# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ca21666a-e642-57e7-ab30-8ce48e27fa09
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.03.2010 D-521/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-521-2007_2010-03-15.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-521/2007/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richter Walter Lang, Richter Gérard Scherrer; 
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______, Iran,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, 
Advokatur Kanonengasse, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
20. Dezember 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-521/2007

Sachverhalt:

A.
Mit  Verfügung vom 18. März 2003 lehnte das Bundesamt für  Flücht-
linge (BFF, heute Bundesamt für Migration, BFM) das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers vom 20. August 2000 ab mit der wesentlichen Be-
gründung,  die  geltend  gemachten  Behelligungen  durch  einen  Vor-
gesetzten während des Militärdienstes im Iran seien weder glaubhaft 
noch  asylrelevant.  Im  Weiteren  erachtete  es  den  Vollzug  der  Weg-
weisung als zulässig, zumutbar und möglich. 

B.
Die damals  zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 
wies eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde mit Urteil vom 
23. Juni 2003 ab, womit die Verfügung des BFF vom 18. März 2003 in 
Rechtskraft  erwuchs.  Im November  2003  verliess  der  Beschwerde-
führer die Schweiz auf dem Luftweg.

C. Am  20.  November  2006  stellte  der  Beschwerdeführer  in  der 
Schweiz  ein  zweites  Asylgesuch.  Er  machte  im  Rahmen  der  Erst-
befragung  vom  1.  Dezember  2006  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum  Kreuzlingen  und  der  direkten  Bundesanhörung  gemäss 
Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
vom 13. Dezember  2006 im Wesentlichen geltend,  er  sei  bei  seiner 
Rückkehr  in  den Iran  im November  2003 im Flughafen von Teheran 
von  den  Sicherheitskräften  festgenommen  und  für  fünf  Monate  in-
haftiert worden. Während der Haft habe man ihn unter Misshandlung 
mehrere  Male  zu  seinem  Aufenthalt  in  der  Schweiz  und  dabei  ins-
besondere  zum  Umstand,  dass  er  in  der  Schweiz  einer  Reporterin 
eines  englischen  Senders  ein  regimekritisches  Interview  gewährt 
habe, befragt. Schliesslich sei er auf Intervention eines Verwandten mit 
wichtiger  Funktion  im  Umkreis  des  ehemaligen  Staatspräsidenten 
Rafsandschani aus der Haft entlassen worden, wobei er aufgrund der 
während der Haft erlittenen Misshandlungen schwere gesundheitliche 
Beschwerden gehabt und im Jahre 2004 zudem einen Hirnschlag er-
litten  habe.  Im  März  beziehungsweise  April  2005  sei  er  durch  Ver-
mittlung seines Bruders in Kontakt mit der oppositionellen B._______ 
in  seinem  Herkunftsort  C.______  getreten  und  habe  begonnen,  an 
deren Versammlungen teilzunehmen. In der Folge habe er auf Wunsch 
des Gruppenführers D.________. und in Zusammenarbeit mit diesem 
für  die  E.______  kritische  Berichte  und  Flugblätter  verfasst  und 

Seite 2

D-521/2007

mitverteilt.  Am 5. November  2005 sei  im Rahmen einer  Verteilaktion 
seine von ihm beobachtete Kollegin F.______., welche die Flugblätter 
unter  dem Tschador  verborgen  gehabt  und  ab  und  zu  ein  Flugblatt 
fallen  gelassen  habe,  von  zwei  Beamten  in  Zivil  angehalten  und 
schliesslich in ein Auto gezerrt worden. Er habe sofort seinen Bruder 
angerufen  und  in  der  Folge  sei  er  in  einem  Schuhgeschäft  von 
Kameraden abgeholt und auf Geheiss von D.______ noch am selben 
Abend  in  einem  PW zuerst  nach  Teheran  und  in  der  Folge  -  ohne 
kontrolliert zu werden - durch ihm unbekannte Länder in die Schweiz 
gebracht worden. 

D.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2006 wies das BFM das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  ab,  ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der 
Schweiz  an  und  erachtete  den  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar  und 
möglich.

E.
Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  19.  Januar  2007  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  erhob  der  Beschwerdeführer  Beschwerde 
gegen die Verfügung des BFM vom 20. Dezember 2006, wobei er zum 
Nachweis  der  exilpolitischen  Tätigkeit  in  der  Schweiz  mehrere 
Dokumente  und  Fotografien  einreichte.  In  verfahrensrechtlicher  Hin-
sicht  wurde  unter  anderem  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021) und um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses 
ersucht. 

F.
Mit  Zwischenverfügung vom 6. Februar  2007 verzichtete der damals 
zuständige  Instruktionsrichter  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses mit  dem Hinweis, auf  das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu 
einem späteren Zeitpunkt entschieden. 

G.
In ihrer Vernehmlassung vom 20. Februar 2007 hielt die Vorinstanz an 
ihrer Verfügung vom 20. Dezember 2006 fest und beantragte die Ab-
weisung der Beschwerde, worauf der Beschwerdeführer mit  Eingabe 
seines  Rechtsvertreters  vom  14.  März  2007  -  unter  Einreichung 

Seite 3

D-521/2007

mehrerer Dokumente und Fotografien zum Nachweis der fortgeführten 
exilpolitischen Tätigkeit in der Schweiz - fristgerecht replizierte.

H.
In seiner Eingabe vom 10. November 2008 reichte der Rechtsvertreter 
zur weiteren Illustration der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerde-
führers  in  der  Schweiz  zahlreiche  Dokumente  samt  Fotografien  ein. 
Auf die einzelnen Beweismittel wird namentlich, sofern erforderlich, in 
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni 
2005  (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen des BFM (Art. 5 VwVG), welche in An-
wendung  des  Asylgesetzes  ergangen  sind;  das  Bundesverwaltungs-
gericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art.  105  des  Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer ist legitimiert (Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

1.3 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, 
wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, 
wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit zu einer be-
stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen 
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol-
chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten 

Seite 4

D-521/2007

namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mass-
nahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den 
frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung  zu  tragen  (Art. 3 
AsylG).

Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bzw. mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  be-
fürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfol-
gungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaat-
liche Akteure zugefügt worden sind bzw. zugefügt zu werden drohen 
(vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts 
[BVGE] 2008/4 E. 5.2 S. 37; EMARK 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; 
EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft  ausserdem voraus,  dass  die  betroffene  Person  in  ihrem 
Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE 
2008/4  E. 5.2  S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.;  EMARK 
2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die 
Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeit-
punkt  der  Ausreise  vorhandenen Verfolgung oder  begründete  Furcht 
vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist 
jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität  der Verfolgungs-
furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im 
Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zu-
gunsten und zulasten der  das Asylgesuch stellenden Person zu be-
rücksichtigen  (vgl.  BVGE 2008/4  E. 5.4  S. 38  f.;  EMARK 2000  Nr. 2 
E. 8a S. 20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17  und 
11.18;  WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt 
a.M. 1990, S. 135 ff.).

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 
die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälsch-
te oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

Seite 5

D-521/2007

3.
3.1 Die Vorinstanz erachtete in ihrer angefochtenen Verfügung die Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers,  nach  seiner  Wiedereinreise  in  den 
Iran im November 2003 für fünf Monate inhaftiert worden zu sein und 
aufgrund  seiner  nachfolgenden  Tätigkeit  für  die  oppositionelle 
E._______  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  zu  haben, 
insgesamt als nicht glaubhaft.

Sie führte aus, die Angaben des Beschwerdeführers zur angeblichen 
Haft  seien  auffallend  unsubstanziiert  ausgefallen.  So  habe  der  Be-
schwerdeführer,  dazu  aufgefordert,  das  letzte  Verhör  zu  schildern, 
lediglich angegeben, was er beim Verhör durch die iranischen Sicher-
heitsbehörden gefragt worden sei (vgl. BFM-Akten B9, S. 10), sei in-
dessen nicht in der Lage gewesen, den Verlauf des behaupteten Ver-
hörs  nur  ansatzweise zu schildern. Im Weiteren seien,  wie  vom Be-
schwerdeführer  behauptet,  der  letzten  Befragung  mehrere  Einver-
nahmen  vorausgegangen,  jedoch  könnten  der  Schilderung  des  Be-
schwerdeführers  seines  letzten  Verhörs  keine  Elemente  entnommen 
werden,  welche auf  gewisse Ermittlungsresultate schliessen würden. 
Auch die Antworten des Beschwerdeführers,  zur  Anzahl  der Verhöre 
gefragt,  seien unbestimmt ausgefallen. So habe er  angegeben,  sehr 
oft  beziehungsweise  zehn  bis  fünfzehn  Mal  verhört  worden  zu  sein 
(vgl. B9, S. 10). Unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit sei die 
geltend gemachte fünfmonatige Haft  bis  April/Mai  2004 mangels  er-
forderlichem Kausalzusammenhang zur  im November 2006 erfolgten 
Ausreise ohnehin nicht asylrelevant. 

Im Weiteren hielt  das BFM in der angefochtenen Verfügung fest,  die 
Vorbringen,  ein  Jahr  nach  der  Haftentlassung  für  die  oppositionelle 
E._______ tätig gewesen zu sein und aufgrund der Verhaftung einer 
Kollegin  F.______  Behelligungen  durch  die  iranischen  Behörden  zu 
befürchten,  seien angesichts  teils  unsubstanziierter,  realitätsfremder, 
teils widersprüchlicher Aussagen in Zweifel zu ziehen. 

So habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, er habe im Rahmen 
seines  politischen  Engagements  zuhanden  seines  Gruppenführers 
D._______einen Bericht beziehungsweise ein Flugblatt verfasst, worin 
er  unter anderem das Engagement der iranischen Regierung für  die 
Palästinenser kritisiert habe (vgl. B9, S. 4 und 5), sei indessen nicht in 
der  Lage  gewesen,  Angaben  zu  machen,  was  D._______mit  dem 
Bericht  beziehungsweise  mit  dem vom Beschwerdeführer  verfassten 

Seite 6

D-521/2007

Flugblatt in der Folge gemacht habe (vgl. B9, S. 4 und 5). Im Weiteren 
habe der Beschwerdeführer keine Angaben zum Inhalt der von ihm bei 
Aktionen  verteilten  Flugblättern  machen  können  mit  der  nicht 
überzeugenden  Erklärung,  'es  sei  ihnen  verboten  gewesen,  davon 
Kenntnis  zu  nehmen  (vgl.  B9,  S.  7  und  8)'.  Auch  die  Angabe  des 
Beschwerdeführers,  wonach  die  politische  Bewegung,  mit  der  er 
kollaboriert  habe,  keinen  eigenen  Namen  besitze,  sondern  einfach 
“Studentenbewegung“  heisse,  erachtete  das  BFM als  realitätsfremd. 
Schliesslich  habe  der  Beschwerdeführer  abweichend  von  der 
Aussage,  seine  Kameraden  und  Kameradinnen  seien 
sicherheitshalber  in  voneinander  isolierten  Zellen  ohne  Kontakte 
organisiert  gewesen  (vgl.  B9,  S. 5),  angegeben,  er  habe  sehr  wohl 
noch  zu  anderen  Personen  der  “Studentenbewegung“  Beziehungen 
gepflegt  (vgl.  B9,  S.  5)  und  die  Flugblattverteilung  vom 
Oktober/November 2005 im Zusammenarbeit mit einer Person namens 
R. (und damit mit einer Person ausserhalb der aus ihm, F.______. und 
D._______bestehenden Zelle) organisiert (vgl. B9, S. 8). Im Weiteren 
habe  der  Beschwerdeführer  die  Anzahl  Flugblattverteil-aktionen,  an 
denen er beteiligt gewesen sei, einmal mit vier (vgl. B9, S. 8, 9), ein 
ander Mal mit fünf (vgl. B1, S. 6) angegeben. 

3.2 In  der  Beschwerde  hielt  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerde-
führers hinsichtlich der festgestellten Unglaubhaftigkeitselemente fest, 
die  Tatsachen,  dass der  Beschwerdeführer nicht  erfahren habe,  was 
mit dem von ihm verfassten Bericht geschehen sei und keine Kenntnis 
vom  Inhalt  der  von  ihm  bei  Aktionen  verteilten  Flugblättern  gehabt 
habe, sei Ausdruck des in der E._______ geltenden Prinzips, wonach 
deren Mitglieder  zu  ihrem Schutz  und zum Schutz  der  Organisation 
nur  das  Notwendigste  wissen  sollen.  Im  Weiteren  habe  der 
Beschwerdeführer  anlässlich  der  Flugblattverteilung  vom 
Oktober/November 2005 zwar mit einer Person namens G.______ zu-
sammengearbeitet, diese dabei aber nicht gesehen, da G._______ die 
Aufgabe gehabt  habe,  auf  ihn aufzupassen und ihn gegebenfalls  zu 
warnen.  Auch  sei  zu  berücksichtigen,  dass  G.______  ihn  in  die 
Organisation  eingeführt  gehabt  habe,  weshalb  es  nachvollziehbar 
erscheine,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Kontakt  mit  diesem 
aufrechterhalten habe. Im Weiteren habe er auch Kontakt mit anderen 
Studenten gehabt, ohne - aufgrund der rigiden Organisationsstruktur - 
zu wissen, ob diese für dieselbe Organisation tätig seien. Schliesslich 
habe  der  Beschwerdeführer  nicht,  wie  vom  BFM  behauptet, 
unterschiedliche Angaben zur Anzahl der Flugblattverteilaktionen, an 

Seite 7

D-521/2007

denen er beteiligt gewesen sei, gemacht. So habe er nie ausgesagt, 
selber an fünf Verteilaktionen beteiligt gewesen zu sein; vielmehr habe 
er auf die Frage, wie oft er Flugblätter verteilt habe, angegeben, drei 
Mal er und zwei Mal S. (vgl. A1, S. 6). Ob der Beschwerdeführer selber 
anwesend gewesen sei, als S. die Flugblätter verteilt habe, bleibe bei 
dieser  Antwort  offen.  An  einer  anderen  Stelle  habe  er  ebenfalls 
angegeben,  drei  Mal  Flugblätter  verteilt  zu  haben  (vgl.  A9,  S.  4), 
weshalb sich aus den Aussagen des Beschwerdeführers diesbezüglich 
kein Widerspruch ergebe. Was den Vorwurf der Vorinstanz betreffe, der 
Beschwerdeführer  habe  auffallend  unbestimmte  Angaben  zu  seiner 
Haft  gemacht,  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  dieser  Vorfall  mehr  als 
drei Jahre zurückliege und die erlebte Haft vom Beschwerdeführer aus 
Selbstschutz  verdrängt  werde,  was  bei  traumatisierten  Personen 
notorisch sei.

Im Weiteren wies der Rechtsvertreter in der Beschwerde auf die exil-
politische  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  hin.  So 
habe der Beschwerdeführer am 9. Dezember 2006 in Zürich an einer 
Demonstration der Demokratischen Vereinigung der Flüchtlinge (DVF) 
teilgenommen und einen regimekritischen Artikel verfasst, welcher am 
20. Januar 2007 im Internet veröffentlicht werde. Zur Stützung dieser 
Vorbringen  wurden  unter  anderem  mehrere  Farbkopien  von  Foto-
grafien der genannten Demonstration vom 9. Dezember 2006 mit dem 
Beschwerdeführer  als  Teilnehmer  und  die  Kopie  eines  vom   Be-
schwerdeführer verfassten, auf den 17. Januar 2007 datierten Artikels 
samt Übersetzung eingereicht. 

3.3 In ihrer Vernehmlassung vom 20. Februar 2007 verneinte die Vor-
instanz das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe aufgrund der exil-
politischen Tätigkeit des Beschwerdeführers mit der wesentlichen Be-
gründung, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, eine Vorver-
folgung  im  Heimatstaat  glaubhaft  zu  machen  und  weder  die  blosse 
Teilnahme an Protestkundgebungen noch die  publizistische Tätigkeit 
im Internet und anderen Medien werde praxisgemäss als hinreichen-
der  Grund  für  eine  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  er-
achtet. Im übrigen sei mangels vorbestandenen politischen Profils das 
Verhalten des Beschwerdeführers als offensichtlich rechtsmissbräuch-
lich (vorsätzliche Schaffung von Nachfluchtgründen zum Zweck einer 
Aufenthaltsregelung)  zu  erachten,  weshalb  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  einer  begründeten  Furcht  zu  ver-
neinen wäre. 

Seite 8

D-521/2007

3.4 In  seiner  Replik  vom 14. März  2007 entgegnete  der  Rechtsver-
treter  des  Beschwerdeführers,  die  Motivation  exilpolitischer  Aktivität 
sei  für  die Beurteilung von subjektiven Nachfluchtgründen irrelevant. 
Im Weiteren habe der Beschwerdeführer sehr wohl glaubhaft gemacht, 
bereits im Iran Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein, weshalb davon 
auszugehen sei,  dass der Beschwerdeführer von den iranischen Be-
hörden auch in  der  Schweiz  beobachtet  werde und aufgrund  seiner 
exilpolitischen Tätigkeit  als Bedrohung für  das iranische Regime be-
trachtet werde. 

Zum  Nachweis  der  Teilnahme  des  Beschwerdeführers  an  Protest-
kundgebungen  der  DVF  am  13.  Januar  2007  in  Zürich  und  am 
10. Februar  2007  vor  der  iranischen  Botschaft  in  Bern  und  weiterer 
publizistischer  Tätigkeit  reichte  der  Rechtsvertreter  unter  anderem 
mehrere Fotografien und Übersetzungen von zwei vom Beschwerde-
führer verfassten, angeblich im Internet veröffentlichten Artikeln ein. 

Im Weiteren wurde mit  Eingabe vom 10. November  2008 unter  Ein-
reichung  der  Ausgabe  vom  30.  Januar  2008  einer  in  London  er-
schienen Zeitung H.______ im Original samt Übersetzung darauf hin-
gewiesen,  der  Beschwerdeführer,  namentlich  erwähnt  und  mit  Foto 
abgebildet,  habe  darin  einen  Artikel  verfasst.  Im  Weiteren  wurden 
weitere zahlreiche Fotografien von Kundgebungen und Standaktionen 
iranischer  Exilorganisationen eingereicht,  an welchen der  Beschwer-
deführer teilgenommen habe. 

3.5 Das BFM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers, nach seiner 
Wiedereinreise  in  den  Iran  im  November  2003  für  fünf  Monate  in-
haftiert  worden zu sein und aufgrund seiner nachfolgenden Tätigkeit 
für  die  oppositionelle  “Studentenbewegung“  begründete  Furcht  vor 
künftiger Verfolgung zu haben, zu Recht als nicht glaubhaft erachtet.

Mit  der  Vorinstanz  ist  festzustellen,  dass  die  Angaben  des  Be-
schwerdeführers zur angeblichen Haft auffallend unsubstanziiert  aus-
gefallen sind. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf  die zu-
treffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen 
werden. An dieser Einschätzung vermag der nicht näher substanziierte 
Hinweis, wonach dieser Vorfall mehr als drei Jahre zurückliege und die 
erlebte Haft vom Beschwerdeführer aus Selbstschutz verdrängt werde, 
was bei traumatisierten Personen notorisch sei, nichts zu ändern. 

Seite 9

D-521/2007

Im Weiteren konnte der Beschwerdeführer, wie von der Vorinstanz zu-
treffend festgestellt,  weder  nähere  Angaben  zum Inhalt  der  von ihm 
verteilten  Flugblätter  noch  dazu  machen,  was  D.______.  mit  dem 
Bericht  beziehungsweise  mit  dem vom Beschwerdeführer  verfassten 
Flugblatt  in  der  Folge  gemacht  habe  (vgl.  B9,  S.  4  und  5).  Der 
Erklärungsversuch in der Beschwerde, das diesbezügliche Unwissen 
der  Beschwerdeführers  sei  Folge  des  in  der  E._______geltenden 
Prinzips,  wonach deren Mitglieder  zu ihrem Schutz und zum Schutz 
der  Organisation  nur  das  Notwendigste  wissen  sollen,  vermag  die 
fehlen-de Kenntnis  der  Beschwerdeführers nicht  überzeugend zu er-
klären. Ebenso realitätsfremd ist die Angabe des Beschwerdeführers, 
wonach die politische Bewegung, mit der er kollaboriert habe, keinen 
eigenen  Namen  besitze,  sondern  einfach  E._______  heisse. 
Schliesslich  hat  der  Beschwerdeführer,  wie  vom  BFM  zutreffend 
erkannt,  abweichend  von  der  Aussage,  seine  Kameraden  und 
Kameradinnen seien sicherheitshalber in voneinander isolierten Zellen 
ohne Kontakte zwischen den Zellen organisiert gewesen (vgl. B9, S. 5) 
angegeben,  er  habe  sehr  wohl  noch  zu  anderen  Personen  der 
E._______  Beziehungen gepflegt  (vgl.  B9,  S. 5). Die  Entgegnung in 
der  Beschwerde,  wonach  der  Beschwerdeführer  auch  Kontakt  mit 
anderen  Studenten  gehabt  habe,  ohne  -  aufgrund  der  rigiden 
Organisationsstruktur - zu wissen, ob diese für dieselbe Organisation 
tätig  seien,  ist  nicht  geeignet,  den festgestellten Widerspruch in den 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  zu  beseitigen,  hat  der 
Beschwerdeführer  doch  ausdrücklich  bejaht,  mit  anderen  Personen 
der E._______ und nicht bloss mit 'anderen Studenten' Beziehungen 
gepflegt zu haben. Auch die weitere Angabe des Beschwerdeführers, 
die  Flugblattverteilung  vom  Oktober/November  2005  sei  in 
Zusammenarbeit  mit  einer  Person  namens  G._____  (und  damit  mit 
einer  Person  ausserhalb  der  aus  ihm,  F.______  und  D.______ 
bestehenden  Zelle)  organisiert  worden  (vgl.  B9,  S.  8),  steht  im 
Widerspruch  zur  Aussage,  nur  die  Mitglieder  innerhalb  der  Zellen 
hätten  Kontakte  miteinander  gehabt.  Der  Erklärungsversuch  in  der 
Beschwerde,  der  Beschwerdeführer  habe  anlässlich  der 
Flugblattverteilung vom Oktober/November 2005 zwar mit einer Person 
namens  G.______  zusammengearbeitet,  diese  dabei  aber  nicht 
gesehen, da G.______die Aufgabe gehabt habe, auf ihn aufzupassen 
und ihn  gegebenfalls  zu warnen,  ändert  nichts  an der  Aussage des 
Beschwerdeführers, in Zusammenarbeit mit G.______ und damit einer 
Person  ausserhalb  der  aus  ihm,  F.______  und  D._______ 
bestehenden  Zelle  die  Flugblattverteilaktion  vom  Oktober/November 

Seite 10

D-521/2007

2005  durchgeführt  zu  haben.  Indessen  ist   festzustellen,  dass  die 
weiteren Aussagen des Beschwerdeführers, wonach er vier Mal (vgl. 
B9,  S.  8,  9)  beziehungsweise  fünf  Mal  (vgl.  B1,  S.  6)  an 
Flugblattverteilaktionen  beteiligt  gewesen  sei,  nur  geringfügig 
voneinander  abweichen  und  daher  kein  zwingendes  Indiz  für  ein 
widersprüchliches  Aussageverhalten  des  Beschwerdeführers 
darstellen.  Dieser  Vorbehalt  an  der  vorinstanzlichen  Argumentation 
ändert jedoch nichts daran, dass, wie bereits vorstehend festgestellt, 
die Vorbringen des Beschwerdeführers, im Heimatstaat Behelligungen 
ausgesetzt  gewesen  zu  sein,  insgesamt  als  nicht  glaubhaft  zu 
erachten sind. 

3.6 Aus  den  obenstehenden  Erwägungen  folgt,  dass  eine  Vorver-
folgung des Beschwerdeführers zu verneinen ist.

3.7 Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch sein 
politisches Engagement in der Schweiz - namentlich durch seine Teil-
nahme  an  Demonstrationen  und  Informationsveranstaltungen  irani-
scher  Exilorganisationen und die  Veröffentlichung  verschiedener  von 
ihm  verfasster,  regimekritischer  Artikel  -  einen  Grund  für  eine  zu-
künftige  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden  gesetzt  hat  und 
damit  die Flüchtlingseigenschaft  wegen subjektiver  Nachfluchtgründe 
erfüllt.

3.7.1 Subjektive  Nachfluchtgründe  sind  dann  anzunehmen,  wenn 
eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder 
Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach der  Ausreise  eine 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit 
subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  gemäss  Art.  54  AsylG 
kein  Asyl,  werden  jedoch  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen 
(vgl. EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen).

Der Ausschlussgrund von Art. 54 AsylG ist absolut zu verstehen und 
mithin  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe  miss-
bräuchlich gesetzt worden sind oder nicht (vgl. EMARK 1995 Nr. 7 E. 7 
S. 66 ff.). Es ist daher entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht 
entscheidend,  welchen  mutmasslichen  Zweck  die  asylsuchende 
Person durch ihre exilpolitischen Tätigkeiten zu erreichen versucht hat. 
Massgebend  ist  vielmehr,  ob  die  iranischen  Behörden  mit  über-
wiegender  Wahrscheinlichkeit  das  Verhalten  des  Asylsuchenden  als 
staatsfeindlich einstufen und dieser  deswegen bei  einer  Rückkehr in 

Seite 11

D-521/2007

den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Asyl befürchten 
muss.  Es  bleiben  damit  die  Anforderungen  an  den  Nachweis  einer 
begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG).

Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts beobachten 
die iranischen Behörden seit Jahren die exilpolitischen Aktivitäten ihrer 
Landsleute genau und erfassen diese systematisch. Dabei konzentrie-
ren sie sich vorab auf die Erfassung von Personen, welche über die 
massentypischen und niedrig profilierten Erscheinungsformen exilpoli-
tischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitä-
ten entwickelt haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der 
mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und 
gefährlichen  Regimegegner  erscheinen  lassen  (vgl.  dazu 
SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE [SFH], Iran: Rückkehrgefährdung für Ak-
tivistInnen  und  Mitglieder  exilpolitischer  Organisationen  –  Informa-
tionsgewinnung iranischer Behörden, Bern 4. April 2006, S. 7, mit Hin-
weisen auf die Rechtsprechung der Asylbehörden einer Auswahl euro-
päischer  Länder).  Zur  Sanktionierung  exilpolitischer  Aktivitäten  dient 
die im Jahre 1996 erfolgte Neufassung des iranischen Strafrechts, wel-
che  die  politische  Betätigung  für  staatsfeindliche  Organisationen  im 
Ausland unter  Strafe stellt,  wobei  bereits  im Rahmen eines entspre-
chenden  staatlichen  Ermittlungsverfahrens  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  gravierende  Übergriffe  zu  befürchten  wären.  Gemäss 
konstanter  Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  stellt  indessen 
das blosse Einreichen eines Asylgesuches durch iranische Staatsan-
gehörige  noch  keinen  subjektiven  Nachfluchtgrund  im  Sinne  von 
Art. 54 AsylG dar. Ebensowenig sind die blosse Mitgliedschaft in einer 
exilpolitischen  Organisation  oder  die  Teilnahme  an  regimekritischen 
Demonstrationen  und  das  hierbei  übliche  Tragen  von  Plakaten  und 
Rufen von Parolen für sich alleine geeignet, die Flüchtlingseigenschaft 
zu begründen; für  die Annahme einer Verfolgungsgefahr ist  vielmehr 
eine gewisse, über diese Formen des Protestes hinaus gehende Ex-
poniertheit  vorauszusetzen,  welche  unter  anderem  in  spezifischen 
öffentlichen Auftritten sowie publizistischen Aktivitäten, namentlich im 
Verfassen  und  Publizieren  regimekritischer  Texte,  liegen  kann.  Im 
Rahmen der  vorzunehmenden Einzelfalleinschätzung sind  dabei  ins-
besondere Dauer, Kontinuität und Intensität der Tätigkeiten zu berück-
sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2009/28 E. 7.4.3. S. 364 ff.).  Dabei 
ist  nicht  primär  das  Hervortreten  im  Sinne  einer  optischen  Erkenn-
barkeit und Individualisierbarkeit, sondern eine derartige Exponierung 
in der Öffentlichkeit massgebend, welche aufgrund der Persönlichkeit 

Seite 12

D-521/2007

des  Asylsuchenden,  der  äusseren  Form  seines  Auftritts  und  nicht 
zuletzt  aufgrund  des  Inhaltes  der  in  der  Öffentlichkeit  abgegebenen 
Erklärungen den Eindruck erweckt,  dass der  Asylsuchende zu einer 
Gefahr für den Bestand des Mullah-Regimes wird. 

3.7.2 Wie in den vorangegangenen Erwägungen festgestellt  worden 
ist,  hat  der  Beschwerdeführer  weder  eine  Vorverfolgung  aufgezeigt, 
noch vermochte er eine unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgung 
nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen. Daher steht fest, dass der 
Beschwerdeführer vor dem Verlassen des Heimatlandes nicht als re-
gimefeindliche  Person  ins  Blickfeld  der  iranischen  Behörden  be-
ziehungsweise der iranischen Nachrichtendienste geraten ist.

3.7.3 Mit den auf Beschwerdeebene eingereichten Unterlagen macht 
der  Beschwerdeführer  geltend,  er  führe  sein  –  als  unglaubhaft  er-
achtetes  -  politisches  Engagement  gegen  die  iranische  Regierung 
auch im Ausland beziehungsweise in der Schweiz fort. 

Zur Stützung seiner exilpolitischen Tätigkeit  reichte der Beschwerde-
führer mehrere Fotografien von Kundgebungen und Standaktionen ira-
nischer  Exilorganisationen ein,  an  welchen er  teilgenommen hat. In-
dessen  befindet  sich  der  Beschwerdeführer  darauf  in  keiner  ex-
ponierten Lage, welche auf eine allfällige bedeutende Funktion in der 
entsprechenden Organisation schliessen lassen könnte und er wird im 
Zusammenhang  mit  den  erwähnten  Fotografien  an  keiner  Stelle 
namentlich erwähnt. 

Schliesslich  wurden  auf  Beschwerdeebene  mehrere  vom  Be-
schwerdeführer  verfasste  Artikel  samt  Übersetzung eingereicht. Zum 
Einen  mit  der  Beschwerdeschrift  ein  vom  Beschwerdeführer  unter-
zeichneter, angeblich am 20. Januar 2007 auf der offiziellen Webseite 
der  H.______  veröffentlichter  Artikel,  in  welchem  der 
Beschwerdeführer  seinen  Unmut  über  das  Regime  der  Mullahs 
kundtut. Zum Anderen im Rahmen des Replikrechts zwei angeblich im 
Internet erschienene, mit „Warum müssen wir kämpfen?“ und „Warum 
müssen wir gegen den Krieg im Iran sein?“ betitelte Artikel, in welchen 
der  Beschwerdeführer  erneut  allgemeine  Kritik  am  Regime  der 
Mullahs äussert beziehungsweise sich aufgrund der drohenden Opfer 
in  der  iranischen  Bevölke-rung  gegen  einen  Krieg  der  USA  oder 
anderen  Ländern  gegen  den Iran  ausspricht. Schliesslich  wurde  mit 
Eingabe vom 10. November 2008 eine am 30. Januar 2008 in London 

Seite 13

D-521/2007

erschienene  Zeitung  I.______  im  Original  samt  Übersetzung 
eingereicht, worin der Beschwerdeführer, namentlich erwähnt und mit 
Foto  abgebildet,  einen  gegen  das  Regime  der  Mullahs  gerichteten 
Artikel verfasste.

Hierzu  ist  vorderhand  festzuhalten,  dass  hinsichtlich  der  beiden  im 
Rahmen  des  Replikrechts  eingereichten  Artikel  des  Beschwerde-
führers nicht feststeht, ob diese tatsächlich wie behauptet im Internet 
veröffentlicht  worden  sind,  hat  der  Beschwerdeführer  doch  hierzu 
keine  näheren  Angaben  gemacht  und,  obwohl  in  Aussicht  gestellt, 
auch keine entsprechenden Belege nachgereicht.

Unabhängig von dieser Frage ist festzuhalten, dass sich aus dem In-
halt der vom Beschwerdeführer verfassten Artikel keine hinreichende 
Differenziertheit ergibt, welche den Eindruck vermitteln würde, dahin-
ter  stehe  eine  Person,  die  über  klar  definierte  oppositionspolitische 
Vorstellungen  und  persönliches  Agitationspotenzial  verfügt,  welches 
zu  einer  Gefahr  für  das  Regime im Iran werden könnte. Mittlerweile 
dürften sich die iranischen Behörden sehr wohl bewusst sein, dass die 
exilpolitische Betätigung vieler  iranischer Asylbewerber nach der Ab-
lehnung ihrer Asylgesuche oft zunimmt beziehungsweise  intensiviert 
wird oder, wie vorliegend, überhaupt erst ab diesem Zeitpunkt einsetzt, 
was das  geltend gemachte  politische Engagement  und Bewusstsein 
an sich in einem zweifelhaften Licht erscheinen lässt. Es darf darüber 
hinaus ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die iranischen 
Sicherheitsbehörden durchaus in der Lage sind, zwischen tatsächlich 
politisch  engagierten  Regimekritikern  und  Exilaktivisten,  die  es 
geradezu  darauf  anlegen,  sich  durch  ihre  Aktionen  bekannt  zu 
machen, zu unterscheiden (vgl. BVGE 2009/28, S.366).

Gesamthaft gesehen kann aufgrund der eingereichten Unterlagen fest-
gestellt  werden,  dass der Beschwerdeführer – welcher  vor dem Ver-
lassen des Heimatlandes nicht als regimefeindliche Person ins Blick-
feld der  iranischen Behörden beziehungsweise der  iranischen Nach-
richtendienste geraten ist – weder aufgrund der blossen Teilnahme an 
mehreren  Kundgebungen  und  Standaktionen  iranischer  Exil-
organisationen noch  aufgrund der  Veröffentlichung einzelner  regime-
kritischer Artikel begründete Furcht vor künftiger Verfolgung durch die 
iranischen Behörden haben muss, zumal  keine Anhaltspunkte darauf 
bestehen, dass die iranischen Behörden wegen der erwähnten Aktivi-
täten ein Strafverfahren oder andere behördliche Schritte gegen den 

Seite 14

D-521/2007

Beschwerdeführerin eingeleitet hätten. Angesichts der umfangreichen 
regimekritischen  Aktivitäten  von  iranischen  Staatsangehörigen  im 
westlichen  Ausland  und  angesichts  der  weiteren  Tatsache,  dass  die 
zahlreichen,  im  übrigen  friedlichen  Propagandaaktionen  iranischer 
Staatsangehöriger  in  westlichen  Staaten  von den  iranischen  Sicher-
heitsbehörden durchaus unter realistischer Einordnung des Interesses 
ihrer Landsleute interpretiert werden, im Gastland nach Möglichkeit ein 
Aufenthaltsrecht zu erhalten, besteht kein Anlass zur Vermutung, der 
Beschwerdeführer habe im Falle seiner Rückkehr in den Iran mit  er-
heblicher  Wahrscheinlichkeit  mit  flüchtlingsrechtlich relevanten Nach-
teilen zu rechnen.

3.7.4 Das Bundesverwaltungsgericht  geht  deshalb  davon aus,  dass 
insgesamt keine subjektiven Nachfluchtgründe vorliegen, die bei einer 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran zu einer für die Flücht-
lingseigenschaft  relevanten Verfolgung führen. Der Beschwerdeführer 
erfüllt somit die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft auch auf-
grund subjektiver Nachfluchtgründe nicht.

4.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 
Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sin-
ne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte und nicht als Flüchtling 
anerkannt werden kann. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch 
abgelehnt.

5. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung einer 
solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21).

6.
6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-

Seite 15

D-521/2007

nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge 
[FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  BV,  Art.  3  des  Übereinkommens  vom 
10. Dezember  1984  gegen Folter  und andere  grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und 
der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender 
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das 
in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re-
foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall 
einer Ausschaffung in den Iran dort  mit  beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-

Seite 16

D-521/2007

terausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer 
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde 
(vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Ben-
said gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des 
arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die allgemeine Menschen-
rechtssituation  im  Iran  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen 
Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Ge-
sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als 
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

6.5 Vorliegend ist der Vollzug als zumutbar zu erachten, da keine Hin-
weise dafür bestehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr 
in den Iran einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Das Bundes-
verwaltungsgericht erachtet den Wegweisungsvollzug in den Iran ge-
stützt auf die allgemeine Lage als grundsätzlich zumutbar. Der - nach 
eigenen Angaben gesunde - Beschwerdeführer verfügt über ein fami-
liäres  Beziehungsnetz  und  war  bis  zu  seiner  Ausreise  beruflich  als 
Hausverwalter  tätig. Daher ist  davon auszugehen, dass er  zu seiner 
Familie  zurückkehren  kann  und  nicht  in  eine  existenzgefährdende 
Lage geraten wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der 
Wegweisung auch als zumutbar.

6.6 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-
halb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  erachten  ist 
(Art.83 Abs. 2 AuG).

7.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz den Voll-
zug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich er-

Seite 17

D-521/2007

achtet hat, weshalb eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser 
Betracht fällt(Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich  dem  Beschwerdeführer  als  unterliegender  Partei  aufzuerlegen 
(Art.  63  Abs. 1  VwVG).  Da aber  weiterhin  von der  Bedürftigkeit  des 
Beschwerdeführers  auszugehen  ist  und  die  Beschwerde  bei  deren 
Einreichung nicht als zum Vornherein aussichtslos erschien, ist in Gut-
heissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechts-
pflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 18

D-521/2007

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. Es werden keine 
Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N______ 

(per Kurier; in Kopie)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand: 

Seite 19