# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21550ace-378e-57f1-aba7-f287b8d0cc7e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.03.2010 D-5065/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5065-2008_2010-03-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5065/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Thomas Wespi (Vorsitz), 
Richterin Muriel Beck Kadima, 
Richter Blaise Pagan, 
Gerichtsschreiberin Anna Kühler.

A._______, geboren B._______,
Eritrea,
alias C._______, geboren B._______, 
Eritrea,
alias D._______, geboren B._______, 
Eritrea, 
alias E._______, geboren B._______,
Eritrea,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
3. Juli 2008 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5065/2008

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  eritreischer  Staatsangehöriger  aus 
F._______  verliess  Eritrea  gemäss  seinen  eigenen  Angaben  am 
19. Juni  2006 und gelangte  über den G._______ (über acht  Monate 
Aufenthalt),  H._______  und  I._______  in  die  Schweiz,  wo  er  am 
2. April 2007 im J._______ um Asyl nachsuchte, nachdem er am 28. 
März 2007 im Hauptbahnhof T._______ polizeilich kontrolliert worden 
war. 

Anlässlich seiner Befragung im J._______ am 11. April 2007 und der  
kantonalen  Anhörung  vom 20.  Juni  2007  in  K._______  brachte  der 
Beschwerdeführer vor, er habe sein Heimatland verlassen, weil dieses 
durch die Machthaber ruiniert werde und er seine Tätigkeit als Land-
wirt nicht mehr habe ausüben können. Sein Land und seine Ernte sei -
en  durch  ihm  unbekannte  Personen  zerstört  worden.  Er  habe  zwar 
zwei Mal Anzeige auf dem Polizeiposten von L._______ erstattet, aber 
es  sei  nichts  unternommen  worden.  Man  habe  ihm  zudem  vor-
geworfen,  ein  M._______  zu  sein.  Er  sei  auch  „Hyäne“  genannt 
worden.  Dabei  gehe  es  um  einen  Aberglauben.  Die  Leute  würden 
denken,  er  habe die Fähigkeit,  Leute  mit  seinem Blick umzubringen 
oder krank zu machen. Er sei deshalb seit seiner Kindheit diskriminiert 
worden. Niemand wolle etwas mit seiner Familie zu tun haben, denn 
die ganze Familie werde der Teufeleien verdächtigt. Zudem vermute er, 
dass man seinen Vater, welchen sie tot aufgefunden hätten, deswegen 
umgebracht habe, weil auch er verdächtigt worden sei, ein M._______ 
zu sein. Die  Behörden hätten ihn schützen müssen,  aber  sie hätten 
keine Massnahmen ergriffen. Er brachte zudem vor, im Jahr 2000 für 
einen  Monat  Militärdienst  geleistet  zu  haben.  Er  sei  damals  noch 
Schüler gewesen und wieder nach Hause in sein Dorf zurückgekehrt, 
nachdem  er  aufgrund  eines  gebrochenen  Ellbogens  als  untauglich 
erklärt  worden  sei.  Es  wäre  nun  zu  gefährlich  für  ihn,  in  sein 
Heimatland zurückzukehren. Da er illegal ausgereist sei, würde er bei 
einer  Rückkehr  nach  Eritrea  zum  Tod  verurteilt  und  hingerichtet 
werden. Zudem würden ihn die Leute dort als Teufel bezeichnen, ihn 
stigmatisieren und diskriminieren. 

Der Beschwerdeführer bezeichnete sich als ledig und kinderlos, reich-
te keine Identitätspapiere zu den Akten und machte geltend, mit  der 
Hilfe eines Schleppers ohne Papiere in die Schweiz eingereist zu sein. 

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B.
Am 11. Juli 2007 reichte der Beschwerdeführer beim X._______ einen 
Taufschein im Original, die Kopie der Identitätskarte seiner Mutter und 
die  Kopie  eines  in  tigrinischer  Sprache  verfassten  Schreibens  vom 
30. Juni 2004 ein.

C.
Mit – am 8. Juli 2008 eröffneter – Verfügung vom 3. Juli 2008 wies das 
BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz an. Da die Wegweisung zu diesem Zeitpunkt 
wegen Unzulässigkeit nicht vollzogen werden konnte, wurde der Voll-
zug zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. 

D.
Mit Eingabe vom 4. August 2008 (Poststempel) erhob der Beschwerde-
führer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht  und  beantragte,  die  Ziffern  eins  bis  drei  des  Dispositivs  der 
Verfügung  des  BFM vom 3.  Juli  2008  seien  aufzuheben,  er  sei  als 
Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventuali -
ter sei die Verfügung des BFM vom 3. Juli 2008 aufzuheben und die 
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht machte der Beschwerdeführer geltend, es sei ihm 
die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses sei zu verzichten. 

E.
Mit  Schreiben vom 6. August 2008 reichte der Sozialdienst (...)  eine 
Unterstützungsbedürftigkeitserklärung für den Beschwerdeführer ein. 

F.
Der Beschwerdeführer reichte am 7. August  2008 eine Beschwerde-
ergänzung ein. Darin brachte er  vor, dass er  einen Dolmetscher ge-
funden habe, weshalb es ihm nun möglich sei zu schildern, wie seine 
Familie trotz der Vernichtung der Ernte habe überleben können, nicht 
zuletzt mit der Unterstützung durch einen Onkel in den USA. Der Be-
schwerdeführer schilderte zudem die Umstände des Todes seines Va-
ters und ging auch auf die Diskriminierung ein, die er aufgrund seines 
bösen Blicks seit seiner Kindheit erlebt habe. 

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G.
Mit  Schreiben  vom  3.  Dezember  2008  an  das  Bundesverwaltungs-
gericht  teilte  das  X._______  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  vom 
17. September 2008 bis 3. Dezember 2008 unbekannten Aufenthalts 
gewesen sei.

H.
Am 28. Januar  2009  wurde beim Beschwerdeführer  anlässlich  einer 
Kontrolle durch das Grenzwachtkorps am N._______ eine bis 28. März 
2009  gültige  (...)  Asylbescheinigung,  welche  den  Aufenthalt  in 
V._______ zur Durchführung des Asylverfahrens gestattet, gefunden. 
Die  darauf  folgenden  Abklärungen  ergaben,  dass  der 
Beschwerdeführer  am  8.  September  2008  in  V._______  um  Asyl 
ersucht hatte. 

I.
Mit  Schreiben  vom  7.  April  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
suchte  der  Beschwerdeführer  um  Aushändigung  seiner  Dokumente 
nach. Der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts gewährte 
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 15. April 2009 eine Frist zur 
Rückzugserklärung,  da  angesichts  der  konkreten  Umstände  eine 
Rücksendung  des  Taufscheins  und  der  kopierten  Identitätskarte  nur 
gegen Rückzug der Beschwerde erfolgen könne. Bei ungenutzter Frist 
werde davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer vollumfänglich 
an seinen Rechtsbegehren festhalte.

In  der  Folge  traf  keine  entsprechende  Stellungnahme  des  Be-
schwerdeführers ein.

J.
Am  10.  Februar  2010  überwies  das  Bundesverwaltungsgericht  die 
Akten an die  Vorinstanz  und forderte  diese  zu  einer  Stellungnahme 
auf.

Mit  Vernehmlassung vom 18. Februar 2010 beantragte das BFM die 
Abweisung  der  Beschwerde  und  wies  darauf  hin,  dass  der  Be-
schwerdeführer  in  V._______  ein  Asylgesuch  eingereicht  habe  und 
sich  seine  dort  gemachten  Angaben  in  sämtlichen  Bereichen  (Zivil -
stand,  Familie,  Schule,  Identitätspapiere,  Asylgründe,  Ausreise)  von 
seinen  Angaben gegenüber  den  Schweizer  Behörden unterscheiden 
würden.

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K.
Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 3. März 
2010  wurden  dem  Beschwerdeführer  die  vorinstanzliche 
Vernehmlassung und die Niederschrift der Anhörung in V._______ vom 
19. September 2008 zugestellt. Gleichzeitig teilte ihm das Bundesver-
waltungsgericht mit, es behalte sich vor, seine Aussagen im deutschen 
Asylverfahren,  insbesondere zu den Asylgründen, zum Zivilstand, zu 
den Familienverhältnissen,  zu  den Identitätsdokumenten und zu den 
Ausreiseumständen, bei der Würdigung des Sachverhalts zu berück-
sichtigen. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit eingeräumt, eine 
Stellungnahme einzureichen.

L.
Mit  Eingabe  vom  16.  März  2010  teilte  der  Beschwerdeführer  im 
Wesentlichen mit, er sei seit seiner Kindheit diskriminiert worden, was 
ihn dazu gebracht habe, jedem und allem zu misstrauen. Dieses Miss-
trauen und die  Behandlung in  der  Schweiz  hätten ihn  veranlasst,  in 
V._______  ein  Asylgesuch  zu  stellen  und  dort  wahrheitswidrige  An-
gaben zu machen. So seien die Aussagen in V._______ zur familiären 
Situation  in  Eritrea  unzutreffend:  er  sei  ledig  und  habe  weder  eine 
Ehefrau  noch  Kinder.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Eritrea  müsste  er 
wegen Landesverrats oder Desertion eine lange Gefängnisstrafe oder 
sogar den Tod befürchten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine Vorinstanz des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesver-
waltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vor-
liegenden  Beschwerde  und entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

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1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und hat  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 
105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4.
4.1 Das BFM beurteilte die Vorbringen des Beschwerdeführers in der 
angefochtenen Verfügung als unglaubhaft. Die Behauptungen des Be-
schwerdeführers,  seine  Familie  werde  seit  Jahren  diskriminiert,  weil 
man ihr vorwerfe, einen teuflischen Blick (M._______) zu haben, seien 
unsubstanziiert  und vage. Seine Schilderungen seien sehr allgemein 
ausgefallen und hätten sich in wenigen kurzen, stereotypen Sätzen er-

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schöpft, so dass diese als offensichtlich unglaubhaft zu taxieren seien, 
zumal  sie  eine subjektiv  geprägte  Wahrnehmung vermissen liessen. 
Insgesamt  seien  seine  Darlegungen,  insbesondere  auch  die  Um-
stände,  die  zum Tod des  Vaters  geführt  hätten,  nicht  geeignet,  den 
Eindruck zu erwecken, er habe das Geschilderte tatsächlich selber er -
lebt.  Es  sei  des  Weiteren  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  es  erst  in 
jüngerer Zeit zu den angeblichen Übergriffen gekommen sei, habe der 
Beschwerdeführer  doch geltend gemacht,  er  sei  seit  seiner  Kindheit 
als  M._______  stigmatisiert  worden.  Zu  den  vorgebrachten 
Behelligungen  im  Widerspruch  stehe  auch  die  Aussage  des 
Beschwerdeführers,  er  habe  während  zehn  Jahren  ohne 
Schwierigkeiten  die  Schule  im  Dorf  besuchen  können  und  auch  im 
Militärdienst  keine  Schwierigkeiten  gehabt.  Es  sei  ferner  nicht 
nachvollziehbar,  wie  die  mehrköpfige  Familie  wirtschaftlich  habe 
überleben können, wenn sie von allen übrigen Bewohnern des Dorfes 
gemieden und wiederholt die Ernte vernichtet worden sei. Nicht zuletzt 
sei  zu  berücksichtigen,  dass  der  Beschwerdeführer  kein  einziges 
Dokument  eingereicht  habe,  welches  seine  Vorbringen  bestätigen 
könnte. Weder  seine Identität  noch die  Reisedaten und -route  seien 
belegt.  Schliesslich  sei  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
gemäss eigenen Angaben dienstuntauglich sei. Daraus folge, dass er 
im Zeitpunkt  seiner  Ausreise  nicht  im Militärdienst  gewesen sei  und 
ihm auch kein  militärisches Aufgebot  gedroht  habe,  vor welchem er 
habe fliehen wollen. Allein  der  Umstand einer  allfälligen  zukünftigen 
Einberufung in die Armee bei seiner Rückkehr nach Eritrea vermöge 
keine asylrelevante Bedeutung zu entfalten. Auch aus den geschilder-
ten Umständen des Todes seines Vaters könne der Beschwerdeführer 
nichts  ableiten,  was für  die  Asylrelevanz seiner  Vorbringen spreche. 
Eine gesamtheitliche Würdigung der gesamten Umstände führe  zum 
Schluss,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  auf  einen  konstruierten 
Sachverhalt  abstütze,  weshalb  es  sich  erübrige,  auf  weitere  Unge-
reimtheiten näher einzugehen. Aus diesem Grund hielten die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 
gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht ge-
prüft  werden  müsse.  Demzufolge  erfülle  der  Beschwerdeführer  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 

4.2 Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber in der Beschwerde 
vor, die Beurteilung des BFM sei unzutreffend. Zu Unrecht bezeichne 
das BFM seine Vorbringen als vage und unsubstanziiert. Er habe ge-
schildert, wie seine Familie schikaniert worden sei, wie sie niemanden 

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hätten besuchen können und die Menschen gedacht hätten, sie wür-
den sie umbringen. Auch die Vernichtung der Ernte durch Unbekannte 
habe sich zugetragen. Er habe bisher keinen Dolmetscher gefunden, 
der für ihn übersetze, und seine Englischkenntnisse seien nicht ausrei-
chend. Nichtsdestotrotz leide er unter der Diskriminierung und Stigma-
tisierung, welche er auch in der Schweiz erfahre. Seine Vorbringen sei-
en asylrelevant, da der eritreische Staat ihn nicht vor Diskriminierun-
gen schützen wolle. Es sei für ihn sehr schwierig, in Eritrea zu überle-
ben. Er fürchte, dass sein Haus angezündet oder er in der Nacht über -
fallen und umgebracht werde. Weiter sei er illegal aus Eritrea ausge-
reist und habe in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Die illegale Aus-
reise werde in Eritrea schwer bestraft und führe bereits zu einer asyl -
relevanten Verfolgung. Das BFM habe dies zu Unrecht  nicht  berück-
sichtigt.

4.3 Zunächst ist auf die Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen ein-
zugehen.  Hierzu  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  in 
V._______  unter  leicht  abgeänderter  Identität  und  mit  anderer  Be-
gründung als im schweizerischen Asylverfahren ein Asylgesuch stellte. 
So brachte er anlässlich der Anhörung in V._______ vor, sich in sei-
nem Heimatland an einer politischen Versammlung kritisch geäussert 
zu haben und deshalb gefangen genommen und mehrfach schwer ge-
foltert  worden  zu  sein.  Zudem gab  er  in  V._______  an,  er  sei  ver-
heiratet  und habe vier  Kinder. Er  habe drei  Monate Militärdienst  ge-
leistet. Er sei nach U._______ geflohen, wo er wegen des Verdachts 
der  Spionage  für  Eritrea  ein  Jahr  und  acht  Monate  im  Gefängnis 
gewesen sei  und anschliessend um Asyl  nachgesucht  und wo er  in 
einem  Lager  für  eritreische  Flüchtlinge  gelebt  habe.  Diesen 
Sachverhalt  brachte  er  im schweizerischen Verfahren nie  vor. Damit 
stellt sich nicht nur die Frage, inwiefern der Beschwerdeführer auf den 
Schutz  der  Schweiz  angewiesen  ist  und  ob  er  angesichts  seiner 
Ausreise nach V._______ ein ernsthaftes Interesse daran hat,  in der 
Schweiz  um  Schutz  zu  ersuchen.  Gleichzeitig  ist  auch  die 
Glaubhaftigkeit  der  von  ihm  vorgebrachten  Asylgründe  und  seiner 
Person insgesamt  in  Frage gestellt.  Die  dargelegten  Fragen werden 
auch durch die Ausführungen in der Eingabe vom 16. März 2010 nicht 
beantwortet,  wonach  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seines 
Misstrauens  wahrheitswidrige  Angaben  gemacht  habe.  Er  räumt 
lediglich ein, seine Aussagen in V._______, er sei verheiratet und habe 
vier Kinder, seien falsch. Damit sind aber die weiteren Widersprüche in 
den Vorbringen zu den Asylgründen nicht ausgeräumt. Zudem enthält 

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die  Beschwerde  keine  substanziellen  Hinweise,  welche  die 
Schlussfolgerung der  Vorinstanz  entkräften könnten,  die  geltend ge-
machte Verfolgung durch Dritte  erscheine unglaubhaft. Daran ändert 
auch die eingereichte Beschwerdeergänzung nichts. Lediglich ergän-
zend ist  festzuhalten,  dass er bisher keine rechtsgenüglichen Identi-
tätspapiere einreichte und auch nicht glaubhaft darzulegen vermochte, 
weshalb es ihm nicht möglich oder nicht zumutbar war, solche vorzule-
gen. Die Würdigung des BFM, dass die Aussagen des Beschwerdefüh-
rers als unglaubhaft zu qualifizieren sind, dürfte deshalb im Ergebnis 
zutreffen. Die  Frage,  ob  seine  Vorbringen  bezüglich  der  geltend  ge-
machten Verfolgung glaubhaft sind oder nicht, kann vorliegend indes-
sen offen bleiben, da nicht ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer 
ernsthafte Nachteile aus einem der vorstehend in E. 4.1 erwähnten, in 
Art.  3  Abs. 1  AsylG  festgehaltenen  Verfolgungsmotive  dartut.  Es  ist 
nicht ersichtlich, inwiefern die geltend gemachten Nachteile asylrecht-
lich relevant sein könnten. Zudem liegen keine Hinweise vor, dass es 
an einer inländischen Fluchtalternative  fehlt (vgl. hierzu Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 1996 Nr. 1). Der Beschwerdeführer brachte jedenfalls nichts 
vor, woraus zu schliessen wäre, er könnte sich der angeblichen Verfol-
gung nicht durch Wohnsitznahme in einer anderen Region des Landes 
entziehen. Dem Beschwerdeführer ist es damit nicht gelungen, nach-
zuweisen oder glaubhaft darzutun, dass er bereits zum Zeitpunkt der 
Ausreise  begründete  Furcht  hatte,  ernsthaften  Nachteilen  im  Sinne 
von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG ausgesetzt zu werden. 

4.4 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft  aufgrund  subjektiver  Nachfluchtgründe  erfüllt.  Er  bringt  vor, 
dass er bei  einer  Rückkehr allein aufgrund seiner illegalen Ausreise 
aus  Eritrea  verfolgt  werden  würde.  Sollte  die  Gefährdungssituation 
durch die Ausreise aus dem Heimatstaat  entstanden sein,  führt  dies 
zwar zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, nicht aber zur Asyl-
gewährung (vgl. Art. 54 AsylG). Es stellt sich deshalb die Frage, ob der 
Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  angeblich  illegal  aus  Eritrea 
ausreiste  und  im  Ausland  einen  Asylantrag  stellte,  im  länderspezi-
fischen Kontext seine Furcht, im Falle einer Rückkehr in seine Heimat 
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG gewärtigen zu müssen, 
als begründet erscheinen lässt (vgl. EMARK 2006 Nr. 3, EMARK 2004 
Nr. 22).

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4.4.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Aus-
reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation 
erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend 
(vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die 
Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch ge-
mäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob 
sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdes-
sen  werden  Personen,  welche  subjektive  Nachfluchtgründe  nach-
weisen oder glaubhaft  machen können, als Flüchtlinge vorläufig auf-
genommen (vgl. dazu die nach wie vor gültigen und zutreffenden Aus-
führungen in EMARK 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff.; EMARK 2000 Nr. 
16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen).

4.4.2 Hierzu ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geltend 
gemachte illegale Ausreise aus Eritrea nicht zweifelsfrei feststeht und 
er diesbezüglich in seiner Befragung und Anhörung keine glaubhaften 
Aussagen  machte.  Die  von  ihm  geschilderten  Reiseumstände,  ins-
besondere die angebliche Ausreise ohne Papiere, erscheinen vielmehr 
realitätsfremd. Es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer an der 
Anhörung des (...) vom 19. September 2008 in Q._______ angab, sein 
Herkunftsland  über  den  gut  kontrollierten  Flughafen  von  Y._______ 
aus verlassen und dabei selbst keine Reisepapiere auf sich getragen 
zu  haben  (vgl.  die  Anhörungsniederschrift  S. 4).  Vor  diesem  Hin-
tergrund erscheinen die im schweizerischen Asylverfahren geltend ge-
machte  Reiseroute  (Fahrt  mit  dem Auto  über  den  G._______  nach 
H._______; Fahrt mit dem Motorboot von S._______ nach I._______) 
und die behaupteten Umstände der Ausreise als unglaubhaft,  zumal 
es dem Beschwerdeführer nicht gelang, detaillierte Angaben zur Aus-
reise  (Überweisung  des  für  die  Reise  erforderlichen  Geldbetrags, 
Reisepapiere)  zu  machen  (vgl.  act.  A  1/12,  S.  8).  Der 
Beschwerdeführer  hatte  Gelegenheit,  sich  zu  den  widersprüchlichen 
Vorbringen  zu  äussern  und  gegebenenfalls  falsche  Antworten  zu 
berichtigen.  In  seiner  Eingabe  vom  16.  März  2010  korrigierte  er 
lediglich  die  in  V._______  gemachten  Angaben  zu  seiner  familiären 
Situation  in  Eritrea.  Indessen  enthielt  er  sich  weitergehender 
Ausführungen  zu  seinen  Identitätspapieren  und  seinem  Reiseweg, 
weshalb die dargestellten Ungereimtheiten bestehen bleiben.

4.4.3 Anzufügen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Be-
fragung vom 11. April 2007 angab, er habe in Eritrea keine Probleme 
mit den Behörden gehabt (vgl. act. A 1/12 S. 8), er sei weder politisch 

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noch religiös aktiv gewesen und nie in Haft oder vor Gericht gewesen 
(vgl.  act.  A 1/12,  a.a.O.).  Zudem  bezeichnete  er  sich  als 
dienstuntauglich.  Unter  diesen  Umständen  erscheint  es  nicht  nach-
vollziehbar, weshalb er illegal hätte ausreisen sollen. Der Beschwerde-
führer legt denn auch gar nicht dar, aus welchen Gründen er veran-
lasst war, illegal aus seinem Heimatland auszureisen.

4.5 Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  geltend  gemachte 
subjektive  Nachfluchtgrund  der  illegalen  Ausreise  nicht  geeignet  ist, 
eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen, 
weshalb der Beschwerdeführer nicht als Flüchtling anerkannt werden 
kann. An dieser  Einschätzung vermögen auch die beim Kanton ein-
gereichten Beweismittel (vgl. oben Bst. B) nichts zu ändern, weshalb 
darauf  verzichtet  wird,  darauf  weiter  einzugehen,  zumal die Identität 
des  Beschwerdeführers  nicht  rechtsgenüglich  feststeht  und  deshalb 
auch nicht auszumachen ist, ob sich die Beweismittel tatsächlich auf 
ihn beziehen. Unter  Berücksichtigung der  gesamten Umstände folgt, 
dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nach-
weisen oder glaubhaft  machen konnte. Die Vorinstanz hat  zutreffend 
erkannt, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 
und deshalb sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

5.
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21).

6.
Es erübrigt  sich,  über  den Wegweisungsvollzug zu befinden,  da der 
Beschwerdeführer von der Vorinstanz vorläufig aufgenommen wurde.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

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D-5065/2008

8.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 
Abs. 1 und 2 VwVG) ist abzuweisen, da die Beschwerdebegehren als 
aussichtslos zu qualifizieren waren. Zudem ist der Beschwerdeführer 
erwerbstätig, weshalb nicht von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist.

Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.--  festzusetzen  (Art.  1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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D-5065/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein )
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- X._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Anna Kühler

Versand: 

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