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**Case Identifier:** 0c771602-a6a6-51b2-879e-c2b74137a85a
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-05-29
**Language:** de
**Title:** Kantonsgericht 1. Abteilung 29.05.2019 A1 2017 13
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/XX_Upload/ZG_UPL_001_A1-2017-13_2019-05-29.pdf

## Full Text

A1 2017 13.docx 

1. Abteilung A1 2017 13 

 

Kantonsrichterin lic.iur. D. Panico Peyer, Abteilungspräsidentin 

Kantonsrichter lic.iur. St. Szabó 

Kantonsrichter Dr. A. Staub 

Gerichtsschreiberin MLaw M. Casutt 

 

 

Entscheid vom 29. Mai 2019 

 

 

in Sachen 

 

 

A.________,  

vertreten durch RA Dr.iur. B.________, 

Klägerin, 

 

gegen 

 

C.________, 

Beklagten, 

 

 

betreffend 

 

 

Scheidung der von den Parteien am tt.mm.1988 vor dem Zivilstandsamt D.________ geschlosse-

nen Ehe 

 

 

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Rechtsbegehren  

 

Klägerin 

1. Es sei die am tt.mm.1988 zwischen den Parteien vor dem Zivilstandsamt D.________ ge-

schlossene Ehe zu scheiden. 

2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin einen angemessenen monatlichen Unterhalts-

beitrag von CHF 2'000.00 zu bezahlen, zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines Mo-

nats bis zum Eintritt ins ordentliche Rentenalter der Klägerin per 12. März 2020 mit 5 % Ver-

zugszins bei verspäteter Zahlung. 

3. Es sei die Pensionskasse E.________ als rentenzahlende Schuldnerin des Beklagten nach 

Art. 132 ZGB richterlich unter Androhung der doppelten Zahlungspflicht im Unterlassungsfall, 

anzuweisen, die monatlichen Unterhaltszahlungen von der Pensionskassenrente des Beklag-

ten direkt an die Klägerin auf das Konto .________ bei der F.________ auszuzahlen. 

4. Es sei die im Gesamteigentum der Parteien stehende STWE-Liegenschaft G.________ (3,5-

Zimmer-Wohnung mit Parkplatz und Mehrzweckraum) ins Alleineigentum der Klägerin zuzu-

weisen. 

5. Es sei dem Beklagten eine Frist von sechs Monaten ab Datum der Rechtskraft der Schei-

dung anzusetzen, um aus der vormals ehelichen Wohnung auszuziehen.  

6. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung per Stichtag 1. Januar 2016 vorzunehmen.  

7.  a) Es seien die während der Ehe einbezahlten Beiträge in die berufliche Vorsorge (Säule 2) 

nach Art. 122 f. und Art. 124 ZGB per Datum 9. Februar 2017 zu ermitteln und auszuglei-

chen. 

 b) Es sei die Pensionskasse E.________ anzuweisen, vom Konto des Beklagten den Betrag 

von CHF 255'761.65 zuzüglich Verzinsung auf das Konto der H.________ zugunsten der 

Klägerin zu überweisen.  

8. Eine Änderung der Anträge wird je nach Beweisergebnis ausdrücklich vorbehalten.  

9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten des Beklagten. 

 

Beklagter 

1. Es seien die klägerischen Rechtsbegehren Ziff. 2–5 sowie Ziff. 7–9 vollumfänglich abzuwei-

sen. 

2.1 Es sei festzustellen, dass der Beklagte der Klägerin keinen Unterhalt schuldet.  

2.2 Eventualiter sei vom Gericht unter Berücksichtigung des hypothetischen Einkommens der 

Klägerin ein angemessener Unterhaltsbeitrag festzulegen. 

3.1 Es sei auf die Teilung der Austrittsleistung der Pensionskasse des Beklagten zu verzichten.  

3.2 Eventualiter sei die Pensionskasse des Beklagten durch das Gericht über das Scheidungs-

verfahren und die Teilung der Austrittsleistung per 9. Februar 2017 zu informieren und zur 

Berechnung einer lebenslangen Rente zu Gunsten der Klägerin zu verpflichten.  

4. Es sei die im Miteigentum der Parteien stehende Liegenschaft G.________ ins Alleineigen-

tum des Beklagten zuzuweisen. 

5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten der Klägerin. 

 

 

  

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Sachverhalt 

 

1. A.________ (nachfolgend "Klägerin") und C.________ (nachfolgend "Beklagter") heirateten 

am tt.mm.1988 vor dem Zivilstandsamt D.________. Sie haben drei gemeinsame, bereits 

volljährige Kinder, I.________, J.________ und K.________. 

 

2. Mit Eheschutzentscheid des Kantonsgerichts Zug vom 5. Februar 2016 wurde festgestellt, 

dass die Parteien berechtigt sind, den gemeinsamen Haushalt aufzuheben. Die eheliche Lie-

genschaft wurde für die Dauer des Getrenntlebens dem Beklagten zugewiesen und der Be-

klagte verpflichtet, der Klägerin einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 2'000.00 zu 

bezahlen sowie die der Tochter K.________ zustehenden Kinderrenten der Pensionskasse 

E.________ und der IV-Stelle von CHF 1'394.00 pro Monat, jeweils jeden Monat vollständig 

direkt an K.________ zu überweisen. Zwischen den Parteien wurde per 1. Januar 2016 die 

Gütertrennung angeordnet (Verfahren ES 2015 689).  

 

3. Am 9. Februar 2017 reichte die Klägerin gegen den Beklagten beim Kantonsgericht Zug die 

Scheidungsklage ein (act. 1). 

 

4. Mit Eingabe vom 21. März 2017 nahm der Beklagte zur Scheidungsklage Stellung (act. 8).  

 

5. An der Einigungsverhandlung vom 11. April 2017 konnte zwischen den Parteien keine Eini-

gung über die Scheidungsfolgen herbeigeführt werden (act. 9). 

 

6. Mit Eingabe vom 6. Juni 2017 begründete die Klägerin ihre Scheidungsklage und stellte im 

Wesentlichen das eingangs genannte Rechtsbegehren (act. 12). 

 

7. In der Klageantwort vom 21. August 2017 stellte der Beklagte das eingangs genannte 

Rechtsbegehren (act. 15). 

 

8. Am 20. September 2017 erliess die Referentin des Kantonsgerichts Zug eine Beweisverfü-

gung und ordnete eine gerichtliche Verkehrswertschätzung der Liegenschaft L.________ an 

(act. 19).  

 

9. Da der Beklagte den Kostenvorschuss für das gerichtliche Gutachten über den Verkehrswert 

der Liegenschaft L.________ nicht bezahlte, wurde die gerichtliche Verkehrswertschätzung 

nicht in Auftrag gegeben. Die Referentin des Kantonsgerichts Zug ordnete mit Schreiben 

vom 27. November 2017 einen zweiten Schriftenwechsel an (act. 24). 

 

10. In der Replik vom 29. Januar 2018 (act. 27) und der Duplik vom 9. April 2018 (act. 30) kon-

kretisierten die Parteien ihr Rechtsbegehren im eingangs genannten Sinn. 

 

11. Die Parteien wurden am 27. September 2018 von der Referentin des Kantonsgerichts Zug 

persönlich befragt (act. 33). 

 

12. Im Nachgang zur Parteibefragung unterbreitete die Referentin des Kantonsgerichts Zug den 

Parteien mit Schreiben vom 5. Oktober 2018 einen schriftlichen Vergleichsvorschlag 

(act. 34), der nicht zustande kam. 

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13. Am 4. Dezember 2018 teilte der Rechtsvertreter des Beklagten mit, dass er das Mandat mit 

dem Beklagten mit Schreiben vom 20. November 2018 mit sofortiger Wirkung niedergelegt 

habe (act. 45). 

 

14. Die Klägerin reichte am 21. Januar 2019 ein Gesuch um Schuldneranweisung ein, welches 

mit Entscheid vom 30. Januar 2019 gutgeheissen wurde. Die Pensionskasse E.________ 

wurde gestützt auf Art. 177 ZGB angewiesen, ab sofort jeden Monat von der Rente des Be-

klagten CHF 2'000.00 in Abzug zu bringen und direkt auf das Konto der Klägerin zu überwei-

sen (Verfahren ES 2019 23). Auf die vom Beklagten dagegen erhobene Berufung ist das 

Obergericht Zug mit Entscheid vom 12. März 2019 nicht eingetreten (Verfahren Z2 2019 8). 

 

15. An der Hauptverhandlung vom 20. Februar 2019 bekräftigten die Parteien je ihre Stand-

punkte und präzisierten ihre güterrechtliche Ausgleichsforderung. Die Klägerin reduzierte zu-

dem ihre Forderung auf nachehelichen Unterhalt von CHF 2'200.00 auf CHF 2'000.00 pro 

Monat (act. 47–48; act. 50). 

 

16. Der Beklagte reichte an der Hauptverhandlung die Einsprache vom 16. April 2018 des Be-

klagten sowie den Einspracheentscheid für die Steuerveranlagung Kantonssteuer und direkte 

Bundessteuer 2016 der Steuerverwaltung des Kantons Zug zu den Akten. 

 

17. Mit Schreiben vom 6. März 2019 holte das Kantonsgericht Zug bei der Pensionskasse 

E.________ eine aktuelle Rentenvorausberechnung des Beklagten sowie eine Durchführbar-

keitserklärung ein (act. 51–52). 

 

 

Erwägungen 

 

1. Beide Parteien sind Schweizer und haben ihren Wohnsitz im Kanton Zug. Gemäss Art. 23 

Abs. 1 ZPO ist für eherechtliche Klagen das Gericht am Wohnsitz einer Partei zwingend zu-

ständig. Das Kantonsgericht ist daher in örtlicher und gestützt auf § 27 Abs. 1 GOG und 

Art. 198 lit. c ZPO auch in sachlicher und funktioneller Hinsicht zur Beurteilung der vorliegen-

den Scheidungsklage zuständig.  

 

2. Beide Parteien beantragen die Scheidung ihrer am tt.mm.1988 vor dem Zivilstandsamt 

D.________ geschlossenen Ehe. Die Ehe ist demnach antragsgemäss zu scheiden.  

 

3. Nachfolgend ist über die Nebenfolgen der Scheidung, vorab über den nachehel ichen Unter-

halt zu befinden. 

 

3.1 Die Klägerin beantragt in ihren Rechtsschriften, der Beklagte sei zu verpflichten, ihr einen 

nachehelichen Unterhaltsbeitrag von CHF 2'200.00 pro Monat bis zu ihrer ordentlichen Pen-

sionierung am 12. März 2020 zu bezahlen. Im ersten Parteivortrag an der Hauptverhandlung 

reduzierte die Klägerin ihre Forderung auf CHF 2'000.00 pro Monat. Demgegenüber bean-

tragt der Beklagte, es sei festzustellen, dass sich die Parteien gegenseitig keinen nacheheli-

chen Unterhalt schulden würden. 

 

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 Die nachträgliche Reduktion des Rechtsbegehrens bedeutet keine Klageänderung, sondern 

stellt im Umfang der Reduktion von monatlich CHF 200.00 einen Klagerückzug im Sinne von 

Art. 241 ZPO dar, welcher jederzeit unbeschränkt möglich ist (Gschwend/Steck, Basler Kom-

mentar, 3. A. 2017, Art. 241 ZPO N 31). 

 

3.2 Ist einem Ehegatten nicht zuzumuten, für den ihm gebührenden Unterhalt, inklusive eines an-

gemessenen Vorsorgeunterhalts, selbst aufzukommen, so hat ihm der andere Ehegatte ge-

mäss Art. 125 Abs. 1 ZGB einen angemessenen nachehelichen Unterhalt zu leisten,  

 soweit er hierzu in der Lage ist. Diese Bestimmung verdeutlicht zwei Grundsätze. Einerseits 

denjenigen der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Ehegatten, wonach jeder Ehegatte im 

Rahmen des Möglichen nach der Scheidung für seine eigenen Lebenshaltungskosten aufzu-

kommen hat (sog. "clean break"). Andererseits denjenigen der nachehelichen Solidarität, wo-

nach die Ehegatten gemeinsam nicht nur die Konsequenzen der während der Ehe gelebten 

Aufgabenteilung zu tragen haben (Art. 163 Abs. 2 ZGB), sondern auch die Nachteile, welche 

bei einem der Ehegatten ehebedingt angefallen sind und ihn daran hindern, für den ihm ge-

bührenden Unterhalt selbst aufzukommen.  

 

 Zur Bestimmung des nachehelichen Unterhalts nach Art. 125 ZGB ist in einem ersten Schritt 

der gebührende Unterhalt zu bestimmen, wofür die massgebenden Lebensverhältnisse der 

Parteien festzustellen sind. Auf welche Lebensverhältnisse abzustellen ist, bestimmt sich da-

ran, ob die Ehe lebensprägend war oder nicht. Von einer Lebensprägung ist insbesondere 

dann auszugehen, wenn die Ehe lange, d.h. in der Regel mehr als zehn Jahre (der Zeitraum 

berechnet sich bis zum Trennungszeitpunkt, vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_478/2010 

vom 20. Dezember 2010 E. 4.1.2) gedauert hat oder wenn aus ihr Kinder hervorgegangen 

sind. Bei fehlender Prägung wird an den vorehelichen Verhältnissen angeknüpft, während 

sich der gebührende Unterhalt bei lebensprägender Ehe grundsätzlich an dem in der Ehe zu-

letzt gelebten Standard bemisst (zuzüglich scheidungsbedingter Mehrkosten), auf dessen 

Fortführung bei genügenden Mitteln beide Parteien Anspruch haben, der aber gleichzeitig 

auch die Obergrenze des gebührenden Unterhalts bildet (BGE 135 III 59 E. 4 und 4.1; 

132 III 593 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 5A_43/2015 vom 13. Oktober 2015 E. 3.1). 

 

 Das Gesetz schreibt keine bestimmte Berechnungsmethode für die Berechnung von Unter-

haltsbeiträgen vor. Den Gerichten kommt ein weites Ermessen zu, da sich die Festsetzung 

des nachehelichen Unterhalts allgemein einer exakten mathematischen Berechnung ent-

zieht. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der jeweilige Bedarf grundsätz-

lich konkret, das heisst anhand der tatsächlich getätigten Ausgaben zu ermitteln. Auf die Be-

stimmung der tatsächlichen Ausgaben der Ehegatten während der Ehe kann indessen ver-

zichtet und die Methode der Grundbedarfsrechnung mit Überschussverteilung angewendet 

werden, wenn während der Ehe die gesamten Einnahmen für den gemeinsamen Haushalt 

verwendet wurden, mithin die Parteien über keine Sparquote verfügten. Gleich kann auch 

dann vorgegangen werden, wenn die Ehegatten während des Zusammenlebens zwar  

 Ersparnisse bilden konnten, diese aber bei im Übrigen gleichbleibenden Verhältnissen nicht 

höher sind als die Mehrkosten infolge der Trennung (BGE 140 III 485 E. 3.3; Hausheer, 

Scheidungsunterhalt: Berechnungs- und Bemessungsmethoden, in: ZSR 131/2012, S. 3 ff. 

und 19 ff.).  

 

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3.3 Streitigkeiten im Bereich des nachehelichen Unterhalts werden von der Verhandlungsma-

xime beherrscht. Das Gericht darf sein Urteil mithin nur auf die von den Parteien im Prozess 

vorgebrachten Tatsachen stützen. Der Unterhaltsberechtigte trägt die Beweislast dafür, dass 

er den eingeklagten Betrag zur Weiterführung des während der Ehe gelebten Standards  

 benötigt. Dazu muss er jeden einzelnen Posten des Bedarfs substantiieren, belegen und  

 beziffern. Gewisse Pauschalierungen, beispielsweise beim Grundbetrag, sind jedoch unaus-

weichlich (Schwenzer/Büchler, in: Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], FamKommentar Schei-

dung, Band I: ZGB, 3. A. 2017, Art. 125 ZGB N 107 f. mit Hinweisen). Der Richter ist in Be-

zug auf den nachehelichen Unterhaltsbeitrag nur an die formellen Parteianträge, d.h. an den 

insgesamt eingeklagten oder anerkannten Betrag (mithin an den im Rechtsbegehren einge-

klagten Betrag), nicht aber an die einzelnen Einnahme- und Aufwandpositionen gebunden. 

Es kann somit für eine Position mehr oder für eine andere weniger zugesprochen werden, als 

in der Begründung verlangt oder anerkannt wird (Urteile des Bundesgerichts 5A_310/2010 

vom 19. November 2010 E. 6.4.2; 5P.481/2006 vom 19. Februar 2007 E. 4). 

 

 Mit der Beweislast verknüpft sind die Behauptungs-, Substantiierungs- und Bestreitungslast. 

Die Behauptungslast regelt, welche Partei die rechtserheblichen Tatsachen im Prozess zu 

behaupten und welche Partei die nachteiligen Folgen zu tragen hat, wenn entscheidrelevante 

Tatsachen nicht Prozessinhalt geworden sind. Die Substantiierungslast bestimmt, wie detail-

liert die rechtserheblichen Tatsachen vorzutragen sind. Die Bestreitungslast schliesslich rich-

tet sich an die nicht behauptungsbelastete Partei und regelt, welche Tatsachenbehauptungen 

der anderen Partei als bestritten gelten. Im Bereich des nachehelichen Unterhalts und des 

Güterrechts gilt der Verhandlungsgrundsatz gemäss Art. 55 Abs. 1 ZPO, woraus folgt, dass 

die Parteien dem Gericht die Tatsachen, auf die sie ihre Begehren stützen, darzulegen und 

die Beweismittel anzugeben haben. Art. 221 Abs. 1 lit. d ZPO schreibt vor, dass die Klage-

schrift die Tatsachenbehauptungen zu enthalten hat. Nach Lehre und Rechtsprechung  

 bedeutet das, dass die klagende Partei die rechtsbegründenden Tatsachen darzulegen hat 

(Behauptungslast). Dabei sind die Tatsachenbehauptungen substantiiert, das heisst so prä-

zise und detailliert vorzutragen, dass die Gegenpartei darauf antworten kann, eine rechtliche 

Subsumtion möglich ist und über die rechtserheblichen Tatsachen Beweis abgenommen wer-

den kann. Ist eine Partei nicht in der Lage, sich vollständige Kenntnis über den Sachverhalt 

zu beschaffen, so genügt es, wenn sie alle wesentlichen Umstände, soweit möglich und zu-

mutbar, substantiiert behauptet (Substantiierungslast). Eine mangelhafte Substantiierung der 

Klage führt zu einem abweisenden Sachurteil. Gemäss Art. 222 Abs. 2 ZPO hat die  

 beklagte Partei darzulegen, welche Tatsachenbehauptungen der klagenden Partei im Einzel-

nen anerkannt oder bestritten werden. Damit ist – sofern die klagende Partei ihrer Behaup-

tungs- und Substantiierungslast nachgekommen ist – grundsätzlich ein substantiiertes Be-

streiten verlangt (Bestreitungslast). An die Substantiierung der Bestreitung dürfen nicht die 

gleichen Anforderungen wie an die Substantiierung der Behauptung gestellt werden. Mass-

gebend ist die Einlässlichkeit der Sachdarstellung der behauptungsbelasteten Partei sowie 

die Möglichkeit und Zumutbarkeit einer substantiierten Bestreitung. Schlichtes Bestreiten  

 oder Bestreiten mit Nichtwissen genügt nur, wenn die bestreitende Partei den behaupteten 

Ereignissen so fern steht, dass ihr eine Substantiierung nicht zugemutet werden kann. Eine 

Last zum substantiierten Bestreiten kann sich hingegen aus dem Umstand ergeben, dass es 

der behauptungsbelasteten Partei nicht möglich ist, den Sachverhalt mit dem eigenen Wis-

sensstand substantiiert darzustellen. In einem solchen Fall ist die bestreitende Gegenpartei 

aus Treu und Glauben zur Mitwirkung bei der Sachverhaltserstellung verpflichtet (BGE 133 III 

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43 E. 4.3; 127 III 365 E. 2; 115 II 1 E. 4.; 105 II 143 E. 6a/bb; Urteile des Bundesgerichts 

4C.366/2000 vom 19. Juni 2001 E. 5b/bb; 5A_710/2009 vom 22. Februar 2010 E. 2.3.1; 

4C.23/2007 vom 13. März 2007 E. 3.2; Spühler/Dolge/Gehri, Schweizerisches Zivilprozess-

recht, 9. A. 2010, S. 139 f.; Dolge, Anforderungen an die Substantiierung, in: Dolge [Hrsg.], 

Substantiieren und Beweisen, 2013, S. 22 ff.; Brönnimann, Die Behauptungs- und Substanti-

erungslast im schweizerischen Zivilprozessrecht, 1989, S. 183 f. und S. 219 ff.; Glasl, in: 

Brunner/Gasser/ Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, 2.  A. 2016, Art. 55 

ZPO N 17 ff., 21 ff. und 23 ff.; Sutter-Somm/von Arx, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuen-

berger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. A. 2016, 

Art. 55 ZPO N 20 ff.; je mit Hinweisen).  

 

 Inwieweit unter der Geltung der Verhandlungsmaxime Tatsachen zu behaupten und zu be-

weisen sind, ergibt sich einerseits aus den Tatbestandsmerkmalen der aufgerufenen Norm 

und andererseits aus dem prozessualen Verhalten der Gegenpartei (BGE 127 III 365 E. 2b). 

Die Behauptungs- und Substantiierungslast zwingt die damit belastete Partei nicht, sämtliche 

möglichen Einwände der Gegenpartei vorweg zu entkräften. Nur soweit die Gegenpartei den 

schlüssigen Tatsachenvortrag der behauptungsbelasteten Partei bestreitet, greift eine über 

die Behauptungslast hinausgehende Substantiierungslast. Die Vorbringen sind diesfalls nicht 

nur in den Grundzügen, sondern in Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar darzu-

legen, dass darüber Beweis abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis angetreten wer-

den kann (BGE 127 III 365 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 4A_281/2017 vom 22. Januar 

2018 E. 4.2). Dieser Behauptungs- und Substantiierungslast hat die klagende Partei grund-

sätzlich in der Klageschrift (und der Replik) nachzukommen. Tatsachen müssen in ihren we-

sentlichen Zügen oder Umrissen in einer Rechtsschrift behauptet werden (Art. 221 Abs. 1 

lit. d und e ZPO). Die blosse Verweisung auf Aktenstücke ist in der Regel ungenügend  

 (Urteil des Bundesgerichts 4A_317/2014 E. 2.2, mit Hinweisen; Killias, Berner Kommentar, 

2012, Art. 221 ZPO N 23; Willisegger, Basler Kommentar, 3. A. 2017, Art. 221 ZPO N 27). 

Das Bundesgericht verlangt indessen nicht, dass Beilagen, die der Substantiierung dienen, 

zwingend integral im Volltext in die Rechtsschriften übernommen werden. Der Verweis auf 

eine Beilage ist aber jedenfalls dann ungenügend, wenn die Beilage für sich selbst nicht er-

laubt, die geltend gemachten Positionen zu prüfen und gegebenenfalls substantiiert zu be-

streiten, und die Beilage in den Rechtsschriften nicht hinreichend konkretisiert und erläutert 

wird (BGE 136 III 322 E. 3.4.2). Werden Tatsachen in ihren wesentlichen Zügen oder Umris-

sen in einer Rechtsschrift behauptet und wird für Einzelheiten auf eine Beilage verwiesen, ist 

vielmehr zu prüfen, ob die Gegenpartei und das Gericht damit die notwendigen Informationen 

in einer Art erhalten, die eine Übernahme in die Rechtsschriften als blossen Leerlauf erschei-

nen lässt, oder ob der Verweis ungenügend ist, weil die nötigen Informationen in den Beila-

gen nicht eindeutig und vollständig enthalten sind oder aber daraus zusammengesucht wer-

den müssten. Es genügt nicht, dass in den Beilagen die Informationen in irgendeiner Form 

vorhanden sind. Es darf kein Interpretationsspielraum entstehen, die Beilagen müssen  

 vielmehr selbsterklärend sein und genau die verlangten oder in den Rechtsschriften bezeich-

neten Informationen enthalten (BGE 144 III 519 E. 5 ff; Urteile des Bundesgerichts 

4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5.3; 4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2). 

 

3.4 Die am tt.mm.1988 geschlossene Ehe der Parteien hat bis zur tatsächlichen Trennung am 

tt.mm.2013 (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts Zug ES 2015 689 vom 5. Februar 2016, Dis-

positiv Ziff. 1) 25 Jahre gedauert und aus ihr sind drei Kinder hervorgegangen (act. 1 Rz 6). 

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Die Ehe war daher lebensprägend. Die Parteien haben Anspruch auf Fortführung des zuletzt 

gemeinsam gelebten Standards. Diesen haben vorliegend beide Parteien übereinstimmend 

nach der zweistufigen Methode der Existenzminimumsberechnung mit Überschussverteilung 

berechnet (act. 27 S. 10; act. 30 Rz 34). Eine Sparquote wurde von den Parteien nicht gel-

tend gemacht. Gemäss Praxis des Kantonsgerichts Zug setzt sich der Bedarf bei der zwei-

stufigen Methode bei knappen finanziellen Verhältnissen aus dem betreibungsrechtlichen 

Existenzminimum und bei günstigen finanziellen Verhältnissen aus dem familienrechtlichen 

Existenzminimum zusammen (= betreibungsrechtliches Existenzminimum + VVG + Steuern; 

vgl. Arndt, Die Sparquote, in: Fankhauser/Reusser/Schwander [Hrsg.], Brennpunkt Familien-

recht, Festschrift für Thomas Geiser, 2017, S. 43 ff., 47]), worauf vorliegend abzustellen ist 

(vgl. Urteil des Obergerichts Zug Z1 2014 30 vom 2. Februar 2016 E. 3.4). Der Klägerin ob-

liegt die Beweislast für den zuletzt gemeinsam gelebten Standard (BGE 115 II 424 E. 2 f.; Ur-

teile des Bundesgerichts 5A_732/2007 E. 2.2; 5A_584/2008 vom 6. Mai 2009 E. 2; Haus-

heer/Spycher, in: Hausheer/Spycher [Hrsg.], Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. A. 2010, Rz. 

05.173). Ausgehend von den Richtlinien der Justizkommission des Obergerichtes Zug für die 

Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 10. Dezember 2009 (nach-

folgend "Richtlinien"; BGE 140 III 337 E. 4.2.3) berechnet sich das monatliche familienrechtli-

che Existenzminimum der Parteien wie folgt (in CHF, gerundet): 

  

Klägerin Beklagter 

Grundbetrag 1'000.00 1'000.00 

Wohnkosten (inkl. Nebenkosten) 1'020.00 400.00 

Krankenversicherung KVG 374.00 364.00 

Krankenversicherung VVG 52.00 52.00 

AHV-Beitrag für Nichterwerbstätige 152.00 0.00 

Steuern 300.00 300.00 

Total 2'898.00 2'116.00 

 

3.4.1 Zu den einzelnen Positionen ist Folgendes anzumerken: 

 

• Grundbetrag: Nach den Richtlinien beträgt der Grundbetrag für eine alleinstehende Per-

son ohne Betreuungspflichten für unmündige Kinder CHF 1'200.00. In diesem Grundbe-

trag sind die Kosten für Nahrung, Kleidung und Wäsche (einschliesslich deren Instandhal-

tung), Körper- und Gesundheitspflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Privatversi-

cherungen, Kulturelles (Telefon, Radio/TV usw.) sowie Auslagen für Beleuchtung, Koch-

strom und/oder Gas etc. enthalten. Ebenfalls im Grundbetrag enthalten sind die Kosten 

für die Hausrats- und Haftpflichtversicherung (Urteil des Bundesgerichts 5C.53/2005 vom 

31. Mai 2005 E. 5.2). 

 

Wohnt ein Ehegatte mit einem erwerbstätigen und bereits mündigen Kind zusammen, ist 

der Grundbetrag für alleinstehende Personen zu reduzieren, da die aus dem Grundbetrag 

zu deckenden Auslagen nicht mehr allein getragen werden müssen. Es gelangt in diesen 

Fällen der Grundbetrag für eine alleinstehende Person in Haushaltsgemeinschaft mit er-

wachsenen Personen zur Anwendung. Der Ehegatten-Grundbetrag von CHF 1'700.00 ist 

maximal auf die Hälfte herabzusetzen (BGE 130 III 765; Six, Eheschutz, Ein Handbuch für 

die Praxis, 2. A. 2014, N 2.82). Beide Parteien wohnen mit einem bereits volljährigen Kind 

zusammen. Der Sohn I.________, welcher beim Beklagten wohnt, ist bereits ausgelernt 

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und generiert ein eigenes Einkommen. Wie hoch dieses ist und in welchem Umfang er 

sich an den Kosten beteiligt, ist für die Berechnung des Existenzminimums des Beklagten 

unerheblich. Ein tiefer Beitrag von I.________ geht nicht zu Lasten des Unterhaltsberech-

tigten. Auf die Befragung von I.________ als Zeuge kann daher verzichtet werden (act. 27 

S. 4). Die Tochter K.________, welche bei der Mutter wohnt, erhält eine Kinder-IV-Rente 

und generiert zudem einen Lehrlingslohn. K.________ absolvierte bereits eine zweijährige 

Lehre als Informatikpraktikerin EBA (vgl. act. 1/10 im Verfahren ES 2015 689). Ob ihre jet-

zige Ausbildung als Informatikerin EFZ (act. 33/1) noch als Erstausbildung im Sinne von 

Art. 277 ZGB gilt, ist im vorliegenden Verfahren nicht abschliessend zu prüfen (vgl. zum 

Ganzen Fountoulakis/Breitschmid, Basler Kommentar, 6. A. 2018, Art. 277 ZGB). Auch 

mit einem Lehrlingslohn hat sich K.________ an den gemeinschaftlichen Kosten zu betei-

ligen. Die beantragte Zeugenbefragung von K.________ (act. 27 S. 3) ist daher obsolet. 

Ungeachtet von der internen Abmachung zwischen den Eltern und den Kindern über die 

Höhe des Betrages, den sie für Kost und Logis den Eltern abzugeben haben, und im 

Sinne der Gleichbehandlung, ist der Grundbetrag beider Parteien auf CHF 1'000.00 zu 

reduzieren.  

 

• Wohnkosten: Die Miete (inkl. Nebenkosten) der Klägerin von CHF 1'220.00 im Monat ist 

ausgewiesen (act. 1/17). Der Beklagte stellt auf den Eigenmietwert der sich im Gesamtei-

gentum der Parteien befindenden Wohnung G.________ ab und macht Wohnkosten von 

monatlich CHF 960.00 geltend (act. 15 Rz 23). Bei selbstbewohnten Liegenschaften im 

Eigentum setzen sich die Wohnkosten aus den Hypothekarzinsen (ohne Amortisation) 

und den Unterhaltskosten, wie sie sonst als Nebenkosten in einem Mietverhältnis ge-

schuldet sind, zusammen. Hinzu kommen die Prämien für die Gebäudeversicherung (Six, 

a.a.O., N 2.94). Die Einreichung einer Kopie des Postbuches des Beklagten mit diversen 

Zahlungen – ohne die dazugehörigen Rechnungen einzureichen und ohne in den Rechts-

schriften auf die betreffenden Zahlungen hinzuweisen (act. 15/8) –genügt den Anforderun-

gen an die Substantiierung nicht (vgl. oben E. 3.3). Vielmehr wäre es dem bis am 20. No-

vember 2018 anwaltlich vertretenen Beklagten oblegen, die effektiven Kosten in den 

schriftlichen Eingaben aufzuführen und mit entsprechenden Rechnungen und genauer 

Bezeichnung der Belege zu beweisen, zumal die Klägerin die Höhe der Mietkosten des 

Beklagten bestreitet und ihm monatlich nur CHF 800.00 anrechnet (act. 27 S. 10). Die 

Zahlungen im Postbuch besagen weder etwas über die genaue Art der in Anspruch ge-

nommenen Leistung, noch über den Zeitraum, in welchem die Leistung bezogen wurde. 

Indem der Beklagte nur auf den Eigenmietwert der Liegenschaft abstellt, der im Übrigen 

nicht belegt ist, kommt er seiner Substantiierungspflicht nicht nach. Dem Beklagten sind 

daher die von der Klägerin anerkannten Wohnkosten von CHF 800.00 in seinem Bedarf 

anzurechnen.  

 

 Beide Parteien wohnen mit erwerbstätigen Kindern im selben Haushalt. Ein Beitrag der 

Kinder für Logis ist anzurechnen, indem bei den Eltern von tieferen Wohnkosten ausge-

gangen wird. Dies gilt auch für mündige, sich noch in Ausbildung befindende Kinder, wel-

che zu Hause einen Betrag für Logis abgeben (Urteil des Bundesgericht 5C.53/2007 vom 

19. Oktober 2007 E. 3.1). Ist das bereits mündige Kind jedoch noch in Ausbildung sind die 

Wohnkosten in Relation zum erzielten oder zumutbaren Einkommen (Lehrlingslohn)  

 angemessen zu reduzieren (vgl. dazu Six, a.a.O., N 2.101–2.102). Da I.________ bereits 

die Lehre abgeschlossen hat und einen eigenen Lohn generiert, sind dem Beklagten nur 

Seite 10/46 

 

die hälftigen Wohnkosten, mithin CHF 400.00, im Existenzminimum anzurechnen. 

K.________ verdient im ersten Lehrjahr bis 31. Juli 2019 CHF 600.00 und im zweiten 

Lehrjahr bis 31. Juli 2020 CHF 800.00 (act. 33/1). Es ist ihr zumutbar, sich mit rund 

CHF 200.00 im Monat an den Wohnkosten der Klägerin zu beteiligen. Diese betragen 

demnach monatlich noch CHF 1'020.00. 

 

• Krankenversicherung: Die Krankenversicherungsprämien der Klägerin betragen 

CHF 374.35 (KVG) und CHF 52.40 (VVG [act. 7/25]). Diejenigen des Beklagten belaufen 

sich auf CHF 363.70 (KVG) und CHF 52.40 (VVG [act. 1/18]). 

 

• AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige: Die Klägerin bezahlte für das Jahr 2015 AHV-Bei-

träge für Nichterwerbstätige in der Höhe von CHF 1'821.20 (inkl. Verwaltungskosten [act. 

27/74; act. 33 Frage 9]), was rund CHF 152.00 im Monat entspricht. Aktuellere Abrech-

nungen reichte die Klägerin nicht ein. Diese Kosten werden vom Beklagten nicht substan-

tiiert bestritten. Indem er die Bedarfsberechnung nur grundsätzlich bestreitet, eine  

eigene Tabelle einfügt und keine Bemerkungen zu den einzelnen Bedarfspositionen in der 

Berechnung anstellt (act. 15 Rz 23–24; act. 30 Rz 34–36), kommt er seiner Bestreitungs-

last nicht genügend nach, denn schlichtes Bestreiten genügt in der Regel nicht (vgl. dazu 

oben E. 3.3). Der Klägerin sind daher die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige in der  

Höhe von CHF 152.00 pro Monat im Bedarf anzurechnen.  

 

• Steuern: Die Klägerin stellt betreffend Steuerkosten grundsätzlich auf den Eheschutzent-

scheid ab und erhöht den Betrag um CHF 100.00 (act. 27 S. 12). Dem kann nicht gefolgt 

werden, zumal der Eheschutzentscheid für den Scheidungsentscheid nicht präjudizierend 

ist und damit das Scheidungsgericht nicht bindet (Urteil des Bundesgerichts 5A_928/2016 

vom 22. Juni 2017 E. 4.1; BGE 141 III 376 E. 3.4). Es wäre an der Klägerin gelegen, eine 

aktuelle Steuerrechnung einzureichen und damit ihre Kosten zu belegen. Indem der  

Beklagte für seine Steuerkosten pauschal auf das Postbuch verweist, kommt auch er sei-

ner Substantiierungspflicht nicht nach (vgl. dazu oben "Wohnkosten"). Den Parteien sind 

mithin ermessenweise je CHF 300.00 für die Steuern im Bedarf anzurechnen. Eine allen-

falls höhere Steuerbelastung ist aus dem Überschuss zu bezahlen (Six, a.a.O., N. 2.168). 

 

3.4.2 Die Kosten für Kommunikation, Billag und Mobilität (sofern nicht arbeitsbedingt) können im 

familienrechtlichen Existenzminimum nicht berücksichtig werden (vgl. dazu oben E. 3.4). Sie 

sind aus dem Grundbetrag zu decken. 

 

3.5 In einem nächsten Schritt sind die Einkommen der Parteien zu ermitteln, vorab jenes des Be-

klagten. 

 

3.5.1 Der Beklagte bezieht unbestrittenermassen eine jährliche Invalidenrente der AHV/IV von 

CHF 28'200.00 (act. 12/27) sowie eine Rente der Pensionskasse E.________ von 

CHF 32'978.40 (act. 12/28). Dies entspricht einem monatlichen Nettoeinkommen von 

CHF 5'098.20 (= CHF 2'350.00 AHV/IV + CHF 2'748.20 Pensionskasse E.________).  

 

3.5.2 Gemäss Rentenvorausberechnung wird sich die monatliche AHV-Rente des Beklagten ab 

Rechtskraft des Scheidungsentscheids auf CHF 2'106.00 verringern, sofern die Rechtskraft 

der Scheidung vor dem 30. November 2017 eintritt (act. 18/1). Der Beklagte führt zwar in der 

Seite 11/46 

 

Duplik vom 9. April 2018 aus, diese Zahl gelte unter Vorbehalt einer neuen Berechnung ge-

mäss den ab dem 1. Januar 2018 bestehenden neuen Gesetzesgrundlagen (act. 30 Rz 14), 

reicht aber keine neue Rentenvorausberechnung ein. In Bezug auf die im Bereich des nach-

ehelichen Unterhalts geltende Verhandlungsmaxime ist es einzig Sache der Parteien, das 

Tatsächliche in den Prozess einzuführen. Der Beklagte war bis am 20. November 2018 an-

waltlich vertreten und reichte keine aktuelle Berechnung ein. Das Gericht ist grundsätzlich an 

diesen Tatsachenvortrag gebunden und darf keine nicht behaupteten Tatsachen oder nicht 

offerierte Beweismittel zur Urteilsgrundlage erheben (Jungo, Zürcher Kommentar, 3. A. 2018, 

Art. 8 ZGB N 125). Daher ist auf die Rentenvorausberechnung vom 7. September 2017 und 

mithin ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids auf ein monatliches AHV-Einkommen des 

Beklagten von CHF 2'106.00 abzustellen. 

 

3.5.3 Der Beklagte erreichte am tt.mm.2017, nach Einreichen der Scheidungsklage am 9. Februar 

2017, das ordentliche Rentenalter. Für den Fall, dass die invalide Person das reglementari-

sche Rentenalter im Verlauf des Verfahrens zwischen Einleitung des Scheidungsverfahrens  

und Rechtskraft des Scheidungsentscheids erreicht, gelten Spezialbestimmungen (Art. 22a 

Abs. 4 des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- 

und Invalidenvorsorge [Freizügigkeitsgesetz, FZG]), um der Tatsache Rechnung zu tragen, 

dass Renten bereits ausgerichtet wurden. Für die Vorsorgeeinrichtung besteht nämlich das 

Problem, dass sie bereits Rentenbeträge ausbezahlt und nun wegen der Scheidung gestützt 

auf das ungeteilte hypothetische bzw. tatsächliche Altersguthaben und des übrigen Vorsor-

geguthabens dem anderen Ehegatten noch eine Freizügigkeitsleistung zu erbringen hat. Da-

mit müsste die Vorsorgeeinrichtung mehr bezahlen, als wenn die Scheidung nicht eingetre-

ten wäre. Um dies zu verhindern, steht gemäss Art. 19g der Verordnung über die Freizügig-

keit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (Freizügigkeitsverord-

nung, FZV) der Vorsorgeeinrichtung das Recht zu, die zu übertragende Austrittsleistung und 

die künftige Rente des Pflichtigen im Umfang der zu viel ausgerichteten Rentenbeträge zu 

kürzen. Die Kürzung entspricht höchstens der Summe, um die die Rentenzahlungen zwi-

schen dem Erreichen des reglementarischen Rentenalters und der Rechtskraft des Schei-

dungsurteils tiefer ausgefallen wären, wenn ihrer Berechnung ein um den übertragenen Teil 

der Austrittsleistung vermindertes Guthaben zugrunde gelegt worden wäre. Die Kürzung wird 

je hälftig auf die beiden Ehegatten verteilt. Nach Erreichen des reglementarischen Rentenal-

ters basiert die Rente immer auf dem Altersguthaben der versicherten Person, auch wenn 

diese invalid ist (Jungo/Grütter, in: Schwenzer/ Fankhauser [Hrsg.], FamKommentar Schei-

dung, Band I: ZGB, 3. A. 2017, Art. 124 ZGB N 17 ff.; Geiser/Walser, Basler Kommentar, 

6. A. 2018, Art. 124 ZGB N 9). Die per Saldo aus dem Vorsorgeausgleich berechtigte Partei 

erhält eine Austrittsleistung wie bei einer Teilung nach Art. 123 ZGB. Da bei der Klägerin 

noch kein Vorsorgefall eingetreten und auch kein Barauszahlungstatbestand vorliegt, erfolgt 

eine gebundene Freizügigkeitsleistung (vgl. dazu unten E. 10; Geiser/Walser, a.a.O., Art. 124 

ZGB N 16). 

 

 Gemäss Schreiben der Pensionskasse E.________ vom 21. März 2019 beträgt das Alters-

guthaben des Beklagten im Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens 

CHF 641'324.20. Davon in Abzug zu bringen ist das aufgezinste voreheliche Guthaben von 

CHF 127'721.85, was ein zu teilendes Guthaben von CHF 513'602.35 ergibt. Bei einem Vor-

sorgeausgleich von CHF 256'801.20 (= CHF 513'602.35 / 2) reduziert sich die monatliche Al-

terspension des Beklagten der Pensionskasse E.________ ab dem Zeitpunkt der Rechtskraft 

Seite 12/46 

 

des Scheidungsentscheids von CHF 2'748.20 auf CHF 1'584.10 pro Monat (act. 52). Da vor-

liegend, wie noch zu zeigen ist, kein Grund vorliegt, um von der hälftigen Teilung des Vorsor-

geguthabens abzuweichen (vgl. dazu unten E. 10.4), wird sich die Pensionskassenrente des 

Beklagten ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids auf monatlich CHF 1'584.10 reduzieren. 

 

 Somit beläuft sich das Einkommen des Beklagten ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids 

auf CHF 3'690.10 (= CHF 2'106.00 AHV + CHF 1'584.10 Pensionskasse E.________). 

 

3.6 Die Klägerin geht unbestrittenermassen keiner Erwerbstätigkeit nach. Die Parteien sind sich 

einig, dass der Klägerin die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumutbar und mög-

lich ist und ihr daher kein hypothetisches Einkommen aus Erwerbstätigkeit angerechnet wer-

den kann (act. 12 S. 4; act. 15 Rz 10; act. 27 S. 4). Die Befragung der Tochter K.________ 

als Zeugin zum Beweis dafür, dass der Beklagte während der gelebten Ehe einer Erwerbstä-

tigkeit nachgegangen bzw. die Finanzierung des Haushaltes übernommen habe, während die 

Klägerin für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig gewesen sein soll (act. 27 

S. 4), ist daher obsolet.  

 

3.7 Während sich die Klägerin ein monatliches Einkommen aus der Vermietung ihrer Liegen-

schaften in Höhe von CHF 1'491.65 pro Monat anrechnet (act. 27 S. 7; act. 47 S. 4), geht der 

Beklagte von einem erzielbaren monatlichen hypothetischen Liegenschaftsertrag der Kläge-

rin von total CHF 5'701.90 aus (act. 30 Rz 21).  

 

3.7.1 Bei der Beurteilung der Eigenversorgungskapazität der Ehegatten ist grundsätzlich vom tat-

sächlich erzielten Einkommen auszugehen. Reicht dieses Einkommen nicht aus, um den 

ausgewiesenen Bedarf zu decken, kann ein hypothetisches Einkommen angerechnet  

 werden, soweit dieses zu erreichen zumutbar und möglich ist. Dabei handelt es sich um zwei 

Voraussetzungen, die kumulativ erfüllt sein müssen. Damit ein Einkommen überhaupt oder 

ein höheres Einkommen als das tatsächlich erzielte angerechnet werden kann, genügt es 

nicht, dass der betroffenen Partei weitere Anstrengungen zugemutet werden können. Viel-

mehr muss es auch möglich sein, aufgrund dieser Anstrengungen ein Einkommen zu erzie-

len. Zulässig ist auch die Anrechnung eines hypothetischen Vermögensertrages und mithin 

eines hypothetischen Einkommens aus zumutbarer und möglicher Vermietung von Wohnei-

gentum. Mangels anderer Anhaltspunkte kann für die Festsetzung des hypothetischen Ein-

kommens aus Vermietung auf den Eigenmietwert zurückgegriffen werden (Urteil des Bundes-

gerichts 5A_938/2012 vom 1. Februar 2013 E. 4.2.3; Schwenzer/Büchler, a.a.O., Art.  125 

ZGB N 30). Nach der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 ZGB hat die auf Unterhalt  

 klagende Partei die Tatsachen schlüssig zu behaupten, aus denen sich ergibt, dass es ihr 

weder möglich noch zuzumuten ist, für ihren gebührenden Unterhalt (einschliesslich einer an-

gemessenen Altersvorsorge) selbst aufzukommen (Urteile des Bundesgerichts 5A_749/2016 

vom 11. Mai 2017 E. 5; 5A_319/2016 vom 27. Januar 2017 E. 3.2). Will die Klägerin geltend 

machen, die Erzielung eines Mietzinsertrages aus ihren Liegenschaften sei ihr nicht möglich 

und zumutbar, trägt sie dafür die Beweislast (Jungo, a.a.O., Art. 8 ZGB N 572 f.).  

 

 Die Klägerin ist unbestrittenermassen Eigentümerin diverser Liegenschaften. Zu prüfen ist 

nachfolgend, ob ihr bzw. in welcher Höhe ihr aus der Vermietung dieser Liegenschaften ein 

Einkommen angerechnet werden kann.  

 

Seite 13/46 

 

3.7.2 Die Klägerin ist Eigentümerin einer 5,5-Zimmer-Wohnung sowie eines Studios M.________. 

Die Klägerin führt aus, sie generiere aus der Vermietung der beiden Wohnungen einen Net-

toertrag von monatlich CHF 1'272.65 (act. 27 S. 7), was der Beklagte bestreitet. Zusammen-

gefasst führt er zur Begründung aus, einerseits seien die Behauptungen der Klägerin falsch, 

andererseits sei ihr sowieso ein höheres hypothetisches Einkommen aus der Vermietung der 

beiden Wohnungen anzurechnen. Stelle man auf vergleichbare Mietobjekte ab, so sei er-

sichtlich, dass der Klägerin hypothetisch jährliche Mietzinseinnahmen für die 5,5-Zimmer-

Wohnung von brutto CHF 21'480.00 und für das Studio von brutto CHF 13'860.00 angerech-

net werden könnten. Nach Abzug eines Pauschalbetrages für Unterhaltskosten von 20 % und 

einem Näherungswert für die zu bezahlenden Hypothekarzinse von rund CHF 3'000.00 im 

Jahr würde sich ein hypothetischer Nettoertrag von jährlich CHF 25'272.00 bzw. monatlich 

CHF 2'106.00 ergeben. Daher seien der Klägerin hypothetisch höhere Mieteinnahmen anzu-

rechnen. Um der Klägerin entgegenzukommen, sei der Beklagte vergleichsweise bereit, ei-

nen hypothetischen Mietertrag von CHF 1'706.90 zu akzeptieren (act. 30 Rz 17).  

 

 Aus der Vermietung der 5,5-Zimmer-Wohnung und des Studios generiert die Klägerin aktuell 

unbestrittenermassen ein Einkommen. Über die Höhe der aktuellen Mieterträge sind sich die 

Parteien nicht einig. Die Klägerin reichte weder Mietverträge der beiden Wohnungen 

M.________ noch eine aktuelle Steuererklärung zu den Akten. Sie führt zwar in der Replik 

aus, der Liegenschaftsertrag werde nach der Steuererklärung 2016 berechnet (act. 27 S. 11), 

reicht diese aber nicht zu den Akten. In der Steuererklärung 2015 deklarierte die Klägerin 

Nettomietzinseinnahmen für beide Wohnungen von CHF 16'721.00 (act. 12 S. 5), im Jahr 

2013 waren es CHF 16'035.00 (act. 15/2). Die Klägerin rechnet sich selbst ein Einkommen 

von jährlich CHF 15'271.80, respektive monatlich CHF 1'272.65 an. Es ist nachfolgend zu 

prüfen, ob es der Klägerin möglich und zumutbar ist, aus der Vermietung der  

 5,5-Zimmer-Wohnung und des Studios ein hypothetisches Einkommen von CHF 1'706.90 zu 

erwirtschaften. 

 

 Die 5,5-Zimmer-Wohnung sowie das Studio M.________ befinden sich in einem 45-jährigen 

Mehrfamilienhaus (vgl. Kaufvertrag Ziff. 7 "35-jähriges Haus" in act. 22/54). Es ist davon aus-

zugehen, dass die beiden Wohnungen aktuell vermietet sind. Etwas anderes behaupten die 

Parteien nicht. Als Beweis für die Möglichkeit der Erzielung eines höheren hypothetischen 

Liegenschaftenertrages reicht der Beklagte ein Inserat einer frei stehenden  

 4,5-Zimmer-Wohnung N.________ für einen monatlichen Mietzins von CHF 1'790.00 sowie 

für eine freie 1,5-Zimmer-Wohnung O.________ für CHF 1'155.00 ein (act. 30/33). Auf die 

substantiierten Bestreitungen des Beklagten führt die Klägerin lediglich aus: "Die Ausführun-

gen werden bestritten. Die Berechnung des Beklagten über das mögliche Einkommen der 

Klägerin treffen nicht zu." Damit kommt sie ihrer Substantiierungspflicht nicht nach. Es wäre 

an der beweisbelasteten Klägerin gelegen, Argumente vorzutragen, weshalb ihr kein höherer 

hypothetischer Mietzinsertrag angerechnet werden kann. Indem sie die Behauptungen des 

Beklagten, es könne mit der Vermietung der beiden Wohnungen ein monatlicher Nettoertrag 

von CHF 1'706.90 erwirtschaftet werden, nicht substantiiert widerlegt, ist auf die Ausführun-

gen des Beklagten abzustellen. Der Klägerin ist daher zumutbar und möglich, mit der Ver-

mietung der Wohnungen M.________ ein monatliches Einkommen von CHF 1'706.90 zu ge-

nerieren. 

 

Seite 14/46 

 

 Von der Klägerin wird durch die Anrechnung eines höheren hypothetischen Mietertrages eine 

Umstellung der Lebensverhältnisse verlangt. Ihr ist hinreichend Zeit zu lassen, die rechtli-

chen Vorgaben in die Tat umzusetzen. Die Dauer der Übergangsfrist bestimmt sich nach den 

konkreten Umständen des Einzelfalles (Urteile des Bundesgerichts 5A_59/2016 vom 1. Juni 

2016 E. 3.2; 5A_636/2013 vom 21. Februar 2014 E. 5.1 f. und 5.5). Unter diesen Umständen 

sind die Bestimmungen des Mietrechts zu berücksichtigen. Der Vermieter kann den Mietzins 

jederzeit auf den nächstmöglichen Kündigungstermin erhöhen. Er muss dem Mieter die Miet-

zinserhöhung mindestens zehn Tage vor Beginn der Kündigungsfrist auf einem vom Kanton 

genehmigten Formular mitteilen und begründen (Art. 269d Abs. 1 OR). Im Kanton Luzern gibt 

es grundsätzlich keine ortsüblichen Kündigungstermine. Ein bestehendes Mietverhältnis 

kann demnach jeden Monat auf Ende einer dreimonatigen Mietdauer gekündigt werden 

(Art. 266c OR). Es rechtfertigt sich daher, der Klägerin eine Übergangsfrist von vier Monaten 

für die Anrechnung eines höheren hypothetischen Mietertrages anzurechnen. Der Klägerin 

ist mithin aus der Vermietung der Wohnungen M.________ bis zum 30. September 2019 

das, wie von ihr behauptete, effektiv erzielte Einkommen von CHF 1'272.65, und ab 1. Okto-

ber 2019 ein hypothetisches Monatseinkommen von CHF 1'706.90 anzurechnen. 

 

3.7.3 Die Klägerin ist Eigentümerin eines Zweifamilienhauses L.________ (act. 12/43). Unbestritte-

nermassen wohnt der Bruder der Klägerin in dieser Liegenschaft. Er bezahlt keine Miete, 

kommt aber für die anfallenden Nebenkosten auf (act. 15 Rz 48; act. 1/8). Die Klägerin be-

hauptet, die Liegenschaft sei sanierungsbedürftig und nicht beheizbar, weshalb dafür kein 

Mietertrag erwirtschaftet werden könne (act. 12 S. 12; act. 27 S. 8). Der Beklagte bestreitet 

die fehlende Möglichkeit einer Vermietung aufgrund der fehlenden Heizmöglichkeit in der Lie-

genschaft und reicht eine Aufstellung diverser Vergleichsobjekte und deren Mietpreise ein 

(act. 15/19). 

 

 Die Klägerin hat den Beweis dafür zu erbringen, dass die Liegenschaft renovationsbedürftig 

ist und kein Mietertrag erwirtschaftet werden kann (vgl. auch Beweisverfügung vom 20.  Sep-

tember 2017, act. 19). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der eingereichte Beschluss der 

Schlichtungsbehörde Mietrecht lediglich belegt, dass der Bruder der Klägerin keine Miete  

 bezahlt und nur die Nebenkosten finanziert. Eine Vereinbarung zwischen zwei Geschwistern 

über die Mietkosten einer Liegenschaft, die zwar vor einer Behörde, jedoch im Sinne eines 

Vergleichs freiwillig abgeschlossen wurde, ist als Beweis für die fehlende Möglichkeit und Zu-

mutbarkeit der Vermietung der Liegenschaft nicht tauglich. Damit ist nicht erwiesen, dass aus 

der Vermietung der Liegenschaft kein Ertrag erwirtschaftet werden kann. Zwar ist zwischen 

den Parteien unbestritten, dass ein Teil der Liegenschaft nur über einen Tiba-Ofen beheizbar 

ist. Unbestritten geblieben ist aber die Behauptung des Beklagten, in den übrigen Zimmern 

seien von den Eltern der Klägerin Elektroöfen angebracht worden (act. 30 Rz 18; act. 50 

S. 5). Es ist davon auszugehen, dass die Liegenschaft zumindest mit Elektroöfen beheizbar 

ist. Das Problem mit der Feuchtigkeit in der vom Beklagten als "Kellerwohnung" bezeichne-

ten Wohnung hat der Beklagte – als die Parteien noch in der Liegenschaft wohnten – fach-

männisch sanieren lassen. Auch wurde das Bad nach dem Auszug der Parteien im Jahr 

2005 vom Bruder der Klägerin erneuert (act. 50 S. 5). Über den sonstigen Zustand der im 

Jahr 1951 erbauten Liegenschaft ist nichts bekannt. Insbesondere beantragte die Klägerin 

kein gerichtliches Gutachten über den Zustand der Liegenschaft. Auch liegen keine Fotos der 

Liegenschaft im Recht. Im Übrigen ist festzuhalten, dass auch eine renovationsbedürftige 

Liegenschaft sehr wohl vermietet werden kann. Die Klägerin konnte keine sachdienlichen 

Seite 15/46 

 

Belege vorbringen, welche ihren Standpunkt der fehlenden Vermietbarkeit untermauern wür-

den. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass die Liegenschaft aufgrund des schlechten Zu-

standes unbewohnbar sein soll, der rund 65-jährige Bruder der Klägerin aber schon seit Jah-

ren in der Liegenschaft wohnt (act. 33 Frage 24) und auch die Eltern der Klägerin sowie die 

Parteien selber von 1987 bis 2005 dort gewohnt haben (act. 50 S. 10). Dass der Beklagte je-

weils in den gemeinsamen Steuerklärungen mit Unterschrift bestätigte, die Liegenschaft sei 

renovationsbedürftig – wie die Klägerin behauptet (act. 27 S. 8) –, bindet den Beklagten 

nicht, zumal jeder Ehegatte ein eigenes Steuersubjekt darstellt, jeder Ehegatte nur für seine 

eigenen Steuerfaktoren mitwirkungspflichtig ist und eine Mitunterzeichnung der Steuererklä-

rung (im Falle einer Straftat) straflos ist (Art. 180 S. 2 DBGB). Die Vorbringen der Klägerin, 

dass der Bruder der Klägerin schon seit Jahren in der Liegenschaft wohne, nur die Neben-

kosten bezahle und der Klägerin daher keine Miete aufgerechnet werden könne, da dies 

nicht dem während der Ehe Gelebten entspreche, gehen fehl (act. 50 S. 10). Für die Beurtei-

lung der Eigenversorgungskapazität nach einer Scheidung ist die wirtschaftliche Unabhän-

gigkeit der Ehegatten, wonach jeder Ehegatte im Rahmen des Möglichen nach der Schei-

dung für seine eigenen Lebenshaltungskosten aufzukommen hat (sog. "clean break"), höher 

zu gewichten als die nacheheliche Solidarität. Als beweisbelastete Partei trägt die Klägerin 

die Folgen der Beweislosigkeit. Der Klägerin ist es somit möglich und zumutbar, ein hypothe-

tisches Einkommen aus der Vermietung der Liegenschaft L.________ zu erwirtschaften. 

 

 In Bezug auf die Höhe der anrechenbaren hypothetischen Mieteinnahmen geht der Beklagte 

von einem objektiv zumutbaren und möglich zu erzielenden Mietertrag von monatlich 

CHF 3'595.00 aus (act. 30 Rz 21 und 79), was von der Klägerin bestritten wird (act. 27 S. 6). 

Somit ist die Höhe des Mietertrages zu bestimmen, welcher der Klägerin als Einkommen an-

gerechnet werden kann. Als Beweis für einen monatlichen Nettomietertrag reicht der Be-

klagte Vergleichsobjekte von Comparis ein, welche monatlich zwischen CHF 4'100.00 und 

CHF 5'600.00 kosten (act. 15/19). Dabei handelt es sich um Einfamilien- oder Doppeleinfami-

lienhäuser in D.________ in der Grösse von 160 bis 375 Quadratmeter Wohnfläche. Aus den 

Inseraten geht das Baujahr der jeweiligen Vergleichsobjekte nicht hervor.  Aufgrund der Bilder 

handelt es sich wohl aber um neuere und sanierte Liegenschaften. Die streitgegenständliche 

Liegenschaft L.________ ist ein Zweifamilienhaus mit Baujahr 1951. Im Dachgeschoss befin-

det sich eine 4-Zimmer-Wohnung. In Bezug auf die andere Wohnung ist lediglich bekannt, 

dass es sich gemäss Ausführungen des Beklagten um eine Kellerwohnung handeln soll 

(act. 50 S. 5). Die Liegenschaft ist mit einem Tiba-Ofen und einzelnen Elektroöfen beheizbar. 

Die Parteien wohnten von 1987 bis 2005 in dieser Liegenschaft und bezahlten dafür 

CHF 400.00 respektive CHF 500.00 pro Monat (act. 27 S. 5; act. 30 Rz 12). Dieser Betrag 

bezieht sich auf die Miete einer Wohnung in der Liegenschaft, zumal in der anderen Woh-

nung noch die Eltern der Klägerin wohnten. Wie die Klägerin richtigerweise ausführt, war ein 

Mietpreis von CHF 400.00 im Monat unter der normal üblichen Grenze (act. 50 S. 10). Unter 

Berücksichtigung der in den letzten Jahren stetig gestiegenen Mietpreise im Kanton Zug ist 

es der Klägerin zumutbar und möglich, pro Wohnung einen Mietzins von rund CHF 1'000.00 

zu verlangen. Davon in Abzug zu bringen sind die Nebenkosten. Ermessensweise ist von ei-

nem Pauschalabzug für Nebenkosten von rund 20 % auszugehen, was einen anrechenbaren 

hypothetischen Nettoertrag von CHF 1'600.00 ergibt (je CHF 800.00 pro Wohnung). 

Schliesslich legt der Beklagte nicht dar, dass der von ihm beantragte Augenschein (act. 15 

Rz 48) notwendig und geeignet gewesen wäre, einen angemessenen Mietzins der beiden 

Wohnungen zu bestimmen.  

Seite 16/46 

 

 

 Der Klägerin ist eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen, um einen Mietzins zu gene-

rieren. Das bestehende Mietverhältnis mit dem Bruder der Klägerin wurde gemäss Beschluss 

der Schlichtungsbehörde Miet- und Pachtrecht vom 13. Mai 2015 längstens bis 30. Septem-

ber 2016 erstreckt. Die Klägerin ist berechtigt, das Mietverhältnis ab sofort jederzeit unter 

Einhaltung einer einmonatigen Frist per Ende eines jeden Monats zu kündigen (act. 1/8b). 

Dass die Klägerin in Bezug auf ihren Bruder ein Ausweisungsverfahren anstreben müsste  

(act. 27 S. 22), ist unsubstantiiert. Eine Übergangsfrist von zwei Monaten scheint daher an-

gemessen. In dieser Zeit sollte es auch möglich sein, die bis anhin leer stehende zweite 

Wohnung in der Liegenschaft neu zu vermieten, zumal Wohnungen in diesem Preissegment 

im Kanton Zug gefragt sind. Der Klägerin ist mithin ab 1. August 2019 ein hypothetisches 

Einkommen aus der Vermietung der Liegenschaft L.________ von CHF 1'600.00 pro Monat 

anzurechnen.  

 

3.7.4 Betreffend die ebenfalls im Alleineigentum der Klägerin stehende Liegenschaft in 

P.________ rechnet sich die Klägerin ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids ein hypothe-

tisches Einkommen von CHF 219.00 pro Monat an. Die Wohnung sei momentan nicht ver-

mietet, da sie gedenke, die Wohnung zu verkaufen. Die hypothetischen Einnahmen von mo-

natlich CHF 219.00 ergeben sich aus den vergangenen Steuerzahlen (act. 27 S. 8). Der Be-

klagte beantragt, der Klägerin ein hypothetisches Einkommen aus der Vermietung der Lie-

genschaft in P.________ von netto CHF 400.00 pro Monat anzurechnen (act. 30 Rz 21). 

 

 Da sich die Klägerin bereits ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids einen hypothetischen 

Mietertrag anrechnet, ist die Möglichkeit und Zumutbarkeit der Vermietung der Liegenschaft 

in P.________ unbestritten. Zu prüfen bleibt, wie hoch der anrechenbare hypothetische Net-

tomietertrag ausfällt.  

 

 Es trifft zwar zu, dass die Klägerin in der Steuererklärung 2013 Nettoeinnahmen von 

CHF 219.00 pro Monat deklarierte. Jedoch ist für die Beurteilung der Eigenversorgungskapa-

zität nicht auf Zahlen aus dem Jahr 2013 abzustellen, sondern vielmehr auf die aktuellen 

Verhältnisse. Die Klägerin reichte weder eine aktuelle Steuererklärung, noch den letzten 

Mietvertrag der Wohnung in P.________ ein. Der Beklagte beantragt, der Klägerin 

CHF 400.00 pro Monat anzurechnen (act. 30 Rz 21), was von der Klägerin nicht substantiiert 

bestritten wird. Insbesondere macht sie weder Ausführungen über den Zustand der Woh-

nung, noch zum Mietpreis vergleichbarer Objekte in der Umgebung. Mangels Beweisen ist 

daher auf den vom Beklagten geltend gemachten hypothetischen Ertrag von CHF 400.00 im 

Monat abzustellen, welcher im Übrigen in Anbetracht des Mietzinses der Wohnung vor rund 

fünf Jahren von EUR 290.00 (act. 15/21) zumutbar und angemessen zu erreichen erscheint.  

 

 Da die Wohnung in P.________ aktuell nicht vermietet ist, sind keine Fristen für eine Miet-

zinserhöhung gemäss deutschem Mietrecht zu berücksichtigen. Eine Übergangsfrist von 

zwei Monaten um einen neuen Mieter zu finden, scheint – wie für die Liegenschaft 

L.________ – angemessen. Der Klägerin ist mithin ab 1. August 2019 ein hypothetisches 

Einkommen von CHF 400.00 pro Monat anzurechnen. Ab Rechtskraft des Scheidungsent-

scheids bis zum 31. Juli 2019 beträgt der Nettomietertrag noch CHF 219.00 pro Monat. 
 

Seite 17/46 

 

3.7.5 In der Klageantwort beantragt der Beklagte noch die Hinzurechnung eines hypothetischen 

Mietertrages aus der Vermietung des Lagerraumes Q.________ (act. 15 Rz 54), verzichtet 

dann aber in der Duplik darauf (act. 30 Rz 20–21), weshalb der Klägerin kein Mietertrag aus 

der Vermietung des Lagerraumes Q.________ als Einkommen anzurechnen ist.  

 

3.7.6 Die vom Beklagten geltend gemachten monatlichen Einnahmen der Klägerin in Form von bis-

herigem Unterhalt in der Höhe von CHF 2'000.00, einer AHV-Rente ab 2020 von 

CHF 1'175.00 und einer BVG-Rente ab 2020 von CHF 1'450.00 (act. 15 Rz 15) können der 

Klägerin nicht als Einkommen angerechnet werden, da die Klägerin nur einen nachehelichen 

Unterhalt bis zu ihrer ordentlichen Pensionierung beantragt und der bisher geschuldete eheli-

che Unterhaltsbeitrag von CHF 2'000.00 durch den nachehelichen Unterhaltsbeitrag abgelöst 

wird. 

 

3.8 Nachfolgend ist der nacheheliche Unterhaltsbeitrag pro Monat nach der Methode der Exis-

tenzminimumsberechnung mit Überschussverteilung gestützt auf den ermittelten Bedarf so-

wie die Einkommen der Parteien zu bemessen und in drei Phasen aufzugliedern. 

 

 Die erste Phase dauert ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids bis zum 31. Juli 2019. Der 

Gesamtbedarf der Parteien beträgt CHF 5'014.00 (vgl. oben E. 3.4). Diesem Bedarf ist das 

Einkommen der Klägerin von CHF 1'491.65 (= CHF 1'272.65 [M.________] + CHF 219.00 

[P.________]) sowie das Einkommen des Beklagten von CHF 3'690.10 gegenüberzustellen. 

Wird vom Gesamteinkommen der Parteien von CHF 5'181.75 der Gesamtbedarf abgezogen, 

resultiert ein Überschuss von CHF 167.75. Mit der Aufteilung des Überschusses soll beiden 

Ehegatten ermöglicht werden, ihren bisherigen Lebensstandard beizubehalten. Der verblei-

bende Überschuss ist deshalb in der Regel hälftig auf die Ehegatten aufzuteilen, wenn sie 

keine unmündigen Kinder haben (Urteile des Bundesgerichts 5A_409/2015 vom 13. August 

2015 E. 3.2 f.; 5P.341/2002 vom 25. November 2002 E. 6.3; Six, a.a.O., N 2.171). Der ge-

bührende Bedarf der Klägerin beträgt mithin CHF 2'981.85 (= CHF 2'898.00 Existenzmini-

mum + CHF 83.85 Überschuss). Davon kann sie CHF 1'491.65 durch eigenes Einkommen 

decken. Die Klägerin hat demnach in der ersten Phase Anspruch auf einen nachehelichen 

Unterhaltsbeitrag von gerundet CHF 1'490.00. 

 

 Die zweite Phase dauert vom 1. August bis 30. September 2019. Das Einkommen der Kläge-

rin erhöht sich in der zweiten Phase auf CHF 3'272.65 (= CHF 1'272.65 [M.________] + 

CHF 1'600.00 [L.________] + CHF 400.00 [P.________]). Wird vom Gesamteinkommen der 

Parteien von CHF 6'962.75 der Bedarf von CHF 5'014.00 abgezogen, resultiert ein Über-

schuss von CHF 1'948.75. Der gebührende Bedarf der Klägerin beträgt in der zweiten Phase 

CHF 3'872.35 (= CHF 2'898.00 Existenzminimum + CHF 974.35 Überschuss), wovon sie 

CHF 3'272.65 mit ihrem eigenen Einkommen zu decken vermag. Sie hat demnach in der 

zweiten Phase Anspruch auf einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von gerundet 

CHF 600.00. 

 

 In der dritten Phase vom 1. Oktober 2019 bis zur ordentlichen Pensionierung der Klägerin am 

12. März 2020 ist der Klägerin ein hypothetisches monatliches Einkommen von 

CHF 3'706.90 anzurechnen (= CHF 1'706.90 [M.________] + CHF 1'600.00 [L.________] + 

CHF 400.00 [P.________]). Stellt man den Gesamtbedarf der Parteien von CHF 5'014.00 

dem Gesamteinkommen von CHF 7'397.00 (CHF 3'706.90 Einkommen Klägerin + 

Seite 18/46 

 

CHF 3'690.10 Einkommen Beklagter) gegenüber, resultiert ein Überschuss von 

CHF 2'383.00. Der hälftige Überschussanteil der Klägerin beträgt CHF 1'191.50. Von ihrem 

gebührenden Bedarf von CHF 4'089.50 (= CHF 2'898.00 Existenzminimum + CHF 1'191.50 

Überschuss) vermag die Klägerin CHF 3'706.90 durch eigenes Einkommen zu decken. Sie 

hat demnach in der dritten Phase einen Anspruch auf einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag 

von gerundet CHF 383.00 pro Monat. 

 

 Die nachehelichen Unterhaltsbeiträge sind antragsgemäss nicht zu indexieren.  

 

4. Die Klägerin beantragte in Bezug auf die geltend gemachten nachehelichen Unterhaltsbei-

träge erstmals an der Hauptverhandlung die Schuldneranweisung im Sinne von Art. 132 

ZGB. Zur Begründung führt die Klägerin aus, der Beklagte habe die Unterhaltsbeiträge aus 

dem Eheschutzprozess ES 2015 689 seit November 2018 nicht mehr bezahlt und sie habe 

für diese Beträge ein Begehren um Schuldneranweisung beim Gericht einreichen müssen. 

Das Begehren sei mit Entscheid vom 30. Januar 2019 gutgeheissen worden (act. 47 S. 6). 

Der Beklagte sprach sich sinngemäss gegen eine Schuldneranweisung aus (act.  48 S. 2). 

 

4.1 Vernachlässigt die verpflichtete Person die Erfüllung der Unterhaltspflicht, so kann das Ge-

richt ihre Schuldner anweisen, die Zahlungen ganz oder teilweise an die berechtigte Person 

zu leisten (Art. 132 Abs. 1 ZGB). Die Anweisung stellt einen erheblichen Eingriff in das Ver-

hältnis des unterhaltspflichtigen Ehegatten zu seinem Schuldner dar und muss daher verhält-

nismässig sein. Sie darf nur angeordnet werden, wenn aufgrund der Umstände eindeutig da-

von auszugehen ist, dass der unterhaltspflichtige Ehegatte in Zukunft seiner Unterhaltspflicht 

nicht oder nicht regelmässig nachkommen wird, ein Verschulden des Unterhaltsschuldners 

ist jedoch nicht vorausgesetzt (Urteil des Bundesgerichts 5A_464/2012 vom 30. November 

2012 E. 5.3; Schwenzer/Büchler, a.a.O., Art. 132 ZGB N 2; Steiner, Die Anweisungen an die 

Schuldner, 2015, S. 59 f.). 

 

4.2 Die Pensionskasse E.________ wurde mit Entscheid vom 30. Januar 2019 angewiesen, je-

den Monat von der Rente des Beklagten CHF 2'000.00 in Abzug zu bringen und direkt auf 

das Konto der Klägerin zu überweisen (Verfahren ES 2019 23). Die Schuldneranweisung 

wurde vom Gericht damit begründet, dass der Beklagte unbestrittenermassen den mit Ehe-

schutzentscheid vom 5. Februar 2016 angeordneten ehelichen Unterhaltsbeitrag an die Klä-

gerin seit November 2018 nicht mehr bezahlt hatte. Inwiefern davon auszugehen ist, dass 

der Beklagte auch in Zukunft – ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids – seiner Unter-

haltspflicht nicht nachkommen wird, wird von der Klägerin weder behauptet, noch substanti-

iert. Eine Schuldneranweisung ist aufgrund ihres schweren Eingriffs in das Verhältnis des 

Unterhaltspflichtigen zu seinem Schuldner nur zulässig, wenn davon auszugehen ist, dass 

der Beklagte seiner Unterhaltspflicht in Zukunft nicht nachkommen wird. Eine vorsorgliche 

Schuldneranweisung ist nicht Sinn und Zweck von Art. 132 ZGB. Der Antrag auf Schuld-

neranweisung ist daher abzuweisen und die mit Entscheid vom 30. Januar 2019 angeordnete 

Schuldneranweisung ab Rechtskraft des vorliegenden Scheidungsentscheids aufzuheben.  

 

5. Nachfolgend ist zwischen den Parteien die güterrechtliche Auseinandersetzung durchzu-

führen. 

 

Seite 19/46 

 

5.1 Die Klägerin beantragte in ihren Rechtsschriften im Rechtsbegehren zwar die güterrechtliche 

Auseinandersetzung, beziffert ihren Antrag jedoch nicht. In der Replik führte sie sinngemäss 

aus, der Beklagte habe ihr zur Abgeltung ihrer güterrechtlichen Ansprüche CHF 144'801.65 

zu bezahlen (act. 27 S. 32). Obschon der Beklagte in seinem Rechtsbegehren keinen Antrag 

auf güterrechtliche Auseinandersetzung stellte, beantragte er in der Duplik sinngemäss eine 

(güterrechtliche) Ersatzforderung von CHF 421'809.35 (act. 30 Rz 115 ff. und Rz 129). In 

ihren jeweiligen Plädoyers an der Hauptverhandlung änderten beide Parteien die Höhe der 

von der jeweils anderen Partei verlangten güterrechtlichen Ersatzforderung. Die Klägerin  

 bezifferte ihre güterrechtliche Forderung gegenüber dem Beklagten neu auf CHF 148'301.50 

(act. 47 S. 10), der Beklagte seine auf CHF 561'700.00 (act. 50 S. 8). Es stellt sich daher 

zunächst die Frage, ob die Rechtsbegehren der Parteien genügend beziffert sind und eine 

Erhöhung der Forderungen an der Hauptverhandlung zulässig war.  

 

 Rechtsbegehren sind grundsätzlich ausdrücklich zu stellen. Ein Rechtsbegehren muss so 

gestellt sein, dass es bei Gutheissung der Klage unverändert zum Urteil erhoben werden 

kann (BGE 137 III 617 E. 4.3). Dies bedeutet, dass ein Begehren, mit dem ein Geldbetrag 

verlangt wird, zu beziffern ist (Art. 84 Abs. 2 ZPO). Der Sinn eines Begehrens ist aber durch 

Auslegung nach Treu und Glauben zu ermitteln, wobei insbesondere die Begründung der 

Klage zu berücksichtigen ist. Der Wortlaut alleine ist nicht massgebend (Stalder, Rechts-

begehren in familienrechtlichen Verfahren, in FamPra.ch 2014 vom 13. Januar 2014, S. 43 ff, 

44). Ein unbeziffertes Rechtsbegehren ist nach Abschluss des Beweisverfahrens zu beziffern 

(vgl. Art. 85 Abs. 2 ZPO). Es handelt sich jedoch bei den sinngemäss gestellten güterrechtli-

chen Ausgleichsforderungen nicht um unbezifferte Rechtsbegehren, da die Forderungen in 

den Rechtsschriften selbst beziffert wurden. Änderungen, die nicht die nachträgliche Beziffe-

rung i.S.v. Art. 85 Abs. 2 ZPO betreffen, sind später im Verfahren nur noch unter den Voraus-

setzungen von Art. 227 und Art. 230 ZPO möglich, nicht aber gestützt auf Art. 85 Abs. 2 ZPO 

(Stalder, Rechtsbegehren in familienrechtlichen Verfahren, in FamPra.ch 2014 vom 

13.1.2014 S. 43 f., 65). Da die nach dem zweiten Schriftenwechsel stattgefundene Parteibe-

fragung neben diversen Editionen die einzige Beweisabnahme darstellte und sie neue Tatsa-

chen zu den einzelnen Vermögenswerten der Parteien ergab, war eine Änderung der güter-

rechtlichen Ausgleichsforderung am ersten Parteivortrag der Hauptverhandlung zulässig.  

 

5.2 Hinsichtlich der güterrechtlichen Auseinandersetzung gelten die Verhandlungs- und die  

 Dispositionsmaxime (Art. 277 Abs. 1 ZPO; Urteil des Bundesgerichts 5A_621/2012 vom 

20. März 2013 E. 4.3.1). Das Gericht darf einer Partei aufgrund der Dispositionsmaxime nicht 

mehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die  Gegenpartei 

anerkannt hat (Art. 58 Abs. 1 ZPO). Nach der Verhandlungsmaxime haben die Parteien dem 

Gericht die Tatsachen, auf die sie ihre Begehren stützen, darzulegen und die Beweismittel 

anzugeben (Art. 55 Abs. 1 ZPO). Bleiben prozessrelevante Tatsachen unbewiesen, ist nach 

den allgemeinen Regeln der Beweislast zu entscheiden, d.h. es unterliegt diejenige Partei, 

welche die Beweislast trägt (vgl. Art. 8 ZGB).  

 

5.3 Grundlegend für die güterrechtliche Auseinandersetzung ist der zwischen den Parteien wäh-

rend der Ehe bestehende Güterstand. Beim Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung sind 

zwei nach Rechtsträgern getrennte Vermögen der Ehegatten zu unterscheiden, nämlich das 

Frauen- und das Mannesgut. Innerhalb des Vermögens des gleichen Rechtsträgers, d.h. inner-

halb des Frauen- und des Mannesguts, bestehen je zwei Gütermassen, die Errungenschaft 

Seite 20/46 

 

und das Eigengut. Jeder Ehegatte hat Anspruch auf sein Eigengut sowie (in der Regel) die 

Hälfte des Vorschlags der Errungenschaft des anderen (Art. 215 Abs. 1 ZGB). Die güterrechtli-

che Auseinandersetzung wird bei der Errungenschaftsbeteiligung in vier Schritten durchge-

führt, indem (erstens) das Vermögen von Mann und Frau getrennt sowie der Errungenschaft 

oder dem Eigengut zugewiesen, (zweitens) der Vorschlag unter Berücksichtigung allfälliger 

Mehrwertanteile berechnet, (drittens) die Beteiligung am Vorschlag bestimmt und (viertens) 

die Erfüllung der Ansprüche geregelt wird.  

 

5.4 Massgebender Zeitpunkt für den Bestand der Vermögen ist das Datum der Auflösung des 

Güterstandes (Art. 207 Abs. 1 ZGB). Vorliegend wurde mit Entscheid vom 5. Februar 2016 

die Gütertrennung per 1. Januar 2016 angeordnet (Verfahren ES 2015 689). Nach der Auflö-

sung des Güterstandes beeinflussen Veränderungen im Bestand des Vermögens eines Ehe-

gatten die güterrechtliche Auseinandersetzung grundsätzlich nicht mehr. Es kann insbeson-

dere sowohl hinsichtlich Aktiven als auch Passiven keine Errungenschaft mehr entstehen. 

Auch Ersatzanschaffungen sind nicht mehr möglich. Für den Wert der bei der Auflösung des 

Güterstandes vorhandenen Errungenschaft ist hingegen der Zeitpunkt der Auseinanderset-

zung massgebend (Art. 214 Abs. 1 ZGB), d.h. bei der Scheidungsklage der Tag der Ent-

scheidfällung. Folglich sind Wertveränderungen, die zwischen der Auflösung des Güterstandes 

und der güterrechtlichen Auseinandersetzung eingetreten sind, zu berücksichtigen (Steck/ 

Fankhauser in: Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], FamKommentar Scheidung, Band I: ZGB, 

3. A. 2017, Art. 204 ZGB N 10).  

 

5.5 Die Vermögenswerte sind zu ihrem Verkehrswert einzusetzen (Art. 211 ZGB). Verkehrswert 

im Sinne des Gesetzes ist der Wert, der bei einem Verkauf auf dem freien Markt realisierbar 

wäre. Nach dem Zeitpunkt der Gütertrennung veräusserte Vermögenswerte bleiben – und zwar 

zum Wert im Zeitpunkt der Veräusserung – weiterhin für die güterrechtliche Auseinanderset-

zung massgebend (BGE 135 III 241 E. 4.1; 136 III 209 E. 5.2, 6.2.1 und 6.3.2). 

 

5.6 Vorerst ist die Trennung von Frauen- und Mannesgut vorzunehmen. Gemäss Art. 205 ZGB 

nimmt bei der Auflösung des Güterstandes jeder Ehegatte seine Vermögenswerte zurück, die 

sich im Besitz des andern Ehegatten befinden (Abs. 1). Steht ein Vermögenswert im Miteigen-

tum und weist ein Ehegatte ein überwiegendes Interesse nach, so kann er neben den übrigen 

gesetzlichen Massnahmen verlangen, dass ihm dieser Vermögenswert gegen Entschädigung 

des andern Ehegatten ungeteilt zugewiesen wird (Abs. 2). Die Ehegatten regeln ihre gegensei-

tigen Schulden (Abs. 3). Mithin sind zunächst die Aktiven und Passiven der Ehegatten – unter 

Berücksichtigung der gegenseitigen Schulden – zusammenzustellen und in Mannes- und 

Frauenvermögen aufzuteilen (Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, Das Familienrecht des Schwei-

zerischen Zivilgesetzbuches, 5. A. 2014, N 12.153 ff.). Jeder Vermögensgegenstand ist ent-

weder der Errungenschaft oder dem Eigengut zuzuweisen. Entscheidend ist dabei der engste 

sachliche Zusammenhang und damit insbesondere das quantitative Übergewicht der einen  

 oder anderen Gütermasse im Zeitpunkt des Erwerbs des Vermögensgegenstandes. Bei einer 

nachträglichen Investition verbleibt der mitfinanzierte Vermögensgegenstand der bisherigen 

Vermögensmasse selbst dann, wenn der Beitrag wertmässig die Leistung der anderen Masse 

übersteigt (Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, a.a.O., N 12.57 ff.). Auch die Schulden jedes Ehe-

gatten sind entweder seinem Eigengut oder seiner Errungenschaft zuzuordnen. Eine Schuld 

belastet diejenige Vermögensmasse, mit welcher sie sachlich zusammenhängt, im Zweifel aber 

die Errungenschaft (Art. 209 Abs. 2 ZGB).  

Seite 21/46 

 

 

 Art. 200 Abs. 3 ZGB stellt die gesetzliche Vermutung auf, dass alles Vermögen eines Ehegat-

ten bis zum Beweis des Gegenteils als Errungenschaft gilt. Die Beweislastregel kommt dann 

zur Anwendung, wenn zwar die Berechtigung des Ehegatten an einem Vermögensgegenstand 

feststeht, jedoch streitig und unbewiesen ist, welcher der beiden Gütermassen der fragliche 

Vermögenswert zugeordnet werden muss. Mit Bezug auf die Investition in einen Vermögensge-

genstand im Sinne von Art. 209 ZGB gilt dagegen die allgemeine Beweisregel von Art. 8 ZGB. 

Dieser Vorschrift zufolge hat derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu be-

weisen, der aus ihr Rechte ableitet. Wer also eine mehrwertberechtigte Investition behauptet, 

trägt dafür die Beweislast. Zu beachten ist allerdings, dass Ehegatten die finanziellen Belange 

ihrer Gemeinschaft erfahrungsgemäss nicht im Hinblick auf eine künftige güterrechtliche Ausei-

nandersetzung organisieren. Entsprechend schwierig kann sich bei solchen Verhältnissen der 

Nachweis einer Ersatzforderung der einen Gütermasse gegenüber der anderen gestalten. 

Denn oftmals steht nicht von vornherein fest, ob der betreffende Ehegatte für den  

 Erwerb eines bestimmten Vermögensgegenstandes oder für die Tilgung einer bestimmten 

Schuld Mittel aus seiner Errungenschaft oder aus seinem Eigengut verwendet hat. Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Aufwand für den Unterhalt der Familie, ein-

schliesslich der Altersvorsorge, sowie die Auslagen zur Erzielung des Erwerbseinkommens 

und die darauf lastenden Steuern von der Errungenschaft zu tragen. Daraus folgt die natürliche 

Vermutung, dass die Ehegatten zur Deckung der laufenden Bedürfnisse der ehelichen Ge-

meinschaft nicht die Substanz ihres Eigenguts angreifen, das ihnen im Zeitpunkt der Ehe-

schliessung schon gehörte oder später durch Erbschaft oder sonst wie unentgeltlich zugefallen 

ist. Solche Eigengutsmittel bleiben nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemei-

nen Lebenserfahrung grundsätzlich unangetastet bzw. werden in erster Linie für ausserordent-

liche Investitionen eingesetzt (Urteil des Bundesgerichts 5A_37/2011 vom 1. September 2011 

E. 3.2.1 mit Hinweisen; BGE 131 III 559 E. 4.3). 

 

6. Vorliegend ist vorweg über die eheliche Liegenschaft G.________ Grundstück 

Nr. BG.________, inklusive Mehrzweckraum, Grundstück Nr. CG.________ mit Sonderrecht 

am Mehrzweckraum Nr. DG.________ im UG, sowie den Parkplatz Nr. EG.________, 

Grundstück Nr. FG.________, alle GB G.________, zu befinden (act. 1/6). Diese stehen un-

bestrittenermassen im Gesamteigentum der Parteien. Die Ehegatten bilden eine einfache 

Gesellschaft. Bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung ist daher in einer ersten Phase 

die einfache Gesellschaft der Ehegatten nach Massgabe der gesellschaftsrechtlichen Regeln 

zu liquidieren. Dabei dient das vorhandene Vermögen der Gesellschaft in erster Linie der Til-

gung gemeinschaftlicher Schulden und dem Ersatz von Auslagen und Aufwendungen 

(Art. 549 OR). Sodann sind die Einlagen der Gesellschafter dem Werte nach, berechnet auf 

den Zeitpunkt des Einbringens, zurückzuerstatten (Art. 548 OR). Ein Überschuss, der auch 

konjunkturelle Mehrwerte erfasst, ist als Gewinn, ein Fehlbetrag, der auch die Einlagen über-

steigen kann, als Verlust im Sinne von Art. 533 OR unter den Ehegatten aufzuteilen, d.h. 

mangels anderer Vereinbarung hälftig zu teilen. Mit der Verteilung des Gewinns bzw. Ver-

lusts ist die Liquidation der einfachen Gesellschaft abgeschlossen. In einer zweiten Phase 

sind die Liquidationserlöse bei jedem Ehegatten güterrechtlich der Errungenschaft oder dem 

Eigengut zuzuweisen. Die Liquidationsergebnisse sind dabei wie ein eigener Vermögenswert 

zu behandeln (Urteil des Bundesgerichts 5A_656/2013 vom 22. Januar 2014 E. 2.1; Spirig, 

Auflösung des gemeinschaftlichen Eigentums, S. 176 ff.; Steck/Fankhauser, a.a.O., Art. 196 

ZGB N 22; Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, a.a.O., N 14.46 und 14.78 ff.).  

Seite 22/46 

 

 

6.1 Die Parteien haben die eheliche Liegenschaft am 6. November 2003 zu einem Kaufpreis von 

CHF 467'000.00 erworben (act. 12/39). Den aktuellen Verkehrswert schätzen beide Parteien 

übereinstimmend auf CHF 467'000.00 (act. 33 Frage 17). Im Umfang von CHF 300'000.00 

gewährte die R.________ den Parteien einen Hypothekarkredit. Die Einlagen der Parteien 

betrugen somit CHF 167'000.00 (act. 33 Frage 13). Betreffend die investierten Eigenmittel ist 

unbestritten, dass ein Vorbezug aus der Säule 3a des Beklagten von CHF 63'000.00, welche 

zuvor mit Errungenschaftsmitteln angespart worden war, zum Kauf der Liegenschaft aufge-

wendet wurde (act. 27 S. 19; act. 30 Rz 65 ff.; act. 21/5). Die Reservationsgebühr von 

CHF 30'000.00 bezahlte die Klägerin, der restliche Kaufpreis von CHF 74'000.00 wurde je 

hälftig beglichen (act. 33 Frage 13; act. 30 Rz 66; act. 47 S. 7). Die Klägerin behauptet, die 

Reservationsgebühr von CHF 30'000.00 habe sie von ihrer Mutter erhalten, ihr restlicher An-

teil stamme aus Erbschaft, da er nur aus Erbschaft habe stammen können, weil die Klägerin 

während der Ehe keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei (act. 47 S. 7). Die Herkunft der 

von der Klägerin investierten Mittel wird vom Beklagten bestritten (act. 30 Rz 69–71). Die 

Klägerin brachte keine Belege bei, welche ihre Behauptung untermauern könnten. Die Kläge-

rin ging zwar während der Ehe keiner Erwerbstätigkeit nach, jedoch stellen auch Erträge aus 

Eigengut (Mieterträge oder Kapitalerträge) Errungenschaft dar. Die Klägerin konnte nicht 

nachweisen, dass ihre Einlagen in die eheliche Liegenschaft aus Eigengut stammen. Es 

greift daher Art. 200 Abs. 3 ZGB, wonach die Einlagen beider Parteien aus deren Errungen-

schaft stammen.  

 

6.2 Derzeit lastet auf der Liegenschaft eine Hypothek von CHF 250'000.00 (act. 1/7). Die ur-

sprüngliche Hypothek wurde während der Ehe um CHF 50'000.00 amortisiert. Über die Her-

kunft der Mittel sind sich die Parteien uneinig. Während die Klägerin behauptet, es handle 

sich dabei um Mittel aus der Errungenschaft (act. 12 S. 9; act. 27 S. 19), moniert der Be-

klagte, er habe die Rückzahlung der Hypothek in der Höhe von CHF 50'000.00 aus dem Ver-

kauf seiner vorehelichen Liegenschaft in S.________ und damit aus seinem Eigengut finan-

ziert (act. 15 Rz 40; act. 30 Rz 67). 

 

 Aus dem Bankkontoauszug des Privatkontos des Beklagten bei der R.________ ist ersicht-

lich, dass er am 28. November 2005 eine Zahlung von CHF 50'000.00 auf das Konto der Klä-

gerin mit dem Vermerk "Amortisation" tätigte (act. 15/9). Ob es sich dabei um Eigengut des 

Beklagten handelt, geht aus dem Beleg nicht hervor und ist wenig glaubhaft, zumal auf das-

selbe Konto zuvor der Lohn des Beklagten von rund CHF 10'650.00 geflossen ist. An der 

Parteibefragung antwortete er zudem auf die Frage, wohin der Erlös aus dem Wohnungsver-

kauf in S.________ geflossen sei, er habe seinen Kindern davon jeweils CHF 20'000.00 ge-

schenkt (act. 33 Frage 23). Die Rückzahlung der Hypothek erwähnte der Beklagte in diesem 

Zusammenhang nicht. Den Nachweis dafür, dass die Hypothek mit Eigengut des Beklagten 

amortisiert wurde, konnte er nicht beibringen. Die Hypothek wurde demnach mit 

CHF 50'000.00 aus der Errungenschaft des Beklagten amortisiert. Anzumerken bleibt, dass 

die Zuordnung aus welcher Errungenschaft (Klägerin oder Beklagter) die Amortisation geleis-

tet wurde, für die Vermögensverhältnisse der Parteien nach der güterrechtlichen Auseinan-

dersetzung nicht entscheidend ist. Würde diese unter den Parteien in einem anderen Verhält-

nis verteilt, würde sich die Errungenschaft des Beklagten verkleinern und jene der Klägerin 

vergrössern, was den Vorschlag entsprechend verringern würde.  

 

Seite 23/46 

 

6.3 Schliesslich macht die Klägerin eine Investition von CHF 11'500.00 in die eheliche Liegen-

schaft geltend, da sie den Balkon habe verglasen lassen. Für die Kosten sei die Mutter der 

Klägerin aufgekommen (act. 22 Ziff. 6). Der Beklagte bestreitet die Herkunft der Mittel,  

 jedoch nicht die Ausführung und den Wert der Balkonverglasung (act. 30 Rz 126). Die Kläge-

rin reicht diesbezüglich zwar eine Bauanzeige ein (act. 22/68), jedoch keinen Beleg über die 

Finanzierung der Balkonverglasung. Vermutungsweise ist daher von Errungenschaft auszu-

gehen (Art. 200 Abs. 3 ZGB).  

 

6.4 Bei der Liquidation der Ehegattengesellschaft sind zunächst das Fremdkapital und die noch 

nicht erstatteten Betriebskosten, welche einem Gesellschafter entstanden sind, abzurechnen 

(sog. "äussere Liquidation"; Spirig, Auflösung des gemeinschaftlichen Eigentums, S. 177; 

Genna, Auflösung und Liquidation der Ehegattengesellschaft, 2008, S. 14 ff.). Im vorliegen-

den Fall betrifft dies einzig die Hypothekarschuld von CHF 250'000.00.  

 

 Sodann werden den Gesellschaftern ihre Einlagen (anfängliche wie nachträgliche Investitio-

nen in Form von liquiden Eigenmitteln, eingeschlossen allfällige nachträgliche Amortisatio-

nen) zurückerstattet (sog. "innere Liquidation"). Die Klägerin hat demnach Anspruch auf 

Rückerstattung der Anzahlung von CHF 30'000.00, der Restzahlung von CHF 37'000.00 so-

wie der nachträglichen Investition in Form der Balkonverglasung von CHF 11'500.00. Der Be-

klagte hat Anspruch auf Rückerstattung seiner Einlagen seines Säule 3a-Vorbezuges von 

CHF 63'000.00, der Restzahlung von CHF 37'000.00 sowie der nachträglichen Einlage in 

Form der Amortisation der Hypothek in der Höhe von CHF 50'000.00. Nach Begleichung der 

Schulden und Rückerstattung der Sacheinlagen der Parteien resultiert ein Verlust von 

CHF 11'500.00 (= CHF 478'500.00 – CHF 467'000.00). Die im Rahmen der Liquidation der 

Ehegattengesellschaft ermittelten Ansprüche der Parteien auf Einlagenrückerstattung sind 

sowohl auf Seiten der Klägerin als auch auf Seiten des Beklagten vollständig der jeweiligen 

Errungenschaft zuzurechnen. Der von beiden Gesellschaftern zu tragende Verlust von je 

CHF 5'750.00 ist bei beiden Ehegatten ebenfalls der Errungenschaft zuzuordnen.  

 

6.5 Beide Parteien beantragen die Zuweisung der ehelichen Liegenschaft in ihr Alleineigentum. 

 

6.5.1 Gesamteigentum wird mit der Veräusserung der Sache oder dem Ende der Gemeinschaft 

aufgehoben und, wo es nicht anders bestimmt ist, nach den Vorschriften über das Miteigen-

tum geteilt (Art. 654 Abs. 1 und 2 ZGB). Die Frage, ob Art. 205 Abs. 2 ZGB auf Gesamtei-

gentum (bei einer einfachen Gesellschaft unter den Ehegatten) ebenfalls Anwendung findet, 

ist in der Lehre umstritten (Urteil des Bundesgerichts 5A_283/2011 vom 29. August 2011 

E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend verlangen beide Ehegatten übereinstimmend und 

damit einvernehmlich die Anwendung von Art. 205 Abs. 2 ZGB. Es kann demnach die er-

wähnte Streitfrage zur Anwendbarkeit von Art. 205 Abs. 2 ZGB (analog) offen gelassen wer-

den (Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, II. Zivilkammer, FO.2013.25 vom 5. April 

2016; BGE 119 II 197 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 5C.171/2006 vom 13. Dezember 

2006 E. 7.1, in: FamPra.ch 2007 S. 375; 5A_283/2011 vom 29. August 2011 E. 2.2 in fine). 

Folglich kann derjenige Ehegatte, der an der Liegenschaft ein überwiegendes Interesse hat, 

verlangen, dass ihm die Liegenschaft gegen Entschädigung des anderen Ehegatten ungeteilt 

zugewiesen wird. 

 

Seite 24/46 

 

6.5.2 Ein überwiegendes Interesse gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB ist dann anzunehmen, wenn ein 

Ehegatte eine besonders enge Beziehung zur streitigen Sache nachweist. Im Rahmen einer 

Interessenabwägung sind alle Umstände wie berufliche, gewerbliche, gesundheitliche oder 

auch reine Affektionsinteressen zu berücksichtigen. Von Bedeutung kann sein, dass ein Ehe-

gatte die Kinder betreut (BGE 119 II 197 E. 2). Die ungeteilte Zuweisung gemäss Art. 205 

Abs. 2 ZGB setzt nicht nur voraus, dass der übernahmewillige Ehegatte ein überwiegendes 

Interesse am Vermögenswert nachweist, sondern auch, dass er den anderen Ehegatten für 

seinen Anteil entschädigt. Auf die Entschädigung ist auch die Übernahme einer solidarisch 

eingegangenen Schuldverpflichtung durch den Ehegatten anzurechnen, der die Zuteilung 

verlangt, so dass der andere Ehegatte aus seiner Schuldpflicht entlassen wird. Eine solche 

Schuldübernahme setzt die Zustimmung des Gläubigers voraus (Art. 176 OR; Urteil  des Bun-

desgerichts 5A_600/2010 vom 5. Januar 2011 E. 4.1, in: SJ 2011 I S. 246 und  

 FamPra.ch 2011 S. 420). Insbesondere kann relevant sein, dass der die Zuweisung verlan-

gende Ehegatte eine Bestätigung der Bank beibringt, dass er als alleiniger Schuldner akzep-

tiert und der andere Ehegatte aus der Haft für die Hypothekarschuld entlassen werde (Urteil 

des Bundesgerichts 5C.298/2006 vom 21. Februar 2007). 

 

6.5.3 Die Klägerin begründet die Zuweisung der ehelichen Liegenschaft in ihr Alleineigentum im 

Wesentlichen damit, dass die gemeinsame Tochter K.________, welche zuvor noch beim 

Vater gewohnt habe, wieder bei ihr eingezogen sei. Sie würde sich noch in Ausbildung befin-

den und ihren eigenen Arbeitsplatz und Rückzugsort brauchen. Ihre jetzige 1,5-Zimmer-Woh-

nung sei für die beiden zu klein. Der Beklagte wohne dagegen mit dem volljährigen und be-

reits erwerbstätigen Sohn I.________ zusammen in der ehelichen Liegenschaft. Die Klägerin 

würde selber gerne wieder dort einziehen und mit der Tochter K.________ und dem Sohn 

I.________ zusammen wohnen (act. 1 S. 6; act. 12 S. 16). Sie habe eine Bestätigung der 

T.________, wonach ihr zur Übernahme der Liegenschaft eine Hypothek gewährt würde. Der 

Beklagte habe demgegenüber keinen Nachweis einer Bank beigebracht, wonach ihm eine 

Hypothek zur Übernahme der Liegenschaft gewährt werden würde (act. 47 S. 7). 

 

 Der Beklagte entgegnet, K.________ habe ihre Lehre und damit ihre Erstausbildung per 

Ende Juli 2016 erfolgreich abgeschlossen. Es treffe nicht zu, dass K.________ ausschliess-

lich bei der Mutter wohne. Einen grossen Teil ihrer Zeit verbringe sie beim Beklagten. Die 

Klägerin wohne ausserdem gemäss ihrem Mietvertrag in einer 2-Zimmer-Wohnung und nicht, 

wie von ihr behauptet, in einer 1,5-Zimmer-Wohnung. Zudem sei es für ihn überhaupt kein 

Problem, die Liegenschaft zu finanzieren. Er habe mündliche Zusagen von der R.________ 

und der U.________, dass die Finanzierung sicherstellt wäre (act. 50 S. 3). Er wohne nun 

seit rund fünf Jahren mit seinem Sohn I.________ zusammen in der Liegenschaft. Diese 

Wohnung sei sein Lebensmittelpunkt. Auch habe er seit jeher die Hypothekarzinsen für die 

Immobilie alleine bezahlt (act. 15 Rz 78; act. 30 Rz 98–99). 

 

6.5.4 Die Interessen der Parteien an der ehelichen Liegenschaft sind gegeneinander abzuwägen.  

 

 Zunächst ist festzuhalten, dass die eheliche Liegenschaft vom Beklagten und dem bereits 

volljährigen Sohn der Parteien I.________ bewohnt wird. Nach dem Auszug der Klägerin am 

1. Oktober 2013 blieb die damals noch minderjährige Tochter K.________ vorerst in der ehe-

lichen Liegenschaft wohnen. K.________ ist in der Zwischenzeit volljährig geworden und hat 

bereits eine (erste) Ausbildung abgeschlossen. Dass der gemeinsame Sohn I.________ 

Seite 25/46 

 

unter keinen Umständen erneut mit der Mutter zusammen wohnen möchte (act.  15 Rz 70–

71), ist für die Beurteilung eines überwiegenden Interesses gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB un-

erheblich, zumal I.________ bereits mündig, ausgelernt und voll erwerbstätig ist. Es beste-

hen auf beiden Seiten keine Kinderbetreuungspflichten mehr, welche eine Zuteilung der Lie-

genschaft zu Alleineigentum begründen würden. Berufliche oder gewerbliche Interessen kön-

nen beide Parteien nicht geltend machen, zumal die Klägerin keiner Erwerbstätigkeit nach-

geht und der Beklagte bereits pensioniert ist. Der Beklagte hat seinen Lebensmittelpunkt in 

der Wohnung in G.________. Die Klägerin ist im Oktober 2013 ausgezogen und wohnt seit-

her in V.________. Der mittlerweile pensionierte Beklagte ist zudem, anders als die Klägerin, 

nicht Eigentümer weiterer Liegenschaften. Die Klägerin begründet ihr Interesse an der Zu-

weisung der ehelichen Liegenschaft in ihr Alleineigentum lediglich damit, dass die jetzige 

Wohnung für sie und K.________ zu klein sei. Das Interesse des Beklagten in seinem ge-

wohnten Umfeld wohnen zu bleiben überwiegt das Interesse der Klägerin an einer räumli-

chen Vergrösserung ihrer Wohnverhältnisse. 

 

 In Bezug auf die finanziellen Belange ist vorab festzuhalten, dass nicht bekannt ist, ob die 

Parteien in Bezug auf den Hypothekarkredit eine Solidarschuld eingegangen sind. Keine Par-

tei reichte eine schriftliche Bestätigung der aktuellen Hypothekargläubigerbank ein, wonach 

die finanzierende Bank bereit wäre, den anderen Ehepartner aus einer allfälligen Solidar-

schuld zu entlassen. Auch der Hypothekarvertrag ist nicht bei den Akten. Gemäss Aussage 

des Beklagten läuft der Hypothekarvertrag jeweils über maximal drei Jahre. An der Parteibe-

fragung vom 27. September 2018 bestätigte er, in rund eineinhalb Jahren einen neuen Hypo-

thekarvertrag abschliessen zu müssen. Mangels anderer Parteibehauptungen ist daher da-

von auszugehen, dass die laufende Hypothek noch bis im Frühjahr 2020 läuft. Ob die aktu-

elle Gläubigerbank bereit ist, die Klägerin oder den Beklagten aus der Solidarhaft zu entlas-

sen, stellen Tatfragen dar (Urteil 5C.325/2001 vom 4. März 2002 E. 4, in: Pra 2002 Nr. 188 

S. 1006 und ZBGR 84/2003 S. 124), die von keiner Partei behauptet oder substantiiert wor-

den ist. Die von der Klägerin beigebrachte E-Mail der T.________ 7. November 2018 ist kein 

gültiger Finanzierungnachweis. Daraus ist lediglich ersichtlich, dass die T.________ der Klä-

gerin eine Hypothek über CHF 200'000.00 gewähren würde, unter der Bedingung, dass sie 

Alleinbank wird und CHF 17'000.00 von der F.________ und CHF 205'000.00 

(CHF 255'000.00 Pensionskasse abzgl. CHF 50'000.00 zur Amortisation der Hypothek) zur 

T.________ fliessen und aus der Scheidung keine weiteren Verbindlichkeiten entstehen wür-

den (act. 42/89). Die Bestätigung der T.________ steht unter dem Vorbehalt der von der Klä-

gerin telefonisch gemachten Angaben, welche vorliegend nicht bekannt sind. Auch der Be-

klagte reichte keine offizielle Finanzierungszusage der aktuellen Hypothekargläubigerin ein. 

Er führte an der Hauptverhandlung aus, dass er mündliche Zusagen der R.________ und der 

U.________ zur Finanzierung der ehelichen Liegenschaft habe. Dies habe er erst kürzlich 

abgeklärt (act. 50 S. 3). Der Beklagte hat die Hypothekarzinsen in den vergangenen Jahren, 

seit dem Auszug der Klägerin aus der Liegenschaft, alleine finanziert. Etwas anderes be-

hauptet die Klägerin nicht.  

 

 Es ist daher davon auszugehen, dass beide Parteien per Urteilszeitpunkt finanziell in der 

Lage sind, die im Gesamteigentum stehende Liegenschaft zu Alleineigentum zu überneh-

men.  

 

Seite 26/46 

 

 Nach dem Gesagten überwiegen die Interessen des Beklagten an der Zuweisung der im Ge-

samteigentum der Parteien stehenden ehelichen Liegenschaft in sein Alleineigentum. Das 

Amt für Grundbuch und Geoinformation des Kantons Zug ist daher anzuweisen, das Grund-

stück G.________, Grundstück Nrn. BG.________ (Wohnung), CG.________ (Mehrzweck-

raum) und FG.________ (Parkplatz), alle GB G.________, ins Alleineigentum des Beklagten 

zu übertragen. Die daraus entstehenden Kosten und Gebühren sind dem Beklagten aufzuer-

legen. Der Beklagte übernimmt die Hypothekarforderung von CHF 250'000.00, sichergestellt 

durch Inhaber-Papier-Schuldbrief über CHF 300'000.00 im 1. Rang, gegenüber der 

R.________. 

 

6.5.5 Für den Fall einer Zuweisung der Liegenschaft zu Alleineigentum an den Beklagten, bean-

tragt die Klägerin einen Mietzins ab 1. Januar 2016 für die gesamte Dauer bis zum Entscheid 

über die Eigentumsfrage von monatlich CHF 1'500.00 (act. 27 S. 29). Dieser Antrag entbehrt 

jeglicher gesetzlicher Grundlage und ist daher abzuweisen. 

 

7. Als nächstes ist das übrige Frauengut per 1. Januar 2016 auszuscheiden und gleichzeitig  

 güterrechtlich dem Eigengut oder der Errungenschaft zuzuordnen.  

 

7.1 Im Alleineigentum der Klägerin steht eine 5,5-Zimmer-Wohnung (nachfolgend "Wohnung"), 

Grundstück Nr. BM.________, sowie ein Mehrzweckraum (nachfolgend "Studio"), Grund-

stück Nr. CM.________, beide M.________, GB M.________. Die Klägerin erwarb die Woh-

nung und das Studio am 23. Dezember 2008 zu einem Kaufpreis von total CHF 450'000.00 

(CHF 340'000.00 für die Wohnung; CHF 110'000.00 für das Studio [act. 22/54]). Gleichen-

tags kaufte die Klägerin in der gleichen Überbauung einen Tiefgaragenparkplatz (Sonder-

recht am Einstellplatz Nr. DM.________), Grundstück Nr. EM.________, GB M.________, zu 

einem Kaufpreis von CHF 26'000.00 (act. 22/56 Ziff. 3–4). 

 

7.1.1 Während die Klägerin die Liegenschaften M.________ ihrem Eigengut zuordnet, da sie diese 

aus ihrer Erbschaft finanziert habe (act. 12 S. 10), geht der Beklagte von Errungenschaft 

aus. Zur Begründung führt der Beklagte aus, die Klägerin habe nicht nachweisen können, 

dass sie die Liegenschaften neben einer Hypothek über CHF 390'000.00 aus Eigengutsmit-

teln in Höhe von CHF 86'000.00 finanziert habe. Gemäss der gesetzlichen Vermutung sei da-

her von Errungenschaft auszugehen. Ihm stehe daher eine Ersatzforderung von 

CHF 237'500.00 zu (act. 8 S. 3; act. 15 Rz 45). 

 

7.1.2 Nachfolgend sind die von der Klägerin zur Begründung ihres Eigenguts eingereichten Belege 

zu prüfen. Die Klägerin war Miterbin diverser Grundstücke aus der Erbschaft ihrer Eltern. Aus 

dem Verkauf dieser Grundstücke erhielt die Klägerin Erbschaften in der Höhe von 

CHF 101'930.00 (Kaufvertrag vom 23. Juni 2005, act. 12/50), von CHF 158'600.00 (Kaufver-

trag vom 27. Juni 2005, act. 12/49) sowie von CHF 57'700.00 (Kaufvertrag vom 26. Septem-

ber 2005, act. 12/51), welche auf das Konto-Nr. .________ bei der W.________ per Zeit-

punkt des jeweiligen Grundbucheintrages flossen. Am 6. Dezember 2006 erhielt die Klägerin 

eine weitere Erbschaft in der Höhe von CHF 81'500.00, welche auf das Konto-Nr. .________ 

bei der W.________ floss (act. 12/52). Aus dem Bankbeleg betreffend Konto-Nr. .________ 

ist ersichtlich, dass die Klägerin am 5. Januar 2009 CHF 200'000.00 und CHF 230'000.00 an 

X.________ (vormaliger Eigentümer der 5,5-Zimmer-Wohnung und des Studios) sowie 

CHF 26'000.00 an Y.________ (vormaliger Eigentümer des Parkplatzes) überwies (act. 

Seite 27/46 

 

27/80). CHF 290'000.00 davon wurden mittels eines Hypothekarkredites finanziert.  Die Klä-

gerin musste demnach CHF 186'000.00 (= CHF 450'000.00 + CHF 26'000.00 – 

CHF 290'000.00) Barmittel für den Kauf der Liegenschaften aufbringen.  

 

 Der Beklagte anerkennt, dass die Kaufpreiszahlungen für die Wohnung, das Studio sowie 

den Parkplatz M.________ vom Konto stammten, auf welches zuvor die Erbschaften geflos-

sen waren (act. 30 Rz 72). Er verneint die Qualität als Eigengutsliegenschaften aber damit, 

dass von diesen Erbschaften CHF 187'191.70 in australischen Obligationen angelegt worden 

seien und die Klägerin behauptet habe, sie habe genau diese Obligationen verkauft und den 

Erlös sowohl für den Kauf der Liegenschaften M.________ als auch für die Liegenschaft 

L.________ verwendet. Damit sei erstellt, dass mindestens ein Teil der Liegenschaft durch 

Vermögen aus Errungenschaft finanziert worden sei (act. 30 Rz 72). Diese Argumentation 

überzeugt nicht. Insgesamt erhielt die Klägerin aus dem Verkauf der Grundstücke ein Erbe 

von CHF 399'730.00. Belege über die effektiven Transaktionen nach dem Landverkauf auf 

die beiden erwähnten Konten bei der W.________ reichte die Klägerin nicht ein. Jedoch ist 

aus dem Kontoauszug des Kontos Nr. .________ per 28. Februar 2007 ersichtlich, dass die 

Klägerin Anfang 2007 über einen Saldo von CHF 395'162.95 verfügte. Unabhängig davon, 

ob die Klägerin tatsächlich CHF 187'191.70 von ihrem Erbe in australischen Obligationen an-

legte oder nicht, stand der Klägerin aus dem Erbe genügend Kapital zur Verfügung, um die 

Barmittel für den Kauf der Liegenschaften M.________ von CHF 186'000.00 aus ihrem Ei-

gengut zu erbringen. Im Januar 2009 wies das Konto-Nr. .________ der Klägerin noch einen 

Saldo von CHF 167'506.25 aus. Exakt von diesem Konto bezahlte die Klägerin am 5. Januar 

2009 die Kaufpreissumme von CHF 166'000.00 (= CHF 186'000.00 – CHF 20'000.00 Anzah-

lung). Aufgrund des besagten Geldflusses ist davon auszugehen, dass es sich um Eigengut 

der Klägerin handelt (Urteil des Bundesgerichts 5A_14/2014 vom 15. April 2014 E. 2.2). Der 

Beklagte vermag mit seiner Begründung, der Klägerin hätten nicht genügend Eigengutsmittel 

zum Erwerb der Liegenschaften zur Verfügung gestanden, an der gerichtlichen Überzeugung 

der Herkunft des Geldes nichts zu ändern. Die Klägerin konnte den Geldfluss mittels Bankbe-

legen nachweisen, weshalb die Liegenschaften M.________ Eigengut der Klägerin darstel-

len. 

 

7.1.3 Der Beklagte macht geltend, ihm stehe eine Ersatzforderung über die Hälfte der Mietzinsein-

nahmen seit dem Kauf der Liegenschaft abzüglich Hypothekarzinse von CHF 96'600.00 zu 

(act. 15 Rz 46; act. 50 S. 8). Die Klägerin entgegnet, sie habe die Nettoeinnahmen (nach Be-

zahlung der Hypothekarzinsen und Nebenkosten) für den gemeinsamen Haushalt und die 

Kinder ausgegeben und es sei nichts mehr vorhanden (act. 27 S. 21).  

 

Wie der Beklagte richtigerweise ausführt, stellen Erträge aus Eigengut Errungenschaft dar 

(Art. 197 Abs. 2 Ziff. 4 ZGB). Das Barvermögen der Parteien ist per Zeitpunkt der Gütertren-

nung am 1. Januar 2016 zu teilen. Inwiefern zusätzlich zum Stand des Vermögens per 1. Ja-

nuar 2016 noch weitere vergangene Einnahmen zur Errungenschaft hinzuzurechnen sind, 

führt der Beklagte nicht aus. Es kann nur das geteilt werden, was zum Stichtag vorhanden 

ist. Dem Beklagten steht daher keine Ersatzforderung aus Mietzinseinnahmen der Liegen-

schaft M.________ zu.  

 

 

Seite 28/46 

 

7.1.4 Schliesslich macht der Beklage eine Ersatzforderung in Höhe von CHF 50'000.00 geltend, da 

die Wohnung M.________ nach dem Kauf im Umfang von ca. CHF 100'000.00 umfassend 

mit Errungenschaftsmitteln des Beklagten renoviert worden sei (act. 30 Rz 74). 

 

 Hat ein Ehegatte zum Erwerb, zur Verbesserung oder zur Erhaltung von Vermögensgegen-

ständen des andern ohne entsprechende Gegenleistung beigetragen und besteht im Zeit-

punkt der Auseinandersetzung ein Mehrwert, so entspricht seine Forderung dem Anteil sei-

nes Beitrages und wird nach dem gegenwärtigen Wert der Vermögensgegenstände berech-

net; ist dagegen ein Minderwert eingetreten, so entspricht die Forderung dem ursprünglichen 

Betrag (Art. 206 Abs. 1 ZGB). Der Nichteigentümerehegatte muss somit aus seinem Vermö-

gen zum Erwerb, zur Verbesserung oder zur Erhaltung eines bestimmten Vermögensgegen-

standes des Eigentümerehegatten eine Investition getätigt haben. Dieser Beitrag darf weder 

in einer Schenkung bestehen noch durch eine Gegenleistung abgegolten worden sein, son-

dern es muss ein entschädigungsloser Rückforderungsanspruch des investierenden Ehegat-

ten vorliegen, wobei eine Schenkung unter Ehegatten nicht vermutet wird (Urteile des Bun-

desgerichts 5A_329/2008 vom 6. August 2008 E. 3.3, in: FamPra.ch 2009 S. 160; 

5A_662/2009 vom 21. Dezember 2009 E. 2.3). Der Rechtsgrund für den Beitrag ist unbe-

achtlich. Er kann obligationenrechtlicher oder familienrechtlicher Natur sein und in Geld oder 

in einer geldwerten Sach- oder Arbeitsleistung bestehen (Steck/Fankhauser, a.a.O., Art. 206 

ZGB N 4, 8 ff., 20 und 27). 

 

 Wer behauptet, er habe zum Erwerb, zur Verbesserung oder zur Erhaltung von Vermögens-

werten des anderen ohne entsprechende Gegenleistung beigetragen, hat dies zu beweisen 

(Art. 8 ZGB). Im Falle von Investitionen nach Art. 206 Abs. 1 ZGB gehören zum Beweis-

thema die Tatsache der Leistung an sich und der Leistung aus einer bestimmten Gütermasse 

sowie der tatsächliche Umfang dieser Leistung (Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommen-

tar, Art. 206 ZGB N 10). Beweisthema im Falle von Investitionen durch Geldzahlungen ist 

nicht bloss der Vergleich der jeweiligen Vermögen, sondern der konkrete Zusammenhang 

zwischen Zahlung des einen Ehegatten und getilgter Schuld beim anderen Ehegatten, d.h. 

der Zahlungsfluss von der einen in die andere Gütermasse im Einzelfall (Bähler, Zur Führung 

von Prozessen über das Güterrecht, dubio 2006, Heft 5, S. 236 ff. und 242; Steck/ Fankhau-

ser, a.a.O., Art. 206 ZGB N 9a; Urteile des Bundesgerichts 5A_605/2008 vom 28. Januar 

2009 E. 6.5; 5A_822/2008 vom 2. März 2009 E. 3.2 f.). 

 

 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass – entgegen der Behauptung des Beklagten (act. 30 

Rz 71) – in den Fällen von Art. 206 und Art. 209 ZGB nicht die Klägerin die gesetzliche Ver-

mutung der Errungenschaft gemäss Art. 200 Abs. 3 ZGB umzustossen hat, sondern vielmehr 

der Beklagte seine Investitionen und die Herkunft der Mittel beweisen muss. 

 

Der Beklagte offeriert als Beweis die Befragung von Z.________, der damals die Bauleitung 

der Renovationsarbeiten übernommen habe (act. 30 Rz 74). Das Gericht kann nach Mass-

gabe der antizipierten Beweiswürdigung von einer Berücksichtigung der angebotenen Be-

weise absehen. Die Zeugenaussage beschränkt sich auf den Tatsachenbericht, weil es nicht 

Sache des Zeugen ist, die Tatsachen zu würdigen (Guyan, Basler Kommentar, 3. A. 2017, 

Art. 169 ZPO N 1). Eine Zeugenbefragung ist abzulehnen, wenn es an einer substantiiert auf-

gestellten Behauptung fehlt, über die Beweis abgenommen werden könnte (Urteil des Bun-

desgerichts A_541/2011 vom 28. März 2012 E. 3.2.1; Haberbeck, Abgrenzung der 

Seite 29/46 

 

zulässigen antizipierten Beweiswürdigung von der Verletzung des Rechts auf Beweis im Zi-

vilprozess, in: Jusletter, 3. Februar 2014, S. 6). Es wäre am beweisbelasteten Beklagten ge-

legen, zu substantiieren, welche Renovationen in der Wohnung vorgenommen wurden, wie 

viel diese gekostet haben sollen und mit welchen Mitteln die Rechnungen bezahlt wurden. 

Eine in den Rechtsschriften nicht substantiierte Behauptung kann nicht durch eine Zeugen-

befragung wieder gut gemacht werden. Der Zeuge Z.________ könnte zudem nicht sagen, 

aus welchen Mitteln eine allfällige Renovation der Wohnung finanziert worden ist. Schliess-

lich hat der Beklagte den Mehrwert der Liegenschaften (Art. 206 Abs. 1 ZGB) weder behaup-

tet noch substantiiert.  

 

7.1.5 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die 5,5-Zimmer-Wohnung, das Studio sowie der 

Parkplatz in der Liegenschaft M.________ dem Eigengut der Klägerin zuzuordnen sind. Dem 

Beklagten steht keine Ersatzforderung zu.  

 

7.2 Unbestritten ist, dass sich die im Alleineigentum der Klägerin befindliche Liegenschaft 

L.________, Grundstück Nr. BC.________, GB L.________, im Eigengut der Klägerin befin-

det (act. 12/43; act. 15 Rz 49; act. 30 Rz 90). Sie erwarb die Lie