# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b5badcc-7b5a-5aae-87a8-11fd11ff794d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-04-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 15.04.2008 BK 2008 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2008-6_2008-04-15.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

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Ref.: Chur, 15. April 2008 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 08 6

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Riesen-Bienz und Rehli 
Aktuar ad hoc Corrado

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In der strafrechtlichen Beschwerde

der A., Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Remo Ca-
henzli, Postfach 171, Städtlistrasse 12, 7130 Ilanz,

gegen

die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten B. vom 16. Januar 2008, mitge-
teilt am 16. Januar 2008, in Sachen C. und D., Beschwerdegegner, vertreten 
durch Rechtsanwalt Dr. iur. Marco Ettisberger, Postfach 203, Hinterm Bach 40, 
7002 Chur, gegen die Beschwerdeführerin, 

betreffend Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB,

hat sich ergeben:

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A. A. ist Eigentümerin der Parzelle Nr. an der Y. in X., Z.. Diese grenzt 
an einer Seite unmittelbar an die Parzelle Nr., welche früher auch die Fläche der 
heutigen Parzelle Nr. 0000 beinhaltete. Die Parzelle Nr. steht im Stockwerkei-
gentum, während C. und D. Miteigentümer der Parzelle Nr. 0000 sind. Auf den 
Parzellen Nr., 1752, 4276 sowie 3318 und 3319, die sich im vorderen Teil der Y. 
befinden, ist ein gegenseitiges Fuss- und Fahrwegrecht im Grundbuch Z. einge-
tragen.

B. Mit Schreiben vom 26. April 2006 ersuchte A. das Kreisamt B. um 
Erlass eines Amtsbefehls betreffend Beseitigung einer Besitzesstörung. Die Ei-
gentümer von Parzelle Nr. 0000, C. und D., seien unter Androhung der Straffol-
gen von Art. 292 StGB anzuhalten, die ganze Dienstbarkeitsanlage auf ihrem 
Grundstück jederzeit freizuhalten, damit diese von den Dienstbarkeitsberechtig-
ten ungehindert befahren und begangen werden könne. Zu diesem Zweck sollten 
die Gesuchgegner den Kehrplatz auf ihrem Grundstück wiederherstellen, indem 
sie die einbetonierten Eisen-Absperrungspfosten und die Kettenspannungen so-
wie den am östlichen Ende der Dienstbarkeitsanlage angelegten Pflanzgarten 
entfernten. Zudem sollte der Untergrund wiederhergestellt werden, damit die An-
lage jederzeit benutzt werden könne.

C. und D. ihrerseits ersuchten mit Stellungnahme vom 2. Juni 2006 um 
Abweisung des Gesuchs.

C. Am 30. Juni 2006 bzw. am 5. Juli 2006 wies der Kreispräsident B. 
das Amtsbefehlsgesuch vom 26. April 2006 ab. 

D. Am 12. Juli 2006 erhob A. gegen diese Entscheide Beschwerde 
beim Kantonsgericht von Graubünden. Sie verlangte die Aufhebung der Ent-
scheide, eventualiter sei die Sache zum Erlass eines Amtsbefehls an das 
Kreispräsidium B. zurückzuweisen. 

Der Kreispräsident B. verzichtete mit Schreiben vom 21. Juli 2006 auf die 
Einreichung einer Vernehmlassung. Die Beschwerdegegner reichten am 3. Au-
gust 2006 ihre Stellungnahme ein, in welcher sie die Abweisung der Beschwerde 
begehrten. 

E. Das Kantonsgerichtspräsidium hiess die Beschwerde mit Verfü-
gung vom 14. September 2006 gut, hob den angefochtenen Entscheid des 
Kreispräsidenten B. auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an das Kreisamt 
B. zurück. 

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F. Mit Entscheid vom 7. Dezember 2006 hiess das Kreispräsidium B. 
in der gleichen Sache das Amtsbefehlsgesuch von A. vom 26. April 2006 gut. Die 
Eigentümer der Parzelle Nr. 0000 wurden unter Androhung der Straffolgen von 
Art. 292 StGB angehalten, die ganze Dienstbarkeitsanlage auf ihrem Grundstück 
im Sinne des Gesuches wiederherzustellen. 

G. Am 14. September 2007 reichte A. eine erste Strafanzeige wegen 
Ungehorsams gegen die amtliche Verfügung vom 7. Dezember 2006 im Sinne 
von Art. 292 StGB ein.

Eine zweite Strafanzeige in der gleichen Sache erfolgte am 9. Oktober 
2007.

Aufgrund dieser Strafanzeigen erliess der Kreispräsident B. mit Bezug auf 
den Entscheid vom 7. Dezember 2006 am 26. November 2007 ein Strafmandat, 
mit welchem C. und D. wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung 
gemäss Art. 292 StGB schuldig gesprochen und mit Fr. 200.- Busse, ersatzweise 
mit einer Freiheitsstrafe von 4 Tagen, bestraft wurden.

H. Mit Eingabe vom 17. September 2007 gelangte A. mit dem Rechts-
begehren an das Kreisamt B., die Gesuchsgegner seien unter Androhung von 
Art. 292 StGB zu verpflichten, innert einer kurzen, richterlich anzusetzenden per-
emptorischen Frist die ganze Dienstbarkeitsanlage im Sinne des Entscheides 
vom 7. Dezember 2006 herzustellen.

Das Kreispräsidium B. kam diesem Begehren mit Entscheid vom 25. Ok-
tober 2007 sinngemäss nach und setzte C. und D. eine entsprechende Frist bis 
zum 15. November 2007. Auch dieser Entscheid erging unter Androhung der 
Straffolgen des Art. 292 StGB.

Mit Schreiben vom 16. November 2007 verlangte A. vom Kreisamt B. die 
Anordnung der Ersatzvornahme, da die Beschwerdegegner den mit Entscheid 
vom 25. Oktober 2007 angeordneten Massnahmen innert gesetzter Frist nicht 
nachgekommen seien.

I. Am 22. November 2007 reichte A. eine dritte Strafanzeige wegen 
Ungehorsams gegen die amtliche Verfügung vom 25. Oktober 2007 ein.

J. Das Kreispräsidium B. verfügte in der Folge am 30. November 2007 
die Vollziehung des Amtsbefehlsentscheides vom 25. Oktober 2007. Als Ersatz-
massnahme wurde ein Ingenieur mit der Projektierung, Ausschreibung und Rea-

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lisierung der Wiederherstellung des gewünschten Zustandes beauftragt. Diese 
Arbeiten sollten im Frühjahr 2008 auf Kosten der Gesuchsgegner ausgeführt wer-
den.

K. Am 16. Januar 2008 schliesslich stellte der Kreispräsident B. das 
mit der dritten Strafanzeige vom 22. November 2007 mit Bezug auf die Verfügung 
vom 25. Oktober 2007 eingeleitete Verfahren gegen C. und D. wegen Ungehor-
sams gegen eine amtliche Verfügung ein. Begründet wurde diese Einstellungs-
verfügung damit, dass C. und D. bereits mit Strafmandat vom 26. November 2007 
für den Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 StGB 
bestraft worden seien und mit Entscheid des Kreispräsidiums B. vom 30. Novem-
ber 2007 ohnehin der Vollzug der Ersatzvornahme im Frühjahr 2008 vorgesehen 
sei.

L. Dagegen erhob A. am 6. Februar 2008 Beschwerde bei der Be-
schwerdekammer des Kantonsgerichtes von Graubünden mit den Begehren, die 
Einstellungsverfügung vom 16. Januar 2008 sei vollumfänglich aufzuheben und 
die Sache zwecks Erlass eines Strafmandates wegen Widerhandlung gegen Art. 
292 StGB, eventuell zwecks Begründung der angefochtenen Verfügung, zurück-
zuweisen. Im Wesentlichen machte sie geltend, die Vorinstanz sei der Begrün-
dungspflicht nicht nachgekommen, indem sie ihr die Einstellungsverfügung nur 
im Dispositiv zugestellt habe.

Das Kreisamt B. nahm am 3. März 2008 Stellung und beantragte die Ab-
weisung der Beschwerde. C. und D. schlossen sich mit Stellungnahme vom 
13. März 2008 dem Antrag der Beschwerdeführerin dahingehend an, als die Sa-
che an die der Vorinstanz zurückzuweisen sei, um der Beschwerdeführerin eine 
begründete Einstellungsverfügung zuzustellen.

Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Einstellungsverfü-
gung sowie in den Rechtsschriften wird, soweit notwendig, in den nachstehenden 
Erwägungen eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 176a des Gesetzes über die Strafrechtspflege (StPO; 
BR 350.000) kann gegen Einstellungsverfügungen des Kreispräsidenten innert 
20 Tagen seit Mitteilung bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes von 
Graubünden Beschwerde im Sinne von Art. 138 und 139 StPO geführt werden. 
Diese ist schriftlich und begründet einzureichen und hat darzutun, welche Punkte 

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angefochten werden. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde gegen 
die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten B. ist somit einzutreten.

2. Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer durch den angefochte-
nen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung 
oder Änderung geltend macht. Ein solches rechtlich schutzwürdiges Interesse 
besitzt, wer in seiner wirklichen oder vermeintlichen Rechtsstellung beeinträchtigt 
ist. Insbesondere kann sich der Geschädigte gegen Einstellungsverfügungen be-
schweren (Art. 139 Abs. 1 StPO). Als mit strafprozessualen Mitwirkungsrechten 
ausgestatteter Geschädigter wird nach ständiger Praxis der Beschwerdekammer 
diejenige natürliche oder juristische Person anerkannt, der durch eine straf- und 
verfolgbare Handlung unmittelbar ein ideeller oder materieller Nachteil zugefügt 
wurde, mithin der Träger des Rechtsgutes, welches durch das in einem Straftat-
bestand inkriminierte Verhalten verletzt und im Sinne von Art. 41 ff. des Schwei-
zerischen Obligationenrechts (OR; SR 220) geschädigt beziehungsweise gefähr-
det wurde (vgl. Art. 139 Abs. 1 StPO; PKG 1998 Nr. 45; 1975 Nr. 60; W. Padrutt, 
Kommentar zur StPO GR, 6. Aufl., Chur 1996, S. 352 f. mit Hinweisen). Damit ist 
für die Frage des geschützten Rechtsgutes und dessen Träger grundsätzlich auf 
die konkrete Strafnorm, gegen welche der Täter angeblich verstossen hat, abzu-
stellen. In jedem Fall ist eine direkte Schädigung erforderlich. Eine mittelbare Be-
einträchtigung beziehungsweise eine mittelbar zugefügte Schädigung genügt 
nicht, um eine Geschädigtenstellung im Sinne von Art. 139 StPO zu begründen 
(PKG 2001 Nr. 30 mit Hinweisen). 

Vorliegend ist die konkrete Strafnorm die Vorschrift von Art. 292 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0), welche sich aus der Ver-
fügung vom 25. Oktober 2007 ergibt. Enthält diese Verfügung ein Gebot oder 
Verbot, das den Schutz privater Interessen gewährleisten soll, ist auch die Legi-
timation des betroffenen Privaten zur Beschwerdeführung zu bejahen (vgl. Gün-
ter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 5. Aufl., Bern 
2000, § 51 N. 2; PKG 2000 Nr. 35 mit Hinweisen).

Mit der am 25. Oktober 2007 ergangenen amtlichen Verfügung des 
Kreispräsidenten B. wurden C. und D. unter Hinweis auf Art. 292 StGB aufgefor-
dert, die ganze Dienstbarkeitsanlage auf ihrem Grundstück, Parzelle Nr. 0000 im 
Grundbuch Z., jederzeit freizuhalten, damit diese von der Beschwerdeführerin als 
Dienstbarkeitsberechtigte befahren und begangen werden könne. Eine entspre-
chende Verfügung erging bereits am 7. Dezember 2006; mit Verfügung vom 25. 
Oktober 2007 wurden die Beschwerdegegner jedoch - erneut unter Androhung 

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der Straffolgen des Art. 292 StGB - aufgefordert, diesem neuen Amtsbefehl vom 
25. Oktober 2007 bis am 15. November 2007 in vollem Umfang nachzukommen. 
Dieser richterlichen Aufforderung sind die Beschwerdegegner erneut nicht voll-
ends nachgekommen. A. hat folglich ein rechtlich geschütztes Interesse an einer 
materiellen Beurteilung des Verhaltens der durch die Verfügung verpflichteten 
Beschwerdegegner. Entsprechend steht ihr vorliegend auch die Beschwerdele-
gitimation im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StPO zu.

3. Die Beschwerdeführerin verlangt in ihrer Beschwerde vorsorglich 
den Ausstand des Kantonsgerichtspräsidenten Dr. Norbert Brunner, falls dieser 
Einsitz in der Beschwerdekammer haben sollte. Zumal Vizepräsident Urs Schlen-
ker den Vorsitz in diesem Fall führt, kann dieses Begehren als gegenstandslos 
betrachtet werden.

4. Aus dem Dispositiv der Einstellungsverfügung vom 16. Januar 2008 
ist zu entnehmen, dass A. diese Verfügung nur im Dispositiv zugestellt wurde, 
während die anderen Verfahrensbeteiligten einen begründeten Entscheid erhal-
ten haben. 

Mit Beschwerde vom 6. Februar 2008 machte deshalb A. eine Verletzung 
der behördlichen Begründungspflicht geltend. Sie verlangte eine vollumfängliche 
Aufhebung der Einstellungsverfügung sowie die Zurückweisung der Sache an 
den Kreispräsidenten B. zwecks Erlass eines Strafmandates wegen Widerhand-
lung gegen Art. 292 StGB, eventuell zwecks Begründung der angefochtenen Ver-
fügung. 

Aus den Verfahrensgarantien gemäss Art. 29 Abs. 2 der Schweizerischen 
Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschen-
rechtskonvention (EMRK; SR 0.101) fliesst der Anspruch auf rechtliches Gehör. 
Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begrün-
den, damit die Parteien erfahren, auf Grund welcher Überlegungen eine Behörde 
entschieden hat. Die Begründung muss demzufolge so abgefasst sein, dass der 
Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (PKG 
1990 Nr. 49, PKG 1994 Nr. 44). Eine Begründungspflicht gilt nicht nur für Urteile 
im engeren Sinne. Da sich die Einstellungsverfügung in einem Strafverfahren 
über die strafrechtliche Nichtschuld eines Rechtsunterworfenen ausspricht, be-
einflusst sie die Rechtsstellung des Verfügungsadressaten sowie eventuell 
schützenswerte Interessen verfahrensbeteiligter Dritter. Die Einstellungsverfü-
gung berührt damit deren Gehörsanspruch und muss somit ebenfalls der Begrün-

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dungspflicht unterstehen. Der Kreispräsident übt im Strafmandatsverfahren we-
gen Übertretung die Funktion des Untersuchungsrichters aus. Gelangt der 
Kreispräsident aufgrund seiner Erhebungen zum Schluss, dass das Vorliegen 
eines Straftatbestandes nicht genügend dargetan sei, verlangt Art. 171 Abs. 1 in 
Verbindung mit Art. 82 Abs. 1 StPO den Erlass einer begründeten Einstellungs-
verfügung. Diese ist dem Angeschuldigten, dem Geschädigten und der Staats-
anwaltschaft mitzuteilen (Art. 82 Abs. 2 und 3 StPO). Für die Einstellungsverfü-
gung verweist also das Strafmandatsverfahren bei Übertretungen auf das ordent-
liche Untersuchungsverfahren. Daraus kann abgeleitet werden, dass die Einstel-
lung einer Strafuntersuchung von den gleichen Voraussetzungen abhängt und 
als Verfügung die gleichen Merkmale aufweist, unbesehen davon, ob sie im or-
dentlichen Strafverfahren oder im summarisch ausgestalteten Strafmandatsver-
fahren erlassen wird. Grundsätzlich sind daher Einstellungsverfügungen im Straf-
mandatsverfahren im gleichen Umfang und mit der gleichen Sorgfalt zu begrün-
den wie im ordentlichen Strafverfahren. Aus Sicht des Geschädigten, der zur 
strafrechtlichen Beschwerde legitimiert ist, spielt es keine Rolle, ob seine Be-
schwerde das Resultat einer im ordentlichen Strafverfahren oder im Strafman-
datsverfahren ergangenen Einstellungsverfügung ist. Sein Bedürfnis nach Be-
gründung der Einstellungsverfügung ist in beiden Fällen das gleiche, weil er bei 
beiden Verfahrensarten seine strafrechtliche Beschwerde nach Art. 138 StPO 
oder nach Art. 176a StPO begründen muss. Der Angeschuldigte kann sich mittels 
Einsprache gegen das Strafmandatsverfahren nachträglich volles rechtliches 
Gehör verschaffen. Einen entsprechenden Rechtsbehelf für den Geschädigten 
zwecks Beseitigung einer im Strafmandatsverfahren ergangenen Einstellungs-
verfügung gibt es nicht. Es ist aus diesem Grunde gerechtfertigt, an die Begrün-
dung einer Einstellungsverfügung im Strafmandatsverfahren grundsätzlich die 
gleichen Anforderungen zu stellen wie im ordentlichen Strafverfahren (PKG 1994 
Nr. 44). Der Geschädigte, welcher nach Art. 139 StPO beschwerdelegitimiert ist, 
hat somit einen Anspruch auf eine sorgfältig begründete Einstellungsverfügung 
(W. Padrutt, a.a.O., S. 165). Wird dem Geschädigten die Verfügung nur im Dis-
positiv zugestellt, vermag dies der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV 
und Art. 6 Ziff. 1 EMRK nicht zu genügen. Weil das rechtliche Gehör als Ausfluss 
des Verbots der formellen Rechtsverweigerung rein formeller Natur ist, führt des-
sen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten in der Sache selbst grundsätz-
lich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides (BGE 118 Ia 18 E. 1a). Im 
vorliegenden Fall hat der Kreispräsident B. seine Einstellungsverfügung vom 16. 
Januar 2008 zwar begründet; er hat diese Begründung der Geschädigten aber 
nicht zukommen lassen, so dass diese nicht in der Lage war, die Einstellungs-

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verfügung in der Sache selbst sachgerecht anzufechten. Im Ergebnis steht dem-
nach fest, dass die vorliegende Beschwerde bereits aufgrund von formellen Ver-
fahrensmängeln gutzuheissen ist, ohne dass eine materielle Überprüfung der An-
gelegenheit erforderlich wäre. Zu Handen des Kreispräsidenten B. seien aber 
gleichwohl noch folgende Bemerkungen angebracht.

5. Neben der Aufhebung der Einstellungsverfügung aus formellen 
Gründen verlangte A. mit der Beschwerde vom 6. Februar 2008 die Zurückwei-
sung an den Kreispräsidenten B. zwecks Erlass eines Strafmandates wegen Wi-
derhandlung gegen Art. 292 StGB. Dieses Begehren hat die Beschwerdeführerin 
nicht weiter begründet. Da sie keine Kenntnis der Einstellungsgründe hatte, 
konnte sie diese auch nicht materiell beanstanden. Der Kreispräsident argumen-
tiert in seiner Einstellungsverfügung vom 16. Januar 2008, die Beschwerdegeg-
ner seien bereits mit Strafmandat vom 26. November 2007 für den Ungehorsam 
gegen den Amtsbefehl vom 7. Dezember 2006 im Sinne von Art. 292 StGB be-
straft worden. Mit der ausgesprochenen Busse seien sie ihrem Verschulden ent-
sprechend angemessen bestraft worden, da erwiesen sei, dass sie ihren Ver-
pflichtungen gemäss dem Amtsbefehl vom 7. Dezember 2006 nicht nachgekom-
men seien. Zudem sei mit Entscheid des Kreispräsidiums B. vom 30. November 
2007 ein Vollzugsaufschub der Ersatzvornahme bis zum Frühjahr 2008 verfügt 
worden. 

Gemäss Art. 292 StGB wird mit Busse bestraft, wer der von einer zustän-
digen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdro-
hung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet. Diese Vor-
aussetzung ist auch bei wiederholtem Ungehorsam gegen dieselbe Verfügung 
erfüllt (Günter Stratenwerth, a.a.O., § 51 N. 9). Die richterlichen Anordnungen in 
einem Amtsbefehl gelten bis zu dessen Aufhebung. Haben die Verpflichteten in-
nerhalb des Zeitraums, in dem eine unter Androhung gemäss Art. 292 StGB er-
gangene Verfügung Geltung hatte, gegen die darin enthaltenen richterlichen An-
ordnungen gehandelt, liegt folglich auch dann ein Verstoss im Sinne von Art. 292 
StGB vor, wenn die Verfügung im Nachhinein aufgehoben worden ist. Die Be-
schwerdelegitimierte muss zudem die Möglichkeit haben, ihr Interesse an der 
Durchsetzung des Anspruches gemäss dem Amtsbefehl mittels zivilprozessualer 
Mittel (Art. 252 ff. der Zivilprozessordnung des Kantons Graubünden [ZPO; BR 
320.000]) durchsetzen zu können. Gemäss bündnerischem Recht hat daher der 
Kreispräsident zunächst dem Leistungspflichtigen unter Androhung der Straffol-
gen des Art. 292 StGB eine Frist anzusetzen, innert welcher dieser die Leistung 
zu erbringen hat (Art. 256 ZPO). Die Androhung der Bestrafung und die Verurtei-

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lung selbst bezwecken, dass der Leistungspflichtige seine Leistung in ursprüng-
licher Form erbringt und der Berechtigte nicht gezwungen wird, die Ersatzvor-
nahme anzustreben. Kommt der Leistungspflichtige der Anordnung dennoch 
nicht nach, wird auf seine Kosten die Ersatzvornahme angeordnet (PKG 2000 
Nr. 35). 

C. und D. wurden, wie bereits im Sachverhalt ausführlich dargelegt, mit 
Strafmandat des Kreispräsidiums B. vom 26. November 2007 wegen Ungehor-
sams gegen die amtliche Verfügung vom 7. Dezember 2006 gestützt auf die 
Strafanzeigen vom 14. September 2007 und vom 9. Oktober 2007 bestraft. Da 
sie aber weiterhin den Vorlagen gemäss Amtsbefehl bis dato nur teilweise nach-
kamen - es wurden einzig die einbetonierten Eisenpfosten und die Kettenspan-
nungen entfernt - ersuchte die Beschwerdeführerin mit Datum vom 17. Septem-
ber 2007 um Fristansetzung. Daraufhin setzte der Kreispräsident den Beschwer-
degegnern mit Verfügung vom 25. Oktober 2007 eine Frist bis am 15. November 
2007 zur Behebung des streitigen Zustandes, dies erneut unter ausdrücklicher 
Androhung der Straffolgen des Art. 292 StGB. Die Beschwerdegegner liessen 
die angesetzte Frist unberücksichtigt verstreichen, weshalb sie damit den Anord-
nungen des Amtsbefehls vom 25. Oktober 2007 grundsätzlich nicht gefolgt sind. 
Die von der Beschwerdeführerin am 22. November 2007 eingereichte dritte Straf-
anzeige bezieht sich somit nicht auf die amtliche Verfügung des Kreispräsidiums 
B. vom 7. Dezember 2006, sondern auf die Verfügung vom 25. Oktober 2007. 
Mit der Begründung des Kreispräsidenten B. hätte somit das mit der Strafanzeige 
vom 22. November 2007 eröffnete Verfahren nicht eingestellt werden dürfen. 
Auch die Tatsache, dass der Vollzugstermin für die Ersatzvornahme bis zum 
Frühjahr 2008 aufgeschoben wurde, ändert nichts daran, dass sich der Kreisprä-
sident B. konkret mit der Frage zu befassen hat, ob die Beschwerdegegner gegen 
die Verfügung vom 25. Oktober 2007 (und nicht vom 7. Dezember 2006) verstos-
sen haben und ob sie dafür allenfalls zu bestrafen sind.

6. An dieser Stelle ist das Kreisamt B. zudem darauf hinzuweisen, 
dass mit der Revision des Algemeinen Teils des Schweizerischen Strafgesetz-
buches, welches am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist, die bisherige Unter-
scheidung zwischen Haft-, Gefängnis- und Zuchthausstrafen fallen gelassen und 
durch die einheitliche Freiheitsstrafe ersetzt wurde. Bei Übertretungen gibt es seit 
dem 1. Januar 2007, mit Ausnahme der Ersatzfreiheitsstrafe, keine Freiheitsstra-
fen mehr. Es können bei Übertretungen somit nur noch Bussen ausgesprochen 
werden. Art. 292 StGB wurde insofern angepasst, als bei einem Verstoss gegen 
diesen Straftatbestand nur noch eine Busse, und nicht mehr Haft ausgesprochen 

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werden kann. Das Kreisamt B. wird deshalb angehalten, künftig die Sanktion ge-
gen Art. 292 StGB entsprechend anzupassen.

7. Ist die Beschwerde gutzuheissen, gehen die Kosten des Verfahrens 
zu Lasten des Kantons Graubünden (Art. 160 Abs. 2 StPO). Der obsiegenden 
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin wird zudem eine angemessene Ent-
schädigung zugesprochen. 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfü-
gung aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an den 
Kreispräsidenten B. zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen zu Lasten des Kantons 
Graubünden, welcher die Beschwerdeführerin mit Fr. 563.30 zu entschä-
digen hat.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsge-
setzes (BGG; SR 173.110) Beschwerde in Strafsachen an das Schweize-
rische Bundesgericht geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht schrift-
lich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Ent-
scheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzu-
reichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren 
Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 
ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an:

__________

Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Der Aktuar ad hoc: