# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac24e790-4529-5992-b93e-ef72414c1f70
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-01-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.01.2021 F-6225/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6225-2020_2021-01-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6225/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J a n u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Andreas Trommer, 

mit Zustimmung von Richterin Susanne Genner;   

Gerichtsschreiberin Corina Fuhrer. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, geb. (…), Togo, 

2. B._______, geb. (…), Nigeria, 

3. C._______, geb. (…), Nigeria, 

4. D._______, geb. (…), Nigeria, 

Beschwerdeführende,  

vertreten durch MLaw Corinne Reber, Freiplatzaktion Zürich,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren; Mehrfachgesuch);  

Verfügung des SEM vom 1. Dezember 2020 / (…). 

 

 

F-6225/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden 1 und 2 reisten am 26. Oktober 2016 bzw. am 

30. November 2016 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staa-

ten ein und ersuchten am 26. Februar 2017 erstmals um Asyl in der 

Schweiz. Am (…) 2017 wurde die erste Tochter (Beschwerdeführerin 3) in 

der Schweiz geboren. Gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des 

Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-

gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wurden die Beschwerdeführenden 

1 - 3 am 28. September 2017 zur Durchführung des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens von der Schweiz nach Italien überstellt (Akten der 

Vorinstanz [SEM-act.] 15 f., 56 und 61 [gemäss Aktenverzeichnis vom 

31. Oktober 2017]). 

B.  

Am 22. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer 1 von der Kantonspolizei 

E._______ angehalten und einvernommen. Dabei ergab sich, dass die Fa-

milie – diesmal mit der zwischenzeitlich am (…) 2018 geborenen zweiten 

Tochter (Beschwerdeführerin 4) – am 19. Juni 2020 erneut illegal in die 

Schweiz eingereist war. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der «Euro-

dac»-Datenbank ergab, dass sie zuletzt am 10. Oktober 2017 in Italien ein 

Asylgesuch gestellt hatte (SEM-act. 4 [hier wie auch im Folgenden gemäss 

Aktenverzeichnis vom 10. Dezember 2020]). Im Rahmen des daraufhin 

eingeleiteten Dublin-Wegweisungsverfahrens gewährte die Migrationsbe-

hörde des Kantons E._______ den Beschwerdeführenden am 22. bzw. 

23. Juni 2020 rechtliches Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-

rung eines Asyl- und Wegweisungsverfahrens sowie zur Wegweisung in 

diesen Dublin-Mitgliedstaat. Am 21. Juli 2020 ersuchte die Vorinstanz die 

italienischen Behörden um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden 

gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (SEM-act. 5 und 8).  

C.  

Am 31. August 2020 (Datum Postaufgabe) ersuchten die Beschwerdefüh-

renden zum zweiten Mal um Asyl in der Schweiz (SEM-act. 11). Die Vor-

instanz nahm diese Eingabe als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c 

AsylG (SR 142.31) entgegen. 

F-6225/2020 

Seite 3 

D.  

Mit Schreiben vom 4. September 2020 gewährte die Vorinstanz den Be-

schwerdeführenden rechtliches Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten 

Nichteintretensentscheid sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitglied-

staat (SEM-act. 14).  

E.  

Die Beschwerdeführenden nahmen mit Eingabe vom 30. September 2020 

zur geplanten Überstellung nach Italien schriftlich Stellung. Dabei führten 

sie aus, ihnen sei zwar nach der Wegweisung aus der Schweiz in Italien 

eine «Permesso di Sogiorno – casi speciali» ausgestellt worden. Diese vo-

rübergehende Bewilligung laufe allerdings grundsätzlich nach zwei Jahren 

– in ihrem Fall im Oktober 2020 – aus, wenn bis dahin kein Arbeitsvertrag 

vorgewiesen werden könnte. Nachdem sie für ein Jahr in einem Flücht-

lingslager untergekommen seien, hätten sie dieses im August 2019 wieder 

verlassen müssen. Trotz der Unterstützung der Campleitung sei es ihnen 

nicht gelungen, eine Anstellung zu finden. Daraufhin hätten sie zu viert in 

einer Einzimmerwohnung gehaust, weil sie sich aufgrund der befristeten 

Bewilligung nicht für eine grössere Wohnung hätten anmelden dürfen. Da 

die ihnen ausgestellte Bewilligung zudem nicht erneuerbar sei, drohe ihnen 

bei einer Rückkehr nach Italien die Ausschaffung in ihre Herkunftsländer. 

Zudem würden sie alle an gesundheitlichen Problemen leiden. Deren Be-

handlung sei ihnen in Italien verwehrt geblieben, was sie schliesslich dazu 

bewogen habe, in die Schweiz zurückzukehren. Zu den Akten gereicht 

wurde ein Arztbericht vom (…) 2020 sowie ein Rezept des Spitals 

F._______ vom (…) 2020 (SEM-act. 18 und 11). Mit Schreiben vom 8. Ok-

tober 2020 übermittelten die Beschwerdeführenden der Vorinstanz sodann 

eine Ergänzung der schriftlichen Stellungnahme inklusive Arztbericht vom 

(…) 2020 sowie am 16. Oktober 2020 und am 24. November ärztliche Be-

richte in Bezug auf die beiden Töchter (SEM-act. 22 f. und 27). 

F.  

Die italienischen Behörden liessen das Wiederaufnahmegesuch der Vor-

instanz innert der Frist von Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO unbeantwortet. Sie 

stimmten dem Ersuchen jedoch am 5. Oktober 2020 nachträglich zu 

(SEM-act. 19). 

  

F-6225/2020 

Seite 4 

G.  

Mit Verfügung vom 1. Dezember 2020 (eröffnet am 3. Dezember 2020) trat 

die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asyl-

gesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz nach Italien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz 

auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende auf-

schiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton E._______ mit dem 

Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 28). 

H.  

Mit Beschwerde vom 9. Dezember 2020 gelangten die Beschwerdeführen-

den an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, die vorinstanzli-

che Verfügung sei aufzuheben und ein Asylverfahren in der Schweiz durch-

zuführen, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vor-

instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie 

um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie der 

unentgeltlichen Rechtspflege (Akten des Bundesverwaltungsgerichts 

[BVGer-act.] 1). 

I.  

Am 10. Dezember 2020 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in 

elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den 

Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus 

(BVGer-act. 2). 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die Be-

schwerdeführenden sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

F-6225/2020 

Seite 5 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

2.3 Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen 

ist – als offensichtlich begründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung 

eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln 

ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Wie bereits erwähnt hatten die Beschwerdeführenden 

am 10. Oktober 2017 in Italien Asylgesuche gestellt. Das SEM ersuchte die 

italienischen Behörden am 21. Juli 2020 um Wiederaufnahme der Be-

schwerdeführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Mit der 

unterbliebenen Äusserung dazu haben die italienischen Behörden ihre Zu-

ständigkeit stillschweigend anerkannt (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO) und 

nachfolgend, mittels Mitteilung vom 5. Oktober 2020, auch bestätigt. Dem-

zufolge ist von einem nach wie vor pendenten Asylverfahren in diesem 

Dublin-Mitgliedsstaat auszugehen. Entgegen den Vorbringen der Be-

schwerdeführenden, wonach ihnen in Italien der Zugang zum Asylverfah-

ren aufgrund einer ausgelaufenen Bewilligung nicht garantiert sei, deutet 

nichts darauf hin, dass Italien den Grundsatz des Non-Refoulement miss-

achten und sie zwingen könnte, in ein Land auszureisen, in welchem sie 

einer Gefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt wären, oder in 

dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-

gen zu werden. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführenden ist 

somit gegeben.  

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Seite 6 

3.2 Weiter strittig und nachfolgend zu klären ist jedoch, ob vorliegend hin-

reichend konkrete Garantien für eine adäquate, familiengerechte Unter-

bringung der Beschwerdeführenden in Italien vorliegen und damit der im 

Nachgang zum Erlass des sog. «Salvini-Dekrets» entwickelten Rechtspre-

chung Nachachtung verschafft wird respektive ob die Vorinstanz eine 

rechtsgenügliche Prüfung der Ausübung des Selbsteintrittsrechts nach 

Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vorgenom-

men hat. 

4.  

4.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist im als Referenzurteil publizierten Ur-

teil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 zum Ergebnis gekommen, dass 

die vonseiten Italiens mittels Formular «Nucleo familiare» abgegebene Zu-

sicherung einer adäquaten Unterkunft seit Inkraftsetzung des sog. Salvini-

Dektrets nicht als Garantie für die Zuweisung einer adäquaten, familienge-

rechten Unterbringung ausreicht. Es verweist dabei auf seine im Zusam-

menhang mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-

rechte (EGMR) i.S. Tarakhel gegen Schweiz ergangene Rechtsprechung 

(vgl. BVGE 2015/4 E. 4.3 und 2016/2 E. 4.3) und hält fest, dass sich die 

Situation in Italien seit dem Erlass des sog. Salvini-Dekrets geändert habe. 

Gemäss dem Rundschreiben vom 8. Januar 2019, welches Italien an die 

übrigen Dublin-Staaten versandt habe, würden fortan alle asylsuchenden 

Personen (mithin auch jene, die im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach 

Italien überstellt worden seien) in den Erstaufnahmezentren oder in den 

Notaufnahmezentren («Centri di accoglienza straordinari» [CAS]) unterge-

bracht (vgl. Urteil E-962/2019 E. 6.2.8). Obwohl im erwähnten Rundschrei-

ben versichert werde, dass in den Erstaufnahme- und Notaufnahmezen-

tren die Einheit der Familie und der Schutz von Minderjährigen gewährleis-

tet sei, könne im blossen Verweis auf dieses Rundschreiben keine hinrei-

chend konkrete Garantie im Sinne der Tarakhel-Rechtsprechung erblickt 

werden; es sei genauer zu überprüfen, ob es sich bei der in Italien zuge-

wiesenen Unterkunft um eine familiengerechte Unterbringung handle und 

ob der Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung gewährleistet sei 

(vgl. Urteil E-962/2019 E. 8.3.3). Weder ein Verweis auf das Rundschrei-

ben vom 8. Januar 2019 noch die Bestätigung, dass in den Erstaufnahme- 

und Notaufnahmezentren Räume für Familien reserviert seien, vermöchten 

den Anforderungen zu genügen. Das SEM sei daher gehalten, weiterge-

hende Zusicherungen einzuholen. Ohne detaillierte und verlässliche Infor-

mationen betreffend die Unterbringungsverhältnisse, den Schutz der Ein-

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Seite 7 

heit der Familie und die Gewährleistung der nötigen medizinischen Versor-

gung im Einzelfall sei eine Überstellung nicht zulässig, weil damit das Ri-

siko einer Verletzung von Art. 3 EMRK einhergehe (vgl. Urteil E-962/2019 

E. 8.3.4) 

4.2 Vorliegend erachtet die Vorinstanz eine Überstellung der Beschwerde-

führenden nach Italien als zulässig. Die italienischen Behörden hätten be-

reits im Februar 2020 Massnahmen ergriffen, um die Qualität der Aufnah-

mebedingungen und der in den Zentren angebotenen Dienstleistungen 

landesweit zu vereinheitlichen. Am 24. April 2020 hätten sie der Schweiz 

eine Liste mit Aufnahmeeinrichtungen für asylsuchende Familien übermit-

telt. In diesen Einrichtungen würden Familien untergebracht, die im Dublin-

Verfahren überstellt würden. Die in der Liste aufgeführten Zentren seien in 

der Regel klein und ausschliesslich für die Aufnahme von Familien und al-

leinstehenden Frauen vorgesehen. Des Weiteren sei am 22. Oktober 2020 

ein neues Dekret (Nr. 130 vom 21. Oktober 2020) für die Dauer von 60 

Tagen in Kraft getreten. Es handle sich dabei um eine Modifikation des 

sog. Salvini-Dekrets, mit der einige zuvor abgeschaffte Dienstleistungen 

wiedereingeführt würden. Das italienische Parlament müsse dieses in der 

genannten Zeit in ein Gesetz umwandeln. Schliesslich hätten die italieni-

schen Behörden die Beschwerdeführenden in ihrer Mitteilung vom 5. Ok-

tober 2020 (Formular «Nucleo familiare») explizit namentlich erwähnt. Es 

sei daher von deren adäquater Unterbringung in Italien auszugehen. Auch 

lägen keine Hinweise vor, wonach der Zugang zu notwendiger medizini-

scher Behandlung in Italien nicht gewährleistet wäre.  

4.3 Die Beschwerdeführenden wenden dagegen in ihrer Rechtsmittelein-

gabe vom 9. Dezember 2020 im Wesentlichen ein, es lägen seitens der 

italienischen Behörden keine hinreichend konkreten Garantien dafür vor, 

dass sie nach einer Überstellung eine familiengerechte Unterbringung er-

halten würden. Zudem seien in der Schweiz noch medizinische Abklärun-

gen ausstehend. 

4.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass der Einwand der Beschwerdeführenden betreffend ungenü-

gender Zusicherungen seitens Italiens berechtigt ist. Massgeblich für die 

Beurteilung ist die Situation im heutigen Zeitpunkt. Das vom SEM erwähnte 

Gesetzesdekret Nr. 130/2020 zur Modifikation zentraler Bestimmungen 

des sog. Salvini-Dekrets wurde zwar zwischenzeitlich am 18. Dezember 

2020 durch das italienische Parlament verabschiedet und ist am 20. De-

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Seite 8 

zember 2020 definitiv in Kraft getreten. Derzeit noch unbekannt ist aller-

dings die künftige Umsetzung dieser Gesetzesänderungen durch die itali-

enischen Behörden. Mangels Kenntnis der neuen Praxis wendet das Bun-

desverwaltungsgericht demzufolge zum heutigen Zeitpunkt nach wie vor 

die im Urteil E-962/2019 entwickelte Rechtsprechung an. Die von der Vor-

instanz exemplarisch aufgeführten Verbesserungsmassnahmen, welche 

die italienischen Behörden seit Februar 2020 für die Unterbringung von 

Asylsuchenden vorgenommen hätten, vermögen daran noch nichts zu än-

dern (vgl. auch Urteile des BVGer D-6060/2020 vom 14. Dezember 2020 

E. 4.4.4; D-5952/2020 vom 4. Dezember 2020 E. 5.4; F-4872/2020 vom 

5. November 2020 E. 4.2).  

4.5 Das SEM ist daher nach wie vor gehalten, weitergehende Zusicherun-

gen von den italienischen Behörden einzuholen. Die seitens Italiens mittels 

Formular «Nucleo familiare» vom 5. Oktober 2020 erfolgte Anerkennung 

der Beschwerdeführenden als Familieneinheit und die abgegebene Zusi-

cherung ihrer Unterbringung in einem Aufnahmezentrum gemäss der Auf-

listung vom 24. April 2020 und im Sinne des Rundschreibens vom 8. Ja-

nuar 2019 vermag angesichts des vorstehend dargelegten Hintergrunds 

zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu genügen. Allein der Verweis auf eine Liste 

mit Unterkünften, die den Bedürfnissen von Familien generell gerecht wür-

den, stellt keine hinreichende Garantie im Sinne der Tarakhel-Rechtspre-

chung dar. Es kann daher im heutigen Zeitpunkt nicht von einer rechts-

genüglichen Abklärung des Sachverhalts im Hinblick auf die Anwendung 

der Souveränitätsklausel gesprochen werden. Das SEM hätte auf den vor-

liegenden Einzelfall bezogen prüfen müssen, ob es in Würdigung der kon-

kreten Umstände tatsächlich angezeigt ist, auf den Selbsteintritt zu verzich-

ten. 

4.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachver-

halt im Hinblick auf die Anwendung der Souveränitätsklausel nicht rechts-

genüglich abgeklärt hat und ihrer Pflicht zur Ermessensausübung nicht 

nachgekommen ist.  

5.  

Die Beschwerde erweist sich demnach als offensichtlich begründet. Sie ist 

gutzuheissen, die Verfügung vom 1. Dezember 2020 ist aufzuheben und 

die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen.  

F-6225/2020 

Seite 9 

6.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). Den vertretenen Beschwerdeführenden ist ange-

sichts ihres Obsiegens gestützt auf Art. 64 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der 

Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Man-

gels Kostennote ist die Entschädigung vorliegend von Amtes wegen und 

aufgrund der Akten pauschal auf Fr. 800.– festzusetzen (Art. 8 ff. VGKE; 

Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und unentgeltlichen Rechtsverbeiständung erweisen sich 

folglich als gegenstandslos.  

(Dispositiv nächste Seite)  

  

F-6225/2020 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 1. Dezember 2020 wird aufgehoben und 

die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 800.– zu entschädigen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Andreas Trommer Corina Fuhrer 

 

 

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