# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5ed4c23b-60b0-53bd-9b58-5e966653c3e1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-08-15
**Language:** de
**Title:** Verletzung der Abklärungspflicht durch Verzicht auf die vom RAD-Neurologen empfohlene Durchführung einer interdisziplinären Begutachtung; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2024.00065
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00065.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00065
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Wantz
Urteil
vom
15. August 2024
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr.
Kreso
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 19
61
geborene
X.___
,
Kauffrau mit Eidg. Fachausweis,
arbeitete seit dem 1.
Juni
2014
als
Jun
ior
Business Risk Managerin
im HR Service Center der
Y.___
AG
in einem 100%-Pensum
(Urk.
7/6 und Urk.
7/81)
.
Am
19. Januar 2021
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/
6
). Zur Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle zunächst einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK) bei (Urk.
7/
11
)
und holte die Akten des Krankentaggeldversicherers ein (Urk. 7/
14
-33
und
Urk. 7/38-39
). Mit Mitteilung vom
23. Juni 2021
wurde die Versicherte informiert,
dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes keine Eingliederung
s
massnahmen
möglich
seien (Urk. 7/46). In der Folge
verlangte
die IV-Stelle die neuen Akten des Krankentaggeldversicherers (U
rk
. 7/4
9
-
6
3 und
Urk. 7/82), Berichte der behan
deln
den Ärzte (Urk. 7/66-75
,
Urk. 7/79
und
Urk. 7/86
) sowie
einen Arbeit
geberbericht (Urk. 7/81) ein
.
Mit Schreiben vom
25. Mai 2022
zeigte
die
Y.___
AG der Versicherten die Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 27. Mai 2022 an (Urk. 7/104)
.
Mit Vorbescheid vom
15.
Juni
2022 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Verneinung eines
Leistungs
anspruchs
in Aussicht (Urk. 7/
88
), wogegen sie am
24
. Juni 2022
vorsorglich und am 12.
Juli 2022
definitiv
Einwand erhob (Urk. 7/
90
und Urk. 7/101
).
Am 27. Dezember 2022 nahm die IV-Stelle
einen
weiteren
Arbeitgeberbericht zu den Akten (Urk. 7/107)
. Mit
Ver
fügung vom
12. Dezember 2023
verneinte sie
einen
Leistungs
anspruch
der Versicherten
verneint
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte am 29. Januar 2024 Beschwerde und beantragte, es sei
ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung und nach Durchführung der beruflichen Massnahmen
mindestens eine halbe Rente zuzusprechen, even
tualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme der medizinischen und erwerblichen Abklärung
en
neu entscheide (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
8. März 2024
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung
vom
11. März 2024
angezeigt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeitpunkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1bis IVG) und jener des Rentenanspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invali
den
renten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangsbestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Da die Entstehung des Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar
, welche nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
5
Gemäss Art. 54a IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) den IV-Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüf
metho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Art. 54a Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für angepasste Tätigkeiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psy
chischen und geistigen Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und zu begründen (Abs. 1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
neh
men sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Quali
fi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärzt
lichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorins
tanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Adminis
trativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend refor
matorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rück
weisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4
m.w.H
.; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde
zusammengefasst
erwogen
, gestützt auf die Abklärungen lägen bei der Beschwerdeführerin Einschränkungen in der körperlichen und psychischen Belastbarkeit vor. Die Fachärzte könnten eine Hashimoto-Encephalopathie aus neurologischer Sicht nicht völlig ausschli
e
ssen. Diese Krankheit wäre allerdings therapeutisch gut behandelbar. Aus den vorliegenden Arztberichten sei ersichtlich, dass eine entsprechende Therapie aus neurologischer Sicht diskutiert, jedoch nicht umgesetzt worden sei. Dies sei am
e
hesten durch das niedrige Ausmass der Beschwerden erklärbar. Somit könne eine Hashimoto-Encephalopathie
aus versicherungsmedizinischer Sicht
mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht bestätigt werden. Die Beschwerde
führerin sei
seit dem Jahr
2012 aufgrund vieler schwieriger Lebensumstände und Schicksalsschläge
n
in einer fachpsychiatrischen Behandlung. Diese Umstände seie
n
nachvollziehbar, müssten jedoch bei der Beurteilung ausgeklammert werden. Es sei ihr immer gut gelungen auch beruflich wieder Fuss zu fassen.
Zudem habe die
behandelnde Psychiaterin
keine Diagnosen
gestellt
sowie keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Es sei davon auszugehen, dass keine nachvoll
ziehbar
e,
langandauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den Standpunkt, gerade wenn die Beschwerden nicht restlos geklärt seien, brauche es zwingend und dringend eine Begutachtung, um der gesamten Problematik auf den Grund zu gehen (Untersuchungsgrundsatz).
Die behandelnde
Neurologin
habe
ihr zuletzt eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert, was
aus den IV-
Akten
ersichtlich sei. Gerade die
Hashimoto-Erkrankung
mit ihrer
Ermüdungsprob
lematik
im Zusammenhang mit den kognitiv-
mnestischen
Defiziten
und psychischer
Erschöpfungsdepression führten zu einer
wesentlich
eingeschränkte
n
Arbeitsfähigkeit
(Urk. 1).
3.
3
.1
Z.___
, Fachärztin für Neurologie, stellte i
m Bericht vom
4.
bzw. 25.
September
2020
folgende
Diagnosen (Urk. 7/
17/1
und Urk. 7/18/1
):
-
Hashimoto Erkrankung,
EM 03/2020,
ED 05/2020
-
V.a. immunvermittelte Enzephalopathie, aktuell bildmorphologisch und
elektroenzephalographisch
bland
-
Leichte kognitiv-mnestische Defizite
-
Rez
. Erschöpfungsdepr
e
ssion, EM ca. 2012
-
Chronische Mikroangiopathie
St
a
dium
Fazekas
l bis
ll
, ED
-
Anamnestisch
Neigung
zu art. Hypertonie
-
Ausgeprägte Dyslipidämie, ED
-
Div. Allergien, einschliesslich auf
Nahrungsmittel
, Formaldehyde, Farbstoffe, Duftstoffe
-
Neigung zu Übergewicht
-
St.
n.
Pantoea
dispersa
2019
-
Vitamin D-Mangel
Die Beschwerdeführerin sei von Mai bis Juni 2020 voll arbeitsunfähig gewesen. Seit dem Juli 2020 sei die Arbeitsfähigkeit im reduzierten Pensum, zu 30 %, wieder begonnen und ab August 2020 auf 40 % gesteigert worden.
In der Zusammenschau
der Befunde denke sie,
dass die
Beschwerdeführerin
unter einer
immunvermittelten Enzephalopathie
im Rahmen der bekannten
Hashimoto-
Erkrankung
leide. Dafür sprächen
folgende
Befunde:
Wortfindungsstörungen
, K
onzentrationsminderung, Vergesslichkeit
,
Desorganisation
, Sekund
en
schlaf, Stolpern
beim
Gehen
,
Reizbarkeit
,
Überempfindlichkeit
auf
Licht und
Geräusche. Nur
hätten
sich
dafür
bildmorphologisch
un
d
e
lektroenzephalograph
isch
keine
sicheren Zeichen
gezeigt
.
Möglicherweise liege
die
Störung
im B
eginn
vor
.
Die Erweiterung
des
Arbeitspensum
s
sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht sinnvoll
(U
r
k. 7/17
/3-4
und Urk. 7/18/2-3
)
.
3.
2
Im Bericht vom 19. November 2021
ergänzte
die Neurologin
, die Besch
wer
deführerin sei seit
dem
10. Dezember 2020 weiterhin 60 % arbeitsunfähig gewesen und seit dem 13. Mai 2021 voll arbeitsunfähig. Es sei ihr weder die bisherige noch eine angepasste Tätigkeit zumutbar. Die
Prognose
zur
Einglie
derung
sei
schlecht
. Die
Beschwerdeführerin
werde von ihrem Partner sehr gut im
Alltag
unterstützt (Urk. 7/74).
3.
3
A.___
,
Fachärztin
für
Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
im Bericht vom
15. Januar 2022
die Diagnosen einer Hashimoto Erkrankung sowie
einen Status nach einer rezidivierenden leichten depressiven Episode mit somatischen Symptomen. Die Symptomatik liege aktuell unter der diagnostischen Schwelle.
Die Beschwerdeführerin stehe seit Februar 2012 niederfrequent, d.h. einmal monatlich
,
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Verhaltenstherapie und medi
kamentöser Behandlung
.
Die psychiatrische
Situation habe in all den Jahren nie eine Arbeitsunfähigkeit verursacht.
Die
Arbeitsunfähigkeit
sei im Zusammen
hang
mit
der neu
diagnostizierten
Hashimoto-E
rkrankung
und deren
Symptome
n
(
Energielosigkeit
, Konzentrationsverlust,
…
)
aufgetreten
und werde
von
der
behandelnden
Neurologin
beurteil
t
.
Die
Symptome könnten durch eine psychische
Vorbelastung
(
reduzierter
Antrieb, Strukturierungs- bzw.
Umsetzungs
schwierigkeiten
,
reduzierte Konzentration
) jedoch
verstärkt
werden
.
(Urk. 7/79
/6-9
).
3.
4
Im Bericht vom
8. Mai 2022
nannte
Prof. Dr. med.
B.___
von
der Praxis Endokrinologie/Diabetologie der Privatklinik
C.___
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit rezidiv
ierende
Erschöpfungszustände (
ED ca. 2012
) und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Hashimoto-Erkran
kung, diverse Allergien und Medikamentenunverträglichkeiten sowie einen Verdacht auf eine familiäre Hypercholesterinämie und
auf
eine
H
y
pertonie
. Zur Arbeitsfähigkeit könne sie sich nicht äusseren, da die Beschwerdeführerin dieses Jahr noch nicht von ihr behandelt worden sei (Urk. 7/86/3-4)
.
3.
5
In ihrer Stellungnahme vom
17
.
Mai
2022 für den RAD hielt Dr. med.
D.___
, Allgemeinmedizin (D), fest, es
lägen bei der 61-Jährigen seit April 2020 Einschränkungen in der körperlichen und psychischen Belastbarkeit vor, die als Folge einer Hashimoto-Erkrankung interpretiert würden. Seit 2012 erfolge bereits eine niederfrequente fachärztliche
psychiatrische Behandlung einer leichten depressiven Entwicklung
, welche
von der Psychiaterin
unter einer
Erschöp
fungsdepression
eingeordnet werde
. Laborchemisch ermittelte Ergebnisse hätten eine dementielle Entwicklung ausschliessen können. Interpretiert würden die leichten kognitiv-mnestischen Defizite als Encephalopathie im Rahmen der Hashimoto-Erkrankung. Ob und inwieweit die funktionellen Einschränkungen die attestierten Arbeitsunfähigkeiten
(auch in angepasster Tätigkeit)
begründen könnten, sollte von einem RAD-Neurologen
beurteilt
werden.
Ob die
von
Prof
.
Dr.
B.___
bereits Mitte
2021
empfohlene
Reha-
Massnahme
in einer psycho
somatisch ausgerichteten Einrichtung
durchgeführt worden sei, sei den Unter
lagen nicht zu entnehmen und wäre gegebenenfalls zu erfragen (Urk. 7/87/7).
3.
6
PD Dr. med. univ.
E.___
, Facharzt für
Neurologie
sowie RAD-Arzt
,
führte in seiner Stellungnahme
vom
18
. Mai 2022
aus
, b
ei einer Hashimoto-Thyreoiditis mit
initial
Hypothyreose und
unter
Substitution
erreichter
Euthyreose
würden
persistierende
Beschwerden
mit
leichten
kognitiven Defiziten,
schneller
R
eiz
überflutung
,
Wortfindungsstörung
,
Minderbelastbarkeit
,
psycho
motorischer
Verlang
samung
,
Fatigue
sowie
allein
neurologischerseits
von einer
volle
n
Arbeitsunfähigkeit berichtet.
Als
Kausalzusammenhang
sei
eine
immunver
mittelte,
leichte
E
ncephalopathie nicht völlig auszuschliessen gewesen
. Eine
diagnosekonforme
Hashimoto
-
Encephalopathie
wäre mit
Corticoiden
therapeu
tisch
gut
behandelbar
, die
s sei zwar
in den Berichten
diskutiert worden, soweit ersichtlich
aber nicht
therapeutisch versucht worden
, was am
ehesten
durch das
niedriggradige
Ausmass der Beschwerden
-
bei
auch
berichteter
spontanere
V
erbesserung
-
erklärbar
sei
. Eine Encephalopathie im Rahmen einer
Hashimoto
-T
hyreoiditis
sei gemäss der
behandelnden
Neurologin
nicht völlig auszu
schliessen. Die
Kriterien
für eine Hashimot
o
-
Encephalopathie
seien
bei
im Verlauf
unauffälligem
Neurostatus ohne foka
l
-
neurologische
Zeichen
,
unauffälligem
Liquor,
unauffälligem
EEG und bis auf eine alter
s
konforme
Mikroangiopathie unauffälliger MRT
des
Gehirns sowie bei ex juvantibus nicht erfolgter Therapieresponse auf Kortison nicht erfüllt.
Auch das
Kriterium
einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit
bzgl.
e
iner
Hashimoto-Encephalopathie könne bei multiplen fachspezifischen Untersuchungen ohne fassbaren Hinweis
auf ein organpathologisches Geschehen
am
Zentralnervensystem
nicht als erfüllt betrachtet werden.
Die
beklagten Beschwerden
seien
unspezifisch
und als
reaktives
Ges
ch
ehen auf eine Vielzahl von Faktoren
zurückführbar
.
Anam
nestisch bestehe seit
2012
fachpsychiatrische Behandlung, d
ies wegen affektiver
Störungen
un
d
im
Rahmen
psychosozialer
Belastung
s
fakto
r
en, was
zuletzt
psychiatrischerseits
allerdings nicht im Ausmass
der
Auslösung
einer Arbeits
unfähigkeit
gesehen worden sei. Weiter seien reaktiv
-kognitive Auswirkungen von
Schilddrüsenhormonstörungen
gut bekannt,
insbesondere
bei einer Hyper
thyreose
. In
welchem Ausmass solche auch nach Normalisierung zu einer
Euthyreoe
persistierten,
sei i
m
individuellen
Einzelfall
in Hinblick auf ihre
Auswirkung auf die meisten Lebensvo
l
lzüge und auf das Ausmass einer vollen Arbeitsunfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt zu klären. Die
s
entspreche dem Abklärungserfordernis einer strukturierten Beweisführung und sei in Form einer interdisziplinären Begutachtung zu erwägen (Urk. 7/87/8-9).
3.
7
Am 20. Mai 2022 ergänzte Dr.
D.___
, unter
Berücksichtigung der vorliegenden RAD-Stellungnahme von PD Dr.
E.___
sei von Seiten der Fallführung abzuwägen, ob ein umfassendes polydisziplinäres Gutachten (Innere, Endokrinologie, Neuro
logie, Psychiatrie, Neuropsychologie) bei der 61-jährigen durgeführt werden soll. Hinzuwiesen s
ei
aus versicherungsmedizinischer Sicht darauf, dass es gegen
wärtig keine objektivierbaren technischen und labordiagnostischen Pathol
o
g
i
en gebe, welch
e
eine Genese für die subjektive Beschwerdesymptomatik erklären könnte
n
(Urk. 7/87/9).
4
.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem
das Leistungsbegehren
ablehnen
den
E
ntscheid
vom
12. Dezember 2023
(Urk. 2)
insbesondere auf die Stellung
nahme des RAD vom 18
.
Mai 2022
(E. 3.
6
).
Der
RAD-Arzt
PD Dr.
E.___
, welcher
als Facharzt für
Neurologie
über die erforderlichen persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügt
,
setzte sich mit den zur gegebenen Zeit
vorhandenen
medizinischen Unterlagen
auseinander und
erachtete das Kriterium einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit bzgl.
e
iner Hashimoto-Encephalopathie
bei
multiplen
fachspezifischen
Untersuchungen
ohne
fassbaren
Hinweis auf ein
organpathologisches
Ges
chehen
am
Zentralnervensystem
als nicht
erfüllt
.
Des Weiteren
empfahl
der RAD-Arzt
, aufgrund der unspezifischen Beschwerden, der anamnestisch bestehenden fachpsychiatrischen Behandlung wegen affektiver Störungen und psychosozialer Belastungsfaktoren
seit dem Jahr 2012
– auch wenn diese
zuletzt
von der behandelnden Psychiaterin
nicht im Ausmass der Auslösung einer Arbeitsunfähigkeit gesehen
wurde
n
- und insbesondere der gut bekannten
reakti
v
-kognitive
n
Auswirkungen
von
Schilddrüsenhormonstörungen
bei
einer
Hypothyreose
,
eine
strukturierte Beweisführung
im Rahmen einer interdisziplinären Begutachtung
zu veranlassen.
Dennoch unterliess die Beschwerdegegnerin die Einholung
einer gutachterlichen Einschätzung
der Beschwerdesymptomatik.
Ohne eine entsprechende rechtsgenügliche medizi
nische
Entscheidgrundlage
stellen die Feststellungen der Kundenberatung (Urk. 7/
87/9-10
) eine Missachtung der Abklärungspflicht der Beschwerdegegnerin dar
, woran auch nichts ändert bzw. ändern würde, dass bzw. falls es keine
«
objektivierbaren technischen und labordiagnostischen Pathologien
»
gibt bzw. geben sollte, welche eine Genese für die subjektive Beschwerdesymptomatik erklären können (vgl. E. 3.7), ist doch nicht die Genese einer Beschwerde
symptomatik, sondern deren
Ausgewiesenheit
und Einfluss auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit entscheidend für die Beurteilung des Leistungsanspruchs.
4.2
Nach dem Gesagten beruht die angefochtene Verfügung auf einem unvollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt
,
weshalb
diese
aufzuheben und die Sache zwecks weiterer Abklärungen und neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen.
5
.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] in Verbindung mit Art. 61
lit
. g des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Nach Massgabe dieser Kriterien erscheint eine Parteientschädigung von Fr.
1’
9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
12. Dezember 2023
(Urk. 2) aufgehoben wird und die Sache an Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese nach den Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den
Leistungs
anspruch de
r
Beschwerde
führer
in
neu entscheide.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung von Fr.
1’
9
00
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Dr.
Kreso
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstWantz