# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc8f7eb3-a0e8-5318-ae67-7a614b64aa61
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-09-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 12.09.2005 SF 2005 23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2005-23_2005-09-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 12.09.2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 05 23 (mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer, Riesen-Bienz, Schäfer und Giger
Aktuarin ad hoc Honegger Droll

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In der Strafsache

der X., Angeklagte, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic.iur. Stefan Lechmann, 
Postfach 545, Gäuggelistrasse 16, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 9. Juni 2005, 

wegen Raub, Diebstahl etc.,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

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A. a) X. wuchs zusammen mit zwei Brüdern bei ihren Eltern in A., B. und 
C. auf, wo sie auch die Primar- und Realschule besuchte. Nach der Schulentlassung 
trat sie Schnupperlehren als Serviceangestellte, Verkäuferin, Büroangestellte sowie 
Kondukteuse an; eine Ausbildung absolvierte die Angeklagte jedoch nicht. Während 
jeweils kurzer Zeit war sie bei der Pizzeria D. in E., im Restaurant F. in G. und 
zuletzt im Restaurant H. in I. als Serviceangestellte tätig. Für sechs Monate war X. 
noch in der psychiatrischen Klinik Waldhaus in Chur hospitalisiert. Seit anfangs 
2002 ist sie arbeitslos. Mit Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 
23. Januar 2002 wurde ihr rückwirkend ab dem 1. Oktober 2000 eine volle IV-Rente 
zugesprochen. Der Angeklagten werden monatlich Fr. 1'433.-- an IV-Geldern zu-
züglich Fr. 702.-- an Ergänzungsleistungen ausbezahlt. Bei den Betreibungsämtern 
J. und K. war sie per 10. Mai 2005 mit sieben Betreibungen im Betrag von Fr. 
7'922.80 und sechs offenen Verlustscheinen über Fr. 6'839.55 registriert. X. steht 
unter Beiratschaft von L. von der Amtsvormundschaft J. in M..

Die am 27. Dezember 2000 mit dem marokkanischen Staatsangehörigen N. 
eingegangene Ehe wurde am 17. Dezember 2002 geschieden. Am 4. Juni 2003 
brachte X. einen ausserehelichen Sohn zur Welt, der von P. + Q. in Untervaz adop-
tiert wurde.

Der Leumund der Angeklagten muss als getrübt bezeichnet werden. Im 
Schweizerischen Zentralstrafregister ist sie mit einer Vorstrafe verzeichnet. Mit 
Strafmandat des Kreispräsidenten J. vom 8. März 2002 wurde X. der Widerhand-
lung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 5 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlas-
sung der Ausländer (ANAG, SR 142.20) für schuldig befunden und mit Fr. 500.-- 
bestraft. Am 26. März 2004 büsste der Kreispräsident Rhäzüns die Angeklagte we-
gen mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln, begangen in der Zeit vom 6. 
September 2002 bis 11. September 2003, mit Fr. 150.--.

Am 11. September 2003 wurde X. durch die Kantonspolizei in Chur festge-
nommen und befand sich bis am 12. September 2003 in Chur in Polizeihaft. 

In ihrem Gutachten vom 2. Februar 2004 diagnostiziert O. von den Psychia-
trischen Diensten Graubünden, Klinik Beverin, bei X. eine emotional instabile Per-
sönlichkeitsstörung, Borderline-Typus, mit dissozialen Zügen. Aufgrund ihrer man-
gelhaften geistigen Entwicklung sei die Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten im 
Zeitpunkt der Tat gemäss Art. 11 StGB in mittlerem Grad vermindert gewesen. X. 
sei nicht als suchtkrank einzustufen und die Einweisung in eine Drogenentziehungs-

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anstalt oder in eine andere Heilanstalt bzw. eine ambulante Behandlung im Sinne 
von Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erscheine nicht notwendig. Zur Verhütung einer all-
fälligen Rückfallgefahr müsse jedoch die weitere Verwahrlosung von X. verhindert 
und eine positive Entwicklung ermöglicht werden. Eine Einweisung in eine Arbeits-
erziehungsanstalt gemäss Art. 100bis StGB wäre hierfür sinnvoll und zweckmässig 
und könnte in der Strafanstalt Hindelbank vollzogen werden. Eine psychiatrische 
Behandlung im Sinne von Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB sei notwendig und zweckmäs-
sig, genüge jedoch unter ambulanten Verhältnissen nicht. Empfehlenswert sei viel-
mehr die Anordnung einer psychiatrisch-psychotherapeutischen ambulanten Be-
handlung im Sinne einer Massnahme gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Diese 
sollte bereits während eines eventuellen Strafvollzugs beginnen und diesen beglei-
ten. Aus psychiatrischer Sicht sei die Bevormundung von X. gemäss Art. 369 ZGB 
unerlässlich.

B. Mit Verfügung vom 9. Juni 2005 wurde X. wegen Raubes gemäss Art. 
140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie wegen 
mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG in Anklagezustand ver-
setzt. Dieser Anklage liegt nach Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden 
vom 9. Juni 2005 der folgende Sachverhalt zu Grunde:

"1. des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB:

In der Nacht vom 10./11. September 2003 trafen die Angeklagte und ihr 
damaliger Freund R. zufällig den ihnen als Betäubungsmittelkonsumenten 
bekannten S. in Chur. Nachdem dieser auf dem Arcasplatz erfolglos bei 
einem Dritten Kokain kaufen wollte, boten ihm X. und R. einen Teil ihres 
Stoffes gegen Bezahlung an. Zu Fuss gelangten sie dann über den Wes-
teingang ins nahe gelegene Parkhaus Arcas, wo S. im 2. UG seinen Be-
gleitern Kokain injizierte. Als der Stoff für ihn selbst nicht mehr reichte, 
wollte er wiederum das Parkhaus verlassen. In diesem Moment griff R. S. 
an, verpasste ihm mehrere Faustschläge ins Gesicht und dieser ging zu 
Boden. Währenddem R. weiter auf S. einschlug, versuchte die Angeklagte 
an dessen Portemonnaie zu kommen. S. entnahm dann seinem Geldbeutel 
einen 50 Franken Schein und warf diesen R. hin, damit er und die Ange-
klagte endlich von ihm abliessen. Damit gaben sie sich jedoch nicht zufrie-
den und sie traktierten abermals S. mit Fusstritten und Faustschlägen. Un-
ter Anwendung von massiver Gewalt gelang es ihnen schliesslich, S. seine 
Geldbörse abzunehmen und X. entnahm dieser noch das restliche Geld 
von rund Fr. 50.-- sowie eine Postcard, lautend auf T.. In der Folge ent-
schuldigte sich R. bei S. und sie liefen wiederum stadteinwärts. Als S. den 
Polizeiposten am Kornplatz aufsuchte, setzten sich die Angeklagte und ihr 
Begleiter fluchtartig ab, konnten jedoch kurze Zeit später am Bahnhof in 
Chur von der Stadtpolizei gestellt werden. Das Diebesgut wurde ihnen 
abgenommen und S. erstattet.

Bei der Auseinandersetzung zog sich S. einen Nasenbeinbruch zu und 
wurde noch in derselben Nacht im Kantonsspital Chur ambulant behan-
delt. Im Zeitpunkt des Überfalls wies er einen Blutalkoholgehalt von min-
destens 0.97 Gewichtspromille auf. Eine Beeinflussung durch die bei 

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ihm gefundenen Spuren von Kokain, Methadon und Benzodiazepine 
konnte nicht nachgewiesen werden.

Die Auswertung der bei der Angeklagten vorgenommenen Blut- und Urin-
probe durch das Institut für Rechtsmedizin St. Gallen ergab, dass sie im 
Zeitpunkt des Ereignisses durch das bei ihr nachgewiesene Kokain und 
Cannabis bzw. deren Abbauprodukte nicht beeinflusst wurde.

2. des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB:

Am Abend des 8. September 2003 planten X. und R., in der Nacht in die 
Wohnung von U. in V., W., einzuschleichen und nach Geld zu suchen. Den 
Abend verbrachten sie im Freundeskreis in der Wohnung von R., wobei 
Alkohol konsumiert wurde. Unter einem Vorwand gelang es X., Y., dem 
ebenfalls anwesenden Enkel von U., den Schlüssel zur Wohnung seiner 
Grossmutter abzunehmen. Währenddem die Angeklagte in der Wohnung 
zurück blieb, forderte R. seinen Halbbruder Z. auf, ihn zu begleiten, ohne 
diesen jedoch in sein Vorhaben einzuweihen. Erst vor der Liegenschaft von 
U. erklärte R. Z. seine Absicht; dieser distanzierte sich von der geplanten 
Straftat. In der Folge betrat R. alleine die Wohnung und suchte im Wohn-
zimmer nach Geld, wobei er von der 77-jährigen U. überrascht wurde. Auf 
seine Aufforderung hin übergab die Geschädigte ihm Fr. 60.-- aus ihrem 
Portemonnaie und R. verliess fluchtartig das Haus. Er gelangte dann wie-
derum in seine Wohnung, wo er das erbeutete Geld X. übergab, um Betäu-
bungsmittel zu kaufen.

Das Diebesgut konnte bei der Angeklagten sichergestellt und an U. zurück-
erstattet werden.

3. der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG:

In der Zeit vom 12. September 2003 bis 18. November 2003 konsumierte 
die Angeklagte wiederholt Cannabis in V. und Chur.

Gegen R. (VV. 2003.2425) und Z. (VV.2003.2635) wurden bei der Staatsanwalt-
schaft Graubünden separate Verfahren geführt.“

C. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht von 
Graubünden vom 12. September 2005 waren die Angeklagte persönlich, deren amt-
licher Verteidiger und der Staatsanwalt, Dr.iur. Alex Zindel zugegen. 

Der Staatsanwalt, Dr.iur. Alex Zindel, stellte und begründete die folgenden 
Anträge:

"1. X. sei des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des Diebstahls 
gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB und der mehrfachen Widerhandlung gegen 
Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.

2. X. sei zur Arbeitserziehung gemäss Art. 100bis Ziff. 1 StGB und zur Be-
handlung gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in eine geeignete Anstalt 
einzuweisen.

3. Gesetzliche Kostenfolge.“

Der amtliche Verteidiger von X., Rechtsanwalt lic.iur. Stefan Lechmann, 
stellte und begründete folgende Anträge:

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„1. Das Verfahren wegen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB zum 
Nachteil von U. sei einzustellen.

2. X. sei wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie wegen 
mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu 
sprechen.

3. Dafür sei X. mit maximal 6 Monaten Gefängnis zu bestrafen, unter An-
rechnung der Polizeihaft von 2 Tagen.

4. Der Vollzug der Gefängnisstrafe sei aufzuschieben, unter Anordnung 
einer Probezeit von zwei Jahren.

5. Gesetzliche Kostenfolge.“

In ihrem Schlusswort hatte X. nichts zu sagen.

Auf die Ausführungen in den mündlichen Vorträgen wird, soweit erforderlich, 
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Der in der Anklageschrift relevierte Sachverhalt ist ausgewiesen. Der 
dargestellte Sachverhalt deckt sich im Wesentlichen mit den Angaben der Ange-
klagten im Ermittlungsverfahren, von denen sie auch an der Hauptverhandlung nicht 
abwich. Er wird von der Angeklagten anerkannt. Es ist im Folgenden zu prüfen, ob 
und allenfalls auf Grund welcher Strafbestimmungen die Angeklagte für ihr Verhal-
ten zur Verantwortung zu ziehen ist.

2. Gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird mit Zuchthaus bis zu zehn 
Jahren oder mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft, wer mit Gewalt ge-
gen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben 
oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen 
Diebstahl begeht. 

a) Raub ist eine qualifizierte Form der Nötigung (Art. 181 StGB, vgl. BGE 107 
IV 108), um einen Diebstahl begehen oder die weggenommene Sache behalten zu 
können. Die Nötigungshandlung muss sich gegen eine Person richten, die in Bezug 
auf die zu stehlende Sache eine Schutzposition einnimmt, d.h. gegen den Gewahr-
samsinhaber bzw. -hüter oder einen Dritten, der Nothilfe leistet (BGE 113 IV 66). Im 
Gegensatz zum früheren Recht müssen Gewaltanwendung und Drohung nicht 
mehr zur Widerstandsunfähigkeit des Opfers führen. Das Begehen eines Diebstahls 
(mit allen nach Art. 139 StGB erforderlichen objektiven und subjektiven Merkmalen) 

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wird nach geltendem Recht für die Vollendung des Raubes stets vorausgesetzt. 
Sinngemäss muss der Diebstahl im Falle von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB gerade 
durch die Nötigungshandlung ermöglicht worden sein. Andererseits ist der Versuch 
aber nicht vollendet, wenn der Täter zwar Gewalt verübt, den Diebstahl aber nicht 
begangen hat. 

b) R. griff S. an und verpasste ihm mehrere Faustschläge ins Gesicht, als 
dieser das Parkhaus Arcas verlassen wollte, nachdem es für ihn kein Kokain zum 
einspritzen mehr gab. S. ging zu Boden, gleichwohl schlug R. weiterhin auf ihn ein. 
Währenddessen versuchte X. an das Portemonnaie von S. zu kommen. S. entnahm 
hierauf einen 50 Franken Schein aus seinem Geldbeutel und warf diesen R. hin, 
damit dieser und X. endlich von ihm abliessen. Diese traktierten S. jedoch abermals 
mit Fusstritten und Faustschlägen. Unter Anwendung massiver Gewalt gelang es 
ihnen, S. die Geldbörse abzunehmen. X. entnahm dieser noch das restliche Geld 
sowie eine Postcard, lautend auf T.. In der Folge entschuldigte sich R. und alle drei 
liefen stadteinwärts. X. ist überführt und geständig, massgeblich am Überfall auf S. 
beteiligt gewesen zu sein. Sie hat ebenfalls auf S. eingeschlagen und sie war es, 
die ihm schliesslich das restliche Geld und die Postcard aus dem Portemonnaie 
entwendete. X. und R. haben gemeinschaftlich, also in bewusstem und gewolltem 
Zusammenwirken, Gewalt gegen S. ausgeübt, um ihm sein Portemonnaie abneh-
men zu können, womit Mittäterschaft gegeben ist. Mit der Begehung des Diebstahls 
wurde der Raub vollendet. Der Tatbestand von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist in 
objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt, womit X. des Raubes gemäss Art. 140 
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.

c) S. zog sich als Folge der gewalttätigen Übergriffe einen Nasenbeinbruch 
zu. Gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung gilt eine einfache Körperver-
letzung, die im Zusammenhang mit der Gewaltanwendung an Opfern im Rahmen 
von Art. 140 StGB bewirkt werden, als durch Art. 140 StGB konsumiert (vgl. Trech-
sel, Kurzkommentar, 2. Auflage, N 24 zu Art. 140 StGB mit weiteren Hinweisen, 
insb. PKG 1967 Nr. 12; Rehberg, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Bemerkungen 
zu Ziff. 1 von Art. 140 StGB; Stratenwerth, BT 1, Rz. 140, S. 313). Zu Recht hat 
damit die Anklägerin keine Anklage wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 
123 StGB erhoben.

3. Gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren 
oder mit Gefängnis bestraft, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur An-
eignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern.

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a) Wegnehmen ist Bruch fremden und Begründung neuen Gewahrsams; die-
ser besteht in der tatsächlichen Sachherrschaft mit dem Willen, sie auszuüben. Der 
Bruch fremden Gewahrsams liegt regelmässig in der Entfernung der Sache. Der 
Diebstahl ist vollendet mit der Herstellung eines neuen Gewahrsams nach dem Wil-
len des Täters (vgl. Trechsel, a.a.O., N. 11 zu Art. 139 StGB). Subjektiv sind neben 
dem Vorsatz die Aneignungsabsicht und die Absicht unrechtmässiger Bereicherung 
erforderlich.

b) Es ist ausgewiesen, dass X. und R. am Abend des 8. Septembers 2003 in 
der Wohnung von R. gemeinsam den Plan fassten, in der Nacht in die Wohnung 
von U. in V. einzuschleichen und nach Geld zu suchen. Unter einem Vorwand ge-
lang es ihnen, Y. - dem zusammen mit anderen Freunden anwesenden Enkel von 
U. - den Schlüssel seiner Grossmutter abzunehmen. R. ging in Begleitung von Z. 
zur Liegenschaft von U.. X. blieb in der Wohnung zurück. Vor Ort erklärte R. seinem 
Bruder sein Vorhaben, worauf sich dieser von der geplanten Straftat distanzierte. 
R. betrat hierauf alleine die Wohnung und suchte im Wohnzimmer nach Geld, wo er 
von U. überrascht wurde. R. verlangte von ihr Geld, worauf er von U. Fr. 60.-- aus 
ihrem Portemonnaie erhielt. R. flüchtete in seine Wohnung, wo er das erbeutete 
Geld X. zum Erwerb von Betäubungsmitteln übergab. Auch wenn X. in der Wohnung 
zurückblieb, ist von Mittäterschaft auszugehen. Die Straftat ist zunächst von beiden 
gemeinsam geplant worden. Ausgeführt wurde die Tat von R. zwar alleine. X. leis-
tete indes einen wesentlichen Tatbeitrag, indem sie mithalf, dass der Hausschlüssel 
zur Wohnung von U. von deren Enkel behändigt werden konnte. Vom Diebesgut 
hätten sodann beide gleichermassen profitieren sollen; es war der Kauf von Drogen 
zum Eigenkonsum geplant.

c) Die Verteidigung plädiert dafür, dass angesichts des geringen Deliktsbe-
trages der privilegierte Tatbestand von Art. 172ter StGB zur Anwendung gelange. 
Bei Art. 172ter StGB handle es sich jedoch um ein Antragsdelikt. Da bezüglich des 
Diebstahls kein rechtsgenüglicher Strafantrag vorliege, sei die Strafverfolgung zum 
Nachteil von U. einzustellen. Diese Auffassung kann nicht geteilt werden. Entschei-
dend für die Privilegierung ist zunächst, dass sich die Tat auf ein geringfügiges Ver-
mögensdelikt gerichtet hat (Art. 172ter Abs. 1 StGB), somit ein subjektives Krite-
rium, nämlich die Absicht des Täters und nicht der eingetretene Erfolg (BGE 122 IV 
156 E. 2a). Aus dieser subjektiven Konzeption von Art. 172ter StGB und aus seinem 
Sinn und Zweck ergibt sich gleichzeitig, dass seine Anwendung auf Bagatelldelin-
quenz gerichtete Taten einzugrenzen ist. So ist die Bestimmung etwa auch dann 
nicht anwendbar, wenn zwar der erlangte Vermögenswert den objektiven Grenzwert 

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nicht erreicht, aber der Täter eine grössere Beute wollte (BGE 122 IV 156 E. 2b). 
Art. 172ter StGB setzt also in subjektiver Hinsicht voraus, dass sich auch der Vor-
satz des Täters auf ein Vermögensdelikt geringfügigen Ausmasses beschränkte 
(vgl. BGE 122 IV 159, 123 IV 119, 156, 199; die beiden letztgenannten Entscheide 
zum Vorsatz von Taschendieben). Aus den Akten kann nicht geschlossen werden, 
dass X. und R. nur mit einem geringfügigen Deliktsbetrag gerechnet hätten. R. hat 
während des Strafuntersuchungsverfahrens stets ausgesagt, dass er bei U. Geld 
erbeuten wollte. Als er von U. überrascht wurde, verlangte er „ihr Geld“ (act. 5.13, 
5.11). Der Wille von R. war damit offensichtlich darauf ausgerichtet, alles Geld von 
U. zu erhalten, das sie im Hause aufbewahrte. Er hätte also auch Fr. 400.-- genom-
men, wenn dieser Betrag vorhanden gewesen wäre. Es kann vorliegend also nicht 
von einem geringen Wert ausgegangen werden, weil R. möglichst viel Geld bei U. 
zu finden hoffte. Dies brachte er deutlich dadurch zum Ausdruck, dass er unbe-
stimmt nach Geld verlangt hatte, anstatt beispielsweise Fr. 100.-- zu verlangen. Der 
Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB zum Nachteil von U. ist damit objektiv und 
subjektiv erfüllt. X. ist des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu spre-
chen.

4. Gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG wird mit Haft oder Busse bestraft, wer 
unter anderem unbefugt Betäubungsmittel vorsätzlich konsumiert.

Die Angeklagte ist geständig, in der Zeit vom 12. September 2003 bis 28. 
November 2003 wiederholt Marihuana konsumiert zu haben. Sie ist der mehrfachen 
Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.

5. Ist der Täter in seiner charakterlichen Entwicklung erheblich gestört 
oder gefährdet, oder ist er verwahrlost, liederlich oder arbeitsscheu, und steht seine 
Tat damit im Zusammenhang, so kann der Richter an Stelle einer Strafe seine Ein-
weisung in eine Arbeitserziehungsanstalt anordnen, wenn anzunehmen ist, durch 
diese Massnahme lasse sich die Gefahr künftiger Verbrechen oder Vergehen ver-
hüten (Art. 100bis Ziff. 1 StGB). Art. 100bis StGB gilt neben den allgemeinen Be-
stimmungen, wenn der Täter zur Zeit der Tat das 18., aber nicht das 25. Altersjahr 
zurückgelegt hat (Art. 100 Abs. 1 StGB).

a) Als besondere - den Tätern zwischen 18 und 25 Jahren vorbehaltene - 
Massnahme sieht Art. 100bis StGB die Einweisung in eine Arbeitserziehungsanstalt 
vor. Die Bezeichnung ist unglücklich, weil die Massnahme neben arbeitsscheuen 
Tätern auch für charakterlich fehlentwickelte und verwahrloste Täter bestimmt ist 

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und eine allgemeine sozialpädagogische Betreuung in sich schliesst. Voraussetzun-
gen der Einweisung in eine Arbeitserziehungsanstalt sind, dass der Täter ein Ver-
brechen oder Vergehen begangen hat, dass die Tat im Zusammenhang mit dem 
Zustand des Täters (alternativ Störung oder Gefährdung der charakterlichen Ent-
wicklung, Verwahrlosung, Liederlichkeit, Arbeitsscheue) steht und dass auf Grund 
dieses Zustandes eine Rückfallgefahr besteht. Im Weiteren muss die Arbeitserzie-
hung als geeignetes und notwendiges Mittel der Rückfallbekämpfung erscheinen. 
Die Arbeitserziehung ist monistisch ausgestaltet; es wird daneben keine Strafe aus-
gesprochen.

b) Die Gutachterin diagnostizierte bei der Angeklagten eine Borderline Per-
sönlichkeitsstörung, eine antisoziale Persönlichkeitsstörung, was dem juristischen 
Begriff einer mangelhaften geistigen Entwicklung entspreche, sowie einen schädli-
chen Gebrauch von multiplen Substanzen. Die Angeklagte wird als emotional unreif 
und instabil sowie dissozial geschildert. Der Alltag der Angeklagten gestalte sich 
ungeordnet. Sie scheine sich dort aufzuhalten, wo sie entsprechende Bezugsper-
sonen findet, die mit ihr Zeit verbringen möchten. In diesem Zusammenhang seien 
Drogen gekauft und konsumiert worden. Aus psychiatrischer Sicht sei es der Ange-
klagten bisher nicht möglich gewesen, in geordneten Verhältnissen einen äusseren 
Rahmen zu finden, an dem sie sich im Alltag orientieren könne. Auch scheine eine 
emotionale konstante Beziehung zu einem reifen, erwachsenen Menschen seit ei-
nigen Jahren gefehlt zu haben. Die Gutachterin führt diesbezüglich aus, dass die 
beiden Aspekte der festen Strukturen im Alltag sowie der festen Bezugspersonen 
aus psychiatrischer Sicht von grösster Bedeutung für die Zukunft der Angeklagten 
seien. Daher erscheine eine Massnahme im Sinne einer Einweisung in eine Arbeits-
erziehungsanstalt auch in Anbetracht des Alters der Angeklagten als einzig richtiger 
Ausweg. In einer solchen Anstalt sollte der Angeklagten ermöglicht werden, in eng 
strukturiertem Rahmen und verbindlichen Beziehungen sozialpädagogisch geführ-
tes neues Verhalten zu erlernen. Dabei müsse ihre Selbstverantwortung gefördert 
werden, indem sie in einen Arbeitsprozess eingegliedert werde. Im optimalen Fall 
sollte es ihr möglich sein, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Die Angeklagte 
sollte in den nächsten drei Jahren total drogen- und alkoholabstinent leben. Um die 
Legalprognose zu verbessern, scheine nur diese Massnahme geeignet zu sein. Die 
Gutachterin führt im Weiteren aus, dass die Persönlichkeitsstruktur der Angeklagten 
durch emotionale Unreife gekennzeichnet sei. Diese drücke sich dadurch aus, dass 
sie ihr starkes Bedürfnis nach Zuwendung und Aufmerksamkeit sowie Bindung zu 
befriedigen versuche, indem sie ihren bisherigen Bezugspersonen entweder mit 
Drogen oder Sexualverhalten diene. Die Angeklagte brauche diesbezüglich neben 

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der sozialpädagogischen Führung auch eine psychotherapeutische Begleitbehand-
lung. Entsprechend empfiehlt die Gutachterin eine psychiatrisch-psychotherapeuti-
sche ambulante Behandlung gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Schliesslich erach-
tet die Gutachterin eine Bevormundung der Angeklagten zwecks Überwachung der 
Massnahme sowie einer weitergehenden Begleitung im Leben für unerlässlich.

c) X. gab auf Befragen an, dass sie die Massnahme ablehne, da sie nicht 
erforderlich sei. Sie habe ihren Kollegenkreis geändert und sei in Zürich einer Arbeit 
als Callagentin bei Cabelcom nachgegangen. Die Anstellung sei ihr jedoch gekün-
digt worden, weil sie sich nach dem Versterben ihrer Mutter um den Vater habe 
kümmern müssen. Der Vertrag habe drei Tage vorgesehen, sie habe eine Woche 
bezogen. Sie habe nun die Absicht, ihren 70-jährigen Vater, welcher an Krebs er-
krankt sei, zu betreuen. Sie habe ihre „psychischen Probleme“ und die beanstande-
ten Kontakte zu Männern im Griff. X. bestreitet, verwahrlost zu sein. Der Verteidiger 
führte ergänzend aus, dass das Gutachten vom 2. Februar 2004 datiere. Heute 
könne festgestellt werden, dass sich an den persönlichen Verhältnissen von X. ei-
niges geändert habe. Die negative Prognose der Gutachterin habe sich glücklicher-
weise nicht bewahrheitet. Daher sei es nicht angebracht, X. gegen ihren Willen in 
eine Arbeitserziehungsanstalt einzuweisen. Komme hinzu, dass es in der Schweiz 
keine geeignete Anstalt für Frauen gebe, in welcher die Massnahme vollzogen wer-
den könne. Der Verteidiger erwähnt noch, dass X. unter einer kombinierten Beirat-
schaft stehe. Die zuständige Vormundschaftsbehörde habe bereits früher die Be-
vormundung geprüft, diese Massnahme jedoch verworfen und die kombinierte Bei-
ratschaft für ausreichend erachtet.

d) Zur Anordnung einer Massnahme ist es nicht erforderlich, dass der Täter 
mit dieser einverstanden ist. Immerhin wird die Anordnung einer ambulanten Be-
handlung nur erfolgen, wenn der Täter die nötige Bereitschaft zur Mitarbeit zeigt. 
Ansonsten müssen einzig die allgemeinen und besonderen gesetzlichen Voraus-
setzungen gegeben sein, was vorliegend zu prüfen ist. Die Gutachterin kommt mit 
nachvollziehbarer und überzeugender Begründung zum Schluss, dass bei der An-
geklagten eine mangelhafte geistige Entwicklung vorliegt. Die Angeklagte sei aus 
psychiatrischer Sicht in ihrer charakterlichen Entwicklung gestört, woraus ein Zu-
stand der inneren und äusseren Verwahrlosung resultiere. Auf der Suche nach 
menschlicher Zuwendung gehe sie in ihrer Anpassung sehr weit und habe sich da-
her auch strafbar gemacht. Zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr müsse die 
weitere Verwahrlosung verhindert und eine positive Entwicklung ermöglicht werden. 
Eine Einweisung in eine Arbeitserziehungsanstalt sei hierfür sinnvoll und zweck-

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mässig. Zum Zeitpunkt der Begutachtung waren die Voraussetzungen der Anord-
nung der Massnahme gemäss Art. 100bis StGB gegeben. Die Angeklagte ist in ihrer 
Entwicklung zurückgeblieben, was eine gewisse Verwahrlosung mit sich gebracht 
hat, und die von ihr begangenen Taten sind Ausdruck ihrer Persönlichkeitsstörung. 
Die Gutachterin lässt keine Zweifel offen, dass die Arbeitserziehungsanstalt geeig-
net und notwendig ist, um die Rückfallgefahr zu beseitigen oder doch zu vermin-
dern. Es wird nun bestritten, dass zum heutigen Zeitpunkt eine von Art. 100bis StGB 
verlangte Eigenschaft (Sozialisationsdefizit) vorliege. Die Entwicklung der Ange-
klagten sei positiv verlaufen. Zu beurteilen ist folglich, ob sich die Verhältnisse seit 
der Begutachtung verändert haben und ob die Massnahmebedürftigkeit hinfällig ge-
worden ist. In den Akten sind keine Hinweise auf die Entwicklung von X. seit der 
Begutachtung im Frühjahr 2004 vorhanden. Gemäss ihren Ausführungen will sie 
nach Graubünden zurückkehren, um ihren krebskranken Vater zu betreuen, dessen 
Lebenserwartung ungewiss sei. Dieser Entschluss wurde offenbar gefasst, nach-
dem X. ihre letzte Arbeitsstelle in Zürich verloren hatte, weil sie dem Betrieb auf den 
Todesfall ihrer Mutter anscheinend länger fern geblieben ist, als vertraglich zulässig 
war. Die Befragung von X. hat ergeben, dass sie zwei Brüder in Landquart hat und 
dass der Zustand des Vaters nicht derart akut ist, dass umgehend eine permanente 
Betreuung erforderlich gewesen wäre. Die sicher nicht einfache Situation des Vaters 
nach dem Verlust seiner Ehegattin kann ohnehin kein Argumente gegen die Anord-
nung der Massnahme gemäss Art. 100bis StGB sein. Auf die Anordnung ist einzig 
zu verzichten, wenn die von der Gutachterin aufgezeigten Defizite hinfällig gewor-
den wären. Diese Überzeugung vermag das Gericht nicht zu gewinnen. Im Frühjahr 
2004 wurde bei der Angeklagten eine Borderline Persönlichkeitsstörung diagnosti-
ziert. Die Diagnose einer Borderline Persönlichkeitsstörung umfasst ein tief greifen-
des Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild 
und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität. Von den neun DSM-IV-TR-
Kriterien müssen deren fünf erfüllt sein; bei der Angeklagten waren es deren sechs. 
Das Problem liegt damit bei der Angeklagten viel tiefer, als sie zu glauben scheint. 
Es geht nicht nur um ein Wohlverhalten gegen Aussen, sondern um eine einschnei-
dende Persönlichkeitsentwicklung. Eine solche ist ohne professionelle Unterstüt-
zung kaum denkbar. Ziel der Massnahme ist es, die Angeklagte mit pädagogischen 
und therapeutischen Mitteln so weit zu bringen, dass sie später im Erwerbsleben 
und in der Gesellschaft funktionieren und sich zurechtfinden kann. Im Mittelpunkt 
steht die Resozialisierung und berufliche Integration in die Gesellschaft sowie die 
Persönlichkeitsentwicklung. Der Begriff der Arbeitserziehungsanstalt ist unglücklich, 
weil eigentlich eine Nacherziehungs- und sozialpädagogische Anstalt für junge Er-
wachsene gemeint ist. Neben der Chance zu einer beruflichen Ausbildung sieht die 

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Massnahme die Förderung der psychischen und physischen Entwicklung sowie die 
charakterliche Festigung vor. Es geht also um eine intensive sozialpädagogische 
Betreuung, welche bei X. erforderlich und geeignet ist, um ihren Weg in der beste-
henden Gesellschaftsstruktur finden zu können. Gerade ihr Verhalten, dass sie of-
fenbar länger dem Arbeitsplatz ferngeblieben ist, als ihr dies vertraglich möglich ge-
wesen wäre, passt in das von der Gutachterin gezeichnete Bild der Angeklagten. 
Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass sie dies im Zusammen-
hang mit dem Todesfall ihrer Mutter und der schwierigen Situation des Vaters getan 
hat. Letztere war nicht derart akut, dass ihr Entscheidung, dem Arbeitsplatz länger 
als vertraglich zugestanden fernzubleiben und damit den Verlust des Arbeitsplatzes 
zu riskieren, objektiv betrachtet nachvollziehbar ist. Bei vernünftiger Betrachtung 
wäre sicher eine andere Möglichkeit ohne die einschneidende Konsequenz des Ver-
lustes des Arbeitsplatzes offen gestanden, beispielsweise bei Einbezug der Ge-
schwister in die Verantwortung oder durch Rücksprache mit der Arbeitgeberin. Das 
unbedachte Verhalten der Angeklagten zeugt von der durch die Gutachterin be-
schriebenen emotionalen Unreife. Sind - wie vorliegend - alle Voraussetzungen von 
Art. 100bis Ziff. 1 StGB erfüllt, so muss der Richter die Arbeitserziehung anordnen 
und zwar unabhängig vom Willen der Angeklagten und von der Tatsache, dass es 
in der Schweiz keine spezialisierte Arbeitserziehungsanstalt für Frauen gibt. Die 
Massnahme kann, wie es die Gutachterin empfiehlt und von Art. 2 Verordnung (2) 
zum Schweizerischen Strafgesetzbuch ermöglicht wird, in der Strafanstalt Hindel-
bank, vollzogen werden. Möglich ist auch die Einweisung in ein Erziehungsheim für 
weibliche Jugendliche, wie beispielsweise das Bellevue in Altstätten/SG (Art. 2 
VStGB 2). Es wird Sache der Massnahmevollzugsbehörde sein, zu prüfen, wo der 
Vollzug möglich und welche Anstalt für den Vollzug der Massnahme geeignet ist. 
Die Gutachterin empfiehlt neben der pädagogischen Führung eine psychotherapeu-
tische Begleitbehandlung gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Nach dem Wortlaut 
des Gesetzes ist eine Verbindung von Arbeitserziehung mit einer ambulanten Be-
handlung gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht ausdrücklich vorgesehen (Basler 
Kommentar, StGB I, Gürber/Hug, N 3 zu Art. 100bis StGB), aber nach Trechsel  
vorstellbar (Trechsel, a.a.O., N. 3 zu Art. 100bis StGB). Das Gericht erachtet jedoch 
eine Kombination der erwähnten Massnahmen für problematisch, da die Arbeitser-
ziehungsmassnahme als Sondermassnahme für junge Erwachsene vorgeht und die 
im Erwachsenenstrafrecht vorgesehenen sichernden Massnahmen erst in Betracht 
zu ziehen sind, wenn die Voraussetzungen gemäss Art. 100bis StGB nicht erfüllt 
sind (vgl. im Weiteren ZR 1976 Nr. 36). Das Gericht erachtet die Anordnung einer 
Massnahme gemäss Art. 100bis StGB als erforderlich, zweckmässig und zudem 
ausreichend. Das Gericht ist davon überzeugt, dass primär sozialpädagogische Ar-

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beit geleistet werden muss. Ergänzend kann von der Anstaltsleitung bei Bedarf im-
mer noch eine psychiatrische Betreuung veranlasst werden. Auf Grund dieser Über-
legungen wird von der Anordnung einer Massnahme gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB abgesehen. 

e) Die Gutachterin erachtete es als zweckmässig, dass zur Überwachung der 
Massnahme sowie zur weitergehenden Begleitung der Angeklagten nach dem Voll-
zug der Massnahme eine Bevormundung erfolgt. Entsprechend ist die Vollzugs-
behörde anzuweisen, die Akten der zuständigen Vormundschaftsbehörde zur Prü-
fung der Bevormundung von X. im Sinne des psychiatrischen Gutachtens zuzustel-
len.

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Untersuchungskosten 
und Gebühren der Staatsanwaltschaft sowie die Gerichtsgebühr zu Lasten der Ver-
urteilten, welche zudem die Kosten ihrer amtlichen Verteidigung sowie des Mass-
nahmevollzugs zu tragen hat (Art. 158 Abs. 1 StPO). Die Kosten der Polizei- haft 
und eines allfälligen Strafvollzuges trägt der Kanton Graubünden (Art. 158 Abs. 3 
StPO).

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Demnach erkennt die Strafkammer :

1. X. ist schuldig des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des Dieb-
stahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, sowie der mehrfachen Widerhandlung 
gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.

2. Die Verurteilte wird gestützt auf Art. 100bis StGB in eine Arbeitserziehungs-
anstalt eingewiesen.

3. Die Vollzugsbehörde wird angehalten, die Akten der zuständigen Vormund-
schaftsbehörde zur Prüfung der Bevormundung im Sinne des psychiatri-
schen Gutachtens zuzustellen.

4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft
  Graubünden von Fr. 6'943.45
- der Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00
- und dem Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr. 2'915.75
total somit Fr. 11'859.20

gehen zu Lasten der Verurteilten, welche auch die Kosten des Massnahme-
vollzugs zu tragen hat.

Die Kosten der angerechneten Polizeihaft und eines allfälligen Strafvollzuges 
trägt der Kanton Graubünden.

5. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

6. Mitteilung an:

__________

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Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: