# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8f0c549-bdbb-5738-be5e-bb24fd1a43b4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.02.2022 E-2158/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2158-2020_2022-02-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2158/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richterin Gabriela Freihofer, 

Gerichtsschreiber Michal Koebel.    

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin,  

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 28. Februar 2020 / N (…). 

 

 

 

E-2158/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 27. Juni 2018 in der Schweiz um Asyl 

nach. Anlässlich der Befragung zur Person am 13. Juli 2018 und der Anhö-

rung am 30. Oktober 2018 machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei 

tadschikischer Ethnie, schiitischen Glaubens und in B._______ in der Pro-

vinz C._______ in Afghanistan geboren. Als ungefähr Zweijährige sei sie 

mit ihren Eltern in den Iran gegangen. Dort habe sie 2003 ihren jetzigen 

Ehemann geheiratet. 2006 habe sie einen Sohn und 2009 eine Tochter ge-

boren.  

Mitte 2015 habe ihre Schwiegermutter aus Afghanistan angerufen und er-

zählt, dass bei einem Streit um (…) eine Person gestorben und ihr Schwie-

gervater festgenommen worden sei. Ihr Ehemann habe deshalb beschlos-

sen, mit der ganzen Familie nach Afghanistan zurückzukehren. Bei Ver-

handlungen mit der Opferfamilie habe er als Wiedergutmachung Geld und 

Land angeboten. Schliesslich sei ihr Schwiegervater mit der Bedingung 

freigelassen worden, dass der Sohn des Getöteten ihre Tochter heiraten 

dürfe, sobald sie neun Jahre alt geworden sei. Ihr Ehemann habe dieser 

Vereinbarung zugestimmt, ohne sie vorab darüber in Kenntnis zu setzen. 

Der zukünftige Ehemann der Tochter sei einige Male zu Besuch gekom-

men. Eines Tages sei er mit zwei beziehungsweise drei weiteren Männern 

zu ihr nach Hause gekommen, als weder ihr Ehemann noch ihr Schwieger-

vater anwesend gewesen seien, und habe sie vergewaltigt. Sie habe nie-

mandem davon erzählt. Nachdem sie gedroht habe, sich und ihre Tochter 

umzubringen, wenn sie in Afghanistan bleiben müsse, sei sie mit der gan-

zen Familie und den Schwiegereltern ungefähr eine Woche später im (…) 

beziehungsweise (…) 2016 illegal in den Iran geflüchtet. Aus Angst, man-

gels gültiger Aufenthaltspapiere aus dem Iran wieder nach Afghanistan 

ausgeschafft zu werden, habe die Familie sich Anfang (…) 2017 Richtung 

Europa aufgemacht. Am (…) 2018 sei sie alleine von Griechenland in die 

Schweiz gegangen und habe am (…) 2018 den gemeinsamen Sohn zur 

Welt gebracht. Am (…) 2019 sei ihr Ehemann mit den beiden anderen Kin-

dern legal in die Schweiz gereist. 

Als Beweismittel reichte sie den afghanischen Reisepass ihres Eheman-

nes, ein griechisches Ausweisdokument des Ehemannes (beides in Kopie) 

und einen Arztbericht vom (…) 2018 der Psychiatrischen Dienste 

D._______ zu den Akten.  

E-2158/2020 

Seite 3 

B.  

Der Ehemann der Beschwerdeführerin (E._______) und die gemeinsamen 

Kinder (F._______ und G._______) reisten am 10. September 2019 in die 

Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten.  

C.  

Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 (eröffnet am 3. März 2020) stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführerin, ihr Ehemann und die gemeinsamen 

Kinder erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab 

und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Wegweisungsvollzug 

schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme 

auf. 

D.  

Mit Eingabe vom 2. April 2020 reichte die Beschwerdeführerin zusammen 

mit ihrem Ehemann und ihren Kindern beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde ein und beantragte, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben, 

sie sei als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren. Eventu-

aliter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgelt-

liche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses zu verzichten und ihr sei ein amtlicher Rechtsbeistand zu bestel-

len. Der Beschwerde liegen die Vertretungsvollmacht sowie eine Kopie der 

Anfrage an den kantonalen Sozialdienst betreffend Bestätigung der Für-

sorgeabhängigkeit bei. 

E.  

Am 9. April 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsorgeabhängig-

keitsbestätigung ein. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2020 stellte der Instruktionsrichter 

fest, dass das Verfahren des Ehemannes und der Kinder in einem separa-

ten Beschwerdeverfahren geführt wird (E-1867/2020). Er hiess das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen 

Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses, ordnete Rechtsanwältin Lara Märki als amtliche Rechtsbeistän-

din bei und gab der Vorinstanz Gelegenheit zur Einreichung einer Ver-

nehmlassung. 

E-2158/2020 

Seite 4 

G.  

Am 12. Mai 2020 reichte die Vorinstanz die Vernehmlassung fristgerecht 

ein. Diese wurde der Beschwerdeführerin am 18. Mai 2020 zur Kenntnis-

nahme zugestellt.  

H.  

Mit Schreiben vom 13. Oktober 2020 reichte die Rechtsvertretung eine 

Kostennote ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende 

Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-

gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-

führer sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.2 Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten der vorläufigen Aufnahme 

aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegenstand des Beschwerdever-

fahrens. 

4.  

4.1 In der Beschwerde wird gerügt, die Sache sei eventualiter zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil diese die Vorbringen der 

Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes pauschal als unglaubhaft dar-

getan und sich dabei nur mit Nebensächlichkeiten beschäftigt habe. Zu-

dem habe sie den frauenspezifischen Fluchtgründen zu wenig Rechnung 

E-2158/2020 

Seite 5 

getragen. Diese formelle Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie allenfalls ge-

eignet sein könnte, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-

wirken. 

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt 

(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).  

Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu 

begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Aus der Begründungspflicht als Teilge-

halt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begrün-

dung den Betroffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzu-

fechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl die Betroffenen als auch die 

Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen 

können. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-

gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen der Betroffe-

nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-

teressen der Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend 

Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. 

BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2). 

4.3 Die Vorinstanz hat die Tragweite der geltend gemachten Vergewalti-

gung erfasst und sich aus nachvollziehbaren Gründen dazu entschieden, 

in der Verfügung eine unpräzise Formulierung zu verwenden. Aus der an-

gefochtenen Verfügung ergibt sich, dass sie bewusst auf eindeutigere Be-

grifflichkeiten verzichtete, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der 

Ehemann der Beschwerdeführerin im Entscheidzeitpunkt von der Verge-

waltigung keine Kenntnis hatte (vgl. angefochtene Verfügung S. 4 Ziff 7). 

Dies ist nicht zu beanstanden. Sie hat anlässlich der Anhörung die Verge-

waltigung und die Umstände dazu erfragt und in der Verfügung unter dem 

Begriff des «Übergriffs» als unglaubhaft qualifiziert. Ob die Glaubhaftig-

keitsprüfung der Aussagen zutreffend ist, betrifft die materielle Frage der 

rechtlichen Würdigung der Vorbringen, welche es nachfolgend – bei der 

Frage, ob die Vorbringen der Beschwerdeführerin glaubhaft sind (vgl. E. 7) 

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Seite 6 

– zu beachten gilt. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder anderer 

Verfahrensrechte ist nicht erkennbar und den frauenspezifischen Flucht-

gründen hat die Vorinstanz genügend Rechnung getragen.  

4.4 Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung 

rechtfertigt sich deshalb nicht. Das entsprechende Rechtsbegehren ist ab-

zuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (vgl. Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 und Art. 3 AsylG). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz hält in ihrer Verfügung fest, dass angesichts der vorge-

brachten psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin und ihres 

Ehemannes nicht grundsätzlich bestritten werde, dass ihr vor der Einreise 

in die Schweiz etwas zugestossen sei. Damit sei jedoch noch nicht glaub-

haft gemacht, dass diese Beschwerden in einem unmittelbaren Zusam-

menhang mit den geltend gemachten Vorbringen ständen. Gesamthaft be-

trachtet würden die Aussagen die Kriterien einer hinlänglichen Detaildichte 

und Konsistenz in entscheidenden Punkten nicht erfüllen. Es sei mit erheb-

lichen Zweifeln behaftet, dass sie aufgrund der geltend gemachten Prob-

leme ihres Schwiegervaters den bisherigen Lebensmittelpunkt im Iran eine 

Zeit lang nach Afghanistan habe verlegen müssen. Die Schilderungen des 

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Seite 7 

Ehemannes dazu, weshalb es unverzichtbar gewesen sei, die Beschwer-

deführerin und die beiden Kinder nach Afghanistan mitnehmen zu müssen, 

seien widersprüchlich sowie ausweichend und daher nicht in sich stimmig. 

Sie hätten zudem widersprüchliche Angaben dazu gemacht, ob er die Be-

schwerdeführerin in die Entscheidung, nach Afghanistan zurückzukehren, 

einbezogen habe oder nicht. Die Angaben der Beschwerdeführerin zur 

Rückkehr nach Afghanistan seien äusserst knapp ausgefallen und wirkten 

nicht wirklichkeitsnah, sondern eher aufgesetzt. Auch den Schilderungen 

zu den Ereignissen, die sich während des Aufenthaltes in Afghanistan ab-

gespielt hätten, fehle es an den Qualitätsanforderungen, um sie als glaub-

haft erachten zu können. Ihr Ehemann berichte über seine Wiederbegeg-

nung mit seinem Vater bloss von objektiven Ereignissen. Daraus werde je-

doch weder ein persönlich gefärbtes Erlebnis noch ein individuell gepräg-

tes Empfinden erkennbar. Dass die Beschwerdeführerin praktisch keine 

Auskunft über die Umstände der Festnahme des Schwiegervaters habe 

erzählen können, wirke unverständlich. Die vorgebrachte Festnahme be-

ziehungsweise Freilassung ihres Schwiegervaters durch die Taliban, die 

dadurch zustande gekommen sei, dass sie dem Sohn des Getöteten als 

Wiedergutmachung in einigen Jahren ihre Tochter als Ehefrau überlassen 

müsse, entbehre deshalb einer glaubhaften Grundlage. Die allgemeinen 

Beschreibungen zu ihren Tätigkeiten während des mehrmonatigen Aufent-

haltes in Afghanistan enthielten keinerlei Details oder persönlich gefärbte 

Inhalte, um auf tatsächliche Erlebnisse schliessen zu lassen. Sie habe sich 

zudem darin widersprochen, ob ihre Schwiegermutter während des Aufent-

haltes in Afghanistan Kontakt zu Nachbarn gehabt habe oder nicht. Sie 

habe zudem keine detaillierten Aussagen zum Geschehen in den Tagen 

nach dem Übergriff oder zu den Wochen davor machen können. Auch ihre 

Angaben dazu, weshalb ihre beiden Kinder in Afghanistan nicht mehr zur 

Schule gegangen seien, gäben Anlass zu Zweifeln. Es sei damit weder 

glaubhaft, dass die Tochter von einer Zwangsheirat bedroht gewesen sei 

noch, dass sie aufgrund dessen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge-

wesen seien. 

6.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen eingewendet, die Vorinstanz 

habe die Kernaspekte des Gesuchs keiner Glaubhaftigkeitsprüfung unter-

zogen, sondern stütze ihren Entscheid, wonach die Vorbringen den Anfor-

derungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhielten, lediglich auf Neben-

sächlichkeiten und auf für die Flüchtlingseigenschaft unwesentliche 

Punkte. Sie führe auf über einer Seite aus, es sei nicht glaubhaft, dass die 

Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Ehemann und den Kindern nach 

Afghanistan zurückgekehrt sei. Aus den angeblich widersprüchlichen und 

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Seite 8 

ausweichenden Antworten habe die Vorinstanz darauf geschlossen, die 

Vorbringen, wonach die Familie aufgrund der geltend gemachten Probleme 

des Vaters des Beschwerdeführers ihren Lebensmittelpunkt nach Afgha-

nistan habe verlegen müssen, seien mit erheblichen Zweifel behaftet. Die 

Probleme des Schwiegervaters, der eigentliche Grund für die Heimreise, 

werde nicht weiter thematisiert. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann 

hätten auf glaubhafte und detaillierte Art und Weise beschrieben, wie es 

dazu gekommen sei, dass sie zurück nach Afghanistan gegangen seien. 

Die Vorinstanz habe es zudem unterlassen, die kulturellen Unterschiede 

und die untergeordnete Rolle der Frauen in Afghanistan zu berücksichti-

gen. Die Aussagen der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes über die 

Ereignisse in Afghanistan würden sowohl in sich als auch mit den Aussa-

gen des anderen Ehepartners übereinstimmen und ergäben ein stimmiges 

Bild. Beide hätten auf detaillierte und glaubhafte Art und Weise geschildert, 

wie es dazu gekommen sei, dass die Tochter habe zwangsverheiratet wer-

den sollen. Trotz mehrmaliger Nachfragen seien ihre Aussagen zu ihrer 

Beschäftigung während des Aufenthalts in Afghanistan konstant und damit 

glaubhaft. Obwohl sie in der Anhörung ausdrücklich gesagt habe, sie sei 

vergewaltigt worden, thematisiere die Vorinstanz diesen frauenspezifi-

schen Fluchtgrund mit keinem Wort und er werde lediglich als einen «gel-

tend gemachten Übergriff» umschrieben. Sie habe die Vergewaltigung de-

tailliert beschrieben und die Aussagen bei der Befragung und der Anhörung 

seien beinahe identisch. Auch die Vorinstanz erkenne, dass Erinnerungen 

von traumatisierten Personen zum Teil bruchstückhaft ausfallen würden o-

der chronologisch falsch wiedergegeben werden könnten. Schliesslich 

gehe aus den medizinischen Unterlagen hervor, dass sie aufgrund schwer-

wiegender und wiederholter Traumata unter einer posttraumatischen Be-

lastungsstörung leide und sie seit dem Trauma psychisch krank und 

schwer depressiv sei sowie ausgeprägte Ängste und Panikattacken habe, 

was ebenfalls als Indiz für die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen spreche. 

Dass die Vorinstanz diese Vorbringen nicht würdige und zum Schluss 

komme, dass es auch diesem Personenkreis in der Regel gelinge, detail-

liert und stimmig auszusagen, weshalb auch von ihr ausführlichere Antwor-

ten hättet erwarten werden dürfen, sei unverständlich. Sie hebe die eigens 

erkannten aussagepsychologischen Grundsätze regelrecht auf. Gesamt-

haft betrachtet verkenne die Vorinstanz, dass die Schilderungen der Be-

schwerdeführerin (und ihres Ehemannes) ausführlich seien und eine Viel-

zahl von Realkennzeichen enthielten. 

6.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, dass die Beschwer-

deschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, 

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Seite 9 

welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könne und ver-

weist im Übrigen auf ihre Erwägungen, an denen sie vollumfänglich fest-

halte.  

7.  

7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Gericht in Übereinstimmung mit 

der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin 

den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten vermögen. 

Zwar ist ihr zuzustimmen, dass die Vorinstanz die kulturellen Gegebenhei-

ten in Afghanistan und die Rolle der Frau teilweise nicht berücksichtigt hat 

(beispielsweise SEM-Akte A6 F7.01 S. 10). An der Gesamteinschätzung 

der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ändert dies aber nichts, wie die nach-

folgenden Erwägungen zeigen.  

7.2 Vorab gilt es zu prüfen, ob Zweifel an den Schilderungen zur Rückkehr 

der Familie vom Iran nach Afghanistan bestehen.  

7.2.1 Der Grund für die Ausreise der Beschwerdeführerin mit der ganzen 

Familie nach Afghanistan bilde das Telefongespräch ihres Ehemannes mit 

seiner Mutter, wonach sein Vater in Afghanistan verhaftet worden sei. In 

der Erstbefragung in seinem freien Bericht zu den Asylgründen erwähnte 

ihr Ehemann, seine Mutter habe ihn angerufen und mitgeteilt, seinem Vater 

sei etwas zugestossen, er solle nach Afghanistan kommen. Beim zweiten 

Telefonat einige Tage später habe er von ihr erfahren, dass eine Person 

bei einem Streit um (…) gestorben und sein Vater daraufhin verhaftet wor-

den sei (SEM-Akte Ehemann A18 F50). Diese Aussage wiederholte er so-

dann in seiner letzten, dritten Anhörung (SEM-Akte Ehemann A32 F6). In 

der zweiten Anhörung schilderte er hingegen, seine Mutter habe ihn aufge-

fordert, nach Afghanistan zu kommen ohne ihm mitzuteilen, was genau 

vorgefallen sei. Als er sie gefragt habe, was passiert sei, habe sie nicht 

geantwortet. Er habe gedacht, sie vermisse ihn und würde ihn sehen wol-

len. Beim zweiten Telefonat habe sie ihm dann ausführlich über den Vorfall 

berichtet und erzählt, was mit seinem Vater geschehen sei (SEM-Akte Ehe-

mann A29 F3 S. 10). Seine Aussagen widersprechen sich darin, ob er 

schon anlässlich des ersten Telefonats gewusst habe, dass mit seinem Va-

ter etwas vorgefallen sei. So wäre nicht nachvollziehbar, dass er zwar dar-

über in Kenntnis gesetzt worden sei, aber trotzdem gedacht habe, seine 

Mutter habe ihn lediglich angerufen, weil sie ihn vermissen würde und ihn 

deshalb gebeten habe, nach Afghanistan zu kommen. Aufgrund der wider-

sprüchlichen Angaben zum Grund der Rückkehr der ganzen Familie nach 

E-2158/2020 

Seite 10 

Afghanistan entstehen damit schon Zweifel am vorgetragenen Sachver-

halt. 

7.2.2 Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann machten ebenfalls wider-

sprüchliche Angaben dazu, ob sie in die Rückkehr mit den Kindern nach 

Afghanistan eingewilligt habe oder nicht. Aus ihren Aussagen ist nicht er-

sichtlich, dass sie eine solche Zusage gab. Vielmehr gab sie an, ihr Ehe-

mann habe so entschieden (SEM-Akte A6 F7.01) und er habe nicht akzep-

tieren wollen, dass sie und die Kinder im Iran blieben (SEM-Akte A20 F102, 

F129). Er erwähnte einerseits, er habe sie gezwungen, mit nach Afghanis-

tan zu kommen (SEM-Akte Ehemann A32 F10) oder sie habe keine andere 

Wahl gehabt nachdem er ihr mitgeteilt habe, er werde die iranischen Auf-

enthaltsgenehmigungen aushändigen und die Kinder mitnehmen (SEM-

Akte Ehemann A18 F156). Andererseits gab er an, nachdem er sie sehr 

darum gebeten habe, habe sie eingewilligt (SEM-Akte Ehemann A18 F50) 

oder er habe sie überzeugen können (SEM-Akte Ehemann A32 F6, F68). 

Auch unter dem Aspekt der kulturellen Unterschiede insbesondere bei der 

Rolle der Frauen in Afghanistan, lassen die Aussagen Zweifel am Vorge-

tragenen entstehen. Diese werden durch die Schilderungen des Eheman-

nes, weshalb er seine Familie mit nach Afghanistan habe nehmen wollen, 

erhärtet. So gab er an, wenn er alleine nach Afghanistan gegangen wäre, 

hätte er nicht mehr in den Iran zurückkehren können (SEM-Akte Ehemann 

A18 F75). Nicht nachvollziehbar ist dies, weil er als einziger der Familie 

einen afghanischen Pass besessen habe, mit welchem er schon früher 

zwischen Iran und Afghanistan hin und her gereist sei (SEM-Akte Ehemann 

A18 F77 f.). Die Beschwerdeführerin erwähnte die Reisen ihres Eheman-

nes zwischen Afghanistan und Iran mit seinem Reisepass ebenfalls (SEM-

Akte A20 F73, F77). Im Übrigen blieben seine weiteren Schilderungen 

vage und oberflächlich und beschränkten sich weitgehend darauf, er habe 

seine Familie nicht alleine im Iran zurücklassen können, weil er nicht ge-

wusst habe, wie lange er in Afghanistan bleiben müsse und niemand auf 

sie im Iran hätte aufpassen können (SEM-Akte Ehemann A29 F5-7 

S. 10 f.). Es war ihm auch nicht möglich, differenziert darüber zu berichten 

oder nachvollziehbar zu erklären, wie er den Entschluss gefasst habe, mit 

der ganzen Familie nach Afghanistan zurückzukehren und was seine Vor-

stellungen vom Aufenthalt dort gewesen seien (SEM-Akte Ehemann A29 

F72 ff.; A32 F61 ff., F69 f.) Hierzu dürfen jedoch durchaus differenzierte 

und ausführliche Schilderungen erwartet werden, zumal eine Rückkehr der 

ganzen Familie in ein von den Taliban kontrolliertes Gebiet Gefahren birgt. 

E-2158/2020 

Seite 11 

7.2.3 Die Zweifel an der Rückkehr nach Afghanistan werden namentlich 

dadurch erhärtet, dass es der Beschwerdeführerin auch auf Nachfrage 

nicht möglich war, substanziiert darüber zu berichten, wie sich das Leben 

mit ihren Kindern in Afghanistan tatsächlich gestaltet hat (vgl. SEM-Akte 

A20 F103 f.). Auch ihrem Ehemann gelang es nicht, den Alltag in Afghanis-

tan überzeugend darzulegen. So gab er lediglich an, sie habe das Haus 

nicht verlassen und es habe dort keine Sicherheit gegeben. Auch auf Nach-

frage blieben seine Ausführungen kurz und oberflächlich indem er er-

wähnte, sie sei meistens zu Hause geblieben und habe gekocht (SEM-Akte 

Ehemann A18 F160 ff.). Als er aufgefordert wurde, über das Leben in sei-

nem Heimatdorf in Afghanistan allgemein und insbesondere seit der 

Machtübernahme der Taliban zu berichtet, waren seine Antworten teilweise 

ausweichend und blieben trotz mehrmaliger Nachfragen vage (SEM-Akte 

Ehemann A29 F54-61, F66-69). Zu diesem Aspekt hätten von ihm durch-

aus differenziertere Schilderungen und erlebnisbezogene Aussagen erwar-

tet werden können, zumal er das Leben in seinem Heimatdorf unter der 

Herrschaft der Regierung von früher gemäss eigener Aussagen gekannt 

habe (SEM-Akte Ehemann A29 F54 f.).  

7.2.4 Schliesslich bleibt zu erwähnen, dass sich kein klares Bild davon 

ergibt, wann der Ehemann der Beschwerdeführerin Afghanistan erstmals 

für längere Zeit verlassen habe und in den Iran gegangen sei. Sie gab an, 

er sei ein Jahr bevor sie geheiratet hätten in den Iran gekommen (SEM-

Akte A20 F73). Er erwähnte einerseits, er sei erstmals 200(…)/200(…) 

(SEM-Akte Ehemann A18 F10 f.) und andererseits, er sei mit 11 oder mit 

12 Jahren und damit ungefähr 19(…) in den Iran gereist (SEM-Akte Ehe-

mann A29 F31). Auch auf mehrmaliges Nachfragen blieben seine Antwor-

ten oft ausweichend und unklar (SEM-Akte Ehemann A18 F12, F14, F17 

f., F21 f. und A29 F33). Auch machte er widersprüchliche Aussagen dazu, 

wie lange seine Eltern, die weiterhin in Afghanistan gewohnt hätten, jeweils 

zu Besuch im Iran geblieben seien (zwischen einem und zwei Jahren SEM-

Akte Ehemann A29 F35 f. oder sieben bis acht Jahre SEM-Akte Ehemann 

A18 F17, F22). 

7.2.5 Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann verstricken sich in diverse 

Widersprüche und die Schilderungen bleiben oft vage. Es bleibt unklar, 

wann er seinen Lebensmittelpunkt von Afghanistan in den Iran verlegt hat 

und es bestehen – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – erheb-

liche Zweifel daran, dass die Familie 2015 nach Afghanistan zurückgekehrt 

ist. Die Ausführungen in der Beschwerde vermögen daran nichts zu än-

dern. 

E-2158/2020 

Seite 12 

7.3 Alsdann sind die Angaben der Beschwerdeführerin zu den geltend ge-

machten Problemen in Afghanistan einer Glaubhaftigkeitsprüfung zu unter-

ziehen.  

7.3.1 Einerseits erwähnte ihr Ehemann, er sei beim Streit um (…) nicht da-

bei gewesen. Er wisse nicht, ob dort eine Schaufel oder sonst etwas gele-

gen habe (SEM-Akte Ehemann A18 F84). Andererseits gab er in derselben 

Anhörung an, die Person sei mit einer Schaufel getötet worden. Sie – die 

am Streit beteiligten Dorfbewohner – hätten Schaufeln in der Hand gehabt 

(SEM-Akte Ehemann A18 F100). Dadurch entstehen erste Zweifel am Ge-

schilderten. 

7.3.2 Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass die Schilderungen über 

das Wiedertreffen ihres Ehemannes mit seinem Vater nach dessen Frei-

lassung und nach Jahren des Getrenntseins weder ein persönlich gefärb-

tes Erlebnis noch ein individuell-geprägtes Empfinden erkennen lassen 

(SEM-Akte Ehemann A18 F122 ff.). Es wären von ihm deutlich ausführli-

chere Angaben zu erwarten gewesen, hätte er sich in der geltend gemach-

ten Situation befunden. Seine Erzählungen blieben vage und oberflächlich 

(vgl. zum Ehemann Urteil des BVGer E-1867/2020 vom 16. Februar 2022 

insb. E. 6.3.2). 

7.3.3  Trotz mehrfacher Nachfragen über die Verhandlungen mit der Op-

ferfamilie entsteht beim Durchlesen der Protokolle ihres Ehemannes kein 

klares Bild der Abläufe. So ist nicht eindeutig, wann er den Vorschlag des 

ältesten Sohnes der Opferfamilie zur Heirat mit der Tochter im Gegenzug 

zur Freilassung seines Vaters erhalten habe (SEM-Akte Ehemann A18 

F52, F92). Nicht nachvollziehbar ist ebenfalls, ob er mit dem Dorfvorsteher 

zur Opferfamilie gegangen sei, um Land und Geld anzubieten (SEM-Akte 

Ehemann A18 F52) oder, ob dies erstmals an einer Versammlung mit der 

Opferfamilie beim Dorfvorsteher zu Hause besprochen worden sei (SEM-

Akte Ehemann A18 F129). Schliesslich ist auch fraglich, wie viele Verhand-

lungen stattgefunden hätten und an wie vielen er selber anwesend gewe-

sen sei (SEM-Akte Ehemann A18 F52, F92, F129 f., F132 und A32 F65 ff.). 

7.3.4 Klar widersprüchliche Angaben machten die Beschwerdeführerin und 

ihr Ehemann dazu, wer wann Kenntnis von seiner Zusage zur Zwangshei-

rat der Tochter mit dem ältesten Sohn des Getöteten gehabt habe. Sie er-

wähnte anlässlich des freien Berichts zu ihren Asylgründen in ihrer Befra-

gung (SEM-Akte A6 F7.01) und der Anhörung (SEM-Akte A20 F91, F126), 

ihr Ehemann habe der Zwangsheirat zugestimmt, ohne ihr etwas davon 

E-2158/2020 

Seite 13 

erzählt zu haben. Er gab hingegen in der Erstbefragung zu Protokoll, er 

habe drei bis vier Nächte über den Vorschlag zur Zwangsheirat seiner 

Tochter diskutiert sowie verhandelt und er habe Rücksprache mit der Be-

schwerdeführerin sowie seiner Mutter gehalten (SEM-Akte Ehemann A18 

F136). Im weiteren Verlauf der Befragung bestätigte er sodann, die Be-

schwerdeführerin habe dieselben Kenntnisse über die Friedensangebote 

gehabt wie er selber. Sie habe auch gewusst, dass er dem Vorschlag zur 

Zwangsheirat der Tochter zugestimmt habe. Sie habe es nicht akzeptieren 

wollen, aber nichts dagegen unternehmen können (SEM-Akte Ehemann 

A18 F155). Diese Aussagen bestätigte er sodann in der zweiten Anhörung 

(SEM-Akte Ehemann A29 F37 f. S. 15). 

7.3.5 Vorab ist zu erwähnen, dass die Vorinstanz zwar keine Glaubhaftig-

keitsprüfung des Aktes der Vergewaltigung machte. Sie hörte aber die Be-

schwerdeführerin ausführlich über die Geschehnisse kurz davor (SEM-

Akte A20 F130 ff., F142) sowie kurz danach (SEM-Akte A20 F92 ff., 

F187 ff.) an und stellte wiederholt Fragen hierzu. Dieses Vorgehen ist nicht 

zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann machten meh-

rere widersprüchliche Angaben zu ihrer geltend gemachten Vergewalti-

gung. Sie erzählte in ihrer Anhörung, als ihr Mann und ihr Schwiegervater 

am Abend nach Hause gekommen seien, habe ihre Schweigermutter ihnen 

erzählt, was an dem Tag geschehen sei (SEM-Akte A20 F91). Im Verlauf 

der Anhörung erwähnte sie dann, sie habe ihrem Mann erzählt, dass der 

Sohn des Getöteten sie an den Haaren gezogen und sie dabei bedroht 

habe (SEM-Akte A20 F148). Anlässlich der ersten Befragung und der drit-

ten Anhörung gab er an, als er am Abend nach Hause gekommen sei, habe 

seine Mutter ihm vom Besuch erzählt und berichtet, dass sie das Kopftuch 

seiner Ehefrau weggezogen, sie geohrfeigt und belästigt hätten (SEM-Akte 

Ehemann A18 F52, F143 f. und A32 F6). In der zweiten Anhörung machte 

er unterschiedliche Angaben hierzu. So erzählte er, seine Frau – und nicht 

seine Mutter – habe ihm vom Vorfall erzählt (SEM-Akte Ehemann A29 F22 

S. 13). Als seine Frau sich gewehrt habe, habe man ihr zuerst das Kopftuch 

weggenommen und danach sei sie an den Haaren gepackt worden. Er sei 

darüber aber erst im Iran informiert worden, weil sie Angst gehabt hätten, 

er würde etwas Blödes und Gefährliches machen (SEM-Akte Ehemann 

A29 F28 S. 13). Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann machen damit 

unterschiedliche Angaben, ob sie oder die Schwiegermutter ihm vom Vor-

fall erzählt habe und, ob er in Afghanistan oder erst im Iran davon erfahren 

habe. Im Übrigen machte sie unterschiedliche Angaben, ob der Sohn des 

Getöteten in Begleitung von zwei oder drei weiteren Personen gewesen 

E-2158/2020 

Seite 14 

sei (SEM-Akte A6 F7.01; A20 F91, F133, F142, F168). Wie schon die Vor-

instanz feststellte, wird nicht grundsätzlich in Abrede gestellt, dass die Be-

schwerdeführerin Opfer einer Vergewaltigung geworden sein könnte. Je-

doch konnte sie nicht glaubhaft machen, dass diese unter den vorgebrach-

ten Umständen stattgefunden hat. Dem Arztbericht ist sodann einerseits 

nicht zu entnehmen, dass die psychischen Probleme auf eine Vergewalti-

gung zurückzuführen sind. Und andererseits wird darin festgehalten, dass 

das Trauma ungefähr Mitte 2017 stattgefunden hat. Gemäss Angaben der 

Beschwerdeführerin sei sie zu jener Zeit jedoch im Iran gewesen. Die Aus-

führungen in der Beschwerde vermögen an dieser Einschätzung nichts zu 

ändern. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass sie die Vergewaltigung 

nicht bloss bruchstückhaft und chronologisch falsch wiedergegeben hat, 

sondern sich in ihren Aussagen und denen ihres Ehemannes diverse Wi-

dersprüche befinden. 

7.3.6 Schliesslich machte der Ehemann der Beschwerdeführerin klar wi-

dersprüchliche Angaben zur Ausreise aus Afghanistan. So erwähnte er ei-

nerseits, zuerst seien seine Eltern und die Kinder zu Hause mit dem Auto 

abgeholt worden und dann er und die Beschwerdeführerin (SEM-Akte Ehe-

mann A29 F35 S. 14) und andererseits, die Frauen seien zuerst abgeholt 

worden und dann er, sein Vater und die Kinder (vgl. Urteil des BVGer E-

1867/2020 vom 16. Februar 2022 insb. E. 6.3.6 und SEM-Akte Ehemann 

A32 F45).  

7.3.7 Aufgrund der zahlreichen Widersprüche, konnte die Beschwerdefüh-

rerin die geltend gemachten Vorbringen in Afghanistan nicht glaubhaft ma-

chen. 

7.4 Angesichts der aufgezeigten Sachlage ist festzustellen, dass ihre Vor-

bringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG 

nicht standzuhalten vermögen. Die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz 

ist nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass wenn 

schon die Rückreise der Familie nach Afghanistan nicht glaubhaft ist, er-

hebliche Zweifel an den Vorbringen in Afghanistan selber bestehen. Es ist 

ihr nicht gelungen, einen flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt 

glaubhaft zu machen. Die Feststellung der Vorinstanz, die Beschwerdefüh-

rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist dementsprechend zu be-

stätigen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. Die Aus-

führungen in der Beschwerde vermögen hieran nichts zu ändern.  

E-2158/2020 

Seite 15 

8.  

8.1 Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ein, 

so verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.2 Die Vorinstanz hat mit Verfügung vom 28. Februar 2020 die vorläufige 

Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz angeordnet. Demnach 

erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit 

und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da jedoch der Antrag auf 

Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 24. April 2020 gutgeheissen 

wurde und sich aus den Akten auch keine Hinweise auf eine nachträgliche 

Veränderung der finanziellen Verhältnisse ergeben, ist die Beschwerdefüh-

rerin von der Auferlegung der Verfahrenskosten zu befreien. 

10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde die rubrizierte Rechtsvertre-

terin als amtliche Rechtsbeiständin gemäss aArt. 110a Abs. 1 AsylG beige-

ordnet, weshalb dieser ein entsprechendes Honorar auszurichten ist. Mit 

Eingabe vom 13. Oktober 2020 wurde eine Kostennote eingereicht. Hierin 

wurde für das vorliegende Verfahren ein Vertretungsaufwand von insge-

samt Fr. 2’497.30 geltend gemacht, ausgehend von einem zeitlichen Auf-

wand von 8.17 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.–. Der Auf-

wand erscheint zu hoch, hat doch die Rechtsvertreterin für das Verfahren 

des Ehemannes (E-1867/2020) eine separate Kostennote eingereicht, in 

der sie ebenfalls Aufwendungen für das Verfassen der Beschwerdeschrift 

aufführte (dort 2.5 Stunden, vorliegend 4.33 Stunden). Da die beiden Be-

schwerdeschriften grösstenteils identisch sind, ist der zeitliche Aufwand im 

vorliegenden Verfahren auf insgesamt sechs Stunden zu kürzen. Zudem 

E-2158/2020 

Seite 16 

geht das Bundesverwaltungsgericht bei der amtlichen Verbeiständung 

durch Anwältinnen und Anwälte von einem Stundenansatz von Fr. 200.‒ 

bis Fr.  220.‒ aus (vgl. Zwischenverfügung vom 24. April 2020 S. 3 f.; 

Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Das amtliche Honorar ist folglich auf 

Fr. 1’367.– (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuerzuschlag, da nicht mehr-

wertsteuerpflichtig) festzusetzen.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2158/2020 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der rubrizierten Rechtsvertreterin wird vom Bundesverwaltungsgericht ein 

Honorar von Fr. 1’367.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

David R. Wenger Michal Koebel