# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69ac10be-6b63-554c-a486-c59088b9a6d2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-22
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung. Einholung von Gerichtsgutachten. Veränderung ausgewiesen. Abstellen auf Gerichtsgutachten mit Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70 % in angepasster Tätigkeit. Anspruch auf ganze Invalidenrente.
**Docket/Reference:** IV.2020.00296
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00296.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00296
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
22. November 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Christos
Antoniadis
Antoniadis
Advokaturbüro
Badenerstrasse
89, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Zuger Pensionskasse
Bahnhofstrasse 16, 6301 Zug
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
Der 1973 geborene
X.___
, welcher
unter anderem
über
einen Masterabschluss in Sozialer Arbeit
verfügt
und
zuletzt
mit einem Pensum von 90 %
als
Pädagoge bei der Stiftung
Y.___
in
Z.___
tätig
war, m
eldete sich a
m
28. Januar 2013
unter Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wies das Leistungsbegehren am 23.
Mai 2013 verfügungsweise ab, weil
der Versicherte vor Ablauf des Wartejahrs in seiner angestammten Tätigkeit wieder
in
seinem ursprünglichen Pensum habe arbeiten können (Urk. 6/18).
Am
17
.
Mai 2018 meldete sich der Versicherte
– welcher
mittlerweile eine
voll
zeitliche
Tätigkeit
als D
ozent an der
A.___
in
B.___
aufge
nommen hatte
–
unter Verweis auf
zwei
Operation
en
im Halswirbelbereich
im September
2012 (C7/C8) und
im September
2017
(C6/C7) erneut bei der Invali
denversicherung an
(
Urk. 6/31
)
.
Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizini
sch
e
Abklärungen vor und zog unter anderem die Akten des Krankentaggeldver
sicherers
(Urk. 6/57)
bei.
Am 13. November 2018 informierte die IV-Stelle den Versicherten über den Abschluss der Eingliederung, da er durch eine Case Managerin betreut werde und keine weitere Unterstützung durch die Eingliede
run
gsberatung benötige (Urk. 6/45). In der Folge veranlasste die IV-Stelle
eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Ortho
pädische Chirurgie, Psychiatrie und Psychotherapie)
bei der
C.___
AG
(
C.___
; Expertise vom
26. August 2019 [Urk. 6/73/1-12
]
).
Mit Mitteilung vom 7. Oktober 2019 (Urk. 6/77) hielt die IV-Stelle den Versicherten unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht an, sich einer schlafmedizinischen Abklärung mit störungsspezifischer Behandlung zu unter
ziehen. Mit Vorbescheid vom 7. Oktober 2019 (Urk. 6/78) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte Ein
wand (Urk. 6/82, Urk. 6/91, Urk. 6/
97
) erhob.
Am 10. März 2020 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 11. Mai 2020 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten, wobei ein Gerichtsgutachten anzuordnen sei.
Eventuell sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
24. Juni 2020 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 7. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Mit Beschluss vom 29. September 2020 (Urk. 8)
und Verfügung vom 27. April 2021 (Urk. 36)
holte das hiesige Gericht bei
der
D.___
das
neurologische und rheumatolo
gische
Gutachten vom
13. Dezember 2021
(Urk.
41
/
1-35
)
ein.
In seiner Stellung
nahme vom 19. Januar 2022 (Urk. 45) beantragte
der Beschwerdeführer
, es sei auf das
D.___
-Gutachten abzustellen und
ihm eine ganze Rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Beiladung der Zuger Pensionskasse
(S. 1
f.
).
Die Beschwerdegegnerin
reichte am 14. März 2022
die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 14. Februar 2022 (Urk. 48) ein
und hielt fest (Urk. 47),
d
as
im Gerichtsgutachten
diagnostizierte neuropathisch-nozizepti
ve
Schmerzsyndrom
sei zwar nachvollziehbar, nicht aber die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit
(S. 1)
, und beantragte,
es sei den
D.___
-Gutachtern die Rückfrage betreffend
eine allfällige Erhöhung der Leistungsfähigkeit mittels Arbeitsplatzanpassungen durch Hilfsmittel zu stellen
(
S. 2). Am 7. April 2022 (Urk. 51) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme zur Ein
gabe des Beschwerdeführers vom 19. Januar 2022 (Urk. 45).
Letzterer
nahm am 28. April 2022 (Urk. 52) Stellung zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 14. März 2022 inklusive Beilage (Urk. 47-48), worauf letztere am 18. Mai 2022 (Urk. 54) auf eine entsprech
ende Stellungnahme verzichtete, was dem Beschwer
deführer am 25. Mai 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 55).
Am 24. J
uni 2022
wurde die Pensionskasse des Beschwerdeführers zum Prozess beigeladen
(Urk. 56)
, wobei sich diese
innert Frist nicht vernehmen liess.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid (Art.
8
ATSG
) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2
IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeld
ung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art. 17
ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V
198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der E
xperten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erachtete in ihrer Eingabe vom 14. März 2022 (Urk. 47) das im
D.___
-Gutachten diagnostizierte neuropathisch-nozizeptive Schmerzsyn
drom als nachvollziehbar. Die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei indes nicht völlig schlüssig, weil nicht geprüft worden sei, inwieweit
ungünstige
schmerztriggernde
Haltungen durch Arbeitsplatzanpassungen
und Hilfsmittel
(
automatisch
höhenverstellbarer Schreibtisch, angepasste Tastatur und PC-Maus, Schreibtischaufsatz, Stimmsteuerung des PCs) minimiert
werden könnten und sich dadurch die Leistungsfähigkeit erhöhen liesse (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgege
nüber am 19. Januar 2022 auf den Standpunkt (Urk. 45
),
es sei auf das
D.___
-Gutachten abzustellen und der
Anspruch auf eine ganze Rente (Arbeitsfähigkeit von höchstens 30 %) sei ausge
wiesen (S
. 1). In seiner Eingabe vom 28.
April 2022 (Urk. 52) präzisierte er, dass die von ihm ausgeübte Tätigkeit – insbesondere auch gemäss Auffassung der
D.___
-Experten – bereits
in höchstem Masse
optimal angepasst
und
bereits im Jahre 2018 im Rahmen eines Case Management
s
eine entsprechende vertiefte A
bklärung respektive
Anpassung vorgenommen worden sei
(S. 1 f.). Im Weiteren kämen die «Peaks» meistens unvorhergesehen, so dass es dann eben keine
direkt
erkennbare Ursache gebe, die unmittelbar und konkret «bearbeitet» werden könne (S. 3).
2.3
Aufgrund der Akten ist ausgewiesen und zwischen den Parteien unbestritten, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
nach
der leistungsabweisen
den Verfügung vom 23. Mai 2013 (Urk. 6/18) in erheblicher Weise verändert hat (vgl. Art 87 Abs. 2 und Abs. 3 IVV)
, nachdem am 4. September 2017 eine zervi
kale Spondylodese durchgeführt wurde (Urk. 6/36/38-39). Im Weiteren sind sich die Parteien
gestützt
auf das
D.___
-Gutachten
vom 13. Dezember 2021
(vgl. Urk. 41/1-35 S. 18 ff.)
einig, dass der Beschwerdeführer an einem neuropathisch-nozizeptiven Schmerzsyndrom leidet (
Urk. 45 S. 1,
Urk. 47 S. 1). Strittig und zu prüfen ist indes, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer als Dozent
an der
A.___
tätig sein kann. Während der Beschwerdeführer mit Verweis auf das
D.___
-Gutachten von einer diesbezüglichen Arbeitsfähigkeit von maximal 30 % ausgeht (Urk. 45 S. 1),
ist die gerichtsgutacht
er
l
ich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 70 % (Urk. 41/1-35 S. 33)
nach Auffassung der Beschwer
degegnerin
nicht vollends nachvollziehbar (Urk. 47 S. 2).
3.
3.1
Die
D.___
-Gutachter
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Neurologie, und
Dr.
med.
F.___
, Innere Medizin und Rheumatologie FMH,
stellten in ihrem Gutachten vom
13. Dezember 2021
(Urk.
41/1-35
)
in interdisziplinärer Hinsicht folgende
Diagnosen
(S. 28
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
mixed
p
ain
-
Syndrom mit chronisch-nozizeptiven und chronisch-neuro
pathischen Schmerzanteilen im Rahmen eines chronischen
zervikover
tebralen
Schmerzsyndroms mit zervikaler Radikulopathie der Wurzeln C7 und C8 rechts (ICD-10 M50.1) mit/bei:
-
rheumatologisch: Auslösen einer radikulären Reizung C7 rechts bei Rotation des Kopfes nach rechts
sowie myofasziale und zervikale
bis
zervikobrachiale
Schmerzen rechte Nacken-/Arm-/Schulterregion
-
neurologisch:
sensomotorisches radikuläres Ausfallsyndrom C7 rechts und sensomotorisches radikuläres Ausfallsyndrom C8 rechts mit gesi
chertem chronisch-neuropathischem Schmerzsyndrom rechte obere Extremität
-
elektro
neuro
myograp
hisch
(ENMG vom 17. Mai 2021): Nachweis von eindeutigen chronischen
Denervationszeichen
sowie einzelnen
Faszikulationen
und einmaliger CRD im M.
triceps
rechts, vereinbar mit einer chronischen motorischen Radikulopathie C7 rechts (ebenfalls Nachweis einer chronischen neurogenen Umstrukturierung in der Vor
untersuchung von April 2018), zusätzlich Hinweise auf chronische
Denervationszeichen
, am ehesten im Rahmen einer motorischen Radikulopathie C8 rechts, Differenzialdiagnose axonale Affektion des
N.
ulnaris
bei leichtgradigem
Sulcus
ulnaris
-Syndrom
-
Status nach
Spondylodese mit C
age-Interposition C6/C7 2012, C5
/C6 2017
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Karpaltunnelsyndrom rechts (ICD-10 G56.0)
-
Sulcus
ulnaris
-
Syndrom rechts (ICD-10 G56.2)
-
Sensibilitätsstörung rechts untere Extremität unklarer Ätiologie (ICD-10 R20.8)
-
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) mit/bei:
-
normal erhaltener Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und ohne Hin
weise auf eine segmentale Dysfunktion, leichtgradige
Druckdolenz
des
Fazettengelenks
L4-5 rechtsseitig, keine Hinweise auf lumbale Radikulo
pathie respektive Claudicatio spinalis lumbalis
-
anamnestisch Status nach symp
t
omatischer
Periarth
r
opathia
humerus
scapularis
tendinopathica
der Supraspinatussehne rechts mit leichter Bursitis und gering auch linksseitig im März 2018 (ICD-10 F75.0) mit/bei:
-
aktuell bes
chwerdefrei bei normal erhalten
er Beweglichkeit der Schul
tergelenke in alle Richtungen
-
Sonographie beider Schultergelenke vom 2
5.
März 2018: bis auf eine leichte inhomogene Sehnenstruktur ohne Diskontinuität oder
Hyper
echogenität
, intakte Struktur der Supraspinatussehne beidseitig, unauf
fällige Erstellung der
Rotatorenmanschetten
und des M.
biceps
beid
seitig, leichte Gelenksspalte-Versc
h
mälerung ohne
osteophytäre
Ausziehung oder Ergussnachweis des AC-Gelenks
-
asymptomatische Senk-/Spreizfüsse (ICD-10
F21.63)
Die
D.___
-Experten führten aus, dass im Bereich vom rechten Oberarm ein Misch
schmerz aus neuropat
h
ischen und nozizeptiven Schmerzanteilen vorliege. Gleichermassen
seien
im Bereich vom rechten Unterarm Schmerzen mit neuro
pathischem Schmerzcharakter
zu beschreiben
(S. 17).
Bei dem
am 17. Mai 2021 durchgeführten ENMG hätten sich deutliche chronische
Denervationszeichen
sowie einzelne
Faszikulationen
und einmalige CRD im M.
triceps
rechts, vereinbar mit einer chronischen motorischen Radikulopathie C7 rechts, sowie chronische
Denervationszeichen
im M. IOD 1 rechts, am ehesten
e
iner mot
o
rischen Radikulo
pathie C8 rechts entsprechend, gezeigt.
D
ie sensiblen Ausfälle in Projektion auf die
Dermatome
C7
/
C8, die auch hauptsächlich von den Schmerzen betroffen seien,
seien somit
indirekt objektiviert (eine direkte Messung der sensiblen Faser
anteile zervikaler Wurzeln sei nicht zuverlässig möglich/sinnvoll). Damit könne von neurologischer Seite die Diagn
ose
eines gesicherten chronisch-neuropathi
schen Schmerzsy
nd
roms auf dem Boden einer chronischen sensomot
o
rischen Radikulopathie der zervikalen Wurzeln C7 und C8 gestellt werden.
Elektroneuro
graphisch
habe sich zusätzlich ein sensomotorisches Karpaltunnelsy
nd
rom rechts ohne Nachweis eines axonalen Schadens gefunden, so dass von einer
kompressi
ven
Neur
opathie des
N.
medianus im Karpa
ltunnel (Handgelenk) ausgegangen werden könne. Im Weiteren weise die motorische Neurographie des
N.
ulnaris
rechts eine grenzwertige fokale NLG-Verlangsamung im Bereich des
Sulc
us
ulnaris
bei regelrechten SNAP des
N.
ulnaris
bei Ableitung am Handgelenk auf, so dass ein
Sulcus
ulnaris
-Syndrom am rechten Arm zu vermuten sei
. Aufgrund der beiden zusätzlich vorhandenen peripheren
Mononeuropathien
(Karpaltunnel- und
Sulcus
ulnaris
-Syndrom) könnten durchaus allfällige über die
Dermatom
grenzen
hinausgehende Sensibilitätsstörungen erklärt werden, so dass nicht davon aus
zu
gehe
n sei
, dass beim Beschwerdeführer eine funktionelle, nicht zuorde
nbare sensible Störung vorliege
, sondern eine Kombinationssymptomatik aus zervikaler Radikulopathie (C7/C8)
und
kompressiver
Mononeuropathie (
N.
medianus,
N.
ulnaris
). Klinisch eindeutig sei dabei die zervikale Radikulo
pathie C7 und C8, die auch im Wesentlichen für die neuropathischen Schmerzen im
rechten Arm verantwortlich sei
(S. 20
f.
).
Im Zusammenhang mit den funktionellen Auswirkungen der Befunde hielten die Experten
fest, dass sich chronische Schmerzen -
insbesondere Dauerschmerzen, wie sie
beim Beschwerdeführer vorlägen -
auf die Konzentrations- und Aufmerk
samkeitsfunktionen auswirkten. Je stärker
die Schmerzen seien
respektive durch bestimmte Kopf-/Armpositionen oder
-
bewegungen getriggert w
ü
rden,
auch
das Ausmass der schmerzbedingten Leistungsminderung zunehme. Durch eine Ein
flussnahme auf die Schlafqualität könnten Schmerzen zu zusätzlichen Einschrän
kungen tagsüber in Form einer Tagesmüdigkeit führen. Nicht zuletzt müssten beim Beschwerdeführer auch die zentral wirksamen Medikamente (Pregabalin, Amitriptylin) berücksichtigt werden, die ebenfalls Einfluss auf die kognitive Leis
tungsfähigkeit hätten.
Im
Hinblick auf die neuropathischen Schmerzen sei
zudem der Umstand
erschwerend
, dass der rechte Arm (Rechtshändigkeit) betroffen sei (S. 24).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit führten die
D.___
-Gutachter aus, dass sich in der angestammten Tä
tigkeit als Dozent an
der A.___
seit Septem
ber 2017
folgende Arbeitsunfähigkeiten
ergäben
:
4.
bis 29. September 2017 (postoperativ nach Operation am 4. September 2017): 100 %; 30. Dezember
(rich
tig wohl: September)
2017 bis 14. März 2018: 90 %; 15. März
bis 29. Juli 2018: 80 %; 30. Juli bis 28. August 2018: 100 %; 29. August
2018
bis Ende 2020: 80 %; ab Januar 2021: 70 %. Aus den Akten und den aktuellen eigenanamnestischen Angaben sei ersichtlich, dass der Beschwerdeführe
r mit der Arbeitsfähigkeit von 3
0 % an die Grenzen der Belastbarkeit stosse, was konsensual aufgrund des chro
nifizierten
mixed
pain
-Syndroms mit nozizeptiven und neuropathischen Schmerzanteilen auf dem Boden einer Radikulopathie der Wurzeln C7 und C8 rechts nachvollzogen werden könne. Die aus neurologisch-rheumatologischer Sicht attestierte maximale Arbeitsfähigkeit von 30 % respektive die damit ein
hergehen
de hohe Einschränkung resultier
e im Wesentlichen
a
us
dem
deutlich erhöh
ten Pausen- und Erholungsbedarf
, wobei bisher versuchte Steigerungen der Arbeitsfähigkeit aufgrund v
on Schmerzexazerbationen
nicht ein Pensum von
über 30 % er
reicht hätten, selbst nicht in einer derart gut adaptiert
en Tätigkeit wie der aktuell aus
geführten. Grundsätzlich könne der Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht halbt
ags arbeiten, jedoch müsse dann
eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs zugestanden wer
den. Bei einer formal betrachteten 50%igen Präsenzfähigkeit und einer aufgrund des Pausenbedarfs geschätzten 60%igen L
eistungsfähigkeit innerhalb der halb
schichtigen Tätigkeit resultiere aus neurologisch-rheumatologischer Sicht
insge
samt
eine 30%ige Restarbeitsfähigkeit. Eine Aufschlü
sselung der Arbeitsfähigkeit auf
rein neurologischem respektive
rheumatologischem Fachgebiet sei
bei einem gemischten Schmerzsyndrom nicht zielführend (S. 33).
Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Tragen/Heben/Stossen von Lasten über 10 kg, ohne Arbeiten über Kopf oder kontinuierlich auf Schul
terhöhe und ohne über längere Zeit verharrende monotone Körperhaltungen (maximal 30 Minuten am Stück) seien zumutbar. Bei der aktuellen Tätigkeit des Beschwerdeführers handle es sich bereits um eine optimal angepasste
Tätigkeit
(körperlich leichte, wechselbelastende Bürotätigkeit), entsprechend den erwähn
ten qualitativen Einschränkungen (S
.
33).
Abschliessend hielten die Gutachter fest, die Prognose sei insofern ungünstig, als dass aus neurologisch-rheumatologischer Sicht ein chronifiziertes Schmerzsyn
drom auf organischer Basis (chronische Radikulopathien) vorliege, welches als weitgehend fixiert und therapierefraktär angesehen werden müsse. Allfällige weitere operative Massnahmen könnten bei ohnehin fehlenden Anzeichen einer
anhaltenden Kompression der lädierten Nervenwurzeln nichts Wesentliches an den neuropathischen Schmerzen ändern. Auch allfällige infiltrative Behandlun
gen erschienen angesichts bildgebend nicht mehr nachweisbarer
kompressiver
Prozesse im Bereich der betroffenen zervikalen Nervenwurzeln wenig erfolgver
sprechend (S. 34).
%1.2
RAD-Arzt
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, führte in seiner Stellungnahme vom 14. Februar 2022 (Urk. 48) aus, dass der medizinische Sachverhalt im
D.___
-Gutachten plausibel dargestellt und das neuropathische/nozizeptive Schmerzsyndrom in
folge Radikulopathie, peripherer
M
ononeuropathien
und myofaszialer
B
eschwerden nachvollziehbar sei
. Bezüglich Arbeitsfähigkeit
ständen
gemäss
D.___
-
Expertise
nicht die leichten motorischen Paresen, sondern die Schmerzen im Vordergrund. Die
D.___
-
Gutach
ter
bestätig
t
e
n
Alltagsaktivitäten, welche durch die Beschwerden nicht wesent
lich eingeschränkt würden, wie L
esen, Diskutieren und Spazieren
gehen. PC-Arbeiten seien nur
für
etwa 25 Minuten am Stück möglich, Joggen, Ski- und Autofahren seien indes nicht mehr möglich.
Der RAD-Arzt
wies darauf hin, dass im Kontext der Dozententätigkeit Fähigkeiten wie Lesen, Diskutieren und Gehen höher einzuschätzen seien als Joggen, Ski
-
, und Autofahren. Die Zwangshaltung des rechten Arms bei PC-Arbeiten lasse sich durch Arbeitsplatzanpassungen (beispielsweise Stimmsteuerung des PC) verbessern
(S. 3)
.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne dem
C.___
-Gutachten nicht weiter gefolgt werden, da der neurologische Status falsch dargestellt worden sei und in der Beurteilung der Auswirkung des Schmerzsyndroms auf die Arbeitsfähigkeit Inkonsistenzen berücksichtigt worden seien, welche nachvollziehbar widerlegt worden seien. Die
D.___
-Expertise sei in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht völlig schlüssig und es werde
bei schmerzkausalem Gesundheits
schaden eine
Indikatorenprüfung
empfohlen.
In diesem Zusammenhang
führte der RAD-Arzt
unter anderem
aus, dass zahlreiche Ressourcen bestünden, funktionelle Ein
schränkungen nicht in allen Lebensbereichen ausgewiesen seien und die Kon
sistenz zwischen dem subjektiv
en
Grad der Beeinträchtigung und möglichen All
tagsaktivitäten fraglich sei (S. 3).
4.
4.1
Das
D.___
-Gutachten vom
13. Dezember 2021 (vgl. E. 3.1
)
inklusive rheumatolo
gisches Teilgutachten vom 17. Mai 2021 (Urk. 41A
/1-13
)
entspricht den praxis
gemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem
Gesundheitszustand und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwerde
füh
rer
s
. Es beruht sodann auf den notwendigen neurologischen und
rheumatologi
schen
Untersuch
ungen. Die Gutachter berücksich
tigten detailliert die geklagten Beschwerden und setzten sich damit auseinander (Urk.
41/1-35 S. 5
f., S. 12 ff.;
Urk. 41A/
1-13 S. 2 ff.
, S. 10 f.
). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutachter zur Krankheitsent
wicklung äusserten und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahmen (
Urk.
41/1-35
S. 3 f.,
S. 12 ff.;
Urk. 41 S. 37 ff.; Urk. 41A/1-13 S.10 f.
). Sie kom
mentierten insbesondere abweichende Einschätzungen anderer Arztpersonen und würdigten diese in einleuchtender Weise (
Urk.
41/1-35 S. 21 ff., S. 29 ff.
, S. 32
). Schliesslich leuchtet die Expertise in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen im Gutachten sind begründet.
In diesem Sinne
diagnostizierten
Dres
.
E.___
und
F.___
unter neurologischen und rheumatologischen Gesichtspunkten
in schlüssiger Weise
ein
mixed
pain
-Syndrom mit chronisch-nozizeptiven und chronisch-neuropathischen Schmerzanteilen im Rahmen eines chronischen
zervikovertebralen
Schmerzsyn
droms mit zervikaler Radikulopathie der Wurzeln C7 und C8 rechts, wobei sie in der bisherigen und optimal leidensangepassten Tätigkeit als Dozent unter Hin
weis auf einen deutlich erhöhten Pausen- und Erholungsbedarf des Beschwerde
führers von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 30 % ausgingen. Den
zusätzlich
gestellten Diagnosen eines Karpaltunnelsyndroms rechts, eine
Sulcus
ulnaris
-Syndroms rechts, einer Sensibilisierungsstörung bei der rechten unteren Ex
tre
mität, eines
lumbovertebralen
Schmerzsyndroms sowie
d
es S
tatus nach sympto
matischer
Peri
arthropathia
humerus
scapularis
tendinopathica
massen sie
nach
vollziehbar
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu
(Urk. 41/1-35 S. 28, S. 33)
.
Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines
ärztlichen Gut
achtens (BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E.
1c), weshalb für die Entscheidfindung grundsätzlich darauf abzustellen ist.
4.2
An dieser Beurteilung vermag die RAD-Stellungnahme vom 14. Februar 2022 (vgl. E.
3
.2)
nichts zu ändern. Betreffend die Schlussfolgerung des RAD-Arztes, das
D.___
-Gutachten sei in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht vollends schlüssig (Urk. 48 S. 3), fehlt eine nachvollziehbare B
egründung. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss den Angaben der
D.___
-
Experten
in der Freizeit spazieren geh
e
, l
ese
oder diskutier
e
(Urk. 41/1-35 S. 26), stellt – entgegen der Auffassung des RAD-Arztes
–
die gerichtsgutacht
erlich
attestierte 30%ige Arbeitsfähigkeit nicht in
Frage. Die genannten Tätigkeiten sind körperlich
nicht
anstrengend
respektive sprengen nicht den Rahmen des von den
D.___
-
Gutachtern
statuierten
Belastungsprofils (vgl.
S. 33)
und
bedingen
zudem
keinen repetitiven Einsatz der rechten oberen Extremität
. Somit widersprechen Spazierengehen,
Le
sen und Diskutieren (die letzten zwei
Tätigkeiten können
beispielsweise
auch in liegender Positi
on vorgenommen werden)
–
wie
seitens der
D.___
-Experten aus
drücklich fest
gehalten wurde
(S. 26)
–
nicht
den
im Gutachten
objektivier
ten
Befunden.
Entsprechend verneinten die
D.___
-Experten insbesondere das Vorlie
gen namhafter Inkonsistenzen zwischen der Beschwerdeschilderung, den objektivierbaren Befunden und den Auswirkungen des Beschwerdebildes auf die beruflichen und ausserb
eruflichen Aktivitäten (S. 26).
4.3
Betreffend den von der Beschwerdegegnerin am 14. März 2022 vorgebrachten
Einwand
, die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers könne allenfalls durch Arbeitsplatzanpassungen erhöht werden (Urk.
47
S. 2), ist Folgendes
zu bemer
ken
:
Gemäss den
D.___
-Experten handelt es sich bei der aktuellen Tätigkeit als Dozent um eine bereits optimal angepasste Tätigkeit respektive um eine körper
lich leichte und wechselbelastende Tätigkeit
gemäss dem zumutbaren Belastbar
keitsprofil
(Urk. 41/1-35 S. 33). Im Bericht von
Dr.
med.
H.___
, Innere Medizin FMH, vom 18. Januar 2019 (Urk. 6/55/7-9)
wurde darauf hingewiesen, dass die Arbeitssituation und der Arbeitsplatz
des Beschwerdeführers
mit mehreren Fach
leuten angeschaut worden sei,
dies
mit der Frage, ob eine Änderung der Tätigkeit zu einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit führen könne (S. 3).
Gemäss den plausib
len Angaben des Beschwerdeführers (Urk. 52 S. 2 f.) – welche seitens der Beschwerdegegnerin nicht in Frage gestellt wurden (Urk. 54)
–
setzte
er bei der Arbeit unter anderem höhenverstellbare Tische respektive mehrere Tische mit unterschiedlichen Höhen, Schreibtischaufsätze, Diktiermöglichkeiten am PC und auf externen Geräten (Smartphone, Diktiergerät), Recording-Möglichkeiten am PC, Stimm- und Sprachsteuerung am PC, geeignete Tastat
ur, Tablett, Touch-Screen sowie Steuerungsmöglichkeiten
ohne PC-Maus
ein
(S. 3)
respektive
konnte
er
auf eine Assistenzkraft
zurückgreifen
(Urk. 41/1-35 S.
6)
.
Entsprechend geht auch der Hinweis des RAD-Arztes ins Leere, wonach sich die Zwangshaltung des rechten Arms durch Arbeitsplatzanpassungen – beispielsweise durch Stimmsteuerung des PCs – verbessern lasse (Urk. 48 S. 2).
Vor diesem Hinter
grund erübrigen sich weitere, wie von der Beschwerdegegnerin beantragte
(Urk. 47 S. 2)
gutachterliche Abklärungen betreffend allfällige Steigerung der Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
.
4.4
Gestützt auf das beweiskräftige
D.___
-
Gutachten besteht beim Beschwerdeführer demnach
in der
leidensangepassten
Tätigkeit als Dozent an der
A.___
eine
Arbeitsfähigkeit von maximal
30
%
seit der letzten IV-Anmeldung vom Mai 2018
.
%1.
Auf der Grundlage obiger Erkenntnisse sind die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
Nachdem
beim Beschwerdeführer
in der leidensange
passten
Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit
zwischen
70 %
und 100
%
seit September 2017
vorliegt
,
kann auf die Vornahme eines
detaillierten
Ein
kommensvergleichs verzichtet wer
den. Somit entspricht der Invalidi
tätsgrad dem Grad der Arbeitsun
fähigkeit von
70
%.
Sechs Monate nach der Neuanmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG) besteht daher beim Beschwerdeführer ab
1. November 2018
bei einem Invaliditätsgrad von 70 %
Anspruch auf eine ganze Rente
(vgl. E.
1.3)
.
Dies
führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und auf Fr.
1’0
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
6.2
In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung des
D.___
-Gerichtsgutachtens vom 13
.
Dezember 2021 (vgl. E. 3.1
; Honorarnote
Urk. 42
) in der Höhe von Fr.
11'923.05
ist festzuhalten, dass die gerichtlichen Abklärungskosten der Ver
waltung auferlegt werden können, wenn ein Zusam
menhang zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, besteht (BGE 139 V 496 E. 4.4). Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E. 6.1; BGE 139 V 469 E. 4.4 mit Hinweise
n
). Nach der Rechtsprechung holt die kantonale Beschwerdeinstanz in der Regel ein Gerichts
gutachten ein, wenn sie einen medizinischen Sachverhalt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechts
erheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
Nach Einsicht in die Rechtsschriften der Parteien sowie die medizinischen Unter
lagen, insbesondere das
neurologische
C.___
-G
utachten
vom 26. August 2019
(Urk. 6/
73
/48-59
), gelangte das hiesige Gericht mit Beschluss vom
29. September
2020 (Urk.
8, vgl. auch Urk. 13
)
sowie mit Verfügung vom 27. April 2021 (Urk. 36)
zur Auffassung, dass ein
neurologisches und rheumatologisches
Gut
achten einzuholen ist. Auch
die
Gerichtsgutachter gelangte
n
überzeugend zum Schluss, dass
im neurologischen
C.___
-Gutachten insbesondere eine dezidierte Auseinandersetzung mit der Schmerzcharakteristik im Sinne der kriteriengeleite
ten Herleitung oder des Verwerfens der Diagnose eines neuropathischen Schmerzsyndroms fehlt und auf die anamnestischen Angaben nur teilweise ein
gegangen wurde (Urk. 41/1-35 S. 22 f.
; vgl. auch Urk. 48 S. 3
).
Entsprechend kann auf die darin gestellten Diag
nosen sowie die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden. Für die Beurteilung des Rentenan
spruchs des Beschwerdeführers stellte das hiesige Gericht sodann auf das Gerichtsgutachten ab. Damit sind die rechtspre
chungsgemässen Anforderungen erfüllt, welche es rechtfertigen, der Beschwer
degegnerin die Kosten für das Gerichtsgutachten in der Höhe von
Fr. 11'923.05
zu überbinden.
6.3
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer,
in Verbindung mit Art. 61 lit. g
ATSG). Es ist dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine P
ro
zess
ent
schädigung von Fr. 3’8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 10. März 2020
aufgehoben, und es wird festgestellt, dass
der
Beschwerdeführer ab
1. November 20
18
Anspruch auf
eine ganze Invaliden
rente
hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1’000
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung von
Fr.
3’800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Gerichtska
sse die Kosten des Gerichts-gut
achtens von
Fr. 11'923.05
zu erstatten. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
5
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Christos
Antoniadis
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 58
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage
je
einer Kopie
von Urk. 58
und
Urk.
42 (Rechnung
D.___
vom 2
7.
Dezember 2021)
-
Zuger Pensionskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
6
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais