# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04e97d7a-1b04-5be9-9d0e-e7e50c00843e
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1978-08-30
**Language:** de
**Title:** Solothurn Obergericht Jugendgerichtskammer 30.08.1978 ZZ.1978.14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_OG_003_ZZ-1978-14_1978-08-30.html

## Full Text

SOG 1978 Nr. 14

 

 

Art. 323 Ziff. 2 StGB. Zum Tatbestand des Ungehorsams im Betreibungsverfahren. Kann die
Weigerung, dem Betreibungsamt den Arbeitgeber bekannt zu geben, nach Art. 323
StGB bestraft werden?

 

 

Gemäss Art. 323 Ziff. 2 StGB macht sich
derjenige Schuldner des Ungehorsams im Betreibungsverfahren schuldig, der seine
Vermögensgegenstände, auch wenn sie sich nicht in seinem Gewahrsam befinden,
sowie seine Forderungen und Rechte gegenüber Dritten nicht soweit angibt, als
dies zu einer genügenden Pfändung oder zum Vollzug des Arrestes nötig ist (Art.
91, 275 SchKG). Der Beschuldigte hat, was in der Strafanzeige bestätigt wird,
seine Lohnabrechnungen dem Betreibungsbeamten vorgelegt. Er weigert sich
jedoch, dem Betreibungsbeamten seinen Arbeitgeber bekanntzugeben, mit der
Begründung, er habe einen Arbeitsvertrag mit der Klausel unterschrieben, dass
er bei Lohnpfändung oder sonstigem Verkehr mit dem Betreibungsamt seine Stelle
verlieren werde. Es stellt sich somit die Frage, ob diese Weigerung des Beschuldigten,
seinen Arbeitgeber bekanntzugeben, auch von der erwähnten Strafbestimmung von
Art. 323 Ziff. 2 StGB erfasst wird. Die Rechtssprechung hat es als zulässig
erachtet, dass dem Schuldner die Weisung erteilt werden kann, dem
Betreibungsamt jeden Stellenwechsel und jede Änderung in den Verdienstverhältnissen
zu melden (BGE 83 III 1). Daraus folgt, dass der Schuldner auch angewiesen
werden kann, dem Betreibungsamt seinen Arbeitgeber bekanntzugeben. Zu prüfen
bleibt, welche Straffolgen dem Schuldner für den Fall der Nichtbefolgung dieser
Weisung angedroht werden dürfen. Art. 323 StGB, den das Betreibungsamt dem
Beschuldigten offenbar angedroht hat, stellt die Nichtbefolgung der hier in
Frage stehenden Weisung nicht expressis verbis unter Strafe, sondern erklärt in
Ziff. 2 denjenigen Schuldner für strafbar, der seine Forderungen gegenüber
Dritten nicht so weit angibt, als dies zu einer genügenden Pfändung nötig ist.
- Das Bundesgericht hat wiederholt festgestellt, dass die in Art. 99 SchKG
vorgeschriebene Anzeige an den Drittschuldner (in casu den Arbeitgeber) keine
wesentliche oder notwendige Bedingung des Pfändungsvollzuges, kein Element der
Lohnpfändung sei, sondern eine zum Pfändungsvollzug hinzutretende
Sicherungsmassnahme, eine Massnahme zur wirksamen Geltendmachung des
Pfändungsvollzuges darstelle (BGE 74 III 3, 78 III 128, 83 III 5b, 86 IV
173).Der Drittschuldner wird davon lediglich insofern berührt, als er auf
entsprechende Anzeige hin in Zukunft mit befreiender Wirkung bloss noch an das
Betreibungsamt zahlen kann. Da somit die in Art. 99 SchKG vorgeschriebene
Anzeige an den Arbeitgeber kein notwendiges Element der Lohnpfändung darstellt,
kann auch nicht davon gesprochen werden, zu einer "genügenden
Pfändung" im Sinne von Art. 323 Ziff. 2 StGB sei die Nennung des
Arbeitgebers nötig. Der Beschuldigte kann deshalb wegen der Nichtbefolgung der
ihm erteilten Weisung nicht gemäss Art. 323 Ziff. 2 StGB bestraft werden. Ein
Ungehorsam des Schuldners, der nicht durch Art, 323 f. StGB erfasst wird, kann
über den allgemeinen Ungehorsamstatbestand des Art. 292 StGB verfolgt werden,
wenn die dort aufgestellten zusätzlichen Bedingungen (insbesondere spezielle
Strafandrohung) erfüllt sind. Das gilt beispielsweise für die Unterlassung der
Meldung eines Stellenwechsels oder der Änderung der Verdienstverhältnisse bei
Lohnpfändung durch den Schuldner, oder für Auskunftsverweigerung eines dritten
Gewahrsamsinhabers (Schwander, Strafgesetzbuch, 2. A., Nr. 599).Diese spezielle
Strafandrohung ist aber im vorliegenden Fall nicht erfolgt.

 

Obergericht Strafkammer, Urteil vom 30.
August 1978