# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33c64e8e-752a-5d60-ab6f-a8d52180cffa
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-01-21
**Language:** de
**Title:** Gutachten beweiswertig; der Folgenabschätzung der AF ist indessen die Anwendung zu versagen, da bloss Verdachtsdiagnose und im Übrigen negative Antwortverzerrung
**Docket/Reference:** IV.2024.00089
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00089.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00089
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Curiger
Sozialversicherungsrichter Kübler
Gerichtsschreiberin Böhme
Urteil
vom
21. Januar 2025
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1986 geborene und als Produktionsmitarbeiterin in der Verpackungstechni
k
tätige
X.___
meldete sich am 9. März 2020 unter Hinweis auf eine be
stehende Hypoglykämie bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk.
6/9).
D
ie IV-Stelle
zog
die Akten des zuständigen Krankentaggeldversicherers bei (Urk.
6/13 und
6/
28), erkundigte sich beim Arbeitgeber
nach dem Arbeits
ver
hält
nis
(Urk. 6/26)
und liess die Versicherte in Ergänzung der
von den Behandlern
bei
ge
zogenen medizinischen Unterlagen
im März 2023
durch das
Y.___
begutachten (Expertise vom
20. Juli 2023, Urk. 6/137).
Gestützt hierauf zeigte ihr die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 3. Oktober 2023 an, das Leis
tungs
be
gehren abweisen zu wollen (Urk. 6/141), woran sie nach Einwand der Ver
sicherten (Urk. 6/149 und 6/153-154) mittels Verfügung vom 4. Januar 2024 fest
hielt (Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 4. Januar 2024, wonach kein Anspruch auf Inva
liden
rente bestehe, liess
X.___
am
5. Februar 2024 Beschwerde erheben und be
antragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr min
des
tens eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung auszurichten (Urk. 1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 14. März 2024 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 18. März 2024 an
gezeigt wurde.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Inva
li
den
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022. Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grund
sätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
an
spruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Ren
tenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
März 2020
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invaliden
ver
sicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
September 2020
aus
ge
richtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). In dieser übergangsrechtlichen Konstel
la
tion ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wie
dergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
un
fä
hig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Be
urteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
un
fä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den An
forderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sog. Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon
krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4
;
135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. Ap
ril 2021 E. 3
m.w.H
.).
1.5
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das
kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c
i.V.m
.
Art. 2 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Parteien be
schränkt (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche die
se sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Be
weis
füh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Par
teien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge
blie
benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Unter
suchungs
grund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zu
mindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Voll
stän
dig
keit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren ablehnenden Entscheid damit, die um
fas
senden medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass bei der Be
schwer
de
führerin eine Leistungsfähigkeit von 70 % sowohl in bisheriger als auch in ange
passten Tätigkeiten bestehe. Die von ihrem Hausarzt benannten Diagnosen seien alle
samt ins Gutachten eingeflossen, könnten aktuell jedoch nicht mehr erhoben wer
den.
Was die Zufuhr von Vitaminen, das Messen des Blutzuckers sowie die Ein
nahme von mehreren, kleineren Mahlzeiten betreffe, so stünden diese Mass
nah
men, welche einer Unterzuckerung vorbeugen beziehungsweise eine solche um
gehend beheben könnten, in der Eigenverantwortung der Beschwerdeführerin und unterstünden mithin ihrer Schadenminderungspflicht. Insgesamt seien im
Ein
wand keine neuen medizinischen Befunde dargelegt worden, welche im Gut
achten nicht bereits Berücksichtigung gefunden hätten (Urk. 2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin insbesondere entgegen,
das
von den Gut
achtern beschriebene Zumutbarkeitsprofil stehe in klarem Widerspruch zum bis
he
rigen Tätigkeitsprofil, wonach sich die notwendigen Pausen
im hochsterilen Ar
beitsumfeld
nicht umsetzen liessen. Dementsprechend sei weder das Gutachten noch die Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) schlüssig.
Zu
dem sei zu beachten, dass ein Abzug von 10 % vom Tabellenlohn zu gewähren sei, was ab Januar 2024 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invaliden
ver
si
che
rung begründe. Nachdem die Tabellenlöhne nach LSE zu hoch ausfallen würden und ihr bloss noch eine leidensadaptierte Tätigkeit von 70 % zumutbar sei, recht
fertigte sich jedoch bereits vor dem Jahr 2024 ein Abzug von 10 %, womit selbst unter Zugrundelegung des Gutachtens Anspruch auf eine
Viertelsrente
ab Sep
tem
ber 2020 bestehe (Urk. 1).
3.
3.1
Am 20. Juli 2023 erstattete das
Y.___
das polydisziplinäre Gutachten umfassend eine internistische, psychiatrische, neurologische, orthopädische, endokrinolo
gische sowie neuropsychologische Beurteilung (Urk. 6/137). Aus interdis
zi
pli
närer Sicht (Urk. 6/137/7) wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fä
hig
keit ein Verdacht auf ein Spätdumping-Syndrom bei Zustand na
c
h einer laparo
skopischen Y-Roux-Magenbypass-Operation 09/2014 (ICD-10: K91.1) ge
nannt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine (1) initial dege
ne
ra
tive LWS-Veränderung mit Status nach Prellung 01/2023 ohne signifikante Funk
tionseinschränkungen und ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10: M51.9) so
wie ein (2) Senkspreizfuss mit
Hallux
valgus links mehr als rechts ohne Funk
tions
einschränkungen (ICD-10: M21.67).
3.2
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin habe sich themen
be
zogen (körperliche Symptomatik, schwierige finanzielle Situation, familiäre Pro
bleme) bedrückt-dysphorisch, bei neutralen Themen indessen
auflockerbar
ge
zeigt. Es handle sich dabei um eine im normalpsychologischen Spektrum liegende emo
tionale Reaktion auf körperliche und psychosoziale Probleme und Be
las
tungen, eine krankheitswertige depressive oder sonstige Symptomatik liege nicht vor. Eine psychiatrische Diagnose sei mithin nicht zu stellen. Was die von der Be
schwerdeführerin beklagten kognitiven Störungen betreffe, so hätten klinisch-psy
chiatrisch keine grösseren Auffälligkeiten erhoben werden können. In der
neu
ropsychologischen Begutachtung habe sie sich indessen grob auffällig ver
hal
ten, weshalb von einer Manipulation auszugehen sei (Urk. 6/137/40).
3.3
Die Untersuchungsbefunde bei der
(
adipösen
)
Beschwerdeführerin zeigten sich aus internistischer Sicht unauffällig, so d
ass
der Gutachter das Vorliegen ver
si
che
rungsmedizinisch relevanter Erkrankungen verneinte (Urk. 6/137/49 f.).
3.4
Gegenüber de
r
neurologischen Gutachter
in
berichtete die Explorandin, dass sie un
ter häufigen Bewusstseinsverlusten leide, die meist ohne
Prodromi
auftreten wür
den. Teilweise habe sie aber auch Präsynkopen mit Schwarzwerden vor Augen und Zittern am ganzen Körper gefolgt von Schweissausbrüchen, weshalb sie da
nach die Kleidung wechseln müsse. Einen Zusammenhang mit Episoden von Un
ter
zuckerungen habe man nicht sicher feststellen können.
Überhaupt habe sich kei
ne eindeutige Ursache finden lassen. Sie leide zwar unter gelegentlichen Hypoglykämien, halte sich jedoch an das vorgeschlagene Diätregime und esse drei bis fünf Mahlzeiten pro Tag, um Phasen der Unterzuckerung zu vermeiden. Für eine Weile habe sie einen Blutzuckersensor getragen, benutze diesen aber schon länger nicht mehr
. Sodann leide sie unter starken Gedächtnisstörungen, star
ker Müdigkeit und häufigen Kopfschmerzen sowie an Rückenschmerzen lum
bal nach einem Sturz
(Urk. 6/137/57).
Aufgrund der Anfälle sei sie ständig auf Be
gleitung und Überwachung angewiesen (Urk. 6/137/58).
D
ie
Fach
ä
rzt
in
führte aus
, im Rahmen der aktuellen neurologischen Begutachtung ha
be kein neurologisches Korrelat für die geschilderte Beschwerdesymptomatik fest
gestellt werden können; insgesamt lägen daher keine Diagnosen in diesem Fach
gebiet vor (Urk. 6/137/62).
3.5
Zum
orthopädischem Fachgebiet
wurde ausgeführt
, die
von der Be
schwer
de
füh
rerin
geklagten Symptome seien teilweise nachvollziehbar
. F
ür das gezeigte ge
ring rechtshinkende Gangbild finde sich indessen keine orthopädische Erklärung und die aktuell genannten Schmerzen auf einem Niveau von 5-6/10 könnten bei feh
lenden Schmerzzeichen beim Sitzen nicht in der gemachten Schmerzstärke nach
vollzogen werden
.
Bei der klinischen Untersuchung hätten sich eine end
gra
dige Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule ohne radikuläre Symp
to
ma
tik sowie lokale Schmerzen über den Facetten und über dem ISG rechts gezeigt. Eine signifikante Funktionseinschränkung auf orthopädischem Fachgebiet habe die Beschwerdeführerin nicht demonstriert. Der Gutachter hielt dafür, die aktuelle Be
handlung mittels Physiotherapie sei adäquat. Sodann
bestehe
ein Senk
spreiz
fuss mit
Hallux
valgus links mehr als rechts, wobei derzeit keine Beschwerden be
klagt würden, eine Funktionseinschränkung nicht gesehen werde und eine spe
zi
fische Behandlung nicht erforderlich sei. Unter Beachtung des Belastungsprofils
aus orthopädischer Sicht (Heben und Tragen von Lasten bis zu 15 kg, selten bis zu 25 kg, selten Arbeiten in Vorneige oder Zwangshaltungen) bestehe keine län
ger
fristige Arbeitsunfähigkeit (Urk.
6/137/72
ff.).
3.6
Der endokrinologische
Sachverständige hielt fest, die Genese für die von der Be
schwer
deführerin geklagten Synkopen beziehungsweise u
n
klaren Bewusst
seins
zu
stände sei nicht geklärt. Ein Spätdumping-Syndrom
wäre prinzipiell möglich und würde zu den auftretenden Beschwerden passen. Allerdings habe ein ent
sprechender Beweis während mehrfachen stationären Aufenthalten bisher nicht er
bracht werden können, was bedeute, dass unter stationären Bedingungen keine ent
sprechende Episode
,
auch nicht unter einem Belastungstest
,
habe provoziert wer
den können. Differentialdiagnostisch seien weiterhin vasovagal beziehungs
weise neuropsychologische Ursachen in Erwägung zu ziehen. Mithin sei ein Spät
dum
ping-Syndrom möglich, aber nicht bewiesen. In der Folge nannte der Gut
achter einen Verdacht auf Spätdumping-Syndrom bei Zustand nach laparo
sko
pische
r
Y-Roux-Magenbypass-Operation 09/2014, dem er Relevanz für die Ar
beits
fähigkeit
(letzte Tätigkeit)
zumass (Urk.
6/137/88).
Sowohl in bisheriger als auch in angepasste
r
Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin eine Anwesenheit von 8.5 Stunden täglich zumutbar; indessen sei für einen erhöhten Pausen
be
darf (notwendige Nahrungsaufnahme und gegebenenfalls Blutzuckerkontrollen)
ei
ne Arbeitsunfähigkeit von 30 % zu veranschlagen. Das Belastungsprofil um
schrieb er
wie folgt:
möglichst sitzende Tätigkeiten mit der Möglichkeit Pausen ein
zulegen.
Keine
k
örperlich schwere Tätigkeit. Ungeeignet seien aufgrund der
Kol
laps
zustände
Personentransport, Arbeiten an gefährlichen Maschinen und sol
che mit Absturzgefahr (Urk. 6/137/89).
3.7
Im Rahmen der neuropsychologischen Abklärung
zeigten sich Auffälligkeiten, wel
che klar auf eine negative Antwortverzerrung hinwiesen. So hätten die Leis
tungen der Beschwerdeführerin teilweise unter dem Bereich gelegen, welcher der zu erwartenden Leistung einer Referenzpopulation von Menschen mit fort
ge
schrit
tener Demenzerkrankung entspreche. Eine solch schwere Gedächt
nis
stö
rung, wie bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz, sei bei der Beschwer
de
füh
rerin nicht zu erwarten und wäre diskrepant zu ihren Leistungen im Alltag. Nach
dem entsprechend geringe Leistungen üblicherweise nicht ohne An
stren
gung erzielt werden könnten, sei von einer gezielten Manipulation auszugehen (Urk. 6/137/99).
Der Unterschied zwischen allen einfachen und schwierigen Auf
ga
benteilen zusammengenommen
habe unter der bei einer authentischen Störung
zu erwartenden Differenz
gelegen. In einem schwierigen Durchgang sei das Re
sul
tat sogar besser gewesen als in einem einfachen Durchgang. Das Leis
tungs
pro
fil sei nicht nachvollziehbar (Urk. 6/137/100). Im Hinblick auf die Ar
beits
fä
hig
keit hätten sich keine Befunde objektivieren und reproduzieren lassen, die eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit valide begründen könnten (Urk. 6/137/101).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin wurde infolge der von ihr geklagten Beschwerde
symp
to
matik, wonach sie an regelmässig auftretenden Synkopen leide, umfassen
d ab
ge
klärt.
Trotz
sorgfältige
r
und
polydisziplinäre
r
Abklärungen, die neben Labor
un
ter
suchungen auch
mehrfach Untersuchungen
im stationären Rahmen umfassten,
liess sich hierfür indessen keine Ursache finden. So konnten die Ärzte sowohl das Vor
liegen eines
Insulinoms
(Urk. 6/28/77)
als auch einer Pathologie aus kardio
lo
gischer Sicht ausschliessen
(Urk. 6/29/31)
und scheint eine postbariatrische Hypo
glykämie nicht mehr vorzuliegen, sondern wurden die Beschwerden dif
fe
ren
tialdiagnostisch einzig noch als vasovagal oder funktionell bedingt gesehen (Urk.
6/66/8
).
Unter Berücksichtigung dieser Abklärungsergebnisse (vgl. ins
be
son
dere Urk. 6/137/86 f.)
sowie gestützt auf die von ihm durchgeführte Ex
plo
ra
tion
-
weder
aus internistischer
noch aus
neurologischer Sicht hatte
sich
ein patho
logischer Befund erheben lassen (E. 3.
3
- 3.4) -
kam
der endokrinologische Gut
achter zum Schluss, die Genese für die geklagten Synkopen beziehungsweise die unklaren Bewusstseinszustände habe nicht geklärt werden können. Wenn auch das Vorliegen eines Spätdumping-Syndroms prinzipiell möglich wäre, so ha
be der entsprechende Beweis - auch während mehrfache
r
stationäre
r
Auf
ent
halte - nicht erbracht werden können (Urk.
6/137/88).
Diese
Einschätzung
ist
in kei
ner Weise
zu beanstanden
. Dass es an einer objektivierbaren Ursache für die von der Beschwerdeführerin geklagte Symptomatik mangelt,
räumte der Hausarzt der Beschwerdeführerin
in seinem Schreiben vom 2. November 2023 an deren Rechts
vertreter
ein
, in
welchem
er festhielt, die Beschwerdeführerin verliere aus hei
terem Himmel das Bewusstsein und mehrere Messungen hätten wi
der
sprüch
liche Befunde geliefert, womit ein objektives, konstant messbares Kriterium schwierig festzuhalten sei. Dadurch sei es auch schwierig, eine Krankheitsentität zu definieren (Urk. 6/153/1).
Dieser Auffassung
widersprach
die Beschwer
de
füh
rerin
nicht
(Urk. 1 S. 5).
Zu Recht
unterliess sie
es
im Weiteren
, das Gutachten aus psychiatrischer oder orthopädischer Sicht zu kritisieren, bestünde dazu
denn auch
keinerlei Anlass. Sowohl der psychiatrische als auch der orthopädische Gut
achter haben unter Berücksichtigung der geklagten Leiden und den von ihnen er
hobenen Befunde sowie in Auseinandersetzung mit den Akten (
E. 3.2,
Urk. 6/137/
32 und
39 f.
; E.
3.5, Urk.
6/137/70 ff.)
ihre Einschätzung nachvollziehbar be
gründet.
Soweit der Hausarzt der Beschwerdeführerin
die Ergebnisse der neuro
psy
chologischen Testung anzweifelt
, da er die Beschwerdeführerin als sehr zu
ge
wandt sowie ehrlich erlebt habe, weshalb sie eine unabhängige
und ehrliche Be
ur
teilung
ihrer
Leistungsfähigkeit
verdiene
(Urk. 6/153/2),
sind seine Vorbehalte un
begründet und
finde
n
keinerlei Stütze in den Akten. Vielmehr verkennt der be
handelnde Arzt, dass die neuropsychologische Testung auf einer umfassenden Test
diagnostik beruht, deren
Ergebnisse mittels Beschwerdevalidierung geprüft und - mit einlässlicher und plausibler Begründung - als vorwiegend auffällig und da
mit als nicht nachvollziehbar gewertet wurden.
Nachdem die Beschwer
de
füh
rerin teilweise Leistungen gezeigt hatte, die gar von Menschen mit fort
ge
schrit
tener Demenzerkrankung oder mit schwerem Schädel-Hirntrauma übertroffen wer
den (Urk. 6/137/99), ist der Schluss auf eine gezielte Manipulation (E. 3.7),
über
zeugend
.
Entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin
besteht mithin kei
nerlei Grund, den Beweiswert des
polydisziplinäre
n
Gutachten
s anzuzweifeln.
Anlass für weitere medizinische Abklärungen besteht damit nicht.
4.2
Was indessen die Folge
n
abschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter an
belangt, so ist dieser
- ohne dass dadurch das Gutachten an Beweiswert verlöre -
die
Anwendung zu versagen.
Wenn auch die medizinische Folge
n
abschätzung
un
ausweichlich Ermessenszüge trägt und dem Gutachter einen gewissen Spiel
raum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinische Interpretationen mög
lich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vor
ge
gan
gen ist, ist von einer
solcherart
erfolgten medizinischen
Eins
chätzung aus trif
tigen Gründen abzuweichen. Solche Gründe liegen vor, wenn die medizinische An
nahme einer Arbeitsunfähigkeit letztlich, im Ergebnis, unter dem ent
schei
den
den Gesichtswinkel der Konsistenz und materiellen Beweislast der versicherten, ren
tenansprechenden Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt (zum Ganzen vgl. BGE 145 V 361 E. 4.1.2 m
it weiteren Hinweisen
)
.
Diese Voraussetzung ist vorliegend
erfüllt
: mittels unzähliger medizinischer Ab
klä
rungen wurde versucht, die Ursache der von der Beschwerdeführerin geklagten Be
schwerdeproblematik zu ergründen, letztlich mit dem Ziel, diese einer Therapie zu
zuführen
. U
nbestrittenermassen
liess sich eine objektivierbare, reproduzierbare Ge
nese trotz umfassender Untersuchungen nicht finden, weshalb die Gutachter ihrer Folgenabschätzung eine Verdachtsdiagnose zugrunde legten. Nachdem es sich indessen als unmöglich erwiesen hat, ein Spätdumping-Syndrom zu belegen
oder andere Ursachen für die Symptomatik
aufzufinden
(E. 3.6)
, hat die Be
schwer
deführerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (E.
1.5).
Eine
Leis
tungs
zusprache
aufgrund
der
Verdachtsdiagnose
eines Spätdumping-Syndroms
ver
bietet sich daher (vgl.
auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_181/2022 vom 6. Sep
tember 2022 E. 3.2.3). Es kommt hinzu, dass
die
vom endokrinologischen Gut
achter einzig noch
differentialdiagnostisch genannte Möglichkeit einer
neuro
psychologischen Ursache mit Blick auf die im Rahmen der neuro
psy
cho
lo
gischen Abklärung von der Beschwerdeführerin gezeigte negative Ant
wort
ver
zer
rung ohnehin ausser Betracht fällt
und
einem stimmigen Gesamtbild (Kon
sis
tenz)
, mithin auch
einer relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
,
ent
ge
gen
steht.
4.3
Damit
ist der Beweis für eine langandauernde und erhebliche gesund
heits
be
dingte Arbeitsunfähigkeit nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich zu Un
guns
ten der Beschwerdeführerin auswirkt. Ein Rentenanspruch ist nicht zu be
grün
den.
4.4
4.4.1
Selbst wenn aber der Leistungsprüfung die Folgenabschätzung der Gutachter zu
grunde gelegt und davon ausgegangen würde, die Beschwerdeführerin sei - zu
min
dest (vgl. Urk. 1 S. 5)
-
in angepasster Tätigkeit
(bloss)
zu 70 % arbeitsfähig (E.
3.6),
bestünde,
wie nachfolgend aufgezeigt,
k
ein
A
nspruch
auf eine Rente
.
4.4.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Ver
bindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be
stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Be
zie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Ein
kom
mens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
li
di
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs;
vgl.
BGE 130 V 343 E. 3.4.2
;
128 V 29 E. 1).
4.4.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Ta
bellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch he
raus
ge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3
;
135 V 297 E. 5
.2
;
129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Ren
tenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2
;
142 V 178 E
. 2.5.8.1
;
133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug er
folgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Mass
gabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl.
BG
E
142 V 178 E. 2.5.7
;
139 V 592 E. 2.3
;
135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
4.4.4
Die Beschwerdeführerin
, welche eine Berufsausbildung als Dentalassistentin be
gann aber nicht abschloss (Urk. 6/9/4)
,
war in diversen Hilfstätigkeiten be
schäf
tigt (Urk. 6/137/34), zuletzt
ab 1. April 2019
als Betriebsmitarbeiterin Ein
gangs
kon
trolle
in der Verpackungsindustrie
, wo sie im Jahr 2020 einen Jahreslohn von Fr. 53'893.80 erzielte (Urk. 6/26/5).
Mithin
ist
das
Valideneinkommen
im Jahr 2020 (Anmeldung: März 2020, Urk. 6/9, Ablauf Wartejahr: September 2020, Urk. 6/137/8 und 6/139/19) auf Fr. 53'89
4.--
festzusetzen. Weil die Be
schwer
de
füh
rerin
nach der per 31. Dezember 2020 erfolgten Kündigung (Urk. 6/26/1)
keine
neue
Tätigkeit aufgenommen hat, ist zur Festsetzung des Invalideneinkommens auf Tabellenlöhne (E. 4.4.3)
abzustellen
und hierbei mit Blick auf ihre Er
werbs
bio
graphie de
r
monatliche Bruttolohn (Zentralwert) der LSE 2020, Tabelle TA1, To
tal im Kompetenzniveau 1, Frauen, von Fr. 4’276.--
heranzuziehen
.
Unter Be
rück
sichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2022 von 41.7 pro Wo
che
(vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schafts
ab
teilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-2023,
Total
)
resultiert für ein Pensum von 70
% ein Jahreseinkommen 2020 von Fr. 37'445.-- (Fr.
4
’
276.-- : 40 x 41.7 x 0.7
x 12
) beziehungsweise unter Berücksichtigung eines wie von der Beschwerdeführerin geforderten
, jedoch frühestens ab dem 1. Januar 2024 zu ge
währenden
Abzugs von 10 %
(Art. 26
bis
IVV in der ab 1. Januar 2024 an
wend
baren Fassung)
ein Jahreseinkommen von Fr. 33'700.--.
4.4.5
Bei einer Erwerbseinbusse von Fr. 20'194.-- (Fr. 53'894.-- abzüglich
Fr. 33'700.--)
ergibt
sich ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 37 %.
5.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und aus
gangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
PhilippBöhme