# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53b1baf3-96cd-5d3a-8abc-5e6a72a923a1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-07-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.07.2019 E-4528/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4528-2018_2019-07-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4528/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J u l i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richter Jürg Marcel Tiefenthal, Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiberin Kinza Attou. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Angela Stettler, Advokatur Kanonen-

gasse, (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 10. Juli 2018 / N (…). 

 

 

 

E-4528/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reichte am 26. Mai 2015 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch ein. Am 19. Juni 2015 wurde sie summarisch zur Person befragt 

und am 13. Juni 2016 einlässlich angehört.  

Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie vor, sie sei am (…) als 

Tochter eines eritreischen Vaters und einer äthiopischen Mutter in 

B._______ (Äthiopien) geboren und aufgewachsen. Als sie fünf Jahre alt 

gewesen sei, habe ihre Mutter die Familie verlassen. Sie sei gemeinsam 

mit ihrem Bruder bei ihrem Vater geblieben. Zur Mutter habe sie seither 

keinen Kontakt mehr gehabt. 

Im Jahr (…), als sie die (…) Klasse besucht habe, sei sie zusammen mit 

ihrem Vater und Bruder von den äthiopischen Behörden nach Eritrea de-

portiert worden. Sie hätten dort zunächst im Herkunftsort des Vaters in 

C._______, D._______ in der Zoba E._______ gewohnt. Ihr Vater habe 

dort Probleme mit den eritreischen Behörden gehabt. Deshalb seien sie 

nach etwa einem halben Jahr nach F._______ umgezogen. Auch dort habe 

ihr Vater Probleme mit den eritreischen Behörden bekommen, er sei mehr-

mals von ihnen mitgenommen und inhaftiert worden. Ihr Vater habe psy-

chische Probleme gehabt und sei im Jahr (…) kurz nach der Entlassung 

aus der Haft verstorben. Ihr Bruder sei nach dem Tod des Vaters von den 

eritreischen Behörden behelligt und aufgefordert worden, seinen Militär-

dienst zu leisten, weshalb er sich entschlossen habe, Eritrea zu verlassen. 

Gemeinsam seien sie in den Sudan geflohen.  

Im Sudan habe ihr Bruder sie als Minderjährige gegen ihren Willen mit  

einem Äthiopier verheiratet, der wesentlich älter als sie gewesen sei, und 

im Jahre (…) sei sie bereits zum ersten Mal Mutter geworden. Im Jahr (…) 

habe sie ihre zweite Tochter geboren. Die Ehe sei schwierig gewesen. Es 

habe immer wieder heftigen Streit gegeben, der Ehemann habe sie regel-

mässig und massiv geschlagen. Aufgrund der zunehmenden Probleme sei 

ihre Ehe im Jahr (…) geschieden worden. Ihr Ex-Mann habe die Kinder zu 

sich genommen und den Sudan verlassen, um sich wieder in Äthiopien 

niederzulassen. Sie habe während längerer Zeit keinen Kontakt zu ihm und 

den Kindern gehabt. Nach einiger Zeit habe sie die Kinder wieder kontak-

tieren dürfen. 

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Seite 3 

Nach ihrer Scheidung habe sie noch etwa ein halbes Jahr in der Hütte ge-

wohnt, in welcher sie zuvor mit ihrem Ex-Ehemann und ihren Kindern ge-

lebt habe. Um sich durchzuschlagen, habe sie illegal als mobile Händlerin 

auf der Strasse Tee gebraut und verkauft. Die Polizei habe sie schikaniert 

und ihr aufgrund ihrer unerlaubten Arbeitstätigkeit immer wieder mit dem 

Gefängnis gedroht. Sie sei mehrere Male für unterschiedliche Dauer inhaf-

tiert worden. Da das Leben in G._______ sehr schwierig für sie gewesen 

sei, habe sie sich schliesslich entschlossen, zu ihrem Bruder nach 

H._______ zu ziehen. In H._______ habe sie sich auf der eritreischen Bot-

schaft gemeldet und gemeinsam mit ihrem Bruder die eritreische ID-Karte 

beantragt. Das Leben in der Illegalität sei unerträglich geworden, weshalb 

sie den Sudan im März 2015 verlassen habe. 

Die Beschwerdeführerin reichte eine Kopie ihrer eritreischen Identitäts-

karte ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 10. Juli 2018 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung 

an.  

C.  

Mit Eingabe vom 8. August 2018 erhob die Beschwerdeführerin gegen die-

sen Entscheid Beschwerde. Sie beantragte die vollumfängliche Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung. Es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzu-

stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Eventualtiter sei die Sa-

che zur vollständigen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entschei-

dung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte 

sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführungen sowie um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Mit Schreiben vom 17. August 2018 reichte die Beschwerdeführerin wei-

tere Beilagen (Einweisungsbericht des zuständigen Arztes und Erstversor-

gers Dr. I._______ vom 14. Dezember 2017, Bericht der Universitären psy-

chiatrischen Dienste J._______ vom 14. Dezember 2017) ein.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2018 gewährte die zuständige In-

struktionsrichterin die unentgeltliche Prozessführung und verzichtete auf 

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die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig forderte sie die Be-

schwerdeführerin auf, innert Frist den Namen eines von ihr selbst bestimm-

ten unentgeltlichen Rechtsbeistandes oder einer unentgeltlichen Rechts-

beiständin mitzuteilen.  

F.  

Mit Schreiben vom 7. September 2018 teilte Frau MLaw Angela Stettler 

mit, dass die Beschwerdeführerin sie mit der Wahrung ihrer Interessen be-

auftragt habe; sie ersuchte um Fristansetzung zur Beschwerdeergänzung.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. September 2018 wurde Frau MLaw An-

gela Stettler als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt und die Beschwer-

deführerin erhielt Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung.  

H.  

Mit Beschwerdeergänzung vom 12. Oktober 2018 reichte die amtliche 

Rechtsbeiständin weitere Beweismittel ein und machte ergänzende Aus-

führungen. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2018 lud das Gericht die Vo-

rinstanz zur Vernehmlassung ein. 

J.  

Mit Eingabe vom 30. Oktober 2018 liess sich die Vorinstanz zur Be-

schwerde vernehmen. 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. November 2018 stellte die Instruktionsrich-

terin der Beschwerdeführerin ein Doppel der Vernehmlassung zu und ge-

währte ihr die Möglichkeit, innert angesetzter Frist eine Replik zur Ver-

nehmlassung der Vorinstanz vom 30. Oktober 2018 einzureichen.  

L.  

Mit Eingabe vom 15. November 2018 replizierte die Beschwerdeführerin 

fristgerecht.   

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren 

gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-

derung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerdeführerin beantragt in der Beschwerde die Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Die 

Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung (verweigerte Asylgewäh-

rung) ist mithin in Rechtskraft erwachsen und nicht mehr Gegenstand des 

vorliegenden Verfahrens.  

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4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz würdigte in ihrer ablehnenden Verfügung die geltend 

gemachte eritreische Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin als 

nicht glaubhaft gemacht. Sie hielt zunächst fest, die Beschwerdeführerin 

habe zum Nachweis ihrer angeblichen eritreischen Identität keine entspre-

chenden beweiserheblichen Identitätspapiere einreichen können. Der als 

Beweismittel eingereichten eritreischen Identitätskarte komme nur ein sehr 

geringer Beweiswert zu, da es sich um eine Kopie handle; zudem habe die 

Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit diesem Dokument wider-

sprüchliche Angaben gemacht. Demzufolge stehe fest, dass sie bisher kein 

aussagekräftiges Ausweisdokument zu den Akten gereicht habe, welches 

die von ihr behauptete eritreische Staatszugehörigkeit belegen könne.  

Weiter sei zu berücksichtigen, dass der Staat Eritrea erst seit dessen Un-

abhängigkeit im 1993 bestehe. Demnach sei davon auszugehen, dass 

auch die Beschwerdeführerin damals bei ihrer Geburt – ungeachtet eines 

allfälligen tigrynischen Hintergrundes – als äthiopische Staatsangehörige 

verzeichnet worden sei. Schliesslich sei auch im Zusammenhang mit dem 

Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 1993 davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin äthiopische Staatangehörige sei, da sie aufgrund ih-

res Kindesalters nicht teilnahmeberechtigt gewesen sei und deshalb – 

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selbst wenn ihr Vater teilgenommen hätte – die äthiopischen Bürgerrechte 

nicht verloren hätte.  

Ihr Vorbringen, wonach sie denke, eritreische Staatsbürgerin zu sein, sei 

aufgrund ihrer ausweichenden Antworten und ihrer unsubstanziierten Aus-

führungen ebenfalls nicht überzeugend. Ihre einzige Erklärung bezüglich 

ihrer eritreischen Nationalität sei, dass ihr Vater Eritreer gewesen sei und 

ihre Nationalität nur nach ihrem Vater gehen könne. Diese Erklärung sei 

abschliessend geblieben und sie habe keine weiteren Informationen hinzu-

gefügt. Sie habe in keiner Weise darlegen können, wie sie die eritreische 

Staatsangehörigkeit erhalten habe.  

In Bezug auf ihren einjährigen Aufenthalt in Eritrea habe die Beschwerde-

führerin sodann weder konkrete noch erlebnisgeprägte Angaben machen 

können. Ihren Angaben zufolge sei sie zum Zeitpunkt ihres Aufenthalts in 

Eritrea zwischen (…) und (…) Jahre alt gewesen. Es könne somit davon 

ausgegangen werden, dass sie genauer und substanziierter über ihre ei-

genen Wahrnehmungen und Erlebnisse in Eritrea sowie über ihre Lebens-

weise und ihr Familienleben dort hätte Auskunft geben können. Trotz mehr-

facher Aufforderung zu erzählen, was ihr zu ihrem Leben in Eritrea und in 

C._______ und in F._______ in den Sinn komme, habe die Beschwerde-

führerin betont, nicht viel zu wissen. Sie habe angegeben, dass sie bloss 

vage Erinnerungen an diese Zeit habe. Es erstaune in diesem Zusammen-

hang, dass sie einige wenige Details zu ihrer Kindheit in Äthiopien zu er-

zählen vermocht habe, jedoch keine einzige Erinnerung an ihren Aufenthalt 

in Eritrea habe. Es mute zudem seltsam an, dass sie, auf eine allfällige 

persönliche Erinnerung betreffend ihre Deportation nach Eritrea angespro-

chen, lediglich von ihrem Vater gesprochen habe und ihre eigenen Gefühle 

und Wahrnehmungen in keiner Weise erwähnt habe. Das SEM schliesse 

nicht aus, dass Personen gewisse Aspekte aus ihrer Kindheit und Jugend 

vergessen würden. Es sei jedoch nicht nachvollziehbar, dass bei einem 

derart einschneidenden Erlebnis, wie es die Beschwerdeführerin mit ihrer 

Deportation nach Eritrea erlebt haben wolle, keine Erinnerung im Gedächt-

nis geblieben sei. 

Zudem falle auf, dass die Beschwerdeführerin in der Erstbefragung ange-

geben habe, perfekt Amharisch sprechen zu können. Ebenso habe sie wi-

dersprüchliche Angaben zu ihrem familiären Beziehungsnetz gemacht. In 

der Erstbefragung habe sie angegeben, ihr Ex-Mann sei nach der Schei-

dung mit den Kindern nach Äthiopien gegangen und unbekannten Aufent-

halts. In der Anhörung habe sie hingegen angegeben, dass er nach der 

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Scheidung mit den Kindern zu seiner Mutter zurückgegangen sei. Sie habe 

teilweise telefonischen Kontakt zu ihren Kindern. Es sei demzufolge nicht 

denkbar, dass sie nicht wisse, wo sich ihre Kinder in Äthiopien aufhalten 

würden. Dadurch verstärke sich der Eindruck, dass sie versuche, ihre Her-

kunft und ihr soziales Netzwerk zu verschleiern.  

Aufgrund ihrer unsubstanziierten, stereotypen, lückenhaften und wider-

sprüchlichen Angaben könne ihr die eigene eritreische Staatsbürgerschaft 

und ihr einjähriger Aufenthalt in Eritrea nicht geglaubt werden. Vielmehr sei 

davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre wahre Identität und 

Nationalität zu verheimlichen versuche. Aus den vorstehenden Gründen 

sei mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich bei der 

Beschwerdeführerin um eine äthiopische Staatsangehörige handle, sie da-

her in Äthiopien über einen geregelten Aufenthaltsstatus verfüge oder zu-

mindest die Möglichkeit gehabt habe, über einen solchen zu verfügen.  

5.2 Den weiteren Vorbringen fehle damit eine glaubhafte Grundlage, wes-

halb es sich erübrige, näher darauf einzugehen. Demzufolge erfülle die Be-

schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass ihr Asylgesuch 

abzulehnen sei. 

6.  

In der Rechtsmitteleingabe hielt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen 

Folgendes entgegen:  

6.1 Zum Vorwurf der Vorinstanz, sie habe ihre wahre Herkunft verschleiern 

wollen, führte sie aus, dass sie hinsichtlich ihrer Herkunft ehrlich gewesen 

sei und wahrheitsgemässe Angaben gemacht habe. Sie sei in Äthiopien 

geboren und gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater nach Eritrea 

gebracht worden. In Eritrea habe sie etwa ein Jahr an zwei unterschiedli-

chen Orten gelebt. Aufgrund der eritreischen Staatsbürgerschaft ihres Va-

ters bezeichne sie sich selber als Eritreerin. Auch habe sie Eritrea nach 

dem Tod ihres Vaters wieder verlassen, da ihrem Bruder aufgrund seines 

Alters der Einzug in den eritreischen Nationaldienst gedroht habe. Sie habe 

bereits als junges Mädchen gelernt, keine Fragen zu stellen und das zu 

tun, was ihr Vater – beziehungsweise nach dessen Tod – ihr Bruder ihr 

gesagt habe.  

6.2 Weiter beanstandete die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe 

keine fundierten Gründe dafür genannt, weshalb sie ihrer Einschätzung zu-

folge die äthiopische Staatsbürgerschaft besitzen sollte. Die Vorinstanz 

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verkenne, dass bereits vor der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 Per-

sonen aus dem heutigen Staatsgebiet Eritreas als Eritreer und Eritreerin-

nen betrachtet worden seien. So sei Eritrea ab dem Jahr 1890 eine italie-

nische Kolonie gewesen und habe sich seit 1961 in einem Unabhängig-

keitskrieg gegen Äthiopien befunden. Die von der Vorinstanz behauptete 

äthiopische Staatsangehörigkeit sei mit höchster Wahrscheinlichkeit weder 

registriert noch belegbar. Die Vorinstanz verkenne weiter, dass die Selek-

tion der zu deportierenden Personen willkürlich erfolgt sei und unzähligen 

Eritreern die äthiopische Staatsbürgerschaft entzogen worden sei. Die Ab-

erkennung der Staatsangehörigkeit habe öffentlich zugänglichen Quellen 

zufolge entsprechend auch für die Kinder gegolten. Sie besitze die äthiopi-

sche Staatsbürgerschaft nicht. Vor diesem Hintergrund sei ihre Aussage, 

dass sie Eritreerin sei, weder unglaubhaft noch verschleiernd noch unwahr-

scheinlich, sondern angesichts ihrer Lebensgeschichte durchaus plausibel, 

selbst wenn sie kein offizielles Beweismittel hierfür beibringen könne.  

Der Erwerb der äthiopischen Staatsbürgerschaft sei aufgrund ihrer Depor-

tation nicht möglich, auch wenn ihre Mutter Äthiopierin gewesen sei. Im 

Übrigen habe (spätestens) die Ausstellung der eritreischen Identitätskarte 

ohnehin zum Verlust der äthiopischen Staatsbürgerschaft geführt (sofern 

sie überhaupt jemals als äthiopische Staatsbürgerin registriert worden sei). 

Demnach sei ihr Herkunftsland Eritrea. 

6.3 Sodann nahm die Beschwerdeführerin Bezug auf die einzelnen von der 

Vorinstanz aufgegriffenen Unglaubhaftigkeitselemente und bestritt, dass 

ihre Aussagen nicht glaubhaft ausgefallen seien. Sie hielt den Erwägungen 

konkret Folgendes entgegen: 

Die Behauptung, dass sie sich widersprochen habe, weil sie im Rahmen 

der Erstbefragung angegeben habe, „perfekt“ Amharisch und „perfekt“ 

Tigrinya zu sprechen, stelle eine Spitzfindigkeit der Vorinstanz dar. Die Be-

merkung „perfekt“ sei eine Einstufung im Protokoll und keine wörtliche Aus-

sage von ihr gewesen. Sie wisse nicht einmal, was der Begriff „perfekt“ 

bedeute. Sie versuche Amharisch zu sprechen, aber die Sprache sei ihr 

nicht wirklich vertraut. Aufgrund der unterschiedlichen Einschätzungen ih-

rer Sprachkenntnisse im Rahmen der stark verkürzten BzP und der Anhö-

rung einen Verschleierungsversuch zu unterstellen, gehe zu weit.  

Soweit ihr die Vorinstanz Widersprüche und undetaillierte Aussagen vor-

halte, sei zu berücksichtigen, dass viele der von ihr vorgebrachten Ereig-

nisse im Kindesalter stattgefunden hätten. Sie habe eine von Angst und 

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dauernder Unsicherheit geprägte Kindheit erlebt und im Rahmen der An-

hörung die Erinnerungen an (traumatische) Ereignisse einer (…)-, allenfalls 

(…)jährigen vorgebracht. Es könne nicht von ihrer erwartet werden, dass 

sie sich an alle Einzelheiten erinnere und diese beschreiben könne. Sie 

habe in Eritrea sehr zurückgezogen gelebt und dort nicht die Schule besu-

chen dürfen. Ihr Vater sei mehrmals in Haft gewesen und sie hätten in stän-

diger Angst vor Verfolgung gelebt. Vieles, was ihr als Kind beziehungs-

weise als Jugendliche wiederfahren sei, habe sie verdrängt, um überleben 

zu können. Die Vorinstanz habe dem in keiner Art und Weise Rechnung 

getragen. Auch habe sie Erinnerungslücken frei eingestanden. Während 

der Anhörung seien sodann Abschnitte über ihr Leben bewusst ausgeklam-

mert worden. Es sei in der Anhörung ausschliesslich darum gegangen, die 

Staatsangehörigkeit zu belegen. Es sei davon auszugehen, dass ihre Un-

glaubwürdigkeit als Person für die Sachbearbeiterin bereits vor der Anhö-

rung festgestanden habe, ansonsten zu erwarten gewesen wäre, dass 

frauenspezifische Fluchtgründe (insbesondere zur erlebten Zwangsheirat 

bzw. Zwangsehe als Minderjährige) als Befragungsthema vorgesehen ge-

wesen wären. Diesen Fragen sei überhaupt nicht nachgegangen worden, 

obschon dies von grosser Bedeutung für den Gesamtkontext gewesen 

wäre. 

Das SEM habe die Angaben im Zusammenhang mit der Erlangung der erit-

reischen Identitätskarte zu Unrecht als markant widersprüchlich bezeich-

net. Die genaue Überprüfung des Anhörungsprotokolls ergebe, dass die 

Zusammenfassung der Anhörung von der Vorinstanz im angefochtenen 

Entscheid nicht den Sachverhalt wiedergebe, welcher in der Anhörung in 

den einzelnen Fragen ermittelt worden sei. Auch sei in diesem Zusammen-

hang darauf hinzuweisen, dass die Protokollführung an der Anhörung man-

gelhaft gewesen sei, weshalb die von der Vorinstanz festgestellten Unge-

reimtheiten in ihren Aussagen, wie sich aus dem Kurzbericht der Hilfswerk-

vertreterin ergäben, möglicherweise nicht allein ihr zuzuschreiben seien. 

Damit habe das SEM seine Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklä-

rung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Begründungspflicht ver-

letzt. 

6.4 Zur Ansicht der Vorinstanz, die eigereichte Kopie der eritreischen Iden-

titätskarte müsse nicht berücksichtigt werden, da sie einen geringen Be-

weiswert aufweise, wies sie auf die EGMR-Rechtsprechung hin, aus wel-

cher hervorgehe, dass in Kopie eingereichte Dokumente nicht per se be-

weisuntauglich seien. Sie habe anlässlich ihrer Anhörung erklärt, weshalb 

und wie das Original ihrer eritreischen Identitätskarte verloren gegangen 

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sei. Die Vorinstanz hätte die eingereichte Kopie zumindest würdigen müs-

sen. Die Vorinstanz habe dies jedoch unterlassen und damit ihre Begrün-

dungspflicht verletzt. 

6.5 Den Umstand, dass sie lediglich eine Kopie ihrer eritreischen Identi-

tätskarte vorweisen könne, da ihr das Original auf der Flucht durch Libyen 

abgenommen worden sei, erachte die Vorinstanz zu Unrecht als grobe Ver-

letzung der Mitwirkungspflicht. Sie habe alle Dokumente eingereicht, die 

sie habe beschaffen können, und habe anlässlich der Befragungen, so gut 

es ihr möglich gewesen sei, Auskunft gegeben. Im Rahmen der Anhörung 

sei sie von der Befragerin aufgefordert worden, sich an die äthiopische Bot-

schaft zu wenden. Dies habe sie in der Zwischenzeit getan. Sie habe am 

10. Oktober 2018 versucht, per Telefon einen Termin bei der äthiopischen 

Botschaft in Genf zu vereinbaren und der Person am Telefon erklärt, dass 

sie in Äthiopien geboren sei. Bereits am Telefon habe man sie gefragt, wel-

che Identitätsausweise sie vorweisen könne. Sie habe wahrheitsgemäss 

angegeben, dass sie nur eine Kopie ihrer eritreischen Identitätskarte habe, 

die von der eritreischen Botschaft in H._______ ausgestellt worden sei. 

Darauf sei ihr mitgeteilt worden, dass sie unter diesen Umständen keinen 

Termin bei der äthiopischen Botschaft erhalte und auch eine schriftliche 

Anfrage keinen Sinn mache. 

7.  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe die Untersu-

chungs- und Abklärungspflicht sowie die Begründungspflicht verletzt. 

Diese formellen Rügen wären vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet 

sein könnten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken 

(vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren 

und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. 

m.w.H.). Im vorliegenden Fall kann allerdings auf eine detaillierte Ausei-

nandersetzung mit den verfahrensrechtlichen Rügen verzichtet werden. 

Das Gericht kann die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin auf 

Aktenbasis beurteilen und die Frage allfälliger verfahrensrechtlicher 

Verstösse seitens der Vorinstanz angesichts des Verfahrensausganges 

und im Lichte der folgenden Ausführungen zur Glaubhaftigkeit und Asylre-

levanz der geltend gemachten Fluchtgründe offen lassen. Aus diesem – 

auch in der Prozessökonomie begründeten – reformatorischen Vorgehen 

erwächst der Beschwerdeführerin kein Nachteil. Damit erübrigt sich auch 

die Frage einer allfälligen Rückweisung an die Vorinstanz. 

 

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Seite 12 

8.  

Vorab ist die Frage der Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin zu be-

handeln. Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung davon aus, 

dass die Beschwerdeführerin ihre eritreische Staatsangehörigkeit nicht 

habe glaubhaft machen können, vielmehr sei davon auszugehen, dass sie 

aller Wahrscheinlichkeit nach äthiopische Staatsangehörige sei. 

8.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine 

wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung ist eine die eigenen 

Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie 

und konkrete Schilderung der geltend gemachten Vorkommnisse. Bei der 

Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung al-

ler Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhal-

tes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwür-

digkeit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. 

(vgl. BVGE 2015/3 E.6.5.1). Die Praxis zur Frage der Glaubhaftmachung 

gilt auch bei der Beurteilung der geltend gemachten Identität und Herkunft. 

8.2 Unter Berücksichtigung des Beweismassstabs von Art. 7 AsylG erach-

tet das Gericht die geltend gemachte eritreische Staatsangehörigkeit der 

Beschwerdeführerin aus den nachfolgenden Gründen für glaubhaft ge-

macht. 

Vorab ist anzumerken, dass die vom SEM dargelegten Gründe zur An-

nahme der äthiopischen Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin im 

Ergebnis nicht überzeugend sind. Auch ist festzuhalten, dass die Vo-

rinstanz dabei die Vorbringen der Beschwerdeführerin einseitig interpretiert 

und im Wesentlichen auf Widersprüche abgestellt hat, die kaum geeignet 

erscheinen, die Frage der Staatsangehörigkeit zu beurteilen.  

8.3 In genereller Hinsicht lässt sich zunächst feststellen, dass die Be-

schwerdeführerin hinsichtlich ihrer eritreischen Abstammung, ihrem famili-

ären Umfeld, ihrem kurzen Aufenthalt in Eritrea und ihren prekären Lebens-

umständen weitgehend kohärente Angaben gemacht hat. So gab sie hin-

sichtlich ihrer Herkunft kongruent zu Protokoll, dass sie am (…) als Tochter 

eines eritreischen Vaters (K._______) und einer äthiopischen Mutter in 

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B._______ (Äthiopien) geboren und nach der Trennung ihrer Eltern ge-

meinsam mit ihrem Bruder L._______ bei ihrem Vater in Äthiopien aufge-

wachsen sei. Ihr Bruder sei etwa fünf Jahre älter als sie gewesen und (…) 

geboren. Ihr Vater habe in einer (…) beziehungsweise einer (…) gearbeitet 

(A19/29 F41 ff). Auf entsprechende Frage hin vermochte sie den Namen 

und Vornamen ihres Grossvaters väterlicherseits zu nennen. Sie habe ihn 

aber nicht persönlich gekannt (A19/29 F51 ff.). Da die Beschwerdeführerin 

durchweg erklärte, ihre Mutter habe die Familie verlassen, als sie (die Be-

schwerdeführerin) fünf Jahre alt gewesen sei, erachtet das Bundesverwal-

tungsgericht es als plausibel, dass sie über Verwandte mütterlicherseits 

keine Angaben machen konnte.  

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin mit 

ihrem Vater und Bruder auf Tigrinya verständigte und diese Sprache auch 

als ihre Muttersprache bezeichnete (A3/11 F1.17.01). Auch wurde sowohl 

die BzP als auch die Anhörung in dieser Sprache durchgeführt. Daraus 

lässt sich zwar nicht schliessen, dass sie eritreische Staatsbürgerin ist, 

doch kann dies durchaus ein Indiz für die geltend gemachte eritreische 

Herkunft bilden. Diesbezüglich ist überdies festzustellen, dass der von der 

Vorinstanz aufgeführte Widerspruch bezüglich ihrer angeblich Amharisch-

Sprachkenntnisse im Rahmen der Anhörung konstruiert scheint. So ist im 

Protokoll der BzP unter der Ziffer 1.17.02 „Weitere Sprachen genügend für 

Anhörung“ vermerkt: „Amharisch, perfekt; Arabisch perfekt“. Wie die Be-

schwerdeführerin in ihrer Beschwerde zutreffend ausführt, handelt es sich 

dabei offensichtlich um eine Einstufung des Protokollführers während der 

stark verkürzten BzP und nicht um ihre eigene wörtliche Aussage. Zudem 

hat sich die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben nahezu ihr gesam-

tes Leben im äthiopischen Kontext bewegt: Zunächst ist sie in Äthiopien 

aufgewachsen und hat dort die Schule besucht, später war sie mit einem 

Äthiopier verheiratet. Dass sie der amharischen Sprache mächtig ist, 

scheint nicht verdächtig oder gar widersprüchlich, sondern darf vorliegend 

angenommen werden. 

8.4 Für eine eritreische Abstammung der Beschwerdeführerin spricht im 

Weiteren das Vorbringen, wonach ihr Vater im Verlaufe des Grenzkriegs 

aufgrund seiner eritreischen Herkunft in Äthiopien behelligt worden sei und 

er sie im Jahr (…) gemeinsam mit ihrem Bruder in seinen Herkunftsort 

C._______ (Eritrea) gebracht habe. Es finden sich diesbezüglich keine in-

haltlichen Widersprüche in ihren Vorbringen. Vielmehr kommen alle poten-

ziell relevanten Kernvorbringen des von der Beschwerdeführerin geltend 

gemachten Sachverhalts bereits anlässlich der BzP vor. Die Schilderungen 

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der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Deportation erschei-

nen denn auch vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse nicht 

abwegig, wurden zwischen 1998 und 2002 doch tatsächlich zehntausende 

Personen eritreischer Abstammung von Äthiopien nach Eritrea deportiert 

(vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12 E. 7.1, vgl. auch SFH, Äthiopien. 

Gemischt-eritreisch-äthiopische Herkunft, 29. Januar 2013 S. 3). 

8.5 In Bezug auf die Umstände rund um die Deportation nach Eritrea und 

den darauffolgenden Aufenthalt in Eritrea ist Folgendes festzustellen: 

Die Aussagen der Beschwerdeführerin zur Ausreise aus Äthiopien und ih-

rem anschliessenden Aufenthalt in Eritrea sind in der freien Erzählweise 

eher kurz gefasst und wenig detailliert ausgefallen. Gleichwohl ist ihnen 

insgesamt eine übereinstimmende und in sich widerspruchsfreie Sachver-

haltsdarstellung zu entnehmen (A3/11 F1.07, F1.11, F2.04; A19/29 F54, 

F71 ff.). Die Beschwerdeführerin gestand sodann Erinnerungslücken von 

Anfang an frei ein (vgl. A19/29 F63-65, F72, F75). Die Vorinstanz hat in der 

angefochtenen Verfügung erwogen, dass die Beschwerdeführerin trotz 

mehrfacher Aufforderung keine lebensnahen Aussagen über persönliche 

Erlebnisse bezüglich ihres einjährigen Aufenthalts in Eritrea habe machen 

können und es widersprüchlich scheine, dass sie mehr über ihre Kindheit 

in Äthiopien zu erzählen vermocht habe, jedoch keine Erinnerung an ihren 

einjährigen Aufenthalt in Eritrea habe. Nach Durchsicht der entsprechen-

den Protokollstellen lässt sich indessen dieser Widerspruch nicht bestäti-

gen. Vielmehr ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin allgemein 

schwer gefallen ist, sich an ihre Kindheit in Äthiopien wie auch in Eritrea zu 

erinnern und sich ihre Erzählweise dabei nicht wesentlich unterscheidet 

(vgl. A19/29 F57 ff., F61 ff., vs. A19/29 F72 ff., F98 ff.). Ferner ist anzumer-

ken, dass die befragende Person sich lediglich erkundigte, ob sie (die Be-

schwerdeführerin) in Eritrea zur Schule gegangen sei, ob sie gearbeitet 

habe und was sie in dieser Zeit gemacht habe; in der Folge ging sie – nach 

entsprechender Beantwortung – thematisch zu der Frage über, was mit ih-

rem Vater passiert sei (vgl. A19/29 F98 ff., F106).  

Das Gericht erachtet sodann insbesondere die Schilderungen der Be-

schwerdeführerin zur Verhaftung und zum Tod ihres Vaters als glaubhaft. 

So gab sie mehrmals unter anderem unter Tränen zu Protokoll, dass ihr 

Vater psychische Probleme gehabt habe und in Eritrea nach seiner Entlas-

sung aus der Haft verstorben sei (vgl. A19/29 F48, F108, F112). Entgegen 

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der geäusserten Ansicht der Vorinstanz enthalten die Ausführungen zu ih-

ren Erlebnissen in Eritrea somit durchaus einige Realkennzeichen und kön-

nen nicht pauschal als stereotyp beurteilt werden. Ebenfalls ist bekannt, 

dass tief erschütternde Erlebnisse – wie etwa der Tod eines Familienange-

hörigen – sowie die Tatsache, dass die Ereignisse viele Jahre zurückliegen, 

gewisse Erinnerungslücken erklären könnten. Dass die Beschwerdeführe-

rin die Deportation und den daran anknüpfenden Aufenthalt in Eritrea mit 

dem Verlust des Vaters und dessen psychischer Verfassung in Verbindung 

bringt, ist durchaus nachvollziehbar. Auch scheint verständlich, dass die 

Deportation und ihr kurzer Aufenthalt in Eritrea in der subjektiven Perspek-

tive der Beschwerdeführerin einen relativ kleinen Stellenwert eingenom-

men haben.  

8.6 Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der BzP nicht 

anzugeben wusste, wo sich ihre Kinder in Äthiopien aufhalten, und statt-

dessen erst im Rahmen der Anhörung vorbrachte, dass sie sich bei der 

Mutter ihres Ex-Mannes befinden, erscheint kaum geeignet, die Frage ihrer 

Staatsangehörigkeit zu beurteilen. Die Beschwerdeführerin erklärte bereits 

im Rahmen der stark verkürzten BzP, dass sie nach ihrer Flucht aus Eritrea 

als Minderjährige verheiratet worden sei und ihr Ex-Mann die Kinder nach 

ihrer Scheidung mit nach Äthiopien genommen habe (A3/11 F. 1.14, 

F 3.03). Es ist nicht ersichtlich, ob sie gefragt wurde, wo genau in Äthiopien 

sich die Kinder befinden würden, weshalb die Bemerkung "unbekannter 

Aufenthalt" im Protokoll der BzP als nicht aussagekräftig zu beurteilen ist. 

In der Beschwerde wurde zudem zutreffend darauf hingewiesen, dass die 

Anhörung ein Jahr nach der BzP stattfand. Die Beschwerdeführerin konnte 

plausibel aufzeigen, dass es ihr nach der BzP gelang, Kontakt zu ihrem Ex-

Mann beziehungsweise zu ihren Kindern herzustellen und sie entspre-

chend im Rahmen der Anhörung etwas genauere Angaben hinsichtlich ih-

res Aufenthaltsortes machen konnte (A19/23 F156 ff.). Diese Aussagen zu 

unterschiedlichem Wissen um den genauen Wohnort der Töchter sind da-

her in Zusammenhang mit dem jeweiligen Zeitpunkt der Befragung zu set-

zen und können nicht als widersprüchlich gelten. Nach dem Gesagten be-

steht kein Grund zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin ihr Bezie-

hungsnetz zu verschleiern versucht. 

8.7 Die Vorinstanz führt sodann aus, die Beschwerdeführerin habe sich 

hinsichtlich des Ablaufs und des Zeitpunkts der angeblichen Ausstellung 

ihrer eritreischen Identitätskarte widersprochen. Insbesondere erachtet die 

Vorinstanz die Tatsache, dass sie in der Anhörung angegeben habe, sie 

sei im Jahr (…) oder (…) nach ihrer Scheidung nach H._______ gezogen, 

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Seite 16 

habe sich von ihrem Bruder verabschiedet und seither keinen Kontakt mehr 

zu ihm gehabt, als widersprüchlich. Dies, weil die in Kopie eingereichte 

Identitätskarte am 17. März 2009 ausgestellt worden sei und sie zu Beginn 

der Anhörung ausgeführt habe, dass sie die Identitätskarte zusammen mit 

ihrem Bruder habe ausstellen lassen.  

Zum einen ist diesbezüglich festzustellen, dass in diesem Zusammenhang 

auf Beschwerdeebene zu Recht auf Protokollierungsschwierigkeiten hin-

gewiesen wurde, welche die Entstehung von Missverständnissen und Wi-

dersprüchen ebenfalls begünstigt haben könnten (vgl. Beschwerde Ziff. 

3.2). So vermerkte die Hilfswerkvertreterin in ihrem Kurzbericht N (…), wel-

chen die Beschwerdeführerin mit der Beschwerde einreichte (Beschwer-

deakten, Beilage 3) das Folgende: Die Protokollführerin sei sehr langsam 

gewesen. Die Anhörung sei durch die Fragen der Protokollführerin immer 

wieder unterbrochen worden. Sie habe mehrmals bei der Dolmetscherin 

nachfragen müssen, was die Beschwerdeführerin gesagt habe, und zwar, 

nachdem die Dolmetscherin bereits mehrere Sätze gesprochen bezie-

hungsweise bereits ganze Aussagen der Beschwerdeführerin übersetzt 

habe. Bei der Rückübersetzung habe die sachbearbeitende Person eine 

grosse Anzahl Korrekturen am Protokoll anbringen müssen. Das Protokoll 

habe inhaltliche und grammatikalische Fehler enthalten, die zu unklaren 

oder falschen Aussagen geführt hätten. Teilweise hätten ganze Fragen 

nochmals neu aufgeschrieben werden müssen. Als sie dies auf dem Un-

terschriftenblatt habe anmerken wollen, habe ihr die Sachbearbeiterin mit-

geteilt, dass die Beurteilung der Qualität der Protokollführung Sache des 

SEM und nicht der Hilfswerkvertretung sei. Vermutlich habe die Sachbear-

beiterin Recht, allerdings halte sie es für problematisch, wenn so Aussagen 

der Beschwerdeführerin verloren gehen würden, weil die Protokollführerin 

nicht in der Lage sei, diese zu notieren. Die Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin hätten im Nachhinein wieder mit den Notizen der Dolmetscherin und 

der Hilfswerkvertreterin zusammengeführt werden müssen.  

Das Gericht sieht sich vorliegend nicht dazu veranlasst, an der Korrektheit 

der Feststellungen der Hilfswerkvertreterin zu zweifeln. Die Vertretungen 

der Hilfswerke nehmen im Interesse der asylsuchenden Personen an den 

Anhörungen teil. Ihre Beobachtungen können durchaus von entscheiden-

der Relevanz sein und insbesondere die letzte Seite des Befragungsproto-

kolls oder ihre Berichte sollen dazu dienen, die Beobachtungen festzuhal-

ten. Es kann im konkreten Fall deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass 

die Aussagen der Beschwerdeführerin fehlerhaft und/oder unvollständig 

protokolliert wurden.  

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Ausserdem bestätigt die Durchsicht des Anhörungsprotokolls den Einwand 

der Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene, dass es im Rahmen der 

Befragung diesbezüglich scheinbar eine Reihe von Missverständnissen 

gegeben hat. Namentlich ist nicht nachvollziehbar, weshalb die befragende 

Person davon ausging, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Bruder in 

M._______ gelebt haben soll, hat die Beschwerdeführerin Entsprechendes 

vorher nämlich nicht zu Protokoll gegeben (A19/23 F 204-205, F 208-210). 

Vielmehr gab die Beschwerdeführerin an, dass sie im Sudan zusammen 

mit ihrem Bruder auf die eritreische Botschaft in H._______ im Distrikt 

M._______ gegangen sei und sich dort eine eritreische Identitätskarte 

habe ausstellen lassen (A19/23 F 20-F 28, F206 ff.). Nach ihrer Scheidung 

sei sie von G._______ nach H._______ gezogen. Den Zeitpunkt wisse sie 

nicht genau, es sei entweder im Jahr (…) oder (…) gewesen (A19/23 

F 186). Ihren Bruder erwähnt sie an dieser Stelle mit keinem Wort. Viel-

mehr erklärt sie an dieser Stelle unter Tränen, dass es ihr während dieser 

Zeit sehr schlecht gegangen sei, weil sie sich von ihren Kindern trennen 

musste. Da die befragende Person zu Unrecht davon ausging, dass die 

Beschwerdeführerin mit ihrem Bruder in "M._______" gelebt habe, stellte 

sie der Beschwerdeführerin in der Folge die Frage, ob ihr Bruder mit ihr 

nach H._______ weitergezogen sei und sie beschützt habe (A19/29 

F 189). Nach dieser Frage scheint es eine Reihe von Missverständnissen 

gegeben zu haben. Die Beschwerdeführerin beschreibt offensichtlich meh-

rere unterschiedliche Erlebnisse im Zusammenhang mit ihrem Bruder. Zum 

einen erklärt sie, dass sie (vor ihrer definitiven Niederlassung in 

H._______) bereits früher mit ihrem Bruder mit dem Bus dorthin gefahren 

sei, um die Kirche zu besuchen (A19/29 F 190 ff.). Zum anderen bringt sie 

vor, dass sie den Kontakt zu ihrem Bruder verloren habe und bis heute 

nicht wisse, wo er sich befinde. Entgegen der Feststellung des SEM geht 

aus dem Protokoll somit nicht eindeutig hervor, wann sie ihren Bruder zu-

letzt gesehen hat. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass unter einem Fra-

gekomplex mehrere Antworten der Beschwerdeführerin protokolliert bezie-

hungsweise zusammengefasst worden sind (A19/29 F198). In der Folge 

wurden der Beschwerdeführerin mehrere Suggestivfragen gestellt, um 

möglicherweise so den letzten Kontakt zwischen ihr und ihrem Bruder zu 

eruieren, jedoch letztlich nicht mit einer eindeutigen Antwort (A19/23 

F196 ff.). Im Übrigen ist bezüglich des Anhörungsprotokolls festzustellen, 

dass das SEM die bestehenden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit 

der Protokollführerin im Protokoll selbst mit keinem Wort erwähnt hat. Auch 

auf Vernehmlassungsstufe äusserte sich die Vorinstanz hierzu nicht. Nach 

dem Gesagten scheint es somit nicht gerechtfertigt, der Beschwerdeführe-

rin in dieser Hinsicht markant widersprüchliche Ausführungen vorzuwerfen.  

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Seite 18 

8.8 Dem Gericht ist schliesslich bekannt, dass die Deportationen im Kon-

text des Grenzkonflikts zwischen Äthiopien und Eritrea willkürlich erfolgt 

sind und insbesondere auch Personen eritreischer Abstammung deportiert 

wurden, welche nicht am Referendum teilgenommen und keinen eritrei-

schen Identitätsausweis gehabt haben; deren Kinder wurden ebenfalls als 

eritreische Staatsangehörige klassifiziert (vgl. bspw. Urteil des BVGer vom 

29. Mai 2018 D-4859/2015 m.w.H.). Vor diesem Hintergrund kann nicht 

ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin 

nach wie vor die äthiopische Staatsangehörigkeit besitzt, zumal die Wahr-

scheinlichkeit, dass ihr bei der Deportation nach Eritrea eine allenfalls vor-

handene äthiopische Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, als hoch einzu-

schätzen ist (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Äthiopien/Eritrea: 

Umstrittene Herkunft, Auskunft der SFH-Länderanalyse, 22.01.2014, S. 3 

f.; SFH, Äthiopien: Eritreische Herkunft, Auskunft der SFH-Länderanalyse, 

11.05.2009, S. 3). Gemäss EMARK 2005 Nr. 12 wurden aus Äthiopien de-

portierte Personen relativ einfach als eritreische Staatsangehörige akzep-

tiert. Gemäss eritreischer Staatsangehörigkeitsverordnung erwirbt sodann 

jede Person mit einem eritreischen Elternteil die eritreische Staatsangehö-

rigkeit durch Geburt (vgl. Gazette of Eritrean Laws, Ziffer 2 Art. 1 Eritrean 

Nationality Proclamation [No. 21/1992]). Entsprechend der genannten Ver-

ordnung ist die doppelte Staatsangehörigkeit zulässig (vgl. ebenda, Ziffer 

2 Art. 5).  

Es erscheint daher möglich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der 

eritreischen Staatsangehörigkeit des Vaters den eritreischen Identitätsaus-

weis erhalten konnte und von ihrer Abstammung her die eritreische Staats-

bürgerschaft zuerkannt bekam. Auch das Vorbringen, dass ihr Bruder auf-

grund seines Alters nach dem Tod des Vaters ebenfalls Probleme mit den 

eritreischen Behörden bekommen habe und zur Leistung des Militärdiens-

tes aufgefordert worden sei, dürfte den damaligen Verhältnissen entspre-

chen.  

8.9 Aufgrund der vorangegangenen Ausführungen ist in einer Gesamtbe-

trachtung davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre eritreische 

Staatsangehörigkeit glaubhaft gemacht hat. Die Ansicht des SEM, die Vor-

bringen zur Herkunft seien zu vage, unsubstanziiert und widersprüchlich 

ausgefallen und würden eine Mitwirkungspflichtverletzung darstellen, kann 

vorliegend nicht bestätigt werden. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin 

zu ihrer Flucht sind daher im Kontext mit Eritrea, dem Heimatstaat der Be-

schwerdeführerin, zu beurteilen. 

E-4528/2018 

Seite 19 

9.  

9.1 In Bezug auf die geltend gemachte illegale Ausreise aus Eritrea ist fest-

zuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Eritrea-Pra-

xis aktualisiert hat. Im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 

gelangte es zum Schluss, dass bei einer illegalen Ausreise im Falle einer 

Rückkehr nicht mehr per se von einer Gefahr einer flüchtlingsrechtlich re-

levanten Bestrafung auszugehen sei. Eine illegale Ausreise allein führe da-

her nicht mehr zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft. Vielmehr be-

dürfe es hierzu zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche die asylsuchende 

Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-

scheinen liessen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-

folgungsgefahr führen könnten (vgl. a.a.O. E. 4.6–5.1). Aufgrund dieser 

Praxisänderung kann auf Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

der Beschwerdeführerin hinsichtlich der illegalen Ausreise verzichtet wer-

den. Die Beschwerdeführerin weist neben der illegalen Ausreise keine re-

levanten zusätzlichen Anknüpfungspunkte für eine Schärfung ihres Profils 

auf. So führte sie aus, dass sie in Eritrea keine Probleme mit den Behörden 

gehabt habe. Auch kann sie aus den erwähnten Problemen des Bruders 

und des Vaters mit den eritreischen Behörden in Bezug auf die Durchset-

zung der Nationaldienstpflicht keine Reflexverfolgung ableiten. Die Furcht 

vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung allein we-

gen einer vor Jahren erfolgten Ausreise aus Eritrea ist unbegründet. 

9.2 In Bezug auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin zu ihrer persönli-

chen Situation (Zwangsheirat im Kindesalter im Sudan, Situation der Fami-

lie vor und nach der Scheidung, Verbleib der Kinder beim Ex-Ehemann so-

wie Situation im Sudan und Libyen während ihrer Flucht) ist festzuhalten, 

dass diese Vorbringen nicht ihren Heimatstaat Eritrea betreffen. Lediglich 

in Bezug auf diesen sind die Fluchtgründe und eine begründete Furcht vor 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu prüfen. Sofern im Wortlaut von 

Art.  3 AsylG auch der Begriff des Herkunftsstaates genannt wird, bezieht 

sich dieser auf staatenlose Personen. In Bezug auf ihren Heimatstaat Erit-

rea ist es der Beschwerdeführerin aber nicht gelungen, eine begründete 

Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin ist daher zu verneinen. 

10.  

10.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf 

nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 

der Familie (Art. 44 AsylG). 

E-4528/2018 

Seite 20 

10.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

11.  

11.1 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezem-

ber 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- 

und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende 

Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1 – 4) ist unverändert vom AuG ins AIG über-

nommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbe-

zeichnung verwenden wird. 

11.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 

11.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

11.4 Zum Wegweisungsvollzug hielt das SEM fest, dass es im vorliegen-

den Verfahren nicht möglich sei, in voller Kenntnis der tatsächlichen per-

sönlichen und familiären Verhältnisse über die Zulässigkeit und Zumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs zu urteilen. Es sei somit von der Zulässig-

keit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen. Ferner sei 

der Vollzug der Wegweisung auch technisch möglich. 

In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz zum Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin sodann im Wesentlichen aus, den auf Beschwerde-

ebene eingereichten Arztberichten sei zu entnehmen, dass die Beschwer-

deführerin aufgrund eines schweren Schicksalsschlages ([…]) betreffend 

eine ihrer Töchter in psychologischer Behandlung sei. Das SEM bedauere 

dieses Ereignis ausserordentlich, und es sei anzuerkennen, dass dieses 

Ereignis einen negativen Einfluss auf den psychischen Zustand der Be-

schwerdeführerin habe. Gleichwohl seien diese Beeinträchtigungen nicht 

relevant im Sinne eines Vollzugshindernisses, da sie kein lebensbedrohli-

ches Ausmass erreichen würden respektive eine medizinische Notlage, 

E-4528/2018 

Seite 21 

welche zu einer konkreten und ernsthaften Gefährdung führen würde, zu 

verneinen sei.  

11.5 Nachdem das Gericht von der eritreischen Staatsangehörigkeit der 

Beschwerdeführerin ausgeht, ergibt sich in Bezug auf die von ihr geltend 

gemachten Wegweisungsvollzugshindernisse Folgendes: 

11.6  

11.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

11.6.2 Im Koordinationsurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Refe-

renzurteil publiziert) hat sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Frage 

der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea eingehend aus-

einandergesetzt. Zusammenfassend gelangte das Gericht dabei zum 

Schluss, dass in Bezug auf Eritrea zum heutigen Zeitpunkt weder von ei-

nem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt auszuge-

hen ist, noch sonstige Gründe für eine generelle Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs vorliegen (ebd., E. 17.2). Die Annahme einer konkreten 

Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG rechtfertigt sich in der Regel 

nicht schon deshalb, weil die wirtschaftliche Situation und damit die allge-

meinen Lebensbedingungen im betreffenden Staat schwierig sind und dort 

beispielsweise Wohnungsnot oder hohe Arbeitslosigkeit herrschen 

(vgl. BVGE 2014/26 E. 7.6). Zwar ist die wirtschaftliche Lage in Eritrea 

nach wie vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernäh-

rungssituation, der Zugang zu Wasser und auch der Zugang der Bevölke-

rung zu Bildung haben sich aber stabilisiert. Der kriegerische Konflikt mit 

dem Nachbarland Äthiopien ist seit vielen Jahren faktisch beendet und 

auch im Landesinneren sind keine ernsthaften ethnischen oder religiösen 

Konflikte zu verzeichnen. Zu erwähnen sind des Weiteren die umfangrei-

chen Zahlungen aus der eritreischen Diaspora im Ausland, von denen ein 

grosser Teil der Bevölkerung profitiert. Das Bundesverwaltungsgericht 

zieht aus diesen Umständen den Schluss, dass die erhöhten Anforderun-

gen an den Wegweisungsvollzug, wie sie gemäss der früheren Praxis vor 

dem Hintergrund der damaligen wirtschaftlich und gesellschaftlich prekä-

ren Lage in Eritrea Bedingung waren (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-

gen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

E-4528/2018 

Seite 22 

2005 Nr. 12), nicht mehr gerechtfertigt sind. Dabei vermag auch die Situa-

tion in Bezug auf die anhaltende Überwachung der Bevölkerung nicht zur 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Angesichts der 

schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen 

nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden, wenn 

besondere Umstände vorliegen. Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs bleibt im Einzelfall zu prüfen. 

11.7 Die Beschwerdeführerin ist eine alleinstehende Frau im Alter von (…) 

Jahren. Nachdem sie sich lediglich während eines Jahres in Eritrea aufge-

halten und ansonsten ausserhalb ihres Heimatstaates gelebt hat, ist nicht 

davon auszugehen, dass sie in Eritrea über ein tragendes, soziales oder 

gar familiäres Beziehungsnetz verfügt. Hinzu kommt die schwierige ge-

sundheitliche, insbesondere psychische Situation der Beschwerdeführerin, 

die von der Vorinstanz ebenso wenig in Frage gestellt wird, wie vom Ge-

richt. Gemäss dem Bericht der Universitären psychiatrischen Dienste, UPD 

J._______ leidet sie an einer posttraumatischen Depression. Die auf Be-

schwerdeebene eingereichten Dokumente belegen, dass sie seit Ende 

2017 aufgrund des Todes ihrer Tochter nach einem Gewaltverbrechen in 

psychologischer Behandlung ist. Zwar ist der Vorinstanz insofern zuzustim-

men, als die psychischen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin 

nicht geeignet sind, eine konkrete Bedrohung im Sinne eines "real risk" des 

Art. 3 EMRK zu begründen; dies wäre relevant unter dem Aspekt der Zu-

lässigkeit des Wegweisungsvollzuges. Im Rahmen der Prüfung der Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzuges kommt diesen Problemen jedoch Re-

levanz zu. Denn die wirtschaftliche Integration der Beschwerdeführerin in 

Eritrea scheint aufgrund dieser Umstände umso schwieriger. Anzumerken 

ist ausserdem, dass die Beschwerdeführerin zudem über einen geringen 

Bildungsstand verfügt, da sie lediglich bis zur (…) Klasse die Schule in 

Äthiopien besuchte. Aufgrund der Akten ist zudem davon auszugehen, 

dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr finanziell in eine schwie-

rige Lage geraten würde, da das wirtschaftliche Auskommen stark vom Fa-

milienverband abhängt (vgl. Urteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 

2017, E16.15, 16.16, als Referenzurteil publiziert). Vor diesem Hintergrund 

ist überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin bei einer 

Rückkehr nach Eritrea einer existenzgefährdenden Notlage ausgesetzt 

wäre. In Anbetracht dieser Faktoren und der persönlichen Umstände der 

Beschwerdeführerin ist zum heutigen Zeitpunkt im vorliegenden Einzelfall 

eine Rückkehr nach Eritrea als nicht zumutbar zu erachten. 

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Seite 23 

11.8 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich folglich als unzumutbar im 

Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise 

auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AIG 

ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Auf-

nahme erfüllt. 

11.9 Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. 

BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748), sind die Zulässigkeit sowie Möglichkeit des 

Vollzugs nicht mehr zu prüfen.  

11.10 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass die ange-

fochtene Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde 

ist demnach hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung gutzuheissen; im 

Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der ange-

fochtenen Verfügung vom 10. Juli 2018 werden aufgehoben. Das SEM ist 

anzuweisen, der Beschwerdeführerin infolge Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren.  

12.  

12.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen auf-

zuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 

Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist bezüglich ihres Antrags auf Ge-

währung von Asyl unterlegen. Hingegen hat sie bezüglich der Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Obsie-

gen zur Hälfte.  

12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten an-

teilsmässig aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung 

vom 24. August 2018 wurde ihr jedoch die unentgeltliche Prozessführung 

gewährt. Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben, da nicht von der Ver-

änderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin auszuge-

hen ist. 

12.3 Im Umfang des Obsiegens im Beschwerdeverfahren – das heisst zur 

Hälfte – ist der Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG 

eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Vertre-

tungskosten zuzusprechen (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Ihre Rechtsvertreterin reichte mit ihrer Replik vom 

15. November 2018 eine Honorarnote in der Höhe von Fr. 2‘263.70.– ein. 

E-4528/2018 

Seite 24 

Der ausgewiesene zeitliche Aufwand ist angemessen. Der veranschlagte 

Stundenansatz von Fr. 250.– bewegt sich im gemäss Art. 10 Abs. 2 VGKE 

vorgesehenen Rahmen. Bei einem Obsiegen zur Hälfte ergibt sich eine 

Parteientschädigung von Fr. 1'132.– (aufgerundet) Die Vorinstanz ist an-

zuweisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag auszurichten. 

12.3.1 Für den Umfang des Unterliegens ist der Rechtsvertreterin ein Ho-

norar für die amtliche Verbeiständung auszurichten. Entsprechend der Pra-

xis des Gerichts (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) ist von einem 

Stundenansatz von Fr. 150.– auszugehen. In Anwendung der massgebli-

chen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8–11 VGKE) ergibt dies ein Honorar 

von Fr. 1'245.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag). Dieser Be-

trag ist der Rechtsvertreterin als amtliches Honorar zu Lasten des Gerichts 

auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

E-4528/2018 

Seite 25 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird betreffend Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffern 

4‒5 der angefochtenen Verfügung) gutgeheissen. Im Übrigen wird die Be-

schwerde abgewiesen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin vorläufig aufzuneh-

men. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'132.– auszurichten. 

5.  

Es wird MLaw Angela Stettler zulasten der Gerichtskasse ein amtliches 

Honorar von Fr. 1'245.– zugesprochen. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Kinza Attou 

 

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