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**Case Identifier:** 07ce860e-58c8-5d2d-ac24-70c01fe2705f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-27
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 27.05.2024 100 2021 369
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2021-369_2024-05-27.pdf

## Full Text

100.2021.369U
DAM/REC/SRE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 27. Mai 2024

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichter Bürki, Verwaltungsrichter Daum
Gerichtsschreiberin Reichelt

1. A.________
2. B.________
beide vertreten durch Rechtsanwältin …
Beschwerdeführerinnen

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

betreffend Familiennachzug; Nachzug Ehefrau und Kind durch aufenthalts-
berechtigten Ehemann bzw. Vater (Entscheid der Sicherheitsdirektion des 
Kantons Bern vom 12. November 2021; 2020.SIDGS.379)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
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Prozessgeschichte:

A.

C.________ (Jg. 1977), kosovarischer Staatsangehöriger, reiste im Jahr 
2006 in die Schweiz ein und erhielt gestützt auf die Ehe mit einer Schweizer 
Bürgerin eine Aufenthaltsbewilligung. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor 
(D.________, Jg. 2006), die ebenfalls das Schweizer Bürgerrecht besitzt. 
Nach der Scheidung am 4. September 2012 blieb C.________ in der 
Schweiz aufenthaltsberechtigt.

Am 31. Januar 2013 heiratete C.________ in seinem Heimatland die Lands-
frau A.________ (Jg. 1991), mit welcher er eine gemeinsame Tochter hat, 
B.________ (geb. 2011). A.________ und B.________ blieben bei ihren El-
tern bzw. Grosseltern in Kosovo wohnhaft. Am 22. April 2014 ersuchten sie 
um Bewilligung des längerfristigen Aufenthalts bei C.________ in der 
Schweiz. Mit unangefochten gebliebener Verfügung vom 31. August 2015 
trat das Amt für Migration und Personenstand des Kantons Bern (MIP; heute: 
Amt für Bevölkerungsdienste [ABEV]), Migrationsdienst (MIDI), wegen Ver-
weigerung der Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhalts auf das Fa-
miliennachzugsgesuch nicht ein. Auch auf zwei weitere Nachzugsgesuche 
der Familie … trat das MIP mit Verfügungen vom 9. August 2017 und 9. Ja-
nuar 2019 mit derselben Begründung nicht ein.

A.________ und B.________ reisten am 23. April 2019 ohne Visum in die 
Schweiz ein. Am 16. August 2019 reichte C.________ beim MIP ein viertes 
Gesuch um Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen im Rahmen des Famili-
ennachzugs an seine Ehefrau und Tochter ein. Am 24. Oktober 2019 mel-
dete A.________ sich und ihre Tochter B.________ bei der Einwohnerge-
meinde … an. Mit Verfügung vom 8. April 2020 wies das ABEV (MIDI) das 
Gesuch ab und die beiden unter Ansetzung einer Ausreisefrist aus der 
Schweiz weg.

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B.

Gegen diese Verfügung erhoben A.________ und B.________ am 11. Mai 
2020 Beschwerde bei der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern (SID). Mit 
Entscheid vom 12. November 2021 wies die SID die Beschwerde ab, soweit 
sie darauf eintrat, und setzte A.________ und B.________ eine neue Aus-
reisefrist auf den 12. Januar 2022.

C.

Gegen den Entscheid der SID haben A.________ und B.________ am 
16. Dezember 2021 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantra-
gen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und ihnen seien Aufent-
haltsbewilligungen zu erteilen. Weiter beantragten sie, ihnen sei als vorsorg-
liche Massnahme der Aufenthalt in der Schweiz während der Dauer des Ver-
fahrens zu bewilligen. Zugleich verlangten sie für das verwaltungsgerichtli-
che Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung ihrer 
Rechtsvertreterin als amtliche Anwältin. Die SID hat mit Vernehmlassung 
vom 17. Januar 2022 auf Abweisung der Beschwerde geschlossen. Zum Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege enthielt sie sich eines Antrags.

Mit Verfügung vom 24. Februar 2022 hat der Instruktionsrichter das ABEV 
(MIDI) angewiesen, Handlungen zum Vollzug der Wegweisung von 
A.________ und B.________ aus der Schweiz vorläufig zu unterlassen. In 
der Folge hat er die Akten ergänzen lassen und am 7. August 2023 das Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege bewilligt.

Am 6. September 2023 hat eine Delegation des Verwaltungsgerichts eine 
Instruktionsverhandlung durchgeführt, an der A.________ als Partei, 
C.________ als Auskunftsperson und B.________ als Kind einvernommen 
worden sind. An der Verhandlung sowie mit Eingabe vom 14. September 
2023 haben A.________ und B.________ weitere Beweismittel eingereicht. 
Am 13. November 2023 erstattete das Staatssekretariat für Migration (SEM) 
auf Ersuchen des Instruktionsrichters einen Amtsbericht, mit dem es zu ver-
schiedenen Fragen im Zusammenhang mit einer allfälligen Gefährdung von 
A.________ und B.________ in Kosovo Stellung genommen hat. In ihren 

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Schlussbemerkungen vom 21. Dezember 2023 und 11. Januar 2024 haben 
die SID sowie A.________ und B.________ an ihren Anträgen festgehalten.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Die Beschwerdeführerinnen haben am vorinstanzlichen Verfah-
ren teilgenommen, sind durch den angefochtenen Entscheid besonders 
berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder 
Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist 
sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde 
ist einzutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG). 

2.

In der Sache ist umstritten, ob die Vorinstanz den Nachzug der Beschwer-
deführerinnen verweigern durfte, ohne Recht zu verletzen.

2.1 Gemäss Art. 44 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Aus-
länder- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20) kann ausländischen Ehe-
gattinnen und -gatten und ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit 
Aufenthaltsbewilligung eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie 
mit diesen zusammenwohnen (Bst. a), eine bedarfsgerechte Wohnung vor-
handen ist (Bst. b), sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (Bst. c), sie sich 

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bei Volljährigkeit in der am Wohnort gesprochenen Landessprache verstän-
digen können oder sich zu einem entsprechenden Sprachförderungsangebot 
anmelden (Bst. d sowie Abs. 2 und 3) und die nachziehende Person keine 
jährlichen Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz vom 6. Oktober 
2006 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden-
versicherung (ELG; SR 831.30) bezieht oder wegen des Familiennachzugs 
beziehen könnte (Bst. e). Art. 44 AIG vermittelt für sich genommen keinen 
Rechtsanspruch auf Familiennachzug. Vielmehr bleibt hier die Bewilligungs-
erteilung – auch wenn die diesbezüglichen Voraussetzungen erfüllt sind – im 
fremdenpolizeilichen Ermessen (BGE 139 I 330 E. 1.2, 137 I 284 E. 1.2).

2.2 Der aufenthaltsberechtigte ausländische Elternteil kann sich für den 
Familiennachzug allerdings auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 
Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) und 
Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV; SR 101) berufen, wenn sie oder 
er über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt und die familiären Bezie-
hungen tatsächlich gelebt werden. Ein gefestigtes Anwesenheitsrecht hat 
gemäss ständiger bundesgerichtlicher Praxis, wer das Schweizer Bürger-
recht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt oder über eine Aufent-
haltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch 
beruht (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.3, 144 II 1 E. 6.1; BVR 2015 S. 309 E. 5.1). 
C.________ wurde die Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 
Bst. b AIG erteilt und verlängert (vgl. Akten MIDI 8A pag. 94 f., 100 f., 146; 
vorne Bst. A). Er verfügt damit über eine Aufenthaltsbewilligung, die auf ei-
nem gefestigten Rechtsanspruch beruht, und kann sich somit auf Art. 8 
Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV berufen.

2.3 Nach Art. 47 Abs. 1 AIG muss der Anspruch auf Familiennachzug in-
nerhalb von fünf Jahren geltend gemacht werden (Satz 1); Kinder über zwölf 
Jahre müssen innerhalb von zwölf Monaten nachgezogen werden (Satz 2). 
Die Fristen beginnen bei Familienangehörigen von aufenthaltsberechtigten 
Personen mit der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung oder der Entstehung 
des Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 Bst. b AIG). Ein Nachzug ausser-
halb der erwähnten Fristen wird nur bewilligt, wenn – zusätzlich zu den Vor-
aussetzungen von Art. 44 AIG – wichtige familiäre Gründe vorliegen (sog. 
nachträglicher Familiennachzug, Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AIG; vgl. auch Art. 73 

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Abs. 1-3 und Art. 75 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, 
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]). Sind diese Vorausset-
zungen nicht erfüllt, ist die Verweigerung des Familiennachzugs grundsätz-
lich mit Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV vereinbar (vgl. etwa BGer 
2C_979/2019 vom 7.5.2020 E. 4.2 mit Hinweisen). Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AIG 
(bzw. Art. 73 und 75 VZAE) ist deshalb so zu handhaben, dass der Anspruch 
auf Schutz des Familienlebens nach diesen Garantien nicht verletzt wird 
(BGE 146 I 185 E. 7.1.1 [Pra 110/2021 Nr. 36]; BVR 2022 S. 19 E. 7.5.2).

2.4 Die fünfjährige Nachzugsfrist für die Beschwerdeführerin 1 begann 
mit der Heirat mit C.________ am 31. Januar 2013 (Akten MIDI 4B 
pag. 174 f.) zu laufen und endete somit am 30. Januar 2018. Die Beschwer-
deführerin 2 wurde am … 2011 geboren, d.h. vor der Heirat ihrer Eltern. Wie 
die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, entstand das Kindesverhältnis zwi-
schen der Beschwerdeführerin 2 und ihrem Vater daher nicht bereits mit ihrer 
Geburt, sondern erst durch die väterliche Anerkennung. Diese erfolgte 
gemäss den Akten entweder im Januar 2013 oder am 10. Februar 2014 in 
Kosovo (vgl. Akten MIDI 4C pag. 4, 16 und 18). Die Nachzugsfrist für die 
Beschwerdeführerin 2 ist somit spätestens am 9. Februar 2019 abgelaufen. 
Mit dem Gesuch vom 16. August 2019 wurde die Nachzugsfrist für beide Be-
schwerdeführerinnen somit nicht gewahrt.

2.5 An dieser Beurteilung ändert entgegen den Vorbringen der Be-
schwerdeführerinnen nichts, dass C.________ bereits vor Ablauf der Nach-
zugsfristen mehrere Gesuche um Familiennachzug eingereicht hatte (Be-
schwerde S. 6; vgl. vorne Bst. A). Die (materiellen) Voraussetzungen für den 
Nachzug waren damals unbestrittenermassen nicht erfüllt bzw. nicht hinrei-
chend belegt. Dieser Umstand hat keinen Einfluss auf den Lauf der Nach-
zugsfristen von Art. 47 AIG i.V.m. Art. 73 VZAE (BGer 2C_555/2019 vom 
12.11.2019 E. 5.3). Zwar können gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung ausländische Personen, die über keinen Anspruch auf Familiennach-
zug verfügen und erfolglos ein erstes (fristgerechtes) Gesuch um Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung zugunsten von Familienangehörigen gestellt 
haben, nach Ablauf der Nachzugsfrist erneut ein (wiederum fristgerechtes) 
Gesuch einreichen, falls sie erst nachher in die Lage gekommen sind, einen 
Anspruch auf Familiennachzug geltend zu machen (sog. Statuswechsel; 

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BGE 137 II 393 E. 3.3 [Pra 101/2012 Nr. 26]; BVR 2020 S. 231 E. 5.4.1). 
Diese Praxis kommt hier allerdings nicht zur Anwendung, verfügt 
C.________ doch seit dem ersten Nachzugsgesuch über die gleiche Bewil-
ligung.

2.6 Soweit die Beschwerdeführerinnen im Übrigen vorbringen, sie bzw. 
C.________ seien sich der fünfjährigen Nachzugsfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 
AIG nicht bewusst gewesen (Beschwerde S. 8 f.), können sie daraus nichts 
für sich ableiten. Insbesondere besteht keine gesetzliche Pflicht der Behör-
den, ausländische Personen über sämtliche sie betreffenden Fristen aktiv zu 
informieren (vgl. BGer 2C_948/2019 vom 27.4.2020 E. 2.3.5; BVR 2020 
S. 231 E. 5.4.3).

2.7 Das Gesuch um Nachzug der Beschwerdeführerinnen wurde somit 
verspätet gestellt. Es kommt damit einzig ein nachträglicher Familiennach-
zug in Betracht.

3.

Zu prüfen ist demnach, ob wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen 
Nachzug vorliegen.

3.1 Wichtige familiäre Gründe für die Bewilligung des nachträglichen 
Nachzugs im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG liegen vor, wenn das Kindeswohl 
nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann (Art. 75 
VZAE). Entgegen dem Wortlaut dieser Verordnungsbestimmung ist nach der 
Rechtsprechung jedoch nicht ausschliesslich auf das Kindeswohl abzustel-
len; es bedarf vielmehr der Würdigung aller erheblichen Umstände im Ein-
zelfall (BGer 2C_280/2023 vom 29.9.2023 E. 5.2; BVR 2020 S. 243 E. 6.1). 
Die Nachzugsregelung nach Art. 47 AIG i.V.m. Art. 75 VZAE ist ein Element 
der Steuerung bzw. der Begrenzung der Einwanderung und hat nach dem 
Willen des Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben, ansonsten die Fristen-
regelung ihres Sinnes beraubt würde. Bezweckt wird damit eine verstärkte 
Förderung der Integration durch einen möglichst frühen Nachzug der Fami-
lienmitglieder, der nur beim Vorliegen besonderer familiärer Gründe über die 

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vom Gesetzgeber aufgestellten Nachzugsfristen hinaus aufgeschoben wer-
den soll. Die Nachzugsfristen und die diesen zugrundeliegenden Integrati-
onsüberlegungen gelten auch für die Ehegattin bzw. den Ehegatten 
(BGer 2C_979/2019 vom 7.5.2020 E. 4.1; BVR 2022 S. 19 E. 7.3, 2020 
S. 231 E. 5.4.1, je mit Hinweisen).

3.2 Praxisgemäss geht das Bundesgericht davon aus, dass eine Familie, 
die freiwillig jahrelang getrennt gelebt hat, dadurch ihr beschränktes Inter-
esse an einem ortsgebundenen (gemeinsamen) Familienleben zum Aus-
druck bringt. In einer solchen Konstellation, in der die familiären Beziehun-
gen während Jahren über die Grenzen hinweg besuchsweise und über die 
modernen Kommunikationsmittel gelebt wurden, überwiegt regelmässig das 
dem Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG zugrundeliegende Interesse an der Einwan-
derungsbeschränkung, solange nicht stichhaltige Gründe zum Wohl der Fa-
milie etwas anderes nahelegen (BGE 146 I 185 E. 7.1.1 [Pra 110/2021 
Nr. 36]; BVR 2022 S. 19 E. 7.5.2). Ein nachträglicher Nachzug kann dem-
nach verweigert werden, wenn Frau und Kinder bisher bereits im Ausland 
getrennt vom Ehemann/Vater lebten und weiterhin dort leben können (vgl. 
BGer 2C_325/2019 vom 3.2.2020 E. 3.3, 2C_481/2018 vom 11.7.2019 
E. 6.2, 2C_634/2017 vom 14.8.2018 E. 3.4.4; zum Ganzen BVR 2020 S. 243 
E. 6.1).

3.3 Die Beschwerdeführerinnen bringen zunächst vor, das Gesuch um 
Familiennachzug sei nur verspätet eingereicht worden, da vorher die Nach-
zugsvoraussetzungen nicht erfüllt waren. Von einem freiwilligen Getrenntle-
ben könne deshalb nicht gesprochen werden, wie namentlich auch die frühe-
ren (erfolglosen) Gesuche zeigten (Beschwerde S. 8 f.; Schlussbemerkun-
gen vom 11.1.2024 S. 2 f. [act. 22]). – Der Umstand, dass es der nachzugs-
willigen Person nicht rechtzeitig gelungen ist, die Voraussetzungen für den 
Familiennachzug zu schaffen (z.B. hinsichtlich der finanziellen Ressourcen), 
stellt praxisgemäss keinen wichtigen Grund im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG 
dar (BGer 2C_280/2023 vom 29.9.2023 E. 5.2, 2C_380/2022 vom 8.3.2023 
E. 4.2; BVR 2020 S. 243 E. 6.3; vgl. auch vorne E. 2.5). Abgesehen davon 
muss sich die Familie vorwerfen lassen, dass sie bzw. C.________ in den 
ersten drei Gesuchsverfahren (vgl. vorne Bst. A) trotz mehrmaliger Aufforde-
rungen durch die Behörden erforderliche Unterlagen nicht einreichten und 

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damit ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 20 Abs. 3 VRPG i.V.m. Art. 90 AIG) in kei-
ner Weise nachkamen (Akten MIDI 4B pag. 1 ff., 34 ff., 70 ff.).

3.4 Die Beschwerdeführerinnen erachten als wichtigen Grund im Sinn 
von Art. 47 Abs. 4 AIG sodann die angeblich immer grösser werdende fami-
liäre Bedrohung und Gewalt in Kosovo durch den Vater bzw. Grossvater der 
Beschwerdeführerinnen (Beschwerde S. 9 ff.; Schlussbemerkungen vom 
11.1.2024 S. 1 f. und 3 ff. [act. 22]). Der insoweit massgebende Sachverhalt 
stellt sich wie folgt dar:

3.4.1 Als Beweis für die Bedrohungssituation hatten die Beschwerdeführe-
rinnen im vorinstanzlichen Verfahren Screenshots einer undatierten Unter-
haltung auf dem Nachrichtendienst «Viber» zwischen der Beschwerdeführe-
rin 1 und ihrem Vater eingereicht (Akten SID 4A1 Beilage 9 und 11). Vor Ver-
waltungsgericht reichten sie einen weiteren Screenshot vom 16. April 2020 
aus der Handy-Fotogalerie der Beschwerdeführerin 1 ein (Beschwerdebei-
lage [BB] 1 [act. 1C]). In der «Viber»-Konversation wirft die Beschwerdefüh-
rerin 1 ihrem Vater vor, ihre «Tochter [Beschwerdeführerin 2] geschlagen» 
und sie «malträtiert» und «reif für den Psychiater» gemacht zu haben. Zu-
dem habe er sie und ihre Tochter «auf die Strasse gesetzt» und sie «dort 
gelassen ohne [et]was zu [E]ssen und zu [T]rinken». Er sei «verantwortlich» 
dafür, dass ihre «Tochter nachts nicht wie alle Kinder schlafen» könne. Das 
Kind sei «traumatisiert» (Akten SID 4A1 Beilage 11 S. 1 und 2). Der Vater 
antwortete auf diese Nachrichten der Beschwerdeführerin 1, es interessiere 
ihn nicht, was die Beschwerdeführerinnen machten. Er sei nicht verpflichtet, 
für sie zu sorgen und wolle nichts mehr von ihnen wissen. Der Ehemann 
solle für die beiden aufkommen. Wenn er das nicht mache, werde er «alle 3 
umbringen». Sollten sie zurückkehren, seien sie «tot», denn sie hätten 
Schande über ihn gebracht. Er «bereue nur, dass [er sie] nicht schon damals 
umgebracht habe» (Akten SID 4A1 Beilage 11 S. 1 und 2). Jeden Tag 
wachse sein «Hass» ihnen gegenüber, er denke «nur darüber [nach], wie [er 
sie] umbringen» solle (Akten SID 4A1 Beilage 11 S. 3). Er werde sie «alle 
drei finden». Die Konversation endet mit den folgenden Worten des Vaters: 
«ich werde [euch] zur Verantwortung [ziehen], wenn ich euch alle drei nur 
noch einmal erwische, ich werde euch es zeigen, ich werde euch umbrin-
gen» (Akten SID 4A1 Beilage 11 S. 4). Zur Begründung seines Verhaltens 

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berief sich der Vater der Beschwerdeführerin 1 auf den Kanun (mündlich 
überliefertes albanisches Gewohnheitsrecht) und warf seiner Tochter vor, 
C.________ ohne seine Zustimmung «genommen» zu haben und sich, nun-
mehr verheiratet, weigere, sich von ihm zu trennen (Akten SID 4A1 Beilage 
11 S. 2 und 4).

3.4.2 Im Verlauf des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens reichten die Be-
schwerdeführerinnen weiter eine Videobotschaft ihres Vaters/Grossvaters 
an die Beschwerdeführerin 1 vom 13. Dezember 2021 ein. Zwar sei der In-
halt des Videos nicht neu. Es dokumentiere aber, dass die Drohungen ei-
neinhalb Jahre später nochmals wiederholt wurden (Eingabe vom 14.9.2023 
[act. 14]). In dem Video erklärt der Vater gegenüber seiner Tochter (Be-
schwerdeführerin 1), er «habe [sie] einmal aus dem Haus raus gelassen, [sie 
solle ihn] nicht umsonst» bitten, weil ihre Angelegenheit ihn «nicht mehr in-
teressier[e]». Wenn sie zurückkehre, könne sie «nur ins Grab gehen zusam-
men mit […] B.________ [Beschwerdeführerin 2]». Er richte sich «nach dem 
Kanun». Was sie mache, wohin sie gehe, interessiere ihn nicht mehr. Wenn 
sie «nach Kosovo zurückkehr[e], [wisse sie] ganz genau was [sie] erwarte». 
Sie sei ihm «egal». Er habe sie einmal «aus dem Haus geworfen», jetzt sei 
es «vorbei». In Kosovo habe sie «nichts mehr zu suchen» (BB 13 und 14 
[act. 14A]).

3.4.3 An der Instruktionsverhandlung vom 6. September 2023 brachte die 
Beschwerdeführerin 1 zur familiären Situation im Heimatland und zur mögli-
chen Gefahr bei einer Rückkehr Folgendes vor (vgl. Protokoll [act. 13]): Sie 
habe «ein Trauma» von ihrem Vater. Er sei nie einverstanden gewesen mit 
der Beziehung zu ihrem Mann und habe ihn auch nie als Schwiegersohn 
akzeptiert. Kurz bevor sie in die Schweiz gekommen sei, sei die «Situation 
eskaliert» (Protokoll S. 6 und 8). Angesprochen auf die Schwierigkeiten mit 
ihrem Vater erklärte sie: «Die Beziehung war sehr schlecht. Ich hatte keine 
andere Möglichkeit ausser bei meinen Eltern zu bleiben. Es gab auch Ge-
walt, psychisch und physisch. Er wollte mich und meine Tochter eigentlich 
nicht dort haben». Auf die Frage, ob sie umschreiben könne, was ihr Vater 
gemacht habe, antwortete sie: «Immer wenn wir am Morgen aufgestanden 
sind, hat er angefangen, sich verbal schlecht auszudrücken. Wir sind wei-
nend in den Tag gestartet. Es ist auch schon vorgekommen, dass mein Vater 

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mich jeden Tag geschlagen hat». Er habe sie mit der Hand geschlagen, er 
habe sie «weggestossen», «geboxt» und «auch mit dem Gürtel geschlagen» 
(Ergänzung nach Rückübersetzung). Sie sei «nicht willkommen» gewesen 
in seinem Haus. Er habe sie nicht sehen wollen, nur weil sie ihren «Mann 
ausgewählt habe» (Protokoll S. 7). Im September 2018 habe der Vater sie 
von ihrem Mann «trennen [wollen] mit dem Kanun». Auf Nachfrage, was das 
bedeute, erklärte sie, dass er «nach diesem Gesetz Männer gesammelt» 
habe und er sie in einem «Prozedere» von ihrem Mann habe trennen wollen. 
Sie habe das aber nicht akzeptiert. Es sei ihr egal, dass ihr Vater ihren Mann 
nicht akzeptiere (Protokoll S. 7 f. und 9). Auf Nachfrage erklärte sie, dass 
«ab diesem Zeitpunkt», September 2018, die Situation «eskaliert» sei, weil 
sie sich nicht getrennt habe. Sie habe «jeden Tag Schläge» bekommen. Die 
Jahre zuvor seien «fast ‹heilig› im Vergleich dazu» gewesen. In einer Nacht 
hätten sie «debattiert und er [habe sie und ihre Tochter] in dieser Nacht ge-
schlagen. Er habe gesagt, dass sie «aus dem Haus weg» solle, sonst 
«werde er [sie] umbringen». Das sei drei bis vier Tage vor ihrer Einreise in 
die Schweiz gewesen. Der Vater habe «sich geschämt» für sie. Sie habe ihm 
«die Ehre ‹weggenommen›», weil sie «selber den Mann ausgesucht habe» 
und nicht den Mann geheiratet habe, den er wollte (Protokoll S. 8). Auf die 
Frage, wieso ihr Vater sie und ihre Tochter gleichwohl so lange bei sich zu 
Hause habe wohnen lassen, erklärte sie, dass ihre Mutter eine Hilfe gewesen 
sei. Sie habe auf ihn eingeredet und gesagt, er könne sein Kind nicht auf die 
Strasse setzen (Protokoll S. 8). Zur ausgeübten Gewalt ihres Vaters gegenü-
ber ihrer Tochter sagte sie, dass er sie geohrfeigt und geschubst habe (Pro-
tokoll S. 8 f.). Auf die Frage, wieso sie erst im Jahr 2019 in die Schweiz ein-
gereist sei und keine andere Lösung gesucht habe, in Kosovo zu wohnen, 
antwortete sie: «Nein, ich hatte keine andere Möglichkeit, weil er [Vater] mir 
ja gedroht hat, dass er uns umbringen will. Ich hätte nicht an diesem Ort 
bleiben können» (Protokoll S. 9). Die Polizei habe sie allerdings nicht alar-
miert. Denn ihr Vater habe viele Beziehungen und kenne viele Leute (Proto-
koll S. 9). Angesprochen auf eine Rückkehr in ihr Heimatland antwortete sie: 
«Nein, ich bin traumatisiert, nein»; «ich bin gefährdet» (Ergänzung nach 
Rückübersetzung; Protokoll S. 9). Noch einmal auf eine mögliche Rückkehr 
angesprochen, antwortete sie: «Ich möchte mir gar nicht vorstellen, in dieses 

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Land zurückzukehren. Ich bin traumatisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, wie-
der dort hinzugehen. Wenn ich dort hingehe, bin ich eine tote Frau» (Proto-
koll S. 12).

3.4.4 C.________ äusserte an der Instruktionsverhandlung im Rahmen 
seiner Befragung als Auskunftsperson Folgendes: Sein Schwiegervater sei 
nicht einverstanden mit der Ehe. Er wolle eine andere Person als Mann für 
seine Tochter. Er «[gehe] mit der alten Tradition» und habe «mit ihr [Be-
schwerdeführerin 1] gestritten, sie geschlagen». Zu seiner Tochter 
B.________ habe er gesagt, dass er sie «nie sehen» wolle. Sein Schwieger-
vater habe zudem geäussert, dass er ihn und die Beschwerdeführerin 1 tren-
nen wolle. Sie (Beschwerdeführerin 1) habe sich damit nicht einverstanden 
erklärt, wodurch es viele Probleme gegeben und er sie in der Nacht «raus-
geschmissen» habe. Nachher sei sie «zu Kollegen gegangen». Das sei «drei 
bis vier Tage» vor ihrer Einreise in die Schweiz gewesen (Protokoll S. 14 f.). 
Als sie ihrem Vater im September 2018 gesagt habe, sie sei «mit einer Schei-
dung nicht einverstanden», hätten die Ehefrau und Tochter «keine andere 
Möglichkeit» gehabt, als in die Schweiz zu kommen (Protokoll S. 15). Auf die 
Frage, wie sich das Verhalten des Schwiegervaters im Verlauf der Jahre ver-
ändert habe, antwortete er, er sei von Anfang an mit der Beziehung nicht 
einverstanden gewesen. Jedes Jahr sei es schlimmer geworden, sodass der 
Schwiegervater die Beschwerdeführerin 1 irgendwann auch schlug. Er habe 
seine Frau gefragt, wie sie dort leben könne. Sie habe aber nicht gewusst, 
wo sie sonst hingehen könne, worauf er antwortete: «besser du gehst raus» 
(Protokoll S. 15). Auf die Frage, ob er das Verhalten bzw. die Gewalt des 
Schwiegervaters beschreiben könne bzw. was er mitbekommen habe, ant-
wortete er, dass seine Tochter noch zwei Jahre lang Träume gehabt habe 
über das Geschehene im Haus des Grossvaters. Sie habe in der Nacht ge-
träumt und geweint (Protokoll S. 15 und 16). C.________ erwähnte auch die 
Mutter und Schwester seiner Ehefrau, welche beide vermittelt bzw. versucht 
hätten, die Beschwerdeführerinnen zu schützen (Protokoll S. 15). Es gäbe 
für sie keine Möglichkeit, in Kosovo zu leben. Ihr Schwiegervater habe ge-
droht, er werde die beiden finden, egal wo sie sich aufhielten. Kosovo sei 
klein (Protokoll S. 15).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 13

3.4.5 An der Kindesanhörung vom 6. September 2023 äusserte die Be-
schwerdeführerin 2, dass es im Haus der Grosseltern «traumatisierend» ge-
wesen sei. Sie habe Geschrei gehört zwischen ihrer Mutter und ihrem Gross-
vater, wenn sie schlafen ging. Sie habe auch nie in Ruhe Hausaufgaben ma-
chen können. Er sei immer zu Hause gewesen. Mit ihrer Grossmutter habe 
sie einen engen Kontakt gehabt. Diese habe versucht, sie zu schützen, wie 
auch ihre Mutter. Sie habe versucht, möglichst wenig mit dem Grossvater zu 
tun zu haben. Wenn sie nach Kosovo zurückkehren würde, wäre alles zer-
stört, sie habe dort keine Zukunft. Dort sei es auch schlimm, weil ihr Gross-
vater ihnen drohe. Sie könnte auch ihren Vater nur noch drei Mal im Jahr 
besuchen und ihre hier lebende (Halb-)Schwester vielleicht gar nicht mehr. 
Noch einmal bei den Grosseltern zu wohnen, könne sie sich nicht vorstellen 
(Protokoll S. 20).

3.4.6 In seinem Amtsbericht vom 13. November 2023 (act. 16) hat das 
SEM bestätigt, dass es gegen den Kanun des Lekë Dukagjin verstösst, wenn 
sich eine Frau den Ehepartner selber aussucht oder entsprechende Wün-
sche äussert. Gemäss Kanun ist die Tochter dem Vater gegenüber zu Ge-
horsam verpflichtet. Der Vater hat das Recht, seine Tochter gegebenenfalls 
zu bestrafen oder zu töten. Sodann gelten ausserehelich bzw. im Konkubinat 
geborene Kinder als illegitim (Amtsbericht S. 1 f.). Racheakte aufgrund des 
Kanuns sind nach Auskunft des SEM heute allerdings selten (Amtsbericht 
S. 2).

3.4.7 Die Beschwerdeführerinnen hatten im vorinstanzlichen Verfahren 
den Antrag gestellt, es sei bei der schweizerischen Botschaft in Pristina ein 
Bericht zu den Verhältnissen im Heimatland einzuholen (Beschwerde vom 
11.5.2020 S. 9, Akten SID 4A). An der Instruktionsverhandlung vom 6. Sep-
tember 2023 erklärten sie, dass sie an diesem Antrag nicht festhielten (Pro-
tokoll S. 19). Im Rahmen ihrer Schlussbemerkungen stellen sie diesen Be-
weisantrag allerdings erneut (Schlussbemerkungen vom 11.1.2024 S. 5 
[act. 22]). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerinnen ist der 
rechtserhebliche Sachverhalt mit der Befragung der Familienmitglieder und 
dem Amtsbericht des SEM allerdings hinreichend erstellt. Es ist nicht ersicht-
lich, welche weiteren und neuen Erkenntnisse von einem Bericht der Bot-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 14

schaft in Pristina zu erwarten wären, zumal die Beschwerdeführerinnen be-
reits vor rund fünf Jahren ausgereist sind. Der entsprechende Beweisantrag 
wird in antizipierter Beweiswürdigung abgewiesen (vgl. hierzu statt vieler 
BGE 144 II 427 E. 3.1.3; BVR 2020 S. 113 E. 3.7, 2018 S. 206 E. 4.5).

3.5 Der erhobene Sachverhalt ist wie folgt zu würdigen:

3.5.1 Die Schilderungen der Familienmitglieder an der Instruktionsver-
handlung machen deutlich, dass die Situation im Elternhaus der Beschwer-
deführerin 1 aufgrund der Beziehung zu ihrem Vater und befördert durch die 
beengenden Wohnverhältnisse konfliktbeladen war. Insgesamt erscheint 
glaubhaft, dass ein längerer Verbleib der Beschwerdeführerinnen an diesem 
Ort jedenfalls ab September 2018 nicht mehr tragbar war. So zeigte sich die 
Beschwerdeführerin 1 an der Verhandlung auch sichtlich berührt über die 
ablehnende Haltung des Vaters gegenüber ihrer Tochter (Beschwerdeführe-
rin 2; Protokoll S. 8). Des Weiteren lässt der im Gesuchsverfahren einge-
reichte Arztbericht vom 28. Januar 2019 einer Fachpraxis für Neurologie in 
ihrer Heimatstadt darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin 1 damals 
psychischer Belastung ausgesetzt war (Akten MIDI 4B pag. 297 f.); sie hat 
sich in «ein paar Sitzungen» psychologisch beraten lassen (Protokoll S. 12). 
Insgesamt erscheint auch erwiesen, dass die Beschwerdeführerinnen heute 
im Elternhaus nicht (mehr) geduldet sind. Eine Rückkehr zum Vater bzw. 
Grossvater der Beschwerdeführerinnen ist somit – soweit überhaupt noch 
möglich – jedenfalls nicht zumutbar, insbesondere auch mit Blick auf das 
Kindeswohl (vgl. vorne E. 3.4.5). Allein die Tatsache, dass eine Rückkehr in 
das Elternhaus nicht zumutbar erscheint, stellt allerdings keinen wichtigen 
Grund für einen nachträglichen Familiennachzug dar. Denn es stellt sich die 
Frage, ob die Beschwerdeführerinnen nicht an einem anderen Ort im Hei-
matland leben können.

3.5.2 Die Beschwerdeführerinnen wohnten seit der Geburt der Beschwer-
deführerin 2 bis zu ihrer Ausreise im Frühjahr 2019, d.h. während über acht 
Jahren gemeinsam bei den Eltern der Beschwerdeführerin 1. In all diesen 
Jahren führte die Beschwerdeführerin 1 die Beziehung mit C.________. Er 
und die Beschwerdeführerinnen verbrachten jeweils mehrere Wochen pro 
Jahr gemeinsam in einem Hotel in der Nähe von Pristina (vgl. Protokoll S. 4, 
6 und 14). Das jahrelange – wenn auch konfliktbeladene – Zusammenleben 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 15

der Beschwerdeführerinnen mit ihrem Vater/Grossvater spricht gegen die 
Annahme, dass dieser seine in den «Viber»-Nachrichten formulierten Dro-
hungen effektiv in die Tat umsetzen würde. Wohl ist davon auszugehen, 
dass sich die Situation ab September 2018 zusätzlich verschlechterte (vgl. 
vorne E. 3.4.3). Dennoch verblieben die Beschwerdeführerinnen immerhin 
noch weitere rund sechs Monate im Elternhaus (bis April 2019) und kam es 
beispielsweise – soweit ersichtlich – auch nicht zu Anzeigen bei der Polizei 
wegen Taten gegen Leib und Leben oder Drohungen. Es fällt denn auch auf, 
dass im Gesuch um Familiennachzug vom 16. August 2019 zwar von einem 
«gewaltbereiten Umfeld» und von «Gewalt» die Rede ist (Akten MIDI 4B 
pag. 108 f.). Thematisiert werden diese Aspekte aber nur im Zusammen-
hang mit einer Rückkehr in das «frühere Zuhause», nicht für ein Leben in 
Kosovo an sich. Ebenso wenig werden Todesdrohungen des Vaters/Gross-
vaters erwähnt, obwohl es schon vor der Ausreise in die Schweiz zu solchen 
gekommen sein soll (Protokoll S. 9). Hätte die Beschwerdeführerin 1 ernst-
haft befürchtet, dass der Vater die Drohungen in die Tat umsetzt, ist schwer 
nachvollziehbar, weshalb sie im Gesuch nicht erwähnt werden. Schliesslich 
leuchtet auch nicht ein, weshalb die Drohungen eine konkrete Gefährdung 
bedeuten sollen, nachdem die Beschwerdeführerinnen den gemeinsamen 
Haushalt verlassen und sich damit dem unmittelbaren Einflussbereich des 
Vaters/Grossvaters entzogen haben. Vielmehr wies dieser seine Tochter im 
Frühjahr 2019 selber an, sein Haus zu verlassen. In der Folge betonte er 
wiederholt, es «interessiere» ihn nicht mehr, was die Beschwerdeführerin-
nen machten, er wolle nichts mehr von ihnen wissen (vgl. vorne E. 3.4.1 f.). 
Bei diesen Gegebenheiten ist nicht davon auszugehen, dass der Va-
ter/Grossvater seine Drohungen wahrmachen wird, zumal seit der Videobot-
schaft vom Dezember 2021 einige Zeit verstrichen ist und seither kein Kon-
takt mehr besteht.

3.5.3 Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin 1 nach der negativen 
Verfügung des ABEV vom 8. April 2020 ihrem Vater gemäss eigener Dar-
stellung eine mögliche Rückkehr nach Kosovo ankündigte (Beschwerde 
S. 5), obwohl es wie erwähnt bereits vor der Ausreise in die Schweiz zu To-
desdrohungen gekommen sein soll. Wenn sie selber von der Ernsthaftigkeit 
der Drohungen überzeugt gewesen wäre, ist dieses Verhalten nur schwer 
erklärbar. An der Instruktionsverhandlung konnte die Beschwerdeführerin 1 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
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denn auch nicht überzeugend darlegen, weshalb sie und ihre Tochter nicht 
irgendwo anders als am Wohnort ihrer Eltern in Kosovo leben können (vgl. 
auch Amtsbericht SEM S. 3). Sie bringt lediglich pauschal vor, sie könne 
nicht zurückkehren, da sie «traumatisiert» und «gefährdet» sei. Zwar führt 
sie aus, eine Gefährdung durch ihren Vater bestehe weiterhin («tote Frau»; 
«seht ihr irgendwo meinen Namen, dass ich gestorben bin»; Protokoll S. 12 
und vorne E. 3.4.3). Konkrete Anhaltspunkte, weshalb ihr Vater seine Dro-
hung im heutigen Zeitpunkt verwirklichen soll, liegen aber wie dargelegt nicht 
vor. Ebenso wenig ergeben sich solche aus den Aussagen von C.________. 
Er wiederholt lediglich die Äusserungen seines Schwiegervaters in der 
«Viber»-Unterhaltung (vgl. vorne E. 3.4.1 und 3.4.4). Die Kindesanhörung 
führt nicht zu einer anderen Einschätzung (vgl. vorne E. 3.4.5). Mit ihren Aus-
führungen konnten die Beschwerdeführerinnen insgesamt nicht glaubhaft 
darlegen, dass sie bei einer Rückkehr durch ihren Vater bzw. Grossvater im 
gesamten Land einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt wären. Daran ändert 
die nicht weiter substanziierte Behauptung von C.________ nichts, sein 
Schwiegervater könne sie überall im Kosovo finden (vgl. vorne E. 3.4.4).

3.6 Weiter können die Beschwerdeführerinnen aus den Berichten von 
Organisationen und Medien, auf die sie verweisen, nichts zu ihren Gunsten 
ableiten (Schlussbemerkungen vom 11.1.2024 S. 5 f. [act. 22]). Im ersten 
Bericht wird allgemein festgehalten, dass es «Berichte über Brüder» gäbe, 
welche «ihre Schwestern geschlagen hätten, da sich diese in ihren Augen 
‹unehrenhaft› verhalten hätten». Vereinzelt gebe es auch mündliche Be-
richte von Ehrenmorden in ländlichen Gebieten Kosovos. Zudem lebten 
Paare mit oder ohne Kinder, die gegen den Willen der beiden Familien zu-
sammenlebten, häufig von den Familien und der Gesellschaft isoliert und 
würden von diesen stigmatisiert (Schweizerische Flüchtlingshilfe, Kosovo: 
Situation eines gegen den Willen der beiden Familien zusammenlebenden 
Paares, Auskunft der SFH-Länderanalyse vom 3.2.2017 [nachfolgend: Aus-
kunft SFH, einsehbar unter: <www.fluechtlingshilfe.ch>, Rubriken «Publika-
tionen/Herkunftsländerberichte/Kosovo»], S. 3). Der zweite Bericht setzt sich 
allgemein mit häuslicher Gewalt gegenüber Frauen in Kosovo auseinander 
(Artikel «The murder of Marigona» des Online-Mediums «Kosovo 2.0» vom 
27.8.2021, einsehbar unter: <www.kosovotwopointzero.com/en>). Beide Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
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richte lassen keine Rückschlüsse zu auf die konkrete Situation der Be-
schwerdeführerinnen. Sie widersprechen auch der Auskunft des SEM nicht, 
wonach Racheakte aufgrund der Kanuns heute selten sind (vorne E. 3.4.6). 
Bereits in einem Bericht aus dem Jahr 2004 stellte die Schweizerische 
Flüchtlingshilfe fest, dass die im Kanun vorgesehenen Ehrenmorde gegenü-
ber Frauen, welche gegen die Tradition verstiessen, von den Interviewpart-
nerinnen und -partnern verneint würden. Als gravierendste Sanktion werde 
die gesellschaftliche Isolation innerhalb und ausserhalb der Familie bewertet 
(Schweizerische Flüchtlingshilfe, Kosovo: Bedeutung der Tradition im heuti-
gen Kosovo, Bericht vom 24.11.2004, einsehbar unter: <www.ecoi.net/de>, 
Rubriken «Länder/Kosovo», S. 11).

3.7 Die Beschwerdeführerinnen bringen ferner vor, dass ihnen die so-
zioökonomische Situation, die fehlende familiäre Unterstützung, die Isolation 
und die Benachteiligung von Frauen, insbesondere beim Zugang zu Arbeit 
ein würdiges Leben in Kosovo verunmöglichen würden, auch wenn sie nicht 
mit dem Tod rechnen müssten. Dies sei dem Kindeswohl abträglich 
(Schlussbemerkungen vom 11.2.2024 S. 6 und 7 [act. 22]; vgl. auch Be-
schwerde S. 10). Dazu ist zunächst festzuhalten, dass die allgemeine Lage 
in Kosovo weder von Bürgerkrieg noch von allgemeiner Gewalt geprägt ist 
(vgl. statt vieler BVGer E-6181/2023 vom 22.12.2023 E. 6.3.2). Eine Rück-
kehr in ihre Heimat wäre für die Beschwerdeführerinnen sicherlich nicht ein-
fach. Das Verwaltungsgericht anerkennt auch, dass es insbesondere für al-
leinstehende und alleinerziehende Frauen, die aus der Familie verstossen 
wurden, schwierig sein kann, in Kosovo eine Wohnung oder eine Arbeits-
stelle zu finden (vgl. Auskunft SFH, S. 9). Die Situation der Beschwerdefüh-
rerinnen ist jedoch eine andere. Sie könnten bei einer Rückkehr wie zuvor 
von C.________ finanziell unterstützt werden (Akten MIDI 4B pag. 132, 
142 f.; Protokoll S. 4). So hält auch die Schweizerische Flüchtlingshilfe fest, 
dass eine Frau mit ausreichenden finanziellen Ressourcen in Städten wie 
Pristina oder Prizren allein leben könne (Auskunft SFH, S. 9). Im Zeitpunkt 
des vorliegenden Urteils ist die Beschwerdeführerin 2 bereits 13 Jahre alt. 
Sie verfügt über eine gewisse Selbständigkeit und es wäre der Beschwerde-
führerin 1 auch zumutbar, ohne weitere Betreuungsmöglichkeiten für die 
Tochter einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dass sie dazu in der Lage 
wäre, bestreitet die Beschwerdeführerin 1 nicht (Protokoll S. 12). Auch wenn 

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für den Anspruch auf Familiennachzug nach Art. 42 ff. AIG grundsätzlich das 
Alter des Kindes im Zeitpunkt des Nachzugsgesuchs massgebend ist (BGE 
136 II 497 E. 3.4 [Pra 100/2011 Nr. 50]), sind bei der Beurteilung der Bewil-
ligungsvoraussetzungen auch die Umstände zu berücksichtigen, die sich bis 
zum Entscheidzeitpunkt ergeben. Das gilt namentlich für die Frage, inwiefern 
wichtige familiäre Gründe (insb. Kindeswohl) für einen nachträglichen Fami-
liennachzug sprechen (vgl. BGer 2C_73/2016 vom 26.9.2016 E. 3.4; 
VGE 2020/236 vom 12.4.2021 E. 4.4). Die Beschwerdeführerinnen sind so-
dann in Kosovo geboren und aufgewachsen und mit der Sprache und Kultur 
ihres Heimatlandes vertraut. Dort verfügen sie auch über ein soziales Netz. 
So pflegt die Beschwerdeführerin 1 auch heute noch einen sehr guten Kon-
takt zu ihrer Mutter (Protokoll S. 6, 10). Die Beschwerdeführerinnen telefo-
nieren zudem auch heute noch regelmässig mit ihrer Schwiegermutter bzw. 
Grossmutter (väterlicherseits). Gute Beziehungen bestehen weiter zur 
Schwester der Beschwerdeführerin 1 und zum Bruder von C.________ und 
dessen Familie (Protokoll S. 5, 9, 16, 20). Zudem waren die Beschwerdefüh-
rerinnen bereits vor ihrer Ausreise bei Bekannten untergekommen (Protokoll 
S. 14). Die ihnen freundlich gestimmten Angehörigen und Bekannten könn-
ten ihnen in ihrem Heimatland zumindest unterstützend zur Seite stehen. 
Wohl trifft zu, dass die Lebensumstände und die wirtschaftliche Situation in 
Kosovo insgesamt schwieriger sind als in der Schweiz. Darin liegen jedoch 
keine wichtigen familiären Gründe im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG.

3.8 Die Beschwerdeführerinnen bringen schliesslich zu Recht vor, dass 
die Rückkehr für die minderjährige Beschwerdeführerin 2 besonders schwie-
rig wäre. So hat sie mittlerweile einen wesentlichen Teil ihrer Schulzeit hier 
verbracht und würde erneut aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen (Be-
schwerde S. 11). Die heute 13-jährige Beschwerdeführerin 2 lebte allerdings 
bis zu ihrem neunten Lebensjahr in Kosovo und hat dort auch die Schule 
besucht. Zudem wohnen mehrere Familienangehörige in Kosovo, mit denen 
sie einen guten Kontakt pflegt (Protokoll S. 20; vgl. auch E. 3.7 hiervor). Auch 
kann sie weiterhin altersgerecht durch ihre Mutter betreut werden. Gewisse 
Erziehungsaufgaben und die Unterstützung in schwierigen Lebenssituatio-
nen könnte C.________ auch von der Schweiz aus bzw. besuchsweise 
wahrnehmen. Wohl hat die Beschwerdeführerin 2 ein grosses Interesse 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 19

daran, in engem Kontakt mit beiden Elternteilen aufwachsen zu können. In-
des beschränkte sich der Vater-Kind-Kontakt – wie jener zwischen den Ehe-
leuten – ab der Geburt bis zu ihrer Ausreise auf Besuche und Kanäle der 
modernen Kommunikation. Die Beschwerdeführerinnen und C.________ 
können ihr Familienleben grundsätzlich unter den gleichen Rahmenbedin-
gungen wie in den vergangenen Jahren vor der Einreise in die Schweiz wei-
terleben. Umgekehrt sind Besuche der Beschwerdeführerinnen in der 
Schweiz denkbar. Das Anwesenheitsrecht des heute 46-jährigen 
C.________ ist nicht in Frage gestellt und es steht ihm offen, die Beziehung 
zu seiner Familie entweder weiterhin grenzüberschreitend zu führen oder zu 
ihnen nach Kosovo auszureisen. Er lebt seit 18 Jahren in der Schweiz und 
hat sich hier zwar eine stabile Erwerbssituation aufgebaut, aber auch Schul-
den generiert (Akten MIDI 8A pag. 342 ff. und 377 f.); seine Integration geht 
jedenfalls weder in beruflich-wirtschaftlicher noch in sozialer Hinsicht über 
das hinaus, was bei einem Aufenthalt von entsprechender Dauer zu erwarten 
ist. Seine hier lebende Tochter aus erster Ehe wuchs nicht bei ihm auf und 
ist zudem mittlerweile volljährig (geb. … 2006; Akten MIDI 4B pag. 232; 
vorne Bst. A). Schliesslich können die Beschwerdeführerinnen aus ihren hie-
sigen Integrationsbemühungen nichts zu ihren Gunsten ableiten (Be-
schwerde S. 7 f.). Die aktuelle Situation ist lediglich auf den Umstand zurück-
zuführen, dass die Beschwerdeführerinnen mit ihrer illegalen Einreise und 
Wohnsitznahme in der Schweiz ohne Bewilligung einen «fait accompli» ge-
schaffen haben. Dies kann jedoch bei der rechtlichen Beurteilung des Auf-
enthaltsanspruchs nicht zu ihren Gunsten berücksichtigt werden. Ansonsten 
würden diejenigen benachteiligt, die ordnungsgemäss ein Nachzugsgesuch 
stellen und sich dabei an die Auflagen der Behörden halten (vgl. z.B. 
BGer 2C_634/2017 vom 14.8.2018 E. 3.8 mit Hinweis).

3.9 Zusammenfassend ergibt sich Folgendes: Die Beschwerdeführerin-
nen haben während über acht Jahren – seit der Geburt der Beschwerdefüh-
rerin 2 – getrennt vom Ehemann bzw. Vater gelebt. Der Wunsch auf ein ge-
meinsames Familienleben in der Schweiz ist verständlich, begründet aber 
noch kein Recht auf eine nachträgliche Familienzusammenführung (vgl. 
etwa BGer 2C_948/2019 vom 27.4.2020 E. 3.5; BVR 2020 S. 243 E. 6.6). 
Insbesondere ist der Umstand, dass der Nachzug wegen knapper finanziel-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 20

ler Verhältnisse zu einem früheren Zeitpunkt nicht realistisch war, kein wich-
tiger Grund im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG. Auch wenn anzuerkennen ist, 
dass die Beschwerdeführerinnen im Heimatland wegen der konfliktbelade-
nen familiären Situation nicht mehr bei den Eltern der Beschwerdeführerin 1 
wohnen können, ist es ihnen zumutbar, an einem anderen Ort in Kosovo zu 
leben. Die Lebensumstände der Beschwerdeführerinnen in Kosovo geben 
namentlich keine Hinweise darauf, dass eine adäquate Betreuung der mitt-
lerweile jugendlichen Beschwerdeführerin 2 nicht möglich ist. Die Beschwer-
deführerinnen sind in Kosovo aufgewachsen und sozialisiert worden. Aus 
den hiesigen Integrationsbemühungen können sie sodann nichts zu ihren 
Gunsten ableiten, sind diese doch auf den Umstand zurückzuführen, dass 
sie illegal in die Schweiz eingereist sind. Bei dieser Sachlage erscheint eine 
Übersiedelung in die Schweiz auch unter dem Aspekt des Kindeswohls nicht 
erforderlich, zumal C.________ eine Rückkehr nach Kosovo weiterhin offen 
steht.

4.

Nach dem Gesagten hält der angefochtene Entscheid der Rechtskontrolle 
stand. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. Da 
die von der Vorinstanz angesetzte Ausreisefrist abgelaufen ist, ist praxis-
gemäss eine neue festzulegen (Art. 64d Abs. 1 AIG; vgl. BVR 2019 S. 314 
E. 7). Mit einer Frist von rund sechs Wochen ist gewährleistet, dass die Be-
schwerdeführerin 2 das Schuljahr in der Schweiz abschliessen kann (Som-
merferien ab dem …2024; vgl. Ferienordnung für das Schuljahr 2023/24, ein-
sehbar unter: <…>, Rubrik «Termine/Ferienplan»).

5.

5.1 Bei diesem Prozessausgang haben die unterliegenden Beschwerde-
führerinnen an sich die Verfahrenskosten zu tragen, bestehend aus einer 
Pauschalgebühr und besonderen Kosten (Entschädigung der Dolmetscherin 
an der Instruktionsverhandlung), die zusätzlich zu berücksichtigen sind 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 21

(Art. 103 Abs. 1 VRPG; vgl. Ruth Herzog, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommen-
tar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 103 N. 1). Ebenso wenig haben 
die Beschwerdeführerinnen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 108 
Abs. 1 und 3 VRPG). Ihnen wurde jedoch die unentgeltliche Rechtspflege 
unter Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als amtliche Anwältin gewährt 
(act. 11; vorne Bst. C). Zudem bestand im vorliegenden Fall Anspruch auf 
(unentgeltlichen) Beizug der Dolmetscherin (Art. 21 Abs. 1 VRPG und 
Art. 29 Abs. 1 und 3 BV; BVR 2018 S. 281 E. 3.1; Michel Daum bzw. Lucie 
von Büren, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 
2. Aufl. 2020, Art. 21 N. 27 bzw. Art. 111 N. 37).

5.2 Mit Blick auf den in der Sache gebotenen Zeitaufwand, insbesondere 
das relativ aufwändige Beweisverfahren mit einer rund fünfstündigen Instruk-
tionsverhandlung, die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des 
Prozesses, geben das geltend gemachte Honorar und die ausgewiesenen 
Auslagen bis Dezember 2023 zu keinen Bemerkungen Anlass (Kostennoten 
vom 19.12.2023 und vom 11.1.2024; act. 22A1 und 22A2). Ebenfalls zuzu-
sprechen ist der als Pauschale geltend gemachte Auslagenersatz für das 
Jahr 2024 (3 % auf dem Honorar; vgl. dazu Ziff. 2.1 des Beschlusses der 
Abteilungskonferenz vom 23.4.2024; VGE IV/2022/497 vom 4.3.2024 E. 4 
[zur Publ. bestimmt], u.a. mit Hinweis auf Ziff. 3 des Kreisschreibens Nr. 15 
des Obergerichts des Kantons Bern vom 21.1.2022 über die Entschädigung 
der amtlich bestellten Anwältinnen und Anwälte und Nachforderungsrecht 
[einsehbar unter: <www.zsg.justice.be.ch>, Rubriken «Dienstleistungen/ 
Kreisschreiben und Musterformulare»]). Hingegen können die angeführten 
Barauslagen für Kopien und Porti (act. 22A2) nicht zusätzlich zur Pauschale 
von Fr. 24.99 gewährt werden (vgl. Ziff. 2.3 des Beschlusses der Abteilungs-
konferenz; E. 4.2.7 des erwähnten Urteils).

5.3 Der tarifmässige Parteikostenersatz ist entsprechend auf Fr. 7'541.--, 
zuzüglich Fr. 209.10 Auslagen und Fr. 600.20 MWSt (7,7 % von 
Fr. 6'892.10, ausmachend Fr. 530.70 [für Leistungen bis 31.12.2023], und 
8,1 % von Fr. 857.99, ausmachend Fr. 69.50 [für Leistungen ab 1.1.2024]), 
insgesamt Fr. 8'350.30, festzusetzen (vgl. Art. 41 Abs. 3 i.V.m. Art. 42a 
Abs. 3 des Kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 [KAG; BSG 
168.11]).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 22

5.4 Die amtliche Entschädigung bestimmt sich nach Art. 112 Abs. 1 
VRPG i.V.m. Art. 42 KAG. Demnach bezahlt der Kanton den amtlich bestell-
ten Anwältinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich 
nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar 
gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht (Art. 42 
Abs. 1 Satz 1 KAG). Der Stundenansatz beträgt Fr. 200.-- (Art. 42 Abs. 4 
KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschä-
digung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte [EAV; BSG 168.711]). Aus-
lagen und Mehrwertsteuer werden zusätzlich entschädigt (Art. 42 Abs. 1 
Satz 3 KAG). Bei einem massgeblichen Zeitaufwand von 30,16 Stunden ist 
die amtliche Entschädigung auf Fr. 6'032.-- (30,16 x Fr. 200.--), zuzüglich Fr. 
209.10 Auslagen und Fr. 483.30 MWSt (7,7 % von Fr. 5'550.10, ausma-
chend Fr. 427.35 [für Leistungen bis 31.12.2023], und 8,1 % von Fr. 690.99, 
ausmachend Fr. 55.95 [für Leistungen ab 1.1.2024]), insgesamt 
Fr. 6'724.40, festzusetzen.

5.5 Die Rechtsvertreterin ist vorerst aus der Gerichtskasse zu entschädi-
gen. Die Beschwerdeführerinnen sind gegenüber dem Kanton bzw. der 
Rechtsvertreterin zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage 
sind (Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 42a Abs. 2 KAG und Art. 123 der Schweize-
rischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, 
ZPO; SR 272]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Den Beschwerdeführerinnen wird eine 
neue Ausreisefrist gesetzt auf den 15. Juli 2024.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 3'000.-- zuzüglich Übersetzungskosten von 
Fr. 607.35, insgesamt ausmachend Fr. 3'607.35, werden den Beschwer-
deführerinnen auferlegt. Die Kosten trägt vorerst der Kanton Bern. Vorbe-
halten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerinnen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27.05.2024, Nr. 100.2021.369U, 
Seite 23

3. Der tarifmässige Parteikostenersatz wird für das Verfahren vor dem Ver-
waltungsgericht festgesetzt auf Fr. 8'350.30 (inkl. Auslagen und MWSt). 
Davon wird Rechtsanwältin … aus der Gerichtskasse eine auf 
Fr. 6'724.40 (inkl. Auslagen und MWSt) festgesetzte Entschädigung ver-
gütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführe-
rinnen.

4. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerinnen
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
- Staatssekretariat für Migration

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110)