# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc37f93a-f8ed-5f6a-a586-0ad9c9e1ff82
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-12
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Standardindikatoren nicht beurteilbar. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2017.01107
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.01107.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.01107
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Sozialversicherungsrichterin Käch
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
12. Januar 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
schadenanwaelte.ch AG
Industriestrasse 13c, 6300 Zug
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1975,
war vom
1.
Oktober
2007
bis
am 3
1.
Januar
2015
bei
der
Y.___
,
Z.___
,
als
Mitarbeiter in der Abteilung
Prepress
tätig, w
obei der letzte Arbeitstag am 2
9.
Januar
2015 war (
Urk.
8/10
Ziff.
2.1-2
). Unter Hinweis auf
seit der Jugendzeit bestehende chronische De
pressionen,
eine
Konzentrationsschwäche
und auf
bipolare Verhaltensstörungen
meldete sich der Versicherte am
1
4.
Juni
2016
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8
/4
Ziff.
6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab
und
auferlegte dem Versicherten am 2
3.
März
2017 eine Schadenminderungs
pflicht in dem Sinne, sich zur Verbesserung seines Gesundheitszustandes in fachärztliche psychiatrische ambulante Behandlung zu begeben (
Urk.
8/40). Nach
durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/41;
Urk.
8/45
) verneinte di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
September
2017
einen
Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversicherung
(
Urk.
8/52
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte erhob am 1
1.
Oktober
2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
1.
September 2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm Leistungen gemäss
dem
Bun
desgesetz über
die Invalidenversicherung (IVG)
,
namentlich
Rentenleist
ungen und berufliche Massnahmen
,
zuzusprechen. Eventuell sei er durch das Gericht medizinisch begutachten zu lassen. Subeventuell sei die Sache zur Einholung ei
nes medizinischen Gutachtens an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte
er
um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege
(
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
November
2017 (
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
7.
Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
ren
tenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Ur
teil 8C_130/2017 vom 30. November
2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren
bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und
eingliederungsamamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember
2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V
281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre
leistungsanspruchsverneinende
Verfü
gung (
Urk.
2) damit, die Therapieoptionen seien noch nicht ausgeschöpft
,
und eine Therapieresistenz könne verneint werden.
Es sei
dem Beschwerdeführer
zumutbar, trotz Beschwerden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Es sei kein psychisches Leiden ausgewiesen, welches Leistungen der Invalidenversicherung auslöse.
Aus medizinischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in einer an
gepassten Tätigkeit ausgewiesen.
Für eine erneute Prüfung von Arbeitsvermitt
lung könne sich der
Beschwerdeführer schriftlich melden (S. 2
).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
er leide an einer aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevanten Erkran
kung und könne seine angestammte Tätigkeit als Grafiker nicht mehr ausüben. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit durch den Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) sei weder begründet noch nachvollziehbar. In Anbetracht des bisherigen Verlaufes der Erkrankung müsse auch in angepasster Tätigkeit auf eine hochgradige Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden (S.
7
Ziff.
18
, S. 10
Ziff.
24
)
.
Zudem könne
der „Depressions-Praxis“ des Bundesge
richts und
dem
von ihm verwendeten
Ver
ständnis der Therapieresistenz
nicht gefolgt werden (S. 8 f.
Ziff.
2
1
-23).
Ohnehin sei die Stellungnahme der Fachex
pertin der Beschwerdegegnerin nicht haltbar (
S.
7 f.
Ziff.
19-20,
S. 10 f.
Ziff.
26-27). Die Beschwerdegegnerin habe in grober Weise gegen ihre Untersu
chungspflicht gemäss
Art.
43 ATSG verstossen (S. 11
Ziff.
28).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung und in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerde
gegnerin den Sachverhalt in genügender Weise abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte in seinem Bericht vom
1
7.
November
2016 (
Urk.
8/32)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mitte
lgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
kom
binierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
Dr.
A.___
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem
7.
März
2006 mit län
geren Behandlungsunterbrüchen bei ihm in Behandlung und die letzte Kontrolle sei am 1
6.
November 2016 erfolgt (
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Grafiker bestehe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (
Ziff.
1.6).
Dr.
A.___
führte aus,
der Beschwerdeführer leide an starken Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie an einer hohen Ablenkbarkeit. Es bestehe eine starke Antriebs- und Motivationsminderung sowie eine Lethargie
,
und die Stimmung sei durchschnittlich gedrückt. Es bestehe ein sozialer Rückzug.
Beim
Patienten bestünden durchgehend und bis weit in die Lebensgeschichte
zurückverfolgbare
teilweise starre, automatisierte Bewertungs- und Interpretati
onsmuster, die sich vor allem in sozialen Interaktionen manifestierten und aus
wirkten. Daneben existiere ein sehr hoher Anspruch an die kategorische Einhal
tung von We
rten
.
Die sehr hohe
n Ansprüche und Erwartungen an a
nd
e
re, den sehr rigiden Wert
vorstellungen zu entsprechen
,
gepaart mit einer hohen Sensibilität gegenüber Grenzverletzungen
,
führe zu einer deutlich gesteigerten Empfindlichkeit bezie
hungsweise niedrige
n
Frustrationstoleranz gegenüber mangelndem Respekt
oder Missachtung dieser Werte und Zurücksetzungen.
Es bestehe eine Neigung zu länger dauerndem Groll aufgrund der Unfähigkeit, subjektiv erlebte Beleidigungen, Verletzungen oder Missachtungen zu verzei
hen. Dies führe ebenfalls zu beharrlichem situations
un
angemessenem Bestehen auf eigenen Rechten.
Aus diesen vom Patienten nicht regulierbaren dysfunktionalen Schemata, die sich in sozialen Interaktionen in allen Lebensbereichen zeigten, resultiere ein Man
g
el an engen vertrauenswürdigen Beziehungen sowie ein Unvermögen, längerfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten. Dies führe wiederum zu wieder
holten emotionalen Krisen, zur Genese und Aufrechterhaltung der depressiven Symptomatik sowie zu einem ausgeprägten sozialen Rückzug zur Vermeidung von sozialen Aktivitäten aus Furcht von Konflikten, Missbilligung oder Ableh
nung.
Dr.
A.___
führte aus, aufgrund der gegenwärtig vorliegenden kognitiven Beein
trächtigungen und der mittelgradig ausgeprägten depressiven Symptomatik
,
sei die bisherige Tätigkeit im angestammten Beruf nicht zumutbar. Unter der An
nahme einer Remission der depressiven Symptomatik sei unter Berücksichti
gung der Persönlichkeitsst
örung und der damit verbundenen
erheblichen und andauernden Funktionseinschränkungen eine Tätigkeit im bisherigen Beruf dann möglic
h, wenn ein empathisches Umfeld
Verständnis für die sozialen In
teraktionsschwierigkeiten sowie Flexibilität zur Anpassung der Belastbarkeit, des Arbeitstempos und des zeitlichen Druckes mitbringe. Ob dies im ersten Ar
beitsmarkt realistisch umsetzbar sei, könne er nicht beurteilen. Für eine berufli
che Tätigkeit, die diesen Kriterien nicht entspreche, bestehe eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit (
Ziff.
1.7).
Dr.
A.___
hielt abschliessend fest, aufgrund der erheblichen Funktionsein
schränkungen, die sich vor allem aufgrund der Persönlichkeitsstörung ergäben und prognostisch als andauernd angesehen werden müssten, könne die Chance zur Wiedereingliederung durch eine Massnahme zur Arbeitsintegration aus
sei
ner Sicht verbessert werden
(
Ziff.
1.8).
3.2
Med.
pract
.
B.___
,
Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie,
RAD,
führte in seiner Stellungnahme vom
1
0.
März 2017 (
Urk.
8/39/5
) aus, der Kunde sei in der Lage gewesen, zwischen 2007 und 2015 zu 100
%
einer Er
werbstätigkeit nachzugehen. Die Beurteilung von
Dr.
A.___
sei im Hinblick auf die Eingliederungsmassnahm
en nachvollziehbar. Ein dauerha
ft die Arbeitsfä
higkeit einschränkender Gesundheits
schaden könne attestiert werden. M
edizi
nisch-theoretisch sei eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in angepasster Tätigkeit überwiegend wahrscheinlich umsetzbar.
3.3
Dr.
A.___
führte in seinem gegen den Vorbescheid vom 2
3.
Mä
rz
2017 (
Urk.
8/41) verfassten
Einwands
chreiben
vom 1
3.
April
2017 (
Urk.
8/45) aus,
entgegen der Feststellung des RAD-Arztes
habe in seinem Bericht vom 1
7.
November 2016 eine klare Beschreibung für eine angepasste Tätigkeit for
muliert (S. 2 oben). Er habe festgehalten, dass die Chance zur Wiedereingliede
rung durch eine Massnahme zur Arbeitsintegration, wenn sich der Kunde bereit dazu fühle, verbessert werden könne. Es seien jedoch keine weiteren Eigliede
rungsmassnahmen unternommen worden, obwohl
selbst
die Beschwerdegegne
rin die Chance zur Wiedereingliederung durch Massnahmen der Arbeitsintegra
tion als gegeben ansehe (S. 3 oben). Das Fazit, dass die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft seien und eine Therapieresistenz verneint werden könne, entbehre
jeglicher fachärztlicher
Begründung
.
Auch die Aussage, dass es dem
Beschwerdeführer
zumutbar sei, trotz Beschwerden einer Erwerbstätigkeit nach
zugehen
,
und dass kein psychisches Leiden ausgewiesen sei, welches aus invali
denversicherungsrechtlicher Sicht relevant sei, stehe in diametralem Wider
spruch zu den vormals getroffenen Feststellungen. Von Seiten des RAD sei ein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränk
ender Gesundheitsschaden attestiert und lediglich von einer überwiegend wahrscheinlich umsetzbaren Arbeitsfähig
keit von 80
%
in angepasster Tätigkeit ausgegangen worden (S. 3 Mitte). Es sei unzutreffend, dass eine Persönlichkeitsstörung alleine oder in Kombination mit einer mittlerweile
chronifizierten
depressiven Störung an sich nicht qualifiziert sei, ein Rentenbegehren zu begründen (S. 4
Ziff.
6).
Dr.
A.___
führte weiter aus, trotz wiederkehrenden Behandlungsunterbrüc
hen, könne von einer nunmehr elf
jährigen, kontinuierlich erfolgten Behandlung mit überwiegend hoher Frequenz über längere Zeiträume ausgegangen werden. Be
reit
s
von August 2002 bis April 2003 habe sich der Patient
aufgrund einer de
pressiven Störung mit generalisierter Angst und dem Verdacht auf eine schizoi
de Persönlichkeitsstörung
im Ambulatorium des
C.___
in am
bulanter Behandlung befunden
(S. 5 oben
; vgl. dazu
Urk.
8/37/5
).
Während der gesamten Dauer der Behandlung habe hinsichtlich der Persönlich
keitsstörung trotz konsequent durchgeführter Therapie keine Veränderung die
ser Schemata erzielt werden können
.
Es
sei
fachmedizinisch unstrittig, dass Per
sönlichkeitsstörungen an sich eine hohe Therapie
resistenz
aufwiesen und thera
peutisch nur schwer angegangen werden könnten. Es sei also hinsichtlich der Persönlichkeitsstörung unzutreffend, dass die Therapieoptionen noch nicht aus
geschöpft seien und eine Therapieresistenz ve
rneint werden könne. Es liege in
Bezug auf die Persönlichkeitsstörung ein stark
chronifiziertes
und therapieresis
tentes Leiden vor (S. 5 Mitte).
Dr.
A.___
hielt weiter fest
, während des langen Behandlungszeitraumes hätten sich auch häufig rezidivierend depressive Episoden mittelgradiger Ausprägung mit Suizidalität eingestellt
. Im Rahmen dieser Episoden seien
auch die psychiat
rischen
Hospitalisationen
im
C.___
(Januar 2006 und Januar 2012
; vgl. auch
Urk.
8/37/2-5
) erfolgt. Eine leicht depressive Symptomatik habe während des gesamten Beobachtungszeitraums bestanden (S. 5 Mitte). Bei der depressiven Störung liege mittlerweile ebenfalls ein seit weit über einem Jahr eigenständiger
und
chronifizierter
Gesundheitsschaden mit erheb
lichen
Funkti
onseinschränkungen vor, der trotz multimodaler Therapiestrategien nicht habe beeinfluss
t
werden können und Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe (S.
5 unten f.).
Bis Ende
2014 sei es dem Patienten durch die bis dahin noch vorhandenen Res
sourcen gelungen, seine Arbeitstätigkeit aufrecht zu erhalten, wobei in Bezug
auf den Arbeitsplatz gemäss seinen Angaben berücksichtigt werden müsse, dass das Verhältnis des Arbeitgebers gegenüber ihm (Ausfallzeiten, verlangsamtes Arbeitstempo, Konzentrationsschwierigkeiten, soziale Interaktionsschwierigkei
ten, Stimmungsschwankungen) durch eine äusserst wohlwollende, tolerante und stützende Haltung geprägt gewesen sei (S. 6 oben).
Die Funktionseinschränkungen träten beim Beschwerdeführer in den verschie
denen Lebensbereichen (Arbeit, Freizeit) gleichermassen auf
(S. 6 Mitte).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte
das V
orliegen eines invalidisierenden Ge
sundheitsschaden
s
unter Hinweis darauf, dass die Therapieoptione
n noch nicht ausgeschöpft seien,
eine Therapieresistenz verneint werden könne und es dem Beschwerdeführer zumu
tbar sei, trotz der Beschwerden
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Gestützt auf die Einschätzung des RAD-Arztes med.
pract
.
B.___
(vgl. vorstehend E. 3.2)
ging die Beschwerdegegnerin von einer Arbeitsfä
higkeit von 80
%
in angepasster Tätigkeit aus (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.2
Dieser Einschätzung
der Beschwerdegegnerin
kann
nicht gefolgt werden. So genügen
in Anbetracht des vom behandelnden Psychiater
Dr.
A.___
im
Novem
ber 2016
(vgl. vorstehend E. 3.1) und im
April 2017 (vgl. vorstehend E. 3.3) de
tailliert dargelegten Krankheitsb
ildes weder die sehr kurz gehaltene Aktenbeur
teilung des RAD-Arztes med.
pract
.
B.___
noch die nichtfachärztlichen
und sich nicht auf medizinisch fundierte Berichte stützenden
Schlussfolge
rungen
der Fachexpertin
der Beschwerdegegnerin
(vgl.
Urk.
8/
51/2-3
)
,
der medizinischen Situation des Besc
hwerdeführers gerecht zu werden.
Med
.
pract
.
B.___
setzte sich mit der von
Dr.
A.___
diagnostizierten
kombi
nierten
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F61.0)
und den daraus resultierenden
Einschränkungen
des Beschwerdeführers
sowohl im Privat
-
als
auch im Er
werbsleben
und dem als
chronifiziert
beschriebenen depressiven Leiden
nicht auseinander, sondern tippte
in seiner Stellungnahme vom Februar
2017
zu
nächst
lediglich de
n
Bericht
von
Dr.
A.___
ab (vgl.
Urk.
8/39/3-4). In der Folge
lässt
sich auch die
von med.
pract
.
B.___
in seiner Stellungnahme vom
März
2017 (vgl. vorstehend E. 3.2)
festgesetzte
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdefüh
rers
in angepasster Tätigkeit von 80
%
mangels Begründung
nicht nachvollzie
hen
.
Wie
Dr.
A.___
ausführte,
befand
sich der Beschwerdeführer
zudem
ausgewiese
nermassen
in langjähriger
auch stationärer
Therapie
, mit welchem Umstand sich die Beschwerdegegnerin nicht auseinandergesetzt hat.
D
as Kriterium der Thera
pieresistenz ist, wie
Dr.
A.___
zu Recht bemerkte, bei einer Persönlichkeitsstö
rung
zudem
nicht relevant.
Im
Übrigen hat das Bundesgericht
a
m 3
0.
November
2017 seine Praxis zur Be
urteilung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente
bei psychischen Leiden geän
dert
(vgl. vorstehend E. 1.2)
. Die
für somatoforme Schmerzstörungen entwickel
te Rechtsprechung
, wonach in einem strukturierten Beweisverfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der betroffenen Person zu ermitteln ist,
findet künftig auf sämtliche psychischen Erkrankungen Anwendung
. Für
leichte bis mittelschwere Depressionen
im
Speziellen
bedeutet dies, dass dem bisherigen Kriterium der „Therapieresistenz“ als Voraussetzung für eine IV-Rente
nicht
mehr die gleiche Bedeutung zukommt (vgl.
Urteile des Bundesgericht
s
8C_841/2016 und 8C_130/2017 vom 3
0.
November
2017 sowie
Medienmitteilung des Bundesgerichts vom 1
4.
Dezember 2017
).
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesge
richts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.4
Da
damit
lediglich eine ausführliche Beurteilung des behandelnden Arztes
Dr.
A.___
vorliegt, dessen Ausführungen aber, da seine
auf
tragsrechtliche
Ver
trauensstellung
zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss,
mit
einer
gewisse Zurückhaltung
zu würdigen sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc), und die Einschätzung des RAD-Arztes med.
pract
.
B.___
sich auch vor dem Hintergrund der geänderten Rechtsprechung
in Bezug auf die ausschlag
geben
den
Standardindikatoren (vorstehend E.
1.2)
als ungenügend erweist,
fehlt es vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beur
teilung der Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in psychiatrischer Hinsicht. Zur Beurtei
lung
seiner
invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche bedarf es daher
zu
sätzlicher medizinischer Grundlagen im Sinne eines psychiatrischen Gutachtens, welches sich zu den offenen Fragen unter Berücksichtigung der Anforderungen
gemäss
den
bundesgerichtlichen
Urteil
en
vom 3
0
.
November
2017
(
8C_841/2016, 8C_130/2017
)
äussert
.
Die angefochtene Verfügung vom 1
1.
September 2017
(Urk. 2) ist folglich auf
zuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Er
wägungen und zu erneutem Entschei
d über den
Rentenanspruch
des Beschwer
deführers
und
zur Prüfung
der von
Dr.
A.___
wiederholt empfohlenen
berufli
chen Eingliederungsmassen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim massgebenden Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuz
üg
lich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘5
00.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
5.3
Entsprechend erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2) als
gegenstandslos
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass die Verfüg
ung der Beschwerde
gegnerin vom 1
1.
September 2017
aufgehoben und die Sache an diese zurückgewie
sen wird, damit sie nach Durchführung der erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen ne
u über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
7
00
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2‘500
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchucan