# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 301ed408-6178-599f-9251-e9ce41b1ec33
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-28
**Language:** de
**Title:** Grundstückgewinnsteuer
**Docket/Reference:** GR.2015.20
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_GR_2015_20_vi.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 GR.2015.20 

Entscheid 

 28. Oktober 2015 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichterin Micheline Roth, Steuerrichter  
Alexander Widl und Gerichtsschreiberin Christina Hefti 

A ,  

vertreten durch RA lic.iur. B,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrent,  

G e m e i n d e   C ,    

Rekursgegnerin,  

betreffend 

Grundstückgewinnsteuer 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  A  (nachfolgend  der  Rekurrent)  veräusserte  am  …  …  2011  eine  Eigen-

tumswohnung  an  der  …strasse  68  in  C  für  Fr.  1'850'000.-  an  D  und  E. Weil  der  Ve-

räusserer in F eine Eigentumswohnung für Fr. 5'250'000.- erworben und seinen Wohn-

sitz  am  …  …  2011  dorthin  verlegt  hatte,  machte  er  Ersatzbeschaffung  geltend.  Mit 

Beschluss  vom  14.  Juni  2011  gab  die  Grundsteuerbehörde  C  diesem  Begehren  statt 

und gewährte dem Rekurrenten gestützt auf § 216 Abs. 3 lit. i i.V.m. § 226a des Steu-

ergesetzes vom 8. Juni 1997/11. September 2000 (StG) einen Steueraufschub. In den 

Erwägungen hielt sie fest, dass der aufgeschobene Gewinn Fr. 695'000.- betrage. 

Nachdem  der  Rekurrent  seinen  Wohnsitz  per  …  …  2013  nach  Grossbritan-

nien  verlegt  hatte,  auferlegte  ihm  die  Grundsteuerbehörde  C  mit  Verfügung  vom 

17. Dezember 2014 eine Grundstückgewinnsteuer von Fr. 221'942.-. 

B.  Eine  hiergegen  erhobene  Einsprache  des  Rekurrenten  wies  die 

Grundsteuerbehörde am 7. Mai 2015 ab. 

C. Mit Rekurs vom 26. Juni 2015 liess der Rekurrent dem Steuerrekursgericht 

beantragen,  die  Grundstückgewinnsteuer  sei  unter  Aufhebung  des  Einspracheent-

scheids und Zusprechung einer Parteientschädigung weiterhin aufzuschieben. 

In ihrer Rekursantwort vom 12. August 2015 schloss die Grundsteuerbehörde 

auf Abweisung des Rechtsmittels. Mit Replik vom 25. August 2015 hielt der Rekurrent 

sinngemäss an seinem Antrag fest. 

Auf die Erwägungen des Einspracheentscheids und die Parteivorbringen wird, 

soweit wesentlich, in den nachfolgenden Urteilsgründen zurückgekommen. 

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Die Grundstückgewinnsteuer wird laut § 216 Abs. 1 StG von den Gewin-

nen  erhoben,  die  sich  bei  Handänderungen  an  Grundstücken  oder  Anteilen  von  sol-

chen  ergeben.  Gemäss  § 216  Abs. 3  lit. i  StG  und  § 226a  Abs. 1  StG  wird  –  im  Ein-

klang  mit  Art. 12  Abs. 3  lit. e  des  Bundesgesetzes  über  die  Harmonisierung  der 

direkten  Steuern  der  Kantone  und Gemeinden  vom  14. Dezember  1990 (StHG)  –  die 

Steuer aufgeschoben bei vollständiger oder teilweiser Veräusserung einer dauernd und 

ausschliesslich  selbstgenutzten  Wohnliegenschaft  (Einfamilienhaus  oder  Eigentums-

wohnung),  soweit  der  Erlös  innert  angemessener  Frist  zum  Erwerb  oder  Bau  einer 

gleichgenutzten Ersatzliegenschaft im Kanton oder in der übrigen Schweiz  verwendet 

wird. 

b) Objektive Voraussetzungen für einen Steueraufschub bilden somit die dau-

ernde  und  ausschliessliche  Selbstnutzung  sowohl  der  veräusserten  als  auch  der  als 

Ersatz erworbenen Liegenschaft durch die steuerpflichtige Person, die gleiche Nutzung 

der Ersatzliegenschaft und die Verwendung des Erlöses für die Ersatzliegenschaft. In 

subjektiver  Hinsicht  wird  vorausgesetzt,  dass  die  Ersatzbeschaffung  durch  den  Ver-

äusserer  selbst  vorgenommen  wird.  Sodann  muss  das  Ersatzobjekt  in  der  Schweiz 

liegen (örtliche Voraussetzung) und der Ersatz in der Regel innerhalb von zwei Jahren 

nach der Veräusserung der ursprünglichen Liegenschaft erfolgen (zeitliche Vorausset-

zung). 

c) Der Begriff "ausschliesslich selbstgenutzt" wird im Gesetz nicht näher defi-

niert.  Nach  der  Lehre  gilt  eine  Liegenschaft  nur  dann  als  "ausschliesslich  selbstge-

nutzt",  wenn  sie  von  der  steuerpflichtigen  Person  als  (zivilrechtlichen)  Eigentümerin, 

eventuell  zusammen  mit  seinen  Familienangehörigen  tatsächlich  selbst  bewohnt  wird 

(Bernhard Zwahlen, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, 2. A., 2002, 

Art. 12 StHG N. 75).  

d)  Die  Selbstnutzung  muss  zudem  dauernd  sein.  Ein  bloss  vorübergehender 

Unterbruch der Selbstnutzung ist nicht schädlich, wenn der Unterbruch durch äussere, 

von der steuerpflichtigen Person nicht beeinflussbare Umstände bedingt ist (RB 1998 

Nr. 164). Eine bestimmte Mindestdauer der Selbstnutzung wird für die veräusserte Lie-

genschaft nicht vorausgesetzt. Die selbst genutzte Wohnliegenschaft muss jedoch vor 

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der Veräusserung als Hauptwohnsitz der steuerpflichtigen Person gedient haben (BGE 

138  II  105).  Ein  Steueraufschub kann  nur gewährt  werden,  wenn  sowohl  das  veräus-

serte  als  auch  das  als  Ersatz  erworbene  oder gebaute Grundstück  dauernd  und  aus-

schliesslich von der steuerpflichtigen Person selbstbewohnt wird. Wie das veräusserte 

Grundstück  muss  auch  das  Ersatzgrundstück  dieselben  Voraussetzungen  erfüllen 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3.  A.,  2013,  

§ 216 N. 333). 

e)  Wird  ein  Ersatzgrundstück  innert  fünf  Jahren  seit  der  Handänderung  am 

ursprünglichen  Grundstück  definitiv  zweckentfremdet  oder  veräussert,  ohne  dass  er-

neut  eine  Ersatzbeschaffung  stattfindet,  kommt  die Wegzugsgemeinde  auf  ihren  Ent-

scheid über den Steueraufschub zurück und veranlagt die aufgeschobene Grundstück-

gewinnsteuer im Nachsteuerverfahren, samt Zins ab dem 91. Tag nach der Handände-

rung  am  ursprünglichen  Grundstück  (BGr,  19.  Dezember  2012,  2C_337/2012;  vgl.  

§  226a  Abs.  2  StG).  Eine  definitive  Zweckentfremdung  liegt  vor,  wenn  das  Ersatz-

grundstück  dauernd  oder  zumindest  auf  unbestimmte  Zeit  nicht  mehr  dem  privilegier-

ten  Zweck  entsprechend  genutzt  wird,  d. h.  wenn  es  nicht  mehr  dauernd  und  aus-

schliesslich  selbstbewohnt  wird.  Dies  ist  der  Fall,  wenn  die  steuerpflichtige  Person 

ihren steuerrechtlichen Wohnsitz vom Ersatzgrundstück wegverlegt, das Ersatzgrund-

stück  vermietet  oder  Verwandten,  Freunden  oder  Bekannten  unentgeltlich  zur  Benut-

zung überlässt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 216 N. 343). 

2. a) Die Grundsteuerbehörde erwog im Einspracheentscheid, dass ein Steu-

eraufschub  wegen  Ersatzbeschaffung  nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung 

ausser  Betracht  falle,  weil  der  Rekurrent  nicht  mehr  im  Ersatzobjekt  in  F  wohne.  An 

diesem  Standpunkt  hält sie  auch  in  der  Rekursantwort fest.  Da  der  Rekurrent  die  Er-

satzliegenschaft innert fünf Jahren seit der Handänderung nicht mehr dauernd bewoh-

ne, fehle es an einer dauernden Selbstnutzung. Aufgrund der Wohnsitzverlegung nach 

Grossbritannien sei keine erneute Ersatzbeschaffung in der Schweiz mehr möglich. 

b) Zur Begründung seines Rechtsmittels bringt der Rekurrent vor, dass er und 

seine  Ehefrau  ihren  Wohnsitz  per  …  …  2013  aus  beruflichen  Gründen  von  F  nach 

Grossbritannien verlegt hätten. Die Liegenschaft in F werde durch sie jedoch weiterhin 

selbst genutzt, und zwar in wesentlichem Ausmass, d.h. während rund fünf Monaten im 

Jahr zwischen November und März. Nach der zürcherischen Verwaltungspraxis führe 

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eine  Veräusserung  oder  definitive  Zweckentfremdung  bzw.  Nutzungsänderung  des 

Ersatzobjekts  innerhalb  von  fünf  Jahren  grundsätzlich  zum  Widerruf  des  Aufschubs. 

Dabei  werde  eine  Nutzungsänderung  einer  Handänderung  gleichgestellt.  Die  Rekurs-

gegnerin stütze sich auf diese Regel, indem sie bei Verlegung des Wohnsitzes ins Aus-

land  einen  Steueraufschub  als  hinfällig  betrachte. Weil  die  Gemeinde  im  Einsprache-

entscheid  lediglich  auf  den  Entscheid  BGE  138  II  105  verwiesen  habe,  ohne  sich  mit 

den  Argumenten  des  Rekurrenten  auseinanderzusetzen,  habe  sie  dessen  Anspruch 

auf  rechtliches  Gehör  verletzt.  Die  Berufung  auf  eine  solche  Fünfjahresregel  sei  ge-

setzwidrig,  denn  sie  ergebe  sich  weder  aus  §  216  Abs.  3  lit.  i  StG  noch  aus  Art.  12  

Abs. 3 lit. e StHG. Der Kanton Zürich dürfe keine solche "Stillhaltefrist" verlangen. Die 

Aufschubstatbestände  in  Art.  12  Abs.  3  StHG  seien  abschliessend  gehalten,  weshalb 

der  Begriff  des  dauernd  und  ausschliesslich  selbstgenutzten  Wohneigentums  vom 

Bundesrecht beherrscht sei. Die eidgenössischen Räte hätten über die Einführung ei-

ner  fünfjährigen  Mindestdauer  diskutiert,  von  einer  solchen  Regelung  jedoch  abgese-

hen.  Somit  liege  ein  qualifiziertes  Schweigen  des  Gesetzgebers  vor  und  dürfe  eine 

Stillhaltefrist nicht auf dem Weg über die Auslegung verankert werden. Im Zusammen-

hang  mit  Kaskadenersatzbeschaffungen  habe  das  Zürcher  Verwaltungsgericht  bestä-

tigt, dass eine Fünfjahresfrist nicht durch Auslegung von Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG pos-

tuliert  werden  könne;  vielmehr  sei  es  dem  Gesetzgeber  darum  gegangen,  Spekula-

tionsgewinne  zu  verhindern.  Vorliegend  habe  der  Rekurrent  nach  eineinhalb  Jahren 

seinen Wohnsitz aus beruflichen Gründen von F ins Ausland verlegt; darin liege weder 

eine Steuerumgehung noch ein Rechtsmissbrauch. Der Fünfjahresfrist komme höchs-

tens  die  Bedeutung  einer  "safe  haven"-Regel  zu,  bei  deren  Unterschreitung  einem 

Steuerpflichtigen der Nachweis offenstehen müsse, dass er durchaus einen dauernden 

und  ausschliesslich  selbstgenutzten  Ersatzwohnsitz  begründet  habe.  Wenn  die  Be-

gründung eines Wohnsitzes die Absicht des dauernden Verbleibs voraussetze, genüge 

es, dass er dort auf unbestimmte Zeit verweilen wolle, bis spätere Umstände eine Än-

derung veranlassten. Entsprechend den Erwägungen des Verwaltungsgerichts zu den 

Kaskadenersatzbeschaffungen dürften somit nur Steuerumgehungstatbestände, künst-

liche Gestaltungen oder Spekulationshandlungen einem Steueraufschub entgegenste-

hen.  Vorliegend  hätten die  Eheleute  A  beim  Erwerb  der  Liegenschaft  in  F  den  klaren 

Willen  gehabt,  dort  ihren  neuen  Lebensmittelpunkt  zu  begründen.  Erst  später  hätten 

berufliche Gründe sie veranlasst, den Wohnsitz nach Grossbritannien zu verlegen. Im 

Weiteren  verletze  eine  Nachbesteuerung  den  Grundsatz  der  Besteuerung  nach  der 

wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit.  Schliesslich  könne  eine  definitive  Zweckentfrem-

dung  nicht  ohne  Weiteres  einer  Handänderung  gleichgestellt  werden.  Wenn  der  Ge-

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setzeswortlaut  lediglich  eine  gleiche  Nutzung  der  Ersatzliegenschaft  verlange,  müsse 

dies  wirtschaftlich  und  objektbezogen  verstanden  werden.  Eine  fortdauernde  Selbst-

nutzung  sei  dann  ausgeschlossen,  wenn  rechtlich  oder  wirtschaftlich  über  ein  Grund-

stück verfügt werde; dies treffe im Fall der Verlegung des Hauptwohnsitzes bei fortge-

setzter  und  weitgehend  gleichbleibender  Nutzung  des  Objekts  jedoch  nicht  zu.  Die 

Rekursgegnerin berufe sich zu Unrecht auf das Präjudiz BGE 138 II 105, dem ein an-

derer Sachverhalt zugrunde liege. Vielmehr lasse sich diesem Urteil entnehmen, dass 

es genüge, wenn im Zeitpunkt der Ersatzbeschaffung Gleichartigkeit von veräussertem 

Objekt und Ersatzobjekt vorliege. 

3.  a)  Der  Rekurrent  hat seinen Wohnsitz  nach  eigenen  Angaben  aus  berufli-

chen Gründen per … … 2013 nach Grossbritannien verlegt, weil er "ausserordentlich 

häufig und regelmässig" dort tätig sei. Es mag zutreffen, dass er mit seiner Ehefrau die 

Liegenschaft in F ausschliesslich selbst und insbesondere in den Wintermonaten häu-

fig benutzt. Gleichwohl hat die Rekursgegnerin richtig erwogen, dass mit der Wohnsitz-

verlegung  eine  Nutzungsänderung  an  der  Liegenschaft  in  F  eingetreten  ist.  Denn  im 

Interesse  der  Rechtssicherheit  und  Praktikabilität  kommt  es  einzig  darauf  an,  ob  der 

Grundeigentümer seinen Hauptwohnsitz am Ort einer Liegenschaft hat oder nicht. Ob 

und  wie  häufig  er  sich  in  einem  anderen,  ihm  gehörenden  Objekt  aufhält,  lässt  sich 

kaum überprüfen. Auch der Rekurrent begnügt sich mit der pauschalen, weder näher 

substanziierten  noch  belegten  Behauptung,  dass  er  sich  von  November  bis  März  "in 

wesentlichem Ausmass" in F aufhalte. Nach den Akten bestehen keine Anhaltspunkte, 

dass  sich  an  den  Wohnsitzverhältnissen  in  naher  Zukunft  etwas  ändern  wird.  Unter 

diesen  Umständen  ist  daher  mit  der  Vorinstanz  auf  eine  definitive  Zweckentfremdung 

der Liegenschaft in F zu schliessen. 

b)  Wie  das  Verwaltungsgericht  im  Entscheid  SB.2013.00133  vom  25.  Sep-

tember  2014  (www.vgrzh.ch)  erkannt  hat,  setzt  die  Nachveranlagung  der  zufolge  Er-

satzbeschaffung aufgeschobenen Grundstückgewinnsteuer keine steuerbare, entgeltli-

che Handänderung voraus. Vielmehr kann bereits eine Nutzungsänderung steueraus-

lösend sein, wenn etwa der neue Eigentümer das Ersatzobjekt nicht mehr ausschliess-

lich selbst bewohnt. Damit schliesst sich das Verwaltungsgericht der übereinstimmen-

den  Auffassung  der  Finanzdirektion  im  Rundschreiben  an  die  Gemeinden  über  den 

Aufschub der Grundstückgewinnsteuer bei Ersatzbeschaffung einer dauernd und aus-

schliesslich selbstgenutzten Wohnliegenschaft (§ 216 Abs. 3 lit. i und § 226a StG; ZStB 

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I Nr. 37/461 [im Folgenden: Rundschreiben]) und von Felix Richner (Ersatzbeschaffung 

von selbstgenutztem Wohneigentum [Teil III], ZStP 2011, S. 5) an. In einem vergleich-

baren  Sachverhalt  wie  hier  hat  auch  das  Verwaltungsgericht  Luzern  die  Nachbe-

steuerung  des  aufgeschobenen  Grundstückgewinns  für  rechtens  befunden  (VGr  LU, 

19. April 2012, VGE A 12 110, www.steuern.lu.ch). 

c) Die von Rechtsprechung und Lehre vertretene Auffassung, wonach neben 

der  Handänderung  auch  die  Nutzungsänderung am  Ersatzgrundstück  innert fünf  Jah-

ren  seit  der früheren,  den  Steueraufschub begründenden  Veräusserung zur  Nachver-

anlagung  führt,  ist  sachgerecht  und  praktikabel.  Wie  eine  Handänderung  lässt  auch 

eine Nutzungsänderung die Rechtfertigung für einen Steueraufschub entfallen. Sodann 

dient die Statuierung einer Frist, innert der eine Nachveranlagung greift, der Rechtssi-

cherheit;  deren  Bemessung  auf  fünf  Jahre  trägt  den  gegensätzlichen  Interessen  von 

Grundeigentümer  und  Gemeinwesen  angemessen  Rechnung.  Demgegenüber  würde 

die  vom  Rekurrenten  verfochtene  Sichtweise,  wonach  eine  Nachveranlagung  ausser 

Betracht  falle,  wenn  im  Zeitpunkt  des  Erwerbs  des  Ersatzobjekts  dessen  dauerhafte 

Nutzung beabsichtigt sei, darauf hinauslaufen, dass es mit Ausnahme von klaren Fäl-

len einer Steuerumgehung kaum mehr zu einer Nachveranlagung käme. Wie das Ver-

waltungsgericht  im  Entscheid  SB.2011.00154  vom  14.  März  2012  (www.vgrzh.ch)  er-

wogen  hat,  ging  es  dem  Gesetzgeber  mit  dem  Institut  der  Ersatzbeschaffung  darum, 

das Wohneigentum und die  Mobilität zu fördern. Im Unterschied zur Kaskadenersatz-

beschaffung,  bei  welcher  das  Verwaltungsgericht  im  genannten,  eine  Praxisänderung 

begründenden Entscheid den Steueraufschub nur noch bei rechtsmissbräulichen kurz-

fristigen  Abfolgen  von  Handänderungen  den  Steueraufschub  verwehrte,  lässt  sich  im 

vorliegend  zu  beurteilenden  Fall  einer  Zweckentfremdung  eine  privilegierte  Besteue-

rung  nicht  mehr  rechtfertigen.  Dies  gilt  umso  mehr,  als  der  Grundeigentümer  seinen 

Hauptwohnsitz ins Ausland verlegt hat. 

d) Die vom Pflichtigen erhobene Rüge, dass die Nachveranlagung den verfas-

sungsrechtlichen Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähig-

keit gemäss Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) verletze, 

ist  unbegründet.  Er  macht  zu  Recht  nicht  geltend,  dass  die  Erhebung  einer  Grund-

stückgewinnsteuer  von  Fr.  221'942.-  bei  einem  erzielten  Gewinn  von  Fr. 695'000.- 

übermässig sei. Ferner kann in der Verweigerung des fortdauernden Steueraufschubs 

im  Fall  der  Zweckentfremdung  innert  fünf  Jahren  keine  solche  Verfassungswidrigkeit 

erblickt werden. 

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e) Ebenso wenig ist in der von der Vorinstanz vorgenommenen Auslegung der 

Bestimmungen von § 216 Abs. 3 lit. i i.V.m. § 226a StG eine Missachtung von Art. 12 

Abs.  3  lit.  e  StHG  zu  erblicken.  Danach  wird  die  Besteuerung  aufgeschoben  bei  Ver-

äusserung  einer  dauernd  und  ausschliesslich  selbstgenutzten  Wohnliegenschaft,  so-

weit der dabei erzielte Erlös innert angemessener Frist zum Erwerb oder zum Bau ei-

ner gleichgenutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird. Wenn sich die 

eidgenössischen  Räte  nach  den  Vorbringen  des  Rekurrenten  nicht  auf  eine  Revision 

von Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG mit ausdrücklich verankerter Fünfjahresfrist einigen konn-

ten, lässt sich daraus keine Verpflichtung der Kantone ableiten, die bisherige Praxis zu 

lockern. 

f)  Die  Grundstückgewinnsteuer  wird  berechnet,  wie  wenn  nie  eine  Ersatzbe-

schaffung erfolgt wäre (Ziff. 23 des Rundschreibens). Die Nachbesteuerung unterliegt 

im interkantonalen Recht dem gleichen kantonalen Grundstückgewinnsteuerrecht, wel-

chem  der  Grundstückgewinn  ohne  Besteuerungsaufschub  unterlegen  hätte  (Roman 

Sieber in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht, 

Basel 2011, § 25 N. 54). 

Die  von  der  Rekursgegnerin  in  der  Nachsteuer-Verfügung  vom  17.  Dezem-

ber 2014 vorgenommene und im angefochtenen Einspracheentscheid vom 7. Mai 2015 

bestätigte Steuerberechnung ist vom Pflichtigen nicht angefochten worden und erweist 

sich nach den Akten als zutreffend. 

4. a) § 126 Abs. 1 i.V.m. § 206 StG verpflichtet die zuständige Behörde, den 

Beteiligten  ihren  Entscheid  mit  Begründung  schriftlich  mitzuteilen.  Welche  Dichte  die 

Begründung aufweisen muss, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Allgemein 

dient die Begründung vor allem dazu, dass der Steuerpflichtige die Tragweite des Ent-

scheids  erkennen  und  diesen  sachgerecht  anfechten  kann  (Richner/Frei/Kaufmann/ 

Meuter, § 139 N 32 f. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung, auch zum Folgenden). Je 

grösser  der  Spielraum,  über  den  die  Behörde  infolge  Ermessens  und  unbestimmter 

Rechtsbegriffe  verfügt,  und  je  stärker  ein  Entscheid  in  die  individuellen  Rechte  ein-

greift, desto höhere Anforderungen sind an die Begründung zu stellen und desto detail-

lierter  und  konkreter  muss  die  Auseinandersetzung  mit  dem  Tatbestand  und  den 

Rechtsfolgen ausfallen. 

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b)  Aus  dem  Einspracheentscheid  geht  die  Rechtsauffassung  der  Grundsteu-

erbehörde klar hervor, dass die Aufgabe der ausschliesslichen Selbstnutzung des Er-

satzobjekts  durch  den  Grundeigentümer  zum  Hinfall  des  Steueraufschubs  und  somit 

zur Nachveranlagung der am 14. Juni 2011 aufgeschobenen Grundstückgewinnsteuer 

führt. Daran ändert nichts, dass sich die Behörde zu Unrecht auf das Präjudiz BGE 138 

II 105 berufen hat, das eine andere Sachverhaltskonstellation beschlägt. Denn der Ein-

spracheentscheid hält klar fest, dass die Wohnsitzverlegung und die damit verbundene 

Umwandlung der ständig bewohnten Liegenschaft zu einer Zweit- oder Ferienwohnung 

den  Steueraufschub  entfallen  lasse.  Gegen  diese  Rechtsauffassung  konnte  sich  der 

Rekurrent zur Wehr setzen, was er auch ausführlich getan hat. 

Diese Erwägungen führen zur Abweisung des Rekurses. 

5.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Gerichtskosten  dem  Rekur-

renten, unter Verrechnung mit dem geleisteten Kostenvorschuss, aufzuerlegen (§ 151 

Abs. 1  StG)  und  muss  ihm  eine  Parteientschädigung  von  vornherein  versagt  bleiben 

(§ 17  Abs.  2  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  vom  24.  Mai  1959/6.  Septem-

ber 1987). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

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