# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2701b634-d15a-5474-9816-71f51f67693e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-12-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.12.2017 D-4593/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4593-2014_2017-12-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4593/2014 

law/auj 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  D e z e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  

Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), Türkei,  

und seine Ehefrau B._______, geboren am (…), Syrien, und 

die gemeinsamen Kinder  

C._______, geboren am (…),  

Nationalität ungeklärt,  

D._______, geboren am (…), Türkei,  

alle vertreten durch lic. iur. Jürg Walker,  

Fürsprech und Notar,   

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

zuvor Bundesamt für Migration (BFM)  

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl;  

Verfügung des BFM vom 17. Juli 2014 / N (…). 

D-4593/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie 

aus E._______ bei F._______ (G._______), verliess seinen letzten Wohn-

sitz in H._______ (Nordirak) zusammen mit seiner aus Damaskus stam-

menden kurdischen Ehefrau B._______ (nachfolgend: Beschwerdeführe-

rin) und der in I._______ (Nordirak) geborenen Tochter C._______ am 

18. Juni 2011. Sie reisten auf dem Landweg nach Iran und von dort auf 

dem Luftweg über Dubai, Amman und Bahrain am 2. Juli 2011 nach Genf. 

Am 4. Juli 2011 suchten sie in J._______ um Asyl nach.  

B.  

Am 13. Juli 2011 erhob das damalige Bundesamt für Migration (BFM) im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) J._______ die Personalien und 

befragte den Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin getrennt zum 

Reiseweg sowie – summarisch – zu den Asylgründen (Befragung zur Per-

son, BzP). Mit Verfügung vom 19. Juli 2011 wies das BFM die Familie für 

die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton K._______ zu. Am 22. Novem-

ber 2011 hörte das Bundesamt das Ehepaar getrennt zu den Asylgründen 

an.  

C.  

Der Beschwerdeführer gab im erstinstanzlichen Verfahren zu Protokoll, er 

habe in seiner Heimat fünf Jahre Grundschule absolviert und ab dem Alter 

von elf Jahren in L._______ und Istanbul auf Baustellen gearbeitet. Im 

(…). Lebensjahr sei er in sein Heimatdorf zurückgekehrt. Zur Begründung 

des Asylgesuchs machte er geltend, im Jahr 2000 habe man ihn unter dem 

Vorwurf, er unterstütze die PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê; Deutsch: Ar-

beiterpartei Kurdistans), mitgenommen und während 18 Tagen an einem 

Ort ausserhalb von F._______ festgehalten und gefoltert, weil man von ihm 

Informationen über die PKK habe erhalten wollen. Dabei hätten sie mit sei-

nen Genitalien gespielt und ihn gezwungen, über die türkischen Behörden 

obszön zu fluchen. Das sei sehr erniedrigend gewesen. In einem Raum 

hätten sie eine am Boden liegende Schaumgummimatratze mit Wasser be-

spritzt und ihn darauf mit Elektroschocks gefoltert. Im Hof habe sich ein 

zirka ein Meter auf ein Meter grosses Gefäss aus Aluminium befunden. 

Man könne sich ja vorstellen, wie heiss Aluminium im Sommer werde, und 

er habe zwei Tage dort in diesem Gefäss ausharren müssen. Nach 18 Ta-

gen hätten sie ihm gesagt, sie würden ihn jetzt dem Richter vorführen. 

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Seite 3 

Mangels Beweisen habe der Staatsanwalt ihn gehen lassen. Wahrschein-

lich habe der Staatsanwalt auch beabsichtigt, ihn beschatten zu lassen, um 

herauszufinden, ob er mit der PKK etwas zu tun habe. Zu dieser Zeit habe 

er (der Beschwerdeführer) noch keine persönlichen Kontakte zu dieser Or-

ganisation gehabt.  

Im Juli 2001 habe er sich der PKK angeschlossen und sei bis im Mai 2006 

Mitglied dieser Organisation gewesen. Die PKK habe den jungen Leuten 

ihre Organisation schmackhaft gemacht und ihnen eingetrichtert, dass sie 

die Kurden befreien würde. Er habe dann aber feststellen müssen, dass 

dies nicht der Wahrheit entsprochen habe. Seine Ausbildung habe 75 Tage 

gedauert. Er sei ein einfacher Soldat gewesen und ab Frühling 2002 bis 

2006 nie Zeuge von Kämpfen gewesen. Er sei in einem Lager der PKK auf 

der irakischen Seite im Grenzgebiet zur Türkei stationiert gewesen. Von 

diesem Lager im Nordirak aus seien Waffen, Lebensmittel und andere Ma-

terialien an Gruppen verteilt worden. Er habe mit einem Maulesel Material 

in verschiedene Gebiete wie M._______ (H._______), N._______ und 

O._______ gebracht. Im Jahr 2005 habe er eine Frau kennengelernt und 

mit ihr die PKK verlassen wollen. Als die Beziehung publik geworden sei, 

habe man seine Freundin in die Türkei versetzt und ihn mit 15 Tagen Haft 

bestraft. Vor dem Jahr 2000 habe die PKK solche Paare auf der Stelle ge-

tötet. Er habe das Vertrauen in die PKK verloren; in dieser mafiaähnlichen 

Organisation könnten die Herren höheren Grades mit jedem Mädchen zu-

sammen sein, während er nicht einmal eine ehrliche Liebe habe geniessen 

können. Man habe ihn nach N._______ schicken wollen; eine Freundin 

habe ihn davor gewarnt, dass er dabei als Verräter erschossen werden 

könnte. Auf dem Weg nach N._______ sei ihm die Flucht gelungen. Man 

habe ihn verfolgt und auf ihn geschossen, doch die Verfolger seien umge-

kehrt, als die Peshmerga aufgetaucht seien. Im Dorf P._______ habe ein 

Arzt die Schusswunde am Oberarm in einem Privathaus behandelt, res-

pektive er habe nur Schrotpulver auf die Wunde getan, da er PKK-Flücht-

linge nicht gemocht habe.  

Der Beschwerdeführer gab ferner zu Protokoll, er habe sich nach der Tren-

nung von der PKK im Jahr 2006 zuerst nach I._______ begeben, wo er 

seine Frau kennengelernt habe. Sie seien später nach H._______ gegan-

gen und hätten bis am 18. Juni 2011 dort gelebt. Er habe in H._______ ab 

und zu illegal auf dem Bau gearbeitet. Im Nordirak habe man seine Ehefrau 

in Ruhe gelassen, da sie in seine dortigen Angelegenheiten nicht involviert 

gewesen sei. Früher seien die PKK und die Demokratische Partei Kurdis-

tans (Partiya Demokrata Kurdistanê, KDP) von Masoud Barzani verfeindet 

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gewesen, weshalb man im Irak die PKK-Angehörigen nicht gemocht habe. 

Die PKK habe immer wieder Probleme mit der KDP gehabt. Vertreter der 

KDP hätten ihn ständig kontrolliert; ohne ihre Erlaubnis habe er keiner Ar-

beit nachgehen dürfen. Sie hätten ihm gedroht, ihn den türkischen Behör-

den zu übergeben. Er habe sich vor der lokalen Bevölkerung gefürchtet, 

welche die PKK hasse, weil diese viele Leute umgebracht habe. Die KDP 

habe von ihm gefordert, dass er als Peshmerga fungiere oder Geheim-

diensttätigkeiten ausübe. Er habe sich überdies auch vor den Spitzeln der 

PKK gefürchtet. Die PKK habe ihm gedroht, ihn umzubringen, falls er für 

die KDP tätig werden sollte. Nachdem einige ehemalige PKK-Mitglieder, 

die sich von der Organisation getrennt hätten, im Irak ermordet worden 

seien, habe er immer dieses Gefühl gehabt, er könne jederzeit getötet wer-

den. Er sei psychisch angeschlagen gewesen und habe seine Herkunfts-

familie in der Türkei um Geld gebeten, um den Nordirak verlassen zu kön-

nen. In den Heimatstaat seiner Ehefrau hätten sie nicht gehen können, weil 

Syrien gemäss einem Abkommen mit der Türkei alle PKK-Angehörigen in 

die Türkei abschiebe. In die Türkei habe er nicht zurückkehren können, 

weil er wegen Zugehörigkeit zur PKK und der ihm unterstellten Teilnahme 

an sechs Aktionen mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen müsse. Er 

habe seinen Vater vor der Ausreise gebeten, herauszufinden, ob in der Tür-

kei ein Verfahren gegen ihn (den Beschwerdeführer) hängig sei. Der Vater 

habe zirka im Frühling 2011 auf dem Sicherheitsposten von F._______ per-

sönlich nachgefragt, und die Beamten hätten ihm gesagt, dass sein Sohn 

ein Terrorist sei und an sechs Aktionen der PKK teilgenommen habe. Wei-

tere Informationen habe der Vater von den Behörden nicht erhalten. Er (der 

Beschwerdeführer) vermute deshalb, dass einige ehemalige PKK-Mitglie-

der – wahrscheinlich zwei frühere Freunde, mit denen er im Nordirak zu-

sammengewohnt habe – den türkischen Behörden Unwahrheiten über ihn 

erzählt hätten, um eine Strafmilderung zu erhalten. Die Teilnahme an sechs 

Aktionen der PKK werde ihm zu Unrecht angelastet. Er sei in Friedenszei-

ten Mitglied dieser Organisation gewesen und habe nie gekämpft und an 

keinen illegalen Aktivitäten teilgenommen. Ob ein Ermittlungsverfahren ge-

gen ihn eingeleitet worden sei, wisse er nicht, doch sei er überzeugt, dass 

er bei einer Rückkehr in die Türkei inhaftiert würde. Wer in der Türkei ein-

mal als PKK-Mitglied abgestempelt sei, müsse mit einer Strafe rechnen, 

auch wenn er nie an Kampfhandlungen teilgenommen habe. Dem sehr gut 

organisierten türkischen Geheimdienst entgehe nichts, was im Nordirak 

geschehe.  

Der Beschwerdeführer reichte im erstinstanzlichen Verfahren fünf Fotos 

aus seiner Zeit bei der PKK, einen Familienregisterauszug sowie einen 

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Flüchtlingsausweis (Asylum Seeker Certificate) des UNHCR in H._______ 

vom 11. April 2011 ein.  

D.  

Die Beschwerdeführerin brachte im erstinstanzlichen Verfahren vor, sie sei 

in Damaskus geboren und habe dort während neuneinhalb Jahren die 

Schule besucht. Ihr Vater habe sie und ihre Mutter regelmässig geschla-

gen. Seit sie 14 Jahre alt gewesen sei, habe sie eigentlich aufgehört zu 

leben. Nachdem ihre zwei Lieblingsonkel mütterlicherseits als Märtyrer ge-

fallen seien, seien zwei Frauen wiederholt zu ihr in die Schule gekommen, 

hätten mit ihr Gespräche geführt und ihr angeboten, sie zu ihren Onkeln zu 

bringen. Sie hätten ihr gesagt, sie solle nur ihre Kleider im Rucksack mit-

nehmen, aber keine Bücher. Sie sei (…) oder (…) Jahre alt gewesen, habe 

ihren gewalttätigen Vater nicht mehr ertragen und ihre Onkel sehr geliebt, 

so dass sie sich an den von den Frauen angegebenen Treffpunkt begeben 

habe. Die Frauen hätten sie hereingelegt, sie für die PKK rekrutiert und 

zunächst nach Q._______ gebracht. Sie sei von 1995 bis 2005 bei der PKK 

gewesen. Die ersten drei Jahre habe sie beim damaligen Vorsitzenden Ab-

dullah Öcalan in Syrien verbracht, und ab 1998 bis 2005 sei sie in den 

Bergen im Nordirak stationiert gewesen. Es sei ein Alptraum gewesen, wie 

Öcalan sich an sie und ihre Freundinnen herangemacht habe. Er habe in 

Aleppo eine sehr grosse Farm mit einer Villa gehabt, wo sie und 12 weitere 

Frauen seine Dienerinnen gewesen seien. Da sie Öcalan gedient habe, 

habe sie nicht an Kampfhandlungen der PKK teilnehmen dürfen. Sie habe 

eine politische Ausbildung erhalten und keine konkreten Aufgaben gehabt, 

ausser Bücher von Öcalan zu lesen und über politische Perspektiven zu 

diskutieren.  

Nachdem Öcalan im Jahr 1998 Syrien verlassen habe, habe die PKK sich 

in die Berge im Nordirak zurückgezogen. So sei sie in den nordirakischen 

Teil des Zāgros-Gebirges gekommen. Sie sei nicht mit Überzeugung bei 

der PKK gewesen, habe vier Fluchtversuche unternommen (je zwei in Sy-

rien und im Nordirak) und sei deswegen von der PKK verhört, öffentlich als 

Verräterin blossgestellt und auch festgehalten worden, einmal während 

zehn Tagen und ein anderes Mal während fünf Tagen. Man habe sie in die 

Kandil-Berge (H._______) geschickt, weil man der Meinung gewesen sei, 

dass sie eine Erziehung benötige. Dort habe sie ab und zu Wache gehalten 

oder Waren beschafft. Der Winter sei jeweils die sogenannte Erziehungs-

zeit gewesen. Sie habe sich immer gewünscht, bei einer Operation bezie-

hungsweise einem Gefecht umzukommen, doch ab 1998 habe es einen 

Waffenstillstand und somit keine Kampfhandlungen mehr gegeben. Ihre 

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Schullaufbahn sei beendet gewesen, und zu ihrer Familie nach Syrien 

habe sie nicht zurückkehren können, weil diese sie nicht mehr akzeptiert 

hätte. Die PKK habe den Frauen Angst gemacht und ihnen mit Vergewalti-

gung gedroht, wenn sie sich der KDP im Nordirak ergeben würden. In 

N._______ habe sie drei Mal erfolglos einen Antrag gestellt, um aus der 

Organisation austreten zu können. Eines Nachts habe sie sich dann zu-

sammen mit einer Freundin davongeschlichen und sich zur KDP nach 

H._______ begeben. Dort sei sie während einer Woche von irakischen 

Kurden verhört worden. Die KDP habe sie bedroht und versucht, sie und 

ihre Freundin als Spitzel gegen die PKK anzuwerben. Schliesslich habe sie 

Unterschlupf bei einer Familie in I._______ gefunden, wo sie ihren Mann 

(den Beschwerdeführer) kennengelernt habe. Dort hätten sie im Jahr 2006 

religiös und 2007 offiziell geheiratet. Sie bereue es, so viele Jahre für die 

PKK geopfert zu haben. Aufgrund ihrer PKK-Vergangenheit habe sie mit 

ihrer Familie nicht nach Syrien gehen können. Dort hätte sie entweder als 

Spitzel arbeiten oder eine Haftstrafe verbüssen müssen. Die syrischen Be-

hörden wüssten von ihrer PKK-Vergangenheit; allerdings sei es ihr nicht 

möglich, dies nachzuweisen. Ihr Vater, der für den syrischen Staat gearbei-

tet habe, akzeptiere sie bis heute nicht und werde sicher nichts für sie tun. 

Ihre Mutter habe von zwei ihrer Mitschülerinnen erfahren, dass sie mit zwei 

Frauen zur PKK gegangen sei. Die Mutter habe ihr später erzählt, dass ihr 

Vater diese Information an die syrischen Behörden weitergeleitet habe. 

Männer vom Staat hätten sich zwei Mal bei ihrer Familie in Damaskus nach 

ihr erkundigt, und ihre Mutter habe sie gebeten, im Irak zu bleiben und nicht 

nach Syrien zurückzukehren.  

Hinsichtlich ihres Ehemannes gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, sie 

wisse, dass ihr Mann ihr nicht alles sage. Sie habe mitbekommen, dass die 

KDP ihm immer wieder gedroht habe, ihn und seine Familie den türkischen 

Behörden auszuliefern. Er habe jedoch nie mit der KDP kooperiert. Sie hät-

ten den Nordirak bereits nach der Heirat verlassen wollen, doch hätten sie 

das nötige Geld nicht gehabt. In die Türkei hätten sie nicht gehen können, 

weil ihr Mann gemäss Angaben seiner Familie dort gesucht werde. Er 

würde dort ins Gefängnis kommen, wenn er nicht bereit wäre, als Spitzel 

zu arbeiten. So sei Europa die einzige Option gewesen.  

Die Beschwerdeführerin reichte im erstinstanzlichen Verfahren folgende 

Beweismittel zu den Akten: fünf Fotos aus ihrer Zeit bei der PKK, darunter 

ein Foto von Abdullah Öcalan, umringt von zwölf Frauen (einschliesslich 

der Beschwerdeführerin); zwei Schuldiplome; eine Wohnsitzbestätigung 

aus Damaskus; ein Foto eines Dokumentes in arabischer Schrift (gemäss 

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Seite 7 

Angaben der Beschwerdeführerin eine Kopie eines Registerauszugs, wel-

cher als Geburtsurkunde gelte); ferner einen in I._______ ausgestellten 

Eheschein im Original und einen Geburtsschein des ältesten Kindes.  

E.  

Am (…) gebar die Beschwerdeführerin ihr zweites Kind, D._______ (ge-

mäss Geburtsmitteilung des Zivilstandsamtes: R._______).  

F.  

Mit Eingabe vom 20. Dezember 2013 reichte die damalige Rechtsvertre-

tung beim BFM einen ärztlichen Bericht des „(…)“ S._______ vom 6. De-

zember 2013 sowie ein Urteil des Bezirksgerichts T._______ vom (…) 2013 

ein (…)verfahren betreffend ein. Im ärztlichen Bericht werden der Be-

schwerdeführerin eine akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0) sowie 

eine klinisch subsyndromale ausgeprägte posttraumatische Belastungs-

störung (ICD-10 F43.1) diagnostiziert. Im Begleitschreiben heisst es, der 

Beschwerdeführer befinde sich nach einem Suizidversuch in der Psychiat-

rie (…) in Behandlung.  

G.  

Mit Begleitschreiben vom 28. März 2014 reichte die frühere Rechtsvertre-

tung beim BFM das Original einer Wohnsitzbestätigung ein, welche der 

Vorsteher des Quartiers U._______ in Damaskus auf Anfrage der Mutter 

der Beschwerdeführerin am (…) 2014 für diese ausgestellt habe. Ferner 

wurde mitgeteilt, dass (…).  

H.  

Mit persönlichem Schreiben vom 30. April 2014 ersuchte die Beschwerde-

führerin das BFM um einen baldigen Entscheid.  

I.  

Mit Eingabe vom 8. Juli 2014 wandte sich die Beschwerdeführerin erneut 

persönlich an das BFM und ersuchte dieses um die Behandlung ihres Asyl-

gesuchs und um die Gewährung von Asyl.  

J.  

Mit Verfügung vom 17. Juli 2014 stellte das BFM fest, die Beschwerdefüh-

renden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte ihre 

Asylgesuche vom 4. Juli 2011 ab. Gleichzeitigt verfügte die Wegweisung 

aus der Schweiz, stellte jedoch fest, die Wegweisung werde zurzeit wegen 

Unzumutbarkeit nicht vollzogen, und ordnete die vorläufige Aufnahme der 

Beschwerdeführenden an.  

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Seite 8 

K.  

Mit Eingabe vom 6. August 2014 ersuchte der neu mandatierte Rechtsver-

treter das BFM um Einsicht in die Akten des Asylverfahrens. Das Bundes-

amt gewährte die Akteneinsicht am 12. August 2014.  

L.  

Mit Eingabe vom 18. August 2014 liessen die Beschwerdeführenden durch 

den rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen 

die am 23. Juli 2014 eröffnete Verfügung Beschwerde erheben und bean-

tragen, der ablehnende Asylentscheid des BFM vom 17. Juli 2014 sei auf-

zuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen, und ihnen sei in der 

Schweiz Asyl zu gewähren. Eventuell seien sie als Flüchtlinge vorläufig 

aufzunehmen. Bei einer Abweisung der Beschwerde im Hauptpunkt sei die 

vom BFM angeordnete vorläufige Aufnahme zu bestätigen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei den Beschwerdeführenden die 

unentgeltliche Rechtspflege mit unentgeltlicher Verbeiständung durch den 

Unterzeichnenden zu bewilligen, und auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses sei zu verzichten.  

M.  

Mit Eingabe vom 19. August 2014 kündigte der Rechtsvertreter beim BFM 

ein Gesuch der Beschwerdeführerin um die Ausstellung von Pässen für 

ausländische Personen und um die Bewilligung der Wiedereinreise in Form 

von Rückreisevisa für die Beschwerdeführerin und ihre Kinder an, um ihre 

in die Türkei geflohenen engsten Familienangehörigen einschliesslich der 

Mutter zu besuchen.  

N.  

Am 22. August 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde.  

O.  

Mit Verfügung vom 24. September 2014 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbe-

halt einer allfälligen Verbesserung der finanziellen Lage der Beschwerde-

führenden gut. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung hiess er ebenfalls gut und ordnete den Beschwerdeführenden 

Fürsprech und Notar Jürg Walker als amtlichen Rechtsbeistand bei. 

Gleichzeitig überwies das Bundesverwaltungsgericht die Akten an die Vo-

rinstanz zur Vernehmlassung.  

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Seite 9 

P.  

In seiner Vernehmlassung vom 2. Oktober 2014 hielt das BFM an seiner 

Verfügung fest. Am 6. Oktober 2014 liess das Gericht den Beschwerdefüh-

renden die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Replik zukommen. Mit Ein-

gabe vom 25. Oktober 2014 machten die Beschwerdeführenden von ihrem 

Replikrecht Gebrauch.  

Q.  

Mit Eingabe vom 31. Oktober 2014 liess die Beschwerdeführerin ein als 

Strafregisterauszug bezeichnetes und am (…) 2014 in V._______ ausge-

stelltes Dokument mit deutscher Übersetzung und Zustellkuvert einrei-

chen. Im Begleitschreiben wird geltend gemacht, gemäss dem Strafregis-

terauszug gelte die Beschwerdeführerin als vorbestraft. Dazu gebe es eine 

Vorladung des allgemeinen Sicherheitsdienstes. Ihr Bruder X._______ 

habe das Dokument in die Türkei gebracht, von wo es in die Schweiz ge-

schickt worden sei.  

R.  

Mit Eingabe vom 27. Mai 2015 wurden folgende Dokumente eingereicht: 

ein Urteil des Strafgerichts L._______ vom (…) 2006 in Kopie mit deut-

scher Übersetzung, ein Zustellkuvert, ein Referenzschreiben eines Kolle-

gen mit sinngemässer deutscher Übersetzung sowie eine Kostennote samt 

Arbeitsrapport. Im Begleitschreiben heisst es, dieses Urteil, das einer sei-

ner Brüder, Y._______ beziehungsweise Z._______, dem Beschwerdefüh-

rer geschickt habe, beweise, dass der Beschwerdeführer in der Türkei ge-

sucht werde. Dessen Name werde im Urteil immer wieder erwähnt. Der 

Beschwerdeführer sei im Irak mit dem Beschuldigten Z._______ in Kontakt 

gestanden. Dieser habe während eines Türkeiaufenthaltes Y._______ be-

sucht und sei verhaftet und zusammen mit seinen Kontaktpersonen, da-

runter auch Y._______, vor Gericht gestellt worden. Y._______ sei in die-

sem Verfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Er (der 

Beschwerdeführer) habe das Urteil nicht früher eingereicht, weil er nicht 

gewusst habe, dass sein Bruder Y._______ immer noch in dessen Besitz 

gewesen sei. Der Oberste Gerichtshof habe das Urteil am (…) 2007 bestä-

tigt.  

S.  

Mit Schreiben vom 19. September 2016 erkundigten sich die Beschwerde-

führenden beim Bundesverwaltungsgericht nach dem Verfahrensstand. 

Das Gericht wandte sich zur Beantwortung der Anfrage am 16. Oktober 

2016 telefonisch an den Rechtsvertreter.  

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Seite 10 

T.  

Mit Verfügung vom 30. März 2017 lud der Instruktionsrichter die Vorinstanz 

zur Vernehmlassung zu den seit 31. Oktober 2014 eingereichten Beweis-

mitteln ein. Das SEM reichte am 13. April 2017 seine Vernehmlassung zu 

den Beweismitteln ein. Am 18. April 2017 liess das Gericht den Beschwer-

deführenden die zweite vorinstanzliche Vernehmlassung zur Duplik zu-

kommen. Mit Eingabe vom 2. Mai 2017 ersuchte der Rechtsvertreter um 

eine Fristerstreckung von zwei Wochen. Diese wurde ihm vom Instrukti-

onsrichter gleichentags gewährt.  

U.  

Die Beschwerdeführenden nahmen mit Eingabe vom 17. Mai 2017 innert 

erstreckter Frist zur zweiten Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und 

stellten die Nachreichung von Referenzschreiben in Aussicht.  

V.  

Mit Eingabe vom 18. Mai 2017 reichte der Rechtsvertreter fünf Referenz-

schreiben für den Beschwerdeführer sowie eine aktualisierte Kostennote 

samt Arbeitsrapport ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM beziehungs-

weise das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist somit 

eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be-

treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundes-

verwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 

Beschwerde. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser 

bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die 

beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor.  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

D-4593/2014 

Seite 11 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist somit einzutreten.  

2.  

Die im Beschwerdeverfahren möglichen Rügegründe und die Kognition 

des Bundesverwaltungsgerichts ergeben sich im Anwendungsbereich des 

Asylgesetzes aus Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Anwendungsbereich des 

Ausländergesetzes aus Art. 112 AuG (SR 142.20) in Verbindung mit Art. 49 

VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5.4 f.).  

3.   

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

4.1 Das BFM begründet seinen negativen Asylentscheid damit, dass die 

Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhielten.  

4.1.1 Im Einzelnen hält das Bundesamt fest, gemäss konstanter Praxis 

setze der Begriff der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und sachli-

cher Hinsicht genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Verfol-

gung und Flucht voraus. Vergangene Verfolgung sei allenfalls insofern be-

achtlich, als sie noch andauere oder Hinweise auf eine zukünftige Verfol-

D-4593/2014 

Seite 12 

gung bestünden. Die Asylgewährung diene nicht dem Ausgleich für ver-

gangene Unbill, sondern gewähre derjenigen Person Schutz, die des 

Schutzes durch einen ausländischen Staat bedürfe. Die vom Beschwerde-

führer im Jahr 2000 geltend gemachte Inhaftierung und Folter habe im Zeit-

punkt seiner Ausreise zu weit zurückgelegen, um noch als Anlass für die 

Ausreise gewertet zu werden. Wie nachfolgend aufgezeigt werde, lägen 

keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt 

der Ausreise aufgrund der Inhaftierung noch asylbeachtliche Nachteile zu 

gewärtigen gehabt hätte, respektive dass Hinweise auf eine zukünftige 

Verfolgung bestünden. Es bestehe folglich in zeitlicher und sachlicher Hin-

sicht kein Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht, wes-

halb diesem Vorbringen keine Asylrelevanz zukomme.  

4.1.2 Hinsichtlich der Befürchtung des Beschwerdeführers, er würde bei 

einer Rückkehr in die Türkei wegen seiner Aktivitäten für die PKK zur Re-

chenschaft gezogen werden, führt das BFM aus, es fehlten konkrete Indi-

zien und Anhaltspunkte, welche die Furcht vor einer real drohenden Verfol-

gung nachvollziehbar erscheinen liessen. So hätten die zuständigen Poli-

zei- und Untersuchungsbehörden schon längstens eine formelle strafrecht-

liche Untersuchung gegen den Beschwerdeführer eröffnet, wenn sie ihn 

wegen der angeblich unterstellten Teilnahme an Aktionen der PKK straf-

rechtlich zur Rechenschaft hätten ziehen wollen. Den Akten sei nicht zu 

entnehmen, dass dies eingetroffen wäre, zumal der Beschwerdeführer an-

gegeben habe, weder von einem Ermittlungs- noch einem Gerichtsverfah-

ren zu wissen, und er auch kein Beweismittel – etwa ein Anwaltsschreiben 

– eingereicht habe. Das Vorbringen, er sei überzeugt, bei einer Rückkehr 

in die Türkei verhaftet zu werden, sei folglich zu vage, um daraus eine Ver-

folgungssituation asylrelevanten Ausmasses herzuleiten. Im Lichte dieser 

Erwägungen und in Würdigung der geltend gemachten Verfolgungsmass-

nahmen sei die Furcht des Beschwerdeführers vor asylrelevanter Verfol-

gung als nicht begründet im Sinne des Asylgesetzes einzustufen.  

4.1.3 Das Bundesamt fährt fort, der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, 

dass die PKK nicht nur in der Türkei, sondern auch in verschiedenen euro-

päischen Ländern als Terrororganisation eingestuft werde. Die Einleitung 

eines Strafverfahrens wegen des Verdachts auf Unterstützungshandlun-

gen zu Gunsten der gewaltextremistischen PKK erweise sich somit im Kern 

als gemeinrechtlich legitimiert und stelle keine politische Verfolgung dar. 

Auch wenn der Beschwerdeführer in der Türkei ein strafrechtliches Unter-

suchungs- respektive Gerichtsverfahren zu gewärtigen hätte, sei davon 

auszugehen, dass es rechtsstaatlichen Ansprüchen genügen würde. Das 

D-4593/2014 

Seite 13 

Inkrafttreten der neuen türkischen Strafprozessordnung am 1. Juni 2005 

habe nämlich zu einer deutlichen Verbesserung der Rechtsstellung von an-

geschuldigten und angeklagten Personen geführt (wie korrekte Befragun-

gen, gerichtsmedizinische Untersuchungen während der Polizeihaft, keine 

Folter in der Polizei- und Untersuchungshaft). Das Strafmass für einfache 

Mitgliedschaft betrage praxisgemäss in der Mehrheit der Fälle „netto“ 

sechs Jahre und drei Monate Haft und sei damit vergleichbar mit der Praxis 

deutscher oder französischer Gerichte bei Aktivitäten für eine terroristische 

Organisation beziehungsweise Mitgliedschaft in einer solchen. Es müsste 

zwar im Einzelfall angeschaut werden, so das BFM, ob die Gefahr eines 

Politmalus im Sinne eines überhöhten und unverhältnismässigen Straf-

masses gegeben sei. Da aber keine Anhaltspunkte vorlägen, dass eine for-

melle strafrechtliche Untersuchung gegen den Beschwerdeführer eingelei-

tet worden sei, sei es müssig, über den Ausgang eines allfälligen Gerichts-

verfahrens zu spekulieren, zumal er ein allfälliges erstinstanzliches Straf-

urteil beim Kassationsgericht anfechten könnte. In einem allfälligen Ge-

richtsverfahren könnte der Beschwerdeführer etwa auch vorbringen, dass 

er im Rahmen der PKK an keinerlei Aktionen teilgenommen und sich von 

der PKK losgesagt habe. Dementsprechend könnte er die Anwendung des 

Reueartikels beantragen oder das Gericht sogar darum ersuchen, von ei-

ner Bestrafung Umgang zu nehmen.  

4.1.4 Anschliessend führt das Bundesamt in der angefochtenen Verfügung 

aus, für die Beschwerdeführerin gälten bezüglich der unbegründeten 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung ähnliche Feststellungen. Es könne nicht 

davon ausgegangen werden, dass sie im heutigen Zeitpunkt wegen ihrer 

PKK-Vergangenheit, die bereits neun Jahre zurückliege, in Syrien asylbe-

achtliche Verfolgungsmassnahmen zu befürchten hätte. Ihre diesbezügli-

chen Aussagen seien zudem wenig konkret gewesen. Sie habe zwar dar-

gelegt, die Behörden hätten sich bei ihr zuhause nach ihr erkundigt, doch 

habe sie beispielsweise nicht gewusst, wann dies gewesen sei. Die Situa-

tion in Syrien habe sich überdies in den letzten zwei Jahren massiv verän-

dert.  

4.1.5 Sodann führt das BFM aus, die geltend gemachten Nachteile im Irak 

– Drohungen seitens ehemaliger PKK-Mitglieder gegen den abtrünnigen 

Beschwerdeführer, Drohungen seitens der Lokalbevölkerung und ständige 

Kontrollen durch die KDP – seien nicht derart, dass sie einen weiteren Ver-

bleib im Irak verunmöglichen würden. Der Beschwerdeführer habe immer-

hin während fünf Jahren im Irak gelebt und aus seinen Aussagen gehe 

nicht hervor, dass er dort einer Gefährdung ausgesetzt gewesen sei, der 

D-4593/2014 

Seite 14 

er nur durch Flucht habe entkommen können, beziehungsweise dass er in 

dieser Zeit mit ernsthaften Nachteilen konfrontiert gewesen sei. Überdies 

sei er seit April 2011 beim UNHCR gemeldet gewesen. Es sei auch nicht 

bekannt, dass die nordirakischen Behörden gegen ehemalige PKK-Mitglie-

der vorgingen; der Nordirak sei für ehemalige PKK-Mitglieder grundsätzlich 

sicher.  

4.1.6 Für die Beschwerdeführerin, so das Bundesamt, gälten diesbezüg-

lich dieselben Feststellungen. Aus ihren Aussagen gehe denn auch nicht 

hervor, dass sie im Irak schwerwiegende Probleme seitens der KDP oder 

der lokalen Bevölkerung gehabt hätte.  

4.1.7 Hinsichtlich der eingereichten Beweismittel hielt das BFM fest, diese 

vermöchten an seinen Erwägungen nichts zu ändern, zumal sie einen 

Sachverhalt stützten, der grundsätzlich nicht in Frage gestellt werde. Die 

Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten somit den Anforderungen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand, weshalb die 

Asylgesuche abzulehnen seien. Das Bundesamt erachtete den Vollzug der 

Wegweisung „in den Herkunfts- bzw. den Heimatstaat oder in einen Dritt-

staat in Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der 

Aktenlage im gegenwärtigen Zeitpunkt als nicht zumutbar und ordnete eine 

vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden an.  

4.2   

4.2.1 In der Beschwerde wird in Bezug auf die Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme in formeller Hinsicht gerügt, die Vorinstanz habe ihre Begrün-

dungspflicht und damit den Anspruch der Beschwerdeführenden auf recht-

liches Gehör verletzt, weil aus der angefochtenen Verfügung die wahren 

Gründe für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme nicht ersichtlich seien 

und die Beschwerdeführenden darüber nur Vermutungen anstellen könn-

ten. Das BFM habe überdies in Bezug auf den Vollzug der Wegweisung 

von drei verschiedene Staaten gesprochen – einem „Herkunftsstaat“, ei-

nem „Heimatstaat“ und einem „Drittstaat“. Erachte man eine Ausschaffung 

des Beschwerdeführers in die Türkei (und eine solche der Beschwerdefüh-

rerin nach Syrien) wegen der PKK-Vergangenheit als unzumutbar, hätte 

man die beiden als Flüchtlinge anerkennen müssen. Sei die vorläufige Auf-

nahme wegen der Bürgerkriegssituation nach Syrien erfolgt, müsste das 

BFM in Bezug auf den Beschwerdeführer darlegen, weshalb es überhaupt 

einen Wegweisungsvollzug nach Syrien in Erwägung gezogen habe sowie 

eingestehen, dass im kurdischen Teil des Nordiraks eine Verfolgung be-

D-4593/2014 

Seite 15 

stehe. Beim Wegweisungsvollzug ergäben sich wohl aufgrund der unter-

schiedlichen beziehungsweise fehlenden Staatsangehörigkeit der Be-

schwerdeführenden eine Unmöglichkeit, als Familie zusammenzubleiben, 

und im Fall einer Trennung der Familie ein Verstoss gegen Art. 8 EMRK 

und somit die Unzulässigkeit des Vollzugs. Wegen der fehlenden Begrün-

dung für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme sei es schliesslich auch 

nicht möglich abzuschätzen, wie gross die Wahrscheinlichkeit der Aufhe-

bung der vorläufigen Aufnahme sei und welches die Gründe wären, die 

eine solche Aufhebung zulassen würden. Das BFM werde in der Vernehm-

lassung zur Beschwerde die Begründung für die vorläufige Aufnahme 

nachträglich bekannt geben müssen. Bei einer Abweisung der Beschwerde 

im Hauptpunkt sei die vom BFM angeordnete vorläufige Aufnahme zu be-

stätigen.  

4.2.2 In der Beschwerde wird allgemein vorgebracht, das BFM begründe 

den angefochtenen Asylentscheid zur Hauptsache damit, dass die Vorbrin-

gen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nicht genügten. Auch bezüglich der Frage der begründeten Furcht vor zu-

künftiger Verfolgung werde primär mit der Glaubhaftigkeit argumentiert. 

Das BFM müsse sich an die gesetzlich festgelegten Anforderungen an die 

Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG) 

halten und dürfe keine eigenen, darüber hinausgehenden Regeln einfüh-

ren. Dazu gehöre beispielsweise die Bemerkung, der Beschwerdeführer 

habe keine Dokumente eingereicht, die das gegen ihn hängige Verfahren 

belegen würden. Hätte er dies getan, hätte das BFM entweder behauptet, 

solche Dokumente seien gar nicht erhältlich, oder sie seien leicht zu fäl-

schen.  

4.2.3 Ferner wird geltend gemacht, die an der Bundesanhörung anwe-

sende, aus Bulgarien stammende Dolmetscherin habe sich mit dem im kur-

dischen Teil der Türkei gesprochenen Türkisch nicht gut ausgekannt und 

deshalb verschiedene von den Beschwerdeführenden verwendete Begriffe 

nicht verstanden. Da sie an beiden Anhörungen übersetzt habe, dürften bei 

der Dolmetscherin Ermüdungserscheinungen aufgetreten sein.  

4.2.4 Ferner wird in der Beschwerde gerügt, dass die Vorinstanz ihre ge-

samten Ausführungen, die sich immerhin auf zwei Personen mit völlig un-

terschiedlichen Geschichten bezögen, in der angefochtenen Verfügung in 

bloss fünf Erwägungen und ohne nähere Unterteilung wiedergegeben 

habe.  

D-4593/2014 

Seite 16 

4.3  

4.3.1 Bezüglich der Asylvorbringen des Beschwerdeführers wird in der Be-

schwerde vorgebracht, dessen Inhaftierung in der Türkei im Jahr 2000 und 

die dabei erlittenen Misshandlungen lägen zwar zeitlich zu weit zurück, um 

als fluchtauslösendes Ereignis in Bezug auf die Flucht in die Schweiz zu 

gelten, doch seien sie gleichwohl asylrechtlich relevant, weil sie den Be-

schwerdeführer dazu veranlasst hätten, sich der PKK anzuschliessen, aus 

der Türkei zu fliehen und sich in den Irak zu begeben. Als er auch dort in 

Gefahr geraten sei, habe er seine Flucht in die Schweiz fortgesetzt. Es 

handle sich also insgesamt um eine einzige, zielgerichtete Flucht. Im Jahr 

2000 habe der türkische Staatsanwalt darauf verzichtet, Anklage gegen 

den Beschwerdeführer zu erheben, weil die Beweise nicht ausgereicht hät-

ten, oder möglichweise auch deshalb, weil er riskiert hätte, dass der Be-

schwerdeführer vor Gericht über die erlittene Folter berichtet hätte. Damit 

sei der Beschwerdeführer aber noch keineswegs in Sicherheit gewesen. 

Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Sicherheitskräfte weiterhin ver-

sucht hätten, Beweise gegen ihn zu finden. Die Inhaftierung im Jahr 2000 

müsse zu einer Registrierung geführt haben, die auch heute noch beste-

hen dürfte, so dass die türkischen Sicherheitskräfte sich bei einer Rückkehr 

des Beschwerdeführers in die Türkei die Frage stellen würden, wo er sich 

in der Zwischenzeit aufgehalten habe. Sie würden sehr schnell auf die PKK 

kommen, zumal es Hinweise gebe, dass der Beschwerdeführer von ehe-

maligen PKK-Kämpfern angeschwärzt worden sei.  

Der Argumentation des BFM, die türkischen Behörden hätten längst ein 

formelles Verfahren gegen den Beschwerdeführer eröffnet, wenn sie ihn 

wegen seiner Aktivitäten für die PKK hätten zur Rechenschaft ziehen wol-

len, wird in der Beschwerde entgegengehalten das Bundesamt argumen-

tiere vordergründig mit der asylrechtlichen Relevanz, nehme aber gleich-

wohl eine Glaubhaftigkeitsprüfung vor. Zudem dichte es den türkischen Be-

hörden ein Regelverhalten an, das weder deren realem Verhalten noch der 

türkischen Strafprozessordnung entspreche. Vielmehr verhalte es sich ge-

nau umgekehrt: In der Türkei könne ein Strafverfahren erst eröffnet wer-

den, nachdem die beschuldigte Person festgenommen und ein erstes Mal 

von der Staatsanwaltschaft vernommen worden sei. Ohne eine erste Ein-

vernahme des Beschuldigten könne kein Abwesenheitsverfahren durchge-

führt werden. Da die türkischen Sicherheitskräfte den Beschwerdeführer 

jedoch (nach dessen Ausreise in den Irak) nicht hätten festnehmen und 

einmal verhören können, sei ein Abwesenheitsverfahren gegen ihn in der 

Türkei nicht möglich, so dass es auch kein formelles Strafverfahren gegen 

D-4593/2014 

Seite 17 

ihn geben könne. Hätte der Beschwerdeführer ein Anwaltsschreiben ein-

gereicht, hätte das BFM dieses höchstwahrscheinlich als Gefälligkeits-

schreiben ohne Beweiswert gewertet. Es sei somit davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer in der Türkei gesucht werde und gegen ihn ein 

Strafverfahren eröffnet werde, sobald er in der Türkei verhaftet werden 

könne.  

Der Beschwerdeführer sei im Jahr 2000 verdächtigt worden, sich der PKK 

angeschlossen zu haben. Er habe dies trotz Folterungen bestritten und da-

her aus der Haft entlassen werden müssen, sei aber als Verdächtiger re-

gistriert geblieben. Als er in den Irak gegangen sei, sei es aus Sicht der 

türkischen Behörden nur logisch gewesen, anzunehmen, er habe sich nun 

definitiv der PKK angeschlossen, was er schliesslich auch getan habe. 

Jahre später hätten aktive PKK-Kämpfer bei Verhören den Namen des Be-

schwerdeführers angegeben und behauptet, er habe an Aktivitäten der 

PKK teilgenommen. Es sei bekannt, dass inhaftierte PKK-Kämpfer mit ge-

ringeren Strafen rechnen könnten, wenn sie mit den türkischen Behörden 

kooperierten und diese bei der Fahndung nach weiteren PKK-Kämpfern 

unterstützten. Den Namen des Beschwerdeführers hätten sie bedenkenlos 

angeben können, da sich dieser im Irak und damit – vermeintlich – in Si-

cherheit befunden habe. Der Beschwerdeführer sei tatsächlich bei der PKK 

gewesen, und sein Name sei von mehreren inhaftierten Kämpfern genannt 

worden. Der Anfangsverdacht der türkischen Behörden aus dem Jahr 2000 

habe sich damit bestätigt. Es handle sich somit mitnichten um eine „bloss 

entfernte Möglichkeit zukünftiger Verfolgung“; die Verfolgung sei vielmehr 

real vorhanden. Als der Vater des Beschwerdeführers sich bei der zustän-

digen Sicherheitsdirektion erkundigt habe, habe man ihm gesagt, sein 

Sohn würde gesucht. Er würde beschuldigt, an sechs Aktionen der PKK 

teilgenommen zu haben. Einen entsprechenden Strafregisterauszug gebe 

es nicht, weil noch keine Verurteilung erfolgt sei, und ein Urteil in Abwesen-

heit könne es ohne eine formelle Einvernahme des Beschuldigten nicht ge-

ben. Es sei davon auszugehen, dass sich in den Akten der Sicherheits-

kräfte Hinweise auf den Beschwerdeführer finden lassen müssten. Da es 

kein Strafverfahren gegeben habe, dürften nur Einträge in Fahndungsre-

gistern existieren. Der Familie des Beschwerdeführers sei es nicht möglich, 

solche Abklärungen vorzunehmen, weshalb eine Botschaftsabklärung 

durchzuführen sei. Die Familie des Beschwerdeführers versuche, Informa-

tionen über Verfahren zu erhalten, die gegen PKK-Leute durchgeführt wor-

den seien. Aus den Einvernahmeprotokollen von Personen, die den Be-

schwerdeführer der Teilnahme an Aktionen der PKK beschuldigt hätten, 

müssten sich Querverweise auf diesen ergeben.  

D-4593/2014 

Seite 18 

4.3.2 Der Einstufung der PKK als terroristische Organisation in der ange-

fochtenen Verfügung wird in der Beschwerde entgegengehalten, diese Ein-

schätzung widerspreche der Haltung der offiziellen Schweiz, welche die 

Frage, ob die PKK eine Terrororganisation sei, offengelassen habe. Die 

Vorinstanz könne nicht stellvertretend für die Landesregierung die PKK als 

Terrororganisation einstufen, deren Aktivitäten generell als Terrorismus an-

sehen und eine drakonische Bestrafung selbst eines einfachen Mitläufers 

als angemessen betrachten. Das heute geltende Strafmass von sechs Jah-

ren und drei Monaten Haft für eine einfache Mitgliedschaft bei der PKK 

wäre für das, was der Beschwerdeführer in der Organisation getan habe, 

viel zu hoch, und eine solche Strafe wäre mit einem Politmalus verbunden. 

Der Beschwerdeführer sei vom Juli 2001 bis Mai 2006 und somit in Frie-

denszeiten bei der PKK gewesen und habe weder an Kampfhandlungen 

teilgenommen noch Kontakt zu Gruppen gehabt, die dies getan hätten. Er 

sei primär in der Logistik tätig gewesen und habe mit Mauleseln Material 

transportiert. Allerdings sehe die Türkei den Beschwerdeführer gerade 

nicht als einfachen Mitläufer an, da die Sicherheitskräfte aufgrund von Aus-

sagen inhaftierter PKK-Kämpfer von seiner Teilnahme an sechs Aktionen 

der PKK ausgingen. Diesem Punkt müsse im Rahmen der Botschaftsab-

klärung nachgegangen werden.  

4.3.3 Sodann wird in der Beschwerde vorgebracht, dem Beschwerdeführer 

dürfe nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass er so lange wie möglich 

versucht habe, im Irak zu bleiben. Er könne auch nicht mehr dorthin zu-

rückkehren, da Fälle von Tötungen abtrünniger Mitglieder durch die PKK 

im Irak bekannt seien. Die Ansicht der Vorinstanz, die KDP gehe nicht ge-

gen ehemalige PKK-Mitglieder vor, wird in der Beschwerde vehement be-

stritten. Die KDP habe solche mehrmals an die Türkei ausgeliefert.  

4.3.4 In Bezug auf die Person des Beschwerdeführers wird in der Be-

schwerde das Fazit gezogen, dieser könne nicht mehr in die Türkei zurück-

kehren und müsse deshalb als Flüchtling anerkannt werden. Mangels Asyl-

ausschlussgründen sei ihm auch Asyl zu gewähren. Seiner Ehefrau und 

den Kindern sei demzufolge ebenfalls Asyl zu gewähren. Es bestehe kein 

Grund, sie anders zu behandeln, nur weil sie eine andere Staatsangehö-

rigkeit hätten.  

4.4  

4.4.1 Bezüglich der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin wird in der Be-

schwerde zunächst vorgebracht, das BFM habe auch bei ihr die Glaubhaf-

tigkeitsprüfung mit der Frage der asylrechtlichen Relevanz vermengt. 

D-4593/2014 

Seite 19 

Wenn das Bundesamt nicht davon ausgehe, dass die Beschwerdeführerin 

wegen ihrer neun Jahre zurückliegenden PKK-Vergangenheit im heutigen 

Zeitpunkt noch in Syrien asylbeachtliche Verfolgungsmassnahmen zu be-

fürchten hätte, übersehe es wesentliche Elemente ihrer Verfolgungsge-

schichte.  

Überdies habe die Anhörung der Beschwerdeführerin gemäss dem Hin-

weis auf dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertreterin rasch durchge-

führt werden müssen, da die Dolmetscherin noch einen weiteren (dritten) 

Termin gehabt habe und gegen Ende der Befragung habe gehen müssen. 

Die Beschwerdeführerin habe nicht alle Aspekte ihrer Verfolgungsge-

schichte ausführlich darlegen können. Die Übersetzung der bulgarischen 

Dolmetscherin sei unter Umständen auch unvollständig und fehlerhaft aus-

gefallen. Die Beschwerdeführerin hätte einen Übersetzungsfehler nicht be-

merken können, weil ein solcher logischerweise bei der Rückübersetzung 

wieder genau gleich vorgekommen wäre.  

4.4.2 Die Reaktionen der Beschwerdeführerin an der Anhörung hätten die 

Hilfswerksvertreterin zum Schluss kommen lassen, dass die Beschwerde-

führerin an den Folgen einer oder mehrerer traumatischer Erfahrungen 

leide. Diese habe zwar verneint, dass etwas vorgefallen sei, worüber sie 

nur in einer reinen Frauenrunde berichten könne, und auch dem Rechts-

vertreter gegenüber keine Andeutungen auf sexuelle Übergriffe gemacht. 

Vergegenwärtige man sich jedoch, dass die Beschwerdeführerin als (…)-

jähriges Mädchen zur rauen Männergesellschaft der PKK gestossen sei, 

sei wahrscheinlich, dass sie entweder selbst Übergriffe erlitten habe oder 

solche auf andere Frauen habe mitansehen müssen. Dazu gehörten etwa 

die von der Hilfswerksvertreterin zitierten Aussagen der Beschwerdeführe-

rin, sie könne nicht erzählen, was sie bewege, und sie habe zu leben auf-

gehört, seit sie 14 Jahre alt sei. Die Bundesanhörung müsse deswegen 

wiederholt werden; es müsse genügend Zeit zur Verfügung stehen und die 

Anhörung müsse in einer reinen Frauenrunde durchgeführt werden. 

4.4.3 Die Beschwerdeführerin habe die Möglichkeit genutzt, sich im Alter 

von (…) Jahren der PKK anzuschliessen, um von ihre Familie wegzukom-

men, da ihr Vater sie und ihre Mutter geschlagen habe. Der Vater der Be-

schwerdeführerin sei seit ihrem Weggang zur PKK völlig gegen sie einge-

stellt und hätte keinerlei Skrupel, sie bei ihrer Rückkehr nach Syrien an den 

syrischen Staat auszuliefern. Sie habe an der Anhörung gesagt, ihr Vater 

habe für den syrischen Staat gearbeitet und sei neben seiner Dolmetscher-

tätigkeit auch Agent gewesen. Da die Anhörung der Beschwerdeführerin 

D-4593/2014 

Seite 20 

nicht in ihrer Muttersprache stattgefunden habe, sondern in Türkisch, sei 

denkbar, dass ihre Aussagen darüber, wie sehr ihr Vater mit dem syrischen 

Staat verhängt gewesen sei, wegen der Eile oder eines Missverständnis-

ses keinen Eingang ins Protokoll gefunden hätten. Der Vater sei trotz der 

Pensionierung immer noch für den Geheimdienst tätig und habe daher 

auch Zugang zu dessen Informatiksystem. Bei einem Streit mit seiner Ehe-

frau habe er erwähnt, dass die Personalien ihrer Tochter mit roter Farbe 

vermerkt seien und sie nie mehr zu ihrer Mutter zurückkehren könne. Er 

habe damit seine Ehefrau verletzen wollen, doch bestünden an der Aus-

sage an sich keine Zweifel. Die Beschwerdeführerin sei in Syrien zur Fahn-

dung ausgeschrieben und müsse damit rechnen, vom eigenen Vater aus-

geliefert zu werden. Ihre Familie sei inzwischen in die Türkei geflohen und 

nur der Vater halte sich noch in Syrien auf. Die damals in Syrien eingelei-

tete Verfolgung der Beschwerdeführerin habe sich nicht manifestieren kön-

nen, da diese im Irak gewesen sei. Wäre sie nach Syrien zurückgekehrt, 

wäre sie sofort verhaftet und von ihrem eigenen Vater an die syrischen Be-

hörden ausgeliefert worden. Es treffe zu, dass die Beschwerdeführerin 

nicht konkret nachgefragt habe, als ihre Mutter ihr erzählt habe, dass sich 

die syrischen Behörden zwei Mal nach ihr erkundigt hätten. Es habe sie 

nicht interessiert, weil sie ja gewusst habe, dass sie verfolgt werde und ihr 

eigener Vater sie ausliefern würde. Sie habe die Beamten nur erwähnt, weil 

dies zu ihrer Geschichte gehöre.  

4.4.4 Hinsichtlich der Ansicht des BFM, aus den Aussagen der Beschwer-

deführerin gehe nicht hervor, dass sie im Irak seitens der KDP oder der 

Lokalbevölkerung schwerwiegende Probleme gehabt habe, wird in der Be-

schwerde auf die verkürzte Anhörung und auf den Umstand verwiesen, 

dass die Beschwerdeführerin weniger Kontakt mit der lokalen Bevölkerung 

gehabt habe, weil sie nicht erwerbstätig gewesen sei. Sie habe jedoch ge-

wusst, dass sie mit einer Auslieferung an Syrien durch die KDP habe rech-

nen müssen oder mit einer Ermordung durch die PKK als Abschreckung 

für Mitglieder, die sich überlegten, sich von dieser Organisation loszusa-

gen.  

4.4.5 Die Beschwerdeführerin werde wegen ihrer PKK-Vergangenheit in 

Syrien verfolgt. Ihr Vater sei das einzige Familienmitglied, das sich noch in 

Syrien befinde, und er wüsste als Teil des Systems sofort Bescheid, sollte 

seine Tochter in Syrien auftauchen. Der Hinweis des BFM auf die verän-

derte Situation in Syrien sei unbehelflich. Als sich Syrien von der PKK los-

gesagt und damit die Festnahme von Öcalan ermöglicht habe, sei die PKK 

zu einer feindlichen Organisation geworden. Daran habe sich seither nichts 

D-4593/2014 

Seite 21 

geändert. An der Tatsache, dass der syrische Staat alle Oppositionellen 

verfolge beziehungsweise alle, die je einmal auf der gegnerischen Seite 

gewesen seien, habe sich ebenfalls nichts geändert. Somit stehe fest, dass 

die Verfolgung der Beschwerdeführerin immer noch bestehe, beziehungs-

weise dass sie begründete Furcht habe, im Fall einer Rückkehr nach Sy-

rien verfolgt zu werden. Sie sei deshalb als Flüchtling anzuerkennen, und 

mangels Asylausschlussgründen sei ihr Asyl zu gewähren. Dies müsse 

dazu führen, dass ihr Ehemann und ihre Kinder ebenfalls Asyl erhielten.  

4.5 Das BFM führt in seiner Vernehmlassung vom 2. Oktober 2014 aus, es 

habe seinen Entscheid nicht hauptsächlich damit begründet, dass die Vor-

bringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Glaubhaf-

tigkeit nicht genügten. Es sei vielmehr zum Schluss gekommen, dass ihre 

Furcht vor asylrelevanter Verfolgung als nicht begründet im Sinne des Asyl-

gesetzes einzustufen sei, zumal die Vorbringen zu vage seien, um daraus 

eine Verfolgungssituation asylrelevanten Ausmasses herzuleiten. Daran 

änderten auch die Darlegungen in der Beschwerdeschrift nichts. Der Be-

schwerdeführer habe beispielsweise die richtigen Namen der Personen, 

die ihn bei den türkischen Behörden angeschwärzt hätten, nicht nennen 

können, so dass fraglich sei, ob die verhafteten Personen seinen richtigen 

Namen überhaupt gekannt hätten. Den Aussagen des Beschwerdeführers 

sei denn auch zu entnehmen, dass es sich nur um eine Annahme handle, 

dass ihn die beiden ehemaligen Weggefährten verraten hätten. Die Be-

hauptung in der Beschwerdeschrift, das BFM würde ein Anwaltsschreiben 

mit grösster Wahrscheinlichkeit als Gefälligkeitsschreiben taxieren, sei 

nicht haltbar. Es treffe nicht zu, dass die KDP ehemalige PKK-Mitglieder an 

die Türkei ausliefern würde. Hinsichtlich der angeblich durch sprachliche 

Probleme bedingten Ungenauigkeiten sei festzustellen, dass die Be-

schwerdeführenden die Übereinstimmung der Angaben des Protokolls mit 

ihren Aussagen durch ihre Unterschriften bestätigt hätten, so dass sie sich 

darauf behaften lassen müssten. Die vorläufige Aufnahme sei aufgrund ei-

ner ganzheitlichen Würdigung der Sachlage verfügt worden, wobei medizi-

nische Gründe ausschlaggebend gewesen seien.  

4.6  

4.6.1 In der Replik vom 21. Oktober 2014 hält der Rechtsvertreter vorab 

fest, bei der Instruktionsbesprechung für die Eingabe habe ein sehr erfah-

rener Übersetzer mitgewirkt, der früher als Dolmetscher bei einer Bera-

tungsstelle gearbeitet habe und heute als Berater für Klienten in türkischer 

Sprache tätig sei. Dank dessen Hilfe habe er (der Rechtsvertreter) noch 

weitere Informationen erhalten, die ihm bisher gefehlt hätten. Der türkische 

D-4593/2014 

Seite 22 

Staat habe überall Informanten, und es sei davon auszugehen, dass die 

türkischen Behörden wüssten, dass sich der Beschwerdeführer nach der 

Inhaftierung im Jahr 2000 der PKK angeschlossen habe. Aus dem damali-

gen Verfahren dürften auch noch Fotos vorhanden sein. Die in der Türkei 

verhafteten PKK-Mitglieder hätten den Beschwerdeführer unter dem Na-

men Aa._______ gekannt und gewusst, dass er aus F._______ in der Pro-

vinz G._______ stamme. Sobald man ihnen Fotos der von dort stammen-

den Personen vorgelegt habe, die sich nach der Meinung der türkischen 

Behörden der PKK angeschlossen hätten, dürfte der Beschwerdeführer 

rasch identifiziert worden sein. Dadurch hätten die Behörden seinen Deck-

namen erfahren und diesen seinem bürgerlichen Namen gegenüberstellen 

können. Es gebe genügend Indizien dafür, dass der Beschwerdeführer de-

nunziert worden sei. Es könne auch sein, dass weitere Personen, die sei-

nen Decknamen gekannt oder sein Foto erkannt hätten, ihn ebenfalls de-

nunziert hätten. Die Familie des Beschwerdeführers habe schon vor eini-

ger Zeit einen Anwalt eingeschaltet, der abklären solle, ob gegen den Be-

schwerdeführer ein Strafverfahren eingeleitet worden sei. Ein solches 

müsste noch in einem frühen Stadium sein, da mangels Befragung des 

Beschwerdeführers keine Anklage erhoben werden könne. Aus diesem 

Grund brauche der Anwalt viel Zeit für die Abklärungen.  

4.6.2 Neu wird in der Replik vorgebracht, der Beschwerdeführer habe nach 

der Festnahme der beiden Kollegen einen Telefonanruf vom Sicherheitsdi-

rektor in Istanbul erhalten. Die Telefonnummer habe dieser von den Kolle-

gen des Beschwerdeführers erhalten. Der Sicherheitsdirektor habe ihm 

mitgeteilt, dass seine Freunde über ihn ausgesagt hätten, und ihm ein An-

gebot für den Fall der Rückkehr unterbreitet. Der Beschwerdeführer habe 

jedoch nicht ohne eine verbindliche Garantie der Straffreiheit in die Türkei 

zurückkehren wollen. Im Anschluss an das Telefongespräch hätten Sicher-

heitskräfte die Eltern des Beschwerdeführers aufgefordert, ihn zur Rück-

kehr in die Türkei zu bewegen. Es seien auch weitere Verwandte unter 

Druck gesetzt worden. Zwei Cousins des Beschwerdeführers hätten sich 

der PKK angeschlossen, um dem Druck zu entkommen. Einer sei später 

verhaftet worden und sitze im Gefängnis, und der andere kämpfe in 

Bb._______ (Syrien).  

4.6.3 Bezüglich der Frage, ob ehemalige PKK-Mitglieder im Nordirak mit 

einer allfälligen Auslieferung an die Türkei durch die KDP rechnen müss-

ten, wird vorgebracht, es seien zahlreiche Fälle ehemaliger PKK-Mitglieder 

bekannt, denen die KDP zugesagt habe, ihren Fall in Verhandlungen mit 

D-4593/2014 

Seite 23 

der Türkei geregelt zu haben, so dass sie bedenkenlos dorthin zurückkeh-

ren könnten. Ein Cousin des Beschwerdeführers sei auf dieses Verspre-

chen hereingefallen und nach seiner Rückkehr in die Türkei zu einer Ge-

fängnisstrafe von 36 Jahren verurteilt worden. Das Bundesverwaltungsge-

richt habe im Urteil D-4614/2009 vom 29. September 2010 E. 7.2 festge-

halten, dass gemäss Berichten in türkischen Medien wiederholt Überstel-

lungen abtrünniger PKK-Mitglieder stattgefunden hätten, welche sich zuvor 

der KDP im Nordirak gestellt hätten, wobei unklar sei, ob die Überstellun-

gen mit der Einwilligung der Betroffenen erfolgt seien. Der Irak habe die 

Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert, und die Situation im Nordirak sei für 

ehemalige PKK-Aktivisten in der Regel unsicher und schwierig, selbst 

wenn eine Gefahr, an die Türkei ausgeliefert zu werden, nicht akut er-

scheine. Das Bundesverwaltungsgericht gehe demnach davon aus, dass 

ehemalige PKK-Mitglieder im Nordirak nicht in Sicherheit seien.  

4.6.4 Ferner wird bemängelt, dass das BFM die Eröffnung einer Strafun-

tersuchung in der Türkei gegen den Beschwerdeführer wegen PKK-Mit-

gliedschaft als zulässig erachte, obwohl das Bundesverwaltungsgericht die 

Frage der PKK-Mitgliedschaft jeweils unter dem Gesichtspunkt des Asyl-

ausschlussgrundes prüfe und eine solchen alleine aufgrund der Mitglied-

schaft bei der PKK nicht als gerechtfertigt erachte. Die Beschwerdeführen-

den hätten die PKK bloss unterstützt und nicht aktiv an Kampfhandlungen 

teilgenommen.  

4.6.5 Hinsichtlich der Begründung der vorläufigen Aufnahme durch das 

BFM in dessen Vernehmlassung wird beanstandet, dass die Beschwerde-

führenden eine Beschwerde hätten ergreifen müssen, um den Grund für 

die vorläufige Aufnahme zu erfahren. Der Wegweisungsvollzug sei aller-

dings nicht nur unzumutbar, sondern auch unmöglich, da der Vater und das 

türkische Kind nicht nach Syrien und die Mutter sowie das staatenlose Kind 

nicht in die Türkei ausgeschafft werden könnten, die Beschwerdeführen-

den im Nordirak weder über ein Anwesenheitsrecht noch über Ausweispa-

piere verfügt hätten und gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts ehemalige und aktuelle Mitglieder der PKK keine offizielle 

Aufenthaltsbewilligung der irakischen Behörden erhalten würden.  

4.6.6 In der Replik wird daran festgehalten, dass die Beschwerdeführen-

den bei der Rückübersetzung keine Möglichkeit gehabt hätten, Fehlüber-

setzungen der bulgarischen Dolmetscherin festzustellen, da sie nicht 

wüssten, ob die von ihnen umschriebenen Ausdrücke im Protokoll mit den 

korrekten deutschen Begriffen wiedergegeben worden seien und der Inhalt 

D-4593/2014 

Seite 24 

des Protokolls mit ihren Aussagen übereinstimme. Der teilweise holprige 

Text der Protokolle stelle zumindest ein Indiz dafür dar, dass die Dolmet-

scherin überfordert gewesen sei. Eine Wiederholung der Anhörung der Be-

schwerdeführerin dränge sich schon deshalb auf, weil sie unter Zeitdruck 

stattgefunden habe. Gestützt auf die Anmerkungen der Hilfswerksvertrete-

rin auf dem Unterschriftenblatt (vgl. act. A13/13 S. 13) wird geltend ge-

macht, die Anhörung der Beschwerdeführerin vom 22. November 2011 sei 

durch deren schlechte psychische Verfassung geprägt gewesen und das 

Protokoll der Anhörung sei unvollständig. Das BFM habe trotz der Anord-

nung der vorläufigen Aufnahme aus medizinischen Gründen die schlechte 

psychische Verfassung der Beschwerdeführerin während der Anhörung 

nicht anerkannt.  

4.7  

4.7.1 In der zweiten Vernehmlassung vom 13. April 2017 hält das SEM 

zum vom Beschwerdeführer nachgereichten Urteil des Strafgerichts 

L._______ vom (…) 2006 fest, der Umstand, dass der Beschwerdeführer 

dieses nicht zu einem früheren Zeitpunkt eingereicht habe, deute darauf 

hin, dass er diesbezüglich keine flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteile 

zu befürchten gehabt habe. Er habe bis anhin auch nicht geltend gemacht, 

dass ein solches Urteil überhaupt existiere, obwohl davon auszugehen sei, 

dass er davon Kenntnis gehabt habe, zumal unter anderem auch sein Bru-

der als Angeklagter aufgeführt und mangels Beweisen freigesprochen wor-

den sei.  

4.7.2 Zum von der Beschwerdeführerin eingereichten Strafregisterauszug 

führt das SEM aus, dieser habe keinen Beweiswert und sei nicht geeignet, 

ihre Vorbringen zu bestätigen. Das Dokument stehe inhaltlich nicht in Ein-

klang mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin, zumal aus den Akten 

nicht hervorgehe, dass sie vorbestraft wäre. An der Glaubhaftigkeit dieses 

Vorbringens sowie an der Authentizität des Strafregisterauszugs bestün-

den daher erhebliche Zweifel. Zudem sei fraglich, weshalb die Beschwer-

deführerin das besagte Dokument nicht bereits zu einem weit früheren Zeit-

punkt eingereicht habe. Schliesslich seien syrische Dokumente aller Art so-

wohl in Syrien selbst als auch in Nachbarstaaten leicht käuflich erwerbbar, 

so dass diesen kein genügender Beweiswert zukomme. Sodann hält die 

Vorinstanz fest, syrische Behörden richteten ihr Augenmerk im heutigen 

Zeitpunkt nicht auf die Verfolgung der PKK/PYD.  

D-4593/2014 

Seite 25 

4.8  

4.8.1 In der Duplik vom 17. Mai 2017 wird in Bezug auf den Beschwerde-

führer argumentiert, das Strafurteil vom (…) 2006 an sich stelle tatsächlich 

keine Bedrohung für den Beschwerdeführer dar, weil er in dem Verfahren 

weder angeklagt noch verurteilt worden sei. Das Urteil beweise jedoch, 

dass der Beschwerdeführer den türkischen Behörden als PKK-Angehöri-

ger bekannt sei. Immerhin werde er im Urteil als „Top-Verwalter der PKK“ 

bezeichnet. Zudem gehe aus dem Urteil hervor, dass die türkischen Behör-

den wüssten, dass der Beschwerdeführer den Decknamen „Aa._______“ 

verwendet habe. Man könne deshalb jedes Mal eine Verbindung zu ihm 

herstellen, wenn dieser Name auftauche, sei es bei einem Verhör oder im 

Anrufverzeichnis eines Mobiltelefons. Das Urteil sei deshalb nur als Be-

weismittel dafür eingereicht worden, dass der Beschwerdeführer den türki-

schen Behörden bekannt sei und bei einer Rückkehr in die Türkei mit einer 

sofortigen Festnahme rechnen müsste. Der Beschwerdeführ habe das Ur-

teil erst einreichen können, nachdem er von dessen Existenz erfahren 

habe. Sein Bruder scheine lange übersehen zu haben, dass in diesem Ur-

teil auch der Name des Beschwerdeführers und dessen Verbindung zur 

PKK erwähnt würden. Dass das SEM diese Zusammenhänge nicht zu er-

kennen vermöge, sei nicht nachvollziehbar und umso unverständlicher, als 

die Lage in der Türkei sich im Verlauf der letzten beiden Jahre erheblich 

verändert habe. Der türkische Präsident Erdogan habe bekanntlich den 

Kampf gegen die Kurden wieder aufgenommen und gehe mit aller Härte 

gegen als oppositionell geltende Kurden vor. Das Wiederaufflammen die-

ses Konfliktes habe massive Auswirkungen auf die Personen, die je einmal 

von einem Verfahren gegen PKK-Anhänger betroffen gewesen seien. Die 

Härte der Vorgehensweise zeige sich unter anderem auch daran, wie Kol-

legen des Beschwerdeführers, welche die PKK vor Jahren verlassen hät-

ten, heute behandelt würden. Seien sie damals wegen ihrer Kooperation 

mit den türkischen Behörden straffrei davongekommen, habe man sie in-

zwischen festgenommen und zu massiven Freiheitsstrafen verurteilt. So 

seien ein Kollege des Beschwerdeführers und ein Cousin beide zu Frei-

heitsstrafen von 36 Jahren verurteilt worden. Ein anderer Cousin, dessen 

Verfahren nach langer Zeit wiederaufgenommen worden sei, sei in Abwe-

senheit zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren verurteilt worden. Weitere 

Personen, deren wirkliche Namen der Beschwerdeführer nicht kenne, 

seien ebenfalls betroffen. In der Türkei müssten wieder alle Personen mit 

einer Verfolgung rechnen, die irgendeinmal mit der PKK in Verbindung ge-

bracht worden seien.  

D-4593/2014 

Seite 26 

Ferner wird vorgebracht, der Vater des Beschwerdeführers habe Anfang 

März 2017 versucht, bei dem für die Region zuständigen Gericht Informa-

tionen zu erhalten, ob gegen seinen Sohn eine Anklage vorliege oder gar 

ein Urteil in Abwesenheit ergangen sei. Er habe nur die mündliche Auskunft 

erhalten, man dürfe ihm keine Informationen, schon gar nicht schriftliche, 

geben, weil sein Sohn ein Terrorist sei. Überdies sei ein Onkel des Be-

schwerdeführers im April 2017 verhaftet worden und sitze seither in 

G._______ im Gefängnis.  

Sodann wird an der Notwendigkeit einer Botschaftsabklärung festgehalten, 

falls noch Zweifel am harten Vorgehen des Präsidenten Erdogan und der 

türkischen Justiz gegen die kurdische Opposition bestehen sollten. Eine 

solche dürfte den Beweis erbringen, dass der Beschwerdeführer inzwi-

schen als Terrorist gelte, wie man dies seinem Vater mündlich mitgeteilt 

habe. Da dieses harte Vorgehen auf einer Änderung der Praxis der türki-

schen Behörden beruhe, die gegen den Beschwerdeführer erhobenen Vor-

würfe aber auf Vorfluchtgründen basierten, sei ihm Asyl zu gewähren.  

4.8.2 In Bezug auf die Beschwerdeführerin wird in der Duplik ausgeführt, 

sie sei vermutlich in Abwesenheit verurteilt worden. Dass sie im Asylver-

fahren keine Verurteilung erwähnt habe, sei darauf zurückzuführen, dass 

sie erst mit Erhalt des Strafregisterauszuges von dieser Verurteilung erfah-

ren habe. Bis zu diesem Zeitpunkt sei sie davon ausgegangen, dass man 

sie gesucht habe, um sie vor ein Gericht zu stellen. Den Strafregisteraus-

zug habe sie erst einreichen können, nachdem sie über ihre Familie von 

dessen Existenz und der Verurteilung erfahren habe. Dem Argument des 

SEM, wonach Dokumente in Syrien und dessen Nachbarstaaten leicht 

käuflich erwerbbar seien, wird zum einen entgegengehalten, dass der 

Strafregisterauszug aus dem Jahr 2014 stamme, und die oppositionellen 

Kräfte in Syrien in diesem Zeitpunkt noch keinen Zugang zu Registern, Ori-

ginalpapieren und -stempeln zur Herstellung amtlicher Dokumente gehabt 

hätten. Zum andern habe es das SEM unterlassen, auf konkrete Fäl-

schungsmerkmale hinzuweisen. Dessen Bemerkung, wonach die syri-

schen Behörden ihr Augenmerk im heutigen Zeitpunkt nicht auf die Verfol-

gung der PKK/PYD richteten, vermöge an der Gefährdung der Beschwer-

deführerin nichts zu ändern, gehe es doch um die Verfolgung im Zeitpunkt 

der Flucht. Der Strafregisterauszug beweise, dass die Beschwerdeführerin 

wegen ihrer Tätigkeit für die PKK tatsächlich verfolgt und verurteilt worden 

sei.  

D-4593/2014 

Seite 27 

5.  

5.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.2). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schut-

zes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem 

voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen adäquaten 

Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-

gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung der Aktualität der Verfolgungs-

furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Hei-

matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten 

und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen 

(vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1, 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, 

Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 

Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).  

5.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn ein konkreter Anlass 

zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit-

punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. 

Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müs-

sen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden 

sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung 

und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die 

Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu 

erfolgen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits 

Erlebte, insbesondere eine Vorverfolgung, und das Wissen um Konse-

quenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5, 

2010/44 E. 3.4 S. 620 f.).  

5.3   

5.3.1 Hinsichtlich der Asylvorbringen des Beschwerdeführers ist zunächst 

festzuhalten, dass die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der geltend gemach- 

D-4593/2014 

Seite 28 

ten Inhaftierung und Folterungen während 18 Tagen im Jahr 2000 unter 

dem Vorwurf, er unterstütze die PKK und mit dem Ziel, von ihm Informati-

onen über diese Organisation und deren Aktivitäten zu erhalten – nicht be-

streitet. Das Bundesverwaltungsgericht sieht in Anbetracht der diesbezüg-

lichen protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers (vgl. act. A12/17 

F49 ff. und F78 f.) ebenfalls keine Veranlassung, dieses Vorbringen zu be-

zweifeln.  

5.3.2 Das BFM verneint das Vorliegen eines zeitlichen und sachlichen Kau-

salzusammenhangs zwischen dieser Verfolgung und der Ausreise des Be-

schwerdeführers und damit eine asylrechtliche Relevanz, wobei es nicht 

präzisiert, ob es von der Ausreise des Beschwerdeführers in den Nordirak 

im Jahr 2001 als massgeblichem Zeitpunkt ausgeht oder von der Weiter-

reise vom Irak in die Schweiz im Jahr 2011. Zur Beurteilung der Frage, ob 

der Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht gegeben ist, 

ist jedoch nicht der Zeitpunkt der Einreise des Beschwerdeführers in die 

Schweiz massgebend, sondern der Zeitpunkt der Ausreise aus dem Hei-

matstaat. Der Beschwerdeführer erklärte an der Anhörung, er habe sich im 

Frühling 2001 entschlossen, der PKK beizutreten, wobei er als Motiv ins-

besondere auch die während der 18-tägigen Inhaftierung erlittene Folter 

nannte (vgl. act. A12/17 F49). Die Darstellung des Beschwerdeführers, er 

sei von Juli 2001 bis Mai 2006 aktives Mitglied der PKK im Nordirak gewe-

sen (vgl. a.a.O., F64), wird von der Vorinstanz ebenfalls nicht bezweifelt. 

Der zeitliche und sachliche Kausalzusammenhang zwischen der Inhaftie-

rung und Folter des Beschwerdeführers im Jahr 2000, des deshalb erfolg-

ten Beitritts zur PKK und der Ausreise in den Nordirak 2001 ist demzufolge 

zu bejahen.  

5.3.3 Der Beschwerdeführer begründete seine Befürchtung, bei einer 

Rückkehr in die Türkei wegen Zugehörigkeit zu PKK und Teilnahme an 

(sechs) Aktionen für diese Organisation verhaftet und verurteilt zu werden, 

sowohl an der BzP als auch an der Anhörung damit, dass ehemalige PKK-

Mitglieder in der Türkei ihn zu Unrecht belastet hätten, sowie mit einer 

Nachfrage seines Vaters im Frühling 2011 auf dem Sicherheitsposten in 

F._______ (vgl. act. A4/11 S. 6; A12/17 F35–45.). Das BFM stellt sich in 

der angefochtenen Verfügung (S. 4) auf den Standpunkt, es fehlten „kon-

krete Indizien und Anhaltspunkte“ für eine begründete Furcht vor Verfol-

gung, sei die Überzeugung des Beschwerdeführers, bei einer Rückkehr in 

die Türkei verhaftet zu werden, doch „zu vage, um daraus eine Verfol-

gungssituation asylrelevanten Ausmasses herzuleiten“. Zu diesem Schluss 

gelangt das BFM mit der Begründung, der Beschwerdeführer wisse weder 

D-4593/2014 

Seite 29 

von einem gegen ihn hängigen Ermittlungs- noch einem Gerichtsverfahren, 

und es läge auch kein entsprechendes Beweismittel vor (beispielsweise 

ein Anwaltsschreiben), aus dem hervorginge, dass eine formelle strafrecht-

liche Untersuchung wegen der „angeblich unterstellten“ Teilnahme an Akti-

onen der PKK gegen ihn eingeleitet worden wäre. Anschliessend folgen 

ausführliche Erwägungen des Bundesamtes dazu, weshalb Strafverfahren 

in der Türkei wegen Unterstützungshandlungen für die PKK keine politi-

sche Verfolgung darstellen würden, sowie die Versicherung, dass ein ent-

sprechendes Gerichtsverfahren in der Türkei rechtsstaatlichen Ansprüchen 

genügen würde. Das Bundesamt fährt fort, Spekulationen über den Aus-

gang eines allfälligen Gerichtsverfahrens seien müssig, da keine Anhalts-

punkte für die Einleitung eines formellen Strafverfahrens gegen den Be-

schwerdeführer vorlägen; unmittelbar danach erteilt es diesem Ratschläge, 

wie er sich nach der Rückkehr in die Türkei verhalten könnte, falls doch ein 

Strafverfahren gegen ihn durchgeführt und er verurteilt würde (vgl. 

E. 4.1.3). 

5.3.4 In der Beschwerde wird dargelegt (vgl. E. 4.3.1), weshalb sich aus 

Sicht der türkischen Behörden deren Anfangsverdacht aus dem Jahr 2000, 

der Beschwerdeführer habe sich der PKK angeschlossen, nach dessen 

Ausreise in den Nordirak und den späteren Denunziationen durch ehema-

lige PKK-Kämpfer an deren Verhören erhärtet habe. Gemäss Erkundigun-

gen seines Vaters vor Ort werde der Beschwerdeführer beschuldigt, an 

sechs Aktionen der PKK teilgenommen zu haben. Einen entsprechenden 

Strafregisterauszug gebe es nicht, weil noch keine Verurteilung erfolgt sei, 

und ein Urteil in Abwesenheit könne es ohne eine formelle Einvernahme 

des Beschuldigten nicht geben. Es sei davon auszugehen, dass sich in den 

Akten der Sicherheitskräfte Hinweise auf den Beschwerdeführer finden las-

sen müssten. Da es kein Strafverfahren gegeben habe, dürften nur Ein-

träge in Fahndungsregistern existieren. Der Familie des Beschwerdefüh-

rers sei es nicht möglich, solche Abklärungen vorzunehmen, weshalb eine 

Botschaftsabklärung durchzuführen sei. Die Familie versuche, Informatio-

nen über Verfahren zu erhalten, die gegen PKK-Leute durchgeführt worden 

seien. Das BFM setzt sich in seiner Vernehmlassung vom 2. Oktober 2014 

mit diesen Vorbringen nicht eingehend auseinander, sondern führt als 

Hauptargument an, der Beschwerdeführer habe die richtigen Namen der 

Personen, die ihn bei den türkischen Behörden denunziert hätten, nicht 

nennen können, so dass fraglich sei, ob die inhaftierten Personen seinen 

richtigen Namen gekannt hätten. Dass ihn die beiden ehemaligen Wegge-

fährten verraten hätten, sei überdies nur eine Annahme. Hierzu ist festzu-

halten, dass der Beschwerdeführer bereits an der Anhörung ausgesagt hat, 

D-4593/2014 

Seite 30 

niemand lege seinen richtigen Namen offen, sondern verwende Deckna-

men (vgl. act. A12/17 F43). Ausserdem erscheint die Erwartung der Vo-

rinstanz, eine bei den türkischen Behörden denunzierte Person müsse ge-

nau Auskunft darüber geben können, wer sie in welchem Kontext denun-

ziert habe (vgl. a.a.O. F41) und wann die Denunzianten in die Hände der 

türkischen Behörden gefallen seien (vgl. a.a.O., F43) als realitätsfremd. In 

der Replik vom 21. Oktober 2014 wird daran festgehalten, dass es genü-

gend Indizien für eine Denunziation des Beschwerdeführers gebe (vgl. 

E. 4.6.1).  

5.3.5 Nachdem die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung und der 

ersten Vernehmlassung eine begründete Furcht des Beschwerdeführers 

vor zukünftiger Verfolgung in der Türkei mit der Begründung verneinte, des-

sen Vorbringen seien zu vage und mit keinen Beweismitteln belegt, äussert 

sie in der zweiten Vernehmlassung vom 13. April 2017 zum im Laufe des 

Beschwerdeverfahrens eingereichten Urteil des Strafgerichts L._______ 

vom (…) 2006 die Vermutung, der Beschwerdeführer habe dieses Urteil 

nicht zu einem früheren Zeitpunkt eingereicht, weil er diesbezüglich keine 

flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteile zu befürchten habe. Überdies 

habe er bis anhin auch nicht geltend gemacht, dass ein solches Urteil über-

haupt existiere, obwohl er davon Kenntnis gehabt haben müsste, zumal 

sein Bruder darin als Angeklagter aufgeführt, mangels Beweisen jedoch 

freigesprochen worden sei. Das SEM geht auch in der zweiten Vernehm-

lassung vom 13. April 2017 mit keinem Wort auf den in der Beschwerde 

gestellten Antrag ein, es sei eine Botschaftsabklärung durchzuführen.  

In der Replik wird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe das Strafurteil 

nicht früher eingereicht, weil er nicht gewusst habe, dass sein Bruder 

Y._______ immer noch im Besitz dieses Urteils gewesen sei (vgl. Sach-

verhalt Bst. R), beziehungsweise weil er erst nachträglich von diesem Ur-

teil erfahren und sein Bruder offenbar lange übersehen habe, dass darin 

auch sein Name (derjenige des Beschwerdeführers) und seine Verbindung 

zur PKK erwähnt würden (vgl. Replik vom 17. Mai 2017 S. 2). Unabhängig 

davon, ob diese Erklärung zutrifft oder nicht, wäre die Vorinstanz gehalten 

gewesen, sich mit dem Inhalt des Urteils auseinanderzusetzen, welches 

laut der Eingabe vom 27. Mai 2015 als Beweis dafür eingereicht wurde, 

dass der Beschwerdeführer den türkischen Behörden als PKK-Angehöri-

ger bekannt sei und bei einer Rückkehr in die Türkei mit einer sofortigen 

Festnahme rechnen müsste (vgl. E. 4.8.1). Das SEM bezweifelt die Echt-

heit des Urteils sowie die Korrektheit der deutschen Übersetzung in der 

D-4593/2014 

Seite 31 

Vernehmlassung nicht. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit denjeni-

gen Passagen des Urteils, in denen der Name des Beschwerdeführers be-

ziehungsweise sein Deckname Aa._______ erwähnt werden, drängt sich 

umso mehr auf, als die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren wiederholt 

bemängelte, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien „zu vage“, um 

daraus eine Verfolgungssituation asylrelevanten Ausmasses herzuleiten.  

Bei der Lektüre der deutschen Übersetzung des Urteils – dessen Echtheit 

und die Korrektheit der deutschen Übersetzung vorbehalten – entsteht im 

Übrigen der Eindruck, dass der Beschwerdeführer allenfalls aus anderen 

als den von ihm genannten Gründen das im Jahr 2006 ergangene Urteil 

erst im Laufe des Beschwerdeverfahrens im Jahr 2015 eingereicht haben 

könnte. Die im Urteil erwähnten Sachverhalte stimmen nämlich nicht in al-

len Teilen mit seinen Angaben im Asylverfahren überein, sind in sich teil-

weise widersprüchlich und könnten für den Beschwerdeführer durchaus 

auch unvorteilhaft sein. So wird unter der Urteilserwägung „schriftliche Be-

weise“ (gegen die Angeklagten, zu denen der Beschwerdeführer nicht ge-

hört) ein Protokoll erwähnt, aus dem offenbar hervorgeht „dass 

Aa._______ (Kodename) A._______ nicht vom Polizeipräsidium gesucht 

wird“ (S. 5). Ferner werden detaillierte Auszüge der Konversationen, wel-

che von einer Telefonnummer, die auf A._______ registriert gewesen sei 

und „ständig von der Basisstation von Stadt Cc._______, dem Dorf 

Dd._______ genutzt“ wurde (S. 5), als Beweismittel erwähnt. Auf Seite 3 

des Urteils wird A._______ beziehungsweise Aa._______ als „Top-Verwal-

ter der PKK“ bezeichnet. Das Strafgericht L.______ gelangte im Urteil zum 

Schluss, dass der Angeklagte Z._______ „in der Gruppe von Aa._______ 

(Kodename) A._______ an Aktivitäten in der Region Cc._______ und an 

der Grenze vom Nordirak beteiligt war“ (S. 6) beziehungsweise dass 

Z._______ „7-8 Monate lang in den Regionen Nordirak und Cc._______, 

mit dem Kodenamen („…“) bewaffnet an Aktivitäten teilnahm, dass er in 

Cc._______ in der Gruppe von Aa._______ (Kodename) – A._______ Mit-

glied war, dass auf seinem Mobiltelefon die Nummern von A._______ und 

vom (…) vorgefunden wurden (…)“ (vgl. S. 7). Z._______ wurde wegen 

Mitgliedschaft in der „Terrororganisation PKK KONGRA-GEL“ zu einer 

Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt (vgl. S. 8). Der Be-

schwerdeführer hat im Asylverfahren ausgesagt, er sei im Nordirak für die 

PKK als Verteiler stationiert gewesen, und hat keinen Aufenthalt in der tür-

kischen Stadt Cc._______ im Südosten Anatoliens erwähnt. Er hat zudem 

stets betont, er sei nur ein einfacher Soldat gewesen und habe nie an be-

D-4593/2014 

Seite 32 

waffneten Aktivitäten teilgenommen. Ob dies zutrifft, erscheint vor dem Hin-

tergrund der erwähnten Auszüge aus dem Urteil des Strafgerichts 

L._______ vom (…) 2006 fraglich.  

Der Bruder des Beschwerdeführers, Y._______ (geb. Ee._______), wurde 

in diesem Urteil in Abwesenheit „wegen Beweismangels der wissentlichen 

und willentlichen Unterstützung der Organisation“ freigesprochen (S. 7). Er 

hat das Urteil alsdann in seinem Asylverfahren in der Schweiz anlässlich 

der Befragung zur Person vom 9. Oktober 2015 erwähnt (vgl. N […], 

act. A4/14 Ziff. 7.02). Daselbst gab er ausserdem zu Protokoll, er habe im 

Jahr 2003 oder 2004 seinen Familiennamen von Ee._______ in 

Ff._______ geändert, weil er wegen der Guerilla-Tätigkeit seines Bruders 

(dem Beschwerdeführer) Probleme mit den türkischen Behörden gehabt 

habe (vgl. a.a.O., Ziff. 1.04). 

Obschon die erwähnten Passagen aus dem Urteil des Strafgerichts 

L._______ und die Angaben des Bruders darauf hindeuten, dass der Be-

schwerdeführer den türkischen Behörden sehr wohl als mutmassliches 

(ehemaliges) Mitglied der PKK bekannt sein könnte, hat es das SEM in der 

zweiten Vernehmlassung vom 13. April 2017 gänzlich unterlassen, diesbe-

züglich inhaltlich Stellung zu nehmen.  

5.3.6 Der Beschwerdeführer ist ethnischer Kurde und türkischer Staatsan-

gehöriger. In der Duplik vom 17. Mai 2017 wird vorgebracht, der türkische 

Präsident Erdogan habe bekanntlich den Kampf gegen die Kurden wieder 

aufgenommen und gehe mit aller Härte gegen als oppositionell geltende 

Kurden vor. Das Wiederaufflammen dieses Konfliktes habe massive Aus-

wirkungen auf die Personen, die je einmal von einem Verfahren gegen 

PKK-Anhänger betroffen gewesen seien. In der Türkei müssten wieder alle 

Personen mit einer Verfolgung rechnen, die irgendeinmal mit der PKK in 

Verbindung gebracht worden seien.  

5.3.7 Im Zuge der Parlamentswahlen im Juni 2015 respektive im Novem-

ber 2015 und des gleichzeitigen Wiederaufflackerns des Kurdenkonflikts 

hat sich die Menschenrechtslage in der Türkei in der Tat verschlechtert. 

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Nacht vom 15./16. Juli 2016 

und insbesondere seit der Verhängung des Ausnahmezustands sind laut 

den am 19. August 2016 von UNO-Menschenrechtsexpertinnen und -ex-

perten gemachten Angaben eine Eskalation von Inhaftierungen und politi-

schen „Säuberungen“ festzustellen. Seit dem Jahr 2016 ist auch eine deut-

D-4593/2014 

Seite 33 

liche Zuspitzung des Kurdenkonflikts zu beobachten (vgl. hierzu gesamt-

haft das BVGer-Urteil E-5347/2014 vom 16. November 2016 E. 5.6.2). An-

gesichts der Zuspitzung der politischen Lage in der Türkei stellt sich die 

Frage, ob die früheren politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers zu-

gunsten der PKK geeignet sein könnten, einen Asylanspruch des Be-

schwerdeführers zu begründen. 

5.4 Hinsichtlich der Würdigung der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin 

durch die Vorinstanz ist Folgendes festzuhalten: Das BFM hat in der ange-

fochtenen Verfügung die Prüfung einer allfälligen Furcht der Beschwerde-

führerin vor zukünftiger Verfolgung (in Syrien) mit der Bemerkung eingelei-

tet, für die Beschwerdeführerin gälten „bezüglich der unbegründeten 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung ähnliche Feststellungen“ (wie für den Be-

schwerdeführer in der Türkei). Diese Ansicht wird mit drei Sätzen begrün-

det (vgl. obige E. 4.1.4). Der vierte und letzte Satz lautet: „Zudem hat sich 

die Situation in Syrien in den letzten zwei Jahren massgeblich verändert“. 

Zur Bedeutung der veränderten Situation im Heimatstaat der Beschwerde-

führerin für deren Asylgründe äussert sich das BFM nicht. Es folgen drei 

Zeilen zum Nordirak, eingeleitet mit der Bemerkung: „Für Sie, Frau 

B._______, gelten diesbezüglich dieselben Feststellungen“ (wie für den 

Beschwerdeführer) (vgl. obige E. 4.1.6). In der ersten Vernehmlassung 

vom 2. Oktober 2014 nimmt das BFM zu den die Beschwerdeführerin be-

treffenden Ausführungen in der Beschwerde nicht Stellung. In der zweiten 

Vernehmlassung vom 13. April 2017 nimmt das SEM bezüglich der Be-

schwerdeführerin zu dem von ihr eingereichten Strafregisterauszug Stel-

lung und hält ferner fest, die syrischen Behörden richteten ihr Augenmerk 

im heutigen Zeitpunkt nicht auf die Verfolgung der PKK/PYD (vgl. E. 4.7.2). 

Zu den weiteren Ausführungen in der Beschwerde und der Replik äussert 

sich die Vorinstanz nicht (vgl. zur Vermeidung von Wiederholungen die obi-

gen E. 4.4 und E. 4.6.6). In der Beschwerde wird hinsichtlich der Anhörung 

der Beschwerdeführerin überzeugend dargelegt, dass angesichts der Ver-

haltens und der Aussagen der Beschwerdeführerin eine Anhörung in einem 

Frauenteam angezeigt gewesen wäre. Es ist in diesem Zusammenhang 

darauf hinzuweisen, dass die sich aus Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ergebende 

Verfahrensvorschrift, wonach die asylsuchende Person von einer Person 

gleichen Geschlechts befragt wird, wenn konkrete Hinweise auf ge-

schlechtsspezifische Verfolgung vorliegen, einerseits eine Ausgestaltung 

des rechtlichen Gehörs bildet, mithin eine Schutzvorschrift darstellt, deren 

Zweck es ist, dass asylsuchende Personen ihre Vorbringen angemessen 

D-4593/2014 

Seite 34 

vortragen, das heisst konkret erlittene Übergriffe möglichst frei und unbe-

einträchtigt von Schamgefühlen schildern können. Gleichzeitig dient sie 

dazu, die Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung zu gewährleisten. Da 

diese Schutzvorschrift nicht bloss ein Recht der asylsuchenden Person be-

inhaltet, eine solche Befragung zu verlangen, sondern die Behörde dazu 

verpflichtet, in der vorgesehenen Weise vorzugehen, sobald entspre-

chende Hinweise vorliegen, ist sie von Amtes wegen anzuwenden (vgl. 

BVGE 2015/42 E. 5.2). Nachdem dies nicht geschehen ist, kann in Bezug 

auf die Beschwerdeführerin nicht davon ausgegangen werden, der rechts-

erhebliche Sachverhalt sei richtig und vollständig erhoben worden.  

5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz unter Verletzung 

des verwaltungsrechtlichen Untersuchungsgrundsatzes (Art. 12 VwVG) 

den rechtserheblichen Sachverhalt mangelhaft festgestellt und die ihm ob-

liegende Prüfungs- und Begründungspflichten und damit den Anspruch der 

Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör verletzt hat. Eine Heilung die-

ser Verfahrensmängel auf Beschwerdeebene (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 

S. 676 f.) steht schon deshalb nicht zur Debatte, weil die Vorinstanz auch 

in den beiden Vernehmlassungen darauf verzichtet hat, zu den in der Be-

schwerde erhobenen Rügen und Anträgen mit der gebotenen Sorgfalt Stel-

lung zu nehmen. Ausserdem ist die erforderliche Entscheidungsreife für ein 

reformatorisches Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nicht gegeben, 

und eine solche lässt sich auch nicht mit geringem Aufwand herstellen. Das 

SEM hat die gebotenen Abklärungen zur Feststellung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts daher selbst durchzuführen und anschliessend eine 

neue Verfügung zu erlassen, wobei es die auf Beschwerdeebene gestell-

ten Anträge und die eingereichten Unterlagen zu berücksichtigen haben 

wird.  

6.  

Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung beantragt wird. Die vorinstanzliche Verfügung vom 

17. Juli 2014 ist aufzuheben und die Sache ist in Anwendung von Art. 61 

Abs. 1 in fine VwVG zur vollständigen Sachverhaltsermittlung und Neube-

urteilung im Sinne der Erwägungen ans SEM zurückzuweisen.  

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1-3 VwVG).  

D-4593/2014 

Seite 35 

7.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung 

für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG; 

Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden reichte mit 

Eingabe vom 27. Mai 2015 eine erste Kostennote ein, welche er am 

18. Mai 2017 nach einem weiteren Schriftenwechsel durch eine neue Kos-

tennote ersetzte. In dieser macht er Kosten von insgesamt Fr. 5058.17 gel-

tend, welche sich aus Honorarkosten in der Höhe von Fr. 4561.59 (zeitli-

cher Aufwand 19.83 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 230.–), 

Auslagen von Fr. 121.90 und Fr. 374.68 Mehrwertsteuer zusammenset-

zen. Beim Gesuch an das BFM vom 19. August 2014 um Ausstellung von 

Pässen für die Beschwerdeführerin und ihre Kinder, bei den Schreiben vom 

28. Mai 2015 an die Gemeinde, den Schreiben vom 19. August 2014, 

28. Mai 2015, 21. und 24. Juli 2015 an die Beschwerdeführenden und den 

Abklärungen vom 21. Juli 2015 ist kein Bezug zum Beschwerdeverfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht ersichtlich. Der ausgewiesene zeitliche 

Gesamtaufwand ist daher um 2 Stunden zu kürzen. Im Übrigen erscheint 

der geltend gemachte Aufwand angesichts der Komplexität des Verfah-

rens, in dem die Asylgründe von zwei Personen mit unterschiedlicher Na-

tionalität und demzufolge in Bezug auf verschiedene Verfolgerstaaten zu 

prüfen waren, angemessen. Das SEM ist anzuweisen, den Beschwerde-

führenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Par-

teientschädigung von insgesamt Fr. 4600.– zu entrichten.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4593/2014 

Seite 36 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird.  

2.  

Die Verfügung des BFM vom 17. Juli 2014 wird aufgehoben und die Sache 

im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückge-

wiesen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von 

Fr. 4600.– zu entrichten.  

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Jacqueline Augsburger 

 

 

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