# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63c51bb0-edb4-56e8-9e6c-6f2fd581d288
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-11-15
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Zuständigkeit Rechtsmittelverfahren. Veranstaltungsbewilligung. Ermittlung und Beurteilung der Lärmbelastung. Schutz von Wildtieren vor Belärmung.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0171-0172/2013
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_I_0171-0172_2013_166.pdf

## Full Text

BRGE I Nrn. 0171 und 0172/2013 vom 15. November 2013 in BEZ 2015 Nr. 55 

Die  Bausektion  der  Stadt  Zürich  hatte  der  A.  AG  die  Rahmenbewilligung 
für  temporäre  Veranstaltungen  im  Dolder  Bad  und  in  der  Dolder  Eisbahn  in 
Zürich  erteilt.  Rekursweise  verlangte  die  A.  AG  u.a.,  dass  die  Anzahl  der 
bewilligten Veranstaltungstage von 44 auf wie mit dem Baugesuch beantragt 60 
Tage  pro  Kalenderjahr  erhöht  und  auf  Einschränkungen  zur  Schonung  des 
Wildes verzichtet werde. 

Aus den Erwägungen: 

2. Die Zuständigkeit ist nach § 5 Abs. 1 VRG von Amtes wegen zu prüfen.
Gemäss § 329 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes (PBG) werden, wo das 
Gesetz  nichts  anderes  bestimmt,  «Streitigkeiten»  (im  Wesentlichen  solche 
raumplanungs-, bau- und umweltschutzrechtlicher Natur) in erster Instanz durch 
das  Baurekursgericht  entschieden.  Hinzu  kommen  Streitigkeiten  aus  anderen 
Rechtsgebieten,  wenn  dies  koordinationsrechtlich  erforderlich  (Art.  33  Abs.  4 
des Raumplanungsgesetzes [RPG]) oder spezialgesetzlich vorgesehen ist. 

Die vorliegend bewilligten Veranstaltungen sind in der Gesamtbetrachtung 
mit  erheblichen  Auswirkungen  verbunden  und  grundsätzlich  nicht  durch  die 
bestimmungsgemässe  Nutzung  des  Dolder  Bades  und  der  Dolder  Eisbahn 
gedeckt. Es ist daher von einer partiellen Nutzungsänderung mit baurechtlicher 
im  Hinblick  auf  Lärmschutz  und 
Relevanz  auszugehen, 
Erschliessung. Dementsprechend ist dafür eine baurechtliche Bewilligung nötig 
(vgl.  § 309  Abs.  1  lit.  b  PGB),  die  mit  der  angefochtenen  Rahmenbewilligung 
erteilt  wurde.  Der  für  die  Zuständigkeit  des  Baurekursgerichts  geforderte  bau- 
und  umweltschutzrechtliche  Zusammenhang  ist  somit  zu  bejahen  (vgl.  zum 
Ganzen  BRGE 
ff.  =  BEZ  2011  Nr. 62, 
www.baurekursgericht-zh.ch). (…) 

I  Nr.  0112/2011,  E.  4 

insbesondere 

4. Bei den  streitbetroffenen  Grundstücken  handelt  es  sich  um  das  Dolder
Bad  und  die  Dolder Kunsteisbahn.  Das  Bad  steht  im Eigentum  der Rekurrent-
schaft  und  wird  durch  diese  betrieben.  Die  Kunsteisbahn  befindet  sich  im 
Eigentum  der  Stadt  Zürich.  Für  deren  Betrieb  ist  die  K.  AG,  eine  Betriebs-
gesellschaft mit städtischer Beteiligung, zuständig, die wiederum die Rekurrent-

- 2-  

schaft  mit  der  Betriebsführung  beauftragt  hat.  Die  Stadt  Zürich  leistet  an  das 
Bad und an die Kunsteisbahn einen jährlichen Betriebsbeitrag. 

Die  Baugrundstücke  liegen  teils  in  der  Zone  für  öffentliche  Bauten  (Oe2), 
teils in der Freihaltezone Sport- und Badeanlage (FC) gemäss Bau- und Zonen-
ordnung der Stadt Zürich. Auf dem Areal wurden in der Vergangenheit diverse 
Veranstaltungen  durchgeführt, die  – zumindest  teilweise –  von der Stadtpolizei 
bewilligt wurden. Mit der angefochtenen Bewilligung sollen die wiederkehrenden 
Veranstaltungen  typologisiert  und  die  rechtlichen  und  technischen  Rahmen-
bedingungen  dafür  generell  festgelegt  werden,  so  dass  für  die  einzelnen 
Veranstaltungen  nicht  jedes  Mal  eine  umfassende  materielle  Prüfung  erfolgen 
muss.  Das  Baugesuch  ist  unterteilt  in  sieben  Dossiers  und  19  Faltblätter.  Die 
Dossiers  behandeln  die  Themenkreise  Mobilität,  Lärm,  Brandschutz  und 
Fluchtwege,  Zeltanlagen,  sanitäre  Anlagen  und  Garderoben  sowie  das 
Gastronomie-  und  Entsorgungskonzept.  Je  nach  Anzahl  Veranstaltungsbe-
sucher  (bis  zu  3000),  Jahreszeit  (Sommer/  Winter)  und  Veranstaltungsort 
(Bad/Eisfeld)  werden  diese  Themenkreise  in  entsprechenden  Faltblättern 
abgehandelt.  Für  die  Veranstaltung  «Live  at  Sunset»  besteht  ein  gesondertes 
Dossier. 

Im Dossier «Lärm» werden die Veranstaltungen nach dem mittleren (über 
die  Veranstaltungsdauer)  Lärmpegel  im  Publikumsbereich  in  vier  Kategorien 
eingeteilt. Für jede Kategorie wird die maximale Anzahl Veranstaltungstage und 
die  Beschallungsdauer 
festgelegt.  Gestützt  auf  das  umweltrechtliche 
Vorsorgeprinzip  wurden  nur  44  von  60  anbegehrten  Veranstaltungstagen 
bewilligt  und  der  mittlere  Lärmpegel  und  die  Beschallungsdauer  wurden 
teilweise eingeschränkt:  

Kat. 

Mittelungspegel 

Beschallungsdauer 

Veranstaltungstage 

Gesuch 

Bewilligt 

Gesuch 

Bewilligt 

Gesuch 

Bewilligt 

V1 

80 dB 

80 dB 

22.00 

22.00 * 

V2 

90 dB 

90 dB 

22.00 

22.00 * 

V3 

93 dB 

93 dB 

24.00 

22.00 * 

V4 

96 dB 

93 dB 

23.00 

23.00 

7 

8 

25 

20 

7 

8 

17 

12 

* Während der Sommerzeit freitags und samstags bis 23.00 Uhr. 

5.1  Die  Rekurrentschaft  führt  aus,  das  Dolder  Bad  und  die  Dolder 
Kunsteisbahn  seien  ideale  Austragungsorte  für  die  verschiedenen  Veran-
staltungen. Die nächsten Wohnhäuser im Adlisberg seien weit weg und würden 
nicht  beeinträchtigt.  Die  beiden  Anlagen  seien  sowohl  mit  dem  öffentlichen 
Verkehr, 
für  den  Privatverkehr  gut 
erschlossen.  Die  Zufahrt  führe  über  eine  Hauptstrasse  und  es  müssten  keine 

insbesondere  der  Dolderbahn,  und 

 
 
 
 
- 3-  

Wohnquartiere  durchfahren  werden.  Öffentliche  Parkplätze  seien  genügend 
vorhanden. 

Die  Rekurrentschaft  akzeptiere  die  Reduktion  der  Mittelungspegel  in  der 
Kategorie V4 und für die Anlässe «Disco im Bad» und «Eisdisco» (ursprünglich 
Kategorie V4, neu der Kategorie V3 mit 93 dB zugeordnet) und die Kürzung der 
Dauer  der  Firmenanlässe  (ebenfalls  Kategorie  V3)  um  eine  (Sommer)  bzw. 
zwei  (Winter)  Stunden.  Hingegen  erachte  sie  die  Reduktion  der  Anzahl 
Veranstaltungstage  als  unzulässige  verschärfte  Emissionsbegrenzung.  Bislang 
habe  die  Vorinstanz  50  Veranstaltungstage  toleriert,  davon  seien  deren  22 
jeweils  formell  bewilligt  worden,  wobei  die  zwölftägige  Veranstaltung  «Live  at 
Sunset» nur als 1 Tag gezählt worden sei («Live at Sunset» 12 Tage, «Disco im 
Bad»  [recte  wohl  «Eisdisco»]  3  Tage,  Firmenanlässe  18  Tage).  Die  weiteren 
Veranstaltungen  seien  aufgrund  der  geringen  Emissionen  als  «unpro-
blematisch» und somit als nicht bewilligungspflichtig beurteilt worden. 

Es werde nicht belegt, inwiefern die verweigerten 16 Anlässe lästige oder 
gar  schädliche  Einwirkungen  auf  Mensch  und  Natur  hätten.  Der  12  Tage 
dauernde  Anlass  «Live  at  Sunset»  (Kategorie  V4)  habe  nie  zu  Lärmklagen 
geführt. Die 16 zusätzlichen, fünf bis sechs Stunden dauernden Firmenanlässe 
bzw. deren geringe zusätzliche Lärmbelastung bzw. -reduktion würden sich auf 
das ganze Jahr verteilen. Gemäss Lärmgutachten würden bei Firmenanlässen 
in den Zeltbauten im Winter kaum Lärmemissionen nach aussen getragen. Die 
Kürzung  um  16  Veranstaltungstage  bewirke  keine  wahrnehmbare  Lärm-
reduktion.  Mit  der  Reduktion  des  Mittelungspegels  und  der  Kürzung  der 
Anlasszeiten  und  infolgedessen  mit  der  Einhaltung  der  schweizerischen 
Planungswerte  sei  dem  Vorsorgeprinzip  hinreichend  Rechnung  getragen 
worden. Überdies sei die Reduktion keine zulässige technische und betriebliche 
Möglichkeit zur Emissionsbegrenzung, da sie einem Verbot gleich komme. Das 
Gebiet weise keine Umweltbelastung auf, weshalb eine verschärfte Emissions-
begrenzung nach Art. 11 Abs. 3 USG unzulässig sei. Die Firmenanlässe seien 
wirtschaftlich interessanter als die Kulturveranstaltungen, auf die man aber nicht 
verzichten  wolle,  da  sie  im  Sinn  und  Geist  des  Betriebes  des  Bads  und  der 
Eisbahn stünden und eine Bereicherung des Kulturangebots darstellen würden. 
Man  sei  auf  die  Einnahmen  aus  den  Veranstaltungen  angewiesen,  um  die 
Betriebsdefizite  des  Bads  und  der  Eisbahn  abzufedern.  Die  Kürzung  um  16 
Veranstaltungstage  sei  aus  finanziellen  oder  programmatischen  Gründen  sehr 
einschneidend und damit unverhältnismässig. 

5.3.1  Nach  Art.  11  Abs.  2  des  Umweltschutzgesetzes  (USG)  sind 
Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch 
und  betrieblich  möglich  und  wirtschaftlich 
(vorsorgliche 
Emissionsbegrenzung).  Gemäss  Art.  11  Abs.  3  USG  werden  die  Emissions-
begrenzungen  verschärft,  wenn  feststeht  oder  zu  erwarten  ist,  dass  die 
Einwirkungen  unter  Berücksichtigung  der  bestehenden  Umweltbelastung 
schädlich  oder  lästig  werden  (verschärfte  Emissionsbegrenzung).  Für  die 
Beurteilung  der  schädlichen  oder  lästigen  Einwirkungen  legt  der  Bundesrat 
Immissionsgrenzwerte fest (Art. 13 USG). Diese sind so festzulegen, dass nach 
dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser 
Werte  die  Bevölkerung  in  ihrem  Wohlbefinden  nicht  erheblich  stören  (Art. 15 

tragbar 

ist 

 
 
- 4-  

USG).  Neue  ortsfeste  Anlagen  dürfen  nur  errichtet  werden,  wenn  die  durch 
diese  Anlagen  allein  erzeugten  Lärmimmissionen  die  Planungswerte  in  der 
Umgebung  nicht  überschreiten  (Art.  25  Abs.  1  USG).  Diese  liegen  unter  dem 
Immissionsgrenzwert (Art. 23 USG).  

Die Nutzung der Dolder Sportanlagen für Veranstaltungen ist analog einer 
neuen ortsfesten Anlage im Sinn von Art. 7 Abs. 7 USG zu beurteilen. Nach Art. 
7  LSV  müssen  die  Lärmemissionen  einer  neuen  ortsfesten  Anlage  nach  den 
Anforderungen  der  Vollzugsbehörde  so  weit  begrenzt  werden,  als  dies 
technisch  und  betrieblich  möglich  sowie  wirtschaftlich  tragbar  ist  und  die  von 
der  Anlage  allein  erzeugten  Lärmimmissionen  die  Planungswerte  nicht 
überschreiten  (Art.  7  Abs.  1  lit.  a  und  b  LSV).  Die  von  den  Veranstaltungen 
verursachten  Lärmimmissionen  müssen  somit  sowohl  die  Planungswerte  der 
jeweils  massgebenden  Empfindlichkeitsstufen  einhalten  als  auch  dem 
Vorsorgeprinzip (Art. 11 Abs. 2 USG) genügen.  

Für  die  Lärmbelastung  durch  Openair-Konzerte,  Tanz-  und  Bühnenver-
anstaltungen  etc.,  wie  sie  vorliegend  durchgeführt  werden  sollen,  hat  der 
Bundesrat  keine  Grenzwerte  festgelegt.  Fehlen  solche  Werte,  so  müssen  die 
Lärmimmissionen  im  Einzelfall  nach  den  Kriterien  von  Art.  15  (Immissions-
grenzwerte), unter Berücksichtigung auch von Art. 19 (Alarmwerte) und Art. 23 
USG  (Planungswerte)  bewertet  werden  (Art.  40  Abs.  3  LSV),  wobei  bei  der 
vorliegenden  Neuanlage  die  Planungswerte  gemäss  Art.  23  USG massgeblich 
sind. 

Der  Lärm  wird  am  jeweiligen  Immissionsort  beurteilt.  Anlagen  ohne 
Belastungsgrenzwerte,  deren  Lärmemissionen  sich  – wie  vorliegend –  auf 
Wohnzonen  der  Lärmempfindlichkeitsstufe  II  (vgl.  Art.  43  Abs.  1  lit.  b  LSV) 
auswirken, haben nach der Rechtsprechung ein Immissionsniveau einzuhalten, 
bei  welchem  höchstens  geringfügige  Störungen  auftreten.  Im  Rahmen  der 
Einzelfallbeurteilung  sind  der  Charakter  des  Lärms,  Zeitpunkt  und  Häufigkeit 
seines  Auftretens  sowie  die  Lärmempfindlichkeit  bzw.  Lärmvorbelastung  zu 
berücksichtigen.  Dabei  ist  nicht  auf  das  subjektive  Lärmempfinden  einzelner 
Personen  abzustellen,  sondern  eine  objektivierte  Betrachtung  unter  Berück-
sichtigung  von  Personen  mit  erhöhter  Empfindlichkeit  (Art. 13  Abs.  2  USG) 
vorzunehmen. 

Als Entscheidungshilfe können bei einer Einzelfallbeurteilung nach Art. 15 
USG  fachlich  genügend  abgestützte  ausländische  oder  private  Richtlinien 
herangezogen werden, sofern die Kriterien, auf welchen sie beruhen, mit jenen 
des  schweizerischen  Lärmschutzrechts  vereinbar  sind  (vgl.  BGr  1C_34/2011 
vom 27. Juli 2011, E. 2.1; BGE 133 II 292, E. 3.3; BGE  123 II 325, E. 4d/bb). 
Vorliegend  erfolgte  die  Ermittlung  der  Lärmbelastungen  auf  Grundlage  der 
österreichischen  «Lärmschutzrichtlinie  für  Veranstaltungen»  bzw.  der  ÖAL-
Richtlinie  Nr. 3  Blatt  1  «Beurteilung  von  Schallimmissionen  im  Nachbar-
schaftsbereich».  Die  Eignung  dieser  Richtlinien  wird  nicht  bestritten.  Zu 
bemerken  ist  immerhin  Folgendes:  Die  Anwendung  dieser  Richtlinien  auf 
Veranstaltungsstätten,  die  für  den  regelmässigen  Betrieb  eingerichtet  sind, 
wovon das Lärmgutachten in Bezug auf die Dolder Sportanlagen ausgeht, führt 
dazu, dass die Schallimmissionen als Anlagenlärm gemäss Kapitel 4 der ÖAL-

 
 
- 5-  

Richtlinie Nr. 3 Blatt 1 zu behandeln sind. Darunter werden Schallimmissionen 
von  allen  Betriebsanlagen  des  Gewerbes  und  der  Industrie,  Anlagen  des 
Bergbaues, der Schottergewinnung und  -verarbeitung, der Abfallwirtschaft, der 
Land-  und  Forstwirtschaft  und  mit  diesen  akustisch  vergleichbaren  Anlagen 
verstanden.  Die  ÖAL-Richtlinie  bietet  eine  Beurteilungsmethodik  für  anlage-
bedingte  Lärmemissionen,  aber  kein  spezifisch  auf  Veranstaltungsstätten 
zugeschnittenes  Verfahren.  Die  Planungsrichtwerte  hat  der  Gutachter  der 
ÖNORM S 5021 «Schalltechnische Grundlagen für die örtliche und überörtliche 
Raumplanung und -ordnung» entnommen. Deren Anwendungsbereich ist nicht 
aktenkundig.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  der  Erkenntnisgewinn,  der  aus  dem 
Beizug  der österreichischen  Richtlinien für die  Beurteilung  von  veranstaltungs-
spezifischem  Lärm  resultiert,  zu  relativieren,  indes  ohne  das  Lärmgutachten 
deswegen grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. 

5.3.2  Die  im  Gutachten  herangezogene  ÖAL-Richtlinie  (Beurteilung  von 
Schallimmissionen im Nachbarschaftsbereich) wird in Österreich als Planungs- 
und  Beurteilungshilfe  angewandt.  Sie  hat  fachliches  Gewicht  und  fördert 
Ergebnisse  mit  hohem  Beweiswert  zutage,  ist  jedoch  rechtlich  auch  in 
Österreich  nicht  verbindlich.  Die  Festlegung  der  Grenze  der  Zumutbarkeit  ist 
nicht unmittelbar aus der Richtlinie ableitbar, sondern kann nur auf Basis einer 
individuellen  schalltechnischen  und  lärmmedizinischen  Beurteilung  durch  die 
Vollzugsbehörde  erfolgen.  Dementsprechend  wird  im  Gutachten  festgehalten, 
dass  die  abschliessende  Beurteilung  der  lärmrechtlichen  Situation  durch  die 
Vollzugsbehörde durchgeführt werden müsse. Dies ist auch deshalb notwendig, 
da das Lärmgutachten keine Aussage zur Verträglichkeit der Lärmimmissionen 
in  der  Summe  aller  Veranstaltungen,  mithin  zum  Veranstaltungsbetrieb  als 
Ganzes,  macht.  Beurteilt  wurden  nur  die  einzelnen,  gegenwärtig  aktuellen 
Anlässe bzw. Anlassreihen («Live at Sunset», «Eisdisco» etc.). Demnach ist mit 
dem  Lärmgutachten,  unter  Berücksichtigung  der  darin  empfohlenen  Lärm-
schutzmassnahmen (Reduktion des Mittelungspegels für «Live at Sunset»), der 
Nachweis  noch  nicht  hinreichend  erbracht,  dass  die  aus  den  Lärmemissionen 
der  Veranstaltungen  insgesamt  resultierenden  Immissionen  unterhalb  der 
kritischen  Schwelle  der geringfügigen  Störung  liegen.  Abgesehen  davon,  dass 
die Pflicht zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung kumulativ zu derjenigen zur 
Einhaltung  der  Belastungsgrenzwerte  gilt,  sind  somit  auch  mit  Blick  auf  die 
genannte  Unsicherheit  weitere  Massnahmen  als  «Sicherheitsmarge» 
gerechtfertigt.  

Zu  berücksichtigen  ist  sodann,  dass  der  Veranstaltungsort  von  Wald 
umgeben  ist  und  es  sich  um  ein  Erholungsgebiet  handelt.  Entsprechend  ist 
auch das  Ruhebedürfnis der Erholungssuchenden  zu  beachten.  Hinzu  kommt, 
dass  Lärmereignisse  in  Gebieten  ohne  oder  mit  nur geringer Vorbelastung  als 
störender empfunden werden, als in einer bereits lauten Umgebung. 

Die  Reduktion  der  Anzahl  Veranstaltungstage  ist  offensichtlich  dazu 
geeignet, die Lärmbelastung in der Umgebung zu mindern. Gegenüber den im 
Baugesuch beantragten insgesamt 45 Veranstaltungstagen für die lautstärksten 
Kategorien  V3  und  V4  (93  dB)  bewirkt  die  Reduktion  auf  total  29 Veran-
staltungstage  in  diesen  Kategorien  zweifelsohne  eine  spürbare  Entlastung. 
Dass  von  Firmenanlässen  in  Zelten  kaum  Lärmemissionen  ausgehen  sollen, 

 
 
- 6-  

wie  die  Bauherrschaft  behauptet,  trifft  offensichtlich  nicht  zu.  Am  nächst-
gelegenen  relevanten  Empfangspunkt  wurden  für  den  Einzelanlass  (ohne 
Gewichtung nach Anzahl Anlässen) immerhin 37 bis 42 dB(A) (Winter, Zelt auf 
Eisbahn) bzw. 44 bis 49 dB(A) (Sommer, Zelt neben Pool) ermittelt.  

Von  einem  gestützt  auf  das  Vorsorgeprinzip  unzulässigen  Verbot  einer 
bestimmten  Tätigkeit  (s.  BGr  1A.183/2001  vom  18.  September  2002,  E. 7.6.1; 
BGE 126 II 300, E. 4c/dd) kann nicht die Rede sein. Mit der Beschränkung auf 
44  Veranstaltungstage  wird  die  Nutzung  der  Dolder  Sportanlagen  als  Ver-
anstaltungsort nicht ganz allgemein untersagt. Vielmehr ist der Vorinstanz darin 
zu  folgen,  dass  es  sich  um eine  als Massnahme  zulässige  Einschränkung  der 
Betriebszeiten handelt. 

In  der  Vergangenheit  wurden  gemäss  Ausführungen  der  Bauherrschaft 
33 Veranstaltungstage  bewilligt.  Die  betreffenden  Anlässe  sind  heute  den 
Kategorien V3 und V4 zugeordnet. Davon ausgehend resultiert eine Reduktion 
um  bloss  4  Tage  gegenüber  dem  Status  quo.  Demgegenüber  erscheinen  die 
anbegehrten  45  Veranstaltungstage  in  den  genannten  Kategorien  als  massive 
Erhöhung  um  mehr  als  einen  Drittel.  Die  Anzahl  der  übrigen  Anlässe  der 
Kategorien  V1  und  V2  bewegt  sich  mit  15  Veranstaltungstagen  im  bisherigen 
Rahmen  und  wurde  antragsgemäss  bewilligt.  Es  wird  nicht  geltend  gemacht 
und  ist  auch  nicht  ersichtlich,  dass  die  Reduktion  der  Anzahl  Veranstaltung-
stage  betrieblich  nicht  möglich  sein  sollte  bzw.  dass  eine  betriebliche 
Notwendigkeit besteht, die Anzahl Veranstaltungen auf 60 pro Jahr zu erhöhen. 
Dass  die  Reduktion  der  Veranstaltungstage  zu  finanziell  unzumutbaren  Ein-
bussen  führen  bzw.  wirtschaftlich  nicht  tragbar  sein  soll  (vgl.  Art.  11  Abs. 2 
USG), vermag insbesondere mit Blick auf den bisherigen Veranstaltungsbetrieb 
nicht  zu  überzeugen  und  wird  auch  nicht  belegt.  Die  angeblich  notwendige 
Quersubvention des defizitären Betriebes des Bads und der Kunsteisbahn lässt 
diese Einschränkung ebenfalls  nicht als unverhältnismässig  erscheinen,  zumal 
wohl  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  bereits  die  mit  der  bewilligten 
Anzahl Anlässe erwirtschafteten Erträge diese Defizite wett machen. 

Nach  dem  Gesagten  ist  festzuhalten,  dass  die  Reduktion  der  Anzahl 

Veranstaltungstage zulässig ist. (…) 

7.1  Weiter  wendet  sich  die  Bauherrschaft  gegen  die  Auflage,  wonach 
während  der  Brut-  und  Setzzeit  (15.  April  bis  15.  Juni)  nur  wenig  Lärm 
emittierende  Veranstaltungen  (Kategorie  V1)  zulässig  sind.  Es  sei  nicht 
erwiesen,  inwiefern  sich  die  wenigen  Veranstaltungstage  bzw.  -abende  in  den 
Monaten Mai bis Juni schädlich oder lästig auf die Wildtiere auswirken könnten. 
Während  dieser  Zeit  würden 
tageweise  Veranstaltungen 
durchgeführt, so die Anlässe «Dolder Classics» (V1) und «Humor im Bad» (V2). 
Die  punktuellen  Lärmimmissionen  würden  die  kritische  Grenze  der  Umwelt-
belastung nicht überschreiten. Die privaten Interessen an der Durchführung der 
Anlässe seien höher zu gewichten als das Interesse an einem weitergehenden 
Verbot einzelner Veranstaltungstage während der Brut- und Setzzeit. (…) 

traditionell  nur 

7.3 Die Veranstaltungslokalitäten befinden sich in unmittelbarer Nähe zum 
Wald. Das Lärmgutachten zeigt, dass dort (auch) bei den Veranstaltungen der 

 
 
- 7-  

lästig  werden  könnten, 

Kategorie  V2  erhebliche  Lärmimmissionen  zu  erwarten  sind.  Es  leuchtet  ohne 
Weiteres  ein,  dass  Tiere  auf  unerwartet  auftretende  Ereignisse  mit  grösserer 
Empfindlichkeit  reagieren  und  solche  Störungen  zur  Brut-  und  Setzzeit 
besonders heikel sind. Rechtsgrundlage für die verlangte Einschränkung bildet 
zunächst  das  Umweltschutzgesetz  (USG),  welches  auch  die  Tiere,  ihre 
Lebensgemeinschaften  und  Lebensräume  gegen  schädliche  oder  lästige 
Einwirkungen  schützen  will  (Art.  1  Abs. 2  USG).  Im  Sinne  der  Vorsorge  sind 
frühzeitig  zu 
Einwirkungen,  die  schädlich  oder 
begrenzen  (Art. 1  Abs. 2  USG).  Weiter  geht  aus  Art. 14  Abs. 2  Waldgesetz 
(WAG)  hervor,  dass  der  Schutz  von  wildlebenden  Tieren  im  öffentlichen 
Interesse liegt und die Kantone die Durchführung von grossen Veranstaltungen 
im  Wald  einer  Bewilligung  zu  unterstellen  haben.  Dementsprechend  sieht  die 
kantonale Waldverordnung eine Bewilligungspflicht vor für Veranstaltungen, bei 
denen  in  erheblichem  Masse  technische  Hilfsmittel  wie  Licht-  oder  Verstärker-
anlagen  verwendet  werden  oder  voraussichtlich  mehr  als  500 Personen 
teilnehmen  (§ 1  Abs. 1 KWaV).  Die  Bewilligung  kann  verweigert  oder  mit 
Bedingungen  und  Auflagen  versehen  werden,  wenn  die  Walderhaltung  oder 
andere  öffentliche  Interessen  wie  der  Schutz  des Wildes,  insbesondere  in  der 
Zeit zwischen 15. April und 15. Juni, oder der Naturschutz dies verlangen (§ 1 
Abs. 2  KWaV).  Diese  waldrechtlichen  Vorschriften  widerspiegeln  das  Stör-
potenzial  von  lärmigen  Veranstaltungen  für  Wildtiere,  insbesondere  zur  Brut- 
und Setzzeit. Die Bestimmungen sind auf Veranstaltungen im Wald anwendbar. 
Aufgrund der besonderen Lage des im vorliegenden Fall von Wald umgebenen 
Veranstaltungsortes  und  mit  Blick  auf  den  Zweck  der  umwelt-  und  wald-
rechtlichen  Vorschriften  stützt  sich  die  strittige  Einschränkung  auf  eine 
hinreichende Rechtsgrundlage.  

Zur  Verhältnismässigkeit  ist  festzuhalten,  dass  die  seit  dem  Jahr 2009 
stattfindende  Veranstaltung  «Humor  im  Bad»  (Kategorie  V2)  bislang  ein 
einziges  Mal,  nämlich  am  14.  Juni  2013,  gerade  noch  während  der  Brut-  und 
Setzzeit  durchgeführt  wurde  und  sonst  jeweils  im  Juli  und  im  August.  Eine 
unzumutbare Einschränkung kann in der Auflage gemäss Dispositivziffer II.B.27 
des  angefochtenen  Beschlusses  nicht  erblickt  werden,  weshalb  der  Rekurs  in 
diesem Punkt abzuweisen ist.