf dem Bild der 

Überwachungskamera zu sehen sein müsse (vgl. oben). Der Tatzeitpunkt 

(nach dem Frühstück zwischen ca. 08:51 Uhr und 09:37 Uhr gemäss 

Videoaufzeichnung Q-weg; vgl. oben) passt denn auch zeitlich exakt ins 

Bild einer Hin- und Rückfahrt zum Tatort, mit einem vorgängigen Tank-

stopp. Dass ein anderes blaues oder graues Fahrzeug den Mit-

beschuldigten F._____ in S._____ abgeholt haben soll und der Beschul-

digte bloss zufälligerweise zum selben Zeitpunkt an der Tankstelle in 

S._____ mit der Karte des Mittäters und Mitbeschuldigten D._____ tankte, 

als der Mitbeschuldigte F._____ dort in einem grauen oder blauen Auto 

gesessen hat und schliesslich lediglich sein Mitbewohner – der Mit-

beschuldigte D._____ – nach R._____ gefahren sein soll, um mit dem Mit-

beschuldigten F._____ und zwei Unbekannten einen Raubüberfall zu 

begehen, erscheint lebensfremd. Spuren oder Hinweise, die auf eine 

andere Täterschaft hindeuten, liegen denn auch keine vor. 

 

Entgegen dem Beschuldigten sind die Aufzeichnungen des Aussen- und 

Kassenbereichs der Migrol-Tankstelle in S._____, die den Beschuldigten 

beim Bezahlen des Benzins bzw. von Malboro Gold Zigaretten zeigen (UA 

act. 214) verwertbar. Es kann in Bezug auf diese durch Private erhobenen 

Beweise kurz vor dem Kerngeschehen des Raubüberfalls vollumfänglich 

auf die Ausführungen in Bezug auf die Verwertbarkeit der Videoaufnahmen 

am Q-weg verwiesen werden (vgl. oben). 

 

2.5.5. 

Schliesslich fügen sich auch die Auswertungen der rückwirkenden 

Teilnehmeridentifikationsdaten (RTI) des Beschuldigten und des Mit-

beschuldigten D._____ nahtlos in das Bild einer Täterschaft des Beschul-

digten im Sinne einer vorgängigen Auskundschaftung des Tatorts durch 

den Mitbeschuldigten D._____ und gemeinsamen Absprachen ein. Mithin 

zeigte die Auswertung der Rufnummer des Mitbeschuldigten D._____ vom 

Vortag der Tat zwischen 19:03 und 19:29 Uhr mehrfache Verbindungen mit 

der Antenne «…» (UA act. 1925) und damit in Tatortnähe. Zudem 

bestanden diverse Anrufe bzw. Anrufversuche via Mobilfunknetz sowie via 

WhatsApp zwischen dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten 

D._____ zwischen 13:40 Uhr und 19:47 Uhr (UA act. 1926 und 683), was 

mit Blick auf die kurz darauffolgende Auskundschaftung des Tatorts, den 

Schluss von Absprachen nahelegt. Augenfällig ist weiter, dass das Mobil-

telefon des Beschuldigten am Tattag zwischen 07:34 Uhr und 11:21 Uhr 

keine Standorte generiert hat (UA act. 3403). 

 

2.6. 

Zusammengefasst ist gestützt auf die Gesamtheit der vorgenannten 

Indizien und Umstände die Tatbeteiligung des Beschuldigten erstellt. Am 

Vortag der Tat stand der Beschuldigte in regem telefonischem Austausch 

mit dem Mitbeschuldigten D._____, der sich basierend auf seinen RTI-

 - 19 - 

 

 

Daten im Umfeld des Tatorts aufhielt und diesen auskundschaftete. Am 

Tatmorgen vor dem Raubüberfall fuhr der Beschuldigte mit seinem blauen 

Ford nach S._____. Dort holte der Beschuldigte den Mitbeschuldigten 

F._____ zuhause ab und tankte gemäss Videoaufzeichnung und Beleg-

quittungen um 08:10 Uhr bei der Migrol-Tankstelle nur wenige hundert 

Meter von der Wohnung des Mitbeschuldigten F._____ entfernt und kurz 

vor dem Raubüberfall mit der Migrol-Karte des Mitbeschuldigten D._____. 

Nach einem Zwischenstopp an einem Waldrand fuhren gemäss den 

Aussagen des Mitbeschuldigten F._____ alle vier Mittäter im weissen 

Nissan Qashqai (des Mitbeschuldigten D._____) weiter nach R._____. 

Dies wird untermauert durch die den zeitlichen Ablauf bestätigenden Video-

aufzeichnungen vom Q-weg, wonach sich der weisse Nissan Qashqai von 

ca. 08:51 Uhr bis ca. 09:37 Uhr in Tatnähe befand. Zudem kannte der Mit-

beschuldigte D._____ den Weg, zumal er bereits am Vortag in Tatortnähe 

war und A._____ und B._____ kannte und wusste, wo sie wohnten, 

nachdem seine Tante die Frau des Sohnes von A._____ und B._____ ist, 

er eine Zeit lang bei diesem Sohn gearbeitet hat und bei A._____ und 

B._____ im Jahr 2018 einen Grill abholte. In R._____ angekommen, 

stiegen die Mitbeschuldigten bei der Liegenschaft von A._____ und 

B._____ aus. Aus den Videoaufzeichnungen des Q-wegs und den damit 

einhergehenden Bewegungen des Fahrzeugs sowie Kleidung und Gepäck 

des «Joggers» ergibt sich, dass der mit seiner Trainerjacke des FC 

H._____ und einer Mütze bekleidete Mitbeschuldigte D._____ das 

Fahrzeug parkierte und schliesslich, nachdem er kurzzeitig nochmals zum 

Fahrzeug umkehrte, zum wenige Meter entfernten Tatort joggte, was 

insbesondere durch die mit seiner Apple Watch gemessenen 

zurückgelegten Schritte und erhöhten Herzfrequenz bestätigt wird. 

Währenddessen klingelte der Mitbeschuldigte F._____ als Postbote 

verkleidet und mit einem Paket in der Hand an der Haustüre. Die 

Postbotenuniform hat er zuvor vom Mitbeschuldigten D._____ erhalten, der 

zeitweise bei der Post gearbeitet hat. Nach dem Öffnen der Haustür 

drangen gemäss Aussagen des Mitbeschuldigte F._____, er selbst sowie 

die Personen «B und C» in das Haus ein, wobei es sich bei den Personen 

B und C nach dem Ausschlussprinzip um den Beschuldigten und den 

vierten Mittäter handeln muss, zumal der Mitbeschuldigte D._____ im 

Zeitpunkt des Eindringens in das Haus von A._____ und B._____ noch 

seinen weissen Nissan parkierte. Der Beschuldigte und der vierte Mittäter 

fesselten und knebelten B._____. Gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten 

F._____ fesselten und knebelten sie auch A._____. Alle vier Mittäter 

suchten schliesslich nach dem Geld bzw. fragten A._____ und B._____, wo 

das Geld versteckt sei. Im Anschluss ist der Mitbeschuldigte D._____ 

erneut auf der Videoaufzeichnung Q-weg zu sehen, wie er mit einem 

grossen Rucksack auf dem Rücken in die Richtung seines weissen Nissans 

joggte, damit zum Tatort fuhr, die Mitbeschuldigten und eine weitere Person 

einsteigen liess und sie sich auf gleichem Weg von der Liegenschaft 

entfernten. 

 - 20 - 

 

 

2.7. 

Die Aussagen des Beschuldigten vermögen das gewonnene Beweis-

ergebnis nicht zu erschüttern. Er bestreitet die Tatvorwürfe bzw. äussert 

sich nicht dazu. Ein Alibi oder einen alternativen Ablauf des Tatmorgens 

bringt er nicht vor (Einvernahmen vom 6. Mai 2021 [UA act. 635 ff.], vom 

7. Mai 2021 [UA act. 660 ff.], vom 21. Juni 2021 [UA act. 667 ff.], vom 

29. Oktober 2021 [UA act. 705 ff.], vom 9. Januar 2023 [GA act. 255], vom 

11. März 2024 [Protokoll der Berufungsverhandlung S. 21]). 

 

2.8. 

2.8.1. 

Indem der Beschuldigte in gemeinsamer Planung und Tatausführung 

insbesondere zusammen mit den Mitbeschuldigten D._____ und F._____ 

mit der Absicht, Geld und Wertgegenstände mitzunehmen, in das Haus am 

Q-weg eindrang, A._____ und B._____ überwältigte und fesselte und 

Fr. 500.00 an sich nahm, hat er den Grundtatbestand des Raubs gemäss 

Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Mittäterschaft erfüllt.  

 

Mit der Staatsanwaltschaft haben die Mittäter mindestens A._____ darüber 

hinaus in Lebensgefahr im Sinne der Qualifikation gemäss Art. 140 Ziff. 4 

StGB gebracht: Dem 83 Jährigen wurden die Hände – nachdem er sich in 

einem Gerangel derart gewehrt hatte, dass sich seine Handfesseln zwei 

Mal öffneten und ihn drei Personen in Schach halten mussten – und Füsse 

gefesselt (wobei ein Fuss schliesslich am Heizungsrohr befestigt wurde) 

und Klebeband über Mund, Nase und Augen geklebt bzw. um den Kopf 

gewickelt, sodass er fast nicht mehr atmen konnte. A._____ wurde in 

gefesseltem, verklebtem und nahezu bewegungsunfähigem Zustand 

während ca. 15-30 Minuten im Heizungsraum auf dem Boden liegend 

alleingelassen (UA act. 855 und 902 f.; GA act. 229-231; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 4 f.). Dabei hatte er insbesondere Angst zu 

ersticken (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). Glücklicherweise 

konnte A._____ das Klebeband leicht lockern bzw. etwas verschieben. Ob 

es A._____ vor oder nachdem er im Heizungsraum auf sich allein gestellt 

war, gelang, das Klebeband zu lockern bzw. etwas zu verschieben, ist – 

entgegen dem Vorbringen des Mitbeschuldigten F._____ (Plädoyer der 

Verteidigung des Mitbeschuldigten F._____ an der Berufungsverhandlung 

S. 5) – nicht von entscheidender Bedeutung. A._____ ordnet das Lockern 

bzw. Verschieben des Klebebandes in seinen Einvernahmen jeweils nicht 

in zeitlicher Hinsicht ein, sondern erwähnt es jeweils sachlogisch in 

Zusammenhang mit der Verklebung der Atemöffnung bzw. seiner 

eingeschränkten Atemfähigkeit. Fest steht jedenfalls, dass sich vor seinem 

Mund und seiner Nase ein Klebeband befand. Nichts zu seinen Gunsten 

ableiten kann der Mitbeschuldigte F._____, insofern er vorbringt, die Nase 

von A._____ sei nicht verklebt gewesen, weil dieser in seiner Einvernahme 

vom 7. Juni 2021 (die zweite von insgesamt fünf Einvernahmen) die 

zugeklebte Nase nicht erwähnt habe (UA act. 878: «Diese drei haben 

 - 21 - 

 

 

mitgefesselt, die Hände zusammengebunden, den Mund und die Augen 

sowie die Beine»). Zwar erwähnte er in seiner freien Erzählung die 

zugeklebte Nase nicht. Hingegen wurden auch keine diesbezüglichen 

Rückfragen der befragenden Person gestellt, nachdem das Ziel dieser 

zweiten Einvernahme vielmehr war, die Identität der Täter festzustellen. So 

ist in dieser Einvernahme keine einzige Frage zum Thema Fesseln oder 

Verklebung zu lesen. Entsprechend kann aus der Nichterwähnung der 

Nase in seiner Einvernahme nicht darauf geschlossen werden, dass diese 

nicht verklebt war. Vielmehr äusserte er sich in den folgenden 

Einvernahmen konstant dazu, dass neben Mund auch die Nase verklebt 

war (UA act. 902 f.; GA act. 229-231; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 4 f.). Seine Atemöffnungen waren folglich auch nach dem Lockern bzw. 

Verschieben weiterhin verklebt und er sagte schlüssig, konstant und 

widerspruchsfrei aus, dass er fast nicht mehr atmen konnte (vgl. oben). 

Weiter ist erstellt, dass A._____ zuerst die Hände gefesselt wurden, wobei 

er sich zwei Mal von den Fesseln befreien konnte und erst nachher die 

Füsse gefesselt bzw. er mit dem Klebeband am Kopf umwickelt wurde (UA 

act. 855 und 902; GA act. 229; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). 

Dabei kann von Glück gesprochen werden, dass der durch Fesseln und 

Klebebandumwickelungen grösstenteils bewegungsunfähig gemachte 83-

jährige A._____ überhaupt die Möglichkeit fand, das Klebeband etwas zu 

verrücken, um dem Erstickungstod zu entgehen, insbesondere vor dem 

Hintergrund, dass nicht einmal B._____ ihn mit der Schere komplett vom 

Klebeband befreien konnte (UA act. 903). Nachdem A._____ insbesondere 

Nase und Mund verklebt waren, wobei das Klebeband über dem Mund 

etwas gelockert bzw. etwas verschoben war, er fast nicht mehr atmen 

konnte, Angst zu ersticken verspürte und er während des Raubüberfalles 

für ca. 15-30 Minuten grösstenteils bewegungsunfähig allein auf dem 

Boden liegen gelassen wurde, lag unter Berücksichtigung seines hohen 

Alters, des erhöhten Sauerstoffbedarfs infolge der Stressreaktion 

insbesondere nach dem Gerangel mit drei jungen Männern und des 

Schockzustands eine naheliegende, konkrete, unmittelbare, akute und 

hochgradige Lebensgefahr vor. Dass diese Lebensgefahr in der geschil-

derten Art und Weise aus medizinischer Sicht in tatsächlicher Hinsicht 

möglich war, wird durch die gutachterliche Ausführung bestätigt, wonach 

bereits das Zukleben des Mundes alleine ohne Weiteres zu einer 

relevanten Behinderung der Luftzufuhr und damit zu einem tödlichen 

Ersticken von A._____ hat führen können, insbesondere aufgrund des 

erhöhten Sauerstoffbedarfs des Körpers infolge der Stresssituation durch 

den Überfall (Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 1. März 2021, 

UA act. 281). 

 

Die Mittäter haben mindestens in Kauf genommen, durch die Fesselungen 

und Verklebungen eine lebensgefährliche Situation mindestens für 

A._____ herbeizuführen, indem sie ihn mit verklebten Atemöffnungen 

während des Raubüberfalles über einen beachtlichen Zeitraum von 

 - 22 - 

 

 

mindestens 15 Minuten alleine liessen. Selbst in der Annahme, dass nicht 

alle Mittäter um die – neben dem Mund – weitere Verklebung der Nase 

wussten, haben sie die lebensgefährliche Situation in Kauf genommen. Es 

ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass bei ungenügender Luftzufuhr 

bereits wenige Minuten ausreichen, um eine lebensbedrohliche Situation 

zu schaffen. Bei einem Verkleben mindestens des Mundes eines alten 

Menschen, der unerwartet zuhause überfallen wird und sich deshalb in 

einer immensen Stresssituation befindet und zudem den Kraftakt eines 

Gerangels hinter sich hatte, wobei mindestens drei junge Männer 

notwendig waren, um ihn zu fesseln, und der somit offensichtlich einen 

hohen Sauerstoffbedarf hat, drängt sich eine Inkaufnahme einer 

lebensgefährlichen Situation geradezu auf, nachdem die Person nahezu 

bewegungsunfähig und unbeaufsichtigt auf sich selbst gestellt während 

mindestens 15 Minuten zurückgelassen wird. Mindestens das Verkleben 

des Mundes war denn auch von Beginn weg Teil des Tatplans der Mittäter. 

Mithin nahmen sie eigens dafür Klebeband mit. Der Mund wurde A._____ 

und B._____ bewusst verklebt, um sie von allfälligen Schreien abzuhalten 

(vgl. UA act. 855). Bevor das Klebeband bei A._____ angebracht werden 

konnte, wurde ihm deshalb vorerst der Mund zugehalten (UA act. 855, 885 

und 902; GA act. 235). Ferner sollten A._____ und B._____ auch mürbe 

gemacht werden (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12: «Wir haben 

nicht aufgegeben, weil wir die Hoffnung hatten, dass sie uns sagen, wo das 

Geld sei, weil sie genug hatten»). An der Tatausführung selbst im Sinne 

des Fesselns und Verklebens von A._____ sowie am Boden liegen lassen, 

waren denn auch mindestens drei der vier Mittäter beteiligt (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 15 f.). Der Mitbeschuldigte F._____ gab an, 

selbst einer davon gewesen zu sein und gesehen zu haben, wie A._____ 

der Mund verklebt wurde (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16). Dass 

er nicht gesehen haben will, wie A._____ die Nase verklebt wurde, ist mit 

Blick auf das Dargelegte, nicht von Relevanz. 

 

2.8.2. 

In Ergänzung zum Raub ist auch eine Nötigung angeklagt. Der 

Beschuldigte soll insbesondere zusammen mit den Mitbeschuldigten 

A._____ während des Raubüberfalles gedroht haben, dass seine beiden 

Söhne tot seien, sollte er die Polizei rufen. A._____ soll durch diese 

Äusserungen derart in Angst und Schrecken versetzt worden sein, dass er 

gezögert habe, die Polizei zu verständigen und er dies schliesslich auch 

nicht selbst getan haben soll (vgl. Anklageschrift, S. 3).  

 

In tatsächlicher Hinsicht besteht kein Zweifel daran, dass diese Nötigung 

gegenüber A._____ erfolgt ist. Dies um den Tätern genügend Zeit für die 

Flucht zu ermöglichen, mussten diese doch davon ausgehen, dass 

A._____ und B._____ die Polizei benachrichtigen würden. Der Tatbestand 

der Nötigung ist damit erfüllt. Die Nötigung gemäss Art. 181 StGB wird 

vorliegend jedoch durch den Raub gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB 

 - 23 - 

 

 

konsumiert, ist die Nötigung doch nicht losgelöst vom Raub erfolgt. Es kann 

somit kein zusätzlicher Schuldspruch wegen Nötigung ergehen. Nachdem 

es sich einzig um eine andere rechtliche Würdigung ein und desselben 

Lebenssachverhalts handelt, hat aber auch kein Freispruch vom Vorwurf 

der Nötigung zu erfolgen (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3).  

 

2.8.3. 

Indem der Beschuldigte wissentlich unrechtmässig und gegen den Willen 

von A._____ und B._____ in deren Haus in R._____ eindrang, hat er sich 

sodann des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. 

 

2.9. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte des qualifizierten Raubs 

gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB und des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 

StGB schuldig gemacht. 

 

Damit erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt als 

unbegründet und jene der Staatsanwaltschaft als begründet. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich des qualifizierten Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 4 

StGB, des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB sowie – was mit 

Berufung unbestritten geblieben ist – des mehrfachen Fahrens ohne 

Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG schuldig gemacht und ist 

dafür angemessen zu bestrafen. 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1, BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff., je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden.  

 

3.3. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Der Beschuldigte weist für die Zeit seit seiner Einreise im Jahr 2017 in die 

Schweiz eine Vorstrafe auf. Er wurde mit Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020 wegen einer einfachen 

Körperverletzung sowie einer Tätlichkeit zu einer bedingten Geldstrafe von 

30 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 500.00 verurteilt. Auch wenn 

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http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_449%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-82%3Ade&number_of_ranks=0#page82

 - 24 - 

 

 

diese Vorstrafe nicht zu bagatellisieren ist, so kann einer Geldstrafe 

vorliegend nicht per se die Zweckmässigkeit abgesprochen werden.  

 

Während der Tatbestand des qualifizierten Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 4 

StGB lediglich eine Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren vorsieht, wäre für 

den Tatbestand des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB und des 

Fahrens ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG auch eine 

Geldstrafe denkbar. Wie zu zeigen sein wird, kommt für den 

Hausfriedensbruch aufgrund der Schwere des Verschuldens ebenfalls nur 

eine Freiheitsstrafe infrage, während für das Fahren ohne Berechtigung – 

bei isolierter Betrachtung der einzelnen Fahrten – hingegen auf eine 

Geldstrafe zu erkennen ist. 

 

3.4. 

3.4.1. 

Die Einsatzstrafe für die mit einer Freiheitsstrafe zu ahndenden Straftaten 

ist für das schwerste Delikt, den qualifizierten Raub gemäss Art. 140 Ziff. 4 

StGB, mit einem Strafrahmen von 5 bis 20 Jahren, festzusetzen: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen Straf-

rahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-

guts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand des Raubs schützt nicht nur das 

Vermögen, sondern auch die (persönliche) Freiheit, die wiederum die 

körperliche und geistige Unversehrtheit mitumfasst (vgl. BGE 133 IV 207 

E. 4.2). 

 

Beim Raubüberfall auf A._____ und B._____ wurde Bargeld im Betrag von 

Fr. 500.00 erbeutet. Im Vergleich zum breiten Spektrum von 

Deliktsbeträgen, wie sie bei einem Raubüberfall denkbar sind, handelt es 

sich um einen vergleichsweise geringen Betrag. Massgeblich ist jedoch, 

dass sich der Raub auf einen deutlich höheren Deliktsbetrag gerichtet 

hatte. Dieser soll sich «im Millionenbereich» befunden haben (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14). Mithin ist der geringe monetäre Taterfolg nur 

darauf zurückzuführen, dass die Beschuldigten das versteckte Geld nicht 

haben finden können. Hätten die Täter hingegen – wie von ihnen 

angestrebt – das von ihnen erhoffte Geld von mehreren Hunderttausend 

Franken tatsächlich erbeuten können, so wäre von einem sehr hohen 

hypothetischen Taterfolg auszugehen gewesen, zumal effektiv einiges an 

Bargeld im Haus vorhanden gewesen sein soll (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 6 und 10). Dieser sehr hohe angestrebte Deliktsbetrag fällt 

– wie beim versuchten Diebstahl, bei welchem im Rahmen der 

Strafzumessung in einem ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für 

das vollendete Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische 

Strafe in der Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmil-

derungsgrunds von Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren ist (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1) – bei der 

 - 25 - 

 

 

Bestimmung des Verschuldens auch beim Raub als qualifizierte Form der 

Nötigung, um einen Diebstahl zu begehen, erheblich ins Gewicht. 

 

Die Beschuldigten fesselten und verklebten A._____ und B._____ 

gewaltsam, um sie zur Preisgabe der Bargeldverstecke zu bewegen, sich 

des Bargelds zu behändigen und die Beute im Anschluss zu sichern. In 

Bezug auf A._____ ist dabei die mit den Fesselungen und Verklebungen 

der Atemöffnungen über eine nicht unerhebliche Dauer einhergehende 

Lebensgefahr aufgrund ihrer Tatbestandsimmanenz bereits durch die 

Strafrahmenuntergrenze von mindestens fünf Jahren erfasst. Die 

persönliche Freiheit insbesondere die körperliche Integrität von A._____ 

und B._____ wurde hingegen darüber hinaus beeinträchtigt. Beim Versuch, 

B._____ den Ring abzunehmen, brachen sie ihr den Finger. Neben dem 

operationsbedürftigen gebrochenen Finger wies B._____ Hautrötungen, 

Hämatome und kleine Hautabschürfungen an beiden Handgelenken, 

Stauungssyndrom beider Hände, Hautrötungen um Mund und Nase, Blut-

erguss neben der Brustwirbelsäule und Hautabschürfungen an der linken 

Schulter und am linken Kleinfinger auf (Gutachten des Instituts für Rechts-

medizin vom 1. März 2021, UA act. 293; vgl. GA act. 238). Seit dem 

Überfall hat B._____ Mühe, sich fortzubewegen (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 9) und leidet zudem an Schlafstörungen und verspürt ein 

durchgehendes Gefühl der Angst (GA act. 234). A._____ seinerseits wies 

Hautrötungen, Hämatome und kleine Hautabschürfungen im Bereich 

beider Handgelenke, kleine Hämatome an der Unterlippe, Hautrötungen 

und Hautabschürfungen an der Wange, Druckstellen an beiden Sprung-

gelenken, Hautrötungen am Rücken, Hautabschürfung und Hautrötung am 

Ellenbogen auf (Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 1. März 

2021, UA act. 280 f.). Weiter litt er an einer verstauchten Rippe (Protokoll 

der Berufungsverhandlung, S. 4; vgl. Untersuchungsprotokoll vom 1. März 

2021, UA act. 285). Seit dem Überfall leidet er an Schlafstörungen und 

Angstzuständen (GA act. 228; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 6). Der bis zum heutigen Tag Auswirkungen zeitigende Raubüberfall 

ging mit erheblichen Beeinträchtigungen der persönlichen Freiheit und der 

körperlichen und geistigen Unversehrtheit zweier Personen einher. 

Entsprechend schwer wiegt der nicht monetäre Taterfolg und das damit 

einhergehende Verschulden. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung und damit einhergehend die 

Verwerflichkeit des Handelns ist verschuldenserhöhend zu berück-

sichtigen. Die Beschuldigten gingen gezielt und geplant vor. Mit 

Fesselmaterialien und Rüstmessern ausgestattet, drangen die Mittäter 

tagsüber in das Wohnhaus von A._____ und B._____ ein. Durch das 

Mitführen der Messer führten sie gefährliche Waffen im Sinne von Art. 140 

Ziff. 2 StGB mit sich – unabhängig von der Qualifikation des Umstands, 

dass sie zumindest A._____ in Lebensgefahr im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 

StGB gebracht haben –, was bei der Strafzumessung zu berücksichtigen 

 - 26 - 

 

 

ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_219/2009 vom 18. Juni 2009 E. 1.4). Die 

mitgeführten Messer fielen A._____ und B._____ denn auch auf (UA 

act. 802 f. und 8565 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 4 f. und 7). 

A._____ drohten die Beschuldigten damit, seine beiden Söhne 

umzubringen, sollte er die Polizei rufen, wodurch er schliesslich derart 

eingeschüchtert war, dass er sich im Anschluss nicht traute, die Polizei zu 

rufen (UA act. 855, 879 und 903; Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 4). Auch wenn diesbezüglich kein zusätzlicher Schuldspruch wegen 

Nötigung erfolgt, da diese Nötigung vom qualifizierten Raub mitumfasst 

wird, so wirkt sie sich im Rahmen der Strafzumessung doch zusätzlich 

verschuldenserhöhend aus, handelt es sich dabei doch um einen Umstand, 

der erheblich über die blosse Erfüllung des qualifizierten Tatbestands 

hinausgegangen ist. B._____ versuchten die Beschuldigten den Ring vom 

Finger zu ziehen, wobei sich die Brutalität im gebrochenen Finger 

widerspiegelt. Nur leicht zu Gunsten der Beschuldigten ist zu 

berücksichtigen, dass sie B._____ schliesslich eine Schere in die Hand 

drückten, um sich und A._____ befreien zu können, zumal B._____ eine 

Wartefrist auferlegt worden ist und damit der von den Beschuldigten in Kauf 

genommene Erstickungstod von A._____ gerade nicht hätte verhindert 

werden können. 

 

Über den konkreten Tatbeitrag des Beschuldigten ist im Gegensatz zum 

Tatbeitrag des Mitbeschuldigten D._____ wenig bekannt. Er holte 

einerseits den Mitbeschuldigten F._____ von zuhause ab und half bei den 

Fesselungen von B._____ und A._____. Anschliessend suchte er 

zusammen mit den anderen Mittätern im Haus nach Geld. Dieses sollte 

schliesslich gleichberechtigt auf alle vier Mittäter verteilt werden (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 14). Es ist deshalb innerhalb des 

mittäterschaftlichen Handelns weder von einem besonders über- noch 

untergeordnetem Handeln auszugehen, was sich unter Verschuldens-

gesichtspunkten neutral auswirkt. Leicht verschuldensmindernd ist 

hingegen zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten hinsichtlich der 

qualifizierten Tatbegehung bzw. der Lebensgefahr lediglich eventual-

vorsätzliches Handeln anzulasten ist, was verschuldensmässig weniger 

schwer wiegt als direkt vorsätzliches Handeln (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_190/2012 vom 25. Mai 2012 E. 5.4).  

 

Die Beschuldigten handelten aus rein finanziellen und damit letztlich egois-

tischen Gründen. Rein monetäre Gründe sind jedem Vermögensdelikt 

immanent und werden beim Raub als qualifizierte Form der Nötigung, um 

einen Diebstahl zu begehen, bereits durch das Tatbestandsmerkmal der 

unrechtmässigen Bereicherungsabsicht beim Diebstahl erfasst. Sie dürfen 

deshalb bei den Tatkomponenten nicht nochmals verschuldenserhöhend 

berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom 

16. März 2016 E. 4.2). Hingegen ist das grosse Mass an Entscheidungs-

freiheit, über das der Beschuldigte verfügt hat, verschuldenserhöhend zu 

 - 27 - 

 

 

berücksichtigen. Der Beschuldigte war in finanzieller Hinsicht unabhängig, 

verfügte er doch über ein reguläres monatliches Einkommen (UA act. 82: 

Fr. 6'500.00). Ferner war er der Mitbewohner des federführenden 

Mitbeschuldigten D._____, jedoch ist nicht ersichtlich, dass er unter 

starkem Druck, dem starken Einfluss oder der Erwartungshaltung des 

Mitbeschuldigten D._____ oder eines Dritten oder einer subjektiv als 

aussichtlos empfundenen Lage gehandelt hat. Vielmehr bestand zwischen 

dem Beschuldigten und Mitbeschuldigten D._____ ein freundschaftliches 

Verhältnis (UA act. 641). Schliesslich dürfte die Aussicht auf einen Anteil 

an der erhofften Deliktsbeute von mehreren Hunderttausend Franken 

ausschlaggebend gewesen sein. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, 

das Vermögen und die persönliche Freiheit sowie körperliche Integrität von 

A._____ und B._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen und damit sein Verschulden (vgl. BGE 127 IV 101 

E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 

vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, je mit Hinweisen). 

 

Insgesamt ist innerhalb des qualifizierten Strafrahmens von mindestens 5 

bis 20 Jahren Freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung des breiten 

Spektrums der vom Tatbestand des qualifizierten Raubs erfassten 

Tathandlungen und Deliktssummen von einem nicht mehr leichten bis 

mittelschweren Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe 

von 8 Jahren auszugehen. 

 

3.4.2. 

Diese Einsatzstrafe ist für den Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB 

angemessen zu erhöhen. 

 

Der Täter, der u.a. gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus eindringt, 

wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

bestraft. Durch Art. 186 StGB wird das Hausrecht bzw. die Unverletzlichkeit 

der vom Hausfriedensbruch geschützten Räumlichkeiten geschützt. Der 

Beschuldigte ist in das Wohnhaus von A._____ und B._____ eingedrungen 

und hat ihre Privatsphäre aufs Gröbste verletzt, was einen erheblichen 

Schuldvorwurf zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). Insofern A._____ und B._____ 

hingegen bereits durch den Raub in ihrem Sicherheitsgefühl verletzt 

worden sind, kann dies beim Hausfriedensbruch nicht nochmals 

berücksichtigt werden. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung ist nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestandes hinausgegangen und ist folglich neutral zu werten. Verschul-

denserhöhend ist demgegenüber das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit 

zu berücksichtigen, über das der Beschuldigte auch hinsichtlich des Haus-

friedensbruchs verfügt hat.  

 

 - 28 - 

 

 

Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten bis mittelschweren 

Tatverschulden und einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 1 Jahr 

auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist der enge Zusammenhang des 

Hausfriedensbruchs zum Raub zu beachten. Entsprechend geringer ist der 

Gesamtschuldbeitrag des Hausfriedensbruchs zu veranschlagen. 

Angemessen erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe von 8 Jahren um 

6 Monate auf 8 ½ Jahre. 

 

3.4.3. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

ist wegen Straftaten im zumindest teilweise einschlägigen Deliktsbereich 

(einfache Körperverletzung und Tätlichkeit) vorbestraft. Er wurde dafür mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020 

zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr.80.00, Probezeit 2 

Jahre, sowie einer Busse von Fr. 500.00 verurteilt. Daraus hat er nicht die 

notwendigen Lehren gezogen und im Gegenteil noch weit schwer-

wiegendere Straftaten begangen, was sich straferhöhend auswirkt (BGE 

136 IV 1 E. 2.6.4). Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Vorstrafe nicht 

wie ein eigenständiges Delikt gewürdigt werden darf, weshalb nur eine 

massvolle Straferhöhung infrage kommt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1). 

 

Der Beschuldigte hat sich weder geständig noch kooperativ gezeigt, was 

sich hingegen nicht zu seinen Lasten auswirkt, da sich eine beschuldigte 

Person nicht selbst belasten muss und namentlich das Recht hat, die 

Aussage und Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern (vgl. Art. 113 

Abs. 1 StPO). Damit steht aber auch fest, dass eine Strafminderung, wie 

sie bei einem von Anfang an geständigen, nachhaltig einsichtigen und 

aufrichtig reuigen Täter möglich ist, vorliegend ausscheidet. Weitere 

relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten sind nicht 

ersichtlich. Insbesondere sind keine aussergewöhnlichen Umstände für die 

Annahme einer erhöhten Strafempfindlichkeit auszumachen (vgl. statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 

mit Hinweisen). 

 

Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich, die insgesamt negative Täter-

komponente im Umfang von ½ Monat straferhöhend zu berücksichtigen, 

was zu einer dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen 

angemessenen Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 6 ½ Monaten führt. 

 

3.4.4. 

Der Beschuldigte rügt eine Verletzung des Beschleunigungsgebots und 

begründet dies mit der in der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts 

vom 4. August 2022 (UA act. 3301) festgehaltenen Verletzung des 

Beschleunigungsgebots (GA act. 378). 

 

 - 29 - 

 

 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen 

werden. 

 

Nach der (zweiten) vorläufigen Festnahme des Beschuldigten und Mit-

beschuldigten D._____ am 29. Oktober 2021 erfolgte am 13. Dezember 

2021 die Konfrontationseinvernahme mit dem Mitbeschuldigten F._____. 

Am 10. Januar 2022 wurde der Polizeirapport zum Abschluss der 

polizeilichen Ermittlungen erstellt (UA act. 110). Erst knapp vier Monate 

später und zwar am 26. April 2022 erfolgte die Konfrontationseinvernahme 

mit A._____ und B._____. Nachdem dem Beschuldigten bereits am 

28. Juni 2022 der Verfahrensabschluss in Aussicht gestellt (UA act. 4012) 

wurde, erhob die Staatsanwaltschaft erst rund drei Monate später am 

21. September 2022 Anklage. Zwischenzeitlich erfolgten vor allem Haft-

verlängerungsanträge bzw. damit einhergehende Beschwerdeverfahren, 

Ausstellung von Besuchserlaubnissen, Disziplinarverfügungen, 

Aktenausleihen und Verfügungen betr. amtliche Verteidigung (Verfahrens-

protokoll vom 3. Oktober 2022, GA act. 60 ff.). Von Behörden und 

Gerichten kann zwar nicht verlangt werden, dass sie sich ausschliesslich 

einem einzigen Fall widmen, weshalb Zeiten, in denen das Verfahren 

stillsteht, unumgänglich sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 vom 

25. Oktober 2021 E. 1.5.3). Der Beschuldigte befand sich hingegen nach 

seiner zweiten Festnahme knapp elf Monate in Untersuchungshaft und in 

dieser Zeit fanden bis auf die genannten Konfrontationseinvernahme mit 

dem Mitbeschuldigten F._____ vom 13. Dezember 2021 und mit A._____ 

und B._____ vom 26. April 2022 keine nennenswerten neuen 

Spurenauswertungen oder sonstige Verfahrenshandlungen statt. 

Insbesondere wirkt der Verfahrensunterbruch zwischen der 

Konfrontationseinvernahme von A._____ und B._____ vom 26. April 2022 

und der fünfmonatigen Wartezeit bis zur Anklageerhebung am 

21. September 2022 als stossend, nachdem dem Beschuldigten bereits am 

28. Juni 2022 der Verfahrensabschluss in Aussicht gestellt wurde und die 

Staatsanwaltschaft bei Haftfällen gehalten ist, das Verfahren vordringlich 

durchzuführen (vgl. Art. 5 Abs. 2 StPO). Der Staatsanwaltschaft wurde 

denn auch bereits am 4. August 2022 mit Verfügung des Zwangs-

massnahmengerichts (UA act. 3297 ff.) dringendst empfohlen, Anklage zu 

erheben. Die langen und grösstenteils ohne eigentliche Verfahrens-

handlungen verlaufenden wiederholten Pausen, insbesondere im Zeitraum 

von Februar bis September 2022, die teilweise bereits durch das 

Zwangsmassnahmengericht festgestellt wurden, erscheinen selbst unter 

Berücksichtigung des von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten grösseren 

Aufwands durch die vier Beschuldigten insbesondere in Bezug auf die 

Terminfixierung sowie die Verfassung der Anklageschrift (Berufungs-

begründung der Staatsanwaltschaft, Ziff. 6) als unverhältnismässig. Unter 

diesen Umständen ist von einer Verletzung des Beschleunigungsgebots, 

 - 30 - 

 

 

die im Dispositiv festzuhalten ist, auszugehen. Der Verletzung des 

Beschleunigungsgebots ist mit einer Strafminderung im Umfang von 3 

Monaten angemessen Rechnung zu tragen.  

 

3.4.5. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte für den qualifizierten Raub und den 

Hausfriedensbruch zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 3 ½ Monaten 

zu verurteilen. Nachdem an der Berufungsverhandlung irrtümlicherweise 

eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 2 ½ Monaten, d.h. eine um 1 Monat 

tiefere Freiheitsstrafe eröffnet wurde, hat es damit sein Bewenden. 

 

3.5. 

3.5.1. 

Für das mehrfache Fahren ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 SVG 

ist eine Geldstrafe auszusprechen. Geschütztes Rechtsgut ist beim 

Tatbestand des Fahrens ohne Berechtigung die Verkehrssicherheit bzw. 

Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer vor einer abstrakten Gefahr, 

andererseits aber auch der Gehorsam gegenüber amtlichen Anordnungen. 

Das Gesetz fingiert, dass jeder Verkehrsteilnehmer, der nicht im Besitz 

einer Fahrberechtigung ist, sein Fahrzeug nicht genügend beherrscht und 

deswegen andere Verkehrsteilnehmer (abstrakt) gefährdet (BUSSMANN, in: 

Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014, N. 4 f. zu Art. 95 SVG). 

 

Dem Beschuldigten wurde der Führerausweis mit Verfügung des 

Strassenverkehrsamts Zürich vom 15. Oktober 2020 (UA act. 352 f.) für 

einen Monat entzogen, nachdem er am 12. September 2020 bei einer 

zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h mit toleranzbereinigten 

73 km/h unterwegs war. Es handelte sich um einen «Warnungsentzug» für 

einen Monat. Mithin ist nicht von einer grundsätzlichen Nichteignung, wie 

dies beim Sicherungsentzug, bei welchem der betroffenen Person die 

Fahreignung abgesprochen wird, der Fall ist, auszugehen. 

 

Der Beschuldigte hat seinen Ford trotz Entzugs seines Führerausweises 

im Zeitraum vom 1. April bis 30. April 2021 mehrfach, insgesamt an 21 

Tagen, geführt. In dieser Zeitspanne war der Beschuldigte mit seinem Auto 

an vier Tagen in T._____ unterwegs (10., 17., 18. und 24. April 2021; 

teilweise mehrfach täglich). An weiteren 17 Tagen verwendete er das Auto 

je zwei Mal täglich für Fahrten von T._____ zu seinem Arbeitsplatz in 

Winterthur bzw. retour. Die genaue Anzahl der Fahrten lässt sich zwar nicht 

exakt eruieren, es ist jedoch von mindestens 38 Fahrten an 21 Tagen 

auszugehen. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe 

für eine der längsten Fahrten von T._____ nach Winterthur festzusetzen. 

Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte fuhr am 1. April 2021 um 05:33 Uhr trotz entzogenem 

Führerausweis an seinen Arbeitsort in Winterthur (UA act. 364 f.). Aufgrund 

 - 31 - 

 

 

der Uhrzeit war mit einem noch mässigen Verkehrsaufkommen zu rechnen. 

Die Strecke von T._____ nach Winterthur führt zwar insbesondere über die 

Autobahn, wo aufgrund der hohen Geschwindigkeiten eine höhere 

abstrakte Gefährdung für die Verkehrssicherheit besteht. Nachdem es sich 

jedoch um den dem Beschuldigten wohl bestens bekannten Arbeitsweg 

handelte und bei einem Warnungsentzug des Führerausweises nicht von 

einer grundsätzlichen Nichteignung des Beschuldigten zum Lenken eines 

Fahrzeugs auszugehen ist, ist die objektive Tatschwere als noch 

vergleichsweise leicht einzustufen. Hingegen kann der Beschuldigte aus 

dem Umstand, dass es nicht zu einer konkreten Gefährdung oder einem 

Unfall mit Personen- oder Sachschaden gekommen ist, beim vorliegenden 

Gefährdungsdelikt nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der Beschuldigte 

gab an, zur Arbeit unterwegs gewesen zu sein. Vor dem Hintergrund, dass 

ihm der Ausweisentzug bereits mit Verfügung vom 15. Oktober 2020 (UA 

act. 352 ff.) mitgeteilt wurde und er das Datum für den Entzug zudem noch 

verschoben hatte, wäre es am Beschuldigten gelegen, sich so zu 

organisieren, dass er kein Fahrzeug lenken muss. Mithin verfügte er über 

ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit, was sich leicht verschuldens-

erhöhend auswirkt (BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). Achtenswerte 

Beweggründe liegen entgegen der Ansicht des Beschuldigten nicht vor. 

Insgesamt ist von einem noch leichten Verschulden auszugehen, wofür 

eine angemessenen Einsatzstrafe von 30 Tagessätzen Geldstrafe 

festzusetzen ist.  

 

3.5.2. 

Die Einsatzstrafe ist aufgrund der zahlreichen weiteren Fahrten ohne 

Berechtigung angemessen zu erhöhen. Das Tatvorgehen und die 

Tatumstände haben sich bei den weiteren Fahrten nach Winterthur und 

retour nicht wesentlich von der ersten Fahrt trotz entzogenem Führer-

ausweis, für welche die Einsatzstrafe festgesetzt worden ist, 

unterschieden, weshalb auch hinsichtlich dieser weiteren Fahrten ohne 

Berechtigung – bei isolierter Betrachtung – von einem noch leichten 

Verschulden und dafür angemessenen Einzelstrafen von je 30 

Tagessätzen Geldstrafe auszugehen ist. 

 

Im Rahmen der Asperation dieser weiteren Straftaten ist einerseits zu 

berücksichtigen, dass insofern ein Zusammenhang zwischen den Fahrten 

besteht, als diese allesamt trotz entzogenem Führerausweis erfolgt sind. 

Andererseits besteht hinsichtlich der verschiedenen Zeitpunkte keine 

natürliche Handlungseinheit. Vielmehr hat der Beschuldigte den Vorsatz 

immer wieder von Neuem gefasst. Insgesamt wäre die Einsatzstrafe für die 

weiteren Fahrten ohne Berechtigung aufgrund der grossen Anzahl von 

Fahrten auf mehr als 180 Tagessätze zu erhöhen. Da ein Strafarten-

wechsel ausgeschlossen ist (vgl. BGE 144 IV 313), hat es damit sein 

Bewenden. Es erübrigen sich deshalb auch Ausführungen zum 

 - 32 - 

 

 

Verschulden in Bezug auf die vier Vorfälle, an denen der Beschuldigte 

lediglich in T._____ sein Fahrzeug ohne Berechtigung fuhr.  

 

3.5.3. 

Die negative Täterkomponente wäre auch hinsichtlich der Geldstrafe leicht 

verschuldenserhöhend zu berücksichtigten (siehe dazu oben), was sich – 

da die Strafobergrenze bereits erreicht ist – jedoch nicht zusätzlich 

straferhöhend auswirken kann. Andererseits führt unter diesen Umständen 

die Verletzung des Beschleunigungsgebots, der bereits bei der Freiheits-

strafe ausreichend Rechnung getragen wurde (vgl. oben), zu keiner 

Strafminderung. 

 

3.5.4. 

Da der Beschuldigte derzeit in Haft ist, dort auf absehbare Zeit bleiben und 

lediglich einer eingeschränkten Erwerbstätigkeit nachgehen können wird, 

ist der Tagessatz gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Satz 2 StGB auf Fr. 10.00 

festzusetzen. 

 

3.5.5. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte für das mehrfache Fahren ohne 

Berechtigung zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 

Fr. 10.00, d.h. Fr. 1'800.00 zu verurteilen. 

 

3.6. 

3.6.1. 

Die Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 2 ½ Monaten ist von Gesetzes wegen 

unbedingt auszusprechen. Das Gericht schiebt den Vollzug einer 

Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 

erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). 

 

Der Beschuldigte hat die vorliegend zu beurteilenden Straftaten noch 

während der Probezeit des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020 für die Geldstrafe von 30 

Tagessätzen gewährten bedingten Strafvollzugs begangen. Ist der Täter 

während der Probezeit erneut straffällig geworden, hat gemäss Art. 46 

Abs. 1 StGB ein Widerruf zu erfolgen, wenn wegen der Begehung neuer 

Delikte zu erwarten ist, dass der Täter weitere Straftaten verüben wird, d.h. 

wenn wegen der erneuten Straffälligkeit eine eigentliche Schlechtprognose 

besteht (BGE 134 IV 140 E. 4.2 und 4.3).  

 

Das Nebeneinander von zwei Sanktionen (neue Strafe und 

Widerrufsstrafe) erfordert sodann eine Beurteilung in Varianten: Möglich ist, 

dass der Vollzug der neuen Strafe erwarten lässt, der Verurteilte werde 

dadurch von weiterer Straffälligkeit abgehalten, weshalb es nicht notwendig 

erscheint, den bedingten Vollzug der früheren Strafe zu widerrufen. 

 - 33 - 

 

 

Desgleichen kann sie im umgekehrten Fall, wenn der bedingte Vollzug für 

die frühere Strafe widerrufen wird, unter Berücksichtigung dieses 

nachträglichen Vollzugs eine Schlechtprognose für die neue Strafe im 

Sinne von Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 StGB verneinen und deren Vollzug 

bedingt resp. teilbedingt aufschieben (BGE 144 IV 277 E. 3.2, BGE 134 IV 

140 E. 4.3 ff.). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist 

anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände 

vorzunehmen.  

 

3.6.2. 

Dem Beschuldigten, der erst im Jahr 2017 in die Schweiz eingereist ist, ist 

eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. Er ist insoweit im 

einschlägigen Deliktsbereich vorbestraft, als er mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020 wegen einfacher 

Körperverletzung und Tätlichkeiten und damit Gewaltdelikten verurteilt 

worden ist. Den qualifizierten Raub (und damit einhergehend den Haus-

friedensbruch) sowie das mehrfache Fahren ohne Berechtigung hat der 

Beschuldigte unbeeindruckt von der Vorstrafe bereits knapp ein halbes 

Jahr später verübt. Mit der Begehung des qualifizierten Raubs hat er eine 

sehr schwere Straftat begangen und damit ein hohes Mass an krimineller 

Energie gezeigt. Hinzu kommt, dass er nach wie vor keinerlei Einsicht und 

Reue zeigt. Seine persönlichen Verhältnisse (siehe dazu unten bei der 

Landesverweisung) sind nicht dergestalt, als dass diese die sehr negativen 

Bewährungsaussichten relativieren könnten. Vielmehr ist ihm bei einer 

Gesamtwürdigung aller relevanter Umstände eine eigentliche Schlecht-

prognose zu stellen.  

 

Nach dem Dargelegten ist die neu ausgesprochene Geldstrafe unbedingt 

auszufällen und der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis 

vom 23. Oktober 2020 für die Geldstrafe von 30 Tagessätzen gewährte 

bedingte Strafvollzug zu widerrufen. An sich wäre sodann mit der 

unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen und der Widerrufsstrafe von 

30 Tagessätzen Geldstrafe in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB 

eine Gesamtstrafe zu bilden (Art. 46 Abs. 1 StGB). Nachdem die Ober-

grenze von 180 Tagessätzen jedoch bereits erreicht ist und ein Strafarten-

wechsel auch in dieser Konstellation ausgeschlossen ist, wirkt sich der 

Widerruf faktisch nicht aus. Dies ist, auch wenn dies zu unbilligen 

Ergebnissen führt, hinzunehmen (vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.6; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_244/2021 vom 17. April 2023 E. 5.5.4; 6B_244/2021 

vom 17. April 2023 E. 5.5.4). 

 

3.7. 

Der Beschuldigte ist insgesamt zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 

Jahren und 2 ½ Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 180 

Tagessätzen (inkl. Widerrufsstrafe von 30 Tagessätzen Geldstrafe gemäss 

 - 34 - 

 

 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 23. Oktober 2020) 

à Fr. 10.00, d.h. Fr. 1'800.00, zu verurteilen. 

 

3.8. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft und der vorzeitige Strafvollzug von 

985 Tagen sowie die im Rahmen der Widerrufsstrafe (Strafbefehl vom 23. 

Oktober 2020) ausgestandene Untersuchungshaft von 2 Tagen, insgesamt 

987 Tage, sind auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 Abs. 1 StGB 

i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO). 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 10 Jahren des 

Landes verwiesen (vorinstanzliches Urteil E. 7). 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Landesverweisung für die Dauer von 

15 Jahren (Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft, S. 2). 

 

Der Beschuldigte bringt dagegen vor, er habe eine Tochter in der Schweiz 

zu der und deren Mutter er einen innigen und regelmässigen Kontakt pflege 

(Berufungsbegründung des Beschuldigten, Ziff. 9). 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung des FZA und der Rechtsprechung 

des EGMR zu Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 

146 IV 172; BGE 146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 

364; BGE 145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_513/2021 vom 31. März 2022). Darauf kann verwiesen 

werden. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte ist spanischer Staatsangehöriger. Er hat mit dem Raub 

eine Katalogtat i.S.v. Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB begangen und ist somit für 

bis zu 15 Jahre aus der Schweiz wegzuweisen. 

 

Von der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den kumu-

lativen Voraussetzungen abgesehen werden, wenn sie (1.) einen schweren 

persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interessen 

an der Landesverweisung die privaten Interessen des Ausländers am 

Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB). Diese 

Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt, da weder ein persönlicher 

Härtefall vorliegt noch die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung 

überwiegen. 

 

 - 35 - 

 

 

4.4. 

Der heute 31-jährige Beschuldigte, der über die spanische 

Staatsbürgerschaft verfügt, ist in Venezuela geboren, besuchte dort die 

Schule und wuchs dort auf bis er ca. 21-jährig war (UA act. 79). Eine 

Berufslehre hat er nicht gemacht, dafür eine viertägige Ausbildung zum 

Kranführer (UA act. 81). Die prägenden Kindheits- und Jugendjahre hat er 

demnach in Venezuela verbracht. 

 

Im Jahr 2017 kam der Beschuldigte mit ca. 31 Jahren in die Schweiz. Er 

verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung B (UA act. 82). Er ist jedoch weder 

sprachlich noch gesellschaftlich oder persönlich in der Schweiz integriert. 

Trotz seiner knapp siebenjährigen Anwesenheit in der Schweiz spricht er 

nur gebrochen Deutsch, was sich an der Berufungsverhandlung bestätigte, 

nachdem er bereits für die Mitteilung, die Aussage zu verweigern, eine 

Übersetzung beanspruchte. Vor seiner Festnahme wohnte er in T._____ 

zusammen mit dem Mitbeschuldigten D._____, nachdem es nach diversen 

Streitigkeiten zu einer Trennung von der Mutter seiner 7-jährigen Tochter 

(geb. tt.mm.2016) und einem Strafverfahren wegen einfacher 

Körperverletzung und Tätlichkeit zum Nachteil der Kindesmutter 

gekommen ist (UA act. 79; Strafregisterauszug; UA act. 85). Von einer 

anderen Beziehung ist nicht auszugehen. Zwar äusserte sich der 

Beschuldigte in seiner Einvernahme zur Festnahmeeröffnung vom 

29. Oktober 2021 dahingehend, mit I._____ eine Beziehung zu pflegen (UA 

act. 707). Nachdem die Vorinstanz diese Beziehung nicht aufgriff 

(vorinstanzliches Urteil E. 7) und sich weder der Beschuldigte noch der 

Verteidiger dazu äusserte, ist davon auszugehen, dass dieser Kontakt nicht 

mehr besteht. Vielmehr äusserte sich der Verteidiger, dass ein inniger und 

regelmässiger Kontakt insbesondere zur Kindsmutter bestehe 

(Berufungsbegründung des Beschuldigten S. 29) und machte in seinem 

Plädoyer den Hinweis, dass der Beschuldigte in der Haft in Lenzburg 

regelmässig durch «seine Partnerin [gemeint die Kindsmutter] und 

Tochter» besucht werde. Ob dies nach seiner Verlegung nach V._____ 

weiterhin der Fall sei, sei unklar (Plädoyer des Verteidigers des 

Beschuldigten S. 8). Inwiefern damit geltend gemacht wird, dass der 

Beschuldigte erneut eine Beziehung mit der Kindsmutter eingegangen ist, 

ist unklar. Festzuhalten ist jedenfalls, dass der Beschuldigte lediglich 

insofern einen Bezug zur Schweiz aufweist, als seine Tochter und deren 

Mutter in der Schweiz wohnen. Ansonsten weist der Beschuldigte keinen 

nennenswerten persönlichen Bezug zur Schweiz auf, was er denn auch 

nicht geltend macht. Mithin hat er hier keine weiteren Familienangehörigen 

und enge gelebte Freundschaften. Seine sozialen Kontakte beschränkten 

sich auf «Latinos, Kubaner und Dominikaner» (UA act. 86). Eine aktive 

Teilhabe an gesellschaftlichen Strukturen wie Vereinen, kirchlichen oder 

kulturellen Institutionen ist nicht ersichtlich. Seine Zukunft sieht er selbst in 

Venezuela oder auf Teneriffa (UA act. 86). Als ungenügend erscheint seine 

wirtschaftliche und berufliche Integration: Der Beschuldigte verfügt über 

 - 36 - 

 

 

keine abgeschlossene Berufslehre. Einer festen, geregelten Arbeit geht er 

ebenfalls nicht nach. Erstellt ist vielmehr, dass er seit seiner Einreise in die 

Schweiz regelmässig den Arbeitsplatz wechselt, wobei er jeweils temporär 

bei diversen Arbeitgebern gearbeitet hat (UA act. 82). Zuletzt verdiente er 

ca. Fr. 6'500.00 netto (UA act. 82) und wies Schulden im Betrag von ca. 

Fr. 1'700.00 aufgrund des Strafverfahrens wegen einfacher Körper-

verletzung und Tätlichkeit sowie Fr. 2'000.00 für die Kindertagesstätte 

seiner Tochter auf (UA act. 85). Stark negativ auf eine nachhaltige Inte-

gration wirkt sich seine Straffälligkeit aus. Trotz Vorstrafe hat er einen 

qualifizierten Raub in Mittäterschaft, für welchen er zu einer mehrjährigen 

Freiheitsstrafe verurteilt wird, begangen. Im Hinblick auf die gesell-

schaftliche, persönliche, wirtschaftliche und berufliche Integration sowie die 

Beachtung der schweizerischen Rechts- und Werteordnung erweist sich 

seine Integration durchwegs als mindestens mangelhaft. 

 

Insgesamt ist keine Verwurzelung des Beschuldigten in der Schweiz zu 

erkennen. So hat er selbst ausgesagt, es sei von Beginn weg der Plan 

gewesen, im Ausland (Venezuela oder Teneriffa) ein Haus zu kaufen (UA 

act. 86). Seine Integrationschancen in seinem Heimatland Spanien oder 

auch in Venezuela erweisen sich für den Beschuldigten denn auch als sehr 

gut. Seine Mutter lebt auf Teneriffa, Spanien. Mit ihr hatte er fast täglichen 

Kontakt. Zwei seiner Brüder leben mit seiner Mutter zusammen. Ein 

weiterer Bruder lebt ebenfalls auf Teneriffa, jedoch alleine (UA act. 80). 

Sein Vater, mit dem er mindestens e