# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 592bde9a-f493-50c8-aabe-7b5404a39efe
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 12.04.2024 SK1 2023 42
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2023-42_2024-04-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Verfügung vom 12. April 2024

Referenz SK1 23 42

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Richter-Baldassarre, Vorsitzende
Coray-Mosele, Aktuarin

Parteien A._____
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Tobias Brändli
Aquasanastrasse 8, 7000 Chur 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

B._____
Privatklägerin
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Susanna Mazzetta
Gürtelstrasse 24, Postfach 536, 7001 Chur 

Gegenstand Exhibitionismus, mehrfache Nötigung, versuchte Nötigung, mehr-
fache sexuelle Belästigung etc.

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 06.09.2022, mitgeteilt am 
26.04.2023 (Proz. Nr. 515-2022-10)

Mitteilung 15. April 2024

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Sachverhalt und Erwägungen

1. Das Regionalgericht Plessur sprach A._____ mit Urteil vom 6. September 
2022 vom Vorwurf der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB frei und 
stellte das Strafverfahren in Bezug auf die in Ziffer 1.1.1 der Anklageschrift aufge-
führten Vorwürfe der mehrfachen sexuellen Belästigung nach Art. 198 Abs. 2 
StGB, der mehrfachen Nötigung nach Art. 181 StGB sowie der Tätlichkeiten nach 
Art. 126 Abs. 1 StGB ein. Es sprach ihn des Exhibitionismus gemäss Art. 194 Abs. 
1 StGB, der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB, der versuchten Nöti-
gung gemäss Art. 181 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen 
Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB und der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 
Abs. 1 StGB schuldig. Dafür bestrafte es ihn mit einer Geldstrafe von 60 Tages-
sätzen zu je CHF 60.00 und einer Busse von CHF 1'000.00 bzw. einer Ersatzfrei-
heitsstrafe von 16 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse, wobei der 
Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren aufge-
schoben wurde. Auf die Anordnung einer Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 
1 lit. h StGB und eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbotes gemäss Art. 67 Abs. 3 
lit. d Ziff. 2 StGB wurde verzichtet. Das Regionalgericht verpflichtete A._____ zu-
dem, B._____ eine Genugtuung von CHF 1'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 
3. September 2020 zu bezahlen. Im Übrigen verwies es die Zivilklage auf den Zi-
vilweg.

2. Gegen dieses Urteil erhob A._____ (fortan Beschuldigter) Berufung. Die 
Staatsanwaltschaft erhob Anschlussberufung.

3. Die Berufungsverhandlung fand am 9. April 2024 statt. Anlässlich dieser 
zog der Beschuldigte die Berufung zurück, worauf den Parteien Gelegenheit zur 
Stellungnahme zu den Kosten- und Entschädigungsfolgen eingeräumt wurde und 
diese ihre Honorarnoten einreichen konnten.

4. Mit dem Rückzug der Berufung des Beschuldigten fällt die Anschlussberu-
fung der Staatsanwaltschaft dahin (Art. 401 Abs. 3 StPO). Nach dem Rückzug des 
Rechtsmittels ist die Situation nicht anders, als wäre dieses nie erhoben worden. 
Das Verfahren vor der Berufungsinstanz wird mit dem Rückzug unmittelbar been-
det und der Abschreibungsbeschluss hat lediglich deklaratorischen Charakter 
(BGE 141 IV 269 E. 2.2.3 m.H.a. BGE 109 V 234 E. 3).

5. Die Abschreibungsverfügung ergeht in einzelrichterlicher Kompetenz (Art. 9 
Abs. 2 GOG [BR 173.000] i.V.m. Art. 11 Abs. 2 KGV [BR 173.100]). 

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6.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Obsiegen 
und Unterliegen, wobei die Partei, welche das Rechtsmittel zurückzieht, als unter-
liegend gilt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Damit ist die Gerichtsgebühr für das Beru-
fungsverfahren, welche unter Berücksichtigung, dass der Rückzug zu Beginn der 
Berufungsverhandlung erfolgte, in Anwendung von Art. 7 i.V.m. Art. 10 VGS (BR 
350.210) auf CHF 1'000.00 festgesetzt wird, dem Beschuldigten aufzuerlegen.

6.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Tobias Brändli, 
reichte anlässlich der Berufungsverhandlung seine Honorarnote vom 9. April 2024 
in der Höhe von CHF 5'874.00 ein, wobei er einen zu entschädigenden Aufwand 
von 10.5 Stunden à CHF 200.00 zuzüglich einer Spesenpauschale von 3% und 
7.7% Mehrwertsteuer sowie von 15.92 Stunden à CHF 200.00 zuzüglich einer 
Spesenpauschale von 3% und 8.1% Mehrwertsteuer geltend macht (act. H.2). Für 
die Berufungsverhandlung stellt Rechtsanwalt Tobias Brändli einen geschätzten 
Aufwand von dreieinhalb Stunden in Rechnung. In Berücksichtigung der effektiven 
Dauer der Berufungsverhandlung von rund 50 Minuten ist dieser Aufwand auf eine 
Stunde zu kürzen. Für die Nachbesprechung ist ein geschätzter Aufwand von ei-
neinhalb Stunden in Rechnung gestellt. Dieser ist angemessen auf 30 Minuten zu 
kürzen. Der übrige in Rechnung gestellte Aufwand erscheint angemessen. 
Rechtsanwalt Tobias Brändli ist daher für das Berufungsverfahren mit 
CHF 5'095.30 zu entschädigen (10.5 Stunden à CHF 200.00 und damit ein Hono-
rar von CHF 2'100.00 zzgl. 3% Spesenpauschale von CHF 63.00 und 7.7% MwSt. 
von CHF 166.55 ergibt CHF 2'329.55 sowie 12.42 Stunden à CHF 200.00 und 
damit ein Honorar von CHF 2'484.00 zzgl. 3% Spesenpauschale von CHF 74.50 
und 8.1% MwSt. von CHF 207.25 ergibt CHF 2'765.75). Die Entschädigung des 
amtlichen Verteidigers Tobias Brändli ist dem Beschuldigten aufzuerlegen, jedoch 
einstweilen aus der Gerichtskasse des Kantonsgerichts zu bezahlen. Vorbehalten 
bleibt die Rückerstattungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a 
StPO.

6.3. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin B._____, Rechtsan-
wältin Susanna Mazzetta, macht mit Honorarnote vom 8. April 2024 Aufwendun-
gen von insgesamt CHF 3'393.55 geltend, wobei sie einen zu entschädigenden 
Aufwand von drei Stunden à CHF 240.00 zuzüglich Auslagen von CHF 44.10 und 
Mehrwertsteuer von 7.7% sowie Aufwendungen von 9.85 Stunden à CHF 240.00 
zuzüglich Auslagen von CHF 14.00 und Mehrwertsteuer von 8.1% in Rechnung 
stellt (act. H.1). Art. 5 Abs. 1 HV (BR 310.250) sieht bei unentgeltlicher Vertretung 
einen Stundenansatz von CHF 200.00 vor. Der geltend gemachte Stundenansatz 
von CHF 240.00 ist daher entsprechend zu reduzieren. In Berücksichtigung, dass 

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die Privatklägerin angewiesen wurde, bereits eine halbe Stunde vor Verhand-
lungsbeginn zu erscheinen, und der effektiven Dauer der Berufungsverhandlung 
von rund 50 Minuten ist der diesbezüglich in Rechnung gestellte Aufwand von 
dreieinhalb Stunden auf eine Stunde und 30 Minuten zu kürzen. Ebenso ist für die 
Nachbesprechung der in Rechnung gestellte Aufwand von einer Stunde auf 
30 Minuten zu kürzen. Der übrige geltend gemachte Aufwand erscheint angemes-
sen. Angesichts des ausgewiesenen Aufwands ist nicht ersichtlich, inwiefern die 
im 2023 geltend gemachten Reisespesen von CHF 7.00 angefallen sein sollen, 
womit diese nicht berücksichtig werden können. Rechtsanwältin Susanna Mazzet-
ta ist daher für das Berufungsverfahren mit CHF 2'290.35 (3 Stunden à 
CHF 200.00 und damit ein Honorar von CHF 600.00 zzgl. CHF 37.10 Auslagen 
und 7.7% MwSt. von CHF 49.05 ergibt CHF 686.15 sowie 7.35 Stunden à 
CHF 200.00 und damit ein Honorar von CHF 1'470.00 zzgl. CHF 14.00 Auslagen 
und 8.1% MwSt. von CHF 120.20 ergibt CHF 1'604.20) zu entschädigen. Die Ent-
schädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin Susanna Mazzetta ist ebenfalls 
dem Beschuldigten aufzuerlegen, jedoch einstweilen aus der Gerichtskasse des 
Kantonsgerichts zu bezahlen. Vorbehalten bleibt die Rückerstattungspflicht des 
Beschuldigten gemäss Art. 426 Abs. 4 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 138 
Abs. 1 StPO (vgl. KGer GR SK1 20 59 v. 10.8.2022 E. 6.4 m.H.a. BGer 
6B_112/2012 v. 5.7.2012 E. 1.4).

7. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass sämtliche Mitteilun-
gen nach Rechtskraft gemäss dem erstinstanzlichen Urteil nunmehr der Vor-
instanz obliegen.

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Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung wird infolge Rückzugs am Geschäftsverzeichnis abgeschrie-
ben.

2.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 8'385.65 (Gerichtsgebühr 
von CHF 1'000.00, Kosten der amtlichen Verteidigung von CHF 5'095.30, 
Kosten der unentgeltlichen Rechtsbeiständin von CHF 2'290.35) gehen zu-
lasten von A._____.

2.2 Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren werden 
einstweilen aus der Gerichtskasse des Kantonsgerichts bezahlt. Vorbehal-
ten bleibt die Rückerstattungspflicht von A._____ gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. 
a StPO.

2.3. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsbeiständin von B._____ für das Beru-
fungsverfahren werden einstweilen aus der Gerichtskasse des Kantonsge-
richts bezahlt. Vorbehalten bleibt die Rückerstattungspflicht von A._____ 
gemäss Art. 426 Abs. 4 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 138 Abs. 1 
StPO.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

4. Mitteilung an: