# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80c9e982-3bcf-5b1f-a596-3a46f368e993
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.03.2007 E-5945/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5945-2006_2007-03-26.pdf

## Full Text

Urteil vom 26. März 2007

Mitwirkung: Richter König, Richterinnen Spälti Giannakitsas, Schenker Senn
Gerichtsschreiberin Chastonay

X._______, _______, Sri Lanka,
vertreten durch Y._______

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 27. April 2006 i.S. Asyl und Wegweisung / Ref.-Nr. _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Abtei lung V
E-5945/2006
kom/che/scb
{T 0/2}

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Sachverhalt:

A. Der Beschwerdeführer - tamilischer Ethnie, aus A._______ stammend, seit 6. Juli 
2005  mit  Aufenthalt  in  B._______  -  verliess  gemäss  eigenen  Angaben  den 
Heimatstaat am 27. Februar 2006 und gelangte mit einem gefälschten Reisepass 
auf dem Luftweg über Dubai nach Italien und am 4. April 2006 in die Schweiz, wo 
er tags darauf ein Asylgesuch stellte. Am 10. April 2006 fand im Empfangszentrum 
Kreuzlingen  die  Erstbefragung  statt.  Für  die  Dauer  des  Verfahrens  wurde  der 
Beschwerdeführer dem Kanton C._______ zugewiesen. Am 25. April  2006 führte 
das Bundesamt eine direkte Befragung durch.

Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, sein Bruder sei Mitglied 
der "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) gewesen. Im Juni 1990 sei es zu 
Gefechten zwischen der Srilankischen Armee (SLA) und der LTTE gekommen. Der 
Bruder sei damals unterwegs zum Bahnhof von einem Unbekannten erschossen 
worden. Im August 1990 sei das Elternhaus von der SLA in Brand gesetzt worden. 
Der Beschwerdeführer habe im Oktober 1996 eine Arbeit  als Buchhalter in einer 
Privatfirma in D._______ angefangen. Etwa ein Jahr später habe er erfahren, dass 
diese Firma der LTTE gehört habe. Er habe noch bis Ende 1998 in dieser Firma 
gearbeitet.  Im  Juni  1999  sei  er  von  der  LTTE  zwangsrekrutiert  worden.  Nach 
einem dreimonatigen Training habe er bis Dezember 2000 jede zweite Woche an 
der  Front  in  der  Region  von Vanni  Wache halten  müssen.  In  dieser  Zeit  sei  es 
immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen der SLA und der LTTE gekommen. 
Anfangs  2001  habe  der  Beschwerdeführer  sich  in  E._______  einer  Operation 
unterziehen müssen, wofür die LTTE ihm einen Monat Urlaub gewährt habe. Nach 
der  Operation  sei  er  nicht  zur  LTTE zurückgekehrt,  sondern  habe sich  bis  zum 
28. Oktober 2002 bei Verwandten in F._______/E._______ aufgehalten. In dieser 
Zeit habe er geheiratet und dann ein Taxiunternehmen gegründet. Bis etwa Ende 
2004  habe  er  als  Taxifahrer  in  E._______  gearbeitet.  Im  März  2004  sei  sein 
zweiter  Bruder  verschwunden.  Am  2.  August  2004  habe  ein  Unbekannter  sein 
Haus aufgesucht und der Ehefrau des Beschwerdeführers mitgeteilt, er solle sofort 
in  die  Region  von  Vanni  kommen.  Am  6.  November  2004  sei  erneut  eine 
unbekannte Person nach Hause gekommen und habe der Ehefrau mitgeteilt,  der 
Beschwerdeführer  müsse  sich  im  Camp  in  G._______  im  Bezirk  H._______ 
melden.  Der  Unbekannte  habe  gedroht,  dies  sei  die  letzte  Warnung.  Der 
Beschwerdeführer  sei  eine  Woche  danach  mit  der  Familie  nach  I._______ 
weggezogen.  Sie  seien  dort  etwa  sechs  Monate  im  Haus  der  Mutter  des 
Beschwerdeführers  geblieben.  Am  10.  April  2005  sei  der  Beschwerdeführer  an 
einer Bushaltestelle von zwei Unbekannten auf zwei Motorrädern zum Mitkommen 
aufgefordert  worden.  Der  Beschwerdeführer  sei  stattdessen  in  den  Bus  nach 
J._______  eingestiegen.  In  J._______  sei  er  zu  Fuss  weiter  gegangen,  als  er 
bemerkt  habe,  dass  ihn  wiederum  Motorradfahrer  verfolgten.  Einer  der  beiden 
Fahrer  habe  eine  Pistole  gezogen  und  gedroht,  den  Beschwerdeführer 
umzubringen,  falls er  nicht mitkomme. Der Beschwerdeführer sei  schreiend zum 
Polizeiposten geflüchtet.  Als er mit  fünf Polizeibeamten im Jeep an den Ort des 
Vorfalls  zurückgekommen  sei,  seien  die  Verfolger  verschwunden  gewesen.  Auf 

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dem Polizeiposten sei danach seine Aussage aufgenommen worden. Nach diesem 
Vorfall habe ihn der Vater nach I._______ zu einem Freund gebracht und mit der 
Organisation  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  begonnen.  Auf  Geheiss  des 
Vaters habe er am 14. Mai 2005 seine Ehefrau und das gemeinsame Kind nach 
E._______  zu  deren  Eltern  gebracht;  er  selber  habe  sich  jeweils  an 
unterschiedlichen  Orten  aufgehalten.  Am  4.  Juli  2005  hätten  Unbekannte  eine 
Benzinbombe durch das Fenster  ins Haus der  Schwiegereltern  geworfen.  Seine 
Ehefrau sei dabei getötet worden. Trotz polizeilicher Ermittlungen seien die Täter 
nicht gefunden worden. Der Beschwerdeführer sei aus Angst um sein Leben am 
6. Juli 2005 nach B._______ gegangen, wo er sich bis zur Ausreise Ende Februar 
2006  aufgehalten  habe.  Neben  der  Verfolgung  durch  die  LTTE  befürchte  der 
Beschwerdeführer, dass ehemalige Bekannte, welche ebenfalls zwischen Juni und 
August 1999 ein LTTE-Training hätten absolvieren müssen und danach zu den der 
LTTE feindlich gesinnten Organisationen K._______ übergegangen seien, ihn als 
LTTE-Mitglied betrachten könnten.  Er habe aber diesbezüglich - abgesehen von 
einem  anonymen  Anruf  -  keine  konkreten  Drohungen  erhalten  oder 
Verfolgungsmassnahmen erlitten.

Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung des 
LTTE-Trainings,  eine  Qualifikation  der  LTTE,  eine  Bestätigung  der 
Grenzwachttätigkeit,  einen LTTE-Ausweis des Bruders,  die Todesanzeige seiner 
Ehefrau und einen Polizeirapport vom 10. April 2005 zu den Akten.

B. Mit Verfügung vom 27. April 2006 - eröffnet am selben Tag - stellte die Vorinstanz 
fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  und lehnte das Asylgesuch ab.  Gleichzeitig  verfügte 
es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz.  Der  Vollzug  der 
Wegweisung wurde als zulässig, zumutbar und möglich beurteilt.

C. Mit Beschwerde vom 29. Mai 2006 an die Schweizerische Asylrekurskommission 
(ARK)  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  die 
Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Gewährung  des  Asyls. 
Eventuell sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und der 
Beschwerdeführer  sei  vorläufig  aufzunehmen.  Es  sei  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren  im 
Einzelnen  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
eingegangen.

Mit  der  Beschwerde  wurde  eine  Wohnsitzbescheinigung  des  "Divisional 
Secretariat,  L._______"  vom 19.  Januar  2005  und eine Mittellosigkeitserklärung 
eingereicht.

D. Mit Verfügung vom 14. Juni 2006 verzichtete der zuständige Instruktionsrichter auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses.

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E. Die  Vorinstanz  hielt  in  der  Vernehmlassung  vom  16.  August  2006  an  ihrer 
Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Diese 
Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer  am 22.  August  2006 zur  Kenntnis 
gebracht.

F. Am 4. September 2006 reichte der Beschwerdeführer einen Brief seiner Eltern ein, 
den  er  Anfang  Juni  2006  erhalten  habe.  Die  deutsche  Übersetzung  wurde 
ebenfalls beigelegt. In diesem Brief berichten die Eltern im Wesentlichen über die 
Situation  in  Sri  Lanka  und führen aus,  unbekannte,  bewaffnete  Leute  seien am 
13. Februar  2006 zu Hause erschienen und hätten nach dem Beschwerdeführer 
gefragt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, 
SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen 
Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 
vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. 
Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt  auf  das Asylgesetz  vom 26.  Juni 
1998  (AsylG,  SR 142.31);  das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem 
Bereich  endgültig  (Art.  105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 
2007 die Beurteilung der bei der ARK hängig gewesenen Rechtsmittel. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die 
Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. Die Beschwerde ist  form-  und fristgerecht  eingereicht;  der  Beschwerdeführer  ist 
legitimiert  (Art.  6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist 
mithin einzutreten.

3.

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. 
Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem 
Heimatstaat  oder  im Land,  wo sie zuletzt  wohnte,  wegen ihrer  Rasse,  Religion, 
Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile 

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gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder 
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr 
Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält. 
Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig 
begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen 
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

4.

4.1 Die  Vorinstanz  hielt  in  ihrer  Verfügung  fest,  die  vom  Beschwerdeführer 
dargelegten Verfolgungsmassnahmen - die Zwangsrekrutierung durch die LTTE im 
Jahr  1999  und  die  danach  folgenden  Einsätze  für  diese  Organisation  bis  Ende 
2000,  seine  Nichtrückkehr  zu  den  LTTE  nach  der  Operation  Anfang  2001  in 
E._______  und  die  im  Jahr  2004  erfolgten  zweimaligen  Bedrohungen,  welche 
vermutlich von LTTE-Angehörigen ausgegangen seien, die Vorfälle vom 10. April 
2005, als ihn unbekannte Motorradfahrer verfolgt und bedroht hätten, der Anschlag 
auf  das Haus der  Schwiegereltern,  bei  dem seine Ehefrau getötet  worden sei  - 
seien als Übergriffe Dritter zu beurteilen. Diese würden asylrechtlich nur dann von 
Relevanz,  wenn der srilankische Staat diese tolerieren oder unterstützen würde. 
Die srilankische Regierung sei demgegenüber stets darum bemüht gewesen, die 
Macht der LTTE mit militärischen Interventionen zu schwächen. Dass sie aufgrund 
der  damals  bürgerkriegsähnlichen  Situation  Übergriffe  der  LTTE  nicht  habe 
verhindern  können,  sei  nicht  als  Vernachlässigung  der  Schutzpflicht  des 
srilankischen Staates  zu interpretieren.  Zudem wäre es den Behörden gar nicht 
möglich gewesen, jeden denkbaren Übergriff zu verhindern.

Es  sei  ausserdem  festzuhalten,  dass  seit  der  Unterzeichnung  des 
Waffenstillstandsabkommens  Ende  Februar  2002  die  LTTE  ihre  Position  habe 
stärken können.  Zudem sehe das Abkommen eine Reihe von Massnahmen zur 
Entmilitarisierung der früheren Kriegsgebiete vor. Weiter hätten sich die LTTE und 
die  Srilankische  Armee  mit  der  Zustimmung  zur  Einsetzung  der  Sri  Lanka 
Monitoring  Mission  (SLMM)  auf  ein  übergeordnetes,  neutrales  Gremium 
verständigt,  das  die  Einhaltung  der  Waffenruhe  und  die  Umsetzung  der 
friedensfördernden Massnahmen überwachen solle.

Zudem  könnten  Personen,  welche  Behelligungen  seitens  der  LTTE  ausgesetzt 
seien, bei den srilankischen Behörden um Schutz nachsuchen, da Straftaten wie 
Zwangsrekrutierung und damit verbundene Drohungen und Übergriffe unter Strafe 
stünden.  Dieser  Schutz  sei  dem  Beschwerdeführer  auch  weitgehend  gewährt 
worden. Zudem bestehe die Möglichkeit, sich an die SLMM oder die Human Rights 
Commission (HCR) zu wenden, um Unterstützung gegen Verfolgungen durch die 
LTTE zu erhalten. Diese Institutionen würden auch von den LTTE respektiert und 
würden sich dabei direkt an die vorgesetzten Verantwortlichen wenden.

Der  Beschwerdeführer  habe  die  Verfolgungen  der  Polizei  gemeldet  und  diese 

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habe das ihr Mögliche getan und interveniert,  weshalb die Vorbringen nicht dem 
Staat zugerechnet werden könnten und daher nicht asylrelevant seien.

Zudem seien von den LTTE ausgehende Behelligungen in  der Regel  lokal  oder 
regional  beschränkt,  womit  den  Betroffenen  grundsätzlich  eine  innerstaatliche 
Wohnsitzalternative  offen  stehe.  Dies  treffe  vorliegend  zu,  indem  der 
Beschwerdeführer  sich  nach  B._______  begeben  und  dort  die  letzten  sieben 
Monate bis zur Ausreise aufgehalten habe. Die LTTE bekämpften in jüngster Zeit 
kompromisslos alle "Abweichler" und "Verräter". Dieser Trend habe sich nach dem 
Bruch innerhalb der LTTE im März 2004 verstärkt. Dabei stünden namentlich vier 
Kategorien von betroffenen Personengruppen im Visier der LTTE, bei denen eine 
landesweite  Verfolgung  nicht  auszuschliessen  sei:  Desertierte  ehemalige 
hochrangige  LTTE-Mitglieder  respektive  Anhänger  der  verfeindeten  LTTE-
Fraktion,  Angehörige  regierungsfreundlicher  tamilischer  Gruppierungen, 
Mitarbeiter  des  srilankischen  Armee-  und  Polizeigeheimdienstes  und  kritische 
tamilische  Journalisten.  Der  Beschwerdeführer  falle  unter  keine  dieser 
Personenkategorien.  Insgesamt  sei  daher  nicht  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit von einer künftigen Verfolgung seitens der LTTE auszugehen.

Schliesslich seien die Schilderungen der Ereignisse aus den Jahren 1990, als der 
Bruder getötet  und das Elternhaus durch die SLA zerstört  worden sei,  Ausdruck 
der  damals  bürgerkriegsähnlichen  Ereignisse  zu  werten  und  stellten  keine 
Verfolgungsmassnahmen im Sinne des Asylgesetzes dar.

Insgesamt  würden  die  Vorbringen  daher  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht genügen.

4.2 In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  der  Sachverhalt  erneut  dargelegt  sowie 
ausgeführt,  es müsse im Falle von Sri Lanka davon ausgegangen werden, dass 
der Staat und dessen Armee selber Partei innerhalb eines Bürgerkrieges sei. Es 
müsse  daher  bezweifelt  werden,  ob  dieser  Staat  gegenüber  der  tamilischen 
Minderheit  überhaupt  schutzwillig  sei.  Die  mangelnde  Schutzbereitschaft  werde 
auch darin  ersichtlich,  dass das Militär  seit  etwa zwei  Jahren einen versteckten 
Krieg  gegen  die  LTTE  führe.  Obwohl  offiziell  noch  dem  Friedensabkommen 
verpflichtet,  setze der Staat tamilische Milizengruppen gegen die LTTE ein. Eine 
der wichtigsten Forderungen der LTTE - die Entwaffnung dieser Milizen - sei bis 
anhin nicht erfüllt worden.

Aus Sicht der srilankischen Sicherheitskräfte werde der Beschwerdeführer durch 
seine Tätigkeit sowie durch diejenige seiner zwei Brüder den LTTE zugerechnet. 
Dabei sei der militärische Geheimdienst in Zusammenarbeit mit den Milizen auch 
genau über feindlich und freundlich gesinnte Personen und Familien im Bilde. Der 
vom Bundesamt behauptete Schutzwille der srilankischen Behörden sei daher in 
dieser absoluten Form unzutreffend.

Der Beschwerdeführer, der sich von den LTTE ohne Erlaubnis entfernt habe, sei 
damit zwischen die Fronten geraten und würde nicht nur von den LTTE, sondern 
auch  von  der  staatlichen  Seite  verfolgt.  Beteuerungen,  von  den  LTTE  Abstand 

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genommen zu haben, würden nicht geglaubt.  Der Beschwerdeführer sei  vormals 
bei  den  LTTE aktiv  gewesen,  was die  Vorinstanz  nicht  bestreite.  Es stelle  sich 
zudem die  Frage,  ob eine  nichtstaatliche  Verfolgung  auch  asylrelevant  sei,  wie 
dies in der Lehre gefordert werde.

Sodann  habe  sich  die  Vorinstanz  mit  der  Verfolgungsfurcht  des 
Beschwerdeführers  nicht  vertieft  auseinandergesetzt.  Ein  unvoreingenommener 
Blick auf die Anhörungsprotokolle zeige widerspruchsfreie und präzise Angaben. 
So  habe  der  Beschwerdeführer  eingehend  aufzeigen  können,  dass  sich  die 
Bedrohungssituation  ab  August  2004  für  seine  Familie  verschärft  habe.  Dieser 
Zeitpunkt falle zusammen mit demjenigen, als der Friedensprozess zu kollabieren 
begonnen  habe.  Der  am  4.  Juli  2005  erfolgte  Anschlag  auf  das  Haus  der 
Schwiegereltern sei klar ein Anschlag auf den Beschwerdeführer gewesen, wobei 
nicht ganz sicher sei, ob dieser von den LTTE ausgegangen sei.

4.3

4.3.1 Vorweg ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die für den Zeitraum von 1990 
geltend gemachten Ereignisse - die Tötung des Bruders und die Zerstörung des 
Elternhauses - in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der SLA und 
den  LTTE  begründet  waren.  Von  diesen  Kampfhandlungen  war  die  ganze 
Bevölkerung  mehr  oder  minder  gleichermassen  betroffen,  mithin  stellen  solche 
Kriegsereignisse und deren Folgen praxisgemäss keine Verfolgungsmassnahmen 
im  Sinne  des  Asylgesetzes  dar,  zumal  diesen  vorliegend  auch  die 
flüchtlingsrechtiche Aktualität abzusprechen wären.

4.3.2 Gemäss Art. 3 AsylG wird auch als Flüchtling anerkannt, wer "begründete Furcht" 
vor zukünftiger Verfolgung hat. Vorliegend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer 
aufgrund der bisherigen Erlebnisse seitens der Sicherheitskräfte oder der LTTE im 
Heimatstaat weiterhin begründete Furcht vor künftiger Verfolgung geltend machen 
kann.  Eine  solche  Furcht  ist  dann  begründet,  wenn  eine  beachtliche 
Wahrscheinlichkeit  dafür  besteht,  dass  sich  die  befürchteten 
Verfolgungsmassnahmen  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 1993 Nr. 11, S. 71).

Diese  begründete  Furcht  hat  sowohl  eine  objektive  als  auch  eine  subjektive 
Komponente.  Als  Flüchtling  gilt,  "wer  in  einer  konkreten Situation so,  wie er  sie 
sehen  durfte  (objektivierendes  Element)  begründeten,  das  heisst  für  Dritte 
nachvollziehbaren Anlass hatte, Furcht (subjektive Komponente) vor Verfolgung zu 
hegen" (vgl. Walter Kälin, Grundriss des Asylverfahrens, Basel und Frankfurt  am 
Main  1990,  S. 142).  Dabei  genügt  es  nicht,  dass  diese  Furcht  lediglich  mit 
Vorkommnissen  oder  Umständen,  die  sich  früher  oder  später  möglicherweise 
ereignen  könnten,  begründet  wird.  Ob  im  konkreten  Fall  eine  solche 
Wahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu 
beurteilen.  Es  müssen  somit  hinreichende  Anhaltspunkte  für  eine  konkrete 
Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht 
vor  Verfolgung  und  damit  den  Entschluss  zur  Flucht  hervorrufen  würden  (vgl. 
BBl 1977  III  117;  Samuel  Werenfels,  Der  Begriff  des  Flüchtlings  im 
schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987, S. 287 ff., Kälin a.a.O., S. 143 ff.). Bei 

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der  Beurteilung  der  konkreten,  objektiven  Umstände  ist  auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  in  einem  Herkunftsland  zu  berücksichtigen  sowie  die 
"üblichen"  angewandten  Verfolgungsmuster  respektive  das  generelle  Verhalten 
der  staatlichen  Organe  gegenüber  vergleichbaren  Personen  oder  Gruppen  (vgl. 
Mario Gattiker, Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, Bern 1999, S. 78). In Bezug 
auf  die  subjektive  Komponente  der  Verfolgungsfurcht  ist  massgebend,  welche 
Befürchtungen  ein  vernünftig  denkender,  besonnener  Mensch  in  einer 
vergleichbaren,  durch  drohende  Verfolgungsmassnahmen  geprägten  Situation 
hätte  (vgl.  EMARK  1993  Nr.  6,  S.  37).  Allerdings  ist  nicht  einfach  das  fiktive 
Empfinden  einer  vernünftigen  Drittperson  in  vergleichbarer  Lage 
ausschlaggebend; mit zu berücksichtigen gilt es auch, was die betroffene Person 
bereits erlebt hat und über welches Wissen sie bezüglich allfälliger Konsequenzen 
der Verfolgung (der drohenden Haft, der drohenden Misshandlungen etc.) verfügt 
(vgl.  Gattiker,  a.a.O.,  S.  77).  Eine erlittene "Vorverfolgung"  ist  demnach bei  der 
Beurteilung angemessen zu berücksichtigen, auch wenn sie bereits einige Jahre 
zurückliegt.  Wer  bereits  zuvor  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt 
war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht als jemand, 
der  erstmals  in  Kontakt  mit  staatlichen  Sicherheitskräften  kommt  (EMARK 1993 
Nr. 11, S. 71).

Soweit Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure Gegenstand der Prüfung ist, kann 
gemäss einem von der ARK gefällten Grundsatzurteil (EMARK 2006 Nr. 18) eine 
solche Verfügung flüchtlingsrechtlich relevant  sein. Diese würde - auf Grund der 
Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes - aber voraussetzen, dass es der 
betroffenen  Person  nicht  möglich  ist,  im  Heimatland  Schutz  vor  dieser 
nichtstaatlichen Verfolgung zu finden. Solcher Schutz ist dann als ausreichend zu 
qualifizieren,  wenn  die  betroffene  Person  effektiv  Zugang  zu  einer 
funktionierenden  und  effizienten  Schutz-Infrastruktur  hat  und  ihr  die 
Inanspruchnahme  eines  solchen  innerstaatlichen  Schutzsystems  individuell 
zumutbar ist.

Seinen  Angaben  zufolge  ist  der  Beschwerdeführer  Anfang  2001  nach  einer 
Operation,  für  welche  er  von  den  LTTE  beurlaubt  worden  ist,  nicht  mehr  zur 
Organisation zurückgekehrt. In der Folge hat er sich in der Region E._______ und 
nach seiner Hochzeit in E._______ selber aufgehalten. In E._______ hat er auch 
sein  Taxiunternehmen  aufgebaut.  Weiter  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  im 
August und November 2004 sei jeweils ein Unbekannter zu Hause erschienen und 
habe ihm durch die Ehefrau ausrichten lassen, er solle sich in H._______ im Camp 
melden. Es ist jedoch kaum wahrscheinlich, dass die LTTE den Beschwerdeführer 
erst  ab Herbst  2004 wegen seiner Desertion Anfang 2001 gesucht,  verfolgt  und 
bedroht haben soll.  Dies gilt  um so mehr, als gemäss vorliegendem Sachverhalt 
der Beschwerdeführer innerhalb der LTTE keine ranghohe Position eingenommen 
hat,  mithin  die  LTTE  auch  vor  diesem  Hintergrund  kaum  ein  Interesse  daran 
gehabt  haben dürften,  ihn nach über  drei  Jahren noch wegen der  Desertion  zu 
belangen.  Zudem ist  davon auszugehen,  dass die LTTE den Beschwerdeführer, 
hätten  sie  ihn  wirklich  zur  Rückkehr  bewegen  respektive  wegen  Desertion 
bestrafen  wollen,  diesen  allein  aufgrund  seines  langjährigen  gleich  bleibenden 
Wohnsitzes und seiner in dieser Zeit  entfalteten unternehmerischen Tätigkeit  als 

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Taxifahrer  früher  gesucht  und  mit  höchster  Wahrscheinlichkeit  auch  gefunden 
hätten.  Es  ist  in  diesem  Zusammenhang  zudem  festzustellen,  dass  der 
Beschwerdeführer offenbar selber eine Verfolgung durch die LTTE nicht als sehr 
wahrscheinlich betrachtet  hat,  hat  er doch im Zeitraum von 2001 bis 2004 - wie 
ausgeführt  –  mit  seiner  Familie  einen  festen  Wohnsitz  gehabt  und  ein  eigenes 
Unternehmen  gegründet.  Gegen  ein  (im  Zeitpunkt  der  Ausreise)  aktuelles 
Interesse  der  LTTE  am Beschwerdeführer  spricht  auch,  dass  er  offenbar  ohne 
weitere  Probleme  über  deren  Checkpoints  nach  B._______  gelangen  konnte. 
Zudem hat sich der Beschwerdeführer vor dem Verlassen der Heimat noch etwas 
mehr  als  sieben  Monate  in  B._______  aufgehalten,  mithin  damit  eine  valable 
innerstaatliche  Ausweichmöglichkeit  genutzt.  Insgesamt  ist  daher  weder  für  den 
Zeitpunkt  der  Ausreise  noch  im  aktuellen  Zeitpunkt  davon  auszugehen,  der 
Beschwerdeführer müsse wegen seiner Desertion aus den Truppen der LTTE im 
Jahre  2001  mit  begründeter  Furcht  künftige  Verfolgung  gewärtigen.  Allein  der 
Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  allenfalls  (erneut)  von  den  LTTE  zu 
rekrutieren versucht worden ist - was das Auftauchen der unbekannten Person im 
Herbst  2004  erklären  könnte  -  vermag vorliegend  nicht  bereits  eine  begründete 
Furcht  im  genannten  Sinn  zu  bewirken,  zumal  er  diesen  lokalen 
Rekrutierungsversuchen - wie dargelegt - innerstaatlich ausweichen konnte. Eine 
begründete  Furcht  kann  letztlich  auch  nicht  aus  den  geltend  gemachten 
Nachstellungen  in  I._______  -  wo er  im April  2005  an  einer  Bushaltestelle  von 
Unbekannten  zum  Mitkommen  respektive  Gespräch  aufgefordert  und  bis 
J._______,  wohin  er  mit  dem  Bus  gefahren  sei,  verfolgt  und  mit  einer  Pistole 
bedroht  worden  sei  -  geschlossen  werden.  Dies  gilt  umso  mehr,  als  der 
Beschwerdeführer sich gemäss seinen Angaben hierbei Hilfe vom nahe gelegenen 
Polizeiposten  hat  holen  können.  Die  zuständigen  Polizeiorgane  haben  dabei 
ordnungsgemäss  gehandelt  und,  nach  erfolglosem  Versuch  der  Täterschaft 
habhaft zu werden, ein Protokoll erstellt. Dass die Täter offenbar auch später nicht 
eruiert werden konnten, kann vor diesem Hintergrund jedenfalls nicht als fehlender 
Schutzwille  interpretiert  werden.  Es  ist  weiter  festzuhalten,  dass  der 
Beschwerdeführer  sich nur vermutungsweise zu den Verfolgern  äussern konnte, 
dabei aufgrund der vorliegenden Sachlage nicht ohne weiteres auf die LTTE als 
Urheber geschlossen werden kann. Letztlich kann auch aus dem tragischen Tod 
der Ehefrau nicht auf eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung geschlossen 
werden.  Vielmehr ist  aufgrund der gesamten Sachlage davon auszugehen, dass 
es  sich  offenbar  um  ein  Ereignis  im  Zusammenhang  mit  den  erneut 
aufgeflackerten  Unruhen  in  den  Bürgerkriegsregionen  -  damit  können,  wie  auf 
Beschwerdeebene vermutet, sowohl die LTTE wie die staatlichen Sicherheitskräfte 
als Urheber für den Angriff in Frage kommen - gehandelt hat. Dass es sich, wie in 
der  Beschwerde  ausgeführt,  um  einen  gezielten  Anschlag  auf  den 
Beschwerdeführer  gehandelt  haben soll,  ist  demgegenüber  aufgrund der  obigen 
Ausführungen sowie auch deswegen nicht sehr wahrscheinlich, weil ein gezielter 
Anschlag  eine  konsequente  Beobachtung  des  Beschwerdeführers  durch  die 
Täterschaft  nötig  gemacht  hätte.  Gerade  aber  eine  solche  lückenlose  Kontrolle 
hätte  Kenntnis  darüber  gebracht,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  gar  nicht  in 
E._______ aufgehalten hatte. Dass der Beschwerdeführer allenfalls nicht (nur) von 
den LTTE, sondern  vom srilankischen Staat individuell  verfolgt  worden ist,  kann 
sodann angesichts dessen, dass die Polizeiorgane sowohl in I._______ als auch in 

10

E._______ die Ermittlungen zur Klärung der Vorfälle  aufgenommen haben, nicht 
als wahrscheinlich beurteilt werden. Die im Zusammenhang mit diesen Vorbringen 
eingereichten Beweismittel, wie die Todesanzeige der Ehefrau - welche amtsintern 
übersetzt  worden  ist  -,  vermögen  keine  anderen  Erkenntnisse  und 
Schlussfolgerungen zu bewirken.

Als  nicht  begründet  sind  sodann  die  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers  zu 
beurteilen,  wonach  er  allenfalls  von  ehemaligen  Mitabsolventen  des  LTTE-
Trainingslagers im Sommer 1999 nunmehr als Mitglied der LTTE bezichtigt werden 
könnte, zumal sich für eine solche Annahme in den Akten keinerlei Anhaltspunkte 
finden lassen und der Beschwerdeführer ausser einem anonymen Anruf keinerlei 
entsprechende Vorfälle nennen konnte.

4.3.3 Die auf  Beschwerdeebene eingereichte Wohnsitzbescheinigung vom 19.  Januar 
2005  sowie  der  Brief  der  Eltern  vom  Juni  2006  vermögen  zu  keiner  anderen 
Beurteilung  der  Schilderungen  zu  führen.  Dem  elterlichen  Schreiben  kann  nur 
Gefälligkeitscharakter  beigemessen  werden,  und  die  Angaben  in  der 
Wohnsitzbescheinigung  stimmen  offenbar  nicht  mit  den  entsprechenden 
mündlichen  Aussagen  des  Beschwerdeführers  überein.  So  wird  in  der 
Wohnsitzbescheinigung  zwar  die  Geburtsregion  in  der  Ostprovinz  (I._______) 
bestätigt.  Direkt  folgend  wird  dazu  bezogen  aufgeführt,  von  dort  sei  der 
Beschwerdeführer im Jahr 1996 weggezogen ("... he had displaced from there... in 
1996...").  Gemäss  den  in  der  Empfangsstelle  (S.  2)  protokollierten  mündlichen 
Angaben hat der Beschwerdeführer jedoch nur bis 1993 in seiner Geburtsregion in 
der  Ostprovinz,  danach  bis  1996  in  O._______  im  Norden  Sri  Lankas  gelebt. 
Sodann  bestätigt  die  Wohnsitzbescheinigung  einen  Wohnsitz  in  L._______ 
zwischen  1999  und  2002,  währenddem  der  Beschwerdeführer  in  der 
Erstbefragung angegeben hat, nur etwa zwischen Ende 1998 und Februar 1999 in 
L._______  im  M_______-Distrikt  gelebt  zu  haben  (Protokoll  Empfangsstelle, 
a.a.O.).

4.4 Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern 
können.  Zusammenfassend  folgt,  dass  die  Vorbringen  den  Anforderungen  von 
Art. 3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  genügen.  Die  Frage  der 
Glaubhaftigkeit der Vorbringen kann bei dieser Sachlage letztlich offen bleiben. Es 
ist  jedoch  der  Vollständigkeit  halber  -  und  entgegen  der  diesbezüglichen 
Auffassung in der Beschwerdeschrift - festzuhalten, dass in den Akten abgesehen 
von  den  oben  (Ziff.  4.3.3)  festgestellten  zeitlichen  Ungereimtheiten  weitere 
Hinweise  auf  Unglaubhaftigkeitsindizien  zu  finden  sind;  so  wirken  die 
Schilderungen  in  ihrer  Gesamtheit  konstruiert  und  sind  geprägt  von  einer 
auffälligen Häufung von unbekannten und zufälligen Elementen. 

Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers 
nach dem Gesagten zu Recht abgelehnt.

5.

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

11

es  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet  den Vollzug  an; 
dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 
AsylG).  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  möglich,  nicht  zulässig oder nicht 
zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den 
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 
Abs.  2  AsylG;  Art.  14a  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und 
Niederlassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20]). 

5.2 Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in 
den  Heimatstaat  noch  in  einen  Drittstaat  verbracht  werden  kann.  Er  ist  nicht 
zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des 
Ausländers  in  seinen  Heimat-,  Herkunfts-  oder  einen Drittstaat  entgegenstehen. 
Der Vollzug kann insbesondere nicht  zumutbar sein,  wenn er für  den Ausländer 
eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 ANAG).

5.3 Niemand darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in 
dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 
AsylG gefährdet sind oder in dem die Gefahr besteht, dass er zur Ausreise in ein 
solches Land gezwungen wird (Art. 5 Abs. 1 AsylG).

5.4 Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens 
vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder 
erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art.  3 
der  Konvention  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  vom 
4. November  1950  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder 
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.5 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die 
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 
2001 Nr. 21). 

5.6 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass 
der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die 
Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  M.  Gattiker,  a.a.O.  S.  89).  Da  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte 
Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in seinen Heimatstaat ist demnach unter 
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

5.7 Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen   noch  aus  den  Akten 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  seinen 
Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder 
Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis 
des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") 
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16, S. 122, 
m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in seinem Heimatstaat lässt den 

12

Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. 
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als 
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

5.8 Aus  humanitären  Gründen,  nicht  in  Erfüllung  völkerrechtlicher  Pflichten  der 
Schweiz,  wird  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  auch  verzichtet,  wenn  die 
Rückkehr  in  den  Heimatstaat  für  den  Betroffenen  eine  konkrete  Gefährdung 
darstellt.  Eine  solche  Gefährdung  kann  angesichts  der  im  Heimatland 
herrschenden allgemeinen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder 
durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  aufgrund  anderer 
Gefahrenmomente,  wie  beispielsweise  einer  notwendigen  medizinischen 
Behandlung, angenommen werden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das 
Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668).

5.9 Gemäss ständiger Praxis der Schweizer Asylbehörden (vgl. EMARK 2001 Nr. 16, 
S.  123,  Erw.  6  b  bb,  mit  weiteren  Hinweisen)  wird  eine  Rückschaffung 
abgewiesener Asylbewerber aus Sri Lanka in die im Norden der Insel gelegenen 
Gebiete H._______, N._______, E._______, M._______ und O._______ generell 
als unzumutbar erachtet. Zwar konnte am 22. Februar 2002 unter der Vermittlung 
Norwegens ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen werden,  was vorerst  zu 
einer Entspannung der Lage führte.  Indessen ist  aktuell  festzustellen,  dass sich 
die  Fronten  zwischen  den  beiden  ehemaligen  Bürgerkriegsparteien  wieder 
verhärtet  haben und namentlich  der  Ende Oktober  2006 in Genf unternommene 
Versuch  der  Wiederaufnahme der  Friedensgespräche und -bemühungen  vorerst 
fehlgeschlagen  ist.  Auch  in  Kenntnis  dieser  schwierigen  Situation  hält  das 
Bundesverwaltungsgericht  an  der  bisherigen  Praxis  fest,  wonach  die 
Rückschaffung abgewiesener Asylbewerber und -bewerberinnen aus Sri Lanka in 
die im Norden der Insel  gelegenen Gebiete  H._______,  N._______,  E._______, 
M._______ und O._______ unzumutbar, hingegen eine Rückführung in die übrigen 
Provinzen - insbesondere in den Grossraum B._______ - weiterhin grundsätzlich 
zumutbar  sei,  auch  wenn  sich  hier  nach  anfänglichen  Verbesserungen  die 
humanitäre  und politische  Situation  aufgrund  der  Tsunami-Vertriebenen  und der 
politischen Verschärfung der Lage wieder verschlechtert  hat (vgl.  auch  EMARK 
2006 Nr. 6).

5.10 Gemäss  den  Akten  verfügt  der  Beschwerdeführer  über  ein  Beziehungsnetz  in 
seiner  Heimat;  die  Eltern,  ein  Bruder  und  zwei  Schwestern  sowie  die 
Schwiegereltern und sein Kind leben in Sri Lanka. Es ist daher davon auszugehen, 
dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  -  selbst  wenn  die  erwähnten 
Verwandten noch im Norden und Osten leben sollten  -  mit  deren Unterstützung 
rechnen könnte.  Im Übrigen ist  darauf  hinzuweisen,  dass der  Beschwerdeführer 
vor seiner Ausreise ein eigenes Taxiunternehmen geführt  hat. Weiter hat er sich 
die letzten sieben Monate vor seiner Ausreise in B._______ aufgehalten und damit 
dort  vermutungsweise auch bekanntschaftliche Beziehungen aufgebaut.  Letztlich 
lebt  eine  Schwester  des  Beschwerdeführers  mit  einer  ausländerrechtlichen 
Bewilligung  in  der  Schweiz,  nachdem  ihr  Asylgesuch  vom  September  2001  am 
31. Januar 2002 abgewiesen worden war (Ref.-Nr. _______). Diese Fakten dürften 
dem Beschwerdeführer insgesamt beim Aufbau einer neuen Existenz in Sri Lanka 
mindestens  hilfreich  sein,  mithin  kann  vorliegend  nicht  von  einer  im  Fall  einer 

13

Rückkehr existenzbedrohenden Situation ausgegangen werden.

5.11 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar zu 
bezeichnen.

5.12 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung 
seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu 
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 
möglich zu bezeichnen ist.

5.13 Insgesamt  ist  die durch die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung zu bestätigen.  Die 
Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich 
bezeichnet.  Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme 
ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 ANAG).

6. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist 
nach dem Gesagten abzuweisen.

7. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem Beschwerdeführer 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Da  seine  Bedürftigkeit  belegt  ist  und  er 
gemäss Akten keiner geregelten Erwerbstätigkeit  nachgeht,  ist jedoch vorliegend 
das sinngemässe Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im 
Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gutzuheissen.  Von  der  Auferlegung  von 
Verfahrenskosten ist demnach abzusehen.

(Dispositiv folgende Seite)

14

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutgeheissen.

3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. Dieses Urteil geht an:

- den Rechtsvertreter, 2 Expl. (eingeschrieben)

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den  Akten 
Ref.-Nr.  _______  (über  die  Herausgabe  der  dort  eingereichten  Beweismittel 
entscheidet das BFM auf Gesuch hin) und Ref.-Nr. _______

- C._______

Der Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay