# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abfe1bb8-de31-5b2b-b6e6-62a77dfd811b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.10.2011 E-1980/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1980-2008_2011-10-25.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­1980/2008

U r t e i l   v om   2 5 .   O k t ob e r   2 0 1 1  

Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richterin Emilia Antonioni;
Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic.

Parteien A._______, geboren am (…),
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
alle Sierra Leone,  
alle vertreten durch Antigone Schobinger, Rechtsanwältin, 
(…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen 
Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 
13. Februar 2008 / N (…) und N (…).

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Sachverhalt:

I.

Mit  Verfügung  vom  3.  März  2004  lehnte  das  damals  zuständige  BFF 
(Bundesamt  für  Flüchtlinge;  heute:  BFM)  die  Asylgesuche  der  die 
liberianische Staatszugehörigkeit behauptenden Beschwerdeführerin und 
ihres  erstgeborenen  Kindes  vom  24.  Februar  2004  ab  und  ordnete  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der Wegweisung  an. 
Das  Asylgesuch  des  nachgereisten  und  ebenso  die  liberianische 
Staatszugehörigkeit behauptenden Beschwerdeführers vom 6. März 2004 
wies das BFF mit Verfügung vom 12. März 2004 ebenfalls ab und ordnete 
die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. 
Auf  die  gegen  diese Verfügungen  erhobenen Beschwerden  vom  5. und 
14. März 2004  trat  die Schweizerische Asylrekurskommission  (ARK) mit 
Urteilen  vom  1.  April  2004  (betreffend  die  Beschwerdeführerin  und  ihr 
Kind)  beziehungsweise  vom  14.  April  2004  (betreffend  den 
Beschwerdeführer)  infolge  Nichtleistens  des  eingeforderten 
Kostenvorschusses nicht ein.

II.

Das  mit  Eingabe  vom  26.  September  2005  an  das  BFM  gestellte 
Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers, mit welchem er die 
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die wiedererwägungsweise 
Feststellung  der  liberianischen  Staatsangehörigkeit  und  die 
Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges für sich und seine Familie 
beantragte,  wies  das  BFM  mit  Verfügung  vom  27. Oktober  2005  ab. 
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

[Geburt des zweiten Kindes].

III.

Am  (…)  mandatierten  die  Beschwerdeführenden  die  rubrizierte 
Rechtsvertreterin  mit  der  Wahrung  ihrer  rechtlichen  Interessen 
betreffend Asyl und Aufenthalt.

Mit  Eingabe  vom  20. September  2007  an  das  BFM  stellten  die 
Beschwerdeführenden  ein  weiteres  Wiedererwägungsgesuch,  mit 
welchem  sie  insbesondere  die Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme 

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unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  beantragten.  Das  Wiedererwägungsgesuch 
begründeten  sie  einerseits  mit  neuen  Tatsachen  und  Beweismitteln 
(Staatsangehörigkeit  und  Herkunft  von  Sierra  Leone;  kritische 
allgemeine  Lage  dort;  Traumatisierung  der  beiden  Eltern  durch  den 
Bürgerkrieg), welche  sie  im Rahmen des  ordentlichen Asylverfahrens 
nicht  hätten  geltend  machen  können;  anderseits  wurden  erhebliche 
vollzugshinderliche Umstände geltend machten, die seit Abschluss des 
ordentlichen  Asylverfahrens  eingetreten  seien  (verschiedene 
gesundheitliche Beeinträchtigungen).

Dieses  Wiedererwägungsgesuch  wies  das  BFM  mit  Verfügung  vom 
5. Oktober 2007 unter Kostenfolge ab, soweit es darauf eintrat. Zudem 
erkannte  es  die  Verfügungen  vom  3. und  12. März  2004  als 
rechtskräftig und vollstreckbar, sprach einer allfälligen Beschwerde die 
Zuerkennung  der  aufschiebenden Wirkung  ab  und  lehnte  schliesslich 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab. 

Mit  gemeinsamer  Eingabe  vom  7. November  2007  (und  Ergänzung 
vom  9. November  2007)  erhoben  die  Beschwerdeführenden  gegen 
diese  vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde (Verfahren E­7567/2007 und E­7568/2007).

Im Rahmen eines Schriftenwechsels (Art. 57 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021]) hob das BFM – nachdem das Bundesverwaltungsgericht in 
seiner  Verfügung  vom  19.  November  2007  festhielt,  dass  ein  nicht 
unerhebliches  Potenzial  für  eine  Kassation  des  angefochtenen 
Entscheides  bestehe,  weil  nach  Ansicht  des  Gerichts  für  das  BFM  in 
keinem  Punkt  Veranlassung  bestanden  habe,  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  vom  20. September  2007  einzutreten,  und  da 
der  formell  zutreffende Nichteintretensteil  der  angefochtenen  Verfügung 
auf  einer  unzutreffenden  Gesetzesberufung  basiere – 
wiedererwägungsweise seinen angefochtenen Entscheid vom 5. Oktober 
2007  auf  und  ersetzte  diesen  durch  eine  neue  Verfügung  vom 
10. Dezember 2007, mit welcher es auf das Wiedererwägungsgesuch der 
Beschwerdeführenden  vom  24. September  2007  (recte:  20. September 
2007)  vollumfänglich  nicht  eintrat.  Zudem  hielt  es  fest,  dass  die 
Verfügungen  vom  3. und  12.  März  2004  rechtskräftig  und  vollstreckbar 
seien,  sprach  einer  allfälligen  Beschwerde  die  Zuerkennung  der 

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aufschiebenden  Wirkung  ab  und  lehnte  schliesslich  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab.

Mit  Abschreibungsentscheid  vom  17.  Dezember  2007  stellte  das 
Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  mit  Verfügung  des  BFM  vom 
10. Dezember 2007 der Anfechtungsgegenstand der Beschwerde vom 
7.  November  2007  weggefallen  und  das  Beschwerdeverfahren  daher 
als gegenstandslos geworden abzuschreiben sei.

IV.

A. 
Mit  Eingabe  vom  24.  Januar  2008  an  das  BFM  stellten  die 
Beschwerdeführenden  ein  weiteres  Wiedererwägungsgesuch,  mit 
welchem sie die wiedererwägungsweise Aufhebung der vorinstanzlichen 
Verfügung  vom  3. März  2004  respektive  vom  12. März  2004  sowie  die 
Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der 
Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
beantragten.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  sowie Abs.  2 
VwVG  ersucht.  Sodann  wurde  beantragt,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung  bis  zum  Entscheid  über  das  vorliegende 
Wiedererwägungsgesuch  zu  sistieren  und  der  weitere  Aufenthalt  der 
Beschwerdeführenden in der Schweiz zu bewilligen sei. Zur Stützung der 
geltend gemachten Vorbringen wurden folgende Dokumente  in Kopie zu 
den  Akten  gereicht:  Bestätigungsschreiben  (…)  Botschaft  von  Sierra 
Leone in [europäisches Land], vom 7. Dezember 2007, ärztlicher Bericht 
von E._______,  Facharzt  FMH  für Psychiatrie  und Psychotherapie,  und 
F._______, Psychotherapeut  (…), vom 10. Januar 2008, Austrittsbericht 
des  Kriseninterventionszentrums  (…)  vom  27. September  2007  sowie 
Bestätigungsschreiben der [Kantonale Behörde] vom 6. November 2007.

Zur  Begründung  des  Wiedererwägungsgesuchs  wurden  einerseits  die 
sierra­leonische  Staatsangehörigkeit  und  Herkunft  der 
Beschwerdeführenden,  was  aus  dem  beigebrachten 
Bestätigungsschreiben  des  (…)  Botschafters  von  Sierra  Leone  in 
[europäisches  Land]  vom  7. Dezember  2007  hervorgehe,  geltend 
gemacht;  anderseits  wurde  ausgeführt,  erhebliche  Umstände,  die  seit 
Abschluss  des  ordentlichen  Asylverfahrens  eingetreten  seien – 
insbesondere  die  Suizidalität  der  Beschwerdeführerin  seit  Ende 
September 2007 –,  führten zu einem Wegweisungsvollzugshindernis.  Im 

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Zeitpunkt der Einreichung des Gesuches vom 20. September 2007  (vgl. 
oben,  Ziff.  III)  habe  noch  keine  entsprechende  Diagnose  vorgelegen, 
obwohl  sich  der  psychische  Gesundheitszustand  der  traumatisierten 
Beschwerdeführerin  seit  Mitte  September  2007  markant  verschlechtert 
habe  und  sie  deshalb  am  18. September  2007  in  das 
Kriseninterventionszentrum (…) eingewiesen worden sei. Die Suizidalität 
sei  jedoch  erst  seit  dem  Klinikaufenthalt  absehbar  gewesen.  Dem 
Austrittsbericht vom 27. September 2007 sei zu entnehmen, dass bei ihr 
eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden sei. Dem 
ergänzenden  Arztbericht  vom  7.  November  2007  sei  ferner  zu 
entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  wechselnd  in  der  Intensität, 
jedoch  ständig  suizidgefährdet  und  damit  auf  eine  psychiatrische  und 
medikamentöse Behandlung angewiesen sei. Der Bericht von E._______ 
und  F._______  vom  10.  Januar  2008  bestätige,  dass  bei  der 
Beschwerdeführerin  seit  etwa  Mitte  Oktober  2007  wiederholt  und 
zunehmend  manifeste  Suizidabsichten  bestünden  und  seit  Mitte 
November 2007 die Intensität der Suizidalität kontinuierlich zugenommen 
habe.  Es  seien  bei  ihr  eine  schwere  chronische  posttraumatische 
Belastungsstörung  sowie  schwere  depressive  Episoden  assoziiert  mit 
akuter Suizidalität diagnostiziert worden. Beim Abbruch der angezeigten 
und  laufenden  Medikation  sei  mit  einer  weitgehenden  psychischen 
Dekompensation zu rechnen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit führe dies zu 
Suizidhandlungen. Der rechtserhebliche Sachverhalt habe sich nach dem 
Gesagten seit dem ursprünglichen Asylentscheid des BFM vom 3. März 
2004  (und  auch  seit  dem  Wiedererwägungsentscheid  vom  20. 
beziehungsweise  21.  September  2007)  insofern  verändert,  als  sich  die 
vorbestehenden  psychischen  Störungen  der  Beschwerdeführerin  neu  in 
akuter Suizidalität niederschlagen hätten (Suizidalität gehöre jedoch nicht 
notwendig  zu  den  festgestellten  psychischen  Störungen  und  sei  bei 
Therapiebeginn  auch  nicht  absehbar  gewesen).  Die  Zumutbarkeit  und 
Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges nach Sierra Leone sei nunmehr 
einerseits  vor  dem  Hintergrund  der  Behandlungsanforderungen  und 
andererseits  im  Hinblick  auf  die  Behandlungsmöglichkeiten  dort  zu 
beurteilen.  Gemäss  Arztbericht  vom  10.  Januar  2008  sei  die 
Beschwerdeführerin  auf  intensive  und  engmaschige 
gesprächstherapeutische  Betreuung  sowie  auf  eine  intensive 
antisuizidale  Psychopharmakatherapie  angewiesen.  Im  Falle  akuter 
Suizidabsichten  sei  eine Krisenintervention mit  geeignetem Betreuungs­ 
und  Behandlungssetting  (gegebenenfalls  Hospitalisation)  ins  Auge  zu 
fassen. In Sierra Leone sei die benötigte medizinische Versorgung indes 
nicht  verfügbar.  Wie  aus  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 

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Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 16 
hervorgehe,  sei  eine  psychiatrische  Versorgung  in  weiten  Teilen  von 
Sierra  Leone  nicht  gewährleistet;  das  Kissy  Mental  Hospital  sei  die 
einzige  auf  mentale  Erkrankungen  spezialisierte  Klinik;  die  dort 
praktizierten  Behandlungsmethoden  seien  archaisch  und  wenig 
fachmännisch;  in  dieser  Klinik  habe  im  Januar  2005  ein  einziger 
Psychiater gearbeitet. Gemäss dem Bericht von Julia Mackenzie, Sierra 
Leone`s  failing health,  in: BBC News, vom 1. April 2007, seien  in Sierra 
Leone  weder  stationäre  noch  ambulante  Therapien mit  entsprechender 
Ausrichtung  für  akut  suizidale  Personen  mit  einer  posttraumatischen 
Belastungsstörung  verfügbar.  Sodann  sei  anzumerken,  dass  das 
"Gesundheitswesen" in Sierra Leone weitgehend privatisiert sei und dass 
die  Kosten  der  medizinischen  Grundversorgung  die  finanziellen 
Möglichkeiten  der  meisten  Personen  übersteigen  würden.  Die 
Beschwerdeführenden seien aber ohnehin mittelos und daher selbst dann 
nicht  in der Lage, die benötigten medizinischen Dienste  in Anspruch zu 
nehmen, wenn  es  sie  geben würde.  Im Übrigen  basiere  die Suizidalität 
der  Beschwerdeführerin  nicht  primär  auf  der  derzeitigen Drucksituation, 
auch  wenn  regelmässig  erst  Drucksituationen  den  Umschlag  von 
passiver  in  aktive  Suizidalität  veranlassen  würden.  Es  gehe  im 
vorliegenden Fall nicht um eine rein situative Suizidneigung, welche nach 
erfolgter  Rückschaffung  verpuffe,  sondern  um  eine  lebensbedrohliche 
psychische Störung, die  in Sierra Leone nicht behandelt werden könne. 
Deshalb  könnten  flankierende  Massnahmen,  welche  bei  der 
Ausschaffung  zur  Anwendung  gelangen  würden,  nichts  an  der 
Selbstgefährdung  der  Beschwerdeführerin  ändern.  Schliesslich  sei  das 
vorliegende Gesuch nach Treu und Glauben rechtzeitig gestellt worden.

B. 
Mit Verfügung  vom 13.  Februar  2008 –  eröffnet  am 21. Februar  2008 – 
wies  das  BFM  auch  dieses  Wiedererwägungsgesuch  der 
Beschwerdeführenden,  soweit  darauf  einzutreten  sei,  unter  Kostenfolge 
ab, erkannte die Verfügungen vom 3. und 12. März 2004 als rechtskräftig 
und  vollstreckbar,  erhob  eine  Gebühr  in  Höhe  von  Fr.  1'200.–,  sprach 
einer  allfälligen  Beschwerde  die  Zuerkennung  der  aufschiebenden 
Wirkung  ab  und  lehnte  schliesslich  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege ab. Zur Begründung führte das Bundesamt 
aus, dass vorliegend kein plausibler Grund ersichtlich sei, weshalb es den 
Beschwerdeführenden  trotz  zumutbarer  Sorgfalt  nicht  möglich  gewesen 
sei,  Beweismittel  wie  das  Bestätigungsschreiben  des  (…)  Botschafters 
von  Sierra  Leone  in  [europäisches  Land]  früher  einzureichen.  Dieses 

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Beweismittel  stelle  deshalb gemäss Art. 66 Abs.  3 VwVG keinen Grund 
dar,  der  zu  einer  wiedererwägungsweisen  Überprüfung  der 
rechtskräftigen Verfügung Anlass  geben  könne. Des Weiteren  habe  die 
Beschwerdeführerin, obwohl sie sich seit einigen Jahren  in der Schweiz 
befinde,  erst  im  Rahmen  der  Vorbereitungshandlungen  des 
Wegweisungsvollzugs  angegeben,  dass  sie  eine  sierra­leonische 
Staatsangehörige  sei  und  gefälschte  Dokumente  hierzu  eingereicht. 
Selbst wenn  die Beschwerdeführerin  aus Sierra  Leone  stamme,  sei  sie 
bis dato nicht bereit gewesen,  ihren wahren Herkunftsort  innerhalb  ihres 
angeblichen  Heimatlandes  preiszugeben.  Im  Übrigen  sei  ihre 
Reisefähigkeit erst im Zeitpunkt des Wegweisungsvollzugs zu beurteilen. 

C. 
Mit Schreiben vom 7. Februar 2008 [recte: 7. März 2008] an [kantonales 
Migrationsamt]  stellte  das BFM  fest,  dass  die Beschwerdeführenden an 
den  "zentralen  Befragungen  Sierra  Leone"  (Interviews  zur  Klärung  der 
Staatsangehörigkeit unter Mitwirkung einer Delegation von Sierra Leone) 
vom  26.  Februar  2008  teilgenommen  hätten  und  seitens  der  sierra­
leonischen  Delegation  keine  Zweifel  bestünden,  dass  sie  aus  Sierra 
Leone stammen würden. 

D. 
Mit Eingabe vom 25. März 2008 erhob die Rechtsvertreterin namens und 
im  Auftrag  der  Beschwerdeführenden  gegen  die  vorinstanzliche 
Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte 
dabei  die  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheides  und  die 
wiedererwägungsweise  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter 
Feststellung  der  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  nach  Sierra  Leone;  eventualiter  sei  die 
Vorinstanz anzuhalten, über ihre Schlussfolgerung aus der Befragung der 
Beschwerdeführenden  durch  die  Botschaft  von  Sierra  Leone  in 
[europäisches  Land]  vom  26.  Februar  2008  Auskunft  zu  geben; 
subeventualiter  sei  das  Beschwerdeverfahren  zu  sistieren,  bis  die 
Behörden  die  Staatsangehörigkeit  und  Herkunft  der 
Beschwerdeführenden  als  festgestellt  erachteten.  In  prozessualer 
Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 
von  Art. 65  Abs.  1  und  Abs.  2  VwVG,  um  Zuerkennung  der 
aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  um  Aussetzung  des 
Wegweisungsvollzuges ersucht. 

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Zur  Begründung  wurde  insbesondere  ausgeführt,  dass  sich  seit  dem  
Erlass  des  negativen  Asylentscheids  vom  3.  März  2004  der 
rechtserhebliche  Sachverhalt  massgeblich  verändert  habe.  Die 
Beschwerdeführerin  sei  –  wie  bereits  im  Wiedererwägungsgesuch 
gestützt  auf  die  eingereichten  Arztberichte  geltend  gemacht  wurde – 
seit  Ende  September  2007  suizidal  (im  Gegensatz  zum 
Beschwerdeführer,  bei  welchem  es  bereits  früher  zu  einem 
Suizidversuch  gekommen  sei).  Aus  dem  ärztlichen  Bericht  von 
E._______ und F._______ vom 7. November 2007 gehe hervor, dass 
die  Beschwerdeführerin  wechselnd  in  der  Intensität,  jedoch  ständig 
suizidgefährdet und damit auf eine psychiatrische und medikamentöse 
Behandlung angewiesen  sei.  Zudem sei  dem Bericht  vom 10.  Januar 
2008  weiter  zu  entnehmen,  dass  sich  ihr  Gesundheitszustand  seit 
Oktober 2007 in relativ kurzer Zeit gravierend verschlechtert habe. Die 
psychischen Störungen äusserten sich seither zusätzlich auch in Form 
von  Suizidalität.  Deren  Intensität  habe  seit  Mitte  November  2007 
kontinuierlich  zugenommen  und  bleibe  kurz­  und  mittelfristig  hoch. 
Zusammengefasst  leide  die  Beschwerdeführerin  an  einer  schweren 
chronischen  posttraumatischen  Belastungsstörung  und  an  schweren 
depressiven  Episoden  assoziiert  mit  akuter  Suizidalität.  Bei  Abbruch 
der  angezeigten  Medikation  sei  mit  einer  weitgehenden  psychischen 
Dekompensation  und  mit  Suizidhandlungen  zu  rechnen.  Ohne 
kontinuierliche und nachhaltige gesprächstherapeutische Aufarbeitung 
würde  sich  die  posttraumatische  Belastungsstörung  weiter  zu  einer 
andauernden  Persönlichkeitsänderung  entwickeln.  Ein  solcher 
Krankheitsverlauf chronifiziere die Suizidalität der Beschwerdeführerin. 
Die  Entwicklung  selbstgefährdender  Tendenzen  sei  bei 
Therapiebeginn  nicht  absehbar  gewesen.  Das  Risiko  einer 
wesentlichen  Verschlechterung  des  Gesundheitszustands  der 
Beschwerdeführerin  sei  im  Falle  einer  Rückschaffung  folglich  nicht 
spekulativ,  sondern  handfest  und  hoch.  Zu  den 
Behandlungsmöglichkeiten  in  Sierra  Leone  sei  –  wie  bereits  im 
Wiedererwägungsgesuch  –  insbesondere  auf  EMARK  2006  Nr. 16 
sowie den Bericht  von Julia Mackenzie, Sierra Leone`s  failing health, 
in: BBC News,  vom 1. April  2007  verwiesen  (vgl. Bst. A).  Im Übrigen 
halte  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  dass  die 
Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  bis  zu  diesem 
Zeitpunkt nicht abschliessend geklärt worden sei. Aus den Akten gehe 
jedoch  hervor,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden  am  26.  Februar 
2008 nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung einer Befragung 
mit einer Delegation aus Sierra Leone unterzogen hätten und dabei als 

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sierra­leonische  Staatsangehörige  anerkannt  worden  seien 
(vgl. Bestätigungsschreiben  der  sierra­leonischen  Botschaft  in 
[europäisches  Land]  vom  7.  Dezember  2007).  Daher  könne  den 
Ausführungen  der  Vorinstanz,  das  vorgebrachte 
Wegweisungsvollzugshindernis  sei  wegen  der  unbekannten  Herkunft 
der  Beschwerdeführenden  keiner  inhaltlichen  Prüfung  zugänglich, 
nicht  gefolgt  werden.  Schliesslich  hänge  die  Suizidgefährdung  der 
Beschwerdeführerin  nicht  von  der  psychischen  Drucksituation  im 
Vorfeld  oder  von  einer  Ausschaffung  ab,  sondern  sei  durch  eine  tief 
angelegte  Störung  bedingt,  was  eine  medikamentöse  Abfederung 
während  der  Rückschaffung  nicht  beseitige.  Flankierende 
Massnahmen  bei  der  Ausschaffung  würden  nichts  an  der  in  Sierra 
Leone  angeblich  nicht  austilgbaren  Selbstgefährdung  der 
Beschwerdeführerin ändern.

E. 
Mit Telefax vom 27. März 2008 setzte das Bundesverwaltungsgericht den 
Vollzug der Wegweisung im Sinne einer superprovisorischen Massnahme 
einstweilen aus.

F. 
Mit Verfügung vom 10. April  2008 setzte das Bundesverwaltungsgericht 
den  Vollzug  der  Wegweisung  aus  und  hielt  fest,  die 
Beschwerdeführenden  könnten  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten.  Ferner  hiess  es  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  gut,  wies  allerdings  dasjenige  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  ab  und  verzichtete 
sodann  auf  die Erhebung  eines Kostenvorschusses.  Schliesslich  lud  es 
die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.

G. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  23.  Mai  2008  führte  das  BFM  aus,  es 
treffe  zu,  dass  sich  die Beschwerdeführerin  am 26.  Februar  2008  einer 
Befragung  mit  einer  sierra­leonischen  Delegation  unterzogen  habe  und 
dabei als sierra­leonische Staatsangehörige anerkannt worden sei. Es sei 
allerdings  kein  plausibler  Grund  ersichtlich,  weshalb  es  den 
Beschwerdeführenden  seit  der  Einreichung  ihres  Asylgesuchs  nicht 
möglich  gewesen  sei,  geeignete  Beweismittel  zum  Nachweis  ihrer 
Herkunft bereits im Rahmen des ordentlichen Verfahrens zu den Akten zu 
reichen.  Jedoch  stelle  auch  die  nunmehr  feststehende  sierra­leonische 
Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  gemäss  Art.  66  VwVG 

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keinen Grund dar, der zu einer wiedererwägungsweisen Überprüfung der 
rechtskräftigen  Verfügung  im  Hinblick  auf  allfällige 
Wegweisungsvollzugshindernisse  Anlass  geben  könnte.  Im  Übrigen  sei 
der  wahre  Herkunftsort  innerhalb  von  Sierra  Leone  immer  noch  nicht 
bekannt. 

H. 
Mit Eingabe vom 24. Mai 2008 an das Bundesverwaltungsgericht reichte 
die  Rechtsvertreterin  folgende  Dokumenten  zu  den  Akten,  welche  die 
anhaltende  drastische  psychiatrisch­psychologische  Unterversorgung  in 
Sierra  Leone  verdeutlichen  würden:  einen  Bericht  des  United  Nations 
High  Commissioner  for  Human  Rights  (UNHCHR)  betreffend  Sierra 
Leone  vom  26.  Februar  2008  sowie  eine  Zusammenfassung  eines 
Dokumentarfilms zur Versorgung in Sierra Leone vom 20. März 2008. 

I. 
Mit  Verfügung  vom  27.  Mai  2008  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht 
den  Beschwerdeführenden  die  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  zu  und 
räumte ihnen Gelegenheit ein, hierzu Stellung zu nehmen. 

J. 
Mit Replikeingabe vom 8. Juni 2008 nahm die Rechtsvertreterin wie folgt 
Stellung:  Die  nunmehr  feststehende  Staatsangehörigkeit  der 
Beschwerdeführenden  selbst  bilde  nicht  den  Wiedererwägungsgrund, 
dessen  Geltendmachung  an  Bedingungen  geknüpft  sei,  sondern 
Voraussetzung  der  Überprüfbarkeit  des  Vorliegens  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses.  Der  Wiedererwägungsgrund  sei 
vorliegend  die  Suizidalität  der  Beschwerdeführerin.  Ausserdem  sei  den 
diversen  zu  den  Akten  gegebenen  Beweismitteln  zu  entnehmen,  dass 
selbst  in  Freetown  –  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Familie  kämen 
allerdings  aus  G._______–  die  Versorgung  nicht  gewährleistet  sei, 
welche  die Beschwerdeführerin  zur  auch  nur  ansatzweisen Behandlung 
der  diagnostizierten  schweren  chronischen  posttraumatischen 
Belastungsstörung  assoziiert  mit  akuter  Suizidalität  benötige.  Die 
Vorinstanz  habe  sich  –  trotz  des  Hinweises  des 
Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Verfügung  vom  10. April  2008 – 
weder  zum  Sachverhalt  der  Suizidalität  nach  einer  hypothetischen 
Rückschaffung noch zur Rechtsfolge dieser Einschätzung geäussert.  Im 
Übrigen  habe  der  Therapeut  der  Beschwerdeführerin  auf  Anfrage  hin 
mitgeteilt,  dass  sich  ihr  gesundheitlicher  Zustand  in  keiner  Weise 
verbessert habe. 

E­1980/2008

Seite 11

K. 
Mit  Eingabe  vom 4. März  2009  reichte  die Rechtsvertreterin  den  in  der 
Eingabe vom 24. Mai 2008 erwähnten Dokumentarfilm zur psychiatrisch­
psychologischen  Unterversorgung  in  Sierra  Leone  auf  DVD  ein.  Ferner 
habe sich gemäss Auskunft des behandelnden Therapeuten, F._______, 
vom  2.  Februar  2009  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführer 
nicht  verändert. Vor dem Hintergrund der psychiatrisch­psychologischen 
Verhältnisse  in  Sierra  Leone  sei  eine  Rückschiebung  der 
Beschwerdeführerin mithin nicht zulässig. 

L. 
Die Rechtsvertretung  reichte mit Eingabe vom 1. Dezember 2009 sowie 
E­Mail  vom 3. Dezember  2009  an  das Bundesverwaltungsgericht  einen 
Austrittsbericht  von  Dr.  med.  H._______,  Assistenzarzt,  (...),  vom 
24. August 2009 zu den Akten, gemäss welchem die sehr ängstliche und 
verschlossene Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Selbsteinweisung ins 
Krankenhaus  an  akutem Drehschwindel  und  rezidivierendem Erbrechen 
gelitten  habe.  Nach  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  sei  die 
Beschwerdeführerin nicht mehr  fähig gewesen,  zu stehen und habe auf 
der  Tragbahre  eingeliefert werden müssen.  Im Krankenhaus  sei  sie mit 
Medikamenten beruhigt geworden und habe zur Beobachtung eine Nacht 
auf  der  Notfallstation  bleiben  müssen.  Die  Ursache  sei  gemäss  dem 
eingereichten Bericht unklar, jedoch werde vermutet, dass der Schwindel 
gegebenenfalls  psychisch  bedingt  gewesen  sei.  Laut  den Angaben  des 
Therapeuten  der  Beschwerdeführerin,  F._______,  sei  die 
Beschwerdeführerin  ohne  die  intensive  antisuizidale 
Psychopharmakatherapie,  welche  die  Gesprächstherapie  begleite, 
extrem suizidal und fragmentiert oder sogar randpsychotisch. 

M. 
Mit  Eingabe  vom  18.  März  2009  teilte  die  Rechtsvertreterin  dem 
Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  der  Beschwerdeführerin  Ende 
Februar 2009  innerhalb weniger Tage alle Kopfhaare ausgefallen seien. 
Der behandelnde Therapeut, F._______, sei der Ansicht, der Haarausfall 
sei  psychisch  bedingt,  zumal  der  gesundheitliche  Zustand  der 
Beschwerdeführerin unverändert schlecht sei. 

N. 
Das Bundesverwaltungsgericht forderte mit Verfügung vom 13. Juli 2011 
die  Beschwerdeführenden  auf,  einen  aktuellen  Arztbericht  den  Zustand 

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Seite 12

der  Beschwerdeführerin  betreffend  sowie  eine  allfällige  Kostennote 
einzureichen. 

O. 
Mit Eingabe vom 19. September 2011 reichte die Rechtsvertreterin einen 
Ergänzungsbericht  von  E._______  und  dem  Psychotherapeuten  der 
Beschwerdeführerin, F._______, vom 14. September 2011 zu den Akten, 
dem  zu  entnehmen  ist,  dass  die  im  Bericht  vom  10.  Januar  2008 
gestellten  Diagnosen  nach  wie  vor  Gültigkeit  beanspruchen  würden. 
Zusätzlich  habe  sich  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin 
verschlechtert.  Die  engmaschige  psychotherapeutische  und 
medikamentöse  Behandlung  habe  aber  immerhin  zu  einer  leicht 
stabilisierenden Wirkung führen können. Die Fortsetzung sei nach wie vor 
dringend nötig und sinnvoll. Ein Abbruch der Medikation würde zu einer 
psychischen  Dekompensation  führen.  Ohne  kontinuierliche  und 
nachhaltige  gesprächstherapeutische  Aufarbeitung  könnte  sich  die 
posttraumatische  Belastungsstörung  weiter  zu  einer  andauernden 
Persönlichkeitsänderung  entwickeln,  was  die  Suizidalität  der  Patientin 
chronifiziere.  Die  Rechtsvertreterin  führte  sodann  aus,  der  im 
Ergänzungsbericht  aufgezeigte  Krankheitsverlauf  bestätige  auch,  dass 
die Suizidalität der Beschwerdeführerin auf einer psychischen Erkrankung 
und nicht  primär auf  einer punktuellen Drucksituation basiere. Zu Frage 
der  Behandelbarkeit  der  Erkrankung  in  Sierra  Leone  werde  auf  die 
Beschwerdeeingabe und die eingereichten ergänzenden Stellungnahmen 
verwiesen.  Ergänzend  sei  zudem  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  die 
beiden  Kinder  derweil  sehr  gut  in  der  Schweiz  integriert  hätten.  Zur 
Stützung  der  geltend  gemachten  Vorbringen  wurden  zwei 
Bestätigungsschreiben  in  Kopie  von  der  Kindergärtnerin  I._______  vom 
15. September  2011  sowie  vom  Klassenlehrer  J._______  vom  19. 
September 2011 die Kinder betreffend zu den Akten gereicht. 

P. 
Mit Eingabe vom 22. September 2011 an das Bundesverwaltungsgericht 
reichte die Rechtsvertreterin folgende, in der Eingabe vom 19. September 
2011  in  Aussicht  gestellte  Unterlagen  ein:  Bestätigungsschreiben  im 
Original   von  der  Kindergärtnerin  I._______  vom  15. September  2011 
sowie  eine  Bescheinigung  des  [Sportclub]  vom  7.  September  2011  die 
Kinder betreffend.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

E­1980/2008

Seite 13

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998  [AsylG, SR 142.31]  i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  bisheriger  Praxis 
letztinstanzlich  auch  Beschwerden  gegen  Verfügungen,  in  denen  das 
Bundesamt  es  ablehnt,  einen  früheren  Entscheid  auf  Gesuch  hin  in 
Wiedererwägung zu ziehen.

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.4  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m. Art. 
37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist 
einzutreten.

2. 
Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht 
geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende 
Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Der  Sinn  der 
Wiedererwägung  –  wie  auch  der  Revision  –  ist  nicht  die  erneute 
rechtliche  Würdigung  eines  bereits  hinlänglich  erstellten  und  endgültig 
beurteilten Sachverhalts  (vgl. EMARK 1999 Nr. 4 E. 5a S. 24  f.). Es  ist 
unzulässig, ein  rechtskräftig abgeschlossenes Verfahren unter dem Titel 

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Seite 14

eines  Wiedererwägungsgesuchs  faktisch  zu  wiederholen,  indem  die 
rechtliche Beurteilung der verfügenden Behörde (erneut) in Frage gestellt 
wird;  in  diesem  Fall  wird  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  nicht 
eingetreten. Zudem ist auf ein Wiedererwägungsgesuch nicht einzutreten, 
wenn  zu  dessen  Begründung  lediglich  unsubstanziierte  Behauptungen 
aufgestellt  werden  und  aus  der  Rechtsschrift  die  tatsächlichen 
Anhaltspunkte,  die  auf  das  Vorliegen  eines  Wiedererwägungsgrundes 
hindeuten sollen, nicht ersichtlich sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2 S. 
227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd 
S. 156).

Gemäss  herrschender  Lehre  und  ständiger  Praxis  des  Bundesgerichts 
wird  jedoch  aus  Art.  29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten 
Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf 
Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE  127  I  133  E.  6,  mit  weiteren 
Hinweisen).  Danach  hat  die  zuständige  Behörde  eine  selbst  getroffene 
Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen, wenn sich der rechtserhebliche 
Sachverhalt seit Eintritt der Rechtskraft – am Tag nach Ablauf der nicht 
genutzten  Rechtsmittelfrist  oder  durch  bestätigendes  Urteil  der  mit 
Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  –  in  wesentlicher  Weise 
verändert  hat  und mithin  eine Anpassung der  (ursprünglich  fehlerfreien) 
Verfügung  erforderlich  ist,  ohne  dass  deren  Gegenstand  neu  beurteilt 
wird.  Im  Weiteren  können  auch  Revisionsgründe  einen  Anspruch  auf 
Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  rechtskräftige 
Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  blieb  oder  deswegen 
niemals  einer  materiellen  Prüfung  unterzogen  wurde,  weil  das 
angehobene Beschwerdeverfahren mit einem formellen Urteil endete. Ein 
solchermassen  als  qualifiziertes  Wiedererwägungsgesuch  zu 
bezeichnendes  Rechtsmittel  ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des 
Revisionsverfahrens gemäss Art. 66 ff. VwVG zu behandeln (vgl. EMARK 
2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen).

3. 

3.1.  Als  Wiedererwägungsgründe  wurden  im  Wesentlichen  erhebliche 
vollzugshinderliche  Umstände  respektive  die  seit  Abschluss  des 
ordentlichen  Asylverfahrens  eingetretene  veränderte  gesundheitliche 
Lage  der  Beschwerdeführerin  –  insbesondere  die  seit  Ende September 
2007  bestehende  Suizidalität  –  und  die  damit  verbundenen 
Schwierigkeiten, jene im nunmehr festgestellten Heimatland Sierra Leone 

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zu  behandeln,  angeführt  und  mittels  diverser  Arztberichte  untermauert. 
Der  psychische  Gesundheitszustand  der  traumatisierten 
Beschwerdeführerin  habe  sich  seit  September  2007  markant 
verschlechtert  und  sie  habe  deshalb  am  18. September  2007  in  das 
Kriseninterventionszentrum (…) eingewiesen werden müssen. Zusätzlich 
wurde  auch  die  lange Anwesenheit  der Kinder  in  der Schweiz  und  ihre 
sehr  gute  Integration  vorgebracht.  Diese  Sachvorbringen  sind  darauf 
ausgerichtet,  die  ursprünglich  fehlerfreien  rechtskräftigen  Verfügungen 
vom  3.  März  2004  und  12. März  2004,  mit  welchen  das  BFF  die 
Asylgesuche der Beschwerdeführenden ablehnte sowie die Wegweisung 
aus der Schweiz samt Vollzug anordnete,  in Bezug auf den Vollzug der 
Wegweisung nachträglich anzupassen. 

3.2.  Das  BFM  hat  mit  Verfügung  vom  13. Februar  2008  das 
Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden  vom  24.  Januar 
2008 abgewiesen, soweit es darauf eintrat. 

3.2.1.  Nicht  eingetreten  ist  das  Bundesamt  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch,  soweit  es  (als  Revisionsgrund)  die 
Geltendmachung der Staatsangehörigkeit und Herkunft von Sierra Leone 
betraf,  da  die  Beschwerdeführenden  dieses  Vorbringen  bereits  früher 
hätten  geltend  machen müssen.  Diese  Überlegungen  des  BFM mögen 
zutreffend  sein;  sie  werden  im  Beschwerdeverfahren  aber  gar  nicht 
bestritten (vgl. Replikeingabe vom 8. Juni 2008, oben Bst. J). 

Im Übrigen ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht aufgrund 
der  vorliegenden  Aktenlage  (vgl. insbesondere  das 
Bestätigungsschreiben  des  (...)  Botschafters  von  Sierra  Leone  in 
[europäisches  Land]  vom  7. Dezember  2007)  in  Übereinstimmung  mit 
dem  BFM  davon  ausgeht,  dass  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden 
um sierra­leonische Staatsangehörige handelt. Es steht mithin heute fest, 
dass ein Wegweisungsvollzug nach Sierra Leone zu erfolgen hätte. 

3.2.2.  Die  Vorinstanz  hat  den  Anspruch  auf  Behandlung  als 
Wiedererwägungsgesuch  betreffend  die  Anpassung  der  ursprünglich 
fehlerfreien  Verfügung  an  eine  nachträglich  veränderte  Sachlage 
vorliegend  nicht  in  Abrede  gestellt  und  ist  materiell  auf  das  Gesuch 
eingetreten, welches sie allerdings ablehnte, da keine Gründe vorlägen, 
welche  die  Rechtskraft  der  Verfügung  vom  3.  sowie  12.  März  2004 
beseitigen könnten. Den Prozessgegenstand bildet vorliegend – gemäss 
den  ausdrücklichen  Rechtsbegehren  im  Wiedererwägungsgesuch  vom 

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24. Januar  2008  sowie  auch  in  der  Beschwerdeeingabe  vom  25.  März 
2008  –  lediglich  der  Vollzug  der  Wegweisung.  Demnach  hat  das 
Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob  hinsichtlich  des 
Wegweisungsvollzugs  eine  seit  dem  Abschluss  des  ordentlichen 
Verfahrens (sprich seit dem 3. und 12. März 2004) erheblich veränderte 
Sachlage  im  wiedererwägungsrechtlichen  Sinne  vorliegt,  wobei  für  das 
Gericht die Situation heute, zum Zeitpunkt des Entscheids, massgeblich 
ist. 

Wie nachfolgend ausgeführt, ist dies in zweierlei Hinsicht – bezüglich des 
Gesundheitszustands  der  Beschwerdeführerin  (vgl.  dazu  E.  4.3)  und 
hinsichtlich  der  Situation  der  Kinder  (vgl.  dazu E.  4.4)  –  zu  bejahen.  In 
Bezug  auf  die  gesundheitliche  Lage  der  Beschwerdeführerin  (und  ihres 
Ehemannes)  wurden  im  ordentlichen  Verfahren  im  Jahre  2004  keine 
Probleme aktenkundig. Diesbezüglich hat sich die Lage seither geändert 
beziehungsweise massiv verschlechtert. Was die Kinder betrifft, war das 
ältere  im  ordentlichen  Verfahren  noch  klein,  das  andere  gar  nicht 
geboren. Auch hier ist die Situation heute eine grundlegend andere.

4. 
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 
möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den 
gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

4.1. Gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  sind  die 
Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung 
(Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  alternativer  Natur. 
Sobald eine der Bedingungen erfüllt  ist,  ist der Vollzug der Wegweisung 
als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
regeln (vgl. dazu BVGE 2009/51 E. 5.4, mit weiteren Hinweisen). Gegen 
eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  steht  dem 
weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 
AsylG).  In  diesem  Verfahren  wäre  dann  der  Wegweisungsvollzug  vor 
dem Hintergrund sämtlicher Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach 
Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.

4.2.  Vorliegend  konzentriert  sich  die  Prüfung  auf  die  Frage  der 
Unzumutbarkeit.  Da  aufgrund  des  nachfolgend  Gesagten  die 

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Seite 17

Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  heute  bejaht  werden  muss, 
kann darauf verzichtet werden, auf die Frage der Unzulässigkeit im Lichte 
der  Rechtsprechung  des  EGMR  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  im  Falle  von  gravierenden 
Gesundheitsproblemen einzugehen. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG  ist der 
Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende 
Person  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  einer  konkreten 
Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei 
Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das  heisst  bei  Ausländerinnen  und 
Ausländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung  weder  die 
Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch  jene  des 
völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  der 
Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt 
nicht  in  ihren Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im Weiteren  findet  sie 
Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls 
einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige 
medizinische  Versorgung  nicht  erhalten  könnten  oder  –  aus  objektiver 
Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich  in völlige Armut gestossen würden, 
dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres 
Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 
wären  (BVGE 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1,  je mit 
weiteren  Hinweisen).  Den  Asylbehörden  kommt  im  Rahmen  der 
Anwendung  von  Art. 83  Abs.  4  AuG  ein  Ermessensspielraum  zu  (vgl. 
EMARK  2001  Nr.  16  E.  6b  S.  123  mit  weiteren  Hinweisen,  wobei  zu 
berücksichtigen ist, dass die dort zitierte Bestimmung von Art. 14a Abs. 4 
des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
vom  26. März  1931  [ANAG,  BS  1  121]  in  das  heute  geltende  AuG 
überführt wurde).

4.3. 
4.3.1.  Den  Akten  zufolge  leide  die  Beschwerdeführenden  unter 
gesundheitlichen  Problemen  respektive  Krankheitsbildern  psychischer 
Natur.  Dem  aktuellsten  Arztbericht  vom  14.  September  2011  ist  zu 
entnehmen, dass der Befund im ärztlichen Zeugnis vom 10. Januar 2008 
nach  wie  vor  gültig  sei;  danach  leide  die  Beschwerdeführerin  an  einer 
schweren  chronischen  posttraumatischen  Belastungsstörung  und  an 
schweren depressiven Episoden assoziiert mit akuter Suizidalität und sei 
deshalb  auf  eine  andauernde,  engmaschige  psychiatrische  und 
medikamentöse Behandlung angewiesen. Der Gesundheitszustand habe 

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sich  zudem  seit  2008  nochmals  verschlechtert.  Die  befürchtete 
Entwicklung einer andauernden Persönlichkeitsstörung habe bisher aber 
durch  die  leicht  stabilisierende Wirkung  der  Therapie  noch  abgewendet 
werden  können.  Eine  adäquate  Behandlung  der  Beschwerdeführerin 
garantiere  jedoch  keinen  Therapieerfolg.  Die  Wahrscheinlichkeit  von 
Suizidalhandlungen  bleibe  kurz­  und  mittelfristig  hoch.  Beim  Wegfallen 
der Medikation sei mit einer weitgehenden psychischen Dekompensation 
zu  rechnen  und  es  komme  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  zu 
Suizidhandlungen.  Zudem  entwickle  sich  ohne  die  kontinuierliche  und 
nachhaltige  gesprächstherapeutische  Aufarbeitung  die  posttraumatische 
Belastungsstörung  zu  einer  andauernden  Persönlichkeitsveränderung. 
Ein  solcher  Krankheitsverlauf  chronifiziere  die  Suizidalität  der 
Beschwerdeführerin. 

Es besteht vorliegend keine konkrete Veranlassung, an der von den die 
Beschwerdeführerin  behandelnden  Fachärzten  und  Therapeuten 
gestellten  Diagnose  zu  zweifeln.  Somit  ist  vom  medizinischen 
Sachverhalt,  wie  er  in  den  ärztlichen  Berichten  beschrieben  wird, 
auszugehen.  Fraglich  ist  folglich,  ob  die  Beschwerdeführerin  im  Falle 
eines Wegweisungsvollzugs eine angemessene medizinische Betreuung 
in ihrem Heimatland Sierra Leone – zumindest in Freetown – vorfände.

4.3.2. Gemäss dem Report von United Nations Children's Fund (UNICEF) 
"Free,  universal  health  care  rolls  out  for mothers  and  children  in  Sierra 
Leone"  vom  28.  Juli  2010  ist  das  Gesundheitssystem  in  Sierra  Leone 
trotz  positiven  Entwicklungen  nach  wie  vor  mit  diversen  Problemen 
konfrontiert  (vgl. 
http://www.unicef.org/infobycountry/sierraleone_55298.html,  abgerufen 
am 14. Oktober 2011). Eine allgemeine Krankenversicherung existiert  in 
Sierra Leone nicht und mit Ausnahme der Unterstützung für Schwangere, 
stillende  Mütter  und  Kinder  unter  fünf  Jahren  müssen  Kosten  für 
medizinische  Behandlungen  von  den  Patienten  selber  bezahlt  werden 
(vgl.  US  Social  Security  Administration,  Social  Security  Programs 
Throughout  the  World:  Africa  2011:  Sierra  Leone,  2011, 
http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/2010­2011/africa/sierrale
one.html,  abgerufen  am  14.  Oktober  2011).  Für  die  sierra­leonische 
Regierung  stellen  der  Mangel  an  qualifiziertem  Fachpersonal,  die 
unzureichende  Versorgung  mit  Medikamenten  sowie  technischen 
Geräten  und  die  Gebühren,  welche  Patienten  bezahlen  müssen,  die 
grössten  Probleme  des  Gesundheitswesens  dar  (vgl.  Government  of 
Sierra Leone, Free healthcare services for pregnant and lactating women 

http://www.unicef.org/infobycountry/sierraleone_55298.html
http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone
http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone
http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone
http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone

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and  young  children  in  Sierra  Leone,  November  2009, 
http://unipsil.unmissions.org/portals/uni­
psil/media/publications/free_services_framewk_nov09.pdf,  und  Republic 
of Sierra  Leone, Ministry  of Health  and Sanitation, Sierra  Leone Mental 
Health  Policy,  März  2010,  http://www.whosierraleone.org/1_docs/mo­
hspartnersdocs/mental_health_policy.pdf,  beide  abgerufen  am  14. 
Oktober  2011).  Theoretisch  würden  Medikamente  zwar  kostenlos 
abgegeben,  in  der  Praxis  fehlen  sie  aber  in  den  Kliniken  (vgl.  Irish 
Examiner,  Condemned  to  life  of  poverty  and  struggle,  vom  16.  Mai 
2011,http://www.irish­examiner.com/ireland/kfojeygbeygb/rss2/, 
abgerufen  am  14.  Oktober  2011).  Sodann  ist  es  besonders  schwierig, 
Personen  für  die  Arbeit  im  psychiatrischen  Bereich  zu  rekrutieren,  da 
Psychiatrie häufig gemieden wird und einen schlechten Ruf hat (vgl. The 
Patriotic  Vanguard, Desperate  need  for mental  health workers  in Sierra 
Leone,  3.  August  2009, 
http://www.thepatrioticvanguard.com/spip.php?article4398,  abgerufen  am 
14. Oktober 2011). Im Rahmen der staatlichen Mental Health Policy wird 
deshalb beabsichtigt, Fachpersonal  in Psychiatrie aus dem Ausland (mit 
Schwerpunkt  auf  Sierraleoner  in  der  Diaspora)  anzustellen.  In  den 
verfügbaren  Quellen  existieren  aber  keine  Hinweise,  dass  dieses 
Vorhaben  bereits  umgesetzt  wurde  (vgl.  Republic  of  Sierra  Leone, 
a.a.O.).  Das  staatliche  Kissy  Mental  Hospital  (auch  als  Kissy  Mental 
Home oder Sierra Leone Psychiatric Hospital bezeichnet) wurde 1827 in 
Freetown  erbaut  und  verfügt  über  400  Betten.  Unterkunft,  Essen  und 
medizinische  Versorgung  sind  zwar  kostenlos,  jedoch  limitiert  (vgl. 
Awareness  Times,  Freetown,  Remember  those  living  atop  the  Hill  at 
Sierra  Leone's  Kissy  Mental  Hospital,  24.  Mai 
2011,http://news.sl/drwebsite/publish/article_20051­7900.shtml, 
abgerufen am 14. Oktober 2011). Das Krankenhaus verfügt lediglich über 
zwei in Psychiatrie ausgebildete Krankenpfleger. Patienten werden in der 
Institution "abgeliefert" und bleiben dort oft  jahrelang (vgl. Ayana Jordan, 
The  Faces  of  Mental  Illness  in  Kono,  Sierra  Leone,  26.  Mai  2011, 
http://wellbodyalliance.org/news1/2011/5/26/the­faces­of­mental­illness­
in­kono­sierra­leone.html, abgerufen am 14. Oktober 2011). Im November 
2010 wurden 93 Personen  im Kissy Mental Hospital behandelt, darunter 
Drogensüchtige  sowie  Personen,  die  an  Depressionen  und 
Schizophrenie,  an  Manien  und  Epilepsie  leiden.  Bei  den  meisten 
Patienten  handelt  es  sich  um  Drogenabhängige  und  Personen  mit 
schweren  psychischen  Erkrankungen.  Dr.  E.  Nahim  arbeitete  rund  30 
Jahre  lang  als  einziger  Psychiater  in  Sierra  Leone  (im  Kissy  Mental 
Hospital)  und  wurde  vor  wenigen  Jahren  pensioniert.  Deshalb  existiert 

http://unipsil.unmissions.org/portals/uni-psil/media/publications/free_services_framewk_nov09.pdf
http://unipsil.unmissions.org/portals/uni-psil/media/publications/free_services_framewk_nov09.pdf
http://www.thepatrioticvanguard.com/spip.php?article4398
http://wellbodyalliance.org/news1/2011/5/26/the-faces-of-mental-illness-in-kono-sierra-leone.html
http://wellbodyalliance.org/news1/2011/5/26/the-faces-of-mental-illness-in-kono-sierra-leone.html

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gegenwärtig  im  ganzen  Land  kein  praktizierender  Psychiater.  Dr.  E. 
Nahim  bietet  allerdings  drei  Mal  pro Woche  private  Konsultationen  an; 
über  die  Kosten  existieren  in  den  verfügbaren  Quellen  jedoch  keine 
Angaben (vgl. Ayana Jordan, The Faces of Mental Illness in Kono, Sierra 
Leone, a.a.O.; The Torchlight, Sierra Leone, Kissy Mental Home Needs 
More  Attention,  vom  27. November  2010).  Die  Europäische  Union 
finanziert  seit  2011 ein  fünf  Jahre dauerndes Projekt  namens  "Enabling 
Access to Mental Health Care in Sierra Leone", das als Zielgruppe primär 
Personal  definiert,  welches  im  Bereich  Mental  Health  in  Sierra  Leone 
arbeitet.  Es  existieren  allerdings  keine  Berichte,  wonach  dieses  Projekt 
bereits  eine  direkte  Verbesserung  der  Zustände  insbesondere  im  Kissy 
Mental  Hospital  zur  Folge  hätte  (vgl. Enabling  Access  to Mental  Health 
Care  in  Sierra  Leone  [EAMH­SL],  Newsletter  Juli  2011, 
http://enablingaccesstomentalhealthsl.files.word­
press.com/2011/08/newsletter­for­project1.pdf, abgerufen am 14. Oktober 
2011).

4.3.3.  Diesen  Erwägungen  entsprechend  ist  zu  schliessen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  in  ihrem Heimatland keine genügende medizinische 
Behandlung bekommen wird, was schwerwiegende Konsequenzen nach 
sich  ziehen  würde.  Angesichts  der  als  erforderlich  erachteten  Therapie 
kann offenkundig nicht von einer lückenlosen und adäquaten Versorgung 
beziehungsweise  von  einer  sichergestellten  Fortsetzung  der  in  der 
Schweiz  eingeleiteten  Behandlung  ausgegangen  werden.  Durch  die 
Therapie,  welche  die  Beschwerdeführerin  hierzulande  erfahren  hat, 
konnte  eine  leicht  stabilisierende  Wirkung  erzielt  werden.  Die 
Aufrechterhaltung  und  Sicherstellung  dieser  gewonnen,  jedoch 
gefährdeten  Stabilität  setzt  gerade  die  gesicherte  Fortsetzung  der 
laufenden  medizinischen  Behandlungen  und  Kontrollen  voraus; 
andernfalls  ist  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  mit  Suizidhandlungen  zu 
rechnen.  Die  Gesundheit  der  Beschwerdeführerin  wäre  im  Falle  eines 
Wegweisungsvollzuges nach Sierra Leone ernsthaft gefährdet. Aufgrund 
der  Akten  kann  auch  nicht  angenommen  werden,  dass  die 
Beschwerdeführenden  finanziell  gut  situiert  sind;  selbst  wenn  sich  eine 
auf  die  Beschwerdeführerin  zugeschnittene  Behandlung  in  ihrem 
Heimatland  finden  liesse,  wäre  ihr  der  Zugang  mangels  genügender 
finanzieller Mittel  somit mit grösster Wahrscheinlichkeit  verwehrt. Ferner 
geht  aus  den  Akten  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  und  Ehemann 
ebenfalls  gesundheitlich  angeschlagen  ist  und  selber medizinische Hilfe 
benötigt, weswegen voraussichtlich auch er seine Familie nicht pekuniär 
unterstützen  könnte.  Auch  die  Möglichkeit,  medizinische  Rückkehrhilfe 

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gemäss  Art. 75  der  Asylverordnung 2  vom  11. August  1999  über 
Finanzierungsfragen  (AsylV 2,  SR 142.312)  zu  beantragen,  vermag  an 
der Einschätzung der Unzumutbarkeit nichts zu ändern, ist jene doch auf 
maximal  sechs  Monate  befristet  und  kann  eine  zuverlässige  Aussage 
zum  weiteren  Krankheitsverlauf  im  jetzigen  Zeitpunkt  nicht  gemacht 
werden;  gleichzeitig  muss  aber  davon  ausgegangen  werden,  dass  die 
Beschwerdeführerin  auf  unbestimmte  Zeit  auf  medizinische 
Untersuchungen, Kontrollen und Behandlungen angewiesen sein wird.

4.4. 
4.4.1.  Gemäss  der  Rechtsprechung  der  vormals  zuständigen  ARK, 
welche vom Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich weitergeführt wird, 
bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung ferner das Wohl des Kindes 
einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung,  falls Kinder von einem 
Wegweisungsvollzug  betroffen  sind.  Dies  ergibt  sich  nicht  zuletzt  aus 
einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte 
von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die 
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Demzufolge sind unter dem Aspekt 
des Kindswohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die 
im Hinblick  auf  eine Wegweisung wesentlich  erscheinen  (EMARK  1998 
Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.); namentlich sind Kriterien wie Alter des Kindes, 
Reife, Abhängigkeit, Art  der Beziehung  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit), 
Eigenschaften  der  Bezugsperson  (insbesondere 
Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich 
Entwicklung  und  Ausbildung  des  Kindes,  Grad  der  erfolgten  Integration 
bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz zu würdigen (EMARK 2005 
Nr. 6 E. 6.2 S. 57 f.). Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes 
in  der  Schweiz,  ist  im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und 
Hindernisse einer Reintegration  im Heimatland als gewichtiger Faktor zu 
werten, da insbesondere adoleszente Kinder nicht ohne guten Grund aus 
einem  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden  sollten.  Damit  ist  aus 
entwicklungspsychologisscher  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare 
persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu 
berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. 

Die  Verwurzelung  in  der  Schweiz  kann  eine  reziproke Wirkung  auf  die 
Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine 
starke  Assimilierung  in  der  Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat 
zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als 
unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE 2009/28 E.  9.3.2 S.267  f.  und 
BVGE  2009/51  E.  5.6  je  mit  weiteren  Hinweisen). Während  Kindern  in 

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einem  anpassungsfähigen  Alter  die  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  selbst 
nach  einem mehrjährigen  Aufenthalt  im Gastland  gemeinhin  zugemutet 
wird,  verlangt  ein  Wegweisungsvollzug  eines  langjährig  anwesenden 
Adoleszenten  eine  differenzierte  Betrachtung.  Abzuwägen  sind  dabei 
insbesondere die besonderen Bindungen, welche die betreffende Person 
im  Aufenthaltsstaat  eingegangen  ist,  in  dem  sie  massgeblich  ihre 
Erziehung  erhalten,  den  Grossteil  der  sozialen  Kontakte  geknüpft  und 
ihre eigene Identität entwickelt hat. Die Gewichtung der Aufenthaltsdauer 
hat  sodann  der  Intensität  und  Prägung  des  Aufenthalts  Rechnung  zu 
tragen.

4.4.2.  Im  Lichte  dieser  allgemeinen  Ausführungen  ist  die  Situation  der 
Kinder  der  Beschwerdeführenden  näher  zu  betrachten.  Auch 
diesbezüglich hat sich die Sachlage  im Vergleich zu den ursprünglichen 
Verfügungen  von  2004  verändert.  Das  erstgeborene  Kind  ist mit  seiner 
Mutter im Jahre 2004 in die Schweiz eingereist. Das jüngere Kind wurde 
im  Jahre  (…)  in  der  Schweiz  geboren.  Die  nunmehr  (…)­  und  (…)­
jährigen Kinder besuchen hier momentan die (…). Klasse respektive den 
Kindergarten. Mit Eingaben vom 19. sowie 22. September 2011 wies die 
Rechtsvertreterin darauf hin, dass sich die beiden Kinder derweil sehr 
gut  in der Schweiz  integriert  hätten,  und  reichte  zur Stützung dieses 
Vorbringens  folgende  Dokumente  zu  den  Akten: 
Bestätigungsschreiben  der  Kindergärtnerin  I._______  vom 
15. September  2011,  Bestätigungsschreiben  in  Kopie  des 
Klassenlehrers  J._______  vom  19.  September  2011  sowie 
Bescheinigung  des  [Sportclub]  vom  7. September  2011.  Den 
Unterlagen  ist  zu  entnehmen,  dass  das  erstgeborene  Kind, 
C._______,  über  gute  bis  sehr  gute  sowohl  Hoch­  als  auch 
Schweizerdeutschkenntnisse  verfüge  und  vollends  in  seiner  Klasse 
sowie in der hiesigen Gesellschaft integriert sei. Da das (…). Schuljahr 
erst begonnen habe,  falle eine mögliche Einstufung schwierig aus;  in 
der  derzeitigen  Lage  würden  seine  Gesamtleistungen  aber  für  die 
Sekundarschule  (…) ausreichen. C._______ pflege einen sehr guten 
und respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen. Ferner sei er als 
sehr talentierter [Sportler] seit (…) 2011 [Sportclub], in welcher er sich 
[sportlich]  und menschlich hervorragend  integriert  habe. Das  jüngere 
Kind, D._______, verfüge ebenfalls über gute Deutschkenntnisse, sei 
vollkommen in der Kindergartenklasse integriert und auf dem gleichen 
Entwicklungsstand  wie  seine  gleichaltrigen  Kameraden.  Er  sei 
neugierig,  lernfreudig und beteilige  sich aktiv  am Unterricht, weshalb 
für den Übertritt  in die erste Klasse keine Schwierigkeiten bestünden. 

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Auf Konflikte  reagiere  er  ruhig  und  nicht  aggressiv;  zudem könne  er 
sich  gut  an  Spielregeln  halten  und  akzeptiere  Grenzen.  Im  Übrigen 
würden  sich  die  Eltern  für  das  Geschehen  interessieren  und  seien 
auch an Anlässen dabei. Nach dem Gesagten ist von einem hohen Grad 
der  erfolgten  Integration  der Kinder  auszugehen. Zumindest  das ältere 
Kind  hat  durch  seinen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  seit  2004  den 
wesentlichen Teil seiner Sozialisation in der hiesigen Kultur erlebt. Aus 
den Akten  geht  namentlich  auch nicht  hervor  vor,  dass  die Kinder eine 
mit  den  hiesigen  Bindungen  vergleichbare  Beziehung  mit 
Bezugspersonen  ihres Heimatlandes unterhalten würden. Sie würden 
heute  somit  aus  einer  Lebensstruktur  herausgerissen,  welche  sich 
grundlegend von derjenigen in ihrem Heimatland unterscheiden dürfte 
und  welche  insbesondere  während  der  letzten  Jahre  die 
Persönlichkeitsentwicklung  des  älteren  der  beiden  Kinder  und  den 
Alltag  geprägt  hat.  Des  Weiteren  würde  im  Falle  eines 
Wegweisungsvollzugs  die  in  der  Schweiz  gewonnene  Sicherheit  der 
Beschwerdeführerin  verschwinden,  so  dass  äusserst  fraglich  ist,  ob  sie 
noch  in  der  Lage  wäre,  ihren  Alltag  und  denjenigen  ihrer  Kinder  zu 
bewältigen,  zumal  auch  der  Beschwerdeführer  und  Ehemann 
gesundheitlich  angeschlagen  ist.  Dieser  Umstand  würde  die  Kinder 
erheblich tangieren und wäre mit dem Wohl des Kindes nicht vereinbar.

4.4.3.  Vor  dem  geschilderten  Hintergrund  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die in der Schweiz erlebten 
Kindsjahre und die dadurch erfolgte Prägung, die kulturellen Differenzen 
zum  Heimatland  sowie  der  prekäre  Gesundheitszustand  jedenfalls  der 
Beschwerdeführerin  die  Reintegration  zumindest  des  älteren  Kindes  im 
Heimatland  tatsächlich  in  Frage  stellen  würden.  Bei  einem 
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass 
dieser  eine  Entwurzelung  zur  Folge  hätte,  welche  aufgrund  der  sich 
abzeichnenden Problematik einer Reintegration in eine fremd gewordene 
Kultur  und  Umgebung  als  gegen  den  Gesichtspunkt  des  Kindswohl 
sprechend  qualifiziert  werden  müsste.  Die  positive  Entwicklung  der 
Kinder ist daher weiterhin zu unterstützen. Nach dem Gesagten erachtet 
das  Bundesverwaltungsgericht  den Wegweisungsvollzug  der  Kinder  als 
nicht zumutbar.

4.5.  In  einer  Gesamtwürdigung  der  dem  Bundesverwaltungsgericht 
vorliegenden  Akten  und  der  sich  präsentierenden  Rückkehrsituation 
kommt  dieses  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der 
Beschwerdeführenden  als  nicht  zumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4 

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AuG  zu  qualifizieren  ist.  Die  Beschwerdeführenden  sind  daher  in  der 
Schweiz vorläufig aufzunehmen.

Aus  den  Akten  ergeben  sich  hinsichtlich  der  Beschwerdeführenden 
auch  keine  Hinweise  auf  Ausschlussgründe  im  Sinne  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG.  Dass  die  Beschwerdeführenden  im  Rahmen  des 
ordentlichen  Verfahrens  über  ihre  Staatsangehörigkeit  unrichtige 
Angaben gemacht haben, erweist sich – da heute die Unzumutbarkeit 
des Wegweisungsvollzugs angenommen werden muss und demnach 
Bst. c  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  nicht  einschlägig  ist  –  nicht  als 
entscheidrelevant. 

5. 
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. Die Dispositiv­Ziffern 1 bis 3 der 
Verfügung  des  BFM  vom  13. Februar  2008  sind  aufzuheben  und  das 
BFM  anzuweisen,  die  Beschwerdeführenden  –  in  teilweiser 
Wiedererwägung  seiner  Verfügungen  vom  3.  und  12.  März  2004 – 
vorläufig  aufzunehmen.  Sofern  die  Beschwerdeführenden  die  mit 
Verfügung vom 13. Februar 2008 auferlegte Gebühr in der Höhe von Fr. 
1'200.– bezahlt haben, ist diese zurückzuerstatten; andernfalls würde sich 
eine  Rückerstattung  erübrigen.  Schliesslich  sind  die  Dispositiv­Ziffern  4 
bis  6  der  Verfügung  des  BFM  vom  13. Februar  2008  zu  bestätigen, 
soweit sie nicht obsolet geworden sind. 

6. 

6.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  sind  keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).

6.2.  Den  Beschwerdeführenden  ist  angesichts  ihres  Obsiegens  im 
Beschwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  eine 
Parteientschädigung  für  ihnen  erwachsene  notwendige 
Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art.  7  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

Die Rechtsvertreterin  reichte mit Eingabe vom 19. September 2011  ihre 
Kostennote  ein,  gemäss  welcher  sie  für  das  Verfahren  der 
Beschwerdeführenden  einen  Aufwand  von  insgesamt  37  Stunden  zu 
einem  Stundenansatz  von  Fr.  200.–  und  Auslagen  in  der  Höhe  von 
insgesamt Fr. 90.50 geltend gemacht. 

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Der  in  Rechnung  gestellte  Aufwand  erscheint  nicht  vollumfänglich 
angemessen;  insbesondere  ist  der  ausgewiesene  zeitliche Aufwand der 
Rechtsvertreterin  von  16  Stunden  für  die  Ausarbeitung  der  11­seitigen 
Beschwerdeschrift  (8  Stunden  für  die  Ausarbeitung  der  eigentlichen 
Rechtsschrift; 8 Stunden  für Vorbereitung und Aktenstudium) zu kürzen, 
zumal  die  Beschwerde  in  gewissen  Zügen  identisch  ist  mit  dem 
Wiedererwägungsgesuch  vom  24.  Januar  2008.  Auch  der  übrige 
ausgewiesene  zeitliche  Aufwand  für  den  Zeitraum  zwischen  April  2008 
und März 2010  sowie  zischen  Juli  2011 und September  2011  scheint – 
angesichts der nicht überdurchschnittlich umfangreichen oder zahlreichen 
Eingaben  ans  Gericht  und  Schriftenwechsel  –  nicht  vollumfänglich 
angemessen, und ist daher ebenfalls zu kürzen. 

Das Gericht erachtet  insgesamt einen Aufwand von 20 Stunden  für das 
Beschwerdeverfahren  –  auch  im  Vergleich  mit  anderen,  ähnlich 
komplexen Verfahren – als angemessen. Den Beschwerdeführenden  ist 
somit unter Berücksichtigung der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7  ff. 
VGKE  eine  Parteientschädigung  zu  Lasten  des  BFM  in  der  Höhe  von 
Fr. 4'405.50  (inkl. Auslagen  und  Mehrwertsteuer  zu  7,6  %  bis  zum 
31. Dezember 2010 sowie 8 % ab 1. Januar 2011) zuzusprechen.

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E­1980/2008

Seite 26

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die  Dispositiv­Ziffern  1  bis  3  der  Verfügung  des  BFM  vom  13. Februar 
2008  werden  aufgehoben.  Sofern  die  Beschwerdeführenden  die  mit 
Verfügung  vom  13. Februar  2008  auferlegte  Gebühr  in  der  Höhe  von 
Fr. 1'200.– bezahlt haben, ist diese zurückzuerstatten; andernfalls würde 
sich eine Rückerstattung erübrigen. 

3. 
Das BFM wird  angewiesen,  seine  Verfügungen  vom  3.  sowie  12. März 
2004  (Dispositivziffern 4 und 5) wiedererwägungsweise aufzuheben und 
die Beschwerdeführenden vorläufig aufzunehmen. 

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5. 
Das BFM hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung in der 
Höhe  von  Fr.  4'405.50.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  zu 
entrichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Natasa Stankovic

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