# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cf4fd9a7-7624-5b94-9756-3c6b13e5cd0e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-12-10
**Language:** de
**Title:** Gerichtsgutachten zu CRPS, Überbindung Gutachtenskosten an Versicherer
**Docket/Reference:** UV.2013.00267
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00267.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00267
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Möckli
Urteil
vom
10. Dezember 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Urs
Eschmann
Anwaltsbüro
Eschmann
Opfikonerstrasse
8, 8303 Bassersdorf
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Unter Hinweis,
dass
das Bundesgericht mit Urteil 8C_527/2013 vom 2
8.
Oktober 2013 (Urk. 1) den Entscheid des hiesigen Gerichts vom
2
2.
Mai 2013
(Prozess-Nr.
UV.2012.00239
,
Urk. 2/
16
) auf
Beschwerde der Beschwerdegegnerin hin aufhob und die Sache an das hiesige Gericht zur
Einholung
eines medizinischen Gerichtsgutachtens und neuer Entscheidung
zurückwies,
dass
das Bundesgericht dabei erwog, weiterhin sei unklar und widersprüchlich, ob das durch den Unfall vom
8.
Dezember 2007 verursachte CRPS
an der rechten Hand des Beschwerdeführers am 3
0.
April 2009 vollumfänglich ausgeheilt war
(Urk. 1 E.
3.2
)
,
dass
das hiesige Gericht die MEDAS
Y.___
mit einer polydisziplinären
Expertise
beauftragte, welche
diese
am 1
7.
September 2015 erstattet
e
(Urk.
31
; nachfol
gend: Gutachten
),
dass si
ch
die Parteien zum Gutachten mit Eingaben vom 1
2.
Oktober 2015 (Urk. 35, Beschwerdeführer) und vom 2
0.
November 2015 (Urk. 38, Beschwerdegegnerin) äusserten,
dass
im Übrigen zum
Sachverhalt auf die beiden Entscheide des hiesigen Gerichts vom 3
0.
Januar 2012 (Prozess-
Nr. UV.2010.00313, Urk. 2/2/25) und vom 2
2.
Mai 201
3 (Prozess-Nr. 2012.00239,
Urk. 2/16)
sowie auf
das
Urteil des Bundesge
richts
8C_232/2012
vom
27.
September 2012, Urk. 2/1
)
verwiesen
wird
,
in Erwägung
dass
in den bisherigen Verfahren (vgl. vorstehend) die Grundlagen
über die
Leistungs
pflicht
des obligatorischen Unfallversiche
r
ers
und die dafür
vorausgesetzte natürliche und adäquate Unfallkausalität des Gesundheitsschadens
,
den
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(BGE 134 V 109 E. 2 und E.
9.5) sowie den Beweiswert von Arztberichten (BGE 134
V 231 E. 2.1) dargelegt wur
den, worauf
verwiesen wird,
dass
im vorliegenden Verfahren einzig noch
die
Handproblematik rechts strittig ist, während
für die im
ursprünglichen Verfahren UV.2010.00313
ebenfalls zum Streitgegenstand
gehörende
Schulterproblematik rechts
gemäss Bundesgericht keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin besteht
(Urk.
2/
1 E. 6),
dass
das Gericht bei Gerichtsgutachten
nicht ohne zwingende Gründe von der Ein
schätzung der medizinischen Experten abweicht, so etwa wenn
die
Gerichtsex
pertise
widersprüchlich ist oder wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen (BGE 125 V 351 E. 3b),
dass
die am Gutachten beteiligten Experten der Fachrichtungen Rheumatologie, Neu
rologie, Handchirurgie und Psychiatrie die vom Gericht gestellt
e
Frage, ob das durch den Unfall vom
8.
Dezember 2007 verursachte CRPS
I an der recht
en Hand des Beschwerdeführers am 3
0.
April 2009 vollständig ausgeheilt war,
ein
hellig verneinten
,
dass sie dazu ausführten, es bestünden aktuell Restbeschwerden im Rahmen eines CRPS I, wie in den medizinischen Unterlagen wiederholt dokumentiert, und es sei nicht davon auszugehen, dass Ende April 2009 das CRPS ausgeheilt gewesen sei und sich danach wieder neu manifestiert habe; die
Karpaltunnelsyndrom (
CTS
)
-Operation
im Jahr 2010
habe keine Veränderung der Beschwerde ergeben (Gutachten S. 32),
dass
die Experten eingehend darlegten,
dass
die sog. Budapest-Kriterien zur vorwie
gend klinisch zu stellenden Diagnose eines CRPS erfüllt
sind und dass die zweifellos vorhandene
Fingerpolyarthrhose
(v.a. im DIP II) nur einen kleinen Teil der Symptomatik zu erklären vermag (vgl. Urk. 31/1 S. 29 und Urk. 31/3 S. 7),
dass die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 2
0.
November 2015 (Urk. 38)
nichts vorbringt, was die Schlüssigkeit der Gerichtsexpertise in F
rage stellen könnte, namentlich
ihre Kritik, die Gerichtsexperten hätten die
Finger
gelenksarthrose
als mögliche
unfallfremde
Ursache der Beschwerden zu wenig gewichtet
,
unbegründet
erscheint
,
dass
in der
Gerichtsexpertise somit
einleuchtend
dar
ge
legt
wird
,
dass
es sich bei der Symptomatik an Zeigefinger und Daumen um Restbeschwerden im Rahmen eines CRPS I handelt, welches durch den Unfall vom
8.
Dezember 2007 verur
sacht wurde und über den 3
0.
April 2009 hinaus bis heute besteht,
dass
es mit diesen
beweiskräftigen Schlussfolgerungen
sein Bewenden hat und die Beschwerdegegnerin für die Beschwerden an der
rechten Hand über den 30.
April 2009 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
hat,
dass
gemäss BGE
139
V 496
die Kosten eines Gerichtsgutachtens dem Versicherer auf
erlegt werden können, wenn ein
Zusammenhang
zwi
schen dem
Untersu
chungsmangel
seiten
s des Versicherers und der Notwen
digkeit, eine
Gerichtsex
pertise
anzuordnen
besteht,
dass
ein derartiger Zusammenhang u.a. dann vorliegen kann
, wenn ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig bele
gten ärztlichen Auffassungen besteht
, ohne dass die Verwaltung diesen
durch objektiv begrün
dete Argumente entkräftet ha
t (
vgl. dazu auch BGE 137 V 210 E. 4.
4.2 sowie BGE 140 V 70 E. 6.1),
dass
im vorliegenden Fall
das
Bundesgericht in
beiden
Rückweisungsentscheid
en (
8C_
232/2012 vom 27.
September 2012
[
Urk.
2/1
] und
8C_527/
2013 vom 28.
Oktober 2013 [
Urk.
1]
)
festgestellt
hat
,
auf die von den Ärzten der
Z.___
sowohl im Gutachten vom 2
3.
Oktober 2009 als auch in der Stellungnahme vom 2
0.
November 2012
vertretene Auffassung, wonach die Beschwerden
einzig auf eine unfallfremde Fingergelenksarthrose
zurückzufüh
ren seien, könne angesichts der anderslautenden Meinung von
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates und Facharzt für Hand
chirurgie und Chirurgie der peri
pheren Nerven,
nicht
ohne Weiteres
abgestellt werden,
dass sich die Beschwerdegegnerin bei der Leistungseinstellung per 3
0.
April 2009 somit nicht
auf schlüssige medizinische Unterlagen stützen konnte,
weshalb
das Gerichtsgutachten
zur Klärung des Sachverhaltes
erforderlich
war, dessen Kos
ten in der Höhe von
Fr. 11
'
912.15
im Sinne der darge
legten bundesgerichtlichen Rech
t
s
prechung der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind,
dass der
vertretene B
eschwerdeführer
ausgangsgemäss
Anspruch
auf eine
Prozessent
schädigung
hat
, welche
zusätzlich zu den
in den bisherigen Verfahren
zuge
sprochenen
Entschädigung
en
von Fr. 2‘300.-- und Fr. 1‘600.--
auf Fr. 800.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
)
, das heisst insgesamt auf Fr. 4‘700.-- (inkl.
Bar
auslagen
und
MWSt
)
festzulegen ist,
erkennt das Gericht:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird
der
Einspracheentscheid
vom 15.
September 2010 dahingehend abgeändert, als die Beschwerdegegnerin
verpflich-tet
wird, für die Folgen des Unfalles vom
8.
Dezember 2007 bezüglich der Beschwer-den an der rechten Hand über den 3
0.
April 2009 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
2.
Die Beschwerdegegnerin
wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
ei
ne
Prozessentschä
digung
von Fr.
4‘700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird weiter verpflichtet, der
Kasse des
Sozialversicherungsge
richts
des Kantons Zürich
die Kosten des Gerichtsgutachtens in Höhe von
Fr. 11'
912.15
zurückzuerstatten.
Rechnung und
Einzahlungsschein
werden
der
Pflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Urs
Eschmann
unter Beilage einer Kopie von Urk. 38
-
AXA Versicherungen AG
unter Beilage
einer Kopie
von
Urk. 35
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstMöckli