# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 59c15031-c5cd-5244-b8ef-16958e18ed4d
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-13
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 13.02.2023 S1 22 106
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_S1-22-106_2023-02-13.pdf

## Full Text

S1 22 106 

 

 

URTEIL VOM 13. FEBRUAR 2023 

 

Kantonsgericht Wallis 

Sozialversicherungsrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Präsident; Candido Prada und Thomas Brunner 

Kantonsrichter; Renata Kreuzer, Gerichtsschreiberin 

 

in Sachen 

 

X _________, 3946 Turtmann, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt  

Jörg Roth, 3001 Bern 

 

gegen 

 

KANTONALE IV-STELLE, 1950 Sitten, Beschwerdegegnerin  

 

 

(Einstellung der Invalidenrente) 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 31. Mai 2022 

  

- 2 - 

Sachverhalt 

A. 

A.a  Die 1990 geborene Beschwerdeführerin kam im Alter von 4 Jahren in die Schweiz. 

Aufgrund einer Lernbehinderung sprach die IV ihr Sonderschulmassnahmen, berufliche 

Massnahmen und ab dem Alter von 18 Jahren mit Verfügung vom 17. November 2011 

(IV-Dossier Dok. 147) eine halbe Rente zu. Nach Absolvierung einer Anlehre als Kü-

chenhilfe konnte die Beschwerdeführerin unter sehr hohem Betreuungsbedarf eine stark 

reduzierte Leistung erbringen. Es fand eine Abklärung bei der befas in Burgdorf statt 

(a.a.O. Dok. 91). Dabei ergab sich, dass einfache, gleichbleibende oder wiederkehrende 

Aufgaben, beispielsweise im Hausdienst, bei einer ganztägigen Einsatzfähigkeit mit ei-

ner Leistungsfähigkeit von 50% erledigt werden konnten. Als wichtig wurde erachtet, 

dass es eine Tätigkeit aus dem Bereich «Frauenarbeit» sei, da sich die Beschwerdefüh-

rerin in ihrem Selbstverständnis nur mit einer derartigen Arbeit identifizieren könne. Die 

IV finanzierte zusätzlich einen Arbeitsversuch in Küche, Wäscherei und Reinigungs-

dienst im Atelier Manus. Ab dem 1. April 2012 war die Beschwerdeführerin zu 50% fest 

als Küchenhilfe in einem Restaurationsbetrieb angestellt (a.a.O. Dok. 150). Nachdem ihr 

im Dezember 2012 gekündigt worden war, organisierte die IV einen Arbeitsversuch bei 

einer Wäscherei. Ihre Leistung wurde vom Arbeitgeber auf 30% geschätzt, eine Anstel-

lung kam nicht zustande. Die Beschwerdeführerin heiratete im März 2013, ihr Ehemann 

arbeitete und sie bezog die halbe IV-Rente. Es fanden weitere Arbeitsversuche in unter-

schiedlichen Betrieben statt. Da die Beschwerdeführerin sich auf den Standpunkt gestellt 

hatte, als verheiratete Frau könne sie auch zu Hause bleiben und trotz Mahnverfahren 

bei der Arbeitsvermittlung nicht mehr mitgewirkte, schloss die IV diese mit Verfügung 

vom 25. August 2014 (a.a.O. Dok. 182) ab. 

A.b  Anlässlich einer Revision wurde der Rentenanspruch mit Verfügung vom 15. März 

2016 bestätigt. 

A.c  Im März 2021 wurde erneut eine Rentenrevisionsverfahren eingeleitet. Die  

Beschwerdeführerin gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert. Beim 

Hausarzt sei sie vor ca. zwei bis drei Jahren letztmals gewesen. Ein Telefon der IV-Stelle 

mit dem Hausarzt ergab, dass der letzte Arztbesuch tatsächlich vor drei Jahren wegen 

einer Bagatelle stattgefunden habe und es deshalb keinen Sinn mache, einen Arztbericht 

auszufüllen. Ebensowenig sinnvoll wäre es, die Patientin einzubestellen, da es sich dies-

falls nur um einen «Momentaufnahme» handeln würde. Die Beschwerdeführerin gab an, 

- 3 - 

sie sei im Mai 2017 Mutter geworden und nicht erwerbstätig. Die IV stufte sie ihren An-

gaben zufolge als im Gesundheitsfall zu 50% erwerbstätig und zu 50% Hausfrau ein. 

Eine Haushaltsabklärung ergab im August 2021 (a.a.O. Dok. 202), dass die Beschwer-

deführerin den kompletten Haushalt selbständig und ohne Dritthilfe erledige. Der Ehe-

mann sei gesund und arbeite zu 100%, die ihm zumutbare Mithilfe wurde als sehr gross 

eingeschätzt. Die IV kam zum Schluss, als Teilzeiterwerbstätige zu 50% bestehe eine 

67%ige Einschränkung und als Hausfrau sei die Beschwerdeführerin nicht einge-

schränkt. Der global errechnete Invaliditätsgrad betrage demzufolge 33.5%, womit ein 

Rentenanspruch entfalle (a.a.O. Dok. 204). Die Beschwerdeführerin erhob ihre Ein-

wände (a.a.O. Dok. 214). In der Haushaltsführung fielen vorwiegend dieselben Aufgaben 

an, wie bei der Arbeit in der Küche, der Wäscherei oder sonst in der Hauswirtschaft. 

Infolgedessen sei es unverständlich, dass die Haushaltsführung ohne Einschränkungen 

erledigt werden könne. Eine Veränderung im Gesundheitszustand der Beschwerdefüh-

rerin sei nie eingetreten. Es sei somit mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

davon auszugehen, dass auch im Haushalt Einschränkungen bestünden und deshalb 

insgesamt auch ein höherer Invaliditätsgrad bestehe. Die IV-Stelle sei ihrer Abklärungs-

pflicht in ungenügender Weise nachgekommen. Eine fachärztliche Beurteilung und eine 

erneute Haushaltsabklärung seien unerlässlich. 

B. 

Mit Verfügung vom 31. Mai 2022 bestätigte die IV-Stelle den Vorentscheid und hob die 

Rente auf Ende Juli 2022 auf. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, den An-

gaben der Versicherten, wonach sie bei der Haushaltsführung keine Hilfe brauche, kä-

men als sogenannte «Aussagen der ersten Stunde» ein höherer Beweiswert zu als spä-

teren, allenfalls versicherungsrechtlich motivierten Aussagen im Anhörungs- oder Be-

schwerdeverfahren. Es möge sein, dass die Haushaltsarbeiten nur langsam verrichtet 

werden könnten. Tatsache bleibe aber, dass die Versicherte diese Arbeiten frei einteilen 

könne und sich daran im Sinne der Schadenminderungspflicht auch ihr Ehemann betei-

ligen müsse. Haushaltsarbeiten könnten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

nicht mit ähnlichen Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt verglichen werden. 

C. 

Dagegen wurde am 1. Juli 2022 Beschwerde bei der Sozialversicherungsrechtlichen  

Abteilung des Kantonsgerichts Wallis erhoben. Die Beschwerdeführerin beantragte die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur ergän-

- 4 - 

zenden Abklärung sowie zur Neubeurteilung. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich-

ten, der Beschwerdeführerin die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszurichten. 

Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Leistungspflicht der 

Beschwerdegegnerin gerichtlich ergänzend abzuklären und festzusetzen. Der Abklä-

rungsbericht betreffend Haushalt und Erwerbstätigkeit sei unrichtig und die damit einher-

gehende Einschätzung werde ausdrücklich bestritten. Die Beschwerdeführerin sei auf-

grund ihres Gesundheitsschadens nicht nur in der Erwerbs- sondern auch in der Haus-

haltstätigkeit eingeschränkt. Sie arbeite sehr langsam, sei rasch überfordert und könne 

somit die Haushaltsarbeit nur unzureichend erledigen. Dies bestätige auch der langjäh-

rige Hausarzt in seinem Bericht vom 27. Juni 2022 (Beschwerdebeilage 3). Dieser ver-

lange eine gezielte medizinische Abklärung und Neubeurteilung. Eine solche sei nie er-

folgt, obwohl die Rahmen der Arbeitsversuche in den Jahren 2013 und 2014 grosse Ein-

schränkungen festgestellt worden seien. Eine Veränderung des Gesundheitszustandes 

der Beschwerdeführerin habe nicht stattgefunden. Die Einschränkungen bestünden 

demzufolge auch bei der Haushaltsarbeit und es müsse davon ausgegangen werden, 

dass die Haushaltsabklärung ungenügend umfangreich, detailliert und sorgfältig durch-

geführt worden sei. Es werde bestritten, dass die Beschwerdeführerin gegenüber der 

Abklärungsperson angegeben habe, sie müsse bei der Haushaltsführung keinerlei Hilfe 

Dritter in Anspruch nehmen. Sie habe die Fragen nicht richtig verstehen und einordnen 

können und habe sich völlig überfordert und unter Druck gesetzt gefühlt. Eine rasche 

Überforderung sei ihrem Beschwerdebild immanent. Die Abklärungsperson habe die Be-

einträchtigungen der Beschwerdeführerin ganz offensichtlich nicht gekannt, bzw. nicht 

gebührend in die Beurteilung mit einbezogen. Eine zuverlässige Bewertung der Ein-

schränkungen im Haushalt sei damit nicht möglich und auf den Abklärungsbericht vom 

August 2021 könne nicht abgestellt werden. Es sei unerlässlich, eine fachärztliche (me-

dizinische) Abklärung bzw. ein Gutachten bezüglich der kognitiven Leistungsfähigkeit 

und des aktuellen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin vorzunehmen und ge-

stützt darauf eine erneute Haushaltsabklärung durchzuführen. 

Mit Vernehmlassung vom 16. August 2022 hielt die IV-Stelle an ihrer Verfügung fest und 

beantragte die Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde. Dem mit der Be-

schwerde eingereichten Bericht des Hausarztes vom 27. Juni 2022 seien weder medizi-

nische Befunde noch eine medizinische Argumentation für massgebliche Einschränkun-

gen im Haushalt zu entnehmen. In Anbetracht der Tatsache, dass der Hausarzt keinen 

IV-Bericht habe verfassen wollen, da er die Patientin seit drei Jahren nicht mehr gesehen 

habe, müsse das Schreiben vom 27. Juni 2022 als reines Gefälligkeitsattest ohne jegli-

chen Beweiswert betrachtet werden. Bei den Fragestellungen der Abklärungsperson 

- 5 - 

handle es sich um einfache Fragen. Es sei nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen 

die Beschwerdeführerin diese aufgrund ihrer Lernbehinderung nicht verstanden haben 

sollte. Selbst die etwas komplexere Frage nach dem hypothetischen Erwerbspensum im 

Gesundheitsfall habe beantwortet werden können. Bezüglich der erweiterten Begrün-

dung der gesundheitlichen Situation des Sohnes, sei die IV-Stelle der Beschwerdefüh-

rerin entgegengekommen, indem momentan nicht von einer vollen Tätigkeit im Aufga-

benbereich Haushalt ausgegangen worden sei. Die Beschwerdeführerin leide an einer 

Lernbehinderung und einem unterdurchschnittlichen IQ. Dies schränke die Leistungsfä-

higkeit auf dem Arbeitsmarkt ein, könne objektiv betrachtet aber nicht eine Einschrän-

kung in der Haushaltsführung begründen. Inwiefern die Einschätzung der Haushaltsab-

klärung einer medizinischen Beurteilung widersprechen sollte, sei nicht nachvollziehbar. 

Nachdem die Beschwerdeführerin auf das Einreichen einer Replik verzichtet hatte, 

wurde der Schriftenwechsel am 21. September 2022 abgeschlossen. 

Auf weitere Sachverhaltsdarstellungen, Parteibehauptungen und Begründungen wird, 

soweit rechtlich von Bedeutung, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

ERWÄGUNGEN 

1. 

Das Kantonsgericht hat die Prozessvoraussetzungen wie die Partei- und die Prozessfä-

higkeit, die Zulässigkeit des Rechtswegs, die Zuständigkeit der angerufenen Instanz, 

das Rechtsschutzinteresse sowie die formrichtige und rechtzeitige Rechtsvorkehr von 

Amtes wegen zu prüfen (BGE 131 V 202 E. 1, 130 V 514 E. 1, 126 V 30). In Abweichung 

von Art. 58 Abs. 1 ATSG sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem 

Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar (Art. 69 Abs. 1 des Bundesgeset-

zes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG]). In casu ist dies die Sozial-

versicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts (Art. 7 Abs. 2 des Gesetzes über 

die Rechtspflege vom 11. Februar 2009 [RPflG] i.V.m. Art. 1 Abs. 2 des Verfahrensreg-

lements vom 2. Oktober 2001 [RVG] und Art. 81a des Gesetzes über das Verwaltungs-

verfahren und die Verwaltungsrechtspflege vom 6. Oktober 1976 [VVRG]), die als kan-

tonales Versicherungsgericht für die Behandlung von Beschwerden auf dem Gebiet des 

Sozialversicherungsrechts zuständig ist (vgl. BGE 127 V 176 E. 2). Die Beschwerdefüh-

rerin ist als Verfügungsadressatin von der Verfügung der Beschwerdegegnerin berührt 

und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59 

- 6 - 

ATSG). Sie ist somit zur Beschwerde legitimiert. Auf die form- (Art. 61 lit. b ATSG) und 

fristgerecht (Art. 60 ATSG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

2. 

2.1  Die Beschwerdeinstanz hat nicht zu prüfen, ob sich der angefochtene Entscheid 

unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten als korrekt erweist, sondern im 

Prinzip nur die vorgebrachten Beanstandungen zu untersuchen (Rügeprinzip). Von den 

Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene Rechtsfragen werden von der Beschwer-

deinstanz nur geprüft, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus 

den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichend Anlass besteht (BGE 119 V 347 E. 

1a).  

2.2  Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der Verfügung vom 31. Mai 2022 

mit der Begründung, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert. Es sei deshalb 

nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund keine Einschränkungen bei der Haushaltsar-

beit bestehen sollten. Die entsprechende Abklärung sei mangelhaft, darauf könne nicht 

abgestellt werden. Eine fachärztliche Beurteilung der kognitiven Leistungsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin sei unabdingbar und gestützt auf diese sei die Haushaltsabklärung 

zu wiederholen. 

3. 

Streitig und zu prüfen ist vorab, ob die Rente zu Recht in Revsion gezogen wurde, d.h., 

ob sich die tatsächliche Situation im Verlaufe des zeitlichen Vergleichszeitraums insofern 

verändert hat, als die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Statusfrage neu als 

Teilerwerbstätige einzustufen und damit die Invalidität anhand der gemischten Methode 

zu bemessen ist. 

3.1  Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind, wird für 

die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich 

im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich). Bei Versicherten, die nur zum 

Teil erwerbstätig sind, wird der Invaliditätsgrad nach der gemischten Bemessungsme-

thode bestimmt (vgl. Art. 28a IVG; Art 27bis IVV; BGE 147 V 124 E. 5 und 6). Ändert sich 

der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes we-

gen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-

hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung 

in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den 

Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die 

- 7 - 

Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter 

sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkun-

gen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 

131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen 

Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sach-

verhalts bestehen (BGE 147 V 124 E. 7). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Be-

urteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen 

Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). 

Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des 

Invaliditätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen 

Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswür-

digung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4; 

Bundesgerichtsurteil 9C_524/2008 vom 15. Juli 2009 E. 2.2 mit Hinweisen). 

3.2  Aufgrund des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger 

und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweis-

regeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren 

bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, 

von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver-

fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge-

statten. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft 

eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen 

Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten, sondern deren Inhalt (BGE 134 V 231 E. 

5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen; AHI 2001 S. 113 E. 3a). 

4. 

In casu ist somit zu prüfen, ob zwischen dem Sachverhalt im Zeitpunkt der Verfügung 

vom 17. November 2011 und jenem im Zeitpunkt der die Revision betreffenden Verfü-

gung vom 31. Mai 2022, tatsächlich wesentliche Änderungen eingetreten sind. 

4.1  Die Beschwerdeführerin wurde am 30. Mai 2017 Mutter, damit ist nach der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung ein Revisionsgrund im Sinne einer wesentlichen Ände-

rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver-

halts gegeben (BGE 147 V 124 E. 7). Eine Veränderung im Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin ist nicht zusätzlich notwendig. 

- 8 - 

4.2  Es ist unbestritten, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 

unverändert ist. Dies wird ergibt sich durch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin 

ihren Hausarzt seit drei Jahren nicht mehr benötigt hat und wird explizit bestätigt durch 

dessen Schreiben vom 27. Juni 2022. 

4.3  Anlässlich der Erhebung zu Hause bei der Beschwerdeführerin, gab diese an, ohne 

Kinderbetreuung würde sie in einem Pensum von 50% arbeiten. Die IV-Stelle schätzte 

sie demzufolge als zu 50% erwerbstätig und zu 50% mit der Haushaltsführung befasst 

ein. Nachdem die Beschwerdeführerin versichert hatte, den gesamten Haushalt ohne 

jegliche Dritthilfe vollkommen selbständig zu führen, entfiel die üblicherweise vorzuneh-

mende Einzelprüfung der Teilbereiche der Haushaltsarbeiten. Da es sich bei diesen bei-

den grundlegenden Fragen nicht um schwierig vorstellbare Sachverhalte handelt und 

die Fragen zudem mündlich gestellt wurden, darf – auch im Kontext der gesamten Akten 

– davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin sie verstanden und korrekt 

beantwortet hat. Entgegen der beschwerdeweise vorgebrachten Einwände können die 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin bei der Erwerbstätigkeit nicht eins zu eins auf 

die Haushaltsarbeit übertragen werden, denn dabei würde verkannt, dass im Haushalt 

in der Regel mehr Spielraum für die Einteilung der Arbeit und auch die Art und Weise, 

wie sie ausgeführt wird, besteht. Überdies haben bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

im erwerberblichen Tätigkeitsbereich Fragen der Schadenminderungspflicht – hier zu 

denken ist insbesondere an die zumutbare Mitarbeit des Ehemannes der Beschwerde-

führerin im Haushalt – ausser Acht zu bleiben (Bundesgerichtsurteil I 699/05 vom 16. 

März 2006 E. 6.2.1). Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist die IV-Stelle zu Recht 

von einer vollen Arbeitsfähigkeit für Haushaltsarbeiten und von einer 50%igen Arbeits-

fähigkeit für die Erwerbstätigkeit ausgegangen. 

In antizipierter Beweiswürdigung kann von fachärztlichen Untersuchungen oder der Ein-

holung eines Gutachtens abgesehen werden (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E.3.3 

und 122 V 157 E. 1d). 

4.4  In Konstellationen, in welchen allein familiäre Gründe zu einem Statuswechsel 

führen, ist der Invaliditätsgrad gemäss dem neuen Berechnungsmodell der gemischten 

Methode nach Art. 27bis Abs. 2 bis 4 IVV zu bestimmen. Dieses Berechnungsmodell 

verfolgt das Ziel einer nichtdiskriminierenden Ausgestaltung der gemischten Methode 

und damit der EMRK-konformen Behandlung teilerwerbstätiger Versicherter. Neu wird 

für beide Teilbereiche so gerechnet, wie wenn keine Teilerwerbstätigkeit vorläge. Die 

prozentual ermittelten und nach invalidenversicherungsrechtlichem Status – einmalig – 

gewichteten Anteile werden in der Folge addiert. Dies ergibt bei einer 67%-igen 

- 9 - 

Invalidität im Erwerbsbereich und einer 0%-igen im Haushalt einen globalen 

Invalditätsgrad von 33.5% (67%x50% + 0%x50%). 

Die IV-Stelle hat einen Rentenanspruch somit zu Recht verneint und die bisherigen 

Leistungen auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats eingestellt. 

4.5  Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, die da-

gegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 

5. 

5.1  Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige-

rung von IV-Leistungen vor dem Kantonsgericht ist kostenpflichtig (Art. Art. 69 

Abs. 1bis IVG). Aufgrund des Verfahrensaufwands (reiner Urkundenprozess) werden die 

Gerichtskosten in casu auf CHF 500 festgesetzt. Auslagen sind dem Gericht keine ent-

standen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden die Kosten der Beschwer-

deführerin auferlegt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 

5.2  Einzig der obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Parteientschädi-

gung. In casu entfällt der Anspruch aufgrund der Abweisung der Beschwerde. Dem Be-

schwerdegegner - d.h. dem Versicherungsträger – steht ebenfalls kein Partei-entschä-

digungsanspruch zu (Art. 61 lit. g ATSG; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich / Basel 

/ Genf 2015, Art. 61 ATSG N. 199). 

- 10 - 

 

Demnach wird erkannt 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens von CHF 500 gehen zu Lasten der 

Beschwerdeführerin. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 

3. Es werden keine Parteientschädigungen ausgerichtet. 

Sitten, 13. Februar 2023