# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98b148bf-eff2-5f3d-bfdb-2aa27d1ec90f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-30
**Language:** de
**Title:** Fehlende Unfallkausalität.
**Docket/Reference:** UV.2014.00187
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2014.00187.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2014.00187
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
30. März 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Josef Flury
Hirschmattstrasse 62, 6003 Luzern
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1978 geborene
X.___
war bei der
Y.___
tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 2
9.
Mai 2013 wollte sie eine Kiste
voller
Fisch
e
auf das Transportband heben und verspürte dabei einen starken Schmerz in der Schulter (Schadenmeldung vom 1
2.
Juni 2013,
Urk.
12/1). Die Erstbehandlung erfolgte am 3
1.
Mai 2013 bei
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, welcher eine AC-Luxa
tion links Typ I diagnostizierte (Arztz
eugnis vom 2
5.
Juni 2013,
Urk.
12
/14). Die SUVA trat auf den Schaden ein und erbrachte Taggeld- wie auch
Heilbehand
lungsleistungen
(Schreiben vom
2.
Juli 2013,
Urk.
12/8). Nach weiteren medizi
nischen Abklärungen
stellte die SUVA die Leistungen mit Schreiben vom 2
2.
Januar 2014 per 3
1.
Januar 2014
(
Urk.
12/50)
formlos ein und hielt daran mit
Verfügung v
om 1
1.
April 2014 (
Urk.
12/67) sowie
mit
Einspracheentscheid
vom
2
4.
Juni 2014 (
Urk.
2) fest
.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
5.
August 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei der angefochtene
Ein
spracheentscheid
aufzuheben,
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und sie sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen weiterhin auszurichten. Eventuell sei die
Beschwerde
gegnerin
zu verpflichten, die natürliche Kausalität/Teilkausalität mittels neutra
lem Gutachten abzuklären,
subeventualiter
sei eine gerichtliche Expertise anzu
ordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli
chen
Rechtsverbeiständung
und Bestellung von Rechtsanwalt Josef Flury als unentgeltlichen Rechtsbeistand. Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Oktober 2014 (
Urk.
11 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
12/1-84) schloss die
Beschwerdegegne
rin
auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
4.
November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2016 setzte das Gericht der Beschwerdeführerin eine Frist von 20 Tagen zur Einreichung des Formulars zur Abklärung der pro
zessualen Bedürftigkeit samt Belegen sowie zur Einreichung einer allfälligen Honorarnote (
Urk.
14). Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingaben vom
8.
und 1
0.
März 2016 die entsprechenden Unterlagen ein (
Urk.
16,
Urk.
17,
Urk.
18/1-12,
Urk.
20 und
Urk.
21/1-3).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Im
Einspracheentscheid
hielt die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen dafür, dass gestützt auf die Kreisarzt-Berichte davon auszugehen sei, dass per 3
1.
Januar 2014 keine organischen Unfallfolgen mehr vorlägen (
Urk.
2
S. 5). Vorliegend sei ein leichter Unfall gegeben, so dass ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen diesem und den psychischen Störungen der Beschwerdeführerin verneint werden müsse (
Urk.
2
S. 6).
Die Beschwerdeführerin brachte in der Beschwerde dagegen vor, dass keiner der Kreisärzte in nachvollziehbarer Weise erklärt habe, weshalb die gestellten Diag
nosen nicht im Zusammenhang mit dem Unfall stehen sollten, respektive wes
halb die natürliche Kausalität nicht mehr vorliegen solle. Die Kreisärzte und die Beschwerdegegnerin würden die Beweislage verkennen, indem sie behaupten würde
n
, dass die Kausalität nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vor
liege, denn bei der Beurteilung des Wegfalles der natürlichen Kausalität bedürfe es der überwiegenden Wahrscheinlichkeit des Wegfalles und nicht ihres Bestan
des. Dass die natürliche Kausalität bestanden habe, sei aktenkundig (
Urk.
1
S.
6). Auch hätten sich die Kreisärzte nicht mit den Feststellungen der behandeln
den Ärzte auseinandergesetzt. Die Kausalitätstheorien bei psychischen
Gesund
heitsstörungen
kämen im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da diese Störungen, sofern vorliegend, die Arbeitsfähigkeit aktuell nicht beeinflussen würden. Auch würden die behandelnden Ärzte noch mit einer massiven Ver
besserung des gesundheitlichen Zustands rechnen, so dass die
Leistungseinstel
lung
zur Unzeit erfolgt sei (
Urk.
1 S. 8).
In der Beschwerdeantwort konstatierte die Beschwerdegegnerin (
Urk.
11), dass kein Unfall bzw. keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege. Zum Einen fehle es dem Ereignis an einem ungewöhnlichen äusseren Faktor um den Unfallbegriff zu bejahen, zum Anderen sei die Verletzung nicht im Rahmen einer gesteigerten Gefahrenlage eingetreten, was allerdings zur Bejahung einer unfallähnlichen Körperschädigung notwendig gewesen wäre. Des Weiteren sei auf die Beurteilung von
Kreisarzt
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Chirurgie FMH,
abzustellen, wonach die geklagten Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 2
9.
Mai 2013 zurückgeführt werden könnten.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6
des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (
Abs.
3).
2.2
2.2.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begrün
den keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
2.2.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2
der
Verordnung über die Unfall
versicherung (
UVV
)
Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurück
zuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
Bei den unfallähnlichen Körpe
rschädigungen im Sinne von Art.
9
Abs.
2 UVV entfällt im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hinge
gen auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälli
ger
–
eben unfallähnlicher
–
Einfluss auf den Körper zu verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegung bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V 466 E. 2.2, 4.1
;
123 V 43
E.
2b).
Erforderlich für die Bejahung eines äusseren Faktors ist ein gesteigertes
Schädi
gungspotenzial
, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors. Die physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Fak
tor dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.2.2, 4.3). Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial liegt nach der Rechtspre
chung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, verbunden ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327
E.
3.3.1). Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Ände
rungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu kör
pereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Einflüsse unkontrollierbar gewordenen Positionsände
rung (vgl. BGE 129 V 466 E.
4.2.3, Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3).
Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach
Art.
9
Abs.
2 UVV fallen als massgebender äusserer Faktor nicht in Betracht, wenn sie bei einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass ein davon unterscheidbares äusseres Moment mitspielen würde. Wer also etwa beim blossen Aufstehen, Absitzen,
Abliegen, bei Bewegungen im Raum, Handreichungen und so weiter einen ein
schiessenden Schmerz verspürt, kann allein deswegen noch keine unfallähnliche Körperschädigung geltend machen. Ein äusserer Faktor ist nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das erstmalige Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine gleichzeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen vermag. Auch ist das Erfordernis eines äusseren schädigenden Faktors nicht erfüllt, wenn das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Per
son beschriebenen gewöhnlichen Bewegungsablauf einhergeht. Verlangt wird vielmehr ein Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial inne
wohnt, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betätigung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen Aktivitäten der Fall ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 129 V 466 E. 4.2.1, 4.2.2).
2.3
2.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V
177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
2.4
2.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134
V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.4.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
3.
3.1
Dr.
Z.___
diagnostizierte in seinem zuhanden der Beschwerdegegnerin erstell
ten Arztbericht vom 2
5.
Juni 2013 eine AC-Luxation links Typ
1.
Er verordnete eine Ruhigstellung mit einer
Gilchristschiene
sowie Analgetika (
Urk.
12/14) und Physiotherapie (
Urk.
12/16). Am 2
1.
August 2013 teilte er der
Beschwerdegeg
nerin
mit, dass der bisherige Heilungsverlauf mit persistierender
Schmerzsym
p
t
omatik
und nicht möglicher Wiederaufnahme der Arbeit unbefriedigend sei. Er überweise die Beschwerdeführerin zur konsiliarischen orthopädischen Beurtei
lung ans Spital
B.___
(
Urk.
12/20).
3.2
Dr.
med.
C.___
,
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates
,
Spital
B.___
,
hielt in seinem Arztbericht vom 2
3.
September 2013 einen Verdacht auf
Rotatorenmanschettenruptur
(
Supraspi
natus
)
links
und eine AC-
Arthropathie
links fest (
Urk.
12/32). Nach Durchfüh
rung eine
s
Arthro
-MRI der linken Schulter (
Urk.
12/64) gab
Dr.
C.___
am 2
1.
Oktober 2013 ein
subacromiales
Impingement
links an. Die
Beschwerde
symptomatik
sei unverändert. Hinzu kämen zunehmende Schmerzen
auch an
der rechten Schulter sowie im Halswirbelsäule
n
(HWS)-Bereich mit Kopfschmer
zen (
Urk.
12/41).
Nach
der Verlaufskontrolle vom 2
0.
November 2013
notierte
Dr.
C.___
, dass die
subacromiale
Infiltration zu keinerlei Verbesserung geführt habe, so dass er ein isoliertes
subacromiales
Impingement
der Schulter ausschliesse. Es bestehe eine Beschwerdesymptomatik ausgehend vom Kopf-HWS mit Ausstrahlung in den linken Arm. Er diagnostizierte ein
Cervicobrachialsyndrom
links sowie einen Verdacht auf
ein
subacromiales
Impingement
links (Bericht vom 2
1.
November 2013,
Urk.
12/36).
3.3
Am 1
1.
Dezember 2013 untersuchte Kreisarzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, die Beschwerdeführerin (
Urk.
12/43). Er notierte folgende Diagnose: Status nach Distorsion der linken Schulter am 2
9.
Mai 2013 mit Ver
dacht auf AC-Luxation linksseitig. In der Folge Diagnose eines
subacromialen
Impingements
links und in der Folge Diagnose eines
Cervicobrachialsyndroms
links (
Urk.
12/43 S. 5).
Dr.
D.___
konstatierte, dass die Schmerzen in der linken Schulter unabhängig von Belastungen mit ausgeprägter Bewegungseinschränkung subjektiv persis
tierten. Objektiv finde sich ein reizloses Schultergelenk linksseitig, eine unauf
fällige Beweglichkeit der HWS und Brustwirbelsäule (BWS) und eine ausge
prägte Bewegungseinschränkung im Bereich der linken Schulter sowie unklare Sensibilitätsstörungen, die keinem
Dermatom
zuzuordnen seien. Es lägen keine
Anhaltspunkte für eine
Rotatorenmanschettenläsion
vor und eine
Impinge
mentsymptomatik
sei klinisch nicht suffizient überprüfbar (
Urk.
12/43 S. 5
).
Am 2
9.
Mai 2013 sei eine Distorsion der linken Schulter erfolgt. In der Folge
sei
bis zum Arztbericht vom 2
1.
Oktober 2013 nicht von HWS-Beschwerden berichtet
worden
. Eine Unfallkausalität der HWS-Beschwerden sei somit insbe
sondere auch bei bereits vorbestehenden diesbezüglichen Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich. Es sei die Diagnose einer AC-Luxation erfolgt, dies jedoch anhand von nativen Aufnahmen ohne Gewichtsbelastung. Ob inzwi
schen noch ein Klaviertastenphänomen nachzuweisen sei, lasse sich klinisch bei diffuser und sofortiger Schmerzangabe nicht überprüfen. Deshalb sollten ver
gleichende Aufnahmen der AC-Gelenke mit Gewichtsbelastung beider Arme stattfinden. Der Hausarzt werde gebeten, dies zu veranlassen (
Urk.
12/43 S. 5).
Bezüglich der Schulter habe von orthopädischer Seite aus im Spital
B.___
keine weitere Therapieempfehlung abgegeben werden können. Die Symptomatik sei bei der dortigen letzten Untersuchung eher als
Cervicobrachialsyndrom
gedeutet worden. Unfallunabhängig könnte diesbezüglich
hausärztlicherseits
die weitere Abklärung mittels eines MRI der HWS erfolgen
(
Urk.
12/43 S. 5
)
.
Anhand der bisherigen Untersuchungen seien die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden aufgrund der vorliegenden Befunde rein unfallbedingt nicht ganz nachvollziehbar. Die Symptomatik imponiere im Sinne einer
frozen
shoulder
bzw. einer Schmerzverarbeitungsstörung. Zum Ausschluss einer per
sistierenden A
C-Luxation werde jedoch noch eine
Röntgenaufnahme durchge
führt (
Urk.
12/43 S. 5 f.).
3.4
Am 1
9.
Dezember 2013 erfolgte ein MRI der HWS im Spital
B.___
.
Dr.
med.
E.___
, LA Radiologie, beurteilte den Befund als kleine mediane
Dis
kusprotrusion
am Halswirbelkörper 5/6 ohne Hinweis auf eine Affektion neuro
naler Strukturen (
Urk.
12/44 S. 2). Gleichentags erfolgte auch ein
Schulter
panorama
, wobei keine knöcherne Verletzung nachgewiesen wurde. Die Dar
stellung der AC-Gelenke sei zumindest weitgehend seitengleich und es liege kein sicherer Anhalt für eine
Laxität
/
Tossy
Läsion links vor (
Urk.
12/44 S. 3).
3.5
Nach Eingang der radiologischen Befunde hielt
Dr.
D.___
am 2
0.
Januar 2014
dafür, dass die Diagnostik nach dem angegebenen Ereignis vom 2
9.
Mai 2013 keine strukturelle Läsion im Bereich der Schulter ergeben habe. Die ergänzend durchgeführte gewichtsbelastete Aufnahme habe auch keine Luxation im
AC-Gelenk gezeigt, eine
Rotatorenmanschettenläsion
sei bereits mittels MRI ausge
schlossen worden. Eine posttraumatische
Impingementsymptomatik
sei eben
falls nicht überwiegend wahrscheinlich, da die durchgeführte Infiltration keine Besserung erbracht habe.
Dr.
C.___
habe somit ein
subakromiales
Impingement
der Schulter ausgeschlossen, er habe eher eine Beschwerde
-
symptomatik ausge
hend von Kopf/HWS mit Ausstrahlung in den linken Arm
vermutet
(
Urk.
12/48 S. 2).
Wie bereits im KU-Bericht vom 1
1.
Dezember 2013 ausgeführt, sei jedoch eine Unfallkausalität der HWS-Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich, passend hierzu hätten im MRI vom 1
9.
Dezember 2013 keine unfallbedingten strukturellen Läsionen festgestellt werden können (
Urk.
12/48 S. 2).
Die von der Beschwerdeführerin geklagten und demonstrierten Beschwerden seien aufgrund des Ereignisses vom 2
9.
Mai 2013 nicht nachvollziehbar. In der Untersuchung im Spital
B.___
vom 1
8.
September 2013 sei die
Schulterbe
weglichkeit
auch wesentlich besser gewesen, als die anlässlich der
kreisärztli
chen
Untersuchung demonstrierte Beweglichkeit. Gesamthaft finde sich im Bereich der linken Schulter keine objektivierbare Läsion, die eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt begründen würde (
Urk.
12/48 S. 2 f.).
3.6
Dr.
med.
F.___
, Rheumatologie FMH, untersuchte die Beschwerdeführe
rin am 2
1.
und 2
8.
Februar 2014 und
notierte
in seinem Bericht vom
4.
März 2014 (
Urk.
12/55) folgende Diagnosen:
-
Frozen
shoulder
links bei
-
Status nach Kontusions- und Distorsionstrauma im linken
Schulterbe
reich
vom 2
9.
Mai 2013
-
Bone
bruise
im AC-Gelenk links im MRI vom 2
5.
September 2013
-
MR-tomographischer Verdacht auf SLAP Läsion nicht ausgeschlossen
-
Cervicalgien
-
Degenerative Veränderungen im
kyphotischen
Segment C5/6,
MR-tomo
graphisch dorsale
Protrusion
median mit Einengung des
Liquor
raumes
ohne
Myelonkontakt
-
Cephalea
(seit ca. 2001)
-
Differentialdiagnose
-
Neuralgische
Schulteramyotrophie
Es bestehe eine auffällige schmerzhafte Schonhaltung mit
Bewegungsminde
rung
und Funktionsverlust des linken Armes speziell des Schultergelenks seit dem nun genau 9 Monate zurückliegenden Ereignis mit einer Kontusion und Distorsion. MR-tomographisch habe ein
bone
bruise
im Bereich des AC-Gelenks gefunden werden können, wo
Dr.
Z.___
die lokalen
Druckdolenzen
gefunden h
abe. Aktuell bestehe eine stark
verminderte Beweglichkeit des linken Schulter
gelenks mit Kapselmuster. MR-tomographisch könne auch eine dehydrierte Bandscheibe C5/6 gesehen werden mit dorsaler medianer
Protrusion
, den
Liquorraum
einengend und eine
kyphosierende
Stellung dieser Segmente bei
genereller Streckhaltung der HWS. Differentialdiagnostisch müsse in dieser Situation auch eine neuralgische
Schulteramyotrophie
diskutiert werden. Er bitte
Dr.
med.
G.___
, Neurologie FMH, um eine diesbezügliche Abklärung (
Urk.
12/55 S. 3).
3.7
Dr.
G.___
konstatierte in ihrem Arztbericht vom
5.
April 2014 (
Urk.
12/61), dass die Beschwerdeführerin seit dem Schultertrauma links am 2
9.
Mai 2013 persistierende massive Schulterschmerzen und eine
frozen
shoul
der
links habe. Anamnestisch, klinisch und elektrodiagnostisch lägen keine Hinweise für mitbeteiligte Nervenläsionen vor.
Nadelmyographisch
hätten der M.
deltoideus
und der M.
biceps
li entsprechend keine akuten
Denervationen
und soweit aussagbar auch keine subakute oder chronisch neurogenen Verän
derungen aufgewiesen. Die Beurteilbarkeit hinsichtlich letztgenannter Verän
derungen sei bei massiver Schmerzhemmung trotz Schoninnervation erschwert, eine einigermassen adäquate diesbezügliche Aussage sei aber trotzdem möglich. Somit bestünden keine Hinweise für eine
radikuläre
Kompromittierung
und auch im MRI der HWS sei keine solche nachweisbar. Es bestünden zweifellos auch eine Schmerzverarbeitungsstörung und eine reaktiv depressive
Stim
mungslage
. Die
nadelmyographische
Untersuchung sei kaum toleriert worden. Aus neurologischer Sicht ergäben sich keine Konsequenzen und eine stationäre Rehabilitation mit Integration in ein interdisziplinäres Schmerzprogramm wäre sicher die beste Lösung. Die Beschwerdeführerin sehe aufgrund von familiären Pflichten aber keine Möglichkeit, an einem solchen teilzunehmen (
Urk.
12/61).
3.8
Der Kreisarzt
Dr.
med.
H.___
, Chirurgie,
hielt am
8.
April 2014 fest, dass an der Ablehnung festgehal
ten werden könne. Das AC-Gelenk-
B
one
bruise
sei unspezifisch und
es
habe keine Kontusion stattgefunden, die eine
Tossy
-Läsion oder ACG-Aktivierung medizinisch erklären würde - auch würden die gehalte
nen Aufnahmen keine Anhaltpunkte
hierfür
zeigen.
Eine SLAP-
Läsion sei nicht gesichert und wäre auch nicht
pathognomisch
ätiologisch aus dem Ereignis zu folgern
. N
eurologisch lägen keine neuen Erkenntnisse vor (
Urk.
12/62).
3.9
Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
wurden die Akten
dem Kreisarzt
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, vorgelegt. Dieser gab
in seinem Bericht vom 2
8.
Mai 2014
an, dass neben dem Anspannen der Muskulatur zum Halten der Harasse eine Traktionsverletzung nicht sicher ausgeschlossen sei. Aufgrund persistierender Beschwerden sei eine orthopädische Beurteilu
ng am Spital
B.___
erfolgt und s
ymmetrisch habe eine Aussenrotation von 45° festge
halten werden können. Der Verdacht auf eine
Rotatorenmanschettenläsion
links sei gestellt worden
und
der O’Brien-Test sei negativ
ausgefallen
. Im Verlauf sei eine MRI-Untersuchung durchgeführt worden und der Verdacht auf ein
sub
acromiales
Impingement
sei gestellt und zudem ein
cervicobrachiales
Schmerzsyndrom diagnostiziert worden. Eine
subacromiale
Infiltration habe keine namhafte Beschwerdebesserung gebracht. Klinisch hätten sich bei der Untersuchung am Spital
B.___
keine Hinweise auf eine SLAP-Läsion bei negativem O’Brien-Test gezeigt. Entsprechend sei der unspezifische, nicht gesi
cherte Befund im
Arthro
-MRI zu relativieren. Des Weiteren habe die Beschwer
deführerin keine direkte Kontusion im Bereich des AC-Gelenkes erlitten, um eine ödematöse Veränderung des AC-Gelenks kontusionsbedingt überwiegend wahrscheinlich zu erklären. Die Veränderungen im
Arthro
-MRI seien als unspe
zifisch zu beurteilen. Auch sei im Spital
B.___
eine symmetrische
Aussen
rotation
festgehalten worden. Bei einer
frozen
shoulder
komme es zuerst zu einer Einschränkung der Aussenrotation im Rahmen der
retraktilen
Capsulitis
. Des Weiteren sollte bei einer konsequenten Ruhigstellung und manifester
frozen
shoulder
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Schrumpfung des inferio
ren
Recessus
nachweisbar sein. Bei freier Aussenrotation und unauffälliger Darstellung des
Recessus
inferior sei eine
retraktile
Capsulitis
/
frozen
shoulder
, welche im Verlauf diagnostiziert worden sei, nicht überwiegend wahrscheinlich zu begründen. Auch könne mit einer konsequenten Ruhighaltung, wie dies wie
derholt dokumentiert worden sei, eine symmetrische Muskulatur nicht erklärt werden. Sobald eine Extremität konstant nicht eingesetzt und die
Gegenextre
mität
im Alltag aktiviert werde, sei eine Hypotrophie der Muskulatur im
Seiten
vergleich
zu erwarten. Entsprechend verweise er auf die Befunde während der letzten kreisärztlichen Untersuchung, wobei keine relevanten
Schonungszeichen
hätten dokumentiert werden können. Ebenfalls
habe
eine AC-Gelenksläsion radiologisch ausgeschlossen werden können. Die Befunde seien symmetrisch und eine AC-Luxation nach
Tossy
sei ebenfalls ausgeschl
ossen worden. Des Weiteren habe
keine neurologische Pathologie nachgewiesen werden können. Zwischenzeitlich bestehe ein diffuses Schmerzbild im Bereich des linken Armes. Eine strukturelle Läsion im Bereich der Schulter sei nicht überwiegend wahr
scheinlich nachgewiesen. Der Verlauf sei aufgrund des Unfallmechanismus nicht erklärbar und eine
frozen
shoulder
könne im Rahmen der MRI-Beurtei
lung sowie der klinischen Befunde am Spital
B.___
nicht mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit bestätigt werden. Es sei auch kein
subacromiales
Impin
gementsyndrom
bei einer Traktionsverletzung, welche den
subacromialen
Raum entlastet, überwiegend wahrscheinlich zu begründen (
Urk.
12/74 S. 4 f.).
Zusammenfassend seien die diffusen Beschwerden strukturell nicht überwiegend wahrscheinlich zu erklären und eine Läsion im Bereich der Schulter und auch der Halswirbelsäule
habe
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Folge des Ereignisses bestätigt werden können (
Urk.
12/74 S. 5).
4.
Vorab zu prüfen ist, ob ein Unfall oder eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt.
4.1
In der Schadenmeldung vom 1
2.
Juni 2013 (
Urk.
12/1) wurde in Bezug auf den Sachverhalt festgehalten, dass die Beschwerdeführerin eine Kiste
voller
Fisch
e
auf das Transportband habe heben wollen und einen starken Schmerz verspürt habe. Es sei ein normaler Arbeitsvorgang.
A
m 2
6.
Juni 2013
gab
die Beschwer
deführerin
folgendes zu Protokoll (
Urk.
12/11; vgl. auch
Urk.
12/13):
„Am 2
9.
Mai 2013 musste ich kommissionieren. Ich habe die mit Fisch gefüllten Harasse vom Palet auf das Band gehoben. Ich habe zwei Harasse gleichzeitig mit beiden Händen gefasst. Die Harasse sind mir beinahe auf den Boden gefal
len, um das zu verhindern habe ich mit der linken Hand nachgefasst. In diesem Moment spürte ich einen Schmerz in der linken Schulter. Danach habe ich nur noch mit rechts weitergearbeitet. Zeugen vom Unfall gibt es keine, ich habe dort alleine gearbeitet.“
Dr.
Z.___
hielt in seinem zuhanden der Beschwerdegegnerin erstellten
Arztbe
richt
vom 2
5.
Juni 2013 fest, dass die Beschwerdeführerin allein damit beschäf
tigt gewesen sei, Waren (Gebinde von ca. 12 kg) von einem Palet aufs Förder
band umzuladen. Beim Herunterziehen eines solchen Gebindes habe es beim Auffangen einen plötzlichen schmerzhaften Zwick in der linken Schulter gege
ben, worauf in der Folge der linke Arm funktionell praktisch nicht mehr habe benützt werden können (
Urk.
12/14).
Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die zwei Harasse beim Versuch, diese von einem Palet auf das Förderband zu ziehen, aus der Hand glitten und sie nachfasste. Dieser Vorgang erfüllt den Unfallbegriff nicht, da es an einem ungewöhnlichen äusseren Faktor fehlt
(
Urk.
12/1; Urteil des Bundesgerichts 8C_1019/2009 vom 2
6.
Mai 2010 E. 5.1).
4.2
Des Weiteren ist zu prüfen, ob eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt
(vgl. E. 2.2.2
). Das Bundesgericht bejahte eine gesteigerte Gefahrenlage und somit ein ausserhalb des Körpers liegendes, objektiv feststellbares, sinnfälliges, unfallähnliches Ereignis
, als eine versicherte Person ein 8 kg schweres
Lami
niergerät
anhob, um es von einem Tisch zum andern zu tragen, es ihr dabei drohte aus der Hand zu rutschen, sie mit der rechten Hand versuchte nachzu
fassen, wobei es ihr den Arm verdrehte und dieser dabei brach
(Urteil des Bun
desgerichts U 6/07 vom 1
1.
Oktober 2007 E. 5). Einen äusseren Faktor und damit eine unfallähnliche Körperschädigung verneinte das Bundesgericht hin
gegen beim Heben einer Bücherkiste von ca. 15 kg bei Umzugsarbeiten, beim
Aufladen von 9 kg schweren Getränkepaketen auf einen LKW sowie dem Heben eines ca. 20 kg schweren Koffer
s
(mit Hinweisen:
Murer
/Stauffer, Rechtspre
chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012,
S.
82 f.).
Mit Blick auf diese
Kasuistik
ist i
m vorliegenden Fall eine gesteigerte
Gefahren
lage
bzw. das Vorliegen eines äusseren Faktors und einer Diagnose im Sinne von
Art.
9
Abs.
2 UVV
eher
zu
verneinen.
Diese Frage muss
allerdings - wie folgend gezeigt wird (E. 5)
–
nicht abschliessend geprüft werden.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungs
pflicht
anerkannt und entsprechend zu beweisen habe, dass die Kausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weggefallen sei. Nach der
Bundesgerichts
praxis
ist es dem Unfallversicherer
allerdings
unbenommen, zunächst im Rah
men einer formlosen Deckungsanerkennung Leistungen wie Heilbehandlung und Taggelder zu erbringen und diese nach einer eingehenden Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen (Unfalltatbestand, Kausalität) bei entsprechendem Untersuchungsergebni
s ohne Berufung auf den
Rückkom
menstitel
der
Wieder
erwägung
oder der prozessualen Revision „ex
nunc
et pro
futuro
“ einzustellen (BGE 130 V 380).
Zu prüfen ist daher,
ob
zwischen dem Ereignis vom 2
9.
Mai 2013 und den Beschwerden der Beschwerdeführerin ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ob dies bejaht werden kann, ist nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (vgl. E.
2.3
).
5.2
5.2
.1
Zur Beurteilung der Kausalität stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Aus
führungen der Kreisärzte
Dr.
D.___
vom 2
0.
Januar 2014 und
Dr.
A.___
vom 2
8.
Mai 201
4.
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass die ärztli
chen Beurteilungen durch
die Kreisärzte
(E.
3.5 und E. 3.9
) die medizinischen
Vorakten
ebenso w
ie die geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin
berücksichtigen. Ausserdem leuchten die Darlegung der medizinischen Befunde sowie deren Beurteilung ein und die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet. Sodann wurden die Beurteilungen in Kenntnis der und in Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
, insbesondere auch dem Bericht von
Dr.
F.___
vom
4.
März 2014 (
Urk.
12/74 S. 3 ff.)
erstellt und tragen der konkreten medizi
nischen Situation Rechnung.
So begründeten die Kreisärzte insbesondere aus
führlich, dass die geklagten Beschwerden aufgrund des Ereignisses vom 2
9.
Mai 2013 nicht nachvollziehbar sind. Die Beurteilungen sind nach dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Frage umfassend und erfüllen damit die
praxis
gemässen
Kriterien (vgl. E.
2.4
) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfin
dung
und insbesondere die Einschätzung der Kausalität darauf abgestellt wer
den kann.
5.2
.2
Des Weiteren vermögen die Berichte von
Dr.
F.___
die Beurteilungen der Kreis
ärzte nicht zu entkräften:
Dr.
F.___
führte
zwar
in seinem Bericht vom 1
1.
Juli 2014
(
Urk.
12/78)
erneut aus, dass er bei der Erstuntersuchung eine deutlich verminderte Aussenrotation der linken Schulter gefunden habe, was für die Diagnose einer
frozen
shoulder
/
retraktilen
Kapsulitis
spreche.
Dr.
A.___
legte
allerdings ausführlich und nachvollziehbar
dar
, dass es bei einer
frozen
shoulder
zuerst zu einer Einschränkung der Aussenrotation im Rahmen der
retraktilen
Capsulitis
komme - im Spital
B.___
aber eine symmetrische Aussenrotation festgehalten
worden sei
.
Des Weiteren konstatierte er, dass bei einer konsequenten Ruhigstellung und manifester
frozen
shoulder
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit eine Schrumpfung des inferior
Recessus
nachweisbar sei, sich dieser allerdings unauffällig darstelle. Eine
retraktile
Capsulitis
/
frozen
shoulder
lasse sich somit nicht überwiegend wahrscheinlich begründen. Ebenso lasse sich eine symmetrische Muskulatur mit einer konsequenten Ruhighaltung, wie dies wiederholt dokumentiert worden sei, nicht erklären (
Urk.
12/74 S. 5).
Gestützt auf die Ausführungen von
Dr.
A.___
ist das Vorliegen einer
unfallkau
salen
frozen
shoulder
somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
5.2
.3
Auch die Berücksichtigung des von der Beschwerdeführerin im
Beschwerdever
fahren
eingereichten Berichts von
Dr.
med.
I.___
,
Facharzt für Allge
meinmedizin, Sportmedizin,
vom 2
0.
Mai 2014 führt zu keinem anderen Schluss. Seine Schlussfolgerungen können mangels Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage bzw. den erhobenen Befunden nicht nachvollzogen werden, womit sie die ausführlichen und
schlüssigen
kreisärztlichen Berichte nicht zu entkräften vermögen.
5.3
In Bezug auf die psychischen Beschwerden führte die Beschwerdegegnerin richtig
erweise aus
, dass bei
banalen Unfällen wie zum Beispiel bei geringfügi
gem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfäl
len wie zum Beispiel einem gewöhnlichen Stu
rz oder Ausrutschen
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden
kann
,
da
aufgrund der allgemeinen
Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352
E.
5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
5.4
Zusammenfassend gelingt d
er Nachweis eines Kausalzusammenhanges zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem Ereignis vom 2
9.
Mai 2013 nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
und
die Beschwer
deführerin
hat
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 115 V 133 E. 8a mit Hinweisen). Von zusätzlichen medizinischen Untersuchungen beziehungs
weise Abklärungen sind keine weiteren Aufschlüsse hinsichtlich
Unfallkausali
tät
zu erwarten.
Der
Einspracheentscheid
erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
6.
Gemäss
§
16
Abs.
1 in Verbindung mit
Abs.
2 des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsgericht
wird einer Partei auf ihr Gesuch hin eine unentgelt
liche Rechtsvertretung bestellt, wenn sie nicht in der Lage ist, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren, ihr die nötigen Mittel fehlen und der Prozess nicht als aussichtslos erscheint.
Die Beschwerdeführerin verfügt zusammen mit ihrem Ehemann über ein
Familien
einkommen
von monatlich
Fr.
8‘014.90 (Arbeitslosentaggelder
Fr.
4‘595.90,
Urk.
18/1; Invalidenrente total
Fr.
3‘419.--,
Urk.
18/2). Das
nach dem Kreisschreiben des Ober
gerichts vom 1
6.
September 2009 berechnete
Exis
tenzminimum beträgt
Fr.
4
‘
9
32.50
(Grundbetrag Ehepaar und Kinder:
Fr.
2‘
7
00.--; Wohnen
:
Fr.
1‘626.--,
Urk.
18/6
; Krankenkasse exkl.
Zusatzver
-
sicherung:
Fr.
836.50 [
Urk.
18/8] abzüglich IPV von monatlich
Fr.
230.-- [
Urk.
18/7])
.
Unter Berücksichti
gung der Steuern von
Fr.
250
.--
(Jahr 2015
,
Urk.
18/11;
Urk.
17 S. 4
) und des
usanzgemäss
gewährten Freibetrages von
Fr.
800.-- für ein Ehepaar (
Fr.
600.--) mit zwei Kindern (je
Fr.
100.--) verbleibt ein Überschuss von
Fr.
2
‘
0
32.40 (
Fr.
8‘014.90 -
Fr.
4
‘
9
32.50 -
Fr.
1‘050.--).
Ei
ne prozessuale Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin
i
st damit nicht ausgewiesen, weshalb das betreffende G
esuch um Bestellung einer unent
geltlichen Rechts
-
vertretung abzuweisen ist.
Das Gericht beschliesst,
Das Gesuch um
Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes
wird abgewiesen.
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Josef Flury
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei s
ie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler