# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34d888c6-cf61-5b8d-affb-a71a4813a8f8
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-10-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 05.10.2005 SB 2005 29
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2005-29_2005-10-05.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 5. Oktober 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 05 29 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Hubert und Möhr
Aktuarin ad hoc Nüssle

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In der strafrechtlichen Berufung

des X., H., Berufungskläger, vertreten durch lic.iur. Franco Giacometti, c/o Anwalts-
büro Buchli Caviziel Just, Postfach 414, Masanserstrasse 35, 7001 Chur,

gegen 

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Albula vom 22. April 2005, mitgeteilt am 
8. Juli 2005, in Sachen der Staatsanwaltschaft Graubünden, Sennhofstrasse 17, 
7001 Chur, gegen den Berufungskläger, 

betreffend Veruntreuung,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 15. März 1964 in C. geboren und wuchs zusammen mit 
vier Geschwistern bei den Eltern in C. auf. Dort besuchte er sechs Klassen der Pri-
marschule und drei Klassen der Realschule. Anschliessend absolvierte er bei der 
Firma D. in C. mit Erfolg die Maurerlehre. In der Folge arbeitete er bei verschiedenen 
Baufirmen im E.. Seit Oktober 1995 wohnt er in F.. Nachdem X. 1998 beziehungs-
weise 1999 bei der Firma G. in H. angestellt war, übernahm er in F. bei der Ferien-
überbauung Reisporthaus die Abwartstelle. Nach der Entlassung auf Ende Septem-
ber 2002 fand er per 20. Dezember 2002 bei der J. in K. eine Anstellung als Be-
triebsarbeiter. 

Aus der im Jahre 1984 mit A. geschlossenen Ehe sind drei Kinder hervorge-
gangen.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet. Laut dem 
Leumundsbericht der Kantonspolizei F. vom 27. November 2003 geniesst der Be-
rufungskläger einen rechten Ruf.

B. Zwischen den Eheleuten A. und X. und der Stockwerkeigentümerge-
meinschaft Reisporthaus in F. ist am 27. April 1999 / 03. Mai 1999 ein „Anstellungs-
vertrag Hauswartung“ unterzeichnet worden. Durch den ebenfalls am 27. April 1999 
/ 3. Mai 1999 mit den Stockwerkeigentümern I., vertreten durch B., unterzeichneten 
„Anstellungsvertrag Vermietung“ waren die Eheleute A. und X. auch für die Vermie-
tung der Ferienwohnungen verantwortlich. B. gehörten zirka 60 % der Wohnungen 
im Reisporthaus. Im Rahmen des „Anstellungsvertrages Vermietung“ mussten die 
Eheleute A. und X. unter anderem die Kurtaxengelder und die Mieten sowie die 
Reinigungskosten von den Gästen kassieren und an die Wohnungseigentümer wei-
terleiten. 

Die Zusammenarbeit zwischen dem Ehepaar A. und X. lief sowohl mit den 
Stockwerkeigentümern als auch mit dem Verwalter der Stockwerkeigentümerge-
meinschaft gut an. Insbesondere während der Saison fiel jedoch bedeutend mehr 
Arbeit an, so dass das Ehepaar zahlreiche Überstunden leisten musste. Ab Sommer 
2001 verschlechterte sich das Verhältnis mit dem Eigentümer B.. In der Folge wurde 
den Eheleuten A. und X. sowohl der „Anstellungsvertrag Hauswartung“ als auch der 
„Anstellungsvertrag Vermietung“ per 30. September 2002 mit Schreiben von B. vom 
19. April 2002 gekündigt. 

C. Am 2. Oktober 2002 hat B. im Namen der I.-Vermietungen Strafan-
zeige bei der Staatsanwaltschaft Graubünden gegen die Eheleute A. und X. einge-

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reicht. Darin hat er ihnen Unterschlagung beziehungsweise Veruntreuung von über 
Fr. 20'000.- vorgeworfen. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Graubünden mit 
Verfügung vom 7. Oktober 2002 eine Strafuntersuchung gegen Peter Josef und A. 
wegen mehrfacher Veruntreuung eröffnet.

D. Die Eheleute A. und X. haben eine Forderung gegen die Stockwerkei-
gentümergemeinschaft I. wegen ausstehender Lohnzahlungen geltend gemacht. 

E. Die Strafuntersuchung gegen A. wurde mit Verfügung vom 6. Mai 2004 
eingestellt.

F. X. wurde von der Staatsanwaltschaft Graubünden am 12. Mai 2004 
wegen mehrfacher Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB angeklagt. 
Gemäss Anklageschrift vom 12. Mai 2004 liegt dieser Anklage folgender Sachver-
halt zugrunde:

„Der Angeklagte war vom 01. Juni 1999 bis zum 30. September 2002 
als Hauswart im Reisporthaus in F. in Anstellung. In derselben Zeit 
bestand ein Anstellungsvertrag betreffend Vermietung der Ferienwoh-
nungen zwischen den Stockwerkeigentümern I., vertreten durch B., 
und dem Ehepaar X. und A.. Der Angeklagte verpflichtete sich dabei 
die von den Gästen einkassierten Kurtaxengelder sowie die Miet- und 
Reinigungskosten, sofern diese nicht bereits im Voraus bezahlt wur-
den, einzukassieren und an die Wohnungseigentümer weiterzuleiten. 
Ferner hatte er   eventuell freistehende Wohnungen nach Rückspra-
che mit den Wohnungseigentümern zu vermieten. Aus den erwähnten 
Anstellungsverträgen bezog das Ehepaar X. und A. ein Bruttojahres-
gehalt von total Fr. 81'000.00.

In der Folge unterliess es der Angeklagte, die zwischen 01. November 
2001 und 30. September 2002 bei den Mietern der Ferienwohnungen 
eingezogenen Kurtaxengelder im Betrag von total Fr. 14'948.50 der 
Reisportvermietung bzw. B. abzuliefern.  Ebenso wenig leitete er die 
zwischen 18. Mai 2002 und 22. September 2002 für B. einkassierten 
Mieteinnahmen von Fr. 5'604.05 weiter. Ferner unterschlug er weitere 
Fr. 3'626.00, die er zwischen dem 22. Dezember 2001 und 06. April 
2002 aus der Vermietung von acht Wohnungen, neun Garagen sowie 
32 Fernsehgeräten treuhänderisch für die Reisportvermietung bzw. B. 
eingenommen hatte. 

Der Angeklagte ist geständig, rund Fr. 24'000.00 gegenüber B. unter-
schlagen zu haben. Der Angeklagte will sodann den Gesamtdeliktsbe-
trag von Fr. 24'178.55 mit ausstehenden Lohnforderungen gegenüber 
der Stockwerkeigentümergemeinschaft I., vertreten durch die L. AG F. 
bzw. gegenüber der Reisportvermietungen, vertreten durch B., ver-
rechnet haben.

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Mit Schreiben vom 26. März 2004 machte der Rechtsvertreter von B. 
adhäsionsweise eine Forderung von Fr. 25'000.00 geltend.“

G. Am 21. Juni 2004 gelangte der Verteidiger des Berufungsklägers an 
den Bezirksgerichtspräsidenten Albula mit dem Antrag, die Untersuchung zu ergän-
zen. Es solle der genaue Verbleib der fehlenden Geldbeträge abgeklärt werden. 
Zuvor hatte der Berufungskläger mit Eingabe vom 3. Juni 2004 gegen die Anklage-
erhebung Beschwerde beim Kantonsgericht einreichen lassen. Der Bezirksgerichts-
präsident lehnte mit Schreiben vom 28. Juni 2004 die Durchführung der Untersu-
chung bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Entscheides des Kantonsgerichts ab. 
Mit Entscheid vom 12. Juli 2004, schriftlich mitgeteilt am 5. November 2004, wies 
die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts die Beschwerde gegen die Anklage-
erhebung ab. Daraufhin führte der Bezirksgerichtspräsident am 21. Dezember 2004 
die beantragten Untersuchungshandlungen durch. Der Berufungskläger zeigte ihm 
in Begleitung seines Rechtsvertreters, wo er das Geld in seinem Wohnhaus in F. 
versteckt haben will. Das Versteck befand sich im Zwischenboden zwischen dem 
Erdgeschoss und dem Obergeschoss, unmittelbar oberhalb des Treppenaufgangs. 
Um die Dose mit dem Geld herauszunehmen, mussten diverse Gegenstände weg-
geräumt werden. In der Dose befanden sich Fr. 20'230.00. Dieses Geld wurde vom 
Bezirksgerichtspräsidenten auf das Konto des Bezirksgerichts Albula einbezahlt.

H. Am 15. April 2005 unterzeichneten X. und B. gemeinsam mit ihren 
Rechtsvertretern eine Vereinbarung betreffend der vorenthaltenen Geldbeträge. In 
der Vereinbarung anerkannte X., dass er B. insgesamt Fr. 22'017.15 schulde. Ne-
ben der Zustimmung für die Überweisung des auf das Konto des Bezirksgerichts 
Albula einbezahlten Geldes, verpflichtete sich der Berufungskläger zudem zur Be-
gleichung des Restbetrages von Fr. 1'787.15. B. seinerseits erklärte, dass er bei der 
Rückerstattung des Geldes kein Interesse an einer strafrechtlichen Verurteilung 
habe und dass er nach Erhalt des sichergestellten Betrages die Adhäsionsklage 
zurückziehen werde. Der Rückzug der Adhäsionsklage erfolgte schliesslich am 20. 
April 2005.

I. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Albula, an welcher der 
Berufungskläger und sein Verteidiger teilnahmen, fand am 22. April 2005 statt. Mit 
gleichentags ergangenem Urteil, mitgeteilt am 8. Juli 2005, entschied das Bezirks-
gericht Albula wie folgt:

„1. X. ist der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB schuldig. 

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2. Dafür wird X. mit 2 Monaten Gefängnis bestraft. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren aufgeschoben. 

4. Die Adhäsionsklage wird abgeschrieben.

5. Die Kosten des Verfahrens bestehend aus:

Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Fr. 1'685.00

Gerichtsgebühren Fr. 3'500.00

insgesamt Fr. 5'185.00
gehen zulasten des Verurteilten und sind innert 30 Tagen mittels 
beiliegenden Einzahlungsscheines zu bezahlen.

Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft sowie des Straf-
vollzuges gehen zulasten des Kantons Graubünden.

6. (Rechtmittelbelehrung)

7. (Mitteilung).“

K. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Albula erhob X. mit Eingabe 
vom 2. August 2005 Berufung beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden. 
Er beantragte die Aufhebung des angefochtenen Urteils als Ganzes unter Freispre-
chung von Schuld und Strafe; unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Las-
ten des Staates für das Verfahren vor dem Kantonsgerichtsausschuss und für das 
Verfahren vor dem Bezirksgericht Albula. Zur Begründung führte er vorallem an, 
dass dem angefochtenen Urteil eine willkürliche Beweiswürdigung beziehungs-
weise eine falsche Sachverhaltsbeurteilung zugrunde liegen würde. 

Je mit Schreiben vom 22. August 2005 verzichteten sowohl die Staatsan-
waltschaft Graubünden als auch die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen:

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. a) Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse, sowie gegen Verfügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten 
(ausgenommen Untersuchungshandlungen, prozessleitende Verfügungen und 
Strafmandate) können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichts-
ausschuss innert 20 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefochtenen Ent-

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scheides Berufung einreichen. Diese ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder Gerichtsverfahrens gerügt werden 
und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 141 ff. 
StPO). 

b) Diesen Anforderungen vermag die im Übrigen form- sowie fristgerecht ein-
gereichte Berufung von X. vom 2. August 2005 zu genügen, weshalb auf sie einzu-
treten ist.

2. a) Der Kantonsgerichtspräsident kann von Amtes wegen oder auf An-
trag eine mündliche Berufungsverhandlung durchführen, wenn die persönliche Be-
fragung der Angeschuldigten für die Beurteilung der Streitsache wesentlich ist (Art. 
144 Abs. 1 StPO). Findet keine mündliche Berufungsverhandlung statt, so trifft der 
Kantonsgerichtsausschuss seinen Entscheid ohne Parteivortritt auf Grund der Ak-
ten (Art. 144 Abs. 3 StPO). Der Angeschuldigte in einem Strafverfahren hat aber 
unabhängig von der kantonalen Verfahrensordnung gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK 
Anspruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise und öffentlich gehört wird. Die-
ser Anspruch ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein faires Verfahren. Das 
Gebot der Verfahrensöffentlichkeit gilt dem Grundsatz nach nicht nur für das erstin-
stanzliche Strafverfahren, sondern erstreckt sich auf die Gesamtheit eines korrekten 
Strafverfahrens inklusive des gesamten Rechtsmittelweges, somit auch auf das Be-
rufungsverfahren gemäss Art. 141 ff. StPO. Die Art der Anwendung von Art. 6 Ziff. 
1 EMRK auf ein Verfahren vor einer Rechtsmittelinstanz hängt von deren Beson-
derheiten ab. Von einer mündlichen Verhandlung vor der Rechtsmittelinstanz kann 
etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz tatsächlich mündlich verhandelt 
hat, wenn nur Rechtsfragen oder Tatfragen zur Diskussion stehen, die sich leicht 
nach den Akten beurteilen lassen, ferner wenn eine reformatio in peius ausge-
schlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist und sich keine Fragen zur 
Person und deren Charakter stellen (vgl. BGE 119 Ia 316 E. 2b; ZGRG 2/99, S. 46). 
Zudem darf einem nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches Interesse 
entgegenstehen. Der Betroffene kann von sich aus auf eine mündliche Verhandlung 
verzichten. Voraussetzung eines wirksamen Verzichts ist, dass er ausdrücklich er-
klärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des Betroffenen eindeutig ergibt. 

b) Vorliegend hat der Berufungskläger stillschweigend auf eine mündli-
che Berufungsverhandlung verzichtet, indem er deren Durchführung zu keinem 
Zeitpunkt beantragte. Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Albula wurde am 
22. April 2005 im Anschluss an eine mündliche Hauptverhandlung, an welcher der 

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Berufungskläger und sein Verteidiger anwesend waren, erlassen. Die Frage der re-
formatio in peius (Art. 146 Abs. 1 StPO) stellt sich vorliegend nicht, da lediglich der 
Berufungskläger gegen das vorinstanzliche Urteil Berufung erhoben hat und der 
Kantonsgerichtsausschuss mithin die Strafe nicht verschärfen darf. Im Weiteren 
stellen sich keinerlei Fragen zur Person und zum Charakter des Berufungsklägers, 
die sich nicht aufgrund der Akten beantworten lassen. Die Tat- und Rechtsfragen 
lassen sich ebenso nach den Akten beantworten. Im vorliegenden Fall steht einem 
nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches Interesse entgegen. Auch un-
ter diesen Aspekten kann auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung ver-
zichtet werden (vgl. BGE 119 Ia 318 f.; PKG 2001 Nr. 19). Somit kann die streitige 
Strafsache gestützt auf die vorliegenden Akten ohne mündliche Verhandlung sach-
gerecht entschieden werden. Ein persönliches Vortreten von X. vor Schranken ist 
nicht notwendig.

3. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognition zukommt (Art. 146 Abs. 1 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil 
grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft (W. 
Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., 
Chur 1996, S. 375). Es gilt dabei aber zu berücksichtigen, dass der Kantonsge-
richtsausschuss auch weitere Urteilspunkte abändern oder ergänzen kann und 
muss, wenn sonst der Würdigung aller Umstände unzureichend Rechnung getragen 
würde beziehungsweise einzelne Fragen aus dem Sachzusammenhang gerissen 
würden und damit Bundesrecht verletzt würde (vgl. BGE 117 IV 104 ff.).

4. Einer Veruntreuung macht sich schuldig, wer sich eine ihm anvertraute 
fremde bewegliche Sache aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmäs-
sig zu bereichern (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) oder wer ihm anvertraute Vermö-
genswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendet (Art. 138 
Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Unter Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB beziehungsweise den Begriff 
der anvertrauten beweglichen Sache ist auch dem Täter anvertrautes Bargeld zu 
subsumieren, wenn es noch im Eigentum eines anderen steht und der Täter ver-
pflichtet ist, es getrennt von seinem eigenen Geld aufzubewahren (BGE 105 IV 33). 
Nach der langjährigen Praxis des Bundesgerichts ist „anvertraut, was jemand mit 
der Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse eines andern zu 
verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder abzuliefern. Eine sol-
che Verpflichtung kann auf ausdrücklicher oder stillschweigender Abmachung be-
ruhen“ (BGE 120 IV 119; BGE 120 IV 278; BGE 118 IV 33). Demnach kann nicht 

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Objekt einer Veruntreuung sein, was der Täter nicht für einen anderen, sondern für 
sich empfängt (vgl. M.A. Niggli/Ch. Riedo, Basler Kommentar zum StGB, Band II, 
Basel 2003, N 45 zu Art. 138 StGB mit Hinweisen). Nicht für sich, sondern für einen 
Dritten empfängt, wer als Zahlungs- oder Inkassogehilfe, als direkter oder indirekter 
Stellvertreter eines anderen handelt, insbesondere als Angestellter eines Unterneh-
mens, als Organ einer juristischen Person oder als Fiduziar (BGE 118 IV 241 = Pra 
1995 Nr. 51, S. 159). Die Sache muss in den Gewahrsam des Täters übergehen (S. 
Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., Zürich 1997, 
N 5 zu Art. 138).

5. a) Die Vorinstanz erwog in ihrem Urteil vom 22. April 2005, es wür-
den aufgrund der gesamten Umstände erhebliche Zweifel bestehen, dass X. das 
Geld tatsächlich im Jahre 2002 in die Büchse im Zwischenboden hinterlegt habe. 
Sie ging davon aus, dass X. im Jahre 2004 über die finanziellen Mittel verfügt habe, 
um die Gelddose aufzufüllen. Denn das Nettoeinkommen der Eheleute A. und X. 
habe im Jahre 2004 über Fr. 100'000.- betragen. Hinzu komme, dass X. seine Hy-
pothekarschuld am 30. Juni 2004 um Fr. 50'000.- von Fr. 250'000.- auf Fr. 300'000.- 
erhöht habe. Doch selbst wenn X. das Geld tatsächlich in der behaupteten Weise 
hinterlegt habe, habe er dennoch den Tatbestand der Veruntreuung erfüllt. Wer Gel-
der, die er treuhänderisch in seinem Gewahrsam habe und von denen er wisse, 
dass sie einer bestimmten Person gehören würden, über einen Zeitraum von über 
zwei Jahren behalte, verhalte sich, als ob es sein eigenes Geld sei. Das Tatbestan-
delement der Aneignung sei damit vorliegend erfüllt. Das Bezirksgericht Albula er-
achtete auch den subjektiven Tatbestand von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB als erfüllt. 
Zum einen sei das Zurückbehalten des Geldes unrechtmässig gewesen, da keine 
Verrechnungslage vorgelegen habe. X. habe Gelder von B. zurückgehalten, 
während sich seine Lohnforderungen gegen die Stockwerkeigentümergemeinschaft 
richten würden. Zum andern habe es dem Berufungskläger, da er das Geld erst im 
Jahre 2004 in die Büchse gelegt habe, an der nötigen Ersatzfähigkeit im Jahre 2002 
gefehlt. X. habe sich deshalb unrechtmässig bereichert.

b) Demgegenüber macht der Berufungskläger geltend, dass es vorlie-
gend an einer Aneignungsabsicht beziehungsweise -manifestation sowie unrecht-
mässigen Bereicherung fehle. X. habe nie in Abrede gestellt, dass die zurückbehal-
tenen Gelder B. gehören würden. Er habe mehrmals ausgesagt, dass er sie nach 
vorgenommener Schlussabrechnung B. überweisen würde. Er habe den (bei ihm 
ohnehin nicht vorliegenden) Aneignungswillen nach aussen nie manifestiert, zumal 
er weder den Empfang noch den Besitz der Gelder in Abrede gestellt habe. Aus den 

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Aussagen des Berufungsklägers gehe eindeutig hervor, dass das Geld im Jahre 
2002 vorhanden gewesen sei. Es treffe zudem nicht zu, dass das Ehepaar A. und 
X. am 30. Juni 2004 ihre Hypothekarschuld erhöht habe. Vielmehr seien die beiden 
bereits bestehenden Hypotheken im Jahr 2004 neugeordnet beziehungsweise zu-
sammengelegt worden. Dadurch seien den Eheleuten A. und X. bestätigtermassen 
keine zusätzlichen finanziellen Mittel zugeflossen. Auch habe das Einkommen der 
Familie A. und X. im Jahre 2004 Fr. 103'191.95 inklusive Direktzahlungen des Am-
tes für Landwirtschaft, Strukturverbesserungen und Vermessung betragen. Diesem 
Nettoeinkokmmen würden belegbare Ausgaben in der Höhe von rund Fr. 76'000.- 
gegenüberstehen, sodass den Eheleuten im Jahre 2004 für die Bestreitung ihres 
Lebensunterhaltes und desjenigen ihrer Kinder rund Fr. 27'000.- zur Verfügung ge-
standen hätten. Es sei deshalb offensichtlich ausgeschlossen, dass die Familie A. 
und X. im Jahre 2004 Ersparnisse im Umfang von Fr. 20'000.- habe bilden können. 
Im Jahre 2003 sei ihr Einkommen gemäss der Steuerveranlagung noch tiefer gele-
gen, weshalb es auch im Jahre 2003 ausgeschlossen gewesen sei, das Geld in der 
Büchse anzusparen. Es sei deshalb nachgewiesen, dass X. das Geld im Jahre 2002 
fortlaufend in die Büchse eingefüllt habe, beziehungsweise dass es sich seit der 
Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Dose befunden habe und somit ge-
trennt von seinem Vermögen aufbewahrt worden sei. X. sei damit ersatzwillig, er-
satzbereit und ersatzfähig gewesen. Eine Bereicherungsabsicht habe nie vorgele-
gen, so dass eine Verurteilung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ausgeschlossen 
sei.

6. Umstritten ist somit vorliegend, ob der Berufungskläger die Tat-be-
standselement von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB der Aneignung und der ungerecht-
fertigten Bereicherung erfüllt hat. Es gilt deshalb im Folgenden zu prüfen, ob die 
Vorinstanz zu Recht von der Sachverhaltsdarstellung gemäss Anklageschrift aus-
gehen durfte. Anlässlich dieser Prüfung ist eine Würdigung der Beweismittel vorzu-
nehmen. Gemäss Art. 125 Abs. 2 StPO, welcher gemäss Art. 144 Abs. 2 StPO auch 
für das Berufungsverfahren gilt, entscheidet das Gericht bei der Würdigung der Be-
weismittel nach freier Überzeugung. Dieser Grundsatz der freien Beweiswürdigung 
ergibt sich bereits aus Art. 249 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP). Der Richter hat danach von Bundesrechts wegen frei von gesetzli-
chen Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung aufgrund ge-
wissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber zu entscheiden, ob er eine 
Tatsache für bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 115 IV 268 f.). Ist für die Urteilsfin-
dung wie im vorliegenden Fall die materielle Wahrheit wegleitend, so kann für diese 
Beurteilung nur die freie Meinung des Richters massgebend sein (vgl. R. Hauser/E. 

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Schweri/K. Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 
54 N 2, S. 244). Lehre und Rechtsprechung gehen zutreffend davon aus, blosse 
Wahrscheinlichkeit dürfe für eine Verurteilung nicht genügen, absolute Sicherheit 
sei für eine solche aber auch nicht erforderlich und eine theoretisch entfernte Mög-
lichkeit, dass der Sachverhalt anders sein könnte, rechtfertige keinen Freispruch 
(vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 11, S. 247). 

Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweis-
würdigungsregel “in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter nicht von der Existenz 
eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären, wenn 
bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht 
hat, oder mit anderen Worten Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein 
verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoretische Zweifel 
sind indessen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Ge-
wissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht 
zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven 
Sachlage aufdrängen (BGE 120 la 37). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung 
an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Über-
zeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der 
Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Beschul-
digten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige 
Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; 
Padrutt, a.a.O., S. 307). Dabei ist es zulässig, aus der Gesamtheit von verschiede-
nen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrschein-
lichkeit auf eine bestimmte Täterschaft oder Tat hindeuten und insofern Zweifel of-
fen lassen, auf den vollen, rechtsgenüglichen Beweis von Täter bzw. Tat zu schlies-
sen (vgl. Die Praxis 10/2002, Nr. 180). Erst wenn eine Überzeugung weder in der 
einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz 
“in dubio pro reo“ der für die Angeklagte günstigere Sachverhalt angenommen wer-
den (PKG 1978 Nr. 31; Padrutt, a.a.O., S. 307).

Zu den verschiedenen Beweismitteln ist anzuführen, dass der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die Aussa-
gen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeschuldigten voll gültige Beweismittel 
mit derselben Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist weniger die Form, 
sondern vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der Bekundung 
sowie die Überzeugungskraft massgebend. Entscheidend ist mit anderen Worten 

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allein die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall (Hau-
ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 5, S. 246).

Im Rahmen des Gerichtsverfahrens interessiert nicht in erster Linie die per-
sönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen, sondern vielmehr die sachliche Glaubhaftig-
keit seiner konkreten Aussage (vgl. R. Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess 
mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Als Kennzeichen 
wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerich-
tigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche 
Wiedergabe des Erlebnisses zu werten. Die Schilderung des Vorfalles in so charak-
teristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst 
erlebt hat, ist ein weiteres Indiz für die Richtigkeit der Deposition. Für die Korrektheit 
einer Aussage sprechen unter anderem die Selbstbelastung oder unvorteilhafte 
Darstellung der eigenen Rolle und die Konstanz in der Aussage bei verschiedenen 
Befragungen. Bei wahrheitswidrigen Bekundungen fehlen diese Kennzeichen regel-
mässig. Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen sind Unstimmigkei-
ten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, Zurücknahme, erhebliche 
Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe mehrerer Einvernahmen, un-
klare, verschwommene oder ausweichende Antworten und gleichförmige, eingeübt 
wirkende Aussagen. Die Richtigkeit einer Deposition muss alsdann auf ihre Über-
einstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem Ergebnis der übrigen Beweiser-
hebungen geprüft werden. Auch im System der Glaubwürdigkeitskriterien von Arnt-
zen (F. Arntzen/E. Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, System der 
Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993) steht an erster Stelle die Aus-
sage selbst. Sie ist vor dem Hintergrund allgemein bekannter oder im Einzelfall zu 
erkundender psychischer Eigenarten zu betrachten. Unterschieden wird zwischen 
Glaubwürdigkeitskriterien, die sich aus dem Aussageinhalt, der Aussageentwick-
lung, der Aussageweise sowie dem Motivationsumfeld der Aussage ergeben. Krite-
rien des glaubhaften Aussageinhalts sind der Grad der Detaillierung und der inhalt-
lichen Besonderheit sowie die Homogenität der Aussage. Die Glaubhaftigkeit aus 
dem Verlauf der Aussageentwicklung ergibt sich aus der relativen Konstanz einer 
Aussage in zeitlich auseinanderliegenden Befragungen sowie der Ergänzbarkeit der 
Deposition bei nachfolgenden Befragungen. Nacherlebende Gefühlsbeteiligung und 
ungesteuerte Aussageweise sprechen für einen hohen Wahrheitsgehalt. Der Grad 
der Objektivität ist schliesslich massgebend für den Grad der Glaubwürdigkeit, der 
sich aus dem Motivationsumfeld ergibt (vgl. Arntzen/Michaelis-Arntzen, a.a.O., S. 
15 ff.).

12

7. a) Die Tathandlung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB besteht in 
der Aneignung der fremden Sache. Aneignung ist die Verschiebung des „Eigen-
tums“ und bedeutet, „dass der Täter die fremde Sache oder den Sachwert wirt-
schaftlich seinem eigenen Vermögen einverleibt“ (BGE 104 IV 158, E. 1b), bezie-
hungsweise dass er wie ein Eigentümer über die Sache verfügt, ohne diese Eigen-
schaft zu haben (BGE 95 IV 4). Aneignen ist damit ein stets auch durch subjektive 
Momente, durch die Willensrichtung des Täters, charakterisiertes Verhalten. Der 
Täter muss den Willen zur dauernden Enteignung des Berechtigten und zur zumin-
dest vorübergehenden Zueignung der Sache haben (Niggli/Riedo, a.a.O., N 96 zu 
Art. 138 StGB mit Hinweisen). Will der Täter die Sache von vornherein dem Eigentü-
mer zurückstellen, so scheidet Aneignung aus (G. Stratenwerth/G. Jenny, Schwei-
zerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 6. Aufl., Bern 2003, § 13 N 13). Dabei ist 
vorausgesetzt, dass dieser Aneignungswille äusserlich erkennbar betätigt wird. Weil 
sich die Sache bei der Veruntreuung bereits mit dem Willen des Berechtigten im 
Gewahrsam des Täters befindet, darf zwar nicht leichthin auf eine solche Aneignung 
geschlossen werden. Umgekehrt kann gemäss der Praxis aber auch „nicht gefordert 
werden, dass der Täter einen Akt vornimmt, aus dem sich unzweideutig – auch für 
einen Dritten – der Aneignungswille im dargelegten Sinne ergibt. Erforderlich ist also 
nur, aber immerhin, dass der – vorhandene – Aneignungswille manifestiert, eben 
bestätigt wird“ (BGE 118 IV 152; BGE 121 IV 25). Eine Manifestation des Aneig-
nungswillens liegt dann vor, wenn der Täter nach aussen erkennbar seinen Willen 
äussert, über die Sache zu verfügen wie ein Eigentümer (Niggli/Riedo, a.a.O., N 97 
zu Art. 138 StGB). Als Beispiele solchen Verhaltens werden in der Doktrin genannt: 
dass der Täter die Sache verbraucht, über sie verfügt, sie etwa veräussert oder 
verschenkt oder auch nur eine entsprechende Verpflichtung eingeht, sie verheim-
licht oder ihren Besitz in Abrede stellt, sie verarbeitet oder vermischt etc. (vgl. Stra-
tenwerth/Jenny, a.a.O., § 13 N 27). Sie liegt auch dann vor, wenn der Täter bei-
spielsweise ein Inkasso verheimlicht, um den entsprechenden Betrag nicht abliefern 
zu müssen, nicht hingegen bei blosser Nichterfüllung einer Zahlungspflicht (Straten-
werth/Jenny, a.a.O., § 13 N 58). Aneignung liegt nicht vor, wenn die Sache bloss 
nicht rechtzeitig zurückgeben wird (J. Rehberg/N. Schmid/A. Donatsch, Strafrecht 
III, 8. Aufl., Zürich 2003, S. 103; Stratenwerth/Jenny, a.a.O., § 13 N 27). 

aa) Vorliegend ist unbestritten, dass der Berufungskläger Gelder im Um-
fang von Fr. 22'017.15, welche B. zustanden, seit dem Ende des Arbeitsverhältnis-
ses mit der Stockwerkeigentümergemeinschaft Reisporthaus beziehungsweise den 
Stockwerkeigentümern, vertreten durch B., im Herbst 2002 bis zu ihrer Übergabe 
an den Bezirksgerichtspräsidenten am 21. Dezember 2004 zurückbehalten hat (act. 

13

04.1/37; 04.1/19). Als Motiv für das Vorenthalten der Gelder machte der Berufungs-
kläger in allen seinen Einvernahmen konstant geltend (act. 4/53, S. 2; 4/54, S. 2; 
4/55, S. 4 f.; 4/58, S. 3 f.; 04.1/19), dass er diese Gelder sicherstellen wolle, damit 
er sie, falls nötig, mit seinen noch ausstehenden Lohnforderungen verrechnen 
könne. Der Berufungskläger bestritt nie, dass sich die Summe in seinem Besitze 
befinden würde, sondern verheimlichte lediglich, wo er sie genau versteckt hatte 
(vgl. dazu act. 4/53, S. 2; 4/55, S. 3; 04.1/19, S. 2). Der Berufungskläger hat somit 
weder verheimlicht, dass er das Geld für seine Arbeitgeber entgegengenommen 
habe, noch dass es diesen zustehen würde. Vielmehr hat er sich „bloss“ geweigert, 
dieses herauszugeben, solange seine Lohnforderungen nicht beglichen seien. 
Diese offene Weigerung, eine Sache herauszugeben, gilt nach der herrschenden 
Lehre nur dann als Aneignung, wenn sie auf eine Täuschung über die Identität der 
Sache, nicht aber, wenn sie nur auf die Geltendmachung eines (umstrittenen) Ei-
gentumsrechts hinausläuft (vgl. Stratenwerth/Jenny, a.a.O., § 13 N 27; M.A. Niggli, 
Basler Kommentar zum StGB, Band II, Basel 2003, N 44 zu Art. 137 StGB, je mit 
Hinweisen). Denn nur wenn der Täter mit dem Willen zur dauernden Enteignung 
des Berechtigten handle (in Abrede stellen des Herausgabeanspruchs des Berech-
tigten), könne eine Aneignung vorliegen. Jedoch lässt sich aus der Tatsache, dass 
der Täter – wie vorliegend – bereit ist, die Sache zurückzugeben (beziehungsweise 
dies tun will), nicht ohne weiteres auf die Absenz des Enteignungswillens schlies-
sen. Vielmehr ist hierzu und für die Abgrenzung der Gebrauchsanmassung von der 
Aneignung insbesondere auch die Art des Gebrauchs und die Dauer der Enteignung 
massgeblich. Dauernde Enteignung beziehungsweise Aneignung liegt vor, wenn 
die Vorenthaltung die Grenzen einer üblichen Gebrauchsleihe überschreitet, die 
sich wesentlich als Negation des Eigentums des Berechtigten darstellt und nicht 
mehr als Gebrauchsleihe verstehen lässt (vgl. Niggli, a.a.O., N 30 ff. zu Art. 137 
StGB). 

bb) Vorliegend hatte der Berufungskläger die Absicht, die seinen Arbeit-
gebern zustehenden Gelder zu behalten, falls seine Lohnforderungen nicht erfüllt 
würden (act. 4/53, S. 2; 04.1/19, S. 2). Somit hat der Berufungskläger zwar die Gel-
der behändigt, um eine Forderung durchzusetzen, das heisst, er handelte vorerst 
mit dem Willen zu dauernder Enteignung des Berechtigten (vgl. Niggli, a.a.O., N 26 
zu Art. 137 StGB). Weil X. jedoch die Absicht hatte, die Gelder zur Befriedigung 
seiner Forderung, wenn nötig, zu behalten, handelte er nicht in der unbedingten 
Absicht, die Gelder dem Berechtigten zurückzugeben. Unter diesen Umständen 
kann nicht von einem Willen zu bloss vorübergehender Enteignung ausgegangen 
werden (vgl. Niggli, a.a.O., N 26 zu Art. 137 StGB). Vielmehr handelt es sich vorlie-

14

gend um einen Fall von Aneignung. Dafür spricht auch die Dauer der Vorenthaltung 
der Gelder. Der Berufungskläger hat sich während zwei Jahren geweigert, über den 
Verbleib der Gelder Auskunft zu geben. Erst vor Gericht hat er das Versteck des 
Geldes preisgegeben. Damit hat er die Grenze einer bloss verspäteten Erfüllung 
einer Zahlungspflicht zeitlich deutlich überschritten. In dieser Situation muss sich 
der Berufungskläger den Vorwurf gefallen lassen, fremde Gelder angeeignet zu ha-
ben. Indem er sich wiederholt dahingehend äusserte, dass er diese „notfalls“ behal-
ten würde, um seine Lohnforderungen bezahlt zu machen (vgl. act. 4/53, S. 2), so-
wie weil er sich im Strafuntersuchungsverfahren während zwei Jahren weigerte, 
diese herauszugeben oder zu hinterlegen, hat er seinen Aneignungswillen hinrei-
chend manifestiert. X. hat somit den objektiven Tatbestand von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB erfüllt. Zu prüfen bleibt, ob er diesen auch in subjektiver Hinsicht erfüllt hat.

b) In subjektiver Hinsicht wird von Art. 138 StGB Vorsatz verlangt, der 
sich bei Ziff. 1 Abs. 1 insbesondere auf die Fremdheit der Sache, die dauernde Ent-
eignung und die zumindest vorübergehende Aneignung beziehen muss. Weiter ist 
zur Erfüllung des subjektiven Tatbestandes die Absicht der unrechtmässigen Be-
reicherung notwendig. Die Absicht unrechtmässiger Bereicherung ist regelmässig 
mit der Aneignung selbst gegeben. Sie fehlt indes, wenn der Täter Ersatzbereit-
schaft aufweist, das heisst, fähig und willens ist, das sich angeeignete Geld zu er-
setzen, und zwar auf den Zeitpunkt hin, auf welchen es gemäss der vertraglichen 
Vereinbarung zur Verfügung gehalten werden muss (BGE 119 IV 128; BGE 118 IV 
29 f.). Das Vorliegen des Ersatzwillens wird verneint, wenn der Täter trotz Äusse-
rung entsprechenden Willens aufgrund seiner wirtschaftlichen Lage nicht überzeugt 
sein kann, rechtzeitig Ersatz leisten zu können, das heisst, wenn trotz gegenteiliger 
Behauptung objektiv betrachtet dieser Wille angesichts der Finanzlage des Täters 
nicht bestehen kann (Niggli/Riedo, a.a.O., N 113 zu Art. 138 StGB mit Hinweisen). 
Ersatzbereitschaft kann dabei insbesondere auch in der Verrechnung mit eigenen 
Forderungen gegenüber dem Treugeber bestehen. Dabei ist nicht massgebend, ob 
der Täter eine Verrechnungserklärung nach Art. 124 Abs. 1 OR abgegeben hat, und 
aus deren Fehlen darf nicht auf fehlende Ersatzbereitschaft geschlossen werden 
(BGE 105 IV 35). Entscheidend ist nach dieser Rechtsprechung auch nicht, ob die 
verrechnete Forderung dem Täter überhaupt zusteht oder ob die Verrechnung 
zulässig war, sondern einzig, ob der Täter der Überzeugung war, sie stehe ihm zu. 
Da die Bereicherung eine unrechtmässige sein muss, scheidet ein Aneignungsdelikt 
nach herrschender Lehre und Rechtsprechung zusammenfassend immer dann aus, 
wenn der Täter lediglich etwas verlangen will, worauf er Anspruch hat oder zu haben 
glaubt, wie bei der (unerlaubten) Selbsthilfe beziehungsweise der Verrechnungsab-

15

sicht (vgl. Stratenwerth/Jenny, § 13 N 36; Rehberg/Schmid/Donatsch, a.a.O., S. 96; 
Niggli, a.a.O., N 76 vor Art. 137 StGB; BGE 98 IV 21; BGE 105 IV 34 ff.).

aa) Die Vorinstanz verneinte zunächst den Ersatzwillen des Berufungs-
klägers, weil sie nicht überzeugt war, dass das Geld im Jahre 2002 bereits in der 
Büchse aufbewahrt worden sei beziehungsweise, dass der Berufungskläger damals 
wirtschaftlich in der Lage gewesen wäre, die angeeignete Summe zurückzuerstat-
ten. Vielmehr sei wahrscheinlich, dass der Berufungskläger die Büchse erst aus 
Anlass der drohenden Strafverfolgung gefüllt habe. Im Jahre 2004 sei er dazu wirt-
schaftlich in der Lage gewesen, weil er seine Hypothekarschuld um Fr. 50'000.- 
erhöht habe. Zudem habe das Nettoeinkommen der Eheleute A. und X. ausgereicht, 
um die fragliche Summe im Jahre 2004 anzusparen. Dieser Auffassung kann nicht 
gefolgt werden. Wie sich aus den Akten zweifelsfrei ergibt, haben die Eheleute A. 
und X. ihre Hypothekarschuld nicht erhöht, sondern lediglich zwei Hypotheken zu-
sammengelegt (vgl. Beilagen Rekurrent, act. 01/2-4,7). Daraus haben sich keine 
zusätzlichen liquiden Mittel ergeben. Auch hat die Verteidigung rechtsgenüglich und 
glaubhaft dargelegt, dass es den Eheleuten A. und X. nicht möglich gewesen wäre, 
in den Jahre 2003 und 2004 über Fr. 20'000.- auf die Seite zu legen (vgl. Beilagen 
Rekurrent, act. 01/5-6, 8-15). Namentlich hat das Einkommen der Familie A. und X. 
im Jahre 2004 Fr. 103'191.95 inklusive Direktzahlungen des Amtes für Landwirt-
schaft, Strukturverbesserungen und Vermessung betragen. Diesem Nettoeinkom-
men standen ausgewiesene, berechtigte und nachvollziehbare Ausgaben in der 
Höhe von rund Fr. 76'000.- gegenüber, sodass den Eheleuten im Jahre 2004 für die 
Bestreitung ihres Lebensunterhaltes und desjenigen ihrer Kinder rund Fr. 27'000.- 
zur Verfügung gestanden haben. Im Jahre 2003 hat ihr Einkommen gemäss der 
Steuerveranlagung noch tiefer gelegen. In dieser Situation muss zugunsten des Be-
rufungsklägers davon ausgegangen werden, dass die Gelder bereits im Jahre 2002 
vorhanden waren, so dass X. bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses wirtschaft-
lich in der Lage gewesen wäre, das Geld an B. auszuhändigen. 

bb) Im vorliegenden Fall hat der Berufungskläger – wie oben in E. 7a er-
läutert – stets beteuert, dass er die Gelder zurückbehalten habe, um sich allenfalls 
durch sie seine ausstehenden Lohnforderungen durch Verrechnung bezahlt zu ma-
chen. Diese Verrechnungsabsicht erscheint dem Gericht als glaubhaft. So hat der 
Berufungskläger diese Absicht unstreitig von Beginn der vorliegenden Streitigkeit 
an gegenüber B. geäussert (vgl. act. 4/61, S. 5 unten). Weiter räumte B. vor dem 
Untersuchungsrichter ein, dass im Juli und September 2002 der Lohn für das Ehe-
paar A. und X. zurückbehalten worden sei (act. 4/61, S. 5). Die Forderungen auf-

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grund von geleisteten Überstunden wies B. jedoch unter Hinweis auf den Anstel-
lungsvertrag, in welchem festgehalten sei, dass Überstundenarbeit kompensiert 
werden müsse, zurück (act. 4/61). Zwar ist im „Anstellungsvertrag“ für die Haus-
wartstelle festgehalten, dass Überstunden kompensiert werden müssten und nicht 
ausbezahlt würden (vgl. act. 4/2). Eine analoge Bestimmung fehlt hingegen im „An-
stellungsvertrag Vermietung“ zwischen dem Ehepaar A. und X. und den Stockwerk-
eigentümern, vertreten durch B. (act. 4/4). Auch hat der Berufungskläger eine For-
derung für ausstehenden Lohn geltend gemacht. Die Absicht der Verrechnung von 
X. ist unter diesen Umständen glaubhaft und überzeugend. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann dem Berufungskläger auch nicht 
vorgehalten werden, dass es an der Gegenseitigkeit der Forderungen gefehlt habe, 
weil sich die Lohnforderungen gegen die Stockwerkeigentümerschaft beziehungs-
weise gegen die einzelnen Stockwerkeigentümer richten würden, der Berufungsklä-
ger jedoch Gelder von B. zurückbehalten habe. Dieser Vorhalt ist zwar aus zivil-
rechtlicher Sicht richtig, doch ist nach der oben angeführten Rechtsprechung und 
Lehre nicht entscheidend, ob eine Verrechnung zulässig war. Ersatzbereitschaft ist 
vielmehr auch dann gegeben, wenn der Täter überzeugt war, die Verrechnungs-
möglichkeit bestehe. Dazu ist anzuführen, dass sich B. gegenüber dem Berufungs-
kläger – wie sich aus den zahlreichen bei den Akten befindlichen Schreiben ergibt 
– stets als Arbeitgeber ausgegeben hat. Namentlich hat B. die Kündigung des Ar-
beitsverhältnisses in seinem Namen und mit seiner Unterschrift vorgenommen (act. 
4/11). Anlässlich seiner Einvernahme durch den Untersuchungsrichter am 2. De-
zember 2003 hat B. zudem ausgesagt: „Bei den Stockwerkeigentümern Reisport-
haus handelt es sich um meine Person. Ich habe den Anstellungsvertrag Reisport-
vermietungen für die Eigentümer des Reisporthauses unterzeichnet. Ich habe bei-
spielsweise die Abrechnungen der Heizkosten für alle Eigentümer durch das Büro 
L.-AG machen lassen. Ich möchte aber anmerken, dass ich diese gemeinsamen 
Abrechnungen während 25 Jahren selber machte. Ich habe die Verwaltung der 
Stockwerkeigentümergemeinschaft inne gehabt“ (act. 4/61, S. 2). B. gehörten zu-
dem rund 60% der Wohnungen (act. 4/61, S. 2). Es geht deshalb nicht an, diese 
Tatsache, das heisst, dass das Arbeitnehmerverhältnis, zwar nicht rechtlich, aber 
faktisch doch zwischen B. und dem Ehepaar A. und X. bestand, zuungunsten des 
Berufungsklägers zu verwenden. Der Berufungskläger konnte und durfte unter die-
sen Umständen annehmen, dass eine Verrechnungsmöglichkeit bestehen würde. 
Die Ersatzbereitschaft des Berufungsklägers ist damit auch aufgrund der Verrech-
nungsabsicht gegeben. Das Tatbestandselement der ungerechtfertigen Bereiche-
rung ist damit im vorliegenden Fall subjektiv nicht erfüllt. Da die Aneignung nicht mit 

17

dem Ziel der ungerechtfertigten Bereicherung erfolgte, liegt keine Veruntreuung vor 
(vgl. Niggli/Riedo, a.a.O., N 107 zu Art. 138 StGB; Rehberg/Schmid/Donatsch, 
a.a.O., S. 96). X. ist deshalb von Schuld und Strafe freizusprechen.

8. a) Art. 157 StPO bestimmt, dass bei Freispruch oder bei Einstell-
ung des Verfahrens, das heisst, wenn der Fall bereits dem Geicht überwiesen wur-
de, dem Angeklagten beziehungsweise Angeschuldigten die Verfahrenskosten 
ganz oder teilweise überbunden werden können, wenn dieser durch sein Verhalten 
begründeten Anlass zur Durchführung der Untersuchung und des Gerichtsverfah-
rens gegeben hat. Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 6 Ziff. 
2 EMRK wird diese Bestimmung gemäss konstanter Praxis restriktive beziehungs-
weise zugunsten des Betroffenen ausgelegt. Eine Kostenauflage bei Freispruch 
oder Einstellung des Verfahrens kommt höchstens dann in Betracht, wenn dem Be-
schuldigten ein schuldhaftes Verhalten zur Last gelegt werden kann und zwischen 
diesem schuldhaften Verhalten und den auferlegten Kosten ein Kausalzusammen-
hang besteht (vgl. BGE 114 Ia 404; PKG 1998 Nr. 33). Dabei genügt es jedoch 
nicht, dass der Beschuldigte durch sein Verhalten objektiv zur Untersuchung oder 
Verlängerung des Verfahrens Anlass gegeben hat. Das Bundesgericht spricht von 
einer Haftung für prozessuales Verschulden beziehungsweise von einer zivilrechtli-
chen Grundsätzen angenäherten Haftung für ein fehlerhaftes Verhalten (BGE 116 
Ia 162 ff.; BGE 115 Ia 111 ff. und 309 ff.; BGE 109 Ia 160 f.; vgl. auch Hau-
ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 108 N 21, S. 565). Gemäss der bundesgerichtli-
chen Praxis sind zwei Gruppen von Fällen zu unterscheiden. So einerseits diejeni-
gen, in denen dem Beschuldigten ein prozessuales Verschulden im engeren Sinn 
zur Last gelegt wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn dieser die Untersu-
chungsorgane durch wahrheitswidrige Angaben auf eine falsche Fährte führt oder 
das Verfahren erschwert und verlängert, indem er nicht zur Verhandlung erscheint 
(vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 108 N 18, S. 564 und die Hinweise dort). 
Andererseits gibt es Fälle, in denen dem Beschuldigten wegen des Verhaltens, das 
Gegenstand des Strafverfahrens war, die Kosten auferlegt werden mit der Begrün-
dung, dieses Verhalten sei zwar nicht strafbar, aber unter zivilrechtlichen Gesichts-
punkten vorwerfbar. Dies ist nur dann der Fall, wenn er in zivilrechtlich vorwerfbarer 
Weise, das heisst, im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR 
ergebenden Grundsätze, gegen eine geschriebene oder ungeschriebene Verhal-
tensnorm, die aus der gesamten schweizerischen Rechtsordnung stammen kann, 
klar verstossen und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen Durch-
führung erschwert hat (prozessuales Verschulden im weiteren Sinn vgl. BGE 116 Ia 
161 ff.; PKG 1995 Nr. 30; ZR 99 [2000], S. 13 ff., 24 ff. und 178 ff.). Denn ein 

18

schliesslich erfolgter Freispruch bedeutet nicht, dass für die Einleitung des Strafver-
fahrens und für die Anklageerhebung von Anfang an kein hinreichender Anlass be-
stand. Weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht muss in diesem frühen 
Stadium Gewissheit oder auch nur überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine Ver-
urteilung gegeben sein. Von einer Anklageerhebung ist nur abzusehen, wenn auf-
grund einer gefestigten Rechtsprechung mit einer Verurteilung nicht zu rechnen ist 
(ZR 99 [2000], S. 181 lit. d). Dem Angeschuldigten darf aber nicht indirekt der Vor-
wurf gemacht werden, er habe sich trotz Freispruch strafbar gemacht (Pra 2001 Nr. 
59).

b) Vorliegend fragt es sich, ob X. durch sein Verhalten Anlass zur Einlei-
tung und Durchführung einer Strafuntersuchung gegeben hat, das heisst, ob er mit 
seinem Verhalten gegen eine geschriebene oder ungeschriebene Norm des 
schweizerischen Rechts verstossen hat. Indem der Berufungskläger sich die Gelder 
angeeignet und jede Aussage zum Verbleib des Geldes verweigert hat, hat er be-
gründeten Anlass für die Durchführung einer Strafuntersuchung wegen Veruntreu-
ung gegeben. Er hat einen begründeten Anfangsverdacht für eine Untersuchung 
gesetzt und muss dies auch selbst vertreten. Durch sein eigenmächtiges Handeln 
hat er in ungerechtfertigter Selbsthilfe gehandelt und somit gegen Art. 52 Abs. 3 OR 
(e contrario) verstossen beziehungsweise seine vertraglichen Pflichten verletzt (Art. 
97 ff. OR). Schliesslich hat er ja das Geld B. auch ausgehändigt (vgl. act. 37 Vorin-
stanz). Hätte er die Gelder spätestens zu Beginn der Strafuntersuchung zum Bei-
spiel beim Kreispräsidenten hinterlegen lassen und eine Zivilklage über seine be-
haupteten Lohnforderungen eingereicht, wäre die Strafuntersuchung wohl einge-
stellt worden beziehungsweise könnte ihm heute kein zivilrechtlicher Vorwurf ge-
macht werden. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die Kosten der Staats-
anwaltschaft X. aufzuerlegen. 

Da das Verhalten des Angeschuldigten unter diesen Umständen als zivil-
rechtlich vorwerfbar anzusehen ist, ist auch die Voraussetzung der Verweigerung 
einer Entschädigung gemäss Art. 161 Abs. 1 Satz 2 StPO (verwerfliches oder leicht-
fertiges Verhalten) erfüllt. Denn das Kriterium der „zivilrechtlich vorwerfbaren 
Weise“, in welcher gegen eine Rechtsnorm verstossen worden sein muss, wird in 
der Praxis seit jeher gleichgesetzt mit den kantonalrechtlichen Begriffen „verwerf-
lich“ oder „leichtfertig“ (vgl. Padrutt, a.a.O., Ziff. 1.8 zu Art. 161 StPO; ZR 99 [2000], 
S. 178 ff.).

19

c) Da aber X. nach der Anklageerhebung, aber vor der vorinstanzlichen 
Gerichtsverhandlung am 21. Dezember 2004 das Versteck des Geldes aufdeckte 
und die Vorinstanz aufgrund derselben Erwägungen, welche nunmehr der Kantons-
gerichtsausschuss Graubünden vorgenommen hat, zu einem Freispruch hätte ge-
langen können, gehen die Kosten der Vorinstanz im Umfang von Fr. 500.-- (Auf-
wendungen des Bezirksgerichtspräsidenten im Vorfeld der Hauptverhandlung) zu 
Lasten von X. und im Unfang von Fr. 3'000.--  zu Lasten des Bezirkes Albula, wel-
cher X. für das vorinstanzliche Gerichtsverfahren im Strafpunkt (aber nicht – wie 
dargelegt – für das Untersuchungsverfahren und das Adhäsionsklageverfahren) mit 
Fr. 3'000.—(inkl. MwSt) zu entschädigen hat. Diese Entschädigung umfasst jenen 
Teil der Aufwendungen der Verteidiger, welche für die Vorbereitung und die Teil-
nahme an der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz notwendig waren.

9. Da die Berufung gutgeheissen und das angefochtene Urteil im Schuld-
spruch aufgehoben wird, gehen die Kosten des Berufungsverfahrens zu Lasten des 
Kantons Graubünden (Art. 160 StPO), welcher X. mit Fr. 3'000.- zu entschädigen 
hat.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und die Ziffern 1-3 und 5 des an-
gefochtenen Urteils werden aufgehoben. 

2. X. wird von der Anklage der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 
1 Abs. 1 StGB freigesprochen. 

3. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 
1'685.-- gehen zu Lasten von X..

Die Kosten des Bezirksgerichtes Albula gehen im Umfang von Fr. 500.-- zu 
Lasten von X. und im Umfang von Fr. 3'000.-- zu Lasten des Bezirkes Albula, 
welcher X. mit Fr. 3'000.-- (inkl. MwSt) zu entschädigen hat.

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden, welcher X. für das Berufungsverfahren mit Fr. 3'000.- 
(inkl. MwSt) zu entschädigen hat. 

5. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

6. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident  Die Aktuarin ad hoc