# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 001b6a07-ec1f-51f4-a613-681e34d3e09f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2007-04-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 04.04.2007 AC060017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC060017_2007-04-04.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC060017/U/la

Mitwirkende: die Kassationsrichter Herbert Heeb, Vizepräsident, Robert Karrer,

Andreas Donatsch, die Kassationsrichterin Yvona Griesser und

der Kassationsrichter Reinhard Oertli sowie der juristische Se-

kretär Titus Graf

Zirkulationsbeschluss vom 4. April 2007

in Sachen

X.,
Rekurrent und Beschwerdeführer

gegen

Y.,
Rekursgegner und Beschwerdegegner

betreffend

Nichtzulassung der Anklage (Ehrverletzung)

Nichtigkeitsbeschwerde gegen einen Beschluss der III. Strafkammer des
Obergerichts des Kantons Zürich vom 6. Februar 2006 (UK050203/U/mp)

-   2   -

Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

1. Mit Schreiben vom 19. September 2005 (ER act. 1) erhob X. (nachfol-

gend: Beschwerdeführer) beim Bezirksgericht Zürich (unter anderem) eine Ehr-

verletzungsklage gegen Y. Beschwerdegegner), welche er in einem weiteren

Schreiben ergänzte (ER act. 2).

2. Am 3. Oktober 2005 verfügte der Einzelrichter für Zivil- und Strafsachen

des Bezirksgerichtes Zürich, dass die Anklage betreffend Ehrverletzung definitiv

nicht zugelassen werde (ER act. 5). Zur Begründung erwog der Einzelrichter unter

anderem, dass die Antragsfrist von drei Monaten nicht gewahrt sei und zudem die

Anklageschrift den gesetzlichen Anforderungen in keiner Hinsicht zu genügen

vermöge.

3. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Schreiben vom

26. November 2005 Rekurs beim Obergericht (OG act. 1). Mit Beschluss vom 8.

Februar 2006 wies die III. Strafkammer des Obergerichtes den Rekurs ab, soweit

sie darauf eintrat (OG act. 8). Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen auf

die ihrer Ansicht nach zutreffenden Ausführungen des erstinstanzlichen Einzel-

richters. Dieser Beschluss, welcher keine Rechtsmittelbelehrung enthält, wurde

dem Beschwerdeführer am 28. Februar 2006 zugestellt (OG act. 7).

4. Bezüglich dieses Beschlusses hat der Beschwerdeführer dem Kassati-

onsgericht am 22. März 2006 eine vom gleichen Tag datierte, begründete Anmel-

dung der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde überbracht (KG act. 1). Darin stellt

er auch ein Gesuch um Wiederherstellung der Frist zur Beschwerdeanmeldung

sowie den Antrag auf Gewährung eines kostenlosen Rechtsbeistandes (KG act. 1

S. 1). Am 28. März 2006 und am 7. Juli 2006 überbrachte der Beschwerdeführer

zwei "Ergänzungen zur Anmeldung der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde" (KG

act. 7 und act. 15). In einer weiteren Eingabe (KG act. 14) stellte der Beschwer-

deführer unter anderem Anträge betreffend ein früheres Kassationsverfahren

(AC060015) bzw. den in jenem Verfahren am 31. Mai 2006 gefällten Erledigungs-

beschluss (AC060015 act. 14), worauf insoweit dem Beschwerdeführer mit Brief

-   3   -

vom 5. Juli 2006 geantwortet wurde (AC060015 act. 17); in der Eingabe erfolgte

zudem erneut eine "Ergänzung zur Anmeldung der Nichtigkeitsbeschwerde" be-

treffend den obergerichtlichen Beschluss vom 6. Februar 2006 (vgl. KG act. 14 S.

1 Ziff. 4).

5. Gegen diesen obergerichtlichen Beschluss hat der Beschwerdeführer

auch staatsrechtliche Beschwerde erhoben. Das Bundesgericht sistierte das bun-

desgerichtliche Verfahren bis zum Entscheid des Kassationsgerichtes über die

kantonale Nichtigkeitsbeschwerde (KG act. 13).

6. Wie erwähnt, wurde der obergerichtliche Beschluss vom 6. Februar 2006

dem Beschwerdeführer am 28. Februar 2006 zugestellt. Da die Frist zur Anmel-

dung der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde zehn Tage beträgt (§ 431 Satz 1

StPO), endete sie - unter der Prämisse, dieses kantonale Rechtsmittel sei im vor-

liegenden Verfahren überhaupt zulässig (vgl. dazu unten Erw. 7) - am 10. März

2006. Weil der Beschwerdeführer das erstgenannte, die Beschwerdeanmeldung

beinhaltende Schreiben (KG act. 1) dem Kassationsgericht erst am 22. März 2006

überbrachte, ist die genannte Frist versäumt worden. Dessen ist sich auch der

Beschwerdeführer bewusst, und er stellt - wie erwähnt - ein entsprechendes Re-

stitutionsgesuch.

7. Vorab stellt sich allerdings die Frage, ob der obergerichtliche Beschluss

überhaupt mittels kantonaler Nichtigkeitsbeschwerde angefochten werden kann.

7.1 Die Vorinstanz hat im Dispositiv ihres Beschlusses keine Rechtsmittel-

belehrung aufgeführt. Sie geht offenbar davon aus, gegen den Beschluss könne

keine kantonale Kassationsbeschwerde ergriffen werden.

7.2 a) Per 1. Januar 2005 ist das Gesetz über die Teilrevision der zürcheri-

schen Strafgesetzgebung vom 27. Januar 2003 in Kraft getreten. Gemäss dem

heute geltenden § 428 StPO ist die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde in Strafsa-

chen nur noch zulässig gegen Urteile und Erledigungsbeschlüsse des Geschwo-

renengerichtes und des Obergerichtes als erster Instanz. Bei dem vom Be-

schwerdeführer angefochtenen obergerichtlichen Beschluss handelt es sich um

-   4   -

einen Rekursentscheid, mithin um einen Entscheid des Obergerichtes als zweiter

Instanz. Eine Ausnahmekonstellation in Sinne des § 3 der Schlussbestimmungen

zur genannten Teilrevision der Zürcher Strafprozessordnung liegt zweifellos nicht

vor, weil das vorliegende Ehrverletzungsverfahren erst nach dem Inkrafttreten der

erwähnten Gesetzesrevision angehoben wurde. Aus diesen Gründen kann der

obergerichtliche Beschluss betreffend das Ehrverletzungsverfahren vor Kassati-

onsgericht nicht angefochten werden.

b) Der Beschwerdeführer ist sich dieser Tatsache offenbar bewusst. Er

macht jedoch geltend, beim obergerichtlichen Beschluss handle es sich um einen

Revisionsentscheid, der gemäss Praxis des Kassationsgerichtes mittels kantona-

ler Nichtigkeitsbeschwerde angefochten werden könne. Zur Begründung dieses

Standpunktes bringt der Beschwerdeführer vor, vor Obergericht sei es ihm nicht

nur um die Ehrverletzungsklage gegen den Beschwerdegegner gegangen, son-

dern er habe in seiner Eingabe an das Obergericht vom 26. November 2006 auch

(wie bereits zuvor in seiner Eingabe an das Bezirksgericht Zürich vom 19. Sep-

tember 2006) den Antrag auf "Revision der Verfügung des Einzelrichters lic.iur. Z.

vom 1. März 2005" gestellt. Diesen Antrag habe die Vorinstanz "ohne nähere Be-

gründung willkürlich missachtet" (vgl. insb. KG act. 1 S. 2 und act. 7 S. 1).

c) Es trifft zu, dass gegen obergerichtliche Revisionsentscheide (auch nach

der per 1. Januar 2005 in Kraft getretenen, vorgenannten Teilrevision der zürche-

rischen Strafgesetzgebung) kantonale Nichtigkeitsbeschwerde geführt werden

kann (vgl. z.B. ZR 105 Nr. 47). Selbstverständlich könnte der vorliegende oberge-

richtliche Beschluss nur insoweit mittels Kassationsbeschwerde angefochten wer-

den, als darin über eine Revision entschieden worden wäre; es bleibt dabei, dass

der obergerichtliche Beschluss betreffend das Ehrverletzungsverfahren vorliegend

nicht anfechtbar ist, denn ein nicht der Kassationsbeschwerde unterliegender

Entscheid kann nicht dadurch anfechtbar werden, dass vor Obergericht auch ein

Revisionsbegehren gestellt wird.

7.3 Zutreffend ist, dass der Beschwerdeführer in seinem Schreiben an das

Obergericht vom 26. November 2006, welches er ausdrücklich als Rekurs gegen

die einzelrichterliche Verfügung vom 3. Oktober 2005 bezeichnete, auch den er-

-   5   -

wähnten Antrag gestellt hat (vgl. OG act. 1 S. 1 Antrag 3; vgl. auch dort Antrag 2).

Inhaltlich den gleichen Antrag stellte er bereits im erstinstanzlichen Verfahren mit

Schreiben vom 19. September 2005 (vgl. ER act. 1 S. 1 Antrag 3; vgl. auch dort

Antrag 2).

Vorab ist zu bemerken, dass die im Antrag genannte Verfügung des Einzel-

richters vom 1. März 2005 das erstinstanzliche Verfahren Nr. GR040128 betraf

(vgl. auch OG act. 1 S. 1). In jener Verfügung wies der Einzelrichter einen Rekurs

des Beschwerdeführers gegen die Einstellungsverfügung der damaligen Bezirk-

sanwaltschaft Zürich vom 8. Oktober 2004 ab (GR040128 act. 9). Der Beschwer-

degegner des vorliegenden Prozesses war nicht Partei jenes Verfahrens. Es han-

delte sich somit um ein vom vorliegenden Ehrverletzungsprozess unterschiedli-

ches Verfahren. Die Vorinstanz erwog im Beschluss vom 6. Februar 2006, An-

fechtungsobjekt des Rekursverfahrens sei ausschliesslich die einzelrichterliche

Verfügung vom 3. Oktober 2005, weshalb auf Anträge, welche offensichtlich an-

dere Verfahren beträfen, im Rekursverfahren zum vornherein nicht einzutreten sei

(KG act. 2 S. 2). Diese Erwägung bezog sich ausdrücklich auch auf den Antrag 3

des Beschwerdeführers in seiner Eingabe an das Obergericht vom 26. November

2006. Die Vorinstanz hat diesen Antrag offensichtlich nicht als eigenständiges

Revisionsbegehren aufgefasst und insofern auch keinen Revisionsentscheid ge-

fällt. Wie erwähnt, rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe seinen Revisi-

onsantrag "ohne nähere Begründung willkürlich missachtet".

7.4 In den in Erw. 7.3 genannten Eingaben führte der Beschwerdeführer zur

Begründung des Antrages zusammengefasst aus, der damalige Einzelrichter Z.

habe ihm im Verfahren GR040128 fälschlicherweise unterstellt, nicht nur gegen B.

Strafanzeige erstattet zu haben, sondern auch gegen C. und D.; diese Unterstel-

lung habe ihm sehr geschadet, weil dadurch Personen gegen ihn aufgebracht

worden seien und weil ein früheres verwaltungsrechtliches Vernehmlassungsver-

fahren zu seinem Nachteil beeinflusst worden sei (ER act. 1 passim, insb. S. 5-9;

OG act. 1 passim, insb. S. 11-15).

7.5 Wie aus den nachfolgenden Gründen erhellt, hat der Beschwerdeführer

vor Obergericht inhaltlich gar kein Revisionsbegehren gestellt.

-   6   -

Ein Wiederaufnahmegesuch ist nur möglich gegen Urteile im weiteren Sinne

(§ 439 Abs. 1 StPO; Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, Rz 1138).

Ausgeschlossen ist die Revision unter anderem bei Rekursentscheiden, bei ver-

fahrenserledigenden Verfügungen und Einstellungsverfügungen (Schmid, a.a.O.,

Rz 1141). Bei der einzelrichterlichen Verfügung vom 1. März 2005 handelte es

sich nach dem Gesagten um einen verfahrenserledigenden Rekursentscheid, mit

welchem die Einstellungsverfügung der damaligen Bezirksanwaltschaft Zürich

vom 8. Oktober 2004 bestätigt wurde. Damit erscheint eine Revision gegen jene

Verfügung von vornherein nicht zulässig.

Abgesehen davon liegt gar keine Revisionsthematik vor. Der Beschwerde-

führer war im Verfahren GR040128 Ehrverletzungskläger und Anzeigeerstatter

bzw. Geschädigter. In dieser Funktion ist nur eine Wiederaufnahme zu Ungunsten

eines Freigesprochenen (oder Verurteilten) zulässig (vgl. § 443 Ingress und § 445

StPO). Solches bezweckte der Beschwerdeführer mit seinem vorerwähnten Be-

gehren jedoch gar nicht.

Ferner ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer vor Obergericht selber

vorbrachte, er habe dem Einzelrichter Z. mit Eingabe vom 11. November 2004

mitgeteilt, einzig Strafanzeige gegen B. erhoben zu haben (OG act. 1 S. 13 Mitte).

Wenn nun der Einzelrichter in seiner Verfügung vom 1. März 2005 gemäss An-

sicht des Beschwerdeführers von falschen Tatsachen ausgegangen sein soll, war

dies mit den gegen die damalige Verfügung zulässigen Rechtsmitteln geltend zu

machen (was der Beschwerdeführer erfolglos tat; vgl. act. 14 in GR040128); eine

spätere Revision ist bzw. war ausgeschlossen, da dieses Rechtsmittel subsidiär

ist.

Soweit sich der Beschwerdeführer auf Normen des VRG beruft bzw. ver-

waltungsrechtliche Verfahren beanstandet, ist bzw. war dies auf dem verwal-

tungsrechtlichen Wege geltend zu machen, was er offenbar auch getan hat (vgl.

act. 9 S. 7-11 in GR040128).

7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit dem

genannten Antrag inhaltlich kein Revisionsbegehren gestellt hat, wovon implizite

-   7   -

auch die Vorinstanz ausgegangen ist. Daher ist ihr Beschluss vom 6. Februar

2006 auch insofern, als sie auf den Antrag 3 des Beschwerdeführers nicht einge-

treten ist, nicht mittels kantonaler Nichtigkeitsbeschwerde anfechtbar.

8. Abschliessend ergibt sich, dass auf die Nichtigkeitsbeschwerde zufolge

Unzulässigkeit umfassend nicht einzutreten ist. Damit ist das gestellte Fristwie-

derherstellungsgesuch nicht zu prüfen. In Anwendung von § 433 Abs. 1 Satz 1

StPO kann von entsprechenden Weiterungen abgesehen werden.

9. Da auf die Beschwerde mangels Zulässigkeit nicht einzutreten ist, ist sie

von vornherein aussichtslos. Ein Anspruch auf (die beantragte) Bestellung eines

unentgeltlichen Rechtsbeistandes im Sinne von Art. 29 Abs. 3 BV, Art. 6 Ziff. 1

EMRK oder § 10 Abs. 5 StPO besteht unter diesen Umständen von vornherein

nicht (vgl. BGE 129 I 134 f. und Lieber/Donatsch, Kommentar zur zürcherischen

Strafprozessordnung, Zürich 2006, N 26 zu § 10 StPO m.H.). Das Gesuch um

Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes ist daher abzuweisen.

10. Zufolge des Nichteintretens auf die Nichtigkeitsbeschwerde wird der Be-

schwerdeführer grundsätzlich kostenpflichtig (§ 396a StPO). Im Beschluss des

Kassationsgerichtes vom 30. August 2004 wurde indessen dargelegt, dass ak-

tenmässig belegt sei, dass sich der Beschwerdeführer in einer sehr schwierigen

finanziellen Situation befindet (AC040061 act. 14 Erw. II). Im Beschluss vom 31.

Mai 2006 (AC060015 act. 14) wurden - unter anderem unter Verweisung auf jene

Erwägungen und mit dem Hinweis, dass sich an der finanziellen Situation des Be-

schwerdeführers offensichtlich nichts Wesentliches geändert habe - die Kosten

des Kassationsverfahrens in Anwendung von § 190a StPO sofort endgültig abge-

schrieben. Vorliegend ist entsprechend zu verfahren.

-   8   -

Das Gericht beschliesst:

1. Auf die Nichtigkeitsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Bestellung eines unentgeltlichen

Rechtsbeistandes für das Kassationsverfahren wird abgewiesen.

3. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr. 300.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 168.--   Schreibgebühren,

Fr. 95.--   Zustellgebühren und Porti.

4. Die Kosten des Kassationsverfahrens werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt, jedoch sofort definitiv abgeschrieben.

5. Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von

Art. 90 ff. BGG innert 30 Tagen nach dessen Empfang schriftlich durch eine

Art. 42 BGG entsprechende Eingabe Beschwerde gemäss Art. 78 ff. BGG

an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erhoben werden.

Hinsichtlich des Fristenlaufes gelten die Art. 44 ff. BGG.

6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, die III. Strafkammer des Obergerich-

tes, den Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Zürich (ad GE050059)

und das Schweizerische Bundesgericht (ad 1P.184/2006), je gegen Emp-

fangsschein.

______________________________________

KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: