# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08122dfa-1f4e-59df-8f55-26a8cb42b78e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.03.2010 A-617/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-617-2008_2010-03-31.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-617/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Markus Metz, 
Richter Lorenz Kneubühler, 
Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall.

X._______, vertreten durch ..., 
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (Steuerbefreiung).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-617/2008

Sachverhalt:

A.
X._______ hat  ihren Sitz  in  ...  . Gemäss Handelsregisterauszug be-
zweckt  sie  insbesondere  die  Beratung  von  Personen,  Unternehmen 
und Institutionen des privaten und öffentlichen Rechts in Fragen des 
Abgabe- und Wirtschaftsrechts. Sie war vom 7. März 1997 bis 31. De-
zember 2004 im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen. 

B.
Im Jahre 2005 führte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) bei 
der  X._______  eine  Kontrolle  durch  und  prüfte  die  Abrechnungspe-
rioden 1. Quartal 2000 bis 4. Quartal 2004. Beanstandet wurden feh-
lende Exportnachweise bei einigen als steuerbefreit deklarierten Um-
sätzen  sowie  offene  Debitoren  trotz  Löschung  der  Gesellschaft  aus 
dem Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen.  Infolge  dieser  Feststel-
lungen forderte die ESTV insgesamt Fr. ... an Mehrwertsteuern nebst 
Verzugszins nach. Die X._______ ersuchte die ESTV um Erlass eines 
anfechtbaren Entscheids.

C.
C.a Mit zwei Entscheiden vom 10. Januar 2006 hielt die ESTV an ih-
ren  Steuernachforderungen  fest.  Gegen  diese  Entscheide  erhob  die 
X._______  Einsprache  und  beantragte  deren  Aufhebung.  Anlässlich 
einer Ergänzung der Einsprache legte die X._______ weitere Beweis-
mittel  ins  Recht  und  hielt  des  Weiteren  fest,  dass  die  Steuernach-
forderung der ESTV im Umfang von Fr. ... nicht mehr bestritten werde. 
Bezüglich dieser nicht mehr bestrittenen Steuernachforderung erliess 
die ESTV am 6. August 2007 einen Abschreibungsbeschluss. 

Des Weiteren forderte die ESTV die X._______ auf, betreffend die von 
ihr an ausländische Domizilgesellschaften erbrachten Dienstleistungen 
den Nachweis  zu  erbringen,  dass  sich  das  Domizil  der  Inhaber  der 
Mehrheit  der  Beteiligungsrechte  an den  betreffenden  Gesellschaften 
im Ausland befinde. Diesbezüglich reichte die X._______ Unterlagen 
betreffend  die  Position  A._______.,  Cayman Islands,  ein  und  führte 
aus, sie habe im Übrigen auf die Einforderung weiterer, für die Beweis-
führung notwendiger Unterlagen verzichtet.

C.b Mit  Entscheid vom 18. Dezember 2007 hiess die ESTV die Ein-
sprache im Umfang von Fr. ... gut und erkannte des Weiteren, dass die 

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X._______  wegen  fehlender  Nachweise  für  von  der  Steuer  befreite 
bzw. von der Besteuerung ausgenommene Umsätze in den Steuerpe-
rioden 1. Quartal 2001 bis 4. Quartal 2004 Fr. ... zuzüglich Verzugszins 
seit 31. Dezember 2001 zu bezahlen habe.

D.
Gegen diesen Entscheid  erhob die  X._______ (Beschwerdeführerin) 
am 30. Januar  2008  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht. 
Sie beantragte,  der angefochtene Entscheid sei  aufzuheben, auf  die 
geltend gemachte Steuernachforderung von Fr. ... sei im Umfang von 
Fr. ...  zu verzichten und ihr  sei  dieser  Betrag wieder  gutzuschreiben 
bzw. es sei  in  diesem Umfang eine Gutschriftsanzeige auszustellen. 
Von der gemäss angefochtenem Entscheid geschuldeten Nachforde-
rung wurde der Anteil von Fr. ... anerkannt.

Mit  Vernehmlassung  vom 28. März  2008  schloss  die  Vorinstanz  auf 
kostenfällige Abweisung der Beschwerde. 

Auf die Begründung der Anträge wird – soweit entscheidwesentlich – 
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach den 
Vorschriften  des  Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021),  soweit  das Verwaltungs-
gerichtsgesetz vom 17. Juni  2005 (VGG, SR 173.32) nichts  anderes 
bestimmt (Art. 2 Abs. 4 VwVG; Art. 37 VGG). 

Gemäss  Art. 31  VGG  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG. Als  anfechtbare 
Verfügungen  gelten  auch  Einspracheentscheide  der  Departemente 
und  der  ihnen  unterstellten  oder  administrativ  zugeordneten  Dienst-
stellen der Bundesverwaltung (Art. 5 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 33 Bst. d 
VGG). Der angefochtene Einspracheentscheid der ESTV vom 18. De-
zember  2007  ist  als  eine  beim  Bundesverwaltungsgericht  anzu-
fechtende  Verfügung  zu  qualifizieren.  Auf  die  im  Übrigen  frist-  und 
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Streitgegenstand  in  der  nachträglichen  Verwaltungsrechtspflege 
ist das Rechtsverhältnis, welches Gegenstand der angefochtenen Ver-

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fügung bildet, soweit es im Streit liegt (anstatt vieler BGE 131 V 164 
E. 2.1;  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren 
vor  dem Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  N. 2.8).  Im Rechts-
mittelverfahren kommt  zudem –  wenn auch in  sehr  abgeschwächter 
Form – das Rügeprinzip mit Begründungserfordernis in dem Sinn zu 
tragen,  dass die Beschwerdeführerin  die ihre Rügen stützenden Tat-
sachen  darzulegen  und  allfällige  Beweismittel  einzureichen  hat 
(MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 1.55).

Im  vorliegenden  Verfahren  liegt  einzig  eine  Steuernachforderung  in 
Höhe von Fr. ... im Streit  (oben, D). Sie geht  auf Leistungen zurück, 
welche die  Beschwerdeführerin  am 14. März  2001,  am 5. November 
2001  und  am  23. Januar  2002  der  A._______.,  Cayman  Islands, 
fakturiert hatte (oben, C.a). 

2.
2.1 Am  1. Januar  2010  ist  das  (neue)  Bundesgesetz  vom  12. Juni 
2009  über  die  Mehrwertsteuer  (Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG], 
SR 641.20)  in  Kraft  getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Be-
stimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vorschriften bleiben 
grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während  ihrer  Geltungsdauer  ein-
getretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwend-
bar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG).

2.2 Art. 113  Abs. 3  MWSTG  bestimmt,  dass  unter  Vorbehalt  von 
Art. 91 MWSTG das neue Verfahrensrecht auf sämtliche im Zeitpunkt 
des Inkrafttretens des (neuen) Mehrwertsteuergesetzes hängigen Ver-
fahren anwendbar ist. Zur Auslegung dieser Bestimmung kann Folgen-
des festgehalten werden:

2.2.1 Den Materialien kann diesbezüglich nichts entnommen werden, 
da die Bestimmung im Entwurf des Bundesrats noch nicht  enthalten 
war, sondern von der ständerätlichen Kommission vorgeschlagen und 
vom Parlament ohne Diskussion angenommen wurde.

2.2.2 Aufgrund der  Gesetzessystematik  ist  vorab anzunehmen, dass 
grundsätzlich der ganze 5. Titel ("Verfahrensrecht für die Inland- und 
die Bezugssteuer") des (neuen) Mehrwertsteuergesetzes von Art. 113 
Abs. 3  MWSTG  erfasst  sein  soll  (so  auch  PASCAL MOLLARD/XAVIER 
OBERSON/ANNE TISSOT BENEDETTO,  Traité  TVA,  Basel  2009,  S. 1235 
N. 669). Getreu dem Wortlaut ist Art. 113 Abs. 3 MWSTG jedoch so zu 
interpretieren,  dass er  nur für eigentliches "Verfahrensrecht"  Geltung 

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beansprucht. Die  sofortige  Anwendbarkeit  ist  damit  ausgeschlossen, 
wenn eine Norm des 5. Titels sich nicht unter den Begriff "Verfahrens-
recht" subsumieren lässt.

2.3 In  die  Auslegung  einzubeziehen  ist  auch  Art. 112  MWSTG  und 
das Verbot der Rückwirkung von materiellem Recht:

2.3.1 Zur Bestimmung des anwendbaren materiellen Rechts ist, auch 
wenn während einem hängigen Rechtsmittelverfahren das Gesetz än-
dert, grundsätzlich auf den Zeitpunkt abzustellen, in welchem die rele-
vanten Tatsachen sich  ereignet  haben (statt  vieler:  BGE 119 Ib  103 
E. 5;  BVGE  2007/25  E. 3.1).  Das  –  aus  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) 
abgeleitete – Rückwirkungsverbot wird verletzt, wenn entgegen diesen 
Regeln  bei  der  Anwendung  des neuen  materiellen  Rechts  an  einen 
Sachverhalt  angeknüpft  wird,  der  in  der  Vergangenheit  liegt  und vor 
Erlass des Gesetzes abgeschlossen wurde (BGE 122 II 113 E. 3b/dd, 
107 Ib 196 E. 3b; hierzu und zu den Ausnahmen vom Rückwirkungs-
verbot: BGE 122 V 408 E. 3b, 119 Ia 254 E. 3b; BVGE 2007/25 E. 3.1 
mit  weiteren  Hinweisen).  Art. 112  MWSTG  gibt  diese  allgemeinen 
Grundsätze wieder, wobei  unter  mehrwertsteuerlichen Gesichtspunk-
ten der Zeitpunkt der Leistung den massgeblichen, über das anwend-
bare Recht entscheidenden Sachverhalt darstellt (Art. 112 Abs. 2 und 
3  MWSTG),  wie  dies  bereits  im  Übergangsrecht  zum  Mehrwert-
steuergesetz vom 2. September 1999 (aMWSTG, AS 2000 1300) und 
zur Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (aMWSTV, 
AS 1994 1464)  der Fall  war (vgl. BGE 123 II  385 E. 9a; Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1350/2006  vom  15. November  2007 
E. 2.1,  A-1395/2006 vom 31. August  2007  E. 2.2,  je  mit  Hinweisen). 
Eine  Rückwirkung  des  materiellen  Rechts  ist  (unter  Vorbehalt  der 
Sonderregeln von Art. 113 Abs. 1 und 2 MWSTG) nicht  vorgesehen. 
Aus den allgemeinen Regeln und Art. 112 MWSTG ergibt  sich dem-
nach, dass für die Anwendbarkeit des materiellen Rechts ausschliess-
lich  auf  die  Verwirklichung  des  Sachverhalts,  genauer  auf  den  Zeit-
punkt der Leistung, abzustellen ist, dies unabhängig vom Verfahrens-
stand.

2.3.2 Diese  das  materielle  Recht  betreffenden  Grundsätze  darf 
Art. 113  Abs. 3  MWSTG  nicht  vereiteln.  Dass  via  Art. 113  Abs. 3 
MWSTG die rückwirkende Anwendung von neuem materiellen Recht 
ermöglicht werden sollte, kann nämlich Art. 113 Abs. 3 MWSTG nicht 

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entnommen  werden  und  ist  auch  nicht  anzunehmen.  Hinzu  kommt, 
dass  das  Verfahrensrecht  im  Verhältnis  zum  materiellen  Recht  eine 
bloss  dienende Funktion  hat; es  dient  primär  der  Durchsetzung  des 
materiellen  Rechts  (vgl.  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsver-
fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, 
S. 30 f.). Bei der Anwendung von Art. 113 Abs. 3 MWSTG ist folglich 
darauf zu achten, dass es mit der Anwendung neuen Verfahrensrechts 
nicht  gleichzeitig  zu  einer  Anwendung von neuem materiellen Recht 
auf altrechtliche Sachverhalte (Umsätze vor 2010), und damit zu einer 
unzulässigen Rückwirkung, kommt. Im Einzelnen ergeben sich folgen-
de  Konsequenzen: Art. 113 Abs. 3  MWSTG ist  eher  restriktiv  und  – 
wie  sich  schon  aus  dem  Wortlaut  ergibt  –  nur  auf  eigentliche  Ver-
fahrensbestimmungen anzuwenden. Soweit eine "verfahrensrechtliche 
Norm" folglich einen Begriff des materiellen Rechts verwendet, so wä-
re diesbezüglich das alte materielle Recht massgeblich. Nur der  ver-
fahrensrechtliche Teil der neuen Norm dürfte sofort  angewendet wer-
den. Sollte eine solche Differenzierung nicht möglich sein, etwa wenn 
eine  neue  Verfahrensbestimmung die  Anwendung  von neuem mate-
riellem  Recht  geradezu  bedingen  würde,  müsste  –  trotz  Art. 113 
Abs. 3 MWSTG – auf die sofortige Anwendung der verfahrensrechtli-
chen Norm verzichtet werden.

2.4 Weiter ist zu erwähnen, dass Art. 113 Abs. 3 MWSTG grundsätz-
lich  dem  allgemeinen  prozessrechtlichen  Grundsatz  entspricht,  wo-
nach neue Verfahrensvorschriften, soweit nicht anders lautende Über-
gangsnormen existieren, auf hängige Verfahren in der Regel sofort an-
wendbar sind, auch wenn sich der in Frage stehende Sachvorhalt vor 
Inkrafttreten des neuen Rechts ereignet hat (BGE 132 V 368 E. 2.1, 
130 V 1 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen, 130 II 270 E. 1.2.1, 126 III 431 
E. 2b,  113  Ia  412  E. 6,  111  V  46;  Urteile  des  Bundesgerichts  vom 
30. September 1997, veröffentlicht in Archiv für Schweizerisches Ab-
gaberecht  [ASA]  67  [1998]  S. 409  E. 3,  2A.68/2003  vom 31. August 
2004 E. 9, 2A.649/2006 vom 18. Januar 2007 E. 2, 2A.701/2005 vom 
9. August  2006  E. 2;  BVGE 2007/28  E. 1;  ebenso  die  Lehre:  ALFRED 
KÖLZ, Intertemporales Verwaltungsrecht, Zeitschrift für schweizerisches 
Recht  [ZSR]  1983  II  S. 222;  KÖLZ/HÄNER,  a.a.O.,  S. 29  N. 79;  PIERRE 
MOOR,  Droit  administratif,  Band  I,  2. Aufl.,  Bern  1994,  S. 171;  ULRICH 
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
5. Aufl.,  Zürich  et  al.  2006,  N. 327a  mit  Hinweisen; MOSER/BEUSCH/ 
KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 2.203). Es ist davon auszugehen, dass Art. 113 
Abs. 3 MWSTG grundsätzlich lediglich dieses prozessrechtliche Prin-

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zip wiedergibt,  und keinen darüber hinausgehenden Gehalt  aufweist. 
Auch insofern  rechtfertigt  sich  eine  Begrenzung  von Art. 113 Abs. 3 
MWSTG auf eigentliches Verfahrensrecht.

2.5 Insgesamt  ergibt  sich  also  eine  eher  restriktive  Auslegung  von 
Art. 113  Abs. 3  MWSTG,  indem strikte  nur  Verfahrensnormen  sofort 
anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von neuem 
materiellem Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1113/2009  vom  23. Februar  2010 
E. 1.3). Der vorliegende Rechtsstreit untersteht deshalb in materieller 
Hinsicht dem aMWSTG.

3.
3.1 Als Ort einer Dienstleistung galt grundsätzlich der Ort, an dem der 
Dienstleistende  seinen  Geschäftssitz  oder  eine  Betriebsstätte  hatte, 
von  wo  aus  die  Dienstleistung  erbracht  wurde  (Erbringerortsprinzip; 
Art. 14  Abs. 1  aMWSTG).  Für  sogenannte  immaterielle  Dienst-
leistungen  statuierte  Art. 14  Abs. 3  aMWSTG  –  dem  im  grenzüber-
schreitenden  Waren-  und  Dienstleistungsverkehr  geltenden  Bestim-
mungslandprinzip  folgend  –  eine  Ausnahme von diesem Grundsatz: 
Der Ort der Dienstleistung bestimmte sich nach dem Empfänger und 
nicht nach dem Erbringer. Stand fest, dass der Empfänger im Ausland 
anzusiedeln  war,  wurden  die  Dienstleistungen  nach  Art. 14  Abs. 3 
aMWSTG im Ausland lokalisiert  und waren demnach in der Schweiz 
nicht  steuerbar. Im Verhältnis  zu Art. 15 Abs. 2 Bst. l  aMWSTV wies 
die Regelung von Art. 14 Abs. 3 aMWSTG den Vorteil auf, dass auf die 
Voraussetzung  der  ausländischen  Nutzung  oder  Verwendung  ver-
zichtet wurde (BGE 133 II 153 E. 5.1).

Unter dem zeitlichen Anwendungsbereich des aMWSTG genügte es – 
wie schon unter der Herrschaft der aMWSTV – für die Annahme der 
Steuerbefreiung  in  der  Schweiz  nicht,  dass  die  betreffende  Dienst-
leistung an einen Empfänger mit Sitz im Ausland erbracht worden war. 
Für die Steuerbefreiung wurde zusätzlich vorausgesetzt, dass die be-
treffende  Dienstleistung  im  Ausland  lokalisiert  werden  konnte.  Dies 
wurde in der Rechtsprechung ohne Weiteres bejaht für sogenannte im-
materielle Dienstleistungen, für welche an den Sitz der wirtschaftlichen 
Tätigkeit  des  Empfängers  oder  an  seine  Betriebsstätte  bzw.  in  Er-
mangelung eines solchen Sitzes oder einer solchen Betriebsstätte an 
seinen Wohnort oder an den Ort, von dem aus er tätig war, angeknüpft 
wurde (Art. 14 Abs. 3 aMWSTG). Im Gegensatz dazu knüpfte das Ge-

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setz  für  andere  Arten  von  Dienstleistungen  an  andere  Kriterien  an. 
Dementsprechend schloss der Umstand, dass eine Dienstleistung an 
einen  Empfänger  mit  Sitz  im  Ausland  erbracht  worden  war,  eine 
Lokalisierung in der Schweiz und demnach eine Besteuerung in der 
Schweiz  nicht  kategorisch  aus. Massgeblich  blieb,  dass  die  Art  der 
erbrachten Dienstleistung klar erstellt werden konnte (BGE 133 II 153 
E. 7.2).

3.2 Machte  ein  Steuerpflichtiger  geltend,  der  Ort  der  Dienstleistung 
befände sich gemäss Art. 14 Abs. 3 aMWSTG im Ausland, so hatte er 
den  entsprechenden  Nachweis  dafür  zu  erbringen.  Art. 20  Abs. 1 
Satz 3 aMWSTG konkretisierte diese allgemeine Regel, indem er fest-
hielt, dass der Anspruch auf Steuerbefreiung bei ins Ausland erbrach-
ten  Dienstleistungen  buch-  und  belegmässig  nachgewiesen  werden 
musste. Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) bestimmte da-
bei,  wie  die  steuerpflichtige  Person  den  Nachweis  zu  führen  hatte 
(Art. 20 Abs. 2 aMWSTG). 

Die  Anforderungen  an  diesen  Nachweis  wurden  durch  die  Verwal-
tungspraxis  konkretisiert  (für  die  vorliegend  relevante  Steuerperiode 
vgl. Wegleitung 2001 der ESTV zur Mehrwertsteuer  N. 388 f.). Nach 
der Verwaltungspraxis konnte dieser Nachweis mittels Fakturakopien, 
Zahlungsbelegen und, soweit erstellt oder abgeschlossen, schriftlichen 
Vollmachten  oder  Verträgen  und  Aufträgen  erbracht  werden,  sofern 
aus diesen Unterlagen der Name bzw. die Firma, die Adresse und der 
Wohnsitz/Sitz des Abnehmers oder Kunden (Klienten) sowie detaillier-
te Angaben über die Art  und Verwendung der erbrachten Leistungen 
hervorgingen. Darüber hinaus konnte die ESTV zusätzliche Belege wie 
etwa eine amtliche Bescheinigung des ausländischen Ansässigkeits-
staates einfordern, wenn Zweifel daran bestanden, ob der Leistungs-
empfänger tatsächlich einen ausländischen Geschäfts- oder Wohnsitz 
hatte. 

Diese Verwaltungspraxis wurde von der Rechtsprechung mehrfach be-
stätigt (BGE 133 II 153 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_614/2007 
vom 17. März 2008 E. 3.4 mit weiteren Hinweisen; anstatt vieler Urteil 
des Bundesverwaltungsgerichts A-1418/2006 vom 14. Mai 2008 E. 5.3 
mit weiteren Hinweisen). 

3.3 Am Gesagten ändert sich aufgrund von Art. 113 Abs. 3 und Art. 81 
MWSTG nichts. 

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3.3.1 Art. 113  Abs. 3  MWSTG  bezieht  sich  einzig  auf  eigentliches 
Verfahrensrecht und darf nicht zur rückwirkenden Anwendung von ma-
teriellem Recht führen (vgl. oben E. 2). Art. 20 Abs. 1 Satz 3 aMWSTG 
verlangt als Voraussetzung für eine bestimmte Rechtsfolge bestimmte 
Nachweise, und ist damit mit  dem (alten) materiellen Recht eng ver-
knüpft.  Diese  Bestimmung  fällt  deswegen  nicht  unter  den  Anwen-
dungsbereich von Art. 113 Abs. 3 MWSTG. Erst recht vermag Art. 81 
MWSTG, der keine intertemporalrechtliche Regel enthält, an der An-
wendbarkeit  von  Art. 20  Abs. 1  Satz  3  aMWSTG  auf  altrechtliche 
Sachverhalte etwas zu ändern (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 3.4.3.1). 

3.3.2 Hinzu kommt, dass es sich auch nach der Rechtsprechung des 
Bundesverwaltungsgerichts  bei  Art. 20  Abs. 1  Satz 3  aMWSTG  um 
eine Bestimmung handelt, die eine ausgesprochen enge Verknüpfung 
zum materiellen  Recht  aufweist.  Dies  wurde  im Zusammenhang mit 
der  Anwendbarkeit  von Art. 45a der  Verordnung vom 29. März  2000 
zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer  (aMWSTGV,  AS  2000 
1347) festgehalten, der einzig Formmängel, nicht aber materiellrecht-
liche Vorschriften  und materiellrechtliche Mängel  betrifft  (statt  vieler: 
BVGE 2007/25  E. 6;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-6048/ 
2008 vom 10. Dezember 2009 E. 3.3, A-7522/2006 vom 15. Dezember 
2009 E. 2.5.1, je mit Hinweisen). Die Rechtsprechung hielt fest, da es 
sich  bei  Art. 20  Abs. 1 Satz  3  aMWSTG  um eine materiellrechtliche 
Bestimmung  handle,  vermöge  Art. 45a  aMWSTGV  diese  nicht  zu 
tangieren  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1505/2006 vom 
25. September 2008  E. 3.2.3, A-1344/2006 vom 11. September 2007 
E. 3.3.4,  4.4,  A-1416/2006 vom 27. September  2007 E. 4.4,  A-1367/ 
2006 vom 2. Juni 2008 E. 5.3, A-1418/2006 vom 14. Mai 2008 E. 7.3).

3.4 Zusammenfassend  ist  die  gesetzliche  Nachweisvorschrift  von 
Art. 20 Abs. 1 aMWSTG – und die zugehörige Praxis, soweit sie von 
der Rechtsprechung bereits geschützt wurde, oder sonst als richtige 
Auslegung der gesetzlichen Vorgabe betrachtet  werden kann – nach 
wie vor auf Sachverhalte, die dem alten Recht unterstehen, anwend-
bar. Dies gilt, da Art. 113 Abs. 3 MWSTG nicht zur Anwendung kommt, 
auch für noch hängige Fälle.

4.
4.1 Zwecks Nachweis des ausländischen Ortes der Dienstleistungen 
an die  A._______.,  Cayman Islands,  reichte  die  Beschwerdeführerin 

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im  vorinstanzlichen  Verfahren  ein  Bestätigungsschreiben  ein. In  die-
sem Dokument,  datiert  auf  den 11. August  2006,  erklärt  B._______, 
Eigentümer  der  C._______,  USA,  zu  sein,  welche  ihrerseits  Ei-
gentümerin  der  vorliegend in  Frage stehenden  A._______.,  Cayman 
Islands, sei. Die Vorinstanz erwog, dass aus diesem Dokument nicht 
einmal der Wohnsitz des angeblichen Mehrheitsaktionärs hervorgehe 
und  bereits  aus  diesem  Grund  der  Nachweis  des  ausländischen 
Wohnsitzes  der  beherrschenden  Person  der  fraglichen  Gesellschaft 
nicht als erbracht gelten könne.

Mit  der  Beschwerde an das  Bundesverwaltungsgericht  legte die  Be-
schwerdeführerin ein weiteres Dokument ins Recht. Mit Schreiben vom 
29. Januar 2008 erklärt B._______ erneut, Eigentümer der C._______, 
USA, zu sein, welche ihrerseits Eigentümerin der vorliegend in Frage 
stehenden A._______., Cayman Islands, sei. Zudem gibt er auch an, 
sein Wohnsitz befinde sich in Saudi Arabien.

4.2 Allein durch eine schriftliche Bestätigung einer nach eigenen An-
gaben  im  Ausland  wohnhaften  Person,  sie  sei  über  eine  Zwischen-
gesellschaft  Eigentümerin  der  fraglichen  Gesellschaft,  kann  der  von 
Art. 20  Abs. 1  Satz 3  aMWSTG  geforderte  Nachweis  nicht  erbracht 
werden.  An  den  Nachweis  des  ausländischen  Ortes  einer  Dienst-
leistung werden strenge Anforderungen gestellt;  dies  liegt  insbeson-
dere darin begründet, dass im Ausland in aller Regel keine Kontrollen 
durchgeführt werden können und Missbräuche häufig sind (BGE 133 II 
153 E. 7.2). Es ergibt sich somit, dass für die fraglichen Dienstleistun-
gen der ausländische Ort nicht nachgewiesen werden konnte. Entspre-
chend können die entsprechenden Leistungen nicht als steuerbefreit 
angesehen werden. Die Steuernachforderung der ESTV in Höhe von 
Fr. ... ist  damit zu Recht erfolgt. Die Beschwerde ist abzuweisen und 
der angefochtene Entscheid ist zu bestätigen.

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin nach 
Art. 63 Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten zu tragen. Sie werden nach 
Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  auf  Fr. 1'300.--  festgesetzt  und  mit  dem  in  gleicher 
Höhe geleisteten Kostenvorschusses verrechnet. Eine Parteientschädi-
gung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). 

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A-617/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 1'300.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kosten-
vorschuss verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Nadine Mayhall

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be-
weismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Ent-
scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

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