# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ff7260cf-6767-54fb-9f73-41379f1b3f57
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.11.2021 IV 2020/118
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2020-118_2021-11-11.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/118

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 30.03.2022

Entscheiddatum: 11.11.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2021
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Rente der Invalidenversicherung. 
Suchterkrankung. Abhängigkeitssyndrom (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. November 2021, IV 
2020/118).

Entscheid vom 11. November 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2020/118

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Anwalt und Beratung GmbH, 

Poststrasse 6, Postfach 239, 9443 Widnau,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Oktober 2013 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum Sanitär 

respektive zum Sanitärinstallateur abgeschlossen. Die im Anmeldeformular enthaltenen 

Fragen betreffend die zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeiten beantwortete er nicht. Im 

November 2013 berichtete der Internist und Nephrologe Dr. med. B.___, der 

Versicherte leide an einer Polytoxikomanie mit einer Substitutionsbehandlung 

(Methadon) sowie an einer chronischen Hepatitis C (IV-act. 8). Gegenüber einem 

Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle gab der Versicherte an (IV-act. 21), er 

habe mehrere Jahre lang im erlernten Beruf gearbeitet und dann versucht, sich zum 

Sanitärzeichner weiterzubilden. Allerdings habe er die Weiterbildung abbrechen 

müssen. Anschliessend sei er während fünf Jahren als Lagermitarbeiter tätig gewesen. 

Nach einem traumatischen Erlebnis im Jahr 2000 (erweiterter Suizid des Vaters) sei es 

zu einem psychischen „Absturz“ gekommen. Er habe sein Leben nicht mehr im Griff 

gehabt, sei in eine Drogensucht abgeglitten und habe lediglich noch vereinzelt 

temporäre Arbeitseinsätze geleistet. Mit einer Mitteilung vom 19. März 2014 sprach die 

IV-Stelle dem Versicherten Frühinterventionsmassnahmen in der Form von Kursen zu 

(IV-act. 26). Nach einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherten 

(vgl. IV-act. 34) wurden diese Massnahmen mit einer Mitteilung vom 19. August 2015 

abgebrochen (IV-act. 36).

A.a. 

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die estimed AG am 31. März 2018 ein 

polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 70). Der internistische Sachverständige hielt fest, 

der Versicherte habe unter anderem angegeben, dass er dreimal täglich mit dem Hund 

spazieren gehe, was insgesamt zweieinhalb bis drei Stunden pro Tag in Anspruch 

A.b. 

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nehme, dass er bei gutem Wetter motorbetriebene, ferngesteuerte Flugzeuge fliegen 

lasse, dass er fast täglich Fahrrad fahre und manchmal auch mit Inline Skates 

unterwegs sei, dass er sich sporadisch mit Kollegen treffe und dass er auch fast täglich 

für eine Stunde zum Billardspielen ausgehe. Zudem kümmere er sich um den Garten. 

Aus internistischer Sicht leide der Versicherte an einem Status nach einer chronischen 

Hepatitis C, an einem Status nach Hepatitis A und B, anamnestisch an einer exokrinen 

Pankreasinsuffizienz, möglicherweise an einer arteriellen Hypertonie sowie an einem 

saisonalen Asthma bronchiale. Keine dieser Diagnosen schränke die Arbeitsfähigkeit 

ein. Aus internistischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Der 

orthopädische Sachverständige führte aus, der Versicherte leide an einer Periarthritis 

humero-scapularis mit einer Ruptur der langen Bizepssehne. Funktionelle 

Einschränkungen bestünden nicht, weshalb sich diese Diagnose nicht auf die 

Arbeitsfähigkeit des Versicherten auswirke. Aus orthopädischer Sicht sei von einer 

uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die neuropsychologische 

Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an leichten Störungen bei den Lern- 

und Gedächtnisfunktionen, im Aufmerksamkeitsbereich und bei der Strukturierungs- 

und Umstellfähigkeit. Die Auffälligkeiten stünden am ehesten mit dem anhaltenden 

Alkoholüberkonsum in Zusammenhang. Die Frage, ob die langjährige polytoxische 

Einwirkung auf die cerebralen Strukturen persistierende kognitive Defizite verursacht 

habe, könne erst nach einem mehrmonatigen Entzug beantwortet werden. Aufgrund 

der neuropsychologischen Funktionsstörung sei für sämtliche Tätigkeiten eine 

Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent zu attestieren. Der psychiatrische Sachverständige 

führte aus, der Versicherte leide unter einer methadonsubstituierten Opiatabhängigkeit 

mit einem regelmässigen Beikonsum von Heroin sowie an einer Alkoholabhängigkeit 

mit einem ständigen Konsum. Die psychisch-geistige Leistungsfähigkeit sei durch 

affektive, psychomotorische, kognitive, formalgedankliche und vegetative Symptome 

erheblich beeinträchtigt. Die psycho-physische Leistungsfähigkeit sei durch eine 

ausgeprägte Störung der Vitalgefühle deutlich eingeschränkt. Eine Antriebsminderung 

schränke die soziale Interaktion deutlich ein. Auf der Fähigkeitsebene fehlten 

elementare Voraussetzungen für eine stabile Arbeitsfähigkeit, nämlich die Ausdauer, 

die Zuverlässigkeit, die Frustrationstoleranz und die Flexibilität. Unter den Bedingungen 

der freien Wirtschaft bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit, da der Versicherte 

weiterhin täglich mehrere Liter Bier trinke, Benzodiazepine und Methadon einnehme 

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und Heroin konsumiere. Zu den vom Versicherten geschilderten Alltagsaktivitäten 

äusserte sich der psychiatrische Sachverständige nicht. Bezugnehmend auf die in den 

Berichten der behandelnden Ärzte diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung 

respektive andauernde Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung hielt er 

fest, dass einerseits die vom Versicherten geschilderte Symptomatik nicht zu einer 

posttraumatischen Belastungsstörung passe und dass andererseits kein kognitives 

Vermeidungsverhalten habe objektiviert werden können. Der Versicherte leide 

insbesondere nicht an einem intrusiven Erleben im engeren Sinne. Die Frage, ob der 

erweiterte Suizid des Vaters einen Einfluss auf die Drogensucht gehabt habe, könne 

nicht beantwortet werden. Das Abhängigkeitssyndrom habe aber zu einer irreversiblen 

Gesundheitsschädigung geführt („z.B. Leberzirrhose“). Am 8. Mai 2018 notierte med. 

pract. C.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 71), das 

psychiatrische Teilgutachten sei nicht nachvollziehbar. Der Sachverständige habe dem 

Suchtleiden eine relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit attestiert, obwohl der 

Versicherte nicht an einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung leide, die dem 

Suchtleiden zugrunde läge, und obwohl das Suchtleiden auch nicht zu schweren 

irreversiblen körperlichen oder kognitiven Folgeschäden geführt habe. Die Beurteilung 

bezüglich des Funktionsniveaus habe sich auf das „Mini-ICF-APP“ gestützt, aber der 

psychiatrische Sachverständige habe die Quantifizierung der ICF-Parameter nicht 

ausreichend beschrieben, sondern die Einschränkungen bloss pauschal als leicht-, 

mittel- oder schwergradig bezeichnet. Die entsprechende Beurteilung widerspreche 

teilweise den Resultaten der neuropsychologischen Testung, aber der psychiatrische 

Sachverständige habe sich gar nicht mit dem neuropsychologischen Teilgutachten 

auseinander gesetzt. Die Argumentation des psychiatrischen Sachverständigen, die 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei unter anderem auf eine ausgeprägte Störung 

der Vitalgefühle zurückzuführen, überzeuge nicht, denn eine solche Störung lasse sich 

nicht mit dem vom Versicherten geschilderten aktiven Tagesablauf vereinbaren. Zudem 

wäre eine solche Störung ein Leitsymptom für die Diagnose einer depressiven Störung, 

der psychiatrische Sachverständige habe aber explizit festgehalten, dass keine 

depressive Störung diagnostiziert werden könne. Ein sozialer Rückzug liege entgegen 

der Darstellung des psychiatrischen Sachverständigen nicht vor, sei der Versicherte 

doch sehr aktiv und bewege er sich regelmässig ausser Haus. Ebenfalls nicht 

nachvollziehbar sei die Behauptung des psychiatrischen Sachverständigen, die 

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Suchterkrankung sei therapeutisch nicht mehr angehbar. Im Gutachten fehle eine 

Begründung für diese Angabe. Die Akten enthielten weder einen Hinweis auf eine 

schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigung als Ursache der Suchtproblematik noch 

einen Hinweis auf eine schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigung als Folge der 

Suchtproblematik. Es sei nicht einzusehen, weshalb dem Versicherten eine 

mehrmonatige Abstinenz unzumutbar sein sollte. Der Versicherte sei deshalb zu einem 

Entzug aufzufordern; anschliessend werde ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben 

werden müssen.

Am 10. Juli 2018 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf (IV-act. 74), einen 

Alkohol- und Drogenentzug durchzuführen und anschliessend eine mindestens 

dreimonatige Abstinenz einzuhalten. Die Abstinenz sei mittels Urinproben zu belegen. 

Sollte der Versicherte dieser Aufforderung nicht Folge leisten, werde die IV-Stelle das 

Rentenbegehren nicht weiter bearbeiten. Sie werde „die Erhebungen einstellen“ und 

„auf Ihr Gesuch nicht eintreten“. Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. D.___, teilte 

der IV-Stelle am 27. Juli 2018 mit (IV-act. 78), dass sich der Versicherte gerade in einer 

schlechten Verfassung befinde, da seine langjährige Partnerin vor Kurzem Selbstmord 

(recte: Suizidversuch; vgl. IV-act. 123–8) begangen habe. Er, Dr. D.___, bitte um eine 

Fristverlängerung bezüglich des Beginns des Suchtmittelentzugs. Am 7. Dezember 

2018 forderte die IV-Stelle Dr. D.___ auf, bis spätestens am 31. Dezember 2018 

anzugeben, wo und wann der Versicherte den geforderten Entzug in Angriff nehmen 

werde (IV-act. 83). Am 25. Januar 2019 mahnte sie den Versicherten zur Erfüllung 

seiner Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung, wobei sie ihm eine letzte Frist 

bis zum 15. Februar 2019 einräumte (IV-act. 84). Am 10. April 2019 nahm der 

psychiatrische Sachverständige Stellung zu den Rückfragen der IV-Stelle, die diese ihm 

21. Juni 2018 gestellt hatte (vgl. IV-act. 72). Er hielt fest (IV-act. 92), der Versicherte 

habe seinen Alkoholkonsum nicht einmal kurzfristig sistieren können, obwohl die 

anstehende Begutachtung ihn dazu hätte anhalten müssen. Das zeige, dass er an einer 

langjährigen, chronifizierten und weitgehend therapieresistenten 

Abhängigkeitserkrankung leide und dass er deshalb weniger flexibel und 

umstellungsfähig sei, als von der neuropsychologischen Sachverständigen aufgrund 

der Ergebnisse der neuropsychologischen Testung geltend gemacht worden sei. In der 

Begutachtung sei eine Störung der Vitalgefühle aufgefallen. Die Freizeitaktivitäten ohne 

A.c. 

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einen Leistungsanspruch liessen keine Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit in der 

freien Wirtschaft zu. Am 14. Mai 2019 teilte der Versicherte telefonisch mit, dass er sich 

bei der Klinik E.___ für einen stationären Entzug angemeldet habe (IV-act. 96). Am 28. 

Mai 2019 wies er darauf hin, dass er am 3. Juni 2019 in die Klinik eintreten werde (IV-

act. 97). Im Austrittsbericht vom 25. Juli 2019 betreffend die stationäre Behandlung in 

der Zeit vom 3. Juni 2019 bis zum 5. Juli 2019 hielt die Klinik E.___ fest (IV-act. 109), 

der Entzug habe ohne erkennbare körperliche Entzugserscheinungen durchgeführt 

werden können. Zur Unterstützung habe man dem Versicherten Diazepam verabreicht. 

Einem Wechsel von Methadon auf Sevre-Long habe der Versicherte ablehnend 

gegenübergestanden. Der Hausarzt Dr. D.___ reichte in der Folge regelmässig die 

Ergebnisse von Urinproben ein. Der RAD-Arzt C.___ notierte am 14. August 2019 (IV-

act. 112), die Auflagen bezüglich der Suchtmittelabstinenz seien eingehalten worden, 

weshalb nun ein Auftrag für eine psychiatrische und neuropsychologische 

Verlaufsbegutachtung vergeben werden könne. Der Versicherte müsse natürlich bis zur 

Begutachtung weiterhin abstinent bleiben.

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Neurologie Toggenburg AG am 17. Januar 

2020 ein neuropsychologisches und psychiatrisches Gutachten (IV-act. 123). Der 

neuropsychologische Sachverständige führte aus, formal hätten sich in der Testung 

insgesamt leichte bis mittelschwere kognitive Defizite mit Beeinträchtigungen im 

mnestischen, attentionalen und exekutiven Bereich gezeigt. Allerdings hätten sich in 

einem Leistungsvalidierungsverfahren im mnestischen Bereich Unregelmässigkeiten im 

Sinne von knapp auffälligen Untertests gezeigt. Die übrigen Untertests, ein zweites 

Leistungsvalidierungsverfahren im Aufmerksamkeitsbereich sowie ein eingebetteter 

Validitätsparameter seien unauffällig gewesen, sodass am ehesten von einer 

Verdeutlichungstendenz im mnestischen Bereich ausgegangen werden müsse. Die 

formal bis mittelgradigen mnestischen Defizite seien deshalb als ein „überzeichneter 

Befund“ zu qualifizieren. Zusammenfassend bestehe somit eine leichte 

neuropsychologische Störung, die am ehesten im Rahmen eines langjährigen Drogen- 

und Alkoholkonsums zu erklären sei. Die Validität der neuropsychologischen Befunde 

sei durch den laboranalytisch belegten fortgesetzten Alkohol- und Drogenkonsum des 

Versicherten eingeschränkt. Deshalb könne die Frage, ob dem Versicherten nach einer 

erfolgreichen Entgiftungsphase und anschliessenden mehrmonatigen Abstinenz 

A.d. 

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bessere kognitive Leistungen möglich wäre, nicht beantwortet werden. Der 

psychiatrische Sachverständige hielt fest, der Versicherte habe einen gut strukturierten 

Tagesablauf mit Aussenaktivitäten geschildert, die er teilweise zusammen mit seiner 

Lebenspartnerin verrichte, und er habe angegeben, dass er sich regelmässig im Garten 

betätige. Er befinde sich nicht in einer psychiatrischen Behandlung. Der psychiatrische 

Sachverständige schilderte den Versicherten als pünktlich, gepflegt gekleidet, 

freundlich, kooperativ und humorvoll. Er hielt fest, der Untersuchungsbefund nach 

AMDP sei regelrecht gewesen. Im Rahmen der klinischen Untersuchung seien keine 

mnestischen oder kognitiven Einschränkungen aufgefallen. Anhaltspunkte für eine 

namhafte psychiatrische Beeinträchtigung hätten nicht vorgelegen. Insbesondere seien 

die Achsenkriterien einer depressiven Störung nicht evident gewesen. Aus 

gutachterlicher Sicht könne die in den Berichten der behandelnden Ärzte erwähnte 

Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung nach einer Extrembelastung nicht 

nachvollzogen werden. Der Versicherte habe im Rahmen der Begutachtung 

nachvollziehbare Beeinträchtigungen nach dem Tod seiner Eltern, aber auch eine 

sukzessive Besserung unter Therapie angegeben. Retrospektiv könne allenfalls von 

einer möglicherweise temporär vorhandenen posttraumatischen Belastungsstörung 

ausgegangen werden. Sämtlichen Berichten sei zu entnehmen, dass jeweils der 

multiple Substanzgebrauch im Vordergrund der klinischen Symptomatik gestanden 

habe. Auffälligkeiten der Persönlichkeit oder affektive Einschränkungen seien nicht 

beschrieben worden. Der in einem Bericht aus dem Jahr 2016 erwähnte IQ von 66 

erscheine als nicht plausibel, da der Versicherte eine normale Schul- und Berufsbildung 

hinter sich habe. Die Aussage im Gutachten der estimed AG, die Begutachtung sei 

durch den Konsum von psychotropen Substanzen nicht weiter beeinflusst gewesen, 

überzeuge nicht, da die Sachverständigen ja selbst unter anderem einen Foetor 

alcoholicus ex ore wahrgenommen hätten. Schlussendlich könnten alle in jenem 

Gutachten geschilderten Einschränkungen auf einen Substanzkonsum zurückgeführt 

werden. Zudem könne nicht generell davon ausgegangen werden, dass mehrfache 

erfolglose Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlungen immer ein Indiz für eine 

schlechte Prognose seien. Im Austrittsbericht der Klinik E.___ vom 25. Juli 2019 seien 

weder eine deutliche depressive Symptomatik noch eine andere namhafte psychische 

Beeinträchtigung erwähnt worden. Die stationäre Entzugsbehandlung habe gezeigt, 

dass der Versicherte unter strukturierten und motivierenden Bedingungen offensichtlich 

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in der Lage gewesen sei, sich an die Stationsregeln und an die Abstinenzvorschriften 

zu halten. Zusammenfassend ergebe sich aus psychiatrischer Sicht, dass sich beim 

Versicherten in dessen Jugend ein Abhängigkeitssyndrom entwickelt habe, das nicht 

auf psychiatrische Beeinträchtigungen zurückzuführen und folglich nicht als ein 

dysfunktionaler Selbstheilungsversuch zu qualifizieren sei. Der Tod der Eltern habe 

möglicherweise eine mittelgradig ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung 

ausgelöst, deren Symptome im Rahmen von ambulanten Therapiemassnahmen 

abgeklungen seien. Abgesehen vom in der Folge gesteigerten Substanzmissbrauch 

seien keine namhaften psychischen Beeinträchtigungen objektiviert worden. Auch 

aktuell leide der Versicherte an einem polyvalenten Abhängigkeitssyndrom mit einem 

fortgesetzten Konsum von Alkohol, Kokain und ärztlich verordneten Benzodiazepinen 

bei einer Teilnahme am Ersatzdrogenprogramm. Im Rahmen des 

Abhängigkeitssyndroms liessen sich leichte neuropsychologische Defizite objektivieren. 

Der Versicherte leide an leichten Aufmerksamkeitsdefiziten, an einer verlangsamten 

Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie an Problemen in der Interferenzabwehr und der 

Impulskontrolle. Insgesamt sei von einer Verlangsamung, einer erhöhten Ablenkbarkeit 

und einer erhöhten Fehleranfälligkeit auszugehen. Bei einer entsprechenden Motivation 

wäre der Versicherte ausreichend gut zur Planung und Strukturierung von Aufgaben 

befähigt. Auch die Durchhaltefähigkeit wäre bei einer entsprechenden Motivation gut. 

Der Versicherte könne sich ausreichend an Regeln und Routinen anpassen und in 

Teams integrieren, sofern man ihn dazu motiviere. Die angestammte Tätigkeit sei ihm 

gesamthaft im Umfang von 80 Prozent zumutbar. Für eine ideal leidensadaptierte 

Tätigkeit sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 90 Prozent zu attestieren. Diese 

Arbeitsfähigkeit bestehe mindestens seit der neuropsychologischen Voruntersuchung 

vom 14. März 2018. Für die Zeit davor sei eine fundierte retrospektive Beurteilung 

mangels neuropsychologischer Befundschilderungen nicht möglich. Der RAD-Arzt 

C.___ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 126).

Mit einem Vorbescheid vom 12. Februar 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten 

mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 129). Dagegen wandte der 

Versicherte am 19. März 2020 ein (IV-act. 134), er könne nicht nachvollziehen, weshalb 

die IV-Stelle das Gutachten der estimed AG ignoriere. Er leide nach wie vor an 

A.e. 

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B.  

denselben Gesundheitsbeeinträchtigungen wie bei der damaligen Begutachtung. 

Folglich müsse auf das Gutachten der estimed AG abgestellt werden. Er beantrage die 

Zusprache einer Rente. Mit einer Verfügung vom 20. März 2020 wies die IV-Stelle das 

Rentenbegehren des Versicherten mangels eines rentenbegründenden 

Invaliditätsgrades ab (IV-act. 135).

Am 2. Juni 2020 (Datum der Postaufgabe) erhob der Versicherte (nachfolgend: der 

Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. März 2020 (act. G 

1). Er machte geltend, seine kognitiven Defizite seien ungenügend gewürdigt worden. 

Er habe die angefochtene Verfügung nicht direkt erhalten. Sie sei ihm erst am 30. April 

2020 vom Sozialamt ausgehändigt worden.

B.a. 

Das Versicherungsgericht forderte die IV-Stelle (nachfolgend: die 

Beschwerdegegnerin) am 10. Juni 2020 auf, einstweilen nur zur Frage Stellung zu 

nehmen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden sei (act. G 2). Diese hielt am 

9. Juli 2020 fest (act. G 3), eine Zustellung der Verfügung vor dem 30. April 2020 lasse 

sich nicht nachweisen, aber die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers 

erscheine unter Berücksichtigung der wenigen Indizien zu diesem Thema als 

überzeugend.

B.b. 

Mit einem Zwischenentscheid vom 29. Juli 2020 trat das Versicherungsgericht auf 

die Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. März 2020 ein (act. G 7).

B.c. 

Am 13. November 2020 liess der Beschwerdeführer ergänzend geltend machen 

(act. G 14), die estimed AG habe überzeugend dargelegt, dass ihm eine 

Erwerbstätigkeit aufgrund der ausgeprägten Suchtproblematik nicht mehr zumutbar sei 

und dass er auch nicht in der Lage sei, seine Sucht in den Griff zu bekommen. Die 

Ausführungen der Neurologie Toggenburg AG seien dagegen unzutreffend; er bestreite 

diese in aller Form. Der Eingabe lag eine undatierte Stellungnahme von Dr. D.___ bei 

(act. G 14.1.1). Dieser hatte das Gutachten der estimed AG als überzeugend und jenes 

der Neurologie Toggenburg AG sinngemäss als ein Gefälligkeitsgutachten zugunsten 

der Beschwerdegegnerin qualifiziert.

B.d. 

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Erwägungen

1.

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung 

vom 20. März 2020 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des 

vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Zu prüfen ist folglich, ob 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Februar 2021 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 20). Zur Begründung führte sie an, Der RAD-Arzt C.___ habe 

überzeugend aufgezeigt, dass das psychiatrische Teilgutachten der estimed AG an 

zahlreichen Widersprüchen leide. Das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG sei 

dagegen überzeugend. Die Sachverständigen hätten die Suchtproblematik entgegen 

der Ansicht des Hausarztes Dr. D.___ nicht ausgeblendet. Sie hätten sich intensiv 

damit auseinandergesetzt und anhand einer Indikatorenprüfung beurteilt, welche 

Auswirkungen diese auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers habe.

B.e. 

Am 2. März 2021 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege 

bewilligt (act. G 21).

B.f. 

Der Beschwerdeführer liess am 19. April 2021 an seinen Anträgen festhalten (act. 

G 23). Am 23. April 2021 reichte sein Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. D.___ vom 

20. April 2021 ein (act. G 25). Dieser hatte nochmals festgehalten, dass er das 

Gutachten der estimed AG für weitaus überzeugender als jenes der Neurologie 

Toggenburg AG erachte (act. G 25.1.1). Am 4. Mai 2021 reichte der Rechtsvertreter die 

Ergebnisse der Urinproben aus dem Jahr 2019 sowie eine Stellungnahme von Dr. 

D.___ ein (act. G 26), der geltend gemacht hatte, dass bei der Untersuchung durch die 

Neurologie Toggenburg AG nur der psychiatrische Befund nach AMDP aufgenommen 

worden sei. Weitere Untersuchungen seien nicht durchgeführt worden; es handle sich 

im Wesentlichen also um ein Aktengutachten.

B.g. 

Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik an ihrem Antrag fest (act. G 28). Sie 

reichte Unterlagen zur vom Beschwerdeführer bewohnten Liegenschaft ein und machte 

geltend, der Unterhalt dieser Liegenschaft sei aufwendig, weshalb der 

Beschwerdeführer, der die Liegenschaft selbst unterhalte, über ein höheres 

Funktionsniveau verfügen müsse, als er geltend mache.

B.h. 

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die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers vom Oktober 

2013 zu Recht abgewiesen hat.

2.  

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

2.1. 

Der Beschwerdeführer hat eine Ausbildung zum Sanitärinstallateur abgeschlossen 

und anschliessend mehrere Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Im Laufe des 

Verwaltungsverfahrens hat er geltend gemacht, dass er den „Anschluss“ verloren und 

deshalb (erfolglos) versucht habe, sich zum Sanitärzeichner weiterzubilden. 

Massgebend ist, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben schon vor 

Jahrzehnten den „Anschluss“ an die technischen Fortschritte im erlernten Beruf 

verloren hat, dass er seit Jahrzehnten nicht mehr im erlernten Beruf gearbeitet hat und 

dass die zwischenzeitlichen technischen Fortschritte eine Rückkehr in jenen Beruf 

selbst bei bester Gesundheit des Beschwerdeführers nicht mehr erlauben würden. Der 

Beschwerdeführer könnte also im hypothetischen „Gesundheitsfall“ nicht mehr als 

Sanitärinstallateur arbeiten und ein entsprechendes Erwerbseinkommen erzielen, was 

bedeutet, dass seine (valide) Erwerbsfähigkeit jener eines Hilfsarbeiters entspricht. Das 

Valideneinkommen entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der 

Hilfsarbeiterlöhne.

2.2. 

Für die Beantwortung der Frage nach dem zumutbarerweise erzielbaren 

Invalideneinkommen sind medizinische Angaben zur Arbeitsfähigkeit, also dazu, 

welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer noch in welchem Umfang zugemutet 

werden können, notwendig. Die Beschwerdegegnerin hat zunächst die estimed AG mit 

einer Begutachtung des Beschwerdeführers beauftragt. Die Sachverständigen der 

2.3. 

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estimed AG haben in ihrem Gutachten die Auffassung vertreten, dass aus somatischer 

Sicht keine Gesundheitsbeeinträchtigung vorliege, die die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers relevant einschränken würde. Aus neuropsychologischer Sicht 

bestehe aufgrund von leichten Störungen bei den Lern- und Gedächtnisfunktionen, im 

Aufmerksamkeitsbereich und bei der Strukturierungs- und Umstellfähigkeit eine 

Einschränkung der Leistungsfähigkeit, die einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20 

Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten entspreche. Aus psychiatrischer Sicht 

müsse eine praktisch vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden, weil der 

Beschwerdeführer, solange er weiterhin einen Drogenmissbrauch betreibe, nicht in der 

freien Wirtschaft erwerbstätig sein könne und weil er nicht in der Lage sei, seinen 

Drogenmissbrauch in den Griff zu bekommen. Beim Studium des psychiatrischen 

Teilgutachtens der estimed AG fällt auf, dass der psychiatrische Sachverständige seine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht mit objektiven klinischen Befunden, sondern nur damit 

begründet hat, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Drogensucht auf dem freien 

Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sei. Bei der persönlichen Untersuchung des 

Beschwerdeführers hatte der psychiatrische Sachverständige nämlich keine objektiven 

klinischen Befunde erheben können, die sich massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers ausgewirkt hätten. Die vom Beschwerdeführer im Rahmen der 

Untersuchung geschilderten Aktivitäten im Alltag – täglich mehrere Spaziergänge mit 

dem Hund, Haushaltsführung, Modellflug, fast tägliches Fahrradfahren, Inline-Skating, 

sporadische Treffen mit Kollegen, fast täglich eine Stunde Billard – lassen zudem aus 

der Sicht eines medizinischen Laien auf ein durchaus noch vorhandenes relevantes 

Funktionsniveau schliessen, denn insbesondere die Steuerung von Modellflugzeugen 

und das Billardspiel stellen hohe Anforderungen an die Konzentration, an die 

Aufmerksamkeit, an die Frustrationstoleranz und an die Planungsfähigkeit. Zudem 

erscheint der vom Beschwerdeführer beschriebene Tagesablauf generell in weiten 

Teilen unauffällig und aktiv. Der RAD-Arzt C.___ hat in seiner Aktenwürdigung 

überzeugend aufgezeigt, dass das psychiatrische Teilgutachten der estimed AG vor 

diesem Hintergrund nicht als Grundlage für die Arbeitsfähigkeitsschätzung tauge. Die 

Mutmassung des psychiatrischen Sachverständigen der estimed AG, der 

Beschwerdeführer werde seinen Drogenmissbrauch nicht sistieren können, ist in der 

Folge vom Beschwerdeführer durch eine mehrmonatige Abstinenz von Alkohol, Kokain 

und Heroin widerlegt worden. Dass der Beschwerdeführer in jener Zeit weiterhin am 

Methadonprogramm teilgenommen und ärztlich verordnete Benzodiazepine 

eingenommen hat, ändert nichts am Umstand, dass die mehrmonatige Abstinenz von 

Alkohol, Kokain und Heroin entgegen der Mutmassung des psychiatrischen 

Sachverständigen der estimed AG möglich und umsetzbar gewesen ist. Diese 

Tatsache spricht also ebenfalls gegen die Zuverlässigkeit des psychiatrischen 

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Teilgutachtens der estimed AG. Da die übrigen Teilgutachten überzeugend gewesen 

sind, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht ein weiteres psychiatrisches Gutachten bei 

einer anderen medizinischen Abklärungsstelle in Auftrag gegeben. Die 

neuropsychologische Testung im Rahmen der Begutachtung durch die Neurologie 

Toggenburg AG hat im Wesentlichen dieselben Ergebnisse wie die frühere 

neuropsychologische Testung durch die estimed AG gezeitigt. Die bei der 

psychiatrischen Untersuchung erhobenen objektiven klinischen Befunde haben sich 

ebenfalls weitestgehend mit jenen gedeckt, die der psychiatrische Sachverständige der 

estimed AG erhoben hatte. Der psychiatrische Sachverständige der Neurologie 

Toggenburg AG hat lediglich andere Schlussfolgerungen in Bezug auf die 

Auswirkungen der Suchterkrankung auf die Arbeitsfähigkeit gezogen. Den Grund dafür 

hat der Umstand gebildet, dass er – im Gegensatz zum psychiatrischen 

Sachverständigen der estimed AG – seine Arbeitsfähigkeitsschätzung strikt aus den 

objektiven klinischen Befunden abgeleitet hat, ohne in seine Beurteilung einfliessen zu 

lassen, wie realistisch die Chancen des Beschwerdeführers auf dem „freien 

Arbeitsmarkt“ sein könnten, eine Anstellung zu finden. Tatsächlich hat sich der 

medizinische Sachverständige ausschliesslich dazu zu äussern, wie sich eine 

Gesundheitsbeeinträchtigung in qualitativer und in quantitativer Hinsicht auf die 

Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person auswirkt. Die Antwort auf diese Frage muss 

sich aus den objektiven klinischen Befunden ableiten. Nicht der medizinische 

Sachverständige, sondern der Rechtsanwender muss anschliessend die Frage 

beantworten, ob die vom medizinischen Sachverständigen attestierte Arbeitsfähigkeit 

auf dem invalidenversicherungsrechtlich massgebenden allgemeinen und 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise verwertbar ist. Der psychiatrische 

Sachverständige der estimed AG hat also sachfremde Aspekte in seine Beurteilung 

einfliessen lassen, was zur Folge hat, dass nicht auf seine Arbeitsfähigkeitsschätzung 

abgestellt werden kann. Die Begründung des psychiatrischen Sachverständigen der 

Neurologie Toggenburg AG ist dagegen als überzeugend zu qualifizieren, weil sie sich 

ausschliesslich aus medizinischen Überlegungen ergibt, die der psychiatrische 

Sachverständige aus der Sicht eines medizinischen Laien ausführlich, gut 

nachvollziehbar sowie stringent wiedergegeben hat. Da diese Überlegungen auf einer 

umfassenden Aktenkenntnis und auf den Ergebnissen einer lege artis durchgeführten 

persönlichen Untersuchung und Befragung des Beschwerdeführers basiert haben und 

da keine Widersprüche im Gutachten auszumachen sind, die Zweifel an dessen 

Überzeugungskraft wecken würden, ist im Lichte der aktuellen Praxis des 

Bundesgerichtes (vgl. insbesondere BGE 145 V 215) gestützt auf das Gutachten der 

Neurologie Toggenburg AG mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/15

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3. Die Beschwerde ist abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an 

sich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der 

unentgeltlichen Prozessführung ist er allerdings von der Pflicht, die Gerichtskosten zu 

bezahlen, befreit. Der Staat hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers infolge 

der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung eine Entschädigung 

auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 

Abs. 3 AnwG). Der erforderliche Vertretungsaufwand ist als durchschnittlich zu 

qualifizieren. Die Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter haben in einer 

Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 beschlossen, in einem durchschnittlich aufwendigen 

IV-Rentenfall neu eine um 500 Franken höhere Parteientschädigung von 4’000 Franken 

zuzusprechen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle 

hängigen Fälle Anwendung finden. Da die vorliegende Beschwerde erst nach dem 

Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für eine ideal 

leidensadaptierte Tätigkeit zu 90 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.

Der Beschwerdeführer könnte zusammenfassend trotz seiner Suchterkrankung 

überwiegend wahrscheinlich ideal leidensadaptierte Hilfsarbeiten in einem Pensum von 

90 Prozent ausüben. Den Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren 

Invalideneinkommens bildet damit der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne, 

was bedeutet, dass dieser dem Valideneinkommen entspricht. Der Betrag kann folglich 

bei der Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen. Die 

Invaliditätsbemessung kann somit anhand eines sogenannten Prozentvergleichs 

erfolgen, was bedeutet, dass der Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, 

allenfalls korrigiert um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzug, 

entspricht. Dieser zusätzliche Abzug kann maximal 25 Prozent betragen. Bei einem 

Arbeitsunfähigkeitsgrad von lediglich zehn Prozent würde selbst bei Berücksichtigung 

des – hier keineswegs gerechtfertigten – maximalen zusätzlichen Abzuges von 25 

Prozent kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent 

resultieren (100% – 90% × 75% = 32,5%). Für die Zeit vor März 2018 enthalten die 

Akten keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung. Nachdem die Sachverständigen 

der Neurologie Toggenburg AG überzeugend aufgezeigt haben, dass eine fundierte 

retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung für jene Zeit mangels objektiver 

Befundschilderungen aus jenem Zeitraum nicht mehr möglich ist, liegt bezüglich der 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der Zeit vor März 2018 eine objektive 

Beweislosigkeit vor, deren Folgen der Beschwerdeführer zu tragen hat. Das bedeutet, 

dass auch für die Zeit vor März 2018 eine Rentenzusprache nicht in Frage kommt. 

Damit erweist sich die angefochtene Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin das 

Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen hat, als rechtmässig.

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/15

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Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 beurteilt wird, ist die Entschädigung für die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung auf 80 Prozent von 4’000 Franken, also auf 3’200 

Franken, festzusetzen. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, 

wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur 

Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).

Entscheid

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Der Beschwerdeführer ist von der Pflicht, die Gerichtskosten von 600 Franken zu 

bezahlen, befreit.

3.

Der Staat hat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit 3’200 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2021
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Rente der Invalidenversicherung. Suchterkrankung. Abhängigkeitssyndrom (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. November 2021, IV 2020/118).

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