# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 449f5dfb-c91b-59b0-99ec-4a283c551729
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.07.2009 D-4639/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4639-2008_2009-07-29.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4639/2008
sch/bah/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  J u l i  2 0 0 9

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richter Fulvio Haefeli, Richter Thomas Wespi, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, Geburtsdatum unbekannt,
Äthiopien,
vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 7. Juli 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4639/2008

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe Eritrea im September 
2005 verlassen; am 21. Dezember 2005 gelangte er in die Schweiz, 
wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte.

A.a Bei der Erstbefragung, die am 9. Januar 2006 im Empfangs- und 
Verfahrenszentrum  Chiasso  stattfand,  sagte  er  aus,  er  sei  in  Addis 
Abeba  (Äthiopien)  geboren  worden  und  habe  seit  dem  Jahre  1999 
oder 2000 zusammen mit seinem Vater in B._______ (Eritrea) gelebt. 
Seine  Mutter  sei  in  Addis  Abeba  geblieben.  Da  sein  Vater  älter 
geworden sei und er (der Beschwerdeführer) sich dem Alter genähert 
habe, in dem er militärdienstpflichtig geworden wäre, habe sein Vater 
daran  gedacht,  ihn  ausser  Landes  zu  bringen.  Da  Eritrea  und 
Äthiopien sich im Krieg befänden, habe er keinen Militärdienst leisten 
wollen.  Er  habe  in  Eritrea  weder  mit  den  Behörden  noch  mit 
Privatpersonen  Schwierigkeiten  gehabt.  Das  BFM  wies  den 
Beschwerdeführer  während  der  Erstbefragung  darauf  hin,  dass  es 
Zweifel an der von ihm behaupteten Minderjährigkeit hege, weshalb er 
für den weiteren Verlauf des Verfahrens als volljährig betrachtet werde.

A.b Am 10. Januar 2006 wurde beim Beschwerdeführer durch einen 
Kinderarzt eine Radiographie seiner Hand durchgeführt. Dem Bericht 
des Arztes ist zu entnehmen, dass das Knochenalter einem chronolo-
gischen Alter von 19 Jahren oder mehr entspreche.

A.c (Die  kantonale  Behörde)  teilte  dem  Beschwerdeführer  am 
17. Januar  2006  eine  rechtskundige  Person  als  Begleiterin  im 
Asylverfahren zu. 

A.d Der  Beschwerdeführer  wurde  von  der  kantonalen  Behörde  am 
31. Januar 2006 zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im We-
sentlichen geltend, er habe, kurz nachdem er nach Eritrea gereist sei, 
eine Identitätskarte ausgestellt  erhalten,  die er  dem Schlepper habe 
abgeben müssen. Er  sei  in  Addis  Abeba geboren worden und habe 
dort mit seinen Eltern zusammen gewohnt, bis sein Vater und er nach 
Eritrea ausgeschafft worden seien. Eigentlich hätte nur sein Vater aus-
reisen  müssen.  In  Eritrea  habe  er  zusammen  mit  dem  Vater  in 
B._______  gelebt  und  ein  Jahr  lang  die  Schule  besucht.  Er  habe 
Eritrea allein deshalb verlassen, weil er habe vermeiden wollen, den 

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Militärdienst leisten zu müssen. Er wolle niemanden töten und nicht an 
einem Krieg teilnehmen.

A.e Mit Schreiben vom 25. Mai 2007 zeigte der vormalige Rechtsver-
treter  des  Beschwerdeführers  seine  Mandatsübernahme  an.  Dem 
Schreiben lagen eine Taufurkunde, ein eritreischer Flüchtlingsausweis 
und ein Mitgliedschaftsausweis der "Eritrean Democratic Party" (EDP) 
bei. Der Beschwerdeführer habe diese Dokumente von seinem Vater 
zugestellt erhalten.

A.f Das BFM zeichnete am 31. Juli 2007 ein mit dem Beschwerdefüh-
rer geführtes Gespräch auf, aufgrund dessen es eine Herkunftsanaly-
se (LINGUA) erstellen liess. Der Experte gelangte in seinem Bericht 
vom 31. Oktober 2007 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei  nicht 
hauptsächlich in Eritrea sozialisiert worden.

A.g Das BFM teilte dem Beschwerdeführer am 4. Dezember 2007 den 
wesentlichen Inhalt  des Expertenberichts mit  und gewährte ihm Frist 
zur Einreichung einer Stellungnahme.

A.h Mit der Stellungnahme vom 19. Dezember 2007 kündigte der heu-
tige Rechtsvertreter die Übernahme des Mandats an. Der Stellungnah-
me lag die eritreische Identitätskarte des Vaters des Beschwerdefüh-
rers bei.

A.i Das BFM führte am 23. Januar 2008 eine ergänzende Anhörung 
des Beschwerdeführers durch. Er sagte aus, er habe keine Identitäts-
karte gehabt, da er minderjährig gewesen sei, aber auf der Deportati-
onskarte stünden auch seine Personalien. Sein Vater sei  mittlerweile 
verstorben. Er könne weder nach Äthiopien noch nach Eritrea zurück-
kehren. 

A.j Am 13. Februar 2008 ersuchte das BFM die schweizerische Bot-
schaft in Addis Abeba um die Vornahme von Abklärungen in Äthiopien.

A.k Die  Botschaft  übermittelte  am 23. Mai  2008  das  Ergebnis  ihrer 
Abklärungen.

A.l Das BFM informierte den Beschwerdeführer am 28. Mai 2008 über 
die  vorgenommene Botschaftsabklärung  und  deren  wesentliches  Er-
gebnis. Es wurde ihm Frist  zur Einreichung einer Stellungnahme ge-
währt.

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A.m Der Beschwerdeführer übermittelte am 26. Juni 2008 seine Stel-
lungnahme.

B.
Mit Verfügung vom 7. Juli 2008 trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 
Bst. b  des  Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG,  SR 142.31)  auf 
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, und verfügte dessen 
Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug.

C.
C.a In  seiner  durch  den  Rechtsvertreter  eingereichten Eingabe  vom 
11. Juli 2008 liess der Beschwerdeführer um die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung ersuchen. Die Sache sei zur Prüfung des Asylge-
suchs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei die unentgeltliche Pro-
zessführung  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses zu verzichten.

C.b Am 16. Juli  2008 liess  der  Beschwerdeführer  eine  vom 15. Juli 
2008 datierende Bestätigung seiner Fürsorgeabhängigkeit einreichen.

D.
Der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  forderte  den 
Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  16.  Juli  2008  auf,  bis  zum 
18. August 2008 die von ihm in Aussicht gestellten Beweismittel einzu-
reichen. Des weiteren wurde ihm mitgeteilt, dass über die Gesuche um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021) und Verzicht auf  die Erhebung eines 
Kostenvorschusses zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde.

E.
Am 18. August 2008 gab der Beschwerdeführer die Todesurkunde sei-
nes Vaters zu den Akten.

F.
Mit  Verfügung  vom  2.  September  2008  teilte  der  Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer mit,  dass auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses verzichtet werde. Über das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 werde zu einem spä-
teren Zeitpunkt befunden. Die Akten wurden zur Vernehmlassung an 
das BFM übermittelt.

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G.
In  seiner  Vernehmlassung  vom 10. September  2008  beantragte  das 
BFM die Abweisung der Beschwerde.

H.
Der Beschwerdeführer liess in der Stellungnahme vom 26. September 
2008 an seinen Anträgen festhalten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen (Art. 32-35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die 
Vorinstanz zu  Recht  auf  das Asylgesuch nicht  eingetreten ist. Dem-
nach enthält sich die Beschwerdeinstanz - sofern sie den Nichteintre-
tensentscheid als unrechtmässig erachtet - einer selbständigen mate-
riellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sa-
che zu neuer  Entscheidung an die Vorinstanz  zurück (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 6 AsylG 

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i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  und  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Auf Asylgesuche wird  nicht  eingetreten,  wenn Asylsuchende die 
Behörden über ihre Identität täuschen und diese Täuschung aufgrund 
der Ergebnisse der erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer 
Beweismittel feststeht (Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG).

3.2 Der Begriff  der Identität im asylrechtlichen Sinn umfasst Namen, 
Vornamen,  Staatsangehörigkeiten,  Ethnie,  Geburtsdatum,  Geburtsort 
und Geschlecht (Art. 1 Bst. a AsylV 1).

4.  
4.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass aufgrund des 
Resultats der am 10. Januar 2006 vorgenommenen Knochenaltersbe-
stimmung davon auszugehen sei, der Beschwerdeführer sei zum da-
maligen Zeitpunkt mindestens 19 Jahre alt gewesen. Dies impliziere, 
dass seine Angaben zum Geburtsdatum nicht den Tatsachen entspre-
chen könnten. Die  Herkunftsanalyse habe ergeben,  dass  er  nicht  in 
der  Lage  gewesen  sei,  einigermassen  substanziierte  Angaben  zum 
geografischen Raum in Eritrea zu machen, wo er zwischen 2000 und 
2005 gelebt haben wolle. So habe er kein Dorf in der Umgebung nen-
nen sowie keine Angaben dazu machen können, wie die Leute in der 
Umgebung lebten und sich ernährten. Er habe unzutreffende Aussa-
gen  zu  angeblich  im  Dorf  vorhandenen  Gastronomiebetrieben  ge-
macht. Ferner sei  er nicht in der Lage gewesen, den Tatsachen ent-
sprechende  Angaben  zu  Klima  und  Wetter  zu  machen,  und  habe 
nichts über in der Region verbreitete Essgewohnheiten gewusst. Ab-
klärungen der schweizerischen Vertretung in Addis Abeba hätten erge-
ben,  dass  er  äthiopischer  Staatsangehöriger  sei  und  bis  zu  seinem 
Weggang ins Ausland in Addis Abeba gelebt habe, wo sein Vater vor 
einigen Jahren verstorben sei. Diese Angaben liessen eindeutige Ant-
worten zu den vorliegend entscheidenden Fragen nach der Herkunft 
und dem Aufenthalt des Gesuchstellers zu. Es sei offensichtlich, dass 
er sich nie in Eritrea aufgehalten habe und äthiopischer Staatsangehö-
riger sei. Diese Einschätzung werde durch zahlreiche Ungereimtheiten 

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in  seinen Vorbringen bestätigt. Während er  gemäss seinen Angaben 
bei der Erstbefragung in Addis Abeba geboren worden sei, habe er bei 
der Anhörung durch das BFM gesagt, er sei im Kleinkindalter dorthin 
gekommen.  Bei  der  kantonalen  Anhörung  habe  er  zu  Protokoll 
gegeben,  er  habe in  Eritrea eine Identitätskarte  gehabt,  die er  dem 
Schlepper  abgegeben  habe,  während  er  bei  der  ergänzenden 
Anhörung  gesagt  habe,  er  habe  nie  ein  derartiges  Dokument 
besessen, da er minderjährig gewesen sei. Dem von ihm eingereichten 
Taufschein könne keine genügende Beweiskraft zuerkannt werden, da 
solche Dokumente leicht erhältlich seien. Der abgegebene Ausweis für 
eritreische Flüchtlinge sei nicht authentisch, da es sich bei der auf der 
Fotografie  abgebildeten  Person  nicht  um  den  Beschwerdeführer  im 
Alter  seiner (gemäss Dokument im Jahr 2001 erfolgten) Ausweisung 
nach Eritrea handeln könne. Damals müsste er ungefähr 14 Jahre alt 
gewesen  sein,  was  unvereinbar  mit  der  auf  der  Fotografie 
abgebildeten  Person  sei.  Die  Erklärung,  es  sei  möglich,  dass  sein 
Vater  den  Ausweis  nochmals  habe  ausstellen  lassen,  müsse 
angesichts  des  Verwendungszwecks  desselben  als  unbehelflich 
eingestuft  werden.  Der  Beschwerdeführer  habe  eine  Identitätskarte 
eingereicht, welche seinem Vater - gemäss Ausweis geboren im Jahr 
1933  -  gehört  haben  solle.  Im  Widerspruch  dazu  habe  er  geltend 
gemacht, sein Vater sei 58 bis 60 Jahre alt, was auf ein Geburtsjahr 
1946 oder 1948 schliessen lasse. Ausserdem sei unvereinbar, dass er 
gemäss  einer  Eingabe vom 25. Mai  2007 kurz  zuvor  in  Kontakt  mit 
seinem  Vater  gestanden  habe,  wenn  dieser  gemäss  Auskunft  der 
schweizerischen  Botschaft  in  Addis  Abeba  vor  einigen  Jahren 
verstorben sei. Die eingereichte eritreische Identitätskarte sei folglich 
nicht geeignet, die Einschätzung des BFM umzustossen, wonach der 
Beschwerdeführer äthiopischer Staatsangehöriger sei. Dies gelte auch 
für  den  von  ihm  eingereichten  Mitgliederausweis  der  EDP,  würden 
solche  Dokumente  gemäss  Erkenntnissen  des  BFM  doch  beliebig 
ausgestellt.  Aufgrund  dieser  Ausführungen  stehe  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer die Behörden im Rahmen des Asylverfahrens über 
seine Identität getäuscht habe.

4.2 In  der  Beschwerde  wird  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  das 
BFM habe in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes keine Abwä-
gung der für und gegen den Beschwerdeführer sprechenden Sachver-
haltselemente  vorgenommen.  Von  ihm  geschilderte 
Glaubwürdigkeitselemente und eingereichte Beweismittel seien ausge-
klammert  bzw. nicht  hinreichend  gewürdigt  worden.  Das  BFM  habe 

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sich  einseitig  auf  die  Abklärungen  der  schweizerischen  Botschaft 
gestützt.  Die  Beweismittel  und seine detaillierten  und  überprüfbaren 
Angaben  seien  nicht  hinreichend  gewürdigt  worden.  Aus  den 
Abklärungsergebnissen  gehe  nicht  hervor,  auf  welchen  rechtlichen 
Grundlagen die Angaben der befragten Person beruhten. Es würden 
keine konkreten Orts- und Zeitangaben gemacht. Vor dem Hintergrund, 
dass  rechtsgenügliche  amtliche  Urkunden  ins  Recht  gelegt  worden 
seien,  die das Gegenteil  bewiesen,  gehe es nicht  an,  dass lediglich 
aufgrund  eines  Telefongesprächs  mit  einer  Drittperson  davon 
ausgegangen werde, sein Vater sei in Addis Abeba gestorben und er 
sei  äthiopischer  Staatsangehöriger. Aus dem Ausweis für  eritreische 
Flüchtlinge  gehe  rechtsgenüglich  hervor,  dass  sein  Vater  und  er 
deportiert  worden seien. Es sei  unmöglich,  dass sein Vater in Addis 
Abeba verstorben sei. Weitere Beweismittel  dafür, dass sein Vater in 
Eritrea  gelebt  habe  und  dort  kürzlich  verstorben  sei,  würden 
nachgereicht.  Die  Vorinstanz  habe  den  eingereichten  Beweismitteln 
jeglichen  Beweiswert  abgesprochen.  Es  sei  notorisch,  dass  man  in 
Eritrea als  Minderjähriger  keine Identitätskarte  erhalte,  und er  sei  in 
Eritrea  nachgewiesenermassen  noch  minderjährig  gewesen.  Das 
verallgemeinerte Argument des BFM, wonach die ins Recht gelegten 
Ausweise leicht  erhältlich seien, sei unzulässig. Die Behauptung, bei 
der  auf  der  Fotografie  abgebildeten  Person  könne es  sich  nicht  um 
den Beschwerdeführer zum Zeitpunkt  seiner Ausweisung aus Eritrea 
handeln,  beruhe  auf  der  subjektiven  Wahrnehmung  des 
Sachbearbeiters und werde bestritten. Diese Wahrnehmung habe sich 
auch  nach  der  Knochenaltersanalyse  als  falsch  erwiesen. Dass  der 
Beschwerdeführer Probleme mit den Umrechnungen des äthiopischen 
in  den  gregorianischen  Kalender  habe,  werde  nicht  bestritten.  In 
Eritrea und in Äthiopien sei es keine Seltenheit,  dass man das Alter 
seiner  Angehörigen  nicht  genau  kenne.  Die  übrigen  Angaben  zu 
seinem  Vater  stimmten  mit  den  Angaben  im  Ausweis  überein.  Das 
BFM  sei  der  Ansicht,  er  habe  keine  substanziierten  Angaben  zu 
seinem Wohnort in Eritrea machen können. Er sei in jungem Alter aus 
seinem vertrauten Umfeld herausgerissen worden und sei nicht willens 
und in der Lage gewesen, sich in Eritrea zu integrieren. Er habe sich 
aufgrund  seiner  gemischt-ethnischen  Herkunft  isoliert.  Die 
Erwägungen des BFM zur Beweiskraft  der eingereichten Dokumente 
genügten den Anforderungen der aus dem Grundsatz des Anspruchs 
auf  rechtliches  Gehör  abgeleiteten  Abklärungs-  und 
Begründungspflicht  nicht.  Mit  der  angegebenen  Begründung  dürfe 
nicht ohne weiteres auf die Unechtheit der eingereichten Dokumente 

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geschlossen werden. Auch die Würdigung der  Knochenaltersanalyse 
zeige, wie einseitig der Sachverhalt gewürdigt worden sei.

4.3 Das BFM weist in seiner Vernehmlassung darauf hin, dass Doku-
mente  wie  der  eingereichte  Todesschein  käuflich  seien. Dem einge-
reichten Ausweis für eritreische Flüchtlinge seien weitere Ungereimt-
heiten zu entnehmen. Weder das aufgeführte Geburtsjahr seines an-
geblichen  Vaters  (1932)  noch  dasjenige  des  Beschwerdeführers 
(1980) stimmten mit den bis anhin geltend gemachten Altersangaben 
überein.

4.4 In der Stellungnahme wird entgegnet, die Behauptung der Vorins-
tanz,  beim  eingereichten  Totenschein  handle  es  sich  um  eine  Fäl-
schung, werde bestritten. Es werde nicht ausgeführt, worin die Vorins-
tanz Fälschungsmerkmale zu erkennen glaube. Mit der eingereichten, 
verallgemeinerten Begründung dürfe nicht auf die Unechtheit der ein-
gereichten  Dokumente  geschlossen  werden. Was die  Altersangaben 
im eritreischen Flüchtlingsausweis betreffe, werde darauf hingewiesen, 
dass die eritreischen Behörden mit  der Registrierung der Flüchtlinge 
überfordert  gewesen seien. Das Geburtsdatum des Vaters sei  falsch 
eingetragen worden, dieses gehe aber aus der Identitätskarte hervor. 
Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers sei  gemäss dem äthiopi-
schen Kalender eingetragen worden, da er dieses so angegeben habe. 
Das Jahr 1980 entspreche dabei dem Jahr 1988 gemäss gregoriani-
schem Kalender. 

5.
5.1
5.1.1 Der Beschwerdeführer machte bei der Erstbefragung vom 9. Ja-
nuar 2006 geltend,  er  sei  am 24. Juli  1988 geboren worden und 18 
Jahre alt. Auf Nachfrage erklärte er, er sei noch nicht 18-jährig. 

5.1.2 Das BFM liess am 10. Januar 2006 eine Knochenaltersanalyse 
durchführen, welche ein Knochenalter von 19 Jahren oder mehr ergab. 
Eine Knochenaltersanalyse stellt kein Gutachten im Sinne von Art. 12 
Bst. e VwVG dar, es handelt sich dabei um eine schriftliche Auskunft 
im Sinne von Art. 49 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über 
den Bundeszivilprozess (BZP, SR 273) in Verbindung mit Art. 19 VwVG 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission [EMARK]  2004 Nr. 31 E. 5 f. S. 222 ff.). Die bei den 
Akten liegende Auskunft des beauftragten Arztes (act. A10/1) genügt 
den  von  der  Rechtsprechung  aufgestellten  formellen  Anforderungen 

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an  schriftliche  Auskünfte  betreffend  Knochenaltersbestimmungen 
nicht.  So  hat  die  Bekanntgabe  des  Resultats  einer 
Knochenaltersbestimmung  namentlich  Angaben  betreffend  die 
fachliche Qualifikation des Arztes, die Identität des Exploranden, von 
diesem  allfällig  geltend  gemachte  Krankheiten  oder  besondere 
Lebensumstände (Anamnese),  die angewandte  Analysemethode,  die 
Umschreibung  des  festgestellten  Befunds  und  die  abgeleitete 
Schlussfolgerung zu enthalten (vgl. EMARK a.a.O. E. 7.3). Vorliegend 
ist  der  auf  einem  vorgedruckten  Formular  erteilten  Auskunft  zu 
entnehmen,  dass  ein  Kinderarzt  die  Knochenaltersbestimmung 
vorgenommen  hat.  Der  Auskunft  kann  jedoch  weder  entnommen 
werden,  ob  dieser  mit  dem  Beschwerdeführer  eine  Anamnese 
durchgeführt  hat,  noch  ist  ersichtlich,  welche  Analysemethode 
angewandt worden ist. Schliesslich ist festzuhalten, dass das Ergebnis 
der Knochenaltersanalyse (19 Jahre oder älter) eineinhalb Jahre vom 
Geburtsdatum,  das  der  Beschwerdeführer  angegeben hat,  abweicht. 
Damit  besteht,  abgesehen  von  den  formellen  Mängeln,  gemäss 
gefestigter  Rechtsprechung  allein  gestützt  auf  diese  Analyse  keine 
genügende Grundlage für einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 
32 Abs. 2 Bst. b AsylG, weil eine Abweichung von zweieinhalb bis drei 
Jahren  zwischen  dem  Knochenalter  und  dem  tatsächlichen  Alter 
innerhalb  des  Normalbereichs  liegt  (vgl.  EMARK 2000  Nr. 19  E.  7c 
S. 186 f. und E. 8 S. 187 f.), was von der Vorinstanz vorliegend auch 
nicht verkannt wurde. 

5.1.3 Mit  den  vorstehenden  Erwägungen  ist  indessen  nicht  gesagt, 
dass es dem Beschwerdeführer gelungen ist, seine Minderjährigkeit zu 
belegen oder glaubhaft zu machen. Der Beschwerdeführer reichte im 
vorinstanzlichen Verfahren eine von der eritreischen orthodoxen Kirche 
am 12. Februar 2007 ausgestellte Taufurkunde zu den Akten. Seinen 
Aussagen bei der kantonalen Befragung vom 30. Januar 2006 ist  je-
doch zu entnehmen, dass sich sein Geburtsschein bei seiner Mutter in 
Addis Abeba befinde (vgl. act. A14/20 S. 4). Der Umstand, dass er sich 
im Jahr 2007 eine Taufurkunde ausstellen liess und nicht den vorhan-
denen  Geburtsschein  einreichte,  bestärken  die  Zweifel  an  dem  von 
ihm  angegebenen  Geburtsdatum.  Auch  der  eingereichte  eritreische 
Flüchtlingsausweis, an dessen Authentizität überwiegende Zweifel be-
stehen (vgl. nachstehend E. 5.6), ist nicht geeignet, die Minderjährig-
keit  des  Beschwerdeführers  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  seines 
Asylgesuches zu belegen, da dort  lediglich das Alter wiedergegeben 

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worden  sein  soll,  welches  er  selbst  angegeben  habe  (vgl. 
Stellungnahme vom 26. September 2008 S. 2).

5.2
5.2.1 Das BFM liess den Beschwerdeführer über seine Fachstelle LIN-
GUA einer Herkunftsanalyse auf der Basis charakteristischer Merkma-
le in der Sprechweise sowie landeskundlich-kultureller Anhaltspunkte 
unterziehen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  anerkennt  die  LINGUA-
Analyse des BFM nicht als Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e 
VwVG; Art. 57 ff.  BZP i.V.m. Art. 19  VwVG),  sondern  als  schriftliche 
Auskunft  einer  Drittperson  (Art. 12  Bst. c  VwVG;  Art. 49  BZP  i.V.m. 
Art. 19 VwVG), misst ihr indessen - sofern bestimmte Anforderungen 
an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten 
wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der 
Analyse erfüllt sind - erhöhten Beweiswert zu (vgl. EMARK 2003 Nr. 14 
E. 7  S. 89;  1998  Nr. 34  S. 284 ff.).  Der  vorliegend  zu  beurteilenden 
LINGUA-Analyse kommt  nach  den  erwähnten  Kriterien  erhöhter  Be-
weiswert zu, da an der fachlichen Qualifikation, Objektivität und Neut-
ralität des Experten keine Zweifel bestehen und dessen Analyse über-
zeugend erscheint. 

5.2.2 Die vom Experten in seinem Bericht vom 31. Oktober 2007 ge-
zogene  Schlussfolgerung,  der  Beschwerdeführer  sei  mit  Sicherheit 
nicht hauptsächlich in Eritrea sozialisiert worden, widerspricht den An-
gaben des Beschwerdeführers, er habe erst ab dem Jahr 1999/2000 
bis im September 2005 in Eritrea gelebt (vgl. act. A1/10 S. 1), grund-
sätzlich nicht. Im LINGUA-Bericht wird hingegen überzeugend darge-
legt, aufgrund welcher Umstände die Angabe des Beschwerdeführers, 
er  habe  während  mehrerer  Jahre  in  B._______  gelebt,  zweifelhaft 
erscheint. Es ist ihm nicht gelungen, die Gegend, in welcher er gelebt 
haben will, ausreichend zu beschreiben. Seine Erklärung, er habe sich 
-  während  fünf  bis  sechs  Jahren  -  meistens  zuhause  aufgehalten, 
weshalb er  die Umgebung des Dorfes,  in  dem er  gelebt  habe,  nicht 
kenne,  vermag  nicht  zu  überzeugen.  Es  kann  nicht  davon 
ausgegangen werden, dass sich ein Jugendlicher, der weder von den 
Behörden noch von Privatpersonen etwas zu befürchten hat, jahrelang 
praktisch  nur  in  seinem  Wohnhaus  aufhält.  Zudem  hat  er  selbst 
ausgesagt,  er  habe  in  Eritrea  während  eines  Jahres  die  Schule 
besucht,  mit  Nachbarskindern  viel  Fussball  gespielt  und  er  sei  mit 
vielen  Nachbarskindern  befreundet  gewesen  (vgl.  act.  A14/20  S.  5, 
A25/16 S. 9 f.). Die in der Beschwerde erhobene Behauptung, er habe 

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keine  engen  Freundschaften  geknüpft  und  sich  weitgehend  isoliert 
(vgl. S. 5 f.),  lässt sich somit mit  seinen Aussagen bei der Anhörung 
durch  das  BFM  nicht  vereinbaren.  Ebensowenig  konnte  der 
Beschwerdeführer  Angaben  dazu  machen,  welches  die  (berufliche) 
Hauptbeschäftigung der Bewohner von B._______ war; hinsichtlich der 
Frage  nach  im  Wohnort  vorhandenen  Restaurants  machte  er 
unzutreffende Angaben. Die meisten Fragen über seinen Wohnort und 
dessen  nähere  Umgebung  liess  er  unbeantwortet.  Über  das  dort 
vorherrschende  Klima  und  Wetter  machte  er  ebenso  unzutreffende 
Angaben.  Die  vom  BFM  gezogene  Schlussfolgerung,  dem 
Beschwerdeführer  sei  es  nicht  gelungen,  einen  mehrjährigen 
Aufenthalt  in  B._______  glaubhaft  zu  machen,  wird  vom 
Bundesverwaltungsgericht  geteilt.  Da  der  Beschwerdeführer  eigenen 
Angaben gemäss seit  seiner  Geburt  bzw. dem Kleinkindalter  -  auch 
diesbezüglich äusserte er sich widersprüchlich (vgl. act. A1/10 S. 1 f., 
A14/20  S.  4,  A25/16  S.  8)  -  in  Addis  Abeba  lebte,  legen  seine 
unzureichenden Kenntnisse über die Region, in der er vor seiner Reise 
in  die  Schweiz  mehrere  Jahre  lang  gelebt  haben  will,  den  Schluss 
nahe, er habe bis zu seiner Reise in die Schweiz in Äthiopien gelebt. 
Die  Annahme  des  BFM,  er  besitze  die  äthiopische 
Staatsangehörigkeit,  ist  aus  Sicht  des  Bundesverwaltungsgerichts 
überzeugend.

5.3 Die  von  der  Vorinstanz  in  Auftrag  gegebenen  Abklärungen  in 
Äthiopien bestätigen das Ergebnis der LINGUA-Analyse insofern, als 
sie die Deportation des Beschwerdeführers nach Eritrea als unwahr-
scheinlich  erscheinen  lassen.  Es  darf  davon  ausgegangen  werden, 
dass die von der schweizerischen Botschaft kontaktierte Auskunftsper-
son Kenntnis von einer Deportation des Beschwerdeführers und sei-
nes Vaters gehabt hätte.

5.4 Schliesslich  erweisen sich auch die Aussagen des Beschwerde-
führers  selbst  in  mehreren  Punkten  als  klarerweise  widersprüchlich 
und ungereimt. So sagte er sowohl bei der Erstbefragung als auch bei 
der  kantonalen  Befragung  aus  (beide  Befragungen  fanden  Anfang 
2006  statt),  sein  Vater  sei  zirka  60  Jahre  alt  (vgl.  act.  A1/10  S. 3, 
A14/20 S. 4), während dieser gemäss den eingereichten Dokumenten 
(Flüchtlingsausweis, Identitätskarte) im Jahr 1932 oder 1933 geboren 
worden sei. Der Umstand, dass diese Altersangaben massiv voneinan-
der abweichen, erweckt erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der 
Ausführungen des Beschwerdeführers und der Authentizität der einge-

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reichten Dokumente. Bei der Erstbefragung und der kantonalen Befra-
gung gab er an, sein Vater habe in Eritrea nicht gearbeitet (vgl. act. 
A1/10 S. 3,  A14/20  S. 6),  wogegen er  bei  der  Anhörung  durch das 
BFM  geltend  machte,  dieser  sei  in  B._______  als  Mechaniker  tätig 
gewesen (vgl. act. A25/16 S. 9). Bei der kantonalen Befragung machte 
er geltend, er hätte Äthiopien nicht verlassen müssen (vgl. act. A14/20 
S. 5), bei der Anhörung durch das BFM sagte er, er sei aus Äthiopien 
ausgewiesen worden (vgl. act. A25/16 S. 13). Schliesslich sagte der 
Beschwerdeführer bei der Anhörung durch das BFM aus, seine Mutter 
sei im Moment nicht mehr in Äthiopien (vgl. act. A25/16 S. 3), wohinge-
gen die kurz darauf in Auftrag gegebene Botschaftsabklärung ergab, 
dass seine Mutter immer noch an der angegebenen Adresse lebe.

5.5 Insofern der Beschwerdeführer sich auf den Standpunkt stellt,  er 
habe seine Identität (Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit) mit den ein-
gereichten Dokumenten rechtsgenüglich belegt, ist festzuhalten, dass 
an der Authentizität der eingereichten Dokumente zumindest teilweise 
erhebliche Zweifel bestehen. Mit der eingereichten eritreischen Identi-
tätskarte  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  könnte  belegt  werden, 
dass sein Vater eritreischer und der Beschwerdeführer somit gemischt-
ethnischer Abstammung ist. Eine Deportation des Beschwerdeführers 
nach Eritrea kann damit nicht nachgewiesen werden. Das Bundesver-
waltungsgericht  teilt  die  Auffassung des BFM, wonach es  sich beim 
eritreischen Flüchtlingsausweis um ein nicht authentisches Dokument 
handeln muss. Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers wäre er 
zum Zeitpunkt der Einreise nach Eritrea 13 Jahre alt gewesen; auf der 
in den Ausweis eingefügten Fotografie, welche den Beschwerdeführer 
mit seinem Vater zeigt, ist indessen kein 13-jähriges Kind, sondern ein 
wesentlich älterer Jugendlicher bzw. junger Mann, der einen Kinnbart 
trägt, abgebildet. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer die 
bereits vom BFM geäusserte identische Feststellung bestreitet. Auch 
mit diesem Dokument kann nicht belegt werden, dass der Beschwer-
deführer nach Eritrea deportiert wurde. Dem eingereichten Parteiaus-
weis  der EDP kann hinsichtlich der vom Beschwerdeführer bestritte-
nen äthiopischen Staatsangehörigkeit keinerlei Beweiskraft zuerkannt 
werden. 

5.6 Das Bundesverwaltungsgericht  geht  aufgrund  der  gesamten  Ak-
tenlage davon aus, dass eine vom Beschwerdeführer zu verantworten-
de Identitätstäuschung mit genügender Sicherheit feststeht. Die Anga-
be des Beschwerdeführers, er besitze die äthiopische Staatsangehö-

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rigkeit nicht, erachtet das Bundesverwaltungsgericht als unzutreffend. 
Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in den Eingaben des 
Beschwerdeführers  und  die  eingereichten  Beweismittel  näher 
einzugehen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sachverhalts 
nichts zu ändern vermögen. 

5.7 Aufgrund des vorstehend Gesagten kann die in der Beschwerde 
vertretene  Auffassung,  das  BFM habe  den  Untersuchungsgrundsatz 
und die Begründungspflicht verletzt, nicht geteilt werden. Das BFM hat 
vorliegend  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  umfassend  abgeklärt 
und  seine  Verfügung  ausführlich  begründet,  so  dass  diese  sachge-
recht angefochten werden konnte.

5.8 Das BFM ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b 
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 

6.  
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-

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nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
der Beschwerdeführer über seine Identität getäuscht hat und den Ak-
ten keine anderen Hinweise zu entnehmen sind, kann nicht davon aus-
gegangen werden, ihm drohe in Äthiopien eine flüchtlingsrechtlich re-
levante  Gefährdung,  weshalb  das  in  Art. 5  AsylG verankerte  Prinzip 
des  flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements  im vorliegenden Verfah-
ren keine Anwendung finden kann. Eine Rückkehr  des Beschwerde-
führers nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer 
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde 
(vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Ben-
said gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des 
arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die allgemeine Menschen-
rechtssituation  in  Äthiopien  lässt  den  Wegweisungsvollzug  auch  für 

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Personen  gemischt-ethnischer  Abstammung  zum  heutigen  Zeitpunkt 
klarerweise nicht  als  unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist 
der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl-  als auch der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

7.4.1 Eine  Situation,  welche  äthiopische  Staatsangehörige  generell 
als  Gewalt-  oder  de-facto-Flüchtlinge  qualifizieren  würde,  lässt  sich 
aufgrund der heutigen, trotz weiterbestehender Grenzkonflikte mit Erit-
rea  insgesamt  nicht  durch  Krieg  oder  Bürgerkrieg  charakterisierten 
Lage  in  Äthiopien  auch  für  Personen  gemischt-ethnischer  Abstam-
mung nicht bejahen.

7.4.2 Der  Beschwerdeführer  stammt  gemäss  eigenen  Angaben  aus 
Addis  Abeba;  es  ist  davon  auszugehen,  dass  er  dort  bis  zum Jahr 
2005 lebte. Auch wenn nicht in Abrede zu stellen ist, dass er bei einer 
Rückkehr in sein Heimatland aufgrund der mehrjährigen Landesabwe-
senheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  könnte,  darf 
aufgrund der Gesamtumstände davon ausgegangen werden, dass er 
nicht in eine existenzbedrohende Lage geraten wird. So verfügt er in 
Addis  Abeba  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz;  seine 
Mutter soll in guten Verhältnissen leben. Dass sich in der Zwischenzeit 
daran etwas geändert  hätte,  kann den Akten nicht  entnommen wer-
den.

7.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich Vollzug der Wegweisung nach 
Äthiopien auch als zumutbar.

7.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 
83 Abs. 2 AuG).

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8.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da er fürsorgeab-
hängig  ist  (vgl.  Bestätigung  der  zuständigen  Behörde  vom  15.  Juli 
2008; der Beschwerdeführer geht auch heute noch keiner Arbeitstätig-
keit nach) und sich die Beschwerde nicht als aussichtslos darstellte, ist 
in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1  VwVG auf  die Auferlegung von 
Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine  Verfah-
renskosten auferlegt. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- die kantonale Behörde (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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