# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9461bb2-8ea0-55e5-a9e7-c6375217fb04
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-15
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 15.02.2021 (publiziert) 60/2008/3°
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_60-2008-3-_2021-02-15.pdf

## Full Text

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 Wiedererwägung bzw. Anpassung einer Verwaltungsverfügung, die ge-
richtlich überprüft wurde (OGE 60/2008/3 vom 18. Januar 2008)1 

 

  Ist über den Gegenstand einer Verwaltungsverfügung ein gerichtlicher 
Beschwerdeentscheid ergangen, so kann die ursprüngliche Verfügung von der 

Verwaltung grundsätzlich nicht mehr in Wiedererwägung gezogen werden. 

Die erstinstanzliche Behörde kann in diesem Fall nur ausnahmsweise neu 

verfügen, wenn ein Dauersachverhalt in Frage steht und sich die tatsächli-

chen Verhältnisse oder die materielle Rechtslage wesentlich verändert haben 

(E. 2b). 

  Wurde mit der ursprünglichen Verfügung eine Aufenthaltsbewilligung 

widerrufen, so fehlt es an einem Rechtsverhältnis und damit insbesondere 

auch an einem bestehenden Dauerrechtsverhältnis, das bei gegebenen Vor-

aussetzungen der Anpassung zugänglich wäre (E. 2d). 

 

 Die Ausländerin A. heiratete 2002 in ihrer Heimat ihren Landsmann C., 
Inhaber einer Niederlassungsbewilligung für den Kanton Schaffhausen. Im 
Juli 2003 reiste sie im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und 
erhielt ihrerseits eine Jahresaufenthaltsbewilligung. Diese wurde zuletzt bis 
Juli 2006 verlängert. Im Juni 2006 gebar A. den Sohn B. 

 Am 17. Februar 2006 widerrief das kantonale Ausländeramt die Jahres-
aufenthaltsbewilligung von A. für den Kanton Schaffhausen. Deren hiegegen 
gerichtete Rechtsmittel wiesen der Regierungsrat und das Obergericht ab. 
Letzteres setzte die Frist zur Ausreise von A. aus dem Kanton Schaffhausen 
auf den 31. Januar 2007 fest. Auf Antrag des kantonalen Ausländeramts dehn-
te das Bundesamt für Migration am 27. März 2007 die Wegweisungsverfü-
gung des Ausländeramts vom 17. Februar 2006 auf die ganze Schweiz und 
auf das Fürstentum Liechtenstein aus; es ordnete an, A. und B. hätten die 
Schweiz unverzüglich zu verlassen. Eine hiegegen gerichtete Beschwerde von 
A. und B. wies das Bundesverwaltungsgericht am 24. November 2007 ab. 

 Mit Faxeingabe vom 8. Mai 2007 liessen A. und B. das kantonale Aus-
länderamt unter Hinweis auf das beim Bundesverwaltungsgericht hängige Be-
schwerdeverfahren ersuchen, allen ihm offenstehenden Spielraum im Rahmen 

 
 
 
                                             
1  Auf eine Beschwerde in öffentlichrechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid trat 

das Bundesgericht am 5. März 2008 nicht ein (Verfahren 2C_179/2008). 

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des Ermessens auszuschöpfen, auf den Wegweisungsentscheid zurück-
zukommen und eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Mit Schreiben vom 
30. Mai 2007 liessen sie dem Ausländeramt einen Arztbericht einreichen und 
es darum bitten, die daraus ersichtliche neue Tatsache bei der Frage zu be-
rücksichtigen, ob nicht inzwischen gestützt auf die gesamte neue Aktenlage 
eine Wiedererwägung seines Ermessensentscheids betreffend Aufenthalts-
bewilligung im Rahmen des Familiennachzugs möglich sei. Am 13. August 
2007 liessen sie dem Ausländeramt gewisse Unterlagen einreichen, aus denen 
die aktuelle Situation und die Gründe zu entnehmen seien, die heute für die 
Erteilung einer Bewilligung an A. sprächen. Am 30. August 2007 liessen sie 
dem Ausländeramt eine weitere Eingabe einreichen und geltend machen, das 
öffentliche Interesse an einer Wegweisung sei nicht mehr erheblich bzw. ver-
möge das private Interesse nicht mehr zu überwiegen. 

 Am 13. September 2007 teilte das kantonale Ausländeramt dem Vertreter 
von A. und B. mit, die Begründung für den Widerruf der Jahresaufenthalts-
bewilligung von A. gelte nach wie vor; es bestünden keine stichhaltigen 
Gründe für einen weiteren Verbleib von A. und B. im Kanton Schaffhausen; 
eine neue Aufenthaltsbewilligung komme nicht in Frage. Einen hiegegen ge-
richteten Rekurs wies der Regierungsrat am 4. Dezember 2007 ab. Die hierauf 
erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde von A. und B. wies das Ober-
gericht ebenfalls ab, soweit es darauf eintrat. 

 

Aus den Erwägungen: 

 

 2.–  a)  Die Beschwerdeführer haben ihr seinerzeitiges, dem vorliegen-
den Verfahren zugrundeliegendes Begehren vom 8./30. Mai 2007 ausdrück-
lich als Wiedererwägungsgesuch verstanden (so etwa Beschwerdeantrag 2; 
vgl. auch Rekursantrag 2 vor Regierungsrat, wonach der am 17. Februar 2006 
angeordnete Widerruf der Aufenthaltsbewilligung wiedererwägungsweise 
aufzuheben sei). In der Faxeingabe vom 8. Mai 2007, die nicht als formelles 
schriftliches Gesuch ausgestaltet war, setzten sie den Schwerpunkt auf das 
hängige Wegweisungsvollzugsverfahren. Sie verwiesen auf eine Verschlech-
terung des gesundheitlichen Zustands der Beschwerdeführerin 1, die aus ihrer 
Sicht mit zu berücksichtigen sei; deshalb sei auf Wegweisungsvorbereitungen 
zu verzichten, bis die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs durch das Bundesverwaltungsgericht abgeschlossen sei. Im Schreiben 
vom 30. Mai 2007 nahmen sie Bezug auf die Frage, ob inzwischen gestützt 
auf die gesamte neue Aktenlage eine Wiedererwägung des ursprünglichen 
Ermessensentscheids des Ausländeramts betreffend Aufenthaltsbewilligung 
im Rahmen des Familiennachzugs möglich sei. Im Schreiben vom 30. August 

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2007 nahmen sie sodann Bezug auf das "hängige Wiedererwägungsverfah-
ren".  

 Aufgrund der Eingaben der Beschwerdeführer hat denn auch das Aus-
länderamt im Schreiben vom 13. September 2007 im Wesentlichen nur ge-
prüft, ob die damit vorgebrachten Argumente neue erhebliche Tatsachen dar-
stellten, die eine Änderung der Erwägungen der Verfügung vom 17. Februar 
2006 bewirken könnten; dies hat es verneint. Das Schreiben vom 13. Septem-
ber 2007 war im Übrigen nicht als anfechtbare Verfügung ausgestaltet. Sinn-
gemäss hat demnach auch das Ausländeramt das Begehren als – formloses – 
Wiedererwägungsgesuch betrachtet, das grundsätzlich nicht anhand zu neh-
men sei. Entsprechend dem damaligen Rekursantrag 2 hat schliesslich auch 
der Regierungsrat die Sache unter dem Aspekt der Wiedererwägung geprüft. 

 Damit beschränkt sich auch der Gegenstand des vorliegenden Beschwer-
deverfahrens auf die Wiedererwägungsproblematik. 

 b)  Wie der Regierungsrat im Grundsatz zutreffend festgehalten hat, han-
delt es sich beim Wiedererwägungsgesuch um einen formlosen Rechtsbehelf, 
mit welchem die verfügende Verwaltungsbehörde ersucht werden kann, auf 
ihre Verfügung zurückzukommen. Ein Anspruch auf Prüfung und Beurteilung 
des Gesuchs besteht jedoch in der Regel nicht; die Behörde ist prinzipiell 
nicht verpflichtet, ein Wiedererwägungsgesuch anhand zu nehmen. An-
gesichts dessen ist dann, wenn im verwaltungsinternen Verfahren auf ein 
Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten und demnach kein neuer Sach-
entscheid getroffen wird, die Verwaltungsgerichtsbeschwerde in der Sache 
selbst nicht zulässig (vgl. Arnold Marti, Die Verwaltungsgerichtsbarkeit im 
Kanton Schaffhausen, Diss. Zürich 1986, S. 129, mit Hinweisen). 

 Unter gewissen Umständen besteht für ein Wiedererwägungsgesuch aus-
nahmsweise doch eine Behandlungspflicht. Dies ist insbesondere dann der 
Fall, wenn eigentliche Revisionsgründe geltend gemacht werden oder wenn 
sich die Verhältnisse in der Zwischenzeit wesentlich geändert haben und des-
halb eine Anpassung der ursprünglichen Verfügung angezeigt ist (Kölz/Hä-
ner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. A., 
Zürich 1998, Rz. 425 f., S. 157, mit Hinweisen). 

 Ist über den Gegenstand der ersten Verfügung in der Folge ein Be-
schwerdeentscheid ergangen, so ist dessen materielle Rechtskraft zu beachten. 
Daher kann in dieser Konstellation die ursprüngliche Verwaltungsverfügung 
– unter Vorbehalt der formellen prozessualen Revision – nicht mehr in Wie-
dererwägung gezogen werden. Nach der Praxis kann aber die erstinstanzlich 
zuständige Behörde ausnahmsweise auch in diesem Fall neu verfügen, wenn 
ein Dauersachverhalt in Frage steht und sich die tatsächlichen Verhältnisse 
oder die materielle Rechtslage wesentlich verändert haben (Kölz/Häner, 

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Rz. 444, S. 162; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 
5. A., Zürich/St. Gallen/Basel/Genf 2006, Rz. 1025, S. 212 f.; je mit Hin-
weisen). 

 c)  Im vorliegenden Fall erging über den Gegenstand der ursprünglichen 
Verfügung des Ausländeramts vom 17. Februar 2006 ein verwaltungsgericht-
licher Beschwerdeentscheid. Eine Wiedererwägung der Verfügung des Aus-
länderamts vom 17. Februar 2006 im engern Sinn – mit neuer, umfassender 
Ermessensprüfung – ist demnach zum vornherein ausgeschlossen.  

 Eigentliche Revisionsgründe, d.h. sogenannte unechte neue Tatsachen 
oder Beweismittel, die den damaligen Entscheid rückblickend als fehlerhaft 
erscheinen liessen, sind sodann nicht ersichtlich; die Beschwerdeführer be-
rufen sich denn auch nicht, jedenfalls nicht substantiiert auf einen Wieder-
erwägungsanspruch in diesem Sinn. Der einzige auf die Zeit vor der Wider-
rufsverfügung zurückgehende neu geltend gemachte Umstand, der – diagnos-
tisch nie konkret erhärtete – Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung 
wegen Erlebnissen im Balkankrieg, ist zu relativieren. Vor der Verfügung 
vom 17. Februar 2006 war die Beschwerdeführerin 1 aufgrund der Akten psy-
chisch jedenfalls nicht auffällig; etwas anderes macht sie nicht geltend. In der 
früheren Verwaltungsgerichtsbeschwerde wies sie im Übrigen noch ausdrück-
lich darauf hin, dass mit dem Familiennachzugsgesuch noch zugewartet wor-
den sei, weil sie sich in ihrer Heimat in der Ausbildung befunden habe und 
diese nicht habe abbrechen wollen; dieser – bewusst und freiwillig noch ver-
längerte – Aufenthalt war demnach für sie nicht traumatisierend. Von seiner-
zeitigen psychischen Problemen mit Krankheitswert, die sich speziell beim 
erneuten Aufenthalt in ihrer Heimat hätten akzentuieren können und die nach-
träglich in den Ermessensentscheid im Rahmen der Würdigung der damaligen 
Verhältnisse einfliessen müssten, kann daher keine Rede sein (vgl. auch 
Schreiben Dr. med. M. vom 19. April 2007 ans Ausländeramt, wonach die 
Beschwerdeführerin 1 – erst damals – "psychisch erkrankt" sei; vgl. sodann 
die nachvollziehbaren Erwägungen des Bundesverwaltungsgerichts zur Wür-
digung der psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin 1 im Urteil  
C-2276/2007 vom 24. November 2007, S. 21 ff., E. 10.2 und 10.2.1). Es ist 
somit nicht zu beanstanden, dass das Ausländeramt und der Regierungsrat in-
soweit keinen Anlass für eine Wiedererwägung der seinerzeitigen Widerrufs-
verfügung gesehen haben. Es besteht in diesem Zusammenhang insbesondere 
auch kein Grund, einen neuen Bericht des behandelnden Psychiaters einzuho-
len (...). 

 Die Argumentation der Beschwerdeführer – mit Betonung der aktuellen 
finanziellen Verhältnisse der Familie und der Verschlechterung des Gesund-
heitszustands der Beschwerdeführerin 1 – zielt letztlich auf eine Veränderung 
der Verhältnisse seit dem rechtskräftigen Widerruf der Aufenthaltsbewilli-

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gung der Beschwerdeführerin 1. Es ist daher zu prüfen, ob die Verwaltung auf 
das Wiedererwägungsgesuch unter dem Gesichtspunkt der Anpassung hätte 
eintreten und es materiell hätte behandeln müssen.  

 d)  Anspruch auf die Anpassung einer früheren Verwaltungsverfügung 
besteht in der hier vorliegenden Konstellation nach dem Gesagten grund-
sätzlich nur, wenn ein Dauersachverhalt in Frage steht (oben, lit. b).  

 Zwar wird im Einzelfall insbesondere auch mit Bewilligungsverfügungen 
über dauernde Rechtsverhältnisse entschieden, weshalb sie gegebenenfalls 
den veränderten Verhältnissen angepasst werden können (vgl. Häfe-
lin/Müller/Uhlmann, Rz. 999, S. 207, mit Hinweisen); in Frage steht dabei 
eine Anpassung durch Widerruf oder Änderung der entsprechenden, noch 
gültigen Bewilligung (Imboden/Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrecht-
sprechung, 5. A., Basel und Stuttgart 1976, Nr. 45 B IIb 3 und IIc, S. 273). Im 
vorliegenden Fall wurde aber die fragliche Aufenthaltsbewilligung bereits mit 
der ursprünglichen Verfügung rechtskräftig widerrufen. Die Beschwerde-
führerin 1 hat demnach keinen rechtlichen Aufenthaltsstatus mehr; ihre An-
wesenheit in der Schweiz ist vielmehr letztlich illegal und stellt einen rechts-
widrigen Zustand dar, der grundsätzlich nicht aufgrund privater Interessen am 
weiteren Verbleib in der Schweiz relativiert werden kann (vgl. Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts C-2276/2007 vom 24. November 2007, S. 11 f., 
E. 4.1). Fehlt es aber überhaupt an einem Rechtsverhältnis, so kann insbeson-
dere auch nicht von einem bestehenden Dauerrechtsverhältnis bzw. einer zeit-
lich fortwirkenden Verfügung gesprochen werden, die bei gegebenen Voraus-
setzungen der Anpassung zugänglich wäre. 

 Die Beschwerdeführer haben demnach auch keinen Anspruch auf Be-
handlung ihres Wiedererwägungsgesuchs unter dem Aspekt der Anpassung 
einer (Dauer-)Verfügung. 

 e)  Zusammenfassend ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden, dass 
das Ausländeramt das – von den rechtskundig vertretenen Beschwerdeführern 
seinerzeit ohnehin nur vage gestellte – Wiederwägungsgesuch nicht anhand 
genommen und der Regierungsrat dies geschützt hat. Da kein neuer Sach-
entscheid gefällt wurde, ist auch nicht massgeblich, ob das Ausländeramt und 
der Regierungsrat die hiefür relevanten tatsächlichen Verhältnisse und deren 
Entwicklung hinreichend festgestellt und richtig gewürdigt haben. Die geltend 
gemachten neuen, veränderten Umstände sind demzufolge auch im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren nicht zu prüfen; insbesondere ist auch in diesem 
Zusammenhang kein neuer Arztbericht einzuholen bzw. zu berücksichtigen. 

 Die Beschwerde erweist sich somit in der Sache selbst als unbegründet ... 
Offengelassen werden kann die Frage, wie ein völliges neues Gesuch der Be-
schwerdeführer um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung zu beurteilen wäre.