# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e60f799-8f4a-5af0-aa0f-8c54bd725281
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.07.2010 A-568/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-568-2009_2010-07-17.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-568/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u l i  2 0 1 0

Richter Markus Metz (Vorsitz), Richterinnen Salome 
Zimmermann und Charlotte Schoder,
Gerichtsschreiberin Ursula Spörri.

X._______ AG, ...,
vertreten durch A._______, ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

MWST (1. Quartal 2000 - 1. Quartal 2003); 
Vorsteuerabzug.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-568/2009

Sachverhalt:

A.
Die X._______ AG war vom 1. Januar 1995 bis am 31. März 2003 als  
Mehrwertsteuerpflichtige  bei  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung 
(ESTV) registriert. Ihr Zweck war vorab der Handel mit sowie der Im-
port und Export von Waren aller Art. Sie rechnete quartalsweise, nach 
der effektiven Methode und nach vereinbarten Entgelten ab. Die Gene-
ralversammlung der X._______ AG fasste am 7. Juli 1999 einen Auflö-
sungsbeschluss  und  widerrief  diesen  am  14.  September  1999. 
A._______ war in der Zeit vom 9. April 1985 bis am 24. März 2003 Ver-
waltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift bei der X._______ AG, zwi-
schenzeitlich amtete er kurz als Liquidator.

B.
Ohne steuerbare Umsätze getätigt zu haben, rechnete die X._______ 
AG für den Zeitraum vom 1. Januar 2000 bis am 31. März 2003 (Ende 
der  Steuerpflicht)  Vorsteuern  von  insgesamt  Fr.  12'004.--  ab  und 
kassierte sie von der ESTV ein. Mit  Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. 
07426566  forderte  die  ESTV  am  30.  April  2003  für  die  vorstehend 
genannte Steuerperiode Fr. 12'004.--  samt  5 % Verzugszins  ab dem 
28. Februar 2002. Aufgrund einer internen Weisung der ESTV betref-
fend die Aufteilung von Ergänzungsabrechnungen (separate Rechnun-
gen, wenn unterschiedliche gesetzliche Grundlagen [Mehrwertsteuer-
verordnung oder Mehrwertsteuergesetz, vgl. nachfolgend E. 1.2] gel-
ten) wurde der gesamte Betrag der X._______ AG mit  interner Gut-
schriftsanzeige  am  22. August  2003  gutgeschrieben.  Gleichentags 
wurden  zwei  neue  EA  ausgestellt,  wodurch  der  Betrag  von 
Fr. 12'004.-- aufgeteilt wurde; durch die EA Nr. 07426748 forderte die 
ESTV  für  die  Steuerperiode  vom 1. Januar  bis  31.  Dezember  2000 
Fr. 3'350.-- plus 5 % Verzugszins ab 15. Oktober 2000 und durch die 
EA  Nr.  07426749  für  die  Steuerperiode  vom  1.  Januar  2001  bis 
31. März  2003  Fr. 8'654.--  plus  5 %  Verzugszins  ab  30.  Juni  2002 
zurück. In Bezug auf die EA Nr. 07426748 wurden Fr. 916.60 (Betrag 
der Schlussabrechnung Nr. 009950 per 31. März 2003) mit einem Gut-
haben  der  X._______  AG getilgt,  so  dass  insgesamt  eine  Restfor-
derung von Fr. 11'087.40 verblieb. Da die X._______ AG mit der Rück-
forderung  nicht  einverstanden  war,  erliess  die  ESTV am 12.  Januar 
2004 zwei Entscheide, gegen welche die X._______ AG am 9. Februar 
2004  zwei  Einsprachen  einreichte.  Diese  Einsprachen  waren  im 
Namen der X._______ AG von A._______ unterzeichnet.

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C.
Mit Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2008 vereinigte die ESTV 
die Einsprachen und wies sie ab mit der Begründung, die X._______ 
AG habe gemäss den 13 von ihr unterzeichneten Abrechnungen vom 
ersten Quartal 2000 bis zum ersten Quartal 2003 keine Ausgangsum-
sätze mehr erzielt und auch keinen Eigenverbrauch oder Liquidations-
erlös deklariert; sie könne deshalb keine Vorsteuern geltend machen.

D.
Gegen  den  Einspracheentscheid  reichte  die  X._______  AG 
(Beschwerdeführerin)  am  27.  Januar  2009  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht  ein  mit  dem  Begehren,  "dieser  sei 
aufzuheben resp. der Fakt sei an die Hauptabteilung Mehrwertsteuer 
zur  Neubeurteilung  zurückzuweisen."  Zur  Begründung  führte  sie  im 
Wesentlichen  aus,  die  Forderungen  seien  verjährt,  sie  habe  ihre 
Geschäftstätigkeit  im  Laufe  des  Jahres  2002  bis  31.  März  2003 
vollumfänglich  eingestellt  und  die  Mehrwertsteuernummer  löschen 
lassen. Der  Sitz  der  Gesellschaft  sei  zudem seit  dem 28. Mai  1999 
nicht mehr Zürich, sondern Zug gewesen. Es sei sehr erstaunlich mit 
welcher  Nachlässigkeit  die  ESTV  diese  Mutationen  behandle  bzw. 
nicht erfasse. Der Einspracheentscheid richte sich daher an die völlig 
falsche Adresse und Person.

E.
Mit  Vernehmlassung vom 6. April  2009 stellte die ESTV den Antrag, 
auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, da A._______ als Beschwer-
deführer weder Verfügungsadressat noch zeichnungsberechtigt sei. Mit 
seinem Ausscheiden als Verwaltungsratsmitglied am 24. März 2003 sei 
auch seine Zeichnungsberechtigung erloschen. Sie führte im Weiteren 
aus, dass die Zustellungen stets korrekt erfolgt seien.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2010 forderte das Bundesver-
waltungsgericht  die Beschwerdeführerin auf,  innert  dreier  Tage nach 
Erhalt  der  Verfügung  eine  rechtsgültig  unterzeichnete  und  auf 
A._______  lautende  Vollmacht  einzureichen,  ansonsten  auf  die  Be-
schwerde nicht eingetreten werde. Mit  Eingabe vom 20. Januar 2010 
reichte die Beschwerdeführerin fristgemäss die rechtsgültige Vollmacht 
ein.

G.
In der Vernehmlassung vom 19. Februar 2010 beantragte die ESTV, 

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die Beschwerde abzuweisen im Wesentlichen mit der Begründung, die 
Beschwerdeführerin  habe  keine  Ausgangsumsätze  erzielt  und  auch 
keinen  Eigenverbrauch  oder  Liquidationserlös  deklariert;  sie  könne 
deshalb  keine  Vorsteuern  geltend  machen.  Ihre  Forderungen  seien 
nicht verjährt.

H.
Auf die weiteren entscheidrelevanten Begründungen wird das Bundes-
verwaltungsgericht im Rahmen der Erwägungen eingehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Zur  Beschwerde legitimiert  ist  nach Art. 48 Abs. 1  des Bundes-
gesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021), wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenom-
men hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist  (Bst.  b)  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Anfechtung 
oder Änderung hat (Bst. c).

Die Beschwerdeführerin hat als Verfügungsadressatin am vorinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen. Die Beschwerde ist jedoch vom frühe-
ren Verwaltungsratsmitglied A._______ unterzeichnet, der zum dama-
ligen  Zeitpunkt  nicht  mehr  zeichnungsberechtigt  war. Am 20. Januar 
2010  reichte  die  Beschwerdeführerin  eine  Vollmacht  für  A._______ 
ein, weshalb die Beschwerde rechtsgültig unterzeichnet ist. Weiter ist 
das von Art. 48 Abs. 1 VwVG verlangte Rechtsschutzinteresse gege-
ben. Damit ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten.

Auf die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Einwände, die Zu-
stellungen seien nicht korrekt erfolgt,  ist  nicht weiter einzugehen, da 
die Schreiben/Verfügungen der ESTV jeweils an das Domizil gemäss 
Handelsregistereintrag  oder  an  die  von  der  Beschwerdeführerin  ge-
wünschte Adresse zugestellt worden sind.

1.2
Am 1. Januar 2010 ist das Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009 
(MWSTG, SR 641.20)  in  Kraft  getreten. Die  bisherigen gesetzlichen 
Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vorschriften blei-

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ben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltungsdauer ein-
getretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwend-
bar  (Art. 112 Abs. 1  MWSTG). Für  Umsätze,  die vor dem 1.  Januar 
2010, aber nach dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes vom 2. Sep-
tember 1999 über die Mehrwertsteuer (aMWSTG, AS 2000 1300) am 
1. Januar 2001 getätigt worden sind, bleiben deshalb die materiellen 
Bestimmungen des aMWSTG anwendbar. Für Umsätze vor dem 1. Ja-
nuar  2001 kommt noch die  Verordnung vom 22. Juni  1994 über  die 
Mehrwertsteuer  (aMWSTV, AS  1994  1464)  zur  Anwendung  (Art.  93 
Abs. 1 und Art. 94 Abs. 1 aMWSTG). 

2.
2.1 Verwendet  ein  Mehrwertsteuerpflichtiger  Gegenstände  oder 
Dienstleistungen  für  einen  in  Art.  29  Abs.  1  und  2  aMWSTV  bzw. 
Art. 38 Abs. 1 und 2 aMWSTG genannten Zweck, namentlich für steu-
erbare Lieferungen und Dienstleistungen, so kann er in seiner Mehr-
wertsteuerabrechnung die ihm von anderen Mehrwertsteuerpflichtigen 
in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer für Lieferungen und Dienstleis-
tungen abziehen. Die Vorsteuerabzugsberechtigung setzt mithin unter 
dem  alten  Mehrwertsteuerrecht  voraus,  dass  der  Mehrwertsteuer-
pflichtige die vorsteuerbelastete Eingangsleistung ("Input") für steuer-
bare Umsätze ("Output") verwendet. Nach der Rechtsprechung bedarf 
es eines "objektiven wirtschaftlichen Zusammenhangs zwischen steu-
erbarer Eingangs- und Ausgangsleistung". Eine Verknüpfung zwischen 
den steuerbaren Eingangs- und Ausgangsumsätzen ist  zwingend er-
forderlich,  wobei  neben  der  unmittelbaren,  direkten Verwendung der 
Eingangsleistung für  den Ausgangsumsatz auch eine mittelbare Ver-
wendung genügt, bei welcher die Eingangsleistung nur indirekt in den 
Ausgangsumsatz einfliesst (BGE 132 II 353 E. 8.3, ferner E. 10; Urteile 
des  Bundesgerichts  2A.650/2005  vom  16.  August  2006  E.  3.4, 
2A.348/2004  vom  1. Dezember  2004  E.  3.3.2,  2A.273/2002  vom 
13. Januar  2003  E.  5.2  mit  Hinweis  auf  BGE  123  II  303  E.  6a, 
2A.175/2002 vom 23. Dezember 2002 E. 5.2; Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts  A-6612/2007  vom  11.  Dezember  2009  E.  2.6,  A-
3440/2007 vom 22. September 2009 E. 2.2, A-1538/2006 vom 28. Mai 
2008  E.  2.2,  A-1376/2006  vom  20.  November  2007  E.  5.1,  A-
1359/2006 vom 26. Juli  2007 E. 5.2 mit  Hinweisen). Der Zusammen-
hang ist indirekt bzw. mittelbar, wenn eine steuerbare Leistung mit Hil -
fe  der  vorsteuerbelasteten  Eingangsleistung  ausgeführt  wird,  diese 
Eingangsleistung aber doch nicht direkt in die steuerbare Ausgangs-
leistung Eingang fand, so beispielsweise bei Produktionsmitteln, Inves-

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titionsgütern, Verwaltungsleistungen (BGE 132 II 353 E. 8.3; Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1357/2006 vom 27. Juni 2007 E. 2.1 mit 
Hinweisen;  vgl. auch  ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLEN-
DER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003, 
2. Aufl., Rz. 1395).

2.2 Die  Mehrwertsteuerforderung  verjährt  gemäss  Art.  40  Abs.  1 
aMWSTV bzw. Art. 49 Abs. 1 aMWSTG fünf Jahre nach Ablauf des Ka-
lenderjahres, in dem sie entstanden ist. Was für die Mehrwertsteuerfor-
derung gilt, trifft auch auf die Rückforderung der ESTV von zu viel aus -
bezahlten Vorsteuern zu. Der Lauf der Verjährungsfrist wird durch jede 
Einforderungshandlung  unterbrochen  (Art.  40  Abs.  2  aMWSTV  bzw. 
Art. 49 Abs. 2 aMWSTG). Die Einforderungshandlung ist nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung an keine besondere Form gebunden 
(Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2002, veröffentlicht in Archiv für 
schweizerisches Abgaberecht [ASA] 73 S. 237 E. 3e, Urteil  des Bun-
desgerichts 2A.314/2006 vom 10. Oktober 2006 E. 2.6). Unter den Be-
griff der Einforderungshandlung fallen nicht nur die eigentlichen Steu-
erbezugshandlungen; jede dem Mehrwertsteuerpflichtigen zur Kennt-
nis  gebrachte,  auf  Einforderung  oder  Feststellung  des  Steueran-
spruchs gerichtete Amtshandlung genügt, um die Verjährung zu unter-
brechen. Dabei ist nicht notwendig, dass der Tatbestand, welchen die 
ESTV als mehrwertsteuerpflichtig erachtet, bereits nach allen Richtun-
gen hin abgeklärt ist. Auch braucht der Mehrwertsteuerbetrag nicht un-
bedingt ziffernmässig festgesetzt zu werden. Mit einer vorläufigen Mit-
teilung  kann  die  Verwaltung  die  Verjährung  ferner  für  den  ganzen 
Mehrwertsteueranspruch unterbrechen, selbst wenn sie die Forderung 
später noch erhöhen muss. Als verjährungsunterbrechende Einforde-
rungshandlung  gilt  namentlich  die  Ankündigung  und  Vornahme  von 
Bücheruntersuchungen, die Zustellung einer EA bzw. einer Gutschrift 
oder die Aufforderung bzw. Mahnung zur Zahlung (vgl. BGE 126 II 1 
E. 2c; Urteile des Bundesgerichts 2A.314/2006 vom 10. Oktober 2006 
E. 2.6, vom 1. Mai 2002, veröffentlicht in ASA 73 S. 237 E. 3; Urteile  
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1562/2006  vom  26.  September 
2008 E. 2.7,  A-1525/2006 vom 28. Januar 2008 E. 1.4,  A-1427/2006 
vom  23.  November  2007  E.  2.6,  A-1402/2006  vom  17. Juli  2007 
E. 2.4). Die Verjährung regelt sich auch unter dem neuen Recht nach 
dem bisherigen Recht (Art. 112 Abs. 1 MWSTG).

2.3 Der in Art. 9  der  Bundesverfassung der  Schweizerischen Eidge-
nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verankerte Schutz von 

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Treu und Glauben bedeutet, dass der Bürger Anspruch darauf hat, in 
seinem berechtigten Vertrauen in behördliche Zusicherungen oder in 
anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behör-
den geschützt zu werden. Zunächst einmal bedarf jedoch der Vertrau-
ensschutz  einer  gewissen  Grundlage.  Die  Behörde  muss  nämlich 
durch ihr  Verhalten beim Bürger eine bestimmte Erwartung ausgelöst 
haben. Dies geschieht oft durch Auskünfte oder Zusicherungen, wel-
che auf  Anfragen von Bürgern erteilt  werden, kann aber auch durch 
sonstige Korrespondenz entstehen. Es müssen indessen verschiedene 
Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein, damit sich der Private mit Er-
folg auf Treu und Glauben berufen kann.

Die unrichtige Auskunft der Verwaltungsbehörde ist nur bindend wenn:
• die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte 

Personen gehandelt hat;
• wenn sie dabei für die Erteilung der betreffenden Auskunft zustän-

dig  war  oder  wenn  der  Bürger  die  Behörde  aus  zureichenden 
Gründen als zuständig betrachten durfte;

• wenn gleichzeitig der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft  nicht 
ohne weiteres erkennen konnte;

• wenn er im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositio -
nen  getroffen  hat,  die  nicht  ohne  Nachteil  rückgängig  gemacht 
werden können und

• wenn die gesetzliche Ordnung seit  der  Auskunftserteilung keine 
Änderung erfahren hat.

Zudem muss das private Interesse am Vertrauensschutz das öffent li-
che Interesse an der richtigen Rechtsanwendung überwiegen, damit 
die Berufung auf  Treu und Glauben durchdringen kann (BGE 131 V 
472 E. 5, Urteil des Bundesgerichts 1C_242/2007 vom 11. Juni 2008 
E.  3.3.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2036/2008  vom 
19. August 2009 E. 2.4.1, A-1711/2006 vom 23. Januar 2009 E. 2.8, A-
1336/2006 vom 2. Juli 2008 E. 4.4 mit Hinweisen). Im Steuerrecht, das 
vom  Grundsatz  der  Gesetzmässigkeit  der  Besteuerung  beherrscht 
wird, ist das Prinzip von Treu und Glauben nach der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung nur beschränkt anwendbar. Bei unrichtigen Zu-
sicherungen kann eine vom Gesetz  abweichende Behandlung eines 
Steuerpflichtigen nur in Betracht fallen, wenn die erwähnten Bedingun-
gen klar und eindeutig erfüllt sind (BGE 131 II 627 E. 6.1, 118 Ib 312 
E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2000, veröffentlicht in 
Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 70 S. 771 f. E. 6a).

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In Bezug auf mündliche und im Speziellen telefonische Zusicherungen 
und Auskünfte genügt die blosse, unbelegte Behauptung einer telefo-
nischen  Auskunft  oder  Zusage  nicht,  um  einen  Anspruch  aus  dem 
Grundsatz des Vertrauensschutzes zu begründen. Eine nicht schriftlich 
belegte telefonische Auskunft ist zum Beweis von vornherein kaum ge-
eignet  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.191/2002  vom  21.  Mai  2003 
E. 3.2.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2036/2008  vom 
19. August 2009 E. 2.4.2,  A-1681/2006 vom 13. März 2008 E. 5.2.7; 
Entscheid  der  Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  [SRK]  vom 
6. März 2006, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden 
[VPB] 70.78 E. 5c mit Hinweisen). Eine Auskunft muss durch schrift li-
che Unterlagen belegt werden können und es wird beispielsweise ver -
langt, dass derjenige, der sich auf eine Auskunft oder Zusicherung be-
rufen  will,  sich  diese  von  der  Verwaltung  schriftlich  bestätigen  lässt 
(vgl.  auch  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2036/2008  vom 
19. August 2009 E. 2.4.2, A-1391/2006 vom 16. Januar 2008 E. 3.2). 

3.
3.1 Im vorliegenden  Fall  macht  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Be-
schwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  nicht  mehr  geltend,  der 
Mehrwertsteuer unterliegende Ausgangsumsätze ("Output") erzielt zu 
haben; sie hat solche in ihren regelmässigen Mehrwertsteuerabrech-
nungen für die Steuerperioden vom 1. Januar 2000 bis 31. März 2003 
auch nicht ausgewiesen. In den Einsprachen vom 9. Februar 2004 hat-
te sie noch vorgebracht, ihr Warengeschäft habe definitiv im Jahr 2000 
geendet,  die  Stilllegung der  Gesellschaft  sei  Ende 2002 erfolgt. Die 
gemeldeten Quartalsumsätze 2001 und 2002 seien immer Null gewe-
sen. In der Beschwerde vom 27. Januar 2009 kommt sie nicht einmal 
mehr auf  diese Begründung für  einen gewissen Ausgangsumsatz im 
Jahr 2000 zurück. Sie behauptet lediglich, sie habe ihre Geschäftstä-
tigkeit im Lauf des Jahres 2002 bis 31. März 2003 vollumfänglich ein-
gestellt  und  deshalb  ihre  Umsatzsteuernummer/Mehrwertsteuernum-
mer löschen lassen. Die Löschung der Beschwerdeführerin im Regis-
ter der Mehrwertsteuerpflichtigen erfolgte auf den 31. März 2003; die 
Frage der Löschung hat deshalb keinerlei Relevanz in Bezug auf For-
derungen der  ESTV vor diesem Datum. Ebenso ist  der  weitere Ein-
wand  des  Vertreters  der  Beschwerdeführerin  völlig  irrelevant,  ob  er 
diese an einen Dritten verkauft und deren Aktien übertragen hat, bleibt  
doch immer unverändert die Beschwerdeführerin Schuldnerin der For-
derungen der ESTV. Eigenverbrauch oder Liquidationserlös macht die 
Beschwerdeführerin  schliesslich  auch nicht  geltend. Fehlt  es folglich 

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an  einem der  Mehrwertsteuer  unterliegenden  Ausgangsumsatz,  und 
liegt auch kein Eigenverbrauch oder Liquidationserlös vor, können fol-
gerichtig keine Vorsteuern geltend gemacht werden (vgl. oben E. 2.1).

3.2 Der Rückforderungsanspruch der ESTV entstand mit den jeweili-
gen Auszahlungen der durch die Beschwerdeführerin zu Unrecht be-
zogenen  Vorsteuern  für  die  Steuerperioden  1.  Januar  2000  bis 
31. März 2003; er verjährt fünf Jahre nach der Entstehung. Die ESTV 
hat  der  Beschwerdeführerin  gegenüber  mit  den  beiden  EA  (Nr. 
07426748 und 07426749) vom 22. August 2003 ihren Rückforderungs-
anspruch betreffend diese Steuerperioden 1. Januar 2000 bis 31. März 
2003 geltend gemacht und die Verjährung damit unterbrochen. Weitere 
Unterbrechungen  erfolgten  jeweils  durch  die  Entscheide  der  ESTV 
vom 12. Januar 2004 und den Einspracheentscheid vom 22. Dezember 
2008. Die Forderungen der ESTV gegenüber der Beschwerdeführerin 
sind damit zweifellos nicht verjährt (vgl. oben E. 2.2).

3.3 Im Einspracheentscheid stellt die ESTV nicht in Abrede, zwischen 
der  Beschwerdeführerin  und  ihren  Mitarbeitern  hätten  Gespräche 
stattgefunden;  Absprachen  bezüglich  einer  Vorsteuerrückerstattung 
trotz fehlenden gesetzlichen Voraussetzungen seien aber aus den Ak-
ten nicht ersichtlich und auch sonst in keiner Weise nachvollziehbar. 
Das Bundesverwaltungsgericht teilt  diese Ansicht der ESTV; tatsäch-
lich finden sich in den vorliegenden Akten keinerlei Hinweise auf tele-
fonische oder direkte Absprachen betreffend die Vorsteuerrückerstat-
tungen  zwischen  der  Beschwerdeführerin,  ihrem  Vertreter  und  der 
ESTV. Die  Beschwerdeführerin  vermag  auch  keine  diesbezüglichen 
schriftlichen Beweise zu nennen oder Zeugen anzurufen, sodass sie 
sich nicht  mit  Erfolg auf solche Absprachen zu berufen vermag (vgl. 
oben E. 2.3).

4.
Dem Gesagten  zufolge  ist  die  Beschwerde abzuweisen. Bei  diesem 
Verfahrensausgang  sind  der  Beschwerdeführerin  die  Kosten  für  das 
Beschwerdeverfahren  aufzuerlegen  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die 
Verfahrenskosten sind auf Fr. 2'200.-- festzusetzen (Art. 4 des Regle-
ments vom 21. Februar  2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  und  mit 
dem Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Eine Parteient-
schädigung  an  die  Beschwerdeführerin  ist  unter  diesen  Umständen 
nicht auszurichten.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'200.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'200.-- verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus Metz Ursula Spörri

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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