# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7644c1c1-802b-533a-9af6-3f0438ff9dbc
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-05-09
**Language:** de
**Title:** Staats- und Gemeindesteuern 2020
**Docket/Reference:** ST.2023.47
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-st.2023.47.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ST.2023.47 

Entscheid 

9. Mai 2023 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Michael Ochsner und Gerichtsschreiberin Mara Kütük 

A ,    
Steuergemeinde B,   

vertreten durch C AG,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrentin,  

K a n t o n   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Nord,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Staats- und Gemeindesteuern 2020 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  D,  geb.  19XX,  begann  ab  September  2020  ein  Bachelorstudium  im  Ge-

sundheitswesen an der E in F. Ihre Mutter, A (nachfolgend die Pflichtige), unterstützte 

sie  betreffend  ihre  Lebenshaltungskosten.  In  der  Steuererklärung  2020  machte  sie 

deshalb einen Unterstützungsabzug i.S.v. § 34 Abs. 1 lit. b des Steuergesetzes vom 8. 

Juni 1997 (StG) steuermindernd geltend. 

Das  Gemeindesteueramt  führte  eine  Untersuchung  bezüglich  des  Unterstüt-

zungsabzugs  durch.  Darauf  veranlagte  die  Steuerkommissärin  die  Pflichtige  –  unter 

Streichung  des  Unterstützungsabzugs  –  mit  Entscheid  vom  24.  Mai  2022  für  die 

Staats-  und  Gemeindesteuern  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 110’000.- 

sowie einem steuerbaren Vermögen von Fr. 7’000.-.  

Sie stellte sich dabei auf den Standpunkt, dass mit dem Abschluss der Berufs-

lehre  die  Erstausbildung  der  Tochter  der  Pflichtigen  grundsätzlich  abgeschlossen  sei. 

Aufgrund der langen Dauer zwischen der abgeschlossenen Berufslehre und dem Stu-

dium  könne  nicht  von  einer  fortgesetzten  Erstausbildung  ausgegangen  werden,  wes-

halb die Voraussetzungen für einen Unterstützungsabzug nicht erfüllt seien. 

B. Die hiergegen erhobene Einsprache vom 22. Juni 2022 wies das kantonale 

Steueramt mit Entscheid vom 11. Januar 2023 ab.  

C.  Die  Pflichtige  erhob  gegen  den  Einspracheentscheid  am  9.  Februar  2023 

Rekurs mit dem Antrag, es seien ihr ein Unterstützungsabzug für ihre volljährige Toch-

ter  D  für  die  Steuerperiode  2020  sowie  der  zusätzliche  Abzug  für  Versicherungsprä-

mien  von  Fr.  1'300.-  zu  gewähren,  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten 

des  kantonalen  Steueramtes.  Das  kantonale  Steueramt  beantragte  in  der  Rekursant-

wort  vom  3.  März  2023  die  Abweisung  des  Rechtsmittels  und  verwies  betreffend  die 

Begründung im Wesentlichen auf den Einspracheentscheid.  

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In ihrer freigestellten Vernehmlassung vom 3. April 2023 ergänzte die Pflichti-

ge  ihre  Rechtsmitteleingabe  und  machte  insbesondere  geltend,  es  handle  sich  beim 

Studium im Gesundheitswesen an der E in F um eine Erweiterung oder Vertiefung der 

Erstausbildung der Tochter.  

Auf die weiteren Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nach-

folgenden Erwägungen eingegangen.   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Pflichtige ihre Tochter im Jahr 

2020 betreffend ihre Lebenshaltungskosten unterstützte. Zu klären ist hingegen, ob bei 

D  im strittigen  Steuerjahr  aufgrund  ihrer  Ausbildung eine  Erwerbsunfähigkeit  oder  be-

schränkte Erwerbsfähigkeit und mithin eine Unterstützungsbedürftigkeit vorlagen, wel-

che die Pflichtige zum Unterstützungsabzug berechtigen würden.  

a) Laut § 34 Abs. 1 lit. b des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) werden 

zur  Steuerberechnung  vom  Reineinkommen  für  erwerbsunfähige  oder  beschränkt  er-

werbsfähige Personen, an deren Unterhalt der Steuerpflichtige mindestens in der Höhe 

des Abzuges beiträgt, als Unterstützungsbeitrag je Fr. 2'700.- (Staats und Gemeinde-

steuer) abgezogen. Massgeblich für die Beurteilung der Abzugsfähigkeit sind die Ver-

hältnisse am Ende der Steuerperiode (§ 34 Abs. 2 StG). 

b) Grundvoraussetzung für  die Gewährung des Unterstützungsabzugs  ist  im-

mer die Unterstützungsbedürftigkeit der unterstützten Person. Eine Unterstützungsbe-

dürftigkeit liegt dann vor, wenn die unterstützte Person aus objektiven Gründen, unab-

hängig von ihrem Willen längerfristig nicht in der Lage ist, ganz oder teilweise für ihren 

Lebensunterhalt aufzukommen und deshalb auf Hilfe von Drittpersonen angewiesen ist 

(Richner/Frei/Kaufmann/Rohner,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  4.  A.,  2021,  

§ 34 N 56 StG).  

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c) Vom allgemeinen Begriff der objektiven Unterstützungsbedürftigkeit ausge-

hend, muss die (vollständige oder teilweise) Erwerbslosigkeit in erster Linie durch kör-

perliche  oder  geistige  Gebrechen  verursacht  sein  (Richner/Frei/Kaufmann/Rohner, 

§ 34  N  60  ff.  StG,  auch  zum  Folgenden).  Der  Unterstützungsbedürftige  ist  mit  Rück-

sicht  auf  seine  physische  oder  psychische  Gesundheit  objektiv  nicht,  nicht mehr  oder 

nicht mehr voll in der Lage, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es können dar-

über hinaus aber auch weitere Gründe dazu führen, dass die unterstützte Person nicht 

erwerbsfähig  ist  (persönliche,  wirtschaftliche  Gründe  [z.B.  altersbedingte  Arbeitslosig-

keit, ungenügende Ausbildung, ungünstiges konjunkturelles Umfeld]). Entscheidend ist 

aber  immer,  dass  es  der  unterstützten  Person  aus  bestimmten,  nicht  durch  sie  direkt 

beeinflussbaren  Gründen  unmöglich  ist,  einer  Arbeitstätigkeit  nachzugehen  oder  trotz 

Arbeitstätigkeit  ein  ausreichendes  Einkommen  zu  erzielen.  Verzichtet  die  unterstützte 

Person hingegen freiwillig und ohne zwingenden Grund auf die Erzielung eines (genü-

genden)  Einkommens,  liegt  keine  Unterstützungsbedürftigkeit  vor  (Richner/Frei/Kauf-

mann/Rohner, § 34 N 57 StG).  

2.  Eine  Erwerbsunfähigkeit  kann  auch  vorliegen,  wenn  sich  die  unterstützte 

Person  in  der  Ausbildung  befindet.  Die  steuerrechtliche  Lehre  und  Rechtsprechung 

knüpfen bei der Beurteilung der Möglichkeit des Kinderabzuges für eine (Zweit-) Aus-

bildung  an  die  zivilrechtliche  Praxis  zu  Art.  277  Abs.  2  ZGB  an  (VGr,  22.  März  2013, 

SB.2012.00131 = ZStP 2014, 131). Nach Art. 277 Abs. 2 ZGB haben die Eltern, soweit 

es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für den Unterhalt des 

mündigen Kindes aufzukommen, bis es eine "angemessene Erstausbildung" ordentlich 

abgeschlossen hat.  

Im  Sinne  einer  gesamtrechtlichen  und  insbesondere  auch  steuerrechtlichen 

Harmonisierung  ist  beim  Unterstützungsabzug  auf  denselben  Begriff  der  Ausbildung, 

der auch beim Kinderabzug für volljährige Kinder zur Anwendung gelangt, abzustellen 

und  die  Dauer  einer  ausbildungsbedingten  Erwerbsunfähigkeit  in  erster  Linie  auf  die 

Erstausbildung  zu  beschränken  (Bosshard/Bosshard/Lüdin,  Sozialabzüge  und  Steu-

ertarife im schweizerischen Steuerrecht, 2000, S. 191). 

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3. Wer freiwillig eine Zweitausbildung absolviert, zieht sich aufgrund subjekti-

ver Präferenzen aus dem Erwerbsleben zurück. Dies schliesst den Unterstützungsab-

zug,  welcher  eine  objektive  Bedürftigkeit  voraussetzt,  grundsätzlich  aus  (vgl.  BGr,  

14. Oktober 2009, 2C_331/2009, E.2.2). 

a)  Die  Unterstützungsbedürftigkeit  kann  jedoch  ausnahmsweise  bejaht  wer-

den, sofern es sich bei einer Zweitausbildung um eine Erweiterung oder Vertiefung der 

Erstausbildung  handelt.  Das  Verwaltungsgericht  hat  dies  in  einem  Entscheid  vom  

22. März 2013 festgehalten. In diesem Fall ging es von einer Erwerbsunfähigkeit i.S.v. 

§ 34 Abs. 1 lit. b StG aus, die zu einem entsprechenden Unterstützungsabzug berech-

tigte (vgl. VGr, 22. März 2013, SB.2012.00131; ZStP 2014, 127). 

b)  Ob  der  Anspruch  auf  angemessene  Erstausbildung  auch  Zweit-  und  Zu-

satzausbildungen umfasst, hängt von den konkreten Umständen ab. Dabei muss ers-

tens  die  Weiterbildung  die  Grundausbildung  erweitern  oder  vertiefen  und  zweitens 

muss  zwischen  Erst-  und  Zweitausbildung  ein  Zusammenhang  bestehen  (VGr,  

22. März 2013, SB.2012.00131 = ZStP 2014, 127). Die Zweitausbildung muss zudem 

ohne  einen  länger  andauernden  Unterbruch  nach  der  Erstausbildung  fortgesetzt  und 

zielgerichtet absolviert werden (vgl. StRK I, 6. Dezember 2010, ST.2010.274). 

c)  Die  Rekurrentin  macht  sinngemäss  geltend,  die  Rechtsprechung,  wonach 

es  sich  bei  der  Ausbildung  um  eine  Erweiterung  oder  Vertiefung  der  Erstausbildung 

handeln müsse, gelte nur für den Kinderabzug, nicht jedoch für den Unterstützungsab-

zug.  Diesem  Einwand  kann  mit  Blick  auf  die  verwaltungsgerichtliche  Rechtsprechung 

nicht gefolgt werden.  

4.  Da  die  Tochter  der  Pflichtigen  nach  Abschluss  ihrer  Erstausbildung  zur 

Kauffrau  aus  freien  Stücken  ein  Studium  aufnahm,  ist  zu  prüfen,  ob  eine  Unterstüt-

zungsbedürftigkeit i.S.v. § 34 Abs. 1 lit. b StG vorliegt.  

a) Die Tochter der Pflichtigen schloss im Jahr 2014 ihre Lehre als Kauffrau ab. 

Vom XX. Oktober 2014 bis zum XX. März 2015 war sie durch die G AG in einem Voll-

zeitpensum im Personalwesen für H tätig. Nach einem rund fünfmonatigen Sprachau-

fenthalt  arbeitete  sie  vom  XX.  Dezember  2015  bis  zum  XX. Juni  2017  zu  100%  als 

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Sachbearbeiterin  in  der  Personaladministration  bei  der  I AG.  Sodann  absolvierte  sie 

die Berufsmaturität. Daran anschliessend war sie zunächst während rund drei Monaten 

in  einem  Teilzeitpensum  im  Personalwesen  bei  der  J  AG  tätig.  Danach  war  sie  vom 

XX.  November  2018  bis  zum  XX.  September  2019  für  die  K  AG  -  wieder  im  Bereich 

Human Resources - angestellt.  

Im  November  und  Dezember  2019  war  D  auf  Reisen.  Anfangs  Januar  2020 

besuchte  sie  für  zwei  Monate  den  Vorbereitungskurs  für  Primarlehrerinnen  an  der  L. 

Nach abgebrochenem Studium war sie ab dem XX. Juni bis zum XX. August 2020 er-

neut  bei  der  K  AG  im  HR  tätig.  Im  September  2020  begann  sie  schliesslich  mit  dem 

Bachelorstudium im Gesundheitswesen an der E in F, wobei sie parallel zum Studium 

noch in einem Pensum von 20-30% als Sachbearbeiterin bei der M GmbH arbeitete.  

b) D verfügt seit dem Jahr 2014 über einen Berufsabschluss, der für die Aus-

übung eines bestimmten Berufs, nämlich desjenigen der Kauffrau, erforderlich ist. Auf-

grund ihrer ersten Berufsausbildung ist sie grundsätzlich in der Lage, eine Erwerbstä-

tigkeit  auszuüben  und  ihren  Lebensunterhalt  selber  zu  bestreiten.  Ausserdem  verfügt 

sie über mehrjährige Berufserfahrung als Assistentin im Bereich Human Resources. Es 

kann somit nicht von einer ungenügenden Ausbildung ausgegangen werden, die eine 

objektive Bedürftigkeit zur Folge hat. D zog sich aufgrund subjektiver Präferenzen aus 

dem  Erwerbsleben  zurück,  weshalb  ein  Unterstützungsabzug  grundsätzlich  ausge-

schlossen ist.  

c) Zu prüfen ist indessen, ob es sich bei der Zweitausbildung der Tochter der 

Pflichtigen um eine Erweiterung oder Vertiefung ihrer Erstausbildung zur Kauffrau han-

delte, welche die Pflichtige ausnahmsweise zur Geltendmachung des Unterstützungs-

abzuges berechtigte. 

d)  Seit  dem  Abschluss  der  Berufslehre  von  D  im  Jahr  2014  und  dem  Studi-

umsbeginn an der E im September 2020 ist eine zu lange Zeit verstrichen, um bei die-

ser  Zweitausbildung  noch  auf  eine  fortgesetzte,  d.h.  nur  einen  vorübergehenden  Un-

terbruch  aufweisende  Ausbildung  schliessen  zu  können.  Die  Tochter  der  Pflichtigen 

war während mehrerer Jahre erwerbstätig und finanziell selbständig, bevor sie die frag-

liche  Ausbildung  begann.  Aufgrund  des  mehr  als  fünfjährigen  Unterbruchs  sowie  in 

Anbetracht dessen, dass die Zweitausbildung von der Tochter nicht zielgerichtet absol-

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viert  wurde,  kann  insgesamt  nicht  mehr  von  einer  Erweiterung  oder  Vertiefung  der 

Erstausbildung ausgegangen werden. Es gelingt der Pflichtigen nicht, den Nachweis zu 

erbringen, dass  das  Studium  im Gesundheitswesen  eine  Erweiterung oder  Vertiefung 

der Erstausbildung ihrer Tochter darstellt. 

5. Damit kommt auch der Versicherungsabzug nicht in Betracht (§ 31 Abs. 1  

lit. g StG). 

6. Im Ergebnis hat die Vorinstanz den Abzug daher zu Recht verweigert, wes-

halb  der  Rekurs  abzuweisen  ist.  Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  vorliegenden 

Verfahrens der Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG) und ist ihr keine Parteient-

schädigung zuzusprechen (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflege-

gesetzes vom 24. Mai 1959). 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

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