# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e274cd1-7472-582d-83aa-3d5e17605743
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 28.05.2020 U 2017 73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2017-73_2020-05-28.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 17 73

1. Kammer 

Vorsitz Audétat
Richter Racioppi, von Salis 
Aktuarin ad hoc Christen

URTEIL

vom 28. Mai 2020

in der Streitsache

A._____,
B._____,
C._____,
Alle vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Andrea Schmid Kistler,

Kläger
gegen 

D._____,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Eva Druey Just,

Beklagte

betreffend Staatshaftung

- 2 -

1. E._____ trat am 15. Februar 2013 um 23:15 Uhr in die Zentrale Notfallsta-

tion des Spitals F._____ ein. Der diensthabende Notfallarzt hatte sie mit 

der Diagnose Erysipel bei Status nach Ulcus cruris (Ulkus am Unterschen-

kel) eingewiesen. Als Nebendiagnosen hatte der Notfallarzt Asthma bron-

chiale (behandelt), Eisenmangel (behandelt), Hypertonie (behandelt), ei-

nen viralen Infekt der oberen Luftwege sowie Adipositas festgehalten. Die 

Untersuchungen auf der Zentralen Notfallstation wiesen in der Folge darauf 

hin, dass die Patientin nicht an einem Erysipel, sondern an einer nekroti-

sierenden Fasziitis litt, einer seltenen, oftmals sehr heftig verlaufenden bak-

teriellen Infektion der Muskelfaszien. Es wurde eine Notoperation in die 

Wege geleitet und der Infektherd wurde mittels CT lokalisiert. Um 3:30 Uhr 

wurde die Patientin intravenös mit starken Antibiotika versorgt. Durch eine 

Sepsis mit beginnendem Organversagen bereits stark geschwächt erlitt die 

Patientin bei der Intubation kurz vor 5:00 Uhr einen Herzstillstand und 

musste reanimiert werden. In der Folge scheiterte das übliche Vorgehen 

zur Legung einer zentralen Leitung zweimal, worauf operativ Blutgefässe 

in der Leistengegend freigelegt wurden, so dass dort ein arterieller und ein 

venöser Katheter eingesetzt werden konnten. Danach begann um 6:20 Uhr 

die eigentliche Operation. Der Operateur traf am ganzen Unterschenkel so-

wie auch am Oberschenkel eine weit fortgeschrittene nekrotisierende Fas-

ziitis an. Er entfernte die gesamten Faszien am Unterschenkel und begann 

damit, dies auch am Oberschenkel zu tun. Nach einem telefonischen Kon-

silium mit dem stellvertretenden Chefarzt und dem Leiter der Traumatologie 

entschied das Operationsteam, aufgrund der kaum mehr vorhandenen 

Überlebenschancen der Patientin die Operation abzubrechen. Am 16. Fe-

bruar 2013 um 7:05 verstarb E._____. Die von der Staatsanwaltschaft 

Graubünden zur Klärung des Todesfalls eingeleiteten rechtsmedizinischen 

Untersuchungen ergaben einen natürlichen Tod. Am 26. Februar 2013 

schloss die Staatsanwaltschaft die Abklärungen mittels Nichtanhandnah-

meverfügung ab.

- 3 -

2. Die Mutter A._____, die Schwester B._____ und der Bruder C._____ warfen 

dem Spital F._____ mit Schreiben vom 9. Juli 2013 eine Fehlbehandlung 

ihrer Tochter beziehungsweise Schwester vor. Von Seiten des Spitals 

F._____ nahmen diverse Ärzte Stellung. Die Hinterbliebenen liessen sich 

von Dr. med. G._____, FMH Chirurgie, Ärztin für Gefässchirurgie und Phle-

bologie, beraten. Von Seiten der Rechtschutzversicherung der Hinterblie-

benen und des Haftpflichtversicherers des Spitals F._____ wurden Kurzgut-

achten in Auftrag gegeben. 

3. Das Spital F._____ bzw. seine Haftpflichtversicherung und die Hinterblie-

benen beauftragten 2014 gemeinsam aussergerichtlich Dr. med. H._____, 

FMH Chirurgie, FMH Allgemein- und Unfallchirurgie, mit der Begutachtung 

der medizinischen Behandlung von E._____ am Spital F._____. Der Gut-

achter kam am 2. Januar 2015 zum Schluss, dass den Medizinern des Spi-

tals F._____ keine Behandlungsfehler vorgeworfen werden können, hinge-

gen die Dokumentation in der Krankenakte zum Teil missverständlich, un-

vollständig und von schlechter Qualität sei; auf Nachfrage hin sei dem Gut-

achter bestätigt worden, dass die Triageperson auf der Notfallstation kein 

Arzt gewesen sei, sondern eine Pflegeperson; schliesslich sei das Verord-

nungsblatt gänzlich leer und die getroffenen Massnahmen nur aus der Pfle-

gedokumentation ersichtlich.

4. Privatgutachterliche Stellungnahmen von Dr. med. G._____ ergaben, dass 

die ärztliche und pflegerische Betreuung von E._____ ungenügend erschei-

nen, die Diagnosen nicht lege artis erstellt worden seien, die Triage von 

einer Pflegeperson anstatt von ärztlichem Personal vorgenommen worden 

sei, wodurch die Diagnose verzögert und damit wertvolle Zeit verstrichen 

sei und die Mortalitätsrate von adäquat behandelten Patienten mit einer ge-

sicherten Diagnose der nekrotisierenden Fasziitis bloss 25% betrage. 

- 4 -

5. Aufgrund der Diskrepanzen zwischen den Ausführungen von Dr. med. 

H._____ und Dr. med. G._____ beauftragten die Angehörigen von E._____ 

Prof. Dr. med. I._____, Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spi-

talhygiene des Universitätsspitals X._____, mit der Erstellung eines priva-

ten Aktengutachtens. Dieser erstattete seine Beurteilung am 27. Juni 2016. 

Er kritisierte die Behandlung im Spital F._____ in verschiedenen Punkten; 

insbesondere bewertete er die Diagnosestellung, die Antibiotikagabe und 

die chirurgische Sanierung als verzögert, was die Mortalitätsrate der Pati-

entin ungünstig beeinflusst habe. 

6. Am 20. Juli 2017 erhoben die Angehörigen von E._____ Klage an das Ver-

waltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragten, die Stiftung 

D._____ sei zu verpflichten, der Mutter Fr. 30'000.00 und den Geschwistern 

je Fr. 10'000.00 an die ab dem 16. Februar 2013 bis zum 20. Juli 2017 auf-

gelaufene Genugtuungssumme zu zahlen. Weitere Forderungen aus dem 

Todesfall vom 16. Februar 2013 behielten sie sich ausdrücklich vor. In for-

meller Hinsicht beantragten sie, es sei vorfrageweise zu entscheiden, dass 

Art. 84 ff. ZPO und Art. 243 ff. ZPO über die Teilklage im vereinfachten 

Verfahren im vorliegenden Verfahren vor Verwaltungsgericht anwendbar 

seien. Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, es sei nicht 

rechtzeitig die richtige Diagnose gestellt worden, die frühzeitige Antibiotika-

gabe und eine rechtzeitige chirurgische Sanierung seien unterlassen wor-

den und die Dokumentation sei mangelhaft. Die Kläger vertraten die An-

sicht, es sei auf die umfassenden, widerspruchsfreien und überzeugenden 

Ausführungen von Dr. med. G._____ und Prof. Dr. med. I._____ abzustel-

len, die Ausführungen von Dr. med. H._____ seien nicht glaubwürdig.

7. Die Stiftung D._____ beantragte am 25. Oktober 2017 die Abweisung der 

Klage. Sie reichte eine Dokumentation aus dem elektronischen Kranken-

haus-Informationssystem (KIS) nach und machte geltend, bei ex ante Be-

- 5 -

trachtung zeige sich gestützt auf das voll beweiskräftige Gutachten von Dr. 

med. H._____, dass keine Sorgfaltspflichtverletzung vorliege. Die Verzöge-

rungen seien nachvollziehbar. Hinzu komme, dass die Verzögerungen nicht 

kausal für den Tod von E._____ gewesen seien, sei doch die nekrotisierende 

Fasziitis bereits bei Eintritt auf die Notfallstation akut lebensbedrohend ge-

wesen. Das Gutachten von Prof. Dr. med. I._____ sei aus verschiedenen 

Gründen nicht überzeugend und die Stellungnahmen von Dr. med. G._____ 

würden als reine Gefälligkeitsgutachten mit diversen falschen und wider-

sprüchlichen Aussagen strikte abgelehnt. Die Genugtuungsforderungen der 

Kläger seien überhöht und scheiterten daran, dass die beteiligten Ärzte kein 

Verschulden treffe.

8. Mit Replik vom 1. Dezember 2017 hielten die Kläger an ihren Anträgen fest. 

Sie vertieften ihren Standpunkt, wobei sie sich auf eine weitere Stellung-

nahme von Dr. med. G._____ vom 22. November 2017 stützten. Sie rügten, 

die Beklagte habe ihnen die KIS-Dokumentation vorenthalten. Diese Doku-

mentation habe auch den Gutachtern nicht vorgelegen. Der Wahrheitsgehalt 

der KIS-Dokumentation sei mehr als fragwürdig, sie sei aus dem Recht zu 

weisen.

9. Mit Duplik vom 30. Januar 2018 hielt die Beklagte an ihrem Antrag und an 

ihrer Begründung fest. Sie ergänzte, die KIS-Dokumentation sei den Klägern 

zunächst tatsächlich nicht ausgehändigt worden, allerdings nicht mit Absicht, 

sondern aufgrund unglücklicher Umstände. Ganz bestimmt sei die KIS-Do-

kumentation nicht manipuliert worden, sie sei nicht aus dem Recht zu weisen.

10. Mit Stellungnahme vom 12. Februar 2018 präzisierten die Kläger ihren Stand-

punkt in Bezug auf die Vorkommnisse auf der Notfallstation und im Zusam-

menhang mit der KIS-Dokumentation.

- 6 -

11. Mit Stellungnahme vom 22. Februar 2018 reichte die Beklagte eine Kopie 

des Mailverkehrs zwischen ihrer Stabsstelle Haftpflicht/Beschwerden und ih-

rem ICT Applikationsbetreuer ein, um zu belegen, dass die Stabsstelle erst 

Ende des Jahres 2017 Zugang zum KIS erhalten habe.

12. Mit Schreiben vom 24. Mai 2018 teilten die Kläger mit, sie hätten Strafanzeige 

wegen Urkundenfälschung eingereicht. Am 27. April 2018 habe die Staats-

anwaltschaft Graubünden einen Augenschein durchgeführt. Die Kläger reich-

ten das Protokoll dieses Augenscheins ein, sowie anlässlich des Augen-

scheins vorgenommene Ausdrucke und Screenshots aus dem KIS.

13. Mit Schreiben vom 7. Juni 2018 nahm die Beklagte Stellung zu den neu ein-

gereichten Akten. Es lägen nun sämtliche Daten aus dem KIS auf dem Tisch. 

Eine medizinische Interpretation der neuen Unterlagen sei nicht notwendig, 

da diese kaum neue Informationen enthielten.

14. Mit Schreiben vom 29. November 2018 teilte die Beklagte mit, das Strafun-

tersuchungsverfahren sei eingestellt worden. Die entsprechende Einstel-

lungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 26. November 

2018 legte sie bei.

15. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2018 teilten die Kläger mit, sie hätten das 

Schreiben der Beklagten vom 29. November 2018 zur Kenntnis genommen 

und sie würden zu gegebener Zeit über ein Gesuch an die Staatsanwaltschaft 

um Wiederaufnahme der Untersuchung des aussergewöhnlichen Todesfal-

les entscheiden.

16. Mit Schreiben vom 9. April 2019 teilten die Kläger mit, sie hätten Interesse 

an einer Referentenaudienz zur Diskussion einer vergleichsweisen Erledi-

gung der Angelegenheit. Mit Schreiben vom 10. April 2019 teilte der Instruk-

- 7 -

tionsrichter der Beklagten mit, das Verwaltungsgericht würde für eine Refe-

rentenaudienz Hand bieten, sofern auch von Seiten der Beklagten ein Inter-

esse bestehe. Mit Schreiben vom 17. April 2019 teilte die Beklagte mit, aus 

ihrer Sicht sei eine Referentenaudienz wenig zielführend, sie sehe keine 

Möglichkeit des Entgegenkommens.

17. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften und auf die 

eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen ein-

gegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Vorneweg werden zunächst die formellrechtlichen Fragen geklärt.

1.1. Die Kläger machen Genugtuungsansprüche von insgesamt Fr. 50'000.00 

wegen ärztlichen Fehlverhaltens bei der Behandlung von E._____ am 15./16. 

Februar 2013 im Spital F._____ geltend. Das Spital F._____ untersteht als 

öffentliches Spital dem Gesetz über die Staatshaftung (Art. 1 Abs. 1 lit. a 

SHG [BR 170.050]; Art. 6 Abs. 1 des kantonalen Krankenpflegegesetzes 

[KPG/BR 506.000]). Auch die im Dienste des Spitals F._____ stehenden 

Ärzte unterstehen bei der Ausübung dienstlicher Tätigkeiten dem SHG (Art. 

1 Abs. 1 lit. c SHG). Nach der Rechtsprechung gelten sämtliche ärztlichen 

Tätigkeiten in öffentlichen Spitälern als dienstliche Tätigkeit (BGE 122 III 101 

E.2a/aa). Genugtuungsansprüche aus dem SHG beurteilt das Verwaltungs-

gericht im Klageverfahren (Art. 6 Abs. 1 SHG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. c des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die sachli-

che und funktionelle Zuständigkeit des angerufenen Verwaltungsgerichts ist 

somit gegeben. 

- 8 -

1.2. Das verwaltungsgerichtliche Klageverfahren ist in den Art. 63 bis 65 VRG nur 

sehr knapp geregelt. Für die meisten Belange wird in Art. 65 Abs. 1 VRG auf 

die Bestimmungen über das verwaltungsgerichtliche Beschwerdeverfahren 

verwiesen. Für den Fall, dass dem VRG keine Vorschrift entnommen werden 

kann, verweist Art. 65 Abs. 2 VRG auf die für das Zivilverfahren geltenden 

Bestimmungen, mithin auf die Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272). Vorlie-

gend zeigt sich in Anwendung dieser Bestimmungen, dass die Rechtsschrif-

ten den Formerfordernissen genügen (Art. 38 VRG) und dass die Aktivlegiti-

mation der Kläger gegeben ist (Art. 50 VRG). Auch die örtliche Zuständigkeit 

ist gegeben, die Beklagte hat ihren Sitz im Kanton Graubünden (Art. 10 Abs. 

1 lit. b ZPO; Handelsregisterauszug, Klägerische Beilage [KB] 6). Sodann 

können die Kläger ihre Ansprüche in einfacher Streitgenossenschaft geltend 

machen (Art. 71 Abs. 1 ZPO) und sie können mit einer Teilklage nur einen 

Teil des ihnen ihrer Ansicht nach zustehenden Genugtuungsanspruchs ein-

klagen (Art. 86 ZPO). Da auch alle weiteren Prozessvoraussetzungen unbe-

strittenermassen erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten.

1.3. Die Kläger beantragen die Anwendung der Vorschriften über das verein-

fachte Verfahren gemäss Art. 243 ff. ZPO. Diesem Antrag kann nicht gefolgt 

werden. Die Kläger übersehen, dass die Vorschriften der ZPO für das vorlie-

gende Verfahren nur dann Anwendung finden, wenn sich im SHG und im 

VRG keine einschlägige Vorschrift findet. Im vorliegenden Fall stellen sich 

nun aber keine verfahrensrechtlichen Fragen, für welche auf die Art. 243 ff. 

ZPO zurückgegriffen werden müsste. Für die Ermittlung des Sachverhalts 

kommen entgegen der Ansicht der Kläger nicht Art. 247 Abs. 1 ZPO (richter-

liche Fragepflicht) oder Art. 247 Abs. 2 ZPO (Untersuchungsmaxime) zur An-

wendung, sondern es ist auf Art. 6 Abs. 2 SHG abzustellen, wonach die Par-

teien dem Gericht den Sachverhalt des Rechtsstreits darzulegen haben und 

das Gericht seinem Verfahren nur rechtzeitig geltend gemachte Tatsachen 

zugrunde legt. Dies wiederum entspricht weitgehend der Verhandlungsma-

- 9 -

xime gemäss Art. 55 Abs. 1 ZPO. Als lex specialis geht Art. 6 Abs. 2 SHG 

auch dem Untersuchungsgrundsatz in Art.  11 VRG vor (Urteile des Verwal-

tungsgerichts [VGU] U 16 11 vom 15. März 2019 E.2 und U 15 91 vom 13. 

Juni 2017 E.1g).

1.4. Gemäss Art. 8 Abs. 1 SHG verjähren die aus dem SHG fliessenden An-

sprüche in einem Jahr von dem Tag an, da die Geschädigten Kenntnis vom 

Schaden und vom Ersatzpflichtigen erlangt haben, jedenfalls aber mit dem 

Ablauf von zehn Jahren vom Tage der schädigenden Handlung an gerech-

net. Vorliegend erfolgte die umstrittene Behandlung von E._____ im Spital 

F._____ am 15./16. Februar 2013. Bei Einreichung der Klage an das Verwal-

tungsgericht am 20. Juli 2017 war die absolute Verjährungsfrist von 10 Jah-

ren offensichtlich nicht abgelaufen. Auch die relative Verjährungsfrist von ei-

nem Jahr wurde gewahrt, da die Beklagte für den Zeitraum vom 16. Februar 

2013 bis zum 31. Dezember 2017 Verjährungsverzichtserklärungen abgege-

ben hatte (KB 7-12).

1.5. Bei den Akten befindet sich eine Dokumentation zur Behandlung von 

E._____ aus dem elektronischen Krankenhaus-Informationssystem (KIS). 

Die Kläger sind der Ansicht, auf diese KIS-Dokumentation dürfe im vorlie-

genden Verfahren nicht abgestellt werden. Die Beklagte habe ihnen die KIS-

Dokumentation vorenthalten und ihr Inhalt sei in Zweifel zu ziehen. Dem kann 

aus den nachstehend dargelegten Gründen nicht gefolgt werden. 

1.5.1. Mit Schreiben vom 18. März 2013 ersuchten die Kläger die Stabsstelle Haft-

pflicht/Beschwerden des Spitals F._____ um die Herausgabe der Patienten-

akte (KB 21). Nach der Entbindung der involvierten Ärzte vom Berufsgeheim-

nis holte die Stabsstelle die Unterlagen bei den beteiligten Sekretariaten ein 

und übermittelte diese den Klägern mit Schreiben vom 16. Mai 2013 (KB 22). 

Mit Schreiben vom 9. Juli 2013 erhoben die Kläger den Vorwurf ärztlicher 

- 10 -

Fehlbehandlung und ungenügender Dokumentation (KB 23). Aufgrund die-

ser Eingabe stellte die Stabsstelle fest, dass den Klägern Unterlagen fehlten. 

Die Stabsstelle nahm Abklärungen bei der Radiologie und beim Labor vor 

und stellte den Klägern mit Schreiben vom 6. August 2013 diverse weitere 

Unterlagen zu (KB 24). Mit Schreiben vom 23. September 2013 beanstande-

ten die Kläger die Dokumentation erneut als unvollständig und äusserten den 

Verdacht, dass Dokumente vorenthalten würden (KB 25). Mit Schreiben vom 

10. November 2015 teilten die Kläger mit, sie hätten in Rücksprache mit ihrer 

medizinischen Beraterin Dr. med. G._____ festgestellt, dass der histologi-

sche Befund in den Akten fehle (KB 26). Mit E-Mail vom 13. November 2015 

wurde dieser Befund den Klägern zugesendet (KB 27). Später stellte die Be-

klagte aufgrund der Ausführungen der Kläger in der Klageschrift fest, dass 

den Klägern die Inhalte des KIS nicht bekannt waren. Die Beklagte reichte 

deshalb als Beilage zur ihrer Klageantwort die KIS-Dokumentation nach. 

Dazu erklärte sie in glaubhafter Weise, dass die Fehler der Stabsstelle Haft-

pflicht/Beschwerden bei der Herausgabe der Unterlagen an die Kläger aus 

Versehen erfolgt seien, weil damals das KIS primär als internes Arbeitsin-

strument für die Ärzte etabliert gewesen sei und weil die Verantwortliche der 

Stabsstelle bei der Herausgabe der Unterlagen im Jahr 2013 an das Vorhan-

densein der KIS-Dokumentation schlicht nicht gedacht habe. Aus dem Mail-

verkehr zwischen der Stabsstelle und dem Departement Infrastruktur des 

Spitals F._____ geht denn auch hervor, dass die Mitarbeiter der Stabsstelle 

erst am 22. November 2017 eine KIS Grundschulung hatten und dass erst 

im Nachgang zu dieser Schulung ein Zugang zum KIS für die Stabsstelle 

beantragt wurde (Beilage zur Stellungnahme der Beklagten vom 22. Februar 

2018). Es ist sehr bedauerlich, dass bei der Herausgabe der Patientenakte 

an die Kläger wiederholt Fehler gemacht wurden. Entgegen der Ansicht der 

Kläger ist aber davon auszugehen, dass die Beklagte den Klägern die KIS-

Dokumentation nicht absichtlich vorenthalten hat. Sie hätte dafür auch gar 

- 11 -

keinen Grund gehabt, wird sie doch durch die KIS-Dokumentation nicht be-

lastet, sondern im Gegenteil deutlich entlastet (vgl. unten E.4.4 und 4.12). 

1.5.2. Die Kläger sind der Ansicht, die Beklagte habe die KIS-Dokumentation 

nachträglich manipuliert, um sich im vorliegenden Verfahren Vorteile zu ver-

schaffen. Dem kann nicht gefolgt werden. Am 16. Januar 2018 stellten die 

Kläger Strafanzeige wegen Urkundenfälschung. Am 26. April 2018 fand ein 

staatsanwaltschaftlicher Augenschein unter Anwesenheit von K._____, Ent-

wickler und Programmierer am Spital F._____, und L._____ von der Abtei-

lung Cybercrime der Kantonspolizei Graubünden statt (Augenscheinproto-

koll, KB 35). Unter Aufsicht von L._____ druckte K._____ die aus dem KIS 

ausdruckbaren Dokumente aus (im vorliegenden Verfahren zusammenge-

fasst in KB 38) und erstellte von den nicht ausdruckbaren Daten Screenshots 

(im vorliegenden Verfahren zusammengefasst in KB 36). Mit Einstellungs-

verfügung vom 26. November 2018 kam die Staatsanwaltschaft Graubünden 

zum Schluss, im Zusammenhang mit dem Tod von E._____ könne nieman-

dem ein Urkundendelikt zum Vorwurf gemacht werden (Beilage zum Schrei-

ben der Beklagten vom 29. November 2018). Die KIS-Dokumentation stellt 

deshalb für das vorliegende Verfahren ein verlässliches Beweismittel dar. 

2. Der materiellrechtliche Hintergrund des streitigen Genugtuungsanspruchs 

präsentiert sich wie folgt. Gemäss Art. 3 SHG haften die Gemeinwesen für 

den Schaden, der Dritten durch ihre Organe und in ihrem Dienst stehende 

Personen bei der Ausübung dienstlicher Tätigkeiten widerrechtlich zugefügt 

wird. Gestützt auf Art. 5 SHG haben die Gemeinwesen auch Genugtuungs-

leistungen zu übernehmen, falls die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. 

Für die Voraussetzungen der Genugtuungsleistungen verweist Art. 5 SHG 

auf Art. 49 des Obligationenrechts (OR; SR 220). Gemäss Art. 49 OR hat 

Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, wer in seiner Per-

sönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, sofern die Schwere der Verletzung es 

- 12 -

rechtfertigt und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist. Die Genug-

tuung bezweckt den Ausgleich für erlittene immaterielle Unbill, indem das 

Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung erträglicher 

gemacht wird (BGE 132 II 117 E.2.2.2). Vorliegend sind sich die Parteien zu 

Recht darin einig, dass folgende Tatbestandsmerkmale erfüllt sein müssen:

- Verhalten (Tun oder Unterlassen) von Personen im öffentlichen Dienst 

bei der Ausübung dienstlicher Tätigkeiten. Diese Voraussetzung ist vor-

liegend unbestrittenermassen erfüllt (vgl. vorne E.1.1). 

- Schwere Persönlichkeitsverletzung der Personen, die den Anspruch auf 

Genugtuung erheben (vgl. unten E.3.)

- Widerrechtlichkeit des Verhaltens der Personen in öffentlichem Dienst 

(vgl. unten E.4)

- Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten der Personen in öffent-

lichem Dienst und dem Schaden (vgl. unten E.4.16)

Nicht einig sind sich die Parteien in Bezug auf das Tatbestandsmerkmal des 

Verschuldens. Die Kläger sind der Ansicht, es liege nicht nur beim Schaden-

ersatz gemäss Art. 3 SHG, sondern auch bei der Genugtuung gemäss Art. 5 

SHG eine Kausalhaftung vor, so dass kein Verschulden erforderlich sei. 

Diese Sichtweise vermag sich darauf zu stützen, dass nach der Rechtspre-

chung des Bundesgerichts für den Genugtuungsanspruch grundsätzlich 

dann ein Verschulden erforderlich ist, wenn sich ein allfälliger Schadener-

satzanspruch aus einer culpa-Haftung ableitet, während bei einer Kausalhaf-

tung für die Genugtuung kein Verschulden vorausgesetzt ist (BGE 123 III 204 

E.2e). Die Beklagte vertritt demgegenüber die Ansicht, nach der Rechtspre-

chung des Verwaltungsgerichts handle es sich bei der Genugtuung gemäss 

Art. 5 SHG um eine Verschuldenshaftung. Sie verweist dabei auf zwei Ent-

scheide des Verwaltungsgerichts, in welchen das Verschulden als Voraus-

setzung für einen Genugtuungsanspruch ausdrücklich genannt wird (VGU A 

- 13 -

09 16 vom 1. September 2009 E.3c und U 08 53 vom 4. Dezember 2008 

E.2b). 

Die beiden Urteile VGU U 08 53 und A 09 16 enthalten eine fehlerhafte Be-

gründung bezüglich des (angeblichen) Verschuldenserfordernisses bei Ge-

nugtuungsforderungen. So wird in beiden Urteilen auf den Entscheid des 

Bundesverwaltungsgerichts A-1790/2006 vom 17. Januar 2008 verwiesen 

(im Urteil fälschlicherweise als Urteil des Bundesgerichts angegeben), in dem 

ein Haftungsfall nach dem Verantwortlichkeitsgesetz des Bundes (VG; SR 

170.32) zu beurteilen war; in Art. 6 VG wird indes die Leistung einer Genug-

tuung ausdrücklich vom Verschulden des Beamten abhängig gemacht. Auch 

das frühere Verantwortlichkeitsgesetz des Kantons Graubünden vom 29. Ok-

tober 1944 folgte dem Verschuldensprinzip. Davon ist der Kanton aber mit 

der Revision der Kantonsverfassung (KV; BR 110.100) am 14. September 

2003 und der Einführung von Art. 26 KV abgekommen. Die Staatshaftung ist 

somit im SHG als Kausalhaftung ausgestaltet, setzt also Widerrechtlichkeit, 

aber kein Verschulden voraus. Zwar hätte der Gesetzgeber grundsätzlich für 

einen Anspruch auf Genugtuung Verschulden als Voraussetzung festlegen 

können, doch findet sich in Art. 5 SHG diesbezüglich kein Hinweis; daran 

ändert auch der Verweis auf Art. 49 OR nichts. Damit kann festgehalten wer-

den, dass für die Geltendmachung eines Anspruchs auf Genugtuung nach 

Art. 5 SHG kein Verschulden nachgewiesen werden muss. 

Auf die Argumente der Parteien näher einzugehen, erübrigt sich indessen. 

Dies, weil sich die Parteien zu Recht darin einig sind, dass der Genugtuungs-

anspruch der Kläger ganz wesentlich davon abhängt, ob den an der Behand-

lung der verstorbenen E._____ beteiligten Ärzten des Spitals F._____ ein 

Fehlverhalten im Sinne einer Verletzung ihrer ärztlichen Sorgfaltspflichten 

vorzuwerfen ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, so ist regelmässig von ei-

nem Verschulden der behandelnden Ärzte in der Form der Fahrlässigkeit 

- 14 -

auszugehen. Ob die Frage des Behandlungsfehlers beziehungsweise der 

Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht im Rahmen Tatbestandsmerkmals 

der Widerrechtlichkeit zu prüfen ist, wie dies die Kläger sehen und wie dies 

im vorliegenden Urteil gehandhabt wird (vgl. unten E.4), oder ob diese Frage 

im Rahmen eines separaten Tatbestandsmerkmals des Verschuldens zu 

klären ist, wie die Beklagte argumentiert, ist im Ergebnis nicht entscheidend.

3. Geprüft wird nun, ob die Klägerin A._____ durch den Tod ihrer Tochter und 

die Kläger C._____ und B._____ durch den Tod ihrer Schwester eine 

schwere Persönlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 49 OR erlitten haben. 

3.1. Nach der Rechtsprechung stellt Art. 49 OR die allgemeine Regel für Genug-

tuung dar, während Art. 47 OR als Anwendungsfall dieser allgemeinen Regel 

zu betrachten ist (BGE 123 III 204 E.2e). Gemäss Art. 47 OR kann der Rich-

ter bei Tötung eines Menschen unter Würdigung der besonderen Umstände 

den Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genug-

tuung zusprechen. Dies bedeutet, dass die Hinterbliebenen durch die Tötung 

eines Angehörigen eine Persönlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 49 OR 

erleiden können. Der Verlustschmerz kann ihre psychische Integrität beein-

trächtigen und es kann zu schmerzlichen Veränderungen fürs Familienleben 

kommen. Nach der Rechtsprechung hängt es dabei nicht allein vom Ver-

wandtschaftsgrad ab, ob im Falle einer Tötung ein Genugtuungsanspruch 

besteht, sondern vor allem von der Intensität der Beziehung zwischen der 

getöteten Person und deren Angehörigen. Dabei kommt der Frage, ob eine 

hinterbliebene Person mit der verstorbenen Person zusammengewohnt hat, 

regelmässig eine grosse Bedeutung zu, weil darin ein wichtiger Anhaltspunkt 

für die Intensität einer Beziehung liegt. Bei Geschwistern ist die Rechtspre-

chung bezüglich der Anerkennung eines Genugtuungsanspruchs eher 

zurückhaltend. In der Regel wird der Anspruch auf Genugtuung nur dann ge-

schützt, wenn das Geschwister mit der verstorbenen Person noch im glei-

- 15 -

chen Haushalt lebte. Wurde der gemeinsame Haushalt schon vor dem Scha-

denereignis aufgegeben, besteht ein Genugtuungsanspruch nur unter der 

Bedingung, dass sehr enge Kontakte zueinander bestanden und der Verlust 

des Geschwisterteils einen aussergewöhnlichen seelischen Schmerz verur-

sacht hat (Urteil des Bundesgerichts 1C_286/2008 vom 1. April 2009 E.5.2). 

3.2. Die Kläger legen überzeugend dar, dass ihnen der Tod der Tochter bezie-

hungsweise der Schwester grossen und über längere Zeit anhaltenden psy-

chischen Schmerz verursacht hat. Nach der glaubhaften Darlegung in den 

Rechtsschriften hatten sowohl die Mutter als auch die Geschwister eine sehr 

enge und intensive Beziehung zu der Verstorbenen. Dies hatte auch damit 

zu tun, dass die Verstorbene gewisse Beeinträchtigungen hatte und in ihrem 

Alltag auf Hilfe angewiesen war. Sie lebte im Alter von 44 Jahren noch immer 

mit ihrer Mutter zusammen und war an einem geschützten Arbeitsplatz in der 

MM._____ tätig (Beklagtische Beilage [BB] 1 S. 3). Die Schwester und der 

Bruder unterstützten die Mutter bei der Betreuung der Verstorbenen und 

pflegten einen intensiven Kontakt zu ihr. Die Hilfsbedürftigkeit der Verstorbe-

nen hatte zur Folge, dass die Geschwister auch im Erwachsenenalter enger 

mit ihr verbunden blieben, als wenn die Verstorbene in ihrer Lebensführung 

selbständig und unabhängig gewesen wäre. Es ist deshalb anzunehmen, 

dass der Verlustschmerz der Geschwister im Sinne der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung aussergewöhnlich gross war. Die Voraussetzung einer 

schweren Persönlichkeitsverletzung ist somit in Bezug auf alle drei Kläger 

erfüllt. 

4. Geprüft wird nun, ob die Ärzte des Spitals F._____ bei der Behandlung von 

E._____ am 15. /16. Februar 2013 widerrechtlich gehandelt haben. 

4.1. Im Bereich der Staatshaftung gilt eine Schadenszufügung als widerrechtlich, 

wenn die dienstliche Tätigkeit gegen Gebote oder Verbote verstösst, die dem 

- 16 -

Schutz des verletzten Rechtsguts dienen (BGE 132 II 449 E.3.2, Urteil des 

Bundesgerichts 2C_816/2017 vom 8. Juni 2018 E.3.3). Wird ein Patient bei 

einer Heilbehandlung in einem öffentlichen Spital in seiner körperlichen Inte-

grität verletzt oder verliert er sein Leben, so ergibt sich die Widerrechtlichkeit 

aus der Pflicht von Gesundheitsfachpersonen, ihren Beruf sorgfältig und ge-

wissenhaft auszuführen (Art. 37 des kantonalen Gesundheitsgesetzes; BR 

500.000) und subsidiär aus dem Verbot der Körperverletzung (Art. 122 ff. des 

Strafgesetzbuches [StGB; SR 311.0]) und der Tötung (Art. 117 StGB; BGE 

120 Ib 411 E.4a). Das Gemeinwesen kann auch für einen durch Unterlassung 

entstandenen Schaden haften. Die Haftung für eine Unterlassung setzt vor-

aus, dass eine Pflicht zum Handeln bestanden hat. Die Widerrechtlichkeit 

einer Unterlassung setzt damit eine Garantenpflicht für den Geschädigten 

voraus (BGE 132 II 305 E. 4.1). Ärzte in einem öffentlichen Spital haben ge-

genüber ihren Patienten immer eine Garantenstellung aufgrund des Behand-

lungsvertrages zwischen dem Spital und den Patienten (BGE 116 II 519 

E.3d/bb). Das Handeln der Ärzte ist zum einen dann widerrechtlich, wenn sie 

von den Patienten keine aufgeklärte Einwilligung für die Behandlung einholen 

(BGE 117 Ib 197 E.2a, 108 II 59 E.3). Widerrechtlich ist das Handeln zum 

anderen dann, wenn die Ärzte durch einen Behandlungsfehler ihre ärztliche 

Sorgfaltspflicht verletzen (BGE 123 II 577 E.4d/ee, Urteil des Bundesgerichts 

4A_453/2014 vom 23. Februar 2015 E.5).

4.2. Die Anforderungen an die ärztliche Sorgfaltspflicht lassen sich nicht allge-

meingültig festlegen. Sie richten sich nach den Umständen des Einzelfalles, 

namentlich nach der Art des Eingriffs oder der Behandlung, den damit ver-

bundenen Risiken, dem Ermessensspielraum, den Mitteln und der Zeit, die 

den Ärzten zur Verfügung steht, sowie nach Ausbildung und Leistungsfähig-

keit, die objektiv von ihnen zu erwarten sind. Ärzte haben ihre Patienten stets 

fachgerecht nach dem derzeitigen Stand der ärztlichen Wissenschaft zu be-

handeln, zum Schutz des Lebens oder der Gesundheit die nach den Umstän-

- 17 -

den gebotene und zumutbare Sorgfalt aufzuwenden und grundsätzlich für 

jede Pflichtverletzung einzustehen. Dabei schulden die Ärzte den Patienten 

aber nicht die Wiederherstellung der Gesundheit, sondern lediglich eine dar-

auf ausgerichtete Behandlung nach den Regeln der ärztlichen Kunst (BGE 

133 III 121 E.3.1, 120 II 248 E.2c, 116 II 519 E.3a). Dies gilt sowohl für die 

Ärzte in öffentlichen Spitälern als auch für die von den Patienten beauftragten 

privatwirtschaftlich tätigen Ärzte (BGE 120 Ib 411 E.4a). Der Begriff der Sorg-

faltspflichtverletzung darf jedoch nach der Rechtsprechung nicht so verstan-

den werden, dass darunter jede Massnahme fällt, welche aus nachträglicher 

Betrachtungsweise den Schaden vermieden hätte. Der Arzt hat für jene Ge-

fahren und Risiken nicht einzustehen, die immanent mit jeder ärztlichen 

Handlung und auch mit der Krankheit an sich verbunden sind. Es ist mit an-

deren Worten zu berücksichtigen, dass der Arzt eine gefahrengeneigte Tätig-

keit ausübt. Dem Arzt ist sowohl in der Diagnose wie in der Bestimmung the-

rapeutischer oder anderer Massnahmen nach dem objektiven Wissensstand 

oftmals ein Entscheidungsspielraum gegeben, welcher eine Auswahl unter 

verschiedenen in Betracht fallenden Möglichkeiten zulässt. Sich für das eine 

oder das andere zu entscheiden, fällt in das pflichtgemässe Ermessen des 

Arztes, ohne dass er zur Verantwortung gezogen werden könnte, wenn er 

bei einer Beurteilung ex post nicht die objektiv beste Lösung gefunden hat. 

Eine Pflichtverletzung ist daher nur dort gegeben, wo eine Diagnose, eine 

Therapie oder ein sonstiges ärztliches Vorgehen nach dem allgemeinen 

fachlichen Wissensstand nicht mehr als vertretbar erscheint und damit aus-

serhalb der objektivierten ärztlichen Kunst steht (Urteil des Bundesgerichts 

4A_48/2010 vom 9. Juli 2010 E.6.1). In Notfällen und bei heiklen Diagnosen 

ergibt sich schon aus der Natur des Auftrages, dass der Haftung eher enge 

Grenzen gesetzt sind (BGE 130 IV 7 E.4.3, 113 II 429 E.3a). Mehrdeutige 

Krankheitsbilder muss der Arzt durch die ihm zur Verfügung stehenden Mittel 

aufklären. Er handelt unsorgfältig, wenn sich sein Vorgehen nicht nach den 

durch die medizinische Wissenschaft aufgestellten und generell anerkannten 

- 18 -

Regeln richtet und dem jeweiligen Stand der Wissenschaft nicht entspricht 

(BGE 130 IV 7 E.3.3). 

4.3. Die Beweislast für eine Verletzung der Regeln der ärztlichen Kunst liegt bei 

den Personen, welche Schadenersatz oder Genugtuung geltend machen 

(BGE 133 III 121 E.3.1). Nach dem bundesrechtlichen Regelbeweismass gilt 

ein Beweis als erbracht, wenn das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten 

von der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Ausnahmen von 

diesem Regelbeweismass der vollen Überzeugung sind unter gewissen Um-

ständen möglich (BGE 140 III 610 E.4.1). Im vorliegenden Fall sind die Kläger 

der Ansicht, das Regelbeweismass der vollen Überzeugung sei herabzuset-

zen, weil die Dokumentation der Behandlung von E._____ ungenügend sei. 

Dem kann aus den nachfolgend dargelegten Gründen nicht gefolgt werden. 

4.3.1. Die Kläger machen zu Recht geltend, dass bei fehlender oder mangelhafter 

Dokumentation das Beweismass herabzusetzen ist (BGE 141 III 363 E.5.2, 

Urteil des Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 2010 E.7.5.1). Die Frage, 

wann eine Dokumentation als mangelhaft gilt, bestimmt sich nach dem Ge-

setz und nach der Rechtsprechung. So verpflichtet Art. 29 des kantonalen 

Gesundheitsgesetzes Gesundheitsfachpersonen und Betriebe des Gesund-

heitswesens, von jeder Patientin und jedem Patienten eine laufend nachzu-

führende schriftliche oder elektronische Dokumentation anzulegen. Dabei 

müssen die Personen, welche die Einträge veranlasst beziehungsweise vor-

genommen haben, unmittelbar ersichtlich sein. Weitere Angaben über den 

Inhalt einer Patientendokumentation enthält das Gesundheitsgesetz nicht. 

Nach der Rechtsprechung ist zu dokumentieren, was aus medizinischen 

Gründen zur Erfüllung des Behandlungsauftrags notwendig und üblich ist 

(BGE 141 III 363 E.5.3). Die Dokumentation soll die korrekte Behandlung 

sicherstellen, insbesondere bei der Behandlung durch mehrere Personen 

oder bei Arztwechsel. Dabei sind nur erhebliche Tatsachen zu vermerken, 

- 19 -

medizinische Selbstverständlichkeiten und reine Routinemassnahmen 

müssten nicht festgehalten werden. Zwar stellt die Dokumentation bei der 

juristischen Aufarbeitung ein Beweismittel dar, ihr Zweck besteht aber nicht 

darin, dem Patienten die Beweisführung zu sichern (BGE 141 III 363 E.5.1). 

4.3.2. Vorliegend fiel die Behandlung von E._____ in eine Phase, in welcher am 

Spital F._____ das System für die Erfassung der Patientendaten uneinheit-

lich war. Während das Pflegepersonal der Notfallstation auf einem Papierfor-

mular handschriftlich protokollierte (KB 5/10), gaben die Ärzte ihre Angaben 

ins KIS ein (Dossier Medizin, KB 36 S. 15 ff.; Dossier Chirurgie, KB 36 S. 2 

ff.; Dossier Anästhesie, KB 36 S. 9). Dabei gaben die Anästhesisten aber 

nicht alle Daten ins KIS ein, sondern hielten die Prämedikation und den Anäs-

thesieverlauf noch handschriftlich auf einem Papierformular fest (KB 5/7 und 

5/8). Das KIS wiederum war so programmiert, dass gewisse Daten in auto-

matisch generierten Berichten ausgedruckt werden konnten, dass andere 

Daten hingegen nur im System einsehbar waren (Protokoll der Staatsanwalt-

schaft zum Augenschein vom 26. April 2018, KB 35 S. 1). Damit war die Aus-

gangslage dafür, eine Akte mit allen Bestandteilen der Dokumentation zu-

sammenzustellen, ungünstig und komplex. Hinzu kam, dass die für die Her-

ausgabe der Patientenakten verantwortliche Stabsstelle Haftpflicht/Be-

schwerden damals wie bereits erwähnt noch keinen eigenen Zugang zu KIS 

hatte. So kam es, dass diejenigen Daten, die nicht aus dem KIS ausgedruckt 

werden konnten (nachfolgend: KIS-Dokumentation), den Klägern versehent-

lich nicht herausgegeben wurden (vgl. vorne E.1.5). Bei Einreichung der 

Klage verfügten die Kläger deshalb nicht über die vollständige Dokumenta-

tion, sondern nur über das Einweisungszeugnis des Notarztes Dr. med. 

M._____ (KB 5/1), das Verlaufsblatt des Spitals F._____ zu den Wund-

sprechstunden zum Ulcus am rechten Unterschenkel im Jahr 2010 (KB 5/2), 

das Formular «Aufklärungsprotokoll/Operationseinwilligung» (KB 5/3), das 

Formular «Anästhesie-Patientenaufklärung und -einwilligung» (KB 5/4), die 

- 20 -

präoperative Checkliste (KB 5/5), den Operationsbericht von Dr. med. 

N._____ (KB 5/6), das Formular «Prämedikation» (KB 5/7), das Formular 

«Anästhesieverlauf» (KB 5/8), das EKG (KB 5/9), das Protokoll der Triage 

(KB 5/10 S. 1), das Pflegeprotokoll (KB 5/10 S. 2 ff.), den Bericht an den 

Hausarzt (KB 5/11), den Bericht des Labors (KB 5/12), die Berichte zu CT, 

Duplexsonografie und Röntgen (KB 5/13) sowie den Histologiebericht (KB 

5/14). Dass die Kläger die Dokumentation im damaligen Zustand als unvoll-

ständig und schwer nachvollziehbar rügten, ist verständlich. Unterdessen 

aber, da zusätzlich die KIS-Dokumentation bei den Akten ist, erweist sich die 

Patientendokumentation als vollständig. Sie gibt – wie in der nachfolgenden 

Erwägung aufgezeigt wird - Aufschluss über sämtliche erheblichen Aspekte, 

welche für die Behandlung der Patientin notwendig waren. Bezeichnender-

weise kritisieren die Kläger die Dokumentation in ihrer Replik denn auch nur 

noch summarisch ohne auf konkrete Fakten hinzuweisen, die zu Unrecht 

nicht dokumentiert worden wären. Entgegen der Ansicht der Kläger ist somit 

bei der Prüfung der Frage, ob den Ärzten des Spitals F._____ eine Sorgfalts-

pflichtverletzung vorzuwerfen sei, nicht vom Regelbeweismass der vollen 

Überzeugung abzuweichen. 

4.4. Bevor untersucht werden kann, ob die Ärzte des Spitals F._____ ihre Sorg-

faltspflichten verletzt haben, wird nachstehend im Detail geklärt, was sich im 

Zusammenhang mit der streitigen Behandlung von E._____ effektiv ereignet 

hat.

4.4.1. E._____ litt seit dem Jahr 2006 an einer chronischen Wunde am rechten Un-

terschenkel. Sie war deswegen in Behandlung bei ihrem Hausarzt Dr. med. 

O._____ und besuchte am 6. und 13. September 2010 die Wundsprech-

stunde am Spital F._____ (Verlaufsblatt Wundsprechstunde Spital F._____, 

KB 5/2). Zudem litt sie an einer Adipositas per magna mit einem Körperge-

wicht von ca. 130 kg bei einer Körpergrösse von 173 cm (Schreiben von Dr. 

- 21 -

med. O._____ vom 23. März 2015; KB 17), an Asthma bronchiale, Bluthoch-

druck und Eisenmangel (Schreiben des Notarztes Dr. med. M._____ vom 15. 

Februar 2013; KB 5/1).

4.4.2. Am 15. Februar 2013 nachmittags verspürte E._____ neben der bekannten 

Wunde am rechten Unterschenkel Schmerzen und stellte eine Schwellung, 

Überwärmung und Rötung fest (KIS-Ausdruck «Eintrittsbericht», KB 38 S. 16 

f.; falsch ist der Eintrag im Pflegeprotokoll, wonach die Beschwerden bereits 

am 14. Februar 2013 begonnen hätten [KB 5/10 S. 1]). Zusammen mit ihrem 

Bruder suchte sie umgehend die Praxis P._____ auf, ein Bericht dazu findet 

sich nicht in den Akten. Am Abend verschlechterte sich der Zustand von 

E._____. Um 21:20 Uhr rief die Mutter den Notfallarzt Dr. med. M._____ her-

bei. Dieser diagnostizierte neben den bekannten chronischen Erkrankungen 

einen viralen Infekt der oberen Luftwege und ein Erysipel bei Status nach 

Ulcus cruris nach Unfall mit Rezidiven am rechten Bein und überwies 

E._____ ans Spital F._____ (KB 5/1).

4.4.3. Die Ereignisse bei der Behandlung von E._____ im Spital F._____ am 15./16. 

Februar 2013 werden nachstehend der Übersichtlichkeit halber in tabellari-

scher Form dargestellt.

23:15 Uhr E._____ traf um 23:15 Uhr zusammen mit ihrer Schwester auf 

der Zentralen Notfallstation des Spitals F._____ ein. Eine Pfle-

gefachperson nahm die Triage mit Stufe 3 beziehungsweise 

NACA-Score III vor, was definitionsgemäss einer mittleren Dring-

lichkeit beziehungsweise einer mässigen bis schweren aber 

nicht lebensbedrohlichen Situation entspricht (Pflegeprotokoll, 

KB 5/10 S. 1; flexikon.doccheck.com/de/NACA-Score, zuletzt 

eingesehen am 28. Mai 2020). Als zuständige Pflegefachperson 

wurde «Q._____» ins Pflegeprotokoll eingetragen, als zuständi-

- 22 -

ger Arzt «Dr. RR» (KB 5/10 S. 1). Gemäss Dienstplan entspricht 

das Kürzel «RR» dem Assistenzarzt Dr. med. R._____. Dieser 

war denn auch am 15. Februar 2013 für die Spätschicht von 

16:00 bis 01:00 Uhr auf der Zentralen Notfallstation eingeteilt. 

Den Nachtdienst als Kaderärztin versah Dr. med. S._____ 

(Dienstplan, BB 3).

23.20 Uhr Bei der Erstversorgung durch die Pflege zeigte sich um 23:20 

Uhr ein sehr tiefer Blutdruck von 76/49, ein erhöhter Puls von 

102, eine Sauerstoffsättigung von 99 %, eine normale Tempera-

tur von 37.1 Grad und sehr starke Schmerzen von VAS 8-9 (Pfle-

geprotokoll, KB 5/10 S. 1 und 2). 

Ca. 23.30 Uhr Setzen eines peripheren Venenkatheters (Venflon); Oberärztin 

Dr. med. S._____ nahm eine erste Blutabnahme vor. Aufgrund 

der schwierigen Venenverhältnisse konnte sie nur eine geringe 

Menge Blut abnehmen. Dieses wurde zur Untersuchung ans La-

bor gesandt (Pflegeprotokoll, KB 5/10 S. 1, Klageantwort S. 5). 

Der Auftrag von Dr. med. S._____ ans Labor ist nicht dokumen-

tiert, im Februar 2013 konnten Laboraufträge noch nicht über das 

KIS erfasst werden (Protokoll des staatsanwaltschaftlichen Au-

genscheins, KB 35 S. 2). Der sehr tiefe Blutdruck wurde mit einer 

Infusion von 1000 ml NaCl-Lösung behandelt (Pflegeprotokoll, 

KB 5/10 S. 2). Diese Infusion dauerte etwa 15 Minuten 

(www.msdmanuals.com/de/profi/intensivmedizin/schock-und-

volumenersatz/intravenöser-flüssigkeitsersatz, zuletzt eingese-

hen am 28. Mai 2020).

23:58 Uhr Um 23:58 Uhr schickte das Labor die Werte des Blutstatus und 

die Ergebnisse des Differentialblutbilds (KIS-Screenshot «Labor-

werte», KB 36 S. 26 und KIS-Ausdruck «Laborresultate» BB 1 S. 

5). Dabei lag der Wert für die Leukozyten mit 8.6 im Normbereich 

(3.5 – 10.0), gab mithin keinen Hinweis auf eine Infektionskrank-

- 23 -

heit (flexikon.doccheck.com/de/Leukozytose, zuletzt eingesehen 

am 28. Mai 2020). Der Wert für die Neutrophilen hingegen lag 

bei 95.6 % (Norm 55 – 70 %), deutete also auf eine bakterielle 

Infektion beziehungsweise eine Sepsis hin (flexikon.doc-

check.com/de/Neutrophilie, zuletzt eingesehen am 28. Mai 2020; 

Stellungnahme Dres. med. T._____/U._____, KB 18 S. 1). Das 

Labor teilte mit, die Gerinnungsanalysen und die Chemie-Analy-

sen seien aus dem Untersuchungsmaterial nicht möglich gewe-

sen (KIS-Ausdruck «Laborresultate», BB 1 S. 7). Aus dem Ablauf 

lässt sich schliessen, dass in der Folge ein zweites Mal Blut ab-

genommen wurde, so dass die Ergebnisse der Gerinnungs- und 

Chemie-Analysen dann um 01:48 Uhr vorlagen (KIS-Screenshot 

«Laborwerte», KB 36 S. 26 und 27).

00:00 Uhr Um 00:00 Uhr wurde E._____ 1 g des Schmerzmittels Perfalgan 

in einer Kurzinfusion von 100 ml verabreicht (Pflegeprotokoll, KB 

5/10 S. 2). 

Ca. 00:00 Uhr Um zirka 00:00 Uhr machte Dr. med. R._____ eine klinische Ein-

trittsuntersuchung. Der Zeitpunkt lässt sich einerseits aus dem 

vorhergehenden Ablauf schliessen und andererseits daraus, 

dass Dr. med. R._____ um 00:14 Uhr eine elektronische Kran-

kenakte für E._____ im KIS eröffnete und darin die Ergebnisse 

seiner Eintrittsuntersuchung festhielt (KIS-Screenshot «Medi-

zin», KB 36 S. 15 ff.).

00:14 Uhr Um 00:14 Uhr machte Dr. med. R._____ die ersten Einträge im 

elektronischen Dossier der Abteilung Medizin. Unter «Jetziges 

Leiden» gab er an: «Frau E._____ berichtet, dass sie heute 

Nachmittag plötzlich Schmerzen, eine Überwärmung und Rötung 

am rechten Unterschenkel neben der bekannten Wunde bemerkt 

habe. Zudem habe sie heute auch etwas Mühe beim Atmen» 

(KIS-Screenshot «Medizin», KB 36 S. 15). Dr. med. R._____ trug 

- 24 -

die Ergebnisse der persönlichen Anamnese ein und erwähnte in 

der Rubrik «Weitere Risikofaktoren» eine Körpergrösse von 175 

cm aber versehentlich kein Gewicht (was dazu führte, dass die 

Patientin in den automatisch generierten KIS-Berichten als un-

tergewichtig mit Gewicht 0 kg beschrieben wurde; KIS-Screen-

shot «Medizin», KB 36 S. 15; KIS-Ausdruck «Eintrittsbericht», 

KB 38 S. 17). Dr. med. R._____ machte Einträge zur Familien-, 

Sozial- und Berufs-/Reiseanamnese und zur Medikation bei Ein-

tritt (KIS-Screenshot «Medizin», KB 36 S. 16). Er erfasste die 

Symptome Dyspnoe (Kurzatmigkeit), arterielle Hypertonie, Diarr-

hoe seit einigen Tagen und beschrieb das chronische Ulcus am 

Unterschenkel rechts. Den Status umschrieb er mit einem redu-

zierten Allgemeinzustand, einer Körpertemperatur von 37.1 

Grad, einer offenen Wunde am rechten Unterschenkel, einer rot-

bläulich-lividen Verfärbung des Unterschenkels und ansonsten 

als unauffällig (KIS-Screenshot «Medizin», KB 36 S. 16). Den 

Blutdruck gab er mit 142/84 an. Der bei Eintritt sehr tiefe Blut-

druck war mithin nach der Volumengabe bereits wieder leicht er-

höht. Den Puls gab Dr. med. R._____ mit «102/regelmässig» an, 

die Herztöne als rein. Er notierte weiter eine Tachypnoe (über-

höhte Atemfrequenz), ein pektoral obstruktives Atemgeräusch, 

eine adipöse Bauchdecke, keine Resistenz und Druckdolenz des 

Abdomens, normale Darmgeräusche, unauffällige Nierenlogen, 

eine unauffällige Wirbelsäule, unauffällige Hirnnerven, einen un-

auffälligen Vibrationssinn, keinen Tremor sowie eine unauffällige 

Motorik und Kraft (KIS-Screenshot «Medizin», KB 36 S. 17).

00:30 Uhr Um 00.30 Uhr erhielt E._____ wegen Übelkeit eine Ampulle 

Primperan. Der Puls lag zu diesem Zeitpunkt bei 78, die Sauer-

stoffsättigung bei 96 % (Pflegeprotokoll, KB 5/10 S. 2).

- 25 -

00:45 Uhr Um 00:45 Uhr lag der Puls bei 99 und die Sauerstoffsättigung bei 

93 %. Das Pflegeprotokoll gibt für diesen Zeitpunkt Durchfall an 

(KB 5/10 S. 2).

00:55 Uhr Um 00:55 Uhr ergab die Blutdruckmessung nach wie vor einen 

leicht erhöhten Wert von 142/97, der Puls lag bei 86, die Atem-

frequenz bei 32, der Schmerz war auf 7/8 VAS zurückgegangen. 

Es wurde eine Ampulle des Schmerzmittels Minalgin in einer Kur-

zinfusion (100 ml) verabreicht (Pflegeprotokoll, KB 5/10 S. 2).

01:15 Uhr Um 01.15 Uhr wurde E._____ das Asthma Medikament Dospir 

zur Inhalation verabreicht (Pflegeprotokoll, KB 5/10 S. 2; KIS-

Screenshot «Dossier Medizin», KB 36 S. 18).

01:40 Uhr Um 01:40 Uhr lag der Puls bei 103, die Sauerstoffsättigung bei 

99 %, die Schmerzen waren weiter zurückgegangen auf VAS 6 

und es wurde das Beruhigungsmittel Temesta Expidet verab-

reicht. Die Patientin wurde als «unruhig» beschrieben (Pflege-

protokoll, KB 5/10 S. 2).

01:42 Uhr Um 01:42 Uhr schickte das Labor die Werte der Blutchemie und 

der Gerinnungsanalysen (KIS-Screenshot «Laborwerte», KB 36 

S. 26 ff.; KIS-Ausdruck «Laborresultate», BB 1 S. 5 f.). Dabei 

wichen fast alle Werte von der Norm ab, am eindrücklichsten 

Kreatinin (248; Norm 6 -115), Bilirubin (49.4; Norm 3.4-17), C-

reaktives Protein (239; Norm < 5) und Quick (25; Norm 80-127). 

Diese Werte zeigten auf, dass E._____ an einer fortgeschritte-

nen Sepsis litt, deren Ursache kaum ein Erysipel sein konnte 

(Stellungnahme Dres. med. T._____/U._____, KB 18 S. 1; Gut-

achten Dr. med. H._____, KB 14 S. 12). Die Notfallärzte ent-

schieden sich deshalb, ein chirurgisches Konsil einzuberufen. In 

der Folge wurde zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt Blut 

für eine Blutgasanalyse abgenommen, deren Ergebnisse dann 

um 02:43 Uhr eintrafen.

- 26 -

01:47 Uhr Um 01:47 Uhr meldete Dr. med. R._____ über das KIS eine Du-

plexsonografie an, um zu prüfen, ob die Beschwerden am rech-

ten Unterschenkel von einer tiefen Venenthrombose herrührten 

(KIS-Screenshot «Verlauf Auftragsmanagement/Radiologie», 

KB 36 S. 24).

01:54 Uhr Um 01:54 Uhr begann Dr. med. R._____ im KIS mit den Einträ-

gen zum Eintritt. In der Rubrik «Beurteilung» gab er an: «Bei Ein-

tritt ist die 44-jährige Patientin in reduziertem Allgemeinzustand. 

Es fällt eine offene Wunde am rechten Unterschenkel auf, sowie 

eine rötlich-blau-livide Verfärbung am Unterschenkel rechts, wel-

che eingezeichnet wurde» (KIS-Screenshot «Medizin», KB 36 S. 

18). Zum «Prozedere» gab er an «Labor, Sono Bein rechts» 

(KIS-Screenshot «Medizin», KB 36 S. 20).

02:07 Uhr Von 02:07 bis 02:32 Uhr wurde die Duplexsonografie des rechten 

Unterschenkels durchgeführt (KIS-Screenshot «Verlauf Auf-

tragsmanagement/Radiologie», KB 36 S. 22 ff.). Es zeigten sich 

keine Hinweise auf eine tiefe Venenthrombose und ein ödematös 

aufgetriebener sehr schmerzhafter Unterschenkel ohne konklu-

sive Beurteilbarkeit (Bericht Radiologie, KB 5/13 S. 2).

02:30 Uhr Um 02:30 Uhr ergab die Blutdruckmessung nur noch den tiefen 

Wert von 84/47, der Puls lag bei 102, die Atemfrequenz bei 32, 

die Sauerstoffsättigung bei 95 % und es wurde eine weitere In-

fusion mit 1000 ml NaCl-Lösung gemacht (Pflegeprotokoll, KB 

5/10 S. 2).

Ca. 02:30 Uhr Um zirka 02:30 Uhr begann das chirurgische Konsil (Operations-

bericht von Dr. med. N._____, KB 5/6). Als Ergebnis des Konsils 

wurden in der Folge weitere Untersuchungen zur Abklärung des 

Infektfokus gemacht (Röntgen Thorax, CT Abdomen/Bein).

02:43 Uhr Um 02:43 Uhr teilte das Labor die Ergebnisse der Blutgasunter-

suchung mit (KIS-Screenshot «Laborwerte», KB 36 S. 27, KIS-

- 27 -

Ausdruck «Laborresultate», BB 1 S. 6). Die Werte waren höchst 

alarmierend, insbesondere das Laktat von 9.6 bei einem Normal-

wert von 0.5 bis 1.6 deutete auf eine fulminante Sepsis mit be-

ginnendem Organversagen hin (Stellungnahme Dres. med. 

T._____/U._____, KB 18 S. 1). 

02:50 Uhr Um 02:50 Uhr meldete Dr. med. R._____ die Patientin für eine 
Röntgenaufnahme des Thorax an. Die Patientin wurde in die Ra-

diologie verlegt und um 02:59 Uhr war die Röntgenaufnahme fer-

tig (KIS-Screenshot «Verlauf Auftragsmanagement/Radiologie», 

KB 36 S. 25). Es zeigte sich eine Struma mit Trachealverlage-

rung nach rechts, eine verminderte Inspirationstiefe, eine nor-

male Herzgrösse, kardial kompensiert. Es lag kein Hinweis auf 

pneumonische Infiltrate vor, auch keine Pleuraergüsse (Bericht 

Radiologie, KB 5/13 S. 3). 

03:07 Uhr Um 03:07 Uhr meldete Dr. med. R._____ ein CT von Thorax/Ab-

domen/Becken und ein CT Angio der unteren Extremitäten an. 

Die Ärzte hatten sich hierfür entschieden, weil der Herd der Sep-

sis nicht klar war, da neben der Problematik am rechten Unter-

schenkel eine massive Druckdolenz über dem Abdomen und bei 

allen vier Quadranten Peritonismus vorlag (KIS-Screenshot 

«Verlauf Auftragsmanagement/Radiologie», KB 36 S. 23; Ope-

rationsbericht, 5/6 S. 1).

03:10 Uhr Um 03.10 Uhr wurde Blut für die Blutkulturen abgenommen (Pfle-

geprotokoll, KB 5/10 S. 2, Stellungnahme Dres. med. 

V._____/W._____ S. 3).

Ca. 03:10 Uhr Zu einem unklaren Zeitpunkt zwischen 02:59 und 03:15 Uhr er-

gänzte Dr. med. R._____ im KIS in der Rubrik «Beurteilung»: 

«Die Duplexsonografie war wegen Ödem und Fettgewebe nicht 

aussagekräftig betreffend Thrombose. Die Patientin verschlech-

terte sich auf der Notfallstation zunehmend. Im Labor haben wir 

- 28 -

Hinweise auf eine Sepsis mit Multiorganversagen. Im Rx Thorax 

(Röntgenbild des Brustkorbs) ist kein Infiltrat (Gewebeverdich-

tung als Folge eines Entzündungsgeschehens) abgrenzbar. Bei 

weiterhin unklarer Situation führen wir ein CT vom Thorax bis zu 

den Füssen durch, wobei …» (KIS Screenshot «Medizin», KB 36 

S. 18). Nach diesem Eintrag wurden im Dossier Medizin keine 

weiteren Einträge mehr gemacht und der Eintrittsbericht blieb un-

fertig (KB 36 S. 18).

03:15 Uhr Für 03:15 Uhr zeigte die Überwachung einen Puls von 98, eine 

Atemfrequenz von 24 und eine Sauerstoffsättigung von 95 %. Im 

Protokoll wurde zudem vermerkt «Bett rein und raus» (Pflege-

protokoll, KB 5/10 S. 2). Damit war die Verlegung der Patientin 

zum Röntgen und zum CT gemeint, da die radiologischen Auf-

nahmen nicht auf der Zentralen Notfallstation, sondern in der Ra-

diologie gemacht werden mussten.

03:15 Uhr Von 03:15 bis 03:48 Uhr wurden die CT Aufnahmen gemacht 

(KIS-Screenshot «Verlauf Auftragsmanagement/Radiologie», 

KB 36 S. 23). Es wurden im Wesentlichen deutliche Veränderun-

gen des geschwollenen rechten Unterschenkels festgestellt mit 

Hautverdickung, grossflächiger zirkulärer Fettgewebsimbibie-

rung (Durchtränkung mit Flüssigkeit), Flüssigkeitsstrassen me-

dioventral ohne Luft im Weichteil. Dieser Befund wurde vor dem 

Hintergrund der sich schnell verschlechternden Klinik möglicher-

weise als nekrotisierende Fasziitis am rechten Unterschenkel be-

urteilt. Ein Infektfokus thorakal und abdominal fand sich nicht 

(Bericht Radiologie, KB 5/13 S. 1). Aufgrund dieses Befundes 

wurde die notfallmässige Indikation zur Operation am rechten 

Unterschenkel gestellt (Operationsbericht, KB 5/6 S. 1).

- 29 -

03:30 Uhr Um 03:30 Uhr, das heisst noch während der Aufnahme des CT, 

wurden 2 g des Antibiotikums Rocephin in Kurzinfusion (100 ml) 

verabreicht (KB 5/10 S. 2).

Ca. 03:50 Uhr Zu einem unklaren Zeitpunkt zwischen 03:42 und 04:25 Uhr 

wurde die Patientin von Dr. med. N._____ über die Operation 

aufgeklärt (KIS-Screenshot «Chirurgie», KB 36 S. 7). Sie willigte 

ein, indem sie das Formular für die Operationseinwilligung unter-

schrieb. In diesem Formular war als Diagnose eingetragen «Ver-

dacht auf Infektfokus Unterschenkel rechts, Differentialdiagno-

sen Erysipel, Fasziitis (KB 5/3). Von Dr. med. Y._____, dem ver-

antwortlichen Anästhesisten, wurde die Patientin über die ge-

planten Anästhesiemassnahmen und deren Risiken informiert 

(Stellungnahme Dr. med. Y._____, BB 6 S. 1; Formular Anästhe-

sie-Patientenaufklärung, KB 5/4). Dr. med. Z._____ informierte 

zudem die Mutter der Patientin über die kritische Situation und 

den geplanten Eingriff (KIS-Screenshot «Chirurgie», KB 36 S. 7; 

Operationsbericht, KB 5/6). 

03:50 Uhr Um 03:50 Uhr zeigte die Überwachung einen Puls von 107, eine 

Atemfrequenz von 32, eine Sauerstoffsättigung von 97 % sowie 

«Durchfall, schwere und schnelle Atmung» (Pflegeprotokoll, KB 

5/10 S. 3).

04:10 Uhr Um 04:10 Uhr wurde ein Puls von 102 notiert, eine Sauerstoffsät-

tigung von 95 % und es wurden 900 mg des Antibiotikums Dala-

cin in einer Kurzinfusion (100 ml) verabreicht (Pflegeprotokoll, 

KB 5/10 S. 3).

04.13 Uhr Um 04:13 Uhr erfasste Dr. med. GG._____ den Fall im elektro-

nischen Dossier der Abteilung Chirurgie (KIS-Screenshot «Chir-

urgie», KB 36 S. 2 ff.). Er wurde folgender Lokalbefund umschrie-

ben: «Offene Wunde rechter lateraler Unterschenkel, keine 

Schmerzen bei Dorsalextension, Fuss warm, Fusspulse fraglich, 

- 30 -

Sensibilität unauffällig, Motorik unauffällig, Wade nicht gespannt, 

Unterschenkel im Vergleich zur Gegenseite deutlich geschwol-

len, nicht überwärmt, rot-bläulich-livide Verfärbung Unterschen-

kel rechts (eingezeichnet), ohne Blasenbildung» (KIS-Screen-

shot «Chirurgie», KB 36 S. 5). 

04:20 Uhr Um 04:20 Uhr schickte das Labor die Resultate der Blutkultur. 

Es gab kein aerobes und auch kein anaerobes Wachstum (KIS-

Ausdruck «Laborresultate, KB 38 S. 5 und 7).

04:23 Uhr Um 04:23 Uhr wurde ein EKG gemacht, welches eine Sinusta-

chykardie bei einem Puls von 103 zeigte (EKG-Ausdruck, KB 

5/9).

04:25 Uhr Um 04:25 Uhr trug Dr. med. GG._____ die Aufklärungsmassnah-

men als erledigt ins KIS ein (KIS-Screenshot «Chirurgie», KB 36 

S. 7).

04:30 Uhr Um 04:30 Uhr erfolgte die Prämedikation durch die Anästhesie 

(Protokoll Prämedikation, KB 5/7).

04:40 Uhr Um 04:40 Uhr begann die eigentliche Anästhesie (KIS-Screen-

shot «Dokumentation Anästhesie», KB 36 S. 9, Protokoll Anäs-

thesieverlauf, KB 5/8).

04:50 Uhr Um 04:50 Uhr wurde die Patientin intubiert. Dabei erlitt sie einen 

Herzstillstand. Von 04:55 bis 05:10 Uhr wurde sie mechanisch 

und medikamentös reanimiert (Operationsbericht, KB 5/6, Proto-

koll Anästhesieverlauf, KB 5/8; KIS-Screenshot «Dokumentation 

Anästhesie», KB 36 S. 9).

05:10 Uhr Ab 05:10 Uhr versuchten die Ärzte eine zentrale Leitung subcla-

via (im Bereich unter dem Schlüsselbein) und jugulär (vorne-un-

ten am Hals) zu legen. Dies gelang wegen den schwierigen Ve-

nenverhältnissen der Patientin nicht. Darauf legten die Ärzte 

operativ Blutgefässe inguinal (im Leistenbereich) links frei und 

legten dort gegen 06:20 Uhr einen arteriellen und einen venösen 

- 31 -

Katheter ein (Operationsbericht, KB 5/6; Stellungnahme der 

Dres. med. Y._____/HH._____, BB 6 S. 2). 

06:17 Uhr Um 06:17 Uhr gingen die Ergebnisse der zweiten Blutgasanalyse 

ein (KIS-Screenshot «Laborwerte», KB 36 S. 27).

06:20 Uhr Um 06:20 Uhr begann die eigentliche Operation, eine Fasziekto-

mie am Unterschenkel rechts (KIS-Screenshot «Chirurgie», KB 

36 S. 9). Dr. med. N._____ entfernte die schmierigen nekroti-

schen Faszien über den gesamten Unterschenkel. Dabei ver-

schlechterte sich der Zustand der Patientin zunehmend (Opera-

tionsbericht, KB 5/6). Dr. med. N._____ nahm telefonisch Rück-

sprache mit Dr. med. U._____ und diskutierte mit ihm die Ampu-

tation des gesamten rechten Beines. Bei jedoch schon prätermi-

nalem Zustand der Patientin entschied sich das Operationsteam, 

die Amputation nicht durchzuführen. Bei einem Schnitt in den 

Oberschenkel stellte das Team fest, dass auch dort die Faszien 

schmierig nekrotisch verändert waren. Das Team diskutierte die 

Situation und stellte die Operation ein (Operationsbericht, KB 5/6 

S. 2; Stellungnahme Dres. med. T._____/U._____, KB 18 S. 3).

07:05 Uhr Um 07:05 Uhr starb die Patientin (Operationsbericht KB 5/6 S. 2).

4.4.4. Auf Ersuchen der Kläger äusserten sich verschiedene Ärzte des Spitals 

F._____ zu den Ereignissen im Zusammenhang mit dem Tod von E._____. 

Sie alle waren zuvor vom Gesundheitsamt des Kantons Graubünden von ih-

rer ärztlichen Schweigepflicht entbundenen worden (BB C1). Diese ärztlichen 

Stellungnahmen helfen dabei, die in der vorstehenden Erwägung geklärten 

Sachverhaltselemente plastischer und im Zusammenhang zu verstehen. Sie 

werden nachfolgend in den wesentlichen Punkten zitiert. Bei der Würdigung 

dieser Aussagen ist zu beachten, dass die stellungnehmenden Ärzte an der 

Behandlung von E._____ direkt oder indirekt beteiligt waren und deshalb 

möglicherweise in ihrer Darstellung nicht ganz objektiv waren.

- 32 -

Stellungnahme von Dr. med. T._____, Chefarzt Chirurgie, und Dr. med. U._____, Co-Chefarzt und 

Leiter Unfallchirurgie, vom 24. Juni 2013 (KB 18): (…) Es habe sich von Anfang an eine schwer kranke 

Patientin, schockiert mit einem erstmalig gemessenen Blutdruck von 76/49 und einer Pulsfrequenz von 

102 gezeigt. Bei Rötung im Bereiche des Unterschenkels und massiven Schmerzen sei die Diagnose 

eines lokalen Infektes in diesem Bereich gestellt worden. Dies habe primär durchaus als Erysipel dia-

gnostiziert werden können, solange keine Hinweise für eine andere Weichteilinfektion bestanden hät-

ten. Differentialdiagnostisch müsse immer an eine phlegmonöse (sich diffus ausbreitende), eitrige Ent-

zündung im Bereich des Unterhautfettgewebes oder sogar auch an eine nekrotisierende Fasziitis ge-

dacht werden, auch wenn letztere Diagnose etwas sehr Seltenes darstelle und im Vergleich zum übli-

chen Erysipel vermutlich hundert Mal weniger oft auftrete. Schon die aufnehmenden Ärzte der Inneren 

Medizin hätten sofort diesen schweren Krankheitszustand festgestellt und hätten dies als Sepsis dia-

gnostiziert, wobei differentialdiagnostisch an zwei Infektherde gedacht worden sei, einerseits an den 

rechten Unterschenkel als naheliegender Fokus, andererseits aber bei bestehenden abdominellen 

Schmerzen sowie Durchfall auch an einen abdominellen Fokus. Dieser Septische Schock habe sich 

dann auch labormässig in den Blutuntersuchungen gezeigt mit einer massiven Linksverschiebung von 

fast 96 % bei den Neutrophilen (Norm bis 70 %), mit einem massiv erhöhten C-reaktiven Protein von 

239 (Norm < 5) sowie insbesondere mit einem stark erhöhten Laktat von 9.6 (Norm bis 1.6). Dies seien 

höchst bedrohliche Werte gewesen, welche auf eine fulminante Sepsis mit beginnendem Organversa-

gen hingedeutet hätten. Ein Erysipel mache höchst selten so ein Zustandsbild, so dass eben schon 

früh differentialdiagnostisch an eine nekrotisierende Fasziitis gedacht worden sei. Zum Ausschluss 

eines intraabdominellen Fokus, was aufgrund der massiven Adipositas klinisch nicht klar zu eruieren 

gewesen sei, habe das behandelnde Team entschieden, ein CT von Abdomen, Becken und Beinen zu 

machen. Das CT habe keinen Hinweis für einen abdominellen Infektherd aber dafür ausgedehnte ent-

zündliche Veränderungen am rechten Bein gezeigt, die sich nicht nur auf die Haut und oberflächliche 

Unterhaut, sondern auch in der Tiefe im Bereich der Muskelfaszien dargestellt habe. Somit sei die 

Verdachtsdiagnose einer nekrotisierenden Fasziitis gegeben gewesen und es sei notfallmässig eine 

Operation angemeldet worden. (…) Man könne bei der nekrotisierenden Fasziitis nicht von einer zu-

sätzlichen Organbelastung durch das operative Vorgehen sprechen, sondern gerade umgekehrt 

müsse eine Operation unverzüglich durchgeführt werden um überhaupt dem Patienten eine gewisse 

Überlebenschance zu geben. Bei der Patientin habe sich die am Unterschenkel begonnene nekrotisie-

rende Fasziitis aber schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung auf den Stamm übertagen, was sich 

an den massiven abdominellen Schmerzen auch geäussert habe. Diese Diagnose per se sei auch trotz 

bester und raschest möglicher Behandlung (immer ausgedehntes chirurgisches Débridement in Kom-

bination mit intensivmedizinischen Massnahmen) mit einer ausgesprochen hohen Letalität von über 80 

% verbunden. Kämen weitere ungünstige Faktoren dazu, wie sie bei dieser Patientin mit der ausge-

sprochenen Adipositas vorgelegen hätten, so bestehe praktisch keine Überlebenschance. Die Pro-

gnose sei noch umso schlechter zu stellen gewesen, da die Patientin trotz intensiver Narkosevorberei-

tung einen Kreislaufstillstand erlitten habe. Dieser Kreislaufstillstand per se sei im Kontext der Gesamt-

situation retrospektiv nicht behandelbar gewesen. Selbstverständlich sei alles versucht worden, um die 

Patientin am Leben zu erhalten. Deshalb sei die Operation trotzdem gestartet worden und es seien die 

- 33 -

nekrotischen Faszien am gesamten Unterschenkel entfernt worden. Dr. med. N._____ habe dann bei 

ihm (Dr. med. U._____) nachgefragt, ob allenfalls eine Amputation des gesamten Beines indiziert wäre. 

Er habe aber entschieden, dies nicht zu tun, da dies seiner Meinung nach nichts am letalen Verlauf 

geändert hätte. Eine Exartikulation im Hüftgelenk bei einer per-/adipösen Patientin sei ein riesiger Ein-

griff, der entsprechend Zeit benötige und in dieser Situation ganz sicher nicht erfolgsversprechend 

gewesen wäre. Dies umso mehr, da die Fasziitis zum damaligen Zeitpunkt mit höchster Wahrschein-

lichkeit die Leistenregion nach abdominell bereits überschritten habe.

Stellungnahme von Dr. med. V._____, Leitender Arzt Notfallstation, und Dr. med. W._____, Chefarzt 

und Ärztlicher Direktor Departement Innere Medizin, vom 9. Oktober 2013 (KB 20): Die Stellungnahme 

stütze sich auf die Krankengeschichte der Patientin und auf eine Befragung der direkt beteiligten 

Oberärztin. Bei Eintritt auf die Notfallstation habe sich der klinische Befund am rechten Bein nicht als 

typisch für ein Erysipel dargestellt. (…) Die klinische Einschätzung habe sich aufgrund der ausgepräg-

ten Adipositas und des initial nicht richtungsweisenden Beschwerdebildes extrem schwierig gestaltet. 

Neben einem Weichteilinfekt mit Sepsis ausgehend vom rechten Bein habe die livide Verfärbung sowie 

die diffuse Schwellung eine tiefe Venenthrombose ebenfalls als Ursache der Schmerzen möglich er-

scheinen lassen und auch ein Infekt im Abdomen mit Sepsis sei möglich erschienen. (…) Die Blutent-

nahme beziehungsweise die Venen-Verhältnisse seien bei der Patientin sehr schwierig gewesen. Dies 

sei der Grund gewesen, das einzelne Laborwerte zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgenommen wor-

den seien. Teilweise hätten mehrfach Versuche unternommen werden müssen, bis die Blutentnahme 

geklappt habe. Dies erkläre auch, dass bei Eintritt die Hämatologie und ein venöser Zugang erfolgten, 

die Blutchemie und Gerinnung aber erst um 01:30 Uhr hätten abgenommen werden können und die 

arterielle Blutgasanalyse mit Säure-Basenkontrolle erst um 02:40 Uhr gelungen sei. (…) Es sei klar 

gewesen, dass eine Volumentherapie notwendig gewesen sei, diese sei auch vorgenommen worden. 

Wegen des bestehenden Durchfalls habe die Patientin in der ersten Phase des Notfallaufenthaltes 

mehrfach die Toilette aufsuchen müssen.  (…) Der initial gemessene Blutdruck sei am ehesten als 

Fehlmessung interpretiert worden, dies aufgrund der sehr grossen Diskrepanz zwischen dem gemes-

senen Wert und einer zu diesem Zeitpunkt klinisch kreislaufstabilen und bezüglich Blutdruck asympto-

matischen Patientin, welche sich wiederholt selbständig mobilisiert und auf entsprechendes Nachfra-

gen auch keine Schwindelbeschwerden angegeben habe. Eine Kontrolle des Blutdrucks habe dann 

auch einen Wert von 142/84 mm/Hg bei unveränderter Tachykardie von 102 Schlägen pro Minute 

gezeigt. Der Kreislauf sei dann im ersten Verlauf auch stabil geblieben und auch die Herzfrequenz 

habe nicht stark variiert in einem Bereich von 78 bis 102 Schlägen pro Minute. Während dieser Zeit 

habe kein Schock-Zustand vorgelegen (per definitionem Blutdruck systolisch unter 100 mm/Hg und 

Puls über 100 Schlägen pro Minute). Eine akute Verschlechterung habe sich kurz vor 2:30 Uhr einge-

stellt. (…) Das chirurgische Konsil sei erst nach 3:15 Stunden einberufen worden, weil sich die klinische 

Einschätzung und Beurteilung der Gesamtsituation sehr schwierig gestaltet habe. Die nekrotisierende 

Fasziitis sei eine sehr seltene Diagnose, welche sehr schwierig zu stellen sei. Zusätzlich habe auch 

die massive Adipositas eine sehr grosse Schwierigkeit in der Beurteilbarkeit des Abdomens und der 

Weichteile des rechten Beins dargestellt. Der Beizug des chirurgischen Oberarztes sei zu dem Zeit-

- 34 -

punkt erfolgt, als sonografisch das tiefe Venensystem unauffällig und der Unterschenkel als ödematös 

verändert beurteilt worden sei. Leider sei der Verlauf der nekrotisierenden Fasziitis fulminant gewesen. 

Im CT hätten sich im Bereich des Oberschenkels noch keine Auffälligkeiten gezeigt und intraoperativ 

habe sich die Fasziitis bereits weit in den Oberschenkel und eventuell bis intraabdominell ausgebreitet.

Stellungnahme von Dr. med. Y._____, stv. Leitender Arzt Anästhesie, und Dr. med. HH._____, Chef-

arzt Anästhesie, vom 10. Oktober 2013 (BB 6): Der diensthabende chirurgische Kaderarzt Dr. med. 

N._____ habe das Anästhesieteam persönlich über die Befunde und den Eingriff mit der möglichen 

Ausdehnung orientiert. Es sei allen an der Behandlung der Patientin beteiligten Mitarbeitern bewusst 

gewesen, dass es sich um einen Hochrisikoeingriff an einer Patientin mit akuter vitaler Bedrohung 

gehandelt habe. (…) Patienten mit einer Sepsis würden als Hochrisikopatienten für eine Anästhesie-

einleitung und -führung gelten, mit einem Herzkreislaufstillstand müsse jederzeit gerechnet werden. 

Dies sei dem Anästhesieteam bekannt gewesen, entsprechende Vorkehrungen seien getroffen worden 

und es seien alle Medikamente und Geräte vorhanden gewesen, um diesen Herzkreislaufstillstand 

schnellstmöglich erfolgreich zu therapieren.

4.5. Nachdem der rechtserhebliche Sachverhalt festgestellt ist, kann nun geklärt 

werden, ob die Ärzte des Spitals F._____ bei E._____ durch einen Behand-

lungsfehler ihre ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt haben. Zur Beurteilung der 

Frage, ob in einem konkreten Fall eine Sorgfaltspflichtverletzung vorliegt, 

sind die Gerichte auf medizinische Sachverständige angewiesen (BGE 113 

II 429 E.3a). Im vorliegenden Fall stehen vier medizinische Beurteilungen mit 

unterschiedlichen Ergebnissen zur Verfügung:

- Auf Veranlassung der Zürich Versicherung (als Haftpflichtversicherer des 

Spitals F._____) erstellte II._____, eine «Spezialistin Medical Support» 

unter Beratung von Prof. Dr. med. KK._____, Chefarzt Innere Medizin an 

einem Kantonsspital, am 23. Dezember 2013 eine medizinische Beurtei-

lung mit dem Ergebnis, dass die Behandlung korrekt erfolgt sei (BB 7). 

- Beauftragt von der Zürich Versicherung (als Haftpflichtversicherer des 

Spitals F._____) und von den Klägern erstellte Dr. med. H._____, FMH 

Chirurgie, FMH Allgemein- und Unfallchirurgie, am 2. Mai 2015 ein Gut-

achten mit dem Ergebnis, E._____ sei lege artis behandelt worden (KB 

14). 

- 35 -

- Im Auftrag der Kläger wurde der Fall durch Prof. Dr. med. I._____, Direk-

tor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Univer-

sitätsspital X._____, beurteilt. In seinem Gutachten vom 27. Juni 2016 

führte Prof. Dr. med. I._____ aus, die Verzögerung der Diagnosestellung, 

der Antibiotikagabe und der chirurgischen Sanierung habe die Überle-

bensrate beeinträchtigt. Die Zeitdauer von 3.25 Stunden Liegezeit auf 

der Notfallstation bis zur Durchführung eines chirurgischen Konsils sei 

nicht nachvollziehbar und die antibiotische Therapie hätte deutlich früher 

als erst 4 Stunden nach Notfalleintritt erfolgen sollen (KB 16).

- Die Kläger liessen sich medizinisch beraten von Dr. med. G._____, FMH 

Chirurgie (und Anerkennung für Gefässchirurgie und Phlebologie in 

Deutschland). In ihrer ersten Beurteilung vom 18. September 2013 kriti-

sierte Dr. med. G._____ die Stellungnahme der Dres. med. 

T._____/U._____ (KB 15/1). In ihrer zweiten Beurteilung vom 18. Novem-

ber 2013 äusserte sich Dr. med. G._____ zu den Stellungnahmen der 

Dres. med. V._____/W._____, Y._____/HH._____ und 

T._____/U._____. Sie kam zusammenfassend zum Schluss, die differen-

tialdiagnostischen Abklärungen seien bei unklarer Diagnose nicht syste-

matisch und zügig durchgeführt worden und die grundlegende Basisbe-

handlung wie ausreichende Volumengabe, engmaschige Kreislaufkon-

trolle, Labordiagnostik und Antibiotikagabe sei unterlassen worden. Da-

durch sei die Patientin in einen lebensbedrohlichen Zustand gerutscht 

und es sei eine überstürzte Notoperation in die Wege geleitet worden, 

ohne dass die Organfunktionen gesichert gewesen seien (KB 15/2). Mit 

einer dritten Beurteilung vom 18. Januar 2016 stimmte Dr. med. G._____ 

der Beurteilung von Dr. med. LL._____ weitgehend zu, welcher den Fall 

am 5. Januar 2016 als Consiliarius für die Rechtsschutzversicherung be-

urteilt hatte und zum Schluss gekommen war, die Notfallbehandlung sei 

primär ohne ärztliche Kompetenz nur von einer Pflegefachfrau gemanagt 

worden, was erkläre, dass die auffälligen Befunde und Hinweise auf ein 

- 36 -

massives Schockgeschehen im Rahmen der Fasciitis necroticans nicht 

erkannt worden seien, obwohl bereits bei der Aufnahme deutliche Sym-

ptome vorhanden gewesen seien (KB 15/3). Mit einer vierten Beurteilung 

vom 22. November 2017 äusserte sich Dr. med. G._____ zu den medizi-

nischen Ausführungen in der Klageantwort. Sie fasste ihre Ausführungen 

damit zusammen, dass E._____ stark verzögert einer Untersuchung, 

zielgerichteten Diagnostik und Therapie durch einen qualifizierten Arzt 

zugeführt worden sei, und dass diese Verzögerung bis zur ersten ärztli-

chen Beurteilung und ersten Antibiotikagabe den Krankheitsverlauf 

massgeblich negativ beeinflusst habe (KB 28). 

4.6. Kommen die Sachverständigen und die involvierten Fachleute - wie im vor-

liegenden Fall - nicht zum selben Ergebnis, so sind die Gutachten und Stel-

lungnahmen auf ihren Beweiswert hin zu überprüfen. Das Gericht darf auf 

ein Gutachten nur dann abstellen, wenn es diesem mit guten Gründen vollen 

Beweiswert zuerkennt und wenn dieses Gutachten durch die abweichenden 

Beurteilungen nicht erschüttert wird. Gutachten unterliegen, wie alle übrigen 

Beweismittel in einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren, der freien Be-

weiswürdigung (Art. 21 VRG). Volle Beweiskraft ist einem Gutachten beizu-

messen, wenn es von einer qualifizierten Person in Kenntnis aller wesentli-

chen Sachverhaltselemente abgegeben wurde, wenn es in der Beurteilung 

der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation ein-

leuchtet und wenn es in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu über-

zeugen vermag (BGE 134 V 231 E.5.1). Geht es wie vorliegend um die Frage 

einer ärztlichen Sorgfaltspflichtverletzung, so ist entscheidend, dass der Gut-

achter das Vorgehen der Ärzte konsequent aus deren Perspektive zum da-

maligen Zeitpunkt beurteilt (ex ante). Dies ist deshalb entscheidend, weil sich 

nach der Rechtsprechung die Frage, ob dem Arzt eine Sorgfaltspflichtverlet-

zung zur Last gelegt werden kann, nicht nach dem Sachverhalt beurteilt, wie 

er sich nachträglich dem Experten oder dem Richter darstellt; massgebend 

ist vielmehr, was der Arzt im Zeitpunkt, in dem er sich für eine Massnahme 

- 37 -

entschied oder eine solche unterliess, von der Sachlage halten musste (BGE 

130 I 337 E.5.3). Misst ein Gutachter das Vorgehen eines Arztes in einer ex 

post Beurteilung an der objektiv besten Lösung, so vernachlässigt er, dass 

es in der Medizin oftmals Ermessensspielraum und schwierige Entschei-

dungssituationen aufgrund unklarer Ausgangslagen gibt. Ein Gutachter muss 

sich der Tendenz, die Vorhersehbarkeit eines Ereignisses im Nachhinein zu 

überschätzen (sog. Rückschaufehler), stets bewusst sein und versuchen, 

sich möglichst wenig vom tatsächlichen Ausgang der Ereignisse beeinflus-

sen zu lassen (BGE 130 I 337 E 5.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_365/2010 

E.4.13.1). Bei einem Gutachter, welcher von beiden Parteien ausgewählt und 

instruiert wird, kann davon ausgegangen werden, dass er objektiv ist. Ein 

Privatgutachter hingegen hat den Anschein einer Befangenheit, weil ihn eine 

Partei nach ihren Kriterien auswählt, weil er zu dieser einen Partei in einem 

Vertrags- und Treueverhältnis steht und von ihr bezahlt wird (BGE 141 IV 

369 E.6.2). Einem Privatgutachten kommt deshalb lediglich die Bedeutung 

einer der freien Beweiswürdigung unterliegenden Parteibehauptung zu, nicht 

die Qualität eines Beweismittels (BGE 141 IV 369 E.6.2).

4.7. Vor dem Hintergrund der in der vorstehenden Erwägung dargelegten Beweis-

würdigungsregeln kann dem Gutachten von Dr. med. H._____ volle Beweis-

kraft beigemessen werden. Dr. med. H._____ ist als Leiter der chirurgischen 

Notfallstation eines Universitätsspitals für die Beurteilung der sich stellenden 

Fragen bestens qualifiziert. Er kennt die Abläufe auf der Notfallstation eines 

grossen Schweizer Spitals und die Standards der sorgfältigen notfallmedizi-

nischen Behandlung aus fundierter eigener Erfahrung. Von einer einwand-

freien Qualifikation gingen denn auch beide Parteien aus, als sie Dr. med. 

H._____ gemeinsam als aussergerichtlichen Gutachter beauftragten. Das 

Gutachten von Dr. med. H._____ ist in Bezug auf die relevanten Fragen 

vollständig, nachvollziehbar und überzeugend. Dr. med. H._____ beurteilte 

die streitigen Ereignisse auf der Zentralen Notfallstation des Spitals F._____ 

- 38 -

konsequent aus der gebotenen ex ante Perspektive und berücksichtigte die 

Schwierigkeiten und Verzögerungen durch die diffuse Symptomlage ge-

bührend. Die Sichtweise von Dr. med. H._____ wird gestützt durch die medi-

zinische Beurteilung von II._____ und Prof. Dr. med. KK._____. Die Kläger 

kritisieren das Gutachten von Dr. med. H._____ zwar pauschal als «nicht 

glaubwürdig», differenzierte Ausführungen dazu, was konkret nicht überzeu-

gend sein soll, machen sie aber nicht. Auch die abweichenden Beurteilungen 

von Prof. Dr. med. I._____ und Dr. med. G._____ vermögen keine Zweifel 

am Gutachten von Dr. med. H._____ zu begründen. Prof. Dr. med. I._____ 

ist als Leiter der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Uni-

versitätsspitals X._____ nicht im selben Ausmass spezialisiert auf Notfallme-

dizin wie Dr. med. H._____. Dr. med. G._____ erwähnt keine Erfahrungen in 

der Notfallmedizin, sondern nennt als Arbeitsschwerpunkte ihrer chirurgi-

schen Tätigkeit Gefässmissbildungen, Erkrankungen des Lymphgefässsys-

tems und plastisch-ästhetische Chirurgie (Stellungnahme vom 22. November 

2017, KB 28 S. 2). Sodann wurden Prof. Dr. med. I._____ und Dr. med. 

G._____ einseitig von den Klägern beauftragt. Die Überzeugungskraft ihrer 

Aussagen wird zudem dadurch beeinträchtigt, dass Prof. Dr. med. I._____ 

und Dr. med. G._____ nicht konsequent eine ex ante Perspektive einneh-

men. Ihre Ausführungen vermögen, wie nachstehend im Detail gezeigt wird, 

diejenigen von Dr. med. H._____ nicht zu erschüttern.

4.8. Dr. med. H._____ machte in seinem Gutachten im Wesentlichen folgende 

Ausführungen. E._____ sei am 15./16. Februar 2013 im Spital F._____ lege 

artis behandelt worden. Die grundlegenden Massnahmen bei Vorliegen eines 

Infekts (symptomatische Therapie, Bestimmung der Laborwerte, Abnahme 

von Blutkulturen, Flüssigkeitsgabe, Antibiotikagabe, Identifikation und Sanie-

rung des Herds) seien getroffen beziehungsweise angestrebt worden. Der 

Infektfokus sei anfänglich nicht klar gewesen, weshalb die diagnostischen 

Massnahmen zur Eingrenzung des Fokus getroffen worden seien. Nachdem 

- 39 -

der Fokus bestimmt und die Notwendigkeit eines chirurgischen Handelns er-

kannt worden sei, seien verzugslos die operativen Massnahmen eingeleitet 

worden, welche durch den Kreislaufzusammenbruch aber erst verzögert hät-

ten umgesetzt werden können. (…) Zur Behandlung durch die Anästhesie-

abteilung führte Dr. med. H._____ aus, die Vorbereitung sei lege artis getrof-

fen worden. Die Verdachtsdiagnose einer nekrotisierenden Fasziitis zwinge 

zu sofortigem chirurgischem Handeln und die vorbereitenden Massnahmen 

müssten auf ein sinnvolles Minimum begrenzt werden, damit es zu keiner 

Verzögerung der Entfernung der befallenen Faszien komme. (…) Der Herz-

stillstand könne erklärt werden mit dem Wegfallen des Sympathikotonus 

nach Narkoseeinleitung. Dieser Vorgang sei bei schockierten Patienten 

gehäuft zu beobachten. (…) Die chirurgische Freilegung der A. und V. femo-

ralis sei nicht zu spät vorgenommen worden, eine Freilegung zu einem frühe-

ren Zeitpunkt, das heisst ohne Narkose erscheine als nicht realistisch. (…) 

Die Narkosemittel hätten ohne Kenntnis des Körpergewichts der Patientin 

korrekt dosiert werden können. Bei übergewichtigen Personen erfolge die 

Dosierung ausgehend vom sogenannten idealen Körpergewicht, für dessen 

Berechnung nur die Körpergrösse nötig sei. Zur Behandlung durch die Not-

fallstation führte Dr. med. H._____ aus, die Triage durch eine Pflegeperson 

sei damals weit verbreitet gewesen und stelle keine Fahrlässigkeit dar. Bei 

Eintritt sei eine ungünstige Kreislaufsituation mit Hypotonie trotz heftigster 

Schmerzen festgestellt worden. Dieser Befund sei korrekt mit einer Flüssig-

keitsgabe als erster Massnahme behandelt worden. (…) Die Vitalparameter 

seien engmaschig überprüft worden. (…) Die Untersuchungen seien nicht zu 

spät erfolgt. Weder der zeitliche Abstand zwischen dem Eintritt in die Notfall-

station und der Duplexsonografie, noch der zeitliche Abstand zwischen dem 

Erstkontakt mit der Chirurgie und der Computertomografie erscheine ausser-

gewöhnlich. (…) Zur Behandlung in der chirurgischen Abteilung führte Dr. 

med. H._____ aus, die Diagnose sei rechtzeitig und richtig gestellt worden. 

Entscheidend sei, dass anfänglich mehrere mögliche Ursachen (Infekt am 

- 40 -

Unterschenkel rechts / pulmonaler Infekt bei bekanntem Asthma und entspre-

chender Anbehandlung durch den einweisenden Arzt / gastrointestinales 

Problem bei entsprechender Symptomatik mit Übelkeit, Durchfall und druck-

empfindlichem Abdomen) für den Zustand vorgelegen hätten und dass zuerst 

eine Bildgebung zur Klärung des Infektfokus habe durchgeführt werden müs-

sen. Zwischen der Bildgebung und dem Beginn der anästhesiologischen 

Massnahmen bestehe eine Zeitspanne von zirka einer Stunde. In diesem 

Zeitraum habe die Operationsindikation gestellt, die Patientin von chirurgi-

scher Seite aufgeklärt, die Operation bei Anästhesie und Operationspersonal 

angemeldet, die Prämedikation durch die Anästhesie durchgeführt, Dalacin 

verordnet, ein EKG geschrieben, ein Telefongespräch mit den Angehörigen 

vollzogen und die Patientin in den Operationssaal überführt werden müssen. 

Dies zeige, dass nach der Bildgebung keine Zeit vergeudet worden sei. (…) 

Die Abläufe im Operationssaal seien gekennzeichnet durch die lange Phase 

(fast zwei Stunden) zwischen Narkoseeinleitung und Schnitt für den tatsäch-

lich geplanten Eingriff am Unterschenkel rechts. In dieser Zeit hätten gemäss 

Operationsbericht frustrane Versuche stattgefunden, perkutan zentralvenöse 

Leitungen zu legen (subclaviculär beidseits und jugulär beidseits) und es sei 

schliesslich eine offene Platzierung von zentralen Leitungen in die Leisten-

gefässe links erfolgt. Diese Massnahme sei gerechtfertigt gewesen. Die 

Schwierigkeit aufgrund des Körperbaus und der Zeitbedarf aufgrund des Auf-

wands an mehreren Punktionsstellen (Handschuhwechsel, Desinfektion, Ab-

decken, Punktionsversuch) seien nachvollziehbar. Der eigentliche Eingriff 

am Unterschenkel rechts mit vollständiger Entfernung der nekrotischen Fas-

zien habe gemäss Anästhesieprotokoll zirka 25 Minuten gedauert, was dafür 

spreche, dass der Operateur über genügend Erfahrung bezüglich der chirur-

gischen Technik verfügt habe. (…) Abschliessend bemerkte Dr. med. 

H._____, die Dokumentation in der vorliegenden Krankenakte sei zum Teil 

missverständlich, unvollständig oder von schlechter Qualität. 

- 41 -

4.9. Die KIS-Dokumentation stand Dr. med. H._____ unglücklicherweise nicht zur 

Verfügung. Es fehlten ihm damit insbesondere die Angaben von Dr. med. 

R._____ zu den ärztlichen Massnahmen auf der Notfallstation (KIS-Screen-

shot «Medizin», KB 36 S. 15 ff.) und die genauen Zeiten von verschiedenen 

Untersuchungen (KIS-Screenshot «Laborwerte», KB 36 S. 26 ff; KIS-Screen-

shot «Verlauf Auftragsmanagement/Radiologie», KB 36 S. 22 ff.). Die Pati-

entenakte, wie sie Dr. med. H._____ vorlag, war deshalb - wie er in seinem 

Gutachten ja auch bemängelt - unvollständig. Entgegen der Ansicht der Klä-

ger schmälert dies aber den Beweiswert seines Gutachtens nicht. Dr. med. 

H._____ standen ausser der KIS-Dokumentation sämtliche Unterlagen der 

Patientenakte zur Verfügung (aufgelistet im Gutachten, KB 14 S. 2). Eben-

falls zur Verfügung standen ihm die Stellungnahmen der Dres. med. 

V._____/W._____, Y._____/HH._____ und T._____/U._____ (KB 14 S. 2; 

vgl. oben E.4.4.4). Dr. med. H._____ gelang es, anhand dieser Unterlagen 

und gestützt auf seine praktische Erfahrung als Notfallmediziner den Ablauf 

der Ereignisse korrekt zu eruieren. So ging er zu Recht davon aus, dass 

zunächst eine Triage durch eine Pflegefachperson und danach eine ärztliche 

Eintrittsuntersuchung stattgefunden hatten. Sodann nahm er richtigerweise 

an, dass auf der Notfallstation diagnostische Abklärungen durch die dienst-

habenden Ärzte durchgeführt wurden, und dass die auf der Notfallstation voll-

zogenen Behandlungsmassnahmen (Volumentherapie, Medikamente gegen 

Schmerz, Unruhe und Übelkeit, Inhalation mit Dospir, Sonografie, Röntgen, 

CT) auf ärztliche Anordnung hin erfolgt waren. Damit liess er sich - anders 

als Prof. Dr. med. I._____ und Dr. med. G._____ -  nicht irreführen durch die 

Tatsache, dass im Pflegeprotokoll die Rubrik «Verordnungen» keine Einträge 

enthielt (Pflegeprotokoll, KB 5/10 S. 4; Gutachten Prof. Dr. med. I._____, KB 

16 S. 16). Zwar wusste Dr. med. H._____ nicht, dass die Ärzte der Notfall-

station ihre Abklärungen und Verordnungen elektronisch im KIS erfasst hat-

ten, doch war ihm aufgrund des gesamten Zusammenhangs klar, dass schon 

von Beginn der Behandlung an ärztliche Abklärungen und Verordnungen er-

- 42 -

folgt sein mussten. Den zeitlichen Ablauf konnte Dr. med. H._____ in den 

wesentlichen Punkten klar und korrekt feststellen, wie seine detaillierte Auf-

listung der Ereignisse zeigt (KB 14 S. 6 ff.). Keine Klarheit hatte Dr. med. 

H._____ nur in Bezug auf den Zeitpunkt des Eingangs der Laborresultate, 

der OP-Aufklärung und der präoperativen Information der Angehörigen (KB 

14 S. 8). Diese weitgehend den effektiven Abläufen entsprechende Vorstel-

lung erlangte Dr. med. H._____ auch deshalb, weil die Ärzte im Spital 

F._____ sich in ihren Stellungnahmen auf die gesamte Patientenakte inklu-

sive KIS-Dokumentation abgestützt hatten, so dass indirekt wesentliche In-

halte des KIS dennoch als Grundlage für das Gutachten von Dr. med. 

H._____ zur Verfügung standen. Die Behauptung der Kläger, die Stellung-

nahmen der Ärzte des Spitals F._____ stützten sich nicht auf die KIS-Doku-

mentation, ist falsch. Zum einen enthalten die Stellungnahmen Angaben, wel-

che ohne Zugriff zum KIS nicht verfügbar gewesen wären, und zum anderen 

war es für die Ärzte des Spitals F._____ absolut naheliegend, für ihre Stel-

lungnahmen auch das KIS zu konsultierten. Zu erwähnen ist in diesem Zu-

sammenhang schliesslich auch, dass Dr. med. H._____ sein Gutachten auf-

grund exakt derselben Patientenakte erstellte wie Prof. Dr. med. I._____. Die 

Kläger beurteilen diese Datengrundlage bei ihrem Parteigutachter Prof. Dr. 

med. I._____ als verlässlich, so dass sie die Einholung eines Gerichtsgut-

achtens auf der Basis der um die KIS-Daten ergänzten Dokumentation nicht 

als notwendig erachten (Stellungnahme vom 12. Februar 2018 S. 2). Dass 

sie dieselbe Datengrundlage bei Dr. med. H._____ beanstanden, ist wenig 

kohärent. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass Dr. med. 

H._____ sein Gutachten in Kenntnis aller wesentlichen Sachverhaltsele-

mente abgab. Dass sein Gutachten auch in der Beurteilung und Begründung 

deutlich mehr zu überzeugen vermag als das Gutachten von Prof. Dr. med. 

I._____ und als die Beurteilung von Dr. med. G._____, wird nachstehend für 

alle Vorkommnisse, die von den Klägern als sorgfaltswidrig erachtet werden, 

im Detail aufgezeigt.

- 43 -

4.10. Untersucht wird zunächst die Triage. Dr. med. H._____ gab im Kapitel «Ab-

lauf der Ereignisse» an, nach dem Eintritt in die Zentrale Notfallstation um 

23:15 Uhr sei die Triage durch eine Pflegeperson und einen Arzt erfolgt (KB 

14 S. 6). Er schloss dies daraus, dass auf dem Triageformular die Rubrik 

«Triageperson» nicht ausgefüllt war und dass in der Rubrik «Pflege» 

«Q._____» und in der Rubrik «Arzt» «Dr. R._____» eingetragen war (Pflege-

protokoll, KB 5/10 S. 1). Mit dieser Interpretation lag Dr. med. H._____ falsch 

(vgl. oben E.4.4.3). Allem Anschein nach irritierte ihn dies, so dass er im Spi-

tal F._____ nachfragte und in seinen abschliessenden Bemerkungen er-

klärte, gemäss telefonischer Nachfrage sei die Triage nur durch eine Pflege-

person erfolgt und der aufgeführte diensthabende Arzt sei nicht primär betei-

ligt gewesen (KB 14 S. 13). Dieses Vorgehen beurteilte Dr. med. H._____ als 

weit verbreitet und nicht als fahrlässig (KB 14 S. 13). Entgegen der Ansicht 

der Kläger vermag Dr. med. H._____ mit dieser Beurteilung zu überzeugen. 

Im Februar 2013 war es in der Schweiz absolut üblich, dass eine Pflegefach-

person die Triage alleine vornahm. Nach den damals geltenden «Empfehlun-

gen zur Triage in Schweizer Notfallstationen» der Schweizerischen Gesell-

schaft für Notfall- und Rettungsmedizin SGNOR wurde der Triageprozess, 

mithin die erste Phase der Patientenbetreuung in der Notfallstation, gewöhn-

lich durch eine speziell ausgebildete Notfall-Pflegefachperson übernommen 

(Schweizerische Ärztezeitung, Ausgabe 2009;90:46 S. 1789, einsehbar auf 

saez.ch/archiv mit Suchbegriff «Triage Notfallstation», zuletzt eingesehen 

am 28. Mai 2020). Und noch heute propagiert die SGNOR mit dem «STS 

(Schweizer Triage System) 2018» ein System, bei welchem eine Pflegefach-

person die Triage macht (www.sgnor.ch/weitere-downloads, zuletzt eingese-

hen am 28. Mai 2020). Zwar wies Dr. med. H._____ darauf hin, dass die 

Triage an gewissen Spitälern in einer sogenannten medizinischen Teameva-

luation mit einer kurzen Erstbeurteilung durch einen Kaderarzt vorgenommen 

werde und dass auch das Spital F._____ dieses Vorgehen im Frühjahr 2014 

- 44 -

implementiert habe (Gutachten Dr. med. H._____; KB 14 S. 13). Dies ändert 

aber nichts daran, dass die im vorliegenden Fall im Februar 2013 erfolgte 

Triage durch eine Pflegefachperson sowohl den damaligen allgemeinen, als 

auch den damals am Spital F._____ geltenden Triage-Standards entsprach. 

Die Kläger liegen demnach falsch mit ihrer Ansicht, die fachmännische Triage 

auf der Notfallstation obliege unmissverständlich allein dem Mediziner. Die 

Kläger stützen sich in diesem Zusammenhang zu Unrecht auf die Richtlinien 

der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften SAMW 

zu intensivmedizinischen Massnahmen. Diese Richtlinien haben medizi-

nisch-ethischen Charakter. Sie beziehen sich auf die Intensivmedizin und 

sind für die notfallmedizinische Triage nicht einschlägig. In der Sache wird 

die bei E._____ vorgenommene Triage (Stufe 3, NACA Score III; Pflegepro-

tokoll, KB 5/10 S. 1) weder von den Klägern noch von sonst jemandem be-

anstandet. Es kann somit festgestellt werden, dass im Zusammenhang mit 

der Triage keine Sorgfaltspflichtverletzung vorliegt.

4.11. Die Kläger sind der Ansicht, E._____ sei auf der Zentralen Notfallstation 

zunächst nur durch Pflegefachpersonen betreut worden und die erste ärztli-

che Untersuchung habe beim chirurgischen Konsil um 02:30 Uhr stattgefun-

den. Sie stützen sich dabei auf die Ausführungen ihrer medizinischen Bera-

terin Dr. med. G._____ (Stellungnahme vom 22. November 2017, KB 28 S. 

2 und 6). Damit liegen die Kläger falsch. Bei der Analyse des Sachverhalts 

aufgrund der vollständigen Patientenakte inklusive der KIS-Dokumentation 

hat sich gezeigt, dass sich die diensthabende Oberärztin Dr. med. S._____ 

bereits nach der Triage und der Erstversorgung durch die Pflege einen ersten 

Eindruck von der Patientin verschaffte, als sie ihr um zirka 23:30 Uhr den 

Venflon setzte und ein erstes Mal Blut abnahm. Weiter hat sich gezeigt, dass 

der diensthabende Assistenzarzt Dr. med. R._____ um zirka Mitternacht eine 

klinische Eintrittsuntersuchung machte, deren Ergebnisse er um 00:14 Uhr 

im KIS eintrug (vgl. vorne E.4.4.3). Die Sichtweise der Kläger kann auch des-

- 45 -

halb nicht zutreffen, weil die zwischen Eintritt und 02:30 Uhr erfolgten Be-

handlungs- und Untersuchungsmassnahmen ärztlich angeordnet werden 

mussten (Venflon mit Volumengabe, verschreibungspflichtige Medikamente, 

Duplexsonografie, chirurgisches Konsil). Dr. med. H._____ ging richtiger-

weise davon aus, dass die Patientin sofort nach der Triage und der Erstver-

sorgung durch die Pflege ärztlich betreut wurde. Er führte dazu aus, die be-

treuenden Ärzte auf der Notfallstation hätten zu Recht die Massnahmen nicht 

nach der Einweisungsdiagnose Erysipel sondern nach den tatsächlich erho-

benen Befunden ausgerichtet. Bei Eintritt sei eine ungünstige Kreislaufsitua-

tion mit Hypotonie trotz heftigster Schmerzen festgestellt worden. Dieser Be-

fund sei korrekt mit einer Flüssigkeitsgabe als erster Massnahme behandelt 

worden (KB 14 S. 10). Prof. Dr. med. I._____ ging demgegenüber fälschli-

cherweise davon aus, ein ärztlicher Therapie- und Diagnoseplan habe auf 

der Notfallstation offensichtlich gefehlt, beziehungsweise es habe keine zeit-

nahe ärztliche Beurteilung stattgefunden (KB 16 S. 17 und 21).

4.12. Die Analyse des Sachverhalts hat gezeigt, dass die Diagnose einer schweren 

Sepsis nach dem Eintreffen der Resultate der Blutchemie um 01:42 Uhr ge-

stellt wurde, und dass ab 03:30 Uhr die Verdachtsdiagnose einer nekrotisie-

renden Fasziitis mit Fokus im rechten Unterschenkel bestand (vgl. vorne 

E.4.4.3). Die Kläger sind der Ansicht, die Diagnostik sei in sorgfaltswidriger 

Weise verzögert erfolgt. Sie stützen sich auf Prof. Dr. med. I._____. Dieser 

führte aus, der Zustand der Patientin bei Eintritt mit pathologischen Vitalzei-

chen, starkem Schmerz und klar manifester Symptomatik am rechten Unter-

schenkel hätte eine rasche diesbezügliche Diagnostik erwarten lassen (KB 

16 S. 15 f.). Die Duplexsonografie sei als erster dokumentierter diagnosti-

scher Schritt in Richtung eigentliches Problem der Patientin erst einige Stun-

den nach Eintritt auf die Notfallstation erfolgt. Ob und welche diagnostischen 

Schritte davor vollzogen worden seien, sei nicht klar (KB 16 S. 17). Die Dia-

gnose einer nekrotisierenden Fasziitis hätte mit überwiegender Wahrschein-

- 46 -

lichkeit schneller gestellt werden können, wenn zum Zeitpunkt des Eintritts 

auf die Notfallstation unverzüglich diagnostische Abklärungen der Beschwer-

den im rechten Unterschenkel initiiert worden wären (KB 16 S. 18). Dr. med. 

H._____ vertrat demgegenüber die Ansicht, die Untersuchungen seien nicht 

zu spät erfolgt. Weder der zeitliche Abstand zwischen dem Eintritt und der 

Duplexsonografie, noch der zeitliche Abstand zwischen dem Erstkontakt mit 

der Chirurgie und der Computertomografie erscheine ihm aussergewöhnlich 

(KB 14 S. 10 f.). Die Diagnose sei rechtzeitig und richtig gestellt worden. Ent-

scheidend sei, dass anfänglich mehrere mögliche Ursachen (Infekt am Un-

terschenkel rechts / pulmonaler Infekt bei bekanntem Asthma und entspre-

chender Anbehandlung durch den einweisenden Arzt / gastrointestinales 

Problem bei entsprechender Symptomatik mit Übelkeit, Durchfall und druck-

empfindlichem Abdomen) für den Zustand vorgelegen hätten und dass zuerst 

eine Bildgebung zur Klärung des Infektfokus habe durchgeführt werden müs-

sen (KB 14 S. 11). In der Zusammenfassung erwähnte Dr. med. H._____, 

dass auch eine tiefe Venenthrombose die Ursache für die Beschwerden hätte 

sein können, was habe ausgeschlossen werden müssen (KB 14 S. 12). Die 

Beurteilung von Dr. med. H._____ vermag zu überzeugen. Betrachtet man 

den Fall konsequent aus der ex ante Perspektive, so erscheint das Vorgehen 

der Ärzte bei der Diagnostik, wie nachfolgend aufgezeigt wird, nicht sorgfalts-

widrig. 

4.12.1. Die nekrotisierende Fasziitis ist eine sehr seltene und sehr schwierig zu dia-

gnostizierende Krankheit (Gutachten Prof. Dr. med. I._____, KB 16 S. 14; 

Stellungnahme der Dres. med. V._____/W._____, KB 20 S. 3; Stellung-

nahme der Dres. med. T._____/U._____, KB 18 S. 1). Die US-amerikanische 

«National Necrotizing Fasciitis Foundation» beschreibt die Krankheit auf ihrer 

Webseite als Wolf im Schafspelz. Die nekrotisierende Fasziitis greife den 

Körper unter der Tarnung eines gewöhnlichen, geringfügigen Leidens an. Sie 

verursache verheerenden Schaden am Körper, ohne dass entsprechende 

- 47 -

Symptome vorliegen würden. Klarheit bestehe oftmals erst dann, wenn die 

Krankheit schon das kritische Stadium erreicht habe (www.nnff.com/the-pro-

blem-of-misdiagnosis.html, zuletzt eingesehen am 28. Mai 2020). Eine Fehl-

interpretation der nekrotisierenden Fasziitis im Sinne eines viel harmloseren 

Erysipels liegt nahe, da das Erysipel viel häufiger vorkommt und initial eine 

ähnliche Symptomatik verursacht (Gutachten Prof. Dr. med. I._____, KB 16 

S. 14; Stellungnahme Dres. med. T._____/U._____, KB 18 S. 1). Die Sym-

ptome einer nekrotisierenden Fasziitis sind Schwellung, Rötung und Über-

wärmung des betroffenen Gewebes, starke Schmerzen, Blasenbildung der 

Haut und des subkutanen Fettgewebes, Krepitus («Hautknistern») durch 

Gasbläschen unter der Haut, Hautnekrosen und Einblutungen, bretthartes 

subkutanes Gewebe, hohes Fieber, Tachykardie, Hypotonie, veränderte Vi-

gilanz (von Verwirrtheit bis zur Bewusstseinsstörung) und Sepsis (Gutachten 

Prof. Dr. med. I._____, KB 16 S. 14; www.msdmanuals.com/de/profi/erkran-

kungen-der-haut/bakteriel-le-hautinfektionen/nekrotisierende-weichteilinfek-

tionen; www.nnff.com/the-symptoms-of-nf.html, zuletzt eingesehen am 28. 

Mai 2020). Vorliegend waren von diesen elf Symptomen in der ersten Phase 

auf der Notfallstation nur drei erkennbar, nämlich eine Schwellung, Rötung 

und Überwärmung des betroffenen Gewebes, starke Schmerzen und pha-

senweise Tachykardie. Diese Symptome waren aber «nicht richtungswei-

send» (Stellungnahme Dres. med. V._____/W._____, KB 20 S. 1), sie pass-

ten auch zu den Diagnosen des Erysipels und der tiefen Venenthrombose. 

Das Symptom der Hypotonie war zwar bei Eintritt gegeben, verschwand dann 

aber von Mitternacht bis 02:30 auf eine irreführende Weise (vgl. unten 

E.4.12.2). Die Sepsis war erst durch die Ergebnisse der Blutchemie um 01:42 

Uhr klar erkennbar. Die Symptome Blasenbildung, Krepitus, Hautnekrosen 

und Einblutungen, bretthartes subkutanes Gewebe, hohes Fieber und verän-

derte Vigilanz waren bei E._____ nicht vorhanden. Gemäss den medStan-

dards (Sammlung von klinischen Standards des Universitätsspitals Basel) zu 

bakteriellen Haut- und Weichteilinfekten sind die Warnzeichen, welche auf 

- 48 -

eine nekrotisierende Fasziitis hinweisen (1) rasche Progression; Pain out of 

proportion, (2) schwere systemische Zeichen: Fieber, Leukozytose, Hypoto-

nie, und (3) Blasen mit hämorrhagischem Inhalt (medstandards.ch, zuletzt 

eingesehen am 28. Mai 2020; KB 29 S. 2). Vorliegend gab es statt der ra-

schen Progression zunächst eine Zustandsverbesserung (vgl. unten 

E.4.12.2), die Schmerzen waren zwar bei Eintritt stark (23:20 Uhr VAS 8-9) 

gingen aber unter Analgesie zurück (00:55 Uhr VAS 7-8, 01:40 Uhr VAS 6), 

die Patientin hatte kein Fieber, die Leukozyten lagen bei der ersten Blutab-

nahme im Normbereich (8.6, Norm 3.5-10; KIS-Scrennshot «Laborwerte», 

KB 36), der Blutdruck war zwar zunächst tief, erholte sich aber rasch (vgl. 

unten E.4.12.2) und die Patientin hatte auch keine blutgefüllten Blasen. Die 

Ärzte des Spitals F._____ haben demnach entgegen der Ansicht der Kläger 

keine Warnzeichen gemäss medStandards missachtet. Dr. med. H._____ 

berücksichtigte die bei E._____ vorliegende wenig typische Symptomlage zu 

Recht als grosses Erschwernis für die Diagnose. Prof. Dr. med. I._____ hin-

gegen überschätzte die Erkennbarkeit dieser seltenen Krankheit anhand von 

dermassen wenig ausgeprägten Symptomen im Sinne eines Rückschaufeh-

lers.

4.12.2.Der Verlauf war irreführend und verschleierte die Schwere der Erkrankung. 

Bei Eintritt um 23:20 Uhr wurde ein sehr tiefer Blutdruck von 76/49 (normaler 

Blutdruck 120/80) und ein erhöhter Puls von 102 gemessen. Bei der Eintritts-

untersuchung durch Dr. med. R._____ um Mitternacht hatte sich der Blut-

druck nach nur einer Volumengabe von 1000 ml NaCl-Lösung bereits wieder 

erholt und lag bei dem erhöhten Wert von 142/84. Die Patientin war an einen 

Monitor angeschlossen und ihr Blutdruck wurde in regelmässigen kurzen In-

tervallen gemessen. Ins Pflegeprotokoll wurden aber nicht alle dieser Mes-

sungen übertragen, sondern nur diejenigen, dene