# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc43b92f-0ce2-5cff-89de-341ba83b0b55
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-27
**Language:** de
**Title:** Wasserwirtschaft. Aufhebung eines öffentlichen oberirdischen Gewässers. §§ 3 ff. des Wasserwirtschaftsgesetzes (WWG).
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0137/2019
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_ii_nr._137_2019_vom_27._august_2019.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
2. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE II Nr. 

R2.2018.00184 
0137/2019 

Entscheid vom 27. August 2019 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Peter Rütimann, Ersatzrichterin Ursula Räuftlin, Ersatz-
richterin Ruth Büchi-Vögeli, Gerichtsschreiber Robert Durisch     

in Sachen 

Rekurrent 

P. V., […] 

vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegnerin 

1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Politische Gemeinde X, […] 

vertreten durch Gemeinderat X 

betreffend 

Verfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  vom  30. Oktober  2018;  Aufhe-
bung eines öffentlichen oberirdischen Gewässers, […] 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Die Baudirektion Kanton Zürich setzte mit Verfügung vom 30. Oktober 2018 

den  Bestand an öffentlichen oberirdischen  Gewässern  in  der  Gemeinde  X 

und den zugehörigen Übersichtsplan im Massstab von 1:5000 fest. Bei der 

Erfassung des überarbeiteten Bestands wurde ein Gerinne neu als Gewäs-

ser  ausersehen.  Zudem  wurden  verschiedene  bestehende  Gewässer  für 

aufgehoben  erklärt,  so  auch  teilweise  der  L.-Bach  mit  der  Gemeindege-

wässernummer […]  im  Gebiet  L.  von  der  Koordinate  0001/0002  aufwärts. 

Gleichzeitig wurden die Einwendungen abgehandelt.  

B.  

Gegen diese Verfügung erhob P. V. mit Eingabe vom 23. November 2018 

beim  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  Rekurs.  Der  Rekurrent  bean-

tragte, der L.-Bach sei zusätzlich ab der genannten Koordinate abwärts bis 

zur Koordinate 0003/0004 für aufgehoben zu erklären und die angefochte-

ne Verfügung sei entsprechend abzuändern, unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen zulasten der Rekursgegnerin.  

C.  

Das Baurekursgericht zog mit Verfügung vom 27. November 2018 die Poli-

tische Gemeinde X als Mitbeteiligte in das Verfahren mit ein und eröffnete 

zugleich das Vernehmlassungsverfahren.  

Die  Rekursgegnerin  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  17. Dezember 

2018 die Abweisung des Rekurses, unter Kostenfolge zulasten des Rekur-

renten.  

Die Mitbeteiligte verzichtete auf eine Stellungnahme. 

D. 

Am  7. Februar  2019  führte  die  2. Abteilung  des  Baurekursgerichts  im  Bei-

sein der Parteien auf dem Lokal einen Augenschein durch.  

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Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  angefochtene  Verfügung  ist  in  Anwendung  des  Wasserwirtschaftsge-

setzes  (WWG)  ergangen,  womit  nach  § 78a  Abs. 1  dieses  Gesetzes  das 

Baurekursgericht zur Behandlung des Rekurses zuständig ist.  

Zum Rekurs ist gemäss § 21 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes 

(VRG) in Verbindung mit § 78b Abs. 1 WWG berechtigt, wer durch die An-

ordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

oder Änderung hat. Der Rekurrent ist Inhaber und Bewirtschafter des land-

wirtschaftlichen Betriebs M. in Y, zu dessen Nutzfläche im Gebiet L. unter 

anderem die Parzelle Kat.-Nr. 1 gehört, die sich auf dem Gemeindegebiet X 

befindet.  Gemäss  geltendem  Recht  hat  der  L.-Bach  seinen  Ursprung  als 

oberirdisches  Gewässer  ganz  im  Norden  dieser  Parzelle,  von  wo  aus  er 

drainiert  und  in  Röhren  unter  die  Erde  verlegt  quer  durch  das  Grundstück 

Richtung  Süden  abfliesst,  bis  er  nach  der  Unterführung  der  L.-Strasse  bei 

der Koordinate 0003/0004 an die Oberfläche tritt. Die angefochtene Verfü-

gung sieht vor, das oberirdische Gewässer am Oberlauf des L.-Bachs von 

der  Koordinate  0001/0002  an  aufwärts  aufzuheben,  womit  der  Bach  neu 

inmitten  der  Parzelle  Kat.-Nr. 1  seinen  Anfang  nimmt.  Der  Rekurrent  ver-

langt dagegen südwärts eine weitergehende Aufhebung des Gewässers bis 

zur  genannten  Koordinate  0003/0004.  Er  verfügt  damit  über  eine  spezifi-

sche Beziehungsnähe zur Streitsache und zöge aus der beantragten Ände-

rung der Verfügung einen praktischen Nutzen, weshalb er zum Rekurs legi-

timiert ist.  

Da  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  den  Re-

kurs einzutreten.  

2.  

Die angefochtene Verfügung wurde insbesondere wie folgt begründet:  

Der Bestand an öffentlichen oberirdischen Gewässern sei in der Gemeinde 

X  letztmals  im  Jahr  2001  erhoben  worden.  Anders  als  damals  würden  die 

Einzugsgebiete und Abflüsse der Gewässer inzwischen digital erfasst. Eine 

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Überprüfung  inklusive  Feldforschung  habe  ergeben,  dass  der  Gewässer-

plan von X mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht mehr übereinstimme. 

Entgegen  dem  Plan  mangle  es  verschiedenen  Gerinnen  im  Gemeindege-

biet  an  den  besonderen  Merkmalen  eines  oberirdischen  Gewässers.  So 

bilde unter anderem das Gerinne im Gebiet L. von der geografischen Koor-

dinate 0001/0002 an aufwärts kein eigentliches Gewässer, da es sich ledig-

lich um eine Drainage in der Landwirtschaftszone handle, die der Ableitung 

von Grundwasser diene. Insofern sei die Klassierung des L.-Bachs zu revi-

dieren.  

P. V. habe mit Einwendung vom 15. August 2018 eine weitergehende Auf-

hebung des L.-Bachs gefordert und geltend gemacht, dass der Bach ober-

halb der Koordinate 0003/0004 drainiert und deswegen sein privates Eigen-

tum sei. Dieser Einwand sei jedoch nicht berechtigt, denn auf der L. sei zu-

folge alten Kartenwerks bereits vor der künstlichen Entwässerung des Bo-

dens durch Rohre und Gräben ein fliessendes Gewässer vorhanden gewe-

sen,  das  ungefähr  ab  der  Koordinate  0001/0002  ein  kleines  Ried  entwäs-

sert habe. Dass der Oberlauf des L.-Bachs seit Mitte des letzten Jahrhun-

derts  eingedolt  und  das  Umland  seither  zwecks  landwirtschaftlicher  Nut-

zung  drainiert  sei,  lasse  nicht  auf  ein  privates  Gewässer  schliessen.  Die 

Einwendung sei folglich nicht zu berücksichtigen.  

3.  

Der  Rekurrent  macht  dagegen  geltend,  dass  seine  Vorfahren  bei  der  sei-

nerzeit  durchgeführten  Melioration  mitgeholfen  hätten,  die  Drainagen  auf 

der  L.  zu  erstellen.  Die  Entwässerungsanlagen  befänden  sich  auf  seinem 

Grund  und  Boden  und  folglich  in  seinem  Privateigentum,  womit  der  Ober-

lauf des L.-Bachs kein öffentliches, sondern ein privates Gewässer sei. Das 
alte  Kartenwerk  erlaube  demgegenüber  keine  Rückschlüsse  auf  die 

Rechtsnatur  des  Bachs.  Der  um  1850  erstellten  historischen  Karte  J. Wild 

sei  lediglich  zu  entnehmen,  dass  damals  ungefähr  bei  der  Koordinate 

0005/0006 ein oberirdisches Gewässer eingesetzt habe. Auf der Siegfried-

karte  von  1880  sei  das  Fliessgewässer  ab  der  Koordinate  0007/0008  er-

sichtlich.  Aus  den  historischen  Karten  gehe  allerdings  nicht  mit  Sicherheit 

hervor,  dass  damals  auf  der  L.  ein  Ried  entwässert  worden  sei.  Auf  der 

Parzelle  Kat.-Nr. 1  werde  vielmehr  seit  Menschengedenken  aufsteigendes 

Grundwasser in Gräben und Rohren gesammelt und abgeleitet. Zur Ablei-

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tung  des  Grundwassers  bestehe  heute  ein  weitverzweigtes  Drainagesys-

tem,  das  es  ermögliche,  das  Gebiet  ohne  Einschränkung  der  landwirt-

schaftlichen  Nutzung  des  Bodens  zu  bewirtschaften.  Die  Drainagen  bilde-

ten  kein  oberirdisches  Gewässer,  umso  mehr,  als  sie  das  Einzugsgebiet 

des L.-Bachs und den umliegenden Wasserhaushalt unwiederbringlich ver-

ändert hätten.  

Dem hält die Rekursgegnerin entgegen, dass weder die erwähnten Eigen-

tumsverhältnisse noch die hydrologischen Erkenntnisse nahelegten, den L.-

Bach  über  die  angefochtene  Anordnung  hinaus  als  öffentliches  oberirdi-

sches Gewässer aufzuheben.  

4.  

Gemäss  § 3  WWG  umfassen  Oberflächengewässer  wie  Seen,  Teiche, 

Flüsse und Bäche das Gewässerbett mit Uferböschungen, Vorländern und 

Dämmen einschliesslich des darin vorhandenen Wassers, das darunterlie-

gende Erdreich und die Luftsäule; das Gewässerbett besteht aus der dau-

ernd  oder  regelmässig  von  Wasser  überdeckten  Landoberfläche.  Die  öf-

fentlichen  Oberflächengewässer  werden  nach  § 7  WWG  vom  Staat  be-

zeichnet und in einem Plan dargestellt. Grundwasser ist gemäss § 4 WWG 

das  im  Erdinnern  befindliche  Wasser;  es  wird  zur  Quelle  im  Sinne  von 

Art. 704  des  Zivilgesetzbuches  (ZGB),  sobald  es  auf  natürliche  Weise  an 

die  Oberfläche  tritt.  Grundwasser  sowie  offene  und  eingedolte  Oberflä-

chengewässer  sind  zufolge  § 5  Abs. 1  WWG  öffentlich,  soweit  an  ihnen 

nicht Privateigentum nachgewiesen wird; in Drainageleitungen abgeleitetes 

Grundwasser bleibt öffentliches Wasser. Nach Abs. 2 dieser Vorschrift ste-

hen  öffentliche  Gewässer  unter  der  Hoheit  des  Staates;  ausgeschiedene 

öffentliche  Oberflächengewässer  sind  Eigentum  des  Staates.  An  öffentli-
chen Gewässern können gemäss Abs. 3 keine dinglichen Rechte ersessen 

werden.  Streitigkeiten  darüber,  ob  ein  Gewässer  öffentlicher  oder  privater 

Natur sei, entscheiden nach § 6 Abs. 3 WWG die Zivilgerichte.  

Soweit aus den Akten ersichtlich, haben die Zivilgerichte bislang nicht über 

die Rechtsnatur des L.-Bachs entschieden. Die Rekursbehörde ist deshalb 

berechtigt  und  dazu  gehalten,  diesen  Streitpunkt  vorfrageweise  zu  prüfen 

(Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

7. Auflage,  Zürich/St. Gallen 2016,  Rz. 1749 ff.).  Dabei  ist  vorliegend  von 

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§ 5  WWG  auszugehen,  wonach  Grundwasser  und  Oberflächengewässer 

auch dann öffentlich sind, wenn das zugehörige Wasser in Dolen bzw. über 

Drainagen  abgeleitet  wird,  solange  nicht  der  Beweis  für  ein  privates  Ge-

wässer  erbracht  ist.  Aus  dem  Grundeigentum  an  der  Parzelle  Kat.-Nr. 1 

und  dem  Eigentumsrecht  an  den  im  Erdreich  dieser  Parzelle  verlegten 

Rohrleitungen kann daher entgegen der Auffassung des Rekurrenten nicht 

zwangsläufig  auf  ein  privates  Gewässer  geschlossen  werden,  zumal  eine 

ausserordentliche  Ersitzung  öffentlicher  Gewässer  im  Sinne  von  Art. 662 

ZGB  nicht  möglich  ist.  Nachdem er  somit  einen  Nachweis  für  Privateigen-

tum  schuldig  geblieben  ist,  ist  davon  auszugehen,  dass  der  eingedolte 

Oberlauf des L.-Bachs öffentlicher und nicht privater Natur ist.  

Im  Übrigen  sind privatrechtliche  Ansprüche,  wie erwogen,  vor  den  Zivilge-

richten geltend zu machen (§ 6 Abs. 3 WWG in Verbindung mit § 1 VRG).  

5.1.  

Oberflächengewässer  sind insbesondere  durch  ein Gewässerbett,  d. h.  ei-

ne Eintiefung der Landoberfläche gekennzeichnet, die dauernd oder regel-

mässig  von  Wasser  bedeckt  ist.  Das  Gewässerbett  von  Fliessgewässern 

weist eine kleine Vertiefung oder einen durch die Ufer begrenzten Graben 

auf, über deren Sohle ein Bach bzw. Fluss fliesst. Für die Bestimmung von 

Fliessgewässern  ist  es  nicht  entscheidend,  ob  sie  in  der  Vergangenheit  in 

eine Leitung gezwungen worden sind (vgl. Art. 4 lit. m des Bundesgesetzes 

über  den  Schutz  der  Gewässer  [Gewässerschutzgesetz,  GSchG]  und  § 5 

Abs. 1 WWG). Zwar können eingedolte wie auch überdeckte oder verlegte 

Bäche und Flüsse verschiedene Funktionen nur noch beschränkt oder nicht 

mehr  erfüllen,  doch  gehen  die  Eigenschaften  von  Fliessgewässern  durch 

deren teilweise Verlegung nicht gänzlich verloren.  

Abgesehen  von  einem  Gewässerbett  zeichnen  sich  Fliessgewässer  durch 

abfliessendes  Wasser  aus.  Wenn  die  Abflussmenge  Q347  grösser  als  Null 

ist, liegt gemäss Art. 4 lit. i GSchG eine ständige Wasserführung vor; nach 

Art. 4 lit. h GSchG handelt es sich dabei um die Abflussmenge, die, gemit-

telt  über  zehn  Jahre,  durchschnittlich  während  347 Tagen  des  Jahres  er-

reicht oder überschritten wird und die durch Stauung, Entnahme oder Zulei-

tung von Wasser nicht wesentlich beeinflusst ist. Der Abfluss eines Bachs 

kann  sich  aus  unterschiedlichen  Wassern,  zum  Beispiel  aus  Regen-  bzw. 

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Meteorwasser, Quellwasser und/oder Wasser eines anderweitigen Oberflä-

chengewässers,  das  jeweils  von  der  Oberfläche  abfliesst,  zusammenset-

zen.  

Kanalisationsanlagen der Siedlungs- und Strassenentwässerung und Drai-

nagen,  die  Grundwasser  ableiten,  sind  keine  Fliessgewässer.  Ausserdem 

können Fliessgewässer ausnahmsweise untergehen, sofern ihr Einzugsge-

biet und der Wasserhaushalt des Bodens unwiederbringlich verändert wer-

den.  

5.2.  

Der  L.-Bach  tritt  gegenwärtig  unterhalb  der  L.-Strasse  ab  der  Koordina-

te 0003/0004  auf  einer  Höhe  von  etwa  592 m  über  Meer  zutage  (vgl.  die 

anlässlich  des  Augenscheins  erstellten  Fotografien  Nrn. 9  und 10, 

act. 1/Protokoll  S. 10).  Gemäss  den  hydrologischen  Abklärungen  des  Am-

tes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) würde der Bach ohne Ein-

griff in die Natur bereits ab der Koordinate 0001/0002 bzw. dem neu festge-

legten  Beginn  des  Gewässers  auf  einer  Höhe  von  rund  596 m  über  Meer 

an der Oberfläche abfliessen. Von diesem Punkt an sei zufolge des AWEL 

im digitalen Höhenmodell eine lineare Abflussrinne erkennbar, die auf das 

Potential  zur  selbständigen  Ausbildung  eines  Oberflächengewässers  hin-

weisen würde (act. 11.2). Der L.-Bach trete, wie das AWEL weiter darlegt, 

nur deshalb nicht ab dieser Koordinate in Erscheinung, weil im Einzugsge-

biet seines Oberlaufs zahlreiche Drainagen erstellt worden seien (act. 11.7 

und  11.8).  Das  zugehörige  Einzugsgebiet  sei  mit  einer  GIS-Software  auf 

der  Grundlage  eines  hochaufgelösten  digitalen  Terrainmodells  berechnet 

worden.  Beim  neu  festgelegten  Beginn  des  L.-Bachs,  d. h.  ab  Koordina-
te 0001/0002, betrage das Einzugsgebiet rund 0,05 km2 (= 50'000 m2), wei-
ter unten beim Knick der Hauptableitung 0,12 km2 (= 120'000 m2) und beim 
gegenwärtigen  Auslauf,  d. h.  ab  Koordinate  0003/0004,  0,14 km2  (= 
140'000 m2) (vgl. act. 11.1 und act. 15). Die betreffenden Gebiete erstreck-
ten  sich  jeweils  über  den  Wald  J.  hinaus  bis  zur  A.-Strasse  auf  dem  Ge-

meindegebiet H. bzw. zur Af.-Strasse auf dem Gemeindegebiet A. Gemäss 

dem AWEL zeige die Modellrechnung dazu auf, dass via Oberlauf des L.-

Bachs eine ausgeprägte Geländekammer entwässert werde.  

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Es besteht aufgrund der Akten kein Anlass, die eingehenden Darlegungen 

der amtlichen Sachverständigen zur natürlichen Wasserrinne des L.-Bachs 

infrage zu stellen.  

5.3.  

Ohne Fremdeinwirkung würde der Oberlauf des L.-Bachs aus Regen- bzw. 

Meteorwasser,  Quellwasser  und  Oberflächenwasser  aus  einem  Feuchtge-

biet gespeist, das jeweils, ohne zu versickern, im Einzugsgebiet oberirdisch 

abflösse.  

Das den Bach speisende Regenwasser wird auf der Karte Oberflächenab-

fluss  des  Geografischen  Informationssystems  des  Kantons  Zürich  GIS-ZH 

(https://web.maps.zh.ch) veranschaulicht. Unter Oberflächenabfluss ist der-

jenige  Niederschlagsanteil  zu  verstehen,  der  nach  dem  Auftreffen  auf  den 

Boden  unmittelbar  an  der  Geländeoberfläche  abfliesst.  Dieser  Abfluss  ist, 

wie aus der genannten Karte hervorgeht (act. 11.3), im Bereich des umstrit-

tenen  Wasserlaufs  besonders  ausgeprägt,  was  unter  natürlichen  Verhält-

nissen zur Folge hätte, dass bei Regenfall ab dem neu festgelegten Beginn 

des  L.-Bachs  eine  Abflussrinne  entstünde  und  sich  im  Laufe  der  Zeit  ein 

Gewässerbett ausbilden würde.  

Weiter befinden sich im Einzugsgebiet des Oberlaufs vier Quellfassungen, 

die  gemäss  der  GIS-ZH  Grundwasserkarte  einen  geschätzten  Ertrag  von 

170 l/min, zweimal 80 l/min und 30 l/min und folglich insgesamt einen Aus-

stoss  von  360 l/min  aufweisen  (act. 11.6).  Das  AWEL  hält  dazu  fest,  dass 

sich das Wasser der grössten Quelle im Bereich des neu festgelegten Be-

ginns und das übrige Quellwasser beim Knick der Hauptableitung in den L.-

Bach ergösse, wenn es nicht gefasst wäre.  

Sodann bestand früher gemäss der historischen Karte J. Wild (~1850) und 

den  beiden  Siegfriedkarten  1880  und  1930  im  Nordosten  des  Bachober-

laufs  ein  Feuchtgebiet  (act. 5.1  und  11.4 f.  sowie  https://web.maps.zh.ch). 

Es dürfte sich dabei um ein früher in der Region häufiges, mit Riedgräsern 

und  Schilf  bewachsenes  mooriges  Gebiet  gehandelt  haben,  das  natürli-

cherweise  über  den  L.-Bach  abfloss,  bis  es  zwecks  landwirtschaftlicher 

Nutzung systematisch mit Drainagen entwässert worden ist.  

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Heute fliesst ein erheblicher Teil dieser Wasser über die Entwässerungsan-

lagen in den L.-Bach (vgl. act. 11.8). Dazu gehört auch das überschüssige 

Quellwasser,  das  durch  den  Überlauf  der  Quellen  via  Drainage  abgeleitet 

wird (vgl. act. 10 S. 2 und act. 11.7). Das Wasser im eingedolten L.-Bach ist 

dementsprechend  beständig,  so  dass  er  bereits  oberhalb  der  Koordinate 

0003/0004 zu keiner Zeit trockenfällt (Protokoll S. 4).  

5.4. 

Aus alledem ergibt sich folglich, dass der L.-Bach, wie von der Rekursgeg-

nerin verfügt, seinen Anfang bei der Koordinate 0001/0002 nimmt.  

Die  Gegenargumente  des  Rekurrenten  führen  zu  keinem  anderen  Ergeb-

nis:  

Es ist  zwar  zutreffend, dass der Beginn  des  L.-Bachs auf  der  historischen 

Karte  J. Wild  (~1850)  und  der  Siegfriedkarte  1880  ungefähr  60 m  südlich 

der vorgenannten Koordinate eingezeichnet ist (act. 5.1 f.). Dieser Differenz 

ist jedoch kein allzu grosses Gewicht beizumessen, da die alten Karten ge-

rade  bei  der  vollständigen  und  genauen  Erfassung  von  Gewässerläufen 

Ungenauigkeiten aufweisen können und deshalb mit gebührender Vorsicht 

zu konsultieren sind. Wie die Rekursgegnerin zu bedenken gibt, seien na-

mentlich auf der Siegfriedkarte Abweichungen von bis 1,2 mm zulässig ge-

wesen, was in Wirklichkeit einem Fehler in der Grössenordnung von 30 m 

entsprochen  habe;  zudem  seien  kleinere  Bäche  in  schwer  zugänglichen 

oder unüberschaubaren Gebieten, wie in Rieden, auf den alten Karten nicht 

vollständig erfasst worden; das frühere Kartenwerk vermöge deshalb nicht, 

eine  hydrologische  Beurteilung  des  Potentials  zur  selbständigen  Bildung 

eines  Gerinnes  zu  ersetzen  (act. 10  S. 2).  In  diesem  Zusammenhang  ist 

auch  daran  zu  erinnern,  dass  die  Abflussrinne  des  ehemals  offenen  L.-

Bachs noch heute im Geländemodell erkennbar ist (act. 11.2 und oben ein-

gangs E. 5.2).  

Weiter  vertritt  der  Rekurrent  die  Ansicht,  dass  die  Entwässerungsanlagen 

im Gebiet L. fast ausschliesslich aufsteigendes Grundwasser sammeln und 

ableiten.  Dass  dem  in  Wirklichkeit  nicht  so  ist  und  die  Drainagen  darüber 

hinaus  auch  Regenwasser,  Quellwasser  und  Oberflächenwasser  in  den 

Oberlauf  des  L.-Bachs  leiten,  wurde bereits  erläutert  (oben E. 5.3).  Davon 

abgesehen trägt das aufsteigende Grundwasser, soweit es ohne Drainagen 

auf natürliche Weise an die Oberfläche tritt und damit Quellwasser im Sinne 

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von  § 4  WWG  bildet,  ebenfalls  zur  ursprünglichen  Wasserführung  des  L.-

Bachs bei.  

Schliesslich  wird  vorgebracht,  dass  das  Einzugsgebiet  des  L.-Bachs  mit 

der Drainierung unwiederbringlich verändert worden und der Bachoberlauf 

infolgedessen  untergegangen  sei.  Nach  Auffassung  der  Rekursgegnerin 

müsste hierfür jedoch ein bedeutender Anteil des unterirdisch anfallenden 

Wassers über Drainagen in das Einzugsgebiet eines anderen Gewässers 

geleitet  werden,  was  vorliegend  gemäss  Drainageplan  nicht  der  Fall  ist 

(vgl.  act. 11.7).  Technisch  erscheint  es  sodann  durchaus  machbar,  die 

vorhandenen  Wasserleitungen  im  Gebiet  L.  auszubauen  und  den  ur-

sprünglichen  Wasserlauf  weitgehend  wiederherzustellen,  weshalb  nicht 

von  einer  unumkehrbaren  Veränderung  des  natürlichen  Einzugsgebiets 

bzw. Wasserhaushalts gesprochen werden kann. Die Rekursgegnerin, die 

im  Rahmen  der  Revitalisierungsplanung  der  Fliessgewässer  im  Kanton 

Zürich  auch  die Wiederherstellung  der  natürlichen  Funktionen des einge-

dolten  L.-Bachs  geprüft  hat,  ist allerdings zum  Schluss  gelangt,  dass  der 

entsprechende  Nutzen  für  die  Natur  und  Landschaft  im  Verhältnis  zum 

Aufwand gering und deshalb eine Revitalisierung des  L.-Bachs zumindest 

über einen Zeithorizont von 20 Jahren nicht prioritär ist (vgl. GIS-ZH Karte 

Gewässerrevitalisierung, 

https://awel.zh.ch/internet/ 

baudirekti-

on/awel/de/wasser/planungen/revitalisierung.html 

und 

https://awel.zh.ch/dam/baudirektion/awel/wasser/planung/revitalisierung/d

oc/Plan_2_Prio_Abschnitte.pdf.spooler.download.1434614585219.pdf/Pla

n_2_Prio_Abschnitte.pdf).  

5.5.  

Demzufolge ist es nicht zu beanstanden, dass die Rekursgegnerin den L.-

Bach abwärts nicht über die Koordinate 0001/0002 hinaus aufgehoben und 
die betreffenden Einwände des Rekurrenten unberücksichtigt gelassen hat.  

6.  

Der Rekurs ist somit abzuweisen.  

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7.  

Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  gemäss  § 13  Abs. 2 

VRG dem Rekurrenten aufzuerlegen.  

Die Gerichtsgebühr beträgt bei Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert in 

der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG und § 3 Abs. 2 der 

Gebührenverordnung  des  Verwaltungsgerichts  GebV  VGr).  Sie  wird  nach 

dem  Zeitaufwand  des  Gerichts,  der  Schwierigkeit  des  Falls  und  dem  tat-

sächlichen  Streitinteresse  festgelegt  (§ 338  Abs. 1  PBG  und  § 2  GebV 

VGr). Neben dem Streitinteresse schlägt in diesem Verfahren insbesondere 

der  Aufwand  des  Baurekursgerichts  samt  Aktenstudium,  Schriftenwechsel 

und  Augenschein  zu  Buche.  Die  Gerichtsgebühr  ist  daher  auf  Fr. 5'000.-- 

festzusetzen.  

8.  

Dem  unterliegenden  Rekurrenten  steht  keine  Umtriebsentschädigung  zu 

(§ 17 Abs. 2 VRG).  

[…]

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