# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 354d9659-41ae-5493-9ed3-a438bb60c8e4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.10.2011 E-508/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-508-2009_2011-10-13.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­508/2009

U r t e i l   v om   1 3 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richterin Emilia Antonioni,   
Gerichtsschreiber Simon Thurnheer

Parteien A._______, geboren am (…),
Irak, 
(…),  
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 13. Januar 2009 / N (…).

E­508/2009

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat 
am  14. Juli  2008  verliess  und  am  14.  September  2008  in  die  Schweiz 
einreiste, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung  im Empfangs­ 
und  Verfahrenszentrum  B._______  vom  29.  September  2008  bzw. 
anlässlich  der  Anhörung  nach  Art.  29  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  vom  29. Dezember  2008  (vgl.  Art.  36  Abs.  1 
AsylG)  geltend  machte,  er  sei  ethnischer  Kurde  aus  dem  von  (…) 
bewohnten Dorf C._______ bei Mosul im Zentralirak, sein Vater sei "(…)" 
der Baath­Partei gewesen, dieser sei nach dem Sturz des Regimes von 
Saddam Hussein zweimal von einer Person namens D._______ und fünf 
weiteren,  ihm unbekannten Personen aufgesucht worden – während der 
Beschwerdeführer  abwesend  gewesen  sei  –  und  sei  von  diesen 
Personen  aufgefordert  worden,  das Dorf  zu  verlassen,  sein  Vater  habe 
sich beide Male geweigert, dieser Aufforderung nachzukommen, und sei 
beim  zweiten  Vorfall,  am  7.  Juli  (…)  um  14.00,  von  D._______  getötet 
worden,  anschliessend  hätten  sich  (…)  und  er  aus  Furcht  vor  weiteren 
Übergriffen nach Mosul begeben, während aber (…) dort verblieben sei, 
habe er seinen Heimatstaat verlassen,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  13.  Januar  2009  –  eröffnet  am 
15. Januar  2009  –  in Anwendung  von Art. 32 Abs.  2 Bst.  a  und Abs.  3 
AsylG  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der 
Beschwerdeführer habe innerhalb der gesetzlichen Frist von 48 Stunden 
seit  Einreichen  des  Asylgesuchs  keine  rechtsgenüglichen 
Ausweispapiere  zu  den  Akten  gegeben,  ihm  sei  nicht  gelungen, 
entschuldbare  Gründe  für  das  Fehlen  solcher  Papiere  glaubhaft  zu 
machen, vielmehr sei davon auszugehen, dass er über einen relevanten 
Identitätsausweis  verfüge  und  davon  absehe,  diesen  dem  BFM  zu 
übergeben,

dass  das  BFM  die  zwischen  der  Erstbefragung  und  der  vertieften 
Anhörung  eingereichte  Identitätskarte  des  Beschwerdeführers  als 
Fälschung erachtete und einzog,

E­508/2009

Seite 3

dass  es  ferner  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  für  offenkundig 
unglaubhaft  hielt,  so  dass  keine  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung 
der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und  7  AsylG  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses nötig seien,

dass  der  Vollzug  der Wegweisung  zulässig,  zumutbar  und möglich  sei, 
insbesondere  weil  auf  Grund  fehlender  Arabischkenntnisse  des 
Beschwerdeführers und weiterer Indizien davon auszugehen sei, dass er 
entgegen seinen Aussagen nicht aus dem Zentralirak, sondern aus dem 
Nordirak stamme, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  22.  Januar  2009  gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 
dabei beantragte, die Ziffern 3 und 4 des Dispositivs der angefochtenen 
Verfügung  seien  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
aufzuheben und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, eventualiter 
sei  die  Sache  zwecks  materieller  Prüfung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen,

dass der Beschwerdeführer  in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, 
auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sei  zu  verzichten,  die 
Verfahrenskosten  seien  zu  erlassen  und  ihm  sei  eine 
Parteientschädigung auszurichten,

dass  der  Beschwerdeführer  seiner  Rechtsmitteleingabe  ein 
Arbeitszeugnis vom Januar 2009 beilegte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
30. Januar  2009  feststellte,  dass  die  Beschwerde  hinsichtlich  ihrer 
Anträge unklar  sei, da sie ausdrücklich nur die Dispositivziffern 3 und 4 
(Vollzugspunkt)  der  Verfügung  des  BFM  anfechte,  eventualiter  mit 
Verweis  auf  Art. 32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG  aber  die  Rückweisung  an  die 
Vorinstanz zwecks materieller Beurteilung verlange,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  genannter  Zwischenverfügung 
Frist zur Beschwerdeverbesserung ansetzte, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  4.  Februar  2009  der 
Aufforderung  zur  Beschwerdeverbesserung  fristgerecht  nachkam  und 
damit die gesamte Verfügung anfocht, 

E­508/2009

Seite 4

dass  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  27.  Februar  2009  an 
seiner  Verfügung  festhielt  und  beantragte,  die  Beschwerde  sei 
abzuweisen,

dass  die  Vernehmlassung  mit  Schreiben  vom  16.  März  2009  dem 
Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht wurde, 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m. 
Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 

E­508/2009

Seite 5

selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gemäss 
Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  AsylG  über  das  Nichtbestehen  der 
Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit 
dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE 
2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.),

dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren 
ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen 
Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft 
Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73),

dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich 
volle Kognition zukommt,

dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den 
Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs 
Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG),

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die 
Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder 
sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  c 
AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer,  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  ist,  keine 
entschuldbaren  Gründe  für  die  Nichtabgabe  eines  beweistauglichen 
Identitätsdokuments (vgl. BVGE 2007/7 E. 4­6) innerhalb der Frist von 48 
Stunden  nach  Einreichen  seines  Asylgesuchs  glaubhaft  zu  machen 
vermag (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG; vgl. BVGE 2010/2 E. 5 und 6, BVGE 
2007/8 E. 3.2),

E­508/2009

Seite 6

dass  insbesondere  die  in  der  Erstbefragung  (A1/9  S.  3)  angebotene 
Erklärung für das Fehlen einer Identitätskarte ­  jene habe sich zu Hause 
befunden,  er  sei  aber  nach  dem  Tod  seines  Vaters  nicht  mehr  nach 
Hause  zurückgekehrt,  sondern  habe  sich  vom  Arbeitsplatz  aus  direkt 
nach  Mosul  begeben  ­  nicht  geglaubt  werden  kann,  da  sie  sich  im 
Wesentlichen auf seine, wie nachfolgend aufzuzeigen  ist, unglaubhaften 
Vorbringen zu den Fluchtgründen stützt,

dass  vielmehr  davon  ausgegangen  werden  muss,  dass  entweder  die 
Einschätzung  des  BFM  zutrifft,  wonach  der  Beschwerdeführer  über  ein 
relevantes Ausweispapier  verfügte und davon absah, dieses  innert Frist 
zu den Akten zu geben, oder der Beschwerdeführer seine Identitätskarte 
zwar  in  seinem  Heimatstaat  zurückgelassen  hat,  aber  ausreichend 
Gelegenheit gehabt hätte, sie mitzunehmen,

dass  für  die  erste  Annahme  die  Tatsache  spricht,  dass  der 
Beschwerdeführer  eine  Identitätskarte  verspätet  zu  den  Akten  reichte, 
welche ihm angeblich aus dem Irak nachgesandt worden war, ohne dass 
er dafür ein Beweismittel anbot wie etwa den Briefumschlag, der für den 
Versand verwendet wurde,

dass  indes  offen  gelassen  werden  kann,  welche  Sachverhaltsvariante 
zutrifft,  da,  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  ist,  in  beiden  Fällen  keine 
entschuldbaren Gründe für das Nichtvorlegen relevanter Ausweispapiere 
innert der gesetzlichen Frist bestünden,

dass es nämlich dem Beschwerdeführer obliegt, den Nachweis dafür zu 
erbringen,  dass  er  nicht  imstande  ist,  fristgerecht  relevante 
Ausweispapiere  vorzulegen,  und  dass  für  dieses  Unvermögen 
entschuldbare  Gründe  vorliegen  (vgl.  BVGE  2010/2  E.  5.5;  WALTER 
SÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/ Beat Rudin/ Thomas Hugi Yar/ Thomas 
Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Bd. 
VIII, Basel 2009, S. 561 Rz. 11.118),

dass Gründe  insbesondere  dann  entschuldbar  sind,  wenn  sie  nicht  auf 
der  Absicht  beruhen,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  unrechtmässig  zu 
verlängern (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6),

dass,  sofern  der  Beschwerdeführer  seine  Identitätskarte  tatsächlich  zu 
Hause  gelassen  haben  sollte,  aus  dem  Umstand,  dass  er  den  Grund 
dafür mit unglaubhaften Vorbringen zu erklären versucht, auf eine solche 
unentschuldbare Absicht schliessen lässt,

E­508/2009

Seite 7

dass ihm der Nachweis entschuldbarer Gründe nicht gelingt,

dass es bei dieser Sachlage (in Bezug auf die Frage des Eintretens auf 
das  Asylgesuch)  auch  auf  die  Echtheit  der  verspätet  nachgereichten 
Identitätskarte nicht ankommt,

dass im vorliegenden Fall aufgrund der Aktenlage, wie sie sich nach der 
Direktanhörung vom 29. Dezember 2008 präsentierte, unter Verzicht auf 
zusätzliche tatbestandliche oder rechtliche Abklärungen im Rahmen einer 
bloss  summarischen  Prüfung  der  Schluss  gezogen  werden  konnte,  der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  offenkundig  nicht, 
(Art. 32 Abs. 3 Bst. b und c AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 6­8 S. 725­733 
und E. 10 S. 733­737, BVGE 2007/8 E. 5.5. und 5.6.),

dass dem BFM darin zuzustimmen  ist, dass die Vorbringen unglaubhaft 
sind,  da  sie  zu  wenig  konkret  und  differenziert  sind  und  zudem  einige 
Unstimmigkeiten  enthalten,  wobei  auf  die  Ausführungen  des  BFM 
verwiesen werden kann,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  auch  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht 
gelungen  ist,  diese  Unstimmigkeiten  auszuräumen,  zumal  er  nicht  zu 
substanziieren vermochte, worin Aufgabe und Stellung seines Vaters bei 
der  Baath­Partei  bestanden  hatte,  er  über  die  Identität  derjenigen 
Personen, die  ihn und seine Familie angeblich verfolgten und  im selben 
Dorf  wie  er  wohnten,  keine  näheren  Angaben  machen  konnte  und  die 
Verfolgungsmotive  sehr  vage  hielt,  zwar  in  der  Erstbefragung  noch 
angedeutet  hatte,  dass ein Zusammenhang mit  (…),  die  im  Jahre 2003 
stattgefunden  haben  sollen,  bestehen  könnte,  auf  diesen  Punkt  aber 
weder bei der Anhörung noch in der Beschwerdeschrift näher einging und 
nur  ganz  allgemein  auf  die  politische  Vergangenheit  seines  Vaters 
hinwies,

dass die auf Beschwerdeebene gemachten Erklärungen für die vom BFM 
monierten  Widersprüche  nicht  überzeugen  und  darüber  hinaus  an  der 
Substanzlosigkeit der Vorbringen nichts zu ändern vermögen,

dass  entgegen  den  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  hinsichtlich 
der  Flüchtlingseigenschaft  keine  weiteren  Abklärungen  im  Sinne  von 
Art. 32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG  nötig  sind,  zumal  die  nachgereichte 
Identitätskarte,  deren  Echtheit  strittig  ist,  nicht  geeignet  ist,  die 
vorgebrachten  Fluchtgründe  zu  beweisen,  sondern  lediglich  allenfalls 
über die Herkunft des Beschwerdeführers Aufschluss geben kann, 

E­508/2009

Seite 8

dass das BFM demnach zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a i.V.m. 
Art.  32  Abs.  3  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht 
eingetreten ist,

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 
da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich 

E­508/2009

Seite 9

erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, 
weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im 
Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem 
Beschwerdeführer im Heimat­ oder Herkunftsland droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass  das BFM den Wegweisungsvollzug  in  die  drei  von  der  kurdischen 
Regionalregierung kontrollierten nordirakischen Provinzen  (Nordirak) auf 
Grund  der  dort  herrschenden  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage 
grundsätzlich für zumutbar hält (vgl. BVGE 2008/5 E.7.5.8),  

dass  es  auf  Grund  der  Unstimmigkeiten  bei  den  Vorbringen  und  der 
fehlenden  Arabisch­Kenntnisse  des  Beschwerdeführers  dessen 
behauptete Herkunft aus dem Zentralirak nicht glaubt und wegen seiner 
kurdischen Ethnie und der fehlenden Arabisch­Kenntnisse annimmt, dass 
er aus dem Nordirak stamme und dort über ein tragfähiges familiäres und 
soziales Netz verfüge,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  unentschuldbar  verspätet 
eingereichten  Identitätskarte  (siehe  vorstehende  Erwägungen)  seine 
behauptete Herkunft aus dem Zentralirak zu beweisen sucht,

dass  das  BFM  dieses  Beweismittel  in  seiner  Verfügung  für  nicht 
authentisch  hält,  da  "die  für  solche  Dokumente  üblichen 
Sicherheitsmerkmale"  fehlten  und  "behördliche  vorgenommene Einträge 
nicht  von  jener Art"  seien,  "wie  sie  in  echten  irakischen  Identitätskarten 
angebracht"  würden,  wobei  es  offen  lässt,  welche  Sicherheitsmerkmale 
und  welche  behördlichen  Einträge  es  anspricht  und  inwiefern  diese 
unecht sein sollen,

E­508/2009

Seite 10

dass das BFM offenbar auf Grund einer am 12. Januar 2009 (am Vortag 
der  Verfügung)  von  einem  Mitarbeiter  des  BFM  erstellten  Aktennotiz 
(A11/9),  welche  gemäss  Aktenverzeichnis  nicht  zur  Edition  vorgesehen 
ist, festhält, dass die Identitätskarte nicht echt sei,

dass  das  BFM  es  damit  versäumt,  das  rechtliche  Gehör,  welches  in 
Art. 29  Abs. 2  der  Bundeverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verankert und in den 
Art. 29  ff.  VwVG  für  das  Verwaltungsverfahren  konkretisiert  wird,  zu 
gewähren,

dass der Anspruch auf das rechtliche Gehör einerseits zur Aufklärung des 
Sachverhalts  dient  und  andererseits  ein  persönlichkeitsbezogenes 
Mitwirkungsrecht der Parteien darstellt,

dass gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG eine Behörde die Parteien anzuhören 
hat, bevor sie verfügt,

dass  der  Anspruch  auf  vorgängige  Anhörung  insbesondere  beinhaltet, 
dass die Behörde sich beim Erlass  ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen 
abstützen darf, zu denen sich die von der Verfügung betroffenen Person 
nicht vorgängig äussern und diesbezüglich Beweis führen konnte,

dass  eng  mit  dem  Äusserungsrecht  der  verfahrensrechtliche  Anspruch 
auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) verbunden ist,

dass sich die Betroffenen nur dann wirksam zur Sache äussern und den 
Beweis  führen  beziehungsweise  geeignete  Beweismittel  bezeichnen 
können,  wenn  ihnen  die  Möglichkeit  eingeräumt  wird,  die  Unterlagen 
einzusehen, auf welche sich die Behörde stützt,

dass es beim Umfang des Akteneinsichtsrechts auf die im konkreten Fall 
objektive  Bedeutung  eines  Aktenstückes  für  die  entscheidwesentliche 
Sachverhaltsfeststellung  ankommt  und  nicht  auf  die  Einstufung  des 
Beweismittels durch die Behörden als internes oder geheimes Papier,

dass  der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  überdies  beinhaltet,  dass  die 
Behörden alles  in den Akten  festzuhalten haben, was zur Sache gehört 
und eintscheidwesentlich sein kann,

E­508/2009

Seite 11

dass  daraus  die  Pflicht  resultiert,  Abklärungen,  Befragungen, 
Zeugeneinvernahmen und Verhandlungen zu protokollieren, diese zu den 
Akten zu nehmen und aufzubewahren (BGE 130 II 473 E. 4.2),

dass die Aktenführung geordnet, übersichtlich und vollständig zu sein hat,

dass  ersichtlich  sein  muss,  wer  eine  Akte  erstellt  hat  und  wie  sie 
zustande gekommen ist (vgl. MARC HÄUSLER  / RETO FERRARI­VISCA, Das 
Recht auf Akteneinsicht im Verwaltungs­ und Verwaltungsjustizverfahren, 
in  Jusletter  8. August  2011  S. 4  f.,  RENÉ  RHINOW/HEINRICH 
KOLLER/CHRISTINA  KISS/DANIELA  THURNHERR/DENISE  BRÜHL­MOSER, 
Öffentliches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 339 ff.),

dass das Recht auf Akteneinsicht zwar eingeschränkt werden kann, wenn 
ein überwiegendes Interesse an deren Geheimhaltung vorhanden ist, 

dass dies aber auf Grund einer konkreten, sorgfältigen und umfassenden 
Abwägung  der  entgegenstehenden  Interessen  beurteilt  werden  muss, 
wobei  der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  zu  beachten  ist,  d.h.  je 
stärker  das Verfahrensergebnis  von  der Stellungnahme  der Betroffenen 
zum konkreten Dokument  abhängt  und  je  stärker  auf  ein Dokument  bei 
der  Entscheidfindung  (zum  Nachteil  der  Betroffenen)  abgestellt  wird, 
desto  intensiver  ist  dem  Akteneinsichtsrecht  Rechnung  zu  tragen  (vgl. 
Art. 27  und  28  VwVG  sowie  zum  Ganzen  HÄUSLER  /  FERRARI­VISCA, 
a.a.O. S. 2 mit weiteren Hinweisen),

dass aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs sich schliesslich ergibt, 
dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen  soll, 
den  Entscheid  sachgerecht  anfechten  zu  können,  was  nur  der  Fall  ist, 
wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die Rechtsmittelinstanz  über 
die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können, 

dass  sich  dabei  die  Begründungsdichte  nach  dem 
Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen 
des Betroffenen richtet, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in rechtlich 
geschützte  Interessen  –  und  darum  handelt  es  sich  beim 
Wegweisungsvollzug  ­  des  Betroffenen  eine  sorgfältige  Begründung 
verlangt  (BVGE  2008/47  E. 3.2  S. 674f.,  EMARK  2006  Nr. 24  E. 5.1. 
S. 256), 

dass  auf  Grund  der  Bedeutung  des  Inhalts  für  den  Entscheid,  den 
Beschwerdeführer  in  den  Nordirak  wegzuweisen,  es  sich  bei  der 

E­508/2009

Seite 12

Aktennotiz  A13/1  nicht,  wie  im  Aktenverzeichnis  vermerkt,  um  eine 
geheime Akte handeln kann,

dass  nämlich  die  in  der  Notiz  enthaltenen  Informationen  für  den 
Entscheid  von  solcher  Relevanz  sind,  dass  diese  vorbehältlich  von 
Geheimhaltungsinteresse dem Akteneinsichtsrecht unterstehen,

dass  das  BFM  auf  Grund  der  Aktenführungspflicht  zudem  gehalten 
gewesen  wäre,  die  Abklärungen  zur  Authentizität  der  Identitätskarte  in 
den  Akten  so  zu  dokumentieren,  dass  jederzeit  nachvollzogen  werden 
kann, wie das BFM zu seinen diesbezüglichen Erkenntnissen gelangt ist,

dass  aus  der  erwähnten  Aktennotiz  indessen  nicht  hervorgeht,  wie  der 
Mitarbeiter des BFM an die von ihm festgehaltenen Informationen gelangt 
ist  und  aufgrund  welcher  Erkenntnisse  diese  ihrerseits  zustande 
gekommen sind,

dass  das BFM mit  diesem Versäumnis  die Aktenführungspflicht  verletzt 
hat  (vgl.  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­812/2009  vom 
19. September 2011 E. 5.4.3),

dass das BFM es darüber hinaus unterlassen hat, dem Beschwerdeführer 
vor dem Erlass der Verfügung Gelegenheit zu geben, sich zu den in der 
Aktennotiz  festgehaltenen  Fälschungsmerkmalen  seiner  Identitätskarte 
zu äussern,

dass  der  Umstand,  dass  bei  einer  vollständigen  Offenlegung  aller 
Einzelheiten  von  behördlichen  Fälschungserkenntnissen  gewisser 
Dokumente deren missbräuchliche Verwendung durch den Gesuchsteller 
oder Dritte zu befürchten  ist, zwar  rechtfertigen kann, die Einsicht  in ein 
Aktenstück  ganz  oder  teilweise  zu  verweigern  (vgl.  EMARK  1994  Nr. 1 
E. 4c),

dass das BFM dennoch gemäss Art. 28 VwVG gehalten gewesen wäre, 
den  Beschwerdeführer  über  die  festgestellten  Fälschungsmerkmale  auf 
eine Art und Weise in Kenntnis zu setzen, welche es ihm ermöglicht, vor 
Erlass der Verfügung konkret Einwände gegen die vom BFM in Bezug auf 
die Identitätskarte gewonnenen Erkenntnisse und die daraus gezogenen 
Schlussfolgerungen anzubringen,

dass  es mit  dieser Unterlassung  den Anspruch  des  Beschwerdeführers 
auf  rechtliches Gehör  gemäss Art. 30 Abs. 1  und Art. 28 VwVG  verletzt 

E­508/2009

Seite 13

hat  (vgl.  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­812/2009  vom 
19. September 2011 E. 5.4.4), 

dass, da weder  in der erwähnten Aktennotiz noch  in der angefochtenen 
Verfügung  ausgeführt  wird,  auf  welche Weise  die  Erkenntnis  des  BFM 
zustande  gekommen  ist,  auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht 
hinreichend nachvollziehbar ist, wie das BFM zur Feststellung gelangt ist, 
die  Identitätskarte  sei  nicht  authentisch,  so  dass  es  sich  bei  den  vom 
BFM  in  der  Verfügung  bezüglich  der  Identitätskarte  festgestellten 
Unstimmigkeiten  letztlich  um  nicht  nachvollziehbare  Behauptungen 
handelt,  womit  das  BFM  hat  insofern  auch  die  ihm  obliegende 
Begründungspflicht  verletzt  hat  (vgl.  Entscheid  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D­812/2009  vom  19. September  2011  E. 
5.4.5),

dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  das  BFM  den  Anspruch 
des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  mehrfach  verletzt  hat, 
indem  es  ihm  nicht  zur  Kenntnis  brachte,  dass  und  weshalb  es  seine 
Identitätskarte als nicht authentisch erachtet  und  ihm keine Gelegenheit 
bot, sich vorgängig dazu zu äussern, und indem es seiner Aktenführungs­ 
und Begründungspflicht nicht hinreichend nachgekommen ist (vgl. Art. 28, 
Art. 29, Art. 30 Abs. 1 und Art. 35 VwVG),

dass eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör grundsätzlich 
zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  führt  ohne  Rücksicht 
darauf,  ob  diese  bei  korrekter  Verfahrensführung  im  Ergebnis  anders 
ausgefallen  wäre,  und  dass  sie  von  Amtes  wegen  als  Kassationsgrund 
berücksichtigt  wird,  wenn  die  Mängel  schwerwiegend  sind  und  eine 
vernünftige Prozesserledigung in der Rechtsmittelinstanz verunmöglichen 
(vgl.  BVGE  2009/53  E.  7.3  S.  773,  BVGE  2008/47  E. 3.3.4  S. 676  f., 
BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185),

dass  aufgrund  der  umfassenden  Kognition  des 
Bundesverwaltungsgerichts  im  Asylbeschwerdeverfahren  (vgl.  Art. 106 
AsylG)  die  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  in 
bestimmten Schranken zwar geheilt werden (vgl. BVGE 2009/53 E. 7.3 S. 
773  mit  weiteren  Hinweisen),  aber  im  vorliegenden  Fall  die  mehrfache 
Verletzung des  rechtlichen Gehörs seitens des BFM als schwerwiegend 
zu  erachten  ist,  weshalb  eine  Heilung  der  festgestellten  Mängel  in  der 
angefochtenen Verfügung nicht in Betracht fällt,

E­508/2009

Seite 14

dass die angefochtene Verfügung  im Vollzugspunkt zu kassieren  ist, die 
Dispositivziffern  3  und  4  aufzuheben  sind  und  die  Sache  zur 
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass  die  Kassation  der  angefochtenen  Verfügung  im  Vollzugspunkt  an 
der  Abweisung  der  Beschwerde  bezüglich  des  Nichteintretens  nichts 
ändert,

dass sich nämlich der Vorbehalt  in Art.  32 Abs. 3 Bst.  c AsylG gemäss 
einem Grundsatzentscheid vom 8. Dezember 2009 (BVGE 2009/50 E. 5­
8)  bezüglich  weiterer  Abklärungen  bei  den  Wegweisungshindernissen 
lediglich auf  die Frage der Zulässigkeit  des Vollzugs,  nicht  aber  auf  die 
Möglichkeit oder Zumutbarkeit des Vollzugs bezieht,

dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
mit  dem  vorliegenden  Erledigungsentscheid  gegenstandslos  geworden 
ist,

dass  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf 
Antrag hin  von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wird,  sofern 
ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG),

dass  eine  Beschwerde  dann  als  aussichtslos  gilt,  wenn  die 
Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und 
deshalb  kaum als  ernsthaft  bezeichnet werden  können  (vgl.  BGE 128  I 
225 E. 2.5.3 S. 235 f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275),

dass auf Grund der Aktenlage und der Einträge in der Datenbank ZEMIS 
von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG ist auszugehen ist,

dass  die  in  der  Beschwerde  formulierten  Begehren  aufgrund  einer 
summarischen Aktenprüfung auch nicht als aussichtslos erscheinen,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG somit gutzuheissen ist,

dass  dem  Beschwerdeführer,  da  er  im  Vollzugspunkt  und  insofern 
teilweise  obsiegt  hat,  eine  angemessene,  um  die  Hälfte  reduzierte 
Parteientschädigung zu entrichten wäre (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art 
37 VGG; Art. 7ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

E­508/2009

Seite 15

und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]),

dass  er  jedoch  unvertreten  ist,  so  dass  ihm  keine  Vertretungskosten 
entstanden  sind  und  ihm  folglich  auch  keine  Parteientschädigung 
auszurichten ist.

(Dispositiv nächste Seite)

E­508/2009

Seite 16

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  sie  den  Vollzug  der 
Wegweisung betrifft; im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die  Dispositivziffern  3  und  4  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird 
angewiesen,  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  im  Sinne  der 
Erwägungen neu zu beurteilen.

3.  
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Simon Thurnheer