# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f7f89b9-15a8-536b-8c15-aed34fb72506
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-04-07
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Teilweise Unterschutzstellung eines Bauernhauses mittels Volumenschutz.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0061/2020
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_ii_nr._0061-2020_vom_7._april_2020.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
2. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE II Nr. 

R2.2019.00001 
0061/2020 

Entscheid vom 7. April 2020 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Peter Rütimann, Baurichter Adrian Bergmann, Ersatz-
richterin Marlen Patt, Gerichtsschreiberin Karin Rüsch     

in Sachen 

Rekurrent 

A. W. […] 

vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegner 

Gemeinderat X […] 

vertreten durch […] 

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss  […];  Teilweise  Unterschutzstellung  und  teilweise 
Inventarentlassung Bauernhaus […]  
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 21. November 2018 hielt der Gemeinderat X fest, dass 

es  sich  beim  Objekt  Vers.-Nr.  1  auf  dem  Grundstück  Kat.-Nr. 1  […]  in  X 

nicht um ein substantielles Schutzobjekt handelt. Der Gemeinderat verzich-

tete daher auf eine Unterschutzstellung und entliess das Objekt "vorbehält-

lich  der  volumetrischen  Unterschutzstellung  substantiell  aus  dem  Inventar 

der Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung" (Dispositivziffer 1, Satz 3). 

In Dispositivziffer 2 wurde ein Volumenschutz angeordnet. 

B. 

Hiergegen erhob der Grundeigentümer A. W. mit Eingabe vom 29. Dezem-

ber 2018 Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantrag-

te die Aufhebung von Dispositivziffer 1, Satz 3, sowie der Ziffern 2 ff. ("Vo-

lumenschutz") unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Ge-

meinde X. 

C. 

Mit Verfügung vom 4. Januar 2019 wurde vom Rekurseingang Vormerk ge-

nommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

D. 

Mit Verfügung vom 28. Januar 2019 wurde das Rekursverfahren auf Antrag 

der Parteien sistiert.  

E. 

Mit Eingabe vom 18. November 2019 stellte der Rekurrent den Antrag auf 

Fortsetzung  des  Verfahrens,  welchem  mit  Verfügung  vom  21.  November 

2019 stattgegeben wurde. Gleichzeitig wurde der Vorinstanz Frist zur Ver-
nehmlassung angesetzt. 

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Seite 2 

 
 
 
F. 

Die  Vorinstanz  schloss  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  9.  Dezember  2019 

auf  Abweisung  des  Rekurses  unter  Kostenfolge  zu  Lasten  des  Rekurren-

ten.  

G. 

Auf Begehren des Rekurrenten wurde ein zweiter Schriftenwechsel durch-

geführt. Die Replik datiert vom 13. Januar 2020; die Duplik vom 21. Januar 

2020. 

H. 

Am 29. Januar 2020 führte die 2. Abteilung des Baurekursgerichts des Kan-

tons Zürich in Anwesenheit der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal 

durch. 

I. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  wird,  soweit  für  die  Entscheidbegründung 

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Der Rekurrent ist als Adressat des angefochtenen Beschlusses ohne Wei-

teres zur Rekurserhebung im Sinne von § 338a des Planungs- und Bauge-

setzes (PBG) legitimiert. Da die übrigen Prozessvoraussetzungen ebenfalls 

erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten. 

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2. 

Das  streitbetroffene  Grundstück  liegt  gemäss  der  geltenden  Bau-  und  Zo-

nenordnung  der  Gemeinde  X  in  der  Landwirtschaftszone.  Es  grenzt  im 

Südosten an die S.-Strasse (Kernzone). Die Parzelle grenzt sodann auf der 

nordöstlichen und südwestlichen Seite an die Kernzone und ansonsten an 

ein ebenfalls der Landwirtschaftszone zugehöriges Grundstück an. 

Der Grundeigentümer stellte ein Provokationsbegehren im Hinblick auf den 

Sanierungsbedarf und einen allfälligen Ersatzbau auf dem Grundstück. Die 

Vorinstanz  liess  deshalb  zur  Beurteilung  der  Schutzwürdigkeit  ein  denk-

malpflegerisches  Gutachten  bei  Dipl.  Arch.  ETH/SIA  M.  S.  (act. 17.3)  in 

Auftrag geben. Diesem ist zusammengefasst Folgendes zu entnehmen:  

Eigenwert: 

Das Gebäude sei im 17./18. Jahrhundert als Bauernwohnhaus erstellt wor-

den. Weitere Unterlagen würden fehlen. Es sei zweigeschossig und basiere 

auf  dem  Typ  des  zweiraumtiefen  Grundrisses  auf  nahezu  quadratischem 

Grundriss  mit  Stichgang  und  Treppen  in  der  nördlichen  Ecke,  via  diese 

Stube,  Nebenstube  und  im  Obergeschoss  fünf  Zimmer  an  einem  gemein-

samen Flur erschlossen seien. Der Dachraum weise keine Wohnräume auf. 

Das Erdgeschoss/Hochparterre sei räumlich im Wesentlichen das der Bau-

zeit  geblieben.  Das  Obergeschoss  dürfte  beim  Umbau  von  1930  die  eine 

oder andere Änderung erfahren haben. Der zwischen dem Wohnhaus und 

der  ehemaligen  Stallscheune  eingeschobene  Gebäudeteil  sei  durch  Nor-

malfenster belichtet und unbeheizt. Er enthalte den neuen Hauseingang an 

der  Strasse,  die  interne  Hauszugangstreppe  zum  alten  Hauseingang  gie-

belseits,  ein  WC  sowie  Abstellräume.  Das  ehemalige  Ökonomiegebäude 

sei zwischenzeitlich zu einer offenen Garage umgestaltet worden.  

Das Haus besteche durch seine schlichte Form und Gestalt. Es sei auf ein 

minimal  Erforderliches  reduziert;  vier  Mauern,  dem  Grundrissschema  ent-

sprechend  gesetzte  Einzelfenster  und  Türen  sowie  ein  grosses  Dach.  Die 

Dachränder seien zur Strasse kurz und schlank gehalten. Auf der Rücksei-

te krage das Dach weit aus. Die Fassaden seien der damaligen Mode fol-

gend mit einem Kellenwurf verputzt worden. Es sei ursprünglich weiss ge-

strichen gewesen und heute blassrot. Fensterläden seien keine vorhanden. 

Die fassadenbündigen Vorfenster würden dem Gebäude einen kompakten 

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geschlossenen Charakter geben. Es sei zu vermuten, dass mit der Moder-

nisierung  von  1930  eine  Anpassung  an  bürgerliche  Häuser  habe  erfolgen 

sollen.  Die  Spuren  vergangener,  karger  Zeiten  mit  harter  Feld-  und  Heim-

arbeit  sollten  getilgt  werden.  Vergleichbare  Anpassungen,  wenn  auch  aus 

anderen Motiven, seien auch unmittelbar nach der Französischen Revoluti-

on zu beobachten.  

Das Gebäude sei weitestgehend authentisch und in originaler Substanz er-

halten.  Es  spiegle  die  Stellung  des  Bauernstandes  wieder,  die  politischen 

und  sozialen  Verhältnisse,  die  Bewirtschaftungsstruktur  sowie  den  Stand 

der Bautechnik. Die Substanz sei überwiegend intakt oder sanierungsfähig.  

Situationswert: 

Zum  Situationswert  sei  zu  sagen,  dass  das  Gebäude  den  Auftakt  in  den 

Weiler  bilde  und  im  Ortsbild  einen  hohen  Stellenwert  habe.  Mit  seinem 

stattlichen Volumen, seinem grossen, unversehrten Dacht ohne Aufbauten 

und  seinem  Vorgarten  präge  es  das  Siedlungs-  und  Landschaftsbild  we-

sentlich mit.  

Schutzumfang: 

-   Geschützt und zu erhalten seien der typologisch bedeutsame räumliche 

Aufbau der Geschosse, wie er durch die Trag- und Trennwände sowie 

die  Geschossdecken  gegeben  sei,  insbesondere  also  die  Eingänge, 

Flure sowie die von diesen erschlossenen Räume; 

-   Geschützt  und  zu  erhalten  seien  sodann,  die  Positionen  der  Treppen. 

Die Treppen selbst indes nicht; 

-  Geschützt  und  zu  erhalten  sei  der  Dachstuhl  über  dem  Bauernwohn-

haus; 

-  Geschützt und zu erhalten sei der Waschküchen-Anbau West; 

-  Geschützt  und  zu  erhalten  seien  die  Fassaden  in  ihrem  konstruktiven 

und gestalterischen Aufbau, insbesondere also die Anordnung der Öff-

nungen für Fenster und Türen, die Fenster- und Türgewände sowie die 

Dachrandabschlüsse; 

-  Geschützt und zu erhalten seien die gestemmten Wand- und Deckentä-

fer, die Türen sowie der Einbaukasten in der Stube; 

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-  Geschützt  und  zu  erhalten  seien  die  Hauseingangstüren  beim  alten 

Hauseingang sowie an der Strasse; 

-  Geschützt  und  zu  erhalten  sei  die  geschlossenen  Dachfläche  zur 

Strasse; 

-  Die angebaute Scheune gehöre nicht zum Schutzumfang; 

-  Wärmedämmungen  seien  zwischen  die  Sparren,  auf  der  Rauminnen-

seite, an der Kellerdecke und/oder zu unbeheizten Räumen einzubau-

en. Wärmedämmungen an den Fassaden oder über der Sparrenebene 

seien ausgeschlossen; 

- 

in  einem  allfälligen,  verwaltungsrechtlichen  Schutzvertrag  sei  der 

Schutzumfang in Abhängigkeit eines konkreten Umbauprojekts zu prä-

zisieren.  

Das Gutachten erachtet das Inventarobjekt als Schutzobjekt von kommuna-

ler Bedeutung und empfiehlt zumindest eine Substanzerhaltung der Fassa-

den  und  des  Dachstuhles  sowie  einzelner  Bauteile/Ausstattungselemente 

im Innern sowie die Erhaltung eines Grossteils der räumlichen Strukturen. 

3. 

Der  Gemeinderat  kam  demgegenüber  zum  Schluss,  dass  das  Objekt  nur 

einen geringen Eigenwert aufweise und der vorhandene Situationswert mit 

einem Volumenschutz gewahrt werden könne. Auf eine Unterschutzstellung 

sei  daher  zu  verzichten  und  das  Gebäude  sei  vorbehältlich  der  volumetri-

schen  Unterschutzstellung  substantiell  aus  dem  kommunalen  Inventar  der 

schützenswerten Bauten zu entlassen. 

Er begründete seinen Entscheid zusammengefasst wie folgt: Das Gebäude 

zeige  über  die  Jahre  ausgebleichte  und  verwitterte  Fassaden,  im  Innern 

seien  die  Oberflächen  beansprucht  und  abgenutzt.  Der  Unterhalt  sei  ge-

macht worden und das Gebäude sei nach wie vor  bewohnt. Gebäude aus 

der  vorindustriellen  Zeit  mit  einfacher  tragender  Konstruktion  und  additiv 

geführten  Leitungen  könnten  repariert  werden  und  seien  daher  auch 

schutzfähig. Das Gebäude weise aber aufgrund der umfassenden Um- und 

Anbauten  nur  eine  geringe  Zeugenschaft  für  die  Zeit  nach  der  Französi-

schen Revolution und aus der Zeit von 1930 auf. Das Wohnhaus markiere 

unbestrittenermassen den Eingang zum Weiler "S." und sei das erste in der 

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Reihe  von  fünf  Volumen,  davon  zwei  Scheunen  (eine  durch  einen  volu-

mengleichen  Ersatzbau  ausgetauscht).  Die  kraftvolle  Wirkung  entstehe 

durch das einfache Volumen ohne Dachaufbauten, die regelmässig wirken-

den  Lochfenster  und  verputzten  Oberflächen.  Im  Detail  werde  diese  Wir-

kung verstärkt durch den knappen Dachüberstand im Ortbereich und durch 

die Fenstereinfassungen. 

Das Objekt liege im Perimeter des Ortsbildinventars "S.". Die Giebelfassa-

de gegen Südwesten, die Strassenfassade sowie die Firstrichtung seien als 

wichtig  eingetragen.  Ortsbaulich  sei  das  Gebäudevolumen  relevant.  Ein 

Schutz  im  Sinne  der  Ortsgestalt  könne  nach  §  205  lit.  a  PBG  als  mildere 

Massnahme  als  eine  Unterschutzstellung  aufgrund  des  Situationswertes 

auch  durch  Massnahmen  des  Planungsrechts  erreicht  werden.  Die  Be-

zeichnung  des  Objekts  als  schwarzes  Gebäude  wäre  eine  solche  Mass-

nahme und im Fall der Einzonung in die Kernzone konkret vorgesehen. Die 

Zuteilung zur Kernzone sei aber nicht rechtskräftig und aufgrund der nega-

tiven Vorprüfung der Baudirektion ungewiss. Das Projekt sei somit gemäss 

seinem Standort in der Landwirtschaftszone zu beurteilen. Dazu könne ein 

Volumenschutz definiert werden, der auch in der Landwirtschaftszone gültig 

sei. 

Eine  Unterschutzstellung  der  zwei  ortsbaulich  wichtigen  Fassaden  könnte 

theoretisch  den  Bestand  der  Aussenwirkung  garantieren.  Jedoch  sei  das 

Sichern  von  zwei  Fassaden  im  Falle  einer  Auskernung  aufwändig.  Mit 

masslichen Vorgaben der Volumetrie für einen allfälligen Ersatzbau könne 

der  ortsbauliche  Wert  erhalten  bleiben,  ohne  dass  die  Substanz  bestehen 

bleiben müsse. Eine solche Massnahme wäre zu verfolgen, wenn der Vo-

lumenschutz nicht durchgesetzt werden könne.  

4. 

Der  Rekurrent  macht  demgegenüber  zusammengefasst  geltend,  er  teile 

zwar die Auffassung des Gemeinderates, dass es sich beim Gebäude nicht 

um ein substantielles Schutzobjekt handle und daher zu Recht auf die An-

ordnung  von  Schutzmassnahmen  verzichtet  worden  sei.  Indes  sei  damit 

auch der angeordnete Volumenschutz nicht zulässig. Das Gebäude liege in 

der  Landwirtschaftszone;  Kernzonenvorschriften  seien  daher  nicht  an-

wendbar. Die Gemeinde könne nicht durch die Hintertüre am Kanton vorbei 

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eine  der  Kernzone  vorbehaltene  planerische  Massnahme  über  den  Denk-

malschutz einführen.  

5.1.1. 

Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-

ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die 

als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen  oder  bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden 

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis, 

dass  ein  Objekt,  über  welches  Schutzmassnahmen  verhängt  werden  sol-

len,  namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstat-

tungsmässigen  Eigenschaften  von  einer  Epoche  Zeugnis  abzulegen,  d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft  noch  nicht  ausreichend.  Zudem  lässt  das  Gesetz  auch  die  blosse 

Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-

denen,  hier  nicht  abschliessend  aufzuzählenden  Gründen  ergeben.  Ein 

wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf 

Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-

tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. 

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-
siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im 

Allgemeinen  kaum  als  "Epochen"  zu  bezeichnen  wären.  Namentlich  mit 

Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die 

Übergänge  zwischen  solchen  bezeugen,  Schutzobjekte  sein  können.  Zu 

verlangen  ist  allerdings  stets,  dass  die  betreffende  politische,  wirtschaftli-

che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann. 

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5.1.2. 

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften 

oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen,  bezweckt  §  203  Abs.  1  lit.  c  PBG 

anders  als  mit  dem  Schutz  wichtiger  Zeugen  nicht  die  Dokumentation  ge-

schichtlicher  Epochen,  sondern  die  Erhaltung  qualifizierter  Landschafts- 

und  Siedlungsbilder.  In  der  Praxis  wird  hierbei  oftmals  auch  vom  Situati-

onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-

zungen  für  eine  Unterschutzstellung  –  Zeugeneigenschaft  oder  prägende 

Wirkung  –  alternativ  aufzählt,  lässt  sich  auch  allein  schon  mit  letzterer  die 

Anordnung  von  Schutzmassnahmen  an  Gebäuden  oder  Gebäudegruppen 

begründen.  Allerdings  rechtfertigt  nicht  jede  Optimierung  von  Siedlungs- 

oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-

tiv  prägende  Wirkung  muss  vielmehr  objektiv  ausgewiesen  und  begründet 

sein, was etwa bei für das geschützte Ortsbild wichtigen Kernzonenbauten 

der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011). 

5.2. 

Bei sich auf § 203 Abs. 1 PBG stützenden Schutzentscheiden kommt den 

kommunalen  und  kantonalen  Denkmalpflegebehörden  eine  gewisse  Ent-

scheidungsfreiheit zu. Diese bezieht sich vor allem auf die Qualifikation ei-

nes  Objektes  als  Schutzobjekt,  auf  den  konkreten  Umfang  einer  Schutz-

massnahme,  gegebenenfalls  auf  die  Auswahl  unter  mehreren  in  Betracht 

fallenden  Schutzobjekten  oder  aber  auf  den  Verzicht  auf  Schutzmassnah-

men. Insoweit hat sich die Rekursinstanz bei der Entscheidüberprüfung Zu-

rückhaltung aufzuerlegen.  Beruht  der  kommunale  Entscheid auf  einer  ver-

tretbaren Würdigung der massgebenden Umstände, so hat ihn die Rekurs-

instanz  zu  respektieren.  Die  Rekursinstanz  darf  nur  dann  einschreiten, 

wenn die Behörde ihren Ermessensspielraum überschreitet, indem sie sich 

von  unsachlichen,  dem  Zweck  der  in  Frage  stehenden  Regelung  fremden 
Erwägungen leiten lässt oder allgemeine Rechtsprinzipien, wie das Verbot 

von  Willkür  oder  den  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit,  verletzt.  Dabei 

darf sich die Rekursinstanz jedoch nicht auf eine blosse Willkürprüfung be-

schränken,  vielmehr  muss  die  Eingriffsschwelle  tiefer  gesetzt  werden 

(vgl. BGE  145  I  52,  E.  3.6.,  mit  Hinweisen).  Die  Entscheidungsfreiheit  der 

Denkmalpflegebehörde  ist  stets  gegen  den  Anspruch  auf  wirksamen 

Rechtsschutz abzuwägen (Art. 77 der Kantonsverfassung [KV] und Art. 29a 

der Bundesverfassung [BV]; Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., 

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Zürich/Basel/Genf 2014, § 20 Rz. 64 ff.), zumal Schutzmassnahmen in der 

Regel einen schweren Eingriff in das Grundeigentum bilden. 

Im Übrigen besteht in der Regel keine Kognitionseinschränkung. Die Frage, 

was unter einem Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu ver-

stehen  ist,  kann  die  Rekursinstanz  frei  beantworten.  Auch  steht  ihr  in  der 

Regel  eine  freie  Würdigung  der  örtlichen  Verhältnisse  zu,  soweit  ihr  diese 

hinreichend  bekannt  sind.  Geht  es  um  bautechnische  Fragen,  namentlich 

um  solche  der  Erhaltungs-  und  Renovationsfähigkeit  von  Schutzobjekten 

oder von Teilen hiervon, ist das Baurekursgericht als Fachgericht in Bausa-

chen zu deren Beantwortung nicht weniger berufen als die Denkmalpflege-

behörden. 

6.1. 

Unstrittig  zwischen  den  Parteien  blieb,  dass  dem  Gebäude  kein  denkmal-

schutzrechtlicher  Eigenwert  zukomme  und  kein  Substanzerhalt  notwendig 

sei.  

Gleichwohl  prüfte  das  Gericht  am  durchgeführten  Augenschein,  ob  der  im 

Gutachten geltend gemachte Eigenwert des Gebäudes nicht doch gegeben 

ist. Dies ist klar zu verneinen. Der auch vom Gutachten nur vermutete Be-

zug  zur  Zeit  nach  der  Französischen  Revolution,  welcher  sich  im  Umbau 

des  schlichten  Bauernhauses  zu  einem  moderneren  bürgerlichen  Lebens-

stil zeigen soll, erschliesst sich dem durchschnittlichen Betrachter in keiner 

Weise.  Auch  dem  Gutachten  sind  diesbezüglich  keine  Details  zu  entneh-

men,  an  welchen  Bauteilen  bzw.  Umbauvorgängen  dies  genau  ablesbar 

sein  solle.  Auch  das  Gutachten  beschränkt  sich  auf  Vermutungen,  wie  et-

wa,  dass  allenfalls  ursprünglich  Reihenfenster  vorhanden  gewesen  seien. 
Dies  genügt  indes  nicht  für  eine  wichtige  Zeugenschaft.  Die  allfällige  Zeu-

genschaft  einzelner,  untergeordneter  Elemente  im  Innern  (das  Gutachten 

erwähnt hier insbesondere Wand und Deckentäfer, Einbauschrank, Türen) 

genügt  ebenfalls  nicht,  um  eine  wichtige  bauliche  Zeugenschaft  des  Ge-

bäudes als Ganzem zu bejahen.  

Im Weiteren prüfte das Gericht, ob dem Gebäude ein wichtiger Situations-

wert zukommt. Bei der Frage des denkmalschutzrechtlich relevanten Situa-

tionswertes sind nur diejenigen Gebäude massgeblich, welche aufgrund ih-

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rer substantiellen Gestaltung und Erscheinung eine prägende Wirkung ha-

ben (VB.2009.00608 vom 4. Mai 2011). Gerade die in diesem Zusammen-

hang oftmals aufgeworfene Frage ob dem Gebäude die notwendige identi-

fikationsstiftende  Wirkung  zukommt,  konnte  am  durchgeführten  Augen-

schein  doch  deutlich  verneint  werden.  Es  ist  zwar  zutreffend,  dass  dem 

Gebäude  eine  gewisse  prägende  Wirkung  zukommt.  Diese  prägende  Wir-

kung  ist  indes  nicht  der  Substanz  des  Wohnhauses  geschuldet,  sondern 

einzig  seinem  dominanten  Volumen  und  seiner  Stellung  am  Beginn  des 

Weilers.  Die  Gestaltung  oder  Gliederung  der  Fassaden  spielt  demgegen-

über  höchstens  eine  untergeordnete  Rolle.  Am  Augenschein  wiesen  denn 

auch beide Parteien nochmals ausdrücklich darauf hin, dass die Substanz 

des  Gebäudes  nicht  massgeblich  sei.  In  diesem  Zusammenhang  ist  auch 

ausdrücklich darauf hinzuwiesen, dass nicht jedes Gebäude am Siedlungs-

rand automatisch auch einen im Sinne des Denkmalschutzes wichtigen Si-

tuationswert aufweist. Die Einschätzung der Vorinstanz, dass das Gebäude 

kein substantielles Schutzobjekt darstellt, erweist sich vorliegend durchaus 

als zutreffend. Auch das Gericht konnte keinen denkmalschutzrechtlich re-

levanten Situationswert feststellen.  

Da sowohl nach übereinstimmender Auffassung der Parteien als auch auf-

grund  der  Feststellungen  am  Augenschein  die  Substanz  des  Gebäudes 

nicht  prägend  für  das  Ortsbild  ist,  fallen  denkmalschutzrechtliche  Mass-

nahmen gänzlich ausser Betracht. Ein blosser Volumenschutz wäre sodann 

ohnehin  keine  taugliche  Schutzmassnahme  im  Sinne  des  Denkmalschut-

zes,  da  denkmalschutzrechtlich  relevante  Schutzmassnahmen  zwingend 

auf einen ganzen oder teilweisen Substanzerhalt abzielen müssen (vgl. da-

zu  auch  BGE  1C_626/2017  insbesondere  E.  6.).  Mit  einem  blossen  Volu-

menschutz kann denkmalschutzrechtlichen Anforderungen in keiner Weise 

Rechnung getragen werden. Der statuierte Volumenschutz erweist sich da-
her in denkmalschutzrechtlicher Hinsicht als unzulässig. Das streitbetroffe-

ne Objekt ist daher vorbehaltlos aus dem Inventar zu entlassen. 

Vorliegend  fallen  sodann  auch  planerische  Massnahmen  ausser  Betracht, 

da sich das Objekt in der Landwirtschaftszone befindet. Die Vorinstanz ver-

fügt über keine gesetzliche Grundlage, welche ihr in der Landwirtschaftszo-

ne  die  Statuierung  eines  ortsbildschutzrechtlich  motivierten,  planerischen 

Volumenschutzes  ermöglichen  würde,  wie  er  nur  in  Kern-  und  Quartierer-

haltungszonen vorgesehen ist (§ 50 f. PBG). In der Landwirtschaftszone als 

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Seite 11 

 
 
Nichtbauzone  fallen  planerische  Massnahmen  zum  Schutz  des  Ortsbilds 

selbstredend  ausser  Betracht.  Das  Bauen  in  der  Landwirtschaftszone  ist 

bundesrechtlich  im  Raumplanungsgesetz  geregelt.  Die  Einführung  einer  – 

wie  vorliegend  offensichtlich  beabsichtigt  –  Ersatzbauvorschrift  in  der 

Landwirtschaftszone  für  ein  einzelnes  Objekt  zur  Sicherung  der  späteren 

planerischen  Festlegung  einer  sog.  Schwarzbaute  im  Falle  der  Einzonung 

in  die  Kernzone  über  das  Instrument  der  Schutzverfügung  im  Sinne  von 

§ 205 lit. c PBG ist gesetzlich weder vorgesehen noch zulässig. Abgesehen 

davon stellt ein blosser Volumenschutz ohnehin keine denkmalschutzrecht-

lich taugliche Massnahme dar. Es handelt sich hierbei auch nicht etwa um 

eine  Lücke  im  Gesetz,  sondern  um  eine  bewusst  unterschiedliche  Rege-

lung für die verschiedenen Zonen. Dies zeigt sich vorliegend auch deutlich 

darin, dass die bestehende Weiler-Kernzone das streitbetroffene Gebäude 

auf  drei  Seiten  umschliesst,  wobei  das  streitbetroffene  Grundstück  offen-

sichtlich bewusst von der Kernzone ausgeklammert wurde. Dieser Eindruck 

bestätigt  sich  denn  auch  durch  die  negative  Vorprüfung  der  Baudirektion 

betreffend  der  von  der  Gemeinde  angestrebten  Umzonung  des  Grund-

stücks zur Weilerkernzone.  

Zu bemerken ist sodann, dass der in den Erwägungen des angefochtenen 

Beschlusses  formulierte  Vorbehalt  der  Gemeinde,  einen  Substanzerhalt 

anzuordnen,  falls  der  Volumenschutz  nicht  durchsetzbar  sei,  sich  als  un-

behelflich erweist. Wenn die Vorinstanz feststellt, dass es für die Erhaltung 

des Ortsbilds keinen Substanzschutz des Gebäudes braucht – welche Auf-

fassung wie vorstehend ausgeführt auch zutreffend ist –, ist sie auch an ih-

re  Feststellung  gebunden  und  es  können  nicht  nach  Belieben  Alternativ-

möglichkeiten vorgesehen werden.  

6.2. 
Somit ist der Entscheid des Gemeinderates X vom 21. November 2018 mit 

Bezug auf den statuierten Volumenschutz aufzuheben und der Gemeinde-

rat X ist einzuladen, das streitbetroffenen Objekt vorbehaltlos aus dem In-

ventar der Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung zu entlassen.  

Dieser Entscheid ist von der Vorinstanz in Anwendung von § 338b PBG in 

Verbindung  mit  § 28  Abs. 2  VRG  (Sicherstellung  des  Anfechtungsanspru-

ches  der  rekurs-  bzw.  beschwerdeberechtigten  Verbände)  zu  veröffentli-

chen. 

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Seite 12 

 
 
7.1. 

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten dem Gemeinderat X aufzuer-

legen (§ 13 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). 

Nach  §  338  Abs.  1  PBG  bzw.  §  2  der  Gebührenverordnung  des  Verwal-

tungsgerichts  (GebV  VGr)  legt  das  Baurekursgericht  die  Gerichtsgebühr 

nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem 

bestimmbaren  Streitwert  oder  dem  tatsächlichen  Streitinteresse  fest.  Liegt 

wie  hier  ein  Verfahren  ohne  bestimmbaren  Streitwert  vor,  beträgt  die  Ge-

richtsgebühr in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 

Abs.  2  GebV  VGr).  Bei  der  Bemessung  der  Gebührenhöhe  steht  der  Re-

kursinstanz  ein  grosser  Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kom-

mentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.). 

Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 6'000.-- festzusetzen. 

7.2. 

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte  und  schwieriger  Rechtsfragen  besonderen  Aufwand  erforderte  o-

der  den  Beizug  eines  Rechtsbeistandes  rechtfertigte.  Die  Bemessung  der 

Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend dem Rekurrenten zulas-

ten  der  Vorinstanz  eine  Umtriebsentschädigung  zuzusprechen.  Angemes-
sen  erscheint  ein  Betrag  von  Fr.  2'000.--.  Da  die  Umtriebsentschädigung 

pauschal festgelegt wird, entfällt die Zusprechung eines Mehrwertsteuerzu-

satzes  von  vornherein  (BRKE  II  Nrn.  0247  und  0248/2007  in  BEZ  2007 

Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch).  

[…] 

R2.2019.00001 

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