# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7508991f-9821-5848-9d17-6a41191bfa71
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-11-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 29.11.2005 SB 2005 40
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2005-40_2005-11-29.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 29. November 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 05 40 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Rehli und Vital 
Aktuarin Thöny

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In der strafrechtlichen Berufung

der X., Angeklagte und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. An-
drea Mani, Postfach 516, Obere Gasse 24, 7002 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Imboden vom 29. Juni 2005, mitgeteilt 
am 29. September 2005, in Sachen gegen die Angeklagte und Berufungsklägerin,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am 1. August 2004 um ca. 18.50 Uhr fuhr X. zusammen mit ihrer Mit-
fahrerin A. auf einem Motorrad der Marke Moto-Guzzi California EV mit dem Kon-
trollschild B. von C. kommend über die Hauptstrasse in Richtung D.. In der Region 
F. schloss X. zum Jeep Gran Cherokee von G. und dem sich an der Spitze dieser 
Kolonne befindlichen Personenwagen von H. mit dem Kontrollschild I. auf. Nach-
dem sie sich vergewissert hatte, dass kein Gegenverkehr nahte, setzte sie zum 
Überholen der beiden vorausfahrenden Fahrzeuge an. Als sie den Jeep überholt 
hatte, bemerkte sie, dass H. im Begriff war, nach links in einen Feldweg abzubiegen. 
Obwohl X. noch versuchte, nach links auszuweichen, kam es zu einer Kollision mit 
dem abbiegenden Personenwagen von H.. Dabei wurden X. und ihre Mitfahrerin A. 
vom Motorrad geschleudert und zogen sich Verletzungen zu, welche im Kantons-
spital K. behandelt werden mussten. Die Verletzung von H. konnte ambulant be-
handelt werden. Am Motorrad von X. entstand ein Sachschaden von ca. Fr. 3'500.--, 
am Personenwagen von H. ein solcher von ca. Fr. 3'000.--. Alle am Unfall beteiligten 
Personen verzichteten ausdrücklich auf die Stellung eines Strafantrages wegen 
Körperverletzung.

B. Mit Kompetenzentscheid vom 6. September 2004 stellte die Staatsan-
waltschaft Graubünden fest, dass für X. der Übertretungstatbestand im Sinne von 
Art. 35 Abs. 5 SVG (Überholverbot von Linksabbiegern) in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 1 SVG und für H. die Tatbestände von Art. 34 Abs. 3 SVG (Rücksichtnahme 
bei Änderung der Fahrtrichtung), Art. 36 Abs. 1 SVG (Einspuren) und Art. 39 Abs. 2 
SVG (Pflicht zur Rücksicht trotz Zeichengabe) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG 
in Betracht fallen. Mit der Verfolgung im Strafmandatsverfahren wurde der Kreisprä-
sident Rhäzüns beauftragt.

C. Mit Verfügung vom 26 November 2004 stellte der Kreispräsident 
Rhäzüns das Strafverfahren gegen H. ein, wobei die kreisamtlichen Kosten auf die 
Kreiskasse genommen wurden. Gegen X. erliess der Kreispräsident Rhäzüns glei-
chentags ein Strafmandat und erkannte wie folgt: 

„1. X. ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 
5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

2. Dafür wird sie mit einer Busse von Fr. 200.-- bestraft.

3. Die Verurteilte bezahlt die Kosten des Verfahrens, bestehend aus: 

- Barauslagen (Kompetenzentscheid/Polizei) Fr. 489.20
- Kreisamtl. Verfahrenskosten Fr. 250.00
- zuzüglich Busse Fr. 200.00
./. Depositum Fr.   00.00
Total Fr. 939.20

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4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

Gegen dieses Strafmandat liess X. durch ihren Rechtsvertreter fristgerecht 
Einsprache erheben. Gestützt auf Art. 175 StPO überwies der Kreispräsident 
Rhäzüns die Verfahrensakten in der Folge an den Bezirksgerichtsausschuss Imbo-
den. 

D. Mit Anklageverfügung des Bezirksgerichtspräsidiums Imboden vom 
15. April 2005 wurde X. nach Kenntnisnahme der Akten und gestützt auf das Er-
gebnis der Untersuchung wegen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG in Anklagezustand versetzt. Mit 
Urteil vom 29. Juni 2005, mitgeteilt am 29. September 2005, erkannte der Bezirks-
gerichtsausschuss Imboden wie folgt:

„1. X. ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 
5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

2. Dafür wird X. mit einer Busse von Fr. 200.-- bestraft.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Kosten des Kreisamtes Rhäzüns von Fr.    739.20
- der Untersuchungs- und Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00
total somit Fr. 3'239.20

gehen zulasten der Verurteilten.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

E. Gegen dieses Urteil liess X. am 20. Oktober 2005 beim Kantonsge-
richtsausschuss von Graubünden Berufung einreichen. Dabei stellte sie die folgen-
den Anträge:

„1. Das angefochtene Urteil sei aufzuheben und die Berufungsklägerin sei 
von der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 5 SVG in 
Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG freizusprechen.

2. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen.

3. Der Berufungsklägerin sei sowohl für das vorinstanzliche als auch für 
das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht eine ausseramtliche Ent-
schädigung zuzusprechen.“

F. Die Staatsanwaltschaft Graubünden verzichtete mit Schreiben vom 
26. Oktober 2005 auf eine Vernehmlassung. Auch das Bezirksgericht Imboden teilte 
mit Schreiben vom 14. November 2005 mit, dass es auf die Einreichung einer Ver-
nehmlassung verzichte. 

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Auf die Begründung der Anträge sowie die weiteren Ausführungen im ange-
fochtenen Urteil wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 141 Abs. 1 des Gesetzes über die Strafrechtspflege 
(StPO; BR 350.000) können der Verurteilte und der Staatsanwalt gegen Urteile und 
Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse beim Kantonsgerichtsaus-
schuss Berufung einlegen. Die Berufung ist innert zwanzig Tagen seit der schriftli-
chen Eröffnung des Entscheids in dreifacher Ausfertigung unter Beilage des ange-
fochtenen Entscheids einzureichen. Sie ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheids gerügt werden und ob das ganze Urteil 
oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 StPO). Diesen An-
forderungen vermag die vorliegende Berufung zu genügen, weshalb auf sie einzu-
treten ist. 

2. Der Kantonsgerichtsausschuss überprüft das erstinstanzliche Urteil in 
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht im Rahmen der gestellten Anträge frei (Art. 
146 Abs. 1 StPO). Er besitzt eine umfassende, uneingeschränkte Kognitionsbefug-
nis. Wenn die Aktenlage die Beurteilung zulässt und keine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs vorliegt oder der Mangel geheilt ist, entscheidet der Kantonsgerichts-
ausschuss in der Sache selber (Art. 146 Abs. 2 StPO e contrario; Padrutt, Kommen-
tar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, S. 
376). Die Berufungsklägerin anerkennt den dem angefochtenen Urteil zu Grunde 
gelegten Sachverhalt vollumfänglich. Die vorliegende Berufung richtet sich einzig 
gegen die rechtliche Qualifikation ihres Verhaltens als Verstoss gegen Art. 35 Abs. 5 
SVG. Insofern kann ohne Einschränkungen auf die Sachverhaltsdarstellung im vor-
instanzlichen Urteil abgestellt werden. 

3. Die Berufungsklägerin macht geltend, sie habe die Absicht von H., 
nach links abzubiegen, nicht erkennen können, da diese vor der Durchführung des 
Abbiegemanövers ihr Fahrzeug nicht gegen die Strassenmitte hin eingespurt habe. 
Dies habe dazu geführt, dass der von H. gestellte Blinker vom nachfolgenden Fahr-
zeug verdeckt worden und somit für die Berufungsklägerin nicht sichtbar gewesen 
sei. Aufgrund dieses Fehlverhaltens von H. habe sie sich nicht ausreichend darüber 
versichern können, dass die Fahrbahn während des Überholvorgangs frei bleiben 
würde. Sie habe sich aber gestützt auf Art. 26 SVG darauf verlassen dürfen, dass 

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H. sich so verhalten werde, dass sie bei ihrem Überholmanöver weder behindert 
noch gefährdet würde. Daraus ergebe sich, dass sie von einer Widerhandlung ge-
gen Art. 35 Abs. 5 SVG freizusprechen sei.

a) Gemäss Art. 35 Abs. 5 SVG darf ein Fahrzeug nicht überholt werden, 
wenn dessen Lenker die Absicht anzeigt, nach links abzubiegen. Überholen gehört 
- insbesondere auf Strassen mit Gegenverkehr - zu den gefährlichsten Fahrmanö-
vern. Die diesbezüglichen Regeln bezwecken, das Überholen entweder zu verbie-
ten in Situationen, in denen es üblicherweise übergrosse Gefahren bewirkt, oder es 
an eine Reihe von Anforderungen zu knüpfen, bei deren Beachtung die zusätzlichen 
Risiken minimiert werden. Überholen ist nur gestattet, wenn es nicht überhaupt ver-
boten ist, der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht 
behindert oder gefährdet wird (BGE 129 IV 155 E. 3.2.1 S. 158 mit Hinweis auf 
Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, 
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, Bern 2002, S. 326). 

b) Der Zeuge G. stützte anlässlich der polizeilichen Einvernahme zum 
Unfallhergang (act. III/6) die Aussage von H., dass diese vor Beginn des Abbiege-
manövers mit Sicherheit den linken Richtungsanzeiger betätigt hatte. Im Rahmen 
einer weiteren Befragung am 8. Februar 2005 (act. IV/1) bestätigte er seine Aussa-
gen und führte aus, dass H. mit angemessener Geschwindigkeit gefahren sei, den 
Richtungsanzeiger gesetzt und sodann abgebremst habe, um nach links abbiegen 
zu können. Aus den Einvernahmeprotokollen und den Verfahrensakten geht aller-
dings nicht hervor, ob H. auch gegen die Strassenmitte eingespurt hatte, bevor sie 
mit der Ausführung des Abbiegemanövers begann. Diese Frage ist jedoch - entge-
gen der Auffassung der Berufungsklägerin - von untergeordneter Bedeutung. Zum 
einen kennt das Strafrecht keine Schuldkompensation, weshalb X. auch im Falle, 
dass ein allfälliges Verschulden von H. festgestellt worden wäre, nichts zu ihren 
Gunsten hätte ableiten können. Immerhin hat der Kreispräsident Rhäzüns das Ver-
fahren gegen H. mit Verfügung vom 26. November 2004 eingestellt. Zum anderen 
hat das Bundesgericht in seinem Entscheid vom 4. November 2003 (6S.301/2003) 
festgehalten, dass ein Lenker seine Absicht, nach links abzubiegen, bereits mit dem 
Stellen des linken Blinkers zum Ausdruck bringt, auch wenn er sich gemäss Art. 36 
Abs. 1 SVG gegen die Strassenmitte halten müsste. Selbst wenn H. - was im vor-
liegenden Fall jedoch nicht abschliessend festgestellt werden konnte - ein korrektes 
Einspuren gegen die Strassenmitte unterlassen hätte, hätte sie gemäss obgenann-
ter Praxis des Bundesgerichts ihre Absicht, nach links abbiegen zu wollen, insoweit 
korrekt angezeigt (Art. 39 Abs. 1 lit. a SVG). Dass ihre Absicht durchaus erkennbar 

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gewesen war, ergibt sich auch bereits aus dem Umstand, dass der nachfolgende 
Fahrzeuglenker G. den gesetzten Richtungsanzeiger gesehen hat und rechtzeitig 
reagieren und seine Geschwindigkeit reduzieren konnte. 

c) Die Berufungsklägerin stellt sich auf den Standpunkt, sie habe den 
Richtungsblinker am Fahrzeug von H. gar nicht erkennen können, da dieser durch 
den nachfolgenden Jeep Cherokee von G. verdeckt gewesen sei. Für sie sei somit 
das beabsichtigte Abbiegemanöver gar nicht erkennbar gewesen. Sie habe sich da-
her auch nicht darüber vergewissern können, dass die Fahrbahn während der 
Dauer ihres Überholmanövers frei bleiben würde. Diese Situation entspreche derje-
nigen, die dem Bundesgerichtsentscheid 4C.141/2001 vom 24. August 2001 zu-
grunde gelegen habe. Im Gegensatz zu dem vorliegend zu beurteilenden Sachver-
halt wurde der Richtungsanzeiger im zitierten Bundesgerichtsentscheid jedoch 
durch das abbiegende Fahrzeug selbst respektive durch dessen Anhänger ver-
deckt. Das Bundesgericht hielt denn auch in diesem Zusammenhang fest, dass der 
Abbiegende, sofern er sein Manöver dem nachfolgenden Verkehr nicht gehörig an-
zeigen könne, um die Verkehrssicherheit besorgt sein müsse. Gleichzeitig verwies 
es jedoch auch auf die ungleiche und damit anders zu beurteilende Sachverhalts-
lage in BGE 103 IV 256. Im dort zu beurteilenden Fall war der Blinker bloss vorü-
bergehend nicht zu erkennen gewesen. Das Bundesgericht führte damals aus, in 
dieser Situation könne der zu Überholende grundsätzlich davon ausgehen, dass 
nachfolgende Fahrzeuge seine Zeichengebung bemerken würden. Ausserdem 
fehle es dem Überholenden bei dieser Ausgangslage an der Gewissheit, dass die 
Überholstrecke auch frei bleiben werde. Gleich verhält es sich auch im vorliegenden 
Fall. Dass ihr linker Richtungsanzeiger durch das nachfolgende Fahrzeug verdeckt 
wurde, ist zweifellos nicht dem Verhalten von H. zuzuschreiben. Sie durfte daher - 
gestützt auf die obgenannte Praxis in BGE 103 IV 256 - damit rechnen, dass die 
anderen Verkehrsteilnehmer ihren nach links gestellten Richtungsanzeiger auch er-
kennen würden, was G. denn auch tat. Somit traf sie auch keine erhöhte Sorgfalts-
pflicht gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern. Vielmehr lag es an X., sich vor 
der Durchführung des geplanten Überholmanövers zu vergewissern, dass dieses 
sicher und ohne Gefährdung Dritter abgeschlossen werden konnte. Ihr fehlte jedoch 
aufgrund des Umstands, dass sie den linken Richtungsanzeiger am Fahrzeug von 
H. im kritischen Zeitpunkt gar nicht sehen konnte, die Gewissheit, dass die Über-
holstrecke bis zum Abschluss des Manövers frei bleiben würde. Sie konnte sich 
daher nicht sicher sein, während des ganzen Überholvorgangs - sie war im Begriff 
zwei hintereinander fahrende Fahrzeuge zu überholen, was ein zusätzliches Risiko 
birgt - niemanden zu gefährden und gefahrlos an der Spitze der Kolonne einbiegen 

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zu können (vgl. hierzu BGE 121 IV 235 E. 1b S. 237 f.). Somit hätte sie in der frag-
lichen Situation auch nicht zu einem Überholmanöver ansetzen dürfen. Sie hätte 
sich vielmehr vergewissern müssen, was H. tat, unabhängig davon, ob diese nun 
im Begriff war, nach links abzubiegen oder nicht; sie durfte nicht einfach „blind“ zum 
Überholen des von H. gelenkten Fahrzeugs ansetzen.

d) Die Berufungsklägerin verweist im Zusammenhang mit dem bereits zi-
tierten Entscheid des Bundesgerichts vom 24. August 2001 (4C.141/2001) auf die 
Ausführungen des Bundesgerichts, wonach die erwähnte Einschränkung bezüglich 
der Zulässigkeit des Überholens auf Strassen für Feldwege nicht gelte. Zudem 
werde in derselben Erwägung ausgeführt, der Umstand, dass der Traktorfahrer in 
einen Feldweg abbiegen könnte, müsse den nachfolgenden Personenwagenlenker 
nicht zu besonderer Vorsicht veranlassen. 

Zunächst ist festzuhalten, dass sich die vom Bundesgericht genannte Ein-
schränkung der Zulässigkeit des Überholens auf Strassen - wie sich aus Erwägung 
b/cc des zitierten Bundesgerichtsentscheids zweifellos ergibt - einzig auf die Über-
holvorschriften auf Verzweigungen bezieht. Das Bundesgericht hielt nämlich ein-
gangs der erwähnten Erwägung fest, dass das Überholen selbst im Bereich von 
Verzweigungen gestattet sei, sofern diese übersichtlich seien und das Vortrittsrecht 
anderer Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werde. Die zweite der genannten Vor-
aussetzungen weist darauf hin, dass Übersicht vor allem bezüglich jenes Teils der 
Verzweigung bestehen muss, aus welchem der Überholende mit vortrittsberechtig-
tem Verkehr zu rechnen hat (vgl. auch Giger, SVG Strassenverkehrsrecht, 6. Auf-
lage, Zürich 2002, S. 114). In Bezug auf den konkret zu beurteilenden Fall führte 
das Bundesgericht weiter aus, dass der vorausfahrende Traktor in einen Feldweg 
eingebogen sei, so dass es sich nicht um eine Verzweigung im Sinne des Gesetzes 
gehandelt habe. Benutzer von Feldwegen seien bei der Kreuzung von gewöhnli-
chen Strassen nicht vortrittsberechtigt und müssten bei unübersichtlichen Einmün-
dungen nötigenfalls Hilfspersonen beiziehen (Art. 1 Abs. 8 und Art. 15 Abs. 3 VRV). 
Für Feldwege gelte daher die erwähnte Einschränkung bezüglich der Zulässigkeit 
des Überholens auf Strassen nicht. Das Bundesgericht stellte somit einzig die Sub-
sumtion des Sachverhalts unter die Vorschrift von Art. 35 Abs. 4 SVG, welcher unter 
anderem das Überholen auf Strassenverzweigungen regelt, in Abrede. Im vorlie-
genden Fall fällt jedoch einzig eine Verletzung von Art. 35 Abs. 5 SVG in Betracht; 
die Anwendbarkeit von Art. 35 Abs. 4 SVG stand zu keinem Zeitpunkt im Raum. 
Bezüglich des Zusammentreffens von Linksabbiegern mit für sie von hinten nahen-
den Fahrzeugen hat das Bundesgericht schon in BGE 97 IV 36 den Grundsatz auf-

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gestellt, dass der seine Richtungsänderung ankündigende Linksabbieger gegenü-
ber dem von hinten nahenden Überholenden „den Vortritt“ habe. Dies folge - für 
Abbiegemanöver auf und ausserhalb von Verzweigungen - aus Art. 35 Abs. 5 SVG. 
Daran ist auch im vorliegenden Fall festzuhalten. Somit kann die Berufungsklägerin 
auch aus dem Umstand, dass H. beabsichtigte, in einen Feldweg abzubiegen, 
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Auch kann sie sich unter diesen Voraussetzungen 
nicht auf das aus Art. 26 SVG ableitbare Vertrauensprinzip berufen, hat sich doch 
H. korrekt verhalten, nicht aber die Berufungsklägerin (vgl. auch den Entscheid des 
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2002, 6S.262/2002).

e) Die Berufungsklägerin beanstandet des Weiteren die Feststellung der 
Vorinstanz, wonach es ihr ohne weiteres möglich gewesen sein soll, zunächst den 
Jeep Cherokee von G. zu überholen, sich danach wieder hinter dem Fahrzeug von 
H. einzureihen und anschliessend an diesem vorbeizufahren. Die Frage, ob genü-
gend Raum für ein Einreihen zwischen den beiden Fahrzeugen vorhanden gewesen 
wäre, kann indes nach dem Gesagten offen gelassen werden. Indem die Berufungs-
klägerin zum Überholen der beiden Fahrzeuge ansetzte, obwohl sie aufgrund des 
verdeckten Richtungsanzeigers nicht die Gewissheit haben konnte, dass die Über-
holstrecke bis zum Abschluss des Manövers frei bleiben würde, verstiess sie bereits 
gegen Art. 35 Abs. 5 SVG. Die Berufungsklägerin hätte somit in der vorliegenden 
Situation das fragliche Überholmanöver nicht ausführen dürfen. Dies umso mehr, 
wenn zwischen den zu überholenden Fahrzeugen nicht genügend Raum für ein ge-
fahrloses Wiedereinbiegen vorhanden gewesen wäre. Zusammenfassend ist daher 
festzuhalten, dass X. somit von der Vorinstanz zu Recht der Verletzung von Ver-
kehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 5 SVG schuldig gesprochen worden ist.

4. Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Strafzumessung setzt der Kan-
tonsgerichtsausschuss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz und wen-
det die Regeln über die Strafzumessung selbständig an. Gemäss Art. 63 StGB be-
misst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters. Im Rahmen der 
sogenannten Tatkomponente sind insbesondere das Ausmass des verschuldeten 
Erfolges, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, 
mit der der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu berück-
sichtigen. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhält-
nisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Geldstrafen bemisst 
der Richter je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser durch die Einbusse 
die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist. Für die Verhältnisse 
des Täters relevant sind gemäss Art. 48 Ziff. 2 StGB namentlich sein Einkommen 

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und sein Vermögen, sein Familienstand und seine Familienpflichten, sein Beruf und 
Erwerb, sein Alter und seine Gesundheit (BGE 129 IV 44 E. 6.1 S. 20 f.). 

Die Vorinstanz hat das Tatverschulden der Berufungsklägerin zu Recht nicht 
bagatellisiert. Immerhin hat sie durch ihre unachtsame Fahrweise eine Verkehrsre-
gelverletzung begangen und dadurch eine Kollision verursacht, bei welcher nicht 
nur sie, sondern auch ihre Mitfahrerin Verletzungen davontrug. Da sie ihren Sorg-
faltspflichten im Strassenverkehr nicht nachgekommen ist, hat sie auch weitere Ver-
kehrsteilnehmer konkret gefährdet. Die Tatsache, dass die Berufungsklägerin wenig 
Einsicht zeigt, kann zwar nicht straferhöhend gewertet werden; gleichwohl darf sie 
jedoch bei dieser Sachlage nicht mit besonderer Milde rechnen (Stratenwerth, All-
gemeiner Teil II, 1989, S. 241). Strafmindernd ist der Berufungsklägerin ihr vorstra-
fenfreies Vorleben anzurechnen. Strafschärfungs-, Straferhöhungs- und Strafmilde-
rungsgründe sind keine ersichtlich. In Würdigung sämtlicher Strafzumessungs-
gründe erachtet der Kantonsgerichtsausschuss die von der Vorinstanz verhängte 
Busse von Fr. 200.-- als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen der 
Berufungsklägerin angemessen.

5. Das vorinstanzliche Urteil erweist sich somit als rechtmässig und die 
Berufung ist abzuweisen. Es hat daher auch beim vorinstanzlichen Kostenspruch 
zu bleiben (vgl. Art. 158 StPO). Die Kosten des Berufungsverfahrens sind bei die-
sem Ausgang des Verfahrens gemäss Art. 160 Abs. 1 StPO vollumfänglich der Be-
rufungsklägerin aufzuerlegen. 

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten der 
Berufungsklägerin.

3. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

4. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin: