# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbdf6c23-3741-5398-b298-6ce7235642d7
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-01
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 01.10.2015 VG.2015.00042 (VG.2015.275)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2015-00042_2015-10-01.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 1. Oktober 2015

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2015.00042 und VG.2015.00051

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
   

   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons
    Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 A.______ arbeitete seit dem 1. Dezember 2012
  bei der B.______AG, als Bauleitender Elektroinstallateur. Am
  4. August 2014 kündigte die B.______AG das Arbeitsverhältnis mit
  A.______ mit einer Frist von zwei Monaten auf Ende Oktober 2014. Gleichzeitig
  unterbreitete sie ihm einen neuen schriftlichen Arbeitsvertrag zu veränderten
  Bedingungen (Lohnreduktion von rund Fr. 500.-, Funktionsherabstufung),
  der am 1. November 2014 in Kraft treten sollte. A.______ unterzeichnete
  diesen Vertrag nicht. Die Kündigungsfrist verlängerte sich aufgrund eines
  Unfalls und anschliessender Arbeitsunfähigkeit von A.______ (8. bis 14.
  September 2014) bis zum 30. November 2014. Am 8. Oktober 2014
  stellte die B.______AG A.______ rückwirkend per 6. Oktober 2014 bis zum
  Vertragsende, dem 30. November 2014, von jeglicher Arbeitsleistung frei.

  
	
   

  
	
  1.2 In der Folge meldete sich A.______ bei der C.______
  Arbeitslosenkasse zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung ab
  dem 1. Dezember 2014 an. Am 23. Dezember 2014 unterbreitete die C.______
  Arbeitslosenkasse dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Glarus die
  Frage, ob A.______ eine zumutbare Arbeit abgelehnt habe und ob eine
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolge. Am 29. Dezember 2014
  stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit A.______ wegen Ablehnung einer
  zumutbaren Arbeit für 43 Tage in der Anspruchsberechtigung ein.

  
	
   

  
	
  1.3 Auf Einsprache von A.______ vom 7. Januar 2015 hin
  hob das Amt für Wirtschaft und Arbeit seine Verfügung vom 29. Dezember 2014
  am 10. März 2015 auf und reduzierte die Zahl der Einstelltage auf 31, was es
  gleichentags separat verfügte. Eine gegen diese neue Verfügung gerichtete
  Einsprache wies es am 15. April 2015 ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am 4. April 2015
  erhob A.______ Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, die
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei aufzuheben und es sei ihm Schadenersatz
  in der Höhe von Fr. 15'000.- zu bezahlen (Verfahren VG.2015.00042). Am
  24. April 2015 beantragte er sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids
  vom 15. April 2015 (Verfahren VG.2015.00051). Am 1. Mai 2015 schloss das Amt
  für Wirtschaft und Arbeit auf Abweisung der Beschwerden. Am 9. Mai 2015 reichte
  A.______ eine zusätzliche Stellungnahme ein. Am 4. August 2015 forderte das
  Verwaltungsgericht die C.______ Arbeitslosenkasse zur Einreichung der Stellungnahme
  von A.______ vom 23. Dezember 2014 auf. Die Stellungnahme ging in der Folge
  am 7. August 2015 beim Verwaltungsgericht ein. Am 11. August 2015 nahm
  A.______ erneut unaufgefordert Stellung.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 25. Juni 1982 (AVIG) i.V.m. Art. 56 und Art.
  57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
  vom 6. Oktober 2000 (ATSG)
  i.V.m. Art. 12 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum
  Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 6. Mai 1984 (EG AVIG) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerden einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Gemäss Art. 23 Abs. 2 des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) können die Verfahren im
  Interesse einer zweckmässigen Erledigung vereinigt werden, wenn getrennt
  eingereichte Anträge, Beschwerden oder Klagen den gleichen Gegenstand
  betreffen.

  
	
   

  
	
  Mit der Beschwerde
  VG.2015.00042 ficht der Beschwerdeführer den Einsprache-Entscheid des
  Beschwerdegegners Nr. 329417343 vom 10. März 2015 an. Zudem rügt er mit der
  Beschwerde VG.2015.00051 den Einspracheentscheid des Beschwerdegegners Nr.
  329801538 vom 15. April 2015. Beide Beschwerden betreffen den gleichen
  Sachverhalt. Folglich rechtfertigt es sich, die Verfahren VG.2015.00042 und
  VG.2015.00051 zu vereinigen.

  
	
   

  
	
  Hinzuweisen ist allerdings
  darauf, dass das prozessuale Vorgehen des Beschwerdegegners nicht zweckmässig
  ist. In seiner Verfügung vom 29. Dezember 2014 stellte er den
  Beschwerdeführer für 43 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Im Einspracheentscheid
  vom 10. März 2015 zog er eine Reduktion der Einstellung auf 31 Tage in Betracht.
  Da der Einspracheentscheid die angefochtene Verfügung ersetzt (Ueli Kieser,
  ATSG-Kommentar, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 52 N. 39), war es nicht angezeigt,
  eine zusätzliche Verfügung zu erlassen und in deren Rechtsmittelbelehrung
  erneut auf die Einsprache zu verweisen. Vielmehr hätte die Einsprache
  teilweise gutgeheissen und die Reduktion der Einstelltage im Dispositiv des
  Einspracheentscheids, gegen welchen Beschwerde beim Verwaltungsgericht
  erhoben werden kann, festgehalten werden müssen. 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdegegner stützte die Einstellung des
  Beschwerdeführers in der Anspruchsberechtigung im ersten Einspracheentscheid
  vom 10. März 2015 darauf, dass der Beschwerdeführer eine zumutbare Arbeit im
  Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG nicht annahm. Im zweiten
  Einspracheentscheid vom 15. April 2015 ging er sinngemäss von einer
  selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG
  aus.

  
	
   

  
	
  2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, entgegen
  der Aussage der C.______ Arbeitslosenkasse gegenüber dem
  Beschwerdegegner habe er den ihm neu angebotenen Vertrag nicht abgelehnt,
  sondern lediglich noch nicht unterzeichnet. D.______ (bei der B.______AG)
  habe ihm bis Ende November 2014 Bedenkfrist eingeräumt, um den Vertrag zu
  akzeptieren oder nachzuverhandeln. Die Änderungskündigung habe er allerdings
  akzeptiert und unterschrieben. Während dieser Bedenkfrist habe er am 8. Oktober
  2014 eine Kündigung in Form einer Freistellungs-Vereinbarung und
  Austrittsbestätigung erhalten. Es habe sich niemand mit diesen Tatsachen befasst.
  Er sei im Besitz eines gültigen Arbeitsvertrages, der am 1. November 2014 in
  Kraft getreten wäre. Da ihm während der Kündigungsfrist gekündigt worden sei,
  habe er gar nie die Möglichkeit gehabt, eine zumutbare Stelle anzutreten oder
  abzulehnen. Da er auch die Kündigung nachweislich nicht selbst verschuldet
  habe, gebe es keinen Grund für eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung.
  Im Übrigen verlangt der Beschwerdeführer Schadenersatz in Höhe von
  Fr. 15'000.-. Nach seiner Auffassung haben die C.______ Arbeitslosenkasse
  und der Beschwerdegegner ihre Amts-, Sorgfalts- oder Dienstpflichten
  vernachlässigt und bewusst oder unbewusst in Kauf genommen, ihm einen
  materiellen Nachteil und einem Dritten einen materiellen Vorteil zu
  verschaffen. Seiner Meinung nach könnte es sich dabei sogar um ein Amtsdelikt
  handeln. Seine Familie befinde sich im Augenblick in einer wirtschaftlichen,
  sozialen und mentalen Notsituation.

  
	
   

  
	
  2.3 Der Beschwerdegegner führt aus, der Beschwerdeführer
  habe sich am 24. November 2014 auf dem Regionalen
  Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zum Bezug von Leistungen der
  Arbeitslosenversicherung angemeldet. Am 23. Dezember 2014 habe er Unterlagen
  der C.______ Arbeitslosenkasse erhalten, welche aufzeigen würden, dass der
  Beschwerdeführer eine zumutbare und unbefristete Arbeitsstelle vor der Arbeitslosigkeit
  abgelehnt habe. Daraufhin sei er für 43 Tage in der Anspruchsberechtigung
  eingestellt worden. In seinem Einspracheentscheid habe er die Einstelldauer
  auf 31 Tage verkürzt. Er sei von einem schweren Verschulden ausgegangen. Das
  Job-Angebot sei in jedem Fall zumutbar gewesen. Die Arbeitsbedingungen seien
  berufs- und ortsüblich und auch gesundheitlich habe der Beschwerdeführer
  keine Einschränkungen geltend gemacht. Er sei während der Kündigungsfrist
  handgreiflich geworden, weshalb die B.______ AG ihn nicht mehr habe
  weiterbeschäftigen können und ihn bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses
  freigestellt habe.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die
  obligatorische Arbeitslosenversicherung will den versicherten Personen einen
  angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle wegen Arbeitslosigkeit garantieren
  (Art. 1a Abs. 1 lit. a AVIG). Gemäss der im gesamten Sozialversicherungsrecht
  geltenden Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) muss der Versicherte
  jedoch alles Zumutbare unternehmen, um den Eintritt oder das Fortdauern der
  Arbeitslosigkeit zu verhindern (BGer-Urteil 8C_12/2010 vom 4. Mai 2010
  E. 2.2). 

  
	
   

  
	
  3.2 Wer dazu Anlass gibt, dass ihm gekündigt wird,
  ist in der Anspruchsberechtigung einzustellen (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG).
  Dieser Tatbestand der Einstellung in der Anspruchsberechtigung setzt gemäss
  Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die obligatorische
  Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 31. August
  1983 (AVIV) nicht voraus, dass das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen
  gemäss Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts
  vom 30. März 1911 (OR) aufgelöst wurde (vgl. Barbara
  Kupfer, in Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
  Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
  Insolvenzentschädigung, 4. A., Zürich/Basel/Genf 2013, Art. 30
  S. 162). 

  
	
   

  
	
  Ebenso ist ein Versicherter zu sanktionieren, wenn er
  eine zumutbare Arbeit nicht annimmt (Art. 30 Abs. 1 lit. d
  AVIG). Zweck der Einstellung als versicherungsrechtliche Sanktion ist die
  angemessene Mitbeteiligung des Versicherten am Schaden, den er durch sein
  pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat
  kausal verursacht hat (BGE 122 V 34 E. 4c/aa, mit Hinweis).

  
	
   

  
	
  Die Dauer der Einstellung
  bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG).
  Sie beträgt bei leichtem Verschulden 1 bis 15 Tage, bei
  mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage und bei schwerem Verschulden
  31 bis 60 Tage (Art. 45 Abs. 3 AVIV).

  
	
   

  
	
  3.3 Ein
  Selbstverschulden des Versicherten liegt vor, wenn oder soweit der Eintritt oder
  das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben
  ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren
  Verhalten liegt, für das die Versicherung die Haftung nicht übernimmt
  (BGer-Urteil C 348/00 vom 21. Februar 2001 E. 1a; ARV 1998
  Nr. 9 S. 44; Thomas Nussbaumer, in Ulrich Meyer [Hrsg.],
  Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Bd. XIV,
  2. A., Basel/Genf/München 2007, O. Rz. 829). Die Nichtannahme
  zumutbarer Arbeit erfasst grundsätzlich jedes Verhalten, welches das
  Zustandekommen eines Arbeitsvertrags scheitern lässt, wie insbesondere wenn
  der Versicherte eine Stelle ausdrücklich zurückweist oder eine nach den
  Umständen gebotene ausdrückliche Annahmeerklärung unterlässt (Kupfer Bucher,
  Art. 30 S. 179).

  
	
   

  
	
  3.4 Gemäss Art. 16 Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich jede
  Arbeit zumutbar, es sei denn, es ist einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung
  abschliessend aufgelisteten Ausnahmetatbestände erfüllt (BGE 124 V 62 E. 3b).
  Die Unzumutbarkeitsgründe gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. a bis i AVIG müssen
  kumulativ ausgeschlossen sein, damit eine zumutbare Arbeit angenommen werden
  kann. Ist umgekehrt einer der in Art. 16 Abs. 2 lit. a bis i AVIG
  aufgezählten Tatbestände erfüllt, liegt keine zumutbare Arbeit vor, selbst
  wenn die anderen Ausnahmetatbestände ausscheiden (Kupfer Bucher, Art. 16
  S. 96 f.). Gemäss Art. 16 Abs. 1 lit. i AVIG ist eine Arbeitsstelle
  unzumutbar, die dem Versicherten einen Lohn einbringt, der geringer ist als
  70 Prozent des versicherten Verdienstes, es sei denn, der Versicherte erhalte
  Kompensationsleistungen nach Art. 24 AVIG (Zwischenverdienst).

  
	
   

  
	
  3.5 Eine Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung kann nur verfügt werden, wenn das dem Versicherten zur
  Last gelegte Verhalten klar feststeht (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV;
  BGer-Urteil 8C_466/2007 vom 19. November 2007 E. 3.1). Bei Differenzen
  zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer darf nicht ohne Weiteres auf
  ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers geschlossen werden, wenn der
  Arbeitgeber nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche er
  keine Beweise anführen kann. Im Übrigen darf nicht einseitig auf die
  Darstellung des Arbeitgebers abgestellt werden, wenn dessen Aussagen
  bestritten und durch keine weiteren Indizien gestützt werden (vgl. ARV
  1993/1994 Nr. 26 S. 188 E. 6b/bb; KGer
  BL-Urteil 715 13 337 / 137 vom 11. Juni 2014 E. 4.3, www.baselland.ch).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 In der Arbeitgeberbescheinigung vom 8. Dezember 2014
  wird festgehalten, Grund der Änderungskündigung sei gewesen, dass der
  Beschwerdeführer die Anforderungen in seiner Funktion als Bauleitender
  Elektroinstallateur nicht vollumfänglich erfüllt habe. In der Folge habe er
  den Vertrag als Installateur nicht angenommen. 

  
	
   

  
	
  4.2 Dass der Beschwerdeführer die Änderungskündigung
  unterschrieben hätte, geht aus den Akten nicht hervor. Das betreffende
  Schreiben ist nur von Verantwortlichen der B.______AG unterzeichnet. Auch
  sonst hat der Beschwerdeführer auf die Änderungskündigung vom 4. August 2014
  nicht reagiert. Er macht vielmehr geltend, sein Vorgesetzter D.______, habe
  ihm bis Ende November 2014 eine Bedenkfrist eingeräumt. Er habe mit der
  Annahme des neuen Arbeitsvertrags zugewartet, weil sein Lohn neu Fr. 500.-
  weniger betragen hätte und ihm die Änderungskündigung auf der Baustelle ohne
  vorherige Besprechung mit dem Vorgesetzten vorgelegt worden sei. 

  
	
   

  
	
  4.3 Dem Beschwerdegegner ist zwar darin beizupflichten,
  dass die mit der Änderungskündigung dem Beschwerdeführer angebotene Stelle
  zumutbar war. Indessen ist es nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer diese
  Stelle abgelehnt hat. Namentlich geht aus den Akten nicht hervor, ob der
  Einwand des Beschwerdeführers, ihm sei bis am 30. November 2014 eine
  Bedenkfrist eingeräumt worden, zutrifft oder nicht. Der Beschwerdegegner
  hätte dies im Rahmen seiner Untersuchungspflicht (Art. 43 ATSG)
  überprüfen müssen. Solange aber nicht belegt ist, dass der Beschwerdeführer
  die neue Stelle abgelehnt hatte, kann sich die Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung nicht auf Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG stützen.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Während der Kündigungsfrist wurde der
  Beschwerdeführer per 6. Oktober 2014 bis zum 30. November 2014 von jeglicher
  Arbeitsleistung freigestellt. Sein ehemaliger Arbeitgeber begründete die
  Freistellung einerseits mit einer Handgreiflichkeit des Beschwerdeführers
  während der Kündigungsfrist. Zudem führt er in seinem Schreiben vom 16.
  Dezember 2014 aus, der Beschwerdeführer sei mündlich ermahnt worden, weil er
  der Arbeit unentschuldigt ferngeblieben sei. Weiter habe er gegen die Arbeitsschutzbestimmungen
  verstossen, Arbeiten ausserhalb einer Hebebühne ohne Sicherheitsgurt (KW 12;
  2014) erledigt, verschiedene suboptimale Gespräche mit den Bauherren ohne
  Wissen des Projektleiters, Chef-Elektroinstallateurs oder Bauleitenden Elektroinstallateurs
  geführt (KW 30; 2014) und mehrmals kurzfristige Entscheidungen über die
  eigenen Arbeitszeiten getroffen, wodurch die Arbeitseinsatzplanung erschwert
  worden sei. Weiter habe er das Arztzeugnis verspätet abgegeben und Ferien
  nach Krankheit ohne Rücksprache mit dem Vorgesetzten selbständig verschoben.
  Zudem habe er mehrmals zur Abgabe des Wochenrapportes aufgefordert werden
  müssen (z. B. KW 34/38; 2014) und Anweisungen habe er erst nach mehreren Gesprächen
  umgesetzt. Im Übrigen sei er während der Kündigungsfrist handgreiflich geworden.
  Deshalb habe er nicht mehr weiterbeschäftigt werden können und sei er
  bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses freigestellt worden.

  
	
   

  
	
  5.2 Diesen Punkten hielt der Beschwerdeführer in seiner
  Stellungnahme zum Kündigungsgrund vom 23. Dezember 2014 entgegen, er habe die
  Anforderungen an seine Stelle nicht vollumfänglich erfüllen können. Trotzdem
  sei er am 1. Dezember 2012 als Bauleitender Elektroinstallateur eingestellt
  worden. Den Vorwurf, unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben zu sein,
  bestreitet er. Er gibt zu, ausserhalb der Hebebühne ohne Sicherheitsgurt
  gearbeitet zu haben. Er habe aber der Weisung seines Vorgesetzten Folge
  geleistet und die Arbeit unterbrochen. Als Bauleitender Elektroinstallateur
  gehöre zu seinen Aufgaben die Sicherstellung von guten Kundenkontakten. Zu
  seinen Verantwortlichkeiten und Kompetenzen hätten das Schaffen und Erhalten
  eines guten Kontaktes zum Auftraggeber oder dessen Vertretern wie Bauführern,
  Architekten, Planern etc. gehört. Wenn auf 1'700 Metern über Meer kein
  Material bereitstehe, sodass ein Weitermachen unmöglich sei, dann denke er,
  der Beschwerdeführer, unternehmerisch und beende mit seinem Team die Arbeit,
  um das Material zu beschaffen, das ihm ein Weiterarbeiten ermögliche. Leider
  sei ihm die AVOR von seinem Projektleiter entzogen und durch Dritte erledigt
  worden. Ausserdem sei eine Nachfrage nicht möglich gewesen, da sein
  Mobiltelefon nur an ganz wenigen Orten Signalempfang gehabt habe. Er wisse im
  Übrigen nicht, in welchem Zeitraum ein Arztzeugnis vorgelegt werden müsse,
  aber Ferien ohne Rücksprache mit dem Vorgesetzten hätten nie stattgefunden.
  Es sei vorgekommen, dass er den Arbeitsrapport erst am Dienstag und nicht
  schon am Montag abgegeben habe. Er sei zu dieser Handgreiflichkeit befragt
  worden und habe den Vorwurf schon damals von sich gewiesen. Allerdings habe
  ihm sein Vorgesetzter mitgeteilt, dass sie auf Druck von der E.______AG und F.______AG
  ihn nicht weiter auf dieser Baustelle einsetzen könnten. Der Sache sei nicht
  weiter nachgegangen worden, obwohl sein Mitarbeiter, der alles beobachtet
  habe, die Richtigkeit seiner Aussage belegt habe.

  
	
   

  
	
  5.3 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer
  freigestellt wurde und der Arbeitgeber somit zumindest implizit das Angebot
  zum Stellenwechsel unabhängig von einer allenfalls noch laufenden Bedenkfrist
  zurückzog. Grund für die Freistellung war in erster Linie die angebliche
  Handgreiflichkeit. Hingegen sind die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen
  Verfehlungen, welche sich vor der Änderungskündigung zugetragen hatten, für
  die Freistellung bzw. für die Aufhebung des Angebots zum Stellenwechsel nicht
  kausal, da ihm ja trotz der Verfehlungen die Möglichkeit zum Antritt der
  neuen Stelle geboten wurde.

  
	
   

  
	
  Der Beschwerdeführer
  bestritt von Anfang an, dass er handgreiflich geworden sei. Der
  Beschwerdegegner setzte sich mit diesem Einwand nicht auseinander, sondern
  stellte einseitig auf die Aussagen des ehemaligen Arbeitgebers des
  Beschwerdeführers ab, was nach dem Gesagten nicht zulässig ist (vgl. oben E.
  II/3.5). Er hätte vielmehr weitere Abklärungen treffen (beispielsweise durch
  Zeugeneinvernahmen) und so den Sachverhalt rechtlich genügend erstellen
  müssen. Bevor der Beschwerdegegner die erforderlichen Abklärungen getroffen
  hat, kann nicht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von
  Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ausgegangen werden.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Zusammenfassend ist
  aufgrund der sich widersprechenden Angaben des Beschwerdeführers und seines
  Arbeitgebers weder erstellt, dass er eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat noch
  dass seine Arbeitslosigkeit selbst verschuldet ist. Der Beschwerdegegner hat
  durch weitere Abklärungen den Sachverhalt rechtsgenüglich zu erstellen.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur
  teilweisen Gutheissung der Beschwerden. Die Einspracheentscheide vom 10. März
  2015 und 15. April 2015 sind aufzuheben. Die Sache ist im Sinne der Erwägungen
  zur Vornahme weiterer Abklärungen und zum Neuentscheid an den Beschwerdegegner
  zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  Auf das
  Schadenersatzbegehren ist nicht einzutreten, da dieses zunächst bei der Beschwerdegegnerin
  geltend zu machen ist (Art. 78 Abs. 2 ATSG). Immerhin ist darauf hinzuweisen,
  dass der Beschwerdeführer das Bestehen eines Schadens nicht substanziiert
  geltend macht, wobei die Frage der Rechtmässigkeit der Einstellung in der Anspruchsberechtigung
  nicht Gegenstand eines Verfahrens über Schadenersatz, sondern des
  vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  Die Gerichtskosten des
  Beschwerdeverfahrens sind von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen
  (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Verfahren VG.2015.00042 und VG.2015.00051 werden vereinigt.

    
	
    2.

    	
    Die
    Beschwerden werden teilweise gutgeheissen. Die Einspracheentscheide des Beschwerdegegners
    vom 10. März 2015 und vom 15. April 2015 werden aufgehoben und die Sache
    wird im Sinne der Erwägungen an den Beschwerdegegner zurückgewiesen.

    
	
    3.

    	
    Auf
    das Schadenersatzbegehren wird nicht eingetreten.

    
	
    4.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    5.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]