# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b6422ab9-090c-5a7d-abd2-e88a79bf2266
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 10.06.2024 VBE.2024.70
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-70_2024-06-10.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2024.70 / dl / GM 
Art. 89 

 

Urteil vom 10. Juni 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Peterhans 

Gerichtsschreiber i.V. Loch 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

unentgeltlich vertreten durch lic. iur. Michèle Wehrli Roth, Rechtsanwältin, 

Kirchplatz 14, 4800 Zofingen 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 13. Dezember 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1977 geborene Beschwerdeführerin meldete sich erstmals am 7. Mai 

2013 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (Rente, be-

rufliche Massnahmen) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. 

Die Beschwerdegegnerin führte berufliche Eingliederungsmassnahmen 

durch, welche sie unter gleichzeitiger Verneinung eines Anspruchs auf eine 

Invalidenrente mit Verfügung vom 8. Juli 2014 abschloss. Diese Verfügung 

erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 31. Mai 2016 meldete sich die 

Beschwerdeführerin erneut zum Leistungsbezug an. Die Beschwerdegeg-

nerin klärte daraufhin die gesundheitliche sowie erwerbliche Situation der 

Beschwerdeführerin ab und wies deren Leistungsbegehren schliesslich mit 

Verfügung vom 15. November 2017 ab. Die dagegen am 14. Dezember 

2017 erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Urteil 

VBE.2017.940 vom 26. Juni 2018 teilweise gut, hob die Verfügung auf und 

wies die Sache zur weiteren Abklärung sowie anschliessenden Neuverfü-

gung an die Beschwerdegegnerin zurück. 

 

1.2. 

In der Folge liess die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nach 

Rücksprache mit ihrem internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) durch 

die BEGAZ GmbH, Binningen, polydisziplinär begutachten. Gestützt auf 

das am 1. November 2018 erstattete Gutachten sowie eine ergänzende 

Stellungnahme der Gutachter vom 4. Dezember 2019 und eine Abklärung 

an Ort und Stelle ("Haushalt/Rente") vom 2. Juli 2019 sowie nach mehrfa-

cher Rücksprache mit dem RAD stellte die Beschwerdegegnerin der Be-

schwerdeführerin mit Vorbescheid vom 30. September 2019 die rückwir-

kende Zusprache einer ganzen Invalidenrente für die Periode vom 1. Feb-

ruar 2017 bis 31. Mai 2018 sowie einer unbefristeten halben Invalidenrente 

für den Zeitraum ab dem 1. Juli 2018 in Aussicht. Nachdem die Beschwer-

deführerin dagegen am 31. Oktober 2019 Einwände erhoben hatte, hielt 

die Beschwerdegegnerin abermals Rücksprache mit dem RAD, ehe sie am 

29. Januar 2020 wie vorbeschieden verfügte. Mit Verfügung vom 17. März 

2020 berechnete sie sodann die betragliche Höhe der halben Invaliden-

rente für die Zeit ab Januar 2020 neu. Die gegen beide Verfügungen erho-

benen Beschwerden der Beschwerdegegnerin hiess das Versicherungsge-

richt des Kantons Aargau mit Urteil VBE.2020.108, VBE.2020.178 vom 

16. Oktober 2020 teilweise gut, hob die Verfügungen vom 29. Januar resp. 

17. März 2020 auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung sowie an-

schliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurück. 

 

1.3. 

Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin Abklärungen in medizinischer 

und erwerblicher Hinsicht und liess die Beschwerdeführerin nach Rück-

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sprache mit ihrem RAD erneut polydisziplinär begutachten (Gutachten der 

Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel [ABI], vom 25. März 2022). 

Mit Vorbescheid vom 25. Mai 2022 stellte die Beschwerdegegnerin der Be-

schwerdeführerin vom 1. März 2017 bis 31. August 2018 einen Anspruch 

auf eine befristete ganze Rente und ab dem 1. September 2018 einen An-

spruch auf eine halbe Rente in Aussicht. Unter Berücksichtigung der dage-

gen erhobenen Einwände und nach neuerlicher Rücksprache mit ihrem 

RAD hielt die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 13. Dezember 2023 

an ihrem Vorbescheid fest. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 13. Dezember 2023 erhob die Beschwerdefüh-

rerin mit Eingabe vom 30. Januar 2024 fristgerecht Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung vom 13. Dezember 2023 sei aufzuheben. 
  
2. Der Beschwerdeführerin sei eine unbefristete ganze Rente auszurich-

ten. 
 

3. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilli-
gen und die unterzeichnete Rechtsanwältin sei zu ihrer unentgeltlichen 
Rechtsvertreterin zu bestellen. 
 

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-
gegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 14. Februar 2024 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 11. März 2024 wurde der Be-

schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und lic. iur.  

Michèle Wehrli Roth, Rechtsanwältin, Zofingen, zu ihrer unentgeltlichen 

Vertreterin ernannt. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdefüh-

rerin mit Verfügung vom 13. Dezember 2023 zu Recht eine ganze Rente 

vom 1. März 2017 bis 31. August 2018 sowie ab dem 1. September 2018 

(lediglich) eine halbe Rente zugesprochen hat (Vernehmlassungsbeilage 

[VB] 200). 

 

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2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.2). 

 

3. 

3.1. 

In ihrer Verfügung vom 13. Dezember 2023 stützte sich die Beschwerde-

gegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das von ihr einge-

holte polydisziplinäre (internistische, psychiatrische, urologische und vis-

zeralchirurgische) ABI-Gutachten vom 25. März 2022 (VB 189.1-189.7). 

Darin wurden interdisziplinär folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Ar-

beitsfähigkeit gestellt (VB 189.1 S. 8 f.): 

 

"1. Chronische Abdominalschmerzen (ICD 10 R10.4) 
 (…) 
 2. Harninkontinenz (ICD-10 N39.48) 
 (…) 
 3. Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) 

(…)." 

 

Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin führten die Gut-

achter zusammengefasst aus, dass seit März 2016 keine Arbeitsfähigkeit 

mehr in der bisherigen Tätigkeit bestehe. In einer angepassten Tätigkeit 

(leichte körperliche Arbeit im Sitzen oder wechselnd im Sitzen, Stehen und 

gehend wie beispielsweise angelernte Büroarbeiten, Sortieren, Archivieren 

etc. ohne persönlichen Kundenkontakt mit guter hygienischer Einrichtung 

in unmittelbarer Nähe [Toilette, Lavabo, ev. Bidet, Umkleidemöglichkeit]) 

sei die Beschwerdeführerin seit Juni 2018 zu 50 % arbeitsfähig (vgl. 

VB 189.1 S. 9 f.). 

 

3.2. 

Mit Bericht vom 4. Oktober 2022 nahm RAD-Arzt Dr. med. B._____, Prak-

tischer Arzt sowie Facharzt für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, Stel-

lung zur medizinischen Situation der Beschwerdeführerin und hielt diesbe-

züglich fest, ab März 2016 sei die Arbeitsfähigkeit nach einer durch-

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geführten elektiven Hysterektomie bei symptomatischem Uterus myomato-

sus und in der Folge mehrfachen weiteren Operationen und psychiatri-

schen Problemen aufgehoben gewesen. Im weiteren Verlauf sei es zu einer 

Verbesserung der Symptomatik gekommen, sodass im Verlauf von einem 

verbesserten Gesundheitszustand ausgegangen werden könne. Der durch 

die Komplikationen schlechte Gesundheitszustand der Beschwerdeführe-

rin habe sich durch die durchgeführten Therapien und Heilungsprozesse 

erfreulicherweise stabilisiert, sodass die im Gutachten angegebene Ar-

beitsfähigkeit wieder möglich gewesen sei (VB 196 S. 3). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Be-

obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-

chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den Gut-

achten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversi-

cherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum Bun-

desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 

S. 105). 

 

4.3. 

Die Beschwerdeführerin wurde zur Erstellung des Gutachtens von den ABI-

Gutachtern fachärztlich umfassend untersucht. Dabei beurteilten sie die 

medizinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situation in 

Kenntnis der Vorakten (vgl. VB 189.2) und unter Berücksichtigung der ge-

klagten Beschwerden (vgl. VB 189.3 S. 2; 189.4 S. 2 ff.; 189.5 S. 2 f.; 189.6 

S. 1 ff.) einleuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten 

Schlussfolgerung. Dem ABI-Gutachten vom 25. März 2022 kommt damit 

grundsätzlich Beweiswert im Sinne vorstehender Kriterien zu. 

 

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5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, dass sich ihr Ge-

sundheitszustand nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in dem 

Masse erheblich verbessert habe, als dass eine revisionsweise Reduktion 

der ab dem 1. März 2017 zugesprochenen ganzen Rente begründet wer-

den könne. So sage RAD-Arzt Dr. med. B._____ in seinem Bericht nicht, 

welche medizinischen Befunde sich konkret verbessert hätten. Mit der pau-

schalen Aussage, wonach sich der durch die Komplikationen schlechte Ge-

sundheitszustand durch die Therapien und Heilungsprozesse erfreulicher-

weise stabilisiert habe, werde er den Anforderungen für die Bejahung eines 

Revisionsgrundes nicht gerecht. Auch mit Blick auf das Gutachten der ABI 

vom 25. März 2022 könne nicht die Rede von einer erheblichen Verbesse-

rung des Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

sein. Dem Gutachten fehle es an fundierten und schlüssig begründeten 

Ausführungen zur Frage, ob von einer mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit eingetretenen erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes 

mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Damit 

seien die Voraussetzungen für eine revisionsweise Reduktion der Rente 

weiterhin nicht erfüllt (vgl. Beschwerde S. 5 ff.). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Ist der Rentenanspruch einer bestimmten Stufe (Viertels-, halbe, Dreivier-

tels- oder ganze Rente) einmal entstanden, richtet sich der Übergang auf 

eine Invalidenrente anderer Stufe nach den revisionsrechtlichen Bestim-

mungen von Art. 17 ATSG sowie Art. 88a und Art. 88bis IVV. Das gilt auch 

bei der (rückwirkend erfolgten) abgestuften und / oder befristeten Renten-

zusprechung, wobei hier Art. 88bis IVV nicht anwendbar ist (MEYER/REICH-

MUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 

Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 9 zu 

Art. 29 IVG mit Hinweis auf BGE 109 V 125; vgl. auch BGE 121 V 264 

E. 6b/dd S. 275). 

 

5.2.2. 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG (vgl. auch Art. 86ter-88bis IVV sowie Art. 31 

IVG) wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft 

entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Inva-

liditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich 

ändert. Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von 

Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen 

Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten-

anspruch zu beeinflussen (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 mit Hinweisen). 

 

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5.3. 

Dem ABI-Gutachten vom 25. März 2022 kann entnommen werden, dass 

aus allgemeininternistischer Sicht die von der Beschwerdeführerin konstant 

beklagten Bauchwandschmerzen nicht vollumfänglich objektiviert hätten 

werden können. Bei Status nach multiplen Baucheingriffen und Komplika-

tionen sei von einem organischen Kern der Beschwerden auszugehen. Im 

anlässlich der Begutachtung durchgeführten CT-Abdomen hätten sich 

denn auch eine Rektusdiastase um 5 cm mit der ventralen Bauchdecke ad-

härente Dünndarmschlingen mittig im Ober-/ Unterbauch als Hinweis für 

das Vorliegen von Adhäsionen gezeigt, wobei eine manifeste Passagestö-

rung des Gastrointestinaltraktes resp. eine eindeutige innere Hernie nicht 

habe nachgewiesen werden können. Die Angabe einer Schmerzintensität 

"von 8 auf der 10ner Analogskala" bei eigentlich fehlenden sonstigen An-

zeichen für Vorhandensein einer Schmerzsymptomatik in der Untersu-

chungssituation sowie Therapieresistenz würden für eine erhebliche nicht-

organische Komponente der Beschwerden sprechen. Aus chirurgischer 

Sicht sei von einer Abdominalschmerzsymptomatik ohne eindeutiges ana-

tomisches Korrelat im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung bei End-

zustand einer Defektheilung der mittleren und unteren Bauchwand mit Aus-

bildung einer dünnen, asensiblen bindegewebigen, sekundär epithelisier-

ten Narbenplatte und Rektusdiastase auszugehen, welche keine Arbeitsfä-

higkeit mehr in der angestammten Tätigkeit zulasse, sehr wohl aber eine 

Teilzeitarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Verweistätigkeit (VB 189.1 

S. 8). Entsprechend hielten die Gutachter interdisziplinär zur Begründung 

der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin fest, dass die Arbeitsfähigkeit 

in der angestammten Tätigkeit schon allein aus viszeralchirurgischer Sicht 

nicht mehr zumutbar sei. Die 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in 

einer gut adaptierten Verweistätigkeit sei hauptsächlich ebenfalls durch die 

chronischen Bauchschmerzen und die Harninkontinenz bedingt. Die Ein-

schränkungen aus psychiatrischer und aus somatischer Sicht würden sich 

nicht addieren, sondern ergänzen. In einer leichten körperlichen Arbeit im 

Sitzen oder wechselnd im Sitzen, Stehen und gehend (z.B. angelernte Bü-

roarbeiten, Sortieren, Archivieren etc.), ohne persönlichen Kundenkontakt 

und mit guten hygienischen Einrichtungen in unmittelbarer Nähe, könne, 

nach aufgehobener Arbeitsfähigkeit ab März 2016, seit Juni 2018 eine Ar-

beitsfähigkeit von 50 % angenommen werden (vgl. VB 189.1 S. 9 f.). 

 

Im Weiteren hielten die Gutachter sodann auch fest, weshalb die vollstän-

dig aufgehobene Arbeitsfähigkeit lediglich im Zeitraum vom März 2016 bis 

Juni 2018 anzunehmen sei. So rekapitulierte insbesondere der viszeralchi-

rurgische Gutachter den anamnestischen, medizinischen Sachverhalt ein-

gehend und hielt diesbezüglich fest, dass sich die Beschwerdeführerin am 

24. März 2016 im Spital C._____ einer abdominalen Hysterektomie unter-

zogen habe. Am Tag nach der Entlassung vom 29. Februar 2016 sei sie 

mit einem Wundinfekt und einem septischen Zustandsbild wieder eingetre-

ten, weshalb sie umgehend habe reoperiert werden müssen. Nach der 

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Verlegung ins Kantonsspital D._____ sei während der einen Monat dau-

ernden Hospitalisation eine lange Intensivbehandlung mit vielen weiteren 

Eingriffen erfolgt; zunächst zur Behebung des Schadens, dann im Hinblick 

auf die Rekonstruktion und Heilung der Bauchdecke sowie der zunächst 

offen gelassenen abdominalen Wunde. Erst nach der Rekonvaleszenz mit 

einem Rehabilitationsaufenthalt sei von Seiten der Urologie des Kan-

tonsspitals Aarau schrittweise eine Stenose distal im rechten Harnleiter und 

die vesikovaginale Fistel angegangen worden. Die Abflussbehinderung des 

rechten Harnleiters sei mit einer Dilatation am 24. Januar 2017 erfolgreich 

behandelt worden. Die Fisteloperation vom 20. September 2016 sei nicht 

auf Anhieb erfolgreich gewesen. Die Unterspritzung der Blasenschleimhaut 

mit Deflux am 5. Januar 2018 sei diesbezüglich wahrscheinlich erfolgreich 

gewesen (vgl. VB 189.6 S. 12). Aus rein medizinischer Sicht dürfe bei die-

ser septischen, schon protrahierten Bauchfellentzündung nach Sigmaper-

foration sowie einer vesikovaginalen Fistel von einer "erfolgreichen" Be-

handlung gesprochen werden (VB 189.6 S. 15). Der Beginn einer Arbeits-

fähigkeit in angepasster Tätigkeit sei frühestens nach der letzten urologi-

schen Behandlung am 5. Januar 2018 mit anschliessender Erholungs-

phase ab Februar 2018 anzusetzen (vgl. VB 189.6 S. 17). 

 

Vor diesem Hintergrund leuchtet die Beurteilung des viszeralchirurgischen 

Gutachters, dass die Beschwerdeführerin nach der Operation im 

März 2016 aufgrund der aufgetretenen Komplikationen und erneuten Ein-

griffen für die gesamte Rehabilitations- und Regenerationszeit vollständig 

arbeitsunfähig gewesen sei und erst nach den erfolgreichen Eingriffen am 

24. Januar 2017 und am 5. Januar 2018 und anschliessender Erholungs-

phase eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit erreicht habe, 

ohne Weiteres ein. Damit erweist sich auch die Einschätzung von RAD-

Arzt Dr. med. B._____, wonach es im weiteren Verlauf nach der Operation 

im März 2016 zu einer Verbesserung der Symptomatik gekommen sei und 

sich der durch die Komplikationen schlechte Gesundheitszustand durch die 

durchgeführten Therapien und Heilungsprozesse stabilisiert habe, als be-

gründet und nachvollziehbar (VB 196 S. 3). Auch die übrigen, schlüssigen 

Ausführungen der ABI-Gutachter zur 50%igen Arbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit sind nachvollziehbar und 

plausibel, weshalb auf diese ohne Weiteres abzustellen ist, zumal auch 

keine anderslautenden medizinischen Einschätzungen vorliegen. 

 

Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass dem ABI-Gutachten voller 

Beweiswert zukommt und die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf ab-

stellte. Es ist gestützt darauf ohne Weiteres eine gesundheitliche Verbes-

serung ab Juni 2018 ausgewiesen und es liegt somit ein Revisions-

grund gemäss Art. 17 ATSG vor. 

 

 - 9 - 

 

 

6. 

6.1. 

Des Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, dass von einer nicht ver-

wertbaren Resterwerbsfähigkeit auszugehen sei. Dies deshalb, weil sie 

eine Arbeit benötigen würde, welche derart vielen Kriterien gerecht werden 

müsste, dass eine solche auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht 

mehr Gegenstand von Angebot und Nachfrage darstelle. Vor diesem Hin-

tergrund sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer 100%igen Er-

werbsunfähigkeit auszugehen (vgl. Beschwerde S. 8 f.). 

 

6.2. 

Die Frage der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit bezieht sich auf 

einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 

ATSG), wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Ver-

dienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_910/2015 vom 19. Mai 2016 E. 4.2.1 mit Hinwei-

sen, in: SVR 2016 IV Nr. 58 S. 190). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist 

ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Ar-

beitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tat-

sächlich nicht vorhandene Stellenangebote und sieht von den fehlenden 

oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete Ar-

beitsstelle zu finden, ab (BGE 134 V 64 E. 4.2.1 S. 70 f. mit Hinweisen). 

Rechtsprechungsgemäss kann eine Unverwertbarkeit der verbliebenen 

Leistungsfähigkeit daher nicht leichthin angenommen werden. An der Mas-

sgeblichkeit dieses ausgeglichenen Arbeitsmarktes vermag auch der Um-

stand nichts zu ändern, dass es für die versicherte Person im Einzelfall 

schwierig oder gar unmöglich ist, auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt eine 

entsprechende Stelle zu finden (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 9C_500/2021 vom 9. Dezember 2021 E. 6.2 mit Hinweisen). 

 

6.3. 

Das von den ABI-Gutachtern definierte Belastungsprofil (leichte körperliche 

Arbeit im Sitzen oder wechselnd im Sitzen, Stehen und gehend, kein per-

sönlicher Kundenkontakt sowie gute hygienische Einrichtung in unmittelba-

rer Nähe; vgl. VB 189.1 S. 10) enthält zwar gewisse Einschränkungen, je-

doch sind die der Beschwerdeführerin zumutbaren Tätigkeiten nicht nur in 

so eingeschränkter Form möglich, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt 

praktisch nicht kennen und das Finden einer entsprechenden Stelle daher 

von vornherein als ausgeschlossen erscheinen würde (vgl. Urteile des Bun-

desgerichts 8C_295/2023 vom 14. November 2023 E. 8.1.1; 8C_170/2021 

vom 23. September 2021 E. 5.1.1). Körperlich leichte, wechselbelastende 

Tätigkeiten sind auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt sodann durchaus 

vorhanden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_442/2019 vom 20. Juli 

2019 E. 4.2; 8C_12/2013 vom 13. Februar 2013 E. 3.2). Dies gilt insbeson-

dere auch vor dem Hintergrund, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch 

sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und 

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Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegen-

kommen seitens des Arbeitgebers rechnen können (SVR 2021 IV Nr. 26 

S. 80; 8C_416/2020 E. 4; BGE 148 V 174 E. 9.1 S. 188 f. mit Hinweisen). 

Den Auswirkungen der Harninkontinenz (regelmässiger Einlagen- bzw. 

Kleidungswechsel und häufige Toilettengänge) sowie dem zusätzlichen 

Pausenbedarf (vgl. Beschwerde S. 8 f.) wurde sodann bereits bei der Ein-

schätzung der Arbeitsfähigkeit Rechnung getragen (VB 189.1 S. 9). Entge-

gen den Ausführungen der Beschwerdeführerin ist zudem nicht ersichtlich, 

inwiefern ein erhöhter Pausenbedarf (insbesondere für die Toilettengänge) 

jegliche Verwertbarkeit der attestierten Restarbeitsfähigkeit ausschliessen 

würde, zumal gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung der ausgegli-

chene Arbeitsmarkt durchaus Stellen bietet, an denen die erwerbstätige 

Person bei ausgewiesenem Bedarf Pausen einlegen kann (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_192/2022 vom 7. Juli 2022 E. 7.2.4). Schliesslich hat 

die Beschwerdeführerin mit Jahrgang 1977 offensichtlich noch kein fortge-

schrittenes Alter erreicht, welches allenfalls zu einer Unverwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit führen könnte (vgl. hierzu BGE 138 V 457 E. 3.1 

S. 460). 

 

In Würdigung aller Umstände, insbesondere der medizinisch-theoretisch 

50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, ist vor dem Hin-

tergrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung von der Verwertbarkeit 

der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. 

 

7. 

Die Beschwerdegegnerin nahm daher zu Recht nach Ablauf des dreimo-

natigen Andauerns der gesundheitlichen Verbesserung ab 1. Juni 2018 

eine Neubeurteilung des Leistungsanspruches der Beschwerdeführerin vor 

und stellte hierbei zulässigerweise gestützt auf das voll beweiskräftige ABI-

Gutachten auf eine Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 50 % ab. 

Die Invaliditätsgradberechnung als solche wurde nicht beanstandet und 

gibt keinen Anlass zu Weiterungen (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit 

Hinweis auf BGE 110 V 48 E. 4a S. 53). Die angefochtene Verfügung vom 

13. Dezember 2023 erweist sich somit als rechtens. 

 

8. 

8.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

8.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und abhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da dieser die unentgeltliche 

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Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken. 

 

8.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin wird das an-

gemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versicherungsge-

richtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein (Art. 122 

Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG). 

 

8.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie der der Rechtsvertreterin ausgerichteten 

Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege werden sie 

einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

4. 

Das Honorar der unentgeltlichen Rechtsvertreterin wird richterlich auf 

Fr. 2'500.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, der 

unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, lic. iur. Michèle 

Wehrli Roth, Rechtsanwältin, Zofingen, nach Eintritt der Rechtskraft das 

Honorar von Fr. 2'500.00 auszurichten. 

 
 

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 10. Juni 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Kathriner Loch