# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21e54cc3-2b7a-55c8-8a73-533772f58daa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.07.2020 E-3669/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3669-2018_2020-07-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3669/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richter David Wenger,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Katarina Socha, Caritas Schweiz,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 18. Mai 2018 / N (…). 

 

 

 

E-3669/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-

ben im August 2015 in Richtung Iran, wo er bis am 20. September 2015 

geblieben sei. Am 26. Oktober 2015 reiste er in die Schweiz ein und suchte 

gleichentags um Asyl nach. Am 2. November 2015 fand die Befragung zur 

Person (BzP) statt. Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 7. Feb-

ruar 2018 einlässlich zu seinen Asylgründen an.  

Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei ethnischer B._______ und 

stamme aus C._______. Dort habe er bis zu seinem (…) Lebensjahr ge-

lebt. Danach sei seine Familie aufgrund des Krieges nach D._______, Iran, 

gezogen. Seine Eltern und eine Schwester lebten weiterhin mit einem ge-

regelten Aufenthaltsstatus in D._______. Zwei Schwestern seien in der 

Schweiz. Nach (…) oder (…) Jahren habe er die Schule aus finanziellen 

Gründen abbrechen müssen. Seit seinem siebten Lebensjahr sei er von 

seinen (…) über Jahre hinweg sexuell missbraucht und vergewaltigt wor-

den. Auch von einem Diener einer Moschee sei er sexuell genötigt worden. 

Während der Schulzeit sei er eine sexuelle Beziehung mit einem Jungen 

eingegangen. Ebenfalls seit seinem siebten Lebensjahr habe er verschie-

dene Tätigkeiten ausgeübt. Acht Jahre lang habe er als (…) in einem (…) 

gearbeitet. Drei Jahre lang sei er in einer (…) sowie zwei Jahre in einem 

(…) angestellt gewesen. Danach habe er verschiedene Sachen verkauft, 

zum Beispiel (…) und (…).  

Drei bis vier Jahre vor seiner Rückkehr nach C._______ habe er sich mit 

seiner Cousine väterlicherseits, E._______ (N […), telefonisch verlobt. Am 

1. Juli 2015 sei er nach C._______ zurückgekehrt, um seine Cousine zu 

heiraten. Alle Verwandten seiner Ehefrau und diejenigen seines Vaters 

würden in Afghanistan leben, weshalb die Hochzeit dort stattgefunden 

habe. Er sei in E._______ verliebt gewesen. Sie habe sich jedoch nie für 

ihn interessiert und lieber studieren wollen, anstatt zu heiraten. Scheinbar 

habe sie damals einen Freund gehabt. Alles sei für sie nur ein Spiel gewe-

sen, damit sie mit ihm nach Europa reisen könne. Diesen Wunsch habe er 

schon immer gehabt. Vor der Trauung habe er sich eine Tazkira ausstellen 

lassen. Diese befinde sich bei seinen Eltern. Seinen Pass habe er auf der 

Reise verloren respektive befinde sich dieser bei seinen Eltern im Iran. 

Kurz nach der Einreise in die Schweiz habe sich seine Ehefrau von ihm 

getrennt. Er habe keinen Kontakt mehr mit ihr. Die beiden Familien wüssten 

Bescheid und hätten ebenfalls keinen Kontakt mehr.  

E-3669/2018 

Seite 3 

Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, in Afghanistan 

sei Armut weit verbreitet und die Taliban würden im ganzen Land Selbst-

mordattentate verüben. Er habe (…) Jahre lang im Iran gelebt und hätte 

unter diesen Umständen nicht in Afghanistan leben können, weshalb er 

sich entschieden habe, nach Europa zu kommen.  

Eines Abends nach der Hochzeit sei er bei der Ehefrau seines Onkels vä-

terlicherseits eingeladen gewesen. Für diesen Anlass habe er ein speziel-

les Kleid, ein langes Hemd mit einer weiten Hose, angezogen. Er habe in 

einer Konditorei im (…)viertel Süssigkeiten gekauft und ein Taxi rufen wol-

len. Anstatt eines Taxis habe ein anderes Auto, ein Toyota oder Honda, 

angehalten. Die Insassen, (…) Männer, hätten ihn gefragt, wohin sie ihn 

fahren sollen. Er sei eingestiegen. Sie hätten laut Musik laufen lassen, ei-

ner der Männer habe Alkohol konsumiert und er habe Waffen im Auto be-

merkt. Deshalb habe er gewusst, dass es sich um Regierungsangestellte 

handle. Während der Fahrt sei er gefragt worden, ob er mitkommen wolle, 

um Spass zu haben. Er habe gesagt – in der Hoffnung, dass sie ihn in 

Ruhe lassen würden – dass heute sein Hochzeitstag sei. Daraufhin hätten 

sie die Waffen geholt, ihn bedroht, die Augen verbunden und seien weiter-

gefahren. Als das Auto in einem Hof eines (…)stöckigen Hauses angehal-

ten habe und er ausgestiegen sei, hätten sie ihm die Augenbinde abge-

nommen. In der untersten Etage des Hauses sei Opium konsumiert wor-

den. Auf der zweiten Etage hätten Knaben, zirka 15- bis 17-jährig, getanzt 

und gespielt. Auf dieser Etage habe er ein Frauenkleid anziehen und seine 

Sachen lassen müssen. Er sei von einem Mann in ein Zimmer auf der drit-

ten Etage mit einem Fenster, roten Vorhängen und einer Lampe in der 

Mitte, geführt worden. Er habe den Mann angefleht, ihm nichts anzutun. 

Dieser habe erwidert, entweder er mache das jetzt oder er bringe ihn um. 

Er habe seine Hose runterlassen müssen. Er sei gezwungen worden, das 

Glied des Mannes in den Mund zu nehmen. Der Mann habe ihm immer 

wieder auf die Beine geschlagen, damit er lockerlasse, um eindringen zu 

können. Nach einer Stunde habe ihn seine Schwester angerufen und ge-

fragt, wo er geblieben sei. Er habe ihr mitgeteilt, dass er nicht zum verein-

barten Treffen kommen könne, da das Taxi defekt sei. Nach insgesamt zwei 

Stunden sei er, auf seine Bitte hin, an den Ort gefahren worden, wo er mit-

genommen worden sei. Er sei eingeladen worden, am nächsten Abend 

wieder zu feiern. Er habe ein Taxi gerufen und sei nach Hause gegangen, 

wo seine Familie auf ihn gewartet habe. Zehn oder 15 Tage nach diesem 

Vorfall habe er Afghanistan verlassen. 

E-3669/2018 

Seite 4 

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer einen Pass, seine Tazkira, 

eine iranische Aufenthaltsbewilligung – alles jeweils im Original – und einen 

Datenträger zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 18. Mai 2018 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Den zustän-

digen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.  

C.  

Mit Eingabe vom 25. Juni 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der  

Vorinstanz sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen 

und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Flüchtlingseigen-

schaft festzustellen und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

Subeventualiter sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung fest-

zustellen und als Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme 

zu gewähren. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und 

die amtliche Verbeiständung zu gewähren. 

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer einen Kurzbericht der 

F._______ vom 15. Februar 2018, eine Fürsorgebestätigung und eine Kos-

tennote zu den Akten. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2018 hiess die Instruktionsrichterin die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie amtli-

chen Verbeiständung gut und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. 

E.  

In der Vernehmlassung vom 16. Juli 2018 hielt die Vorinstanz an ihren Er-

wägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

F.  

In der Replik vom 31. Juli 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen An-

trägen fest und reichte einen Arztbericht von Dr. med. G._______, vom 28. 

Juni 2018 und diverse Fotos seiner Hochzeit ein. 

G.  

Mit Schreiben vom 7. September 2018 äusserte sich der Beschwerdefüh-

rer zur Situation in Kabul.  

E-3669/2018 

Seite 5 

H.  

Am 23. Oktober 2018 führte der Beschwerdeführer aus, die Sicherheitslage 

in Kabul sei prekär und gab einen Bericht der H._______ vom  

28. August 2018, einen Bericht des Spitals I._______ vom 10. August 2018 

und vier Blätter mit Laborwerten zu den Akten.  

I.  

Mit Eingabe vom 10. Januar 2019 ersuchte die damalige Rechtsvertreterin 

J._______ das Gericht um Entlassung aus dem amtlichen Mandat und um 

Einsetzung von MLaw Katarina Socha als amtliche Rechtsbeiständin. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Februar 2019 entliess die Instruktionsrich-

terin J._______ aus dem amtlichen Mandat und setzte per  

1. Februar 2019 MLaw Katarina Socha als amtliche Vertreterin des Be-

schwerdeführers ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 

2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren 

gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-

derung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden. Das Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden. 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-

führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert  

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

E-3669/2018 

Seite 6 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen-

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen 

an das Glaubhaftmachen nach Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. 

Vorab sei bezüglich der geltend gemachten Ehe mit E._______ festzuhal-

ten, dass der Beschwerdeführer angegeben habe, seit seiner Einreise in 

die Schweiz von seiner Ehefrau getrennt zu leben und keinen Kontakt mehr 

zu ihr zu haben. Die Familie im Iran wisse Bescheid. Um bessere Chancen 

im Asylverfahren zu haben, habe er bisher keine Angaben zur Trennung 

von seiner Ehefrau gemacht.  

E-3669/2018 

Seite 7 

Weiter habe sich der Beschwerdeführer unvereinbar zum Verbleib seiner 

Identitätskarte geäussert. An der BzP habe er angegeben, er habe seine 

Identitätspapiere auf der Reise nach Europa verloren. Anlässlich der Anhö-

rung habe er ausgeführt, sein Pass befinde sich bei seinen Eltern im Iran. 

Am 7. März 2018 habe er den Pass eingereicht. Aufgrund unterschiedlicher 

Angaben zur Ehe und zum Verbleib seiner Identitätsdokumente würden 

erste Vorbehalte an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit bestehen.  

Hinsichtlich der geltend gemachten Probleme im Iran sei festzustellen, 

dass für die Beurteilung seines Asylgesuchs Verfolgungsmassnahmen un-

wesentlich seien, die er ausserhalb des Staates, dessen Staatsangehörig-

keit er besitze, erlitten habe. Nachfolgend würden deshalb nur jene Gründe 

behandelt, welche gemäss seinen Aussagen zur Ausreise aus Afghanistan 

geführt hätten.  

Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung, 

habe er bereits vor seiner Rückkehr nach Afghanistan den Wunsch gehabt, 

nach Europa zu reisen. Sein Plan sei gewesen, diesen Wunsch nach der 

Heirat mit seiner Ehefrau umzusetzen. Bereits vor der Heirat habe er sich 

in Afghanistan einen Pass und eine Tazkira ausstellen lassen, weshalb da-

von auszugehen sei, dass die Ausreise von Anfang an geplant gewesen 

sei.  

Ferner würden an der vorgebrachten Entführung und Vergewaltigung im 

Rahmen des mutmasslichen Einsatzes des Beschwerdeführers als Tanz-

knabe grundlegende Zweifel bestehen. Er habe wiederholt geltend ge-

macht, wie gefährlich die allgemeine Lage in Afghanistan sei und Verge-

waltigungen sowie Entführungen an der Tagesordnung seien. Dies sei der 

Grund gewesen, weshalb er jeweils nur in Begleitung unterwegs gewesen 

sei. Somit erschliesse sich in keiner Weise, weshalb er am Abend des Er-

eignisses trotzdem alleine unterwegs und mit (…) fremden Männern in ein 

Auto gestiegen sei. Auch den weiteren Verlauf der Ereignisse beziehungs-

weise die Vergewaltigung habe der Beschwerdeführer nicht schlüssig dar-

legen können. Er habe erklärt, in ein (…)stöckiges Haus gebracht worden 

zu sein. In einem Zimmer der zweiten Etage habe er ein Frauenkleid an-

ziehen und seine Sachen zurücklassen müssen. Danach sei er vom Täter 

in die oberste Etage gebracht und vergewaltigt worden. Auf Nachfrage 

habe er nicht begründen könne, wie es ihm möglich gewesen sein soll, den 

eingehenden Anruf seiner Schwester zu beantworten. Dass ihn seine Pei-

niger auf seinen Wunsch in die Stadt zurückgefahren hätten und ihn nicht 

länger in Gefangenschaft gehalten hätten, vermöge nicht zu überzeugen, 

E-3669/2018 

Seite 8 

zumal sie ihn am nächsten Abend wiederum zum Feiern eingeladen hätten. 

Anlässlich der Anhörung habe er zunächst nur vorgebracht, man habe ihn 

entführen wollen. Da er sich freigekauft habe, sei es nicht dazu gekommen. 

Später habe er ausgeführt, er sei entführt und vergewaltigt worden. 

Schliesslich bleibe unklar, weshalb der Beschwerdeführer im Alter von (…) 

Jahren und damit als erwachsener Mann, als Tanzknabe ausgewählt wor-

den sei. Insgesamt würden seine Vorbringen den Eindruck erwecken, als 

habe er versucht, eine angebliche Verfolgungsgeschichte in allgemeine 

Umstände in seinem Heimatland einzubetten, ohne jedoch selber davon 

betroffen gewesen zu sein. 

Ferner handle es sich bei den vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Nachteilen – allgemeine Kriegssituation und Präsenz der Taliban – um be-

dauerliche Ereignisse im Kontext der bewaffneten Auseinandersetzungen 

in Afghanistan, von denen viele Leute, in ähnlicher Weise wie der Be-

schwerdeführer, betroffen seien. Aus den Akten seien keine Hinweise er-

sichtlich, dass der Beschwerdeführer aus einem in Art. 3 AsylG erwähnten 

Grund getroffen werden sollte. Schliesslich habe er auch keine familiären 

Nachteile aufgrund der Scheidung von seiner Ehefrau geltend gemacht. 

Gemäss Erkenntnissen des SEM habe eine Scheidung für Männer keine 

asylrelevanten Folgen.  

5.2 In der Rechtsmitteleingabe hält der Beschwerdeführer an der Glaub-

haftigkeit und Asylrelevanz seiner Aussagen fest und rügt damit eine Ver-

letzung von Art. 7 und 3 AsylG.  

Die Auffassung der Vorinstanz, wonach er keine Angaben zur Trennung 

von seiner Ehefrau gemacht habe, um bessere Chancen im Asylverfahren 

zu haben, werde bestritten. Er habe im Rahmen der Anhörung eine Erklä-

rung dafür abgegeben und von sich aus die Wahrheit erzählt, weshalb ihm 

nicht Unglaubwürdigkeit angelastet werden könne. Gleiches gelte bezüg-

lich der Aussagen zum Verbleib seiner Identitätsdokumente, zumal er nach 

der Anhörung seine Tazkira im Original eingereicht habe und während des 

Verfahrens, abgesehen vom Verbleib seines Passes, nie widersprüchliche 

Angaben zu seiner Identität gemacht habe. Die Annahme der Vorinstanz, 

die Heirat und die Ausreise aus Afghanistan seien von Anfang an geplant 

gewesen, sei falsch. Er habe sich eine Tazkira ausstellen lassen, um hei-

raten zu können. Zudem habe er den Iran schon zu einem früheren Zeit-

punkt verlassen wollen, da ihn sein Vater verprügelt und gehänselt habe. 

Der Auffassung des SEM, wonach die Ereignisse im Iran keinen Einfluss 

auf die Beurteilung des Asylgesuches hätten, könne nicht gefolgt werden. 

E-3669/2018 

Seite 9 

Seine Kindheit sei durch sexuelle Übergriffe geprägt gewesen, weshalb er 

traumatisiert sei. Dass er zunächst ausgeführt habe, er habe die Schule 

aus finanziellen Gründen abgebrochen und erst später erklärt habe, der 

Schulabbruch sei aufgrund von sexuellen Übergriffen erfolgt, sei nachvoll-

ziehbar, da Scham- und Schuldgefühle eine Rolle spielen würden. Dies sei 

auch der Grund, weshalb er anlässlich der Anhörung zunächst auf die 

schwierige Lage in Afghanistan hingewiesen habe und erst später auf die 

Vergewaltigung zu sprechen gekommen sei. Weiter sei zu berücksichtigen, 

dass die Anhörung neun Stunden gedauert habe und er währenddessen 

zwei Flashbacks habe erleiden müssen. Sodann habe er über eine Seite 

lang über die Vergewaltigung berichtet, was ein Indiz für die Glaubhaftigkeit 

des Ereignisses sei. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch 

erwachsene Männer als Tanzknaben missbraucht würden. Die Opfer sol-

cher Taten würden beschuldigt, ausserehelichen Geschlechtsverkehr ge-

plant zu haben oder homosexuell zu sein.  

5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, ein psychisches Lei-

den aufgrund von sexuellen Missbrauchs werde erstmals am Ende der An-

hörung erwähnt, obwohl sich der Beschwerdeführer seit Oktober 2015 in 

der Schweiz aufhalte. Ein Arztbericht fehle in den Akten. Der Beschwerde-

führer habe weder in der BzP noch anlässlich der Anhörung geltend ge-

macht, an Vergesslichkeit zu leiden. Den Protokollen seien sodann keine 

Hinweise zu entnehmen, wonach er an Erinnerungslücken oder Konzent-

rationsschwierigkeiten leide. Es falle auf, dass eine Trauma indizierte Ver-

gesslichkeit insbesondere bezüglich der Ungereimtheiten und Widersprü-

che ins Feld geführt werde. Im Weiteren sei zu bemerken, dass der Be-

schwerdeführer insbesondere im ersten Teil der Anhörung keineswegs den 

Eindruck erweckt habe, dass er durch Hemmungen, Scham oder Schuld-

gefühle davon abgehalten werde, über seine körperlichen oder sexuellen 

Befindlichkeiten zu sprechen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer bei 

der ersten freien Schilderung die Vergewaltigung, und demnach das flucht-

auslösende Ereignis, nicht erwähnt. Erst auf Hinweis der Befragerin, das 

SEM sei über die allgemeine Lage in Afghanistan informiert, habe der Be-

schwerdeführer eine beinahe Entführung vorgebracht, aus der er sich habe 

freikaufen können. Erst danach seien die Ausführungen zur mutmasslichen 

Entführung und Vergewaltigung erfolgt.  

5.4 In der Replik macht der Beschwerdeführer geltend, wie aus dem ein-

gereichten Arztbericht hervorgehe, sei seine Erkrankung auf (…) zurück-

zuführen. Die Behandlung von psychischen Erkrankungen in Kabul sei 

E-3669/2018 

Seite 10 

praktisch nicht möglich. Ferner habe sich die Sicherheitslage in Kabul mas-

siv verschlechtert. Eine Wegweisung nach Afghanistan sei demnach weder 

zulässig noch zumutbar. 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, die Anhörung habe 

fast neun Stunden gedauert und er habe zwei Flashbacks erlitten. Es trifft 

zu, dass die Anhörung solange gedauert hat. Indes wurden mehrere Pau-

sen eingelegt, und dem Protokoll sind keine Hinweise zu entnehmen, wo-

nach der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sein soll, der Anhö-

rung zu folgen und die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Die zur 

Durchführung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung 

hat auch nichts Entsprechendes festgehalten. Sodann hat der Beschwer-

deführer die Richtigkeit und Vollständigkeit des Protokolls unterschriftlich 

bestätigt, weshalb er sich bei seinen Aussagen zu behaften lassen hat. 

6.2 Dem Beschwerdeführer ist ferner beizupflichten, dass er anlässlich der 

Anhörung bezüglich der Trennung von seiner Ehefrau und dem Verbleib 

seines Passes eine nachvollziehbare Erklärung für die widersprüchlichen 

Angaben zwischen der BzP und Anhörung abgegeben hat. Weiter hat die     

Vorinstanz nicht an der Identität oder Staatsangehörigkeit des Beschwer-

deführers gezweifelt. Die diesbezüglich widersprüchlichen Aussagen er-

weisen sich demnach nicht als derart gravierend, um die persönliche 

Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ernsthaft in Frage zu stellen.  

6.3 Mit der Vorinstanz ist indes festzustellen, dass der Beschwerdeführer 

anlässlich der Anhörung zunächst ausführte, sein Wunsch sei es gewesen, 

mit seiner Ehefrau nach der Heirat nach Europa zu gelangen (vgl. SEM-

Akten A16/27 F68 f.). In der BzP gab der Beschwerdeführer zudem zu Pro-

tokoll, vor einem oder zwei Jahren hätten sie sich melden können, um nach 

K._______ auszuwandern. Ihr Name sei jedoch nicht ausgewählt worden 

(vgl. SEM-Akten A4/11 S. 5 Ziff. 2.05). Ferner liess er sich vor der geltend 

gemachten Vergewaltigung in Afghanistan einen Pass ausstellen. Auf-

grund seiner Aussagen und der Ausstellung eines Passes ist davon auszu-

gehen, dass die Ausreise aus Afghanistan bereits von Anfang an geplant 

war. Dass der Beschwerdeführer – wie in der Rechtsmitteleingabe geltend 

gemacht – den Iran habe verlassen wollen, weil sein Vater ihn verprügelt 

und gehänselt habe, findet in den Akten sodann keine Stütze. Vielmehr 

führte der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung aus, seine Eltern 

seien gegen seine Ausreise aus dem Iran gewesen, weil er der einzige 

E-3669/2018 

Seite 11 

Sohn sei (vgl. SEM-Akten A16/27 F165). Weiter führte die Vorinstanz zu-

treffend aus, dass die geltend gemachten sexuellen Übergriffe der (…) und 

von afghanischen Männern im Iran nicht asylrelevant sind, da sie sich in 

einem Drittstaat ereignet haben. Die Definition der Flüchtlingseigenschaft 

verlangt – vorbehältlich der hier nicht gegebenen Situation von staatenlo-

sen Personen – zwingend eine Verfolgung im Heimatstaat (vgl. statt vieler 

etwa das Urteil BVGer D-6359/2018 vom 28. Oktober 2019 E. 6.2.6. 

m.w.H.). 

6.4 Zur geltend gemachten Vergewaltigung in Afghanistan ist dem Be-

schwerdeführer insoweit beizupflichten, dass einer betroffenen Person so-

wohl die Andeutung von sexuellen Übergriffen als auch das ausführliche 

Berichten darüber schwerfallen dürfte. Es wird nicht in Abrede gestellt, 

dass möglicherweise eine Traumatisierung das Aussageverhalten von 

Menschen beeinflussen und bisweilen dazu führen kann, dass ein Sach-

verhalt nicht vollumfänglich strukturiert und kohärent dargestellt wird. In-

dessen ist auch in diesen Fällen davon auszugehen, dass die Aussagen in 

den Kernpunkten ohne erhebliche Widersprüche und weitgehend überein-

stimmend ausfallen, zumal es dabei einzig darum geht, über selbst Erleb-

tes zu berichten. 

Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerde-

führer anlässlich der Anhörung zunächst von einer versuchten Entführung 

und einem Freikaufen sprach, weshalb es nicht zur Entführung gekommen 

sei (vgl. SEM-Akten A16/29 F102). Später führte er im Widerspruch dazu 

aus, er sei entführt und vergewaltigt worden. Zwar ist dem Beschwerdefüh-

rer beizupflichten, dass er die Vergewaltigung ausführlich geschildert hat. 

Indes konnte er auch in der Rechtsmitteleingabe nicht schlüssig darlegen, 

weshalb er als (…)-jähriger, und damit erwachsener Mann, als Tanzknabe 

ausgewählt worden sein soll. Die von ihm beschriebene Situation unter-

scheidet sich offensichtlich in mehrfacher Hinsicht von derjenigen des Be-

schwerdeführers im Verfahren D-262/2017 (vgl. Beschwerde S. 18), der im 

Lebensalter von zehn bis achtzehn Jahren in Afghanistan als Tanzjunge 

und Sexsklave entführt wurde und den Heimatstaat ungefähr im Zeitpunkt 

des Erreichens der Volljährigkeit verliess. Weiter bleibt unklar, wie der Be-

schwerdeführer den Anruf seiner Schwester nach ungefähr einer Stunde 

Aufenthalt im Haus hat entgegennehmen können, zumal er ausführte, er 

habe seine Sachen auf der (…) Etage des Hauses lassen müssen, bevor 

er in einem Zimmer auf der (…) Etage vergewaltigt worden sei. Auf Nach-

frage ist es ihm denn auch nicht gelungen, diese Ungereimtheit zu erklären 

E-3669/2018 

Seite 12 

(vgl. a.a.O. F149). Schliesslich äusserte sich der Beschwerdeführer unver-

einbar zum Zeitpunkt der Vergewaltigung. So führte er aus, er sei bei der 

Ehefrau seines Onkels väterlicherseits eingeladen gewesen, weil es üblich 

sei, dass Familienmitglieder das frisch verheiratete Paar einladen würden 

(vgl. a.a.O. F115). Aufgrund dieser Aussagen ist davon auszugehen, dass 

sich die angebliche Vergewaltigung nach der Hochzeit ereignet hat. An an-

derer Stelle führte er aus, er habe seinen Peinigern gesagt, heute sei sein 

Hochzeitsfest, in der Hoffnung, in Ruhe gelassen zu werden. Auf Nach-

frage präzisierte er, die Übergriffe hätten zirka acht Tage vor der Hochzeit 

stattgefunden (vgl. a.a.O. F159 ff.). 

6.5 Aufgrund der widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers zu 

den Umständen der Entführung und Vergewaltigung ist nicht glaubhaft, 

dass sich diese im geltend gemachten Kontext ereignet haben. Nicht aus-

zuschliessen ist, dass der Beschwerdeführer – wie von ihm geltend ge-

macht – früher im Iran sexuell missbraucht wurde. Wie bereits dargelegt 

(E. 6.3) sind diese Übergriffe indes nicht asylrelevant. Mit der Vorinstanz 

ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer versucht, eine angebli-

che Verfolgungsgeschichte in allgemeine Umstände in seinem Heimatland 

einzubetten. An dieser Einschätzung vermögen auch die eingereichten 

Arztberichte, worin eine psychische und Verhaltensstörung durch (…) di-

agnostiziert wird, nichts zu ändern, zumal ein Arztbericht zwar eine psychi-

sche Störung beziehungsweise eine Traumatisierung belegen kann, nicht 

aber deren genaue Ursache (vgl. Urteil des BVGer D-5781/2012 vom 8. 

Mai 2015 E. 7.2.2). 

6.6 Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht gelungen, eine im Zeit-

punkt seiner Ausreise flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzu-

weisen oder glaubhaft zu machen. 

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er erfülle die Flüchtlings-

eigenschaft aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen. Er habe sich in 

der Schweiz aufgrund seiner äusserst negativen Erfahrungen mit dem 

muslimischen Glauben vom Islam abgewendet, den christlichen Glauben 

angenommen und sich taufen lassen. Apostasie werde nach allgemeiner 

afghanischer Rechtsauffassung unter die nicht weiter definierten «unge-

heuerlichen» Straftaten fallen. Christen gehörten der Minderheit an und 

würden gezwungen, ihren Glauben zu verheimlichen. Er habe demnach 

begründete Furcht vor Verfolgung. Zudem lebe er seine Sexualität offen 

aus und gehe auch homosexuelle Beziehungen ein. Gleichgeschlechtliche 

E-3669/2018 

Seite 13 

Beziehungen seien in Afghanistan illegal und könnten nach dem afghani-

schen Strafgesetzbuch mit langjährigen Haftstrafen bestraft werden.  

7.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Dieser Grundsatz dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, 

andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der 

Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die verfü-

gende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig 

und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich 

entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss. Nicht er-

forderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-

lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-

derlegt (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3, BVGE 2016/9 E. 5.1). 

7.3 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-

scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise 

falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den 

Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. 

BVGE 2016/2 E. 4.3). 

7.4 Anlässlich der Anhörung führte der Beschwerdeführer aus, in der Kir-

che habe er einen Pfarrer kennengelernt, dem er sich anvertrauen könne 

(vgl. SEM-Akten A16/27 F114.). An anderer Stelle gab er an, er habe von 

der islamischen Religion genug. Gemäss Protokoll unterbrach die Befra-

gerin den Beschwerdeführer nach diesem Satz, mithin ist davon auszuge-

hen, dass er in diesem Zusammenhang noch weitererzählen wollte (vgl. 

a.a.O. F175). Weiteren Fragen zu seiner Abkehr vom Islam und einer all-

fälligen Konversion zum Christentum wurden dem Beschwerdeführer nicht 

gestellt. Zu seiner sexuellen Orientierung führte der Beschwerdeführer so-

dann anlässlich der Anhörung aus, er habe während der Schulzeit eine se-

xuelle Beziehung mit einem Jungen gehabt. Er habe nie eine Freundin ge-

habt und seine Ehefrau wäre die «erste» Frau in seinem Leben gewesen. 

Seine Ehefrau habe ihn jedoch nicht geliebt und nichts von ihm wissen 

wollen (vgl. a.a.O. F70 ff.). Er wolle eine Frau, christlichen oder jüdischen 

Glaubens, heiraten (vgl. a.a.O. F175). In der Verfügung erwähnte die Vor-

instanz weder die geltend gemachte Abkehr vom Islam noch das Eingehen 

von homosexuellen Beziehungen. In der Rechtsmitteleingabe macht der 

Beschwerdeführer geltend, er habe sich in L._______ von einem US-ame-

rikanischen Pastor taufen lassen und habe eine sexuelle Beziehung mit 

einer transsexuellen Person aus M._______. Zu beiden Vorbringen nahm 

die Vorinstanz in der Vernehmlassung nicht Stellung.  

E-3669/2018 

Seite 14 

7.5 Im als Referenzurteil publizierten Urteil D-4952/2014 vom 23. August 

2017 hielt das Bundesverwaltungsgericht unter anderem fest, dass bei ei-

ner im Asylverfahren geltend gemachten Konversion die Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit des Vorbringens oft von zentraler Bedeutung sei. Aufgrund 

des ausgeprägten inneren Charakters dieses Vorbringens sei jene Prüfung 

denn auch besonders schwierig. Die religiöse Zugehörigkeit könne – im 

Vergleich zu anderen Asylvorbringen – praktisch nur anhand von Aussagen 

der asylsuchenden Person beurteilt werden (vgl. a.a.O. E. 6.2).  

7.6 Nach Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht 

in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Rückweisung kommt insbeson-

dere dann in Betracht, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen 

und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist (WEISSENBER-

GER/HIRZEL, N 16 zu Art. 61 VwVG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 

Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016).  

7.7 Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Konversion 

und Homosexualität ist für das Gericht zufolge einer offenkundig unvoll-

ständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht möglich. 

Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer nicht zu seiner Abkehr vom Is-

lam befragt. Auch hat sie es unterlassen, ihn zu einer allfälligen Konversion 

zum Christentum zu befragen, zumal er bereits anlässlich der Anhörung 

ausführte, in der Kirche habe er einen Pfarrer kennengelernt, dem er sich 

anvertrauen könne. Ebenfalls hat sie ihm keine Fragen zu seiner allfälligen 

Homosexualität gestellt. 

Das Bundesverwaltungsgericht kann die Entscheidreife vorliegend nicht 

ohne grösseren Aufwand herstellen, weshalb die Sache zwecks Vornahme 

weiterer Abklärungen und neuen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen ist. Für eine Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung 

spricht auch der Umstand, dass auf diese Weise der Instanzenzug erhalten 

bleibt, was umso bedeutender ist, als das Bundesverwaltungsgericht letzt-

instanzlich entscheidet. Auf eine Auseinandersetzung mit den weiteren Be-

schwerdevorbringen kann bei diesem Verfahrensausgang verzichtet wer-

den. 

Die Vorinstanz wird dem Beschwerdeführer demnach weitere Fragen zu 

seiner geltend gemachten Konversion und allfälligen Homosexualität stel-

len müssen. 

E-3669/2018 

Seite 15 

7.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 

Vorfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Abzuklären ist 

noch, ob subjektive Nachfluchtgründe vorliegen. Sollten solche anerkannt 

werden, wäre der Beschwerdeführer als Flüchtling wegen Unzulässigkeit 

des Vollzugs der Wegweisung vorläufig aufzunehmen. Bei dieser Sachlage 

ist das Asylgesuch des Beschwerdeführers abzuweisen.  

8.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen. Die Ziffern 1, 4 

und 5 der Verfügung vom 18. Mai 2018 sind aufzuheben und die Sache zur 

vollständigen Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung in Bezug auf das 

Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen und dem Vollzug der Weg-

weisung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde 

abzuweisen.  

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem Obsiegen des Be-

schwerdeführers zu zwei Drittel auszugehen. Demnach hätte der Be-

schwerdeführer die Verfahrenskosten zu einem Drittel zu tragen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2018 die unent-

geltliche Prozessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu 

erheben. 

10.2 Im Umfang des Obsiegens – das heisst zu zwei Drittel – ist dem Be-

schwerdeführer in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteient-

schädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Vertretungskosten zu-

zusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

Die Rechtsvertreterin macht in der Beschwerde und Replik einen Aufwand 

von insgesamt 14 Stunden à Fr. 193.85 (inkl. MwST) und eine Pauschale 

E-3669/2018 

Seite 16 

für Auslagen in der Höhe von Fr. 54.– geltend. Der geltend gemachte Auf-

wand erscheint angemessen. Nicht vollständig zu entschädigen ist die 

Pauschale für Auslagen, da praxisgemäss nur effektiv ausgewiesene Kos-

ten entschädigt werden. Die Auslagen sind auf insgesamt Fr. 30.– zu kür-

zen. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist dem-

nach auf insgesamt Fr. 1'829.30 (inkl. MwST im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. 

c VGKE und zwei Drittel der Auslagen) festzusetzen.  

10.3 Mit Zwischenverfügung vom 18. Mai 2018 wurde das Gesuch um Ge-

währung der amtlichen Verbeiständung gutgeheissen und die damalige 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers 

eingesetzt. Am 27. Februar 2019 entliess die Instruktionsrichterin antrags-

gemäss die damalige Rechtsvertreterin aus dem amtlichen Mandat und 

setzte MLaw Katarina Socha als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwer-

deführers ein. Wie in der Zwischenverfügung vom 18. Mai 2018 festgehal-

ten, ist bei nicht-anwaltlichen Rechtsvertretern von einem Stundenansatz 

von maximal Fr. 150.– auszugehen. Der Rechtsvertreterin ist der weitere 

Aufwand zu einem Drittel zulasten der Gerichtskasse als amtliches Hono-

rar in Höhe von Fr. 763.90 (inkl. MwST und ein Drittel der Ausgaben) aus-

zurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3669/2018 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. 

2.  

Die Ziffern 1, 4 und 5 der Verfügung vom 18. Mai 2018 werden aufgehoben 

und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM 

zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1’829.30 auszurichten. 

5.  

Der amtlichen Rechtsvertreterin wird durch das Bundesverwaltungsgericht 

ein Honorar von Fr. 763.90 ausgerichtet. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin 

 

Versand: