# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93874665-311c-5413-9944-19d6b596c16d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-1018/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1018-2011_2012-02-08.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­1018/2011

U r t e i l   v om   8 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli,
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;  
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

Parteien A._______,
geboren (…),
Afghanistan,  
vertreten durch Martina Schild, Caritas Luzern,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 17. Januar 2011/ N _______.

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein 
afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Usbeke aus B._______, 
Provinz Sar­e­Pul, Afghanistan am 1. November 2010 und gelangte ohne 
Reisedokumente über den  Iran, die Türkei, Griechenland und  Italien am 
27. Dezember  2010  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  am  selben  Tag  ein 
Asylgesuch  stellte.  Am  7.  Januar  2011  wurde  er  im  Rahmen  einer 
Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt. Gleichentags fand auch 
eine  Nachbefragung  statt.  Am  17.  Januar  2011  wurde  er  durch  das 
Bundesamt zu seinen Asylgründen angehört. 

B. 

B.a. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer 
im Wesentlichen geltend, er sei im Dorf B._______ zur Welt gekommen, 
wo er aufgewachsen sei und drei Jahre die Schule besucht habe. Seine 
Eltern und eine Tante mütterlicherseits seien noch immer dort wohnhaft. 
Er  sei  fünfzehn  Jahre  alt,  würde  sein  Geburtsjahr  jedoch  nicht  kennen 
und  auch  nicht  wissen,  in  welchem  Jahr  er  gemäss  dem  afghanischen 
Kalender  sein  Heimatland  verlassen  habe.  Sein  Vater  habe  ihm  eine 
Identitätskarte  ausstellen  lassen,  mit  der  er  zwei  Jahre  älter  gemacht 
worden sei. Am 15. Oktober 2010 sei er von Schulkollegen aufgefordert 
worden,  gemeinsam  mit  ihnen  seinen  Onkel,  der  seit  zwei  Jahren  im 
Gefängnis  von  C._______  einsitze,  zu  besuchen.  Als  er  mit  seinen 
Schulkameraden  vor  dem  Gefängnis  auf  den  Beginn  der  Besuchszeit 
gewartet  habe,  sei  er  von  Überwachungskameras  gefilmt  worden.  Da 
plötzlich  Anhänger  der  Taliban  gekommen  seien  und  zu  kämpfen 
begonnen  hätten,  sei  er  später  zu  Hause  gesucht  worden,  weil  ihm 
vorgeworfen worden sei, auf der Liste der Taliban zu stehen. Zu diesem 
Zeitpunkt  habe  er  sich  nicht mehr  zu  Hause  aufgehalten.  Er  habe  sich 
dann bei einer Tante mütterlicherseits in B._______ versteckt.  Aus Angst 
vor einer Festnahme oder davor, von den Taliban eingezogen zu werden, 
sei  er  aus  Afghanistan  ausgereist.  Sein  Vater  habe  die  Ausreise 
organisiert und finanziert. Er habe sein Vieh und sein Land verkauft und 
wahrscheinlich ungefähr 15'000 Dollar für die Reise bezahlt. 

B.b. Der Beschwerdeführer reichte einen Identitätsausweis zu den Akten, 
der gemäss afghanischem Kalender am 01.02.1387 beziehungsweise am 
21.  April  2008  nach  christlicher/westlicher  Zeitrechnung  ausgestellt 
worden  ist.  Darin  wurde  vermerkt,  dass  der  Inhaber  dieses 

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Ausweispapiers  im Jahre 1387 beziehungsweise 2008  fünfzehn Jahr alt 
gewesen ist.

B.c.  Am  4.  Januar  2011  wurde  im  Auftrag  des  BFM  im  Kantonsspital 
D._______  eine  Handknochenuntersuchung  vorgenommen.  Gemäss 
dem  gleichentags  beim  BFM  eingegangenen  Bericht  weist  das 
Handskelett  entsprechend  den  Tabellen  von  Greulich  und  Pyle  ein 
Skelettalter von achtzehn Jahren auf. 

B.d.  Im  Rahmen  einer  Nachbefragung  bezüglich  seines  Alters,  wurde 
dem  Beschwerdeführer  am  7.  Januar  2011  zu  diesem  Resultat  das 
rechtliche Gehör gewährt. In der Folge wurde er als volljährig eingestuft.

C. 
Mit  Verfügung  des  BFM  vom  17.  Januar  2011,  welche  dem 
Beschwerdeführer  gleichentags  eröffnet  wurde,  lehnte  das  BFM  das 
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus 
der Schweiz an. Zur Begründung wurde ausgeführt,  die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  erfüllten  die  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit 
gemäss Art.  7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) 
nicht.

Das BFM führte zur Begründung im Einzelnen aus, das BFM sei aufgrund 
der  Untersuchungsmaxime  grundsätzlich  verpflichtet,  den  Sachverhalt 
und damit auch die Identität der asylsuchenden Person von Amtes wegen 
abzuklären. Bezüglich der behaupteten Minderjährigkeit komme das BFM 
dieser  Verpflichtung  nach,  indem  es  bereits  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  die  Glaubhaftigkeit  der  behaupteten 
Minderjährigkeit prüfe. Falls aufgrund der Befragung zur Person (BzP) auf 
die  Volljährigkeit  der  Person  zu  schliessen  sei,  gehe  das  Amt  ab  dem 
Zeitpunkt dieses Ergebnisses davon aus, dass die Asyl suchende Person 
bereits  bei  der  Einreichung  des  Asylgesuches  volljährig  gewesen  sei. 
Gemäss  der  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 22  sowie  in  EMARK 
2001Nr. 23  entwickelten  Praxis  trage  die  Asyl  suchende  Person  die 
Beweislast für die geltend gemachte Minderjährigkeit und die Folgen der 
Beweislosigkeit,  d.h.  sie  müsse  jene  mindestens  glaubhaft  machen. 
Gelinge  der  asylsuchenden  Person  der  Gegenbeweis,  werde  das 
Verfahren  gemäss  den  besonderen  Bestimmungen  für  Minderjährige 
fortgesetzt, d.h. das BFM treffe Massnahmen gemäss Art. 17 Abs. 3 des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  Art.  7  der 

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Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999 
([Asylverordnung]; AsylV1, SR 142.311). 

Dem  Beschwerdeführer  sei  es  nicht  gelungen,  die  behauptete 
Minderjährigkeit glaubhaft darzulegen. Er sehe älter aus, als die von ihm 
geltend gemachten fünfzehn Jahre. Auch seien seine Angaben zu seiner 
Schulzeit wiederholt widersprüchlich gewesen. So habe er beispielsweise 
angegeben,  mit  fünfzehn  Jahren  die  Schule  begonnen  und  drei  Jahre 
lang besucht zu haben. Auch habe er bei der Anhörung vom 17. Januar 
2011  zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  die  Schule  ein  Jahr  vor  seiner 
Ausreise  zum  letzten  Mal  besucht.  Somit  hätte  er  erst  im  Alter  von 
neunzehn  Jahren  sein  Heimatland  verlassen.  Auf  diesen  Widerspruch 
aufmerksam  gemacht,  habe  er  seine  Aussagen  korrigiert  und  geltend 
gemacht,  er  sei  gemäss  seinem  Identitätsausweis  fünfzehn  Jahre  alt 
gewesen,  als  er  mit  der  Schule  begonnen  habe.  Er  sei  auf  diesem 
Ausweis  zwei  Jahre  älter  gemacht  worden.  Diesbezüglich  seien  jedoch 
alle  seine  Aussagen  widersprüchlich  geblieben.  So  habe  er  bei  der 
Erstbefragung geltend gemacht, die Behörden hätten ihn zwei Jahre älter 
gemacht. Anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 7. Januar 2011 habe er 
jedoch  geltend  gemacht,  man  habe  ihn  in  der  Schule  zwei  Jahre  älter 
gemacht.  Anlässlich  der  Anhörung  vom  17.  Januar  2011  habe  er  zu 
Protokoll gegeben, sein Vater habe ihn älter gemacht, damit er die Schule 
habe  besuchen  können. Seine  diesbezüglichen Ausführungen  über  den 
Sinn  der  höheren  Altersangabe  seien  jedoch  realitätsfremd  und  nicht 
nachvollziehbar  geblieben.  Zudem  wäre  er  jetzt  auch  gemäss  seinen 
Aussagen  anlässlich  der  Anhörung  vom  17. Januar  2011  mindestens 
siebzehn Jahre alt, zumal er auf Nachfrage hin geltend gemacht habe, er 
habe als Dreizehn­ oder Vierzehnjähriger mit der Schule angefangen, sei 
drei  Jahre zur Schule gegangen und habe etwa ein Jahr, bevor er  sein 
Heimatland verlassen habe, das letzte Mal die Schule besucht.

Da er selber zu Protokoll gegeben habe, das angegebene Alter auf dem 
von  ihm  eingereichten  Identitätsausweis  würde  nicht  seinem 
tatsächlichen Alter entsprechen, könne dieser auch nicht zum Nachweis 
seines  wahren  Alters  beziehungsweise  seiner  wahren  Identität 
herangezogen werden und entfalte diesbezüglich auch keine Beweiskraft. 
Somit sei die von ihm behauptete Minderjährigkeit unbewiesen geblieben, 
und es sei entsprechend der oben aufgeführten Widersprüche bezüglich 
seiner  Biografie,  seines  Aussehens  sowie  des  vom  Kantonspital 
D._______  ermittelten  Skelettalters  von  achtzehn  Jahren  und  der 
Tatsache, dass er weder sein Geburtsjahr noch das Jahr seiner Ausreise 

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im  afghanischen  Kalender  habe  benennen  können,  als  unglaubhaft  zu 
taxieren.  Daran  könne  auch  seine  Erklärung  anlässlich  der 
Nachbefragung nichts ändern, wonach auf seiner Taskara stehen würde, 
er sei noch minderjährig beziehungsweise, man habe ihm gesagt, er sei 
fünfzehn Jahre alt.

Somit  gehe  das  BFM  für  das  weitere  Verfahren  davon  aus,  dass  er 
bereits  bei  Einreichung  seines  Asylgesuches  volljährig  gewesen  sei, 
weshalb  die  Bundesanhörung  vom  17.  Januar  2011  ohne 
Vertrauensperson durchgeführt worden sei.

Im Weiteren  gehe  das  BFM  davon  aus,  dass  der  von  ihm  eingereichte 
Identitätsausweis  nicht  sein  wahres  Alter  wiedergebe  beziehungsweise 
nicht  seine wahren  Identitätsmerkmale  bezüglich  seines Alters  enthalte, 
weswegen dieser Identitätsausweis als Dokument mit unwahren Angaben 
gemäss Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen werde.

Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorbringen,  Soldaten 
oder  Polizisten  hätten  ihn  gesucht,  da  er  während  eines  Angriffes  der 
Taliban  vor  dem  Gefängnis  von  C._______  von  den 
Überwachungskameras  gefilmt  worden  sei,  seinen  durchwegs 
unsubstanziiert, widersprüchlich, nicht nachvollziehbar und realitätsfremd 
geblieben.  So  könne  weder  nachvollzogen  werden,  weshalb  seine 
Schulkollegen ihm hätten vorschlagen sollen, seinen Onkel im Gefängnis 
zu besuchen, zumal er selber bisher seinen Onkel, welcher damals schon 
zwei  Jahre  lang  inhaftiert  gewesen  sein  solle,  noch  nie  besucht  habe. 
Auch  seien  seine  Aussagen  darüber,  was  er  während  der  von  den 
Taliban  provozierten  Unruhen  gemacht  habe,  unrealistisch  und 
unsubstanziiert  geblieben.  Seine  Zeitangaben  bezüglich  seines 
Aufenthaltes  in  C._______,  seiner  Rückkehr  in  sein  Dorf  und  wie  viel 
später  er  gesucht  worden  sei,  seien  völlig  widersprüchlich  gewesen. 
Zudem  habe  er  erst  anlässlich  der  Anhörung  vom  17.  Januar  2011 
geltend gemacht, dass sein Vater zweimal für jeweils zwei Tage von den 
Behörden  mitgenommen  worden  sei,  obwohl  er  anlässlich  der  ersten 
Befragung  explizit  gefragt  worden  sei,  ob  er  alle  Gründe  für  sein 
Asylgesuch  genannt  habe.  Es werde  an  dieser  Stelle  darauf  verzichtet, 
auf  weitere  Ungereimtheiten,  Unsubstanziiertheiten  und  Widersprüche 
einzugehen.  Es  könne  jedoch  angemerkt  werden,  dass  auch  nicht 
nachvollziehbar sei, weshalb er den 15. Oktober sowie den 1. November 
im  europäischen  Kalender  ohne  Probleme  benennen  könne,  jedoch 
dieselben Daten  im afghanischen Kalender nicht habe angeben können. 

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Seine  Begründung,  wonach  er  Analphabet  sei,  könne  diese 
Ungereimtheit auch nicht erklären.

D. 
Mit  Eingabe  vom  11.  Februar  2011  liess  der  Beschwerdeführer  die 
Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Zurückweisung  an 
das  BFM  zur  Neubeurteilung  beantragen.  Eventuell  sei  die 
Unzumutbarkeit  und  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festzustellen  und  es  sei  dem Beschwerdeführer  in  der  Folge  davon  die 
vorläufige Aufnahme  zu gewähren.  In  prozessualer Hinsicht  liess  er  die 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie die Gewährung einer 
angemessenen Parteientschädigung beantragen.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 
16. Februar 2011 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, 
er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. 
Gleichzeitig  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
unter  Vorbehalt  einer  Veränderung  der  finanziellen  Lage  des 
Beschwerdeführers  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtet. Über alle weiteren Rechtsbegehren werde 
zu einem späteren Zeitpunkt befunden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 

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beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Diese liegt in casu nicht vor.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  teilweise  um  eine 
solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen 
ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Gemäss  Artikel  8  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  vom 
10. Dezember 1907  (ZGB, SR 210)  trägt  die Asyl  suchende Person die 
Beweislast für die von ihr behauptete Minderjährigkeit (vgl. EMARK 2004 
Nr.  30  E.  5  S.  208  f.).  In  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  ist 
angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer älter als die von 
ihm geltend gemachten fünfzehn Jahre aussieht, er sich in Widersprüche 
bezüglich  der  Angaben  zu  seiner  Schulzeit  verstrickt  hat,  sowie  seiner 
Aussage,  er  sei  auf  seiner  Identitätskarte  zwei  Jahre  älter  gemacht 

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worden, die von ihm geltend gemachte angebliche Minderjährigkeit nicht 
geglaubt werden.  Infolgedessen  kann  der  Beschwerdeführer  aus  seiner 
geltend  gemachten  Minderjährigkeit  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten, 
hätte es doch an ihm gelegen, die geltend gemachte Minderjährigkeit zu 
beweisen,  zumal  er  diesbezüglich  gemäss  konstanter  Schweizer 
Asylpraxis die objektive Beweislast  trägt  (vgl. EMARK 2004 Nr. 30). Zur 
Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  kann  auf  die  zutreffenden 
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

4.2.  Auch  die  auf  Beschwerdeebene  erhobenen  Einwände  können  zu 
keiner  anderen  Betrachtungsweise  führen.  Insbesondere  der  Hinweis, 
wonach  der  Befund  der  Handskelettaufnahme  vom  4.  Januar  2011 
rechtlich nicht  relevant  sei,  vermag die  zutreffenden Erwägungen  in der 
angefochtenen  Verfügung  nicht  umzustossen.  Die  ehemalige 
Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat bereits in EMARK 2004 
Nr.  30  festgestellt,  dass  die  Knochenaltersanalysen  hinsichtlich  der 
Frage, ob eine Person volljährig sei, keine wissenschaftlich zuverlässige 
Aussage  erlaube  (vgl.  a.a.O.  E.6.2 S.  210, mit  Hinweisen).  Es  bedeute 
dennoch,  dass  über  das  wahre  Alter  getäuscht  worden  sei  (vgl.  a.a.O. 
E.6.2 S. 210).  In casu konnte der Beschwerdeführer darüber hinaus die 
Zweifel an seiner angeblichen Minderheit nicht ausräumen, zumal seinen 
eigenen  Angaben  zufolge,  auch  die  Altersangabe  auf  seiner 
Identitätskarte gefälscht gewesen sei.

5. 

5.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

5.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 

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Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

6. 

6.1. Die Vorbringen  in der Beschwerdeeingabe sind nicht geeignet, eine 
Änderung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken.  Der 
Argumentation  der  Vorinstanz  werden  keine  stichhaltigen  und 
substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Eine  diesbezügliche 
Auseinandersetzung  unterbleibt   zwar  nicht  gänzlich.  Die  Ausführungen 
des  Beschwerdeführers  vermögen  jedoch  die  nachvollziehbaren 
Erwägungen  des  BFM  nicht  umzustossen.  Das  BFM  hat  in  der 
angefochtenen  Verfügung  zu Recht  festgestellt,  dass  die  Ausführungen 
des  Beschwerdeführers  teils  zu  wenig  begründet,  teils  widersprüchlich, 
teils  tatsachenwidrig  gewesen  und  teils  auf  gefälschte  oder  verfälschte 
Beweismittel  abgestützt  worden  sind.  Im  Übrigen  besteht  für  das 
Bundesverwaltungsgericht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine 
Veranlassung,  die Erwägungen  des Bundesamtes  zu  beanstanden. Um 
Wiederholungen zu vermeiden, kann daher auf die Ausführungen  in der 
angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 

6.2. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen in 
der  Eingabe  des  Beschwerdeführers  sowie  die  eingereichten 
Beweismittel  im Einzelnen einzugehen, da diese nicht geeignet sind, zu 
einer  anderen  rechtlichen  Würdigung  der  Aktenlage  zu  führen.  Unter 
diesen  Umständen  ist  somit  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
einen flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt weder nachgewiesen 
noch  glaubhaft  gemacht  hat.  Die  Feststellung  des  BFM,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG 
nicht,  ist dementsprechend zu bestätigen. Das BFM hat das Asylgesuch 
mit zutreffender Begründung abgelehnt.

7. 

7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  (Art.  44 
Abs.  1  AsylG).  Die  Wegweisung  wird  nicht  verfügt,  wenn  die 
asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder 
Niederlassungsbewilligung ist oder Anspruch darauf hat. 

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Da  der  Beschwerdeführer  weder  im  Besitz  einer  aufenthaltsrechtlichen 
Bewilligung  ist noch einen Anspruch darauf hat, wurde die Wegweisung 
vom BFM zu Recht verfügt. 

7.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]). Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den 
Wegweisungsvollzug  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit) 
sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der 
Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit 
der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die 
vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  dazu  BVGE  2009/51  E.  5.4  mit 
weiteren  Hinweisen).  Gegen  eine  allfällige  spätere  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  würde  der  betroffenen  asylsuchenden  Person 
wieder  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  stehen 
(vgl.  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  44  Abs.  2  AsylG),  wobei  in  einem 
Aufhebungsverfahren  alle  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach 
Massgabe der  in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse erneut zu 
prüfen wären (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2, EMARK 1997 Nr. 27).

Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  für  Ausländerinnen  oder 
Ausländer als unzumutbar, wenn sie  im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt  oder 
medizinischer  Notlage  allgemein  gefährdet  sind  (Art. 83  Abs.  4  AuG). 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung – aus den nachfolgend 
aufgezeigten  Gründen  –  als  unzumutbar  erweist,  kann  von  einer 
Erörterung  der  übrigen  Voraussetzungen  eines  rechtmässigen 
Wegweisungsvollzugs abgesehen werden.

8. 
Das BFM räumte ein, dass die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan 
angespannt sei, die aufständischen Kräfte  ihre Tätigkeit verstärkt hätten 
und  ihren  Einfluss  in  den  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  sowie 

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teilweise  im Norden und Westen des Landes hätten ausdehnen können. 
Die  internationale  Truppenpräsenz  sei  zahlenmässig  zu  schwach 
vertreten, als dass sie flächendeckend wirksam wäre. Ausserdem hätten 
sich  in vielen Regionen funktionierende staatliche Strukturen noch kaum 
entwickeln  können.  Trotzdem ging  das BFM davon aus,  dass  nicht  von 
einer  konkreten  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung  in  Afghanistan 
oder eine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG 
ausgegangen werden könne.

Die Vorinstanz  stufte  trotz  vereinzelter Anschläge die  Lage  in  gewissen 
Provinzen so auch in Sari Pul weiterhin als vergleichsweise sicher ein. In 
dieser  Region  könne  nicht  von  einer  permanent  instabilen  Situation 
gesprochen werden. 

Zudem  verneinte  es  das  Vorliegen  individueller  Gründe,  die  gegen  die 
Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers 
sprächen.  Beim  Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  einen  gesunden, 
jungen  und  wie  es  oben  ausgeführt  habe,  volljährigen  Mann,  der  über 
eine  gewisse  Schulbildung  verfüge.  Zudem  lebten  seine  Eltern  und 
weitere Verwandte in seinen Heimatdorf in der Provinz Sari Pul und auch 
die  finanzielle Situation seiner Familie  scheine stabil,  habe sie doch die 
15'000 Dollar für seine Reise nach Europa aufbringen können. 

9. 
Die ARK setzte sich in EMARK 2003 Nr. 10 einlässlich mit der damaligen 
Lage in Afghanistan, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, auseinander 
und umschrieb in EMARK 2003 Nr. 30 die Mindestanforderungen für die 
Durchführung eines Wegweisungsvollzugs nach Afghanistan.  Infolge der 
damals  im  Vergleich  zu  anderen Regionen  etwas  günstigeren  Situation 
erachtete  die  ARK  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  unter 
bestimmten  strengen  Voraussetzungen,  namentlich  einem  tragfähigen 
Beziehungsnetz  und  einer  gesicherten  Wohnsituation,  als  zumutbar.  In 
EMARK 2006 Nr. 9 ergänzte sie ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2003 
und bezeichnete auch den Wegweisungsvollzug  in diejenigen Regionen 
Afghanistans,  in  welchen  seit  2004  keine  signifikanten  militärischen 
Aktivitäten  stattgefunden  hatten  (namentlich  die  Provinzen  Parwan, 
Baghlan,  Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  Herat  und  der 
Teil  der  Gegend  von  Samangan,  der  nicht  zum  Hazarajat  gehört),  als 
grundsätzlich  zumutbar.  In  den  anderen  östlichen,  südlichen  und 
südöstlichen  Provinzen  bestehe  hingegen  weiterhin  eine  allgemeine 

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Gewaltsituation,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als 
grundsätzlich unzumutbar zu betrachten sei.

Seit  der  von  der  ARK  festgelegten  Praxis,  welche  vom 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeführt  wurde,  hat  sich  die 
Sicherheitslage  in  fast  allen  Teilen  Afghanistans  verschlechtert.  In 
mehreren  der  vormals  von  der  ARK  für  eine  Rückkehr  noch  als 
vergleichsweise  sicher  eingestuften  Provinzen  und  auch  in  der 
Hauptstadt Kabul hat die Gefährdung der Zivilbevölkerung, namentlich als 
Folge  der  erstarkten  Taliban  und  ihrer  zahlreichen  Angriffe, 
zugenommen.  Die  blutigen Gewaltaktionen  reissen  in  Afghanistan  nicht 
ab,  und  die Sicherheitslage  bleibt  in  den meisten Gebieten  des  Landes 
prekär,  was  ansatzweise  aus  den  regelmässigen  Medienberichten 
betreffend  Kampfeinsätze,  Verlustmeldungen  von  Angehörigen  der 
Schutztruppen,  zivile  Opfer  und  landesweit  verübte  Anschläge 
hervorgeht. 

Im  publizierten  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  BVGE 
2011/7  vom  16.  Juni  2011  sowie  in  den  zur  Publikation  vorgesehenen 
Urteilen  BVGE  D­2312/2009  vom  28.  Oktober  2011  und  BVGE  D­
7950/2009  vom  30.  Dezember  2011  hat  sich  das 
Bundesverwaltungsgericht  erneut  einlässlich  mit  der  Sicherheitslage  in 
Afghanistan  auseinandergesetzt  und  befunden,  dass  aufgrund  der 
jüngsten  Verschlechterung  der  Sicherheits­  und  Versorgungslage  auch 
der  Wegweisungsvollzug  in  vormals  noch  als  vergleichsweise  sicher 
eingestufte Provinzen, darunter Sari Pul, inzwischen nicht mehr zumutbar 
ist.

Unter  strengen  Voraussetzungen  (BVGE  2011/7  E.  9.9.2  S.  104  mit 
Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc) hat es  lediglich den Vollzug 
nach  Kabul  gegebenenfalls  als  zumutbar  erachtet  (und  diese  Frage 
bezüglich anderer Grossstädte Afghanistans vorderhand offen gelassen).

Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  D­2312/2009  vom  28. 
Oktober 2011 gelangte das Bundesverwaltungsgericht zur Ansicht, dass 
die  Lage  in  der  Stadt  Herat  mit  derjenigen  in  Kabul  vergleichbar  sei, 
weshalb  es  nicht  gerechtfertigt  sei,  von  einer  Situation  allgemeiner 
Gewalt auszugehen (vgl. a.a.O E. 4.3.3.1 S. 10 mit Hinweisen). Seit Juni 
2011  seien  in  der  Stadt  selbst  keine  Aktivitäten  durch  bewaffnete 
Gruppen von Oppositionellen mehr zu verzeichnen. Am 21. Juli 2011 sei 
die gesamte Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt wie geplant von 

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der  Internationalen  Sicherheitsunterstützungstruppe  (ISAF)  auf  die 
afghanischen  Sicherheitskräfte  übertragen  worden.  Der  Abschluss  des 
Prozesses  der Übergabe der Sicherheitsverantwortung  im ganzen Land 
sei bis Ende 2014 vorgesehen (vgl. a.a.O E.4.3.3.1 S. 10 mit Hinweisen).

Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  D­7950/2009  vom  30. 
Dezember 2011 kam das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass 
sich  aus  den  vom  Gericht  konsultierten  Länder­  und  Themenberichten 
nicht ergebe, dass die humanitäre Situation  in Mazar­i­Sharif wesentlich 
schlechter sei als diejenige in Kabul. Die Lage in der Stadt Mazar­i­Sharif 
erscheine  mit  derjenigen  in  Kabul  zumindest  vergleichbar  und  es 
rechtfertige sich nicht, von einer generellen Unzumutbarkeit der Rückkehr 
dorthin  aufgrund  der  allgemeinen  Situation  auszugehen  (vgl.  wiederum 
BVGE D­7950/2009 vom 30. Dezember 2011 E. 7.3.7 mit Hinweisen).

10. 

10.1.  Der  Umstand,  dass  gewisse  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der 
zentralen Asylangaben  bestehen,  spielt  für  die Beantwortung  der  Frage 
der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Afghanistan  insofern 
keine Rolle, als das BFM jedenfalls die Herkunft des Beschwerdeführers 
aus  der  Provinz  Sari  Pul  nicht  in  Frage  stellte  und  auch  für  das 
Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  besteht,  dies  zu  tun. 
Gemäss  der  soeben  dargelegten  Rechtsprechung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  ist  von  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs dorthin auszugehen.

10.2. Bei dieser Sachlage stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer 
allenfalls  eine  Aufenthaltsalternative  in  Kabul  beziehungsweise  in  Herat 
oder  in  Mazar­i­Sharif  zur  Verfügung  steht.  Die  Bejahung  einer 
zumutbaren  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  in  Kabul 
beziehungsweise  in Herat  oder  in Mazar­i­Sharif  setzt  insbesondere die 
dortige  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete 
Möglichkeit der Sicherung des Existenzminimums sowie eine gesicherte 
Wohnsituation voraus (vgl. BVGE 2011/7 E.9.92 mit Verweis auf EMARK 
2003 Nr. 10 E. 10cc).

10.3.  Der  Beschwerdeführer  wurde  gemäss  seinen  Angaben  im  Dorf 
B._______ (Distrikt E._______) in der Provinz Sari Pul geboren, wo er bis 
zu  seiner  Ausreise  gelebt  hat  und  seine  Eltern  und  weitere  Verwandte 
noch heute leben (vgl. Akten der Vorinstanz A15/22, S. 5 F. 38 f.). Über 

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den  Verbleib  seiner  Verwandten,  die  ausserhalb  seines  Dorfes  gelebt 
haben,  konnte  er  keine Angaben machen. Wegen  der  in  seiner Heimat 
herrschenden  Kämpfe,  hätten  sie  nicht  miteinander  kommunizieren 
können (vgl. A15/22 S. 5 F. 47). 

Das Bundesverwaltungsgericht geht nicht davon aus, dass allenfalls noch 
in  Kabul,  in  Herat  oder  in  Mazar­i­Sharif  lebende,  entfernte  Verwandte 
des  Beschwerdeführers  für  diesen  ein  "tragfähiges  Beziehungsnetz" 
darstellten. Ungeachtet  der bestehenden Unklarheiten,  ob er  tatsächlich 
ausserhalb seines Dorfes keine Verwandten hat, beziehungsweise ob er 
Verwandte  in  den  genannten Städten  hat,  ist  festzuhalten,  dass  einem, 
nur  aus  nicht  zu  den  näheren  Angehörigen  zählenden  Personen 
bestehenden  verwandtschaftlichen  Beziehungsnetz  nicht  die  für  eine 
wirtschaftliche und soziale Eingliederung in Kabul, Herat oder in Mazar­i­
Sharif  notwendige  Qualität  zukommt.  Aufgrund  der  Akten  ergeben  sich 
auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  in  den 
beiden Städten über ein ausreichendes Beziehungsnetz im weiteren Sinn 
verfügen würde.

10.4.  In  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  ist  somit  ein 
Wegweisungsvollzug nach Afghanistan als nicht zumutbar zu erachten.

11. 
Die  Beschwerde  ist  somit  bezüglich  des  Wegweisungsvollzugs 
gutzuheissen  und  die  Dispositivziffern  4  und  5  der  angefochtenen 
Verfügung sind aufzuheben. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 
Das BFM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen 
(vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG). 

12. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Februar  2011  wurde  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gutgeheissen  und  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet, weshalb vorliegend keine 
Verfahrenskosten gesprochen werden.

13. 
Nachdem  der  Beschwerdeführer  im  Punkt  des  Wegweisungsvollzugs – 
insofern teilweise – obsiegt hat, ist ihm eine angemessene, um die Hälfte 
reduzierte Parteientschädigung  zu entrichten  (vgl. Art.  64 Abs.  1 VwVG 
i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

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die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE,  SR  173.320.2]).  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Berechnungsfaktoren  (Art.  7­13  VGKE)  erscheint  ein  Zeitaufwand  von 
7 Stunden  als  angemessen,  weshalb  die  Vertretungskosten  auf 
Fr. 1'050.–  (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer)  festzusetzen sind und 
die  Parteientschädigung  –  um  die  Hälfte  gekürzt  –  auf  Fr.  525.– 
festzulegen ist. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das BFM 
zu entrichten.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird,  soweit  sie  den  Wegweisungsvollzug  betrifft, 
gutgeheissen,  im Übrigen wird  sie abgewiesen. Die Ziffern 4 und 5 des 
Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  17.  Januar  2011  werden 
aufgehoben. 

2. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  wegen 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung im Betrag von Fr. 525.– auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

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