# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c4c8c063-41ee-5332-b189-53c2a863da0b
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-17
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 17.05.2024 OG.2023.00012 (OGZ.2025.136)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2023-00012_2024-05-17.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtspräsidentin Dr. iur. Petra Hauser,
  Oberrichterin Monika Trümpi, Oberrichter Roger Feuz, Oberrichter MLaw Mario
  Marti und Oberrichterin Ruth Hefti sowie Gerichtsschreiberin
  MLaw Jasmin Marlovits. 

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 17. Mai 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2023.00012

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______ AG

  
	
  Beklagte
  und

  
	
  Berufungsklägerin

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch MLaw Jacques
  Marti, Rechtsanwalt

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  B.______

  
	
  Kläger und

  
	
  Berufungsbeklagter

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch lic. iur. Stefan
  Gnädinger, Rechtsanwalt

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Forderung
  aus Arbeitsvertrag

  
	
   

  
	
   

  
	
   

   

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren der
  Berufungsklägerin (gemäss Eingabe vom 6. März 2023 [act. 56],
  sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es seien Dispositiv-Ziff. 1 bis
    2 des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 31. Januar 2023
    vollumfänglich aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei die Klage vom
    4. Januar 2022 vollumfänglich abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zulasten des Berufungsbeklagten.

    

  

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren des
  Berufungsbeklagten (gemäss Eingabe vom 24. April 2023,
  [act. 58]):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Berufung sei vollumfänglich
    abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt.) zulasten der Berufungsklägerin.

    

  

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1.   
   

  
	
  B.______ schloss am 23. Februar 2021 einen
  Arbeitsvertrag mit der A.______ AG ab, wobei der Stellenantritt per
  1. März 2021 erfolgte (act. 3/2). Am 21. Juni 2021 wurde
  B.______ aufgefordert, die Arbeitsstelle zu verlassen, woraufhin er der
  A.______ AG mit Schreiben vom 21. Juni 2021 seine Arbeitskraft anbot
  (act. 3/9). Mit Schreiben vom 23. Juni 2021 kündigte die A.______
  AG das erwähnte Arbeitsverhältnis fristlos (act. 3/5). Sie wurde dabei
  durch C.______, Präsidentin der A.______ AG, und D.______,
  zeichnungsberechtigtes Mitglied der A.______ AG, vertreten (vgl.
  act. 5).

  
	
  2.   
   

  
	
  2.1.     B.______
  leitete am 19. August 2021 bei der Schlichtungsbehörde des Kantons
  Glarus ein Schlichtungsverfahren gegen die A.______ AG ein. Er verlangte
  dabei (unter Androhung einer Ungehorsamsstrafe) die Ausstellung einer
  Arbeitsbestätigung und machte eine Nettolohnforderung, eine
  Bruttoüberstundenforderung sowie eine Entschädigung von mind. einem
  Monatslohn geltend, wobei das Personaldossier zu edieren sei. Nachdem die
  A.______ AG unentschuldigt nicht zur Schlichtungsverhandlung vom
  28. Oktober 2021 erschien, wurde B.______ die Klagebewilligung
  ausgestellt (vgl. zum Ganzen act. 1). B.______ reichte daraufhin am
  4. Januar 2022 beim Kantonsgericht Glarus Klage gegen die A.______ AG
  ein (act. 2). 

  
	
  2.2.     Mit
  Urteil vom 31. Januar 2023 verpflichtete der Kantonsgerichtspräsident
  die A.______ AG, B.______ CHF 8'490.‒ netto zuzgl. Zins von 5 %
  seit dem 24. Juni 2021 sowie eine Entschädigung von CHF 5'200.‒
  zuzgl. Zins von 5 % seit dem 19. August 2021 zu bezahlen
  (act. 53, S. 28, Dispositiv-Ziff. 1 und 2). Ausserdem
  verpflichtete er die A.______ AG unter Androhung der Ungehorsamsstrafe i.S.v.
  Art. 292 StGB, B.______ innert 20 Tagen seit Rechtskraft des Urteils
  eine Arbeitsbestätigung auszustellen (Dispositiv-Ziff. 4 und 5). In
  Bezug auf die geltend gemachten Überstunden wies er die Klage hingegen ab
  (Dispositiv-Ziff. 3). Er erhob keine Gerichtskosten und sprach keine
  Parteientschädigung zu (Dispositiv-Ziff. 6 und 7).

  
	
  3.   
   

  
	
  3.1.     Mit
  Eingabe vom 6. März 2023 erhob die A.______ AG (nachfolgend
  «Berufungsklägerin») gegen das vorstehende Urteil des
  Kantonsgerichtspräsidenten Berufung und verlangt die vollständige Abweisung
  der Klage von B.______ (nachfolgend «Berufungsbeklagter») vom 4. Januar
  2022 (act. 56).

  
	
  3.2.     Der
  Berufungsbeklagte verlangt mit Eingabe vom 24. April 2023 die
  vollumfängliche Abweisung der Berufung (act. 58).

  
	
   

  
	
  II. Formelle
  Erwägungen

  
	
  1.     

  
	
  1.1.     Beim
  angefochtenen Urteil des Kantonsgerichtspräsidenten vom 31. Januar 2023
  (act. 53) handelt es sich um einen Endentscheid im Sinne von Art. 308
  Abs. 1 lit. a ZPO. Strittig ist vorliegend eine vermögensrechtliche
  Angelegenheit. Der Streitwert übersteigt dabei CHF 10'000.−
  (Art. 91 Abs. 1 ZPO), womit der erstinstanzliche
  Entscheid der Berufung zugänglich ist (Art. 308 Abs. 2 ZPO).

  
	
  1.2.     Das
  angefochtene Urteil wurde der Berufungsklägerin am 2. Februar 2023
  zugestellt (act. 54). Ihre Berufung vom 6. März 2023
  (act. 56), erfolgte demnach innert der vorgegebenen Frist von 30 Tagen
  (Art. 311 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 142 Abs. 3 ZPO). Die
  übrigen Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Das
  Obergericht ist für die Beurteilung der Berufung zuständig (Art. 17
  Abs. 1 lit. b GOG/GL [GS III A/2]). 

  
	
  2.   
   

  
	
  Mit Berufung kann die unrichtige
  Rechtsanwendung und/oder die unrichtige Fest-stellung des Sachverhalts gerügt
  werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungsklägerin rügt vorliegend die
  unrichtige Sachverhaltsfeststellung hinsichtlich der Pflichtverletzung des
  Berufungsbeklagten sowie hinsichtlich des Zeitpunkts der Kündigung
  (act. 56, S. 2).

  
	
  3.   
   

  
	
  3.1.     Die
  Berufungsklägerin verlangt mit ihrer Berufung nur die Aufhebung von
  Dispositiv-Ziff. 1 und 2 des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom
  31. Januar 2023. Zwar beantragt sie auch die vollumfängliche Abweisung
  der Klage, womit sie grundsätzlich auch die Aufhebung von
  Dispositiv-Ziff. 4 und 5 des angefochtenen Urteils betreffend die
  Arbeitsbestätigung verlangt. Aus den Anträgen muss allerdings klar
  ersichtlich sein, welche Dispositiv-Ziffern angefochten werden. Die Berufungsklägerin
  begründet ausserdem die Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 4 und 5 des
  angefochtenen Urteils in keiner Weise, weshalb vorliegend davon auszugehen
  ist, dass sie tatsächlich nur Dispositiv-Ziff. 1 und 2 anfechten wollte
  (vgl. zum Ganzen Karl Spühler,
  in: Basler Kommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017,
  N. 12 und N. 18 zu Art. 311 ZPO; vgl. auch Art. 311
  Abs. 1 ZPO und BGE 141 III 569 E. 2.3.3). Auf
  Dispositiv-Ziff. 4 und 5 wird nachfolgend daher nicht weiter
  eingegangen.

  
	
  3.2.    
  Nicht Streitgegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens
  bildet zudem Dispositiv-Ziff. 3 des Urteils des
  Kantonsgerichtspräsidenten betreffend die Abweisung der Klage in Bezug auf
  die geltend gemachten Überstunden, weil diese vorliegend von keiner Partei angefochten
  wurde und somit in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 315 Abs. 1 ZPO).

  
	
   

  
	
  III. Fristlose Kündigung

  
	
  1.     

  
	
  Vorliegend ist unbestritten, dass
  die Berufungsklägerin gegenüber dem Berufungsbeklagten eine fristlose
  Kündigung aussprach. Uneinig sind sich die Parteien hingegen dabei, wann
  diese erstmals ausgesprochen wurde und ob sie gerechtfertigt sei. Nachfolgend
  wird deshalb zunächst der Zeitpunkt der Kündigung festgestellt
  (E. III.2) und danach das Vorliegen von Gründen für eine fristlose
  Kündigung geprüft (E. III.3).

  
	
  2.    Zeitpunkt
  der Kündigung

  
	
  2.1.     Die
  Vorinstanz kommt zum Schluss, dass die Berufungsklägerin das
  Arbeitsverhältnis erst mit Schreiben vom 23. Juni 2021 aufgelöst habe
  und dieses erst am 24. Juni 2021 beim Berufungsbeklagten eingetroffen
  sei. Weil die Kündigung dem Berufungsbeklagten damit erst vier Tage nach dem
  letzten Vorfall zugegangen sei, sei diese zu spät erfolgt (act. 53,
  S. 17 ff., E. III.2.5). Die Berufungsklägerin bringt hingegen
  vor, dass sie bereits am 21. Juni 2021 eine mündliche Kündigung
  ausgesprochen habe. Die Kündigung wäre aber – selbst wenn sie erst am
  23. Juni 2021 versandt worden wäre – rechtzeitig innerhalb von drei
  Arbeitstagen erfolgt (vgl. zum Ganzen act. 56, S. 7 f.). Der
  Berufungsbeklagte hingegen erachtet nicht als erstellt, dass am 21. Juni
  2021 eine mündliche Kündigung ausgesprochen worden sei. Eine solche sei
  schliesslich auch im Schreiben vom 23. Juni 2021 nicht erwähnt worden.
  Weil es sich um eine empfangsbedürftige Willenserklärung handle, sei der
  Zeitpunkt des Erhalts der Kündigung massgebend und die Kündigung daher
  verspätet erfolgt (act. 58, S. 6 f.).

  
	
  2.2.     Die
  Parteien sind sich drüber einig, dass am 21. Juni 2021 ein Gespräch
  zwischen ihnen stattfand und dem Berufungsbeklagten der Zutritt zur Werkstatt
  verweigert wurde bzw. er aufgefordert wurde, die Arbeitsstelle zu verlassen
  (act. 12, S. 10, und act. 2, S. 5). Feststeht dabei, dass
  durch die Aufforderung zum Verlassen der Arbeitsstelle alleine noch keine
  fristlose Kündigung ausgesprochen wurde (vgl. Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph,
  Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, N. 18 zu Art. 337 OR). Die
  Berufungsklägerin behauptet mit Eingabe vom 25. März 2022 allerdings
  zusätzlich, dass sie dem Berufungsbeklagten gegenüber mündlich die fristlose
  Kündigung ausgesprochen habe (act. 12, S. 10). Vom
  Berufungsbeklagten wird dies hingegen bestritten (act. 2, S. 5).

  
	
  2.3.     Sowohl
  der Berufungsbeklagte als auch D.______ geben an der Parteibefragung den
  Gesprächsablauf aus ihrer Sicht wieder, wobei die jeweiligen Aussagen in sich
  widerspruchsfrei sind (act. 23, S. 12). Keine der beiden Aussagen
  wirkt daher aus sich selbst heraus unglaubhaft. Allerdings spricht das
  Kündigungsschreiben vom 23. Juni 2021 gegen eine früher ausgesprochene
  Kündigung (act. 3/5). So nimmt dieses zwar Bezug auf das Gespräch vom
  21. Juni 2021, erwähnt aber mit keinem Wort, dass bereits damals eine
  fristlose Kündigung ausgesprochen worden sei. Es ist daher unglaubhaft, dass
  es sich lediglich um eine Begründung der am 21. Juni 2021
  ausgesprochenen Kündigung handeln soll (act. 23, S. 5). Ebenfalls
  dafür, dass am 21. Juni 2021 noch keine Kündigung ausgesprochen wurde,
  spricht, dass der Rechtsschutz der Berufungsklägerin dieser geraten haben
  soll, schnell zu handeln (act. 23, S. 15). Ein unverzügliches
  Handeln ist beim Aussprechen der Kündigung erforderlich, nicht aber bei der
  Begründung der Kündigung. So hat sogar die vollständige Unterlassung der
  Begründung bloss Auswirkungen auf die Prozesskosten und allenfalls auf die
  Beweiswürdigung (BGE 121 III 60 E. 3.b; Ullin
  Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, a.a.O., N. 14 zu
  Art. 335 OR). Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die fristlose
  Kündigung erst mit Schreiben vom 23. Juni 2021 ausgesprochen wurde und
  damit erst mit ihrem Zugang beim Berufungsbeklagten am 24. Juni 2021
  Wirkung entfalten konnte (vgl. act. 3/5, act. 3/6 und
  act. 3/7).

  
	
  2.4.     Entgegen
  der Auffassung der Berufungsklägerin spricht dagegen auch nicht, dass der
  Berufungsbeklagte ihr umgehend seine Arbeitskraft angeboten hat. So hat die
  Berufungsklägerin dem Berufungsbeklagten unbestrittenermassen den Zuritt zur
  Arbeitsstelle verweigert. Hierdurch befand sie sich bei einem unveränderten
  Weiterlaufen des Arbeitsvertrages in einem Annahmeverzug im Sinne von
  Art. 324 OR. Damit der Arbeitnehmer in einem solchen Fall seinen
  Lohnanspruch behält, muss er seine Arbeitskraft anbieten (BGE 135 III
  349 E. 4.2; BGE 115 V 437 E. 5.a; Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, a.a.O.,
  N. 9 zu Art. 324 OR). Genau dies hat der Berufungsbeklagte mit
  seinem Schreiben vom 21. Juni 2021 getan (act. 3/9). Bei einer
  ungerechtfertigten fristlosen Kündigung muss hingegen grundsätzlich die
  Arbeitskraft nicht mehr angeboten werden, es sei denn, es ist unklar, ob
  überhaupt eine fristlose Kündigung ausgesprochen wurde (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph,
  a.a.O., N. 12 zu Art. 337 OR; Jürg
  Brühwiler, Einzelarbeitsvertrag, 3. Aufl. 2014, N. 1 zu
  Art. 337c OR). Das Anbieten der Arbeitskraft stützt demzufolge sogar die
  Version des Berufungsbeklagten. Schliesslich ist auch nachvollziehbar, dass
  sich der Berufungsbeklagte Rat bei einer Gewerkschaft sucht (vgl.
  act. 23, S. 5 und S. 15), wenn ihm der Zutritt zu seiner
  Arbeitsstelle verweigert wird. Dies gilt umso mehr, wenn der
  Berufungsbeklagte – wie er dies erklärt (act. 23, S. 12) – bereits
  gehört hat, man könnte ihm in einem solchen Fall allenfalls vorwerfen, er
  habe die Arbeit verweigert.

  
	
  2.5.     An
  den vorstehenden Ausführungen würde auch nichts zu ändern vermögen, wenn
  C.______ zusätzlich zu den Aussagen von D.______ grundsätzlich glaubhafte
  Aussagen zum Sachverhalt vom 21. Juni 2021 machen würde. Die Vorinstanz
  durfte daher in antizipierter Beweiswürdigung auf die Befragung von C.______
  verzichten, würden doch die weiteren vorliegenden Indizien weiterhin gegen
  die Version der Berufungsklägerin sprechen. Inwiefern bisherige Arbeitgeber
  des Berufungsbeklagten bestätigen können sollen, dass am 21. Juni 2021
  eine mündliche Kündigung ausgesprochen worden sei (act. 56,
  S. 7 f.; vgl. auch act. 41, S. 2), erschliesst sich dem
  Gericht nicht. Vorliegend geht es weder um die Beurteilung des
  Berufungsbeklagten allgemein als Arbeitnehmer noch von dessen allgemeinen
  Glaubwürdigkeit. Vielmehr ist bei der Beweiswürdigung die Glaubhaftigkeit der
  jeweiligen Aussagen der Parteien zu beurteilen (Urteil BGer 4A_162/2020 vom
  25. Juni 2020, E. 6.2; BGE 147 IV 534 E. 2.3.3). Aussagen zum
  Verhalten des Berufungsbeklagten gegenüber früherer Arbeitgeber können sich
  daher nicht auf die Beweiswürdigung im vorliegenden Fall auswirken. Bei den
  beantragten Befragungen der bisherigen Arbeitgeber handelt es sich daher um
  untaugliche Beweismittel, womit die Vorinstanz diese auch nicht abzunehmen
  hatte (Art. 152 Abs. 1 ZPO).

  
	
  2.6.     Die
  fristlose Kündigung ist sofort auszusprechen, da ansonsten von einer
  Zumutbarkeit der Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist auszugehen ist
  und das Recht auf sofortige Vertragsauflösung verwirkt. Das Bundesgericht
  erachtet dabei eine Bedenkfrist von in der Regel zwei bis drei Arbeitstagen
  als angemessen. Die Frist soll dem Kündigenden die Möglichkeit geben, darüber
  nachzudenken bzw. Rechtsauskünfte dazu einzuholen, ob das Arbeitsverhältnis
  aufgelöst werden soll oder nicht (BGE 138 I 113 E. 6.3.1 f.;
  BGE 130 III 28 E. 4.4). Handelt es sich den vorstehenden
  Ausführungen zufolge um eine Überlegungsfrist, so kann es für deren
  Einhaltung – auch wenn es sich um eine empfangsbedürftige Willenserklärung
  handelt – nur auf den Versandzeitpunkt ankommen (vgl. auch Roger Rudolph, Bagatelldelikte am
  Arbeitsplatz: ein ausreichender Grund für eine fristlose Entlassung?, AJP
  2010, S. 1521). Sollte es sich beim Vorfall vom Samstag, 19. Juni
  2021, tatsächlich um einen wichtigen Grund im Sinne von Art. 337 OR
  handeln, wäre die Kündigung vom Mittwoch, 23. Juni 2021, demnach noch
  rechtzeitig erfolgt. Vorwegzunehmen ist, dass am 21. Juni 2021 kein
  zusätzlicher wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung gesetzt wurde. So
  wirft die Berufungsklägerin dem Berufungsbeklagten diesbezüglich lediglich
  vor, er sei zu spät gekommen (act. 12, S. 10). Später erklärt sie
  hingegen selbst, der Berufungsbeklagte sei am 21. Juni 2021
  «ausnahmsweise» pünktlich erschienen (act. 23, S. 12; act. 27,
  ab 2°17’20’’; act. 32, S. 14). Demnach ist davon auszugehen, dass
  der Berufungsbeklagte am 21. Juni 2021 nicht zu spät kam.

  
	
  3.    Wichtige
  Gründe für eine fristlose Kündigung

  
	
  3.1.    
  Urteil der Vorinstanz und Vorbringen der Parteien

  
	
  3.1.1.    Die
  Vorinstanz qualifizierte die von der Berufungsklägerin ausgesprochene
  Kündigung als ungerechtfertigt. Sie begründete dies damit, dass die
  Berufungsklägerin weder eine Pflichtverletzung noch eine Verwarnung habe
  nachweisen können. Insbesondere würden keine schriftlichen Ermahnungen
  vorliegen und sei nicht erstellt, dass der Berufungsbeklagte ausserhalb
  seiner Pausen oder sonst zulässigen Zeiträumen geraucht habe. Die dem Berufungsbeklagten
  vorgeworfene Arbeitsverweigerung sowie die vorgeworfene mangelhafte
  Arbeitsleistung würden für sich alleine noch nicht genügend schwer wiegen, um
  das gegenseitige Vertrauen zu zerstören oder schwer zu erschüttern. Es handle
  sich um kein grundlegendes berufliches Versagen, sondern um Fehler, welche
  jedem Automechaniker passieren könnten. Schliesslich lasse sich nicht mehr
  feststellen, was am 19. Juni 2021 genau geschah, weshalb auch keine
  Missachtung von Weisungen habe nachgewiesen werden können (vgl. zum Ganzen
  act. 53, S. 4 ff., E. III).

  
	
  3.1.2.    Die
  Berufungsklägerin bringt dagegen vor, dass vorliegend mehrere
  Pflichtverletzungen durch den Berufungsbeklagten erstellt seien. Diese würden
  in einem zeitlichen Zusammenhang zur fristlosen Kündigung stehen und aufgrund
  deren Schwere sei die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr
  zumutbar gewesen. Die Berufungsklägerin habe den Berufungsbeklagten zudem
  ermahnt. Einem Nikotinabhängigen würde es ausserdem nicht genügen, wenn er
  bloss in den Pausen sowie vor und nach der Arbeit rauchen würde. Es sei
  deshalb nicht abwegig, dass der Berufungsbeklagte während der Arbeitszeit
  geraucht habe. In Bezug auf die Arbeitsverweigerung bzw. die mangelhafte
  Arbeitsleistung habe die Vorinstanz ausserdem eine einseitige Beweiswürdigung
  vorgenommen und damit den Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Insbesondere sei
  der VW Golf bewusst mit dem Anlasser gestartet worden, wobei es sich um
  keinen Fehler handle, der mal passieren könne. Am 19. Juni 2021 sei es
  ausserdem zu einer verbalen Entgleisung gegenüber C.______ gekommen, weshalb
  die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses für die Berufungsklägerin nicht
  mehr zumutbar gewesen sei (vgl. zum Ganzen act. 56, S. 3 ff.).

  
	
  3.1.3.    Der
  Berufungsbeklagte bestreitet hingegen, dass je eine schriftliche oder
  mündliche Ermahnung ausgesprochen worden sei. Der Berufungsbeklagte hätte
  ausserdem auch nicht aufgrund seiner Sucht während der Arbeit am Arbeitsplatz
  rauchen müssen. Die Vorinstanz habe keine einseitige Beweiswürdigung
  vorgenommen und sei zum Schluss gekommen, dass keine mangelhafte
  Arbeitsleistung habe belegt werden können und diese ohnehin kein Grund für
  eine fristlose Kündigung sei. Die von der Berufungsklägerin angebotenen
  Beweismittel in Bezug auf den Vorfall vom 19. Juni 2021 seien ausserdem
  offensichtlich untauglich, weshalb auf die Abnahme dieser Beweise habe
  verzichtet werden können (act. 58, S. 3 ff.).

  
	
  3.2.    
  Vorbemerkungen

  
	
  3.2.1.    Die
  Berufungsklägerin wirft der Vorinstanz eine unzutreffende
  Sachverhaltsfeststellung vor, weshalb zunächst der diesbezüglich anwendbare
  Grundsatz festzuhalten ist: In der vorliegenden arbeitsrechtlichen
  Angelegenheit stellt das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen fest
  (Art. 247 Abs. 2 lit. b. Ziff. 2 ZPO). Auch unter der
  geltenden sozialen Untersuchungsmaxime haben die Parteien aber den
  Prozessstoff grundsätzlich selbst zu sammeln. Das Gericht hat lediglich eine
  erhöhte Mitwirkungspflicht, im Rahmen welcher es darauf hinzuwirken hat, dass
  die Parteien ungenügende Angaben zum Sachverhalt vervollständigen und Beweismittel
  ergänzen. Bei anwaltlich vertretenen Parteien darf das Gericht sich
  allerdings mit der Fragepflicht zurückhalten und – abgesehen von
  offensichtlichen Lücken oder Ungereimtheiten – auf die Behauptungen und
  Beweisanträge des Vertreters abstellen (vgl. zum Ganzen BGE 141 III 569
  E. 2.3.1; Stephan Mazan,
  in: Basler Kommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017,
  N. 13 und N. 19 zu Art. 247 ZPO; Myriam A. Gehri, in: Basler Kommentar Schweizerische
  Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 17 f. zu Art. 55
  ZPO). Noven sind erst im Rechtsmittelverfahren nur noch beschränkt – unter
  den Voraussetzungen von Art. 317 ZPO – zulässig (BGE 138 III
  625 E. 2.2; Stephan Mazan,
  a.a.O., N. 23 zu Art. 247 ZPO). Im erstinstanzlichen Verfahren
  hingegen können sie bis zur Urteilsberatung uneingeschränkt vorgebracht
  werden (Art. 229 Abs. 3 ZPO).

  
	
  3.2.2.    Die
  Berufungsklägerin bemängelt ausserdem, dass die Vorinstanz – in Bezug auf die
  behauptete mangelhafte Arbeitsleistung – nicht auf die aufgestellten
  Behauptungen und die nach der Verhandlung eingereichten Rechtsschriften
  verwiesen habe (act. 56, S. 5). Diesbezüglich ist festzuhalten,
  dass sich das Gericht nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich
  auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss.
  Vielmehr darf es sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte
  beschränken. Dabei können auch kurze Überlegungen genügen, von welchen sich
  das Gericht hat leiten lassen und auf welche sich sein Entscheid stützt
  (BGE 148 III 30 E. 3.1). Die Vorinstanz hat bereits einleitend
  begründet, dass die nach der Hauptverhandlung eingereichten Stellungnahmen
  lediglich Wiederholungen beinhalten würden und daher nicht relevant seien
  (act. 53, S. 3, E. I.2). Mit dieser (kurzen) Begründung der
  Vorinstanz setzt sich die Berufungsklägerin in keiner Weise auseinander und
  erklärt insbesondere nicht, was in diesen Eingaben neu und keine Wiederholung
  sein soll. Auf die diesbezügliche Kritik der Berufungsklägerin ist daher
  nicht weiter einzugehen (vgl. BGE 141 III 569 E. 2.3.3). Im Übrigen
  geht aus den nach der Hauptverhandlung eingereichten Rechtsschriften auch
  tatsächlich hervor, dass es sich dabei vorwiegend um Wiederholungen bzw. um
  für den vorliegenden Entscheid nicht relevante Vorbringen handelt (vgl. act. 32,
  act. 37, act. 41, act. 46 und act. 51). Auf die
  wesentlichen Behauptungen wird direkt nachfolgend unter E. III.3.4
  eingegangen.

  
	
  3.3.    
  Rechtliche Grundlagen

  
	
  3.3.1.   
  Gemäss Art. 337 Abs. 1 OR kann ein Arbeitsverhältnis
  jederzeit aus wichtigen Gründen aufgelöst werden. Als solcher gilt namentlich
  jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben
  die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf
  (Art. 337 Abs. 2 OR). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
  ist dabei eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber nur bei besonders
  schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen objektiv
  dazu geeignet sein, das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und
  Arbeitnehmer zumindest schwer zu erschüttern und auch tatsächlich hierzu
  geführt haben. Handelt es sich um weniger schwerwiegende Verfehlungen, müssen
  sie trotz Verwarnung wiederholt vorgekommen sein. Ob die erforderliche
  Schwere der Pflichtverletzung erreicht wurde, hängt von den konkreten Umständen
  des Einzelfalls ab (BGE 142 III 579 E. 4.2; BGE 130 III 213
  E. 3.1). Zumeist erfordern Pflichtverletzungen des Arbeitsnehmers aber
  eine vorgängige Verwarnung durch den Arbeitgeber (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, a.a.O.,
  N. 5 zu Art. 337 OR). 

  
	
  3.3.2.   
  Der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge kann ein wichtiger
  Grund beispielweise darin bestehen, dass ein Arbeitnehmer trotz Verwarnung
  regelmässig zu spät erscheint (BGE 127 III 351 E. 4.b.aa).
  Ebenfalls erachtete es eine fristlose Kündigung als gerechtfertigt, welche
  aufgrund einer Verletzung des gegenseitigen Respekts erfolgte, nachdem die
  Mitarbeiterin diesbezüglich bereits vorgängig verwarnt wurde (Urteil BGer
  4C.247/2006 vom 27. Oktober 2006, E. 2.4). Ein wichtiger Grund kann
  ausserdem auch darin bestehen, dass ein Arbeitnehmer die klaren Weisungen des
  Arbeitgebers trotz Verwarnung beharrlich missachtet. Eine Schlecht­erfüllung
  der Arbeitspflicht genügt für eine fristlose Kündigung hingegen nur, wenn sie
  nach einer Verwarnung wiederholt vorkommt, eine völlige berufliche
  Unfähigkeit vorliegt oder die Schlechterfüllung auf ein schweres Verschulden
  zurückzuführen ist. Von letzterem ist dabei nur bei vorsätzlicher und
  schwerwiegender Schlechterfüllung auszugehen (Urteil BGer 4C.329/1998 vom 23. Dezember
  1998, in: Pra 1999 Nr. 73, S. 402; Jürg
  Brühwiler, a.a.O., N. 2 zu Art. 337 OR; vgl. zum Ganzen auch
  Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger
  Rudolph, a.a.O., N. 5 zu Art. 337 OR).

  
	
  3.3.3.   
  Eine Verwarnung im Sinne der vorstehenden Erwägungen liegt vor,
  wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer unmissverständlich klarmacht, dass das
  beanstandete Verhalten im Falle einer zukünftigen Wiederholung nicht mehr
  sanktionslos hingenommen wird. Für den Arbeitnehmer muss demnach klar
  erkennbar sein, dass es sich um eine Verwarnung handelt. Zudem muss er klar
  erkennen können, wie er sich zukünftig verhalten muss und welche
  Verhaltensweisen nicht mehr geduldet werden (vgl. zum Ganzen Urteil BGer
  4C.57/2007 vom 15. Mai 2007, E. 3.2; Urteil BGer 4C.370/2004 vom
  23. Dezember 2004, E. 2.2.3; Ullin
  Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, a.a.O., N. 13 zu
  Art. 337 OR). Die Lehre geht ausserdem teilweise davon aus, dass dem
  Arbeitnehmer auch die fristlose Entlassung mit der Verwarnung angedroht
  werden müsse (Jürg Brühwiler,
  a.a.O., N. 9 zu Art. 337 OR).

  
	
  3.3.4.    Für
  Tatsachen, aus welchen die Berechtigung zur fristlosen Kündigung abgeleitet
  wird, obliegt die Beweislast derjenigen Partei, welche die fristlose
  Kündigung erklärte (vgl. Art. 8 ZGB; BGE 130 III 213 E. 3.2;
  Urteil BGer 4A_169/2016 vom 12. September 2016, E. 4). Diese
  Beweislastregeln gelten auch in Verfahren, in welchen die Untersuchungsmaxime
  anwendbar ist (Myriam A. Gehri,
  a.a.O., N. 17 zu Art. 55 ZPO). Die Beweislast betreffend die
  erwähnten Tatsachen liegt vorliegend deshalb bei der Berufungsklägerin als
  Arbeitgeberin. Dem bundesgerichtlichen Regelbeweismass zufolge gilt ein
  Beweis als erbracht, wenn das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten von der
  Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Dabei genügt es, wenn das Gericht
  am Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat
  (BGE 140 III 610 E. 4.1; BGE 148 III 134 E. 3.4.1).

  
	
  3.4.     Vorgebrachte
  Gründe

  
	
  3.4.1.    Die
  Berufungsklägerin begründete ihre Kündigung vor der Vorinstanz sowie mit
  Schreiben vom 23. Juni 2021 damit, dass der Berufungsbeklagte
  regelmässig zu spät zur Arbeit erschienen sei bzw. diese innerhalb der
  Arbeitszeiten wieder verlassen habe. Zudem habe er regelmässig geraucht. Der
  Berufungsbeklagte habe ausserdem diverse Arbeiten nicht bzw. mangelhaft ausgeführt.
  Die Berufungsklägerin habe den Berufungsbeklagten betreffend diese Vorwürfe
  auch mehrfach mündlich verwarnt. Schliesslich habe er am 19. Juni 2021
  unerlaubterweise in der Werkstatt der Berufungsklägerin das Fahrzeug seiner
  Schwester repariert, wobei er die Werkstatt trotz Aufforderung dazu nicht
  verlassen und C.______ beleidigt habe (vgl. zum Ganzen act. 12,
  S. 3 ff., und act. 3/5). 

  
	
  3.4.2.    Der
  Berufungsbeklagte bestreitet bereits die ihm vorgeworfenen Handlungen sowie,
  dass je eine Verwarnung ausgesprochen worden wäre (act. 2,
  S. 4 ff.). Ausserdem stimmt er mit der Vorinstanz überein, dass
  selbst falls der Berufungsbeklagte mangelhafte Arbeit geleistet hätte, die
  diesbezüglichen Vorwürfe keine fristlose Kündigung rechtfertigen würden (act. 58,
  S. 4). Nachfolgend sind deshalb einerseits die einzelnen Sachverhalte
  festzustellen und ist andererseits zu prüfen, ob diese einen wichtigen Grund
  darstellen. Die Vorwürfe gegen den Berufungsbeklagten betreffend den Zeitraum
  vor dem 19. Juni 2021 können für sich alleine die fristlose Kündigung
  nicht mehr rechtfertigen, wurde doch das Recht zur sofortigen
  Vertragsauflösung diesbezüglich bereits verwirkt (vgl. BGE 138 I 113
  E. 6.3.1). Sie können aber allenfalls zusammen mit dem Vorfall vom
  19. Juni 2021 einen wichtigen Grund im Sinne von Art. 337 OR
  darstellen, weshalb sie nachfolgend trotzdem zu prüfen sind.

  
	
  3.4.3.   
  Verwarnungen

  
	
  3.4.3.1.   Die
  Berufungsklägerin brachte vor der Vorinstanz vor, dass D.______ den
  Berufungsbeklagten mehrmals auf das Zuspätkommen angesprochen habe
  (act. 12, S. 3). In Bezug auf das Rauchen während der Arbeitszeit
  bzw. im Betrieb sowie im Zusammenhang mit dem Schaden am VW Golf sowie mit
  dem Hyundai Santa Fe, sei der Berufungsbeklagte mehrfach abgemahnt worden
  (act. 12, S. 4 und S. 8, S. 12). Gemäss dem Berufungsbeklagten
  hingegen habe die Berufungsklägerin bzw. ihre Vertreter nie eine Verwarnung
  ausgesprochen (act. 2, S. 6; act. 24, S. 5, S. 11
  und S. 14). Die Verwarnungen seien erstmals im Kündigungsschreiben vom
  23. Juni 2021 vorgebracht worden (act. 24, S. 11).

  
	
  3.4.3.2.   Der
  Berufungsbeklagte erklärt an der Parteibefragung, dass er nie eine Verwarnung
  erhalten habe. D.______ äusserte hingegen, sie hätten den Berufungskläger
  mehrmals betreffend das Rauchen in der Werkstatt ermahnt. Schliesslich hätten
  sie aber aufgegeben, weil er sich nicht daran gehalten habe. Genauere Angaben
  zum Inhalt dieser Ermahnung und dazu, wann genau diese Verwarnungen erfolgt
  seien, macht D.______ keine (act. 23, S. 8). Die Berufungsklägerin
  schrieb aber bereits im Kündigungsschreiben sinngemäss, dass der
  Berufungsbeklagte dazu aufgefordert worden sei, in der Werkstatt nicht zu
  rauchen (act. 3/5, S. 4). Weitere Hinweise in Bezug auf die
  Verwarnungen liegen nicht vor.

  
	
  3.4.3.3.   Die Aussagen der
  Berufungsklägerin in Bezug auf die Verwarnungen erfolgten nicht besonders
  detailliert, was nicht für deren Glaubhaftigkeit spricht. So macht die
  Berufungsklägerin keinerlei Angaben dazu, wann eine Verwarnung mit welchem
  Inhalt erfolgte. Aus der im Kündigungsschreiben verwendeten Formulierung geht
  ausserdem noch nicht einmal hervor, dass die «Aufforderung» inhaltlich
  tatsächlich einer Verwarnung entsprach (vgl. E. III.3.3.3 vorstehend).
  Die Berufungsklägerin hat offenbar auch im Personaldossier keine Verwarnungen
  vermerkt (vgl. act. 23, S. 12, und act. 41, S. 5). Entgegen
  der Auffassung der Berufungsklägerin beinhaltet dieses denn auch nicht nur
  Akten in Bezug auf die Entstehung des Arbeitsverhältnisses. Vielmehr
  beinhaltet ein Personaldossier auch alles, was über einen Arbeitnehmer
  betreffend den Verlauf und die Beendigung des Arbeitsverhältnisses
  aufgezeichnet wird (Ullin
  Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, a.a.O., N. 13 zu
  Art. 328b OR). Wären Verwarnungen ausgesprochen und vermerkt worden, so
  wären sie entsprechend ebenfalls Teil des Personaldossiers. Angesichts
  dessen, dass der Berufungsbeklagte die Verwarnungen bestreitet und
  diesbezüglich lediglich nicht detaillierte Aussagen der Berufungsklägerin
  vorliegen, verbleiben damit ernsthafte Zweifel daran, dass tatsächlich
  Verwarnungen ausgesprochen wurden. Wie bereits dargelegt, trägt die
  Berufungsklägerin diesbezüglich die Beweislast (Art. 8 ZGB).
  Dementsprechend muss nachfolgend davon ausgegangen werden, dass keine
  Verwarnungen ausgesprochen wurden.

  
	
  3.4.4.    Einhaltung
  der Arbeitszeit / Rauchpausen

  
	
  3.4.4.1.   Die
  Berufungsklägerin warf dem Berufungsbeklagten im vorinstanzlichen Verfahren
  vor, dass er jeweils erst gegen 7.45 Uhr oder 8.00 Uhr zur Arbeit
  erschienen sei und bereits vor 18.00 Uhr wieder ging. Ausserdem habe der
  Berufungsbeklagte täglich mindestens eine Schachtel Zigaretten während der
  offiziellen Arbeitszeit geraucht, wobei er mehrmals am Tag den Arbeitsplatz
  verlassen oder in der Werkstatt geraucht habe (act. 12, S. 12).
  Später ergänzt die Berufungsklägerin noch, dass der Berufungsbeklagte auch
  während der Arbeitszeit telefoniert habe (act. 32, S. 5). Der
  Berufungsbeklagte hingegen erklärt, dass er nie zu spät gekommen sei, die
  Arbeitszeiten immer korrekt eingehalten habe und nie unberechtigt während der
  offiziellen Arbeitszeit oder in der Werkstatt geraucht habe (act. 24,
  S. 4 f.). Zudem bestreitet er auch, dass er während der Arbeitszeit
  private Telefonate geführt habe (act. 46, S. 3).

  
	
  3.4.4.2.   In Bezug auf die
  Einhaltung der Arbeitszeiten erklärt D.______ an der Parteibefragung selbst,
  dass sie das zu späte Erscheinen des Berufungsbeklagten akzeptiert hätten und
  der Berufungsbeklagte manchmal früher habe gehen dürfen (act. 23,
  S. 9). Hat die Berufungsklägerin die tatsächlichen Arbeitszeiten des
  Berufungsbeklagten akzeptiert, so erachtete sie es offenbar als zumutbar, das
  Arbeitsverhältnis weiterzuführen. Dementsprechend kann sie das
  Arbeitsverhältnis auch nicht aufgrund einer (angeblich) fehlenden Einhaltung
  von Arbeitszeiten fristlos kündigen. Bezüglich der nachträglich vorgebrachten
  Behauptung betreffend das Telefonieren während der Arbeitszeit macht die
  Berufungsklägerin nahezu keine Ausführungen (z.B. zu Zeit, Ort,
  Gesprächspartner usw., vgl. act. 32, S. 5). Die Behauptung
  erscheint daher nicht glaubhaft. In Bezug auf das Rauchen sind sich die
  Parteien darüber einig, dass der Berufungsbeklagte am Ende des Tages etwa ein
  Päckchen geraucht habe (act. 23, S. 4 und S. 8). Uneinig sind
  sich die Parteien allerdings dabei, wann diese Zigaretten geraucht wurden,
  worauf nachfolgend einzugehen ist.

  
	
  3.4.4.3.   Der
  Berufungsbeklagte erklärt in Bezug auf das Rauchen, dass er abends, über den
  Mittag, während Gesprächen mit D.______ sowie bei der Ausführung von Arbeiten
  (z.B. Ersatzteilbestellungen) jeweils draussen geraucht habe (act. 23,
  S. 8 und S. 16). D.______ behauptet zwar, dass die Bestellungen
  ausschliesslich über ihn gelaufen seien. Allerdings gab er auch zu, dass der
  Berufungsbeklagte beispielsweise eine telefonische Abklärung für einen
  Mercedes Benz gemacht habe (act. 23, S. 8). Wie die Vorinstanz
  zutreffend festhielt (act. 53, S. 10, E. III.2.1.3), ist es
  durchaus möglich, dass der Berufungsbeklagte nur während offiziellen (Mittags‑)Pausen,
  nach der Arbeit sowie während Arbeitsverrichtungen draussen rauchte. Daran
  ändert auch nichts, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass der Berufungsbeklagte
  auch während der Arbeitszeit geraucht haben könnte. Die Berufungsklägerin
  trägt auch diesbezüglich die Beweislast (Art. 8 ZGB), hat den
  erforderlichen Beweis den vorstehenden Ausführungen zufolge aber nicht
  erbracht. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass der Berufungsbeklagte
  in Bezug auf das Rauchen nicht gegen Weisungen der Berufungsklägerin
  verstossen hat. 

  
	
  3.4.4.4.   Im Übrigen darf
  das Rauchen ausserhalb geschlossener Räume an der frischen Luft in
  Arbeitspausen grundsätzlich nicht verboten werden (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph, a.a.O.,
  N. 15a zu Art. 328 OR; Jürg
  Brühwiler, a.a.O., N. 3 zu Art. 328 OR). Allerdings ist auch
  eine Rauchpause eine Pause im Sinne von Art. 15 Abs. 2 ArG und
  daher in der Regel unbezahlt. Wirft die Berufungsklägerin dem
  Berufungsbeklagten also vor, zu viele Rauchpausen gemacht zu haben, bemängelt
  sie die Nichterfüllung der vereinbarten Arbeitsstunden. Dabei handelt es sich
  um weniger schwerwiegende Verfehlungen, welche einer Verwarnung bedürfen und
  sich nach dieser auch wiederholen müssen (vgl. BGE 127 III 351
  E. 4.b.aa). Wie vorstehend bereits festgehalten, kann vorliegend aber
  gerade nicht von einer Verwarnung ausgegangen werden. Dementsprechend würde
  das Rauchen – selbst wenn der Berufungsbeklagte während der Arbeitszeit
  geraucht hätte – ohnehin keinen wichtigen Grund im Sinne von Art. 337 OR
  darstellen.

  
	
  3.4.5.    Mangelhafte
  Arbeitsleistung / Arbeitsverweigerung

  
	
  3.4.5.1.   Die
  Berufungsklägerin warf dem Berufungsbeklagten im vorinstanzlichen Verfahren
  vor, an diversen Kundenfahrzeugen Schäden verursacht zu haben. So habe er den
  Motor eines Mercedes Benz unsachgemäss zerlegt, wobei diverse Ersatzteile
  beim Ausbau beschädigt worden seien. Ausserdem habe er sich geweigert, das
  Fahrzeug wieder zusammenzubauen, nachdem die erforderlichen Ersatzteile
  geliefert worden seien. Die Berufungsklägerin gehe davon aus, dass der
  Berufungsbeklagte gar nicht in der Lage gewesen sei, dieses zusammenzubauen.
  Der Berufungsbeklagte habe ausserdem dem Fahrzeugeigentümer mitgeteilt, dass
  die von der Berufungsklägerin an einen Dritten in Auftrag gegebenen Arbeiten
  nicht seriös ausgeführt würden (act. 12, S. 6 f.). Der
  Berufungsbeklagte erklärt hierzu, dass er jederzeit bereit gewesen sei, die
  Reparatur vorzunehmen, was er aufgrund fehlender Ersatzteile aber nicht habe
  tun können. Eine beigezogene Drittperson habe die Reparatur – offenbar
  fehlerhaft – vorgenommen (act. 24, S. 7 f.). Er sei davon
  ausgegangen, dass diese als Aushilfe den Motor zusammenbaue (act. 23,
  S. 9). 

  
	
  Die Aussage des Berufungsbeklagten wird durch das
  Schreiben des Fahrzeugeigentümers vom 2. Juli 2021 gestützt, wonach dem
  Fahrzeugeigentümer durch die Berufungsklägerin mehrmals mitgeteilt worden
  sei, dass noch auf Ersatzteile gewartet werden müsse (act. 25/2).
  Abgesehen von ihren eigenen Behauptungen (inkl. ihrer Aussagen an der
  Parteibefragung) liegen hingegen keine Hinweise vor, welche die Version der
  Berufungsklägerin stützen würden. Aufgrund der vorliegenden Indizien ist
  deshalb davon auszugehen, dass sich der Vorfall so zugetragen hat, wie vom
  Berufungsbeklagten umschrieben. Im Übrigen ist anzumerken, dass auch
  diesbezüglich die Berufungsklägerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen
  hätte (Art. 8 ZGB). Die Vorinstanz schlussfolgerte dementsprechend
  zurecht, dass die Berufungsklägerin die Vorwürfe betreffend den Mercedes Benz
  nicht habe nachweisen können (vgl. act. 53, S. 14,
  E. III.2.2.4).

  
	
  3.4.5.2.   Die
  Berufungsklägerin wirft dem Berufungsbeklagten ausserdem vor, er habe sich
  trotz der Aufforderung durch D.______ am 18. Mai 2021, 16.00 Uhr,
  geweigert, mit der Demontage des Stossfängers eines Hyundai Santa Fe zu
  beginnen. Er habe erst nach nochmaliger Aufforderung am Folgetag gegen Mittag
  damit begonnen. Dabei habe er aber um 15.00 Uhr gemeldet, dass er sich
  verletzt habe, und sei dann zwei Tage lang nicht erschienen, ohne ein
  Arztzeugnis einzureichen (act. 12, S. 8 f.). Der
  Berufungsbeklagte hingegen erklärt, dass er die Anhängerkupplung nicht habe
  montieren können, weil die hierfür notwendigen Teile gefehlt hätten. Ein Arztzeugnis
  habe die Berufungsklägerin damals nicht verlangt (act. 24, S. 11). 

  
	
  An der Parteibefragung erklärt D.______, C.______ habe
  ein Arztzeugnis verlangt, was der Berufungsbeklagte allerdings bestritt
  (act. 23, S. 10). Die Berufungsklägerin bringt in Bezug auf den
  Hyundai Santa Fe grundsätzlich detailliert vor, dass und wann sie den
  Berufungsbeklagten zu entsprechenden Arbeiten aufgefordert habe. Der
  Berufungsbeklagte bestreitet diese Ausführungen der Berufungsklägerin nicht,
  bringt allerdings vor, dass Teile für die Reparatur gefehlt hätten. Die
  Berufungsklägerin erklärt hierzu bloss, dass die Teile richtig bestellt
  worden seien (act. 32, S. 11). Dazu, wann die erforderlichen Teile
  geliefert worden seien, macht die Berufungsklägerin hingegen keine Angaben
  (vgl. insbes. act. 12, S. 2 ff., und act. 32,
  S. 11). Im Übrigen liegen keine Hinweise darauf vor, dass die
  notwendigen Teile zum Zeitpunkt der Aufforderung zur Reparatur bereits
  vorlagen. In Bezug auf das Arztzeugnis sind die Aussagen beider Parteien
  nicht besonders detailliert, weshalb die Version des Berufungsbeklagten
  ebenso gut zutreffen könnte wie diejenige der Berufungsklägerin. Demgemäss
  ist weder erstellt, dass die Berufungsklägerin den Berufungsbeklagten zur
  Einreichung eines Arztzeugnisses aufforderte, noch, dass die notwendigen
  Ersatzteile rechtzeitig vorlagen. So ist die Berufungsklägerin auch in Bezug
  auf diese Tatsachen die beweisbelastete Partei (Art. 8 ZGB), wobei es
  ihr aber nicht gelang, dem Berufungsbeklagten eine Pflichtverletzung
  nachzuweisen. Auch in Bezug auf den Hyundai Santa Fe stimmt demnach die
  Schlussfolgerung der Vorinstanz (vgl. act. 53, S. 14,
  E. III.2.2.4).

  
	
  3.4.5.3.   Die
  Berufungsklägerin wirft dem Berufungsbeklagten ausserdem vor, nach dem
  montieren einer neuen Wasserpumpe und einem neuen Zahnriemen bei einem VW
  Golf ein Arretierwerkzeug bei der Einspritzpumpe vergessen zu haben. Dies
  hätte der Berufungsbeklagte leicht bemerken können, hätte er den Motor
  zweimal von Hand durchgedreht. Stattdessen habe der Berufungsbeklagte den
  Motor direkt mit dem Anlasser gestartet, wobei die Ventile aufgeschlagen
  hätten und verbogen seien (act. 12, S. 7 f.). Der
  Berufungsbeklagte erklärt diesbezüglich, er sei von der Berufungsklägerin
  angewiesen worden, das Ersatzteil ohne Spezialwerkzeug einzubauen. Er habe
  das Spezialwerkzeug zwar zunächst ausgeliehen gehabt, habe dieses aber im
  Laufe von mehreren falschen Lieferungen zurückgeben müssen. Der Motor habe
  nach der Reparatur zwar zunächst gestartet werden können, habe aber unschöne
  Geräusche verursacht und schliesslich gar nicht mehr gestartet werden können.
  Ein Arretierwerkzeug habe der Berufungsbeklagte sicher nicht stecken lassen.
  Bis zum 21. Juni 2021 sei kein Experte vorbeigekommen. Das Gutachten
  werde bestritten, insbesondere weil es sich auf die bestrittenen und falschen
  Schilderungen von D.______ stütze (act. 24, S. 9 f.).

  
	
  Die Parteien sind sich den vorstehenden Ausführungen
  zufolge darüber einig, dass der Motor nicht mehr habe gestartet werden
  können. Übereinstimmend gaben die Parteien an, dass deshalb zunächst zwei
  Mechaniker hinzugerufen worden seien, welche jedoch nichts hätten feststellen
  können (act. 23, S. 9 und S. 14). Gemäss D.______ habe ein
  ehemaliger Mitarbeiter schliesslich aber sofort erklären können, das etwas
  stecken geblieben sei (act. 23, S. 14). Die Berufungsklägerin sei
  dann nach einer ersten Besichtigung vom Gutachter dazu beauftragt worden, das
  Auto komplett zu zerlegen (act. 23, S. 4). In Bezug auf das
  Gutachten ist zunächst festzuhalten, dass dieses der bundesgerichtlichen
  Rechtsprechung zufolge lediglich als Parteivorbringen gilt (BGE 140 III
  24 E. 3.3.3; BGE 132 III 83 E. 3.4). Im Übrigen ist das von
  der Berufungsklägerin eingereichte Gutachten auch nicht nachvollziehbar. So
  stellt es zwar diverse Beschädigungen (insbes. Deformationen und Kerben)
  fest. Woraus der «nachgestellte Schadenshergang» hergeleitet wird und weshalb
  von einem steckengelassenen Arretierwerkzeug ausgegangen wird, lässt sich
  hingegen nicht nachvollziehen. So hält das Gutachten auch nicht fest, dass
  ein Arretierwerkzeug an einer bestimmten Stelle gefunden worden sei. Auch
  ansonsten nennt das Gutachten keine objektiven Anhaltspunkte, welche einen
  Schluss auf den im Gutachten dargestellten Ablauf zulassen würden. Auch
  betreffend die beigelegten Fotos, welche das Fahrzeug bzw. Teile davon
  abbilden, fehlt jeglicher Beschrieb dazu, was darauf genau zu sehen sein soll
  (act. 13/03). Aus dem Gutachten lässt sich daher nichts zu Gunsten der
  Version der Berufungsklägerin ableiten.

  
	
  Der Berufungsbeklagte erklärt an der Parteibefragung,
  dass er den Motor achtmal von Hand durchgedreht habe (act. 23,
  S. 14). Als das Auto zerlegt worden sei, wobei auch D.______ anwesend
  gewesen sei, sei kein Spezialwerkzeug darin gewesen (act. 23,
  S. 9). D.______ erklärt hingegen, dass der Berufungsbeklagte den Motor
  in seiner Abwesenheit gestartete habe. Der Motor sei dann nicht mehr
  gelaufen, weil der Berufungsbeklagte diesen nicht von Hand durchgedreht habe
  (act. 23, S. 14). Der Berufungsbeklagte erklärt detailliert, wie er
  nach der Reparatur vorgegangen sei (achtmaliges Durchdrehen des Motors von
  Hand). Dies spricht grundsätzlich für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.
  Von der Berufungsklägerin hingegen war offenbar bei diesen Vorgängen gemäss
  der Aussage von D.______ gar niemand dabei (act. 23, S. 14). Es
  erschliesst sich dem Gericht daher nicht, wie sie zum Schluss kommt, der
  Berufungsbeklagte habe den Motor nicht von Hand durchgedreht.

  
	
  D.______ hat nach den Angaben der Berufungsklägerin
  zudem offenbar beim Zahnriemenwechsel mitgearbeitet, wobei allerdings unklar
  ist, wann und in welcher Form (act. 51, S. 8). Aus den vorstehenden
  Ausführungen geht ausserdem hervor, dass das Fahrzeug zwischen der Reparatur
  des Berufungsbeklagten und der Erstellung des Gutachtens durch mindestens
  drei Drittpersonen «begutachtet» wurde (act. 23, S. 9 und
  S. 14). Aufgrund des Gutachtens – für welches das Fahrzeug sogar
  komplett zerlegt werden musste (act. 13/03, S. 1) – ist
  naheliegend, dass das Fahrzeug auch hierfür jeweils mindestens teilweise zerlegt
  wurde. Die für das Gutachten offenbar notwendige zweite Besichtigung nach der
  vollständigen Zerlegung fand ausserdem erst zwei Monate nach der Entlassung
  des Berufungsbeklagten statt (vgl. act. 13/03, S. 1). Aufgrund der
  bereits langen verstrichenen Zeit sowie der Vielzahl der zwischenzeitlich
  involvierten Personen ist es anhand der dem Gericht vorliegenden Akten nicht
  möglich, die im Gutachten festgehaltenen Beschädigungen auf die Arbeiten des
  Berufungsbeklagten zurückzuführen. Wie dies bereits die Vorinstanz zutreffend
  festhielt (act. 53, S. 14, E. III.2.2.4), gelingt es der
  Berufungsklägerin dementsprechend auch in Bezug auf den VW Golf nicht, dem
  Berufungsbeklagten eine Pflichtverletzung nachzuweisen (Art. 8 ZGB).

  
	
  3.4.5.4.   Im Übrigen ist
  festzuhalten, dass keine der dem Berufungsbeklagten vorgeworfenen fehlenden
  bzw. mangelhaften Arbeitsausführungen eine fristlose Kündigung ohne
  vorgängige Verwarnung rechtfertigen könnte. Wie bereits festgehalten, konnte
  die Berufungsklägerin vorliegend keine Verwarnung nachweisen. Dementsprechend
  käme eine fristlose Kündigung aufgrund einer Schlechterfüllung der
  Arbeitsleistung lediglich dann in Frage, wenn eine völlige berufliche
  Unfähigkeit vorliegt oder die Arbeit vorsätzlich schlecht verrichtet wird
  (Urteil BGer 4C.329/1998 vom 23. Dezember 1998, in: Pra 1999
  Nr. 73, S. 402). Der Berufungsbeklagte hat insgesamt etwa vier
  Monate bei der Berufungsklägerin gearbeitet, wobei die Berufungsklägerin
  selbst erklärt, dass er zunächst gut gearbeitet habe (act. 32,
  S. 6). Der Berufungsbeklagte hat ausserdem die Ausbildung zum
  Automobilmechatroniker abgeschlossen (act. 25/1), weshalb auch an seiner
  fachlichen Eignung nicht zu zweifeln ist. Ein völliges berufliches Versagen
  kann vorliegend deshalb ausgeschlossen werden. Dass die Vorinstanz
  diesbezüglich festhielt, dass solche Fehler passieren könnten und noch kein
  berufliches Versagen darstellen, ist nicht zu beanstanden (vgl. act. 53,
  S. 14, E. III.2.2.4). Bei keinem der vorstehenden Vorwürfe sind
  ausserdem Anzeichen für ein vorsätzliches Handeln ersichtlich. So bestehen
  auch keine Hinweise darauf, dass der Berufungsbeklagte den Motor absichtlich
  nicht zunächst von Hand durchgedreht hätte. Selbst wenn also die Vorwürfe
  durch die Berufungsklägerin an den Berufungsbeklagten zuträfen, vermöchten
  diese keine fristlose Kündigung zu rechtfertigen. 

  
	
  3.4.6.    Vorfall
  vom 19. Juni 2021

  
	
  3.4.6.1.   Schliesslich
  wirft die Berufungsklägerin dem Berufungsbeklagten vor, dass er am Samstag,
  19. Juni 2021, selbständig das Tor geöffnet habe, um am schwarzen Golf
  seiner Schwester zu arbeiten. C.______ habe ihm um 9.00 Uhr mitgeteilt,
  dass er keine Erlaubnis dazu habe, diese Arbeiten auszuführen. Sie habe bis
  12.00 Uhr mehrmals die Aufforderung wiederholt, der Berufungsbeklagte
  solle die Arbeiten einstellen und die Werkstatt verlassen. Dabei habe sich
  der Berufungsbeklagte negativ geäussert und C.______ beleidigt. An diesem Tag
  sei auch die Schwester von C.______ anwesend gewesen (vgl. zum Ganzen
  act. 12, S. 9 f.). Der Berufungsbeklagte bringt hingegen vor,
  er habe die Erlaubnis von C.______ erhalten, die Werkstatt zu benützen.
  Beschimpfungen seien von seiner Seite her keine erfolgt (act. 2,
  S. 5). Der Berufungsbeklagte habe ausserdem keinen Schlüssel zur Tür,
  weshalb diese von C.______ geöffnet worden sei. Er sei auch nicht dazu
  aufgefordert worden, den Betrieb zu verlassen (act. 24,
  S. 11 f.). Daraufhin bestätigte auch die Berufungsklägerin, dass
  der Berufungsbeklagte keinen Schlüssel habe. Die Garage sei aber für den
  Bruder von D.______ offen gelassen worden (act. 23, S. 5; vgl. auch
  act. 32, S. 12).

  
	
  3.4.6.2.   An der
  Parteibefragung erklärte D.______, der Berufungsbeklagte sei eigenmächtig
  hereingekommen und habe das Auto zerlegt. D.______ sei (aufgrund einer
  Fahrzeugbesichtigung) abwesend gewesen, habe die Tür jedoch für seinen Bruder
  offen gelassen, welcher manchmal zwischen 8.30 und 9.00 Uhr komme. Er
  habe dem Berufungsbeklagten am Freitag noch ein schönes Wochenende gewünscht.
  C.______ habe dem Berufungsbeklagten dann mehrmals eine Frist (bis
  12.00 Uhr, 13.00 Uhr bzw. 14.00 Uhr) angesetzt, um die Garage
  wieder zu verlassen. Der Berufungsbeklagte sei aber bis 18.00 Uhr
  geblieben. Der Berufungsbeklagte erklärt hingegen, dass ihn D.______ und
  C.______ hereingelassen, ihn begrüsst und einen Kaffee angeboten hätten. Ihm
  sei gesagt worden, dass er am Samstag kommen dürfe. Sein Auto sei ausserdem
  noch dort gewesen. Erst um 16.00 Uhr sei er von C.______ aufgefordert
  worden, die Garage zu verlassen. Er habe noch gefragt, ob er aufräumen solle,
  was aber verneint worden sei. Um 16.00 Uhr sei er dann draussen gewesen
  (vgl. zum Ganzen act. 23, S. 11). 

  
	
  3.4.6.3.   Die Aussagen des
  Berufungsbeklagten enthalten auch Nebensächlichkeiten (Anbieten von Kaffee),
  was für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht (Peter Guyan, in: Basler Kommentar Schweizerische
  Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 6a zu Art. 157 ZPO).
  Die erwähnten Vorbringen der Berufungsklägerin in der Klageantwort sowie auch
  ihre Aussagen an der Parteibefragung enthalten zwar vereinzelt Details.
  Allerdings ist fraglich, weshalb der Bruder von D.______ die Garage betreten
  wollte und nicht etwa die Wohnräume von D.______ und C.______, wenn D.______
  noch nicht einmal anwesend war. Woher der Berufungsbeklagte hätte wissen
  sollen, dass die Werkstatt wegen des Bruder offen stehen würde, erschliesst
  sich ebenfalls nicht aus den vorliegenden Akten und wird auch von der
  Berufungsklägerin nicht erklärt. Dass der Berufungsbeklagte einfach auf gut
  Glück einmal von [...] nach [...] fährt, nur um zu schauen, ob die Tür zur
  Werkstatt zufälligerweise offen steht, ist kaum denkbar. Demzufolge bestehen
  vorliegend keine ernsthaften Zweifel daran, dass der Berufungsbeklagte
  tatsächlich von C.______ und/oder D.______ in die Werkstatt hineingelassen
  wurde. 

  
	
  3.4.6.4.   Betreffend die
  Aufforderung(-en) zum Verlassen der Werkstatt lassen sich weder die Aussagen
  der Berufungsklägerin noch die Aussagen des Berufungsbeklagten als
  unglaubhaft werten. Daran würde auch nichts zu ändern vermögen, wenn C.______
  glaubhaft die Aussagen von D.______ wiederholen würde. Deren Schwester war
  ausserdem der Berufungsklägerin zufolge erst ab etwa 14.00 Uhr anwesend
  (act. 23, S. 5). Die Schwester kann daher die Aufforderungen dazu,
  die Garage bis 14.00 Uhr oder noch früher zu verlassen, nicht
  mitbekommen haben. Sie könnte bloss Angaben dazu machen, wann der
  Berufungsbeklagte die Garage tatsächlich verlassen hat, was allerdings keinen
  Verstoss gegen Weisungen der Berufungsklägerin belegen könnte.
  Dementsprechend handelt es sich bei der beantragten Befragung der Schwester
  um ein untaugliches Beweismittel (zu den behaupteten negativen Äusserungen
  vgl. E. III.3.4.6.5 nachfolgend). Die Vorinstanz konnte damit in dieser
  Sache sowohl auf die Befragung von C.______ (in antizipierter
  Beweiswürdigung) als auch auf die Befragung von deren Schwester
  (Art. 152 Abs. 1 ZPO) verzichten. Mangels weiterer Indizien kann
  vorliegend nicht von einer mehrmaligen Aufforderung durch die
  Berufungsklägerin ausgegangen werden, trägt doch die Berufungsklägerin auch
  diesbezüglich die Beweislast (Art. 8 ZGB).

  
	
  3.4.6.5.  
  In Bezug auf die negativen Äusserungen bzw. Beleidigungen erklärt
  die Berufungsklägerin lediglich, der Berufungsbeklagte habe C.______ jeweils
  geantwortet (act. 23, S. 5): «Du hast mir gar nichts zu sagen.»
  Eine solche Aussage mag zwar respektlos sein, rechtfertigt aber keinesfalls
  eine fristlose Kündigung ohne vorgängige Verwarnung (vgl.
  E. III.3.3.1 f. vorstehend). Dementsprechend braucht vorliegend
  auch nicht geklärt zu werden, ob der Berufungsbeklagte dies tatsächlich
  gesagt hat. Die Vorinstanz durfte demnach in antizipierter Beweiswürdigung
  auf die diesbezügliche Befragung von C.______ und deren Schwester verzichten.
  

  
	
  3.4.6.6.   Im Übrigen
  könnten missachtete Aufforderungen zum Verlassen der Werkstatt bzw. ein
  unbefugtes Betreten der Werkstatt vorliegend ebenfalls keine fristlose
  Kündigung ohne vorgängige Verwarnung rechtfertigen. So hatte die
  Berufungsklägerin dem Berufungsbeklagten abends zuvor erlaubt, an seinem
  Fahrzeug zu arbeiten (act. 23, S. 11, und act. 32,
  S. 12). Zudem wurde dem Berufungsbeklagten offenbar auch in der
  Vergangenheit immer wieder erlaubt bzw. zumindest geduldet, dass er an seinem
  Fahrzeug ausserhalb der Arbeitszeiten arbeitet (act. 3/5, S. 1, und
  act. 32, S. 5 f.). Sogar Arbeiten am Fahrzeug der Schwester
  des Berufungsbeklagten hat die Berufungsklägerin bereits geduldet bzw.
  erlaubt (act. 12, S. 5; act. 32, S. 5). Der
  Berufungsbeklagte ist nach den Angaben der Berufungsklägerin ausserdem
  teilweise auch mit dem Auto seiner Schwester zur Arbeit erschienen
  (act. 41, S. 10). Vorliegend ist damit weder offensichtlich, dass
  die Erlaubnis nur für den Freitag gelten sollte, noch, dass es sich beim Auto
  der Schwester für die Berufungsklägerin um ein «fremdes» Fahrzeug handelte
  (vgl. act. 12, S. 4 f.). Daran ändert auch nichts, dass
  D.______ dem Berufungsbeklagten ein schönes Wochenende gewünscht haben soll
  (act. 23, S. 11). So hätte der Berufungsbeklagte beispielsweise
  annehmen können, dass am Samstag nur C.______ anwesend sein werde. Ausserdem
  schliesst diese Grussformel ein Wiedersehen am Wochenende ohnehin nicht
  zwangsläufig aus. Bei der Benützung der Werkstatt am 19. Juni 2021 kann
  es sich demnach um keine schwere Verfehlung handeln, war doch dem
  Berufungsbeklagten unter Umständen noch nicht einmal bewusst, dass er gegen
  Weisungen der Berufungsklägerin verstiess. 

  
	
  Die Berufungsklägerin erklärt ausserdem, dass das ganze
  Fahrzeug zerlegt gewesen sei (act. 32, S. 13, und act. 23,
  S. 11). Nachdem die Berufungsklägerin ihren eigenen Angaben zufolge den
  Berufungsbeklagten bat, das Auto herauszufahren (act. 32, S. 13),
  versteht es sich von selbst, dass für den Wiederzusammenbau einige Zeit
  benötigt wurde. Dem Berufungsbeklagten kann damit nicht angelastet werden,
  dass er die Werkstatt nicht sofort verliess. Es kann sich deshalb auch
  diesbezüglich bestenfalls um eine leichte Verfehlung handeln. Selbst wenn
  also die Vorwürfe der Berufungsklägerin betreffend den 19. Juni 2021
  zutreffen würden, würde – mangels vorgängiger Verwarnungen – noch kein
  wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vorliegen.

  
	
  3.5.    
  Fazit

  
	
  Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt (act. 53,
  S. 17, E. III.2.4), konnte vorliegend noch nicht einmal erstellt
  werden, dass der Berufungsbeklagte seine Pflichten gegenüber der
  Berufungsklägerin verletzte. Ebenfalls nicht erstellt ist, dass die
  Berufungsklägerin je Verwarnungen ausgesprochen hätte. Hinzu kommt, dass die
  Vorwürfe – mangels Verwarnung – auch dann keine fristlose Kündigung
  rechtfertigen könnten, wenn sie tatsächlich zuträfen. Dabei käme ohnehin
  bloss der Vorwurf vom 19. Juni 2021 für sich alleine als Grund für die
  fristlose Kündigung in Frage, da es bei den übrigen Vorwürfen am notwenigen
  zeitlichen Zusammenhang zur ausgesprochenen Kündigung fehlt. Die Vorinstanz
  hat die fristlose Kündigung demnach zurecht als ungerechtfertigt qualifiziert
  (act. 53, S. 17, E. III.2.4).

  
	
  4.   
   

  
	
  Die Berufungsklägerin bemängelt die Höhe der dem
  Berufungsbeklagten von der Vorinstanz zugesprochenen Beträge nicht.
  Diesbezüglich kann deshalb auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
  werden (act. 53, S. 20 ff., E. IV und E. VI. f.;
  vgl. BGE 141 III 569 E. 2.3.3). Die Berufung ist demnach
  vollumfänglich abzuweisen.

  
	
   

  
	
  IV. Kosten-
  und Entschädigungsfolgen

  
	
  Bei Streitigkeiten aus einem Arbeitsverhältnis bis zu
  einem Streitwert von CHF 30'000.− werden keine Gerichtskosten
  erhoben (Art. 114 lit. c ZPO). Die Parteikosten sind ebenfalls von
  den Parteien selber zu tragen, sofern keine mutwillige Prozessführung
  vorliegt (Art. 20 Abs. 3 EG ZPO/GL [GS III C/1]). Vorliegend sind
  deshalb weder Gerichtskosten zu erheben noch Parteientschädigungen
  zuzusprechen.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Berufung wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Es werden keine Parteientschädigungen
    zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]