# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6048fd3a-5da8-5de1-a8d4-340553ce0012
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.06.2021 E-1407/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1407-2021_2021-06-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6331/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  M a i  2 0 2 1  

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1407/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Carmen Zoss, HEKS Rechtsschutz 

Bundesasylzentren (…) 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 25. Februar 2021 / N (…). 

 

 

 

E-1407/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein im Iran geborener afghanischer Staatsange-

höriger – lebte eigenen Angaben zufolge bis zu seinem 14. Lebensjahr zu-

sammen mit seinen Eltern und Geschwistern im Iran und zog im Jahre 

2010 oder 2011 mit seiner Familie nach B._______ (Provinz Farah) in Af-

ghanistan, wo er bis zu seiner Ausreise im Jahre 2019 gelebt habe. Am 

5. Oktober 2020 sei er in die Schweiz gelangt, wo er am gleichen Tag um 

Asyl nachsuchte. Am 9. Oktober 2020 fand im Bundesasylzentrum (BAZ) 

(…) eine Personalienaufnahme (PA; nachfolgend A12) statt. Am 22. Januar 

2021 wurde er nach Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) befragt. Am 16. Feb-

ruar 2021 folgte eine Anhörung (nachfolgend A45) gemäss Art. 29 AsylG 

zu seinen Asylgründen.  

Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen da-

mit, er habe nach seinem Schulabschluss während ein bis eineinhalb Jah-

ren für eine amerikanische Baufirma als (…) gearbeitet. Später sei er als 

solcher selbständig tätig gewesen und habe sich mit (…) und (…) im Inter-

net befasst. Zudem habe er (…) erteilt. Zirka ein Jahr vor seiner Ausreise 

habe er sich mit einem seiner (…) – C._______ – angefreundet. Er habe 

ihm, nachdem er Vertrauen zu ihm gefasst habe, anvertraut, dass er Athe-

ist sei. C._______ habe ihn mehrmals zu Hause besucht und sich in seine 

Schwester– D._______ – verliebt und um deren Hand angehalten. Diese 

habe jedoch kein Interesse an C._______ gezeigt, da sie habe studieren 

wollen. Daraufhin habe C._______ den Beschwerdeführer bedroht, weil er 

D._______ habe heiraten wollen. Eines Tages habe der Bruder den Be-

schwerdeführer während dessen (…) angerufen und ihn aufgefordert, so-

fort nach Hause zu kommen. Zu Hause habe sein Vater ihm eine Ohrfeige 

verpasst und ihn gefragt, ob er ein Ungläubiger sei. Er habe ihm einen 

Drohbrief der Taliban gezeigt, den diese dem Mullah in der Moschee aus-

gehändigt hätten. Der Beschwerdeführer gehe davon aus, dass C._______ 

die Taliban über seine Abkehr vom islamischen Glauben informiert habe. 

Da dies in Afghanistan mit dem Tod bestraft werde, habe ihm seine Mutter 

zur Ausreise geraten. Er sei noch am gleichen Tag zum Cousin seiner Mut-

ter nach E._______ gereist, um von dort aus auszureisen.  

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. 

Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen Verfahren eine Tazkera 

samt englischer Übersetzung sowie mehrere Beweismittel (undatiertes 

fremdsprachiges Schreiben – angeblich ein Drohbrief der Taliban – samt 

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Seite 3 

englischer Übersetzung und sechs Fotos) ein. Überdies liegen betreffend 

seine gesundheitliche Situation verschiedene ärztliche Berichte aus der 

Schweiz vor.  

B.  

Das SEM händigte der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am 

23. Februar 2021 den Entscheidentwurf aus mit der Gelegenheit, dazu 

Stellung zu nehmen, und gewährte gleichzeitig Einsicht in die verfahrens-

wesentlichen Akten. Die Rechtsvertretung reichte am 24. Februar 2021 

eine entsprechende Stellungnahme ein, worin ausgeführt wurde, der Be-

schwerdeführer sei mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden. Die  

Vorinstanz habe die Begründungspflicht verletzt. Seine Angaben würden 

der Wahrheit entsprechen, seien differenziert, nachvollziehbar und in sich 

stimmig ausgefallen und mit Dokumenten untermauert. Er habe begrün-

dete Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung im Heimatstaat. 

C.  

Mit Verfügung vom 25. Februar 2021 stellte das SEM fest, der Beschwer-

deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch 

ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz, schob deren 

Vollzug aber zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zuguns-

ten einer vorläufigen Aufnahme auf. Es begründete seine Verfügung im 

Wesentlichen damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder 

den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flücht-

lingseigenschaft standhalten. 

D.  

Mit Eingabe vom 29. März 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-

desverwaltungsgericht durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde und be-

antragte die Aufhebung der Ziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung, 

die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung. Gleichzeitig reichte er die Kopie einer auf ihn aus-

gestellten Bankkarte der Bank (…) in Farah, eine von ihm verfasste An-

frage an die Regierung in Farah im Jahre 2011 sowie Kartenausschnitte 

(Screenshot) von Örtlichkeiten in B._______ und Farah als Beweismittel 

ein. 

E.  

Mit Verfügung vom 31. März 2021 hiess die Instruktionsrichterin das Ge-

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Seite 4 

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzich-

tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die 

Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.  

F.  

Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 13. April 2021 die Ab-

weisung der Beschwerde. 

G.  

Der Beschwerdeführer reichte am 5. Mai 2021 eine Replik ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen 

der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls. Die Wegweisung und der Weg-

weisungsvollzug sind indes nicht mehr zu prüfen, nachdem die Wegwei-

sung als solche nicht angefochten ist und die Vorinstanz den Beschwerde-

führer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufge-

nommen hat. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst die Verletzung des rechtlichen 

Gehörs, da die Vorinstanz ihre Verfügung nur unzureichend begründet 

habe und zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen ausge-

gangen sei. Zudem habe sie sich einzig auf seine Aussagen hinsichtlich 

der Lebensumstände und des Wohnorts gestützt und sei damit unzu-

reichend auf die relevanten Punkte betreffend seine Fluchtgründe einge-

gangen. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie geeignet sein 

könnte, die Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, was als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei 

einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam 

zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17 f.; BVGE 2009/35 

E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, 

die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Ent-

scheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass 

sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 

III 65 E. 5.2 S. 70). 

4.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt vorliegend zum Schluss, dass 

das SEM in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und im Einzel-

nen hinreichend differenziert aufgezeigt hat, von welchen Überlegungen es 

sich leiten liess. So erachtete es die Vorbringen des Beschwerdeführers 

als unglaubhaft, nachdem dieser trotz mehrmaliger Nachfragen zu ver-

schiedenen Aspekten (hinsichtlich Strassenverkehr, Spitäler, politische Si-

tuation in Farah und B._______, seiner Arbeit als […] und […]) nur unplau-

sible, nicht nachvollziehbare und oberflächliche Angaben habe machen 

können. Darüber hinaus bezeichnete es die eingereichte, im Jahre 2011 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

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ausgestellte Tazkera, den angeblich von den Taliban verfassten, undatier-

ten Brief sowie die ärztlichen Unterlagen als ungeeignet, um den Aufenthalt 

des Beschwerdeführers von 2011 bis 2019 in B._______ bei Farah und die 

dabei erlittenen geltend gemachten Nachteile glaubhaft erscheinen zu las-

sen. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung des 

SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine 

materielle Frage. 

4.4 Es ist somit nicht ersichtlich, dass das SEM das rechtliche Gehör des 

Beschwerdeführers missachtet hätte.  

4.5 Damit erweist sich die formelle Rüge als unbegründet, weshalb der 

Eventualantrag auf Rückweisung abzuweisen ist. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS 

SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick 

über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 

S. 5). 

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Seite 7 

6.  

6.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung in materieller Hinsicht zu-

nächst damit, die Angaben des Beschwerdeführers, wonach er ohne Kon-

trollschilder habe Auto fahren dürfen, seien aufgrund der allgemeinen Er-

fahrung nicht plausibel. Zudem habe er die Abkürzung der Provinz Farah 

auf den Kontrollschildern zuerst nicht korrekt angeben und die Abkürzun-

gen anderer Provinzen nicht nennen können. Weiter habe er nicht alle Far-

ben der Kontrollschilder angeben können. Dies wäre jedoch zu erwarten 

gewesen, zumal er seinen Angaben zufolge in Farah etwa zweieinhalb bis 

drei Jahre Auto und zuvor Motorrad gefahren sei. Überdies habe er, obwohl 

er über gesundheitliche Beschwerden berichtet habe, keine nachvollzieh-

baren Auskünfte über die Spitäler in Farah erteilen können. Auch seien 

seine Antworten auf die ihm gestellten Fragen zur politischen Situation in 

Farah und B._______ oberflächlich und vergleichsweise unbeholfen aus-

gefallen. Es wäre zu erwarten gewesen, dass er lebhaft über die dortigen 

politischen Geschehnisse hätte berichten können, zumal die Taliban im Ok-

tober 2016 nach B._______ vorgestossen seien und von dort nur mit Luft-

angriffen hätten zurückgeschlagen werden können. Ferner habe er nicht 

plausibel darlegen können, wie er die für seine Tätigkeit als (…) für eine 

amerikanische Firma und für seinen späteren (…) erforderlichen Fähigkei-

ten erworben habe. Aus diesen Gründen sei nicht glaubhaft, dass er von 

2011 bis 2019 in B._______ gelebt und die vorgebrachten Nachteile erlitten 

habe. 

Im Weiteren hielt die Vorinstanz fest, die eingereichte, auf den 7. August 

2011 datierte Tazkera lasse zwar darauf schliessen, dass er aus Afghanis-

tan stamme und sich im August 2011 dort aufgehalten haben könnte. Sie 

sei jedoch kein Beleg dafür, dass er danach bis 2019 dort gelebt habe. Der 

undatierte, angeblich von den Taliban verfasste Drohbrief lasse mangels 

formaler Kriterien und Vergleichsmaterial keine schlüssige Überprüfung zu. 

Auch die Beschaffung von Vergleichsmaterial und eine Echtheitsprüfung 

vor Ort seien nicht möglich. Der Brief und die eingereichten Fotos sowie 

die eingereichten ärztlichen Unterlagen seien nicht geeignet, die geltend 

gemachten Nachteile und die Feststellung des SEM, wonach sich der Be-

schwerdeführer zur fraglichen Zeit nicht in der Provinz Farah aufgehalten 

habe, zu widerlegen respektive glaubhaft zu machen. 

Ferner wies die Vorinstanz hinsichtlich der Abwendung des Beschwerde-

führers vom Islam darauf hin, angesichts der festgestellten Unglaubhaf-

tigkeit bestehe kein Grund zur Annahme, dass dessen religiöse Haltung in 

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Afghanistan öffentlich bekannt sei. Es bestünden auch keine Anhalts-

punkte für die Annahme, dass er nicht in der Lage wäre, seine Einstellung 

gegenüber dem Islam in einer seinem gesellschaftlichen Umfeld ange-

passten Weise zu leben beziehungsweise, dass dies für ihn mit einem un-

erträglichen psychischen Druck verbunden wäre. Es könne lediglich dar-

über spekuliert werden, ob er bei einer Rückkehr deshalb in Konflikt mit 

dem afghanischen Staat oder seinem Umfeld geraten würde. Aus seinen 

Aussagen und seinem Profil liessen sich keine hinreichend konkreten An-

haltspunkte für die Annahme einer begründeten Furcht vor ernsthaften 

Nachteilen ableiten. 

Im Weiteren seien die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nach-

teile im Iran flüchtlingsrechtlich nicht relevant. 

Schliesslich nahm die Vorinstanz Bezug auf die Stellungnahme der Rechts-

vertretung zum Entscheidentwurf und verwies auf ihre Erwägungen, wo-

nach die Aussagen des Beschwerdeführers zu diversen Lebensbereichen 

nicht dem entsprechen würden, was von ihm unter den angegebenen Um-

ständen zu erwarten wäre.  

6.2 Der Beschwerdeführer führte demgegenüber aus, die Vorinstanz habe 

seine Schilderungen pauschal und ohne Präzisierung als unglaubhaft be-

zeichnet. Seine Angaben zu den Kontrollschildern, welche unwesentliche 

Punkte betreffen würden, seien detailliert ausgefallen. Er habe für sein pa-

kistanisches Fahrzeug mit Steuerrad auf der rechten Seite kein Kontroll-

schild erhalten. Die Vorinstanz orientiere sich mit ihren Internetverweisen 

nicht an den geltenden Standards. Der von ihr erwähnte Strafzoll auf Fahr-

zeuge mit Rechtssteuerung sei nicht in allen Provinzen – so auch nicht in 

Farah – erhoben worden. Die Fahrzeuge in Farah würden mehrheitlich 

über keine Kontrollschilder verfügen. Dies könne einem Videobeitrag ent-

nommen werden. Deshalb sei naheliegend, dass der Beschwerdeführer 

nicht im Detail über alle möglichen Informationen Auskunft geben könne. 

Zudem gebe es in Farah und in B._______ keine Busse mit (gelben) Kon-

trollschildern. Die Anwohner würden mehrheitlich Rikschas (ohne Kontroll-

schilder) benutzen. Hinsichtlich der Farbe der Kennschilder seien ihm of-

fene Fragen gestellt worden. Die Abkürzungen in anderen Provinzen kenne 

er nicht, weil er wegen fehlender Kontrollschilder nicht dorthin habe fahren 

dürfen. Überdies dürfe das Bildungsniveau in der Schweiz nicht auf den 

afghanischen Kontext übertragen werden. Ferner habe er kaum Busse ge-

sehen, weil sich die einzige Bushaltestelle bei Farah ausserhalb der Stadt 

und zirka 30 Minuten von B._______ befinde. Busverbindungen würden 

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dem Fernverkehr dienen. Er habe dreimal einen solchen benutzt, um sich 

in Herat medizinisch behandeln zu lassen respektive für seine Ausreise 

nach E._______.  

Der Beschwerdeführer reichte zur Stützung seiner Vorbringen – betreffend 

seinen Aufenthalt in der Provinz Farah und in B._______ – Beweismittel 

ein. Dabei soll es sich um Ausschnitte zu verschiedenen Örtlichkeiten in 

Farah und B._______ (Busbahnhof, Fluss, Stadtzentrum), die Kopie einer 

Bankkarte mit Passfoto und eine schriftliche Anfrage an die Behörden in 

Farah aus dem Jahre 2011 wegen einer Unterkunft handeln.  

6.3 Die Vorinstanz weist in ihrer Vernehmlassung unter Berücksichtigung 

der eingereichten Bankkarte und einer Anfrage an die Behörden in Farah 

darauf hin, es werde nicht bestritten, dass sich der Beschwerdeführer im 

Jahre 2011 in Farah aufgehalten habe. Jedoch sei damit weiterhin unbe-

wiesen, dass er sich in den darauffolgenden Jahren bis 2019 in der Provinz 

Farah aufgehalten habe. Die Bankkarte lasse sich zeitlich nicht einordnen. 

Den Informationen komme keine Beweiskraft zu. Der Beschwerdeführer 

müsste in der Lage sein, seinen langjährigen Aufenthalt in der Provinz Fa-

rah auf verschiedene Weise zu belegen, wolle er dort doch ein Lyzeum 

besucht und abgeschlossen, als (…) anderthalb Jahre bei einer amerika-

nischen Baufirma und später selbständig ([…], […] und […] mit Raum-

miete) gearbeitet haben. Dabei wären sehr wahrscheinlich zahlreiche 

schriftliche Unterlagen als Belege angefallen. 

6.4 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Replik, die Vorinstanz be-

gnüge sich weiterhin mit dem aus ihrer Sicht unbewiesen gebliebenen Auf-

enthalt in der Provinz Farah bis 2019. Er sei seiner Mitwirkungspflicht nach-

gekommen und habe alle ihm zur Verfügung stehenden Dokumente einge-

reicht. Die Vorinstanz habe eine einseitige Abwägung der für und gegen 

die Glaubhaftigkeit sprechenden Umstände vorgenommen. Es drohe ihm 

unter Hinweis auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-4952/2014 vom 23. August 2017 eine Haftstrafe oder der Tod, weshalb 

er begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen habe. 

7.  

7.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht vorlie-

gend zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen im Ergebnis 

zur zutreffenden Erkenntnis gelangt ist, dass die Verfolgungsvorbringen 

des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an die Glaubhaftma-

chung noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft genügen. Es kann 

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zur Vermeidung von Wiederholungen vorab auf die Erwägungen in der Ver-

fügung und die Zusammenfassung unter E. 6.1 hiervor verwiesen werden. 

Das gilt auch für die Einschätzung der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung 

hinsichtlich der auf Beschwerdeebene gemachten Vorbringen und den da-

bei eingereichten Beweismitteln (vgl. E.6.3). Der Inhalt der Beschwerde 

und der Replik führt zu keiner anderen Betrachtungsweise.  

7.2 Insbesondere hat die Vorinstanz überzeugend festgestellt, dass auf-

grund der Angaben des Beschwerdeführers und mangels entsprechender 

Unterlagen (Schule, Erwerb, etc.) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nicht geglaubt werden kann, dass er sich in der Zeit von 2011 bis 2019 in 

Farah respektive in B._______ aufgehalten hat.  

Zwar reichte der Beschwerdeführer eine Tazkera und auf Beschwerde-

ebene ein Schreiben, das er im Jahre 2011 an die Behörden in Farah ge-

richtet haben will, sowie eine Bankkarte mit seinem Foto als Beweismittel 

ein. Aufgrund dieser Beweismittel kann davon ausgegangen werden, dass 

er sich im Jahre 2011 tatsächlich in Farah aufgehalten haben könnte. Damit 

vermag er aber nicht glaubhaft darzulegen, dass er sich danach noch bis 

2019 dort aufgehalten hat. Die Bankkarte lässt sich zeitlich ebenfalls nicht 

zuordnen. Ferner erstaunt sehr, dass der Beschwerdeführer keine schrift-

lichen Unterlagen beibrachte, aus denen sein Aufenthalt von 2011 bis 2019 

zu entnehmen wäre. Gemäss seinen Aussagen ist er zusammen mit sei-

nen Eltern bereits im Alter von 14 Jahren vom Iran nach Afghanistan zu-

rückgekehrt und hat dort nach bestandener Prüfung die 8. bis 12. Schul-

klasse besucht, das Lyzeum mit einem Diplom abgeschlossen und nach 

Schulabschluss (im Alter von zirka 18 oder 19 Jahren) bei einer amerikani-

schen Firma für ein bis eineinhalb Jahre, danach selbständig gearbeitet 

sowie im Jahre 2018 eine (…) eröffnet und einen Raum gemietet. Immerhin 

war er in der Lage, auf Beschwerdeebene Beweismittel (Schreiben älteren 

Datums sowie Kopie einer Bankkarte) erhältlich zu machen, was darauf 

schliessen lässt, dass er weiterhin über Kontakte verfügt, die er hätte da-

rum bitten können, ihm aussagekräftigere Unterlagen zukommen zu las-

sen. Auch mit den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Fotos, de-

ren Entstehungsdatum und Entstehungsort nicht ersichtlich sind, gelingt es 

ihm nicht, seinen Aufenthalt von 2011 bis 2019 in Farah nachzuweisen. 

Diesen ist auch nicht zu entnehmen, dass er seitens einer der darauf ab-

gebildeten Person bedroht und bei den Taliban als Atheist denunziert wor-

den ist.  

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Seite 11 

Weiter hätte vom Beschwerdeführer erwartet werden können, dass er – 

auch wenn nicht alle Fahrzeuge mit Kontrollschildern auf der Strasse an-

zutreffen gewesen sein und die Feststellungen der Vorinstanz zu Strafzöl-

len auf Fahrzeugen mit Rechtssteuerung und dem Fahren ohne Kontroll-

schilder nicht vollständig der Realität entsprechen sollten – weitere Anga-

ben zur Farbe der Kontrollschilder bei Taxis und Bussen sowie zu den Ab-

kürzungen hätte machen können, will er doch seinen Angaben zufolge 

nach dem Abschluss des Lyzeums (zirka 2014/15; A45 F59) während eini-

ger Jahre – sei es für die Arbeit bei der amerikanischen Firma, der selb-

ständigen Erwerbstätigkeit oder den (…) – regelmässig mit dem Motorrad 

oder mit dem Auto auf den Strassen in Farah und B._______ unterwegs 

gewesen sein (vgl. Akten A45 F81 ff.). Im Übrigen hat er die zuerst falsch 

angegebene Abkürzung von Farah erst auf die Frage des Befragers, ob er 

sich deren sicher sei, zögerlich korrigiert (vgl. A45 F51). Zudem hätten von 

ihm eingehendere Angaben zur dortigen politischen Situation erwartet wer-

den können. Er gab zwar an, dass Bagh-e-Pol "in der Mitte des Krieges" 

(wohl zwischen den Fronten) gewesen sei, aber ohne das von der Vo-

rinstanz zitierte Ereignis in Farah und B._______ vom Oktober 2016, bei 

denen es zu Luftangriffen und dem Zurückschlagen der Taliban gekommen 

ist (vgl. "Why Farah? A short history of the local insurgency [II] – Afghani-

stan Analysts Network – English [afghanistan-analysts.org]", abgerufen am 

9. Juni 2021) speziell zu erwähnen, obschon es sich um ein einschneiden-

des Ereignis gehandelt haben muss. Seine insgesamt oberflächlichen 

Schilderungen lassen den Schluss zu, dass er sich zu jener Zeit ausserhalb 

Farah und B._______ aufgehalten hat (A45 F35 ff., F87). Zwar hat er das 

grösste Spital als "allgemeines Stadtspital" benannt, was offenbar dem Na-

men eines Spitals in Farhad entspricht (vgl. https://en.wikipe-

dia.org/wiki/Farah_City_Hospital, abgerufen am 9. Juni 2021). Indessen 

lässt weder dies noch der Umstand, dass er den genauen Namen der Klinik 

in Herat ohne Zögern hat angeben können, den Schluss zu, dass er sich 

damals in der Provinz Farah aufgehalten hat, kann ihm der Name der 

Stadtklinik ja auch sonst bekannt gewesen sein. 

Insgesamt vermochte der Beschwerdeführer folglich nicht glaubhaft zu ma-

chen, dass er sich in den Jahren nach 2011 bis 2019 in Farah/B._______ 

aufgehalten hat. Folglich erscheint auch die geltend gemachte dortige Be-

drohungslage durch die Taliban im Jahre 2019 nicht glaubhaft. Beim dies-

bezüglich eingereichten Drohbrief handelt es sich ausserdem um ein 

Schreiben, dessen Echtheit nicht überprüft werden kann. Derartige Schrei-

ben sind in Afghanistan leicht fälschbar und käuflich erwerbbar, weshalb 

ihnen nur ein beschränkter Beweiswert zukommt. Jedenfalls vermag das 

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Seite 12 

undatierte, eingereichte Schreiben allein nicht zu einer anderen Einschät-

zung der als unglaubhaft erachteten Verfolgung durch Taliban zu führen.  

7.3 Schliesslich machte der Beschwerdeführer geltend, er habe sich vom 

Islam abgewandt und sei seit er zirka 20 Jahre alt sei, Atheist. Deswegen 

müsse er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan mit erheblichen Nach-

teilen an Leib und Leben rechnen.  

7.3.1 Die Vorinstanz hat die Abkehr des Beschwerdeführers vom Islam 

nicht in Frage gestellt. Sie führte indes aus, angesichts der festgestellten 

Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Nachteile bestehe kein Grund 

zur Annahme, dass seine religiöse Haltung in Afghanistan öffentlich be-

kannt sei. Es sei nicht davon auszugehen, dass er nicht in der Lage wäre, 

seine Einstellung gegenüber dem Islam in einer seinem gesellschaftlichen 

Umfeld angepassten Weise zu leben, beziehungsweise, dass dies für ihn 

mit einem unerträglichen psychischen Druck verbunden wäre. Zudem lies-

sen sich keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte für die Annahme einer 

begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG 

bei einer Niederlassung in Afghanistan ableiten.  

7.3.2 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, die Situation 

für Atheisten in Afghanistan sei gefährlich. Dabei weist er auf das vom Bun-

desverwaltungsgericht als Referenzurteil publizierte Urteil E-4952/2014 

vom 23. August 2017 hin. Er sei stets gezwungen gewesen, die drohende 

Verfolgung durch sein eigenes Verhalten abzuwenden, indem er gegen-

über seiner Familie und der Gesellschaft seine Apostasie verheimlicht und 

seine Weltanschauungen zurückgehalten habe. Bei einer öffentlichen Be-

kanntmachung würde ihm der Tod drohen. Er habe jeweils befürchtet, dass 

sein Fernbleiben von islamischen Festivitäten, vom Freitagsgebet oder 

sonstigen religiösen Zeremonien Konsequenzen für ihn haben könnte. Die 

Verheimlichung habe bei ihm einen psychischen Druck bewirkt. 

7.3.3 Im als Referenzurteil publizierten Entscheid D-4952/2014 vom 

23. August 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht die Lage bezüglich der 

Religionsfreiheit mit Fokus auf Agnostiker und Agnostikerinnen respektive 

Atheisten und Atheistinnen näher beleuchtet. Dabei hielt es unter anderem 

fest, dass Gläubige anderer Religionen als des Islams gemäss der afgha-

nischen Verfassung ihren Glauben innerhalb der gesetzlichen Grenzen frei 

ausüben könnten. Die afghanische Verfassung bezeichne den Islam je-

doch gleichzeitig explizit als offizielle Staatsreligion und bestimme, dass 

E-1407/2021 

Seite 13 

keine andere Religion den Grundsätzen und Regeln des Islams zuwider-

laufen dürfe. Zwar werde Apostasie im afghanischen Strafgesetzbuch nicht 

als Straftat definiert, falle aber nach afghanischer Rechtsauffassung unter 

die nicht weiter definierten ‚ungeheuerlichen Straftaten‘, die laut Strafge-

setzbuch nach der Hanafi-Rechtslehre bestraft würden. Gemäss dieser 

Lehre würden Frauen lebenslang respektive bis zum Widerruf der Konver-

sion in Haft genommen und Männer enthauptet. Werde die Todesstrafe 

nicht verhängt, seien die vorgesehenen strafrechtlichen sowie gesell-

schaftlichen Konsequenzen äusserst hart. Die Äusserung von nicht-religi-

ösen Überzeugungen werde verfolgt oder schlicht durch soziale Zwänge 

verunmöglicht, wobei die soziale Kontrolle und der soziale Druck in Afgha-

nistan gross seien (vgl. a.a.O. E. 7.5.2).  

Im Referenzurteil wurde der Schluss gezogen, dass Personen, deren 

Apostasie öffentlich bekannt werde, objektiv begründete Furcht vor Nach-

teilen im Sinne von Art. 3 AsylG hätten. Es sei zu prüfen, inwieweit von 

einer Person vernünftigerweise erwartet werden könne, die drohende Ver-

folgung durch das eigene (diskrete) Verhalten abzuwenden, oder ob sol-

ches für sie zu einem unerträglichen psychischen Druck führe (vgl. a.a.O. 

E. 7.5.5 f.).  

Die Annahme, das Verheimlichen einer persönlichen Überzeugung bezie-

hungsweise einer mit der Persönlichkeit untrennbar verknüpften Eigen-

schaft bewirke einen unerträglichen psychischen Druck, setze voraus, 

dass die betroffene Person in einem Umfeld zu leben gezwungen sei, in 

welchem sie Gefahr laufe, dass eben diese Überzeugung oder Eigenschaft 

entdeckt, denunziert und sanktioniert werde. Je grösser die Gefahr sei, 

durch eine unbedachte Geste oder Äusserung entdeckt zu werden, und je 

gravierender die staatliche oder private Sanktionierung im Falle der Entde-

ckung ausfalle, desto eher sei davon auszugehen, die betroffene Person 

stehe unter einem psychisch unerträglichen Druck, weil sie gezwungen sei, 

ihre Persönlichkeit zu verleugnen und ein Doppelleben zu führen, um nicht 

entdeckt zu werden (vgl. a.a.O. E. 7.6.2 m.w.H.).  

7.4 Anders als die im angeführten Referenzurteil zu beurteilende Person 

weist der Beschwerdeführer ein deutlich schwächeres persönliches Profil 

auf. Er gab zwar bereits bei der Personalienaufnahme vom 9. Oktober 

2020 "Atheist" als seine Religion an. Das SEM hat dies auch nicht in Ab-

rede gestellt (vgl. E. 8.2. hievor). Indes machte er anlässlich der Anhörun-

gen geltend, seine Familie habe ihn wegen seinen religiösen Ansichten 

und, obwohl er seit seinem 14. oder 15. Lebensjahr nicht mehr gebetet 

E-1407/2021 

Seite 14 

habe und nicht mehr in die Moschee gegangen sei, nie unter Druck gesetzt. 

Zwar habe sie deswegen ein kühles Verhältnis zu ihm gehabt und die Leute 

hätten ihn als schlechte Person angesehen (vgl. Akten A43 F37, A45 F63, 

F69). In Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Argumentation ist indes 

davon auszugehen, dass er bei einer hypothetischen Rückkehr nach Af-

ghanistan wieder in derselben Art leben könnte wie vor seiner Ausreise, 

zumal er ausser dem Fernbleiben von religiösen Zeremonien oder sonsti-

gen Anlässen keine speziellen Aktivitäten als Atheist ausgeübt hat. Jeden-

falls kann aus dem von ihm erwähnten Studieren verschiedener Bücher zu 

diesem Thema (vgl. Beschwerdeschrift S. 22 mit Hinweisen) nicht der 

Schluss gezogen werden, dass er seine religiöse Überzeugung respektive 

seinen Entschluss, keine Religion auszuüben derart hat unterdrücken müs-

sen, dass er einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt gewesen 

wäre. Er gab denn an den Befragungen auch nicht an, deshalb bereits frü-

her das Land verlassen haben zu wollen (A45 F57), obwohl er sich offenbar 

nicht sehr gut gefühlt habe (a.a.O. F65), beziehungsweise dass seine Fa-

milie wegen seiner Glaubensabkehr mit ihm gebrochen habe.  

Der Beschwerdeführer steht seinen Angaben zufolge weiterhin in Kontakt 

mit seinem Bruder, der bei seinen Eltern lebt (vgl. Akte A45 F8, F16) und 

der ihm mutmasslich auch bei der Beschaffung der eingereichten Beweis-

mittel behilflich war. Zwar soll der Bruder erwähnt haben, dass die Taliban 

einmal – als er (der Beschwerdeführer) in der Türkei gewesen sei – zu 

ihnen nach Hause gekommen seien. Nachdem der Bruder diesen mitgeteilt 

habe, dass er (der Beschwerdeführer) weggegangen sei, habe es keine 

weiteren Nachrichten gegeben (a.a.O. F17). Abgesehen davon, dass sich 

die Bezichtigung durch C._______ und die deshalb erfolgte Verfolgungssi-

tuation seitens der Taliban als unglaubhaft erwiesen haben, kann nicht an-

genommen werden, dass die Verwandten über seinen Atheismus im Bild 

sind, respektive dass er bei der Rückkehr mit asylrelevanten Nachteilen 

wegen seiner Familienmitglieder rechnen müsste. Er hatte – wie bereits 

erwähnt – seit seinem 14. Lebensjahr die religiösen Zeremonien nicht mehr 

befolgt, sei nicht in die Moschee gegangen und habe nicht mehr gebetet, 

ohne dass er deswegen Nachteile erlitten hat (vgl. Akte A43 F63, F69). Er 

war offenbar auch nicht gezwungen oder aufgefordert worden, an religiö-

sen Handlungen der muslimischen Mehrheitsbevölkerung aktiv teilzuneh-

men. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr 

nach Afghanistan als Atheist ein Doppelleben führen oder seine religiöse 

Überzeugung derart unterdrücken müsste, dass er einem unerträglichen 

psychischen Druck ausgesetzt wäre. Vielmehr ist anzunehmen, dass er in 

Afghanistan – wie schon in der Vergangenheit – auch in Zukunft in einem 

E-1407/2021 

Seite 15 

Umfeld leben kann, in dem die soziale Kontrolle nicht derart ausgeprägt ist, 

dass seine religiöse Überzeugung von Interesse wäre beziehungsweise 

seine – offenbar nicht erkennbare – Abkehr vom Islam zwangsläufig auf-

fallen würde.  

7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 

Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne 

von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb 

nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat sein Asylgesuch 

somit zu Recht abgelehnt. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Verfügung 

vom 31. März 2021 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung gutgeheissen und ist den Akten keine Änderung seiner finan-

ziellen Lage zu entnehmen, womit keine Verfahrenskosten zu erheben 

sind. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-1407/2021 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener 

 

 

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