# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8be7fb88-b1cd-5b0c-800b-a0a9b9a8238a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-06
**Language:** de
**Title:** Aargau Verwaltungsbehörden Departement Bildung, Kultur und Sport 06.04.2021 BKS.20.187
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_VB_002_BKS-20-187_2021-04-06.pdf

## Full Text

Beschwerde von 

A.________, wohnhaft bei Frau B., 

vertreten durch C., Berufsbeistand 

 Beschwerdeführer (Pflegekind) 

gegen die 

Einwohnergemeinde Q.________  

vertreten durch den Gemeinderat 

 Beschwerdegegnerin (Vorinstanz) 

betreffend den 

Entscheid des Gemeinderats Q.________ vom 27. Juli 2020 

in Sachen 

Aufhebung der Pflegeplatzbewilligung für A.________, geboren am tt.mm.jjjj, erteilt an 

B.________ 

Sachverhalt 

A.  

A., geboren am tt.mm.jjjj, wurde mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) 

R. vom 23. Februar 2018 vorsorglich im Kinderheim D. in S. fremdplatziert, nachdem gegen seinen 

Stiefvater ein Strafverfahren wegen Verdachts auf sexuelle Nötigung und wiederholter Tätlichkeiten 

zum Nachteil von ihm und seinem Bruder E. eingeleitet wurde. Auch gegen die Mutter, die zusam-

men mit ihrem neuen Ehemann zwei weitere Kinder zu betreuen hat, wurde eine Strafuntersuchung 

wegen wiederholter Tätlichkeiten gegenüber A. und E. eingeleitet. Der Mutter, F., wurde aus diesen 

Gründen das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihren Sohn A. vorsorglich entzogen und G. zur Bei-

ständin ernannt.  

A.s Bruder E. wohnt in einer Pflegefamilie im Kanton T. Der leibliche Vater, H., befand sich bis im 

Herbst 2019 im Strafvollzug und besuchte seine beiden Söhne im Rahmen von Freigangswochenen-

den.  

B.  

Mit Entscheid vom 2. März 2018 wurde A. vorsorglich in die stationäre Einrichtung O. umplatziert. 

Weiterhin besuchte er die Heilpädagogische Schule (HPS) in U.  

DEPARTEMENT  

BILDUNG, KULTUR UND SPORT 

Generalsekretariat 
 

Rechtsdienst 
 

 

6. April 2021 / Versand: 6. April 2021 

BESCHWERDEENTSCHEID 

BKSREC 20.187  

 

 2 von 14 

 

C.  

Seit April 2018 wurde A. durch Vermittlung von I. an den Wochenenden von B. in Q. betreut. Auf-

grund von verbalen Angriffen sowie Tätlichkeiten gegenüber Betreuungspersonen in der stationären 

Einrichtung O., die A. freistellten, wurde dieser von der damaligen Beiständin G. (nachfolgend: Bei-

ständin) ab 5. Mai 2018 bei B. in Q. im Sinne einer Notplatzierung untergebracht.  

Auf Gesuch des Vereins I. (Dienstleistungsanbieter in der Familienpflege) vom 24. April 2018 hin er-

teilte der Gemeinderat Q. mit Entscheid vom 2. Juli 2018 B. eine generelle Eignungsbestätigung als 

Pflegemutter. I. schloss mit B. zudem einen Arbeitsvertrag ab zur Betreuung von Kindern und Ju-

gendlichen.  

D.  

Mit Schreiben vom 16. Juli 2018 ersuchte I. um Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung für A. bei B. 

Mit Entscheid vom 23. Juli 2018 erteilte der Gemeinderat Q. die kindesspezifische Pflegeplatzbewilli-

gung gestützt auf die Abklärungen von I. und der Beiständin von A.  

E.  

Nach Anhörung von A., dessen Eltern sowie der Beiständin bestätigte die KESB R. mit Entscheid 

vom 27. Juli 2018 die vorsorgliche Platzierung bei B. in Q., begleitet durch den Verein I. in T.  

F.  

Am 8. Januar 2019 meldete die Beiständin A. zur Abklärung beim Schulpsychologischen Dienst 

(SPD) an. Mit Bericht vom 6. Juni 2019 stellte der SPD V. bei A. eine kumulative Beeinträchtigung 

fest, insbesondere erhebliche Defizite in den Bereichen Kognition, Bindung und Verhalten. Als Schul-

form wurde eine Tagessonderschule empfohlen und der bisherige Schulort HPS U. bestätigt.  

Nach dem jährlichen Aufsichtsbesuch durch den Sozialdienst Q. (Bericht vom 18. Juni 2019), kriti-

sierte der Gemeinderat Q. mit Entscheid vom 1. Juli 2019, dass B. phasenweise über vier Kinder zur 

Pflege im Haushalt gehabt habe, was einer bewilligungspflichtigen Heimpflege entspreche. Unter-

dessen betreue sie indessen nur noch zwei Kinder. Bei Aufnahme eines dritten Kinds müsse sie un-

verzüglich Meldung erstatten. Der Gemeinderat beschloss die Weiterführung der beiden Pflegeplatz-

bewilligungen und erinnerte sie insbesondere an die Meldeauflagen. Zudem ordnete er einen 

Hausbesuch für das Jahr 2020 an.  

G.  

Das Strafverfahren gegen A.s Stiefvater wegen Verdachts auf sexuelle Nötigung wurde im Laufe des 

Herbst 2019 eingestellt und zugleich Anklage wegen wiederholten Tätlichkeiten gegenüber seinen 

Stiefkindern erhoben.  

Im Jahr 2019 holte die KESB R. bei der Beiständin einen Zwischenbericht zur Unterbringung von A. 

ein, hörte alle Beteiligten an und klärte die Unterbringungssituation umfassend ab. Mit Entscheid vom 

9. Oktober 2019 bestätigte sie im Wesentlichen den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts ge-

genüber der leiblichen Mutter von A. sowie dessen Unterbringung bei der Pflegemutter B. in Q. In-

folge Wohnsitzwechsels der Mutter änderte die Zuständigkeit der KESB sowie der Berufsbeistand-

schaft. Seither ist die KESB W. sowie als Beistand C., Berufsbeistand (nachfolgend: Beistand), 

zuständig.  

H.  

Aufgrund der generell auffälligen Verhaltensweisen sowie verbalen Angriffen und Tätlichkeiten ge-

genüber Betreuungspersonen wurde A. mit Schreiben vom 25. März 2020 per Ende des Schuljahrs 

2019/20 von der HPS U. ausgeschlossen (sog. Schulausschluss). Der Beistand meldete A. am 

31. März 2020 zur erneuten Abklärung beim SPD V. an. Die Abklärung fand am 8. Juli 2020 statt. 

 

 3 von 14 

 

Aufgrund der langen Wartelisten konnte für A. kein Platz in einer Tagessonderschule per Schuljahr 

2020/21 gefunden werden.  

Mit Schreiben vom 8. Juli 2020 ersuchte der Beistand den Gemeinderat Q. um Kostengutsprache für 

das Schulgeld der Privatschule von I. in S., die A. ab dem Schuljahr 2020/21 besucht. Am 9. Juli 

2020 fand der jährliche Aufsichtsbesuch des Sozialdienstes Q. bei B. statt (Bericht vom 9. Juli 2020).  

I.  

Mit Entscheid vom 27. Juli 2020 entzog der Gemeinderat Q. die Pflegeplatzbewilligung von B. für A. 

und lehnte das Gesuch um Übernahme des Schulgelds für den Besuch der Privatschule des Vereins 

I. in S. ab. Zu Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Schulweg für A. von Q. nach 

S. zu lange sei und daher ein Pflegeplatz in der Nähe der Schule zu suchen sei. Zudem habe zwi-

schen der Pflegemutter und A. keine starke Bindung entstehen können. Dieser Entscheid wurde der 

Pflegemutter sowie dem Beistand von A. am 4. August 2020 zugestellt.  

Gegen diesen Entscheid erhob A. (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch seinen Beistand 

C. am 26. August 2020 beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) Beschwerde und stellte 

folgende Anträge:  

"1.  Die Pflegeplatzbewilligung von A. bei Frau B., in Q. ist gemäss Bericht vom 9. Juli 2020 über den 

jährlichen Hausbesuch im Pflegekinderwesen für ein weiteres Jahr zu bewilligen.  

2.  Die Gemeinde Q. hat die Kosten für das Sonderschulsetting mindestens bis zum Übertritt in eine 

passende Tagessonderschule im Kanton Aargau zu übernehmen oder ein passendes Schulset-

ting durch die Schulpflege der Gemeinde Q. zu organisieren, gestützt auf die vorhandenen schul-

psychologischen Fachberichte."  

J.  

Mit Verfügung vom 8. September 2020 wurde die Beschwerde dem Gemeinderat Q. (nachfolgend: 

Vorinstanz) zur Einreichung aller Akten zugestellt. Gleichzeitig wurden dem Beschwerdeführer (Bei-

stand) sowie A. verschiedene Fragen zur schriftlichen Beantwortung zugestellt. Die Verfahrenspar-

teien wurden zudem betreffend dem Beschwerdeantrag 2 über die Rechtslage informiert, wonach 

strittige Schulgeldforderungen für den Besuch einer Privatschule mittels verwaltungsrechtlicher Klage 

an das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau zu richten sind und dem BKS in dieser Sache daher 

keine sachliche Zuständigkeit zukommt.  

Der SPD V. wurde ebenso am 8. September 2020 um Beantwortung verschiedener Fragen ersucht.  

K.  

Der Gemeinderat Q. reichte seine Akten mit Schreiben vom 10. September 2020 ein. A. liess sich mit 

handschriftlichem Schreiben vom 13. September 2020 vernehmen und der Beistand mit Schreiben 

vom 17. September 2020. Der SPD V. beantwortete die gestellten Fragen mit Schreiben vom 

21. September 2020.  

All diese Unterlagen wurden dem Gemeinderat Q., dem Beschwerdeführer (Beistand) sowie B. zur 

Kenntnisnahme zugestellt. Der Gemeinderat Q. wurde zudem zur Einreichung einer Stellungnahme 

zur Beschwerde und diesen Unterlagen gebeten.  

L.  

Innert erstreckter Frist liess sich der Gemeinderat Q. vernehmen und stellte folgende Anträge:  

"1. Die Beschwerde gegen den Entscheid des Gemeinderates Q. vom 27.07.2020 betr. Pflegeplatz-

bewilligung und Sonderschulsetting für A., geb. tt.mm.jjjj sei abzuweisen.  

2.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."  

 

 4 von 14 

 

Diese Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer (Beistand) und B. zur Stellungnahme einge-

reicht.  

M. – N. 

… 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Zuständigkeit 

Gemäss § 50 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 

(Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200) kann gegen Entscheide letztinstanzlicher 

kommunaler Behörden Beschwerde beim Regierungsrat geführt werden. Der Regierungsrat kann ge-

mäss § 50 Abs. 2 VRPG seine Entscheidungskompetenz durch Verordnung delegieren.  

Nach § 15 Abs. 2 der Verordnung zum Einführungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch 

vom 27. September 2017 (V EG ZGB; SAR 210.311) ist das Departement Bildung, Kultur und Sport 

(BKS) zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des Gemeinderats gestützt 

auf § 18 Abs. 2 lit. a EG ZGB (Bewilligung und Aufsicht im Bereich der Familienpflege gemäss Art. 4 

der Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern [Pflegekinderverordnung, PAVO] vom 19. Ok-

tober 1977 [SR 211.222.338]).  

Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen einen Entscheid des Gemeinderats Q. betreffend 

Pflegeplatzbewilligung gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. a PAVO, womit das BKS über die Beschwerde zu 

entscheiden hat.  

2. Beschwerdebefugnis 

Zur Beschwerde befugt ist, wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse an der Aufhebung oder der 

Änderung des Entscheids hat (§ 42 Abs. 1 lit. a VRPG).  

Die Vorinstanz entzog B. mit Entscheid vom 27. Juli 2020 die Pflegeplatzbewilligung für A., die sie 

mit Entscheiden vom 2. Juli 2018 (generelle Eignungsbestätigung als Pflegemutter) und 23. Juli 2018 

(kindesspezifische Pflegeplatzbewilligung) erteilte. Die Pflegemutter ist als Adressatin des Ent-

scheids jedenfalls beschwerdeberechtigt (vgl. § 13 Abs. 1 lit. b VRPG). Das Pflegekind ist dagegen 

als Dritter zu betrachten, der selber zur Beschwerde legitimiert ist, wenn er (kumulativ) einerseits ein 

schutzwürdiges tatsächliches oder rechtliches Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Ent-

scheids hat und andererseits in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsa-

che steht (Bundesgerichtsentscheid [BGE] 143 III 473 Erwägung 2.3.3). Das Pflegekind ist vom Ent-

zug der Pflegeplatzbewilligung direkt in seinen Interessen betroffen und steht in einer besonders 

nahen Beziehung zum Streitgegenstand, könnte doch sein Aufenthalt bei der Pflegemutter nicht 

mehr fortgesetzt werden, wenn keine Pflegeplatzbewilligung mehr vorliegt. A. ist somit beschwerde-

legitimiert (vgl. Urteil 5P.41/2006 des Bundesgerichts vom 17. Februar 2006, Erwägung 1.3).  

A. ist minderjährig und kann infolge der Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts gegenüber 

seinen Eltern durch einen Beistand im Rechtsverkehr gemäss Mandat der KESB vertreten werden 

(vgl. Art. 308 Abs. 2 und Art. 314 Abs. 3 Zivilgesetzbuch, ZGB). Dem Beistand kommt gemäss Man-

dat im Entscheid der KESB R. vom 9. Oktober 2019 (Dispositiv-Ziffer 6) unter anderem folgender 

Auftrag zu:  

"b) die bestehende Unterbringung von A. zu begleiten und eine geeignete Anschlusslösung mit 

kürzerem Schulweg zu erarbeiten;"  

 

 

 5 von 14 

 

Die Unterbringung von A. bei B. erfolgte durch die KESB R. vorsorglich mit Entscheid vom 27. Juli 

2018 und bestätigt mit Entscheid vom 9. Oktober 2019 (Dispositiv-Ziffer 2). Mithin ist der Beistand 

gemäss seinem Mandat gehalten, die Kindeswohlinteressen von A. zu vertreten, so dass die von der 

KESB angeordnete Platzierung bei der Pflegemutter B. möglichst weitergeführt werden kann. Die ge-

mäss Art. 314 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 416 Abs. 1 Ziff. 9 ZGB benötigte Zustimmung der 

KESB zur Prozessführung des Beistands liegt gemäss der eingereichten Korrespondenz zwischen 

dem Beistand und der nunmehr zuständigen KESB W. vor (vgl. Stellungnahme des Beistands vom 

17. September 2020 und Korrespondenz des Beistands mit der KESB W. vom 11./19./20. August 

2020). Zusammenfassend ist festzustellen, dass A. ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der 

Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids hat, weshalb sein Beistand als Vertreter zur Beschwer-

deführung legitimiert ist.  

3. Beschwerdeantrag 2 

Mit dem ersten Teil des Beschwerdeantrags 2 wird insbesondere verlangt, dass der Gemeinderat Q. 

zur Tragung der Kosten für den Besuch einer Privatschule zu verpflichten sei. Es besteht weder eine 

Zuständigkeit des BKS noch des Regierungsrats zur Beurteilung von strittigen Schulgeldforderungen 

für den Besuch einer Privatschule. Solche Forderungen sind mittels verwaltungsrechtlicher Klage an 

das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau zu richten (Aargauische Gerichts- und Verwaltungsent-

scheide [AGVE] 1990 S. 116, vgl. auch AGVE 2003 S. 95). Mangels sachlicher Zuständigkeit ist auf 

den entsprechenden Antragsteil nicht einzutreten. Entsprechende Vorbringen der Verfahrensparteien 

werden daher nachfolgend nicht berücksichtigt. Die Verfahrensparteien wurden bereits mit Verfü-

gung vom 8. September 2020 auf diese Rechtslage hingewiesen.  

Auf den zweiten Teil des Beschwerdeantrags 2 betreffend Anweisung der Einwohnergemeinde Q. 

zur Organisation eines passenden Schulsettings für A. kann ebenso nicht eingetreten werden. In Be-

zug auf die schulische Laufbahn von A. liegt kein anfechtbarer Entscheid der sachlich zuständigen 

Behörde vor. Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass er sich mit seinem Anliegen zuerst 

an die zuständige Schulpflege Q. zu wenden hat. Nach der Rechtsprechung ist in erster Linie die 

Schulpflege verpflichtet, für ein sonderschulbedürftiges Kind eine geeignete Sonderschule zu finden 

(AGVE 2003 S. 95). Der SPD kann die Schulpflege bei dieser Aufgabe unterstützen, wie dies auch 

vorliegend geschah, indem der SPD V. zwischen April und Juli 2020 rund sechs geeignete Tages-

sonderschulen im Kanton Aargau und umliegenden Kantonen anfragte. Allerdings waren alle Plätze 

besetzt (vgl. Schreiben des SPD V. vom 21. September 2020 sowie Fachbericht des SPD V. vom 

8. Juli 2020). Weder liegt ein anfechtbarer Laufbahnentscheid der Schulpflege Q. vor, der im Übrigen 

zuerst der Beschwerde an den Schulrat des Bezirks unterliegt (vgl. § 77 Abs. 3 des Schulgesetzes 

vom 17. März 1981 [SAR 401.100]), noch erhebt der Beschwerdeführer eine Aufsichtsanzeige an 

das BKS wegen Untätigkeit der Schulpflege. Im Übrigen ist nach den vorliegenden Akten nicht er-

sichtlich, dass die zuständigen Behörden untätig geblieben wären. Nebst der Suche eines Tagesson-

derschulplatzes wurde vom SPD und den involvierten Schulen auch eine integrative Schulung in ei-

ner Kleinklasse in zwei Nachbargemeinden geprüft, jedoch aufgrund der spezifischen schulischen 

Bedürfnisse und des noch kindlichen, zuweilen kauzigen Verhaltens von A., der damit einhergehen-

den Gefahr von Manipulationen oder Mobbing sowie der ohnehin schon schwierigen Klassenkonstel-

lationen wieder verworfen (vgl. Schreiben des SPD V. vom 21. September 2020).  

Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde wird in Bezug auf Beschwerdeantrag 2 nicht 

eingetreten, im Übrigen wird auf die Beschwerde eingetreten.  

  

 

 6 von 14 

 

II. Materielles 

1. Anspruch auf rechtliches Gehör 

1.1  

Der Beschwerdeführer bringt vor, dass der Entscheid des Gemeinderats an einem schweren Verfah-

rensmangel leide. Weder die Pflegemutter B. noch A. seien vor dem Widerruf der Pflegeplatzbewilli-

gung angehört worden, wie dies gemäss § 21 VRPG vorgeschrieben sei (Beschwerde, Seite 2).  

1.2 

Im Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV] und § 21 

VRPG drückt sich ein zentraler Gehalt prozeduraler Fairness aus. Funktional dient das rechtliche 

Gehör einerseits der Sachverhaltsabklärung, andererseits ist es ein persönlichkeitsbezogenes Mit-

wirkungsrecht. Ein Teilgehalt des verfassungsmässigen Gehörsanspruchs ist der Anspruch auf vor-

gängige Äusserung und Mitwirkung im Verfahren. Dieses Recht stellt sicher, dass die Verfahrensbe-

teiligten vor Erlass einer Verfügung respektive Entscheids ihre Sichtweise in das Verfahren ein-

bringen können (REGINA KIENER, BERNHARD RÜTSCHE, MATHIAS KUHN, Öffentliches Verfahrensrecht, 

2. Auflage, Zürich, Luzern und Bern 2015, Rz. 229 ff.). Das Mitwirkungsrecht umfasst das Recht des 

Betroffenen, erhebliche Beweise beizubringen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden 

und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweis-

ergebnis zu äussern. Des Weiteren haben die Betroffenen Anspruch darauf, über sämtliche für den 

Entscheid relevanten Grundlagen und Vorgänge informiert zu werden, insbesondere über alle neu 

ins Verfahren gekommenen Akten wie Einvernahmeprotokolle, Gutachten oder Vernehmlassungen 

der Vorinstanz (KIENER, RÜTSCHE, KUHN, a.a.O., Rz. 232).  

1.3 

Der Beschwerdeführer ersuchte die Vorinstanz mit Schreiben vom 8. Juli 2020 um Kostengutsprache 

für den Besuch der Privatschule I. in S. ab dem Schuljahr 2020/21, da er die HPS U. aus disziplinari-

schen Gründen nicht mehr besuchen darf und trotz intensiven Suchbemühungen kein Platz in einer 

Tagessonderschule im Kanton Aargau oder der umliegenden Kantone gefunden werden konnte (vgl. 

oben Erwägung I. 3.).  

Die Pflegeplatzbewilligung, die seit dem Juli 2018 bestand, war nicht Gegenstand dieses Gesuchs. 

Mit Entscheid vom 27. Juli 2020 lehnte die Vorinstanz indessen nicht nur das Kostengutsprachege-

such ab, sondern sie widerrief auch die am 2./23. Juli 2018 erteilte Pflegeplatzbewilligung von Amtes 

wegen. Es ist dem Gemeinderat als Bewilligungs- und Aufsichtsbehörde über die Pflegefamilien 

grundsätzlich jederzeit möglich, ein Verfahren auf Überprüfung einer bereits erteilten Pflegeplatzbe-

willigung von Amtes wegen einzuleiten (vgl. Art. 11 PAVO betreffend Widerruf der Bewilligung). Die 

Verfahrensrechte der Betroffenen, insbesondere das rechtliche Gehör, sind selbstverständlich auch 

in einer solchen Konstellation einzuhalten. Den Verfahrensakten ist nicht zu entnehmen, dass die 

Vorinstanz die Pflegemutter als Bewilligungsinhaberin, das in dieser Frage zweifelsohne urteilsfähige 

14-jährige Pflegekind oder dessen Beistand über diese Ausdehnung des Verfahrensgegenstands in-

formierte noch ihnen Gelegenheit gab, innert einer angemessenen Frist, zum beabsichtigten Wider-

ruf der Pflegeplatzbewilligung und der dazu ins Feld geführten Gründe Stellung zu beziehen und ge-

gebenenfalls erhebliche Beweise beizubringen (zur Kindesanhörung vgl. Art. 12 der UNO-Kinder-

rechtskonvention, Art. 1a Abs. 2 lit. a PAVO und BGE 131 III 553, wonach eine Kindesanhörung im 

Sinne einer Richtlinie grundsätzlich ab dem vollendeten sechsten Altersjahr möglich ist). Angesichts 

der kurzen Zeitspanne von rund 20 Tagen zwischen Gesuchstellung und Entscheideröffnung ist ein 

erfolgter Einbezug der Parteien auch wenig wahrscheinlich. Wenngleich für alle Parteien ein gewis-

ses Interesse an einem beförderlichen Entscheid über das Kostenübernahmegesuch bestand, war 

es nicht gerechtfertigt, die Pflegeplatzbewilligung kurzerhand ebenso zu widerrufen, ohne den Be-

troffenen das rechtliche Gehör zu gewähren, zumal in dieser Frage keine Gefahr in Verzug lag  

 

 7 von 14 

 

(vgl. § 21 Abs. 2 VRPG). Der angefochtene Entscheid ist bereits aufgrund dieses schwerwiegenden 

Verstosses gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz des rechtlichen Gehörs aufzuheben.  

1.4 

Schwere Verstösse gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs führen in aller Regel zu einem 

Rückweisungsentscheid. Die vorliegende Angelegenheit ist indessen zur Vermeidung unnötiger Ver-

zögerungen im Interesse der betroffenen Parteien an einer beförderlichen Beurteilung der Sache 

selbst und zur Vermeidung eines unnötigen Leerlaufs nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die 

betroffenen Personen erhielten im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Möglichkeit, sich zu äus-

sern, und das BKS als Beschwerdeinstanz prüft Sachverhalt und Rechtslage frei (vgl. BGE 137 I 195 

Erwägung 2.3.2 und § 52 VRPG). Insbesondere erhielt auch A. die Möglichkeit sich zu äussern (vgl. 

die mit Verfügung vom 8. September 2020 gestellten Fragen sowie seine handschriftlich verfassten 

Antworten mit Schreiben vom 13. September 2020). Die Verletzung des rechtlichen Gehörs kann so-

mit im vorliegenden Beschwerdeverfahren geheilt werden, womit ein Entscheid in der Sache ergehen 

kann.  

2. Entscheid der Vorinstanz 

Der Gemeinderat entzog B. die Pflegeplatzbewilligung für A. mit der Begründung, dass die Pflege-

mutter – aufgrund des verfügten Schulausschlusses von A. an der HPS U. und der neuen Beschu-

lung an einer Privatschule in S. – davon ausgehe, dass das Pflegeverhältnis nicht mehr lange dau-

ere. Als Pflegemutter könne sie nicht professionell sein, wenn sie zu einem Kind eine zu starke 

Bindung aufbaue. Daraus schloss der Gemeinderat, dass eine Umplatzierung für A. kein Problem 

darstelle.  

Im Weiteren erwog der Gemeinderat, dass A. gemäss Bericht des SPD an emotionalen Ausbrüchen, 

aggressivem Verhalten gegenüber Sachobjekten und Verweigerung leide. Unter Beachtung dieser 

schwierigen Verhältnisse sei der Schulweg von Q. nach S. von rund 1 Stunde und 20 Minuten für A. 

nicht zumutbar und stehe in klarem Widerspruch zum Kindeswohl. Es sei daher angezeigt, dass ein 

neuer Pflegeplatz im Raum T. gesucht werde (vorinstanzlicher Entscheid vom 27. Juli 2020, Erwä-

gung 1.6).  

3. Rechtsgrundlagen 

Gemäss Art. 316 ZGB in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 PAVO benötigt eine Bewilligung, wer ein Kind 

für mehr als einen Monat entgeltlich oder mehr als drei Monate unentgeltlich in seinen Haushalt auf-

nehmen will (sogenannte Familienpflege). Die Bewilligungspflicht besteht auch, wenn das Kind von 

einer Behörde untergebracht wird (Art. 4 Abs. 3 PAVO).  

Eine Pflegeplatzbewilligung darf nur erteilt werden, wenn die Pflegeeltern und ihre Hausgenossen 

nach Persönlichkeit, Gesundheit und erzieherischer Eignung sowie nach den Wohnverhältnissen für 

gute Pflege, Erziehung und Ausbildung des Kindes Gewähr bieten und das Wohl anderer in der Pfle-

gefamilie lebender Kinder nicht gefährdet wird (Art. 5 Abs. 1 PAVO).  

Die Pflegeeltern müssen die Bewilligung vor Aufnahme des Kindes einholen. Die Bewilligung wird 

ihnen für ein bestimmtes Kind erteilt; sie kann befristet und mit Auflagen und Bedingungen verbun-

den werden. Das Kind muss gegen die Folgen von Krankheit, Unfall und Haftpflicht angemessen ver-

sichert werden (Art. 8 Abs. 1 – 3 PAVO).  

Eine Fachperson der Behörde besucht die Pflegefamilie so oft als nötig, jährlich aber wenigstens ein-

mal, und führt über diese Besuche Protokoll. Diese Person prüft, ob die Voraussetzungen für die 

Weiterführung des Pflegeverhältnisses erfüllt sind. Sie steht den Pflegeeltern bei Bedarf beratend zur 

Seite (Art. 10 Abs. 1 und 2 PAVO). Können Mängel oder Schwierigkeiten auch in Zusammenarbeit 

mit dem gesetzlichen Vertreter oder dem Versorger nicht behoben werden und erscheinen andere 

 

 8 von 14 

 

Massnahmen zur Abhilfe nutzlos, so entzieht die Behörde die Bewilligung und fordert den gesetzli-

chen Vertreter oder den Versorger auf, das Kind binnen angemessener Frist anderswo unterzubrin-

gen (Art. 11 Abs. 1 PAVO). Bleibt diese Aufforderung erfolglos, so benachrichtigt die Behörde die 

Kindesschutzbehörde am Wohnsitz und gegebenenfalls am Aufenthaltsort des Kindes. Liegt Gefahr 

im Verzug, so nimmt die Behörde das Kind unter Anzeige an die Kindesschutzbehörde sofort weg 

und bringt es vorläufig anderswo unter (Art. 11 Abs. 2 und 3 PAVO).  

Beim Entscheid über die Erteilung oder den Entzug einer Bewilligung sowie bei der Ausübung der 

Aufsicht ist vorrangig das Kindeswohl zu berücksichtigen (Art. 1a PAVO).  

4. Inhaltliche Prüfung der Beschwerde 

4.1 

Der Beistand als Vertreter des Beschwerdeführers macht im Wesentlichen geltend, dass A. aufgrund 

des Erlebten an einer schweren Bindungsstörung leide. Er benötige einen kleinen strukturierten Fa-

milienrahmen und insbesondere Kontinuität in seinen Bezugspersonen, insbesondere die stetige 

emotionale Unterstützung durch die Pflegemutter B. In der Anfangszeit nach dem missglückten  

Heimaufenthalt habe A. klare Strukturen, Regeln und Ämtli benötigt. B. habe einen hohen Betreu-

ungseinsatz geleistet und viel Zeit in eine gelingende emotionale Bindung zu A. investiert. Anfänglich 

sei unklar gewesen, wie lange die Notfallplatzierung dauere. Es habe sich dann immer mehr gezeigt, 

dass das Setting in einem kleinen Familienrahmen mit klaren Strukturen und Regeln für A.s Entwick-

lung und zur Stabilisierung seiner Psyche förderlich sei. Die vom Gemeinderat angeführte fehlende 

Bindung zur Pflegemutter wird bestritten. Dass sich B. nicht zu stark an ein Pflegekind binden wolle, 

sei aus fachlicher Sicht richtig und zeuge von einer professionellen Einstellung der Pflegemutter, die 

Nähe und Distanz regulieren könne. Diese arbeite auch sehr empathisch mit der Herkunftsfamilie, 

namentlich mit der leiblichen Mutter. Dadurch hat sich bei A. kein Loyalitätskonflikt entwickelt und die 

Übergänge bei den zwei Besuchen pro Monat gingen natürlich und gut vonstatten.  

Der lange Schulweg sei dem Umstand geschuldet, dass zurzeit kein Sonderschulplatz für A. im Kan-

ton Aargau zur Verfügung stehe. Hier stehe der Gemeinderat bzw. die Schulpflege Q. in der Pflicht, 

eine geeignete Schullösung für A. zur Verfügung zu stellen. Der Schulweg nach S. sei nicht ideal und 

eine gewisse Herausforderung, aber für A. und B. stelle er kein Problem dar. Anfänglich habe die 

Pflegemutter A. noch auf dem Schulweg begleitet, unterdessen meistere er die Fahrt mit dem Zug 

selbständig. Alle Beteiligten prüften fortlaufend, inwiefern die Schulwegsituation eine Überforderung 

darstellen könnte. Es sei auch geprüft worden, ob A. an den drei Schultagen pro Woche in einer Ent-

lastungsfamilie im Raum S. übernachten könnte. Da A. den Schulweg an den drei Schultagen prob-

lemlos meistere (an zwei Tagen absolviere er ein Praktikum bei einem Velohändler in Q.), sei diese 

Möglichkeit wieder fallengelassen worden. Der SPD V. habe seit der Anmeldung im März 2020 bis 

Ende Juni 2020 nach einer schulischen Anschlusslösung gesucht, nachdem A. nach einem Vorfall 

per Ende Schuljahr aus der HPS U. ausgeschlossen wurde. Der SPD habe feststellen müssen, dass 

alle Tagessonderschulen mit passender Begleitung und Förderung im Kanton Aargau wie auch in 

den Nachbarskantonen besetzt seien. Die Beschulung in der Privatschule des Vereins I. in S. habe 

schliesslich die einzige, absolute Notlösung dargestellt, weshalb ein entsprechendes Gesuch um 

Kostengutsprache an den Gemeinderat erfolgte (zum Ganzen: Beschwerde, Seiten 2–5 und Stel-

lungnahme vom 17. September 2020).  

4.2  

In ihrer Stellungnahme bringt die Vorinstanz weitere Argumente vor, die gegen eine Pflegeplatzbewil-

ligung für B. sprächen. Sie bemängelt insbesondere, dass die Pflegemutter verschiedentlich die Auf-

lage zur Meldung von wichtigen Änderungen der Verhältnisse verletzt habe (Betreuung weiterer Pfle-

gekinder, Änderungen in der Beschulung von A. sowie kein Wochenaufenthalt in S., wie vom 

Beistand in Aussicht gestellt). Weder die KESB R., I. noch der Beistand hätten ihr die Entscheide der 

 

 9 von 14 

 

KESB R. mit wichtigen Informationen zum Pflegekind zur Verfügung gestellt. Über die Art der Unter-

bringung als Krisenintervention und die konkreten Umstände sei die Vorinstanz erst im vorliegenden 

Beschwerdeverfahren informiert worden. Bei einer Krisenintervention gälten erhöhte Anforderungen 

an die Pflegefamilie. Wären der Vorinstanz alle Umstände des Einzelfalls bekannt gewesen, hätte sie 

von Anfang an keine Bewilligung erteilt, da der Pflegemutter die notwendige fachliche Ausbildung  

oder Praxis fehle. 

Die Vorinstanz kritisiert zudem die wirtschaftliche Abhängigkeit der Pflegemutter von den Einnahmen 

als Pflegemutter. Schliesslich bringt sie vor, dass der lange Schulweg an drei Tagen pro Woche nach 

S. (2 Tage Praktikum in Q.) unter erschwerten Bedingungen (Covid-19) für das Wohl von A. nicht för-

derlich sei. In einem Schulheim hätte er eine geregelte Struktur und eine einheitliche, enge Beglei-

tung (zum Ganzen: Stellungnahme vom 26. Oktober 2020).  

4.3 

Nimmt eine Pflegefamilie regelmässig verschiedene Kinder auf, kann sie um Ausstellung einer gene-

rellen Eignungsbestätigung ersuchen (vgl. Art. 5 PAVO). Der Gemeinderat als Bewilligungsbehörde 

gemäss Art. 4 PAVO in Verbindung mit § 18 Abs. 2 lit. a EG ZGB prüft die grundsätzliche Eignung 

der Pflegeeltern zur Aufnahme von fremden Kindern in ihren Haushalt. Zusätzlich wird pro Kind eine 

kindesspezifische Pflegeplatzbewilligung benötigt (vgl. Art. 8 Abs. 2 PAVO). Hierbei prüft die Be-

hörde, ob das Pflegekind aufgrund seiner Bedürfnisse zu den Pflegeeltern passt und das Kindeswohl 

in allen Belangen sichergestellt ist (vgl. Empfehlungen für die Bewilligung und Aufsicht von Pflege-

plätzen vom 20. September 2019 des Verbands Aargauer Gemeindeschreiberinnen und Gemeinde-

schreiber [AGG] und des Verbands Aargauer Gemeindesozialdienste [VAGS], Seiten 5–8; nachfol-

gend: Empfehlungen AGG/VAGS; abrufbar unter: www.gemeinden-ag.ch).  

4.4 

Die Vorinstanz begründet den Widerruf der Pflegeplatzbewilligung einerseits mit kindesspezifischen 

Gründen, insbesondere mit dem langen Schulweg und der fehlenden, starken Bindung zwischen 

Pflegemutter und Pflegekind (siehe nachfolgende Erwägung 4.5). Anderseits begründet sie den Wi-

derruf mit Argumenten, die sich gegen die grundsätzliche Eignung der Pflegemutter richten, nament-

lich mit Verletzungen der Meldepflicht, der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Pflegegeld und der feh-

lenden fachlichen Ausbildung oder Praxis zur Aufnahme von Kindern im Rahmen einer Kriseninter-

vention (siehe nachfolgende Erwägungen 4.6 f.).  

4.5 

4.5.1 

Es stellt sich vorab die Frage, welche Aufgabe der Vorinstanz bei der Prüfung der Pflegeplatzbewilli-

gung für A. zukommt und für welche Aufgaben die KESB zuständig ist.  

4.5.2 

Den Eltern von A. entzog die damals zuständige KESB R. das Aufenthaltsbestimmungsrecht gemäss 

Art. 310 ZGB und platzierte ihn zuerst vorsorglich und danach definitiv bei B. (vgl. Entscheide der 

KESB R. vom 27. Juli 2018 und 9. Oktober 2019). Die KESB als zuständige Behörde gemäss Bun-

deszivilrecht entzieht nicht nur das Aufenthaltsbestimmungsrecht und ernennt dem Kind einen Bei-

stand, sondern sie prüft auch alle Kindeswohlbelange umfassend und entscheidet gestützt auf diese 

Erkenntnisse in allen Kindeswohlbelangen. Die KESB untersteht dem uneingeschränkten Untersu-

chungsgrundsatz: Sie erforscht den Sachverhalt von Amtes wegen. Insbesondere holt sie die erfor-

derlichen Erkundigungen ein und erhebt die notwendigen Beweise. Bei Platzierungen in eine Pflege-

familie prüft sie alle kindeswohlspezifischen Kriterien von Amtes wegen (Art. 446 Abs. 1 und 2 ZGB; 

PETER BREITSCHMID, Basler Kommentar ZGB I, 6. Auflage, Basel 2018, Art. 310 N 9 und Art. 446 N 7 

sowie DANIEL ROSCH/ANDREA HAURI, in: ROSCH/FOUNTOULAKIS/HECK, Handbuch Kindes- und Erwach-

senenschutz, Luzern 2016, Rz. 1086–1088).  

http://www.gemeinden-ag.ch/

 

 10 von 14 

 

Im vorliegenden Fall wurde A. aufgrund von verbalen Angriffen sowie Tätlichkeiten gegenüber Be-

treuungspersonen von seiner damaligen Beiständin aus der stationären Einrichtung O. ab 5. Mai 

2018 bei B. im Sinne einer Notplatzierung untergebracht. Nach einer Anhörung von A. am 25. Juli 

2018 sowie seiner Mutter vom 26. Juli 2018 platzierte die KESB A. vorsorglich bei B. und bestätigte 

somit die Notunterbringung durch die Beiständin mit Präsidialentscheid vom 27. Juli 2018. Die KESB 

erachtete den langen Schulweg als nicht ideal und erwog, dass mittelfristig eine Unterbringungssitua-

tion zu suchen sei, die in der Nähe der Schule liege, oder eine geeignete Schule, die sich in der 

Nähe des bestehenden Pflegeplatzes befinde.  

Im Jahr 2019 prüfte die KESB die Unterbringungssituation von A. umfassend – unter Berücksichti-

gung der Abklärungen der Beiständin und des SPD V. Im Auftrag der KESB erstattete die Beiständin 

am 15. Mai 2019 einen Zwischenbericht zur definitiven Unterbringung von A. Die Beiständin bean-

tragte die Weiterführung der Unterbringung bei B. A. habe sich mittlerweile gut eingelebt. Er benötige 

einen klaren Umgang und Rahmen, ansonsten reagiere er mit inadäquatem Sozialverhalten. A. 

möchte weiterhin bei B. wohnen. Aufgrund seiner Funktionseinschränkungen bestehe ein hoher Be-

darf an Begleitung und Führung. In der Herkunftsfamilie bestehe ein grosses Potenzial an Gefähr-

dung, wie die laufenden Strafverfahren gegen die Mutter und den Stiefvater zeigten. Massgebend für 

A.s weitere Entwicklung seien stabile, kontinuierliche Beziehungen, die höher zu gewichten seien, 

als die Distanz zwischen Wohn- und Schulstandort. 

Auch der Vater unterstützte die weitere Unterbringung bei B. Die Mutter liess sich nicht vernehmen. 

A. wurde von der KESB am 27. August 2019 angehört. Er gab zu Protokoll, am liebsten zu seiner 

Mutter zurückzukehren. Am Pflegeplatz gefalle es ihm mittelmässig und er leide aufgrund des langen 

Schulwegs (Entscheid KESB R. vom 9. Oktober 2019, Sachverhalt und Erwägungen 4–7).  

Gestützt auf diese Abklärungen entschied sich die KESB R. mit Entscheid vom 9. Oktober 2019, die 

definitive Unterbringung bei B. anzuordnen (Dispositiv-Ziffer 2). Infolge Umzugs der Mutter erfolgte 

eine Übertragung der Kindesschutzmassnahmen an die KESB W. Der neu eingesetzte Beistand 

wurde insbesondere beauftragt, mittelfristig eine Unterbringungssituation zu suchen, die in der Nähe 

der Schule liegt, oder eine geeignete Schule, die sich in der Nähe des bestehenden Pflegeplatzes 

befindet (Dispositiv-Ziffer 6b).  

4.5.3 

Indem die Vorinstanz den relativ langen Schulweg von A. als nicht mit dem Kindeswohl vereinbar ta-

xiert und ebenso eine fehlende Bindung zwischen ihm und der Pflegemutter zur Begründung des Wi-

derrufs der Pflegeplatzbewilligung anführt, greift sie in den kompetenzgemäss erlassenen und auf-

grund umfangreicher Abklärungen gefällten Entscheid der KESB R. ein. Zudem steht es ihr nicht zu, 

zu erwägen, dass A. besser in einer Pflegefamilie im Raum T. oder in einem Schulheim unterzubrin-

gen sei und gestützt auf diese Argumentation die Pflegeplatzbewilligung zu entziehen. Damit entzieht 

sie der durch die KESB R. rechtmässig angeordneten Pflegeplatzierung den Boden. Mithin vereitelt 

sie dadurch die Durchsetzung des bundesrechtlich geregelten Kindesschutzes, der alleine in der Zu-

ständigkeit der KESB oder eines zuständigen Gerichts liegt.  

Die Vorinstanz verkennt ihre Rolle. Bei einer behördlichen Platzierung eines Kinds in eine Pflegefa-

milie durch das zum Erlass von Kindesschutzmassnahmen zuständige Gericht oder die KESB ist die 

Vorinstanz an dessen beziehungsweise deren Entscheide gebunden (Urteil 5P.41/2006 des Bundes-

gerichts vom 17. Februar 2006, Erwägung 1.3). Es steht ihr nicht zu, den bereits dem Entscheid im 

Wesentlichen zugrundeliegenden Sachverhalt anders zu würdigen als die für Kindesschutzmassnah-

men zuständige KESB R. (vgl. auch BGE 135 V 134, wonach die Sozialhilfebehörde an den bundes-

rechtskonform gefällten Entscheid der zuständigen Kindesschutzbehörde gebunden ist). Der Schul-

weg von Q. nach U. betrug rund 1 Stunde und 10 Minuten, jener nach S. ist mit 1 Stunde und 

15 Minuten praktisch gleich lang (vgl. www.sbb.ch). Die Beurteilung der KESB betreffend Länge des 

Schulwegs nach U. ist somit immer noch aktuell und für die Vorinstanz jedenfalls verbindlich. Auch 

die KESB erachtete den Schulweg als lange an und beauftragte daher den Beistand, mittelfristig eine 

http://www.sbb.chwww.sbb.ch/

 

 11 von 14 

 

neue Lösung zu suchen, was angesichts der grossen Auslastung der Tagessonderschulen keine ein-

fache Aufgabe ist und Zeit benötigt, bis ein Platz frei wird.  

Der Vorinstanz ist es selbstverständlich unbenommen, den Beistand bzw. direkt die nunmehr zustän-

dige KESB W. über Änderungen im Sachverhalt bzw. ihre Sichtweise zur Unterbringungs- und Schul-

situation zu informieren. Es ist indessen alleine die Aufgabe der KESB bzw. des zuständigen Ge-

richts, eine allenfalls notwendige Umplatzierung anzuordnen.  

4.5.4 

Selbst wenn der Vorinstanz die Befugnis zukäme, auch bei einer Pflegeplatzierung als behördliche 

Kindesschutzmassnahme die kindesspezifischen Gründe erneut zu überprüfen, die bereits dem 

Sachverhalt des Entscheids der zuständigen Kindesschutzbehörde oder des zuständigen Gerichts 

zugrunde lagen, würde man zu keinem anderen Ergebnis gelangen:  

Kinder und Jugendliche, die eine Tagessonderschule besuchen, legen oft relativ lange Schulwege 

zurück. Dies trifft umso stärker zu, je spezialisierter die Schulungsbedürfnisse eines Kinds sind und 

je weniger geeignete Schulangebote bestehen. Bei A. kommen aufgrund seiner Behinderung aus-

weislich der fachpsychologischen Abklärungen des SPD insbesondere folgende Tagessonderschu-

len in Frage (Schreiben SPD V. vom 21. September 2020):  

 

• V. (14 Minuten),  

• J. (1 Stunde 15 Minuten),  

• K. (1 Stunde 11 Minuten),  

• L. (1 Stunde 10 Minuten),  

• M. (2 Stunden 3 Minuten),  

• N. (1 Stunde 27 bzw. 39 Minuten).  

Die jeweils kürzest mögliche Reisezeit für einen Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist in 

Klammern angegeben (vgl. www.sbb.ch). Mit Ausnahme der HPS V. weisen alle geeigneten Tages-

sonderschulen einen Schulweg auf, der betreffend Reisezeit mit jenem an die HPS U. beziehungs-

weise nun an die Privatschule I. in S. vergleichbar (vgl. Erwägung 4.5.3) oder gar noch länger ist. M. 

sowie die beiden Tagessonderschulen N. wären nur mit einem Privatauto in zumutbarer Weise er-

reichbar. Dagegen sind die Tagessonderschulen V., K., J. und L. mit den öffentlichen Verkehrsmit-

teln in einer vernünftigen Zeit erreichbar. Aus der Länge des Schulwegs kann die Vorinstanz jeden-

falls keine Kindeswohlgefährdung für sich ableiten, die gegen eine Pflegeplatzierung in Q. spricht. 

Auch die Pflegemutter bringt vor, dass sich A. gut an den Schulweg gewöhnt habe. Er fahre gerne 

mit dem Zug und meistere die Fahrt meistens ohne Zwischenfälle. Es könne zudem nicht sein, dass 

der lange Schulweg, der bereits seit zwei Jahren bestehe, nun für den Entzug der Pflegeplatzbewilli-

gung herangezogen werde (Schreiben vom 22. August 2020). Massgebend für A.s weitere Entwick-

lung sind stabile, kontinuierliche Beziehungen, die höher zu gewichten sind als die Distanz zwischen 

Wohn- und Schulstandort. Ein Verbleib bei B. liegt im überwiegenden Kindeswohlinteresse, das vor-

rangig zu berücksichtigen ist (Art. 1a PAVO).  

A. äussert sich unterschiedlich dazu, wie gut es ihm bei B. gefalle. Im Jahr 2019 gab er der KESB R. 

an, dass es ihm bei seiner Pflegemutter mittelmässig gefalle und er am liebsten zu seiner Mutter zu-

rückkehren möchte (vgl. Erwägung 4.5.2). In seiner handschriftlichen Eingabe in diesem Beschwer-

deverfahren gab er auf die Frage, wie es ihm bei B. gefalle, zur Auskunft, dass B. wie seine Gross-

mutter sei (vgl. die mit Verfügung vom 8. September 2020 gestellten Fragen sowie seine 

handschriftlich verfassten Antworten mit Schreiben vom 13. September 2020). Anderseits hat er sich 

verständlicherweise zum Ziel gesetzt, wieder bei seiner Mutter wohnen zu können. Eine Rückkehr in 

die Herkunftsfamilie hat indessen die KESB R. in nachvollziehbarer Weise abgelehnt (vgl. dazu Er-

wägung 4.5.2). In Q. geht er in einen Verein und hat auch einen Freund gefunden (vgl. Schreiben 

vom 13. September 2020).  

http://www.sbb.ch/

 

 12 von 14 

 

Die von der Vorinstanz angeführte, fehlende enge Bindung ist angesichts der Aufgabe einer Pflege-

mutter zu relativieren. B. pflegt eine professionelle Haltung und bindet sich nicht wie eine leibliche 

Mutter an ein Kind, da sie stets damit rechnen muss, dass das Kind in die Herkunftsfamilie zurück-

kehrt oder in ein anderes Setting übergeht. Aufgrund von A.s Behinderung und Verhalten ist es be-

sonders wichtig, Nähe und Distanz gut zu regulieren (vgl. Schreiben der Pflegemutter vom 22. Au-

gust 2020 sowie Bericht SPD V. vom 8. Juli 2020).  

Schliesslich hält auch der Beistand fest, dass die Platzierung bei B. aus seiner Sicht sowie aller in-

volvierten Fachpersonen für die stabile Weiterentwicklung von A. förderlich sei. Gemäss Austrittsbe-

richt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJP) der Region T. liegt bei A. eine schwere 

reaktive Bindungsstörung des Kindesalters vor (ICD-10: F94.1), womit es ihm sehr schwer fällt, sich 

auf neue Bezugspersonen einzulassen. Bei einer veränderten Betreuung reagiert er häufig destruktiv 

und aggressiv, wie zuletzt bei einem Lehrpersonenwechsel an der HPS U., was schliesslich zum 

Schulausschluss führte (vgl. Austrittsbericht KJP Region T. vom 29. Oktober 2019 und Schreiben 

HPS U. vom 25. März 2020). Ein Abbruch der stabilen und förderlichen Beziehung zur Pflegemutter 

B. muss aus Gründen des Kindeswohls vermieden werden, da es ansonsten zu einer erneuten Eska-

lation kommen könnte, insbesondere im Hinblick auf die anlaufende Pubertät und Berufswahl (vgl. 

Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 25. November 2020). Sowohl der SPD V. als auch der 

KJP Region T. erachten das Pflegeverhältnis bei B. als besonders wichtig für einen tragenden Bezie-

hungsaufbau und für die erfolgte Beruhigung. A. zeigte sich bereits im Jahr 2019 stabiler, gefestigter 

und ruhiger in seinem Verhalten. Aufgrund des Erlebten in der Herkunftsfamilie ist er aber weiterhin 

stark gefährdet (Bericht SPD V. vom 6. Juni 2019 und Austrittsbericht KJP Region T. vom 29. Okto-

ber 2019). Nicht zuletzt gelingt es B., für eine gute Beziehung zwischen A. und seiner leiblichen Mut-

ter zu sorgen, ohne dass Loyalitätskonflikte entstehen. Es ist ihr zu verdanken, dass die leibliche 

Mutter gut und kooperativ mit den Beteiligten zusammenarbeitet. Zuvor verhielt sie sich äusserst ab-

weisend und misstrauisch gegenüber Fachpersonen und Behörden (vgl. Schreiben des Beschwerde-

führers vom 17. September 2020 sowie Entscheid der KESB R. vom 9. Oktober 2019).  

Insgesamt sprechen alle Umstände aus überwiegenden Kindeswohlinteressen für eine Weiterfüh-

rung der Pflegeplatzierung von A. bei B. Zudem läge es ohnehin in der alleinigen Zuständigkeit der 

KESB, eine allfällige Umplatzierung zu prüfen (vgl. Erwägung 4.4.2 f.).  

4.6  

4.6.1  

Die Vorbringen des Gemeinderats, die sich gegen die grundsätzliche Eignung der Pflegemutter rich-

ten (vgl. oben Erwägung 4.2), erfolgen erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren. Dem angefochte-

nen Entscheid ist diesbezüglich nichts zu entnehmen. Es ist zwar zulässig, dass eine Vorinstanz ih-

ren Entscheid im Beschwerdeverfahren auch mit neuen Sachverhaltselementen und Argumenten 

begründet (vgl. Urteil C 70/98 des eidg. Versicherungsgerichts vom 29. Januar 2001, Erwägung 3b), 

indessen zeigt sich darin auch, dass ihre Entscheidungsgrundlagen bei der erstmaligen Bewilligung 

eigentlich ungenügend waren (dazu die nachfolgende Erwägung 4.7).  

4.6.2  

Die Pflegemutter anerkennt, dass sie ihrer Meldepflicht bei Neueintritten oder Austritten von Pflege-

kindern nicht immer zuverlässig nachgekommen ist. Sinngemäss erläutert sie, sich inskünftig genau 

an die Auflagen zu halten und bittet um Nachsicht (vgl. ihre Stellungnahme vom 24. November 

2020). Die Vorinstanz erinnerte B. an die Auflagen der Pflegeplatzbewilligung mit Entscheid vom 

1. Juli 2019. Ein Entzug der generellen Eignungsbestätigung alleine aus diesem Grund wäre aktuell 

unverhältnismässig. B. wird aber hiermit aufgefordert, sich inskünftig genau an die Auflagen zu hal-

ten und eine gute Zusammenarbeit mit der Vorinstanz zu pflegen. Ansonsten wäre dereinst ein Ent-

 

 13 von 14 

 

zug der Pflegeplatzbewilligung nicht mehr unverhältnismässig. Eine vorherige Androhung des Bewil-

ligungsentzugs wäre indessen aus rechtsstaatlichen Überlegungen notwendig (vgl. Urteil 

2C_737/2010 des Bundesgerichts vom 18. Juni 2011, Erwägung 4.2).  

Zu Anfang des Pflegeverhältnisses mit A. handelte es sich in der Tat um eine Krisenintervention, bei 

der erhöhte Anforderungen an die Pflegeeltern zu beachten sind. Nach den Empfehlungen 

AGG/VAGS (vgl. Erwägung 4.3) soll mindestens ein Pflegeelternteil über eine fachliche Ausbildung 

(Sozialpädagogik, Psychologie oder vergleichbare Ausbildung) und/oder über entsprechende Kennt-

nisse mit Praxiserfahrungen verfügen. Zudem soll die Pflegefamilie einer Familienplatzierungsorgani-

sation angeschlossen sein, welche die fachliche Begleitung sicherstellt (Ziffer 3.5.1 und 3.6). B. ver-

fügt zwar über keine der genannten Ausbildungen, jedoch über vielfältige Erfahrungen als Mutter und 

hat insgesamt acht Kinder grossgezogen. Sie hat damit bewiesen, dass sie mannigfaltigen Belastun-

gen gewachsen ist. Die Familienplatzierungsorganisation I. hat sie zudem als Pflegemutter ausge-

wählt, was für ihre Qualifikationen spricht. I. stellt zudem seit dem ersten Tag die Begleitung durch 

einen dipl. Sozialpädagogen sicher. Auch der von der KESB eingesetzte Beistand erachtet die not-

wendigen Qualifikationen als gegeben an (vgl. Vorakten, Stellungnahme der Pflegemutter vom 

24. November 2020, Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 25. November 2020 sowie Schrei-

ben SPD V. vom 21. September 2020). Die Krisenintervention ist längst abgeschlossen und das Pfle-

geverhältnis unterdessen ein ordentliches. Es kann daher schliesslich offenbleiben, ob B. über alle 

notwendigen Qualifikationen für Kriseninterventionen verfügt. Jedenfalls sprechen die angeführten 

Grundlagen für eine besondere Eignung der Pflegemutter auch für anspruchsvolle Pflegeverhält-

nisse.  

Soweit die Vorinstanz die wirtschaftliche Abhängigkeit der 60-jährigen B. von den Einnahmen als 

Pflegemutter kritisiert, ist zu entgegen, dass gerade in komplexen Fällen wie dem vorliegenden eine 

Rundumbetreuung sinnvoll ist und eine anderweitige Erwerbstätigkeit der kindeswohlindizierten Voll-

betreuung abträglich sein könnte. Eine gewisse wirtschaftliche Abhängigkeit ist daher nicht per se 

schlecht und kann keinesfalls einen Entzug der Pflegeplatzbewilligung rechtfertigen.  

4.7 

Schliesslich kritisiert die Vorinstanz mehrfach, sie sei erst im Laufe des Beschwerdeverfahrens über 

die gesamten Umstände im Fall von A. informiert worden. Sowohl B. als auch I. trifft eine Mitwir-

kungspflicht (vgl. § 23 VRPG). Das "Gesuch um Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung" wurde eher 

rudimentär ausgefüllt, insbesondere fehlen Angaben zum Aufnahmegrund (vgl. Vorakten). Ebenso 

unverständlich ist auch, weshalb weder die KESB noch der Beistand die Entscheide der KESB R. an 

die Vorinstanz zustellten, die für die Erteilung der Pflegeplatzbewilligung und deren Aufsicht zustän-

dig ist. Auf der anderen Seite wäre es auch die Aufgabe der Vorinstanz als Bewilligungs- und Auf-

sichtsbehörde in der Familienpflege den Sachverhalt gemäss § 17 VRPG von Amtes wegen zu erhe-

ben. Sie kann sich nicht alleine auf die ihr eingereichten Unterlagen abstützen und später beklagen, 

sie habe die wesentlichen Umstände nicht gekannt. Im genannten Gesuch war zumindest angege-

ben, dass A. eine Beiständin aufweist. Der Gemeinderat bzw. eine von ihm eingesetzte Verwaltungs-

stelle hätte weitere Unterlagen von I. einverlangen müssen und die Beiständin für zusätzliche Aus-

künfte etwa auch anrufen können.  

Insgesamt ist die Kommunikation zwischen allen Beteiligten nicht optimal gelaufen und muss verbes-

sert werden, rechtfertigt jedoch keinen Entzug der Pflegeplatzbewilligung.  

4.8 

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen gemäss Art. 5 Abs. 1 PAVO bei B. für die 

Erteilung der Pflegeplatzbewilligung für A. erfüllt und zugleich die Voraussetzungen für einen Wider-

ruf gemäss Art. 11 PAVO nicht gegeben sind. Demzufolge ist der vorinstanzliche Entscheid in Gut-

heissung der Beschwerde aufzuheben. Somit gelten die Pflegeplatzbewilligung des Gemeinderats Q. 

vom 2./23. Juli 2018 sowie die Ergänzung der Auflagen mit Entscheid vom 1. Juli 2019 weiterhin.  

 

 14 von 14 

 

5. Verfahrens- und Parteikosten 

5.1 

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten in der Regel nach Massgabe des Unterlie-

gens und Obsiegens auf die Parteien verlegt. Den Behörden werden jedoch Verfahrenskosten nur 

auferlegt, wenn sie schwerwiegende Verfahrensfehler begangen oder willkürlich entschieden haben 

(§ 31 Abs. 2 VRPG). Die Vorinstanz holte vor dem Widerruf der Pflegeplatzbewilligung weder das 

rechtliche Gehör der Pflegemutter noch des direkt betroffenen und in dieser Frage zweifelsohne ur-

teilsfähigen 14-jährigen Pflegekinds ein. Auch dessen Beistand hatte keine Möglichkeit zur Stellung-

nahme zum beabsichtigten Widerruf der Pflegeplatzbewilligung (vgl. im Einzelnen Erwägung 1). Die-

ser grundsätzlich schwere Verstoss gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs wäre dementsprechend eigentlich als schwerwiegender Verfahrensfehler zu qualifizieren, 

was zu einer Kostenauferlegung zu Lasten der Vorinstanz führen würde (§ 31 Abs. 2 Satz 2 VRPG). 

In Anbetracht der vielschichtigen und schwierigen Umstände sowie der Komplexität des Falles wird 

aber von einer solchen Kostenauferlegung zulasten der Vorinstanz abgesehen. Infolge Obsiegens 

des Beschwerdeführers werden die Verfahrenskosten somit auf die Staatskasse genommen.  

5.2 

Die Parteikosten sind gemäss § 32 Abs. 2 VRPG ebenfalls nach Massgabe des Obsiegens bezie-

hungsweise Unterliegens auf die Parteien zu verlegen. Der öffentlich-rechtlich angestellte Berufsbei-

stand vertritt A. im vorliegenden Beschwerdeverfahren gemäss Mandat der KESB W. sowie mit de-

ren Zustimmung zur Prozessführung, womit keine Parteikosten zu ersetzen sind.  

Entscheid 

1.  

Auf den Beschwerdeantrag 2 betreffend Übernahme der Kosten für den Besuch der Privatschule I. in 

S. durch die Einwohnergemeinde Q. oder Anweisung an die Einwohnergemeinde Q., ein passendes 

Schulsetting für A. zu organisieren, wird nicht eingetreten.  

2.  

In Gutheissung der Beschwerde wird der vorinstanzliche Entscheid vom 27. Juli 2020 aufgehoben. 

Die Pflegeplatzbewilligung des Gemeinderats Q. vom 2./23. Juli 2018, erteilt an B. für A. sowie die 

Ergänzung der Auflagen mit Entscheid vom 1. Juli 2019 gelten somit weiterhin.  

3.  

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden auf die Staatskasse genommen.  

4.  

Es werden keine Parteikosten ersetzt.  

 

 

 

 

Hans-Jürg Roth, lic. iur. 

Leiter Rechtsdienst 

 

 

 

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