# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ef5a456-22a4-5949-b0b2-5d06b38ea3f1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-07-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.07.2019 SB180409
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180409_2019-07-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB180409-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, lic. iur. M. Langmeier und 

Oberrichterin lic. iur. R. Affolter sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. 

R. Bretscher 

 

Urteil vom 4. Juli 2019 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und I. Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. U. Krättli,  

Anklägerin und II. Berufungsklägerin 

 

betreffend qualifizierter Raub etc. und Widerruf  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung,  
vom 5. April 2018 (DG170266) 
 
 
 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. September 

2017 (Urk. 37) ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 135 S. 50 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 140 Ziff. 3 StGB, 

− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, 
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, 
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, 
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbin-

dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB. 

2. Vom Vorwurf  

− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB bezüglich Dossier 1, 

− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB bezüglich Dossier 3 
(Uhr "Fitbit Blaze"), 

− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB bezüglich Dossier 4 

wird der Beschuldigte A._____ freigesprochen. 

3. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 

31. Mai 2016 ausgefällten Freiheitsstrafe von 10 Monaten wird widerrufen. 

4. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe gemäss Dispositiv-

Ziffer 3 bestraft mit 59 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon bis und mit 

heute 545 Tage durch Haft und vorzeitigen Massnahmeantritt erstanden sind sowie 

mit einer Busse von Fr. 200.–. 

5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. Die Busse ist zu bezahlen. 

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen. 

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6. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB  

(Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. Der Vollzug der Freiheits-

strafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben. 

7. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes ver-

wiesen. 

8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 29. August 2017 beschlagnahmte 

Taschenmesser/Klappmesser (Asservat-Nr. A009'735'095; Sach-Kaution Nr. 

33089) wird eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 29. August 2017 beschlagnahmten 

Fr. 40.– (Sach-Kaution Nr. 32191) werden im Betrag von Fr. 30.– dem Geschädig-

ten B._____ und im Betrag von Fr. 10.– dem Beschuldigten zurückgegeben. 

10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 29. August 2017 beschlagnahmten 

2 Herrenhemden (Sach-Kaution Nr. 32193) und 2 Fingerringe (Sach-Kaution Nr. 

32325) werden dem Beschuldigten zurückgegeben. 

11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 29. August 2017 beschlagnahmte 

Armbanduhr "fitbit" (Sach-Kaution Nr. 32193) wird dem Beschuldigten zurückge-

geben. 

12. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger B._____ 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der 

Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ in solidarischer Haf-

tung mit C._____ Fr. 1'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 8. Oktober 2016 als Genugtu-

ung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

14. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der Privat-

klägerin D._____ AG, Filiale E._____ im Betrag von Fr. 85.50 Schadenersatz an-

erkannt hat. 

15. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der Privat-

klägerin F._____ AG, E._____, im Betrag von Fr. 338.-- sowie Fr. 1'093.90 Scha-

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denersatz anerkannt hat. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren abge-

wiesen. 

16. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin D._____ AG, Filiale E._____, wird 

abgewiesen. 

17. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin F._____ AG, E._____, wird abge-

wiesen. 

18. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 30.00   Kosten der Kantonspolizei Zürich 

Fr. 5'400.00   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 20'098.25   Gutachten 

Fr. 50.00   Zeugenentschädigung 

Fr. 30.25   Auslagen 

Fr. 34'697.05   amtliche Verteidigung 

Fr. 7'203.60   unentgeltlicher Rechtsvertreter Privatkläger 1 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

19. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens sowie der 

unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden dem Beschuldigten auf-

erlegt, aber abgeschrieben. 

20. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers wird mit CHF 7'203.61 (inkl. 

MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.  

21. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; 

vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die   

Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit separatem Beschluss ent-

schieden. 

22. (Mitteilung) 

23. (Rechtsmittel)" 

 

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Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 14 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 139 S. 2; Urk. 207 S. 1 f.) 

1. Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 5. April 2018 sei 

hinsichtlich des Schuldspruchs wegen qualifizierten Raubes gemäss 

Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 140 Ziff. 3 StGB aufzuheben. Statt-

dessen sei der Beschuldigte wegen einfacher Körperverletzung zum 

Nachteil des Privatklägers 1 zu verurteilen. 

2. Der Freispruch betreffend den Vorwurf der versuchten schweren Kör-

perverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB sei zu bestätigen (Dispositiv-Ziffer 2, erster Spiegelstrich). 

3. Ziffer 4 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Anstelle der ausge-

sprochenen Freiheitsstrafe von 59 Monaten Freiheitsstrafe sei der Be-

schuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu verurteilen, unter 

Anrechnung der erstandenen Haft.  

4. Ziffer 6 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Es sei auf eine 

Massnahme zu verzichten, eventualiter sei eine stationäre Massnahme 

der Suchtbehandlung im Sinne von Art. 60 StGB anzuordnen. 

5. Ziffer 7 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Es sei von einer 

Landesverweisung abzusehen. 

6. Der Beschuldigte sei per sofort auf freien Fuss zu setzen. 

7. Es sei eine Genugtuung von Fr. 20'000.– für die erlittene Überhaft  

auszusprechen. 

8. Unter den gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich 

Mehrwertsteuer. 

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b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 138 S. 2; Urk. 208 S. 1) 

1. Bestätigung der Schuldsprüche in Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteils. 

2. Aufhebung des Freispruchs in Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils be-

treffend versuchte schwere Körperverletzung und Schuldigsprechung 

des Beschuldigten betreffend versuchte schwere Körperverletzung im 

Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

3. Bestätigung des Widerrufes des mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 

8. Abteilung, vom 31. Mai 2016 für eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten 

gewährten bedingten Strafvollzuges (Dispositiv-Ziff. 3 des vorinstanz-

lichen Urteils). 

4. Der Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe von 

10 Monaten Freiheitsstrafe mit einer Freiheitsstrafe von 88 Monaten als 

Gesamtstrafe sowie einer Busse von Fr. 200.– zu bestrafen. 

5. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 

5. April 2018 zu bestätigen (Dispositiv-Ziffern 5 ff.). 

 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 5. April 2018 wurde der Be-

schuldigte weitgehend anklagegemäss schuldig gesprochen und unter Einbezug 

des Widerrufs einer mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 31. Mai 2016 be-

dingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 10 Monaten mit einer Freiheitsstrafe von 

59 Monaten als Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 200.– bestraft. Weiter 

wurde eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB angeordnet. So-

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dann wurde der Beschuldigte für 5 Jahre des Landes verwiesen. Insbesondere 

vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung bezüglich Dossier 1 

wurde der Beschuldigte dagegen freigesprochen (Urk. 135 S. 50 f.). 

1.2. Am 6. April 2018 liess der Beschuldigte durch seinen (damaligen) amt-

lichen Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, Berufung anmelden (Urk. 91). 

Mit Eingabe vom 11. April 2018 meldete auch die Staatsanwaltschaft Berufung an 

(Urk. 98). Mit Eingabe vom 15. August 2018 teilte der unentgeltliche Rechtsvertre-

ter des Privatklägers †B._____ mit, dass der Privatkläger verstorben sei (Urk. 

136). Am 3. September 2018 respektive am 7. September 2018 gingen die Beru-

fungserklärungen beim Obergericht ein (Urk. 138 und 139). Mit Präsidialverfügung 

vom 3. Oktober 2018 wurden die Berufungserklärungen in Anwendung von Art. 

402 Abs. 2 und 3 StPO jeweils der Gegenseite zugestellt, um gegebenenfalls An-

schlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantra-

gen (Urk. 143). Davon wurde allseitig kein Gebrauch gemacht.  

1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-

tung seiner amtlichen Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, sowie der zu-

ständige Staatsanwalt lic. iur. U. Krättli (Prot. II S. 14). Vorfragen waren keine zu 

entscheiden und die Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 205) konnte ord-

nungsgemäss durchgeführt werden (Prot. II S. 16). 

2. Umfang der Berufung 

2.1. Die Staatsanwaltschaft ficht das vorinstanzliche Urteil mit ihrer Berufungs-

erklärung insofern an, als dass sie im Zusammenhang mit Dossier 1 einen 

Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung verlangt. Sodann ver-

langt sie eine schwerere Bestrafung des Beschuldigten und beantragt eine Frei-

heitsstrafe von 88 Monaten als Gesamtstrafe (Urk. 208 S. 1). Die Berufung des 

Beschuldigten richtet sich gegen Schuldspruch betreffend qualifizierten Raub. Der 

Beschuldigte sei indessen wegen einfacher Körperverletzung schuldig zu spre-

chen. Sodann beantragt der Beschuldigte eine mildere Bestrafung sowie den Ver-

zicht auf eine Massnahme, eventualiter sei eine stationäre Massnahme im Sinne 

von Art. 60 StGB anstelle einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 

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StGB anzuordnen. Als mitangefochten gelten auch die Dispositivziffern 3 und 5, 

soweit den Vollzug der Freiheitsstrafe betreffend, da bei Anfechtung des Straf-

masses der Sanktionspunkt als Ganzes als angefochten gilt; eine Berufung kann 

nicht darauf beschränkt werden, nur die Strafzumessung oder nur (isoliert) die 

Frage des bedingten Vollzuges anzufechten (HUG/SCHEIDEGGER in: Donatsch/ 

Hansjakob/Lieber, StPO Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2014, N 20 zu Art. 399). 

Weiter sei von einer Landesverweisung des Beschuldigten abzusehen. Der Be-

schuldigte sei schliesslich per sofort auf freien Fuss zu setzen und dem Beschul-

digten sei eine Genugtuung von Fr. 20'000.– für die erlittene Überhaft zuzuspre-

chen (Urk. 207 S. 1 f.). 

2.2. Nicht angefochten ist das vorinstanzliche Urteil deshalb hinsichtlich dessen 

Dispositivziffer 1 2.-5. Spiegelstrich, Dispositivziffer 2 2. und 3. Spiegelstrich, Dis-

positivziffern 4 und 5 (soweit die Busse betreffend) sowie Dispositivziffern 8-21. 

Entsprechend ist vorab vorzumerken, dass das Urteil vom 5. April 2018 dies-

bezüglich in Rechtskraft erwachsen ist. Im restlichen Umfang ist es im Berufungs-

verfahren zu überprüfen. 

2.3. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle noch das Folgende zu er-

wähnen: Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Verteidigung geltend, 

der Schuldspruch wegen Drohung (Dossier 8) sei zwar nicht angefochten. Diese  

– so die Verteidigung – unbillige und gesetzeswidrige Verurteilung sei aber im 

Sinne von Art. 404 Abs. 2 StPO aufzuheben (Urk. 207 S. 2 und 5 f.).  

Gemäss Art. 404 Abs. 2 StPO kann das Gericht zugunsten der beschuldigten 

Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, um gesetzeswidrige oder 

unbillige Entscheidungen zu verhindern. Zu denken ist dabei an nicht angefochte-

ne Punkte, die materiell zu offensichtlich unrichtigen Ergebnissen führen würden, 

wie zum Beispiel die eingetretene Verjährung oder ein ungültiger Strafantrag,   

oder an Gründe, die in anderem Zusammenhang eine Ausdehnung gutheissender 

Rechtsmittelentscheide auf Verurteilte zulassen, die kein Rechtsmittel ergriffen 

haben (OFK StPO-RIKLIN, Art. 404 N 2). Eine Ausdehnung ist auf die Verhinde-

rung von gesetzeswidrigen oder unbilligen Entscheidungen beschränkt. Art. 404 

Abs. 2 StPO kommt damit nur bei einer qualifiziert unrichtigen Rechtsanwendung 

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der Vorinstanz in Frage. Eine umfassende, freie Überprüfung (blosse Unange-

messenheit) ist ausgeschlossen. In Ermessensentscheide der Vorinstanz kann in 

keinem Fall eingegriffen werden (BSK StPO-EUGSTER, Art. 404 N 4 f.).  

Die Vorinstanz hat bei dem Schuldspruch betreffend Drohung das Recht nicht 

qualifiziert unrichtig angewendet, wenn sie zumindest einen Eventualvorsatz des 

Beschuldigten bejahte, der Privatkläger †B._____ könnte von der im Übertra-

gungszimmer ausgesprochenen Drohung des Beschuldigten Kenntnis erhalten. 

Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass für die Anwendung von Art. 404 

Abs. 2 StPO. 

3. Beweisanträge 

3.1. Im Rahmen der Berufungserklärung stellte die ehemalige amtliche Ver-

teidigung diverse Beweisanträge (Urk. 139 S. 3). Mit Eingabe vom 6. November 

2018 stellte sie einen weiteren Beweisantrag (Urk. 149). Nach durchgeführter 

Vernehmlassung (Urk. 152; Urk. 154; Urk. 155; Urk. 157; Urk. 162; Urk. 164) wur-

de der Antrag auf Beizug des Führungsberichts des Beschuldigten im Gefängnis 

Affoltern am Albis sowie der Akten des Amtes für Justizvollzug über den Verlauf 

der Unterbringung des Beschuldigten gutgeheissen. Die übrigen Beweisanträge 

wurden abgewiesen (Urk. 180). 

3.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung erneuerte die amtliche Verteidigung 

diese Beweisanträge teilweise (Urk. 206; Prot. II S. 17). Aus der Begründung der 

Beweisanträge durch die Verteidigung ergibt sich, dass in erster Linie dargetan 

werden soll, dass eine Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB nicht als geschei-

tert angesehen werden könne (vgl. Urk. 206 S. 2 ff.). Wie unter V.3.7 noch zu zei-

gen sein wird, erachtet das Gericht eine Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB 

(Suchtbehandlung) noch nicht als gescheitert, weshalb gegenüber dem Beschul-

digten eine solche angeordnet wird. Die Beweisanträge erweisen sich damit als 

obsolet. 

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4. Wechsel amtliche Verteidigung 

4.1. Mit Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Büro für 

amtliche Mandate, vom 10. Oktober 2016 wurde die mündliche Bestellung von 

Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ vom 9. Oktober 2016 gestützt auf Art. 132 Abs. 1 

lit. a StPO i.V.m. Art. 130 lit. b StPO genehmigt (D1 Urk. 24/3). Fortan fungierte 

dieser als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten. 

4.2. Mit Eingabe des Beschuldigten persönlich vom 20. Januar 2019 machte 

dieser geltend, Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ habe "seine Pflicht nicht richtig er-

füllt" und er könne diesem nicht mehr vertrauen. Er beantrage einen Wechsel der 

amtlichen Verteidigung (Urk. 176). Mit Präsidialverfügung vom 25. Januar 2019 

wurde Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ Frist angesetzt, um obligatorisch zur Ein-

gabe des Beschuldigten vom 20. Januar 2019 Stellung zu nehmen (Urk. 178). Mit 

Eingabe vom 28. Januar 2019 erklärte Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, im Inte-

resse einer auch vom Beschuldigten als vertrauenswürdig empfundenen Verteidi-

gung befürworte er eine Auswechslung der amtlichen Verteidigung und ersuchte 

das Gericht, ihn von seinem Mandat als amtlich bestellter Verteidiger zu entbin-

den (Urk. 182).  

4.3. Mit Verfügung vom 30. Januar 2019 wurde Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ 

als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten entlassen. Als amtlicher Verteidiger 

des Beschuldigten wurde per 30. Januar 2019 neu Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

bestellt (Urk. 185). 

5. Formelles 

5.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-

wähnung findet. 

5.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und  

jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 

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E. 1.3.1 mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. 

II. Sachverhalt 

1. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und wesentliche Beweismittel 

Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhaltserstel-

lung, den Beweiswürdigungsregeln (dabei insbesondere zur Aussagewürdigung) 

sowie den verfügbaren Beweismitteln ausführt, ist nicht zu beanstanden (Urk. 135 

S. 11 ff.). Zur Vermeidung von Wiederholungen kann darauf verwiesen werden. 

1. Tatvorwurf und unbestrittener Sachverhalt 

1.1. Qualifizierter Raub 

1.1.1. Soweit im vorliegenden Berufungsverfahren noch relevant, wird dem Be-

schuldigten vorgeworfen, er habe sich (in Mittäterschaft mit C._____) eines quali-

fizierten Raubes schuldig gemacht, indem er Folgendes getan habe: Der Be-

schuldigte habe sich am Samstag, tt. Oktober 2016, am späteren Nachmittag / 

frühen Abend zusammen mit C._____ in der damaligen Wohnung des Beschul-

digten an der G._____-Strasse …, … Zürich, aufgehalten, wo die eigentlich ob-

dachlose C._____ seit kurzem habe wohnen dürfen. Als C._____ dem Beschul-

digten erklärt habe, dass sie wenige Tage zuvor eine Goldkette gefunden und 

mithilfe von †B._____ verkauft habe, wofür sie †B._____ Fr. 500.– geschenkt ha-

be, sei eine Diskussion entstanden, wonach sie beide Fr. 500.– zu viel fänden, die 

C._____ an †B._____ für dessen für den Verkauf nötige Unterschrift geschenkt 

habe. Sie habe dabei gewusst, dass sie keinen Rechtsanspruch auf die Fr. 500.– 

gehabt habe, da dieses Geld nunmehr †B._____ gehöre. C._____, die dem Be-

schuldigten für die Unterkunft bei ihm kein Geld bezahlt habe, sei anlässlich der 

Diskussion zur Einsicht gekommen, dass sie die Fr. 500.– oder mindestens einen 

Teil davon von †B._____ zurückwolle. C._____ habe gewusst, dass sie selber 

aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit keine Chance gehabt hätte, das an 

†B._____ geschenkte Geld von diesem zurückzubekommen. Sie habe daher den 

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Beschuldigten gebeten, ihr dabei zu helfen. Sie habe den  Beschuldigten gebeten, 

mit ihr zu kommen, um †B._____ zu suchen und diesen zu zwingen, ihr das Geld 

zurückzugeben. Der Beschuldigte habe sich angesichts seiner miserablen finan-

ziellen Verhältnisse dazu bereit erklärt. Am tt. Oktober 2016, ca. 19:45 Uhr, habe 

C._____ an der H._____-Strasse / Verzweigung I._____-Strasse †B._____ ent-

deckt, welcher vor dem Kleiderladen "J._____" bei zwei Personen gestanden sei. 

C._____ habe den Beschuldigten darauf hingewiesen, dass sie †B._____ dort 

gesehen habe. Der Beschuldigte und C._____ seien an der H._____-Strasse über 

den Fussgängerstreifen K._____-Strasse zu †B._____ hingelaufen. Der Beschul-

digte habe dabei mit seiner rechten Hand ein Messer (Klappmesser, silbern, mit 

schwarzem Gummieinsatz im Griffstück, Gesamtlänge aufgespannt ca. 18.5 cm, 

Klingenlänge ca. 7.5 cm) aus seiner Jackentasche genommen. Der Beschuldigte, 

welcher †B._____ nicht gekannt habe, habe mit der linken Hand den bei 

†B._____ stehenden L._____ am linken Oberarm gepackt, weil der Beschuldigte 

gemeint habe, es handle sich um †B._____. C._____ habe den Beschuldigten 

dann hingewiesen, dass dies die falsche Person sei. Sie habe den Beschuldigten 

am linken Oberarm gepackt und zu †B._____ hingezogen. Sie hätten †B._____ 

zur Rede gestellt. Der Beschuldigte habe von †B._____ die Herausgabe der Fr. 

500.– gefordert. Der Beschuldigte habe †B._____ am linken Oberarm gepackt 

und ihn von L._____ und einer weiteren dort stehenden unbekannten Person 

weggezogen. Der Beschuldigte habe †B._____ dessen Tasche weggenommen 

und diese auf den Boden geworfen. Als †B._____ darauf zurückgewichen sei, ha-

be der Beschuldigte †B._____ mit seiner linken Hand am rechten Oberarm ge-

packt, wobei der Beschuldigte in der rechten Hand das geöffnete, genannte Mes-

ser auf Bauchhöhe von †B._____ gehalten habe. Der Beschuldigte habe 

†B._____ weiter am rechten Oberarm festgehalten und habe sich mit dem Messer 

weiter angenähert. Der Beschuldigte habe das Messer dabei so an den Bauch 

von †B._____ gehalten, dass dieser das Messer gespürt habe. Als †B._____ das 

Messer gesehen und am Bauch gespürt habe, habe er aus seiner rechten Ge-

sässtasche sein Portemonnaie hervorgenommen. Der Beschuldigte habe 

†B._____ hierfür losgelassen. †B._____ habe den Beschuldigten gezeigt, dass er 

nur Fr. 30.– im Portemonnaie habe (10er-Note und 20er-Note). Der Beschuldigte 

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habe beide Noten ergriffen und sie an sich genommen. Unmittelbar darauf habe 

der Beschuldigte †B._____ mit seiner linken Hand einen Faustschlag ins Gesicht 

verpasst. †B._____ habe sich angesichts der Gewaltanwendung des Beschuldig-

ten und dessen vorgehaltenen Messers nicht getraut, sich gegen die Wegnahme 

des Geldes zu wehren. Der Beschuldigte und C._____ seien aber nicht zufrieden 

gewesen, sie hätten mehr Geld gewollt, nicht nur Fr. 30.–. Der Beschuldigte habe 

das Messer von der rechten in die linke Hand gewechselt und habe sich 

†B._____ wieder angenähert. Als †B._____ sich vom Beschuldigten abgedreht 

habe und in Richtung Eingang des Kleiderladens "J._____" weggelaufen sei, ha-

be der Beschuldigte willentlich von hinten das Messer in der linken Hand haltend 

von oben herab eine heftige, schnelle Stichbewegung gegen den oberen Rücken-

bereich von †B._____ ausgeführt, wobei der Messerstich allerdings zufälliger-

weise auf dem Schulterblatt von †B._____ aufgetroffen sei, so dass †B._____ 

nicht lebensgefährlich und bleibend geschädigt oder entstellt verletzt worden sei. 

Die willentliche Stichausführung des Beschuldigten habe zu folgender Verletzung 

geführt: Über dem linken Schulterblatt etwa mittig zwischen Brustwirbelsäule und 

linkem Achseloberrand eine ca. 0.8 cm lange und ca. 0.5 cm klaffende, annä-

hernd quer zur Körperachse orientierte, vollständig adaptierbare, unregelmässig 

berandete Durchtrennung von Haut und Unterhautfettgewebe. 

1.2. Der Beschuldigte zeigte sich bezüglich dem ihm gemachten Vorwurf auch 

heute grundsätzlich geständig (Urk. 205 S. 20 ff.). Indessen machte er geltend, 

der Betrag von Fr. 500.–, welcher C._____ †B._____ gegeben habe, sei massiv 

übersetzt gewesen. Er sei der Meinung gewesen, dass †B._____ Fr. 50.– oder Fr. 

100.– behalten könne. In zivilrechtlicher Hinsicht sei das Verhalten des Beschul-

digten (und C._____), welche Geld zurückgefordert hätten, als Übervorteilung im 

Sinne von Art. 21 OR zu qualifizieren. Der Beschuldigte und C._____ seien über-

einstimmend zur Einsicht gelangt, dass Fr. 500.– für den von †B._____ erwiese-

nen Gefallen übersetzt sei. Ob nun der Betrag von Fr. 500.– "durch Ausbeutung 

einer Notlage", wie das der Beschuldigte in einer Befragung geltend gemacht ha-

be (C._____ lebe auf der Strasse und könne das Geld gut gebrauchen. Sie sei 

mittellos und schwanger; vgl. D1 Urk. 6/4 S. 4), oder aus "Unerfahrenheit oder 

aus Leichtsinn" von C._____ (C._____ habe ausgeführt, sie hätte vor Freude über 

- 14 - 

den Wert der Goldkette in die Luft springen können; vgl. D1 Urk. 7/4 S. 6) die 

Hand gewechselt habe, die rechtlichen Voraussetzungen für das Vorliegen einer 

Übervorteilung gemäss Art. 21 OR seien gegeben gewesen. Der zu viel über-

gebene Betrag sei innert gesetzlicher Frist am 8. Oktober 2016 zurückgefordert 

worden. Der Beschuldigte habe †B._____ nicht Geld abgenommen, das mit 

Übergabe der Fr. 500.– durch C._____ an †B._____ letzterem "gehört" habe. Kor-

rekt sei, dass der Beschuldigte von †B._____ für C._____ Geld zurückgefordert 

habe, das †B._____ von C._____ in Ausnützung der Situation (Notlage, ev. Uner-

fahrenheit oder Leichtsinn von C._____) erhalten habe. Der Beschuldigte habe 

das Geld berechtigterweise zurückfordern dürfen, eine Übervorteilung von 

C._____ sei offensichtlich. Die Rückforderung dürfe nicht als Diebstahl qualifiziert 

werden, da C._____ einen rechtlich ausgewiesenen Rückforderungsanspruch ge-

habt habe (Urk. 88 S. 6; Urk. 207 S. 3). 

2. Vorinstanzliches Urteil 

Die Vorinstanz erwog bezüglich des Einwandes der Verteidigung, dass C._____ 

einen rechtlich ausgewiesenen Rückforderungsanspruch bezüglich der †B._____ 

übergebenen Fr. 500.– gehabt habe, dass C._____ zuletzt mehrmals erklärt ha-

be, dass sie †B._____ die Fr. 500.– geschenkt habe. Sie habe auch ausgeführt, 

dass sie nie behauptet habe, dass sie das Geld irgendwann von ihm habe zu-

rückhaben wollen. Diese Aussagen würden mit den insgesamt nachvollziehbaren 

Aussagen von †B._____ übereinstimmen, welcher ausgeführt habe, dass 

C._____ ihm für die Unterschrift beim Verkauf der Goldkette die Fr. 500.– gege-

ben und nie gesagt habe, dass er ihr das Geld wieder zurückgeben müsse. Es sei 

somit rechtsgenügend erstellt, dass C._____ gewusst habe, dass sie keinen 

Rechtsanspruch auf die Fr. 500.– gehabt habe (Urk. 135 S. 14 f.). 

3. Würdigung 

3.1. Der Beschuldigte gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 

9. Oktober 2016 zu Protokoll, C._____ habe ihm gesagt, dass ihr jemand 

Fr. 500.– abgenommen habe (D1 Urk. 6/1 S. 1 F/A 3). Nur wenig später in der-

selben Einvernahme relativierte er, dass C._____ ihm erzählt habe, dass 

- 15 - 

†B._____ etwas habe unterschreiben müssen und dafür Fr. 500.– verlangt habe 

(D1 Urk. 6/1 S. 3 F/A 20). In der Hafteinvernahme sagte der Beschuldigte aus, 

C._____ habe eine Unterschrift gebraucht. Sie habe †B._____ gefragt, welcher 

Fr. 500.– von ihr verlangt habe (D1 Urk. 6/2 S. 3 f. F/A 11). C._____ habe ihm das 

Geld zwangsweise gegeben (D1 Urk. 6/2 S. 4 F/A 13). Auf Vorhalt, dass C._____ 

†B._____ das Geld als Gegenleistung gegeben habe, gab der Beschuldigte zu 

Protokoll, C._____ habe auch Angst vor †B._____ gehabt und das Geld gegeben 

(D1 Urk. 6/2 S. 4 F/A 14). Bei der Polizei am 14. November 2016 sagte der Be-

schuldigte aus, C._____ habe für den Verkauf der Goldkette jemanden mit einem 

Ausweis gebraucht. Sie habe gesagt, sie habe dann jemanden gefunden, der für 

Fr. 500.– eine Unterschrift gebe und den Ausweis zeige. Er habe das Gefühl ge-

habt, dass C._____ auch Angst vor diesem Typ (gemeint †B._____) gehabt habe, 

dieser sei fast zwei Meter gross. Das Geld habe sie sowieso gebraucht, da sie auf 

der Strasse lebe (D1 Urk. 6/3 S. 2 F/A 12). Bei der Konfrontationseinvernahme 

vom 8. Dezember 2016 gab der Beschuldigte zu Protokoll, C._____ habe ihm er-

zählt, dass †B._____ für eine Unterschrift Fr. 500.– verlangt hätte. Auf den Vor-

halt, dass C._____ †B._____ das Geld geschenkt habe, sagte er, er sei sich nicht 

so sicher (gemeint: ob C._____ †B._____ das Geld geschenkt habe). Er nehme 

an, es sei das Geld von C._____ gewesen. Auf Vorhalt, dass C._____ †B._____ 

das Geld als Gegenleistung gegeben habe, sagte der Beschuldigte, C._____ ha-

be dennoch einen Anspruch auf das Geld, da sie mittellos, schwanger und auf der 

Strasse sei (D1 Urk. 6/4 S. 3 f.). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung 

gab der Beschuldigte zu Protokoll, C._____ habe ihm gesagt, sie habe †B._____ 

das Geld gegeben, um damit zu arbeiten und damit er dem Beschuldigten einen 

Teil zurückgeben könne. Sie habe nichts von schenken gesagt (Urk. 205 S. 8 und 

20 f.). 

3.2. †B._____ gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. 

Dezember 2016 als Privatkläger zusammengefasst zu Protokoll, C._____ habe 

ihm gesagt, sie habe eine Goldkette in einem Gebüsch gefunden. Um diese ver-

kaufen zu können, brauche sie seine Unterschrift, da sie keinen Ausweis habe. Er 

habe schon damit gerechnet, dass er etwas dafür bekomme. Fest abgemacht hät-

ten sie jedoch nichts. Er habe dann schliesslich Fr. 500.– von C._____ bekom-

- 16 - 

men (D1 Urk. 8/2 S. 4 f. F/A 14 ff.). C._____ habe ihm nicht gesagt, dass er ihr 

das Geld wieder zurückgeben müsse (D1 Urk. 8/2 S. 6 F/A 23). 

3.3. C._____ führte bei der Polizei am 9. Oktober 2016 aus, †B._____ habe im 

Rahmen des Verkaufs der Goldkette Fr. 500.– bekommen, obwohl abgemacht 

gewesen sei, dass er weniger bekomme. Sie habe ihm leihweise mehr Geld ge-

geben, da dieser ein Drogengeschäft habe abwickeln wollen. Sie habe dies dann 

dem Beschuldigten erzählt, welcher sauer geworden sei, weil sie dem Beschuldig-

ten noch die Miete geschuldet habe und das Geld †B._____ gegeben habe. Sie 

hätten dann beschlossen, das Geld zurückzuholen (D1 Urk. 7/1 S. 1 f. F/A 6 f.). 

Anlässlich der Hafteinvernahme vom 10. Oktober 2016 gab C._____ zu Protokoll, 

sie hätte mit †B._____ ausgemacht, dass sie das Geld von diesem nach zwei Ta-

gen erhalten würde. Sie habe ihm das Geld für seine angeblichen Geschäfte ge-

liehen. Weil sie schon ein paar Mal beim Beschuldigten übernachtet habe, sei 

dieser sauer geworden, dass sie das Geld †B._____ und nicht ihm gegeben habe 

(D1 Urk. 7/2 S. 2 f. F/A 5). Bei der Polizei am 3. November 2016 sagte C._____ 

aus, sie habe †B._____ Fr. 500.– aus dem Verkauf der Goldkette gegeben (D1 

Urk. 7/3 S. 2 F/A 13). Sie habe dem Beschuldigten erzählt, dass sie und 

†B._____ das Geld aus dem Verkauf der Goldkette geteilt hätten. Dieser sei sau-

er gewesen an diesem Tag. Er habe sich beim Klauen erwischen lassen (D1 Urk. 

7/3 S. 3 F/A 16). Sie habe mit †B._____ nichts ausgemacht. Sie habe †B._____ 

die Fr. 500.– geschenkt. Sie hätten sich über den Fund riesig gefreut und das fair 

untereinander geteilt. Sie habe ihm das Geld in bar gegeben, gleich nachdem sie 

das Geld bekommen habe. †B._____ habe ja immerhin unterschrieben (D1 

Urk. 7/2 S. 3 F/A 17 f.). Später gab sie dann abweichend zu Protokoll, sie habe 

†B._____ das Geld ausgeliehen, bevor sie nur eine Frage später erneut aussag-

te, sie habe ihm das Geld geschenkt und sie habe das auch gerne getan (D1 Urk. 

7/2 S. 3 F/A 24 f.). Bei der Konfrontationseinvernahme vom 8. Dezember 2016 

sagte sie aus, sie hätten nichts ausgemacht. Sie sei zunächst alleine in den La-

den und habe die Goldkette schätzen lassen. Sie sei dann den vor dem Laden 

sitzenden †B._____ holen gegangen und habe ihn gebeten, eine Unterschrift zu 

leisten. Weil sie ein fairer Mensch sei und sie sich gedacht habe, dass sie es oh-

ne die Hilfe von †B._____ nicht geschafft und das Geld nicht bekommen hätte, 

- 17 - 

habe sie das Geld aufgeteilt und ihm die Hälfte, also Fr. 500.–, gegeben. Es treffe 

zu, dass sie †B._____ die Fr. 500.– freiwillig geschenkt habe. Sie (C._____ und 

der Beschuldigte) seien dann losgezogen, um mindestens ein Teil des Geldes zu-

rückzubekommen. Ihr sei bewusst geworden, dass es viel Geld gewesen sei, wel-

ches †B._____ für eine Unterschrift verlangt habe. Gerade im darauffolgenden 

Satz korrigierte sie, †B._____ habe das Geld nicht von ihr verlangt, sondern für 

die Unterschrift von ihr bekommen (D1 Urk. 7/4 S. 6 f.). Sie räumte sodann auf 

entsprechende Frage ein, dass sie keinen Rechtsanspruch auf das Geld gehabt 

hätte. Sie habe nicht gewusst, ob †B._____ vielleicht etwas davon zurückgeben 

würde. Sie habe an diesem Abend kein Geld mehr gehabt (D1 Urk. 7/4 S. 8 f.). An 

der Konfrontationseinvernahme vom 27. Januar 2017 erklärte sie erneut, sie habe 

†B._____ das Geld geschenkt (D1 Urk. 7/6 S. 3). Leicht abweichend davon er-

klärte C._____, sie hätten das Geld geteilt, weil †B._____ ihr geholfen habe. Als 

sie kein Geld mehr gehabt habe, sei sie zu †B._____ und habe ihn gefragt, ob er 

noch etwas Geld habe (D1 Urk. 7/6 S. 4). 

3.4. Die Angaben von C._____ erweisen sich als inkohärent. Einmal behauptet 

sie, sie habe †B._____ einen Teil des Geldes als Gegenleistung gegeben und 

ihm weiteres Geld geliehen. Ein andermal behauptet sie, sie habe ihm das Geld 

geschenkt. Zuletzt und auf explizite Nachfrage, was den nun stimme, sagte sie, 

sie habe †B._____ das Geld geschenkt. †B._____ hingegen führte konstant aus, 

er habe das Geld als Gegenleistung für seine Hilfe beim Verkauf der Goldkette 

erhalten. Zwar decken sich die Aussagen der beiden in den Verkauf involvierten 

Personen nicht vollständig. Im Gesamtkontext plausibel ist jedoch das Folgende: 

C._____ brauchte für den Verkauf der Goldkette jemanden, der einen Ausweis 

vorweisen und eine Unterschrift leisten konnte. Hierfür fragte sie †B._____, mit 

dem sie zu jenem Zeitpunkt an der H._____-Strasse unterwegs war. Ob es nun 

Euphorie oder die von ihr geltend gemachte Fairness war, jedenfalls übergab sie 

†B._____ freiwillig Fr. 500.– für seine Hilfe beim Verkauf der Goldkette. Dass 

C._____ hierzu durch †B._____ gezwungen worden wäre oder †B._____ sie in ir-

gendeiner Weise manipuliert und eine Schwäche bei C._____ ausgenutzt hätte, 

wird von dieser in den diversen Einvernahmen nie geltend gemacht. Zwar nannte 

sie – wie soeben erwähnt – verschiedene Gründe, weshalb sie †B._____ das 

- 18 - 

Geld übergab. Den Aussagen gemeinsam ist dabei jedoch, dass sie dies  immer 

freiwillig und ohne grosse Veranlassung von †B._____ getan hat. 

Der Beschuldigte selber sagte zwar ebenfalls nicht kohärent aus. Allerdings lässt 

sich seinen Aussagen entnehmen, dass ihm C._____ erzählt habe, dass diese 

†B._____ für das Leisten der Unterschrift Fr. 500.– gegeben habe. Diesen Betrag 

fand der Beschuldigte zu hoch. Dass er sich dabei aber komplexe Überlegungen 

zu einer zivilrechtlichen Übervorteilung nach Art. 21 OR gemacht hätte, ist lebens-

fremd. Vielmehr wollte der Beschuldigte – unabhängig von rechtlichen Überle-

gungen – das Geld bei †B._____ erhältlich machen. Dies zeigt sich auch ein-

drücklich an seiner Antwort nach dem Vorhalt der Staatsanwaltschaft, wonach 

C._____ †B._____ das Geld als Gegenleistung gegeben habe. Darauf sagte er, 

C._____ habe dennoch einen Anspruch auf das Geld, da sie mittellos und 

schwanger sei und auf der Strasse lebe. Daraus erhellt, dass es für den Beschul-

digten gar keine Rolle spielte, ob das Geschäft zwischen C._____ und †B._____ 

gültig war. Entscheidend war für ihn nur der Umstand, dass C._____ seiner An-

sicht nach das Geld nötiger hatte als †B._____, ob †B._____ das Geld nun  zu-

stand oder nicht.  

Der Vollständigkeit halber ist – im Sinne der Ausführungen der Staatsanwaltschaft 

vor Vorinstanz – festzuhalten, dass es im Übrigen auch an den Voraussetzungen 

von Art. 21 OR mangelt. Die Behauptung des Beschuldigten, wonach C._____ 

sich vor †B._____ gefürchtet und ihm deshalb das Geld gegeben habe, wird 

durch die Angaben von C._____ gerade nicht gestützt. Diese erklärte, sie hätte 

sich vor dem Vorfall mehrmals mit †B._____ zum Essen getroffen und sei mit ihm 

am Tage des Verkaufs der Goldkette an der H._____-Strasse unterwegs gewe-

sen und hätte mit ihm zusammen Bier getrunken. Dass sie Angst gehabt und ihm 

deswegen das Geld gegeben hätte, sagte sie – wie oben erwähnt – nie. Dass sich 

C._____ damals in einer Notlage befunden hätte, ist ebenfalls nicht ersichtlich. 

†B._____ war ihr zwar offensichtlich beim Verkauf behilflich. Ohne ihn hätte sie 

die Goldkette damals nicht verkaufen können. Allerdings war sie nicht auf den so-

fortigen Verkauf der Goldkette angewiesen, sondern hätte beispielsweise auch 

den Beschuldigten fragen können (vgl. D1 Urk. 6/2 S. 3 f. F/A 11). Sodann ist 

- 19 - 

auch die "Variante Leichtsinn" zu verneinen. Zwar erscheint es schon reichlich 

freigiebig von C._____, wenn sie †B._____ die Hälfte des von ihr erhältlich ge-

machten Verkaufserlöses als Gegenleistung übergibt respektive schenkt. Doch 

erscheint dies vor dem Hintergrund ihrer Angaben, dass sie die Goldkette gefun-

den habe, sie ein "fairer" Mensch sei und †B._____ für seine Hilfe habe danken 

wollen, nachvollziehbar. Ihre eigene Leistung bestand im Auffinden der Goldkette. 

Die Leistung von †B._____, welche sie offenbar als ebenso wichtig empfand, be-

stand im Ermöglichen des Verkaufes. Eine hälftige Teilung erschien C._____ ge-

recht. Abschliessend ist zu erwähnen, dass – selbst wenn man vom Vorliegen der 

objektiven Voraussetzungen einer Übervorteilung im Sinne von Art. 21 OR aus-

gehen wollte – nicht erkennbar ist, dass †B._____ ausbeuterisch gehandelt hätte, 

also eine Entscheidungsschwäche der Gegenpartei in Kenntnis des offenbaren 

Missverhältnisses der Leistungen missbraucht hätte (BGE 123 III 292). Weder die 

Aussagen von C._____ noch von †B._____ bieten  hierfür Anhaltspunkte. 

Schliesslich ist das Folgende festzuhalten: Selbst wenn die Voraussetzungen von 

Art. 21 OR vorliegend gegeben gewesen wären, gereicht dies dem Beschuldigten 

nicht zum Vorteil. Auch wenn C._____ einen zivilrechtlichen Anspruch gegenüber 

†B._____ gehabt hätte, so berechtigt dies nicht, den Anspruch mit einem vorge-

haltenen Messer an der H._____-Strasse in Form von Selbstjustiz durchzusetzen. 

Das Vorbringen der Verteidigung ist damit zu verwerfen. 

4. Versuchte schwere Körperverletzung 

4.1. Tatvorwurf 

Gemäss Anklageschrift habe †B._____ keine schwere (eventuell gar tödliche), le-

bensgefährliche oder schädigende Verletzung erlitten, da der Messerstich des 

Beschuldigten nicht den Hals-/Nackenbereich und dabei die Halsschlagader oder 

die Schlüsselbeinarterie von †B._____ getroffen habe, sondern das Messer un-

weit darunter zufälliger- und glücklicherweise auf dem Schulterblatt von †B._____ 

aufgeprallt und dadurch nicht tiefer in den Körper eingedrungen sei. Bei dem im 

Rahmen eines dynamischen Tatgeschehens willentlich ausgeführten, beschrie-

benen Messerstich gegen den oberen Rückenbereich des sich abdrehenden und 

fliehenden †B._____ habe der Beschuldigte gewusst, dass er dadurch †B._____ 

- 20 - 

schwerwiegend, bleibend geschädigt oder lebensgefährlich (evtl. sogar tödlich) 

hätte verletzen können, was der Beschuldigte durch sein Tun zumindest billigend 

in Kauf genommen habe. Deshalb habe der Beschuldigte auch gewusst, dass er 

durch sein geschildertes Tun †B._____ Verletzungen aller Art, wie sie †B._____ 

schliesslich erlitten habe, hätte zufügen können, was der Beschuldigte gewollt 

oder zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 37 S. 6 f.). 

4.2. Vorinstanzliches Urteil 

Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, der Beschuldigte habe konsequent be-

stritten, dass der von ihm ausgeführte Messerstich lediglich zufälligerweise auf 

dem Schulterblatt von †B._____ aufgetroffen und das Messer somit nur durch 

Glück nicht tiefer in den Körper von †B._____ eingedrungen sei. Der Beschuldigte 

habe ausgeführt, er habe langjährige Erfahrung im Kampfsport und habe bewusst 

nur einen "Semi-Kontakt" gemacht. Das heisse, er habe den Messerstich kontrol-

liert ausgeführt und dabei gewusst, dass er †B._____ nicht tief stechen würde. 

Diese Aussagen des Beschuldigten würden durch die Videoaufnahmen und das 

Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM gestützt. Die Videoaufnahmen 

würden zeigen, dass †B._____ zum Zeitpunkt des Messerstichs mit dem Rücken 

zum Beschuldigten gestanden sei und sich nur minim in Bewegung befunden ha-

be. Es habe somit keine dynamische Situation vorgelegen und der Beschuldigte 

habe durchaus genug Zeit zur Verfügung gehabt, um sich das Ziel des Messer-

stichs auszuwählen. Die Videoaufnahme zeige sodann eine kurze Stichbewe-

gung, bei welcher das Messer sofort wieder zurückgezogen worden sei. Zudem 

scheine der Beschuldigte trotz seines Alkohol- und Drogenkonsums nicht in sei-

ner Bewegungsfreiheit eingeschränkt gewesen zu sein. Beides spreche dafür, 

dass der Beschuldigte in der Lage gewesen sei, den Messerstich kontrolliert aus-

zuführen und bewusst nicht mit voller Wucht zugestossen zu haben bzw. 

†B._____ nicht tief habe stechen wollen. Diese Annahme werde auch durch das 

Gutachten des IRM gestützt, welche davon ausgehe, dass der Stichkanal spätes-

tens auf dem knöchernen Schulterblatt von †B._____ geendet habe. Nach dem 

Gesagten liesse sich nicht erstellen, dass der Messerstich zufälliger- und glückli-

cherweise auf dem Schulterblatt von †B._____ aufgeprallt sei und dadurch nicht 

- 21 - 

tiefer in den Körper eingedrungen sei. Vielmehr habe der Beschuldigte den Mess-

erstich bewusst und kontrolliert ausgeführt. Er habe †B._____ nicht tief stechen 

wollen und habe somit keinen Vorsatz gehabt, †B._____ schwerwiegend, blei-

bend zu schädigen oder lebensgefährlich zu verletzen (Urk. 135 S. 13 f.). 

4.3. Vorbringen der Staatsanwaltschaft 

4.3.1. Die Staatsanwaltschaft machte vor Vorinstanz geltend, der Beschuldigte 

habe in heimtückischer und äusserst skrupelloser Art willentlich von hinten auf 

den sich abdrehenden und fliehenden †B._____ eingestochen und diesen im obe-

ren Rückenbereich getroffen, wodurch der Beschuldigte †B._____ konkret an Leib 

und Leben gefährdet habe, was der Beschuldigte auch gewollt habe. Jedermann 

sei bekannt, dass ein Messerstich gegen den Rücken oder Hals einer Person ext-

rem gefährlich sei und lebensgefährliche oder gar tödliche Folgen für das Opfer 

haben könne. †B._____ habe aus purem Zufall und sehr grossem Glück keine 

schweren oder gar tödlichen Verletzungen erlitten, sondern in objektiver Hinsicht 

nur eine einfache Körperverletzung. Der Beschuldigte habe zumindest billigend in 

Kauf genommen, dass †B._____ schwerwiegend oder bleibend schädigend oder 

lebensgefährlich verletzt werde. Darüber hinaus sei festzuhalten, dass aber dieser 

eine sehr schnelle Stich extrem gefährlich gewesen sei, weil er eben geradesogut 

neben dem Schulterblattknochen oder oberhalb, z.B. im Hals-/Nackenbereich in 

den Körper hätte eindringen können. Wer mit einem Messer auf solche Weise zu-

steche, offenbare eine besondere Gefährlichkeit, dass man sein Tun nicht anders 

deuten könne, als dass er das Opfer an Leib und Leben massiv habe gefährden 

wollen (Urk. 84 S. 11 ff.). 

4.3.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Staatsanwaltschaft vor, 

vom Moment an, als †B._____ sich mit der linken Schulter zum Körper des Be-

schuldigten befunden habe über den Moment, als †B._____ sich ganz vom Be-

schuldigten abgedreht habe, um wegzulaufen, bis zum Messerstich, seien nur 1 

½ Sekunden vergangen. Man sehe, dass †B._____ sich noch leicht ducke, als er 

zurückgeblickt habe und man erkenne, dass der Beschuldigte mit der linken Hand 

auf ihn einwirken wolle. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz bei dieser 

Tatsituation davon sprechen könne, der Beschuldigte habe genügend Zeit gehabt, 

- 22 - 

sich das Ziel des Messerstiches auszusuchen, und dass er gewusst habe, dass 

der Messerstich genau auf dem Schulterblatt auftreffen würde. Der Beschuldigte 

habe keine Zeit gehabt etwas zu planen und zielgerichtet vorzugehen. Der Be-

schuldigte habe †B._____ mit dem Messer einfach treffen wollen. Der Beschuldig-

te sei in extremer Rage gewesen und er sei dabei noch von C._____ aufgehetzt 

worden. C._____ habe gerufen, der Beschuldigte solle †B._____ "fertig machen" 

und sie habe den Beschuldigten aufgefordert, †B._____ abzustechen. Dem Be-

schuldigten sei es im Tatzeitpunkt egal gewesen, wenn †B._____ durch den Mes-

sereinsatz lebensgefährlich oder schwer verletzt oder bleibend geschädigt werden 

würde. Es komme erschwerend dazu, dass der Beschuldigte als Rechtshänder 

mit der linken Hand zugestochen habe. Eine geradzu einseitige Betrachtungswei-

se der Vorinstanz ersehe man aus den Erwägungen, wonach der Beschuldigte 

trotz seines Alkohol- und Drogenkonsums nicht in seiner Bewegungsfreiheit ein-

geschränkt gewesen sei. Die Vorinstanz habe offensichtlich nicht berücksichtigt, 

dass sich gemäss Pharmakologisch-Toxikologischem Gutachten des IRM Zürich 

vom 30. November 2016 im Blut des Beschuldigten nebst mindestens 1.29-1.43 

Gewichtspromille quasi die gesamte Palette von Drogen und Medikamenten be-

funden habe, darunter Kokain, Heroin, Methadon, Cannabis und Benzodiazepinen 

wie Diazepam und Lorazepam sowie diverse weitere Medikamente. Der Beschul-

digte sei zur Tatzeit derart vollgepumpt mit Alkohol und vor allem Drogen und 

Medikamenten gewesen, dass er nicht sich selbst gewesen sei. Der Beschuldigte 

sei derart aggressiv gewesen, dass er gar nichts mehr unter Kontrolle gehabt ha-

be. Er habe als Rechtshänder in seinem aggressiven Drogen- und Alkoholrausch 

sicher nicht eine mit der linken Hand ausgeführte Stichbewegung sehr dosiert und 

äusserst zielgenau auf das Schulterblatt des sich abdrehenden und sich ducken-

den †B._____ ausführen können. Es sei nur dem puren Zufall und grossem Glück 

zu verdanken, dass der Messerstich im Schulterblatt auf dem Knochen  aufge-

prallt und nicht einige Zentimeter daneben durch die Muskulatur in den Körper 

oder wenige Zentimeter weiter oben im Hals- oder Schlüsselbeinbereich einge-

drungen sei und †B._____ schwer oder lebensgefährlich oder gar tödlich verletzt 

habe (Urk. 208 S. 2 ff.). 

 

- 23 - 

4.4. Vorbringen der Verteidigung 

4.4.1. Die damalige Verteidigung brachte vor Vorinstanz zusammengefasst vor, 

der Beschuldigte sei ausgebildeter Kampfsportler. Er habe den Messerstich als 

Semi-Kontakt ausgeführt, was sich klar aus der Videoaufnahme ergebe. Es habe 

sich um einen kontrollierten und gezielten Stich gehandelt. Aus den Aufzeich-

nungen und dem Wissen, dass der Beschuldigte als Kampfsportler ausgebildet 

sei, werde in exemplarischer und geradezu lehrbuchhafter Weise deutlich, dass 

der Beschuldigte Angriffs- und Verteidigungstechniken bis zur automatischen 

Ausführung trainiert habe. Er habe nicht die Absicht gehabt, †B._____ in gravie-

render Weise zu verletzen. Sodann würden sich in der Umgebung der  Einstich-

stelle keine lebensnotwendigen Organe befinden. Das IRM gehe überdies in sei-

ner Beurteilung von der Annahme eines dynamischen Geschehens aus. Es habe 

sich aber nicht um ein solches gehandelt (Urk. 88 S. 9 ff.). 

4.4.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung aus, der Be-

schuldigte habe eine Stichbewegung ausgeführt, welche er kurz nach Berührung 

der Haut kontrolliert abgebrochen habe. Die Spitze des Messers sei nur knapp 

durch die Haut eingedrungen. Dieser Pieks mit der Messerspitze – so die Vertei-

digung – habe eine Verletzung von wenig Millimetern hinterlassen. Die Medizin 

spreche von einer Bagatellverletzung. Der Beschuldigte habe den Semi-Kontakt 

bewusst und kontrolliert so ausgeführt, dass nur eine Bagatellverletzung resultie-

re. Er habe nicht tief stechen wollen und habe keinen Vorsatz gehabt, den Privat-

kläger bleibend zu schädigen (Urk. 207 S. 3). 

5. Würdigung 

5.1. Den Erwägungen der Vorinstanz ist zuzustimmen. Die nachfolgenden Aus-

führungen sollen dies nur noch verdeutlichen bzw. ergänzen:  

Zwar ist es mit der Staatsanwaltschaft so, dass durchaus von einem dynamischen 

Geschehen gesprochen werden kann. Die Darstellung der Szene durch die 

Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz ist aber etwas gar dramatisierend und ent-

spricht nicht den effektiven Gegebenheiten. Wie auf der Videoaufnahme zu er-

- 24 - 

kennen ist, verpasste der Beschuldigte nach der Übergabe des Geldes †B._____ 

zunächst mit seiner linken Faust einen Schlag in die Gesichtsregion. Der Be-

schuldigte übergab das Geld dann an C._____ und wechselte das Messer von 

der rechten in die linke Hand. †B._____ drehte sich ab und wollte sich entfernen. 

Danach boxte der Beschuldigte †B._____ mit der linken Faust – das Messer war 

nicht gegen den Körper von †B._____ gerichtet – an die Schulter. Als Reaktion 

hob †B._____ seinen linken Arm in die Höhe und entfernte sich weiter vom Be-

schuldigten. Unmittelbar danach stach der Beschuldigte, welcher †B._____ nach-

lief und sich damit ebenfalls in Bewegung befand, zu. Dabei bewegten sich aber 

sowohl der Beschuldigte als auch †B._____ im Moment des Stiches nicht beson-

ders schnell. Aus der Videoaufnahme erhellt weiter, dass der Beschuldigte in ei-

ner spontanen Reaktion und nur Sekundenbruchteile nach seinem Boxschlag mit 

der linken Faust die Hand abdrehte und †B._____ den Messerstich versetzte. 

Lange vorbereitet war dieser Stich also nicht. Dass die Stichbewegung in den Rü-

cken von †B._____ grundsätzlich sehr schnell durchgeführt worden ist, wurde 

denn auch durch die ehemalige Verteidigung nicht bestritten (Urk. 88 S. 11). 

Nichtsdestotrotz ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

genügend Zeit gehabt hatte, um sich das Ziel seines Stiches auszuwählen. Der 

Beschuldigte konnte zwar nicht präzise erkennen, wo respektive wie tief sein 

Stich in den Körper von †B._____ eindringen wird. Es handelte sich aber bei-

spielsweise nicht um ein Gerangel, während welchem der Beschuldigte wahllos 

auf †B._____ eingestochen hätte, respektive bei welchem der Beschuldigte mit 

einer unkontrollierten Verletzung von †B._____ hätte rechnen müssen. Aufgrund 

der zwar gegebenen, aber geringen Dynamik im Zeitpunkt des Stiches bestand 

keine Gefahr, dass der Beschuldigte †B._____ aus Versehen etwa in den Hals 

oder an den Kopf hätte treffen können. Der Rücken von †B._____ befand sich in 

kürzester Entfernung vor ihm, wodurch er in der Lage war, abzuschätzen, dass 

der Stich mit dem Messer diesen im linken Schulterbereich auf halber Höhe tref-

fen werde. Dass der Stich das Schulterblatt (und nicht Hals, Kopf oder Ähnliches) 

mithin nur zufällig getroffen hätte, kann damit nicht gesagt werden. 

Aufgrund des Gesagten muss auch das Gutachten des IRM stark relativiert wer-

den, wonach die Verletzungen von †B._____ nicht lebensgefährlich waren, sie es 

- 25 - 

aber durchaus hätten sein können. So heisst es im Gutachten (Urk. 13/1 S. 5): 

"Im Rahmen eines dynamischen Geschehens ist es für einen Angreifer dabei zu-

dem kaum abschätzbar, wo genau die eingesetzte Waffe auftreffen wird. Unter 

Annahme eines solchen dynamischen Geschehens sind im Hinblick auf die Ver-

letzungslokalisation im vorliegenden Fall beispielhaft zu nennen eine Eröffnung 

der Brusthöhle mit der Gefahr einer lebensbedrohlichen Spannungsluftbrust, eine 

Verletzung der nahe gelegenen Hals-/Nackenregion mit Eröffnung der Hals-

schlagadern mit Blutverlust, Venenläsionen mit der Gefahr einer Luftembolie und 

Blutverlust, sowie Verletzungen des Rückenmarkes mit der Möglichkeit eines sog. 

spinalen Schocks." Die Gutachterinnen haben indessen das Video nicht gesehen 

(Urk. 13/1 S. 1). Wie vorstehend erläutert, war die Situation nun aber nicht sehr 

dynamisch; jedenfalls nicht so, wie die Gutachterinnen diesen Begriff offensicht-

lich interpretieren. Damit bleiben die entsprechenden Ausführungen im Gutachten 

bloss theoretische Überlegungen, ohne genügenden Bezug zum konkreten Fall.  

Richtig ist es mit der Vorinstanz weiter, wenn diese ausführt, dass der Beschuldig-

te nach der kurzen Stichbewegung das Messer sofort wieder zurückgezogen hat. 

Ergänzend ist hierzu zu erwähnen, dass auch der Stich an sich nicht mit einer be-

sonderen Heftigkeit ausgeführt wurde. So holte der Beschuldigte nicht mit seinem 

ganzen Arm aus, sondern er führte die Stichbewegung vielmehr aus dem Unter-

arm aus. Weiter gilt es festzuhalten, dass der Beschuldigte, welcher Rechtshän-

der ist, den Stich mit seiner schwächeren linken Hand ausführte. Aus der Video-

aufzeichnung erhellt sodann, dass nicht von einem eigentlichen "Zustossen" mit 

dem Messer gesprochen werden kann. Es handelte sich vielmehr um ein leichtes 

Zustechen mit dem beim kleinen Finger aus der Faust ragenden Messer auf die 

Rückseite der Schulter von †B._____. Es war von der Intensität her jedenfalls 

kein richtiger Schlag, mit welchem eine grössere Wirkung hätte erzielt werden sol-

len; bereits der vorherige Faustschlag gegen die Gesichtsregion von †B._____ 

war wuchtiger, namentlich weil der Beschuldigte jenen Schlag auch mit seinem 

Körper etwas unterstützte. Überdies trug †B._____ eine dicke Jacke, was indiziert 

hätte, dass der Beschuldigte wuchtiger hätte zustechen müssen, um mit dem 

Messer tiefer in den Körper von †B._____ einzudringen. Dies ist aber nicht pas-

siert. Jedenfalls lässt die Bewegung des Beschuldigten nicht den Schluss zu, 

- 26 - 

dass der Beschuldigte in einer Art und Weise zugestochen hätte, die ihm als In-

kaufnahme einer lebensgefährlichen Verletzung des Privatklägers ausgelegt wer-

den müsste.  

Etwas anderes kann auch dem Gutachten des IRM nicht entnommen werden. 

Entgegen der Behauptung der Staatsanwaltschaft (vgl. Urk. 208 S. 2) ist es nicht 

gesichert, dass der Stich des Beschuldigten überhaupt bis zum Schulterblatt von 

†B._____ vorgedrungen und dann durch dieses aufgehalten worden ist. Die ge-

naue Wundtiefe wurde im Rahmen der rechtsmedizinischen Untersuchung nicht 

exploriert (D1 Urk. 13/1 S. 4). Somit lässt sich auch nicht erstellen, dass der Stich 

des Beschuldigten auf dem Schulterblatt aufgeprallt und nur durch dieses vor dem 

weiteren Eindringen aufgehalten worden wäre. 

An dem Gesagten ändert auch der beträchtliche Alkohol-, Drogen- und Tabletten-

konsum des Beschuldigten nichts. Vorab ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, 

dass der Beschuldigte nicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt erscheint. 

Aus der Videoaufnahme ergibt sich ohne Weiteres, dass der Beschuldigte weder 

einen unsicheren Gang aufwies noch sonst Anzeichen zeigte, dass er in seiner 

Bewegungsfähigkeit eingeschränkt war. Präzisierend ist aber festzuhalten, dass 

es für den vorliegenden Fall nicht alleine entscheidend sein kann, ob der Be-

schuldigte noch einen sicheren Gang oder Ähnliches aufgewiesen hat. Entschei-

dend ist, wie es um die Feinmotorik des Beschuldigten gestanden ist. Es gilt sich 

zu vergegenwärtigen, dass bei einem Messerstich in den Rücken je nachdem 

wenige Zentimeter darüber entscheiden können, ob mit dem Messer wichtige Or-

gane getroffen werden oder nicht. Weiter zu vergegenwärtigen gilt es sich den 

Zustand des Beschuldigten, welcher unter massivem Drogen-, Alkohol und Tab-

letteneinfluss stand (vgl. D1 Urk. 14/8) und sichtlich in Rage war. Der Beschuldig-

te selber machte auch wiederholt geltend, er sei "druff" gewesen (Prot. I S. 30), er 

sei ziemlich betrunken gewesen (D1 Urk. 6/1 S. 4 F/A 27 f.), sei blau und "drauf" 

gewesen (D1 Urk. 6/3 S. 1 F/A 4). Er habe Whisky und Biere getrunken. Er sei 

ziemlich besoffen gewesen, weil er keine harten Sachen mehr trinke (vgl. D1 

Urk. 6/3 S. 2 F/A 14). Schliesslich machte der Beschuldigte gar Filmrisse geltend 

aufgrund seines Konsums (D1 Urk. 6/4 S. 2; D1 Urk. 30/11 S. 3 F/A 9). Er könne 

- 27 - 

sich nicht erinnern. Er habe schon lange nicht mehr so viel getrunken. Zudem ha-

be er noch Benzodiazepine und Kokain genommen. Den starken Alkohol sei er 

sich nicht mehr gewöhnt (D1 Urk. 6/4 S. 13). Dass der Beschuldigte gemäss ei-

genen Angaben gar Filmrisse hatte, zeugt – neben den objektiv festgestellten 

Blutwerten (D1 Urk. 14/8) – von einer doch ausgeprägten physischen Beeinträch-

tigung des Beschuldigten. In diesem Zustand war der Beschuldigte zwar – wie  

bereits erwähnt – nicht mehr in der Lage, seinen Stich millimetergenau ins Ziel zu 

bringen. Seine koordinativen Fähigkeiten waren aber dennoch in einem Ausmass 

vorhanden, dass er den Messerstich – auch vor dem Hintergrund seiner Kampf-

sporterfahrung – aus kürzester Distanz zwischen ihm und †B._____ ungefähr in 

der Schulterblattregion ins Ziel bringen konnte, in welcher Region sich keine le-

benswichtigen Organe oder Blutgefässe befinden. 

5.2. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass mit der Vorinstanz nicht er-

stellt ist, dass der Messerstich zufälliger- und glücklicherweise auf dem Schulter-

blatt von †B._____ aufprallte und dadurch nicht tiefer in den Körper eindrang. 

Vielmehr hat der Beschuldigte den Messerstich bewusst und kontrolliert ausge-

führt. Der Beschuldigte wollte †B._____ nicht tief stechen und nahm auch nicht in 

Kauf, †B._____ schwerwiegend, bleibend geschädigt oder  lebensgefährlich zu 

verletzen. Vielmehr ging es dem Beschuldigten darum, †B._____ einen leichten 

Stich in die Schulterregion zu versetzen, um diesem – wie der Beschuldigte selber 

anlässlich der Berufungsverhandlung mehrfach ausführte (Urk. 205 S. 21 ff.) – ei-

nen Denkzettel zu verpassen respektive seinem Ansinnen (Bezahlung von 

C._____) mehr Nachdruck zu verleihen. Der vorinstanzliche Freispruch vom Vor-

wurf der versuchten schweren Körperverletzung ist deshalb zweitinstanzlich zu 

bestätigen. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Qualifizierter Raub 

1.1. Nach dem Grundtatbestand von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich 

strafbar, wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger 

Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand 

- 28 - 

unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht. Raub ist damit eine qualifizierte 

Form der Nötigung, um einen Diebstahl begehen zu können (BGE 133 IV 210). 

Die Nötigungshandlung muss sich gegen eine Person richten, die in Bezug auf 

die zu stehlende Sache eine Schutzposition einnimmt. Bei der vorliegend relevan-

ten Begehungsform der Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben 

kann die Androhung sowohl ausdrücklich oder konkludent, etwa durch Vorhalten 

einer Waffe erfolgen. Der Täter muss dabei die Drohung nicht verwirklichen wol-

len. Es genügt, wenn beim Opfer dieser Eindruck erweckt wird. Subjektiv ist Vor-

satz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (zum Ganzen: OFK StGB-

DONATSCH, Art. 140 N 1 ff.). Zusätzlich müssen selbstverständlich auch Aneig-

nungsabsicht sowie die Absicht unrechtmässiger Bereicherung bestehen, wobei 

auch hier jeweils Eventualabsicht genügt. 

Eine besondere Gefährlichkeit im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 StGB offenbart der 

Täter durch seine Tat dann, wenn die Tat nach ihrem Unrechts- und Schuldgehalt 

besonders schwer wiegt. Die Gefährlichkeit muss sich auf die Art und Weise der 

Tatbegehung und nicht auf den Tätercharakter oder dessen Vorleben beziehen 

(BSK StGB II-NIGGLI/RIEDO, Art. 140 N 77; OFK StGB-DONATSCH, Art. 140 N 16). 

Die besondere Gefährlichkeit kann beispielsweise in der professionellen Vorbe-

reitung der Tat und der ausgeprägt kühnen, verwegenen, heimtückischen, hinter-

listigen oder skrupellosen Art ihrer Begehung begründet sein (BGE 117 IV 135 

E. 1.a). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt es zur Erfüllung 

der besonderen Gefährlichkeit nach Art. 140 Ziff. 3 StGB, dass der Täter eine 

konkrete Gefahr für das Opfer schafft, auch wenn es dadurch keine Verletzungen 

davonträgt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung weiter zu berücksich-

tigen gilt es auch das Zusammenwirken mehrerer Täter sowie einen allfälligen 

Konsum von Alkohol oder Betäubungsmitteln und die sich daraus ergebende 

Möglichkeit unkontrollierter Handlungen (Urteile des Bundesgerichts 6S.250/2003 

vom 28. August 2003 E. 1.2 und 6B_658/2013 vom 22. Januar 2014 E. 2.3).  

1.2. Der objektive Tatbestand von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist mit der Vor-

instanz unproblematisch gegeben. Sodann handelte der Beschuldigte bei seiner 

Tat auch vorsätzlich. Der Beschuldigte brachte durch Vorhalten des Messers 

- 29 - 

†B._____ dazu, dem Beschuldigten das Portemonnaie zu zeigen, aus welchem 

dieser die Fr. 30.– entnahm. Zwar wollte der Beschuldigte das Geld nicht für sich 

behalten, sondern er übergab es unmittelbar an C._____. Dies schadet aber 

nicht. Die Aneignungsabsicht ist gegeben. Wie oben unter II.3.4 gesehen, nahm 

der Beschuldigte zumindest in Kauf, dass C._____ keinen Rechtsanspruch auf 

den Rückerhalt des von ihr an †B._____ übergegebenen Geldes hat. Der Be-

schuldigte handelte damit mindestens mit Eventualabsicht. 

1.3. Der alleinige Umstand, dass der Beschuldigte †B._____ das geöffnete 

Messer vor den Bauch gehalten hat, genügt zur Bejahung der besonderen Ge-

fährlichkeit nicht (vgl. BGE 117 IV 135 E. 1.b). Zu Gunsten des Beschuldigten ist 

sodann davon auszugehen, dass er das Messer immer mit sich führte, und nicht 

extra für die Begehung der Tat behändigte. Auch sonst sind keine planerischen 

Leistungen des Beschuldigten erkennbar, sondern man entschloss sich nach ge-

meinsamer Absprache, an der H._____-Strasse †B._____ suchen zu gehen. 

Auch eine Flucht nach der Tat war nicht besonders geplant. Hervorzuheben ist 

jedoch mit der Vorinstanz, dass der Beschuldigte das Messer bereits kurz nach 

dem Aussteigen aus dem Bus hervorgenommen und geöffnet hat und so an den 

Tatort gekommen ist. Dieses hielt er in der Folge †B._____ fortwährend vor den 

Bauch, wobei er diesen mit dem Messer auch berührte, so dass †B._____ das 

Messer spüren konnte. Dabei bestand auch durchaus die Gefahr einer ungewoll-

ten Verletzung von †B._____. Unzufrieden darüber, dass †B._____ nur Fr. 30.– 

bei sich hatte, und um seinem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, versuchte der 

Beschuldigte †B._____ in die Gesichtsregion zu schlagen. Als dieser sich um-

drehte und wegging, schlug der Beschuldigte †B._____ zuerst mit der Faust und 

stach diesen mit dem Messer unmittelbar danach in den Rücken. Der konkrete 

Einsatz des Messers fällt mit der Vorinstanz besonders und entscheidend ins 

Gewicht. Doch auch nach dem Stich liess der Beschuldigte nicht von †B._____ 

ab, sondern folgte diesem mit dem geöffneten Messer in der Hand mehrfach in 

den Kleiderladen und attackierte diesen wiederholt verbal. Nachdem der Beschul-

digte und C._____ die Tasche von †B._____, welche dieser vor dem Geschäft ge-

lassen hatte, durchsucht hatten, kickte der Beschuldigte diese mit Gewalt weg. 

Weiter ist zu erwähnen, dass die Tat auf offener Strasse an einer belebten Ecke 

- 30 - 

der H._____-Strasse passierte und sich zum Tatzeitpunkt diverse Personen in 

unmittelbarer Umgebung des Geschehens aufgehalten haben. Dies zeugt von ei-

nem kühnen und verwegenen Verhalten des Beschuldigten. Während des Vorfalls 

stand der Beschuldigte zudem unter der Wirkung von Drogen und Alkohol, und 

der Beschuldigte wurde durch C._____ immer wieder angestachelt, Gewalt ge-

genüber †B._____ auszuüben. Damit übersteigt das vorliegende Tatgeschehen 

die einem einfachen Raub inhärente Gefährlichkeit. 

1.4. Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich. 

Dementsprechend ist der vorinstanzliche Schuldspruch wegen eines qualifizierten 

Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 

Ziff. 3 StGB zweitinstanzlich zu bestätigen.  

1.5. Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte durch seinen Messer-

stich unzweifelhaft den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 erfüllt hat. Dieser wird jedoch mit der Vorinstanz (Urk. 135 S. 22) von 

Art. 140 StGB konsumiert. 

IV. Strafzumessung 

1. Ausgangslage 

1.1. Neben dem Schuldspruch wegen qualifizierten Raubes bilden auch die 

nicht angefochtenen und entsprechend in diesem Umfang in Rechtskraft erwach-

senen Schuldsprüche der Vorinstanz wegen mehrfachem Diebstahl, Drohung und 

mehrfachem Hausfriedensbruch gemäss Dispositivziffer 1 2.-4. Spiegelstrich des 

vorinstanzlichen Urteils Gegenstand der Strafzumessung. 

1.2. Die Vorinstanz hat unter Einbezug des Widerrufs der mit Urteil des Be-

zirksgerichts Zürich vom 31. Mai 2016 bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe von 

10 Monaten eine Gesamtstrafe von 59 Monaten Freiheitsstrafe ausgefällt. Die bis 

und mit Urteilszeitpunkt durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft respektive  

vorzeitigen Massnahmenantritt erstandenen 545 Tage wurden an die Freiheits-

strafe angerechnet. Die Verteidigung beantragt berufungsweise eine Bestrafung 

- 31 - 

mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten als Gesamtstrafe (Urk. 207 S. 1). Die 

Staatsanwaltschaft will die Freiheitsstrafe hingegen auf 88 Monate als Gesamt-

strafe erhöht sehen (Urk. 208 S. 1). 

2. Anwendbares Recht 

2.1. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des allgemeinen Teils 

des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) gemäss der Änderung 

vom 19. Juni 2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu 

beurteilenden Straftaten vor dem Inkrafttreten des geänderten Rechts verübt. 

Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach den geänderten Bestimmungen nur beurteilt, 

wer nach dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen ein Verbrechen oder 

ein Vergehen verübt hat. Nach Art. 2 Abs. 2 StGB ist indes das geänderte Recht 

auch auf Taten anwendbar, die vor dem Inkrafttreten verübt worden sind, wenn 

das geänderte Recht für den Täter milder ist. Ob das geänderte Recht das milde-

re Recht ist, hat das Gericht nach der konkreten Methode zu ermitteln (OFK 

StGB-DONATSCH, Art. 2 N 10). 

2.2. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, ist der Beschuldigte mit einer Frei-

heitsstrafe von mehr als einem Jahr zu belegen. In diesem Bereich (überjährige 

Freiheitsstrafen) hat sich im neuen Recht nichts geändert (vgl. Art. 34 und 

40 StGB). Allerdings kommt auch ein Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichts 

Zürich vom 31. Mai 2016 bedingt ausgesprochenen Vollzuges einer Freiheitsstra-

fe von 10 Monaten in Betracht. Gemäss dem bis zum 1. Januar 2018 geltenden 

Art. 46 Abs. 1 aStGB war bei einem Widerruf eine Gesamtstrafenbildung nur bei 

ungleichartigen Strafen möglich, wobei es sich überdies um eine "Kann-

Bestimmung" handelte, weshalb die Bildung einer Gesamtstrafe im Ermessen des 

Gerichts stand. Der heute in Kraft stehende Art. 46 Abs. 1 StGB sieht hingegen 

bei gleichartigen Strafen – unter Anwendung des Asperationsprinzips – zwingend 

die Bildung einer Gesamtstrafe vor. Mit der Vorinstanz (Urk. 135 S. 30) erweist 

sich damit das neue Recht als das mildere, weshalb neues Recht zur Anwendung 

gelangt. 

- 32 - 

3. Grundsätze der Strafzumessung 

Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung ausführlich und richtig 

dargelegt, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen auf diese Erwägungen 

verwiesen werden kann (Urk. 135 S. 24 ff.). Richtigerweise ist die Vorinstanz zu-

dem vom qualifizierten Raub als schwerstem Delikt ausgegangen. Vorliegend ist 

von einem Strafrahmen von einer Freiheitsstrafe von zwei bis zwanzig Jahren 

auszugehen. Aussergewöhnliche Umstände, welche es rechtfertigen würden, den 

ordentlichen Strafrahmen zu verlassen, sind nicht auszumachen. Der Strafschär-

fungsgrund der Deliktsmehrheit und Tatmehrheit ist innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens straferhöhend zu berücksichtigen. 

4. Konkrete Strafzumessung 

4.1. Einsatzstrafe für den qualifizierten Raub 

4.1.1. Die Vorinstanz hat zur Tatschwere zusammengefasst erwogen, dass der 

Beschuldigte und C._____ die Tat zwar nicht geplant, jedoch abgesprochen hät-

ten. Sie seien in der Hoffnung an die I._____-Strasse gefahren, †B._____ zu fin-

den und das Geld erhältlich zu machen. Ebenfalls straferhöhend sei zu berück-

sichtigen, dass der Beschuldigte – auch wenn C._____ die "Auslöserin" des Vor-

falls gewesen sei – die Tat aktiv ausgeführt habe. Nach dem Verhalten des Be-

schuldigten sei sodann auch zu bewerten, in welchem Ausmass der qualifizieren-

de Tatumstand gegeben sei. Der Beschuldigte habe das Messer nicht nur zur 

Einschüchterung von †B._____ benutzt, sondern habe diesem damit auch Verlet-

zungen zugefügt und danach auch nicht von diesem abgelassen. In Anbetracht 

der Verletzungen und des sehr geringen Deliktsbetrags von Fr. 30.– und auch des 

verlangten Betrags von Fr. 500.– sei festzuhalten, dass das Verhalten des Be-

schuldigten völlig unverhältnismässig gewesen sei. Verschuldensmindernd sei zu 

berücksichtigen, dass das Tatgeschehen im Zusammenhang mit einer Mischinto-

xikation des Beschuldigten gestanden und durch seine kombinierte Persönlich-

keitsstörung begünstigt worden sei. Er sei zum Tatzeitpunkt dadurch nur teilweise 

fähig gewesen, sein Handeln gemäss der Unrechtseinsicht auszurichten. Aus 

psychiatrischer Sicht habe beim Beschuldigten eine mittelgradig eingeschränkte 

- 33 - 

Schuldfähigkeit bestanden. Zu seinen Lasten falle hingegen ins Gewicht, dass er 

vorsätzlich und aus finanziellen Motiven gehandelt habe. Dass er auf Veranlas-

sung von C._____ vorgegangen sei, vermöge dies nur leicht zu relativieren. Ins-

gesamt sei das Tatverschulden als noch leicht zu qualifizieren, was zu einer hypo-

thetischen Einsatzstrafe von 43 Monaten führe (Urk. 135 S. 26 f.).  

4.1.2. Zur objektiven Tatschwere kann grundsätzlich auf die diesbezüglichen Er-

wägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Zu betonen ist, dass der angestreb-

te Deliktsbetrag mit Fr. 500.– und der effektive Deliktsbetrag von Fr. 30.– zwar nur 

marginal waren, was jedoch gleichzeitig sein Verhalten mit der Vorinstanz als völ-

lig unverhältnismässig erscheinen lässt. Und auch wenn C._____ die "Auslöserin" 

der Tat war, welche den Beschuldigten erst auf die Idee brachte, erfolgte die kon-

krete Tatausführung ganz überwiegend durch den Beschuldigten. Er war es, der 

die aktive Rolle übernahm und †B._____ durch die Bedrohung mit dem mitgeführ-

ten und gegen diesen gerichteten Messer zur Herausgabe des Geldes brachte. 

Kommt noch hinzu, dass er bereits mit geöffnetem Messer an den Tatort kam. 

C._____ blieb dabei eher im Hintergrund, stachelte den Beschuldigten aber im-

mer wieder an. Im Vergleich zu allen theoretisch denkbaren Fällen im Sinne von 

Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 3 StGB sind aber noch 

wesentlich schwerere Fälle denkbar und das Verhalten des Beschuldigten ist im 

untersten Bereich anzusiedeln. 

4.1.3. Bezüglich der subjektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass die 

Tat nicht von langer Hand geplant war, sondern der Entschluss zur Tat nur kurze 

Zeit vorher gefasst wurde. Allerdings schloss sich der Beschuldigte – ohne er-

kennbare innere Widerstände überwinden zu müssen – schnell dem Ansinnen an. 

Der Beschuldigte handelte bei seiner Tat vorsätzlich. Sodann waren seine Motive 

– entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 207 S. 4) – rein egoistisch, auch 

wenn er vorderhand das Geld für C._____ erhältlich machen wollte. Dass der Be-

schuldigte vermutlich indirekt auch für sich selber finanziell profitieren wollte, ist 

zwar nicht völlig von der Hand zu weisen, kann dem Beschuldigten jedoch letzt-

lich nicht nachgewiesen werden. Der Beschuldigte handelte sodann nicht aus ei-

ner Notlage heraus. Wenn er geltend macht, C._____ habe das Geld dringend 

- 34 - 

nötig gehabt, weil diese auf der Strasse lebe (D1 Urk. 6/3 S. 2 F/A 12), so ver-

fängt dies nicht. Denn wie der Beschuldigte selber aussagte, konnte C._____ gra-

tis bei ihm wohnen und erhielt von ihm Essen und Trinken (D1 Urk. 6/2 S. 4 

F/A 12; D1 Urk. 6/3 S. 2 F/A 9 f.). Merklich verschuldensmindernd hat sich die mit-

telgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit zur Tatzeit auszuwirken (D1 Urk. 18/13 

S. 66 und 72). 

4.1.4. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive Tatschwere, insbesondere 

aufgrund der mittelgradig eingeschränkten Schuldfähigkeit des Beschuldigten, 

spürbar zu relativieren. Wenn die Vorinstanz die hypothetische Einsatzstrafe auf-

grund der Tatkomponente auf 43 Monate festsetzt, so übermarcht sie damit leicht. 

Angemessen erscheint es, die hypothetische Einsatzstrafe auf 36 Monate festzu-

setzen. 

4.1.5. Zur Täterkomponente erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte sei griechi-

scher Staatsangehöriger, geboren in M._____ und in der Stadt Zürich aufgewach-

sen. Er sei zusammen mit seiner jüngeren Schwester bei seinen Eltern aufge-

wachsen. Er habe die Primarschule und anschliessend die Realschule besucht. 

Als Büroangestellter habe er bei der N._____ [Bank] die Lehre abgeschlossen. Im 

Jahr 2003 habe er die Schweiz verlassen und während 5 Jahren mit seiner dama-

ligen Freundin in Griechenland gelebt. Mit ihr habe er eine Tochter, welche im Ur-

teilszeitpunkt 10 (recte: 17) Jahre alt gewesen sei und mit ihrer Mutter in Grie-

chenland lebe. Der Beschuldigte habe damals als Oberkellner gearbeitet. An-

schliessend habe der Beschuldigte während vier Jahren zusammen mit einer an-

deren Freundin in Deutschland gelebt und sei im Jahre 2012 in die Schweiz zu-

rückgekehrt. Aus dem Vorleben und weiteren persönlichen Verhältnissen des Be-

schuldigten gehe nichts hervor, was bei der Strafzumessung straferhöhend oder -

mindernd zu berücksichtigen wäre bzw. nicht bereits schon bei der subjektiven 

Tatschwere aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit beachtet worden sei. Das 

Geständnis des Beschuldigten wertete die Vorinstanz leicht strafmindernd. 

Wenn die Vorinstanz die persönlichen Verhältnisse strafzumessungsneutral wer-

tet, so ist dies zu bestätigen. Nicht strafmindernd berücksichtigt werden kann je-

doch – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 207 S. 4) und der Vorinstanz 

- 35 - 

(Urk. 135 S. 28) – das Nachtatverhalten des Beschuldigten. Der Beschuldigte 

zeigte sich erst auf Vorhalt des Überwachungsvideos weitgehend geständig. Vor-

her bestritt er insbesondere den Einsatz des Messers konsequent. Von einer we-

sentlichen Erleichterung der Untersuchung kann deshalb nicht gesprochen wer-

den respektive räumte der Beschuldigte nichts ein, was ihm nicht schon aufgrund 

der Videoaufnahme nachgewiesen werden kann. Sodann ist beim Beschuldigten 

eine Einsicht ins Unrecht seiner Tat oder Reue nicht erkennbar, auch wenn der 

Beschuldigte anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung zu Protokoll gab, es 

sei ein Fehler gewesen und es tue ihm leid (Urk. 205 S. 26; Prot. II S. 20). Viel-

mehr versucht er seine Tat immer wieder zu rechtfertigen und zu bagatellisieren 

respektive sieht er sich dafür bereits genug bestraft (Urk. 205 S. 26). Es besteht 

keine Veranlassung, dem Beschuldigten unter diesem Aspekt eine Strafmin-

derung zuzugestehen. 

Stark straferhöhend haben sich die diversen Vorstrafen des Beschuldigten aus-

zuwirken. Der Beschuldigte wurde am 10. August 2012 mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat wegen Vergehen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz und der mehrfachen Übertretung nach Art. 19a BetmG zu einer be-

dingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 70.– und einer Busse von Fr. 400.– 

verurteilt. Diese Strafe wurde mit Strafbefehl vom 15. Juli 2013 der Staatsanwalt-

schaft Zürich-Sihl widerrufen und er wurde zudem wegen Vergehen gegen das 

BetmG zu einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt. 

Am 20. August 2013 sprach die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl den Beschuldigten 

erneut wegen Vergehen gegen das BetmG schuldig und bestrafte ihn mit ge-

meinnütziger Arbeit von 80 Stunden. Rund zwei Jahre später, am 17. August 

2015, verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wegen mehrfachen Dieb-

stahls, versuchtem Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung zu 

240 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Am 31. Mai 2016 erging ein Urteil des Be-

zirksgerichts Zürich wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfachen versuchten  

Diebstahls, mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfachen versuchten Haus-

friedensbruchs sowie mehrfacher Sachbeschädigung und Übertretung nach 

Art. 19a BetmG. Hierfür wurde der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 

10 Monaten und einer Busse von Fr. 400.– bestraft, wobei die Freiheitsstrafe be-

- 36 - 

dingt und mit einer Probezeit von fünf Jahren ausgesprochen wurde (Urk. 204). 

Richtigerweise hat die Vorinstanz die Verurteilung in Deutschland unberück-

sichtigt gelassen (vgl. D1 Urk. 30/5). Es gilt Art. 369 StGB zu beachten, welche 

Bestimmung auch auf ausländische Vorstrafen anzuwenden ist (Urteil des Bun-

desgerichts 1B_88/2015 vom 7. April 2015, E. 2.2.1). Dennoch demonstriert das 

umfassende Vorstrafenregister teilweise einschlägiger Verurteilungen, dass der 

Beschuldigte schon seit geraumer Zeit nichts aus seinen Strafen gelernt hat. 

Doch auch aus den Aussagen des Beschuldigten selber erhellt, dass er seinen 

Verurteilungen offenbar gleichgültig gegenüber steht. So mag er sich sogar nicht 

einmal mehr an alle seine Verurteilungen zu erinnern (D1 Urk. 30/11 S. 6 f. F/A 

22; Urk. 205 S. 12 ff.). Merklich straferhöhend hat sich auch der Umstand aus-

zuwirken, dass der Beschuldigte vorliegend innerhalb der gemäss Urteil des Be-

zirksgerichts Zürich vom 31. Mai 2016 noch laufenden Probezeit für eine bedingt 

aufgeschobene Freiheitsstrafe von 10 Monaten delinquierte. Erschwerend wirkt 

sich dabei insbesondere aus, dass der Beschuldigte bereits am 7. Juni 2016 und 

damit nur gerade eine Woche nach dem fraglichen Urteilsspruch erneut deliktisch 

aufgefallen ist. Die Geringschätzung respektive die Gleichgültigkeit des Beschul-

digten gegenüber den Behörden zeigte sich auch eindrücklich in der vorliegenden 

Untersuchung, so insbesondere in der Einvernahme vom 8. Oktober 2016. Er be-

leidigte den ihn einvernehmenden Polizisten dafür, dass dieser die Antworten des 

Beschuldigten korrekt protokollierte (D2 Urk. 3 S. 3 F/A 29 f.). 

Die hypothetische Einsatzstrafe für den qualifizierten Raub ist aufgrund der Täter-

komponente auf insgesamt 44 Monate zu erhöhen. 

4.2. Straferhöhung wegen der Drohung 

4.2.1. Die Vorinstanz asperierte die hypothetische Einsatzstrafe für die zusätzlich 

begangene Drohung um 2 Monate. Im Verhältnis zum qualifizierten Raub falle die 

vom Beschuldigten begangene Drohung nur leicht ins Gewicht. Der Beschuldigte 

habe †B._____ nicht persönlich gedroht, sondern während der Videoübertragung 

der Einvernahme von †B._____ in einem anderen Raum. Von den Aussagen des 

Beschuldigten habe †B._____ erst an der anschliessenden Konfrontationseinver-

nahme erfahren, allerdings habe sich die Drohung gegen die körperliche Unver-

- 37 - 

sehrtheit von †B._____ gerichtet, was wiederum leicht erhöhend in Betracht zu 

ziehen sei. In subjektiver Hinsicht sei zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

eventualvorsätzlich, spontan und unüberlegt gehandelt habe, was mindernd ins 

Gewicht falle. Ebenfalls sei dem Beschuldigten eine leichte Verminderung der 

Schuldfähigkeit zu attestieren, was auch mindernd zu berücksichtigen sei. Auf-

grund der Tatkomponenten ergebe sich ein leichtes Verschulden. Die Täterkom-

ponente und die weiteren Strafzumessungsgründe würdigte die Vorinstanz straf-

erhöhend (Urk. 135 S. 29). 

4.2.2. Es gilt festzuhalten, dass die Drohung des Beschuldigten relativ offen ge-

blieben ist. Der Beschuldigte, welcher sich anlässlich der Konfrontationseinver-

nahme mit †B._____ in einem Nebenraum befand, sagte in Richtung des Bild-

schirms, auf welcher die Einvernahme von †B._____ übertragen wurde, "er kenne 

Leute, welche er ihm auf den Hals hetzen könnte". Zwar wird damit offensichtlich 

gedroht, er werde Personen dazu motivieren, †B._____ in körperlicher Weise zu 

beeinträchtigen. Allerdings wiegt eine solche Drohung nicht so schwer, wie wenn 

beispielsweise explizit mit einer Tötung gedroht wird. Sodann gilt es mit der Ver-

teidigung (Urk. 207 S. 5) zu berücksichtigen, dass †B._____ nicht direkt bedroht 

wurde, sondern er von den Drohungen erst über Dritte, konkret über die Polizei 

bzw. Staatsanwaltschaft erfahren hat. Der Beschuldigte handelte bei seiner Tat 

lediglich mit Eventualvorsatz. Zwar fühlte sich †B._____ durch die Äusserungen 

des Beschuldigten bedroht, allerdings kann dies nicht besonders schwer gewesen 

sein. So fällt auf, dass sich †B._____ anlässlich der Einvernahme vom 

12. Juni 2017 weder an die genauen Worte noch an die genauen Umstände der 

Drohung erinnern konnte (vgl. D1 8/3 S. 4 ff. F/A 16 ff.), was dafür spricht, dass er 

durch die Drohung nicht nachhaltig beeinträchtigt war. Erschwerend hat sich aus-

zuwirken, dass der Beschuldigte die Drohung anlässlich der Konfrontationsein-

vernahme mit seinem Opfer geäussert hat, welches er nur wenige Monate zuvor 

beraubt und mit einem Messer in den Rücken gestochen hat. Sodann konnte ihn 

auch die Gegenwart einer Polizeibeamtin nicht davon abhalten, die Drohung aus-

zusprechen. Dies spricht einerseits für ein spontanes und unüberlegtes Handeln, 

andererseits offenbarte er dadurch auch eine beachtliche Gleichgültigkeit. Rich-

tigerweise hat die Vorinstanz dem Beschuldigten im Rahmen einer leichten Ver-

- 38 - 

minderung der Schuldfähigkeit eine Strafreduktion zugestanden. Zwar befand sich 

der Beschuldigte zu jenem Zeitpunkt bereits seit rund zwei Monaten in Untersu-

chungshaft, weshalb er nicht unter Alkoholeinfluss gestanden ist oder durch den 

Konsum von illegalen Drogen beeinträchtigt war. Allerdings war er durch die kom-

binierte Persönlichkeitsstörung sehr wohl in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt. 

Ganz leicht strafmindernd hat sich das Geständnis des Beschuldigten auszuwir-

ken (D1 Urk. 6/4 S. 19). Eine tatsächliche Einsicht ins Unrecht seiner Tat oder 

Reue kann beim Beschuldigten nicht ausgemacht werden. Auch hier fällt auf, 

dass der Beschuldigte seine – zugegeben leichte – Delinquenz erneut bagatelli-

siert. Während sich die nicht einschlägigen Vorstrafen leicht straferhöhend aus-

wirken, ist der Umstand, dass der Beschuldigte nicht nur während laufender Un-

tersuchung, sondern gar während einer laufenden Untersuchungshandlung delin-

quierte, merklich straferhöhend zu berücksichtigen. Sodann beging der Beschul-

digte die Tat innerhalb der laufenden Probezeit, was sich ebenfalls spürbar straf-

erhöhend auszuwirken hat. Wenn die Vorinstanz eine asperationsweise leichte 

Erhöhung der Einsatzstrafe um zwei Monate sieht, ist das zwar eher mild, liegt 

aber im Ermessenspielraum und ist zu übernehmen. 

4.3. Straferhöhung wegen mehrfachem Diebstahl und mehrfachem Haus-

friedensbruch 

4.3.1. Die Vorinstanz erhöhte die hypothetische Einsatzstrafe für den mehrfachen 

Diebstahl und den mehrfachen Hausfriedensbruch um weitere drei Monate. Im 

Verhältnis zum qualifizierten Raub würden diese ebenfalls nur leicht ins Gewicht 

fallen. Der Beschuldigte habe die Hausfriedensbrüche begangen, um in den ver-

schiedenen Verkaufsgeschäften Diebstähle zu begehen. Er habe planlos ver-

schiedene Alltagsgegenstände von geringem Wert entwendet. Subjektiv habe der 

Beschuldigte mit Vorsatz gehandelt. Auch hier sei eine leichte Verminderung der 

Schuldfähigkeit strafreduzierend zu berücksichtigen. Erhöhend falle die mehrfach 

begangene Tat ins Gewicht. Das Tatverschulden sei als leicht einzustufen. Die 

Täterkomponenten und die weiteren Strafzumessungsgründe würdigte die Vor-

instanz insbesondere aufgrund der einschlägigen Vorstrafen als stark straferhö-

hend (Urk. 135 S. 29 f.).  

- 39 - 

4.3.2. Der Beschuldigte machte sich innerhalb von nur vier Monaten viermal eines 

Hausfriedensbruchs und viermal eines Diebstahls strafbar. Zwar ist es mit der  

Vorinstanz richtig, dass die Hausfriedensbrüche nur Begleitdelikte waren, um die 

Diebstähle begehen zu können. Allerdings foutierte sich der Beschuldigte damit 

geradezu um die ihm gegenüber ausgesprochenen Hausverbote. Zu wohlwollend 

ist es, wenn die Vorinstanz sodann davon spricht, der Beschuldigte habe planlos 

"verschiedene Alltagsgegenstände von geringem Wert" entwendet. Zwar mag 

dies für die im "O._____" gestohlenen zwei Hemden und den im F._____ entwen-

deten Box-Mundschutz zutreffen. Für eine Lederjacke im Wert von Fr. 379.–, eine 

Adidas-Jacke für Fr. 109.–, zwei Pullover der Marke "Maddison" im Wert von 

Fr. 169.–, die im Verkaufsgeschäft "P._____" gestohlenen Markenbrillen im Wert 

von Fr. 169.– respektive Fr. 179.– oder die im F._____ gestohlenen Markenbrillen 

mit einem Wert von Fr. 159.– bzw. Fr. 179.– kann dies aber nicht gelten. Nur be-

dingt gefolgt werden kann der Vorinstanz sodann, wenn sie dem Beschuldigten 

ein planloses Vorgehen attestiert. Es ist schon auffällig, dass der Beschuldigte in 

erster Linie kleine Artikel mit einem grossen Wert entwendet hat, welche damit  

einerseits unauffälliger aus dem Verkaufsgeschäft getragen werden können, an-

dererseits einen höheren Verkaufswert bei den Abnehmern erzielen. Mit der Vor-

instanz handelte der Beschuldigte bei seinen Taten vorsätzlich. Leicht strafmin-

dernd zu berücksichtigen ist die leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit des Be-

schuldigten im Zeitpunkt seiner Taten (D1 Urk. 18/13 S. 73 und 81). Ganz leicht 

strafmindernd zu berücksichtigen ist das Nachtatverhalten des Beschuldigten. 

Auch hier zeigte sich der Beschuldigte letztlich zwar mehrheitlich geständig. Aller-

dings fällt in diesem Zusammenhang erneut auf, wie der Beschuldigte sein Ver-

halten durch äussere Umstände zu rechtfertigen versucht. So erklärt er sein Ver-

halten teilweise mit einer Kleptomanie (D1 Urk. 6/1 S. 5 F/A 44; D1 Urk. 6/2 S. 8 

F/A 44), welche gutachterlich ausgeschlossen werden konnte (D1 Urk. 18/13 

S. 66). Weiter begründet er sein Verhalten immer wieder mit seinem Medikamen-

ten- und Alkoholkonsum, macht Erinnerungslücken geltend, oder – nur wenig vor-

teilhaft – er habe sich "auf den Diebstahl konzentriert" (D1 Urk. 6/8 S. 7 F/A 19), 

weshalb er nicht an das bestehende Hausverbot gedacht habe. All dies zeugt da-

von, dass es dem Beschuldigten an einer Einsicht ins Unrecht seiner Taten oder 

- 40 - 

Reue – entgegen seinen Beteuerungen (D1 Urk. 6/10 S. 11 F/A 4) – fehlt. Merk-

lich straferhöhend auszuwirken haben sich die einschlägigen Vorstrafen des Be-

schuldigten aus den Jahren 2015 und 2016. In diesem Zusammenhang gilt es zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 

31. Mai 2016 wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfachen versuchten Diebstahls, 

mehrfachen Hausfriedensbruch, mehrfachen versuchten Hausfriedensbruchs und 

mehrfacher Sachbeschädigung verurteilt wurde. Bereits am 7. Juni 2016 und  

damit nur gerade eine Woche nach dem Urteil des Bezirksgerichts beging der Be-

schuldigte während der laufenden Probezeit erneut einen Diebstahl in Kombina-

tion mit einem Hausfriedensbruch. Dies zeugt von einer geradezu exemplarischen 

Unbelehrbarkeit und hat sich ebenfalls merklich straferhöhend auszuwirken. Die 

Vorinstanz erhöhte die hypothetische Einsatzstrafe für sämtliche Diebstähle und 

Hausfriedensbrüche um gerade einmal drei Monate. Diese Straferhöhung durch 

die Vorinstanz ist selbst unter Berücksichtigung der strafmindernden Wirkung des 

Asperationsprinzip etwas gar mild. Im Verhältnis zur Maximalstrafe für einen 

Diebstahl von fünf Jahren entsprechen drei Monate lediglich einem Zwanzigstel 

(also 5%), was mit einem sehr geringen Verschulden einher gehen müsste. Da-

von kann aufgrund der genannten Umstände aber nicht gesprochen werden. Zwar 

sind innerhalb der Tatbestände zweifellos sehr viel gravierendere Taten denkbar, 

als sie der Beschuldigte begangen hat – es sind aber auch ebenso zweifellos 

durchaus geringfügigere Tatvarianten möglich. Eine Erhöhung um 6 Monate ist 

daher angezeigt. 

5. Auszufällende Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte 

Aufgrund des Gesagten ist der Beschuldigte somit mit einer Freiheitsstrafe von 

insgesamt 52 Monaten zu bestrafen. 

6. Anrechnung der erstandenen Haft und vorzeitiger Massnahmenantritt 

Der Beschuldigte befindet sich seit dem 8. Oktober 2016 bis heute andauernd in 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft respektive im vorzeitigen Massnahmenantritt 

(D1 Urk. 26/1; D1 Urk. 26/7; D1 Urk. 26/11; D1 Urk. 26/12/9; D1 Urk. 26/15; 

D1 Urk. 26/18; Urk. 40; Urk. 43; Urk. 45; Urk. 61; Urk. 93; Urk. 128; Urk. 174).   

- 41 - 

Einer Anrechnung der vom Beschuldigten bis und mit heute bereits erstandenen 

Haft respektive vorzeitigen Massnahmenantritt im Umfang von 1000 Tagen steht 

nichts entgegen (Art. 51 StGB). 

V. Vollzug/Widerruf 

1.   Der Beschuldigte wird heute mit einer Freiheitsstrafe von 52 Monaten be-

straft, weshalb kein (teil-)bedingter Vollzug der neu auszufällenden Strafe möglich 

ist (Art. 42 und 43 StGB). Die Freiheitsstrafe ist demnach zu vollziehen. 

2.   Gemäss Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB bildet das Gericht in sinngemässer An-

wendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe, wenn die widerrufene und die 

neue Strafe gleicher Art sind. Dabei kann es aber nicht Sinn der revidierten Be-

stimmung sein, eine neue Strafzumessung für die rechtskräftig beurteilten Delikte 

vorzunehmen. Vielmehr ist für die aktuell zu beurteilenden Taten die angemesse-

ne Strafe festzusetzen und anschliessend unter Anwendung des Asperations-

prinzips eine angemessene Erhöhung für die widerrufene Strafe vorzunehmen 

und derart eine Gesamtstrafe zu bilden. Bilden die "Einsatzstrafe" für die jeweils 

neu zu beurteilenden Probezeitdelikte und die Vorstrafe ihrerseits Gesamtstrafen, 

kann das Gericht der bereits im Rahmen der jeweiligen Gesamtstrafenbildung er-

folgten Asperation durch eine gemässigte Berücksichtigung bei der Gesamt-

strafenbildung Rechnung tragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_932/2018 vom 

24. Januar 2019 E. 2.4.2. [zur Publikation vorgesehen]). 

3.   Vorliegend hat der Beschuldigte durch die neuen Straftaten eine unbedingte 

Freiheitsstrafe von 52 Monaten erwirkt und ist überdies der mit Urteil des Bezirks-

gericht Zürich vom 31. Mai 2016 gewährte bedingte Vollzug einer 10-monatigen 

Freiheitsstrafe zu widerrufen. In Anwendung des Asperationsprinzips ist es an-

gemessen, die für die neuen Taten auszusprechende Freiheitsstrafe um 8 Monate 

zu erhöhen, dem Beschuldigten also einen (gemässigten) Abzug von 2 Monaten 

zu gewähren, zumal es sich bei den Probezeitdelikten als auch bei der Vorstrafe 

jeweils um Gesamtstrafen handelt. 

- 42 - 

4.   Der Beschuldigte ist somit mit einer Freiheitsstrafe von 60 Monaten als Ge-

samtstrafe zu bestrafen, wovon bis und mit heute 1000 Tage durch Haft und vor-

zeitigen Massnahmenantritt erstanden sind. Der Vollständigkeit halber ist zu er-

wähnen, dass bei dieser Strafhöhe keine Überhaft des Beschuldigten gegeben ist, 

weshalb auch die Zusprechung einer Genugtuung an den Beschuldigten nicht an-

gezeigt ist. 

VI. Massnahme 

1. Vorinstanzliches Urteil 

1.1. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, der Beschuldigte habe ein Ver-

brechen oder Vergehen im Sinne von Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB begangen. Der 

Gutachter habe beim Beschuldigten sodann eine kombinierte Persönlichkeitsstö-

rung mit emotional instabilen, impulsiven, dissozialen und narzisstischen Anteilen 

(ICD-10: F60.8) diagnostiziert, welche einer schweren Störung im Sinne des Ge-

setzes entspreche. Zusätzlich liege eine Abhängigkeit von Opiaten, Kokain, Alko-

hol und Sedativa oder Hypnotika, derzeit abstinent, aber in beschützender Umge-

bung vor (ICD-10: F11.21, F14.21, F.10.21, F13.25). Im Weiteren habe gemäss 

Ausführungen des Gutachters das Tatgeschehen betreffend Hauptdossiers 1 in 

engem Zusammenhang mit der Mischintoxikation gestanden und sei durch die 

kombinierte Persönlichkeitsstörung begünstigt worden. Der Gutachter komme 

zum Schluss, dass sich in der Zusammenschau prognostisch relevanter Faktoren 

eine hohe Wahrscheinlichkeit vergleichbaren gewalttätigen Verhaltens ergebe, 

falls es nicht gelingen sollte, die Bereitschaft des Beschuldigten zu aggressiv-

impulsivem Handeln durchgreifend zu behandeln. Auch seien bei Fortsetzung des 

Substanzkonsums mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Hausfriedensbrüche, 

Diebstähle und Verstösse bzw. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu 

erwarten. Der Gutachter erkläre sodann, dass eine stationäre Massnahme nach 

Art. 59 StGB aus gutachterlicher Sicht zunächst nur bedingt zweckmässig sei. 

Diese sollte jedoch dann geprüft werden, wenn sich eine Massnahme gemäss 

Art. 60 StGB als nicht erfolgversprechend durchführbar herausstellen sollte. 

Obschon eine stationäre Massnahme ein schwerer Eingriff in die Freiheitsrechte 

- 43 - 

des Beschuldigten darstelle, sei sie im vorliegenden Fall angesichts der im Gut-

achten festgestellten Rückfallprognose und angesichts der Schwere der bereits 

verübten und weiter zu befürchtenden Delikte durchaus gerechtfertigt. Folglich er-

scheine die Anordnung einer stationären Massnahme als nicht unverhältnismäs-

sig. Eine Strafe allein sei nicht geeignet, um das Rückfallrisiko zu minimieren. So-

dann erwog die Vorinstanz, der mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 

6. Oktober 2017 bewilligte vorzeitige Massnahmenantritt (Art. 60 StGB) sei mit der 

Einweisung des Beschuldigten in die Entzugsstation Frankental per 17. Oktober 

2017 in Vollzug gesetzt worden. Bereits am 18. Oktober 2017 sei der Beschuldig-

te gewalttätig geworden und deswegen wieder in Sicherheitshaft versetzt worden. 

Auch im Rahmen der Sicherheitshaft habe der Beschuldigte sich äussert unko-

operativ verhalten. Er habe mehrfach diszipliniert, in andere Gefängnisse versetzt 

und in die Psychiatrie eingewiesen werden müssen. Per 21. Februar 2018 sei er 

sodann im Rahmen des vorzeitigen Antritts der Massnahme im Sinne von Art. 60 

StGB in die Justizvollzugsanstalt St. Johannsen eingewiesen worden. Auch dort 

sei es bereits am 9. März 2018 und 20. März 2018 zu zwei Disziplinarverfügungen 

gekommen. Der Fallverantwortliche der Bewährungs- und Vollzugsdienste des 

Kantons Zürich, Q._____, habe der Vorinstanz diesbezüglich am 26. März 2018 

berichtet, dass sich der bisherige Massnahmenverlauf schwierig gestaltet habe. 

Der Beschuldigte würde sich kaum selbstkritisch reflektieren. Vielmehr suche er 

die Schuld für die Vorfälle stets bei Anderen. Normalerweise würde eine solche 

Massnahme in einer offenen, dafür spezialisierten Institution durchgeführt werden. 

Man sei beim Beschuldigten jedoch zum Schluss gekommen, dass dies – zumin-

dest in der Anfangsphase der stationären Phase – nicht möglich sei. Das Verhal-

ten des Beschuldigten hätte den Rahmen jeder Partnerinstitution, welche Mass-

nahmen nach Art. 60 durchführen würden, gesprengt. Anlässlich der Hauptver-

handlung vor Vorinstanz habe Q._____ als Zeuge ausgesagt, dass beispielsweise 

die Institution Freihof und auch die Entzugsstation Frankental den Beschuldigten 

nicht mehr aufnehmen wollten, da sie kein angemessenes Sicherheitsdispositiv 

bieten könnten. Auch das Massnahmezentrum Bitzi sei aufgrund der Akten und 

vor allem aufgrund der Vorgeschichte im Gefängnis nicht zu einer Aufnahme des 

Beschuldigten bereit gewesen. Allgemein sei es nicht zu verantworten, den Be-

- 44 - 

schuldigten in eine offene Partnerinstitution des Kantons Zürich zu übergeben, da 

dies deren Kapazität übersteigen würde.  

Grundsätzlich sei festzuhalten, dass an die Therapiewilligkeit nicht allzu strenge 

Anforderungen zu stellen seien. Die fehlende Motivation würde regelmässig zum 

Krankheitsbild gehören. Die Therapiemotivation werde häufig erst im Rahmen der 

Behandlung erarbeitet, weshalb lediglich ein Mindestmass an Kooperation oder 

eine gewisse Motivierbarkeit vorausgesetzt werde. Oberstes Ziel einer jeden 

Massnahme sei aber die Aussicht auf Erfolg, beziehungsweise künftig weitere  

Delikte des Beschuldigten zu verhindern. Der Versuch, einen Erfolg mit einer 

Massnahme nach Art. 60 StGB herbeizuführen, müsse als gescheitert betrachtet 

werden. Gemäss Q._____ gebe es – unter den damaligen Voraussetzungen – 

keine Institutionen, die für den Beschuldigten in Frage kämen. Die Akten würden 

die Unfähigkeit des Beschuldigten belegen, sich in den Institutionen einzufügen. 

Er habe mehrmals erklärt, zu einer Massnahme nach Art. 60 StGB bereit zu sein, 

habe aber klar gezeigt, dass dies nur so lange gelte, als diese zu seinen eigenen 

Bedingungen gestaltet werde. Unter diesen Umständen erscheine nur noch eine 

Massnahme nach Art. 59 StGB als erfolgsversprechend und auch als zweck- und 

verhältnismässig. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei zugunsten der angeordneten 

Massnahme aufzuschieben (Urk. 135 S. 34 ff.). 

2. Standpunkt der Verteidigung 

Die Verteidigung beantragte anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, es 

sei auf eine Massnahme zu verzichten, eventualiter sei eine stationäre Mass-

nahme der Suchtbehandlung im Sinne von Art. 60 StGB anzuordnen. Zur Be-

gründung führte sie zusammengefasst aus, eine Massnahme im Sinne von Art. 60 

StGB sei zwar grundsätzlich angezeigt und entgegen der Vorinstanz und des Am-

tes für Justizvollzug des Kantons Zürich auch möglich. Indessen scheitere jede 

Massnahme am Verhältnismässigkeitsprinzip. Gemäss Art. 56 Abs. 2 StGB dürfe 

der Eingriff in die Persönlichkeitsrechte durch eine Massnahme im Hinblick auf die 

Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig 

sein. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gelte im gesamten Massnahmen-

recht, sowohl bei der Anordnung von Massnahmen als auch bei den Folge-

- 45 - 

entscheidungen. Eine unverhältnismässige Massnahme dürfe nicht angeordnet, 

vollzogen oder aufrechterhalten werden. Die Anordnung einer Massnahme schei-

tere vorliegend daran, dass der Beschuldigte seine schuldangemessene Strafe 

nicht nur verbüsst habe, sondern sich bereits in Überhaft befinde. Der Beschuldig-

te sei sodann zwischenzeitlich zwölf Jahre clean gewesen; er habe damit bewie-

sen, dass er aus eigenem Antrieb ein suchtfreies Leben gestalten könne (Urk. 

207 S. 6 ff.). 

3. Würdigung 

3.1. Voraussetzungen 

3.1.1. Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, 

der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungsbedürf-

nis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und die  

Voraussetzungen der Art. 59-61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind. Die Anordnung ei-

ner Massnahme setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persön-

lichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere 

weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist. Ist der Täter psychisch schwer 

gestört, so kann das Gericht eine stationäre Behandlung anordnen, wenn der Tä-

ter ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen Stö-

rung in Zusammenhang steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr 

weiterer mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten be-

gegnen (Art. 59 Abs. 1 StGB). Ist der Täter von Suchtstoffen oder in anderer Wei-

se abhängig, so kann das Gericht eine stationäre Behandlung anordnen, wenn 

der Täter ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner Abhängig-

keit in Zusammenhang steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr 

weiterer mit der Abhängigkeit in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 

60 Abs. 1 StGB).  

Das Gericht stützt sich beim Entscheid über die Anordnung einer Massnahme auf 

eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB). Diese äussert sich 

über d