# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61bfda96-7d11-5d5c-a565-fad5060cc14c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-20
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 20.04.2015 200 2014 1226
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-1226_2015-04-20.pdf

## Full Text

200 14 1226 IV
ACT/ABE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 20. April 2015

Verwaltungsrichter Ackermann, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Fuhrer
Gerichtsschreiberin Abenhaim

A.________
vertreten durch B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 9. Dezember 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. April 2015, IV/14/1226, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1981 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im August 2005 unter Hinweis auf eine Anorexie und eine 
Borderlinestörung bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) 
zum Leistungsbezug an (Antwortbeilage [AB] 1). Nachdem die IVB erwerb-
liche und medizinische Abklärungen vorgenommen und insbesondere eine 
Begutachtung durch die C.________ (MEDAS), veranlasst hatte (Expertise 
vom 3. September 2007 [AB 38]), sprach sie für die Zeit von Mai bis No-
vember 2006 bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente im 
Betrag von monatlich Fr. 1‘299.-- zu (unangefochten gebliebene Verfügung 
vom 9. April 2008 [AB 42/2]).

B.

Am 2. Juni 2014 meldete sich die Versicherte erneut bei der IVB (Früher-
fassung [AB 43]). Nach einem Erstgespräch (AB 45) erfolgte am 11. Juni 
2014 die Neuanmeldung zum Leistungsbezug (AB 51). Die IVB tätigte wie-
derum Abklärungen, unter anderem zog sie ein zuhanden der Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde (KESB; vgl. AB 62) erstelltes psychiatrisches 
„stationäres Gutachten“ des Spitals D.________ vom 29. April 2014 (AB 
66.1) bei. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (AB 68) sprach 
sie mit Verfügung vom 9. Dezember 2014 (AB 70) eine ganze Invalidenren-
te ab dem 1. Dezember 2014 zu (Invaliditätsgrad: 100%). Dabei wurde für 
den Monat Dezember 2014 eine Rente im Betrag von Fr. 1‘200.-- und ab 
Januar 2015 von Fr. 1‘206.-- pro Monat errechnet. 

C.

Dagegen erhob die Versicherte zusammen mit ihrem Ehemann am 22. De-
zember 2014 Beschwerde. Sie beantragt eine höhere Rente und sinn-
gemäss einen früheren Rentenbeginn. 

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Mit Beschwerdeantwort vom 5. Februar 2015 beantragt die Beschwerde-
gegnerin gestützt auf eine Stellungnahme der Ausgleichskasse 
E.________ vom 20. Januar 2015 (in den Gerichtsakten) die Beschwerde-
abweisung. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 9. Dezember 2014 
(AB 70), womit ab 1. Dezember 2014 eine ganze Invalidenrente in der 
Höhe von Fr. 1‘200.-- bzw. ab 1. Januar 2015 von Fr. 1‘206.-- pro Monat 
zugesprochen wurde. Beanstandet werden einzig der frankenmässige Be-
trag der Rente sowie deren Beginn. Streitgegenstand bildet jedoch die In-
validenrente als solche, dienen deren Teilaspekte (Invaliditätsgrad, Ren-

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tenberechnung, Rentenbeginn u.a.) doch in der Regel lediglich der Be-
gründung der Verfügung und sind daher grundsätzlich nicht selbstständig 
anfechtbar (BGE 125 V 413 E. 2b S. 416). Werden lediglich einzelne Ele-
mente der Rentenfestsetzung beanstandet, bedeutet dies somit nicht, dass 
die unbestrittenen Teilaspekte in Rechtskraft erwachsen und demzufolge 
der richterlichen Überprüfung entzogen sind (BGE 125 V 413 E. 2d S. 417). 
Folglich ist vorliegend der Rentenanspruch im Gesamten und dabei insbe-
sondere der Beginn und die Höhe der Rente zu prüfen. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen 
offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier-
besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ab-
lauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und 
c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 

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wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99).

2.5 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache 
materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten 
Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch 
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei ei-
nem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (SVR 2011 IV Nr. 
2 S. 8 E. 3.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der frühe-
ren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie 
das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die 
festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende 
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall 
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 
198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1). Ob eine anspruchs-
begründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsa-
chen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren – analog 

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zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Vergleich des Sach-
verhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung bestanden 
hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 
108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

3.

Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung (AB 51) eingetreten, 
womit die Eintretensfrage nicht richterlich zu beurteilen ist (BGE 109 V 108 
E. 2b S. 114). Zu prüfen ist, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse verän-
dert haben, wobei der Sachverhalt zur Zeit der eine befristete Rente zu-
sprechenden Verfügung vom 9. April 2008 (AB 42/2) mit demjenigen, der 
sich bis zur angefochtenen Verfügung vom 9. Dezember 2014 (AB 70) 
entwickelt hat, zu vergleichen ist (vgl. E. 2.5 hiervor).

3.1 Bei Erlass der Verfügung vom 9. April 2008 (AB 42/2) stützte sich 
die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das MEDAS-Gutachten vom 
3. September 2007 (AB 38). Darin wurden folgende Diagnosen (ohne Aus-
wirkungen auf die Leistungsfähigkeit) genannt (S. 25):

- St.n. schwerer anorektischer Essstörung (ICD-10 F50.0) und Zwangs-
störung (ICD-10 F42) mit selbstverletzendem Verhalten 

- Emotional-instabile Persönlichkeitsstruktur
- Schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1)

Die Anorexie habe sich erstmals gegen Ende der Pubertät manifestiert und 
sei in zwei grossen Schüben verlaufen. Im April 2000 habe die damals 
knapp 19-jährige Explorandin noch einen Body Mass Index (BMI) von 13 
aufgewiesen. Gleichwohl habe sie im selben Jahr ihre Erstausbildung im … 
abschliessen können. Es sei ihr gelungen, den Ernährungszustand bis En-
de 2001 zu normalisieren. Im Juli 2004, nach der zweiten Berufsausbildung 
zur …, habe sie sich erneut in einem deutlich anorektischen Zustand prä-
sentiert, der sich bis Ende 2005 noch deutlich verschlimmert habe. Anfang 
November 2005 sei sie im Zustand extremer Unterernährung (BMI 12.5) 
wieder in eine Klinik eingetreten, wo sie unter einer essstörungsspezifi-
schen Behandlung einen BMI von 18.7 erreicht habe. Hinweise für eine 
auffällige Persönlichkeitsentwicklung mit Problemen in der sozialen Interak-

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tion seien bereits lange vor der Manifestation der Essstörung aufgetreten. 
Auch in der Phase der remittierten Essstörung sei es immer wieder zu 
Schnittverletzungen, Gefühlen innerer Leere und depressiven Verstimmun-
gen gekommen. Über einen regelmässigen Suchtmittelkonsum werde seit 
2005 berichtet (S. 22). Im Rahmen der körperlichen Untersuchungen hätten 
sich keine pathologischen Befunde gezeigt. Die Explorandin habe einen 
BMI von 21 erreicht und einen normalen klinischen Ernährungszustand 
aufgewiesen. In der neuropsychologischen Untersuchung habe sie durch-
gehend unauffällige Resultate erzielt. Die jetzigen psychischen Beschwer-
den und der psychiatrische Befund liessen sich keiner Diagnose mehr zu-
ordnen. Sowohl die Essstörung wie auch die Zwangserkrankung seien ge-
genwärtig remittiert und ohne aktuellen Krankheitswert (S. 23). Von Mai 
2005 bis zum Beginn ihrer Tätigkeit als … im Dezember 2006 sei die Ex-
plorandin 100% arbeitsunfähig gewesen. Im Dezember 2006 habe sich der 
gesundheitliche Zustand so weit stabilisiert, dass sie auch eine Tätigkeit als 
… hätte annehmen können (S. 24).

3.2 Der nunmehr angefochtenen Verfügung vom 9. Dezember 2014 (AB 
70) lag im Wesentlichen folgender medizinischer Sachverhalt zugrunde:

3.2.1 Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 
FMH, Spital D.________, legte im Gutachten vom 29. April 2014 (AB 66.1) 
zuhanden der KESB dar, die Explorandin habe angegeben, es gehe ihr 
nicht darum, dünn auszusehen; es sei ihr bewusst, dass sie zu dünn sei. 
Es sei ihr einfach wichtig, dass sie etwas in ihrem Leben kontrollieren kön-
ne (S. 3). Zur aktuellen Hospitalisation sei es aufgrund des starken Unter-
gewichts mit einem BMI im lebensgefährlichen Bereich von 10.5 gekom-
men. Dabei hätten sich Auffälligkeiten der Blutsalze, des Blutzuckers und 
des Herzkreislaufsystems sowie eine delirante Symptomatik gezeigt. Die 
initiale Behandlung habe sich als sehr schwierig gestaltet. Die Patientin 
habe einerseits Unterstützung gewünscht, anderseits habe sie eine Nah-
rungs- oder Kalorienzunahme nicht zulassen können. Diesbezüglich sei die 
Gefährdungsmeldung und Einleitung von rechtlichen Schritten erfolgt 
(S. 6). Zusätzlich zur Anorexia nervosa vom restriktiven Typ (ICD-10 F50.0) 
bestehe die Verdachtsdiagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitss-
törung vom Borderline Typus (ICD-10 F60.31), wobei unklar sei, inwiefern 

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jene Symptomatik durch das Untergewicht verursacht oder verstärkt werde; 
dies gelte auch bezüglich der Verdachtsdiagnose eines Aufmerksamkeits-
defizit- und Hyperaktivitätssyndroms (ICD-10 F90.0). Der Schweregrad der 
Anorexie gelte als sehr ausgeprägt, stark chronifiziert und therapieresistent 
(S. 7). Bei Behandlungsbeginn habe sich die Patientin in einem lebenskriti-
schen Zustand befunden. Mittlerweile habe sich der Zustand stabilisiert; 
eine akute lebensbedrohliche Situation bestehe nicht mehr. Eine stationäre 
Behandlung in einer Fachklinik für Essstörungen wäre sehr wünschens-
wert; eine ambulante Behandlung werde als ausreichend erachtet, sofern 
diese engmaschig erfolge und sich das Gewicht über 36 kg befinde. Die 
Prognose sei verhalten (S. 8). Die Störung sei stark beeinträchtigend in 
allen Lebensbereichen. Eine berufliche Tätigkeit sei mit dem Schweregrad 
der Erkrankung nicht vereinbar. Jedoch wäre eine sinnstiftende kleine Teil-
zeittätigkeit prognostisch für den Verlauf wichtig (S. 9). 

3.2.2 Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin 
FMH, nannte im Bericht vom 31. Juli 2014 (AB 59/1) die Diagnose einer 
schweren restriktiven Anorexia nervosa (ICD-10 F50.0). Seit 2005 seien 
vier stationäre Behandlungen durchgeführt worden. Aktuell weigere sich die 
Patientin, Medikamente einzunehmen. Durch den massiv eingeschränkten 
BMI und die psychischen Störungen mit Zwangshandlungen und Phobien 
bestehe eine schnelle Ermüdbarkeit (physisch und psychisch) und eine 
unregelmässige Tagesstruktur mit diversen rituellen Handlungen, die eine 
regelmässige Arbeitstätigkeit nicht zuliessen. Die Situation sei vollständig 
chronifiziert. Eine Eingliederung in einen ungeschützten Arbeitsplatz sei 
illusorisch; bestenfalls könnte nach Stabilisierung des Körpergewichts eine 
mittelprozentige Arbeitsfähigkeit im geschützten Rahmen angestrebt wer-
den. Aktuell bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit.

3.3 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-

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kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das 
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab-
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

3.4 Das Gutachten des Dr. med. F.________ vom 29. April 2014 (AB 
66.1) erfüllt die Anforderungen der Rechtsprechung an Expertisen (vgl. E. 
3.3 hiervor) und überzeugt. Dass es nicht für die Belange der Sozialversi-
cherung, sondern im Auftrag der KESB erstellt worden ist, ändert daran 
nichts. Es beruht auf einlässlichen Untersuchungen und wurde unter 
Berücksichtigung der geklagten Beschwerden sowie in Kenntnis ärztlicher 
Vorakten erstattet. In der Darlegung der medizinischen Situation ist die 
Expertise widerspruchsfrei und die Schlussfolgerungen sind nachvollzieh-
bar begründet. Es finden sich weder Hinweise für eine Unrichtigkeit des 
Gutachtens noch Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit der Beurtei-
lung sprechen. Damit kommt dem Gutachten voller Beweiswert zu (vgl. 
BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 253).

3.5 Gestützt auf die Expertise ist ein Revisionsgrund ausgewiesen. Die 
Verhältnisse haben sich insofern verändert, als sich das Körpergewicht 
nunmehr erneut in einem kritischen Bereich befindet (AB 66.1/7 Ziff. 4.2), 
während im massgebenden Vergleichszeitpunkt ein normaler klinischer 
Ernährungszustand (AB 38/23) resp. ein Körpergewicht im Normbereich 
(vgl. AB 38/12) vorlag. Folglich ist der Rentenanspruch frei, d.h. ohne Bin-
dung an die frühere Invaliditätsschätzung, zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 4b 
S. 200; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109 E. 1.1).

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Aufgrund der beweiskräftigen Beurteilung des Dr. med. F.________ ist er-
stellt, dass die Beschwerdeführerin zurzeit in sämtlichen Tätigkeitsberei-
chen vollständig arbeitsunfähig ist, schliesst der Gutachter doch jegliche 
berufliche Tätigkeiten aus (AB 66.1/9). Diese Beurteilung deckt sich mit den 
übrigen medizinischen Einschätzungen: Sowohl der Hausarzt Dr. med. 
G.________ als auch der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) erachten eine 
Erwerbstätigkeit aktuell als nicht zumutbar (AB 59/3, 64/2). 

3.6 Besteht nicht nur für die angestammte, sondern auch für jegliche 
andere Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, resultiert von vorn-
herein ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Denn eine vollständige 
Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeitsbereichen entspricht mangels 
eines Invalideneinkommens einem Invaliditätsgrad von 100% (vgl. E. 2.1 -
2.3 hiervor). Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht eine ganze Ren-
te zugesprochen. Zu prüfen bleibt deren Beginn und Höhe.

3.7 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach 
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs 
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Die Rente wird vom Beginn des 
Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).

Die neue Anmeldung zum Leistungsbezug datiert vom 11. Juni 2014; das 
entsprechende Formular ging bei der Beschwerdegegnerin am 13. Juni 
2014 ein (AB 51). Unter Berücksichtigung der Sechsmonatsfrist gemäss 
Art. 29 Abs. 1 IVG besteht der Rentenanspruch damit ab Dezember 2014. 
Die Anmeldung zur Früherfassung von Anfang Juni 2014 (AB 43) ist für die 
Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG unbeachtlich und würde hier im Übrigen zu 
keinem anderen Ergebnis führen. Dass die Beschwerdeführerin schon län-
ger arbeitsunfähig ist, wie in der Beschwerde vorgebracht wird, ist im Rah-
men des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (E. 2.2 hiervor) zu 
berücksichtigen (vgl. AB 70/6), ändert aber nichts an der Notwendigkeit, 
auch die Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG erfüllen zu müssen. Soweit die 
Beschwerdeführerin geltend macht, sie habe bereits im Jahr 2006 ein Ren-
tengesuch gestellt, ist darauf hinzuweisen, dass mit der Neuanmeldung im 
Juni 2014 ein neues Verfahren in Gang gesetzt wurde, nachdem das auf 
die Erstanmeldung (August 2005; AB 1) zurückgehende Verfahren mit un-

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angefochten gebliebener Verfügung vom 9. April 2008 (AB 42/2) abge-
schlossen worden war.

4.

4.1 Die Invalidenrenten entsprechen den Altersrenten der Alters- und 
Hinterlassenenversicherung (Art. 37 Abs. 1 IVG). Für die Berechnung der 
ordentlichen Renten sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die 
Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG; 
SR 831.10) sinngemäss anwendbar (Art. 36 Abs. 2 IVG).

4.1.1 Die ordentlichen Renten der AHV und IV gelangen als Voll- oder 
Teilrenten zur Ausrichtung, wobei Anspruch auf die volle Rente besteht, 
wenn die Beitragsdauer vollständig ist (Art. 29 Abs. 2 AHVG). Die Beitrags-
dauer ist vollständig, wenn eine Person gleich viele Beitragsjahre aufweist 
wie ihr Jahrgang (Art. 29ter Abs. 1 AHVG). Als Beitragsjahre gelten 
gemäss Abs. 2 Zeiten, in welchen eine Person Beiträge geleistet hat (lit. a), 
in welchen der Ehegatte gemäss Art. 3 Abs. 3 mindestens den doppelten 
Mindestbeitrag entrichtet hat (lit. b) und für die Erziehungs- oder Betreu-
ungsgutschriften angerechnet werden können (lit. c).

4.1.2 Für die Rentenberechnung werden Beitragsjahre, Erwerbseinkom-
men sowie Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtig-
ten Person zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres 
und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles berücksichtigt 
(Art. 29bis Abs. 1 AHVG). Innerhalb der anwendbaren Rentenskala (Art. 52 
der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 
31. Oktober 1947 [AHVV; SR 831.101]) bestimmt sich der Rentenbetrag 
nach dem durchschnittlichen Jahreseinkommen. Dieses setzt sich zusam-
men aus den Erwerbseinkommen, den Erziehungsgutschriften und den 
Betreuungsgutschriften (Art. 29quater AHVG). Weil die Beiträge während 
einer langen Beitragskarriere zum Nominalbetrag bezahlt worden sind, wird 
die Summe der Erwerbseinkommen entsprechend dem Rentenindex auf-
gewertet (Art. 30 Abs. 1 AHVG). Das durchschnittliche Jahreseinkommen 
wird alsdann ermittelt, indem die Summe der aufgewerteten Erwerbsein-

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kommen sowie die Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften durch die An-
zahl der Beitragsjahre geteilt werden (Art. 30 Abs. 2 AHVG).

4.2 Unter Berücksichtigung des Jahrgangs der Beschwerdeführerin 
(1981; AB 53/4) und des Eintritts des Versicherungsfalls (Ablauf des Warte-
jahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG per 1. Februar 2012 [AB 70/6, un-
ten]) ist für die Rentenberechnung der Zeitraum vom 1. Januar 2002 bis 
zum 31. Dezember 2011 massgebend (vgl. E. 4.1 hiervor).

4.2.1 Die Ausgleichskasse E.________ hat in der Stellungnahme vom 
20. Januar 2015 (in den Gerichtsakten) nachvollziehbar dargelegt, dass die 
Jahre 2008 und 2011 trotz geringer Beitragsentrichtung (vgl. AB 55/3) als 
volle Beitragsjahre zu berücksichtigen sind, da die Fehlzeiten mit geleiste-
ten AHV-Beiträgen vor dem 21. Altersjahr (Art. 52b AHVV) und mit sog. 
Ehemonaten (Art. 29ter Abs. 2 lit. b AHVG) gefüllt werden können. Daraus 
ergibt sich eine vollständige Beitragsdauer von 10 Jahren (vgl. die in den 
Rententabellen des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] enthal-
tenen Jahrgangstabellen, abrufbar unter www.bsv.admin.ch). Somit besteht 
ein Anspruch auf eine Vollrente nach der Skala 44 (Art. 52 Abs. 1 AHVV).

4.2.2 Die berücksichtigten Einkommen (AB 70/4) stimmen mit den Einträ-
gen im Auszug aus dem individuellen Konto (IK) überein (AB 27/2, 55/3). 
Dass die Beschwerdeführerin wegen ihres Gesundheitsschadens tiefe Ein-
kommen erzielt hat, ist – entgegen der offenbar in der Beschwerde vertre-
tenen Auffassung – im Rahmen der Rentenberechnung hinzunehmen. Zu 
berücksichtigen sind allein die effektiven Einkommen resp. Erziehungs- und 
Betreuungsgutschriften. Die anwendbaren Gesetzes- und Verordnungsbe-
stimmungen sehen keine Berücksichtigung hypothetischer Einkommen vor, 
die im Gesundheitsfall hätten erzielt werden können; dies ist lediglich der 
Fall bei der Bemessung des Invaliditätsgrades, indem dort hypothetische 
Einkommen verwendet werden, wie es die Beschwerdegegnerin denn auch 
hinsichtlich des Valideneinkommens getan hat (vgl. AB 70/6).

Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verwaltung das durch-
schnittliche Jahreseinkommen nicht korrekt berechnet hätte (vgl. auch S. 6 
des Berechnungsblattes [in den Gerichtsakten]). Der ermittelte Betrag ist 
auf den nächsthöheren Tabellenwert des massgebenden durchschnittli-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. April 2015, IV/14/1226, Seite 13

chen Jahreseinkommens in der Rentenskala aufzurunden (Rz. 5101 der 
Wegleitung des BSV über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hin-
terlassenen- und Invalidenversicherung [RWL], gültig ab 1. Januar 2013 
[abrufbar unter www.bsv.admin.ch]). Bei den insofern massgebenden Ta-
bellenwerten von Fr. 15‘444.-- pro 2014 bzw. von Fr. 15‘510.-- pro 2015 
beträgt die Rente für den Monat Dezember 2014 Fr. 1‘200.-- und ab Januar 
2015 monatlich Fr. 1‘206.-- (vgl. Rententabellen 2013 [gültig bis 31. De-
zember 2014] und Rententabellen 2015 [gültig ab 1. Januar 2015], abrufbar 
unter www.bsv.admin.ch). Diese Rentenbeträge wurden zugesprochen.

4.3 Die Verfügung vom 9. Dezember 2014 (AB 70) ist damit nicht zu 
beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als offen-
sichtlich unbegründet und ist abzuweisen.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens 
hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten, gerichtlich 
bestimmt auf Fr. 700.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden 
dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen.

5.2 Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht nicht (Umkehr-
schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. April 2015, IV/14/1226, Seite 14

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.