# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d070c6e9-5217-5c57-853d-04f68429243c
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 07.04.2022 VBE.2021.553
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-553_2022-04-07.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2021.553 / pm / fi  
Art. 33 

 

Urteil vom 7. April 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Schircks Denzler  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Meier 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

vertreten durch MLaw Melina Tzikas, Rechtsanwältin, Totentanz 5,  

Postfach, 4051 Basel 

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Groupe Mutuel Assurances GMA AG, Rue des Cèdres 5, 1920 Martigny   

vertreten durch Prof. Dr. iur. Manuel Jaun, Rechtsanwalt,  

Gesellschaftsstrasse 27, Postfach, 3001 Bern  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 29. November 2021) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1972 geborene Beschwerdeführerin war als Fachlehrperson angestellt 

und in dieser Eigenschaft bei der Aargauischen Gebäudeversicherung 

(AGV; nachfolgend Beschwerdegegnerin), deren Rechtsnachfolgerin die 

Groupe Mutuel Assurances AG, Martigny (nachfolgend ebenfalls Be-

schwerdegegnerin), ist, gegen Unfallfolgen versichert. Am 25. April 2018 

verletzte sie sich bei einem Verkehrsunfall. Die Beschwerdegegnerin er-

brachte daraufhin vorübergehende Leistungen (Heilbehandlung/Taggeld). 

Nachdem die Beschwerdeführerin einen Termin für eine von der IV-Stelle 

des Kantons Aargau unter Beteiligung der Beschwerdegegnerin (Zusatz-

fragen) angeordnete bidisziplinäre Begutachtung nicht wahrgenommen 

hatte, stellte letztere die Taggeldleistungen mit Schreiben vom 2. Septem-

ber 2020 bis zum Vorliegen des Resultats der bidisziplinären Begutach-

tung, an deren Erforderlichkeit sie festhielt, vorsorglich per 31. August 2020 

ein. Am 16. Oktober 2020 forderte die Beschwerdegegnerin die Beschwer-

deführerin auf, sich einer (nun von der Beschwerdegegnerin selbst veran-

lassten) neurologisch-neuropsychologischen Untersuchung zu unterzie-

hen, und wies diese darauf hin, dass im Unterlassungsfalle aufgrund der 

Akten verfügt bzw. Nichteintreten beschlossen werden könne und sie – die 

Beschwerdegegnerin – aufgrund der Aktenlage entscheiden werde, falls 

die Termine nicht wahrgenommen würden. Daraufhin ersuchte die Be-

schwerdeführerin die Beschwerdegegnerin am 21. Oktober 2020, von der 

Begutachtung abzusehen und die vom Bezirksgericht Rheinfelden mit Ent-

scheid vom 3. August 2020 in Auftrag gegebene neurologische Expertise 

von Dr. med. H. abzuwarten. Ferner beantragte sie den Erlass einer 

Verfügung für den Fall, dass an der Einstellung der Taggeldleistungen fest-

gehalten werde. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2020 erklärte die Be-

schwerdegegnerin sich unter der Bedingung, dass die Beschwerdeführerin 

bei den noch ausstehenden Untersuchungen kooperieren werde, bereit, 

die Ausrichtung der vorübergehenden Leistungen rückwirkend per 1. Sep-

tember 2020 wieder aufzunehmen. Nachdem die Beschwerdeführerin am 

9. November 2020 die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen des 

Gutachtens von Dr. med. H. beantragt und darauf hingewiesen hatte, dass 

sie an den von der Beschwerdegegnerin geplanten Untersuchungen nicht 

teilnehmen werde, verfügte die Beschwerdegegnerin am 13. November 

2020 ein Nichteintreten "auf die Leistungsbegehren" der Beschwerde-

führerin sowie die Einstellung der Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen 

per 9. November 2020. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Be-

schwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 8. März 2021 ab. Die da-

gegen erhobenen Rechtsmittel blieben erfolglos (Urteil des Versicherungs-

gerichts VBE.2021.207 vom 2. September 2021; Urteil des Bundesge-

richts 8C_686/2021 vom 6. Dezember 2021). 

 

 - 3 - 

 

 

 

1.2. 

Zwischenzeitlich war das Gutachten des Neurologen Dr. med. H. am 

25. März 2021 erstattet worden, und die Beschwerdeführerin hatte die Be-

schwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. bzw. vom 30. April ersucht, ge-

stützt auf ebendieses Gutachten neu über ihren Leistungsanspruch zu ent-

scheiden. Mit Verfügung vom 9. Juli 2021 trat die Beschwerdegegnerin auf 

das Gesuch – ausgehend davon, die Mitwirkung werde nach wie vor ver-

weigert – nicht ein. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Ein-

spracheentscheid vom 29. November 2021 ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 21. Dezember 

2021 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Es sei der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 29. No-
vember 2021 aufzuheben. 

 
 2. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auf das Leistungsbe-

gehren der Beschwerdeführerin vom 30. April 2021 einzutreten und 
dieses materiell zu prüfen. 

 
 3. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, mangels Verletzung 

einer Mitwirkungspflicht gestützt auf die vorhandenen medizinischen 
Akten der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen, insbeson-
dere Taggelder und Heilungskosten rückwirkend per 9. November 
2020 sowie später eine Invalidenrente zukommen zu lassen. 

 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegne-
rin. 
 
Verfahrensantrag: 
 
 1. Es sei das vorliegende Verfahren bis zum Abschluss des zwischen den-

selben Parteien hängigen Beschwerdeverfahrens vor der sozialversi-
cherungsrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (Verfahren 
8C_686/2021 Ao) zu sistieren." 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 26. Januar 2022 zeigte Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Jaun 

den ab 1. Januar 2022 wirksamen Parteiwechsel von der AGV zur Groupe 

Mutuel Assurances GMA AG, Martigny, an.  

 

2.3. 

Mit Vernehmlassung vom 2. März 2022 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 

 

 

 - 4 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Einspracheent-

scheid vom 29. November 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 293) zu 

Recht nicht auf die Leistungsgesuche der Beschwerdeführerin vom 

7. (VB 259 S. 150) bzw. vom 30. April 2021 (VB 263) eingetreten ist. 

 

2. 

2.1. 

In ihrem Einspracheentscheid vom 8. März 2021 war die Beschwerdegeg-

nerin davon ausgegangen, indem die Beschwerdeführerin sich geweigert 

habe, an der geplanten, für die Beurteilung des weiteren Leistungsan-

spruchs erforderlichen Begutachtung teilzunehmen, obwohl sie auf die 

Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung aufmerksam gemacht worden 

sei, habe sie ihre Mitwirkungspflicht nach Art. 43 Abs. 2 ATSG 

unentschuldbar verletzt. Daher hatte die Beschwerdegegnerin ihre Leis-

tungen per 9. November 2020 eingestellt (VB 244). Die Rechtmässigkeit 

dieses Einspracheentscheides wurde vom Versicherungsgericht mit Urteil 

VBE.2021.207 vom 2. September 2021 (VB 286) bzw. vom Bundesgericht 

mit Urteil 8C_686/2021 vom 6. Dezember 2021 bestätigt. 

 

2.2. 

Wird die verweigerte Mitwirkung in einem späteren Zeitpunkt erbracht, kann 

sich die festgelegte Sanktion – Nichteintreten, Entscheid aufgrund der Ak-

ten – nur auf diejenige Zeitspanne beziehen, während der die Mitwirkung 

verweigert wurde (UELI KIESER, Kommentar zum Bundesgesetz über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2020, N. 114 zu 

Art. 43 ATSG). Wenn die (bisher gewährte) Leistung wegen verweigerter 

Mitwirkung verfügungsweise vorerst eingestellt wird, ist eine später allen-

falls erklärte Bereitschaft, an der Abklärung mitzuwirken, als Neuanmel-

dung zu betrachten (KIESER, a.a.O., N. 117 zu Art. 43 ATSG). Die versi-

cherte Person muss die ihr obliegende Mitwirkung dabei ausdrücklich und 

vorbehaltlos anbieten (Urteil des Bundesgerichts 9C_244/2016 vom 

16. Januar 2017 E. 3.3.). 

 

2.3. 

In ihren Leistungsbegehren vom 7. bzw. vom 30. April 2021 beantragte die 

Beschwerdeführerin, es sei gestützt auf das Gutachten von Dr. med. H. 

über ihre Ansprüche gegenüber der Unfallversicherung neu zu entscheiden 

(VB 259 S. 150; VB 263). Eine Bereitschaft, an der von der Beschwerde-

gegnerin vorgesehenen Abklärung (Begutachtung) mitzuwirken, liess sie in 

den Schreiben nicht erkennen. Die Beschwerdegegnerin teilte der Be-

schwerdeführerin in der Folge am 12. Mai 2021 unter Hinweis auf ihr 

Schreiben vom 28. April 2021 (VB 261) mit, es seien keine erheblichen 

 - 5 - 

 

 

 

neuen Tatsachen oder Beweismittel geltend gemacht worden. Daher könne 

auf ihr Leistungsbegehren nicht eingetreten werden. In der Folge bean-

tragte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 28. Mai 2021 zwar den 

Erlass einer anfechtbaren Verfügung (VB 269), erklärte jedoch weiterhin 

keine Mitwirkungsbereitschaft. Eine solche wurde auch nicht im anschlies-

senden Einspracheverfahren mitgeteilt. Im Gegenteil brachte die Be-

schwerdeführerin in ihrer Einsprache vom 12. August 2021 noch einmal 

unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie nicht gewillt sein, sich der von 

der Beschwerdegegnerin geplanten Begutachtung zu unterziehen (vgl. 

VB 278 S. 3 Rz. 6 und S. 6 Rz. 19). Somit ist die Beschwerdegegnerin 

mangels von der Beschwerdeführerin geäusserter Bereitschaft, an der Ab-

klärung des Leistungsanspruchs mitzuwirken, mit Einspracheentscheid 

29. November 2021 zu Recht nicht auf die Leistungsbegehren der 

Beschwerdeführerin vom 7. bzw. vom 30. April 2021 eingetreten. Die 

Beschwerdegegnerin wäre vor diesem Hintergrund nicht gehalten 

gewesen, im angefochtenen Einspracheentscheid das Gutachten von 

Dr. med. H. vom 25. März 2021 auf dessen Schlüssigkeit zu prüfen. 

 

3. 

Der in der Beschwerde gestellte Verfahrensantrag auf Sistierung des 

Verfahrens bis zum Abschluss des bundesgerichtlichen Verfah-

rens 8C_686/2021 ist gegenstandslos geworden, da das entsprechende 

Urteil bereits am 6. Dezember 2021 gefällt wurde. 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

4.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

 - 6 - 

 

 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 
 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreterin; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin (Vertreter; 2-fach) 

das Bundesamt für Gesundheit 
 
 
 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 
 

   

Aarau, 7. April 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 
 
 
Kathriner Meier