# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64ad89cf-1269-51d0-b442-d26c8da0db0b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** DG240008-H4
**Docket/Reference:** DG240008-H4
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/DG240008-H4.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Pfäffikon
1. Abteilung  

Geschäfts-Nr.: DG240008-H / U2

Mitwirkend: Gerichtspräsidentin lic. iur. M. Sigrist-Tanner (Vorsitz)

Bezirksrichterin lic. iur. E. Casparis (Referentin)

Bezirksrichter M. Ottiger

Gerichtsschreiberin lic. iur. K. Schoch

Urteil vom 16. April 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

Anklägerin

gegen

A._____, 

Beschuldigter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____, 

betreffend Vergewaltigung

- 2 -

Privatklägerin

B._____, 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,

- 3 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland des Kantons Zürich vom 

10. September 2024 (act. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:
(Prot. S. 6)

Die Staatsanwältin MLaw C._____ für die Anklägerin, die Privatklägerin in Beglei-

tung ihrer Rechtsvertreterin RAin lic. iur. Y._____, der Beschuldigte in Begleitung 

seines amtlichen Verteidigers RA MLaw X._____. 

A.

der Anklägerin: (act. 24)

Anträge:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift

Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten

Vollzug der Freiheitsstrafe

Anrechnung der erstandenen Haft

Anordnung einer Landesverweisung von 10 Jahren

Anordnung  der  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener 
Informationssystem

Entscheid  über  die  Rückgabe  der  einzig  als  Beweismittel  beschlag-
nahmten Gegenstände

Entscheid über Sicherstellungen, Asservate, Spuren und Spurenträger

Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft

10. Kostenauflage  (Kosten, 

inkl.  Gebühr 

für  das  Vorverfahren  von 

Fr. 19'360.75)

B.

der Privatklägerin: (act. 41)

1.

2.

Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklageschrift schuldig zu spre-
chen und zu bestrafen;

Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genug-
tuung von Fr. 20'000.00 zuzüglich 5% Zins ab 29. Juni 2023 zu bezah-
len;

- 4 -

3.

4.

5.

6.

Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin Schadener-
satz von Fr. 27.60 zuzüglich 5% Zins ab 29. Juni 2023 zu bezahlen;

Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 
grundsätzlich  schadenersatzpflichtig  ist  und  es  sei  vorzumerken,  dass 
die spätere Geltendmachung von Schadenersatzforderungen vorbehal-
ten bleibt;

Die Kosten des Strafverfahrens inklusive der (unentgeltlichen) Rechts-
verbeiständung der Privatklägerin seien dem Beschuldigten aufzuerle-
gen;

Der Privatklägerin sei eine vollständige Ausfertigung des Urteils zuzu-
stellen.

C.

des Beschuldigten: (act. 42) 

1.

A._____ sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen. 

2.  Es  sei  von  einer  Landesverweisung  sowie  Anordnung  der  Ausschrei-

bung im Schengener Informationssystem (SIS) abzusehen.

3.

4.

5.

Die  seitens  Staatsanwaltschaft  beschlagnahmten  und/oder  sicherge-
stellten Gegenstände im Eigentum vom A._____ seien diesem heraus-
zugeben.

Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien vollumfänglich abzuwei-
sen, eventualiter seien diese auf den Zivilweg zu verweisen. 

A._____ sei eine Genugtuung für die erstandene Haft im Umfang von 
CHF 46'640.00 zzgl. Zins zu 5% ab dem 29. Juni 2023, eventualiter zzgl. 
Zins zu 5% ab mittlerem Verfall, zuzusprechen. 

6.  Sämtliche  durch  das  Strafverfahren  entstandene  Kosten  seien  auf  die 
Staatskasse zu nehmen und die amtliche Verteidigung sei gemäss bei-
liegender Honorarnote zu entschädigen. 

Erwägungen:

I.
PROZESSVERLAUF

1.

Nach  Durchführung  der  Strafuntersuchung  durch  die  Staatsanwaltschaft 

See/Oberland  wurde  gegen  den  Beschuldigten  am  hiesigen  Bezirksgericht 

mit  Anklageschrift  vom  10. September  2024,  hierorts  eingegangen  am 

13. September 2024 (act. 24), Anklage erhoben.

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2. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2024 (act. 29) liess der Beschuldigte sodann Be-

weisanträge stellen, welche mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) ab-

gelehnt wurden.

3. Mit Vorladung/Verfügung vom 4. November 2024 (act. 32) liess das hiesige 

Gericht  die  Anklage  zu  und  setzte  die  Hauptverhandlung  auf  den  18. März 

2025 an. In derselben Verfügung wurde den Parteien eine Frist von 20 Tagen 

zur Stellung von (weiteren) Beweisanträgen angesetzt. (Weitere) Beweisan-

träge  gingen  in  der  Folge  indes  keine  ein.  Zudem  wurde  der  Privatklägerin 

eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um allfällige Zivilansprüche schriftlich zu 

beziffern und detailliert zu begründen, und die Rechtsvertreter der Parteien 

wurden  aufgefordert,  dem  Gericht  ihre  jeweiligen  Honorarnoten  bis  spätes-

tens 5 Tage vor der Hauptverhandlung einzureichen.

4. Mit Eingabe vom 17. Februar 2025 (act. 36) liess die Privatklägerin ihre An-

träge innert erstreckter Frist schriftlich stellen und begründen und mit Einga-

ben vom 11./12. März 2025 (act. 38 und 39) reichten die Verteidigung sowie 

die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin auch fristgemäss ihre 

jeweiligen Honorarnoten ein.

5.

Zur Hauptverhandlung erschienen Staatsanwältin MLaw C._____ für die An-

klägerin,  der  Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers 

Rechtsanwalt MLaw X._____, die Privatklägerin per Videoübertragung in ei-

nem zweiten Gerichtssaal in Begleitung ihrer unentgeltlichen Rechtsbeistän-

din  Rechtsanwältin  lic. iur.  Y._____  sowie  zwei  Vertrauenspersonen  (Vater 

[D._____] und Partner der Privatklägerin) und der Turkmenisch-Dolmetscher 

E._____ zur Übersetzung für den Beschuldigten (Prot. S. 6).

Zu Beginn der Verhandlung stellte die Verteidigung im Rahmen der Vorfragen 

einen Beweisantrag, welcher nach dem Gewähren des rechtlichen Gehörs der 

Parteien und eingehender Beratung seitens des Gerichts mit kurzer mündli-

cher Begründung abgewiesen wurde (Prot. S. 7 ff.).

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Daraufhin wurde sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin – je ge-

trennt voneinander und je mittels Videoübertragung zur Gewährung der ge-

genseitigen Konfrontationsrechte – eingehend zum Sachverhalt und zur Per-

son befragt (Prot. S. 10 ff.). Sodann folgten die Parteivorträge (Prot. S. 70 ff.) 

und das Schlusswort des Beschuldigten (Prot. S. 91).

Im  Anschluss  an  die  Verhandlung  wurde  die  mündliche  Eröffnung  auf  den 

17. April  2025  angesetzt,  was  mit  entsprechender  Anzeige  vom  25. März 

2025 (act. 46) den Parteien schriftlich bestätigt wurde.

6.

Zur  Urteilseröffnung  vom  17. April  2025  erschienen  Staatsanwältin  MLaw 

C._____ für die Anklägerin, der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen 

Verteidigers, die Privatklägerin in Begleitung ihrer unentgeltlichen Rechtsver-

treterin sowie dreier Vertrauenspersonen (Vater, Mutter und Partner der Pri-

vatklägerin) und der Turkmenisch-Dolmetscher E._____ zur Übersetzung für 

den Beschuldigten (act. 94). Das Urteil wurde alsdann mündlich eröffnet, kurz 

begründet und sowohl der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen 

Rechtsbeiständin  im  Doppel  als  auch  der  Staatsanwältin  für  die  Anklägerin 

schriftlich im Dispositiv ausgehändigt (act. 47 und Prot. S. 94). Die amtliche 

Verteidigung liess sofort Berufung anmelden (Prot. S. 94) und bestätigte dies 

mit Eingabe vom 22. April 2025 (act. 48).

II.
VORBEMERKUNGEN

A.

Antrag auf Wiederholung der Zeugeneinvernahme von D._____ und F._____

1.1 Die Verteidigung monierte im Rahmen der Vorfragen nach Beginn der Haupt-

verhandlung gestützt auf Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO, bei den Zeugeneinver-

nahmen von D._____ und F._____ sei das Konfrontationsrecht des Beschul-

digten beschnitten worden. Die Staatsanwaltschaft habe ohne Grund Ergän-

zungsfragen nicht zugelassen, was auch umgehend gerügt worden sei (vgl. 

act. 1/7/3  Frage 121  inkl.  PN  und  act. 1/7/4,  Frage 121).  Die  Verteidigung 

stellte insofern vorfrageweise den Antrag, den anwesenden Zeugen D._____ 

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bis zu einer erneuten Befragung von der Hauptverhandlung auszuschliessen 

(Prot.  S. 7).  In  Bezug  auf  den  Entwicklungsverlauf  und  die  Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin sei es relevant, wie und wo sich die Privatklägerin in einem 

betreuten Wohnen befunden habe, ob sie sich dort stationär befunden habe, 

wie die Entwicklung gewesen sei und ob es unter Umständen Krankenakten 

gebe (Prot. S. 9).

Im Rahmen des ersten Parteivortrags stellte die Verteidigung sodann die Be-

weisergänzungsanträge der Wiederholung der beiden Zeugeneinvernahmen 

von D._____ und F._____ (act. 42 N 23 und 27). Hierzu konkretisierte sie, die 

Staatsanwaltschaft  habe  beim  Zeugen  D._____  die  Ergänzungsfrage,  wes-

halb und wo die Privatklägerin sich im betreuten Wohnen befunden habe, in 

Verletzung des Konfrontationsrechts des Beschuldigten und unter unzulässi-

ger Anwendung der antizipierten Beweiswürdigung abgelehnt. Es stelle sich 

indes die Frage, wie sich die Privatklägerin im betreuten Wohnen verhalten 

habe, ob sie sich in stationärer Behandlung befunden habe, ob die betreuen-

den Personen unter Umständen Angaben zur gesundheitlichen Entwicklung 

der Privatklägerin machen könnten, ob es gegebenenfalls Krankenakten gebe 

etc.  (act. 42  N 21 f.).  Ebenfalls  habe  die  Staatsanwaltschaft  anlässlich  der 

Zeugeneinvernahme von F._____ die Frage der Verteidigung unter unzuläs-

siger  Anwendung  der  antizipierten  Beweiswürdigung  nicht  zugelassen,  was 

der Inhalt und Vorwurf des Strafverfahrens gewesen sei, welches gegen den 

Zeugen  als  Beschuldigten  geführt  worden  sei.  Diese  Frage  sei  indes  sehr 

wohl von Relevanz, da ein allfälliger Vorwurf bzw. eine Verurteilung wegen 

falscher Anschuldigung, Irreführung der Rechtspflege oder falschen Zeugen-

aussage für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Zeugen von Belang wäre 

(act. 42 N 25 f.). Sowohl die Einvernahme von D._____ als auch diejenige von 

F._____ seien insofern zulasten des Beschuldigten nicht verwertbar (act. 42 

N 24 und 28).

1.2 Die Staatsanwaltschaft lehnte im Rahmen der Vorfragen den Antrag auf Wie-

derholung  der  Zeugeneinvernahmen  von  D._____  und  damit  einhergehend 

den  Antrag  auf  dessen  Ausschluss  von  der  Hauptverhandlung  ab,  da  das 

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Konfrontationsrecht nicht verletzt worden sei (Prot. S. 8). Ausserdem wendete 

sie ein, dass von der Glaubwürdigkeit einer Person nicht auf die Glaubhaftig-

keit deren Aussagen geschlossen werden dürfe (Prot. S. 9).

1.3 Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin lehnte den Antrag im 

Rahmen der Vorfragen sinngemäss ebenso ab, da die besagten Fragen der 

Verteidigung anlässlich der beiden Zeugeneinvernahmen zu Recht nicht zu-

gelassen worden seien. Die Fragen der Verteidigung in Bezug auf D._____ 

hätten ein allfälliges betreutes Wohnen der Privatklägerin betroffen, welches 

nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen sei (Prot. S. 8). Zudem ergänzte 

sie, dass die Glaubwürdigkeit im Allgemeinen bei Zeugen und Auskunftsper-

sonen nicht zu beurteilen sei. Es gehe nicht um das Vorleben der betroffenen 

Person. Deren Glaubwürdigkeit komme nur dann zum Zug, wenn die Aussa-

gen  nicht  glaubhaft  seien  und  deshalb  die  Glaubwürdigkeit  geprüft  werden 

müsse.  Es  stelle  sich  insofern  die  Frage,  ob  die  Aussagen  glaubhaft  seien 

oder ob es Hinweise dafür gebe, dass die Glaubwürdigkeit ein Problem sei. 

Vorliegend seien die Ergänzungsfragen der Verteidigung im Rahmen der Zeu-

geneinvernahme  hinsichtlich  eines  betreuten  Wohnens  aber  zu  Recht  nicht 

zugelassen worden (Prot. S. 9). Im Rahmen des zweiten Parteivortrags fügte 

sie  sodann  an,  bei  den  nicht  zugelassenen  Ergänzungsfragen  der  Verteidi-

gung  habe  es  sich  um  Fragen  gehandelt,  die  nichts  mit  dem  vorliegenden 

Verfahren zu tun hätten. Die Frage an F._____ nach einem früheren Strafver-

fahren gegen ihn wäre höchstens dann zulässig gewesen, wenn es um ein 

sog. Verfahren gegen die Rechtspflege gehandelt hätte. Es sei aber klar, dass 

auf eine solche Frage keine Antwort gegeben werden müsse. Das gleiche sei 

auch bei den Fragen betreffend dem begleiteten Wohnen der Privatklägerin 

gewesen. Auch diese Frage habe mit dem vorliegenden Verfahren nichts zu 

tun gehabt (Prot. S. 88).

1.4 Anlässlich des zweiten Parteivortrags ergänzte die Verteidigung, dass in Be-

zug  auf  die  Zeugeneinvernahme  von  F._____  die  abgelehnte  Ergänzungs-

frage direkt dazu hätte dienen sollen zu erfahren, ob es sich um ein Verfahren 

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gegen die Rechtspflege gehandelt hat oder nicht, was dem Beschuldigten ver-

wehrt worden sei (Prot. S. 90 f.).

1.5 Das Gericht lehnte den Antrag auf Ausschluss des Zeugen D._____ von der 

Hauptverhandlung nach eingehender Beratung im Rahmen der Vorfragen mit 

kurzer Begründung umgehend ab und verzichtete auf die Wiederholung der 

besagten Zeugeneinvernahme (Prot. S. 9). Über die weiteren Beweisergän-

zungsanträge in diesem Zusammenhang war im Anschluss an die Hauptver-

handlung im Rahmen der Urteilsberatung zu entscheiden.

2.1 Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO statuiert den Grundsatz der Parteiöffentlichkeit 

der  Beweiserhebungen  im  Untersuchungs-  und  Hauptverfahren  und  be-

stimmt, dass die Parteien das Recht haben, bei Beweiserhebungen durch die 

Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen 

Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische Teilnahme- und Mitwirkungs-

recht  fliesst  aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art. 107  Abs. 1  lit. b 

StPO). Es kann nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen (vgl. Art. 108, 

Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO) eingeschränkt werden. Dieses 

Recht der beschuldigten Person gründet sich zudem auf dem Anspruch auf 

ein  faires  Verfahren  nach  Art. 6  Ziff. 1  EMRK  und  wird  insbesondere  durch 

Art. 6 Abs. 3 lit. d EMRK garantiert. Durch das Konfrontationsrecht soll die be-

schuldigte Person in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prü-

fen und den Beweiswert auf die Probe und in Frage zu stellen (SCHNYDER, in: 

Gomm/Zehntner  [Hrsg.],  Handkommentar  zum  Opferhilferecht,  4. Auflage, 

2020,  N 7 f.  zu  Art. 146  und  147  StPO  mit  Verweis  auf  Botschaft StPO, 

S. 1187 und BGE 139 IV 25 E 4.2 u.w.). Die Fragen der Verteidigung sind in-

des nur zuzulassen, wenn sie irgendwie erheblich sind. Die Abweisung offen-

sichtlich  untauglicher  Beweisanträge  verletzt  die  verfassungsmässigen 

Rechte  des  Beschuldigten  nicht  (BGE 124 I 274 E. 5b;  BGE 105 Ia 396 

E. 3b).

2.2.1 Vorliegend handelt es sich einerseits in Bezug auf den Zeugen D._____ um 

eine Ergänzungsfrage der Verteidigung im Zusammenhang mit einem betreu-

ten Wohnen der Privatklägerin in der Vergangenheit (vgl. act. 7/3 Frage 121) 

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und andererseits in Bezug auf den Zeugen F._____ um eine Ergänzungsfrage 

der Verteidigung nach dem Gegenstand eines vorausgehenden Strafverfah-

rens gegen denselben (vgl. act. 7/4 Frage 121).

2.2.2 Die Ablehnung der Ergänzungsfrage nach dem Grund und Ort des betreuten 

Wohnens der Privatklägerin verletzt das Konfrontationsrecht des Beschuldig-

ten nicht, da keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dies für das vorlie-

gende Strafverfahren von Relevanz sein sollte. Gemäss Aussagen des Vaters 

der Privatklägerin, D._____, bestand diese Wohnsituation nach Abbruch der 

Lehre der Privatklägerin, da D._____ der Privatklägerin zu verstehen gegeben 

habe, dass sie ohne Aussicht auf eine Arbeitstätigkeit nicht zu Hause wohnen 

könne, worauf die Privatklägerin ausgezogen sei (vgl. act. 7/3 Frage 120). Ei-

nerseits bestehen zufolge der von D._____ angegebenen nachvollziehbaren 

Gründe für das betreute Wohnen der Privatklägerin keinerlei Hinweise dafür, 

dass  die  Privatklägerin  damals  derart  psychisch  angeschlagen  gewesen 

wäre, dass sie aus diesem Grund stationär behandelt worden und Kranken-

akten vorhanden wären. Andererseits dürfte der Abbruch der Lehre und das 

betreute  Wohnen  bereits  einige  Jahre  her  und  in  zeitlicher  Hinsicht  für  den 

vorliegenden Straffall kaum mehr von Belang sein, selbst wenn die Privatklä-

gerin damals ernsthaft psychisch angeschlagen gewesen wäre. Die Verwei-

gerung der entsprechenden Ergänzungsfrage(n) der Verteidigung durch die 

Staatsanwaltschaft gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung ist daher 

zufolge Unerheblichkeit nicht zu beanstanden.

2.2.3 Anders  ist  dies  in  Bezug  auf  die  abgelehnte  Ergänzungsfrage  der  Verteidi-

gung  an  F._____  zu  beurteilen.  Die  Ablehnung  der  Ergänzungsfrage  nach 

dem  Grund  eines  vorausgehenden  Strafverfahrens  gegen  F._____  verletzt 

das  Konfrontationsrecht  des  Beschuldigten,  da  dieses  die  Glaubwürdigkeit 

des Zeugen – je nach Inhalt des entsprechenden Strafverfahrens – tangieren 

kann und somit nicht unerheblich ist. Die Aussagen des Zeugen F._____ dür-

fen  demzufolge  nicht  zulasten  des  Beschuldigten  verwertet  werden.  Wie 

nachfolgend zu zeigen sein wird, lässt sich der Sachverhalt indes auch ohne 

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die  entsprechenden  Aussagen  des  Zeugen  F._____  erstellen,  weshalb  auf 

eine Wiederholung seiner Zeugenbefragung zu verzichten ist.

B.

Antrag auf Sicherstellung, Beschlagnahme und Auswertung des Mobiltelefons 

der Privatklägerin

1.1 Der Antrag auf Auswertung des Mobiltelefons der Privatklägerin wurde seitens 

der Verteidigung erstmals an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der 

Privatklägerin  vom  20. Juli  2023  gestellt  (act. 6/4  Frage 403)  und  damit  be-

gründet, dass der Sachverhalt möglichst umfassend und objektiv aufzuklären 

sei  und  es  gestützt  auf  die  Befragung  der  Privatklägerin  offensichtlich  sei, 

dass sich auf deren Mobiltelefon sachdienliche Hinweise befänden. Den ent-

sprechenden  Antrag  stellte  die  Verteidigung  mit  Eingabe  ans  vorliegende 

Strafgericht vom 1. Oktober 2024 (act. 29) erneut und wiederholt diesen nun 

auch anlässlich der Hauptverhandlung, obwohl das Gericht den entsprechen-

den Beweisergänzungsantrag mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) 

ausführlich  begründet  bereits  vor  der  Hauptverhandlung  abgelehnt  hat.  Auf 

die entsprechenden Vorbringen der Verteidigung und die Feststellungen des 

hiesigen Strafgerichts in der Verfügung vom 24. Oktober 2024 kann vollum-

fänglich verwiesen werden, zumal die Verteidigung auch anlässlich der Haupt-

verhandlung auf ihre Eingabe vom 1. Oktober 2024 (act. 29) verweist, ohne 

neue Gründe für den entsprechenden Antrag anzubringen (act. 42 N 4 f.). Die 

Verteidigung ergänzte anlässlich der Hauptverhandlung lediglich, dass es – 

entgegen  der  gerichtlichen  Feststellung  in  der  Verfügung  betreffend  Ableh-

nung der Beweisanträge vom 24. Oktober 2024 – nicht korrekt sei, es hätten 

bereits sämtliche Informationen auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin gesi-

chert werden können. Es sei nie abschliessend geklärt worden, ob es Nach-

richtenverläufe via SMS, WhatsApp oder andere Apps sowie Anrufe via Apps 

gegeben  habe.  Damit  sei  der  Untersuchungsgrundsatz  verletzt  worden 

(act. 42 N 6).

1.2 Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  demgegenüber  die  erneute  Abweisung 

dieses Beweisergänzungsantrags mangels Substantiierung (Prot. S. 86). Es 

liege kein Grund vor, das Mobiltelefon zu beschlagnahmen. Aus dem Antrag 

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erhelle  nicht,  aus  welchen  Gründen  das  Mobiltelefon  nach  über  1.5 Jahren 

umfassend ausgewertet bzw. nach welchen Informationen/Tatsachen durch-

sucht  werden  sollte.  Sämtliche  im  Zusammenhang  mit  der  Beurteilung  der 

vorliegenden Sache relevanten Daten seien bereits erhältlich gemacht wor-

den und würden im Recht liegen. Eine umfassende Auswertung resp. Durch-

suchung des Mobiltelefons der Geschädigten sei unter dem Aspekt der Ver-

hältnismässigkeit  nicht  angezeigt  und  würde  eine  reine  "fishing  expedition" 

darstellen, was im übrigen im Entsiegelungsverfahren ebenso vom Verteidi-

ger in Bezug auf die umfassende Durchsuchung des Mobiltelefons des Be-

schuldigten ausgeführt worden sei. Weiter liege auch kein Hinweis dafür vor, 

dass sich die Geschädigte sich irgendwie der falschen Anschuldigung strafbar 

gemacht haben sollte.

2.1 Vorliegend gilt der sog. Untersuchungsgrundsatz, welcher Folgendes besagt: 

Die Strafbehörden klären von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat 

und  der  beschuldigten  Person  bedeutsamen  Tatsachen  ab  (Art. 6  Abs. 1 

StPO). Sie untersuchen die belastenden und entlastenden Umstände mit glei-

cher Sorgfalt (Art. 6 Abs. 2 StPO). Gemäss Abs. 1 sind die Strafbehörden ver-

pflichtet, von Amtes wegen alle Untersuchungshandlungen vorzunehmen und 

alle Beweise zu erheben, die für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten 

Person von Bedeutung sind, um so dem Ziel der Ermittlung der materiellen 

Wahrheit  möglichst  nahezukommen.  Welche  Tatsachen  für  die  Beurteilung 

von  Bedeutung  sind,  ergibt  sich  aus  den  materiell-strafrechtlichen  Normen, 

die auf der Grundlage des bestehenden Tatverdachts zur Anwendung kom-

men (könnten). Zu ermitteln sind neben den Umständen, aus denen sich das 

Vorliegen sämtlicher Tatbestandsmerkmale ergibt, auch die Umstände, aus 

denen sich ergibt, dass Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe nicht 

gegeben sind. Zu ermitteln sind weiterhin die Tatsachen, die für die Strafzu-

messung  von  Bedeutung  sein  können.  Welche  Umstände  dies  sind,  ergibt 

sich aus den jeweils in Betracht kommenden Normen des StGB (WOHLERS, 

in:  Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers  [Hrsg.],  Kommentar  zur  Schweizeri-

schen Strafprozessordnung, 3. Auflage 2020, N 5 f. zu Art. 6).

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2.2 Wie bereits mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) festgehalten, geht 

aus den Akten hervor, dass die Staatsanwältin unmittelbar im Anschluss an 

die privatklägerische Einvernahme vom 20. Juli 2023 (act. 6/4) deren Mobil-

telefon sichtete und drei Nachrichten zu den Akten genommen wurden (vgl. 

act. 17/1 mit Anhang). In der entsprechenden Aktennotiz vom 21. Juli 2023 

(act. 17/1) führte die Staatsanwältin aus, dass keine weiteren Nachrichten auf 

dem Handy hätten gefunden werden können und es habe auch keinerlei Hin-

weise  auf  weitere  Chatpartner  oder  Anrufer/Angerufene  gegeben.  Aus  den 

Akten geht zudem hervor, dass am Tag nach der Tat von der Kantonspolizei 

Zürich Screenshots des Mobiltelefons der Privatklägerin erstellt und zu den 

Akten genommen wurden. Sie zeigen den Chat- und Anrufverlauf zwischen 

F._____  und  der  Privatklägerin  via  der  Applikation  Snapchat  (vgl.  act. 2/3). 

Ferner wurden am 30. Juni 2023 ergänzend weitere Screenshots jeweils von 

der Anrufliste der Privatklägerin sowie F._____ erstellt (vgl. act. 2/4). Insofern 

wurde  das  Mobiltelefon  der  Privatklägerin  sowohl  durch  die  Staatsanwalt-

schaft als auch die Kantonspolizei Zürich gesichtet und relevante Textnach-

richten und Anrufdaten sichergestellt. Die Verteidigung brachte – auch anläss-

lich der Hauptverhandlung – nicht vor, inwiefern sie darüber hinaus heute auf 

dem Mobiltelefon der Privatklägerin noch sachrelevante Beweismittel finden 

will,  zumal  sich  Snapchat-Nachrichten  innert  24 Stunden  löschen  und  seit 

dem Vorfall bereits ein Jahr vergangen ist. Aus den Akten ergeben sich kei-

nerlei  Hinweise  für  weiterführende  mit  dem  Sachverhalt  in  Zusammenhang 

stehende Kontakte und/oder Nachrichten der Privatklägerin, abgesehen der 

bereits gesicherten mit F._____ und deren Vater. Schliesslich geht es vorlie-

gend nicht um den Vorwurf einer Vergewaltigung im Rahmen eines voraus-

gehenden bereits bestehenden oder sich anbahnenden Kontakts mit dem Be-

schuldigten,  wie  dies  häufig  der  Fall  ist,  sondern  um  eine  Vergewaltigung 

durch einen bis dahin gänzlich unbekannten, zufällig getroffenen Mann. Eine 

der Tat vorausgehende oder nachträgliche sachverhaltsrelevante Kommuni-

kation der Privatklägerin – abgesehen von der bereits gesicherten – ist daher 

äusserst unwahrscheinlich und rechtfertigt keine eingehende Durchsuchung 

des Mobiltelefons der Privatklägerin. Die Staatsanwaltschaft verletzte den Un-

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tersuchungsgrundsatz  mangels  entsprechender  Hinweise  für  sachdienliche 

weitere Beweise auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin in Bezug auf die vor-

liegend  zu  beurteilende  Vergewaltigung  insofern  nicht.  Der  entsprechende 

Beweisantrag der Verteidigung ist folglich weiterhin abzulehnen.

C.

Antrag auf Beizug der Strafakten des Bezirksgericht Hinwil i.S. Privatklägerin 

gegen G._____ betreffend Vergewaltigung

1.1 Die Verteidigung beantragt weiter – wie bereits im Untersuchungsverfahren 

(vgl. act. act. 10/5, 10/10 und 10/15) und beim hiesigen Strafgericht mit Ein-

gabe vom 1. Oktober 2024 (act. 29) – den Beizug der Strafakten des Bezirks-

gerichts Hinwil i.S. Privatklägerin gegen G._____ betreffend Vergewaltigung, 

welches mit einem Freispruch endete. Gemäss Verteidigung gehe es darum, 

nach Mustern oder Auffälligkeiten im Aussageverhalten der Privatklägerin zu 

forschen und um die Frage, inwiefern eine bewusste oder unbewusste falsche 

Anschuldigung  persönlichkeitsadäquat  sei  oder  Erinnerungen  aus  früheren 

Situationen/Fantasiegebilden  auf  den  vorliegend  zu  beurteilenden  Vorwurf 

übertragen worden seien, zumal die Privatklägerin selber ausgeführt habe, in 

der Vergangenheit bereits mehrfach vergewaltigt worden zu sein und auch in 

Zukunft zu werden. Dies gelte erst recht, weil die entsprechenden Akten be-

reits  beigezogen  worden  seien  und  daher  auch  der  Verteidigung  bzw.  dem 

Beschuldigten zugänglich zu machen seien (act. 42 N 9). Dem ungeschwärz-

ten  entsprechenden  Urteil  des  Bezirksgerichts  Hinwil,  welches  die  Verteidi-

gung  durch  die  Familie  des  damals  Beschuldigten  habe  erhältlich  machen 

können, könne entnommen werden, dass der Modus der Vorgehensweise der 

Privatklägerin derselbe zu sein scheine. Diese deute einvernehmliche Hand-

lungen in sexuelle Handlungen mit Zwang um, wobei der Geschlechtsverkehr 

selber jeweils durch beide Beschuldigten vehement bestritten werde (act. 42 

N 10 f.). Ferner mache die Privatklägerin in beiden Verfahren ein "Freezing" 

geltend, welches durch ein Rufen Dritter aufgelöst worden sei (act. 42 N 12). 

Ebenso habe die Privatklägerin in beiden Verfahren ausgeführt, dass sie von 

den  Beschuldigten  am  Oberkörper  runtergedrückt  worden  sei,  während  sie 

auf dem Rücken gelegen habe (act. 42 N 13 ff.).

- 15 -

1.2 Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  die  Abweisung  des  entsprechenden  Be-

weisantrags  und  liess  ausführen  (Prot.  S. 83),  es  gehe  um  das,  was  in  der 

Nacht vom 29. Juni 2023 zwischen der Geschädigten und dem Beschuldigten 

vorgefallen sei, weshalb die Akten des Jugendgerichts Hinwil nicht von Be-

deutung seien. Diesbezüglich werde vollumfänglich auf das Schreiben der An-

klägerin vom 20. Oktober 2023 verwiesen. Die Akten seien begründet nicht 

zum Bestandteil des Verfahrens gemacht worden, andernfalls die Persönlich-

keitsrechte von verfahrensunbeteiligten Personen massiv verletzt worden wä-

ren  und  das  Amtsgeheimnis  nicht  gewahrt  worden  wäre.  Ausserdem  seien 

seit dem Urteil des Jugendgerichts fünf Jahre vergangen. Das Urteil stamme 

aus  dem  Jahr 2020  und  habe  einen  Vorfall  aus  dem  Jahr 2017  zum  Inhalt 

gehabt, als die Geschädigte noch jugendlich gewesen sei. Aus diesen Akten 

und dem Verhalten der Geschädigten könne nicht auf den vorliegenden Fall, 

welcher sich acht Jahre später ereignet habe, geschlossen werden. Das hie-

sige Sachgericht habe im Rahmen der Beweiswürdigung zu entscheiden, ob 

die im vorliegenden Verfahren getätigten Aussagen der Geschädigten glaub-

haft seien. Die vorliegenden Akten seien zu berücksichtigen und nicht solche 

aus dem Jahr 2020 und weiter zurück. Die Verteidigung verkenne, dass es 

sich bei den früheren Akten nicht um Aktenstücke handle, welche zur direkten 

oder objektiven Aufklärung des vorliegenden klassischen Vier-Augen Delikts 

dienen könnten.

2.

Im Rahmen der Strafuntersuchung wurden die Akten im Strafverfahren gegen 

G._____ wegen Vergewaltigung (Verfahren Nr. DJ200001 / Urteil vom 18. Au-

gust 2020) zwar beigezogen (act. 17/2/1). Der Verteidigung wurde indes nur 

das weitgehend geschwärzte entsprechende Urteil zur Einsicht zugestellt we-

gen dem Bestehen sensibler Daten und Irrelevanz der Aussagen der Privat-

klägerin  –  so  die  Staatsanwaltschaft  mit  Schreiben  vom  20. Oktober  2023 

(act. 17/2/6). Auch das hiesige Bezirksgericht wies den entsprechenden Be-

weisantrag mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) ab, mit Verweis auf 

die Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der ergänzenden Begründung, 

dass seit dem Urteil einige Zeit vergangen sei und vom damaligen Aussage-

verhalten der Privatklägerin nicht auf den vorliegenden Sachverhalt geschlos-

- 16 -

sen werden könne. Es sei im Rahmen der Beweiswürdigung zu entscheiden, 

ob deren Aussagen glaubhaft seien.

3.1 Nach  Art. 194  Abs. 1  StPO  ziehen  die  Staatsanwaltschaft  und  die  Gerichte 

Akten anderer Verfahren bei, wenn dies für den Nachweis des Sachverhalts 

oder die Beurteilung der beschuldigten Person erforderlich ist. Verwaltungs- 

und  Gerichtsbehörden  stellen  ihre  Akten  zur  Einsichtnahme  zur  Verfügung, 

wenn  der  Herausgabe  keine  überwiegenden  öffentlichen  oder  privaten  Ge-

heimhaltungsinteressen  entgegenstehen  (Art. 194  Abs. 2  StPO).  Der  Inhalt 

der beizuziehenden Akten ist den Strafbehörden im Zeitpunkt des Beizugsge-

suchs nicht – jedenfalls nicht im Detail – bekannt. Entsprechend steht – aus-

ser im Fall des Antrags einer Partei und der antizipierten Beweiswürdigung – 

nicht der Anspruch auf rechtliches Gehör im Vordergrund, sondern der Unter-

suchungsgrundsatz  gemäss  Art. 6  StPO  mit  der  Verpflichtung,  den  verfah-

rensrelevanten Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären. Entsprechend sind 

Staatsanwaltschaft  und  Gerichte  zum  Beizug  von  Akten  verpflichtet,  sofern 

diese zur Abklärung des Sachverhalts oder zur Beurteilung des Beschuldigten 

erforderlich sind. Zufolge des Untersuchungsgrundsatzes sind die Strafbehör-

den grundsätzlich zum Beizug der Akten verpflichtet. Es sind diejenigen Akten 

beizuziehen, welche sachverhaltsrelevant sind. Insbesondere ist dadurch der 

Sachverhalt zu erstellen bzw. zu ergänzen, welcher für die Subsumtion unter 

die  Tatbestände  und  allfällige  Rechtfertigungsgründe  zufolge  des  Untersu-

chungsgrundsatzes  gemäss  Art. 6  StPO  erforderlich  erscheint.  Die  Würdi-

gung des Inhalts der beigezogenen Akten ist Sache des Strafrichters. Neben 

den  sachverhaltsrelevanten  Akten  sind  die  Akten  beizuziehen,  welche  im 

Strafverfahren zur Beurteilung der Person des Beschuldigten notwendig sind. 

Bestehen im Einzelfall Zweifel über die Notwendigkeit des Beizugs der fragli-

chen  Akten,  ist  gestützt  auf  die  Kriterien  betreffend  die  antizipierte  Beweis-

würdigung zu entscheiden. Danach kann auf den Beizug der Akten verzichtet 

werden,  wenn  die  Strafbehörde  aufgrund  bereits  abgenommener  Beweise 

ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, ihre Über-

zeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert. Im Begeh-

ren um Aktenherausgabe ist kurz anzugeben, inwiefern die betreffenden Ak-

- 17 -

ten  für  die  Zwecke  des  Strafverfahrens  notwendig  sind,  damit  die  ersuchte 

Behörde  und  die  Beschwerdekammer  dies  gegebenenfalls  überprüfen  kön-

nen. Es versteht sich von selbst, dass den Parteien Einsicht in die beigezoge-

nen  Akten  zu  gewähren  ist,  und  zwar  unabhängig  davon,  ob  diese  für  den 

Ausgang  des  Verfahrens  als  relevant  oder  irrelevant  erachtet  werden.  Die 

Parteien sind berechtigt, dazu Stellung zu nehmen. Werden Fremdgutachten 

beigezogen, so können sich die Parteien nicht nur zum Inhalt des Fremdgut-

achtens und zur Person des Experten zu äussern. Sie können auch Ergän-

zungsfragen stellen. Damit der Anspruch auf Akteneinsicht wahrgenommen 

werden kann, ist die Strafbehörde, welche die Akten beizieht, grundsätzlich 

verpflichtet, die Parteien über den Aktenbeizug zu informieren (DONATSCH, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 

Strafprozessordnung, 3. Auflage 2020, N 5 ff. zu Art. 194).

3.2 Das Recht auf Akteneinsicht ist Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör 

(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO). Die grundsätzlich vollum-

fängliche Akteneinsicht ist den Parteien nach Art. 101 Abs. 1 StPO spätestens 

nach  der  ersten  Einvernahme  der  beschuldigten  Person  und  der  Erhebung 

der übrigen wichtigsten Beweise durch die Staatsanwaltschaft zu gewähren. 

Sind die beiden Voraussetzungen kumulativ erfüllt, ist die Staatsanwaltschaft 

bzw. die Verfahrensleitung (Art. 102 Abs. 1 StPO) verpflichtet, ein Gesuch um 

Akteneinsicht nach diesem Zeitpunkt zu genehmigen, vorbehältlich einer Ein-

schränkung des rechtlichen Gehörs nach Art. 108 StPO. Nach Art. 108 Abs. 1 

StPO  können  die  Strafbehörden  das  rechtliche  Gehör  aber  einschränken, 

wenn der begründete Verdacht besteht, dass eine Partei ihre Rechte miss-

braucht (lit. a) oder dies für die Sicherheit von Personen oder zur Wahrung 

öffentlicher oder privater Geheimhaltungsinteressen erforderlich ist (lit. b). Bei 

den  privaten  Geheimhaltungsinteressen  im  Sinne  von  Art. 108  Abs. 1  lit. b 

StPO geht es zunächst um die Wahrung der Privatsphäre, mithin den Geheim- 

und Privatbereich. Im Weiteren geht es um die Wahrung des Geschäfts-, Fa-

brikations-, Bank- und Patentgeheimnisses. Wer die Akteneinsicht durch eine 

Partei  eines  Strafverfahrens  mit  Beschwerde  anfechten  möchte,  hat  seine 

(angeblichen)  berechtigten  Geheimhaltungsinteressen  ausreichend  zu  sub-

- 18 -

stantiieren. Es ist eine Interessenabwägung anhand der konkreten Umstände 

vorzunehmen. Eine Verweigerung der Akteneinsicht wird im Lichte von Art. 36 

BV nur als grundrechtskonform erachtet, als ein konkurrierendes Geheimhal-

tungsinteresse überwiegt und der Ausschluss verhältnismässig ist (LIEBER, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers 

[Hrsg.],  Zürcher  StPO  Kommentar, 

3. Auflage 2020, N 6b ff. zu Art. 108).

3.3 Die  vorgenannten  Erwägungen  gelten  in  Bezug  auf  Akten  betreffend  einen 

Beschuldigten,  welcher  im  Strafverfahren  grundsätzlich  gewisse  Eingriffe  in 

seine Grundrechte dulden muss, da das öffentliche Interesse an der Strafauf-

klärung gegenüber den privaten Interessen des Beschuldigten doch sehr stark 

ist. Diese Überlegungen können jedoch nicht ohne Weiteres auch in Bezug 

auf Geschädigte angewendet werden, selbst wenn es sich um ein Vier-Augen-

Delikt  handelt.  Vorliegend  sollen  nach  Ansicht  der  Verteidigung  Akten  von 

Personen parteiöffentlich gemacht werden, die entweder gar nichts mit dem 

vorliegenden Straffall zu tun haben (G._____) oder lediglich als Geschädigte 

und nicht als Beschuldigte am vorliegenden Straffall beteiligt sind. Diese doch 

äusserst  schützenswerten  privaten  Interessen  dieser  Personen  überwiegen 

gegenüber dem Interesse des Beschuldigten, allenfalls die Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin mit diesen Akten erschüttern zu können. Dies gilt erst recht, 

da die Glaubwürdigkeit nur in Bezug auf den vorliegenden Fall relevant ist und 

nicht anhand von zeitlich weit entfernten weiteren Fällen hergeleitet werden 

kann. Dasselbe gilt selbstverständlich für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

der  Aussagen  der  Privatklägerin.  Ein  solches  Argumentationsgebäude  ge-

stützt auf einen weiteren Fall seitens der Verteidigung würde von vornherein 

einer kritischen Würdigung nicht standhalten. Nur weil die Geschädigte sich 

bereits einmal mit einem solchen Vorwurf konfrontiert sah und vermutet, sie 

könnte noch weitere Male Opfer von sexueller Gewalt sein, heisst das keines-

falls,  dass  sie  in  Bezug  auf  den  vorliegenden  Fall  unglaubwürdig  ist.  Die 

Glaubwürdigkeit muss für jeden Fall gesondert betrachtet werden. Die von der 

Verteidigung verlangten Strafakten betreffend den weit zurückliegenden Fall 

i.S. G._____ sind insofern für den vorliegenden Fall von vornherein irrelevant. 

Ausserdem  konnte  die  Verteidigung  die  beantragten  Strafakten  mittlerweile 

- 19 -

offenbar  selber  über  Dritte  erhältlich  machen,  weshalb  sie  anlässlich  der 

Hauptverhandlung gewisse Passagen aus diesen Akten zitierte (vgl. act. 42 

N 12 ff.). Die von der Verteidigung aufgeworfenen Aussagen der Privatkläge-

rin legen indes keine brisanten Umstände dar, welche die Glaubwürdigkeit der 

Privatklägerin derart erschüttern würden, dass sich die Parteiöffentlichkeit der 

entsprechenden Akten aufdrängen würde. So ist es bei Vergewaltigungsvor-

würfen im Allgemeinen üblich, dass solche seitens der Beschuldigten bestrit-

ten  und  aus  Eigenschutz  heraus  als  einvernehmliche  sexuelle  Handlungen 

umgedeutet werden. Auch das Herunterdrücken des Oberkörpers durch Be-

schuldigte  und  das  anfängliche  Freezing  der  Opfer  sind  keine  Seltenheit  in 

solchen Verfahren, weshalb aus solch allgemeinen ähnlichen Sachverhalts-

elementen  nicht  darauf  geschlossen  werden  kann,  es  handle  sich  um  erlo-

gene oder auch nacherlebte Darstellungen. Weitere frappante Ähnlichkeiten 

der beiden Strafverfahren zum Nachteil der Privatklägerin konnten den Straf-

akten  offenbar  nicht  entnommen  werden,  ansonsten  sie  sicherlich  Eingang 

ins Plädoyer gefunden hätten. Folglich sind die Interessen der Privatklägerin 

und dem Dritten G._____ auch unter diesem Aspekt höher zu gewichten und 

es rechtfertigt sich nicht, die herausverlangten Strafakten parteiöffentlich zu 

machen, zumal sich die Staatsanwaltschaft von vornherein an keiner Stelle 

darauf stützt. Dem entsprechenden Antrag der Verteidigung ist daher erneut 

nicht stattzugeben.

D.

Antrag  auf  Einholen  eines  Glaubwürdigkeits-/Glaubhaftigkeitsgutachten  be-

treffend  die  Privatklägerin  und  deren  Aussagen,  unter  Beizug  deren  sämtli-

cher Krankenakten

1.1 Die Verteidigung beantragt die vollumfängliche Edition sämtlicher Krankenak-

ten  der  Privatklägerin  und  darauf  basierend  ein  psychiatrisches  Gutachten 

(act. 42 N 74). Die Privatklägerin leide an diversen psychischen Erkrankun-

gen, namentlich an einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Border-

line-Typ),  depressiven  Störung,  Aufmerksamkeitsstörungen  sowie  gar  psy-

chosomatischer Symptomatik. Überdies sei schädlicher Gebrauch von Can-

nabis festgestellt worden. Selbst der behandelnde Oberarzt empfehle ein fo-

- 20 -

rensisch-psychiatrisches Gutachten. Nach Ansicht der Verteidigung seien be-

reits die Aussagen der Privatklägerin derart unglaubhaft, dass sich ein psych-

iatrisches Gutachten betreffend die Tragweite der psychiatrischen Diagnosen 

erübrige. Sollte das Gericht aber eine Verurteilung in Betracht ziehen, sollte 

die Privatklägerin zuvor begutachtet werden (act. 42 N 72 f.).

1.2 Die Staatsanwaltschaft lehnt den Beizug sämtlicher medizinischer Akten über 

die  Geschädigte  demgegenüber  ab  (Prot.  S. 85 f.).  Diese  Akten  würden  für 

die Aufklärung der vorliegend eingeklagten Sache nichts beitragen. Eine an-

geschlagene psychische Gesundheit sei kein Beleg dafür, dass eine Person 

per se nicht oder vermindert glaubwürdig sei, sich Lügen bediene, Unwahr-

heiten  erzähle  oder  nicht  Opfer  einer  Straftat  werden  könne,  wobei  sie  auf 

BGer 6B_681/2012 vom 12. März 2013 hinwies. Darin sei ausdrücklich fest-

gehalten  worden,  dass  psychische  Störungen  sowie  auch  frühere  sexuelle 

Übergriffe  keine  Zweifel  an  den  Aussagen  der  Geschädigten  rechtfertigen. 

Das Gericht habe die Aussagen der Beteiligten und die gesamten Umstände 

zu  würdigen,  wobei  die  kritische  Analyse  bzw.  Würdigung  der  Aussagen 

selbst im Vordergrund stehe. Entscheidend sei, ob eine Aussage hinsichtlich 

eines konkreten Sachverhalts an sich und in sich glaubhaft sei. Es dürfe nicht 

von der Persönlichkeit auf die allgemeine Glaubwürdigkeit der Aussagen einer 

Person abgestellt werden. Wenn die Verteidigung davon ausgehe, aus erhält-

lich  gemachten  medizinischen  Akten  könnten  Rückschlüsse  auf  die  Glaub-

würdigkeit der Geschädigten und daraus auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-

gen  gezogen  werden,  so  schlage  dies  fehl.  Weitere  Abklärungen  über  den 

Gesundheitszustand seien daher aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht an-

gezeigt. Zum ärztlichen Befund vom 25. Juni 2023 sei der Vollständigkeit hal-

ber zu erwähnen, dass sich die Bemerkung unter Ziff. 12, wonach ein foren-

sisch-psychiatrisches Gutachten empfohlen sei, offensichtlich auf die weitere 

Behandlung  der  Geschädigten  im  Rahmen  der  ambulant-psychiatrischen 

Therapie  beziehe  und  eine  offensichtlich  zielgerichtete  und  erfolgverspre-

chende  Massnahme  ermöglichen  oder  zumindest  begünstigen  solle.  Das 

habe nichts mit der Einschätzung ihrer Glaubhaftigkeit im Strafverfahren zu 

tun. Aus diesem Grund sei diese Ziffer von der Anklägerin nicht berücksichtigt 

- 21 -

worden. Der Antrag, es sei ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zu er-

stellen, sei höchst fragwürdig. Die Voraussetzungen für die Erstellung eines 

solchen  forensisch-psychiatrischen  Gutachten  sei  nicht  ansatzweise  gege-

ben, wobei sie auf Art. 10 Abs. 2 der Verordnung über psychiatrische und psy-

chologische Gutachten im Straf- und Zivilverfahren hinweise. Es gehe vorlie-

gend nicht um die Sache bzw. um die Frage der Schuldfähigkeit der Geschä-

digten.  Falls  dem  so  wäre,  wäre  vielmehr  ein  Glaubhaftigkeitsgutachten  zu 

erstellen, was aber in dieser Sache auch nicht erforderlich sei, weil das nur in 

äussersten Ausnahmefällen gemacht werde, was nicht vorliege.

1.3 Die  Verteidigung  fügte  dem  hinzu  (Prot.  S. 90),  dass  sich  der  Hinweis  des 

Arztes nicht nur auf die adäquate Behandlung beziehe. Er verweise auf die 

Ergänzungen des ärztlichen Befunds vom 6. Oktober 2023 Frage 1.2, wonach 

die Glaubwürdigkeit nicht Inhalt der Therapie des Arztes sei. Der Arzt emp-

fehle hierfür eine Begutachtung.

2.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Prüfung der Glaubhaftig-

keit von Aussagen primär Aufgabe des Gerichts, wobei sich eine Begutach-

tung durch eine sachverständige Person nur bei besonderen Umständen auf-

drängt. Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder schwer interpretier-

bare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei ernsthaften Anzei-

chen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen beein-

trächtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Zeuge 

unter  dem  Einfluss  von  Drittpersonen  steht.  Das  Gericht  hat  einen  Ermes-

sensspielraum bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten 

Umstände des Einzelfalls der Beizug einer sachverständigen Person notwen-

dig ist (vgl. LANGER/BONIN, in: Ackermann/Garré/Godenzi/Jeker/Sträuli/Wohl-

ers, forumpoenale 5/2024 Nr. 30, Urteil BGer 7B_182/2022 vom 9. November 

2023,  S. 329  mit  Hinweisen  auf  BGE 129 IV 179  E. 2.4,  Urteil 

BGer 6B_297/2013 vom 27. Mai 2013 E. 1.4.1 und Urteil BGer 6B_681/2012 

vom 12. März 2013 E. 3.2 und weitere). Dies gilt auch für Aussagen von Aus-

kunftspersonen.

- 22 -

2.2 Solche Gutachten dienen der Überprüfung der Glaubhaftigkeit und Verläss-

lichkeit  von  Aussagen.  Das  Bundesgericht  betont,  dass  es  primär  Aufgabe 

des Gerichts ist, Aussagen zu würdigen. Der Beizug einer sachverständigen 

Person zur Erstellung eines aussagepsychologischen Gutachtens liegt im Er-

messensspielraum der Gerichte, wobei die Notwendigkeit eines Gutachtens 

stark von den spezifischen Umständen des jeweiligen Falles abhängt. Aussa-

gepsychologische  Gutachten  sollen  nicht  routinemässig,  sondern  nur  unter 

bestimmten, besonderen Umständen eingeholt werden. Gemäss Bundesge-

richt drängt sich bei Aussagen, die komplexe psychologische Aspekte bein-

halten – sowohl in der Aussage selbst als auch betreffend die einzuverneh-

mende Person –, ein aussagepsychologisches Gutachten und damit der Bei-

zug von sachverständigen Personen auf. Die bundesgerichtlichen Erwägun-

gen zur Einholung aussagepsychologischer Gutachten unterstreicht die Be-

deutung der Aussagewürdigung durch die Gerichte und stellt dabei klar, dass 

derartige Gutachten kein routinemässig einzusetzendes Instrument sind. Die 

Entscheidung, ob ein Gutachten einzuholen ist, wird dem Ermessen des Ge-

richts anheimgestellt, wobei der Entscheid auf einer sorgfältigen Abwägung 

der spezifischen Umstände des Einzelfalls basieren muss. Diese Vorgaben 

sollen die Rechte der Betroffenen schützen und die Integrität des Verfahrens 

gewährleisten  (vgl.  LANGER/BONIN,  a.a.O.,  S. 330  mit  Hinweisen  auf  Urteil 

BGer 6B_522/2022  vom 26. Oktober 2022 E. 1.1.3 und weitere).

2.3 Die Glaubhaftigkeit von (Zeugen-)Aussagen nimmt eine zentrale Rolle in der 

Beweiswürdigung ein. Die Beurteilung dieser Glaubhaftigkeit ist ein komple-

xer  Prozess,  der  durch  unterschiedliche  Faktoren  beeinflusst  wird.  Dieser 

Bundesgerichtsentscheid legt den Grundstein für die Verwertbarkeit und da-

mit die Beweistauglichkeit der Einvernahmen. Der Beweiswert sodann ist von 

diversen weiteren Faktoren abhängig. Dazu zählen die Umstände der Beob-

achtung, also wie, unter welchen Bedingungen und aus welcher Perspektive 

das bezeugte Ereignis wahrgenommen wurde. Ferner spielt die Zeitspanne 

zwischen dem bezeugten Ereignis und der Aussage eine wichtige Rolle, da 

mit zunehmendem zeitlichen Abstand die Erinnerung an das Geschehene ver-

blassen kann. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Art der Fragestellung. 

- 23 -

Angesichts dieser Faktoren ergibt sich die Notwendigkeit einer kritischen und 

differenzierten Herangehensweise bei der Bewertung von Aussagen im Rah-

men der Urteilsfindung. Die Schulung der professionellen Akteure in der Me-

thodik der Befragung und der kritischen Analyse von Aussagen trägt entschei-

dend  zur  Vermeidung  von  Fehlurteilen  bei  (vgl.  LANGER/BONIN,  a.a.O., 

S. 330).

3.1 Dem ärztlichen Befund von Dr. med. H._____, Oberarzt in der psychiatrischen 

Universitätsklinik Zürich, vom 25. September 2023 (act. 13/6) kann entnom-

men werden, dass die Privatklägerin seit dem 29. September 2020 in ambu-

lant-psychiatrischer Behandlung steht und sie beim besagten Oberarzt letzt-

mals am 6. und 22. März 2023 in Therapie war. Die Patientin sei langjährig in 

ambulanter psychiatrischer Behandlung, welche je nach Situation eine Krisen-

intervention, eine medikamentöse Behandlung oder eine Psychotherapie im 

engeren Sinn beinhalte. Im System seien folgende Diagnosen der Vorbehand-

ler  vermerkt:  Emotional-instabile  Persönlichkeitsstörung,  rezidivierende  de-

pressive  Störung,  Aufmerksamkeitsstörung  ohne  Hyperaktivität,  sonstige 

Essstörung,  Zustand  nach  psychotischer  Symptomatik  und  schädlicher  Ge-

brauch von Cannabis. Eine Schizophrenie werde nicht aufgeführt. Beim letz-

ten  Termin  vom  22. März  2023  sei  die  Privatklägerin  bewusstseinsklar  und 

unauffällig gewesen. Auch hätten keine akute Suizidalität, Selbstverletzungs-

tendenzen oder eine Fremdgefährdung vorgelegen. Zu keinem Zeitpunkt der 

Konsultationen im März 2023 seien Selbstverletzungen ein Thema gewesen. 

Als  eigene  Bemerkung  bzw.  Feststellung  bracht  der  Oberarzt  an,  dass  ein 

forensisch-psychiatrisches Gutachten empfehlenswert sei.

3.2 Auf  entsprechende  Ergänzungsfragen  der  Verteidigung  und  der  unentgeltli-

chen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin hin ergänzte Dr. med. H._____ 

seinen Arztbericht am 6. Oktober 2023 (act. 13/13) dahingehend, dass die Be-

urteilung der Glaubwürdigkeit nicht Inhalt seiner Therapie sei und er hierfür 

eine  Begutachtung  empfehle.  Weitere  sachrelevante  Angaben  konnte  er 

keine machen.

- 24 -

4.

Vorliegend können dem Arztbericht von Dr. med. H._____ vom 25. Septem-

ber 2023 und der Ergänzung vom 6. Oktober 2023 keinerlei psychische Stö-

rungen der Privatklägerin entnommen werden, welche eine forensisch-psych-

iatrische Begutachtung aufdrängen würden. Gestützt auf die vermerkten psy-

chischen Probleme in der Vergangenheit können auch keine psychischen Stö-

rungen  ausgemacht  werden,  welche  die  Aussagen  der  Privatklägerin  von 

vornherein in Zweifel ziehen könnten. So führen beispielsweise weder ADS 

noch  Depressionen  zu  geistigen  Defiziten  im  Aussageverhalten  von  Perso-

nen,  zumal  deren  damaliger  Psychiater  Dr. H._____  anlässlich  der  letzten 

Konsultationen im März 2023, d.h. kurz vor dem vorliegend zu beurteilenden 

Vorfall im Juni 2023, auch keine fallrelevanten psychischen Auffälligkeiten bei 

der Privatklägerin feststellen konnte. Die Privatklägerin schien damals stabil 

zu sein, weshalb sie schliesslich auch nicht mehr regelmässige psychologi-

sche Betreuung in Anspruch nahm. Die Privatklägerin selber gab anlässlich 

der polizeilichen Befragung zwar an (act. 6/1 Frage 35), in der Tatnacht Sui-

zidgedanken gehabt zu haben, weshalb sie ihren Kollegen F._____ angerufen 

und  sie  einen  "Suff"  daraus  gemacht  hätten.  Anlässlich  der  staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme ergänzte sie aber (act. 6/4 Fragen 395 f.), dass sie 

– auf einer Skala von eins bis zehn – ihre psychische Stabilität in der Tatnacht 

mit einer fünf bewerten würde. Sie bestätigte weiter, dannzumal zwar Suizid-

gedanken gehabt zu haben, aber solche Gedanken zu haben, sich Verletzun-

gen zuzufügen und dann auch tatsächlich Suizid zu begehen, sei etwas an-

deres. Vor Schranken ergänzte sie schliesslich (Prot. S. 14), dass sie damals 

eine schwere Zeit gehabt und viel getrunken habe, weil ihr Freund einen Mo-

nat zuvor mit ihr Schluss gemacht habe, was gesessen habe. So habe eins 

zum  anderen  geführt.  Deren  Vater  ergänzte  anlässlich  der  Zeugeneinver-

nahme vom 13. September 2023 zusammengefasst (act. 7/3 Fragen 75, 84 f. 

und 110 ff.), dass sich seine Frau und er vor einem halben Jahr getrennt hät-

ten,  seine  Tochter  nun  bei  ihm  lebe  und  sie  gewisse  Probleme  habe,  bei-

spielsweise mit der Lehrstelle. Er bestätigte, dass sie sich bis vor zwei Jahren 

geritzt und Suizidgedanken gehabt habe. Ebenso sei einst ADS diagnostiziert 

und ein Verdacht auf Boderline berichtet worden. Demgegenüber berichtete 

- 25 -

er aber, dass er zurzeit keinerlei psychische Probleme mehr wahrnehme. Er 

erlebe seine Tochter sehr gut, offen, kontaktfreudig und aufgestellt. Sie trinke 

zwar ab und an Alkohol, aber Drogen nehme sie seit 29. Januar 2023 keine 

mehr, was die negativen Urinproben seither bestätigen würden. Insofern kann 

zusammengefasst  festgehalten  werden,  dass  die  Privatklägerin  im  Tatzeit-

raum zwar mit gewissen privaten Problemen konfrontiert war, wie die Tren-

nung ihrer Eltern, ihre Lehrstellensituation sowie die Trennung ihres Freun-

des, weshalb sie häufiger Alkohol konsumierte und sich teils niedergeschla-

gen fühlte, wie ihre erwähnten Suizidgedanken zeigen. Irgendwelche Anzei-

chen  von  geistigen  Störungen,  welche  ihr  Aussageverhalten  beeinflussen 

könnten, waren jedoch auch explizit im Tatzeitraum keine ersichtlich. Nur weil 

die Privatklägerin damals durch die Probleme nicht gänzlich in ihrer Mitte war, 

besteht  noch  kein  Anlass  dafür,  die  Privatklägerin  forensisch-psychiatrisch 

oder aussagepsychologisch begutachten zu lassen. Die Aussagen des Ober-

arztes betreffend seine Empfehlung einer forensisch-psychiatrischen Begut-

achten sind so zu verstehen, dass die an ihn gestellten Fragen fundierter ab-

zuklären wären, wenn eine genauere und fundiertere Beantwortung derselben 

nötig wäre. Auch die Ergänzungsfragen der Verteidigung und der unentgeltli-

chen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin in Bezug auf die Glaubwürdig-

keit der Privatklägerin konnte der Oberarzt mangels nötigen Sachverstands 

nicht beantworten, so dass er eine Begutachtung ins Feld führte, sofern diese 

Fragen genauer abzuklären wären. Die Notwendigkeit einer solchen genaue-

ren Abklärung liegt indes mangels konkreter Anhaltspunkte hinsichtlich eines 

geistig instabilen Zustands der Privatklägerin, welche eine solche eingehende 

Abklärung rechtfertigen würden, gerade nicht vor. Somit ist weder ein foren-

sisch-psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand der Privatklägerin 

noch ein aussagepsychologisches Gutachten der Privatklägerin gestützt auf 

deren Geisteszustand im Tatzeitraum angezeigt. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass  die  Privatklägerin  den  vorliegend  zu  beurteilenden  Vorfall  unmittelbar 

nach dessen Geschehen erzählte. Es handelt sich nicht um einen weit zurück-

liegenden Vorfall, welcher nach einer psychiatrischen Behandlung geltend ge-

macht wird und somit die Aussagen der Geschädigten in einem anderen Licht 

- 26 -

erscheinen lassen und Zweifel in Bezug auf die Aussagenwahrheit und -ge-

nauigkeit  sowie  das  Erinnerungsvermögen  oder  die  Einflussnahme  Dritter 

aufwerfen würde. Die Aussagen der Privatklägerin sind insofern im Rahmen 

der gerichtlichen Aussagenwürdigung auf ihre Glaubhaftigkeit zu überprüfen 

und nicht mittels eines aussagepsychologischen Gutachtens. Dem entspre-

chenden Beweisantrag der Verteidigung ist daher nicht stattzugeben.

III.
SACHVERHALT

A.

Allgemeines

1.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem Beschuldigten den in der die-

sem  Urteil  beigehefteten  Anklageschrift  umschriebenen  Sachverhalt  vor 

(act. 24). Der Beschuldigte gestand dabei den äusseren Ablauf des Anklage-

sachverhalts im Wesentlichen ein (vgl. act. 5/2 und Prot. S. 42 ff.). Namentlich 

streitet er nicht ab, dass er die Privatklägerin in der Nacht vom 28./29. Juni 

2023, 00.05 Uhr, auf deren Heimweg vom Bahnhof I._____ an der J._____-

strasse  getroffen,  sich  mit  ihr  unterhalten,  sich  mit  ihr  zunächst  auf  einen 

Spielplatz in der Nähe der Kreuzung mit der K._____-strasse begeben und 

sie sich dort auf einer Sitzbank sitzend weiter unterhalten haben. Weiter be-

stätigte  der  Beschuldigte  auch,  mit  der  Privatklägerin  sodann  weiter  zum 

Spielplatz beim Schulhaus "L._____" gegangen zu sein, sich mit der Privat-

klägerin dort auf eine Hängematte gelegt und ersten Körperkontakt gehabt zu 

haben sowie sodann mit ihr auf den Turm der dortigen Rutschbahn hochge-

stiegen  zu  sein,  worauf  sich  die  Privatklägerin  vom  Spielplatz  abwendete. 

Ebenso  bestätigte  der  Beschuldigte,  der  Privatklägerin  dann  nachgelaufen 

und mit ihr bis zum Spielplatz bei deren Wohnort gelaufen zu sein, wo sie sich 

erneut auf eine Bank gesetzt haben. Der Beschuldigte streitet alsdann auch 

nicht ab, dass es auf jener Bank zu sexuellen Handlungen gekommen war. 

Der Beschuldigte stellt allerdings in Abrede, dass die sexuellen Handlungen 

mit der Privatklägerin gegen deren Willen vollzogen worden sein sollen und 

er mit seinem Penis in die Privatklägerin eingedrungen sein soll. Sein Penis 

- 27 -

habe deren Vagina lediglich berührt (vgl. act. 5/2 Frage 35 und 69). Folglich 

ist der Sachverhalt bezüglich der genauen körperlichen Kontakte, mithin der 

sexuellen Handlungen, des Beschuldigten und der Privatklägerin nachfolgend 

zu erstellen.

2.

Zur  Erstellung  des  Sachverhalts  bzw.  der  fraglichen  Sachverhaltselemente 

dienen im Wesentlichen neben den Aussagen des Beschuldigten in der Haf-

teinvernahme vom 30. Juni 2023 (act. 5/2) sowie der Befragung vor Schran-

ken vom 18. März 2025 (Prot. S. 32 ff.) die folgenden relevanten Beweismittel:

-

die Aussagen der Privatklägerin als Auskunftsperson in deren polizeili-

chen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 6/1), der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme vom 20. Juli 2023 (act. 6/4) sowie der Befragung vor 

Schranken vom 18. März 2025 (Prot. S. 10 ff.);

-

-

die Zeugenaussagen von D._____ (Vater der Privatklägerin) in der poli-

zeilichen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 7/1) und der staatsanwalt-

schaftlichen Zeugeneinvernahme vom 13. September 2023 (act. 7/3);

der durch die Kantonspolizei Zürich mittels Screenshots sichergestellte 

Chat-Verlauf zwischen der Privatklägerin und F._____ auf der Applika-

tion  "Snapchat"  sowie  der  Anrufliste  zwischen  der  Privatklägerin  und 

F._____ im Tatzeitraum (act. 2/3-4);

-

die pharmakologisch-toxikologischen Gutachten vom Institut für Rechts-

medizin der Universität Zürich betreffend den Beschuldigten vom 21. Juli 

2023  (act. 14/6)  und  betreffend  die  Privatklägerin  vom  7. September 

2023  (act. 15/11)  sowie  das  pharmakologisch-toxikologische  Ergän-

zungsgutachten  vom  Institut  für  Rechtsmedizin  der  Universität  Zürich 

betreffend die Privatklägerin vom 28. September 2023 (act. 15/18);

-

der Bericht zur Blutalkoholanalyse der Privatklägerin durch das Institut 

für  Rechtsmedizin  der  Universität  Zürich  vom  30. August  2023 

(act. 15/12);

- 28 -

-

-

die Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin und des 

Beschuldigten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 

26. Juli 2023 (act. 15/9) bzw. 11. August 2023 (act.14/7)

sowie das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zü-

rich vom 10. August 2023 (act. 16/12) hinsichtlich Überprüfung und Aus-

wertung der anlässlich der ärztlichen Untersuchung der Privatklägerin im 

Universitätsspital  Zürich  vom  29. Juni  2023  entnommenen  Abstriche 

(act. 16/12).

3.1.1 Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach 

seiner  freien,  aus  der  Hauptverhandlung  und  den  Untersuchungsakten  ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Beste-

hen unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-

gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Eine strafrechtliche Verur-

teilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichen-

der Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel dar-

über bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorge-

worfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Ge-

richt eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vor-

liegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, 

das  Gericht  aber  persönlich  nicht  zu  überzeugen  vermögen.  Allfällige  abs-

trakte theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind  und  absolute  Gewissheit  nicht  verlangt  werden  kann.  Es  muss  ausrei-

chen,  wenn  vernünftige  Zweifel  an  der  Schuld  des  Beschuldigten  ausge-

schlossen  werden  können  (TOPHINKE,  in:  Niggli/Heer/Wiprächtiger  [Hrsg.], 

Basler  Kommentar  zur  Schweizerischen  Strafprozessordnung,  Art. 1-195 

StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 58 ff. zu Art. 10).

3.1.2 Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begrün-

den. Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen we-

der von der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tat-

sachen zu überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende 

- 29 -

Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche 

und nicht zu unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven 

Sachlage  aufdrängen),  so  muss  es  die  beschuldigte  Person  freisprechen 

(BGE 143 IV 214,  E. 5.3.2;  BGE 138 V 74,  E. 7;  BGE 127 I 38,  E. 2a;  je  mit 

Hinweisen).

3.2.1 Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist an-

hand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, 

welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inne-

ren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die 

Angaben erfolgen. Es darf aber nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die 

allgemeine  Glaubwürdigkeit  des  Aussagenden  abgestellt  werden,  sondern 

auf die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese 

sind einer Analyse bzw. kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das 

Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen 

ist (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, 

SJZ 81, S. 53 ff.). 

3.2.2 Zu einer seriösen Aussagenwürdigung gehört somit zunächst die Prüfung der 

Frage, wie die Motivlage der aussagenden Personen beschaffen ist (vgl. HER-

MANUTZ/LITZCKE, Vernehmung in Theorie und Praxis, Stuttgart/München/Han-

nover/Berlin/Weimar/Dresden 2009, 2. Auflage, S. 30). Dies gründet auf der 

Einsicht, dass auch erfundene Aussagen sogenannte Realitätskriterien in hin-

reichender Zahl aufweisen können. Dies betrifft vor allem einfachere Sachver-

halte  bei  nur  wenigen  Einvernahmen  sowie  Aussagen,  die  auf  realen  Ge-

schehnissen basieren und nur durch geringfügige Änderungen bzw. Hinzufü-

gungen  zu  einer  falschen  Sachdarstellung  werden  können.  Die  Motivlage 

muss gerade dann bei der Beweiswürdigung einbezogen werden, wenn sie 

auf Grund äusserer Umstände besonders problematisch erscheint. So ist un-

ter anderem abzuklären, ob sich in der Persönlichkeit oder in der Beziehung 

zum Beschuldigten Besonderheiten, die ein Motiv für eine Falschbezichtigung 

erkennen lassen, zeigen. Dabei ist stets zu beachten, dass ein allfälliges Motiv 

- 30 -

allein noch kein Grund ist, der Aussage zu misstrauen. Erst das Hinzutreten 

weiterer – in dieselbe Richtung weisender – Indizien, z.B. das Fehlen einer 

hinreichenden Zahl sog. Realitätskriterien, gibt Anlass, solche Aussagen als 

unzuverlässig  zu  verwerfen  (HERMANUTZ/LITZCKE,  a.a.O.,  S. 26;  Entscheid 

des  Kassationsgerichtes  des  Kantons  Zürich  vom  24. Mai  2004,  Proz.-Nr. 

AC040005, E. II.1.4).

3.2.3 Bei  der  Abklärung  des  Wahrheitsgehalts  von  Aussagen  hat  sich  die  soge-

nannte Aussageanalyse durchgesetzt.  Nach  deren empirischem  Ausgangs-

punkt  erfordern  wahre  und  falsche  Schilderungen  unterschiedliche  geistige 

Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die aussa-

gende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leis-

tungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Er-

lebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise 

vorgenommen, dass eine Aussage durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente 

Qualitätsmerkmale,  sogenannte  Realkennzeichen)  und  Bewertung  der  Ent-

stehungsgeschichte  sowie  des  Aussageverhaltens  auf  Fehlerquellen  über-

prüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert wer-

den. Bei der Glaubhaftigkeitsbewertung ist immer davon auszugehen, dass 

die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass 

diese  Unwahrhypothese  (Nullhypothese)  mit  den  erhobenen  Fakten  nicht 

mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die 

Alternativhypothese,  dass  die  Aussage  wahr  sei  (BGE 133 I 33,  E. 4.3; 

BGE 129 I 49, E. 5.; je mit Hinweisen). Zu achten ist inhaltlich auf Strukturbrü-

che innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch auf Wi-

dersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl 

von  Realitätskriterien  und  das  Fehlen  von  Lügensignalen  (BENDER/HÄ-

CKER/SCHWARZ,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  5. Auflage 2021,  S. 77 ff. 

und S. 180 ff.).

B.

Aussagen der Privatklägerin

1.1 Die Privatklägerin wurde im Rahmen des Ermittlungs- und Untersuchungsver-

fahrens insgesamt zweimal – je einmal von der Kantonspolizei Zürich und der 

- 31 -

Staatsanwaltschaft – einvernommen (act. 6/1 und 6/4). Betreffend die staats-

anwaltschaftliche Einvernahme liegt eine Videoaufzeichnung vor (vgl. Anhang 

zu  act. 6/4).  Der  Beschuldigte  konnte  die  staatsanwaltschaftliche  Einver-

nahme  zusammen  mit  seinem  Verteidiger  per  Videoübertragung  in  einem 

Übertragungsraum selber mitverfolgen und sein Ergänzungsfragerecht aus-

üben, wobei ihm die Befragung durch einen Dolmetscher jeweils auf Türkisch 

übersetzt wurde (vgl. act. 6/4 S. 1).

1.2.1 Die Privatklägerin deponierte ihre Aussagen als Auskunftsperson unter Straf-

androhung von Art. 303-305 StGB, was allerdings nicht generell zu erhöhter 

Glaubwürdigkeit  führt.  In  Fällen  der  sogenannten  "Vier-Augen-Delikte",  wo 

sich also Täter und Opfer alleine gegenüber stehen und wo keine weiteren 

Zeugen vorhanden sind, kann nicht gesagt werden, dass das Fakt der Andro-

hung von Straffolgen resp. der Ermahnung zur wahrheitsgemässen Aussage 

dem  Opfer  generell  zu  erhöhter  Glaubwürdigkeit  verhilft.  Entscheidend  ist 

auch in diesem Fall – wie bereits dargelegt – die Glaubhaftigkeit der konkreten 

Aussagen  der  Beteiligten  (vgl. OGer ZH  Verfahren  Nr. SB150350  vom 

18. Mai 2016, E. 5.2.4).

1.2.2 Zu beachten gilt, dass die Privatklägerin direkte Geschädigte ist, weshalb sie 

zumindest emotional am Verfahren beteiligt ist und zufolge der Geltendma-

chung von Zivilforderungen auch ein finanzielles Interesse am Ausgang des 

vorliegenden  Strafverfahrens  haben  dürfte.  Ein  allfälliges  finanzielles  Inter-

esse der Geschädigten ist allerdings höchstens marginal zu gewichten, da der 

Beschuldigte als Sozialhilfeempfänger mittellos ist (vgl. nachstehend) und die 

Zivilforderungen  der  Privatklägerin  kaum  einen  finanziellen  Vorteil  bringen 

dürften. Konkrete Hinweise, weshalb sie den Beschuldigten zu Unrecht belas-

ten  und  das  Risiko  einer  Bestrafung  mit  Freiheits-  oder  Geldstrafe  auf  sich 

nehmen sollte, sind insofern keine ersichtlich. Auch der Beschuldigte brachte 

diesbezüglich nichts Wesentliches vor, zumal sich die beiden vor dem vorlie-

gend zu beurteilenden Vorfall nicht kannten (act. 5/2 Fragen 41 f.). Der Be-

schuldigte  gab  anlässlich  der  Hafteinvernahme  vom  30. Juni  2023  (act. 5/2 

Frage 76) an, die Privatklägerin erhebe gegen ihn den vorliegenden Vorwurf, 

- 32 -

weil er mir ihr keinen Sex gehabt habe. Angesichts der Tragweite dieses Vor-

wurfs auch für die Privatklägerin durch die langwierigen und aufreibenden Ein-

vernahmen erscheint ein solch lapidarer Grund doch eher abwegig und steht 

der  Glaubwürdigkeit  der  Privatklägerin  nicht  entgegen.  Ein  Hinweis  auf  ein 

mögliches Motiv für eine Falschaussage lässt sich folglich nicht herleiten.

2.1 Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 6/1), d.h. am 

Morgen nach dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall, führte die Privatkläge-

rin zum konkreten Tathergang weitgehend spontan und in freier Rede im We-

sentlichen aus (Frage 28), sie habe an jenem Abend ihren Kollegen F._____ 

zum Bahnhof begleitet, nachdem sie den Abend bei ihr zuhause miteinander 

verbracht und zusammen Alkohol getrunken hätten. Auf dem Nachhauseweg 

sei sie vom Beschuldigten angesprochen worden, als sie an seinem Wohnort 

vorbeigegangen  sei.  Sie  seien  ins  Gespräch  gekommen,  sie  habe  den  Be-

schuldigten sympathisch gefunden, habe mit ihm zusammen "saufen" wollen, 

zumal  er  auch  einen  Becher  in  der  Hand  gehabt  habe,  und  sie  hätten  sich 

sodann zu einem Spielplatz begeben, wo sie sich unterhalten hätten. Der Be-

schuldigte habe dann an einen ruhigen Ort, namentlich den Friedhof, gehen 

wollen, da sie nahe der Hauptstrasse gewesen seien. Dies habe sie aber ab-

gelehnt und habe ihn überredet, auf dem Spielplatz bei ihnen in der Schule zu 

bleiben, wo sie sich auf eine Hängematte und er zu ihr gelegt habe. Der Be-

schuldigte habe sie gefragt, ob er ihr einen Kuss geben dürfe, was sie bejaht 

habe. Er habe sodann gefragt, ob sie auf der Rutsche ein wenig allein sein 

könnten, worauf sie sich oben auf die Rutsche begeben hätten. Als sie oben 

gewesen seien, habe sie ein ungutes Gefühl bekommen, habe ihre Sachen 

gepackt und gesagt, sie müsse einem Kunden telefonieren. Sie habe F._____ 

angerufen und ihm ihre Lage erklärt, welcher ihr geraten habe, davonzuren-

nen. Sie habe aber ein schlechtes Gewissen gehabt, den armen Menschen 

einfach  allein  zurückzulassen.  Sie  sei  etwas  schneller  losgelaufen,  der  Be-

schuldigte sei ihr aber gefolgt. F._____ habe ihr geraten, im zickzack zu lau-

fen, damit er ihr nicht nachkomme. Der Beschuldigte habe sie aber eingeholt. 

Dann  habe  sie  einen  kleinen  Filmriss  und  sie  seien  irgendwann  bei  ihr  zu-

hause auf die Bank gesessen und sie habe weiter "gesoffen". Der Beschul-

- 33 -

digte habe sie irgendwann nicht mehr in Ruhe gelassen. Sie seien irgendwie 

vom Sitzen ins Liegen gekommen und er sei auf jeden Fall irgendwann in ihr 

drin gewesen. Da habe sie es in ihrem besoffenen Zustand das erste Mal mit 

Worten und Taten so gut es gegangen sei geschafft, zu sagen, dass sie das 

nicht wolle. Irgendwann habe sie auf dem Boden ihr Natel vibrieren sehen, in 

ihren Hörgeräten einen Anruf gehört – es sei F._____ gewesen – und habe 

abnehmen wollen. Sie habe beabsichtigt, dass dieser mithöre und höre, wenn 

sie nein sage und etwas nicht wolle. In jenem Fall hätten sie abgemacht, dass 

F._____ ihren Vater oder die Polizei anrufen sollte, da sie nicht im Zustand 

gewesen sei, das zu machen, und F._____ sich für sie melden sollte. Irgend-

wann sei ihr Vater aus dem Haus gekommen und habe sie gesucht, worauf 

sie  zu  sich  gekommen  und  zu  diesem  gerannt  sei.  Ihr  Vater  habe  den  Be-

schuldigten verfolgt und dann sei die Polizei gekommen.

Auf konkretes Befragen hin ergänzte sie, sie habe zuvor mit F._____, welchen 

sie  seit  drei  Wochen  kenne,  1.5 Liter  Berliner  Luft  getrunken  und  habe  ein 

paar Stunden vor der Tat mit jenem einvernehmlich bei ihr zuhause geschütz-

ten  Geschlechtsverkehr  gehabt  (Fragen 37 ff.  und  44).  Ihren  Alkoholisie-

rungszustand gab sie mit einer 7 oder 8 an – auf einer Skala von 1 bis 10 

(Frage 49). Auf dem zweiten Spielplatz habe sie ein ungutes Gefühl bekom-

men und F._____ "Hilfe" geschrieben, weil der Beschuldigte mit ihr ins Juhee 

rauf gewollt (gemeint wohl die Rutsche) und sie vorher bereits gemerkt habe, 

wie er sie anfasse. Dieser habe sie am Gesäss über ihren Hotpants angefasst 

(Fragen 77 ff.). Zudem habe er sie in der Hängematte auf den Mund geküsst, 

auch wenn das für sie ok gewesen sei. Sie wisse nicht mehr genau, ob er sie 

weiter  berührt  habe  (Fragen 81 ff.).  Sie  habe  auf  dem  zweiten  Spielplatz 

F._____ angerufen und ihm vorgängig "Hilfe" zur Absicherung geschrieben, 

damit er sie höre und hätte eingreifen können (Fragen 86 f.). Sodann sei sie 

auf Anraten von F._____ einfach weggegangen, ohne etwas zum Beschuldig-

ten zu sagen. Sie habe eigentlich hinter dem Schulhaus durch gehen wollen, 

damit der Beschuldigte sie nicht nochmal sehe, aber dort seien sie am Bauen 

gewesen (Fragen 93 ff.). Sie habe daher nicht unbemerkt gehen können und 

der Beschuldigte habe sie nach Hause begleitet. Dabei sei sie mit F._____ 

- 34 -

noch  am  Telefon  gewesen.  Sie  könne  sich  aufgrund  eines  Blackouts  nicht 

mehr daran erinnern, ob sie auf dem Heimweg noch etwas gesprochen hät-

ten. Sie könne sich erst wieder an die Bank bei ihr zu Hause erinnern (Fra-

gen 101 ff.). Dort habe sie Musik gehört und sie habe weiter getrunken. Der 

Beschuldigte  habe  sie  gefragt,  ob  sie  etwas  "rummachen"  wollten,  was  sie 

verneint  habe.  Sodann  sei  er  ziemlich  schnell  handgreiflich  geworden.  Er 

habe sie auf die Bank gelegt, indem er sie an den Handgelenken nach unten 

gedrückt habe, er habe sie mit einer Hand an ihrem Oberkörper unten gehal-

ten, ihr die Hose ausgezogen, ihre Unterhose zur Seite gestülpt und sei mit 

seinem Penis vaginal in sie eingedrungen – ohne Kondom (Fragen 107 ff.). 

Dabei habe sie ein Bein am Boden und eins auf der Bank gehabt (Frage 120). 

Der  Beschuldigte  sei  dabei  nicht  zum  Samenerguss  gekommen,  da  er  von 

ihrem Vater unterbrochen worden sei (Fragen 125 ff.). Der Beschuldigte habe 

sie irgendwas zwischen sanft und hart gepackt, sie an den Seiten angefasst, 

ihre Brüste unter und über den Kleidern berührt und er habe versucht, sie ins 

Gesicht und allenfalls auch am Hals zu küssen (Fragen 129 ff.). Sie habe sich 

– so gut es gegangen sei – mit Händen und Füssen rücklings gewehrt und 

habe auch nein gesagt, so dass es für den Beschuldigten definitiv erkennbar 

gewesen  sei,  dass  sie  keinen  Geschlechtsverkehr  gewollt  habe  (Fra-

gen 142 ff.). Sodann habe auch F._____ angerufen, worauf es ihr gelungen 

sei, ihr Handy unter der Bank zu ergreifen und das Telefon entgegenzuneh-

men, obwohl der Beschuldigte dies zu verhindern versucht habe. Sie habe um 

Hilfe  gerufen  und  F._____  mithören  lassen,  dass  sie  sich  verbal  gewehrt 

habe. Der Beschuldigte habe ihr aber mit seiner linken Hand etwa ein bis zwei 

Minuten den Mund zugehalten (Fragen 147 ff.). Der Beschuldigte habe dann 

von ihr abgelassen, als ihr Vater aus dem Haus gekommen sei. Sie habe ihn 

weggestossen, habe sich von der Bank gekugelt und sei zu ihrem Vater ge-

rannt. Der Beschuldigte sei noch kurz stehen geblieben, sei aber geflüchtet, 

als  ihr  Vater  auf  ihn  zugelaufen  sei,  nachdem  sie  ihm  berichtet  habe,  was 

passiert sei (Fragen 159 ff.). Sie habe sich während des Vorfalls betrunken 

und machtlos gefühlt. Anfänglich sei sie aufgrund ihrer Alkoholisierung wider-

- 35 -

standsunfähig gewesen. Sodann habe sie sich aber verbal und körperlich ge-

wehrt (Frage 170).

2.2 Anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen  Einvernahme  vom  20. Juli  2023 

(act. 6/4), d.h. rund ein Monat nach dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall, 

gab die Privatklägerin sodann in freier Erzählung zusammengefasst und sinn-

gemäss Folgendes zu Protokoll (Frage 21): Sie habe den Beschuldigten auf 

dem Nachhauseweg vom Bahnhof getroffen. Dieser sei dann zu ihr gelaufen, 

sie hätten festgestellt, dass beide am Alkohol trinken seien, weshalb sie ihn 

gefragt habe, ob sie dies zusammen tun wollten. Sie seien dann zusammen 

auf  einen  Spielplatz  gelaufen,  wo  sie  sich  etwas  kennengelernt  und  weiter 

getrunken hätten. Der Beschuldigte habe dann an einen ruhigeren Ort gehen 

wollen,  worauf  sie  auf  den  Spielplatz  bei  der  Schule  gegangen  seien.  Dort 

hätten sie zuerst auf einer Hängematte "gechillt", worauf der Beschuldigte auf 

die dortige Rutsche hinauf habe klettern wollen. Als sie dort oben gewesen 

seien, habe der Beschuldigte etwas zum Draufsitzen ausgelegt, wobei sie re-

lativ schnell bemerkt habe, dass dies in eine komplett andere Richtung gehe, 

als sie das gewollt habe. Sie habe daher ihre Sachen gepackt und habe ihm 

mitgeteilt, dass sie telefonieren müsse, worauf sie F._____ angerufen und al-

les erzählt habe. Dieser habe ihr geraten, zu gehen. Sie habe sich allerdings 

schlecht gefühlt, den Beschuldigten alleine zu lassen und einfach zu gehen. 

Auf den Rat von F._____ hin sei sie aber gleichwohl gegangen. Als sie das 

Schulareal verlassen habe, habe sie aber bemerkt, dass der Beschuldigte ihr 

nachgelaufen sei. Daher habe sie mit F._____ abgemacht, ihn am Telefon zu 

belassen, damit dieser die Polizei oder ihren Vater hätte alarmieren können, 

weil sie hierfür bereits relativ viel Alkohol getrunken habe. Sodann seien sie 

zusammen an ihren Wohnort gelaufen, wobei sie ein Blackout habe, was auf 

diesem  Weg  passiert  sei.  Jedenfalls  seien  sie  an  ihrem  Wohnort  auf  dem 

Spielplatz  gewesen,  wo  sie  weitergetrunken  hätten  und  er  ihr  immer  etwas 

näher gekommen sei. Daraufhin habe sich die Situation schnell geändert. Er 

habe ihren Alkohol auf den Boden gestellt, sie sei relativ schnell auf der Bank 

gelegen und er habe sie mit seiner Hand an ihrem Brustkasten unten behal-

ten, als sie wieder habe aufsitzen wollen. Sodann habe sie sich vergewissert, 

- 36 -

dass F._____ noch am Telefon sei und habe diesem kommuniziert, was ge-

rade  passiere.  Ebenso habe  sie  ihn  darum  gebeten,  alle  Hebel  in  Gang  zu 

setzen, falls er irgendetwas hören sollte, was sie nicht wolle oder was auch 

immer.  Währenddessen  habe  der  Beschuldigte  ihr  die  Shorts  ausgezogen, 

worauf sie diese wieder habe anziehen wollen und ihm gesagt habe, dass sie 

das nicht wolle. Sie habe die Hose aber nicht mehr anziehen können. Sodann 

sei er irgendwann in sie eingedrungen, worauf sie versucht habe, ihn mit den 

Händen wegzustossen, und ihm gesagt habe, dass sie dies nicht wolle. Dies 

habe nicht funktioniert, worauf F._____ ihren Vater angerufen habe. Dieser 

sei irgendwann herausgerannt und habe ihren Namen geschrien. Das sei für 

sie wie ein Weckruf gewesen und der Beschuldigte sei erschrocken. Sie habe 

dann aufstehen, sich anziehen und zu ihrem Vater rennen können. Als dieser 

den Beschuldigten bemerkt habe, sei er ihm nachgerannt, habe ihn aber nicht 

mehr erwischt.

Auf konkretes Befragen der Anklägerin hin ergänzte sie im Einzelnen, es sei 

ihre Idee gewesen, zusammen weiter zu trinken, worauf sie sich auf eine Bank 

auf einen Spielplatz gesetzt und sich in Englisch und gebrochenem Deutsch 

unterhalten hätten (Fragen 32 ff.). Sie habe eine Flasche Berliner Luft dabei 

gehabt,  immer  wieder  angesetzt  und  auch  der  Beschuldigte  habe  drei-  bis 

viermal  einen  Schluck  daraus  genommen  (Fragen 47 ff.).  Der  Beschuldigte 

habe dann an einen ruhigeren Ort gehen und weiter der Strasse folgen wollen. 

Dies habe sie aber nicht gewollt, worauf sie als Kompromiss auf dem Spiel-

platz  bei  der  Schule  bzw.  dem  Kindergarten  L._____  Halt  gemacht  hätten 

(Fragen 54 ff.). Sie hätten dort auf einer Hängematte gelegen und weiterge-

trunken, worauf er sie gefragt habe, ob er ihr einen Kuss geben dürfe. Das sei 

für sie ok gewesen, weshalb er ihr einen Kuss auf die linke Wange gegeben 

habe.  Zudem  habe  er  einmal  ungefragt  seine  rechte  Hand  auf  ihren  linken 

Oberschenkel – etwa 1.5 Handbreiten unterhalb ihrer Hüfte, nahe ihres Intim-

bereichs – gelegt und sei damit langsam von aussen nach innen gestrichen. 

Das sei für sie nicht mehr ok gewesen. Sie habe aber nichts gesagt. Zu wei-

teren  Berührungen  sei  es  in  dieser  Hängematte  nicht  gekommen  (Fra-

gen 61 ff.). Als sie zur Rutsche gegangen seien, sei sie hinten am Holzgelän-

- 37 -

der oberhalb der Treppe gestanden und der Beschuldigte auf der Treppe hoch 

zur Rutsche. Als er dann seine Jacke oder was auch immer ausgebreitet habe 

und  aufgrund  des  vorausgehenden  Handgriffs  an  ihren  Oberschenkel  habe 

sie ein ungutes Bauchgefühl bzw. Angst bekommen, da sie von der Rutsche 

auch schlecht wieder runtergekommen wäre und es relativ eng gewesen sei. 

Sie habe nur "chillen", reden und saufen wollen, während der Beschuldigte 

definitiv etwas anderes gewollt habe. Sie spekuliere darauf, dass er habe her-

ummachen oder Sex haben wollen (Fragen 82 ff.). Als sie F._____ angerufen, 

ihm die Situation auf der Hängematte und der Rutsche geschildert und er ihr 

geraten habe, wegzugehen, habe sie ein schlechtes Gewissen gehabt, den 

Beschuldigten allein zurückzulassen, weil sie es schlimm finde, einfach zu ge-

hen. Es sei verletzend, wenn Leute einfach gehen würden. Das kenne sie von 

sich. Sie habe ihm kein schlechtes Gefühl vermitteln wollen (Frage 106). Sie 

sei schliesslich zusammen mit dem Beschuldigten auf dem schnellsten Weg 

nach Hause gelaufen, obwohl sie lieber alleine gegangen wäre. Das habe sie 

ihm aber nicht gesagt. F._____ sei die ganze Zeit am Telefon geblieben, um 

alle  Hebel  in  Bewegung  zu  setzen,  falls  er  irgendetwas  höre,  was  sie  nicht 

wolle. Sie sei definitiv zu alkoholisiert gewesen, um etwas zu unternehmen. 

Sie habe rennen wollen, habe aber gemerkt, dass sie dazu nicht mehr in der 

Lage sei und sei einfach schnell gelaufen. Sie habe nicht mehr gerade laufen, 

geschweige denn etwas "checken" können. Das habe der Beschuldigte be-

stimmt bemerkt, so wie sie in Schlangenlinien gelaufen, im Zeug herumgefal-

len und getorkelt sei (Fragen 108). Bei ihr zu Hause hätten sie sich auf eine 

Bank gesetzt, wobei er sich links neben sie gesetzt und immer näher zu ihr 

hingerutscht sei. Er habe ihr gesagt, sie solle aufhören, zu trinken, habe ihr 

die Flasche aus der Hand genommen und auf den Boden gestellt. Sodann sei 

er aufgestanden, habe ihre Beine ums Bänkli genommen bzw. sie ein wenig 

an ihren Beinen gedreht, so dass sie schief auf der Bank zum Liegen gekom-

men sei und ihre Füsse am Schluss wieder am Boden gewesen seien. Sie 

habe sich in dieser Position relativ unwohl gefühlt und habe sich wieder auf-

setzen  wollen,  worauf  er  seine  Hand  auf  einer  Skala  von  eins  bis  zehn  mit 

einem Kraftaufwand von drei oder vier auf ihren Brustkorb gelegt und drauf 

- 38 -

geachtet habe, dass sie auf der Bank liegen bleibe. Plötzlich habe er ihr die 

Shorts mit Gummizug mit beiden Händen runtergezogen, so dass sie noch an 

ihren Füssen gewesen seien (Fragen 123 und 128 ff.). Sie habe sich zu jenem 

Zeitpunkt nicht wehren können. Sie sei aufgrund der Alkoholisierung benom-

men und nur körperlich anwesend bzw. wie in einem Schock gewesen. Bis 

sie  realisiert  habe,  was  passiere,  sei  er  schon  in  ihr  drin  gewesen  (Fra-

gen 146 ff.).  Der  Beschuldigte  habe  dabei  ein  wenig  angewinkelt  zu  ihr  ge-

standen, um ihr die Hose auszuziehen. Danach sei er vor ihr gewesen, leicht 

nach vorne gebeugt und mit dem Oberkörper zu ihr in der Hocke, wobei sie 

nicht  mehr  sagen  könne,  wo  sich  seine  Füsse  befunden  hätten  und  wie  er 

genau  in  der  Hocke  gewesen  sei  (Fragen 158 ff.).  Daraufhin  habe  sie  ver-

sucht, F._____ anzurufen, worauf der Beschuldigte ihre Handgelenke gefasst 

und diese mit einem Kraftaufwand von drei bis vier – auf einer Skala von eins 

bis zehn – nach oben gedrückt habe. Sie habe versucht, dagegen zu drücken, 

was ihr aber nicht gelungen sei, da der Beschuldigte stärker gewesen sei (Fra-

gen 168 ff.). Sodann habe der Beschuldigte ihre Unterhose zur Seite gescho-

ben und sei in sie eingedrungen. Daraufhin habe sie verbal und mit den Hän-

den versucht, sich zu wehren. Sie habe auf Englisch "No. Please stop. I don't 

want this" gesagt und habe versucht, ihn an der Brust und an der Schulter 

wegzustossen  und  sich  abzudrehen,  was  aber  nicht  geklappt  habe,  weil  er 

stärker gewesen sei (Fragen 175 ff. und 222). Sodann sei der Beschuldigte 

mit seinem erigierten Glied in sie eingedrungen, als er leicht über ihr gewesen 

sei,  und  habe  mehrere  stossartige  Bewegungen  gemacht.  Sie  könne  aller-

dings nicht sagen, ob er zu jenem Zeitpunkt gestanden habe und wo sich ihr 

Becken befunden habe (Fragen 192 ff.). Sie habe auch nicht auf seine Hände 

geachtet.  Sie  habe  aber  darauf  geachtet,  zu  ihrem  Handy  zu  kommen,  da 

F._____ zu jenem Zeitpunkt noch am Telefon gewesen sei. Sie habe zudem, 

bis der Beschuldigte aufgehört habe, immer wieder nein gesagt (Fragen 217 f. 

und 230). Sie habe beim Eindringen kurz Schmerzen in ihrer Scheide verspürt 

(Fragen 227 f.).  Der  Beschuldigte  habe  manchmal  versucht,  ihr  Küsse  am 

Hals zu geben, wobei sie nicht mehr wisse, ob ihm dies auch gelungen sei 

(Fragen 233 f.).  Auch  könne  sie  jetzt  nicht  mehr  sagen,  ob  er  ihr  noch  den 

- 39 -

Mund  zugehalten  habe  (Fragen 236 ff.).  F._____  habe  sie  währenddessen 

zweimal angerufen, wobei es ihr das zweite Mal gelungen sei, den Anruf ent-

gegenzunehmen. Das erste Mal habe der Beschuldigte wie gesagt ihre Hände 

am  Handgelenk  über  ihren  Kopf  und  ihr  Natel  auf  den  Boden  gelegt.  Das 

zweite Mal sei sie fast vom Bänkli gefallen, um den Anruf entgegenzunehmen, 

da sie sich in Richtung Boden gelehnt habe. Dies sei noch relativ am Anfang 

und schwierig gewesen, da der Beschuldigte bereits in ihr drin gewesen sei. 

Sie habe dabei nicht mit F._____ sprechen können, sondern erst als es vorbei 

gewesen sei (Fragen 239 ff.). Als sie ihren Vater gehört habe, habe sie die 

Situation erkannt und sei weggerannt. Es sei dann alles sehr schnell gegan-

gen und sie könne zum heutigen Zeitpunkt – trotz Vorhalt ihrer Aussagen vor 

der Polizei – nicht mehr sagen, wie es dann genau von statten gegangen sei 

(Fragen 261 ff.). Auch könne sie nicht mehr sagen, ob es – nebst dem Kuss 

auf die Backe – zu weiteren Küssen gekommen sei. Sie sei sich aber sicher, 

dass sie solche nicht gewollt hätte (Fragen 333).

2.3 Vor Schranken gab die Privatklägerin dann in freier Rede zu Protokoll (Prot. 

S. 14 f.), sie sei auf dem Heimweg vom Bahnhof mit dem Beschuldigten ins 

Gespräch  gekommen.  Sie  hätten  sich  gut  verstanden,  seien  zusammen  zu 

einem Spielplatz gelaufen, hätten sich dort auf eine Bank gesetzt und geredet. 

Sie  habe  weiter  getrunken.  Sodann  seien  sie  auf  seine  Initiative  hin  weiter 

gegangen. Dabei habe er eigentlich zum Friedhof gehen wollen. Das sei ihr 

aber zu gruselig gewesen, worauf sie auf ihren Vorschlag hin auf den Schul-

hausplatz gegangen seien. Dort hätten sie sich auf eine Hängematte gesetzt, 

worauf er etwas "touchy" geworden sei. Der Beschuldigte habe schliesslich 

zur Rutschbahn hoch gewollt. Dort habe sie sich nicht hingesetzt, da ihr die 

Situation nicht gepasst habe. Auf dem Weg zur Rutschbahn habe sie F._____ 

geschrieben  und  ihn  angerufen,  um  ihm  zu  sagen,  dass  sie  sich  in  einer 

"Scheiss-Situation" befinde. Dieser habe ihr geraten, zu gehen, was sie an-

fänglich abgelehnt habe, da sie es asozial finde, sich einfach "zu verpissen". 

Das  kenne  sie  aus  eigener  Erfahrung  und tue weh.  F._____  habe  sie aber 

überreden können, trotzdem zu gehen. Sie habe sodann hinter dem Schul-

haus durchgehen wollen. Dort sei aber gebaut worden. Er müsse sie daher 

- 40 -

beim Gehen gesehen haben. Sie sei im betrunkenen Zustand halb am Ren-

nen gewesen. Da sei er ihr nachgekommen und sie seien zusammen an ihren 

Wohnort gelaufen, wo sie noch auf eine Bank gesessen seien. Dort sei es zu 

einer  Vergewaltigung  gekommen,  wobei  es  zurzeit  sehr  viel  sei  und  es  ihr 

daher schwer falle, über den eigentlichen Kern der Vergewaltigung zu spre-

chen.

Auf entsprechendes Befragen seitens des Gerichts hin gab sie im Einzelnen 

an, sie und F._____ hätten versucht, immer am Telefon zu bleiben, wobei er 

oder sie immer wieder angerufen hätten, wenn die Verbindung abgebrochen 

sei, als ihr Handy in der Hose gewesen sei oder dergleichen. Dies sei zu ihrer 

Absicherung gewesen, weil sie es kenne, nicht zu allem nein sagen oder sich 

wehren zu können. Weiter gab sie an, dass sie nicht mehr wisse, warum sie 

nicht einfach nach Hause gegangen sei, als sie an ihrem Wohnort angekom-

men seien (Prot. S. 16). Auf der Bank habe der Beschuldigte ihre Beine so 

rüber genommen, dass sie nur noch habe liegen können. Das habe ihr nicht 

gepasst, worauf sie sich habe aufrichten wollen. Das sei ihr aber nicht gelun-

gen, da er sie runtergedrückt habe. Darauf sei sie liegen geblieben. Das Te-

lefon habe sie dabei auf dem Boden neben der Alkoholflasche gehabt (Prot. 

S. 17). F._____ habe sie einmal angerufen, wobei es ihr nicht gelungen sei, 

den Anruf entgegenzunehmen, da der Beschuldigte ihre Hände genommen 

und über ihren Kopf auf die Bank gedrückt habe. Beim zweiten Anruf, als der 

Beschuldigte  ihre  Hand  losgelassen  habe,  habe  sie  schnell  genug  reagiert 

und  den  "Swipe"  geschafft.  Sie  wisse  aber  nicht  mehr,  ob  sie  dabei  mit 

F._____ gesprochen habe oder das Telefon nur zur Absicherung entgegen 

genommen habe. Der Beschuldigte habe ihr sodann mit beiden Händen die 

Hose  mit  Gummizug  runtergezogen  und  habe  die  Unterhose  zur  Seite  ge-

schoben. Dabei sei sie – glaube sie – mit dem Oberkörper auf der Bank und 

ihrem Gesäss bündig auf der Kante der Bank und der Beschuldigte Angesicht 

zu Angesicht über ihr gewesen (Prot. S. 18 f.). Weiter wiederholte sie, dass 

ihre  Hände  vom  Beschuldigten  mit  einer  Hand  längere  Zeit  nach  oben  ge-

drückt worden seien, in dem er sie an den Handgelenken festgehalten habe, 

bis der Beschuldigte irgendwann losgelassen habe. Bevor der Beschuldigte 

- 41 -

in sie eingedrungen sei, habe sie sich nicht zur Wehr gesetzt, da sie in einer 

Starre gewesen sei und sich nicht habe bewegen können. Beim Eindringen 

habe sie aber auf jeden Fall gezeigt, dass sie das nicht wolle mit "Stopp" und 

"Nein". Ferner habe sie versucht, ihn an Brust und Schultern wegzudrücken. 

In ihrem betrunkenen Zustand habe sie aber keine Chance gehabt. Auch zu-

vor  habe  sie  nicht  ja  zu  den  Handlungen  des  Beschuldigten  gesagt,  auch 

wenn sie sich nicht direkt gewehrt habe. Sie habe aber auch nicht erwartet, 

dass es in diese Richtung weitergehe (Prot. S. 20). Als ihr Vater nach ihr ge-

rufen habe, sei der Beschuldigte aufgeschreckt, sei aufgesprungen und habe 

um sich geschaut. Das sei ihre Chance gewesen, wegzugehen. Sie sei auf-

gestanden, habe ihn zur Seite gestossen, habe ihre Sachen genommen und 

sei zu ihrem Vater gerannt (Prot. S. 21). Sie sei sich aber nicht sicher, ob sie 

wirklich gerannt sei. Es habe sich jedenfalls schnell angefühlt, wobei es sich 

aufgrund ihrer Alkoholisierung schneller angefühlt haben könnte, als es wirk-

lich gewesen sei (Prot. S. 22). Zur Situation bei der Rutsche gab sie an, dass 

sie sich nicht mehr daran erinnern könne, wer als erstes die Rutsche hoch-

geklettert sei. Sie könne sich aber definitiv noch daran erinnern, dass er eine 

Jacke ausgebreitet und sich hingesetzt habe. Sie sei aber stehen geblieben 

und  zum  Telefonieren  wieder  runtergestiegen  (Prot.  S. 24).  Auch  wisse  sie 

nichts von Körperkontakt oder Geknutsche vor dem eigentlichen Akt auf dem 

Bänkli vor ihrem Wohnhaus. Das würde sie – trotz ihres Alkoholkonsums – 

noch wissen, wenn dem so gewesen wäre (Prot. S. 24 f.). Sie erinnere sich 

zudem auch nicht mehr daran, ob sie der Beschuldigte auch an den Brüsten 

angefasst habe (Prot. S. 25).

2.4.1 Die Privatklägerin erzählte das Kerngeschehen am besagten Abend in allen 

drei  Befragungen  im  Wesentlichen  gleich  bzw.  praktisch  widerspruchsfrei  – 

so wie es in der Anklageschrift umschrieben ist (vgl. act. 24 S. 2 ff.):

Sie habe den Beschuldigten zufällige getroffen und habe ihn aufgefordert, mit 

ihr zu kommen und zu trinken. Sie hätten sich auf einer ersten Bank hingesetzt 

und persönlich kennengelernt und seien sodann auf einen zweiten Spielplatz 

weitergezogen. Sie habe sich auf dem zweiten Spielplatz aber unwohl gefühlt, 

- 42 -

da  sie  seitens  des  Beschuldigten  ihr  unangenehme  Annäherungsversuche 

gespürt habe, worauf sie nach einem Anruf bei ihrem Kollegen F._____ allein 

habe nach Hause gehen wollen. Sie habe rennen wollen, sei aufgrund ihres 

Alkoholkonsums aber dazu nicht mehr in der Lage gewesen. Der Beschuldigte 

sei ihr gefolgt, worauf sie zusammen an ihren Wohnort gegangen seien. Dabei 

habe sie einen Filmriss und könne sich erst wieder daran erinnern als sie bei 

ihr auf dem Spielplatz auf einer Bank gesessen seien. Auf jener hätten sie ein 

wenig weitergetrunken, worauf der Beschuldigte ihr relativ schnell immer et-

was näher gekommen sei. Sie habe ihm zu verstehen gegeben, dass sie nicht 

mit ihm rummachen wolle. Er habe aber ihre Beine so um die Bank gedreht, 

dass sie ins Liegen gekommen sei. Sie habe sich wieder aufrichten wollen, 

da ihr nicht wohl gewesen sei so. Der Beschuldigte habe dies aber verhindert, 

indem er sie auf dem Brustkorb wieder runtergedrückt habe. Als sie das Te-

lefon habe zur Hand nehmen wollen, habe er sie ausserdem auch mit einer 

Hand an den Handgelenken gefasst und diese über ihren Kopf auf die Bank 

gedrückt habe. Der Beschuldigte habe sodann ihre Hose bis auf die Knöchel 

ausgezogen, ihren Slip zur Seite geschoben, sei mit seinem erigierten Penis 

vaginal in sie eingedrungen und habe mehrere Stossbewegungen gemacht. 

Dabei  sei  der  Beschuldigte  leicht  über  sie  gebeugt  gewesen.  Bis  zu  jenem 

Zeitpunkt  sei  sie  aufgrund  des  Schocks  in  einer  Starre  gewesen  und  habe 

sich nicht bewegen können. Als er in sie eingedrungen sei habe sie aber an-

gefangen, sich körperlich und verbal zu wehren, indem sie versucht habe, ihn 

am Oberkörper wegzustossen, und ihm auf Englisch immer wieder "Stop" und 

"Nein" gesagt habe. Das habe aber alles nicht geklappt. Sodann sei ihr Vater 

aus dem Haus gekommen und habe sie gerufen, weshalb der Beschuldigte 

von ihr abgelassen habe und sie habe zu ihrem Vater rennen können.

Diesen Ablauf schilderte die Beschuldigte in allen Befragungen inhaltlich kon-

stant, teils frei und auf entsprechendes Befragen hin – sofern sie sich noch 

daran erinnern konnte – auch umfassend und detailliert. Sie übertrieb nicht, 

indem  sie  den  Beschuldigten  beispielsweise  besonders  gewalttätig  oder 

forsch beschrieb. Im Gegenteil führte sie aus, dass dieser sie nicht sehr fest 

anfasste oder auf die Bank drückte und ihre Beine schwungvoll um die Bank 

- 43 -

drehte.  Zudem  beschrieb  sie  den  Beschuldigten  als  sympathisch.  Sie  gab 

auch zu, dass sie es gewesen sei, die nach ihrem Zusammentreffen den Vor-

schlag gemacht habe, zusammen weiterzuziehen und sie habe ihm auf dem 

zweiten Spielplatz gar die Erlaubnis gegeben, sie auf die Wange zu küssen. 

Die Privatklägerin stellte den Beschuldigten insofern nicht in einem schlechten 

Licht  dar,  wie  dies  im  Falle  einer  Lüge  zu  erwarten  wäre  und  auch  oftmals 

gemacht wird. Sie belastete den Beschuldigten auch nicht übermässig, son-

dern gab an, sich an gewisse Details nicht mehr zu erinnern zu können oder 

sich nicht mehr sicher zu sein, wenn dem so war, wie beispielsweise, ob der 

Beschuldigte  eine  Jacke  oder  etwas  anderes  auf  den  Boden  der  Rutsche 

legte, oder ob er sie an den Brüsten anfasste oder nicht oder er ihr den Mund 

zuhielt  oder  nicht.  Im  Falle  einer  Lüge  wäre  bei  solchen  Details  eine  klare 

Aussage in Richtung Bejahung zu erwarten.

2.4.2 Die Privatklägerin legte sodann dar, dass sie doch sehr alkoholisiert gewesen 

sei und sich aufgrund dessen nicht mehr an alles erinnern könne oder sich 

auch  aufgrund  dessen  nicht  derart  habe  verhalten  können,  wie  sie  dies  in 

nüchternem Zustand getan hätte. Dem Gutachten zur körperlichen Untersu-

chung vom Institut für Rechtsmedizin vom 26. Juli 2023 hinsichtlich der pri-

vatklägerischen  Untersuchung  unmittelbar  nach  dem  Tatzeitraum  (29. Juni 

2023,  4.30  -  6.45 Uhr)  kann  hierzu  entnommen  werden,  dass  diese  zwar 

grösstenteils  orientiert,  aber  merkbar  alkoholisiert  gewesen  sei  (act. 15/9 

S. 2), weshalb sie auch gewisse Anweisungen zur Überprüfung der Aufmerk-

samkeit  nicht  verstanden  habe  (vgl.  act. 15/7  S. 2).  Ferner  bescheinigt  das 

pharmakologische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 7. Septem-

ber 2023 (act. 15/11 S. 2) der Privatklägerin rund vier Stunden nach dem vor-

liegen  zu  beurteilenden  Ereignis  einen  Blutalkoholwert  von  1.05  -  1.17 ‰. 

Weitere Fremdsubstanzen wie Drogen oder Medikamentenwirkstoffe wurden 

keine  festgestellt  (S. 4).  Der  Bericht  zur  Blutalkoholanalyse  des  Instituts  für 

Rechtsmedizin vom 30. August 2023 (act. 15/12) legt sodann nach Rückrech-

nung der Blutalkoholkonzentration dar, dass die Privatklägerin zum Zeitpunkt 

des Ereignisses eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 1.49 ‰ aufge-

wiesen haben muss, wobei mangels entsprechender Angaben hierzu ein all-

- 44 -

fälliger Nachtrunk nicht berücksichtigt werden konnte. Gemäss dem pharma-

kologisch-toxikologischen  Ergänzungsgutachten  vom  28. September  2023 

(act.15/18)  kann  sodann  entnommen  werden,  dass  zum  Zeitpunkt  des  Re-

sorptionsendes, d.h. 1.00 Uhr, eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 

1.25 ‰ und höchstens 2.12 ‰ vorgelegen haben muss, wobei der Nachtrunk 

mangels entsprechender Angaben in der Rückrechnung nicht berücksichtigt 

werden  konnte.  Die  Privatklägerin  war  insofern  sicherlich  sehr  betrunken. 

Dem  pharmakologisch-toxikologischen  Gutachten  (act. 15/11  S. 3)  kann 

hierzu  entnommen  werden,  dass  bei  einer  Alkoholkonzentration  von  1.5 ‰ 

von einer "deutlichen Betrunkenheit" auszugehen ist und mit Uneinsichtigkeit, 

Distanzlosigkeit und nachlassendem Kurzzeitgedächtnis zu rechnen sei. Den 

Screenshots vom Mobiltelefon der Privatklägerin vom Chat auf Snapchat mit 

dem Zeugen F._____ am 29. Juni 2023 (act. 2/3) können sodann diverse un-

verständliche  und  mit  vielen  Schreibfehlern  versehene  Nachrichten  der  Pri-

vatklägerin an den Zeugen im Tatzeitraum entnommen werden wie beispiels-

weise "Oks Pla S Hilfe" (0:28), "Weer kd ich chb wider da .min y das" (1:09), 

"DIe kn das uscj gad" (1:12) und schliesslich "Bulle nemmdad mini kleoywr 

undso" (1.49). Diese weisen ebenso auf eine deutliche Betrunkenheit der Pri-

vatklägerin im Ereigniszeitraum hin, auch wenn der Nachtrunk in der ansch-

liessenden  Blutalkoholmessung  nicht  berücksichtigt  werden  konnte.  Ange-

sichts dieser nachgewiesenen starken Alkoholisierung der Privatklägerin im 

Ereigniszeitraum  erscheinen  Erinnerungslücken,  eine  verzögerte  Wahrneh-

mung und teils verschwommene Eindrücke der Privatklägerin einleuchtend. 

Auch die von der Privatklägerin beschriebene Schwierigkeit, sich schnell vom 

Beschuldigten zu entfernen oder sich gegen ihn zu wehren erscheint ange-

sichts dieser Betrunkenheit begreiflich. Ferner ist so auch zu erklären, warum 

sich die offenbar von Natur aus sehr offene und kommunikative Privatklägerin 

überhaupt in eine solche Situation brachte, sie mit einem wildfremden Mann 

in der Nacht durch I._____ zog, ohne daran zu denken, welche Bedeutung 

der Beschuldigte diesem Treffen beimass, und sie sich kaum im Stande sah, 

sich gegen den Beschuldigten zu wehren, als dieser sich ihr auf der Bank vor 

ihrem  Wohnhaus  weiter  annäherte.  Auch  wenn  der  Tatvorgang  seitens  der 

- 45 -

Privatklägerin  doch  eher  naiv  und  leichtgläubig  anmutet,  ist  ihr  Verhalten 

durch ihren Alkoholkonsum und ihre offene, kommunikative Art doch erklärbar 

und erscheint nicht derart abwegig, um von vornherein als völlig unvorstellbar 

zu gelten.

2.4.3 Trotz  der  dargelegten  Alkoholisierung  konnte  sich  die  Privatklägerin  an  di-

verse, individuell geprägte, für die Privatklägerin offenbar bedeutende Details 

erinnern, welche die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen unterstreicht. So führte 

die  Privatklägerin  beispielsweise  sowohl  in  der  polizeilichen  Befragung  als 

auch vor Schranken selber aus, dass der Beschuldigte nach ihrem ersten Halt 

auf einer Bank an einen ruhigeren Ort, konkret den Friedhof, habe gehen wol-

len. Ferner legte sie in allen drei Befragungen ohne entsprechende Frage dar, 

dass der Beschuldigte auf der Rutsche oben auf dem Spielplatz seine Jacke 

oder dergleichen an den Boden gelegt habe. Weiter führte sie aus, dass sie 

nach dem Herunterklettern von der Rutsche eigentlich habe hinter dem Schul-

haus unbemerkt verschwinden wollen, dort aber gebaut worden sei, weshalb 

sie einen anderen Weg – im Blickfeld des Beschuldigten – habe nehmen müs-

sen. Sodann führte sie im Rahmen des eigentlichen Vergewaltigungsakts in 

allen  Befragungen  von  sich  aus  jeweils  aus,  dass  der  Beschuldigte  ihr  die 

Alkoholflasche aus der Hand genommen und diese auf den Boden neben der 

Bank gestellt habe. Solche eigentlich an sich doch unbedeutende Details las-

sen sich bei erfundenen Aussagen nicht wiederfinden, da Lügen doch eher 

von pauschalen, abstrakten und detailarmen Aussagen geprägt sind. Der Pri-

vatklägerin waren diese speziellen Details doch wichtig und blieben ihr beson-

ders in Erinnerung, weshalb sie sie von sich aus mehrfach erwähnte. Ferner 

ist festzuhalten, dass die Privatklägerin in allen Befragungen authentisch er-

klärte, warum sie sich vom Spielplatz mit der Rutsche nicht sofort entfernte, 

als ihr F._____ dazu riet. Sie wollte den Beschuldigten nicht einfach so stehen 

lassen,  da  sie  Mitleid  mit  diesem  hatte.  Sie  kenne  es  von  sich,  einfach  so 

stehen gelassen zu werden, und habe das dem Beschuldigten nicht auch an-

tun wollen – so die Privatklägerin sinngemäss. Die Privatklägerin teilte so ihre 

inneren Gedanken/Gefühle mit und nicht nur die äusseren Wahrnehmungen, 

was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht, da auch dieses 

- 46 -

Detail an sich nicht zentral ist und im Falle einer Lüge kaum so ergänzt worden 

wäre.

2.4.4 Auf den Videoaufnahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der Pri-

vatklägerin ist sodann erkennbar, dass die Privatklägerin v.a. im Zusammen-

hang mit Fragen zum eigentlichen Vergewaltigungsakt sehr nervös wirkte und 

mit ihrem Gummi am Handgelenk spielte bzw. diesen spicken liess, teils auf 

den Tisch starrte oder die Arme verschränkte und sich am Oberarm kratzte. 

Diese  Nervosität  und  Angespanntheit  legt  indes  keine  solche  wegen  eines 

allfälligen schlechten Gewissens aufgrund einer falschen Anschuldigung dar, 

sondern  anhand  ihrer  Körperhaltung  kann  beobachtet  werden,  dass  es  der 

Privatklägerin  nahe  geht,  zumal  die  Privatklägerin  die  Fragen  wie  erwähnt 

doch  sehr  ausführlich  und  detailliert  beantwortete,  soweit  sie  sich  daran  zu 

erinnern  vermochte.  Die  umschriebenen  Erinnerungen  schienen  noch  sehr 

prägnant vorhanden zu sein. Auch vor Schranken, d.h. Monate nach dem vor-

liegenden Ereignis, war die persönliche Betroffenheit der Privatklägerin noch 

authentisch spürbar, als es um die (erneute) Umschreibung des eigentlichen 

Vergewaltigungsakts ging und die Privatklägerin ausführte, es tue ihr leid, es 

sei  momentan  sehr  viel  (vgl.  Prot.  S. 16).  Die  Privatklägerin  überlegte  teils 

eingehend bei gewissen Fragen. Dabei wurde der Anschein erweckt, dass sie 

nicht lügen wollte, und sich genau und mit Bedacht überlegte, an was sie sich 

noch erinnern konnte und wie es aus ihrer Sicht genau war, zumal sie damals 

wie gesagt unter grossem Alkoholeinfluss stand. Auch konnte sie gewisse Ab-

läufe sogar selber sofort vorzeigen wie das Drehen ihrer Beine auf der Bank 

vor ihrem Wohnhaus und wo an ihrem Oberschenkel der Beschuldigte sie auf 

der Hängematte auf dem zweiten Spielplatz antastete (vgl. act. 6/4 Fragen 74 

und 134). Diese bildliche Darstellung ohne Anzeichen von Zögern spricht da-

für,  dass  sie  diese  Begebenheiten  auch  tatsächlich  so  erlebt  hat.  Ebenso 

weinte die Privatklägerin vor Schranken beim Thema des Herunterziehens ih-

rer  Hose/Unterhose,  und  bei  der  staatsanwaltschaftlichen  Befragung  nach 

Vorhalt der Aussagen des Beschuldigten zu seiner Sicht des von ihr behaup-

teten  Vergewaltigungsakts  bzw.  seiner  Bestreitung  (vgl.  Prot.  S. 19  und 

act. 6/4  Frage 366  samt  Videodatei),  was  eine  ernsthafte  Betroffenheit  wie-

- 47 -

derspiegelt.  Der  persönliche  Eindruck  von  der  Privatklägerin  während  ihren 

Befragungen spricht insofern ebenso für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. 

2.4.5 Im Sinne eines ersten Zwischenfazits ist den Aussagen der Privatklägerin so-

mit  grosses  Gewicht  beizumessen.  Diese  sind  im  Kerngeschehen  inhaltlich 

konstant, detailliert, ohne Strukturbrüche, angesichts der Alkoholisierung so-

wie der offenen Persönlichkeit der Privatklägerin auch nachvollziehbar, ohne 

übermässige Belastungen des Beschuldigten und gekennzeichnet von indivi-

duell geprägten Einzelheiten. Ferner war eine persönlichen Betroffenheit der 

Privatklägerin  ersichtlich  und  erschien  authentisch.  Folglich  erscheinen  die 

Aussagen  der  Privatklägerin  doch  sehr  glaubhaft  und  lassen  sich  auch  mit 

den vorliegenden Beweismitteln verknüpfen wie nachfolgend zu zeigen sein 

wird.

2.4.6 Trotz dieser grundsätzlichen Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 

lassen sich einige Details im Sachverhaltsablauf gemäss Anklageschrift nicht 

erstellen, da die Aussagen der Privatklägerin diesbezüglich teils zu unsicher 

waren und eher suggestiv zustande kamen. Es handelt sich dabei aber ledig-

lich um Details, welche das eigentliche Kerngeschehen nicht in Zweifel zu zie-

hen und den Vergewaltigungsvorwurf gegenüber dem Beschuldigten nicht er-

schüttern vermögen.

So lassen sich einerseits über die verbale Abwehr und das Wegstossen des 

Beschuldigten hinausgehende Abwehrhandlungen der Privatklägerin wie das 

Abdrehen ihres Oberkörpers und das Abdrehen ihres Kopfes beim Versuch 

des Beschuldigten, sie an Hals und Gesicht zu küssen während des Verge-

waltigungsakts,  nicht  erstellen  (vgl.  act. 24  S. 3  Abschnitt  4  und  S. 4  Ab-

schnitt 1). Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 6/1 

Fragen 137 ff.) erwähnte die Privatklägerin im Rahmen der Befragung zu den 

Handlungen des Beschuldigten ausserhalb des eigentlichen Geschlechtsakts 

und allfälligen Abwehrhandlungen die erwähnten fraglichen Gegenwehrmass-

nahmen nicht. Bei der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft führte sie so-

dann aus (act. 6/4), dass sie nicht mehr sicher sei, ob der Beschuldigte sie 

am Hals habe küssen können oder nicht (Fragen 233 f.). Auch wisse sie nicht 

- 48 -

mehr, ob sie sich – abgesehen von den Abwehrhandlungen mit den Händen 

– sonst noch körperlich zur Wehr gesetzt habe (Fragen 220). Sie bejahte le-

diglich auf entsprechenden Vorhalt der Staatsanwältin hin, sich auch abge-

wendet bzw. abgedreht zu haben (Frage 222). Auch vor Schranken erwähnte 

die Privatklägerin auf entsprechende Nachfrage der Gerichtspräsidentin hin 

nur die verbale und körperliche Abwehr in Form von Wegstossen und nicht 

von Wegdrehen oder Abdrehen (Prot. S. 20). Dieses Detail in der Anklage-

schrift lässt sich daher nicht erstellen.

Ebenfalls nicht erstellen lässt sich andererseits das Zuhalten des Mundes der 

Privatklägerin durch den Beschuldigten, als diese F._____ während der Ver-

gewaltigung per Telefon habe zu verstehen geben wollen, dass sie Hilfe brau-

che (act. 24 S. 4 Abschnitt 2). Die Privatklägerin gab anlässlich der polizeili-

chen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 6/1 Fragen 145 ff.) an, dass ihr der 

Beschuldigte mit der flachen Hand, vermutlich der linken, den Mund zugehal-

ten habe, als F._____ während des Geschlechtsakts angerufen habe. Dabei 

handelt es sich allerdings grösstenteils nur um eine Bestätigung auf Vorhalt 

einer entsprechenden Aussage ihrerseits im Spital gegenüber der befragen-

den  Polizeibeamtin  (vgl.  Frage 145  und  174).  Bei  der  Einvernahme  vor  der 

Staatsanwaltschaft konnte sie dies so auf entsprechenden Vorhalt ihrer Aus-

sagen bei der Polizei nicht mehr bestätigen (act. 6/4 Frage 236 f.). Auch die-

ses Detail im Anklagesachverhalt lässt sich daher nicht erstellen.

Ausserdem kann nicht erstellt werden, wann der Beschuldigte das Telefon der 

Privatklägerin gegriffen und dieses ausserhalb ihre Reichweite platziert haben 

soll (act. 24 S. 3 Abschnitt 4). Eine zeitliche Einordnung dieser Handlung ist 

schwierig,  zumal  der  konkrete  Ablauf  in  Bezug  auf  die  Kommunikation  der 

Privatklägerin  mit  dem  Zeugen  F._____  doch  sehr  unklar  ist  (vgl.  nachste-

hend). Letztlich ist diese Frage aber für den Hauptvorwurf auch nicht zentral 

und der Sachverhalt lässt sich auch ohne zeitliche Einordnung dieser Hand-

lung erstellen, wie weiter zu zeigen ist (vgl. nachstehend).

- 49 -

C.

Aussagen des Beschuldigten

1.1 Der Beschuldigte wurde im Rahmen des Ermittlungs- und Untersuchungsver-

fahrens insgesamt viermal einvernommen, wobei er jeweils von seinem Ver-

teidiger begleitet wurde. Ferner wurde für die Befragungen ein Türkisch-Dol-

metscher  bzw.  an  der  Hauptverhandlung  ein  Turkmenisch-Dolmetscher  zur 

Übersetzung beigezogen (act. 5/1-4).

1.2 Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhal-

ten, dass er im vorliegenden Verfahren nicht unter Strafandrohung zu wahr-

heitsgemässen Aussagen verpflichtet war. Als direkt vom vorliegenden Straf-

verfahren Betroffener dürfte er ein – insoweit legitimes – Interesse daran ha-

ben, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen, zumal 

ihm eine Landesverweisung droht (vgl. act. 24 S. 6). Die Aussagen des Be-

schuldigten sind daher mit besonderer Vorsicht zu würdigen. Allerdings liegen 

ansonsten keine Anhaltspunkte vor, die von vornherein gegen die Glaubwür-

digkeit des Beschuldigten sprechen würden.

2.1 Der Beschuldigte verweigerte – auf Anraten seines Verteidigers – sowohl an-

lässlich der polizeilichen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 5/1) als auch an-

lässlich  der  staatsanwaltlichen  Einvernahme  vom  13. September  2023 

(act. 5/3) sowie der Schlusseinvernahme vom 19. Juni 2024 (act. 5/4) seine 

Aussagen. Er gab seine Darstellung des vorliegend zu beurteilenden Ereig-

nisses  lediglich  zweimal  zu  Protokoll  und  zwar  einmal  eingehend  vor  der 

Staatsanwaltschaft  anlässlich  der  Hafteinvernahme  vom  30. Juni  2023 

(act. 5/2) und vor Schranken anlässlich der Hauptverhandlung vom 18. März 

2025 (Prot. S. 32 ff.).

2.2 Bei der Hafteinvernahme gab der Beschuldigte im Wesentlichen von sich aus 

an  (act. 5/2  Fragen 30  -  39  und  42),  die  Privatklägerin  sei  in  der  besagten 

Nacht  zu  ihm  in  seinen  Garten  gekommen,  habe  ihn  gefragt,  ob  er  mit  ihr 

gehen wolle, und habe ihm ihre Flasche Alkohol zum Trinken gegeben, wobei 

er nur daran gerochen habe. Sie seien dann zu einer Bank gegangen, wo die 

Privatklägerin immer wieder Anrufe erhalten habe und worauf sie zu einem 

- 50 -

Park mit einer Hängematte weiter gegangen seien. Sie hätten sich dort drauf 

gesetzt  und  sie  habe  immer  wieder  Anrufe  von  einer  Person  erhalten.  Die 

Privatklägerin habe ihm erläutert, dass das ein Kunde sei, da sie Drogen ver-

kaufen würde. Sodann sei die Privatklägerin auf eine sich dort befindliche Rut-

sche hoch gegangen, während er auf der Treppe zur Rutsche stehen geblie-

ben sei. Darauf habe sie einen erneuten Anruf von dieser Person erhalten und 

habe ihm (dem Beschuldigten) erzählt, dass sie mit diesem Mann sprechen 

müsse. Darauf seien sie von der Rutsche runtergestiegen. Die Privatklägerin 

sei am Telefon gewesen und habe sich von ihm entfernt. Da er habe verste-

hen wollen, um was es beim Telefonat gegangen sei, sei er ihr nachgegangen 

und habe sie gefragt, ob alles in Ordnung sei, was sie bejaht habe. Er habe 

sie nach Hause begleiten wollen und habe sie gefragt, ob sie zusammen ge-

hen wollten, was sie auch bejaht habe. Sie habe ihm den Weg gewiesen und 

habe ihm gezeigt, wo sie wohne. Sodann hätten sie sich auf eine Sitzbank 

neben ihrem Wohnhaus gesetzt, während die Musik gelaufen sei und die Pri-

vatklägerin immer wieder Anrufe erhalten habe. Es sei abgemacht gewesen, 

dass er nur noch fünf Minuten bleiben und dann nach Hause gehen werde. 

Sie hätten dann aber angefangen, sich gegenseitig zu umarmen, und er habe 

sie  auch  einvernehmlich  an  ihren  Brüsten  berührt.  Die  Privatklägerin  habe 

sich sodann einfach auf ihre Seite hingelegt, worauf er sich auf sie drauf gelegt 

habe, was sie auch so gewollt habe. Sie habe immer wieder einen Anruf er-

halten, was sie traurig gemacht habe, da sie den Anruf nicht habe entgegen-

nehmen können. Sie hätten sich auf die Lippen geküsst, was sie auch gewollt 

habe. Sie habe ihre kurze Hose ausgezogen, wobei er ihr geholfen und dabei 

festgestellt habe, dass sie am Geschlechtsteil behaart gewesen sei. Das habe 

ihm  die  Lust  genommen,  weshalb  er  keine  Erektion  bekommen  habe.  Sie 

habe ihn drei- bis viermal am Becken zu sich gezogen, um Geschlechtsver-

kehr mit ihm zu haben. Dabei habe sein Penis ihre Vagina berührt. Weil es 

nicht weiter gegangen sei, seien sie aufgestanden und sie hätten sich wieder 

auf die Bank gesetzt. Sodann habe sie seinen Penis in den Mund genommen, 

damit dieser erigiere. Dabei habe sie immer wieder Anrufe erhalten, worauf 

sie jeweils etwas auf ihr Natel gesprochen und geschrieben habe. Plötzlich 

- 51 -

sei ihr Vater aus dem Gebäude gekommen, habe die Privatklägerin mit ihrem 

Namen angesprochen und gefragt, was sie dort mache. Er habe das nur un-

gefähr verstanden, habe aber geahnt, dass dieser sie das gefragt habe. Nach-

dem sie ihren Vater gesehen habe, sei sie aufgestanden und zu ihrem Vater 

gelaufen.  Ihr  Vater  habe  ihn  dann  mit  "hey"  angesprochen  und  sei  zu  ihm 

gekommen, worauf er Angst vor Schlägen bekommen habe und davon ge-

rannt sei. Er vermute, die Privatklägerin habe ihrem Vater etwas Negatives 

über ihn erzählt und habe sich über ihn geärgert, weil er mit ihr keinen Sex 

gehabt  habe.  Es  sei  ihm  wichtig,  zu  erwähnen,  dass  er  weder  beim  ersten 

noch beim zweiten Versuch von ihr, ihm einen erigierten Penis zu verschaffen, 

eine Erektion bekommen habe. Daher habe er auch weder beim ersten noch 

beim zweiten Mal eine Ejakulation gehabt.

Auf Befragen ergänzte er sodann Folgendes: Beim Kennenlernen auf der ers-

ten  Sitzbank  sei  es  seines  Erachtens  zu  keinen  Berührungen  gekommen 

(Frage 52).  Auf  der  Hängematte  sei  es  dann  zu  wenigen  Berührungen,  na-

mentlich  Streicheln,  gekommen.  Sie  hätten  sich  dort  einfach  in  die  Hänge-

matte gelegt und sich umarmt. Er habe sie an den Brüsten berührt und es sei 

möglich, dass er sie auch im Vaginalbereich berührt habe, aber alles über den 

Kleidern. Sie habe ihn auch am Körper berührt, namentlich im Beckenbereich. 

Zudem hätten sie ohne Zunge geknutscht. Er habe sie gefragt, worauf sie ihm 

erlaubt habe, sie zu küssen (Fragen 54 ff.). Bei der Sitzbank vor ihrem Wohn-

haus habe die Privatklägerin dann ihre Hose ausgezogen, er habe ihre Unter-

hose zur Seite geschoben, worauf sie ihre Hand auf ihren Intimbereich gelegt 

habe. Die Privatklägerin habe versucht, seine Unterhose auszuziehen, wobei 

er  ihr  geholfen  habe  (Fragen 64 ff.).  Auf  Nachfrage  hin,  wie  er  seine  Hose 

ausgezogen habe, gab er an, er habe seine Hose geöffnet, als sie ihre aus-

gezogen habe. Er habe seine Hose ein wenig runtergezogen, damit sein Pe-

nis aus der Hose rausgekommen sei. Als er ihre Unterhose sodann zur Seite 

geschoben habe, habe sie ihn am Becken angefasst und Stossbewegungen 

gemacht (Fragen 66 ff.). Sein Penis sei allerdings tot gewesen. Er habe ihre 

Vagina liegend berührt und könne sich nicht vorstellen, dass er in dieser Si-

tuation mit seinem Penis in sie eingedrungen sei (Frage 69). Auf die Frage 

- 52 -

hin, wie er gemerkt habe, dass die Privatklägerin sämtliche Berührungen ge-

wollt habe, gab er an, dass diese sich einerseits nicht gewehrt habe und an-

dererseits  auch  selber  gewollt  habe,  dass  es  zu  Berührungen  komme 

(Frage 73). Den vorliegenden Vorwurf seitens der Privatklägerin könne er sich 

nur so vorstellen, weil er mit ihr keinen Sex habe haben wollen (Frage 76).

2.3 Vor Schranken gab er auf Befragen im Wesentlichen zu Protokoll, dass er mit 

der Privatklägerin an jenem Abend habe befreundet werden wollen. Sie habe 

das auch gewollt, habe ihn angelacht und versucht, ihn auf ihre Seite zu zie-

hen, indem sie ihn zu sich gerufen habe und mit ihm habe zusammen sitzen 

wollen (Prot. S. 43). Er habe eine Trainerhose an gehabt. Auf die Frage, ob 

die Privatklägerin auf ihn betrunken gewirkt habe, antwortete er, es sei normal 

gewesen. Sie habe normal gesprochen, sei normal gegangen und habe sich 

normal verhalten. Sie habe ein Getränk in der Hand gehabt (Prot. S. 44). Auf 

der Hängematte hätten sie sich dann hingesetzt und sie hätten geschaukelt, 

wobei sie sich ihm immer mehr angenähert habe. Sie habe sich immer zu ihm 

hingeschoben  und  habe  gewisse  körperliche  Nähe  gesucht.  Er  habe  ihren 

Körper an seinem gespürt, worauf er sie gefragt habe, ob sie umarmt werden 

wolle, was sie bejaht habe, worauf sie sich umarmt hätten (Prot. S. 44 f.). Er 

habe sie auch gefragt, ob sie geküsst werden wolle, und auch dies habe sie 

bejaht und gewollt. Er habe gespürt, gesehen und aus ihrem Verhalten ge-

schlossen, dass die Privatklägerin Körpernähe gesucht habe. Er habe sie da-

her gefragt, weil er aufgrund ihres Verhaltens der Ansicht gewesen sei, sie 

wolle körperliche Nähe (Prot. S. 45). Die Privatklägerin habe das gesucht und 

er habe sie nicht ablehnen bzw. brechen wollen (Prot. S. 46). Wer die Idee 

hatte, anschliessend die Rutsche hochzuklettern, wisse er nicht mehr. Die Pri-

vatklägerin sei aber zuerst hochgeklettert. Eine Jacke oder dergleichen habe 

er dort oben nicht ausgebreitet. Er habe kein anderes Kleidungsstück dabei 

gehabt (Prot. S. 46). Er bestätigte sodann, dass die Privatklägerin unter dem 

Vorwand, einen Telefonanruf machen zu müssen, weg gegangen sei. Sie sei 

von der Rutsche gegangen und habe gesprochen. Er habe sie dann nicht ver-

folgt, sondern nur gefragt, ob sie weiter zusammen spazieren wollten oder ob 

er nach Hause gehen soll. Sie habe daraufhin gemeint, sie sollten weiterge-

- 53 -

hen. Die Privatklägerin habe dabei auf ihn normal gewirkt. Sie seien wie zwei 

Kollegen am Spazieren gewesen. Er habe nicht bemerkt, dass sich die Pri-

vatklägerin nicht wohl gefühlt habe (Prot. S. 47). Als sie beim Spielplatz vor 

ihrem Haus angekommen seien, habe er sich verabschieden und gehen wol-

len. Sie habe ihm dort aber die Sitzbank gezeigt, worauf er sich dorthin bege-

ben, für fünf Minuten habe hinsetzen und dann nach Hause gehen wollen. Als 

sie sich auf die Bank gesetzt hätten zusammen, hätten sie sich angenähert 

und sich umarmt. Sodann habe er bereits alles erzählt. Es sei aber sicher nicht 

das  passiert,  was  die  Privatklägerin  behaupte.  Es  sei  zu  keinen  sexuellen 

Handlungen gekommen. Auf den Vorhalt, wonach es gestützt auf seine Aus-

sagen anlässlich der Hafteinvernahme doch zu gewissen sexuellen Handlun-

gen gekommen sei, meinte er, sie hätten sich umarmt und sich angenähert. 

Es stehe alles da drin, was er gesagt habe. Sie hätten sich einander angenä-

hert. Es sei aber nicht zu einem Beischlaf gekommen (Prot. S. 48). Auf Nach-

frage hin, zu was es sonst gekommen sei, gab der Beschuldigte zu Protokoll, 

sie hätten sich umarmt und geküsst. Und danach – wie gesagt – hätten sie es 

herausgenommen, als er festgestellt habe, dass die Privatklägerin dort Haare 

habe. Danach habe er es sein gelassen. Auf Befragen gab er an, die Hosen 

seien unten gewesen, zuerst habe die Privatklägerin ihre Hose ganz ausge-

zogen, wobei er ihr geholfen habe. Dann habe er seine Hose etwas herunter-

gelassen, wobei sie ihm geholfen habe (Prot. S. 49). Zuerst seien sie dage-

sessen,  dann  habe  die  Privatklägerin  ein  Bein  in  die  Lücke  unter  der  Ban-

klehne gestellt und sie seien einen Moment so da gesessen. Danach hätten 

sie etwas schräg auf der Bank gelegen. Sie hätten dann etwas machen wol-

len. Als er aber festgestellt habe, dass sie dort behaart sei, habe er keine Lust 

mehr gehabt. Seine Lust sei verschwunden. Die Privatklägerin habe ihn aber 

zuvor drei- bis viermal liegend zu sich gezogen. Sie habe etwas machen wol-

len. Die Privatklägerin sei dabei nach hinten angelehnt gewesen (Prot. S. 50 

und 59). Auf die Frage, warum er auf die Idee gekommen sei, dass die Privat-

klägerin Sex mit ihm haben wollte auf jener Bank, gab er zur Antwort, die Pri-

vatklägerin wisse es. Sie könne darüber befragt werden. Er habe klar gespürt, 

dass sie es gewollt habe. Sie habe ihn mehrmals zu sich gezogen und ihn 

- 54 -

umarmt (Prot. S. 51). Auf mehrmaliges Nachfragen, ob er ein Kondom dabei 

gehabt hätte, führte er schliesslich aus, es wäre ohne Kondom nicht zu Sex 

gekommen. Er habe sich damals gar keine Gedanken darüber gemacht und 

habe nicht überlegt. Nachdem er die Haare festgestellt  habe, habe er aber 

keine Lust mehr gehabt (Prot. S. 52 f.). Auf Nachfrage hin, ob es – abgesehen 

von den Haaren – ein Problem gewesen wäre, ungeschützten Geschlechts-

verkehr mit einer fremden Frau zu haben, gab er an, dass es nicht unbedingt 

zu  Sex  hätte  kommen  müssen  (Prot.  S. 53).  Wenn  es  zu  Sex  gekommen 

wäre,  hätte  es  ein  Kondom  gebraucht  und  ansonsten  hätten  sie  sich  –  wie 

gesagt – angenähert und geküsst. Ein Kondom habe er keines dabei gehabt. 

Er habe die Haare der Privatklägerin gespürt, weil er wahrscheinlich mit der 

Hand dort herangekommen sei. Irgendwie sei er dort rangekommen, obwohl 

die Privatklägerin ihre Unterhose nicht ausgezogen gehabt habe (Prot. S. 54). 

Das Telefon der Privatklägerin sei dabei bei ihr, unter der Bank auf dem Boden 

gewesen. Die Privatklägerin habe auch telefoniert und mit derselben Person 

gesprochen. Auf Nachfrage hin führte er aus, die Privatklägerin habe das Te-

lefon jeweils aufgenommen, gesprochen und dann wieder auf den Boden ge-

legt. Sodann bestätigte er, dass das in jener Zeit gewesen sei, als sie sich 

sexuell genähert hätten, weil sie beide die Hosen heruntergeschoben und lie-

gend auf der Bank gewesen seien (Prot. S. 55). Als er festgestellt habe, dass 

die Privatklägerin im Intimbereich behaart gewesen sei, habe er sich etwas 

zurückgezogen und sei da gesessen. Die Privatklägerin sei dann zu ihm ge-

kommen und habe versucht, ihn zu Sex zu animieren. Dabei habe sie seinen 

Penis in den Mund genommen, worauf sie sich völlig voneinander getrennt 

hätten (Prot. S. 55). Sie habe Musik laufen lassen, habe auf dem Telefon ge-

tippt und etwas geschrieben. Sodann sei ihr Vater gekommen und habe ihren 

Namen gerufen, worauf sie zu ihm gerannt sei. Sie habe mit ihrem Vater ge-

sprochen und er habe versucht, zu verstehen, was sie gesprochen hätten. Er 

sei dort ein bis zwei Minuten sitzen geblieben, bis ihr Vater ihm "hey" zugeru-

fen und bestimmend auf ihn zugelaufen sei. Zufolge der aggressiven Art habe 

er Angst bekommen und sei weggerannt. Die Privatklägerin und er seien ganz 

normal auf der Bank gesessen und hätten miteinander gesprochen, bevor ihr 

- 55 -

Vater  gekommen  sei.  Dann  sei  sie  zu  ihm  gerannt  und  habe  geweint.  Das 

habe er nicht verstanden, zumal sie zuvor normal bei ihm gesessen sei (Prot. 

S. 56). Auf die Frage nach dem Grund der Beendigung der sexuellen Annä-

herung meinte der Beschuldigte, seine Lust sei definitiv vergangen. Er habe 

normal sitzen, sprechen und dann nach Hause gehen wollen. Als die Privat-

klägerin seinen Penis in den Mund genommen habe, habe er ihr gesagt, dass 

er  das  nicht  wolle  und  sie  normal  sitzen  sollten,  worauf  sie  aufgehört  habe 

(Prot. S. 57 f.). Von sich aus ergänzte der Beschuldigte sodann, dass er nach 

Durchsicht des Protokolls der Hafteinvernahme anmerke wolle, die Privatklä-

gerin sei nicht traurig gewesen, weil sie die Telefonate nicht habe annehmen 

können, sondern sie sei genervt gewesen. Zudem wolle er hinzufügen, dass 

er  nicht  habe  verstehen  können,  in  welcher  Sprache  die  Privatklägerin  am 

Telefon jeweils gesprochen habe. Es sei aber nicht Englisch gewesen (Prot. 

S. 58). Auf Ergänzungsfrage hin gab er weiter zu Protokoll, dass er die Privat-

klägerin nicht gefragt habe, ob sie Sex mit ihm haben wolle. Es sei aber in 

gegenseitigem Einvernehmen gewesen bzw. habe er das so wahrgenommen 

(Prot. S. 59). Weiter gab er an, dass auch er – als die Privatklägerin ihr Bein 

zwischen die Lücke unter der Banklehne gestellt habe – sein Bein in diese 

Lücke gestellt habe und sie so auf der Bank gesessen seien. Später seien sie 

aufeinandergelegen (Prot. S. 60). Gelegen seien sie nach der gegenseitigen 

Umarmung. Die Privatklägerin sei mit dem Rücken nach hinten und er habe 

sich auf sie gelegt. Er habe seine Hose noch angehabt. Diese sei lediglich ein 

wenig unten gewesen, so dass sein Penis wahrscheinlich draussen gewesen 

sei. In der gegrätschten Position sei die Hose der Privatklägerin bereits ganz 

ausgezogen gewesen (Prot. S. 61). Er habe an jenem Abend ein erigiertes 

Glied  gehabt.  Es  könne  schon  passieren,  wenn  jemand  umarmt  werde.  So 

habe es auch begonnen. Er sei erregt gewesen, als sie sich umarmt hätten 

(Prot.  S. 62).  Auf  Ergänzungsfrage  hin,  was  er  in  der  Hafteinvernahme  ge-

meint habe, es sei ihm weder beim ersten noch beim zweiten Mal gelungen, 

einen  erigierten  Penis  und  eine  Ejakulation  zu  haben, fügte er  an,  mit  dem 

ersten  Mal  habe  er  gemeint,  als  er  festgestellt  habe,  dass  sie  Haare  habe. 

Beim zweiten Mal sei seine Lust auch vergangen, als sie seinen Penis in den 

- 56 -

Mund genommen habe (Prot. S. 62). Auch bestätigte er auf Befragen, dass 

die Privatklägerin zwar Alkohol getrunken habe, aber ihr Verhalten ganz nor-

mal gewesen sei. Sie habe normal sprechen und gehen können (Prot. S. 62). 

Auf  Ergänzungsfrage  hin  konkretisierte  er  sodann,  dass  die  Privatklägerin 

nicht Anrufe getätigt habe, als sie mit seinem Penis beschäftigt gewesen sei, 

sondern zwischen dem ersten und dem zweiten Versuch und danach (Prot. 

S. 63).

2.4 Die Aussagen des Beschuldigten betreffend ihr Kennenlernen bis zur Bank 

vor dem Wohnhaus der Privatklägerin decken sich weitgehend mit denjenigen 

der Privatklägerin, wobei sich die Aussagen darüber, wer wen anfänglich zu-

erst angesprochen hat, divergieren und der Beschuldigte weitere Annäherun-

gen zwischen ihm und der Privatklägerin auf der Hängematte beschreibt als 

diese  selber  angab.  Insbesondere  stellte  der  Beschuldigte  nicht  in  Abrede, 

dass sie auf der Hängematte zusammen gelegen hätten, dort erste Annähe-

rungen stattgefunden hätten, sie dann auf die Rutsche geklettert seien und 

die Privatklägerin aufgrund eines Anrufs wieder heruntergeklettert sei und sich 

von ihm entfernt habe. Ebenso gab er an, sodann erneut zur Privatklägerin 

gegangen zu sein und sie nach Hause begleitet zu haben. Anhand der Aus-

sagen des Beschuldigten ist zu schliessen, dass stets er die Initiative für die 

von ihm beschriebenen Annäherungsversuche wie das Küssen und Umarmen 

sowie Streicheln ergriff und er die Privatklägerin auch auf seine Initiative hin 

nach Hause begleitete, auch wenn er ausführte, die Privatklägerin sei mit al-

lem einverstanden gewesen und habe entgegen den privatklägerischen Aus-

führungen seine Annäherungen gar durch ihr Verhalten angeregt. Gesamthaft 

betrachtet erscheint der Beschuldigte gestützt auf seine Aussagen doch eher 

penetrant  und  hartnäckig  hinsichtlich  konkreter  Annäherungen  gewesen  zu 

sein,  unabhängig  davon,  ob  die  Privatklägerin  Anlass  dazu  gab  oder  nicht. 

Ebenso führte der Beschuldigte aus, er habe sich dann bei ihr beim Wohn-

haus noch kurz auf die Bank setzen und dann gehen wollen. Somit kam die 

Initiative,  das  Kennenlernen  noch  weiterzuführen  auch  in  jenem  Zeitpunkt 

vom Beschuldigten. Schliesslich hätte er nach dem Heimbegleiten der Privat-

klägerin auch einfach nach Hause gehen können. Dies tat er indes nicht, son-

- 57 -

dern setzte sich nochmals hin. Der Beschuldigte schien insofern klar daran 

interessiert gewesen zu sein, weiter Zeit mit der Privatklägerin zu verbringen 

und war offensichtlich auch nicht abgeneigt, mit ihr Zärtlichkeiten auszutau-

schen, obwohl er sie bis dahin nicht kannte sowie Frau und Kind zu Hause 

hatte.

In Bezug auf die Vorkommnisse auf der Bank vor dem Wohnhaus der Privat-

klägerin liegt die Darstellung des Beschuldigten sodann weit mit derjenigen 

der Privatklägerin auseinander, wobei die Aussagen des Beschuldigten – im 

Gegensatz zu denjenigen der Privatklägerin – doch sehr unglaubhaft erschei-

nen.  Trotz  mehrfachem  und  genauem  Nachfragen  konnte  der  Beschuldigte 

den genauen Ablauf nicht im Detail erklären und machte jeweils lediglich auf 

Befragen hin konkrete Aussagen zu den vorgenommenen sexuellen Handlun-

gen,  obwohl  er  im  Gegensatz  zur  Privatklägerin  kaum  betrunken  war  (vgl. 

nachstehend) und sich daher noch genauer an den Abend erinnern dürfte als 

die Privatklägerin. Dabei widersprach er sich trotz weniger Einvernahmen zur 

Sache mehrfach. Anlässlich der Hafteinvernahme will er den Vaginalbereich 

der Privatklägerin mit seinem Penis noch berührt haben, wobei er zu jenem 

Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, dass keinerlei DNA-Spuren im Vaginal-

bereich der Privatklägerin festgestellt werden konnten (vgl. nachstehend). Vor 

Schranken führte er indes aus, dass er lediglich mit der Hand im Intimbereich 

der Privatklägerin gewesen sei und sein Penis nur wahrscheinlich je aus der 

Hose gewesen sei. Auch erst an Schranken führte er sodann aus, dass sie 

beide sich in der Grätsche eine Zeit lang gegenüber gesessen und umarmt 

hätten,  als  sich  die  Privatklägerin  nach  hinten  gelehnt  haben  soll.  Wie  und 

wann dabei seine Hosen und die Hosen der Privatklägerin ausgezogen bzw. 

nach  unten  geschoben  werden  konnten,  führte  er  nur  widersprüchlich  aus. 

Einerseits führte er aus, die Hosen der Privatklägerin seien in der Grätsche 

bereits unten gewesen, andererseits führte er aus, sie habe ihre Hosen erst 

nach der Umarmung und somit nach der Grätsche ausgezogen, wobei er ihr 

geholfen habe und sie ihm, was angesichts ihrer Positionen auf der Bank eher 

undenkbar gewesen sein dürfte. Der Beschuldigte blieb gesamthaft in Bezug 

auf  die  eigentlichen  sexuellen  Handlungen  nur  sehr  vage  und  verwies  an 

- 58 -

Schranken auf seine Aussagen anlässlich der Hafteinvernahme bzw. behaup-

tete anfänglich noch, dass es zu gar keinen sexuellen Handlungen gekommen 

sein soll.

Sodann fällt auch auf, dass der Beschuldigte bei seinen Ausführungen oftmals 

ungefragt  betonte,  dass  er  die  Privatklägerin  stets  gefragt  habe,  ob  sie  mit 

seinen  Annäherungsversuchen  und  seiner  Anwesenheit  auf  dem  Heimweg 

einverstanden sei, was diese jeweils bejaht habe. Die auffällig mehrfache Be-

tonung seiner Rücksichtnahme auf die Wünsche der Privatklägerin erscheint 

sehr übertrieben und weist eher darauf hin, dass dem wohl gerade nicht so 

gewesen sein dürfte.

Ebenso führte der Beschuldigte aus, die Privatklägerin sei genervt gewesen, 

da  diese  während  den  von  ihm  behaupteten  sexuellen  Handlungen  Tele-

fonanrufe nicht habe entgegen nehmen können. Dabei erscheint es doch sehr 

fragwürdig, warum die Privatklägerin genervt gewesen sein soll, obwohl sie 

mit den Handlungen doch einverstanden gewesen sein und diese gar initiiert 

haben  soll.  Wäre  die  Privatklägerin  mit  den  sexuellen  Handlungen  des  Be-

schuldigten wirklich einverstanden gewesen und hätte sie diese gar angeregt, 

hätte sie das Telefon jederzeit abnehmen können und hätte nicht genervt sein 

müssen.  Die  offenbar  vom  Beschuldigten  wahrgenommene  genervte  Stim-

mung der Privatklägerin weist insofern vielmehr darauf hin, dass die Privat-

klägerin mit den Handlungen nicht einverstanden war und lieber das Telefon 

abgenommen  hätte,  als  sich  den  sexuellen  Handlungen  des  Beschuldigten 

hinzugeben.

Sodann führte der Beschuldigte anlässlich der Hafteinvernahme aus, die Pri-

vatklägerin habe ihre Hand auf ihren Intimbereich gelegt, als er ihre Unterhose 

zur Seite geschoben habe. Auch diese Aussage erscheint fragwürdig, wenn 

die Privatklägerin aus Sicht des Beschuldigten doch mit den sexuellen Hand-

lungen einverstanden gewesen sein und den Beschuldigten zu sich gezogen 

haben soll. Die Hand im Intimbereich weist vielmehr auf Scham hin und nicht 

darauf, dass die Privatklägerin wünschte, vom Beschuldigten berührt zu wer-

den.

- 59 -

Auch der weitere Ablauf erscheint doch sehr konstruiert, wonach der Beschul-

digte von der Privatklägerin abgelassen haben will, als er ihre Schambehaa-

rung feststellte, und dann auf die Bank gesessen sei und sie versucht habe, 

ihn oral zu befriedigen, um ihm doch noch zu einer Erektion zu verhelfen. Auch 

die Aussage des Beschuldigten, wonach die Privatklägerin darüber verärgert 

gewesen sein soll, dass sie ihn nicht hatte befriedigen können, und ihn daher 

bei  ihrem  Vater  schlecht  dargestellt  habe,  erscheint  in  diesem  Zusammen-

hang erfunden. Angesichts des vorangehenden doch wohl eher beharrlichen 

Verhaltens des Beschuldigten erscheint es äusserst fraglich, warum es aus-

gerechnet der Privatklägerin derart wichtig gewesen sein soll, dem Beschul-

digten zu einer Erektion zu verhelfen. Der Beschuldigte behauptete insofern 

gar, die Privatklägerin sei ernsthaft davon betroffen gewesen, dass er zu kei-

ner  Erektion  gekommen  sei.  Es  liegen  indes  keinerlei  Anzeichen  dafür  vor, 

dass es der Privatklägerin in jener Nacht darum gegangen wäre, einen frem-

den Mann sexuell zu befriedigen, zumal sie selber wenige Stunden zuvor be-

reits  selber  ihre  sexuelle  Befriedigung  erhalten  hatte  durch  F._____  (vgl. 

nachstehend).  Die  Privatklägerin  bat  F._____  kurz  zuvor  nachweislich  um 

Hilfe  (vgl.  nachstehend)  und  verliess  –  gestützt  auf  die  übereinstimmenden 

Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten – den zweiten Spielplatz 

aufgrund eines Telefonats, ohne dem Beschuldigten mitzuteilen, dass sie es 

vorzog, zu gehen. Diese Handlungen zeigen vielmehr, dass sich die Privat-

klägerin vom Beschuldigten kurz vor den sexuellen Handlungen auf der Bank 

vor ihrem Wohnhaus noch bedrängt gefühlt haben muss und sie folglich weit 

davon entfernt war, den Beschuldigten sexuell zufrieden stellen zu wollen. Die 

Erklärungsversuche des Beschuldigten legen daher vielmehr sein Gedanken-

gut  dar,  wonach  er  genervt  gewesen  sein  dürfte,  dass  es  nicht  gelang,  ihn 

sexuell zu befriedigen.

Des  Weiteren  führte  der  Beschuldigte  zum  folgenden  Geschehen  auf  der 

Bank vor dem Wohnhaus der Privatklägerin im Wesentlichen aus, nachdem 

beide Versuche der Privatklägerin, ihm zu einer Erektion zu verhelfen, nicht 

funktioniert hätten, seien sie ohne Weiteres einfach so wieder auf die Bank 

gesessen,  hätten  zusammen  gesprochen  und  Musik  gehört.  Diese  Ge-

- 60 -

schichte erscheint lebensfremd, erfunden und damit sehr unglaubhaft, zumal 

der Beschuldigte behauptet, die Privatklägerin sei davon betroffen gewesen, 

dass sie ihn nicht hatte befriedigen können, und habe einen zweiten Versuch 

unternommen, ihn zur Erektion zu bringen.

Zuletzt ist festzuhalten, dass der Beschuldigte sinngemäss ausführte, er habe 

die  Betrunkenheit  der  Privatklägerin  ihr  nicht  angemerkt.  Angesichts  ihrer 

deutlichen Alkoholisierung (vgl. nachstehend) erscheint auch diese Aussage 

unglaubhaft. In einem derartigen Zustand ist nicht ernsthaft davon auszuge-

hen, dass die Privatklägerin den ganzen Heimweg geradeaus laufen und sich 

ohne teils zu Lallen ausdrücken konnte, was auch ihre teils unverständlichen 

Nachrichten an F._____ belegen (vgl. nachstehend).

Zusammengefasst  kann  festgehalten  werden,  dass  die  Aussagen  des  Be-

schuldigten in Bezug auf die sexuellen Handlungen vor dem Wohnhaus der 

Privatklägerin – im Gegensatz zu den Aussagen der Privatklägerin – sehr kon-

struiert  erscheinen  und  daher  als  reine  Schutzbehauptungen  zu  betrachten 

sind.

D. Weitere Beweismittel

1.

Zeugenaussage D._____

1.1 Der Zeuge D._____ (Vater der Privatklägerin) sagte zweimal, einmal bei der 

Kantonspolizei  Zürich  und  einmal  bei  der  Staatsanwaltschaft,  unter  Wahr-

heitspflicht  nach  Art. 307  StGB,  aus  (act. 7/2-3),  weshalb  ihm  grundsätzlich 

erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt. Zum Beschuldigten steht er in keinem Ver-

hältnis,  jedoch  zur  Privatklägerin.  Er  ist  deren  Vater  (act. 7/3  Fragen 9 f.). 

Folglich  dürfte  er  ein  Interesse  daran  haben,  seiner  Tochter  zu  helfen  und 

deren Aussagen zu bekräftigen, zumal er selber den konkreten Tathergang 

weder gesehen noch gehört hat (vgl. act. 7/1 Fragen 15 ff.). Ein Motiv für eine 

Falschaussage kann daher trotz Strafandrohung nicht ganz ausgeschlossen 

werden und auch seine Aussagen sind entsprechend mit Vorsicht zu würdi-

gen.

- 61 -

1.2 Anlässlich  der  polizeilichen  Befragung  bei  der  Kantonspolizei  Zürich  vom 

29. Juni 2023 (act. 7/2), d.h. unmittelbar nach dem vorliegend zu beurteilen-

den Ereignis, gab er in freier Rede zu Protokoll, dass er an jenem Abend um 

1.00 Uhr vom Klingeln seines Telefons geweckt worden sei. F._____ habe ihn 

angerufen und darüber informiert, dass seine Tochter ein riesengrosses Pro-

blem  habe,  diese  seiner  Ansicht  nach  vergewaltigt  werde  und  sich  vor  der 

Wohnung auf dem Spielplatz befinde. Er sei dann hinaus und habe nach ihr 

gerufen,  worauf  sie  aus  der  Richtung  der  Sitzbank  zu  ihm  gelaufen  sei.  Er 

habe sie in den Arm genommen und sie habe ihm als Erstes in ein bis zwei 

Minuten erzählt, dass sie vergewaltigt worden sei. Sie habe ihm erzählt, dass 

sie einen Mann getroffen habe, mit welchem sie habe "saufen" wollen, und 

sie  seien  zum  Schulhaus  gegangen  auf  den  dortigen  Spielplatz,  wo  dieser 

aufdringlich geworden sei. Sie habe sich unwohl gefühlt und F._____ telefo-

niert, welcher ihr geraten habe, nach Hause zu gehen und den Mann loszu-

werden. Dieser sei ihr aber offenbar gefolgt. Sie seien dann auf den Sitzbän-

ken vor dem Wohnhaus angekommen, wo er in sie eingedrungen sei. Er sel-

ber habe den Mann bei den Sitzbänken dann bemerkt. Der Mann sei aufge-

standen. Seine Tochter habe ihm bestätigt, dass das der besagte Mann sei, 

worauf er ihm "Hey" zugerufen habe und dieser weggerannt sei. Er sei ihm 

noch nachgerannt, aber er habe ihn aus den Augen verloren (Fragen 1 und 

2). Auf Befragen hin ergänzte er, dass seine Tochter mit schwarzen, kurzen 

Hosen und einem schwarzen Top bekleidet gewesen sei. Sie sei verstört und 

verängstigt gewesen und habe geweint. Aber sie sei auch erleichtert gewe-

sen, dass er da gewesen sei (Fragen 4 ff.). Die Polizei sei von F._____ ver-

ständigt  worden  (Frage 11)  und  er  sei  sich  ganz  sicher,  dass  F._____  von 

Vergewaltigung gesprochen habe am Telefon (Frage 10). Seine Tochter habe 

ihm  erzählt,  dass  sie  dem  Mann  immer  wieder  gesagt  habe,  sie  wolle  das 

nicht, sie wolle das nicht (Frage 14).

1.3 Bei der Staatsanwaltschaft wiederholte er am 13. September 2023 (act. 7/3) 

seine Aussagen bei der Polizei im Wesentlichen, gab indessen an, das Tele-

fon von F._____ um 0.30 Uhr entgegengenommen zu haben. Er bekräftigte 

dabei, dass F._____ ihm gesagt habe: "D._____, es ist etwas mit B._____", 

- 62 -

sie habe grosse Probleme, er glaube, sie werde vergewaltigt. Auf seine Frage 

nach der Örtlichkeit habe F._____ gesagt, sie sei auf dem Spielplatz vor dem 

Haus (Frage 15). Auf Befragen ergänzte er, er habe seine Tochter nur einmal 

gerufen, bis sie gekommen sei, wobei sie sich rund 15 Meter von ihrem Sitz-

platz entfernt auf dem dortigen Bänkli befunden habe. Er habe sie aber nicht 

gesehen, da es dunkel gewesen sei. Er habe sie erst wahrgenommen, als sie 

zu ihm gerannt sei. Dabei habe sie zwar keinen Sprint hingelegt, sei aber auch 

nicht  einfach  zu  ihm  gegangen  (Fragen 19 ff.).  An  jenem  Abend  habe  ihm 

B._____ nicht erzählt, inwiefern der Beschuldigte ihr gegenüber konkret auf-

dringlich  geworden  sei.  Auf  Nachfragen  seinerseits  habe  sie  ihm  allerdings 

erzählt, dass er sie an den Brüsten oder den Beinen oder irgendwo dort be-

rührt habe (Fragen 24 f.). Nach den Annäherungsversuchen des Beschuldig-

ten habe seine Tochter beim Schulhaus in Richtung Pausenplatz laufen wol-

len, dort seien aber wegen einer Baustelle alle Eingänge versperrt gewesen 

und sie habe daher wieder zurücklaufen müssen, wo sie wieder auf den Be-

schuldigten  getroffen  sei  –  so  habe  es  seine  Tochter  in  Anwesenheit  von 

F._____ erzählt (Frage 26). Details zur Vergewaltigung habe ihm seine Toch-

ter nicht erzählt, er habe aber auch nicht danach gefragt (Fragen 27 f.). Als 

seine Tochter ihm entgegengelaufen sei, habe sie geweint, sie sei aufgelöst 

gewesen und habe sich schliesslich entschuldigt mit "es tue ihr so leid, es tue 

ihr so leid". Sie habe sich geschämt und habe falsche Schuldgefühle gehabt, 

weil sie sich für die Geschehnisse verantwortlich gefühlt habe (Fragen 30 und 

33).  Sodann  bestätigte  er,  dass  er  den  Beschuldigten  erst  wahrgenommen 

habe, als dieser von der Bank aufgestanden sei und diesem laut und bestimmt 

"hey" zugerufen habe (Fragen 36 und 37). Zudem gab der Zeuge an, seine 

Tochter  sei  wohl  wie  gelähmt  gewesen,  darum  habe  sie  sich  nicht  wehren 

können, auch wenn diese das so nie gesagt habe (Frage 46). Ferner gab er 

zu Protokoll, dass er erst auf den Beschuldigten zugegangen sei, als dieser 

nach  seinem  lauten  "hey"  weggerannt  sei  (Fragen 89 f.).  Auf  Ergänzungs-

frage der Verteidigung hin führte er weiter aus, es sei vielleicht zwei bis drei 

Sekunden gegangen, als er seine Tochter nach seinem Rufen zu ihm kom-

- 63 -

men gesehen habe. Er habe einmal gerufen und dann sei sie zu ihm gekom-

men (Fragen 98 f.).

1.4.1 Die Aussagen des Zeugen D._____ decken sich mit den Aussagen der Pri-

vatklägerin,  soweit  er  vom  vorliegend  zu  beurteilenden  Vorfall  Kenntnis  er-

hielt. Seine Aussagen vom Vorfall vom 29. Juni 2023 zwischen seiner Tochter 

und  dem  Beschuldigten  basieren  aber  weitgehend  auf  deren  Erzählungen, 

weshalb seine Aussagen zum Kerngeschehen an sich nichts Weiteres zur Sa-

che beitragen können. Trotzdem sind seine Aussagen von Belang. Schliess-

lich kann festgehalten werden, dass sich die von ihm wiedergegebenen Aus-

sagen zum von der Privatklägerin nach dem Vorfall geschilderten Sachverhalt 

und die obgenannten Aussagen der Privatklägerin nicht widersprechen, was 

deren Aussagen insbesondere zum Tatablauf sowie ihre Befindlichkeiten vor 

der eigentlichen Vergewaltigung weiter – wenn auch nur minimal – bekräfti-

gen. Bedeutender ist in diesem Zusammenhang aber, dass die Privatklägerin 

damals in zeitlicher Hinsicht kaum die Möglichkeit und aufgrund ihres alkoho-

lisierten Zustands auch kaum die Fähigkeit dazu hatte, sich gegenüber ihrem 

Vater in so kurzer Zeit eine derartige Story auszudenken, und sie wirkte ge-

genüber  ihrem  Vater  sichtlich  verstört.  Dies  spricht  für  ihre  Darstellung  des 

Ereignisses  und  gegen  diejenige  des  Beschuldigten.  Im  Übrigen  bezeugt 

D._____ auch eine ernsthafte Besorgnis von F._____ betreffend die Befind-

lichkeiten der Privatklägerin im Zusammenhang mit dem zu berurteilenden Er-

eignis, ansonsten F._____ ihn und die Polizei kaum alarmiert hätte. Auch die 

von D._____ dargelegte Fürsorge von F._____, welcher mit der Privatklägerin 

im Zeitraum des Vorfalls in stetigem Kontakt stand (vgl. nachstehend), unter-

mauert  die  Darstellung  der  Privatklägerin,  wonach  sie  mit  den  sexuellen 

Handlungen des Beschuldigten nicht einverstanden war und Hilfe brauchte.

1.4.2 Der geschilderte Tatablauf nach der vorgeworfenen Vergewaltigung wirkt an-

gesichts der Aussagen der Privatklägerin und des vom Zeugen D._____ ge-

schilderten zeitlichen Ablaufs aber gleichwohl fragwürdig. Nachdem der Vater 

der  Privatklägerin  aus  der  Wohnung  kam  und  die  Privatklägerin  rief,  muss 

diese sich gestützt auf deren Darlegung in Sekundenschnelle die Hose wieder 

- 64 -

hochgezogen,  ihre  Sachen  gepackt  und  zu  ihrem  Vater  gerannt  sein.  Den-

noch lässt diese Darstellung die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklä-

gerin nicht erschüttern. Schliesslich ist es nachvollziehbar, dass sich die Pri-

vatklägerin nicht mehr ganz genau an den Schluss der Vergewaltigung erin-

nert, zumal diese dann beendet war und ihr die Abläufe ab dann nicht mehr 

derart  wichtig  erschienen,  um  genau  in  Erinnerung  zu  bleiben.  Sodann  er-

scheint es zumindest nicht gänzlich unmöglich, Hotpants sehr schnell bzw. in 

Sekundenschnelle  und  gar  einhändig  wieder  hochzuziehen,  ihre  wenigen 

zwei Sachen (Alkoholflasche und Mobiltelefon) zu packen und sich in Sicht-

weite ihres Vaters zu begeben, zumal es sich lediglich um eine Distanz von 

nur  gerade  15 Meter  handelte.  Der  Zeuge  D._____  sagte  zudem  auch  nur 

aus, es sei zwei bis drei Sekunden gegangen, bis er die Privatklägerin aus 

dem Dunkeln auf sich zukommen gesehen habe, und nicht dass es zwei bis 

drei Sekunden gegangen sei, bis sie bei ihm gewesen sei. Es könnte daher 

auch zeitlich länger gegangen sein als zwei bis drei Sekunden, bis die Privat-

klägerin  auch  tatsächlich  beim  Zeugen  ankam.  Desgleichen  steht  auch  die 

Alkoholisierung der Privatklägerin deren Darstellung nicht grundsätzlich ent-

gegen, da die Privatklägerin in ihrer Erleichterung heraus wohl derart fokus-

siert  auf  ihren  Vater  war, dass ein solch zielgerichteter,  zeitlich kurzer  Lauf 

zumindest in der derart kurzen Distanz doch nicht unmöglich erscheint, zumal 

ihr allenfalls auch ihr Vater ein, zwei Meter abgenommen hat und sie ihm al-

lenfalls praktisch hat entgegenfliegen können. Die Darstellung der Privatklä-

gerin ist insofern angesichts der Aussagen ihres Vaters zum zeitlichen Ablauf 

nach der Vergewaltigung nicht einfach vorstellbar, aber doch nicht unmöglich, 

zumal auch der Beschuldigte bestätigte, dass die Privatklägerin sofort zu ih-

rem Vater gelaufen sei, als dieser sich nach draussen begeben habe.

2.

Sicherstellungen

2.1.1 Aus dem durch die Kantonspolizei Zürich mittels Screenshots sichergestellten 

Kommunikationsverlauf zwischen der Privatklägerin und F._____ auf der Ap-

plikation  "Snapchat"  sowie  der  Anrufliste  zwischen  der  Privatklägerin  und 

F._____ im Tatzeitraum (act. 2/3-4) ist Folgendes ersichtlich:

- 65 -

Die Privatklägerin rief F._____ im Ereigniszeitraum um 0.26 Uhr auf Snapchat 

um "Hilfe", worauf F._____ ihr "Was" schrieb. Die Privatklägerin schrieb so-

dann um 0.28 Uhr wirres Zeug im Sinne von "Oks Pla S Hilfe". Um 0.28 Uhr 

rief die Privatklägerin F._____ für sechs Sekunden an und F._____ die Pri-

vatklägerin für vier Minuten. Um 0.29 Uhr rief F._____ die Privatklägerin of-

fenbar auch per Snapchat unbeantwortet an und er schrieb ihr, sie solle doch 

dann auch abnehmen. Um 0.34 Uhr rief F._____ die Privatklägerin für 14 Mi-

nuten an. Um 0.48 Uhr ist eine Nachricht von F._____ an die Privatklägerin 

mit dem Inhalt "Mir hend gseit du gosch ine. Gang ine. Ich häng etzt do nöd 

am tele wenn du mit dem dusse bisch" ersichtlich und darauffolgend zwei ver-

passte  Anrufe  seitens  F._____  über  Snapchat  und  eine  Nachricht  von 

F._____, wonach er die Polizei anrufe. Um 0.50, 0.51, 0.52, 0.54, 0.56 und 

0.59 Uhr sind sodann diverse weitere – teils unbeantwortete und teils beant-

wortete Anrufe (0.59 Uhr: 41 Sekunden) und Snapchat-Audionachrichten von 

F._____ an die Privatklägerin ersichtlich und um 1.09 Uhr ist wieder eine un-

verständliche Nachricht der Privatklägerin an F._____ gesichert ("Weer kd ich 

chb wider da .min y das"), worauf F._____ um 1.10 Uhr "Was" schrieb und die 

Privatklägerin F._____ um 1.12 Uhr wiederum eine unverständliche Nachricht 

zukommen liess ("diekn das uscj gad"). Um 1.03 Uhr telefonierte die Privat-

klägerin sodann mit F._____ fünf Minuten lang. F._____ schrieb um 1.13 Uhr, 

ob die Privatklägerin kurz telefonieren könne, er mache sich Sorgen und frage 

sich, was jetzt bei ihr laufe, ob sie Spass hätten oder die Polizei überhaupt 

bereits  bei  ihnen  gewesen  sei.  Daraufhin  schrieb  die  Privatklägerin  um 

1.48 Uhr, die "Bullen" seien bei ihr, sie danke ihm. Den Anruflisten vom Tele-

fon von F._____ kann sodann entnommen werden, dass er um 0.54 Uhr die 

Polizei avisierte und bereits um 0.33 Uhr erstmals versuchte, den Vater der 

Privatklägerin ("D._____") zu erreichen, was ihm offenbar aber erst nach zwei 

weiteren Versuchen um 1.00 Uhr gelang.

2.1.2 Dieser Kommunikationsverlauf legt dar, dass die Privatklägerin F._____ be-

reits um 0.26 Uhr und 0.28 Uhr um Hilfe bat, was ihre Aussagen untermauert, 

wonach sie sich auf dem zweiten Spielplatz mit dem Beschuldigten zufolge 

von  Annäherungsversuchen  seinerseits  unwohl  gefühlt  habe.  Sodann  kann 

- 66 -

dem Kommunikationsverlauf entnommen werden, dass sich F._____ offenbar 

Sorgen um die Privatklägerin machte und er sie mehrfach zu erreichen ver-

suchte, was ihm zumindest um 0.34 Uhr auch für ganze 14 Minuten gelang. 

Dies stützt auch die Aussagen der Privatklägerin, wonach F._____ ihr geraten 

habe, sich vom Beschuldigten zu entfernen, um nach Hause zu gehen, und 

wonach sie mit F._____ auf dem ganzen Heimweg am Telefon gewesen sei. 

Weiter können die Telefonate und Nachrichten zeitlich nicht mehr genau ein-

geordnet werden, legen aber nahe, dass F._____ im Zeitraum von 0.48 Uhr 

und 0.59 Uhr diverse Versuche unternommen hat, die Privatklägerin wieder 

zu erreichen. Dies gelang ihm offenbar um 0.59 Uhr, da dieser Anruf entge-

gengenommen wurde und fast eine Minute dauerte. Da der Vater der Privat-

klägerin,  welcher  gemäss  Anrufliste  um  1.00 Uhr  von  F._____  alarmiert 

wurde, nach dem Anruf gemäss eigenen Aussagen sofort aus dem Haus lief 

und die Privatklägerin nach ihren Aussagen von ihrem Vater wach gerüttelt 

wurde, kann es sich beim Anruf von 0.59 Uhr seitens F._____ um jenen ge-

handelt haben, welchen die Privatklägerin gemäss eigenen Aussagen wäh-

rend des Vergewaltigungsaktes annehmen konnte. Die sichergestellten Snap-

chat-Nachrichten sowie die Anruflisten lassen sich insofern mit den Aussagen 

der  Privatklägerin  dem  Grundsatze  nach  verflechten  und  stützen  daher  die 

Glaubhaftigkeit  deren  Aussagen,  zumal  auch  der  Beschuldigte  bestätigte, 

dass die Privatklägerin immer wieder mit ihrem Telefon beschäftigt gewesen 

sei  und  Anrufe  entgegengenommen  habe.  Würde  der  Darstellung  des  Be-

schuldigten gefolgt, wonach die Privatklägerin ihn zu körperlichen Annäherun-

gen bzw. gar Sex animiert und ihn teils gar zu sich gezogen haben will oder 

darauf erpicht gewesen sei, ihn sexuell zu befriedigen, wäre nicht einzusehen, 

warum  die  Privatklägerin  währenddessen  derart  viel  Kontakt  mit  F._____ 

hatte und Letzterer sich offensichtlich begründet sah, sich um sie Sorgen zu 

machen.

2.2.1 Aus dem pharmakologisch-toxikologischen Gutachten vom Institut für Rechts-

medizin der Universität Zürich betreffend den Beschuldigten vom 21. Juli 2023 

(act. 14/6 S. 1) geht hervor, dass sich beim Beschuldigten weder Fremdsub-

stanzen wie Drogen oder Medikamentenwirkstoffe noch Ethylalkohol im Blut 

- 67 -

aufdecken liessen, welche im Zeitraum des Ereignisses zu einer Beeinträch-

tigung der körperlichen und/oder geistigen Fähigkeiten hätten führen können. 

Da zwischen dem Zeitpunkt des Ereignisbeginns und der Blutentnahme aber 

rund 12 Stunden verstrichen gewesen seien, könne eine Alkoholisierung im 

Ereigniszeitraum nicht ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse des entspre-

chenden  Gutachtens  betreffend  die  Privatklägerin  vom  7. September  2023 

(act. 15/11) wurden bereits vorstehend erörtert.

2.2.2 Das  pharmakologisch-toxikologische  Gutachten  betreffend  den  Beschuldig-

ten steht den Aussagen der Privatklägerin nicht entgegen, wonach auch der 

Beschuldigte am besagten Abend mit ihr zusammen getrunken habe, wenn 

auch offenbar deutlich weniger als sie.

2.3.1 Im Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin vom 26. Juli 

2023 (act. 15/9 S. 3 f.) – vier Stunden nach dem vorliegend zu beurteilenden 

Ereignis – konnten bei der forensisch-gynäkologischen Untersuchung keine 

Verletzungen oder auffällige Sekretantragungen im Genital- oder Analbereich 

festgestellt  werden.  Lediglich  eine  Hautabschürfung  am  Rücken  imponiere 

frisch,  sei  somit  mit  dem  gegenständlichen  Ereigniszeitraum  vereinbar  und 

stelle die Folge stumpfer Gewalt dar. Eine Entstehung durch ein Anstossen 

und Aufkratzen des Hautmantels an einer harten bzw. rauen Oberfläche er-

scheine  aus  rechtsmedizinischer  Sicht  hinsichtlich  des  Entstehungsmecha-

nismus plausibel. Dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 10. Au-

gust 2023 (act. 16/12) hinsichtlich Überprüfung und Auswertung der anläss-

lich der ärztlichen Untersuchung der Privatklägerin im Universitätsspital Zü-

rich vom 29. Juni 2023 entnommenen Abstriche (act. 16/12 S. 2 f.) kann ent-

nommen  werden,  dass  im  Genitalbereich  (Genitalabstriche  sowie  Abstriche 

ab Anus und Rektum) mikroskopische Spermien nachgewiesen werden konn-

ten, wobei die entsprechenden DNA-Spuren mit dem DNA-Profil von F._____ 

übereinstimmten.  Der  Beschuldigte  könne  jeweils  als  Spurengeber  ausge-

schlossen werden. Diese negativen Befunde in Bezug auf den Beschuldigten 

würden aber genitale Handlungen oder auch eine Penetration durch den Be-

schuldigten nicht ausschliessen. Es sei möglich, dass die in den Abstrichen 

- 68 -

vorhandenen  DNA-Rückstände  der  Privatklägerin  und  die  Spermienrück-

stände ihres Sexpartners die allenfalls geringen Mengen vorhandenen nicht 

spermatogenen Fremdspuren des Beschuldigten mengenmässig stark über-

wiegen  und  diese  deshalb  analytisch-methodisch  bedingt  nicht  mehr  nach-

weisbar seien. Ein ungeschützter Geschlechtsverkehr mit Samenerguss mit 

dem Beschuldigten werde aber für den geltend gemachten Zeitraum praktisch 

ausgeschlossen.

2.3.2 Die  Privatklägerin  stellte  nie  in  Abrede,  mit  F._____  vor  dem  vorliegend  zu 

beurteilenden Vorfall bei ihr zu Hause einvernehmlich Geschlechtsverkehr ge-

habt zu haben (act. 6/1 Frage 38 f., act. 6/4 Frage 391 und Prot. S. 22). Die 

DNA-Auswertungen bestätigen insofern ihre Angaben. Die Privatklägerin gab 

allerdings an, mit F._____ geschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben 

(act. 6/1 Fragen 40 f. und Prot. S. 22). Die DNA-Auswertung steht auch dieser 

Aussage nicht entgegen, wenn auch der Schutz offenbar nicht durchgehend 

erfolgt sein kann, wie die DNA-Spuren von F._____ im Genitalbereich der Pri-

vatklägerin zeigen. Der Geschlechtsverkehr mit F._____ ist aber für den vor-

liegenden Vorfall auch nicht zentral. Relevant ist nur der sexuelle Kontakt mit 

dem Beschuldigten. Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldig-

ten kann gestützt auf das Gutachten der Spurenauswertung zwar nicht erwie-

sen, aber auch nicht ausgeschlossen werden. Die Privatklägerin selber gab 

an, dass der Beschuldigte einen erigierten Penis gehabt habe und nach dem 

Eindringen mehrere Stossbewegungen gemacht habe. Von einer Penetration 

bis zum Samenerguss des Beschuldigten berichtete die Privatklägerin aller-

dings nicht. Sie führte weiter aus, dass der Beschuldigte von ihrem Vater un-

terbrochen  worden  sei  und  schliesslich  von  ihr  abgelassen  habe.  Aufgrund 

dieser Ausführungen der Privatklägerin ist nicht ausgeschlossen, dass der Be-

schuldigte (noch) keine Samenflüssigkeit verlor bzw. diese gestützt auf das 

Gutachten der Spurenauswertung angesichts der Menge an DNA-Spurenma-

terial von F._____ derart minim war, dass sie sich im Zeitpunkt der Abstriche 

mittels  DNA-Analyse  nicht  (mehr)  nachweisen  liess,  zumal  gestützt  auf  die 

Aussagen  der  Privatklägerin  von  keiner  langen  Penetration  durch  den  Be-

schuldigten auszugehen ist.

- 69 -

2.4.1 Im Übrigen wurde durch das Institut für Rechtsmedizin am 10. August 2023 

(act. 16/12) ein Gutachten zur Überprüfung von Speichelrückständen der Pri-

vatklägerin ab den beim Beschuldigten am 29. Juni 2023 entnommenen Pe-

nisabstrichen (act. 16/12 S. 3) erstellt. Dieses hält fest, dass sich mittels der 

DNA-Analyse  weder  am  Penisschaft  noch  an  der  Peniseichel  Hinweise  auf 

DNA-Spuren der Privatklägerin haben finden lassen.

2.4.2 Die DNA-Auswertung der Abstriche ab dem Penis des Beschuldigten stützen 

seine Aussagen, wonach die Privatklägerin nach dem seines Erachtens miss-

lungenen  Versuch  des  Geschlechtsverkehrs  seinen  Penis  in  den  Mund  ge-

nommen habe, nicht.  Entsprechende Speichelrückstände der Privatklägerin 

konnten gemäss Gutachten nicht ausgemacht werden. Der Beschuldigte kann 

daher daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten.

E.

Fazit

Zusammenfassend kann gestützt auf die Würdigung aller obgenannten Be-

weismittel  (Aussagenwürdigung  des  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin, 

Zeugenaussage, Screenshots der Kommunikation zwischen der Privatkläge-

rin und F._____ im Ereigniszeitraum, DNA-Spurenauswertung, toxikologisch-

pharmakologische  Gutachten)  festgehalten  werden,  dass  die  Sachverhalts-

darstellung der Privatklägerin im Gegensatz zur Darstellung des Beschuldig-

ten glaubhaft erscheint und insbesondere durch den mittels Screenshots si-

chergestellten  Kommunikationsverlauf  zwischen  der  Privatklägerin  und 

F._____ auf der Applikation "Snapchat" und der Anrufliste zwischen der Pri-

vatklägerin und F._____ im Tatzeitraum (act. 2/3-4) gestützt wird. Der Kom-

munikationsverlauf legt insbesondere nahe, dass sich die Privatklägerin vom 

Beschuldigten spätestens auf dem zweiten Spielplatz mit der Hängematte und 

der Rutsche zunehmend unbehaglicher fühlte, weshalb sie Hilfe bei F._____ 

suchte und sich dieser offensichtlich begründet sah, sich Sorgen um die Pri-

vatklägerin zu machen. Die Darstellung des Beschuldigten, wonach er mit der 

Privatklägerin  –  teils  gar  animiert  von  derselben  –  einvernehmlich  sexuelle 

Handlungen  vorgenommen,  aber  keinen  Geschlechtsverkehr  gehabt  habe, 

überzeugt  vor  diesem  Hintergrund  nicht  und  erscheint  als  reine  Schutzbe-

- 70 -

hauptung. Aufgrund der offensichtlich doch sehr offenen, arglosen Art der Pri-

vatklägerin  und  ihrer  deutlichen  Alkoholisierung  in  der  besagten  Nacht  er-

scheint es einleuchtend, dass sich die Privatklägerin ohne Weiteres auf den 

Beschuldigten einliess und sich anschliessend ausser Stande sah, sich dem 

beharrlichen  Verhalten  des  Beschuldigten  ernsthaft  zu  entziehen,  als  sie 

spürte, dass ihr Kennenlernen in eine sexuelle Richtung lief, zumal die Privat-

klägerin offenbar auch Mühe zeigte, dem Beschuldigten gegenüber unhöflich 

zu sein. Angesichts der Alkoholisierung der Privatklägerin und der damit ein-

hergehenden eingeschränkten Reaktionszeit ist  auch nachvollziehbar, dass 

sie  sich  erst  zeitversetzt  gegen  die  sexuell  deutlichen  Annäherung  des  Be-

schuldigten bzw. das Eindringen seines Penis auf der Bank vor ihrem Wohn-

haus ernsthaft zur Wehr setzte, zumal dort in zeitlicher Hinsicht alles offenbar 

sehr schnell ging. Durch das Verhalten der Privatklägerin dürfte es dem Be-

schuldigten wohl nicht leicht gefallen sein zu erkennen, dass die Privatklägerin 

trotz ihrer offenen, kommunikativen Art nur an einem kollegialen Austausch 

und nicht auch an einem sexuellen Abenteuer interessiert war, zumal sie ge-

wisse  Annäherungsversuche  des  Beschuldigten  auch  zugegebenermassen 

zuliess wie das Streichen über ihren Oberschenkel auf der Hängematte oder 

gar  bejahte  wie  den  Kuss  auf  jener  Hängematte.  Der  Beschuldigte  musste 

insofern keine grossen Hürden überwinden. Nichtsdestotrotz ist gestützt auf 

die insgesamt glaubhaften Darstellungen der Privatklägerin davon auszuge-

hen,  dass  sie  sich  spätestens  nach  der  Penetration  des  Beschuldigten  im 

Stande sah, sich sowohl verbal als auch körperlich und somit für den Beschul-

digten klar erkennbar zur Wehr zu setzen. Die übrigen sichergestellten Be-

weismittel  belegen  diese  Sachverhaltsdarstellung  der  Privatklägerin  zwar 

nicht direkt, stehen dieser aber auch nicht entgegen. Die Sachverhaltsdarstel-

lung des Beschuldigten wird durch keinerlei Beweismittel gestützt. Nach Wür-

digung sämtlicher Beweismittel und Beweisaussagen bestehen folglich keine 

vernünftigen Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt im Wesentlichen wie in 

der  Anklageschrift  umschrieben  zugetragen  hat  –  ausgenommen  der  ein-

gangs erwähnten Details, welche sich so nicht erstellen lassen. Der Sachver-

halt gemäss Anklageschrift (act. 24 S. 2 ff.) ist folglich – abgesehen von den 

- 71 -

vorwähnten Details – erstellt und der Beschuldigte ist durch die Untersuchung 

überführt, weshalb für die rechtliche Würdigung nachfolgend vom Sachverhalt 

gemäss  Anklageschrift  auszugehen  ist,  wobei  die  nicht  erstellten  Details 

rechtlich nicht von Belang sind.

IV.
RECHTLICHE WÜRDIGUNG

1.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland würdigt das Verhalten des Beschuldig-

ten  in  rechtlicher  Hinsicht  als  Vergewaltigung  im  Sinne  von  Art. 190  Abs. 1 

aStGB (act. 24 S. 5).

2.1 Der vorliegende Sachverhalt ereignete sich vor Inkrafttreten der Revision des 

Sexualstrafrechts  vom  1. Juli  2024,  weshalb  das  alte,  mildere  Sexualstraf-

recht anwendbar ist. Nach Art. 190 Abs. 1 aStGB wird bestraft, wer eine Per-

son weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich in-

dem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder 

zum Widerstand unfähig macht. Art. 190 StGB bezweckt den Schutz der se-

xuellen Selbstbestimmung, indem er die Anwendung von Gewalt unter Strafe 

stellt,  um  eine  weibliche  Person  zur  Duldung  des  Beischlafs  zu  nötigen 

(Art. 190  StGB),  unter  dem  die  natürliche  Vereinigung  der  Geschlechtsteile 

eines Mannes und einer Frau verstanden wird. Damit Gewalt in sexueller Hin-

sicht gegeben ist, ist es nötig, dass das Opfer nicht einverstanden ist, dass 

der Täter es weiss oder diese Eventualtität akzeptiert und dass er sich darüber 

hinwegsetzt, indem er die Situation ausnützt oder ein wirksames Mittel ver-

wendet (Pra 111 [2022] Nr. 69, E.3.3, 2. Absatz m.w.H.).

2.2 Die Vergewaltigung setzt somit die Anwendung eines Zwangsmittels voraus. 

Dabei handelt es sich namentlich um die Anwendung von Gewalt. Gewalt be-

zeichnet die bewusste Anwendung physischer Kraft auf das Opfer mit dem 

Ziel, es nachgeben zu lassen. Es ist nicht nötig, dass das Opfer ausserstande 

gesetzt  wird,  Widerstand zu  leisten, oder  dass  der  Täter  es physisch  miss-

handelt. Eine gewisse Intensität wird dennoch verlangt. Die Gewalt setzt nicht 

- 72 -

welche  auch  immer  geartete  Anwendung  physischer  Kraft  voraus,  sondern 

eine intensivere Anwendung dieser Kraft, als sie die Ausführung des Aktes 

unter  normalen  Lebensumständen  verlangt.  Je  nach  dem  Grad  des  Wider-

standes  des  Opfers  oder  ob  es  überrascht  oder  erschrocken  ist,  kann  ein 

bloss ungewöhnliches Verhalten des Täters es dazu zwingen, sich gegen sei-

nen Willen zu unterwerfen. Je nach Umständen kann eine relativ schwache 

Kraftanwendung genügen. So kann bereits der Umstand genügen, das Opfer 

mit  Kraft  auf  seinen  Körper  festzuhalten,  es  auf  den  Boden  zu  werfen,  ihm 

seine Kleider wegzureissen oder ihm einen Arm hinter den Rücken zu drehen 

(Pra 111 [2022] Nr. 69, E.3.3, 3. Absatz m.w.H.).

2.3 In  subjektiver  Hinsicht  ist  die  Vergewaltigung  ein  Vorsatzdelikt.  Der  Täter 

muss wissen, dass das Opfer nicht einverstanden ist, oder diese Möglichkeit 

akzeptieren.  Zu  bestimmen,  was  eine  Person  gewusst,  gewollt,  in  Betracht 

gezogen oder akzeptiert hat, bezieht sich auf den Gedankeninhalt, das heisst 

auf den internen Sachverhalt. Das subjektive Element ergibt sich aus einer 

Analyse der Umstände, die es erlaubt, auf der Grundlage äusserer Elemente, 

Schlussfolgerungen über die inneren Bestimmungen des Täters zu ziehen. In 

Bezug auf die sexuelle Nötigung ist das subjektive Element erfüllt, wenn das 

Opfer offensichtliche und entzifferbare Zeichen seines Widerstandes gibt, die 

für den Täter erkennbar sind, wie Weinen, Bitten, in Ruhe gelassen zu wer-

den,  Wehren,  Besänftigungsversuche  abzulehnen  oder  Fluchtversuche 

(Pra 111 [2022] Nr. 69, E.3.4 m.w.H.). Dasselbe gilt für die Vergewaltigung.

3.1 In objektiver Hinsicht drang der Beschuldigte mit seinem erigierten Glied in 

die Privatklägerin ein, wodurch er mit ihr den Beischlaf im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 aStGB vollzog. Es stellt sich somit weiter die Frage, ob der Beschul-

digte  zur  Vornahme  des  Beischlafs  eines  der  gesetzlich  verankerten  Nöti-

gungsmittel  einsetzte.  Der  Beschuldigte  brauchte  vorliegend  zwar  keine 

grosse Kraftanwendung, um in die Privatklägerin eindringen zu können, zumal 

sie sich erst nach dem Eindringen erkennbar zur Wehr setzte. Der Beschul-

digte drückte die Privatklägerin indes mit seiner Hand gegen deren Oberkör-

per bzw. Brustkorb auf die Sitzbank, als diese sich wieder aufrichten wollte, 

- 73 -

und  packte  diese  an  den  Handgelenken  über  deren  Kopf,  während  er  sich 

über ihr befand. Dies stellt bereits eine intensivere Kraftanwendung des Be-

schuldigten voraus, als sie die Ausführung des Aktes unter normalen Lebens-

umständen verlangt hätte. Aufgrund der starken Alkoholisierung der Privatklä-

gerin  und  der  viel  grösseren  Kraft  des  Beschuldigten  (die  Privatklägerin  ist 

sehr  zierlich)  war  die  Privatklägerin  ihrerseits  bereits  durch  diese  leichte 

Kraftanwendung seitens des Beschuldigten kaum mehr in der Lage, sich von 

ihrer unterlegenen Position zu befreien. Aufgrund des zeitlichen Ablaufs und 

der von der Privatklägerin geschilderten wenigen Stossbewegungen des Be-

schuldigten  nach  dem  Eindringen  ist  zudem  von  einem  nur  kurzen  Ge-

schlechtsverkehr auszugehen, zumal der Beschuldigte vom Vater der Privat-

klägerin abrupt unterbrochen wurde. In jener kurzen Zeit dürfte die Privatklä-

gerin  vom  Eindringen  des  Beschuldigten  auch  überrascht  worden  sein  und 

ihre alkoholbedingt eingeschränkte Reaktionszeit erschwerte ihr eine starke 

Gegenwehr  zusätzlich.  Nach  dem  Eindringen  setzte  sich  die  Privatklägerin 

sowohl verbal als auch körperlich zur Wehr, indem sie ihn wegzustossen ver-

suchte  und  mehrmals  "nein"  sagte.  Der  Beschuldigte  musste  sich  insofern 

körperlich über die Gegenwehr der Privatklägerin hinwegsetzen, was ihm nur 

gewaltsam  im  obgenannten  Sinn  gelingen  konnte  und  einen  grösseren 

Kraftaufwand als üblich erforderte. Insofern ist die Kraftanwendung des Be-

schuldigten als Gewaltanwendung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB zu be-

trachten. Durch die beschriebene Gewaltanwendung zur Vornahme des Bei-

schlafs  erfüllte  der  Beschuldigte  folglich  den  objektiven  Tatbestand  von 

Art. 190 Abs. 1 aStGB.

3.2 Hinsichtlich des subjektiven Tatbestands ist festzuhalten, dass der Beschul-

digte die Ablehnung der Privatklägerin spätestens nach dem Eindringen er-

kannt haben muss, indem diese sich ab dann wehrte, indem sie ihn mit ihren 

Händen wegstiess und ihm auf Englisch mehrfach "nein" sagte. Er setzte sich 

jedoch über diese abneigenden Äusserungen und die klare Gegenwehr hin-

weg  und  machte  weiter.  Folglich  war  ihm  die  Ablehnung  der  Privatklägerin 

bewusst, er ignorierte sie jedoch, womit er zumindest in Kauf nahm, mit der 

Privatklägerin  gegen  deren  Willen  Geschlechtsverkehr  zu  haben.  Der  Be-

- 74 -

schuldigte handelte insofern mindestens eventualvorsätzlich und erfüllte so-

mit auch den subjektiven Tatbestand von Art. 190 Abs. 1 aStGB.

4.

Nach dem Gesagten trifft die rechtliche Beurteilung des Sachverhalts durch 

die Anklagebehörde folglich zu. Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschluss-

gründe sind keine ersichtlich. Der Beschuldigte ist daher der Vergewaltigung 

im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB schuldig zu sprechen.

V.
STRAFZUMESSUNG

A.

Strafzumessungsregeln

1.

Die Vergewaltigung (Verbrechen) im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB ist mit 

einem  Jahr  bis  zu  10 Jahren  Freiheitsstrafe  bedroht.  Strafschärfungs- 

und/oder -strafmilderungsgründe sind keine ersichtlich (Art. 48 f. StGB u.a.).

2.1 Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berück-

sichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wir-

kung  der  Strafe  auf  das  Leben  des  Täters  (Art. 47  Abs. 1  StGB).  Das  Ver-

schulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betrof-

fenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggrün-

den und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach 

den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder 

Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).

2.2 Der  Begriff  des  Verschuldens  muss  sich  auf  den  gesamten  Unrechts-  und 

Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen 

der Tat- und der Täterkomponente.

2.3 Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolgs, die Art 

und Weise der Herbeiführung dieses Erfolgs, die Willensrichtung, mit der der 

Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen, die Art. 47 Abs. 2 

StGB  ausdrücklich  erwähnt,  zu  beachten.  Ausgangspunkt  ist  die  objektive 

Schwere  des  Delikts,  wie  sie  vom  Vorsatz  bzw.  der  Fahrlässigkeit  umfasst 

- 75 -

wird, so etwa der Deliktsbetrag oder die Schwere der angestrebten resp. der 

effektiv eingetretenen Verletzung, die Art des Vorgehens, Rolle und Rang des 

Täters oder Ausmass des durch ein abstraktes Gefährdungsdelikt eröffneten 

Risikos. Bei der Berücksichtigung der Beweggründe wird v.a. darauf abzustel-

len  sein,  ob  sie  egoistischer  Natur  waren  und  ober  der  Täter  aus  eigenem 

Antrieb oder Veranlassung eines anderen handelte. Im Rahmen der Beurtei-

lung  des  Tatverschuldens  ist  überdies  zu  berücksichtigen,  ob  der  Täter  mit 

direktem Vorsatz oder Eventualvorsatz handelte. Bei Fahrlässigkeit kann ent-

scheidend  sein,  ob  bewusste  oder  unbewusst  Fahrlässigkeit  vorlag.  Weiter 

sind für das Verschulden auch das Mass an Entscheidungsfreiheit beim Täter 

sowie die sog. Intensität des deliktischen Willens bedeutsam (HEIMGARTNER, 

in:  Donatsch  [Hrsg.],  StGB-Kommentar,  21. Auflage,  Zürich 2022,  N 5 ff.  zu 

Art. 47 m.w.H.).

2.4 Die  Täterkomponente  umfasst  das  Vorleben,  die  persönlichen  Verhältnisse 

sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Bei der Beurteilung 

des  Vorlebens  fallen  einerseits  früheres  Wohlverhalten,  andererseits  Zahl, 

Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht. Vorstrafen wirken sich in 

der Regel straferhöhend aus. Aus dem Strafregister entfernte Vorstrafen dür-

fen gemäss Art. 369 Abs. 7 StGB allerdings nicht berücksichtigt werden. Die 

Vorstrafenlosigkeit ist neutral zu behandeln, d.h. bei der Strafzumessung nicht 

zwingend  strafmindernd  zu  berücksichtigen.  Gleichermassen  erachtet  das 

Bundesgericht  das  Wohlverhalten  seit  der  Tat  (namentlich  die  Straffreiheit 

während  des  hängigen  Verfahrens  bzw.  nach  Entlassung  aus  der  Untersu-

chungshaft) in der Regel nicht als besondere Leistung. Ebenso wenig fällt die 

"gute Führung des Täters in der Untersuchungshaft" oder im vorzeitigen Straf-

vollzug  bei  der  Strafzumessung  strafmindernd  in  Betracht,  da  ein  korrektes 

Verhalten vorausgesetzt werden kann. Unter dem Gesichtspunkt der persön-

lichen Verhältnisse ist etwa zu berücksichtigen, ob der Täter Reue und Ein-

sicht zeigte, ob er mehr oder weniger strafempfindlich ist oder ob in den Me-

dien eine Vorverurteilung erfolgte. Andere persönliche Folgen der Tat, wie Ar-

beitsverlust, Arbeitslosigkeit sind lediglich zu berücksichtigen, wenn sie aus-

serordentlich erscheinen (HEIMGARTNER, a.a.O., N 14 ff. zu Art. 47).

- 76 -

B.

Konkrete Strafzumessung

1.

Tatkomponenten

1.1 Bezüglich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

mit seinem Verhalten das Rechtsgut der sexuellen Unversehrtheit der Privat-

klägerin  verletzte.  Körperliche  Verletzungen  fügte  der  Beschuldigte  der  Pri-

vatklägerin  indessen  durch  sein  gewaltsames  Eindringen  glücklicherweise 

keine zu. Da der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin 

aber ungeschützt vollzog, nahm er eine Schwangerschaft oder eine sexuell 

übertragbare Erkrankung der Privatklägerin in Kauf, was strafschärfend zu be-

rücksichtigen ist. Das Vorgehen des Beschuldigten war sodann aber eher ba-

nal.  Er  schob  ihre  Unterhose  zur  Seite,  drang  in  sie  ein  und  machte  einige 

Stossbewegungen.  Dabei  musste  er  keine  übermässige  Gewalt  anwenden 

und  keinen  erheblichen  Widerstand  seitens  der  Privatklägerin  überwinden. 

Dies gelang ihm allerdings hauptsächlich, weil die Privatklägerin stark ange-

trunken war. Der Beschuldigte nutzte insofern die offensichtliche Alkoholisie-

rung der Privatklägerin aus, welche zumindest vor dem Eindringen des Be-

schuldigten  nur  eingeschränkt  in  der  Lage  war,  die  Situation  richtig  einzu-

schätzen und/oder angemessen zu reagieren durch eine klare Abweisung des 

Beschuldigten. Sodann liess der Beschuldigte von der Privatklägerin ab, ohne 

zu ejakulieren, was er aber nur tat, weil er vom Vater der Privatklägerin unter-

brochen wurde. Insofern ist dieser Umstand dem Beschuldigten nur marginal 

zu Gute zu halten. Alles in allem ist das objektiver Tatverschulden als mittel-

schwer zu qualifizieren.

1.2 Beim  subjektiven  Tatverschulden  ist  zu  berücksichtigen,  dass  der  Beschul-

digte eventualvorsätzlich und aus reinem Egoismus heraus handelte, einzig 

um seine sexuelle Lust zu befriedigen. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, 

von  der  Privatklägerin  abzulassen,  zumal  er  aufgrund  der  körperlichen  Ab-

wehr und der verbalen Ablehnungsäusserungen der Privatklägerin nach dem 

Eindringen ohne Weiteres die Gelegenheit dazu gehabt hätte, sein Verhalten 

zu überdenken und von ihr abzulassen. Er verhielt sich insofern gleichgültig. 

Eine besondere kriminelle Energie, eine Planung oder dergleichen liegt aber 

- 77 -

zumindest nicht vor und es ist eher von einer Handlung aus dem Affekt bzw. 

aus der sexuellen Lust heraus auszugehen. Er nutzte lediglich die Gelegen-

heit und die Alkoholisierung der Privatklägerin, zumal die Privatklägerin ihm 

zumindest bis zum Eindringen hin keinerlei klare Signale sendete, dass sie 

mit  der  Annäherung  des  Beschuldigten  nicht  einverstanden  war.  Nachdem 

sich die Privatklägerin auf dem zweiten Spielplatz mit dem Beschuldigten un-

wohl fühlte, liess sie ihn gleichwohl bis zu sich nach Hause und setzte sich 

noch mit ihm auf eine Bank vor ihrem Wohnhaus. Bis zum Eindringen musste 

dem  Beschuldigten  insofern  noch  nicht  klar  sein,  dass  die  Privatklägerin  in 

sexueller Hinsicht an ihm nicht interessiert war. Dieser Umstand relativiert das 

Tatverschulden folglich leicht.

1.3 Das Verschulden hinsichtlich der Tatkomponente ist insgesamt betrachtet als 

nicht  mehr  leicht  einzustufen,  weshalb  eine  Freiheitsstrafe  von  48 Monaten 

angemessen erscheint.

2.

Täterkomponenten

2.1 Zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt 

sich aus den Akten (act. 5/2 Fragen 78 ff.) und der Befragung anlässlich der 

Hauptverhandlung (Prot. S. 32 ff.), dass der Beschuldigte in Turkmenistan mit 

seinen  Eltern  und  drei  Schwestern  als  Ältester  geboren  und  aufgewachsen 

ist, dort die erste bis zehnte Klasse besuchte und dann ab 2018 in der Ukraine 

an  der  Universität  Ökonomie  und  Wirtschaft  studierte  und  im  2022  abge-

schlossen  hat.  In  der  Ukraine  betrieb  er  nebst  seinem  Studium  einen  Cof-

feeshop. Während des Studiums heiratete er eine Turkmenin in Turkmenistan 

und reiste mit ihr zurück in die Ukraine. Sodann wurde er Vater eines mittler-

weile vierjährigen Sohnes. Im März 2022 kam er wegen des Ukrainekriegs mit 

seiner Familie in die Schweiz, weil er sich hier eine Arbeit im Bereich Ökono-

mie erhoffte. Seit 29. Juni 2023 ist er im Besitz des Schutzstatus S, wobei er 

mit seiner Frau und seinem Sohn in die Schweiz geflüchtet sei. Er wird zurzeit 

von der Gemeinde I._____ mit Sozialhilfe von Fr. 1'309.– unterstützt und hat 

in der Schweiz keine weiteren Familienangehörigen. Gemäss einem vom Be-

schuldigten  eingereichten,  aber  (noch)  nicht  unterzeichneten  Arbeitsvertrag 

- 78 -

kann der Beschuldigte per 1. Mai 2025 eine bis 30. September 2025 befristete 

Stelle mit variablen Arbeitszeiten nach Absprache als Foodrunner im Restau-

rant M._____ in Zürich antreten (act. 43). Seine Frau arbeitet nicht, sondern 

kümmert sich um ihren Sohn. Er würde gerne einen Arbeitsbetrieb eröffnen 

und  führen.  Ansonsten  wünsche  er  sich  eine  Beschäftigung  an  einer  guten 

Arbeitsstelle.  Die  finanziellen  Verhältnisse  des  Beschuldigten  präsentieren 

sich daher nicht sehr rosig. Aus den persönlichen und finanziellen Verhältnis-

sen ergeben sich weiter keine straferhöhenden oder -mindernden Umstände.

2.2 Der  Beschuldigte  ist  nicht  vorbestraft  (act. 19/1)  und  auch  sonst  sind  keine 

Straferhöhungsgründe ersichtlich.

2.3 Strafmindernd fällt auch nichts ins Gewicht, zumal der Beschuldigte während 

des  gesamten  Strafverfahrens  und  auch  heute  ungeständig  blieb.  Demzu-

folge sind ihm auch keinerlei Reue oder Einsicht zu Gute zu halten. 

2.4 Die Täterkomponenten wirken sich gesamthaft betrachtet folglich weder als 

straferhöhend noch strafmindernd, d.h. strafneutral, aus.

3.

Fazit

Alles in allem erscheint daher eine Freiheitsstrafe von total 48 Monaten ange-

bracht.

4.

Anrechnung der Untersuchungshaft

4.1 Gemäss  Art. 51  StGB  rechnet  das  Gericht  die  vom  Täter  während  diesem 

oder  einem  anderen  Verfahren  ausgestandene  Untersuchungshaft  auf  die 

Strafe  an.  Ein  Tag  Haft  entspricht  dabei  einem  Tagessatz  Geldstrafe  oder 

4 Stunden  gemeinnütziger  Arbeit.  Das  Gesetz  verlangt  für  die  Anrechnung 

weder  Tat-  noch  Verfahrensidentität.  In  diesem  Sinne  soll  zu  entziehende 

Freiheit nach Möglichkeit mit bereits entzogener Freiheit kompensiert werden. 

Untersuchungshafttage können auch an in früheren Entscheiden bedingt aus-

gefällte,  im  neuen  Verfahren  zu  widerrufende  Freiheitsstrafen  oder  andere 

noch nicht verbüsste Strafreste angerechnet werden. Erstandene Haft kann 

- 79 -

auch  an  bedingt  ausgesprochene  Strafen  angerechnet  werden  (HEIMGART-

NER, in: Donatsch [Hrsg.], StGB-Kommentar, 21. Auflage, Zürich 2022, N 2 zu 

Art. 51).

4.2 Der  Beschuldigte  befand  sich  vom  29. Juni  2023,  8.00 Uhr,  bis  26. Januar 

2024 in Haft (act. 9/1 und 9/31/9). Die ausgestandene Haft von 212 Tagen ist 

dem Beschuldigten im Sinne von Art. 51 StGB auf die Freiheitstrafe anzurech-

nen.

VI.
STRAFVOLLZUG

1.

Das  Gericht  schiebt  den  Vollzug  einer  Geldstrafe  oder  einer  Freiheitsstrafe 

von  höchstens  zwei  Jahren  in  der  Regel  auf,  wenn  eine  unbedingte  Strafe 

nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbre-

chen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).

2.

Da der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten zu verurteilen 

ist,  fehlt  es  an  einer  objektiven  Voraussetzung  für  einen  Vollzugsaufschub, 

weshalb die ausgefällte Freiheitsstrafe von 48 Monaten zu vollziehen ist.

VII.
MASSNAHMEN

A.

Parteianträge

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland beantragt gestützt auf Art. 66a Abs. 1 

lit. h StGB die Anordnung einer Landesverweisung von 10 Jahren und die An-

ordnung der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-

onssystem (act. 24 S. 6). Die Verteidigung beantragt demgegenüber zufolge 

des beantragten Freispruchs, es sei von einer Landesverweisung sowie der 

Anordnung  der  Ausschreibung  im  Schengener  Informationssystem  abzuse-

hen (act. 42 S. 2).

- 80 -

B.

Landesverweisung

1.1 Das Gericht verweist Ausländer unabhängig von der Höhe der Strafe für fünf 

bis 15 Jahre grundsätzlich aus der Schweiz, wenn sich diese – unter ande-

rem – der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB schuldig ge-

macht haben (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Das Gericht kann ausnahmsweise 

von einer Landesverweisung absehen, wenn diese für den Ausländer einen 

schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interes-

sen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Aus-

länders am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonde-

ren Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren 

oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB).

1.2 Die Härtefallklausel kommt nach dem Willen des Gesetzgebers und dem kla-

ren Wortlaut nur in Ausnahmefällen unter den kumulativen Voraussetzungen 

von Art. 66a Abs. 2 StGB restriktiv zur Anwendung. Zum einen muss die Lan-

desverweisung für die verurteilte Person einen schweren persönlichen Härte-

fall darstellen. Zum anderen muss eine Interessenabwägung ergeben, dass 

das Interesse der beschuldigten Person an einem Verbleib in der Schweiz das 

Interesse an der Fernhaltung der betreffenden Person überwiegt. Für das öf-

fentliche Interesse relevant ist die Schwere des Delikts und das Verschulden, 

d.h. die ausgesprochene Strafe sowie die vom Täter ausgehende Gefahr, d.h. 

die  Legalprognose.  Für  das  persönliche  Interesse  ist  neben  dem  Umstand, 

wie lange die Person in der Schweiz lebt, insbesondere auch ihre berufliche 

und familiäre Bindung relevant. Je gravierender das Delikt (mithin die ausge-

sprochene Strafe), desto höher hat das persönliche Interesse an einem Ver-

bleib zu sein, damit die Härtefallklausel zu einem ausnahmsweisen Verzicht 

auf eine Landesverweisung führt (HEIMGARTNER, OFK StGB/JStG Kommen-

tar, 21. Auflage 2022, N 6 zu Art. 66a).

2.1 Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger von Turkmenistan mit Schutzstatus S 

und vorliegend der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB schul-

dig zu sprechen. Eine Katalogtat durch einen Ausländer im Sinne von Art. 66a 

Abs. 1  StGB  liegt  demnach  vor,  weshalb  grundsätzlich  eine  obligatorische 

- 81 -

Landesverweisung  nach  Art. 66a  Abs. 1  StGB  auszusprechen  ist.  Gestützt 

auf die vorstehenden Erwägungen zu den persönlichen und finanziellen Ver-

hältnissen lebte der Beschuldigte bis zu seinem Schulabschluss in Turkmeni-

stan und anschliessend aufgrund eines Studiums ab 2018 in der Ukraine, von 

wo aus er im März 2022 zufolge des Ukrainekrieges mit seiner Frau und sei-

nem mittlerweile vierjährigen Sohn in die Schweiz floh. Seine weitere Familie 

befindet sich  aber nach wie vor  in  Turkmenistan (vgl.  vorstehend).  Der  Be-

schuldigte gab selber an, nach Ausbruch des Ukrainekrieges wegen der Co-

rona-Pandemie nicht zurück nach Turkmenistan gereist zu sein. Die Grenzen 

seien deswegen drei Jahre lang für die Einreise geschlossen gewesen (Prot. 

S. 37).  Der  Beschuldigte  gab  zudem  an,  bis  zu  seiner  Verhaftung  in  einem 

Restaurant gearbeitet zu haben. Nach seiner Verhaftung sei es aber schwierig 

gewesen, eine Arbeit zu finden. Daher würden sie Sozialhilfe beziehen. Ab 

April 2025  werde  er  aber  eine  neue  Stelle  im  Bereich  Restaurant  antreten 

(Prot.  S. 37).  Gemäss  vom  Beschuldigten  (noch)  nicht  unterzeichneten  Ar-

beitsvertrag kann der Beschuldigte per 1. Mai 2025 konkret eine bis 30. Sep-

tember 2025 befristete Stelle mit variablen Arbeitszeiten nach Absprache als 

Foodrunner im Restaurant M._____ in Zürich antreten (act. 43). Da der Be-

schuldigte mit seiner Familie erst seit drei Jahren in der Schweiz lebt und of-

fensichtlich weder in beruflicher noch in familiärer Hinsicht über eine gefes-

tigte  Bindung  zur  Schweiz  verfügt,  liegt  kein  besonderer  Härtefall  im  Sinne 

von  Art. 66a  Abs. 2  StGB  vor,  welcher  einer  obligatorischen  Landesverwei-

sung entgegenstehen würde, zumal das ihm vorgeworfene Delikt und somit 

das  öffentliche  Interesse  schwer  wiegt.  Auch  können  seine  Frau  und  sein 

noch  nicht  schulpflichtiges  Kind  zufolge  der  ungefestigten  Bindung  zur 

Schweiz dem Beschuldigten jederzeit folgen, weshalb auch seine Familie kei-

nen Härtefall begründet. Selbst der Schutzstatus S steht einer Landesverwei-

sung nicht entgegen, da der Beschuldigte diesen zufolge seiner Flucht aus 

der Ukraine erhielt, er aber als turkmenischer Staatsangehöriger nach Turk-

menistan und  nicht in die Ukraine ausgewiesen  würde.  Insofern ist  der Be-

schuldigte gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB des Landes zu verweisen.

- 82 -

2.2 Aufgrund der Tatschwere sowie des nicht mehr nur leichten Verschuldens er-

scheint eine Dauer der Landesverweisung von 9 Jahren angemessen.

C.

Ausschreibung im SIS

1.1 Eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU 

oder der EFTA besitzt (Drittstaatsangehörige) und über kein Aufenthaltsrecht 

in einem Mitgliedstaat verfügt, kann im SIS zur Einreise- und Aufenthaltsver-

weigerung  ausgeschrieben  werden,  wenn  die  „Angemessenheit,  Relevanz 

und Bedeutung des Falles“ eine solche Massnahme rechtfertigen (vgl. Art. 3 

Bst. d und Art. 21 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 des Europäischen Pa-

rlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den 

Betrieb  und  die  Nutzung  des  Schengener  Informationssystems  der  zweiten 

Generation  [SIS-II-Verordnung,  Abl. L 381/4  vom  28.12.2006],  nachfolgend 

SIS-II-Verordnung). Voraussetzung der Ausschreibung im SIS ist eine natio-

nale Ausschreibung, die gestützt auf eine Entscheidung der zuständigen na-

tionalen Instanzen ergeht (Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung).

1.2 Der  Beschuldigte  ist  Staatsangehöriger  von  Turkmenistan  und  verfügt  über 

keine Aufenthaltsbewilligung eines Mitgliedstaates der EU oder EFTA. Zudem 

wird er mit heutigem Urteil zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten verurteilt 

und des Landes verwiesen. Insofern ergeht eine nationale Ausschreibung des 

Beschuldigten im Sinne von Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung, weshalb zwin-

gend auch eine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Infor-

mationssystems SIS zu erfolgen hat.

VIII.
EINZIEHUNG

1.1 Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO kann der Untersuchungsbeamte Gegenstände 

und Vermögenswerte, die als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Ver-

fahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden 

oder zur Einziehung in Frage kommen, in Beschlag nehmen oder auf andere 

Weise  der  Verfügung  ihres  Inhabers  entziehen.  Über  beschlagnahmte  Ge-

- 83 -

genstände und Vermögenswerte wird bei Abschluss des Verfahrens entschie-

den (Art. 267 Abs. 3 StPO).

1.2 Das Gericht verfügt sodann die Einziehung von Vermögenswerten, die durch 

eine strafbare Handlung erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine 

Straftat zu veranlassen oder zu belohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur 

Wiederherstellung  des  rechtmässigen  Zustandes  ausgehändigt  werden 

(Art. 70  Abs. 1 StGB).

2.1 Anlässlich  der  vorliegenden  Strafuntersuchung  beschlagnahmte  die  Staats-

anwaltschaft See/Oberland mit Verfügung vom 10. September 2024 (act. 8/9) 

folgende Gegenstände als Beweismittel: 

















1 T-Shirt, grünes T-Shirt (Asservate-Nr. A017'523'998),

1 Sporthose, graue Trainingshose (Asservate-Nr. A017'524'004),

1 Herrenunterwäsche, 

Rote 

Herrenunterhosen 

(Asservate-

Nr. A017'524'037),

1 Getränk (mit Alkohol), 1 Flasche "Berliner Luft" 0.7 Liter (ca. 1/4 voll) 

(Asservate-Nr. A017'532'160),

1 Damenunterwäsche, Unterhose (Asservate-Nr. A017'532'182),

1 Damenbekleidung, T-Shirt (Asservate-Nr. A017'532'193),

1 Damenbekleidung, kurze Hose (Asservate-Nr. A017'532'206),

1 Verpackung, 1 leeres Minigrip (mit Überresten von mutm. Marihuana) 

(Asservate-Nr. A017'532'217).

2.2 Zudem  wurden  gemäss  Sicherstellungsliste  vom  19. September  2023 

(act. 8/4) folgende Asservate/Spuren/Spurenträger sichergestellt:









1 IRM-Fotografie, Übersichts- und Detailaufnahmen von B._____ (Ge-
schädigte) Digitale Datenträger Liste (Asservate-Nr. A017'523'465),

1 IRM-Fotografie,  Übersichts-  und  Detailaufnahmen  von  A._____  (Be-
schuldigter) Digitale Datenträger Liste (Asservate-Nr. A017'527'309),

1 Vergleichsabdrücke-Dakty, von F._____, geb. tt.01.2003 (Asservate-
Nr. A017'529'394),

1 Fotografie, Übersichts- und Detailaufnahmen des Tatorts Digitale Da-
tenträger Liste (Asservate-Nr. A017'532'046),

- 84 -

























1 Vergleichs-WSA,  B._____,  tt.01.2003  (Geschädigte)  DNA-Spurenart 
(Asservate-Nr. A017'532'080),

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Perioral (Asservate-Nr. A017'532'091),

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Hals vorne und seitlich DNA-Spurenart (As-
servate-Nr. A017'532'104),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Fingernagelschmutz  linke  Hand  DNA-Spu-
renart (Asservate-Nr. A017'532'126),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Fingernagelschmutz  rechte  Hand  (Asser-
vate-Nr. A017'532'148),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Abstrich  Vulva,  s23-08581;  B._____  DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'025),

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Vagina, s23-08582; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'047),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Abstrich  Zervix,  s23-08583;  B._____  DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'081),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Abstrich  Anus,  s23-08584;  B._____  DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'092),

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Rectum, s23-08585; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'105),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Abstrich  Eichel,  s23-08597;  A._____  DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'116),

1 DNA-Spur  -  Wattetupfer,  Abstrich  Penisschaft,  s23-08598;  A._____ 
DNA-Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'138).

2.3 Die  Staatsanwaltschaft  See/Oberland  beantragt  (act. 24  S. 6  und  act. 41 

S. 10) die Rückgabe oder Vernichtung der einzig als Beweismittel beschlag-

nahmten  Gegenstände  und  die  Vernichtung  der  Sicherstellungen/Asser-

vate/Spuren/Spurenträger.  Die  Verteidigung  beantragt  die  Herausgabe  der 

beschlagnahmten  und/oder  sichergestellten  Gegenstände  im  Eigentum  des 

Beschuldigten (act. 42 S. 2).

3.1 Da die unter Ziffer 2.1 aufgeführten Gegenstände einzig als Beweismittel di-

enten und die Voraussetzungen für eine Einziehung nach Art. 70 StGB nicht 

gegeben  sind,  ist  den  Anträgen  der  Staatsanwaltschaft  sowie  der  Verteidi-

gung  zu  folgen  und  sind  die  genannten  Gegenstände,  insbesondere  Klei-

dungsstücke,  dem  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin  nach  Eintritt  der 

Rechtskraft dieses Urteils zurückzugeben. Hierfür ist ihnen zur Abholung der 

Gegenstände bei der Lagerbehörde je eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der 

- 85 -

Rechtskraft dieses Urteils anzusetzen. Ansonsten sind die Gegenstände der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung zu überlassen.

3.2 Die  sichergestellten  obgenannten  Asservate/Spuren/Spurenträger  sind  der 

Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung zu überlassen.

IX.
ZIVILANSPRÜCHE

A.

Allgemeines

1.1 Als Opfer gilt eine geschädigte Person, die durch die Straftat in ihrer körperli-

chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden 

ist  (Art. 116  Abs. 1  StPO).  Die  Beeinträchtigung  muss  dabei  eine  gewisse 

Schwere  aufweisen,  so  dass  nur  unerhebliche  Beeinträchtigungen  bewir-

kende Bagatelldelikte nicht unter den Anwendungsbereich des Opferhilfege-

setzes fallen. Dabei ist nicht die Schwere der Straftat, sondern der Grad der 

Betroffenheit der geschädigten Person massgebend.

1.2 Eine geschädigte Person bzw. ein Opfer kann zivilrechtliche Ansprüche aus 

der Straftat entweder selbständig auf dem Wege des Zivilprozesses oder ad-

häsionsweise durch schriftliches oder mündliches Begehren an das für den 

Entscheid über die Anklage zuständige Strafgericht geltend machen (Art. 119 

i.V.m.  Art. 122  Abs. 1  StPO).  Die  geschädigte  Person  bzw.  das  Opfer  wird 

dadurch zur Privatklägerschaft (Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO). 

2.1 Die Privatklägerin konstituierte sich am 12. Juli 2023 als Straf- und Zivilkläge-

rin (act. 12/6) und verlangt Schadenersatz in der Höhe von Fr. 27.60 zzgl. 5% 

Zins seit 29. Juni 2023 sowie eine Genugtuung in Höhe von Fr. 20'000.– zzgl. 

5% Zins seit 29. Juni 2023. Ferner sei festzustellen, dass der Beschuldigte ihr 

gegenüber grundsätzlich schadenersatzpflichtig sei und es sei vorzumerken, 

dass die spätere Geltendmachung von Schadenersatzforderungen vorbehal-

ten bleibe (act. 36 S. 2 und act. 41 S. 2). Zur Begründung liess sie im Wesent-

lichen geltend machen (act. 36), sie habe direkt nach dem Angriff medikamen-

- 86 -

tös behandelt werden müssen. Da der Beschuldigte ohne Kondom in sie ein-

gedrungen sei, habe sie zur Prävention einer Aids- und anderen Infektionser-

krankung Medikamente und die Pille danach einnehmen müssen, welche ihr 

über Stunden heftig Übelkeit und Erbrechen verursacht hätten (S. 4). Sodann 

habe sie an schweren Depressionen gelitten, und sie habe es nur mit Hilfe 

ihres Vaters und Partners geschafft, ihren Alltag zu bewältigen. Es sei ihr alles 

zu viel gewesen und sie habe es knapp geschafft, aufzustehen und mit dem 

Hund spazieren zu gehen. Es sei auch zu einer Selbstverletzung gekommen 

(S. 4). Im Übrigen leide sie nach wie vor an Schlafstörungen, welche sich mit 

Ankündigung  der  Hauptverhandlung  verstärkt  hätten.  Die  Bilder  des  Über-

griffs würden wieder auftauchen, sobald sie die Augen schliesse. Sie bleibe 

daher die ganze Nacht wach und schlafe erst in den frühen Morgenstunden 

ein. Zudem vermeide sie den Fussweg vom Bahnhof zu ihrem Wohnort, da 

sie  "Flashbacks"  erleide,  sobald  sie  an  den  Örtlichkeiten  vorbeikomme,  wo 

sich die Vorfälle abgespielt hätten (S. 4).

2.2 Anlässlich der Hauptverhandlung beantragte die Verteidigung, die Zivilforde-

rungen vollumfänglich abzuweisen, eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu 

verweisen  (act. 41  S. 2).  Es  werde  bestritten,  dass  ein  absolut  geschütztes 

Rechtsgut der Privatklägerin verletzt worden sei, weshalb es an der Wider-

rechtlichkeit fehle (act. 42 S. 26). Ferner widerspreche sich die Privatklägerin, 

wenn sie ausführe, sie habe aufgrund des Vorfalls an einer schweren Depres-

sion gelitten und habe nur noch mit dem Hund spazieren gehen können. Ei-

nerseits habe sie vor der Staatsanwaltschaft noch davon gesprochen, dass 

es ihr relativ gut gehe, sie lediglich teilweise Tiefs und eine depressive Ver-

stimmung gehabt habe. Andererseits sei es nicht möglich, bei einer schweren 

Depression noch mit dem Hund spazieren zu gehen. Auch die Ausführungen, 

wonach sie den Fussweg vom Bahnhof zu ihren Wohnort meide, würden kei-

nen Sinn machen, da der zu beurteilende Vorfall direkt vor ihrem Haus ge-

schehen sei (act. 42 S. 27).

- 87 -

B.

Schadenersatz

1. Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es 

aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Vor-

aussetzungen einer Ersatzpflicht sind: Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausal-

zusammenhang und Verschulden.

2.

Die Privatklägerin macht eine Schadenersatzforderung für die Fahrkosten zur 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, zu den Zeugeneinvernahmen und zur 

Hauptverhandlung über Fr. 27.60 geltend (act. 36 S. 5). Es sei ausserdem gut 

möglich,  dass  sie  aufgrund  der  Traumatisierung  später  spezialisierte  thera-

peutische Hilfe benötige. Diese Kosten einer erneuten psychotherapeutischen 

Behandlung  wegen  der  erlebten  sexuellen  Gewalt  wären  dannzumal  auch 

vom Beschuldigten zu tragen (act. 36 S. 6). 

3.

Die geltend gemachten Fahrkosten wurden nur ungenügend belegt, weshalb 

diese auf den Zivilweg zu verweisen sind. Die Schadenersatzforderung dem 

Grundsatze nach ist ebenfalls auf den Zivilweg zu verweisen, da die Privat-

klägerin – wie bereits eingangs ausgeführt – bereits einige Zeit vor dem Er-

eignis psychisch belastet war und somit ein Kausalzusammenhang zwischen 

dem vorliegend zu beurteilenden Ereignis und einer allfälligen künftigen psy-

chischen Behandlung derzeit nicht ohne Weiteres festgestellt werden kann.

C. Genugtuung

1.1 Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat ausserdem An-

spruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern dies durch die 

Schwere der Verletzung als gerechtfertigt erscheint und falls die Verletzung 

nicht anders wieder gut gemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Die Höhe der 

Genugtuung hängt dabei in erster Linie von der Art und Schwere der Verlet-

zung, der Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit der 

betroffenen  Person  sowie  vom  Grad  des  Verschuldens  des  Schädigers  am 

Schadensereignis  ab.  Die  Bemessung  der  Genugtuung  steht  im  Ermessen 

des Gerichts. Bei der Festlegung der Höhe der Genugtuung spielen die finan-

- 88 -

ziellen  Verhältnisse  des  Pflichtigen  wie  auch  der  Privatklägerschaft  keine 

Rolle.

1.2 Gemäss  Leitfaden  zur  Bemessung  der  Genugtuung  nach  Opferhilfegesetz 

vom 3. Oktober 2019 ist für die Bestimmung der Genugtuung bei Sexualde-

likten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und der Botschaft zur To-

talrevision des Opferhilfegesetzes nicht die Schwere der Straftat, sondern der 

Grad der Betroffenheit der geschädigten Person entscheidend. Im Gegensatz 

zu körperlichen Beeinträchtigungen ist die Beeinträchtigung der sexuellen In-

tegrität und der damit verbundene seelische Schmerz, welche Opfer von Se-

xualdelikten  empfinden,  objektiv  nicht  messbar.  Deshalb  entspricht  es  der 

Praxis, für die Bestimmung der Schwere der Beeinträchtigung der sexuellen 

Integrität – und damit der Genugtuungshöhe – von der Schwere der Straftat 

auszugehen  und  von  dieser  auf  notorisch  auftretende  Auswirkungen  zu 

schliessen. Sofern vorhanden, können auch Arzt- und Therapieberichte bei-

gezogen werden. Eine Vergewaltigung oder ein schwerer Missbrauch einer 

urteilsunfähigen oder zum Widerstand unfähigen Person wird dabei als sehr 

schwere  Beeinträchtigung  betrachtet,  welche  eine  Genugtuung  zwischen 

Fr. 9'000.– bis Fr. 22'000.– rechtfertigt (S. 15).

2.1 Bezüglich der Genugtuungsforderung ist festzuhalten, dass die Privatklägerin 

anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme im Wesentlichen angab, 

sie  habe  teils  nicht  schlafen  und  abends  nicht  mehr  alleine  aus  dem  Haus 

gehen können. Ferner habe der Vorfall depressive Verstimmungen ausgelöst, 

was zu Selbstverletzungen geführt habe. Sie habe den Vorfall zur Hälfte be-

reits verarbeitet, indem sie Alkohol getrunken habe. Die andere Hälfte habe 

sie verdrängt, um zu vergessen, was passiert sei. Sie habe sich überlegt, Hilfe 

in Anspruch zu nehmen, habe sich dann aber dagegen entschieden (act. 6/4 

Fragen 275 ff.). Sie habe sich "relativ scheisse" gefühlt nach dem Vorfall, v.a. 

auch wegen den Medikamenten, welche sie habe nehmen müssen. Sie habe 

davon die ganze Zeit erbrechen müssen. Es sei ihr zwar psychisch relativ gut 

gegangen, aber sie habe auch rechte Tiefs gehabt, weshalb sie sich selbst 

verletzt habe (act. 6/4 Frage 405). Der Vater der Privatklägerin bestätigte vor 

- 89 -

der  Staatsanwaltschaft  (act. 7/3  Frage 77),  dass  seine  Tochter  anfangs  vor 

dem alleine Heimgehen Angst gehabt habe, weshalb er sie teilweise abgeholt 

habe.  Er  denke,  es  gehe  seiner  Tochter  vordergründig  gut,  aber  sie  fresse 

gewisse Sachen in sich hinein bzw. überspiele diese.

2.2 Durch die Vergewaltigung griff der Beschuldigte widerrechtlich und schuldhaft 

(vgl. vorstehend) in die psychische und sexuellen Integrität der Privatklägerin 

ein und verletzte sie dadurch in ihren Persönlichkeitsrechten, insbesondere in 

ihrer sexuellen Unversehrtheit und ihrem Sicherheitsgefühl. Eine Vergewalti-

gung  stellt  objektiv  eine  erhebliche  und  schwere  Verletzung  dieser  Persön-

lichkeitsrechte  dar,  weshalb  die  Privatklägerin  grundsätzlich  Anspruch  auf 

eine Genugtuung hat.

2.3 Der  Beschuldigte  nutzte  den  offensichtlich  deutlich  alkoholisierten  Zustand 

der jungen Privatklägerin und deren offene, vertrauenswürdige Art schamlos 

zu seinen Gunsten aus, um seine sexuelle Lust zu befriedigen, obwohl er in 

einer Ehe lebt. Zudem beging er die Tat direkt vor ihrem Wohnhaus und somit 

einem  doch  schützenswerten  Ort  für  die  Privatklägerin.  Dadurch  wurde  die 

psychische  Integrität  der  Privatklägerin,  mithin  auch  ihr  Sicherheitsgefühl, 

nachvollziehbar  erheblich  beeinträchtigt,  auch  wenn  sie  bislang  offenbar 

(noch) keine Psychotherapie oder dergleichen in Anspruch nahm. Die Privat-

klägerin  war  zufolge  der  Vergewaltigung  zumindest  zwei  Monate  nachvoll-

ziehbar nicht in der Lage, nach draussen zu gehen. Es gelang ihr lediglich, 

kurz  mit  dem  Hund  spazieren  zu  gehen,  und  sie  litt  erneut  an  depressiven 

Verstimmungen  bis  zu  Selbstverletzungen,  obwohl  solche  gestützt  auf  die 

Aussagen der Privatklägerin, die Berichte ihres Psychiaters sowie die Aussa-

gen  ihres  Vaters  zuvor  kaum  mehr  vorkamen  und  die  Privatklägerin  stabil 

schien (vgl. vorstehend). Gestützt auf den Leitfaden zur Bemessung der Ge-

nugtuung nach Opferhilfegesetz vom 3. Oktober 2019 erscheint unter diesen 

Umständen eine Genugtuung in Höhe von Fr. 20'000.– angemessen. Diese 

ist  praxisgemäss  zu  5%  zu  verzinsen,  wobei  der  Beginn  der  Zinspflicht  auf 

den 29. Juni 2023 festzulegen ist. Der Beschuldigte ist entsprechend zu ver-

- 90 -

pflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung in Höhe von Fr. 20'000.– zzgl. 

Zins von 5% ab 29. Juni 2023 zu bezahlen.

X.
KOSTEN- UND ENTSCHÄDIGUNGSFOLGEN

A.

Verfahrenskosten

1.

Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  –  ausgenommen  die 

Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  und  die  Kosten  der  unentgeltlichen 

Rechtsbeiständin der Privatklägerin (vgl. nachstehend) – dem Beschuldigten 

aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Verfahrenskosten setzen sich aus 

den Gebühren zur Deckung des Aufwands und den Auslagen im konkreten 

Straffall zusammen (Art. 422 Abs. 1 i.V.m. Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 14 

GebV OG).

2.

Die Gebühr der gesamten Strafuntersuchung beträgt in Anwendung von § 2 

und § 4 lit. d GebV StrV Fr. 3'100.– (vgl. act. 22). Zudem sind folgenden Aus-

lagen zu verzeichnen: Fr. 10'281.– für das Gutachten des Instituts für Rechts-

medizin,  Fr. 2'678.15  für  die  Datenauslesung  des  Mobiltelefons  durch  die 

N._____ AG, Fr. 2'450.– für den Spurenbericht des Forensischen Instituts Zü-

rich, Fr. 800.– für das Entsiegelungsverfahren vor dem Zwangsmassnahmen-

gericht Pfäffikon ZH sowie Fr. 50.80 Zeugenentschädigung. Für den Aufwand 

des  Gerichts  erscheint  –  ausgenommen  der  Kosten  der  amtlichen  Verteidi-

gung und der Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklä-

gerin (vgl. nachstehend) – in Anwendung von § 2 i.V.m. § 14 GebV OG eine 

Entscheidgebühr (Pauschalgebühr) von Fr. 8'000.– angemessen.

B.

Kosten der amtlichen Verteidigung

1.

Von  der  Auferlegung  der  Verfahrenskosten  ausgenommen  sind  die  Kosten 

der  amtlichen  Verteidigung  (Art. 426  Abs. 1  Satz 2  StPO)  für  das  Untersu-

chungs-  und  Gerichtsverfahren  (vgl.  BGE 135 I 91  E. 2.4.2.3).  Diese  sind 

- 91 -

einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt eine Nachfor-

derung dieser Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

2.

Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung bemisst sich im Kanton Zürich 

nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV; Art. 135 Abs. 1 

StPO).  Bei  Strafprozessen  ist  die  Grundgebühr  unter  Berücksichtigung  der 

Bedeutung  des  Falls,  der  Verantwortung,  der  Schwierigkeit  des  Falles  und 

des notwendigen Zeitaufwandes zu bemessen (§ 2 und 3 AnwGebV). Dabei 

stellt der in einer spezifizierten Aufstellung eines Rechtsanwaltes geltend ge-

machte Zeitaufwand lediglich ein Bemessungskriterium dar und ist nur inso-

weit zu berücksichtigen, als er auch notwendig war, wobei dies auch für die 

geltend gemachten Barauslagen zu gelten hat (vgl. § 22 AnwGebV).

3.

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten macht für seine Bemühungen und 

Barauslagen  einen  Aufwand  von 

insgesamt  Fr. 33'586.80 

(Honorar: 

Fr. 30'352.66,  Barauslagen:  Fr. 778.50,  Mehrwertsteuern  [7.7%  und  8.1%]: 

Fr. 2'455.65) geltend (act. 43). Angesichts der Verantwortung des amtlichen 

Verteidigers, der Schwierigkeit des Falles und des Zeitaufwandes scheint der 

geltend gemachte Aufwand der Sache angemessen. Zudem sind der Vertei-

digung für ihre Aufwendungen im Zusammenhang mit der Hauptverhandlung 

zusätzlich  6 Arbeitsstunden  à  Fr. 220.–  zzgl.  8.1 %  MwSt.,  entsprechend 

Fr. 1'426.92, zuzugestehen. Der Aufwand nach der Hauptverhandlung wurde 

von der Verteidigung in der Honorarnote bereits mit drei Arbeitsstunden be-

rücksichtigt,  was  dem  Zeitaufwand  für  die  mündliche  Urteilseröffnung  ent-

spricht  (Wegpauschale  von  einer  Stunde,  eine  Stunde  Urteilseröffnung  und 

eine Stunde Nachbesprechung) und daher keine zusätzliche Entschädigung 

rechtfertigt.  Indessen  sind  der  Verteidigung  im  Zusammenhang  mit  der  Ur-

teilseröffnung  zusätzlich  Barauslagen  von  Fr. 11.20  zzgl.  8.1%  MwSt.,  ent-

sprechend Fr. 12.10, für die Fahrkosten zum Gericht zuzugestehen. Der amt-

liche Verteidiger des Beschuldigten ist daher aus der Staatskasse mit (gerun-

det) Fr. 35'025.85 (inkl. Auslagen und 7.7% und 8.1.% MwSt.) zu entschädi-

gen.

- 92 -

C.

Kosten der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin

1.

Die  Entschädigung  der  unentgeltlichen  Rechtsbeiständin  der  Privatklägerin 

richtet sich sinngemäss nach Art. 135 StPO. Der definitive Entscheid über die 

Tragung der Kosten der Rechtsbeiständin bleibt vorbehalten. Wird der Privat-

klägerschaft eine Prozessentschädigung zulasten der beschuldigten Person 

zugesprochen, so fällt diese Entschädigung im Umfang der Aufwendungen für 

die unentgeltliche Rechtspflege an den Bund beziehungsweise an den Kanton 

(Art. 138  StPO).  Wird  die  beschuldigte  Person  kostenpflichtig,  ist  Art. 426 

Abs. 4 StPO zu beachten, wonach diese die Kosten der unentgeltlichen Ver-

beiständung der Privatklägerschaft nur bezahlen muss, wenn sie in günstigen 

wirtschaftlichen  Verhältnissen  lebt  bzw.  später  in  günstigen  wirtschaftlichen 

kommt (BSK StPO - Domeisen, Art. 426 N 19 mit Verweisen auf Lehre und 

Praxis).

2.1 Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin reichte zwei Honorar-

noten ein (act. 38 und 45), wobei sie für ihre Bemühungen und Auslagen samt 

separater Urteilseröffnung eine Entschädigung von insgesamt Fr. 13'553.65 

(Honorar:  Fr. 12'403.60,  Barauslagen:  Fr. 148.–,  Mehrwertsteuern  [7.7  und 

8.1%]: Fr. 1'002.05) geltend machte. Diese Entschädigung erscheint für ihren 

notwendigen  Zeitaufwand  angesichts  ihrer  Verantwortung  gestützt  auf  § 16 

i.V.m.  § 3  und  § 17  der  Anwaltsgebührenverordnung  (AnwGebV)  sowie  der 

damit  im  Zusammenhang  stehenden  Auslagen  grundsätzlich  als  angemes-

sen. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin machte jedoch für den zweimaligen 

Weg ans Gericht jeweils je zwei Stunden Zeitaufwand geltend, wobei ihr ge-

richtsüblich pro Verhandlung nur je eine Stunde zuzugestehen sind. Der gel-

tend gemachte Aufwand ist daher um zwei Arbeitsstunden à Fr. 220.– zzgl. 

MwSt., entsprechend Fr. 475.65 (gerundet), zu kürzen. Es rechtfertigt sich so-

mit, die privatklägerische Rechtsbeiständin gestützt auf Art. 138 Abs. 1 und 

Art. 135 StPO für ihre Bemühungen und Auslagen mit Fr. 13'078.– (gerundet; 

inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.

2.2 Der  Beschuldigte  befindet  sich  nicht  in  günstigen  finanziellen  Verhältnissen 

(vgl. vorstehend), zumal er künftig aufgrund des vorliegenden Strafverfahrens 

- 93 -

auch die neuen Verfahrenskosten abzubezahlen haben wird. Die Kosten der 

unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  der  Privatklägerschaft  können  dem 

Beschuldigten  daher  mangels  günstigen  wirtschaftlichen  Verhältnissen  ge-

stützt auf Art. 426 Abs. 4 StPO heute nicht auferlegt werden. Vorzubehalten 

ist jedoch eine spätere Nachforderung der Entschädigung beim Beschuldigten 

(Art. 138 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO und Art. 135 Abs. 4 StPO).

D. Genugtuung für zu Unrecht erlittene Haft

1.

Die Verteidigung beantragte zufolge des geforderten Freispruchs eine Genug-

tuung  für  die  durch  den  Beschuldigten  erstandene  Haft  in  Höhe  von 

Fr. 46'640.– (Fr. 220.– à 212 Hafttage) zzgl. Zins zu 5% ab dem 29. Juni 2023, 

eventualiter  Zins  zu  5%  ab  dem  mittleren  Verfall,  d.h.  ab  12. Oktober  2023 

(act. 42 S. 2 und S. 28).

2.

Zufolge des Schuldspruchs ist über keine Genugtuung des Beschuldigten zu 

befinden bzw. ist dieser Antrag obsolet.

Es wird erkannt:

1.

Der  Beschuldigte 

ist  schuldig  der  Vergewaltigung 

im  Sinne  von 

Art. 190 Abs. 1 aStGB.

2.

Der  Beschuldigte  wird  bestraft  mit  48 Monaten  Freiheitsstrafe,  wovon 

3.

4.

212 Tage durch Haft erstanden sind.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der  Beschuldigte  wird  im  Sinne  von  Art. 66a  StGB  für  9  Jahre  des  Landes 

verwiesen. 

5.

Die  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener  Informationssys-

tem wird angeordnet.

6.

Nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Entscheides  werden  die  folgenden  mit 

Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 10. September 2024 

- 94 -

einzig  als  Beweismittel  beschlagnahmten  Gegenstände  dem  Beschuldigten 

freigegeben:







1 T-Shirt, grünes T-Shirt (Asservate-Nr. A017'523'998)

1 Sporthose, graue Trainingshose (Asservate-Nr. A017'524'004)

1 Herrenunterwäsche, Rote Herrenunterhosen (Asservate-
Nr. A017'524'037).

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

dieses  Urteils  angesetzt,  um  die  herauszugebenden  Gegenstände  selber 

(oder  durch  eine  bevollmächtigte  Person)  unter  Vorlage  dieses  Urteils  und 

eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der nach-

genannten Lagerbehörde abzuholen.

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, wer-

den sie der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

7.

Nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Entscheides  werden  die  folgenden  mit 

Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 10. September 2024 

einzig  als  Beweismittel  beschlagnahmten  Gegenstände  der  Privatklägerin 

freigegeben:











1 Getränk (mit Alkohol), 1 Flasche "Berliner Luft" 0.7 Liter (ca. 1/4 voll) 
(Asservate-Nr. A017'532'160)

1 Damenunterwäsche, Unterhose (Asservate-Nr. A017'532'182)

1 Damenbekleidung, T-Shirt (Asservate-Nr. A017'532'193)

1 Damenbekleidung, kurze Hose (Asservate-Nr. A017'532'206)

1 Verpackung, 1 leeres Minigrip (mit Überresten von mutm. Marihuana) 
(Asservate-Nr. A017'532'217).

Der Privatklägerin wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft die-

ses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selber (oder 

durch  eine  bevollmächtigte  Person)  unter  Vorlage  dieses  Urteils  und  eines 

amtlichen  Ausweises,  nach  telefonischer  Voranmeldung,  bei  der  nachge-

nannten Lagerbehörde abzuholen.

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, wer-

den sie der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

- 95 -

8.

Nach Eintritt der Rechtskraft werden die folgenden Asservate der Sicherstel-

lungsliste vom 19. September 2023 der Lagerbehörde zur Vernichtung über-

lassen:

































1 IRM-Fotografie, Übersichts- und Detailaufnahmen von B._____ (Ge-
schädigte) Digitale Datenträger Liste (Asservate-Nr. A017'523'465)

1 IRM-Fotografie, Übersichts- und Detailaufnahmen von A._____ (Be-
schuldigter) Digitale Datenträger Liste (Asservate-Nr. A017'527'309)

1 Vergleichsabdrücke-Dakty, von F._____, geb. tt.01.2003 (Asservate-
Nr. A017'529'394)

1 Fotografie, Übersichts- und Detailaufnahmen des Tatorts Digitale Da-
tenträger Liste (Asservate-Nr. A017'532'046)

1 Vergleichs-WSA, B._____, tt.01.2003 (Geschädigte) DNA-Spurenart 
(Asservate-Nr. A017'532'080)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Perioral (Asservate-Nr. A017'532'091)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Hals vorne und seitlich DNA-Spurenart (As-
servate-Nr. A017'532'104)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Fingernagelschmutz linke Hand DNA-Spu-
renart (Asservate-Nr. A017'532'126)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Fingernagelschmutz rechte Hand (Asser-
vate-Nr. A017'532'148)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Vulva, s23-08581; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'025)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Vagina, s23-08582; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'047)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Zervix, s23-08583; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'081)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Anus, s23-08584; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'092)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Rectum, s23-08585; B._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'105)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Eichel, s23-08597; A._____ DNA-
Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'116)

1 DNA-Spur - Wattetupfer, Abstrich Penisschaft, s23-08598; A._____ 
DNA-Spurenart (Asservate-Nr. A017'539'138).

9.

Die  Privatklägerin  wird  mit  ihren  Schadenersatzbegehren  auf  den  Zivilweg 

verwiesen. 

- 96 -

10. Der  Beschuldigte  wird  verpflichtet,  der  Privatklägerin  Fr. 20'000.–  zuzüglich 

5 % Zins ab 29. Juni 2023 als Genugtuung zu bezahlen. 

11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

8'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

3'100.– Gebühr für das Vorverfahren;

10'281.80 Auslagen (Gutachten IRM-ZH)

2'678.15 Auslagen (N._____ AG; Datenauslesung Mobiltelefon)

2'450.– Auslagen (Spurenbericht FOR-ZH)

800.–

Auslagen 
GT230007)

(ZMG  Pfäffikon,  Entsiegelungsverfahren; 

50.80 Entschädigung Zeuge

Fr.

35'025.85

Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  (inkl.  MwSt.  und
Auslagen)

Fr.

13'078.–

Kosten unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin  
(inkl. MwSt. und Auslagen).

12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertre-

tung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung 

der Privatklägerin werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vor-

behalten  bleibt  eine  Nachforderung  beim  Beschuldigten  gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO.

14. Mündliche Eröffnung, kurze Begründung und schriftliche Mitteilung als unbe-

gründetes Urteil an







die  amtliche  Verteidigung  im  Doppel  für  sich  und  zuhanden  des 
Beschuldigten (übergeben);

die Staatsanwaltschaft See / Oberland (übergeben);

die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin im Doppel für sich 
und zuhanden der Privatklägerin (übergeben);

- 97 -



das Migrationsamt des Kantons Zürich, per E-Mail (partner@ma.zh.ch)

und hernach als begründetes Urteil an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten;

die Staatsanwaltschaft See / Oberland;

die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin im Doppel für sich 
und zuhanden der Privatklägerin

und nach Eintritt der Rechtskraft an











den Justizvollzug und Wiedereingliederung, Bewährungs- und Vollzugs-
dienste, mit Vermerk der Rechtskraft;

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A;

das Migrationsamt des Kantons Zürich, Berninastrasse 45, Postfach 
8090 Zürich;

die Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, im Auszug gemäss Dis-
positiv-Ziff. 6 bis 8 per E-Mail (asservate@kapo.zh.ch);

Bezirksgerichtskasse,  unter  Hinweis  auf  Dispositiv-Ziffer  11  (Kosten- 
und Entschädigungsfolgen).

15. Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Bezirks-

gericht  Pfäffikon,  Hörnlistrasse  55,  8330  Pfäffikon,  mündlich  oder  schriftlich 

Berufung angemeldet werden.

Mit  der  Berufung  kann  das  Urteil  in  allen  Punkten  umfassend  angefochten 

werden.  Mit  der  Berufung  können  gerügt  werden:  Rechtsverletzungen,  ein-

schliesslich  Überschreitung  des  Ermessens,  Rechtsverweigerung  und 

Rechtsverzögerung, die unvollständige und unrichtige Feststellung des Sach-

verhaltes oder Unangemessenheit.

Die Berufung erhebende Partei hat binnen 20 Tagen nach Zustellung des be-

gründeten  Entscheids  dem  Obergericht  des  Kantons  Zürich,  Strafkammer, 

Postfach,  8021 Zürich,  eine  schriftliche  Berufungserklärung  einzureichen. 

Sie hat darin anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen 

anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt. Wer-

den nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich anzugeben, auf welche 

sich die Berufung beschränkt.

- 98 -

Bei offensichtlich verspäteten Berufungsanmeldungen oder Berufungserklä-

rungen wird auf die Berufung ohne Weiterungen nicht eingetreten.

BEZIRKSGERICHT PFÄFFIKON
1. Abteilung

Die Gerichtspräsidentin:

Gerichtsschreiberin:

lic. iur. M. Sigrist-Tanner

lic. iur. K. Schoch