# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 73905a43-3da9-51c2-ab4b-3f3b804c7d52
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2004-11-26
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössische Rekurskommission für medizinische Aus- und Weiterbildung 26.11.2004 JAAC 69.95
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_026_JAAC-69-95--_2004-11-26.pdf

## Full Text

JAAC 69.95

Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission
für medizinische Aus- und Weiterbildung vom 26.
November 2004 i.S. S. [MAW 04.040]

Examens des professions médicales. Obligation de soulever des griefs.
Droit d’être entendu. Communication d’un motif d’empê­chement.
Preuve de l’absence de capacité d’agir.

Art. 29 al. 2 Cst. Art. 49, art. 57 ss PA. Art. 41 al. 1, art. 42 al. 1 et 2
OPMéd. Art. 9 O concernant les examens de médecin.

- En procédure de recours, dans la mesure où il ne ressort pas du
dossier que l’évaluation des prestations à l’examen du candidat est
incorrecte, la notation n’est examinée que sur la base de griefs motivés
(consid. 2.3).

- Pour statuer sur la réussite ou non au premier examen propédeutique,
seules les notes attribuées importent. Les allégués des parties qui ne
peuvent avoir aucune influence sur l’évaluation des prestations à
l’examen peuvent être ignorés sans violation du droit d’être entendu ni
du devoir d’examen complet de l’état de fait (consid. 3).

- Un premier examen propédeutique arrêté est considéré comme non
réussi si l’échec est déjà objectivement certain, eu égard aux épreuves
passées avant que le motif d’empê­chement ne survienne (consid. 4.2).

- Si le stress habituel des examens conduit à une «crise de panique»
relevante d’un point de vue médical, on ne peut en déduire qu’avant
la survenance de celle-ci, la capacité de faire valoir librement, sous sa
propre responsabilité, un motif d’empêchement aurait été supprimée
(consid. 4.3).

- La preuve de l’absence de capacité à décider sous sa propre
responsabilité de se présenter à un examen ou de l’arrêter ne peut
être apportée à satisfaction de droit plus d’un an après la date de
l’examen, au moyen d’un rapport établi ultérieurement par un médecin
généraliste (consid. 4.4).

1

Medizinalprüfungen. Rügepflicht. Rechtliches Gehör. Meldung eines
Verhinderungsgrundes. Nachweis fehlender Handlungsfähigkeit.

Art. 29 Abs. 2 BV. Art. 49, Art. 57 ff. VwVG. Art. 41 Abs. 1, Art. 42 Abs. 1
und Abs. 2 AMV. Art. 9 V über die Prüfungen für Ärzte.

- Sofern sich aus den Akten keine Hinweise auf eine fehlerhafte
Bewertung der Prüfungsleistungen ergeben, wird im
Beschwerdeverfahren die Notengebung nur auf substantiierte Rüge
hin überprüft (E. 2.3).

- Für den Entscheid über das Bestehen oder Nichtbestehen der ersten
Vorprüfung sind ausschliesslich die erteilten Noten von Bedeutung.
Parteivorbringen, welche keinen Einfluss auf die Bewertung der
Prüfungsleistungen haben können, dürfen ohne Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör und der Pflicht zur vollständigen
Sachverhaltsabklärung unbeachtet bleiben (E. 3).

- Eine abgebrochene erste Vorprüfung gilt dann als nicht bestanden,
wenn aufgrund der vor Eintritt eines Verhinderungsgrundes
absolvierten Einzelprüfungen der Misserfolg objektiv bereits feststand
(E. 4.2).

- Führt der übliche Prüfungsstress zu einer medizinisch relevanten
«Panikattacke», so kann hieraus nicht geschlossen werden, dass
vor deren Ausbruch die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen, freien
Geltendmachung eines Verhinderungsgrundes aufgehoben gewesen
wäre (E. 4.3).

- Der rechtsgenügliche Nachweis fehlender Fähigkeit zum
eigenverantwortlichen Entscheid über den Antritt bzw. Abbruch einer
Prüfung kann mehr als ein Jahr nach dem Prüfungstermin mit einem
nachträglichen ärztlichen Bericht eines Allgemeinpraktikers nicht
erbracht werden (E. 4.4).

Esami per le professioni mediche. Obbligo di articolare le censure.
Diritto di audizione. Notifica di un motivo di impedimento. Prova
dell’incapacità di agire.

Art. 29 cpv. 2 Cost. Art. 49, art. 57 segg. PA. Art. 41 cpv. 1, art. 42 cpv. 1 e
cpv. 2 OPMed. Art. 9 O sugli esami dei medici.

- Se dagli atti non emergono indizi di errori commessi nella valutazione
delle prove d’esame del candidato, nella procedura di ricorso vengono
esaminate unicamente le censure sostanziali relative all’assegnazione
dei voti (consid. 2.3).

- Per la decisione sull’esito positivo o negativo dei primi esami
propedeutici sono determinanti unicamente i voti conferiti. Le
allegazioni prodotte dalla parte, che non incidono sulla valutazione

2

delle prove d’esame del candidato, possono essere ignorate senza che
questo comporti una violazione del diritto di audizione né dell’obbligo
di accertare in modo completo i fatti (consid. 3).

- Un primo esame propedeutico interrotto è considerato non superato
se l’esito negativo dello stesso è oggettivamente già assodato in
base ai risultati conseguiti nelle prove d’esa­me sostenute prima
dell’impedimento (consid. 4.2).

- Che il normale stress da esame sia sfociato in un attacco di panico
rilevante sul piano medico non permette di concludere che la capacità
di far valere in modo responsabile e libero un motivo di impedimento
sia stata pregiudicata già prima di tale attacco (consid. 4.3).

- La prova giuridicamente ammissibile dell’incapacità di decidere
in modo responsabile se presentarsi ad una prova d’esame o se
interrompere gli esami non può essere addotta oltre un anno dopo il
termine degli esami presentando il rapporto di un medico generalista
(consid. 4.4)

Zusammenfassung des Sachverhalts:

Der Beschwerdeführer nahm im Herbst 2003 an der ersten Vorprüfung für
Ärzte, Zahn- und Tierärzte in Zürich teil (zweiter Versuch), die er jedoch
krankheitsbedingt abbrach. Bei den im Zeitpunkt des Prüfungsabbruchs
bereits absolvierten Einzelprüfungen in den Fächern Biologie I und II
erreichte er jeweils nur die Note 2,0. Mit Verfügung vom 12. September 2003
stellte die Ortspräsidentin Humanmedizin von Zürich daher den Misserfolg
fest und ordnete den Ausschluss des Beschwerdeführers von sämtlichen
eidgenössischen Medizinalprüfungen an.

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer beim Leitenden
Ausschuss für die eidgenössischen Medizinalprüfungen (im Folgenden: LA)
Beschwerde und beantragte sinngemäss, er sei erneut zur ersten Vorprüfung
zuzulassen. Nach Einholung von Stellungnahmen der an den fraglichen
Prüfungen beteiligten Experten sowie eines ärztlichen Zeugnisses des
behandelnden Arztes des Beschwerdeführers wies der LA die Beschwerde
mit Entscheid vom 24. Mai 2004 vollumfänglich ab.

Diesen Entscheid focht der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom 7. Juni
2004 bei der Eidgenössischen Rekurskommission für medizinische Aus- und
Weiterbildung (REKO MAW) an.

Die REKO MAWweist die Beschwerde vollumfänglich ab.

Aus den Erwägungen:

1. (…)

2. (…)

2.3. In seiner Replik vom 23. September 2004 führt der Beschwerdeführer
aus, er gehe davon aus, dass sich die REKO MAW von Amtes wegen über die
korrekte Notengebung vergewissere.

3

Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers wird die Notengebung im
Verfahren vor der REKO MAW grundsätzlich nur auf substantiierte Rüge hin
überprüft - es sei denn, es bestünden Hinweise, welche auf eine unkorrekte
Rechtsanwendung hindeuten würden (Rügepflicht; vgl. BGE 123 II 369 f., BGE
119 V 349, BGE 110 V 53). Im vorinstanzlichen Verfahren waren die Experten
der Fächer Biologie I und Biologie II aufgefordert worden, die Auswertung
der schriftlichen Antworten nachzukontrollieren und die erreichte Punktzahl
sowie die Notengrenzen für die erteilte Note jeweils zu überprüfen. Den
Stellungnahmen der beiden Experten ist zu entnehmen, dass eine einlässliche
Nachkontrolle erfolgt ist, und dass die erteilten Noten für korrekt befunden
worden sind. Aus diesem Grund besteht für die REKO MAW kein Anlass, die
Notengebung in Zweifel zu ziehen oder eine erneute Überprüfung anzuordnen
- umso mehr, als sich auch aus den Eingaben des Beschwerdeführers keine
Hinweise auf eine fehlerhafte Bewertung entnehmen lassen.

3. Der Beschwerdeführer bringt vor, seinen Bemühungen im Verfahren sei
keine Beachtung geschenkt worden. So sei er beispielsweise nie zu einem
persönlichen Gespräch eingeladen worden; auch seien keine Referenzen
im Spital X. eingeholt worden. Damit macht er sinngemäss geltend, im
vorinstanzlichen Verfahren sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
und der Sachverhalt unvollständig abgeklärt worden.

Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst die
Rechte der Parteien auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme
auf den Prozess der Entscheidfindung. In diesem Sinne dient er
einerseits der Sachverhaltsabklärung, stellt andererseits aber auch ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass von Verfügungen
dar, welche in die Rechtstellung des Einzelnen eingreifen (Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April
1999 [BV], SR 101; vgl. BGE 126 V 131 f., BGE 121 V 152; A. Kölz/I. Häner,
Ver­waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,
Zürich 1998, Rz. 292 ff.).

Das Beschwerdeverfahren vor dem LA richtet sich - genauso wie das
Beschwerdeverfahren vor der REKO MAW - nach den Regeln des
Bundes­gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021). Danach hat die Beschwerdeinstanz einen
Schriftenwechsel durchzuführen, der einerseits der Wahrung des rechtlichen
Gehörs und anderseits der Sachverhaltsaufklärung dient (vgl. insbesondere
Art. 57 ff. VwVG). Der beschwerdeführenden Partei ist dabei die Gelegenheit
einzuräumen, sich umfassend schriftlich zur Beschwerdesache zu äussern.
Ein persönliches Gespräch, wie dies der Beschwerdeführer offenbar erwartet,
ist im Rahmen eines Verwaltungsbeschwerdeverfahrens nicht zwingend
vor­gesehen und auch nicht üblich.

Der Beschwerdeführer hat in seinen schriftlichen Eingaben beim LA und bei
der REKO MAWwiederholt betont, dass er aufgrund seiner Arbeit im Spital
X. bereits über eine mehrjährige praktische Erfahrung verfügt. Im Rahmen
von Verwaltungsbeschwerdeverfahren müssen nur jene Sachverhaltselemente
ermittelt und gewürdigt werden, die entscheidwesentlich sind. Da gemäss
Art. 9 der Verordnung vom 19. November 1980 über die Prüfungen für
Ärzte (SR 811.112.2) im Rahmen der ersten Vorprüfung für Ärzte, Zahn- und
Tierärzte einzig die erzielten Noten von Belang sind, können praktische

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_369&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_119_V_349&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_119_V_349&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_V_53&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_126_V_131&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_121_V_152&resolve=1

Erfahrungen und Eignungen nicht als entscheidrelevant betrachtet werden.
Auch persönliche Interessen und Wünsche der Kandidatinnen und Kandidaten
dürfen im Rahmen von schriftlichen Prüfungen nicht berücksichtigt werden,
da - wie gesagt - lediglich die anlässlich der vier Einzelprüfungen erbrachten
Leistungen ausgewertet werden.

Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs oder einer unvollständigen
Sachverhaltsermittlung kann unter diesen Umständen keine Rede sein.

4. Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, er sei aus
gesundheitlichen Gründen nicht prüfungsfähig und auch nicht in der Lage
gewesen, einen eigenverantwortlichen Entscheid über den Antritt oder den
rechtzeitigen Abbruch der Prüfung zu fällen. Aus diesem Grund beantragt er,
sein Misserfolg sei aufzuheben, und er sei noch einmal zur ersten Vorprüfung
für Ärzte, Zahn- und Tierärzte zuzulassen.

4.1. Gemäss Art. 41 Abs. 1 der Allgemeinen Medizinalprüfungsverordnung
vom 19. November 1980 (AMV, SR 811.112.1) hat ein Kandidat, der wegen
Erkrankung verhindert ist, eine Prüfung anzutreten, dies dem Ortspräsidenten
unverzüglich mitzuteilen. In gleicher Weise muss auch ein Kandidat, der
während einer Prüfung erkrankt, dies gemäss Art. 42 Abs. 1 AMV unverzüglich
dem Ortspräsidenten melden, damit dieser über den Ab- oder Unterbruch der
Prüfung entscheiden kann. Allerdings hat der Ortspräsident über den Ab- oder
Unterbruch einer Prüfung nur dann zu entscheiden, wenn nicht bereits ein
Misserfolg fest steht (Art. 42 Abs. 2 AMV).

Erfolgt die Meldung verspätet, so gilt die (ungenügende) Prüfung in der
Regel als nicht bestanden (vgl. etwa VPB 45.43, VPB 43.27, VPB 42.99). Die
nachträgliche Aufhebung von Prüfungsresultaten wegen Erkrankung kommt
nach ständiger, zu bestätigender Rechtsprechung nur dann in Frage, wenn der
Kandidat aus objektiver Sicht und unverschuldet nicht in der Lage gewesen
ist, seinen Verhinderungsgrund in eigenverantwortlicher Willens­ausübung
unverzüglich geltend zu machen - insbesondere dann, wenn ihm zu gegebener
Zeit die Fähigkeit fehlte

- seine gesundheitliche Situation genügend zu überblicken, um überhaupt
einen Entscheid über den Antritt oder die Weiterführung einer Prüfung zu
fällen, oder

- bei einem zwar bestehenden Bewusstsein über die gesundheitlichen
Probleme entsprechend seiner Einsicht zu handeln (vgl. zum Ganzen VPB
67.30 E. 3b).

(…)

4.2. Es kann davon ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer die
gesetzlichen Bestimmungen über das Verhalten bei Prüfungsunfähigkeit
(insbesondere bei Krankheit) ausreichend bekannt waren, werden doch alle
Kandidatinnen und Kandidaten ausdrücklich auf die Möglichkeit eines Ab-
oder Unterbruchs der Prüfungen hingewiesen (vgl. Art. 42 AMV).

Er hat denn auch von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und aus
gesundheitlichen Gründen der zuständigen Ortspräsidentin den Abbruch des
zweiten Versuches der ersten Vorprüfung nach den ersten beiden Prüfungen
(Biologie I und II) beantragt. Dieses Vorgehen des Beschwerdeführers ist nicht

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005960.pdf?ID=150005960
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zu beanstanden. Er hat die zuständige Ortspräsidentin rechtzeitig informiert
und umgehend einen Arzt aufgesucht, der ihm die Prüfungsunfähigkeit aus
medizinischen Gründen attestiert hat.

Gemäss Art. 42 Abs. 2 AMV kann der Abbruch oder Unterbruch einer Prüfung
nur angeordnet werden, «sofern nicht bereits ein Misserfolg fest steht». Nach
ständiger Praxis der REKO MAW soll diese Bestimmung sicherstellen, dass
ungenügende Prüfungsteile, die vor dem Eintritt eines Verhinderungsgrundes
(insbesondere vor Krankheitsausbruch) absolviert worden sind, bei der
Leistungsbeurteilung weiterhin berücksichtigt werden können (vgl. VPB
67.30 E. 4c). Entscheidend ist daher nicht, ob einem Kandidaten der Misserfolg
bereits bekannt war, sondern allein die Frage, ob dieser aufgrund der (später
bewerteten) Leistungen in den fraglichen Fächern objektiv bereits fest stand.

Der Beschwerdeführer hatte zu jenem Zeitpunkt, in dem er den Abbruch der
Prüfung beantragte, bereits zwei Einzelprüfungen abgelegt, die später mit
einer ungenügenden Note bewertet worden sind. Nach Absolvierung der
Prüfungen in den Fächern Biologie I und II (je mit der Note 2 bewertet) stand
damit - auch wenn der Beschwerdeführer zu jenem Zeitpunkt davon noch
keine Kenntnis hatte - der Misserfolg objektiv bereits fest (vgl. Art. 9 Abs. 3
der Verordnung über die Prüfungen für Ärzte). Der Beschwerdeführer hat
daher die erste Vorprüfung nicht bestanden und ist - da er bereits zuvor einen
Misserfolg erlitten hatte - gemäss Art. 39 AMV von weiteren eidgenössischen
Medizinalprüfungen auszuschliessen.

4.3. Der Beschwerdeführer stellt sich allerdings auf den Standpunkt, er sei
aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig darüber
zu entscheiden, ob er die Prüfung überhaupt hätte antreten oder zumindest
früher hätte abbrechen müssen.

Die Prüfungen in den Fächern Biologie I und II fanden am 1. respektive
2. September 2003 statt. Am 3. September 2003 (also nach der zweiten
Einzelprüfung) suchte der Beschwerdeführer Herrn Dr. med. R. auf.
Dessen Arztbericht vom 8. Januar 2004 ist zu entnehmen, dass er beim
Beschwerdeführer am 3. September 2003 eine «Panikattacke» sowie eine
«psychische Überforderungssituation durch Prüfungsstress» diagnostiziert und
daher die Prüfungsunfähigkeit aus medizinischen Gründen attestiert hat.

Die REKO MAW ist der Auffassung, dass der ärztliche Bericht vom
8. Januar 2004 in keiner Weise belegt, dass der Beschwerdeführer bereits
vor dem 3. September 2003 nicht prüfungsfähig oder gar in seiner
Handlungsfähig­keit dermassen eingeschränkt gewesen wäre, dass er keinen
eigenverant­wortlichen Entscheid über den Antritt bzw. früheren Abbruch
der Prüfung hätte fällen können. Vielmehr kann aus der Diagnose einer
(plötzlich auftretenden) «Panikattacke» geschlossen werden, dass sich der
allgemein übliche Prüfungsstress beim Beschwerdeführer erst nach Antritt
der Prüfung zu einer gesundheitlichen Störung entwickelte, die allenfalls seine
Hand­lungs­fä­higkeit beeinträchtigt haben könnte. Der Umstand allerdings,
dass er sich infolge dieser «Panikattacke» zum Besuch eines Arztes und
schliesslich zum Antrag auf Abbruch der Prüfung entschloss, zeigt deutlich,
dass er sogar unter Einfluss dieser psychischen Symptome noch in der Lage
war, sachgerecht zu entscheiden und zu handeln.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005960.pdf?ID=150005960
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Es gibt keine Hinweise darauf, dass die gesundheitliche Situation des
Beschwerdeführers vor dem Beginn der Prüfung oder am 1. und 2. September
2003 wesentlich schlechter gewesen wäre. Der Beschwerdeführer hat denn
auch seine gesundheitlichen Probleme erst nachträglich geltend gemacht und
zudem darauf hingewiesen, er habe nicht genügend Zeit zum Lernen gehabt
und sei mit diversen Problemen belastet gewesen (…). Es ist offensichtlich,
dass der Beschwerdeführer selbst seine gesundheitlichen Probleme anfänglich
nicht als gravierend ansah - und diese nun erst im Beschwerdeverfahren als
wesentlich darstellt. Die REKO MAW kann sich des Verdachts nicht erwehren,
dass es sich bei der nachträglichen Argumentation des Beschwerdeführers,
er hätte aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme gar nicht zur Prüfung
antreten sollen, um eine Schutzbehauptung handeln könnte, wurde doch
die angeblich bereits vor dem Examen bestehende, massive psychische
Beeinträchtigung (Unmöglichkeit eigenverantwortlicher Willensausübung)
weder anlässlich des Arztbesuches am 3. September 2003 noch im Verfahren
vor dem LA vorgebracht.

Selbst wenn angenommen würde, dass die «psychische
Überforderungssituation durch Prüfungsstress» bereits vor dem 3. September
2003 bestanden hat, so vermöchte der Beschwerdeführer hieraus nichts für
sich abzuleiten. Es kann nach Auffassung der REKO MAW ausgeschlossen
werden, dass diese Überforderungssituation ohne vorherige signifikante
Anzeichen oder Symptome eingetreten ist - was nach ständiger Praxis
Voraussetzung für die nachträgliche Berücksichtigung verspätet geltend
gemachter gesundheitlicher Verhinderungsgründe wäre. Es wäre dem
Beschwerdeführer durchaus möglich und zuzumuten gewesen, sich über
die Auswirkungen des Prüfungsstresses rechtzeitig klar zu werden und
entsprechend seiner Einsicht zu handeln.

Ohne Bedeutung ist im Übrigen der Umstand, dass der Beschwerdeführer
Ende Oktober 2003, also fast 2 Monate nach Beginn der ersten Vorprüfung,
an einer Tonsillopharyngitis erkrankte, ist doch ein Einfluss dieser Krankheit
auf seine Handlungsfähigkeit anfangs September 2003 weder belegt noch
anzunehmen.

4.4. In seiner Eingabe vom 23. September 2003 stellt der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers den Antrag, Herrn Dr. med. R. anzufragen, ob
der Beschwerdeführer auf Grund der diagnostizierten Panikattacke und
psychischen Überforderungssituation durch Prüfungsstress überhaupt in der
Lage gewesen sei, rechtzeitig über den Antritt oder den Abbruch der Prüfung
zu entscheiden.

Nach Auffassung der REKO MAWwäre ein derartiger ergänzender Arztbericht
nicht geeignet, mit rechtsgenüglicher Sicherheit zu belegen, dass der
Beschwerdeführer aus objektiver Sicht und unverschuldet nicht in der
Lage gewesen ist, seinen Verhinderungsgrund in eigenverantwortlicher
Willens­ausübung bereits vor dem 3. September 2003 geltend zu machen.
Für die gutachterliche Beurteilung der Handlungsfähigkeit, insbesondere
der Fähigkeit, die eigene gesundheitliche Situation richtig einzuschätzen
und entsprechend dieser Einsicht zu handeln, ist ohne Zweifel spezielles
psychiatrisches Fachwissen erforderlich, über das nur entsprechende
Fachärzte verfügen. Herr Dr. med. R. erfüllt diese Voraussetzung nicht. Zudem
ist zu betonen, dass es nach mehr als einem Jahr (selbst einem spezialisierten

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Facharzt) kaum möglich sein dürfte, eine seriöse Einschätzung der damaligen
Befindlichkeit des Beschwerdeführers respektive seiner psychischen
Verfassung vorzunehmen. Der Beweisantrag des Beschwerdeführers ist daher
abzuweisen.

4.5. Aus diesen Gründen kommt die REKO MAW zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer die Rüge, er sei bereits vor dem 3. September 2003 nicht
prüfungsfähig gewesen, verspätet vorgebracht hat, und nicht belegt ist, dass
er aufgrund psychischer Probleme nicht in der Lage gewesen wäre, seine
Prüfungsunfähigkeit rechtzeitig geltend zu machen. Der Beschwerdeführer
hat sich in ausreichend freiemWillen dafür entschieden, die Prüfung
anzutreten - und die Folgen dieses Entscheides hat er selbst zu tragen.

(…)

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 69.95 - Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für medizinische Aus-

und Weiterbildung vom 26. November 2004 i.S. S. [MAW 04.040]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2005
Année

Anno

Band 69
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für medizinische Aus- und Weiterbildung vom 26. November 2004 i.S. S. [MAW 04.040]