# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a548ed35-97e8-5b53-a32f-5a82b28f89f6
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-02
**Language:** de
**Title:** Anfechtungsgegenstand, berufliche Massnahmen nicht Gegenstand der Verfügung; Rentenbefristung; Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2015.00566
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00566.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00566
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Schwarzenberger
Urteil vom 2. Juni 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Pro
Infirmis
Zürich
Brühlgut
Stiftung, Sozialberatung, Y.___
Zürcherstrasse
46, 8400 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___, geboren 1958, war von 1994 bis 2012 als Inhaber der Z.___
selbständig erwerbstätig (Urk. 8/84 S. 2 oben). Am 20. Juni
2011 geriet er bei Fensterarbeiten mit der linken Hand in eine Fräse und zog sich dadurch tiefe Verletzungen am Mittelfingergrundgelenk sowie an der Grundphalanx des Mittelfingers und am Mittelgelenk des Ringfingers zu (Urk. 8/21/7-8 S. 1 Mitte; vgl. Urk. 8/21/5-6 Ziff. 1.4). Unter Hinweis auf eine
Fräsenverletzung
an der linken Hand meldete er sich am 24. Oktober 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/6).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte mit Ver
fügung vom 14. März 2013 Kostengutsprache für eine Umschulung im Rahmen des berufsbegleitenden Modullehrgangs „Agogische Begleitung von
Stellensu
chen
den
“ vom 7. Januar 2013 bis 31. Dezember 2014 sowie für einen
Com
pu
terkurs
(Urk. 8/54). Diese Massnahme wurde durch ein Praktikum be
gleitet (Urk. 8/54 S. 1 unten; vgl. Urk. 8/49). Die Umschulung wurde jedoch vorzeitig per 31. März 2014 abgeschlossen und die Praktikumsstelle wurde auf den gleichen Zeitpunkt hin aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt (Urk. 8/81, Urk. 8/82 S. 1 Mitte). Mit Verfügung vom 13. Mai 2014 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 5. Mai 2014 bis 4. Mai 2015 (Urk. 8/89).
Nach
Beizug
der Akten der Krankentaggeldversicherung (Urk. 8/100) und durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/109, Urk. 8/111-112, Urk. 8/124, Urk. 8/126) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 23. April
2015 eine ganze Rente für den Zeitraum vom 1. Juni bis 31. Dezem
ber 2012 zu (Urk. 8/129 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 20. Mai 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. April 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine
unbefristete Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 1 Ziff. 1-2). Ferner beantragte er die unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 1 Ziff. 5). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2015 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 29. September 2015 reichte der Beschwerdeführer weitere Doku
mente (Urk. 13/1-3) ein und beantragte die Ver
fügung vom 23. April 2015 sei aufzuheben und das Verfahren sei an die
Be
schwerdegegnerin
zu ergän
zenden medizinischen und beruflichen Abklärungen zurückzuweisen. Ausser
dem sei festzustellen, dass er Anspruch auf berufliche Massnahmen habe, even
tuell sei ihm eine Rente zu gewähren (Urk. 12 S. 1 Ziff. 1-3). Am 27. Okto
ber
2015 erstattete die Beschwerdegegnerin die Duplik (Urk. 18), was dem Be
schwerdeführer am 11. November 2015 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 19 S. 2 Ziff. 1).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zu
ständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwer
deweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.2
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozial
versicherungsgericht die Ge
setzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachver
halt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
hig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des ana
log anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E.
6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstu
fung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der
Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E.
2, 113 V 273 E.
1a, 109 V 262 E.
4a
, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E.
3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E.
2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass dem Beschwerdeführer die
angestammte Tätigkeit als Zimmermann nicht mehr zumutbar sei. Seit August 2013 seien ihm jedoch angepasste Tätigkeiten (keine schweren körperlichen Tätigkeiten, keine anhaltende Überkopfarbeit) zu 100% zumutbar. Bis Mai 2015 erhalte er noch im Rahmen eines Arbeitstrainings IV-Taggelder, danach sei er in der Lage, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (Urk. 3 S. 4 oben).
Die nachträglich eingereichten Arztberichte (Urk. 13/2-3) vermöchten keinen invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Gesundheitsschaden zu belegen, weshalb daraus kein Anspruch auf Leistungen abgeleitet werden könne (Urk. 18).
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer den Standpunkt (Urk. 12), die gewährte Umschulung sei nicht verwertbar und es sei offensichtlich, dass er Unterstützung und Massnahmen brauche, um gegebenenfalls in der freien Wirt
schaft wieder Fuss zu fassen. Aus diesem Grund müssten neue berufliche Mass
nahmen geprüft werden (S. 4 oben). Bezüglich seiner Arbeitsfähigkeit gehe die Beschwerdegegnerin nur von körperlichen Diagnosen aus und habe es dabei unterlassen zu berücksichtigen, dass auch eine psychische Beeinträchtigung und kognitive Defizite vorlägen (S. 4 unten). Es sei unklar, ob er überhaupt über eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt verfüge. Ausserdem werde er im Januar 2016 58 Jahre alt und es stelle sich die Frage, ob er überhaupt noch in den freien Markt eingliederbar sei. Zusammenfassend beruhe die angefochtene Verfügung auf einem medizinisch sowie beruflich ungenügend abgeklärten Sachverhalt (S. 5 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Befristung der zugesprochenen ganzen Rente für den Zeitraum vom 1. Juni bis 31. Dezember 2012.
2.4
Der Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens
ist die
angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 23. April 2015 (Urk. 2), mit welcher dem
Beschwerdeführer eine ganze Rente für den Zeitraum vom 1. Juni bis 31. Dezember 2012 zugesprochen wurde. Hinsichtlich beruflicher Massnahmen
liegt kein Entscheid der Beschwerdegegnerin und somit kein
Anfechtungs
objekt
vor, weshalb es diesbezüglich auch am
Streitgegenstand
fehlt, so dass
in diesem Punkt
auf die B
eschwerde nicht einzutreten ist (vgl. vorstehend E. 1.1).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erlitt am 20. Juni 2011 einen Unfall an der linken Hand, bei welcher er sich mit einer Fräse tiefe Verletzungen am
Mittelfingergrundge
lenk
sowie an der Grundphalanx des Mittelfingers und am Mittelgelenk des Ringfingers zuzog (Urk. 8/21/7-8 S. 1 Mitte; vgl. Urk. 8/21/5-6 Ziff. 1.4). Die Erstbehandlung fand im Spital O.___ und die Nachbehandlung im A.___ statt (Urk. 8/21/5-6 Ziff. 1.2 und Ziff. 1.4).
3.2
Vom 29. November bis 13. Dezember 2011 wurde der Beschwerdeführer in der
Rehaklinik
B.___
behandelt. Im Austrittsbericht vom 19. Dezember 2011 (Urk. 22/5-14
S. 1 Mitte) wurden folgende Diagnosen genannt:
-
Unfall vom 20. Juni 2011:
Fräsenverletzung
Hand links
-
Strecksehnendefekt
Dig
.
III und
Dig
.
IV, Knochendefekt Grundphalanx
Dig
.
III
-
20. Juni 2011 Plattenosteosynthese P1
Dig
. III mit
Radiuskno
chenspan
und Strecksehnenrekonstruktion mittels
Umkippplas
tik
Dig
. III und IV
-
2. September 2011 Röntgen
Dig
. II Hand links: progredienter
Durchbau
, keine eindeutige zunehmende
Remodellierung
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützen
dem
Rahmen
(ICD-
10 F10.21
)
-
anamnestisch rezidivierende Muskelkrämpfe, wahrscheinlich im Rahmen vo
n
nachfolgender Diagnose
(sensible Polyneuropathie), kein sicherer Anhalt für
Restless
-
Legs
-Syndrom
-
s
ensible Polyneuropathie
Der Beschwerdeführer könne die Verrichtungen des alltäglichen Lebens weitge
hend selbständig vornehmen. Es bestehe eine Einschränkung der Handfunktion und eine mittelschwere Leistungsminderung infolge einer psychischen Störung mit Krankheitswert (S. 4 oben).
3.3
Dr. med.
C.___
, Praktischer Arzt, führte in seinem Bericht vom 21. Janu
ar
2012 (Urk. 8/22/1-4) aus, dass er den Beschwerdeführer seit dem 24. Juni 2011
behandle, und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Ziff. 1.1):
-
Fräsenverletzung
Hand links
am
20. Juni 2011
-
Strecksehnendefekt III und IV
-
Knochen
defekt Grundphalanx III
-
Therapie:
Plattenosteosynthese mit Span Sehnenkonstruktion
-
chronischer Alkoholabusus
seit Jahre
n
Sodann nannte er als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1) unklare Muskelkrämpfe mit sensibler Polyneuropathie seit Jahren.
Seit dem 20. Juni 2011 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisheri
gen Tätigkeit als Zimmermann (Ziff. 1.6). Die bisherige Tätigkeit sei vorderhand aus medizinischer Sicht nicht zumutbar, es sei jedoch vorgesehen, den Be
schwerdeführer im alten Beruf zu
reintegrieren
(Ziff. 1.7).
3.4
Vom 13. Dezember 2011 bis am 3. Januar 2012 wurde der Beschwerdeführer in der D.___ behandelt. Im Verlegungsbericht vom 3. Januar 2012 (Urk. 8/22/15-18) wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1 Mitte):
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom gegenwärtig a
bstinent in
beschützender Um
gebung (ICD-10
F10.21)
-
Niko
tinabhängigkeitssyndrom (ICD-10
F17.24)
-
depressive Episoden (ICD-10
F32)
-
H
ypothyreose
-
Fräsenverletzung
Hand links im Rahmen des Unfalles
vom 20. Juni
2011
Während des stationären Aufenthaltes habe der Beschwerdeführer am
alkohol
spe
zifischen
Informations- und Motivationsprogramm teilgenommen. Er habe keine alkoholbedingten Rückfälle gehabt und habe am
Behandlungspro
gramm
motiviert teilgenommen. Medizinische Komplikationen oder interkur
rente Erkran
kungen seien nicht aufgetreten (S. 1 unten).
3.5
Dr. med. E.___, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates,
A.___
, nannte in seinem Bericht vom 12. Dezem
ber
2012 (Urk. 8/100/56) die folgenden Diagnosen (S. 1 oben):
-
Status nach offener AC-Gelenksstabilisation nach Weaver Dunn rechts am 11. September 2012
-
Status nach
frozen
shoulder
nach AC-Gelenksluxation (
Roockwood
III) rechts 2007
Vom 11. September bis 31. Dezember 2012 bestehe eine 100%ige Arbeits
un
fähig
keit. Ab 1. Januar 2013 bestehe für körperlich unbelastete Ar
beiten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 1 unten).
3.6
In seinem Bericht vom 6. Februar 2013 (Urk. 8/100/54-55) nannte Dr. E.___ die gleichen Diagnosen wie im Dezember 2012 (S. 1 oben).
Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe bis am 22. März 2013, wobei auf eine Leistungssteigerung und auch Belastbarkeit geachtet werden sollte mit dem Ziel
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ab dem 25. März 2013 (S. 1 unten, S. 2 oben).
3.7
In seinem Bericht vom 8. April 2013 (Urk. 8/100/52-53) nannte Dr. E.___ die gleichen Diagnosen wie im Dezember 2012 (S. 1 oben) und führte unter ande
rem aus, dass die 50%ige Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers vorerst so zu belassen sei, da er glaubhaft versichert habe, dass jegliche Steigerung der Be
lastung des Schultergelenkes wieder zu einem Knacken und Schmerzen führe. Nichtsdestotrotz sei ihm die Umschulung nahegelegt worden, da eine 100%ige Arbeitstätigkeit in einem handwerklichen Beruf längerfristig aufgrund der immer noch beschriebenen Beschwerden nicht als realistisch angesehen werden könne. Es sei eine klinische Verlaufskontrolle mit dann allenfalls Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit in zwei Monaten geplant (S. 1 unten).
3.8
Gemäss Feststellungsblatt vom 5. Januar 2015 (Urk. 8/110) nannte Dr. med. F.___, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regional Ärztlicher Dienst (RAD), in seiner Stellungnahme vom 21. August 2014 folgende Diagnosen mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 Mitte):
-
Fräsenverletzung
linke Hand am 20. Juni 2011 mit:
-
Strecksehnendefekt
Dig
. III und IV
-
Knochendefekt Grundphalanx
Dig
. III
-
Sta
tus nach Plattenosteosynthese
-
Schulteroperation 16. Juli (richtig: 11. September; vgl. Urk. 8/100/65-66)
2012
Seit dem 20. Juni 2011 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisheri
gen Tätigkeit als Zimmermann. In einer angepassten Tätigkeit, welche keine schweren körperlichen Arbeiten sowie keine anhaltende Überkopfarbeit bein
halte dürfe, sei vom 20. Juni 2011 bis 31. Dezember 2012 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Vom 1. Januar bis 7. Juni 2013 habe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit und vom 10. Juni bis 2. August 2013 eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit dem 5. August 2013
bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer befinde sich ausserdem seit Januar 2013 in einer Umschulungsmassnahme (S. 4 unten).
3.9
Dr.
med.
G.___
,
Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie
, führte in ihrem Bericht vom 27. Juli 2015 (Urk.
13/3)
aus, dass sie den Beschwerde
führer seit dem 23. Januar 2015 behandle (Ziff. 1), und nannte folgende Diagnosen (Ziff. 2):
-
leichte depressive Episode (F32.0)
-
Störung durch Alkohol, zum Teil schädlicher Gebrauch (F10.1)
-
Störung durch Nikotin (F17.25)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit zum Teil narzisstischen Zügen
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermann könne sie sich nicht äussern, denn als Psychiaterin könne sie die somatische Seite nicht beur
teilen (Ziff. 3). Aus ärztlich-psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer in
der angepassten Tätigkeit als
Arbeitsagoge
100%ig arbeitsunfähig, weil ihm ent
scheidende Fähigkeiten fehlen würden, dies aufgrund seiner Psychopatholo
gie. Er habe deutliche Einschränkungen in seiner Anpassungsfähigkeit sowie Flexi
bilität und es fehle ihm auch die Möglichkeit, in komplexen
Teamsituatio
nen
adäquat zu reagieren. Ausserdem sei er nicht in der Lage, den gesamten administrativen Anteil seiner Arbeit zu erledigen und wirke auch in seiner Kognition und Reflexionsfähigkeit eingeschränkt. Er entspreche in seinem
Leis
tungsprofil
einem Teilnehmer an einem geschützten Arbeitsplatz. Es bestehe auch für andere Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 4).
3.10
Dipl.-Psych.  H.___, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt, Lei
tung
K.___, Psychiatrische Dienste J.___, nannten im Bericht vom 2. September 2015 (Urk. 13/2) folgende Di
agno
sen (S. 1):
-
l
eichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung
-
sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen auf
grund
einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Ge
hirn
s
(
F07.8
)
-
Verdacht auf
ADHS im Erwachsenenalter mit Beginn in der Kindheit
-
E
infache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
(
F90.0
)
-
v
orbeschrieben
e
leichte depressive Episode, im aktuellen klinischen Eindruck eher mittelschwer
-
l
eichte depressive Episode
(
F32.0
)
-
vorbeschrieben: p
sychische und Verhaltensstörungen durch Tabak:
Abhän
gigkeitssyndrom
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Tabak:
Abhängigkeitssyn
drom
(
F17.2
)
-
v
orbeschrieben:
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: teil
weise schädlicher Gebrauch
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Schädlicher Ge
brauch
(
F10.1
)
-
vorbeschrieben: akzentuierte Persönlichkeitszüge mit zum Teil narzissti
schen
Zügen
-
Problem
e
mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
(
Z73
)
Testpsychologisch fänden sich beim Beschwerdeführer leichte bis mittelschwere Beeinträchtigungen im Bereich der Aufmerksamkeit mit deutlich verminderter allgemeiner Aktivierung, Verlangsamung und verminderter Belastbarkeit. Die verbalen Lern- und Gedächtnisfunktionen sowie die Exekutivfunktionen (redu
zierte Fehler- und Interferenzkontrolle) seien ebenfalls leicht bis mittelschwer reduziert. Das figurale Lernen und Gedächtnis sowie die visuelle und räumliche Verarbeitung seien durchschnittlich. Die orientierende Beurteilung des
vorbe
stehenden
allgemeinen intellektuellen Leistungsvermögens verweise auf ein knapp durchschnittliches Niveau (IQ 86). Vorbestehend diagnostiziert sei eine Legasthenie (S. 2 oben). Insgesamt bestehe eine leichte bis mittelschwere kogni
tive Funktionsstörung. Ursächlich sei von einem Zusammenhang mit der de
pressiven Störung auszugehen. Die oben erwähnten kognitiven Defizite seien häufig
begleitende Symptome bei depressiven Erkrankungen. Im aktuellen klinischen Eindruck mit zusätzlicher Selbsteinschätzung durch einen Frage
bogen ergäbe sich eher das Bild einer mittelgradigen depressiven Episode, was zu der Ausprägung der oben erwähnten kognitiven Defizite passe (S. 2 oben).
Zudem ergäben sich anamnestisch und auch in der Testung deutliche Hinweise auf ein Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) mit Beginn in der Kindheit, was die kognitive Leistungsfähigkeit wahrscheinlich zusätzlich beeinflusse. Dies gelte besonders für den Mangel an Selbstorganisation, der für den Beschwerdeführer im beruflichen Alltag eine überdauernde Schwierigkeit darstelle. Phasenweise habe dies durch externe Unterstützung kompensiert werden können, für die Entwicklung eigener tragender Strategien im Umgang
mit administrativen Anforderungen sei er sowohl durch das ADHS als auch durch
eine vorbestehende Legasthenie überfordert (S. 2 Mitte). Im Moment würden Massnahmen zur pharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlung der depressiven Störung unter Berücksichtigung des zugrundeliegenden ADHS im Vordergrund stehen, um eine Verbesserung der kognitiven Leistungen zu ermöglichen. Unabhängig davon benötige der Beschwerdeführer externe Unter
stützung bei administrativen Anforderungen, um eine weitere, beziehungsweise
chronifizierende
Überforderungssituation zu vermeiden (S. 2 unten). Zur Ar
beits
fähigkeit des Beschwerdeführers wurden keine Angaben gemacht.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr.
F.___
, der von
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Zimmer
mann ausging. Für den Zeitraum vom 1. Januar bis 7. Juni 2013 ging er von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus, die keine schweren körperlichen Arbeiten sowie keine anhaltende Überkopfarbeit bein
halten dürfe, und für den Zeitraum vom 10. Juni bis 2. August 2013 von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit. Seit dem 5. August 2013 bestehe hingegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (vgl. vorstehend E. 3.8).
Auch die behand
elnden Ärzte rechneten mit einem Wiedererlangen
der vollen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. So führte Dr.
C.___
im Ja
nu
ar
2012 aus, dass die bisherige Tätigkeit vorderhand aus medizinischer Sicht nicht zumutbar sei, es jedoch vorgesehen sei, den Beschwerdeführer im alten Beruf zu
reintegrieren
(vgl. vorstehend E. 3.3). Dr. E.___ ging im Dezember 2012 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 11. Sep
tember bis 31. Dezember 2012
aus. Ab 1. Januar 2013 habe für körperlich unbelastete Arbeiten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden (vgl. vorstehend E. 3.5). Im Feb
ruar 2013 ging Dr. E.___ davon aus, dass die bestehende 50%ige Arbeits
fähig
keit ab dem 25. März 2015 auf 100% aufgestockt werden könne (vgl. vorste
hend E. 3.6). Im April 2013 führte Dr. E.___ dahingegen aus, dass die 50%ige Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers vorerst so zu belassen sei, da er glaub
haft versichert habe, dass jegliche Steigerung der Belastung des Schulter
gelen
kes wieder zu einem Knacken und Schmerzen führe. Nichtsdestotrotz sei ihm die Umschulung nahegelegt worden, da eine 100%ige Arbeitstätigkeit in einem handwerklichen Beruf längerfristig aufgrund der immer noch beschrie
benen Beschwerden nicht als realistisch angesehen werden könne. Es sei eine kli
nische Verlaufskontrolle mit dann allenfalls Steigerung der Arbeitsfähigkeit in zwei Monaten geplant (vgl. vorstehend E. 3.7).
4.2
Aus den medizinischen Akten sind in somatischer Hinsicht keine Anhaltspunkte ersichtlich, die gegen eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer an
gepassten Tätigkeit seit August 2013 sprechen würden, zumal es sich bei der beeinträchtigten linken Hand nicht um die Gebrauchshand des Beschwerde
führers handelt (vgl. Urk. 8/16/2 oben) und das von Dr. F.___ festgelegte Belastungsprofil (keine schweren körperlichen Arbeiten und keine anhaltende Überkopfarbeit) auf die Beeinträchtigung der rechten Schulter Rücksicht nimmt. Die Beschwerdegegnerin hat sich somit für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit zu Recht auf die Stellung
nahme des RAD-Arztes Dr. F.___ ge
stützt.
4.3
Der Beschwerdeführer wurde über die Festtage 2011/2012 aufgrund eines
Alko
holproblems
stationär in der D.___ behan
delt. Dabei wurde unter anderem eine depressive Episode (ICD-10 F17.24) diag
nostiziert. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wurden keine Angaben
gemacht (vgl. vorstehend E. 3.4). Aus den nachfolgenden Berichten bis zum
Ver
fügungserlass
ergeben sich keine Hinweise auf eine Arbeitsunfähigkeit des Be
schwerdeführers aufgrund psychischer Probleme (vgl. vorstehend E. 3.5 – E. 3.8).
Was die bereits in früheren Berichten diagnostizierte Alkoholerkrankung des Beschwerdeführers (vgl. vorstehend E. 3.2-3.4) angeht, so
begründet
Alkoholis
mus
für sich allein keine In
validität im Sinne des Gesetzes und sind für eine ausnahmsweise versicherte Erkrankung (vgl. dazu das
Urteil des Bundesgerichts 8C_
694/2008 vom 5. März 2009 E. 2) keine Anhaltspunkte ersichtlich.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. vorstehend E. 2.2) lagen somit zum Verfügungszeitpunkt keine Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit auf
grund psychischer Gründe vor, wurden solche Beeinträchtigungen doch erst nach dem hier massgeblichen Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung beschrie
ben.
4.4
Dr. G.___ diagnostizierte im Juli 2015 unter anderem eine leichte depressive Episode (F32.0) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit zum Teil narzissti
schen Zügen. Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermann äusserte sie sich nicht. In der angepassten Tätigkeit als
Arbeitsagoge
sei der Beschwerdeführer jedoch 100%ig arbeitsunfähig, weil ihm entscheidende Fähig
keiten fehlen würden, dies aufgrund seiner Psychopathologie (vgl. vorstehend E. 3.9). Die Fachpersonen des K.___ diagnostizierten im September 2015 unter anderem eine leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung, eine
vor
beschriebene
leichte depressive Episode, im aktuellen klinischen Eindruck eher mittelschwer, sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit zum Teil narzissti
schen Zügen. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wurden jedoch keine Angaben gemacht (vgl. vorstehend E. 3.10).
Beide Berichte erfolgten erst nach Verfügungserlass am 23. April 2015 (Urk. 2), womit sie zur Beurteilung der Rechtmässigkeit der
angefochtenen Verfügung nicht relevant sind (vgl. vorstehend E. 1.2). Sie
wären im Rahmen einer Neuan
meldung zu prüfen
.
4.5
Der medizinische Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass dem Be
schwer
deführer seit August 2013 eine Arbeitstätigkeit in einer angepassten Tätigkeit
im Umfang von 100 % zumutbar ist.
Die erwerblichen Auswirkungen dieser Fest
stellung sind nachfolgend zu prüfen.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
che
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
de
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung ge
setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
ge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt
(sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen zif
fernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu verglei
chen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuver
lässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der
Invalidi
tätsgrad
nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leis
tungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen.
5.2
Der Beschwerdeführer war von 1994 bis 2012 als Inhaber der Z.___ in
Gundetswil
selbständig erwerbstätig (Urk. 8/84 S. 2 oben). Für die Bemessung de
s
Valideneinkommens
stellte die Beschwerdegegnerin auf die Er
folgs
rech
nung
en der Z.___ der Jahre 2008 bis 2010 ab, wobei sie das
Vali
denein
kommen
– unter Berücksichtigung der Nettolohnentwicklung – für das Jahr 2014
berechnete (Urk. 8/107 S. 4 f.; vgl. Urk. 8/26). Die
Berechnungs
grundlagen
sind mit Blick auf die Auszüge aus dem Individuellen Konto des Beschwerdeführers nachvollziehbar (vgl. Urk. 8/101). Vorliegend ist die Beur
teilung der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers ab 2013 strittig, weshalb auch das
Validenein
kommen
auf diesen Zeitpunkt hin zu berechnen ist. Der Lohnindex (Stand 1939
= 100) für Männer betrug im Jahr 2008 2‘092, im Jahr 2009 2‘136, im Jahr 2010
2‘151 und im Jahr 2013 2‘204 (Schweizerischer Lohnindex; T39 Ent
wick
lung der Nominallöhne,
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb,
Löhne/
Erwerbs
ein
kommen
, detaillierte Daten). Danach ergibt sich folgendes
Validenein
kommen
für das Jahr 2013:
Betriebsgewinn
2008
Fr. 64‘843.-- plus NLE (2013)
Fr. 68‘315.--
2009
Fr. 54‘461.-- plus NLE (2013)
Fr. 56‘195.--
2010
Fr. 63‘868.-- plus NLE (2013)
Fr. 65‘442.--
Durchschnitt 2008/2009/2010
Fr. 63‘317.--
+ AHV-Beiträge von 9.7 %
Fr.
6‘142.--
Valideneinkommen
Fr. 69‘459.--
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
ment
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E.
4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die stand
ardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwendung der
Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berück
sichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebs
übliche
Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussich
ten
keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesge
richts 9C_734/2013 vom 1
3.
März 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium aner
kannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegeben
heiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Rester
werbsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebens
alters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausge
gli
chenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Re
gel bemessen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf die An
forderungen der Verweisungstätigkeiten massgebend sind (Urteil
des Bundes
ge
richts 9C_954/2012 vom 10. Mai 2013 E. 2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 107 V 17 E. 2c).
Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Ein
arbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hinwei
sen).
Die Rechtsprechung erachtet das Alter für die Vermittelbarkeit indes regelmäs
sig nicht als allein ausschlaggebend, vielmehr kommt auch der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit erhebliches Gewicht zu. So ist etwa ein 60-jähriger Versi
cherter, welcher mehrheitlich als Wirker in der Textilindustrie tätig gewesen war, als zwar nicht leicht vermittelbar erachtet worden. Das Bundesgericht sah aber mit Bezug auf den hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt gleichwohl Betätigungsmöglichkeiten, da der Versichert zwar sachlich eingeschränkt (wei
terhin zumutbar waren leichte und mittelschwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen in geschlossenen Räumen), aber immer noch im Rahmen eines
Voll
pensums
arbeitsfähig war. Unter anderem mit Blick auf eine Aktivitätsdauer von immerhin noch sieben Jahren war eine erwerbliche Umsetzung der Leis
tungsfähigkeit auch einem 58-jährigen, kaufmännisch ausgebildeten Versicher
ten möglich und zumutbar, der aufgrund hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit auf einen besonderen Anforderungen genügenden Arbeitsplatz angewiesen war. Als arbeitsmarkttauglich angesehen wurde auch die Restarbeitsfähigkeit eines 60-jährigen Versicherten mit einer unter anderem wegen rheumatologi
scher und kardialer Probleme 30 % eingeschränkten Leistungsfähigkeit, gleich
viel wie diejenigen eines gleichaltrigen Versicherten, dem trotz verschiedener
Rücken
schäden
ein vergleichsweise weites Spektrum zumutbarer Hilfstätigkeiten offen
stand. Demgegenüber verneinte das Bundesgericht die Realisierbarkeit der
Rest
arbeitsfähigkeit
von 50 % im Fall einer 61-jährigen. Gleich verhielt es sich bei einer 61 Jahre alten Versicherten, bei welcher die gemischte
Bemessungs
me
thode
zur Anwendung kam, wobei im erwerblichen Teil in einer dem Leiden ange
passten Beschäftigung eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestand (Urteil des Bundesgerichts 9C_124/2010 vom 21. September 2010 E. 5.2 mit Hinweisen).
5.4
Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei unklar, ob er aufgrund seines Alters überhaupt noch in den freien Markt eingliederbar sei (vgl. vorstehend E. 2.2). Im Verfügungszeitpunkt war der Beschwerdeführer 57 Jahre alt. Zwar ist er in seiner qualitativen Leistungsfähigkeit dahingehend eingeschränkt, als ihm keine schweren körperlichen Arbeiten sowie keine anhaltende Überkopfarbeit mehr zumutbar sind (vgl. vorstehend E. 3.8), hingegen kann ihm seit August 2013 ein volles Pensum von 100 % in einer angepassten Tätigkeit zugemutet werden (vgl. vorstehend E. 4.5).
Nachdem der Beschwerdeführer seit der
Fräsenverletzung
an der linken Hand im Juni 2011 in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermann zu 100 % arbeitsun
fähig geworden ist, nahm er von Januar 2013 bis März 2014 im Rahmen einer Umschulung am Modullehrgang „Agogische Begleitung von Stellensuchenden“ teil, das durch ein Praktikum begleitet wurde. Ausserdem nahm er von Mai 2014 bis Mai 2015 an einem Arbeitstraining teil. Der Beschwerdeführer hat somit nicht nur in seiner angestammten Tätigkeit, sondern auch in anderen Bereichen Arbeitserfahrungen vorzuweisen.
Insgesamt und unter Berücksichtigung der vorerwähnten Rechtsprechung, welche
relativ hohe Hürden für die Annahme eine unverwertbaren Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen setzt, ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer, welchem bis zur ordentlichen Pensionieru
ng eine Restarbeitszeit von etwas mehr als sie
ben
Jahren verbleiben, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine breite Palette von e
infachen Tätigkeiten offensteht
.
Demzufolge rechtfertigt es sich, für die Bemessung des Invalideneinkommens auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors gemäss LSE
(LSE 2012, S.
35, Tabellengruppe TA1, Total, Kompetenzniveau 1) abzustellen. Das im Jahr
2012
von Männern im
Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art erzielte Einkommen betrug pro Monat
Fr. 5‘210.-- (LSE 2012,
S. 35, Tabellengruppe TA1, Kompetenzniveau 1), mithin Fr. 62‘520.-- pro Jahr (Fr. 5‘210.-- x 12). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung im Jahr 2013 in der Höhe von 0.8 % (T39 Ent
wicklung der Nominallöhne, Männer,
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten) sowie der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2012 von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, total,
www.bfs.admin.ch
, Arbeit
und Er
werb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten) ergibt dies ein
Invali
deneinkommen
von rund Fr. 65‘699.-- für das Jahr 2013 (Fr. 62‘520.-- x 1.008 : 40 x 41.7).
5.5
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 69‘459.-- mit den
Invalidenein
kommen
von Fr. 65‘699.-- ergibt eine Einkommensbusse von Fr. 3‘760.-- und damit einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von rund 5 %.
Ausgehend von der vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seit August 2013 (vgl. vorstehend E. 4.5) endete der Rentenanspruch unter Berück
sichtigung der dreimonatigen Frist von Art. 88a IVV spätestens im November 2013.
5.6
Die Befristung des Rentenanspruchs bis 31. Dezember 2012 ist somit nicht zu beanstanden, denn dieser wurde ab dem Befristungszeitpunkt durch einen
Tag
geldanspruch
abgelöst (Urk. 8/61 S. 1), der materiell gleichwertig ist, und über den Zeitpunkt hinaus andauerte, in welchem der Anspruch revisionsrechtlich endete (vorstehend E. 5.5).
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen und die dage
gen erhobene Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer ersuchte am 20. Mai 2015 um unentgeltliche
Prozessfüh
rung
(Urk. 1 S. 1 Ziff. 5). Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
(
GSVGer
) sind erfüllt (vgl. Urk. 15, Urk. 16/1-12, Urk. 22).
6.2
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 Gesetz über das
Sozialver
siche
rungs
gericht
(
GSVGer
).
Das Gericht beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom 20. Mai 2015 wird dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 8
00
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Pro
Infirmis
Zürich
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit
Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchwarzenberger