# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27d8c66d-d3f8-5d6a-b705-97c996f62ce3
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-17
**Language:** de
**Title:** Rentenanspruch bei einer mittelgradigen depressiven Episode verneint, da die Therapieresistenz nicht ausgewiesen ist und damit kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt.
**Docket/Reference:** IV.2015.00934
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00934.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00934
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
17. November 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring
Anwaltskanzlei
Kieser
Senn Partner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1975 geborene
X.___
verfügt über keine relevante Schulbildung (Urk. 7/6/4).
Sie ist Mutter dreier Kinder
mit
Jahrgang 1995, 2000 und 2006.
Letztmals
arbeitete
die Versicherte
im Jahr 2011
– nach einem jahrelangen Unterbruch -
im Sinne eines Arbeitsversuches
zu 50 % bei der
Y.___
AG
(Urk. 7/10/5
, Urk. 7/27/4
)
.
Am 17. Dezember 2012 meldete sie sich bei der Invalidenversicherung
zum
Leistungsbezug
an (Urk. 7/6).
Dabei gab sie an, sie leide an einer Depression, an Übergewicht, an Knieschmerzen und
an
Schmerzen i
n beiden
oberen Sprunggelenk
en
(Urk. 7/6/4).
Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
holte eine
n
Auszug aus dem Indivi
duelle
n
Konto der Versicherten (IK-Auszug) ein
(Urk.
7/10)
,
nahm
medizinische
Abklärungen vor
(Urk. 7/15, Urk. 7/20)
und liess die Versicherte
psychiatrisch begutachten (Gutachten
von
Dr.
med.
Z.___
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 6. Juni 2014; Urk. 7/25)
. Zudem w
ar
am
30. September
2013 eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haus
halt durchgeführt
worden
(
Haushaltsabklärungsbericht vom 21. Oktober 2013;
Urk. 7/27).
Die Versicherte wurde zu 50 % als Erwerbstätige und zu 50 % als im Aufgabenbereich Tätige qualifiziert
(Urk. 7/27/4-5)
. Dabei wurde im Aufgaben
bereich eine Einschränkung von 18 %
ermittelt
, was zu
einem Invaliditätsgrad
in diesem Bereich von 9 % führte (vgl.
Urk. 7/27/
8).
Im Erwerbsbereich erach
tete die IV-Stelle die Versicherte als zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 7/28/5).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/29) wies die IV-Stelle das
Leis
tungsbegehren
mit Verfügung vom 14. August 2015 ab (Urk. 7/35 = Urk. 2).
2
.
Dagegen
liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Kaspar
Gehring, am 11. September 2015 Beschwerde
erheben mit dem Rechtsbegehren
,
es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten,
ihr
die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszurichten, insbesondere eine Rente, eventuell Eingliederungsmassnahmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsanwalt Gehring (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 2015 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 16. Oktober 2015 bewilligte das Gericht der Beschwerdeführerin di
e unentgeltliche
Prozess
führung
,
bestellte ihr Rechtsanwalt Gehring als unentgeltliche
n
Rechtsvertreter und stellte ihr die Beschwerdeantwort zu (Urk. 8).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmög
lichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1
.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
zur Begründung der
angefochtenen
Verfügung
im Wesentlichen
aus
, die vorhandenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen
seien massgeb
lich
durch eine Reihe
psychosozialer
Belastungsfaktoren ausgelöst und aufrechterhalten worden.
Zudem handle es sich um behandelbare psy
chische Störungen, so dass aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht kein leistungsbegründender Gesundheitsschaden vorliege
(Urk. 2)
.
2
.2
Die Beschwerdeführerin
lässt
in der Beschwerdeschrift
vorbringen
,
die Beschwerdegegnerin
habe
gegen die Begründungspflicht
verstossen, indem
sie sich nicht mit allen Einwänden
und der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
auseinandergesetzt habe
.
Zudem ergebe sich aus der angefochtenen Verfügung nicht, mit welchen Argumenten sie ihre Leistungspflicht verneint habe.
D
ie Diagnose einer Depression mit
der
Differentialdiagnose einer
Persönlichkeits
störung
sei bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit den soma
tischen Erkrankungen vergleichbar.
D
ie Überwindbarkeitsprüfung
komme somit
nicht zum Tragen
.
Vielmehr
sei
von einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit auszuge
hen
,
wie
sie
Dr.
Z.___
im
Gutachten vom 6. Juni 2014
attestiert
habe
.
Zudem sei die Beschwerdeführerin zu 100 %
als
Erwerbstätige zu qualifizieren, da sie aus finanzieller Sicht zweifellos gezwungen wäre
,
einer ganztägigen Erwerbstä
tigkeit nachzugehen (
Urk.
1).
3
.
Die Rüge der Gehörsverletzung ist aufgrund ihrer formellen Natur vorweg zu behandeln (vgl. BGE 118
Ia
17 E.
1a). Das Recht auf eine Begründung eines Entscheides ist ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben den speziellen gesetzlichen Regelungen in Art. 42 ATSG und Art. 57a Abs. 1 IVG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E.
1a). Die Begründungspflicht soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und soll dem Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Es muss für sie nachvoll
ziehbar sein, inwieweit die Einwände gewürdigt wurden. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt.
Die Verwaltung darf sich nicht darauf beschränken, die vom Versicherten im
Vorbescheidver
fahren
vorgebrachten Einwände tatsächlich zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen; sie hat ihre Überlegungen dem Betroffenen gegenüber auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich mit den (
entscheidwesentlichen
) Einwän
den auseinanderzusetzen oder aber zumindest die Gründe anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (
BGE
126 V 75 E. 5b/
dd
und 124 V 180 E. 1a und E. 2b mit Hinweisen
;
Urteil des Bundes
gerichts I 614/06 vom 3. Oktober 2006 E.
3.2
)
. Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts
kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn der Betroffene die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Man
gels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 124 V 18
0
E.
4a mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin nannte in der angefochtenen
Verfügung
vom 14. August 2015 (Urk. 2) die Überlegungen
, die sie ihrer Auffassung zugrunde legte
. Auch ging
s
ie im Wesentlichen auf die Einwände der Be
schwerdeführerin vom 10. April und
7. Mai 2015 (Urk. 7/30, Urk. 7/33) ein; dabei musste sie sich
-  wie erwähnt -
nicht mit jedem einzelnen Einwand auseinandersetzen
.
Dass sie sich nicht explizit auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung bezog oder diese allenfalls falsch anwandte, stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, ebenso wenig der Umstand, dass sie zur Abweisung des Leistungsbegehrens verschiedene Begründungen aufführte. Die Beschwerdeführerin konnte die Verfügung denn auch sachgerecht anfechten, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs in Form einer Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht vor.
4
.
4
.1
Das
A.___
berichtete am 26. März 2013
(
Urk.
7/15)
, dass eine mittelgradige depressive
Episode (ICD-10: F32.1) bestehe
. Die Beschwerdeführerin leide an starken Konzentrationsstörungen, könne nicht lange sitzen oder stehen, sei bei geringer Belastung nervös und habe keine Ausdauer.
Das Auffassungsvermögen und die Belastbarkeit seien stark und die Anpassungsfähigkeit se
i mittel eingeschränkt.
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der momentanen Ausprägung der Depression für sämtliche Tätigkeiten in der freien Marktwirtschaft zu 100 % arbeitsunfähig
.
4
.2
Im
Arztbericht von Dr. med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 25. Mai 2013
(
Urk.
7/20)
wurden
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Depression mit einer gegenwärtig mittel
gradigen Episode, ein Status nach einem Suizidversuch vor Jahren, eine Adipo
sitas
permagna
sowie
beidseitige
chronische Knie
schmerzen
und Schmerzen
in
den
oberen Sprunggelenk
en (OSG)
aufgeführt
.
Es
bestehe eine massive Adipo
sitas mit einem
BMI
von
über 45 k
g
/m
2.
Es
bestünden
starke Druck
schmerzen
um
die
Knie
und
d
ie
OSG. Neurologisch bestünden keine Ausfälle. Die Belast
barkeit des Achsenskeletts sei deutlich eingeschränkt. Zudem bestehe eine Depression, welche die Rehabilitation massiv beeinträchtige. Zur Arbeitsfähig
keit seien keine sicheren Angaben möglich, da die Beschwerdeführerin seit Jahren v
on der Sozialhilfe abhängig sei
.
Sie
könne rein sitzende oder wechsel
belastende Tätigkeiten nur während ungefähr zwei Stunden am Tag
verrichten
. Dasselbe gelte für Rotationsbewegungen im
Sitzen
oder
Stehen
. Rein
s
tehende
oder
vorwiegend im Gehen
auszuübende
Tätigkeiten
sowie
Über-Kopf-Arbeiten
seien nicht mehr möglich.
Auch könne sie nichts mehr
heben oder tragen
,
kör
pernah
oder körperfern
. B
ücken,
K
auern
und
K
nien
sei
nicht möglich und sie
könn
e keine Treppen
mehr
steigen.
Das Konzentrationsvermögen, die Anpas
sungsfähigkeit und
die
Belastbarkeit seien eingeschränkt
, nicht h
ingegen
das Auffassungsvermögen
.
4
.
3
Im
psychiatrischen Gutachten von Dr
.
Z.___
vom 6. Juni 2014
(
Urk.
7/25) wurde
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, zum Untersuchungszeitpunkt
eine
anhaltend depressive Episode, mittel- bis
schwergradig
ausgeprägt, mit somatischem Syndrom (ICD-10
:
F33.11/F33.21) vor dem Hintergrund einer ängstlich-vermeidenden und
dependenten
sowie selbstunsicheren Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10: Z73.1; Differentialdiagnose: ICD-10: F61.0)
aufgeführt
. Den akzentuierten
Per
sönlichkeitsanteilen
komme per se kein Krankheitswert zu. Sie beeinflussten aber den Behandlungs- und Heilverlauf ungünstig
.
Als Hauptsymptom
e
einer Depression nach ICD-10
seien
im Falle der Beschwer
deführerin eine depressive Verstimmung, Freudlosigkeit, Interessenverlust sowie ein Antriebsmangel und vor allem
eine
e
rhöhte Ermüdbarkeit
zu nennen
. Als sogenannte Zusatzsymptome seien ein
e
(subjektiv berichtete, in der Unter
-
suchungssituation
auch objektivierbare)
Verminderung von
Konzentration und Aufmerksamkeit,
eine Verminderung des
Selbstwertgefühl
s
und
des
Selbstver
trauen
s
, Schuldgefühle, Insuffizienzgefühle, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven sowie Schlafstörungen feststellbar gewesen.
S
ogenannte „somatische“ Symptome
seien
ein Interesseverlust, eine
Reduktion der
emo
tionale
n
Reagibilität auf sonst freudige Ereignisse, ein morgendliches
Stim
mungstief
sowie eine psychomotorische Hemmung.
Differentialdiagnostisch sei
en
eine organisch bedingte depressive Störung, eine
dysthyme
Störung, eine bipolar-affektive Störung oder eine
schizoaffektive
Störung zu erwägen
gewesen, doch seien hierfür
die Kriterien nach ICD-10 nicht erfüllt
.
Hinweise für eine willentliche Herbeiführung oder
eine
massive Verdeutlichung psychischer oder körperlicher Störung
en
im Sinne einer Aggra
vation oder Simulation hätten sich nicht gezeigt.
Angesichts der beschriebenen Erschöpfungssymptomatik sei auch da
s Vorliegen einer Neurasthenie aufgrund des
anhaltende
n
und quälende
n
Klagen
s
über
eine
gesteigerte Ermüdbarkeit nach geistiger Anstrengung oder über körperliche Schwäche und Erschöpfung nach geringsten Anstrengungen
erwogen worden, doch würden auch diesbe
züglich d
ie Kriterien nicht erfüllt, da die beschriebene Erschöpfung eindeutig in eine ausgeprägte depressive Symptomatik eingebettet sei. Gesamthaft ergäben sich sowohl aus den aktendokumentierten Befundberichten wie auch
aus
den Eigenangaben der
Beschwerdeführerin
Hinweise auf eine erhebliche
Chronifi
zierungstendenz
im Rahmen der rezidivierend verlaufenen depressiven Störung,
bei der es in den letzten Jahren nicht zu einem andauernden und vor allem vollständig remittierten Zustand gekommen sei.
Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr.
Z.___
aus, auf der psychisch-geistigen Ebene
sei
die Leistungsfähigkeit durch die dargestellten affektiven, psychomotorischen, kognitiven, formalgedanklich
en
und vegetativen S
ymptome deutlich beeinträchtigt
.
Auf der psychiatrisch-körperlichen Ebene bestehe eine ausge
prägte Störung der Vitalgefühle, die die psychophysische Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin deutlich einschränke.
Erschwerend kämen die Einschrän
kungen durch die Adipositas hinzu, wobei gegenwärtig eine (erhebliche) Gewichtsreduktion angesichts der instabilen psychischen Situation schwerlich erreicht werden könne.
Im Hinblick auf die soziale Interaktion sei die Beschwer
deführerin durch die ausgeprägte Antriebsminderung, durch die intermittierend auftretende psychomotorische Unruhe (paroxy
s
male Ängste), durch ausgeprägte Insuffizienzgefühle und durch den krankheitsbedingten sozialen Rückzug in ihrer psychosozialen Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt.
Aufgrund
des
mittel- bis
schwergradig
depressiven Zustandsbildes
sei
von einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit
von 20 %
für eine Tätigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft auszugehen
.
Die Haushaltsführung sei der Beschwerdeführerin zumutbar,
da
diese Tätigkeit die selbständige Einteilung, die freie
Pausenge
staltung
, die Aufschiebung von Tätigkeiten und
ein
„Allein-Arbeiten“ ermög
liche. Berufliche Massnahmen seien zum gegenwärtigen Zei
tpunkt nicht erfolg
versprechend und
deshalb nicht indiziert. Im Vordergrund stünden weiterhin medizinische Massnahmen.
Invaliditätsfremde Faktoren (ungewisse berufliche Zukunft, ungünstiges Wiedereingliederungsalter, ausgeprägte
Dekonditionie
rung
, laufendes versicherungsrechtliches Verfahren) seien
berücksichtigt und von invaliditätsbedingten Befunden abgegrenzt worden und nicht in die Beur
teilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer Tätigkeit
miteinge
flossen
.
Die aktuell attestierte Arbeitsunfähigkeit sei spätestens seit
dem Bericht des
A.___
vom
März 2013
(vgl. Urk. 7/15)
ausgewiesen.
Dieser Beurteilung schloss sich
Dr.
med.
C.___
vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle (RAD) am 1
2.
Juni 2014 vorbehaltlos an (
Urk.
7/28/3).
5
.
5
.1
Strittig und zu prüfen ist, ob
bei
der Beschwerdeführerin insbesondere
aufgrund
der
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, welche
von
Dr.
Z.___
als
anhaltend
e
depressive Episode, mittel- bis
schwergradig
ausgeprägt
,
diagnostiziert wurde
(vgl. Urk. 7/25/10)
,
ein
dauerhaftes, invalidisierendes Leiden
vorliegt
.
5
.
2
Zunächst ist
festzuhalten, dass
der
vom
A.___
und von Dr.
B.___
diagnostizierte
n
mittelgradige
n
depressive
n
Episode (ICD-10: F32.1; Urk. 7/15/6
, Urk. 7/20/1
)
grundsätzlich keine invalidisierende Wirkung zukommt:
Nach der jüngeren bundesgerichtlichen Rechtsprechung fallen l
eichte bis mittelgradige depressive Störungen rezidivierender oder episodischer Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent sind.
Nur in dieser - seltenen, da nach gesi
cherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation
sei
den normativen Anforderungen des Art. 7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs-
und Prüfungsweise Genüge getan.
Ein solcher Sachverhalt
müsse
überwiegend wahrscheinlich und
dürfe
nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Zudem
müsse
die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein, als die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig aus
geschöpft worden sind
(vgl. als Neustes: Urteil des Bundesgerichts 9C_434/2016 und 9C_530/2016 vom 1
4.
Oktober 2016 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 140 V 193 E. 3.3).
5.3
Die Beschwerdeführerin befindet sich seit dem 2
8.
Mai 2012 im
A.___
in Behandlung (
Urk.
7/15/6). Gemäss dessen Bericht
vom 26. März 2013 findet zweimal monatlich eine Einzeltherapie statt. Die Beschwerdeführerin nehme einmal am Tag ein Citalopram
Mepha
Lactabs
20 mg und eine halbe Tablette
Trittico
100
mg
(Urk. 7/15/7). Eine stationäre Behandlung fand nie statt (Urk. 7/15/6). Im Arztbericht von Dr.
B.___
vom 25. Mai 2013
sind
als Medikation
nur die Schmerzmittel
Dafalgan
bis 2 g/d sowie
Mefenacid
bis 2 g/d aufgeführt (Urk. 7/20/2). Angesichts der Therapieintervalle
der psychiatrischen Behandlung
kann
nicht
von einer konsequenten ambulanten Behandlung gesprochen werden, die letztlich infolge Resistenz der Krankheit als gescheitert betrachtet werden müsste (vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
Daran ändert
nichts, dass die Beschwerdeführerin ein- bis zweimal wöchentlich durch eine Psychologin des
A.___
betreut wird (vgl.
Urk.
7/15/2 und 7/25/7), da dies keine fachärztliche Behandlung darstellt.
5
.
4
Zwar diagnostizierte Dr.
Z.___
zum Untersuchungszeitpunkt
eine anhaltend depressive Episode, mittel- bis
schwergradig
ausgeprägt (Urk.
7
/25/10). Diese Beurteilung beruht jedoch auf der Selbsteinschätzung der Bes
chwerdeführerin, welche sowohl in der Hamilton Depressionsskala (HAMD) als auch im MADRS zum untersten Wert einer schweren Depression
geführt hatte
(Urk. 7/25/9-10)
.
Hinsichtlich der Diagnose sah Dr.
Z.___
zudem keine wesentlichen Diskre
panzen zum Arztbericht des
A.___
vom 26. März 2013 (Urk. 7/25/16, vgl. Urk. 7/15/5)
, in dem eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden war.
Die von
Dr.
Z.___
unter „
Behandlungsanamnese
“ fest
gehaltene
Behandlung
und Medikation stimmt im Wesentlichen mit den Angaben im Bericht des
A.___
vom 26. März 2013 (
vgl.
Urk. 7/15/7) überein. Einzig wurde drei Woche
n
vor der Begutachtung Citalopram
Mepha
(
Seropram
) abgesetzt und dafür
Cymbalta
60
mg
verschrieben
(Urk. 7/25/7)
.
Trotz der neu diagnostizierten mittel- bis
schwergradig
ausgeprägten depressiven Episode erachtete Dr.
Z.___
die ambulant psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
als adäquat und die medikamentöse Therapie (Kombinationsbehandlung) als ausreichend (Urk. 7/25/15) und sah keine Veranlassung
,
die Medikamente
oder den Behandlungsrhythmus
zu erhöhen
.
Es ist somit von einem behandelbaren Leiden auszugehen.
Die von
Dr.
Z.___
in Erwägung gezogene
Chronifizierungstendenz
spricht nicht dagegen, da er nur von einer Tendenz, nicht von einer bereits eingetretenen
Chronifizierung
sprach.
Unter diesen Umständen kann nicht von einer
mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellten invalidenversicherungsrechtlich relevanten Therapieresistenz gesprochen werden.
6.
6.1
In somatischer Hinsicht
beschrieb
Dr.
B.___
nebst einer ausgeprägten Adipositas chronische Kreuz-, Knie- und OSG-Schmerzen beidseits, ohne eine Diagnose zu nennen. Als Hauptgrund für die attestierte Arbeitsunfähigkeit gab er die persistierende Depression an (
Urk.
7/20/2). Dementsprechend erachtete er auch für sitzende und wechselbelastende Tätigkeiten nur eine Arbeitsleistung von 2 Stunden im Tag als möglich (
Urk.
7/20/4).
Dr.
C.___
vom RAD sprach dann, ohne die Beschwerdeführerin selber untersucht zu haben, von Knie
-
gelenksarthrosen
, und erachtete die im Haushaltabklärungsbericht ermittelte Einschränkung in der Haushaltführung von 18
%
aus diesem Grund
als nachvollziehbar (
Urk.
7/28/3, vgl. auch
Urk.
7/27/8). Die Ärzte des
A.___
attestierten keine körperlich bedingte
n
Einschränkungen, sondern führten
gegenteils
aus, im Haushalt se
i
die
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin nicht eingeschränkt (
Urk.
7/
15/5 und 7/15/7).
6.2
Es kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige oder als Teilerwerbstätige mit dem zusätzlichen Aufgabenbereich der Haushaltsführung zu qualifizieren ist.
Da es sich bei
der
Haushalt
stätigkeit
um eine mittelschwere Tätigkeit handelt, ist davon auszugehen, dass im erwerblichen Bereich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bei einer mittelschweren Tätigkeit höchstens dieselbe Arbeitsunfähigkeit wie im Aufgabenbereich
resultiert, was knapp 20 % entspricht
(vgl. Urk. 7/27/8)
.
Dies führt bei beiden Methoden
insgesamt
zu einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40
%
, selbst wenn beim
Einkommens
vergleich
noch ein leidensbedingter Abzug vorgenommen würde
.
Eine weiter
gehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die Adipositas ergibt sich weder aus den medizinischen Akten, noch wird sie geltend gemacht, und es lie
gen keine Anhaltspunkte für die Annahme vor, dass die Adipositas für sich allein ausnahmsweise eine leistungsberechtigende Inva
lidität bewirkt (vgl. dazu das U
rteil des Bundesgerichts 8C_496/2012 vom 1
9.
September 2012 E. 2.2 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin somit zu Recht verneint.
7
.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 14. August 2015 (Urk. 2) wurde zwar das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin grundsätzlich abgewiesen
, doch offerierte die IV-Stelle der Beschwerdeführerin, sie könne sich zur Arbeitsver
mittlung melden
(Urk.
2 S. 2)
.
Sodann beantragt die Beschwerdeführerin
Integrationsmassnahmen
(Urk. 1 S. 13
). Darauf besteht
Anspruch,
sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a Abs. 1 IVG).
Sie sind indes nicht zu gewähren,
wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits umgesetzt werden kann (BGE 137 V 1 E. 7.2.3).
Da die
Beschwerdeführerin über keine relevante Schul
bildung verfügt (Urk. 7/6/4)
und
in der Vergangenheit diverse Tätigkeiten aus
übte (Urk. 7/10)
,
ist
nicht ersichtlich, inwiefern sie
einfache Tätigkeiten
nicht mehr ausüben können
sollte,
denn der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst in verschiedensten Branchen Stellen, die keine Berufs- oder Fachkenntnisse voraussetzen und die keine hohen Anforderungen an die körperliche Belastbar
keit stellen.
Somit
ist sie bereits eingliederungsfähig.
Integrationsmassnahmen
sind daher nicht
angebracht.
Der Bedarf an weiteren
Eingliederungsmass
nahmen
ist aus den Akten nicht ersichtlich.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens, so dass die Beschwerde abzuweisen ist.
8
.
8
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) auf Fr. 600.-- anzusetzen. Die Kosten sind de
r
unterlie
genden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, infolge der ih
r
gewährten unentgelt
lichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8
.2
De
r
unentgeltliche Rechtsvertreter, Rechtsanwalt
Geh
r
ing
, ist für seine Aufwen
dungen
in diesem Verfahren
– da er keine Honorarnote eingereicht hat (vgl.
Urk. 8) -
nach Ermessen
mit Fr. 1‘
450
.
--
(inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Die
Beschwerdeführer
in
ist darauf hinzuweisen, dass
sie
diesbezüglich laut § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zur Nach
zahlung verpflichtet ist, sobald
si
e dazu in der Lage ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter de
r
Beschwerdeführer
in
, Rechtsanwalt Gehring, Zürich, wird mit Fr. 1‘450
.
-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt. D
ie
Beschwerdeführer
in
wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Kaspar Gehring
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift
ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigKlemmt