# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e99bcd4c-99cd-5982-8c2b-0fc4a61e696c
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 10.10.2023 VBE.2023.154
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-154_2023-10-10.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2023.154 / aw / fi 
Art. 110 

 

 

Urteil vom 10. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Merkofer  

Gerichtsschreiber i.V. Walder          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin 

 A._____   

vertreten durch MLaw Mark A. Glavas, Rechtsanwalt, Markusstrasse 10, 

8006 Zürich 

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin 

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 16. Februar 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1959 geborene, zuletzt als Schneesportlehrerin tätig gewesene Be-

schwerdeführerin meldete sich am 7. Januar 2021 bei der Beschwerdegeg-

nerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration/Rente) der Eidge-

nössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte 

daraufhin Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht, holte 

dabei auch die Akten der Unfallversicherung (Schweizerische Mobiliar Ver-

sicherungsgesellschaft AG) ein und nahm Rücksprache mit einer Ärztin ih-

res Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). Mit Vorbescheid vom 10. März 

2022 stellte sie der Beschwerdeführerin die Abweisung deren Rentenbe-

gehrens in Aussicht. Aufgrund der dagegen erhobenen Einwände traf die 

Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen und nahm erneut Rücksprache 

mit der RAD-Ärztin. In der Folge verneinte sie mit Verfügung vom 16. Feb-

ruar 2023 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 16. Februar 2023 erhob die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 20. März 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte fol-

gende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die angefochtene Verfügung vom 16. Februar 2023 sei aufzuheben 
und die vorliegende Streitsache sei zu weiteren Abklärungen (insbe-
sondere einer polydisziplinären Begutachtung) an die Beschwerdegeg-
nerin zurückzuweisen. 

 
 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7 % Mehr-

wertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 5. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Rentenbegeh-

rens damit, dass aufgrund der Beurteilung des RAD davon auszugehen sei, 

dass die Beschwerdeführerin, die ohne Gesundheitsschaden zu 50 % er-

werbs- und zu 50 % im Haushalt tätig wäre, in der angestammten Tätigkeit 

aus orthopädischer Sicht seit 20. April 2020 und aus ophthalmologischer 

Sicht seit 27. Mai 2020 wieder zu 100 % arbeitsfähig sei (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 76 S. 1 f.). Bezüglich des Haushaltsbereichs ging die 

 - 3 - 

 

 

 

Beschwerdegegnerin gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin auf 

dem Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt vom 4. Februar 

2021 (VB 28) von keinen relevanten Einschränkungen aus. In Anwendung 

der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung ermittelte sie so einen 

Invaliditätsgrad von 0 %. Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber 

im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass die Beschwerdegegnerin den 

anspruchsrelevanten medizinischen Sachverhalt nicht umfassend abge-

klärt habe und überdies zu Unrecht von einer lediglich teilzeitlichen Er-

werbstätigkeit im Gesundheitsfall ausgegangen sei. Es seien weitere Ab-

klärungen (insbesondere eine polydisziplinäre Begutachtung) erforderlich, 

damit ihr Rentenanspruch zuverlässig beurteilt werden könne (Beschwerde 

S. 7 Ziffer 12). 

 

1.2. 

Streitig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin das Ren-

tenbegehren der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. Februar 2023 

(VB 76) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Ände-

rungen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche An-

sprüche des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind 

daher nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Be-

stimmungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

In der angefochtenen Verfügung vom 16. Februar 2023 (VB 76) stützte sich 

die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die 

auf den Akten basierenden Beurteilungen ihrer RAD-Ärztin 

Dr. med. B._____, Praktische Ärztin (VB 53; 67; 74). 

 

3.1. 

Mit Stellungnahme vom 1. März 2022 hielt Dr. med. B._____ fest, dass in 

den medizinischen Unterlagen ophthalmologischerseits derzeit eine stabile 

Situation beschrieben werde und es keine Hinweise auf ein Rezidiv der 

Riesenzellarteriitis mit vollständigem Visusverlust rechts und unbeeinträch-

tigter Sehfunktion am linken Auge gebe. Aus rein ophthalmologischer Sicht 

 - 4 - 

 

 

 

sei die Beschwerdeführerin im Rahmen der bestehenden funktionellen Mo-

nokelsituation für die angestammte Tätigkeit zu 100 % arbeits- und leis-

tungsfähig. Ab dem 27. Mai 2020 sei die Beschwerdeführerin aus ophthal-

mologischer Sicht wieder voll arbeitsfähig, da für die Aufgaben als Sport-

coach keine Stereopsis benötigt werde. Hinsichtlich der nephrologischen 

Diagnose befinde sich die Beschwerdeführerin gemäss Behandler seit 

2011 in Remission. Von der Klinik C._____ in Q._____ sei ihr bei Status 

nach Sportunfall vom 9. Januar 2020 für die Zeit vom 19. Januar bis 

19. April 2020 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Danach sei sie 

wieder vollständig arbeitsfähig gewesen. Was die Verletzung des 

Kniegelenks anbelange, sei die Beschwerdeführerin beschwerdefrei, 

hinsichtlich der vorbestehenden Lumbalgie sei ihr Physiotherapie verordnet 

und ein konservatives Vorgehen gewählt worden. Weitere orthopädische 

Befunde lägen nicht vor. Ab 20. April 2020 würde aus orthopädischer Sicht 

eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehen. Was die Beurteilung der 

Leistungsfähigkeit im Haushaltsbereich anbelange, sei aus medizinischer 

Sicht davon auszugehen, dass das unbeeinträchtigte linke Auge mit 

unkorrigiertem Sehvermögen von 1,6 den Visusverlust des rechten Auges 

kompensiere. Tätigkeiten, die mit erhöhten Anforderungen an das 

räumliche Tiefensehen verbunden seien, könnten eingeschränkt sein. Bei 

üblichen Haushaltstätigkeiten, inkl. Geschirrspülmaschine Ausräumen, 

seien keine Einschränkungen zu erwarten. Aus ophthalmologischer Sicht 

seien der Beschwerdeführerin Tätigkeiten zumutbar, welche keiner 

Stereopsis oder Beidäugigkeit bedürften (VB 53 S. 2). 

 

3.2. 

In einer weiteren Stellungnahme vom 26. Oktober 2022 hielt 

Dr. med. B._____ im Wesentlichen fest, dass die ophthalmologische Ein-

schätzung von med. pract. D._____ vom 24. März 2021 (VB 35 S. 2 f.) aus 

medizinischer Sicht nachvollziehbar und plausibel sei. Die angestammte 

Tätigkeit als Sportcoach mit Begleitung der Sportler auf der Skipiste und 

auch administrativ-organisatorischen Aufgaben sollte der Beschwerdefüh-

rerin vor dem Hintergrund der bestehenden Fahrtauglichkeit zumutbar sein. 

Die im rheumatologischen Bericht von Dr. med. E._____, Facharzt für 

Allgemeine Innere Medizin, für Physikalische Medizin und Rehabilitation 

sowie für Rheumatologie, vom 22. Juni 2022 (VB 62) beschriebene 

Therapie mit Actemra führe bei der Beschwerdeführerin zu Energielosigkeit 

mit Müdigkeit und Nausea. Aus medizinischer Sicht seien diese 

Begleiterscheinungen als für wenige Tage bis eine Woche anhaltend 

beschrieben, also zeitlich begrenzt. Die Behandlungsdauer mit Actemra sei 

abhängig vom klinischen Bild. Vor dem Hintergrund der aktuell 

vorliegenden Dokumentation würden sich keine neuen medizinischen 

Erkenntnisse ergeben (VB 67 S. 2).  

 

 - 5 - 

 

 

 

3.3. 

Am 23. Januar 2023 hielt RAD-Ärztin Dr. med. B._____ schliesslich bezüg-

lich des Berichts von PD Dr. med. F._____, Facharzt für Allgemeine Innere 

Medizin sowie für Allergologie und klinische Immunologie, vom 29. Juni 

2022 (VB 68 S. 3 f.) fest, dass die Grossgefässvaskulitis unter Therapie mit 

Actemra seit zwei Jahren weiterhin klinisch in Remission sei. Bei Status 

nach Minimal Change Glomerulonephritis 2010 bestehe seit 2011 eine an-

haltende Remission. Bezüglich der diagnostizierten Hypogammaglobulinä-

mie und Lymphopenie (am ehesten sekundär im Rahmen der Kortikos-

teroidtherapie) seien keine vermehrten Infekte berichtet worden. Demnach 

bestünden keine neuen versicherungsmedizinisch relevanten Befunde 

(VB 74). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-

tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut-

achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-

forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-

lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 

E. 4.4 S. 469 f. und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

 - 6 - 

 

 

 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesge-

richts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. De-

zember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, dass erhebliche Zwei-

fel an den – im Widerspruch zur Einschätzung der behandelnden Ärzte ste-

henden – Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. med. B._____ bestünden und 

die Beschwerdegegnerin Art. 43 ATSG verletzt habe, indem sie den medi-

zinischen Sachverhalt nicht umfassend abgeklärt habe. Zu berücksichtigen 

sei namentlich, dass auch Wechselwirkungen der verschiedenen Be-

schwerdeproblematiken bestünden und die aktuellen Therapien zu deutli-

chen Leistungseinschränkungen führen würden (Beschwerde S. 3 ff.). 

 

5.2. 

Aus den Berichten der behandelnden Ärzte geht im Wesentlichen Folgen-

des hervor: 

 

5.2.1. 

Med. pract D._____, Kantonsspital G._____, Augenklinik, führte im Bericht 

vom 24. März 2021 aus, dass die Beschwerdeführerin als Sportcoach je-

weils während der Wintersaison von November bis Mai tätig gewesen sei. 

Dabei habe sie unterschiedlichste Aufgaben verrichtet, die von rein admi-

nistrativ/organisatorischen Tätigkeiten über Coaching der Sportler bis hin 

zur Begleitung auf der Skipiste gereicht hätten. Aus rein ophthalmologi-

scher Sicht sei die Beschwerdeführerin in dieser Tätigkeit im Rahmen der 

bestehenden funktionellen Monokelsituation zu 100 % arbeits- und leis-

tungsfähig, mit Ausnahme der Zeit vom 20. bis 26. Mai 2020, in welcher sie 

stationär behandelt worden sei. Seit dem 27. Mai 2020 sei die Beschwer-

deführerin aus ophthalmologischer Sicht wieder voll arbeitsfähig, da für die 

geschilderten Aufgaben keine Stereopsis benötigt werde. Da die akute ein-

seitige Erblindung für die Beschwerdeführerin verständlicherweise eine 

starke psychische Belastungssituation darstelle, was zudem durch die ge-

genwärtige Pandemie-Situation unter bestehender Immunsuppression ver-

stärkt werde, sei dies bei der Beurteilung ihrer Arbeits- und Leistungsfähig-

keit mitzuberücksichtigen, wofür allerdings auf den Hausarzt zu verweisen 

sei (VB 35 S. 2). 

 

5.2.2. 

Dr. med. H._____, Facharzt für Nephrologie sowie für Allgemeine Innere 

Medizin, hielt im Bericht vom 22. Dezember 2021 unter anderem fest, dass 

bezüglich der Nierenerkrankung zwar Symptomfreiheit bestehe, die 

Beschwerdeführerin aber – neben den direkten Folgen der Riesenzellar-

teritis – seit vielen Monaten an einem Rauschen in beiden Ohren, rechts 

mehr als links, leide. Das Rauschen, das teilweise pulssynchron sei, sei 

 - 7 - 

 

 

 

HNO-ärztlich, neurologisch und internistisch abgeklärt worden. Leider habe 

keine reversible Ursache identifiziert werden können. Subjektiv leide die 

Beschwerdeführerin vor allem am Tinnitus sowie an den Nebenwirkungen 

der immunsuppressiven Therapie; insbesondere die Einnahme von Ste-

roiden möchte sie möglichst minimieren. Zusätzliche Stressoren, welche 

sie stark belasten würden, seien die Ungewissheit bezüglich der notwen-

digen Therapiedauer einerseits und andererseits das Fehlen von ver-

lässlichen Verlaufsparametern, die vor einer erneuten Aktivität warnen 

würden, sobald die aktuelle Therapie abgesetzt werden würde (VB 52 

S. 5). Ein Tinnitus habe oft eine ungünstige Prognose; langfristig 

invalidisierende Verläufe seien aus der Literatur bekannt. Diesbezüglich sei 

eine Betreuung bzw. eine Beurteilung durch einen entsprechenden 

Facharzt indiziert. Die Anpassungsstörung sei für die Beschwerdeführerin 

aktuell sehr belastend. Sofern keine Rezidive auftreten würden, sei die 

Prognose aber in der Regel günstig. Auch hier sei eine fachärztliche 

Beurteilung für die genaue Einschätzung der Prognose unerlässlich (VB 52 

S. 6). Es bestünden Funktionseinschränkungen in Form der Visusstörung 

mit Verlust eines grossen Teils des (rechten) Gesichtsfeldes und von 

Störungen der Konzentrationsfähigkeit und der körperlichen wie auch 

geistigen Belastbarkeit durch die begleitenden Erkrankungen (Tinnitus, 

Anpassungsstörung) (VB 52 S. 7). Inwieweit es der Beschwerdeführerin 

zumutbar sei, der angestammten bzw. einer angepassten Tätigkeit nach-

zugehen, könne er – Dr. med. H._____ – nicht beurteilen. Hauptursache 

der Arbeitsunfähigkeit sei die irreversible einseitige Erblindung. Die 

Prognose bezüglich Eingliederung sei davon abhängig, wie weit die 

Einschränkungen kompensiert werden könnten. Es handle sich um eine 

sehr komplexe Situation, in der die Arbeitsfähigkeit einerseits durch ein 

Leiden eingeschränkt werde, dessen Auswirkung sich schwer 

quantifizieren lasse, und andererseits die somatischen Ausfälle durch die 

psychischen Faktoren verstärkt und überlagert würden. Um die 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fair und möglichst gut beurteilen zu kön-

nen, sei allenfalls eine interdisziplinäre Untersuchung der Beschwerdefüh-

rerin in einer medizinischen Einrichtung der IV sinnvoll (VB 52 S. 8).  

 

5.2.3. 

Dr. med. E._____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, für 

Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, hielt im 

Bericht vom 22. Juni 2022 fest, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der 

Arteriitis temporalis aktuell und weiterhin mit dem Medikament Actemra 

(Interleukin-6-Antagonist) behandelt werde. Es komme nach Applikation 

von Actemra zu einer einige Tage bis eine Woche anhaltenden 

Energielosigkeit mit Müdigkeit sowie Nausea. Dies beeinträchtige die 

Beschwerdeführerin in ihrer Leistungsfähigkeit erheblich. Zudem sei seit 

der Erkrankung und Diagnosestellung eine allgemeine Erschöpfung zu 

verzeichnen. Die Erblindung mit komplettem Visusverlust rechts bedinge 

 - 8 - 

 

 

 

eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und Leistungsfähigkeit (VB 62 

S. 2). 

 

5.2.4. 

Im Bericht vom 16. September 2022 hielt Dr. med. H._____ weiter fest, 

dass die immunsuppressive Therapie seit Frühjahr 2020 ununterbrochen 

weitergeführt werden müsse, um einem Wiederaufflammen der 

Grunderkrankung vorzubeugen. Dosierung und Frequenz der Behandlung 

hätten erst im Verlauf der letzten Monate sukzessive reduziert werden 

können. Als Folge der Autoimmunerkrankung einerseits und aufgrund der 

Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente andererseits sei es leider 

zu mehreren Folgekrankheiten/-problemen gekommen, die den Verlauf 

weiter kompliziert hätten und auch aktuell noch weiter komplizieren würden. 

Aus diesen Gründen sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit 

Auftreten der Symptome der Riesenzellarteriitis dauernd eingeschränkt 

(Beschwerdebeilage [BB] 5 S. 3). 

 

5.2.5. 

Dr. med. I._____, Fachärztin für Ophthalmologie, hielt in ihrem Bericht vom 

16. Februar 2023 fest, dass die Befunde und die Einnahme der Medikation 

es der Beschwerdeführerin sowohl aus physischer wie auch aus 

psychischer Sicht unmöglich machten, in deren ehemaliges Arbeitsleben 

zurückzukehren (VB 77). 

 

5.3. 

Die RAD-Ärztin Dr. med. B._____ ging in ihren Aktenbeurteilungen insbe-

sondere gestützt auf den Bericht von med. pract. D._____ vom 24. März 

2021 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus. Dabei berücksichtigte sie 

indes ausschliesslich die aus dem rechtsseitigen Visusverlust resultierende 

Einschränkung. Aus den Berichten der behandelnden Ärzte, auch denjeni-

gen von med. pract. D._____, geht indes hervor, dass die 

Beschwerdeführerin nicht nur aufgrund der einseitigen Erblindung, sondern 

auch infolge der Nebenwirkungen der Behandlung der 

Autoimmunerkrankung, des Tinnitus und von psychischen Beschwerden in 

ihrem funktionellen Leistungsvermögen beeinträchtigt ist. RAD-Ärztin 

Dr. med. B._____ setzte sich indes nicht mit den von ihrer Einschätzung 

abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte auseinander. Sie 

hielt lediglich fest, dass die ophthalmologische Einschätzung von 

med. pract. D._____ vom 24. März 2021 medizinischerseits 

nachvollziehbar und plausibel sei und die bei der Behandlung mit Actemra 

auftretende Energielosigkeit mit Müdigkeit und Nausea jeweils wenige 

Tage bis eine Woche anhalte und damit zeitlich begrenzt sei (vgl. VB 67 

S. 2). Aus den Akten geht zwar nicht klar hervor, in welchen zeitlichen 

Intervallen die fragliche medikamentöse Behandlung im Verlauf seit deren 

Beginn im Jahr 2020 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung 

durchgeführt wurde. Med. pract. D._____ gab im März 2021 aber an, die 

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Actemra-Infusionen fänden alle fünf Wochen statt (vgl. Bericht vom 

17. März 2021 [VB 35 S. 5]), Dr. med. F._____ führte am 29. Juni 2022 

hierzu aus, dass das Intervall der Actemra-Applikation sukzessive auf alle 

drei bis vier Wochen ausgedehnt worden sei (vgl. Bericht vom 29. Juni 

2022 [VB 68 S. 4]) und Dr. med. H._____ hielt am 16. September 2022 

fest, die Dosierung und Frequenz der Behandlung hätten erst im Verlauf 

der letzten Monate sukzessive reduziert werden können (BB 5 S. 3). Sofern 

es nach den Infusionen regelmässig zu bis zu einer Woche anhaltenden, 

die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Nebenwirkungen kam bzw. kommt, 

kann deren Anspruchsrelevanz – entgegen der diesbezüglichen 

Einschätzung von RAD-Ärztin Dr. med. B._____ – nicht a priori verneint 

werden. Was sodann die psychische Symptomatik anbelangt, massen die 

behandelnden Ärzte dieser durchaus einschränkende Wirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit zu. So hielt auch med. pract. D._____ ausdrücklich fest, 

dass eine starke psychologische Belastungssituation für die 

Beschwerdeführerin bestehe, die durch die Pandemie-Situation unter 

bestehender Immunsuppression noch verstärkt worden sei und folglich im 

Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mitzuberücksichtigen sei. 

Zudem gab die Beschwerdeführerin an, in der Psychologischen Praxis 

J._____ in R._____ in Behandlung gestanden zu haben (VB 55 S. 2). 

Dennoch ging die Beschwerdegegnerin, ohne jegliche entsprechende 

Abklärungen getroffen zu haben, von keinem relevanten psychischen 

Gesundheitsschaden aus. Weiter äusserte sich RAD-Ärztin 

Dr. med. B._____ auch nicht zur starken Belastung durch den Tinnitus 

(vgl. VB 83 S. 19; 52 S. 7). Folglich bestehen zumindest geringe Zweifel an 

der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen 

Feststellungen der RAD-Ärztin Dr. med. B._____, weshalb darauf nicht ab-

gestellt werden kann (vgl. E. 4.2. hiervor). 

 

5.4. 

Was sodann die Frage betrifft, in welchem Umfang die Beschwerdeführe-

rin, wäre sie gesund, erwerbs- bzw. im Haushaltsbereich tätig wäre, gab 

diese im Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt am 4. Februar 

2021 an, dass sie im Gesundheitsfall einer Erwerbstätigkeit nachgehen 

würde (VB 28 S. 2). Ergänzend führte sie in ihrer Beschwerde aus, dass 

sie ein Vollzeitpensum ausüben würde, sofern sie gesund geblieben wäre, 

zumal auch überhaupt keine Gründe vorliegen würden, welche dies verhin-

dert hätten (vgl. auch Beschwerde Rz. 14). Dass sie zuletzt lediglich über 

eine saisonale Anstellung (bei der sie auf Abruf tätig war [vgl. VB 24.1 S. 3]) 

verfügte, begründete sie plausibel damit, dass sie ihre frühere Stelle auf-

grund ihrer Nierenerkrankung sowie der Pflege ihrer (zwischenzeitlich ver-

storbenen) Eltern aufgegeben habe und ihre vor dem einseitigen Visusver-

lust unternommenen Bemühungen, wieder eine Stelle im Vollzeitpensum 

zu finden, erfolglos verlaufen seien (vgl. VB 28 S. 1, Beschwerde Rz. 14 

und BB 3). Insofern leuchtet nicht ein, dass die Beschwerdegegnerin die 

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Beschwerdeführerin bei der Bemessung des Invaliditätsgrades ohne wei-

tere entsprechende Abklärungen als zu 50 % erwerbs- und zu 50 % im Auf-

gabenbereich Haushalt tätig qualifizierte. Im Übrigen hat die IV-Stelle, in 

Fällen, in denen von einer (teilweisen) Tätigkeit der versicherten Person im 

Aufgabenbereich Haushalt auszugehen ist, die gesundheitlich bedingten 

Einschränkungen im Haushalt grundsätzlich durch eine Abklärung vor Ort 

zu ermitteln (Rz. 3600 des Kreisschreibens über Invalidität und Rente in 

der Invalidenversicherung [KSIR, gültig ab 1. Januar 2022]), worauf die Be-

schwerdegegnerin vorliegend – aus angesichts der konkreten Gegebenhei-

ten nicht ohne Weiteres nachvollziehbaren Gründen – verzichtete. 

 

5.5. 

Zusammenfassend erscheint der für die Beurteilung des Rentenanspruchs 

der Beschwerdeführerin massgebende Sachverhalt im Lichte der Untersu-

chungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 

E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 S. 195; UELI KIE-

SER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) als nicht 

rechtsgenüglich erstellt. Es rechtfertigt sich deshalb, die Sache – wie von 

der Beschwerdeführerin beantragt – zu weiteren Abklärungen an die Be-

schwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 

BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefoch-

tene Verfügung vom 16. Februar 2023 ist aufzuheben und die Sache ist zur 

weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensausgang und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

6.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz ihrer 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

 - 11 - 

 

 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 16. Februar 2023 

aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä-

gungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewie-

sen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin die 

Parteikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 3'300.00 zu bezahlen. 

 

 
 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 10. Oktober 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Peterhans Walder