# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 14e5a63e-ecce-53d2-a560-1d824f6f57e7
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2005-06-14
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 14.06.2005 JAAC 69.126
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-69-126--_2005-06-14.pdf

## Full Text

JAAC 69.126

Auszug aus dem Entscheid SRK 2003-124 der
Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 14.
Juni 2005

Taxe sur la valeur ajoutée (LTVA). Dommages-intérêts au sens propre ou
au sens impropre. Notion de prestation. Echange de prestations.

Art. 7 al. 2 let. b LTVA.

- Il y a dommages-intérêts (au sens propre) non imposables, lorsque le
destinataire de la compensation a subi un dommage contre sa volonté
et obtient un dédommagement sans qu’il ne fournisse lui-même une
prestation en échange; aucun échange de prestations n’a lieu. L’auteur
du dommage fournit les dommages-intérêts, parce qu’il est obligé de
rétablir la situation existante avant le dommage et non pas parce qu’il
a reçu une livraison ou une prestation de services du lésé (consid. 2b/aa,
3b/aa).

- Il s’agit de dommages-intérêts (au sens impropre) imposables,
lorsque la prestation en compensation représente la contre-prestation
effective d’une prestation. Le «lésé» a laissé cette fois volontairement le
«dommage» se produire (consid. 2b/bb, 3b/bb).

- La pratique administrative de l’Administration fédérale des
contributions fondée sur la notice no 4 ne doit pas être critiquée tant
qu’elle considère l’existence d’un échange de prestations comme critère
premier de délimitation (consid. 3a, 3b/aa).

- En l’espèce, le dédommagement en cause a été convenu en raison
de la résiliation anticipée d’un contrat de durée par consentement
mutuel. Par son accord, la recourante accepte le retrait prématuré
du contrat de la cocontractante ainsi que l’attribution du dommage
à cette dernière et renonce aux droits résultant du contrat de durée.
Elle a ainsi fourni une prestation, qui peut également être une omission
ou une tolérance, et il existe un échange de prestations (consid. 2a/bb,
3b/bb, 3c).

1

Mehrwertsteuer (MWSTG). Echter und unechter Schadenersatz.
Leistungsbegriff. Leistungsaustausch.

Art. 7 Abs. 2 Bst. b MWSTG.

- Nicht steuerbarer (echter) Schadenersatz liegt vor, wenn der
Empfänger des Ersatzes gegen seinen Willen einen Schaden erlitten
hat und er eine Entschädigung erhält, ohne dass er selbst in deren
Austausch eine Leistung erbringt; es findet kein Leistungsaustausch
statt. Der Schädiger leistet den Schadenersatz, weil er zur
Wiederherstellung des Zustandes vor dem schädigenden Ereignis
verpflichtet ist und nicht, weil er eine Lieferung oder Dienstleistung vom
Geschädigten erhalten hat (E. 2b/aa, 3b/aa).

- Von steuerbarem (unechtem) Schadenersatz ist auszugehen, wenn die
Ersatzleistung die effektive Gegenleistung für eine Leistung darstellt.
Der «Geschädigte» hat sich diesfalls den «Schaden» willentlich zufügen
lassen (E. 2b/bb, 3b/bb).

- Die Verwaltungspraxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung
gemäss Merkblatt Nr. 4 ist nicht zu beanstanden, soweit als primäres
Abgrenzungskriterium das Vorliegen eines Leistungsaustausches gilt (E.
3a, 3b/aa).

- Die vorliegend in Frage stehende Entschädigung wurde
vereinbart für die vorzeitige, einvernehmliche Aufhebung eines
Dauerschuldverhältnisses. Mit der Vereinbarung akzeptiert die
Beschwerdeführerin den vorzeitigen Ausstieg der Vertragspartnerin
aus dem Vertrag sowie die Schadenszufügung durch diese und
verzichtet auf die Rechte aus dem Dauerschuldverhältnis. Sie hat damit
eine Leistung, als welche auch ein Unterlassen oder Dulden gelten kann,
erbracht und es liegt ein Leistungsaustausch vor (E. 2a/bb, 3b/bb, 3c).

Imposta sul valore aggiunto (LIVA). Risarcimento danni in senso stretto
ed in senso lato. Nozione della prestazione. Scambio di prestazioni.

Art. 7 cpv. 2 lett. b LIVA.

- Vi è risarcimento danni (in senso stretto) non imponibile se il
destinatario del risarcimento ha subito un danno contro la propria
volontà e riceve un’indennità senza fornire in cambio una prestazione;
non vi è scambio di prestazioni. Chi ha provocato il danno versa il
relativo risarcimento perché è obbligato a ristabilire la situazione
esistente prima dell’evento pregiudizievole e non perché ha ricevuto una
fornitura o una prestazione di servizi dal danneggiato (consid. 2b/aa,
3b/aa).

- Si considera che vi sia un risarcimento danni (in senso lato) imponibile
se la prestazione di risarcimento costituisce la controprestazione
effettiva per una prestazione. In questo caso, il «danneggiato» ha
volontariamente subito il danno (consid. 2b/bb, 3b/bb).

2

- La prassi amministrativa dell’Amministrazione federale delle
contribuzioni secondo il foglio informativo n. 4 è corretta, nella
misura in cui si considera lo scambio di prestazioni quale criterio di
delimitazione primario (consid. 3a, 3b/aa).

- L’indennità in questione nella fattispecie è stata definita per il caso
di scioglimento anticipato consensuale di una rapporto contrattuale
durevole. Con l’accordo, la ricorrente accetta l’uscita anticipata
dell’altra parte dal rapporto contrattuale, accettando pure il relativo
danno e rinunciando ai diritti derivanti dal contratto. Essa ha quindi
fornito una prestazione, che può consistere anche in un’omissione o nel
tollerare una situazione, per cui vi è uno scambio di prestazioni (consid.
2a/bb, 3b/bb, 3c).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Die X., eine Aktiengesellschaft, ist seit dem 24. Januar 2000 als
Steuerpflichtige im von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV)
geführten Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen und verfolgt
laut Handelsregister des Kantons A. namentlich den folgenden Zweck: die
Kreation, Beschaffung, Auswahl, Bearbeitung, Verwaltung, Verbreitung
und den Vertrieb von publizistisch nutzbaren Inhalten, Informationen
und weiteren Daten (einschliesslich Bildmaterial) in der Schweiz und im
Ausland; der Handel mit solchen Inhalten in der Schweiz und im Ausland; die
Erbringung von Dienstleistungen eines Verlages sowie einer elektronischen
Online Datenbank und allen damit zusammenhängenden Tätigkeiten.

Aufgrund einer Kontrolle bei der Steuerpflichtigen forderte die ESTV für die
Steuerperioden 1. Quartal bis 4. Quartal 2001 (vom 1. Januar bis 31. Dezember
2001) mit Ergänzungsabrechnung (EA) vom 16. Mai 2002 Mehrwertsteuern im
Umfang von Fr. 268’347.- nach (zuzüglich 5% Verzugszins).

B. Diese Nachforderung von Fr. 268’347.- (zuzüglich Verzugszinsen) bestätigte
die ESTV mit Entscheid vom 26. März 2003. Dagegen erhob die X. Einsprache,
namentlich bezogen auf die Mehrwertsteuer auf einer Entschädigung von
Fr. 5 Mio. der Schweizerischen Post (im Folgenden: Post) für eine vorzeitige
Vertragsauflösung.

C.Mit Einspracheentscheid vom 14. Juli 2003 wies die ESTV die Beschwerde
ab und verpflichtete die X. zur Bezahlung von Fr. 252’227.- (Fr. 268’347.-
abzüglich Fr. 16’120.- Gutschrift) zuzüglich Verzugszinsen. Zur Begründung
führte die ESTV imWesentlichen aus, die X. und die Post hätten am 6. bzw.
12. Dezember 2001 eine Vereinbarung zur vorzeitigen Auflösung eines
Eckdaten-Contentvertrages geschlossen, wofür sich die Post zur Zahlung
von Fr. 5 Mio. verpflichtet habe. Bei einer solchen vorzeitigen Auflösung
von Dauerschuldverhältnissen stehe der Entschädigung eine Gegenleistung
gegenüber, es finde somit ein Leistungsaustausch statt und die Entschädigung
sei als Entgelt steuerbar. Die X. habe sich den «Schaden», d. h. den Untergang
ihrer Rechte aus dem Contentvertrag, willentlich zufügen lassen, dieser
Verzicht auf vertragliche Rechte stelle gemäss Art. 7 Abs. 2 Bst. b des
Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer vom 2. September 1999 (MWSTG, SR

3

641.20) eine steuerbare Dienstleistung dar. Vorliegend handle es sich nicht um
echten, der Steuer nicht unterstehenden Schadenersatz aus Nichterfüllung des
Vertrages gemäss Art. 97 ff. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 30. März 1911 (Fünfter Teil:
Obligationenrecht [OR], SR 220).

D. Gegen diesen Entscheid der ESTV lässt die X. (im Folgenden:
Beschwerdeführerin) am 19. August 2003 Beschwerde bei der
Eidgenössischen Steuerrekurskommission (SRK) führen und beantragen,
der Einspracheentscheid sei aufzuheben, soweit er Mehrwertsteuer auf der
Schadenersatzleistung von Fr. 5 Mio. für die vorzeitige Vertragsauflösung
betreffe (im Umfang von Fr. 353’159.85). Sie macht namentlich geltend,
es handle sich bei der Entschädigung von Fr. 5 Mio. um echten, nicht
der Mehrwertsteuer unterliegenden Schadenersatz. Die Behandlung
von Schadenersatz sei im MWSTG nicht geregelt. Relevant sei die
Frage, ob ein Leistungaustauschverhältnis vorliege, dies sei aber bei
Schadenersatzleistungen nicht der Fall. Die Unterscheidung in echten und
unechten Schadenersatz gemäss Merkblatt Nr. 04[1] der ESTV vermöge
nicht zu überzeugen. Zivilrechtlich gesehen stelle die Entschädigung
der Post einen Schadenersatz im Sinne von Art. 97 ff. OR dar. Wenn
nach Ziff. 2.1 des Merkblattes Nr. 04 bei Vertragsverletzungen echter,
nicht steuerbarer Schadenersatz in Frage komme, müsse dies auch bei
Dauerschuldverhältnissen möglich sein. Ziff. 3.1 des Merkblatts Nr. 04
sei nicht anwendbar und führe vorliegend zu einer verfassungswidrigen
Gesetzesauslegung. Die Darstellung der ESTV, die Beschwerdeführerin
habe willentlich auf ein Recht verzichtet, sei unzutreffend, ihre einzige
Wahlmöglichkeit habe darin bestanden, die Post zu verklagen oder sich
aussergerichtlich zu einigen. Die vorliegende Beendigungsvereinbarung
könne als aussergerichtliche Vereinbarung gelten.

E.Mit Vernehmlassung vom 25. September 2003 beantragt die ESTV
die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. In Ergänzung zum
Einspracheentscheid führt sie aus, bei der fraglichen Vereinbarung handle
es sich um einen Aufhebungsvertrag und die Zahlung der Post stütze sich
nicht auf Art. 97 ff. OR. Die zivilrechtliche Ausgestaltung des Vorgangs oder
dessen Bezeichnung als Schadenersatz sei zudem nicht ausschlaggebend.
Entscheidend sei alleine das Vorliegen eines Leistungsaustauschs.

Aus den Erwägungen:

1. (...)

2.a.aa. Nach Art. 5 MWSTG unterliegen Lieferungen und Dienstleistungen
der Mehrwertsteuer nur, wenn sie gegen Entgelt erbracht werden.
Die Entgeltlichkeit erfordert einen Leistungsaustausch zwischen dem
steuerpflichtigen Leistungserbringer und dem Empfänger. Die Entgeltlichkeit
stellt ein unabdingbares Tatbestandsmerkmal einer mehrwertsteuerrechtlich
relevanten Leistung dar (Ausnahme: Eigenverbrauch). Besteht kein
Austauschverhältnis in diesem Sinn zwischen Leistungserbringer und
‑empfänger, ist die Aktivität mehrwertsteuerlich irrelevant und fällt
nicht in den Geltungsbereich der Mehrwertsteuerverordnung bzw. des
Mehrwertsteuergesetzes (statt vieler: Entscheid der SRK vom 18. November
2002, veröffentlicht in VPB 67.49 E. 2a/cc, mit Hinweisen). Das Bundesgericht
hat zum Begriff des Leistungsaustausches in grundsätzlicher Hinsicht Stellung

4

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150006020.pdf?ID=150006020

genommen (BGE 126 II 443 E. 6; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25.
August 2000, veröffentlicht in Steuer-Revue [StR] 1/2001 S. 55 ff. E. 6). Danach
findet erst mit dem Austausch von Leistungen ein steuerbarer Umsatz statt.
Die Leistung besteht entweder in einer Lieferung oder Dienstleistung, die
Gegenleistung des Empfängers im Entgelt. Zusätzlich ist eine wirtschaftliche
Verknüpfung zwischen Leistung und Gegenleistung erforderlich. Es muss ein
direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen Leistung und Gegenleistung
bestehen (Daniel Riedo, VomWesen der Mehrwertsteuer als allgemeine
Verbrauchsteuer, Bern 1999, S. 223 ff.), wie das namentlich beim zweiseitigen
Vertrag der Fall ist. Ein Leistungsaustausch kann indes auch gegeben sein,
ohne dass ein Vertrag vorliegt (vgl. BGE 126 II 249 E. 4a). Leistung und
Gegenleistung müssen innerlich derart verknüpft sein, dass die Leistung
eine Gegenleistung auslöst (Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Dezember
2002 [2A.175/2002], E. 3.2).

Ein Leistungsaustausch liegt also vor, wenn folgende Tatbestandsmerkmale
kumulativ erfüllt sind (vgl. Entscheide der SRK vom 14. April 1999,
veröffentlicht in VPB 63.93 E. 3a, vom 18. Februar 2002 i.S. S. [SRK 2003-068] E.
4b):

1. es sind zwei Beteiligte in Gestalt eines Leistenden und eines
Leistungsempfängers vorhanden

2. es wird eine Leistung erbracht, der eine Gegenleistung (Entgelt)
gegenübersteht

3. Leistung und Gegenleistung sind ursächlich miteinander wirtschaftlich
verknüpft

bb. Eine Definition des Leistungsbegriffs findet sich im MWSTG nicht. Unter
dem Oberbegriff Leistungen werden Lieferungen und Dienstleistungen
zusammengefasst. Gemäss Art. 6 Abs. 1 MWSTG liegt eine Lieferung vor,
wenn die Befähigung verschafft wird, in eigenem Namen über einen
Gegenstand wirtschaftlich zu verfügen. Auf Grund von Art. 7 Abs. 1
MWSTG gilt als Dienstleistung jede Leistung, die keine Lieferung eines
Gegenstandes ist. Mit der negativen Definition der Dienstleistungen wird
sichergestellt, dass sämtliche Leistungen, wenn nicht als Lieferungen, dann
als Dienstleistungen, erfasst sind. Beim Dienstleistungsbegriff handelt es sich
um einen Auffangtatbestand oder um einen Restbegriff, der alle anderen
Leistungen mit Ausnahme der Lieferungen erfasst (Alois Camenzind/Niklaus
Honauer/Klaus A. Vallender, Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz [MWSTG],
Bern 2003, 2. Aufl., Rz. 275; Patrick Imgrüth, in: mwst.com, Kommentar zum
Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel 2000, N. 1 zu Art. 7). Art. 7 Abs.
2 MWSTG stellt im Weiteren fest, dass auch die Überlassung von immateriellen
Werten und Rechten (Bst. a) sowie das Unterlassen einer Handlung bzw. das
Dulden einer Handlung oder eines Zustandes (Bst. b) als Dienstleistungen
gelten.

cc. In der Lehre wird teilweise dafürgehalten, dass für den Begriff der
mehrwertsteuerlichen Leistung (als Element des mehrwertsteuerlich
relevanten Leistungsaustausches) unter anderem auf das Wesensmerkmal des
Leistungswillens abzustellen sei. Der Leistungserbringer müsse den Willen
haben, einen Umsatz zu tätigen. Eine Vermögenseinbusse, die jemand ohne
seinen Willen erleide, bewirke keine Leistung. Bedeutsam sei das Element des

5

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20443
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20249
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004433.pdf?ID=150004433

Leistungswillens für die Abgrenzung von Umsätzen zu den Nichtumsätzen
(z. B. Schadenersatz, Subventionen), bei fehlendem Leistungswillen liege in
der Regel ein Nichtumsatz vor (Camenzind/Honauer/Vallender, a.a.O., Rz.
165-177; Ivo P. Baumgartner, Die Entgeltlichkeit bei der schweizerischen
Mehrwertsteuer, StR 1996 S. 260 ff.; Pierre-Alain Guillaume, in: mwst.com,
a.a.O., N. 37 zu Art. 5; vgl. auch die Erwähnung des Leistungswillens als
Erfordernis eines Leistungsaustausches im Urteil des Bundesgerichts vom
27. Mai 2002, veröffentlicht in Archiv für schweizerisches Abgaberecht [ASA]
73 S. 222 ff., E. 3.4).

dd. Wie bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage der Umfang des
Entgelts aus der Sicht des Abnehmers zu definieren ist (Art. 33 Abs. 2 MWSTG;
vgl. Riedo, a.a.O., 228; Alois Camenzind/Niklaus Honauer, Handbuch zur
neuen Mehrwertsteuer, Bern 1995, Rz. 761), ist auch bei der Beurteilung des
wirtschaftlichen Zusammenhanges zwischen Leistung und Entgelt primär
auf die Sicht des Leistungsempfängers abzustellen, was namentlich der
Konzeption der Mehrwertsteuer als Verbrauchssteuer entspreche (Riedo, a.a.O.,
S. 230 ff.; Camenzind/Honauer/Vallender, a.a.O., Rz. 182; auch auf die Sicht des
Leistenden abstellend: Baumgartner, a.a.O. S. 272; vgl. auch Entscheid der SRK
vom 24. August 1997, veröffentlicht in MWST-Journal 3/1997 S. 103 f., E. 4a).

ee. Die Mehrwertsteuer stellt auf wirtschaftliche Vorgänge ab, auf Umsätze
wie Lieferung und Dienstleistung, und sie besteuert den wirtschaftlichen
Konsum. Auch wenn den Lieferungen und Dienstleistungen in der Regel
zweiseitige Verträge zugrunde liegen dürften, hat es der Gesetzgeber mit
Rücksicht auf das Wesen der Mehrwertsteuer vermieden, an bestimmte
Vertragsverhältnisse anzuknüpfen. Deshalb ist die Frage, ob eine
Gegenleistung in ursächlichem Zusammenhang mit der Leistung steht - wie
nach konstanter Rechtsprechung und Lehre bei der mehrwertsteuerlichen
Qualifikation von Vorgängen im Allgemeinen -, nicht in erster Linie aus
einer zivil‑, sprich vertragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirtschaftlichen,
tatsächlichen Kriterien zu beurteilen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
14. November 2003 [2A.304/2003], E. 3.6.1, mit Hinweisen; Entscheide der
SRK vom 13. Februar 2001 i.S. S. AG [SRK 2000-067], E. 4a, vom 18. Mai 1998,
veröffentlicht in MWST-Journal 3/98, S. 138, E. 7; ausführlich: Riedo, a.a.O., S.
112; vgl. auch Stefan Kuhn/Peter Spinnler, Mehrwertsteuer, Muri/Bern 1994, S.
38 in fine, 41).

b. Bei Schadenersatzleistungen ist mehrwertsteuerlich entscheidend, ob
sie aufgewendet werden, um eine Leistung zu erhalten oder abzugelten.
Trifft dies nicht zu, mangelt es am Leistungsaustausch. Die zivilrechtliche
Ausgestaltung des Vorgangs oder dessen Bezeichnung als Schadenersatz
ist nicht ausschlaggebend (Riedo, a.a.O., S. 241). Im Allgemeinen
wird unterschieden zwischen echtem und unechtem Schadenersatz
(namentlich die Verwaltungspraxis in Merkblatt Nr. 04 der ESTV;
Camenzind/Honauer/Vallender, a.a.O., Rz. 315 ff.; vgl. auch Entscheid der
SRK vom 1. Dezember 2004 i.S. C. SA [CRC 2002-077], E. 3c)

aa. Von echtem Schadenersatzwird gesprochen, wenn kein
Leistungsaustausch stattfindet und somit keine mehrwertsteuerlich relevante
Aktivität vorliegt. Der Schädiger leistet in solchen Fällen, weil er einen
Schaden verursacht hat und nicht, weil er eine Lieferung oder Dienstleistung
vom Geschädigten erhalten hat. Er stellt bloss den wirtschaftlichen Zustand

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vor dem schädigenden Ereignis wieder her. Bei dieser Art Schadenersatz
fehlt es an der inneren Verknüpfung von Leistung und Gegenleistung
(Camenzind/Honauer/Vallender, a.a.O., Rz. 315 f.; Riedo, a.a.O., S. 241 f.;
Merkblatt Nr. 04 der ESTV, Ziff. 2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom
1. April 2004 [2A.330/2002], E. 3.2). Massgeblich ist, dass die Entschädigung
geschuldet ist, weil der Geschädigte gegen seinen Willen ein Schaden erlitten
hat, der den Verantwortlichen zur Wiederherstellung des früheren Zustands
verpflichtet. Der Geschädigte hat einen gesetzlichen oder vertraglichen
Anspruch auf diese Leistung, ist aber nicht zu einer Gegenleistung verpflichtet
(Entscheid der SRK vom 1. Dezember 2004, a.a.O., E. 3c; Merkblatt Nr. 04
Ziff. 1). Der Umstand, einen Schaden zu erleiden, ist grundsätzlich nicht
ein freiwilliger Akt des Geschädigten; dieser darf mithin nicht so behandelt
werden, als hätte er dem Schadensverursacher eine Leistung erbracht, die
in den Anwendungsbereich der Mehrwertsteuer fällt (Guillaume, mwst.com,
a.a.O., N. 52 zu Art. 5).

bb. Von unechtem Schadenersatz, welcher der Steuer unterliegt, ist
hingegen die Rede, wenn die Ersatzleistung die effektive Gegenleistung
für eine Leistung darstellt. Steuerbarkeit ist anzunehmen, wenn bei einer
vertraglich vereinbarten Schadenersatzleistung ein mehrwertsteuerlicher
Leistungsaustausch zu Tage tritt (Camenzind/Honauer/Vallender, a.a.O.,
Rz. 318 f.; Riedo, a.a.O., S. 242). Laut Ziff. 1 des Merkblatts Nr. 04 liegt
entsprechend kein echter, sondern unechter Schadenersatz vor, wenn es
sich vereinbarungsgemäss um eine Zahlung «für eine Leistung» handelt,
eine Entschädigung z. B. bezahlt wird, weil der Empfänger eine Handlung
unterlässt oder eine Handlung bzw. einen Zustand duldet (Hinweis auf Art.
7 MWSTG). Ist die Leistung oder das Entgelt die Entschädigung für einen
«Schaden», den sich der «Geschädigte» willentlich zufügen und entgelten
lässt (auch wenn es sich um ein grundsätzlich haftungsbegründendes
Ereignis handelt), und erbringt somit der «Geschädigte» dem «Schädiger»
eine Leistung, liegt unechter Schadenersatz vor. Hat der «Geschädigte» also
die Wahl, sich den «Schaden» entweder nicht zufügen zu lassen oder sich
das Zufügenlassen zu entschädigen, handelt es sich grundsätzlich um einen
steuerbaren Tatbestand nach Art. 5 MWSTG.

3. Im vorliegenden Fall war Grundlage der vertraglichen Beziehungen
zwischen der Beschwerdeführerin und der Post der Eckdaten-Contentvertrag
vom 2. Februar 2000 zwischen der Post und der Y., welcher eine minimale
Vertragsdauer von fünf Jahren (mit automatischer Verlängerung um 5 Jahre)
vorsah und die Post zu monatlichen Pauschalvergütungen von Fr. 1’313’000.-
an die Y. verpflichtete. Inhalt des Vertrages war die Lieferung publizistischer
Inhalte («Contents») durch die Y. für das Internetportal der Post. Die Post
und die Beschwerdeführerin waren zu diesem Zweck eine «strategische
Partnerschaft» eingegangen; die Post hielt eine Beteiligung von 30% und die
Beschwerdeführerin eine solche von 70% an der Y. Am 6. Dezember 2001
haben die Beschwerdeführerin und die Post in einer Vereinbarung über
die «Beendigung der strategischen Partnerschaft betreffend Entwicklung,
Produktion, Lieferung und Distribution von publizistischen Contents»
folgendes vereinbart:

1. Die Post bezahlt der X. mit Valuta per 15. Dezember 2001 einen Betrag von
Fr. 5 Mio. (...).

7

2. Mit der Zahlung gemäss Ziff. 1 gilt der zwischen der Post und der Y. AG
abgeschlossene Content-Eckdaten-Vertrag vom 2. Februar 2000 als aufgehoben.
Soweit der Vertrag auf die X. Corp übertragen worden ist, stimmt die X. einer
solchen Vertragsaufhebung ebenfalls ohne Vorbehalt zu. Damit sind aus
diesem Vertragsverhältnis sämtliche Parteien (Post, X., Y. AG) per Saldo aller
Ansprüche auseinander gesetzt.

3. Die Post überträgt das Eigentum der von ihr gehaltenen Aktien der Y. AG (...)
auf die X. Die Parteien (...) sind sich aber einig darüber, dass die Übertragung
kostenlos erfolgt.

4. Mit dem Vollzug der Übertragung der Aktien gemäss Ziff. 3
gelten die zwischen der Post, der Z. AG und der X. abgeschlossene
Beteiligungsvereinbarung vom 10. Januar 2000 sowie der zwischen der Post
und der X. abgeschlossene Aktionärbindungsvertrag vom 10. Januar 2000 als
aufgehoben. Damit sind aus diesen Vertragsverhältnissen sämtliche Parteien
(Post, X., Y. AG) per Saldo aller Ansprüche auseinander gesetzt.

(...)

Laut Darstellung der Beschwerdeführerin sei es zu dieser Vereinbarung
gekommen, weil sich die Post aufgrund von Marktveränderungen im
Bereich E-Commerce und Internet zum Rücktritt vom Contentvertrag
entschlossen habe und die strategische Partnerschaft zwischen der Post
und der Beschwerdeführerin habe beendigen wollen. Da die Post auf den
Rücktritt bestanden habe, habe die Beschwerdeführerin nur die Wahl
gehabt, den ihr aufgrund der ausservertraglichen Kündigung entstehenden
Schaden gerichtlich durchzusetzen oder sich mit der Post aussergerichtlich
zu einigen. Die ausgehandelte Schadenersatzleistung habe darauf gegründet,
dass die Beschwerdeführerin sich komplett neu habe ausrichten müssen,
Mitarbeiter hätten ersetzt oder umgeschult werden müssen. Der Schaden
infolge Sozialplankosten wegen Stellenabbaus sei durch die Parteien auf Fr.
2.7 Mio. beziffert worden, die Kosten des strategischen Neuaufbaus auf Fr. 1.6
Mio. Hinzugekommen seien (frühere) Kosten für Einstellung und Schulung
von Mitarbeitern, denen aufgrund des Ausstiegs der Post nicht mehr genügend
Ertrag gegenübergestanden habe (Fr. 1.5 und Fr. 1.2 Mio.).

a. Bei der Frage, ob ein Vorgang der Mehrwertsteuer unterliegt, ist
bestimmend, ob ein mehrwertsteuerlich relevanter Leistungsaustausch
vorliegt (E. 2a/aa). Strittig ist vorliegend, ob die von der Post an die
Beschwerdeführerin geleistete Entschädigung als so genannter echter,
der Steuer nicht unterliegender Schadenersatz zu qualifizieren sei oder
nicht. Auch die Differenzierung zwischen «echtem», der Steuer nicht
unterliegendem Schadenersatz und steuerbaren Entschädigungen (so genannt
«unechtem» Schadenersatz) hat prinzipiell über die Frage des Vorliegens
eines Leistungsaustausches zu erfolgen. Wird die Schadenersatzleistung
aufgewendet, um eine mehrwertsteuerrelevante Leistung zu erhalten oder
abzugelten, ist ein Leistungsaustausch und die Steuerbarkeit zu bejahen
(E. 2b; Riedo, a.a.O., S. 241). Die Unterscheidung in echten und unechten

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Schadenersatz durch die Verwaltungspraxis (Merkblatt Nr. 04) ist folglich
nicht zu beanstanden, soweit als Abgrenzungskriterium das Vorliegen eines
Leistungsaustausches verwendet wird.

b. Ein mehrwertsteuerlicher Leistungsaustausch bedingt insbesondere, dass
eine Leistung erbracht wird, der eine Gegenleistung (Entgelt) gegenübersteht
(E. 2a/aa). Als erstes ist somit zu prüfen, ob überhaupt eine Leistung der
Beschwerdeführerin im Sinne des Mehrwertsteuerrechts vorliegt.

aa. Wie vorstehend ausgeführt (E. 2a/cc), wird teilweise das Bestehen
einer Leistung (bzw. des Leistungsaustauschs) von einem Leistungswillen
des Leistungserbringers abhängig gemacht. Eine Vermögenseinbusse, die
jemand ohne seinen Willen erleidet, bewirke keine Leistung. Echter, nicht
steuerbarer Schadenersatz liegt gemäss zitierter Lehre, Rechtsprechung
und Verwaltungspraxis (E. 2b/aa; Entscheid der SRK vom 1. Dezember 2004,
a.a.O., E. 3c) vor, wenn der Empfänger des Ersatzes gegen seinen Willen
einen Schaden erlitten hat und er eine Entschädigung erhält, ohne dass
er selbst in deren Austausch eine Leistung erbringt. Der Schädiger leistet
den Schadenersatz, weil er zur Wiederherstellung des Zustandes vor dem
schädigenden Ereignis verpflichtet ist und nicht, weil er eine Lieferung oder
Dienstleistung vom Geschädigten erhalten hat und eine solche abgelten will
(vgl. auch Merkblatt Nr. 04 Ziff. 1). Umgekehrt liegt laut Verwaltungspraxis
steuerbarer, unechter Schadenersatz vor, wenn der «Geschädigte» sich den
Schaden willentlich hat zufügen lassen (Merkblatt Nr. 04 Ziff. 1; oben E. 2b/bb).
Diese Festlegung in der Verwaltungspraxis ist sachgerecht, eine Entschädigung
für eine willentlich erbrachte Leistung - falls auch die Voraussetzung der
ursächlichen wirtschaftlichen Verknüpfung mit der Gegenleistung gegeben ist,
mithin der Ersatzleistende eine Leistung abgilt (dazu sogleich E. 3c) - muss als
der Mehrwertsteuer unterstehend angesehen werden.

bb. Vorliegend wurde mit Vereinbarung vom 6. Dezember 2001 zwischen der
Beschwerdeführerin und der Post geregelt, dass für den vorzeitigen Ausstieg
der Post aus dem Contentvertrag bzw. die vorzeitige Beendigung der dafür
eingegangenen strategischen Partnerschaft, die Post der Beschwerdeführerin
einen Betrag von Fr. 5 Mio. ausrichtet (Ziff. 1) und damit alle betroffenen
Parteien aus dem Contentvertragsverhältnis als per Saldo aller Ansprüche
auseinandergesetzt sind (Ziff. 2). In dieser Vereinbarung offenbart sich der
Leistungswille der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin akzeptiert
darin den vorzeitigen Ausstieg der Post aus dem Vertrag, mithin die daraus
folgende Schadenszufügung durch die Post (laut Beschwerdeführerin sei
die Entschädigung aufgrund von erwarteten Sozialplankosten, Kosten der
Neuausrichtung usw. festgesetzt worden) und verzichtet auf die Rechte aus
dem Dauerschuldverhältnis. Somit kann nicht gesagt werden, dass sie gegen
ihren Willen einen Schaden erlitten hätte und ein echter Schadenersatz muss
verneint werden. Die Beschwerdeführerin hat im Gegenteil eine Leistung
erbracht, eine solche setzt nicht unbedingt ein tatsächliches Tätigwerden
voraus, sondern als Leistung kann auch ein Tätigwerden durch Unterlassen
oder Dulden gelten (Dienstleistung gemäss Art. 7 Abs. 2 Bst. b MWSTG;
oben E. 2a/bb). In solchen Fällen beruht das Verhalten des leistenden
Unternehmens auf einer besonderen Vereinbarung mit dem Dritten, welcher
aus diesem Verhalten einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen kann und
dementsprechend bereit ist, dafür ein Entgelt zu entrichten (vgl. Baumgartner,
a.a.O., S. 262). Die Beschwerdeführerin hat folglich eine Leistung im Sinne des

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Mehrwertsteuerrechts erbracht, indem sie sich «willentlich» einen «Schaden»
hat zufügen lassen und auf ihre Rechte aus dem Dauerschuldverhältnis
verzichtet hat.

c. Erbringt nach dem Gesagten die Beschwerdeführerin mit der Einwilligung
in die Vertragsauflösung eine Leistung an die Post, und leistet Letztere
dafür eine Entschädigung, ist auch das weitere Erfordernis für einen
Leistungsaustausch, jenes der ursächlichen wirtschaftlichen Verknüpfung
von Leistung und Gegenleistung (E. 2a/aa), offensichtlich gegeben.
Leistungsaustausch liegt vor, wenn der Leistungsempfänger das Entgelt
(die Entschädigung) erbringt, um die Leistung abzugelten (E. 2a/aa, 2a/dd).
Anders als beim echten, nicht der Steuer unterstehenden Schadenersatz, wo
gerade keine Leistung (des Geschädigten) abgegolten, sondern ein Schaden
ausgeglichen wird, wird vorliegend die Entschädigung der Post im Sinne
des unechten Schadenersatzes für eine Leistung der Beschwerdeführerin
erbracht, nämlich für den von ihr akzeptierten Schaden bzw. den Verzicht
auf Weiterführung des Vertrags und entsprechend auf die Ansprüche daraus.
Diese wirtschaftliche Verknüpfung wird im Übrigen durch die Vereinbarung
vom 6. Dezember 2001 klar dokumentiert.

d. Anzufügen bleibt, dass die zivilrechtliche Qualifikation der fraglichen
Vereinbarung zwischen den Parteien sowie des Schadens und der geleisteten
Entschädigung für die mehrwertsteuerliche Behandlung - namentlich die
Frage eines Leistungsaustausches - grundsätzlich nicht entscheidend ist
(oben E. 2a/ee, 2b). Die entsprechenden Vorbringen der Beschwerdeführerin
sind nicht stichhaltig. Namentlich ist irrelevant, ob die Vereinbarung als
aussergerichtlicher Vergleich zu qualifizieren ist. Massgebend ist vielmehr,
ob ein gegen den Willen des «Geschädigten» zugefügter Schaden ersetzt
oder ob dieser aber vom Geschädigten akzeptiert wird und er selbst eine
Leistung erbringt, die abgegolten wird. Vorliegend ist letzteres zu bejahen,
der Leistungswille und ein Leistungsaustausch waren nach dem Gesagten
durchaus vorhanden. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Wille
der Post massgeblich gewesen sei und das Verhältnis der Parteien jenem
«zwischen David und Goliath» (Post) geähnelt habe. Die Beschwerdeführerin
sei unter Druck gestanden; hätte sie sich nicht auf die Vereinbarung
eingelassen, wäre ihr nur der Weg des gerichtlichen Verfahrens geblieben.
Der Beweggrund spielt für die Frage, ob eine mehrwertsteuerliche Leistung
vorliegt, jedoch keine Rolle. Eine wirtschaftliche (oder gar eine rechtliche)
Zwangssituation etwa schliesst das Vorliegen eines Leistungsaustauschs
grundsätzlich nicht aus (vgl. Baumgartner, a.a.O., S. 265 f.; Annie Rochat
Pauchard, in: mwst.com, a.a.O., N. 1 zu Art. 8). Die den Beweggrund für
die Vereinbarung bzw. den Leistungsaustausch betreffenden Einwände der
Beschwerdeführerin sind somit nicht zu hören.

e. Es ergibt sich, dass die vorliegende einvernehmliche, vorzeitige (vom
Vertrag nicht vorgesehene) Aufhebung des Dauerschuldverhältnisses
zwischen der Beschwerdeführerin und der Post mit Vereinbarung einer
Entschädigung für den vorzeitigen Ausstieg zu einem Leistungsaustausch
führt und die entsprechende Leistung der Beschwerdeführerin somit
steuerbar ist. Berechnungsgrundlage bildet die Entschädigung der Post.
Soweit solche Fälle von einvernehmlichen Vertragsauflösungen angesprochen
sind, steht Ziff. 3.1 des Merkblattes Nr. 04, wonach der Fall der Aufhebung
von Dauerschuldverhältnissen vor Ablauf der vereinbarten Dauer als

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unechter Schadenersatz zu gelten hat, im Einklang mit dem MWSTG und
ist nicht zu beanstanden. Ebenso führt die Anwendung dieser Ziff. 3.1 des
Merkblattes vorliegend nicht - wie von der Beschwerdeführerin behauptet
- zu einer verfassungswidrigen Auslegung des Gesetzes; eine andere als die
vorgenommene Auslegung des MWSTG drängt sich nicht auf.

Der Einwand der Beschwerdeführerin, dass auch Dauerschuldverhältnisse
verletzt werden könnten und ein Schaden resultieren könne, der nach Art.
97 ff. OR zu beurteilen wäre und als echter Schadenersatz (im Sinne von
Ziff. 2.1 Merkblatt Nr. 04) angesehen werden müsste, geht an der Sache
vorbei, da sich die vorliegende Situation gerade anders darstellt. Art. 97 ff.
bzw. 107 ff. OR setzen eine erfolgte Vertragsverletzung und einen daraus
resultierenden Schaden voraus, beides war aber soweit ersichtlich im
Zeitpunkt des Abschlusses der Vereinbarung vom 6. Dezember 2001 nicht
gegeben. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist im Übrigen die
Beurteilung der Sachlage, die vorläge, falls die Beschwerdeführerin sich mit
der Post nicht geeinigt und sie einen allfälligen Schaden gerichtlich geltend zu
machen versucht hätte.

(...)

[1] Einsicht und Online-Bestellung auf der Webseite der Eidgenössischen
Steuerverwaltung unter http://www.estv.admin.ch/data/mwst/index.
htm unter Dokumentation (Stand: 22. September 2005). Bestellung in
Papierform: Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), 3003 Bern oder:
verkauf.zivil@bbl.admin.ch.

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http://www.estv.admin.ch/data/mwst/index.htm
http://www.estv.admin.ch/data/mwst/index.htm

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 69.126 - Auszug aus dem Entscheid SRK 2003-124 der Eidgenössischen

Steuerrekurskommission vom 14. Juni 2005

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2005
Année

Anno

Band 69
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Ref. No 150 006 806

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus dem Entscheid SRK 2003-124 der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 14. Juni 2005