# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 29d38125-f34b-5260-82d0-6a87773db6dc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.04.2025 E-5121/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5121-2023_2025-04-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5121/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, 

Richter Kaspar Gerber, 

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Rechtsanwalt Dominik Züsli, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 22. August 2023 / N (…). 

 

 

 

E-5121/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der minderjährige Beschwerdeführer, ein Tadschike aus der Provinz 

Panjshir, gab an, den Grossteil seiner Kindheit in B._______ gelebt zu ha-

ben. Seinen eigenen Angaben zufolge verliess er seinen Heimatstaat un-

gefähr im Alter von (…) Jahren, nachdem die Taliban die Regierung ge-

stürzt hätten. In der Folge habe er sich während etwa sechs Monaten ge-

meinsam mit seiner Familie im Iran und dann während mehr als sieben 

Monaten in der Türkei aufgehalten, bevor er am 26. Januar 2023 über Grie-

chenland und Italien in die Schweiz gereist sei, wo er am gleichen Tag um 

Asyl nachsuchte. 

B.  

Anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende 

(UMA) vom 12. Juni 2023 gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er be-

finde sich wegen seiner psychischen Probleme in ärztlicher Behandlung 

und sehe seinen Arzt wöchentlich. Seine Eltern würden sich aktuell ge-

meinsam mit seinen jüngeren Geschwistern im Iran aufhalten. Er habe die 

Schule bis zur 10. Klasse besucht; danach habe kein Unterricht mehr statt-

gefunden, weil es keine Lehrpersonen mehr gehabt habe. Sein Vater sei 

Bauarbeiter gewesen und es sei ihnen finanziell nicht sehr gut gegangen. 

Nach der Machtübernahme habe sich dieser der Widerstandsfront (Jabha-

ye-Moqawamat) angeschlossen und gegen die Taliban gekämpft. Seine 

Familie lebe inzwischen in C._______, wo sie aufgrund der politischen Be-

ziehung zwischen Afghanistan und dem Iran Probleme hätten. Er sei von 

seiner Familie zur Weiterreise bewegt worden, weil die iranischen Behör-

den junge afghanische Männer verhaftet und zur Teilnahme an Kampf-

handlungen im Syrien-Krieg gezwungen hätten. 

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer unter anderem eine Kopie 

seiner Tazkira, einen Drohbrief der Taliban sowie Arbeitsdokumente betref-

fend seine Onkel und medizinische Unterlagen ein. 

C.  

C.a Am 12. Juni 2023 wurde der Beschwerdeführer auch zu seinen Asyl-

gründen angehört. Er erklärte dabei, er habe mit seiner Familie seinen  

Heimatstaat verlassen müssen, weil sie ständig von den Taliban belästigt 

worden seien. Sein Vater habe sich nach deren Machtübernahme gezwun-

gen gefühlt, sich der Widerstandsfront anzuschliessen, weil die Taliban aus 

Panjshir stammenden Personen diskriminieren würden. Zudem hätten 

zwei seiner Onkel bei der ehemaligen Regierung als (…)kommandanten 

E-5121/2023 

Seite 3 

der Nationalarmee respektive bei der Polizei gearbeitet und sich nach dem 

Sturz der Regierung ebenfalls der Widerstandsfront angeschlossen. Einer 

dieser Onkel sei bereits vor drei oder vier Jahren durch die Taliban identifi-

ziert worden. 

C.b Er selber habe sporadisch gegen die Taliban gerichtete Videos auf 

TikTok, Facebook oder Youtube geteilt und an Demonstrationen gegen die 

Taliban teilgenommen. Er sei auch Administrator einer TikTok-Gruppe mit 

(…) Followern gewesen; diese sei aber infolge von Meldungen der Taliban 

schliesslich blockiert worden. Seit der Machtübernahme habe er keine Bei-

träge mehr geteilt oder veröffentlicht. Bereits ungefähr zwei Wochen nach 

dem Sturz der Regierung hätten die Taliban seinen Vater zu Hause ge-

sucht, weil er Mitglied der Widerstandsfront gewesen sei sowie wegen der 

Tätigkeiten der Onkel. Nachdem sein Vater nicht auffindbar gewesen sei, 

hätten sie ihn an seiner Stelle für zwei Tage mitgenommen, ihn belästigt 

und mit einem Messer am Bein verletzt. Er habe davon eine immer noch 

sichtbare Narbe. Die Familie sei in der Folge noch einmal durch die Taliban 

bedroht und nach dem Aufenthalt des Vaters befragt worden,  

worauf der Vater beschlossen habe, mit der Familie in den Iran zu fliehen. 

Seither hätten die Taliban noch einen weiteren Drohbrief geschickt. 

C.c Nachdem die Familie im Iran vor die Wahl gestellt worden sei, entwe-

der nach Afghanistan deportiert oder nach Syrien geschickt zu werden, sei 

er gemeinsam mit einem Cousin und einem weiteren Verwandten in die 

Türkei geschickt worden. In seinen Heimatstaat könne er nicht zurück- 

kehren, weil die Taliban alles beschlagnahmt hätten und er sich vor diesen 

fürchte. 

D.  

Am 21. Juni 2023 verfügte das SEM, das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers werde im erweiterten Verfahren behandelt. 

E.  

Mit (am Folgetag eröffneter) Verfügung vom 22. August 2023 lehnte das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine Weg-

weisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung zu-

gunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz aufschob, weil sich der 

Vollzug seiner Wegweisung als unzumutbar erweise. 

  

E-5121/2023 

Seite 4 

F.  

F.a Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe sei-

nes Rechtsvertreters vom 22. September 2023 beim Bundesverwaltungs-

gericht Beschwerde erheben. In dieser wurde beantragt, die Dispositivzif-

fern 1–3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, es sei die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und die Vorinstanz 

sei anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Sache zur 

rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zur neuen Entscheidung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde 

beantragt, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf Er-

hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und dem Beschwerde- 

führer in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechts- 

beistand zu bestellen. Zudem wurde beantragt, die Vorinstanz sei anzu-

weisen, den Eintrag im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) 

zu berichtigen. 

F.b Am 25. September 2023 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerde-

führers eine Beschwerdeergänzung ein. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. Oktober 2023 hiess der Instruktionsrichter 

die Gesuche des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung sowie der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gut, ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte den 

Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleichzeitig lud er das 

SEM zur Vernehmlassung ein. 

H.  

In ihrer Vernehmlassung vom 2. November 2023 hielt die Vorinstanz an 

ihren Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest. 

I.  

I.a Mit Verfügung vom 7. November 2023 liess der Instruktionsrichter dem 

Beschwerdeführer die Vernehmlassung des SEM zukommen und gab ihm 

die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik. 

I.b Der Rechtsbeistand ersuchte mit Fristerstreckungsgesuch vom 22. No-

vember 2023 um Zustellung eines durch den Beschwerdeführer im erst-

instanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittels (Tazkira des Vaters). 

E-5121/2023 

Seite 5 

I.c Der Instruktionsrichter liess dem Beschwerdeführer am 29. November 

2023 einen Ausdruck des verlangten SEM-Aktenstücks zukommen und er-

streckte die Frist zur Einreichung einer Replik. 

I.d In der Replik vom 13. Dezember 2023 wurde an seinen Rechtsbegeh-

ren festgehalten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt der folgenden Erwägung ein-

zutreten. 

1.5  

1.5.1 In seiner Beschwerde beantragt der Beschwerdeführer die Änderung 

der ZEMIS-Eintragung betreffend seinen Namen. Dieser sei zunächst rich-

tig erfasst worden, nach der Erstbefragung UMA aber ohne Begründung 

und ohne separate Verfügung geändert worden. 

  

E-5121/2023 

Seite 6 

1.5.2 Die Anpassung des Namens des Beschwerdeführers wurde weder in 

einer separaten Verfügung noch in der angefochtenen Verfügung verfügt. 

Aus den Verfahrensakten geht auch nicht hervor, dass ein entsprechendes 

Gesuch um Datenberichtigung beim SEM eingereicht wurde. Daher ist auf 

das Rechtsbegehren 4 der Beschwerde mangels eines tauglichen Anfech-

tungsobjekts nicht einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde werden zunächst die unrichtige und unvollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Verletzung der Be-

gründungspflicht durch das SEM gerügt. So habe es die geltend gemach-

ten Gefährdungsmerkmale, die politisch oppositionelle Haltung und die aus 

dem Betrieb einer TikTok-Gruppe mit (…) Followern resultierende Gefähr-

dung des Beschwerdeführers nicht geprüft. Die eingereichten Beweismittel 

– wie der Drohbrief der Taliban oder die Arbeitsbestätigung seines Onkels 

– seien zwar erwähnt, aber mit keinem Wort gewürdigt worden. Weiter 

habe das SEM den besonderen Aspekten seiner Minderjährigkeit und sei-

nem Alter von nur (…) Jahren bei der Anhörung nicht Rechnung getragen. 

Anlässlich der Erstbefragung seien die üblichen, kurzgehaltenen Fragen 

gestellt worden und die Vorinstanz habe in erster Linie aufgrund der zeitli-

chen Widersprüche auf die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen geschlos-

sen. Dabei sei unberücksichtigt geblieben, dass genaue Zeitangaben in 

seinem Herkunftsland keinen so hohen Stellenwert hätten, wie dies in der 

Schweiz der Fall sei. Zudem sei er zu Themen – wie die Gefangenschaft 

durch die Taliban – weiter befragt worden, obwohl er angegeben habe, dies 

bereite ihm Mühe. Dieses Vorgehen widerspreche der publizierten Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2014/30 E. 2.3).  

3.2 In der Vernehmlassung verweist das SEM hinsichtlich der bemängelten 

Rücksichtnahme auf die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers auf die 

zwei entgegengesetzten Darstellungen in der Beschwerde. Einerseits solle 

es ihm aufgrund seines Kindesalters nicht möglich gewesen sein, allfällige 

Widersprüche und Unsubstanziiertheiten zu begründen; andererseits sei 

er aber derart reif und selbstständig, dass er bereits in jungem Alter an 

Demonstrationen teilgenommen, Inhalte der Taliban kritisch kommentiert 

und sich für Frauenrechte eingesetzt habe. Sein Alter scheine daher nicht 

geeignet, allfällige Widersprüche oder Unsubstanziiertheiten in seinen 

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Seite 7 

Aussagen zu begründen. Auf die geltend gemachten oppositionellen Tätig-

keiten des Beschwerdeführers sei in der angefochtenen Verfügung nicht 

eingegangen worden, weil gemäss Angaben des Beschwerdeführers je-

weils der Vater und die Onkel im Zentrum des Kontakts mit den Taliban 

gestanden hätten. Weitere Konsequenzen als die Warnung der Taliban hät-

ten seine Aktivitäten nicht gehabt. Er habe ausserdem lange vor dem Sturz 

der Regierung keine Beiträge mehr veröffentlicht. 

3.3  

3.3.1 Im Verwaltungs- und namentlich im Asylverfahren gilt der Untersu-

chungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserheblichen 

Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; 

vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren 

bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung 

und zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist 

und auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsu-

chenden Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht unein-

geschränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsu-

chenden findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 

m.w.H.). 

3.3.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 

VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die 

Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft 

und in der Entscheidungsfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in 

der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 

VwVG). Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass 

der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur 

der Fall ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch 

die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen 

können. Die verfügende Behörde kann sich auf die wesentlichen Gesichts-

punkte beschränken, hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufüh-

ren, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid  

abstützte. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-

gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe-

nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-

teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird. Indes-

sen ist nicht erforderlich, dass die Behörde sich in der Begründung mit je-

der tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand einläss-

lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-

legt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, BVGE 2013/34 E. 4.1, 2008/47 E. 3.2 

und 2007/30 E. 5.6). 

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Seite 8 

3.3.3 Der speziellen Situation von unbegleiteten minderjährigen Asylsu-

chenden wird im Asylverfahren unter anderem dadurch Rechnung getra-

gen, dass die Anhörung in der Regel in Anwesenheit des gesetzlichen Ver-

treters oder der Vertrauensperson erfolgt und die Behörde hinsichtlich der 

Minderjährigkeit gewisse Durchführungsmodalitäten zu beachten hat 

(vgl. Art. 17 Abs. 2 AsylG und Art. 7 Abs. 5 der Asylverordnung 1 über Ver-

fahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Dabei sind 

insbesondere das Alter, der Reifegrad und gegebenenfalls besondere Ver-

letzlichkeiten der minderjährigen Person sowie die Komplexität der Vorbrin-

gen zu berücksichtigen. Es sind geeignete Massnahmen zu treffen, damit 

sich das Kind wohlfühlt. Ein grosses Augenmerk ist im Rahmen der Anhö-

rung auf eine den Minderjährigen gerecht werdende Atmosphäre ab Be-

ginn der Anhörung und eine empathische Haltung der befragenden Person 

sowie insgesamt auf ein vertrauensvolles Klima zu richten, welche der min-

derjährigen Person ermöglichen soll, vom Erlebten zu berichten. Zu diesem 

Zweck soll die Vorinstanz der minderjährigen Person bereits zu Beginn der 

Anhörung deren Ziel in einer altersgerechten Sprache sowie die darauf an-

wendbaren Regeln erläutern. Ferner soll sie ihr alle Personen, die an der 

Anhörung mitwirken, vorstellen und deren Rollen erklären. Ausserdem ist 

es notwendig, dass die befragende Person das Verhalten der minderjähri-

gen Person während der Anhörung beobachtet und jede Form der nonver-

balen Kommunikation vermerkt. Schliesslich hat sie sich um eine wohlwol-

lende und neutrale Haltung zu bemühen. Insbesondere in der ersten Phase 

sollten die Fragen sodann offen formuliert werden, um einen freien Bericht 

zu fördern (vgl. BVGE 2014/30 E. 2.3 und Urteil des BVGer E-7447/2015 

vom 5. November 2018 E. 5.3). 

3.4  

3.4.1 Der Beschwerdeführer wurde im Vorfeld seiner Anhörung zu den 

Asylgründen ausführlich zu seiner Person, seiner Herkunft sowie zu seinen 

Familienverhältnissen und seinen Lebensumständen, seinem Reiseweg 

sowie seinem Gesundheitszustand befragt. In diesem Zusammenhang 

wurde ihm auch erklärt, es sei wichtig, dass er sich wohl fühle und er frei 

sprechen könne, weshalb regelmässige Pausen eingelegt würden. Es ist 

jedenfalls nicht ersichtlich, inwiefern das SEM ungenügend Rücksicht auf 

das junge Alter des Beschwerdeführers genommen haben soll, weil er im 

Anschluss an das Protokoll der Erstbefragung UMA auf einen einzelnen 

Widerspruch angesprochen wurde. In Bezug auf den Vorwurf, das SEM 

habe ihn weiter zu einem Thema befragt, das ihn belasten würde, ist darauf 

hinzuweisen, dass an der Anhörung auch der Rechtsvertreter respektive 

die Vertrauensperson des Beschwerdeführers anwesend war. Diesem 

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Seite 9 

wurde sowohl bei der Erstbefragung UMA als auch an der Anhörung zu den 

Asylgründen Gelegenheit eingeräumt, Ergänzungsfragen zu stellen 

(vgl. SEM-act. A15 S. 11 f., A19 ad F58 ff. und F65). Ausserdem ist davon 

auszugehen, dieser hätte interveniert, wäre die Anhörungssituation für den 

Beschwerdeführer nicht zumutbar gewesen. 

3.4.2 Nach dem Gesagten bestehen somit keine Anhaltspunkte, dass das 

Vorgehen des SEM den in BVGE 2014/30 E. 2.3 festgehaltenen Vorgaben 

nicht entsprochen hätte. 

3.5  

3.5.1 Hinsichtlich der gerügten Verletzung der Begründungspflicht durch 

das SEM ist folgendes festzuhalten: 

3.5.2 Die Vorinstanz hat sich in der angefochtenen Verfügung mit den we-

sentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und 

eine sachgerechte Anfechtung war ihm beziehungsweise seinem Rechts-

beistand ohne Weiteres möglich. Den Verfahrensakten ist zu entnehmen, 

dass die Vorinstanz nicht von einem gezielt gegen den Beschwerdeführer 

gerichteten Verfolgungsinteresse seitens der Taliban ausging. So habe im 

Zentrum des geltend gemachten Kontakts mit den Taliban jeweils der Vater 

oder die Onkel gestanden. Er habe weder eine drohende Verhaftung noch 

eine gezielte Suche nach ihm aufgrund seiner eigenen politischen Tätig-

keiten geltend gemacht (vgl. Vernehmlassung S. 4). Daher erscheint nach-

vollziehbar, dass sich die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht 

einlässlich mit den vorgebrachten oppositionellen Tätigkeiten des Be-

schwerdeführers auseinandergesetzt hat. Damit hat das SEM seine Be-

gründungspflicht nicht verletzt. 

3.5.3 Schliesslich ist mit Bezug auf die erstinstanzlich vorgelegten Beweis-

mittel klarzustellen, dass diese in der angefochtenen Verfügung erwähnt 

sind, sich das SEM aber zu Recht nicht veranlasst sah, diese einer vertief-

ten Würdigung zu unterziehen. Vielmehr verneinte es bereits aufgrund der 

Schilderungen des Beschwerdeführers ein gezielt gegen ihn bestehendes 

Verfolgungsinteresse der Taliban. Die Glaubhaftigkeit der Tätigkeiten sei-

nes Vaters sowie seiner Onkel wurden jedoch nicht angezweifelt. In anti-

zipierter Beweiswürdigung verzichtete das SEM daher auf eine Würdigung 

der in diesem Zusammenhang eingereichten Beweismittel, ohne dadurch 

den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör zu verletzen. 

3.6 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen demnach als unbegrün-

det. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzuwei-

sen. 

E-5121/2023 

Seite 10 

4.  

4.1 Zur Begründung der ablehnenden Verfügung führt das SEM zunächst 

aus, es sei nicht davon auszugehen, die Taliban hätten den Beschwerde-

führer freigelassen, wären sie tatsächlich zur Überzeugung gelangt, er ver-

füge über Informationen zum Aufenthaltsort seines Vaters. Es sei weiter 

nicht vorstellbar, die Taliban hätten sich nach seiner Freilassung mit einer 

Drohung begnügt, anstatt ihn nochmals mitzunehmen, obwohl dies angeb-

lich im zweiten Schreiben angekündigt worden sei. Es sei insbesondere 

aufgrund seiner ungereimten Aussagen bezüglich des Ausreisezeitpunkts 

gut möglich, dass der Beschwerdeführer noch längere Zeit nach dem Re-

gierungssturz in Afghanistan verblieben sei. Weitere Widersprüche hätten 

sich ergeben im Zusammenhang mit seinem letzten Schultag sowie der 

Anzahl der Kontrollen durch die Taliban während ihrer Ausreise in den Iran. 

Nachdem die Taliban ihn bei der Ausreise mehrmals kontrolliert und ihn 

dann hätten weiterreisen lassen, könne er kaum, wie behauptet, in deren 

Visier gestanden haben. Insgesamt seien seine Erzählungen unsubstanzi-

iert ausgefallen und er habe keine näheren Angaben zu Schlüsselmomen-

ten machen können, insbesondere in Bezug auf seine Gefangenschaft. 

Seine diesbezüglichen Aussagen seien daher als unglaubhaft einzustufen. 

4.2  

4.2.1 In der Beschwerde wird hinsichtlich der materiellen Anträge ausge-

führt, die Vorinstanz habe aufgrund einer einzelnen Angabe des Beschwer-

deführers zum Zeitpunkt seiner Ausreise falsche Schlüsse gezogen in Be-

zug auf die Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen. Bei genauer Betrachtung 

seiner Aussagen würden seine Angaben durchaus übereinstimmen, wo-

nach er seinen Heimatstaat kurz nach der Machtübernahme durch die Ta-

liban verlassen habe. Weiter verkenne die Vorinstanz, dass das Vorgehen 

der Taliban keineswegs systematisch und einheitlich erfolge. Seine Frei-

lassung mache ausserdem gerade deshalb Sinn, weil die Taliban weitere 

Informationen von ihm hätten erhältlich machen wollen. Entgegen der An-

sicht des SEM habe er ausführlich über seine Inhaftierung sowie die erlebte 

Folter berichten können; insbesondere habe er Details genannt, seine Um-

gebung beschrieben sowie diverse Nebensächlichkeiten erwähnt. Diese 

Realkennzeichen habe die Vorinstanz zu Unrecht unberücksichtigt gelas-

sen. Als erstellt zu erachten sei auch das generelle Verfolgungsinteresse 

der Taliban an ihm wegen der Tätigkeiten seiner Onkel bei der ehemaligen 

Regierung sowie, dass sich sein Vater der Widerstandsfront angeschlos-

sen habe; daraus ergebe sich eine asylrelevante Gefahr der Reflexverfol-

gung. Ehemalige Angehörige der Polizei und der afghanischen Sicherheits-

kräfte sowie deren Familienangehörige würden zu den Hauptzielen der 

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Seite 11 

Taliban zählen. Auch das Bundesverwaltungsgericht anerkenne in diesem 

Kontext drohende Reflexverfolgung. Er habe solche erlebt und die Nach-

fragen nach seiner Freilassung würden ein weiterhin bestehendes Verfol-

gungsinteresse bekunden. Bereits deshalb sei er im Falle einer Rückkehr 

nach Afghanistan einem erheblichen Verfolgungsrisiko ausgesetzt. 

4.2.2 Darüber hinaus habe er angegeben, einen TikTok-Account mit (…) 

Followern betrieben zu haben. Indem er die Inhalte der Taliban kritisch 

kommentiert habe, habe er sich gegen die Taliban gestellt. Diese hätten 

davon Kenntnis gehabt, ihn bedroht und ihm sein Handy abgenommen, 

womit sie sämtliche Profile und Inhalte gespeichert hätten. 

4.3  

4.3.1 In der Vernehmlassung erklärt das SEM, es erachte die Angaben des 

Beschwerdeführers weiterhin als insgesamt unglaubhaft. Die Hinweise auf 

die unterschiedlichen Zeitangaben hätten aufzeigen sollen, dass er einer-

seits erklärt habe, etwa im Oktober 2021 ausgereist zu sein, während er 

andererseits angegeben habe, zwischen Januar und Juni 2022 ausgereist 

zu sein. Solche unterschiedlichen Angaben zu seinem Ausreisezeitpunkt 

habe er wiederholt gemacht. Dieses Sachverhaltselement sei deshalb von 

zentraler Bedeutung, weil der Beschwerdeführer erklärt habe, er sei nach 

der Machtübernahme der Taliban nicht mehr lange Zeit in seinem Heimat-

staat verweilt. Sodann spreche das Ausstellungsdatum der Tazkira seines 

Vaters von Ende Dezember 2021 einerseits dafür, dass er sich zu diesem 

Zeitpunkt noch in Afghanistan aufgehalten habe, und andererseits gegen 

das Vorliegen eines Gefährdungsprofils des Vaters. Für die Ausstellung ei-

ner Tazkira sei nämlich eine persönliche Vorsprache bei den zuständigen 

Behörden notwendig. Schliesslich würden die Kontrollen im Verlauf ihrer 

Ausreise aus ihrem Heimatstaat gegen ein vorhandenes Verfolgungsinte-

resse am Beschwerdeführer sowie seiner Familie sprechen. So habe der 

Beschwerdeführer ausgeführt, Ziel dieser Kontrollen sei es gewesen, Mit-

glieder der alten Regierung oder der Jabha-ye-Moqawamat ausfindig zu 

machen. Der eingereichte Drohbrief weise keine überprüfbaren Sicher-

heitsmerkmale auf und solche Dokumente könnten ohne Weiteres gegen 

Bezahlung erworben werden. 

4.3.2 Bezüglich der vorgebrachten eigenen oppositionellen Tätigkeiten des 

Beschwerdeführers sei darauf hinzuweisen, dass dieser an seinen Befra-

gungen stets angegeben habe, er sei wegen seinem Vater von den Taliban 

mitgenommen und behelligt worden. Die von ihm ausgehende Gefahr sei 

von den Taliban demnach offensichtlich nicht als gross genug erachtet 

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Seite 12 

worden, um aktiv gegen ihn vorzugehen; vielmehr sei er lediglich verwarnt 

worden. Seinen Angaben zufolge habe er seit dem Regierungssturz seine 

Aktivitäten in den sozialen Medien nicht mehr weitergeführt, weil der Ge-

heimdienst der Taliban zu stark gewesen wäre und sie ihn aufgespürt hät-

ten. Insofern erweise sich die Behauptung, er befinde sich auf einer Such-

liste der Taliban, als reine Spekulation. 

4.4  

4.4.1 In der Replik wird ausgeführt, der vom SEM erwähnte Bericht betref-

fend das Ausstellungsprozedere der Tazkira weise darauf hin, dass sich 

der Ausstellungsprozess je nach Region und Zeitpunkt unterscheide und 

sich auf das erstmalige Ausstellen der Tazkira beziehe. Zum Fall des Vor-

gehens bei einem Verlust schweige sich dieses Dokument allerdings aus. 

Einem anderen Bericht sei zu entnehmen, dass im Falle des Verlusts der 

Tazkira keine erneute biometrische Erfassung notwendig sei, sondern das 

einmalige Vorsprechen bei einem E-Tazkira Distribution Center ausreiche. 

Nachdem die Taliban darauf angewiesen seien, dass dort auch frühere An-

gestellte tätig seien, könne aus der Ausstellung der Tazkira nicht abgeleitet 

werden, der Vater sei nicht verfolgt. Indem das SEM dem eingereichten 

Drohbrief per se den Beweiswert abgesprochen habe, habe es die ver-

schiedenen Sachverhaltselemente nicht in einer Gesamtschau gewürdigt. 

Vielmehr sei dieses Beweismittel angesichts seiner ausführlichen Schilde-

rungen der Verfolgung durch die Taliban als weiteres Indiz für seine Glaub-

haftigkeit zu werten. 

4.4.2 Das SEM verkenne bei der dem Beschwerdeführers abgesproche-

nen Gefährdung durch seine eigene oppositionelle Tätigkeit, dass die Tali-

ban im Zeitpunkt seiner Behelligungen nur einzelne Posts gekannt hätten, 

aber noch keine Auswertung seines Handys stattgefunden haben könne, 

da dies eine gewisse Zeit in Anspruch nehme. Aufgrund seines Kindesal-

ters hätten sie ihn mit einer Verwarnung gehen lassen. Das SEM sei fälsch-

licherweise davon ausgegangen, er habe für diese Tätigkeiten eine beson-

dere Reife besitzen müssen. Vielmehr habe er hierzu lediglich Internetzu-

gang benötigt und mit der Benutzung eines Handys vertraut sein müssen. 

Ohnehin stelle dies keine Rechtfertigung dar, seine Minderjährigkeit im Ver-

fahren nicht zu beachten. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

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tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Das Gericht kommt nach Durchsicht der Verfahrensakten zum Schluss, 

dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung in nachvollziehbarer 

Weise erwogen hat, aus welchen Gründen es davon ausging, der Be-

schwerdeführer sei im Zeitpunkt seiner Ausreise keinen Verfolgungsmass-

nahmen seitens der Taliban ausgesetzt gewesen. 

6.2 Der Beschwerdeführer erklärte im Rahmen seiner Anhörung, er habe 

vor der Machtübernahme der Taliban gegen diese gerichtete Videos ge-

postet, Beiträge kommentiert und an Demonstrationen teilgenommen. Zu-

dem sei er Administrator einer TikTok-Gruppe mit (…) Followern gewesen. 

Lange vor dem Sturz der Regierung habe er aber keine Beiträge mehr ver-

öffentlicht, weil der Geheimdienst der Taliban sehr stark geworden sei (vgl. 

SEM-act. A19 ad F11, 17 ff. und 24). In Bezug auf die Behelligungen sei-

tens der Taliban nach deren Machtübernahme führte der Beschwerdefüh-

rer aus, die Familie habe Drohbriefe erhalten, weil sich sein Vater der Wi-

derstandsfront angeschlossen habe. Als die Taliban zu Hause auf- 

getaucht sei, habe er sich zugunsten seiner Familie freiwillig gemeldet, um 

mit den Taliban mitzugehen. 

6.3 Damit ging das SEM zu Recht davon aus, es habe im Zeitpunkt der 

Mitnahme durch die Taliban kein gegen den Beschwerdeführer gerichtetes 

Verfolgungsinteresse aufgrund seiner eigenen Tätigkeiten bestanden. Das 

Gericht geht ausserdem einig mit der Annahme des SEM, wonach der Be-

schwerdeführer auch nicht gezielt von den Taliban verfolgt worden sei, 

nachdem die Taliban die Videos und Beiträge auf seinem Handy gesehen 

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hätten. Wäre er tatsächlich deswegen als zukünftige Gefahr betrachtet 

worden, hätten sie ihn sicherlich nicht gehen lassen. Seinen Angaben zu-

folge hat er auch seit längerer Zeit keine Beiträge mehr veröffentlicht und 

die Taliban haben damit gedroht, die gesamte Familie mitzunehmen, um 

an Informationen zum Vater zu gelangen. Schliesslich seien auf dem Droh-

brief, den die Taliban nach ihrer Ausreise geschickt hätten, nur die Angaben 

des Vaters und seine Mitgliedschaft bei der Jabha-ye-Moqawamat ver-

merkt gewesen (vgl. SEM-act. A19 ad F33 und F53 f). 

6.4 Diese Zweifel an einem bestehenden Verfolgungsinteresse werden er-

härtet durch den Umstand, dass die Familie – inklusive des angeblich ge-

suchten Vaters sowie seiner Onkel, die ehemalige Regierungsmitarbeiter 

gewesen seien – bei der Ausreise mehrmals von den Taliban kontrolliert 

worden sei (vgl. SEM-act. A15 S. 8 und S. 10, A19 ad F51 f.). Es ist nicht 

davon auszugehen, diese hätten kurz nach ihrer Machübernahme Perso-

nen ohne Papiere trotz mehrfacher Kontrolle ausreisen lassen (vgl. HUMAN 

RIGHTS WATCH, Policy Responses to Support Afghans Fleeing Taliban-

Controlled Afghanistan, vom 21. Oktober 2021, abrufbar unter: < https:// 

www.hrw.org/news/2021/10/21/policy-responses-support-afghans-fleeing-

taliban-controlled-afghanistan >; abgerufen am 2. April 2025). 

6.5 Im Übrigen erscheint in Bezug auf die angeblichen eigenen Tätigkeiten 

des Beschwerdeführers ohnehin fraglich, dass er diese in keiner Weise be-

legen konnte. Es ist davon auszugehen, er hätte irgendeinen Beweis lie-

fern können, hätte er sich tatsächlich in erkennbarer Weise gegen die Tali-

ban eingesetzt. 

6.6 Um Wiederholungen zu vermeiden kann auf die überzeugenden Erwä-

gungen des SEM in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden 

(vgl. SEM-Verfügung S. 3 ff.). 

6.7 Nach dem Gesagten erfüllt der Beschwerdeführer die Voraussetzun-

gen für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG 

nicht. Die angefochtene Verfügung des SEM ist zu bestätigen. Es hat das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

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Seite 15 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Nachdem das SEM die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an-

geordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zum Vorliegen 

allfälliger (weiterer) Wegweisungsvollzugshindernissen. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist (vgl. 

E. 1.5.2). 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfü-

gung vom 19. Oktober 2022 wurde indessen das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, und den Akten sind 

keine Hinweise auf eine relevante Veränderung der finanziellen Verhält-

nisse zu entnehmen. Deshalb sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde auch das Gesuch um amtli-

che Rechtsverbeiständung gutgeheissen und Rechtsanwalt Dominik Züsli 

als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Ihm ist zulasten der Gerichts-

kasse ein Honorar zuzusprechen. Der in der am 13. Dezember 2023 ein-

gereichten Kostennote aufgeführte Vertretungsaufwand von 12½ Hono-

rarstunden erscheint angemessen. Die pauschal geltend gemachten 

Fr. 40.– für "Portospesen", "Fotokopien" und "Telefonspesen" sind jedoch 

nicht zu entschädigen, zumal alle Eingaben digital zu den Akten gereicht 

worden sind, womit weder Porti noch Kosten für Fotokopien angefallen sein 

dürften. Die durch die Gerichtskasse zu vergütende Entschädigung ist 

demnach (bei einem Stundenansatz von Fr. 220.–) auf insgesamt 

Fr. 2'750.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Honorar für die amtliche Rechtsverbeiständung wird auf insgesamt 

Fr. 2'750.– festgesetzt und dem amtlichen Rechtsbeistand durch die Ge-

richtskasse vergütet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

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