# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9084d3e-cb19-5d56-b242-852026555e01
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-06-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 12.06.2013 B 2012/218
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2012-218_2013-06-12.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2012/218

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 12.06.2013

Entscheiddatum: 12.06.2013

Urteil Verwaltungsgericht, 12.06.2013
Steuerrecht, Art. 127 Abs. 3 BV (SR 101), Art. 13 Abs. 2 StG (sGS 811.1) und 
Art. 3 Abs. 2 StHG (SR 642.14).Kriterien zur Bestimmung des Steuerdomizils 
eines unverheirateten Steuerpflichtigen. Eine Distanz von 35 km zwischen 
dem Ort des Wochenaufenthaltes und dem Arbeitsort begründet keine 
natürliche Vermutung zugunsten eines Hauptsteuerdomizils am Ort des 
Wochenaufenthaltes (Verwaltungsgericht, B 2012/218).

Urteil vom 12. Juni 2013

Anwesend:  Vizepräsident lic. iur. A. Linder; Verwaltungsrichter Dr. B. Heer, lic. iur. A. 

Rufener, Dr. S. Bietenharder-Künzle; Ersatzrichter Dr. W. Engeler; Gerichtsschreiber S. 

Wehrle, M.A. HSG

In Sachen

X.Y.,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Rutz, Haldenstrasse 6/10, 9200 Gossau 

SG,

gegen

Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen, Unterstrasse 28, 9001 St. 

Gallen,

Vorinstanz,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und

Kantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen,

Beschwerdegegner,

betreffend

Steuerpflicht 2011

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:

A./ X.Y. (geb. 1982) arbeitet seit dem 1. Mai 2011 als Projektleiter Systemtechnik bei 

der Z. in Eschen (Fürstentum Liechtenstein). Am 13. Juni 2011 meldete er sich bei der 

Gemeinde St. Margrethen von Aarau AG herkommend rückwirkend per 1. Mai 2011 als 

Wochenaufenthalter an. Auf dem dazu ausgefüllten Formular "Erklärung zum 

Wochenaufenthalt" gab er an, mit Aarau-Rohr würde ihn das dortige Freizeitangebot 

verbinden. Er kehre regelmässig dorthin zurück.

In St. Margrethen bewohnt X.Y. an der Q.-strasse 0 alleine eine 3.5-Zimmerwohnung. 

Der Mietvertrag wurde auf den 1. Mai 2011 ausgestellt. Der Mietzins beträgt 

Fr. 1'310.-- (brutto). In Aarau-Rohr bewohnt er im Zweifamilienhaus seiner Eltern an der 

T.-str. 00 eine eigene 3.5-Zimmerwohnung.

B./ Mit Feststellungsverfügung vom 21. Februar 2012 stellte das Kantonale Steueramt 

fest, X.Y. sei ab dem 1. Januar 2011 in St. Margrethen aufgrund persönlicher 

Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig. Zur Begründung wurde insbesondere 

angeführt, sein Arbeitsort falle nicht mit dem Ort des Wochenaufenthaltes zusammen, 

weshalb kein echter Wochenaufenthalt vorliege. Ein Dreiecksverhältnis zwischen 

Wohnort, Ort des Wochenaufenthaltes und Arbeitsort sei grundsätzlich nicht möglich. 

Da X.Y. beabsichtige, sich dauernd in St. Margrethen aufzuhalten, sei dies sein 

Hauptsteuerdomizil. Die am 5. März 2012 dagegen erhobene Einsprache wurde mit 

Entscheid vom 8. Mai 2012 abgewiesen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

C./ Gegen den Einspracheentscheid erhob X.Y. am 29. Mai 2012 Rekurs bei der 

Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte sinngemäss, der Einspracheentscheid 

vom 8. Mai 2012 sei unter Kostenfolge aufzuheben. Das Kantonale Steueramt liess sich 

am 29. Juni 2012 vernehmen und beantragte die kostenpflichtige Abweisung des 

Rekurses. Mit Schreiben vom 15. Juli 2012 nahm X.Y. zur Vernehmlassung ergänzend 

Stellung und reichte weitere Akten ein.

Mit Entscheid vom 30. August 2012 wies die Verwaltungsrekurskommission den 

Rekurs ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Entfernung von 35 km 

zwischen Arbeits- und Wochenaufenthaltsort übersteige eine bei Wochenaufenthalt 

übliche Pendlerdistanz. Es liege ein Dreiecksverhältnis zwischen Arbeitsort, 

Wochenaufenthaltsort und Wohnsitz vor, was im Sinne einer natürlichen Vermutung für 

die Annahme eines steuerrechtlichen Wohnsitzes am Ort des Wochenaufenthaltes in 

St. Margrethen spreche. Dem Beschwerdeführer gelinge es nicht, diese Vermutung zu 

entkräften und sein Hauptsteuerdomizil im Kanton Aargau nachzuweisen.

D./ Gegen den Rekursentscheid erhob X.Y. (nachfolgend Beschwerdeführer), nunmehr 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Rutz, am 11. Oktober 2012 Beschwerde 

beim Verwaltungsgericht. Er liess die Aufhebung des Rekursentscheids vom 

30. August 2012 und die Feststellung beantragen, dass der Beschwerdeführer im 

Steuerjahr 2011 in Aarau subjektiv steuerpflichtig gewesen sei.

Mit Schreiben vom 19. Oktober 2012 erklärte die Verwaltungsrekurskommission 

(nachfolgend Vorinstanz), dass sie angesichts der neuen Beweismittel des 

Beschwerdeführers auf eine Stellungnahme verzichte. Mit Vernehmlassung vom 

7. November 2012 beantragte das Kantonale Steueramt (nachfolgend 

Beschwerdegegner) die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Am 

20. November 2012 nahm der Beschwerdeführer ergänzend Stellung

Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird - soweit erforderlich - in den 

nachfolgenden Erwägungen weiter eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:

1. (…).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2. Der Beschwerdeführer beantragt unter anderem die Feststellung, er sei im Steuerjahr 

2011 in Aarau und damit im Kanton Aargau subjektiv steuerpflichtig gewesen.

Es liegt nicht in der Kompetenz des Verwaltungsgerichtes, über eine gegenüber einem 

anderen Kanton allfällig bestehende Steuerpflicht des Beschwerdeführers zu 

entscheiden. Insoweit wird auf die Beschwerde nicht eingetreten.

3. Der Beschwerdeführer bestreitet, im Jahr 2011 im Kanton St. Gallen eine 

Steuerpflicht begründet zu haben.

3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum interkantonalen 

Doppelbesteuerungsverbot (Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung, SR 101) ist der 

steuerrechtliche Wohnsitz einer unselbständig erwerbenden Person dort anzunehmen, 

wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibs aufhält (vgl. z.B. BGer 2C_270/2012 

vom 1. Dezember 2012 E. 2.2.1, mit Hinweisen unter anderem auf Art. 23 Abs. 1 des 

Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 210] bzw. Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes 

über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden 

[SR 642.11], abgekürzt StHG). Stehen zwei oder mehrere Orte in Konkurrenz, befindet 

sich das (Haupt-)Steuerdomizil im interkantonalen Verhältnis dort, wo faktisch der 

Mittelpunkt der Lebensinteressen der betreffenden Person liegt (BGE 132 I 29 E. 4.1; 

125 I 54 E. 2; 123 I 289 E. 2a; BGer 2C_92/2012 vom 17. August 2012 E. 4.1).

3.2. Der Wohnsitzbegriff setzt sich aus einem objektiven äusseren Element (Aufenthalt) 

und einem subjektiven inneren (Absicht dauernden Verbleibens) zusammen. Zur 

Feststellung des Wohnsitzes ist von den äusserlich wahrnehmbaren Umständen, 

welche den Aufenthalt kennzeichnen, auf die dahinter stehende Absicht zu schliessen 

(BGer 2C_270/2012 vom 1. Dezember 2012 E. 2.3; BGE 137 II 122 E. 3.6; 136 II 405 

E. 4.3). Dabei lässt sich gemeinhin kein strikter Beweis erbringen, sodass eine 

Abwägung von Indizien erforderlich ist. Dies bedingt eine sorgfältige Berücksichtigung 

sämtlicher Berufs-, Familien- und Lebensumstände (BGer 2C_397/2010 vom 

6. Dezember 2010 E. 2.4.2, in: StE 2011 A 24.21 Nr. 22). Auf die bloss geäusserten 

Wünsche der betreffenden Person oder die gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes 

kommt es nicht an; der Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar. Gleichermassen spielt 

das polizeiliche Domizil, an dem die Schriften hinterlegt sind oder die politischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rechte ausgeübt werden, keine ausschlaggebende Rolle. Als äussere Merkmale 

können sie aber immerhin dann ein Indiz für den Wohnsitz bilden, wenn auch das 

übrige Verhalten der Person dafür spricht (BGE 132 I 29 E. 4.1 f.; BGer 2C_919/2011 

vom 9. Februar 2012 E. 3.2 und 2C_918/2011 vom 12. April 2012 E. 3.1).

3.3. Wenn sich eine Person abwechslungsweise an zwei Orten aufhält, ist für die 

Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort sie 

die stärkeren Beziehungen unterhält. Bei unselbständig erwerbenden Steuerpflichtigen 

ist das gewöhnlich der Ort, an dem sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt 

nehmen, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des 

Lebensunterhalts dauernder Natur.

3.3.1. Bei verheirateten Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten werden die 

persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie aufhält, als stärker 

erachtet als diejenigen zum Arbeitsort, wenn sie nicht in leitender Stellung 

unselbständig erwerbstätig sind und täglich oder regelmässig an den Wochenenden an 

den Familienort zurückkehren. Verheiratete Pendler oder Wochenaufenthalter 

unterstehen demnach grundsätzlich der Steuerhoheit jenes Kantons, in dem sich ihre 

Familie aufhält (BGE 132 I 29 E. 4.2 und 4.3 mit Hinweisen).

3.3.2. Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die 

Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des 

Steuerpflichtigen. Allerdings werden die massgebenden Kriterien, wann anstelle des 

Arbeitsortes der Aufenthaltsort der (elterlichen) Familie als Hauptsteuerdomizil 

anerkannt werden kann, strenger gehandhabt. Dies folgt der Erfahrung, dass die 

Bindung zu den Eltern regelmässig lockerer ist als diejenige unter Ehegatten. Es gilt - 

vermehrt noch als bei verheirateten Steuerpflichtigen - zu berücksichtigen, ob weitere 

als nur familiäre Beziehungen ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der 

Grundsatz, wonach das Hauptsteuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am 

Arbeitsort liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich 

zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum 

Arbeitsort überwiegen. Dies kann namentlich dann der Fall sein, wenn sie am Arbeitsort 

eine unmöblierte Wohnung angemietet und eingerichtet haben oder wenn sie dort über 

einen besonderen Freundes- oder Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

haben in diesem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das 

Alter des Steuerpflichtigen (statt vieler BGE 125 I 54 E. 2b mit Hinweisen; 

VerwGE B 2012/25 vom 13. November 2012 E. 2.1, abrufbar unter 

www.gerichte.sg.ch). Das Bundesgericht geht in seiner neueren Rechtsprechung 

davon aus, dass die Beziehungen zur elterlichen Familie regelmässig nicht mehr so 

stark sind, wenn der Steuerpflichtige das 30. Altersjahr überschritten hat oder sich seit 

über fünf Jahren am selben Arbeitsort aufgehalten hat (sog. "Basler Praxis", vgl. BGer 

2C_270/2012 vom 1. Dezember 2012 E. 2.5; 2C_26/2012 vom 8. Mai 2012 E. 3.2; 

2C_518/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.1).

3.3.3. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts bei jüngeren Steuerpflichtigen, die sich während 

der Woche an ihrem Arbeitsort aufhalten, der Umstand, dass sie regelmässig an den 

Ort zurückkehren, wo ihre Familie lebt, sie aufgewachsen sind, die Schulen besucht 

oder gearbeitet haben und ihre persönlichen und familiären Beziehungen pflegen, in 

besonderem Mass für die Annahme spricht, dass sie am Ort ihrer 

Familienniederlassung noch den Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen haben. 

Namentlich wenn solche Steuerpflichtige das elterliche Heim zum ersten Mal verlassen, 

können sie dort ihr Hauptsteuerdomizil beibehalten, wenn sie in ihrer Freizeit 

überwiegend und regelmässig heimkehren (BGer 2P.214/2004 vom 27. Januar 2005 

E. 2.2, mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Zweifel/Hunziker, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-

Allenspach [Hrsg.], Kommentar zum Interkantonalen Steuerrecht, Basel 2011, § 6 

N 37).

3.4. Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerrecht trägt die 

Veranlagungsbehörde die Beweislast für steuerbegründende oder steuererhöhende 

Tatsachen, während den Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft, welche 

die Steuerschuld aufheben oder mindern (GVP 1980 Nr. 6).

3.4.1. Ist der ledige und unselbständig erwerbende Steuerpflichtige über 30 Jahre alt 

oder hat er sich seit über fünf Jahren am selben Arbeitsort aufgehalten, wird nach der 

"Basler Praxis" eine natürliche Vermutung begründet, sein Lebensmittelpunkt befinde 

sich am Arbeitsort und nicht am Aufenthaltsort seiner Familie.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Es obliegt der steuerpflichtigen Person, diese Vermutung zu entkräften, etwa indem sie 

nachweist, dass sie regelmässig (mindestens ein Mal wöchentlich) an den Ort 

zurückkehrt, an dem ihre Familie lebt, mit welcher sie aus bestimmten Gründen 

besonders eng verbunden ist, und wo sie andere persönliche und gesellschaftliche 

Beziehungen pflegt.

Wenn der steuerpflichtigen Person der Nachweis solcher familiärer und 

gesellschaftlicher Beziehungen am Ort, wo die Familie wohnt, gelingt, obliegt es dem 

Kanton des Wochenaufenthalts- oder Arbeitsorts nachzuweisen, dass die Person 

gewichtige wirtschaftliche und allenfalls persönliche Beziehungen zu diesem Ort 

unterhält (BGer 2C_748/2008 vom 19. März 2008 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen; 

BGE 125 I 54 E. 3a; StE 2011 A 24.21 Nr. 22).

3.4.2. Die natürliche (und damit widerlegbare) Vermutung ist ein Element der 

Beweiswürdigung. Sie ist aber keine Beweislastregel, welche darüber entscheiden 

würde, wer die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat. Vielmehr wird aufgrund von 

Indizien mittels Wahrscheinlichkeitsüberlegungen und aufgrund der Lebenserfahrung 

auf eine nicht direkt bewiesene Tatsache geschlossen, welche die Behörde als wahr 

vermuten und ohne weitere Abklärungen ihrem Entscheid zugrunde legen darf. Die 

natürliche Vermutung muss bereits dann als entkräftet gelten, wenn beweismässige 

Anhaltspunkte bestehen, welche begründete Zweifel an der Richtigkeit des 

Hauptbeweises (d.h. der natürlichen Vermutung) hervorrufen. Diese Anhaltspunkte sind 

im Hinblick darauf, ob sie überzeugender und stärker sind als die natürliche 

Vermutung, näher zu prüfen und zu gewichten.

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass es bei der Feststellung des 

Hauptsteuerdomizils darum geht, aufgrund von objektiven, äusseren Umständen auf 

innere Tatsachen, den Mittelpunkt der Lebensinteressen, zu schliessen. Ein klarer 

Beweis kann diesbezüglich generell nicht geführt werden, sondern es ist aufgrund von 

Indizien und unter Berücksichtigung sämtlicher Berufs-, Familien- und 

Lebensumstände eine sorgfältige Gewichtung vorzunehmen (vgl. BGer 2C_646 vom 

7. Mai 2008 E. 4.3.3).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Betreffend die natürliche Vermutung des Hauptsteuerdomizils einer ledigen Person an 

dem Ort, an dem sie sich während der Woche aufhält, um von dort aus zur Arbeit zu 

gehen, bedeutet dies, dass die Zerstörung dieser Vermutung nicht den lückenlosen 

Nachweis abweichender Indizien voraussetzt. Zwar ist aus Praktikabilitätsgründen ein 

gewisser Schematismus dahingehend, dass bei unklar gebliebenen Verhältnissen 

zugunsten der Vermutung entschieden wird, unvermeidlich. Trotzdem muss es 

genügen, wenn Anhaltspunkte für den Wochenendwohnort in einer Weise 

nachgewiesen werden, die so gewichtig und überzeugend sind, dass sie geeignet sind, 

die Domizilvermutung zu entkräften (zum Ganzen vgl. BGer 2C_397/2010 vom 

6. Dezember 2010 E. 2.4.2, in: StE 2011 A 24.21 Nr. 22, mit weiteren Hinweisen; vgl. 

ferner Zweifel/Hunziker, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.], a.a.O., § 6 

N 100).

3.5. Nach Ansicht der Vorinstanz liegt der tägliche Arbeitsweg des Beschwerdeführers 

von 70 km über einer normalen, bei Wochenaufenthaltern üblichen Entfernung 

zwischen Aufenthalts- und Arbeitsort. Das Institut des Wochenaufenthaltsorts würde 

seines Sinnes entleert, wenn dieser in beliebiger Distanz zum Arbeitsort festgelegt 

werden könnte. Weiter führt sie aus, die grosszügige 3.5-Zimmerwohnung in 

St. Margrethen, sein unbefristetes Arbeitsverhältnis und das Alter des 

Beschwerdeführers fielen angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

besonders ins Gewicht. Es bestehe kein Anspruch, nach einem Ortswechsel vorerst 

einige Jahre den Wochenaufenthalterstatus beizubehalten, wenn bereits von Anfang an 

die Absicht bestehe, den Wohnort dauernd zu wechseln. Aus diesen Gründen sei die 

natürliche Vermutung entstanden, der Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers 

befinde sich in St. Margrethen. Diesem obliege deshalb der Gegenbeweis für den 

behaupteten Lebensmittelpunkt ausserhalb des Kantons St. Gallen.

3.5.1. Der Beschwerdeführer (geb. 1982) war im Jahr 2011 29 Jahre alt. Er hält sich seit 

dem 1. Mai 2011 in St. Margrethen auf. Weder sein Alter noch die bisherige, wenige 

Monate umfassende Dauer seines Aufenthaltes in St. Margrethen lassen anhand der 

sachgerechten "Basler Praxis" die natürliche Vermutung des (Haupt-)Steuerdomizils in 

St. Margrethen entstehen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.5.2. Die Vorinstanz begründet die natürliche Vermutung zu Recht nicht mit diesen 

beiden Kriterien, sondern leitet sie im Wesentlichen aus der unüblich grossen 

Pendlerdistanz zwischen dem Arbeitsort und dem Ort des Wochenaufenthaltes ab. 

Dieses Kriterium findet sich weder in der einschlägigen Literatur, noch ist es durch 

höchstrichterliche Rechtsprechung begründet worden. Ob bei einer "unüblich grossen 

Pendlerdistanz bei Wochenaufenthalt" direkt auf eine "Sinnentleerung" des Instituts 

des Wochenaufenthaltsortes (und somit auf eine dort im Sinne einer natürlichen 

Vermutung bestehende Steuerpflicht) geschlossen werden darf, ist folglich näher zu 

prüfen.

Unbestritten ist zunächst, dass es dem Beschwerdeführer als Schweizer Staatsbürger 

faktisch verwehrt ist, an seinem Arbeitsort im Fürstentum Liechtenstein zu wohnen 

oder sich dort aufzuhalten (vgl. Art. 2 der Vereinbarung zwischen dem Schweizerischen 

Bundesrat und der Regierung des Fürstentums Liechtenstein über die Zusammenarbeit 

im Bereich des Aufenthalts [SR 0.360.514.21] in Verbindung mit Art. 19 und 20 des 

Gesetzes über die Freizügigkeit für EWR- und Schweizer Staatsangehörige 

[Liechtensteinisches Landesgesetzblatt 2009 Nr. 348] und Art. 19 der Verordnung über 

die Freizügigkeit für EWR- und Schweizer Staatsangehörige [Liechtensteinisches 

Landesgesetzblatt 2009 Nr. 350].

Weiter ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer seinen Arbeitsort vom 35 km 

entfernt gelegenen St. Margrethen aus mit dem Auto in ca. 25 Minuten erreicht, 

wogegen er von Aarau aus pro Weg (ca. 160 km) mit mindestens einer Stunde und 

40 Minuten rechnen müsste. Die tägliche Einsparung an Zeit, Distanz und Treibstoff ist 

beträchtlich. Die Annahme einer natürlichen Vermutung zugunsten von St. Margrethen 

als Steuerdomizil ist bei diesen Verhältnissen nicht angezeigt, selbst wenn sich der 

tägliche Arbeitsweg durch die Wahl eines anderen Aufenthaltsortes noch weiter 

reduzieren liesse.

Anders (und zugunsten einer natürlichen Vermutung) wäre jedoch zu entscheiden, 

wenn der Wochenaufenthaltsort im Vergleich zum Wohnort keine oder eine nur 

untergeordnete Verringerung der täglichen Fahrzeit oder -distanz verschaffen würde, 

mithin ein eigentliches Dreiecksverhältnis vorläge.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.5.3. Da es an einer natürlichen Vermutung fehlt, hätte der Beschwerdegegner die 

subjektive Steuerpflicht des Beschwerdeführers in St. Margrethen für das Jahr 2011 

nachweisen müssen. Er stützte sich unabhängig von der natürlichen Vermutung im 

Wesentlichen auf das Dreiecksverhältnis zwischen Wohnort, Arbeitsort und Ort des 

Wochenaufenthaltes, die unbefristeten Arbeits- und Mietverträge und der daraus zu 

schliessenden längeren Dauer des beabsichtigten Aufenthaltes sowie auf das Alter des 

Beschwerdeführers. Weiter habe sich dieser auf dem Formular "Erklärung zum 

Wochenaufenthalt" dahingehend geäussert, dauernd, d.h. für mindestens ein Jahr, in 

St. Margrethen verbleiben zu wollen.

3.6. Einen Lebensmittelpunkt in Aarau-Rohr verneinte die Vorinstanz im Wesentlichen 

mit Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer in der massgeblichen Steuerperiode 

beinahe dreissig Jahre alt gewesen sei und nicht substantiiert dargelegt habe, worin 

die behauptete altersbedingte Unterstützung seiner dort wohnenden Eltern genau 

bestehe.

Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, zahlreiche Indizien sprächen dafür, dass 

seine Verbundenheit mit Aarau-Rohr stärker sei als mit seinem Aufenthaltsort.

3.6.1. Der Beschwerdeführer hat die Ausbildung zum Maschinenbauingenieur nach 

seinen Angaben im Oktober 2010 abgeschlossen. Während dieser Zeit sei er von 

seinen Eltern unterstützt worden. Im Anschluss daran arbeitete er zunächst im Rahmen 

einer Temporäranstellung in Biel, ehe er am 1. Mai 2011 die Stelle in Eschen FL antrat. 

Zum gleichen Zeitpunkt hat er die Wohnung in St. Margrethen gemietet. Bereits diese 

zeitliche Parallelität deutet darauf hin, dass er sich nur aufgrund der Arbeitsstelle in 

St. Margrethen aufhält.

3.6.2. Dass er die Wochenenden und Feiertage ausschliesslich in Aarau-Rohr verbringt, 

lässt sich der Beschwerdeführer vom Hauswart seiner Wohnung in St. Margrethen, von 

zwei seiner Freunde aus Aarau und von seinen Eltern bestätigen. Weiter kann er 

anhand seiner Kontobewegungen im hier interessierenden Zeitraum nachweisen, dass 

er in Aarau vornehmlich an den Wochenenden Bargeld abgehoben hat, während er in 

St. Margrethen und Buchs lediglich an Werktagen Bargeldbezüge getätigt hat.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

In seiner Vernehmlassung an das Verwaltungsgericht vertrat der Beschwerdegegner 

die Auffassung, bei den eingereichten Bestätigungsschreiben handle es sich um 

Gefälligkeitszeugnisse.

Sowohl die Erwägungen des Einsprache- als auch des vorinstanzlichen Entscheides 

haben zu solchen Schreiben unmittelbar Anlass gegeben. Es handelt sich mithin um 

zulässige neue Vorbringen. Es ist darüber hinaus nicht ersichtlich, wie der 

Beschwerdeführer seine in Aarau bestehenden persönlichen Kontakte anderweitig 

hätte belegen können.

3.6.3. Zu seiner Wohnsituation führt der Beschwerdeführer aus, er verfüge im 

elterlichen Zweifamilienhaus über eine eigene, voll möblierte Wohnung. Insbesondere 

bewahre er seine Kleider fast ausschliesslich dort auf, und seine Mutter besorge ihm 

weiterhin die Wäsche. Die 3.5-Zimmerwohnung in St. Margrethen habe er jedoch nur 

mit dem Nötigsten eingerichtet. Zwei Zimmer seien gar nicht möbliert und der Rest mit 

günstigen IKEA-Möbeln ausgestattet.

Die Policen der Motorfahrzeug-, Haushalts- und Krankenversicherung wie auch das 

Mobiltelefonabonnement des Beschwerdeführers sind auf seine Adresse in Aarau-Rohr 

ausgestellt. Weiter verweist er auf eine in Aarau bestehende Parteimitgliedschaft.

3.7. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass weder das Alter des Beschwerdeführers noch 

die bisherige Dauer seines Aufenthaltes die natürliche Vermutung entstehen lassen, der 

Mittelpunkt seiner Lebensinteressen liege in St. Margrethen. Der pauschale Verweis der 

Vorinstanz auf das Dreiecksverhältnis zwischen Wohnort, Arbeitsort und Ort des 

Wochenaufenthaltes, die unbefristeten Arbeits- und Mietverträge und die daraus zu 

schliessende längere Dauer des beabsichtigten Aufenthaltes sowie auf das Alter des 

Beschwerdeführers vermögen im vorliegenden Fall nicht zu überzeugen und können 

keine subjektive Steuerpflicht im Kanton St. Gallen begründen. Darüber hinaus lieferte 

der Beschwerdeführer so überzeugende Anhaltspunkte zugunsten seines 

Wochenendwohnortes, dass diese wohl selbst eine Domizilvermutung hätten 

entkräften können: Er legt glaubhaft dar, jedes Wochenende zu seinen Eltern 

zurückzukehren, wo er über eine eingerichtete Wohnung und sein familiäres und 

gesellschaftliches Beziehungsnetz verfügt. Mit St. Margrethen scheint ihn - was 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

angesichts der erst kurzen Aufenthaltsdauer nicht weiter erstaunt - nicht viel zu 

verbinden.

Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist, und der 

vorinstanzliche Entscheid vom 30. August 2012 ist aufzuheben.

4. (…).

Demnach hat das Verwaltungsgericht

zu Recht erkannt:

1./  Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist, und der 

angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 30. August 2012 wird aufgehoben.

2./  Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1'500.-- trägt der Staat. 

Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.

3./  Die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von Fr. 800.-- trägt der Staat. Die 

Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Fr. 800.-- zurückzuerstatten.

4./  Der Staat entschädigt den Beschwerdeführer für die ausseramtlichen Kosten des 

Beschwerdeverfahrens mit Fr. 2'500.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer).

5./  Ausseramtliche Kosten des Rekursverfahrens werden nicht entschädigt.

V.          R.           W.

Der Vizepräsident:                        Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. A. Linder                            S. Wehrle, M.A. HSG

Versand dieses Entscheides an:

-   den Beschwerdeführer (durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Rutz, 9200 Gossau)

-   die Vorinstanz

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

-   den Beschwerdegegner

am:

Rechtsmittelbelehrung:

Sofern eine Rechtsverletzung nach Art. 95 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (SR 

173.110, abgekürzt BGG) geltend gemacht wird, kann gegen diesen Entscheid gestützt 

auf Art. 82 lit. a BGG i.V.m. Art. 73 StHG innert 30 Tagen nach Eröffnung beim 

Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde erhoben werden.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Urteil Verwaltungsgericht, 12.06.2013
	Steuerrecht, Art. 127 Abs. 3 BV (SR 101), Art. 13 Abs. 2 StG (sGS 811.1) und Art. 3 Abs. 2 StHG (SR 642.14).Kriterien zur Bestimmung des Steuerdomizils eines unverheirateten Steuerpflichtigen. Eine Distanz von 35 km zwischen dem Ort des Wochenaufenthaltes und dem Arbeitsort begründet keine natürliche Vermutung zugunsten eines Hauptsteuerdomizils am Ort des Wochenaufenthaltes (Verwaltungsgericht, B 2012/218).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:39:31+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen