# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0d7c7a61-f98e-53a9-b483-26daae132589
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-24
**Language:** de
**Title:** Fresenius Kabi: Verfügung vom 24.06.2024
**Docket/Reference:** Verf%C3%BCgung_Fresenius%20Kabi_24-06-2024
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2024/fresenius_kabi_vom_24_juni_2024.pdf.download.pdf/Verf%C3%BCgung_Fresenius%20Kabi_24-06-2024.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Einstellungsverfügung 

(Publikationsversion) 

vom 24. Juni 2024 

in Sachen 

Untersuchung 32-0277 gemäss Art. 27 KG 
betreffend 

Parteien 

Fresenius Kabi 
wegen missbräuchlicher Verhaltensweisen relativ marktmächtiger 
Unternehmen gemäss Art. 7 KG 

Fresenius Kabi Aktiengesellschaft, Else-Kröner-Strasse 1, 61352 
Bad Homburg, Deutschland 
Fresenius Kabi Deutschland GmbH, Else-Kröner-Strasse 1, 
61352 Bad Homburg, Deutschland 
Fresenius Kabi Nederland BV, Postbus 565, 3700 AN Zeist, 
Niederlande 

alle vertreten durch Nicolas Birkhäuser, Niederer Kraft Frey AG, 
Bahnhofstrasse 53, 8001 Zürich 

gegen 

Galexis AG, Industriestrasse 2, 4704 Niederbipp 

vertreten durch Dr. Daniel Emch, Stefanie Karlen und Stefanie 
Alder, Kellerhals Carrard Bern KlG, Effingerstrasse 1, Postfach, 
3001 Bern 

Besetzung 

Danièle Wüthrich-Meyer (Vizepräsidentin, Vorsitz), Igor Letina 
(Vizepräsident), Florence Bettschart-Narbel, Mikael Huber, Gerd 
Mühlheußer, Mauro Nicoli, Pranvera Këllezi, Isabel Martínez. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 

Verfahren 

Anzeige von Galexis 
Untersuchungseröffnung gegen die Fresenius Kabi-Gruppe 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 
A.2  Verfahrensparteien 
A.2.1 
Fresenius Kabi-Gruppe 
A.2.2 
Galexis AG 
A.3  Verfahrensgeschichte 
A.3.1 
A.3.2 
A.3.3  Wesentliche Ermittlungshandlungen 
A.3.4 
A.3.5 
A.3.6 
A.3.7 
A.3.8 

Gewährung der Akteneinsicht 
Versand des Einstellungsantrags 
Beweisanträge und Antrag auf Dateneinsicht von Galexis 
Stellungnahme der Parteien (Art. 30 Abs. 2 KG) 
Anhörung der Parteien und Entscheid der WEKO 

B 

Sachverhalt 

Anwendbares Verfahrensrecht 
Verfahrensgrundsätze 
Verhältnismässigkeit weiterer Ermittlungen 

B.1  Vorbemerkungen zur Sachverhaltsfeststellung 
B.1.1 
B.1.2 
B.1.3 
B.2  Übersicht 
B.3  Betroffene Produkte 
B.3.1 
Einleitung 
B.3.2 
Trinknahrung 
B.3.3 
Sondennahrung 
B.3.4 
Hilfsmittel zur Verabreichung von Sondennahrung 
B.3.5 
Bedeutung der betroffenen Produkte von Fresenius Kabi für Galexis 
B.3.6 
Ergebnis 
B.4  Regulierung 
B.4.1 
Einleitung 
B.4.2 
Regulierung der Einfuhr (Parallelimporte) 
B.4.3 
Preisregulierung 
B.4.4 
Ergebnis 
B.5  Vertriebssystem Trinknahrung 
B.5.1 
B.5.2 
B.5.3 
B.5.4 
B.5.5 
B.6  Vertrieb der Trinknahrung von Fresenius Kabi über Galexis im Apothekenkanal 
B.6.1 

Einleitung 
Herstellerinnen 
Grossistinnen 
Apotheken 
Ergebnis 

Einleitung 

5 

5 
5 
5 
5 
6 
6 
6 
6 
7 
7 
7 
7 
8 

9 

9 
9 
9 
11 
12 
13 
13 
13 
14 
14 
15 
15 
15 
15 
16 
16 
17 
17 
17 
18 
19 
20 
23 
24 
24 

2 

 
 
 
 
 
 
 
Fresenius Kabi 
Galexis 
Von Galexis mit Trinknahrung von Fresenius Kabi belieferte Apotheken 
Konsumentinnen und Konsumenten 
Ergebnis 

B.6.2 
B.6.3 
B.6.4 
B.6.5 
B.6.6 
B.7  Mutmassliche Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung zwischen Fresenius Kabi 

24 
25 
27 
32 
34 

und Galexis im Bereich Trinknahrung 

Übersicht 

B.7.1 
B.7.2  Mutmassliche Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung für Galexis 
B.7.3  Mutmassliche Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung für Fresenius Kabi 
B.7.4 
Verhältnis zwischen den mutmasslichen Folgen einer Auflösung der 
Lieferbeziehung für Galexis und Fresenius Kabi 

56 
56 
56 
Einleitung 
Anfragen von Galexis bei Fresenius Kabi in Deutschland und den Niederlanden  56 
56 
Verweis auf die Ländergesellschaft Schweiz 
56 
Ergebnis 
57 
57 
57 
58 
59 
59 
65 
73 

B.8  Nichtbelieferung von Galexis durch Fresenius Kabi im Ausland 
B.8.1 
B.8.2 
B.8.3 
B.8.4 
B.9  Konditionenvergleich Schweiz–Deutschland–Niederlande 
B.9.1 
Einleitung 
B.9.2  Methode 
B.9.3 
B.9.4 
B.9.5 
B.9.6 
B.9.7 

Konditionen von Fresenius Kabi Schweiz für Galexis 
Konditionen Fresenius Kabi Niederlande 
Konditionen Fresenius Kabi Deutschland 
Vergleich 
Ergebnis 

35 
35 
35 
55 

C 

Rechtliche Würdigung 

Einleitung 
Tatbestand 
Subsumtion 

C.1  Geltungsbereich 
C.2  Zuständigkeit der Gesamtkommission der WEKO 
C.3  Vorbehaltene Vorschriften 
C.4  Relative Marktmacht von Fresenius Kabi 
C.4.1 
C.4.2 
C.4.3 
C.5  Missbrauch einer relativ marktmächtigen Stellung 
C.5.1 
C.5.2 
C.5.3  Wettbewerbsverfälschung 
C.5.4 
C.6  Beweisanträge von Galexis 
C.6.1 
C.6.2 
C.6.3 
C.7  Akteneinsichtsgesuch von Galexis 
C.7.1 

Inhalt der Beweisanträge von Galexis 
Beurteilung der Beweisanträge von Galexis 
Ergebnis 

Inhalt des Akteneinsichtsgesuchs von Galexis 

Einleitung 
Allgemeines 

Ergebnis 

74 

74 
74 
74 
75 
75 
75 
84 
86 
86 
86 
88 
90 
90 
90 
91 
93 
93 
93 

3 

 
 
 
 
 
 
C.7.2 
C.7.3 
C.7.4 

Stellungnahme von Fresenius Kabi zum Akteneinsichtsgesuch von Galexis 
Beurteilung des Akteneinsichtsgesuchs von Galexis 
Ergebnis 

D 

E 

F 

G 

Kosten 

Ergebnis 

Dispositiv 

Appendix 

G.1  Abgrenzungen betreffend die von Galexis belieferten Apotheken 
G.1.1 
G.1.2 

Einleitung 
Identifikation der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken durch 
Galexis 
Auswertung der Umsatzzahlen der Apotheken durch das Sekretariat 
Auswahl der durch das Sekretariat befragten Apotheken 
Einschätzung der von Galexis verwendete Methode anhand der Umfrage des 
Sekretariats 

G.1.3 
G.1.4 
G.1.5 

Einladungsemail 
Repräsentativität der antwortenden Apotheken 
Antworten der Einzelapotheken auf Fragen 3 und 4 

G.2  Bedeutung der Trinknahrung von Fresenius Kabi für Apotheken 
G.3  Umsatzanteil ohne spezifische ärztliche Verschreibung 
G.4  Apothekenbefragung des Sekretariats 
G.4.1 
G.4.2 
G.4.3 
G.5  Preisvergleich Schweiz–Deutschland 
G.5.1 
G.5.2 
G.5.3 

Umsatzanteil der drei wichtigsten Produktgruppen 
Konditionen von Fresenius Kabi Schweiz 
Konditionen von Fresenius Kabi Deutschland 

93 
94 
97 

98 

99 

100 

101 

101 
101 

101 
101 
102 

103 
104 
104 
106 
106 
107 
108 
109 
109 
110 
110 

4 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
A 

Verfahren 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

1.  Gegenstand  der  Untersuchung  32-0277:  Fresenius  Kabi  bildet  die  Frage,  ob  die 
Fresenius Kabi-Gruppe gegenüber der Galexis AG über eine relativ marktmächtige Stellung 
verfügt und diese missbraucht. Konkret wird ihr vorgeworfen, sich zu weigern, die Galexis AG 
in Deutschland und den Niederlanden mit Trinknahrung, Sondennahrung und Hilfsmitteln zur 
Verabreichung von Sondennahrung zu beliefern und damit gegen Art. 7 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 
Bst. g Kartellgesetz (KG)1 zu verstossen. 

A.2 

Verfahrensparteien 

A.2.1  Fresenius Kabi-Gruppe 

2. 
Die  Fresenius  Kabi-Gruppe  (nachfolgend:  Fresenius  Kabi)  ist  ein  weltweit  tätiges Ge-
sundheitsunternehmen, das Medikamente und Medizintechnik zur Infusion, Transfusion und 
klinischen Ernährung anbietet. Die Produkte von Fresenius Kabi werden in der Therapie und 
Versorgung von kritisch und chronisch kranken Patienten und Patientinnen eingesetzt.2 

Fresenius Kabi verfügt in wichtigen Märkten über länderspezifische Tochtergesellschaf-
3. 
ten.3  In  der  Schweiz  wird  der  Vertrieb  der  Produkte  über  die  Fresenius  Kabi  (Schweiz)  AG 
(nachfolgend: Fresenius Kabi Schweiz) abgewickelt. In Deutschland sind die Produkte über 
die Fresenius Kabi Deutschland GmbH (nachfolgend: Fresenius Kabi Deutschland) und in den 
Niederlanden  über  die  Fresenius  Kabi  Nederland  BV  (nachfolgend:  Fresenius  Kabi  Nieder-
lande) erhältlich. 

4. 
Fresenius Kabi ist das wegen eines allfälligen Missbrauchs einer relativ marktmächtigen 
Stellung  angezeigte  Unternehmen.  Die  vorliegende  Untersuchung  richtet  sich  gegen  die 
Fresenius Kabi Aktiengesellschaft sowie gegen deren Tochtergesellschaften Fresenius Kabi 
Deutschland und Fresenius Kabi Niederlande. Als Untersuchungsadressatinnen haben diese 
Gesellschaften  Parteistellung  im  Sinne  von  Art.  6  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes 
(VwVG)4. 

A.2.2  Galexis AG 

Die Galexis AG (nachfolgend: Galexis) mit Sitz in Niederbipp wurde am 30. Dezember 
5. 
1994 im Handelsregister eingetragen. Der Zweck der Aktiengesellschaft ist der Handel, der 
Vertrieb und das Erbringen von Dienstleistungen auf dem Gebiet der Pharmazie und den ihr 
verwandten Gebieten.5 

6.  Galexis  ist  eine  Gesellschaft  der  Galenica-Gruppe,  die  als  vollständig  integrierte  Ge-
sundheitsdienstleisterin ein Apothekennetz betreibt und Distributionsdienstleistungen für den 
Gesundheitsmarkt in der Schweiz anbietet.6 Die Galenica-Gruppe erzielte im Jahr 2022 einen 

1   Bundesgesetz  vom  6.10.1995  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen  (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

2   <www.fresenius-kabi.com/de-ch/fresenius-kabi/uber-uns> (3.2.2022). 
3   Act. I.1, Beilage 7.  
4   Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021).  

5   <be.chregister.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-105.973.991> (3.2.2023). 
6   <www.galenica.com/de/ueber-galenica/ueber-galenica.php> (3.2.2023). 

5 

 
 
 
 
 
 
 
Nettoumsatz von rund 4 Milliarden Franken, einen EBIT von rund 200 Millionen Franken und 
einen Reingewinn von rund 165 Millionen Franken.7 

7.  Galexis ist in der vorliegenden Untersuchung die Anzeigerin. Durch die vorliegende Ver-
fügung ist sie besonders berührt; am Ausgang des vorliegenden Verfahrens hat sie ein schutz-
würdiges  Interesse  (Art.  48  Abs.  1  Bst.  b  und  c  VwVG).  Ihr  kommt  daher  Parteistellung  im 
Sinne von Art. 6 VwVG zu. 

A.3 

Verfahrensgeschichte 

A.3.1  Anzeige von Galexis 

8.  Galexis reichte am 5. Juli 2022 beim Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfol-
gend: Sekretariat) eine Anzeige gegen Fresenius Kabi ein. Darin schilderte Galexis im We-
sentlichen den folgenden Vorwurf: Die Produkte von Fresenius Kabi aus der Kategorie Trink-
nahrung,  Sondennahrung  und  Supplemente  seien  in  der  Schweiz  verglichen  mit  den 
identischen Produkten in Deutschland und den Niederlanden wesentlich teurer. Nachdem mit 
Fresenius Kabi Schweiz keine Einigung über den Preis erzielt worden sei, habe sich Galexis 
an Fresenius Kabi Deutschland und Fresenius Kabi Niederlande gewandt und die beiden Ge-
sellschaften je um eine Offerte für den Bezug von Produkten ab deren Lager in Deutschland 
bzw. den Niederlanden gebeten. In ihrem Antwortschreiben habe Fresenius Kabi die Offertan-
fragen  abgelehnt  und Galexis  stattdessen  an  die  Schweizer  Tochtergesellschaft  verwiesen. 
Damit verhindere Fresenius Kabi, dass Galexis die Produkte zu den deutlich günstigeren Prei-
sen im Ausland beziehen und in der Schweiz verkaufen könne.8  

A.3.2  Untersuchungseröffnung gegen die Fresenius Kabi-Gruppe 

9.  Gestützt auf die Anzeige von Galexis eröffnete das Sekretariat am 15. August 2022 im 
Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums die Untersuchung 32-0277: Fresenius Kabi. 
Die  Untersuchung  richtet  sich  gegen  die  Fresenius  Kabi  Aktiengesellschaft9,  die  Fresenius 
Kabi Deutschland GmbH und die Fresenius Kabi Nederland BV sowie deren konzernmässig 
verbundenen Gesellschaften.10  Das  Bundeskartellamt  in  Deutschland  wurde  am  19. August 
2022  mittels  Notifikation  darüber  informiert,  dass  der  Fresenius  Kabi  Aktiengesellschaft  mit 
Sitz in Bad Homburg ein Schreiben über die Eröffnung der Untersuchung zugestellt worden 
war.11 

10.  Das Sekretariat gab die Untersuchungseröffnung am 30. August 2022 mittels amtlicher 
Publikation gemäss Art. 28 KG im Schweizerischen Handelsamtsblatt bekannt.12 Dritte hätten 
sich daraufhin innerhalb von 30 Tagen melden können, um ihre Beteiligung am Verfahren an-
zumelden. Solche Meldungen blieben jedoch aus. 

A.3.3  Wesentliche Ermittlungshandlungen 

11.  Das Sekretariat befragte im Rahmen von Partei- und Zeugeneinvernahmen insgesamt 
vier Personen zum Sachverhalt.13 Die Einvernahmen erfolgten von Anfang an parteiöffentlich 
(vgl.  Art. 18  Abs. 1  VwVG).  Weitere  Informationen  holte  das  Sekretariat  mittels  einer  Reihe 

7   Geschäftsbericht  2022  der  Galenica-Gruppe,  S.  61,  verfügbar  unter  <report.galenica. 

com/ar22/app/uploads/Galenica-Geschaftsbericht-2022.pdf> (13.12.2023). 

8   Act. I.1, Rz 36 ff. 
9   Die Fresenius Kabi Aktiengesellschaft mit Sitz in Bad Homburg, Deutschland, ist u.a. die Mutterge-
sellschaft  der  Ländergesellschaften  in  der  Schweiz,  Deutschland  und  den  Niederlanden  (vgl. 
Act. II.1). 
10   Act. I.6–I.8. 
11   Act. I.11. 
12   SHAB vom 30.8.2022, Meldungsnummer: BB05-0000000093. 
13   Act. III.1–4.  

6 

 
 
 
 
 
 
 
von Auskunftsbegehren an die Parteien ein. Zusätzlich beantworteten der Schweizerische Ver-
band für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenversicherer (nachfolgend: SVK),14 das Bundes-
amt  für  Lebensmittelsicherheit  und  Veterinärwesen  (nachfolgend:  BLV)15  sowie  zwei  in 
Deutschland  tätige  Unternehmen16  Auskunftsbegehren  des  Sekretariats.  Ausserdem  führte 
das Sekretariat eine Online-Umfrage bei [250–450] von Galexis belieferten Einzelapotheken 
sowie bei [5–10] Apothekenketten durch.17 

A.3.4  Gewährung der Akteneinsicht 

12.  Am 19. Mai 202318 und am 22. Februar 202419 gewährte das Sekretariat den Parteien 
in elektronischer Form Akteneinsicht.  

A.3.5  Versand des Einstellungsantrags 

13.  Mit Schreiben vom 21. Februar 2024 stellte das Sekretariat den Parteien seinen Einstel-
lungsantrag zur Stellungnahme nach Art. 30 Abs. 2 KG zu. 

A.3.6  Beweisanträge und Antrag auf Dateneinsicht von Galexis 

14.  Mit Schreiben vom 21. März 2024 beantragte Galexis verschiedene zusätzliche Ermitt-
lungsmassnahmen.20 Mit Schreiben vom 6. März 202421 und E-Mail vom 8. März 202422 stellte 
Galexis zudem den Antrag, Einsicht in die Quelldaten zu erhalten, welche das Sekretariat in 
seinem Antrag vom 21. Februar 2024 für die Berechnung der Konditionen von Fresenius Kabi 
Deutschland verwendet hat. Fresenius Kabi nahm zum genannten Dateneinsichtsgesuch mit 
Schreiben vom 25. März 202423 Stellung. 

15.  Das Sekretariat informierte die Parteien mit Schreiben vom 5. April 202424 über seine 
Absicht,  der  Wettbewerbskommission  (nachfolgend:  WEKO)  die  Ablehnung  der  genannten 
Anträge zu beantragen. Gleichzeitig stellte das Sekretariat den Parteien den entsprechenden 
Ergänzungsantrag  des  Sekretariats  an  die  WEKO  zu.  Zur  Beurteilung  der  Anträge  vgl. 
Rz 326 ff. 

A.3.7  Stellungnahme der Parteien (Art. 30 Abs. 2 KG) 

16.  Mit Schreiben vom 8. Mai 2024 liess sich Galexis zum Einstellungsantrag des Sekreta-
riats vom 21. Februar 2024 vernehmen.25 Darin stellte sie folgende Rechtsbegehren zur Sa-
che: 

1.  Die Untersuchung 32-0277 sei nicht einzustellen. 

2.  Es  sei  festzustellen,  dass  Fresenius  Kabi  gegenüber  Galexis  in  Bezug  auf 
Trink- und Sondennahrungsprodukte inkl. Hilfsmittel relativ marktmächtig ist. 

3.  Fresenius Kabi sei im Sinne von Art. 7 Abs. 2 Bst. g KG zu verpflichten, Galexis 
in Bezug auf Trink- und Sondennahrungsprodukte inkl. Hilfsmittel im Ausland, 

14   Act. II.21, Act. II.25. 
15   Act. II.38, Act. II.39. 
16   Act. II.40, Act. II.41. 
17   Act.  II.A.1–Act.II.A.11  (Einladungen  und  Erinnerungen);  Act.  II.B.1–Act.II.B.4  (Fragebögen);  Act. 

II.C.1–Act. II.C.4 (Antworten). 

18   Act. I.185 (Galexis); Act. I.186 (Fresenius Kabi). 
19   Act. IV.5 (Galexis); Act. IV.6 (Fresenius Kabi). 
20   Act. IV.23. 
21   Act. IV.7. 
22   Act. IV.12. 
23   Act. IV.25. 
24   Act. IV.29 (Galexis); Act. IV.30 (Fresenius Kabi). 
25   Act. IV.36. 

7 

 
 
 
 
 
 
 
namentlich in Deutschland und den Niederlanden, zu den dort geltenden Kon-
ditionen zu beliefern. 

4.  Eventualiter:  Die  Sache  sei  zur  Durchführung  weiterer  Sachverhaltserhebun-

gen an das Sekretariat zurückzuwiesen. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

17.  Des  Weiteren  hielt  Galexis  an  den  Beweisanträgen  gemäss  Schreiben  vom  21. 
März 2024 fest (Rz 14). 

18.  Fresenius Kabi nahm mit Schreiben vom 8. Mai 2024 zum Antrag des Sekretariats vom 
21. Februar 2024 Stellung und beantragte, die Untersuchung sei ohne Folgen einzustellen.26 

A.3.8  Anhörung der Parteien und Entscheid der WEKO 

19.  Die  WEKO  hörte  Galexis  und  Fresenius  Kabi  zu  deren  Begehren  am  10.  Juni  2024 
mündlich an.27 Nach Beratung fällte die WEKO am 24. Juni 2024 den vorliegenden Entscheid. 

26   Act. IV.40. 
27   Act. V.5. 

8 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
B 

Sachverhalt 

B.1 

Vorbemerkungen zur Sachverhaltsfeststellung 

B.1.1  Anwendbares Verfahrensrecht 

20.  Auf  kartellrechtliche  Untersuchungen  nach  Art.  27  ff.  KG  sind  die  Bestimmungen  des 
VwVG anwendbar, soweit das KG nicht davon abweicht (Art. 39 KG). 

21.  Das vorliegende Verfahren betrifft einen allfälligen Verstoss von Fresenius Kabi gegen 
Art.  7  Abs.  1  i.V.m.  Abs.  2  KG  (Missbrauch  einer  relativ  marktmächtigen  Stellung).  Solche 
Zuwiderhandlungen sind nicht nach Art. 49a KG sanktionierbar. Anders als bei kartellrechtli-
chen Sanktionsverfahren handelt es sich daher vorliegend nicht um ein Administrativverfahren 
mit strafrechtsähnlichem Charakter, sondern um ein reines Verwaltungsverfahren. Die auf das 
Strafverfahren  oder  strafrechtsähnliche  Verfahren  anwendbaren Garantien  von  Art.  6  und  7 
EMRK28 und Art. 30 bzw. 32 BV29 sind somit nicht anwendbar. 

B.1.2  Verfahrensgrundsätze 

22.  Nach  dem  Untersuchungsgrundsatz  sind  die  Wettbewerbsbehörden  verpflichtet,  von 
Amtes wegen den Sachverhalt korrekt und vollständig zu ermitteln (Art. 39 KG i.V.m. Art. 12 
VwVG). Sie tragen für den gesamten rechtserheblichen Sachverhalt die Beweisführungslast.30 
Dies gilt für alle Arten von Wettbewerbsbeschränkungen, namentlich auch in Bezug auf den 
allfälligen Missbrauch einer relativ marktmächtigen Stellung, und dabei sowohl für belastende 
als auch entlastende Umstände (z.B. Rechtfertigungsgründe). 

23.  Die Behörde hat jene Beweise zu erheben, welche sie für die Feststellung des Sachver-
halts als tauglich erachtet; sie ist an die angebotenen Beweismittel der Parteien nicht gebun-
den. Im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung31 darf auf angebotene Beweismittel ver-
zichtet  werden,  wenn  die  Behörde  den  rechtlich  erheblichen  Sachverhalt  aufgrund  bereits 
abgenommener Beweise für genügend abgeklärt erachtet oder wenn sie ihn aufgrund eigener 
Sachkenntnis ausreichend würdigen kann. 

24.  Die  Beweisführungslast  der  Behörden  wird  mit  den  Mitwirkungspflichten  nach  Art. 13 
VwVG ergänzt,32 so namentlich, wenn das betroffene Unternehmen Umstände geltend macht, 
die in seinem eigenen Interesse liegen (z.B. ökonomische Rechtfertigungsgründe): Verfügt es 

28   Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101). 
29   Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 
30   Vgl.  BVGer,  B-141/2012  vom  12.12.2022  E. 3.2.2.1.1,  ASCOPA;  BVGer,  B-786/2014  vom 
16.11.2022  E. 9.1.1,  Abreden  im  Bereich  Luftfracht/Singapore  Airlines;  BVGer,  B-7834/2015  vom 
16.8.2022 E. 6.1, VPVW Stammtische/Projekt Repo 2013; BVGer, B-771/2012 vom 25.6.2018 E. 5.3 
und  6.4.1,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton  Aargau/Cellere;  MARKUS 
SCHOTT, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2. Aufl. 2021 (zit. BSK KG-
AUTOR/IN), Art. 39 N 58 m.w.H.; VINCENT MARTENET, in: Commentaire Romand, Droit de la concur-
rence, Martenet/Bovet/Tercier (Hrsg.), 2. Aufl. 2013 (zit. CR Concurrence-AUTOR/IN), Art. 39 LCart 
N 34. 

31   Zum Begriff der antizipierten Beweiswürdigung MARLIS BICKEL, Antizipierte Beweiswürdigung, Unter 

besonderer Berücksichtigung des Verwaltungsverfahrensrechts, 2021, Rz 38 ff. 

32   Vgl.  BGE  129 II  18  E. 7.1  m.w.H.,  Buchpreisbindung;  BGer,  2C_845/2018  vom  3.8.2020  E. 4.2, 
Strassen- und Tiefbau im Kanton Aargau; vgl. auch BGer, 2C_145/2018 vom 7.10.2021 E. 8.2.2.2, 
Hors-Liste-Medikamente II/Eli Lilly; BSK KG-SCHOTT (Fn 30), Art. 39 N 59 m.w.H.; ISABELLE HÄNER, 
in:  DIKE-Kommentar,  Kartellgesetz,  Zäch/Arnet/Baldi/Kiener/Schaller/Schraner/Spühler  (Hrsg.), 
2018  (zit.  DIKE  KG-AUTOR/IN),  Art. 39  N 49  m.w.H.;  CR  Concurrence-MARTENET  (Fn 30),  Art. 39 
LCart N 33; CLÉMENCE GRISEL RAPIN, in: Schweizerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht 
V/2, Kartellrecht, Ducrey/Zimmerli (Hrsg), 2. Aufl. 2023, Rz H.35 ff. (zit. AUTOR/IN in SIWR V/2). 

9 

 
 
 
 
 
 
 
über  die  entsprechenden  Informationen  und  Beweismittel  (z.B.  unternehmensinterne  Doku-
mente), hat es diese von sich aus der Behörde gegenüber offen zu legen. Keine Einschrän-
kung erfährt vorliegend die Mitwirkungspflicht der Parteien aufgrund des Verbots des Selbst-
belastungszwangs  (nemo-tenetur-Grundsatz;  Art.  6  Ziff.  1  EMRK).  Der  nemo-tenetur-
Grundsatz ist – anders als bei kartellrechtlichen Sanktionsverfahren33 – in Verfahren, die einen 
allfälligen Missbrauch einer relativ marktmächtigen Stellung zum Gegenstand haben, nicht an-
wendbar. 

25.  Auch im Kartellverwaltungsverfahren gilt für die Sachverhaltsfeststellung der Grundsatz 
der freien Beweiswürdigung (Art. 39 KG i.V.m. Art. 19 VwVG und Art. 40 BZP34). Daraus folgt 
insbesondere, dass nicht nur der direkte Beweis, sondern auch der Indizienbeweis zulässig 
ist.35 

26.  Der Beweis einer Tatsache ist im Allgemeinen erbracht, wenn die Wettbewerbsbehörden 
nach objektiven Gesichtspunkten von deren Verwirklichung überzeugt sind. Die Verwirklichung 
der Tatsache braucht nicht mit Sicherheit (also ohne Zweifel) festzustehen, sondern es genügt, 
wenn allfällige Zweifel unerheblich erscheinen.36 Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind 
nicht  massgebend,  weil  solche  immer  möglich  sind  und  absolute  Gewissheit  nicht  verlangt 
werden kann.37  

27.  Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundes-  und  Bundesverwaltungsgerichts  sind  keine 
überspannten  Anforderungen  an  das  Beweismass  zu  stellen,  wenn  ein  strikter  Beweis  auf-
grund der Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumutbar ist. Dies gilt insbesondere «im 
wettbewerbsrechtlichen Zusammenhang […], zumal ökonomische Erkenntnisse immer mit ei-
ner gewissen Unsicherheit behaftet sind» und sich bei übersteigerten Anforderungen an das 
Beweismass praktisch nie beweisen liessen.38 Die Komplexität wirtschaftlicher Sachverhalte 
und  Wirkungszusammenhänge  schliesst  eine  strikte  Beweisführung  regelmässig  aus.  Hin-
sichtlich solcher Tatsachen genügt nach der Rechtsprechung die Überzeugung der Behörden, 
dass sie mit überwiegender (d. h. hoher) Wahrscheinlichkeit vorliegen.39 

28.  Kann ein massgeblicher Umstand nicht mit der gemäss einschlägigem Beweismass er-
forderlichen  Sicherheit  festgestellt,  so  stellt  sich  die  Frage,  zu  wessen  Lasten  sich  dies  im 
Verfahren auswirkt. Im Allgemeinen hat diejenige Person das Vorhandensein einer Tatsache 
zu beweisen, die aus ihr Rechte ableitet (vgl. Art. 8 ZGB40). Für rechtsbegründende Tatsachen 
trägt demnach diejenige Person die objektive Beweislast, die dieses Recht geltend macht, für 

33   Dazu etwa BGE 147 II 144 E. 5 m.w.H. 
34   Bundesgesetz vom 4.12.1947 über den Bundeszivilprozess (BZP; SR 273). 
35   Vgl. BVGer, B-771/2012 vom 25.6.2018  E. 6.5.5.6 und E. 6.5.5.8,  Wettbewerbsabreden im Stras-
sen-  und  Tiefbau  im  Kanton  Aargau/Cellere;  BVGer,  B-552/2015  vom  14.11.2017  E. 4.4,  Türpro-
dukte. Siehe auch AUER CHRISTOPH/BINDER ANJA MARTINA, in: VwVG, Bundesgesetz über das Ver-
waltungsverfahren, Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), 2. Aufl. 2019, Art. 19 N 18 m.w.H. 

36   Vgl. BGer, 2A.500/2002 vom 24.3.2003 E. 3.5, bestätigt in BVGE 2010/63 E. 9.2 und BVGE 2012/33 
E. 6.2.1; sowie BVGer, B-2597/2017 vom 19.1.2022 E. 5.2, Kommerzialisierung elektronischer Me-
dikamenteninformationen.  Siehe  auch DIKE  KG-ZIRLICK/BANGERTER  (Fn 32),  Art. 5  N 54  m.w.H.; 
BSK  KG-KRAUSKOPF/SCHALLER  (Fn 30),  Art. 5  N 617  m.w.H.;  BSK  KG-ZIRLICK/TAGMANN  (Fn 30), 
Art. 30  N 102;  AMSTUTZ/KELLER/REINERT 
118  m.w.H.; PATRICK  L. 
KRAUSKOPF/MARKUS WYSSLING, in: Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsver-
fahren, Waldmann/Krauskopf (Hrsg.), 3. Aufl. 2023, Art. 12 VwVG N 197, 200.  

114–121, 

(Fn 35) 

37   Vgl. BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.3; BGE 124 IV 86 E. 2a; so auch BGer, 6B_249/2020 vom 27.5.2021 

E. 2.4.2; BGer, 6B_108/2022 vom 27.4.2022, E. 3.1. 

38   BGE 147 II 72 E. 3.4.4 (m.H. auf die ausführlicheren BGE 139 I 72 E. 8.3.2 [wobei auch auf E. 9.2.3.4 
hinzuweisen  ist],  Publigroupe  und  BGE  144 II  246  E. 6.4.4,  Altimum),  Hors-Liste-Medikamente II. 
Vgl. zum Ganzen ausführlich BSK KG-ZIRLICK/TAGMANN (Fn 30), Art. 30 N 103 m.w.H.; speziell für 
Abreden BSK KG-REINERT (Fn 30), Art. 4 I N 25; DIKE KG-ZIRLICK/BANGERTER (Fn 32), Art. 5 N 56. 
39   BVGer,  B-7633/2009  vom  14.9.2015  E. 156 ff.,  ADSL II;  BVGer,  B-581/2012  vom  16. 9. 2016 
E. 5.5.2, Nikon; vgl. auch BGE 144 II 246 E. 6.4.4, Altimum; BGE 139 I 72 E. 8.3.2, Publigroupe. 

40   Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10.12.1907 (Zivilgesetzbuch, ZGB; SR 210). 

10 

 
 
 
 
 
 
 
rechtshindernde oder -vernichtende Tatsachen ihr Gegenüber. In einem Kartellverwaltungs-
verfahren  geht  es  darum,  ob  ein  Kartellrechtsverstoss  vorliegt.  Können  Tatsachen,  die  auf 
einen Gesetzesverstoss schliessen lassen, nicht bewiesen werden, geht dies zu Gunsten des 
beschuldigten Unternehmens. 

B.1.3  Verhältnismässigkeit weiterer Ermittlungen 

29. 
Im vorliegenden Verfahren stehen sich die Parteien – Fresenius Kabi und Galexis – mit 
gegensätzlichen Interessen gegenüber. Ein solches Gegenparteiverhältnis ist vergleichbar mit 
Konstellationen, die typischerweise in Zivilprozessen anzutreffen sind. Anders als in Zivilver-
fahren gilt in kartellrechtlichen Untersuchungen nach Art. 27 f. KG jedoch die Untersuchungs-
maxime (vgl. Art. 12 VwVG; Rz 22). Vorliegend haben die beiden Parteien gegenüber der Be-
hörde  in  zentralen  Sachverhaltsfragen  (vgl.  etwa  Rz 126–191  und  Rz 204–256)  diametral 
gegensätzliche  Positionen  vertreten.  Die  Behörde  hat  einen  beträchtlichen  Ermittlungsauf-
wand betrieben, um in diesen zentralen Punkten Klarheit zu erhalten. Angesichts des Unter-
suchungsgrundsatzes könnten sich die Parteien dennoch veranlasst sehen, von der Behörde 
zusätzliche Beweismassnahmen zu verlangen. Im Folgenden wird daher aufgezeigt, dass dem 
Untersuchungsgrundsatz im Hinblick auf die Verfahrenseinstellung genüge getan worden ist 
und weitere Ermittlungen unverhältnismässig wären. 

30.  Die behördliche Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung 
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht, d.h. das anwendbare Beweismass er-
reicht ist. Ist dies nicht der Fall, ist – unter Vorbehalt der Verhältnismässigkeit (dazu sogleich 
Rz 31 ff.) – weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue 
wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind.41 

31. 
Inwiefern zusätzliche Ermittlungen vorliegend zu einem anderen Beweisergebnis führen 
könnten, ist nicht ersichtlich. Selbst wenn wesentliche und wirksame Beweismassnahmen aus-
geblieben wären, ist jedoch vorliegend das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten, das na-
mentlich  in  Art.  5  Abs. 2  BV  verankert  ist.42  Für  die  Wettbewerbsbehörden  fliesst  aus  dem 
Verhältnismässigkeitsgrundsatz etwa das Gebot, auf die Durchführung einer Untersuchung zu 
verzichten,  wenn  dieser überwiegende  öffentliche  und/oder  private Interessen  entgegenste-
hen. Erforderlich ist dabei eine sorgfältige und umfassende Würdigung der Interessenlage im 
Einzelfall. Dabei dürfen auch Opportunitätsgedanken gewichtet werden.43 

32.  Der  Verhältnismässigkeitsgrundsatz  ist  ein  verfassungsmässiges  Prinzip;  seine  Trag-
weite ist generell. Nach Massgabe des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes dürfen Opportuni-
tätsüberlegungen nicht nur bei der Frage greifen, ob eine Untersuchung eröffnet wird (Eröff-
nungsermessen),  sondern  auch  bei  den  Ermittlungen  (Ermittlungsermessen)  und  der 
Beendigung einer Untersuchung (Einstellungsermessen).  

33. 
Im Einzelnen verlangt der Verhältnismässigkeitsgrundsatz unter diesem Gesichtspunkt, 
auf  weitere  Ermittlungen  zu  verzichten  oder  deren  Umfang  zu  beschränken,  wenn  solchen 
überwiegende öffentliche und/oder private Interessen entgegenstehen.44 Dem Verhältnismäs-
sigkeitsprinzip könnte es beispielsweise zuwiderlaufen, wenn die Wettbewerbsbehörden bei 
einem Verdacht auf einen bloss leichten Kartellrechtsverstoss einen gewaltige Ermittlungsauf-

41   Vgl. BGer, 8C_414/2022 vom 24.1.2023 E. 4.2. 
42   Zum  Verhältnismässigkeitsgrundsatz  bei  der  Sachverhaltsermittlung  etwa  PATRICK  L. 
KRAUSKOPF/MARKUS WYSSLING, in: Waldmann/Krauskopf, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrens-
gesetz (VwVG), 2023, Art.12 N 33 ff.; sodann betreffend Hausdurchsuchungen statt vieler BstGer, 
BE.2013.1 vom 24.10.2013 E. 2. 

43   DIKE  KG-IZUMI/BAUR (Fn 32),  Art.  27  N  16  f.;  BSK KG-ZIRLICK/TAGMANN (Fn 30),  Art. 27  N 52a  ff. 

m.w.H. 

44   Dazu etwa BVGer, B-565/2015 und B-812/2015 vom 4.10.2016 E. 5.2. 

11 

 
 
 
 
 
 
 
wand betreiben würden, etwa breit angelegte Zeugenbefragungen, eine Serie von aufwändi-
gen Umfragen bei Marktteilnehmern oder gar Hausdurchsuchungen durchführen würden. Der 
Verhältnismässigkeitsgrundsatz  gebietet  sodann,  dass  ein  Verfahren  einzustellen  ist,  wenn 
dessen Fortsetzung in keinem Verhältnis zum Aufwand steht, der für die gehörige Ermittlung 
des relevanten Sachverhalts erforderlich wäre. Eine solche Verfahrenseinstellung aus Verhält-
nismässigkeits-  bzw.  Opportunitätsgründen  hat  freilich  die  Ausnahme  zu  bleiben.  Laufende 
kartellrechtliche Untersuchungen sind nach Möglichkeit soweit fortzuführen, bis das Vorliegen 
bzw. Nichtvorliegen einer Gesetzesverletzung tatsächlich beurteilt werden kann.  

34.  Vorliegend  hat  die  Behörde  bereits  beträchtliche  Ermittlungsbemühungen  unternom-
men. Unter anderem hat sie Partei- und Zeugeneinvernahmen durchgeführt, eine Vielzahl von 
Auskunftsbegehren  an  die  Parteien  und  Drittpersonen  gestellt,  sachkundige  Behörden  um 
Amtshilfe ersucht sowie eine breit angelegte Umfrage bei Apotheken durchgeführt und deren 
Ergebnisse ausgewertet. Die Parteien ihrerseits haben eine Reihe von unaufgeforderten Stel-
lungnahmen eingereicht, unter anderem auch Parteigutachten. Diese teils umfangreichen Ein-
gaben  galt  es  auf  Seite  der  Behörde  genau  zu  analysieren.  Der  getätigte  Ermittlungs-  und 
Analyseaufwand widerspiegelt sich in den Verfahrenskosten (dazu Rz 366 ff.). Dieser behör-
denseitige Aufwand ist mit der Bedeutung des konkreten Verfahrensgegenstands ins Verhält-
nis zu setzen. Der vorliegende Untersuchungsgegenstand betrifft eine rein bilaterale Streitsa-
che zwischen Fresenius Kabi und Galexis. Die möglichen Implikationen der Angelegenheit auf 
den Wettbewerb sind beschränkt. Vielmehr stehen die Interessen der involvierten Parteien im 
Vordergrund. Zudem schliesst die Einstellung des vorliegenden Verwaltungsverfahrens nicht 
aus, den Rechtstreit auf dem Zivilweg auszufechten. Darüber hinaus ist zu beachten, dass es 
sich bei Verstössen gegen die Bestimmungen zur relativen Marktmacht typischerweise nicht 
um schwerwiegende Zuwiderhandlungen gegen das Kartellgesetz handelt. Dies manifestiert 
sich etwa in der fehlenden Sanktionierbarkeit (Art. 49a KG). Schliesslich sind vorliegend – wie 
bereits erwähnt – keine weiteren wesentlichen und wirksamen Beweismassnahmen ersicht-
lich, die geeignet wären, das Beweisergebnis umzustossen oder einen anderen Verfahrens-
ausgang herbeizuführen. 

35.  Vor  diesem  Hintergrund  wären  zusätzliche  Beweismassnahmen  unverhältnismässig. 
Auf weitere Ermittlungen ist daher zu verzichten. Die Sachverhaltsfeststellungen im Rahmen 
der vorliegenden Einstellungsverfügung sind auf der Grundlage der getätigten Ermittlungen zu 
treffen. 

B.2  Übersicht 

36. 
Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung ist zu prüfen, ob Galexis in Bezug auf die 
Belieferung  mit  Trinknahrung,  Sondennahrung  und  Hilfsmitteln  zur  Verabreichung  von  Son-
dennahrung von der Herstellerin Fresenius Kabi abhängig im Sinne von Art. 4 Abs. 2bis KG ist. 
Ob eine solche Abhängigkeit vorliegt, ist eine Rechtsfrage (dazu Rz 278 ff.). Ihre Beantwor-
tung setzt die Behandlung folgender Sachverhaltsthemen voraus: 

−  Zunächst sind die betroffenen Produkte zu beschreiben (Rz 37 ff.). Weil Galexis nur sehr 
geringe Umsätze mit Sondennahrung und Hilfsmitteln von Fresenius Kabi erzielt, kann 
diesbezüglich von vornherein eine Abhängigkeit ausgeschlossen werden. Deshalb be-
schränken  sich  die  weiteren  Ausführungen  zum  Sachverhalt  auf  Trinknahrung 
(Rz 43 ff.). 

− 

In  der  Schweiz  gibt  es  verschiedene  Vorschriften,  welche  Trinknahrung  betreffen  und 
die im Rahmen der vorliegenden Untersuchung relevant sind. Diese werden als nächs-
tes unter dem Titel Regulierung beschrieben (Rz 47 ff.). 

−  Anschliessend wird das Vertriebssystem für Trinknahrung in der Schweiz erläutert. Da-
bei wird die Funktionsweise der verschiedenen Handelsstufen von den Herstellerinnen 
bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten dargelegt. Ausserdem werden die wich-
tigsten Akteurinnen und Akteure genannt (Rz 54 ff.). 

12 

 
 
 
 
 
 
− 

In einem nächsten Kapitel wird spezifisch der Vertrieb der Trinknahrung von Fresenius 
Kabi beschrieben. Die entsprechenden Ausführungen beschränken sich auf den Vertrieb 
über die vorliegend relevante Grossistin Galexis. Weil Galexis die überwiegende Mehr-
heit der von ihr verkauften Trinknahrung an Apotheken liefert, beziehen sich die entspre-
chenden Ausführungen im Wesentlichen auf diesen Vertriebskanal (Rz 75 ff.). 

−  Zur  Beurteilung  einer  allfälligen  Abhängigkeit  ist  insbesondere  zu  prüfen,  welches  die 
Folgen für Galexis sind, wenn die bestehende Lieferbeziehung aufgelöst wird (zum Tat-
bestand vgl. Rz 278 ff.). Daraufhin sind die mutmasslichen Folgen einer Auflösung der 
Lieferbeziehung für Fresenius Kabi abzuklären, um zu eruieren, in welchem Umfang Ga-
lexis Gegenmacht ausüben kann (zum Ganzen Rz 114 ff.). 

−  Anschliessend wird untersucht, ob Fresenius Kabi Galexis im Ausland mit Trinknahrung 

beliefert oder nicht (Rz 200 ff.). 

−  Schliesslich  werden  die  Konditionen  von  Galexis  beim  Bezug  von  Trinknahrung  von 
Fresenius  Kabi  in  der  Schweiz  mit  den  Konditionen  vergleichbarer  Unternehmen  in 
Deutschland und in den Niederlanden verglichen. Ein solcher Konditionenvergleich ist 
insbesondere deshalb relevant, weil eine Lieferverweigerung im Ausland nur dann miss-
bräuchlich sein kann, wenn die ausländischen Konditionen vorteilhafter sind als diejeni-
gen in der Schweiz (Rz 204 ff.; zum Tatbestand vgl. Rz 320 ff.). 

B.3  Betroffene Produkte 

B.3.1  Einleitung 

37. 
In sachlicher Hinsicht sind Trinknahrung, Sondennahrung und Hilfsmittel zur Verabrei-
chung von Sondennahrung Gegenstand der vorliegenden Untersuchung (Rz 1 vorne). Des-
halb werden diese Produkte nachfolgend beschrieben (Rz 38 ff.). Zudem wird die Bedeutung 
dieser Produkte der Herstellerin Fresenius Kabi für Galexis ermittelt (Rz 43 ff.). 

B.3.2  Trinknahrung 

38.  Trinknahrung ist eine hochkalorische Nährstofflösung, die bei bestehender oder drohen-
der Mangelernährung eine ausreichende Nährstoffzufuhr sicherstellen soll. Sie liefert Energie 
und enthält insbesondere Eiweiss, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Die Produkte 
sind  in  unterschiedlicher  Zusammensetzung  an  Nährstoffen  und  in  verschiedenen  Ge-
schmacksrichtungen und Konsistenzen erhältlich. Meistens wird Trinknahrung ergänzend zur 
normalen Kost eingenommen, um die Lücke zwischen dem täglichen Nährstoffbedarf und der 
Nährstoffzufuhr  über  die  normale  Nahrung  zu  schliessen.  Eine  sogenannte  vollbilanzierte 
Trinknahrung  ist  auch  zur  ausschliesslichen  Ernährung  geeignet.  Die  Nährstoffversorgung 
kann beispielsweise bei Menschen mit schweren Erkrankungen oder im fortgeschrittenen Alter 
und bei Personen vor und nach einer Operation erschwert sein. Trinknahrung wird in erster 
Linie  in  flüssiger  Form  angeboten.  Es  gibt  aber  auch  Pulver,  welche  als  Getränk  angerührt 
werden, sowie Crèmen, die ebenfalls als Trinknahrung gelten.45 

45   <www.fresubin.com/de/hochkalorische-trinknahrung>  (07.02.2023);  Vgl.  auch  die  «Definition  Zu-
satztrinknahrung (sondenfreie enterale Ernährung)» gemäss «Richtlinien der GESKES über Home 
Care, künstliche Ernährung zu Hause» vom Januar 2013, S. 6. (nachfolgend: GESKES-Richtlinien), 
verfügbar  unter  <www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesetze-und-bewilligungen/gesetzgebung/ge 
setzgebung-versicherungen/gesetzgebung-krankenversicherung/kvg/referenzdokumente-zur-klv-
und-deren-anhaenge.html>  (31.5.2023).  Die  Abkürzung  «GESKES»  steht  für  «Gesellschaft  für 
künstliche Ernährung der Schweiz». Heute nennt sich diese «Gesellschaft für Ernährungsmedizin 
und Metabolismus Schweiz» (<www.geskes.ch/geskes/die-geskes.aspx>, 31.5.2023). Nachfolgend 
wird sie mit der nach wie vor gängigen Abkürzung GESKES bezeichnet. Zur Rolle der GESKES vgl. 
Rz 111. 

13 

 
 
 
 
 
 
 
39.  Trinknahrung kann unter anderem in Apotheken, Drogerien oder über den Versandhan-
del rezeptfrei erworben werden. Sie wird nicht nur von Personen mit einer bestehenden oder 
drohenden  Mangelernährung  eingenommen,  sondern  auch  von  Personen,  bei  denen  keine 
medizinische Indikation besteht, beispielsweise von Sportlern und Sportlerinnen oder älteren 
Menschen.46 

40.  Trinknahrung fällt in die Kategorie der Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke 
i.S.v.  Art.  23  der  Verordnung  des  Eidgenössischen  Departements  des Innern  (nachfolgend: 
EDI) über Lebensmittel für Personen mit besonderem Ernährungsbedarf.47 Im Unterschied zu 
Arzneimitteln  dienen  Lebensmittel  für  besondere  medizinische  Zwecke  nicht  der  medizini-
schen Einwirkung auf den menschlichen Organismus, sondern sind zum Diätmanagement bei 
einer Krankheit, einer Störung oder bei Beschwerden bestimmt.48 Hersteller und Importeure 
müssen  das  Inverkehrbringen  von  Lebensmitteln  für  besondere  medizinische  Zwecke  dem 
BLV melden. Die Meldung muss vor dem ersten Inverkehrbringen sowie bei jeder Rezepturän-
derung und Kennzeichnungsanpassung erfolgen (Art. 27 VLBE). Trinknahrung untersteht folg-
lich einer Meldepflicht und bedarf – im Gegensatz zu Arzneimitteln49 – keiner Zulassung durch 
das Schweizerische Heilmittelinstitut (nachfolgend: Swissmedic). 

B.3.3  Sondennahrung 

41.  Bei der Ernährung per Sonde wird der Patient oder die Patientin über einen durch die 
Nase oder die Bauchdecke eingeführten dünnen Schlauch direkt in den Magen oder Dünn-
darm mit Flüssignahrung versorgt. Wie Trinknahrung hat Sondennahrung einen hohen Ener-
giegehalt und enthält Eiweiss, Spurenelemente und Vitamine. Die künstliche Ernährung über 
eine Sonde ist indiziert, wenn der Patient oder die Patientin zur normalen Nahrungsaufnahme 
über den Mund nicht in der Lage ist, zum Beispiel bei einer gravierenden Schluckstörung.50 
Sondennahrung wird ausschliesslich von Patienten und Patientinnen verwendet, die in ärztli-
cher  Behandlung  sind  und  eine  ärztliche  Verordnung  haben.51  Sondennahrung  gehört  wie 
Trinknahrung zu den Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke. 

B.3.4  Hilfsmittel zur Verabreichung von Sondennahrung 

42.  Zur  Verabreichung  von  Sondennahrung  sind  verschiedene  Hilfsmittel  notwendig.  Es 
handelt  sich  dabei  um  Produkte  wie  Schläuche, Ernährungspumpen,  Adapter  und  Beutel.52 
Wie  bei  der  Sondennahrung  werden  die  Hilfsmittel  zu  deren  Verabreichung  ausschliesslich 
von Patienten und Patientinnen verwendet, die in ärztlicher Behandlung sind. 

46   Act. III.1, Zeilen 343–436; Act. III.2, Zeilen 564–567. 
47   Verordnung des EDI vom 16.12.2016 über Lebensmittel für Personen mit besonderem Ernährungs-

bedarf (VLBE; SR 817.022.104). 

48   BUNDESAMT  FÜR  LEBENSMITTELSICHERHEIT  UND  VETERINÄRWESEN/BUNDESAMT  FÜR  GESUND-
HEIT/SCHWEIZERISCHES HEILMITTELINSTITUT, Abgrenzungskriterien Heilmittel – Lebensmittel bezüglich 
oral  einzunehmender  Produkte,  2021,  S. 9,  abrufbar  unter  <www.blv.admin.ch/blv/de/home/ 
lebensmittel-und-ernaehrung/rechts-und-vollzugsgrundlagen/hilfsmittel-und-vollzugsgrundlagen/ 
abgrenzungskriterien.html> (07.02.2023). 

49   Arzneimittel  dürfen  in  der  Schweiz  grundsätzlich  nur  in  Verkehr  gebracht  werden,  wenn  sie  von 
Swissmedic  zugelassen  sind  (Art. 9  Abs. 1  Bundesgesetz  vom  15.12.2000  über  Arzneimittel  und 
Medizinprodukte [Heilmittelgesetz, HMG; SR 812.21]) und die natürliche oder juristische Person, die 
sie herstellt oder damit Handel treibt, über eine Betriebsbewilligung verfügt (Art. 5, 18 und 28 HMG). 

50   <www.fresubin.com/ch/de-ch/sondennahrung> (07.02.2023). 
51   Act. III.1, Zeilen 442 f., Act. III.2, Zeile 574. 
52   Act. II.5, S. 1, Antwort auf Frage 1.a.i. 

14 

 
 
 
 
 
 
 
B.3.5  Bedeutung der betroffenen Produkte von Fresenius Kabi für Galexis 

43. 
In Tabelle 1 ist das Einkaufsvolumen von Galexis mit Trinknahrung, Sondennahrung und 
Hilfsmitteln der Herstellerin Fresenius Kabi angegeben (Spalten 1–3). Neben diesen Produk-
ten  stellt  Fresenius  Kabi  weitere  Produkte  wie  zum  Beispiel  Medikamente  her  und  verkauft 
diese  ebenfalls  an  Galexis.53  Das  Einkaufsvolumen  von  Galexis für  sämtliche  Produkte  der 
Herstellerin Fresenius Kabi ist in Spalte 4 von Tabelle 1 ausgewiesen. Schliesslich ist in Spalte 
5 das Einkaufsvolumen von Galexis für sämtliche Produkte aller Herstellerinnen ausgewiesen. 
Unter dem Einkaufsvolumen ist die Summe der von den Herstellerinnen in Rechnung gestell-
ten Preise abzüglich sämtlicher Rabatte, Boni, Rückerstattungen sowie der Mehrwertsteuer zu 
verstehen. Alle in Tabelle 1 angegebenen Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2021. 

Tabelle 1: Einkaufsvolumen Galexis, 2021. 

Trinknah-
rung 
Fresenius 
Kabi 

Sonden-
nahrung 
Fresenius 
Kabi 

Hilfsmittel 
Fresenius 
Kabi 

Alle Produkte 
Fresenius 
Kabi 

Alle Produkte 
aller Herstel-
lerinnen 

Fr. 

% 

[…] 

[…] 

[…] 

[<0,2] % 

[<0,01] % 

[<0,01] % 

[…] 

[<0,4] % 

[…] 

100 % 

Quelle: Act. II.9, Rz 7 (Trinknahrung, Sondennahrung, Hilfsmittel); Act. II.5, Antwort auf Frage 
9.a (alle Produkte von Fresenius Kabi, alle Produkte aller Herstellerinnen). 

44.  Aus Tabelle 1 geht hervor, dass der Anteil sämtlicher von Fresenius Kabi hergestellten 
Produkte  am  Einkaufsvolumen  von  Galexis  bei  unter  [<0,4 %]  liegt.  Davon  entfällt  rund  die 
Hälfte auf die Trinknahrung von Fresenius Kabi. 

45.  Das Einkaufsvolumen von Galexis mit Sondennahrung und Hilfsmitteln von Fresenius 
Kabi  ist  derart  gering,  dass  jedenfalls  bei  einer  isolierten  Betrachtung  dieser  Produkte  eine 
Abhängigkeit seitens Galexis im Sinne von Art. 4 Abs. 2bis KG ausgeschlossen werden kann 
(zum  Tatbestand  vgl.  Rz 278 ff.).  Deshalb  beschränkt  sich  die  nachfolgende  Untersuchung 
des Sachverhalts auf Trinknahrung.54 

B.3.6  Ergebnis 

Im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  erachtet  die  Behörde  folgenden 
46. 
Sachverhalt als massgebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismass-
nahmen Rz 29 ff.): 

−  Galexis gibt rund [<2] Promille ihres jährlichen Einkaufsvolumens für Trinknahrung von 

Fresenius Kabi aus (Rz 43 ff.); 

−  Galexis gibt nur verschwindend geringe Beträge für Sondennahrung und Hilfsmittel von 

Fresenius Kabi aus (43 ff.). 

B.4  Regulierung 

B.4.1  Einleitung 

47. 
In diesem Kapitel wird untersucht, ob Trinknahrung von Fresenius Kabi parallel in die 
Schweiz importiert werden kann (Rz 48 ff.). Anschliessend werden die Vorschriften bezüglich 

53   Vgl. z.B. Act. II.9, Rz 7. 
54   […] 

15 

 
 
 
 
 
 
 
 
der Preise und der Vergütung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung dargelegt 
(Rz 51 f). 

B.4.2  Regulierung der Einfuhr (Parallelimporte) 

48.  Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Trinknahrung um Lebensmittel für besondere 
medizinische  Zwecke  (Rz 40  vorne).  Wer  solche  Lebensmittel  importiert  und  diese  in  der 
Schweiz in Verkehr bringen will, muss dies gemäss Art. 27 VLBE vor dem ersten Inverkehr-
bringen sowie nach jeder Rezepturänderung oder Kennzeichnungsanpassung dem BLV mel-
den. 

49.  Gemäss der Auskunft des BLV ist eine solche Meldung auch dann zwingend erforderlich, 
wenn das zu meldende Produkt bereits durch eine andere Person – in der Regel die Herstel-
lerin – dem BLV gemeldet wurde.55 Die Meldung muss gemäss BLV in jedem Fall zwingend 
die Rezeptur des zu importierenden Produkts beinhalten. Das gilt selbst dann, wenn das BLV 
aufgrund einer Meldung einer anderen Person bereits über die relevante Rezeptur verfügt.56 

50.  Wenn die Herstellerin das einzuführende Produkt bereits dem BLV gemeldet hat, kann 
sie das BLV schriftlich bevollmächtigen, die Meldung eines Zweitmeldenden mit der Rezeptur 
aus der Meldung der Herstellerin zu ergänzen. In diesem Fall gilt die Zweitmeldung als voll-
ständig. Ohne ausdrückliches Einverständnis der Herstellerin ist eine solche Ergänzung aber 
nicht möglich.  Ausserdem  ist  die  Herstellerin  nicht  verpflichtet,  die  Rezeptur  dem  BLV  oder 
Dritten zwecks Meldung gemäss Art. 27 VLBE zur Verfügung zu stellen. Da es sich bei der 
Rezeptur  um  ein  Geschäftsgeheimnis  handelt,  ist  diese  nur  über  die  Herstellerin  erhältlich. 
Aus diesen Gründen ist bei Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke der Parallelim-
port ohne ausdrückliches Einverständnis der Herstellerin nicht möglich.57 

B.4.3  Preisregulierung 

51. 
Im Gegensatz zu den Preisen für Arzneimittel ist der Preis von Trinknahrung nicht staat-
lich  reguliert.58  Stattdessen  legen  die  Herstellerinnen  gemäss  Angaben  des  SVK  unilateral 
einen sogenannten Publikumspreis fest.59 Gemäss SVK vergütet die obligatorische Kranken-
pflegeversicherung grundsätzlich diesen Publikumspreis.60 

52.  Aktuell gibt es Bestrebungen, dass die maximal durch die obligatorische Krankenpflege-
versicherung zu vergütenden Preise für Trinknahrung durch das Bundesamt für Gesundheit 
(nachfolgend: BAG) festgelegt werden sollen. Konkret soll Trinknahrung auf die sogenannte 
Mittel- und Gegenständeliste (nachfolgend: MiGeL) aufgenommen werden.61 Eine solche Auf-
nahme ist allerdings bei der letzten Anpassung der MiGeL per 1. Januar 2024 nicht erfolgt.62 

55   Act. II.39, Antwort auf Frage 1.a. 
56   Act. II.39, Antwort auf Frage 1.b. 
57   Gemäss Auskunft des BLV ist bei diesen Produkten «ein Parallelimport de facto nicht möglich» (Act. 
II.38). Die Verfahrensparteien sowie der einvernommene Zeuge gehen im Gegensatz zum BLV über-
einstimmend davon aus, dass es keine regulatorischen Hindernisse gebe, die den Parallelimport von 
Trinknahrung verhindern würden (vgl. z.B. Act. II.7, Rz 31; Act. II.36, Rz 38; Act. II.1, Rz 23; Act. 
III.3, Zeile 341; Act. II.55, Rz 69). 

58   Act. II.21, Antwort auf Frage 6. 
59   Act. II.21, Antwort auf Frage 6; Act. II.25, Antwort auf die Fragen 4 und 5b; Act. II.55, Beilage 8. Nicht 

zutreffend: Act. II.7, Rz 21. 
60   Act. II.25, Antwort auf Frage 4. 
61   Act. II.7, Rz 21; Act. II.36, Rz 75 ff. und Beilage 1; Act. II.21, Antwort auf Frage 7. 
62   Vgl.  BAG,  Kommentar  zu  den  Änderungen  des  Anhangs  2  KLV  (MiGeL)  vom  29.11.2023  per 
1.1.2024,  <www.bag.admin.ch/bag/de/home/versicherungen/krankenversicherung/krankenversiche 
rung-leistungen-tarife/Mittel-und-Gegenstaendeliste.html> (04.1.2024). 

16 

 
 
 
 
 
 
 
Fresenius Kabi würde sich gemäss eigenen Angaben künftig bei der Preisgestaltung an den 
in der MiGeL festgelegten Höchstvergütungsbeiträgen ausrichten.63  

B.4.4  Ergebnis 

53. 
Im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  erachtet  die  Behörde  folgenden 
Sachverhalt als massgebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismass-
nahmen Rz 29 ff.): 

−  Trinknahrung  kann  nur  mit  der  ausdrücklichen  Zustimmung  der  Herstellerin  in  die 

Schweiz eingeführt werden (Rz 48 ff.). 

−  Die Preise für Trinknahrung in der Schweiz werden aktuell von der Herstellerin festge-
legt.  Es  gibt  Bestrebungen,  dass  die  durch  die  obligatorische  Krankenpflegeversiche-
rung  maximal  vergüteten  Preise  künftig  durch  das  BAG  festgelegt  werden  sollen 
(Rz 51 f.). 

B.5 

Vertriebssystem Trinknahrung 

B.5.1  Einleitung 

In  diesem  Kapitel  wird  aufgezeigt,  wie  Trinknahrung  von  den  Herstellerinnen  zu  den 
54. 
Konsumentinnen  und  Konsumenten  gelangt.  Die  entsprechenden  Informationen  sind  nach 
den  in  Abbildung  1  dargestellten  Marktstufen  geordnet.  Dieses  Kapitel  bezieht  sich  auf 
Trinknahrung  aller  Herstellerinnen.  Informationen  spezifisch  zum  Vertrieb  der  Trinknahrung 
von Fresenius Kabi über Galexis befinden sich im nachfolgenden Kapitel (Rz 75 ff.).  

Abbildung 1: Vertriebssystem Trinknahrung in der Schweiz. 

Herstellerinnen 

Grossistinnen 

Apotheken, Drogerien, Arztpraxen, Spitäler, Heime, Homecare, Internethandel 

Konsumentinnen und Konsumenten 

Quelle: Eigene Darstellung. 

55.  Als Erstes wird aufgezeigt, welche Herstellerinnen in der Schweiz Trinknahrung anbieten 
und an wen sie ihre Produkte verkaufen (Rz 56 ff.). Neben Grossistinnen64 wie Galexis belie-
fern  die  Herstellerinnen auch  andere  grössere  Abnehmerinnen  wie  zum Beispiel  Homecare 

63   Act. II.55, Beilage 8, Rz 10. 
64   In  manchen  Märkten  kann  es  sinnvoll  sein,  zwischen  verschiedenen  Arten  von  Grossistinnen  zu 
unterscheiden. Insbesondere wird oft zwischen sogenannten Vollgrossistinnen und Teilgrossistinnen 
(auch «shortliner» genannt) unterschieden. Während die Vollgrossistinnen ihren Kundinnen einen 
möglichst grossen Anteil der von diesen verkauften Produkte liefern, decken die Teilgrossistinnen 
nur einen Teil des Sortiments ab. Gemäss Angaben von Galexis gibt es in der Schweiz keine Teil-
grossistinnen, die Produkte der Herstellerin Fresenius Kabi vertreiben (Act. II.5, Antwort auf Frage 
8.c).  Aus  diesem  Grund  wird  vorliegend  keine  Differenzierung  zwischen  diesen  beiden  Arten  von 
Grossistinnen vorgenommen. 

17 

 
 
 
 
 
 
 
Anbieterinnen65 oder Spitäler direkt. Vorliegend sind in erster Linie Grossistinnen relevant, weil 
es  sich  bei  Galexis um eine  Grossistin  handelt. Deren  Rolle  wird  als nächstes  beschrieben 
(Rz 60 ff.). Insbesondere weil grössere Abnehmerinnen in der Regel direkt von den Herstelle-
rinnen beliefert werden, verkaufen die Grossistinnen den überwiegenden Anteil der Trinknah-
rung  an  Apotheken.  Deshalb  wird  anschliessend  die  Rolle  der  Apotheken  untersucht 
(Rz 64 ff.). 

B.5.2  Herstellerinnen 

56. 
In der Schweiz gibt es vier gemessen an ihren Umsätzen im vorliegend besonders rele-
vanten  Verkaufskanal  der  Apotheken  und  Drogerien  wichtige  Herstellerinnen  von  Trinknah-
rung. Dabei handelt es sich um Nestlé, Fresenius Kabi, Abbott und Danone.66 Galexis schätzt 
den Marktanteil von Fresenius Kabi im genannten Verkaufskanal auf rund 40 %.67 Die Stellun-
gen der verschiedenen Herstellerinnen werden im nachfolgenden Kapitel anhand der Anteile 
an der von Galexis eingekauften Trinknahrung genauer untersucht (Rz 80 ff.). 

57.  Alle der vier genannten Herstellerinnen sind Mitglieder der Fachgruppe «Swiss Medical 
Nutrition Industries» (nachfolgend: SMNI) des Branchenverbandes der in der Schweiz tätigen 
Nahrungsmittelherstellerinnen («Swiss Association of Nutrition Industries»).68 Die SMNI führte 
eine Markterhebung durch, bei welcher die Verteilung der Umsätze mit medizinischer Ernäh-
rung in der Schweiz auf verschiedene Absatzkanäle im Jahr 2020 erfasst wurde. Beide Par-
teien reichten die entsprechenden Ergebnisse ein.69 Sie sind in Abbildung 2 dargestellt. Der 
im  Jahr  2020  in  der  Schweiz  von  allen  Herstellerinnen  insgesamt  mit  Trinknahrung  erzielte 
Umsatz belief sich gemäss der genannten Markterhebung auf rund 37 Millionen Franken.70 

65   Homecare  Anbieterinnen  sind  Organisationen,  die  Patientinnen  und  Patienten  bei  sich  zu  Hause 

betreuen. 

66   Act. I.1; Rz 29, Act. III.1, Zeilen 414–417; Act. III.2, Zeilen 461–463. Danone bietet Trinknahrung in 

der Schweiz unter dem Namen «Nutricia» an <www.nutricia.de/ch-de/> (18.4.2023). 

67   (Act. I.1, Rz 29 f.).  Diese  Schätzung  bezieht sich  mutmasslich auf  das Jahr 2021. Grundlage  der 
genannten Schätzung von Galexis sind «Sell-out Daten der Schweizer Apotheken und Drogerien», 
welche  von  der  IQVIA  AG  bereitgestellt  wurden.  Erfasst  wurden  Verkäufe  von  «enteraler  Ernäh-
rung». Bei der enteralen Ernährung erfolgt die Nährstoffaufnahme über den Darm (Act. I.1, Fn 6). 
Dabei dürfte es sich im Wesentlichen um Trinknahrung handeln. 

68   <www.sani.swiss/deutsch/fachgruppe-smni/> (17.4.2023). 
69   Act.  II.9,  Rz  2  und  Act.  II.5,  Antwort  auf  Frage  11.a  (Galexis);  Act.  II.11,  Antwort  auf  Frage  13 

(Fresenius Kabi). 

70   Act.  II.9,  Rz  2  und  Act.  II.5,  Antwort  auf  Frage  11.a  (Galexis);  Act.  II.11,  Antwort  auf  Frage  13 
(Fresenius  Kabi).  Die  mit  Sondennahrung  erzielten  Umsätze  wurden  im  Rahmen  der  genannten 
Markterhebung separat erfasst. Die damit erzielten Umsätze fliessen nicht in die Berechnung der in 
Abbildung 2 dargestellten Anteile ein. 

18 

 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 2: Absatzkanäle Trinknahrung in der Schweiz 2020. 

3,3%

13,0%

21,5%

62,0%

Heimpatienten
Spitäler/Kliniken
Übrige

Grossistinnen/Apotheken
Alters- und Pflegeheime

Quelle: SMNI (Act. II.9, Rz 2; Act. II.11, Antwort auf Frage 13; Act. II.5, Antwort auf Frage 
11.a). 

58.  Der mit Abstand wichtigste Absatzkanal ist derjenige über «Heimpatienten». Diese wer-
den auch als «Homecare Patienten» bezeichnet.71 Dabei handelt es sich um Patientinnen und 
Patienten, die bei sich zu Hause betreut werden.72 Diese Heimpatientinnen und Heimpatienten 
beziehen in der Regel Trinknahrung über Homecare Anbieterinnen, welche ihrerseits in der 
Regel  direkt  von  den  Herstellerinnen  beliefert  werden.73  Gleiches  gilt  mutmasslich  auch  für 
andere Kundinnen, die grössere Mengen beziehen (z.B. Spitäler und Kliniken). 

59. 
Im Gegensatz dazu beziehen jedenfalls die kleineren Apotheken Trinknahrung norma-
lerweise über Grossistinnen.74 Dieser Absatzkanal, bei welchem die Herstellerinnen Grossis-
tinnen wie Galexis beliefern, die ihrerseits die Trinknahrung an Apotheken weiterverkaufen, ist 
für etwas mehr als einen Fünftel der insgesamt in der Schweiz verkauften Trinknahrung ver-
antwortlich.75 

B.5.3  Grossistinnen 

60. 
In der Schweiz sind neben Galexis und der ebenfalls zur Galenica-Gruppe gehörenden 
Unione Farmaceutica Distribuzione SA, die Voigt AG mit Sitz in Romanshorn (nachfolgend: 

71   Act. II.9, Fn 1. 
72   Vgl. z.B. die GESKES-Richtlinien, S. 8 (Fn 45). 
73   Act. II.5, Antwort auf Frage 2.a. Vgl. auch Act. II.5, Beilage 10.a. Demnach beliefert Fresenius Kabi 

Schweiz zum Beispiel die […] Homecare Anbieterin […] direkt.  

74   Act. III.4, Zeilen 139–141. 
75   Vgl. die Aussage von [N1], wonach der Bezug von Trinknahrung nicht sehr oft über Apotheken gehe 

(Act. III.4, Zeilen 234–235). 

19 

 
 
 
 
 
 
 
 
Voigt), die Amedis-UE AG mit Sitz in Unterentfelden (nachfolgend: Amedis) und die Pharma-
Focus AG mit Sitz in Romont als Vollgrossistinnen für Arzneimittel und andere Gesundheits-
produkte  wie  zum  Beispiel  Trinknahrung  tätig.76  Voigt  und  Amedis  haben  entschieden,  ihre 
Tätigkeiten als Grossistinnen zusammenzulegen. Die Wettbewerbsbehörden haben das ent-
sprechende Zusammenschlussvorhaben zugelassen.77 Die Konsolidierung der Aktivitäten die-
ser beiden Unternehmen ist aktuell im Gange und soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden.78 

61.  Galexis ist gemessen an ihrem Marktanteil im Apotheken-Kanal die grösste der in der 
Schweiz tätigen Grossistinnen.79 Ihr Sortiment dürfte deshalb breiter sein als dasjenige ihrer 
Konkurrentinnen.80 

62.  Die genannten Grossistinnen liefern ihren Kundinnen einen möglichst grossen Anteil der 
von diesen ihrerseits verkauften Produkte. Sie lagern diese Produkte in Distributionszentren 
und sorgen für die Feinverteilung an die einzelnen Abnehmerinnen.81 Viele Kundinnen werden 
von mehreren Grossistinnen beliefert. Die Grossistin, die den grössten Teil der Produkte liefert, 
wird nachfolgend als «Hauptgrossistin», die übrigen Grossistinnen als «Nebengrossistinnen» 
bezeichnet. Die wichtigste Nebengrossistin wird oft auch «Zweitgrossistin» genannt. 

63.  Die Grossistinnen liefern den grössten Teil der von ihnen verkauften Trinknahrung an 
Apotheken (vgl. Rz 83 ff. hinten). Deshalb wird als nächstes die Rolle der Apotheken unter-
sucht.  

B.5.4  Apotheken 

B.5.4.1  Einleitung 

64.  Die in der Schweiz tätigen rund 1850 Apotheken sind mehrheitlich in Ketten, Gruppie-
rungen und Einkaufsgemeinschaften organisiert. Nachfolgend werden zunächst diese Struk-
turen beschrieben (Rz 65 ff.). Anschliessend wird dargelegt, nach welchen Kriterien die Apo-
theken  entscheiden,  durch  welche  Grossistinnen  sie  sich  beliefern  lassen  und  wie  die 
entsprechenden Konditionen ausgehandelt werden (Rz 70 ff.). 

B.5.4.2  Ketten, Gruppierungen und Einkaufsgemeinschaften 

65.  Gemäss Angaben des Schweizerischen Apothekerverbandes (pharmaSuisse) (nachfol-
gend: PharmaSuisse) gab es in der Schweiz im Jahr 2021 1844 Apotheken. PharmaSuisse 
unterscheidet zwischen den vier folgenden Arten von Apotheken:82 

−  Kettenapotheken gehören zu einem zentral verwalteten Unternehmen. Die einer Kette 

zugehörigen Apotheken sind keine unabhängigen Einheiten. 

76   Act. II.11, Rz 97. 
77   RPW 2023/2, 317, PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG. 
78   <www.voigt.ch/de/voigt-ag-pharma-grosshandel/aktuelles/avosano> (13.2.2024). 
79   RPW 2023/2, 326 Rz 86, PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG. 
80   Gemäss der Zeugenaussage von [N1], hat Galexis jedenfalls im Vergleich zu einer Konkurrentin eine 
«bessere  Produktepalette»  (Act.  III.4,  Zeilen  167–168).  Vgl.  auch  RPW  2023/2,  333  Rz  119, 
PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG; Act. II.55, Beilage 1, S. 13. 

81   Act. III.1, Zeilen 381–396. Vgl. auch Act. I.1, Rz 1, 8, und 15. Keine Grossistin hat alle der von ihren 
Kundinnen verkauften Produkte an Lager. Galexis hält gemäss eigenen Angaben zum Beispiel rund 
[>10] % der rund 225 von Fresenius Kabi angebotenen Produkte nicht an Lager. Diese sogenannten 
Besorgungsartikel müssen bei der Herstellerin bestellt werden und weisen deshalb im Vergleich zu 
den ab Lager verfügbaren Artikeln eine längere Lieferfrist auf (Act. II.5, Antwort auf Frage 1.c.ii).  
82   Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 2022 (Fn 358), S. 19. Vgl. auch Act. III.4, Zeilen 108–137. 
Zu  den  von  Gruppierungen  und  Einkaufsgemeinschaften  ausgehandelten  Rahmenverträgen  vgl. 
z.B. RPW 2023/2, 336 Rz 132 f., PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG. 

20 

 
 
 
 
 
 
 
−  Gruppierungen treten gemeinsam im Markt auf. Die einer Gruppierung angeschlosse-
nen Apotheken handeln in der Regel gemeinsam Rahmenverträge mit den Grossistin-
nen aus. 

−  Einkaufsgemeinschaften haben im Gegensatz zu den Gruppierungen keinen gemein-
samen Marktauftritt, handeln aber wie die Gruppierungen in der Regel gemeinsam Rah-
menverträge mit den Grossistinnen aus. 

−  Übrige  Apotheken  sind  keiner  Kette,  Gruppierung  oder  Einkaufsgemeinschaft  ange-

schlossen. 

66. 
In den von Gruppierungen und Einkaufsgemeinschaften mit den Grossistinnen ausge-
handelten Rahmenverträgen werden Rabatte auf die Grundkonditionen der Grossistinnen ver-
einbart.  Ausserdem  sind  regelmässig  umsatzabhängige  Rückerstattungen  an  die  einzelnen 
Apotheken oder an die Gruppierung bzw. Einkaufsgemeinschaft vorgesehen. Es kommt vor, 
dass einzelne Apotheken zusätzlich zu den von der Gruppierung oder Einkaufsgemeinschaft 
ausgehandelten Vergünstigungen weitere Rabatte aushandeln.83 

67.  Viele Gruppierungen und Einkaufsgemeinschaften handeln mit mehreren Grossistinnen 
Rahmenverträge aus. Die den Gruppierungen und Einkaufsgemeinschaften angeschlossenen 
Apotheken können in der Regel frei entscheiden, bei welcher Grossistin sie einkaufen möch-
ten.84 Wenn sie mit den durch die Gruppierung oder Einkaufsgemeinschaft ausgehandelten 
Konditionen nicht zufrieden sind, können sie sich einer anderen Gruppierung oder Einkaufs-
gemeinschaft anschliessen oder selbständig Konditionen mit den Grossistinnen aushandeln. 

In Abbildung 3 ist die Verteilung der 1844 Apotheken der Schweiz auf die genannten vier 
68. 
Kategorien angegeben: Die Ketten haben mit 38 % den grössten Anteil. Einkaufsgemeinschaf-
ten  und  Gruppierungen  sind  mit  Anteilen  von  32 %  (Einkaufsgemeinschaften)  bzw.  25,7 % 
(Gruppierungen) ebenfalls bedeutend. Hingegen gibt es mit einem Anteil von 4,3 % nur wenige 
übrige Apotheken.  

83   RPW 2023/2, 334 Rz 123, PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG. 
84   RPW 2023/2, 336 Rz 133, PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG. 

21 

 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 3: Apotheken in der Schweiz, 31.12.2021. 

4,3%

25,7%

38,0%

32,0%

Ketten
Gruppierungen

Einkaufsgemeinschaften
Übrige

Quelle: PharmaSuisse.85 

69.  Die beiden gemessen an der Anzahl Apotheken grössten Ketten gehören beide zur Ga-
lenica-Gruppe.  Es  handelt  sich  um  die  Ketten  Amavita  (186  Apotheken)  und  Sun  Store (94 
Apotheken). Die mit 88 Apotheken viertgrösste Kette ist ein Joint Venture zwischen der Gale-
nica-Gruppe und der Coop Genossenschaft (nachfolgend: Coop). Die entsprechenden Apo-
theken  treten  unter  dem  Namen  «Coop  Vitality»  im  Markt  auf.86  Die  Galenica-Gruppe  hält 
[<50] % des Aktienkapitals und der Stimmrechte der Dachgesellschaft dieser Kette, der […].87 

B.5.4.3  Belieferung der Apotheken durch die Grossistinnen 

70.  Die Apotheken beziehen ihre Produkte in der Regel von bis zu drei verschiedenen Gros-
sistinnen.88 Die meisten Apotheken kaufen aber den grössten Teil bei einer einzigen Grossistin 
–  der  Hauptgrossistin  –  ein.  Die  Konditionen  der  Grossistinnen  sind  vom  Einkaufsvolumen 
abhängig. Deshalb lohnt es sich in der Regel für die Apotheken, einen grossen Teil der Pro-
dukte bei einer einzigen Grossistin zu beziehen.89 Grund für die entsprechenden Rabatte sind 

85   Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 2022 (Fn 358), S. 19. 
86   Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 2022 (Fn 358), S. 19. 
87   Act. II.51, Antwort auf Frage I. Vgl. auch Act. II.36, Rz 20 ff. 
88   Act. III.4, Zeilen 146–148. 
89   Act.  III.4,  Zeilen  155–158.  Act.  II.5,  Antwort  auf  Frage  8a;  RPW  2023/2,  326  Rz  86,  PHOENIX 

Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG. 

22 

 
 
 
 
 
 
 
 
insbesondere die Transportkosten, die geringer ausfallen, wenn verschiedene Produkte ge-
meinsam ausgeliefert werden können.90 Die Hauptgrossistin liefert regelmässig rund 80 % der 
von der Apotheke eingekauften Produkte.91 

71.  Den grössten Teil der verbleibenden 20 % der Produkte beziehen die Apotheken regel-
mässig bei einer einzigen Nebengrossistin. Diese Zweitgrossistin kommt insbesondere dann 
zum Zug, wenn die Hauptgrossistin ein Produkt nicht liefern kann, zum Beispiel weil es tem-
poräre Lieferengpässe gibt oder weil die Hauptgrossistin das Produkt nicht im Sortiment hat. 
Die Zweitgrossistin oder andere Nebengrossistinnen kommen auch dann zum Zug, wenn sie 
ein bestimmtes Produkt zu deutlich besseren Konditionen anbieten können als die Hauptgros-
sistin.92 

72.  Bei der Auswahl der Hauptgrossistin durch die Apotheken spielt die Breite der von dieser 
angebotenen  Produktepalette  eine  grosse  Rolle.  Ausserdem  sind  auch  der  Preis  sowie  die 
übrigen Konditionen (Lieferbereitschaft, Retourmöglichkeiten, etc.) massgebend.93 Der Wech-
sel der Hauptgrossistin verursacht bei der wechselnden Apotheke gewisse Transaktionskos-
ten.94 Namentlich deshalb wechseln Apotheken nur relativ selten die Hauptgrossistin.95 

73.  Die einzelnen Apotheken, Gruppierungen und Ketten vereinbaren mit den Grossistinnen 
individuell,  wie  häufig  sie  von  diesen  beliefert  werden.  Viele  Apotheken  werden  von  ihrer 
Hauptgrossistin zweimal täglich beliefert. Die Grossistinnen können die Bestellungen der Apo-
theken in der Regel innerhalb weniger Stunden ausliefern.96 

B.5.5  Ergebnis 

74. 
Im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  erachtet  die  Behörde  folgenden 
Sachverhalt als massgebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismass-
nahmen Rz 29 ff.): 

− 

In  der  Schweiz  bieten  neben  Fresenius  Kabi  drei  weitere  bedeutende  Herstellerinnen 
Trinknahrung an. Dabei handelt es sich um Nestlé, Abbott und Danone (Rz 56); 

−  Etwas mehr als ein Fünftel der in der Schweiz verkauften Trinknahrung wird über Gros-

sistinnen und Apotheken vertrieben (Rz 57 ff.); 

−  Galexis ist die grösste in der Schweiz tätige Grossistin (Rz 61); 

−  Es gibt in der Schweiz rund 1850 Apotheken. Davon gehören rund 280 zur Galenica-
Gruppe. Weitere rund 90 Apotheken gehören zu einem Joint Venture zwischen der Ga-
lenica-Gruppe und Coop (Rz 65 ff.); 

90   Act. II.23, Rz 17; Act. III.1, Zeilen 420–425. 
91   Act.  III.4,  Zeilen  155–158.  Vgl.  auch  RPW  2023/2,  335  Rz  128,  PHOENIX  Pharma  Switzerland 

AG/Voigt Holding AG. 

92   Act.  III.4,  Zeilen  177–179.  Vgl.  auch  die  Angaben  der  Parteigutachter  von  Galexis,  wonach  «die 

meisten Apotheken eine sogenannte ’Dual Sourcing’-Strategie» verfolgen (Act. II.46, Rz 56). 

93   Act. III.4, Zeilen 100–105 und 163–175; Act. II.27, Rz 6. 
94   Es ist zum Beispiel für die Apotheken mit einem gewissen Aufwand verbunden, die Preise der ver-
schiedenen Grossistinnen zu vergleichen, weil diese von zahlreichen Faktoren abhängig sind (Act. 
III.4, Zeilen 173–175).  

95   Act.  III.4,  Zeilen  194–195.  Das  Sekretariat  schätze  im  Rahmen  einer  Zusammenschlusskontrolle, 
wie  oft Apotheken, die von den Grossistinnen Voigt  oder Amedis  als Hauptgrossistinnen  beliefert 
wurden, die Hauptgrossistin wechselten. Gemäss dieser Schätzung wechselten im Zeitraum 2015–
2021 jährlich weniger als 10 % der genannten Apotheken die Hauptgrossistin (RPW 2023/2, 335 Rz 
131, PHOENIX Pharma Switzerland AG/Voigt Holding AG). 

96   Act.  II.23,  Rz  18.  Vgl.  auch  RPW  2023/2,  322 f.  Rz  51,  PHOENIX  Pharma  Switzerland  AG/Voigt 
Holding AG; Act. II.C.1, Angaben der Apotheken mit den Identifikationsnummern 4550 und 64265. 

23 

 
 
 
 
 
 
 
−  Die meisten Apotheken werden von mehreren Grossistinnen beliefert, aber kaufen den 

Grossteil der Produkte bei ihrer Hauptgrossistin ein (Rz 70 f.). 

B.6 

Vertrieb der Trinknahrung von Fresenius Kabi über Galexis im 
Apothekenkanal 

B.6.1  Einleitung 

In diesem Kapitel wird der Vertrieb der Trinknahrung von Fresenius Kabi in der Schweiz 
75. 
untersucht. Dabei steht der vorliegend besonders relevante Vertriebskanal über die Grossistin 
Galexis und die von dieser belieferten Apotheken im Vordergrund. Die entsprechenden Anga-
ben sind wiederum nach Handelsstufe geordnet. 

B.6.2  Fresenius Kabi 

B.6.2.1  Funktion von Fresenius Kabi Schweiz 

76.  Fresenius Kabi stellt Trinknahrung in […] her.97 Wie bereits erwähnt (Rz 2 ff.), verfügt 
Fresenius Kabi in zahlreichen Ländern auf der ganzen Welt über lokale Vertriebsgesellschaf-
ten. In der Schweiz werden Trinknahrung und andere Produkte über die örtliche Tochterge-
sellschaft verkauft. Diese beschäftigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit insgesamt rund [>25] 
Vollzeitstellen,98  wobei  Trinknahrung  für  rund  [>5] %  des  Umsatzes  von  Fresenius  Kabi 
Schweiz verantwortlich ist.99  

77.  Gemäss Angaben von Fresenius Kabi nimmt die Ländergesellschaft in der Schweiz ins-
besondere die folgenden Aufgaben war:100 

−  Sammeln von Marktinformationen und Erteilen von Auskünften an die Schweizer Kund-

schaft; 

−  Ausbildung von Fachkräften in Bezug auf die Anwendung der Produkte; 

−  Zulassung der Produkte bei den zuständigen Behörden; 

−  Betrieb  eines  Lagers  in  der  Schweiz,  welches  einige  Monate  der  Nachfrage  in  der 

Schweiz abdeckt; 

−  Nachverfolgung allfälliger Qualitätsprobleme und Durchführung von Rückrufaktionen. 

78.  Gemäss Fresenius Kabi wäre es fast nicht möglich, diese Aufgaben aus dem Ausland 
wahrzunehmen.101 Weiter führt Fresenius Kabi aus, dass die Preise für Trinknahrung von […] 
festgelegt  würden.  Dabei  müssten  […]  die  örtlichen  Kostenstrukturen  berücksichtigen.  Die 
Kosten der genannten Aufgaben müssten durch Verkäufe der Ländergesellschaft selbst ge-
deckt werden.102 

B.6.2.2  Vertrieb von Trinknahrung über Grossistinnen 

79.  Alle  in  der  Schweiz  tätigen  Vollgrossistinnen  (Rz 60)  werden  von  Fresenius  Kabi 
Schweiz mit Trinknahrung beliefert.103 Die Herstellerin Fresenius Kabi erzielte in den Jahren 

97   Act. II.11, Rz 48.  
98   Act. II.11, Rz 106. 
99   Act. II.11, Rz 107. 
100  Act. III.2, Zeilen 231–268. 
101  Act. III.2, Zeilen 267–268. 
102  Act. II.36, Rz 73 f.; Act. III.2, Zeilen 310–311. 
103  Act. II.11, Rz 97 f.; Act. III.1, Zeilen 397–398. 

24 

 
 
 
 
 
 
 
2020–2022 jeweils rund [>10] % ihrer mit dem Verkauf von Trinknahrung in der Schweiz er-
wirtschafteten  Umsätze  mit  Verkäufen  an  die  Galenica-Gruppe.104  Der  Anteil  der  Galenica-
Gruppe an den von Fresenius Kabi mit allen in der Schweiz verkauften Produkten erzielten 
Umsätzen belief sich in den Jahren 2020–2022 jeweils auf rund [>4] %.105 

B.6.3  Galexis 

B.6.3.1  Bezug von Trinknahrung 

80.  Wie erwähnt, bieten neben Fresenius Kabi weitere Herstellerinnen Trinknahrung in der 
Schweiz an (Rz 56). In Abbildung 4 sind deren Anteile an den von Galexis im Jahr 2021 mit 
dem Verkauf von Trinknahrung generierten Umsätzen angegeben.106 

Abbildung  4:  Anteile  der  Herstellerinnen  am  Umsatz  von  Galexis  mit  Trinknahrung  im  Jahr 
2021.107 

[Nestlé: >35 % 

Fresenius Kabi: 20–45 % 

Abbott: <20 % 

Danone: <20 % 

Diverse: <5 %] 

Quelle: Act. II.5, Antwort auf Frage 9.b. 

81.  Aus  Abbildung  4  geht  hervor,  dass Galexis  im Wesentlichen  Trinknahrung  derjenigen 
vier Herstellerinnen verkauft, die in Bezug auf Trinknahrung auch insgesamt den Verkaufska-
nal  der  Apotheken  und  Drogerien  dominieren  (Rz 56).  Nestlé  ist  für  [>35 %]  des  Umsatzes 
verantwortlich. Fresenius Kabi erreicht einen Anteil von [20–45 %]. Der Rest entfällt im We-
sentlichen auf Abbott und Danone mit Anteilen von [je <20 %]. 

104  Act. II.11, Rz 103. Die Zahl bezieht sich auf den Zeitraum vom 1.1.2022–31.10.2022. Darin sind auch 

Verkäufe an die Homecare Anbieterin […] enthalten […]. 

105  Act.  II.11,  Rz  104.  Gemäss  Angaben  von  Fresenius  Kabi  ist  Galexis  «der  mit  Abstand  wichtigste 

Grosshandelskunde von Fresenius Kabi in der Schweiz» (Act. II.7, Rz 20). 

106  Die in Abbildung 4 ausgewiesenen Anteile beziehen sich auf die von Galexis mit dem Verkauf von 
Trink- und Sondennahrung erzielten Umsätze. Gemäss Angaben von Galexis beläuft sich der Anteil 
der Sondennahrung in der Regel auf rund [<5] % des mit Sondennahrung und Trinknahrung insge-
samt erzielten Umsatzes (Act. II.9, Rz 10; Act. II.23, Rz 14; vgl. auch Rz 43 ff.). Weil die Umsätze 
mit Sondennahrung gering sind, können die insgesamt mit dem Verkauf von Trink- und Sondennah-
rung generierten Umsätze zur Einschätzung der Bedeutung der verschiedenen Herstellerinnen von 
Trinknahrung herangezogen werden. 

107  Die in Act. II.5 in der Antwort auf Frage 9.b ausgewiesene Zahl mit Bezeichnung «Gesamtwerte» ist 
geringfügig tiefer als die Summe der Umsätze der einzelnen Hersteller. Zur Berechnung der in Ab-
bildung 4 ausgewiesenen Anteile wurde die Summe der einzelnen Umsätze und nicht der genannte 
Gesamtwert verwendet. Dabei wurden aber nicht alle der in Act. II.5 aufgeführten Lieferanten be-
rücksichtigt: Dort sind auch Umsätze der Lieferanten […] und […] aufgelistet. Dabei handelt es sich 
nicht um Herstellerinnen von Trinknahrung. […] importiert Produkte verschiedener Hersteller (Act. 
III.3, Zeilen 82–96). Die […] gehört zur Galenica-Gruppe und ist insbesondere im Bereich Homecare 
tätig (Act. III.1, Zeilen 69–72; Act. II.9, Rz 3), stellt aber keine Trinknahrung her. Aus diesen Gründen 
weichen die in Abbildung 4 dargestellten Anteile geringfügig von den von Galexis berechneten An-
teilen ab. In Act. II.5 wird der Anteil von Danone unter der Bezeichnung «Nutricia Milupa SA» aus-
gewiesen. Diese Gesellschaft wurde im November 2022 aus dem Handelsregister gelöscht. Danone 
bietet  Trinknahrung  in  der  Schweiz  unter  dem  Namen  «Nutricia»  an  <www.nutricia.de/ch-de/> 
(18.4.2023). 

25 

 
 
 
 
 
 
 
82.  Bei den in Abbildung 4 dargestellten Anteilen handelt es sich nicht um Marktanteile, da 
nur die von Galexis erzielten Umsätze erfasst sind. Aus diesem Grund sind diese Anteile be-
sonders gut geeignet, um die Bedeutung der Herstellerin Fresenius Kabi spezifisch für Galexis 
einschätzen zu können. 

B.6.3.2  Verkauf von Trinknahrung 

83. 
In Tabelle 2 ist der von Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung von Fresenius Kabi 
erzielte Nettoumsatz separat für die verschiedenen Absatzkanäle angegeben. Der Nettoum-
satz entspricht der Summe der in Rechnung gestellten Preise abzüglich sämtlicher Rabatte, 
Boni, Rückerstattungen und Mehrwertsteuer.108 Aus Tabelle 2 geht hervor, dass der Verkauf 
an Apotheken mit einem Anteil von [>65] % mit Abstand der für Galexis wichtigste Absatzkanal 
ist. 

Tabelle  2:  Nettoumsatz  Galexis  mit  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi,  Januar–Oktober 
2022.109 

Kundensegment 

Nettoumsatz 

Apotheken 

Ärzteschaft 

Spitäler 

Drogerien 

Verschiedene 

Total 

Quelle: Act. II.23, Rz 14. 

Fr. 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

% 

[>65] % 

[…] % 

[…] % 

[…] % 

[…] % 

100,0 % 

84.  Als nächstes wird berechnet (vgl. Tabelle 3), welcher Anteil der Kundinnen von Galexis 
von dieser mit Trinknahrung von Fresenius Kabi beliefert werden. Diese Kennzahl erlaubt ge-
wisse Rückschlüsse in Bezug auf die Bedeutung dieser Produkte für die Kundinnen von Ga-
lexis. Dazu werden jeweils nur die von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Kundinnen her-
angezogen.  Kundinnen,  bei  welchen  Galexis  nicht  die  Hauptgrossistin  ist,  beziehen 
Trinknahrung  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  nicht  von  Galexis,  sondern  über  die  jeweilige 
Hauptgrossistin (Rz 96).110  

85. 
In Tabelle 3 ist für jedes Kundensegment ersichtlich, wie viele Kundinnen gemäss einer 
Schätzung von Galexis im Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis 31. Oktober 2022 von dieser als 
Hauptgrossistin beliefert wurden. 111 Zusätzlich zur Anzahl der von Galexis als Hauptgrossistin 

108  Vgl. das entsprechende Auskunftsbegehren des Sekretariats, Act. I.58, Frage 3. Auch nachfolgend 

wird der Begriff «Nettoumsatz» für die so definierte Kennzahl verwendet. 

109  Das Sekretariat hat Galexis aufgefordert, die Nettoumsätze aller Kundinnen und Kunden anzugeben, 
unabhängig davon, ob diese von Galexis als Hauptgrossistin beliefert werden (Act. I.90, Frage 8 mit 
Bezug auf Act. I.58, Frage 3). Die Antwort von Galexis enthält einerseits die in Tabelle 2 dargestellten 
Nettoumsätze. Zusätzlich ist die Anzahl der Kundinnen angegeben, die Trinknahrung der Herstellerin 
Fresenius Kabi von Galexis bezogen haben (Act. II.23, Rz 14) […]. Aus diesen Gründen reflektieren 
die in Tabelle 2 ausgewiesenen Anteile die relative Bedeutung der verschiedenen Kundensegmente. 
Deshalb hat das Sekretariat darauf verzichtet, Galexis zu einer Präzisierung aufzufordern. 

110  Galexis belieferte im Zeitraum 1.1.2022–31.10.2022 insgesamt rund […] Apotheken (Act. II.46, Rz 

70), in der Schweiz gibt es insgesamt rund 1850 Apotheken (Rz 65). 

111  Die von Galexis geschätzte in Tabelle 3 ausgewiesene Anzahl der von Galexis als Hauptgrossistin 
belieferten Apotheken dürfte leicht über der tatsächlichen Anzahl liegen (vgl. Appendix G.1 zur für 
die Identifikation der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken verwendeten Methode). 

26 

 
 
 
 
 
 
 
 
belieferten Kundinnen ist in Tabelle 3 angegeben, welcher Anteil dieser Kundinnen von Gale-
xis mit Trinknahrung von Fresenius Kabi beliefert wurde. Anhand dieser Kennzahl kann ein-
geschätzt  werden,  welcher  Anteil  der  in  den  jeweiligen  Segmenten  tätigen  Unternehmen 
Trinknahrung von Fresenius Kabi über eine Grossistin beziehen.  

Tabelle 3: Anzahl Kundinnen Galexis, Januar–Oktober 2022. 

Kundensegment 

Von Galexis als Haupt-
grossistin beliefert 

Davon mit Trinknahrung von 
Fresenius Kabi beliefert 

Anzahl 

Anzahl 

% 

Apotheken 

Spitäler 

Drogerien 

Ärzteschaft 

Verschiedene 

Quelle: Act. II.9, Rz 11. 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[>70] % 

[<70] % 

[<70] % 

[<70] % 

[<70] % 

86.  Der  in  Tabelle  3  für  die verschiedenen  Kundensegmente  ausgewiesene  Anteil  ist  wie 
erwähnt  ein  Indiz  für  die  Bedeutung  des  Bezugs  dieser  Produkte  über  eine  Grossistin.  Ein 
tiefer Prozentsatz kann dadurch zustande kommen, dass Trinknahrung von Fresenius Kabi im 
Kundensegment nur selten verkauft wird. Es ist aber auch möglich, dass die entsprechenden 
Unternehmen  Trinknahrung  nicht  über  eine  Grossistin,  sondern  direkt  bei  Fresenius  Kabi 
Schweiz einkaufen (vgl. Rz 103 f. zum Direktbezug). Auch in diesem Fall fällt der Anteil der 
Unternehmen, die Trinknahrung über eine Grossistin beziehen, tief aus. 

87.  Aus Tabelle 3 geht hervor, dass [>70] % der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten 
Apotheken  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  beziehen.  Dieser  Anteil  liegt  bei  den  übrigen 
Kundensegmenten deutlich tiefer. Das ist ein Indiz dafür, dass es für die Apotheken wichtiger 
ist  als  für  andere  Kundinnen  von  Galexis,  dass sie  Trinknahrung  der  Herstellerin  Fresenius 
Kabi über Galexis beziehen können. Zudem ist dieses Kundensegment für Galexis gemessen 
am Nettoumsatz mit dem Verkauf von Trinknahrung von Fresenius Kabi mit Abstand das wich-
tigste  (Tabelle  2).  Aus  diesen  Gründen  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Verfügbarkeit  von 
Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi für Galexis im Wesentlichen im Hinblick auf den 
Verkauf über den Apothekenkanal bedeutsam sein könnte. Deshalb wird nachfolgend nur noch 
dieser Absatzkanal näher untersucht. 

B.6.4  Von Galexis mit Trinknahrung von Fresenius Kabi belieferte Apotheken 

B.6.4.1  Bedeutung der Trinknahrung von Fresenius Kabi für Apotheken 

88.  Galexis  belieferte  im  Zeitraum  vom  1.  Januar  2022  bis  31.  Oktober  2022  rund  [750–
1250] Apotheken als Hauptgrossistin (Tabelle 3).112 Diesen Apotheken verkaufte Galexis im 
genannten  Zeitraum  Trinknahrung  der  Herstellerin  Fresenius  Kabi  im  Wert  von  [500 000–
1 500 000]  Franken  (Tabelle  2).  Pro  Apotheke  erzielte  Galexis  also  mit  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi einen durchschnittlichen Nettoumsatz von rund [400–2000] Franken. Dieser 
Nettoumsatz bezieht sich auf einen Zeitraum von 10 Monaten. Hochgerechnet auf ein ganzes 

Für die übrigen in Tabelle 3 aufgeführten Kundensegmente ist unklar, wie Galexis eingeschätzt hat, 
ob diese von ihr als Hauptgrossistin beliefert werden. Da diese Kundengruppen im Vergleich zum 
Apothekenkanal unbedeutend sind, hat das Sekretariat darauf verzichtet, diesbezüglich bei Galexis 
entsprechende Präzisierungen anzufordern. 

112  Act. II.9, Rz 11. 

27 

 
 
 
 
 
 
 
Jahr  ergibt  sich  ein  durchschnittlicher  Nettoumsatz  von  rund  [480–2400]  Franken  pro  Apo-
theke. 

89.  Für eine Teilmenge der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken forderte 
das Sekretariat zusätzlich detailliertere Umsatzzahlen an. Dabei handelt es sich um diejenigen 
Apotheken, die nicht zur Galenica-Gruppe gehören. Diese sind vorliegend von besonderem 
Interesse, weil sie grundsätzlich die Möglichkeit haben, zu einer anderen Hauptgrossistin zu 
wechseln  (vgl.  Rz 141).  Aus  diesem  Grund  bezieht  sich  die  nachfolgende  Auswertung  der 
Umsatzzahlen nur auf Apotheken, die nicht zur Galenica-Gruppe gehören. Ausserdem werden 
nur diejenigen Apotheken berücksichtigt, die sowohl im Jahr 2022 als auch im Jahr 2023 für 
mindestens [250 000–500 000] Franken bei Galexis einkauften. Diese Apotheken werden mit 
grosser Wahrscheinlichkeit von Galexis als Hauptgrossistin beliefert. Ausserdem können so 
Neukundinnen ausgeschlossen werden, die zwar aktuell von Galexis als Hauptgrossistin be-
liefert  werden,  die  aber  in  den  Jahren  2022  und  2023  keine  oder  nur  geringe  Mengen  bei 
Galexis einkauften. Insgesamt erfüllen [300–800] Apotheken die genannten Bedingungen. Die 
nachfolgenden  Auswertungen  der  von  Galexis  erzielten  Umsätze  beziehen  sich  auf  diese 
[300–800] Apotheken.113 

90.  Die durchschnittlichen Umsätze der genannten [300–800] Apotheken sind in Tabelle 4 
dargestellt.  Galexis  erzielte  mit  dem  Verkauf  von  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  einen 
durchschnittlichen  jährlichen  Nettoumsatz  von  rund  [500–3000]  Franken  (2022)  bzw.  rund 
[500–3000] Franken (2023) pro Apotheke. Da Neukundinnen ausgeschlossen werden, fallen 
diese Umsätze etwas höher aus als die in Rz 88 ausgewiesenen Umsätze, bei welchen alle 
von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken berücksichtigt werden (vgl. Appendix 
G.1 für weitere Ausführungen zu den entsprechenden Unterschieden). 

91.  Nur rund [<10] % der genannten [300–800] Apotheken kauften für mehr als 10 000 Fran-
ken pro Jahr Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi bei Galexis ein. Mehr als die Hälfte 
der Apotheken gab hingegen weniger als [500–2500] Franken pro Jahr für den Bezug dieser 
Produkte bei Galexis aus. Rund ein Drittel der Apotheken gab dafür pro Jahr sogar weniger 
als [<1000] Franken aus. Die genaue Verteilung der entsprechenden Umsätze ist in Appendix 
G.2 dargestellt. 

92.  Da Galexis die Hauptgrossistin dieser Apotheken ist, beliefert sie diese Apotheken re-
gelmässig. Deshalb ist davon auszugehen, dass es sich bei den von Galexis gelieferten Men-
gen  um  den  grössten  Teil  der  von  diesen  Apotheken  insgesamt  eingekauften  Trinknahrung 
der Herstellerin Fresenius Kabi handelt.114 Aus diesem Grund reflektieren die von diesen Apo-
theken bei Galexis eingekauften Mengen die Bedeutung dieser Produkte nicht nur betreffend 
den Bezug bei Galexis, sondern auch insgesamt. 

113  Vgl. Appendix G.1.3 für genaue Erläuterungen zur Auswahl der genannten [300–800] Apotheken. 
114  Act. II.49, S.2, erster Bulletpoint. 

28 

 
 
 
 
 
 
 
Tabelle 4: Durchschnittlicher Nettoumsatz von Galexis mit Apotheken mit einem jährlichen 
Einkaufsvolumen von mindestens [250 000–500 000] Franken (2022 und 2023), die nicht zur 
Galenica-Gruppe gehören. 

2022 

Umsatz  

Anzahl 
Apotheken 

Davon Trinknah-
rung Fresenius 
Kabi 

2023 

Umsatz 

Davon Trinknah-
rung Fresenius 
Kabi 

Fr. 

Fr. 

% 

Fr. 

Fr. 

% 

[300–800] 

[1–3 Mio.] 

[500–
3000] 

[0,02–
0,3] 

[1–3 Mio.] 

[500–
3000] 

[0,02–
0,3] 

Quelle: Act. II.51, Beilage 1. 

93.  Aus  Tabelle  4  geht  neben  dem  durchschnittlichen  Nettoumsatz  von  Galexis  mit  dem 
Verkauf von Trinknahrung von Fresenius Kabi pro Apotheke auch der durchschnittliche Netto-
umsatz mit dem Verkauf sämtlicher Produkte hervor. Dieser beträgt sowohl im Jahr 2022 als 
auch im Jahr 2023 rund [1–3] Millionen Franken pro Apotheke. Davon entfällt bei der durch-
schnittlichen Apotheke weniger als [0,02–0,3 %] auf Trinknahrung von Fresenius Kabi.115 Nur 
bei einer einzigen der [300–800] Apotheken ist der Anteil der Trinknahrung von Fresenius Kabi 
grösser als [<10] %. Die genaue Verteilung des Anteils der Trinknahrung von Fresenius Kabi 
an den insgesamt von Galexis mit den genannten [300–800] Apotheken erzielten Nettoumsät-
zen ist in Appendix G.2 dargestellt. 

94.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Bedeutung  der  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi gemessen am Einkaufsvolumen sowie gemessen am Anteil der insgesamt bei 
Galexis eingekauften Produkte je nach Apotheke stark unterschiedlich ist. Die meisten der von 
Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken beziehen aber nur wenig Trinknahrung der 
Herstellerin Fresenius Kabi. Das entsprechende Umsatzvolumen ist bei den meisten Apothe-
ken unbedeutend. 

B.6.4.2  Bezugsquellen der Apotheken für Trinknahrung von Fresenius Kabi 

B.6.4.2.1 

Einleitung 

95.  Apotheken  können  die  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  grundsätzlich  über  verschie-
dene Quellen beziehen. Nachfolgend werden diese beschrieben. 

B.6.4.2.2 

Bezug bei der Hauptgrossistin 

96.  Da die Hauptgrossistin die Apotheken regelmässig mit verschiedenen Produkten belie-
fert,  kann diese  in  der  Regel  Trinknahrung  innert  kurzer Frist  und  zu  geringen  zusätzlichen 
Transportkosten anbieten. Für viele Apotheken kann es je nach den konkreten Bedürfnissen 
ihrer Kundschaft wichtig sein, dass sie Trinknahrung von Fresenius Kabi kurzfristig bestellen 
können.116  Aus  diesen  Gründen  scheint  die  Behauptung  von  Galexis  plausibel,  wonach  die 

115  Der Anteil der Trinknahrung von Fresenius Kabi am  Nettoumsatz von Galexis mit den genannten 
Apotheken ist rund [1–3 mal] so hoch wie der Anteil der Trinknahrung von Fresenius Kabi am Ein-
kaufsvolumen von Galexis (Tabelle 1). Der Grund dafür ist im Wesentlichen, dass Galexis den aller-
grössten Teil der Trinknahrung über den Apothekenkanal verkauft (Tabelle 3). Bei anderen Kanälen 
ist deshalb der entsprechende Umsatzanteil tiefer als bei den Apotheken. 

116  Vgl.  z.B.  die  Bemerkungen  der  Apotheken  mit  den  Identifikationsnummern  20960,  2085,  64265, 
27685, 66791, 68899, 6581, 90569, 36567 im Rahmen der vom Sekretariat durchgeführten Umfrage 
(Act. II.C.1; zur Umfrage, vgl. Rz 149 ff. hinten). Diese bringen zum Ausdruck, dass eine kurze Frist 
zwischen Bestellung und Auslieferung jedenfalls für diese Apotheken wichtig ist. 

29 

 
 
 
 
 
 
 
 
Apotheken Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi in der Regel bei der Hauptgrossistin 
beziehen.117 

B.6.4.2.3 

Bezug bei einer Nebengrossistin 

97.  Viele Apotheken beziehen zwar einen grossen Teil ihrer Produkte bei ihrer Hauptgros-
sistin, kaufen aber auch regelmässig bei einer Nebengrossistin ein (Rz 70 ff.). Diese Apothe-
ken werden in der Regel auch von ihrer Zweitgrossistin regelmässig beliefert. Für diese Apo-
theken dürfte es in Bezug auf die Bestellfrist oder die Transportkosten keine entscheidende 
Rolle spielen, ob sie die Trinknahrung von Fresenius Kabi bei der Hauptgrossistin oder bei der 
Zweitgrossistin beziehen.118 Falls die Lieferung nicht dringend ist, ist ein Ausweichen auf die 
Zweitgrossistin selbst dann problemlos möglich, wenn die Apotheke von dieser nur selten be-
liefert wird. 

98.  Andere Apotheken beziehen hingegen den allergrössten Anteil bei ihrer Hauptgrossistin. 
Das  scheint  zum  Beispiel  bei  denjenigen  Apotheken  der  Fall  zu  sein,  […].119  Wenn  solche 
Apotheken ausnahmsweise bestimmte Produkte bei einer Nebengrossistin beziehen wollen, 
können die dadurch anfallenden zusätzlichen Lieferkosten hoch ausfallen, falls diese nicht auf 
weitere ebenfalls bei der Nebengrossistin bestellte Produkte verteilt werden können. 

99.  Die zusätzlichen Lieferkosten für den Bezug einer Packung Trinknahrung über eine Ne-
bengrossistin  sind  dann  maximal,  wenn  die  Apotheke  nur  gerade  eine  einzige  Packung 
Trinknahrung bezieht. Gemäss Angaben von Galexis betragen die Lieferkosten einer Packung 
Trinknahrung à 4 Flaschen bei der Grossistin Amedis 12 Franken. Der Basispreis des Produkts 
selber beträgt Fr. 14.60. Die Lieferkosten machen also bei Einzelbestellungen rund 80 % der 
Kosten des Produkts selber aus.120 

100.  Die  Parteigutachter  von  Galexis  behaupten  sogar,  dass  die  Kosten  für  Lieferung  und 
Bestellung  einer  Packung  Trinknahrung  bei  Amedis  65  Franken  betragen.121  Diese  Angabe 
beruht auf der Annahme, dass die Bestellung per E-Mail oder Fax abgeben wird. Die meisten 
Bestellungen erfolgen heute aber über ein elektronisches System. Solche Bestellungen sind 
kostenlos.122 Alleine dadurch und unter Berücksichtigung eines offensichtlichen Rechenverse-
hens der Parteigutachter123 sinken die Kosten auf 40 Franken. Die meisten Apotheken dürften 
aber auch im Vergleich dazu zu wesentlich günstigeren Konditionen Trinknahrung bei der Ne-
bengrossistin bestellen können. Insbesondere die zu einer Gruppierung oder Kette gehören-
den Apotheken profitieren in der Regel von den in den Rahmenverträgen festgelegten wesent-
lich besseren Konditionen (vgl. Rz 65 ff. vorne).124 Insbesondere aus diesen Gründen sind die 

117  Act. II.49, S. 2. 
118  Einzelne Apotheken verteilen ihren Warenbezug sogar relativ gleichmässig auf zwei Grossistinnen 

(Act. II.C.1, Aussage der Apotheke mit Identifikationsnummer 27972). 

119  Act. II.23, Rz 17. 
120  Act.  II.23,  Beilage  4.  Galexis  reichte  auch  die  Kosten  für  den  Bezug  bei  der  Grossistin  Voigt  ein. 
Diese sind wesentlich höher als der Bezug bei Amedis. Deshalb ist davon auszugehen, dass eine 
Apotheke beim Bezug einer einzigen Packung Trinknahrung von Amedis beziehen würde. 

121  Act. II.46, Rz 63. 
122  Act. II.46, Beilage 2, Tarifübersicht Amedis. 
123  Die Summe der von den Parteigutachtern aufgeführten Kosten der Bestellung (15 Franken) und des 
Transports (40 Franken) beträgt 55 Franken. Im Parteigutachten sind hingegen 65 Franken angege-
ben. Fallen die Kosten der Bestellung weg, verbleiben 40 Franken für den Transport.  

124  Zusätzlich zu den Bestell- und Lieferkosten von Amedis geben die Parteigutachter von Galexis auch 
die entsprechenden Tarife der Grossistin Voigt an (Act. II.46, Rz 63). Auch diese Kosten werden von 
den Parteigutachtern deutlich überschätzt: Sie verwenden die Tarife für Apotheken mit einem Jah-
resumsatz von weniger als 100 000 Franken. Da die Apotheken im Durchschnitt Waren für mehr als 
2  Millionen  Franken  jährlich  einkaufen  (Fussnote  358)  und  regelmässig  rund  20 %  davon  auf  die 
Zweitgrossistin entfällt (Rz 70), dürfte die durchschnittliche Apotheke Waren im Wert von mehr als 
100 000 Franken bei der Zweitgrossistin einkaufen. Entsprechend dürften die Konditionen im Nor-
malfall besser ausfallen als von den Parteigutachtern von Galexis angegeben.  

30 

 
 
 
 
 
 
 
von  den  Parteigutachtern  von Galexis  geschätzten  zusätzlichen  Lieferkosten  weit  höher  als 
die in der Regel tatsächlich anfallenden zusätzlichen Lieferkosten. 

101.  Auch die von Galexis selber angegebenen zusätzlichen Lieferkosten in der Höhe von 
rund 80 % des Produktpreises sind deutlich höher als die im Normalfall tatsächlich anfallenden 
zusätzlichen Lieferkosten beim Bezug über die Zweit- statt über die Hauptgrossistin und zwar 
aus den folgenden Gründen: 

−  Wenn die Auslieferung der Trinknahrung zeitlich nicht dringend ist, sind die Zusatzkosten 
beim Bezug über die Zweitgrossistin selbst dann vernachlässigbar, wenn die Apotheke 
nur selten von dieser beliefert wird. 

− 

In  der  Regel  können  mit  der  gleichen  Lieferung auch  noch  andere  Produkte  bezogen 
werden. Selbst wenn mit einer bestimmten Lieferung nur Trinknahrung transportiert wird, 
ist davon auszugehen, dass mindestens manchmal mehr als eine einzige Packung be-
zogen werden kann. Sobald die Transportkosten auf zusätzliche Produkte verteilt wer-
den können, fallen diese im Vergleich zu den von Galexis angegebenen Zahlen für den 
Bezug einer einzigen Packung Trinknahrung deutlich tiefer aus. Selbst wenn die zur Ga-
lenica-Gruppe  gehörenden  Apotheken  tatsächlich  nur  gerade  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi über eine Nebengrossistin beziehen würden, würden sich diese kaum 
ausschliesslich mit Einzelpackungen beliefern lassen. Insbesondere weil es sich dabei 
um rund 280 Apotheken handelt (Rz 69), könnten sie ihre Bestellungen koordinieren und 
dadurch die entsprechenden zusätzlichen Lieferkosten im Vergleich zur Lieferung von 
Einzelpackungen reduzieren (vgl. Rz 104 zu gemeinsamen Bestellungen mehrerer Apo-
theken). 

− 

Insbesondere Apotheken, die zu einer Kette oder einer Gruppierung gehören, können 
gemäss  den  in  den  Rahmenverträgen  ausgehandelten  Konditionen  beziehen  (vgl. 
Rz 66 f.). Diese können im Vergleich zu den von Galexis angegebenen Konditionen vor-
teilhafter ausfallen. 

102.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die zusätzlich anfallenden Lieferkosten für den 
Bezug von Trinknahrung bei der Zweit- statt der Hauptgrossistin bis zu rund 80 % des Pro-
duktpreises betragen können, falls nur gerade eine einzige Packung Trinknahrung bezogen 
wird. In der Regel fallen diese Kosten aber deutlich tiefer aus. Insbesondere wenn eine Apo-
theke  ohnehin  regelmässig  von  ihrer  Zweitgrossistin  beliefert  wird  oder  wenn  die  Lieferung 
zeitlich nicht dringend ist, dürften allfällige zusätzliche Lieferkosten vernachlässigbar sein. 

B.6.4.2.4 

Direktbezug bei Fresenius Kabi 

103.  Einzelne  grössere  Apotheken  beziehen  Trinknahrung  direkt  bei  der  Herstellerin 
Fresenius Kabi Schweiz.125 Dabei dürfte es sich aber um seltene Fälle handeln. Wenn ver-
schiedene  Produkte  durch  eine  Grossistin  gebündelt  ausgeliefert  werden  können,  sind  die 
Transportkosten tiefer, als wenn die Herstellerin ihr Produkt einzeln an die Apotheken auslie-
fern muss. Deshalb lohnt sich der Direktbezug in der Regel nur bei grösseren Mengen.126 

125  Act. II.C.1, Aussagen der Apotheken mit den Identifikationsnummer 96269 und 25104. 
126  Act. II.C.1, Aussagen der Apotheken mit den Identifikationsnummern 78028, 83492, 16219, 16522, 
90569,  72647,  44336,  67136;  Act.  II.C.2,  Aussage  der  Apothekenkette  mit  Identifikationsnummer 
94147; Act. III.4, Zeile 141. Verschiedene Apotheken erwähnen in ihren Bemerkungen zur Umfrage 
des Sekretariats den Direktbezug als Alternative zum Bezug über ihre Hauptgrossistin Galexis (Act. 
II.C.1, Antworten der Apotheken mit den Identifikationsnummer 40944, 22717, 18554, 44511). Vgl. 
auch Act. III.4, Zeile 139. Es kann vorkommen, dass Apotheken direkt mit der Herstellerin Konditio-
nen aushandeln, die Lieferung aber trotzdem über eine Grossistin erfolgt. In diesem Fall werden die 
zwischen Apotheke und Herstellerin ausgehandelten Konditionen bei der Grossistin hinterlegt. Dazu 
ist allerdings die Zustimmung der Grossistin erforderlich (Act. III.4, Zeilen 113–117). 

31 

 
 
 
 
 
 
 
B.6.4.2.5 

Bezug über andere Apotheken 

104.  Apotheken bestellen manchmal gemeinsam, wenn dadurch ein günstigerer Bezug mög-
lich ist. Es kommt auch vor, dass eine Apotheke ein einzelnes Produkt für andere Apotheken 
bestellt, zum Beispiel wenn die Grossistin der anderen Apotheke dieses nicht liefern kann.127 
Diese Arten der Zusammenarbeit ermöglichen es auch kleineren Apotheken, sich weitere Be-
zugsquellen zu erschliessen. Allerdings entsteht dabei ein gewisser Aufwand für die Koordi-
nation mit den Partnerapotheken. 

B.6.4.2.6 

Ergebnis 

105.  Apotheken können Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi über verschiedene Ka-
näle beziehen. Es ist davon auszugehen, dass der Bezug über die Hauptgrossistin gemessen 
an  den  bezogenen  Mengen  der  wichtigste  Kanal  ist.  Daneben  ist  es  aber  auch  möglich, 
Trinknahrung über eine Nebengrossistin oder direkt bei Fresenius Kabi zu bestellen. Durch die 
Aufgabe gemeinsamer Bestellungen können die Apotheken die Lieferkosten reduzieren. 

106.  Die Kosten des Bezugs über die genannten verschiedenen Kanäle sind von den spezi-
fischen  Umständen  der  bestellenden  Apotheke  abhängig.  Dabei  spielen  insbesondere  die 
nachgefragten Mengen, die erforderlichen Lieferfristen, die im gleichen Zeitraum zu bestellen-
den anderen Produkte sowie die mit den verschiedenen Lieferantinnen ausgehandelten Kon-
ditionen eine Rolle. In der Regel dürfte der Bezug über die Zweitgrossistin die beste Alternative 
zum Bezug bei der Hauptgrossistin sein. 

B.6.5  Konsumentinnen und Konsumenten 

107.  Trinknahrung von Fresenius Kabi wird wie erwähnt sowohl von Personen mit medizini-
scher  Indikation  als  auch  von  Sportlerinnen  und  Sportlern  und  älteren  Menschen  bezogen 
(Rz 39). Da Trinknahrung nicht rezeptpflichtig ist,128 können die Apotheken Trinknahrung auch 
an diese Kundengruppen verkaufen. 

108.  Gemäss  Angaben  von  Galexis  liegt  der  Anteil  der  Trinknahrung  der  Herstellerin 
Fresenius Kabi, welche die Apotheken an Kundinnen und Kunden ohne ärztliche Verschrei-
bung abgeben, bei rund 30 %.129 Fresenius Kabi schätzt den entsprechenden Anteil auf rund 

127  Die Kantonsapothekervereinigung verfasste ein auf den 12.12.2012 datiertes Dokument zur Rege-
lung der Grosshandelsbewilligung für Apotheken, wenn diese sich gegenseitig aushelfen oder ge-
meinsam  Sammelbestellungen  aufgeben  <www.kantonsapotheker.ch/fileadmin/docs/public/kav/ 
2_Leitlinien___Positionspapiere/apotheken_und_grosshandelsbewilligungen_042013.pdf> 
(24.10.2023). Vgl. auch Act. III.4, Zeilen 307–308; Act. II.36, Rz 25; Act. II.C.1, Aussagen der Apo-
theken mit den Identifikationsnummern  52321 und 40944; Act. III.2, Zeilen  509–510 sowie Zeilen 
530–533. 

128  Act. III.1, Zeile 434. 
129  Act. III.1, Zeilen 436–437; Act. II.5, Antwort auf Frage 3.a. Galexis reichte als Beilage 3.a zu Act. II.5 
eine Excel Datei ein, welche gemäss Galexis die Berechnungen des genannten Anteils von 30 % 
enthalte. Die Datei enthält allerdings keine Berechnung eines Anteils, sondern diente mutmasslich 
als Grundlage für eine solche Berechnung. Wie die Berechnung des genannten Anteils von 30 % 
auf dieser Grundlage vorgenommen wurde, ist jedenfalls nicht offensichtlich. Das trifft insbesondere 
aus den folgenden Gründen zu: (i) Die genannte Excel-Datei enthält eine Liste mit Umsatzzahlen für 
verschiedene Produkte der Herstellerin Fresenius Kabi, darunter auch Sondennahrung, Hilfsmittel 
und weitere Produkte. Es ist nicht klar, ob alle oder nur ein Teil dieser Produkte zur Berechnung des 
genannten  Anteils  berücksichtigt  wurden.  (ii)  Der  Umsatzanteil  der  Produkte  ohne  ärztliche  Ver-
schreibung bei Berücksichtigung aller Produkte beträgt rund [30–50] %. Werden nur Produkte be-
rücksichtigt, bei welchen es sich mutmasslich um Trinknahrung handelt ergibt sich ein Umsatzanteil 
von rund [30–50] %. Keiner dieser Anteile entspricht dem von Galexis offenbar auf dieser Grundlage 
berechneten Anteil von 30 %. (iii) Es ist unklar, von welchen Apotheken die Umsatzzahlen stammen. 
Aus  den  genannten  Gründen  (i–iii)  kann  aus  den  von  Galexis  eingereichten  Zahlen  kein  exakter 
Anteil abgeleitet werden. 

32 

 
 
 
 
 
 
 
50 %.130 Der genaue tatsächliche Anteil ist unbekannt, er dürfte zwischen 30 % und 50 % lie-
gen.131 

109.  Kundinnen und Kunden ohne ärztliche Verschreibung können grundsätzlich auf ähnliche 
Produkte anderer Herstellerinnen ausweichen, falls ihnen eine Apotheke keine Trinknahrung 
von  Fresenius  Kabi  anbieten  kann.  Gemäss  Angaben  von  Galexis  verlangen  aber  manche 
Kundinnen und Kunden die Trinknahrung von Fresenius Kabi, welche gemäss Galexis einen 
guten Ruf habe.132 

110.  In Bezug auf die Kundinnen und Kunden mit ärztlicher Verschreibung ist zwischen zwei 
verschiedenen Arten der Verschreibung zu unterscheiden: Die Ärztin oder der Arzt kann ent-
weder  das  Produkt  einer  bestimmten  Herstellerin  oder  Trinknahrung  mit  einem  bestimmten 
Kaloriengehalt verschreiben.133 Betrachtet man nur Trinknahrung, die von Apotheken an Kun-
dinnen und Kunden mit ärztlicher Verschreibung verkauft wird, wird gemäss einer Schätzung 
von Galexis in rund 90 % der Fälle ein bestimmtes Produkt verschrieben.134 Diese Schätzung 
ist mit der Zeugenaussage von [N1] konsistent, der den entsprechenden Anteil in Bezug auf 
seine Apotheken auf rund 95 % schätzt.135 

111.   Die überwiegende Mehrheit der von Apotheken bedienten Verschreibungen beziehen 
sich  also  auf  ein  Produkt  einer  bestimmten  Herstellerin.  In  diesen  Fällen  gibt  die  Apotheke 
ausser in Ausnahmefällen das verschriebene Produkt ab.136 Sie dürfte zwar stattdessen ein 
Produkt mit den gleichen Eigenschaften abgeben.137 Die obligatorische Krankenpflegeversi-
cherung würde ein solches ebenso wie das verschriebene Produkt vergüten.138 Die Apotheke 
müsste aber prüfen, ob das alternativ abzugebende Produkt tatsächlich die gleichen Eigen-
schaften hat. Ausserdem ist es in solchen Fällen gemäss Auskunft des SVK angezeigt, mit der 
verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt Rücksprache zu nehmen. Damit soll 
die Sicherheit der Patientinnen und Patienten gewährleistet werden.139 Zudem dürften nicht 
alle Kundinnen und Kunden akzeptieren, dass ihnen ein anderes als das vom Arzt oder der 
Ärztin verschriebene Produkte abgegeben wird. Aus diesen Gründen können die Apotheken 
zwar grundsätzlich selbst dann auf Produkte anderer Herstellerinnen ausweichen, wenn der 

130  Act. III.2, Zeile 566; Act. II.11, Rz 99 ff. 
131  Der Anteil der Kundinnen und Kunden mit ärztlicher Verschreibung dürfte von Apotheke zu Apotheke 
unterschiedlich hoch ausfallen. Manche Apotheken verkaufen weniger als 30 % der Trinknahrung an 
Kundinnen und Kunden ohne ärztliche Verschreibung (Act. III.4, Zeile 244). 

132  Act. III.1, Zeilen 438–441. Act. II.5, Antwort auf Frage 1.c.iii. 
133  Act. III.2, Zeilen 548–549; Act. II.9, Rz 33. 
134  Act. II.9, Rz 35. 
135  Act. III.4, Zeilen 256–258. 
136  Act. III.2, Zeilen 562–563. Überschiessend: Act. III.1, Zeilen 355–359; Act. II.5, Antwort auf die Fra-

gen 1.c.iii und 4.a; Act.II.9, Rz 33. 

137  Act. III.4, Zeilen 256–258; Act. II.21, Antwort auf Frage 4a; Act. II.9, Rz 34. Abweichend: Act. II.5, 

Antwort auf Frage 1.c.iii und Antwort auf Frage 4.a; Act. IV.36, Rz 17 und 101. 

138  Gemäss Anhang 1, Ziffer 2.1 der Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Kran-
kenpflegeversicherung vom 29.9.1995 (Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV; SR 832.112.31) 
übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten von Trinknahrung unter der Vo-
raussetzung, dass die Indikationsstellung gemäss GESKES-Richtlinien (Fn 45) erfüllt ist. Ausserdem 
muss es sich um ein von der GESKES anerkanntes Produkt handeln (Act. II.21, Antwort auf Fragen 
4b  und  5).  Die  GESKES  publiziert  eine  Liste  der  von  ihr  anerkannten  Trinknahrung.  Darin  ist  die 
Trinknahrung  aller  wichtigen  Herstellerinnen  enthalten 
(<www.geskes.ch/PortalData/1/Re 
sources/dokumente/homecare/SMNI_Liste_kassenzul._LM_GESKES_geprueft_Stand_ 
17.05.2023.pdf>, 31.5.2023). 

139  Act. II.21, Antwort auf Frage 4a; Act. II.25. 

33 

 
 
 
 
 
 
 
Kundschaft Trinknahrung von Fresenius Kabi verschrieben wird. Ein Ausweichen wäre in die-
ser Situation aber mit einem gewissen Aufwand verbunden und setzt voraus, dass die Kund-
schaft damit einverstanden ist.140 

112.  Wird statt eines bestimmten Produkts ein solches mit einem bestimmten Kaloriengehalt 
verschrieben,  kann  die Apotheke  den  Kundinnen  und  Kunden  das  Produkt  einer  beliebigen 
Herstellerin abgeben.141 

B.6.6  Ergebnis 

113.  Im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  erachtet  die  Behörde  folgenden 
Sachverhalt als massgebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismass-
nahmen Rz 29 ff.): 

−  Alle in der Schweiz tätigen Vollgrossistinnen verkaufen Trinknahrung von Fresenius Kabi 

(Rz 79); 

−  Die  Galenica-Gruppe  bezieht  rund  [>10] %  der  insgesamt  von  Fresenius  Kabi  in  der 

Schweiz verkauften Trinknahrung (Rz 79); 

−  Rund [20–45 %] des von Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung erzielten Umsatzes 

entfällt auf Trinknahrung von Fresenius Kabi (Rz 81); 

−  Rund [>65] % des von Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung von Fresenius Kabi 

erzielten Umsatzes entfällt auf den Apothekenkanal (Rz 83); 

−  Fast  [>70] %  der  von  Galexis  als  Hauptgrossistin  belieferten  Apotheken  beziehen 

Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi bei Galexis (Rz 87); 

−  Die  von  Galexis  als  Hauptgrossistin  belieferten  Apotheken  kaufen  durchschnittlich  für 
rund [500–3000] Franken jährlich Trinknahrung von Fresenius Kabi bei Galexis ein. Ge-
messen am gesamten Einkaufsvolumen bei Galexis handelt es sich dabei um weniger 
als [<3] Promille (Rz 88 ff.); 

−  Die von Galexis belieferten Apotheken können Trinknahrung von Fresenius Kabi über 
verschiedene Bezugsquellen einkaufen. Die beste Alternative zum Bezug über Galexis 
ist in der Regel der Bezug über die Zweitgrossistin (Rz 95 ff.); 

−  Die durch den Bezug bei der Zweit- statt der Hauptgrossistin zusätzlich anfallenden Lie-
ferkosten  bei  Einzelbestellungen  können  bis  zu 80 %  des  von  den  Apotheken für  das 
Produkt selber bezahlten Preises erreichen. In der Regel fallen die genannten zusätzli-
chen Lieferkosten aber deutlich tiefer aus (Rz 97 ff.); 

−  Rund 30–50 % der von den von Galexis belieferten Apotheken verkauften Trinknahrung 
von Fresenius Kabi wird an Endkundinnen und Endkunden ohne ärztliche Verschreibung 
verkauft.  Dieser  Kundschaft  können  die  Apotheken  grundsätzlich  vergleichbare  Pro-
dukte anderer Herstellerinnen abgeben (Rz 107 ff.); 

−  Bei rund 90 % der ärztlichen Verschreibungen wird Trinknahrung einer spezifischen Her-

stellerin verschrieben (Rz 110); 

−  Die Apotheken können grundsätzlich selbst dann Trinknahrung anderer Herstellerinnen 
abgeben, wenn der Kundschaft Trinknahrung von Fresenius Kabi verschrieben wird. In 
diesem Fall entsteht für die Apotheke aber ein gewisser Zusatzaufwand (Rz 111). 

140  Vgl. die Aussagen der Apotheken mit den Identifikationsnummern 52321, 36874, 22717, 66809 und 

44511 (Act. II.C.1). 

141  Act. III.2, Zei le 552; Act. II.9, Rz 34. 

34 

 
 
 
 
 
 
 
B.7  Mutmassliche Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung 

zwischen Fresenius Kabi und Galexis im Bereich Trinknahrung 

B.7.1  Übersicht 

114.  Zur Beurteilung der Frage, ob Galexis von Fresenius Kabi abhängig im Sinne von Art. 4 
Abs.  2bis  KG  ist,  muss  insbesondere  geprüft  werden,  welche  Folgen  es  für  Galexis  und  für 
Fresenius  Kabi  hätte,  wenn  sich  die  beiden  Unternehmen  nicht  handelseinig  werden 
(Rz 278 ff.).  Nachfolgend  wird  zunächst  geprüft,  welche  Folgen  es  für  Galexis  hätte,  wenn 
Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr beziehen könnte. Anschliessend werden 
die mutmasslichen Folgen für Fresenius Kabi untersucht (Rz 193 ff.). Da Fresenius Kabi bisher 
immer Trinknahrung an Galexis geliefert hat, können keine tatsächlich eingetretenen Folgen 
der Auflösung der entsprechenden Geschäftsbeziehung untersucht werden. Stattdessen sind 
die mutmasslichen Folgen einer solchen Auflösung einzuschätzen.  

B.7.2  Mutmassliche Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung für Galexis 

B.7.2.1  Einleitung 

115.  Zur Einschätzung der Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung für Galexis wird zu-
nächst geprüft, ob Galexis die Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi von anderen Un-
ternehmen  als  Fresenius  Kabi  beziehen  könnte (Rz 116  ff.). Weil  das  – wie  zu  zeigen  ist – 
nicht  der  Fall  ist,  wird  anschliessend  untersucht,  welche  Folgen  es  für  Galexis  hätte,  wenn 
Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten könnte. Diese Untersuchung 
erfolgt in zwei Teilen:  

−  Zunächst wird der direkte Verlust geprüft, den Galexis durch den Wegfall der Umsätze 

mit der Trinknahrung von Fresenius Kabi erleiden würde (Rz 119 ff.). 

− 

In einem zweiten Schritt werden allfällige weitere Verluste untersucht (Rz 126 ff.). Gale-
xis  könnten  nämlich je  nach  Reaktion  der  Kundinnen  neben  dem  direkten  Verlust  zu-
sätzliche Nachteile entstehen. Im schlimmsten Fall könnten zum Beispiel Kundinnen we-
gen des Wegfalls der Trinknahrung von Fresenius Kabi aus dem Sortiment von Galexis 
zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln. In diesem Fall würden Galexis zusätzlich zu 
den Umsätzen mit Trinknahrung von Fresenius Kabi auch Umsätze mit anderen Produk-
ten entgehen. 

B.7.2.2  Alternative Bezugsquellen für Galexis 

116.  Wenn  Fresenius  Kabi  keine  Trinknahrung  an Galexis  liefert,  kann  Galexis  versuchen, 
diese Produkte über Zwischenhändlerinnen zu beziehen. Ausländische Händlerinnen kommen 
im vorliegenden Markt nicht in Frage, weil die Einfuhr in die Schweiz nur mit der ausdrücklichen 
Zustimmung der Herstellerin legal möglich ist (Rz 48 ff. vorne). Deshalb handelt es sich dabei 
nicht  um  eine  Alternative,  auf  welche  Galexis  unabhängig  von  Fresenius  Kabi  ausweichen 
könnte.  Aus  diesem  Grund  müssen  Parallelimporte  vorliegend  nicht  näher  untersucht  wer-
den.142 

117.  Inländische  Händlerinnen  sind  ebenfalls  keine  realistische  Alternative.  Grundsätzlich 
wäre  es  zwar  denkbar,  dass  Galexis  Trinknahrung  über  eine  andere  in  der  Schweiz  tätige 

142  Falls Fresenius Kabi  gegenüber Galexis über eine relativ marktmächtige Stellung verfügen sollte, 
müsste Fresenius Kabi möglicherweise Parallelimporten zustimmen. Die vorliegend vorzunehmende 
Ermittlung alternativer Bezugsquellen dient dem Zweck, festzustellen, ob Fresenius Kabi über eine 
relativ marktmächtige Stellung gegenüber Galexis verfügt (vgl. Rz 278 ff.). Aus diesem Grund ist an 
dieser Stelle davon auszugehen, dass Fresenius Kabi die für die Parallelimporte erforderliche Zu-
stimmung verweigern könnte. Andernfalls würde man das Ergebnis der noch vorzunehmenden Prü-
fung vorwegnehmen.  

35 

 
 
 
 
 
 
 
Händlerin beziehen könnte. Dieser Umweg würde aber im Vergleich zum Direktbezug höhere 
Kosten verursachen. Ausserdem sind die von Galexis benötigten Mengen im Vergleich zu den 
von anderen Schweizerischen Händlerinnen eingekauften Mengen bedeutend (Rz 61 vorne). 
Deshalb  wäre  eine  solche  Umgehung  einer  Nichtbelieferung  für  Fresenius  Kabi  erkennbar. 
Fresenius Kabi könnte entsprechende Gegenmassnahmen einleiten. 

118.  Aus  diesen  Gründen  ist  davon  auszugehen,  dass  Galexis  die  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi nicht mehr anbieten könnte, wenn Galexis nicht mehr von Fresenius Kabi sel-
ber beliefert würde. Deshalb wird nachfolgend geprüft, welche Auswirkungen es für Galexis 
hätte, wenn sie dauerhaft keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten könnte. 

B.7.2.3  Direkter Verlust 

119.  Galexis kaufte im Jahr 2022 Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi für rund [1–2] 
Millionen  Franken  ein.143  Im  gleichen  Jahr  erzielte  Galexis  mit  dem  Verkauf  der  genannten 
Trinknahrung  einen  Nettoumsatz  von  rund  [1–2,5]  Millionen  Franken.144  Die  Differenz  zwi-
schen Verkaufspreis und Einkaufspreis entspricht also rund [<500 000] Franken. Diese Diffe-
renz besteht aus den folgenden drei Elementen: 

−  Kosten  von  Galexis,  die  zusätzlich  zum  Einkaufspreis  im  Zusammenhang  mit  der 
Trinknahrung von Fresenius Kabi anfallen (zusätzliche variable Kosten): Dabei handelt 
es  sich  zum  Beispiel  um  die  Kosten  der  Aushandlung  der  Preise  für  diese  Produkte. 
Wenn  Galexis  keine  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  mehr  anbieten  würde,  würden 
solche der Trinknahrung von Fresenius Kabi zuzuordnenden Kosten nicht mehr anfallen. 
Deshalb sind diese Kosten bei der Einschätzung des direkten Verlusts von Galexis nicht 
zu berücksichtigen. 

−  Deckungsbeiträge an allgemeine Fixkosten (nachfolgend: Deckungsbeiträge): Ein Teil 
der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis wird zur Deckung allgemeiner 
Fixkosten verwendet. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Ausgaben für die Beschaf-
fung von Software zur Lagerverwaltung oder andere allgemeine Verwaltungskosten. Sol-
che  Kosten  fallen  jedenfalls  kurz-  und  mittelfristig  auch  dann  an,  wenn  Galexis  keine 
Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr verkaufen würde. Deshalb sind diese Kosten bei 
der Einschätzung des direkten Verlusts zu berücksichtigen. 

−  Entgangene Gewinne: Ebenfalls zu berücksichtigen sind Gewinne, welche Galexis durch 

den Wegfall der Lieferbeziehung zu Fresenius Kabi entgehen würden. 

120.  Der von Galexis erlittene direkte Verlust entspricht also dem entgangenen Gewinn zu-
züglich entgangener Deckungsbeiträge. Vorliegend ist die genaue Höhe der im Zusammen-
hang mit der Trinknahrung von Fresenius Kabi bei Galexis anfallenden Kosten nicht bekannt. 
Deshalb ist zusammenfassend festzuhalten, dass Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung 
der Herstellerin Fresenius Kabi im Jahr 2022 Gewinne und Deckungsbeiträge an allgemeine 

143  Act. II.46, Rz 75. Einen Teil dieser Trinknahrung bezog Galexis über Parallelimporte (Act. II.23, Bei-
lage  2;  Act.  II.46,  Rz  152).  Da  die  von  Galexis  durchgeführten  Parallelimporte  ohne  vollständige 
Meldung an das BLV erfolgten (Act. II.39, Antwort auf Frage 5; Act. II.55, Beilage 1, S. 57), waren 
diese jedenfalls gemäss der Einschätzung des BLV unzulässig (Rz 48 ff.) […]. 

144  Act.  II.46,  Rz  74 f.  Im  Jahr  2021  kaufte  Galexis  gemäss  eigenen  Angaben  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi für rund [<2] Millionen Franken ein (Act. II.9, Rz 7) und erzielte damit einen Umsatz 
in der Höhe von rund [1–2,5] Millionen Franken (Act. II.5, Antwort auf Frage 9.b). Demnach wäre die 
Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis im Jahr 2021 wesentlich höher ausgefallen als im 
Jahr 2022. Allerdings ist unklar, ob sich Einkaufsvolumen und Umsatz für das Jahr 2021 jeweils auf 
sämtliche Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi beziehen, oder nur auf den von Galexis bei 
Fresenius Kabi Schweiz bezogenen Anteil (ohne Parallelimporte). Insbesondere aus diesem Grund 
stützt sich die Behörde auf die Zahlen aus dem Jahr 2022. 

36 

 
 
 
 
 
 
 
Fixkosten  in  der  Höhe  rund  [<500 000]  Franken  abzüglich  der  im  Zusammenhang  mit  der 
Trinknahrung von Fresenius Kabi anfallenden Kosten erzielte.145 

121.  Wenn Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten kann, fallen diese 
Umsätze und die entsprechenden Deckungsbeiträge und Gewinne teilweise weg. Ein anderer 
Teil dieser Umsätze kann allenfalls durch das Ausweichen auf Trinknahrung anderer Herstel-
lerinnen ersetzt werden. Es ist zwar nicht möglich, den entsprechenden Anteil genau zu be-
rechnen, immerhin liegen dazu aber die nachfolgend beschriebenen Anhaltspunkte vor. 

122.  Konsumentinnen und Konsumenten ohne eine ärztliche Verschreibung können grund-
sätzlich  auf  Trinknahrung  anderer  Herstellerinnen  umstellen  (vgl.  Rz 107 ff.).  Der  Anteil  der 
Verkäufe an diese Kundinnen und Kunden liegt bei rund [20–50] % der insgesamt von Galexis 
mit Verkäufen von Trinknahrung von Fresenius Kabi generierten Umsätze.146 Ausserdem be-
ziehen sich rund 10 % der ärztlichen Verschreibungen nicht auf ein Produkt einer spezifischen 
Herstellerin, sondern auf Trinknahrung mit einem bestimmten Kaloriengehalt (Rz 110 f.). Des-
halb können rund [28–55 %] der Kundinnen und Kunden grundsätzlich auf Trinknahrung an-
derer Herstellerinnen ausweichen, weil sie über keine spezifische ärztliche Verschreibung ver-
fügen (vgl. Appendix G.3 für weitere Ausführungen zur Berechnung dieses Anteils). 

123.  Falls die genannten Kundinnen und Kunden damit einverstanden sind, kann Galexis die 
entsprechenden  mit  dem  Verkauf  von  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  erzielten  Umsätze 
durch die Abgabe von Trinknahrung anderer Herstellerinnen ersetzen. Galexis kann das ent-
sprechende Ausweichverhalten der Endabnehmerinnen und Endabnehmer insbesondere über 
die ebenfalls zur Galenica-Gruppe gehörenden Apotheken zu beeinflussen versuchen. Dabei 
handelt es sich um rund [20–40 %] der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken 
(Rz 69). 

124.  Vorliegend (vgl. Rz 119) wird der aktuelle zwischen Galexis und Fresenius Kabi verhan-
delte Einkaufspreis zur Berechnung des direkten Verlusts von Galexis herangezogen. Das ist 
insbesondere deshalb sachgerecht, weil es keine Hinweise darauf gibt, dass es sich dabei um 
einen aussergewöhnlich hohen Preis handeln könnte.147 Das zeigen die folgenden Indizien: 

−  Gemäss Angaben von Galexis beträgt ihre «Basispreismarge» im Durchschnitt über alle 
von Galexis verkauften Produkte rund [<15 %].148 Es ist unklar, wie diese «Basispreis-
marge»  genau  berechnet  wurde.  Mutmasslich  handelt  es  sich  dabei  um die  Differenz 
zwischen dem «Basispreisumsatz» und den von Galexis für die betreffenden Produkte 
bezahlten  Einkaufspreisen.  In  Bezug  auf  die  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  wurde 
gezeigt, dass die Differenz zwischen Verkaufspreis und Einkaufspreis rund [<500 000] 
Franken beträgt. Das entspricht rund [<20 %] des Nettoumsatzes von rund [1–2,5] Milli-
onen  Franken  (Rz 119).  Deshalb  dürfte  die  Marge  von  Galexis  bei  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi jedenfalls nicht wesentlich tiefer ausfallen als bei anderen von Galexis 
verkauften Produkten. 

−  Die  Konditionen  der  deutschen  Grossistinnen  beim  Bezug  von  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi Deutschland sind jedenfalls nicht wesentlich besser als die für Galexis 
geltenden Konditionen beim Bezug über Fresenius Kabi Schweiz (Rz 204 ff.). 

145  Gemäss Angaben von Galexis ist die «Liefermarge» mit [<5] % tief (Act. II.46, Rz 74) […]. 
146  Vgl. Appendix G.3 zur Berechnung dieser Bandbreite. 
147  Vgl. Act. IV.36, Rz 109.  
148  Act. II.46, Tabelle 4. 

37 

 
 
 
 
 
 
 
−  Gemäss den Schätzungen der Parteigutachter von Galexis erhält Galexis bei den aktu-
ellen Preisen mehr als die Hälfte des zwischen Galexis und Fresenius Kabi zu verteilen-
den «Surplus».149 

125.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Galexis durch den Wegfall der Verkäufe der 
Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  Gewinne  und  Deckungsbeiträge  in  der  Höhe  von  jährlich 
rund  [<500 000]  Franken  abzüglich  der  im  Zusammenhang  mit  der  Trinknahrung  von 
Fresenius  Kabi  anfallenden  Kosten  einbüsst.  Ebenfalls  abzuziehen  sind  Gewinne  und  De-
ckungsbeiträge, welche Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung anderer Herstellerinnen 
erzielen kann, welche Galexis statt der Trinknahrung von Fresenius Kabi verkaufen könnte. 
Nach Abzug dieser beiden Positionen dürfte der von Galexis erlittene Verlust in Form entgan-
gener Gewinne und Deckungsbeiträge weniger als [<400 000] Franken betragen. 

B.7.2.4  Weitere Verluste 

B.7.2.4.1 

Einleitung 

126.  Nachfolgend wird geprüft, ob Galexis zusätzlich zum bereits festgestellten direkten Ver-
lust (Rz 119 ff.) zusätzliche Nachteile erleiden könnte, weil Umsätze mit anderen Produkten 
verloren gehen. Ob das der Fall ist, ist von der Reaktion der Kundinnen von Galexis auf den 
Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi aus ihrem Sortiment abhängig. Weil Galexis den 
überwiegenden Anteil der Trinknahrung an Apotheken verkauft, werden nur die möglichen Re-
aktionen dieser Kundengruppe untersucht. 

127.  Wie erwähnt, können die Apotheken grundsätzlich einem Teil der Kundschaft statt der 
Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  gleichwertige  Produkte  anderer  Herstellerinnen  abgeben 
(Rz 121 f.).  Diese  Ausweichmöglichkeit  wurde bereits  bei  der  Prüfung  der  direkten  Verluste 
berücksichtigt (Rz 125). Nachfolgend wird untersucht, wie die Apotheken reagieren würden, 
wenn eine Kundin oder ein Kunde spezifisch Trinknahrung von Fresenius Kabi verlangt, zum 
Beispiel weil genau diese ärztlich verschrieben wurde. In diesem Szenario stehen ihnen die 
folgenden Optionen zur Verfügung: 

−  Angebotsverzicht; 

−  Ausweichen auf eine andere Bezugsquelle (Nebengrossistin, Direktbezug, andere Apo-

theken); 

−  Wechsel zu einer anderen Hauptgrossistin. 

128.  Nachfolgend werden diese Optionen und die entsprechenden Auswirkungen für Galexis 
geprüft. 

129.  Auf dieser Grundlage können anschliessend die möglichen weiteren Verluste von Gale-
xis eingeschätzt werden. Dabei ist insbesondere davon auszugehen, dass jede Apotheke die 
für  sie  vorteilhafteste  der  genannten  Optionen  wählen  würde.  Nicht  jede  Apotheke  würde 
gleich reagieren, weil sich die Apotheken in Bezug auf die für die Bewertung der verschiede-
nen Ausweichmöglichkeiten massgebenden Umstände unterscheiden. Ausserdem muss be-
achtet  werden,  dass Galexis  besonders stark  vom Wegfall  der  Trinknahrung  von  Fresenius 
Kabi betroffene Apotheken durch eine Verbesserung der übrigen Konditionen kompensieren 
kann. Dadurch kann Galexis beeinflussen, wie die Apotheken auf den Wegfall der Trinknah-
rung reagieren und so den für Galexis entstehenden Verlust minimieren (Rz 179 ff.). 

149  Act. IV.36, Anhang 1, Rz 3, vierter Bulletpoint. Die entsprechende Schätzung beruht allerdings je-
denfalls teilweise auf wenig plausiblen und inkonsistenten Annahmen. So quantifizieren die Partei-
gutachter zum Beispiel die «Outside Option» von Fresenius Kabi anhand des mit dem Verkauf von 
Trinknahrung erzielten Umsatzes. Im Gegensatz dazu wird die «Outside Option» von Galexis an-
hand der Deckungsbeiträge bemessen (Act. IV.36, Anhang 1, Rz 3). 

38 

 
 
 
 
 
 
 
B.7.2.4.2 

Angebotsverzicht 

130.  Galexis beliefert im Wesentlichen diejenigen Apotheken mit Trinknahrung von Fresenius 
Kabi,  bei  welchen  Galexis  Hauptgrossistin  ist  (Rz 96).  Diese  Apotheken  beziehen  durch-
schnittlich Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi für rund [500–3000] Franken pro Jahr. 
Gemessen am gesamten Einkaufsvolumen dieser Apotheken bei Galexis handelt es sich da-
bei um eine vernachlässigbare Grösse (Rz 92). Deshalb könnten die von Galexis belieferten 
Apotheken grundsätzlich darauf verzichten, Trinknahrung von Fresenius Kabi anzubieten. Der 
dadurch entstehende direkte Umsatz- und Gewinnverlust wäre für die meisten Apotheken ge-
ring. 

131.  Allerdings ist es möglich, dass den Apotheken dadurch weitere Umsätze entgehen wür-
den,  weil  gewisse  Kundinnen  und  Kunden,  die  bei  ihnen  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi 
einkaufen,  gleichzeitig  auch  noch  andere  Produkte  nachfragen.  Wenn  die  Apotheken  keine 
Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten können, besteht die Gefahr, dass gewisse 
Kundinnen  und  Kunden  sämtliche  von  ihnen  nachgefragten  Produkte  anderswo  einkaufen 
würden.150 Die Apotheken können dieses Risiko dadurch reduzieren, dass sie ihrer Kundschaft 
eine  geeignete  alternative  Bezugsmöglichkeit  für  die  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  vor-
schlagen.  Vorliegend  ist  zum  Beispiel  die  Bestellung  durch  die  Kundschaft  selber  bei  einer 
Online-Apotheke oder sogar bei normalen Online-Shops möglich. Insbesondere weil Trinknah-
rung  ohne  Verschreibung  verkauft  werden  darf,  gibt  es  zahlreiche  solche  Angebote.151  Ge-
wisse Kundinnen und Kunden könnten allenfalls auch Trinknahrung über eine Homecare An-
bieterin beziehen (Rz 57 ff.). Trotzdem ist es möglich, dass gewisse Kundinnen und Kunden 
zusätzlich zur Trinknahrung von Fresenius Kabi auch noch andere Produkte über andere Be-
zugsquellen einkaufen würden, wenn eine Apotheke keine Trinknahrung von Fresenius Kabi 
mehr anbieten würde. Die Grösse dieses Effekts kann nicht quantifiziert werden. 

B.7.2.4.3 

Ausweichen auf andere Bezugsquellen 

132.  Wenn Galexis keine Trinknahrung von Fresenius mehr anbieten könnte und eine Apo-
theke trotzdem weiterhin diese Produkte anbieten möchte, wäre die naheliegendste Alterna-
tive der Bezug über die Zweitgrossistin (Rz 97 ff.).152 Für Apotheken, die ohnehin regelmässig 
von einer Zweitgrossistin beliefert werden, würden die entsprechenden Kosten im Vergleich 
zum Bezug bei Galexis kaum wesentlich höher ausfallen, weil die Lieferung in der Regel zu-
sammen  mit  den  ohnehin  bereits  von  der  Zweitgrossistin  bezogenen  Produkten  erfolgen 
könnte. Durch die Verteilung der Transportkosten auf verschiedene Produkte könnten diese 
minimiert werden. 

133.  Gemäss Angaben von Galexis verfügen die meisten Apotheken über eine Zweitgrossis-
tin.153 Deshalb ist davon auszugehen, dass viele Apotheken die Trinknahrung von Fresenius 
Kabi  ohne  wesentliche  Zusatzkosten  statt  wie  bisher  bei  Galexis  bei  einer  Nebengrossistin 
beziehen könnten. 

134.  Einige Apotheken […] beziehen hingegen nur wenige Produkte bei Nebengrossistinnen 
(Rz 98). Für diese Apotheken wären die zusätzlich anfallenden Kosten höher, wenn sie die 
Trinknahrung von Fresenius Kabi statt bei Galexis bei einer Nebengrossistin beziehen müss-
ten. Im Extremfall müssten diese Apotheken einzelne Packungen Trinknahrung bestellen. In 
diesem Fall würden die zusätzlichen Transportkosten maximal hoch ausfallen, weil sie nicht 
auf grössere Mengen Trinknahrung oder andere gleichzeitig bestellte Produkte verteilt werden 

150  Act. III.4, Zeilen 295–297. 
151  Vgl. z.B. Act. I.1, Beilage 6. 
152  Vgl. dazu die Einschätzung der Parteigutachter von Galexis, wonach die Apotheken am ehesten auf 

andere Grossistinnen ausweichen würden (Act. II.46, Rz 57, Abbildung 4). 

153  Act. II.46, Rz 56, vierter Bulletpoint. 

39 

 
 
 
 
 
 
 
könnten. Gemäss Angaben von Galexis wäre in diesem Extremfall mit zusätzlichen Lieferkos-
ten in der Höhe von rund 80 % des Produktpreises zu rechnen (Rz 99 f.). In der Regel fallen 
die entsprechenden Zusatzkosten aber deutlich tiefer aus (Rz 101). 

135.  Allfällige durch den Bezug bei der Zweitgrossistin entstehende zusätzliche Lieferkosten 
müssten grundsätzlich die Apotheken selber tragen. Allerdings würde sich die Attraktivität von 
Galexis als Grossistin entsprechend verringern. Deshalb sind diese Mehrkosten selbst dann 
zur Beurteilung der für Galexis entstehenden Nachteile zu berücksichtigen, wenn sie bei Apo-
theken anfallen, die nicht zur Galenica-Gruppe gehören. Falls eine Apotheke aufgrund solcher 
Mehrkosten zu einer anderen Grossistin wechseln würde, könnte Galexis die entsprechenden 
Mehrkosten ganz oder teilweise übernehmen. Falls die damit verhinderten Umsatzeinbussen 
weniger schwer wiegen als die genannten Mehrkosten, könnte Galexis durch solche Kompen-
sationszahlungen den durch die Auflösung der Kundenbeziehung zu Fresenius Kabi entste-
henden Schaden minimieren. 

136.  Zusätzlich zu allenfalls höheren Lieferkosten besteht gemäss Galexis die Gefahr, dass 
die heute von Galexis belieferten Apotheken nicht nur Trinknahrung von Fresenius Kabi bei 
einer anderen Grossistin einkaufen, sondern zusätzlich auch noch andere Produkte dort be-
ziehen würden. Grund sei, dass die Apotheken «Doppelspurigkeiten aus Kostengründen mög-
lichst vermeiden» möchten.154 Falls eine Apotheke wegen Trinknahrung von Fresenius Kabi 
eine sonst nicht stattfindende Lieferung veranlassen sollte, kann es sein, dass zusätzlich zur 
Trinknahrung gleichzeitig auch noch andere Produkte bestellt werden. In diesem Fall würden 
die  vorangehend  diskutierten  zusätzlichen  Lieferkosten  gering  ausfallen, weil  diese  auf ver-
schiedene  Produkte  verteilt  werden  könnten.  Dafür  würde  Galexis  die  mit  den  neu  bei  der 
Zweitgrossistin bestellten Produkte erzielten Umsätze verlieren. 

137.  Weder die allenfalls anfallenden zusätzlichen Lieferkosten noch allfällige durch die Be-
stellung zusätzlicher Produkte bei der Zweitgrossistin entstehende Umsatzeinbussen können 
quantifiziert  werden.  Beide  dieser  mutmasslichen  Nachteile  fallen  je  nach  den  individuellen 
Umständen der einzelnen Apotheken oder sogar der einzelnen zu bedienenden Kundenanfra-
gen unterschiedlich aus: Sowohl allfällige zusätzliche Lieferkosten als auch allfällige zusätzli-
che Umsatzverluste sind insbesondere davon abhängig, zu welchem Zeitpunkt die Apotheke 
die  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  benötigt,  wie  gross  die  zu  bestellende  Menge  ist,  zu 
welchem Zeitpunkt die Apotheke ohnehin schon von ihren Grossistinnen beliefert wird, welche 
anderen Produkte die Apotheke bei ihren Grossistinnen bezieht und welche Konditionen sie 
mit den verschiedenen Grossistinnen ausgehandelt hat. Insbesondere weil die meisten Apo-
theken  ohnehin von  mehreren Grossistinnen  beliefert  werden,  dürften  aber sowohl  allfällige 
zusätzliche  Lieferkosten  als  auch  allfällige  zusätzliche  Umsatzverluste  eher  gering  ausfal-
len.155 

138.  Im Vergleich zum Bezug bei einer Nebengrossistin dürfte der Direktbezug bei Fresenius 
Kabi aufgrund der geringen Mengen nur für die allerwenigsten Apotheken in Frage kommen 
(Rz 103 f.). 

154  Act. II.46, Rz 56. 
155  Die Parteigutachter von Galexis berechnen in einem Szenario den für Galexis durch verlorene Um-
sätze mit anderen Produkten entstehenden Schaden. Im Szenario der Parteigutachter beträgt dieser 
rund [<500 000] Franken pro Jahr (Act. II.46, Rz 70 ff.). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass 
der eigentliche Schaden etwas geringer ausfallen würde, weil es sich bei den von den Parteigutach-
tern als «Deckungsbeiträge» bezeichneten Grössen  mutmasslich  nicht nur um  Gewinne  und Bei-
träge an allgemeine Fixkosten handelt. Vielmehr dürften diese auch gewisse variable mit der Bereit-
stellung der entsprechenden Produkte anfallende Kosten beinhalten (vgl. Rz 119). 

40 

 
 
 
 
 
 
 
139.  Ob ein Bezug über andere Apotheken möglich ist und wie attraktiv diese Option im Ver-
gleich zu den anderen Alternativen ausfällt, ist stark von den individuellen Verhältnissen ab-
hängig.  Die  Koordination  mit  anderen  Apotheken  verursacht  einen  gewissen  Aufwand.  Wie 
gross dieser ist, kann nicht quantifiziert werden (Rz 104). 

140.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass insbesondere der Bezug über die Zweitgros-
sistin für viele Apotheken eine Alternative zum Bezug über Galexis wäre. Apotheken, die be-
reits heute regelmässig durch eine Zweitgrossistin beliefert werden, könnten ohne wesentliche 
Zusatzkosten  auf  diese  alternative  Bezugsquelle  ausweichen.  Allenfalls  könnte  Galexis  bei 
gewissen Apotheken zusätzliche Umsätze verlieren, wenn die Apotheken neben der Trinknah-
rung von Fresenius Kabi auch andere Produkte neu bei einer Nebengrossistin beziehen wür-
den. Weder die zusätzlichen Lieferkosten der Apotheken beim Bezug über die Zweitgrossistin 
noch  allfällige  zusätzliche  Umsatzverluste  von  Galexis  können  quantifiziert  werden.  Beide 
Nachteile dürften aber gering ausfallen. 

B.7.2.4.4 

Wechsel der Hauptgrossistin 

Einleitung 

141.  279 der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken gehören zur Galenica-
Gruppe. Diese können [gemäss der Einschätzung der Behörde] nicht zu einer anderen Haupt-
grossistin  wechseln,  wenn  Galexis  keine  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  mehr  anbieten 
kann.156 Auch die 88 Apotheken der Kette Coop Vitality werden jedenfalls nicht ohne Weiteres 
zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln, da die Galenica-Gruppe [<50] % des Aktienkapi-
tals der Dachgesellschaft dieser Kette hält. Bei 367 der insgesamt rund [750–1250] Apothe-
ken, die von Galexis als Hauptgrossistin beliefert werden, ist deshalb die Gefahr eines Wech-
sels von vornherein gering bis nicht existent. Dabei handelt es sich immerhin um [30–50] % 
der  von  Galexis  als  Hauptgrossistin  belieferten  Apotheken  (Rz 69).  Nachfolgend  wird  die 
Wechselgefahr für die verbleibenden von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken 
eingeschätzt.  

142.  Der Wechsel der Hauptgrossistin verursacht gewisse Kosten (Rz 72). Aus diesem Grund 
würde der Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi aus dem Angebot von Galexis in der 
Regel nur dann zu einem solchen Wechsel führen, wenn die Kosten der anderen Reaktions-
möglichkeiten (Angebotsverzicht oder Ausweichen auf andere Bezugsquellen) im Vergleich zu 
den Wechselkosten relativ hoch ausfallen. Das kann dann der Fall sein, wenn eine Apotheke 
nur selten Produkte von einer Nebengrossistin bezieht, zum Beispiel weil sie in einer abgele-
genen Region liegt157 und gleichzeitig relativ viel Trinknahrung von Fresenius Kabi verkauft. In 
diesem Fall wäre die naheliegendste Ausweichmöglichkeit, nämlich der Bezug bei einer Ne-
bengrossistin, mit relativ hohen Kosten verbunden. 

143.  Nur rund [<10] % der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten und nicht zur Galenica-
Gruppe gehörenden Apotheken kaufen für mindestens 10 000 Franken jährlich Trinknahrung 
der Herstellerin Fresenius Kabi bei Galexis ein. Selbst bei diesen Apotheken handelt es sich 
dabei gemessen am Wert der insgesamt bei Galexis bezogenen Produkte um geringe Um-
sätze (Rz 88 ff.). Deshalb ist davon auszugehen, dass es nur wenige Apotheken gibt, bei wel-
chen  der  Wegfall  der  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  aus  dem  Sortiment  von  Galexis  zu 
einem Wechsel der Hauptgrossistin führen könnte. 

144.  Zudem dürfte die genannte Wechselgefahr auch davon abhängig sein, wie attraktiv aus 
Sicht der Apotheke das Angebot von Galexis als Hauptgrossistin im Vergleich zu den anderen 
Grossistinnen ausfällt. Da Galexis im Vergleich zu den anderen Grossistinnen wesentlich grös-
ser ist, hat sie mutmasslich ein breiteres Sortiment (Rz 61). Deshalb ist es möglich, dass sich 

156  Act. II.23, Rz 17. 
157  Vgl. die Aussage der Apotheke mit Identifikationsnummer 90569 (Act. II.C.1). 

41 

 
 
 
 
 
 
 
ein Wechsel selbst dann nicht lohnt, wenn die Kosten der anderen Optionen (Angebotsverzicht 
oder  Bezug  über  andere  Quellen)  relativ  hoch  ausfallen.  Wenn  zum  Beispiel  eine  in  einer 
Randregion gelegene Apotheke die Hauptgrossistin wechselt, muss sie sich möglicherweise 
neu von mehreren Grossistinnen beliefern lassen, weil die Konkurrentinnen von Galexis zwar 
die Trinknahrung von Fresenius Kabi im Sortiment haben, aber dafür möglicherweise andere 
Produkte  nicht  anbieten.  Insbesondere  weil  die Konditionen,  zu  welchen  die  Apotheken  bei 
den verschiedenen Grossistinnen beziehen können, je nach Rahmenvertrag und je nach indi-
viduell  verhandelten  Bedingungen  unterschiedlich  ausfallen,  ist  diesbezüglich  keine  allge-
meine Aussage möglich. 

145.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es auf die individuellen Umstände der einzel-
nen  Apotheken  ankommt.  Je  nach  den  individuell  und  im  Rahmen  von  Gruppierungen  und 
Ketten  ausgehandelten Konditionen  und  je  nach  den  Kosten  der  verschiedenen  Reaktions-
möglichkeiten fällt  die Gefahr  eines  Wechsels  der  Hauptgrossistin  unterschiedlich  aus.  Auf-
grund der bereits ausgewerteten Umsatzzahlen ist davon auszugehen, dass diese Gefahr bei 
den meisten Apotheken gering ist (Rz 88 ff.). Nachfolgend werden die zusätzlich zu den ge-
nannten  Umsatzzahlen vorliegenden  Beweismittel  gewürdigt,  um  das  entsprechende  Risiko 
für Galexis noch genauer einschätzen zu können. 

Aussagen der Parteien 

146.  Galexis  selber  schätzt  die  genannte  Gefahr  von  Wechseln  hoch  ein:  «Wenn  Galexis 
keine  Fresenius-Produkte  mehr  im  Sortiment  hätte,  würden  die  Apotheken  und  Homecare-
Anbieter  den  Grossisten  wechseln».158  Fresenius Kabi  hingegen  sieht  keine  solche Gefahr: 
«Keine  Apotheke  würde  aufgrund  von  Sortimentseinschränkungen  bei  Trinknahrung  ihren 
Grossisten wechseln».159 

Zeugenaussage 

147.  Das Sekretariat befragte ein Vorstandsmitglied von PharmaSuisse als Zeugen. Dieser 
ist Inhaber von […] Apotheken und führt die Geschäfte einer dieser Apotheken.160 Galexis ist 
Hauptgrossistin dieser Apotheken.161 Er sagte aus, dass seine Apotheken am ehesten ganz 
darauf  verzichten  würden,  Trinknahrung von  Fresenius  Kabi anzubieten, falls Galexis  diese 
nicht mehr liefern könnte. Grund sei, dass er damit nur geringe Umsätze erziele und dass es 
vergleichbare Produkte anderer Herstellerinnen gebe.162 Für ihn seien keine durch diesen An-
gebotsverzicht entstehenden Nachteile ersichtlich.163 Damit konsistent ist die weitere Aussage 
des Zeugen, wonach er nicht von Galexis zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln würde, 
wenn Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten könnte.164 

148.  In Bezug auf andere Schweizer Apotheken ist der Zeuge der Meinung, dass auch diese 
wegen der fehlenden Verfügbarkeit von Trinknahrung von Fresenius Kabi nicht die Hauptgros-
sistin wechseln würden.165 Dabei stellt der Zeuge allerdings klar, dass er betreffend Trinknah-
rung in erster Linie mit den Verhältnissen im Kanton […] vertraut sei.166 

158  Act. III.1, Zeilen 377–378. 
159  Act. II.55, Rz 21. 
160  Act. III.4, Zeilen 81–88. 
161  Act. III.4, Zeile 160. 
162  Act. III.4, Zeile 217. 
163  Act. III.4, Zeile 221. 
164  Act. III.4, Zeile 224. 
165  Act. III.4, Zeilen 227–229. 
166  Act. III.4, Zeilen 232–235. 

42 

 
 
 
 
 
 
 
Umfrage bei Apotheken 

149.  Wie erwähnt ist es von den individuellen Umständen der Apotheken abhängig, wie at-
traktiv  die  verschiedenen  Reaktionsmöglichkeiten  auf  einen  Ausfall  der  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi bei der Hauptgrossistin sind (Rz 132 ff.). Davon ist es wiederum abhängig, ob 
eine  Apotheke  den  Wechsel  der  Hauptgrossistin  in  Betracht  ziehen  würde  (Rz 141 ff.).  Als 
erfahrener  Apotheker  und  Vorstandsmitglied  von  PharmaSuisse  kann  der  Zeuge  zwar  ein-
schätzen, wie der grösste Teil der Apotheken reagieren würde. Trotzdem ist er nicht mit den 
konkreten Umständen jeder einzelnen Apotheke vertraut. Aus diesem Grund hat das Sekreta-
riat  zusätzlich  eine  Umfrage  bei  denjenigen  Apotheken  durchgeführt,  die  von  Galexis  als 
Hauptgrossistin beliefert werden und die nicht zur Galenica-Gruppe gehören. Nur bei diesen 
Apotheken besteht grundsätzlich die Gefahr, dass sie zu einer anderen Hauptgrossistin wech-
seln würden (Rz 141). 

150.  Konkret stellte das Sekretariat [250–450] Einzelapotheken per E-Mail eine Einladung zu, 
an  einer Online-Umfrage  teilzunehmen.  Diese [250–450]  Apotheken  gehören  nicht  zu  einer 
Apothekenkette und können deshalb ihre Hauptgrossistin selber auswählen. Es handelt sich 
dabei  um  sämtliche  Einzelapotheken,  die  von  Galexis  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  als 
Hauptgrossistin beliefert werden (vgl. Appendix G.1.4 sowie Act. IV.1 für genauere Erläuterun-
gen zur Auswahl der befragten Apotheken).167 

151.  Zusätzlich zu den [250–450] Einzelapotheken hat das Sekretariat [5–10] Apothekenket-
ten zur Teilnahme an der genannten Umfrage eingeladen. Das Sekretariat hat also sämtliche 
Apotheken kontaktiert, die mutmasslich von Galexis als Hauptgrossistin beliefert werden und 
die nicht zur Galenica-Gruppe gehören. In diesem Sinne handelt es sich bei der Befragung 
des Sekretariats um eine Vollerhebung. 

152.  In der Einladungsemail an die Apotheken wurde dargelegt, dass die Befragung im Rah-
men einer Untersuchung der Wettbewerbsbehörden durchgeführt wird. Ausserdem wurde er-
läutert, dass mit der Umfrage ermittelt werden soll, wie die Apotheken reagieren würden, wenn 
Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr liefern könnte. Der genaue Text der Ein-
ladungsemail ist in Appendix G.4 dargestellt.168 

153.  Von den [250–450] durch das Sekretariat kontaktierten Einzelapotheken («kontaktiert») 
antworteten 209 («Antwort»). […] Apotheken gaben keine Antwort («keine Antwort»). Relevant 
ist das Wechselverhalten aller [250–450] Apotheken einschliesslich derjenigen, die keine Ant-
wort  gaben.  Aus  diesem  Grund  muss  geprüft  werden,  ob  aus  den  vorliegenden  Antworten 
Rückschlüsse  für  alle  kontaktierten  Apotheken  gezogen  werden  können.  Zu  diesem  Zweck 
wird nachfolgend untersucht, ob sich diejenigen Apotheken, die an der Umfrage teilnahmen, 

167 Zur Sicherheit wurde in der Umfrage zunächst geklärt, ob Galexis zum Zeitpunkt der Umfrage die 
Hauptgrossistin war. Apotheken, die angaben, dass Galexis nicht ihre Hauptgrossistin sei, werden 
bei den Auswertungen der Antworten auf die übrigen Fragen nicht berücksichtigt. 

168  Die Parteigutachterinnen von Fresenius Kabi bringen vor, dass die Nennung des Absenders (Sek-
retariat  der  Wettbewerbskommission),  der  beteiligten  Streitparteien  (Galexis  und  Fresenius  Kabi) 
sowie des juristischen Hintergrunds wahrscheinlich «sowohl die Teilnahmebereitschaft an sich wie 
auch das Antwortverhalten der Auskunftspersonen beeinflusst hat – in unbekanntem Ausmass» (Act. 
II.55, Beilage 3, S. 4). Da die Wettbewerbsbehörden bei Eröffnung der Untersuchung den Untersu-
chungsgegenstand einschliesslich der daran beteiligten Streitparteien publizieren, sind diese Infor-
mationen ohnehin schon allgemein bekannt. Ausserdem ist es für die Wettbewerbsbehörden jeden-
falls nicht ohne weiteres möglich, eine Umfrage an Externe auszulagern. Insbesondere aus diesem 
Grund kann auf die Angabe des Absenders nicht verzichtet werden.  

  Während die Parteigutachterinnen von Fresenius Kabi monieren, dass man weniger Informationen 
zum Kontext der Umfrage hätte bereitstellen sollen, scheinen die Parteigutachter von Galexis das 
Gegenteil zu verlangen: «Zudem enthielt die Marktbefragung keine Ausführungen zur Problemstel-
lung. Es ist davon auszugehen, dass es für die Apotheken schwierig war die Fragen einzuordnen, 
da ihnen der Kontext gefehlt hat» (Act. II.53, Beilage, S. 3). Die Parteigutachter von Galexis legen 
nicht dar, welche zusätzlichen Informationen zum «Kontext» hätten offengelegt werden sollen. 

43 

 
 
 
 
 
 
 
von denjenigen Apotheken unterscheiden, die keine Antwort gaben. Dazu werden messbare 
Eigenschaften herangezogen, die einen Einfluss auf das Antwortverhalten haben könnten. 

154.  Die Durchschnittswerte dieser Eigenschaften sind in Tabelle 5 separat für die drei Grup-
pen  «kontaktiert»,  «Antwort»,  «keine  Antwort»  angegeben.  Die  Umsatzzahlen  des  Jahres 
2023 liegen für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Juli vor. Zur besseren Vergleichbarkeit 
werden sie auf das ganze Jahr hochgerechnet.169 Aus Tabelle 5 geht hervor, dass Apotheken 
mit Korrespondenzsprache Deutsch etwas häufiger geantwortet haben als solche mit Korres-
pondenzsprache Französisch. Es handelt sich aber um einen geringen Unterschied. 

Tabelle 5: Eigenschaften der kontaktierten Einzelapotheken, separat für Apotheken mit und 
ohne Antwort. 

Anzahl 

Anteil 
Deutsch 

Durchschnittli-
cher 
Nettoumsatz 2023 
Trinknahrung (Fr.) 

Durchschnittli-
cher 
Nettoumsatz 2023 
insgesamt (Fr.) 

Keine Antwort 

Antwort 

[…] 

209 

[60–70] % 

[70–80] % 

[500–3000] 

[500–3000] 

Kontaktiert 
(Total) 

[500–3000] 
Quelle: Act. II.51, Beilage 1 (Umsatzzahlen); Act. II.C.1 (Antworten). 

[65–75] % 

[250–450] 

[1–3 Mio.] 

[1–3 Mio.] 

[1–3 Mio.] 

155.  Wichtiger als die Korrespondenzsprache dürfte der in der vierten Spalte von Tabelle 5 
ausgewiesene  Nettoumsatz  sein,  den  Galexis  mit  dem  Verkauf  von  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi an die befragten Apotheken erzielt. Dabei handelt es sich um eine gute Annä-
herung für das insgesamte Einkaufsvolumen der befragten Apotheken mit Trinknahrung der 
Herstellerin Fresenius Kabi. Grund ist, dass die meisten Apotheken jedenfalls den grössten 
Teil dieser Produkte bei der Hauptgrossistin beziehen (Rz 92) und dass Galexis die Haupt-
grossistin der befragten Apotheken ist. Je häufiger eine Apotheke Trinknahrung von Fresenius 
Kabi verkauft, desto grösser sind tendenziell die für die Apotheke entstehenden Unannehm-
lichkeiten, wenn ihre Hauptgrossistin diese Produkte nicht mehr liefern kann (Rz 130 ff.). Des-
halb ist es möglich, dass es einen Zusammenhang zwischen der Wechselbereitschaft und den 
erwähnten Nettoumsätzen mit Trinknahrung von Fresenius Kabi geben könnte. Aus diesem 
Grund ist es wichtig, sicherzustellen, dass die antwortenden Apotheken in dieser Beziehung 
mit den nicht antwortenden Apotheken vergleichbar sind. Sonst besteht die Gefahr, dass zum 
Beispiel diejenigen Apotheken häufiger antworten, die stärker betroffen sind und deshalb mit 
grösserer Wahrscheinlichkeit die Hauptgrossistin wechseln würden. Dadurch könnte das Er-
gebnis der Umfrage verzerrt werden. 

156.  Aus Tabelle 5 geht hervor, dass der durchschnittlich von Galexis mit dem Verkauf von 
Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  im  Jahr  2023  erzielte  Nettoumsatz  bei  den  antwortenden 
Apotheken  [500–3000]  Franken  beträgt,  während  er  bei  nicht  antwortenden  Apotheken  mit 
[500–3000]  Franken  etwas  tiefer  ausfällt.  Dabei  handelt  es  sich  um  einen  geringen  Unter-
schied. Nicht nur der Mittelwert, sondern die gesamte Verteilung dieser Nettoumsätze fällt für 
die antwortenden im Vergleich zu den nicht antwortenden Apotheken sehr ähnlich aus (vgl. 
dazu die Ergebnisse in Appendix G.4.2).170 

169  Zu diesem Zweck werden die Umsätze mit dem Faktor (12/7) multipliziert. 
170  Galexis  reichte  zusammen  mit  den  Kontaktinformationen  der  Apotheken  Umsatzzahlen  ein  (Act. 
II.51, Beilage 1). Deshalb liegen diese für alle kontaktierten Apotheken vor, also auch für diejenigen, 
die nicht an der Umfrage teilnahmen. 

44 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
157.  Zusätzlich wird geprüft, ob sich die antwortenden Apotheken von den nicht antwortenden 
Apotheken in Bezug auf den von Galexis mit dem Verkauf aller Produkte an diese Apotheken 
erzielten Nettoumsatz unterscheiden. Auch das ist nicht der Fall. Der durchschnittliche Netto-
umsatz 2023 fällt für beide Gruppen ähnlich aus (fünfte Spalte von Tabelle 5). Die Verteilung 
dieser Nettoumsätze unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen den beiden Gruppen (Ap-
pendix G.4.2). Aus diesen Gründen ist die Gefahr gering, dass sich die antwortenden Apothe-
ken von den nicht antwortenden Apotheken in Bezug auf ein für ihre Wechselbereitschaft re-
levantes Kriterium wesentlich unterscheiden. Aus diesem Grund können aus den vorliegenden 
Antworten Rückschlüsse auf alle der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Einzelapo-
theken, die nicht zur Galenica-Gruppe gehören, gezogen werden.171 

158.  Die per E-Mail versandte Einladung zur Teilnahme an der Umfrage enthielt einen Link 
und einen QR-Code, mit welchem die Apotheken auf eine von Microsoft betriebene Internet-
seite gelangten. Dort wurden die Apotheken zunächst aufgefordert, die ihnen per E-Mail mit-
geteilte Identifikationsnummer einzugeben (vgl. Act. IV.1 für weitere Erläuterungen zur techni-
schen  Durchführung  der  Online-Umfrage).  Als  nächstes  wurden  die  Apotheken  gefragt,  ob 
Galexis ihre Hauptgrossistin sei. Von den 209 Einzelapotheken, die an der Umfrage teilnah-
men, gaben 26 an, dass Galexis nicht ihre Hauptgrossistin sei.172 Diesen Apotheken wurden 
keine weiteren Fragen gestellt. Deshalb liegen Antworten von 183 Einzelapotheken vor, die 
von Galexis als Hauptgrossistin beliefert werden. Jede dieser 183 Einzelapotheken beantwor-
tete  anschliessend  durch  Anklicken  eines  der  11  Kästchen  die  in  Abbildung  5  dargestellte 
Frage.  

Abbildung 5: Frage 3 der Online-Umfrage (Wechselbereitschaft ex-ante). 

Quelle: Act. II.B.1. 

159.  Damit  soll  erfasst  werden,  wie  gross  die  bereits  vor  einem  allfälligen  Wegfall  der 
Trinknahrung von Fresenius Kabi bestehende Bereitschaft ist, zu einer anderen Hauptgrossis-
tin zu wechseln. Anschliessend beantworteten die Apotheken die in Abbildung 6 dargestellte 
Frage. Damit soll erfasst werden, wie gross die Wechselbereitschaft im vorliegend relevanten 
Szenario ausfällt. 

171  Die Parteigutachterinnen von Fresenius Kabi kritisieren, dass die befragten Apotheken nicht reprä-
sentativ für alle Apotheken in der Schweiz seien (Act. II.55, Beilage 3, S. 4). Diese Kritik stösst ins 
Leere, weil vorliegend Aussagen zu den von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken, die 
nicht zur Galenica-Gruppe gehören, gemacht werden sollen. Im Übrigen beurteilen die Parteigutach-
terinnen von Fresenius Kabi Auswertungen, die ihnen gar nicht vorlagen. Der von ihnen geforderte 
und angeblich vom Sekretariat nicht erbrachte Nachweis der Repräsentativität (Act. II.55, Beilage 3, 
S. 6 ff.) befindet sich in Rz 153 ff. und in Appendix G.4.2. 

172  2  Apotheken  teilten  dem  Sekretariat  per  E-Mail  mit,  dass  Galexis  nicht  ihre  Hauptgrossistin  sei 
(Act. II.C.3; Act. II.C.4). Deshalb sind die Antworten dieser Apotheken nicht in der durch Microsoft 
Forms erstellten Zusammenstellung der übrigen Antworten (Act. II.C.1) enthalten. 

45 

 
 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 6: Frage 4 der Online-Umfrage (Wechselbereitschaft ex-post). 

Quelle: Act. II.B.1. 

160.  Schliesslich hatten die Apotheken die Gelegenheit, in einem Freitextfeld weitere Bemer-
kungen oder Informationen anzufügen, die im Zusammenhang mit der Umfrage von Bedeu-
tung sein könnten. 

161.  Die Grundidee der Umfrage besteht darin, die Veränderung der Wechselbereitschaft zu 
erfragen, welche durch den Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi aus dem Angebot 
von Galexis verursacht werden könnte. Diese Veränderung entspricht der Differenz zwischen 
der in Frage 4 angegebenen Wahrscheinlichkeit und der in Frage 3 angegebenen Wahrschein-
lichkeit. Eine grosse Differenz ist ein Indiz für ein gestiegenes Wechselrisiko. Zusätzlich zur 
Veränderung dieses Risikos kann anhand der Antwort auf Frage 4 das resultierende Wech-
selrisiko eingeschätzt werden. 

162.  Aus Sicht der Apotheken ist es schwierig, die Fragen 3 und 4 zu beantworten. Wie oben 
dargelegt, müssten sie insbesondere die Kosten verschiedener anderer Ausweichmöglichkei-
ten  berücksichtigen  (Rz 126 ff.).  Es  ist  zwar  davon  auszugehen,  dass  die  Apotheken  diese 
anderen  Ausweichmöglichkeiten  kennen.  In  ihren  Bemerkungen  im  Freitextfeld  diskutieren 
viele von ihnen zum Beispiel den Direktbezug bei Fresenius Kabi oder den Bezug über die 
Zweitgrossistin.173 Gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass sie die genauen Kosten der ver-
schiedenen  Ausweichmöglichkeiten  berechnet  haben.  Eine  solche  Berechnung  wäre,  wenn 
überhaupt, nur mit grossem Aufwand möglich. Ausserdem ist es soweit ersichtlich noch nie 
vorgekommen, dass eine Herstellerin von Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke 
eine ganze Produktgruppe dauerhaft nicht mehr an eine in der Schweiz tätige Grossistin ge-
liefert hätte, während alle anderen Grossistinnen die entsprechenden Produkte weiterhin an-
bieten konnten.174 Die Apotheken müssen also ihr Verhalten in einer Situation einschätzen, 
welche so noch nie aufgetreten ist. Bei der Interpretation der Ergebnisse der Umfrage muss 
deshalb berücksichtigt werden, dass kaum alle Apotheken genau voraussagen können, wie 
sie im beschriebenen Szenario reagieren würden. Trotzdem ist davon auszugehen, dass die 
Apotheken ihre eigene Reaktion mindestens ungefähr einschätzen können. 

163.  Selbst wenn eine Apotheke einschätzen kann, wie sie im beschriebenen Szenario rea-
gieren würde, bedeutet das nicht automatisch, dass sie den Wettbewerbsbehörden diese Ein-
schätzung unverfälscht bekanntgibt. Grundsätzlich haben die Apotheken ein Interesse daran, 
die Trinknahrung von Fresenius Kabi über möglichst viele Bezugsquellen einkaufen zu kön-
nen. Es ist möglich, dass manche Apotheken glauben, dass der Bezug über Galexis am ehes-
ten dann weiterhin möglich sein wird, wenn sie eine hohe Wechselwahrscheinlichkeit angeben. 

173  Act. II.C.1. 
174  Vgl. Act. II.53, S. 1; Act. II.51, S. 5. 

46 

 
 
 
 
 
 
 
 
In  diesem  Fall  hätten  die  Apotheken  grundsätzlich  einen  Anreiz,  bei  der  Beantwortung  der 
Umfrage eine übertrieben grosse Wechselwahrscheinlichkeit anzugeben. Gegen solche Ver-
fälschungen spricht die Tatsache, dass der Zusammenhang zwischen der eigenen Auskunft 
und der Verfügbarkeit von Trinknahrung bei Galexis im besten Fall ein sehr schwacher wäre. 
Deshalb scheint wenig plausibel, dass ein grosser Teil der Apotheken für einen derart geringen 
Vorteil bereit wäre, gegenüber einer Behörde absichtlich eine falsche Einschätzung abzuge-
ben.  Trotzdem  ist  davon  auszugehen,  dass  solche  strategischen  Überlegungen  tendenziell 
dazu  führen,  dass  die  angegebenen  Wechselwahrscheinlichkeiten  eher  zu  hoch  ausfallen. 
Diesem Umstand muss bei der Interpretation der Antworten Rechnung getragen werden.175 

164.  In der Umfrage wird nur nach dem Wechsel der Hauptgrossistin und nicht nach anderen 
Ausweichmöglichkeiten der Apotheken gefragt (vgl. Rz 127 vorne). Das hat den Vorteil, dass 
die Apotheken nur wenig Zeit zur Beantwortung benötigten. Die 183 Apotheken, die gemäss 
eigenen  Angaben  von  Galexis  als  Hauptgrossistin  beliefert  werden,  beantworteten  die  Um-
frage  durchschnittlich  innerhalb  von  2,3  Minuten.176  Hätte  das  Sekretariat  stattdessen  nach 
sämtlichen Ausweichmöglichkeiten gefragt, wäre der zeitliche Aufwand wesentlich höher aus-
gefallen.  Damit  wäre  das  Risiko  einer  niedrigen  Rücklaufquote  gestiegen.  Ausserdem  zeigt 
sich in den von den Apotheken im Freitextfeld abgegebenen Bemerkungen, dass sich diese in 
der  Regel  durchaus  bewusst  sind,  dass  es  neben  dem  Wechsel  der  Grossistin  auch  noch 
andere Reaktionsmöglichkeiten gibt. Trotzdem kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, 
dass die Apotheken durch den Fokus auf den Wechsel der Hauptgrossistin dieser Alternative 
ein  übermässig  hohes  Gewicht  gaben.  Auch  diesem  Umstand  ist  bei  der  Interpretation  der 
Antworten Rechnung zu tragen. 

165.  Die Apotheken konnten in ihren Antworten auf die Fragen 3 und 4 sämtliche denkbaren 
Wahrscheinlichkeiten von «gar nicht wahrscheinlich» bis «äusserst wahrscheinlich» angeben. 
Insofern  standen  ihnen  alle  denkbaren  Antwortmöglichkeiten  zur  Verfügung.  Keine  dieser 
Wahrscheinlichkeiten wurde in Bezug auf die Darstellung der Frage bevorzugt behandelt. Ent-
sprechend sind die Fragen des Sekretariats entgegen der Behauptungen der Parteigutachte-
rinnen von Fresenius Kabi nicht suggestiv.177  

166.  Die Verteilung der Antworten der 183 Einzelapotheken auf die Fragen 3 und 4 sind in 
Appendix G.4.3  dargestellt.  Wie  erwähnt  gaben  alle  dieser  Apotheken  in  ihrer  Antwort  auf 
Frage 2 an, dass Galexis ihre Hauptgrossistin sei. Vorliegend ist insbesondere die Verände-
rung  der  Wechselbereitschaft  durch  den  Wegfall  der  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  aus 
dem Sortiment von Galexis relevant. Diese wird anhand der Differenz zwischen der Wechsel-
bereitschaft ex-post (Antwort auf Frage 4) und der Wechselbereitschaft ex-ante (Antwort auf 
Frage 3) gemessen. Die Verteilung der entsprechenden Antworten der befragten Apotheken 
(Antwort auf Frage 4 abzüglich Antwort auf Frage 3) ist in Abbildung 7 dargestellt. 

175  Galexis bringt vor, dass «die Apotheker aus Loyalitätsüberlegungen nicht bereit sind, gegenüber der 
Wettbewerbskommission (nachfolgend: WEKO) die Aussage zu machen, dass sie den Grossisten 
wechseln würden» (Act. II.51, S. 5). Da Galexis ein Interesse daran hat, dass die Apotheken eine 
hohe Wechselgefahr signalisieren, ist unklar, weshalb «Loyalitätsüberlegungen» zu einer entgegen-
gesetzten Verfälschung führen sollten. 

176  Es  handelt  sich  um  den  Median  der  Differenz  zwischen  der  Startzeit  und  der  Fertigstellungszeit. 

Beide Zeitstempel wurden von Microsoft automatisch erfasst (Act. II.C.1). 

177  Vgl. Act. II.55, Beilage 3, S. 9 ff. für die entsprechenden Behauptungen der Parteigutachterinnen von 
Fresenius Kabi. Diese zitieren Literatur und Gerichtsentscheide zu Umfragen, bei welchen die be-
fragten Personen nicht alle nach der Lebenserfahrung naheliegenden und nicht unwahrscheinlichen 
Antwortalternativen auswählen konnten. Im Gegensatz dazu beschränkt sich die vorliegende Um-
frage zwar auf Fragen zum  Wechsel der Hauptgrossistin, schränkt aber die entsprechenden Ant-
wortmöglichkeiten nicht ein. 

47 

 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 7: Verteilung der Veränderung der Wechselbereitschaft, 183 Einzelapotheken mit 
Hauptgrossistin Galexis. 

0
6

n
e
t
r
o
w
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A

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4

0
2

0

-8 -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0

1

2

3

4

5

6

7

8

9 10

Quelle: Act. II.C.1. 

167.  Aus Abbildung 7 geht hervor, dass die mit Abstand häufigste Antwort diejenige ist, dass 
der Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi keinen Einfluss auf die Wechselbereitschaft 
hat. Einige Apotheken geben an, dass ihre Wechselbereitschaft zunehmen würde. 18 der 183 
Apotheken geben in ihrer Antwort auf Frage 3 eine höhere Wahrscheinlichkeit an als in ihrer 
Antwort auf Frage 4. Da der Wegfall eines Produkts aus dem Sortiment einer Grossistin diese 
offensichtlich nicht attraktiver macht, sind diese 18 Antworten nicht plausibel. Möglicherweise 
haben  die  betreffenden  Apotheken  die  Fragen  nicht  richtig  verstanden.  Aus  diesem  Grund 
werden diese Antworten von den nachfolgenden Auswertungen ausgeschlossen. 

168.  Ebenfalls wenig plausibel ist die von manchen Apotheken mit sehr geringem Einkaufs-
volumen angegebene deutliche Zunahme ihrer Wechselbereitschaft. Aus diesem Grund wer-
den 12 weitere Apotheken von den nachfolgenden Auswertungen ausgeschlossen. Diese (i) 
kauften im Jahr 2023 für weniger als [<1000] Franken Trinknahrung von Fresenius Kabi bei 
Galexis  ein  und  (ii)  ihre  Antwort  auf  Frage  4  fiel  um  mehr  als  2  Punkte  höher  aus  als  ihre 
Antwort  auf  Frage  3.  Weil  diese  Apotheken  nur  sehr  wenig  Trinknahrung  der  Herstellerin 
Fresenius Kabi bei Galexis einkaufen, können sie zu relativ geringen Kosten auf andere Be-
zugsquellen ausweichen oder allenfalls ganz darauf verzichten, Trinknahrung von Fresenius 
Kabi anzubieten (Rz 126 ff.). Aus diesem Grund ist die von ihnen angegebene hohe Zunahme 
ihrer Wechselbereitschaft wenig plausibel. 

169.  Die Verteilung der Antworten der verbleibenden 153 Apotheken auf die Fragen 3 und 4 
ist  in  Appendix G.4.3  dargestellt.  Die  Verteilung  der  Veränderung  der  Wechselbereitschaft 

48 

 
 
 
 
 
 
 
 
(Antwort auf Frage 4 abzüglich Antwort auf Frage 3) dieser 153 Apotheken kann aus Abbildung 
8 entnommen werden.178 

Abbildung 8: Verteilung der Veränderung der Wechselbereitschaft, 153 Einzelapotheken mit 
Hauptgrossistin Galexis (nur plausible Antworten). 

n
e
t
r
o
w
t
n
A

l

h
a
z
n
A

0
6

0
4

0
2

0

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Quelle: Act. II.C.1. 

170.  Bei 31 der 153 Einzelapotheken, welche von Galexis als Hauptgrossistin beliefert wer-
den und deren Antworten plausibel sind, erhöht sich die Wechselwahrscheinlichkeit um mehr 
als 2 Punkte auf einen Wert von mehr als 5.179 Das entspricht einem Anteil von rund 20 % der 
genannten 153 Einzelapotheken. Bei diesen Apotheken nimmt die von den Apotheken einge-
schätzte  Gefahr  eines  Grossistinnenwechsels  durch  den  Wegfall  der  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi zu. 

171.  5 Apotheken (rund 3 % der genannten 153 Einzelapotheken) erreichen eine hohe ex-
post Wechselwahrscheinlichkeit, weisen eine relativ starke Erhöhung der Wechselwahrschein-
lichkeit auf und kaufen mindestens für [>500] Franken Trinknahrung von Fresenius Kabi bei 

178  Fresenius Kabi fordert den Ausschluss von 5 Apotheken, weil deren Bemerkungen im Freitextfeld 
nicht konsistent mit der jeweiligen Antwort auf Frage 4 seien. Es handelt sich um die Apotheken mit 
den ID-Nummern 6581, 22717 und 54261, 64265 und 71976 (Act. II.55, Rz 34). Zwei dieser Apothe-
ken werden bereits im Rahmen der oben dargelegten Bereinigungen entfernt. Die übrigen drei wer-
den nicht ausgeschlossen, weil eine objektive Beurteilung allfälliger Inkonsistenzen jedenfalls nicht 
bei allen Apotheken möglich ist. Ausserdem hätte die Entfernung der verbleibenden drei Apotheken 
keinen wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse. 

179  Mit anderen Worten sind die folgenden beiden Bedingungen bei 31 der genannten 153 Apotheken 

erfüllt: (i) Antwort auf Frage 4 – Antwort auf Frage 3 > 2 und (ii) Antwort auf Frage 4 > 5. 

49 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Galexis ein. Bei diesen Apotheken besteht eine gewisse Gefahr, dass sie aufgrund des Weg-
falls der Trinknahrung von Fresenius Kabi die Hauptgrossistin wechseln könnten. Konkret er-
füllen diese 5 Apotheken alle der nachfolgend aufgelisteten Kriterien: 

−  Die Wechselwahrscheinlichkeit ex-post beträgt 9 oder 10 (Antwort auf Frage 4 > 8). 

−  Die Wechselwahrscheinlichkeit erhöht sich um mindestens 3 Punkte (Antwort auf Frage 

4 abzüglich Antwort auf Frage 3 > 2). 

−  Galexis lieferte im Jahr 2023 Trinknahrung für mehr als [>500] Franken. 

172.  3 dieser 5 Apotheken erreichen die maximale Wechselwahrscheinlichkeit von 10 in ihrer 
Antwort auf Frage 4. Das entspricht einem Anteil von rund 2 % der genannten 153 Einzelapo-
theken. 

173.  Manche der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken gehören einer Kette 
an. Deshalb lud das Sekretariat zusätzlich zu den genannten [250–450] Einzelapotheken (vgl. 
Rz 150) [5–10] Apothekenketten ein, an der Umfrage teilzunehmen. Diesen Apothekenketten 
gehören zwischen 2 bis zu rund 90 Apotheken an.180 Darunter befindet sich auch die Coop 
Vitality AG, an welcher die Galenica-Gruppe mit einem Anteil von [<50] % des Aktienkapitals 
beteiligt ist (Rz 69). Die den Ketten gestellten Fragen unterschieden sich lediglich dadurch von 
der  oben  beschriebenen  Umfrage für  Einzelapotheken,  dass  die  Fragen aus  Sicht  aller  der 
Kette angeschlossenen Apotheken zu beantworten waren.181 

174.  4 der [5–10] Ketten nahmen an der Umfrage teil, darunter auch die Coop Vitality AG. Die 
Apothekenketten, welche nicht teilnahmen, sind gemessen am Nettoumsatz von Galexis mit 
dem Verkauf von Trinknahrung von Fresenius Kabi im Jahr 2023 von untergeordneter Bedeu-
tung.182 

175.  In  Tabelle  6  sind  die  Antworten  der  Apothekenketten  aufgelistet.  Daraus  geht  hervor, 
dass  sich  die  Wechselbereitschaft  auch  bei  den  Apothekenketten  durch  den  Wegfall  der 
Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  nur  geringfügig  verändert  und  auch  ex-post  keine  hohen 
Werte annimmt. Deshalb dürfte die Gefahr gering sein, dass eine Apothekenkette von Galexis 
zu  einer  anderen  Hauptgrossistin  wechseln  würde,  weil  Galexis  keine  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi mehr anbieten kann. 

Tabelle 6: Wechselbereitschaft der Apothekenketten (Antworten auf Fragen 3 und 4 der Um-
frage) sowie Veränderung der Wechselbereitschaft (Antwort auf Frage 4 - Antwort auf Frage 
3). 

ID 

Ex-ante  Ex-post 

Veränderung der Wechselbereitschaft 

44511 

53430 

78907 

94147 

3 

4 

5 

3 

3 

7 

5 

5 

Quelle: Act. II.C.2. 

0 

3 

0 

2 

176.  Zusätzlich zu den Ergebnissen der Umfrage des Sekretariats liegen die Antworten einer 
von  Fresenius  Kabi  bei  der  DocWorld  AG  in  Auftrag  gegebenen  Umfrage  bei  100  in  der 
Schweiz tätigen Apothekerinnen und Apothekern vor («Parteiumfrage»). Fresenius Kabi stellt 

180  Vgl. Act. IV.1 für weitere Erläuterungen zur Umfrage einschliesslich der Definition von Apotheken-

ketten für den Zweck der Umfrage. 

181  Act. II.B.3 (Fragen für deutschsprachige Apothekenketten); Act. II.B.4 (Fragen für französischspra-

chige Apothekenketten). Gleiches gilt auch für die Einladungsemails (Act. II.A.3; Act. II.A.4). 

182  Galexis erzielte im Jahr 2023 einen Nettoumsatz von weniger als [<50 000] Franken mit dem Verkauf 
von Trinknahrung von Fresenius Kabi an Apothekenketten, die nicht and der Umfrage teilnahmen. 

50 

 
 
 
 
 
 
 
nicht explizit klar, in Bezug auf welche Grundgesamtheit anhand der Umfrageergebnisse Aus-
sagen möglich sein sollen. Mutmasslich handelt es sich um alle in der Schweiz tätigen Apo-
thekerinnen und Apotheker.183 Die Stichprobe der tatsächlich befragten Apothekerinnen und 
Apotheker  weist  möglicherweise  in  Bezug  auf  vorliegend  relevante  Eigenschaften  wie  zum 
Beispiel die von den Apotheken erzielten Umsätze mit Trinknahrung eine von der Grundge-
samtheit  abweichende  Verteilung  aus.  Diesbezüglich  fehlen  relevante  Angaben.184  Ausser-
dem muss bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden, dass es Fresenius Kabi 
unterlassen hat, die Daten in Bezug auf wenig plausible oder inkonsistente Antworten zu be-
reinigen.185 

177.  Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Tatsache, dass sich unter den von Fresenius Kabi 
befragten Apothekerinnen und Apothekern nur wenige befinden, die für die vorliegend beson-
ders relevanten Apotheken tätig sind. Dabei handelt es sich um Apotheken, die (i) von Galexis 
als Hauptgrossistin beliefert werden und die (ii) nicht zur Galenica-Gruppe gehören, weil nur 
diese zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln könnten (Rz 149).186 

178.  Unter den genannten Vorbehalten ist festzuhalten, dass die Ergebnisse der «Parteium-
frage» von Fresenius Kabi weitgehend mit denjenigen der Umfrage des Sekretariats konsistent 
sind.  Die  überwiegende  Mehrheit  der  befragten  Personen  gab  an,  dass  Trinknahrungspro-
dukte bei der Wahl der Hauptgrossistin keine oder nur eine untergeordnete Rolle spiele. 187 Nur 
3 % der befragten Personen sagten, dass ihre Apotheke den Wechsel der Hauptgrossistin in 
Betracht ziehen würde, falls diese eine konkrete Marke für Trinknahrung nicht mehr anbieten 
würde.188 

183  Aus den Ergebnissen werden Aussagen in Bezug auf Apotheken im Allgemeinen abgeleitet (vgl. z.B. 

Act. II.55, Beilage 1, S. 50 f.).  

184  Es liegen keine Angaben dazu vor, wie die 350 im Online-Panel der DocWorld AG vertretenen Apo-
thekerinnen und Apotheker rekrutiert wurden und welche Eigenschaften die rekrutierten Personen 
haben (z.B. Umsatzzahlen der Apotheken, für welche diese Personen tätig sind). Ausserdem wurden 
die 100 an der Umfrage teilnehmenden Personen nicht zufällig aus dem genannten Online-Panel 
ausgewählt.  Vielmehr  nahmen  die  ersten  100  teil,  die  Interesse  an  einer  Teilnahme  zeigten 
(Act. II.55, Beilage 1, S. 38). Ein solcher Auswahlprozess kann zu Verzerrungen führen, so dass die 
Gruppe der teilnehmenden Personen möglicherweise nicht einmal in Bezug auf die im Online-Panel 
vertretenen Personen repräsentativ ist. Ausserdem fehlen in Bezug auf die befragten Personen wich-
tige Angaben, namentlich die Umsatzzahlen der Apotheken, für welche diese Personen tätig sind. 
Aus diesen Gründen fehlt der Umfrage von Fresenius Kabi im Gegensatz zu derjenigen des Sekre-
tariats ein Repräsentativitätsnachweis. 

185 Dazu ein Beispiel: Nur 67 der 100 befragten Personen gaben an, dass ihr Grossist Trinknahrungs-
produkte von Fresenius Kabi anbiete, 17 wählten die Option «weiss nicht». Es verbleiben also 16 
der  befragen  100  Personen,  die  davon  ausgehen,  dass  «ihr  Grossist»  keine  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi anbiete. Falls die befragten Personen unter «ihr Grossist» die Hauptgrossistin ver-
stehen, trifft das nicht zu. Alle in der Schweiz tätigen Vollgrossistinnen bieten die genannten Produkte 
an (Rz 61). Trotzdem scheinen auch die Antworten derjenigen Personen in die Auswertungen ein-
zufliessen, die eine nicht plausible Antwort auf die genannte Frage gaben oder diese nicht beant-
worten konnten. 

186  45 der befragten Personen gaben an, dass Galexis ihre Hauptgrossistin sei (Act. II.55, Beilage 2, S. 
5, Antwort auf Frage 3.3). Ausserdem gaben 19 Personen an, dass ihre Apotheke zu Amavita oder 
zu Sun Store gehöre (Act. II.55, Beilage 2, S. 4, Antwort auf Frage 3.2). Beide dieser Ketten gehören 
zur Galenica-Gruppe (Rz 69). Folglich nahmen mutmasslich nur 26 Personen teil, deren Apotheke 
von Galexis als Hauptgrossistin beliefert wird und die nicht zur Galenica-Gruppe gehört. Viele dieser 
Apotheken können nicht selber ihre Hauptgrossistin auswählen. So nahmen zum Beispiel 8 zur Coop 
Vitality  AG  gehörende  Apotheken  an  der  Umfrage  teil.  Dabei  handelt  es  sich  um  eine  Kette.  Die 
einzelnen Apotheken können die Hauptgrossistin nicht selber auswählen (Vgl. auch die Antworten 
der befragten Personen auf Frage 3.5, Act. II.55, Beilage 2, S. 6). 

187  Act. II.55, Beilage 2, S. 13. 
188  Act. II.55, Beilage 2, S. 14. 

51 

 
 
 
 
 
 
 
Gesamtwürdigung der Gefahr von Grossistinnenwechseln 

179.  Rund [20–40 %] der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken gehören zur 
Galenica-Gruppe. Diese Apotheken können nicht zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln. 
Weil die Galenica-Gruppe einen Anteil von [<50] % am Aktienkapital der Coop Vitality AG hält, 
scheint es wenig plausibel, dass die zur gleichnamigen Kette gehörenden Apotheken wegen 
der Trinknahrung von Fresenius Kabi zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln würden. Aus 
diesen Gründen fällt bei [30–50] % der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken 
das Risiko eines Wechsels zu einer anderen Hauptgrossistin gering aus (Rz 141). 

180.  Von  den  verbleibenden von Galexis  als  Hauptgrossistin  belieferten  Apotheken  kaufen 
viele  nur  wenig  Trinknahrung  der  Herstellerin  Fresenius  Kabi  bei  Galexis  ein.  Mehr  als  die 
Hälfte  dieser  Apotheken  geben jährlich  weniger als  [500–2500]  Franken für  diese  Produkte 
aus. Rund ein Drittel beziehen sogar für weniger als [<1000] Franken jährlich solche Trinknah-
rung bei Galexis (Rz 88 ff. und Appendix G.2). Auch bei diesen Apotheken ist das Risiko ge-
ring, dass sie zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln würden. 

181.  Selbst Apotheken, welche relativ viel Trinknahrung bei ihrer Hauptgrossistin Galexis ein-
kaufen, würden nur dann die Hauptgrossistin wechseln, wenn der Bezug über alternative Quel-
len unverhältnismässig teuer wäre. Das dürfte nur bei den wenigsten dieser Apotheken der 
Fall  sein,  insbesondere  weil  viele  regelmässig  Produkte  bei  einer  Zweitgrossistin  beziehen. 
Aus diesen Gründen ist das Risiko gering, dass Galexis durch den Wegfall der Trinknahrung 
von Fresenius Kabi Kundinnen verlieren würde. 

182.  Mit dieser Einschätzung konsistent sind die Zeugenaussage eines Vertreters von Phar-
maSuisse sowie die Angaben der vom Sekretariat befragten Apotheken. Auch die Ergebnisse 
einer von Fresenius Kabi in Auftrag gegebenen Umfrage bei Apothekerinnen und Apothekern 
deuten in eine ähnliche Richtung. 

183.  Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass höchstens wenige der von Galexis als 
Hauptgrossistin  belieferten  Apotheken  in  Betracht  ziehen  würden,  zu  einer  anderen  Haupt-
grossistin zu wechseln, wenn Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten 
könnte. 

184.  Die  Parteigutachter  von Galexis  schätzen  diese Gefahr  insbesondere  gestützt  auf  die 
Umfrage  des  Sekretariats  wesentlich  grösser  ein.  Sie  bringen  vor,  dass  37  der  aktuell  von 
Galexis  als  Hauptgrossistin  belieferten  Einzelapotheken  mit  «hoher  Wahrscheinlichkeit»  zu 
einer anderen Hauptgrossistin wechseln würden.189 Dabei handelt es sich insbesondere aus 
den folgenden Gründen um eine Überschätzung dieses Risikos:190 

−  Unter  den  genannten  37  Apotheken  befinden  sich  auch  solche,  deren Wechselbereit-
schaft ex-post (Antwort auf Frage 4 der Umfrage des Sekretariats) mit einem Wert von 
5 eher tief ausfällt. Diese Apotheken würden kaum mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsäch-
lich die Hauptgrossistin wechseln. 

−  Unter  den  genannten  37  Apotheken  befinden  sich  auch  solche,  die  im  Jahr  2023  gar 
keine oder nur sehr wenig Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi bei Galexis ein-
kauften.191 Bei diesen Apotheken ist ein Wechsel selbst dann unwahrscheinlich, wenn 

189  Act. II.53, S. 9. 
190  Die Parteigutachter von Galexis selber gingen in ihrem ersten Gutachten in einem Szenario von der 
Annahme aus, dass lediglich eine Apotheke die Hauptgrossistin wechseln würde (Act. II.46, Abbil-
dung  5). Dort wird der «nachgelagerte Effekt», der durch den «Verlust des Deckungsbeitrags auf 
verlorene Kunden» entsteht, folgendermassen angegeben: «Jährlicher Verlust in der Höhe von ca. 
CHF [<0.5] Mio. (falls nur ein Abnehmer seinen Hauptgrossisten wechselt)». 
191  Act. II.C.1 (Antworten der Apotheken); Act. II.51, Beilage 1 (Umsatzzahlen). 

52 

 
 
 
 
 
 
 
die befragten Apotheken in der Umfrage des Sekretariats hohe Wechselwahrscheinlich-
keiten angeben. 

−  Weil die Apotheken ihr Verhalten in einer noch nie dagewesenen Situation einschätzen 
müssen, sind ihre Antworten mit Unsicherheit behaftet (Rz 162). Zusätzlich kann nicht 
ausgeschlossen  werden,  dass  manche  Apotheken  aus  strategischen  Gründen  eine 
übertrieben grosse Wechselwahrscheinlichkeit angeben (Rz 163) oder die vom Sekre-
tariat gestellten Fragen nicht verstanden haben (Rz 166 f.). Aus diesen Gründen ist da-
von  auszugehen,  dass  nicht  bei  allen  Apotheken,  die  eine  hohe  Wechselbereitschaft 
signalisieren, tatsächlich ein hohes Wechselrisiko besteht. 

185.  In  der  Stellungnahme  von  Galexis  schätzen  deren  Parteigutachter  erneut  anhand  der 
vom Sekretariat durchgeführten Umfrage die Anzahl von Apotheken, welche zu einer anderen 
Hauptgrossistin wechseln würden, wenn Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr 
anbieten könnte. Je nach Szenario handelt es sich um 8–41 Apotheken.192 Insbesondere we-
gen der bereits erwähnten Unsicherheiten der Antworten der Apotheken (Rz 184, dritter Spie-
gelstrich) kann die Anzahl der wechselnden Apotheken nicht genau quantifiziert werden. Die 
Umfrage des Sekretariats erlaubt eine grobe Einschätzung der Wechselgefahr, nicht aber eine 
Quantifizierung der Anzahl Apotheken, die tatsächlich wechseln würden. Ausserdem berück-
sichtigen die Parteigutachter von Galexis nicht, dass Galexis Massnahmen ergreifen kann, um 
wechselgefährdete Apotheken von einem Wechsel abzuhalten (vgl. Rz 189). 

B.7.2.5  Gesamtwürdigung der Folgen der Auflösung der Lieferbeziehung für Galexis 

186.  Wenn  Galexis  keine  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  mehr  beziehen  kann,  kann  sie 
diese  nicht  mehr  anbieten.  Parallelimporte  sind  ohne  Einwilligung  von  Fresenius  Kabi  nicht 
legal möglich und inländische Händlerinnen können die von Galexis benötigten Mengen eben-
falls kaum ohne Einverständnis von Fresenius Kabi liefern (Rz 116 ff). 

187.  Wenn Galexis keine Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr anbieten kann, erleidet Ga-
lexis  durch  den  Wegfall  der  damit  erzielten  Gewinne  und  Deckungsbeiträge  an  allgemeine 
Fixkosten einen Schaden in der Höhe von weniger als [<400 000] Franken jährlich (Rz 119 ff.). 

188.  Ausserdem verliert Galexis durch den Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi als 
Grossistin an Attraktivität. Dieser Nachteil kann nicht genau quantifiziert werden. Die vorlie-
genden Informationen deuten aber darauf hin, dass die damit einhergehenden Nachteile für 
Galexis eher gering ausfallen würden. Dafür sprechen insbesondere die folgenden Überlegun-
gen: 

−  Viele Apotheken kaufen regelmässig Produkte bei ihrer Zweitgrossistin ein. Diese Apo-
theken könnten in der Regel ohne wesentliche Zusatzkosten die Trinknahrung der Her-
stellerin  Fresenius  Kabi  statt  bei  Galexis  bei  ihrer  Zweitgrossistin  beziehen.  Deshalb 
würde Galexis aus Sicht dieser Apotheken in Bezug auf die übrigen Produkte nicht we-
sentlich an Attraktivität verlieren (Rz 132 ff.) 

−  Apotheken, die nur selten bei einer Nebengrossistin einkaufen, könnten die Trinknah-
rung von Fresenius Kabi zwar nur zu höheren Transportkosten bei einer Nebengrossistin 
beziehen. Da die allermeisten Apotheken nur wenig Trinknahrung verkaufen, würden die 
entsprechenden Zusatzkosten aber in der Regel trotzdem gering ausfallen (Rz 132 ff). 

− 

[28–55 %] der heute von Galexis verkauften Trinknahrung von Fresenius Kabi wird an 
Konsumentinnen und Konsumenten verkauft, welche grundsätzlich auf Produkte ande-
rer Herstellerinnen ausweichen könnten (Rz 121). Wenn die Apotheken einem Teil die-
ser Kundschaft statt der Trinknahrung von Fresenius Kabi vergleichbare Produkte ande-
rer Herstellerinnen abgeben, fallen die zusätzlich anfallenden Kosten noch tiefer aus.  

192  Act. IV.36, Tabelle 1. 

53 

 
 
 
 
 
 
 
189.  Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass Galexis den genannten Attraktivitäts-
verlust  durch  die  Verbesserung  der  Konditionen derjenigen  Apotheken  ausgleichen  könnte, 
die besonders stark betroffen wären.193 Die dadurch entstehenden Mehrkosten bzw. Minder-
einnahmen  für  Galexis  dürften  eher  gering  ausfallen.  Insbesondere  wenn  Galexis  stark  be-
troffene Apotheken kompensiert, dürfte die ohnehin bei den meisten Apotheken geringe Wech-
selgefahr  nochmal  tiefer  ausfallen.  Deshalb  würden  durch  den  allfälligen  Verlust  von 
Kundinnen kaum zusätzliche Kosten anfallen (Rz 141 ff.). 

190.  Zusätzlich zum Attraktivitätsverlust bei Apotheken verliert Galexis auch bei anderen Kun-
dinnen (Ärzteschaft, Spitäler, Drogerien, Home-Care Anbieterinnen) an Attraktivität. Diese Ab-
satzkanäle sind für etwas weniger als [< einen Drittel] der von Galexis mit dem Verkauf von 
Trinknahrung von Fresenius Kabi erzielten Umsätze verantwortlich (Rz 83). Deshalb ist davon 
auszugehen, dass die für Galexis durch eine Auflösung der Lieferbeziehung zu Fresenius Kabi 
entstehenden Nachteile bei diesen Kundengruppen im Vergleich zum Apothekenkanal gerin-
ger ausfallen würden. 

191.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Galexis durch die Auflösung der Lieferbezie-
hung zu Fresenius Kabi direkte Verluste in der Höhe von weniger als [<400 000] Franken er-
leiden würde. Allfällige weitere Verluste können nicht quantifiziert werden, dürften aber eher 
gering ausfallen.194 

B.7.2.6  Ergebnis 

192.  Im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  erachtet  die  Behörde  folgenden 
Sachverhalt als massgebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismass-
nahmen Rz 29 ff.): 

−  Wenn  Galexis  keine  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  mehr  beziehen  kann,  kann  sie 
diese nicht mehr anbieten. Andere Bezugsquellen bestehen für Galexis nicht (Rz 116 ff). 

−  Galexis würde durch den Wegfall der Umsätze mit der Trinknahrung von Fresenius Kabi 
einen direkten Verlust in der Höhe von weniger als [<400 000] Franken jährlich erleiden 
(Rz 119 ff.). 

−  Mit dem Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi würde Galexis weitere Verluste 
erleiden.  Diese  mutmasslichen  Nachteile  können  nicht  exakt  quantifiziert  werden.  Auf 
der Grundlage der erhobenen Beweismittel ist davon auszugehen, dass sie eher gering 
ausfallen würden (Rz 126 ff.). 

193  Galexis bringt vor, sie könne die besonders betroffenen Apotheken nicht kompensieren. Grund sei, 
dass eine «individualisierte Preis- bzw. Rabattpolitik zulasten der kleineren konkurrierenden Gross-
händler […] für Galexis mit gravierenden wettbewerbsrechtlichen Risiken verbunden [wäre]» (Act. 
IV.36, Rz 130). Dem ist nicht zuzustimmen. Schon heute handeln die Grossistinnen insbesondere 
mit den verschiedenen Gruppierungen und Ketten individuelle Rabatte aus (Rz 65 ff.). Wird aufgrund 
eines objektiven Kriteriums ein Rabatt gewährt, wäre ein solcher kaum missbräuchlich i.S.v. Art. 7 
KG. 

194  Die Parteigutachter von Galexis beziffern in ihrem ersten Gutachten in einer Beispielrechnung die 
«finanziellen Auswirkungen für Galexis» beim Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi auf rund 
[<1] Million Franken (Act. II.46, Abbildung 5 […]. In einem zweiten Gutachten beziffern sie den finan-
ziellen Verlust für Galexis mit rund [>1] Millionen Franken (Act. II.53, S. 9). Diese Zahl ist wie erwähnt 
insbesondere deshalb zu hoch, weil sie auf einer Überschätzung der Anzahl Apotheken beruht, die 
bei Nichtverfügbarkeit der Trinknahrung von Fresenius Kabi zu einer anderen Hauptgrossistin wech-
seln  würden  (Rz  184).  Ausserdem  wird  dabei  nicht  berücksichtigt,  dass  Galexis  stark  betroffene 
Apotheken mit einer Verbesserung der übrigen Konditionen kompensieren könnte (Rz 189). 

54 

 
 
 
 
 
 
 
B.7.3  Mutmassliche Folgen einer Auflösung der Lieferbeziehung für Fresenius Kabi 

193.  Nachdem  die  mutmasslichen  Folgen  einer  Auflösung  der  Lieferbeziehung  für  Galexis 
untersucht  worden  sind,  wird  nachfolgend  geprüft,  welche  Konsequenzen  sich  dadurch  für 
Fresenius Kabi ergeben würden. 

194.  Gemäss Angaben von Galexis kaufte Galexis im Jahr 2022 Trinknahrung der Herstelle-
rin Fresenius Kabi für [1–2] Millionen Franken ein.195 Rund […] davon entfiel gemäss Angaben 
von Galexis auf Parallelimporte.196 Demnach kaufte Galexis im Jahr 2022 für rund […]Franken 
Trinknahrung bei Fresenius Kabi Schweiz ein. Diese Zahlen stimmen jedenfalls ungefähr mit 
den  Angaben  von  Fresenius  Kabi  überein.197  Da  Parallelimporte  ohne  Zustimmung  von 
Fresenius Kabi unzulässig sind, ist davon auszugehen, dass Galexis aktuell und künftig keine 
Trinknahrung von Fresenius Kabi mehr aus dem Ausland einführen wird (Rz 48 ff.). Deshalb 
dürfte der aktuelle und künftige von Fresenius Kabi Schweiz mit dem Verkauf von Trinknah-
rung  an Galexis  erzielte  Umsatz  ungefähr  dem gesamten  Einkaufsvolumen  von  Galexis für 
Trinknahrung von Fresenius Kabi in der Höhe von rund [1–2] Millionen Franken pro Jahr ent-
sprechen. 

195.  Durch die Auflösung der Lieferbeziehung zu Galexis würde Fresenius Kabi diesen Um-
satz verlieren. Einen Teil davon könnte Fresenius Kabi allerdings durch höhere Umsätze bei 
anderen  Abnehmerinnen  kompensieren.  Der  Grund  dafür  ist,  dass  Galexis  [45–72 %]  der 
Trinknahrung von Fresenius Kabi an Endabnehmerinnen und Endabnehmer verkauft, denen 
spezifisch die Trinknahrung von Fresenius Kabi verschrieben wird (Rz 121). Diese Konsumen-
tinnen und Konsumenten würden mehrheitlich jedenfalls kurzfristig kaum auf Trinknahrung an-
derer Herstellerinnen umstellen (Rz 107 ff.). Deshalb ist davon auszugehen, dass Fresenius 
Kabi einen Teil der aktuell von Galexis bezogenen Trinknahrung stattdessen über andere Kun-
dinnen (z.B. andere Grossistinnen) absetzen könnte. 

196.  Bei [28–55 %] des von Fresenius Kabi mit dem Verkauf von Trinknahrung an Galexis 
erzielten  Umsatzes  bestünde  hingegen  die  Gefahr,  dass  Galexis  und  die  von  Galexis  mit 
Trinknahrung  belieferten  Apotheken  ihre  Kundinnen  und  Kunden  zum  Umsteigen  auf 
Trinknahrung  anderer  Herstellerinnen  bewegen  könnten.  Deshalb  könnten  Fresenius  Kabi 
durch die Auflösung der Lieferbeziehung zu Galexis Umsätze in der Höhe von bis zu [280 000–
1 100 000] Franken pro Jahr entgehen ([28–55 %] des jährlichen Umsatzes in der Höhe von 
rund [1–2] Millionen Franken). Je tiefer der Anteil der Endkundinnen und Endkunden ist, die 
bereit wären, auf andere Produkte umzustellen, desto geringer würde die entsprechende Um-
satzeinbusse ausfallen. 

197.  Beim  genannten  Umsatzverlust  in  der  Höhe  von  maximal  rund  [280 000–1 100 000] 
Franken handelt es sich nicht um den von Fresenius Kabi erlittenen Schaden. Davon müssten 
die Kosten von Fresenius Kabi abgezogen werden. Dazu liegen keine genauen Zahlen vor. 
Immerhin ist erstellt, dass Fresenius Kabi die gleichen Produkte gewissen Kundinnen zu we-
sentlich tieferen Preisen verkauft (Rz 216 ff.). Deshalb ist davon auszugehen, dass die margi-
nalen Kosten von Fresenius Kabi unter den Verkaufspreisen für Schweizerische Grossistinnen 
liegen.  Aus  diesem  Grund  müsste  Fresenius  Kabi  mit  gewissen  Verlusten  rechnen,  wenn 
Fresenius Kabi keine Trinknahrung mehr an Galexis verkaufen könnte. 

198.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Fresenius Kabi durch die Auflösung der Liefer-
beziehung zu Galexis gewisse Verluste erleiden würde. Die genaue Höhe dieser Verluste kann 
aufgrund der vorliegenden Informationen nicht quantifiziert werden. 

195  Act. II.46, Rz 75. 
196  Act. II.46, Rz 152. 
197  Act. II.55, Rz 13. 

55 

 
 
 
 
 
 
 
B.7.4  Verhältnis zwischen den mutmasslichen Folgen einer Auflösung der 

Lieferbeziehung für Galexis und Fresenius Kabi 

199.  Die Auflösung der Lieferbeziehung zwischen Fresenius Kabi und Galexis hätte für beide 
Parteien gewisse Nachteile zur Folge. Diese können nicht genau quantifiziert werden. Insbe-
sondere die Einschätzung allfälliger weiterer Verluste von Galexis (Rz 126 ff.) ist mit grossen 
Unsicherheiten  behaftet.  Deshalb  ist  auf  der  Grundlage  der  erhobenen  Beweismittel 
(Rz 115 ff.)  und  im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  nicht  erstellt,  dass  ein 
klares Ungleichgewicht in Bezug auf die zu befürchtenden Nachteile vorliegt. 

B.8  Nichtbelieferung von Galexis durch Fresenius Kabi im Ausland 

B.8.1  Einleitung 

200.  Nachfolgend wird geprüft, ob Fresenius Kabi die Möglichkeit von Galexis einschränkt, 
die von ihr hergestellte Trinknahrung im Ausland zu den dort branchenüblichen Bedingungen 
zu beziehen. 

B.8.2  Anfragen von Galexis bei Fresenius Kabi in Deutschland und den 

Niederlanden 

201.  Galexis  kontaktierte  am  20.  Januar  2022  Fresenius  Kabi  Deutschland  und  Fresenius 
Kabi  Niederlande.  In  den  entsprechenden  Schreiben  bat  Galexis  die  beiden  Ländergesell-
schaften  um  die  Zustellung  einer  Offerte  für  den  Bezug  von  Trinknahrung,  Sondennahrung 
und  Hilfsmitteln  ab  dem  Lager  von  Fresenius  Kabi  in  Deutschland  bzw.  den  Niederlanden. 
Galexis stellte in den genannten Schreiben klar, dass Galexis den Transport und die Verzol-
lung der zu beziehenden Produkte übernehmen würde.198 

B.8.3  Verweis auf die Ländergesellschaft Schweiz 

202.  Mit  Schreiben  vom  28. Februar  2022 teilte  Fresenius  Kabi  Deutschland Galexis  unter 
Bezugnahme auf die Anfragen von Galexis in Deutschland und den Niederlanden mit, dass 
der  Vertrieb  über  die  jeweiligen  Ländergesellschaften  erfolge,  und  verwies  Galexis  an 
Fresenius Kabi Schweiz.199 Gemäss Angaben von Fresenius Kabi sind weder Fresenius Kabi 
Deutschland noch Fresenius Kabi Niederlande bereit, Galexis mit Trinknahrung, Sondennah-
rung oder Hilfsmitteln in Deutschland oder den Niederlanden zu beliefern.200 Hingegen kann 
Galexis diese Produkte nach wie vor bei Fresenius Kabi Schweiz beziehen. 

B.8.4  Ergebnis 

203.  Im  Rahmen  der  vorliegenden  Einstellungsverfügung  erachtet  die  Behörde  folgenden 
Sachverhalt als massgebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismass-
nahmen Rz 29 ff.): Fresenius Kabi Deutschland und Fresenius Kabi Niederlande weigern sich, 
Galexis  in  Deutschland  bzw.  in  den  Niederlanden  mit  Trinknahrung,  Sondennahrung  oder 
Hilfsmitteln zur Verabreichung von Sondennahrung zu beliefern.201 

198  Act. I.1, Beilagen 4 und 5; Act. III.1, Zeilen 89–91. 
199  Act. I.1, Beilage 7. 
200  Act. III.1, Zeile 155. 
201  Act. III.1, Zeilen 89–91; Act. III.2, Zeile 155; Act. I.1, Beilage 7. 

56 

 
 
 
 
 
 
 
B.9  Konditionenvergleich Schweiz–Deutschland–Niederlande 

B.9.1  Einleitung 

204.  Nachfolgend wird untersucht, ob die Konditionen von Galexis beim Bezug von Trinknah-
rung  bei  Fresenius  Kabi  Schweiz  schlechter  sind  als  die  für  ein  mit  Galexis  vergleichbares 
Unternehmen in Deutschland oder den Niederlanden geltenden Konditionen. Dieser Vergleich 
dient der Beurteilung der Frage, ob die Nichtbelieferung von Galexis durch Fresenius Kabi im 
Ausland (Rz 200 ff.) missbräuchlich sein könnte (vgl. Rz 320 ff.). 

205.  Zu  diesem  Zweck  werden  zunächst  die  Konditionen  von  Galexis  beim  Bezug  über 
Fresenius Kabi Schweiz dargestellt (Rz 212 ff.). Anschliessend werden die für mit Galexis ver-
gleichbare Unternehmen in den Niederlanden (Rz 215) oder in Deutschland (Rz 216 ff.) gel-
tenden Konditionen untersucht. Im Zentrum stehen dabei die Preise. Deshalb wird zunächst 
dargelegt, anhand welcher Produkte die in den verschiedenen Ländern geltenden Preise ver-
glichen  werden  (Rz 206 ff.).  Schliesslich  werden  die  von  Galexis  in  der  Schweiz  bezahlten 
Preise mit den im Ausland für mit Galexis vergleichbare Unternehmen geltenden Preisen ver-
glichen (Rz 229 ff.). 

B.9.2  Methode 

B.9.2.1  Drei wichtigste Produktgruppen 

206.  Fresenius Kabi stellt zahlreiche verschiedene Arten von Trinknahrung her. Der nachfol-
gende  Preisvergleich  beschränkt  sich  auf  die  drei  gemessen  an  ihrem  Umsatz  wichtigsten 
Produktgruppen. Es handelt sich um die folgenden Produktgruppen:202 

−  «Fresubin 2 kcal Drink 200ml» (nachfolgend: Fresubin 2 kcal Drink) 

−  «Fresubin Protein Energy 200ml» (nachfolgend: Fresubin Protein Energy) 

−  «Fresubin 2 kcal Fibre 200ml» (nachfolgend: Fresubin 2 kcal Fibre) 

207.  Jede dieser Produktgruppen beinhaltet mehrere Produkte, die sich insbesondere in Be-
zug auf die Geschmacksrichtung unterscheiden.203 Die Preise sind aber für alle Produkte der 
genannten Produktgruppen jeweils die gleichen. 

208.  Die  nachfolgenden  Preis-  und Mengenvergleiche  können  anhand  dieser drei  Produkt-
gruppen  vorgenommen  werden,  weil  diese  für  rund  zwei  Drittel  des  von  Fresenius  Kabi 
Schweiz  mit  Verkäufen  von  Trinknahrung  an  Galexis  erzielten  Umsatzes  verantwortlich 
sind.204 Ausserdem fallen die Konditionen für andere Produkte im Bereich Trinknahrung ge-
mäss Angaben von Fresenius Kabi ähnlich aus.205 Schliesslich ermöglicht die Einschränkung 
auf die genannten drei Produktgruppen eine einfache Erfassung der Mengen, da die entspre-
chenden Produkte alle in Flaschen à 200 Milliliter verkauft werden. Dadurch ist es möglich, 
einen Preis für eine vergleichbare Mengeneinheit (Flasche à 200 Milliliter) zu berechnen und 
so die Preise in den verschiedenen Ländern zu vergleichen. 

B.9.2.2  Erfassung der geltenden Konditionen 

209.  Massgebend sind die für eine mit Galexis vergleichbare Bezügerin geltenden Bedingun-
gen in den Niederlanden und in Deutschland (vgl. Rz 1 zum Gegenstand der Untersuchung 

202  Act. II.7, Rz 4. 
203  Vgl. z.B. Act. II.9, Rz 28. 
204  Act. II.7, Rz 4; weitere Erläuterungen zur Bedeutung der drei wichtigsten Produktgruppen befinden 

sich in Appendix G.5.1. 

205  Act. II.16, Rz 4. 

57 

 
 
 
 
 
 
 
und Rz 320 ff. zum Tatbestand). Aus diesem Grund werden jeweils die für Grossistinnen oder 
andere Grosshändlerinnen geltenden Konditionen ermittelt. 

210.  Verglichen  werden  im  Wesentlichen  die  Preise  unter  Berücksichtigung  von  Rabatten, 
Rückerstattungen und Boni. Rabatte werden direkt bei der Rechnungsstellung gewährt, wäh-
rend Rückerstattungen und Boni erst zu einem späteren Zeitpunkt an die Kundinnen und Kun-
den ausbezahlt werden. Die vorliegenden besonders relevanten Boni werden in der Regel in 
Abhängigkeit von den erreichten Umsätzen gewährt. 

211.  Neben den Preisen können sich auch andere Konditionen wie zum Beispiel Rücknah-
mebedingungen oder Werbekostenzuschüsse von Land zu Land unterscheiden. Diesbezüg-
lich liegen nicht alle für einen exakten Vergleich erforderlichen Informationen vor. Soweit mög-
lich, werden aber auch solche Unterschiede bei der Einschätzung allfälliger Preisunterschiede 
zwischen der Schweiz und dem Ausland berücksichtigt (Rz 245 ff.). 

B.9.3  Konditionen von Fresenius Kabi Schweiz für Galexis 

212.  Am 1. Juli 2022 schloss Fresenius Kabi Schweiz mit Galexis einen neuen Vertrag ab, in 
welchem insbesondere die Konditionen der Lieferung von Trinknahrung durch Fresenius Kabi 
Schweiz an Galexis geregelt sind (nachfolgend: Kooperationsvertrag).206 Der genannte Ver-
trag gilt ab dem 1. Juli 2022 und hat eine feste Laufzeit von […].207 Seither gewährt Fresenius 
Kabi Schweiz Galexis einen Rabatt von […] % auf den für Grossistinnen geltenden Listenpreis 
beim Bezug von Trinknahrung.208 Zusätzlich erhält Galexis einen Bonus, dessen Höhe […]. 
Der maximal mögliche Bonus beträgt […] %.209 

213.  Die Kosten des Transports einschliesslich Versicherung übernimmt gemäss Kooperati-
onsvertrag […].210 In Bezug auf die […] sieht der Vertrag folgende Regelung vor: […].211 

214.  Die für Galexis und andere Grossistinnen relevanten Listenpreise sowie die genannten 
Rabatte und Boni gemäss Kooperationsvertrag sind in Tabelle 7 für die drei wichtigsten Pro-
duktgruppen aufgelistet, wobei der maximal mögliche Bonus von […] % zur Berechnung der 
von Galexis bezahlten Nettopreise verwendet wird. Weitere Ausführungen zu den in Tabelle 7 
wiedergegebenen Preisen befinden sich in Appendix G.5.2. 

206  Act. II.11, Beilage 4. 
207  Ziffer 7.11 des Kooperationsvertrags (Act. II.11, Beilage 4). 
208  Ziffer 4.2 des Kooperationsvertrags (Act. II.11, Beilage 4). 
209  Ziffer 4.4 des Kooperationsvertrags (Act. II.11, Beilage 4). 
210  Ziffer 5.1 des Kooperationsvertrags (Act. II.11, Beilage 4). 
211  Ziffer 5.2 des Kooperationsvertrags (Act. II.11, Beilage 4). 

58 

 
 
 
 
 
 
 
Tabelle 7: Preise Galexis gemäss Kooperationsvertrag vom 1.7.2022 (gültig bis […]), Fran-
ken pro Flasche. 

Produktgruppe 

Listenpreis 2023 

abzüglich 
[…] % Rabatt 

abzüglich maxi-
maler Bonus 
([…] %) 

Fresubin 2 kcal Drink 

[2.75–4.00] 

[2.00–3.25] 

Fresubin Protein Energy 

[2.75–4.00] 

[2.00–3.25] 

Fresubin 2 kcal Fibre 

[2.75–4.00] 

[2.00–3.25] 

[2.00–3.00] 

[2.00–3.00] 

[2.00–3.00] 

Quelle: Act. II.11, Beilage 4 (Kooperationsvertrag); Act. II.16, Rz 41 (Listenpreise). 

B.9.4  Konditionen Fresenius Kabi Niederlande 

215.  Gemäss  Angaben  von  Fresenius  Kabi  können  Grosshändlerinnen  die  Produkte  von 
Fresenius Kabi Niederlande zum Listenpreis abzüglich eines Rabatts von rund [<40] % bezie-
hen.212  Dabei  spiele  es  keine  Rolle,  ob eine  Grosshändlerin  ihren  Sitz  in  den  Niederlanden 
habe.213 Diese Preise sind in Tabelle 8 für die drei wichtigsten Arten von Trinknahrung für das 
Jahr 2023 angegeben. 214 

Tabelle 8: Preise von Fresenius Kabi Niederlande für niederländische Grossistinnen, 2023, 
Euro pro Flasche. 

Produktgruppe 

Listenpreis 2023 

abzüglich [<40] % Ra-
batt 

Fresubin 2 kcal Drink 

Fresubin Protein Energy 

Fresubin 2 kcal Fibre 

[2.00–3.25] 

[2.00–3.25] 

[2.00–3.25] 

[>1.59] 

[>1.38] 

[>1.59] 

Quelle: Act. II.30, Beilagen 22–24; Act. II.16, Rz 47. 

B.9.5  Konditionen Fresenius Kabi Deutschland 

216.  Ähnlich wie in der Schweiz handelt Fresenius Kabi auch in Deutschland die Konditionen 
für Trinknahrung individuell mit ihren Kundinnen aus. Grundlage ist ein Listenpreis, der für alle 

212  Act. II.30, Rz 4. Fresenius Kabi reichte Rechnungen ein, welche Fresenius Kabi Niederlande im Jahr 
2022 an niederländische Grosshändlerinnen ausgestellt hatte (Act. II.30, Beilagen 1–21). Zusätzlich 
reichte Fresenius Kabi die in den Niederlanden geltenden Listenpreise ein (Act. II.30, Beilagen 22–
24). Anhand dieser Unterlagen überprüfte das Sekretariat die Höhe der gewährten Rabatte. Diese 
betragen wie von Fresenius Kabi angegeben rund [<40] % des Listenpreises. 

213  Act. II.30, Rz 4. Grosshändlerinnen, die einen Vertrag mit einer niederländischen Krankenkasse ab-
geschlossen haben oder die Gesundheitsdienstleisterinnen beliefern, die einen solchen Vertrag ab-
geschlossen haben, wird gemäss Angaben von Fresenius Kabi zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr 
von rund […] % des Listenpreises erstattet (Act. II.30, Rz 2 ff.). 

214  Fresenius  Kabi  bringt  vor,  es  sei  kein  aussagekräftiger  Preisvergleich  zwischen  der  Schweiz  und 
den Niederlanden möglich, weil «die Märkte in der Schweiz und den Niederlanden in ihren Strukturen 
nicht vergleichbar» seien (Act. II.36, Rz 66 ff.). Da alle Grosshändlerinnen in den Niederlanden etwa 
den gleichen Preis bezahlen (Act. II.30, Rz 5), ist unklar, weshalb aus diesem Grund kein Vergleich 
möglich sein soll. Vielmehr kann deshalb der in den Niederlanden branchenübliche Preis für Gross-
händlerinnen  relativ  einfach  bestimmt  werden.  Diese  Preise  sind  in  Tabelle  8  angegeben.  Unter-
schiedliche Markstrukturen könnten allenfalls dann zu einer Einschränkung der Vergleichbarkeit der 
Preise führen, wenn diese mit Unterschieden in Bezug auf übrige Konditionen wie zum Beispiel die 
Möglichkeit der Rückgabe einhergehen. 

59 

 
 
 
 
 
 
 
Kundinnen der gleichen Marktstufe einheitlich festgelegt wird.215 Fresenius Kabi Deutschland 
unterscheidet zwischen den folgenden Marktstufen:216 

−  Pre-Wholesale 

−  Grosshandel vollsortiert (Vollgrossistinnen) 

−  Grosshandel teilsortiert (Teilgrossistinnen) 

−  Online-Apotheken 

− 

Internethandel 

−  Homecare Anbieterinnen 

−  Kliniken / Hospital 

217.  Die Preise für Trinknahrung unterscheiden sich einerseits zwischen den verschiedenen 
Marktstufen.  Kundinnen  der  gleichen  Marktstufe  bezahlen  aber  ebenfalls  teilweise  unter-
schiedliche  Preise.  Die  auf  den  Listenpreis  gewährten  Rabatte  und  Boni  werden  individuell 
ausgehandelt und fallen teilweise stark unterschiedlich aus. Die Höhe dieser Rabatte und Boni 
ist gemäss Angaben von Fresenius Kabi von den folgenden Faktoren abhängig:217 

−  Verhandlungsmacht  der  Kundin:  Insbesondere  das  Einkaufsvolumen  habe  einen  Ein-

fluss auf die Höhe der gewährten Rabatte und Boni; 

−  Verhandlungsgeschick der Kundin; 

−  Strategische Zusammenarbeit zwischen Fresenius Kabi Deutschland und der Kundin; 

−  Leistungen der Kundin, zum Beispiel in den Bereichen Marketing und Logistik; 

−  Übrige  Konditionen  von  Fresenius  Kabi,  zum  Beispiel  Lieferfrequenz,  Möglichkeit  der 

Rückgabe nicht verkaufter Produkte oder weitere Produktbedingungen; 

−  Ökonomische Rahmenbedingungen. 

218.  Fresenius  Kabi  Deutschland  berücksichtige  in  den  Preisverhandlungen  insbesondere, 
zu welchen Preisen die Kundin die Trinknahrung weiterverkaufen könne. Onlinehändlerinnen 
könnten zum Beispiel nur dann im Wettbewerb bestehen, wenn sie die Trinknahrung im Ver-
gleich zu den Grossistinnen günstiger einkaufen könnten.218 Auch Kundinnen der Marktstufe 
Pre-Wholesale könnten Trinknahrung tendenziell günstiger beziehen als Grossistinnen, damit 
sie im Wettbewerb bestehen könnten.219 Ausserdem verfolge Fresenius Kabi Deutschland das 
Ziel, eine Konsolidierung auf Ebene Grosshandel zu verhindern. Deshalb gewähre Fresenius 
Kabi Deutschland kleineren Teilgrossistinnen relativ gute Konditionen.220 Auch das Einkaufs-
volumen  einer  Kundin mit  anderen  Produkten  von  Fresenius  Kabi  könne  einen  Einfluss  auf 
den  Preis  für  Trinknahrung  haben.  So  gebe  es  zum  Beispiel  […].221  Zudem  berücksichtige 
Fresenius Kabi Deutschland in den Preisverhandlungen, ob eine Kundin die Auswahl der ab-
gegebenen Trinknahrung auf Ebene der Endkundinnen und Endkunden beeinflussen könne. 
Das sei zum Beispiel bei den Homecare Anbieterinnen der Fall.222 

219.  In Abbildung 9 sind die Nettopreise von Fresenius Kabi Deutschland im Jahr 2022 für 
[…] deutsche Kundinnen separat für die genannten 7 Handelsstufen dargestellt. Es handelt 

215  Act. II.11, Rz 19. 
216  Act. II.44, Rz 1 f. 
217  Act. II.11, Rz 21 ff.; Act. II.44, Rz 20 ff. 
218  Act. II.44, Rz 37. 
219  Act. II.44, Rz 32. 
220  Act. II.44, Rz 34. 
221  Act. II.44, Rz 41. 
222  Act. II.44, Rz 40. 

60 

 
 
 
 
 
 
 
sich um sämtliche Kundinnen, die im Jahr 2022 mindestens [>100 000] Flaschen Trinknahrung 
der drei wichtigsten Produktgruppen (vgl. Rz 206 vorne) von Fresenius Kabi Deutschland be-
zogen haben. Die Nettopreise sind wie erwähnt die in Rechnung gestellten Preise abzüglich 
sämtlicher Rabatte, Boni, Rückerstattungen und Mehrwertsteuer.223 Für jede Marktstufe ist der 
Median der Nettopreise mit einem roten Pluszeichen gekennzeichnet. Der Median des Netto-
preises einer Marktstufe entspricht demjenigen Preis, der sicherstellt, dass die Hälfte der Kun-
dinnen dieser Marktstufe einen höheren und die andere Hälfte einen tieferen Nettopreis be-
zahlten. 

220.  Zur besseren Übersicht sind in Abbildung 9 die durchschnittlichen Nettopreise für alle 
drei wichtigen Produktgruppen gemeinsam dargestellt. Ein Punkt entspricht also dem durch-
schnittlichen Nettopreis pro Flasche der von einer Kundin im Jahr 2022 bezogenen Trinknah-
rung der drei wichtigsten Produktgruppen. Separate Auswertungen für jede der drei wichtigs-
ten Produktgruppen befinden sich in Appendix G.5.3. Ausserdem ist in Tabelle 9 für jede der 
drei wichtigsten Produktgruppen separat der Median der Nettopreise pro Handelsstufe aufge-
listet. In der fünften Spalte rechts aussen in Tabelle 9 sind die in Abbildung 9 mit einem roten 
Pluszeichen markierten Medianpreise für alle der drei wichtigsten Produktgruppen angegeben. 

223  Act. II.44, Rz 16 […]. 

61 

 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 9: Durchschnittliche Nettopreise pro Flasche Trinknahrung der drei wichtigsten 
Produktgruppen, Fresenius Kabi Deutschland, 2022. 

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Vollgrossistinnen

Pre-Wholesale

Online-Apotheken

Homecare

Teilgrossistinnen

Internethandel

Quelle: Act. II.44, Rz 16. 

Tabelle 9: Median der durchschnittlichen Nettopreise pro Flasche, Fresenius Kabi Deutsch-
land, 2022, Euro pro Flasche. 

Handelsstufe 

Fresubin 2 
kcal Drink 

Fresubin Pro-
tein Energy 

Fresubin 2 
kcal Fibre 

Alle 3 wich-
tigsten Pro-
duktgruppen 

Vollgrossistinnen 

Pre-Wholesale 

Online-Apotheken 

Homecare 

Teilgrossistinnen 

Internethandel 

Quelle: Act. II.44, Rz 16. 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

221.  Aus  Abbildung  9  und  Tabelle  9  geht  hervor,  dass  die  Vollgrossistinnen  bei  Fresenius 
Kabi in Deutschland in der Regel die höchsten Preise bezahlen, während der Internethandel 
am wenigsten bezahlt. Die Nettopreise der übrigen Handelsstufen liegen dazwischen. 

222.  Nicht nur zwischen den verschiedenen Marktstufen, sondern auch innerhalb der Markt-
stufen bezahlen verschiedene Kundinnen teilweise stark unterschiedliche Nettopreise. Das ist 
ein Indiz dafür, dass neben der Marktstufe auch andere Faktoren (Rz 217 vorne) den Preis 
beeinflussen.  Diese  anderen  Faktoren  können  jedenfalls  teilweise  nicht  objektiv  gemessen 
werden. Das ist zum Beispiel beim Verhandlungsgeschick der Kundin der Fall. Auch der exakte 

62 

 
 
 
 
 
 
 
 
Wert von Anstrengungen einer Kundin zur Vermarktung der Trinknahrung von Fresenius Kabi 
kann nicht beziffert werden. Insbesondere aus diesem Grund ist es nicht möglich, exakt fest-
zulegen,  welchen  Preis  ein  mit  Galexis  vergleichbares  Unternehmen  in  Deutschland  für 
Trinknahrung von Fresenius Kabi bezahlen würde.224 

223.  Obwohl keine exakte Bestimmung des von einem mit Galexis vergleichbaren Unterneh-
men bezahlten Preis möglich ist, lässt sich dessen Grössenordnung einschätzen. Zu diesem 
Zweck  wird  nachfolgend  in  erster  Linie  auf  die  von  deutschen  Vollgrossistinnen  bezahlten 
Preise abgestellt. Grund dafür ist einerseits, dass sich die Handelsstufe eines Unternehmens 
objektiv bestimmen lässt. Ausserdem ist davon auszugehen, dass einige der anderen Eigen-
schaften, die einen Einfluss auf den Nettopreis haben (Rz 217), mit der Handelsstufe korrelie-
ren: Unternehmen der gleichen Handelsstufe haben in der Regel vergleichbare Bedürfnisse 
zum Beispiel in Bezug auf Rückgabemöglichkeiten, Lieferfristen oder Beratungsangebote sei-
tens der Herstellerin. Deshalb dürften die entsprechenden Konditionen für Unternehmen der 
gleichen  Handelsstufe  einigermassen  ähnlich  ausfallen.225  Ausserdem  steht  den  Unterneh-
men der gleichen Handelsstufe in der Regel eine vergleichbare Marktgegenseite mit vergleich-
barer Zahlungsbereitschaft gegenüber. 

224.  Neben der Handelsstufe kann auch die bezogene Menge objektiv gemessen werden. Im 
Vergleich zur Handelsstufe kann die Menge allein aber die unterschiedlichen Preise weniger 
gut  erklären.  In  Abbildung  10  sind  die  Nettopreise  und  die  bezogene  Anzahl  Flaschen 
Trinknahrung für die […] Kundinnen von Fresenius Kabi Deutschland dargestellt, die im Jahr 
2022 mindestens [>100 000] Flaschen Trinknahrung der drei wichtigsten Produktgruppen be-
zogen haben. Die roten Dreiecke kennzeichnen die Werte der sechs deutschen Vollgrossis-
tinnen. Daraus geht hervor, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Nettopreis 
und der Anzahl bezogener Flaschen gibt.226 Das trifft auch dann zu, wenn man nur die Voll-
grossistinnen betrachtet. 

225.  Daraus  kann  allerdings  nicht  geschlossen  werden,  dass  die  bezogene  Menge  keinen 
Einfluss auf den Nettopreis hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ein solcher Effekt exis-
tiert. Dieser kann nicht zuverlässig gemessen werden, weil verschiedene andere nicht mess-
baren  Grössen  den  Nettopreis  ebenfalls  beeinflussen  (zum  Beispiel  das  Verhandlungsge-
schick oder die Verkaufsanstrengungen).227 

224  Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass zahlreiche Faktoren einen Einfluss auf den Preis ha-
ben. Gleichzeitig beliefert Fresenius Kabi Deutschland nur […] Grosskundinnen mit Trinknahrung. 
Deshalb existiert keine verlässliche Datengrundlage für die Schätzung des Preises, den ein mit Ga-
lexis vergleichbares Unternehmen bezahlen müsste. 

225  Vgl. Act. II.44, Rz 7 ff. 
226  Dieser  Eindruck  wird  dadurch  bestätigt,  dass  der  Spearman  Korrelationskoeffizient  zwischen  der 
Anzahl Flaschen und dem Nettopreis einen Wert von [<0.5] annimmt, die Nullhypothese, dass der 
genannte Korrelationskoeffizient gleich null ist kann nicht verworfen werden (p=0.25; alle […] deut-
schen Kundinnen). Werden nur die 6 deutschen Vollgrossistinnen herangezogen, fällt der Spearman 
Korrelationskoeffizient zwischen der Anzahl Flaschen und dem Nettopreis mit einem Wert von [<0.4] 
noch tiefer aus. Auch dieser unterscheidet sich nicht signifikant von null (p=0.7; 6 deutsche Vollgros-
sistinnen).  

227  Galexis bringt vor, die «ökonomische Theorie» gehe davon aus, dass höhere Abnahmevolumen mit 
verbesserter  Verhandlungsmacht  einhergehen  würden.  Deshalb  sei  der  im  Vergleich  zu  anderen 
Marktsegmenten teure Preis der deutschen Vollgrossistinnen ein Hinweis auf «sortimentsbedingte 
Abhängigkeiten» der Vollgrossistinnen (Act. IV.36, Rz 189). Diese Schlussfolgerung greift zu kurz. 
Wie dargelegt ist der Preis nicht nur von der bezogenen Menge, sondern von zahlreichen weiteren 
Faktoren abhängig.  

63 

 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 10: Bezogene Menge und Nettopreis, Deutsche Kundinnen mit mindestens 
[>100 000] Flaschen Einkaufsvolumen, drei wichtigste Produktgruppen, 2022.228 

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Anzahl Flaschen (Mio.)

Vollgrossistinnen

Andere Kundinnen

Quelle: Act. II.44, Rz 16. 

226.  Aus diesen Gründen wird vorliegend im Wesentlichen auf die Handelsstufe abgestellt, 
um den Marktpreis einer mit Galexis vergleichbaren Kundin zu bestimmen. Die Bandbreite der 
von  deutschen  Vollgrossistinnen229  für  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  bezahlten  Netto-
preise ist in Tabelle 10 für die Jahre 2022 und 2023 angegeben.230 

228  Das  Sekretariat  hat  zwei  deutsche  Unternehmen  direkt  nach  den  von  ihnen  an  Fresenius  Kabi 
Deutschland im Jahr 2022 bezahlten Nettopreisen und nach den bezogenen Mengen Trinknahrung 
gefragt (Act. I.174; Act. I.179). Eines dieser Unternehmen reichte dazu detaillierte Angaben ein (Act. 
II.41). Diese stimmen im Wesentlichen mit den Angaben von Fresenius Kabi überein. 

229  Für das Jahr 2022 entspricht der in Tabelle 10 angegebene Nettopreis der Spanne zwischen dem 
Minimum und dem Maximum der Nettopreise derjenigen sechs deutschen Vollgrossistinnen, die im 
Jahr 2022 mindestens [>100 000] Flaschen Trinknahrung der drei wichtigsten Produktgruppen bei 
Fresenius Kabi Deutschland bezogen haben. Für das Jahr 2023 liegen die entsprechenden Angaben 
hingegen nur für vier dieser deutschen Vollgrossistinnen vor. Es handelt sich um die […]. Die Netto-
preise der gemessen an der bezogenen Anzahl Flaschen Trinknahrung kleinsten und grössten deut-
schen Vollgrossistin fehlen. Das Sekretariat hat darauf verzichtet, die entsprechenden Angaben für 
das Jahr 2023 anzufordern, weil sich dadurch am Ergebnis nichts ändern würde: Wenn zusätzlich 
die Nettopreise der kleinsten und der grössten deutschen Vollgrossistinnen vorliegen würden, kann 
die in Tabelle 10 angegebene Bandbreite dadurch nur grösser, nicht aber kleiner ausfallen. Deshalb 
kann sich dadurch nichts am Ergebnis ändern (Rz 245 ff.). 

230  Galexis bringt vor, dass die Galenica-Gruppe nicht nur als Grosshändlerin, sondern auch als Online-
Apotheke  und  Internethändlerin  tätig  sei.  Deshalb  wäre  Fresenius  Kabi  gehalten,  gegenüber  der 
Galenica-Gruppe «tiefere Preise» anzubieten (Act. IV.36, Rz 190). Dieser Einwand überzeugt nicht. 
Galexis machte geltend, sie sei in ihrer Rolle als Grossistin von Fresenius Kabi abhängig (z.B. Act. 

64 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tabelle 10: Nettopreise deutscher Vollgrossistinnen, 2022 und 2023, Euro pro Flasche.231 

Nettopreis 2022 (n=6) 

Nettopreis 2023 (n=4) 

Fresubin 2 kcal Drink 

Fresubin Protein Energy 

Fresubin 2 kcal Fibre 

[1.00–2.50] 

[1.00–2.50] 

[1.00–2.50] 

[1.00–2.50] 

[1.00–2.50] 

[1.00–2.50] 

Quelle: Act. II.44, Rz 16 (2022); Act. II.30, Rz 9 (2023). 

227.  Gemäss  den  Lieferverträgen,  welche  Fresenius  Kabi  Deutschland  mit  den  vier  deut-
schen Grossistinnen […] für die Jahre 2020–2022 abgeschlossen hat, […] nicht verkäufliche 
Bestände  zu  retournieren  […].232  Wie  in  der  Schweiz  übernimmt  Fresenius  Kabi  auch  in 
Deutschland die Kosten für den Transport. Die Kosten der entsprechenden Versicherung trägt 
aber im Gegensatz zur Schweiz die Kundin.233 

228.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Vollgrossistinnen in Deutschland im Jahr 2023 
rund  [1.00–2.50]  Euro  pro  Flasche  Trinknahrung  bezahlten,  die  sie  von  Fresenius  Kabi 
Deutschland bezogen. Neben der Handelsstufe hatten verschiedene andere Faktoren einen 
Einfluss auf den von den deutschen Kundinnen bezahlten Preis für Trinknahrung. Der genaue 
Einfluss dieser Faktoren auf den Preis kann nicht beziffert werden. 

B.9.6  Vergleich 

B.9.6.1  Einleitung 

229.  In Tabelle 11 sind zur Übersicht die bereits beschriebenen Nettopreise für Trinknahrung 
im Jahr 2023 angegeben. Die bisher in Euro angegebenen Preise in den Niederlanden und 
Deutschland werden zu diesem Zweck in Franken umgerechnet. Dazu werden das Maximum 
und das Minimum des im Jahr 2023 geltenden Wechselkurses verwendet.234 Die Bandbreite 
der in den Niederlanden und in Deutschland geltenden Preise vergrössert sich deshalb ent-
sprechend. 

I.1, Rz 8 ff.). Ausserdem dürften die von der Galenica-Gruppe über Online-Apotheken und den In-
ternethandel  verkauften  Mengen  im  Vergleich  zu  den  über  Galexis  verkauften  Mengen  kaum  ins 
Gewicht fallen. Die von Galexis eingereichte Erhebung der SMNI weist den Internethandel oder die 
Online-Apotheken nicht als separaten Absatzkanal der Herstellerinnen von Trinknahrung aus. Der 
Anteil des mit dem Verkauf an «Übrige» erzielten Umsatzes am insgesamt in der Schweiz erzielten 
Umsatz mit Trinknahrung beträgt 0,2 % (Rz 57 f.; Act. II.9, Rz 2). 

231  Die  in  Tabelle  10  angegeben  Preise  beruhen  auf  Angaben  von  Fresenius  Kabi.  Die  Behörde  hat 
diese Angaben anhand von Preislisten (Act. II.30, Beilagen 28–31) überprüft. Die Angaben betref-
fend die Rabatte und Boni hat die Behörde anhand von Verträgen geprüft, in welchen deren Höhe 
zwischen Fresenius Kabi Deutschland und deutschen Vollgrossistinnen vereinbart wurde (Act. II.16, 
Beilagen 3–14). Diese Verträge liegen nur für das Jahr 2022 und nur für vier von sechs deutschen 
Vollgrossistinnen vor (vgl. Fn 229). Die von Fresenius Kabi für das Jahr 2023 angegebenen Rabatte 
und Boni sind insofern plausibel, als sie […]. Die für das Jahr 2023 angegebenen Nettopreise gelten 
ab dem 1.2.2023 (Act. II.30, Rz 9). 

232  Act. II.16, Beilagen 3–14. 
233  […] Dort ist festgehalten, dass die Lieferung bei Bestellungen im Wert von mindestens 150 Euro frei 
Haus erfolgt <www.fresenius-kabi.com/de/documents/LZB_FKD_07-19.pdf> (1.3.2023), § 3.2. Hin-
gegen geht gemäss § 5.1  die Gefahr  mit  der Absendung der Lieferung  auf den  Käufer über, und 
zwar auch dann, wenn Fresenius Kabi Deutschland die Versandkosten trägt. 

234  Im Jahr 2023 ist der Schweizer Franken am 12.1.2023 mit einem Wert von 1.0056 Franken pro Euro 
am stärksten. Das Minimum wurde am 29.12.2023 mit einem Wechselkurs von 0.9260 Franken pro 
Euro  erreicht  <www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_ 
rates/html/eurofxref-graph-chf.en.html> (30.12.2023). 

65 

 
 
 
 
 
 
 
 
Tabelle 11: Nettopreise Trinknahrung, 2023, Franken pro Flasche. 

Fresubin 2 kcal Drink 

Fresubin Protein Energy 

Fresubin 2 kcal Fibre 

Galexis 

Niederlande 

Deutschland 

[2.00–3.25] 

[2.00–3.25] 

[2.00–3.25] 

[>1.47] 

[>1.28] 

[>1.47] 

[0.93–2.51] 

[0.93–2.51] 

[0.93–2.51] 

230.  Quelle:  Act.  II.11,  Beilage  4;  Act.  II.16,  Rz 41;  Act.  II.30,  Beilagen  22–24;  Act.  II.16, 
Rz 47; Act. II.30, Rz 9 sowie Beilagen 28–31. 

231.  Aus Tabelle 11 geht hervor, dass die Preise in Deutschland tendenziell tiefer ausfallen 
als in den Niederlanden. Deshalb hat Galexis kaum ein Interesse am Bezug in den Niederlan-
den zu den dort üblichen Preisen, wenn ein Bezug in Deutschland zu den Konditionen der dort 
tätigen Vollgrossistinnen möglich ist. Aus diesem Grund werden nachfolgend die für Galexis 
beim Bezug in der Schweiz geltenden Preise mit den in Deutschland üblichen Preisen vergli-
chen. 

232.  Fresenius Kabi stellt Trinknahrung in […] her.235 Deshalb muss Fresenius Kabi Schweiz 
diese Produkte in die Schweiz einführen, bevor sie dort an Galexis verkauft werden können. 
Wenn Galexis Trinknahrung in Deutschland oder den Niederlanden beziehen würde, müsste 
Galexis seinerseits die bei der Einfuhr in die Schweiz anfallenden Kosten tragen. Aus diesem 
Grund müssen die Kosten für die Verzollung sowie den Transport in die Schweiz zu den in 
Deutschland  üblichen  Preisen  dazugeschlagen  werden,  bevor  diese mit  den  von Galexis  in 
der Schweiz bezahlten Preisen verglichen werden können. Nachfolgend werden zunächst die 
Kosten der Verzollung (Rz 233 ff.), anschliessend die Transportkosten (Rz 239 ff.) untersucht. 
Schliesslich werden die Ergebnisse beurteilt (Rz 245 ff.). 

B.9.6.2  Verzollung 

233.  Wird Trinknahrung aus Deutschland in die Schweiz eingeführt, fallen Zollgebühren an. 
Die Höhe dieser Gebühren ist davon abhängig, aus welchem Land die Zutaten der Trinknah-
rung stammen und ob Fresenius Kabi deren Herkunft nachweisen kann. Ausserdem hat der 
Fettgehalt der eingeführten Trinknahrung einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe der Zoll-
gebühren. Auch die Geschmacksrichtung beeinflusst den Zollsatz: Für Trinknahrung mit Scho-
koladegeschmack  gilt  ein  tieferer  Zollsatz  als  für  andere  Geschmacksrichtungen,  weil  darin 
Kakao enthalten ist und dadurch spezielle Zollsätze zur Anwendung kommen.236 

234.  Nicht nur die Höhe der Zollsätze, sondern auch die Bemessungsgrundlage ist je nach 
Herkunftsland der Zutaten unterschiedlich: Gilt zum Beispiel ein Land der Europäischen Union 
als Herkunftsland, ist das Nettogewicht (auch «Eigenmasse» genannt) massgebend. Kann die 
Herkunft der Zutaten nicht nachgewiesen werden, bemisst sich die Zollgebühr hingegen pro-
portional zum Bruttogewicht (einschliesslich des Gewichts der Verpackung).237 

235.  Gemäss  übereinstimmenden  Angaben  von  Fresenius  Kabi  und  Galexis fällt  Trinknah-
rung mit  Schokoladegeschmack  unter  die  Tarifnummer  1806.9033.238  Falls  als  Herkunftsort 
die Europäische Union gilt, kommt ein Tarif von Fr. 33.65 pro 100 Kilogramm Eigenmasse zur 
Anwendung. Andernfalls gilt ein Tarif von Fr. 46.75 pro 100 Kilogramm brutto.239 Eine Flasche 
Trinknahrung  der  drei  wichtigsten  Produktgruppen  (Fresubin  2  kcal  Drink,  Fresubin  Protein 

235  Act. II.11, Rz 48. 
236  Act. II.11, Rz 66. Vgl. auch den Schweizerischen Gebrauchstarif Tares einschliesslich der entspre-

chenden Erläuterungen <www.xtares.admin.ch/tares> (15.3.2023). 

237  Act. II.11, Rz 66. Vgl. auch den Schweizerischen Gebrauchstarif Tares einschliesslich der entspre-

chenden Erläuterungen <www.xtares.admin.ch/tares> (15.3.2023). 

238  Act. II.3, Beilage 6.a.ii; Act. II.11, Rz 71. 
239  <www.xtares.admin.ch> (15.3.2023). 

66 

 
 
 
 
 
 
 
 
Energy, Fresubin 2 kcal Fibre) wiegt netto 200 Gramm. Die Verpackung wiegt 62 Gramm pro 
Flasche, das Bruttogewicht beträgt also 262 Gramm.240 Deshalb beläuft sich die Zollgebühr 
auf rund  7  Rappen (Herkunft  EU)  bzw.  rund  12 Rappen  (Herkunft  nicht nachgewiesen)  pro 
Flasche Trinknahrung mit Schokoladegeschmack. 

236.  Für Trinknahrung anderer Geschmacksrichtungen gilt gemäss Fresenius Kabi die Tarif-
nummer  2106.9075,241  gemäss  Galexis  die  Nummer  2106.9076.242  Die  Tarifnummer 
2106.9075 gilt für Produkte mit einem Fettgehalt zwischen 5 und 10 % des Gewichts. Die Ta-
rifnummer 2106.9076 kommt dann zur Anwendung, wenn der Fettgehalt zwischen einem und 
5 Prozent liegt.243 Der Fettgehalt der drei wichtigsten Produktgruppen liegt zwischen 5 und 10 
Prozent.244 Deshalb ist die von Fresenius Kabi angegebene Tarifnummer 2106.9075 anwend-
bar.  Gilt  die  Europäische  Union  als  Herkunftsort,  kommt ein  Zollsatz  von  Fr.  26.90  pro  100 
Kilogramm Eigenmasse zur Anwendung. Kann der Herkunftsort nicht nachgewiesen werden, 
beläuft sich die Gebühr auf Fr. 73.80 pro 100 Kilogramm brutto.245 Die Zollgebühr beträgt also 
rund 5 Rappen (Herkunft EU) bzw. rund 19 Rappen (Herkunft nicht nachgewiesen) pro Fla-
sche. 

237.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Zollgebühren pro Flasche Trinknahrung je 
nach Geschmacksrichtung und je nach Herkunftsnachweis der Zutaten rund 5 bis 19 Rappen 
betragen. 

238.  Zusätzlich zu den eigentlichen Zollgebühren entsteht gemäss Angaben von Fresenius 
Kabi für «Ausfuhranmeldung und Zolldokumente» ein Aufwand in der Höhe von […] Euro pro 
Flasche.246 Deshalb belaufen sich die insgesamten Kosten der Verzollung auf rund 7 bis 22 
Rappen pro Flasche Trinknahrung. 

B.9.6.3  Transportkosten 

239.  Die in Tabelle 10 angegeben Preise deutscher Grossistinnen beinhalten wie erwähnt die 
Kosten  des  Transports  innerhalb  Deutschlands  (Rz 227  vorne).  Hingegen  beinhalten  diese 
Preise nicht den Transport in die Schweiz. Deshalb müsste Galexis beim Bezug in Deutsch-
land zusätzlich die Kosten des Transports in die Schweiz übernehmen. 

240.  Fresenius  Kabi  Schweiz  führt  Trinknahrung  ab  dem  in  […]  gelegenen  Lager  in  die 
Schweiz ein.247 Deshalb wird nachfolgend die Grössenordnung der Transportkosten von […] 
zum Lager von Galexis in Niederbipp eingeschätzt. 

241.  Die pro Flasche Trinknahrung anfallenden Transportkosten sind insbesondere stark da-
von abhängig, wie viele Flaschen pro Lieferung transportiert werden können. Wenn ein Last-
wagen mit 33 Paletten beladen und damit voll ausgelastet wird,248 sind die Transportkosten 
pro Flasche wesentlich tiefer als wenn zum Beispiel nur eine Palette transportiert wird.249 

240  Act. II.11, Rz 72. 
241  Act. II.11, Rz 71. 
242  Act. II.3, Beilage 6.a.i. 
243  <www.xtares.admin.ch> (15.3.2023). 
244  <www.fresenius-kabi.com/de-ch/produkte/fresubin-2-kcal-fibre-drink>;<www.fresenius-

kabi.com/de-ch/produkte/fresubin-protein-energy-drink> (15.3.2023). 

245  <www.xtares.admin.ch> (15.3.2023). 
246  Act. II.11, Rz 74. 
247  Act. II.11, Rz 52; Act. II.11, Rz 60. 
248  Vgl. z.B. Act. III.3, Zeile 384 zur Anzahl Paletten pro Lastwagen. 
249  Fresenius Kabi hat zur Einschätzung der Transportkosten die Internetseite <cargoboard.com> ver-
wendet (Act. II.11, Rz 64). Auf dieser Internetseite können die Transportkosten für kleinere zu trans-
portierende  Sendungen  kalkuliert  werden.  Eine  Berechnung  für  mehr  als  vier  Paletten  mit  einem 
Gewicht von 736 Kilogramm ist hingegen nicht möglich. Gemäss der genannten Internetseite kostet 

67 

 
 
 
 
 
 
 
 
242.  Galexis kaufte im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis 31. Oktober 2022 pro Monat durch-
schnittlich rund [15 000–25 000] Flaschen an Trinknahrung der drei wichtigsten Produktgrup-
pen ein.250 Eine Palette kann mit bis zu rund 2800 Flaschen Trinknahrung beladen werden. 251 
Allein die den drei wichtigsten Produktgruppen zuzurechnende monatlich von Galexis einge-
kaufte Trinknahrung entspricht also einem Volumen von [5–9] Paletten. Deshalb und weil die 
Trinknahrung von Fresenius Kabi relativ lange haltbar ist,252 werden nachfolgend die Trans-
portkosten unter der Annahme berechnet, dass Galexis die Einfuhr mit voll ausgelasteten Last-
wagen durchführen könnte.253 

243.  Der Behörde liegt ein Angebot einer deutschen Lieferantin an Galexis vor, bei welchem 
die Einfuhr von […] Paletten an Trinknahrung vorgesehen war.254 Die von der genannten deut-
schen Lieferantin veranschlagten Versandkosten beliefen sich auf […] Euro, was rund [2–5] 
Rappen pro Flasche entspricht.255 Die genannten Versandkosten von […] Euro pro Lastwagen 
entsprechen ausserdem ungefähr den vom Zeugen [N2] angegebenen Transportkosten ein-
schliesslich Formalitäten am Zoll von rund 2500 Franken pro Lastwagen bei der Einfuhr aus 
europäischen Ländern in die Schweiz.256 

244.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einfuhr von Trinknahrung von Deutschland 
in die Schweiz ohne Versicherung und Zollformalitäten rund 3 Rappen pro Flasche kostet. Da 
die Verzollung rund 7–22 Rappen pro Flasche kostet (Rz 237 vorne), betragen die Kosten für 
Verzollung und Transport aus Deutschland in die Schweiz rund 10–25 Rappen pro Flasche.257 

der Transport einer Europalette mit einem Gewicht von 736 Kilogramm von […] nach Niederbipp je 
nach Versandart zwischen 350 und 369 Euro (Stand 11.6.2024). Der Versand von vier Paletten glei-
chen Gewichts über die gleiche Strecke kostet 762–781 Euro (Stand 11.6.2024). Pro Palette ent-
spricht das 190–195 Euro, also rund der Hälfte der Kosten des Versands einer einzigen Palette. Die 
Kosten pro Palette nehmen also mit der Anzahl Paletten stark ab. 

250  Act. II.23, Beilage 2. 
251  Gemäss Angaben von Fresenius Kabi befinden sich auf einer Palette 2808 Flaschen Trinknahrung. 
Weil eine Flasche einschliesslich Verpackung 262 Gramm wiegt, ergibt sich daraus ein Gewicht von 
736 Kilogramm pro Palette (Act. II.11, Rz 54). Gemäss Angaben von Galexis befinden sich auf einer 
Palette  546  «Verkaufseinheiten»  (Act.  II.3,  Antwort  auf  Frage  6.a).  Falls  mit  «Verkaufseinheiten» 
Packungen mit 4 Flaschen à 200 ml gemeint sind, entspricht das 2184 Flaschen.  

252  Je  nach  Produkt  liegen  die  Haltbarkeitsfristen  der  Trinknahrung  von  Fresenius  Kabi  bei  9  bis  15 
Monaten  <www.fresenius-kabi.com/de/documents/Haltbarkeitsfristen_Enterale_Nahrungen_.pdf> 
(16.3.2023). 

253  Die von Fresenius Kabi berechneten Transportkosten fallen insbesondere deshalb höher aus, weil 
Fresenius Kabi stattdessen von der Annahme ausgeht, dass einzelne Paletten zu transportieren sind 
(Act. II.11, Rz 53). 
254  Act. II.27, Beilage 2. 
255  Die Lieferung hätte […] Paletten mit insgesamt […] Flaschen Trinknahrung beinhaltet. Die Versand-

kosten pro Flasche betrugen also [0.02–0.05] Euro.  

256  Act. III.3, Zeilen 382–383. 
257  Die  von  Fresenius  Kabi  berechneten  Kosten  für  Import  und  Verzollung  (Act.  II.11,  Rz  49 ff.)  sind 
etwas höher als die hier Ausgewiesenen, insbesondere weil Fresenius Kabi davon ausgeht, dass 
einzelne Paletten und nicht ganze Lastwagenladungen eingeführt werden. Die von Galexis berech-
neten Kosten für Import und Verzollung sind etwas tiefer als die hier Ausgewiesenen, jedenfalls wenn 
unter einer «Verkaufseinheit» eine Packung mit vier Flaschen à 200 ml zu verstehen ist (Act. II.3, 
Antwort auf Frage 6.a). Galexis weist unter anderem deshalb tiefere Kosten aus, weil Galexis jeden-
falls teilweise eine falsche Tarifnummer mit tieferem Zollsatz verwendet und jedenfalls teilweise statt 
das Bruttogewicht das Nettogewicht zur Berechnung der Zollgebühren heranzieht (Act. II.3, Antwort 
auf Frage 6.a; vgl. auch Rz 67 vorne). 

68 

 
 
 
 
 
 
 
B.9.6.4  Beurteilung der Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland 

245.  In Tabelle 12 werden die im Jahr 2023 von den deutschen Vollgrossistinnen bezahlten 
Preise den von Galexis bezahlten Preisen für Trinknahrung gegenübergestellt. Nach Berück-
sichtigung der für die Verzollung und den Transport anfallenden Kosten bezahlten die deut-
schen Vollgrossistinnen rund [-10–65] % weniger als Galexis. 

Tabelle 12: Preisvergleich Trinknahrung, 2023, Franken pro Flasche. 

Deutsch-
land 

Deutsch-
land + Ver-
zol-
lung/Trans
port 

Galexis 

Differenz 
(Fr.) 

Differenz 
(%) 

F. 2 kcal 
Drink 

F. Protein 
Energy 

F. 2 kcal 
Fibre 

[0.93–2.51] 

[1.03–2.76] 

[2.00–3.25] 

[-0.25–1.70] 

[-10–65] % 

[0.93–2.51] 

[1.03–2.76] 

[2.00–3.25] 

[-0.25–1.70] 

[-10–65] % 

[0.93–2.51] 

[1.03–2.76] 

[2.00–3.25] 

[-0.25–1.70] 

[-10–65] % 

Quelle: Act. II.11, Beilage 4; Act. II.16, Rz 41; Act. II.30, Rz 9 sowie Beilagen 28–31; 
Rz 233 ff. vorne. 

246.  Der  in  Tabelle  12  vorgenommene  Preisvergleich  berücksichtigt  nur  die  Handelsstufe, 
nicht aber andere Faktoren, die ebenfalls einen Einfluss auf die Preissetzung haben, wie zum 
Beispiel  die  Verkaufsanstrengungen  der  Kundin  (vgl.  Rz 217  vorne).  Da  zu  diesen  anderen 
Faktoren teilweise keine Angaben vorliegen, ist unklar, mit welcher der deutschen Vollgrossis-
tinnen Galexis am ehesten vergleichbar ist. Diese Unsicherheit muss im Einklang mit der vor-
liegenden  Beweislastverteilung  (vgl.  Rz 28)  berücksichtigt  werden,  d.h.  zugunsten  von 
Fresenius Kabi. Da es möglich ist, dass Galexis am ehesten mit derjenigen deutschen Voll-
grossistin  vergleichbar  ist,  welche  die  höchsten Preise  bezahlt,  ist folglich  das  untere  Ende 
des in Tabelle 12 ausgewiesenen Preisunterschieds massgebend. 

247.  Zusätzlich ist es möglich, dass sich Galexis selbst von derjenigen deutschen Vollgros-
sistin unterscheidet, welche die höchsten Preise für Trinknahrung bezahlte. Deshalb kann es 
sein,  dass  sich  ein  Teil  oder  sogar  der  ganze  verbleibende  Preisunterschied  durch  Unter-
schiede in Bezug auf bisher noch nicht berücksichtigte Faktoren zurückführen lässt. Wie er-
wähnt  können  manche dieser  Faktoren  nicht  gemessen  werden (z.B.  das  Verhandlungsge-
schick). Andere können zwar erfasst werden, ihr genauer Einfluss auf den Preis lässt sich aber 
trotzdem nicht zuverlässig messen (Rz 222 ff. vorne). 

248.  Einer  dieser  Faktoren  ist  die  Bezugsmenge.  Dazu  liegen  Daten  vor,  der  Einfluss  der 
Bezugsmenge  auf  den  Preis  kann  aber  nicht  zuverlässig  bestimmt  werden  (vgl.  Rz 224 f. 
vorne). Immerhin ist klar, dass der Preis mit der bezogenen Menge sinkt. Deshalb werden in 
Tabelle 13 die Bezugsmengen der deutschen Vollgrossistinnen der Bezugsmenge von Galexis 
gegenübergestellt. Dabei werden nur die Bezugsmengen derjenigen deutschen Vollgrossistin-
nen  dargestellt,  für  welche  die  Nettopreise  des  Jahres  2023  vorliegen  (vgl.  Fussnote  229 
vorne). Die Bezugsmenge wird anhand der Anzahl Flaschen Trinknahrung der drei wichtigsten 
Produktgruppen gemessen, welche die Grossistinnen im Jahr 2022 bei Fresenius Kabi bezo-
gen  haben.  Zusätzlich  ist  in  Tabelle  13  das  Einkaufsvolumen  der  Grossistinnen  für  alle  bei 
Fresenius Kabi eingekauften Produkte angegeben. Die entsprechenden Zahlen liegen für das 
Jahr 2021 vor. Neben der eingekauften Menge Trinknahrung kann auch der Wert der insge-
samt eingekauften Produkte einen Einfluss auf den durch die Kundin ausgehandelten Preis 
haben. 

69 

 
 
 
 
 
 
 
Tabelle 13: Anzahl Flaschen Trinknahrung (2022) und Einkaufsvolumen (2021). 

Kundin 

Galexis 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

Bezogene Anzahl 
Flaschen 2022 

Einkaufsvolumen ins-
gesamt 2021 (Fr.)258 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

Quelle:  Act.  II.16,  Rz 37  (Einkaufsvolumen  deutsche  Grossistinnen);  Act.  II.5,  Antwort  auf 
Frage 9a (Einkaufsvolumen Galexis); Act. II.44, Rz 45 (Anzahl Flaschen). 

249.  Aus Tabelle 13 geht hervor, dass Galexis im Vergleich zu allen deutschen Vollgrossis-
tinnen  geringere  Mengen  bezieht.  Das  trifft  sowohl  auf  die  bezogene  Anzahl  Flaschen 
Trinknahrung als auch auf das insgesamte Einkaufsvolumen bei Fresenius Kabi zu.259 Deshalb 
ist davon auszugehen, dass eine mit Galexis vergleichbare deutsche Vollgrossistin aufgrund 
der geringeren Bezugsmengen höhere Preise bezahlen müsste. Dadurch würde sich der in 
Tabelle 12 ausgewiesene Preisunterschied verringern. Zu den übrigen Faktoren, die ebenfalls 
den Preis beeinflussen, liegen im Gegensatz zu den Bezugsmengen keine genauen Zahlen 
vor. 

250.  Ebenfalls noch nicht berücksichtigt wurde eine gemäss Angaben von Fresenius Kabi im 
Juli 2023 vorgenommene Erhöhung der für deutsche Vollgrossistinnen geltenden Preise für 
Trinknahrung um rund [>2] %.260 Gemäss Angaben von Fresenius Kabi sei für Galexis im Jahr 
2023 keine Preiserhöhung vorgesehen.261 Ausserdem sei geplant, die Preise für Trinknahrung 
in Deutschland im Jahr 2024 um weitere […] % anzuheben.262 Fresenius Kabi Schweiz hat per 
1. Februar 2024 die Preise für Trinknahrung um [>2] % erhöht.263 Diese Preiserhöhung ent-
spricht etwa der ebenfalls noch nicht berücksichtigten im Juli 2023 in Deutschland vorgenom-
menen Preiserhöhung. Falls Fresenius Kabi Deutschland die Preise im Jahr 2024 wie geplant 
um  […] %  anheben  sollte  und  die  Preise  in  der  Schweiz  nicht  weiter  steigen,  würden  sich 
deshalb  die  vorangehend  für  2023  festgestellten  Preisunterschiede  im  Jahr  2024  entspre-
chend verringern. 

251.  Die  nur  unter  Berücksichtigung  der  Handelsstufe  und  der  Einfuhrkosten  gemessenen 
Preisunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland belaufen sich Stand 2023 wie er-
wähnt auf rund [-10–65] % (Tabelle 12 vorne). Da der genaue Einfluss der Bezugsmenge und 
anderer  Faktoren  auf  den  Preis  nicht  bestimmt  werden  kann,  ist  es  möglich,  dass  eine  mit 
Galexis vergleichbare deutsche Vollgrossistin Trinknahrung von Fresenius Kabi zum gleichen 
Preis beziehen könnte, welchen Galexis in der Schweiz bezahlt. Das wäre zum Beispiel dann 
der Fall, wenn die deutsche Grossistin mit dem höchsten Preis am ehesten mit Galexis ver-
gleichbar wäre und die geringere von Galexis bezogene Menge den noch verbleibenden Preis-
unterschied von rund […] % rechtfertigen würde. 

258  Zur Umrechnung der in Euro vorliegenden Umsätze der deutschen Grossistinnen wird der Wechsel-
kurs  am  31.12.2021  (1  Euro  =  1.03  Fr.)  verwendet  <www.ecb.europa.eu/stats/policy_and 
_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/html/eurofxref-graph-chf.en.html> (14.3.2023). 
259  Die im Jahr 2022 bezogene Anzahl Flaschen der drei wichtigsten Produktgruppen liegt auch für die 
[…]  und  die  […]  vor.  Auch  diese  beziehen  mit  […]  Flaschen  […]  bzw.  […]  Flaschen  […]  deutlich 
grössere Mengen als Galexis (Act. II.44, Rz 45). Hingegen liegen für diese Grossistinnen keine Zah-
len zu den Preisen im Jahr 2023 oder dem gesamten Einkaufsvolumen vor (vgl. Fn 229). 

260  Act. II.44, Rz 45; Act. II.55, Beilage 1, S. 75. Dazu liegen keine Urkundenbeweise vor. 
261  Act. II.16, Rz 27. 
262  Act. II.55, Rz 114. 
263  Act. II.61, Beilagen 1a und 1b. 

70 

 
 
 
 
 
 
 
252.  Ausserdem können auch die übrigen Konditionen nicht genau bewertet und verglichen 
werden. Während Galexis zum Beispiel […] (Rz 213), steht diese Möglichkeit den deutschen 
Grossistinnen  nicht  zur  Verfügung.  Stattdessen  erhalten  diese  eine  Pauschale  in  der  Höhe 
von rund […]  (Rz 227). Je nachdem, […] mehr wert sein als die den deutschen Grossistinnen 
gewährte Pauschale. Falls Galexis zum Beispiel […] % […] wesentlich mehr wert als die den 
deutschen Vollgrossistinnen gewährten Pauschalen. In diesem Fall wäre ein allenfalls höherer 
Preis für Galexis jedenfalls teilweise auf die in Bezug auf […] besseren Konditionen zurückzu-
führen. 

253.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  genannten  Unsicherheiten  in  Bezug  auf 
einen allfälligen Unterschied zwischen den für Galexis und für deutsche Grossistinnen gelten-
den Preisen und übrigen Konditionen im Einklang mit der vorliegenden Beweislastverteilung 
(vgl. Rz 28) zu berücksichtigen sind, d.h. zugunsten von Fresenius Kabi. Aus diesem Grund 
ist der vorliegend massgebende Preisunterschied geringer als der in Tabelle 12 ausgewiesene 
Preisunterschied von rund [-10–65] %. Dort wurden die genannten Unsicherheiten noch nicht 
berücksichtigt  (Rz 249 ff.).  Weil  es  möglich  ist,  das  Galexis  am  ehesten  mit  der  deutschen 
Vollgrossistin mit den höchsten Preisen vergleichbar ist, ist das untere Ende des in Tabelle 12 
ausgewiesenen Preisunterschieds von [-10–65] % massgebend. Zusätzlich ist zu berücksich-
tigen, dass Galexis wesentlich geringere Mengen als alle deutschen Vollgrossistinnen bezieht. 
Ausserdem unterscheiden sich die übrigen Konditionen aller deutschen Vollgrossistinnen von 
den für Galexis geltenden, insbesondere in Bezug auf […]. Zusätzlich kann nicht ausgeschlos-
sen werden, dass es weitere relevante Unterschiede in Bezug auf andere Faktoren gibt, die 
einen  Einfluss  auf  den  Preis  haben  können  (z.B.  die  Verkaufsanstrengungen).  Damit  steht 
vorliegend fest, dass ein allfälliger Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland in Be-
zug auf die Konditionen für Trinknahrung von Fresenius Kabi höchstens gering ausfällt.264 

254.  Galexis bringt vor, die von Galexis in der Schweiz an Fresenius Kabi Schweiz bezahlten 
Preise für Trinknahrung seien mehr als doppelt so hoch wie die Verkaufspreise von Händlern 
und  Grossistinnen  in  Deutschland.265  Auch  die  Parteigutachter  von  Galexis  behaupten, 
Trinknahrung von Fresenius Kabi sei in der Schweiz in den meisten Fällen doppelt so teuer 
wie der Median der in Deutschland beobachteten Preise.266 Die von Galexis als Beleg einge-
reichten Unterlagen und die darauf basierenden Auswertungen ihrer Parteigutachter sind ins-
besondere aus den folgenden Gründen nicht aussagekräftig und ändern nichts am vorange-
henden Beweisergebnis: 

−  Vorliegend ist der von einem mit Galexis vergleichbaren Unternehmen in Deutschland 
bezahlte Preis massgebend. Bei den von Galexis eingereichten Preisen267 handelt es 
sich hingegen im Wesentlichen um Preise von deutschen Internethändlerinnen und On-
line-Apotheken. Diese werden von den Parteigutachtern von Galexis mit dem für Gros-
sistinnen in der Schweiz geltenden Listenpreis verglichen. Bei den für diesen Vergleich 
herangezogenen deutschen Internethändlerinnen und Online-Apotheken handelt es sich 
nicht um mit Galexis vergleichbare Unternehmen. Internethändlerinnen und Online-Apo-
theken können die Trinknahrung von Fresenius Kabi Deutschland zu wesentlich günsti-
geren Preisen beziehen als die vorliegend relevanten auf der gleichen Marktstufe wie 
Galexis tätigen deutschen Vollgrossistinnen (Abbildung 9). 

264 Gemäss Angaben von Galexis würde sich Galexis bei einem Preisunterschied von 20 % zwischen 
der Schweiz und Deutschland nicht die Mühe machen, direkt in Deutschland einzukaufen (Act. III.1, 
Zeilen 206–208). Dabei ist allerdings zu beachten, dass im von Galexis erwähnten Preisunterschied 
von 20 % die Kosten für Verzollung und Transport noch nicht berücksichtigt sind. Diese betragen 
10–25 Rappen pro Flasche (Rz 244) und machen damit bis zu fast [5–15] % des von Galexis in der 
Schweiz bezahlten Preises aus.  

265  Act. II.9, Rz 13 ff. 
266  Act. II.46, Rz 13. 
267  Act. II.9, Beilage 4.a; Act. II.47, Beilage 5, Grafiken.xlsx, Worksheet «Quelldaten» Act. IV.36, Rz 18. 

71 

 
 
 
 
 
 
 
− 

[…].268  Die  in  Deutschland  für  solche  Restposten  gängigen  Preise  sind  nicht  mit  den 
Preisen  für  die  Belieferung  zu  den  für  Vollgrossistinnen  üblichen  Konditionen  (z.B.  in 
Bezug auf die Verlässlichkeit der Lieferung, die Haltbarkeit der Produkte oder die Mög-
lichkeit von Retouren) vergleichbar. Auch aus diesem Grund erlauben die Preise deut-
scher Internethändlerinnen und Online-Apotheken keine zuverlässigen Rückschlüsse in 
Bezug  auf  die  in  Deutschland  für  mit  Galexis  vergleichbare  Unternehmen  geltenden 
Preise.  

−  Die  Parteigutachter  von Galexis  verwenden für  ihren  Preisvergleich  die für  Schweizer 
Grossistinnen  geltenden  Listenpreise  von  Fresenius  Kabi  Schweiz.269  Da  Galexis  Ra-
batte  und  Boni  auf  diese  Listenpreise  ausgehandelt  hat,  entsprechen  diese  nicht  den 
von Galexis bezahlten Nettopreisen (Rz 212 ff.). 

−  Die  Parteigutachter  von  Galexis  berücksichtigten  die  Kosten  der  Verzollung  und  des 

Transports in die Schweiz nicht (Rz 229 ff.). 

−  Die  Parteigutachter  von Galexis  beziehen  nicht nur  Trinknahrung,  sondern  auch  Son-

dennahrung und Hilfsmittel in ihren Preisvergleich ein.270 

255.  Des Weiteren bringt Galexis vor, ihr sei es gelungen, Trinknahrung von Fresenius Kabi 
zu tiefen Preisen parallel zu importieren. Deshalb habe Galexis ihren Kundinnen einen Rabatt 
von 55 % auf den «Basispreis» gewähren können. Das deute keinesfalls auf geringfügige Un-
terschiede  zwischen  den  Bezugspreisen  in  der  Schweiz  und  im  Ausland hin.271  Dieser  Ein-
wand überzeugt aus den folgenden Gründen nicht und ändert nichts am vorangehenden Be-
weisergebnis: 

−  Galexis vergleicht nur die Preise, ohne die übrigen Konditionen zu berücksichtigen. Ins-
besondere in Bezug auf die Rückgabekonditionen (Rz 227), die Bestellfrist,272 die Zu-
verlässigkeit der Lieferung273 und die Haltbarkeit der Produkte274 kann es wesentliche 
Unterschiede zwischen den Konditionen der Anbieterinnen der parallel importierten Pro-
dukte und Fresenius Kabi Schweiz geben.275 

−  Es ist möglich, dass es sich bei den von Galexis genannten parallel importierten Mengen 
um Spezialfälle mit besonders tiefen Preisen handelte (Rz 254, zweiter Spiegelstrich). 

268  Gemäss  Angaben  von  Fresenius  Kabi  […].  Ein  Teil  dieser  Mengen  sei  teilweise  unter  dem  Ein-

standspreis auf dem Graumarkt verkauft worden (Act. IV.40, Rz 130). 

269  Act. II.46, Rz 12. 
270  Die Parteigutachter von Galexis behaupten, sie hätten «insgesamt 24 Fresubin Produkte einbezo-
gen» (Act. II.46, Abbildung 2). Das trifft nicht zu. Bei einem der Produkte handelt es sich um Son-
dennahrung  («SURVIMED  OPD  HN  15  EasyBag  500  ml»),  bei  einem  anderen  um  Hilfsmittel  zur 
Verabreichung von Sondennahrung («APPLIX HydroBag 1.5l ENPlus 30 Stk»). 

271 Act. V.5, Beilage 1, Rz 31; Act. IV.36, Rz 175. 
272  Die Bestellfrist beim Parallelimport beträgt gemäss Angaben von Galexis rund sechs bis acht Wo-
chen (Act. III.1, Zeilen 299–300; Act. II.5, Antwort auf Frage 1.c.ii), bzw. «mind. 6–8 Wochen» (Act. 
II.27,  Rz  29).  Galexis  gibt  nicht  an,  wie  lange  die  Bestellfrist  beim  Bezug  über  Fresenius  Kabi 
Schweiz ausfällt. Aus dem Kontext der genannten Angaben ist aber klar, dass diese kürzer ausfällt.  

273  Act. III.1, Zeilen 300–301. 
274  [N3] von Galexis, sagte Folgendes  aus:  «Wenn wir die betroffenen Produkte parallel importieren, 
erhalten wir keine frischen Produkte, sondern solche, die bereits ein gewisses Alter haben. Dadurch 
steigt das Risiko, dass wir die Produkte nicht vor dem Verfalldatum verkaufen können» (Act. III.1, 
Zeilen 292–294). Anlässlich des Plädoyers von Galexis vor der WEKO behauptete [N3] hingegen, 
die parallel importierte Ware sei «100 % identisch». In Bezug auf das Verfalldatum führte er Folgen-
des aus: «Die Verfalldaten entsprechen den Verfalldaten der Ware, die Galexis bei Fresenius Kabi 
Schweiz einkauft» (Act. V.5, Beilage 1, Rz 65). Vor diesem Hintergrund kann nicht ausgeschlossen 
werden, dass parallel importierte Trinknahrung jedenfalls teilweise weniger lange haltbar ist als die 
bei Fresenius Kabi Schweiz bezogene Trinknahrung. Ausserdem ist die Haltbarkeit bei der parallel 
importierten Trinknahrung von grösserer Bedeutung, weil diese in der Regel nicht an die Händlerin 
zurückgegeben werden kann. 

275  Vgl. Act. II.27, Rz 29. 

72 

 
 
 
 
 
 
 
Weder Galexis selber noch ein auf Parallelimporte spezialisiertes Unternehmen schei-
nen in der Lage zu sein, im Ausland regelmässig Händlerinnen zu finden, die bereit sind, 
Trinknahrung an Galexis zu deren Preisvorstellungen zu verkaufen.276 

−  Es  ist  nicht  klar,  ob  die  Apotheken  normalerweise  ebenfalls  Rabatte  auf  den  «Basis-
preis» erhalten und ob der genannte Rabatt von 55 % zusätzlich dazu oder stattdessen 
zur Anwendung kommt. 

B.9.7  Ergebnis 

256.  Im Rahmen der vorliegenden Einstellungsverfügung erachtet die Behörde – im Einklang 
mit der vorliegenden Beweislastverteilung (vgl. Rz 22 ff.) – folgenden Sachverhalt als mass-
gebend (vgl. betreffend die Verhältnismässigkeit weiterer Beweismassnahmen Rz 29 ff.): Mit 
Galexis vergleichbare Unternehmen in Deutschland oder den Niederlanden können Trinknah-
rung bei Fresenius Kabi Deutschland bzw. Fresenius Kabi Niederlande nicht zu Konditionen 
beziehen, die mehr als geringfügig besser sind als die Konditionen von Galexis bei Fresenius 
Kabi Schweiz. 

276  Act. II.27, Rz 32 ff.; Act. III.3, Zeilen 240–259; Act. I.87, S.2. 

73 

 
 
 
 
 
 
 
 
C 

Rechtliche Würdigung 

C.1  Geltungsbereich 

257.  Das Kartellgesetz (KG) gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des privaten 
als auch für solche des öffentlichen Rechts (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen im Sinne des 
Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfragerinnen oder Anbieter von Gütern und Dienstleis-
tungen im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 
Abs. 1bis KG). Die vorliegenden Parteien – Fresenius Kabi und Galexis – sind privatrechtliche 
Unternehmen. Das Kartellgesetz ist in persönlicher Hinsicht anwendbar. 

258.  In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an  Unternehmenszusammenschlüssen  (Art. 2  Abs. 1  KG).  Ob  Fresenius  Kabi  Marktmacht 
ausübt,  wird  im  Rahmen  der  materiellen  Beurteilung  noch  im  Einzelnen  zu  prüfen  sein 
(Rz 278 ff.). 

259.  Schliesslich fallen die vorliegend zu beurteilenden Handlungen und Verhaltensweisen in 
den örtlichen und zeitlichen Geltungsbereich des Kartellgesetzes. 

C.2 

Zuständigkeit der Gesamtkommission der WEKO 

260.  Die  Zuständigkeit  der  Wettbewerbsbehörden  bestimmt  sich  nach  Art. 18  Abs. 3 
Satz 1 KG und den Vorschriften des GR-WEKO277. Danach trifft die Gesamtkommission der 
WEKO die Entscheide, welche nicht ausdrücklich einem anderen Organ oder dem Sekretariat 
zugewiesen sind. 

261.  Vorliegend entscheidet die WEKO mit Endverfügung darüber, ob das Verfahren einzu-
stellen oder gegen die Verfahrensparteien wegen eines Verstosses gegen das Kartellgesetz 
Massnahmen  zu  erlassen  sind.  Da  vorliegend  keine  Zuständigkeit  eines  anderen  WEKO-
Organs gegeben ist (etwa gemäss Art. 19 Abs. 1 Satz 3 KG oder Art. 19 f., 27 ff. GR-WEKO), 
ist die allgemeine Verfügungskompetenz einschlägig. Zuständig ist vorliegend folglich die Ge-
samtkommission der WEKO. 

C.3 

Vorbehaltene Vorschriften 

262.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Wa-
ren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche 
Markt-  oder  Preisordnung  begründen,  und  solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur  Erfüllung 
öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht 
unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus der Gesetzge-
bung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die 
sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach diesem Gesetz (Art. 3 
Abs. 2 KG). 

263.  Das Gesundheitswesen wie auch der Lebensmittelbereich sind stark reguliert. Die ent-
sprechenden Vorschriften betreffen auch Trinknahrung, Sondennahrung und Hilfsmittel (dazu 
Rz 47 ff.). Allerdings gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb im vorliegenden Markt nicht 
zulassen.  

264.  Aktuell  laufen  Bestrebungen,  Trink-  und  Sondennahrung  neu  der  Vergütungsordnung 
der  Mittel-  und  Gegenstände-Liste  (MiGeL)  zu  unterstellen.278  Nach  Art.  25  Abs.  2  Bst.  b 

277  Geschäftsreglement  der  Wettbewerbskommission  (Geschäftsreglement  WEKO,  GR-WEKO); 

SR 251.1. 

278  Act. II.21, Antwort auf Frage 7. 

74 

 
 
 
 
 
 
 
KVG279  müssen Mittel  und  Gegenstände,  die  der Untersuchung  oder der Behandlung  einer 
Krankheit und ihrer Folgen dienen, durch die obligatorische Grundversicherung übernommen 
werden. Der Umfang dieser Abgeltung wird nach Art. 52 Abs. 1 Bst. a Ziff. 3 KVG in der Mi-
GeL280 festgelegt. In der MiGeL werden Kategorien und Leistungsgruppen von Produkten auf-
grund einer allgemeinen Produktbeschreibung definiert und die dazugehörigen Höchstvergü-
tungsbeträge festgelegt (vgl. Art. 33 Bst. e KVV281; Art. 20 f. KLV282). Damit unterscheidet sich 
die MiGeL-Ordnung von der Regelung für Arzneimittel der Spezialitätenliste (SL), welche die 
maximale Vergütung einzelner Produkte eines bestimmten Herstellers festlegt. 

265.  Die in der MiGeL aufgeführten Höchstvergütungsbeträge stellen den Betrag dar, der ma-
ximal von den Versicherern im Rahmen der obligatorischen Grundversicherung vergütet wer-
den  kann  (Art.  24  Abs.  3  KLV).  Der  versicherten  Person  ist  es  freigestellt,  ein  spezifisches 
geeignetes Produkt im Rahmen dieses Höchstvergütungsbetrags auszuwählen, wobei ein all-
fälliger Mehrbetrag (Art. 24 Abs. 3 KLV) zu Lasten der versicherten Person geht. Zu vergü-
tende Mittel und Gegenstände sind nicht im Tarifschutz nach Art. 44 KVG eingeschlossen.283 
Die Höchstvergütungsbeträge der MiGeL sollen in der Regel einem Durchschnittspreis der auf 
dem  Markt  erhältlichen  zweckmässigen  Produkte  entsprechen.  Dabei  ist  auch  der  Preis  im 
Ausland zu beachten (vgl. Art. 43 Abs. 6 KVG, Art. 65, insb. Abs. 3bis KVV analog). Die MiGeL 
legt vor diesem Hintergrund keine Hersteller- oder Endkundenpreise fest. 

266.  Damit wird die geplante Aufnahme von Trink- und Sondennahrung in die Vergütungs-
ordnung der MiGeL keine staatliche Markt- oder Preisordnung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. a 
KG begründen.284 Eine vorbehaltene Vorschrift, welche die Anwendbarkeit des Kartellgeset-
zes im vorliegenden Fall einschränken würde, wird mit den regulatorischen Änderungen nicht 
einhergehen. 

C.4  Relative Marktmacht von Fresenius Kabi 

C.4.1  Einleitung 

267.  Nachfolgend  wird  zunächst  der  Tatbestand  der  relativen  Marktmacht  gemäss  Art.  4 
Abs. 2bis  KG  erörtert  (Rz 268  ff.),  bevor  anschliessend  im  Rahmen  der  Subsumtion  geprüft 
wird, ob dieser vorliegend erfüllt ist (Rz 298 ff.). 

C.4.2  Tatbestand 

C.4.2.1  Legaldefinition von Art. 4 Abs. 2bis KG 

268.  Am 1. Januar 2022 sind die revidierten Bestimmungen des Kartellgesetzes zur relativen 
Marktmacht in Kraft getreten. Dabei handelt es sich um einen indirekten Gegenvorschlag des 
Parlaments  zur  Volksinitiative  «Stop  der  Hochpreisinsel  –  für  faire  Preise  (Fair-Preis-Initia-
tive)» (nachfolgend: Fair-Preis-Initiative).285 Mit der Gesetzesrevision wurde das kartellrechtli-
che Missbrauchsverbot nach Art. 7 KG auf relativ marktmächtige in- und ausländische Unter-
nehmen ausgedehnt. 

279  Bundesgesetz vom 18.3.1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). 
280  Anhang 2 zur KLV. 
281  Verordnung vom 27.6.1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102). 
282  Verordnung des EDI vom 29.9.1995 über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversiche-

rung (Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV; SR 832.112.31). 

283  Ziff. 2.2 der MiGeL (Anhang 2 zur KLV). 
284  Zum Ganzen bereits RPW 2004/4 1106 ff. Rz 20 ff., Krankenversicherer/Weita AG. 
285  Vgl. zur Entstehungsgeschichte der Bestimmungen zur relativen Marktmacht etwa SELIM HAKTANIR, 
Beschaffungsfreiheit und Belieferungspflicht? – Der Missbrauchstatbestand des Art. 7 Abs. 2 lit. g 
KG, 2023, Rz 117 ff. (zit. HAKTANIR, Beschaffungsfreiheit); OLIVER KAUFMANN, Relative Marktmacht 

75 

 
 
 
 
 
 
 
 
269.  Art. 4 Abs. 2bis KG enthält folgende Legaldefinition der relativen Marktmacht: «Als relativ 
marktmächtiges Unternehmen gilt ein Unternehmen, von dem andere Unternehmen beim An-
gebot oder bei der Nachfrage einer Ware oder Leistung in einer Weise abhängig sind, dass 
keine ausreichenden und zumutbaren Möglichkeiten bestehen, auf andere Unternehmen aus-
zuweichen». 

270.  Die Definition orientiert sich am Wortlaut von § 20 des deutschen Gesetzes gegen Wett-
bewerbsbeschränkungen (GWB)286.287 Beide Bestimmungen knüpfen an den Begriff der Ab-
hängigkeit an. Massgebend sind jeweils die «ausreichenden und zumutbaren Möglichkeiten», 
auf dritte Unternehmen auszuweichen. In der Legaldefinition nicht ausdrücklich übernommen 
hat der Schweizer Gesetzgeber das Kriterium des «deutlichen Ungleichgewichts zur Gegen-
macht der anderen Unternehmen», das in Deutschland mit der 10. GWB-Novelle eingeführt 
worden ist (dazu Rz 289 ff.). 

271.  Im  Folgenden  ist  zunächst  darauf  einzugehen, was  Gegenstand  der  Prüfung  relativer 
Marktmacht ist. Anschliessend ist aufzuzeigen, welche Tatbestandsvoraussetzungen sich aus 
Art. 4 Abs. 2bis KG ergeben. Soweit die Bestimmung hierzu auszulegen ist, ist zu beachten, 
dass der Wortlaut von Art. 4 Abs. 2bis KG zwar in wesentlichen Punkten dem Pendant im deut-
schen Recht nachgebildet ist. Allerdings hat der Schweizer Gesetzgeber dabei nicht das Ziel 
verfolgt, eine materielle Harmonisierung mit deutschem Recht herbeizuführen. Den Materia-
lien sind jedenfalls keine solchen Äusserungen zu entnehmen.288 Die deutsche Fallpraxis zu 
§ 20 GWB hat daher bei der Auslegung von Art. 4 Abs. 2bis KG – über ihre mögliche Funktion 
als Inspirationsquelle hinaus – keine Bedeutung. Vielmehr ist Art. 4 Abs. 2bis KG im schweize-
rischen Kontext289 auszulegen.290 

C.4.2.2  Gegenstand der Prüfung 

C.4.2.2.1 

In persönlicher Hinsicht 

272.  Wie der Legaldefinition in Art. 4 Abs. 2bis KG zu entnehmen ist, richten sich die Vorschrif-
ten zur relativen Marktmacht nur an Unternehmen («Als relativ marktmächtiges Unternehmen 
gilt ein Unternehmen, von dem andere Unternehmen […] abhängig sind»). Die Bestimmungen 

2022,  in:  sic!  5/2022,  181–197  (zit.  KAUFMANN,  sic!  2022),  182  ff.;  PETER  GEORG  PICHT,  Relative 
Marktmacht und Geoblocking: Neues Wettbewerbsrecht in der Schweiz, in: WuW 6/2021, 336–342 
(zit. PICHT, WuW 2021), 337; RICHARD STÄUBER/ANDREAS BURGER, Einführung der relativen Markt-
macht in der Schweiz, in: ZWeR 2/2021, 235–272 (zit. STÄUBER/BURGER, ZWeR 2021), 240 ff.; BEAT 
ZIRLICK/JÜRG  BICKEL,  Regeln  zu  relativen  Marktmacht  und  Geoblocking  in  der  Schweiz,  in:  WRP 
2/2022, 146–154 (zit. ZIRLICK/BICKEL, WRP 2022), Rz 2 ff. 

286  Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen in der Fassung der Bekanntmachung vom 26.6.2013 
(BGBl. I S. 1750, 3245), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 19.7.2022 (BGBl. I S. 1214) 
geändert worden ist. 

287  § 20 Abs. 1 erster Satz GWB lautet wie folgt: «§ 19 Absatz 1 in Verbindung mit Absatz 2 Nummer 1 
gilt auch für Unternehmen und Vereinigungen von Unternehmen, soweit von ihnen andere Unter-
nehmen als Anbieter oder Nachfrager einer bestimmten Art von Waren oder gewerblichen Leistun-
gen in der Weise abhängig sind, dass ausreichende und zumutbare Möglichkeiten, auf dritte Unter-
nehmen  auszuweichen,  nicht  bestehen  und  ein  deutliches  Ungleichgewicht  zur  Gegenmacht  der 
anderen Unternehmen besteht (relative Marktmacht)». 

288  Vgl. etwa die parlamentarischen Debatten AB 2020 N 204 ff. 
289  Beispielsweise ist der spezifische Hintergrund der schweizerischen Vorschriften zur relativen Markt-
macht  zu  beachten.  Die  neuen  Regeln  sind  als  Antwort  auf  die  Fair-Preis-Initiative  zu  verstehen, 
welche sich die Senkung der Beschaffungskosten für Schweizer Nachfrager und Nachfragerinnen 
zum Ziel gesetzt hat. Auch ist etwa die Bedeutung der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 und 94 der Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999; BV, SR 101) im schwei-
zerischen Verfassungsrecht hervorzuheben. 

290 Vgl. auch LYNN LUWARSO, Relative Marktmacht im Wirtschafts- und Konsumrecht, in: recht 2024, 51–

61, 55 ff. 

76 

 
 
 
 
 
 
 
betreffen jeweils die Beziehung zwischen einem relativ marktmächtigen Unternehmen (Ver-
botsadressat) und einem abhängigen Unternehmen (Schutzadressat). Der Unternehmensbe-
griff wird in Art. 2 Abs. 1bis KG definiert und gilt für das ganze Gesetz. Danach gelten als Un-
ternehmen sämtliche Nachfrager und Nachfragerinnen oder Anbieter und Anbieterinnen von 
Gütern und Dienstleistungen im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Orga-
nisationsform. Auch im Zusammenhang mit der relativen Marktmacht ist auf diese Definition 
abzustellen. Konsumentinnen und Konsumenten können sich somit nicht auf die Vorschriften 
zur relativen Marktmacht berufen.291 In diesem Punkt unterscheidet sich das Konzept der re-
lativen Marktmacht von einer klassischen marktbeherrschenden Stellung. 

273.  Für die Abhängigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2bis KG ist nicht die «absolute» Stellung 
eines Unternehmens auf einem bestimmten Markt («erga omnes») entscheidend, sondern die 
individuelle, konkrete Machtverteilung zwischen zwei Unternehmen («inter partes»), zwischen 
denen eine Geschäftsbeziehung besteht oder in Frage kommt.292 Auch in diesem Punkt un-
terscheidet  sich  das  Konzept  der  relativen  Marktmacht  von  einer  klassischen  marktbeherr-
schenden Stellung. Die beiden Unternehmen, die sich (möglicherweise) in einem Abhängig-
keitsverhältnis  befinden,  stehen  zueinander  in  einem  vertikalen  Verhältnis.  Die  Anwendung 
der Vorschriften zur relativen Marktmacht auf bilaterale Geschäftsbeziehungen gebieten eine 
Einzelfallprüfung. Im Ergebnis kann ein Unternehmen gegenüber einem bestimmten oder ein-
zelnen Unternehmen relativ marktmächtig sein, während es gegenüber anderen Unternehmen 
nicht in einer solchen Position ist. 

274.  Über die Unternehmensqualität der involvierten Unternehmen hinaus ergeben sich aus 
Art. 4 Abs. 2bis KG keine weiteren Einschränkungen in persönlicher Hinsicht. Keine Rolle spielt 
insbesondere die Branchenzugehörigkeit und die Grösse der Unternehmen, ebenso wenig de-
ren Marktanteile. Die Vorschriften zur relativen Marktmacht zielen primär auf den individuellen 
Schutz der betroffenen Unternehmen und nicht unmittelbar auf den Schutz des Wettbewerbs 
als Institut. Auch Unternehmen, die für funktionierenden Wettbewerb irrelevant sind, können 
sich auf die Vorschriften zur relativen Marktmacht berufen.293 Umgekehrt ist der Schutz nicht 
auf Unternehmen mit geringen Marktanteilen oder KMU beschränkt. Auch Unternehmen mit 
bedeutenden  Marktanteilen  oder  Grosskonzerne  können  in  Bezug  auf  bestimmte  Produkte 
oder Dienstleistungen in eine Abhängigkeitssituation geraten.  

C.4.2.2.2 

In sachlicher Hinsicht 

275.  Gemäss Art. 4 Abs. 2bis KG ist die Abhängigkeit «beim Angebot oder bei der Nachfrage 
einer Ware oder Leistung» zu prüfen. Damit wird klargestellt, dass die Geschäftsbeziehung 
zwischen zwei Unternehmen nicht gesamthaft zu würdigen ist. Vielmehr ist stets zu eruieren, 
ob  eine  Abhängigkeit  in  Bezug  auf  eine  bestimmte  Leistung  vorliegt.294  Dies  schliesst  nicht 
aus, dass ein Unternehmen von einem anderen Unternehmen in Bezug auf mehrere Produkte 
oder Dienstleistungen, ganze Produktekategorien oder – im Extremfall – vom ganzen Sorti-
ment abhängig sein kann. Möglich ist auch eine wechselseitige Abhängigkeit, nämlich dass 
ein Unternehmen von einem anderen Unternehmen in Bezug auf eine Leistung abhängig ist, 
während  es  gegenüber demselben  Unternehmen  in  Bezug  auf  eine  andere  Leistung  selber 
über relative Marktmacht verfügt. 

291  Botschaft vom 29.5.2019 zur Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise (Fair-Preis-
Initiative)»  und  zum  indirekten  Gegenvorschlag  (Änderung  des  Kartellgesetzes),  BBl  2019  4877, 
4907 Ziff.  3.3.3.3; Merkblatt und Formular des Sekretariats der WEKO: Relative Marktmacht vom 
6.12.2021,  Rz 6,  abrufbar  unter  www.weko.admin.ch  >  Rechtliches/Dokumentation  >  Merkblätter; 
DAVID MAMANE, Die relative Marktmacht im Schweizer Kartellrecht – von der Relativitätstheorie in die 
Praxis, in: SZK 2/2022, 59–67 (zit. MAMANE, SZK 2022), 61. 

292  HAKTANIR (Fn 285), Beschaffungsfreiheit, Rz 263. 
293  A.M. STÄUBER/BURGER (Fn 285), ZWeR 2021, 254. 
294  BBl 2019 4877, 4907 Ziff. 3.3.3.3. 

77 

 
 
 
 
 
 
 
276.  In Bezug auf welche Leistungen die Abhängigkeit jeweils zu beurteilen ist, hängt vom 
konkreten Verfahrensgegenstand ab. 

C.4.2.2.3 

In zeitlicher Hinsicht 

277.  Die Vorschriften zur relativen Marktmacht gelangen grundsätzlich auch bei einmaligen 
Rechtsgeschäften  zur  Anwendung  (z.B.  ein  bestimmtes  Immobiliengeschäft).  In  der  Regel 
dürften  die  Anwendungsfälle  aber  eine  auf  Dauer  angelegte Geschäftsbeziehung  betreffen, 
insbesondere den wiederholten oder regelmässigen Bezug von Leistungen. Die Machtvertei-
lung in einer solchen Geschäftsbeziehung ist nicht statisch, sondern kann sich im Laufe der 
Zeit verändern. Beispielsweise können für das betroffene Unternehmen alternative Bezugs-
möglichkeiten entstehen oder entfallen (z.B. Parallelimport) oder ein bestimmtes Produkt kann 
für das Unternehmen an Bedeutung verlieren oder gewinnen (z.B. aus technischen oder regu-
latorischen Gründen oder aufgrund von Veränderungen in der Geschäftsausrichtung). Ob eine 
Abhängigkeit besteht oder nicht, ist eine Momentaufnahme. Massgebend für die Beurteilung 
relativer Marktmacht sind für die WEKO grundsätzlich die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Ent-
scheides, also die aktuellen Verhältnisse. Dies hängt mit den Rechtsfolgen zusammen, welche 
die  WEKO  anordnen  kann.  Den Missbrauch  einer relativ  marktmächtigen  Stellung kann  die 
WEKO nicht (direkt) sanktionieren. In Frage kommt einzig die Anordnung von Verhaltensmas-
snahmen. Solche Massnahmen sind nur angezeigt, wenn ein aktuelles Interesse an einer be-
hördlichen  Intervention  besteht.  Ob  in  der  Vergangenheit  eine  Abhängigkeit  bestanden  hat 
oder sich in der Zukunft möglicherweise eine solche ergeben wird295, ist daher nicht ausschlag-
gebend. 

C.4.2.3  Voraussetzungen 

C.4.2.3.1 

Abhängigkeit 

278.  Das zentrale Tatbestandsmerkmal gemäss Art. 4 Abs. 2bis KG bildet das Vorliegen eines 
Abhängigkeitsverhältnisses. Die Abhängigkeit misst sich nach dem Gesetzeswortlaut daran, 
ob ausreichende und zumutbare Möglichkeiten bestehen, auf andere Unternehmen auszuwei-
chen. In einem ersten Schritt sind die Ausweichmöglichkeiten zu ermitteln (Rz 279 ff.). In ei-
nem  zweiten  Schritt  ist  festzustellen,  welche  allfälligen  Folgen  das  Ausweichen  für  das  be-
troffene Unternehmen hätte (Rz 283 ff.), bevor in einem dritten Schritt zu würdigen ist, ob die 
allfälligen Folgen für das betroffene Unternehmen zumutbar sind oder nicht (Rz 286 ff.).  

C.4.2.3.2 

Ermittlung der Ausweichmöglichkeiten 

279.  Art. 4 Abs. 2bis KG erwähnt als Ausweichmöglichkeit das Ausweichen auf andere Unter-
nehmen. Bezieht sich die mögliche Abhängigkeit auf die Beschaffung von Produkten, kommt 
hierzu Folgendes in Frage: 

−  Das Unternehmen kann versuchen, das gleiche Produkt bei einer anderen Anbieterin zu 
beziehen (z.B. durch Parallelimport statt Direktbezug beim ausländischen Hersteller); 

−  Das Unternehmen kann versuchen, auf ein alternatives Produkt auszuweichen. 

280.  Welche Produktalternativen oder Möglichkeiten bestehen, das gleiche Produkt bei einer 
anderen Anbieterin zu beziehen, ist eine Sachverhaltsfrage. Bei der Beweisführung kann dabei 
auch berücksichtigt werden, welche Schritte das mutmasslich abhängige Unternehmen unter-
nommen hat, die fragliche Leistung anderweitig zu beziehen (z.B. Parallelimport). Sind etwa 
intensive  Ausweichbemühungen  erfolglos  geblieben,  kann  dies  dafür  sprechen,  dass  keine 

295  Zwar ist ein aktuelles Interesse immer eine Voraussetzung für die Anordnung behördlicher Mass-
nahmen. Die voraussichtliche Entwicklung der aktuellen Abhängigkeit kann aber einen Einfluss auf 
das Interesse an einer Intervention haben und damit auf die Wahrscheinlichkeit, dass die Behörde 
den entsprechenden Fall aufgreift. 

78 

 
 
 
 
 
 
 
oder nur beschränkte Alternativen bestehen. Allerdings bilden «erfolglose Ausweichversuche» 
keine Tatbestandsvoraussetzung der Abhängigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2bis KG. Ein sol-
ches Kriterium findet im Gesetzestext keine Stütze.296 Möglich ist nur, aber immerhin, fehlen-
den Ausweichbemühungen bei der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen. Zudem kann es für 
die  Wettbewerbsbehörden  bereits  ein  Argument  gegen  das  Aufgreifen  eines  Falles  bilden, 
wenn ein Unternehmen keine Ausweichbestrebungen aufzeigen kann. 

281.  Im Gesetz nicht als Ausweichmöglichkeit genannt wird der Verzicht auf die Leistung an 
sich. Dazu Folgendes: In den Gesetzesmaterialien deutet nichts darauf hin, dass der Verzicht 
auf die Leistung als zu berücksichtigende Ausweichmöglichkeit ausgeschlossen sein soll. Dies 
würde denn auch nicht zu einer schlüssigen und konsistenten Gesetzesbedeutung führen (te-
leologische Auslegung). Der Zweck der Prüfung der Ausweichmöglichkeiten besteht darin, die 
Nachteile in Erfahrung zu bringen, die für das mutmasslich abhängige Unternehmen entste-
hen, wenn das Geschäft mit dem mutmasslich relativ marktmächtigen Unternehmen nicht zu-
stande  kommt  oder  die  betreffende  Geschäftsbeziehung  aufgelöst  wird.  Die  Grösse  dieses 
Nachteils ist bei der anschliessenden Prüfung ausschlaggebend dafür, ob die Ausweichmög-
lichkeiten als ausreichend und zumutbar beurteilt werden (vgl. Rz 286 ff. hinten). Diese Grösse 
des Nachteils ist dadurch zu bemessen, dass der Bezug der Leistung beim mutmasslich relativ 
marktmächtigen  Unternehmen  mit  der  besten  Alternative  verglichen  wird.297  Falls  die  beste 
Alternative im Verzicht auf die Leistung besteht, muss deshalb geprüft werden, ob der Verzicht 
zumutbar ist. Wenn das der Fall ist, besteht keine Abhängigkeit.298  

282.  Ein mutmasslich abhängiges Unternehmen braucht sich nicht in jedem Fall für eine ein-
zige der genannten Möglichkeiten zu entscheiden, wenn es ausweichen muss. Vielmehr kann 
die beste Alternative auch in der Kombination von Ausweichmöglichkeiten bestehen (so auch 
vorliegend; dazu Rz 298 ff.), beispielsweise indem das Unternehmen für einen Teil der fragli-
chen Leistung auf alternative Produkte oder Dienstleistungen ausweicht und im Übrigen auf 
den Bezug der Leistung verzichtet (Teilverzicht). 

C.4.2.3.3 

Feststellung der allfälligen Folgen des Ausweichens 

283.  Sobald  feststeht,  welche  Ausweichmöglichkeiten  bestehen,  sind  diese  zu  bewerten. 
Hierzu sind die allfälligen Folgen zu ermitteln, die für das mutmasslich abhängige Unterneh-
men  durch  das  Ausweichen  auf  Alternativen  entstehen  würden.  Als  Ausgangspunkt  für  die 
Prüfung können z.B. die aktuellen Konditionen beim mutmasslich relativ marktmächtigen Un-
ternehmen mit den Konditionen verglichen werden, die das mutmasslich abhängige Unterneh-
men beim Ausweichen auf die Alternative erhalten würde (vgl. dazu vorliegend Rz 124). Führt 

296  Vgl. aber BBl 2019 4877, 4940 f. Ziff. 6.4: «[…] Demnach müssen Unternehmen, die sich auf die 
vorgeschlagene  Regelung  berufen  möchten,  bereits  andere  zumutbare  Möglichkeiten,  das  ge-
wünschte  Produkt  beziehungsweise  die  Dienstleistung  zu  vergleichbaren  (Referenz-)Preisen  und 
Konditionen im In- und Ausland zu beziehen, erfolglos ausgeschöpft haben. Beispielsweise reicht 
die erfolglose Anfrage beim Hersteller des Referenzlandes nicht aus, um eine Abhängigkeit zu be-
gründen. Je nach Einzelfall sind einige erfolglose Beschaffungsversuche in verschiedenen Ländern, 
in denen die Ware oder die Dienstleistung angeboten wird, vorzuweisen. Dabei hat der abhängige 
Nachfrager nachzuweisen, dass er erfolglos versucht hat, die Ware oder Dienstleistung anderweitig 
zu vergleichbaren Preisen und Konditionen wie seine Konkurrenten zu beziehen». 

297  Analog  dazu  ist  bei  der  Bemessung  der  ökonomischen  Kosten  der  Nutzung  einer  Ressource  der 
höchstmögliche Wert einer alternativen Verwendung massgebend. Die so bemessenen Kosten wer-
den  als  «Opportunitätskosten»  bezeichnet  (vgl.  z.B.  ROBERT  S.  PINDYCK/DANIEL  L.  RUBINFELD, 
Mikroökonomie, 2013, 8. Auflage, S. 317 ff.). 

298 Dagegen wendet Galexis ein, dass der Verzicht in Art. 4 Abs. 2bis KG nicht genannt werde und daher 
keine Ausweichmöglichkeit darstelle (Act. V.5, Beilage 1, Rz 43). Dabei argumentiert sie einzig mit 
dem Wortlaut der Bestimmung. Eine solche Interpretation ist mit dem Methodenpluralismus bei der 
Gesetzesauslegung nicht vereinbar. Insbesondere lässt sie das teleologische Auslegungselement 
vollständig ausser Acht.  

79 

 
 
 
 
 
 
 
das mutmasslich abhängige Unternehmen zum Zeitpunkt der Beurteilung mit dem mutmass-
lich relativ marktmächtigen Unternehmen keine Geschäftsbeziehung betreffend die fraglichen 
Leistungen, können beispielsweise diejenigen Konditionen zum Vergleich herangezogen wer-
den, die es aushandeln könnte. Massgebend ist aber vor allem, welche Folgen das Auswei-
chen für  das mutmasslich  abhängige  Unternehmen  hätte,  d.h.  ob  es  eine  Umsatzeinbusse, 
höhere Aufwendungen (z.B. Kosten für die Umstellung der Produktion) oder – was vor allem 
massgebend ist – einen tieferen Gewinn zur Folge hätte. Ob solche Nachteile vorliegen oder 
nicht, ist eine Frage des Sachverhalts. 

284.  Die Beweisführung über die Folgen des Ausweichens ist aus den folgenden Gründen 
schwierig: 

− 

Im Beurteilungszeitpunkt hat das Ausweichen typischerweise noch nicht stattgefunden 
oder die Folgen des Ausweichens sind noch nicht oder nicht vollständig eingetreten. Die 
Abklärung betrifft also in der Regel einen künftigen und hypothetischen Sachverhalt. Die 
Feststellung eines solchen Sachverhalts ist typischerweise mit Unsicherheiten behaftet.  

−  Das Ausmass des (hypothetischen) Nachteils des Ausweichens hängt in der Regel von 
einer  Vielzahl  von  Faktoren  ab,  insbesondere  von  den  konkreten  Marktverhältnissen, 
aber auch von den Eigenschaften des betroffenen Unternehmens. Unternehmensspezi-
fisch können zum Beispiel die Geschäftsstrategie, finanzielle Situation, Kreditwürdigkeit, 
vertraglichen  Bindungen  und  Investitionspolitik  des  Unternehmens  eine  Rolle  spielen. 
Häufig wird es für die Wettbewerbsbehörden mit angemessenem Aufwand nicht möglich 
sein, das «Innenleben» des Unternehmens umfassend einzusehen und zu beurteilen.  

−  Die Folgen des Ausweichens können sich im Verlaufe der Zeit verändern. Beispielsweise 
ist es möglich, dass sich gewisse Nachteile für das Unternehmen erst in einigen Jahren 
nach der Umstellung manifestieren, während kurzfristig keine negativen Konsequenzen 
eintreten. Umkehrt kann das Ausweichen auf eine Alternative kurzfristig nachteilig sein, 
aber sich für das Unternehmen längerfristig kaum negativ auswirken, etwa weil die Nach-
teile  durch  den  Aufbau  einer  alternativen  Geschäftsbeziehung  mit  der  Zeit  ganz  oder 
teilweise  kompensiert  werden  können.  In  Bezug  auf  allfällige  spät  eintretende  Folgen 
wird das erforderliche Beweismass häufig nicht mit verhältnismässigem Ermittlungsauf-
wand erreichbar sein. 

285.  Vor diesem Hintergrund ist der Nachteil, den das Ausweichen für das Unternehmen zur 
Folge hätte, in der Regel nicht exakt bezifferbar. Vielmehr sind häufig bloss Aussagen in Bezug 
auf  dessen Grössenordnung möglich.  Trotz  der Schwierigkeiten,  die  bei der  Beweisführung 
bestehen, dürfen nicht abstrakte Kriterien oder ein fixer Kriterienkatalog anstelle der einzelfall-
weisen Sachverhaltsfeststellung im konkreten Kontext treten.299 

299  Zur Illustration kann folgendes Beispiel erwähnt werden: Um die Abhängigkeit eines Unternehmens 
zu prüfen, wird in Deutschland unter anderem regelmässig berücksichtigt, wie viele der vergleichba-
ren Abnehmer die Produkte des entsprechenden Anbieters führen («Distributionsrate»; dazu etwa 
JÖRG NOTHDURFT, Relative Marktmacht – Gutachten zu Grundlagen, Bedeutung, Wirkung und Praxis 
der deutschen Missbrauchsverbote gegenüber marktmächtigen Unternehmen, 17.1.2015, 37.). Al-
lerdings darf die Aussagekraft der Distributionsrate nicht überschätzt werden, um den Nachteil des 
Ausweichens für das betroffene Unternehmen zu eruieren. Auch bei einer hohen Distributionsrate 
kann dieser Nachteil für das betroffene Unternehmen gering sein, etwa weil das betroffene Produkt 
zum Randsortiment des Unternehmens gehört. Umgekehrt kann ein Produkt für ein Unternehmen 
auch  bei  einer  geringen  Distributionsrate  essentiell  sein,  etwa  wenn  es  sich  auf  dessen  Vertrieb 
spezialisiert hat und damit einen wesentlichen Teil seines Umsatzes generiert. Keinesfalls darf das 
Vorliegen einer Abhängigkeit allein am Erreichen einer bestimmten Distributionsrate gemessen wer-
den. 

80 

 
 
 
 
 
 
 
C.4.2.3.4 

Beurteilung der Zumutbarkeit der Folgen 

286.  Gemäss Art. 4 Abs. 2bis KG liegt ein Abhängigkeitsverhältnis vor, wenn «keine ausrei-
chenden und zumutbaren» Ausweichmöglichkeiten bestehen. Der Wortlaut der Bestimmung 
könnte den Eindruck erwecken, dass es sich beim «Ausreichen» und der «Zumutbarkeit» um 
zwei separate Kriterien handelt. Bei näherer Betrachtung sind hierin jedoch nicht zwei unter-
schiedliche  Prüfpunkte  zu  erkennen.  Der  Begriff  «ausreichend»  gibt  in  sich  kein  Mass  vor, 
welches erreicht werden soll. Vielmehr setzt die Beurteilung, ob etwas ausreichend ist, eine 
konkrete Bezugsgrösse voraus, zum Beispiel dass die Ausweichmöglichkeiten dem Unterneh-
men  das  wirtschaftliche  Überleben  erlauben.  Dem  Gesetz  ist  diese  Bezugsgrösse  nicht  zu 
entnehmen. Es lässt also offen, für was die Ausweichmöglichkeiten «ausreichend» sein sollen. 
Auch die französische und die italienische Fassung schaffen hier keine Klärung. Sie verwen-
den die Begriffe «possibilité suffisante» und «possibilità sufficienti». Indem Art. 4 Abs. 2bis KG 
nicht beantwortet, was als «ausreichend» gilt, wird den rechtsanwendenden Instanzen die Auf-
gabe übertragen, eine einzelfallbezogene Wertung der Folgen des Ausweichens für das Un-
ternehmen  vorzunehmen.  Damit  ist  im  Kriterium  der  «ausreichenden»  Ausweichweichmög-
lichkeiten nun aber nichts enthalten, was nicht auch bei der «Zumutbarkeit» zu prüfen ist. Denn 
auch hierbei handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der von den rechtsanwen-
denden  Instanzen  eine einzelfallweise  Würdigung  der  Folgen  des  Ausweichens  für  das  be-
troffene  Unternehmen  gebietet.  Die  Beurteilung,  ob  «ausreichende  und  zumutbare»  Aus-
weichmöglichkeiten vorliegen, kann daher in einem Schritt erfolgen. Massgebend ist, ob die 
Folgen des Ausweichens oder des Verzichts – primär gemessen an der Gewinneinbusse – für 
das Unternehmen zumutbar sind. 

287.  Das Kriterium der Zumutbarkeit wird in Art. 4 Abs. 2bis KG nicht konkretisiert. Namentlich 
werden keine Regelbeispiele aufgestellt. Ebenso können allfällige Nachteile des Ausweichens 
verschiedene Ursachen haben, beispielsweise in den Marktverhältnissen oder in individuellen 
Eigenschaften des betroffenen Unternehmens gründen (Rz 284). Damit räumt das Gesetz den 
rechtsanwenden  Behörden  einen  grossen  Beurteilungsspielraum  ein.  Allgemeine  Aussagen 
sind daher nur beschränkt möglich. Insbesondere kann eine Kategorisierung von Konstellati-
onen relativer Marktmacht in bestimmte Fallgruppen (z.B. in Anlehnung an das deutsche Recht 
in  sortimentsbedingte,  unternehmensbedingte,  mangelbedingte  und  nachfragebedingte  Ab-
hängigkeit300) die einzelfallbezogene Beurteilung der Zumutbarkeit nicht ersetzen. Das Vorlie-
gen einer Abhängigkeit richtet sich nicht danach, ob eine bestimmte Begrifflichkeit auf die zu 
untersuchende unternehmerische Beziehung passt. Massgebend ist, ob die gesetzlichen Kri-
terien von Art. 4 Abs. 2bis KG erfüllt sind. 

288.  In allgemeiner Hinsicht ist aber immerhin Folgendes festzuhalten: 

−  Ob ein Nachteil zumutbar ist, hängt nicht von seiner absoluten Grösse ab. Vielmehr ist 
zu beurteilen, wie schwerwiegend sich dieser Nachteil für das konkret betroffene Unter-
nehmen auswirken würde. Beispielsweise kann eine bestimmte Umsatzeinbusse für ein 
Unternehmen  gravierende  Folgen  haben,  während  sie  für  ein  anderes  Unternehmen 
nicht ins Gewicht fällt. Dieser Fokus auf das betroffene Unternehmen ist dem Konzept 
der relativen Marktmacht immanent. Es geht um bilaterale Geschäftsbeziehungen. Ob 
eine Abhängigkeit vorliegt, ist individuell zu beurteilen. 

−  Nicht  jeder  Nachteil  ist  als  unzumutbar  zu  qualifizieren.  Ein  Unternehmen  strebt  typi-
scherweise diejenigen Geschäftsbeziehungen an, von denen es die meisten Vorteile er-
wartet.  Fällt  die  Geschäftsbeziehung  mit  dem  geeignetsten  Geschäftspartner  weg,  ist 
das Ausweichen auf ein anderes Unternehmen meistens mit Nachteilen verbunden. Das 
ist in der Regel selbst dann der Fall, wenn grundsätzlich gleichwertige Alternativen zur 
Verfügung  stehen,  weil  jede  Neuausrichtung  gewisse  Wechselkosten  mit  sich  bringt. 
Würde jeglicher Nachteil genügen, wäre deshalb eine relative Marktmacht fast immer zu 

300  Dazu etwa KAUFMANN (Fn 285), sic! 2022, 188 ff. 

81 

 
 
 
 
 
 
 
bejahen. Dass die Alternativen einen gleichwertigen Ersatz bieten müssen, ist aus dem 
Gesetzestext und den dazugehörigen Materialien nicht ersichtlich. Auch dem Sinn und 
Zweck der Vorschriften zur relativen Marktmacht kann ein solches Verständnis nicht ent-
nommen werden. Vielmehr zielen die Bestimmungen darauf, Unternehmen in Konstella-
tionen, in denen zwischen Geschäftspartnern ein klares Machtgefälle besteht, vor Miss-
brauch  zu  schützen301  und  nicht  darauf,  einen  weitgehenden  Kontrahierungszwang 
einzuführen. Vor diesem Hintergrund ist eine Abhängigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2bis 
KG jedenfalls dann zu verneinen, wenn die Nachteile für das betroffene Unternehmen 
unbedeutend sind. 

−  Umgekehrt ist die Unzumutbarkeit in der Regel nicht erst dann zu bejahen, wenn das 
Unternehmen in seiner Existenz bedroht ist.302 Eine derart hohe Schwelle lässt sich dem 
Gesetz nicht entnehmen und findet auch in den Materialien keine Stütze.  

C.4.2.3.5 

Mangelnde Gegenmacht 

289.  Fraglich ist, ob bei der Beurteilung der relativen Marktmacht auch die allfällige «Gegen-
macht»  des  mutmasslich  abhängigen  Unternehmens  in  die  Beurteilung  einfliessen  soll.  Die 
Gegenmacht kann am Interesse des mutmasslich relativ marktmächtigen Unternehmens an 
der Gegenleistung des mutmasslich abhängigen Unternehmens gemessen werden. Wie beim 
mutmasslich abhängigen Unternehmen korreliert dieses Interesse mit dem allfälligen Nachteil, 
den  das  Nichtzustandekommen  oder  die  Auflösung  des  fraglichen  Rechtsgeschäfts  für  das 
mutmasslich relativ marktmächtige Unternehmen zur Folge hätte. Je grösser der Nachteil (na-
mentlich die Gewinneinbusse) für das mutmasslich relativ marktmächtige Unternehmen, desto 
grösser ist die Gegenmacht des mutmasslich abhängigen Unternehmens. Hat das mutmass-
lich relativ marktmächtige Unternehmen ein gleiches oder ähnlich grosses Interesse am frag-
lichen Rechtsgeschäft, befindet sich das mutmasslich abhängige Unternehmen nicht in einer 
schwächeren Position. Vielmehr sind die Machtverhältnisse in diesem Fall ausgeglichen.  

290.  Art. 4 Abs. 2bis KG äussert sich nicht ausdrücklich dazu, ob die Gegenmacht des mut-
masslich abhängigen Unternehmens zu berücksichtigen ist. Den Gesetzesmaterialien ist dazu 
nichts zu entnehmen. Daher ist nach dem Sinn und Zweck der Bestimmungen zur relativen 
Marktmacht zu fragen (teleologische Auslegung). Hierzu kann der Zweckartikel des Kartellge-
setzes (Art. 1 KG) beigezogen werden. Die Anwendbarkeit der Missbrauchsverbote nach Art. 7 
KG führen für die betreffenden Unternehmen zu besonderen Verhaltensregeln. Im Einzelfall 
kann daraus auch eine Kontrahierungspflicht fliessen. Bei ausgeglichenen Machtverhältnissen 
ist eine Kontrahierungspflicht mit einer freiheitlichen und auf Wettbewerb ausgerichteten Wirt-
schaftsordnung und damit mit den Zielsetzungen des Kartellgesetzes nicht vereinbar. Vor die-
sem Hintergrund beschränken sich die Vorschriften zur relativen Marktmacht darauf, abhän-
gige Unternehmen in ihrer schwächeren Position vor Machtmissbrauch zu schützen. Fehlt es 
an einem Machtgefälle, besteht kein Schutzbedürfnis.303 

291.  Nach dem Gesagten setzt die Anwendbarkeit der Missbrauchsvorschriften nach Art. 7 
KG – neben der Abhängigkeit – voraus, dass zwischen den Unternehmen in Bezug auf das 
fragliche Geschäft eine ungleiche Machtverteilung herrscht. Wie ausgeprägt dieses Ungleich-
gewicht sein muss, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Nicht genügen dürfte in der 
Regel ein geringfügiges Machtgefälle. 

301  Vgl. in diese Richtung etwa AB 2020 N 226 (Votum von Beat Jans). 
302  So auch KAUFMANN (Fn 285), sic! 2022, 186; a.M. MAMANE (Fn 291), SZK 2022, 62; STÄUBER/BURGER 

(Fn 285), ZWeR 2021, 254. 

303  So auch ZIRLICK/BICKEL (Fn 285), WRP 2022, Rz 26; im Ergebnis auch HAKTANIR (Fn 285), Beschaf-

fungsfreiheit, Rz 301 ff. 

82 

 
 
 
 
 
 
 
C.4.2.3.6 

Kein grobes Selbstverschulden 

292.  In Art. 4 Abs. 2bis KG ist nicht ausdrücklich geregelt, wie damit umzugehen ist, wenn ein 
Unternehmen  seine  Abhängigkeit  durch  eigene Fehler  herbeigeführt  hat.304  Auch  in  diesem 
Punkt ist die Bestimmung auszulegen. 

293.  Gemäss der Botschaft des Bundesrates zum Gesetzesentwurf «[…] kann eine Abhän-
gigkeit nur in den Fällen vorliegen, in denen sich ein Unternehmen nicht selbst in diese Situa-
tion hineinmanövriert hat».305 Tatsächlich ist zu vermeiden, dass das Kartellgesetz einen An-
reiz schafft, dass sich Unternehmen in Abhängigkeiten begeben, die Risiken mit sich bringen, 
welche die Vorteile der Geschäftsbeziehung deutlich übersteigen. Wer trotz eines klaren Miss-
verhältnisses zwischen Risiken und Chancen in eine Abhängigkeit gerät, soll sich nicht auf die 
Schutzvorschriften zur relativen Marktmacht berufen können. Sonst würden die Regeln Ge-
schäftsmodelle fördern, mit denen unvernünftige Risiken eingegangen werden und diese ge-
genüber  weniger  riskanten  Geschäftsmodellen  bevorzugt  behandeln.  Dadurch  würde  der 
Wettbewerb verzerrt. Dies kann nicht dem Sinn und Zweck kartellrechtlicher Vorschriften (vgl. 
Art. 1 KG) entsprechen.  

294.  Allerdings ist eine gewisse behördliche Zurückhaltung angezeigt, unternehmerische Ent-
scheide  als  unvernünftig  zu  qualifizieren.  Jedenfalls  dürfte  eine  solche  Wertung  nicht  allein 
aus dem Grund erfolgen, dass sich ein Entscheid im Nachhinein als unvorteilhaft herausstellt. 
Massgebend müssen vielmehr die gesamten Umstände und die Informationslage des Unter-
nehmens im Zeitpunkt des Geschäftsentscheides sein.306 Der Tiefe der behördlichen Beurtei-
lung sind hier Grenzen gesetzt. Vor diesem Hintergrund sollte ein Selbstverschulden nur in 
offensichtlichen  Fällen  beachtlich  sein,  anders  ausgedrückt  muss  es  sich  um  ein  grobes 
Selbstverschulden handeln. Hingegen spielt keine Rolle spielt, ob sich das Unternehmen in 
Kenntnis  der  übermässigen  Risiken  in  die  Abhängigkeit  begeben  hat  oder  hierbei  bloss  die 
gebotene Sorgfalt (auf grobe Weise) missen liess. In beiden Fällen ist der Schutz durch die 
Vorschriften zur relativen Marktmacht nicht angezeigt.  

295.  Im Einklang mit der historischen und teleologischen Auslegung setzt die Anwendbarkeit 
der  Missbrauchsvorschriften  nach  Art.  7  KG  somit  voraus,  dass  die  Abhängigkeit  nicht  auf 
grobe Eigenfehler zurückzuführen ist.  

C.4.2.4  Zwischenfazit 

296.  Relative Marktmacht setzt gemäss Art. 4 Abs. 2bis KG ein Abhängigkeitsverhältnis zwi-
schen Unternehmen voraus. Im Fokus ist nicht die absolute Stellung eines Unternehmens auf 
einem Markt, sondern das bilaterale Verhältnis. Dabei sind nicht die gesamten Geschäftsbe-
ziehungen zwischen den betreffenden Unternehmen zu beurteilen. Vielmehr ist stets zu eru-
ieren, ob eine Abhängigkeit in Bezug auf eine bestimmte Leistung vorliegt. In zeitlicher Hinsicht 
kommt es dabei im Wesentlichen auf die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Entscheides an. 

297.  Im Einzelnen fliessen aus Art. 4 Abs. 2bis KG folgende Kriterien: 

−  Abhängigkeit: Das betroffene Unternehmen hat keine ausreichenden und zumutbaren 

Ausweichmöglichkeiten; 

−  Mangelnde Gegenmacht: Zwischen den Unternehmen herrscht in Bezug auf das fragli-

che Geschäft eine ungleiche Machtverteilung; 

304  Dazu etwa HAKTANIR (Fn 285), Beschaffungsfreiheit, RZ 296 ff; KAUFMANN (Fn 285), sic! 2022, 186 ff.; 

MAMANE (Fn 291), SZK 2022, 62 f.; ZIRLICK/BICKEL (Fn 285), WRP 2022, Rz 23 ff. 

305  BBl 2019 4877, 4935 f. Ziff. 6.1. 
306 Zum Ganzen ZIRLICK/BICKEL (Fn 285), WRP 2022, Rz 25. 

83 

 
 
 
 
 
 
 
−  Kein grobes Selbstverschulden: Die Abhängigkeit ist nicht auf eigene Fehler zurückzu-

führen. 

C.4.3  Subsumtion 

C.4.3.1  Abhängigkeit von Galexis gegenüber Fresenius Kabi 

C.4.3.1.1 

Ausweichmöglichkeiten 

298.  Zunächst sind die Ausweichmöglichkeiten von Galexis zu eruieren (Rz 279 ff.). Wie ge-
zeigt worden ist (Rz 116 ff.), kann Galexis die Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi 
nur von dieser in den benötigten Mengen beziehen. Insbesondere weil Parallelimporte ohne 
Einverständnis von Fresenius Kabi nicht legal möglich sind, kann Galexis nicht auf Zwischen-
händlerinnen ausweichen. 

299.  [28–55 %] der von Galexis verkauften Trinknahrung der Herstellerin Fresenius Kabi wird 
an Endabnehmerinnen und Endabnehmer ohne spezifische ärztliche Verschreibung verkauft 
(Rz 122 f.; Appendix G.3). Diese Kundinnen und Kunden können grundsätzlich auf Trinknah-
rung  anderer  Herstellerinnen  ausweichen  (Rz 107 ff.).  Deshalb  kann  Galexis  einen  Teil  der 
heute  bei  Fresenius  Kabi  eingekauften  Trinknahrung  durch  vergleichbare  Produkte  anderer 
Herstellerinnen ersetzen (Rz 122 f.). 

300.  Beim grössten Teil der von Galexis verkauften Trinknahrung ist ein Ausweichen auf Pro-
dukte anderer Herstellerinnen hingegen nur erschwert möglich, weil eine spezifische ärztliche 
Verschreibung vorliegt (Rz 107 ff.; Rz 122 f.). Deshalb kann Galexis jedenfalls nicht alle der 
heute  bei  Fresenius  Kabi  eingekauften  Trinknahrung  durch  vergleichbare  Produkte  anderer 
Herstellerinnen ersetzen. Da Galexis diese Produkte auch nicht über andere Bezugsquellen 
einkaufen kann, bleibt diesbezüglich nur der Verzicht, die entsprechenden Produkte anzubie-
ten. 

301.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die nachfolgend näher zu prüfende Ausweich-
möglichkeit für Galexis darin besteht, so viele Kundinnen wie möglich zum Umsteigen auf ver-
gleichbare Trinknahrung anderer Herstellerinnen zu bewegen und ansonsten diese Produkte 
nicht mehr anzubieten.  

C.4.3.1.2 

Folgen des Ausweichens  

302.  Nachdem die Ausweichmöglichkeiten von Galexis festgestellt worden sind, sind nun die 
durch das Ausweichen für Galexis entstehenden Folgen zu prüfen (Rz 283 ff.). Wie die Sach-
verhaltsabklärungen ergeben haben, würde Galexis durch die Auflösung der Lieferbeziehung 
zu Fresenius Kabi im Bereich Trinknahrung Gewinne und Deckungsbeiträge in der Höhe von 
weniger als [<400 000] Franken jährlich einbüssen (Rz 119 ff.). 

303.  Zusätzlich  dazu  würde  Galexis  weitere  Nachteile  erleiden,  insbesondere  weil  Galexis 
durch den Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi aus ihrem Sortiment als Grossistin an 
Attraktivität einbüssen würde. Diese über die genannten Gewinneinbussen und Deckungsbei-
träge hinausgehenden Verluste dürften eher gering ausfallen (Rz 126 ff.). 

304.  Allfällige Verluste von Galexis durch den Wegfall von Sondennahrung und Hilfsmitteln 
zur Verabreichung von Sondennahrung von Fresenius Kabi sind unbedeutend, weil Galexis 
mit diesen Produkten nur sehr geringe Umsätze erzielt (Rz 43 ff.). 

C.4.3.1.3 

Zumutbarkeit des Ausweichens 

305.  Schliesslich  ist  die  Zumutbarkeit  der  vorangehend  festgestellten  Folgen  des  Auswei-
chens für Galexis zu beurteilen (Rz 286 ff.). Galexis gehört zur Galenica-Gruppe. Diese er-
zielte im Jahr 2022 einen Reingewinn von rund 165 Millionen Franken und einen EBIT von 

84 

 
 
 
 
 
 
rund 200 Millionen Franken (Rz 5 ff.). Gemessen an der Finanzkraft der Galenica-Gruppe wä-
ren  die  durch  den  Wegfall  der  Lieferbeziehung  zu  Fresenius  Kabi  bezüglich  Trinknahrung, 
Sondennahrung  und  Hilfsmitteln  entstehenden  Nachteile,  namentlich  die  jährliche  Einbusse 
von Gewinnen und Deckungsbeiträgen in der Höhe von weniger als [<400 000] Franken und 
die eher geringen durch den Attraktivitätsverlust als Grossistin entstehenden Verluste unbe-
deutend und damit zumutbar. Aus diesem Grund liegt diesbezüglich keine Abhängigkeit i.S.v. 
Art. 4 Abs. 2bis KG vor. 

C.4.3.2  Mangelnde Gegenmacht 

306.  Da  die  durch  die  Auflösung  der  Lieferbeziehung  zu  Fresenius  Kabi  in  den  Bereichen 
Trinknahrung, Sondennahrung und Hilfsmitteln für Galexis entstehenden Nachteile zumutbar 
sind, scheidet eine Abhängigkeit i.S.v. Art. 4 Abs. 2bis KG von Vornherein aus. Selbst wenn die 
genannten  Nachteile für  Galexis  nicht  zumutbar wären,  wäre  Fresenius Kabi  wohl  nicht  als 
relativ marktmächtig i.S.v. Art. 4 Abs. 2bis KG zu qualifizieren. Massgebend ist nämlich auch 
das  Verhältnis  zwischen  den  Folgen  einer  Auflösung  der  Lieferbeziehung  für  Galexis  und 
Fresenius  Kabi.  Diese  Folgen  stehen  vorliegend  nicht  in  einem  klaren  Ungleichgewicht 
(Rz 199). Damit ist vorliegend (wohl) auch das Kriterium der mangelnden Gegenmacht (dazu 
Rz 289 ff.) nicht erfüllt.307 

C.4.3.3  Kein grobes Selbstverschulden 

307.  Galexis  ist  in  den  Bereichen  Trinknahrung,  Sondennahrung  und  Hilfsmittel  nicht  von 
Fresenius Kabi abhängig. Deshalb erübrigt sich die Prüfung eines allfälligen groben Selbstver-
schuldens. 

307  Galexis bringt vor, der von der Behörde vorgenommene Vergleich der finanziellen Folgen greife «aus 
ökonomischer Sicht zu kurz für die Beurteilung von Verhandlungsmacht». In der ökonomischen Li-
teratur und der wettbewerbsökonomischen Praxis habe sich neben dem Konzept des «Bargaining 
Parameters» (Aufteilungsverhältnis der Rente), hauptsächlich dasjenige der «Bargaining Leverage» 
(Attraktivität der nächstbesten Alternativen, bzw. der sogenannten «Outside Options») als relevantes 
Beurteilungskriterium für das Vorhandensein von Verhandlungsmacht etabliert (Act. IV.36, Rz 111). 
Ein  «simples  Nash-Bargaining-Modell»  sei  zur  Beurteilung  von  Verhandlungsmacht  konzeptionell 
dem von der Behörde verwendeten Ansatz überlegen (Act. IV.36, Rz 112). 

  Dieser Einwand überzeugt nicht. Die Behörde hat die Attraktivität der nächstbesten Alternative für 
Galexis ermittelt (Rz 115 ff.). Weil das Ausweichen auf diese Alternative zumutbar ist, erübrigt sich 
eine genaue Prüfung der allfälligen Gegenmacht von Galexis (Rz 305). Andernfalls wäre die Attrak-
tivität der nächstbesten Alternative für Fresenius Kabi zu bestimmen (Rz 193 ff.). Gemäss dem An-
satz der Behörde wird also auf die Attraktivität der nächstbesten Alternativen der Verhandlungspar-
teien  abgestellt.  In  diesem  Sinne  ist  der  Ansatz  der  Behörde  mit  der  ökonomischen  Literatur 
konsistent. So wird zum Beispiel das Verhandlungsergebnis im von Nash vorgeschlagenen Verhand-
lungsmodell durch den durch die Verhandlungsparteien ohne Einigung erreichbaren Erwartungsnut-
zen bestimmt (JOHN F. NASH, JR., 1950, The Bargaining Problem, Econometrica, 18(2), 155–162). 
Wenn es sich bei den Verhandlungsparteien um Unternehmen handelt, wird dieser Erwartungsnut-
zen üblicherweise anhand des zu erwarteten Gewinns bemessen. Genau so ist die Behörde vorlie-
gend vorgegangen. 

  Das  von  den  Parteigutachtern  verwendete  Modell  (Act.  IV.36,  Anhang  1)  dient  dem  Zweck,  eine 
Veränderung eines ausgehandelten Preises vorauszusagen. Aus diesem Grund werden solche und 
ähnliche Modelle  manchmal bei  der Zusammenschlusskontrolle  eingesetzt, um  die  Auswirkungen 
des Zusammenschlusses auf die Konsumentenpreise abzuschätzen (so z.B. im von den Parteigut-
achtern zitieren Zusammenschlussvorhaben von AT & T und Time Warner, Act. IV.36, Rz 112). Im 
Gegensatz dazu ist eine solche Prognose vorliegend nicht erforderlich (vgl. Fn 149 zur Anwendung 
des Modells durch die Parteigutachter von Galexis). 

85 

 
 
 
 
 
 
 
 
C.4.3.4  Ergebnis 

308.  Die  Tatbestandsvoraussetzungen  von  Art.  4  Abs.  2bis  KG  sind  nicht  erfüllt.  Fresenius 
Kabi ist gegenüber Galexis in den Bereichen Trinknahrung, Sondennahrung und Hilfsmittel zur 
Verabreichung von Sondennahrung nicht relativ marktmächtig. Ein Verstoss gegen die Best-
immungen zur relativen Marktmacht liegt somit nicht vor. Das Verfahren ist ohne Folgen ein-
zustellen.308 

C.5  Missbrauch einer relativ marktmächtigen Stellung 

C.5.1  Einleitung 

309.  Wie  dargelegt  worden  ist,  hat  Fresenius  Kabi  keine  relativ  marktmächtige  Stellung  im 
Sinne von Art. 4 Abs. 2bis KG gegenüber Galexis. Damit scheidet der Missbrauch einer solchen 
Stellung zum Vornherein aus. 

310.  Die nachfolgenden Ausführungen erfolgen für den Fall, dass Fresenius Kabi – entgegen 
der vorliegenden Sachlage – gegenüber Galexis relativ marktmächtig wäre (Eventualbegrün-
dung). 

C.5.2  Allgemeines 

311.  Das KG verbietet eine relativ marktmächtige Stellung nicht, sondern einzig deren Miss-
brauch.309 Gemäss der Generalklausel von Art. 7 Abs. 1 KG verhalten sich relativ marktmäch-
tige Unternehmen unzulässig, wenn sie durch den Missbrauch ihrer Stellung auf dem Markt 
andere Unternehmen in der Aufnahme oder Ausübung des Wettbewerbs behindern oder die 
Marktgegenseite benachteiligen. Es kann zwischen einem sog. Behinderungsmissbrauch und 
einem  sog.  Benachteiligungs-  bzw.  Ausbeutungsmissbrauch  unterschieden  werden.  Eine 
klare Zuordnung ist nicht in allen Fällen möglich, da Geschäftspraktiken relativ marktmächtiger 
Unternehmen zugleich behindernd und ausbeutend sein können.310  

312.  Ein  Behinderungsmissbrauch  liegt  vor,  wenn  andere  Unternehmen  in  der  Aufnahme 
oder Ausübung des Wettbewerbs behindert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die 
Behinderung auf demjenigen Markt auswirkt, auf welchem eine relativ marktmächtige Stellung 
vorliegt. Auch Behinderungen auf einem vor- oder einem nachgelagerten Markt können miss-

308  Galexis behauptet, der vorliegende Entscheid sei nicht mit den Ergebnissen der Vorabklärung «Me-
dikamentenvertrieb in der Schweiz betreffend Teilgegenstand Prewholesale – Lieferstopp durch Al-
loga  AG»  (RPW  2015/3,  363 ff.)  vereinbar.  In  der  genannten  Vorabklärung  habe  das  Sekretariat 
explizit anerkannt, dass Vollgrossistinnen von Prewholesalern und Herstellerinnen abhängig seien 
(z.B. Act. IV.36, Rz 4 und 91 sowie Act. V.5, Beilage 1, Rz 6). Im Gegensatz zur vorliegenden Un-
tersuchung prüfte das Sekretariat in der genannten Vorabklärung nicht, ob einzelne Grossistinnen 
von  einzelnen  Herstellerinnen  abhängig  sind.  Prüfgegenstand  war  vielmehr,  ob  die  zur  Galenica-
Gruppe gehörende Alloga AG eine marktbeherrschende Stellung einnimmt und diese durch einen 
gegen eine Konkurrentin von Galexis gerichteten Lieferstopp missbraucht hatte. Das Sekretariat kam 
zum Schluss, dass Indizien für eine marktbeherrschende Stellung der Alloga AG vorliegen (Rz 79 
der  Vorabklärung).  Die  Alloga  AG  übernimmt  Lagerung  und  Logistik  für  zahlreiche  verschiedene 
Herstellerinnen (Rz 70 der Vorabklärung). Insbesondere aus diesem Grund lässt sich daraus keine 
marktbeherrschende Stellung einzelner Herstellerinnen pharmazeutischer Produkte und auch keine 
relativ marktmächtige Stellung von Fresenius Kabi gegenüber Galexis ableiten. 

309  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGer, 2C_113/2017 vom 12.2.2020 E. 6.1, Hallensta-
dion;  BGer,  2C_596/2019  vom  2.11.2022  E. 8.2.1,  DCC;  BGer,  2C_395/2021  vom  9.5.2023 
E. 10.1.1, Supermédia. 

310  Vgl.  zum  Ganzen  betreffend  marktbeherrschende  Stellung:  BGE  146 II  217  E. 4.1,  ADSL II;  BGE 
139  I  72  E. 10.1.1,  Publigroupe;  BGer,  2C_596/2019  vom  2.11.2022  E. 8.2.1,  DCC;  BGer, 
2C_113/2017 vom 12.2.2020 E. 6.1, Hallenstadion; vgl. auch Botschaft KG 1994, BBl 1995 468, 569; 
CR Concurrence-CLERC (Fn 30), Art. 7 I LCart N 91 ff. 

86 

 
 
 
 
 
 
 
bräuchlich i.S.v. Art. 7 Abs. 1 KG sein. Behinderungsmissbrauch umfasst sämtliche Verhal-
tensweisen  relativ  marktmächtiger  Unternehmen  ausserhalb  eines  fairen  Leistungswettbe-
werbs, die sich gegen (aktuelle oder potenzielle) Konkurrenten oder Handelspartner richten 
und diese in ihren Handlungsmöglichkeiten auf dem betreffenden Markt einschränken.311 

313.  Demgegenüber  wird  bei  einem  Benachteiligungs-  bzw.  Ausbeutungsmissbrauch  die 
Marktgegenseite  (d. h.  Lieferanten  oder  Abnehmer  des  relativ  marktmächtigen  Unterneh-
mens)  benachteiligt,  indem  dieser  z.B.  ausbeuterische  Geschäftsbedingungen,  Preise  oder 
ungewollte Produkte aufgezwungen werden. 

314.  Für die Beurteilung der Frage, ob ein unzulässiges Verhalten bzw. ein Missbrauch vor-
liegt,  sind  weitere  Kriterien  zu  berücksichtigen  wie  etwa  die  Behinderungs-  oder  Verdrän-
gungsabsicht, die Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit, den Nichtleistungswettbewerb oder 
die normzweckorientierte Interessenabwägung.312 

315.  In  Art. 7  Abs. 2  KG  hat  der  Gesetzgeber  einen  Beispielkatalog  von  Verhaltensweisen 
aufgestellt, die das Verbot von Art. 7 Abs. 1 KG veranschaulichen bzw. konkretisieren soll. 313 
Die Tatbestände von Art. 7 Abs. 2 KG indizieren jedoch nicht per se eine unzulässige Verhal-
tensweise; es müssen vielmehr immer die Kriterien der Generalklausel von Art. 7 Abs. 1 KG 
erfüllt sein, damit ein Missbrauch vorliegt.314  

316.  Wie es das Bundesgericht wiederholt315 festgehalten hat, ist im Einzelfall anhand eines 
dualen Prüfungsmusters zu eruieren, ob ein unzulässiges Verhalten bzw. ein Missbrauch vor-
liegt: In einem ersten Schritt sind die Wettbewerbsverfälschungen (d. h. Behinderung bzw. Be-
nachteiligung von Marktteilnehmern) herauszuarbeiten, namentlich ist zu prüfen, ob eine Ver-
haltensweise nach Art. 7 Abs. 2 KG eine Behinderung bzw. Benachteiligung i.S.v. Art. 7 Abs. 1 
KG  darstellt. In  einem  zweiten  Schritt  sind mögliche  Rechtfertigungsgründe  (sog.  legitimate 
business  reasons)  zu  prüfen.  Unzulässiges  Verhalten  liegt  dann  vor,  wenn  kein  sachlicher 
Grund  für  die  Benachteiligung  bzw.  Ausbeutung  oder  die  Behinderung  vorliegt.316  Solche 
Gründe liegen insbesondere dann vor, wenn sich das betreffende Unternehmen auf kaufmän-
nische Grundsätze (z.B. Verlangen der Zahlungsfähigkeit des Vertragspartners) stützen kann. 
Andere sachliche Gründe sind etwa veränderte Nachfrage, Kosteneinsparungen, administra-
tive Vereinfachungen, Transport- und Vertriebskosten, technische Gründe.317 

311  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGE 146 II 217 E. 4.1, ADSL II; BGE 139 I 72 E. 10.1.1 
m.w.H., Publigroupe; BGer, 2C_596/2019 vom 2.11.2022 E. 8.2.1, DCC; BGer, 2C_113/2017 vom 
12.2.2020 E. 6.1, Hallenstadion; vgl. auch Botschaft KG 1994, BBl 1995 468, 569. 

312  Vgl.  betreffend  marktbeherrschende  Stellung  BGE  139  I  72,  E. 8.2.3  und  E. 10.1.2,  Publigroupe; 
REKO/WEF, RPW 2004/3, 884 f. E. 4.5, Unique; RPW 2016/1, 123 Rz 440, Online-Buchungsplatt-
formen für Hotels; trotz Bezugnahme in der Rechtsprechung erfolgt die konkrete Beurteilung stets 
anhand  des  Konzepts  der  legitimate  business  reasons;  vgl.  auch  DIKE  KG-STÄUBLE/SCHRANER 
(Fn 32), Art. 7 N 86 und 133; PETER REINERT, in: Stämpflis Handkommentar zum Kartellgesetz, Baker 
& McKenzie (Hrsg.), 2007, Art. 7 N 6. 

313  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGE 146 II 217 E. 4.2, ADSL II; BGE 139 I 72 E. 8.2.2, 
Publigroupe;  BGer,  2C_113/2017  vom  12.2.2020  E. 6.1,  Hallenstadion;  Botschaft  KG  1994,  BBl 
1995 468, 570.  

314  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGE 146 II 217 E. 4.2, ADSL II; BGE 139 I 72 E. 8.2.2, 
Publigroupe;  BGer,  2C_113/2017  vom  12.2.2020  E. 6.1,  Hallenstadion;  Botschaft  KG  1994,  BBl 
1995 I 468, 570. 

315  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung  BGer,  2C_395/2021  vom  9.5.2023  E. 10.1,  Super-
média; BGE 146 II 217 E. 4.2, ADSL II; BGE 139 I 72 E. 10.1.2, Publigroupe; BGer, 2C_596/2019 
vom 2.11.2022 E. 8.2.2, DCC; BGer, 2C_113/2017 vom 12.2.2020 E. 6.1, Hallenstadion. 

316  Vgl.  betreffend  marktbeherrschende  Stellung  BGE  146 II  217  E. 4.2,  ADSL II;  BGE  139  I  72  104 
E. 10.1.2  m.w.H.,  Publigroupe;  BGer,  2C_596/2019  vom  2.11.2022  E. 8.2.2,  DCC;  BGer, 
2C_113/2017 vom 12.2.2020 E. 6.1, Hallenstadion. 

317  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGE 139 I 72 E. 10.1.2 m.w.H., Publigroupe; vgl. BGE 

146 II 217 E. 4.2, ADSL II. 

87 

 
 
 
 
 
 
 
317.  Für die Herausarbeitung der Wettbewerbsverfälschungen ist nach der Rechtsprechung 
des BGer keine auswirkungsbezogene Analyse notwendig.318 Erforderlich, aber auch hinrei-
chend,  ist  der  Nachweis  potenziell  nachteiliger  Wettbewerbseffekte.319  Es  ist  also  nicht  der 
Eintritt des missbilligten Erfolgs selbst nachzuweisen, d.h. eine effektiv eingetretene Wettbe-
werbsverfälschung,  sondern  nur,  aber  immerhin,  «die  Gefahr  des  Eintritts  des  missbilligten 
Erfolgs»320. Gemäss BGer handelt es sich m.a.W. um einen «Gefährdungstatbestand».321 In-
dem das BGer im selben Urteil zugleich betont, dass massgebend sei, «dass die Missbräuch-
lichkeit  (einschliesslich  der  Wettbewerbsbeschränkung)  der  strittigen  Verhaltensweise  auf-
grund der Einzelfallanalyse festgestellt wird»322, hat es auch klargestellt, dass «die Gefahr des 
Eintritts des missbilligten Erfolgs» im konkreten Einzelfall dargetan sein muss. Somit ist nach-
zuweisen, dass im spezifischen Fall das Verhalten des relativ markmächtigen Unternehmens 
eine konkrete, nicht bloss theoretische Gefahr der Wettbewerbsverfälschung begründet.323  

C.5.3  Wettbewerbsverfälschung 

318.  Nachfolgend wird zunächst kurz auf einen möglichen Behinderungsmissbrauch einge-
gangen (Rz 319), bevor anschliessend das Vorliegen eines Ausbeutungsmissbrauchs beurteilt 
wird (Rz 320 ff.). 

C.5.3.1  Wettbewerbsbehinderung (Behinderungsmissbrauch) 

319.  Fresenius Kabi Deutschland und Fresenius Kabi Niederlande weigern sich, Galexis u.a. 
mit  Trinknahrung  zu  beliefern.  Galexis  kann  die  gewünschten  Produkte  stattdessen  bei 
Fresenius Kabi Schweiz beziehen (Rz 200 ff.). Der Behörde liegen keine Anzeichen vor, dass 
sich  diese  Lieferverweigerung  ausschliesslich  gegen  Galexis  richtet.  Vielmehr  ist  anzuneh-
men,  dass  auch  alle  anderen  Schweizer  Grossistinnen,  mit  denen  Galexis  im  Wettbewerb 
steht, nicht bei Fresenius Kabi im Ausland beziehen können, jedenfalls nicht im Namen ihrer 
Schweizer  Gesellschaften.  Parallelimport  ist  gemäss  Rechtsauskunft  des  zuständigen  Bun-
desamts  ohne  Herausgabe  der  Rezeptur  von  Fresenius  Kabi  auf  legalem  Weg  nicht  mög-
lich.324  De  facto  setzt  Parallelimport  damit  das  Einverständnis  der  Herstellerin  voraus 
(Rz 48 ff.).  Daher  erübrigt  sich,  allfällige  Wettbewerbsnachteile  von  Galexis  im  Zusammen-
hang mit dem Parallelimport zu prüfen, die auf das Verhalten von Fresenius Kabi zurückzu-
führen wären. Aus diesen Gründen scheidet ein Behinderungsmissbrauch aus. 

318  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGer, 2C_596/2019 vom 2.11.2022 E. 8.6, DCC, unter 

Hinweis auf BGer, 2C_113/2017 vom 12.2.2020 E. 6.2.3, Hallenstadion. 

319  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGer, 2C_596/2019 vom 2.11.2022 E. 8.3, DCC, unter 

Hinweis auf BGer, 2C_113/2017 vom 12.2.2020 E. 6.2.1, Hallenstadion. 

320  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGer, 2C_596/2019 vom 2.11.2022 E. 8.6, DCC. 
321  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung BGer, 2C_596/2019 vom 2.11.2022 E. 10.2.3, DCC. 
322  Vgl.  betreffend  marktbeherrschende  Stellung  BGer,  2C_596/2019  vom  2.11.2022  E. 8.2.1,  DCC, 

m.w.H. auf BGE 146 II 217 E. 4.1, ADSL II. 

323  Vgl. betreffend marktbeherrschende Stellung auch BVGer, B-831/2011 vom 18.12.2018 E. 1202 ff., 
DCC;  WEKO,  6.12.2021,  Rz 670  und  675,  Belagswerke  Bern,  <www.weko.admin.ch/weko/de 
/home/praxis/publizierte-entscheide.html> (11.1.2024). In dieselbe Richtung geht die Rechtslage in 
der  EU.  Siehe  überblicksartig  dazu  und  mit  zahlreichen  Rechtsprechungsnachweisen  LINSEY 
MCCALLUM/INGE BERNAERTS/MASSIMILIANO KADAR et al., A dynamic and workable effects-based ap-
proach to abuse of dominance, Competition policy brief, 1/2023, 2 f. Erforderlich, aber auch hinrei-
chend, sind «potential effects». Blosse «hypothetical effects» genügen noch nicht, während «actual 
anticompetitive  effects»  nicht erforderlich sind. Zu berücksichtigen sind  bei dieser Beurteilung die 
konkreten Umstände des Einzelfalls. 

324 Die Rechtsauffassung des BLV als zuständige Behörde ist – entgegen der Meinung von Galexis (vgl. 

Act. V.36, Rz 62 ff.) – jedenfalls nicht offensichtlich unzutreffend. 

88 

 
 
 
 
 
 
 
C.5.3.2  Benachteiligung der Marktgegenseite (Ausbeutungsmissbrauch) 

320.  Im  Vordergrund  eines  möglichen  Ausbeutungsmissbrauchs  steht  vorliegend  die  Ein-
schränkung der Möglichkeit, Waren oder Leistungen im Ausland zu den dortigen Konditionen 
beziehen zu können (Art. 7 Abs. 2 Bst. g 1 KG). Dieser Beispielstatbestand ist – unter dem 
Vorbehalt der Rechtfertigung – erfüllt, wenn zusätzlich zur relativ marktmächtigen Stellung ku-
mulativ folgende Tatbestandsmerkmale vorliegen: 

−  Angebot in der Schweiz und im Ausland; 

−  Einschränkung  der  Nachfrager  hinsichtlich  Bezugsmöglichkeiten  zu  den  Marktpreisen 

und den branchenüblichen Bedingungen im Ausland; 

−  unterschiedliche Marktpreise in der Schweiz und im Ausland. 

321.  Die ersten beiden Elemente des Beispieltatbestands von Art. 7 Abs. 2 Bst. g KG sind 
vorliegend gegeben: Fresenius Kabi bietet die strittigen Produkte in der Schweiz und im Aus-
land an. Fresenius Kabi Deutschland und Fresenius Kabi Niederlande weigern sich, Galexis 
zu beliefern, sondern verweisen auf die Schweizer Niederlassung (Rz 200 ff.). Damit schränkt 
Fresenius Kabi die Bezugsmöglichkeiten von Galexis im Ausland im Sinne von Art. 7 Abs. 2 
Bst. g KG ein.  

322.  Damit  bereits  auf  ein  missbräuchliches  Verhalten  von  Fresenius  Kabi  zu  schliessen, 
würde  jedoch  zu  kurz  greifen.  Vielmehr  muss  Galexis  durch  die  Lieferverweigerung  von 
Fresenius Kabi im Ausland «benachteiligt» im Sinne von Art. 7 Abs. 1 KG sein.325  

323.  Wie die Sachverhaltsabklärungen gezeigt haben, sind die Konditionen von vergleichba-
ren Unternehmen in Deutschland oder den Niederlanden in Bezug auf die strittigen Produkte 
– wenn überhaupt – höchstens geringfügig besser als diejenigen von Galexis bei Fresenius 
Kabi Schweiz (Rz 204 ff.). Ein (allfälliger) geringfügiger Preisunterschied zwischen den Markt-
preisen  in  der  Schweiz  und  im  Ausland  ist  wohl  nicht  ausbeuterisch,  wie  die  nachfolgende 
Auslegung von Art. 7 Abs. 2 Bst. g i.V.m. Abs. 1 KG ergibt: 

−  Wortlaut und Gesetzesmaterialien: Weder aus dem Wortlaut von Art. 7 Abs. 2 Bst. g KG 
noch aus den Gesetzesmaterialien geht hervor, ob ein bloss geringfügiger Preisunter-
schied für die Bejahung eines Ausbeutungsmissbrauchs genügen kann. 

−  Sinn  und  Zweck  der  Bestimmung  (teleologische  Auslegung):  Schliesslich  ist  die  ratio 
legis von Art. 7 Abs. 2 Bst. g KG zu berücksichtigen. Von einem relativ marktmächtigen 
Unternehmen,  das  seine  Leistungen  im  In-  und  Ausland  anbietet,  kann  nicht  verlangt 
werden,  dass  seine  Preise  gegenüber  allen  potenziell  abhängigen  Kundinnen  in  der 
Schweiz zu jedem Zeitpunkt mindestens gleich gut sind wie diejenigen, die ein vergleich-
bares  Unternehmen  im  Ausland  erhalten  würde.  Eine  absolute  Preisgleichheit  wäre 
kaum zu bewerkstelligen. Relevante Elemente für die Beurteilung der Preisgleichheit wie 
Wechselkurse,  Transportkosten  und  individuelle  Kundeneigenschaften  (z.B.  Bezugs-
mengen, Verkaufsanstrengungen und Zahlungsfähigkeit) können sich fortlaufend verän-
dern.  Um  sich  nicht  der  Gefahr  der  Illegalität  auszusetzen,  müsste  ein  Unternehmen 

325  Vgl. betreffend Art. 7 Abs. 2 Bst. g KG HAKTANIR (Fn 285), Beschaffungsfreiheit, Rz 472. – Galexis 
vertritt die Auffassung, dass der Tatbestand von  Art.  7 Abs. 2  Bst. g  KG keinen Preisunterscheid 
voraussetze (Act. IV.36, Rz 156 ff.;  Act. V.5, Beilage 1 Rz 50 ff.). Damit verkennt sie, dass Art.  7 
Abs. 2 KG – so auch Bst. g – keine eigenständigen Verbote aufstellt, sondern Konkretisierungsbei-
spiele der Grundnorm von Art. 7 Abs. 1 KG darstellen. Der Ausbeutungsmissbrauch setzt gemäss 
Art. 7 Abs. 1 KG eine «Benachteiligung der Marktgegenseite» voraus. Wenn die Preise beim Bezug 
über  die  ausländische  Gesellschaft  gleich  wären  wie  beim  Bezug  über  die  Gesellschaft  in  der 
Schweiz, kann keine preisliche Benachteiligung und damit auch kein Ausbeutungsmissbrauch vor-
liegen. 

89 

 
 
 
 
 
 
 
folglich ihren potenziell abhängigen Bezügerinnen in der Schweiz – im Sinne einer Si-
cherheitsmarge – substanziell bessere Konditionen gewähren als Bezügerinnen im Aus-
land.  Ein  solches  Ergebnis,  das  auf  eine  Bevorzugung  von  potenziell  abhängigen 
Schweizer Unternehmen hinausliefe, könnte in gewissen Fällen seinerseits zu Wettbe-
werbsverzerrungen  führen  und  ist  jedenfalls  durch  Sinn  und  Zweck  von  Art.  7  Abs.  2 
Bst. g KG nicht gedeckt. 

324.  Das Verhalten von Fresenius Kabi ist somit – falls sie relativ marktmächtig wäre – wohl 
nicht  missbräuchlich.  Allfällige  Rechtfertigungsgründe  für  die  Lieferweigerung  brauchen  vor 
diesem Hintergrund nicht geprüft zu werden.  

C.5.4  Ergebnis 

325.  Die  Lieferverweigerung  von  Fresenius  Kabi  Deutschland  und  Fresenius  Kabi  Nieder-
lande  gegenüber  Galexis  ist  wohl  nicht  missbräuchlich  im  Sinne  von  Art.  7  KG.  Somit  läge 
voraussichtlich auch dann kein unzulässiges Verhalten vor, wenn sich Fresenius Kabi – ent-
gegen der vorliegenden Sachlage (Rz 308) – gegenüber Galexis in einer relativ marktmächti-
gen Stellung gemäss Art. 4 Abs. 2bis KG befände. 

C.6  Beweisanträge von Galexis 

C.6.1 

Inhalt der Beweisanträge von Galexis 

326.  Galexis beantragte mit Schreiben vom 21. März 2024326 verschiedene zusätzliche Er-
mittlungsmassnahmen. Diese Beweisanträge werden nachfolgend wiedergegeben. 

327.  In  Bezug  auf  die  Regulierung  von  Parallelimporten  stellt Galexis  die folgenden  Be-
weisanträge: 

−  Es  seien  «weitere  Abklärungen  zur  Regulierung  von  Parallelimporten»  vorzunehmen, 

gegebenenfalls unter Einbezug von «geeigneten, unabhängigen Fachleuten». 

− 

[N3] von Galexis, sei zur «Regulierung von Parallelimporten» zu befragen. 

328.  Zur Begründung führt Galexis aus, das Sekretariat stütze sich ausschliesslich auf eine 
Auskunft  des  BLV,  wonach  Parallelimporte  der  relevanten  Produkte  aufgrund  einer  Melde-
pflicht beim BLV nur mit dem Einverständnis der Herstellerin Fresenius Kabi möglich seien. 
Das Sekretariat habe diesbezüglich keine «fundierten rechtlichen Überlegungen» angestellt. 

329.  In Bezug auf die Auswertung der vom Sekretariat durchgeführten Apothekenbefragung 
stellt Galexis den folgenden Antrag: 

Die  von  den  befragten  Apotheken  in  einem  Freitextfeld  eingegebenen  Bemerkungen 
(vgl. Rz 160) seien «bei der Auswertung zu berücksichtigen». 

330.  Zur Begründung führt Galexis aus, viele Apotheken hätten sich dahingehend geäussert, 
dass die Möglichkeit des Bezugs von Trinknahrung über Galexis von grosser Bedeutung sei. 
Im Antrag des Sekretariats vom 21. Februar 2024 seien diese Bemerkungen und Informatio-
nen nicht berücksichtigt worden. 

331.  In Bezug auf den Konditionenvergleich Schweiz-Deutschland-Niederlande stellt Ga-
lexis den folgenden Beweisantrag: 

Es seien die in den Niederlanden üblichen Preise zu ermitteln und mit den für Galexis 
beim Bezug in der Schweiz geltenden Preisen zu vergleichen. 

326  Act. IV.23. 

90 

 
 
 
 
 
 
 
332.  Gemäss Tabelle 11 des Antrags des Sekretariats vom 21. Februar 2024 seien die tiefs-
ten  Nettopreise  in  den  Niederlanden  höher  als  in  Deutschland.  Aus  der  genannten  Tabelle 
gehe aber nicht hervor, ob die höchsten Nettopreise in den Niederlanden ebenfalls höher seien 
als in Deutschland. Deshalb sei es möglich, dass die Durchschnittspreise in den Niederlanden 
für Galexis attraktiv wären. 

333.  Des Weiteren beantragt Galexis, ihre Parteigutachter seien zu den folgenden Themen 
«zu befragen bzw. es sei ihnen die Möglichkeit zu geben, die eigenen Auswertungen vor der 
WEKO zu präsentieren»: 

−  Auswertung der Apothekenbefragung; 

−  Quantifizierung der finanziellen Folgen der Auflösung der Lieferbeziehung zwischen Ga-

lexis und Fresenius Kabi; 

−  Konditionenvergleich Schweiz-Deutschland Niederlande. 

C.6.2  Beurteilung der Beweisanträge von Galexis 

C.6.2.1  Einleitende Bemerkungen 

334.  Ob  einem  Beweisantrag  stattzugeben  ist,  beurteilt  sich  nach  Art.  33  VwVG.  Danach 
nimmt die Behörde oder das Gericht die ihr angebotenen Beweise ab, wenn diese zur Abklä-
rung des Sachverhaltes tauglich erscheinen. Im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung 
darf auf angebotene Beweismittel verzichtet werden, wenn die Behörde den rechtlich erhebli-
chen Sachverhalt aufgrund bereits abgenommener Beweise für genügend abgeklärt erachtet 
oder wenn sie ihn aufgrund eigener Sachkenntnis ausreichend würdigen kann. 327 

C.6.2.2  Regulierung von Parallelimporten 

335.  Die Wettbewerbsbehörde hat geprüft, unter welchen Voraussetzungen Parallelimporte 
der relevanten Produkte möglich sind (Rz 48–50). Insbesondere hat das Sekretariat dazu den 
[N3] von Galexis […] bereits einvernommen.328 Eine erneute Befragung von [N3] oder der Ein-
bezug  von  «geeigneten,  unabhängigen  Fachleuten»  sind  aus  den folgenden  Gründen  nicht 
zur Abklärung des vorliegend relevanten Sachverhalts tauglich: 

−  Ob Parallelimporte der relevanten Produkte in die Schweiz zulässig sind, ist keine Sach-
verhalts-, sondern eine Rechtsfrage. Rechtsfragen sind nicht durch Sachverhaltsermitt-
lungen zu klären, sondern durch Auslegung der einschlägigen Normen. Es obliegt grund-
sätzlich  der  rechtsanwenden  Behörde,  die  relevanten  Bestimmungen  auszulegen  und 
anzuwenden (iura novit curia). Soweit sich – wie vorliegend – eine Rechtsfrage vorfra-
geweise stellt, die ausserhalb des Fachbereichs der betreffenden Behörde liegt und des-
sen Beantwortung nicht eindeutig scheint, kann es angezeigt sein, von der entsprechen-
den Fachbehörde eine Rechtsauskunft einzuholen. 

−  Das Sekretariat hat vorliegend die Einschätzung der Rechtslage durch das für die Um-
setzung  der  einschlägigen  Verordnung  (VLBE)  zuständigen  Bundesamtes,  dem  BLV, 
eingeholt. Dieses ist im Ergebnis der Auffassung, dass die vorliegend relevanten Pro-
dukte ohne ausdrückliches Einverständnis der Herstellerin (vorliegend Fresenius Kabi) 
nicht parallel importiert werden dürfen (Rz 48–50). Selbst wenn diese Rechtsauffassung 
nicht korrekt wäre, wären deshalb Parallelimporte kaum eine zumutbare Ausweichmög-
lichkeit zum Bezug über Fresenius Kabi selber. Das damit einhergehende rechtliche Ri-
siko wäre zu gross. Namentlich kann das BLV bei einer Verletzung der Meldepflicht nach 

327  Vgl. betreffend Strafrecht statt vieler BGE 147 IV 534 E. 2.5.1. m.w.H. 
328  Act. III.1, Zeilen 277–334. 

91 

 
 
 
 
 
 
 
Art. 27 VLBE verhältnismässige Massnahmen anordnen. Ausserdem sind Verstösse ge-
gen die Meldepflicht nach Art. 64 Abs. 1 Bst. k LMG329 sanktionsbedroht.330 

−  Die von Galexis geforderten zusätzlichen Abklärungen betreffend Parallelimporte kön-
nen ausserdem nicht zu einem anderen Ergebnis der Untersuchung führen. Wären Pa-
rallelimporte entgegen der Auffassung des Sekretariats eine zumutbare Ausweichmög-
lichkeit zum Bezug über Fresenius Kabi, wäre Fresenius Kabi gegenüber Galexis erst 
recht nicht relativ marktmächtig i.S.v. Art. 4 Abs. 2bis KG. Das Verfahren ist so oder an-
ders einzustellen. 

336.  Aus diesen Gründen sind die Beweisanträge von Galexis betreffend die Regulierung von 
Parallelimporten zur Klärung des vorliegend relevanten Sachverhalts untauglich und deshalb 
abzuweisen. 

C.6.2.3  Apothekenbefragung 

337.  Die Wettbewerbsbehörde hat die von den Apotheken im Freitextfeld angebrachten Be-
merkungen  und  Informationen  bei  der  Einschätzung  der  Reaktion  der  Apotheken  auf  einen 
Wegfall der Trinknahrung von Fresenius Kabi aus dem Sortiment von Galexis berücksichtigt, 
unter anderem auch bei der Auswertung der Apothekenumfrage.331 Die Behörde hat Galexis 
sämtliche dieser Bemerkungen und Informationen bereits mit Schreiben vom 15. September 
2023 zugestellt.332 Trotzdem legt Galexis nicht dar, inwiefern diese Angaben zusätzlich zu be-
rücksichtigen wären. Deshalb ist nicht ersichtlich, inwiefern solche zusätzlichen Auswertungen 
der Klärung des vorliegend relevanten Sachverhalts dienen könnten. Der entsprechende An-
trag von Galexis ist deshalb abzuweisen. 

C.6.2.4  Konditionenvergleich Schweiz-Deutschland-Niederlande 

338.  Die Wettbewerbsbehörde hat die Konditionen von Fresenius Kabi Niederlande bereits 
ermittelt. Dort gelten für alle Grosshändlerinnen die gleichen Listenpreise. Zusätzlich gewährt 
Fresenius  Kabi  Niederlande  allen  niederländischen  Grosshändlerinnen  einen  Rabatt  in  der 
Höhe von rund [<40] % (vgl. Rz 215). Folglich bezahlen alle Grosshändlerinnen in den Nieder-
landen im Wesentlichen den gleichen Nettopreis. Der höchste Nettopreis entspricht also dem 
tiefsten Nettopreis, die Behörde hat bereits alle relevanten Preise ermittelt. Aus diesen Grün-
den ist der entsprechende Beweisantrag von Galexis abzuweisen.333 

C.6.2.5  Anhörung der Parteigutachter von Galexis durch die WEKO 

339.  Mit Schreiben vom 21. Februar 2024 lud die Wettbewerbsbehörde Galexis dazu ein, zum 
Antrag des Sekretariats vom 21. Februar 2024 schriftlich Stellung zu nehmen. Zudem ersuchte 
die Behörde Galexis um Mitteilung, ob sie von der WEKO mündlich im Sinne eines Plädoyers 

329  Bundesgesetz vom 20.6.2014 über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände (Lebensmittelgesetz, 

LMG; SR 817.0). 

330  Act. II.39, Antwort auf Frage 7. 
331 Vgl. Rz 73 (Aussagen zur Lieferfrist); Rz 96 (Aussagen zur Bedeutung kurzfristiger Bestellmöglich-
keiten); Rz 97 (Beispiel einer Aussage zum Bezug über die Zweitgrossistin); Rz 103 (Aussagen zum 
Direktbezug bei Fresenius Kabi); Rz 104 (Aussagen zum Bezug über andere Apotheken); Rz 111 
(Aussagen zur Abgabe eines anderen als des ärztlich verschriebenen Produkts); Rz 142 (Aussage 
zu  den  Bezugsmöglichkeiten  einer  abgelegenen  Apotheke);  Rz  162  (Aussagen  zum  Direktbezug 
und dem Bezug über die Zweitgrossistin). 

332  Act. I.210. 
333  Die in der ungeschwärzten Version von Tabelle 11 ausgewiesene Bandbreite der Nettopreise in den 
Niederlanden  ist  auf  Wechselkursschwankungen  zurückzuführen.  Weil  es  sich  bei  der  genauen 
Höhe des durch Fresenius Kabi in den Niederlanden gewährten Rabattes um ein Geschäftsgeheim-
nis handelt (vgl. Rz 342 ff.), ist die gegenüber Galexis offengelegte Bandbreite der Nettopreise in 
den Niederlanden grösser (vgl. Tabelle 11 im an Galexis verschickten Antrag, Act. IV.3). 

92 

 
 
 
 
 
 
 
angehört werden möchte (Art. 30 Abs. 2 KG).334 Mit Eingabe vom 21. März 2024 teilte Galexis 
mit,  dass  sie  von  der  WEKO  angehört  werden  möchte  und  stellte  ihre  schriftliche  Stellung-
nahme in Aussicht.335 

340.  Die  Möglichkeit  der  schriftlichen  Stellungnahme  zum  Antrag  des  Sekretariats  und  der 
mündlichen Anhörung durch die WEKO sind Ausfluss des rechtlichen Gehörs. Galexis steht 
es frei, ihren Parteigutachtern in diesem Rahmen die Gelegenheit einzuräumen, sich gegen-
über der WEKO zu äussern. Insbesondere können diese die von Galexis genannten Auswer-
tungen im Rahmen ihrer schriftlichen Stellungnahme und der Anhörung durch die WEKO prä-
sentieren.  Diese Möglichkeiten  hat  Galexis  auch tatsächlich  wahrgenommen.336  Es  ist  nicht 
ersichtlich, inwiefern zur Klärung des relevanten Sachverhalts darüberhinausgehende Ermitt-
lungen erforderlich sein sollten. Deshalb sind die entsprechenden Beweisanträge von Galexis 
abzuweisen. 

C.6.3  Ergebnis 

341.  Die Beweisanträge von Galexis vom 21. März 2024 werden abgewiesen. 

C.7  Akteneinsichtsgesuch von Galexis 

C.7.1 

Inhalt des Akteneinsichtsgesuchs von Galexis 

342.  Mit Schreiben vom 6. März 2024 stellte Galexis den Antrag, Einsicht in die Quelldaten 
zu nehmen, welche das Sekretariat in seinem Antrag vom 21. Februar 2024 für die Berech-
nung der Konditionen von Fresenius Kabi in Deutschland und den Niederlanden verwendet 
hat.337 Mit E-Mail vom 8. März 2024 präzisierte Galexis, dass sich ihr Einsichtsgesuch «insbe-
sondere auf Act. II.44 und Act. II.11 sowie Act. II.16 und Act. II.30 sowie allfällige weitere Act. 
mit Bezug auf Konditionen von Fresenius Kabi im Ausland» bezieht.338 

343.  In Bezug auf die konkrete Durchführung der Einsichtnahme beantragt Galexis, dass die 
vom Sekretariat in Bezug auf die Einsichtnahme in vertrauliche Daten im Zusammenhang mit 
der vom Sekretariat durchgeführten Apothekenbefragung definierten Regeln Anwendung fin-
den sollen. Insbesondere solle die Einsichtnahme durch Mitarbeitende der [F1] in den Räum-
lichkeiten des Sekretariats und unter Aufsicht von Mitarbeitenden des Sekretariats erfolgen. 
Die Mitarbeitenden der [F1] seien bereit, «ein entsprechendes NDA» zu unterzeichnen.339 

344.  Galexis macht geltend, die genannte Einsichtnahme sei erforderlich, «um die Berech-
nungen der Konditionen in Deutschland und den Niederlanden nachvollziehen zu können».340 

C.7.2  Stellungnahme von Fresenius Kabi zum Akteneinsichtsgesuch von Galexis 

345.  Mit Schreiben vom 11. März 2024 fragte das Sekretariat Fresenius Kabi, ob sie mit der 
von  Galexis  beantragten  Einsichtnahme  einverstanden  sei.341  Mit  Schreiben  vom  25.  März 
2024 beantragte Fresenius Kabi, das Gesuch von Galexis sei abzuweisen. Sie begründet die-
sen Antrag im Wesentlichen folgendermassen:342 

334  Act. IV.3. 
335  Act. IV.23. 
336  Act. IV.36 (schriftliche Stellungnahme); Act. V.5 (mündliche Stellungnahme). 
337  Act. IV.7. 
338  Act. IV.12. 
339  Act. IV.7. 
340  Act. IV.7. 
341  Act. IV.14. 
342  Act. IV.25. 

93 

 
 
 
 
 
 
 
−  Das Akteneinsichtsgesuch von Galexis sei «zu unspezifisch und nicht begründet». Es 

sei nicht ersichtlich, was Galexis damit überprüfen wolle. 

−  Die  von  Galexis  genannten  Akten  würden  hochsensible  Geschäftsgeheimnisse  von 
Fresenius Kabi und ihrer Vertragspartner insbesondere zu konkreten Preisen, Absatz-
mengen, Vertragsbedingungen, Konditionen, Marktstrategien, Kunden, und Verhaltens-
weisen von Fresenius Kabi und ihrer Vertragspartner enthalten. Es sei davon auszuge-
hen, dass Galexis diese Informationen zu «ihrem kaufmännischen Vorteil» und gegen 
Fresenius  Kabi  und  ihre  Vertragspartner  einsetzen  würde.  Dabei sei  insbesondere zu 
berücksichtigen,  dass  die  Galenica-Gruppe,  zu  welcher  auch  Galexis  gehört,  ihre 
Markstellung kontinuierlich ausbaue. Ausserdem sei die Galenica-Gruppe an der in den 
Niederlanden domizilierten Redcare Pharmacy N.V. (vormals Shop Apotheke) beteiligt. 
Dieses Unternehmen sei unter anderem auch in Deutschland und in den Niederlanden 
aktiv. Insbesondere aus diesem Grund habe die Galenica-Gruppe ein Interesse an In-
formationen  zu  diesen  Märkten  und  könnte  die  entsprechenden  Informationen  gegen 
Fresenius Kabi und ihre Vertragspartner einsetzen. 

−  Die Mitarbeitenden der [F1] seien Parteigutachter von Galexis. Ihnen fehle die erforder-
liche Unabhängigkeit. Es bestehe die Gefahr, dass sie gegenüber ihrer Auftraggeberin 
«Informationen, Meinungen, Einschätzungen» offenbaren könnten, welche wettbewerb-
lich hochsensible Informationen von Fresenius Kabi enthalten oder darauf basieren wür-
den. 

346.  Eventualiter beantragt Fresenius Kabi im Wesentlichen, dass eine Einsichtnahme durch 
einen von beiden Parteien und dem Sekretariat der WEKO genehmigten unabhängigen Gut-
achter durchzuführen sei. Ausserdem fordert Fresenius Kabi verschiedene Anpassungen der 
von Galexis genannten Bedingungen der Einsichtnahme. Insbesondere sei diese in Anwesen-
heit eines Vertreters von Fresenius Kabi durchzuführen.343 

C.7.3  Beurteilung des Akteneinsichtsgesuchs von Galexis 

C.7.3.1  Anspruch auf Akteneinsicht (Art. 26 VWVG) 

347.  Gemäss Art. 39 KG sind auf kartellrechtliche Verfahren die Bestimmungen des VwVG 
anwendbar, soweit das KG nicht davon abweicht. 

348.  Nach Art. 26 VwVG haben Parteien Anspruch auf Akteneinsicht. Galexis ist Partei des 
Verfahrens 32-0277: Fresenius Kabi. Damit hat sie grundsätzlich Anspruch auf Akteneinsicht. 
Art. 27 Abs. 1 Bst. b VwVG sieht vor, dass die Behörde die Einsichtnahme insbesondere dann 
verweigern kann, wenn wesentliche private Interessen, insbesondere von Gegenparteien, die 
Geheimhaltung erfordern. Erforderlich ist demnach im konkreten Einzelfall eine Interessenab-
wägung zwischen dem Interesse an der Einsichtnahme einerseits und den entgegenstehen-
den Interessen andererseits. Allerdings dürfen die Wettbewerbsbehörden nach Art. 25 Abs. 1 
und 4 KG keine Geschäftsgeheimnisse preisgeben.344 

C.7.3.2  Verweigerung der Einsicht zum Geschäftsgeheimnisschutz (Art. 25 KG) 

349.  Als Geschäftsgeheimnis gilt eine weder offenkundige noch allgemein zugängliche Tat-
sache, die der Geheimnisherr tatsächlich geheim halten will und an deren Geheimhaltung der 
Geheimnisherr ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse hat.345 

350.  Das zu beurteilende Einsichtsgesuch von Galexis bezieht sich «insbesondere auf Act. 
II.44 und Act. II.11 sowie Act. II.16 und Act. II.30 sowie allfällige weitere Act. mit Bezug auf 

343  Act. IV.25. 
344  Vgl. auch BVGer, B-5858/2014 vom 30.10.2017 E. 3.6; BVGer, B-581/2012 vom 16.9.2016, E. 5.4.1. 
345  BGE 142 II 268 E. 5.1; BVGer, B-5858/2014 vom 30.10.2017 E. 3.6. 

94 

 
 
 
 
 
 
 
Konditionen von Fresenius Kabi im Ausland». Darunter befinden sich gegenüber Galexis ge-
heime  Informationen,  welche  die  Gegenpartei  (Fresenius  Kabi)  dem  Sekretariat  eingereicht 
hat.  So  enthält  zum  Beispiel  Act.  II.44  in  Rz 16  eine  Tabelle  mit  Angaben  zu  den  genauen 
individuellen  Nettopreisen  und  Mengen  sämtlicher  Grosskundinnen  von  Fresenius  Kabi 
Deutschland, differenziert nach den drei wichtigsten Produktgruppen im Bereich der Trinknah-
rung. 

351.  Fresenius Kabi macht geltend, dass es sich bei diesen Informationen um Geschäftsge-
heimnisse handelt (vgl. Rz 345, zweiter Spiegelstrich). Insofern besteht ein Geheimhaltungs-
wille. Tatsächlich befindet sich Galexis in Preisverhandlungen mit Fresenius Kabi in Bezug auf 
diese Produkte und könnte in diesem Rahmen die einzusehenden Informationen allenfalls zum 
Nachteil von Fresenius Kabi einsetzen. Ausserdem betreibt die Galenica-Gruppe, zu welcher 
auch Galexis gehört, eine strategische Partnerschaft mit der Redcare Pharmacy N.V. mit Sitz 
in den Niederlanden, welche unter anderem in den Niederlanden und in Deutschland Online-
Apotheken betreibt.346 Die vorliegend relevanten Akten (namentlich Act. II.44, Rz 16) enthalten 
unter anderem auch Angaben zu den genauen Preisen und Mengen anderer Online-Apothe-
ken in Deutschland, die mit der genannten strategischen Partnerin der Galenica-Gruppe im 
Wettbewerb stehen. Da die Nettopreise von Fresenius Kabi in Deutschland individuell ausge-
handelt werden und teilweise stark unterschiedlich ausfallen, könnten diese Informationen die 
Verhandlungsposition von Fresenius Kabi Deutschland schwächen, falls die genannten Infor-
mationen über die Galenica-Gruppe zur Redcare Pharmacy N.V. gelangen sollten. Aus diesen 
Gründen hat Fresenius Kabi auch ein legitimes Interesse an der Geheimhaltung der vorliegend 
relevanten Informationen. 

352.  Die  Wettbewerbsbehörden  dürfen  daher  die  strittigen  Daten  gegenüber  Galexis  nicht 
offenlegen (Art. 25 Abs. 1 und 4 KG). 

353.  Galexis  beantragt,  dass  die  Einsichtnahme  nur  durch  ihre  Parteigutachter  erfolgt,  die 
sich verpflichten müssten, die erlangten Informationen nicht gegenüber Galexis oder Dritten 
offenzulegen. In der Praxis der Wettbewerbsbehörden wird ein solches Vorgehen in der Regel 
als «Data room-Verfahren» bezeichnet.  

354.  Im Rahmen der Einsichtnahme im «Data room-Verfahren» handeln die Parteigutachter 
im Namen und Auftrag der Partei, vorliegend Galexis. Das «Data room-Verfahren» würde also 
dennoch zur Offenlegung von geheimen Informationen gegenüber Galexis führen.  

355.  Fresenius Kabi hat ihr Einverständnis zum «Data room-Verfahren» nicht erteilt. Vielmehr 
macht sie geltend, dass die Parteigutachter von Galexis nicht ausreichend unabhängig seien 
und einen Interessenskonflikt hätten. Insofern hat Fresenius Kabi auch gegenüber den Partei-
gutachtern ihren Geheimhaltungswillen kundgetan.  

356.  Insbesondere  bei  den  Preisen  und  Mengen  der  […]  deutschen  Grosskundinnen  von 
Fresenius Kabi handelt es sich um eine sehr überschaubare Menge an Informationen. Deshalb 
scheint  es  wahrscheinlich,  dass  sich  die  Einsicht  nehmenden  Parteigutachter  auch  ohne 
schriftliche Notizen relativ gut daran erinnern könnten. Dadurch besteht eine gewisse Gefahr, 
dass diese Informationen trotz der von Galexis vorgeschlagenen Massnahmen nicht geheim 
bleiben  würden.347  Vor  diesem  Hintergrund  ist  das  Geheimhaltungsinteresse  von  Fresenius 
Kabi auch gegenüber den Parteigutachtern nicht unberechtigt.  

346  <www.galenica.com/galenica23Assets/bin/shared/ir-day-2023/joint-venture-redcare-pharmacy.pdf> 

(4.4.2024). 

347  In  der  Zwischenverfügung  B-3958/2019  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  aufschiebende 
Wirkung einer Beschwerde eines Unternehmens gegen eine Einsichtnahme in seine Geschäftsge-
heimnisse durch die Gutachter der Parteien eines Zusammenschlussvorhabens wieder her. Das Ge-

95 

 
 
 
 
 
 
 
 
357.  Für die Anordnung eines «Data room-Verfahrens» gegen den Willen des Unternehmens, 
das  ein  legitimes  Interesse  an  der  Geheimhaltung  der  strittigen  Informationen  hat,  besteht 
keine gesetzliche Grundlage. Wie vorzugehen ist, damit die geheimen Informationen dennoch 
verwendet werden können, ist in Art. 28 VwVG geregelt (dazu sogleich Rz 359 ff.). 

358.  Das Akteneinsichtsgesuch von Galexis ist abzuweisen.348 

C.7.3.3  Bekanntgabe des wesentlichen Inhalts der geheimen Daten (Art. 28 VwVG) 

359.  Wird einer Partei die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert, so darf auf dieses zum 
Nachteil  der  Partei  nur  abgestellt  werden,  wenn  ihr  die  Behörde  von  seinem  für  die  Sache 
wesentlichen Inhalt mündlich oder schriftlich Kenntnis und ausserdem Gelegenheit zur Stel-
lungnahme und zur Bezeichnung von Gegenbeweismitteln gegeben hat (Art. 28 VwVG). 

360.  Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen, sind diese Anforderungen vorliegend er-
füllt. Daher kann offengelassen werden, ob die Behörde vorliegend überhaupt auf die gehei-
men Daten «zum Nachteil einer Partei» im Sinne von Art. 28 VwVG abstellt. 

361.  Die  Ergebnisse  der  strittigen  Berechnungen  sind  im  vorliegenden  Entscheid  (Rz 204–
256) wiedergegeben. Zudem hat die Behörde die betreffenden Berechnungen detailliert be-
schrieben (Rz 215–256 sowie Rz 393–396). Diese Erläuterungen zur Art und Weise der Be-
rechnungen hat die Behörde gegenüber Galexis vollständig offengelegt.349 Zusätzlich zu den 
im vorliegenden Entscheid sowie im Antrag des Sekretariats vom 21. Februar 2024 enthalte-
nen Ausführungen hat die Behörde Galexis mit Schreiben vom 21. Februar 2024 den von der 
Behörde für die genannten Berechnungen verwendeten Programmcode sowie zusätzliche Er-
läuterungen  zu  den  Datenauswertungen  der  Behörde  zukommen  lassen.350  Auch  die  von 
Fresenius Kabi eingereichten Akten sind nur stellenweise geschwärzt und wurden Galexis zu-
gestellt  (vgl.  Rz 12).  Auf  dieser  Grundlage  kann  Galexis  genau  nachvollziehen,  welche  Be-
rechnungen die Behörde vorgenommen hat und kann prüfen, ob diese Berechnungen korrekt 
sind. Eine Einsichtnahme in die entsprechenden Quelldaten ist deshalb nicht erforderlich. 

362.  Selbst  die  Angaben  zu  Mengen  und  Preisen  der  Kundinnen  von  Fresenius  Kabi  in 
Deutschland hat die Behörde gegenüber Galexis soweit wie möglich offengelegt. So geht zum 
Beispiel aus Abbildung 9 des geschwärzten an Galexis verschickten Antrags vom 21. Februar 
2024 die genaue Verteilung der durchschnittlichen Nettopreise der deutschen Grosskundinnen 
von Fresenius Kabi hervor. Einzig die Beschriftung der Achsen ist geschwärzt, damit die exak-
ten Preise nicht ersichtlich sind.351 Auch andere sensible von Fresenius Kabi eingereichte In-
formationen hat die Behörde soweit möglich z.B. in Form von Bandbreiten offengelegt. Damit 
hat  die  Behörde  Galexis  Kenntnis  vom  wesentlichen  Inhalt  betreffend  die  Konditionen  von 

richt hielt in der genannten Zwischenverfügung insbesondere fest, dass nicht ausgeschlossen wer-
den  könne,  dass  eine  solche  Einsichtnahme  zu  gravierenden  irreversiblen  Nachteilen  für  die  Be-
schwerdeführerin führen könnte: «Im Rahmen des vorliegenden superprovisorischen Verfahrens ist 
allein eine summarische Interessenabwägung vorzunehmen. Im Rahmen dieser Abwägung können 
irreversible Nachteile für die Beschwerdeführerin nicht ausgeschlossen werden. Angesichts der zur 
Verfügung  gestellten  Daten  sowie  des  plausibel  gemachten  Interessenkonflikts  erscheinen  diese 
Nachteile  sodann  gravierend.  Die  aufschiebende  Wirkung  ist  demzufolge  wiederherzustellen» 
(Rz 3). 

348  Der obgenannte Eventualantrag von Fresenius Kabi (Rz 346) ist nicht zu beurteilen, weil das Ein-

sichtsgesuch von Galexis abzulehnen ist. 
349  Act. IV.3, Rz 207–247 sowie Rz 342–345. 
350  Act. IV.3, Beilagen 3 (Act. IV.1) und 4 (Memory Stick mit Programmcode).  
351  Act.  IV.3.  Galexis  bringt  diesbezüglich  Folgendes  vor:  «Insbesondere  relevant  für  die  Beurteilung 
wären Kenntnisse über die Verteilung der einzelnen Preispunkte innerhalb der vom Sekretariat er-
hobenen Bandbreiten bei den deutschen Kunden von Fresenius Kabi» (Act. IV.36, Rz 183). In der 
genannten gegenüber Galexis mit Ausnahme der Achsenbeschriftungen offengelegten Abbildung 9 
des Antrags vom 21. Februar 2024 sind die einzelnen Preispunkte der deutschen Kundinnen sicht-
bar. Galexis hatte also Zugang zu diesen gemäss Galexis besonders relevanten Informationen. 

96 

 
 
 
 
 
 
 
Fresenius Kabi in Deutschland und den Niederlanden gegeben. Galexis hatte ausserdem die 
Gelegenheit,  dazu  schriftlich  und  mündlich  Stellung  zu  nehmen  und  Gegenbeweismittel  zu 
bezeichnen.  

363.  Datenauswertungen bilden in vielen kartellrechtlichen Verfahren ein wichtiges und teils 
unerlässliches Ermittlungsinstrument. Häufig liegen den Datenauswertungen sensible Unter-
nehmensinformationen zugrunde. Die Anforderungen an die Bekanntgabe des wesentlichen 
Inhalts  geheimer  Informationen  im  Sinne  von  Art.  28  VwVG  dürfen  daher  nicht  überspannt 
werden. Ansonsten würde das Akteneinsichtsrecht dazu führen, dass gewisse kartellrechtlich 
relevante Sachverhalte nicht mehr hinreichend abgeklärt werden könnten. Vorliegend ist aus-
serdem  zu  berücksichtigen,  dass  es  sich  bei  Galexis  um  die  Anzeigerin  und  nicht  um  das 
beschuldigte Unternehmen handelt. Ihr droht weder eine Sanktion noch die Auferlegung an-
derer Massnahmen. 

364.  Nach dem Gesagten dürfen die Ergebnisse der strittigen Berechnungen verwendet wer-
den (Art. 28 VwVG). Das Akteneinsichtsrecht ist nicht verletzt. 

C.7.4  Ergebnis 

365.  Das Akteneinsichtsgesuch vom 6. März 2024 bzw. 8. März 2024 von Galexis wird abge-
wiesen. 

97 

 
 
 
 
 
 
 
 
D 

Kosten 

366.  Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 25. Februar 1998 über die Gebühren zum Kar-
tellgesetz (Gebührenverordnung KG, GebV-KG; SR 251.2) ist gebührenpflichtig, wer das Ver-
waltungsverfahren verursacht hat. 

367.  Die Gebührenpflicht entfällt für Unternehmen, die ein Verfahren verursacht haben, sich 
die zu Beginn bestehenden Anhaltspunkte jedoch nicht erhärten und das Verfahren aus die-
sem Grund eingestellt wird.352 Nachdem das gegen Fresenius Kabi eröffnete Verfahren ohne 
Folgen einzustellen ist, entfällt für sie die Gebührenpflicht. Galexis sind als Anzeigerin eben-
falls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 2 Abs. 2 Bst. a GebV-KG). 

368.  Die Verfahrenskosten von rund 290 000 Franken gehen somit zu Lasten des Bundes. 
Eine Parteientschädigung ist im erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren nicht zu entrichten.353 

352  BGE  128 II 247,  257 f. E.  6.1  e contrario (= RPW 2002/3, 546  f.),  BKW FMB Energie  AG;  Art.  3 

Abs. 2 Bst. b und c GebV-KG. 

353  BGE 132 II 47, 62 E. 5.2. 

98 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
E 

Ergebnis 

369.  Zusammenfassend kommt die WEKO gestützt auf die vorstehenden Erwägungen zu den 
folgenden Ergebnissen: 

−  Fresenius Kabi ist gegenüber Galexis in den Bereichen Trinknahrung, Sondennahrung 
und Hilfsmittel zur Verabreichung von Sondennahrung nicht relativ marktmächtig i.S.v. 
Art. 4 Abs. 2bis KG (Rz 308). Damit scheidet ein Verstoss gegen die Bestimmungen zur 
relativen Marktmacht aus. Die Untersuchung ist ohne Folgen einzustellen. 

−  Die  Lieferverweigerung  von  Fresenius  Kabi  Deutschland  und  Fresenius  Kabi  Nieder-
lande gegenüber Galexis ist wohl nicht missbräuchlich im Sinne von Art. 7 KG. Somit 
läge voraussichtlich auch dann kein unzulässiges Verhalten vor, wenn sich Fresenius 
Kabi gegenüber Galexis in einer relativ marktmächtigen Stellung gemäss Art. 4 Abs. 2bis 
KG befände (Rz 325). 

99 

 
 
 
 
 
 
 
 
F 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission (Art. 30 Abs. 1 KG): 

1.  Die Untersuchung 32-0277: Fresenius Kabi wird ohne Folgen eingestellt. 

2.  Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Bundes. 

Die Verfügung ist zu eröffnen an: 

−  Fresenius  Kabi  Aktiengesellschaft,  Else-Kröner-Strasse 1,  61352  Bad  Homburg, 

Deutschland 

Fresenius  Kabi  Deutschland  GmbH,  Else-Kröner-Strasse 1,  61352  Bad  Homburg, 
Deutschland 

Fresenius Kabi Nederland BV, Postbus 565, 3700 AN Zeist, Niederlande 

alle  vertreten  durch  Nicolas  Birkhäuser,  Niederer  Kraft  Frey  AG,  Bahnhofstrasse  53, 
8001 Zürich 

−  Galexis AG, Industriestrasse 2, 4704 Niederbipp 

vertreten durch Dr. Daniel Emch, Stefanie Karlen und Stefanie Alder, Kellerhals Carrard 
Bern KlG, Effingerstrasse 1, Postfach, 3001 Bern 

Wettbewerbskommission 

Dr. Danièle Wüthrich-Meyer 
Vizepräsidentin 

Prof. Dr. Patrik Ducrey  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerdeschrift hat die 
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 
Die angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen. 

100 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
G 

Appendix 

G.1  Abgrenzungen betreffend die von Galexis belieferten Apotheken 

G.1.1  Einleitung 

370.  Der vorliegende Antrag enthält Auswertungen zu den nachfolgend genannten drei ver-
schiedenen Teilmengen der von Galexis belieferten Apotheken:  

−  Galexis selber reichte Angaben zu den von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apo-
theken ein. Die entsprechenden Zahlen befinden sich in Tabelle 3. Die Identifikation die-
ser Apotheken wird als erstes beschrieben und diskutiert (Rz 372 ff.). 

−  Das Sekretariat hat Umsatzzahlen derjenigen Apotheken ausgewertet, die von Galexis 
als  Hauptgrossistin  beliefert  werden  und  die  nicht  zur  Galenica-Gruppe  gehören.  Die 
entsprechenden Zahlen befinden sich in Rz 89 ff. und Appendix G.2. Die Abgrenzung 
dieser Teilmenge wird als nächstes beschrieben und diskutiert (Rz 373 ff.). 

−  Das Sekretariat hat Apotheken zur Teilnahme an einer Umfrage eingeladen. Die Ergeb-
nisse der Umfrage befinden sich in Rz 149 ff. Diese Teilmenge entspricht im Wesentli-
chen  der  vorangehend  beschriebenen,  es  gibt  aber  geringfügige  Unterschiede.  Diese 
werden in Rz 378 ff. beschrieben und diskutiert. 

371.  Schliesslich  wird  die  von  Galexis  vorgenommene  Identifikation  der  von  ihr  als  Haupt-
grossistin belieferten Apotheken insbesondere anhand der Umfrage des Sekretariats einge-
schätzt (Rz 381 ff.). 

G.1.2 

Identifikation der von Galexis als Hauptgrossistin belieferten Apotheken durch 
Galexis 

372.  Die in Tabelle 3 ausgewiesene Anzahl der [750–1250] von Galexis als Hauptgrossistin 
belieferten Apotheken entspricht gemäss Angaben von Galexis der Anzahl Apotheken, die im 
System von Galexis Stand 2022 als […] eingestuft waren. Dabei handelt es sich um Apothe-
ken,  die  jährlich  Produkte  im  Wert  von  mindestens  [250 000–500 000]  Franken  bei  Galexis 
einkaufen. Bei neuen Kundinnen […].354 

G.1.3  Auswertung der Umsatzzahlen der Apotheken durch das Sekretariat 

373.  Die  in  Rz 89 ff.  und  Appendix  G.2  dargestellten  Umsatzzahlen  werden  für  [300–800] 
Apotheken ausgewertet, welche alle der nachfolgend angegebenen Voraussetzungen erfüllen: 

−  Stand 2023 hatten sie den Status […]. 

−  Sie gehören nicht zur Galenica-Gruppe. 

− 

− 

Im Jahr 2022 kauften sie für mindestens [250 000–500 000] Franken bei Galexis ein. 

Im Zeitraum vom 1. Januar 2023 bis 31. Juli 2023 kauften sie für mindestens […] Fran-
ken bei Galexis ein (entspricht einem jährlichen Umsatz von [250 000–500 000] Fran-
ken). 

374.  Das Sekretariat forderte detaillierte Umsatzzahlen nur für die nicht zur Galenica-Gruppe 
gehörenden Apotheken an, weil nur diese zu einer anderen Hauptgrossistin wechseln können 
(vgl. Rz 141 ff. für Erläuterungen zur genannten Wechselgefahr). 

375.  Galexis  reichte  für  den  Zeitraum  vom  1.  Januar  2022  bis  31.  Juli  2023  für  [400–900] 
Apotheken  Umsatzzahlen  ein,  die  Stand  Juli  2023  den  Status  […]  hatten  und  die  nicht  zur 

354  Act. II.45; Act. II.49; Act. II.51. 

101 

 
 
 
 
 
 
 
Galenica-Gruppe gehörten.355 Für diese Apotheken liegen die Umsätze von Galexis separat 
für jede einzelne Apotheke vor. [300–800] dieser Apotheken kauften sowohl im Jahr 2022 als 
auch im Jahr 2023 für mindestens [250 000–500 000] Franken bei Galexis ein.356 [25–125] der 
genannten [400–900] […] Kundinnen hatten hingegen in mindestens einem der beiden Jahre 
einen tieferen Umsatz. Diese Kundinnen hatten trotzdem den Status […], insbesondere weil 
[…]. Damit die in Rz 89 ff. ausgewiesenen Umsatzzahlen nicht durch diese […] verzerrt wer-
den, beziehen sich die vom Sekretariat ausgewerteten Umsatzzahlen ausschliesslich auf die-
jenigen [300–800] Apotheken, die sowohl im Jahr 2022 als auch im Jahr 2023 jeweils für min-
destens [250 000–500 000] Franken bei Galexis eingekauft hatten. Bei diesen Apotheken ist 
die Wahrscheinlichkeit gross, dass Galexis die Hauptgrossistin war (Rz 372 ff.) und es liegen 
Umsatzzahlen auf der Ebene der einzelnen Apotheken vor. 

376.  Die nur für die genannten [300–800] Apotheken berechneten durchschnittlichen Netto-
umsätze sind leicht höher als die entsprechenden Durchschnittswerte aller [750–1250] Apo-
theken, die Stand 2022 den Status […] hatten. Letztere kauften im Jahr 2022 durchschnittlich 
für rund [480–2400] Franken Trinknahrung von Fresenius Kabi bei Galexis ein (Rz 88 vorne). 
Im  Vergleich  dazu  liegt der  entsprechende  Durchschnittswert  bei  den  [300–800]  Apotheken 
bei rund [500–3000] Franken im Jahr 2022 und bei rund [500–3000] Franken im Jahr 2023 
(Rz 90).  

377.  Dieser  Unterschied  dürfte  insbesondere  auf  die  erwähnten  […]  zurückzuführen  sein. 
Diese sind in den [750–1250] […] Kundinnen im Jahr 2022 eingeschlossen, nicht aber in den 
[300–800] Apotheken, die sowohl im Jahr 2022 als auch im Jahr 2023 tatsächlich einen jährli-
chen Umsatz von mindesten [250 000–500 000] Franken erzielten. 

G.1.4  Auswahl der durch das Sekretariat befragten Apotheken 

378.  Das  Sekretariat  kontaktierte  [250–450]  Einzelapotheken,  welche  alle  der  nachfolgend 
angegebenen Voraussetzungen erfüllen (vgl. Act. IV.1 für weitere Erläuterungen zur Auswahl 
der vom Sekretariat kontaktierten Apotheken). 

−  Stand 2023 hatten sie den Status […]. 

−  Sie gehören nicht zur Galenica-Gruppe. 

− 

Im  Jahr  2022  kauften  sie  für  mindestens  [250 000–500 000]  Franken  bei  Galexis  ein 
oder es liegen für das Jahr 2022 keine Umsatzzahlen vor. 

379.  Zusätzlich dazu kontaktierte das Sekretariat [5–10] Apothekenketten. Die Auswahl der 
vom Sekretariat kontaktierten Apotheken entspricht nicht exakt der vorangehend beschriebe-
nen Auswahl zum Zweck der Auswertung der Umsatzzahlen: Es fehlt das Auswahlkriterium 
eines Einkaufsvolumens von mindestens [149 000–292 000] Franken im Zeitraum vom 1. Ja-
nuar 2023 bis 31. Juli 2023. Diese Zahlen lagen dem Sekretariat zum Zeitpunkt der Umfrage 
noch nicht vor. Dabei handelt es sich um eine geringfügige Diskrepanz. Grund ist, dass diese 
Voraussetzung schon durch die erste Bedingung (Status […] im Jahr 2023) annährend erfüllt 

355  Act. II.45; Act. II.51. Vgl. auch die Erläuterungen von Galexis zu den eingereichten Zahlen im Schrei-

ben vom 11. September 2023, Antwort auf Frage II (Act. II.50). 

  Stand 2022 waren gemäss Angaben von Galexis [750–1250] Apotheken als […] Kundinnen einge-
stuft. Von diesen gehörten 279 Apotheken zur Galenica-Gruppe (Act. II.23, Rz 15). Demnach gab 
es Stand 2022 [450–950] Apotheken, die als […] Kundinnen eingestuft waren und die nicht zur Ga-
lenica-Gruppe  gehörten.  Im  Jahr  2023  gab  es  gemäss  Angaben  von  Galexis  hingegen  nur  noch 
[400–900] solche Kundinnen. Die Anzahl dieser Apotheken ist also offenbar von [450–950] im Jahr 
2022 auf [400–900] im Jahr 2023 gesunken. Das entspricht einer Reduktion um [<100] Apotheken, 
die entweder den Status […] verloren haben, oder die neu zur Galenica-Gruppe gehören. 

356  Die Umsatzzahlen für das Jahr 2023 liegen nur für die Monate Januar–Juli vor. Zur besseren Ver-
gleichbarkeit werden sie auf das ganze Jahr hochgerechnet, indem sie mit dem Faktor 12/7 multipli-
ziert werden. 

102 

 
 
 
 
 
 
 
ist. Mit Ausnahme von […] werden schon dadurch grundsätzlich nur Apotheken ausgewählt, 
die auch im Jahr 2023 für mindestens [250 000–500 000] Franken bei Galexis einkauften. 

380.  Ein weiterer Unterschied zur vorangehend beschriebenen Teilmenge besteht darin, dass 
auch Apotheken kontaktiert wurden, für welche für das Jahr 2022 keine Umsatzzahlen vorla-
gen. Die genannten Angaben fehlen für [<50] Apotheken, welche die übrigen Kriterien erfüllen. 
Diese Apotheken fliessen nicht in die vorangehend beschriebene Auswertung der Umsatzzah-
len ein, weil es sich dabei mutmasslich um […] handelt. 

G.1.5  Einschätzung der von Galexis verwendete Methode anhand der Umfrage des 

Sekretariats 

381.  Bei grossen Apotheken kann es vorkommen, dass diese bei Galexis Produkte im Wert 
von mehr als [250 000–500 000] Franken jährlich einkaufen, obwohl eine andere Grossistin 
ihre Hauptgrossistin ist. Solche Apotheken werden gemäss der von Galexis verwendeten Aus-
wahlmethode (Rz 372) fälschlicherweise als Apotheken eingestuft, die von Galexis als Haupt-
grossistin beliefert wurden. Wie oft dieser Fall auftritt, kann aufgrund der Ergebnisse der vom 
Sekretariat  durchgeführten  Befragung  der  von  Galexis  belieferten  Apotheken  eingeschätzt 
werden (Rz 141 ff.). 

382.  Das Sekretariat hat wie erwähnt [250–450] Einzelapotheken kontaktiert. 209 dieser Apo-
theken nahmen an der Befragung teil. Von diesen gaben 26 (12,4 %) an, dass Galexis nicht 
ihre Hauptgrossistin sei. Die restlichen 183 Apotheken bestätigten, dass Galexis ihre Haupt-
grossistin sei.357 Deshalb ist davon auszugehen, dass rund 10–15 % derjenigen Apotheken, 
die gemäss der Schätzung von Galexis von ihr als Hauptgrossistin beliefert werden, tatsächlich 
bei einer anderen Hauptgrossistin den grössten Teil ihrer Produkte einkaufen. 

383.  Umgekehrt  ist  davon  auszugehen, dass  es  nur selten  vorkommt,  dass  eine  Apotheke 
zwar für weniger als [250 000–500 000] Franken pro Jahr bei Galexis einkauft, Galexis aber 
trotzdem die Hauptgrossistin ist. Der Grund dafür ist, dass die meisten Apotheken Produkte 
im Wert von mehr als [500 000–1 000 000] Franken jährlich einkaufen.358 Deshalb entspricht 
ein  Einkaufsvolumen  von  [250 000–500 000]  Franken  pro  Jahr  bei  den  meisten  Apotheken 
einem Anteil von weniger als 50 % des gesamten Einkaufsvolumens. Ausserdem beziehen die 
Apotheken in der Regel deutlich mehr als 50 % ihrer Produkte bei der Hauptgrossistin. Gerade 
bei  kleinen  Apotheken  lohnt  es  sich  in  der  Regel,  den  Grossteil  bei  der  Hauptgrossistin  zu 
beziehen (Rz 70). Folglich gibt es höchstens wenige Apotheken, die für weniger als [250 000–
500 000]  Franken  pro  Jahr  bei  Galexis  einkaufen,  bei  welchen  aber  Galexis  trotzdem  die 
Hauptgrossistin ist. 

384.  Aus diesen Gründen dürfte die Anzahl der Apotheken, die von Galexis als Hauptgros-
sistin beliefert werden, leicht unter der von Galexis geschätzten in Tabelle 3 ausgewiesenen 
Zahl von [750–1250] liegen.359 

357  Act. II.C.1; Act. II.C.3; Act. II.C.4. 
358  Gemäss PharmaSuisse kauft eine durchschnittliche Apotheke jährlich Waren im Wert von rund 2,2 
Millionen  Franken  ein  (PharmaSuisse,  Fakten  und  Zahlen  Schweizer  Apotheken  2022,  S.  57 
<www.pharmasuisse.org/data/docs/de/50040/Fakten-und-Zahlen-pharmaSuisse-2022.pdf?v=1.6>, 
26.5.2023). Vgl. auch die Umsatzzahlen der von Galexis belieferten Apotheken in Rz 93.  

359  Die Parteigutachterinnen von Fresenius Kabi behaupten, es wecke «Zweifel an der korrekten Zu-
sammenstellung der Kundenliste durch Galexis», dass 24 der vom Sekretariat kontaktierten Apothe-
ken angaben, dass Galexis nicht ihre Hauptgrossistin sei (Act. II.55, Beilage 3, S. 5). Selbst wenn 
es Zweifel an der korrekten Zusammenstellung der Kundenliste durch Galexis geben sollte, dann 
jedenfalls nicht aus dem von den Parteigutachterinnen von Fresenius Kabi genannten Grund. Viel-
mehr wäre es nicht plausibel, wenn alle der kontaktierten Apotheken angegeben hätten, dass Gale-
xis ihre Hauptgrossistin sei. 

103 

 
 
 
 
 
 
 
G.2  Bedeutung der Trinknahrung von Fresenius Kabi für Apotheken 

385.  Die nachfolgenden Darstellungen der Nettoumsätze von Galexis beziehen sich jeweils 
auf [300–800] Apotheken, die von Galexis als Hauptgrossistin beliefert werden und die nicht 
zur Galenica-Gruppe gehören (vgl. Appendix G.1 zur Auswahl dieser [300–800] Apotheken). 

386.  In Abbildung 11 ist die Verteilung der Nettoumsätze von Galexis mit dem Verkauf von 
Trinknahrung von Fresenius Kabi an die genannten [300–800] Apotheken für die Jahre 2022 
(linke Grafik) und 2023 (rechte Grafik) dargestellt. Daraus geht hervor, dass [<10 %] Apothe-
ken mehr als 10 000 Franken pro Jahr für den Einkauf dieser Produkte ausgaben. Mehr als 
die  Hälfte  der  Apotheken  kaufte  hingegen  für  weniger  als [500–2500]  Franken  pro  Jahr  bei 
Galexis solche Trinknahrung ein. Rund ein Drittel der Apotheken gab pro Jahr sogar weniger 
als [<1000] Franken für Trinknahrung von Fresenius Kabi bei Galexis aus. 

Abbildung 11: Verteilung des Nettoumsatzes von Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung 
der Herstellerin Fresenius Kabi an Apotheken, die von Galexis als Hauptgrossistin beliefert 
werden und die nicht zur Galenica-Gruppe gehören, 2022 und 2023. 

[…] 

Quelle: Act. II.51, Beilage 1. 

387.  Die Verteilung des Anteils der Trinknahrung von Fresenius Kabi an den insgesamt von 
Galexis erzielten Nettoumsätzen ist für die genannten [300–800] Apotheken in Abbildung 12 
dargestellt. Ähnlich wie bei den in Franken gemessenen Nettoumsätzen ist auch der Anteil der 
Trinknahrung von Fresenius Kabi am Einkaufsvolumen aller Produkte für die meisten Apothe-
ken gering. Bei einer einzigen Apotheke liegt dieser Anteil bei über [<10 %]. 

Abbildung 12: Verteilung des Anteils der Trinknahrung von Fresenius Kabi an den insgesamt 
von Galexis erzielten Nettoumsätzen mit Apotheken, die von Galexis als Hauptgrossistin be-
liefert werden und die nicht zur Galenica-Gruppe gehören, 2022 und 2023. 

[…] 

Quelle: Act. II.51, Beilage 1. 

G.3  Umsatzanteil ohne spezifische ärztliche Verschreibung 

388.  In Tabelle 14 ist der von Galexis mit dem Verkauf von Trinknahrung von Fresenius Kabi 
im Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis 31. Oktober 2022 erzielte Nettoumsatz separat nach Ab-
satzkanal angegeben (erste Spalte). Diese Zahlen entsprechen den in Tabelle 2 vorne abge-
bildeten Umsätzen. Zusätzlich ist aus  

389.  Tabelle 14 ersichtlich, welcher Anteil dieser Umsätze mit Verkäufen an Kundinnen und 
Kunden ohne ärztliche Verschreibung erzielt wurden (zweite Spalte). Diese Anteile entspre-
chen den in Rz 107 ff. vorne festgestellten Anteilen. Das Produkt von Umsatz und Anteil ent-
spricht dem in der dritten Spalte angegebenen Nettoumsatz mit Verkäufen an Kundinnen und 
Kunden ohne ärztliche Verschreibung. Gemessen am insgesamt erzielten Nettoumsatz han-
delt es sich um [20–50] %. Umgekehrt liegt der Umsatzanteil mit Kundinnen und Kunden mit 
ärztlicher  Verschreibung  bei  [50–80] %.  Jedenfalls  im  Apothekenkanal  beziehen  sich  rund 
10 % dieser Verschreibungen nicht auf Trinknahrung einer spezifischen Herstellerin (Rz 110). 
Deshalb gehen rund [45–72] % (90 % von [50–80] %) der von Galexis verkauften Trinknah-
rung von Fresenius Kabi an Endkundinnen und Endkunden, denen spezifisch die Trinknahrung 
von Fresenius Kabi verschrieben wurden. Umgekehrt gehen rund [28–55] % an Endkundinnen 

104 

 
 
 
 
 
 
und Endkunden, die keine spezifische ärztliche Verschreibung haben und somit grundsätzlich 
auf vergleichbare Produkte anderer Herstellerinnen ausweichen könnten. 

Tabelle 14: Nettoumsatz Galexis mit Verkäufen an Kundinnen ohne ärztliche Verschreibung, 
1.1.2022–31.10.2022. 

Absatzkanal 

Nettoum-
satz (Fr.) 

Anteil ohne Ver-
schreibung 

Nettoumsatz ohne Verschrei-
bung (Fr.) 

Apotheken 

Ärzteschaft 

Spitäler 

Drogerien 

Verschiedene 

Total 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

30–50 % 

0 % 

0 % 

100 % 

0 % 

[20–50] % 

[…] 

0 

0 

[…] 

0 

[…] 

Quelle:  Act.  II.23,  Rz 14  (Umsatz  nach  Kundensegment,  vgl.  Rz 83);  Act.  II.5,  Antwort  auf 
Frage 3.b (Anteil ohne ärztliche Verschreibung, vgl. Rz 107 ff.). 

105 

 
 
 
 
 
 
 
G.4  Apothekenbefragung des Sekretariats 

G.4.1  Einladungsemail 

Abbildung 13: Einladungsemail für deutschsprachige Einzelapotheken. 

Quelle: Act. II.A.1. 

106 

 
 
 
 
 
 
 
G.4.2  Repräsentativität der antwortenden Apotheken 

390.  In Abbildung 14 ist die geschätzte Dichtefunktion des Nettoumsatzes 2023 für diejenigen 
Apotheken eingetragen, welche an der Umfrage des Sekretariats teilgenommen haben (rot). 
Die von Galexis mit dem Verkauf sämtlicher Produkte an diese Apotheken erzielten Nettoum-
sätze sind sehr ähnlich verteilt wie bei denjenigen Apotheken, die nicht teilgenommen haben 
(blau). Die Nullhypothese, dass der Nettoumsatz bei beiden Gruppen der gleichen Verteilung 
folgt,  kann  nicht  verworfen  werden  (Kolmogorov-Smirnov  Test,  p=0.245).  Weitere  Angaben 
zur Berechnung der Dichtefunktionen befinden sich in Act. IV.1. 

Abbildung 14: Verteilung des Nettoumsatzes 2023 für Apotheken, die geantwortet haben 
(rot) und solche, die nicht geantwortet haben (blau). 

[…] 

Quelle: Act. II.51, Beilage 1 (Umsatzzahlen); Act. II.C.1 (Antworten). 

391.  Zusätzlich zum insgesamt von Galexis mit den kontaktierten Apotheken erwirtschafteten 
Nettoumsatz  wird  nachfolgend  geprüft,  ob  der  nur  mit  dem  Verkauf  von  Trinknahrung  von 
Fresenius Kabi erzielte Nettoumsatz im Jahr 2023 ebenfalls bei beiden Gruppen von Apothe-
ken (Antwort / Keine Antwort) ähnlich verteilt ist. Wie aus Abbildung 15 hervorgeht, sind die 
entsprechenden Verteilungen erneut sehr ähnlich. Die Nullhypothese, dass der Nettoumsatz 
beider  Gruppen  die  gleiche  Dichtefunktion  aufweist,  kann  nicht  verworfen  werden  (Kolmo-
gorov-Smirnov Test, p=0.147). 

Abbildung 15: Verteilung des Nettoumsatzes mit Trinknahrung von Fresenius Kabi 2023 für 
Apotheken, die geantwortet haben (rot) und solche, die nicht geantwortet haben (blau). 

[…] 

Quelle: Act. II.51, Beilage 1 (Umsatzzahlen); Act. II.C.1 (Antworten). 

107 

 
 
 
 
 
 
 
 
G.4.3  Antworten der Einzelapotheken auf Fragen 3 und 4 

392.  In Abbildung 16 ist die Verteilung der Antworten von 183 Einzelapotheken auf die Fragen 
3 (Abbildung 5) und 4 (Abbildung 6) der Umfrage dargestellt. Wie erwähnt gaben alle dieser 
183 Apotheken in ihrer Antwort auf Frage 2 an, dass Galexis ihre Hauptgrossistin sei. Abbil-
dung 17 entspricht Abbildung 16, ausser das nur noch die 153 plausiblen Antworten berück-
sichtigt werden. 

Abbildung 16: Wechselbereitschaft ex-ante (blau, Antworten auf Frage 3) und ex-post (rot, 
Antworten auf Frage 4), 183 Einzelapotheken mit Hauptgrossistin Galexis. 

n
e
t
r
o
w
n
A

t

l

h
a
z
n
A

0
8

0
6

0
4

0
2

0

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Ex-ante

Ex-post

Quelle: Act. II.C.1. 

108 

 
 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 17: Wechselbereitschaft ex-ante (blau, Antworten auf Frage 3) und ex-post (rot, 
Antworten auf Frage 4), 153 Einzelapotheken mit Hauptgrossistin Galexis (nur plausible Ant-
worten). 

0
6

n
e
t
r
o
w
t
n
A

l

h
a
z
n
A

0
4

0
2

0

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Ex-ante

Ex-post

Quelle: Act. II.C.1. 

G.5 

Preisvergleich Schweiz–Deutschland 

G.5.1  Umsatzanteil der drei wichtigsten Produktgruppen 

393.  In Tabelle 15 sind die von Fresenius Kabi Schweiz mit dem Verkauf von Trinknahrung 
an Galexis erzielten Nettoumsätze der Jahre 2020–2022 angegeben (Spalte 2). Dabei ist zu 
berücksichtigen,  dass für  das  Jahr  2022  nur  die  Verkäufe  bis  und  mit  Oktober  2022  einge-
schlossen  sind.  Zusätzlich  geht  aus  Tabelle  15  hervor,  welcher  Anteil  dieser  Umsätze  auf 
Trinknahrung  der  drei  wichtigsten  Produktgruppen  entfällt  (Spalten  3  und  4).  Diese  sind  für 
rund zwei Drittel des von Fresenius Kabi mit dem Verkauf von Trinknahrung an Galexis erziel-
ten Umsatzes verantwortlich. 

Tabelle 15: Anteil der drei wichtigsten Produktgruppen am von Fresenius Kabi Schweiz mit 
Verkäufen an Galexis erzielten Nettoumsatz, 2020–2022. 

Jahr  Nettoumsatz Trinknah-

rung insgesamt (Fr.) 

Nettoumsatz 3 wichtigste 
Produktgruppen (Fr.) 

Anteil 3 wichtigste 
Produktgruppen 

2020 

2021 

2022 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[60–75] % 

[60–75] % 

[60–75] % 

Quelle: Act. II.16, Rz 2 (Nettoumsatz Trinknahrung insgesamt); Act. II.11, Beilage 3 (Netto-
umsatz der drei wichtigsten Produktgruppen). 

109 

 
 
 
 
 
 
 
 
G.5.2  Konditionen von Fresenius Kabi Schweiz 

394.  Die in Tabelle 7 enthaltenen Listenpreise und Rabatte sind mit den von Galexis für den 
Zeitraum vom 1. Juli 2022 bis 31. Oktober 2022 eingereichten Rechnungen für Trinknahrung 
konsistent.360 

395.  Gemäss Angaben von Fresenius Kabi entsprechen die Nettopreise der drei wichtigsten 
Produktgruppen im Bereich Trinknahrung bei Verkäufen an Galexis seit August 2022 den in 
Tabelle 7 angegebenen Preisen. Für den Monat Juli 2022 gibt Fresenius Kabi noch die vor 
Abschluss des Kooperationsvertrags gültigen Preise an.361 

396.  Auch die von Galexis eingereichten Angaben betreffend die von Galexis an Fresenius 
Kabi Schweiz bezahlten Nettopreise für Trinknahrung stimmen für Lieferungen mit Datum der 
Entgegennahme nach Abschluss des Kooperationsvertrags am 1. Juli 2022 weitgehend mit 
den in Tabelle 7 aufgeführten Preisen überein.362 

G.5.3  Konditionen von Fresenius Kabi Deutschland 

Abbildung 18: Nettopreise für Trinknahrung der Produktgruppe Fresubin 2kcal Drink, 
Fresenius Kabi Deutschland, 2022. 

[…] 

Quelle: Act. II.44, Rz 16. 

Abbildung 19: Nettopreise für Trinknahrung der Produktgruppe Fresubin 2kcal Fibre, 
Fresenius Kabi Deutschland, 2022. 

[…] 

Quelle: Act. II.44, Rz 16. 

Abbildung 20: Nettopreise für Trinknahrung der Produktgruppe Fresubin Protein Energy, 
Fresenius Kabi Deutschland, 2022. 

[…] 

Quelle: Act. II.44, Rz 16. 

360  Act. II.23, Beilage 3 […]. 
361  Act. II.11, Beilage 3. 
362  Act. II.26, Beilage 2 […].  

110