# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dd26ed1f-f659-5c0c-ab24-3e1208896523
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-07-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 14.07.2005 R 2004 94
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2004-94_2005-07-14.pdf

## Full Text

R 04 94
4. Kammer 

URTEIL
vom 14. Juli 2005

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes

1. … ist Eigentümerin einer Maiensässhütte in der Erhaltungszone … in der 

Gemeinde ... Nachdem der Gemeindevorstand im Jahre 2003 ein Baugesuch 

für den Neubau einer Terrasse auf der Südseite des Ferienhauses abgelehnt 

hatte und auf ein entsprechendes Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten 

war, errichtete … an der Stelle des entlang der Südfassade bestehenden 

Holzlagerplatzes zwei Holzpodeste von 1,5 m Breite, ohne vorher ein 

Baugesuch zu stellen. In der Folge leitete die Gemeinde ein Baubuss- und 

Wiederherstellungsverfahren ein und verfügte nach Gewährung des 

rechtlichen Gehörs, dass die beiden Podeste entweder auf eine Breite von 50 

cm zu reduzieren oder sonst ganz zu entfernen seien. Von der Ausfällung 

einer Busse wurde einstweilen abgesehen. 

2. Dagegen erhob … am 9. Oktober 2004 Rekurs an das Verwaltungsgericht mit 

dem sinngemässen Antrag, den angefochtenen Entscheid aufzuheben und ihr 

die Baubewilligung zu erteilen, soweit eine solche überhaupt erforderlich sei. 

Es handle sich um keine Gebäudeerweiterung, sondern letztlich um 

Unterhaltsarbeiten.

3. Die Gemeinde und das Departement des Innern und der Volkswirtschaft (DIV) 

beantragten in ihren Vernehmlassungen die Abweisung des Rekurses. Nach 

den Bestimmungen des Baugesetzes (BG) über die Erhaltungszone seien 

Neubauten und Erweiterungen in der Erhaltungszone unzulässig. 

4. Im weiteren Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten fest, 

ohne wesentliche neue Argumente vorzubringen.

5. Am 7. Juli 2005 führte das Verwaltungsgericht einen Augenschein an Ort und 

Stelle durch, an welchem die Rekurrentin mit ihrem Ehemann, Mitglieder des 

Gemeindevorstandes sowie ein Vertreter des DIV teilnahmen. Allen 

Anwesenden wurde dabei Gelegenheit erteilt, sich anhand der Örtlichkeiten 

auch noch mündlich zu den aufgeworfenen Fragen zu äussern.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 44 Abs. 1 BG sind Neubauten und Erweiterungen bestehender 

Bauten in der Erhaltungszone nicht zulässig. Die Gemeinde und das DIV sind 

der Auffassung, dass die beiden Holzpodeste unter diese Bestimmung fallen 

und daher nicht bewilligungsfähig sind. Aufgrund der Akten und des 

Augenscheins kann diese Ansicht nicht geteilt werden. Wie sich aus der von 

der Rekurrentin eingereichten Fotodokumentation ergibt, befand sich am 

Standort der Podeste bereits vorher ein Holzlagerplatz. Die Rekurrentin 

schafft mit den beiden Podesten für die Holzlagerung somit nichts Neues und 

erweitert damit auch die bestehende Baute nicht. Vielmehr wird mit den 

beiden Podesten nur eine zeitgemässe und praktische Neugestaltung des 

bestehenden Holzlagers erreicht. Es geht um eine Renovation, die kaum über 

den Unterhalt des Bestehenden hinausgeht. Letztlich ist auch die Gemeinde 

im Grundsatz dieser Auffassung, wenn sie die Podeste in einer auf 50 cm 

reduzierten Breite zulassen will. Diese Breite ist jedoch zu gering für die 

Lagerung von Meterspälten. Daneben muss auch noch eine ebene Fläche 

vorhanden sein, um das Holzlager zu bestücken. Die beiden 

Holzlagerpodeste erscheinen daher in der vorhandenen Breite von 1.5 m als 

zweckmässiger Ersatz des vorbestehenden Holzlagerplatzes und verstossen 

insofern nicht gegen das Erweiterungsverbot von Art. 44 Abs. 1 BG. Sie sind 

daher grundsätzlich bewilligungsfähig. Das Gericht vermag aber auch die 

ästhetischen Bedenken der Gemeinde nicht zu teilen. Zwar ist das Bestreben 

der Gemeinde, die kulturhistorisch wertvolle Siedlung … möglichst 

unverfälscht zu erhalten, durchaus zu anerkennen. Im Fall der Rekurrentin 

schiesst die Gemeinde indessen etwas über dieses Ziel hinaus. Die beiden 

Podeste schmiegen sich unauffällig an die Fassade des Ferienhauses an, 

bestehen aus dem gleichen Material und sind in derselben Form gehalten, wie 

der bestehende Eingangsbereich. Sie sind bereits, wenn darauf noch kein 

Holz gelagert ist, optisch aus schon geringer Entfernung kaum mehr 

wahrnehmbar. Dies gilt noch mehr, wenn sie mit Holz bestückt sind. Die 

beiden Podeste sind demnach auch unter diesem Blickwinkel nicht 

baurechtswidrig. Der Rekurs ist infolgedessen gutzuheissen und die 

Baubewilligung zu erteilen. 

2. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten je zur Hälfte zulasten der 

Gemeinde und des Kantons Graubünden (DIV).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird gutgeheissen und … nachträglich die Baubewilligung für die 

bereits errichteten beiden Holzlagerpodeste an der Südfassade ihres 

Ferienhauses erteilt.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 90.--

zusammen Fr. 1’590.--

gehen je zur Hälfte zulasten der Gemeinde … und des Kantons Graubünden 

und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die 

Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.