# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a3c3090-6b63-54a8-b9cb-f78b372f2fa5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-02-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.02.2015 E-4740/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4740-2014_2015-02-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-4740/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  F e b r u a r  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Bendicht Tellenbach, 

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

B._______, SD-Khartoum, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 25. Juni 2014 / N (…). 

 

 

E-4740/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die eritreische Beschwerdeführerin wandte sich am (…) 2012 (Eingangs-

stempel) an die schweizerische Vertretung in Khartoum und suchte um 

Schutz nach. Sie begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen damit, dass 

sie aus dem nationalen Dienst in Eritrea desertiert sei und das Land illegal 

verlassen habe. Im Sudan fühle sie sich nicht sicher, so habe die eritrei-

sche Botschaft in Khartoum versucht, sie telefonisch zu erreichen. In der 

Beilage fand sich eine Kopie des Diploms der Beschwerdeführerin in Jour-

nalismus und Kommunikation vom (…) 2009 des "C._______" (ausgestellt 

am […] 2011). 

B.  

Mit Schreiben vom 22. Oktober 2013 teilte das BFM der Beschwerdefüh-

rerin mit, dass die Schweizer Botschaft aufgrund des begrenzten Perso-

nalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen 

und räumlichen Bereich nicht in der Lage sei, Befragungen von Asylsu-

chenden durchzuführen. Gleichzeitig wurde sie mittels eines detaillierten 

Fragekatalogs aufgefordert, nähere Angaben zu ihrer Person und ihrer Si-

tuation in Eritrea sowie im Sudan zu machen. Diesem Aufruf kam sie am 

4. Mai 2014 (Eingangsstempel der Schweizer Botschaft) fristgerecht nach 

und reichte gleichzeitig je eine Kopie einer auf Englisch übersetzten "(…) 

Card" des Jahres 2011 des eritreischen (…)ministeriums und eines Flücht-

lingsausweises des UNHCR vom (…) 2012 ein. 

C.  

Mit Verfügung vom 25. Juni 2014 – eröffnet am 15. Juli 2014 – verweigerte 

das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz und lehnte 

ihr Asylgesuch ab. Es begründete diesen Entscheid im Wesentlichen da-

mit, dass zwar nicht mit hinreichender Sicherheit auszuschliessen sei, dass 

sie im Falle einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund ihrer Flucht aus dem 

eritreischen Nationaldienst mit ernstzunehmenden Schwierigkeiten zu 

rechnen habe. Das Leben in Khartoum sei für eritreische Flüchtlinge zu-

dem gewiss nicht einfach, indes – so das BFM – würden im konkreten Fall 

keine Anhaltspunkte bestehen, welche zur Annahme führen könnten, dass 

ein weiterer Verbleib der Beschwerdeführerin im Sudan nicht zumutbar o-

der möglich wäre. 

  

E-4740/2014 

Seite 3 

D.  

Am 11. August 2014 reichte die Beschwerdeführerin bei der schweizeri-

schen Botschaft in Khartoum eine Beschwerde gegen diese Verfügung ein, 

welche zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht weiterge-

leitet wurde (Eingang: 26. August 2014). Dabei rügte sie implizit, ihr sei die 

Einreise in die Schweiz zu bewilligen und es sei ihr Asyl zu gewähren. Sie 

begründete diese Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen mit der weiterhin 

andauernden Gefahr, welcher sie – insbesondere als Frau – im Sudan aus-

gesetzt sei. Sie sei derzeit hochschwanger und lebe mit ihrem Ehemann in 

Khartoum, wo beide für sudanesische Familien arbeiten könnten. Dieses 

Leben ohne Niederlassungsbewilligung und ohne Arbeitserlaubnis be-

deute indes, dass sie der totalen Willkür ausgeliefert sei. Der Flüchtlings-

status des UNHCR sei ferner als mangelhaft zu bezeichnen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das SEM bzw. das BFM gehört 

zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent-

scheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines 

Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh-

rende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

[AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 

17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungs-

gericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. 

Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indessen 

verzichtet werden, da der in Englisch abgefassten Beschwerdeeingabe ge-

nügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu 

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Seite 4 

entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. Ge-

stützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG ergeht der vorliegende Entscheid in deut-

scher Sprache. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Sie ist daher zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 

Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im Asylbereich und die 

zulässigen Rügen bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.2 Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG 

verzichtet. 

3.  

Soweit mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Sep-

tember 2012 (AS 2012, 5359; in Kraft getreten am 29. September 2012) 

die Möglichkeit der Asylgesuchstellung im Ausland abgeschafft wurde, 

kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da gemäss Über-

gangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 für Asylsu-

chende, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung gestellt worden 

sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in der bisherigen 

Fassung gelten. 

4.  

4.1 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch bei einer schwei-

zerischen Vertretung eingereicht werden (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Hin-

sichtlich des Verfahrens sieht aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-

gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass die Botschaft mit der asylsu-

chenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Das Bundesamt 

bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des 

Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- o-

der Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen andern Staat auszureisen 

(aArt. 20 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die 

asylsuchende Person schutzbedürftig ist, d.h. wenn sie in ihrem Heimat-

staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, 

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Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we-

gen ihrer politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist o-

der begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben o-

der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen 

Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  

4.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und 

damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hinweise 

auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr 

zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 

Abs. 2 AsylG). 

4.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum zukommt. 

Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind na-

mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzge-

währung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen 

Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander-

weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As-

similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die 

Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der be-

treffenden Person, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im 

Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am 

Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet wer-

den kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer allfälligen Schutzbe-

dürftigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vorliegen (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2011/10 E. 3.3). 

4.4 Eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ist dann glaubhaft, wenn 

die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Eine Prüfung, ob die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihre 

Heimat Eritrea einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt 

wäre, kann im vorliegenden Fall in Anbetracht der nachfolgenden Erwä-

gungen offen gelassen werden, da neben einer Vorverfolgung in Eritrea 

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vorliegend auch eine für die Beschwerdeführerin unzumutbare Situation im 

Sudan vorliegen muss, um eine Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Folg-

lich bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Sudan den Schutz ei-

nes Drittstaates geniesst und es ihr zuzumuten ist, dort zu verbleiben 

(aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Der Begriff der Zumutbarkeit der Schutzsuche in einem Drittstaat ist 

gemäss jüngster Rechtsprechung ein unbestimmter Rechtsbegriff, welcher 

vom Bundesverwaltungsgericht hinsichtlich der Änderung von Art. 106 

Abs. 1 AsylG nach wie vor vollumfänglich überprüfbar ist (vgl. Urteil des 

BVGer D-103/2014 vom 21. Januar 2015 E. 7.3 [zur Publikation vorgese-

hen]). 

5.3 Die seit Januar 2013 verheiratete Beschwerdeführerin christlichen 

Glaubens gehört eigenen Angaben entsprechend der ethnischen Gruppe 

der Bilen an und stammt aus D._______ (E._______, Eritrea). Sie habe 

insgesamt 15 Schuljahre absolviert ([…] 1992 bis […] 2008, A6 S. 1). Nach 

den obligatorischen elf Schuljahren sei sie im (…) 2003 für das 12. Schul-

jahr nach Sawa, dem Grundausbildungszentrum der eritreischen Armee, 

gegangen, um das obligate Training zu erhalten (A6 S. 2 f.). Im (…) 2005 

habe sie für drei Jahre (A6 S. 3) ein Studium am "C._______, (…)" aufge-

nommen (Abschluss […] 2009, A1 S. 1 und 4 f.). Nach diesen drei Jahren, 

im (…) 2008 bzw. im Jahr 2009, habe sie eine Arbeitsstelle als Journalistin 

für die Sprache der Bilen in einem Radiosender ([…]) erhalten (A1 S. 1, A6 

S. 1 und 3). Doch habe sie ihre Arbeit nicht selbständig ausführen können; 

sie sei immer wieder zensuriert und kontrolliert worden, da sie sich für ihre 

Ethnie, das Volk der Bilen, eingesetzt habe. Man habe ihr vorgeworfen, 

ungehorsam und deloyal zu sein und keinen Nationalstolz zu haben. Nach 

vier Jahren habe sie sich um ein Ausscheiden aus dem Dienst bemüht, 

was dazu missbraucht wurde, sie öffentlich als schlechtes Beispiel zu ver-

höhnen (A1 S. 2). Ohne dass sie vorher gewarnt worden sei, habe man sie 

daraufhin im (…) 2012 auf dem Nachhauseweg festgenommen (A6 S. 2). 

In einem dunklen Raum habe man sie gefangen gehalten und zwischen-

durch in herber Manier befragt. Sie habe wenig zu essen und zu trinken 

und keine medizinische Hilfe erhalten. Nach einem Monat sei sie mit einer 

Verwarnung entlassen und an ihre alte Arbeitsstelle zurückbeordert worden 

(A1 S. 2, A6 S. 2). Doch ständig sei sie von ihren Vorgesetzten beobachtet 

worden. Als sie dann nach E._______ – ihren Heimatort – geschickt wor-

den sei, um an einem Workshop teilzunehmen, habe sie sich entschlossen, 

dem Druck und der Repression zu entweichen und aus dem Nationaldienst 

zu desertieren (A1 S. 2, A6 S. 2).  

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Schliesslich sei sie im (…) 2012 in den Sudan ausgereist. Im Shagarab 

Camp habe sie sich zunächst registrieren lassen (A1 S. 3, A6 S. 4). Man-

gels Sicherheit – es habe von eritreischen Spionen und Anhän-gern der 

Rashaida Gang nur so gewimmelt – und Unterstützung sei sie im (…) 2012 

nach Khartoum – zunächst zu ihrem Onkel – weiter gereist, wo sie heute 

lebe. Nachdem ihr Onkel einen Anruf aus der eritreischen Botschaft in 

Khartoum erhalten habe, in welchem sich jemand nach der Beschwerde-

führerin erkundigt habe, habe sie sich ein eigenes Zimmer gesucht (A1 

S. 3). Sie und ihr eritreischer Ehemann – F._______ (geboren am […] 

1977; A6 S. 1) – würden heute für sudanesische Familien arbeiten, indem 

sie Nachhilfeunterricht für Kinder gebe und ihr Ehemann Handwerksarbei-

ten übernehme – doch reiche dies nicht für das tägliche Leben aus (A6 

S. 4). Zudem sei die Situation in Khartoum, wo sie zusammen in einem 

Einzelzimmer bei einer sudanesischen Familie leben würden, sehr unsi-

cher, da man jederzeit von der sudanesischen Polizei verhaftet und depor-

tiert werden könne – auch wenn man im Besitz einer Flüchtlingskarte sei. 

Schliesslich müsse man sich dann wieder freikaufen können oder man 

werde weiter verkauft. Zudem seien viele eritreische Spione im sudanesi-

schen Gesellschaftsleben infiltriert (A6 S. 4 f).  

Sie wies ferner darauf hin, dass sie – im (…) 2014 – im (…) Monat schwan-

ger sei. Ihr Ehemann sei nach (…) Jahren Dienst ebenfalls desertiert, da 

er die Ausbeutung des eritreischen Volkes durch die militärische Elite nicht 

mehr habe mit ansehen können. Die Beschwerdeführerin informierte zu-

dem, dass ihre Eltern und ihre vier Brüder weiterhin in E._______ ansässig 

seien (A6 S. 1). Das Leben dieser Familienangehörigen sei, seit die Be-

schwerdeführerin aus dem Land verschwunden sei, in Gefahr. 

5.4 Das BFM anerkannte in seiner Verfügung vom 25. Juni 2014, dass die 

Lage vor Ort bestimmt nicht einfach sei. Dennoch sei es für die Beschwer-

deführerin als registrierter Flüchtling möglich, in ein UNHCR-Camp zurück-

zukehren, wo sie die nötige Versorgung erhalten würde und wo das UN-

HCR seit einigen Monaten die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt habe. 

Die Befürchtung, nach Eritrea zurückgeschafft zu werden, erachtete das 

BFM als unbegründet; das Risiko einer Deportation oder Verschleppung 

sei allgemein schon als gering zu betrachten. Im konkreten Fall komme 

hinzu, dass die Beschwerdeführerin über kein geeignetes Risikoprofil ver-

füge. Hierzu sei anzumerken, dass das angebliche Telefonat der eritrei-

schen Botschaft, wo sie hätte vorstellig werden müssen, zweifelhaft sei. 

Zudem sei zu beachten, dass angesichts des bereits zweijährigen Aufent-

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halts im Sudan davon auszugehen sei, dass aus objektiver Sicht kein wirk-

liches Verfolgungsinteresse bestehe, zumal keine Anhaltspunkte für eine 

konkrete Bedrohung bestehen würden. 

Das Leben sei für Flüchtlinge in Khartoum gewiss nicht einfach, indes sei 

im konkreten Fall darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin und 

ihr Ehemann beide über eine Arbeit und über mindestens einen Familien-

angehörigen – der Onkel der Beschwerdeführerin – verfügen würden. Die 

Hürden für eine zumutbare Existenz seien im vorliegenden Fall nicht un-

überwindbar, weswegen das Gesuch um Einreise in die Schweiz abzu-

lehnen sei. Daran ändere auch der in der Schweiz lebende Enkel der Tante 

der Beschwerdeführerin – G._______ (A6 S. 2; N […]) – nichts. 

5.5 In der Beschwerdeschrift vom 11. August 2014 bestand die Beschwer-

deführerin – hinsichtlich ihres Lebens im Sudan – darauf, dass ihr Leben 

immer noch in Gefahr sei. Um sich zu schützen, habe sie sich den Gebräu-

chen in Khartoum angepasst, so verschleiere sie ihren Körper mit einem 

Niqab, da sie sonst als Frau immer den Blicken der sudanesischen Männer 

ausgesetzt sei. Sie lebe mit ihrem Ehemann in einem Zimmer, als Flücht-

linge würden sie über keine Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligung verfügen. 

Ihre Arbeitsstelle könnte sie aus purer Willkür verlieren; die Bezahlung ih-

res Salärs sei nie garantiert. Zudem entführe die sudanesische Polizei 

Flüchtlinge von der Strasse weg und deportiere diese oder verlange 

Schmiergelder für deren Freilassung. 

Das Shagarab Camp sei äusserst unsicher, da eritreische Spione und Mit-

glieder der Rashaida Gang in das Lager infiltriert seien, welche eine gute 

Beziehung zu den dort für die Sicherheit zuständigen sudanesischen Si-

cherheitskräften pflegen würden. Zudem fehle es am Notwendigsten für 

das Leben: an Nahrung, Pflege und Sicherheit. 

Schliesslich wies sie darauf hin, dass – weil sie aus dem nationalen Dienst 

desertiert sei – sie sich in einer gefährlicheren Situation als andere Flücht-

linge befinden würde. 

  

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Seite 9 

6.  

6.1 Hält sich die asylsuchende Person wie im vorliegenden Fall in einem 

Drittstaat – konkret Sudan – auf, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass 

es ihr auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. Es ist indes 

im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, dass die betreffende Person 

in diesem Drittstaat bereits den erforderlichen Schutz gefunden habe, was 

in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Verweigerung der 

Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, wel-

che die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen las-

sen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz ab-

zuwägen. Es gilt also zu prüfen, ob es aufgrund der gesamten Umstände 

geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den erforderlichen 

Schutz einer Person gewähren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1 m.w.H.). 

6.2 Auch wenn das Leben für eritreische Flüchtlinge im Sudan, wie das 

BFM bereits festgestellt hat, generell nicht einfach ist, bestehen im vorlie-

genden Fall keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein wei-

terer Verbleib in diesem Land nicht zumutbar oder unmöglich ist. Die vom 

UNHCR registrierten Flüchtlinge sind grundsätzlich gehalten, sich in einem 

Camp des UNHCR aufzuhalten, und verfügen über kein freies Aufenthalts-

recht, sondern bedürfen ausserhalb der Lager besonderer Reise- bzw. Auf-

enthaltsbewilligungen. Die Ausübung einer Arbeit ist in aller Regel nur – 

wie von der Beschwerdeführerin festgehalten – mittels entsprechender Be-

willigung zugänglich. Dennoch halten sich viele anerkannte eritreische 

Flüchtlinge nicht in den Camps, sondern illegal in Khartoum auf, wo sie 

versuchen, einer Arbeit nachzugehen. In der Vergangenheit kam es dort in 

vereinzelten Fällen zu Entführungen bzw. zu Deportationen von eritrei-

schen Flüchtlingen nach Eritrea. Gemäss gesicherten Erkenntnissen ist in-

des das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für eritreische 

Staatsangehörige, die vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, eher 

gering, da diese nicht flächendeckend und regelmässig erfolgen. Eine 

ernsthafte Gefahr kann z.B. für Eritreer bestehen, welche regimekritische 

Tätigkeiten ausüben, was indes im vorliegenden Fall nicht von Bedeutung 

ist (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6478/2013 vom 

24. Dezember 2013 E. 5.3 m.w.H.).  

Die Situation ist für eine aufgeschlossene Frau wie die Beschwerdeführerin 

in Khartoum bestimmt nicht einfach, indes ist während ihres über zweijäh-

rigen Aufenthalts in dieser Stadt kein besonderes Vorkommnis hervorge-

treten. Aus ihren Angaben ist erkennbar, dass sie und ihr Ehemann zusam-

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men in einem Zimmer in Khartoum leben und (zumindest vor der mittler-

weile wohl eingetretenen Geburt des Kindes) über verträgliche Arbeitsstel-

len und ein gemeinhin geregeltes Einkommen verfügen. Auch wenn ge-

mäss den Aussagen der Beschwerdeführerin das Existenzminimum damit 

nicht gedeckt sei, ist grundsätzlich nicht davon auszugehen, dass sie sich 

in einer existenziellen, lebensbedrohlichen Notlage befinden würden. In 

diesem Zusammenhang ist auch auf die grosse eritreische Gemeinschaft 

in Khartoum zu verweisen, welche eine weitere Eingliederung ebenfalls si-

chert. Sollten die finanziellen Mittel zur Deckung des Existenzminimums in 

der Tat nicht genügen, steht es der Beschwerdeführerin und ihrer Familie 

offen, sich erneut an das UNHCR zu wenden und sich einem Flüchtlings-

lager zuteilen zu lassen. Auch wenn anerkanntermassen die Situation in 

den Lagern teils prekär ist, kann dennoch gemäss Kenntnissen des Bun-

desverwaltungsgerichts davon ausgegangen werden, dass zumindest die 

Grundversorgung gewährleistet ist und auch in der Sicherheitsgewährleis-

tung Fortschritte erzielt wurden. Auch betont das UNHCR, dass nur eine 

kleine Anzahl von Angehörigen der ethnischen Rashaida in Menschenhan-

del involviert ist und Misshandlungen begehen (vgl. RACHEL HUMPHRIS, 

UNHCR [Hrsg.], Resarch Paper No. 254, Refugees and the Rashaida: hu-

man smuggeling and trafficking from Eritrea to Sudan and Egypt, März 

2013, S. 9). 

Den Akten zufolge weist die Beschwerdeführerin ferner keine enge Bin-

dung zur Schweiz auf, da sich lediglich ein entfernter Verwandter hier auf-

hält; indes wird nicht aufgeführt, in welcher tatsächlichen Beziehung die 

Beschwerdeführerin zu diesem steht. 

6.3 Zusammenfassend benötigt die Beschwerdeführerin den Schutz der 

Schweiz gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht. Der weitere Verbleib im Su-

dan ist ihr zuzumuten. Das BFM hat demnach zur Recht ihre Einreise in 

die Schweiz verweigert und ihr Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

  

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Seite 11 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungsökonomi-

schen Gründen ist indessen auf deren Erhebung zu verzichten (Art. 6 

Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die schweize-

rische Botschaft in Khartoum. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

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