# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3fe5121-cde7-5508-b9d5-576ffd92a1b9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-05-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.05.2017 D-1983/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1983-2015_2017-05-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1983/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M a i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima,  

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Tobias Heiniger,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 20. Februar 2015 / N (…). 

 

 

 

D-1983/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin stellte am 20. April 2012 ein Asylgesuch aus dem 

Ausland. Am 27. Februar 2014 wurde ihr die Einreise in die Schweiz 

zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens bewilligt. Sie ge-

langte am 26. März 2014 in die Schweiz, wo sie am 7. April 2014 um Asyl 

ersuchte. 

B.  

Sie wurde am 28. April 2014 zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie sum-

marisch zu den Fluchtgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 

20. Februar 2015 wurde sie eingehend zu den Gründen ihres Asylgesuchs 

angehört. 

Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass sie die Schule abgebrochen 

und mit ihrem Bruder Eritrea verlassen habe. Zudem habe sie befürchtet, 

in den Militärdienst eingezogen zu werden. 

C.  

Mit Verfügung vom 20. Februar 2015 (Eröffnung am 25. Februar 2015) 

stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz an. Gleichzeitig wurde der Vollzug zugunsten einer vor-

läufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit aufgeschoben. 

D.  

Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres Rechts-

vertreters vom 27. März 2015 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie be-

antragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwei-

sung der Sache an die Vorinstanz zur erneuten Entscheidung. Eventualiter 

sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventu-

aliter sei die Beschwerdeführerin als Flüchtling vorläufig aufzunehmen.  

In prozessualer Hinsicht wurde um den Beizug der Akten des Bruders der 

Beschwerdeführerin und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. April 2015 wurde das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und der Beschwer-

deführerin mitgeteilt, dass über das Gesuch um Beizug respektive Einsicht 

D-1983/2015 

Seite 3 

in die Akten des Bruders nach Eingang einer Einwilligungserklärung befun-

den werde. Am 20. April 2015 wurde die entsprechende Erklärung des Bru-

ders eingereicht. 

F.  

Am 8. Februar 2017 wurde der Beschwerdeführerin Einsicht in die Akten 

des Bruders gewährt und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme geboten. Die 

Beschwerdeführerin reichte innert Frist jedoch keine Stellungnahme ein. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 20. März 2017 äusserte sich das SEM zur Be-

schwerdeschrift, worauf die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 31. März 

2017 replizierte.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

D-1983/2015 

Seite 4 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.   

4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch damit, dass sie 

eritreische Staatsbürgerin sei. Sie sei in B._______ (Eritrea) geboren und 

habe vor ihrer Ausreise zusammen mit ihrer Familie in C._______ (Eritrea) 

gelebt. Sie habe im Jahre (…), als sie die (…) Klasse besucht habe, die 

Schule abgebrochen, um mit ihrem Bruder in den Sudan zu reisen. Dieser 

Bruder habe Probleme mit den Behörden gehabt, während sie selbst we-

der Kontakt noch Probleme mit den eritreischen Behörden gehabt habe 

und weder politisch noch religiös aktiv gewesen sei. Sie habe befürchtet, 

in den Militärdienst eingezogen zu werden. 

Im Zeitpunkt der Ausreise sei sie (…) Jahre alt gewesen. Sie habe Eritrea 

in den Winterferien (…) verlassen. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem 

Bruder D._______ sei sie von C._______ nach E._______ gereist, wo sie 

ihren Bruder F._______ getroffen habe. Mit Letzterem sei sie mit dem Bus 

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nach G._______ gefahren und von dort zu Fuss weiter in den Sudan ge-

reist. Sie sei bei einem ehemaligen Nachbarn in H._______ untergekom-

men, während ihr Bruder weiter nach Israel gereist sei. Etwa nach einer 

Woche habe sie sich nach I._______ begeben, wo sie sich bis zu ihrer 

Reise in die Schweiz aufgehalten habe. 

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin einen Taufschein ein. 

4.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, die Beschwerdeführerin 

mache keine Verfolgung im Heimatland geltend. Ihr Wunsch, ein Leben in 

Frieden und Freiheit zu führen, stelle keinen Asylgrund dar. Sie habe ihr 

Heimatland als (Minderjährige) verlassen. Aufgrund ihrer Ausreise drohe 

ihr keine Verfolgung. Gemäss Erkenntnissen des SEM würden die eritrei-

schen Behörden das Alter einer Person im Moment der illegalen Ausreise 

bei der Beurteilung der Bestrafung einer illegalen Ausreise berücksichti-

gen. Es könne grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass Kinder im 

Alter von bis zu zwölf Jahren bei einer Rückkehr kaum mit einer Strafe zu 

rechnen hätten. Daher würden auch keine subjektiven Nachfluchtgründe 

vorliegen.  

4.3 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerde entgegnet, das SEM 

habe in seiner Verfügung die Familiengeschichte unberücksichtigt gelas-

sen. Mit der Ausreise des Bruders J._______ im Jahre 2006 hätten die 

Probleme der Familie angefangen. In Folge dessen Flucht sei der Vater 

zwei Monate inhaftiert und erst gegen Bezahlung wieder freigelassen wor-

den. Im Jahre 2007 sei der Vater wieder in den Nationaldienst eingezogen 

worden. Auch die zweitälteste Schwester, K._______, sei eingezogen wor-

den. Schliesslich sei auch der Bruder F._______ nach Sawa zur Ausbil-

dung gebracht worden. Er habe seine Fluchtgründe gegenüber den 

Schweizer Behörden ausführlich dargelegt. Der Beschwerdeführerin selbst 

sei es nicht möglich, die Vorgänge rund um die Familie darzulegen, da sie 

noch jung sei und wegen ihrer Rolle als „Mädchen“ nicht in diesbezügliche 

Diskussionen einbezogen werde. Die Ausreise der Beschwerdeführerin 

und F._______ sei aufwändig organisiert worden. Die Beschwerdeführerin 

sei zusammen mit ihrer Mutter nach E._______ gefahren, um F._______ 

zu treffen, welcher Urlaub vom Nationaldienst gehabt habe. Von dort seien 

sie gemeinsam geflohen. Nach der Ausreise sei der Vater verhaftet wor-

den. Man habe ihm vorgeworfen, die Ausreise organisiert zu haben. Da er 

bereits vorher als regimekritisch aufgefallen sei, habe dies zu ständigem 

Druck geführt, welcher heute noch auf der Familie laste. Aus diesen Grün-

den drohe der Beschwerdeführerin eine (Reflex-)Verfolgung und es sei 

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nicht anzunehmen, dass die Behörden aufgrund ihres Alters bei einer Be-

strafung Milde walten lassen würden. 

Der Beschwerdeführerin drohe jedoch bereits aufgrund der illegalen Aus-

reise eine asylrelevante Strafe. Das Alter bei der Ausreise sei unerheblich. 

Der Standpunkt des SEM widerspreche der gegenwärtigen Praxis und eine 

Praxisänderung sei nicht angezeigt, da sich aus aktuellen Berichten keine 

Verbesserung der Lage in Eritrea ergebe. In vergleichbaren Fällen sei je-

weils die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden, so dass gestützt auf 

den Grundsatz der rechtsgleichen Behandlung auch vorliegend die Flücht-

lingseigenschaft festzustellen sei. 

Als Beweismittel lagen der Beschwerde ein Bericht des Special Rapporteur 

on the Situation of Human Rights in Eritrea vom 13. Mai 2014 und zwei 

Online-Zeitungsberichte bei. 

4.4 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, dass weder den Akten der 

Beschwerdeführerin noch denjenigen ihres Vaters oder ihrer Brüder kon-

krete Hinweise zu entnehmen seien, welche auf eine gezielt gegen die Be-

schwerdeführerin gerichtete Verfolgung hindeuten würden. Betreffend die 

illegale Ausreise aus Eritrea werde auf das kürzlich ergangene Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 verwiesen, wonach sich Perso-

nen, welche lediglich illegal ausgereist seien, nicht mit Sanktionen konfron-

tiert sehen würden, welche bezüglich ihrer Intensität und Motivation ernst-

hafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden. Das SEM 

halte somit an der Einschätzung fest, dass keine Anhaltspunkte ersichtlich 

seien, welche die Beschwerdeführerin in den Augen der eritreischen Re-

gierung als missliebige Person erscheinen lassen könnten. Dies umso 

mehr, als die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Ausreise noch minder-

jährig gewesen sei. 

4.5 In der Replik ergänzte die Beschwerdeführerin, das Bundesverwal-

tungsgericht habe in seinem Urteil explizit ausgeführt, dass zwar die ille-

gale Ausreise allein nicht mehr zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft 

ausreiche. Würden jedoch zusätzliche Anknüpfungspunkte vorliegen, wel-

che zu einer Schärfung des Profils führen würden, so sei die Flüchtlingsei-

genschaft zuzusprechen. Die Beschwerdeführerin stamme aus einer Fa-

milie, die seit Jahren im Fokus der eritreischen Behörden gestanden habe. 

So sei ihrem Bruder F._______ in der Schweiz Asyl gewährt worden. Auch 

ihr Vater habe aus Eritrea flüchten müssen und befinde sich mittlerweile 

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ebenfalls in der Schweiz. Auch seine Aussagen seien für die Beurteilung 

des Gefährdungsprofils der gesamten Familie relevant.  

Obschon den Akten des Bruders keine konkreten Hinweise für gezielt ge-

gen sie (Beschwerdeführerin) gerichtete Verfolgungsmassnahmen zu ent-

nehmen seien, stehe ausser Frage, dass ihre Familie ein erhöhtes Gefähr-

dungsprofil aufweise. So sei beispielsweise der Vater bereits inhaftiert wor-

den und auch die Mutter sei seit der Flucht des Vaters Repressionen aus-

gesetzt. Auch diesbezüglich seien die Aussagen des Vaters beizuziehen. 

Sie (Beschwerdeführerin) sei zusammen mit ihrem Bruder ausgereist. Sie 

sei den Behörden bekannt und müsste daher damit rechnen, dass sie bei 

einer Rückkehr aufgrund des Profils ihrer Familie bestraft würde.  

5.   

5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihr aufgrund ihrer Fami-

lienangehörigen eine Reflexverfolgung drohe. Gemäss den Ausführungen 

in der Beschwerdeschrift sei ihre Familie seit der Ausreise ihres Bruders 

J._______ im Jahre 2006 staatlichen Repressionen ausgesetzt. Allerdings 

ist aus den Aussagen der Beschwerdeführerin nicht ersichtlich, dass sie im 

Zeitraum von 2006 bis zu ihrer Ausreise im Jahre (…) gezielten Repressi-

onen ausgesetzt gewesen sei. So antwortete sie auf die Frage, ob ihr je-

mals persönlich etwas passiert sei, was sie zur Ausreise bewegt habe, res-

pektive ob sie jemals persönliche Probleme mit den heimatlichen Behörden 

gehabt habe, explizit mit „nein“ (vgl. act. B27 F9 und F14). Ihr Bruder 

F._______ war nebst der Rekrutierung keinen staatlichen Massnahmen 

ausgesetzt (vgl. act. A16 [N {…}). So fusst seine Asylgewährung auch auf 

der Desertion aus dem Nationaldienst. Die Mutter und die Geschwister der 

Beschwerdeführerin, welche sich weiterhin in Eritrea befinden, sind – so-

weit aus den Akten ersichtlich – ebenfalls keinen Repressionen ausgesetzt, 

welche eine asylrelevante Intensität aufweisen würden. So beschränken 

sich deren Probleme auf Schwierigkeiten bei der Ausgabe spezieller Le-

bensmittel (vgl. act. A 16 F16 [N {…}]). Somit ist nicht anzunehmen, dass 

die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer familiären Verbindungen gezielten 

staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre. Die blosse Mög-

lichkeit einer Einziehung in den Nationaldienst stellt keine asylrelevante 

Verfolgung dar (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 

vom 30. Januar 2017 E. 5.1 [als Referenzurteil publiziert]). Schliesslich ist 

noch zu bemerken, dass der Vater der Beschwerdeführerin bisher noch 

nicht (auch nicht summarisch) zu seinen Gesuchsgründen befragt wurde, 

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Seite 8 

weshalb sich ein förmlicher Beizug seiner Asylakten erübrigt und der Sach-

verhalt aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin und ihres Bruders 

F._______ als hinreichend erstellt zu erachten ist.  

Somit ist von keiner Reflexverfolgungsgefahr aufgrund der familiären Ver-

bindung auszugehen. 

5.2 Auch unter Berücksichtigung der illegalen Ausreise ergibt sich keine 

asylrelevante Verfolgungsgefahr. Das Bundesverwaltungsgericht ging in 

seiner bisherigen Rechtsprechung davon aus, dass bei einer illegalen Aus-

reise aus Eritrea im Falle einer Rückkehr eine Gefahr einer flüchtlingsrecht-

lich relevanten Bestrafung bestehe. Im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 

2017 kam das Gericht jedoch zum Schluss, dass sich diese Praxis nicht 

mehr aufrechterhalten lasse und eine illegale Ausreise allein zur Begrün-

dung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreiche. Eine flüchtlingsrechtlich 

relevante Verfolgungsgefahr sei nur dann anzunehmen, wenn zusätzliche 

Anknüpfungspunkte vorlägen, welche zu einer Schärfung des Profils füh-

ren (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Ja-

nuar 2017 E. 4.1 und 5.1 f. [als Referenzurteil publiziert]). Die Beschwer-

deführerin macht geltend, eine solche Schärfung ergebe sich aufgrund ih-

rer Familie. Ihr Bruder J._______ wurde im Jahre 2009 in der Schweiz als 

Flüchtling vorläufig aufgenommen. Ihrem Bruder F._______, mit welchem 

sie gemäss eigenen Angaben gemeinsam ausgereist sei, wurde im August 

2016 in der Schweiz Asyl gewährt. Zudem befindet sich ihr Vater seit Juni 

2016 ebenfalls in der Schweiz, wobei sein Asylgesuch derzeit beim SEM 

hängig ist. Eine wesentliche Akzentuierung des Profils der Beschwerdefüh-

rerin einzig aufgrund ihrer Familienangehörigen liegt nicht vor. Insbeson-

dere aus dem Umstand, dass ihr Bruder F._______ aus dem Nationaldienst 

desertiert ist, lässt sich keine Gefährdung schliessen, zumal die Beschwer-

deführerin in ihrer eigenen Person nie Anknüpfungspunkte geschaffen hat, 

welche sie in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person 

erscheinen lassen könnten. Wie bereits erwähnt führt die Möglichkeit der 

Einziehung in den Nationaldienst nicht zur Flüchtlingseigenschaft. 

5.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneinte und ihr Asylge-

such ablehnte. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

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Seite 9 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Im Sinne einer Klarstellung wird darauf hingewiesen, dass die Dispositiv-

ziffern 4 bis 7 der angefochtenen Verfügung (vorläufige Aufnahme) durch 

den vorliegenden Entscheid unberührt bleiben.  

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch mit Zwischen-

verfügung vom 10. April 2015 die unentgeltliche Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erhe-

ben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger 

 

 

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