# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2895e0e8-007c-5a3a-a17f-ab640216ef20
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.04.2025 E-6377/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6377-2023_2025-04-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

Entscheid teilweise aufgehoben durch 

Revisionsentscheid des BVGer vom 

09.05.2025 (E-3289/2025) 

 
 
    
 

 
 

  

 
 Abteilung V 

E-6377/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen,    

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Derya Özgül, AD Consultancy, (…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 19. Oktober 2023. 

 

 

 

E-6377/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte am 1. August 2023 in der Schweiz um 

Asyl und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._______ zu-

gewiesen. Zum Zeitpunkt ihrer Asylgesuchstellung war die Beschwerde-

führerin noch minderjährig. Am 28. August 2023 wurde eine Erstbefragung 

für unbegleitete Minderjährige (UMA) durchgeführt.  Am 10. Oktober 2023 

erfolgte die vertiefte Anhörung zu ihren Asylgründen.  

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen geltend, türkische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und 

jesidischen Glaubens zu sein und aus C._______, Provinz Mardin, zu 

stammen. Sie habe das Gymnasium besucht und Mitte April 2023 die 

12. Klasse beendet. Im Rahmen ihrer Vorbereitung für die Hochschulzu-

gangsprüfung (sog. YKS [Yükseköğretim Kurumları Sınavı]-Prüfung) habe 

sie Unterlagen in ihrer Schule geholt und sei dabei einem Mitschüler be-

gegnet. Sie habe sich mit ihm unterhalten und sei dann nach Hause zu-

rückgekehrt. Das Zusammentreffen mit diesem Jungen sei durch den On-

kel väterlicherseits, der sie mutmasslich beobachtet habe, ihrer Familie be-

kannt gemacht worden. Zu Hause sei sie daher von ihrer Mutter in ihr Zim-

mer gesperrt worden und als ihr Vater zurückgekehrt sei, habe er sich zu-

nächst mit ihrer Mutter gestritten und danach beide, die Mutter und auch 

sie selbst, angeschrien und geschlagen. Erst nachdem ihre Geschwister 

interveniert hätten, habe er von ihr abgelassen. Die ganze Familie sei am 

selben Abend zu ihrem Onkel väterlicherseits gefahren, wobei ihr Onkel 

der Familie erzählt habe, dass sie am Vormittag besagten fremden Jungen 

geküsst und umarmt hätte. Um die Familienehre wiederherzustellen hätten 

ihr Vater und ihr Onkel vereinbart, dass die Beschwerdeführerin sobald sie 

18-jährig sei, ihren Cousin, den Sohn des Onkels, heiraten solle. Die Be-

schwerdeführerin habe dies aber aufgrund dessen Charakters und Dro-

genabhängigkeit nicht gewollt. Ab diesem Zeitpunkt habe sie nicht mehr 

alleine das Haus verlassen dürfen und ihr Mobiltelefon sei ihr weggenom-

men worden. Ebenfalls habe sie die YKS-Prüfungen nicht ablegen dürfen. 

Ihre Mutter habe schliesslich ihre Ausreise mit Hilfe eines Verwandten or-

ganisiert, so dass sie am 20. Juli 2023 legal über Serbien in die Schweiz 

habe reisen können, wo Verwandte mütterlicherseits leben würden. Sie 

habe seit ihrer Ausreise nur selten und heimlich Kontakt mit ihrer Mutter; 

diese verheimliche ihren Aufenthaltsort vor dem Rest der Familie. Sowohl 

sie als auch ihre Mutter würde in Schwierigkeiten geraten, wenn ihr Vater, 

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Seite 3 

ihre Brüder oder ihr Onkel davon erfahren würden und sie fürchte sich, bei 

einer Rückkehr umgebracht zu werden.  

Zur Untermauerung ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihre tür-

kische Identitätskarte zu den Akten. 

B.  

Der Entwurf des Asylentscheids wurde am 17. Oktober 2023 der der Be-

schwerdeführerin zugewiesenen Rechtsvertretung zur Stellungnahme un-

terbreitet. 

C.  

Eine entsprechende Stellungnahme datiert vom 18. Oktober 2023. 

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 19. Oktober 2023 verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, wies ihr Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg-

weisungsvollzug an. 

E.  

Mit Eingabe vom 20. November 2023 (Datum Poststempel) erhob die Be-

schwerdeführerin, handelnd durch die rubrizierte Rechtsvertretung, beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und 

beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei in der 

Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei der Entscheid zu weiteren 

Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventua-

liter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzug festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. November 2023 wurde auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses verzichtet und die Beschwerdeführerin zur Ein-

reichung einer Fürsorgebestätigung aufgefordert. Zudem wurde das SEM 

zur Vernehmlassung eingeladen. 

G.  

Mit Eingabe vom 5. Dezember 2023 wurde mitgeteilt, dass sich die Be-

schwerdeführerin im BAZ der Region B._______ aufhalte, noch keinem 

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Seite 4 

Kanton zugeteilt worden sei und daher auch keine Fürsorgebestätigung 

eingereicht werden könne.  

H.  

Mit Vernehmlassung vom 13. Dezember 2023 nahm die Vorinstanz mit er-

gänzenden Ausführungen zur Beschwerdeschrift Stellung. 

I.  

Die Vernehmlassung vom 13. Dezember 2023 wurde der Beschwerdefüh-

rerin am 14. Dezember 2023 zur Kenntnis gebracht und sie wurde zur Ein-

reichung einer Replik eingeladen.  

J.  

Mit Eingabe vom 12. Januar 2024 nahm die Beschwerdeführerin replizie-

rend Stellung und reichte eine Fürsorgebestätigung vom 20. Dezember 

2023 ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 

über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem 

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Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (…) (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz 

nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus 

anderen Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsub-

stitution; vgl. CAMPRUBI MADELEINE, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], 

VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 

2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., 

S. 398, Rz. 1136). 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seines negativen Entscheids aus, 

dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin die geltend gemachte 

Zwangsheirat betreffend den Anforderungen an die Glaubhaftmachung 

nach Art. 7 AsylG nicht genügen würden. So habe sie die erste Auseinan-

dersetzung mit ihrem Vater lediglich undifferenziert und substanzlos 

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schildern können und auch auf mehrmalige Nachfrage hin keine weiteren 

Detailangaben machen können. Auch in Bezug auf die Frage, unter wel-

chen Umständen sie erfahren habe, mit wem sie verheiratet werden sollte, 

hätten ihre Schilderungen wenig erlebnisbasierte Einzelheiten enthalten. 

Zwar habe sie die Anschuldigungen durch ihren Onkel relativ detailreich 

wiedergegeben, in Bezug auf die Verheiratung mit ihrem Cousin habe sie 

aber keine persönliche Reaktion schildern können, was bei einer derartig 

einschneidenden Erfahrung aber zu erwarten gewesen wäre. Die Be-

schwerdeführerin habe ausserdem nicht schlüssig erklären können, wieso 

sie gerade den Cousin, der in der Familie als gewalttätig, drogenabhängig 

und streitsüchtig gelte, hätte heiraten sollen, obschon ihr Vater damit ei-

gentlich nicht einverstanden gewesen sei und bereits eine Vereinbarung 

mit einem anderen Cousin bestanden haben solle. Ferner stünde die von 

der Beschwerdeführerin geltend gemachte Behandlung durch ihren Vater 

in einem deutlichen Gegensatz zu den Möglichkeiten und Freiheiten, die 

ihrer Schwester zugesprochen worden seien. So stünde der Umstand, 

dass ihre Schwester (…) an der Universität in D._______ studieren könne 

in einem starken Kontrast zu den von der Beschwerdeführerin geschilder-

ten patriarchal-konservativen Wertvorstellungen ihrer Familie. Des Weite-

ren seien auch ihre Ausführungen bezüglich des Zeitraums von der Hoch-

zeitsankündigung bis zu ihrer Ausreise äusserst vage ausgefallen. Wiede-

rum habe sie keine spezifischen Vorkommnisse, Gedankengänge oder Ab-

wägungen beschreiben können. Einzelheiten, beispielsweise die Bezie-

hung zu ihrem Vater betreffend, habe sie bloss auf explizite Nachfrage hin 

und auch dann lediglich oberflächlich geschildert. Ausserdem sei nicht 

nachvollziehbar, dass die Mutter der Beschwerdeführerin ohne Wissen ih-

res Ehemannes zu Geld gekommen sei und die Ausreise der Beschwerde-

führerin organisiert habe, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer Schilde-

rung, in ihrem Heimatort stünde man immer unter Beobachtung.  

Im Weiteren seien Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdeführerin 

festzustellen was ihren Kontakt zu ihrer Familie anbelange. So habe sie an 

der Anhörung zunächst vorgebracht, Kontakt zu ihrer Mutter zu haben, je-

doch später ausgeführt, nichts über die Situation ihrer Familie zu wissen 

und nicht in Kontakt mit ihr zu stehen. An der Erstbefragung habe sie zu 

Protokoll gebracht, seit dem 20. Juli 2023 keinerlei Kontakt zu ihrer Familie 

zu haben. Widersprüchlich habe sie sich auch dahingehend geäussert, 

dass nur ihre Mutter (gemäss Aussage an der Anhörung) beziehungsweise 

auch ihre Tanten und ihre Grossmutter (gemäss Schilderung an der Erst-

befragung) von ihrer Ausreise wissen würden. Die im Rahmen der Stel-

lungnahme zum Entscheidentwurf vorgebrachte Erklärung, die psychisch 

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angeschlagene Beschwerdeführerin habe nicht gewusst, wie detailliert sie 

berichten solle, könne nicht gehört werden, da der emotional belastenden 

Situation durchaus Rechnung getragen und die Beschwerdeführerin mehr-

fach zu ihrem Befinden befragt worden sei. Es sei davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin bereit und fähig gewesen sei, ihre Asylgründe vor-

zutragen. In Bezug auf die in der Stellungnahme geltend gemachten ge-

sundheitlichen Beschwerden sei in antizipierender Beweiswürdigung auf 

weitere Abklärungen zu verzichten, da sie nicht geeignet wären, den Aus-

gang des Verfahrens zu ändern.  

In Bezug auf das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei als Angehö-

rige der jesidischen Bevölkerung in ihrem Heimatstaat Rassismus ausge-

setzt, hielt das SEM fest, dass Schikanen und Benachteiligungen verschie-

denster Art gegenüber der jesidischen Bevölkerung in der Türkei bestehen 

könnten. Es handle sich dabei aber nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne 

des Asylgesetzes, die einen Verbleib im Heimatland verunmöglichen oder 

unzumutbar erschweren würden. Die allgemeine Situation, in der sich die 

jesidische Bevölkerung befinde, führe daher auch unter Berücksichtigung 

der aktuellen Entwicklungen seit dem Putschversuch im Jahre 2016 nicht 

zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Die geltend gemachten Un-

terstellungen, Jesiden würden den Teufel anbeten und es sei zu einem 

Bombenangriff gegen Jesiden in ihrem alten Quartier gekommen, würden 

die notwendige Intensität nicht erreichen; ausserdem fehle es an der erfor-

derlichen Gezieltheit.  

4.2 Dem wurde auf Beschwerdeebene entgegnet, dass Jesiden in der Tür-

kei Repressalien ausgesetzt seien. Die Zwangsheirat sei ausserdem unter 

den Jesiden stark verbreitet; auch gäbe es, wie Studien zeigen würden, 

eine hohe Anzahl an Ehrenmorden. Die Beschwerdeführerin habe ihre Vor-

bringen an der Anhörung substantiiert und widerspruchsfrei geschildert und 

glaubhaft dargelegt, wovor sie Angst habe und wieso sie ausgereist sei. 

Das SEM habe es diesbezüglich unterlassen, vertieft relevante Informatio-

nen zu erfragen und habe sein Ermessen überschritten, indem es der Be-

schwerdeführerin trotz detaillierter Erzählweise nicht geglaubt habe. Die 

Beschwerdeführerin habe die Familienehre mehrfach verletzt und es sei 

möglich, dass sie von der Gemeinschaft ausgeschlossen werde. Als kurdi-

sche, junge Frau jesidischen Glaubens habe sie in der Türkei keine Schutz-

möglichkeiten; eine geschlechtsspezifische Verfolgung im Sinne des Asyl-

gesetzes sei gegeben, zumal ihr in ihrem Heimatstaat die Zwangsheirat 

drohe und sie einen Ehrenmord befürchte. Der dadurch entstandene psy-

chische Druck sei asylrelevant. Den Ausführungen des SEM sei auch zu 

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entgegnen, dass der Onkel der Beschwerdeführerin als ältester Bruder das 

Familienoberhaupt sei und zu gelten habe, was er sage. Ausserdem könne 

die Schwester der Beschwerdeführerin nur in D._______ studieren, weil 

sie zusammen mit ihrem älteren Bruder dort sei.  

4.3 In der Vernehmlassung führte das SEM insbesondere an, das alle Vor-

bringen der Beschwerdeführerin vor dem von ihr geltend gemachten Hin-

tergrund gewürdigt worden seien. Es sei ferner festzuhalten, dass die Be-

schwerdeführerin ihren jesidischen Glauben während der Anhörung an kei-

ner Stelle erwähnt habe und lediglich bei der Erstbefragung, auf explizite 

Nachfrage nach anderen Fluchtgründen, die allgemeine Diskriminierung 

der Jesiden benannt worden sei. Einen expliziten Zusammenhang zwi-

schen ihren Vorbringen und dem jesidischen Glauben habe sie nicht dar-

gelegt, so dass nicht davon auszugehen sei, dass eine ausdrückliche Be-

fragung der Beschwerdeführerin zum jesidischen Glauben zu einem Un-

terschied in der Würdigung der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen geführt 

hätte. Nach wie vor seien die Schilderungen der Beschwerdeführerin das 

Verhalten ihrer Familienmitglieder betreffend als stereotyp zu erachten, die 

die komplexen Strukturen von Grossfamilien nicht widerspiegeln würden. 

Da die befürchtete Zwangsehe und das damit einhergehende Zerwürfnis 

mit der Familie für unglaubhaft erachtet worden sei, bestehe auch keine 

Grundlage für den geltend gemachten befürchteten Verstoss aus der Fa-

milie oder den Ehrenmord beziehungsweise den daraus folgenden psychi-

schen Druck.  

4.4 In der Replik wird festgehalten, dass das SEM bei jugendlichen und 

verletzlichen Personen eine besondere Vorsicht bei der Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit, insbesondere vor dem Hintergrund einer möglichen Trau-

matisierung, hätte walten lassen müssen. Die Familie der Beschwerdefüh-

rerin sei trotz gewisser anderweitiger kultureller Erfahrungen an ihren jesi-

dischen Glauben und dessen strenge Vorschriften gebunden. Alles was die 

Beschwerdeführerin nicht spontan erzählt habe, habe sie auf Nachfrage 

hin detailliert, emotional und glaubhaft ausführen können. Ein Video zeige 

ausserdem, dass der Onkel sowohl den Vater als auch die Mutter verbal 

und physisch angreife und die beiden beschuldige, der Beschwerdeführe-

rin zur Flucht verholfen zu haben. Das der Replik beiliegende Bildmaterial 

sei der Beschwerdeführerin im Dezember 2023 von ihrer Mutter zur Verfü-

gung gestellt worden.  

 

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Seite 9 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird sinngemäss eine formelle Rüge erhoben. So 

bringt die Beschwerdeführerin vor, das SEM habe ihre Asylvorbringen nicht 

genügend berücksichtigt und den rechtsrelevanten Sachverhalt nicht 

rechtskonform abgeklärt.  

5.2 Auf eine massgebliche Verfahrenspflichtverletzung lässt sich gestützt 

auf die Akten aber nicht schliessen. Insbesondere hat das SEM nach Auf-

fassung des Gerichts die individuellen Asylgründe der Beschwerdeführerin 

genügend abgeklärt, in der Verfügung aufgenommen und bei der materiel-

len Würdigung der Aktenlage entsprechend Rechnung getragen. Dem Um-

stand, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt ihrer Erstbefragung 

noch knapp minderjährig war, wurde ebenso durch die Gewährung der be-

sonderen Verfahrensrechte genügend Rechnung getragen. Es erfolgte so-

dann eine einlässliche Anhörung zu den Asylgründen. Weitere Abklärun-

gen waren auch nach Ansicht des Gerichts nicht geboten. Die Rüge der 

Abklärungspflichtverletzung wurde im Beschwerdeverfahren denn bezo-

gen auf den konkreten Fall auch nicht konkretisiert. Ebenso hat das SEM 

in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinrei-

chend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten 

liess, und hat sich mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen der Beschwer-

deführerin auseinandergesetzt. Es hat mithin seiner Begründungspflicht 

ausreichend genüge getan. Ob der Begründung der Verfügung in allen 

Punkten gefolgt werden kann, ist eine Frage der materiellen Beurteilung 

des Sachverhalts (vgl. dazu die nachfolgenden Erwägungen).  

5.3 Insgesamt sind mithin keine Verfahrensverletzungen erkennbar, die 

eine Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz notwendig machen 

könnten. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten vermögen. Die Vorbringen der 

Beschwerdeführerin erweisen sich sodann auch als nicht flüchtlingsrecht-

lich relevant. 

In Bezug auf die Frage der Glaubhaftmachung kann vorweg auf die zutref-

fenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden. 

Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Einschätzung der Vorinstanz, dass 

es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine ihr im Heimatstaat 

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Seite 10 

drohende Zwangsheirat glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin 

konnte die gesamten Umstände, die zum angeblichen Heiratsversprechen 

ihres Vaters geführt haben sollen, nicht detailliert und in sich schlüssig 

schildern. Ebenso konnte sie nicht nachvollziehbar erklären, warum ihr Va-

ter sie einem Cousin versprochen haben soll, von dem er wegen dessen 

Charakterschwächen und Drogenmissbrauch nichts hält (vgl. SEM-Akten 

18/16 F60). Dass er sich gegenüber seinem eigenen Bruder – dem Onkel 

der Beschwerdeführerin und Vater des besagten Cousins – nicht emanzi-

pieren konnte, sondern dessen Wunsch auf die Verheiratung der beiden 

ohne weiteres entspricht, scheint im Gesamtkontext nicht glaubhaft. So ge-

hen die Geschwister der Beschwerdeführerin einem Studium nach, im Ge-

gensatz zu den Kindern des Onkels. Eine Schwester der Beschwerdefüh-

rerin studiert gar in D._______ und nach Angaben der Beschwerdeführerin 

ist es dem Vater wichtig, dass seine Kinder angesehene Berufe ergreifen. 

Dieses Verhalten widerspiegelt kein tief wertkonservatives Verhalten. So-

dann scheint kaum vorstellbar, dass sich der Vater der Beschwerdeführerin 

zu solch einem weitreichenden Entschluss gestützt auf einen Bericht des 

Onkels hinreissen lässt, ohne seine Tochter zum Vorfall anzuhören und ihr 

die Gelegenheit zu geben, die Situation aufzuklären (vgl. SEM-Akten 18/16 

F27, F47, F55). Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, ihre Mutter 

sei Hausfrau und habe in der Familie nicht viel zu sagen. Sie habe sich 

entsprechend auch zurückgehalten, als es zur Auseinandersetzung mit 

dem Onkel und zum Heiratsversprechen gekommen sei. Gleichwohl soll 

die Mutter, ohne auch mit der Beschwerdeführerin Rücksprache genom-

men zu haben, heimlich ihren Schmuck versetzt und mit Hilfe eines Ver-

wandten aus dem Dorf die Ausreise der Beschwerdeführerin zu ihren Ver-

wandten in die Schweiz organisiert haben (vgl. SEM-Akten 15/15 Ziff. 5.01, 

18/16 F64 ff.). Ungeachtet der Frage, ob solche Handlungsweisen realis-

tisch scheinen, fällt auf, dass die Beschwerdeführerin auf die Frage, um 

was für einen Verwandten es sich gehandelt habe, angibt, diesen nicht zu 

kennen, was angesichts des Umstands, dass es sich um einen Verwandten 

aus dem Dorf handeln soll, nicht glaubhaft ist (vgl. SEM-Akten 18/16 F64 

ff.). Die Angaben der Beschwerdeführerin zur Situation mit ihrer Familie 

nach der Flucht, bleiben oberflächlich und erwecken den Eindruck, dass 

die Beschwerdeführerin diesen Fragen gezielt ausweicht. Auf die Frage, 

wie denn ihr Vater im Nachgang auf ihre Flucht reagiert habe, gab sie vage 

und ausweichend zur Antwort, man habe andere Themen als ihre Flucht 

(vgl. SEM-Akten 18/16 F18 f., F65 ff.). Das SEM hat sodann zutreffend da-

rauf hingewiesen, dass ihre Angaben zum Kontakt mit der Mutter wider-

sprüchlich ausgefallen sind. Insgesamt bleibt die Beschwerdeführerin eine 

Begründung dafür schuldig, warum sie angeblich zur Mutter, ihrer 

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Seite 11 

Ausreisehelferin, kaum bis wenig Kontakt haben soll, zumal sie sich in der 

Schweiz nach eigenen Angaben sehr regelmässig bei den nahen Verwand-

ten der Mutter aufhält. Die auf Beschwerdeebene mit der Replik (BVGer-

Akte 7) eingereichten auszugweisen Videomitschnitte, welche zeigen sol-

len, dass der Onkel sowohl die Mutter als auch den Vater der Beschwer-

deführerin für deren Flucht verantwortlich macht, sind nicht geeignet, zu 

einer anderen Einschätzung zu führen. Es handelt sich um Fragmente ei-

ner nicht verständlichen Auseinandersetzung, welche weder kontextuali-

siert wurden, noch erfolgten Ausführungen zum Gesprächsinhalt und zum 

Zeitpunkt der Aufnahmen. Insgesamt wirkt die Asylbegründung der Be-

schwerdeführerin zum Thema Zwangsheirat konstruiert.   

6.2 Sodann ist unter dem Aspekt der flüchtlingsrechtlichen Relevanz fest-

zuhalten, dass die geltend gemachten Vorbringen bei unterstellter Glaub-

haftmachung als Nachstellungen durch private Drittpersonen zu bezeich-

nen wären. Diese sind grundsätzlich nur dann asylrechtlich relevant, wenn 

der Heimatstaat sich nicht als schutzwillig oder -fähig erweist. Die Gewäh-

rung absoluten Schutzes vor Verfolgung durch Privatpersonen ist dabei 

nicht erforderlich; entscheidend ist vielmehr, dass die Betroffenen effekti-

ven Zugang zu einer vorhandenen Schutzinfrastruktur haben und ihnen 

zugemutet werden darf, diese in Anspruch zu nehmen (vgl. dazu BVGE 

2011/51 E. 7 m.w.H.). 

6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seiner Praxis mehrfach zur 

Schutzfähigkeit und zum Schutzwillen der türkischen Behörden hinsichtlich 

des Umgangs mit Opfern von häuslicher Gewalt und Zwangsheirat geäus-

sert (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer]  

E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 5.2 ff., m.w.H., Urteile des BVGer  

D-6861/2023 vom 25. April 2024 E. 7.3 und D-1725/2024 vom 23. April 

2024 S. 5, je m.w.H.). Dabei ist es zur Erkenntnis gelangt, dass die Türkei 

kontinuierliche gesetzgeberische Schritte zur Verbesserung der rechtlichen 

und gesellschaftlichen Situation der Frauen und im Besonderen zu deren 

Schutz vor Übergriffen mit soziokulturellem Hintergrund (bis hin zum Eh-

renmord) unternommen hat. Bereits im Jahr 1990 wurden in der Türkei 

Frauenhäuser eröffnet, um Opfern von häuslicher Gewalt Hilfe zu bieten. 

Die türkischen Behörden sind entschlossen, gegen das Phänomen inner-

familiärer Übergriffe effektiv vorzugehen und grundsätzlich auch in der 

Lage, Schutz zu gewähren. Die Schutzinfrastruktur ist in den städtischen 

Gebieten der Türkei dichter als in ländlichen Gegenden insbesondere Zent-

ral- und Ostanatoliens (vgl. das Referenzurteil a.a.O. E. 5.2.2). 

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Seite 12 

6.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Türkei unter 

dem Staatspräsidenten Erdogan den beschriebenen Reformkurs seit eini-

ger Zeit nicht mehr in gleichem Masse weiterverfolgt. Insbesondere seit 

dem gescheiterten Putsch von Mitte Juli 2016 ist in der Türkei eine Zu-

nahme der Gewalt gegen Frauen zu verzeichnen und es scheint sich in der 

türkischen Politik zunehmend ein konservativ-religiös geprägtes Frauen-

bild durchzusetzen (vgl. das Referenzurteil a.a.O. E. 5.2.4). Am 1. Juli 2021 

ist die Türkei ausserdem aus der Istanbul-Konvention (Übereinkommen 

des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen 

und häuslicher Gewalt vom 11. Mai 2011 [SR 0.311.35]) ausgetreten. 

6.2.3 Diese Feststellungen vermögen die gefestigte Praxis des Gerichts 

zur Schutzfähigkeit und Schutzbereitschaft der türkischen Behörden vor-

derhand jedoch nicht grundlegend zu erschüttern. Vielmehr ist nach den 

obigen Ausführungen zu bestätigen, dass die Betroffenen sich in der Regel 

mit ihrem Schutzanliegen an die staatlichen Institutionen wenden können 

(vgl. Urteile des BVGer D-4911/2024 vom 23. September 2024 E. 6.3;  

E-4702/2024 vom 13. September 2024 E. 6.3; D-4659/2024 vom 11. Sep-

tember 2024 E. 6.2; E-2530/2024 vom 15. August 2024 E. 7.2;  

E-2355/2024 vom 14. Juni 2024 E. 6.3; D-4762/2023 vom 20. September 

2023 E. 5.2; D-2682/2020 vom 12. Januar 2023 E. 6.2; E-2593/2021 vom 

31. August 2021 E. 7.3.1; E-2338/2020 vom 6. Mai 2021 E. 7.2 und  

E-1175/2020 vom 16. März 2020, E. 7.2.2, je m.w.H). 

6.2.4 Vorliegend ist den Akten zu entnehmen, dass sich die Beschwerde-

führerin bis zum Zeitpunkt ihrer Ausreise nicht an die heimatlichen Behör-

den oder allfällige Organisationen gewandt und um Schutz ersucht hat (vgl. 

SEM-Akten 18/16 F81 f.). Ihre Begründung, sie hätte als Minderjährige kei-

nen Schutz erhalten, ist kaum überzeugend. Auch ihr nicht näher substan-

ziierter Verweis auf Fälle anderer Personen, die im Zusammenhang mit 

häuslicher Gewalt gestorben seien, ist im konkreten Fall nicht behilflich. 

Die Beschwerdeführerin ist zwischenzeitlich erwachsen und es wäre ihr in 

jedem Fall zum heutigen Zeitpunkt zuzumuten, bei den entsprechend zu-

ständigen Stellen um Schutz nachzusuchen. Es liegen keine konkreten 

Hinweise dafür vor, dass die heimatlichen Behörden ihr den Schutz verwei-

gern würden. Daher kann der Schluss gezogen werden, dass die Be-

schwerdeführerin allfälligen innerfamiliären Übergriffen – namentlich sei-

tens des Onkels – nicht schutzlos ausgeliefert wäre. 

 

E-6377/2023 

Seite 13 

6.3  

6.3.1 Soweit die Beschwerdeführerin in genereller Art vorbringt, aufgrund 

ihres jesidischen Glaubens in ihrem Heimatstaat verfolgt respektive diskri-

miniert zu sein, ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzuhalten, dass 

nach geltender Rechtsprechung nicht von einer Kollektivverfolgung von 

Angehörigen der jesidischen Religion auszugehen ist (BVGE 2013/11 

E. 5.4; s. auch Urteil des BVGer D-4416/2017 vom 14. März 2019 E. 4). 

Auch unter Berücksichtigung der jüngsten Entwicklungen in der Türkei 

kann nicht davon ausgegangen werden, dass Angehörige der jesidischen 

Religion gezielte und intensive Nachteile in der erforderlichen Dichte erlei-

den, womit auch zum heutigen Zeitpunkt die praxisgemässen Kriterien ei-

ner Kollektivverfolgung als nicht erfüllt zu erachten sind (vgl. Urteil des 

BVGer D-4416/2017 vom 14. März 2019 E. 4.5 ff.). 

6.3.2 Auch im konkreten Einzelfall ist eine asylrelevante Verfolgung auf-

grund der Religionszugehörigkeit der Beschwerdeführerin zu verneinen. 

Den von ihr vorgebrachten Schikanen fehlt es sowohl an der erforderlichen 

Gezieltheit als auch der notwendigen Intensität. Der von ihr erwähnte Bom-

benangriff soll sich im Kindheitsalter zugetragen haben und ist offensicht-

lich nicht mehr relevant für die vorliegende Beurteilung der Flüchtlingsrele-

vanz. Mit der Beschwerdeschrift wird nichts weiter vorgebracht, was zu ei-

ner anderen Einschätzung führen könnte. 

6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine konkreten Hinweise 

dafür vorliegen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung oder einer entsprechenden 

Verfolgungsgefahr ausgesetzt war oder im Falle ihrer Rückkehr in die Tür-

kei ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu gewärtigen 

hätte. Demnach hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver-

neint und das Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

E-6377/2023 

Seite 14 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in 

den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-

sig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer 

E-6377/2023 

Seite 15 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nach-

weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im 

Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 

als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-

weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-

mungen zulässig. 

8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.1 Auch unter Berücksichtigung der aktuellen Situation ist gemäss kon-

stanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer Situation all-

gemeiner Gewalt oder von bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in der Tür-

kei – auch nicht für Angehörige der kurdischen Ethnie – auszugehen (vgl. 

Referenzurteil E-4103/2024 vom 8. November 2024 E. 13.2 m.w.H.). Die 

Beschwerdeführerin hat bislang in C._______, Provinz Mardin, gelebt, eine 

Region, welche vom Erdbeben im Frühjahr 2023 nicht betroffen gewesen 

ist. Eine Rückkehr in ihren Heimatstaat ist demnach als generell zumutbar 

zu erachten. 

8.5 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, die gegen 

die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen. Wie von der Vorinstanz zu-

treffend festgehalten, handelt es sich bei der Beschwerdeführerin um eine 

junge und gut gebildete Frau. Es kann ihr zugemutet werden, im Heimat-

staat einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zudem ist davon auszugehen, 

dass sie in ihrer Heimat auf die Unterstützung ihres familiären Beziehungs-

netzes zählen kann, ebenso wie auf die Unterstützung ihrer in der Schweiz 

lebenden Verwandten mütterlicherseits, zu denen sie eigenen Angaben ge-

mäss in einem engen Kontakt steht (vgl. SEM-Akte 15/15 F3.02). Die von 

ihr in der Anhörung geschilderten gesundheitlichen Beschwerden 

E-6377/2023 

Seite 16 

(Hormonstörung, Migräne, Schlafschwierigkeiten) stehen einem Wegwei-

sungsvollzug ebenso wenig entgegen, zumal seither keine relevanten Ge-

sundheitsbeschwerden aktenkundig gemacht wurden. 

8.5.1 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als 

zumutbar.  

8.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 

E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-

nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese beantragte indessen 

die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG. Dieses Gesuch ist gutzuheissen, da die Begehren – ex ante 

betrachtet – nicht als aussichtslos zu bezeichnen sind und aufgrund der 

Akten (eingereichte Unterstützungsbestätigung vom 20. Dezember 2023, 

keine im Zentralen Migrationssystem verzeichnete Erwerbstätigkeit) von 

der Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen ist. Auf die Erhe-

bung der Verfahrenskosten ist zu verzichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6377/2023 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird gutgeheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

 

 

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