# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5d0cc33-adb4-5b9c-a350-25448523ec76
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 23.10.2017 IV 2014/539
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-539_2017-10-23.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/539

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 06.05.2020

Entscheiddatum: 23.10.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 23.10.2017
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Art. 43 ATSG. Invaliditätsbemessung. Einholung 
einer unzulässigen Zweitmeinung (second opinion)? Umgang mit aus der 
Sicht der versicherten Person unnötigen weiteren Abklärungen (Entscheid 
des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 23. Oktober 2017, IV 
2014/539).

Entscheid vom 23. Oktober 2017

Besetzung

Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug (Vorsitz), Versicherungs-richterin Karin 

Huber-Studerus, Versicherungsrichter Ralph Jöhl;

Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.  

IV 2014/539

Parteien

Erben des A.___ sel.:

1.  B.___,

2.  C.___,

3.  D.___,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  E.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli,

c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand 

Rente

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ meldete sich am 31. März 2006 zum Bezug einer Rente der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe (abgesehen von einem 

dreimonatigen Schweisskurs) keine berufliche Ausbildung absolviert. Von März 1999 

bis April 2005 habe er als Metallbearbeiter gearbeitet. Der Allgemeinmediziner Dr. med. 

F.___ berichtete am 12. April 2006 (IV-act. 8), der Versicherte leide an einer 

Discushernie L4/5, an einer starken Osteochondrose L2/3 und L3/4, an einer medianen 

Discusprotrusion L5/S1, an einer Spondylarthrose L3/4 und L5/S1, an einem 

chronischen spondylogenen Schmerzsyndrom, an einer Torsionsskoliose, an 

chronischen Kopfschmerzen und an einer Anpassungsstörung. Seit dem 26. April 2005 

und bis auf weiteres sei er vollständig arbeitsunfähig. Die Ärzte der Klinik Valens hatten 

in einem Austrittsbericht vom 19. September 2005 berichtet (stationäre Behandlung 

vom 4. bis zum 30. August 2005; IV-act. 14), dem Versicherten könne die bisherige 

Tätigkeit halbtags und eine mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit 

uneingeschränkt zugemutet werden. Nach Möglichkeit solle ihm vom Betrieb eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

leichte Arbeit zugeteilt werden. Die ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten 

berichtete am 22. Juni 2006 (IV-act. 18), sie habe diesen vom 16. April 1999 bis am 28. 

Februar 2006 als Metallbearbeiter beschäftigt. Ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung 

hätte sie ihm einen Monatslohn von „3'870 + 420“ Franken bezahlt. Der behandelnde 

Psychiater Dr. med. G.___ reagierte weder auf die Aufforderung der IV-Stelle vom 7. 

April 2006, einen Arztbericht zu erstatten, noch auf die Mahnungen vom 11. Mai 2006, 

vom 15. Juni 2006, vom 8. August 2006 und vom 14. September 2006. Am 16. 

November 2006 empfahl Dr. med. H.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst 

(RAD) deshalb die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 26). Am 16. 

März 2007 erstattete Dr. G.___ dann doch noch einen Arztbericht (IV-act. 33). Er führte 

aus, der Versicherte leide an einer mittel- bis schwergradigen depressiven Störung mit 

psychotischen Symptomen, an einer generalisierten Angststörung, an chronifizierten 

Kopfschmerzen und an einem chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom. 

Seit dem 1. Februar 2006 und bis auf weiteres sei er vollständig arbeitsunfähig. Im 

Auftrag der IV-Stelle erstattete die ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH am 14. 

August 2007 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 36–2 ff.). Die Sachverständigen 

führten aus, der Versicherte leide an einem chronischen lumbovertebralen 

Schmerzsyndrom sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an einer gemischten 

Angst- und depressiven Störung und an einer Schmerzverarbeitungsstörung bei einer 

Medikamenten-Malcompliance. Da er angegeben habe, dass er bei seiner früheren 

Tätigkeit regelmässig habe Zwangshaltungen einnehmen müssen, sei ihm jene 

Tätigkeit aus orthopädischer Sicht nicht mehr zumutbar. Eine körperlich leichte bis 

mittelschwere Tätigkeit in wechselnder Position mit einer Hebe- und Traglimite von 

zehn Kilogramm, ohne Zwangshaltungen der unteren Wirbelsäule, sei dem Versicherten 

dagegen seit April 2005 ganztags zumutbar, wobei allerdings zusätzliche Pausen im 

Umfang von zehn Prozent eingelegt werden müssten. Der RAD-Arzt Dr. H.___ 

qualifizierte dieses Gutachten als überzeugend (IV-act. 37). Mit einer Verfügung vom 3. 

Januar 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten bei einem 

Invaliditätsgrad von 19 Prozent ab (IV-act. 47). Das Versicherungsgericht des Kantons 

St. Gallen wies eine dagegen erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 20. 

Oktober 2009 ab (IV 2008/77; vgl. IV-act. 61).

A.b  Am 21. Dezember 2011 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug 

an (IV-act. 67). Der Anmeldung legte er einen Bericht des Rheumatologen Dr. med. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

I.___ vom 31. Oktober 2011, in dem eine neu aufgetretene subjektive 

Schmerzausstrahlung in die Beine erwähnt worden war, einen Bericht des 

Neurochirurgen Dr. med. J.___ vom 23. September 2011, in dem auf eine mittels MRI 

nachgewiesene progrediente Osteochondrose L2/3 hingewiesen worden war, und 

einen Bericht des Allgemeinmediziners Dr. med. K.___ vom 16. Januar 2012, in dem 

zunehmende Rückenschmerzen seit dem Frühjahr 2011 und eine Erhöhung der 

Dosierung der Psychopharmaka erwähnt worden waren, bei (IV-act. 66). Die IV-Stelle 

teilte dem Versicherten am 6. Januar 2012 mit (IV-act. 70), dass mit den eingereichten 

Berichten noch keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes seit der 

Abweisung des ersten Rentenbegehrens glaubhaft gemacht worden sei. Sie räumte 

ihm die Möglichkeit ein, eine solche Veränderung mittels weiterer Beweismittel 

glaubhaft zu machen. Am 23. Januar 2012 berichtete Dr. G.___ (IV-act. 71), vom 24. 

Februar 2009 bis zum 1. April 2009 habe der Versicherte stationär psychiatrisch 

behandelt werden müssen; die Ärzte der psychiatrischen Klinik L.___ hätten im 

Austrittsbericht eine mittelgradige depressive Episode mit einem somatischen Syndrom 

diagnostiziert. Anschliessend sei die ambulante Behandlung fortgesetzt worden. Die 

Beschwerden hätten sich aber trotzdem weiter intensiviert. Deshalb sei der Versicherte 

nun für eine halbstationäre Behandlung an die Tagesklinik M.___ überwiesen worden. 

Diagnostisch handle es sich um eine rezidivierende depressive Störung mit einer 

gegenwärtig schweren Episode und psychotischen Symptomen, um eine ängstliche 

Persönlichkeitsstörung und um ein chronifiziertes cervico-brachiales und lumbo-

spondylogenes Syndrom. Der Versicherte könne nur noch im geschützten Rahmen 

arbeiten, wobei ihm maximal ein Pensum von 50 Prozent zumutbar sei. Der RAD-Arzt 

Dr. H.___ erachtete eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes angesichts 

dieser Angaben als glaubhaft gemacht (IV-act. 74). Die Tagesklinik M.___ berichtete am 

11. Juli 2012 (IV-act. 84), der Versicherte sei vom 29. Mai 2012 bis zum 29. Juni 2012 

teilstationär behandelt worden. Aus psychiatrischer Sicht liege aktuell eine schwere 

depressive Episode mit psychotischen Symptomen vor. Dem Versicherten seien nur 

noch sehr niederschwellige Aufgaben, eher im Sinne einer Beschäftigungsstruktur und 

maximal für eine Stunde pro Tag, zumutbar. Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten der 

Rheumatologe med. pract. N.___ und der Psychiater Dr. med. O.___ am 7. März 2013 

ein bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 92 f.). Die Sachverständigen hielten fest, der 

Versicherte leide an einem chronischen lumbo-vertebralen bis lumbo-spondylogenen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schmerzsyndrom, an einem Clusterkopfschmerz (anamnestisch), an einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittel- bis schwergradigen 

depressiven Episode und einem somatischen Syndrom sowie vereinzelten 

psychotischen Symptomen, die weitgehend therapieresistent sei, sowie – ohne Einfluss 

auf die Arbeitsfähigkeit – verdachtsweise an einer Symptomausweitung bei einer 

psychosozialen Problemkonstellation und an einem Nikotinabusus. Aus 

rheumatologischer Sicht sei ihm nach wie vor eine ganztägige leidensadaptierte 

Tätigkeit mit einem zusätzlichen Pausenbedarf von zehn Prozent zumutbar. Aus 

psychiatrischer Sicht könne ihm allerdings grundsätzlich keine Tätigkeit mehr 

zugemutet werden. Nur in einem geschützten Arbeitsumfeld sei eine Tätigkeit während 

zwei bis drei Stunden pro Tag vorstellbar. Der RAD-Arzt Dr. med. P.___ qualifizierte das 

Gutachten als sehr gründlich, umfassend und konsistent und vertrat die Ansicht, es 

könne darauf abgestellt werden (IV-act. 94).

A.c  Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 10. April 2013 (IV-act. 96), es falle auf, 

wie diametral sich das rheumatologische und das psychiatrische Teilgutachten 

gegenüberstünden. Der Rheumatologe habe auf einen guten Allgemeinzustand und 

einen durchtrainierten Eindruck hingewiesen, was darauf schliessen lasse, dass sich 

der Versicherte weiterhin regelmässig körperlich betätige. Das passe nicht zum starken 

sozialen Rückzug, den der Psychiater angegeben habe. Es empfehle sich eine neutrale 

Beurteilung der psychischen Verfassung des Versicherten einzuholen. Vielleicht könne 

beim behandelnden Rheumatologen Dr. I.___ nachgefragt werden, ob der Versicherte 

auf ihn einen auffälligen Eindruck gemacht habe. Auf entsprechende Fragen der IV-

Stelle hin führte Dr. I.___ am 23. April 2013 aus (IV-act. 100), seinen Notizen lasse sich 

kein Hinweis auf eine schlechte psychische Verfassung des Versicherten entnehmen. 

Insbesondere hätte er sich notiert, wenn der Versicherte einen hilflosen oder 

verzweifelten Eindruck hinterlassen hätte. Eine Beurteilung der damaligen depressiven 

Verstimmung könne er nicht abgeben und auf einen sozialen Rückzug habe er den 

Versicherten nicht angesprochen. Zwei Sachbearbeiter und ein Mitarbeiter des 

Rechtsdienstes der IV-Stelle notierten am 18. Juli 2013, das psychiatrische 

Teilgutachten von Dr. O.___ überzeuge nicht (IV-act. 101). Der RAD-Arzt Dr. P.___ gab 

am 10. September 2013 an (IV-act. 104), er erachte das Gutachten von Dr. O.___ nach 

wie vor als überzeugend. Aus einer rheumatologischen Befundschilderung könnten 

keine Rückschlüsse auf die psychische Verfassung gezogen werden. Da Dr. I.___ kein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Psychiater sei, seien seine Angaben nicht geeignet, Zweifel am Gutachten von Dr. 

O.___ zu wecken. Mit einem Vorbescheid vom 28. November 2013 teilte die IV-Stelle 

dem Versicherten mit, dass sie sein Rentenbegehren mangels eines 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades abweisen werde (IV-act. 111). Dagegen liess 

der nun vertretene Versicherte am 10. Dezember 2013 (IV-act. 115) und am 14. Januar 

2014 einwenden (IV-act. 116), er sei mit dem vorgesehenen Entscheid nicht 

einverstanden und beantrage die Zusprache einer ganzen Rente. Zur Begründung 

führte seine Rechtsvertreterin aus, es sei kein Grund ersichtlich, der gegen ein 

Abstellen auf das vom RAD als überzeugend qualifizierte Gutachten sprechen würde. 

Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb die IV-Stelle ihre Ergänzungsfragen Dr. I.___ 

und nicht den Sachverständigen gestellt habe.

A.d  Am 30. April 2014 beschloss die IV-Stelle, ein weiteres psychiatrisches Gutachten 

einzuholen (IV-act. 117). Am 21. Mai 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, 

dass sie vorsehe, den Psychiater Dr. med. Q.___ mit einer psychiatrischen 

Begutachtung zu beauftragen (IV-act. 118). Der Versicherte liess am 18. Juni 2014 

einwenden (IV-act. 123), er sei mit der neuerlichen Begutachtung nicht einverstanden. 

Seines Erachtens handle es sich dabei um die Einholung einer unzulässigen 

Zweitmeinung, denn das Gutachten von Dr. O.___ sei überzeugend. Die IV-Stelle hielt 

am 20. Juni 2014 am geplanten Vorgehen fest und führte zur Begründung aus, das 

Gutachten von Dr. O.___ könne den massgebenden Sachverhalt nicht mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen, weshalb es 

sich bei der vorgesehenen Begutachtung durch Dr. Q.___ nicht um die Einholung einer 

Zweitmeinung handle (IV-act. 124). Bereits am 18. Juni 2014 hatte Dr. Q.___ den 

Versicherten psychiatrisch begutachtet. In seinem Gutachten vom 24. Juni 2014 hielt er 

fest (IV-act. 127), im Rahmen der früheren psychiatrischen Begutachtungen sei bislang 

keine Konsistenzprüfung durchgeführt worden, obwohl schon im Jahr 2005 nach einer 

stationären Behandlung in der Klinik Valens auf Inkonsistenzen hingewiesen worden 

sei. Auch bei der aktuellen Untersuchung seien zahlreiche Inkonsistenzen aufgefallen. 

In der Beschwerdeschilderung hätten krankheitstypische Details für die bisher 

gestellten Diagnosen gefehlt. Befunde, die eine Arbeitsunfähigkeit begründen könnten, 

seien nicht vorhanden. Aus psychiatrischer Sicht könne keine Arbeitsunfähigkeit 

attestiert werden. Die RAD-Ärztin Dr. med. R.___ bejahte am 27. Juni 2014 Hinweise 

auf ein suboptimales Leistungsverhalten beziehungsweise auf relevante Inkonsistenzen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

im neuen Gutachten (IV-act. 130). Mit einem (zweiten) Vorbescheid vom 10. Juli 2014 

teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie (nach wie vor) die Abweisung seines 

Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-

act. 134). Dagegen liess der Versicherte am 11. September 2014 einwenden (IV-act. 

135), er habe keine ausreichende Möglichkeit gehabt, sich gegen die Begutachtung zu 

wehren, denn die Untersuchung habe stattgefunden, bevor die Frist zur Stellungnahme 

zur vorgesehenen Begutachtung abgelaufen sei. Ohnehin hätte die IV-Stelle zunächst 

Rückfragen an Dr. O.___ und Herrn N.___ stellen müssen, um etwaige Zweifel 

auszuräumen. Beim Gutachten von Dr. Q.___ handle es sich vor diesem Hintergrund 

um eine unzulässige Zweitmeinung. Zudem habe sich Dr. Q.___ auch zum 

Krankheitsverlauf in der Vergangenheit geäussert, obwohl dies naturgemäss kaum 

möglich sei. Er habe die Angaben der übrigen psychiatrischen Fachärzte ohne 

ausreichende Begründung diskreditiert, was Zweifel an der Überzeugungskraft seines 

Gutachtens wecke. Bei der aktuellen Sachlage müsse zwingend eine neue 

polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt werden. Mit einer Verfügung vom 17. 

Oktober 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 138).

B. 

B.a  Am 21. November 2014 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Oktober 2014 erheben (act. G 1). Seine 

Rechtsvertreterin beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente und 

eventualiter die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen. Zur Begründung 

führte sie aus, die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe eine 

unzulässige Zweitmeinung eingeholt. Zudem sei das Gutachten von Dr. Q.___ nicht 

überzeugend. Dieser habe sich nämlich nicht eingehend mit den früheren 

fachärztlichen Berichten auseinandergesetzt, sondern diese weitgehend ohne weiteres 

mit der Begründung als nicht aussagekräftig bezeichnet, sie enthielten keine 

Konsistenzprüfung und die Fachärzte seien nicht mit der nötigen Neutralität und 

Distanz vorgegangen. Dr. Q.___ habe nicht einmal Diagnosen genannt, aber dennoch 

eine von den früheren Berichten abweichende rückwirkende 

Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Gesamthaft überzeuge sein Gutachten nicht.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. Februar 2014 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, das Gutachten von Dr. Q.___ sei 

überzeugend begründet und damit geeignet, den massgebenden Sachverhalt mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. 

Aufgrund der Akten stehe fest, dass sich der Gesundheitszustand des 

Beschwerdeführers seit der Abweisung seines ersten Rentenbegehrens nicht verändert 

habe.

B.c  Am 20. Februar 2015 bewilligte die verfahrensleitende Richterin die unentgeltliche 

Rechtspflege (act. G 4).

B.d  Mit einer Replik vom 21. Mai 2015 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen 

festhalten (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

B.e  Am 30. Januar 2017 teilte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers mit (act. G 

14), dass dieser nach einer markanten gesundheitlichen Verschlechterung durch eine 

Krebserkrankung am 9. Dezember 2016 verstorben sei. Die Erben hätten sie darüber 

informiert, dass sie das Verfahren weiterführen möchten. Am 11. April 2017 reichte sie 

eine Erbbescheinigung und Kopien der sie zur Vertretung der Erben legitimierenden 

Anwaltsvollmachten der Erben des Beschwerdeführers (nachfolgend: die 

Beschwerdeführer) ein (act. G 16).

B.f  Das Versicherungsgericht wies die Beschwerdeführer am 10. Juli 2017 darauf hin, 

dass die bereits erfolgte Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit dem 

Parteiwechsel hinfällig geworden sei und dass die Beschwerdeführer gegebenenfalls 

selbst um die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für sich ersuchen müssten 

(act. G 18). Dem Gericht wurde kein entsprechendes Gesuch gestellt.

Erwägungen

1. 

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der 

Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Zur Bemessung der Invalidität wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, zu jenem 

Erwerbseinkommen in Beziehung gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund 

geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).

2. 

2.1  Bei der Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens 

kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende Bedeutung 

zu. Vorliegend steht angesichts der überzeugenden Gutachten der ABI GmbH und von 

Herrn N.___ mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

fest, dass dem Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen 

Verfügung aus rein somatischer Sicht leidensadaptierte Tätigkeiten in einem Pensum 

von 90 Prozent (erhöhter, zusätzlicher Pausenbedarf von zehn Prozent) zumutbar 

gewesen sind. In psychiatrischer Hinsicht divergieren die Arbeitsfähigkeitsschätzungen: 

Der behandelnde Psychiater Dr. G.___ und der Sachverständige Dr. O.___ haben eine 

weitgehend aufgehobene Arbeitsfähigkeit attestiert, während der psychiatrische 

Sachverständige der ABI GmbH und Dr. Q.___ keine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit attestiert haben. Der behandelnde Psychiater Dr. G.___ hat seine 

Diagnosestellung und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nur knapp begründet und sich 

auch nur knapp zu den von ihm erhobenen objektiven Befunde geäussert. Obwohl er 

den Beschwerdeführer auch nach der Begutachtung durch die ABI GmbH weiter 

behandelt hat, hat er keine Stellung zu jenem Gutachten genommen und es 

entsprechend auch versäumt darzulegen, weshalb er bezüglich des Schweregrades 

der depressiven Störung und hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu einem 

völlig konträren Ergebnis gelangt ist. Auch wenn er angegeben hat, dass sich der 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach der Begutachtung durch die ABI 

GmbH verschlechtert habe (und auch wenn er damit eine Verschlechterung im Sinne 

des Art. 87 IVV hat glaubhaft machen können), lässt sich seinem Bericht doch keine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verschlechterung entnehmen, die derart gravierend gewesen wäre, dass sie die 

diametral unterschiedlichen Beurteilungen hätte erklären können.

2.2  Auch der Sachverständige Dr. O.___ hat nicht überzeugend begründen können, 

weshalb er (ebenfalls) zu einem völlig anderen Ergebnis als der psychiatrische 

Sachverständige der ABI GmbH gelangt ist. Er hat nur auf die knappe 

Befundschilderung im Gutachten der ABI GmbH hingewiesen, was aber keine 

hinreichende Erklärung der Diskrepanz darstellt, zumal seine Befundschilderung 

ebenfalls nicht sehr viel ausführlicher ausgefallen ist. Bei der Würdigung des 

Gutachtens von Dr. O.___ fallen zudem Ungereimtheiten auf, die Zweifel an der 

Zuverlässigkeit seines Gutachtens wecken: Die Schilderung der Beschwerden ist 

insgesamt vage und unspezifisch. Nur bezüglich eines Vorfalls im Jahr 2005 (also acht 

Jahre vor der Begutachtung) und eines Unfalls im Jahr 1992 hatte der 

Beschwerdeführer detaillierte Angaben getätigt. Obwohl sich dies dem Gutachten von 

Dr. O.___ ohne weiteres entnehmen lässt, hat sich Dr. O.___ nicht mit dieser 

Auffälligkeit auseinandergesetzt. Den Schilderungen des Beschwerdeführers zum 

Tagesablauf lässt sich entnehmen, dass dieser durchaus noch Interessen verfolgt 

(Sportsendungen, insb. Tennis) und Kontakte vor allem innerhalb der näheren 

Verwandtschaft gepflegt hat. Dennoch hat Dr. O.___ eine völlige Interessenlosigkeit 

und einen starken sozialen Rückzug als ausgewiesen erachtet, was sich mit den 

(vagen) Angaben des Beschwerdeführers allein nicht hinreichend erklären lässt. Bei 

den Angaben zur persönlichen Lebensgeschichte hat der Beschwerdeführer zwar ohne 

eine affektiv beteiligte Mimik geschildert, dass er seine Enkel nicht richtig geniessen 

könne, dann aber mit einer regen affektiven Beteiligung wiedergegeben, wie zufrieden 

alle mit seiner Arbeit gewesen seien. Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, 

weshalb Dr. O.___ auf eine weitgehend aufgehobene affektive Schwingungsfähigkeit 

hingewiesen hat. Auch lässt sich die fehlende affektive Beteiligung bei der Schilderung 

des (angeblich) gestörten Verhältnisses zu den Enkeln respektive zur Familie nicht mit 

den vom Beschwerdeführer angegebenen Ängsten um seine Familie vereinbaren. Das 

Gutachten von Dr. O.___ enthält keine Hinweise auf eine ausgeprägte Müdigkeit, auf 

eine Abnahme der Konzentration oder auf ähnliche objektiv wahrgenommene 

Beeinträchtigungen der mentalen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Dennoch 

hat Dr. O.___ allein gestützt auf die Angabe des Beschwerdeführers, er schlafe lediglich 

ein bis zwei Stunden pro Nacht, eine erhebliche Durchschlafstörung als Befund 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

angeführt. Hätte der Beschwerdeführer aber tatsächlich regelmässig nur ein bis zwei 

Stunden pro Nacht geschlafen, hätte Dr. O.___ eine entsprechende vermehrte 

Müdigkeit auffallen müssen. Insgesamt erscheint die Befundschilderung von Dr. O.___ 

als spärlich. Abgesehen von einer deprimierten Stimmung und einer Affektarmut enthält 

sie nur „Befunde“, die sich ausschliesslich auf subjektive Angaben des 

Beschwerdeführers stützen. Eine Auseinandersetzung mit der Glaubwürdigkeit und der 

Konsistenz der Angaben des Beschwerdeführers, auf die Dr. O.___ massgeblich 

abgestellt zu haben scheint, fehlt allerdings. Für den medizinischen Laien ist deshalb 

nicht nachvollziehbar, ob Dr. O.___ zu Recht fast ausschliesslich auf die Selbstangaben 

des Beschwerdeführers abgestellt hat. Das Gutachten von Dr. O.___ ist aus all diesen 

Gründen ebenfalls nicht geeignet gewesen, den massgebenden Sachverhalt mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Die 

Einholung eines weiteren psychiatrischen Gutachtens beim Sachverständigen Dr. 

Q.___ kann vor diesem Hintergrund nicht als ein Einholen einer unzulässigen 

Zweitmeinung qualifiziert werden.

2.3  Der psychiatrische Sachverständige Dr. Q.___ hat in seinem Gutachten nicht nur 

die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden wiedergegeben, sondern sich auch 

ausführlich und kritisch damit auseinandergesetzt. Er hat anschaulich aufgezeigt, dass 

die Schilderungen des Beschwerdeführers teilweise vage, widersprüchlich und 

inkonsistent gewesen sind. Anders als der psychiatrische Sachverständige der ABI 

GmbH und als Dr. O.___ hat Dr. Q.___ den von ihm erhobenen objektiven klinischen 

Befund äusserst ausführlich wiedergegeben, wobei positiv auffällt, dass das Gutachten 

eine saubere Trennung zwischen den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers 

und den von Dr. Q.___ erhobenen objektiven klinischen Befunden enthält. Zudem hat 

Dr. Q.___ den Beschwerdeführer verschiedene Tests absolvieren lassen, deren 

Ergebnisse er eingehend kritisch gewürdigt hat. Er hat sich auch eingehend mit den 

psychiatrischen Vorakten auseinandergesetzt und dabei überzeugend dargelegt, dass 

die Schlussfolgerungen von Dr. O.___ aus fachärztlicher Sicht nicht hinreichend 

begründet worden seien. Obwohl Inkonsistenzen bekannt gewesen seien und obwohl 

Dr. O.___ Inkonsistenzen in der eigenen Untersuchung angetönt habe, habe er es 

unterlassen, die Angaben des Beschwerdeführers, auf die er massgeblich abgestellt 

habe, zu validieren. Sein Gutachten erwecke den Eindruck, dass er die Angaben des 

Beschwerdeführers unkritisch übernommen habe. Anhand der – kritisch gewürdigten – 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Angaben des Beschwerdeführers, des objektiven klinischen Befunds und den 

Ergebnissen der durchgeführten Tests hat Dr. Q.___ mit einer überzeugenden 

Begründung aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer nicht an einer psychiatrischen 

Erkrankung gelitten hat. Die Beurteilung von Dr. Q.___ ist ausführlich, anschaulich und 

für einen medizinischen Laien ohne Weiteres verständlich, nachvollziehbar und 

überzeugend. Da Dr. Q.___ keine psychiatrische Erkrankung hat diagnostizieren 

können, leuchtet auch ein, dass er aus rein psychiatrischer Sicht eine 

uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert hat. Zusammenfassend finden sich weder 

in einem Gutachten noch in den übrigen Akten Hinweise, die Zweifel an der 

Zuverlässigkeit seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung wecken würden. Folglich steht 

gestützt auf das Gutachten von Dr. Q.___ mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in psychiatrischer 

Hinsicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist.

2.4  Der Beschwerdeführer hat keine berufliche Ausbildung absolviert. Vor dem Eintritt 

der Gesundheitsbeeinträchtigung hat er eine Hilfsarbeit verrichtet und dabei einen Lohn 

erzielt, der ungefähr einem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn entspricht. Trotz seiner 

Gesundheitsbeeinträchtigung hat der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Verfügung 

weiterhin – leidensadaptierte – Hilfsarbeiten verrichten können, weshalb der 

Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem 

Valideneinkommen entspricht. Der Betrag kann bei der Berechnung des 

Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad kann anhand 

eines sogenannten Prozentvergleichs berechnet werden. Er entspricht mit anderen 

Worten dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Tabellenlohnabzug 

von maximal 25 Prozent (BGE 126 V 75). Umstände, die einen Tabellenlohnabzug 

rechtfertigen würden, liegen nicht vor. Angesichts einer Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent 

resultiert ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von zehn Prozent. Damit 

erweist sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig.

3. 

Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind den 

unterliegenden Beschwerdeführern aufzuerlegen. Diese haben keinen Anspruch auf 

eine Parteientschädigung.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 

Die Beschwerdeführer haben die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 23.10.2017
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Art. 43 ATSG. Invaliditätsbemessung. Einholung einer unzulässigen Zweitmeinung (second opinion)? Umgang mit aus der Sicht der versicherten Person unnötigen weiteren Abklärungen (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 23. Oktober 2017, IV 2014/539).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T06:52:58+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen