# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26e378bd-3bb9-5600-926f-db52cba0c989
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-04
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 04.06.2024 BS 2023 88
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BS-2023-88_2024-06-04.pdf

## Full Text

20240412_154033_ANOM.docx

I. Beschwerdeabteilung BS 2023 88

Oberrichter St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter M. Siegwart
Oberrichter A. Staub
Gerichtsschreiber C. Schwegler

Beschluss vom 4. Juni 2024 [rechtskräftig]

in Sachen

A.________,
Beschwerdeführerin und Gesuchstellerin,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, I. Abteilung, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug,
vertreten durch Staatsanwältin C.________, 
Beschwerdegegnerin,

und

Staatsanwältin C.________, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug,
Gesuchsgegnerin,

betreffend

Einstellung / Ausstand

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Sachverhalt

1. Am 2. Dezember 2020 reichte A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) eine Strafan-
zeige gegen den Gutachter Dr.med. D.________ (nachfolgend: Beschuldigter) betreffend Ur-
kundenfälschung ein. Sie machte darin geltend, der Beschuldigte habe in seinem psychiatri-
schen Gutachten ihre Aussagen unzutreffend wiedergegeben und im Gutachten aufgeführte 
Testverfahren gar nicht durchgeführt (1A 2022 487). Die zugleich eingereichten Strafanzei-
gen gegen die Gutachter der B.________ AG (Prof. Dr.med. E.________, Dr.med. 
F.________, Dr.med. G.________ und Dr.med. H.________) wurden von der Staatsanwalt-
schaft in einem separaten Verfahren behandelt (1A 2020 1969). 

2. Am 12. September 2022 stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen den Be-
schuldigten wegen Urkundenfälschung ein, nahm die Verfahrenskosten auf die Staatskasse 
und sprach dem Beschuldigten keine Entschädigung und keine Genugtuung zu. In Gutheis-
sung der dagegen eingereichten Beschwerde der Beschwerdeführerin hob die I. Beschwer-
deabteilung des Obergerichts des Kantons Zug mit Beschluss vom 4. November 2022 die 
Einstellungsverfügung auf (Verfahren BS 2022 84). Zur Begründung führte sie im Wesentli-
chen Folgendes aus: 

2.1 Der Beschuldigte als Ersteller eines von der kantonalen IV-Stelle in Auftrag gegebenen poly-
disziplinären medizinischen Gutachtens sei mit einer öffentlich-rechtlichen Aufgabe betraut 
und habe deshalb eine beamtenähnliche Stellung inne. Er sei somit im Rahmen der Begut-
achtung der Beschwerdeführerin im Auftrag der Sozialversicherungsanstalt I.________ funk-
tionell Beamter im Sinne von Art. 317 StGB gewesen. Die Vorwürfe gegen den Beschuldig-
ten seien deshalb nicht hinsichtlich des allgemeinen Tatbestands der Urkundenfälschung 
nach Art. 251 StGB, sondern gemäss Art. 317 StGB wegen Urkundenfälschung im Amt zu 
prüfen. Die Staatsanwaltschaft habe eine fahrlässige Urkundenfälschung nicht geprüft und 
deshalb auch nicht die hierfür erforderlichen Beweismittel erhoben, weshalb der Sachverhalt 
nicht genügend klar sei, um gestützt darauf das Strafverfahren gegen den Beschuldigten ein-
zustellen.

2.2 Die Beschwerdeführerin mache geltend, dass der Beschuldigte gewisse ihrer Ausführungen 
anlässlich des Explorationsgesprächs im Gutachten falsch wiedergegeben habe. Der Be-
schuldigte habe anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme eingeräumt, dass seine 
Ausführungen im Gutachten teilweise nicht mit den Angaben der Beschwerdeführerin 
übereingestimmt hätten, oder habe die Abweichung des Gutachtens von den Angaben der 
Beschwerdeführerin im Anamnesegespräch nicht erklären können. Darüber hinaus sei nicht 
nachvollziehbar, wie der Beschuldigte entgegen den Aussagen der Beschwerdeführerin zum 
Schluss komme, sie habe sehr gute soziale Interaktion im Familien- und Freundeskreis und 
verfüge über eine vollständige Tagesstruktur. Der blosse Hinweis, dies sei seine Beurteilung, 
vermöge diese Diskrepanzen jedenfalls nicht zu entkräften. Auch die Widersprüche bezüglich 
Schlaftabletten und der (gemäss Tonaufnahmen nie so geäusserten) Bemerkung im Gutach-
ten, die Beschwerdeführerin konsumiere Cannabistropfen, habe der Beschuldigte nicht 
nachvollziehbar auflösen können. Es sei somit möglich, dass im psychiatrischen Gutachten 
des Beschuldigten Tatsachen aufgeführt seien, welche nicht der Wirklichkeit entsprächen. 
Entsprechende Feststellungen der Staatsanwaltschaft fehlten jedoch in der Einstellungsver-

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fügung. Ebenso bleibe unklar, ob bzw. inwiefern diese Tatsachen rechtlich erheblich seien 
und ob dadurch eine inhaltlich falsche Urkunde geschaffen worden sei.

2.3 Nicht nachvollziehbar sei, wie die Staatsanwaltschaft zum Schluss gelange, es könne nicht 
nachgewiesen werden, dass dokumentierte Testverfahren anlässlich des Explorationsge-
sprächs nicht durchgeführt worden seien. Der Beschuldigte habe nicht bestritten, die psycho-
logischen Testverfahren nicht anlässlich der Begutachtung mit der Beschwerdeführerin, son-
dern erst nachträglich durchgeführt zu haben. Soweit ersichtlich, habe die Staatsanwaltschaft 
das Ergebnis dieser nachträglichen Beurteilung nicht zu den Akten genommen. Somit lasse 
sich nicht nachvollziehen, ob die relevanten Parameter vom Beschuldigten abgefragt oder – 
wie die Beschwerdeführerin geltend mache – wichtige Informationen gar nicht erhoben wor-
den seien. Zudem sei nicht ersichtlich, ob der Beschuldigte bei der Beurteilung von einem 
Sachverhalt ausgegangen sei, welcher den Schilderungen der Beschwerdeführerin wider-
sprochen habe oder zu welchem sie nicht befragt worden sei. Auch fehlten Abklärungen, ob 
das nachträgliche Ausfüllen der testpsychologischen Verfahren den gutachterlichen Stan-
dards entspreche.

3. Am 12. Dezember 2022 stellte die Gesuchstellerin beim Obergericht Zug den Antrag, die un-
tersuchende Staatsanwältin C.________ (nachfolgend: Gesuchsgegnerin) habe in den 
Ausstand zu treten. Dieses Gesuch wies die I. Beschwerdeabteilung des Obergerichts mit 
Beschluss vom 14. März 2023 ab (Verfahren BS 2022 106). 

4. Mit Eingabe vom 24. Juli 2023 stellte die Gesuchstellerin erneut ein Ausstandsgesuch gegen 
die Gesuchsgegnerin, welches die I. Beschwerdeabteilung des Obergerichts mit Beschluss 
vom 31. Oktober 2023 ebenfalls abwies (Verfahren BS 2023 61).

5. Mit Verfügung vom 22. September 2023 stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung 
gegen den Beschuldigten wegen Urkundenfälschung im Amt ein. Auf die Zivilforderung der 
Beschwerdeführerin trat die Staatsanwaltschaft nicht ein und verwies die Zivilklage auf den 
Zivilweg. Die Verfahrenskosten wurden auf die Staatskasse genommen und dem Beschuldig-
ten wurde eine Entschädigung von CHF 200.00 aus der Staatskasse ausgerichtet.

6. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 30. September 2023 (Postaufgabe: 
4. Oktober 2023) Beschwerde bei der I. Beschwerdeabteilung des Obergericht und stellte im 
Wesentlichen folgende Anträge:

1. Die Einstellungsverfügung sei aufzuheben.

2. Alle Akten des Verfahrens seien als integraler Bestandteil der vorliegenden Beschwerde beizuzie-
hen und zu berücksichtigen.

3. Es sei eine Untersuchung wegen Befangenheit, Untätigkeit, krasser Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots, Rechtsverweigerung, Voreingenommenheit und Verletzung des Legalitätsprinzips zu 
eröffnen.

4. Die Strafuntersuchung sei einer bzw. einem nicht vorbefassten, neutralen Staatsanwältin bzw. 
Staatsanwalt zu übertragen, eventuell an eine/n ausserkantonale/n. 

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5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Staatsanwaltschaft.

7. Am 7. Oktober 2023 (Datum Postaufgabe) reichte die Beschwerdeführerin eine Ergänzung 
zur Beschwerde ein.

8. Die Staatsanwaltschaft beantragte in der Vernehmlassung vom 12. Oktober 2023 die kos-
tenpflichtige Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen

1. Die Staatsanwaltschaft verfügt die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens, 
wenn kein Straftatbestand erfüllt oder kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage recht-
fertigt (Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO). Der Entscheid über die Einstellung eines Verfah-
rens hat sich nach dem Grundsatz "in dubio pro duriore" zu richten. Die Untersuchungs-
behörden dürfen nicht leichthin eine Verfahrenseinstellung vornehmen; im Zweifel, d.h. wenn 
eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch, ist grundsätzlich Anklage zu 
erheben. Der Staatsanwaltschaft steht in diesem Zusammenhang ein erheblicher Ermes-
sensspielraum zu. Halten sich die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung durch den Strafrich-
ter und diejenige eines Freispruchs in etwa die Waage, muss umso eher angeklagt werden, 
je schwerer das Delikt wiegt (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 186 E. 4.1; Urteil des Bundes-
gerichts 1B_122/2012 vom 12. April 2012 E. 5 m.H.). 

2. Die Staatsanwaltschaft begründete die Einstellung der Strafuntersuchung wegen Urkunden-
fälschung im Amt wie folgt:

2.1 Die nach der Einstellung der Strafuntersuchung vom 12. September 2022 vorgenommenen 
Untersuchungshandlungen hätten erneut keine Hinweise hervorgebracht, die rechtsgenüglich 
darauf schliessen liessen, dass sich der Beschuldigte der vorsätzlichen Urkundenfälschung 
im Amt schuldig gemacht hätte. Konkrete Anhaltspunkte dafür bestünden weiterhin nicht. Die 
vollständig eingereichten Handnotizen belegten, dass der Beschuldigte sorgfältig bzw. lege 
artis vorgegangen sei. Seine Darlegungen zur ärztlichen Tätigkeit im Rahmen der psychiatri-
schen Begutachtung liessen auch mühelos nachvollziehen, weshalb keine schriftlichen Un-
terlagen zu den Testverfahren existierten. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hinzu-
weisen, dass das Bundesgericht zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner 
Expertise geäussert und die entsprechenden Einwände der Beschwerdeführerin als unbehel-
flich gewertet habe. 

2.2 Die von der Beschwerdeführerin wiederholt geltend gemachten Abweichungen zwischen ih-
ren mündlichen Ausführungen während der psychiatrischen Exploration und den entspre-
chenden Angaben in der Expertise selbst seien auch nach diesen zusätzlich von der Staats-
anwaltschaft durchgeführten Abklärungen weiterhin als Missverständnisse zwischen dem 
Beschuldigten und der Beschwerdeführerin und damit – im äussersten Fall – als fahrlässig 
verübte Falschbeurkundungen zu werten. 

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2.3 Bei der fahrlässigen Urkundenfälschung im Amt handle es sich um eine Übertretung, womit 
die Strafverfolgung nach drei Jahren verjährt sei. Das vom Beschuldigten erstellte Gutachten 
datiere vom 11. Februar 2019, womit allfällige fahrlässig begangene Urkundenfälschungen 
im Zusammenhang mit der Ausfertigung des Gutachtens bereits am 11. Februar 2022 ver-
jährt seien. 

3. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber zusammengefasst Folgendes geltend:

3.1 Der Beschuldigte habe die im Gutachten aufgeführten Untersuchungen nicht durchgeführt. 
Die Gutachten hätten keinen Beweiswert, seien nicht umfassend und "schludrig". Die psych-
iatrische Begutachtung durch den Beschuldigten sei offensichtlich nicht umfassend gewesen. 
Von Missverständnissen zwischen ihr und dem Beschuldigten könne keine Rede sein. Viel-
mehr habe der Beschuldigte ihre Aussagen verfälscht, was für das Untersuchungsergebnis 
sehr wohl relevant sei. Indem der Beschuldigte fast alle ihre Aussagen und Antworten zu sei-
ner Befragung verfälscht und gar nicht dokumentiert habe, sie überhaupt nicht untersucht, 
sondern die nicht stattgefundenen Untersuchungen in seinem Gutachten dokumentiert habe, 
sei der Tatbestand der Urkundenfälschung im Amt erfüllt. Der Beschuldigte habe während 
der Begutachtung kaum Notizen gemacht. Ausserdem habe er gegenüber der Polizei ausge-
sagt, dass er keine Notizen besitze. Es sei damit rätselhaft, wie er der Staatsanwaltschaft 
Handnotizen habe zustellen können. 

3.2 Der Beschuldigte habe mit ihr nicht über die beiden Tests MADRS und Mini-ICF-APP ge-
sprochen, obwohl er verpflichtet wäre, sie über die Untersuchung zu informieren. Die betref-
fenden Tests habe er nicht durchgeführt. Es sei nicht nachvollziehbar, wie der Beschuldigte 
im Gutachten zum Ergebnis komme, dass die erhobenen Untersuchungsbefunde mit den 
anamnestischen Angaben übereinstimmten, wenn er ihre Angaben bei der Anamnese nicht 
dokumentiert oder verfälscht bzw. keine Untersuchungen gemacht habe. 

3.3 Sie sei von der Staatsanwaltschaft nicht über die Verjährungsfrist informiert worden. Am 
3. Dezember 2020 habe sie Strafanzeige erstattet. Der Verjährungseintritt falle auf die Un-
tätigkeit der Staatsanwaltschaft zurück. Ausserdem handle es sich vorliegend nicht um eine 
allfällige fahrlässig begangene Urkundenfälschung im Amt, sondern um Vorsatz. Die Staats-
anwaltschaft sei offenbar nicht tätig geworden, da sie das Ziel verfolgt habe, aufgrund der 
Verjährung nicht mehr untersuchen zu müssen. Dies bestätige eindeutig ihre Befangenheit. 

4. Gemäss Art. 317 Ziff. 1 StGB werden Beamte oder Personen öffentlichen Glaubens, die vor-
sätzlich eine Urkunde fälschen oder verfälschen oder die echte Unterschrift oder das echte 
Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützen (Abs. 1), oder 
die vorsätzlich eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkunden, namentlich eine fal-
sche Unterschrift oder ein falsches Handzeichen oder eine unrichtige Abschrift beglaubigen 
(Abs. 2), wegen Urkundenfälschung im Amt mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Gelds-
trafe bestraft. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Busse (Art. 317 Ziff. 2 StGB).

4.1 Bei der Urkundenfälschung handelt es sich um ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Geschütz-
tes Rechtsgut ist das besondere Vertrauen, das im Rechtsverkehr einer Urkunde als Be-
weismittel entgegengebracht wird (BGE 129 IV 53 E. 3.2). Die Tathandlungen gemäss 
Art. 317 Ziff. 1 StGB entsprechen der Urkundenfälschung im engeren Sinn (Abs. 1) und der 

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Falschbeurkundung (Abs. 2) gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB (vgl. BGE 117 IV 286 E. 6b). Die 
Urkundenfälschung im engeren Sinn erfasst das Herstellen einer unechten Urkunde, deren 
wirklicher Aussteller mit dem aus ihr ersichtlichen Urheber nicht identisch ist. Demgegenüber 
betrifft die Falschbeurkundung die Errichtung einer echten, aber unwahren Urkunde, bei der 
also der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sachverhalt nicht übereinstimmen. Die 
Falschbeurkundung erfordert eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche wird nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung angenommen, wenn der Urkunde eine erhöhte Glaub-
würdigkeit zukommt und der Adressat ihr daher ein besonderes Vertrauen entgegenbringt 
(BGE 132 IV 12 E. 8.1; 129 IV 130 E. 2.1). 

4.2 In subjektiver Hinsicht verlangt die Urkundenfälschung im Amt – anders als die Urkundenfäl-
schung gemäss Art. 251 StGB – keine Schädigungs- oder Vorteilsabsicht. Es genügt der 
Vorsatz hinsichtlich des tatbestandsmässigen Verhaltens. Doch muss der Täter mit dem Wil-
len zur Täuschung im Rechtsverkehr handeln. Die Täuschungsabsicht ergibt sich aus dem 
Willen des Täters, die Urkunden als echt zu verwenden. Dass eine Person tatsächlich 
getäuscht wird, ist nicht erforderlich (BGE 121 IV 216 E. 4 m.H.). Der Täter muss eine Täu-
schung im Rechtsverkehr bezwecken oder zumindest in Kauf nehmen (BGE 100 IV 180 
E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 1C_598/2021 vom 15. Juni 2022 E. 4.3). Das Delikt ist be-
reits mit dem Inverkehrbringen der unechten Urkunden vollendet (vgl. BGE 113 IV 77 E. 4; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_1277/2023 vom 26. März 2024 E. 2.3.2).

5. Beim Straftatbestand der fahrlässigen Urkundenfälschung im Amt gemäss Art. 317 Ziff. 2 
StGB handelt es sich um eine Übertretung, bei der die Verfolgungsverjährung in drei Jahren 
eintritt (Art. 109 StGB). Das von der Beschwerdeführerin beanstandete Gutachten des Be-
schuldigten datiert vom 11. Februar 2019, womit die dreijährige Verjährungsfrist am 11. Fe-
bruar 2022 abgelaufen war. Die Staatsanwaltschaft hat die Strafuntersuchung betreffend den 
Tatvorwurf der fahrlässigen Urkundenfälschung im Amt daher zu Recht infolge eingetretener 
Verjährung eingestellt. 

6. Die Beschwerdeführerin wirft der Gesuchsgegnerin in diesem Zusammenhang vor, den Ver-
jährungseintritt durch ihre Untätigkeit verursacht zu haben, und erblickt darin einen 
Ausstandsgrund.

6.1 Die Ausstandsgründe für die in einer Strafbehörde tätigen Justizpersonen sind in Art. 56 
StPO geregelt. Zu den Strafbehörden gehören neben den Gerichten (Art. 13 StPO) die Straf-
verfolgungsbehörden, darunter die Staatsanwaltschaft (Art. 12 lit. b StPO). Von den in Art. 56 
lit. a-e StPO geregelten besonderen Ausstandsgründen abgesehen (persönliches Interesse 
an der Strafsache, Vorbefassung in anderer Stellung, persönliche Beziehung zu Parteien 
usw.), tritt in den Ausstand, wer aus anderen Gründen, insbesondere wegen Freundschaft 
oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte (Art. 56 
lit. f StPO; Urteil des Bundesgerichts 7B_118/2022 vom 24. August 2023 E. 4). 

Befangenheit einer staatsanwaltlichen Untersuchungsleiterin oder eines Untersuchungslei-
ters ist nach der Praxis des Bundesgerichtes nicht leichthin anzunehmen. Zu bejahen ist sie 
nur, wenn nach objektiver Betrachtung besonders krasse oder ungewöhnlich häufige Fehl-
leistungen der Untersuchungsleitung vorliegen, welche bei gesamthafter Würdigung eine 
schwere Verletzung der Amtspflichten darstellen und sich einseitig zulasten einer der Pro-

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zessparteien auswirken (BGE 143 IV 69 E. 3.2; 141 IV 178 E. 3.2.3; 138 IV 142 E. 2.3). Das 
Ausstandsverfahren dient nicht dazu, den Parteien zu ermöglichen, die Art der Verfahrens-
führung und namentlich die von der Verfahrensleitung getroffenen Zwischenentscheide anzu-
fechten. Diesbezüglich sind primär die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel gegen bean-
standete Verfahrenshandlungen auszuschöpfen (BGE 143 IV 69 E. 3.2; Urteil des Bundes-
gerichts 7B_118/2022 vom 24. August 2023 E. 4). 

6.2 Die I. Beschwerdeabteilung des Obergerichts erwog im ersten Ausstandsverfahren gegen die 
Gesuchsgegnerin u.a., dass diese die Strafuntersuchung nach erfolgter Aufhebung der Ein-
stellungsverfügung unverzüglich wieder aufgenommen und neue Beweismittel erhoben habe, 
weshalb keine Anhaltspunkte bestünden, dass sie nicht bereit wäre, das Strafverfahren wei-
terzuführen oder ihre Beurteilung den eventuell neuen Ergebnissen der Strafuntersuchung 
anzupassen. Es liege im Ermessen der Gesuchsgegnerin, welche Untersuchungshandlungen 
sie in welcher Form vornehme, solange dies im Einklang mit den Regeln der Strafprozess-
ordnung geschehe. Auch habe die Gesuchsgegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht auf 
die zeitliche Verzögerung der Untersuchung im Fall eines Ausstandsgesuchs hingewiesen, 
da diese Information für den Entscheid für oder gegen ein Ausstandsgesuch eine Rolle spie-
len könne (Beschluss vom 14. März 2023 im Verfahren BS 2022 106, E. 4.3 f.). 

6.3 Zutreffend ist zwar, dass die Beschwerdeführerin bereits am 2. Dezember 2020 Strafanzeige 
gegen den Beschuldigten eingereicht hat. Den Akten lässt sich indessen entnehmen, dass 
die Gesuchsgegnerin nach Erlass des Beschwerdeentscheides vom 4. November 2022 (Ver-
fahren BS 2022 84) unverzüglich weitere Abklärungen vornahm. Sie forderte den Beschuldig-
ten am 2. Dezember 2022 zur Stellungnahme auf (Vi act. 1/222 f.) und stellte ihm am 31. Juli 
2023 ergänzende Fragen (Vi act. 1/244 f.). Von einer Untätigkeit der Gesuchsgegnerin kann 
folglich nicht gesprochen und es kann insbesondere nicht gesagt werden, dass sie durch ei-
ne schleppende Untersuchungsführung den Verjährungseintritt betreffend eine fahrlässige 
Urkundenfälschung im Amt herbeigeführt hat. Das Ausstandsgesuch gegen die Gesuchs-
gegnerin erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.

7. Zu prüfen ist demzufolge nachfolgend einzig, ob die Einstellung der Strafuntersuchung in Be-
zug auf eine vorsätzliche Tatbegehung zu Recht erfolgte.

7.1 Der Beschuldigte untersuchte die Beschwerdeführerin im Auftrag der Sozialversicherungsan-
stalt I.________, IV-Stelle, am 4. Februar 2019 psychiatrisch. Auf Aufforderung der Staats-
anwaltschaft vom 2. Dezember 2022 reichte der Beschuldigte Handnotizen ein, welche er 
während dieser Untersuchung im Hinblick das Redigieren des Gutachterberichts erstellt hatte 
(Vi act. 1/226 ff.). Zum Vorwurf der Beschwerdeführerin, der Beschuldigte habe gewisse ihrer 
Ausführungen anlässlich des Explorationsgesprächs im Gutachten falsch wiedergegeben, 
räumte der Beschuldigte zwar ein, es sei nicht auszuschliessen, dass er im Rahmen der Un-
tersuchung bestimmte anamnestische Angaben falsch verstanden und dokumentiert habe. 
Wie die Staatsanwaltschaft jedoch zu Recht festhält, begründen allfällige Abweichungen zwi-
schen den mündlichen Ausführungen der Beschwerdeführerin im Explorationsgespräch und 
den Feststellungen im Gutachten noch keinen hinreichenden Verdacht auf ein vorsätzliches 
Verhalten des Beschuldigten. Die Akten enthalten jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür, dass 
es sich bei dieser Diskrepanz um mehr als blosse Missverständnisse handelte und der Be-
schuldigte eine Täuschung im Rechtsverkehr bezweckte oder zumindest in Kauf nahm. Un-

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zutreffend ist im Übrigen die Behauptung der Beschwerdeführerin, der Beschuldigte habe 
gegenüber der Polizei ausgesagt, keine Notizen zu besitzen. Er gab vielmehr an, zehn Sei-
ten Notizen zu haben, welche er während des Gesprächs mit der Beschwerdeführerin erstellt 
habe (Vi act. 2/5 Ziff. 23).

7.2 Was die von der Beschwerdeführerin beanstandeten fehlenden schriftlichen Unterlagen zu 
den Testverfahren betrifft, so legte der Beschuldigte in der ergänzenden Eingabe vom 
30. August 2023 an die Staatsanwaltschaft (Vi act. 1/248) nachvollziehbar dar, weshalb zu 
den von ihm nach der psychiatrischen Exploration durchgeführten Testverfahren keine 
schriftlichen Unterlagen bestehen: Die im Gutachten vom 11. Februar 2019 aufgeführten 
Testverfahren (MADRS- und Mini-ICF-APP-Fremdbeurteilungsinstrumente) seien – so der 
Beschuldigte – keine sog. subjektiven, sondern objektive Testverfahren, welche nach der 
psychiatrischen Exploration unter Mitberücksichtigung der anamnestischen Angaben und ob-
jektiven psychiatrischen Befunden von der Fachperson ausgeführt würden. Die Beschwerde-
führerin habe an der Exploration vom 2. Februar 2019 weder bei der Begrüssung noch 
während der gesamten Exploration Anzeichen einer sozialen Ängstlichkeit aufgewiesen, 
womit von objektiv uneingeschränkten sozialen Fertigkeiten habe ausgegangen werden kön-
nen. Da – abgesehen von anamnestisch erhobenen Schlafstörungen – weder bei MADRS, 
einem Fremdbeurteilungsverfahren zur Einschätzung des Schweregrades einer depressiven 
Symptomatik, noch im Mini-ICF-APP, einem Testinstrument zur Fremdbeurteilung von Akti-
vitäts- und Partizipationsstörungen beim Vorliegen oder Verdacht auf psychische Erkrankun-
gen, Beeinträchtigungen festgestellt worden seien, würden auch keine schriftlichen Unterla-
gen zu den durchgeführten Testverfahren bestehen. Die Beschwerdeführerin bringt im Zu-
sammenhang mit den beiden psychologischen Testverfahren nichts vor, was den Verdacht 
auf eine vorsätzliche Urkundenfälschung im Amt erhärten würde. Nicht nachvollziehbar ist 
dabei insbesondere ihre Behauptung, der Beschuldigte habe sie nicht über die Vornahme der 
Tests informiert, zumal diese Testverfahren nicht anlässlich der Begutachtung, sondern zu 
einem späteren Zeitpunkt stattgefunden haben und die Beschwerdeführerin sich nicht auf 
den Standpunkt stellt, sich diesen Testverfahren nicht unterzogen zu haben. 

7.3 Es sind insgesamt keine Hinweise ersichtlich, die auf ein vorsätzliches Handeln des Be-
schuldigten schliessen lassen. Der Vorwurf, er habe bewusst rechtlich erheblich Tatsachen 
unwahr verurkundet, von denen er wusste, dass sie zum Beweis geeignet oder bestimmt 
sind, lässt sich nicht erhärten. Die Staatsanwaltschaft hat die Strafuntersuchung gegen den 
Beschuldigten wegen Urkundenfälschung im Amt auch in diesem Punkt zu Recht eingestellt. 
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.

8. Aufgrund der besonderen Umstände ist auf das Erheben von Kosten zu verzichten (§ 5 
Abs. 3 KoV OG). 

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Beschluss

1. Das Ausstandsgesuch gegen Staatsanwältin C.________ wird abgewiesen.

2. Die Beschwerde wird abgewiesen.

3. Es werden keine Kosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete 
Kostenvorschuss von CHF 500.00 zurückerstattet. 

4. Gegen diesen Entscheid ist die Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. des Bundes-
gerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwerdegründe richten sich nach Art. 95 ff. BGG. 
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich, begründet 
und mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage des Entscheides und der Beweismittel 
(vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

5. Mitteilung an:
- Parteien 
- D.________
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
I. Beschwerdeabteilung

St. Scherer C. Schwegler
Abteilungspräsident Gerichtsschreiber

versandt am: