# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2db26885-cc07-5877-a333-b61b2f5768de
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-17
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Zivilkammern 17.01.2018 KES 2018 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_001_KES-2018-22_2018-01-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Kindes- und Erwachsenen-
schutzgericht

Cour suprême
du canton de Berne

Tribunal de la protection
de l'enfant et de l'adulte

Entscheid
KES 18 22

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 06
Fax +41 31 634 50 53
Obergericht-Zivil.Bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. Januar 2018

Besetzung Oberrichter D. Bähler (Referent) 
Gerichtsschreiberin Weingart

Verfahrensbeteiligte A.________
vertreten durch Advokat und Notar B.________

Gesuchsteller

C.________
vertreten durch Advokat und Notar B.________

Gesuchsteller

gegen

D.________
vertreten durch Rechtsanwalt E.________

Gesuchsgegnerin

Gegenstand Akteneinsichtsgesuch vom 29. November 2017

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Regeste:

Das Informationsgesetz (IG; BSG 107.1) bildet – unter Berücksichtigung der einschlägigen 
Verfassungsbestimmungen – die relevante rechtliche Grundlage für die Behandlung eines 
Einsichtsgesuchs (E. 5).

Der Anspruch auf Akteneinsicht nach Art. 30 BV wird begrenzt durch den verfassungs-
mässigen Schutz von persönlichen und öffentlichen Interessen, insbesondere dem Inter-
esse an der Nichtbekanntgabe von Vermögensverhältnissen (E. 6-8).

Erwägungen:

1. Mit Entscheid vom 11. April 2017 im Verfahren KES 16 881 bestätigte das Kindes- 
und Erwachsenenschutzgericht (KESGer) die vorsorgliche Herabsetzung des Be-
trages zur freien Verfügung für die vorsorglich verbeiständete D.________ (nach-
folgend: Gesuchsgegnerin) durch die burgerliche Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde (bKESB).

2. Mit Schreiben vom 29. November 2017 ersuchten die beiden Söhne der Gesuchs-
gegnerin, A.________ und C.________ (nachfolgend: Gesuchsteller), um Zustel-
lung einer Kopie des Urteils KES 16 881. Zur Begründung führten die Gesuchstel-
ler aus, sie hätten als Angehörige und frühere Verfahrensbeteiligte ein Interesse an 
der Einsicht in diesen Entscheid.

3. In ihrer Stellungnahme vom 5. Januar 2018 beantragte die Gesuchsgegnerin die 
kostenfällige Abweisung des Gesuchs. Sie führte aus, die Gesuchsteller hätten 
kein schutzwürdiges rechtliches Interesse, vom Entscheid im Verfahren KES 
16 881 Kenntnis zu erhalten. Ein solches Interesse werde im Gesuch auch nicht 
begründet. 

4. Das KESGer ist zum Entscheid über das vorliegende Gesuch um Einsichtnahme in 
die Akten des abgeschlossenen Verfahrens zuständig, da es das betreffende Ver-
fahren geführt hat. Über das Gesuch entscheidet die Verfahrensleitung (Ziff. IV./5. 
i.V.m. III./1. des Kreisschreibens Nr. 2 der Zivilabteilung des Obergerichts des Kan-
tons Bern [KS Nr. 2], www.justice.be.ch>Zivilverfahren>Kreisschreiben).

5. In Frage steht vorliegend ein Einsichtsgesuch in ein Urteil eines bereits abge-
schlossenen Verfahrens, weshalb die Verfahrensbestimmungen von Art. 449 Bst. b 
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) bzw. des Gesetzes über 
den Kindes- und Erwachsenenschutz (KESG; BSG 213.316) nicht zur Anwendung 
gelangen. Bei abgeschlossenen Verfahren sind bei Gesuchen der betroffenen Per-
son selber das Datenschutzgesetz (KDSG; BSG 152.04) bzw. bei Gesuchen von 
Drittpersonen das Informationsgesetz (IG; BSG 107.1) anwendbar (MARC HÄUS-
LER/RETO FERRARI-VISCA, Das Recht auf Akteneinsicht im Verwaltungs- und Ver-
waltungsjustizverfahren, in: Jusletter vom 8. August 2011, Rz. 6 m.w.H.). Da es 
sich vorliegend um ein Einsichtsgesuch von Drittpersonen handelt, bildet das IG – 
unter Berücksichtigung der einschlägigen Verfassungsbestimmungen – die rele-

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vante rechtliche Grundlage für die Behandlung des vorliegenden Akteneinsichtsge-
suchs. 

6. Gemäss Art. 30 Abs. 3 der Schweizerischen Bundesverfassung (BV; SR 101) so-
wie auch nach Art. 9 IG sind Gerichtsverhandlung und Urteilsverkündung 
grundsätzlich öffentlich. Nach Art. 17 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Bern (KV; 
BSG 101.1) und Art. 27 Abs. 3 IG hat jede Person grundsätzlich ein Recht auf Ein-
sicht in amtliche Akten des Kantons und der Gemeinden. Dabei kann das Ein-
sichtsrecht nach IG unabhängig von einem schutzwürdigen Interesse geltend ge-
macht werden (HÄUSLER/FERRARI-VISCA, a.a.O., Rz. 5 m.w.H.). Die Kenntnisnahme 
erstreckt sich auf das ganze Urteil mit Sachverhalt, rechtlichen Erwägungen und 
Dispositiv. Es ist daher von einem grundsätzlichen Anspruch auf Kenntnisnahme 
des Entscheids auszugehen. Der verfassungsrechtliche Anspruch auf Kenntnis-
nahme von Urteilen ist jedoch nicht absolut. Er wird begrenzt durch den ebenfalls 
verfassungsrechtlich verankerten Schutz von persönlichen und öffentlichen Inter-
essen. Sein Umfang ist im Einzelfall unter Abwägung der entgegenstehenden In-
teressen zu bestimmen (BGE 139 I 129 E. 3.6 S. 136). 

7. Entsprechend weit verbreiteter Praxis werden die Urteile anlässlich ihrer Bekannt-
gabe anonymisiert und in Teilen abgedeckt. Diese Praxis ist unter dem Gesichts-
winkel von Art. 30 Abs. 3 BV anerkannt (BGE 139 I 129 E. 3.6 S. 137 m.w.H.). 
Daraus folgt, dass die Kenntnisgabe des Urteils im vorliegenden Fall von vornher-
ein unter dem Vorbehalt der Anonymisierung steht. Dies ergibt sich ebenfalls aus 
der kantonalgesetzlichen Vorgabe, wonach die Veröffentlichung der Entscheide 
grundsätzlich in anonymisierter Form zu erfolgen hat (Art. 22 Abs. 2 IG).

8. Das von den Gesuchstellern geltend gemachte Einsichtsinteresse beschränkt sich 
darauf, dass sie Angehörige der Gesuchsgegnerin seien und in einem früheren 
Verfahren als Verfahrensbeteiligte aufgeführt worden seien. Diesen Interessen ste-
hen gewichtige Interessen der Gesuchsgegnerin als damalige Prozesspartei ge-
genüber: Im fraglichen Entscheid geht es im Wesentlichen um die finanziellen Ver-
hältnisse der Gesuchsgegnerin. Insbesondere wird darin aufgeführt, wie hoch ihr 
aktuelles Vermögen ist und welche Ausgaben sie in den vergangenen Jahren 
getätigt hat. Sodann wird ein Bankkonto genannt und die Nummer einer Kreditkarte 
angegeben. Die Gesuchsgegnerin hat ein persönliches Interesse daran, dass diese 
Daten nicht an Drittpersonen – und seien es im vorliegenden Fall auch ihre eigenen 
Söhne – weitergegeben werden. Unter Abwägung der dem vorliegenden Aktenein-
sichtsgesuch entgegenstehenden persönlichen Interessen der Gesuchsgegnerin 
kann dem Gesuch nur insoweit entsprochen werden, als der Entscheid zwar aus-
gehändigt wird, jedoch unter Schwärzung derjenigen Stellen, welche die Vermö-
gensverhältnisse bzw. die Verhältnisse der Gesuchsgegnerin zu Banken und Kre-
ditinstituten offenlegen, soweit diese Angaben nicht bereits aus dem Urteil des 
Bundesgerichts (Urteil 5A_379/2017 vom 5. Dezember 2017) herausgelesen wer-
den können.

9. Für die Behandlung des vorliegenden Akteneinsichtsgesuchs wird eine Verwal-
tungsgebühr von CHF 300.00 erhoben (Art. 30 Abs. 2 IG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 des 

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Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]). Diese Gebühr ist von den Gesuch-
stellern je zur Hälfte, ausmachend je CHF 150.00, unter solidarischer Haftbarkeit 
(Art. 106 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 
155.21]) zu bezahlen. Ihnen wird eine separate Rechnung zugestellt werden.

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Das Gericht entscheidet:

1. Das Gesuch um Akteneinsicht wird insofern gutgeheissen, als der Entscheid 
KES 16 881 den Gesuchstellern anonymisiert und stellenweise geschwärzt aus-
gehändigt wird.

2. Die Verwaltungsgebühr von CHF 300.00 wird den Gesuchstellern je zur Hälfte, aus-
machend je CHF 150.00, unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung auferlegt. Ih-
nen wird eine separate Rechnung zugestellt werden.

3. Zu eröffnen:
- den Gesuchstellern, vertreten durch Advokat und Notar B.________
- der Gesuchsgegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt E.________

Mitzuteilen:
- dem Kantonalen Jugendamt, Gerechtigkeitsgasse 81, 3011 Bern 

Bern, 17. Januar 2018 Im Namen des Kindes- und 
Erwachsenenschutzgerichts

Der Referent:

Oberrichter D. Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Weingart

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann beim Verwaltungsgericht Beschwerde nach den Vorschriften des Gesetzes vom 
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG) geführt werden (Art. 95 des Gesetzes vom 11. Juni 
2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]; Ziff. IV./5 
i.V.m. Ziff. III./1. KS Nr. 2).

Hinweis: Dieser Entscheid ist rechtskräftig.