# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c57eba27-d54d-50a0-a72c-d6e03bf49794
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-07-01
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Bauen in (flug-)lärmbelastetem Gebiet.
**Docket/Reference:** BRKE IV Nr. 0115/2010
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_IV_115_2010_748.pdf

## Full Text

BRKE IV Nr. 0115/2010 vom 1. Juli 2010 in BEZ 2010 Nr. 50 

Vorliegend  ging  es  um  die  Überbauung  eines  der  zweigeschossigen 
Wohnzone  W2  mit  der  Empfindlichkeitsstufe  II  zugewiesenen,  im  Einflussbe-
reich  des  Flughafens Zürich-Kloten  liegenden  Baugrundstückes  mit  fünf  Mehr-
familienhäusern.  Bei  der  Bauparzelle  wurden  die  Immissionsgrenzwerte  am 
Tage um 2 dB und in der ersten Nachtstunde um 11 dB überschritten.  

Aus den Erwägungen: 

8.1  Sind  die  Immissionsgrenzwerte  überschritten,  dürfen  Gebäude  mit 
lärmempfindlichen Räumen nur bewilligt werden, wenn es gelingt, die Lärmbe-
lastung  an  den  Fenstern  der  lärmempfindlichen  Räume  mit  geeigneten  Mass-
nahmen (Anordnung der Räume auf der dem Lärm abgewandten Seite des Ge-
bäudes  bzw.  bauliche  oder  gestalterische  Massnahmen)  bis  auf  die  Immissi-
onsgrenzwerte  zu  senken  (Art.  22  USG;  Art.  31  Abs.  1  LSV).  Können  die  Im-
missionsgrenzwerte  durch  Massnahmen  der  genannten  Art  nicht  eingehalten 
werden,  darf  eine  Baubewilligung  nur  erteilt  werden,  wenn  an  der  Errichtung 
des Gebäudes ein überwiegendes Interesse besteht und die kantonale Behörde 
der Ausnahme zustimmt (Art. 31 Abs. 2 LSV). 

8.2 Wie das Verwaltungsgericht in seinem Entscheid VB.2009.00063 vom 
5. Mai 2010  (BEZ  2010  Nr.  16) erkannt  hat,  ist  gegenüber dem  Fluglärm  eine
Abschirmung  mittels  baulicher  oder  gestalterischer  Massnahmen  nur  sehr  be-
grenzt möglich. Selbst wenn dieser relativ flach von der Seite eintreffen würde, 
ist eine erhebliche Reduktion, wie sie insbesondere zur Einhaltung der Immissi-
onsgrenzwerte  der  ersten  Nachtstunde  erforderlich  wäre,  kaum  zu  erreichen. 
Zu keinem anderen Ergebnis kommt auch das von der Rekurrentschaft einge-
reichte Lärmgutachten vom 25. März 2008. 

Die  Bauherrschaft  erachtet  allerdings  in  der  von  ihr  vorgesehenen  Miner-
giebauweise  eine  taugliche  Lösung  der  Lärmproblematik.  Der  hohe  Schall-
dämmgrad  und  die  künstliche  Lüftung  würden  eine  befriedigende  Wohnatmo-
sphäre  ohne  ins  Gewicht fallende  Fluglärmstörung  schaffen. Lärmimmissionen 
werden in der Mitte der offenen Fenster lärmempfindlicher Räume ermittelt, wo-
bei Fluglärmimmissionen auch in der Nähe der Gebäude ermittelt werden kön-
nen (Art. 39 Abs. 1 LSV). Die Schalldämmung der Aussenhülle eines Gebäudes 
und die Anbringung von Schallschutzfenstern und ähnlichen Vorkehrungen stel-
len  daher  keine  ausreichende  Massnahme  für  die  Einhaltung  der  Immissions-
grenzwerte  dar,  weil  damit  lediglich  der  Lärm  im  Innern  bei  geschlossenen 
Fenstern reduziert wird. Deshalb stellen die künstliche bzw. die kontrollierte Be-
lüftung von Wohnbauten und die Erstellung von Gebäuden im Minergiestandard 
keine  gangbare  Lösung  für  die  Erstellung  von  Wohnbauten  in  Gebieten  mit 

übermässiger  Lärmbelastung  dar  (zum  Ganzen  R.  Wolf  in:  Kommentar  zum 
Umweltschutzgesetz, 2000, Art. 22 N. 31 und 40). Zu beachten ist, dass die bei 
Minergiehäusern  übliche  Zwangsbelüftung  der  Entfeuchtung  der  Bauten  und 
nicht der Belüftung der Räume dient; sie ist nötig, weil die starke Isolation keine 
ausreichende Diffundierung der Feuchtigkeit durch die Gebäudehülle mehr zu-
lässt. Eine künstliche Wohnungslüftung ist nicht einer Klimaanlage gleichzuset-
zen,  zumal  sie  kein  Kühlaggregat  enthält  und  daher  zumindest  in  den  Som-
mermonaten  das  Lüften  nicht  entbehrlich  macht.  Auch  ist  sie  träge  und  für  ei-
nen schnellen Luftaustausch, wie er beim Öffnen der Fenster möglich ist, weni-
ger  geeignet.  Die  für  Wohn-  und  Schlafräume  erforderliche  Wohnqualität  und 
Wohnhygiene  werden  somit  durch  eine  ausschliesslich  künstliche  Belüftung 
nicht genügend gewährleistet (vgl. § 302 Abs. 1 PBG). Es ist somit davon aus-
zugehen, dass aufgrund der Charakteristiken des Fluglärms und der beim Bau-
grundstück ermittelten massiven Lärmbelastung Massnahmen im Sinn von Art. 
31 Abs. 1 LSV nicht zum Ziel führen. 

8.3 Eine Baubewilligung darf daher nur erteilt werden, wenn an der Errich-
tung  der  strittigen  Überbauung  ein  überwiegendes  Interesse  besteht  und  die 
kantonale Behörde der Ausnahme zustimmt (Art. 31 Abs. 2 LSV).  

(Ein  solches  Interesse  wurde  verneint;  dementsprechend  wurde  der  Re-

kurs gegen die Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich abgewiesen.)