# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11fd0e09-3fff-501b-a928-66c27702413e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-24
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 24.11.2016 BK 2016 462
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2016-462_2016-11-24.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 16 462

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 24. November 2016

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Trenkel, Oberrich-
ter Stucki
Gerichtsschreiberin Bohren

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecherin B.________

Beschuldigter/Beschwerdeführer

Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura - Seeland, Ländtes-
trasse 20, Postfach 1180, 2501 Biel
v.d. Staatsanwalt D.________ (BJS 15 14455) 

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Versetzung Sicherheitshaft

Strafverfahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung

Beschwerde gegen den Entscheid des Regionalgerichts Berner 
Jura – Seeland, Kollegialgericht, vom 2. November 2016 
(PEN 16 404)

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Erwägungen:

1. Am 2. November 2016 wurde A.________ vom Regionalgericht Berner Jura – See-
land (nachfolgend: Regionalgericht) der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig 
erklärt und zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, 
am 25. Juni 2015 in E.________ mehrfach mit einem Holzstock auf seine Schwes-
ter C.________ (nachfolgend: Privatklägerin), mit der er sich in einem Erbschafts-
streit befindet, eingeschlagen zu haben, um diese vom Grundstück zu jagen und ihr 
eine Lektion zu erteilen. Die Privatklägerin erlitt dabei zahlreiche Verletzungen. 

A.________ wurde mit Urteil vom 2. November 2016 ausserdem für die Dauer von 
drei Monaten in Sicherheitshaft versetzt. Am 3. November 2016 begründete das 
Regionalgericht die Sicherheitshaft mit Ausführungsgefahr. Dagegen erhob 
A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 4. November 2016 Beschwerde 
und beantragte die sofortige Entlassung aus der Sicherheitshaft. Am 9. November 
2016 bestätigte und ergänzte seine amtliche Verteidigerin, Fürsprecherin 
B.________, die Beschwerde. Die Generalstaatsanwaltschaft betraute am 10. No-
vember 2016 Staatsanwalt D.________, Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura 
– Seeland, mit der Wahrnehmung der staatsanwaltschaftlichen Aufgaben im Be-
schwerdeverfahren. Dieser nahm am 14. November 2016 zur Beschwerde Stellung 
und beantragte sinngemäss deren Abweisung. Das Regionalgericht liess sich glei-
chentags vernehmen und beantragte ebenfalls sinngemäss eine Abweisung der 
Beschwerde. Der Beschwerdeführer replizierte am 21. November 2016 und hielt an 
seinen Anträgen fest. 

2. Gemäss Art. 222 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 Bst. c der Strafprozessordnung (StPO; 
SR 312.0) können Entscheide über die Anordnung der Sicherheitshaft durch die 
verhaftete Person mit Beschwerde angefochten werden. Zuständig ist die Be-
schwerdekammer in Strafsachen (Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 
Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). 
Der Beschwerdeführer ist durch die Anordnung der Sicherheitshaft unmittelbar in 
seinen rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 222, Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristgerechte 
Beschwerde ist einzutreten.

3.

3.1 Das Regionalgericht führte zur Begründung der Ausführungsgefahr aus, der Be-
schwerdeführer sei zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Der 
Haftgrund der Ausführungsgefahr sei letztmals im Entscheid des Regionalen 
Zwangsmassnahmengerichts Berner Jura – Seeland vom 16. August 2016 festge-
stellt worden. Dieser sei aufgrund der gutachterlich attestierten erhöhten Rückfall-
gefahr weiterhin gegeben. Aufgrund der Schwere des begangenen Delikts sowie 
der Höhe der ausgesprochenen Freiheitsstrafe sei die Sicherheitshaft verhältnis-
mässig.

3.2 Dagegen macht der Beschwerdeführer geltend, das vom Regionalgericht erwähnte 
Gutachten sei bereits rund ein Jahr alt. Damals sei ausgeführt worden, es sei im 

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Rahmen einer spezifischen Täter-Opfer-Beziehung zu den aktuellen deliktischen 
Handlungen gekommen. In sonstigen Lebensbereichen seien keine vergleichbaren 
Gewaltdelikte oder sonstige Gewalthandlungen aktenkundig (Gutachten S. 52). Der 
Gutachter sei bei ihm von einer eher günstigen Prognose ausgegangen. Schwer-
wiegende Delikte gegen die körperliche oder psychische Integrität gegenüber an-
deren Personen seien eher nicht zu erwarten. Haft wegen Ausführungsgefahr sei 
aber nur verhältnismässig, wenn die Kriminalprognose sehr ungünstig sei. Dies sei 
gemäss Gutachten gerade nicht der Fall (Gutachten S. 54). Auch seien bei ihm 
keine Delikte von besonders schwerer Natur zu erwarten (Gutachten S. 56). Er sei 
bereits am 3. Februar 2016 vom Zwangsmassnahmengericht aus der Untersu-
chungshaft entlassen worden, unter Anordnung einer psychiatrisch-
psychotherapeutischen Therapie und der Zusammenarbeit mit der Bewährungshilfe 
als Ersatzmassnahmen. Am 16. August 2016 seien die Ersatzmassnahmen er-
gänzt worden mit dem Verbot, sich seiner Schwester weniger als 100 Meter an-
zunähern. Grund dafür seien zwei Aufeinandertreffen mit seiner Schwester gewe-
sen, wobei er sich ihr gegenüber nie aggressiv verhalten habe. Auch bei einem drit-
ten zufälligen Zusammentreffen mit seiner Schwester am 28. September 2016 ha-
be er sich ruhig verhalten. Er habe sich immer an die Auflagen des Zwangsmass-
nahmengerichts gehalten und nie den Konflikt gesucht. Damit habe sich auch 
bestätigt, was der Gutachter bereits festgehalten habe: bei ihm sei nicht mit einer 
erhöhten Gefahr für die Begehung von schwerwiegenden deliktischen Handlungen 
zu rechnen. Anlässlich der Verhandlung vor dem Regionalgericht habe er sich 
während dem Beweisverfahren und den Plädoyers absolut ruhig verhalten. Erst 
unmittelbar vor der Urteilseröffnung habe er seinen Unmut kundgetan. Dieser habe 
sich aber nicht auf die Privatklägerin bezogen, sondern insbesondere auf seine 
Behandlung in der Untersuchungshaft im Regionalgefängnis Burgdorf und auf die 
anwesenden Polizisten. Er habe vor der Verhandlung Alkohol getrunken und sich 
bereits für sein Verhalten entschuldigt. Er sei zu keinem Zeitpunkt gegenüber einer 
Person tätlich geworden oder gegenüber der Privatklägerin drohend aufgetreten.

3.3 Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Stellungnahme zusammengefasst aus, der 
Beschwerdeführer sei vor der Urteilseröffnung am 2. November 2016 völlig ausser 
sich gewesen und habe im Amthaus Biel einen Tumult verursacht. Die Situation sei 
bedrohlich gewesen, nicht nur für die Privatklägerin, sondern auch für das Gericht 
und den Staatsanwalt. Der Beschwerdeführer sei in Bezug auf seine Straftaten in 
keiner Weise einsichtig. Dies würden auch seine Aussagen anlässlich der foren-
sisch-psychiatrischen Untersuchung belegen. Neben der Ausführungsgefahr sei 
auch Fluchtgefahr gegeben, jetzt wo der Beschwerdeführer sein Strafmass kenne. 
Zur Erledigung seiner administrativen Belange in Sicherheitshaft stehe dem Be-
schwerdeführer die Bewährungshilfe zur Seite.

3.4 Das Regionalgericht macht in seiner Vernehmlassung geltend, die Ausführungsge-
fahr beim Beschwerdeführer betreffe nicht die Allgemeinheit, sondern ganz spezi-
fisch dessen Schwester, also das Opfer. Aus den Ausführungen des Gutachtens 
gehe eindeutig hervor, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf seine Schwester 
erhöht rückfallgefährdet sei. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Kontakte 
zwischen ihm und seiner Schwester seien unbestritten. Diese Kontakte seien nicht 
von Seiten des Beschwerdeführers ausgegangen und offenbar nicht ausgeartet. 

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Die vom Zwangsmassnahmengericht am 16. August 2016 bejahte Ausführungsge-
fahr bestehe aber weiterhin und sei mit dem erstinstanzlichen Urteil noch grösser 
geworden, da der Beschwerdeführer nun sein Strafmass kenne. Der Beschwerde-
führer habe anlässlich der Urteilseröffnung vom 2. November 2016 gezeigt, dass er 
in aussergewöhnlichen Situationen zu übermässigem Alkoholkonsum neige. Er 
werde unberechenbar, laut und aggressiv. Dass es zu keinen Tätlichkeiten ge-
kommen sei, habe daran gelegen, dass der Beschwerdeführer durch drei Polizisten 
bewacht worden sei und seine Schwester sich in einem anderen Raum befunden 
habe. Aktuell sei zwischen den Geschwistern eine Erbteilungsstreitigkeit hängig, 
welche auch Beweggrund für die deliktischen Handlungen des Beschwerdeführers 
gewesen sei. 

3.5 In seiner Replik bestreitet der Beschwerdeführer, dass es am 2. November 2016 im 
Amthaus Biel zu einem Tumult gekommen sei. Er habe bloss lautstark seinen Un-
mut geäussert und sei ausfällig geworden, nicht aber handgreiflich. Die Situation 
sei zwar unangenehm gewesen, nicht aber bedrohlich. Die Sicherheitshaft sei da-
her nicht erforderlich gewesen, um ihn ruhig zu stellen. Es wäre ausreichend ge-
wesen, ihn bei der Polizei ausnüchtern zu lassen. Es komme hinzu, dass er sich in 
Bezug auf seine Tat sehr wohl einsichtig zeige. So bereits gegenüber dem Gutach-
ter (vgl. Gutachten S. 26 f.). Es sei ihm klar, dass sich seine Lage weiter ver-
schlechtern würde, wenn er sich gegenüber der Privatklägerin erneut physisch ag-
gressiv verhalte. Er habe aber bei Zusammentreffen mit der Privatklägerin bewie-
sen, dass er sich kontrollieren könne. Die Ausführungsgefahr habe sich nicht erhär-
tet. Er wisse darüber hinaus bereits seit Vorliegen der Anklageschrift, mit welchem 
Strafmass er habe rechnen müssen. Hinsichtlich seines Alkoholkonsums sei nichts 
bekannt. Die Behauptung des Regionalgerichts, er reagiere in aussergewöhnlichen 
Situationen mit übermässigem Alkoholkonsum, lasse sich daher nicht belegen. 
Dass er vor der Urteilseröffnung nur verbal aggressiv und nicht tätlich geworden 
sei, habe nicht etwa an der Bewachung durch die Polizei gelegen. Er sei trotz Al-
koholkonsums nicht physisch aggressiv geworden. Schliesslich könne den Akten 
nicht entnommen werden, dass derzeit eine Erbteilungsstreitigkeit beim Regional-
gericht hängig sei. Selbst wenn dem so wäre, könne damit nicht belegt werden, 
dass die vorgängig angeordneten Ersatzmassnahmen nicht mehr ausreichend 
wären. Er habe sich nach der Haftentlassung an die Anordnungen gehalten und 
sich angemessen verhalten. Dass er die Therapie als sinnlos erachte sei kein Hin-
weis darauf, dass die Ersatzmassnahmen ungenügend gewesen seien. Er sei auch 
bereit, sich weiteren Ersatzmassnahmen zu unterziehen. 

4.

4.1 Von Ausführungsgefahr im Sinn von Art. 221 Abs. 2 StPO ist auszugehen, wenn 
ernsthaft zu befürchten ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres Verbre-
chen auszuführen, wahrmachen. Der Haftgrund der Ausführungsgefahr stellt einen 
selbständigen Haftgrund dar. Er verlangt nicht zwangsläufig noch zusätzlich einen 
dringenden Tatverdacht eines bereits begangenen (untersuchten) Delikts 
(BGE 140 IV 19 E. 2.1.1; FORSTER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 221 StPO, auch zum Folgenden). Bei 
der Annahme, dass die (beschuldigte) Person eine schwere Straftat begehen könn-

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te, ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts Zurückhaltung geboten. Erfor-
derlich ist eine sehr ungünstige Prognose. Nicht Voraussetzung ist hingegen, dass 
bereits konkrete Anstalten getroffen worden sind, um die befürchtete Tat zu vollen-
den. Vielmehr genügt es, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Ausführung aufgrund 
einer Gesamtbewertung der persönlichen Verhältnisse sowie der Umstände als 
sehr hoch erscheint. Besonders bei drohenden schweren Gewaltverbrechen ist da-
bei auch dem psychischen Zustand der (beschuldigten) Person bzw. ihrer Unbere-
chenbarkeit oder Aggressivität Rechnung zu tragen (BGE 137 IV 122 E. 5.2 mit 
weiteren Hinweisen). Bei einer zu befürchtenden vorsätzlichen Tötung darf an die 
Annahme der Ausführungsgefahr kein allzu hoher Massstab angelegt werden. 
Anders zu entscheiden hiesse, das potenzielle Opfer einem nicht verantwortbaren 
Risiko auszusetzen (BGE 137 IV 339 unpubl. E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 123 I 268 
E. 2e). Je schwerer die angedrohte Straftat ist, desto eher rechtfertigt sich eine In-
haftierung, wenn die vorhandenen Fakten keine genaue Risikoeinschätzung erlau-
ben (Urteil des Bundesgerichts 1B_345/2013 vom 28. Oktober 2013 E. 4.1; zum 
Ganzen: BGE 140 IV 19 E. 2.1.1 mit Hinweisen).

4.2 Das Gesetz verlangt eine ernsthafte Befürchtung, das angedrohte Schwerverbre-
chen werde wahr gemacht. Gemäss Gutachten vom 17. Dezember 2015 besteht 
beim Beschwerdeführer eine erhöhte Rückfallgefahr für vergleichbare deliktische 
Handlungen im Rahmen der aktenkundigen speziellen Konfliktsituation zwischen 
ihm und der Privatklägerin (Gutachten S. 56). Die Staatsanwaltschaft ging bereits 
in ihrem Antrag auf Anordnung von Ersatzmassnahmen vom 1. Februar 2016 unter 
Berufung auf das Gutachten davon aus, dass sich die Ausführungsgefahr abge-
schwächt habe. Auch das Regionale Zwangsmassnahmengericht Berner Jura – 
Seeland führte in seinem Entscheid vom 3. Februar 2016 (ARR 16 31) aus, die 
Ausführungsgefahr beim Beschwerdeführer habe nachgelassen. Dies zeigt nicht 
zuletzt die Wahl der Ersatzmassnahmen, welche dem Zwangsmassnahmengericht 
und der Staatsanwaltschaft in Übereinstimmung mit dem Gutachter geeignet er-
schienen (und es auch tatsächlich waren), um die Ausführungsgefahr zu bannen. 
Neben der Anweisung an den Beschwerdeführer, sich durch die Bewährungshilfe 
unterstützen und beraten zu lassen, wurde eine ambulante psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung angeordnet. Der Beschwerdeführer begann da-
her am 8. März 2016 mit einer ambulanten Therapie bei Dr. med. H.________. 
Dem Therapiebericht vom 13. Oktober 2016 ist zu entnehmen, dass die Behand-
lung des Beschwerdeführers nach anfänglichen Schwierigkeiten positiv verlaufen 
ist. Der Therapeut hat beim Beschwerdeführer eine durch Spannungsabbau 
zurückgewonnene Steuerungskontrolle der aggressiven Energien festgestellt. Mehr 
könne durch die ambulante Behandlung mittelfristig nicht erreicht werden. Die Res-
sentimenthaltung und die Konfliktspannung der Privatklägerin gegenüber hätten 
reduziert werden können. Der Beschwerdeführer habe ausserdem zwei wesentli-
che Einsichten gewonnen, nämlich dass sein Verhalten gegenüber der Privatkläge-
rin unangemessen scharf und gefährlich gewesen sei, und dass die gesundheitli-
chen und traumatischen Folgen der Tat nicht überlegt und erkannt worden seien, 
was zur Steuerung einer Tat von hoher Relevanz sei. Dr. H.________ schlug des-
halb vor, die ambulante Ersatzmassnahme zu beenden. 

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4.3 Es ist seit der Entlassung des Beschwerdeführers aus der Untersuchungshaft 
dreimal zu zufälligen Zusammentreffen mit der Privatklägerin gekommen. Der ge-
naue Ablauf dieser Begegnungen kann nicht mehr mit Sicherheit rekonstruiert wer-
den. Es steht aber fest, dass es nie zu einer Eskalation der Situation gekommen 
ist. Diese Begegnungen fanden im Sommer 2016 statt, also zu einer Zeit, in der die 
Erfolge der ambulanten Therapie sich schon eingestellt haben dürften. Es kann da-
her nicht unbeachtet dieser Entwicklungen beim Beschwerdeführer auf die 
Schlussfolgerungen des Gutachtens abgestellt werden. Auch wenn der Beschwer-
deführer weitgehend nicht therapiewillig war und die Behandlung noch an der 
Hauptverhandlung als sinnlos und «Geldverschwenderei» bezeichnete (pag. 0813 
Z. 46), hat sie doch Erfolge gebracht, welche sich in den Begegnungen zwischen 
dem Beschwerdeführer und der Privatklägerin niedergeschlagen haben. 

4.4 Das Regionalgericht nahm den Vorfall anlässlich der Hauptverhandlung zum An-
lass, den Beschwerdeführer in Sicherheitshaft zu versetzen. Dieser Wutausbruch 
des Beschwerdeführers richtete sich aber nicht etwa gegen die Privatklägerin, son-
dern gegen den Staatsanwalt und die anwesenden Polizisten. Die Reaktion des 
Beschwerdeführers macht deutlich, dass er emotionalem Stress nach wie vor ag-
gressiv begegnet. Seine Aggressionen sind aber angesichts der damals bevorste-
henden Urteilseröffnung und in Anbetracht seines stark alkoholisierten Zustandes 
in gewissem Masse nachvollziehbar. Ausserdem wurde der Beschwerdeführer 
nicht etwa handgreiflich, sondern beliess es bei verbalen Attacken gegen die An-
wesenden. Aus diesem Vorfall abzuleiten, die therapeutischen Erfolge beim Be-
schwerdeführer seien dahingefallen, obschon sich der Vorfall nicht einmal gegen 
die Privatklägerin richtete, vermag nicht zu überzeugen. Obwohl der Beschwerde-
führer dreimal zufällig auf die Privatklägerin traf, kam es seit Beginn der Therapie 
zu keiner deliktischen Handlung mehr. Die Ausführungsgefahr muss folglich heute 
anders beurteilt werden als noch im Gutachten vom Dezember 2015. Dass der Be-
schwerdeführer erstinstanzlich zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, ver-
mag daran nichts zu ändern, zumal er gegen dieses Urteil Berufung angemeldet 
hat. Auch der hängige Erbteilungsstreit ist nicht geeignet, an dieser Einschätzung 
etwas zu ändern. Dieser Streit war zwar mutmasslich mit ein Beweggrund für die 
Tat des Beschwerdeführers, dieser konnte sich aber trotz laufendem zivilrechtli-
chem Verfahren bei den drei zufälligen Zusammentreffen mit der Privatklägerin 
zurückhalten und den therapeutischen Erfolg unter Beweis stellen. Die Aus-
führungsgefahr ist demnach zu verneinen.

5.

5.1 Der Staatsanwalt macht in seiner Stellungnahme ausserdem Fluchtgefahr geltend. 
Nach der Eröffnung des Urteils sei es dem Beschwerdeführer zuzutrauen, dass er 
– angesichts der ausgefällten langjährigen Freiheitsstrafe – die Schweiz verlasse 
und sich so der Freiheitsstrafe entziehe. Der Beschwerdeführer sei reisegewohnt, 
spreche angeblich neun Fremdsprachen und es gebe nichts, was den Alleinste-
henden in der Schweiz halte.

5.2 Dagegen wendet der Beschwerdeführer in seiner Replik ein, nicht einmal das Re-
gionalgericht habe sich auf den Haftgrund der Fluchtgefahr berufen. Sein Lebens-

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mittelpunkt sei seit rund 15 Jahren die Schweiz. Er habe keine Absichten, nach der 
Urteilsfällung etwas daran zu ändern, zumal ihm die Anklageschrift und damit der 
mögliche Verfahrensausgang bereits seit Monaten bekannt gewesen seien.

5.3 Fluchtgefahr liegt gemäss Art. 221 Abs. 1 Bst. a StPO vor, wenn ernsthaft zu be-
fürchten ist, dass sich die beschuldigte Person durch Flucht der Strafverfolgung 
oder der zu erwartenden Sanktion entzieht. Dies ist beim Beschwerdeführer nicht 
der Fall. Er wurde erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. 
Die Schwere der Strafe darf zwar als Indiz für die Fluchtgefahr gewertet werden. 
Sie allein genügt jedoch nicht, um den Haftgrund zu bejahen (BGE 125 I 60 E. 3a; 
Urteil des Bundesgerichts 1B_126/2012 und 1B_146/2012 vom 26. März 2012 
E. 3.3.2). Werden die gesamten Lebensumstände des Beschwerdeführers in Be-
tracht gezogen, ist kaum davon auszugehen, dass sich dieser ins Ausland abset-
zen oder in der Schweiz untertauchen könnte. Der Beschwerdeführer ist bereits 65 
Jahre alt. Sein Lebensmittelpunkt liegt in der Schweiz. Dass er sich selber Einzel-
gänger und Globetrotter bezeichnet und in seinem Leben schon mehrere ausge-
dehnte Reisen unternommen hat, darf ihm nicht zum Nachteil ausgelegt werden. 
Immerhin befand sich der Beschwerdeführer seit Februar 2016 auf freiem Fuss und 
machte – trotz Kenntnis der von der Staatsanwaltschaft beantragten Freiheitsstrafe 
von sechs Jahren – keine Anstalten zur Flucht. Der Haftgrund der Fluchtgefahr ist 
daher zu verneinen.

6. Insgesamt liegen gegen den Beschwerdeführer keine Haftgründe vor. Ausführun-
gen zu Ersatzmassnahmen erübrigen sich daher. Die angeordnete Sicherheitshaft 
erweist sich als rechtswidrig. Sie ist aufzuheben und der Beschwerdeführer unver-
züglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen.

7. Der Beschwerdeführer obsiegt im Beschwerdeverfahren. Die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens sind daher vom Kanton Bern zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). 
Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung ist am Ende des Verfahrens durch 
das urteilende Gericht festzusetzen (Art. 135 Abs. 2 StPO).

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung des Regionalgerichts Berner Jura 
– Seeland vom 2. November 2016, Ziffer V.1., wird aufgehoben und der Beschwerde-
führer aus der Sicherheitshaft entlassen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1‘500.00, werden vom 
Kanton Bern getragen.

3. Zu eröffnen (vorab per Fax):
- dem Beschuldigten/Beschwerdeführer, a.v.d. Fürsprecherin B.________
- dem Regionalgericht Berner Jura – Seeland, Gerichtspräsident I.________ 

(mit den Akten)
- Staatsanwalt D.________, Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura – Seeland

Mitzuteilen (vorab per Fax):
- der Privatklägerin 
- der Generalstaatsanwaltschaft
- dem Regionalgefängnis G.________

Bern, 24. November 2016 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell

Die Gerichtsschreiberin:

Bohren

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be-
schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.