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**Case Identifier:** 98c7d05c-eb43-51da-8f27-5ac97dda8093
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 12.03.2024 VBE.2023.458
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-458_2024-03-12.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.458 / lm / ks       
Art. 36 

 

 

Urteil vom 12. März 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Peterhans  

Oberrichterin Gössi 

Gerichtsschreiber Meier 

Rechtspraktikantin Mary 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

gesetzlich vertreten durch B._____ 

vertreten durch Andrea Mengis Advokatin, c/o Procap Schweiz,  

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG allgemein; Hilflosenentschädigung 

(Verfügung vom 27. September 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die am 17. März 2012 geborene Beschwerdeführerin leidet an verschiede-

nen Geburtsgebrechen und wurde von ihrer Mutter erstmals am 13. April 

2012 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (medizini-

sche Massnahmen) angemeldet. In der Folge gewährte die Beschwerde-

gegnerin der Beschwerdeführerin Kostengutsprache für diverse medizini-

sche Massnahmen.  

 

1.2. 

Am 1. März 2017 meldete die Mutter der Beschwerdeführerin diese sodann 

bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug einer Hilflosenentschädigung an. 

Nach entsprechenden Abklärungen verneinte die Beschwerdegegnerin mit 

Verfügung vom 19. September 2017 einen Anspruch der Beschwerdefüh-

rerin auf eine Hilflosenentschädigung. Die Verfügung erwuchs unangefoch-

ten in Rechtskraft. 

 

1.3. 

Am 16. November 2021 erfolgte eine weitere Anmeldung der Beschwerde-

führerin zum Bezug einer Hilflosenentschädigung, nunmehr aufgrund einer 

Autismus-Spektrum-Störung und einer Aufmerksamkeitsdefizits- und Hy-

peraktivitätsstörung. Die Beschwerdegegnerin führte unter anderem eine 

Abklärung an Ort und Stelle zur Ermittlung der Hilflosigkeit und des Betreu-

ungsaufwandes durch (Bericht vom 22. September 2022). In der Folge 

stellte sie der Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 5. Oktober 2022 

eine Hilflosenentschädigung wegen Hilflosigkeit leichten Grades ab 

1. März 2021 in Aussicht. Nach Prüfung der dagegen erhobenen Einwände 

und Einholung einer ergänzenden Stellungnahme der Abklärungsperson 

verfügte sie am 27. September 2023 die Zusprache einer Hilflosenentschä-

digung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades ab dem 1. November 2020 bis 

zum 31. Juli 2022 und eine Hilflosenentschädigung wegen Hilflosigkeit 

leichten Grades ab dem 1. August 2022 bis zum 31. Juli 2023. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 27. September 2023 erhob die Beschwerdefüh-

rerin mit Eingabe vom 30. Oktober 2023 fristgerecht Beschwerde und 

stellte folgende Rechtsbegehren: 

 
 

"1. In Abänderung der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 
27.09.2023 sei der Beschwerdeführerin rückwirkend ab 01.11.2020 
eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades zuzusprechen. 

 2. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die 
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 - 3 - 

 

 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen 
Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 27. November 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdefüh-

rerin mit Verfügung vom 27. September 2023 (Vernehmlassungsbeilage 

[VB] 127) zu Recht ab dem 1. November 2020 eine bis 31. Juli 2022 befris-

tete Hilflosenentschädigung basierend auf einer Hilflosigkeit mittleren Gra-

des sowie ab 1. August 2022 eine bis 31. Juli 2023 befristete Hilflosenent-

schädigung basierend auf einer Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen 

hat. 

 

2. 

Die Zusprechung einer Hilflosenentschädigung aufgrund einer Neuanmel-

dung, nachdem eine solche aufgrund eines zu geringen Hilfebedarfs ver-

weigert wurde (vgl. Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV), bedarf einer erhebli-

chen Änderung des Grads der Hilflosigkeit (Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. 

Art. 35 Abs. 2 IVV; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_29/2020 vom 19. Fe-

bruar 2020 E. 3.1 f. mit Hinweisen). Anlass zur Revision einer Hilflosenent-

schädigung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 35 Abs. 2 IVV gibt 

jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeig-

net ist, den Grad der Hilflosigkeit und damit den Anspruch auf Hilflosenent-

schädigung zu beeinflussen (Art. 87 Abs. 1 lit. b IVV; vgl. BGE 134 V 131 

E. 3 S. 132; 130 V 343 S. 350; 133 V 108 E. 5.2 S. 111).  

 

Massgebender Vergleichszeitpunkt (vgl. diesbezüglich vgl. BGE 133 V 108 

E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.) bildet vorliegend die Verfügung vom 

19. September 2017 (VB 67). Zwischen den Parteien ist unumstritten, dass 

sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin jedenfalls insofern in 

neuanmeldungsrechtlich relevanter Weise verändert hat, als bei der Be-

schwerdeführerin nunmehr eine Autismus-Spektrum-Störung (ICD-10: 

F84.5) sowie eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung diagnostiziert wurden 

(vgl. VB 72 S. 1 ff.; 80 S. 20 ff.). 

 

3. 

3.1. 

Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz 

(Art. 13 ATSG), die hilflos sind, haben gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG Anspruch 

auf eine Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt gemäss Art. 9 ATSG eine 

 - 4 - 

 

 

Person, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Le-

bensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa-

chung bedarf. 

 

3.2. 

Es gilt zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter 

Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt gemäss Art. 37 Abs. 3 

IVV als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmit-

teln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in 

erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), einer dauern-

den persönlichen Überwachung bedarf (lit. b), einer durch das Gebrechen 

bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (lit. c; sog. 

"Sonderfall"), wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schwe-

ren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässigen und erheblichen 

Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (lit. d) oder 

dauernd auf lebenspraktische Begleitung (Art. 38 IVV) angewiesen ist 

(lit. e). Wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in 

den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher 

Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), oder in mindestens zwei 

alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die 

Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen 

Überwachung bedarf (lit. b), gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer (Art. 37 

Abs. 2 IVV).  

 

Bei Minderjährigen ist gemäss Art. 37 Abs. 4 IVV nur der Mehrbedarf an 

Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behin-

derten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen. Diese Sonderre-

gelung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei Kleinkindern auch bei voller 

Gesundheit eine gewisse Hilfs- und Überwachungsbedürftigkeit besteht. 

 

Zur Beurteilung der Hilflosigkeit sind praxisgemäss (vgl. BGE 121 V 88 

E. 3a S. 90 mit Hinweis) die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrich-

tungen massgebend: 

 
- Ankleiden, Ausziehen 
- Aufstehen, Absitzen, Abliegen 
- Essen 
- Körperpflege 
- Verrichtung der Notdurft 
- Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme 

 

Für das Vorliegen der Hilflosigkeit in einer Lebensverrichtung, welche meh-

rere Teilfunktionen umfasst, genügt dabei, dass die versicherte Person bei 

einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte 

oder indirekte Hilfe angewiesen ist (BGE 121 V 88 E. 3c S. 91). 

 

 - 5 - 

 

 

Direkte Hilfe von Drittpersonen liegt vor, wenn die versicherte Person die 

alltäglichen Lebensverrichtungen nicht oder nur teilweise selbst ausführen 

kann (Rz. 2015 des Kreisschreibens über Hilflosigkeit [KSH; gültig ab 1. Ja-

nuar 2022, Stand: 1. Mai 2022]). Indirekte Hilfe von Drittpersonen ist gege-

ben, wenn die versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen 

zwar funktionsmässig selbst ausführen kann, dies aber nicht, nur unvoll-

ständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn sie sich selbst überlassen wäre 

(BGE 107 V 145 E. 3c S. 149; 105 V 52 E. 4a S. 56; Rz. 2016 KSH). Indi-

rekte Hilfe muss eine gewisse Intensität umfassen, eine einfache Anord-

nung oder ein einfacher Hinweis reichen nicht aus (Rz. 2014, 2017 KSH). 

Die Aufforderung muss immer wieder wiederholt werden, die Handlung 

muss während der Ausführung überwacht werden und im Bedarfsfall muss 

eingegriffen werden (Rz. 2017 KSH). Die Dritthilfe ist erheblich, wenn die 

versicherte Person eine Teilfunktion einer Lebensverrichtung (bspw. "Wa-

schen" bei der Lebensverrichtung "Körperpflege") nicht mehr, nur mit un-

zumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben 

kann oder aufgrund des psychischen Zustands nicht vornehmen würde 

(BGE 105 V 52 E. 4a S. 56; 106 V 153 E. 2 S. 159). Die geleistete Dritthilfe 

muss sodann regelmässig sein. Die Dritthilfe gilt als regelmässig, wenn die 

versicherte Person sie täglich benötigt oder eventuell (nicht voraussehbar) 

täglich nötig haben kann (Urteile des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 

13. Januar 2017 E. 5.3; 9C_809/2015 vom 10. August 2016 E. 5.1.2; 

8C_30/2010 vom 8. April 2010 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen; Rz. 2010 f. 

KSH). 

 

4. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Prüfung des Anspruchs auf 

Hilflosenentschädigung primär auf den Bericht über die Abklärung an Ort 

und Stelle vom 22. September 2022 (VB 95), die ergänzende Stellung-

nahme der Abklärungsperson vom 3. Mai 2023 (VB 123) sowie auf den da-

raufhin ergänzten Abklärungsbericht vom 3. Mai 2023 (VB 124). Die Abklä-

rungsperson ging davon aus, seit März 2018 bestehe im Bereich "Körper-

pflege", seit August 2018 zudem in den Bereichen "An-/Auskleiden" und 

"Verrichten der Notdurft" und seit März 2020 überdies in den Bereichen 

"Aufstehen/Absitzen/Abliegen" und "Fortbewegung" ein Mehraufwand 

(VB 123 S. 5; 124 S. 2 ff.). Der Mehraufwand für die alltägliche Lebensver-

richtung in den Bereichen "An-/Auskleiden", "Aufstehen/Absitzen/Abliegen" 

und "Verrichten der Notdurft" sei bis April 2022 ausgewiesen, im Bereich 

"Körperpflege" sei der Mehraufwand bis April 2023 ausgewiesen. Der 

Mehraufwand im Bereich "Fortbewegung" bestehe jedoch fort (VB 123 

S. 5; 124 S. 2 f., 5 f.). 

 
 

5. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Abklärungsberichtes ist wesentlich, 

dass er von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtli-

chen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen 

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Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten 

hat. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und angemessen detailliert 

bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbe-

standsmässigen Erfordernissen der dauernden Pflege, der persönlichen 

Überwachung (Art. 37 IVV) und der lebenspraktischen Begleitung (Art. 38 

IVV) sein. Er hat in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen 

Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige 

Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das 

Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststell-

bare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Um-

stand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkre-

ten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht 

(BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 546 f. mit Verweis unter anderem auf 

BGE 133 V 450 E. 11.1.1 S. 468 und BGE 130 V 61 E. 6.2 S. 63; vgl. auch 

SVR 2019 IV Nr. 4 S. 10, 8C_741/2017 E. 5.1, und Urteil des Bundesge-

richts 8C_509/2019 vom 8. November 2019 E. 5.4). 

 

6. 

6.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt zusammengefasst vor, der Abklärungsbe-

richt und die ergänzende Stellungnahme seien mangelhaft (Beschwerde 

S. 5 f.). Insbesondere sei ausgewiesen, dass die Einschränkungen in den 

alltäglichen Lebensbereichen "An-/Auskleiden", "Aufstehen/Absitzen/Ablie-

gen", "Verrichten der Notdurft" und "Körperpflege" auch nach dem April 

2022, resp. April 2023, fortbestünden. Entsprechend habe die Beschwer-

deführerin seit dem 1. November 2020 unbefristet Anspruch auf eine Hilf-

losenentschädigung mittleren Grades (Beschwerde S. 7 ff.). 

 

6.2. 

6.2.1. 

Dem Abklärungsbericht ist bezüglich "Ankleiden/Auskleiden" zu entneh-

men, dass sich die Beschwerdeführerin seit dem Eintritt in ein Internat im 

April 2022 (vgl. VB 88 S. 2) selber an- und ausziehe und dies im Internat 

nie ein Thema gewesen sei (VB 124 S. 2). Einzig in einem im Rahmen der 

Beschwerde eingereichten Schreiben der Mutter der Beschwerdeführerin, 

welches von einer Betreuungsperson des Internats am 25. Oktober 2023 

ergänzt und unterzeichnet wurde, wird dargetan, die Beschwerdeführerin 

müsse täglich auf witterungsbeständige Kleidung aufmerksam gemacht 

und darauf hingewiesen werden, wann sie ihre Kleidung (abgesehen von 

Unterhosen) wechseln soll (Beschwerdebeilage [BB] 3; vgl. Beschwerde 

S. 7). Hilflosigkeit im Rahmen der allgemeinen Lebensverrichtung "Anklei-

den/Auskleiden" liegt unter anderem vor, wenn sich die versicherte Person 

zwar selber ankleiden, sich aufgrund kognitiver Probleme jedoch nicht wit-

terungsentsprechend kleiden kann (Rz. 2026 KSH). Entgegen den Ausfüh-

rungen der Beschwerdeführerin sind den Akten keine Anhaltspunkte be-

treffend kognitive Einschränkungen zu entnehmen, die dazu führen 

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könnten, dass sie sich nicht der Witterung entsprechend ankleiden könnte. 

Die alleinige Aufforderung, die Kleidung zu wechseln, reicht nicht aus, um 

erhebliche Dritthilfe im Bereich "Ankleiden/Auskleiden" zu begründen (vgl. 

E. 3.2.). Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Abklärungsperson eine 

regelmässige und erhebliche Dritthilfe im Bereich "Ankleiden/Auskleiden" 

nur bis zum Eintritt der Beschwerdeführerin ins Internat im April 2022 bejaht 

hat. 

 

6.2.2. 

Bezüglich "Aufstehen/Absitzen/Abliegen" liegt Hilflosigkeit vor, wenn die 

versicherte Person nicht ohne Dritthilfe aufstehen, sich hinsetzen oder hin-

legen kann. Es liegt keine Hilflosigkeit vor, wenn die versicherte Person 

alleine die Position wechseln kann (Rz. 2030 KSH). Den Akten kann nicht 

entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin körperlich nicht in der 

Lage wäre aufzustehen, sich hinzusetzen oder hinzulegen. Die Abklärungs-

person führte ferner aus, die Beschwerdeführerin könne Positionswechsel 

selber vornehmen (VB 124 S. 3). In ihrer Stellungnahme vom 3. Mai 2023 

ging die Abklärungsperson davon aus, dass die Beschwerdeführerin vor 

Eintritt ins Internat jeden Abend rund 20 Mal habe "ins Bett gebracht" wer-

den müssen und es jeweils bis zu drei Stunden gebraucht habe, bis sie 

geschlafen habe. Es sei ihr nun das Medikament Abilify verordnet worden, 

weshalb sie besser einschlafen könne (VB 123 S. 2). Im Schreiben der 

Mutter der Beschwerdeführerin vom 25. Oktober 2023 wird darauf hinge-

wiesen, dass die Beschwerdeführerin beim ins Bett gehen auf feste Rituale 

(mit Gutnachtgeschichten und Hörspiel) angewiesen sei, was von der Be-

treuungsperson des Internats bestätigt wurde (BB 3; Beschwerde S. 8). Es 

ist mindestens bis zum achten Lebensjahr altersentsprechend, dass ein 

Kind beim Zubettgehen mehr Zeit mit ihrer Betreuungsperson benötigt (bei-

spielsweise mit Hörspielen). Einschlafrituale begründen gemäss KSH auch 

ab dem achten Lebensjahr keine Hilflosigkeit, es sei denn, ihr Ausmass 

übersteigt deutlich die Norm und dies ist ärztlich dokumentiert, wobei das 

Vorlesen von Gutnachtgeschichten alleine nicht genügt (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 E. 4.8; Rz. 2035 5/22 

KSH). Den Akten kann diesbezüglich nicht entnommen werden, dass ein 

Ausmass vorliegt, welches die Norm deutlich übersteigen würde, insbeson-

dere liegt keine entsprechende ärztliche Dokumentation vor. Soweit die Be-

schwerdeführerin vorbringt, sie benötige Hilfe beim morgendlichen Aufste-

hen "wenn auch nicht täglich, so doch mehrmals pro Woche" (Beschwerde 

S. 9), ist darauf hinzuweisen, dass Dritthilfe täglich nötig sein muss, um 

Hilflosigkeit zu begründen und Unterstützung in der Form von Aufforderun-

gen alleine dem Erheblichkeitserfordernis nicht genügt (vgl. E. 3.2.). Es ist 

somit nachvollziehbar, dass die Abklärungsperson eine regelmässige und 

erhebliche Dritthilfe im Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen ab Heimein-

tritt im April 2022 verneint hat. 

 

 - 8 - 

 

 

6.2.3. 

Aus dem Abklärungsbericht ist sodann betreffend "Verrichten der Notdurft" 

ersichtlich, dass die Unterhose der Beschwerdeführerin "regelmässig" ver-

schmutzt sei. Dies bewege sich gemäss Aussagen des Teamleiters der 

Wohngruppe des Internats jedoch noch im normalen Rahmen und es be-

stünden auch keine entsprechenden Geruchsemissionen. Da keine Ent-

zündung im Afterbereich bestünde, sei davon auszugehen, dass die Be-

schwerdeführerin die Gesässreinigung selber erledigen könne (VB 124 

S. 6). In Übereinstimmung mit dem Abklärungsbericht sowie dem Schrei-

ben vom 25. Oktober 2023 erwähnte der Teamleiter der Wohngruppe be-

reits in seinem Bericht vom 15. August 2022, dass die Beschwerdeführerin 

sich "zeitweilig" einnässe und einkote, dies jedoch gegenüber den Betreu-

ungspersonen nur selten äussere und daher ihre Kleidung wechsle und die 

verschmutze Wäsche verstecke (VB 94 S. 2). Damit eine Hilflosigkeit an-

genommen werden kann, muss regelmässig erhebliche Dritthilfe geleistet 

werden, d.h. täglich (vgl. E. 3.2.). Aufgrund der Einschätzung der Abklä-

rungsperson sowie der Betreuungspersonen des Internats kann davon in-

des (ab Eintritt ins Internat im April 2022) nicht mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit ausgegangen werden (Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit: BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf 

BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181; 126 V 353 E. 5b S. 360).  

 

6.2.4. 

Weiter wird im Abklärungsbericht betreffend "Körperpflege" festgehalten, 

die Beschwerdeführerin führe die Morgen- und Abendtoilette sowie die 

Zahnreinigung (wenn sie gleichzeitig mit ihren Kolleginnen beginne) selber 

aus, bei letzterer müsse jedoch eine Kontrolle durchgeführt werden 

(VB 124 S. 5). Der Stellungnahme zum Abklärungsbericht vom 3. Mai 2023 

ist diesbezüglich sodann zu entnehmen, dass der Teamleiter der Wohn-

gruppe und die Betreuungsperson der Abklärungsperson am 23. März bzw. 

25. April 2023 telefonisch mitgeteilt hatten, die Beschwerdeführerin würde 

selbstständig duschen, man müsse sie lediglich dazu auffordern (manch-

mal auch ein zweites oder drittes Mal). Sie hätte auch schon ohne Auffor-

derung geduscht. Gemäss dem Teamleiter der Wohngruppe würde sie sich 

auch in adäquater Weise selbstständig kämmen und die Haare waschen 

und benötige keine Dritthilfe vor Ort (VB 123 S. 3). Diese Feststellungen 

stimmen weitgehend überein mit dem aktenkundigen Bericht des Teamlei-

ters vom 15. August 2022, welchem zu entnehmen ist, dass es der Be-

schwerdeführerin oft gelinge, sich zum Duschen und Zähneputzen den an-

deren Kindern anzuschliessen (VB 94 S. 2). Entgegen dem Vorbringen der 

Beschwerdeführerin stützte sich die Abklärungsperson diesbezüglich somit 

nicht einzig auf die Telefonate mit den Betreuungspersonen ab (vgl. Be-

schwerde S. 9). Die Einschätzung der Abklärungsperson, wonach ab Mai 

2023 in der Lebensverrichtung "Körperpflege" keine erhebliche Dritthilfe 

mehr erforderlich ist, ist somit gesamthaft nicht zu beanstanden. 

 

 - 9 - 

 

 

6.3. 

Gesamthaft sind in den Einschätzungen der Abklärungsperson keine klar 

feststellbaren Fehleinschätzungen festzustellen, wenn diese zum Schluss 

kommt, dass die Beschwerdeführerin seit dem Eintritt ins Internat am 

24. April 2022 bei den alltäglichen Lebensverrichtungen "An-/Auskleiden", 

"Aufstehen/Absitzen/ Abliegen" und "Verrichten der Notdurft" nicht auf er-

hebliche Dritthilfe angewiesen sei und bezüglich "Körperpflege" nur bis im 

April 2023 auf erhebliche Dritthilfe angewiesen gewesen sei. Somit ist nicht 

in das Ermessen der Abklärungsperson einzugreifen (vgl. E. 5.) und es 

kann vollumfänglich auf die Stellungnahme der Abklärungsperson vom 

3. Mai 2023 sowie auf den ergänzten Abklärungsbericht vom selben Datum 

abgestellt werden.  

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdefüh-

rerin mit Verfügung vom 27. September 2023 zu Recht ab dem 1. Novem-

ber 2020 eine bis 31. Juli 2022 befristete Hilflosenentschädigung bei einer 

Hilflosigkeit mittleren Grades sowie ab dem 1. August 2022 eine bis 31. Juli 

2023 befristete Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Gra-

des zugesprochen. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuwei-

sen. 

 

7.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 400.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

7.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

  

 - 10 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 400.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 12. März 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Meier