# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbde1ff0-65e4-5e62-bf39-715216b2e3b6
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-10-20
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 20.10.2015 RR.2015.256
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2015-256_2015-10-20.pdf

## Full Text

Entscheid vom 20. Oktober 2015  
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Emanuel Hochstrasser,  

Gerichtsschreiber Miro Dangubic  

 

Parteien 

  

A., zurzeit in Auslieferungshaft, 

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich 

Auslieferung,  

 

Beschwerdegegner 

 

Gegenstand  Auslieferung an Deutschland 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); 

Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2015.256 / RP.2015.58 

 

 

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Sachverhalt: 

 

 Mit Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) vom 

23. Juni 2015 ersuchten die deutschen Behörden um Verhaftung zwecks 

Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen A. Die Ausschreibung 

erfolgte gestützt auf den Europäischen Haftbefehl der Staatsanwaltschaft 

Duisburg vom 22. Mai 2015 zur Vollstreckung des Urteils des Amtsgerichts 

Oberhausen vom 6. Februar 2014 wegen Sachbeschädigung (Voll-

streckung einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten abzüglich 37 Tagen bereits 

verbüsster Haft; act. 8.1).  

 

 

 Am 30. Juni 2015 wurde A. vom Grenzwachtkorps Basel-Bahn in Basel 

angehalten und gestützt auf die Haftanordnung des Bundesamtes für Justiz 

(nachfolgend "BJ") gleichentags in provisorische Auslieferungshaft versetzt 

(act. 8.2).  

 

 

 Im Rahmen seiner Einvernahme vom 1. Juli 2015 erklärte A., dass er mit 

einer vereinfachten Auslieferung an Deutschland nicht einverstanden sei 

(act. 8.3). 

 

 

 Mit Auslieferungshaftbefehl vom 1. Juli 2015 verfügte das BJ die 

Auslieferungshaft gegen A. (act. 8.4). Dagegen gelangte A. mit Beschwerde 

vom 9. Juli 2015 an das hiesige Gericht. Seine Beschwerde wurde mit 

Entscheid des Bundesstrafgerichts RH.2015.15 vom 27. Juli 2015 abge-

wiesen. In der Folge erhob A. auch Beschwerde beim Bundesgericht. Mit 

Urteil vom 14. August 2015 trat das Bundesgericht auf die Beschwerde nicht 

ein (act. 8.11).  

 

 

 Am 14. Juli 2015 stellte das Justizministerium des Landes Nordrhein-

Westfalen das formelle Auslieferungsersuchen gegen A. (act. 8).  

 

 

 Mit Auslieferungsentscheid vom 7. August 2015 bewilligte das BJ die die 

Auslieferung von A. an Deutschland für die dem Auslieferungsersuchen des 

Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen vom 14. Juli 2015 zu 

Grunde liegenden Straftaten (act. 8). 

 

 

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 Dagegen gelangt A. mit handschriftlicher Beschwerde vom 4. Septem-

ber 2015 an das hiesige Gericht und beantragt "die Abweisung seiner 

Auslieferung" (act. 1).  

 

 

 Die Beschwerdeantwort erfolgte am 1. Oktober 2015 (act. 8). Der Be-

schwerdeführer replizierte am 10. Oktober 2015, was dem Gesuchsgegner 

am 15. Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 10 und 11).  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sind 

primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-

ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1), das hierzu ergangene zweite Zusatzprotokoll 

vom 17. März 1978 (2. ZP EAUe; SR 0.353.12), welchem beide Staaten 

beigetreten sind, sowie der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland 

über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung 

(ZV EAUe; SR 0.353.913.61) massgebend. Ausserdem gelangen die 

Bestimmungen der Art. 59 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur 

Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 

(Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; Abl. L 239 vom 

22. September 2000, S. 19 – 62) zur Anwendung (BGE 136 IV 88 E. 3.1 

S. 89), wobei die zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehenden 

Bestimmungen aufgrund bilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 59 

Abs. 2 SDÜ).  

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des 

ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das 

Bundesgesetz über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; 

SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale 

Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11). Dies gilt auch im Verhältnis 

zum SDÜ (Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt nach 

dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere 

Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE  140 IV 123 E. 2 S. 126; 

137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; 122 II 140 E. 2; 

DANGUBIC/KESHELAVA, Basler Kommentar, Internationales Strafrecht, Basel 

2015, Art. 12 IRSG N 1). Vorbehalten bleibt die Wahrung der 

Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c S. 616).  

http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595

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2. Gegen Auslieferungsentscheide des Bundesamtes kann innert 30 Tagen seit 

der Eröffnung des Entscheides bei der Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. 

Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 

19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [StBOG; 

SR 173.71]).  

Die Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf 

die Beschwerde ist daher einzutreten. 

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der 

Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die aus der 

Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 123 II 134 E. 1d S. 136 f.; 122 II 367 

E. 2d S. 372, mit Hinweisen). Ebenso wenig muss sich die urteilende Instanz 

nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit allen Parteistandpunkten 

einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich 

widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte 

beschränken, und es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die 

Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr 

Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, 

E. 5.2, mit weiteren Hinweisen).  

 

 

4. Der Beschwerdeführer stellt einen Antrag auf mündliche Verhandlung 

(act. 1). Diesbezüglich gilt es festzuhalten, dass im Rahmen der Beschwerde 

in Auslieferungssachen ans Bundesstrafgericht weder das VwVG noch das 

IRSG eine mündliche öffentliche Verhandlung vorschreiben. Vielmehr ist das 

Verfahren vor der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts im 

Grundsatz schriftlich. Eine mündliche Parteiverhandlung kann nach 

richterlichem Ermessen angeordnet werden (Art. 57 Abs. 2 VwVG). Dies 

kann insbesondere nötig sein, wenn Beweiserhebungen durch das Gericht 

sachlich notwendig erscheinen oder wenn die grundrechtlich garantierten 

Parteirechte eine öffentliche Anhörung verlangen. Art. 6 Ziff. 1 EMRK 

schreibt eine öffentliche Parteianhörung bei Verfahren betreffend 

zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen vor sowie bei Urteilen über 

strafrechtliche Anklagen. Bei der Prüfung von Auslieferungsersuchen geht 

es weder um zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen noch um eine 

strafrechtliche Anklage. Das Rechtshilfeverfahren stellt kein Strafverfahren 

dar, bei dem durch den Rechtshilferichter über die allfällige Schuld und 

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Strafe zu entscheiden wäre. Vielmehr werden Rechtshilfeverfahren als 

verwaltungsrechtliche Streitsachen betrachtet, was auch für Aus-

lieferungsverfahren gilt (Urteile des Bundesgerichtes 1A.247/2005 vom 

25. Oktober 2005, E. 2.2; 1A.225/2003 vom 25. November 2003, E. 1.5, je 

m.w.H.; s. auch Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2011.91 vom 4. Ju-

li 2011, E. 6; RR.2009.76 vom 9. Juli 2009, E. 2.2; RR.2008.283-284 vom 

24. März 2009, E. 15). Demnach ist dem Verfahrensantrag auf mündliche 

Verhandlung keine Folge zu leisten. 

 

 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer bringt sinngemäss vor, dass er die ihm im 

Rechtshilfeersuchen vorgeworfene Tat nicht begangen habe. Die Duisburger 

Polizei sei in der Tatnacht mehrfach bei ihm gewesen, womit er ein Alibi 

habe. Er hoffe, dass der Beschwerdegegner die ihm in diesem Zusammen-

hang gebotenen Abklärungen vornehmen werde und er somit den 

Alibibeweis führen könne (act. 1).  

 

5.2 Gemäss Art. 12 Ziff. 2 lit. b EAUe hat das Auslieferungsersuchen eine 

Darstellung der Handlungen, derentwegen um Auslieferung ersucht wird, zu 

enthalten. Zeit und Ort ihrer Begehung sowie ihre rechtliche Würdigung unter 

Bezugnahme auf die anwendbaren Gesetzesbestimmungen sind so genau 

wie möglich anzugeben. Unter dem Gesichtspunkt des hier massgebenden 

EAUe reicht es grundsätzlich aus, wenn die Angaben im Rechts-

hilfeersuchen sowie in dessen Ergänzungen und Beilagen es den schwei-

zerischen Behörden ermöglichen zu prüfen, ob ausreichende Anhaltspunkte 

für auslieferungsfähige Straftaten vorliegen, ob Verweigerungsgründe ge-

geben sind bzw. für welche mutmasslichen Delikte dem Begehren allenfalls 

zu entsprechen ist. Der Rechtshilferichter muss namentlich prüfen können, 

ob die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt ist. Es kann 

hingegen nicht verlangt werden, dass die Behörden des ersuchenden 

Staates den Sachverhalt, der Gegenstand ihrer Strafuntersuchung bildet, 

lückenlos und völlig widerspruchsfrei darstellen und die Tatvorwürfe bereits 

abschliessend mit Beweisen belegen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck 

des Auslieferungsverfahrens unvereinbar. Die ersuchte schweizerische 

Behörde hat sich beim Entscheid über ein ausländisches Begehren nicht 

dazu auszusprechen, ob die darin angeführten Tatsachen zutreffen oder 

nicht. Sie hat somit nach dem Grundsatz der abstrakten beidseitigen 

Strafbarkeit (vgl. BGE 136 IV 179 E. 2, 2.3.4) weder Tat- noch Schuldfragen 

zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen. Sie 

ist vielmehr an die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen gebunden, 

soweit diese nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche 

entkräftet wird (vgl. BGE 133 IV 76 E. 2.2 S. 79; 132 II 81 E. 2.1 S. 83 f.; 

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Urteile des Bundesgerichts 1C_205/2007 vom 18. Dezember 2007, E. 3.2; 

1A.297/2005 vom 13. Januar 2006, E. 2.3 und 3.5, je m.w.H.). Dies gilt 

besonders, wenn die Sachverhaltsdarstellung sich auf ein Strafurteil stützt 

(Urteil des Bundesgerichts 1A.2/2004 vom 6. April 2004, E. 3.2).  

 

5.3 Dem Rechtshilfeersuchen liegt folgender Sachverhalt zu Grunde (act. 8.5):  

 

Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, in der Nacht vom 3. Mai 2013 

bzw. 4. Mai 2013 in Z. (Deutschland) bei neun Fahrzeugen die Pneus mit 

einem Schweizer Armeemesser aufgeschlitzt zu haben. Dabei soll er aus 

reinem Vergnügen gehandelt haben.  

 

Wie die Wiedergabe des Sachverhaltsvorwurfs zeigt, sind der 

Sachverhaltsdarstellung der ersuchenden Behörde keine offensichtlichen 

Fehler, Lücken oder Widersprüche zu entnehmen, welche die Sachverhalts-

vorwürfe entkräften würden. Aus diesem Grund ist diese Sachverhalts-

darstellung für den Rechtshilferichter bindend und den nachfolgenden 

Erwägungen zu Grunde zu legen. Die Kritik des Beschwerdeführers an der 

Sachverhaltsdarstellung erschöpft sich in der pauschalen Bestreitung der 

Tat. Mit dieser Einwendung ist der Beschwerdeführer im Auslieferungs-

verfahren nach den oben erwähnten Grundsätzen (siehe E. 5.2) – unter 

Vorbehalt der Möglichkeit des Alibibeweises gemäss Art. 53 IRSG (vgl. 

hierzu nachfolgende E. 5.4) – nicht zu hören. 

 

5.4 Behauptet der Verfolgte, beweisen zu können, dass er zur Zeit der Tat nicht 

am Tatort war, so nimmt das BJ die gebotenen Abklärungen vor (Art. 53 

Abs. 1 IRSG). In klaren Fällen wird die Auslieferung verweigert. Andernfalls 

wird der ersuchende Staat unter Vorlage der entlastenden Beweise 

aufgefordert, innert kurzer Frist zu erklären, ob er das Ersuchen 

aufrechterhalten will (Art. 53 Abs. 2 IRSG). Das bedeutet freilich nicht, dass 

in der Schweiz ein spezielles und komplexes Untersuchungsprozedere 

eingeleitet wird, wenn jemand ein Alibi geltend macht; es werden keine 

eigentlichen Recherchen verlangt (BGE 112 Ib 215 E. 5b S. 221 m.w.H.). 

Den Alibibeweis kann der Verfolgte nur mit dem Nachweis führen, dass er 

zur fraglichen Zeit überhaupt nicht am Tatort war oder dass es sich um einen 

Irrtum in der Person handelt. Dieser Nachweis ist unverzüglich und ohne 

Weiterungen zu erbringen. Sind bei einem angerufenen Zeugen des 

angeblichen Alibis Zweifel über die Glaubwürdigkeit nicht zum vornherein 

ausgeschlossen, so ist das Alibi nicht ohne Verzug nachgewiesen. Gemäss 

der bundesgerichtlichen Praxis sind solche Zweifel nicht von vornherein von 

der Hand zu weisen, wenn es sich bei den angerufenen Zeugen um dem 

Verfolgten nahe stehende Bezugspersonen handelt und somit die 

Möglichkeit besteht, dass es sich um Gefälligkeitserklärungen handelt (siehe 

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hierzu BGE 123 II 279 E. 2b S. 282 m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 

1A.174/2006 vom 2. Oktober 2006, E. 4.5; Entscheid des Bundesstraf-

gerichts RR.2013.102 vom 18. Juli 2013, E. 5.3). 

 

Lediglich die sinngemässe Behauptung, man sei zum Tatzeitpunkt nicht am 

Tatort gewesen, genügt nicht, um unverzüglich und ohne weiteres einen 

Alibibeweis im obgenannten Sinne zu erbringen. Der Beschwerdeführer 

verkennt zudem, dass das Auslieferungsverfahren nicht der nachträglichen 

Überprüfung der Beweiswürdigung rechtskräftiger Strafurteile durch den 

Rechtshilferichter dient. Die diesbezügliche Rüge des Beschwerdeführers 

erweist sich somit als unbegründet.  

 

 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer macht weiter dem Sinn nach geltend, dass es sich 

beim oben wiedergegebenen Sachverhaltsvorwurf um eine nicht aus-

lieferungsfähige strafbare Handlung handle, da die Mindestsanktion nicht 

gegeben sei (act.1).  

 

6.2 Die Vertragsparteien des EAUe sind grundsätzlich verpflichtet, einander 

Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersuchenden 

Staates wegen strafbaren Handlungen verfolgt werden, welche sowohl nach 

dem Recht des ersuchenden als auch nach dem des ersuchten Staates mit 

einer Freiheitsstrafe oder die Freiheit beschränkenden sichernden 

Massnahme im Höchstmass von mindestens einem Jahr oder mit einer 

schwereren Strafe bedroht sind (Art. 1 und 2 Ziff. 1 Satz 1 EAUe). Ist im 

Hoheitsgebiet des ersuchenden Staates eine Verurteilung zu einer Strafe 

erfolgt oder eine sichernde Massnahme angeordnet worden, so muss deren 

Mass mindestens vier Monate betragen (Art. 2 Ziff. 1 Satz 2 EAUe). Gestützt 

auf Art. 2 EAUe wurde Art. II ZV EAUe erlassen. Abs. 1 lautet wie folgt: Eine 

Auslieferung wird auch gewährt, wenn das Mass einer noch zu 

vollstreckenden Strafe oder sichernden Massnahme oder bei mehreren noch 

zu vollstreckenden Strafen oder sichernden Massnahmen deren Summe 

mindestens drei Monate beträgt.  

 

Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Amtsgerichts Oberhausen vom 

6. Februar 2014 i.V.m. dem Urteil des Landesgerichts Duisburg vom 

25. September 2014 zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt, 

wobei er bereits 37 Tage verbüsst hat (act. 8.9, S. 2). Den Tatbestand der 

Sachbeschädigung von Art. 144 Abs. 1 StGB erfüllt, wer eine Sache, an der 

ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, 

beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Strafbar ist daher nicht bloss 

die Veränderung der Substanz, sondern auch das Unbrauchbarmachen bzw. 

https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F0.353.1%2F1

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die Minderung der Funktionsfähigkeit einer fremden Sache. Der oben 

wiedergegebene Sachverhalt (siehe supra E. 5.3) kann ohne weiteres unter 

den Tatbestand der Sachbeschädigung subsumiert werden. Sachbeschädi-

gung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei 

Jahren geahndet.  

 

Nach dem Gesagten liegt vorliegend eine auslieferungsfähige strafbare 

Handlung i.S.v. Art. 2 Abs. 1 EAUe i.V.m. Art. II ZV EAUe vor und die Rüge 

des Beschwerdeführers zielt ins Leere.  

 

 

7. Andere Auslieferungshindernisse werden weder geltend gemacht noch sind 

solche ersichtlich. Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Deutschland 

ist daher zulässig. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten in allen Punkten 

als unbegründet abzuweisen.  

 

 

8.  

8.1 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV. 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren 

als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich 

geringer erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren 

nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren 

ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese 

(BGE 139 III 475 E. 2.2 S. 476; 139 III 396 E. 1.2; 138 III 217 E. 2.2.4; jeweils 

m.w.H.). 

 

8.2 Wie oben dargelegt bestehen an der Rechtmässigkeit der Auslieferung keine 

Zweifel. Demzufolge ist das Begehren des Beschwerdeführers als 

aussichtslos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu bezeichnen. Sein Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege ist demnach bereits aus diesem Grund und 

ohne Überprüfung seiner finanziellen Verhältnisse abzuweisen. 

 

 

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr 

ist auf Fr. 1'500.-- festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG 

sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

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31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in 

Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 21. Oktober 2015 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- A. 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).