# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7ba80ba6-8766-5ddf-9cf0-a3f0965f7275
**Source:** Aargau (entscheidsuche) (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2026-01-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 14.01.2026 SBK.2025.247
**Docket/Reference:** SBK.2025.247
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2025-247_2026-01-14.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2025.247
(STA.2025.285)
Art. 15

Entscheid vom 14. Januar 2026

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichterin Schär
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führer und
Gesuchsteller

A._____, […]
vertreten durch Rechtsanwalt Claude Lengyel,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Kantonale Staatsanwaltschaft,
Bleichemattstrasse 7, 5001 Aarau

Beschuldigte B._____, […]
verteidigt durch Rechtsanwalt Tobias Gimmel,
[…]

Gegenstand Einstellungsverfügung der kantonalen Staatsanwaltschaft vom
18. August 2025; Ausstandsgesuch gegen Staatsanwalt C._____

in der Strafsache gegen B._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
A._____ (Beschwerdeführer bzw. Gesuchsteller) erstattete am 1. Juli 2025
bei der kantonalen Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen B._____ (Be-
schuldigte) wegen Betrugs. Er erklärte, sich als Zivil- und Strafkläger zu
konstituieren. Zudem stellte er verschiedene Anträge.

2.
Mit Verfügung vom 18. August 2025 stellte die kantonale Staatsanwalt-
schaft die Untersuchung gegen die Beschuldigte ein. Die Oberstaatsan-
waltschaft genehmigte die Einstellungsverfügung am 19. August 2025.
Dem Beschwerdeführer wurde sie am 22. August 2025 zugestellt.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer beantragte mit Beschwerde vom 1. September
2025:

" 1.
Es sei die Einstellungsverfügung der Kantonalen Staatsanwaltschaft vom
18. August 2025 mit der Geschäfts-Nr. KSTA ST.2025.285 vollumfänglich
aufzuheben und zur Durchführung einer Strafuntersuchung an die Kanto-
nale Staatsanwaltschaft zurückzuweisen.

2.
Für die Durchführung der Strafuntersuchung sei der Staatsanwalt C._____
durch eine andere Person bei der Kantonalen Staatsanwaltschaft auszu-
wechseln.

3.
Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.

4.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aller Instanzen zu Lasten
der Beschwerdegegnerin bzw. der Beschuldigten."

3.2.
Mit Verfügung vom 3. September 2025 trat die Verfahrensleiterin der Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts auf das Gesuch um auf-
schiebende Wirkung nicht ein. Sie setzte dem Beschwerdeführer zudem
eine Frist von 10 Tagen an, um eine Kostensicherheit von Fr. 1'000.00 zu
leisten. Der Beschwerdeführer hinterlegte diese am 8. September 2025.

3.3.
Die kantonale Staatsanwaltschaft beantragte mit Beschwerdeantwort vom
17. September 2025 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzu-
treten sei, unter Kostenfolgen zulasten des Beschwerdeführers. Auch der

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mit Beschwerde eingebrachte Vorwurf der Urkundenfälschung sei nicht er-
füllt.

3.4.
Die Beschuldigte beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2025
die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zu Lasten des Beschwerdeführers. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2025 er-
klärte sie, auf eine Stellungnahme zur Beschwerdeantwort der kantonalen
Staatsanwaltschaft zu verzichten.

3.5.
Der Beschwerdeführer reichte am 23. Oktober 2025 eine Stellungnahme
zu den Beschwerdeantworten der kantonalen Staatsanwaltschaft und der
Beschuldigten ein. An seinen mit Beschwerde gestellten Anträgen hielt er
fest.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
1.1.
Der Beschwerdeführer warf der Beschuldigten erstmals mit Beschwerde
als Urkundenfälschung vor, ihren Verteidiger beauftragt zu haben, das in-
haltlich falsche Gesuch um Kraftloserklärung zu verfassen und bei der Prä-
sidentin des Bezirksgerichts Baden einzureichen (Beschwerde Rz. 7.12 -
7.16). Dieser Vorwurf war weder Gegenstand der Strafanzeige
(act. 5.1 0001 ff.) noch der angefochtenen Einstellungsverfügung. Deshalb
kann er auch nicht Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens sein. Der
Beschwerdeführer ist damit nicht zu hören.

1.2.
Der Beschwerdeführer ist durch den behaupteten Betrug – wenn er so statt-
gefunden hat – unmittelbar in seinem Vermögen beeinträchtigt (vgl. dazu
E. 5.3). Er gilt als Geschädigter i.S.v. Art. 115 StPO und hat sich mit Straf-
anzeige (Rz. 3.4) wirksam als Privatkläger (Art. 118 Abs. 1 StPO) und damit
beschwerdeberechtigte Partei konstituiert (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO
i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Auf seine gültig
erhobene Beschwerde ist einzutreten.

2.
Zuständig für die Beurteilung des gegen den verfahrensleitenden Staats-
anwalt gerichteten Ausstandsgesuchs ist die Beschwerdekammer in Straf-
sachen des Obergerichts (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO; Geschäftsordnung des
Obergerichts des Kantons Aargau vom 21. November 2012
[GKA 155.200.3.101], Anhang 1 Ziff. 2 Abs. 5 lit. b).

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Der Gesuchsteller begründete die beantragte Aufhebung der Einstellungs-
verfügung nicht mit einer Befangenheit des verfahrensleitenden Staatsan-
walts. Vielmehr schloss er aus der seiner Ansicht nach qualifiziert falschen
Einstellungsverfügung auf eine Befangenheit des verfahrensleitenden
Staatsanwalts und beantragte dessen Auswechslung für die weitere Straf-
untersuchung (Beschwerde, Rz. 4.1-4.2). Ein Rechtsschutzinteresse am
Ausstandsgesuch besteht somit nur, wenn der Beschwerde stattgegeben
wird. Da überdies keine offenkundigen, von Amtes wegen zu berücksichti-
genden Ausstandsgründe ersichtlich sind, die den verfahrensleitenden
Staatsanwalt bereits vor Erlass der Einstellungsverfügung zum Rücktritt
hätten veranlassen müssen (vgl. BGE 150 I 68 E. 4.1; [nicht publiziert]
E. 2.2 f.), ist zunächst über die Beschwerde und erst anschliessend über
das Ausstandsgesuch zu befinden.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer begründete seinen Betrugsvorwurf mit Strafanzeige
im Wesentlichen wie folgt:

 Er habe am 10. September 2007 als Darlehensgeber mit D._____
einen Darlehensvertrag über EUR 300'000.00 abgeschlossen. Das
Darlehen sei für die zwischenzeitlich insolvent gegangene
E._____ bestimmt gewesen (Rz. 6.1 und 6.13). Zur Sicherung des
Darlehens in Höhe von EUR 200'000.00 seien die auf der 12. bis
14. Pfandstelle des Grundstücks Nr. aaa Q._____ [nachfolgend:
Grundstück] ruhenden drei Inhaber-Papier-Schuldbriefe [nachfol-
gend: Schuldbriefe] zur fiduziarischen Aufbewahrung bei Notar
F._____ und später bei Notar G._____ hinterlegt worden (Rz. 6.1,
6.2, 8.28).

 Die Beschuldigte habe das Grundstück mit Kaufvertrag vom
14. März 2018 erworben (Rz. 6.5) und immer gewusst, wo die
Schuldbriefe lagerten und für wen sie bestimmt gewesen seien
(Rz. 6.16).

 Die Beschuldigte habe der Präsidentin des Bezirksgerichts Baden
wider besseres Wissen erklärt, sie sei Gläubigerin der Schuldbrief-
forderung und die Schuldbriefe seien verloren gegangen. Damit
habe sie beabsichtigt, die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden
zur Durchführung eines Kraftloserklärungsverfahrens zu veranlas-
sen (Rz. 8.1). Diese habe die Rechtsmissbräuchlichkeit des Ge-
suchs nicht erkennen können (Rz. 8.2).

 Er habe mit dem Kraftloserklärungsverfahren und den Amtsblatt-
aufrufen zu den Schuldbriefen nicht rechnen müssen (Rz. 8.3). Am
20. März 2025 habe die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden die
Kraftloserklärung der Schuldbriefe im Amtsblatt publiziert (Rz. 8.4).
Die Kraftloserklärung habe eine sofortige Vermögensverschiebung

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in Höhe der Schuldbriefnennwerte zuzüglich Zinsen von ihm zur Be-
schuldigten bewirkt (Rz. 8.5).

3.2.
Die kantonale Staatsanwaltschaft stützte ihre Einstellungsverfügung auf
Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO und begründete sie im Wesentlichen wie folgt:

 Die Beschuldigte habe gegenüber der Präsidentin des Bezirksge-
richts Baden wider besseres Wissen und ohne Beweise folgende
Erklärung abgeben lassen (Ziff. II/1.4/c):

" Die vorerwähnten Titel im zwölften, dreizehnten und vierzehnten
Rang sind jedoch aus Gründen, die Frau B._____ auch nicht näher
erklären kann, bei ihr unauffindbar. Nach ihren Abklärungen ist auch
die Raiffeisenbank H._____ nicht im Besitz dieser Inhaber-Papier-
Titel. Die Originale dieser Schuldbriefe sind somit nicht mehr auf-
findbar. Es ist davon auszugehen, dass diese Titel verlorengegan-
gen sind."

Dies sei eine einfache, unzutreffende Behauptung, zu deren Unter-
mauerung die Beschuldigte weder besondere Machenschaften er-
griffen noch ein Lügengebäude errichtet habe. Es fehle an Arglist
(mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung, etwa BGE 122
IV 197 E. 3d; Urteil des Bundesgerichts 6B_459/2016 vom 25. No-
vember 2016 E. 6.4.2). Hieran ändere nichts, dass das Kraftloser-
klärungsverfahren kein kontradiktorisches Verfahren sei. Die Präsi-
dentin des Bezirksgerichts Baden habe den Sachverhalt von Amtes
wegen feststellen müssen und mögliche Inhaber der Schuldbriefe
durch öffentliche Bekanntmachung unter Androhung der Kraftloser-
klärung aufgefordert, diese innert sechs Monaten vorzulegen. Der
Beschwerdeführer hätte die Kraftloserklärung verhindern können.
Dass er diese "Selbstschutzmöglichkeit" nicht ergriffen habe, er-
scheine leichtfertig (Ziff. II/1.4/b und d).

 Auch fehle es an einer betrügerischen Vermögensverfügung. Eine
Kraftloserklärung berühre die materielle Rechtslage nicht. Dem Be-
schwerdeführer könne allein dadurch kein Vermögensschaden ent-
standen sein (Ziff. II/1.5/a-c, mit Hinweis auf Urteil des Bundesge-
richts 4A_501/2018 vom 3. Dezember 2018 E. 5.2).

 Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden habe als unmittelbare
Folge ihres Irrtums nicht die Schuldbriefe für kraftlos erklärt, son-
dern deren Inhaber zur Vorlage derselben aufgefordert. Die Kraft-
loserklärung sei nur erfolgt, weil niemand die Schuldbriefe einge-
reicht habe. Deshalb fehle der Motivationszusammenhang zwi-
schen Irrtum und Kraftloserklärung (Ziff. II/1.5/d).

 Die zwischenzeitlich stattgefundene Löschung der durch die
Schuldbriefe begründeten Grundpfandrechte habe dem Beschwer-
deführer wohl einen Vermögensschaden verursacht. Dieser beruhe

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jedoch nicht auf der täuschungsbedingt erlangten Kraftloserklärung,
sondern auf einer später von der Beschuldigten ohne Arglist einge-
reichten Löschungsanmeldung. Damit fehle es an der gesetzlich er-
forderlichen Unmittelbarkeit zwischen Täuschung und Vermögens-
verfügung (Ziff. II/1.5/e).

3.3.
Der Beschwerdeführer führte in seiner Beschwerde aus, das von der kan-
tonalen Staatsanwaltschaft verneinte Tatbestandselement der Arglist sei
erfüllt. Er begründete dies wie folgt:

 Die Täuschung sei nicht in einem kontradiktorischen Zivilverfahren
erfolgt, sondern einem Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit, in
welchem der Gegenpartei kontradiktorische Abwehrmöglichkeiten
gegen Lügen fehlten. Deshalb seien an die Arglist keine erhöhten
Anforderungen zu stellen. Es genüge eine einfache, schwer über-
prüfbare Lüge, wie sie hier vorliege (Rz. 7.2-7.5). Eine Opfermitver-
antwortung wegen fehlender Reaktion oder ausbleibenden Bestrei-
tens bestehe nicht. Daran ändere auch die amtliche Sachverhalts-
abklärung nichts (Rz. 7.6). Die Nichtvorlage der Schuldbriefe nach
der amtlichen Publikation habe ebenfalls keine Opfermitverantwor-
tung begründet. Zum einen habe er die Titel nicht vorlegen können,
weil Notar G._____ sie im Auftrag von D._____ bzw. dessen Erben
verwahrt habe (Rz. 7.7). Zum andern habe er wegen der laufenden
Herausgabeklage nach Treu und Glauben nicht mit einem von der
Beschuldigten angestrengten Kraftloserklärungsverfahren rechnen
müssen (Rz. 7.8).

 Die Beschuldigte habe die Herausgabeklage bewusst nicht selbst
eingeleitet, sondern durch I._____ einreichen lassen. So habe sie
erreicht, dass die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden auf ihr Ge-
such um Kraftloserklärung trotz der Rechtshängigkeit der Heraus-
gabeklage eingetreten sei. Dieses Vorgehen stelle eine raffinierte
Täuschungshandlung dar (Rz. 7.11).

 Die Beschuldigte habe für das Kraftloserklärungsverfahren bewusst
nicht den bereits im Herausgabeverfahren tätigen Rechtsanwalt
J._____ mandatiert, sondern Rechtsanwalt Tobias Gimmel.
Rechtsanwalt J._____ hätte im Wissen um die widersprüchlichen
Anträge kein Mandat im Kraftloserklärungsverfahren angenommen.
Die Beschuldigte habe Rechtsanwalt Tobias Gimmel als Instrument
missbraucht und ausgenutzt, dass Eingaben von Rechtsanwälten
gemeinhin eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukomme (Rz. 7.12-7.16).

Der Beschwerdeführer führte in seiner Beschwerde zudem mit ausführli-
cher Begründung aus, die kantonale Staatsanwaltschaft habe die Tatbe-
standselemente der Vermögensdisposition und des Vermögensschadens
zu Unrecht verneint (Rz. 7.22-7.28).

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3.4.
Die kantonale Staatsanwaltschaft räumte in ihrer Beschwerdeantwort ein,
dass die in der Einstellungsverfügung zur Arglist zitierte Rechtsprechung
auf kontradiktorische Zivilverfahren Bezug nimmt. Nach ihrer Auffassung
ist diese Rechtsprechung jedoch auch auf Verfahren der nicht streitigen
(freiwilligen) Gerichtsbarkeit anwendbar. Das Fehlen einer Gegenpartei sei
vorliegend durch den Untersuchungsgrundsatz und die öffentlichen Be-
kanntmachungen kompensiert worden (Rz. 3 f.). Daran ändere die Hinter-
legung der Schuldbriefe bei Notar G._____ nichts. Der Beschwerdeführer
hätte Notar G._____ gestützt auf das bestehende Vertragsverhältnis auf-
fordern können, die Schuldbriefe dem Gericht vorzulegen. Er hätte das Ge-
richt auch selbst über deren Verbleib informieren können. In beiden Fällen
wäre eine Kraftloserklärung der Schuldbriefe entfallen (Rz 5). Im Übrigen
hielt die kantonale Staatsanwaltschaft an der Begründung der Einstellungs-
verfügung fest und ergänzte sie punktuell (Rz. 6 ff.).

3.5.
Die Beschuldigte nahm in ihrer Beschwerdeantwort zusammengefasst wie
folgt Stellung:

 Sie bestreite einen Vermögensschaden des Beschwerdeführers.
Die behauptete Pfandsicherheit habe keine Rechtsgrundlage ge-
habt (S.13). Beim Erwerb des Grundstücks am 14. März 2018 habe
sie keine Schuld übernommen (S. 3). Der Beschwerdeführer versu-
che mit Verweis auf ein nicht existentes Darlehen ihre Verfügungs-
macht über das Grundstück zu blockieren, um von ihr Geld zu er-
halten, auf das er keinen Anspruch habe. Ihr hätten alle Einreden
gegen das Schuldverhältnis offen gestanden. Die Schuldbriefe
seien wertlos gewesen (S. 6).

 Bei Einleitung der Kraftloserklärung habe sie keine Kenntnis (mehr)
von den Verschiebungen der Schuldbriefe gehabt (S. 4). Ihre Pro-
zessfähigkeit sei wegen des rasch fortschreitenden Verlusts ihrer
geistigen Fähigkeiten in Frage gestellt (S. 5). Um arglistig zu sein,
müsse man "gesunde" kognitive Fähigkeiten besitzen (S. 8). Sie sei
mit dem Ganzen schon früher "heillos" überfordert gewesen (S. 9).

 Der Beschwerdeführer, sein Rechtsvertreter oder der "Schuldbrief-
Aufbewahrer" hätten am Kraftloserklärungsverfahren teilnehmen
können. Gerade Letzterer hätte das Amtsblatt einsehen müssen
(S. 10).

3.6.
Der Beschwerdeführer wies mit Stellungnahme vom 23. Oktober 2025 die
Ausführungen der kantonalen Staatsanwaltschaft und der Beschuldigten in
deren Beschwerdeantworten zurück.

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4.
4.1.
Die kantonale Staatsanwaltschaft verfügte die Einstellung gestützt auf
Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 146 StGB, mithin weil der Tatbestand
des Betrugs nicht erfüllt sei.

4.2.
Der Einstellungsgrund nach Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO greift, wenn das
inkriminierte Verhalten selbst bei Nachweis keinen Straftatbestand erfüllt.
Das trifft vor allem zu, wenn eine Anzeige einen nur zivil- oder verwaltungs-
rechtlich relevanten Sachverhalt betrifft. Ist dies klar, sollte die Staatsan-
waltschaft bereits auf die Eröffnung des Strafverfahrens verzichten. Häufig
ist jedoch unklar, ob die Voraussetzungen der Strafbarkeit erfüllt sind. Ge-
rade deshalb führt dieser Einstellungsgrund in der Praxis zu vielen Abgren-
zungsproblemen. So wird die Grenze zwischen strafbarem und straflosem
Verhalten oft durch schwer fassbare Gesetzesbegriffe – wie die Arglist im
Betrugstatbestand – bestimmt. In solchen Fällen ist bei der Annahme feh-
lender Tatbestandsmässigkeit Zurückhaltung geboten und nach dem
Grundsatz "in dubio pro duriore" grundsätzlich zu überweisen (MATTHIAS
HEINIGER / RONNY RICKLI, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 9 zu Art. 319 StPO).

5.
5.1.
Wegen Betrugs wird bestraft, wer in der Absicht, sich oder einen andern
unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unter-
drückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig
bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser
sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt
(Art. 146 Abs. 1 StGB).

Arglistige Täuschung, Irrtum, Verfügung, Schaden und der Vorteil als Ge-
genstück des Schadens sind die fünf Bausteine, die in ihrer Gesamtheit
den Betrugstatbestand bilden. Die fünf Betrugsbausteine müssen miteinan-
der verbunden sein: Zwischen arglistiger Täuschung und Irrtum sowie zwi-
schen Irrtum und Vermögensverfügung muss ein Motivationszusammen-
hang bestehen, zwischen Vermögensverfügung und Vermögensschaden
nur ein Kausalzusammenhang. Zwischen Schaden und Bereicherung
muss – weil es bei Betrug um eine Vermögensverschiebung geht – eben-
falls ein innerer Zusammenhang bestehen, was als Stoffgleichheit bezeich-
net wird. Die Bereicherung muss die Kehrseite des Schadens sein (STEFAN
MAEDER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht II,
4. Aufl. 2019, N. 36 und 40 zu Art. 146 StGB).

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5.2.
Die Akten enthalten einen "Loan Contract" vom 10. September 2007 (Straf-
anzeigebeilage 1). Vertragsparteien sind die E._____ mit Sitz auf den Sey-
chellen, der Beschwerdeführer sowie D._____. In englischer Sprache ver-
einbarten sie:

 Der Beschwerdeführer gewährt E._____ ein Darlehen von EUR
300'000.00.

 D._____ garantiert EUR 200'000.00 dieses Betrags.
 Die Garantie besteht aus drei auf dem Grundstück lastenden "obli-

gations" von je Fr. 100'000.00, die von D._____ bei einem Notar in
der Schweiz zu hinterlegen sind.

 D._____ zahlt dem Beschwerdeführer bis zu EUR 200'000.00, falls
E._____ das Darlehen samt Zinsen nicht spätestens am 10. Sep-
tember 2009 zurückzahlt.

Die Akten enthalten zudem eine Hinterlegungsvereinbarung mit dem Titel
"Bestätigung eines Auftrages" (Strafanzeigebeilage 2). Sie wurde am
29. Oktober 2007 von Notar F._____, dem Beschwerdeführer und D._____
unterzeichnet. Darin bestätigte der Notar:

 D._____ hinterlegte im Zusammenhang mit dem "Loan Contract"
am 29. Oktober 2007 die Schuldbriefe treuhänderisch bei ihm.

 Alle Schuldbriefe werden verwahrt und nach Ablauf der Vertrags-
dauer an den Eigentümer D._____ zurückgegeben.

 Die Rückgabe ist nur zulässig mit schriftlicher Zustimmung des Be-
schwerdeführers oder eines Rechtsnachfolgers oder gestützt auf
ein rechtskräftiges Urteil.

 Er darf den Auftrag an einen anderen Notar in Baden übertragen.

Weiter verhält es sich offenbar wie folgt:

 E._____ besteht nicht mehr (Strafanzeige; Herausgabeklage vom
13. Juli 2022 [Strafanzeigebeilage 14], Ziff. I/2.1).

 Notar F._____ hat den Hinterlegungsauftrag Notar G._____ über-
tragen (Strafanzeigebeilage 10).

 D._____ hat das Grundstück am 14. März 2018 an die Beschuldigte
verkauft (Strafanzeigebeilage 6).

 D._____ ist verstorben. Die Beschuldigte schloss mit I._____, Wil-
lensvollstrecker seines Nachlasses, am 1. Februar 2022 eine Ver-
einbarung betreffend eine Herausgabeklage der Schuldbriefe (Bei-
lage 8 zur Beschwerde der Beschuldigten vom 17. Juli 2025 betref-
fend Grundbuchsperre [act. 4.2 0035 f.]).

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 I._____ reichte am 13. Juli 2022 beim Bezirksgericht Baden die Her-
ausgabeklage ein und zog sie am 5. Dezember 2024 zurück (Straf-
anzeigebeilagen 14 und 20).

5.3.
5.3.1.
Auf die Behauptung der Beschuldigten, wonach sowohl das Grundgeschäft
(Darlehen) als auch die Pfandbestellung punkto Rechtsgültigkeit mit gros-
sen Zweifeln behaftet sein sollen (Beschwerdeantwort, S. 7), mit anderen
Worten der Beschwerdeführer aus dem Darlehensvertrag gar keine Forde-
rung haben soll, ist im vorliegenden Verfahren nicht weiter einzugehen. Ge-
gen diese Behauptung spricht bereits die Tatsache, dass I._____ die gegen
den Beschwerdeführer erhobene Klage auf Herausgabe der drei Schuld-
briefe (act. 7.1.1 0006 ff.) nach durchgeführter Instruktionsverhandlung zu-
rückgezogen hat (act. 7.1.1 0114). Hätten an der Gültigkeit der beiden
Rechtsgeschäfte tatsächlich berechtigterweise grosse Zweifel bestanden,
hätte er die Klage nicht "aus wirtschaftlichen Gründen" zurückgezogen,
sondern vielmehr daran festgehalten.

5.3.2.
Im erwähnten "Loan Contract" haben D._____ und der Beschwerdeführer
mit der Abmachung, dass die hier gegenständlichen drei Schuldbriefe als
Sicherung für die Darlehensforderung dienen sollten, nebst dem Darle-
hens- auch einen Pfandvertrag abgeschlossen. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers (act. 5.1 0027) scheint diese Abrede aber nicht ein
Grundpfandrecht zu beinhalten, sondern sollten die drei Schuldbriefe die
Forderung wohl eher im Sinne eines Faustpfandes (Fahrnispfandrecht an
einer Schuldbriefforderung, vgl. dazu BGE 115 II 149 [= Pra 78 {1989}
Nr. 271]) sichern. Hiervon ist – ohne abschliessende (zivilrechtliche) Wür-
digung des "Loan Contract" – deshalb auszugehen, weil aus dem mit Notar
F._____ abgeschlossenen Hinterlegungsvertrag (Strafanzeigenbeilage 2)
ausdrücklich hervorvorgeht, dass D._____ Eigentümer der drei Schuld-
briefe war und auch bleiben sollte. Folglich hat der Beschwerdeführer an
den drei Schuldbriefen kein Eigentum erworben, womit seine Forderung
auch nicht direkt mit einem Grundpfand, d.h. mit der Liegenschaft der Be-
schuldigten gesichert war. Aus demselben Grund scheint auch keine Si-
cherungsübereignung (Beschwerde Rz. 7.25) stattgefunden zu haben,
setzte doch auch diese die Übertragung des Eigentums an den Schuldbrie-
fen auf den Beschwerdeführer voraus (Urteil des Bundesgerichts
4A_276/2010 vom 29. Juli 2010 E. 4; JÖRG SCHMID/BETTINA HÜRLIMANN-
KAUP, Sachenrecht, 6. Aufl. 2022, Rz. 1844 ff., 2013). Insofern erscheint
auch nicht zutreffend, dass der Beschwerdeführer an der Schuldbriefforde-
rung "legitimiert" war (Beschwerde Rz. 7.27). Formeller Gläubiger der
Schuldbriefforderung war nach dem Tod von D._____ I._____ als dessen
Erbe und damit Rechtsnachfolger.

- 11 -

Mit Bezug auf den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vermögens-
schaden (act. 5.1 0027 f.) bedeutete diese (summarische) Sachverhalts-
würdigung, dass er sich nicht auf die Art. 807 ff. ZGB berufen und – jeden-
falls vor Verwertung und nachfolgender Ersteigerung der Schuldbriefe –
auch keine Grundpfandverwertung durchsetzen könnte. Nichtsdestotrotz
kam seinem Faustpfand aber ein Vermögenswert zu, da es sich bei den
drei verpfändeten Schuldbriefen um Wertpapiere (SCHMID/HÜRLIMANN-
KAUP, a.a.O., Rz. 1813 m.w.H) handelte, welche hätten (zwangs)verwertet
werden können. Der Beschwerdeführer hätte aus dem entsprechenden Er-
lös – oder aus dem Erlös der nachfolgenden Grundpfandverwertung, wenn
er die Schuldbriefe zu Eigentum ersteigert hätte – befriedigt werden können
(vgl. dazu PAUL-HENRI STEINAUER, in: Zürcher Kommentar 2015, N. 158 zu
Art. 842 ZGB). Weil die hier streitgegenständlichen Schuldbriefe für kraftlos
erklärt wurden, lässt sich deren Vermögenswert nun nicht mehr realisieren.
Der Beschwerdeführer hat folglich in diesem Umfang einen Vermögens-
schaden erlitten.

Ein Vermögensschaden liegt somit auch dann vor, wenn die Schuldbriefe
(nur) als Faust- und nicht als Grundpfand dienten.

5.3.3.
Zwischen dem Vermögensschaden des Beschwerdeführers und der Berei-
cherung der Beschuldigten besteht ein innerer Zusammenhang. Zwar ist
die Beschuldigte vom Grundgeschäft (Darlehensvertrag) nicht betroffen,
weil sie nicht Partei desselben war und auch nicht Rechtsnachfolgerin von
D._____ ist. Dies trifft hingegen auf den Pfandvertrag nicht zu, ruhten die
drei Schuldbriefe, welche zwecks Sicherstellung der Darlehensforderung
an den Beschwerdeführer verpfändet wurden, doch auf dem an sie verkauf-
ten Grundstück. Mit der Kraftloserklärung sind die Schuldbriefe unterge-
gangen. Damit hat die Beschuldigte ihr Vermögen um die Forderung, wel-
che der Beschwerdeführer mit den drei Schuldbriefen im Rahmen der Ver-
wertung hätte erhältlich machen können, erhöht, weil der Beschwerdefüh-
rer sein Faustpfand nach der Kraftloserklärung der Schuldbriefe nicht mehr
verwerten lassen kann.

5.3.4.
Die Ausführungen der kantonalen Staatsanwaltschaft bezüglich nichtvor-
handenen Zusammenhangs zwischen Irrtum und Vermögensschaden
bzw. fehlenden Kausalzusammenhangs zwischen Vermögensverfügung
und Vermögensschaden treffen zudem nicht zu:

 Die kantonale Staatsanwaltschaft argumentierte, die Kraftloserklä-
rung sei erst wegen der Nichtvorlage der Schuldbriefe erfolgt, wes-
halb der Motivationszusammenhang zwischen Irrtum und Kraftlos-
erklärung fehle. Dieses Argument überzeugt nicht. Ein Motivations-
zusammenhang liegt vor, wenn der Betroffene zufolge des

- 12 -

irreführenden Verhaltens und seines Irrtums zur Vermögensverfü-
gung motiviert wurde (Urteil des Bundesgerichts 6B_634/2008 vom
23. Oktober 2008 E. 1.2). Vorliegend verhielt es sich augenschein-
lich so, dass die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden durch ihren
Irrtum zur Kraftloserklärung motiviert wurde, weil sie ohne diesen
Irrtum das Kraftloserklärungsverfahren kaum durchgeführt hätte.

 Auch die Kausalität zwischen Irrtum und Kraftloserklärung ist zu-
mindest "in dubio pro duriore" zu bejahen. Ohne den Irrtum wäre es
kaum zur Kraftloserklärung gekommen, womit ein natürlicher Kau-
salzusammenhang vorliegen dürfte. Für die Bejahung des adäqua-
ten Kausalzusammenhangs genügt es, wenn der Irrtum eine we-
sentliche Ursache der Kraftloserklärung war, wohingegen grund-
sätzlich unmassgeblich ist, ob hierfür noch andere Umstände von-
nöten waren (vgl. exemplarisch Urteil des Bundesgerichts
8C_437/2024 vom 21. Mai 2025 E. 3.2.2). Ob der Irrtum der Präsi-
dentin des Bezirksgerichts Baden eine wesentliche Ursache der
Kraftloserklärung war, ist offen. Eine Einstellung lässt sich damit
nicht begründen. Das Gleiche gilt auch im Hinblick auf die weiteren
in E. 5.1 genannten Motivations- und Kausalbeziehungen zwischen
den einzelnen Betrugsbausteinen.

5.4.
5.4.1.
Die von der Beschuldigten behauptete Prozessunfähigkeit ist mangels ge-
nügender Belege kein Einstellungsgrund. Damit kann die Einstellungsver-
fügung nur Bestand haben, wenn das Tatbestandselement der Arglist si-
cher ausgeschlossen werden kann.

5.4.2.
Als Prozessbetrug gilt die arglistige Täuschung des urteilenden Richters
durch unwahre Tatsachenbehauptungen der Prozessparteien, die darauf
abzielen, ihn zu einem das Vermögen einer Prozesspartei oder Dritter (ma-
teriell unbegründet) schädigenden Entscheid zu bestimmen
(BGE 122 IV 197 E. 2). Der Sonderfall des Prozessbetrugs fällt unter den
allgemeinen Betrugstatbestand. Für eine Tatbestandsmässigkeit gelten
keine grundsätzlichen Besonderheiten (BGE 122 IV 197 E. 2d). Soweit in
der Literatur die Ansicht vertreten wird, an eine Arglist seien im Prozessbe-
trug erhöhte Anforderungen zu stellen, kann das nur bedeuten, dass der
Strafrichter bei der Beurteilung der Arglist der konkreten Prozesssituation
und Verfahrensart im Rahmen der zur Arglist entwickelten Kriterien Rech-
nung tragen muss (BGE 122 IV 197 E. 3d).

Arglist ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein
ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften
oder Kniffe bedient. Bei einfachen falschen Angaben ist das Merkmal

- 13 -

erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe mög-
lich oder nicht zumutbar ist, sowie dann, wenn der Täter den Getäuschten
von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraus-
sieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonde-
ren Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Mit dem Tatbestands-
merkmal der Arglist verleiht das Gesetz dem Gesichtspunkt der Opfermit-
verantwortung wesentliche Bedeutung. Arglist scheidet aus, wenn der Ge-
täuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte ver-
meiden können. Dabei sind die jeweilige Lage und die Schutzbedürftigkeit
des Betroffenen im Einzelfall entscheidend. Auch unter dem Gesichtspunkt
der Opfermitverantwortung erfordert die Erfüllung des Tatbestands indes
nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt
und alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn
es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entspre-
chend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des
Getäuschten, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische
Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt. Die zum Ausschluss
der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opferverantwortung kann nur
in Ausnahmefällen bejaht werden (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2).

5.4.3.
Die Beschuldigte stellte, vertreten durch ihren Verteidiger, am 20. August
2024 (Postaufgabe 21. August 2024) bei der Präsidentin des Bezirksge-
richts Baden ein Gesuch um Kraftloserklärung der Schuldbriefe
(act. 7.1.3 006 ff.). Zur Begründung führte sie an:

 Sie sei Alleineigentümerin des Grundstücks.
 Art. 865 ZGB erlaube dem Schuldner eines abhandengekommenen

Pfandtitels, die Kraftloserklärung zu verlangen, wenn ein abbezahl-
ter Titel fehle. Besitz und Verlust der Urkunde seien glaubhaft zu
machen.

 Für jeden Schuldbrief existiere ein physischer Titel. Im Grundbuch
sei jedoch kein Gläubigerrecht eingetragen. Deshalb sei unklar, wer
den Titel zuletzt besessen habe und als Inhaber berechtigt gewesen
sei. Die Schuldbriefe seien aus Gründen, die sie nicht näher erklä-
ren könne, bei ihr unauffindbar. Auch die Raiffeisenbank H._____
besitze die Urkunden nicht. Die Urkunden seien damit unauffindbar
und wohl verloren gegangen.

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden erliess am 10. September 2024
eine Verfügung, die dreimal im Schweizerischen Handelsamtsblatt publi-
ziert wurde. Darin forderte sie alle möglichen Inhaber der Schuldbriefe auf,
diese bis spätestens 13. März 2025 vorzulegen; andernfalls erginge eine
Kraftloserklärung (act. 7.1.3 012 f.). Mit Entscheid vom 18. März 2025
stellte sie fest, dass die Schuldbriefe nicht vorgelegt wurden, und sprach
die Kraftloserklärung aus (act. 7.1.3 017 ff.).

- 14 -

5.4.4.
Zumindest "in dubio pro duriore" ist für dieses Beschwerdeverfahren anzu-
nehmen,

 dass die Beschuldigte ihr Gesuch um Kraftloserklärung wider bes-
seres Wissen mit der begründeten Behauptung stützte, die Schuld-
briefe seien verloren gegangen, und

 dass die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden diese begründete
Behauptung als glaubhaft anerkannte (vgl. hierzu Art. 981
Abs. 3 OR) und deshalb das Kraftloserklärungsverfahren durch-
führte und mit Entscheid vom 18. März 2025 abschloss.

Selbst bei Annahme einer einfachen Lüge liesse sich Arglist unter den vor-
liegenden Umständen nicht sicher ausschliessen. Die Beschuldigte musste
ihre Behauptung nicht beweisen, sondern nur glaubhaft machen. Es ge-
nügte, sie im Gesuch möglichst überzeugend darzustellen. Indem sie ihr
Gesuch anwaltlich formulieren liess, hatte sie alle ihr möglichen Vorkehrun-
gen getroffen. Mehr konnte und musste sie nicht tun. Scheitern konnte das
Gesuch nur, wenn der Beschwerdeführer oder Notar G._____ auf die Pub-
likationen der Verfügung vom 10. September 2024 reagiert hätten. Beide
reagierten jedoch nicht. Damit ist nicht ersichtlich, welche zumutbaren
Massnahmen der Präsidentin des Bezirksgerichts Baden eine Irrtumser-
kennung ermöglicht hätten.

Die fehlende Reaktion des Beschwerdeführers erscheint nicht so vorwerf-
bar, dass sie in diesem Beschwerdeverfahren als Arglist ausschliessende
Opfermitverantwortung gilt.

5.4.5.
Die kantonale Staatsanwaltschaft berief sich darauf, dass die bundesge-
richtliche Arglist-Rechtsprechung zu kontradiktorischen Zivilverfahren auch
für Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit gelte. Der Untersuchungs-
grundsatz und öffentliche Bekanntmachungen kompensierten das Fehlen
einer Gegenpartei. Zur Frage, ob dem so ist oder nicht, besteht soweit er-
sichtlich keine herrschende Lehrmeinung oder gefestigte Gerichtspraxis.
Die kantonale Staatsanwaltschaft berief sich zur Begründung ihrer Rechts-
auffassung denn auch nicht auf Lehre oder Rechtsprechung und äusserte
insofern einzig ihre persönliche Rechtsauffassung. Diese überzeugt mate-
riell aber nicht ohne Weiteres, weshalb in diesem Beschwerdeverfahren
nicht darauf abzustellen ist.

Die Beschuldigte erklärte, sie habe bei der Gesuchseinreichung keine
Kenntnis vom Verbleib der Schuldbriefe gehabt und sei wegen einge-
schränkter kognitiver Fähigkeiten überfordert gewesen. Diese

- 15 -

Behauptungen sind nicht hinreichend belegt, um Arglist in diesem Be-
schwerdeverfahren ausschliessen zu können.

5.5.
Damit ist die Einstellungsverfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzu-
heben.

6.
6.1.
Der Gesuchsteller führte in der Beschwerde (Rz. 4.1 f.) zur Begründung
seines Ausstandsgesuchs folgende Punkte an:

 Der verfahrensleitende Staatsanwalt habe die zu untersuchenden
Tathandlungen mehrfach falsch qualifiziert und das Verfahren ohne
genügende Begründung eingestellt.

 Er habe sein Ermessen willkürlich überschritten.
 Er habe sämtliche Beweisanträge willkürlich abgelehnt und die Aus-

sagen aller Beteiligten "bewusst und gänzlich" ignoriert.
 Sein Vorgehen sei willkürlich, unangemessen und widersprüchlich

gewesen.
 Er habe den Untersuchungsgrundsatz und damit das Legalitätsprin-

zip verletzt.
 Er habe Art. 7 StPO (Strafverfolgungszwang) missachtet.
 Er habe das rechtliche Gehör willkürlich verletzt.
 Er habe gegen das Fairnessgebot verstossen, indem er belastende

Tatbestände nicht geprüft habe.
 Er habe ihn "enteignet", weil er nicht als Schaden anerkannt habe,

dass ihm mit der Kraftloserklärung der Schuldbriefe als Sicherheit
dienende Wertpapiere aus den Händen geschlagen worden seien.

6.2.
Ein – wie vorliegend – einzig mit einer fehlerhaften Verfahrensführung be-
gründetes Ausstandsgesuch unterliegt der Beurteilung nach Art. 56
lit. f StPO. Diese Norm ist eine Generalklausel, die alle Ausstandsgründe
erfasst, die in Art. 56 lit. a-e StPO nicht ausdrücklich genannt werden
(BGE 141 IV 178 E. 3.2.1). Auch ein Staatsanwalt kann abgelehnt werden,
falls objektive Umstände den Anschein der Befangenheit wecken
(BGE 141 IV 178 E. 3.2.2). Blosse Fehler in Verfügungen oder Verfahrens-
schritten lassen aber noch keinen Anschein der Voreingenommenheit ent-
stehen. Anders liegt der Fall hingegen bei besonders krassen oder wieder-
holten Irrtümern, die eine schwere Amtspflichtverletzung darstellen
(BGE 141 IV 178 E. 3.2.3).

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts liegt Willkür in der
Rechtsanwendung vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich
unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht,

- 16 -

eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder
in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft
(BGE 140 III 167 E. 2.1).

6.3.
Die Einstellungsverfügung stützte sich massgeblich auf die Annahme feh-
lender Arglist. Diese Annahme ist weder offensichtlich falsch noch wider-
legt. Sie ist lediglich "in dubio pro duriore" nicht gesichert. Gleiches gilt für
die übrigen Annahmen, wonach die Kraftloserklärung nicht als eine (be-
trugskausale) Vermögendisposition zu betrachten und dem Gesuchsteller
kein Vermögensschaden entstanden sei, zumal sich der Vermögensscha-
den des Beschwerdeführers aufgrund der komplexen Vorgeschichte nicht
ohne Weiteres erschliessen lässt. Die in E. 3.2 und 3.4 zusammengefass-
ten Annahmen des verfahrensleitenden Staatsanwalts wirken weder will-
kürlich noch unzureichend begründet.

Der verfahrensleitende Staatsanwalt wies die vom Gesuchsteller am
13. August 2025 gestellten Beweisergänzungsanträge mit Verfügung vom
18. August 2025 ab (act.10.1 0003 ff.; act.10.1 0007 ff.). Angesichts seiner
– nicht willkürlichen – Fallbeurteilung, wie in der Einstellungsverfügung dar-
gelegt, wirkt diese Ablehnung nicht derart falsch, dass sich damit ein Aus-
stand begründen liesse. Das Ausstandsgesuch ist damit unbegründet und
abzuweisen.

7.
7.1.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Bei Aufhebung
eines Entscheids und Rückweisung der Sache zur neuen Entscheidung
sind sie auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 4 StPO). Wird ein
Ausstandsgesuch abgewiesen, so gehen die Kosten zu Lasten der gesuch-
stellenden Person (Art. 59 Abs. 4 StPO).

7.2.
Das Ausstandsgesuch wurde im Rahmen der Beschwerdeanträge gestellt.
Es bietet sich daher an, die Kosten des Ausstands- und Beschwerdever-
fahrens gemeinsam festzulegen. Diese sind zunächst anteilsmässig dem
Ausstandsgesuch und der Beschwerde zuzuordnen und sodann nach den
jeweils massgeblichen Bestimmungen zu verlegen.

Es erscheint angemessen, die Kosten des Ausstands- und Beschwerde-
verfahrens zu einem Drittel dem Ausstandsgesuch und zu zwei Dritteln der
Beschwerde zuzuordnen. Die auf das Ausstandsgesuch entfallenden Kos-
ten sind gestützt auf Art. 59 Abs. 4 StPO dem Gesuchsteller aufzuerlegen.
Die auf die Beschwerde entfallenden Kosten sind gestützt auf
Art. 428 Abs. 4 StPO auf die Staatskasse zu nehmen.

- 17 -

8.
8.1.
Die Beschuldigte beantragte in ihrer Beschwerdeantwort allein die Abwei-
sung der Beschwerde. Sie äusserte sich auch in der Begründung nicht zum
Ausstandsgesuch. Deshalb gilt sie nicht als zumindest teilweise obsiegend
und ist sie für das Ausstands- und Beschwerdeverfahren nicht zu entschä-
digen.

8.2.
Der Beschwerdeführer und Gesuchsteller ist für sein abgewiesenes Aus-
standsgesuch nicht zu entschädigen. Sein Anspruch auf angemessene
Entschädigung für das eigentliche Beschwerdeverfahren richtet sich nach
Art. 433 StPO und hängt vom noch offenen Ausgang des Strafverfahrens
ab. Eine allfällige Entschädigung wird somit im Endentscheid und in Abhän-
gigkeit vom Verfahrensausgang zu behandeln und zu verlegen sein
(Art. 421 Abs. 1 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_531/2012 vom
27. November 2012 E. 3).

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Einstellungsverfügung vom
18. August 2025 aufgehoben und die Sache zur neuen Beurteilung an die
kantonale Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

2.
Das Ausstandsgesuch wird abgewiesen.

3.
Die Kosten des Ausstands- und Beschwerdeverfahrens, bestehend aus ei-
ner Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 110.00, zu-
sammen Fr. 1'110.00, werden zu zwei Dritteln auf die Staatskasse genom-
men. Zu einem Drittel, ausmachend Fr. 370.00, werden sie dem Beschwer-
deführer und Gesuchsteller auferlegt und mit der geleisteten Kostensicher-
heit verrechnet.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

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Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 14. Januar 2026

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard

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