# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d11b6d9-ae66-5490-b7fa-9eafe2b8a821
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.12.2023 E-6767/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6767-2023_2023-12-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6767/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richterin Chiara Piras; 

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Marek Wieruszewski,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 27. November 2023. 

 

 

E-6767/2023 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 10. September 2023 in der Schweiz um 

Asyl nachsuchte und dabei unter anderem angab, noch minderjährig zu 

sein, 

dass er am 18. September 2023 die ihm zugewiesene Rechtsvertretung 

bevollmächtigte, 

dass er anlässlich der Erstbefragung minderjähriger Asylsuchender vom 

10. Oktober 2023 (EB UMA) gegen eine Überstellung nach Kroatien vor-

brachte, dass er in Kroatien kein Asylgesuch eingereicht habe und dort 

zwei Tage lang in einem Container in einer Polizeistation eingesperrt ge-

wesen sei, weder Nahrung noch Wasser erhalten habe und zur Abgabe 

der Fingerabdrücke gezwungen worden sei; bei der Einreise in Kroatien 

sei er von den Soldaten geschlagen und sehr unfreundliche behandelt wor-

den, zudem sei die Schweiz von Anfang an sein Zielland gewesen (vgl. 

vorinstanzliche Akten [...]-13/10 [nachfolgend: act. 13] Ziff. 2.06 und 8.01), 

dass er betreffend seine gesundheitliche Situation festhielt, nicht krank zu 

sein, aber sein Knie sei aufgrund der Flucht verletzt und sein Handgelenk 

verstaucht; zudem sei es ihm nach Ankunft in der Schweiz psychisch nicht 

gut gegangen (vgl. a.a.O. Ziff. 8.02 und 9.01), 

dass das SEM die kroatischen Behörden am (…) 2023 um Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags 

auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), er-

suchte, 

dass ein Altersgutachten vom (…) 2023 zum Schluss gelangte, es sei von 

einem Mindestalter von (…) Jahren auszugehen, das vom Beschwerdefüh-

rer angegebene Alter erscheine daher ausgeschlossen, 

dass das SEM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 15. November 

2023 das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen des Altersgutachtens ge-

währte, 

E-6767/2023 

Seite 3 

dass das SEM das Altersgutachten gleichentags den kroatischen Behör-

den zustellte, 

dass der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 16. November 

2023 an seiner Minderjährigkeit festhielt, 

dass die kroatischen Behörden dem Ersuchen des SEM um Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers am (…) 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO ausdrücklich zustimmten, 

dass das SEM mit Verfügung vom 27. November 2023 – eröffnet am 

29. November 2023 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 

142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, seine 

Überstellung nach Kroatien verfügte, ihn aufforderte, die Schweiz am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, gleichzeitig den zuständi-

gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, ihm die editi-

onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, sein Geburts-

datum im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf (…) (mit 

Bestreitungsvermerk) festlegte und feststellte, eine allfällige Beschwerde 

gegen den Entscheid habe keine aufschiebende Wirkung, 

dass die zugewiesene Rechtsvertretung am 29. November 2023 ihr Man-

dat niederlegte, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Dezember 2023 gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 

dabei beantragte, es sei die Verfügung vom 27. November 2023 vollstän-

dig aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzu-

treten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen, eventualiter 

sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, 

dass er in prozessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung inklusive Kostenvorschussverzicht beantragte, 

dass der Instruktionsrichter am 7. Dezember 2023 einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp anordnete, 

dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht gleichen-

tags in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG), 

 

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Seite 4 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um ein solches Rechtsmittel handelt, 

weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

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Seite 5 

dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-

rodac»-Datenbank ergab, dass dieser am (…) 2023 in Kroatien ein Asylge-

such eingereicht hatte, 

dass das SEM die kroatischen Behörden daher zu Recht um Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-

VO ersuchte, zumal das SEM auch zu Recht von der Volljährigkeit des Be-

schwerdeführers ausging, was auf Beschwerdeebene auch nicht mehr be-

stritten wird, 

dass die kroatischen Behörden diesem Gesuch am (…) 2023 zustimmten, 

dass die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens somit gegeben ist, 

dass das Vorliegen systemischer Schwachstellen im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO unter Hinweis auf die Praxis des Bun-

desverwaltungsgerichts zu verneinen ist (vgl. Referenzurteil des BVGer E-

1488/2020 vom 22. März 2023 E. 9.5), 

dass diese Feststellung auch im Lichte der in der Beschwerde referenzier-

ten Äusserungen einer Delegation der NGOs «Centre for Peace Studies» 

und «Are You Syrious?» anlässlich der Verleihung des Menschenrechts-

preises «Offene Alpen» am 15. Juni 2023 in Bern (vgl. CONSTANZE WARTA, 

Schweiz / Kroatien: Menschenrechtspreis auf der Balkanroute, 20. Juli 

2023, < https://forumcivique.org/artikel/schweiz-kroatien-menschenrechts-

preis-auf-der-balkanroute >, abgerufen am 11.12.2023) weiterhin Gültig-

keit hat, 

dass Gleiches für den in der Beschwerde ebenfalls erwähnten kritischen 

Bericht der NGO «Solidarité sans frontières» gilt, 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln kann, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

E-6767/2023 

Seite 6 

dass mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-

VO vermutungsweise davon ausgegangen werden kann, dass Kroatien 

seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber 

Personen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbe-

sondere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus den Richtlinien 

des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU vom 26. Juni 

2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung 

des internationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben, 

dass diese Vermutung zwar im Einzelfall widerlegt werden kann, es hierfür 

aber konkreter und ernsthafter Hinweise bedarf, die von den Betroffenen 

glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.), 

dass selbst unter der Annahme, die vom Beschwerdeführer geschilderten 

Erlebnisse entsprächen den Tatsachen, festzuhalten ist, dass er diese im 

Rahmen der illegalen Einreise erlebt hat, 

dass er sich im Falle einer Überstellung im Rahmen eines Dublin-Verfah-

rens in einer grundsätzlich anderen Situation befindet, weshalb aus den 

geschilderten Erlebnissen keine Schlüsse auf die Bedingungen gezogen 

werden können, denen er bei einer Rückführung nach Kroatien in den dor-

tigen Aufenthaltsstrukturen ausgesetzt wäre (vgl. statt vieler Urteil des 

BVGer D-6041/2022 vom 16. Mai 2023 E. 8.1), 

dass namentlich nicht angenommen werden kann, die Bedingungen seien 

derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK oder Art. 3 

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

(FoK, SR 0.105) führen könnten, 

dass Kroatien grundsätzlich ein funktionierender Rechtsstaat ist und sich 

der Beschwerdeführer bei Bedarf an die dortigen Behörden wenden könnte 

(vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-2260/2023 vom 27. April 2023 E. 8.3), 

dass sich die Überstellung nach Kroatien unter Beachtung der massgebli-

chen völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig erweist, womit keine 

zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt ersichtlich sind, 

E-6767/2023 

Seite 7 

dass dem SEM ausserhalb des Bereichs völkerrechtlicher Vollzugshinder-

nisse bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ein Ermessensspiel-

raum zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.), 

dass die angefochtene Verfügung unter diesem Blickwinkel nicht zu bean-

standen ist, zumal sich das SEM genügend mit dem konkreten Einzelfall 

auseinandergesetzt hat, 

dass folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vorliegt, 

Kroatien somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO bleibt und 

verpflichtet ist, den Beschwerdeführer aufzunehmen, 

dass ferner keine Gründe ersichtlich sind, die Sache zur erneuten Ent-

scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, 

dass dementsprechend das Eventualbegehren abzuweisen ist, 

dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist und in Anwendung von 

Art. 44 AsylG die Überstellung nach Kroatien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a 

AsylV 1), 

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen ist, 

dass der angeordnete Vollzugsstopp mit vorliegendem Urteil dahinfällt, 

dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus 

den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-

ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt 

sind, 

dass das Gesuch um Verzicht auf Kostenvorschuss mit Entscheid in der 

Hauptsache gegenstandslos geworden ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

Versand: