# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e01e1add-0643-55c4-9352-05edd62978b1
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 15.01.2018 FO.2016.9/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_FO-2016-9-1_2018-01-15.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FO.2016.9/1

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 15.01.2018

Entscheiddatum: 15.01.2018

Entscheid Kantonsgericht, 15.01.2018
Art. 298 Abs. 1 ZGB: Der Umstand allein, dass ein Elternteil im Ausland 
wohnt und die geographische Distanz zwischen den Wohnorten gross ist, 
steht der Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht entgegen 
(Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 15. Januar 2018, FO.2016.9/1). 

Aus den Erwägungen:

III.

[…]

2.    b) Unbestritten ist vorliegend jedenfalls, dass sich die tatsächlichen 

Lebensverhältnisse der Familie seit den russischen Entscheiden betreffend Scheidung 

und Nebenfolgen von 2014 wesentlich verändert haben. Nachdem die Familie Mitte 

2014 zunächst gemeinsam in die Schweiz gekommen war, leben die drei Kinder heute 

mit der Mutter nach wie vor hier, während der Vater im Mai 2015 wieder nach Russland 

zurückgezogen ist.

Der Umstand allein, dass ein Elternteil im Ausland wohnt und die geographische 

Distanz zwischen den Wohnorten gross ist, steht der Beibehaltung der gemeinsamen 

elterlichen Sorge nicht entgegen. Zu prüfen ist vielmehr, ob vor diesem Hintergrund 

und unter Berücksichtigung der gesamten die Kinder betreffenden Umstände davon 

ausgegangen werden muss, dass die gemeinsame Sorge ihr Wohl gefährdet. Wie das 

Bundesgericht festhält, ist dies dann nicht der Fall, wenn die Eltern in Bezug auf die 

Eckpunkte der Lebensplanung der Kinder einigermassen kooperieren könnten, ferner 

im Rahmen des Besuchsrechts ab und zu ein physischer Kontakt bestehe und der die 

Obhut nicht innehabende Elternteil auch nicht systematisch vom Informationsfluss über 

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das Kind abgeschnitten sei. Dann lasse sich angesichts der heutigen 

Kommunikationsmittel die gemeinsame elterliche Sorge durchaus auch auf Distanz 

ausüben (BGer 5A_81/2016, E. 5; vgl. auch FamKomm Scheidung/Büchler/Clausen, 

Art. 298 ZGB, N 28).

[…]

4.    b) Wie stets bei der Beurteilung von Kinderbelangen ist von der im Zeitpunkt des 

Entscheids aktuellen Situation auszugehen und darauf gestützt eine Prognose für die 

Zukunft anzustellen, wobei die Entwicklung in der Vergangenheit diesbezüglich 

Hinweise liefern kann. Mit Blick auf das Kindeswohl nicht massgebend ist, bei welchem 

Elternteil das (grössere) Verschulden an einer Situation liegt; die (Allein-)Zuteilung der 

elterlichen Sorge dient nicht dazu, den einen zu belohnen bzw. den anderen zu 

bestrafen. Auch geht es nicht darum, das Verhalten eines Elternteils abstrakt, d.h. 

unabhängig von allfälligen Auswirkungen auf die Kinderbelange, zu beurteilen.

Die Entwicklung seit dem erstinstanzlichen Entscheid lässt in verschiedener Hinsicht 

den Schluss zu, dass die Unmöglichkeit der elterlichen Kooperation sowie die 

gegenseitig vorgeworfene Kommunikationsverweigerung bzw. Blockadehaltung 

(insbesondere des Vaters) nicht bzw. nicht mehr in dem Ausmass bestehen, wie sie die 

Mutter geltend macht bzw. die Vorinstanz – für den Zeitpunkt ihres Entscheids – 

festgehalten hat. Zwar geht aus den Eingaben im Berufungsverfahren hervor, dass die 

Eltern einander gegenüber immer noch ein grosses Misstrauen hegen und sich 

gegenseitig ihr Verhalten vorwerfen. Auch sind die Kommunikation und die Kooperation 

zwischen ihnen wohl nach wie vor mehr als geringfügig beeinträchtigt. Trotz der 

bestehenden Schwierigkeiten auf der Elternebene haben sie jedoch offensichtlich in 

Bezug auf die Kinderbelange einen Weg gefunden, in einem Mindestmass 

zusammenzuwirken – sowohl was das Kontaktrecht des Vaters zu den Kindern als 

auch die Bereiche der elterlichen Sorge anbelangt. Inwieweit die Kommunikation dabei 

direkt oder mit Hilfe Dritter, insbesondere der Beiständin, erfolgte und erfolgt, ist nicht 

ausschlaggebend. So wird, wie die Angaben der Kinder an der Anhörung vom 

26. Oktober 2017 zeigen, der Besuchsregelung gemäss Massnahmeentscheid vom 

21. Januar 2016 jedenfalls im Grundsatz nachgelebt. Sowohl dieses als auch letztes 

Jahr verbrachten die Kinder mit dem Vater in der Schweiz Sommerferien, ein nächster 

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Besuch des Vaters ist (bzw. war) an Weihnachten geplant und die Kinder skypen 

regelmässig mit ihm; die beiden Mädchen jede Woche, [der Sohn] auch häufiger. Auch 

die Beiständin hält in ihrem Bericht vom 17. Oktober 2017 fest, das anfangs von Streit 

und gegenseitigem Misstrauen geprägte Verhältnis der Eltern zueinander scheine sich 

inzwischen etwas entspannt zu haben. Sie hielten sich an die Abmachungen betreffend 

die Besuchs- und Ferienzeiten und begegneten ihren Kindern zugewandt und herzlich. 

Beide Eltern kooperieren offensichtlich gut mit der Beiständin und nehmen deren 

Unterstützung in Anspruch. Nicht ersichtlich ist die von der Mutter genannte 

Boykotthaltung des Vaters in Bezug auf die erforderliche therapeutische Abklärung 

bzw. Behandlung der Kinder; sowohl Sohn X als auch Tochter Z wurden untersucht 

und erhalten nun die erforderlichen Unterstützungsmassnahmen, wobei im Bericht 

nirgends davon die Rede ist, der Vater habe diesbezüglich die Kooperation verweigert. 

Mitgewirkt hat der Vater auch hinsichtlich der Passausstellung für die Tochter Y (auch 

wenn die Mutter ihm vorwirft, dies nur aus eigenem Interesse getan zu haben). Ebenso 

ist in Bezug auf die Fremdbetreuung der Kinder während der Arbeitszeiten der Mutter 

nicht ersichtlich, dass sie Anlass zu Diskussionen zwischen den Eltern gegeben hätte. 

Im Weiteren bestehen keine Anzeichen dafür, dass der Vater von Informationen über 

die Kinder in der Weise abgeschnitten wäre, dass er die elterliche Sorge gar nicht 

sinnvoll ausüben könnte. Dass er beispielsweise bei der Abklärung von X durch Dr. A 

seinen Angaben gemäss aktiv teilgenommen hat, bedingt, dass er über die Probleme 

seines Sohnes und die Untersuchung im Bild war. Auch der regelmässige Skype-

Kontakt zu den Kindern erlaubt es ihm, am Alltag der Kinder teilzunehmen und über 

das, was bei ihnen ansteht, orientiert zu bleiben. Über Schwierigkeiten, Informationen 

beispielsweise über schulische oder medizinische Belange zu erhalten, berichtet der 

Vater jedenfalls nicht.

c)    Für die bedeutend negativere Darstellung insbesondere durch die Mutter ergeben 

sich weder aus den Akten noch aus den Angaben der Kinder an der Anhörung 

Anhaltspunkte. Die Tatsache allein, dass der Vater nach Russland weggezogen ist, 

kann jedenfalls nicht ohne Weiteres damit gleichgesetzt werden, dass er sich seiner 

elterlichen Pflichten entziehen wollte bzw. dass es ihm an Interesse für die Belange der 

Kinder fehlt, ebenso wenig sein anfänglich abwehrendes Verhalten gegen den 

Einbezug ins Verfahren vor Vorinstanz (auch wenn jenes dadurch zweifellos erschwert 

wurde). Die geographische Distanz mag die Kommunikation zwar einerseits 

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erschweren – angesichts der modernen Kommunikationsmittel jedoch keineswegs 

verunmöglichen –, kann andererseits aber durchaus auch zu einer gewissen 

Entspannung beigetragen haben, gerade auch mit Blick auf die von der Mutter 

geäusserten Ängste vor dem Vater im Zeitpunkt des akuten Trennungskonflikts. Zudem 

ist zu beachten, dass der Vater zwar in Russland lebt, aber Schweizer und hier 

aufgewachsen ist und deshalb mit dem Umfeld, der Sprache sowie dem Gesellschafts- 

und Kulturkreis, in dem seine Kinder nun leben und die Schule besuchen, vertraut ist. 

Im Unterschied zu einem ausländischen Elternteil, dem die Schweiz fremd ist, ergeben 

sich damit auch unter diesem Aspekt aufgrund der Distanz keine Schwierigkeiten, die 

dem Vater das Ausüben der elterlichen Sorge erheblich erschweren und jene damit 

inhaltsleer machen würden.

d)    In Anbetracht dieser Umstände kann damit vorliegend nicht von einem Fall 

ausgegangen werden, in dem die restriktiven Voraussetzungen für ein Abweichen vom 

Regelfall der gemeinsamen elterlichen Sorge bzw. für einen Wechsel von jener zur 

Alleinsorge erfüllt wären. Zwar leiden die Kinder an psychischen Beeinträchtigungen 

bzw. Entwicklungsrückständen, die zumindest teilweise auf den langjährigen 

Elternkonflikt zurückzuführen sind. Dass sich dieser Konflikt massgeblich an den 

Belangen der gemeinsamen Sorge entzündet hätte bzw. inwiefern sich der psychische 

Zustand der Kinder durch die Zuteilung der Alleinsorge verbessern würde, hat die 

Mutter jedoch nicht plausibel dargetan und es bestehen auch sonst keine 

Anhaltspunkte dafür. Im Gegenteil ist (bzw. war anlässlich der Anhörung) ersichtlich, 

dass alle Kinder sehr an ihrem Vater hängen, und es ist davon auszugehen, dass das 

Bewusstsein, dass er bei für sie wichtigen Entscheidungen involviert ist, für sie wohl an 

Bedeutung gewinnt, je älter sie werden – gerade angesichts dessen, dass er ihnen im 

Alltag fehlt. Dass die Eltern offenbar unterschiedliche Erziehungsstile befürworten, stellt 

schliesslich für sich genommen auch keinen Grund für die Alleinsorge dar (vgl. BGer 

5A_186/2016, E. 4).

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