# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64765499-6b24-59bd-9d7e-8e6d8a03cb82
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.07.2020 A-2138/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-2138-2020_2020-07-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-2138/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Kathrin Dietrich (Vorsitz), 

Richter Maurizio Greppi,  

Richter Jürg Steiger, 

Gerichtsschreiber Marcel Zaugg. 
 

 
 

Parteien 
 Michael Lauber,  

Bundesanwaltschaft, Guisanplatz 1, 3003 Bern 

vertreten durch  

Dr. iur. Lorenz Erni, Rechtsanwalt, und  

MLaw Francesca Caputo, Rechtsanwältin,  

Erni Caputo GmbH,  

Ankerstrasse 61, Postfach, 8021 Zürich 1,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft,  

Bundesgasse 3, 3003 Bern,   

vertreten durch  

Dr. Markus Rüssli, Rechtsanwalt,  

Umbricht Rechtsanwälte,  

Bahnhofstrasse 22, Postfach 2957, 8022 Zürich,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Disziplinarverfahren. 

 

A-2138/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Aufgrund einer Strafanzeige der Fédération Internationale de Football 

Association (nachfolgend: FIFA) vom 18. November 2014, in welcher mög-

liche Straftaten im Zusammenhang mit der Vergabe von FIFA-Weltmeister-

schaften beschrieben wurden, eröffnete die Bundesanwaltschaft mit Verfü-

gung vom 10. März 2015 eine Strafuntersuchung gegen unbekannte Tä-

terschaft wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und 

weiterer Delikte. Dieses Verfahren wurde später in mehrere Verfahren auf-

geteilt bzw. es wurden neue Verfahren als "Abspaltung" eröffnet (nachfol-

gend: FIFA-Verfahrenskomplex).  

B.  

B.a Am 8. Juli 2015 trafen sich der Bundesanwalt Michael Lauber (nach-

folgend: Bundesanwalt), André Marty (Informationschef der Bundesanwalt-

schaft) sowie Rinaldo Arnold (Oberstaatsanwalt im Kanton Wallis) im Büro 

des Bundesanwaltes zu einer Besprechung. Dieses Treffen wurde nicht 

protokolliert.  

B.b Nachdem Gianni Infantino am 26. Februar 2016 zum neuen Präsiden-

ten der FIFA gewählt worden war, kam es am 22. März 2016 und 22. April 

2016 zu zwei nicht protokollierten Treffen zwischen dem Bundesanwalt und 

Gianni Infantino. Am ersten Treffen vom 22. März 2016 im Hotel Schwei-

zerhof in Bern nahmen nebst dem Bundesanwalt und Gianni Infantino auch 

Rinaldo Arnold und André Marty teil. Teilnehmer des zweiten Treffens vom 

22. April 2016 in Zürich waren der Bundesanwalt, Gianni Infantino, Olivier 

Thormann (damals Leitender Staatsanwalt der Bundesanwaltschaft) und 

Marco Villiger (damaliger Leiter Rechtsdienst der FIFA).  

B.c Am 16. Juni 2017 fand im Hotel Schweizerhof in Bern ein drittes Treffen 

zwischen dem Bundesanwalt und Gianni Infantino statt. Daran nahmen 

auch Rinaldo Arnold, André Marty sowie möglicherweise eine fünfte Person 

teil. Auch dieses Treffen wurde nicht protokolliert.  

C.  

C.a Aufgrund einer Anfrage eines Journalisten informierte die Bundesan-

waltschaft am 11. Oktober 2018 die Medien über die beiden Treffen vom 

22. März 2016 und 22. April 2016. Am 6. November 2016 verlangte die 

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Seite 3 

Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) vom Bundesan-

walt Unterlagen sowie eine Aktennotiz zu den Gesprächen vom 22. März 

2016 und 22. April 2016. Mit Aktennotiz vom 7. November 2018 informierte 

der Bundesanwalt die Geschäftsprüfungskommission (GPK) über die bei-

den Treffen. Die Aktennotiz wurde zugleich auch der AB-BA zugestellt. Im 

Wesentlichen hielt der Bundesanwalt darin fest, die Treffen mit dem FIFA-

Präsidenten hätten der Standortbestimmung sowie der allgemeinen Ein-

ordnung des FIFA-Verfahrenskomplexes und der Erörterung der FIFA als 

Anzeigeerstatterin und Privatklägerin gedient. Der Bundesanwalt liess der 

AB-BA am 9. November 2018 sodann eine Aktennotiz betreffend die Medi-

enarbeit der Bundesanwaltschaft zu den beiden erwähnten Treffen zukom-

men.  

C.b Am 12. November 2018 wurden der Bundesanwalt sowie André Marty 

von der AB-BA zu den Treffen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 be-

fragt. Auf entsprechende Frage der AB-BA verneinte der Bundesanwalt 

weitere Gespräche mit der FIFA auf Stufe Bundesanwalt.  

C.c Mit Schreiben vom 22. November 2018 empfahl die AB-BA dem Bun-

desanwalt, Gespräche mit Parteien oder anderen Verfahrensbeteiligten im 

Sinne der Strafprozessordnung zu Handen der Verfahrensakten zu doku-

mentieren.  

D.  

D.a Im Rahmen eines vom ausserordentlichen Staatsanwalt des Kantons 

Wallis geführten Strafverfahrens gegen Rinaldo Arnold erstattete der Bun-

desanwalt am 25. Januar 2019 einen amtlichen Bericht. Darin gab er u.a. 

an, das Treffen vom 22. April 2016 sei das "zweite und abschliessende 

Treffen" gewesen.  

D.b Am 26. Februar 2019 ersuchte der ausserordentliche Staatsanwalt des 

Kantons Wallis den Bundesanwalt um einen ergänzenden Bericht. Nach 

seinen Informationen habe Rinaldo Arnold namens Gianni Infantino im Mai 

2017 zwecks Vereinbarung eines weiteren Treffens Kontakt mit der Bun-

desanwaltschaft aufgenommen, woraufhin man diesem den 9. und 16. Juni 

2017 als Terminvorschläge unterbreitet habe. In seinem Antwortschreiben 

vom 11. März 2019 hielt der Bundesanwalt fest, bei der Überprüfung der 

Agenden habe sich ein solcher Eintrag für den 16. Juni 2017 ergeben. Als 

Ort des Treffens sei das Hotel Schweizerhof in Bern eingetragen. Gemäss 

Agenda-Eintrag seien als Teilnehmer der Bundesanwalt, André Marty, 

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Olivier Thormann sowie Gianni Infantino vorgesehen gewesen. Ob auch 

Rinaldo Arnold an diesem Treffen teilgenommen habe, lasse sich bei der 

Bundesanwaltschaft nicht rekonstruieren. Eine SMS von Rinaldo Arnold an 

André Marty vom 16. Juni 2017 deute darauf hin, dass dieser Gianni Infan-

tino auf dem Weg zu diesem Treffen begleitet habe. Weder der Bundesan-

walt noch André Marty hätten sich an diesen Termin oder dessen Zustan-

dekommen erinnern können. Die nachträglichen Abklärungen der Bundes-

anwaltschaft würden darauf hindeuten, dass der Termin stattgefunden 

habe. Es sei anzunehmen, dass es weiterhin um die Rolle der FIFA als 

Anzeigeerstatterin bzw. Privatklägerin im FIFA-Verfahrenskomplex gegan-

gen sei.  

D.c Die Bundesanwaltschaft übermittelte am 12. März 2019 der GPK so-

wie der AB-BA ihr Antwortschreiben vom 11. März 2019 samt Beilagen 

(Ausdruck Agenda-Einträge, Ausdruck SMS-Verkehr).  

E.  

Am 19. März 2019 erfolgte je eine weitere Befragung des Bundesanwaltes 

und von André Marty durch die AB-BA. Beide gaben an, sich an das Treffen 

vom 16. Juni 2017 nicht mehr zu erinnern. 

F.  

Anlässlich der Aufsichtssitzung der AB-BA vom 25. März 2019 nahm der 

Bundesanwalt nochmals Stellung zu den Treffen mit dem FIFA-Präsiden-

ten. Die AB-BA ihrerseits teilte dem Bundesanwalt gleichentags mit, dass 

sie für die weitere Untersuchung des Sachverhalts und Klärung der offenen 

Fragen eine externe Fachperson einsetzen werde. Sodann übermittelte die 

AB-BA der GPK sowie der Gerichtskommission der eidgenössischen Räte 

den Bericht "Weiteres Gespräch des Bundesanwaltes mit dem FIFA-Präsi-

denten" mit ihrer vorläufigen Einschätzung und dem geplanten weiteren 

Vorgehen.  

G.  

Mit Schreiben vom 17. April 2019 informierte die AB-BA den Bundesanwalt, 

dass sie nach Vornahme zusätzlicher Untersuchungshandlungen zur Vor-

abklärung des Sachverhalts prüfen werde, ob gegen ihn gegebenenfalls 

eine Disziplinaruntersuchung einzuleiten sei.  

Im Rahmen der weiteren Vorabklärungen der AB-BA erteilten Gianni Infan-

tino sowie Rinaldo Arnold am 18. April 2019 schriftlich Auskunft. Zudem 

wurde Olivier Thormann am 29. April 2019 durch die AB-BA befragt.  

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Seite 5 

H.  

Am 9. Mai 2019 legte die AB-BA den "Bericht über die Vorabklärungen zu 

Handen der GPK im Zusammenhang mit der Frage über die Notwendigkeit 

einer Disziplinaruntersuchung" vor und eröffnete mit Entscheid vom glei-

chen Tag ein Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt.  

I.  

Am 10. Mai 2019 äusserte sich der Bundesanwalt anlässlich einer Medien-

konferenz zur Eröffnung der Disziplinaruntersuchung.  

J.  

Die AB-BA beauftragte in der Folge Prof. Peter Hänni mit der Durchführung 

der Disziplinaruntersuchung und setzte ihn mit Verfügung vom 9. Mai 2019 

als Leiter der Untersuchung sowie weitere Personen als Untersuchungs-

mitarbeiter ein. Am 1. Juli 2019 teilte der Bundesanwalt der AB-BA mit, er 

habe Rechtsanwalt Dr. Lorenz Erni und Rechtsanwältin Francesca Caputo 

mit der Wahrung seiner Interessen in diesem Disziplinarverfahren betraut. 

Der Leiter der Disziplinaruntersuchung erkannte in der Folge mit Instrukti-

onsverfügung vom 3. Juli 2019, Lorenz Erni und Francesca Caputo würden 

wegen eines Interessenskonflikts nicht als "Vertreter und Beistände" des 

Bundesanwalts zugelassen.  

Auf die vom Bundesanwalt sowie von Rechtsanwalt Dr. Lorenz Erni und 

Rechtsanwältin Francesca Caputo hiergegen erhobene Beschwerde trat 

das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil A-3612/2019 vom 29. Juli 2019 

nicht ein, stellte aber gleichzeitig fest, dass die Instruktionsverfügung vom 

3. Juli 2019 im Sinne der Erwägungen nichtig sei. Die Nichtigkeit der Ver-

fügung begründete es zusammengefasst damit, dass die Aufgabenüber-

tragung an den Leiter der Disziplinaruntersuchung ohne eine gesetzliche 

Grundlage erfolgt sei, weshalb diesem keine Verfügungskompetenz zu-

kommen könne. Darüber hinaus hielt es fest, dass das angeordnete Ver-

tretungsverbot auch in materieller Hinsicht nicht zulässig sei. Mit der Be-

gründung, die AB-BA sei nicht beschwerdeberechtigt, trat das Bundesge-

richt schliesslich mit Urteil 8C_551/2019 vom 10. Januar 2020 auf die von 

der AB-BA gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erhobene Be-

schwerde nicht ein.  

K.  

Am 24. Juli 2019 entschied der Bundesanwalt nach vorgängigem Aus-

tausch mit dem Eidgenössischen Personalamt (EPA), dass die Bundesan-

waltschaft denjenigen Mitarbeitenden, welche als Dritte von der AB-BA in 

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das Disziplinarverfahren involviert würden, die Kosten der rechtsanwaltli-

chen Vertretung erstatten werde. In Bezug auf seine eigenen Anwaltskos-

ten entschied der Bundesanwalt, die Frage der Kostentragung der Finanz-

delegation (FinDel) zu unterbreiten und dass die Kosten vorläufig die Bun-

desanwaltschaft übernehme.  

L.  

Nachdem die AB-BA am 12. August 2019 beschlossen hatte, die Diszipli-

naruntersuchung selbst weiterzuführen, forderte sie mit "Aktenedition 

Nr. 1" vom 21. August 2019 die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte 

auf, diverse Unterlagen und Auskünfte zu übermitteln. Am 12. September 

2019 liessen die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte der AB-BA einen 

Teil der verlangten Unterlagen zukommen und teilten mit, in Bezug auf die 

übrigen Dokumente würden sich wichtige Rechtsfragen stellen, die es 

vorab zu klären gelte. So sei der Schutz der Persönlichkeitsrechte, des 

Untersuchungsgeheimnisses und der als vertraulich qualifizierten Doku-

mente zu prüfen. Während die AB-BA in den nachfolgenden Korrespon-

denzen mehrfach an der verlangten Aktenedition festhielt und diesbezüg-

lich am 17. Oktober 2019 eine entsprechende Verfügung erliess, stellten 

sich die Stellvertretenden Bundesanwälte auf den Standpunkt, sie seien für 

das Ersuchen nicht zuständig. Die Herausgabe von Akten in laufenden Ver-

fahren falle in den Anwendungsbereich von Art. 101 Abs. 2 und 102 der 

Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (Strafpro-

zessordnung, StPO, SR 312.0), womit die jeweilige Verfahrensleitung zu-

ständig sei. Sodann liege keine Vertretungssituation vor, weshalb das Er-

suchen an den Bundesanwalt selbst zu richten sei. Eine Aktenedition im 

von der AB-BA verlangten Umfang erfolgte bis zum Abschluss der Diszipli-

naruntersuchung nicht.  

M.  

Am 11. November 2019 stellte der Bundesanwalt jeweils eine "Aussageer-

mächtigung und Entbindung vom Amtsgeheimnis" für A._______ ([…]), 

André Marty und B._______ ([…]) aus. Diese wurden durch die AB-BA bzw. 

dem hierfür mit Beschluss vom 10. September 2019 ermächtigten Mitglied 

der AB-BA am 12. November 2019, 13. November 2019 bzw. 15. Novem-

ber 2019 im Beisein des Rechtsvertreters des Bundesanwaltes befragt.  

N.  

Mit Schreiben vom 7. Januar 2020 teilte die AB-BA dem Bundesanwalt eine 

Erweiterung des Disziplinarverfahrens mit. Sie werde ergänzend das Ver-

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Seite 7 

halten des Bundesanwaltes während der Untersuchung und generell ge-

genüber der AB-BA im Hinblick auf mögliche Amtspflichtverletzungen be-

rücksichtigen. Der Bundesanwalt nahm am 21. Januar 2020 hierzu schrift-

lich Stellung.  

O.  

Am 10. Januar 2020 wurde der Bundesanwalt durch die AB-BA befragt.  

P.  

In der Folge wurde dem Bundesanwalt am 4. Februar 2020 der Entwurf der 

Verfügung zum Abschluss des Disziplinarverfahrens zugestellt und ihm 

gleichzeitig Gelegenheit eingeräumt, hierzu bis 17. Februar 2020 Stellung 

zu nehmen. Der Bundesanwalt reichte seine Stellungnahme innert er-

streckter Frist am 24. Februar 2020 ein.  

Am 27. Februar 2020 teilten die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte 

der AB-BA mit, der Bundesanwalt habe entgegen den Ausführungen im 

Verfügungsentwurf bei der Beantwortung der Editionsbegehren keinen Ein-

fluss auf sie ausgeübt, um sie dazu zu veranlassen, keine Dokumente zu 

liefern. Die Antworten würden ihrer persönlichen Überzeugung entspre-

chen.   

Q.  

Mit Verfügung vom 2. März 2020 belegte die AB-BA den Bundesanwalt mit 

einer Disziplinarsanktion in Form der Lohnkürzung von 8% für die Dauer 

eines Jahres (Ziff. 1) und regelte die Kostenfolgen des Verfahrens (Ziff. 2).  

In ihren Erwägungen stellte sie zunächst verschiedene Amtspflichtverlet-

zungen fest. So habe der Bundesanwalt durch die Nichtprotokollierung der 

Treffen mit Gianni Infantino die Protokollierungspflicht nach Art. 77 StPO 

grobfahrlässig verletzt. Sodann habe er mehrfach im Interessenkonflikt ge-

handelt und die Stellvertretungsregelung nach Art. 10 des Bundesgesetzes 

über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010 

(Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG, SR 173.71) missachtet, in-

dem er persönlich drei Auskunftspersonen eine "Aussageermächtigung 

und Entbindung vom Amtsgeheimnis" sowie proaktiv eine Kostengutspra-

che zulasten der Bundesanwaltschaft für den Beizug von Rechtsbeistän-

den erteilt, in die Behandlung der Auskunfts- und Editionsbegehren der AB-

BA eingegriffen und die Übernahme der Kosten seiner eigenen Rechtsver-

tretung durch die Bundesanwaltschaft bis zum Entscheid der FinDel ange-

ordnet habe. Dadurch habe er mehrfach grobfahrlässig den Code of 

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Seite 8 

Conduct der Bundesanwaltschaft verletzt. Weiter habe der Bundesanwalt 

seine Treuepflicht grobfahrlässig verletzt, da er wissentlich und willentlich 

unwahre Angaben gegenüber der AB-BA gemacht, die Untersuchung der 

AB-BA grobfahrlässig behindert sowie die AB-BA anlässlich der Medien-

konferenz vom 10. Mai 2019 öffentlich in Misskredit gezogen und damit in 

grobfahrlässiger Weise illoyal gehandelt habe. Mit der Zulassung von Ri-

naldo Arnold an den Treffen vom 22. März 2016 und 16. Juni 2017 habe er 

zudem grobfahrlässig die Möglichkeit der Amtsgeheimnisverletzung ge-

schaffen. Schliesslich habe der Bundesanwalt Art. 9 Abs. 2 StBOG, wo-

nach er insbesondere gehalten sei, Personal-, Finanz- und Sachmittel der 

Bundesanwaltschaft wirksam einzusetzen, fahrlässig verletzt.  

Alsdann führte sie aus, aufgrund der Empfehlung vom 22. November 2018, 

Gespräche mit Parteien oder anderen Verfahrensbeteiligten im Sinne der 

Strafprozessordnung zu Handen der Verfahrensakten zu dokumentieren, 

sei die Verletzung der Protokollierungspflicht disziplinarrechtlich nicht zu-

rechenbar und im Rahmen der Sanktionierung nicht zu berücksichtigen. 

Dasselbe gelte infolge Verjährung für die Verletzung von Art. 9 Abs. 2 

StBOG und die Schaffung der Gefahr der Amtsgeheimnisverletzung. Der 

Umfang der weiteren Pflichtverletzungen wiege schwer. Zudem falle der 

Bundesanwalt durch Uneinsichtigkeit auf. Im Kern zeige er ein falsches 

Berufsverständnis. Er mache den Eindruck, über dem Gesetz und über den 

Institutionen zu stehen und die Bundesanwaltschaft als Behörde mit seiner 

Person zu verwechseln. Nur eine schwere Sanktion sei geeignet, den Bun-

desanwalt vor der weiteren Begehung von Disziplinarfehlern abzuhalten. 

Es sei deshalb von der Maximalsanktion einer Lohnkürzung von 10% aus-

zugehen, wobei sanktionsmindernd zu berücksichtigen sei, dass in den Ak-

ten keine Hinweise enthalten seien, dass er unrechtmässige Geld-, Sach- 

oder Personaldienstleistungen empfangen habe. Als Sanktion sei deshalb 

eine Lohnkürzung von 8% für die Dauer eines Jahres auszusprechen.  

R.  

Mit Schreiben vom 25. März 2020 und nachdem er von der veröffentlichten 

und teilweise geschwärzten Fassung der Verfügung vom 2. März 2020 

Kenntnis erlangt hatte, wies Gianni Infantino gegenüber der AB-BA ge-

wisse Feststellungen in der Verfügung als falsch zurück. Er habe im Jahr 

2015 zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden darum gebeten, sich mit dem 

Bundesanwalt zu treffen. Zudem habe er im Juli 2015 keinerlei Pläne und 

nicht die geringste Absicht gehabt, eines Tages für das Amt des FIFA-Prä-

sidenten zu kandidieren. 

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Seite 9 

S.  

Gegen die Verfügung der AB-BA (nachfolgend: Vorinstanz) vom 2. März 

2020 lässt der Bundesanwalt (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Ein-

gabe vom 21. April 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht er-

heben. Darin beantragt er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung 

und die Einstellung des gegen ihn geführten Disziplinarverfahrens. Er rügt 

in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, eine unvoll-

ständige Sachverhaltsdarstellung, eine unzulässige Beurteilung verjährter 

Sachverhalte, die Voreingenommenheit bzw. Parteilichkeit der Vorinstanz 

sowie eine Kompetenzüberschreitung durch die Vorinstanz. In materieller 

Hinsicht weist er die ihm vorgeworfenen Amtspflichtverletzungen als unbe-

gründet zurück.  

T.  

In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2020 schliesst die Vorinstanz auf 

Abweisung der Beschwerde und stellt verschiedene Beweisanträge.  

U.  

Der Beschwerdeführer hält in seinen Schlussbemerkungen vom 2. Juli 

2020 an seinen Anträgen und Ausführungen gemäss Beschwerdeschrift 

fest, äussert sich zu den Beweisanträgen der Vorinstanz und verzichtet an-

sonsten auf eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der Vorinstanz.  

V.  

Am 8. Juli 2020 reicht die Vorinstanz unaufgefordert eine weitere Stellung-

nahme und zusätzliche Unterlagen ein.  

W.  

Mit Eingabe vom 13. Juli 2020 teilt der Beschwerdeführer seinen Verzicht 

auf eine weitere Stellungnahme mit.  

X.  

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-

findlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfol-

genden Erwägungen eingegangen. 

 

  

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Seite 10 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-

tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach 

Art. 32 VGG gegeben ist und eine Vorinstanz im Sinn von Art. 33 VGG ent-

schieden hat. 

Die angefochtene Verfügung ist ein zulässiges Anfechtungsobjekt. Es han-

delt sich sodann um eine Verfügung der Vorinstanz auf dem Gebiet des 

Arbeitsverhältnisses der von der Vereinigten Bundesversammlung gewähl-

ten Mitglieder der Bundesanwaltschaft, wozu der Bundesanwalt gehört 

(Art. 20 Abs. 1 StBOG). Hiergegen ist die Beschwerde zulässig (vgl. Art. 33 

Bst. cter VGG). Eine Ausnahme im erwähnten Sinn liegt nicht vor. Das Bun-

desverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig.  

1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, sofern das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG). Zur 

Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der 

Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-

nahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung berührt ist 

(Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-

rung (Bst. c) hat. 

Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen 

und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung, mit welcher ihm der 

Lohn für die Dauer eines Jahres um 8% gekürzt wird, sowohl formell als 

auch materiell beschwert, weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist. 

1.3  

1.3.1 Streitgegenstand im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht 

ist das durch die Verfügung geregelte Rechtsverhältnis, soweit dieses an-

gefochten wird. Er wird einerseits bestimmt durch den Gegenstand der an-

gefochtenen Verfügung (Anfechtungsgegenstand), andererseits durch die 

Parteibegehren. Anfechtbar ist grundsätzlich nur das Dispositiv einer Ver-

fügung. Gegen die Begründung und allfällig darin enthaltene Meinungs-

A-2138/2020 

Seite 11 

äusserungen oder Empfehlungen kann hingegen keine Beschwerde ge-

führt werden (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-

desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.8 mit Hinweisen).  

1.3.2 Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die 

von der Vorinstanz verfügte Lohnkürzung von 8% für die Dauer eines Jah-

res und entsprechend die dieser Disziplinarmassnahme zugrundeliegen-

den Aspekte, insbesondere die Amtspflichtverletzungen, für welche die 

Sanktion ausgesprochen wurde. Nicht zum Streitgegenstand gehören hin-

gegen sämtliche Sachverhaltselemente, mit denen sich die Vorinstanz in 

der angefochtenen Verfügung zwar auseinandersetzte, bei der Bemessung 

der Disziplinarmassnahme jedoch nicht berücksichtigte. Soweit sich der 

Beschwerdeführer damit in seiner Beschwerde inhaltlich auseinandersetzt, 

ist darauf nachfolgend nicht weiter einzugehen.  

1.3.3 Dies trifft zunächst auf die Verletzung der Protokollierungspflicht nach 

Art. 77 StPO zu. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung und 

in ihrer Vernehmlassung selbst ausführte, ist dem Beschwerdeführer die-

ser Vorwurf aufgrund der Empfehlung der Vorinstanz vom 22. November 

2018, zukünftig Gespräche mit Parteien oder anderen Verfahrensbeteilig-

ten im Sinne der Strafprozessordnung zu Handen der Verfahrensakten zu 

dokumentieren, disziplinarrechtlich nicht zurechenbar und im Rahmen der 

Sanktionierung nicht zu berücksichtigen. 

1.3.4 Dasselbe gilt in Bezug auf die unbestritten verjährten Vorwürfe der 

Verletzung von Art. 9 Abs. 2 StBOG und der Schaffung der Gefahr der 

Amtsgeheimnisverletzung. Während die angefochtene Verfügung diesbe-

züglich nicht ganz klar ist, führte die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung 

aus, diese Tatbestände seien infolge Verjährung bei der Sanktionierung 

nicht berücksichtigt worden.  

1.3.5 Zu den Sachverhaltselementen, mit welchen sich die Vorinstanz in 

den Erwägungen der angefochtenen Verfügung zwar auseinandersetzte, 

schlussendlich jedoch keine Amtspflichtverletzung feststellte, und welche 

sie bei der Sanktionsbemessung nicht berücksichtigte, gehören folgende 

Vorgänge: 

- Unwahre Angaben zu den Inhalten der Treffen vom 22. März 2016 und 

22. April 2016 (Ziff. 5.2.3.1/c der angefochtenen Verfügung): Die 

Vorinstanz bezeichnete die Angaben des Beschwerdeführers in der an-

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Seite 12 

gefochtenen Verfügung zwar als widersprüchlich und nicht nachvoll-

ziehbar, sah darin jedoch keine Amtspflichtverletzung, wie sie auch in 

ihrer Vernehmlassung ausdrücklich ausführte. Entsprechend ist auch 

der in diesem Zusammenhang gestellte Beweisantrag der Vorinstanz 

auf Edition einer E-Mail von Gianni Infantino an Rinaldo Arnold vom 

12. April 2016, mit welcher die Vorinstanz belegen möchte, dass es am 

Treffen vom 22. April 2016 auch um verfahrensspezifische Inhalte ge-

gangen sein dürfte und ihre Zweifel an den Angaben des Beschwerde-

führers zu den Inhalten der Treffen berechtigt seien, bereits an dieser 

Stelle mangels Relevanz für den Verfahrensausgang abzuweisen. 

- Angaben zur "Transmission" bezüglich der Treffen vom 22. März 2016 

und 22. April 2016 (Ziff. 5.2.3.1/d der angefochtenen Verfügung): In der 

angefochtenen Verfügung erachtete die Vorinstanz die vom Beschwer-

deführer vorgebrachten Motive für die beiden Treffen als nicht stichhal-

tig, stellte jedoch in diesem Zusammenhang keine Amtspflichtverlet-

zung fest, wie sich auch explizit aus ihrer Vernehmlassung ergibt.  

- Angaben zur Abwesenheit von fallführenden Staatsanwälten bezüglich 

der Treffen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 (Ziff. 5.2.3.1/e der 

angefochtenen Verfügung): Die Vorinstanz erachtete die Angaben des 

Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung als inkonsistent, 

erkannte darin aber keine Amtspflichtverletzung und zog daraus für das 

Disziplinarverfahren keine Folgerungen. 

- Angaben zum Hotel Schweizerhof (Ziff. 5.2.3.1/f der angefochtenen 

Verfügung): Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, 

die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Gründen, weshalb 

die Treffen vom 22. März 2016 und 16. Juni 2017 im Hotel Schweizer-

hofs durchgeführt worden seien, seien unglaubhaft und in Teilen fak-

tenwidrig. Eine Amtspflichtverletzung stellte die Vorinstanz jedoch auch 

hier nicht fest und berücksichtigte ihre Feststellung auch ansonsten 

nicht bei der Sanktionsbemessung. 

1.3.6 Unter dem Titel "Verletzung der Verantwortlichkeit als Bundesanwalt" 

in Ziff. 5.3 der angefochtenen Verfügung wirft die Vorinstanz dem Be-

schwerdeführer vor, die seinem Amt inhärente Verantwortlichkeit in mehr-

facher Hinsicht verletzt zu haben. Eine eigenständige, zu sanktionierende 

Amtspflichtverletzung sah sie darin jedoch nicht. Es handelt sich lediglich 

um eine Gesamtwürdigung durch die Vorinstanz. Ihre Ausführungen hierzu 

A-2138/2020 

Seite 13 

beschränken sich denn auch im Wesentlichen auf eine blosse Zusammen-

fassung der festgestellten Amtspflichtverletzungen. Entsprechend ist da-

rauf nachfolgend ebenfalls nicht spezifisch einzugehen. Eine Gesamtwür-

digung der einzelnen Amtspflichtverletzungen wird – sofern solche bei der 

nachfolgenden Überprüfung tatsächlich festgestellt werden – im Rahmen 

der Festlegung der Disziplinarmassnahme vorzunehmen sein.  

1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

(vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist daher – mit Verweis auf die vor-

stehende Präzisierung – einzutreten.  

2.  

Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 

Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-

stellung des rechterheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-

übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG). Zudem prüft es die 

Verfügung auf Angemessenheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Es wendet das 

Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht 

gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).  

Bei der Prüfung der Angemessenheit auferlegt sich das Bundesverwal-

tungsgericht indes namentlich dann eine gewisse Zurückhaltung, wenn es 

um die Leistungsbeurteilung von Bediensteten des Bundes, um verwal-

tungsorganisatorische Fragen oder um Probleme der betriebsinternen Zu-

sammenarbeit und des Vertrauensverhältnisses geht. Es entfernt sich in-

sofern im Zweifel nicht von der Auffassung der Vorinstanz und setzt sein 

eigenes Ermessen nicht an die Stelle desjenigen der Vorinstanz (vgl. statt 

vieler: Urteil des BVGer A-1399/2017 vom 13. Juni 2018 E. 2.1; MO-

SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.160). 

3.  

3.1 Die Aufgaben und Befugnisse der Vorinstanz im Zusammenhang mit 

Disziplinaruntersuchungen sind in Art. 31 Abs. 2 StBOG geregelt. Danach 

kann die Vorinstanz bei Amtspflichtverletzungen gegenüber den von der 

Vereinigten Bundesversammlung gewählten Mitgliedern der Bundesan-

waltschaft, d.h. insbesondere gegenüber dem Bundesanwalt, eine Verwar-

nung oder einen Verweis aussprechen oder eine Lohnkürzung verfügen. 

Art. 5 des Reglements der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft 

vom 4. November 2010 (nachfolgend: AB-BA-Reglement; 

SR 173.712.243) hält weiter fest, dass für das Disziplinarverfahren nach 

A-2138/2020 

Seite 14 

Art. 31 Abs. 2 StBOG die Art. 16–19 der Verordnung der Bundesversamm-

lung vom 1. Oktober 2010 über die Organisation und die Aufgaben der Auf-

sichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (nachfolgend: Organisations- 

und Aufgabenverordnung; SR 173.712.24) und subsidiär das VwVG an-

wendbar sind (vgl. zum Ganzen auch Urteil des Bundesverwaltungsge-

richts [BVGer] A-3612/2019 vom 29. Juli 2019 E. 4.1.1).  

3.2 Art. 16-19 der Organisations- und Aufgabenverordnung regeln die Dis-

ziplinarmassnahmen, das Verfahren, die Verjährung der disziplinarischen 

Verantwortlichkeit sowie das Verfahren zur Stellung eines Antrages auf 

Amtsenthebung. Art. 16 der Organisations- und Aufgabenverordnung wie-

derholt die in Art. 31 Abs. 2 StBOG bereits erwähnten Disziplinarmassnah-

men und bestimmt in Bezug auf die Sanktion der Lohnkürzung, dass diese 

höchstens 10 Prozent während längstens eines Jahres betragen kann (vgl. 

Bst. c). In Bezug auf das Disziplinarverfahren selbst hält Art. 17 der Orga-

nisations- und Aufgabenverordnung lediglich Folgendes fest:  

1  Disziplinarmassnahmen können nur nach einer Untersuchung ausgespro-

chen werden.  

2  Mit Beendigung des Amtes endigt die Untersuchung automatisch. 

3  Führt der gleiche Sachverhalt zu einer Untersuchung und zu einem Straf-

verfahren, so wird der Entscheid über Disziplinarmassnahmen bis zur Be-

endigung des Strafverfahrens aufgeschoben. Aus wichtigen Gründen kann 

ausnahmsweise vor Beendigung des Strafverfahrens über Disziplinarmas-

snahmen entschieden werden.  

Entsprechend richtet sich die Disziplinaruntersuchung in verfahrensrechtli-

cher Hinsicht im Wesentlichen nach dem VwVG.  

4.  

Der Beschwerdeführer rügt zunächst in verschiedener Hinsicht eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs.  

4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist als selbständiges Grundrecht 

in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) verankert und wird 

für das Verwaltungsverfahren in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert. Der Ge-

hörsanspruch umfasst verschiedene Teilgehalte, so namentlich das Recht 

der Parteien auf Anhörung bzw. Äusserung vor Erlass der Verfügung, auf 

Orientierung, auf Akteneinsicht, auf Prüfung der eigenen Vorbringen sowie 

auf Begründung der Verfügung (BGE 144 I 11 E. 5.3 und 135 II 286 E. 5.1; 

A-2138/2020 

Seite 15 

WALDMANN/BICKEL in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommen-

tar VwVG, 2. Aufl. 2016 [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG], Art. 29 

N 44 ff.). 

Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich dazu, dass im 

Beschwerdeverfahren der formell mangelhafte Entscheid der Vorinstanz 

aufgehoben wird. Das Bundesgericht lässt es jedoch zu, Verfahrensfehler 

wie eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Rechtsmittel-

verfahren zu heilen bzw. die unterbliebene Gewährung des rechtlichen Ge-

hörs nachzuholen. Dies setzt voraus, dass die Verletzung nicht besonders 

schwer wiegt und der Betroffene die Möglichkeit hat, sich vor einer Be-

schwerdeinstanz zu äussern, die zur freien Prüfung aller Sachverhalts- und 

Rechtsfragen berechtigt ist. Des Weiteren dürfen dem Betroffenen durch 

die Heilung keine unzumutbaren Nachteile entstehen (BGE 137 I 195 

E. 2.3.2; Urteil des BGer 2C_856/2013 vom 10. Februar 2014 E. 3.2; 

WALDMANN/BICKEL, a.a.O., Art. 29 N. 114 ff.).  

4.2  

4.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm sei nur eine ungenügende 

Frist zur Ausarbeitung der Stellungnahme zum Verfügungsentwurf einge-

räumt worden. Der Verfügungsentwurf sei am 6. Februar 2020 bei seinen 

Rechtsvertretern eingegangen mit einer Frist zur Stellungnahme bis 

17. Februar 2020. Die daraufhin wegen Auslands- und Ferienabwesenhei-

ten der Rechtsvertreter beantragte Fristerstreckung um 20 Tage sei ohne 

Not nur einmalig um eine Woche bewilligt worden. Tatsächlich seien ihm 

daher nur wenige Tage zur Verfügung gestanden, was für eine Stellung-

nahme zum rund 40 Seiten umfassenden Entwurf und den damit zugestell-

ten 147 Beilagen nicht genügend gewesen sei. Sodann seien die Ausfüh-

rungen in der Stellungnahme praktisch vollumfänglich ignoriert worden. Die 

Vorinstanz habe sich in der angefochtenen Verfügung mit den Vorbringen 

in der Stellungnahme überhaupt nicht auseinandergesetzt. Ihm sei das 

rechtliche Gehör anlässlich seiner Befragung vom 10. Januar 2020 und für 

die Stellungnahme zum Verfügungsentwurf nur pro forma gewährt worden. 

Der Entscheid sei offensichtlich bereits festgestanden. 

4.2.2 Die Vorinstanz bestreitet eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 

Dem Beschwerdeführer sei ausreichend Zeit für die Ausarbeitung seiner 

Stellungnahme zum Verfügungsentwurf zur Verfügung gestanden, was 

seine 34 Seiten umfassende Eingabe vom 24. Februar 2020 belege. Auf 

die Stellungnahme des Beschwerdeführers werde in der angefochtenen 

A-2138/2020 

Seite 16 

Verfügung an zahlreichen Stellen hingewiesen. Sie sei ihrer Begründungs-

pflicht in genügender Weise nachgekommen. Ohnehin würde eine allfällige 

Verletzung des rechtlichen Gehörs im vorliegenden Verfahren geheilt.  

4.2.3 Der Beschwerdeführer konnte seine Sicht der Dinge im Rahmen der 

Disziplinaruntersuchung in genügender Weise darlegen. So wurde er am 

10. Januar 2020 eingehend zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen be-

fragt. Nach Abschluss der Untersuchung wurde ihm sodann Gelegenheit 

eingeräumt, zum Verfügungsentwurf Stellung zu nehmen. Dieser ging am 

6. Februar 2020 bei den Rechtsvertretern des Beschwerdeführers ein. Un-

ter Berücksichtigung der gewährten Fristerstreckung bis 24. Februar 2020 

standen dem Beschwerdeführer somit 19 Tage bzw. 13 Arbeitstage zur 

Ausarbeitung der Stellungnahme zur Verfügung. Wie sich aus dem Frister-

streckungsgesuch vom 12. Februar 2020 ergibt, war in dieser Zeit stets nur 

einer der beiden Rechtsvertreter ausland- oder ferienabwesend. Die Frist 

zur Stellungnahme ist in Anbetracht des Umfangs des Verfügungsentwurfs 

und der Akten zwar als kurz anzusehen, eine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs liegt jedoch – auch unter Berücksichtigung, dass die Rechtsvertre-

tung des Beschwerdeführers noch andere termin- bzw. fristgebundene Ar-

beiten zu erledigen hatte – nicht vor. Der Beschwerdeführer reichte denn 

auch fristgerecht eine 34 Seiten umfassende Stellungnahme ein, worin er 

zu sämtlichen Punkten des Verfügungsentwurfs Stellung nahm. Inhaltlich 

entspricht sie im Wesentlichen seiner Beschwerdeschrift. Inwiefern er aus 

zeitlichen Gründen zu bestimmten Vorwürfen nicht oder nicht ausreichend 

Stellung nehmen konnte, legt er nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. Im 

Übrigen ist festzuhalten, dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oh-

nehin als geheilt anzusehen wäre, nachdem sich der Beschwerdeführer im 

vorliegenden Beschwerdeverfahren umfassend äussern konnte und das 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerden mit voller Kognition überprüft 

(vgl. vorstehend E. 2).  

4.2.4 In der angefochtenen Verfügung wird an verschiedenen Stellen auf 

die Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 24. Februar 2020 verwie-

sen. Gewisse darin geäusserte Kritikpunkte hat die Vorinstanz einleitend 

zurückgewiesen. Ansonsten hat sie sich mit den einzelnen Vorbringen des 

Beschwerdeführers grösstenteils nur rudimentär auseinandergesetzt. Es 

ist jedoch zu beachten, dass eine Behörde nicht verpflichtet ist, sich zu 

allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich 

auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es 

genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Behörde 

leiten liess. Die Begründung einer Verfügung entspricht den Anforderungen 

A-2138/2020 

Seite 17 

von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt 

werden, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller 

Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen (vgl. BGE 

141 III 28 E. 3.2.4, 140 II 262 E. 6.2 und 136 I 229 E. 5.2). Diesen Anfor-

derungen genügt die angefochtene Verfügung. Der Beschwerdeführer war 

denn auch in der Lage, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und 

sie in Kenntnis der Umstände beim Bundesverwaltungsgericht anzufech-

ten. Nachdem sich die Vorinstanz zudem in ihrer Vernehmlassung einge-

hend zu den Einwänden des Beschwerdeführers äusserte, wäre eine all-

fällige Verletzung der Begründungspflicht ohnehin als geheilt anzusehen.  

4.2.5 Schliesslich kann nicht gesagt werden, die Vorinstanz habe dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör nur pro forma gewährt. So hat sie in 

der angefochtenen Verfügung verschiedentlich auf die Aussagen des Be-

schwerdeführers anlässlich der Befragung vom 10. Januar 2020 abgestellt. 

Diese diente der Vorinstanz nicht unwesentlich zur Klärung des Sachver-

halts. Sodann hat sie nach dem zuvor Ausgeführten auch die Stellung-

nahme vom 24. Februar 2020 in ihren Entscheid einfliessen lassen. Aus 

dem Umstand, dass die Vorinstanz an ihrer Auffassung gemäss Verfü-

gungsentwurf festhielt, kann noch nicht geschlossen werden, dass ihr Ent-

scheid bereits definitiv festgestanden hätte. Es liegt in der Natur der Sache, 

dass die Behörde regelmässig an ihrer Sichtweise gemäss Verfügungsent-

wurf festhält. Dabei ist vorliegend insbesondere zu berücksichtigen, dass 

der Vorinstanz die vom Beschwerdeführer in der Stellungnahme vom 

24. Februar 2020 vertretenen Standpunkte im Wesentlichen bereits auf-

grund der Befragung vom 10. Januar 2020 sowie aufgrund weiterer Einga-

ben im Laufe der Disziplinaruntersuchung bekannt waren.  

4.3  

4.3.1 Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, er sei durch die Vorinstanz 

trotz entsprechender Nachfrage nur ungenügend über den Verfahrensge-

genstand informiert worden. Gewisse Vorwürfe seien ihm gegenüber gar 

nie konkret erwähnt worden, sondern seien erst aus dem Verfügungsent-

wurf ersichtlich gewesen.  

4.3.2 Die Vorinstanz macht geltend, der Pflicht zur Orientierung werde Ge-

nüge getan, wenn der Betroffene über die Eröffnung der Disziplinarunter-

suchung orientiert werde, ihm die Gründe für die Eröffnung in den Grund-

zügen bekanntgegeben und ihm vor Erlass der Verfügung die entscheidre-

levanten Überlegungen mitgeteilt würden. Dies sei vorliegend geschehen. 

A-2138/2020 

Seite 18 

Der für Strafverfahren geltende Grundsatz nach Art. 32 Abs. 2 BV, wonach 

jede angeklagte Person Anspruch darauf habe, möglichst rasch und um-

fassend über die gegen sie erhobenen Beschuldigungen unterrichtet zu 

werden, sei vorliegend nicht anwendbar. 

4.3.3 Der Anspruch auf Orientierung ist notwendige Voraussetzung für die 

Wahrnehmung weiterer Rechte wie etwa das Recht auf Akteneinsicht oder 

das Recht auf vorgängige Äusserung. Damit sich der Betroffene überhaupt 

äussern und seine Mitwirkungsrechte ausüben kann, muss er Kenntnis ha-

ben, dass eine einseitige hoheitliche Anordnung in Aussicht steht. Des Wei-

teren muss er über den Gehalt dieser Anordnung wenigstens in groben 

Zügen Bescheid wissen und den Umfang sowie die Tragweite der vorzu-

nehmenden Sachverhaltsabklärung erfahren können (WALDMANN/BICKEL, 

a.a.O., Art. 29 N 45 und 71 ff.). Der Beschwerdeführer wurde in diesem 

Sinne von der Vorinstanz in genügender Weise über das Verfahren orien-

tiert. So wurde er über die Eröffnung sowie die Gründe für die Eröffnung 

der Disziplinaruntersuchung in Kenntnis gesetzt. Mit Schreiben vom 7. Ja-

nuar 2020 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer alsdann mit, dass 

sie das Disziplinarverfahren erweitern werde und auch das Verhalten wäh-

rend der Untersuchung und generell gegenüber der Vorinstanz berücksich-

tigen werde. Die Erweiterung erfolge namentlich aufgrund der mutmassli-

chen Einflussnahme auf die Stellvertretenden Bundesanwälte sowie auf 

weitere Mitarbeitende der Bundesanwaltschaft und der öffentlichen Kom-

munikation der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit der Disziplina-

runtersuchung. Hierzu wurde der Beschwerdeführer einerseits am 10. Ja-

nuar 2020 befragt und andererseits konnte er die gegen ihn erhobenen 

Vorwürfe im Einzelnen aus dem Verfügungsentwurf ersehen. Der Be-

schwerdeführer war insofern für die Ausübung seiner Mitwirkungsrechte 

stets ausreichend über das Verfahren orientiert.  

Soweit der Beschwerdeführer ein allenfalls darüber hinausgehendes Recht 

auf Orientierung aus strafprozessualen Grundsätzen ableiten möchte, ist 

anzufügen, dass diese im vorliegenden Disziplinarverfahren nicht zur An-

wendung gelangen, zumal es sich nicht um eine strafrechtliche Anklage im 

Sinne von Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte 

und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) handelt 

(vgl. hierzu Urteil des BGer 8C_417/2010 vom 6. September 2010 E. 4 mit 

Hinweisen; ANDREA HÜLSMANN, Disziplinarische Verantwortlichkeit im öf-

fentlichen Dienst, Analyse der gesetzlichen Regelung im Bund und im Kan-

A-2138/2020 

Seite 19 

ton Zürich, Diss. Bern 2013, S. 186 ff., insb. S. 196 ff.; TSCHANNEN/ZIM-

MERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 32 Rz. 47; 

nachfolgend E. 5.4).  

Anzufügen bleibt, dass eine allfällige Verletzung des Rechts auf Orientie-

rung ebenfalls als geheilt anzusehen wäre, nachdem sich der Beschwer-

deführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren umfassend und in Kennt-

nis sämtlicher Umstände äussern konnte.   

4.4  

4.4.1 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, ihm sei nur unvollstän-

dig Akteneinsicht gewährt worden, obwohl er mehrmals um Zustellung 

sämtlicher Akten ersucht habe. Es genüge nicht, nur in jene Akten Einsicht 

zu gewähren, auf welche in der Verfügung abgestellt werde. Auch liege 

kein Verfahrensprotokoll vor. Es sei deshalb nicht klar, ob gegebenenfalls 

trotz dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Juli 2019 externe 

Personen weiterhin in die Untersuchungsführung involviert gewesen seien. 

Sodann habe die Vorinstanz die Endfassung innert bloss drei Arbeitstagen 

nach Erhalt der Stellungnahme vom 24. Februar 2020 erstellt, was zur 

Frage Anlass gebe, ob tatsächlich allen sieben Mitgliedern genügend Zeit 

zur Verfügung gestanden habe und ob der Entscheid verfahrensrechtlich 

korrekt zustande gekommen sei.  

4.4.2 Die Vorinstanz führt hierzu aus, mit Ausnahme einiger weniger Doku-

mente, die irrtümlicherweise nicht Eingang in die Akten gefunden hätten, 

seien dem Beschwerdeführer zusammen mit dem Verfügungsentwurf die 

gesamten Akten zur Verfügung gestellt worden. Von den meisten der mit 

dem Verfügungsentwurf nicht zugestellten Akten habe der Beschwerdefüh-

rer zudem Kenntnis gehabt, da er vorher bereits eine Orientierungskopie 

erhalten habe oder die Schreiben an ihn gerichtet gewesen seien. Der Be-

schwerdeführer habe sämtliche Akten, auf welche sich die Verfügung 

stütze und die entscheidrelevant gewesen seien, erhalten. Es bestehe 

keine Pflicht zur Führung eines Verfahrensprotokolls. Der Inhalt der Verfü-

gung sei intensiv diskutiert und die am 26. Februar 2020 eingegangene 

Stellungnahme von allen Mitgliedern eingehend geprüft worden. Dass sie 

in der Lage gewesen sei, diese innert weniger Tage zu verarbeiten, könne 

ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden.  

4.4.3 Das Einsichtsrecht umfasst nicht nur die im konkreten Fall tatsächlich 

als Beweismittel herangezogenen Aktenstücke, sondern alle Unterlagen, 

A-2138/2020 

Seite 20 

welche grundsätzlich geeignet sind, als Beweismittel zu dienen bzw. für die 

Behörde entscheidrelevant sein könnten, auch wenn die Ausübung des Ak-

teneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beeinflussen ver-

mag. Es ist insofern grundsätzlich in alle Akten Einsicht zu gewähren, die 

zum Verfahren gehören (BGE 132 V 387 E. 3.2; BVGE 2015/47 E. 5.2; 

STEPHAN C. BRUNNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar 

VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 26 N 33).  

Es ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer gewisse zum Verfahren 

gehörende Unterlagen weder mit dem Verfügungsentwurf noch anderswie 

zur Einsichtnahme zugestellt wurden. Damit hat die Vorinstanz das rechtli-

che Gehör des Beschwerdeführers verletzt, unabhängig davon, ob die ihm 

vorenthaltenen Akten entscheidwesentlich waren. Der Beschwerdeführer 

konnte jedoch im vorliegenden Beschwerdeverfahren in sämtliche Akten 

Einsicht nehmen, womit die Gehörsverletzung als geheilt zu betrachten ist.  

4.4.4 Eine Pflicht zur Erstellung eines "Verfahrensprotokolls", wie es der 

Beschwerdeführer verlangt, sieht das VwVG nicht vor. Anhaltspunkte dafür, 

dass der vorinstanzliche Entscheid nicht rechtskonform zustande gekom-

men ist, bestehen sodann nicht. Nach Ergehen des Urteils des Bundesver-

waltungsgerichts vom 29. Juli 2019 legte die mit der Durchführung der Dis-

ziplinaruntersuchung beauftragte, externe Fachperson die Leitung der Un-

tersuchung nieder und die Vorinstanz beschloss am 12. August 2019, das 

Verfahren selbst weiterzuführen, was sie schliesslich auch tat. Nichts zu 

seinen Gunsten abzuleiten vermag der Beschwerdeführer schliesslich aus 

dem Umstand, dass die angefochtene Verfügung bereits wenige Tage nach 

Eingang der Stellungnahme zum Verfügungsentwurf erlassen wurde. Die-

ses Vorgehen der Vorinstanz gibt zu keinen Beanstandungen Anlass.  

5.  

Zu den weiteren formellen Rügen des Beschwerdeführers kann Folgendes 

festgehalten werden: 

5.1 Soweit der Beschwerdeführer eine unvollständige Sachverhaltsdarstel-

lung rügt, ist darauf – soweit entscheidrelevant – nachfolgend bei der Über-

prüfung der einzelnen vorgeworfenen Amtspflichtverletzungen einzuge-

hen.  

5.2 Dasselbe gilt für die Rüge, die Vorinstanz habe ihre Kompetenzen 

überschritten und in Missachtung des massgeblichen Prozessrechts dem 

A-2138/2020 

Seite 21 

Untersuchungsgeheimnis unterstehende Informationen aus Strafverfahren 

der Bundesanwaltschaft beigezogen und unzulässigerweise verwendet.  

5.3 Was den Vorwurf der Voreingenommenheit bzw. Parteilichkeit der 

Vorinstanz anbelangt, so ist darauf nicht weiter einzugehen, zumal der Be-

schwerdeführer auf ein Ausstandsbegehren explizit verzichtete und dieses 

ohnehin als verspätet angesehen werden müsste (vgl. BGE 138 I 1 E. 2.2, 

136 I 207 E. 3.4 und 132 II 485 E. 4.3).  

5.4 Die Frage, ob der Einbezug der verjährten Amtspflichtverletzungen 

(Verletzung von Art. 9 Abs. 2 StBOG und Schaffung der Gefahr der Amts-

geheimnisverletzung) in die Disziplinaruntersuchung überhaupt zulässig 

war, kann offengelassen werden. Einerseits bilden die verjährten Amts-

pflichtverletzungen nicht Streitgegenstand (vgl. vorstehend E. 1.3.4) und 

andererseits kann in deren Einbezug in die Disziplinaruntersuchung entge-

gen der Ansicht des Beschwerdeführers jedenfalls keine Verletzung der in 

Strafverfahren geltenden Unschuldsvermutung (vgl. Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 

10 Abs. 1 StPO, Art. 6 Ziff. 2 EMRK) erblickt werden. Das vorliegende Dis-

ziplinarverfahren, mit welchem als Sanktion eine Lohnkürzung von 8% für 

die Dauer eines Jahres ausgesprochen wurde, gilt nicht als strafrechtliche 

Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 2 EMRK, weshalb sich der Beschwerde-

führer nicht auf die Unschuldsvermutung berufen kann (vgl. Urteil des BGer 

8C_417/2010 vom 6. September 2010 E. 4 mit Hinweisen, wonach eine 

gegenüber einem kantonalen Staatsanwalt als Disziplinarstrafe ausge-

sprochene Herabsetzung der Besoldung um zwei Erfahrungsstufen inner-

halb einer Lohnklasse nicht in den Anwendungsbereich von Art. 6 EMRK 

fällt und die Unschuldsvermutung nicht zur Anwendung gelangt; vorste-

hend E. 4.3.3).  

6.  

6.1 Die Anordnung einer Disziplinarmassnahme gegenüber dem Bundes-

anwalt (oder einem Stellvertretenden Bundesanwalt) setzt – wie bereits er-

wähnt – eine Verletzung von Amtspflichten voraus (Art. 31 Abs. 2 StBOG 

sowie Art. 16 der Organisations- und Aufgabenverordnung). Diese muss im 

Rahmen einer Disziplinaruntersuchung festgestellt worden sein (Art. 17 

Abs. 1 der Organisations- und Aufgabenverordnung). Der Bundesanwalt 

muss fehlerhaft gehandelt, d.h. eine ihm obliegende dienstliche bzw. ar-

beitsrechtliche Pflicht verletzt haben. Das pflichtwidrige Verhalten kann in 

einem Tun oder Unterlassen bestehen (PETER HELBLING, in: Portmann/Uhl-

mann [Hrsg.], Handkommentar zum Bundespersonalgesetz BPG, 2013, 

A-2138/2020 

Seite 22 

Art. 25 Rz. 44; PETER HÄNNI, Personalrecht des Bundes, in: Schweizeri-

sches Bundesverwaltungsrecht, Bd. I/2, 3. Aufl. 2017, Rz. 265; WALTER 

HINTERBERGER, Disziplinarfehler und Disziplinarmassnahmen im Recht 

des öffentlichen Dienstes, 1986, S. 108; Urteil des BVGer A-6699/2015 

vom 21. März 2016 E. 4.2).  

In Bezug auf die Amtspflichten des Bundesanwaltes hält die Verordnung 

der Bundesversammlung über das Arbeitsverhältnis und die Besoldung 

des Bundesanwalts oder der Bundesanwältin sowie der Stellvertretenden 

Bundesanwälte oder Bundesanwältinnen vom 1. Oktober 2010 

(SR 173.712.23) unter dem Titel "Pflichten" lediglich fest, der Bundesan-

walt müsse Wohnsitz in der Schweiz haben (Art. 13) sowie das Amtsge-

heimnis wahren (Art. 14). Sodann enthält der vom Bundesanwalt als Wei-

sung erlassene Code of Conduct der Bundesanwaltschaft vom 1. Juli 2017 

(nachfolgend: CoC) bestimmte Verhaltensregeln, welche gemäss dessen 

Präambel auch für den Bundesanwalt selbst gelten und deren Nichteinhal-

tung als disziplinarisch zu sanktionierende Verletzung der Berufspflichten 

angesehen werden können. Darüber hinaus sind insbesondere die allge-

meine Treuepflicht eines Arbeitnehmers im öffentlichen Dienst und die da-

raus abgeleiteten Arbeits- und Verhaltenspflichten von zentraler Bedeu-

tung. Deren Missachtung stellt eine Amtspflichtverletzung dar (ANDREA 

HÜLSMANN, a.a.O., S. 114; PETER HÄNNI, a.a.O., Fn. 687). Gemäss der all-

gemeinen Treuepflicht haben Angestellte die ihnen übertragene Arbeit mit 

Sorgfalt auszuführen und die berechtigten Interessen des Bundes bezie-

hungsweise ihres Arbeitgebers zu wahren (sog. "doppelte Loyalität"). Die-

ser Grundsatz wird zwar nur in Art. 20 des Bundespersonalgesetzes vom 

24. März 2000 (BPG, SR 172.220.1), welchem der Bundesanwalt nicht un-

tersteht (vgl. Art. 2 Abs. 2 Bst. a BPG; Urteil des BVGer A-3612/2019 vom 

29. Juli 2019 E. 4.2), ausdrücklich geregelt, er gilt jedoch auch ohne aus-

drückliche Gesetzesvorschrift und nach der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung selbst für den Bundesrat (BGE 116 IV 56 E. III; PETER HÄNNI, 

a.a.O., Rz. 246). Damit untersteht auch der Bundesanwalt der erwähnten 

Treuepflicht. Die mit der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers korrelierende 

Treuepflicht des Arbeitnehmers ist eine die Arbeitspflicht ergänzende Ne-

benpflicht. Sie ist beschränkt und besteht nur so weit, als es um die Errei-

chung und Sicherung des Arbeitserfolges geht, also soweit ein genügender 

Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis besteht. Die Treuepflicht hängt da-

her stark von Funktion und Aufgabe des Arbeitnehmers und den betriebli-

chen Verhältnissen ab und ist für jedes Arbeitsverhältnis gesondert auf-

grund der konkreten Umstände und der Interessenlage des konkreten Fal-

les zu bestimmen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. April 2019 

A-2138/2020 

Seite 23 

E. 3.3, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.3 und A-2718/2016 vom 

16. März 2017 E. 5.2; PETER HELBLING, a.a.O., Art. 20 Rz. 50 f.). Je höher 

die berufliche Stellung, desto höher ist das Mass der zu beachtenden Sorg-

falts- und Interessenwahrungspflicht. So wird von leitenden Angestellten 

eine wesentlich grössere Loyalität verlangt als von einem Angestellten in 

untergeordneter Stellung (vgl. BGE 116 IV 56 E. III; Urteile des BVGer 

A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.3 und A-2718/2016 vom 16. März 2017 

E. 5.2; vgl. zum privatrechtlichen Arbeitsverhältnis BGE 130 III 28 E. 4.1, 

104 II 28 E. 1; Urteil des BGer 4A_349/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.2). 

Eine Amtspflichtverletzung liegt nicht nur dann vor, wenn die Person die mit 

ihrer besonderen Stellung verbundenen Pflichten verletzt, sondern auch 

wenn sie eine mit dieser Stellung unvereinbare Handlung begeht (BGE 106 

V 40 E. 5a/cc). 

6.2 Nebst einer objektiven Amtspflichtverletzung ist in subjektiver Hinsicht 

Verschulden erforderlich. Der Arbeitnehmer muss die ihm obliegende 

Pflicht gekannt und diese vorsätzlich oder fahrlässig verletzt haben. Vor-

sätzlich handelt, wer die Amtspflichtverletzung wissentlich und willentlich 

begeht. Auch handelt vorsätzlich, wer es nicht für sicher hält, sondern es 

bloss als möglich erachtet, dass sein Verhalten eine Dienstpflicht verletzt; 

die Verwirklichung des Tatbestandes wird diesfalls bewusst in Kauf genom-

men (Eventualvorsatz). Fahrlässig handelt, wer die Sorgfalt ausser Acht 

lässt, zu der er nach den Umständen des Einzelfalls verpflichtet und nach 

seinen persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten im Stande ist. Dabei 

wird zur objektiven Beurteilung die angewendete Sorgfalt hypothetisch mit 

einem "Durchschnittsmass" an Sorgfalt und Aufmerksamkeit verglichen. 

Weiter müssen die Betroffenen die Pflichtwidrigkeit des Handelns erkannt 

haben oder zumindest muss die Möglichkeit bestehen, dass die Pflichtwid-

rigkeit hätte erkannt werden können. Eine blosse Unkenntnis der Pflichten 

führt nur dann zum Ausschluss des Verschuldens, wenn den Betroffenen 

nicht der Vorwurf gemacht werden kann, sie hätten die ihnen obliegende 

Verpflichtung kennen sollen und können. Im Hinblick auf das Mass des 

Verschuldens – z.B. für die Zumessung der Sanktion – wird zwischen leich-

ter und grober Fahrlässigkeit unterschieden. Als grobfahrlässig gilt die un-

ter Missachtung elementarster Vorsichtsgebote verwirklichte Dienstpflicht-

verletzung. Leichte Fahrlässigkeit liegt hingegen vor, wenn der Betroffene 

einer nur entfernt in Betracht kommenden Möglichkeit einer Dienstpflicht-

verletzung keine Aufmerksamkeit schenkt (ANDREA HÜLSMANN, a.a.O., 

S. 116; WALTER HINTERBERGER, a.a.O., S. 125 f. und 139 ff.; PETER HELB-

LING, a.a.O., Art. 25 Rz. 45).  

A-2138/2020 

Seite 24 

6.3 Weiter setzt die Anordnung einer Disziplinarmassnahme voraus, dass 

keine Not-  oder Zwangslage vorlag, d.h. der Arbeitnehmer hätte rechts- 

und pflichtkonform handeln können. Schliesslich muss die Massnahme an-

gemessen sein (PETER HELBLING, a.a.O., Art. 25 Rz. 42 ff.; Urteil des 

BVGer A-6699/2015 vom 21. März 2016 E. 4.2). 

7.  

Nachdem vorliegend eine Disziplinaruntersuchung durchgeführt wurde, gilt 

es nachfolgend (E. 8 ff.) die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Amts-

pflichtverletzungen im Einzelnen zu prüfen. 

7.1 Dabei gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, das heisst, die 

Behörde entscheidet nach ihrer freien Überzeugung darüber, ob ein Be-

weis erbracht wurde oder nicht, wobei auch das Verhalten der Parteien im 

Verfahren zu berücksichtigen ist (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundes-

gesetzes über den Bundeszivilprozess vom 4. Dezember 1947 [BZP, 

SR 273]). Die Behörde ist an keine Regeln über den Wert bestimmter Be-

weismittel gebunden und es gibt keine hierarchische Abstufung der zuge-

lassenen Beweismittel nach ihrem Beweiswert. Der Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung verlangt jedoch, dass die Behörde ihre Meinung über 

den zu beweisenden Sachverhalt sorgfältig, gewissenhaft und unvoreinge-

nommen bildet. Kommt sie zum Schluss, dass (weitere) Beweiserhebun-

gen unnötig sind oder dass ein konkretes Beweismittel nicht tauglich ist, 

um ihr sichere Kenntnisse von den rechtswesentlichen Geschehensabläu-

fen zu verschaffen, kann sie in Vorwegnahme des Beweisergebnisses von 

der Beweisführung absehen (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. AUER/BIN-

DER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2019, 

Art. 12 N 18; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.140 und 3.144; 

BVGE 2012/33 E. 6.2.1 und 6.2.4; je mit Hinweisen).  

7.2 Der Beweis gilt als erbracht, wenn das Gericht gestützt auf die Beweis-

würdigung nach objektiven Gesichtspunkten zur Überzeugung gelangt ist, 

dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat. Absolute Ge-

wissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es genügt, wenn das Gericht 

am Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat 

oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (sog. Regelbe-

weismass; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.141; KRAUS-

KOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar VwVG, Art. 12 N 213 ff.; 

je mit Hinweisen). Ausnahmen vom Regelbeweismass der vollen Überzeu-

gung ergeben sich einerseits aus dem Gesetz und sind andererseits durch 

A-2138/2020 

Seite 25 

Rechtsprechung und Lehre herausgearbeitet worden. Danach wird insbe-

sondere eine überwiegende Wahrscheinlichkeit als ausreichend erachtet, 

wo ein strikter Beweis nicht nur im Einzelfall, sondern der Natur der Sache 

nach nicht möglich oder nicht zumutbar ist und insofern eine "Beweisnot" 

bzw. ein "Beweisnotstand" besteht. Die Herabsetzung des Beweismasses 

darf im Ergebnis nicht zu einer Umkehr der Beweislast führen. Die beweis-

pflichtige Partei hat alle Umstände, die für die Verwirklichung des behaup-

teten Sachverhalts sprechen, soweit möglich und zumutbar zu behaupten 

und zu beweisen. Eine Beweisnot liegt nicht schon darin begründet, dass 

eine Tatsache, die ihrer Natur nach ohne weiteres dem unmittelbaren Be-

weis zugänglich wäre, nicht bewiesen werden kann, weil der beweisbelas-

teten Partei die Beweismittel fehlen. Blosse Beweisschwierigkeiten im kon-

kreten Einzelfall können somit nicht zu einer Beweiserleichterung führen 

(BGE 140 III 610 E. 4.1, 130 III 321 E. 3.2 und 128 III 271 E. 2b/aa; ferner 

ausdrücklich zum öffentlichen Verfahrensrecht: MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-

LER, a.a.O., 3.142a; Urteile des BVGer B-6405/2016 vom 5. Dezember 

2017 E. 5.3.1 und A-5113/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 4.1.2).  

7.3 (Voller) Beweis kann auch indirekt, durch Indizien, erbracht werden, 

das heisst durch den Beweis von Sachumständen, die den Schluss auf 

andere, rechtswesentliche Tatsachen zulassen. Der Indizienbeweis ist ein 

indirekter Beweis, da nicht der rechtserhebliche Sachumstand als solcher, 

sondern ein anderer Sachumstand, der aber den Schluss auf die Existenz 

der rechtserheblichen Tatsache zulässt, Gegenstand des Hauptbeweises 

ist. Dieser Umweg ist naturgemäss dann angezeigt, wenn die unmittelbar 

rechtserheblichen Tatsachen nicht oder nur schwer zu beweisen sind (Tat-

sachen des menschlichen Innenlebens wie Absichten). Der Indizienbeweis 

ist dem direkten Beweis gleichwertig (Urteile des BGer 6B_360/2016 vom 

1. Juni 2017 E. 2.4, nicht publ. in: BGE 143 IV 361 und 6B_1427/2016 vom 

27. April 2017 E. 3; BVGE 2012/33 E. 6.2.3; MICHAEL TSCHUDIN, Glauben, 

Wissen, Zweifeln – über das Beweismass im Kartellrecht, AJP 2014 

S. 1333, 1337).  

7.4 Wenn es um die Beurteilung von inneren Vorgängen geht, die der Be-

hörde oft nicht bekannt und schwierig zu beweisen sind, ist es zulässig, 

von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbekannte Tatsachen 

(Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche tatsächlichen Vermutungen kön-

nen sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung ergeben, namentlich 

auch im öffentlichen Recht. Es handelt sich dabei um Wahrscheinlichkeits-

folgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezogen werden (BGE 

A-2138/2020 

Seite 26 

135 II 161 E. 3 und 130 II 482 E. 3.2; BVGE 2012/33 E. 6.2.1 und 2008/23 

E. 4.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.143).  

8.  

Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer eine mehrfache, grobfahrläs-

sige Verletzung von Ziff. 5 des CoC vor, indem er in vier Fällen im Interes-

senkonflikt gehandelt und die Stellvertretungsregelung nach Art. 10 StBOG 

missachtet haben soll (vgl. Ziff. 5.2.2 der angefochtenen Verfügung). Nach-

folgend gilt es diese vier Fälle im Einzelnen zu prüfen.  

8.1 Zunächst erblickt die Vorinstanz eine Amtspflichtverletzung bzw. einen 

Verstoss gegen Ziff. 5 CoC darin, dass der Beschwerdeführer am 11. No-

vember 2019 für A._______, André Marty und B._______ im Hinblick auf 

deren Befragungen als Auskunftspersonen im Disziplinarverfahren jeweils 

ein Dokument "Aussageermächtigung und Entbindung vom Amtsgeheim-

nis" ausstellte (vgl. Ziff. 5.2.2.4). 

8.1.1 Die Vorinstanz führt hierzu aus, der Beschwerdeführer sei im Diszip-

linarverfahren persönlich Partei. Er habe ein persönliches Interesse am 

Ausgang des Verfahrens und habe daher im Zusammenhang mit dem Dis-

ziplinarverfahren nicht frei von Interessenkonflikten handeln können. Er 

hätte deshalb keinerlei Handlungen in der ihn betreffenden Untersuchung 

mehr vornehmen dürfen. Indem er für drei Mitarbeitende eine "Aussageer-

mächtigung und Entbindung vom Amtsgeheimnis" erteilt habe, habe er im 

Interessenkonflikt gehandelt und gegen den CoC sowie die Treuepflicht 

verstossen. Durch den Umriss der Befragungsthemen in den Dokumenten 

"Aussageermächtigung und Entbindung vom Amtsgeheimnis" werde bei 

den Auskunftspersonen der Anschein erweckt, dass der Beschwerdeführer 

definiere, was der Gegenstand der Befragungen sei. Damit werde bei den 

Auskunftspersonen auch ein Loyalitätskonflikt hervorgerufen. Es sei uner-

heblich, ob das Verfahren durch das Verhalten des Beschwerdeführers be-

hindert worden sei oder ob er daraus einen Vorteil gezogen habe. Sein 

Verhalten sei grob sorgfaltswidrig, was ihm hätte bewusst sein müssen.  

8.1.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Nichtvermeidung eines In-

teressenkonflikts bzw. das Handeln in einem solchen stelle noch keine zu 

sanktionierende Amtspflichtverletzung dar, andernfalls jeder Richter oder 

Staatsanwalt, gegen den ein Ausstandsgesuch erfolgreich durchgesetzt 

werde, nachträglich mit einer Disziplinarsanktion belegt werden müsste. 

Eine Amtspflichtverletzung liege vielmehr ausschliesslich dann vor, wenn 

ein potentieller oder tatsächlicher Interessenkonflikt im eigenen Interesse 

A-2138/2020 

Seite 27 

oder im Interesse einer Prozesspartei ausgenützt werde. Davon könne vor-

liegend keine Rede sein. Er habe das Disziplinarverfahren nicht behindert 

und keinen Interessenkonflikt zu seinen Gunsten gelöst. Die Stellvertreten-

den Bundesanwälte hätten genau gleich gehandelt, wenn sie die Aussage-

ermächtigungen erteilt hätten. Auch habe er bei den betroffenen Personen 

nicht den Anschein erweckt, dass er definiere, was Gegenstand der Befra-

gungen sei. Er habe einzig festgehalten, was aufgrund der Informationen 

über den Untersuchungsgegenstand einigermassen erkennbar gewesen 

sei. Es entspreche gängiger Praxis, dass Aussageermächtigungen bzw. 

Entbindungen vom Amtsgeheimnis stets nur spezifisch auf den Verfahrens-

gegenstand ausgerichtet erteilt würden. Sämtliche Personen hätten denn 

auch ausgesagt, dass er ihnen keine Weisungen erteilt habe, wie sie aus-

zusagen hätten. Gemäss der übereinstimmend vertretenen Meinung inner-

halb der Leitung der Bundesanwaltschaft habe kein Vertretungsfall nach 

Art. 10 Abs. 2 StBOG vorgelegen. Es habe auch Einigkeit darüber bestan-

den, dass er selber die Aussageermächtigungen zu unterzeichnen habe. 

Er sei der Überzeugung gewesen, dass er selber handeln müsse. Komme 

hinzu, dass er auch im Rahmen der Vorabklärungen eine Aussageermäch-

tigung erteilt habe, was von der Vorinstanz aber nicht beanstandet worden 

sei. Dass ihm nun die Erteilung der Aussageermächtigungen zum Vorwurf 

gemacht werde, widerspreche Treu und Glauben.  

8.1.3 Wie bereits erwähnt enthält der CoC, welcher vom Beschwerdeführer 

als Weisung erlassen wurde, im Sinne einer Konkretisierung der Dienst-

pflichten der Mitarbeitenden der Bundesanwaltschaft bestimmte Verhal-

tensregeln, welche gemäss dessen Präambel auch für den Bundesanwalt 

selbst gelten und deren Nichteinhaltung als disziplinarisch zu sanktionie-

rende Verletzung der Berufspflichten angesehen werden können. Ziff. 5 

des CoC bestimmt unter dem Titel "Vorbeugung von Interessenkonflikten", 

dass Staatsanwälte und Mitarbeitende sich in ihrer Berufstätigkeit und in 

ihrem Privatleben jeder Tätigkeit und jedes Verhaltens enthalten, das zu 

Interessenkonflikten führen könnte. Diese Pflicht zur Vermeidung von Inte-

ressenkonflikten stellt eine Konkretisierung der Treuepflicht dar und ent-

spricht inhaltlich im Wesentlichen der in Art. 94a der Bundespersonalver-

ordnung vom 3. Juli 2001 (BPV, SR 172.220.111.3) für Angestellte des 

Bundes statuierten Pflicht, in den Ausstand zu treten, wenn sie aus einem 

persönlichen Interesse in einer Sache befangen sein könnten. Art. 94a 

BPV verweist explizit auf die Treuepflicht nach Art. 20 BPG. Die aus der 

Treuepflicht fliessende Ausstandspflicht gilt auch für den Beschwerdefüh-

rer.  

A-2138/2020 

Seite 28 

8.1.4 Die unbestritten vom Beschwerdeführer erteilten Aussageermächti-

gungen und Entbindungen vom Amtsgeheimnis beziehen sich auf Befra-

gungen von Auskunftspersonen im Disziplinarverfahren, welches gegen 

den Beschwerdeführer selbst gerichtet war. Er hat insofern darüber ent-

schieden, ob diese Personen in einem Verfahren, in welchem er selbst Par-

tei ist, aussagen dürfen oder nicht. Bei dieser Konstellation befand sich der 

Beschwerdeführer bei seinem Entscheid klarerweise in einem Interessen-

konflikt. Als von der Disziplinaruntersuchung betroffene Person hatte er un-

streitig ein persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens, weshalb er 

bei sämtlichen Entscheiden in Zusammenhang mit diesem Verfahren in 

den Ausstand hätte treten müssen. Entsprechend hätte er auch beim Ent-

scheid über die Aussageermächtigungen und Entbindungen vom Amtsge-

heimnis zwingend in den Ausstand treten müssen. Wenn der Beschwerde-

führer der Ansicht ist, er habe als Leiter der Bundesanwaltschaft selbst 

handeln müssen, so verkennt er, dass es zwei Stellvertretende Bundesan-

wälte gibt, welche im Vertretungsfall dieselben Befugnisse haben wie er 

selbst (vgl. Art. 10 StBOG). Bei Entscheidungen, bei welchen der Be-

schwerdeführer infolge eines Interessenkonflikts in den Ausstand treten 

muss, liegt selbstredend ein solcher Vertretungsfall im Sinne von Art. 10 

Abs. 2 StBOG vor. Unerheblich ist, ob der Beschwerdeführer den Interes-

senkonflikt zu seinem Vorteil gelöst hat oder nicht. Dieser Umstand kann 

lediglich bei der Sanktionsbemessung berücksichtigt werden (vgl. nachfol-

gend E. 14.3.2). Nach Ziff. 5 CoC bzw. der aus der Treuepflicht fliessenden 

Ausstandspflicht ist der Beschwerdeführer verpflichtet, Interessenkonflik-

ten vorzubeugen und bereits dann in den Ausstand zu treten, wenn er in 

einer Sache befangen sein könnte. Die Amtspflichtverletzung des Be-

schwerdeführers liegt deshalb bereits darin begründet, dass er trotz Vorlie-

gens eines Interessenkonflikts über die Aussageermächtigungen und Ent-

bindungen vom Amtsgeheimnis entschieden hat (vgl. hierzu auch WALTER 

HINTERBERGER, a.a.O., S. 99, wonach es unerheblich sei, ob die Pflichtver-

letzung einen Schaden bewirke).  

8.1.5 Die Frage, ob der Beschwerdeführer mit seinem Vorgehen bei den 

Auskunftspersonen den Anschein erweckte, er würde den Gegenstand der 

Befragungen definieren, und er habe damit bei diesen einen Loyalitätskon-

flikt hervorgerufen, kann grundsätzlich offengelassen werden. Wie sich klar 

aus der Vernehmlassung ergibt, erblickt die Vorinstanz die Amtspflichtver-

letzung nicht in der Schaffung eines Loyalitätskonflikts, sondern einzig in 

der Ausstellung der Aussageermächtigungen und Entbindungen vom 

Amtsgeheimnis trotz Interessenkonflikts. Der Vollständigkeit halber kann 

aber festgehalten werden, dass sich jedenfalls aus den Befragungen der 

A-2138/2020 

Seite 29 

Auskunftspersonen keine Anhaltspunkte für einen Loyalitätskonflikt ent-

nehmen lassen. Dass Aussageermächtigungen und Entbindungen vom 

Amtsgeheimnis grundsätzlich nicht generell, sondern auf den Verfahrens-

gegenstand beschränkt erteilt werden, erscheint zudem nachvollziehbar 

und nicht ungewöhnlich. In den Einladungen an die Auskunftspersonen 

gab die Vorinstanz an, in der Untersuchung gehe es um die Existenz und 

die Durchführung von Treffen zwischen der Bundesanwaltschaft und der 

FIFA, die Information über diese Treffen gegenüber der Vorinstanz sowie 

deren verfahrenstechnische Handhabung. Der Beschwerdeführer erteilte 

daraufhin die Aussageermächtigungen für "Abklärungen zu Treffen des 

Bundesanwaltes mit der FIFA-Leitung", was inhaltlich dem in den Ge-

sprächseinladungen angegebenen Verfahrensgegenstand entspricht. Vor 

diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer 

habe den Anschein erweckt, er würde den Gegenstand der Befragungen 

definieren.  

8.1.6 Was das Verschulden des Beschwerdeführers anbelangt, so ist in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einer grobfahrlässigen Begehung 

auszugehen. Der CoC wurde vom Beschwerdeführer selbst erlassen. So-

dann entspricht die Pflicht, bei einem möglichen Interessenkonflikt in den 

Ausstand zu treten, einem allgemeinen prozessualen Grundsatz, der u.a. 

auch in Strafverfahren gilt (vgl. Art. 56 StPO) und der dem Beschwerdefüh-

rer als Bundesanwalt bekannt gewesen sein musste. Bei pflichtgemässer 

Sorgfalt hätte der Beschwerdeführer sodann ohne Weiteres erkennen müs-

sen, dass er sich beim Entscheid über die Aussageermächtigungen und 

Entbindungen vom Amtsgeheimnis bzw. allgemein bei Entscheiden in Zu-

sammenhang mit dem Disziplinarverfahren, in welchem er selbst Partei ist, 

in einem Interessenkonflikt befinden könnte. Der Beschwerdeführer hat bei 

seinem Handeln elementarste Sorgfaltsgebote missachtet.  

8.1.7 Rechtfertigungsgründe liegen nicht vor. Dass die Stellvertretenden 

Bundesanwälte einen Vertretungsfall nach Art. 10 StBOG ebenfalls ver-

neinten oder die Auskunftspersonen auf den Beschwerdeführer persönlich 

zugingen, wie dieser anlässlich seiner Befragung vom 10. Januar 2020 an-

gab, vermögen das Verhalten des Beschwerdeführers ebenso wenig zu 

rechtfertigen, wie der Umstand, dass die Vorinstanz eine im Rahmen der 

Vorabklärungen erteilte Aussageermächtigung des Beschwerdeführers 

nicht beanstandet hatte. Die Nichtahndung einer früheren Pflichtverletzung 

begründet kein schützenswertes Vertrauen in dem Sinn, dass eine spätere, 

gleichartige Pflichtverletzung nicht mehr sanktioniert werden dürfte. Ein 

Treu und Glauben widersprechendes Verhalten der Vorinstanz liegt nicht 

A-2138/2020 

Seite 30 

vor. Schliesslich kann dem Beschwerdeführer auch nicht gefolgt werden, 

wenn er anlässlich seiner Einvernahme vom 10. Januar 2020 ausführt, der 

Interessenkonflikt lasse sich nicht lösen, weil er auch bei einer Delegation 

an seine Stellvertreter noch über die Weisungshoheit verfüge. Im Falle ei-

nes Interessenkonflikts ist ihm aufgrund seiner Ausstandspflicht selbstre-

dend auch jegliche Erteilung von Weisungen untersagt. 

8.1.8 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer grob-

fahrlässig gegen Ziff. 5 CoC bzw. die aus der Treupflicht fliessende Aus-

standspflicht verstossen hat. Dies stellt eine Amtspflichtverletzung dar.  

8.2 Des Weiteren stellt nach Ansicht der Vorinstanz auch die Anordnung 

des Beschwerdeführers, die Bundesanwaltschaft übernehme die Anwalts-

kosten der Auskunftspersonen, einen Verstoss gegen Ziff. 5 CoC dar (vgl. 

Ziff. 5.2.2.5 der angefochtenen Verfügung).  

8.2.1 Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer 

habe gegenüber den Auskunftspersonen eine Kostengutsprache zulasten 

der Bundesanwaltschaft für den Beizug von deren Rechtsbeiständen er-

teilt. Aufgrund seines Interessenkonflikts hätte er jedoch nicht selber han-

deln dürfen, sondern zwingend in den Ausstand treten und den Entscheid 

seinen Stellvertretern überlassen müssen. Die Kostengutsprache sei zu-

dem proaktiv, d.h. bevor die Auskunftspersonen überhaupt ein diesbezüg-

liches Bedürfnis artikuliert hätten, erteilt worden. Damit habe der Be-

schwerdeführer auf eine Art gehandelt, die geeignet sei, die Auskunftsper-

sonen in einen Loyalitätskonflikt zu stürzen. Bei diesen könne die Erwar-

tungshaltung erweckt werden, zu Gunsten des Beschwerdeführers als de-

ren Vorgesetzten auszusagen. Ob die Auskunftspersonen effektiv in einen 

Loyalitätskonflikt geraten seien, spiele keine Rolle.  

8.2.2 Der Beschwerdeführer bestreitet eine Amtspflichtverletzung. Er habe 

das Eidgenössische Personalamt (EPA) angefragt, ob auch in einem Dis-

ziplinarverfahren ein Anspruch auf Parteikostenersatz bestehe. Dieses 

habe ihm mitgeteilt, dass Art. 77 BPV vom Wortlaut her einen Anspruch auf 

Parteikostenersatz nur für Straf- und Zivilverfahren vorsehe. Zur Frage, ob 

die Übernahme von Parteikosten auch in einem Disziplinarverfahren mög-

lich sei, bestehe keine Gerichts- oder Verwaltungspraxis. Es liege daher in 

der Kompetenz der Bundesanwaltschaft, diese Frage zu entscheiden. Er 

habe diese Frage alsdann mit seinem Rechtskonsulenten und dem Gene-

ralsekretär besprochen und entschieden, dass alle Mitarbeiter, die im Dis-

A-2138/2020 

Seite 31 

ziplinarverfahren befragt würden, auf Kosten der Bundesanwaltschaft ei-

nen Rechtsbeistand beiziehen könnten. Ein solcher Hinweise auf einen 

rechtmässigen Anspruch könne keinen Disziplinartatbestand erfüllen. Ein 

solches Angebot könne Auskunftspersonen auch nicht in einen Loyalitäts-

konflikt stürzen. Das Gegenteil sei der Fall, zumal sich die Personen mit 

ihren Rechtsbeiständen beraten und von ihnen über ihre Rechte und Pflich-

ten orientieren lassen könnten.  

8.2.3 Es ist unstrittig und ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerde-

führer am 24. Juli 2019 nach vorgängigem Austausch mit dem EPA ent-

schied, dass die Bundesanwaltschaft denjenigen Mitarbeitenden, welche 

als Dritte von der Vorinstanz in das Disziplinarverfahren involviert würden, 

die Kosten der rechtsanwaltlichen Vertretung erstatten werde. Ein entspre-

chendes, vom Beschwerdeführer unterzeichnetes Schreiben wurde im In-

tranet der Bundesanwaltschaft aufgeschaltet. Der Beschwerdeführer be-

fand sich bei diesem Entscheid über die Kostengutsprache wiederum in 

einem Interessenkonflikt, zumal es in der Sache um das gegen ihn gerich-

tete Disziplinarverfahren ging, an dessen Ausgang er ein persönliches In-

teresse hatte. Der Beschwerdeführer hätte auch hier in den Ausstand tre-

ten und den Entscheid über die Kostengutsprache seinen Stellvertretern 

überlassen müssen. Ob der Entscheid im Ergebnis rechtmässig war, ist in 

diesem Zusammenhang nicht von Belang. Es kann hierzu im Übrigen auf 

das im Zusammenhang mit der Ausstellung der Aussageermächtigungen 

und der Entbindung vom Amtsgeheimnis Ausgeführte verwiesen werden 

(vgl. vorstehend E. 8.1.4). Damit liegt auch hier in objektiver Hinsicht ein 

Verstoss gegen Ziff. 5 CoC bzw. der aus der Treuepflicht fliessenden Aus-

standspflicht und damit eine Amtspflichtverletzung vor.  

8.2.4 Offengelassen werden kann die Frage, ob das Handeln des Be-

schwerdeführers geeignet war, die Auskunftspersonen in einen Loyalitäts-

konflikt zu stürzen und bei diesen die Erwartungshaltung zu erwecken, zu 

seinen Gunsten auszusagen. Wie sich wiederum klar aus der Vernehmlas-

sung ergibt, erblickt die Vorinstanz die Amtspflichtverletzung nicht in der 

Schaffung eines Loyalitätskonflikts, sondern einzig in der Missachtung der 

Ausstandspflicht. Immerhin ist anzufügen, dass sich in den Akten keine An-

haltspunkte dafür finden, dass der Beschwerdeführer mit der Kostengut-

sprache versuchte, Einfluss auf die Aussagen der Auskunftspersonen zu 

nehmen oder sich die Auskunftspersonen tatsächlich in einem Loyalitäts-

konflikt befunden hätten.  

A-2138/2020 

Seite 32 

8.2.5 Die Begehung der Amtspflichtverletzung ist wiederum als grobfahr-

lässig einzustufen. Es kann hierzu auf das im Zusammenhang mit der Aus-

stellung der Aussageermächtigungen und der Entbindung vom Amtsge-

heimnis Ausgeführte verwiesen werden (vgl. vorstehend E. 8.1.6). Recht-

fertigungsgründe liegen auch hier nicht vor.  

8.3 Einen weiteren Verstoss gegen Ziff. 5 CoC erblickt die Vorinstanz darin, 

dass der Beschwerdeführer in die Behandlung ihrer Auskunfts- und Editi-

onsbegehren eingegriffen habe (vgl. Ziff. 5.2.2.6 der angefochtenen Verfü-

gung).  

8.3.1 Die Vorinstanz macht geltend, Aktenbeizugsbegehren im Rahmen ei-

nes den Beschwerdeführer betreffenden Disziplinarverfahrens seien von 

der Bundesanwaltschaft als Behörde zu beantworten. Aufgrund des Inte-

ressenkonflikts des Beschwerdeführers seien die Begehren von den Stell-

vertretenden Bundesanwälten zu beantworten. Es sei daher nur folgerich-

tig, dass sie wegen des offensichtlichen Eintritts eines Vertretungsfalles 

ihre Auskunfts- und Editionsaufforderungen an die beiden Stellvertreten-

den Bundesanwälte gestellt habe. Indem der Beschwerdeführer trotz be-

stehendem Interessenkonflikt in die Behandlung der Auskunfts- und Editi-

onsbegehren eingegriffen habe, habe er den CoC verletzt. Er habe den 

Interessenkonflikt bewusst geschaffen. Erschwerend komme hinzu, dass 

er die Stellvertretenden Bundesanwälte zu einer Verweigerungshaltung an-

gehalten habe.  

8.3.2 Der Beschwerdeführer bestreitet eine Amtspflichtverletzung. Er habe 

zwar mit seinen Stellvertretern und seinem Rechtskonsulenten Grundsatz-

fragen, die sich in diesem Zusammenhang gestellt hätten, besprochen. Er 

habe seinen Stellvertretern jedoch keine Weisungen erteilt und diese nicht 

zu einer Verweigerungshaltung angehalten. Dies hätten die beiden Stell-

vertretenden Bundesanwälte in ihrem Schreiben vom 27. Februar 2020 der 

Vorinstanz auch explizit mitgeteilt. Aus der Korrespondenz zwischen der 

Vorinstanz und den Stellvertretenden Bundesanwälten ergebe sich, dass 

hinsichtlich der Frage, welche Akten die Stellvertretenden Bundesanwälte 

in eigener Kompetenz zur Verfügung stellen dürfen und wie mit Akten aus 

laufenden Strafuntersuchungen umzugehen sei, ein völlig unterschiedli-

ches Rechtsverständnis bestanden habe. Daraus könne keine ihm anzu-

lastende Amtspflichtverletzung konstruiert werden.  

8.3.3 Die Vorinstanz richtete ihre Auskunfts- und Editionsaufforderungen 

im Rahmen der Disziplinaruntersuchung an die beiden Stellvertretenden 

A-2138/2020 

Seite 33 

Bundesanwälte, welche den Begehren nur teilweise nachkamen. Dabei ist 

unbestritten, dass der Beschwerdeführer die sich bei der Bearbeitung der 

Begehren stellenden Grundsatzfragen mit seinen beiden Stellvertretern 

und seinem Rechtskonsulenten besprach. Entsprechend hat er an der Ent-

scheidung, wie mit diesen Begehren umzugehen ist, mitgewirkt. Dadurch 

hat der Beschwerdeführer wiederum im Interessenkonflikt gehandelt und 

gegen seine Ausstandspflicht verstossen, zumal sich die Auskunfts- und 

Editionsaufforderungen auf das gegen ihn gerichtete Disziplinarverfahren 

bezogen (vgl. vorstehend E. 8.1.4). Ein Verstoss gegen Ziff. 5 CoC bzw. 

der aus der Treuepflicht fliessenden Ausstandspflicht und damit eine Amts-

pflichtverletzung ist damit wiederum zu bejahen.  

8.3.4 Wie sich zumindest eindeutig aus der Vernehmlassung ergibt, er-

blickt die Vorinstanz das Fehlverhalten des Beschwerdeführers einzig da-

rin, dass er trotz des bestehenden Interessenkonflikts in die Behandlung 

der Auskunfts- und Editionsbegehren der Vorinstanz eingriff und sich am 

Meinungsbildungsprozess der Stellvertretenden Bundesanwälte beteiligte. 

Auf den Vorwurf, der Beschwerdeführer habe die beiden Stellvertretenden 

Bundesanwälte zu einer Verweigerungshaltung angehalten, wird nachfol-

gend noch an anderer Stelle (vgl. E. 11) einzugehen sein. 

8.3.5 Die Begehung der Amtspflichtverletzung ist auch hier als grobfahrläs-

sig einzustufen. Es kann hierfür auf das bereits in anderem Zusammen-

hang Ausgeführte verwiesen werden (vgl. vorstehend E. 8.1.6). Rechtferti-

gungsgründe liegen auch hier nicht vor.  

8.4 Schliesslich erachtet die Vorinstanz den Entscheid des Beschwerde-

führers betreffend die einstweilige Übernahme seiner eigenen Anwaltskos-

ten durch die Bundesanwaltschaft als Verstoss gegen Ziff. 5 CoC 

(vgl. Ziff. 5.2.2.7 der angefochtenen Verfügung). 

8.4.1 Die Vorinstanz führt aus, der Beschwerdeführer habe gemäss dem 

Dokument "Aktennotiz und Entscheid des Bundesanwaltes" vom 24. Juli 

2019 entschieden, dass er die Frage der Übernahme seiner Anwaltskosten 

direkt der FinDel unterbreite und bis zu deren Entscheid die Bundesanwalt-

schaft seine Anwaltskosten übernehme. Der Entscheid betreffend die 

Übernahme seiner eigenen Anwaltskosten könne nicht vom Beschwerde-

führer selbst getroffen werden. Er befinde sich in einem Interessenkonflikt. 

Er hätte die Sache seinen Stellvertretern überlassen müssen.  

A-2138/2020 

Seite 34 

8.4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe das EPA um eine Beurtei-

lung ersucht. Da sich dieses aber nicht für zuständig erachtet habe, sei 

entschieden worden, die Anwaltskosten einstweilen der Bundesanwalt-

schaft zu belasten, um dann nach Abschluss des Verfahrens den definiti-

ven Entscheid der FinDel zu überlassen. Zudem sei der Generalsekretär 

der Bundesanwaltschaft als Verantwortlicher für die Gegenzeichnung und 

Verabschiedung der einzelnen Rechnungen bezeichnet worden. Auch in-

nerhalb der Geschäftsleitung der Bundesanwaltschaft herrsche somit dies-

bezüglich vollständige Transparenz. Es sei nicht ersichtlich, was daran wi-

derrechtlich sein solle. Er befinde sich nicht in einem Interessenkonflikt. 

Nicht er werde letztlich über die Tragung der Anwaltskosten entscheiden, 

sondern die FinDel.  

8.4.3 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers stellt sein Verhalten 

auch hier einen Verstoss gegen Ziff. 5 CoC bzw. der aus der Treuepflicht 

fliessenden Ausstandspflicht und damit eine Amtspflichtverletzung dar. Der 

Beschwerdeführer hat selbst über die einstweilige Übernahme seiner das 

Disziplinarverfahren betreffenden Anwaltskosten durch die Bundesanwalt-

schaft entschieden. Bei diesem Entscheid befand sich der Beschwerdefüh-

rer unzweifelhaft in einem Interessenkonflikt, zumal es um seine eigenen 

Anwaltskosten ging. Er hat insofern in eigner Sache entschieden, was eine 

Verletzung der Ausstandspflicht darstellt. Er hätte diesen Entscheid in An-

wendung von Art. 10 StBOG seinen Stellvertretern überlassen müssen. 

Dass über die definitive Kostentragung schlussendlich die FinDel entschei-

det, ändert an der Amtspflichtverletzung nichts, auch wenn die Pflichtver-

letzung deshalb als weniger gravierend anzusehen ist, als dies bei einem 

definitiven Kostenentscheid der Fall wäre.  

8.4.4 Auch hier ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einer grob-

fahrlässigen Begehung der Amtspflichtverletzung auszugehen. Es kann 

wiederum auf das bereits in anderem Zusammenhang Ausgeführte verwie-

sen werden (vgl. vorstehend E. 8.1.6). Schliesslich liegen auch für diese 

Pflichtverletzung keine Rechtfertigungsgründe vor. 

8.5 Zusammengefasst kann nach dem zuvor Ausgeführten festgehalten 

werden, dass der Beschwerdeführer mehrfach (in vier Fällen) grobfahrläs-

sig gegen Ziff. 5 CoC bzw. die aus der Treupflicht fliessende Ausstands-

pflicht verstossen und damit seine Amtspflichten verletzt hat.  

9.  

Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer des Weiteren eine Verletzung 

A-2138/2020 

Seite 35 

der Treuepflicht aufgrund unwahrer Angaben ihr gegenüber zum Inhalt des 

Treffens vom 8. Juli 2015 vor (vgl. Ziff. 5.2.3.1/c der angefochtenen Verfü-

gung).  

9.1 Sie führt hierzu in der angefochtenen Verfügung aus, die Aussagen des 

Beschwerdeführers – wie auch diejenigen von André Marty – zum Treffen 

vom 8. Juli 2015 mit Rinaldo Arnold seien unglaubhaft. Der Beschwerde-

führer und André Marty hätten bei ihren Antworten zu Fragen zum Treffen 

vom 8. Juli 2015 praktisch identische Formulierungen verwendet. Beide 

hätten die Sprachregelung "Allgemeine strafrechtliche Fragen" bzw. "es 

ging nicht um den FIFA-Verfahrenskomplex" benutzt. Dies lasse sich aus-

sagepsychologisch nur durch eine gemeinsame Sprachregelung erklären. 

Es mache aus der Optik von Rinaldo Arnold keinen Sinn, dass er sich als 

Walliser Oberstaatsanwalt und damals als Delegierter des Kantons Wallis 

in der Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz (SSK) über André Marty, 

der keine juristische Ausbildung habe, Zugang zum Beschwerdeführer ver-

schaffe, um mit diesem über allgemeine strafrechtliche Fragen zu spre-

chen. Hierfür gäbe es den institutionalisierten Kanal der SSK, bei welcher 

der Beschwerdeführer damals Vizepräsident gewesen sei. Die Aussage 

von André Marty, wonach es z.B. darum gegangen sei, wie die Bundesan-

waltschaft organisiert sei, sei unplausibel. Es sei nicht nachvollziehbar, 

dass ein Oberstaatsanwalt den Bundesanwalt für die Besprechung einer 

solchen Frage bemühe. Aus der Einstellungsverfügung des ausserordentli-

chen Staatsanwalts des Kantons Wallis in Sachen Rinaldo Arnold ergebe 

sich, dass sich Rinaldo Arnold zugunsten von Gianni Infantino auf privater 

Basis engagiert habe. Dieses Engagement habe Monate vor der Wahl zum 

FIFA-Präsidenten am 26. Februar 2016 begonnen. So sei Rinaldo Arnold 

von Gianni Infantino noch im Jahr 2015 ins Wembley-Stadion nach London 

und zur Ziehung der Achtelfinalpaarungen der Champions League nach 

Nyon sowie zum Wahlkongress der FIFA am 26. Februar 2016 eingeladen 

worden. Für das Treffen vom 22. März 2016 habe Rinaldo Arnold einen Tag 

frei genommen. Daraus lasse sich der Schluss ziehen, dass Rinaldo Arnold 

schon am 8. Juli 2015 auf privater Basis für Gianni Infantino bzw. in diesem 

Sinn tätig gewesen sei. Gianni Infantino habe eine Kandidatur für das FIFA-

Präsidium ins Auge gefasst und daher ein Interesse gehabt, in Erfahrung 

zu bringen, ob die seit dem 27. Mai 2015 allgemeinnotorisch gewordenen 

FIFA-Verfahren sich auch gegen Joseph Blatter und/oder Michel Platini, die 

direkten Konkurrenten von Gianni Infantino um das FIFA-Präsidium, rich-

ten würden. Ebenso habe Gianni Infantino ein Interesse gehabt, in Erfah-

rung zu bringen, dass sich die Verfahren nicht gegen ihn richten würden. 

Aus Sicht des Beschwerdeführers sei kein Grund erkennbar, weshalb er 

A-2138/2020 

Seite 36 

seine Zeit für ein unverbindliches Gespräch über allgemeine strafrechtliche 

Fragen hätte verlieren sollen. Auch die Präsenz von André Marty als Medi-

ensprecher der Bundesanwaltschaft mache bei diesem Thema keinen 

Sinn. Vor dem Hintergrund, dass der FIFA-Verfahrenskomplex mit den 

Hausdurchsuchungen vom 27. Mai 2015, der Medienkonferenz vom 

17. Juni 2015 sowie den Sitzungen mit den Rechtsvertretern der FIFA vom 

10. und 26. Juni 2015 einen ersten Höhepunkt erreicht habe, sei es nicht 

plausibel, dass der Beschwerdeführer und Rinaldo Arnold dies einfach aus-

geblendet und sich über allgemeine strafrechtliche Fragen unterhalten hät-

ten. Insgesamt stehe daher fest, dass am Treffen vom 8. Juli 2015 auch 

die FIFA-Verfahren zur Sprache gekommen seien. Die Angaben des Be-

schwerdeführers zum Inhalt des Treffens seien daher nicht richtig bzw. 

nicht vollständig.  

In ihrer Vernehmlassung bringt die Vorinstanz mit Verweis auf einen Zei-

tungsartikel des Walliser Boten vom 1. April 2020 neu vor, nach Angaben 

von Rinaldo Arnold habe dieser den Beschwerdeführer aus rein persönli-

chen Gründen getroffen. Er habe sein Interesse an einer Stelle bei der 

Bundesanwaltschaft bekundet. Diese Aussage bestätige, dass es am Tref-

fen vom 8. Juli 2015 nicht oder zumindest nicht nur um allgemeine straf-

rechtliche Fragen gegangen sei. Der Beschwerdeführer habe gegenüber 

der Vorinstanz nie von einem Vorstellungsgespräch gesprochen. Damit 

werde bestätigt, dass die Aussagen des Beschwerdeführers nicht richtig 

bzw. nicht vollständig gewesen seien.  

9.2 Der Beschwerdeführer bestreitet den Vorwurf. Nach der Verhaftung 

verschiedener FIFA-Funktionäre am 27. Mai 2015 habe Joseph Blatter am 

2. Juni 2015 bekannt gegeben, dass er sein Amt als FIFA-Präsident zur 

Verfügung stelle. Aussichtsreichster Kandidat für das FIFA-Präsidium sei 

Michel Platini, damaliger Präsident der Union of European Football Associ-

ations (UEFA), gewesen. Für Gianni Infantino als damaligen Generalsek-

retär der UEFA wäre eine Kandidatur gegen seinen eigenen Präsidenten 

niemals in Frage gekommen. Gianni Infantino habe erst nach der Suspen-

dierung von Michel Platini von seinen Funktionen als FIFA-Funktionär 

durch die Ethik-Kommission im Oktober 2015 kandidiert. Gleichzeitig habe 

er öffentlich bekannt gegeben, dass er seine Kandidatur zurückziehe, falls 

Michel Platini bis zum Wahltermin von der Ethik-Kommission freigespro-

chen werde. Vor diesem Hintergrund erweise sich die Annahme, Rinaldo 

Arnold habe bereits im Juli 2015 im Interesse von Gianni Infantino das Ge-

spräch mit dem Beschwerdeführer gesucht, als frei erfunden und willkür-

A-2138/2020 

Seite 37 

lich. Hinzu komme, dass Gianni Infantino, nachdem er von der angefoch-

tenen Verfügung Kenntnis erlangt habe, die Behauptungen der Vorinstanz 

in einem an deren Präsidenten gerichteten Schreiben vom 25. März 2020 

als inhaltlich falsch und ehrverletzend zurückgewiesen habe.  

In seinen Schlussbemerkungen hält der Beschwerdeführer daran fest, 

dass es beim Treffen vom 8. Juli 2015 um allgemeine strafrechtliche Fra-

gen gegangen sei, die nicht das Geringste mit dem FIFA-Verfahrenskom-

plex zu tun gehabt hätten. Daran ändere nichts, dass sich Rinaldo Arnold 

auch dahingehend geäussert haben möge, dass er sich einen Wechsel zur 

Bundesanwaltschaft vorstellen könnte.  

9.3 Anlässlich der Befragung vom 12. November 2018 durch die 

Vorinstanz gab André Marty in Bezug auf das Treffen vom 8. Juli 2015 an, 

es habe sich um ein Gespräch "zu allgemeinen strafrechtlichen Fragen, 

ohne Beteiligung von Herrn Infantino und ohne Bezug zur Fussballthema-

tik" gehandelt. Bei der gleichentags durchgeführten Befragung des Be-

schwerdeführers war das Treffen vom 8. Juli 2015 kein Thema. An den 

Einvernahmen vom 19. März 2019 sprach André Marty von einem "allge-

meinen Austausch in Strafrechtsfragen". Der Beschwerdeführer seiner-

seits gab damals zu Protokoll, es sei "nicht um den FIFA-Verfahrenskom-

plex" gegangen. Bei seiner Befragung vom 13. November 2019 führte 

André Marty aus, es sei "ein allgemeiner Austausch mit einem kantonalen 

Staatsanwalt, wie z.B. ist die Bundesanwaltschaft organisiert", gewesen. 

Schliesslich gab der Beschwerdeführer anlässlich seiner Einvernahme 

vom 10. Januar 2020 an, es sei um "allgemeine Fragen, Rechtsgrundsätze 

und Kompetenzen der Strafverfolgung in der Schweiz etc." gegangen bzw. 

es sei "ein allgemeiner Austausch" gewesen.  

In Bezug auf den Inhalt des Treffens vom 8. Juli 2015 stimmen die Aussa-

gen des Beschwerdeführers und von André Marty überein. Nach ihren An-

gaben handelte es sich um einen allgemeinen Austausch zu strafrechtli-

chen Themen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz lässt sich aufgrund der 

Aussagen aber nicht auf eine Absprache bzw. gemeinsame Sprachrege-

lung schliessen. Die von André Marty und dem Beschwerdeführer verwen-

deten Formulierungen und Angaben zum konkreten Inhalt des Treffens 

stimmen nicht derart überein, wie dies bei einer gemeinsamen Sprachre-

gelung zu erwarten wäre. Das Aussageverhalten kann daher nicht als Indiz 

für eine Falschangabe des Beschwerdeführers gewertet werden.  

A-2138/2020 

Seite 38 

9.4 Betreffend die Darstellung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-

gung zum ihrer Ansicht nach tatsächlichen Inhalt des Treffens ist festzuhal-

ten, dass die Annahme, Gianni Infantino habe bereits im Zeitpunkt des Tref-

fens am 8. Juli 2015 eine Kandidatur für das FIFA-Präsidium in Betracht 

gezogen, in keiner Weise belegt ist. Die Vorinstanz führt denn auch nicht 

näher aus, worauf sie diese Annahme stützt. Damit ist ihrer Darstellung, 

wonach Rinaldo Arnold bereits am Treffen vom 8. Juli 2015 für Gianni In-

fantino Informationen habe beschaffen wollen, jedoch die Grundlage ent-

zogen. Allein aus dem Umstand, dass Rinaldo Arnold zu einem späteren 

Zeitpunkt für Gianni Infantino bei der Bundesanwaltschaft tätig wurde, kann 

zudem noch nicht darauf geschlossen werden, auch ein früheres Treffen 

habe diese Angelegenheit betroffen. Kommt hinzu, dass Gianni Infantino 

in seinem Schreiben vom 25. März 2020 an die Vorinstanz die Darstellung 

der Vorinstanz gemäss Verfügung explizit als falsch zurückwies. Er habe 

im Jahr 2015 zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden darum gebeten, sich 

mit dem Beschwerdeführer zu treffen. Zudem habe er im Juli 2015 keinerlei 

Pläne und nicht die geringste Absicht gehabt, eines Tages für das Amt des 

FIFA-Präsidenten zu kandidieren. Schliesslich liegen seitens Rinaldo 

Arnold zwar keine im Rahmen des Disziplinarverfahrens gemachten 

Äusserungen zum Treffen vom 8. Juli 2015 vor. Er lehnte beide Gesprächs-

einladungen der Vorinstanz ab und nahm in seinem Antwortschreiben vom 

18. April 2019 nur zum Treffen vom 16. Juni 2017 Stellung. Aus dem von 

der Vorinstanz erwähnten Zeitungsartikel des Walliser Boten vom 1. April 

2020 ergibt sich jedoch, dass auch Rinaldo Arnold die Darstellung der 

Vorinstanz bestreitet. Er habe den Beschwerdeführer damals aus rein per-

sönlichen Gründen getroffen. Es habe sich um ein informelles Vorstellungs-

gespräch gehandelt. Gianni Infantino habe damit nichts zu tun. Bei dieser 

Beweislage kann nicht auf die Darstellung der Vorinstanz in der angefoch-

tenen Verfügung abgestellt werden.  

9.5 Wie erwähnt gab Rinaldo Arnold gemäss dem Bericht des Walliser Bo-

ten vom 1. April 2020 gegenüber der Zeitung an, es habe sich beim Treffen 

vom 8. Juli 2015 um ein informelles Vorstellungsgespräch gehandelt. Er 

habe sein Interesse an einer Stelle bei der Bundesanwaltschaft bekundet. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann aber auch gestützt darauf nicht 

davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer gegenüber der 

Vorinstanz unwahre Angaben zum Inhalt des Treffens gemacht hätte. Zu-

nächst ist nicht einsichtig, weshalb der im Zeitungsartikel zitierten Aussage 

von Rinaldo Arnold eine höhere Glaubhaftigkeit zukommen soll als derje-

nigen des Beschwerdeführers, welche zudem mit den Angaben von André 

Marty übereinstimmt. Es ist denn auch nicht auszuschliessen, dass es sich 

A-2138/2020 

Seite 39 

bei den Angaben von Rinaldo Arnold um eine Art Schutzbehauptung han-

delte. Sodann schliessen sich die Angaben von Rinaldo Arnold und dem 

Beschwerdeführer nicht zwingend gegenseitig aus. Es ist durchaus denk-

bar, dass im Rahmen des allgemeinen Austausches auch ein allfälliger 

Wechsel von Rinaldo Arnold zur Bundesanwaltschaft zur Sprache kam und 

für die Gesprächsteilnehmer deshalb unterschiedliche Aspekte des Tref-

fens im Zentrum standen. Wenn der Beschwerdeführer gegenüber der 

Vorinstanz diesen für ihn nebensächlichen Aspekt des Gesprächs nicht er-

wähnte, auch weil er ihn möglicherweise nicht mehr in Erinnerung hatte, so 

kann darin noch keine Amtspflichtverletzung erblickt werden.  

9.6 Im Übrigen erscheint es auch nicht derart abwegig, dass sich der Bun-

desanwalt mit einem kantonalen Oberstaatsanwalt zu einem allgemeinen 

Austausch zu strafrechtlichen Fragen trifft, dass die diesbezüglichen Anga-

ben des Beschwerdeführers als unplausibel angesehen werden müssten. 

Wie der Beschwerdeführer an seiner Befragung vom 10. Januar 2020 an-

gab, ist die Kompetenzausscheidung zwischen Bund und Kantonen ein 

Dauerdiskussionsthema. Auch die Kontaktaufnahme über den Kommuni-

kationschef André Marty kann nicht als aussergewöhnlich angesehen wer-

den. Sowohl der Beschwerdeführer als auch André Marty gaben in ihren 

Befragungen an, dass André Marty eine "Türöffnerfunktion" zukomme bzw. 

dieser ein "Einfallstor" für Externe sei. Nach den unwiderlegten Angaben 

des Beschwerdeführers kannten sich er und Rinaldo Arnold nicht persön-

lich, auch wenn Rinaldo Arnold als Delegierter und der Beschwerdeführer 

als Vizepräsident des SSK fungierten. Gemäss den ebenfalls unwiderleg-

ten Angaben des Beschwerdeführers gelangten auch in anderen Fällen 

Staatsanwälte oder Oberstaatsanwälte nicht direkt an ihn. Dass André 

Marty als Nicht-Jurist am Treffen vom 8. Juli 2015 teilnahm, erscheint so-

dann ebenfalls nicht als ungewöhnlich, zumal der Kontakt zwischen Ri-

naldo Arnold und dem Beschwerdeführer über ihn lief und André Marty ge-

mäss seinen Angaben an der Befragung vom 13. November 2019 immer 

wieder an solchen Gesprächen mit Externen, an welchen es nicht um ope-

rative Geschäfte gehe, dabei sei. Es ist zudem einleuchtend, dass der Be-

schwerdeführer an solchen Besprechungen eine minimale Begleitung ha-

ben muss, wie dies André Marty am 13. November 2019 ebenfalls zu Pro-

tokoll gab. Abschliessend bleibt anzufügen, dass es aus Sicht von Rinaldo 

Arnold durchaus Sinn ergeben kann, in seiner Funktion als kantonaler 

Oberstaatsanwalt ein Gespräch mit dem Beschwerdeführer zu allgemei-

nen strafrechtlichen Themen zu initiieren. Dies umso mehr, wenn man da-

von ausgeht, dass es ihm schlussendlich offenbar darum ging, sein Inte-

resse an einer Stelle bei der Bundesanwaltschaft zu bekunden.  

A-2138/2020 

Seite 40 

9.7 Insgesamt vermag die Vorinstanz nach dem zuvor Ausgeführten nicht 

rechtsgenüglich nachzuweisen, dass der Beschwerdeführer ihr gegenüber 

unwahre Angaben zum Inhalt des Treffens vom 8. Juli 2015 gemacht hätte. 

Der Vorwurf einer diesbezüglichen Amtspflichtverletzung erweist sich des-

halb als unbegründet.  

10.  

Ebenfalls eine vorsätzliche Verletzung der Treuepflicht aufgrund unwahrer 

Angaben ihr gegenüber wirft die Vorinstanz dem Beschwerdeführer in Be-

zug auf die Existenz des Treffens vom 16. Juni 2017 vor (vgl. Ziff. 5.2.3.1/b 

der angefochtenen Verfügung). 

10.1 Die Vorinstanz begründet die Amtspflichtverletzung damit, dass der 

Beschwerdeführer ihr gegenüber das Treffen vom 16. Juni 2017 geleugnet 

habe, obwohl es die Aktenlage wie auch die Eintragung in seinem eigenen 

Kalender belegen würden. In der Disziplinaruntersuchung habe er geltend 

gemacht, sich nicht daran erinnern zu können. Anlässlich seiner Befragung 

vom 12. November 2018 habe er auf die Frage, ob es – nebst den Gesprä-

chen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 – zu weiteren Gesprächen mit 

Vertretern der FIFA oder der UEFA gekommen sei, geantwortet: "Nein. Nie 

auf Stufe Bundesanwalt". Diese Antwort sei zeitlich näher am Treffen er-

folgt, was die nachträgliche Berufung auf Sich-Nicht-Erinnern-Können als 

deutlich nachgeschoben erscheinen lasse. Sie (die Vorinstanz) sei daher 

überzeugt, dass der Beschwerdeführer am 12. November 2018 ihr gegen-

über wissentlich und willentlich die Unwahrheit gesagt habe.  

In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz ergänzend aus, aufgrund von 

nach Abschluss der Disziplinaruntersuchung erschienen Medienberichten 

deute inzwischen Verschiedenes darauf hin, dass auch ein mit den Fuss-

ballverfahren befasster Staatsanwalt des Bundes am Treffen teilgenom-

men habe. In den Medien erwähnt worden seien Joël Pahud und Cédric 

Remund. Diese seien deshalb hierzu durch das Bundesverwaltungsgericht 

zu befragen. Die Teilnahme eines untersuchenden Staatsanwalts hätte