# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 315cc535-aae3-5fdb-8049-fc7ac9837a8a
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-09
**Language:** de
**Title:** Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB) Empfehlungen nach BGÖ 09.07.2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_EDOEB/CH_EDÖB_006_empfehlung-vom-9juni_2010-07-09.pdf

## Full Text

Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter 
EDÖB  

 

 

 
Feldeggweg 1, 3003 Bern 
Tel. 031 323 74 84, Fax 031 325 99 96 
www.edoeb.admin.ch 

 
 

 Bern, den 9. Juni 2010  
 
 
 

Empfehlung 
 
 

gemäss  
 

Art. 14 des 
Bundesgesetzes über das  

Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung 
 
 

zum Schlichtungsantrag von  
 
 

X 
(Antragsteller) 

 
 

gegen 
 
 

Bundesamt für Justiz  
 
 
 

I. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte stellt fest: 
 

1. Der Antragsteller (Rechtsanwalt) reichte gestützt auf das Bundesgesetz über das Öffentlich-
keitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz BGÖ, SR 152.3) am 4. November 2009 
beim Bundesamt für Justiz (BJ) ein Gesuch um Zugang zum Fax des BJ an das „Office of In-
ternational Affairs“ vom 21. September 2009 betreffend Roman Polanski sowie zu „alle[n] Do-
kumente[n], welche zur Versendung dieses Fax führten und welche sich darauf beziehen“. 

 
2. Das BJ teilte dem Antragsteller mit Schreiben vom 11. November 2009 mit, seinem Antrag 

könne nicht entsprochen werden, da das Öffentlichkeitsgesetz gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. a 
Ziff. 3 BGÖ keine Anwendung auf Verfahren der internationalen Rechtshilfe finde. 

 
3. Der Antragsteller reichte am 1. Dezember 2009 beim Eidgenössischen Datenschutz- und  

Öffentlichkeitsbeauftragten (Beauftragter) ein Schlichtungsantrag ein. Gestützt auf Art. 20 
BGÖ forderte der Beauftragte das BJ umgehend auf, eine detaillierte Begründung der Nicht-
anwendbarkeit des Öffentlichkeitsgesetzes und die entsprechenden Unterlagen einzureichen. 

 
4. Am 11. Dezember 2009 hielt das BJ in einer Stellungnahme zuhanden des Beauftragten fest, 

das entsprechende Dossier bestehe „aus Akten zu einer Person, gegen welche zurzeit vor 

 

 
 
 

2/4

 
 

dem BJ ein Verfahren der internationalen Rechtshilfe hängig ist. […] Im vorliegenden Fall geht 
es um ein ausländisches Ersuchen um Anordnung der provisorischen Auslieferungshaft 
(Zwangsmassnahme), welches bereits im Jahre 2005 gestellt wurde (siehe dazu Art. 42 und 
43 IRSG) sowie um ein in der Folge eingereichtes Auslieferungsersuchen. Die in Art. 43 IRSG 
vorgesehene Prüfung gehört zum Bereich der internationalen Strafrechtshilfe. Somit besteht 
für das fragliche Faxschreiben des BJ vom 21. September 2009, welches dem ersuchenden 
Staat im Zusammenhang mit dem Verhaftsersuchen übermittelt wurde, im Sinne von 
Art. 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 BGÖ kein Anspruch auf eine Herausgabe. Ob das Faxschreiben als 
solches (und nicht nur die Information, dass es existiert) öffentlich zugänglich ist, ist uns nicht 
bekannt.“ Das BJ reichte die verlangten Unterlagen nicht ein. 

 
5. Am 27. Mai 2010 forderte der Beauftragte das BJ erneut auf, ihm detaillierte Erläuterungen 

über den exakten Beginn eines Verfahrens der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen zu-
kommen zu lassen. Der Beauftragte verlangte vom BJ wiederum, die fraglichen Unterlagen 
innert einer Woche einzureichen, damit er gestützt auf die konkreten Dokumente eine Ein-
schätzung in Bezug auf eine mögliche Zugangsgewährung zu den konkreten Dokumenten 
abgeben könne. 

 
6. Das BJ teilte dem Beauftragten umgehend mit, dass es wohl vorliegend um die Grundsatzfra-

ge gehe, ob Drittpersonen Anspruch darauf hätten, Einsicht in ein Rechtshilfedossier betref-
fend ein bestimmtes Strafverfahren, welches gegenüber einer anderen Person im Ausland ge-
führt werde, zu erhalten. Weiter hielt das BJ fest, dass nicht nachvollzogen werden könne, 
weshalb die Frage des Beginns oder des Abschlusses eines bestimmten Rechtshilfeverfah-
rens überhaupt von Belang sei. Das BJ wolle erst nach Beantwortung dieser Frage prüfen, ob 
der Beauftragte überhaupt befugt sei, die verlangten Akten anzufordern, und wies zudem dar-
auf hin, dass der vom Beauftragten genannte Termin für die Einreichung der Dokumente nicht 
eingehalten werden könne, „weil wir voraussichtlich gar nicht über die fraglichen Akten verfü-
gen werden.“ 

 
7. Der Beauftragte präzisierte gegenüber dem BJ, die Frage des Beginns des internationalen 

Rechtshilfeverfahrens sei relevant, weil alle amtlichen Dokumente, die zeitlich nach der for-
mellen Eröffnung des Rechtshilfeverfahrens vom BJ erstellt oder dem BJ übermittelt wurden, 
entsprechend Art. 3 Abs. 1 Bst. a Ziff. 3 BGÖ nicht in den Geltungsbereich des BGÖ fallen. 
Demgegenüber unterlägen amtliche Dokumente, die zeitlich vor der formellen Eröffnung des 
Rechtshilfeverfahrens erstellt oder übermittelt worden sind, grundsätzlich dem BGÖ. 

 
8. Mit Schreiben vom 4. Juni 2010 an den Beauftragten hielt das BJ u.a. fest, die US-Behörden 

hätten bereits mit Fahndung vom November 2005 um Anordnung der provisorischen Ausliefe-
rungshaft ersucht. Nach der Prüfung im Sinne von Art. 43 IRSG sei der Betroffene im Auftrag 
des BJ in der ersten Jahreshälfte 2006 im Ripol ausgeschrieben worden; das BJ sei somit auf 
das ausländische Ersuchen eingetreten. Zusammenfassend ergebe sich, „dass die Unterla-
gen betreffend ein ausländisches Fahndungsersuchen bzw. Ersuchens um Anordnung der 
provisorischen Auslieferungshaft solche eines im IRSG geregelten Verfahrens sind. Damit ist 
auf derartige Unterlagen das Öffentlichkeitsgesetz nicht anwendbar.“  
Das BJ stellte die vom Beauftragten einverlangten Dokumente nicht zu, übermittelte jedoch 
u.a. einen Bundesgerichtsentscheid (BGE 117 IV 209) und verwies dabei explizit auf die Er-
wägungen 2.b und 2.d.  

 

 
 

3/4

 
 

                                                     

 

II. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zieht in Erwägung: 
 

A.  Schlichtungsverfahren und Empfehlung gemäss Art. 14 BGÖ 
 
1. Gemäss Art. 13 BGÖ kann eine Person einen Schlichtungsantrag beim Beauftragten einrei-

chen, wenn die Behörde den Zugang zu amtlichen Dokumenten einschränkt, aufschiebt oder 
verweigert, oder wenn die Behörde innert der vom Gesetz vorgeschriebenen Frist keine Stel-
lungnahme abgibt.  
 
Der Beauftragte wird nicht von Amtes wegen, sondern nur auf Grund eines schriftlichen 
Schlichtungsantrags tätig.1 Berechtigt, einen Schlichtungsantrag einzureichen, ist jede Per-
son, die an einem Gesuchsverfahren um Zugang zu amtlichen Dokumenten teilgenommen 
hat. Für den Schlichtungsantrag genügt einfache Schriftlichkeit. Aus dem Begehren muss her-
vorgehen, dass sich der Beauftragte mit der Sache befassen soll. Der Schlichtungsantrag 
muss innert 20 Tagen nach Empfang der Stellungnahme der Behörde schriftlich eingereicht 
werden. 

 
2. Der Antragsteller hat ein Zugangsgesuch nach Art. 10 BGÖ beim BJ eingereicht und eine ab-

lehnende Antwort erhalten. Als Teilnehmer an einem vorangegangenen Gesuchsverfahren ist 
er zur Einreichung eines Schlichtungsantrags berechtigt. Der Schlichtungsantrag wurde form-
gerecht (einfache Schriftlichkeit) und fristgerecht (innert 20 Tagen nach Empfang der Stel-
lungnahme der Behörde) beim Beauftragten eingereicht.  
 

3. Das Schlichtungsverfahren kann auf schriftlichem Weg oder konferenziell (mit einzelnen oder 
allen Beteiligten) unter Leitung des Beauftragten stattfinden. Die Festlegung des Verfahrens 
im Detail obliegt alleine dem Beauftragten.2 

 
Kommt keine Einigung zu Stande oder besteht keine Aussicht auf eine einvernehmliche Lö-
sung, ist der Beauftragte gemäss Art. 14 BGÖ gehalten, aufgrund seiner Beurteilung der An-
gelegenheit eine Empfehlung abzugeben.  

 
B. Sachlicher Geltungsbereich 
 

1. Das Öffentlichkeitsgesetz gilt nicht für den Zugang zu amtlichen Dokumenten betreffend Ver-
fahren der internationalen Rechts- und Amtshilfe (Art. 3 Abs. 1 Bst. a Ziff. 3 BGÖ). In diesen 
Bereichen gelten die spezifischen eidgenössischen Gesetze respektive die entsprechenden 
völkerrechtliche Abkommen. 

 
2. Der Beauftragte ging zunächst davon aus, dass amtliche Dokumente, die von einer Bundes-

behörde vor der formellen Eröffnung eines Verfahrens der internationalen Rechtshilfe erstellt 
oder ihr mitgeteilt worden sind, in den Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetzes fallen.  
In Bezug auf das Auslieferungsverfahren hat das Bundesgericht im erwähnten Entscheid 
BGE 117 IV 209 in Erwägung 1.d festgehalten, dass dieses nicht in ein formelles und ein – 
zeitlich vor diesem stattfindendes – "nicht eigentliches" Verfahren unterteilt werden kann. Das 
Auslieferungsverfahren werde bereits mit dem Eingang des Ersuchens um Fahndung und 
Festnahme zum Zwecke der Auslieferung gemäss Art. 42 IRSG angehoben. Gemäss 
Bundesgericht ergibt sich dies bereits aus der Systematik des IRSG (Zweiter Teil: Ausliefe-

 
1 BBl 2003 2023 
2 BBl 2003 2024 

 

 
 
 

4/4

 
 

rung, 2. Kapitel: Verfahren, 1. Abschnitt: Ersuchen, Art. 41 – 43). 
 
3. Aufgrund dieses Bundesgerichtsentscheids gelangt der Beauftragte zum Schluss, dass das 

Faxschreiben vom 21. September 2009 und alle damit in Zusammenhang stehenden Doku-
mente Teil des Verfahrens der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind.  
 
Das Öffentlichkeitsgesetz gilt nicht für den Zugang zum Faxschreiben vom 21. September 
2009 und allen damit in Zusammenhang stehenden Dokumenten (Art. 3 Abs. 1 Bst. a 
Ziff. 3 BGÖ).  

 
 
III. Aufgrund dieser Erwägungen empfiehlt der Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte:  
 

1. Das Bundesamt für Justiz gewährt keinen Zugang zum Faxschreiben vom 21. September 
2009 sowie den damit in Zusammenhang stehenden Dokumenten, da das Öffentlichkeitsge-
setz gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. a Ziff. 3 BGÖ keine Anwendung findet. 

 
2. Der Antragsteller kann innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Empfehlung beim Bundes-

amt für Justiz den Erlass einer Verfügung nach Art. 5 VwVG verlangen, wenn er mit der Emp-
fehlung nicht einverstanden ist (Art. 15 Abs. 1 BGÖ). 

 
3. Gegen die Verfügung kann der Antragsteller beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

führen (Art. 16 BGÖ).  
 

4. Diese Empfehlung wird veröffentlicht. Zum Schutz der Personendaten der am Schlichtungs-
verfahren Beteiligten wird der Name des Antragstellers anonymisiert (Art. 13 Abs. 3 VBGÖ). 

 
5. Die Empfehlung wird eröffnet: 

 
- X 
 
- Bundesamt für Justiz 

3003 Bern 
 
 
 
Hanspeter Thür