# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7879368d-78e5-58e4-bb28-4565b52cb113
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-10
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 10.01.2024 BK 2023 531
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2023-531_2024-01-10.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 23 531

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 10. Januar 2024

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), Oberrichterin Hubschmid, 
Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiberin Neuenschwander 

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________

Verurteilter/Beschwerdeführer

Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern, Süd-
bahnhofstrasse 14d, Postfach, 3001 Bern
v.d. Fürsprecher C.________

Vollzugsbehörde

Gegenstand Anordnung Sicherheitshaft

nachträgliches Verfahren gemäss Art. 62c StGB

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonalen Zwangsmass-
nahmengerichts vom 11. Dezember 2023 (KZM 23 1592)

2

Erwägungen:

1.

1.1 Das Regionalgericht Oberland (nachfolgend: Regionalgericht) verurteilte 
A.________ (Verurteilter/Beschwerdeführer, nachfolgend: Beschwerdeführer) am 
5. Februar 2020 wegen Vergewaltigung (qualifiziert), sexueller Nötigung (qualifiziert 
und mehrfach), Gefährdung des Lebens, Hausfriedensbruchs, Diebstahls (gering-
fügig) und Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten, 
einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 30.00, einer Verbindungsbusse von 
CHF 150.00 sowie einer Übertretungsbusse von CHF 150.00. Gleichzeitig wurde 
eine stationäre Massnahme für junge Erwachsene nach Art. 61 des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) sowie eine begleitende ambulante 
Suchtbehandlung nach Art. 63 StGB angeordnet und erklärt, dass der Vollzug der 
Massnahme der Freiheitsstrafe vorausgehe. Es wurde festgestellt, dass die Mass-
nahme am 25. November 2019 vorzeitig angetreten wurde. 

1.2 Am 23. November 2023 stellte das Amt für Justizvollzug des Kantons Bern, Be-
währungs- und Vollzugsdienste (nachfolgend: BVD), beim Kantonalen Zwangs-
massnahmengericht (nachfolgend: Zwangsmassnahmengericht) den Antrag, es sei 
bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Gerichtsentscheids im Nachverfahren 
gemäss Art. 363 ff. der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) 
Sicherheitshaft anzuordnen, eventualiter sei das aktuelle Massnahmensetting in 
Form von Ersatzmassnahmen anzuordnen. Mit Entscheid vom 11. Dezember 2023 
ordnete das Zwangsmassnahmengericht für die Dauer von 3 Monaten, d.h. bis am 
24. Februar 2024, Sicherheitshaft an. Dagegen reichte der Beschwerdeführer, amt-
lich vertreten durch Fürsprecher B.________, am 27. Dezember 2023 Beschwerde 
ein und beantragte, der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 11. De-
zember 2023 sei aufzuheben und der Antrag der BVD auf Anordnung von Sicher-
heitshaft sei abzuweisen. Der Beschwerdeführer sei unverzüglich aus der Haft zu 
entlassen. Eventualiter sei der Beschwerdeführer unter Anordnung von Ersatz-
massnahmen unverzüglich aus der Haft zu entlassen. Die BVD verwiesen in ihrer 
Stellungnahme vom 30. Dezember 2023 auf ihren Haftantrag samt Beilagen und 
die Ausführungen im Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts und verzichteten 
darauf, sich weitergehend zu äussern. Als Beilage reichten sie die mit Verfügung 
vom 28. Dezember 2023 angeforderten Unterlagen ein. Das Zwangsmassnahmen-
gericht stellte der Beschwerdekammer am 3. Januar 2024 die gesamten Haftakten 
(KZM 23 1592) zu und verzichtete darüber hinaus unter Verweis auf den angefoch-
tenen Entscheid auf eine Stellungnahme. Die Stellungnahme der BVD und der 
Verzicht auf eine Stellungnahme des Zwangsmassnahmengerichts wurden dem 
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 4. Januar 2024 zugestellt. Am 8. Januar 
2024 verzichtete Fürsprecher B.________ auf das Einreichen von Schlussbemer-
kungen. Mit E-Mail vom 8. Januar 2024 reichten die BVD der Beschwerdekammer 
zur Orientierung ihr Gesuch um Anordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB 
im nachträglichen richterlichen Verfahren ein. 

2. Gemäss Art. 364a Abs. 2 i.V.m. Art. 222 und Art. 393 Abs. 1 Bst. c StPO können 
Entscheide über die Anordnung der Sicherheitshaft im Hinblick auf einen selbst-

3

ständigen nachträglichen Entscheid des Gerichts durch die betroffene Person mit 
Beschwerde angefochten werden. Zuständig ist die Beschwerdekammer in Straf-
sachen (Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsre-
glements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Der Beschwerdeführer ist 
durch die Anordnung der Sicherheitshaft unmittelbar in seinen rechtlich geschütz-
ten Interessen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 222 und 
Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten. 

3. Die Anordnung bzw. Verlängerung von Sicherheitshaft während des selbstständi-
gen gerichtlichen Nachverfahrens nach Art. 363 ff. StPO ist in Art. 364a und 364b 
StPO geregelt. Nach Art. 364a Abs. 1 StPO kann die Behörde, die für die Einlei-
tung des Verfahrens auf Erlass eines selbstständigen nachträglichen Entscheids 
des Gerichts zuständig ist, die verurteilte Person festnehmen lassen, wenn ernst-
haft zu befürchten ist, dass gegen die Person der Vollzug einer freiheitsentziehen-
den Sanktion angeordnet wird (Bst. a) und die Person sich deren Vollzug entzieht 
(Bst. b Ziff. 1) oder erneut ein Verbrechen oder ein schweres Vergehen begeht 
(Bst. b Ziff. 2). Nach Art. 364a Abs. 2 StPO richtet sich das Verfahren sinngemäss 
nach den Artikeln 222-228 StPO. Gemäss Art. 364b Abs. 1 StPO kann die Verfah-
rensleitung des Nachverfahrens die verurteilte Person unter den Voraussetzungen 
von Art. 364a StPO festnehmen lassen. Sie führt in sinngemässer Anwendung von 
Art. 224 StPO ein Haftverfahren durch und beantragt dem Zwangsmassnahmenge-
richt beziehungsweise der Verfahrensleitung des Berufungsgerichts die Anordnung 
der Sicherheitshaft. Das Verfahren richtet sich sinngemäss nach den Artikeln 225 
und 226 StPO (Abs. 2). Bei vorbestehender Sicherheitshaft richtet sich das Verfah-
ren sinngemäss nach Art. 227 StPO (Abs. 3). Im Übrigen gelten die Artikel 222 und 
230-233 StPO sinngemäss (Abs. 4).

Die Bestimmungen von Art. 364a und Art. 364b StPO traten am 1. März 2021 in 
Kraft und entsprechen der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach 
die Anordnung von Sicherheitshaft während der Dauer des gerichtlichen Nachver-
fahrens von Art. 363 ff. StPO auch ohne gesetzliche Grundlage in analoger An-
wendung von Art. 221 und Art. 229 ff. StPO zulässig ist (statt vieler: BGE 146 I 115 
E. 2.3 ff. mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 
1B_375/2022 vom 4. August 2022 E. 3.4). Der Botschaft zur Änderung der Straf-
prozessordnung vom 28. August 2019 ist zu entnehmen, dass vorab die diesbe-
zügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung kodifiziert und entsprechend Haft-
gründe analog zu Art. 221 Abs. 1 Bst. a und c StPO (Fluchtgefahr resp. Wiederho-
lungsgefahr) geschaffen werden sollten (BBl 2019 S. 6717 f und 6765). Die bishe-
rige einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung kann mithin auch zur Ausle-
gung der neuen Bestimmung zu den Haftvoraussetzungen hilfsweise beigezogen 
werden.

4.

4.1 Anstelle des dringenden Tatverdachts ist bei der Sicherheitshaft im selbständigen 
gerichtlichen Nachverfahren gemäss Art. 363 ff. StPO demnach im Sinne eines all-

4

gemeinen Haftgrundes in einem ersten Schritt zu prüfen, ob die Anordnung der sta-
tionären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 StGB wahrscheinlich erscheint. 

4.2 Gleich wie bei der Frage des Vorliegens eines dringenden Tatverdachts sind auch 
die Voraussetzungen für die Anordnung der Massnahme im Rahmen von Art. 62c 
StGB im Haftprüfungsverfahren nicht abschliessend, sondern im nachträglichen 
Verfahren vom zuständigen Gericht zu beurteilen. Im Haftprüfungsverfahren ist 
weder ein eigentliches Beweisverfahren durchzuführen noch kann dem erkennen-
den Sachgericht vorgegriffen werden. Zu prüfen ist einzig, ob die Änderung der 
Massnahme wahrscheinlich erscheint (vgl. BGE 137 IV 333 E. 2.3.1 f. [Sicherheits-
haft im Verfahren betreffend nachträgliche Änderung der Sanktion]).

Zu prüfen ist folglich, ob die Anordnung einer stationären Massnahme nach Art. 59 
StGB als wahrscheinlich erscheint und ob ein besonderer Haftgrund besteht.

4.3 Das Zwangsmassnahmengericht führt betreffend die Wahrscheinlichkeit der An-
ordnung einer stationären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 StGB Folgen-
des aus: 

Die hinreichende Wahrscheinlichkeit der Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme 
nach Art. 59 StGB gegenüber A.________ ergibt sich vorliegend in Anbetracht der jüngsten Ge-
schehnisse im Wesentlichen aus dem Umstand, dass, wie das Amt für Justizvollzug unter Bezug-
nahme auf die Vorabstellungnahme von Dr. D.________ vom 15. November 2023 zutreffend dafür-
hält, A.________ dringend auf eine weitergehende therapeutische Behandlung der Persönlichkeits-
entwicklungsstörung und der Suchtproblematik sowie auf ein weiterführendes engmaschiges Setting 
mit entsprechendem Helfernetz angewiesen zu sein scheint, um die Anforderungen und Risikosituati-
onen im Alltag zu überwinden und sein Risikomanagement festigen zu können. Wie das Amt für Jus-
tizvollzug ebenfalls nachvollziehbar ausführt, verfügt A.________ aktuell zwar über ein fundiertes the-
oretisches Wissen, das aber ohne betreute Übungsfelder hinsichtlich Umsetzung und Erprobung nutz-
los sein dürfte. Gleichzeitig ist aktenkundig, dass bisher erst eine sehr oberflächliche Aufarbeitung der 
Ereignisse vom 28./29. Oktober stattfinden konnte, obwohl eine sehr detaillierte Auseinandersetzung 
angezeigt wäre. Dabei mutet der Standpunkt der Verteidigung zu weiten Teilen als Schönmalerei an, 
die in erster Linie davon profitiert, dass es am 28./29. Oktober 2023 zu keinem Rückfall kam, welche 
Tatsache wiederum zusammengefasst das Verdienst des A.________ gewesen sein soll. In Anbe-
tracht der ins Recht gelegten Unterlagen zum Vorfall vom 28./29. Oktober 2023 und der gegenwärti-
gen gutachterlichen Einschätzungen und Empfehlungen ist demgegenüber mit dem Amt für Justiz-
vollzug einig zu gehen, dass es, gesamthaft betrachtet, zum jetzigen Zeitpunkt als hinreichend wahr-
scheinlich erscheint, dass gegenüber A.________ – wenn auch für eine eingeschränkte Dauer von 1 
bis 2 Jahren – eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB angeordnet werden 
wird. 

4.4 Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, der Antrag auf Sicherheitshaft werde 
durch die BVD einzig mit dem Vorfall vom 28./29. Oktober 2023 begründet. Dabei 
könne dem Haftantrag der BVD entnommen werden, dass dem Beschwerdeführer 
zwischen dem 26. März 2020 und dem 26. Juli 2023 nicht weniger als sieben Voll-
zugsöffnungen bewilligt worden seien. Vorgesehen gewesen sei per Mitte Novem-
ber 2023 die achte Vollzugsöffnung in Form des Wohn- und Arbeitsexternats. Die 
BVD würden selbst feststellen, der Beschwerdeführer habe bis zum 27. Oktober 
2023 einen beeindruckenden Vollzugsverlauf aufgewiesen. Während des gesam-

5

ten Verlaufs sei es zu keinen schweren risikorelevanten Vorkommnissen gekom-
men. Risikosituationen habe der Beschwerdeführer ansprechen und in der Thera-
pie bearbeiten können. Weiter sei es dem Beschwerdeführer gelungen, meist ne-
gative Urinproben und durchwegs negative Alkoholtestungen abzugeben. Dasselbe 
hielten die BVD in Ziffer 1.2 ihrer Verfügung vom 20. November 2023 fest, in wel-
cher die Massnahme gemäss Art. 61 StGB wegen Erreichens der Höchstdauer 
aufgehoben, die ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB hingegen weiterge-
führt werde. Bis zum Vorfall vom 28./29. Oktober 2023 sei der Beschwerdeführer 
mit seinem beeindruckenden Vollzugsverlauf damit auf bestem Weg gewesen, die 
Ziele der Massnahme vollumfänglich zu erreichen. Wie die BVD in Absatz 2 von 
Ziffer 1.8 der Verfügung vom 8. November 2023 festhielten, habe lediglich die Dis-
ziplinierung betreffend das Wochenende vom 28./29. Oktober 2023 die Einschät-
zung der BVD (grundsätzlich) verändert. Die BVD führten im Haftantrag aus, der 
Beschwerdeführer habe am Wochenende vom 28./29. Oktober 2023 «nicht nur 
massiv und bewusst Alkohol konsumiert, sondern sich zudem zu einer ihm fremden 
Frau nach Hause begeben, obwohl er sich bewusst war, dass er unter Alkoholein-
fluss stand. Diese Ausgangslage ist höchst deliktsrelevant und erfüllt zwei der drei 
zentralen Risikofaktoren (Alkohol, Triebdruck, Wut). Die Stellungnahmen von Herrn 
A.________ lassen keineswegs darauf schliessen, dass er die Tragweite seines 
Handelns abschätzen kann, und stellen in Frage, inwieweit er die risikorelevanten 
Aspekte wirklich verstanden hat». Der Beschwerdeführer hält fest, dass von Seiten 
der BVD und / oder Psychiater niemand mit ihm über den Vorfall vom 28./29. Okto-
ber 2023 gesprochen habe. Einzig die Mitarbeiter und Therapeuten des Massnah-
menzentrums hätten mit ihm über dieses Wochenende gesprochen. In genauer 
Kenntnis des Vorfalles hielten sie an ihrer Empfehlung, den Beschwerdeführer be-
dingt aus der Massnahme nach Art. 61 StGB zu entlassen und einzig die Mass-
nahme gemäss Art. 63 StGB weiterzuführen, fest. 

Zum Risikofaktor Alkohol weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass er zwischen 
Samstag, 28. Oktober 2023, 16.00 Uhr, und Sonntag, 29. Oktober 2023, 01.30 Uhr, 
somit innerhalb von 9,5 Stunden in regelmässigen Abständen sechs Bier à 5dl, to-
tal drei Liter Bier getrunken habe. Der Beschwerdeführer sei 195cm gross und wie-
ge 130kg. Aus den Berechnungen des Online-Alkoholpegelrechners der Bundes-
zentrale für gesundheitliche Aufklärung sei ersichtlich, dass der Beschwerdeführer 
um ca. 21.00 Uhr einen maximalen Alkoholpegel von rund 0,63 Promille aufgewie-
sen habe. Um 24.00 Uhr – somit 1,5 Stunden vor dem Sexualkontakt – habe er 
noch rund 0,43 Promille aufgewiesen. Der Beschwerdeführer wäre zu dieser Zeit 
ohne Weiteres fahrfähig gewesen. Um 01.30 Uhr sei der Wert noch bei rund 0,2 
Promille gelegen. Die BVD hätten diese Überlegungen ausser Acht gelassen und 
seien ohne nähere Berechnung aufgrund der drei Liter Bier von einem «massiven» 
Alkoholkonsum des Beschwerdeführers ausgegangen. Dabei gehe es bei dem von 
den BVD genannten Risikofaktor nicht um die absolute Menge Alkohol, sondern um 
den Alkoholpegel. Dieser Wert sei um 01.30 Uhr mit einem Wert von rund 0,2 Pro-
mille weit weg von einem «zentralen Risikofaktor» gelegen. Der Beschwerdeführer 
sei sich genau bewusst gewesen, dass er eben keinen hohen Alkoholpegel aufge-
wiesen habe und habe sich jederzeit gut unter Kontrolle gehabt und habe gewusst, 
was er mache. Dies werde denn auch von den BVD eingeräumt, wonach der Be-

6

schwerdeführer seine Persönlichkeitsanteile besser habe kontrollieren können als 
zum Zeitpunkt seines Anlassdelikts. Gleichzeitig werde aber ausgeführt, dass der 
Beschwerdeführer an diesem Wochenende unter starkem Alkoholeinfluss gestan-
den habe und so eine vollumfängliche Selbstkontrolle nicht habe vorhanden sein 
können. Diese Schlussfolgerungen der BVD seien unhaltbar. 

Der Risikofaktor Triebdruck werde durch keinerlei Beweismittel gestützt. Es würden 
einzig die Aussagen des Beschwerdeführers vorliegen, wonach er mit der Frau 
einvernehmlich und – explizit ohne Triebdruck – friedlich Geschlechtsverkehr ge-
habt habe. Die BVD würden aber offenbar davon ausgehen, dass beim Beschwer-
deführer ein permanenter «Triebdruck» vorliege, dass mit anderen Worten Sexual-
kontakte des Beschwerdeführers ohne Triebdruck gar nicht möglich seien. Diese 
Behauptung werde von den BVD nicht belegt und finde auch in den Akten keine 
Stütze. Vielmehr sei es so, dass der Sexualkontakt mit der Frau am Wochenende 
des 28./29. Oktober 2023 genau so verlaufen sei, wie es der Beschwerdeführer in 
der bislang 4 Jahre andauernden Massnahme gelernt habe. 

Die BVD würden mithin mit dem in Aussicht gestellten Antrag auf ein Gesuch um 
Anordnung einer stationären Massnahme gemäss Art. 59 StGB und vorgängiger 
Sicherheitshaft aus Sicht des Beschwerdeführers völlig über das Ziel hinaus 
schiessen. Dieser Meinung seien offenbar auch die Verantwortlichen und Thera-
peuten des Massnahmenzentrums E.________. In ihrem Bericht an die BVD vom 
10. November 2023, bei welchem es um allfällige Folgen des Wochenendes vom 
28./29. Oktober 2023 gegangen sei, führten die verantwortlichen Personen klar 
aus, dass E.________ halte an der Empfehlung, welche in der Massnahmendoku-
mentation vom 23. August 2023 festgehalten sei, fest. Dort sei festgehalten wor-
den: «Aus heutiger Sicht ist eine bedingte Entlassung aus der Massnahme nach 
Art. 61 StGB kurz vor dem Erreichen der maximalen Massnahmendauer aufgrund 
der erzielten Behandlungserfolge aus forensisch-therapeutischer Sicht grundsätz-
lich zu unterstützen.» Zusammenfassend werde festgehalten, dass der Beschwer-
deführer über ein solides Verständnis seiner Risikoeigenschaften bzw. seiner per-
sönlichkeitsbedingten risikorelevanten Faktoren verfüge und sich reflektiert damit 
auseinandersetzen könne. 

Im Weiteren stützen die BVD ihren Antrag auf eine Telefonnotiz mit Dr. med. 
D.________ vom 15. November 2023. Der Beschwerdeführer stellt den Beweiswert 
dieser Telefonnotiz in Frage, zumal daraus nicht hervorgehe, welche Informationen 
über den Vorfall vom 28./29. Oktober 2023 an Dr. med. D.________ weitergegeben 
worden seien. Es sei davon auszugehen, dass die Ausführungen vor Dr. med. 
D.________ auf unvollständigen Informationen und Annahmen beruhen würden. 

Schliesslich wird von Seiten des Beschwerdeführers das Vorliegen einer schweren 
psychischen Störung in Frage gestellt, weshalb zusammenfassend nicht ernsthaft 
zu erwarten sei, dass eine Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet werden 
würde. 

4.5 Bei summarischer Prüfung der Akten und ohne dem Sachgericht vorgreifen zu wol-
len, erscheint gestützt auf die vorliegenden Unterlagen, die Anordnung einer statio-
nären Massnahme gemäss Art. 59 StGB als nicht ernsthaft zu erwarten. 

7

4.5.1 Eine Massnahme ist gemäss Art. 56 StGB anzuordnen, wenn eine Strafe allein 
nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Be-
handlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert 
und die Voraussetzungen der Art. 59 bis 61, Art. 63 oder Art. 64 StGB erfüllt sind. 
Über den Beschwerdeführer wurde mit Urteil vom 5. Februar 2020 eine stationäre 
therapeutische Massnahme für junge Erwachsene (Art. 61 StGB) und eine beglei-
tende ambulante Suchtbehandlung (Art. 63 StGB) angeordnet. Die BVD haben die 
Massnahme für junge Erwachsene mit Verfügung vom 20. November 2023 wegen 
Erreichen der Höchstdauer per 24. November 2023 und nicht eingetretener 
Voraussetzungen für die bedingte Entlassung aufgehoben. Mit Verfügung vom 22. 
November 2023 wurde der Beschwerdeführer per 25. November 2023 vorläufig 
festgenommen und angeordnet, dass er mit Erreichen der Höchstdauer der Mass-
nahme in den F.________ eingewiesen werde. Am 23. November 2023 stellten die 
BVD beim Zwangsmassnahmengericht den Antrag auf Anordnung von Sicherheits-
haft, welche mit Entscheid vom 11. Dezember 2023 bis zum 24. Februar 2024 an-
geordnet wurde. Gemäss Art. 62c Abs. 3 StGB kann das Gericht an Stelle des 
Strafvollzugs eine andere Massnahme anordnen, wenn zu erwarten ist, dadurch 
lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang ste-
hender Verbrechen und Vergehen begegnen. Entscheide über den Ersatz einer 
Massnahme durch eine andere ergehen im Rahmen eines selbständigen nachträg-
lichen Verfahrens nach Art. 363 ff. StPO (HEER, in: Basler Kommentar zur Schwei-
zerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 1 zu Art. 363 StPO; HEER, in: 
Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N. 42 zu 
Art. 62c StGB). Nach Ablauf der Höchstdauer der bestehenden Massnahme und 
bis zum Vorliegen des im Nachverfahren zu treffenden neuen Massnahmeurteils 
hat sich ein Freiheitsentzug auf strafprozessuale Sicherheitshaft zu stützen (BGE 
145 IV 65 E. 2.8.1; 139 IV 175 E. 1.2). Ab dem vollstreckbaren gerichtlichen Ent-
scheid im nachträglichen Verfahren liegt ein gültiger Vollzugstitel vor (BGE 142 IV 
105 E. 5.7).

4.5.2 Eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB zur Behandlung von psychischen 
Störungen ist anzuordnen, wenn der Täter psychisch schwer gestört ist, er ein Ver-
brechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen Störung in Zu-
sammenhang steht, und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit 
seiner psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 59 
Abs. 1 StGB). Bei der Anordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB ist regel-
mässig der Geisteszustand des Täters erster Anknüpfungspunkt 
(HEER/HABERMEYER, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 
N. 6 zu Art. 59 StGB). Stets muss eine Anomalie vorliegen, die von Krankheitswert 
ist (HEER/HABERMEYER, a.a.O., N. 9 zu Art. 59 StGB). Nach der Rechtsprechung 
des Bundesgerichts entspricht nicht jede geistige Anomalie im sehr weiten medizi-
nischen Sinn der Eingangsvoraussetzung einer schweren psychischen Störung im 
Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB. Einzig psychopathologische Zustände von einer 
gewissen Ausprägung oder relativ schwerwiegende Arten und Formen geistiger Er-
krankungen im medizinischen Sinne genügen den Anforderungen. Eine mässig 
ausgeprägte Störung erfüllt die Voraussetzung nicht (BGE 145 IV 1 E. 3.5.2). Mit 
Gutachten von Dr. med. G.________ vom 27. Juni 2019 wurde dem Beschwerde-

8

führer eine Störung durch Alkohol, mindestens ein schädlicher Gebrauch (ICD-10 
F10.1) diagnostiziert. Weiter wurde festgehalten, dass die Persönlichkeitsentwick-
lung des Beschwerdeführers im Bereich «Umgang mit und Bewältigung von negati-
ven Gefühlen und aggressiven Impulsen» auffällig und nicht altersentsprechend 
sei. Eine Persönlichkeitsstörung wurde dem Beschwerdeführer dagegen nicht dia-
gnostiziert (pag. 133). Im Vergleich dazu stellte Dr. med. D.________ mit Gutach-
ten vom 30. September 2022 zum Tatzeitpunkt die folgenden Diagnosen: 

- Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit ängstlich-vermeidender und impulsiver Persönlich-
keitsakzentuierung (ICD-10: Z73.1)

- Schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1)

- Leichte akute Alkoholintoxikation ohne Komplikationen (ICD-10: F10.00). 

Zum Zeitpunkt des Gutachtens (2022) lautete die Diagnose von Dr. med. 
D.________ auf eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit einer ängstlich-
vermeidenden und impulsiven Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10: Z 73.1). Die 
Kriterien einer Persönlichkeitsstörung dagegen konnten zum Zeitpunkt der Gutach-
tenserstellung nicht überprüft werden (pag. 636 ff.). In der Beurteilung zur Sitzung 
der Konkordatlichen Fachkommission vom 6. März 2023 wird auf dieses Gutachten 
und die darin gestellten Diagnosen Bezug genommen und festgehalten, dass zwar 
keine psychische Störung im engeren Sinne zu diagnostizieren gewesen sei, das 
Ausmass der damaligen Alkoholproblematik jedoch erheblich gewesen sei 
(pag. 798). Im Protokoll der Vollzugsplansitzung des Massnahmenzentrums 
E.________ vom 29. Juni 2023 wird sodann festgehalten, dass sich hinsichtlich der 
Störung der Persönlichkeitsentwicklung die Ausprägung der Symptomatik während 
des Massnahmenverlaufs reduziert habe, so dass diese für das Vollbild einer Per-
sönlichkeitsentwicklungsstörung aktuell nicht mehr in ausreichendem Mass vor-
handen sei. Festgehalten wird deshalb einzig eine Störung durch Alkohol (schädli-
cher Gebrauch, ICD-10: F10.1; pag. 873). Am 15. November 2023 fand eine Tele-
fonkonferenz zwischen Dr. med. D.________ und Frau H.________ sowie Frau 
I.________ der BVD statt. Im Zusammenhang mit dem Vorliegen einer psychi-
schen Störung ist darin u.a. Folgendes festgehalten: «Bei Herrn A.________ liege zwar 
ein Erstgutachten vor, welches keine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziere (u.a. aufgrund 
des jungen Alters von Herrn A.________). Herr D.________ hat dies aber in seinem Verlaufsgutach-
ten von 2022 bereits angezweifelt und festgehalten, dass Herr A.________ zum Tatzeitpunkt ein 
schwer eingeschränktes psychosoziales Funktionsniveau gezeigt habe, welches schon damals zur 
Diagnose einer schweren psychischen Störung hätte Anhaltspunkte geben können: Er habe beruflich 
erhebliche Schwierigkeiten gehabt, Alkohol sei ein Thema gewesen, er sei sozial desinteressiert ge-
wesen und nicht in der Lage, Intimbeziehungen zu halten, auch sein sonstiges soziales Umfeld sei 
eher schwierig gewesen, u.v.m. – also ein ganzer Strauss an Aspekten, die schlussendlich zu einem 
schweren Delikt geführt hätten.». Sodann wird seitens von den BVD wiederum auf die im 
Gutachten gestellte Diagnose der Persönlichkeitsentwicklungsstörung Bezug ge-
nommen (pag. 928). Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen einer schwe-
ren psychischen Störung. Ohne dem Sachgericht vorgreifen zu wollen, ist das Vor-
liegen einer schweren psychischen Störung gestützt auf diese Ausgangslage nicht 
offensichtlich gegeben. Mit Bezug auf die Ausführungen der Verteidigung des Be-
schwerdeführers ist im Hinblick auf das soeben zitierte Telefongespräch und die 

9

daraus entstandene Telefonnotiz darüber hinaus festzuhalten, dass diese nicht als 
ausreichende erläuternde Stellungnahme von Dr. med. D.________ im Hinblick auf 
die zu prüfende Wahrscheinlichkeit für die Anordnung einer stationären Massnah-
me nach Art. 59 StGB qualifiziert werden kann. Der Telefonnotiz kann nicht rechts-
genüglich entnommen werden, gestützt auf welche Informationen der Sachver-
ständige diese Ausführungen machte. Weder lässt sich der Telefonnotiz die Grund-
lage des Gesprächs (Sachverhalt, Ausgangslage, Schilderung des Vorfalls) noch 
eine konkrete Fragestellung entnehmen, so dass das Gespräch und die Aus-
führungen von Dr. med. D.________ sich im Hinblick auf die vorzunehmende Prü-
fung der Rechtsmässigkeit der Sicherheitshaft nicht einordnen lassen. Auch wenn 
es sich vorliegend um eine Vorabstellungnahme im Hinblick auf ein allfällig einzu-
holendes Gutachten handelt, vermögen die durch die BVD festgehaltenen Aus-
führungen von Dr. med. D.________ für die vorliegende Prüfung nicht auszurei-
chen. Damit erscheint das Vorliegen einer psychischen Störung als Grundvoraus-
setzung für die Anordnung einer Massnahme gemäss Art. 59 StGB zum jetzigen 
Zeitpunkt gestützt auf die zur Verfügung gestellte Akten als fraglich. Es wird die 
Aufgabe des Sachgerichts sein, eine abschliessende Würdigung vorzunehmen. 

4.5.3 Mit Verfügung vom 8. November 2023 attestieren die BVD dem Beschwerdeführer 
einen beeindruckenden Vollzugsverlauf. Sie halten fest, dass der Beschwerdefüh-
rer die Bereitschaft aufgebracht habe, sich zumindest vordergründig ernsthaft mit 
den Hintergründen seiner Anlasstat auseinanderzusetzen und dabei auch scham-
behaftete Thematiken detailliert anzugehen und zu benennen. Während des ge-
samten Verlaufs sei es zu keinen schweren risikorelevanten Vorkommnissen ge-
kommen. Risikosituationen habe der Beschwerdeführer ansprechen und in der 
Therapie bearbeiten können. Weiter sei es dem Beschwerdeführer gelungen, meist 
negative Urinproben und durchwegs negative Alkoholtestungen abzugeben. Auf-
kommenden Suchtdruck habe der Beschwerdeführer thematisiert und die positive 
Urinprobe auf Kokain werde er therapeutisch noch aufarbeiten müssen. Der pro-
gressive Übergang vom geschlossenen über den offenen Vollzug mit zunehmen-
den Öffnungen, der WGA mit interner Arbeit bis hin zum Arbeitsexternat bei der 
J.________ AG, sei reibungslos verlaufen (pag. 911). Das Massnahmenzentrum 
E.________ habe sodann am 11. Oktober 2023 den Antrag auf Gewährung der 
Vollzugsstufe WAEX gestellt und dem Antrag ein unterzeichnetes Exemplar des 
Mietvertrages sowie der Rahmenvertrag für das WAEX beigelegt. Per 1. November 
2023 habe der Beschwerdeführer in die eigene Wohnung umziehen können, wobei 
die Verfügung der BVD betreffend rückwirkender Bewilligung des WAEX in Aus-
sicht gestellt worden sei. Nach der Disziplinierung betreffend das Wochenende 
vom 28/29. Oktober 2023 habe sich die Einschätzung der BVD massgeblich verän-
dert. Der Beschwerdeführer habe nicht nur massiv und bewusst Alkohol konsu-
miert, sondern sich zudem zu einer ihm fremden Frau nach Hause begeben, wo es 
zum Geschlechtsverkehr kam. Diese Ausgangslage sei höchst deliktsrelevant und 
erfülle zwei der drei zentralen Risikofaktoren (Alkohol, Wut, Triebdruck; pag. 944). 

Seitens des Massnahmenzentrums E.________ wird dagegen festgehalten, dass 
der Beschwerdeführer im Gespräch eine Problemeinsicht habe zeigen und dabei 
benennen können, welches bei seinem Handeln die Hochrisikofaktoren gewesen 
seien. Er sei sich bewusst, dass die Kontaktaufnahme, zu ihm unbekannten Frau-

10

en, unter Alkoholeinfluss dem Deliktsmechanismus entspreche und das Fehlverhal-
ten mit dem grössten Risiko darstelle. Der Beschwerdeführer habe sich auf eine 
gründliche Aufarbeitung der Vorfälle vom Wochenende vom 28./29. Oktober 2023 
eingelassen. Nachdem er anfänglich leichtes Unverständnis geäussert habe, habe 
er eingeräumt, dass sein Verhalten unüberlegt gewesen und er zumindest partiell 
sein erarbeitetes Risikomanagement nicht angewendet habe. Zusammenfassend 
wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer über ein solides Verständnis seiner 
Risikoeigenschaften bzw. seiner persönlichkeitsbedingten risikorelevanten Fakto-
ren verfüge und sich reflektiert damit auseinandersetzen könne. Auch habe er die 
Geschehnisse bereichsübergreifend und unabhängig von seinem Gegenüber offen 
geschildert und habe mehr Details mitgeteilt als nur das Minimum an Antworten. 
Dadurch habe er seine Auseinandersetzungsbereitschaft und sein Veränderungs-
willen zum Ausdruck gebracht und habe die Grundlage für die detaillierte Aufarbei-
tung der Ereignisse geschaffen. Gleichzeitig sei ersichtlich geworden, dass sein Ri-
sikomanagement noch keine differenzierten Überlegungen zu potenziellen Verhal-
tensweisen seines Gegenübers und möglichen Auswirkungen dieser auf ihn um-
fasse. Diesen Faktoren sei er sich in dieser Situation wenig bewusst gewesen bzw. 
habe diese in ihrer Bedeutung unterschätzt. Er habe bedürfnisorientiert und unreif 
gehandelt. Sein Risikomanagement anhand konkreter Erfahrungen im Umgang mit 
Alltagssituationen konsequent anzuwenden, werde im Therapieverlauf weiterhin im 
Fokus der Behandlung stehen. Das E.________ hielt insgesamt deshalb an seiner 
Empfehlung, welche in der Massnahmendokumentation vom 23. August 2023 fest-
gehalten ist, fest (pag. 916 ff.). Die Empfehlung vom 23. August 2023 lautete wie 
folgt: «Herr A.________ wird per 24. November die max. Massnahmendauer im Art. 61 StGB er-
reicht haben. Er konnte ausreichende Fortschritte sowohl in der Persönlichkeitsentwicklung (intrinsi-
sche Motivation, Veränderungsbereitschaft) als auch in deliktpräventiver Sicht (Senkung Deliktmotiva-
tion, Erhöhung Steuerungsfähigkeit) erzielen. Zudem gelang es ihm sich eine berufliche Anschlusslö-
sung (4. Lj. Metallbauer / Firma J.________) zu organisieren und eine gesicherte Wohnsituation in 
Aussicht gestellt zu bekommen. Somit erfüllt er aus unserer Sicht grundlegend die Kriterien der be-
dingten Entlassung. Voraussetzung für ein weiteres Gelingen bei der Umsetzung seines prosozialen 
Lebensentwurfes sind hierbei eine anhaltende Alkohol- und Drogenabstinenz mit entsprechenden 
Kontrollen, sowie eine niederschwellige Unterstützung in der Alltagsbewältigung (Bewährungshilfe). 
Einerseits könnte die fortlaufende Teilnahme an einer Suchtgruppe (Prämisse: Alkoholkonsum) dabei 
unterstützend sein. Andererseits ist eine Behandlung aus forensischer Sicht i.S. einer weiterführenden 
deliktorientierten Therapie angezeigt.» (pag. 878). Auch Dr. med. D.________ erachtete 
die Erfolgsaussichten bis zum Ende der stationären Massnahme grundsätzlich in-
takt und sah sich zum Zeitpunkt der Gutachtenserstellung nicht veranlasst, eine 
Empfehlung für eine weitere stationäre Massnahme auszusprechen (pag. 669 f.). 
Dass sich diese Ansicht gemäss Telefonnotiz vom 15. November 2023 geändert 
haben soll, vermag – wie vorab bereits erwähnt – einer gutachterlichen Stellung-
nahme derzeit nicht zu genügen. Schliesslich liegen zum besagten Alkoholkonsum 
an besagtem Wochenende vom 28./29. Oktober 2023 einzig die Aussagen des Be-
schwerdeführers vor. Demnach soll dieser am 28. Oktober 2023 während einer 
Zeitspanne von ca. 16.00 Uhr bis ca. 22.00 Uhr insgesamt sechs Bier à 0.5 Liter 
getrunken haben. Am 29. Oktober 2023 um ca. 01.30 Uhr sei es zum Geschlechts-
verkehr gekommen. Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer 

11

eine Körpergrösse von 195cm und eine leicht adipöse Statur aufweist. Gemäss den 
Ausführungen in der Beschwerde soll der Beschwerdeführer 130 kg schwer sein. 
Ohne die Berechnungen der Verteidigung des Beschwerdeführers verifizieren und 
werten zu wollen, ist in diesem Zusammenhang auch auf die Ausführungen von Dr. 
med. D.________ in seinem Gutachten vom 30. September 2022 hinzuweisen. 
Darin hält dieser fest, dass der Beschwerdeführer – auch Jahre nach seinem letz-
ten Konsum – wahrscheinlich eine grössere Menge Alkohol zu vertragen scheine, 
bis es zu einer relevanten Enthemmung komme. Damit könne davon ausgegangen 
werden, dass geringere Mengen noch kein deutlich erhöhtes Risiko bergen würden 
(pag. 667). 

4.6 Mit Blick auf das Gesagte erscheint nach vorläufiger Beurteilung die erste Voraus-
setzung der ernsthaften Erwartung, dass gegen den Beschwerdeführer der Vollzug 
einer freiheitsentziehenden Sanktion angeordnet wird, mithin nicht als erfüllt. Die 
Anordnung von Sicherheitshaft erweist sich gestützt auf das Gesagte als nicht 
rechtens. Damit erübrigen sich weitergehende Ausführungen zu allfälligen beson-
deren Haftgründen und der Verhältnismässigkeit (Ersatzmassnahmen). Die Be-
schwerde ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid des Zwangsmassnah-
mengerichts ist aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist unverzüglich aus der Si-
cherheitshaft zu entlassen. 

Die Behandlungs- und Massnahmenbedürftigkeit des Beschwerdeführers ist im 
vorliegenden Beschwerdeverfahren zwecks Überprüfung der Anordnung von Si-
cherheitshaft nicht Gegenstand einer eingehenden Prüfung. Es verbleibt den BVD 
die noch andauernde ambulante Massnahme unter den in den Akten erwähnten 
Auflagen fortzusetzen und entsprechend zu vollziehen. 

4.6.1 Am 8. Januar 2024 liessen die BVD der Beschwerdekammer ihr Gesuch um An-
ordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB im nachträglichen richterlichen Ver-
fahren zur Orientierung zukommen. Die Prüfung der Rechtzeitigkeit dieses Ge-
suchs wird vom zuständigen Sachgericht vorzunehmen sein und kann aufgrund der 
Ausführungen hiervor im vorliegenden Verfahren offenbleiben. 

5.

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des vorinstanzlichen Verfah-
rens von CHF 500.00 sowie die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf 
CHF 1'500.00, vom Kanton Bern zu tragen (Art. 423 Abs. 1 i.V.m. Art. 428 Abs. 1 
StPO). 

5.2 Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers für seine Aufwendungen im Be-
schwerdeverfahren ist durch das urteilende Gericht im Endentscheid festzusetzen 
(Art. 135 Abs. 2 StPO). Es ist darauf hinzuweisen, dass derjenige Teil der Entschä-
digung, welcher auf das vorinstanzliche Verfahren vor dem Zwangsmassnahmen-
gericht (KZM 23 1592) fällt, von der Rück- und Nachzahlungspflicht gemäss 
Art. 135 Abs. 4 aStPO (in ihrer Fassung bis zum 31. Dezember 2023) ausgenom-
men ist. Derjenige Teil, der auf das Beschwerdeverfahren BK 23 531 fällt, ist von 
der Rückzahlungspflicht befreit. Eine Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135 StPO 
(in ihrer Fassung vom 1. Januar 2024) entfällt. Der Beschwerdeführer hat die Kos-
ten weder dem Kanton Bern zurückzubezahlen noch muss er dem amtlichen An-

12

walt die Differenz zwischen dem amtlichen und dem vollen Honorar für das Haftver-
fahren vor dem Zwangsmassnahmengericht erstatten. 

13

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Kantonalen Zwangsmass-
nahmengerichts vom 11. Dezember 2023 (KZM 23 1592) wird aufgehoben. Das Amt 
für Justizvollzug, Bewährungs- und Vollzugsdienste, hat den Beschwerdeführer un-
verzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen. 

2. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens KZM 23 1592, festgesetzt auf 
CHF 500.00, sowie die Kosten des Beschwerdeverfahrens BK 23 531, bestimmt auf 
CHF 1'500.00, trägt der Kanton Bern. 

3. Die amtliche Entschädigung für das Beschwerdeverfahren wird am Ende des Verfah-
rens durch das urteilende Gericht festgesetzt. Es besteht für die auszurichtende amtli-
che Entschädigung weder eine Rückzahlungspflicht noch ein Nachforderungsrecht.

4. Zu eröffnen (vorab elektronisch):
- dem Verurteilten/Beschwerdeführer, a.v.d. Fürsprecher B.________ (per Ein-

schreiben)
- den Bewährungs- und Vollzugsdiensten, v.d. Fürsprecher C.________

(per Einschreiben)

Mitzuteilen:
- dem Kantonalen Zwangsmassnahmengericht, Gerichtspräsident K.________

(mit den Akten – per Einschreiben)

Bern, 10. Januar 2024 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Gerber

Die Gerichtsschreiberin:

Neuenschwander 

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.