# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1666f162-8e26-5b8e-9763-71cace36c9d9
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-11
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 11.08.2023 SK 2022 565
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-565_2023-08-11.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 565

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 11. August 2023 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Salzmann (Präsidentin i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr, Oberrichter Knecht
Gerichtsschreiberin Windler

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, Post-
fach, 3001 Bern

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 13. Mai 2022 (PEN 21 289)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend: Vorin-
stanz) erkannte mit Urteil vom 13. Mai 2022 (pag. 263 ff.; Hervorhebungen im Origi-
nal):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der groben Verkehrsregelverletzung, begangen am 27.01.2021 in C.________ als Lenker eines 
Lieferwagens durch Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse und dadurch 
Nichtbelassen des Vortritts gegenüber einer Passantin auf einem Fussgängerstreifen;

2. der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen am 27.01.2021 in C.________ als Lenker 
eines Lieferwagens durch Nichttragen der Sicherheitsgurte;

und in Anwendung der 
Art. 32 Abs. 1, 33 Abs. 2, 57 Abs. 5 lit. a, 90 Abs. 1 und Abs. 2, 100 Ziff. 1 SVG;
Art. 3a Abs. 1, 4 Abs. 1, 6 Abs. 1 VRV;
Art. 34, 42 Abs. 1 und Abs. 4, 44, 47, 106, 333 Abs. 1 StGB; Art. 422 ff. StPO;

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 100.00, ausmachend total CHF 9'000.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 2'000.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung wird auf 20 Tage festgesetzt.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 60.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung wird auf 1 Tag festgesetzt.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 3'500.00 und Auslagen 
von CHF 8'967.65, insgesamt bestimmt auf CHF 12’467.65.

Gebühren des Strafbefehls CHF 200.00
Gebühren des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 3’300.00
Total CHF 3’500.00

Entschädigung für Zeugin CHF 47.00
Kosten für die Gutachten CHF 8’820.65
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 100.00
Total CHF 8’967.65

Total Verfahrenskosten CHF 12’467.65

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1’300.00. Die redu-
zierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 11’167.65.

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II.

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil vom 13. Mai 2022 meldete A.________ (nachfolgend: der Be-
schuldigte) nach Aushändigung des Urteilsdispositivs anlässlich der erstinstanzli-
chen Fortsetzungsverhandlung vom 13. Mai 2022 mündlich Berufung an (pag. 259). 
Fristgerecht folgte die Berufungserklärung des Beschuldigten am 21. Oktober 2022 
(pag. 339 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern (nachfolgend: die Generalstaats-
anwaltschaft) verzichtete mit Eingabe vom 25. Oktober 2022 auf die Teilnahme am 
oberinstanzlichen Verfahren (pag. 346 f.).

Mit Verfügung vom 27. Dezember 2022 wurde die Durchführung eines schriftlichen 
Verfahrens in Aussicht genommen (pag. 369 f.). Da sich der Beschuldigte damit nicht 
einverstanden erklärte (pag. 372 f.), wurde er zur Berufungsverhandlung vom 
11. August 2023 vorgeladen.

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung stellte Rechtsanwalt B.________ in seiner 
Berufungserklärung vom 20. Oktober 2022 mehrere Beweisanträge (pag. 340 f.). Mit 
Beschluss vom 15. November 2022 wurden diese Beweisanträge begründet abge-
wiesen (pag. 353 f.).

Gleichzeitig beschloss die Kammer von Amtes wegen, bei der D.________ die Be-
antwortung zweier Zusatzfragen in Auftrag zu geben (pag. 353 f.). Der Beweisantrag 
von Rechtsanwalt B.________, eine dritte Zusatzfrage in diesen Auftrag aufzuneh-
men (pag: 357 f.), wurde mit Beschluss vom 30. November 2022 begründet abge-
wiesen (pag. 360 f.). Mit Schreiben vom 23. Dezember 2022 beantwortete die 
D.________ die beiden Zusatzfragen und legte die Rechnung der dadurch verur-
sachten Aufwendungen bei (pag. 364 ff.).

Von Amtes wegen wurde ein Strafregisterauszug aus der Schweiz, datierend vom 
7. August 2023 (pag. 380), und ein aktueller ADMAS-Auszug, datierend vom 7. Au-
gust 2023 (pag. 381 ff.), eingeholt.

Der aus Deutschland bestellte aktuelle Strafregisterauszug ging nicht vor der Urteils-
beratung ein, weshalb er unberücksichtigt blieb. Dies wurde dem Beschuldigten an-
lässlich der Berufungsverhandlung vom 11. August 2023 mitgeteilt (pag. 388).

Der Beschuldigte wurde mit Vorladung vom 1. März 2023 aufgefordert, aktuelle Be-
lege zu seinem Einkommen an die Verhandlung mitzubringen (pag. 376 ff.). An der 
Berufungsverhandlung vom 11. August 2023 gab er an, nicht gewusst zu haben, 
dass er diese mitzunehmen hatte (pag. 387).

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 11. August 2023 reichte der Beschuldigte 
vier Bilder, eine Fotoaufnahme der Verzweigung «Standort VW Pickup» sowie eine 
Tabelle «sicher erreichbare/höchstmögliche mittlere Blockierungsverzögerung» und 
eine Tabelle «Anhalteweg in Metern» mit Tabelle «Verzögerungswerte» ein 

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(pag. 388 und pag. 411 ff.). Die Kammer erkannte diese eingereichten Unterlagen 
zu den Akten (pag. 388).

An der Berufungsverhandlung vom 11. August 2023 wurde der Beschuldigte einver-
nommen (pag. 389 ff.).

Im Anschluss an diese Einvernahme stellte und begründete Rechtsanwalt 
B.________ namens und auftrags des Beschuldigten den Antrag, es sei ein Ober-
gutachten zu erstellen, welches die Aussagen von E.________ (nachfolgend: die 
Fussgängerin) anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung und die Aussagen 
des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung sowie die Witterungsver-
hältnisse berücksichtige (pag. 404). Die Kammer beschloss, diesen Beweisantrag 
abzuweisen. Die Vorsitzende eröffnete und begründete diesen Beschluss anlässlich 
der Berufungsverhandlung mündlich (pag. 404 f.).

4. Oberinstanzliche Anträge

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 11. August 2023 stellte und begründete 
Rechtsanwalt B.________ namens und auftrags des Beschuldigten die folgenden 
Anträge (pag. 405 f. und pag. 422):

1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung durch Nichtanpassen 
der Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse und dadurch Nichtbelassen des Vortritts gegenü-
ber einer Passantin auf einem Fussgängerstreifen von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Der Beschuldigte sei wegen der einfachen Verkehrsregelverletzung wegen Nichttragens der 
Sicherheitsgurte schuldig zu sprechen und mit der Ordnungsbusse von CHF 60.00 zu bestrafen.

3. Die geleistete Sicherheitsleistung von CHF 700.00 sei dem Beschuldigten im Umfang von 
CHF 640.00 zurückzuerstatten.

4. Dem Beschuldigten seien die Parteikosten zzgl. Auslagen und 7.7% MwSt. des Vorverfahrens, 
des erstinstanzlichen und des Berufungsverfahrens zu entschädigen. Die definitive Honorarnote 
seitens der Verteidigung sei einzuholen.

5. Die Verfahrenskosten seien vom Staat zu tragen.

5. Telefonische Urteilseröffnung

Der Beschuldigte verzichtete auf Anfrage der Vorsitzenden auf eine mündliche Eröff-
nung des Urteils und erklärte sich mit der telefonischen Bekanntgabe des Urteils an 
seinen Verteidiger, Rechtsanwalt B.________, einverstanden. Rechtsanwalt 
B.________ wurde am 14. August 2023 um 14:10 Uhr durch die Gerichtsschreiberin 
telefonisch über den Ausgang des Verfahrens informiert (pag. 408).

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Gemäss der Berufungserklärung vom 20. Oktober 2022 (pag. 339 ff.) wurde das 
erstinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten. Mit Blick auf die anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung gestellten Anträge, wonach für die einfache Ver-
kehrsregelverletzung durch Nichttragen der Sicherheitsgurte ein Schuldspruch ver-
langt wurde (pag. 257 f.), wurde der Beschuldigte im Rahmen der Berufungsver-
handlung vorfrageweise nach dem Umfang der Berufung gefragt. Der Beschuldigte 

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gab an, den Schuldspruch und die Sanktion wegen der einfachen Verkehrsregelver-
letzung durch Nichttragen der Sicherheitsgurte nicht anzufechten (pag. 387). Die Be-
rufung ist demnach beschränkt.

Das erstinstanzliche Urteil ist insoweit in Rechtskraft erwachsen, als der Beschul-
digte wegen einfacher Verkehrsregelverletzung durch Nichttragen der Sicherheits-
gurte schuldig gesprochen wurde. Rechtskräftig ist weiter die dafür ausgesprochene 
Übertretungsbusse von CHF 60.00.

Nicht rechtskräftig und damit zu überprüfen sind der Schuldspruch wegen grober 
Verkehrsregelverletzung und die dafür ausgefällte Geldstrafe von 90 Tagessätzen 
zu CHF 100.00, bedingt ausgesprochen mit einer Probezeit von 4 Jahren, sowie die 
Verbindungsbusse von CHF 2'000.00. Ebenfalls nicht rechtskräftig ist die Auflage 
der Verfahrenskosten an den Beschuldigten.

Die Kammer überprüft das erstinstanzliche Urteil in den angefochtenen Punkten mit 
voller Kognition (Art. 398 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0]). Aufgrund der alleinigen Berufung durch den Beschuldigten gilt das Ver-
schlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO; das erstinstanzliche Urteil darf 
nicht zu seinem Nachteil abgeändert werden.

7. Verletzung des Anklagegrundsatzes 

Die Verteidigung des Beschuldigten rügte sowohl erst- als auch oberinstanzlich eine 
Verletzung des Anklagegrundsatzes (pag. 255 ff. und pag. 405 f.). Im Strafbefehl 
werde nicht konkretisiert, ob die vorsätzliche oder die fahrlässige Begehung vorge-
worfen werde. Dies widerspreche der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 
116 Ia 455 E. 3.cc.). Sodann wären die vom Beschuldigten erwartete Geschwindig-
keit sowie die Vorhersehbarkeit der Kollision in den Strafbefehl aufzunehmen gewe-
sen. Der Würdigungsvorbehalt der Vorinstanz kompensiere dies nicht. Die Vorin-
stanz habe mangels Ausführungen das rechtliche Gehör des Beschuldigten verletzt.

Bezüglich der theoretischen Grundlagen zum Anklagegrundsatz kann auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 278 f., S. 7 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). Ebenfalls kann auf die korrekten Erwägungen der Vorinstanz 
verwiesen werden, soweit sie zum Schluss kam, dass keine Anklagegrundsatzver-
letzung in Bezug auf die genügende Umschreibung des Vorgeworfenen vorliegt 
(pag. 280, S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Im Strafbefehl EO 21 1943 vom 01.07.2021 (p. 78) wird dem Beschuldigten eine in Anbetracht der 
erwähnten Strassenverhältnisse unangepasste Geschwindigkeit und dadurch bzw. in der Folge Nicht-
belassen des Vortritts gegenüber einer Passantin auf einem Fussgängerstreifen vorgeworfen mit der 
Folge, dass der Beschuldigte mit dem von ihm gefahrenen Lieferwagen die Geschädigte angefahren 
bzw. getroffen habe. Zudem habe der Beschuldigte den Sicherheitsgurt nicht getragen. Der Beschul-
digte wurde aufgrund dieses Sachverhalts der mehrfach begangen einfachen Verkehrsregelverletzung 
angeklagt. Der Anklage ist klar zu entnehmen, welche Verkehrsregeln der Beschuldigte verletzt haben 
soll. Die Geschwindigkeitsanpassungsregel von Art. 32 Abs. 1 SVG, die Pflichten gegenüber Fussgän-
gern gemäss Art. 33 Abs. 2 SVG wie auch die Vortrittsregel von Art. 6 Abs. 1 VRV sind denn auch aus-
drücklich erwähnt. Weiter geht aus dem umschriebenen Sachverhalt indirekt hervor, dass der Beschul-
digte durch die Missachtung dieser Verkehrsregeln den Unfall verschuldet habe. Für das Gericht sind 

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damit alle Tatbestandsmerkmale der geltend gemachten Delikte angeklagt. Zudem muss die Staatsan-
waltschaft eben gerade keine konkrete angemessene Geschwindigkeit im Strafbefehl angeben, da sich 
diese anhand der konkreten Umstände bestimmt (Art. 32 Abs. 1 SVG). So hat der Fahrzeugführer z.B. 
vor Fussgängerstreifen besonders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgän-
gern den Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriffe sind, ihn zu 
betreten (Art. 33 Abs. 2 SVG). Weiter darf der Fahrzeugführer nur so schnell fahren, dass er innerhalb 
der überblickbaren Strecke halten kann (Art. 4 Abs. 1 VRV). Dem Beschuldigten war zu jeder Zeit klar, 
was ihm vorgeworfen wird, und er konnte sich entsprechend verteidigen, was aus seinem Verhalten 
und seinen Aussagen im Strafverfahren ohne weiteres ersichtlich ist. Die von der Verteidigung hervor-
gehobenen Unklarheiten bezüglich des Sachverhalts sind folglich nicht von Bedeutung. Eine Verletzung 
des Anklageprinzips ist nicht ersichtlich.

Ergänzend dazu ist festzuhalten, dass auch in Bezug auf die subjektive Tatbestands-
komponente keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vorliegt, dies sowohl betref-
fend den Vorwurf der einfachen Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 1 des Stras-
senverkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01]) gemäss Strafbefehl vom 1. Juli 2021 als 
auch betreffend den von der Vorinstanz gemachten Vorbehalt der anderen recht-
lichen Würdigung der groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG). 

Das Bundesgericht hielt zum Anklagegrundsatz bei Anklagen wegen grober Ver-
kehrsregelverletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 2 SVG hinsichtlich Darstellung des Tatbe-
standsmerkmals der «ernstlichen Gefahr für die Sicherheit anderer» unter anderem 
fest, es genüge, dass aufgrund der angeklagten groben Verkehrsregelverletzung so-
wie der Sachverhaltsschilderung in der Anklage auf eine erhöhte abstrakte oder kon-
krete Gefahr geschlossen werden muss, ohne dass dies in der Anklageschrift zwin-
gend explizit zu erwähnen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1235/2021 vom 
23. Mai 2022 E. 1.5.1):

Aus der Anklage muss dem Angeklagten klar sein, ob ihm Fahrlässigkeit oder Vor-
satz vorgeworfen wird (BGE 120 IV 348 E. 3c). Dies gilt grundsätzlich auch für die 
Anklage von Verkehrsregelverletzungen. Das Bundesgericht hat betreffend die An-
klage wegen Verletzung von Verkehrsregeln ausgeführt, der Vorwurf der Fahrlässig-
keit sei bei Hinweisen auf eine fehlende Aufmerksamkeit in der Regel enthalten. Es 
sei zumindest von einer angeklagten fahrlässigen Tatbegehung auszugehen, es sei 
denn, die Anklage beinhalte einen darüber hinausgehenden Vorwurf eines vorsätz-
lichen Handelns. Die für die Annahme von Fahrlässigkeit erforderliche Pflichtverlet-
zung ergebe sich dabei, auch wenn in der Anklage nicht explizit erwähnt, aus der im 
Strassenverkehr allgemein geltenden Pflicht zur Aufmerksamkeit (vgl. Art. 31 Abs. 1 
SVG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 VRV) und der als bekannt vorausgesetzten Kenntnis der 
Verkehrsregeln (vgl. Art. 14 Abs. 1 und 3 Bst. a SVG). Schildere die Anklage kein 
bewusstes Verhalten, sei daher von einer fahrlässigen Verletzung der Verkehrsre-
geln auszugehen. Die Schilderung des objektiven Tatgeschehens reiche für eine An-
klage wegen vorsätzlicher Tatbegehung aus, wenn sich daraus die Umstände ergä-
ben, aus denen auf einen vorhandenen Vorsatz geschlossen werden könne. Nicht 
zwingend sei daher, dass sich die Anklage explizit dazu äussere, ob der beschuldig-
ten Person eine fahrlässige oder (eventual-) vorsätzliche Verletzung der Verkehrs-
regeln vorgeworfen werde. Da grundsätzlich von einer objektiv groben Verletzung 
der Verkehrsregeln auf ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten zu schliessen sei, 

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beinhalte eine Anklage wegen grober Verkehrsregelverletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 2 
SVG mindestens einen Vorwurf der groben Fahrlässigkeit (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1235/2021 vom 23. Mai 2022 E. 1.5.2 und E. 1.5.3).

Zutreffend ist, dass weder dem besagten Strafbefehl (pag. 78) noch der vorbehalte-
nen anderen rechtlichen Würdigung (pag. 218) explizite Ausführungen zum subjek-
tiven Tatbestand zu entnehmen sind. Mit der Schilderung des objektiven Tatgesche-
hens (Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse, d.h. Aussen-
temperatur: -2°, starker Schneefall, schneebedeckte bzw. vereiste Fahrbahn, und in 
der Folge Missachten des Vortrittsrechts einer Passantin auf dem Fussgängerstrei-
fen) sind nach Ansicht der Kammer allerdings die wesentlichen Umstände ersicht-
lich, aufgrund derer auf den Vorwurf einer fahrlässigen Tatbegehung geschlossen 
werden kann. Weder im Strafbefehl noch in den Akten sind weitere, über den Vorwurf 
hinausgehende Elemente ersichtlich, die auf ein vorsätzliches Handeln schliessen 
liessen. In Übereinstimmung mit der zuvor zitierten bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung beinhaltet der Sachverhalt gemäss Strafbefehl (pag. 78) den Vorwurf einer 
fahrlässigen Tatbegehung. Ob fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln vorliegt, ist 
– gemäss Bundesgericht – schliesslich «nicht in erster Linie für die Tatbestandsmäs-
sigkeit im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG massgeblich, sondern für die Bestimmung 
des Verschuldens und damit für die Strafzumessung» (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1235/2021 vom 23. Mai 2022 E. 1.6.4). Zusammengefasst ist festzuhalten, dass 
weder der Anklagegrundsatz noch das rechtliche Gehör des Beschuldigten vorlie-
gend verletzt wurden und der im Strafbefehl umschriebene Sachverhalt insbeson-
dere auch in subjektiver Hinsicht den Anforderungen gemäss bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung genügt (vgl. dazu auch die Urteile des Obergerichts des Kantons 
Bern SK 21 435 vom 29. Juni 2022 und SK 22 363 + 364 vom 9. Januar 2023).

I. Sachverhalt und Beweiswürdigung

1. Rechtliche Grundlagen

Für die rechtlichen Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die korrekten Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 277 f., Ziff. II.1. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung).

2. Vorwurf gemäss Strafbefehl

Dem Beschuldigten wird im Strafbefehl vom 1. Juli 2021 eine einfache Verkehrs-
regelverletzung, angeblich mehrfach begangen am 27. Januar 2021 in C.________, 
wegen Nichtanpassens der Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse und da-
durch Nichtbelassens des Vortritts gegenüber einer Passantin auf einem Fussgän-
gerstreifen, durch folgendes Vorgehen vorgeworfen (pag. 78): 

Der Beschuldigte lenkte einen Lieferwagen mit Anhänger auf der F.________, vom Zentrum 
C.________ herkommend in Richtung G.________, wobei er es unterliess, die vorgeschriebenen Si-
cherheitsgurte zu tragen. Er passte während der Fahrt die Geschwindigkeit nicht an die Strassenver-
hältnisse an (Aussentemperatur: -2°, starker Schneefall, schneebedeckte bzw. vereiste Fahrbahn) und 
missachtete in der Folge das Vortrittsrecht einer Passantin, welche im Begriff war, den Fussgänger-
streifen auf Höhe der Verzweigung O.________ von links nach rechts in Richtung Bahnhof Süd zu 

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überqueren und sich bereits auf der rechten Fahrbahn befand. Trotz eingeleitetem Vollbrems- und Aus-
weichmanöver nach rechts prallte der Lieferwagen mit dem rechten Seitenspiegel gegen den Kopf der 
Geschädigten und streifte mit der linken Stossstangenecke deren Knie, woraufhin sie stürzte. Der Lie-
ferwagen prallte während des Ausweichmanövers gegen zwei grosse Steine, welche die O.________ 
im Bereich der Verzweigung abgrenzten. Schlussendlich kam das Fahrzeug in einer angrenzenden 
Rabatte zum Stillstand. 

Die Vorinstanz behielt sich anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vor, 
den angeklagten Sachverhalt betreffend Nichtanpassen der Geschwindigkeit und 
Nichtbelassen des Vortrittes in Anwendung von Art. 344 StPO unter dem Gesichts-
punkt der groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG und Art. 4 Abs. 1 der 
Verkehrsregelverordnung [VRV; SR 741.11]) anders rechtlich zu würdigen 
(pag. 218).

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde der Sachverhalt gemäss Strafbefehl im 
Einverständnis des Beschuldigten dahingehend korrigiert, dass «der Lieferwagen mit 
dem linken rechten [anstatt: rechten] Seitenspiegel gegen den Kopf der Geschädig-
ten» prallte.

3. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am 27. Januar 2021 um 10:12 Uhr mit seinem 
Mercedes-Benz Sprinter mit Anhänger (vgl. pag. 5 und pag. 38) auf der F.________ 
in C.________ (Hauptstrasse innerorts, pag. 4; vgl. zu den örtlichen Begebenheiten 
pag. 234 ff.) von der H.________, C.________-Zentrum, herkommend in Richtung 
G.________ unterwegs war. Die geltende Höchstgeschwindigkeit war 50 km/h 
(pag. 1 und 4). Der Unfall ereignete sich auf einer geraden Strecke auf einem Fuss-
gängerstreifen (pag. 4). Das Verkehrsaufkommen zum Unfallzeitpunkt war normal. 
Es herrschte Schneefall und die Strassenbeleuchtung war ausser Betrieb (pag. 4). 
Unbestritten ist weiter, dass es beim Fussgängerstreifen auf der Höhe der Liegen-
schaft I.________ trotz eingeleitetem Vollbrems- und Ausweichmanöver durch den 
Beschuldigten zur Kollision zwischen dem Lieferwagen des Beschuldigten und der 
Fussgängerin kam, die zu Fuss unterwegs war (pag. 3). Der Beschuldigte traf die 
Fussgängerin dabei unbestrittenermassen mit dem linken Seitenspiegel am Kopf 
(pag. 7 und pag. 229, Z. 37 f.; pag. 45; pag. 161 f., pag. 165 und pag. 176 f.). Zum 
Unfallzeitpunkt trug der Beschuldigte keinen Sicherheitsgurt (pag. 231, Z. 7 ff. und 
pag. 25). Die Fussgängerin erlitt durch die Kollision am linken Fuss eine Trümmer-
fraktur, die operiert werden musste, diverse Prellungen, einen angeknacksten Brust-
wirbel, eine Rippenquetschung sowie einen lockeren Zahn. Zudem wurde ihre Brille 
beschädigt (vgl. pag. 221, Z. 14 ff., pag. 12 und pag. 74).

Erwiesen ist weiter gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten (pag. 9; pag. 227, 
Z. 15 ff.), gestützt auf die Fotodokumentation des Unfalltechnischen Dienstes (nach-
folgend: UTD; pag. 34 f.; pag. 39 ff.) sowie gestützt auf den beim Lieferwagen fest-
gestellten Sachschaden (Vorderachse gebrochen, Front eingedrückt: pag. 6) und 
den Schaden zum Nachteil des Kantons Bern und der Stadt Langenthal (pag. 15), 
dass der Beschuldigte als Folge seines Ausweichmanövers nach rechts in zwei 
Steinbrocken fuhr, die sich auf der Trottoirseite der Fahrbahn des Beschuldigten be-
fanden, und diese durch den Aufprall verschoben wurden. 

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Bestritten bzw. beweismässig zu eruieren sind die zum Unfallzeitpunkt vorherrschen-
den Strassen- und Witterungsverhältnisse (Aussagen des Beschuldigten: pag. 7; 
pag. 226, Z. 45 f.; pag. 227 Z. 12 f.; pag. 231, Z. 29 ff.; Beweisantrag der Verteidi-
gung: pag. 126; Parteivorträge der Verteidigung: pag. 255 f. und pag. 406; Beru-
fungsbegründung: pag. 341). Ebenfalls bestritten ist, ob der Beschuldigte den Fuss-
gängerstreifen und/oder die Beschilderung dazu aufgrund der herrschenden Stras-
sen- und Witterungsbedingungen sehen konnte (Aussagen des Beschuldigten: 
pag. 9; pag. 228, Z. 4 ff.; pag. 229, Z. 3 ff.; pag. 231, Z. 44 ff.; pag. 232, Z. 1 ff.; 
Eingaben der Verteidigung: pag. 88 f.; pag. 95; Parteivorträge der Verteidigung: 
pag. 255 f. und pag. 406 f.). Weiter ist zu eruieren, wo der Kollisionspunkt bzw. Kol-
lisionsbereich des Fahrzeugs des Beschuldigten mit der Fussgängerin war und wie 
dessen Fahrzeug mit ihr kollidierte. Ebenfalls ist in der Beweiswürdigung auf die 
Frage einzugehen, mit welcher Geschwindigkeit der Beschuldigte zum Zeitpunkt un-
terwegs war, als er die Fussgängerin erblickte, und zu welchem Zeitpunkt er die 
Bremsung einleitete (Aussagen des Beschuldigten: pag. 7; pag. 227, Z. 10 f., Z. 36 
ff.; pag. 229, Z. 11 ff.; pag. 230 f., Z. 42 f.; Eingaben der Verteidigung: pag. 88; 
pag. 187; Parteivorträge der Verteidigung: pag. 255 ff. und pag. 406 f.). Auch zu eru-
ieren ist das Verhalten der Fussgängerin, bevor sie den Fussgängerstreifen betrat. 
Der Beschuldigte bestreitet, dass er damit habe rechnen müssen, dass die Fussgän-
gerin die Strasse habe überqueren wollen; diese habe die Strasse unvermittelt be-
treten (Aussagen des Beschuldigten: pag. 7; pag. 227, Z. 9 f., Z. 36; pag. 228, Z. 29 
ff.; Eingaben der Verteidigung: pag. 89; pag. 126; Parteivorträge der Verteidigung: 
pag. 256 und pag. 406 f.). Sodann ist vom Beschuldigten bestritten, dass es ihm 
möglich gewesen wäre, rechtzeitig anzuhalten, bzw. mit den Strassen- und Witte-
rungsverhältnissen unangepasster Geschwindigkeit gefahren zu sein (Aussagen 
des Beschuldigten: pag. 230, Z. 29 ff.; Eingabe der Verteidigung: pag. 88; Parteivor-
träge der Verteidigung: pag. 255, pag. 257 und pag. 406 f.). Bestritten werden 
schliesslich die weiteren durch die Fussgängerin anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung geltend gemachten Verletzungen und Folgen der Kollision (vgl. 
pag. 221, Z. 16 ff).

4. Beweiswürdigung der Kammer

4.1 Verfügbare Beweismittel

Der Kammer liegen die folgenden objektiven Beweismittel vor: der Anzeigerapport 
der Kantonspolizei Bern vom 25. Februar 2021 inkl. Unfallaufnahmeprotokoll 
(pag. 1 ff.), die Dokumentation des UTD vom 22. Februar 2021 (pag. 23 ff.) inkl. Fo-
tos der angetroffenen Situation am Unfalltag ab 11.55 Uhr (pag. 26 ff.) und Situati-
onsplan (pag. 47), die Unfallmeldung der Fussgängerin an die J.________ vom 
5. Februar 2021 (pag. 72 ff.), ein verkehrstechnisches Gutachten der D.________ 
vom 17. Februar 2022 inkl. Weg-Zeit-Diagramme und Unfallpläne (nachfolgend: 
D.________-Gutachten; pag. 157 ff.), das Zusatzgutachten der D.________ vom 
11. März 2022 (pag. 206 ff.) sowie die schriftliche Beantwortung zweier Zusatzfragen 
durch die D.________ vom 23. Dezember 2022 (pag. 364 f.). Als weitere objektive 
Beweismittel kamen anlässlich der Berufungsverhandlung vier Bilder, eine Fotoauf-

10

nahme der Verzweigung «Standort VW Pick-Up» sowie eine Tabelle «sicher erreich-
bare/höchstmögliche mittlere Blockierungsverzögerung» und eine Tabelle «Anhalte-
weg in Metern» mit Tabelle «Verzögerungswerte» hinzu (pag. 411 ff.).

Als subjektive Beweismittel sind weiter die Aussagen der Beteiligten einer Würdi-
gung zu unterziehen. Der Beschuldigte selber wurde zu den ihm gemachten Vorwür-
fen insgesamt drei Mal einvernommen: am Unfalltag, d.h. am 27. Januar 2021, durch 
die Polizei (pag. 7), am 16. März 2022 anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung (pag. 225 ff.) und am 11. August 2023 vor Obergericht (pag. 389 ff.). 

Die Fussgängerin wurde ebenfalls am Unfalltag, somit am 27. Januar 2021, polizei-
lich einvernommen (pag. 9). Zudem sagte sie anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung aus (pag. 219 ff.). 

Auf den Inhalt der einzelnen Beweismittel wird – soweit von Relevanz – direkt im 
Rahmen der konkreten Beweiswürdigung hiernach eingegangen. 

4.2 Aussagenanalyse 

Die Vorinstanz führte zu den Aussagen der Fussgängerin Folgendes aus (pag. 283, 
S. 12 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Geschädigte wurde insgesamt zwei Mal befragt. Die erste Befragung wurde noch am Unfalltag am 
27.01.2021 um 15:40 Uhr im Spital C.________ von der Polizei durchgeführt (p. 13). Die damaligen 
Aussagen der Geschädigten waren nachvollziehbarerweise eher rudimentär, war sie doch verletzt und 
stand vermutlich noch unter Schock, weshalb man sie nicht noch mehr unter Druck setzen und lange 
befragen wollte. Die zweite Einvernahme der Geschädigten fand erst anlässlich der Hauptverhandlung 
vom 16.03.2022 vor Gericht statt und erfolgte damit mehr als ein Jahr nach dem Unfall (p. 219 ff.). Es 
ist nachvollziehbar, dass sich die Geschädigte nicht mehr vollumfänglich an alles erinnern konnte oder 
Sachen infolge Zeitablauf etwas anders in Erinnerung hatte. Dies umso mehr, als sie nach dem Unfall 
unter Schock stand und medizinisch versorgt werden musste. Ihre Aussagen waren jedoch stets vor-
sichtig und im Kern auch konstant. Zudem hat sie freimütig auf alle Fragen geantwortet. Sie hat den 
Beschuldigten ausserdem nicht übermässig belastet und hat weder einen Strafantrag gegen den Be-
schuldigten gestellt noch eine Zivilforderung geltend gemacht und somit kein Eigeninteresse am Aus-
gang des Verfahrens. Die Aussagen der Zeugin werden folglich vom Gericht als glaubhaft erachtet. Es 
ist kein Grund ersichtlich, weshalb nicht grundsätzlich auf ihre Aussagen abgestellt werden könnte. 

Diese Ausführungen der Vorinstanz sind zutreffend, weshalb darauf verwiesen wird. 
Wie die Vorinstanz und die Verteidigung (pag. 406) richtigerweise ausführen, ist die 
polizeiliche Einvernahme der Fussgängerin, die lediglich 15 Minuten lang dauerte 
(von 15.40 Uhr bis 15.55 Uhr: pag. 13), rudimentär ausgefallen. Diese wenigen Aus-
sagen der Fussgängerin anlässlich der polizeilichen Befragung helfen für die Sach-
verhaltsfeststellung kaum weiter. Der Verteidiger führte ebenfalls aus, die Fussgän-
gerin habe trotz Haftungsanerkennung und vollumfänglicher Entschädigung durch 
die Versicherung ein Eigeninteresse an einem Schuldspruch des Beschuldigten ge-
habt, weshalb ihre Aussagen unglaubhaft seien (pag. 406). Dem kann die Kammer 
nicht folgen. Da die Fussgängerin zum Zeitpunkt ihrer detaillierten Einvernahme an 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung durch die Haftpflichtversicherung bereits 
vollumfänglich entschädigt worden war (pag. 90), sieht die Kammer bei ihr kein Ei-
geninteresse am Verfahrensausgang. 

11

Zu den Aussagen des Beschuldigten erwog die Vorinstanz Folgendes (pag. 283 f., 
S. 12 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Das Aussageverhalten des Beschuldigten zeichnet ein anderes Bild. Auch er wurde erstmals am Un-
falltag am 27.01.2021 um 11:15 Uhr von der Polizei befragt (p. 7 ff.). Bereits diese ersten Aussagen 
zeigen eine gewisse Zielgerichtetheit auf, wenn auch noch nicht so stark wie bei seinen Aussagen 
anlässlich der Hauptverhandlung. So hat der Beschuldigte z.B. zunächst erklärt, es habe stark ge-
schneit und die Strasse sei glatt gewesen. In der Folge hat er von Glatteis gesprochen. Weiter hat er 
zunächst ausgesagt, dass er die Fussgängerin beim Fussgängerstreifen habe stehen sehen und wahr-
genommen habe, dass sie nach links und nach rechts geschaut habe, und dann doch erklärt, dass sie 
überraschend losgelaufen sei. Schliesslich hat der Beschuldigte am Ende der Befragung noch nachge-
schoben, dass man den Fussgängerstreifen aufgrund des Schneefalls gar nicht gesehen habe. Bei der 
letzten Aussage dürfte dem Beschuldigten klargeworden sein, dass er sich in einer für ihn schwierigen 
Situation befand, zumal er unbestrittenermassen eine Fussgängerin auf dem Fussgängerstreifen an-
gefahren hatte. 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 26.03.2022 wurde der Beschuldigte ein zweites Mal einvernom-
men (p. 225 ff.). Bei dieser Einvernahme korrigierte er seine Erstaussagen. Auffallend ist insbesondere, 
dass der Beschuldigte auf kritische Fragen ausweichend geantwortet (vgl. z.B. p. 227 f. Z. 45 ff. und 
1 ff.) und immer wieder die Kernargumente betont hat, die ihn seiner Ansicht nach entlasten sollten 
(dass er den Fussgängerstreifen aufgrund des starken Schneefalls nicht gesehen habe, p. 226 Z. 45 f., 
p. 228 Z. 4 ff., p. 229 Z. 1 ff., p. 231 Z. 28 ff.; dass Glatteis geherrscht habe, p. 226 Z. 44 f., p. 227 
Z. 12 f., p. 231 Z. 28 f. und Z. 47, p. 232 Z. 1 ff.; dass er mit reduzierter bzw. angepasster Geschwin-
digkeit gefahren sei, p. 226 Z. 47, p. 229 Z. 10 ff., p. 230 Z. 42 f., p. 231 Z. 3 f.; dass die Geschädigte 
unvermittelt die Strasse betreten habe bzw. ihre Querungsabsicht für ihn nicht wahrnehmbar gewesen 
sei, p. 227 Z. 1 ff., p. 227 Z. 32 ff. und 40 ff., p. 228 Z. 15-44, p. 230 Z. 33 f., p. 231 Z. 16 ff.). Insbeson-
dere die Aussagen an der Hauptverhandlung waren entsprechend zielgerichtet, ausweichend, übertrei-
bend und von etlichen Schutzbehauptungen gespickt. Dies ist auch erklärbar, dürfte dem Beschuldigten 
doch bereits nach dem Unfall und eben insbesondere danach klargeworden sein, was für schwere Kon-
sequenzen das Ganze für ihn haben wird. Aufgrund seines automobilistischen Leumunds (vgl. ADMAS-
Auszug vom 09.03.2022, p. 203) und der bisher ausgesprochenen Administrativmassnahmen (u.a. 
Aberkennungen des ausländischen Führerausweises in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2016, letzt-
mals für 12 Monate, sowie Verwarnung vom 30.06.2021) dürfte dieser Verkehrsunfall zu einer längeren 
Aberkennung oder sogar einer vorsorglichen Aberkennung sowie einer Fahreignungsabklärung (vgl. 
Art. 15d Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG) führen. 

Unter diesen Umständen sind vor allem die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhand-
lung als unglaubhaft und Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Das Gericht hält die ersten Aussagen 
des Beschuldigten gegenüber der Polizei, welche dieser rund eine Stunde nach dem Unfall gemacht 
hat, für glaubhafter und stellt – wenn überhaupt – auf diese ab. Auch diese Erstaussagen sind jedoch 
infolge Zielgerichtetheit mit Vorsicht zu verwerten.  

Die Kammer kann sich den Ausführungen der Vorinstanz nur teilweise anschliessen. 
Sie erachtet die tatnächsten Aussagen des Beschuldigten, die kurz nach dem Unfall, 
wohl noch unter dem Schock des Unfalls stehend, und ohne Rechtsanwalt erfolgten, 
als im Grundsatz glaubhaft und nicht zielgerichtet. Auch seine letzte Aussage, wo-
nach der Fussgängerstreifen wegen des Schneefalls gar nicht mehr sichtbar gewe-
sen sei, wird – wie die nachfolgende Beweiswürdigung zu den Strassen- und Witte-
rungsverhältnissen zeigt – nicht als zielgerichtete Aussage angesehen. 

12

Hingegen deuten die Aussagen des Beschuldigten an der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung tatsächlich darauf hin, dass dieser versuchte, sein Verhalten mit seinen 
Aussagen besser darzustellen. So z.B., wenn er – wenig nachvollziehbar – darauf 
hinweist, dass ein am Strassenrand Stehen und nach links und rechts Schauen auch 
ein Anzeichen dafür sei, dass man auf jemanden warte (pag. 228, Z. 41 ff.). Oder 
wenn er auf die Frage, ob in Deutschland ein Vortrittsrecht für Fussgänger auf Fuss-
gängerstreifen gelte, antwortet, dass er sich im Internet informiert habe. Es sei so, 
dass ein Fussgänger gegebenenfalls ein Handzeichen machen und Blickkontakt mit 
dem Autofahrer aufnehmen müsse (pag. 227, Z. 45 f.; pag. 228, Z. 1 ff.). Die Aus-
sage, dass sich jemand, der von Berufes wegen viel Auto fährt, noch darüber infor-
mieren muss, welche Vortrittsregelungen bei einem Fussgängerstreifen gelten, ist 
wenig glaubhaft. Auch fällt auf, dass der Beschuldigte in seiner erst- und oberin-
stanzlichen Befragung mehrmals darauf hinweist, dass der Fussgängerstreifen und 
die Beschilderung dazu wegen des Schneefalls nicht zu sehen gewesen seien und 
er nicht gewusst habe, dass dort ein Fussgängerstreifen sei (pag. 228, Z. 4 ff.; 
pag. 229, Z. 3 ff.; pag. 231, Z. 44 ff.; pag. 232, Z. 1 ff.; pag. 396, Z. 42 ff. und pag. 
397, Z. 1 ff.). Dass er die Hinweissignale «Fussgängerstreifen» nicht gesehen und 
auch nicht gewusst habe, dass dort ein Fussgängerstreifen sei, sagte der Beschul-
digte aber in seiner polizeilichen Einvernahme noch nicht aus. Auch seine tatnahe 
Aussage, wonach er dachte, die Fussgängerin würde ihn wegen der Witterung 
durchfahren lassen (pag. 7), ergibt wenig Sinn, wenn er vom Fussgängerstreifen 
nichts gewusst hätte. Diesfalls wäre sodann zu erwarten gewesen, dass er bereits 
gegenüber der Polizei angegeben hätte, keine Ahnung von einem Fussgängerstrei-
fen zu haben.

Insgesamt sind zwar auch die Aussagen des Beschuldigten an der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung und der Berufungsverhandlung nicht per se unglaubhaft, jedoch 
aufgrund der gemachten Ausführungen und der Tatsache, dass der Beschuldigte ein 
grosses Interesse am Ausgang des Verfahrens hat, und aufgrund dessen, wie sich 
die Aussagen des Beschuldigten entwickelt haben (siehe untenstehende Beweis-
würdigung zur Sichtbarkeit des Fussgängerstreifens und der Beschilderung dazu), 
mit Vorsicht zu geniessen und zusammen mit den weiteren Beweismitteln zu würdi-
gen. So ist für sein späteres Aussageverhalten wohl das Schreiben des Strassen-
verkehrs- und Schifffahrtsamts vom 30. März 2021 (pag. 97) ausschlaggebend, wo-
nach ihm die Aberkennung des Rechts, von seinem ausländischen Führerausweis 
in der Schweiz Gebrauch zu machen, für unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei 
Jahre, drohe. Hinzu komme vor einer allfälligen Wiederzulassung, dass er sich ge-
gebenenfalls einer verkehrspsychologischen Fahreignungsuntersuchung zu unter-
ziehen habe. Auch die damalige Verteidigung betonte die Erheblichkeit dieser Fol-
gen für den Beschuldigten (pag. 95 f.).

4.3 Vorbemerkungen zum D.________-Gutachten

Die Verteidigung des Beschuldigten machte wiederholt geltend, die Ergebnisse des 
D.________-Gutachtens vom 17. Februar 2022 (pag. 157 ff.) und des Zusatzgutach-
tens vom 11. März 2022 (pag. 206 ff.) seien nicht korrekt, da die Gutachter einerseits 
fälschlicherweise von einer schneebedeckten und nicht einer vereisten Strasse aus-
gegangen seien und somit mit einer Bremsverzögerung von 2-3 m/s2 anstelle einer 

13

Bremsverzögerung von 0.5-1.5 m/s2 gerechnet worden sei (vgl. pag. 255 f.; pag. 341; 
pag. 406). Andererseits berücksichtigten die Gutachter nicht, dass die Fussgängerin 
später losgelaufen sei, da sie gemäss ihren Aussagen nochmals nach links geschaut 
habe, bevor sie losgelaufen sei. Dies mache eine zeitliche Verzögerung zur Berech-
nung der Gutachten von 3-5 Sekunden aus (pag. 187 Ziff. 4; pag. 255 f.; pag. 341; 
pag. 404).

Wie die Beweiswürdigung zu den Strassen- und Witterungsverhältnissen (siehe un-
ten in E. 4.4) zeigen wird, geht die Kammer beweiswürdigungsmässig ebenfalls von 
einer schneebedeckten und nicht von einer vereisten Strasse aus. Die im 
D.________-Gutachten angenommene Bremsverzögerung von 2-3 m/s2 ist deshalb 
korrekt. 

Bezüglich des geltend gemachten Einwandes, wonach die Gutachter nicht berück-
sichtigt hätten, dass die Fussgängerin 3-5 Sekunden später losgelaufen sei, haben 
die Gutachter in ihrem Zusatzgutachten vom 11. März 2022 zu Recht darauf hinge-
wiesen, dass aus unfalldynamischer Sicht die Reaktionsaufforderung für den Fahr-
zeuglenker erst dann bestehe, wenn die Fussgängerin für ihn sichtbar die Strasse 
betrete, was 0.5 m ab Strassenrand sei (pag. 208 Ziff. 3.5).

Weiter geht aus dem D.________-Gutachten vom 17. Februar 2022 hervor (pag. 157 
ff.), dass der Zeitpunkt des Betretens des Fussgängerstreifens durch die Fussgän-
gerin für die getroffenen Berechnungen keine Rolle spielte (siehe dazu ausführlich 
in den nachfolgenden Erwägungen). Die Gutachter legten zunächst den Kollisions-
bereich anhand der Spuren im Grünstreifen rechtsseitig der Fahrbahn, anhand der 
Kollision mit den Steinen, der gut dokumentierten Endlagen und der daraus folgen-
den Berechnungen fest (pag. 158 und pag. 162 Ziff. 2.7.2.; Kollisionsbereich auf pag. 
165 ersichtlich; siehe dazu unten in E. 4.4). Danach trafen die Gutachter aufgrund 
des Alters der Fussgängerin (geb. 19. August 1954, somit zum Unfallzeitpunkt 
66.5 Jahre alt) Annahmen zu ihrer Gehgeschwindigkeit (pag. 163 f. Ziff. 3.1). Weiter 
stellten sie, da Spuren zur Berechnung der Ausgangsgeschwindigkeit des Fahr-
zeugs des Beschuldigten fehlten, auf dessen Angaben von 30-35 km/h ab (pag. 158; 
pag. 167 Ziff. 3.6). Zusammen mit der angenommenen Bremsverzögerung von 2-
3 m/s2, dem üblichen Wert für die Reaktionszeit und der errechneten Kollisionsge-
schwindigkeit des Fahrzeugs des Beschuldigten sowie der Fussgängerin berechne-
ten sie die Distanz zwischen dem Reaktionsaufforderungspunkt und dem Kollisions-
punkt und konnten damit festlegen, wo sich die Fussgängerin befand, als der Be-
schuldigte reagierte, und wo sie sich befand, als er bremste (siehe dazu pag. 168). 

Vereinfacht gesagt handelt es sich um folgendes Vorgehen (siehe dazu auch 
pag. 173 f.: Abb. 17 f.): 

1. Wie lange (Strecke und Zeitdauer) benötigte der Lieferwagen des Beschuldigten, 
um von der angenommenen Ausgangsgeschwindigkeit auf die berechnete Kolli-
sionsgeschwindigkeit herunterzubremsen? Diese Strecke und die Zeitdauer kann 
man berechnen, indem man anhand der Geschwindigkeiten die Bremszeit mit 
dem Bremsverzögerungswert für die schneebedeckte Strasse berechnet und zu 
dieser die übliche Reaktionszeit hinzurechnet. 

14

2. Aufgrund des bekannten Kollisionspunkts kann man danach den Ort festlegen, 
ab welchem der Beschuldigte reagierte (Kollisionspunkt minus errechnete 
benötigte Strecke gemäss Ziffer 1). 

3. Welche Strecke legte die Fussgängerin in der Zeit zurück, die der Beschuldigte 
gemäss Ziffer 1 benötigte, um von der Ausgangsgeschwindigkeit auf die Kollisi-
onsgeschwindigkeit herunterzubremsen? Die so errechnete Strecke kann man 
vom bekannten Kollisionspunkt abziehen. Damit erhält man den Ort, an dem sich 
Fussgängerin befand, als der Beschuldigte gemäss Ziffer 2 reagierte.

Wann die Fussgängerin losgelaufen ist und ob sie zuvor nochmals nach links ge-
schaut hat, spielte also für diese Berechnung keine Rolle. 

Auch keine Rolle spielte dieser Punkt bei den Berechnungen der Gutachter zu einer 
Ausgangsgeschwindigkeit von 45-49 km/h. Dort gingen die Gutachter von denselben 
Parametern (Kollisionsbereich, Gehgeschwindigkeit der Fussgängerin, Kollisionsge-
schwindigkeit, Bremsverzögerungswert, Reaktionszeit) aus, liessen jedoch die Aus-
gangsgeschwindigkeit offen und trafen die Annahme, dass der Beschuldigte in dem 
Moment reagiert hat, als die Fussgängerin für ihn erstmals objektiv eine Reaktions-
aufforderung darstellte; dies sei gemäss den Ausführungen der Gutachter bei einer 
Entfernung von 0.5 m vom Strassenrand der Fall (pag. 167 Ziff. 3.6). Aufgrund des-
sen berechneten sie dann die höchstmögliche Geschwindigkeit des Fahrzeugs des 
Beschuldigten. 

Vereinfacht gesagt handelt es sich um folgendes Vorgehen (siehe dazu auch 
pag. 175.1 und 175.2 f.: Abb. 19 f.):

1. Wie lange benötigte die Fussgängerin, um vom Punkt, an dem der Beschuldigte 
durch ihr Verhalten erstmals eine Reaktionsaufforderung erhielt (gemäss Gutach-
ter ist dies erfahrungsgemäss 0.5 m vom Strassenrand entfernt), zum Kollisions-
punkt zu gelangen? Diese Zeitdauer kann man anhand des bekannten Ausgangs- 
und Kollisionspunktes der Fussgängerin und anhand der angenommenen Geh-
geschwindigkeit der Fussgängerin berechnen. 

2. Die gemäss Ziffer 1 berechnete Zeitdauer der Fussgängerin entspricht der Zeit, 
die der Beschuldigte hatte, um auf die berechnete Kollisionsgeschwindigkeit sei-
nes Fahrzeugs zu kommen. Damit lässt sich die Ausgangsgeschwindigkeit des 
Fahrzeugs zum Reaktionszeitpunkt berechnen. 

Aus den gemachten Ausführungen erachtet die Kammer die Ergebnisse der 
D.________-Gutachter als nachvollziehbar, schlüssig und auf korrekten Annahmen 
basierend. 

4.4 Strassen- und Witterungsverhältnisse zum Unfallzeitpunkt

Der Beschuldigte sprach bereits bei seiner polizeilichen Einvernahme am 27. Ja-
nuar 2023 davon, dass es stark geschneit habe und die Strasse glatt gewesen sei 
(pag. 7). Es habe Glatteis geherrscht und sein Lieferwagen sei bei der Vollbremsung 
gerutscht (pag. 7). Der Beschuldigte sprach in dieser Einvernahme zwar mehrmals 
von Fussgängerstreifen (pag. 7 und 9), gab aber am Schluss seiner Einvernahme 
an, den Fussgängerstreifen habe man aufgrund des Schneefalls gar nicht mehr ge-
sehen (pag. 9). 

15

Anlässlich der Einvernahme an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
16. März 2022 bestätigte er die schwierigen Strassen- und Witterungsverhältnisse. 
So gab er an, dass an diesem Tag Glatteis und starker Schneefall geherrscht habe 
und die Strassen schneebedeckt gewesen seien (pag. 226, Z. 45 f.; pag. 231, 
Z. 29 f.). Sein Fahrzeug habe bei der Vollbremsung nicht verlangsamt, sondern sei 
wegen des Glatteises gerutscht (pag. 227, Z. 11 ff.). Es habe ca. 4-5 cm unberührten 
Schnee auf der Strasse gehabt. Der Bordstein und die Strasse seien komplett weiss 
gewesen (pag. 226, Z. 45 ff.; pag. 231, Z. 33 f.). Der Schneefall habe seines Erach-
tens 5 Minuten nach dem Unfall aufgehört, jedoch habe er damals kein Zeitgefühl 
mehr gehabt (pag. 228, Z. 10 f.). 

Der Beschuldigte führte weiter aus, er habe zwar in der polizeilichen Einvernahme 
vom Fussgängerstreifen gesprochen, sie hätten aber erst zum Schluss bemerkt, 
dass dort ein Fussgängerstreifen sei. Dieser sei nicht zu sehen gewesen, da er vom 
Schnee bedeckt gewesen sei (pag. 228, Z. 4 ff.). Auch die Beschilderung des Fuss-
gängerstreifens sei wegen des starken Schneefalls nicht zu sehen gewesen. Für ihn 
habe es keine Anzeichen gegeben, dass dort ein Fussgängerstreifen sei (pag. 229, 
Z. 3 ff.; pag. 232, Z. 3 f.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung sprach der Beschuldigte zusammenfassend 
von sehr starkem Schneefall und davon, dass die Strasse komplett schneebedeckt 
gewesen sei (pag. 393, Z. 42 ff.). Es sei nicht der ganze Boden mit Glatteis bedeckt 
gewesen, sondern nur die Fahrspur, auf der die Autos unterwegs gewesen seien, 
weil der frischfallende Schnee durch die Reifen plattgedrückt gewesen sei und sich 
so Eis gebildet habe (pag. 394, Z. 3 ff.). Der Schneefall habe kurz zuvor eingesetzt, 
bei der Anfahrt nach Langenthal von der Autobahn her; es seien vielleicht 10 Minuten 
oder eine Viertelstunde gewesen. Während der Einfahrt in Langenthal sei der riesige 
Schneefall gewesen und sofort sei die Strasse «zu» gewesen (pag. 394, Z. 13 ff.). 
Der Polizist habe gesagt, er habe massive Probleme bei der Anfahrt durch die 
Schnee- und Eisglätte gehabt (pag. 394, Z. 30 f.).

Der Beschuldigte führte sodann aus, in diesem Zeitpunkt sei kein Fussgängerstreifen 
sichtbar gewesen (pag. 397, Z. 14 f.). Er habe den Fussgängerstreifen erst gesehen, 
als er die Fussgängerin «ein bisschen herausgehoben» habe (pag. 397, Z. 15 f.). Es 
sei alles zugeschneit gewesen (pag. 397, Z. 6). Es habe keinen Fussgängerstreifen 
gegeben (pag. 397, Z. 19). Unabhängig vom Glatteis sei es einfach eine weisse 
Schicht gewesen (pag. 397, Z. 8). Anlässlich der polizeilichen Befragung habe er 
dem Polizisten gesagt, dass da kein Fussgängerstreifen gewesen sei (pag. 398, 
Z. 12 f.). Das Schild bzw. das Hinweissignal «Fussgängerstreifen» sei für ihn hinter 
der Lampe nicht sichtbar gewesen; es sei vermutlich schneebedeckt gewesen 
(pag. 398, Z. 20 ff.).

Wenn es schneie, sehe man kein weiss-blaues Schild (pag. 401, Z. 40 f.). Auf Vorhalt 
seiner Aussagen anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, wonach es un-
berührter Schnee gewesen sei, sagte er aus, er habe damit gemeint, dass kein 
Schneepflug und kein Streufahrzeug durchgefahren seien (pag. 402, Z. 3 ff.). Er sei, 
währenddem die Fussgängerin die Strasse überquert habe, die ganze Zeit am Rut-
schen gewesen (pag. 402, Z. 25 ff.).

16

Die Fussgängerin gab in ihrer polizeilichen Einvernahme am 27. Januar 2021 an, 
sie wisse nicht mehr, wie stark die Strasse verschneit gewesen sei und ob der Fuss-
gängerstreifen zu sehen gewesen sei (pag. 13). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 16. März 2022 führte die 
Fussgängerin aus, es habe geschneit und der Schneefall sei mittelstark gewesen. 
Es habe gerade anzusetzen begonnen, die Strasse habe noch durchgeschimmert 
(pag. 224, Z. 9 ff.). Wenn es stark geschneit hätte, hätte sie das Auto nicht gesehen 
(pag. 224, Z. 22). 

Zum Unfallhergang hielten die zum Unfall gerufenen Polizisten fest, dass der Be-
schuldigte aufgrund der Witterungsverhältnisse (ca. -2°, starker Schneefall, schnee-
bedeckte/vereiste Fahrbahn) den Unfall trotz Vollbremsung und Ausweichmanövers 
nicht habe verhindern können (pag. 3; pag. 15). Die schwierigen Strassenverhält-
nisse hätten sie bei der Anfahrt zum Verkehrsunfall selber festgestellt (pag. 15). 

Im Unfallaufnahmeprotokoll setzten die Polizisten die Kreuze zur Witterung beim 
Code 583 «Schneefall» und zum Strassenzustand beim Code 524 «schneebedeckt» 
(pag. 4). 

Aus den Fotos, die der zum Unfall beigezogene UTD am Unfalltag ab 11.55 Uhr 
aufnahm, ist ersichtlich, dass auf den Strassen kein Schnee (mehr) lag und auch 
kein Schneefall mehr herrschte. Abseits der Strassen ist der Untergrund jedoch 
mehrheitlich schneebedeckt (pag. 27 ff.). Weiter sind auf den Fotos sowohl der Fuss-
gängerstreifen als auch die Beschilderung dazu gut sichtbar (pag. 27, pag. 30 ff.). 
Vom Einsatzleiter erhielten die Polizisten des UTD die Angabe, dass die Strasse zum 
Unfallzeitpunkt schneebedeckt und rutschig gewesen sei (pag. 24 «Einleitung»). Bei 
ihren Berechnungen gingen die Polizisten des UTD von einer vereisten Fahrbahn 
und einer Verzögerung des Anhalteweges von 1.5 m/s2 aus (pag. 25 «Berechnun-
gen»). 

Das bei der D.________ eingeholte Gutachten vom 17. Februar 2022 ging gemäss 
Polizeirapport ebenfalls davon aus, dass der Strassenbelag schneebedeckt war 
(pag. 160). Die Gutachter wiesen auch darauf hin, dass die Ausgangsgeschwindig-
keit des Fahrzeugs des Beschuldigten nicht errechnet werden könne, weil Spuren 
fehlten (pag. 158). Ebenfalls könne man den Spurpfad der Fussgängerin vor der Kol-
lision nicht eruieren, weil der Schneefall nachgelassen und der zum Unfallzeitpunkt 
da gewesene Schnee geschmolzen gewesen sei (pag. 162 Ziff. 2.7.2). 

Die Gutachter rechneten anders als die Mitarbeiter des UTD mit einer Bremsverzö-
gerung von 2 m/s2 bis zu 3 m/s2 (pag. 167). In Beantwortung der Ergänzungsfragen 
des Obergerichts des Kantons Bern vom 23. Dezember 2022 erklärten die Gutachter 
hierzu, dass sie von einer schneebedeckten, nicht aber vereisten Fahrbahn ausge-
gangen seien, weil im Unfallaufnahmeprotokoll der Polizei nur der Code für «schnee-
bedeckt», nicht aber derjenige für «vereist» angekreuzt worden sei. Zudem zeigten 
die Fotos des UTD, dass die Fahrbahn um 11.55 Uhr teilweise Schneematsch ge-
habt habe. Weiter sei eine grossflächig vereiste Fahrbahn im Mittelland äusserst sel-
ten (pag. 365 Ziff. 2). Rechne man mit einer vereisten Fahrbahn, ergebe sich eine 
geringere Verzögerung, weshalb der Beschuldigte früher hätte reagieren müssen, 
um eine Kollision zu vermeiden (pag. 364 Ziff. 1). 

17

Die Aussagen des Beschuldigten und der Fussgängerin stimmen insoweit überein, 
als sie beide davon sprechen, dass es geschneit habe, wobei der Beschuldigte von 
starkem und die Fussgängerin von mittelstarkem Schneefall spricht. Keiner der bei-
den machte aber geltend, sie hätten einander wegen des Schneefalls nicht oder nicht 
gut gesehen. Gestützt auf die Angaben im Unfallaufnahmeprotokoll (pag. 3 f.; 
pag. 15) wird davon ausgegangen, dass es zum Zeitpunkt des Unfalls so schneite, 
dass der Schnee innert kurzer Zeit ansetzen konnte. Eine allgemeine Sichtbehinde-
rung aufgrund des Schneefalls lag aber nicht vor. 

Die Aussagen des Beschuldigten stimmen mit den Angaben im Unfallaufnahmepro-
tokoll überein, wonach die Strasse schneebedeckt gewesen sei (pag. 3 f.; pag. 15). 
Diese Aussage machte der Einsatzleiter auch gegenüber den Polizisten vom UTD 
(pag. 24 «Einleitung»). Gestützt darauf und gestützt auf die vom UTD erstellten Fo-
tos, die zeigen, dass der Untergrund abseits der Strassen mehrheitlich schneebe-
deckt war (pag. 27 ff.), geht die Kammer davon aus, dass die Strassen zum Unfall-
zeitpunkt aufgrund des Schneefalls schneebedeckt waren. Da die Bilder des UTD 
eher auf frisch gefallenen Schnee hindeuten (pag. 27 ff.), die Fussgängerin aus-
sagte, es habe gerade anzusetzen begonnen (pag. 224, Z. 9 ff.), und weil der Be-
schuldigte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung selber von «unberührtem» 
Schnee sprach (pag. 231, Z. 33 f.), geht die Kammer davon aus, dass der Schneefall 
erst kurz vor dem Unfall einsetzte. 

Bei der Beantwortung der Frage, ob der Fussgängerstreifen für den Beschuldigten 
vor dem Unfall sichtbar war, kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die entsprechen-
den Aussagen des Beschuldigten Schutzbehauptungen seien, da er sowohl in seiner 
polizeilichen Einvernahme als auch in seiner Einvernahme an der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung von sich aus und wiederholt vom Fussgängerstreifen gesprochen 
habe. Zudem hätte sich der Beschuldigte die Überlegung, wonach die Fussgängerin 
ihm den Vortritt liesse, nicht gemacht, wenn er nicht davon ausgegangen sei, dass 
dort ein Fussgängerstreifen sei, da sich dort, wo der Unfall sich ereignet habe, keine 
Fussgängerzone, sondern eine Hauptstrasse mit einem Tempolimit von 50 km/h be-
finde. Weiter habe die Fussgängerin das für Fussgänger an einem Fussgängerstrei-
fen typische Verhalten an den Tag gelegt, indem sie nach links und nach rechts ge-
schaut habe. Der Beschuldigte habe also sehr wohl wahrgenommen, dass die Fuss-
gängerin an einem Fussgängerstreifen gestanden und vortrittsberechtigt sei 
(pag. 291 f., S. 20 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Die Kammer kann sich diesen Ausführungen grösstenteils anschliessen. Sie erach-
tet jedoch die Aussage des Beschuldigten am Ende seiner polizeilichen Einver-
nahme, wonach man den Fussgängerstreifen aufgrund des Schneefalls gar nicht 
mehr gesehen habe (pag. 9), nicht als Schutzbehauptung. So machte der Beschul-
digte diese Aussage zu einem Zeitpunkt, als er noch nicht anwaltlich vertreten war 
und der Unfall sicherlich noch eine gewisse Schockwirkung auf ihn hatte. Dass der 
Beschuldigte hier schon zielgerichtet seine Aussagen bzw. eine Schutzbehauptung 
gemacht hätte, ist aufgrund des kurzen Zeitablaufs nach dem Unfall wenig wahr-
scheinlich. Zudem war die Strasse tatsächlich schneebedeckt, wie die vorangehende 
Beweiswürdigung ergeben hat. Die Kammer geht somit aufgrund der Aussage des 
Beschuldigten bei der Polizei und der Tatsache, dass die Strassen wegen des kurz 

18

zuvor einsetzenden Schneefalls schneebedeckt waren, zu Gunsten des Beschuldig-
ten davon aus, dass die Streifen des Fussgängerstreifens auf dem Boden zum Un-
fallzeitpunkt nicht oder kaum mehr sichtbar waren.

Der Vorinstanz ist aber diesbezüglich zu folgen, dass der Beschuldigte in seiner 
polizeilichen Einvernahme wiederholt von sich aus vom Fussgängerstreifen (pag. 7 
und 9) gesprochen hat und auch aussagte, dass er davon ausgegangen sei, dass 
ihn die Fussgängerin aufgrund der Witterung durchfahren liesse (pag. 7). Letztere 
Aussage ergibt, wie bereits ausgeführt (vgl. E. 4.2.), wenig Sinn, wenn er vom Fuss-
gängerstreifen nichts gewusst hätte. Weiter sagte er in dieser Einvernahme, obwohl 
er gemäss eigenen Aussagen (pag. 226, Z. 37 ff.) ortsunkundig ist, nie aus, dass er 
nicht gewusst habe, dass dort ein Fussgängerstreifen sei. Seine Aussage am 
Schluss der Einvernahme, wonach man den Fussgängerstreifen wegen des 
Schnees gar nicht mehr gesehen habe, erfolgte anschliessend an die Aussage, dass 
die Fussgängerin bereits ca. in der Mitte des Fussgängerstreifens, eher schon in 
seiner Strassenseite gewesen sei, als er sie mit seinem Fahrzeug gestreift habe. Er 
könne dies nicht genau sagen. Sie habe die Kapuze oben gehabt (pag. 9). Diese 
letzte Aussage des Beschuldigten kann also auch so verstanden werden, dass er 
nicht genau sagen könne, wo die Fussgängerin angefahren wurde, weil die Streifen 
des Fussgängerstreifens auf dem Boden nicht mehr ersichtlich waren. 

Die explizite Aussage, dass er wegen des Schnees nicht habe erkennen können, 
dass dort ein Fussgängerstreifen sei, brachte erstmals sein damaliger Rechtsanwalt 
im Einspracheschreiben vom 13. Juli 2021 vor (pag. 88 f.). Der Beschuldigte gab 
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung hierzu an, dass er bei der Polizei 
zwar von einem Fussgängerstreifen gesprochen habe, jedoch nicht habe sehen kön-
nen, dass dort ein Fussgängerstreifen sei (pag. 228, Z. 4 ff.): «Wir haben vom Unfall 
gesprochen und was vorgefallen ist. Wir haben erst zum Schluss gemerkt, dass ein 
Fussgängerstreifen dort war. Der Fussgängerstreifen war nicht zu sehen, da er vom 
Schnee bedeckt war.». Ähnliche Aussagen machte er anlässlich der Berufungsver-
handlung: Es sei im Zeitpunkt des Unfalls keinen Fussgängerstreifen da gewesen; 
es sei alles zugeschneit gewesen (pag. 397, Z. 5 f.). Er habe den Fussgängerstreifen 
erst gesehen, als er die Fussgängerin «ein bisschen herausgehoben» habe 
(pag. 397, Z. 15 f.). Seinen polizeilichen Aussagen lässt sich aber nicht entnehmen, 
dass er erst zum Schluss gemerkt hat, dass dort ein Fussgängerstreifen sei. Dort 
sprach er – wie bereits ausgeführt – wiederholt von sich aus vom Fussgängerstreifen 
und erst am Schluss sagte er aus, dass man den Fussgängerstreifen wegen des 
Schneefalls gar nicht mehr gesehen habe. Es wäre aber zu erwarten, dass der Be-
schuldigte in seiner polizeilichen Einvernahme explizit darauf hingewiesen hätte, 
dass er nicht gewusst und nicht bemerkt habe, dass dort ein Fussgängerstreifen sei, 
wenn dies tatsächlich der Fall gewesen wäre.

Der Beschuldigte sagte auch nichts davon, dass er die Beschilderung des Fussgän-
gerstreifens wegen des Schneefalls nicht gesehen habe. Diesen Einwand machte 
auch sein damaliger Rechtsanwalt im ersten Einspracheschreiben nicht (pag. 88 f.). 
Erst, nachdem ihn die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 26. Juli 2021 (pag. 92) 
auf die Hinweissignale am Strassenrand aufmerksam gemacht hatte, wies der da-
malige Rechtsanwalt des Beschuldigten mit Schreiben vom 5. August 2021 (pag. 95) 

19

darauf hin, dass der Beschuldigte auch das Schild beim Fussgängerstreifen wegen 
des starken Schneefalls nicht gesehen habe.

Darauf, dass der Beschuldigte dann anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung und der Berufungsverhandlung wiederholt angab, weder den Fussgängerstrei-
fen noch die Beschilderung dazu gesehen und nicht gewusst zu haben, dass sich 
dort ein Fussgängerstreifen befinde (vgl. pag. 228, Z. 4 ff.; pag. 229, Z. 3 ff.; pag. 
231, Z. 44 ff.; pag. 232, Z. 1 ff.; pag. 397, Z. 5 f., Z. 14 f. und Z. 19), kann nicht ab-
gestellt werden. Diese Aussagen sind – wie die obige Darstellung der Entwicklung 
der Aussagen hierzu zeigt – viel eher als Schutzbehauptungen infolge des drohen-
den Ausweisentzuges und des laufenden Strafverfahrens anzusehen. Dafür spricht 
auch, dass bei kurz vorher einsetzendem Schneefall die Strasse zwar schneebe-
deckt sein kann, dass jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass auch die beidseitigen 
Schilder mit dem Hinweis auf einen Fussgängerstreifen (siehe Foto auf pag. 30) so 
verschneit sind, dass diese nicht mehr ersichtlich sind, gering ist. 

Die Kammer geht somit davon aus, dass die Strasse zwar schneebedeckt war und 
die Streifen des Fussgängerstreifens nicht oder fast nicht mehr zu sehen waren, je-
doch der Beschuldigte mindestens aufgrund der Beschilderung des Fussgängerstrei-
fens und aufgrund des Verhaltens der Fussgängerin bemerkt haben muss, dass sich 
dort ein Fussgängerstreifen befand. 

Dass die Strasse vereist war bzw. Glatteis aufwies, wie der Beschuldigte in all seinen 
Einvernahmen geltend machte, wird zwar durch die Bemerkung im Unfallaufnahme-
protokoll «schneebedeckte/vereiste Fahrbahn» (pag. 3; pag. 15) gestützt. Jedoch 
wiesen die Gutachter der D.________ zu Recht darauf hin (pag. 365 Ziff. 2), dass 
die Polizisten im Unfallaufnahmeprotokoll darauf verzichtet hätten, den Strassenzu-
stand mit dem Code 525 «vereist» zu markieren (pag. 4). Auch gegenüber den Po-
lizisten des UTD gab der Einsatzleiter eine schneebedeckte und rutschige Strasse, 
nicht aber eine vereiste Strasse an (pag. 24 «Einleitung»). Gegen eine vereiste Fahr-
bahn sprechen ebenfalls die vom UTD ab 11.55 Uhr (also rund 1 ¾ Stunde später) 
aufgenommenen Fotos, die keine Eisbildung auf den Strassen zeigen, was aber bei 
einer Temperatur von -2°Celsius und der kurzen vergangenen Zeit zu erwarten wäre. 
Weiter ist gemäss den Gutachtern der D.________ eine grossflächig vereiste Fahr-
bahn im Mittelland äusserst selten (pag. 365 Ziff. 2). Auch dies spricht gegen die 
Aussage des Beschuldigten, wonach die Strassen vereist gewesen und Glatteis ge-
herrscht habe. 

Die Vorinstanz hat zudem richtigerweise darauf hingewiesen, dass das Fahrzeug 
des Beschuldigten bei einer Vollbremsung auf vereister Strasse geschlingert oder es 
zu einem Kontrollverlust gekommen wäre (pag. 287 f., S. 16 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung): 

Wäre die Fahrbahn tatsächlich vereist gewesen, wäre der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug während 
seiner Vollbremsung nämlich anders geschlittert, als dies der Fall war. So hat der Beschuldigte zur 
Reaktion seines Fahrzeugs auf die Vollbremsung nämlich einzig erklärt, dass das Fahrzeug nicht ver-
langsamt habe, sondern nur noch gerutscht sei. Da er gemerkt habe, dass er nicht anhalten könne, 
habe er nach rechts gelenkt, damit er die Fussgängerin nicht überfahre, und sei nach der Kollision mit 
der Fussgängerin mit den Steinen am rechten Strassenrand kollidiert und zum Stillstand gekommen 

20

(p. 7, p. 227 Z. 10-21). Dies entspricht auch den Bildern der Unfallendlage (p. 30 ff.) sowie den Unfall-
plänen im verkehrstechnischen Gutachten (p. 176 ff.). Ein Schlingern oder ein Kontrollverlust wurden 
vom Beschuldigten nicht erwähnt. Es ist aber davon auszugehen, dass das Fahrzeug des Beschuldig-
ten bei Glatteis bzw. vereister Fahrbahn so bzw. eben anders, als von ihm beschrieben, reagiert hätte. 
Dies umso mehr, als es sich beim Fahrzeug des Beschuldigten um einen leichten Anhängerzug mit 
Mercedes Sprinter und Hulco Medax-3 Anhänger gehandelt hatte, mithin eine schweres Fahrzeug mit 
Anhänger (p. 160), bei welchem auf vereister Strasse die erhöhte Gefahr eines Kontrollverlusts besteht 
(vgl. dazu z.B. S. 10 in fine der Broschüre «Lieferwagen, Das Wichtigste in Kürze» von Les Routiers 
Suisses, 1/2008, einsehbar unter <https://www.fvs.ch/fileadmin/webmaster/publikationen/berufs-
kraftfahrzeuge/Lieferwagen_-_das_Wichtigste_in_Kuerze.pdf>, zuletzt besucht am 26.09.2022). Der 
Beschuldigte hatte das Fahrzeug jedoch gemäss seinen eigenen Aussagen nach wie vor unter Kontrolle 
und war sogar in der Lage, ein Manöver nach rechts ab der Fahrbahn zu machen, um der Fussgängerin 
bzw. einer Kollision mit ihr auszuweichen (p. 227 Z. 13 ff.; vgl. auch p. 230 Z. 25 ff.). Gestützt auf die 
Bilder der Unfallendlage (p. 30 ff.) hatte ihm sein Fahrzeug anlässlich dieses Manövers auch gehorcht.

Der Beschuldigte machte aber erstmals anlässlich der Berufungsverhandlung gel-
tend, er habe sein Fahrzeug nach rechts gezogen, dieses habe aber nicht richtig 
reagiert (pag. 395, Z. 43 ff.; pag. 396, Z. 1). Aufgrund der gemachten Ausführungen 
geht die Kammer entgegen den Aussagen des Beschuldigten davon aus, dass die 
Strasse schneebedeckt, nicht jedoch vereist war.

4.5 Kollisionsbereich 

In seiner Eingabe vom 28. Februar 2022 an die Vorinstanz führte der Verteidiger des 
Beschuldigten aus, dass die Annahme der Gutachter der D.________, wonach das 
Fahrzeug des Beschuldigten mit der linken Frontpartie mit der Fussgängerin kollidiert 
sei, unzutreffend sei. Das vom Beschuldigten geschilderte Kollisionsbild entspreche 
nicht den Erkenntnissen der Gutachter der D.________, weshalb sich die Fussgän-
gerin zum Zeitpunkt der Kollision um mindestens einen Fussgängerstreifen näher 
bei der Fahrbahnlinie befunden habe (pag. 186 ff.). 

Anlässlich seines Parteivortrags an der Hauptverhandlung (pag. 255 ff.) und im obe-
rinstanzlichen Verfahren machte der Verteidiger dies nicht mehr geltend.

Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte der Verteidiger des Beschuldigten 
erstmals vor, die Fussgängerin sei nicht über den Fussgängerstreifen gelaufen, son-
dern zwei bis drei Meter daneben (pag. 404). Sie sei links am Fussgängerstreifen 
vorbeigelaufen (pag. 407 mit Verweis auf pag. 414).

Der Beschuldigte gab in seiner polizeilichen Einvernahme hierzu an, mit dem linken 
Seitenspiegel seines Lieferwagens habe er den Kopf der Fussgängerin und sie evtl. 
mit der vorderen, linken Stossstangenecke am Bein oder Knie gestreift und er sei 
danach mit den Steinen kollidiert (pag. 7). Als er die Fussgängerin mit dem Seiten-
spiegel gestreift habe, sei die Fussgängerin schon in der Mitte des Fussgängerstrei-
fens, eher schon auf seiner Strassenseite gewesen. Genau könne er es nicht sagen 
(pag. 9). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, er 
sei in die Felsblöcke gefahren und habe die Frau mit seinem Seiten- bzw. Aussen-
spiegel auf der rechten Seite des Kopfes getroffen (pag. 227, Z. 13 ff.). Er habe sie 
nicht mit der linken Frontpartie getroffen (pag. 230, Z. 5 ff.). Auf Vorhalt, dass der 

21

Kollisionsbereich gemäss Angaben des UTD 6 m nach Betreten des Fussgänger-
streifens auf seiner Seite des Fahrstreifens gewesen sei, erklärte der Beschuldigte, 
dass dies so ungefähr richtig sei (pag. 229, Z. 33 ff.). Zum Vorhalt, dass das Gutach-
ten der D.________ ebenfalls zum Schluss komme, dass der Kollisionsbereich auf 
Höhe des zweitletzten Streifens seiner Fahrbahnhälfte gewesen sei, sagte der Be-
schuldigte, wenn sein Auto zwischen dem restlichen Platz durchpasse, dann stimme 
dies so (pag. 229, Z. 40 ff.). 

An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zusammenfassend an, er sei an 
der Stange und an der grossen Laterne vorbeigefahren, gerade auf den Stein 
(pag. 395, Z. 36 f.). Er habe sie mit seinem linken Aussenspiegel erwischt (pag. 396, 
Z. 9 f.). Mit dem Vorderteil des Autos sei er an ihr vorbeigekommen (pag. 401, 
Z. 2 f.).

Die Polizisten des UTD legten anhand ihrer Berechnungen (vom Beschuldigten an-
gegebene Ausgangsgeschwindigkeit; angenommene Gehgeschwindigkeit der Fuss-
gängerin von ca. 4.3 km bzw. 1.2 m/s und der vom Einsatzleiter der Polizei angege-
benen Unfallendlage der Fussgängerin) den Kollisionszeitpunkt so fest, dass sich 
die Fussgängerin rund 5 Sekunden (6 Meter) auf der Fahrbahn befunden habe, was 
dem zweitletzten Fussgängerstreifen entspricht (pag. 24 f.; pag. 27; pag. 32; 
pag. 35 f; Situationsplan: pag. 47). Die Polizisten des UTD führten in der Legende 
zu den von ihnen gemachten Fotos Wischspuren am Lieferwagen vorne links auf, 
welche von der Kollision mit der Fussgängerin stammten (pag. 24 Bst. e und Fotos 
auf pag. 45). 

Das Gutachten der D.________ vom 17. Februar 2022 führte aus, dass der Kolli-
sionsbereich anhand der Spuren im Grünstreifen rechtsseitig der Fahrbahn, anhand 
der Kollision mit den Steinen, der gut dokumentierten Endlagen und der daraus fol-
genden Berechnungen gut eingegrenzt werden könne (pag. 158 und D.________-
Gutachten auf pag. 162 Ziff. 2.7.2.; Kollisionsbereich auf pag. 165 ersichtlich). 

Den Kollisionspunkt bzw. Kollisionsbereich berechneten die Gutachter der 
D.________ bei der Minimalvariante (Ausgangsgeschwindigkeit 30 km/h, Bremsver-
zögerung von 2 m/s2, Gehgeschwindigkeit Fussgängerin 4.7 km/h: siehe dazu 
pag. 167 Ziff. 3.5; pag. 168 Ziff. 3.6 und Tab. 2 Zusammenfassung der präkolli-
sionären Vorgänge) am Ende des zweitletzten Fussgängerstreifens (pag. 164 Ziff. 
3.3 und Abb. 9 auf pag. 165) und bei der Maximalvariante (Ausgangsgeschwindigkeit 
35 km/h, Bremsverzögerung von 3 m/s2, Gehgeschwindigkeit Fussgängerin 6.8 
km/h: siehe dazu pag. 167 Ziff. 3.5; pag. 168 Ziff. 3.6 und Tab. 2 Zusammenfassung 
der präkollisionären Vorgänge) zu Beginn des zweitletzten Fussgängerstreifens 
(pag. 164 Ziff. 3.3 und Abb. 10 auf pag. 165). Wegen des Steins am Ende des Fuss-
gängerstreifens trafen die Gutachter die Annahme, dass die Kollision eher zu Beginn 
oder am Ende des grünen Bereichs geschehen sei, da davon ausgegangen werde, 
dass die Fussgängerin nach vorne geschaut und den Stein gesehen und somit ent-
weder links oder rechts am Stein habe vorbeigehen wollen (pag. 164 Ziff. 3.3; 
pag. 170 Ziff. 4.2). Bei der Minimalvariante sei das Fahrzeug zuerst mit dem ersten 
Stein und erst danach mit der Fussgängerin und in der Folge mit dem zweiten Stein 
kollidiert. Bei der Maximalvariante sei das Fahrzeug zuerst mit der Fussgängerin und 
danach mit den beiden Steinen kollidiert (pag. 166 f. Ziff. 3.4.1 und 3.4.2). 

22

Die vom UTD beschriebenen Wischspuren auf der linken Seite am Fahrzeug seien 
auf den Fotos des UTD nicht ersichtlich. Dass der linke Aussenspiegel des Fahr-
zeugs des Beschuldigten nach hinten geklappt sei, sei ein klares Indiz für ein links-
seitiges Abgleiten der Fussgängerin. Demnach sei der Mercedes mit der linken 
Frontpartie mit der Fussgängerin kollidiert (D.________-Gutachten: pag. 162 Ziff. 
2.7.1.; pag. 164 Ziff. 3.2).

Den Darstellungen auf pag. 165 des Gutachtens des D.________ lässt sich entneh-
men, dass der Kollisionsbereich beim zweitletzten Fussgängerstreifen (Maximalva-
riante) oder zwischen dem letzten und zweiletzten Fussgängerstreifen (Minimalvari-
ante) gesehen wird. Auch die Polizisten des UTD kamen zum Schluss, dass die Kol-
lision beim zweitletzten Streifen stattfand. Der Beschuldigte selber bestätigte in sei-
ner Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung die Erkennt-
nisse des UTD und der D.________. Aufgrund dessen geht die Kammer davon aus, 
dass die Kollision beim zweitletzten Streifen des Fussgängerstreifens stattfand.

Die Aussagen der Fussgängerin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, 
wonach sie geradeaus über den Fussgängerstreifen gelaufen sei und weder links 
noch rechts an den Steinen habe vorbeilaufen wollen (pag. 221, Z. 4 ff.), sprechen 
dafür, dass sich die Kollision eher zu Beginn des zweitletzten Fussgängerstreifens 
(D.________-Gutachten pag. 165: Abb. 10 Kollisionsstellung Maximalvariante) er-
eignet hat. Nicht überzeugend ist bereits deswegen die anlässlich der Berufungsver-
handlung neu vorgebrachte Behauptung des Verteidigers des Beschuldigten, wo-
nach sie links neben dem Fussgängerstreifen vorbeigelaufen sei. Hierfür gibt es 
keine Anhaltspunkte. Gestützt auf dieses Narrativ hätte sie sich sodann von Beschul-
digten wegbewegt, wodurch die Kollision anders oder gar nicht eingetreten wäre und 
der Beschuldigte eine längere Reaktionszeit zur Verfügung gehabt hätte.

Diese Aussagen der Fussgängerin würden zudem damit übereinstimmen, dass die 
Gutachter der D.________ bei der Maximalvariante davon ausgehen, dass die Kol-
lision zuerst mit der Fussgängerin und danach mit den beiden Steinen erfolgte 
(pag. 167 Ziff. 3.4.2). Dazu, in welcher Reihenfolge die Kollisionen stattfanden, äus-
sern sich die Gutachter der D.________ nicht. Dass er zuerst mit der Fussgängerin 
und danach mit den Steinen kollidiert ist, gab der Beschuldigte in seiner polizeilichen 
Einvernahme an (pag. 7). Dass er während des Ausweichmanövers mit den beiden 
Steinen kollidierte, ist unbestritten. Ob sich dies vor oder nach der Kollision mit der 
Fussgängerin ereignete, kann mit Blick auf den Vorwurf gemäss Strafbefehl vom 
1. Juli 2021 offenbleiben.

Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten, wonach er die Fussgängerin mit dem 
linken Seitenspiegel seines Lieferwagens am Kopf getroffen und evtl. mit der vorde-
ren, linken Stossstangenecke am Bein oder Knie gestreift habe (pag. 7), und auf-
grund der Fotos des UTD, wonach der linke Seitenspiegel nach innen geklappt ist, 
geht die Kammer beweiswürdigungsmässig davon aus, dass der Beschuldigte die 
Fussgängerin mit seinem linken Seitenspiegel am Kopf getroffen hat. Auch wenn der 
Beschuldigte angibt, er habe die Fussgängerin nicht mit der linken Frontpartie ge-
troffen (pag. 230, Z. 5 ff.; pag. 401, Z. 2 f.), spricht der nach hinten geklappte linke 
Aussenspiegel – wie das Gutachten der D.________ festhält (pag. 162 Ziff. 2.7.1.; 
pag. 164 Ziff. 3.2) – dafür, dass die Fussgängerin linksseitig abgeglitten und das 

23

Fahrzeug des Beschuldigten demzufolge mit der linken Frontpartie mit ihr kollidiert 
ist. Gestützt auf das Verletzungsbild der Fussgängerin ist eine solche Kollision eben-
falls naheliegend, wie dies die Vorinstanz treffend ausgeführt hat (vgl. pag. 289, S. 
18 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Dafür sprechen auch die bei der Polizei 
gemachten Aussagen des Beschuldigten, dass er evtl. mit der vorderen, linken Sto-
ssstangenecke die Fussgängerin am Bein oder Knie gestreift habe (pag. 7). Die 
Kammer geht demzufolge beweiswürdigungsmässig davon aus, dass der Beschul-
digte mit der linken Frontseite und dem linken Seitenspiegel seines Fahrzeugs mit 
der Fussgängerin kollidiert ist. 

4.6 Geschwindigkeit, Zeitpunkt der Bremsung und Vermeidbarkeit der Kollision

Der Beschuldigte gab in seiner polizeilichen Einvernahme an, wegen der Witte-
rungsverhältnisse mit einer Geschwindigkeit ca. 30-35 km/h gefahren zu sein 
(pag. 7). Nachdem die Fussgängerin überraschend losgelaufen sei, habe er sofort 
eine Vollbremsung eingeleitet, habe aber gleich gemerkt, dass sein Lieferwagen 
nicht gebremst habe, sondern gerutscht sei, dies trotz ABS. Ca. 2 m vor der Fuss-
gängerin habe er gemerkt, dass er nicht anhalten könne. Damit er sie nicht über-
fahre, habe er sein Fahrzeug in der Folge nach rechts gelenkt (pag. 7 und 9). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, dass 
er sein Tempo aufgrund der Witterung ordnungsgemäss auf 30-40 km/h reduziert 
habe (pag. 229, Z. 11 ff.). Auf den Vorhalt, dass er gemäss Berechnungen des Gut-
achtens der D.________ bei einer Geschwindigkeit von 30-35 km/h zu spät reagiert 
habe, ansonsten er genügend Zeit und Platz gehabt hätte, um rechtzeitig zu stoppen 
(pag. 167 Ziff. 3.6), gab der Beschuldigte an, seine Reaktion sei übermenschlich ge-
wesen, er habe zweimal reagiert (pag. 230, Z. 21 ff.). Auf Vorhalt der Schlussfolge-
rung des eingeholten Gutachtens der D.________, wonach er mit einer Geschwin-
digkeit von 45-49 km/h gefahren wäre, wenn er in dem Moment reagiert hätte, als 
die Fussgängerin 0.5 m vom Strassenrand entfernt auf der Strasse gewesen sei 
(pag. 167 Ziff. 3.6), entgegnete der Beschuldigte, dass der Unfall nicht vermeidbar 
und die von ihm gefahrene Geschwindigkeit zwischen 30-35 km/h und nicht höher 
gewesen sei (pag. 230 f., Z. 42 f.).

An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zusammenfassend an, nach 
dem Kreisel mit einer Geschwindigkeit von 30-35 km/h unterwegs gewesen zu sein 
(pag. 398, Z. 25 ff.). Es sei mit einem solchen Anhängerzug auf Glatteis und mit 
schneebedeckter Fahrbahn nicht möglich gewesen, schneller zu fahren (pag. 398, 
Z. 28 f.). Das Erblicken der Fussgängerin habe keinen Einfluss auf seine Geschwin-
digkeit gehabt, weil er schon langsamer gefahren sei (pag. 399, Z. 23 f.). In dem 
Moment, in dem sie den Schritt auf die Strasse gemacht habe, habe er sofort eine 
Vollbremsung eingeleitet (pag. 399, Z. 42 f.). Der Unfall sei nicht vermeidbar gewe-
sen, sonst hätte er ihn vermieden (pag. 400, Z. 30 f.). Er habe alles, was von seiner 
Seite her möglich gewesen sei, gemacht (pag. 400, Z. 31). Er habe die Bremsung 
sofort eingeleitet; noch schneller wäre es nicht möglich gewesen (pag. 400, Z. 38 f.). 
Er sei situationsgemäss angepasst gefahren. Es gebe Situationen, in denen es nicht 
mehr reiche. Es liege nicht unbedingt an ihm. Es könne auch wegen der Fussgän-
gerin sein, indem sie ihn falsch eingeschätzt habe und dann losgelaufen sei 
(pag. 402, Z. 36 ff.). Er habe alles richtig gemacht und sie in diesem Fall nicht 

24

(pag. 402, Z. 42). Auf Frage bestätigte der Beschuldigte, dass nicht die Strassenver-
hältnisse, sondern das Verhalten der Fussgängerin zur Unvermeidbarkeit des Un-
falls geführt hätten (pag. 403, Z. 1 ff.).

Zur Geschwindigkeit des Fahrzeugs des Beschuldigten und zum Zeitpunkt der Brem-
sung durch diesen machte die Fussgängerin keine Angaben. 

Gemäss Beweiswürdigung befand sich die Fussgängerin, als sie angefahren wurde, 
6 m nach Betreten des Fussgängerstreifens auf dem zweitletzten Streifen des Fuss-
gängerstreifens. 

Dem Unfallaufnahmeprotokoll lässt sich entnehmen, dass die Unfallendstellung 
des Lieferwagens und des Anhängers des Beschuldigten bis zum Eintreffen der 
Polizei nicht verändert worden war. Die Unfallendlage der Fussgängerin war hinge-
gen verändert worden (pag. 15 «angetroffene Situation»). Gestützt darauf sowie ge-
stützt auf die Angaben des Einsatzleiters der Kantonspolizei zur Unfallendlage der 
Fussgängerin berechnete der UTD den Anhalteweg des Beschuldigten. Dabei nahm 
der UTD aufgrund dessen Aussagen eine von diesem gefahrene Geschwindigkeit 
von 30-35 km/h und, ausgehend von einer durchschnittlichen Bewegungsgeschwin-
digkeit von Fussgängerinnen im Alter zwischen 60-70 Jahren beim Gehen, eine Be-
wegungsgeschwindigkeit der Fussgängerin von ca. 4.3 km/h (1.2 m/s) an. Weiter 
ging der UTD von einer vereisten Fahrbahn und somit einer Verzögerung von 
1.5 m/s2 aus. Aufgrund dieser Berechnungsparameter kam der UTD auf einen An-
halteweg von ca. 40 m. Die Distanz des Fahrzeugs zum Fussgängerstreifen zum 
Zeitpunkt, als die Fussgängerin den Fussgängerstreifen betreten habe, habe zwi-
schen 41.6 m (bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h) und 48.6 m (bei einer Ge-
schwindigkeit von 35 km/h) betragen. Somit habe der Beschuldigte genügend Zeit 
gehabt, um anzuhalten (pag. 25 und Situationsplan auf pag. 47). 

Das Gutachten der D.________ vom 17. Februar 2022 führte aus, dass der Kolli-
sionsbereich anhand der Spuren im Grünstreifen rechtsseitig der Fahrbahn, anhand 
der Kollision mit den Steinen, der gut dokumentierten Endlagen und der daraus fol-
genden Berechnungen gut eingegrenzt werden könne (pag. 158 und D.________-
Gutachten auf pag. 162 Ziff. 2.7.2.; Kollisionsbereich auf pag. 165 ersichtlich). Die 
Kollisionsgeschwindigkeit des Fahrzeugs des Beschuldigten habe zwischen 19 km/h 
(bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 30 km/h und einer Bremsverzögerung von 
2 m/s2) und 27 km/h (bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 35 km/h und einer 
Bremsverzögerung von 3 m/s2) und die der Fussgängerin zwischen 4.7 km/h bzw. 
1.3 m/s (gehen) und 6.8 km/h bzw. 1.9 m/s (schnell gehen) betragen (pag. 158 Ziff. 1; 
pag. 164; pag. 167 Ziff. 3.5; pag. 168). Aufgrund des geschmolzenen Schnees und 
des nachgelassenen Schneefalls hätten keine Bremsspuren des Anhängerzugs oder 
Spuren der Fussgängerin auf der Fahrbahn festgestellt werden können (pag. 162 
Ziff. 2.7.2). Dies habe zur Folge, dass für die Ausgangsgeschwindigkeit des Anhän-
gerzugs auf die Angaben des Beschuldigten abgestellt werde (pag. 158 Ziff. 1). 

Das Gutachten der D.________ rechnete mit einer Bremsverzögerung von 2 m/s2 
bis zu 3 m/s2, was einer schneebedeckten Fahrbahn entspricht (pag. 167 Ziff. 3.5; 
pag. 168; siehe auch Schreiben D.________ ans Obergericht vom 23. Dezember 

25

2022: pag. 365 Ziff. 2). Wie die Beweiswürdigung zeigt (siehe oben E. 4.4.), ist die 
Annahme einer schneebedeckten (und nicht vereisten) Fahrbahn richtig. 

Zur Frage der Vermeidbarkeit der Kollision führten die Gutachter der D.________ 
die Berechnungen so aus, dass das Fahrzeug des Beschuldigten mit seiner Front 
0.5 m vor dem Kollisionspunkt zum Stillstand gekommen wäre. Das Gutachten der 
D.________ folgerte, dass die Kollision bei der Minimalvariante (Ausgangsgeschwin-
digkeit 30 km/h, Bremsverzögerung von 2 m/s2, Gehgeschwindigkeit Fussgängerin 
4.7 km/h) vermeidbar gewesen wäre, da sich die Fussgängerin in dem Moment, in 
dem der Beschuldigte hätte reagieren müssen, bereits in der Mitte der Gegenfahr-
bahn befunden hätte (pag. 169 Ziff. 3.7.1 und Abb. 15; pag. 178 Unfallplan; pag. 171 
Ziff. 4.6; pag. 158). 

Auch bei der Maximalvariante (Ausgangsgeschwindigkeit 35 km/h, Bremsverzöge-
rung von 3 m/s2, Gehgeschwindigkeit Fussgängerin 6.8 km/h) wäre die Kollision ver-
meidbar gewesen, da sich die Fussgängerin in dem Moment, in dem der Beschul-
digte hätte reagieren müssen, am Ende der ersten Linie des Fussgängerstreifens 
befunden hätte (pag. 169 Ziff. 3.7.1 und Abb. 16; pag. 179 Unfallplan; pag. 171 
Ziff. 4.6; pag. 158). 

Das Gutachten der D.________ führte aus, dass, wenn man auf die vom Beschul-
digten angegebene Ausgangsgeschwindigkeit von 30-35 km/h abstelle, der Beschul-
digte zu spät reagiert habe; nämlich erst, als die Fussgängerin bereits 1.8 s bzw. 2.4 
m (Maximalvariante) bis 2.9 s bzw. 2.9 m (Minimalvariante) vom Strassenrand ent-
fernt gewesen sei. Die Front des Mercedes sei bei Beginn der Reaktion 18.5 m (Ma-
ximalvariante) bis 21 m (bei Minimalvariante) vom Kollisionspunkt entfernt gewesen. 
Bei Bremsbeginn habe sich die Front des Fahrzeugs 8.4 m (Maximalvariante) bis 
12.3 m (Minimalvariante) vom Kollisionspunkt entfernt befunden (pag. 167 Ziff. 3.6; 
Abb. 13 Minimalvariante; pag. 173 Abb. 17 Weg-Zeit-Diagramm Minimalvariante; 
Abb. 14 Maximalvariante; pag. 174 Abb. 18 Weg-Zeit-Diagramm Maximalvariante 
und Tab. 2 Zusammenfassung der präkollisionären Vorgänge; Unfallpläne 
pag. 176 f.). 

Schliesslich führten die Gutachter der D.________ aus, dass sich, wenn man bei 
den Berechnungen den Reaktionszeitpunkt des Beschuldigten auf den Zeitpunkt, in 
dem die Fussgängerin den Fussgängerstreifen um 0.5 m betreten gehabt habe, de-
finiere, eine Ausgangsgeschwindigkeit von 45-49 km/h ergebe. In diesem Fall hätte 
die Distanz zum Kollisionspunkt bei Reaktionsbeginn 38.3 m bis 48.8 m betragen 
und der Beschuldigte hätte 24.2 m bis 35.7 m vor dem Kollisionspunkt die Bremse 
betätigt (pag. 158; pag. 167 Ziff. 3.6; pag. 170 Ziff. 4.3; pag. 175.1 Abb. 19 Weg-Zeit-
Diagramm 45 km/h und pag. 175.2 Abb. 20 Weg-Zeit-Diagramm 49 km/h). 

Gehe man von einer Ausgangsgeschwindigkeit von 30-35 km/h aus, so befinde sich 
die Front des Lieferwagens in dem Moment, in dem die Fussgängerin loslaufe, 
45.2 m-53.7 m vom Beginn des Fussgängerstreifens entfernt. Bei einer Ausgangs-
geschwindigkeit von 45-49 km/h befinde sich die Front des Lieferwagens in dem Mo-
ment, in dem die Fussgängerin loslaufe, 58 m-72.4 m vom Beginn des Fussgänger-
streifens entfernt (pag. 170 f. Ziff. 4.5). 

26

Zur gefahrenen Geschwindigkeit des Beschuldigten führten die Gutachter der 
D.________ aus, dass aufgrund fehlender Spuren keine Ausgangsgeschwindigkeit 
bestimmt werden könne. Von der Ausgangssituation her sei eine höhere Geschwin-
digkeit als die vom Beschuldigten angegebene Geschwindigkeit von 30-35 km/h 
möglich, jedoch nicht beweisbar. Da der Beschuldigte aber frühestens dann reagie-
ren könne, wenn die Fussgängerin für ihn eine objektive Reaktionsaufforderung dar-
stelle (erfahrungsgemäss sei dies 0.5 m vom Strassenrand entfernt), sei er höchs-
tens mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h (Minimalvariante) bis 49 km/h (Maxima-
lvariante) gefahren. Eine höhere Ausgangsgeschwindigkeit als 49 km/h sei fast nicht 
möglich, da der Beschuldigte sonst in dem Moment reagieren müsste, als die Fuss-
gängerin noch gar nicht auf der Strasse gewesen wäre (pag. 158; pag. 167 Ziff. 3.6; 
pag. 170 Ziff. 4.3 und 4.4).

Da sich vor der Unfallstelle ein Kreisel befinde (186 m zur Kollisionsstelle gemäss 
pag. 160, dort auch Foto) und dieser aufgrund der herrschenden Verhältnisse nicht 
schneller als mit 10 km/h befahren werden könne sowie der Mercedes nur eine 
Achse angetrieben habe, werde bezweifelt, dass der Beschuldigte zum Reaktions-
zeitpunkt eine Geschwindigkeit von 45-49 km/h erreicht habe (pag. 158; pag. 167 
Ziff. 3.6). Auf Nachfrage führten die Gutachter im Zusatzgutachten vom 11. März 
2022 aus, dass, wenn man einige Werte zum Betriebsgewicht und zur Lastverteilung 
etc. annehme, eine Beschleunigung nach dem Kreisel auf 45-49 km/h möglich sei 
(Zusatzgutachten der D.________: pag. 208 Ziff. 3.1).

Die Berechnungen des D.________-Gutachtens, die die Kammer – wie bereits er-
wähnt – als nachvollziehbar und schlüssig erachtet, führen zu folgenden Schlüssen: 

Entweder geht man von den Aussagen des Beschuldigten aus, wonach er 30-
35 km/h gefahren ist, was zur Folge hätte, dass er zu spät auf das Betreten des 
Fussgängerstreifens durch die Fussgängerin reagiert hat. Bei rechtzeitiger Reaktion 
hätte er nämlich trotz schneebedeckter Strasse die Kollision vermeiden können. 

Oder man stellt auf die Aussagen des Beschuldigten ab, dass er sofort, als die Fuss-
gängerin den Fussgängerstreifen betreten hat, eine Vollbremsung eingeleitet hat 
(also die Reaktion erfolgte, als die Fussgängerin den Fussgängerstreifen um 0.5 m 
betreten hatte). Diesfalls wäre seine Ausgangsgeschwindigkeit 45-49 km/h gewe-
sen. 

Seine Verteidigung führte zur gefahrenen Geschwindigkeit des Beschuldigten in ih-
rem Parteivortrag an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung aus, dass klar sei, 
dass der Beschuldigte nicht schneller als 45 km/h gefahren sei (pag. 255), dass fest-
gehalten werden könne, dass er mit einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 49 km/h 
gefahren sei, wobei 49 km/h wohl eher unrealistisch seien (pag. 257 oben). Der Be-
schuldigte selber sage, dass er maximal 35 km/h gefahren sei, weshalb zu seinen 
Gunsten von maximal 35 km/h auszugehen sei (pag. 257 unten). An der Berufungs-
verhandlung führte die Verteidigung des Beschuldigten aus, dieser sei mit 30-
35 km/h unterwegs, ca. 60 m vom Fussgängerstreifen entfernt, als er die Fussgän-
gerin erblickt habe, und bei ihrem Loslaufen 10-15 m vom Fussgängerstreifen ent-
fernt gewesen. Er habe eine Vollbremsung und ein Rechtsmanöver eingeleitet, aber 
eine Kollision sei zu diesem Zeitpunkt unvermeidbar gewesen. (vgl. pag. 407).

27

Die Kammer berücksichtigt, dass der Beschuldigte wiederholt davon sprach, dass er 
sofort reagiert und eine Vollbremsung gemacht habe, als die Fussgängerin den 
Fussgängerstreifen betreten habe (vgl. pag. 7; pag. 227, Z. 9 ff. und Z. 36 ff.; 
pag. 230, Z. 25 ff.; pag. 399, Z. 41 ff.). Eine sofortige Reaktion ist ein an sich übliches 
Verhalten, ausser man ist abgelenkt, hat den Blick nicht auf die Strasse gerichtet 
oder es liegt anderweitig eine Sichtbehinderung vor. Dafür, dass der Beschuldigte 
abgelenkt war, den Blick nicht auf die Strasse gerichtet hatte oder eine Sichtbehin-
derung auf die am Strassenrand stehende Fussgängerin vorlag, liegen keine An-
haltspunkte vor. Entsprechendes wurde vom Beschuldigten auch nicht geltend ge-
macht. So führte er aus, dass er von Weitem eine dunkel gekleidete Person am lin-
ken Strassenrand habe stehen sehen. Diese habe nach links geschaut und dabei 
zum Teil ihren Oberkörper nach links gedreht. Danach habe sie eine Rückwärtsbe-
wegung nach rechts gemacht und nach rechts geschaut. Sie habe ein Auto von links 
durchfahren lassen (pag. 227, Z. 1 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er 
an, die Fussgängerin ziemlich früh bemerkt zu haben (pag. 396, Z. 14). Er habe 
gesehen, wie sie am Strassenrand mit ihrem Mantel und der Kapuze oben sowie 
leicht nach vorne gebückt gestanden habe (pag. 396, Z. 18 f. und Z. 27). Sie habe 
nach links und in seine Richtung geschaut, sei dann stehengeblieben, weil sie ge-
wartet habe, um gemäss ihrer Angabe das Auto auf ihrer Seite passieren zu lassen 
(pag. 396, Z. 19 ff.). Diese detaillierten Beschreibungen deuten darauf hin, dass der 
Beschuldigte sich auf die Fussgängerin konzentrierte und es keine Sichteinschrän-
kung hatte. 

Aufgrund dieser Ausführungen geht die Kammer (wie die Vorinstanz: pag. 300, S. 29 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) beweiswürdigungsmässig davon aus, dass 
der Beschuldigte mit einer Ausgangsgeschwindigkeit von 45-49 km/h unterwegs war, 
wobei zu seinen Gunsten eine Geschwindigkeit von 45 km/h angenommen wird. Der 
Beschuldigte reagierte, als die Fussgängerin den Fussgängerstreifen um 0.5 m be-
treten hatte. Eine frühere Reaktion ist – wie aus den D.________-Gutachten hervor-
geht – nicht möglich, da vor dem Betreten des Fussgängerstreifens keine Reaktions-
aufforderung für den Beschuldigten bestand. Die Kollision war für ihn unter diesen 
Umständen nicht vermeidbar. Vermeidbar wäre sie nur gewesen, wenn er genau in 
dem Moment, als die Fussgängerin losgelaufen ist, gebremst hätte, was aber erfah-
rungsgemäss nicht möglich ist (siehe D.________-Gutachten: pag. 208 Ziff. 3.2). 

Ob der Beschuldigte mit einer den Umständen angepassten Geschwindigkeit unter-
wegs war, ist eine rechtliche Frage und wird dort zu diskutieren sein.

4.7 Verhalten der Fussgängerin vor dem Unfall

Der Beschuldigte gab in seiner polizeilichen Einvernahme an, er habe die Fussgän-
gerin auf der linken Strassenseite beim Fussgängerstreifen stehen sehen. Sie habe 
zuerst nach links, dann nach rechts zu ihm geschaut. Für ihn habe es den Anschein 
gemacht, dass ihn die Fussgängerin aufgrund der Witterung (Glatteis) durchfahren 
liesse. Überraschend sei sie dann doch losgelaufen (pag. 7). 

Anlässlich seiner erstinstanzlichen Einvernahme bestätigte er, dass er von Weitem 
eine dunkel gekleidete Person am linken Strassenrand habe stehen sehen. Diese 
habe nach links geschaut und dabei zum Teil ihren Oberkörper nach links gedreht. 

28

Danach habe sie eine Rückwärtsbewegung nach rechts gemacht und nach rechts 
geschaut. Sie habe ein Auto von links durchfahren lassen (pag. 227, Z. 1 ff.). Er habe 
sich gedacht, dass er durchfahren könne, da sie gewartet habe (pag. 227, Z. 36). 

Die Fussgängerin sei plötzlich auf die Strasse gelaufen. In dem Moment sei sein 
Fuss auf die Bremse gegangen, er habe eine Vollbremsung gemacht, seine Ge-
schwindigkeit habe sich nicht reduziert, er sei wegen des Glatteises gerutscht 
(pag. 227, Z. 9 ff.; pag. 227, Z. 37 f.; pag. 228, Z. 29 ff.). Er habe den Unfall nicht 
vermeiden können, weil sie einfach die Strasse betreten habe (pag. 230, Z. 32 ff.; 
pag. 231, Z. 18).

Da der Fussgängerstreifen sowie die Schilder dazu wegen des Schneefalls nicht zu 
sehen gewesen seien, habe es für ihn keine Anzeichen dafür gegeben, dass dort ein 
Fussgängerstreifen sei. Die Fussgängerin habe somit auch kein Vortrittsrecht gehabt 
(pag. 229, Z. 3 ff.; pag. 232, Z. 3 f.). Als er 50-60 m vor der Unfallstelle die Frau am 
Strassenrand habe stehen sehen, habe er sich keine Gedanken darüber gemacht, 
ob diese Frau über die Strasse gehe. Er sei aber aufmerksam gewesen und sei nach 
einer gewissen Zeit – 3 bis 4 Sekunden – weitergefahren. Sie habe ja auch ein an-
deres Auto durchgelassen (pag. 228, Z. 30 ff.).

An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zusammenfassend an, er habe 
gesehen, wie sie am Strassenrand mit ihrem Mantel und der Kapuze oben sowie 
leicht nach vorne gebückt gestanden sei (pag. 396, Z. 18 f. und Z. 27). Sie habe nach 
links und dann in seine Richtung geschaut und sei dann stehengeblieben, weil sie 
gewartet habe, um gemäss ihrer Angabe das Auto auf ihrer Seite passieren zu las-
sen (pag. 396, Z. 19 ff.). Sie habe diese Bewegungen nach links und rechts mit dem 
Kopf und dem halben Oberkörper gemacht (pag. 399, Z. 36 f.). Auf Frage, ob er sich 
Überlegungen dazu gemacht habe, wie sich die Fussgängerin verhalten könnte, ver-
neinte er dies (pag. 396, Z. 36 f.). Es habe den Anschein gemacht, als könne er sei-
nen Weg fahren (pag. 402, Z. 19 f.). Er habe alles richtig gemacht und die Fussgän-
gerin nicht (pag. 402, Z. 41 ff.); das Verhalten der Fussgängerin und nicht die Stras-
senverhältnisse hätten zur Unvermeidbarkeit des Unfalls geführt (pag. 403, Z. 1 ff.).

Die Fussgängerin gab in ihrer polizeilichen Einvernahme an, sie habe vor dem 
Überqueren der Ringstrasse ein Fahrzeug, welches von links herangefahren sei, 
durchfahren lassen (pag. 13). Diese Aussage bestätigte sie in ihrer erstinstanzlichen 
Einvernahme und erklärte, sie habe nach links geschaut und gesehen, dass das her-
anfahrende Fahrzeug, ein kleiner weisser Bus, zu nahe sei, weshalb sie diesen habe 
durchfahren lassen. Hinter diesem Bus sei kein Fahrzeug gefahren (pag. 219, 
Z. 19 ff.; pag. 222, Z. 45 f.; pag. 223, Z. 19 ff.).

In ihrer polizeilichen Einvernahme gab sie weiter an, dass von K.________ ein Fahr-
zeug herangefahren sei, dieses aber weit weg gewesen sei. Von rechts sei ein weis-
ser Lieferwagen herangefahren. Da sie geschätzt habe, dass dieser weit genug ent-
fernt sei und nicht bremsen müsse, habe sie entschieden, die Strasse zu überque-
ren. Nach dem Betreten des Fussgängerstreifens habe sie nicht mehr «nach dem 
Lieferwagen geschaut» (pag. 13). 

In ihrer Einvernahme vor der Vorinstanz führte sie aus, dass sie nach rechts ge-
schaut und einen weissen Transporter/Lieferwagen habe heranfahren sehen 

29

(pag. 219, Z. 20 ff.; pag, 220, Z. 10; pag. 222, Z. 46 f.; pag. 223, Z. 8 f., Z. 22 f.). 
Danach habe sie nochmals nach links geschaut und einen schwarzen Pick-up gese-
hen. Dieser habe nach links abbiegen wollen und habe Autos von links und rechts 
durchfahren lassen müssen, weshalb er stillgestanden sei (pag. 223, Z. 3 ff. und 
Z. 28 f.). In der gleichen Einvernahme führte sie auch aus, dass der Pick-up praktisch 
vis-à-vis gestanden sei, weshalb sie sich nicht wirklich zu diesem habe umdrehen 
müssen. Nachdem sie den Transporter gesehen habe, sei sie losgelaufen. Sie habe 
eingeschätzt, dass die Distanz ausreiche. Auf Frage gab sie an, dass das Einschät-
zen ihres Erachtens ein paar Sekunden gedauert habe. Sie wisse aber nicht, wie 
lange man da überlege, sie habe jedoch nicht gezögert. Während des Loslaufens 
habe sie den Pick-up stehen und warten sehen (pag. 223, Z. 9 ff., Z. 23 ff., Z. 31 ff. 
und Z. 35 ff.). Da der Transporter ihrer Meinung nach weit genug entfernt gewesen 
sei und es ihres Erachtens ausgereicht hätte, wenn dieser den Fuss vom Gas weg-
genommen hätte, habe sie ihm auch kein Zeichen, dass er den Vortritt beanspruchen 
könne, gegeben. Sie verneinte, für den Transporter überraschend losgelaufen zu 
sein. Sie laufe prinzipiell nicht einfach vor Autos (pag. 220, Z. 37 ff. und Z. 41 ff.; 
pag. 221, Z. 1 f.). Sie sei zügig und in normalem Schritttempo losgelaufen (pag. 220, 
Z. 34 f.). Beim Betreten des Fussgängerstreifens habe sie nicht mehr zum Transpor-
ter geschaut, erst in der Mitte des Fussgängerstreifens habe sie wieder zu diesem 
geschaut und bemerkt, dass das Fahrzeug nicht langsamer werde, weshalb sie das 
Gefühl gehabt habe, schneller laufen zu müssen. Damals sei sie ihrer Meinung nach 
2-3 Schritte von der anderen Strassenseite entfernt gewesen. Was danach passiert 
sei, wisse sie nicht mehr, auch nicht, wie sie vom Lieferwagen getroffen worden sei 
(pag. 219, Z. 27 ff.; pag. 221, Z. 10 f.; pag. 223, Z. 43 ff.). 

Sie habe wegen des Schneefalls die Kapuze ihrer Jacke oben gehabt (pag. 224, 
Z. 8 f.). Sie sei seit ihrer Jugend kurzsichtig, trage aber eine Brille, und hätte vor dem 
Unfall noch Autofahren dürfen (pag. 222, Z. 11 ff.). 

Die Aussagen des Beschuldigten und der Fussgängerin stimmen insofern überein, 
als beide angeben, dass die Fussgängerin vor dem Fussgängerstreifen angehalten 
und zuerst nach links geschaut hat. Dabei hat sie ein von links herannahendes Fahr-
zeug durchfahren lassen. Weiter geben beide übereinstimmend an, dass die Fuss-
gängerin danach ebenfalls nach rechts in die Fahrtrichtung des Beschuldigten ge-
schaut hat. Ihre Aussagen stimmen ebenfalls darin überein, dass die Fussgängerin 
in der Folge losgelaufen ist, ohne dem Beschuldigten ein Zeichen oder dergleichen 
zu geben. Die Kammer stellt somit bezüglich des Ablaufs auf die übereinstimmenden 
Aussagen der beiden Beteiligten ab. 

Ob die Fussgängerin, nachdem sie nach links und nach rechts geschaut hatte, noch-
mals nach links gesehen hat, bevor sie den Fussgängerstreifen betreten hat, lässt 
sich aus ihren Aussagen an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht eindeutig 
eruieren. Angesichts dessen, dass der Beschuldigte aber ohnehin frühestens dann 
reagieren konnte, als die Fussgängerin für ihn eine objektive Reaktionsaufforderung 
darstellte (erfahrungsgemäss sei dies 0.5 m vom Strassenrand entfernt), kann offen-
bleiben, ob sie sich vor Betreten der Fahrbahn ein zweites Mal nach links drehte.

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Da die Fussgängerin vor dem Betreten des Fussgängerstreifens stehen geblieben 
und danach nach links und nach rechts geschaut hat und erst in der Folge den Fuss-
gängerstreifen betreten hat, liegt nach Ansicht der Kammer – anders als dies der 
Beschuldigte und dessen Verteidigung wiederholt geltend machten – kein unvermit-
teltes Betreten des Fussgängerstreifens vor. Auch die Tatsache, dass die Fussgän-
gerin zunächst von links ein Fahrzeug passieren liess, im Gegenzug aber den Be-
schuldigten nicht durchfahren liess, sondern den Fussgängerstreifen betrat, führt 
nicht zu einem «unvermittelten Betreten» des Fussgängerstreifens, da es sich dabei 
um ein durchaus übliches Verhalten bei einem Fussgängerstreifen handelt.

Weiter befand sich gemäss D.________-Gutachten die Front des Lieferwagens des 
Beschuldigten, ausgehend von einer Ausgangsgeschwindigkeit von 45 km/h, in dem 
Moment, in dem die Fussgängerin loslief, 72.4 m vom Beginn des Fussgängerstrei-
fens entfernt (pag. 170 f. Ziff. 4.5). Auch dies spricht gegen ein unvermitteltes Betre-
ten der Fahrbahn durch die Fussgängerin.

Den weiteren Vorbringen der Verteidigung des Beschuldigten, wonach die Sicht der 
Fussgängerin aufgrund starken Schneefalls und der getragenen Kapuze sowie we-
gen einer Sehschwäche eingeschränkt gewesen sei und sie die Distanz zum Fahr-
zeug des Beschuldigten falsch eingeschätzt habe, ist entgegenzuhalten, dass im 
Strassenverkehrsgesetz keine Verschuldenskompensation gilt. Die Fussgängerin 
hat den Fussgängerstreifen nicht unvermittelt betreten, weshalb diese Vorbringen an 
der Sache vorbeigehen. Vorliegend gilt es vielmehr das Verhalten des Beschuldigten 
zu analysieren. Die Vorinstanz hat im Übrigen ohnehin überzeugend dargelegt, dass 
die Fussgängerin zum Zeitpunkt des Unfalls nicht wegen der Kapuze oder Sehpro-
blemen in ihrer Sicht behindert war und es ihr möglich war, die Distanzen richtig 
einzuschätzen.

4.8 Beweisergebnis

Gemäss Beweiswürdigung lenkte der Beschuldigte am 27. Januar 2021 um 
ca. 10.12 Uhr in C.________ einen Lieferwagen mit Anhänger. Der Beschuldigte trug 
während seiner Fahrt keinen Sicherheitsgurt. 

Zu diesem Zeitpunkt war die Aussentemperatur -2°Celsius und es hatte zu schneien 
begonnen. Aufgrund dessen waren die Strassen schneebedeckt, jedoch nicht ver-
eist. Die Fussgängerin stand am Fussgängerstreifen auf Höhe der Verzweigung 
O.________ und wollte den Fussgängerstreifen von links nach rechts überqueren. 
Da es schneite, hatte sie die Kapuze ihrer Jacke an. Vor dem Überqueren hielt sie 
am Strassenrand an und schaute nach links, indem sie den Oberkörper nach links 
drehte. Ein von links herannahendes Fahrzeug liess sie durchfahren. Danach 
schaute sie nach rechts (wiederum durch Drehen des Oberkörpers nach rechts) und 
erblickte den Lieferwagen des Beschuldigten. Dann lief sie los. Während des Los-
laufens erblickte sie noch einen Pick-up, der zu ihrer Linken wartete, weil er nach 
links abbiegen wollte. 

Der Beschuldigte sah die dunkel gekleidete Fussgängerin am Strassenrand stehen 
und sah ebenfalls, wie sie ihren Oberkörper nach links drehte, ein Fahrzeug durch-
fahren liess, und sich danach nach rechts drehte. Die Markierung des Fussgänger-
streifens war für den Beschuldigten aufgrund der schneebedeckten Strasse nicht 

31

oder kaum mehr sichtbar. Jedoch wusste er aufgrund der Beschilderung des Fuss-
gängerstreifens und aufgrund des Verhaltens der Fussgängerin (am Strassenrand 
anhalten, nach links schauen und dann rechts schauen), dass sich dort ein Fussgän-
gerstreifen befand. Er ging fälschlicherweise davon aus, dass die Fussgängerin ihn 
durchfahren lassen würde. Diese Annahme traf er, obwohl ihm die Fussgängerin 
nicht mit einem Handzeichen oder dergleichen signalisiert hatte, dass sie ihm den 
Vortritt lassen würde. Da die Fussgängerin beim Fussgängerstreifen stehen blieb 
und nach links und nach rechts schaute, bevor sie den Fussgängerstreifen betrat, 
lag kein «unvermitteltes» Betreten des Fussgängerstreifens vor. 

Der Beschuldigte war mit seinem Fahrzeug vor Einleitung des Brems- und Ausweich-
manövers mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h unterwegs. Als die Fussgängerin 
den Fussgängerstreifen betreten hatte (0.5 m vom Strassenrand entfernt), reagierte 
der Beschuldigte und machte eine Vollbremsung, wobei es wegen der schneebe-
deckten Strasse zu einer Bremsverzögerung von 2-3 m/s2 kam. Da der Beschuldigte 
bemerkte, dass es ihm nicht mehr ausreichen würde, rechtzeitig vor der Fussgänge-
rin anzuhalten, lenkte er sein Fahrzeug nach rechts. Er streifte den Kopf der Fuss-
gängerin mit dem linken Seitenspiegel seines Lieferwagens und streifte sie ebenfalls 
mit seiner linken Frontpartie. Der Kollisionsber