# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a6a78471-35bc-5609-b760-d623fc5853dc
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 28.02.2022 ZBE.2021.7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZBE-2021-7_2022-02-28.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 3. Kammer 

 

 

ZBE.2021.7 
(DVIARPBP.20.1034/42.01.05)  

Art. 10 

 

Entscheid vom 28. Februar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Massari, Präsidentin  

Oberrichter Brunner  

Ersatzrichter Schneuwly         

Gerichtsschreiber Sulser 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

[…]  

vertreten durch Rechtsanwältin Eveline Suter, WBP Wernli Biedermann 

Partner, Casinoplatz 8, 3011 Bern    

 

 
   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Abweisung der Anerkennung einer 

Adoption 

 

Verfügung des Departements Volkswirtschaft und Inneres vom 14. Juli 

2021 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Entscheid des Magistrate's Court in Calabar, Cross River State, Nigeria, 

vom 15. Mai 2019 wurde das Gesuch von A. (Beschwerdeführerin), B. zu 

adoptieren, bewilligt (act. 26 f.). 

 

1.2. 

Ende 2019 wurden die Adoptionsunterlagen bei der Schweizer Vertretung 

in Abuja eingereicht (act. 30). Gemäss üblichem Vorgehen wurden diese 

durch den Vertrauensanwalt auf deren Echtheit und Gültigkeit geprüft 

(act. 13-16).  

 

2. 

2.1. 

Mit Sendung vom 10. März 2020 übermittelte die Schweizer Vertretung die 

nigerianische Adoptionsurkunde und weitere Dokumente in die Schweiz zur 

Prüfung der Anerkennung der Adoption und Eintragung im schweizerischen 

Personenstandsregister. 

 

2.2. 

Mit Schreiben vom 8. Oktober 2020 teilte das Departement Volkswirtschaft 

und Inneres, Abteilung Register und Personenstand (Aufsichtsbehörde) 

der Beschwerdeführerin mit, dass sie die in Nigeria ausgesprochene Adop-

tion nicht anerkennen werde und gab ihr Gelegenheit, sich zu diversen Fra-

gen zu äussern (act. 31 f.). 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 18. Dezember 2020 nahm die Beschwerdeführerin Stel-

lung (act. 37 ff.). 

 

2.4. 

Am 14. Juli 2021 erliess die Aufsichtsbehörde folgende Verfügung:  

 

"  1. 
Das Gesuch um Anerkennung der am 15. Mai 2019 in Nigeria erfolgten 
Adoption des Kindes B. wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Parteikosten werden im erstinstanzlichen Verfahren nicht ersetzt (§ 32 
Abs. 1 VRPG)." 

 

 - 3 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Am 14. September 2021 erhob die Beschwerdeführerin beim Obergericht 

des Kantons Aargau Beschwerde gegen die ihr am 15. Juli 2021 (act. 48 

und 49) zugestellte Verfügung. Sie beantragte Folgendes: 

 

"  1. 
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 14. Juli 2021 sei aufzuhe-
ben. 
 
2. 
Der Adoptionsentscheid (Adoption Order) vom 15. Mai 2019 des Chief 
Magistrate's Court of Cross River State, Calabar Magisterial District, Cala-
bar, Nigeria, Verfarens-Nr. X, betreffend Einzeladoption von B., geb. am 
tt.mm.2009 in Nigeria, Cross River State, Ikom, nigerianischer Staatsan-
gehöriger, durch die Beschwerdeführerin sei anzuerkennen. 
 
3. 
Das zuständige Zivilstandsamt sei anzuweisen, das Kindsverhältnis zwi-
schen der Beschwerdeführerin und dem Kind B. entsprechend dem Adop-
tion Order vom 15. Mai 2019, vorgenannt, im Schweizerischen Zivilstands-
register einzutragen. 
 
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -" 

 

3.2. 

Mit Vernehmlassung vom 13. Januar 2022 beantragte die Aufsichtsbe-

hörde, die Beschwerde sei unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerde-

führerin vollumfänglich abzuweisen. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 27. Januar 2022 nahm die Beschwerdeführerin zur Ver-

nehmlassung der Aufsichtsbehörde Stellung. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Das Departement Volkswirtschaft und Inneres ist Aufsichtsbehörde im Zi-

vilstandswesen (§ 2 Abs. 1 der Verordnung zum Einführungsgesetz zum 

Schweizerischen Zivilgesetzbuch). Entscheide der Aufsichtsbehörde im Zi-

vilstandswesen können mit Beschwerde beim Obergericht (Zivilgericht) an-

gefochten werden, wenn sie nicht Disziplinarmassnahmen zum Gegen-

stand haben. Es sind die Bestimmungen über das verwaltungsgerichtliche 

Beschwerdeverfahren gemäss VRPG anwendbar (§ 9 Abs. 2 des Einfüh-

rungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [EG ZGB]).  

 

 - 4 - 

 

 

 

1.2. 

Die Rechtsmittelvoraussetzungen der Beschwerde, insbesondere betref-

fend Einhaltung der Beschwerdefrist (§ 44 Abs. 1 VRPG), sind erfüllt; auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

 

1.3. 

Mit der Beschwerde können die unrichtige oder unvollständige Feststellung 

des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen gerügt werden (§ 55 Abs. 1 

VRPG). Dem Obergericht steht damit die volle Kognition zur Überprüfung 

der Verfügung der Vorinstanz zu. Der Sachverhalt ist, unter Beachtung der 

Vorbringen der Parteien, von Amtes wegen zu ermitteln (§ 17 Abs. 1 

VRPG). Die Parteien sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhal-

tes mitzuwirken (§ 23 Abs. 1 VRPG). 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen wie folgt: Ge-

mäss Art. 32 IPRG werde eine ausländische Entscheidung oder Urkunde 

über den Zivilstand aufgrund einer Verfügung der kantonalen Aufsichtsbe-

hörde in die Zivilstandsregister eingetragen. Die Eintragung werde bewil-

ligt, wenn die Voraussetzungen der Art. 25–27 IPRG erfüllt seien (ange-

fochtene Verfügung E. 1). Gemäss Art. 25 lit. c IPRG dürfe für die Anerken-

nung einer ausländischen Entscheidung kein Verweigerungsgrund nach 

Art. 27 IPRG vorliegen. Eine im Ausland ergangene Entscheidung werde 

in der Schweiz nicht anerkannt, wenn die Anerkennung mit dem schweize-

rischen Ordre public offensichtlich unvereinbar wäre (Art. 27 Abs. 1 IPRG). 

Als grundlegende Rechtsnorm der schweizerischen Rechtsordnung, deren 

Verletzung ein Verstoss gegen den Ordre public darstellen könne, komme 

unter anderem der Vorrang des Kindeswohls in Betracht (angefochtene 

Verfügung E. 3.3). In dieser Hinsicht erwog die Vorinstanz, dass der Ver-

trauensanwalt bestätigt habe, dass im nigerianischen Adoptionsverfahren 

alle ordnungsgemässen Schritte der Antragsstellung, Untersuchung, Bera-

tung durch den Sozialarbeiter und Anhörung des Adoptivelternteils durch-

geführt worden seien und keine Unterlagen fehlen würden. Die Ausführun-

gen der Beschwerdeführerin, wonach im Rahmen eines "Background 

Checks" das zuständige nigerianische Sozialministerium eine Befragung 

von A. zu ihren medizinischen, finanziellen und persönlichen Verhältnissen 

mit Blick auf die Adoptionseignung als auch eine getrennte Befragung des 

Kindes durchgeführt habe, würden in den Unterlagen so nicht bestätigt und 

durch die Beschwerdeführerin auch nicht nachgewiesen. Weiter erwog die 

Vorinstanz, dass durch die zuständigen Behörden am Wohnort der Be-

schwerdeführerin in R. keinerlei Abklärungen im Hinblick auf die Adoptions-

eignung durchgeführt worden seien. Selbst wenn im Rahmen der in Nigeria 

getroffenen Abklärungen gewisse Aspekte geprüft und als erfüllt befunden 

worden seien, sei es – ohne Einbezug einer Abklärung am Wohnort der 

 - 5 - 

 

 

 

Beschwerdeführerin – nicht möglich, alle erforderlichen Aspekte hinsicht-

lich der Eignung der Beschwerdeführerin und hinsichtlich des Kindeswohls 

zu klären. Der Umzug eines fast 12-jährigen Kindes verlange von der be-

treuenden Adoptivmutter erhöhte Anforderungen. Es dürfe nicht davon aus-

gegangen werden, dass sich die Betreuung von B. einfacher gestalte, weil 

er ein verwandtes Kind sei und sich die Beschwerdeführerin und er seit 

Geburt kennten. Selbst wenn die Beschwerdeführerin in täglichem telefo-

nischen Kontakt stehe und ihre Ferien in Nigeria zusammen mit B. ver-

bringe, sei diese Art der Betreuung nicht mit der Betreuung im Alltag in 

einer für das Kind gänzlich fremden Umgebung zu vergleichen. Das Kin-

deswohl verlange für eine anzuerkennende Adoption die entsprechenden 

positiven Klärungsergebnisse, welche im vorliegenden Fall nicht in einer 

nach Schweizer Rechtsauffassung und dem Ordre public entsprechenden 

Weise vorhanden bzw. nachgewiesen seien (angefochtene Verfügung E. 

3.3.1). Zudem sei im Zusammenhang mit internationalen Adoptionen das 

Subsidiaritätsprinzip zu beachten, weshalb eine internationale Adoption nur 

dann möglich sei, wenn das Kind weder im weiteren Kreis der Familie un-

tergebracht noch im Herkunftsland aodptiert werden könne. B. werde zu-

mindest seit dem Tod seiner Mutter im Jahr 2011 durch einen Neffen der 

Beschwerdeführerin betreut. Anhaltspunkte, dass diese Betreuung mit der 

Unterstützung der Beschwerdeführerin all die Jahre nicht in seinem Inte-

resse und zu seinem Wohl erfolgt sei, würden aus den Unterlagen nicht 

hervorgehen (angefochtene Verfügung E. 3.3.2). 

 

2.1.2. 

Weiter stellte die Vorinstanz verschiedene Auffälligkeiten bei der Dokumen-

tation fest. Im Adoptionsentscheid sei das Adoptivkind als B. bezeichnet 

worden. Dies sei gemäss Ausführungen der Beschwerdeführerin auf eine 

entsprechende offizielle Namensänderung mit Blick auf die Adoption zu-

rückzuführen. Das Certificate of Origin vom 16. Mai 2018 sei angeblich auf-

grund dieser Namensänderung auf B. ausgestellt worden. Ein Affidavit of 

Change of Name (Eidesstattliche Erklärung über den Namenswechsel) und 

die Kopie der Publizierung in der nationalen Zeitung würden fehlen. In An-

betracht des Ausgangs des Anerkennungsverfahrens sei aber auf den 

Nachweis der Namensänderung verzichtet worden. Weiter befinde sich in 

den Akten ein Original der Geburtsurkunde vor der Adoption, ausgestellt 

am 21. November 2018. Daraus sei ersichtlich, dass die Geburt von B. erst 

am 21. November 2018 (mithin neun Jahre nach seiner Geburt) registriert 

worden sei. Der Name der Mutter, C., werde mit C. auch als Name des 

Vaters angegeben. Die Geburtsurkunde sei zwar durch den Vertrauensan-

walt formell als echt und von der zuständigen Behörde ausgestellt bezeich-

net worden, eine Erklärung für diese Ungenauigkeit habe aber weder der 

Vertrauensanwalt noch die Beschwerdeführerin. Eine Geburtsurkunde in 

zeitlicher Nähe zur Geburt im Jahr 2009 sei nicht zu den Verfahrensakten 

gereicht worden. In einem weiteren Original einer Geburtsurkunde, ausge-

stellt am 21. August 2019 (nach der Adoption), werde erwähnt, dass die 

 - 6 - 

 

 

 

Geburt am 21. August 2019 registriert worden sei. Die Beschwerdeführerin 

werde dabei als Mutter und ihr, bereits vor der Adoption verstorbener Ehe-

mann, D. als Vater wiedergegeben. Abweichend zur Geburtsurkunde vom 

21. November 2018 (Geburtsort: "Home") werde der Geburtsort "Hospital" 

festgehalten. Das Familienoberhaupt E. habe bestätigt, dass das Kind zu 

Hause geboren worden sei und die am 21. August 2019 ausgestellte Ge-

burtsurkunde inhaltlich folglich nicht korrekt sei. Eine weitere Geburtsur-

kunde sei im Zusammenhang mit dem im Juni 2018 bei der Schweizer Ver-

tretung eingereichten Visumsantrag erwähnt worden, welche ihr [Aufsichts-

behörde] nicht eingereicht worden sei. Darin sollen die Beschwerdeführerin 

und ihr verstorbener Ehemann als Eltern festgehalten worden sein. Dies in 

einem Zeitpunkt, in dem die Adoption noch nicht ausgesprochen und der 

Ehemann der Beschwerdeführerin bereits verstorben gewesen sei (ange-

fochtene Verfügung E. 3.3.3 – 3.3.6). 

 

2.1.3. 

Zusammenfassend fehlten nach Auffassung der Vorinstanz die für eine 

Adoption erforderlichen Eignungsabklärungen und widersprächen auch die 

Ungereimtheiten in den zwar formell als korrekt beurteilten aber inhaltlich 

offensichtlich mangelhaften Zivilstandsdokumenten einer Anerkennbarkeit 

der Adoption in der Schweiz (angefochtene Verfügung E. 4). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Mit Beschwerde bringt die Beschwerdeführerin vor, dass der Vertrauens-

anwalt der Schweizerischen Botschaft in seinem Bericht ausdrücklich be-

stätigt habe, dass sämtliche Schritte des nigerianischen Adoptionsverfah-

rens eingehalten worden seien, insbesondere auch eine Untersuchung er-

folgt sei. Auch die zuständige Sozialbehörde, das Ministry of Sustainable 

Development and Social Welfare, habe mit Schreiben vom 9. Dezember 

2019 an die Schweizer Botschaft ausdrücklich bestätigt, dass im Verfahren 

eine Abklärung sowohl des zukünftigen Adoptivelternteils als auch des zu 

adoptierenden Kindes durchgeführt worden sei. Die Vertreterin des zustän-

digen Ministry of Sustainable Development and Social Welfare habe in ih-

rem Antrag an das zuständige Gericht ausdrücklich darauf verwiesen, dass 

die Adoption im Interesse des betroffenen Kindes verfügt werden solle, mit-

hin also ohne weiteres bestätigt, dass die Abklärungen mit Blick auf das 

Kindeswohl vorgenommen worden seien (Beschwerde S. 4 f.). Das zustän-

dige Sozialministerium von Cross River State bestätige zudem aktuell er-

neut, dass eine Eignungsabklärung der Beschwerdeführerin vorgenommen 

worden sei, und zwar bezüglich deren sozialen, gesundheitlichen und auch 

finanziellen Verhältnisse (Beschwerdebeilage 3). Dass die einzelnen De-

tails dieser Abklärungen des zuständigen Sozialministeriums wie Abklä-

rungsberichte, Aktennotizen o.ä. nicht Teil der behördlich an die Beschwer-

deführerin übermittelten Adoptionsunterlagen gewesen seien, vermöge da-

 - 7 - 

 

 

 

ran nichts zu ändern. Lägen keine gegenteiligen Anhaltspunkte vor, sei da-

von auszugehen, dass eine ausländische Adoption unter korrekter Beach-

tung der entsprechenden Adoptionsbestimmungen vollzogen worden sei. 

Analog zu BGE 2A.655/2004 vom 11. April 2005, E. 2.3.4 und AGVE 2004 

106, S. 363 f., habe es für die Annahme, dass kein Verstoss gegen den 

Schweizerischen Ordre Public vorliege, zu genügen, wenn aufgrund der 

Akten ohne weiteres davon ausgegangen werden könne, dass eine Eig-

nungsabklärung stattgefunden habe. Indem die angefochtene Verfügung 

unterstelle, die Eignungsabklärung der nigerianischen Behörden habe nicht 

alle für die Adoption wesentlichen Aspekte abgedeckt, und aus diesem 

Grund die Anerkennung ablehne, verlange sie damit eine gemäss Art. 27 

Abs. 3 IPRG unzulässige, materielle Überprüfung des Entscheids der zu-

ständigen nigerianischen Behörden. Ein unerträglicher Widerspruch zur 

Schweizerischen Rechts- und Sittenauffassung im Sinne des Ordre public-

Vorbehalts sei vorliegend umso weniger zu erblicken, nachdem die Be-

schwerdeführerin zwar nicht die unmittelbare Obhut innehabe, aber seit 

Geburt die Verantwortung für Erziehung, Ausbildung etc. des Kindes über-

nehme und eine Beziehung zu diesem pflege und schliesslich sowohl die 

leibliche Mutter der Adoption zugestimmt habe als auch das betroffene Kind 

selber durch die zuständigen Behörden in die Abklärungen zur Adoption 

einbezogen worden sei. Anzeichen für eine Verletzung des Schweizer 

Ordre public lägen nicht vor, umso weniger, als den Behörden in Nigeria 

nachweislich bekannt gewesen sei, dass die Adoption ins Ausland erfolgen 

würde und dieser Umstand in die Abklärungen offensichtlich eingeflossen 

sei, wie ausdrücklich aus den Akten hervorgehe (Beschwerde S. 5 ff.). Wei-

ter sei das von der Vorinstanz angeführte Subsidiaritätsprinzip vorliegend 

keine eigenständige Voraussetzung. Die Anerkennung der in Nigeria aus-

gesprochenen Adoption sei ausschliesslich nach den Voraussetzungen ge-

mäss IPRG zu prüfen. Die Subsidiarität gehe komplett in der Ordre public-

Prüfung auf. Anhaltspunkte, dass im nigerianischen Adoptionsverfahren 

wesentliche Punkte ausser Acht gelassen worden seien, lägen keine vor 

(Beschwerde S. 8). Adoptionsfremde Motive bestünden keine (Beschwerde 

S. 9). 

 

2.2.2. 

Betreffend die als inhaltlich mangelhaft gerügte Dokumentation bringt die 

Beschwerdeführerin einerseits vor, dass es in Nigeria nicht unüblich sei, 

dass eine Geburtsurkunde erst längere Zeit nach der Geburt ausgestellt 

werde (Beschwerde S. 10 f.; Beschwerdebeilage 5). 

 

Weiter sei die Behauptung der Vorinstanz, dass weder der Vertrauensan-

walt noch die Beschwerdeführerin eine Erklärung für den Umstand hätten, 

dass in der Geburtsurkunde 2018 der Name der leiblichen Mutter auch als 

Name des Vaters angegeben worden sei, aktenwidrig. Die Beschwerdefüh-

rerin habe in ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 2020 konkret darge-

legt, dass mangels Kenntnis der Identität des Vaters in der Geburtsurkunde 

 - 8 - 

 

 

 

an dessen Stelle nochmals der Name der Mutter aufgeführt worden sei. 

Dies sei so auch durch den Vertrauensanwalt ausgeführt worden (Be-

schwerde S. 11). 

 

Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, dass der Umstand, dass zwei 

Geburtsurkunden in zeitlichen Abständen mit unterschiedlichen Personen-

daten ausgestellt worden seien – eine vor und eine nach der Adoption –, 

durch das Adoptionsverfahren erklärt sei, verlange doch die Vorinstanz sel-

ber für den Eintrag im Personenstandsregister eine Geburtsurkunde vor 

und nach der Adoption. Es sei auf einen Fehler zurückzuführen, dass sich 

die beiden Geburtsurkunden hinsichtlich des Geburtsorts unterscheiden 

würden ("Hospital" bzw. "At Home"). Dass B. zu Hause zur Welt gebracht 

worden sei, sei gegenüber dem Vertrauensanwalt durch das mit den Ver-

hältnissen persönlich vertraute Familienoberhaupt E. bestätigt worden (Be-

schwerde S. 11 f.). 

 

Die Beschwerdeführerin wendet weiter ein, dass die nach Erlass des Adop-

tionsentscheids ausgestellte Geburtsurkunde vom 21. August 2019 das mit 

der Adoption neu entstandene rechtliche Kindsverhältnis zwischen dem 

Kind und den Adoptiveltern wiedergebe. Da der Vater seit jeher unbekannt 

sei, habe sich bei der Ausstellung der Geburtsurkunde nach verfügter 

Adoption erneut die Frage nach den Angaben zum Vater gestellt. Die Be-

schwerdeführerin habe ihren zwischenzeitlich verstorbenen Ehemann an-

gegeben, nachdem es ursprünglich auch der Wille der Ehegatten gewesen 

sei das Kind gemeinsam zu adoptieren. Da letztlich lediglich das Kindes-

verhältnis zur Beschwerdeführerin im Schweizerischen Zivilstandsregister 

einzutragen sei, könne für diesen Eintrag gestützt auf die amtlichen Akten 

ohne weiteres die Beschwerdeführerin als (Adoptiv-) Mutter eingetragen 

werden (Beschwerde S. 12). 

 

Schliesslich seien in der Geburtsurkunde vom 21. November 2018 für das 

Kind entsprechend dem lokalen Brauch respektive aufgrund des unbe-

kannten Kindsvaters die Familiennamen mütterlicherseits aufgenommen 

und der Kosename "F." weggelassen worden. Parallel dazu habe die Be-

schwerdeführerin auch die Änderung des Familiennamens von "C." (von 

der leiblichen Mutter weitergegebene Familiennamen) nach "G." (Nach-

name der Beschwerdeführerin) beantragen lassen (Beilage 6) und gestützt 

darauf das entsprechend ausgestellte Certificate of Origin erhalten. Das 

Adoptionsgericht habe hierauf abgestellt und seien gestützt auf den rechts-

kräftigen Adoptionsentscheid sowie auf die in der Folge ausgestellten nige-

rianischen Ausweispapiere für das Kind die entsprechenden Personenan-

gaben in das Schweizerische Zivilstandsregister einzutragen (Beschwerde 

S. 13). 

 

Eine weitere Geburtsurkunde sei der Beschwerdeführerin nicht bekannt 

und eine solche liege weder in den amtlichen Akten noch sei diese von der 

 - 9 - 

 

 

 

Schweizer Vertretung näher spezifiziert oder dokumentiert bzw. an die Vo-

rinstanz übermittelt worden (Beschwerde S. 13). 

 

Soweit die Vorinstanz aus den angeblichen Ungereimtheiten die Anerken-

nungsfähigkeit der ausländischen Adoption ableite, gehe dies zudem an 

der Sache vorbei. Die Dokumente beträfen ausschliesslich die Beurkun-

dung und Eintragung der entsprechenden Personenstandsdaten in das 

schweizerische Zivilstandsregister. Sie seien nicht Voraussetzung gemäss 

Art. 25 ff. IPRG für die Anerkennung der verfügten Adoption. Allfällige Be-

anstandungen an den Zivilstandsdokumenten hätten, soweit sie nicht de-

ren Echtheit beträfen, nicht zur Abweisung der Adoption zu führen, sondern 

zur Abklärung der für die Beurkundung und Aufnahme massgebenden Per-

sonenstandsdaten i.S.v. Art. 16 ZStV. Die Echtheit sei vom Vertrauensan-

walt bestätigt worden und werde auch nicht in Abrede gestellt. Auch seien 

die inhaltlichen Diskrepanzen von der Beschwerdeführerin nachvollziehbar 

erklärt und auch vom Vertrauensanwalt inhaltlich ab- bzw. geklärt worden. 

Die Eintragung könne gemäss Art. 41 ZGB i.V.m. Art. 17 ZStV durch die 

Vorinstanz vorgenommen bzw. angeordnet werden. Andernfalls hätte die 

Vorinstanz im Sinne der von Amtes wegen zu erfolgenden Sachverhalts-

feststellung zu informieren, welche allfälligen zusätzlichen Belege hierfür 

beizubringen seien (Beschwerde S. 14). 

 

2.3. 

In ihrer Vernehmlassung bringt die Vorinstanz vor, dass nicht die korrekte 

Durchführung des nigerianischen Adoptionsverfahrens bemängelt werde, 

sondern, dass eine blosse Prüfung der Finanzen, der Gesundheit und der 

Wohnsituation der Beschwerdeführerin nicht ausreiche, um über eine 

Adoption im Sinne des Kindeswohls entscheiden zu können, auch wenn 

mit der Beschwerdeführerin, ihrer Rechtsvertretung und dem Familienober-

haupt – in Nigeria – Interviews geführt worden seien. Bei der Aufnahme 

eines fast 12-jährigen Kindes brauche es eine Abklärung der Lebenssitua-

tion vor Ort im Aufnahmestaat. Die Einbettung in ein Familiensystem mit 

einem respektierten Familienoberhaupt gebe eine Struktur, ermögliche 

Kontrolle und bedeute auch Sicherheit. Dagegen bedeute die Betreuung 

und das Tragen der Verantwortung durch eine Einzelperson in der Schweiz 

für das Kind eine radikale Umstellung. Soziokulturelle Faktoren könne man 

nur unter Einbezug einer abgeklärten Situation im Aufnahmestaat im Sinne 

des Kindeswohls in der Entscheidung berücksichtigen. Auch habe der Ver-

trauensanwalt lediglich festgestellt, dass die in Nigeria notwendigen 

Schritte, inklusive "investigation", gemacht worden seien, er habe sich aber 

nicht zum Inhalt und Umfang der gemachten Abklärungen geäussert. Aus-

ländisch-schweizerische Doppelbürgerinnen und -bürger mit Wohnsitz in 

der Schweiz müssten in der Schweiz vorgängig eine Bewilligung nach Art. 

4 AdoV einholen (Vernehmlassung S. 1 f.) 

 

 - 10 - 

 

 

 

Hinsichtlich der Dokumentation macht die Vorinstanz mit Vernehmlassung 

geltend, dass Geburtsurkunden, die die Personenstandsdaten nicht klar, 

eindeutig und nachvollziehbar wiedergäben, nicht als Grundlage für die Da-

tenbeurkundung im Personenstandsregister dienen würden. Es sei nicht 

zulässig, die Personenstandsdaten aus verschiedenen Urkunden zusam-

menzutragen und zu interpretieren. Dass ein Vater in der Geburtsurkunde 

vom 21. November 2018 eingetragen sei, werde weder erwartet noch ver-

langt. Weshalb die Mutter zweimal eingetragen worden sei, sei register-

rechtlich aber nicht nachvollziehbar. Auch sei offenbar nicht der Adoptions-

entscheid im Geburtsregister verarbeitet und eine Geburtsurkunde nach 

der Adoption ausgestellt, sondern stattdessen die Geburt nochmals mit 

neuem Eintrag registriert worden. Andernfalls wäre nicht der vor dem Adop-

tionsentscheid verstorbene Ehemann der Beschwerdeführerin als Vater 

des Kindes beurkundet worden. Nach Art. 7 Abs. 1 des Übereinkommens 

über die Rechte des Kindes sei ein Kind unverzüglich nach seiner Geburt 

in ein Register einzutragen und habe von Geburt an das Recht auf einen 

Namen (Vernehmlassung S. 3). 

 

2.4. 

Mit Eingabe vom 27. Januar 2022 bringt die Beschwerdeführerin in Antwort 

auf die Vernehmlassung der Vorinstanz vor, dass eine Bewilligung nach 

Art. 8 AdoV keine Anerkennungsvoraussetzung sei, die AdoV bloss im An-

wendungsbereich des HAÜ anwendbar sei und selbst bei Notwendigkeit 

einer vorgängigen Bewilligung zwecks Anerkennung diese von der Vo-

rinstanz inzident im Rahmen der Anerkennung zu erteilen gewesen wäre. 

Im Weiteren bekräftigt die Beschwerdeführerin zusammenfassend erneut, 

dass eine inhaltliche Überprüfung der Eignungsabklärungen durch die ni-

gerianischen Behörden nicht zulässig sei, und auch das Subsidiaritätsprin-

zip für die Annahme eines Ordre public-Verstosses nicht ausreiche. 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Eine ausländische Entscheidung oder Urkunde über den Zivilstand wird 

aufgrund einer Verfügung der kantonalen Aufsichtsbehörde in die Zivil-

standsregister eingetragen. Fehlt, wie vorliegend, ein internationales Über-

einkommen, gelten die Anerkennungsvoraussetzungen des IPRG (Art. 32 

Abs. 2 IPRG; BGE 120 II 88). Eine im Ausland ergangene Entscheidung 

wird in der Schweiz nicht anerkannt, wenn die Anerkennung mit der schwei-

zerischen öffentlichen Ordnung (Ordre public) offensichtlich unvereinbar 

wäre (Art. 27 Abs. 1 IPRG). Eine Anerkennung verstösst dann gegen den 

materiellen Ordre public, wenn das einheimische Rechtsgefühl durch die 

Anerkennung und Vollstreckung eines ausländischen Entscheides in uner-

träglicher Weise verletzt würde, weil dadurch grundlegende Vorschriften 

der schweizerischen Rechtsordnung missachtet werden. Nicht jeder 

 - 11 - 

 

 

 

Verstoss gegen das Rechtsempfinden, die Wertvorstellungen oder zwin-

gendes Recht rechtfertigt den Eingriff mit dem Ordre public. Für die Verlet-

zung ist vielmehr erforderlich, dass die Anerkennung und Vollstreckung des 

ausländischen Entscheides in der Schweiz mit den hiesigen rechtlichen 

und ethischen Werturteilen schlechthin unvereinbar wäre. Ob der Ordre 

public verletzt ist, beurteilt sich nicht abstrakt. Entscheidend sind die Aus-

wirkungen der Anerkennung und Vollstreckung im Einzelfall. Die Anwen-

dung des Ordre public-Vorbehalts ist im Rahmen der Anerkennung und 

Vollstreckung eines ausländischen Urteils nach dem Wortlaut des Geset-

zes ("offensichtlich") restriktiv anzuwenden, denn mit der Weigerung der 

Anerkennung werden hinkende Rechtsverhältnisse geschaffen. In diesem 

Sinn wird zur Vermeidung hinkender Rechtsverhältnisse das Eingreifen des 

Ordre public-Vorbehaltes umso mehr eine Ausnahme bleiben, je loser die 

Beziehungen zur Schweiz sind und je länger der Zeitraum zwischen der 

Ausfertigung der Urkunde oder dem Entscheid und der Prüfung ist (BGE 

141 III 312 E. 4.1 m.w.H., BGE 141 III 328 E. 5.1 m.w.H.).  

 

3.1.2. 

Sowohl das nationale Adoptionsrecht als für internationale Belange auch 

das Haager Adoptionsübereinkommen vom 29. Mai 1993 (HAÜ; 

SR 0.211.221.311) sowie das Bundesgesetz vom 1. Januar 2013 zum Haa-

ger Adoptionsübereinkommen und über Massnahmen zum Schutz des Kin-

des bei internationalen Adoptionen (BG-HAÜ; SR 211.221.31) stellen eine 

Reihe von Schutznormen zugunsten des Kindes auf (vgl. Art. 264 ZGB; 

Art. 5 AdoV [SR 211.221.36]; Art. 4, 5, 15, 16 und 17 HAÜ; Art. 9 BG-HAÜ). 

Wesentlicher gemeinsamer Nenner dieser Schutzbestimmungen ist, dass 

eine Adoption nicht ohne vorgängige Prüfung der Eignung der Adoptivel-

tern und des Kindeswohls stattfinden darf. Dieses Erfordernis ist zentral 

und eine auf Art. 78 Abs. 1 IPRG gestützte Anerkennung einer im Ausland 

erfolgten Adoption ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Ordre 

public-widrig, wenn der Heimatstaat die massgeblichen Verhältnisse und 

die Eignung der Adoptiveltern nicht abgeklärt oder soweit sich die begrün-

dende Behörde bei einer Adoption nicht ausschliesslich am Kindeswohl ori-

entiert hat, sondern adoptionsfremde Motive wie sozial- oder aufenthalts-

rechtliche Vorteile im Vordergrund standen (BGE 141 III 328 E. 6.6 m.w.H.). 

Bei einer Adoption ist das Wohl des Kindes in Anbetracht ihrer Folgen von 

grösster Bedeutung. Es muss daher sichergestellt werden, dass sich die 

ausländische Behörde bei der Prüfung der Adoptionsvoraussetzungen 

wirklich von diesem Grundsatz leiten liess, andernfalls davon auszugehen 

ist, dass die Adoption gegen den schweizerischen Ordre public verstösst. 

Die Anforderungen des Schweizer Rechts zur Wahrung des Kindeswohls 

(insbesondere die Zustimmung der Eltern und eventuell des Kindes, der 

Altersunterschied zwischen Adoptiveltern und Adoptivkindern, die Probe-

zeit) müssen im Ausland eingehalten worden sein, nicht unbedingt buch-

stabengetreu, aber dem Geiste nach (Urteile des Bundesgerichts 

 - 12 - 

 

 

 

2C_110/2014 vom 10. Juli 2014 E. 6.4, 5A_604/2009 vom 9. Novem-

ber 2009 E. 4.2.2.2). 

 

Gerade bei einer Adoption innerhalb der erweiterten Familie wird in der Li-

teratur aufgrund der Gefahr missbräuchlicher Adoptionen die Bedeutung 

einer sorgfältigen Prüfung des Kindeswohls im Aufnahmeverfahren sowie 

bei der Anerkennung im Rahmen des Ordre public hervorgehoben, da oft 

die leiblichen Eltern noch leben und sogar für das Kind sorgen könnten. 

Adoptionen dienen in erster Linie dazu, einem Kind das Aufwachsen in ei-

nem familiären Umfeld zu ermöglichen. Um dem Einzelfall gerecht zu wer-

den, hat eine differenzierte Überprüfung insbesondere der (allenfalls adop-

tionsfremden) Motive, des soziokulturellen Hintergrundes der Beteiligten 

und der sozialpsychischen Eltern-/Kind-Verhältnisse zu erfolgen (Urteil des 

Bundesgerichts 5A_604/2009 E. 4.2.2.2 f.; SCHICKEL-KÜNG/HAUSER, in: 

Grolimund/Loacker/Schnyder (Hrsg.), Basler Kommentar, Internationales 

Privatrecht, 4. Aufl. 2020 [BSK IPRG], N. 15 zu Art. 78 IPRG). 

 

3.1.3. 

Das Urteil des Bundesgerichts 5A_604/2009 vom 9. November 2009 betraf 

einen Fall, in dem ein aus dem Kosovo stammendes Ehepaar drei Nichten 

im Alter von 14, 12, und 11 im Kosovo adoptierten und um Anerkennung in 

der Schweiz ersuchten. Seit dem Tod des leiblichen Vaters lebten die drei 

Kinder im Kosovo in der Familie eines Onkels. Die Mutter hatte die Familie 

nach dem Tod des Vaters verlassen, die Kinder pflegten aber noch einen 

regelmässigen Kontakt zu dieser. Mit den Adoptiveltern lebten sie nie zu-

sammen. Bei fehlender vorausgegangener Pflegezeit sei durch die auslän-

dischen Behörden ein spezielles Augenmerk auf das Interesse der Kinder 

an der Adoption zu richten. Gemäss Vorinstanz sei dieses Interesse basie-

rend auf den im Dossier vorhandenen Berichten nicht genügend erstellt ge-

wesen, was das Bundesgericht zumindest unter dem Titel des Ermessens-

missbrauchs nicht beanstandete (E. 4.2.2.3). Vor dem Hintergrund, dass 

die Kinder nie mit den Adoptiveltern lebten und das Adoptionsverfahren erst 

mehr als zehn Jahre nach dem Ableben des Kindsvaters bzw. des Verlas-

sens der Mutter eingeleitet wurde, als die Kinder bereits 14, 12 und 11 

Jahre alt waren und nachdem diese immer bei ihrer Familie väterlicherseits 

im Kosovo lebten, beanstandete das Bundesgericht auch die Erwägung der 

Vorinstanz, das Vorgehen der Beschwerdeführer stelle einen Rechtsmiss-

brauch zur Erlangung eines Aufenthaltstitel dar, vor dem Hintergrund des 

Ermessensmissbrauchs nicht (E. 5).  

 

3.1.4. 

In einem ähnlich gelagerten Fall (Adoption des 7-jährigen Neffen der dorti-

gen Beschwerdeführerin, der bei seinem Vater im Kongo lebte) erwog das 

Bundesgericht, dass nichts gegen die Betreuung des Kindes durch seinen 

biologischen Vater im Herkunftsland des Kindes spreche, mit dem es bisher 

 - 13 - 

 

 

 

immer zusammengelebt habe, zumal das Kind dort eine grosse Familie ge-

habt habe, darunter zwei Halbbrüder, einen Onkel und einen Grossvater, 

die ebenfalls bereit gewesen seien, auf das Kind aufzupassen. In der 

Schweiz würde das Kind lediglich mit der Adoptivmutter zusammenleben. 

Das Adoptionsurteil sei auch in keiner Weise auf die Interessen des Kindes 

eingegangen. Eine allfällige bessere finanzielle Situation des Kindes reiche 

nach Ansicht des Bundesgerichts nicht aus, die genannten Argumente auf-

zuwiegen, zumal die Adoptivmutter trotz der Entfernung weiterhin für den 

Unterhalt des Kindes in seinem Herkunftsland aufkommen und so seine 

Erziehung und Entwicklung bei seinem Vater fördern könne. Zusammen-

fassend war die Adoption gemäss Auffassung des Bundesgerichts nicht im 

Interesse des Jungen und widersprach im Resultat der schweizerischen 

Auffassung des Adoptionsrechts, womit der kongolesische Entscheid nicht 

anerkannt wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_110/2014 vom 10. Juli 

2014 E. 6.5). 

 

3.2. 

Betreffend die durch die Vorinstanz bemängelten fehlenden Abklärungen 

am Wohnsitz der Beschwerdeführerin in der Schweiz ist anzumerken, dass 

grundsätzlich zwischen Aufnahmeverfahren und dem eigentlichen Adopti-

onsverfahren zu unterscheiden ist. Die AdoV regelt ersteres, entgegen den 

Vorbringen der Beschwerdeführerin auch ausserhalb des Anwendungsbe-

reichs des HAÜ (Art. 1 lit. a AdoV; vgl. etwa MEIER/STETTLER, Droit de la 

filiation, 6. Aufl., 2019, Rz. 452). Mit der AdoV sollte u.a. eine Angleichung 

an die Verfahren der Vertragsstaaten des Haager Adoptionsübereinkom-

mens erreicht werden (vgl. Weisungen AIG des Staatssekretariats für Mig-

ration SEM vom Oktober 2013 [aktualisiert am 15. Dezember 2021], S. 83, 

abrufbar unter https://www.sem.admin.ch > Publikationen & Services). Wer 

gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz hat und ein Kind zur Adoption auf-

nehmen oder ein Kind aus dem Ausland adoptieren will, benötigt eine Be-

willigung der kantonalen Behörde (Art. 4 AdoV). Hierzu wird eine Eignungs-

abklärung durch die kantonale Behörde vorgenommen (Art. 5 AdoV). Sind 

die Voraussetzungen von Art. 5 AdoV erfüllt, so bescheinigt die kantonale 

Behörde mittels Verfügung die Eignung zur Adoption (Art. 6 Abs. 1 AdoV) 

und kann die Bewilligung zur Aufnahme eines bestimmten Kindes erteilt 

werden, wenn die notwendigen Unterlagen vorliegen (Art. 7 Abs. 1 AdoV). 

Bei einer internationalen Adoption entscheidet die kantonale Behörde vor 

der Einreise des Kindes, ob die Bewilligung erteilt wird, begründete Aus-

nahmefälle vorbehalten (Art. 7 Abs. 5 AdoV). 

 

Ob die Anerkennung eines ausländischen Adoptionsentscheides vor Ein-

reise des Adoptivkindes deshalb verweigert werden kann, weil das Aufnah-

meverfahren (inkl. Eignungsabklärung) gemäss AdoV nicht durchgeführt 

worden ist, bzw. ob durch ein solches Vorgehen der Ordre public verletzt 

würde, ist fraglich (bejahend etwa Urteil des Cour de Justice des Kantons 

 - 14 - 

 

 

 

Genf ATA/164/2016 vom 23. Februar 2016 E. 12). Die Frage kann hier al-

lerdings offenbleiben, da der nigerianische Entscheid, wie nachfolgend zu 

zeigen ist, wegen Verletzung des Ordre public-Vorbehalts ohnehin nicht 

anerkannt werden kann.  

 

3.3. 

Nach Schweizer Recht ist für die Adoption eines Minderjährigen u.a. erfor-

derlich, dass der Altersunterschied zwischen dem Kind und den adoptions-

willigen Personen nicht weniger als 16 Jahre und nicht mehr als 45 Jahre 

beträgt (Art. 264d Abs. 1 ZGB; vgl. auch Art. 5 Abs. 4 AdoV). Davon kann 

abgewichen werden, wenn dies zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist, 

wobei die adoptionswilligen Personen die Abweichung zu begründen ha-

ben (Abs. 2). Mit diesen gesetzlichen Vorgaben wird eine Vermutung auf-

gestellt, wonach eine Adoption in der Regel nicht dem Kindeswohl dient, 

wenn die betreffenden Bedingungen nicht erfüllt sind (Botschaft zur Ände-

rung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Adoption) vom 28. Novem-

ber 2014, BBI 2015 877 ff., S. 900 f.). 

 

Der Altersunterschied zwischen der Beschwerdeführerin und B. beträgt 

vorliegend über 46 Jahre (act. 7 f. und 10 f.). Diese Tatsache dürfte für sich 

alleine genommen keine Ordre public-Widrigkeit begründen, zumal nach 

aktueller Gesetzeslage Abweichungen ausdrücklich zugelassen werden 

und die Diskrepanz zur gesetzlichen Vorgabe auch nicht massiv genug er-

scheint (vgl. SCHICKEL-KÜNG/HAUSER, in: BSK IPRG, a.a.O., N. 20 zu 

Art. 78 IPRG). Sie ist bei der Beurteilung der Anerkennungsfähigkeit aber 

im Weiteren zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

5A_219/2021 vom 27. August 2021 E. 5.2.5). 

 

3.4. 

Weiter darf ein minderjähriges Kind nur dann adoptiert werden, wenn die 

adoptionswilligen Personen während mindestens eines Jahres für Pflege 

und Erziehung des Kindes gesorgt haben (Art. 264 Abs. 1 Satz 1 ZGB). 

Dass der ausländischen Adoption kein Pflegeverhältnis im Sinne von 

Art. 264 ZGB vorausgegangen ist, stellt für sich allein noch keinen Grund 

dar, um die Anerkennung als Ordre public-widrig zu verweigern, denn das 

Zusammenleben mit dem Kind nach der Adoption ist mitzuberücksichtigen. 

Wenn auch nach der Adoption kein Zusammenleben mit dem Kind erfolgt 

ist und ausserdem Erwägungen der ausländischen Adoptionsbehörde be-

treffend das Kindeswohl völlig fehlen, ist nicht ausgeschlossen, dass der 

schweizerische Ordre public der Anerkennung des Entscheides entgegen-

steht (Urteil des Bundesgerichts 5A.20/2005 vom 21. Dezember 2005 

E. 3.3.3). Regelmässige telefonische Kontakte können nicht mit einer Pro-

bezeit gleichgesetzt werden. Analoges gilt für Ferien, die der Adoptierende 

beim Adoptivkind verbringt (Urteile des Bundesgerichts 2C_110/2014 vom 

14. Juli 2014 E. 6.4 f.; 5A_604/2009 vom 9. November 2009 E. 4.2.2.2) 

 - 15 - 

 

 

 

Die Beschwerdeführerin macht in dieser Hinsicht geltend, B. sei nach dem 

Tod seiner Mutter in die Obhut des Neffen der Beschwerdeführerin gekom-

men. Die Beschwerdeführerin sei hingegen für den Lebensunterhalt von B. 

aufgekommen und habe ihren Neffen bezüglich Betreuung, Erziehung, 

Ausbildung etc. instruiert. Sie sei mit B. und seiner "Pflegefamilie" via Tele-

fon und Videotelefonie in täglichem Kontakt gewesen und verbringe jedes 

Jahr mehrere Wochen Ferien mit dem Kind in Nigeria (act. 42). Nach dem 

Gesagten reicht dies zur Annahme eines Pflegeverhältnisses i.S.v. Art. 264 

ZGB nicht aus, womit zwecks Klärung der Frage, ob die Adoption dem Kin-

deswohl entspricht, eine vertiefte Abklärung notwendig ist. 

 

3.5. 

3.5.1. 

Gemäss Adoption Order des Gerichts in Calabar vom 15. Mai 2019 habe 

die Vertreterin des Ministry of Sustainable Development and Social Welfare 

das Gericht informiert, dass die Beschwerdeführerin sämtliche Vorausset-

zungen für die Adoption erfüllt habe und habe die Vertreterin das Gericht 

gebeten, die Adoption im Interesse des Kindes zu gewähren (act. 26). Mit 

Schreiben vom 9. Dezember 2019 bestätigte das Ministry of Sustainable 

Development and Social Welfare "[o]n the strength of the thoroguh proces-

ses carried out", dass die Adoptionsverfügung ein authentisches Dokument 

sei, das Folge ihres Gesuchs und der Vorlage der von der Beschwerdefüh-

rerin erhaltenen Beweismittel war. Es seien folgende Schritte unternommen 

worden: 1. Adoptionsgesuch ("sibling adoption"); 2. Untersuchung der künf-

tigen Adoptiveltern und des Kindes/der Kindsfamilie; 3. Beratung durch ei-

nen Sozialarbeiter; 4. Einladung zum Interview. Die Behörde sei entspre-

chend zuversichtlich, dass die Beschwerdeführerin für B. sorgen könne 

(act. 19). Der Vertrauensanwalt der Schweizer Botschaft in Abuja bestätigte 

in seinem Bericht vom 28. Februar 2020, dass die ordnungsgemässen 

Schritte (Antragstellung, Untersuchung, Beratung durch den Sozialarbeiter, 

Befragung des Adoptierenden) eingehalten worden seien und keine Doku-

mente fehlen würden (act. 13). 

 

Mit Beschwerde reichte die Beschwerdeführerin ein weiteres Schreiben 

des Ministry of Sustainable Development and Social Welfare ein, datierend 

vom 1. September 2021. Darin bestätigte die Behörde abermals, dass das 

ordnungsgemässe Verfahren eingehalten worden sei und erläuterte die-

ses. U.a. werde eine Abklärung des "social status" des Gesuchsstellers und 

Hausbesuche vorgenommen (Ziff. 2). Der Beamte verfasse diesbezüglich 

einen Bericht mit den Erkenntnissen und spreche sich für oder gegen eine 

Adoption aus (Ziff. 3). Wenn die Empfehlung die Adoption befürworte, 

werde ein Adoptionsausschuss eingesetzt, der die Gesuchsteller und alle 

beteiligten Parteien befrage (Ziff. 4). Nach Fertigstellung und Einreichung 

der erforderlichen Unterlagen erscheine der Antragsteller vor dem Famili-

engericht zur "legalization" der Adoption (Ziff. 6). Ein Adoptionsbeschluss 

 - 16 - 

 

 

 

werde durch das Gericht erlassen, mit dem die Rechtsstellung des Gesuch-

stellers formell anerkannt und verliehen werde (Ziff. 7). Relevante Doku-

mente zur weiteren Untermauerung des Gesuchs seien angehängt worden. 

Auch sei ein Nachtrag zum Bericht des Sozialarbeiters erstellt worden. Die-

ser sei ein "follow-up" der von der Beschwerdeführerin eingereichten Do-

kumente, einschliesslich mündliches Interview durch den nigerianischen 

Anwalt der Beschwerdeführerin, Fotographien des Zuhauses in der 

Schweiz, ein medizinischer Bericht und ein Bankauszug. Auch sei das Fa-

milienoberhaupt ("family head") Teil der Befragung im Büro in Calabar ge-

wesen. Dieser habe die Ansprüche bestätigt und eine Bescheinigung und 

Einverständniserklärung verfasst. Basierend hierauf und die mündliche Be-

fragung habe die Behörde ihr Einverständnis zur Adoption gegeben. 

 

Die Beschwerdeführerin selbst bringt zusammengefasst vor, dass gemäss 

Bericht des Vertrauensanwaltes und den vorgenannten Dokumenten der 

zuständigen Behörden in Nigeria sämtliche Verfahrensschritte, inkl. "inves-

tigation", eingehalten worden seien. Zum Inhalt und der Qualität der Eig-

nungsabklärung und dem Kindeswohl äussert sich die Beschwerdeführerin 

darüber hinaus nicht, sondern begnügt sich im Wesentlichen mit dem Hin-

weis, dass es für die Annahme, dass kein Verstoss gegen den Schweizeri-

schen Ordre public vorliegt, genüge, wenn aufgrund der Akten davon aus-

gegangen werden könne, dass eine Eignungsabklärung stattgefunden 

habe. Eine darüber hinaus gehende Überprüfung des Inhalts der Eignungs-

abklärung stelle eine unzulässige materielle Überprüfung des Entscheids 

der zuständigen nigerianischen Behörden i.S.v. Art. 27 Abs. 3 IPRG dar 

(Beschwerde S. 4 ff.). 

 

3.5.2. 

Dem ist nicht zuzustimmen. Wie vorstehend ausgeführt (E. 3.1.2), hat sich 

die anerkennende Behörde zu vergewissern, dass sich die ausländische 

Behörde auch wirklich vom Kindeswohl als primären Beurteilungsmassstab 

im Adoptionsrecht leiten liess, die Behörde sich also mit dem Interesse des 

Kindes genügend auseinandersetzte und der Entscheid in dessen Sinne 

erfolgte. Eine solche ergebnisbezogene Wertung der ausländischen Ent-

scheidung stellt gerade keine nach Art. 27 Abs. 3 IPRG verpönte sachliche 

Nachprüfung dar (DÄPPEN/MABILLARD, in: BSK IPRG, a.a.O., N. 6 zu Art. 

27 IPRG). Die reine Tatsache, dass formell eine Abklärung stattgefunden 

hat, bedeutet nicht, dass der Ordre public-Vorbehalt nicht zu prüfen wäre, 

da auch die qualitativen Aspekte der Eignungsabklärung zur Beurteilung 

der Anerkennbarkeit der Adoption relevant sind (vgl. etwa Urteil des Bun-

desgerichts 5A_604/2009 E. 4.1 und 4.2.2.3 in fine). 

 

3.5.3. 

Gerade vor dem Hintergrund, dass der Adoption kein Pflegeverhältnis vo-

rausging und es sich um eine Adoption innerhalb der erweiterten Familie 

handelt, ist eine eingehendere Auseinandersetzung mit dem Kindeswohl 

 - 17 - 

 

 

 

notwendig. Dies umso mehr, weil B. bereits 12 Jahre alt ist und bisher stets 

beim Neffen der Beschwerdeführerin in Nigeria gelebt hat und dort die 

Schule besucht (vgl. act. 11 und 42). Zwar führte die Beschwerdeführerin 

vor der Vorinstanz aus, dass die Adoption bereits seit der Schwangerschaft 

der Kindsmutter und Cousine der Beschwerdeführerin geplant gewesen sei 

(damals noch zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann), 

weil diese nicht in der Lage gewesen sei, alleine für das Kind zu sorgen 

und es habe abtreiben wollen (vgl. Adoption Agreement, act. 22). Die Adop-

tion habe sich dann zufolge Krebserkrankung des Ehemannes der Be-

schwerdeführerin und dessen Ableben im Mai 2016 verzögert (act. 39). In-

wiefern die Adoption und ein Umzug des inzwischen 12-jährigen Kindes in 

die Schweiz nach über 10 Jahren seit dem Tod der Kindsmutter (act. 21) 

noch in seinem Interesse ist, ist hingegen fraglich. Dass für B. in Nigeria 

durch den Neffen der Beschwerdeführerin und die weiteren Verwandten 

der Beschwerdeführerin (namentlich Geschwister und Mutter der Be-

schwerdeführerin, sowie das Familienoberhaupt und Cousin der Beschwer-

deführerin; vgl. act. 42, 20, 15, 3) nicht ausreichend gesorgt würde, wird 

weder behauptet noch ergibt sich dies aus den Akten. In diesem Zusam-

menhang ist denn auch das Subsidiaritätsprinzip zu beachten. Entgegen 

der Darstellung der Beschwerdeführerin findet dieses nicht nur im Anwen-

dungsbereich des HAÜ Beachtung (vgl. Präambel und Art. 4 lit. b HAÜ). 

Auch gemäss Art. 21 lit. b der UN Kinderrechtskonvention (UN-KRK), der 

sowohl die Schweiz auch als Nigeria beigetreten sind, erkennen die Ver-

tragsstaaten an, dass die internationale Adoption als andere Form der Be-

treuung angesehen werden kann, wenn das Kind nicht in seinem Heimat-

land in einer Pflege- oder Adoptionsfamilie untergebracht oder wenn es dort 

nicht in geeigneter Weise betreut werden kann. Anhaltspunkte, dass dies 

in casu der Fall wäre, liegen keine vor. Wie auch im vorerwähnten Bundes-

gerichtsentscheid (vorstehend E. 3.1.4) erwogen, spricht prima facie nichts 

dagegen, dass die Beschwerdeführerin B. wie bis anhin auf Distanz unter-

stützt und begleitet, sodass dieser in seinem vertrauten Umfeld, dessen 

Gepflogenheiten und Sprache er kennt, bei seinen übrigen Verwandten 

aufwachsen kann. 

 

Neben dem nicht weiter begründeten Hinweis im Adoptionsentscheid, dass 

nach Auffassung der zuständigen Behörde die Adoption im Interesse des 

Kindes zu gewähren sei (act. 26), und deren ebenso wenig begründeten 

Einschätzung, wonach die Beschwerdeführerin in der Lage sei, für B. zu 

sorgen (act. 19), fehlen jegliche Erwägungen zum Kindeswohl. Zwar macht 

die Beschwerdeführerin wie schon im vorinstanzlichen Verfahren geltend, 

dass sie seit Geburt von B. "die Verantwortung für Erziehung, Ausbildung 

etc." übernehme und eine Beziehung zu diesem pflege (Beschwerde S. 6; 

act. 42). Weder die nigerianischen Behörden noch die Beschwerdeführerin 

selbst führen darüber hinaus aber aus, wieso eine Adoption durch die Be-

schwerdeführerin und damit einhergehend eine einschneidende Verände-

 - 18 - 

 

 

 

rung der Betreuungs- und Lebenssituation konkret im Interesse des 12-jäh-

rigen B. sein sollte. Wovon sich das nigerianische Gericht in seinem Ent-

scheid leiten liess, und ob tatsächlich das Kindeswohl im Vordergrund 

stand, oder allenfalls auch weitere, adoptionsfremde Motive berücksichtigt 

wurden, kann nur gemutmasst werden. Zwar wird die Betreuungsfähigkeit 

der Beschwerdeführerin durch die Vorinstanz nicht grundsätzlich in Frage 

gestellt. Selbst bei deren Vorliegen sowie der Tatsache, dass B. in der 

Schweiz allenfalls bessere schulische und wirtschaftliche Möglichkeiten zur 

Verfügung stünden, ist aber nicht ohne Weiteres von einem anerkennungs-

fähigen Interesse von B. an der Adoption auszugehen (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 2C_110/2014 vom 10. Juli 2014 E. 6.5; BREITSCHMID, in: Gei-

ser/Fountoulakis (Hrsg.), Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 

2018 [BSK ZGB I], N. 18 zu Art. 264; ZR 2002 Nr. 45). 

 

3.5.4. 

In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass die Adoption der 

Zustimmung des Kindes bedarf, wenn dieses urteilsfähig ist (Art. 265 Abs. 

1 ZGB und Art. 19c Abs. 1 ZGB). Die Urteilsfähigkeit des Kindes richtet sich 

nach Art 16 ZGB. Das Kind muss nach seiner geistigen Reife imstande 

sein, die Tragweite der Adoption für seine eigene Situation zu verstehen 

und sich ein selbständiges Urteil darüber zu bilden (HEGNAUER, in: Meier-

Hayoz (Hrsg.), Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Die 

Entstehung des Kindesverhältnisses, Art. 252-269c ZGB, N. 9 zu Art. 265 

ZGB). Bei älteren Kindern zwischen etwa 10 und 14 Jahren ist auf die Um-

stände des Einzelfalls abzustellen. Das Kind muss in die Untersuchung ein-

bezogen werden, was erst die Feststellung der Begleitumstände und zu-

gleich auch der Urteilsfähigkeit ermöglicht. Alsdann ist zu beurteilen, wie-

weit seiner Meinung Rechnung getragen werden kann (BREITSCHMID, in: 

BSK ZGB I, a.a.O., N. 7 zu Art. 265 ZGB; Art. 12 UN-KRK). 

 

Zur Urteilsfähigkeit von B. kann mangels weiterer Angaben keine ab-

schliessende Beurteilung gemacht werden. Selbst wenn aufgrund der kon-

kreten Umstände des Einzelfalles (internationale Adoption und Überfüh-

rung in eine gänzlich fremde Kultur) eher höhere Anforderungen an die Ur-

teilsfähigkeit des Kindes zu stellen sind, wäre ein angemessener Einbezug 

des im Adoptionszeitpunkts zehnjährigen B. in jedem Fall angezeigt gewe-

sen. Zwar erwähnt das Schreiben des Ministry of Sustainable Development 

and Social Welfare, dass eine Untersuchung der künftigen Adoptiveltern 

und des Kindes/der Kindsfamilie stattgefunden habe (act. 19). Inwiefern 

aber ein altersgerechter Einbezug von B. stattgefunden hat, und insbeson-

dere, wie dessen Einstellung zur Adoption ist, ergibt sich aus den Akten 

nicht.  

 

3.6. 

Zusammenfassend kann anhand der verfügbaren Informationen der aus-

ländische Adoptionsentscheid nicht anerkannt werden, da die Überprüfung 

 - 19 - 

 

 

 

der Berücksichtigung des Kindeswohls und damit die Vereinbarkeit mit dem 

schweizerischen Ordre public nicht möglich ist. Vielmehr sprechen im vor-

liegenden Fall a priori diverse Faktoren gegen eine im Interesse von B. er-

folgte Adoption. 

 

4. 

4.1. 

Die vorliegende anwendbare Untersuchungsmaxime ist relativiert durch die 

Mitwirkungspflicht der Parteien (§ 23 Abs. 1 VRPG), welche namentlich in-

soweit greift, als eine Partei das Verfahren durch eigenes Begehren einge-

leitet hat oder darin eigene Rechte geltend macht. Die Mitwirkungs-

pflicht gilt vorab für solche Tatsachen, welche eine Partei besser kennt als 

die Behörden und welche diese ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht 

ohne unvernünftigen Aufwand erheben können (AGVE 2002 Nr. 108 S. 430 

ff., S. 431, m.H.a. BGE 128 II 139 E. 2a ). 

 

4.2. 

Mit Schreiben vom 8. Oktober 2020 gab die Vorinstanz der Beschwerde-

führerin im Rahmen des rechtlichen Gehörs Gelegenheit, sich zu diversen 

Punkten schriftlich zu äussern. Namentlich bat die Vorinstanz um Stellung-

nahme zur Eignungsabklärung im nigerianischen Adoptionsverfahren. Es 

erkundigte sich in diesem Zusammenhang u.a., ob ein Abklärungsbericht 

bzw. ein Sozialbericht vorliege. Die Vorinstanz wies die Beschwerdeführe-

rin auch darauf hin, dass nach den ihm vorliegenden Akten und Informati-

onen eine Anerkennung der Adoption nicht möglich sei und eine Adoption 

auch bei Vorliegen sämtlicher Dokumente nicht anerkannt werden könne, 

wenn vor der Adoption die Eignung der adoptierenden Person nicht vertieft 

abgeklärt worden sei und damit der schweizerische Ordre public verletzt 

werde (act. 31 f.).  

 

Die Beschwerdeführerin erläuterte mit Schreiben vom 18. Dezember 2020 

das (formelle) Adoptionsverfahren (vgl. hierzu vorstehend E. 3.5.1). Weiter 

erwähnte die Beschwerdeführerin, dass nach ihrer Kenntnis das Sozialmi-

nisterium einen Bericht über die Ergebnisse der Abklärungen verfasst 

habe, welcher "u.a. Grundlage für die gerichtliche Beurteilung gewesen 

sein dürfte". Die Beschwerdeführerin verfüge nicht über diesen Bericht, 

sondern habe durch ihre Verwandten vor Ort nur eine Kopie des Begleit-

schreibens erhältlich machen können. Der vollständige Bericht dürfte sich 

entweder in den Akten des Gerichts oder des Sozialministeriums befinden 

(act. 39). Mit Schreiben vom 1. September 2021 bestätigte das Ministry of 

Humanity and Social Welfare u.a., dass jeweils ein Bericht über die Unter-

suchung des Sozialstatus des Gesuchstellers und der durchgeführten 

Hausbesuche verfasst werde, sowie dass das ordnungsgemässe Verfah-

ren im Adoptionsverfahren der Beschwerdeführerin eingehalten worden sei 

(Beschwerdebeilage 3; vgl. vorstehend E. 3.5.1). Dass alle für eine Adop-

tion nach nigerianischem Recht erforderlichen Schritte eingehalten wurden, 

http://links.weblaw.ch/BGE-128-II-139

 - 20 - 

 

 

 

bestätigte auch der Vertrauensanwalt der Schweizer Botschaft, welcher 

weiter feststellte, dass keine Dokumente in dieser Hinsicht fehlen würden 

(act. 13). Dass ein Bericht o.ä. erstellt wurde, wird dort aber zumindest nicht 

explizit erwähnt. 

 

4.3. 

Dem Aufgebot der Vorinstanz zur Stellungnahme folgend musste der Be-

schwerdeführerin bereits im vorinstanzlichen Verfahren bewusst sein, dass 

die Anerkennung anhand der vorhandenen Unterlagen nicht möglich sein 

wird. Die Vorinstanz erkundigte sich in dieser Hinsicht auch ausdrücklich 

nach einem Abklärungs- bzw. Sozialbericht. Die Vorinstanz kam demnach 

ihrer Aufklärungspflicht im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes nach. 

Die – bereits im erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren anwaltlich vertre-

tene – Beschwerdeführerin reichte hingegen keine entsprechenden Unter-

lagen ein, die die Überprüfung des Kindeswohls hinsichtlich der Vereinbar-

keit mit dem Schweizer Ordre public erlaubt hätten. Sie machte zwar vor 

Vorinstanz noch geltend, sie habe über ihre Verwandten vor Ort nur eine 

Kopie des Begleitschreibens erhältlich machen können. Inwiefern es ihr 

hingegen damals und insbesondere auch zwischenzeitlich nicht möglich o-

der zumutbar gewesen sein soll, die angeblich erstellten Abklärungsbe-

richte der nigerianischen Behörden oder weitere sachdienlichen Unterla-

gen einzureichen, legt die Beschwerdeführerin nicht dar. 

 

Gerade im Rahmen von internationalen Rechtsverhältnissen wäre die – zu-

dem anwaltlich vertretene – Beschwerdeführerin in Erfüllung ihrer Mitwir-

kungspflicht gehalten gewesen, zur Sachverhaltsklärung beizutragen. Vor 

diesem Hintergrund konnte im vorinstanzlichen Verfahren und kann umso 

mehr auch im Beschwerdeverfahren davon abgesehen werden, diesbezüg-

lich von Amtes wegen weitere Abklärungen vorzunehmen. Folglich ist nicht 

zu beanstanden, dass die Vorinstanz aufgrund der verfügbaren Akten ent-

schieden und das Gesuch um Anerkennung abgewiesen hat. Vor diesem 

Hintergrund kann offenbleiben, wie es sich mit den von der Vorinstanz gel-

tend gemachten Unstimmigkeiten bei den Zivilstandsdokumenten von B. 

verhält, bzw. ob diese der Anerkennung allenfalls ebenfalls entgegenge-

standen hätten. 

 

5. 

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten und die Parteikos-

ten in der Regel nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die 

Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2 und § 32 Abs. 2 VRPG). Die Kosten des Be-

schwerdeverfahrens sind somit der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie 

sind auf Fr. 1'000.00 festzusetzen (§ 11 Abs. 1 VKD i.V.m. § 7 Abs. 4 VKD). 

Eine Parteientschädigung ist ausgangsgemäss nicht zuzusprechen. 

 

 
 

 - 21 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 

2. 

Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.00 wird der Beschwerdeführerin auferlegt 

und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrech-

net.  

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreterin)   

die Vorinstanz   

das Eidg. Amt für Zivilstandswesen, z.H. Bundesamt für Justiz, Bundes-

rain 20, 3003 Bern (Eröffnung gemäss Art. 90 Abs. 5 ZStV)    

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. In vermögensrechtlichen 

Angelegenheiten ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Streitwert in arbeits- und miet-

rechtlichen Fällen mindestens Fr. 15'000.00 bzw. in allen übrigen Fällen mindestens Fr. 

30'000.00 beträgt, es sei denn, es stelle sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeu-

tung oder es handle sich um einen Entscheid des Konkurs- und Nachlassrichters (Art. 44 

Abs. 1, Art. 72, Art. 74, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Ist eine Beschwerde 

nur unter der Voraussetzung zulässig, dass sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung stellt, ist auszuführen, warum diese Voraussetzung erfüllt ist. Die Urkunden, auf die 

sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

  

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Aarau, 28. Februar 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Zivilgericht, 3. Kammer 

Die Präsidentin:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Massari     Sulser