# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b806f2f5-9191-5a7d-9db6-9e13810ecffc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2010 D-7552/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7552-2010_2010-10-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7552/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas 
mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

X._______, geboren _______,
Pakistan,
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 19. Oktober 2010 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7552/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 22. Februar 2008 legal in die Schweiz 
einreiste,

dass ihm eine kantonale Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde und er an 
einer Hochschule studierte, 

dass er sich nach Ablauf der Aufenthaltsbewilligung weiterhin (illegal) 
in der Schweiz aufhielt und am 6. Juli 2010 inhaftiert wurde, 

dass er am 10. September 2010 beim BFM schriftlich um Asyl nach-
suchte, 

dass er am 22. September 2010 eine ergänzende Eingabe nachreich-
te, 

dass er vom BFM am 12. Oktober 2010 im Gefängnis zu den Asylgrün-
den angehört wurde, 

dass der Beschwerdeführer dabei angab, aus der Provinz _______ zu 
stammen, 

dass er keine politischen Tätigkeiten und keine behördliche Verfolgung 
geltend machte, 

dass er unter familiären und wirtschaftlichen Schwierigkeiten leide, 

dass er für das beabsichtigte Studium in der Schweiz bei einem Be-
kannten in Pakistan – ein Angehöriger einer höheren Kaste – ein Dar -
lehen über 30'000 Franken aufgenommen habe, 

dass er in der Schweiz gleichwohl in eine prekäre finanzielle Situation 
geraten sei und die Gebühren für das zweite Studienjahr nicht mehr 
habe aufbringen können, 

dass  seine  Aufenthaltsbewilligung  nicht  mehr  verlängert  worden  sei 
und er sich fortan illegal in der Schweiz aufgehalten habe, 

dass er im Falle einer Abschiebung nach Pakistan nicht damit rechnen 
könne,  dort  mittels  Arbeitstätigkeit  einen  Verdienst,  welcher  für  die 
Rückzahlung des Darlehens ausreiche, zu erzielen, 

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dass er deshalb sein ganzes Leben als Sklave für den Kreditgeber ar-
beiten müsste,

dass seine Familie durch die Flutkatastrophe alles verloren habe, wes-
halb auch diese ihm nicht helfen könne,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom 19.  Oktober  2010  –  eröffnet  am 
20. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein-
trat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordne-
te,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 22. Oktober 2010 (Datum 
der Postaufgabe) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erhob,

dass er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Einräu-
mung eines Bleiberechts in der Schweiz beantragte, 

dass  er  verschiedene  Beweismittel  (schriftliche  Asylgesuchsbegrün-
dung;  Kopie  der  abgelaufenen  B-Bewilligung;  Unterlagen  betreffend 
Universität  und Arbeitstätigkeit; Vorladung eines schweizerischen Be-
zirksgerichts) zu den Akten gab, 

dass auf die Begründung des vorinstanzlichen Entscheids und die Be-
schwerdevorbringen – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen ist, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 26. Oktober 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass nach Einsicht in die Akten auf die Beschwerde einzutreten und 
diese in Anwendung des AsylG, der Asylverordnung 1 vom 11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311), des Verwaltungs-
verfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR 172.021]), 
des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht  (VGG,  SR 173.32),  des  Bundesgesetzes  vom 17. Juni  2005 
über  das  Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110),  des  Bundesgesetzes 
vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 

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(AuG, SR 142.20) sowie des Reglements vom 21. Februar 2008 über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
(VGKE, SR 173.320.2) zu beurteilen ist, 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e  AsylG), 
und es sich, wie nachstehend aufgezeigt, vorliegend um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schrif tenwechsel 
zu verzichten ist,

dass gemäss Art. 32 Abs. 1 AsylG auf Gesuche, welche die Vorausset-
zungen von Art. 18 AsylG nicht erfüllen, nicht eingetreten wird,

dass nach Art. 18 AsylG jede Äusserung, mit der eine Person zu er-
kennen gibt, dass sie in der Schweiz um Schutz vor Verfolgung nach-
sucht, als Asylgesuch gilt, 

dass dabei praxisgemäss von einem weiten Verfolgungsbegriff auszu-
gehen ist,  der  neben den  in  Art.  3  AsylG genannten  Gründen auch 
Wegweisungshindernisse  im  Sinne  von  Art.  44  Abs.  2  AslyG  i.V.m. 
Art. 83 Abs. 2-4 AuG umfasst (vgl. dazu vgl. Entscheidungen und Mit-
teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 
Nr. 5 E. 3b S. 31 f.), wobei allerdings der Geltungsbereich des weiten 
Verfolgungsbegriffs  auf  erlittene oder  befürchtete  Benachteiligungen, 
die  direkt  oder  indirekt  von  Menschen  ausgehen,  eingeschränkt  ist  
(vgl. EMARK 2003 Nr. 18 E. 4 und 5 S. 111 ff.),

dass der Beschwerdeführer zum einen die Flutkatastrophe in Pakistan 
als Begründung für seine Beschwerde geltend macht, 

dass die erwähnte Naturkatastrophe nach dem Gesagten indes nicht 
dem Verfolgungsbegriff  im hier  relevanten Sinne  zugeordnet  werden 
kann, 

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dass er im Weiteren nicht vorbringt, er müsse in seinem Heimatstaat 
Pakistan eine Verfolgung aus politischen Gründen gewärtigen, 

dass er indes bereits anlässlich der Anhörung vom 12. Oktober 2010 
darlegte, wegen seiner Unfähigkeit, das gewährte Darlehen zurückzu-
zahlen, in Pakistan in eine prekäre Lage zu geraten, 

dass sein Darlehensgeber einer höheren Kaste angehöre und ihn im 
Falle der Rückkehr wegen seiner Schulden unter Umständen zu Skla-
venarbeit zwingen würde (A 28/15 Antworten 123 und 132), 

dass der Beschwerdeführer bereits in diesem Lichte besehen ihm  dro-
hende, von Menschenhand verursachte Nachteile geltend machte und 
entsprechend um Schutz ersuchte, 

dass er in der Beschwerde vorbrachte, die Rückkehr ins Heimatland 
sei sein Todesurteil,

dass Personen, die ihm vertraut hätten, nunmehr eine feindliche Ge-
sinnung haben würden,  

dass der Beschwerdeführer nach dem Gesagten entgegen der vorin-
stanzlichen Sichtweise um Schutz vor Verfolgung im Sinne von Art. 18 
AsylG nachsuchte, weshalb das BFM zu Unrecht  in Anwendung von 
Art. 32 Abs. 1 AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
eingetreten ist,

dass  das  Verfahren  mithin  an  die  Vorinstanz  zur  neuen  Beurteilung 
zurückzuweisen ist,  

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass nicht davon auszugehen ist, dem rechtlich nicht vertretenen Be-
schwerdeführer seien im vorliegenden Verfahren notwendige und ver-
hältnismässig  hohe  Kosten  entstanden,  weshalb  ihm  für  das  Be-
schwerdeverfahren keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Sache wird zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an:

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  N  _______ 

(Kopie)
- _______

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand: 

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