# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 879ac280-2431-5e98-a6a6-5483f75c678d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 20.06.2019 BRGE IV Nr. 0080/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-IV-Nr--0080-201_2019-06-20.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0080/2019 vom 20. Juni 2019 in BEZ 2019 Nr. 37 

2. Das Baugrundstück Kat.-Nr. 1 liegt gemäss geltender Bau- und 
Zonenordnung der Gemeinde S (BZO) in der Wohnzone W1.6. Am dort 
bestehenden Zweifamilienhaus sind zahlreiche Umbauarbeiten im Innen- und 
Aussenbereich geplant. Streitbetroffen sind die vorgesehenen Änderungen im 
west- und ostseitigen Aussenbereich des Gebäudes (…). 

3.1 Die Rekurrentin bringt zunächst vor, durch den neu geplanten Erker im 
Erdgeschoss und die vorgesehene Erweiterung des Balkons im Obergeschoss 
würden an der Westfassade auf einer Breite von insgesamt 5,1 m in den 
Grenzabstandsbereich ragende Vorsprünge geschaffen. Bei einer 
massgebenden Fassadenlänge von rund 11 m werde damit jedoch der nach § 
260 Abs. 3 PBG erlaubte Drittel, auf welchem derartige Vorsprünge von einer 
Abstandsprivilegierung profitieren dürften, überschritten.  

3.2 Gebäude, Teile von Gebäuden und Gebäudebestandteile unterstehen 
grundsätzlich den im PBG bzw. der BZO statuierten Abstandsvorschriften. In 
Bezug auf die Grenz- und Gebäudeabstandsvorschriften gewährt § 260 Abs. 3 
PGB für der Fassade vorgelagerte Gebäudeteile gewisse Erleichterungen. 
Demnach dürfen einzelne Vorsprünge gemäss § 260 Abs. 3 PBG bis 2 m in den 
Abstandsbereich hineinragen, Erker, Balkone und dergleichen jedoch 
höchstens auf einem Drittel der betreffenden Fassadenlänge. Die 
Abstandspflicht nach § 260 Abs. 3 PBG erstreckt sich unter Vorbehalt 
abweichender kommunaler Bestimmungen nur in rechtwinkliger Richtung zur 
dahinterliegenden Gebäudefassade, im seitlichen Verhältnis gilt allerdings eine 
analoge Beschränkung des Abstandsprivilegs auf 2 m (Christoph 
Fritzsche/Peter Bösch/Thomas Wipf, Zürcher Planungs- und Baurecht, 5. A., 
2011, Bd. 2, S. 855 f., m.w.H.). Vorspringende Gebäudebestandteile, welche für 
den Bestand des Gebäudes und die Nutzung des Gebäudeinnern notwendig 
sind und insofern keine selbständige Funktion erfüllen, sind von vornherein 
nicht abstandspflichtig (z.B. Dachtraufen, Fensterläden oder angebaute 
Sichtschutzwände; vgl. Fritzsche/Bösch/Wipf, S. 854, m.w.H.).  

3.3 In der Zone W1.6 ist gemäss Art. 10 i.V.m. Art. 14 BZO im westseitigen 
Bereich ein Grenzabstand von 5 m einzuhalten (kleiner Grundabstand). Sowohl 
der geplante Erker als auch die Balkonerweiterung (Verlängerung und 
Verbreiterung des Vordaches und seitliche Verkleidung) reichen 
unbestrittenermassen in den westlichen Grenzabstandsbereich hinein. Beide 
projektierten Gebäudevorsprünge sind damit auf ihre Vereinbarkeit mit § 260 
Abs. 3 PBG zu überprüfen. In Bezug auf die geplante Balkonerweiterung ist 
hierzu präzisierend festzuhalten, dass der Balkon zwar zur Hauptsache nach 
Süden ausgerichtet ist. Aufgrund seiner über die westliche Fassadenfront 
hinausreichenden Ausladung unterliegt er aber auch in diesem Verhältnis der 
Drittelsbeschränkung von § 260 Abs. 3 PBG, da er insoweit auch zur 
dahinterliegenden Westfassade als rechtwinklig liegend gilt. Die westseitige 
Ausladung tritt in Bezug auf die Westfassade mithin als selbständiger 
Vorsprung in Erscheinung. 

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Die westseitige Fassadenlänge beträgt im Erdgeschoss 9,2 m. Der 
streitbetroffene Erker ragt 0,95 m in den Grenzabstandsbereich hinein und 
nimmt mit einer Breite von 2,7 m klar weniger als einen Drittel der betreffenden 
Fassadenlänge in Anspruch. Der Erker ist damit für sich betrachtet unter dem 
Gesichtspunkt von § 260 Abs. 3 PGB nicht zu beanstanden. 

In Bezug auf die Balkonerweiterung im Obergeschoss präsentiert sich die 
Ausgangslage anders: Die im Obergeschoss massgebende Fassadenlänge 
kann entgegen der rekurrentischen Ansicht nicht bloss mit 11 m bemessen 
werden, sondern ist mit 13,2 m zu veranschlagen. Berücksichtigt werden muss 
mithin auch die Ausdehnung des Balkonvorbaus inklusive Vordacherweiterung, 
nachdem die massgebliche Fassade im Obergeschoss – zufolge der gegen 
Westen angebrachten Verkleidung des Balkons im Sinne einer 
Sichtschutzwand – nahtlos verlängert wird. Es erschiene kaum sachgerecht, die 
Breite des Balkons in Relation zu setzen mit einer Fassadenlänge im 

Erdgeschoss (9,2 m), über die dieser selbst deutlich hinausreicht. Damit würde 
sinnbildlich gesprochen mit unterschiedlichen Ellen gemessen. Ausgehend von 
der Fassadenlänge im Obergeschoss nimmt der Balkonvorbau – Verkleidung 
und Vordacherweiterung – mit einer Breite von 4,3 m damit ebenfalls nicht mehr 
als einen Drittel der betreffenden Fassadenlänge (13,2 m) in Anspruch.  

Den Beschränkungen, welche nach § 260 Abs. 3 PBG für 
abstandsprivilegierte Vorsprünge wie Erker, Balkone und dergleichen gelten, 
wird damit vollumfänglich entsprochen, kann doch der Ansicht der Rekurrentin, 
dass Vorsprünge im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG zu kumulieren seien, nicht 
pauschal gefolgt werden: 

Vorliegend spricht nicht nur die uneinheitliche Fassadenlänge im 
Erdgeschoss und im Obergeschoss gegen eine Kumulierung der Vorsprünge, 
sondern auch der Zweck der entsprechenden Bestimmung. Grenz- und 
Gebäudeabständen kommt eine erhebliche nachbarschützende Funktion zu, 
was prinzipiell eine restriktive Auslegung der Abstandsprivilegierung nahelegt. 
Nachbarliche Interessen werden indes durch in den Abstandsbereich 
hineinragende (offene) Balkone und das damit verbundene erhebliche 
Immissionspotential klarerweise weit mehr tangiert als durch geschlossene 
Gebäudevorsprünge. Vorliegend sind beide westseitigen Vorsprünge 
geschlossen. Sie kommen zudem auf unterschiedlichen Stockwerken und 
versetzt zueinander zu liegen, so dass jedenfalls nicht von einer einheitlichen, 
grossen «Immissionsquelle» gesprochen werden kann, die es zum Schutz der 
Nachbarn zu verhindern gälte. Eine pauschale Kumulation einzelner 
Vorsprünge in – wie vorliegend – verschiedenen Stockwerken erscheint 
ohnehin nicht angebracht, wenn man bedenkt, dass dies gerade bei 
mehrstöckigen Wohnhäusern praktisch verunmöglichen würde, verschiedene 
Wohnungen in unterschiedlichen Stockwerken mit an der gleichen Fassade 
angebrachten, aber vertikal versetzten Balkonen zu versehen. Die von der 
Rekurrentin verfochtene Auslegung führte dazu, dass diesfalls im 
Abstandsbereich immer nur Balkontürme (ohne vertikalen Versatz) zulässig 
wären, obgleich von solchen Balkontürmen zufolge der vertikalen 
Konzentriertheit der einzelnen Balkone wohl grössere Immissionen ausgehen 
dürften als im Falle des vertikalen Versatzes von Balkonen über mehrere 

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Stockwerke. Im Extremfall wäre es diesfalls bspw. auch unzulässig, im zweiten 
Stockwerk eines Gebäudes einen drittelsausschöpfenden Erker und im achten 
Stockwerk einen drittelsausschöpfenden, zum Erker im zweiten Stockwerk 
vertikal versetzten Balkon anzubringen, was nicht im Sinne des Gesetzgebers 
sein kann. In Fällen wie dem vorliegenden muss die massgebliche Fassade im 
Sinne von § 260 Abs. 3 PBG in vertikaler Hinsicht für jedes Stockwerk einzeln 
definiert werden, zumal es – wie erwähnt – nicht angehen kann, auch im 
Obergeschoss von einer massgeblichen Fassade von nur 9,2 m auszugehen, 
wenn der Balkon doch gerade deutlich darüber hinausragt. 

Die westseitigen Fassadenvorsprünge sind somit nicht zu beanstanden.