# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 00a99d8d-b244-5fdb-9cd5-be7057e67986
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-09
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 09.03.2022 P1 21 81
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-21-81_2022-03-09.pdf

## Full Text

P1 21 81 

 

URTEIL VOM 9. MÄRZ 2022 

 

Kantonsgericht Wallis 

I. Strafrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Einzelrichter; Dr. Milan Kryka, Gerichtsschreiber 

 

in Sachen 

Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Berufungsklägerin 

und 

X _________, Privatklägerin 1 

und 

Y _________, Privatklägerin 2 

gegen 

Z _________, Beschuldigter, Berufungsbeklagter und Anschlussberufungskläger, ver-

treten durch Rechtsanwalt Jodok Wyer, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 4, 

Postfach 596, 3930 Visp 

(Raufhandel, sexuelle Belästigung) 

Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Visp  

vom 25. Juni 2021 [VIS S1 20 43]  

- 2 - 

Verfahren   

 

A.  In den frühen Morgenstunden des 18. November 2017 ging bei der Regionalpolizei 

A _________ die Meldung ein, wonach sich auf dem Bahnhofplatz A _________ eine 

verletzte, weinende Frau befinde (S. 10). Die ausgerückten Polizeikräfte trafen vor Ort 

auf die Privatklägerin 1, X _________. Diese wurde zum Arzt B _________ begleitet, 

der einen Befundbericht zu deren Verletzungen anfertigte. Demnach hatte die Exploran-

din beidseitige Orbitalhämatome an den Augen, ein Hämatom an der Lippe links, eine 

Prellmarke an der linken Wange, ein Hämatom am linken Ellenbogen aussen, Schürf-

wunden an beiden Händen sowie am rechten Schienbein und eine Schwellung am linken 

Sprunggelenk (S. 27 ff.). Im weiteren Verlauf des Tages wurde X _________ auf dem 

Polizeiposten in A _________ vorstellig. Da aber keine Übersetzungsperson anwesend 

war, wurde mit ihr ein Termin für den 25. November 2017 vereinbart, um ihre Aussage 

aufzunehmen (S. 3). 

B.  Bereits am 23. November 2017 befragte die Kantonspolizei C _________, einziger 

Verwaltungsrat der D _________ AG, als Auskunftsperson zu den Vorkommnissen in 

der Nacht vom 17. zum 18. November 2017 (S. 12 ff.). X _________ wurde am 25. No-

vember 2017 als Auskunftsperson befragt (S. 19 ff.) und stellte Strafantrag gegen 

Z _________ und E _________ (S. 15 ff.). Der diensthabende Staatsanwalt wurde infor-

miert und ordnete die Einvernahme sämtlicher Beteiligten an (S. 3). Am 30. November 

2017 wurde der Freund des Opfers und Angestellte der D _________ AG, F _________, 

als Beschuldigter befragt (S. 34 ff.). Darauf folge am 4. Dezember 2017 die Einvernahme 

von G _________, Arbeitskollege von F _________, als Auskunftsperson (S. 40 ff.). 

Weiter wurde am 6. Dezember 2017 H _________, die Ehefrau von Z _________, als 

Auskunftsperson einvernommen (S. 46). Am Folgetag fanden die Befragungen von 

E _________ (S. 54 ff.) und Z _________ (S. 59 ff.), beide als Beschuldigte, statt. Am 

19. und 20. Dezember 2017 folgten die Einvernahmen als Beschuldigte von 

I _________, Freund von E _________ und Angestellter der D _________ AG, (S. 70 

ff.) und J _________, Bruder von F _________ und ebenfalls Angestellter der 

D _________ AG (S. 77). X _________ wurde am 20. Februar 2018 nochmals, dieses 

Mal als Beschuldigte, befragt (S. 82). Die Einvernahmen erfolgten jeweils einzeln, ohne 

Anwesenheit der übrigen Beteiligten. Am 6. März 2018 übermittelte die Kantonspolizei 

ihren Ermittlungsrapport an die Staatsanwaltschaft (S. 1 ff.).  

C.  Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis verurteilte I _________, E _________, 

F _________, J _________, X _________, und Z _________ mit Strafbefehlen vom 

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13. April 2018, versandt am 17. April 2018, wegen Raufhandels zu bedingten Geldstra-

fen und einer Verbindungsbusse (S. 116 ff.). Nur Z _________ erhob am 30. April 2018 

Einsprache gegen den Strafbefehl (S. 146). Am 1. Mai 2018 wurde er auf den 22. Mai 

2018 zu einer Einvernahme vorgeladen (S. 149). Da ihm die Verfügung nicht zugestellt 

werden konnte, blieb er der Einvernahme fern (S. 151), woraufhin die Staatsanwaltschaft 

mit Schreiben vom 22. Mai 2018 die Rechtskraft des Strafbefehls feststellte (S. 152). Am 

30. Mai 2018 konstituierte sich Rechtsanwalt Jodok Wyer als Verteidiger des Beschul-

digten (S. 153). Am 4. Juni 2018 forderte ihn die Staatsanwaltschaft auf, «innert offener 

Frist» zur Frage der Rechtskraft des Strafbefehls Stellung zu nehmen (S. 156). Eine 

entsprechende Stellungnahme ist nicht aktenkundig.  

D.  Am 24. Januar 2019 lud die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten erneut zur Befra-

gung auf den 26. Februar 2019 vor (S. 157). Am 6. Februar 2019 ging bei der Staatsan-

waltschaft ein Polizeibericht wegen eines mutmasslichen Sexualdelikts, begangen am 

27. November 2018 im K _________ ein, welchen diese gleichentags an den Verteidiger 

weiterleitete (S. 159 f.). Das Verfahren wurde auf den neuen Tatvorwurf ausgedehnt. Die 

Polizei hatte am 27. November 2018 die mutmasslich geschädigte Privatklägerin 2, 

Y _________ (S. 166 ff.), welche einen Strafantrag stellte (S. 172 ff.) und L _________ 

(S. 175) sowie am 28. November 2018 den Beschuldigten (S. 180) befragt und am 

29. November 2018 eine Fotodokumentation des K _________ erstellt (S. 192 ff.).  

Die Befragung vom 26. Februar 2019 konnte durchgeführte werden, wobei der Staats-

anwalt mit Zustimmung des Beschuldigten als Übersetzer fungierte (S. 205 ff.).  

E.  Mit Parteimitteilung vom 28. Februar 2019 stellte die Staatsanwaltschaft den Parteien 

die Anklageerhebung vor Gericht in Aussicht, nachdem Konfrontationseinvernahmen mit 

X _________ und C _________ und die Schlusseinvernahme des Beschuldigten durch-

geführt seien (S. 217 f.). Am 9. April 2019 fanden die Konfrontationseinvernahmen mit 

C _________ (S. 227 ff.) und Y _________ (S. 231 ff.) statt und der Beschuldigte wurde 

im unmittelbaren Anschluss befragt (S. 235 ff.). X _________ war der Einvernahme un-

entschuldigt ferngeblieben (S. 242). Eine weitere Vorladung auf den 14. Mai 2019 konnte 

ihr am 30. April 2019 polizeilich zugestellt werden (S. 243, 251). Auf Gesuch des Be-

schuldigten (S. 253 f.) wurde die Befragung verschoben und eine neue Vorladung innert 

einer Woche in Aussicht gestellt (S. 258). 

F.  Die neue Vorladung erging am 3. November 2020 für den 19. November 2020 (S. 259 

ff.). Die Befragung von X _________ (S. 266) und die Schlusseinvernahme des Beschul-

digten (S. 275 ff.) konnten an diesem Tag durchgeführt werden. Am 20. November 2020 

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stellte die Staatsanwaltschaft den Parteien erneut die Anklageerhebung vor Gericht in 

Aussicht (S. 280 f.). Am 23. November 2020 hinterlegte der Beschuldigte einen USB-

Stick mit verschiedenen Fotos und Videos vom 17. und 18. November 2017 (S. 285 ff.). 

Am 2. Dezember 2020 erhob die Staatsanwaltschaft vor Bezirksgericht Visp Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen Raufhandels (Art. 133 Abs. 1 StGB) und Exhibitionis-

mus (Art. 194 Abs. 1 StGB) bzw. eventualiter sexueller Belästigung (Art. 198 StGB) (S. 

308 ff.).  

G.  Das Bezirksgericht gab den Parteien Gelegenheit, weitere Beweisanträge zu stellen 

(S. 330). Die Verteidigung beantragte mit Eingabe vom 28. Januar 2021, die Ehefrau 

des Beschuldigten, L _________ sowie eine noch unbekannte Kassiererin im 

K _________ zu befragen und hinterlegte weitere Fotos (S. 332). Die anderen Parteien 

verzichteten auf weitere Beweisanträge. Mit Verfügung vom 18. März 2021 wurden die 

Bilder zu den Akten genommen und die Anträge auf Befragung der erwähnten Personen 

abgewiesen (S. 341 ff.). Am 27. Mai 2021 fand die erstinstanzliche Hauptverhandlung 

statt, an der der Beschuldigte befragt wurde und die Staatsanwaltschaft sowie die Ver-

teidigung plädierten (S. 431 ff.). Am 25. Juni 2021 fällte das Bezirksgericht Visp nachfol-

gendes Urteil, welches es den Parteien durch Versand des Judikatums am 28. Juni 2021 

eröffnete (S. 485 ff.): 

1. Z _________ wird von der Anklage des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB freigespro-

chen. 

2. Z _________ wird der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB schuldig erkannt. 

3. Z _________ wird mit einer Busse von Fr. 500.--, bei schuldhaftem Nichtbezahlen mit einer Ersatzfrei-

heitsstrafe von 5 Tagen bestraft. 

4. Die Verurteilung wird nicht im Strafregister eingetragen. 

5. Die Kosten des Vorverfahrens von insgesamt Fr. 1'924.30 werden wie folgt verlegt: 

 Die Kosten der Polizei in Zusammenhang mit dem Vorfall vom 17. November 2017 in der Höhe 

von Fr. 83.30 sowie Fr. 91.-- Auslagen Zeugengeld C _________ werden dem Kanton Wallis 

auferlegt; 

 Die Kosten der Polizei in Zusammenhang mit dem Vorfall vom 27. November 2018 in der Höhe 

von Fr. 150.-- werden Z _________ auferlegt; 

 Die übrigen Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 1'600.-- werden zu 1/5, d.h. zu Fr. 320.-

-, Z _________ und zu 4/5, d.h. zu Fr. 1'280.--, dem Kanton Wallis auferlegt. 

6. Die Kosten des Hauptverfahrens vor dem Bezirksgericht Visp von Fr. 1'000.-- werden zu 1/5, d.h. zu 

Fr. 200.--, Z _________ und zu 4/5, d.h. zu Fr. 800.--, dem Kanton Wallis auferlegt. 

7. Z _________ wird vom Kanton Wallis mit Fr. 3'200.-- entschädigt. 

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8. Weitergehende Parteientschädigungen werden nicht zugesprochen. 

H.  Die Staatsanwaltschaft meldete daraufhin am 30. Juni 2021 die Berufung an (S. 491). 

Das begründete Urteil wurde am 16. Juli 2021 an die Parteien verschickt (S. 495 ff.). Die 

Staatsanwaltschaft versandte am 9. August 2021 die Berufungserklärung, mit welcher 

sie sich gegen den erstinstanzlichen Freispruch vom Vorwurf des Raufhandels richtet 

(S. 548). Der Beschuldigte seinerseits erklärte am 1. September 2021 die Anschlussbe-

rufung und beantragte einen vollständigen Freispruch (S. 608 ff.). Am 9. September 

2021 wurden die Staatsanwaltschaft, die Privatklägerinnen sowie der Beschuldigte und 

sein Verteidiger für den 17. November 2021 zur Berufungsverhandlung vorgeladen 

(S. 615). Auf Antrag der Verteidigung wurde diese am 16. September 2021 auf den 

1. Dezember 2021 verschoben. Das von Y _________ am 15. September 2021 gestellte 

Dispensationsgesuch musste das Kantonsgericht am 16. September 2021 abweisen, 

verfügte aber Schutzmassnahmen. Mit Eingabe vom 19. November 2021 wurde die An-

schlussberufung zurückgezogen (S. 627), worüber das Kantonsgericht die Parteien am 

22. November 2021 informierte und Y _________ von einer Teilnahme an der Beru-

fungsverhandlung dispensierte. 

I.  An der Berufungsverhandlung war die Privatklägerin 1, X _________ unentschuldigt 

abwesend. Mit Zustimmung der anwesenden Parteien verzichtete das Kantonsgericht 

auf deren Befragung und führte die Hauptverhandlung durch. Der Beschuldigte wurde 

befragt und die Staatsanwaltschaft sowie die Verteidigung plädierten und stellten fol-

gende Anträge (S. 630 ff.): 

Staatsanwaltschaft (S. 638): 

1. In Gutheissung der Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft wird das angefochtene Urteil in Bezug 

auf den Freispruch vom Vorwurf des Raufhandels (Punkt 1 des Urteilsdispositivs), in Bezug auf die 

Strafzumessung (Punkt 3 des Urteilsdispositivs) sowie in Bezug auf die mit dem Freispruch einherge-

henden Kosten-, Entschädigungs- und Nebenfolgen (Punkte 4,5,6 und 7 des Urteilsdispositivs) aufge-

hoben. 

2. Z _________ wird des Raufhandels (Art. 133 Abs. 1 StGB) sowie der sexuellen Belästigung (Art. 198 

StGB) schuldig gesprochen. 

3. Der mit Urteil P1 15 63 des Kantonsgerichts Wallis, vom 2. Juni 2017 ausgesprochene bedingte Voll-

zug der Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 100.00 wird widerrufen.  

4.  Z _________ wird mit einer unbedingten Geldstrafe in Sinne einer Gesamtstrafe von 180 Tagessätzen 

zu einem angemessenen Tagessatz bestraft. 

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5. Z _________ wird überdies mit einer Busse von CHF 500.00 bestraft – bei schuldhaftem Nichtbezah-

len mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

6. Diese Strafe gilt teilweise als Zusatzstrafe zu der Z _________ mit Urteil P1 18 31 vom 28. Mai 2019 

bedingt auferlegten Strafe. 

7. Die Verfahrens- und Entscheidkosten werden Z _________ auferlegt. 

Verteidigung (S. 639): 

1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft Oberwallis vom 09.08.2021 Ziff. II, Rechtsbegehren Ziff. 1, 2, 3, 

4, 5 und 6 ist abzuweisen. 

2. Die Erkenntnisse im Urteil des Bezirksgericht Visp vom 25.06.2021 Ziff. 1, 2, 3 und 4 sind zu bestäti-

gen. 

3. Die Erkenntnisse im Urteil des Bezirksgericht Visp vom 25.06.2021 Ziff. 5 und 6, betreffend die Kosten 

des Vor- und Hauptverfahrens, sind zu bestätigen. 

4. Die Parteientschädigung zu Gunsten des Angeschuldigten Z _________ zu Lasten des Kantons Wal-

lis, ist in Berücksichtigung der Berufungsverfahrens angemessen zu erhöhen., 

 

 

Sachverhalt und Erwägungen 

 

1. 

1.1  Nach der vorliegend anwendbaren StPO (Art. 1 Abs. 1 StPO) ist gegen Urteile erst-

instanzlicher Gerichte, d.h. des Bezirksgerichts als Einzelgericht und des Kreisgerichts 

als Kollegialgericht (Art. 19 StPO; Art. 12 EGStPO), mit denen das Verfahren ganz oder 

teilweise abgeschlossen worden ist, gemäss Art. 398 Abs. 1 i.V.m. Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO die Berufung zulässig. Das Kantonsgericht ist Rechtsmittelinstanz (Art. 14 Abs. 1 

EGStPO). Bei Berufungen gegen Urteile der Bezirksgerichte darf ein Kantonsrichter al-

lein entscheiden, wenn als Hauptstrafe eine Busse, eine Geldstrafe, gemeinnützige 

Arbeit oder eine bedingte Freiheitsstrafe auszufällen und keine vorausgehende bedingte 

Freiheitsstrafe zu widerrufen ist (Art. 19 Abs. 2 StPO; Art. 14 Abs. 2 Satz 1 EGStPO). 

Der mit der Behandlung betraute Kantonsrichter kann den Fall vor den Gerichtshof brin-

gen, welcher auch die übrigen Berufungen beurteilt (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 

EGStPO).  

Der Fall kann in casu durch einen Einzelrichter beurteilt werden. 

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1.2  Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils beim erstinstanzlichen 

Gericht entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 

StPO). Innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils hat die Partei, die 

Berufung angemeldet hat, dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung 

einzureichen und darin anzugeben, inwieweit sie das Urteil anficht und dessen Abände-

rung verlangt (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Die anderen Parteien können innert 20 Ta-

gen seit Empfang der Berufungserklärung die Anschlussberufung erklären (Art. 400 Abs. 

3 StPO). Wurde das erstinstanzliche Urteil dagegen direkt schriftlich und begründet er-

öffnet, so entfällt die Berufungsanmeldung und ist einzig innert 20 Tagen die Berufungs-

erklärung einzureichen (BGE 138 IV 157). 

Die Staatsanwaltschaft hat die Berufung fristgerecht angemeldet und erklärt. Auch die 

Anschlussberufung ist innert offener Frist eingegangen, wurde aber wieder zurückgezo-

gen, womit der Schuldspruch wegen sexueller Belästigung (Ziff. 2 des vorinstanzlichen 

Urteils) rechtskräftig wurde. Das Kantonsgericht tritt auf das form- und fristgerecht depo-

nierten Rechtsmittel ein.  

1.3  Mit der Berufung können im Regelfall Rechtsverletzungen, Rechtsverweigerung und 

Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts 

sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 398 Abs. 3 StPO). Das Berufungsgericht 

kann dazu auf Antrag oder von Amtes wegen weitere Beweise erheben (Art. 389 Abs. 3 

StPO).  

Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich anzugeben, 

auf welche der in Art. 399 Abs. 4 lit. a bis g StPO aufgezählten Teile sich die Berufung 

beschränkt. Das Berufungsgericht kann das Urteil in allen angefochtenen Punkten um-

fassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Seine Kontrolle bleibt jedoch im Prinzip auf 

die beanstandeten Teile beschränkt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann aber zugunsten der 

beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, um gesetzwidrige 

oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO; zur Ausdehnung 

gutheissender Rechtsmittelentscheide vgl. Art. 392 StPO). Im Umfang der Anfechtung 

hat die Berufung aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). 

Das Berufungsgericht fällt bei Eintreten auf das Rechtsmittel ein neues Urteil (Art. 408 

StPO) oder weist die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück, sofern das 

erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren 

nicht geheilt werden können (Art. 409 StPO). 

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Durch den Rückzug der Anschlussberufung ist der Schuldspruch wegen sexueller Be-

lästigung in Rechtskraft erwachsen. Das Kantonsgericht hat noch Schuldpunkt bezüglich 

des Raufhandels sowie die Straf- und Nebenfolgen zu überprüfen. 

2.  In ihrer Anklageschrift vom 2. Dezember 2020 macht die Vorinstanz dem Beschuldig-

ten folgenden Sachverhalt zum Vorwurf (S. 317 ff.): 

Vorfall vom 17. November 2017 (Raufhandel) 

Der Beschuldigte Z _________ hat sich an einem Raufhandel beteiligt, der die Körperverletzung eines Men-

schen zur Folge hatte, indem er folgendes tat: 

Am Abend des 17. Novembers 2017 führte die Firma ,,D _________ AG’’ im ,,M _________’’, gelegen am 

Orte genannt ,,N _________’’, in O _________ ein Firmenessen durch. Der Anlass wurde durch die Firmen-

mitarbeiter I _________ und G _________ gemeinsam mit dem Restaurantinhaber und Wirt Z _________ 

organisiert. Das Restaurant war an diesem Abend für andere Gäste geschlossen und wurde einzig für das 

Firmenessen geöffnet. Einige Mitarbeiter der Firma nahmen ihre Partnerinnen zum Essen mit. So wurde 

I _________ durch seine Freundin E _________ und J _________ durch seine Freundin X _________ 

begleitet. F _________, der Bruder von J _________, und X _________ trafen als Erste und teilweise bereits 

alkoholisiert im Restaurant ein. Vor und während dem Essen wurden reichlich alkoholische Getränke kon-

sumiert. Die Stimmung unter den Anwesenden war während des Abendessens noch gut, allerdings waren 

J _________, X _________, E _________, I _________ und F _________ erheblich alkoholisiert. Im weite-

ren Verlauf des Abends kam es gegen ca. 23.00 Uhr im Fumoir des Restaurants zunächst zu einem Streit 

zwischen X _________ und J _________. Der Streit artete kurz darauf in eine heftige Rauferei mit insgesamt 

6 Beteiligten und mehreren Verletzten aus. Durch diese Rauferei wurde X _________ durch mehrere Faust-

schläge und Fusstritte erheblich verletzt, Z _________ blutete nach einem Faustschlag aus der Oberlippe, 

E _________ erlitt ein Hämatom am rechten Ellbogen (pag. 56) und H _________ erlitt Schmerzen an Po 

und Hüften (pag. 48). Ferner entstand Sachschaden am Mobiliar des Restaurants, welchen Z _________ 

mit CHF 500.00 für beschädigtes Material und CHF 1'000.00 für Aufräumarbeiten bezifferte (pag. 61). Bei 

dieser Rauferei waren J _________ und F _________ sowie X _________ und Z _________ jene Personen, 

die am meisten zur Eskalation der Situation und zu Rauferei beigetragen hatten. 

Die Rauferei verlief wie folgt: Bereits vor der Rauferei entstand im Restaurant eine verbale Auseinanderset-

zung zwischen X _________ und ihrem Freund Imboden J _________. X _________ wollte das Nachtessen 

deshalb frühzeitig verlassen, was dem alkoholisierten J _________ nicht passte. In der Folge kam es später 

– gegen 23.00 Uhr – im Fumoir des Restaurants zu gegenseitigen Tätlichkeiten zwischen den beiden. 

J _________ versetzte X _________ eine Ohrfeige, worauf I _________ sich in die Auseinandersetzung 

einmischte und J _________ wegschubste. Dies sah F _________, der hinzutrat, seinen Bruder 

J _________ tätlich verteidigte und sich in die beginnende Rauferei einmischte. I _________ riss 

J _________ so stark am Pullover, dass dieser zerriss (pag. 78). Durch gegenseitige Provokationen und 

Schubsereien aller Anwesenden wurde die Auseinandersetzung weiter verschärft. Ebenfalls anwesend war 

E _________, welche sich u.a. mit X _________ stritt und tätlich auf diese losging. Auch I _________ 

mischte sich ins Handgemenge ein und wollte auf F _________ losgehen. Schliesslich betrat C _________ 

das Fumoir. Er beauftragte G _________, us dem Raum zu führen, während er selbst I _________ zurück-

hielt und schliesslich aus dem Raum führte. 

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Als der beschriebene Raufhandel im Fumoir in vollem Gange war, mischte sich die Wirtin H _________ in 

das Handgemenge ein, um zu schlichten. Sie rief alsdann den Wirt Z _________ ins Fumoir, der sich sofort 

direkt, provokativ und offensiv in die tätliche Auseinandersetzung einmischte. Z _________ forderte 

X _________ mit provokativen Worten dazu auf, mit dem Streit aufzuhören. Er sagte zu ihr «X _________, 

hör auf, verhalte dich nicht wie eine Hure!» (pag. 276 ; 21). Ferner sagte er zu ihr «Schlampe, schau dich 

an, wie du angezogen bist!» (pag. 21). Auf diese Worte hin versetzte ihm X _________ einen heftigen 

Faustschlag ins Gesicht. Dadurch blutete Z _________ aus der Oberlippe und wurde zusehends zorniger. 

Z _________ fixierte alsdann den Arm von X _________, worauf diese mit der freien Hand eine Vase ergriff 

und nach Z _________ warf. Die Vase zerbrach beim Aufprall, ohne jemanden zu verletzen. Z _________ 

versetzte X _________ einen schmerzhaften Faustschlag gegen den Kopf und versuchte ihr einen weiteren 

Faustschlag gegen das Gesicht zu versetzen, dem sie ausweichen konnte (pag. 22; 269). Daraufhin eska-

lierte die Rauferei vollends, alle Beteiligten, inklusive Z _________, schubsten sich gegenseitig. 

Z _________ behändigte eine Kerze, um sie nach X _________ zu werfen, wurde jedoch von herumfliegen-

den Gläsern daran gehindert (pag. 276). H _________ wurde beim Schlichtungsversuch zu Boden geworfen 

und schlug ihren Kopf an einem Heizungsradiator an. Die Beteiligte behändigten Aschenbecher und Gläser 

und warfen damit um sich. X _________ erhielt von den Beteiligten mehrere Schläge gegen den Kopf sowie 

Tritte gegen das Schienbein. Ferner wurden durch die heftige Rauferei Stühle umgeworfen und Tische ver-

schoben. Mehrere Personen stürzten zu Boden, erhoben sich und mischten sich wieder in den Raufhandel 

ein. Z _________ packte schliesslich X _________ heftig an der Schulter und an den Haaren (pag. 277) 

und zog sie schliesslich aus dem Fumoir und aus dem Lokal (pag. 229). Dadurch entstanden X _________ 

weitere Schmerzen. Als Z _________ X _________ aus dem Fumoir zerrte, «wischte» diese mit ihrem Arm 

sämtliche Gedecke und Gläser eines Tisches zu Boden, wodurch das Glas zerbrach. G _________ beglei-

tete J _________ und F _________ aus dem Lokal. Vor dem Lokal versetzte J _________ seiner Freundin 

X _________ einen heftigen Fusstritt gegen das linke Sprunggelenk, welcher sie verletzte. Danach war die 

Rauferei beendet. 

X _________ war an diesem Abend alkoholisiert und wies bei ihrer polizeilichen Kontrolle um 03.36 Uhr 

eine Mindestalkoholisierung von 0.58 mg/l auf. Bei J _________ ergab die Atemalkoholprobe um 03.59 Uhr 

0.74 mg/l. X _________ erlitt bei der Rauferei durch Faustschläge beidseitge Orbitalhämatome (primär links) 

mit Prellmarken an den Augenbrauen und am Jochbein. Ferner erlitt sie ein Hämatom an der linken Ober-

lippe und eine Prellmarke an der Wange links nahe der Nasenwurzel. X _________ erlitt überdies aufgrund 

der Rauferei am linken Ohr eine kleine Einblutung sowie ein prall gefülltes Hämatom an der Rückseite des 

linken Ellenbogens. Ferner wies X _________ Schürfwunden an beiden Handflächen sowie eine kleine 

Quetschung am linken Daumen auf. Aufgrund von Fusstritten, die ihr J _________ verpasst hatte, erlitt 

X _________ Abschürfungen am rechten Schienbein sowie eine Prellung am linken Sprunggelenk 

(pag. 27 ff.). 

In subjektiver Hinsicht war sich Z _________ bewusst, dass sich zur Tatzeit mehrere Personen in einer 

wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung befanden. Er wusste aufgrund früherer Strafverfahren wegen 

Raufhandels, dass er einzig berechtigt war, Streit zu schlichten und Schläge abzuwehren, nicht jedoch, sich 

offensiv an der Auseinandersetzung zu beteiligen. Trotz dieses Wissens wollte Z _________ die Kontrolle 

über die Rauferei übernehmen und die Anwesenden durch den Einsatz von erheblicher körperlicher Gewalt 

aus seinem Restaurant werfen. Er wollte an der Auseinandersetzung teilnehmen und provozierte deshalb 

die Anwesenden, teilte offensiv Faustschläge aus und wurde in erheblichem Masse tätlich gegen die Anwe-

senden. 

- 10 - 

Indem Z _________ dergestalt handelte, hat er sich des Raufhandels i.S.v. Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig 

gemacht, wofür er zu bestrafen ist. 

3.  Es ist unstrittig, dass am Abend des 17. November 2017 ein Raufhandel im Restau-

rant des Beschuldigten stattgefunden hat. Die übrigen Beteiligten haben die gegen sie 

ausgesprochenen Strafbefehle akzeptiert. Fraglich ist hingegen, ob und inwiefern sich 

der Beschuldigte am Raufhandel beteiligte und ob er sich bei einer Beteiligung auf sein 

Notwehrrecht berufen kann. 

4.  Als Sachbeweise liegen verschiedene Bilder und Videos aus dem Restaurant des 

Beschuldigten sowie ein Arztbericht (S. 27) über die Verletzungen der Privatklägerin 1 

vor. Letzterer dokumentiert deren Verletzungen, ohne sich zur Entstehung derselben zu 

äussern. Die Bilder und Videos (S. 285) zeigen einerseits, dass die Gesellschaft am 

fraglichen Abend in ausgelassener Stimmung feierte und X _________ keine sichtbaren 

Verletzungen aufwies. Auf der anderen Seite zeigen sie am Folgetag die entstandenen 

Schäden, insbesondere diverse zerbrochene Glasgefässe. Ebenso sind diverse (leere) 

Schnaps- und Weinflaschen auf den Tischen zu sehen.  

5.  Für die tatsächliche Beteiligung des Beschuldigten liegen dagegen keine direkten 

Sachbeweise vor. Der Sachverhalt muss daher aufgrund der Aussagen der diversen 

Beteiligten erstellt werden. Die polizeilichen Befragungen der Beteiligten erfolgten ohne 

Anwesenheit des Beschuldigten und er wurde nur mit zwei der Beteiligten, der Privatklä-

gerin 1 und C _________ konfrontiert. Auf der anderen Seite hat die Verteidigung zu 

keinem Zeitpunkt im bisherigen Verfahren eine Verletzung der Teilnahmerechte des Be-

schuldigten gerügt oder (mit Ausnahme von H _________), deren erneute Einvernahme 

beantragt. Es ist damit davon auszugehen, dass der Beschuldigte auf sein Teilnahme- 

und Konfrontationsrecht verzichtet hat, womit diese Einvernahmen vollständig verwertet 

werden können. Eine Ausnahme gilt für die Einvernahme von H _________. Einerseits 

hat die Verteidigung deren erneute Befragung beantragt, was von der Vorinstanz abge-

lehnt wurde, andererseits wurde sie zu Beginn ihrer polizeilichen Einvernahme, obwohl 

ihr Ehemann aufgrund des Strafantrags der Privatklägerin bereits als tatverdächtig gel-

ten musste, nicht über ihr spezifisches Aussageverweigerungsrecht aufgeklärt. Ihre Aus-

sage kann daher, wenn überhaupt, ausschliesslich zu Gunsten des Beschuldigen ver-

wertet werden. 

6.   

6.1  Die einer strafbaren Handlung beschuldigte Person gilt gemäss dem Grundsatz "in 

dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld als unschuldig. Als Beweis-

lastregel bedeutet die Maxime „in dubio pro reo“, dass es Sache der Anklagebehörde ist, 

- 11 - 

die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen 

muss. Dieser Grundsatz ist verletzt, wenn das Gericht den Angeklagten mit der Begrün-

dung verurteilt, er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen, oder sich aus den Urteilser-

wägungen ergibt, dass der Strafrichter von der falschen Annahme ausging, der Ange-

klagte habe seine Unschuld zu beweisen (BGE 127 I 38 E. 2a, 120 Ia 31 E. 2c; Tophinke, 

Das Grundrecht der Unschuldsvermutung, Diss., 2000, S. 198 f.). Als Beweiswürdi-

gungsregel besagt die Maxime, dass sich das Strafgericht nicht von einem für die be-

schuldigte Person ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver 

Betrachtung Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklag-

ten Tat bestehen (vgl. Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 2 EMRK; Art. 10 StPO; vgl. BGE 138 

V 74 E. 7; Bundesgerichtsurteil 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.1 mit weiteren 

Hinweisen). Die Maxime ist verletzt, wenn das Gericht an der Schuld des Angeklagten 

hätte zweifeln müssen. Erheblich sind die Zweifel dann, wenn sie sich nach der objekti-

ven Sachlage aufdrängen und jedem vernünftigen Menschen stellen. Bloss abstrakte 

und theoretische Zweifel führen demgegenüber nicht zum Freispruch, weil solche immer 

möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann (BGE 143 IV 241 E. 

2.3.3; 127 I 38 E. 2a).  

In Aussage gegen Aussage Konstellationen, in welchen sich als massgebliche Beweise 

die belastenden Aussagen des mutmasslichen Opfers und die bestreitenden Aussagen 

des Beschuldigten gegenüberstehen, führt dies keineswegs zwingend oder auch nur 

höchstwahrscheinlich gestützt auf den Grundsatz „in dubio pro reo“ zu einem Freispruch 

(BGE 137 IV 122 E. 3.3). Dasselbe gilt, wenn sich die Aussagen verschiedener beteilig-

ter Personen gegenseitig widersprechen. Das Gericht hat die Aussagen der Beteiligten 

einlässlich zu würdigen und deren Glaubhaftigkeit zu analysieren. 

Die Glaubhaftigkeit einer Aussage ist für die Wahrheitsfindung bedeutungsvoll. Sie wird 

durch methodische Prüfung ihres Inhalts darauf analysiert, ob die auf ein bestimmtes 

Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. 

Die betreffende Äusserung ist namentlich auf das Vorhandensein von Realitätskriterien 

und umgekehrt auf das Fehlen von Fantasiesignalen zu untersuchen. Das Gericht hat 

zu kontrollieren, ob die aussagende Person eine solche Behauptung unter Berücksichti-

gung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage auch ohne 

realen Erlebnishintergrund machen könnte. Das Gericht soll im Rahmen eines hypothe-

sengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, 

sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage 

sowie des Aussageverhaltens das insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen 

- 12 - 

testen. Die Prüfung soll ausserdem die persönliche Kompetenz der aussagenden Per-

son werten. Die Gerichte haben dabei zunächst von einer nicht realitätsbegründeten 

Aussage auszugehen. Sie dürfen, soweit die Aussage den Beschuldigten belastet, erst 

wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien 

nicht mehr halten lässt, schliessen, dass die Aussage einem wirklichen Erleben ent-

spricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3; Bundesgerichtsurteil 6B_760/2016 vom 

29. Juni 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).  

Die Aussagen sind im Rahmen der Beweiswürdigung auf Glaubhaftigkeitsmerkmale 

bzw. Lügensignale hin zu untersuchen, wobei auf eine Vielzahl von inhaltlichen Real-

kennzeichen abgestellt werden muss. Es ist zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussa-

gedetails, Individualität, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, 

Nichtsteuerung, Widerspruchsfreiheit bzw. Homogenität) sowie Wiederholungsmerkma-

len (Konstanz, Erweiterung) zu differenzieren. Jedes Realitätskriterium besitzt für sich 

allein betrachtet meist nur eine geringe Validität. Erst die Gesamtschau aller Indikatoren 

kann einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage bewirken 

(Hussels, Von Wahrheiten und Lügen – Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien 

anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; Andreas Donatsch, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung StPO, 3. A., 2020, N. 15 zu Art. 162 StPO).  

Die Konstanz der Aussage bildet ein Wiederholungsmerkmal und damit ein Realitätskri-

terium. Gespeicherte Erinnerungen können verblassen und vergessen werden. Dem 

menschlichen Gedächtnis ist es ferner nicht möglich, sämtliche dort angesammelten In-

formationen in jedem beliebigen Moment abzurufen. Aussagen können deswegen im 

Laufe der Zeit variieren, eine durchgehende Konstanz über einen längeren Zeitraum hin-

weg ist kaum zu erwarten, sondern wäre im Gegenteil eher ein Anzeichen für einen aus-

wendiggelernten Text. Eine Aussagekonstanz im Kerngeschehen ist aber wahrscheinli-

cher als im Randgeschehen. Was mit dem Sachverhalt, welcher der betreffenden Aus-

kunftsperson in der konkreten Situation emotional besonders wichtig erschienen ist und 

sie bewegt hat, gilt als Kerngeschehen (Hussels, a.a.O., S. 372 mit Hinweisen). Der 

zentrale Handlungskern ist gerade bei Aussagen, die auf blosser Beobachtung beruhen, 

sehr eng aufzufassen. Der Richter soll sich in die Situation der Auskunftsperson hinein-

denken und dann rigoros ermitteln, auf welche einzelnen Punkte es ihr zentral angekom-

men sein muss. Es empfiehlt sich zu fragen, was auf die Auskunftsperson damals den 

grössten Eindruck gemacht hat (Bender/Häcker/Schwarz, Tatsachenfeststellung vor Ge-

richt, 5. A., 2021, N. 499 ff.).  

- 13 - 

Der allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen respektive einer einvernommenen Per-

son im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt kaum mehr relevante 

Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaub-

würdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage zum untersuchten Sachverhalt 

(BGE 133 I 33 E. 4.3; Bundesgerichtsurteile 6B_1204/2016 vom 24. Mai 2017 E. 2.2.2; 

6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen; Wiprächtiger, Aussagepsy-

chologische Begutachtung im Strafrecht, forumpoenale 2010, S. 40 f.; Ludewig/Ta-

vor/Baumer, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwäl-

ten und Anwälten helfen?, AJP 2011, S. 1418). 

Bei der Würdigung der verschiedenen, teilweise stark divergierenden Aussagen ist zu 

beachten, dass sich das Kerngeschehen aus der Sicht jedes der Beteiligten anders dar-

stellt und namentlich davon auszugehen ist, dass jeder in erster Linie den Teil der Aus-

einandersetzung wahrgenommen und erinnert hat, von dem er selbst betroffen war oder 

an dem er selbst teilgenommen hat. Zudem wird die dynamische Situation ver-

schiedentlich als chaotisch beschrieben. Weiter haben alle befragten Personen ein Inte-

resse daran, ihren Beitrag zum Raufhandel möglichst gering und sich selbst als Opfer 

darzustellen. Zudem sind zwischen dem Tatzeitpunkt und den Befragungen mehrere 

Tage vergangen, in denen die Beteiligten untereinander über die Geschehnisse gespro-

chen haben. Schliesslich ist nicht zu verkennen, dass bei einigen Befragten Schuldge-

fühle gegenüber dem Beschuldigten eine Rolle spielen können, da die von Ersteren or-

ganisierte Veranstaltung im Lokal des Letzteren so ausgeartet ist. Auffällig ist, dass die 

Privatklägerin anlässlich ihrer ersten polizeilichen Einvernahme keinen Strafantrag ge-

gen ihren Freund, F _________ stellen wollte (S. 23 A. 19). Dies zeigt eine Motivation 

der Privatklägerin, ihren Freund schützen zu wollen. Weiter zu berücksichtigen ist der 

erhebliche Alkoholisierungsgrad vieler Beteiligter. Aufgrund ihrer je eigenen Motivlagen 

sind die Aussagen mit Vorsicht zu würdigen.  

6.2   

6.2.1  Die Privatklägerin 1 wurde am 25. November 2017 erstmals polizeilich befragt 

(S. 19 ff.). Nach einem Einstieg zu den erlittenen Verletzungen und der aktuellen ärztli-

chen Behandlung schildert die Befragte den Abend der Auseinandersetzung aus ihrer 

Sicht. Dabei beginnt sie zunächst mit der Organisation des Anlasses, um dann auf die 

Fahrt von A _________ nach O _________ zu sprechen zu kommen. Hervorzuheben 

ist, wie die Privatklägerin 1 ausführt, dass ihre Gruppe etwas früher vor Ort war, sich 

eine Zeit lang mit dem Wirtepaar unterhalten hat und den Beschuldigten als freundlich 

und sympathisch beschreibt (S. 21 A. 8). Sie schildert weiter den Verlauf des Abends, 

wobei sie nicht auf die Speisen, sondern vielmehr den von ihr und den Gebrüdern F-J 

- 14 - 

_________ konsumierten Alkohol eingeht. Weiter beschreibt sie, wie sich J _________, 

I _________ und E _________ zur Toilette begaben, um dort Kokain zu konsumieren. 

Dass ihr Freund Kokain konsumierte, obwohl er ihr gegenteiliges versprochen hatte, 

machte sie wütend. Weiter erwähnt sie den Konsum von Marihuana. Später am Abend, 

als Musik gespielt wurde, sollte sie auf einem der Tische tanzen, wollte aber nicht. Später 

begab sie sich mit F _________ ins Fumoir. E _________ und der Beschuldigte kamen 

dazu, beschimpften sie als Hure und schlugen sie (S. 21 A. 10). Warum die beiden ins 

Fumoir kamen, wusste sie nicht zu sagen. Offenbar nahm der Beschuldige Anstoss an 

ihrem Kleidungsstil (S. 21 A. 11 ff.). Als Grund gibt sie an, dass der Beschuldigte betrun-

ken war und es bekannt sei, dass der Beschuldigte im Rausch aggressiv werde und 

Frauen als Schlampe betitle (S. 21 A. 13). Die frontalen Schläge und Tritte habe sie von 

E _________ bekommen, während der Beschuldigte sie auf den Hinterkopf schlug. Wäh-

rend der Auseinandersetzung verliess der Beschuldigte das Fumoir (S. 22 A. 16). Im 

weiteren Verlauf gelangten immer mehr Personen in diesen Raum, auch der Beschul-

digte kehrte wieder zurück und versuchte, sie an den Haaren wieder auf die Beine zu 

ziehen und versuchte, sie mit der Faust ins Gesicht zu schlagen, wobei sie dem Schlag 

ausweichen konnte. Die Privatklägerin 1 wurde von verschiedenen Personen beschimpft 

und geschlagen. Der Beschuldigte schlug F _________. Zusammen mit den Gebrüdern 

F-J _________ verliess sie das Lokal. Da sie ihr Mobiltelefon vergessen hatte, ging sie 

wieder hinein und wurde dort von E _________ und dem Beschuldigten angegriffen und 

geschlagen. F _________ kehrte erneut zurück und ging dazwischen. Sie verliess da-

raufhin das Lokal wieder. Da F _________ noch im Lokal war, betrat sie dieses erneut 

und wurde von E _________ angegriffen. Währenddessen stritt F _________ mit dem 

Beschuldigten. Nach einem weiteren Streit mit J _________, der ihr die Schuld an der 

Eskalation des Abends gab, trennte sie sich von der Gruppe und gelangte alleine nach 

A _________ (S. 22 f. A. 18). Im weiteren Verlauf der Befragung schildert die Privatklä-

gerin 1 ihren Zustand als nicht stark alkoholisiert und der Rauschzustand sei verflogen, 

sobald der Streit begonnen hatte (S. 23 f. A. 27). J _________ sei stark betrunken ge-

wesen und unter Drogeneinfluss gestanden (S. 24 A. 28). F _________ sei nur leicht 

betrunken gewesen (S. 24 A. 29). E _________ schildert sie unter starkem Drogen- und 

Alkoholeinfluss (S. 24 A. 31), ebenso I _________. Letzterer könne sich nicht mehr an 

den Abend im Hotel erinnern (S. 24 A. 32). Sie habe nicht gesehen, dass der Beschul-

digte Alkohol getrunken hätte, plötzlich sei er aber sehr aggressiv geworden (S. 24 A. 

33). Einen eigentlichen Grund für die Rauferei konnte sie nicht angeben und äusserte 

nur Vermutungen (S. 24 A. 35 f.).  

- 15 - 

6.2.2  Am 20. Februar 2018 wurde die Privatklägerin 1 ein zweites Mal, dieses Mal als 

Beschuldigte, befragt (S. 82 ff.). Nach ersten Fragen zur gesundheitlichen und berufli-

chen Situation der Einvernommenen (S. 83 A. 3 ff.) kommt die Polizei auf den Betäu-

bungsmittelkonsum zu sprechen, wo die Privatklägerin 1 eine defensive Haltung ein-

nimmt und nachfragt, weshalb bei I _________, E _________ und F _________ kein 

entsprechender Test gemacht worden sei (S. 83 A. 8). Sie bestätigt in der Folge ihre 

Aussage, dass die drei dreimal vom Tisch aufstanden, um auf der Toilette Kokain zu 

konsumieren (S. 83 A. 11). Sie bestätigt einen Streit mit J _________, verneint aber, 

dass es zu Ohrfeigen gekommen sein soll (S. 84 A. 12 f.). Den Beginn der Auseinander-

setzung schildert sie so, dass sie allein im Fumoir war, als sie plötzlich (scheinbar aus 

dem Nichts) von E _________ und dem Beschuldigten beschimpft und geschlagen 

wurde (S. 84 A. 14). Erst im weiteren Verlauf habe sich J _________ eingemischt, gegen 

die Privatklägerin 1 (S. 84 A. 15). I _________ habe versucht, J _________ festzuhalten, 

woraufhin F _________ dazugekommen sei (S. 84 A. 16). Im weiteren Verlauf der Be-

fragung sagt sie aus, dass F _________ im Fumoir war, aber mit dem Rücken zu ihr 

gestanden habe (S. 84 A. 19). Weiter schildert sie eine Episode, in der sie am Boden lag 

und vom Beschuldigten getreten und geschlagen wurde. Da habe sie sich gewehrt, zu-

rückgeschlagen und Gegenstände nach dem Beschuldigten geworfen (S. 85 A. 23). 

Ebenso betätigte sie eine weitere Episode, in der F _________ vom Beschuldigten ge-

schlagen worden sei, wobei sie allerdings nur noch ein Schupsen erwähnt (S. 85 A. 26).  

6.2.3  Die Staatsanwaltschaft führte am 19. November 2020 eine Konfrontationseinver-

nahme zwischen der Privatklägerin 1 und dem Beschuldigten durch (S. 266 ff.). Die Pri-

vatklägerin 1 sei mit F _________ und einer weiteren Person im Fumoir gewesen, als 

sie unvermittelt und von hinten durch E _________ und Z _________ angegriffen, zu 

Boden gerissen, getreten und geschlagen wurde (S. 268 A. 12). Weiter beschuldigt sie, 

E _________, I _________, J _________ und den Beschuldigten, zusammen Kokain 

konsumiert zu haben. Dabei habe sie den Konsum nicht selbst beobachtet, sondern nur, 

wie der Beschuldigte zusammen mit den drei anderen zur Toilette ging (S. 268 A. 12 

Nachfrage). Einen Auslöser für die Rauferei vermag die Privatklägerin 1 nicht zu benen-

nen, vermutet aber Eifersucht und Alkohol- und Drogenkonsum (S. 268 A. 13). Der Be-

schuldigte habe das Fumoir verlassen, woraufhin E _________ allein mit der Schlägerei 

weitergemacht habe (S. 268 A. 14). F _________ habe dann zu schlichten versucht und 

E _________ von ihr weggezogen. Es sei ihm aber nicht gelungen, sie von ihr fernzu-

halten. Es kamen weitere Personen ins Fumoir, welche versuchten, E _________ zu-

rückzuhalten. Es gelang der Privatklägerin 1 aufzustehen und sie wollte sich entfernen, 

als der Beschuldigte wieder ins Fumoir zurückkehrte, sie gegen eine Wand stiess und 

- 16 - 

begann, sie zu schlagen, wobei sie die Schläge teilweise abwehren konnte und begann 

zurückzuschlagen und mit Gegenständen zu werfen. Daraufhin habe sie E _________ 

erneut angegriffen. Erst als noch weitere Personen dazu gekommen waren, war sie in 

der Lage, das Fumoir zu verlassen (S. 268 f. A. 15). Zu weiteren Einzelheiten der Rau-

ferei macht sie Erinnerungslücken geltend (S. 269 A. 16 f.). Abweichende Darstellungen 

des Ablaufs durch andere Beteiligte werden in Abrede gestellt (S. 269 f. A. 18 ff.). Einen 

Angriff des Beschuldigten auf andere an der Rauferei beteiligte will die Privatklägerin 1 

nicht gesehen haben. Allerdings soll der Beschuldigte F _________ einen Schlag ver-

setzt haben, als die Gruppe das Fumoir verliess (S. 270 A. 21 f.). Vor dem Restaurant 

habe ihr J _________ einen Tritt gegen den Knöchel versetzt. Sie habe sich dann allein 

auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Auf dem Weg habe sie eine Gruppe von Festteil-

nehmern bis zum Bahnhof O _________ mitgenommen (S. 270 A. 24 f.). 

Vor der Erstinstanz wurde die Privatklägerin nicht befragt. An der Berufungsverhandlung 

war sie unentschuldigt abwesend. 

6.3   

6.3.1  C _________ wurde am 23. November 2017, noch bevor die Staatsanwaltschaft 

über den Vorgang informiert war, von der Polizei befragt (S. 12 ff.). Nach dem Abendes-

sen (nach 22:30 Uhr) befanden sich er, P _________, G _________ und der Beschul-

digte vor dem Lokal und unterhielten sich. Plötzlich hörten sie Schreie. Die Frau des 

Beschuldigten kam nach draussen und sagte zu ihrem Mann, er solle schnell kommen, 

es gebe einen Streit. Die Gruppe begab sich daraufhin ins Lokal. Dort befanden sich die 

Gebrüder F-J _________, I _________, die Frau des Beschuldigten, E _________ und 

die Privatklägerin 1 in einem Handgemenge. Der Befragte nahm sich I _________ an 

und führte ihn in eine Ecke des Restaurants, wo er ihn zurückhielt. Er konnte beobach-

ten, wie die Privatklägerin 1 einen Gegenstand nach dem Beschuldigten warf und wie 

dessen Ehefrau zu Boden ging und mit dem Kopf gegen einen Heizkörper schlug. Der 

Beschuldigte packte die Privatklägerin 1 an den Haaren und zog sie aus dem Fumoir. 

I _________ konnte sich losreissen, wurde aber vom Beschuldigten festgehalten, worauf 

die beiden aneinandergerieten. Schliesslich wurden die Gebrüder F-J _________ und 

die Privatklägerin 1 von G _________ aus dem Lokal geführt, wobei es ausserhalb des 

Lokals nochmals zu Auseinandersetzungen kam, die der Befragte allerdings nicht direkt 

beobachten konnte (S. 12 A. 2). Die Beteiligten werden alle als stark alkoholisiert be-

schrieben, wobei sich die Aussage wohl auf die Gäste, aber nicht zwingend auch auf 

das Wirtepaar bezieht (S. 13 A. 5).  

- 17 - 

6.3.2  Am 9. April 2019 erfolgte die staatsanwaltschaftliche Konfrontationseinvernahme 

zwischen C _________ und dem Beschuldigten (S. 227 ff.). Dort konnte sich der Zeuge 

nur noch sehr begrenzt erinnern und verwies zu einem guten Teil auf seine Erstaussage, 

welche ihm auch in wesentlichen Ausschnitten vorgehalten wurde. Letztlich bestätigte 

der Zeuge seine Erstaussage als zutreffend. 

6.4  F _________ wurde von der Polizei am 30. November 2017 als Beschuldigter be-

fragt (S. 34 ff.). Er beginnt seine Erzählung mit der Organisation des Anlasses und dass 

dieser zunächst ohne Partnerinnen geplant war, aber einzelne dann doch auch eingela-

den wurden. Er traf sich ca. 18:30 Uhr mit seinem Bruder und der Privatklägerin 1 am 

Bahnhof A _________, von wo sie mit dem Zug nach Q _________ fuhren und dort mit 

dem Auto abgeholt wurden. Sie waren die ersten im Restaurant und hielten sich im 

Fumoir auf, bis das Essen begann. Die Stimmung war gut und es wurde reichlich Alkohol 

getrunken. Nach dem Essen wurde Musik aufgelegt und getanzt. Auf einmal sei die Si-

tuation eskaliert (S. 34 f. A. 2). 

Als der Streit begann, befanden sich sein Bruder, die Privatklägerin 1, E _________, 

I _________, G _________ und die befragte Person im Fumoir. Bei G _________ war 

sich die befragte Person nicht mehr sicher, ob dieser auch anwesend war (S. 35 A. 4). 

Gemäss F _________ begann der Streit so, dass E _________ die Privatklägerin 1 an-

griff und dieser Faustschläge versetzte (S. 35 A. 5 f.). Er versuchte die beiden zu tren-

nen, worauf sich weitere Personen einmischten und es zu einer allgemeinen Schubserei 

kam (S. 35 A. 7). Irgendwann stellte er fest, dass auch der Beschuldigte anwesend war 

und aus dem Mund blutete. Zum Abschluss des Streits sei die Privatklägerin 1 aus dem 

Lokal gerannt. Die befragte Person sein Bruder und G _________ begaben sich vor das 

Lokal, von wo aus Letzterer die beiden Brüder zum Bahnhof Q _________ brachte. Von 

dort nahmen sie ein Taxi nach A _________ (S. 35 A. 8). Einen Betäubungsmittelkon-

sum stellt er in Abrede (S. 35 f. A. 9 ff.). Den Beschuldigten nahm er erst wahr, als dieser 

bereits verletzt war. Dieser war wütend und laut. Seine Art wird als provozierend be-

schrieben und er habe die Privatklägerin 1 als Schlampe bezeichnet (S. 36 f. A. 17 und 

22). Schläge des Beschuldigten gegen die Privatklägerin 1 hat er nicht wahrgenommen 

(S. 37 A. 24). Selbst wurde er vom Beschuldigten nicht geschlagen (S. 37 A. 30). Dass 

der Beschuldigte die Privatklägerin an den Haaren zog, konnte er nicht beobachten 

(S. 37 A. 28). C _________, G _________ und die Wirtin hätten nicht viel getrunken 

(S. 38 A. 34). Die anderen Beteiligten, auch die befragte Person, hätten Alkohol konsu-

miert (S. 37 f. A. 33 f.). Gegen Ende der Befragung schildert er auf Nachfrage, dass er 

- 18 - 

den Beschuldigten während der Auseinandersetzung mit einem Messer in der Hand ge-

sehen habe und dieser habe auf Italienisch geflucht. Er habe den Beschuldigten dann 

weggeschickt und nicht mehr gesehen (S. 38 A. 38 ff.). 

6.5  Am 4. Dezember 2017 befragte die Polizei G _________ als Auskunftsperson. Die-

ser konnte jedoch keine genaueren Angaben zum Ablauf der Auseinandersetzung oder 

zum Verhalten des Beschuldigten machen (S. 40 ff.).  

6.6  Die Ehefrau des Beschuldigten wurde am 6. Dezember 2017 als Auskunftsperson 

befragt (S. 46 ff.). Sie beginnt ihren Bericht mit der Anfrage von I _________, in ihrem 

Lokal ein Nachtessen für bis zu 18 Personen zu organisieren, wobei letztlich 17 Perso-

nen anwesend waren. Sie und der Beschuldigte waren den ganzen Tag damit beschäf-

tigt, den Abend vorzubereiten. Sie schildert darauf das Eintreffen der Gäste, denen ein 

Aperitif ausgeschenkt wurde. Anschliessend berichtet sie von einem schönen Abend, an 

dem sich die Gäste gut unterhielten.  

Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt befand sich die Privatklägerin 1 weinend an 

der Bar, wo sie von der Wirtin und E _________ getröstet wurde. Zu einem späteren 

Zeitpunkt, als sich ein Teil der Gäste bereits verabschiedet hatte, beendete auch der 

Beschuldigte seine Arbeit und unterhielt sich mit den Gästen. Die Auskunftsperson war 

damit beschäftigt, die Tische abzuräumen, als sie Schreie aus dem Fumoir hörte, wo 

sich die Privatklägerin 1, E _________, I _________ sowie die Gebrüder F-J _________ 

befanden, welche sich gegenseitig schubsten und anschrien. Einen Schlag hat die Aus-

kunftsperson nicht gesehen. E _________ und die Wirtin versuchten, die Situation zu 

beruhigen, während die Männer sich stritten. Da es ihr nicht gelang, die Situation zu 

deeskalieren, holte sie den Beschuldigten zu Hilfe. Da auch dieser die Situation nicht 

beruhigen konnte und schon mehrere Gläser und Aschenbecher zu Bruch gegangen 

waren, forderte der Beschuldigte die Anwesenden auf, sein Lokal zu verlassen. Darauf 

hätten die Gäste bis auf E _________, C _________ und I _________ das Lokal verlas-

sen. Die Privatklägerin 1 habe das Restaurant daraufhin nochmals betreten, weil sie ihr 

Mobiltelefon vergessen habe. Sie wurde vom Beschuldigten mit lauter Stimme dazu auf-

gefordert, das Lokal wieder zu verlassen. Sie ging jedoch weiter ins Fumoir, wohin ihr 

die anderen Anwesenden folgten. Der Beschuldigte sage zur Privatklägerin 1, dies sei 

alles ihre Schuld, woraufhin diese ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzt habe. Die 

Situation eskalierte wieder und die Wirtin versuchte dazwischen zu gehen, wurde aber 

zu Boden geworfen. Sie sah, wie die Privatklägerin 1 eine Blumenvase nach dem Be-

schuldigten warf. Ob sie ihn traf, konnte sie nicht sagen. Es kam wieder zu einer Schub-

serei, die sie vom Boden aus mitverfolgte. Zum Schluss der Auseinandersetzung führte 

- 19 - 

der Beschuldigte die Privatklägerin am Arm aus dem Lokal, was die Auskunftsperson 

aber nicht genau beobachten konnte. Bis auf C _________, I _________ und 

E _________ verliessen die Gäste das Lokal wieder. Dann kam F _________ in Beglei-

tung zweier Männer ins Lokal, um seine Jacke zu holen. Zum Schluss waren noch 

C _________, I _________ und E _________ anwesend, die sich beim Wirtepaar ent-

schuldigten und ihre Hilfe beim Aufräumen anboten (S. 47 f. A. 2).  

Im weiteren Verlauf der Befragung schildert die Auskunftsperson, dass sie keine Schläge 

oder Tritte gegen die Privatklägerin 1 gesehen hat (S. 49 A. 7 f. und 12 ff.). Nur diese 

habe den Beschuldigten geschlagen. Auch provokative Äusserungen des Beschuldigten 

will sie nicht gehört haben (S. 49 A. 11 f.). Bis auf den Beschuldigten schildert sie alle 

Beteiligten als stark angetrunken. Den Beschuldigten selbst schildert sie als nicht stark 

angetrunken. Er habe aber nach der Arbeit Alkohol konsumiert (S. 49 A. 16 ff.).  

6.7  Im Anschluss wurde am 7. Dezember 2017 E _________ als beschuldigte Person 

befragt (S. 54 ff.). Sie kam um 21:00 Uhr zum Fest hinzu. Sie beschreibt die Gebrüder 

F-J _________ zu diesem Zeitpunkt schon als stark angetrunken und die Privatklägerin 

1 als alkoholisiert. Die Privatklägerin 1 und deren Freunde hätten schon während dem 

Essen einen Streit begonnen, weil die Privatklägerin 1 am gleichen Abend noch mit ei-

nem anderen Mann ausgehen wollte. Die anderen Gäste versuchten sie zu überzeugen, 

dass sie noch bei der Feier bleibe. Zu einem späteren Zeitpunkt sass die Privatklägerin 

1 weinend an der Bar, wo sie von der befragten Person und der Wirtin getröstet wurde. 

Später wurde Musik aufgelegt und die Stimmung hob sich wieder. Die Rauferei begann, 

als I _________, die Privatklägerin 1, die Gebrüder F-J _________, die Wirtin und die 

befragte Person im Fumoir waren. Die Privatklägerin 1 und ihr Freund begannen wieder 

zu streiten, wobei I _________ dazwischen ging und die beiden aufforderte, sich zu be-

ruhigen. Daraufhin mischte sich F _________ auf aggressive Art und Weise in die Aus-

einandersetzung ein. Die Wirtin sei daraufhin ins Restaurant geeilt, um den Beschuldig-

ten zu holen. Dieser habe die Privatklägerin 1 aufgefordert, das Lokal zu verlassen, wo-

rauf er von dieser einen Faustschlag ins Gesicht erhalten habe. Danach begann die Pri-

vatklägerin 1, mit Gegenständen nach dem Beschuldigten zu werfen. Letzterer habe die 

Privatklägerin an der Kapuze ihrer Jacke gepackt und nach draussen gezogen. 

C _________, I _________, die befragte Person und das Wirtepaar blieben an der Bar, 

tranken einen Kaffee und gingen dann nach Hause (S. 54 A. 2). Ein Drogenkonsum wird 

von E _________ in Abrede gestellt ebenso wie Schläge ihrerseits gegen die Privatklä-

gerin 1 (S. 55 f. A. 3 ff.). Dass jemand den Kleidungsstil der Privatklägerin kritisierte, will 

- 20 - 

sie gehört haben, dies sei jedoch nicht der Beschuldigte gewesen (S. 55 A. 8). Den ein-

zigen Schlag, den sie gesehen hat, habe die Privatklägerin 1 gegen den Beschuldigten 

ausgeteilt (S. 56 A. 13). Die Gebrüder F-J _________ werden als stark betrunken, die 

Privatklägerin 1, die befragte Person und I _________ als angetrunken beschrieben. Der 

Beschuldigte sei nicht betrunken gewesen (S. 57 A. 23 ff.). 

6.8  I _________ wurde am 19. Dezember 2017 als beschuldigte Person befragt 

(S. 70 ff.). Er beginnt seinen Bericht damit, dass er am nächsten Morgen von 

J _________ angerufen wurde und dieser ein Problem habe, weil die Privatklägerin 1 

diesen angezeigt habe (S. 37 A. 2). Auf Nachfrage schildert er, dass in erster Linie er 

das Essen für seine Arbeitskollegen organisiert habe. Als er im Restaurant eintraf, seien 

die Gebrüder F-J _________ und die Privatklägerin 1 bereits betrunken gewesen (S. 71 

A. 3). Während dem Essen sei alles gut verlaufen. Allerdings gab es immer wieder Dis-

kussionen zwischen der Privatklägerin 1 und ihrem Freund. Die Privatklägerin 1 war mit 

R _________ am Telefon und wollte, dass dieser sie abhole. Sie sei schon mit der Jacke 

bereit gewesen, wurde aber letztlich von ihrem Freund zurückgehalten. Die Privatkläge-

rin 1 weinte danach und wurde von E _________ und der Wirtin getröstet. Den Vorschlag 

der befragten Person, nach dem Essen nach A _________ zu fahren und dort eine Kaf-

fee zu trinken, quittierte die Privatklägerin 1 mit der Aussage, sie habe in A _________ 

in allen Lokalen Hausverbot.  

Den Beginn der Auseinandersetzung schildert er so, dass sich die Privatklägerin 1 und 

J _________ ins Fumoir begaben und die befragte Person diesen folgte. Als er den 

Raum betrat versetzte J _________ der Privatklägerin 1 eine Ohrfeige, worauf die be-

fragte Person diesen wegstiess und zurechtwies. Dann sei F _________ auf ihn zu ge-

kommen und habe ihn gefragt, warum er seinen Bruder schlage. Daraufhin habe ihn 

C _________ zurückgehalten und wieder ins Restaurant geführt. Im Fumoir sei der Streit 

derweil weitergegangen und es sei Glas zerbrochen. Daraufhin habe die Wirtin den 

Raum verlassen und sich die Hand an den Kopf gehalten. Blut habe er keines gesehen. 

Er selbst sei zum Fumoir gegangen, um die Gebrüder F-J _________ (erneut) zurecht-

zuweisen. F _________ habe versucht ihn zu provozieren, er selbst sei aber von 

C _________ zurückgehalten worden. In dem Moment habe der Beschuldigte das 

Fumoir betreten, das Chaos gesehen und alle aufgefordert, das Fumoir zu verlasen. 

Daraufhin habe die Privatklägerin 1 dem Beschuldigten einen Faustschlag auf die Lippe 

versetzt und begonnen, mit Gegenständen nach diesem zu werfen (S. 71 A. 4). 

C _________ habe G _________ aufgefordert, die Privatklägerin 1 und die Gebrüder F-

J _________ aus dem Lokal zu führen. Dieser habe sie dann zum Bahnhof gebracht. 

- 21 - 

Danach hätten sie noch eine halbe Stunde über die Situation diskutiert und seien danach 

zu Fuss nach Hause gegangen. Im Fumoir habe J _________ der Privatklägerin1 einen 

Tritt versetzt und diese als Schlampe bezeichnet (S. 71 f. A. 5). Dass E _________ die 

Privatklägerin 1 geschlagen haben könnte, stellte er in Abrede (S. 72 A. 10). Man habe 

in der Firma über den Abend gesprochen und warum die Privatklägerin 1 und 

J _________ diesen so anders schildern. Gemäss F _________ wolle sich die Privatklä-

gerin als Opfer darstellen und Schadenersatz fordern (S. 72 A. 11). Danach gefragt, 

stellte er einen Drogenkonsum an diesem Abend in Abrede auch habe er selbst nieman-

den geschlagen (S. 72 A. 12 ff.). Er sah Ohrfeigen zwischen der Privatklägerin 1 und 

ihrem Freund und wie Letzterer diese in den Bauch getreten habe. Weiter habe die Pri-

vatklägerin 1 dem Beschuldigten einen Faustschlag ins Gesicht versetzt (S. 73 A. 15). 

Am Ende der Auseinandersetzung sei die Privatklägerin 1 im Gesicht nicht verletzt ge-

wesen (S. 73 A. 17). Dass der Beschuldigte die Privatklägerin 1 beschimpft habe, habe 

er nicht gehört (S. 73 A. 21). Er selbst habe an diesem Abend zwei oder drei Biere ge-

trunken und sei nicht betrunken gewesen (S. 73 A. 22).  

6.9  Als letzter der Beteiligten wurde J _________, Freund der Privatklägerin, am 

20. Dezember 2021 als Beschuldigter befragt (S. 77 ff.). Er beginnt seinen Bericht damit, 

dass er sich mit Bruder und Freundin in A _________ traf und diese dann gemeinsam 

mit dem Zug nach Q _________ fuhren und als erste im Lokal eintrafen. Während des 

Essens sei es zu einem kleinen Streit mit seiner Freundin gekommen, weil diese mit 

R _________ nach A _________ zurückfahren wollte. Er verneint, die Privatklägerin 1 

jemals geschlagen zu haben (S. 78 A. 2). Auch Drogenkonsum stellt er in Abrede (S. 73 

A. 3). Sein Bruder habe im Fumoir geraucht und er sei bei der Tür zum Fumoir gestan-

den, als E _________ plötzlich wie eine Furie auf die Privatklägerin 1 losgegangen sei. 

Er selbst sei dann dazwischen gegangen (S. 78 A. 6). Er sei danach von I _________ 

angegriffen worden, bis C _________ dazugekommen und I _________ von ihm weg-

gezogen habe. Ein Mitarbeiter habe versucht E _________ zurückzuhalten, die immer 

wieder auf die Privatklägerin 1 losgehen wollte. Irgendwann sei der Beschuldigte dazu 

gekommen, das habe er aber nicht bemerkt. Die Privatklägerin 1 sei weinend am Boden 

gelegen. Angeblich sei der Beschuldigte auf sie losgegangen (S. 78 A. 8). Er erinnere 

sich, wie E _________ der Privatklägerin 1 einen Schlag ins Gesicht versetzte und der 

Beschuldigte herumschrie und auf die Privatklägerin 1 losgehen wollte. Seine Erinnerung 

sei aber durch den Alkohol getrübt (S. 78 A. 10). Weitere Hiebe hat er nicht gesehen 

(S. 78 A. 11). Er stellt in Abrede, selbst Schlage oder Tritte ausgeteilt zu haben. Selbst 

habe er Schläge erhalten, sagt jedoch nicht aus, von wem (S. 79 A. 13). Er und sein 

Bruder hätten das Fumoir durch das Fenster verlassen und G _________ sei mit dem 

- 22 - 

Auto gekommen und habe sie nach Q _________ gefahren. Danach fuhren sie mit dem 

Taxi nach A _________, wo er von der Polizei in Empfang genommen wurde (S. 79 

A. 19). Alle Beteiligten seien betrunken gewesen (S. 79 A. 20). Der Beschuldigte soll zur 

Privatklägerin 1 gesagt haben, sie sei angezogen wie eine Schlampe (S. 80 A. 25). 

6.10   

6.10.1  Der Beschuldigte selbst wurde am 7. Dezember 2017 ein erstes Mal in dieser 

Rolle zum Raufhandel befragt (S. 59 ff.). Dabei beginnt er seinen Bericht mit der Reser-

vation für 17-18 Personen. Er habe an diesem Abend bis gegen 23:00 Uhr oder 

23:30 Uhr in der Küche gearbeitet. Die Stimmung war gut und nachdem er in der Küche 

fertig war, habe er noch eine Runde Shots ausgegeben, als Abschluss des Abends. Er 

habe sich im Restaurant an einen Tisch mit einigen Italienern gesetzt. Die Privatklägerin 

1 war im Fumoir zusammen mit einigen Personen aus St. Niklaus [die Gebrüder 

F-J _________]. Diese seien schon vor dem Abend sehr aufgedreht gewesen (S. 60 A. 

4). Plötzlich habe er laute Stimmen aus dem Fumoir gehört und seine Frau habe nach 

ihm gerufen. Im Fumoir seien I _________ und F _________ sowie die Privatklägerin 1 

und J _________ je in eine Diskussion verwickelt gewesen, wobei es um die Männerge-

schichten der Privatklägerin 1 ging. I _________ habe versucht, die Situation zu beruhi-

gen. Man feiere hier schliesslich ein Fest. Der Beschuldigte will in die Mitte des Raums 

getreten sein und die Privatklägerin 1 aufgefordert haben, sich ruhig zu verhalten. Als 

Reaktion darauf habe sie ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Danach habe er alle 

Gäste nach draussen geschickt. Seine Ehefrau sei zu Boden gefallen und als er sich 

nach ihr umdrehte, habe ihn eine Vase am Rücken getroffen. Weil die Tische herumge-

schoben wurden, seien überall Scherben auf dem Boden gelegen. Die Anwesenden wa-

ren alle stark alkoholisiert und er hält es für sehr wahrscheinlich, dass auch Drogen im 

Spiel waren. Einen solchen Konsum hat er auf Nachfrage jedoch nicht direkt wahrge-

nommen. Die Privatklägerin 1 habe aber starke Stimmungsschwankungen gehabt. Sie 

und die Gebrüder F-J _________ hätten sich seltsam verhalten. Die Privatklägerin 1 sei 

völlig verwirrt gewesen und er habe sie an der Jacke ergriffen und nach draussen ge-

führt. Auf dem Weg nach draussen habe die Privatklägerin 1 einen Servicetisch mit Glä-

sern, Tellern und Besteck abgeräumt, sodass alles zu Boden fiel. Zur gleichen Zeit ver-

suchten die Gebrüder F-J _________ I _________ zu provozieren. Dieser habe sich 

eigentlich ruhig verhalten, musste aber doch immer wieder besänftigt werden. Das Prob-

lem sei durch die Gebrüder F-J _________ und die Privatklägerin 1 entstanden. Diese 

hätten das Lokal nach dem Streit verlassen, dieses aber nochmals kurz betreten, weil 

sie etwas vergessen hätten. Der Beschuldigte will nicht gesehen haben, wie die Privat-

klägerin 1 im Lokal geschlagen wurde. Ansonsten hätte er die Polizei verständigt (S. 60 

- 23 - 

f. A. 6). Nach seiner Verletzung befragt, führt der Beschuldigte aus, er habe die Situation 

beruhigen wollen und die Privatklägerin 1 aufgefordert, nicht mehr zu provozieren. Es 

sei alles ihre Schuld. Daraufhin habe er einen Schlag auf den Mund bekommen. Er findet 

es nicht normal, dass eine solch zierliche Frau einen solchen Schlag ausführen kann. 

Dies sei ein «Strassenverhalten». Er spekuliert, die Privatklägerin 1 habe nach den of-

ferierten Shots noch die Wodkaflasche ausgetrunken (S. 61 A. 9).  

Bei dem Vorfall seien Gläser, eine Vase und Aschenbecher zu Bruch gegangen. 

C _________ habe ihm angeboten, eine Putzequipe vorbei zu schicken, er habe dies 

aber abgelehnt (S. 61 A. 10). Den Sachschaden schätzt er auf Fr. 500.-- und die Kosten 

für die Aufräumarbeiten auf Fr. 1'000.-- (S. 61 A. 11). Nach den Gründen für seine An-

zeige befragt, führt der Beschuldigte aus, dass die Privatklägerin nicht die Wahrheit sage 

und er zu Unrecht beschuldigt werde. Alle anderen Gäste hätten sich bei ihm entschul-

digt, nur nicht die Privatklägerin 1 (S. 61 A. 12). An E _________ hat der Beschuldigte 

keine Erinnerung. Er sei bei der Auseinandersetzung auf die Privatklägerin 1 fixiert ge-

wesen (S. 62 A. 17). Auf Nachfrage gibt er zu Protokoll, dass E _________ auch im 

Fumoir war und diskutierte. Sie habe aber nichts gemacht. Einen Schlag von ihr hätte er 

sehen müssen. Die Privatklägerin 1 sei mit einem Mann am Telefon gewesen, was deren 

Freund eifersüchtig gemacht habe (S. 62 A. 18). Dass die Privatklägerin 1 einen Schlag 

erhalten haben könnte, bevor er das Fumoir betrat, stellt der Beschuldigte in Abrede 

(S. 62 A. 19). Nach seinen Worten gegenüber der Privatklägerin befragt führt der Be-

schuldigte aus, J _________ habe diese als Schlampe bezeichnet, wegen des Telefo-

nats mit einem anderen Mann. Der Beschuldigte selbst habe zu ihr gesagt, sie solle 

aufhören, ihr Freund bezeichne sie ja schon als Schlampe (S. 62 A. 20). Schläge gegen 

die Privatklägerin 1 stellt der Beschuldigte in Abrede. Er habe sie einzig angefasst, um 

sie nach draussen zu führen. Dazu habe er sie an Jacke/Pullover/Oberarm ergriffen. 

Diese habe sich mehrmals dagegen gewehrt. Er wollte zu diesem Zeitpunkt nur, dass 

die Leute sein Lokal verlassen, um dem Chaos ein Ende zu setzen (S. 62 ff. A. 21 f. und 

24). Um die Leute nach draussen zu weisen, habe er eine Kerze in die Hand genommen. 

Er selbst habe an diesem Tag drei bis vier Bier getrunken (S. 63 A. 27). E _________ 

und 

I _________ hätten etwas getrunken, sich aber normal verhalten. Er hätte Letzteren zu-

rückhalten müssen, da er sehr gross und kräftig war. Dieser hätte aber auch nur Ordnung 

ins Fumoir bringen wollen (S. 63 A. 28 f.). Die Privatklägerin 1 und die Gebrüder 

F-J _________ schildert er als «kaputt», «besoffen» und desorientiert. Diese seien der-

- 24 - 

art angetrunken gewesen, dass sie sich nicht mehr im Detail an den Streit erinnern könn-

ten (S. 63 f. A. 30 f. und 35). Er selbst habe einen Schlag erhalten aber ansonsten keinen 

Schlag gesehen (S. 63 A. 33).  

6.10.2  Die zweite Einvernahme des Beschuldigten erfolgte am 26. Februar 2019, nach-

dem dieser gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft eingesprochen hatte (S. 205 

ff.). In seinem freien Vortrag erwähnt er zuerst, dass er der Gruppe die Möglichkeit ge-

boten habe, in seinem Hotel zum Abendessen zu kommen. Das Fest habe solange ge-

dauert, bis die Privatklägerin 1 und deren Freund vollkommen betrunken gewesen seien. 

Nachdem er an diesem Abend Feierabend machen konnte, habe er sich zu den Gästen 

an den Tisch gesetzt und ein Bier getrunken. Zu diesem Zeitpunkt war ein Teil der Gäste 

im Fumoir, namentlich die Privatklägerin 1 und die Gebrüder F-J _________. Ob noch 

weitere Personen im Fumoir waren, könne er aufgrund der Dynamik der Situation nicht 

mehr sagen. Die Sache habe mir einem lauten Streit zwischen der Privatklägerin 1 und 

deren Freund begonnen. Das habe zu einem allgemeinen Durcheinander geführt. Etwas 

später habe seine Frau nach ihm gerufen, weil es Probleme im Fumoir gab. Als er den 

Raum betrat, stritt sich I _________ sehr laut mit einem der Gebrüder F-J _________. 

Es wurde immer lauter und alle anwesenden Personen, der Beschuldigte nennt 

I _________, die Gebrüder F-J _________, die Privatklägerin 1 und E _________, seien 

in einen lauten verbalen Streit verwickelt gewesen. Die Situation sei sehr chaotisch ge-

wesen und I _________ habe versucht zu schlichten. Der Beschuldigte habe zur Privat-

klägerin 1 gesagt, sie solle aufhören, man müsse das stoppen. Ihr Verhalten habe die 

Gebrüder F-J _________ provoziert. Er habe dann einen «perfekten» Faustschlag ins 

Gesicht erhalten. Darauf habe er alle nach draussen befohlen. Dann begann das Chaos, 

die Ehefrau des Beschuldigten ging zu Boden und er selbst wurde mit einer als Kerzen-

halter dienenden leeren Chiantiflasche beworfen. In diesem Chaos habe er auch noch 

I _________ stoppen müssen. Er habe in dieser Situation alle aus dem Lokal raushaben 

wollen. Er packte die Privatklägerin an der Schulter bzw. am Oberarm und an den Klei-

dern am Arm um sie aus dem Fumoir zu führen. Dabei habe sie einen ganzen Tisch 

abgedeckt und alles zu Boden geworfen. Dann habe er alle nach draussen gebracht. 

Nur C _________ sei noch im Lokal verblieben. Am nächsten Morgen seinen 

C _________ und I _________ zu ihm gekommen, um sich zu entschuldigen. Auch einer 

der Gebrüder F-J _________ sei mit einer Flasche Wein vorbeigekommen. Alle seien 

gegenüber die Privatklägerin 1 sehr kritisch eingestellt (S. 207 f. A. 6). Auf die Frage, ob 

er nach dem Faustschlag zornig wurde, antwortet er, er sei erstaunt gewesen und seine 

Reaktion habe aus einem entschiedenen «dopo via!» bestanden (S. 208 A. 7). Die Be-

schuldigung, sich aktiv in den Raufhandel eingemischt zu haben, verneint er entschieden 

- 25 - 

und sieht sich vielmehr als Opfer eines Faustschlags und der Sachbeschädigungen 

(S. 209 A. 8 f.).  

6.10.3  Eine zweite staatsanwaltschaftliche Einvernahme erfolgte am 9. April 2019 im 

Anschluss an die Konfrontationseinvernahmen mit C _________ und Y _________ 

(S. 235 ff.). Dabei wurde der Beschuldigte zunächst zum Vorfall im K _________ befragt, 

worauf später zurückzukommen sein wird. Mit den Aussagen von C _________ konfron-

tiert, führt er aus, er habe mehrere Schläge erhalten. Es sei zutreffend, dass er die Pri-

vatklägerin 1 hinauskomplimentiert habe (S. 239 A. 19). Er habe sie dazu an der Schulter 

gepackt, nicht an den Haaren. Er vermutet, dass die Privatklägerin 1 sich ihre Verletzun-

gen nicht bei der Auseinandersetzung im Fumoir, sondern zu einem späteren Zeitpunkt 

zugezogen hat. C _________ und einer der Gebrüder Imoden hätten sich am nächsten 

Tag bei ihm entschuldigt. Diese hätten ihm auch berichtet, dass der Freund der Privat-

klägerin 1 diese geschlagen habe. Von diesem habe sie heute ein Kind (S. 239 A. 20). 

Als er die Privatklägerin aus dem Fumoir führte, habe diese noch keine Verletzungen im 

Gesicht gehabt. Sie habe auch noch gut gehen können (S. 239 A. 21). Vielleicht habe 

sie die Verletzungen erlitten, als sie den Tisch abgeräumt habe (S. 239 A. 22).  

6.10.4  Im Anschluss an die Befragung der Privatklägerin 1 vom 19. November 2020 

wurde der Beschuldigte ein letztes Mal staatsanwaltschaftlich befragt (S. 275). Dabei 

bestritt er, die Privatklägerin 1 mit den Fäusten geschlagen zu haben. Die Privatklägerin 

1 habe sich mit ihrem eifersüchtigen Freund gestritten, den sie provoziert habe. Alle 

seien betrunken gewesen. Da habe er die Privatklägerin 1 stoppen wollen und ihr gesagt, 

sie solle sich nicht wie eine Hure verhalten. Als Reaktion habe er einen Faustschlag ins 

Gesicht bekommen. Und die Privatklägerin begann, mit Gegenständen nach ihm zu wer-

fen. Er selbst ergriff eine Kerze, um diese nach der Privatklägerin zu werfen, wurde aber 

von Gläsern an Kopf und Rücken getroffen. Seine Ehefrau sei am Boden gelegen und 

gleichzeitig hätten die Gebrüder F-J _________ gestritten. In diesem Moment wollte er 

alle Personen draussen haben. Er habe die Privatklägerin 1 am Arm und an der Schulter 

gepackt. Es sei möglich, dass er dabei auch einige Haare mit ergriffen habe. Danach 

habe die sich stark wehrende Privatklägerin 1 die ganzen Gläser vom Tisch geschlagen. 

Er habe an diesem Abend alle aus dem Lokal geworfen. Zwischen 22:00 Uhr und 

23:00 Uhr habe er an diesem Abend mit dem Service abgeschlossen gehabt und war 

nicht betrunken. Nach Informationen seiner Ehefrau habe die Privatklägerin 1 an diesem 

Abend eine Flasche Gin und eine Flasche Wodka getrunken. Bis 22:00 Uhr sei die Situ-

ation normal gewesen, ausser die Gebrüder F-J _________. Am nächsten Tag hätten 

sich die Leute bei ihm entschuldigt (S. 277 A. 5).  

- 26 - 

6.10.5  An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 27. Mai 2021 wurde der Be-

schuldigte erneut befragt (S. 433 ff.). Er beginnt seinen Bericht damit, dass er dieses 

Fest in seinem Hotel erlaubt und viel Arbeit darin investiert habe, da dieses für ihn wie 

Werbung gewesen sei. Er selbst habe am Fest nicht teilgenommen, sondern sei in der 

Küche gewesen. Im Fumoir sei er nie gewesen, bis nach ihm gerufen worden sei. Dort 

sei eine grosse Diskussion in Gang gewesen zwischen den Gebrüdern F-J _________, 

der Privatklägerin 1, E _________, I _________ und weiteren Personen. Als Chef des 

Restaurants habe er sich verantwortlich gefühlt. Während dem Essen habe die Privat-

klägerin 1 mit ihm über seine und ihre Kinder und ihre Situation in der Schweiz gespro-

chen. Sie spricht den gleichen Dialekt wie er. Als er ins Fumoir kam, war die Privatklä-

gerin 1 aufgeregt und hat ihren Freund angeschrien. Sie habe gemeint, sie hätte kein 

Problem damit, mit zwei oder drei Typen ins Bett zu gehen. Dieses Verhalten habe dazu 

geführt, dass auch E _________ und I _________ in die Diskussion involviert wurden. 

Er selbst habe zunächst versucht, die Privatklägerin 1 mit Worten zu stoppen und ihr 

gesagt, sie solle aufhören, das Verhalten einer Prostituierten zu übernehmen. Dann 

habe er einen Faustschlag ins Gesicht erhalten und die Privatklägerin hat begonnen, 

Gegenstände nach ihm zu werfen. Dann habe er alle weggeschickt. Nur so habe die 

Situation gestoppt werden können (S. 435 f. A. 9). Er habe die Privatklägerin am Arm 

genommen und nach draussen geführt. Diese habe sich gewehrt und dabei Gläser zu 

Boden geworfen und Stühle umgekippt. Er bestreitet, dass er die Privatklägerin an den 

Haaren gezogen habe (S. 436 A. 10). C _________ habe dies von seiner Position aus 

nicht sehen können. Hätte er sie an den Haaren gezogen, wäre es gar nicht möglich 

gewesen, dass sie mit der freien Hand die Gläser abräumt (S. 436 A. 11).  

An der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, einer Gruppe erlaubt zu ha-

ben, ein Firmenessen durchzuführen. Es sei eine ruhige Gruppe gewesen. Nach dem 

Dessert wäre aber viel Alkohol konsumiert worden und die Stimmung habe sich verän-

dert. Dazu habe er ein Video eingereicht. Dort sehe man, dass I _________, 

E _________ und die Gebrüder F-J _________ aufgeregt gewesen seien. Nach dem 

Essen habe er die Küche aufgeräumt und sich dann mit den Kunden an die Bar gesetzt, 

während sich ein Teil der Gruppe ins Fumoir begab, soweit er sich erinnere I _________, 

die Privatklägerin 1, E _________ und die Gebrüder F-J _________. Bei der ersten 

Phase der Auseinandersetzung sei er nicht dabei gewesen. Seine Frau habe interveniert 

und versucht, die Leute wieder zu beruhigen (S. 634 A. 4). Zunächst habe er es nicht für 

notwendig befunden, selbst zu intervenieren. Erst als seine Frau nach ihm gerufen habe, 

sei er ins Fumoir gegangen, da die Auseinandersetzung die Grenze überschritten habe 

und degeneriert war (S. 634 A. 5). Er habe versucht zu sagen: «Stopp, hört auf!» Zur 

- 27 - 

Privatklägerin 1 habe er gesagt, sie solle sich nicht wie eine Prostituierte verhalten, da 

sie mit ihrem Verhalten F _________ und I _________ provoziert habe. Sie sei am Te-

lefon gewesen und habe sich mit einem freizügigen Top über den Tisch gelehnt und 

gesagt, sie habe kein Problem, sie könne mit zwei oder drei anderen Personen in den 

Ausgang gehen. Als Reaktion habe er einen Faustschlag erhalten und dann aus der 

Oberlippe geblutet (S. 635 A. 6). Danach habe er sich umgedreht und wurde von der 

Privatklägerin 1 mit Blumenvasen beworfen. Er habe keine andere Möglichkeit gesehen, 

als die Privatklägerin 1 am Arm zu packen und sie aus dem Fumoir und aus dem Lokal 

zu führen. Er habe seine Frau und sein Restaurant beschützen und die Ordnung wieder-

herstellen müssen. Ansonsten wäre es noch schlimmer geworden (S. 635 A. 7). Er 

glaubt nicht, dass ihm die Privatklägerin 1 den Faustschlag wegen seiner Worte ver-

passte. Diese sei zu diesem Zeitpunkt aufgeregt und unkontrolliert gewesen. Zuvor, als 

er das Essen brachte, hätten sie sich noch normal unterhalten (S. 635 A. 9). Die Kerze 

habe er aus einem Verteidungsreflex ergriffen, da er mit Gegenständen beworfen wor-

den sei. Er habe damit aber nicht gemacht (S. 635 A. 10). 

7.  Die meisten Beteiligten sehen einen Streit zwischen der Privatklägerin 1 und deren 

Freund als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung. Es setzt sich innerhalb der Firma 

das Narrativ durch, dass die Privatklägerin «Schuld» an der Eskalation des Abends 

trage. Dies ist bei der Würdigung der Aussagen zu berücksichtigen. Auf der anderen 

Seite ist bemerkenswert und überraschend, dass die Ausführungen der Privatklägerin 1 

selbst einen solchen Streit zunächst unerwähnt lassen und den Eindruck vermitteln, die 

Privatklägerin sei plötzlich und ohne dass zuvor etwas geschehen wäre, von 

E _________ und dem Beschuldigten angegriffen worden (S. 21 A. 10 ff.). Auch auf 

Nachfrage hin (S. 24 A. 35) ist sie nicht in der Lage, einen Grund für die Auseinander-

setzung zu benennen. Auffällig ist hingegen ihre Aussage, es sei bekannt, dass der Be-

schuldigte im Rausch aggressiv werde und alle Frauen als Schlampen bezeichne (S. 21 

A. 13). Den Angriff auf sich situiert sie zeitlich vor dem Streit mit ihrem Freund (S. 84 A. 

17). Diese zeitliche Abfolge widerspricht den Aussagen aller übrigen Beteiligten. Auch 

bezüglich der Fragen, wer zu Beginn der Auseinandersetzung anwesend war, sagt sie 

widersprüchlich aus (S. 84 A. 18 f.). Bemerkenswert ist weiter, dass die übrigen Betei-

ligten, soweit sie hierzu Aussagen machen, zwar einen Angriff von E _________ auf die 

Privatklägerin 1 beschreiben, den Beschuldigten dabei aber nicht gesehen haben wol-

len. Weiter will die Privatklägerin 1 einen Schlag des Beschuldigten gegen F _________ 

gesehen haben. Dieser behauptet aber selbst nicht, vom Beschuldigten geschlagen wor-

den zu sein.  

- 28 - 

An der Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 1 verbleiben im Ergebnis erhebliche 

Zweifel. Insbesondere vermittelt sie den Eindruck, einen Teil ihrer Auseinandersetzun-

gen bewusst verschweigen und den Beschuldigten über Gebühr belasten zu wollen, um 

ihren Freund zu schützen. Auf ihre Aussagen kann mithin nicht abgestellt werden. 

Es ist folglich davon auszugehen, dass der Beschuldigte erst dazugekommen ist, als die 

Rauferei schon im Gange war. Es bleibt zu prüfen, ob und wie sich der Beschuldigte 

beteiligt hat. Aufgrund der soweit übereinstimmenden Aussagen ist erstellt, dass sich 

der Beschuldigte zunächst nur mit Worten einmischte und daraufhin von der Privatklä-

gerin 1 einen Faustschlag ins Gesicht erhielt. Die Aussagen differieren darüber, was der 

Beschuldigte genau gesagt hat. Offenkundig ist jedoch, dass sich die Privatklägerin 1 

durch die Aussage des Beschuldigten provoziert fühlte und dabei das Wort «Schlampe» 

bzw. «putana» fiel. Der Beschuldigte führt dazu aus, J _________ habe die Privatkläge-

rin als Schlampe bezeichnet und er habe diese darauf hingewiesen, ihr Freund be-

zeichne sie schon als Schlampe (S. 62 A. 20). Aufgrund der divergierenden Aussagen 

und dem wahrscheinlichen Ablauf ist naheliegend, dass die Privatklägerin 1 als erstes 

von ihrem Freund als Schlampe bezeichnet wurde. Die Angabe des Beschuldigten, diese 

Aussage aufgenommen und zitiert zu haben, ist damit glaubhaft. Im weiteren Verlauf der 

Befragungen gibt der Beschuldigte zu, das Verhalten der Privatklägerin 1 mit jenem einer 

Prostituierten gleichgesetzt zu haben. Ob er die Privatklägerin 1 nochmals selbst als 

Schlampe bezeichnete, nachdem ihn diese geschlagen hatte, wie dies F _________ 

aussagt (S. 37 A. 20), kann dahingestellt bleiben, wäre aber grundsätzlich ebenso nach-

vollziehbar, wie dass der Beschuldigte seine Gäste alsdann nach Draussen beorderte. 

Die Privatklägerin 1 hat im Anschluss daran begonnen, mit Gegenständen den dem Be-

schuldigten zu werfen. Der Beschuldigte gibt an, eine Kerze genommen zu haben, um 

damit an der Rauferei teilzunehmen. Dazu kam es aber durch den Bewurf nicht mehr. 

Schliesslich konnte der Beschuldigte die Privatklägerin 1 ergreifen und nach draussen 

führen. Wo und wie der Beschuldigte sie ergriff, wird in den Aussagen unterschiedlich 

dargestellt. Während die Privatklägerin 1 und C _________ die Situation so darstellen, 

dass er sie an den Haaren zog, behaupten der Beschuldigte und E _________, er habe 

sie an der Jacke beim Arm bzw. an der Kapuze gehalten.  

Wie auf den Videos zu sehen ist, hatte die Privatklägerin am fraglichen Abend gerade, 

etwas mehr als schulterlange Haare. Es ist daher möglich, wenn nicht gar wahrschein-

lich, dass der Beschuldigte mit derselben Hand sowohl Kapuze wie Haare zu fassen 

bekam.  

- 29 - 

Weitere im Zusammenhang mit der Rauferei angeklagte Tathandlungen sind nicht an-

geklagt bzw. lassen sich nicht nachweisen. 

8.  Strafbar ist, wer sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die Körperver-

letzung einer Person zur Folge hat. Straffrei bleibt dagegen, wer ausschliesslich abwehrt 

oder die Streitenden schlichtet (Art. 133 StGB). Es handelt sich hierbei um ein abstraktes 

Gefährdungsdelikt, wobei der Erfolg den Charakter einer objektiven Strafbarkeitsbedin-

gung hat (BGE 141 IV 454 E. 2.3.2 m.w.N.). Nicht erforderlich ist, dass die beschuldigte 

Person den Erfolg selbst herbeigeführt, gewollt oder in Kauf genommen hat (BGE 137 

IV 1 E. 4.2.2 f.). Der Begriff der Beteiligung wird weit gefasst und schliesst namentlich 

auch ein Anfeuern oder eine Provokation der Raufenden mit ein, wenn es dadurch zu 

einer Verlängerung des Raufhandels kommt und die abstrakte Gefährdung so länger 

andauert (Maeder, Basler Kommenta, 4. A., 2019, N. 13 zu Art. 133 StGB). Die Strafbe-

freiung nach Absatz 2 ist hingegen eng auszulegen und wird durch jede den Raufhandel 

befeuernde Handlung verwirkt (BGE 131 IV 150 E. 2.1.2). Subjektiv ist Vorsatz erforder-

lich, wobei in der Regel ein direkter Vorsatz gegeben ist. Eventualvorsatz kann dort vor-

liegen, wo der Täter bewusst in Kauf nimmt, den Raufhandel durch seine Intervention zu 

veranlassen oder zu verlängern.  

9.  Die Vorinstanz hat erkannt, dass dem Beschuldigten bei seiner ersten Intervention 

der Vorsatz fehlte, den Raufhandel zu verlängern. Sie gelangt vielmehr zum Schluss, 

dass der Beschuldigte die Absicht hatte, die Streitereien unter seinen Gästen im Fumoir 

zu beenden. Dies passt zur Tatsache, dass der Beschuldigte von seiner Ehefrau aus-

drücklich gerufen wurde, um den eskalierenden Streit im Fumoir zu beenden. Ein Inte-

resse des Beschuldigten, den Streit weiter zu eskalieren, ist nicht erkennbar. Seine 

ganze Interessenlage war entgegengesetzt gerichtet. Hingegen hat der Beschuldigte be-

wusst das Verhalten der Privatklägerin 1 mit jenem einer Prostituierten verglichen und 

dies in beleidigender Absicht. Dem Beschuldigten stand es frei, die Privatklägerin 1 für 

ihr offenbar provozierendes Verhalten abzumahnen. Dies allerdings bewusst mit einer 

strafrechtlich relevanten Beschimpfung (Art. 177 StGB) zu verbinden, war unnötig und 

provokativ. Mit seiner beleidigenden Absicht hat der Beschuldigte auch eine negative 

Reaktion der Privatklägerin 1 und damit eine Verlängerung des Raufhandels in Kauf ge-

nommen.  

Nachdem der Beschuldigte selbst von der Privatklägerin geschlagen wurde, kommen 

emotionale Rachemotive für eine Beteiligung am Raufhandel hinzu. Dazu passt, dass 

der Beschuldigte eine Kerze ergriff, um sie nach der Privatklägerin 1 zu werfen. Die Vo-

rinstanz sieht den Beschuldigten in diesem Zeitpunkt und als er die Privatklägerin 1 nach 

- 30 - 

draussen führte in einem Zustand der berechtigten Notwehr. Dem kann nur teilweise 

gefolgt werden. Da der Beschuldigte im fraglichen Zeitpunkt, nach dem Schlag in sein 

Gesicht, mit Gegenständen beworfen wurde, lag grundsätzlich eine Notwehrsituation 

vor. Um entsprechend durch Notwehr entschuldigt zu werden, muss die Tathandlung 

allerdings geeignet sein, den bestehenden oder drohenden Angriff abzuwehren (Nig-

gli/Göhlich, Balser Kommentar, 4. A., 2019, N. 28 zu Art. 15 StGB). Solches ist für den 

(versuchten) Wurf mit einer Kerze nicht ersichtlich. Dieses Verhalten war nicht auf eine 

Abwehr des bestehenden Angriffs gerichtet, sondern der Beschuldigte beabsichtigte, 

zum Gegenangriff überzugehen. Durch seine drohende Haltung provozierte er eine Ver-

längerung des Raufhandels und nahm so weiter daran teil.  

Auf der anderen Seite ist mit der Vorinstanz zu erkennen, dass sich der Beschuldigte, 

als er die Privatklägerin 1 nach draussen führte, wieder in einer Notwehrsituation befand. 

Diese aus seinem Lokal zu entfernen war geeignet, deren Angriff auf sein Eigentum zu 

beenden. Dass er die Privatklägerin 1 dabei an den Kleidern ergriff, war angesichts der 

Renitenz derselben verhältnismässig. Ein Schleifen an den Haaren der Privatklägerin 1, 

lässt sich aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten und der nicht aus-

zuschliessenden Tatsache, dass C _________ die langen Haare mit der Kapuze ver-

wechselt haben könnte, nicht rechtsgenüglich beweisen.  

Im Ergebnis ist der Angeklagte des Raufhandels nach Art. 133 StGB schuldig zu spre-

chen. 

10.   

10.1  Die Berufung nach Art. 398 ff. StPO ist ein reformatorisches Rechtsmittel (BBl 2006 

S. 1318 Ziff. 2.9.3.3). Das Kantonsgericht verfügt demzufolge als Berufungsgericht über 

umfassende Kognition in tatsächlicher sowie rechtlicher Hinsicht und selbst bezüglich 

der Strafzumessung (vgl. Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Es ist ihm somit gestattet, die 

Strafe unter Berücksichtigung der wesentlichen Strafzumessungsfaktoren selbst festzu-

setzen (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; Bundesgerichtsurteil 6B_245/2015 vom 5. Mai 2015 

E. 1), wobei es bei gehöriger Bemessung der Strafe durch die Vorinstanz sich deren 

Ausführungen zu Eigen machen kann und auf diese verweisen darf.  

10.2  Das Gericht bemisst die Sanktion innerhalb des vorgegebenen Strafrahmens nach 

dem Verschulden des Täters. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Ver-

hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB; 

vgl. auch Art. 34 Abs. 1 Satz 2 StGB). Verschulden im Sinne von Art. 47 StGB ist das 

- 31 - 

Mass der Vorwerfbarkeit des Rechtsbruchs und bezieht sich auf den gesamten Un-

rechts- und Schuldgehalt der zu beurteilenden Straftat (BGE 134 IV 1 E. 5.3.3 m.w.N.). 

Das (Tat-)Verschulden setzt sich aus objektiven und subjektiven Tatumständen zusam-

men (sog. „Tatkomponenten“), deren wesentlichen Kriterien der Gesetzgeber in Art. 47 

Abs. 2 StGB kodifiziert hat. Das Gericht hat bei der objektiven Tatschwere z.B. die Art 

und Weise des Vorgehens und das Ausmass der Verletzung und Gefährdung des 

Rechtsguts zu prüfen (Mathys, Strafzumessung, 2016, N. 66 ff. und N. 72 ff.). Die sub-

jektive Tatschwere bezieht sich u.a. auf die Beweggründe und die kriminelle Energie des 

Täters (Mathys, a.a.O., N. 101 und N. 105 ff.). Das Gericht hat neben diesen tatbezoge-

nen Komponenten individuelle, täterbezogene Umstände zu beachten, die mit der zu 

beurteilenden Straftat nicht im Zusammenhang stehen (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB; 

BGE 134 IV 17 E. 2.1 m.w.N.). Vorstrafen fallen unter die „Täterkomponenten“, die Vor-

strafenlosigkeit wirkt sich demgegenüber bei der Strafzumessung ausser bei ausserge-

wöhnlicher Gesetzestreue neutral aus. Sie ist deshalb nicht strafmindernd zu berück-

sichtigen (BGE 136 IV 1 E. 2.6). Das Verhalten nach der Tat gehört zu den Erkenntnis-

quellen für die Täterpersönlichkeit (BGE 113 IV 57).  

10.3  Der Raufhandel ist mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren 

bedroht (Art. 133 Abs. 1 StGB), während für die sexuelle Belästigung eine Busse bis zu 

Fr. 10'000.-- ausgefällt werden kann (Art. 198 i.V.m. 106 StGB). Da die beiden Strafen 

nicht gleichartig sind, sind für beide Delikte gesonderte Strafen festzusetzen und zu ku-

mulieren (Trechsel/Thommen, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, 3. A., 2018, N. 7 zu Art. 49 StGB).  

10.3.1  Der Beschuldigte wurde durch das Kantonsgericht Wallis am 2. Juni 2017 wegen 

Raufhandels, Beschimpfung und versuchter Drohung zu einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen verurteilt. Weiter wurde ihm mit Urteil des Kantonsgerichts Wallis vom 

28. Mai 2019 eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen wegen einfacher Körperverletzung 

auferlegt. Den beiden Urteilen lagen jedoch Sachverhalte zu Grunde, welche vom heute 

zur Beurteilung anstehenden erheblich abweichen. Insofern ist nicht zu erwarten, dass 

der Beschuldigte weitere, gleichartige Straftaten begehen wird und es ist auf den Wider-

ruf des bedingten Vollzugs dieser Strafen zu verzichten. 

10.3.2  Unter objektiven Gesichtspunkten ist zu beachten, dass der Beschuldigte nicht 

der Auslöser des Raufhandels war, sondern ausdrücklich herbeigerufen wurde, um in 

seinem Lokal für Ordnung zu sorgen. Dabei hat er sich von den bereits im Raum beste-

henden Aggressionen mitreissen lassen. Schläge seinerseits sind nicht nachgewiesen 

und es ist vielmehr zu beurteilen, dass er sich mit einer Beleidigung und in drohender 

- 32 - 

Art und Weise in den bestehenden Raufhandel einmischen wollte. Die objektive Tat-

schwere ist noch als leicht zu qualifizieren.  

10.3.3  Aus subjektiver Sicht ist zu beachten, dass sich der Beschuldigte erst aktiv in 

den Raufhandel einmischen wollte, nachdem dieser bereits in Gang war und sowohl 

seine Ehefrau wie auch sein Eigentum bedrohte. Allerdings war er bereit, mit Gegen-

ständen zu werfen und damit ein erhebliches Verletzungsrisiko für die Beteiligten und 

Dritte in Kauf zu nehmen. Weiter sind auch die Vorstrafen zu berücksichtigen, welche 

ein gegenüber dem Normalfall erhöhtes Gewaltpotential des Beschuldigten erkennen 

lassen. Die subjektiven Tatkomponenten wirken sich damit in ihrer Gesamtheit leicht 

straferhöhend aus.  

10.3.4  Angesichts der leichten objektiven Tatschwere ist auf eine Geldstrafe zu erken-

nen. Diese ist aufgrund der retrospektiven Konkurrenz (Art. 49 Abs. 2 StGB) als Zusatz-

strafe zu den mit Urteil des Kantonsgerichts Wallis vom 28. Mai 2019 ausgefällten 30 

Tagessätzen zu bestimmen. Durch die Ausfällung einer Zusatzstrafe soll ein Täter weder 

benachteiligt oder bessergestellt werden als bei der Beurteilung von Straftaten, welche 

zeitlich zusammen hätten beurteilt werden können. Es wird hypothetisch eine Gesamt-

strafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB gebildet, wobei das rechtskräftige frühere Urteil unan-

getastet bleibt. Es wird einzig eine Zusatzstrafe zur früheren Strafe gefällt (Ackermann, 

Basler Kommentar, 4. A., 2019, N. 129 f. zu Art. 49 StGB). Um bei der Bildung der Zu-

satzstrafe dem Prinzip der Strafschärfung gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB Rechnung zu 

tragen, hat das Zweitgericht die rechtskräftige Grundstrafe und die von ihm für die neu 

zu beurteilenden Taten auszusprechenden Strafen nach den Grundsätzen von Art. 49 

Abs. 1 StGB zu schärfen. Die Einsatzstrafe bildet die Strafe der (abstrakt) schwersten 

Straftat sämtlicher Delikte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und herr-

schender Lehre ist die schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB die mit der 

schwersten Strafe bedrohte und nicht die nach den Umständen des konkreten Falles 

verschuldensmässig am schwersten wiegende Tat. Es ist zu unterscheiden, ob die 

Grundstrafe oder die neu zu beurteilenden Delikte die schwerste Straftat enthalten. Im 

ersten Fall ist die Grundstrafe aufgrund der Einzelstrafen der neu zu beurteilenden De-

likte angemessen zu erhöhen. Anschliessend ist von der (gedanklich) gebildeten Ge-

samtstrafe die Grundstrafe abzuziehen, was die Zusatzstrafe ergibt. Liegt umgekehrt der 

Einzel- oder Gesamtstrafe der neu zu beurteilenden Taten die schwerste Straftat zu-

grunde, ist diese um die Grundstrafe angemessen zu erhöhen. Die infolge Asperation 

eintretende Reduzierung der rechtskräftigen Grundstrafe ist von der Strafe für die neu 

zu beurteilenden Delikte abzuziehen und ergibt die Zusatzstrafe. Die Zusatzstrafe ist 

- 33 - 

somit die infolge Asperation mit der Grundstrafe reduzierte Strafe für die neu zu beurtei-

lenden Taten. Bilden die Grundstrafe und die Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte 

ihrerseits Gesamtstrafen, kann das Zweitgericht der bereits im Rahmen der jeweiligen 

Gesamtstrafenbildung erfolgten Asperation durch eine gemässigte Berücksichtigung bei 

der Bildung der Zusatzstrafe Rechnung tragen (BGE 142 IV 265 E. 2.4.4; Mathys, a.a.O., 

Rz. 541). 

Vorliegend sind sowohl die einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB) wie der Raufhan-

del (Art. 133 StGB) mit derselben Strafdrohung versehen. Da die Gerichte im Urteil vom 

28. Mai 2019 sowohl die subjektive wie die objektive Tatschwere als eher leicht einge-

stuft haben, ist der vorliegend zu beurteilende Raufhandel wegen der subjektiven Kom-

ponente als schwereres Delikt anzusehen. Aufgrund der subjektiven Tatkomponente ist 

die Geldstrafe als hypothetische Einsatzstrafe unter Berücksichtigung der noch leichten 

objektiven Tatschwere nicht mehr im untersten Bereich, sondern bei 40 Tagessätzen 

festzulegen. Da es im Untersuchungsverfahren zwischen dem 9. Mai 2019 und dem 

3. November 2020 zu einem längeren Unterbruch kam, wurde das Beschleunigungsge-

bot verletzt. Dem ist mit einer Reduktion der Strafe um 5 Tagessätze Rechnung zu tra-

gen. Für die mit dem Urteil vom 28. Mai 2019 beurteilte einfache Körperverletzung wäre 

diese Einsatzstrafe um 10 Tagessätze auf 50 Tagessätze zu aspirieren. Es ist damit eine 

Zusatzstrafe 15 Tagessätze auszufällen. Bei einem durch das Bezirksgericht festgestell-

ten üblicherweise zu erzielenden Monatseinkommen von Fr. 5’000.-- und ansonsten nor-

malen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ohne Unterstützungspflichten ist 

die Tagessatzhöhe auf Fr. 120.-- festzusetzen. 

10.3.5  Die Geldstrafe kann unter den Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 bzw. 2 StGB 

bedingt gewährt werden. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel 

auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Be-

gehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der Rich-

ter beachtet dabei die Tatumstände, das Vorleben, den Leumund und alle anderen Tat-

sachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner 

Bewährung zulassen (Schneider/Garré, Basler Kommentar, 4. A., 2019, N. 46 zu Art. 42 

StGB). Ist nicht von einer ungünstigen Prognose auszugehen, ist die Strafe grundsätzlich 

bedingt auszusprechen (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2 und E. 5.5.2). Nach Art. 43 Abs. 1 StGB 

kann das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe jedoch nur teilweise aufschieben, wenn 

dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 

43 Abs. 2 StGB). Ergeben sich namentlich aufgrund früherer Verurteilungen erhebliche 

- 34 - 

Bedenken an der Legalbewährung des Täters, die bei einer Gesamtwürdigung aller Um-

stände eine eigentliche Schlechtprognose noch nicht zu begründen vermögen, so kann 

das Gericht an Stelle des Strafaufschubs den teilbedingten Vollzug gewähren (BGE 134 

IV 1 E. 5.5.2). Der unbedingt vollziehbare Teil darf dabei die Hälfte der Strafe nicht über-

steigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). 

Aufgrund der besonderen Tatumstände (der Beschuldigte war nicht Auslöser des Rauf-

handels und dieser fand in seinem eigenen Lokal statt) kann keine negative Legalprog-

nose gestellt werden. Die Geldstrafe ist daher bedingt auszusprechen. Aufgrund der be-

stehenden Vorstrafen ist diese jedoch auf vier Jahre festzusetzen (Art. 87 Abs. 1 StGB). 

10.4  Die durch das Bezirksgericht ausgesprochene Busse von Fr. 500.-- für die sexuelle 

Belästigung ist in Rechtskraft erwachsen.  

11.   

11.1  Die Strafbehörde legt im Endentscheid die Kostenfolgen fest (Art. 421 Abs. 1 

StPO). Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung 

des Aufwandes und den Auslagen im konkreten Straffall, worunter u.a. die Kosten für 

Gutachten, die amtliche Verteidigung oder andere Behörden, namentlich der Polizei, fal-

len (Art. 422 StPO; vgl. hierzu Griesser, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 

Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. A., 2020, N. 8 ff. zu Art. 

422 StPO). Grundsätzlich werden die Verfahrenskosten vom Bund oder dem Kanton 

übernommen, der das Verfahren geführt hat (Art. 423 StPO). Die beschuldigte Person 

trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Sie bezahlt 

bei einem Teilfreispruch die Kosten grundsätzlich anteilsmässig, d.h. im Rahmen des 

Schuldspruchs. Die Verfahrenskosten können ihr bei einem Freispruch ganz oder teil-

weise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfah-

rens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsie-

gens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Das Gericht kann einer Partei, welche 

ein Rechtsmittel ergriffen hat und einen für sie günstigeren Entscheid erwirkt, die Ver-

fahrenskosten auferlegen, wenn (a.) die Voraussetzungen für das Obsiegen erst im 

Rechtsmittelverfahren geschaffen worden sind oder (b.) der angefochtene Entscheid nur 

unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 StPO).  

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch 

über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Der An-

spruch auf Parteientschädigung richtet sich nach dem Verfahrensausgang; bei einem 

- 35 - 

Teilfreispruch ist nach den für die Kostentragung geltenden Grundsätzen zu prüfen, ob 

die beschuldigte Person eine Entschädigung für die Taten, die mit einem Freispruch en-

deten, beanspruchen kann (Art. 429 f. und 436 StPO; Botschaft zur Vereinheitlichung 

des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006, S. 1329). Die Strafbehörden 

können ihre Forderungen aus Verfahrenskosten mit Entschädigungsansprüchen der 

zahlungspflichtigen Partei aus dem gleichen Strafverfahren sowie mit beschlagnahmten 

Vermögenswerten verrechnen (Art. 442 Abs. 4 StPO). Bund und Kantone regeln nach 

Art. 424 Abs. 1 StPO die Berechnung der Verfahrenskosten und legen die Gebühren 

fest. Das Gesetz betreffend den Tarif der Kosten und Entschädigungen vor Gerichts- 

und Verwaltungsbehörden (GTar) vom 11. Februar 2009 ist im Wallis anwendbar. 

Die Gerichtskosten umfassen die Auslagen sowie die Gerichtsgebühr. Letztere wird in 

Straffällen aufgrund des Umfangs und der Schwierigkeit des Falls, der Art der Prozess-

führung der Parteien sowie ihrer finanziellen Situation im gesetzlichen Gebührenrahmen 

unter Berücksichtigung des Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzips festgesetzt (Art. 

13 und 14 GTar). Sie beträgt für das Untersuchungsverfahren Fr. 90.-- bis Fr. 6’000.-- 

und für jenes vor dem Bezirksgericht Fr. 90.-- bis Fr. 2’400.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b und c 

GTar). Die Gebühr bewegt sich für das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht zwischen 

einem Minimum von Fr. 380.-- und einem Maximum von Fr. 6’000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. f 

Gtar).  

11.2  Die Staatsanwaltschaft hat vorliegend eine Gebühr für die Strafuntersuchung von 

Fr. 1’924.30 beantragt. Das Bezirksgericht hat die eigenen Gerichtskosten auf 

Fr. 1'000.-- festgesetzt, also insgesamt Fr. 2’924.30 Diese Beträge, die sich jeweils im 

Rahmen des Tarifs bewegen, können bestätigt werden.  

Im Berufungsverfahren fielen Auslagen im Betrag von Fr. 25.-- für die Weibelin an 

(Art. 10 Abs. 2 GTar). Es war ein etwas mehr als mittleres Dossier zu behandeln, in dem 

der vorinstanzliche Entscheid nur noch teilweise zu überprüfen war. In Berücksichtigung 

der angeführten Bemessungskriterien, erweist sich eine Gerichtsgebühr im mittleren Be-

reich und damit von Fr. 1'175.-- als angemessen, so dass sich die Kosten der Berufungs-

instanz auf Fr. 1'200.-- belaufen. 

Da der Beschuldigte in allen angeklagten Schuldpunkten für schuldig erkannt wird, sind 

ihm die Verfahrenskosten der ersten Instanz vollumfänglich aufzuerlegen. Im Berufungs-

verfahren hat der Beschuldigte seine Anschlussberufung zurückgezogen, was als voll-

ständiges Unterliegen zu werten ist (Art. 428 Abs. 1 Satz 2 StPO). Die Staatsanwalt-

schaft obsie