# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2da00b7-07aa-5b9e-a9f4-5952f9bbb9c3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.03.2025 E-7136/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7136-2024_2025-03-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-7136/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  M ä r z  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Regina Derrer (Vorsitz), 

Richterin Giulia Marelli, Richterin Esther Marti, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Côte d'Ivoire, 

vertreten durch Yannic Schmezer, Rechtsanwalt, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 11. Oktober 2024 / N (…). 

 

 

 

E-7136/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste gemäss eigenen Angaben im (…) 2023 aus 

der Côte d'Ivoire aus und reichte, nachdem er mit dem Zug von Italien her-

kommend in die Schweiz gelangt war, am 6. Oktober 2023 hierzulande ein 

Asylgesuch ein. Dabei gab er an, am (…) 2008 geboren und damit minder-

jährig zu sein. Identitätspapiere reichte er keine zu den Akten.   

B.  

Eine Abfrage der Eurodac-Datenbank vom 9. Oktober 2023 ergab, dass 

der Beschwerdeführer am (…) 2023 in Italien (Lampedusa) daktyloskopiert 

worden war. 

C.  

Am 27. November 2023 führte das SEM in Anwesenheit der Rechtsvertre-

tung mit dem Beschwerdeführer eine Erstbefragung für unbegleitete min-

derjährige Asylsuchende (EB UMA) durch. Dabei trug der Beschwerdefüh-

rer hinsichtlich seines Geburtsdatums vor, er habe dieses von seiner Mut-

ter, als er in Lampedusa mit dieser Kontakt aufgenommen habe, respektive 

von dem Mann erfahren, mit welchem er aus der Côte d'Ivoire ausgereist 

sei. Er sei in B._______ aufgewachsen und habe vier Jahre die École (…) 

besucht, aber er könne nur schlecht lesen und nicht schreiben. Nach dem 

Tod seines Vaters habe er mit (…) Jahren die Schule abbrechen müssen. 

Dies sei der Wille seines Onkels, (…) seines Vaters, gewesen, der in der 

Familie den Platz seines Vaters eingenommen habe. Dieser Onkel sei stets 

böse zu ihm gewesen und habe ihn bedroht. Deshalb habe er (Beschwer-

deführer) seinen Heimatstaat in Begleitung des zuvor genannten Mannes 

im Jahr 2022 verlassen. Von Tunesien aus seien sie mit einem Schiff nach 

Italien gefahren. Dabei habe er gesehen, wie Menschen im Wasser umge-

kommen seien. Seine Mutter und sein jüngerer Bruder seien weiterhin in 

B._______ ansässig. 

D.  

Mit Eingabe vom 17. Januar 2024 reichte der Beschwerdeführer eine Ko-

pie seiner ivorischen Geburtsurkunde (Auszug aus dem Zivilstandsregister 

vom 17. November 2023) beim SEM ein. 

E.  

Am 12. März 2024 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seiner Rechts-

vertretung zu seinen Asylgründen angehört. Dabei machte er im Wesentli-

chen geltend, seine Mutter lebe seit dem Tod seines Vaters vom Kauf und 

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Seite 3 

Verkauf von Sachen. Manchmal werde sie finanziell von seinem Onkel oder 

von Nachbarn unterstützt. Der Onkel sei nach dem Tod des Vaters auf ihren 

Hof gezogen. Er (Beschwerdeführer) habe ihn zuvor nicht gekannt. Der 

Onkel habe ihn alsbald von der Schule genommen und er habe fortan als 

(…)hirte im Wald – die [Tiere] hätten früher seinem Vater gehört – und als 

Haushaltshilfe arbeiten müssen. Der Onkel habe ihn immer sehr schlecht 

behandelt und geschlagen. Eines Tages habe er (Beschwerdeführer) ein 

[Tier] verloren. Der Onkel habe ihm gedroht, dass er ihn töten werde, wenn 

er das [Tier] nicht wiederfinde. Er habe das Tier überall vergeblich gesucht. 

Er habe grosse Angst gehabt und geweint, wobei er einem Mann begegnet 

sei, der ihm habe helfen wollen. Da dieser den Beschwerdeführer und 

seine Familiensituation gekannt habe, habe er ihm vorgeschlagen, das 

Land mit ihm zu verlassen. Noch am gleichen Tag sei er (der Beschwerde-

führer) mit diesem Mann in ein Auto gestiegen und losgefahren. In Lampe-

dusa seien sie – weil er (Beschwerdeführer) minderjährig sei – getrennt 

worden. Dort habe er auch erstmals mit seiner Mutter Kontakt aufgenom-

men und sie über die Umstände informiert. 

F.  

Am 22. März 2024 verfügte das SEM, dass das Asylgesuch des Beschwer-

deführers im erweiterten Verfahren behandelt werde. Am 26. März 2024 

wurde er dem Kanton C._______ zugeteilt. Aufgrund seines Austritts aus 

dem Bundesasylzentrum (BAZ) D._______ erstellte das SEM am 1. April 

2024 einen sozialpädagogischen Austrittsbericht. 

G.  

Im Auftrag des SEM erstellte das Institut für Rechtsmedizin (…) am 

26. März 2024 ein Gutachten zur Altersschätzung, welches ergab, dass der 

Beschwerdeführer ein durchschnittliches Lebensalter von (…) Jahren und 

ein Mindestalter von (…) Jahren aufweise, weshalb das angegebene Ge-

burtsdatum zutreffen könne. 

H.  

H.a Am 19. März 2024 führte eine sachverständige Person der Fachstelle 

LINGUA im Auftrag der Vorinstanz mit dem Beschwerdeführer ein telefoni-

sches Interview zur linguistischen und landeskundlich-kulturellen Her-

kunftsabklärung durch. Dem gestützt darauf erstellten Bericht vom 7. Juni 

2024 (nachfolgend: Lingua-Analyse) ist zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführer sehr wahrscheinlich nicht in der Côte d'Ivoire sozialisiert 

worden sei.  

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Seite 4 

H.b Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 18. Juli 2024 das 

rechtliche Gehör zu den Ergebnissen der Lingua-Analyse vom 7. Juni 

2024. Am 13. August 2024 nahm dieser dazu Stellung.  

I.  

Mit am 14. Oktober 2024 eröffneter Verfügung vom 11. Oktober 2024 ver-

neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte 

sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie 

den Wegweisungsvollzug an.  

Zur Begründung hielt es im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer habe 

in Bezug auf seine Identität, insbesondere auf seine Herkunft, die Mitwir-

kungspflicht verletzt und versucht, das SEM zu täuschen. Die von ihm be-

hauptete Identität, Herkunft und Sozialisation seien unglaubhaft, weshalb 

auch seinen angeblichen Asylvorbringen die Grundlage entzogen sei. Be-

züglich allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse finde die Untersu-

chungspflicht der Asylbehörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des 

Beschwerdeführers. Es sei nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hin-

weisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypotheti-

schen Herkunftsländern zu forschen. Der Beschwerdeführer habe die Fol-

gen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als das SEM den 

Schluss ziehe, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an dessen bisheri-

gen Aufenthaltsort. 

J.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer durch den rubrizier-

ten Rechtsvertreter mit Eingabe vom 13. November 2024 Beschwerde 

beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, nach Aufhebung der Ver-

fügung sei die Sache zwecks weiterer Abklärungen und anschliessender 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei die Protokolle 

der EB UMA vom 27. November 2023 und der Anhörung vom 12. März 

2024 aus den Akten zu weisen seien; eventualiter sei der Beschwerdefüh-

rer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung 

des mandatierten Rechtsanwalts als amtlichen Rechtsbeistand. Für die 

Begründung wird auf die Akten und soweit für den Entscheid relevant auf 

die nachfolgenden Erwägungen verwiesen.  

K.  

Mit Verfügung vom 20. November 2024 hiess die Instruktionsrichterin die 

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Seite 5 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um amt-

liche Rechtsverbeiständung gut. Sie verzichtete auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses und setzte den rubrizierten Rechtsvertreter als amtli-

chen Rechtsbeistand des Beschwerdeführers ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet.  

3.  

3.1 In der Beschwerde wird eine Verletzung der Untersuchungspflicht und 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör gerügt, wobei zur Begründung im 

Wesentlichen folgendes ausgeführt wird:  

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Seite 6 

Die EB UMA vom 27. November 2023 und die Anhörung vom 12. März 

2024 seien angesichts der unbestrittenen Minderjährigkeit des Beschwer-

deführers und mit Blick auf die einschlägige Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts nicht fachgerecht durchgeführt worden. Mithin sei der 

rechtserhebliche Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden. An 

der EB UMA, welche auf Französisch stattgefunden habe, habe sich 

schnell herausgestellt, dass die Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers 

für eine solche Befragung nicht ausgereicht hätten. In der Folge habe die-

ser diverse Fragen nicht richtig verstanden respektive nicht präzise oder 

gar nicht beantworten können. Aus diesem Grund könne aus der EB UMA 

nichts zu dessen Nachteil abgeleitet werden. An der Anhörung seien die 

Vorgaben, die gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung 

bei der Befragung von Minderjährigen zu berücksichtigen seien, nicht um-

gesetzt worden. Vielmehr sei die Anhörung ohne Rücksicht auf die Minder-

jährigkeit des damals (…)-jährigen Beschwerdeführers geführt worden. So 

seien ihm die geltenden Regeln zu Beginn der Anhörung nicht auf eine ein-

fache und verständliche Weise erläutert worden. Stattdessen seien einfach 

die für Erwachsene konzipierten Textbausteine verlesen worden. Begriffe 

wie «Wahrheitspflicht» und «Mitwirkungspflicht» seien ohne weitere Erklä-

rung oder Relativierung erwähnt worden und die Formulierung, wonach der 

Beschwerdeführer alleine die Verantwortung für seine Aussagen trage und 

es ihm obliege, die Fragen wahrheitsgemäss und vollständig zu beantwor-

ten, habe nicht zu einer wohlwollenden Atmosphäre beigetragen. Weiter 

habe sich die befragende Person auch nicht den alters- und bildungsbe-

dingt einfachen Sprachkenntnissen des Beschwerdeführers angepasst 

und wiederholt Begriffe verwendet, die dieser nicht verstanden habe. Durch 

das hohe Anhörungstempo sei ferner dem Umstand, dass Kinder manch-

mal mehr Zeit brauchten, um eine Antwort zu formulieren, nicht genügend 

Rechnung getragen, und der Beschwerdeführer sei dadurch unnötiger-

weise unter Druck gesetzt worden. Weiter falle auf, dass dem Beschwer-

deführer, bevor er endlich frei über seine Fluchtgründe habe berichten dür-

fen, 112 grösstenteils geschlossene Fragen gestellt worden seien und er 

zu diesem Zeitpunkt auch schon mit mutmasslichen Widersprüchen und 

Unstimmigkeiten konfrontiert worden sei. Es könne nicht erwartet werden, 

dass ein Kind bei einer derartigen Vorgehensweise später noch frei erzäh-

len könne. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass das Anhörungsproto-

koll in nur 27 Minuten rückübersetzt worden sei, was – sofern dies nicht an 

einem Fehler der Zeitangaben im Protokoll liege – bei einem minderjähri-

gen Beschwerdeführer nicht hinnehmbar sei. 

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Seite 7 

Eine Verletzung der gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts für Minderjährige eingeschränkten Mitwirkungspflicht könne dem Be-

schwerdeführer bereits vor dem Hintergrund der zuvor dargelegten Tatsa-

che, dass die EB UMA und die Anhörung nicht fachgerecht durchgeführt 

worden seien, nicht vorgeworfen werden. Überdies habe er sich für sämt-

liche Instruktionsmassnahmen der Behörden zur Verfügung gehalten und 

die ihm gestellten Fragen stets nach bestem Wissen und Gewissen beant-

wortet. Selbst wenn von einer Verletzung der Mitwirkungspflicht auszuge-

hen sei, wäre das SEM nicht von der Pflicht entbunden, die Betreuungs-

verhältnisse des minderjährigen Beschwerdeführers im Herkunftsland im 

Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung abzuklären. 

3.2 Diese Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie geeignet sein können, 

eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 

2013/34 E. 4.2). 

3.3  

3.3.1 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsät-

zen des Verwaltungs- und damit auch des Asylverfahrens (Art. 12 VwVG 

i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die 

richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes 

zu sorgen. Die Sachverhaltserstellung ist unvollständig, wenn nicht alle für 

den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden, 

und unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachver-

halt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspfle-

ge des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Der Untersuchungsgrundsatz fin-

det seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 

AsylG und Art. 13 VwVG). 

3.3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör, 

welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, dient einerseits der Auf-

klärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezoge-

nes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör 

verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat-

sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be-

rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 und BVGE 2009/35 E. 6.4.1, je 

m.w.H.). 

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Seite 8 

4.  

Nachfolgend ist in einem ersten Schritt zu klären, ob das SEM die verschie-

denen Vorgaben, welche gemäss Rechtsprechung bei der Anhörung unbe-

gleiteter minderjähriger Asylsuchender zu beachten sind, berücksichtigt hat 

(vgl. E. 5). In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob das SEM hinsichtlich 

des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers seiner Untersuchungs-

pflicht in genügender Weise nachgekommen ist (vgl. E. 6). 

5.  

5.1 Art. 7 Abs. 5 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1 

[SR 142.311]) sieht vor, dass Personen, die minderjährige Asylsuchende 

anhören, den besonderen Aspekten der Minderjährigkeit Rechnung zu tra-

gen haben. Wie das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2014/30 festge-

stellt hat, sind bei der Anhörung eines minderjährigen Asylsuchenden spe-

zifische Faktoren zu berücksichtigen: Alter, Reifegrad, Komplexität der Vor-

bringen und besondere verfahrensrechtliche Anforderungen hinsichtlich 

des Beweiswerts der Vorbringen. Das SEM hat Massnahmen zu treffen, 

damit sich das Kind wohl fühlt (vgl. a.a.O. E. 2.3.2 m.w.H.). Zudem sind bei 

Minderjährigen, und speziell bei unbegleiteten, besondere Anforderungen 

an die Form der Fragestellung und an den Rhythmus der Befragung zu 

stellen, wobei die vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Verein-

ten Nationen (UNHCR) formulierten Direktiven und Empfehlungen heran-

zuziehen sind (vgl. a.a.O. E. 2.3.3 m.w.H.). Insbesondere hat das SEM bei 

der Befragung von Minderjährigen für eine bereits zu Beginn der Anhörung 

entspannte Atmosphäre zu sorgen und ein Klima des Vertrauens zu schaf-

fen, das wiederum dem Kind ermöglichen soll, sich frei über das Erlebte 

auszudrücken (vgl. a.a.O. E. 2.3.3.2 m.w.H.). 

5.2 Im Detail wurde in BVGE 2014/30 festgehalten, dass es für eine kinds-

gerechte Anhörung zentral ist, dass die befragende Person von Anfang an 

mit einer empathischen Haltung eine einladende Atmosphäre aufbaut und 

aufrechterhält, die für die Schaffung eines Klimas des Vertrauens zentral 

ist. Die befragende Person sollte wohlwollend zuhören und neutral bleiben. 

Ausserdem sollten einleitend die Ziele der Anhörung sowie die geltenden 

Regeln auf einfache und verständliche Weise erklärt werden. Insbesondere 

ist das Kind darauf hinzuweisen, dass es wichtig ist, dass es die Wahrheit 

sagt. Indes muss auch sichergestellt werden, dass das Kind versteht, dass 

es keine richtigen oder falschen Antworten gibt und es möglich ist, dass es 

nicht alle Fragen beantworten kann. Im Rahmen der gesamten Anhörung 

gilt es zu berücksichtigen, dass viele Minderjährige durch das Erlebte 

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traumatisiert oder mit Blick auf ihre Flucht von Dritten beeinflusst sind 

(a.a.O. E. 2.3.3.2, erster bis dritter und sechster Absatz).  

Gemäss dem Anhörungsprotokoll wurden vorliegend – entgegen den zuvor 

dargelegten Vorgaben – in einer standardisierten, für Erwachsene konzi-

pierten Form der Zweck, der Ablauf und die Pflichten sowie die Rechte der 

Asylsuchenden verlesen, ohne dass die befragende Person dem Be-

schwerdeführer die genannten Punkte in einer altersgerechten Sprache er-

läutert und sichergestellt hätte, dass er diese auch wirklich verstanden hat. 

Wie in der Beschwerde zu Recht moniert, hat die befragende Person zu-

dem mit der Formulierung, wonach der Beschwerdeführer alleine die Ver-

antwortung für seine Aussagen trage und es ihm obliege, die Fragen wahr-

heitsgemäss und vollständig zu beantworten, tatsächlich bereits von Be-

ginn weg nicht zu einer wohlwollenden Atmosphäre beigetragen. Statt da-

raufhin mit Hinweisen, wie beispielsweise, dass es wichtig sei, dass er sich 

während der Anhörung wohl fühle und sich andernfalls melden könne, ein 

Klima des Vertrauens zu schaffen, wurden ihm nach einer kurzen Frage 

bezüglich seiner Gesundheit geschlossene und nachdrückliche Fragen 

zum von ihm eingereichten Beweismittel und dem letzten Kontakt mit sei-

ner Mutter gestellt (A26 F5 ff.). Auch wurde er, noch bevor er sich frei zu 

seiner Geschichte äussern konnte, mit angeblichen Widersprüchen in sei-

nen Vorbringen konfrontiert (vgl. z.B. A18 F29 f., 59, 67, 76, 92, 105) und 

seine Antworten wurden – entgegen den Vorgaben gemäss Rechtspre-

chung (BVGE 2014/30 E. 2.3.3.4) – wiederholt mit der Frage «weshalb» er 

so geantwortet habe, in Frage gestellt (vgl. z.B. A18 F15, 17, 29 f., 34, 38, 

47, 49, 70 f., 77). Damit lässt die befragende Person eine gewisse Skepsis 

erkennen, was nicht zielführend ist, da dadurch Misstrauen erweckt und 

bei der minderjährigen Person Stress ausgelöst werden kann.  

Mit dem soeben beschriebenen Vorgehen schaffte die befragende Person 

von Anfang an ein Klima des Misstrauens und der Unsicherheit, welches 

einer richtigen und vollständigen Sachverhaltsermittlung nicht zuträglich 

war. Beim Beschwerdeführer ist angesichts seines Aussageverhaltens und 

seines wiederholten Hinweises, wonach er aufgrund der Erlebnisse im Hei-

matstaat und insbesondere auch auf der Reise belastet sei (vgl. z.B. A18 

F17 und 67), sodann nicht auszuschliessen, dass er aufgrund von trauma-

tischen Erfahrungen und der Einflussnahme Dritter nicht frei über seine 

Fluchtgeschichte berichten konnte.  

5.3 In BVGE 2014/30 wird unter Hinweis auf die einschlägigen Leitlinien 

des UNHCR weiter festgehalten, dass die Fragen während der Anhörung 

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Seite 10 

offen formuliert werden sollten, um das freie Erzählen zu fördern. Erst in 

einem späteren Stadium sollten allenfalls gezielte Zusatzfragen gestellt 

werden. Kindsgerechte Fragestellungen berücksichtigen neben dem Alter, 

dem Reifegrad und der Komplexität der Vorbringen auch den kulturellen 

Hintergrund des Kindes, einschliesslich des Umstandes, dass dieses sich 

alleine in einer fremden Kultur befindet (a.a.O. E. 2.3.3.2, vierter und fünfter 

Absatz).  

Wie in der Beschwerde zutreffend ausgeführt, wurden dem Beschwerde-

führer über 100 grösstenteils geschlossene Fragen gestellt, bevor er sich 

frei und in seinen eigenen Worten über seine Fluchtgründe äussern konnte. 

Dies widerspricht diametral dem zuvor dargelegten Vorgehen gemäss ein-

schlägiger bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung, wobei aus 

dem Anhörungsprotokoll der Eindruck entsteht, dass dies dazu geführt hat, 

dass der Beschwerdeführer nach den zahlreichen geschlossenen und 

nachdrücklichen Fragen nicht mehr dafür zugänglich war, frei über seine 

Erlebnisse zu berichten. So waren insbesondere die anfangs gestellten 

Fragen oft nicht kindsgerecht, da sie beispielsweise zu direkt gestellt wur-

den, statt dass sich die befragende Person schrittweise und in einer kinds-

gerechten Sprache nach weiteren Informationen erkundigt hätte (vgl. z.B. 

A26 F7 ff. und 56). Zudem wurden wiederholt juristische Begriffe wie bei-

spielsweise «commune» (A26 F31) respektive «Gemeindeverwaltung» 

(A26 F32) oder «Departement, Distrikt etc.» (A26 F68) verwendet, ohne 

dass diese Begriffe in einer kindsgerechten Weise umschrieben worden 

wären. Auch zeigt gerade die Verwendung dieser Begriffe, dass im Fall des 

Beschwerdeführers zu wenig berücksichtigt wurde, dass dieser nur einen 

tiefen Bildungsstand aufweist.  

5.4 Schliesslich wird in BVGE 2014/30 wiederum mit Hinweis auf die ein-

schlägigen Leitlinien des UNHCR hinsichtlich des Tempos der Anhörung 

festgehalten, dass ein Kind manchmal etwas mehr Zeit brauche, um eine 

Antwort zu formulieren, weshalb es wichtig sei, während der Anhörung 

Pausen einzuhalten. Mindestens jede halbe Stunde sollte eine Pause ein-

gelegt werden (a.a.O. E. 2.3.3.4).  

In der Beschwerde wurde zutreffend moniert, dass vorliegend auch das 

Erfordernis eines kindsgerechten Anhörungstempos nicht eingehalten 

wurde. So wurde zu Recht darauf hingewiesen, dass dem Beschwerdefüh-

rer, indem von ihm bereits zu Beginn der Anhörung eine Erklärung dafür 

verlangt wurde, weshalb er bei der Frage nach dem Namen seines Wohn-

quartiers einen Moment überlegen musste (A26 F15), vermittelt wurde, 

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Seite 11 

dass von ihm eine unmittelbare Beantwortung der Fragen erwartet werde. 

Ausgehend von den protokollierten Anhörungszeiten (Beginn: 13.37 bis 

14.44 Uhr; Pause: 14.44 bis 15.00 Uhr; Fortsetzung: 15.00 bis 16.05 Uhr; 

Pause: 16.05 bis 16.20 Uhr; Rückübersetzung: 16.20 bis 16.47 Uhr) wurde 

auch das Erfordernis einer Pause jede halbe Stunde nicht eingehalten. So-

dann war die Kadenz der Anhörung mit 152 Fragen in 133 Minuten reiner 

Anhörungszeit (148 Minuten vom Beginn der Anhörung bis zum Beginn der 

zweiten Pause, abzüglich 15 Minuten Pause), deutlich zu hoch, ergibt sich 

daraus doch ein Durchschnitt von weniger als einer Minute für die Beant-

wortung einer Frage.  

5.5 Nach dem zuvor Gesagten ist die Anhörung vom 12. März 2024 als 

unzureichend zu qualifizieren, da sie nicht den Anforderungen entspricht, 

welche von Lehre und Rechtsprechung verlangt werden (vgl. BVGE 

2014/30 m.w.H.). 

5.6 Der Vollständigkeit halber ist bezüglich der EB UMA vom 7. November 

2023 festzustellen, dass gestützt auf das entsprechende Protokoll tatsäch-

lich der Eindruck entsteht, dass die Französischkenntnisse des Beschwer-

deführers für eine sachgerechte Beantwortung der Fragen ungenügend 

waren, obwohl der Beschwerdeführer auf dem Personalienblatt selbst an-

gegeben hatte, Französisch sei seine Muttersprache (A2). Dies ergibt sich 

zum einen, wie in der Beschwerde zu Recht festgestellt wurde, aus seiner 

Antwort auf die Frage, ob er die dolmetschende Person verstehe: «Ich 

habe die Schule besucht, aber nicht lange» (A18, Bst. h, S. 2; für weitere 

Beispiele vgl. A18 Ziff. 1.06 und 5.02). Sodann bemerkte auch die dolmet-

schende Person, dass der Beschwerdeführer die Fragen wohl nicht richtig 

verstehe (A18 Ziff. 1.06). Dass das SEM die darauffolgende Anhörung in 

der vom Beschwerdeführer angegebenen Muttersprache Bambara führte, 

stellt ein Indiz dafür dar, dass es nach der Befragung selbst entsprechende 

Schlüsse gezogen hat. Schliesslich bemerkte auch die sachverständige 

Person in ihrem LINGUA-Gutachten vom 7. Juni 2024 zum Gespräch, das 

sie mit dem Beschwerdeführer zuvor geführt hatte, dass dieser schlechter 

Französisch spreche als erwartet (A40; vgl. hierzu auch den Sozialpäda-

gogischen Bericht vom 1. April 2024 [A37]). Es ist demnach davon auszu-

gehen, dass die Französischkenntnisse des Beschwerdeführers für die EB 

UMA nicht ausreichend waren, womit seine Angaben in der EB UMA nicht 

zu seinen Ungunsten ausgelegt werden dürfen.  

5.7 Insgesamt liegt aufgrund der mangelhaft durchgeführten Anhörung 

vom 12. März 2024 (vgl. E. 5.2- E. 5.5) demnach eine Verletzung des 

E-7136/2024 

Seite 12 

rechtlichen Gehörs vor. Gleichzeitig kann damit nicht von einem hinrei-

chend erstellten Sachverhalt ausgegangen werden.   

6.  

6.1 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ver-

pflichten Art. 3 und Art. 22 KRK (Übereinkommen über die Rechte des Kin-

des vom 20. November 1989, SR 0.107) die asylrechtlichen Behörden so-

dann, das Kindeswohl im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung als gewichti-

gen Aspekt zu berücksichtigen. Das SEM ist bezüglich unbegleiteter min-

derjähriger Asylsuchender verpflichtet abzuklären, ob diese zu ihren Eltern 

oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden können und ob jene in 

der Lage sind, ihre Bedürfnisse abzudecken. Können die Angehörigen 

nicht ausfindig gemacht werden oder ergibt sich, dass die Rückkehr zu die-

sen dem Kindeswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob das Kind in 

der Heimat allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer Drittperson 

untergebracht werden kann. Damit vom Vorliegen einer hinreichenden Be-

treuung ausgegangen werden kann, muss die Vorinstanz sich auf festge-

stellte Tatsachen stützen, welche aus den Akten ersichtlich sind; andern-

falls müssen geeignete Abklärungen getroffen werden (vgl. BVGE 2021 

VI/3 E. 11.5.2 m.w.H.). 

Das SEM kann durch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht der minder-

jährigen Person von dieser Abklärungspflicht grundsätzlich nicht entbun-

den werden. Nur in Ausnahmefällen, in welchen eine Abklärung durch die 

Mitwirkungspflichtverletzung vollkommen verunmöglicht wird, erlischt die 

Abklärungspflicht des SEM. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn sich 

die minderjährige Person in Bezug auf ihre Nationalität und Herkunft so 

widerspricht, dass weder Abklärungen betreffend die familiäre Situation 

möglich sind noch eine geeignete Institution gesucht werden kann (vgl. 

BVGE 2021 VI/3 E. 11.5.2 m.w.H.). 

6.2 Gemäss LINGUA-Gutachten vom 7. Juni 2024 sei davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer höchstwahrscheinlich nicht in der Côte d'Ivoire 

sozialisiert worden sei, auch wenn die linguistische Analyse nicht aus-

schliesse, dass der Beschwerdeführer eine Zeitlang dort verbracht habe. 

Es sei denkbar, jedoch nicht gesichert, dass er in Guinea sprachlich sozia-

lisiert worden sei. Vor diesem Hintergrund bestehen zwar durchaus Zweifel 

an den Herkunftsangaben des Beschwerdeführers. Dies entbindet das 

SEM jedoch noch nicht von seiner Abklärungspflicht im Rahmen des Weg-

weisungsvollzugs unbegleiteter minderjähriger Personen im Sinne der zu-

vor dargelegten Rechtsprechung, zumal es für das SEM im vorliegenden 

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Seite 13 

Fall nicht unmöglich gewesen wäre, weitere zweckdienliche Abklärungen 

zu veranlassen. So hat das SEM den minderjährigen Beschwerdeführer, 

wie in Erwägung 5 festgestellt, bis dato insbesondere nur in ungenügender 

Weise angehört. Ziel einer weiteren und kindsgerechten Anhörung in einer 

wohlwollenden und entspannten Atmosphäre im Sinne der Rechtspre-

chung (vgl. BVGE 2014/30) muss demnach im vorliegenden Fall sein, das 

Vertrauen des Beschwerdeführers zu gewinnen und so auch an sachdien-

liche Informationen zu seinen Eltern oder weiteren Angehörigen zu gelan-

gen. Wichtig erscheint insbesondere, dass dem Beschwerdeführer in einer 

kindsgerechten Sprache erläutert wird, dass es für sein Gesuch wichtig ist, 

die Wahrheit zu sagen.  Das SEM wird mit Verweis auf die zuvor dargelegte 

einschlägige Rechtsprechung daran erinnert, dass es im Zuge der Anhö-

rung verpflichtet ist, abzuklären, wohin der Beschwerdeführer zurückge-

führt werden kann (vgl. BVGE 2021 VI/3 E. 11.5.2 m.w.H.), es sei denn, 

dass gestützt auf die kindsgerechte Anhörung festzustellen wäre, dass ein 

nur ausnahmsweise anzunehmender Fall einer Mitwirkungspflichtverlet-

zung im Sinne von BVGE 2021 VI/3 E. 11.5.2 vorläge. So bestünde im 

Zuge der Anhörung für das SEM gegebenenfalls die Möglichkeit, beispiels-

weise mittels einer Botschaftsabklärung, an weiterführende Informationen 

zu gelangen. Schliesslich läge es, könnten keine Angehörigen ausfindig 

gemacht werden, zu welchen der Beschwerdeführer zurückgeführt werden 

kann, am SEM, abzuklären, ob der Beschwerdeführer in der Heimat allen-

falls in einer geeigneten Anstalt für Kinder oder bei einer Drittperson unter-

gebracht werden kann.  

        

6.3 Nach dem Gesagten ist eine Mitwirkungspflichtverletzung des minder-

jährigen Beschwerdeführers im heutigen Zeitpunkt zu verneinen, weswe-

gen das SEM gehalten ist, gemäss Art. 12 VwVG den rechtserheblichen 

Sachverhalt weiter abzuklären. 

7.  

7.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist (vgl. ASTRID HIRZEL, in: Waldmann/Krauskopf [Hrsg.], Praxiskom-

mentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 3. Aufl. 2023, Art. 61 VwVG, N 16). 

Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar 

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Seite 14 

auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies 

im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie 

muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H). 

7.2 Vorliegend liegt der Mangel – wie in Erwägungen 5 und 6 dargelegt – 

in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung und in einer Verletzung 

des rechtlichen Gehörs. Die noch notwendigen Abklärungen rechtfertigen 

eine Kassation der angefochtenen Verfügung, eine Heilung auf Beschwer-

deebene kommt nicht in Betracht. Das SEM ist anzuweisen, den Sachver-

halt unter Wahrung des rechtlichen Gehörs im Sinne der vorangehenden 

Erwägungen vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entschei-

den. 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung und die Neubeurteilung durch die Vo-

rinstanz beantragt worden ist. Die Verfügung des SEM vom 11. Oktober 

2024 ist aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG). Damit wird die mit Verfügung vom 

20. November 2024 gewährte unentgeltliche Prozessführung nachträglich 

gegenstandslos. 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Kostennote eingereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt 

sich aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Ein-

holung einer Honorarnote verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

sowie aufgrund der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen  

(Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'800.– (inkl. Auslagen) zuzuspre-

chen. Das SEM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag zu 

entrichten.  

  

E-7136/2024 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz bean-

tragt wird. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache im Sinne der 

Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'800.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regina Derrer Patricia Petermann Loewe 

 

 

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