# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 561d0a9c-c8a7-55cf-bca5-bb1b6a6731ed
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-04-27
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 27.04.2010 S 2009 164
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2009-164_2010-04-27.pdf

## Full Text

S 09 164

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 27. April 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. … wurde am 24. September 1974 geboren und ist ledig. Die Versicherte 

begann eine Bäcker-/Konditorlehre, wobei sie nach eigenen Aussagen die 

Bäckerlehre abschloss, den Konditorteil jedoch abgebrochen hat. Bis im Juni 

1995 arbeitete sie an verschiedenen Stellen, danach bezog sie 

Arbeitslosentaggelder vom Juni 1995 bis im Mai 1996 sowie vom Januar 1997 

bis im April 1997. Am 9. Juni 1997 kam ihr Sohn … zur Welt. Seit der Geburt 

ihres Sohnes geht die Versicherte keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Seit 

dem 14. August 2006 ist ihr Sohn fremdplatziert.

2. Am 19. Januar 2001 meldete sich die Versicherte erstmals zum Bezug von 

IV-Leistungen an. Mit Verfügung vom 20. Juli 2001 wurde das Gesuch 

abgelehnt, da kein Gesundheitsschaden mit Krankheitswert vorliege. Am 26. 

Februar 2003 erfolgte eine weitere Anmeldung. Ein am 29. August 2003 von 

den Psychiatrischen Diensten Graubünden, Klinik Waldhaus, durchgeführter 

Intelligenztest ergab eine Gesamtintelligenz von IQ 65, was einer Debilität 

oder leichten Intelligenzminderung entspricht. Es wurde festgestellt, dass alle 

gemessenen Teilleistungen unter der unteren Normgrenze lägen, womit die 

Fähigkeit der Versicherten, wichtige Lebensaufgaben zu bewältigen, 

insgesamt mittelgradig eingeschränkt sei. Im Rahmen eines Erstgespräches 

zur Berufsberatung bzw. Arbeitsvermittlung vom 22. Januar 2004 konnte die 

Versicherte keine Angaben bezüglich ihrer Vorstellungen der persönlichen 

und beruflichen Zukunft machen. Gemäss dem Gesprächsprotokoll schien der 

Versicherten eine Umschulung nicht realistisch, zumal die Betreuung ihres 

Sohnes und der Haushalt maximal eine berufliche Tätigkeit von 50% erlauben 

würden. Im Arztbericht vom 12. Mai 2005 diagnostizierte Dr. med. … eine 

kombinierte Persönlichkeitsstörung, eine leichtgradige Intelligenzminderung 

sowie Epilepsie mit komplexpartiellen, teilweise sekundär generalisierten 

Anfällen unklarer Ätiologie. Die Arbeitsfähigkeit wurde in diesem Bericht auf 

50% festgelegt. Mit rechtskräftigen Verfügungen vom 10. November 2005 

wurde der Versicherten mitgeteilt, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen 

werde und dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe, da der IV-

Grad unter 40% liege.   

3. Am 4./6. Oktober 2006 reichte der Hausarzt, Dr. med. …, bei der IV-Stelle des 

Kantons Graubünden ein Gesuch für Rentenleistungen ein. Mit Vorbescheid 

vom 30. März 2007 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass eine erhebliche 

Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht glaubhaft dargelegt sei und 

deshalb auf das Gesuch nicht eingetreten werde. Der dagegen erhobene 

Einwand wurde gutgeheissen und auf das Gesuch eingetreten. In seinem 

Gutachten vom 15. Mai 2008 diagnostizierte Dr. med. … von den 

Psychiatrischen Diensten Graubünden, Klinik …, bei der Versicherten eine 

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend schizoiden und 

impulsiven Persönlichkeitszügen, bestehend seit dem späten Jugend- und 

frühen Erwachsenenalter. Ausserdem bestehe eine Temporallappen-

Epilepsie sowie dissoziative Krampfanfälle seit den Jahren 1996/1997 mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Tätigkeit als Bäckerin sei weder der 

Versicherten noch ihrem Umfeld zumutbar. Eine einfache, sich 

wiederholende, weitgehend gleich bleibende Tätigkeit wie z.B. am Fliessband 

sei in einem Rahmen von etwa drei bis fünf Stunden pro Tag zumutbar. Die 

Versicherte sei ihrem Arbeitsumfeld aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung nur 

bedingt zumutbar. Am 19. August 2008 erfolgte eine Haushaltsabklärung. Im 

Abklärungsbericht wird ausgeführt, die Versicherte mache anlässlich der 

Abklärung keine Angaben über eine mögliche Erwerbstätigkeit. Sie erkläre, 

was sie sicher alles nicht arbeiten wolle. Sie ertrage es nicht, mit anderen 

Menschen zusammen zu arbeiten. Die mögliche Erwerbstätigkeit ohne 

Behinderung werde zurzeit noch übernommen aus früheren Abklärungen. Die 

Versicherte habe im Jahre 2004 auf einer Erwerbstätigkeit von höchstens 

50% bestanden. Herr Capelli vom Regionalen Sozialdienst habe 

routinemässig auf eine Erwerbstätigkeit von 100% hingewiesen. Der Sohn sei 

ja nicht zu Hause, dadurch müsse sie ein volles Pensum arbeiten. 

 

4. Mit Vorbescheid vom 6. April 2009 wurde das Leistungsbegehren der 

Versicherten abgewiesen. Der dagegen am 19. Mai 2009 erhobene Einwand 

wurde mit Verfügung vom 22. September 2009 abgewiesen und der 

Vorbescheid bestätigt. Bei der Abklärung im Jahre 2004 habe die Versicherte 

geltend gemacht, dass sie höchstens zu 50% einer Erwerbstätigkeit 

nachgehen würde. Dem Vorbringen des Regionalen Sozialdienstes in der 

aktuellen Abklärung, die Versicherte müsste heute ohne Gesundheitsschaden 

einer Erwerbstätigkeit von 100% nachgehen, da ihr Sohn fremdplatziert sei, 

könne nicht gefolgt werden. Wäre die Versicherte gesund, so müsste ihr Sohn 

nicht fremdplatziert werden und demzufolge würde die Versicherte auch 

keiner Erwerbstätigkeit von 100% nachgehen, was zu folgender Gewichtung 

führe: 50% Erwerb und 50% Haushalt. Der im Rahmen des Einwandes 

durchgeführten psychiatrischen Begutachtung könne entnommen werden, 

dass die Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit während drei bis fünf 

Stunden täglich – entsprechend einem Pensum von 50% - arbeitsfähig sei. 

Mögliche Tätigkeiten seien z.B. Etikettendruckerin, Stanzerin oder Spetterin. 

Dabei sei es ihr möglich, bei einem Pensum von 50% jährlich Fr. 19'292.- zu 

erzielen. Ohne Gesundheitsschaden könnte sie bei einem Pensum von 50% 

gemäss dem Ansatz des Bundesamtes jährlich Fr. 37’500.- erzielen. Im 

Erwerb sei die Versicherte zu 48.55% eingeschränkt, im Haushalt zu 10.40%, 

entsprechend einem Teilinvaliditätsgrad von 24.27% bzw. 5.20%, woraus ein 

Invaliditätsgrad von 29.47% resultiere. Es bestehe deshalb kein 

Rentenanspruch.   

5. Gegen die Verfügung vom 22. September 2009 erhob die Versicherte am 29. 

Oktober 2009 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung sowie die Zusprechung einer Invalidenrente. Daneben wurde die 

unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung beantragt. Die 

Beschwerdeführerin würde ohne Vorliegen eines Gesundheitsschadens mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit 

von 100% nachgehen, denn anders als im Jahre 2004 müsste sie heute nicht 

mehr ein Kleinkind von 6.5 Jahren, sondern einen 12-jähriger Jüngling 

betreuen. Ab dem dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes hielten die 

Sozialbehörden eine allein erziehende Person an, einer Erwerbstätigkeit 

nachzugehen. Ab dem Eintritt ins Schulalter der Kinder werde von den 

Sozialbehörden im Falle einer allein erziehenden Mutter mit einem Kind in der 

Regel erwartet, dass sie einer Erwerbstätigkeit von mindestens 50% 

nachgehe, wobei stets der Einzelfall zu prüfen sei. Im Falle einer allein 

erziehenden Mutter eines 10-jährigen Kindes werde gar die Aufnahme eines 

Pensums von 100% als zumutbar erachtet, sofern keine hindernden Faktoren 

wie gesundheitliche Probleme oder die Betreuung mehrerer Kinder dem 

entgegenstünden. Wäre die Beschwerdeführerin gesund, würde demnach 

von der Sozialbehörde die Aufnahme eines vollen Arbeitspensums verlangt 

werden, weshalb die Beschwerdeführerin zu 100% erwerbstätig sein müsste 

und entsprechend auch würde. Die Behauptung der Vorinstanz, dass ihr Sohn 

bei fehlendem Gesundheitsschaden nicht fremdplatziert worden wäre, werde 

bestritten. Die Frage könne jedoch offen bleiben, denn unabhängig davon, ob 

ihr Sohn fremdplatziert wäre oder nicht, würde sie bei fehlendem 

Gesundheitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer vollen 

Erwerbstätigkeit nachgehen. Die vorinstanzliche Behauptung, die 

Beschwerdeführerin verspüre keinerlei Neigung, arbeiten zu gehen, werde 

bestritten. Eine entsprechende Aussage der Beschwerdeführerin ergebe sich 

nicht aus den Akten. Gemäss dem Abklärungsbericht habe sie lediglich 

erklärt, was sie sicher alles nicht arbeiten wolle. Sie ertrage es nicht, mit 

Menschen zusammen zu arbeiten. Auch im geschützten Rahmen ertrage sie 

keine Tätigkeit. Die Vorinstanz blende aus, dass bei der Beschwerdeführerin 

eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden sei. Ausgehend von dem in 

der angefochtenen Verfügung angenommenen Invalideneinkommen und 

Valideneinkommen bei einer Erwerbstätigkeit von 100% ergebe sich eine 

Invalidität von 74% und somit Anspruch auf eine volle Invalidenrente.

6. In ihrer Beschwerdeantwort vom 19. November 2009 beantragte die 

Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Auch ein 12-jähriges Kind 

benötige Betreuung. Seit dem Jahre 2004, als die Beschwerdeführerin bei 

dem Arbeitsvermittler der Invalidenversicherung angegeben habe, dass ihr 

die Betreuung ihres Sohnes und der Haushalt maximal eine berufliche 

Tätigkeit von 50% erlauben würden, habe sich die Situation aufgrund des 

Alters ihres Sohnes nicht dermassen verändert, dass diese Aussagen heute 

nicht mehr zu berücksichtigen seien. Dies gelte umso mehr, als die 

Beschwerdeführerin ausdrücklich auch den Haushalt als Grund, weshalb sie 

nicht voll erwerbstätig wäre, angegeben habe (und nicht nur die Betreuung 

des Kindes). Zwar forderten die SKOS-Richtlinien, dass eine Erwerbstätigkeit 

aufzunehmen sei, allerdings sei gerade bei dem bescheidenen Lebenswandel 

der Beschwerdeführerin nicht von vornherein davon auszugehen, dass sie 

(ohne Gesundheitsschaden) und ihr Sohn bei einem Pensum von 50% der 

Sozialbehörde zur Last fallen würden. Es sei aufgrund der allgemeinen 

Lebenserfahrung bekannt, dass allein erziehende Mütter eines 

schulpflichtigen Kindes tendenziell nicht einer vollen Erwerbstätigkeit, 

sondern einer Teilerwerbstätigkeit nachgingen. Die Beschwerdeführerin 

verspüre keinerlei Neigung, arbeiten zu gehen, obwohl dies teilzeitlich seit 

jeher möglich wäre. Es sei offensichtlich, dass sich der Sozialdienst dies zwar 

wünsche, die Beschwerdeführerin sich selbst aber keinesfalls ohne 

Gesundheitsschaden als Vollerwerbstätige sehe.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit 

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die vor-

instanzliche Verfügung vom 22. September 2009, in welcher das Begehren 

um Ausrichtung einer Invalidenrente abgewiesen wurde. Streitig und zu 

prüfen ist, ob die Vorinstanz die für die Berechnung des Invaliditätsgrades 

richtige Methode angewendet hat.

2. a) Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechtes [ATSG; SR 830.1] und Art. 

4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Ist 

ein Versicherter mindestens 40% invalid, so hat er Anspruch auf eine 

Viertelsrente; bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindestens 60% 

auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine Vollrente (Art. 28 Abs. 1 IVG). 

Für die Festsetzung des IV-Grads kommt es primär auf die wirtschaftliche 

Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG 

2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 E. 2.1). 

b) Bei Erwerbstätigen errechnet sich der Invaliditätsgrad nach der Methode des 

Einkommensvergleichs vor und nach der Behinderung (Art. 28a Abs. 1 IVG, 

Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten stellt Art. 28a Abs. 2 IVG 

darauf ab, in welchem Ausmass diese eingeschränkt sind, sich im bisherigen 

Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich mit spezifischer 

Methode). Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise im 

Haushalt tätig sind, kommt die sog. gemischte Methode zur Anwendung. Im 

Rahmen derselben bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im 

Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein 

Betätigungsvergleich vorgenommen wird (Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG) und eine 

Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten 

Teilinvaliditäten erfolgt (Art. 28a Abs. 3 IVG; Urteil des Bundesgerichts 

9C_686/2008 vom 4. November 2008 E. 3.2; BGE 130 V 396 E. 3.3 S. 396).

c) Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig     oder 

als nicht erwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei 

im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche 

Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass 

der Erwerbstätigkeit der Versicherten im Gesundheitsfall zugemutet werden 

könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre 

(BGE 133 V 504 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2008 vom 

25. November 2008 E. 3.1 m.w.H.). Entscheidend ist jene Tätigkeit, welche 

die Versicherte ausüben würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es ist 

demnach zu prüfen, ob die Versicherte ohne Gesundheitsschaden mit 

Rücksicht auf die gesamten Umstände (dazu gehören die persönlichen, 

familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse) überhaupt – und wenn ja 

mit welchem Anteil – erwerbstätig oder im Haushalt beschäftigt wäre (BGE 

117 V 194 E. 3b m.w.H.). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach 

den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung 

entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im 

Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im 

Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2008 

vom 25. November 2008 E. 3.1; BGE 130 V 393 E. 3.3; 125 V 146 E. 2c). Für 

die Beurteilung und Festlegung des von der Versicherten im Gesundheitsfall 

mutmasslich ausgeübten Aufgabenbereiches sind ausser der finanziellen 

Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit wiederaufzunehmen oder auszudehnen, 

auch allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das 

Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen 

Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Dabei sind die konkrete 

Situation und die Vorbringen der Versicherten nach Massgabe der 

allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen (BGE 117 V 194 E. 3b m.w.H.). Es 

gibt Tatsachen, mit deren Vorhandensein nach den Erfahrungen des Lebens 

so sehr zu rechnen ist, dass ihr Vorhandensein so lange vorausgesetzt 

werden darf, als nicht Umstände nachgewiesen sind, welche es 

unwahrscheinlich machen, dass sie sich verwirklicht haben. Es sind dies die 

Tatsachen, für welche die natürliche Vermutung spricht. Sie dürfen dem Urteil 

zugrunde gelegt werden, auch wenn sie nicht durch ein Beweismittel 

nachgewiesen sind (Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., 

Zürich 1958, S. 341). Diese zivilprozessuale Beweiswürdigungsregel ist auch 

im Sozialversicherungsrecht anzuwenden (BGE 117 V 194 E. 3b).

3. a) Während die Vorinstanz zur Berechnung des Invaliditätsgrades die sog. 

gemischte Methode unter gleichmässiger Berücksichtigung von Haushalt und 

Erwerbstätigkeit anwendete, bringt die Beschwerdeführerin vor, im 

Gesundheitsfall voll erwerbstätig zu sein, was die Anwendung der Methode 

des Einkommensvergleichs zur Folge hätte. 

b) In dem im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 19. August 2008 erstellten 

Abklärungsbericht wird ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin anlässlich 

der Abklärung keine Angaben über eine mögliche Erwerbstätigkeit gemacht 

habe, sondern nur erklärt habe, was sie sicher alles nicht arbeiten wolle. Für 

die mögliche Erwerbstätigkeit ohne Behinderung wird in diesem 

Abklärungsbericht auf eine Aussage der Beschwerdeführerin im Jahre 2004 

verwiesen, wo sie angeblich – so der Abklärungsbericht – auf einer 

Erwerbstätigkeit von höchstens 50% bestanden habe. Nach 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss ein solcher Berichtstext plausibel, 

begründet und detailliert sein (BGE 133 V 450 E. 11.1.1 betreffend die 

Hilflosenentschädigung). Sowohl nach bundesgerichtlicher als auch nach 

kantonaler Rechtsprechung ist es aufgrund der erheblichen Bedeutung der 

Berichte für die Sachverhaltsabklärung und somit für die 

Anspruchsbeurteilung angezeigt, dass die an Ort und Stelle erfassten 

Angaben der versicherten Person zur Durchsicht und Bestätigung vorgelegt 

werden (BGE 128 V 93 E.4 m.w.H.; VGU S 09 67; S 09 60; S 00 239). Die 

Aussage der versicherten Person zum Ausmass ihrer Erwerbstätigkeit im 

fiktiven Fall ihrer vollen Gesundheit anlässlich der Haushaltsabklärung hat nur 

dann ausreichenden Beweiswert, wenn sowohl die Fragestellung als auch die 

Antwort so protokolliert worden sind, dass überprüft werden kann, ob die 

versicherte Person die Frage nach einem fiktiven Sachverhalt verstanden und 

die für eine überzeugende Antwort notwendige Abstraktionsleistung erbracht 

hat. Fehlt im Bericht über die Haushaltsabklärung eine korrekte 

Protokollierung der Frage und der Antwort, entfaltet dieser Bericht 

diesbezüglich keinen oder nur einen unzureichenden Beweiswert (VGU S 09 

60).   

c) Im vorliegenden Fall wurde der Abklärungsbericht vom 19. August 2008 

offensichtlich nicht der Beschwerdeführerin zur Durchsicht und 

Unterzeichnung vorgelegt. Zudem fehlt die erforderliche Protokollierung der 

Fragestellung. Es ist gar nicht ersichtlich, ob die Frage nach der 

hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall überhaupt gestellt wurde. 

Mit Blick auf die Formulierung („Die mögliche Erwerbstätigkeit ohne 

Behinderung wird zur Zeit noch übernommen aus früheren Abklärungen.“) ist 

nicht davon auszugehen. Im Weiteren ist zweifelhaft, ob die 

Beschwerdeführerin für die Antwort auf die Frage nach der hypothetischen 

Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung 

überhaupt das notwendige Abstraktionsvermögen aufgebracht hätte. 

Schliesslich erfüllt der Abklärungsbericht vom 19. August 2008 auch die 

Anforderungen an die Begründung nicht. Mit keinem Wort wird erwähnt, 

weshalb die hypothetische Erwerbstätigkeit ohne Behinderung aus der 

früheren Abklärung im Jahre 2004 übernommen wird. Die Aussage, die 

Beschwerdeführerin habe im Jahre 2004 auf einer Erwerbstätigkeit von 

höchstens 50% „bestanden“, kann aufgrund der Akten ebenfalls nicht als 

erstellt gelten, wie sogleich ausführlich dargelegt werden wird (E. 3d). 

Aufgrund des Ausgeführten ist klar, dass der Abklärungsbericht vom 19. 

August 2008 bezüglich der hypothetischen Erwerbstätigkeit der 

Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall keinen oder nur einen 

unzureichenden Beweiswert entfaltet, weshalb nicht darauf abgestellt werden 

darf.

d) Für die hypothetische Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im 

Gesundheitsfall verweist der Abklärungsbericht vom 19. August 2008 wie 

gesagt auf Aussagen der Beschwerdeführerin im Rahmen des 

Erstgespräches vom 22. Januar 2004. Gemäss dem entsprechenden 

Gesprächsprotokoll konnte die Beschwerdeführerin keine Angaben bezüglich 

ihrer Vorstellungen der persönlichen und beruflichen Zukunft machen. Eine 

Umschulung erscheine ihr nicht realistisch, zumal die Betreuung ihres Sohnes 

und der Haushalt maximal eine berufliche Tätigkeit von 50% erlauben würden. 

Auch hier ist wiederum daran zu zweifeln, ob anlässlich dieses Gesprächs die 

Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall überhaupt 

gestellt wurde. Denn die protokollierten Aussagen der Beschwerdeführerin 

erfolgten zu ihrer (damaligen) tatsächlichen Situation unter Berücksichtigung 

des Haushaltes, der Kinderbetreuung sowie ihrer Krankheit. Zudem äusserte 

sich die Beschwerdeführerin lediglich im Hinblick auf eine allfällige 

Umschulung und nicht auf ihre hypothetische Erwerbstätigkeit im 

Gesundheitsfall. Angesichts des Gesagten, hätte bereits in den Verfügungen 

vom 10. November 2005, mit welchen die Arbeitsvermittlung abgeschlossen 

und der Anspruch auf eine Invalidenrente abgewiesen wurden, nicht auf das 

Gesprächsprotokoll vom 22. Januar 2004 abgestellt werden dürfen. Es erfüllt 

die beweisrechtlichen Anforderungen ebenfalls nicht.  

4. a) Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist folglich zu prüfen, ob 

die Beschwerdeführerin ohne Invalidität mit Rücksicht auf die gesamten 

Umstände überwiegend wahrscheinlich ganztägig oder bloss teilzeitlich 

erwerbstätig wäre. Während die Vorinstanz die Beschwerdeführerin im 

Gesundheitsfall als Teilerwerbstätige zu 50% betrachtet, sieht sich die 

Beschwerdeführerin selbst als Vollerwerbstätige. Fest steht, dass die 

Aussage im Gesprächsprotokoll im Jahre 2004 - selbst wenn sie korrekt 

erfolgt wäre - nicht unbesehen auf die heutigen Verhältnisse übertragen 

werden kann. Im Gegensatz zum Jahre 2004 hat die Beschwerdeführerin 

nicht mehr ein 6-jähriges Kind zu betreuen, vielmehr ist ihr Sohn mittlerweile 

12 Jahre alt. Diesem veränderten Umstand ist vorliegend Rechnung zu 

tragen. Der Beschwerdeführerin kann jedoch nicht gefolgt werden, wenn sie 

vorbringt, sie würde ungeachtet der Tatsache, ob sie ihren Sohn zu betreuen 

hätte oder nicht (Fremdplatzierung), eine Erwerbstätigkeit von 100% ausüben. 

Denn auch ein 12-jähriges Kind benötigt immer noch ein gewisses Mass an 

Betreuung, wenn auch nicht im selben Ausmass wie ein 6-jähriges Kind. 

b) Aufgrund der konkreten Umstände ist zunächst davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ihren Sohn selbst betreuen würde, 

denn beim Bestehen einer intakten Beziehung zwischen Mutter und Kind wird 

diese Beziehung in aller Regel in ein und demselben Haushalt gelebt. Zwar 

ist es durchaus denkbar, dass im konkreten Fall weitere Faktoren (und nicht 

nur die Persönlichkeitsstörung der Beschwerdeführerin) zur Fremdplatzierung 

geführt haben könnten. Vorliegend vermag die Beschwerdeführerin jedoch 

nicht darzulegen und es existieren auch keine Hinweise darauf, dass sich dies 

bei der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn anders verhalten würde. Damit 

drängt sich der Schluss auf, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Betreuung ihres Sohnes selbst 

wahrnehmen würde. Zu prüfen bleibt damit ferner, in welchem Umfang die 

Beschwerdeführerin neben der Betreuung ihres Sohnes einer 

ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Erwerbstätigkeit im 

Gesundheitsfall ist mit Rücksicht auf sämtliche Umstände des konkreten 

Falles zu prüfen, wobei es sich im Hinblick auf das Beweismass der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit weitgehend um eine Wertungsfrage 

handelt. Vorliegend wirkt für diese Beurteilung zunächst erschwerend, dass 

die Gesundheitsstörung bei der Beschwerdeführerin bereits seit ihrer Kindheit 

bzw. seit dem Jugendalter vorliegt (Arztbericht von Dr. med. … vom 10. 

Oktober 2003, S. 4; Gutachten der Klinik … vom 15. Mai 2008, S. 34). Ihre 

früheren Arbeitstätigkeiten erlauben daher keine Rückschlüsse auf ihre 

Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall. Angesichts der Erkrankung und der damit 

einhergehenden Schwierigkeiten bezüglich Arbeit und Arbeitsumfeld von 

fehlenden persönlichen Neigungen der Beschwerdeführerin zu sprechen, ist 

allerdings verfehlt. Die Vorinstanz bringt – wie erwähnt - jedoch zu Recht vor, 

dass auch ein 12-jähriges Kind einen gewissen Betreuungsaufwand benötigt. 

Dieser Betreuungsaufwand würde jedoch einer vollen Erwerbstätigkeit der 

Beschwerdeführerin entgegenstehen (vgl. S 09 131 E. 3d). Im Lichte des 

Gesagten kann – insbesondere aufgrund des (hypothetischen) 

Betreuungsaufwandes gegenüber ihrem Sohn – daher nicht von einer vollen 

Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall gesprochen werden. Ebenso erscheint 

jedoch eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit von lediglich 50% als 

unwahrscheinlich, hätte doch die Beschwerdeführerin kein Kleinkind mehr zu 

betreuen, sondern einen Knaben von 12 Jahren. Unter Berücksichtigung und 

Würdigung sämtlicher Umstände erscheint daher die Annahme einer 75%-

igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall vorliegend als die überwiegend 

wahrscheinlichste Hypothese.

c) Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird angewiesen, bei der erneuten 

Rentenberechnung von einer Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall von 75% 

auszugehen. Zudem wird die Vorinstanz genauer offen zu legen haben, 

welches Invalideneinkommen der Neuberechnung des Invaliditätsgrades 

zugrunde zu legen ist, denn vorliegend stützte sich die Vorinstanz zur 

Berechnung des Invalideneinkommens lediglich auf die nicht 

nachvollziehbaren Angaben des Berufsberates … im Case Report vom 1. 

April 2009, wonach das Invalideneinkommen bei einem Pensum von 50% 

jährlich Fr. 19'292.- betrage. Ebenfalls fragwürdig sind die mit Bezug auf den 

Berufsberater aufgezählten adaptierten Tätigkeiten Etikettendruckerin, 

Stanzerin oder Spetterin. Der Gutachter Dr. … spricht von möglichen 

einfachen Kontrolltätigkeiten bzw. Tätigkeiten am Fliessband als adaptierte 

Tätigkeiten. Allenfalls werden sich bei der erneuten Rentenberechnung 

Änderungen hinsichtlich des Invalideneinkommens ergeben.

5. In Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG ist gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Diese Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1'000.- festgelegt. 

Vorliegend setzt das Gericht die von der unterliegenden Vorinstanz zu 

tragenden Kosten auf Fr. 700.- fest. Aussergerichtlich schuldet die Vorinstanz 

der Beschwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung (Art. 61 lit. 

g ATSG), wobei die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingereichte 

Honorarnote vom 30. November 2009 über Fr. 1'280.45 (inkl. MWST) 

übernommen werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das 

Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung 

gegenstandslos. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die Verfügung vom 22. September 2009 

aufgehoben und die Angelegenheit zur Rentenneuberechnung an die IV-

Stelle zurückgewiesen. Die IV-Stelle wird angewiesen, der Neuberechnung 

eine hypothetische Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall von 75% zugrunde zu 

legen.

2. Die Kosten von Fr. 700.- gehen zulasten der IV-Stelle und sind innert 30 Tagen 

seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die IV-Stelle bezahlt … eine aussergerichtliche Parteientschädigung von Fr. 

1'280.45 (inkl. MWST).