# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5820aea1-6905-532c-a813-004f0a89a4c4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-01-06
**Language:** de
**Title:** Aufgrund Gutachten Verbesserung ausgewiesen, Rentenaufhebung rechtens, keine Eingliederungsmassnahmen bei 60-Jähriger, da Eingliederungswille fehlt. (BGE 9C_191/2017)
**Docket/Reference:** IV.2015.00901
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00901.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00901
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
6. Januar 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Christos
Antoniadis
Antoniadis
Advokaturbüro
Badenerstrasse
89, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1955,
war vo
n
1999 bis
am
28. Februar 2010 bei der
Y.___
AG, als Customer Care
Advisor
tätig (Urk.
6/26
/2 Ziff. 2.1, 2.7).
A
m 1
8.
November
2009
meldete sie sich
wegen ver
schiedenen Beschwerden bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/18). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr nach Vor
nahme der erforderlichen Abklärungen und Durchführung des
Vorbescheidver
fahrens
(
Urk.
6/39;
Urk.
6/
42), in dessen Rahmen ein rheumatologisches Gut
achten (
Urk.
6/50) eingeholt wurde, mit Verfügung vom 27. Juni 2011 (6/59) bei einem Invaliditätsgrad von 75 % eine vom 1. Mai bis 31. August 2010 befristete ganze Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 50 % ab 1. September 2010 eine halbe Rente zu. Die dagegen am 2
5.
August 2011 erhobene Be
schwerde (
Urk.
6/65/3-14) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
2.
November 2012 ab und überwies die Sache nach Eintritt der Rechtskraft an die
Beschwerde
ge
g
nerin
, damit sie eine ab Juni 2011 eingetretene
allfällige
Verschlechterung prüfe (Prozess Nr. IV.2011.00876;
Urk.
6/69).
1.2
In der Folge veranlasste die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen (
Urk.
6/
73-74;
Urk.
6/77-78) sowie eine polydisziplinäre Begutachtung am
Z.___
(Gutachten vom 2
5.
März
2014;
Urk.
6/93)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/97;
Urk.
6/100;
Urk.
6/104 =
Urk.
6/105) hob die IV-Stelle die bisherige halbe Rente der Versi
cherten mit Verfügung vom
7.
Juli 2015 auf (
Urk.
6/109 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
7.
Juli
2015 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
8.
September 2015 Beschwerde mit dem Antrag auf
deren
Aufhebung und
Wei
terausrichtung
der gesetzlichen Leistungen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Oktober 2015 (
Urk.
5) beantragte die
Be
schwerdegegnerin
die Abwei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
6.
Okto
ber 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. Augus
t 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be
ruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vor
ak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Es sei aufgrund des beweiswertigen
Z.___
-Gutachtens davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verbessert habe. Ab dem 1
4.
April 2014 sei ihr die angestammte Bürotätigkeit wie auch jede andere körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit wieder zu 70
%
zumutbar. Im Bericht des behandelnden Psychiaters würden keine neuen Diagnosen genannt. Die depressive Symptomatik werde zwar als mittelschwer eingestuft, die hierfür erforderlichen Diagnosekriterien würden aber im Bericht nicht genannt. Bei einer Restarbeitsfähigkeit von 70
%
und keiner längeren Abwesenheit vom Arbeitsmarkt seien keine Eingliederungsmassnahmen nötig, zumal im
Vorbe
scheid
verfahren
Arbeitsvermittlung angeboten worden sei (S. 2 ff.
;
Urk.
5
).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen entgegen, auf das
Z.___
-Gut
achten könne nicht abgestellt werden. So hätten sich die Gutachter nicht be
müht, aktuelle fachärztliche psychiatrische Berichte einzuholen, obwohl sie die ganze Zeit in psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Zudem sei die Einschät
zung der Gutachter zu wenig begründet. Demgegenüber gehe der behandelnde Facharzt von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode, und zudem von einer Panikstörung aus. Im Gutachten werde nicht begründet, weshalb eine Besserung eingetreten sein solle. Es handle sich um eine andere Beurteilung eines unveränderten Sachverhaltes. Weiter habe sich die Beschwerdegegnerin nicht genügend um ihre Wiedereingliederung bemüht, obwohl sie als über 55-Jährige in den vom Bundesgericht besonders geschütz
ten
Bezügerkreis
gehöre (
Urk.
1 S. 4 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen
ist, ob eine
rentenanspruchrelevante
Verbesser
ung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführer
in
eingetreten ist
und bejahenden
falls, wie es sich mit der Wiedereingliederung verhält
. Zeitliche
Ver
gleichsbasis
(vgl. vorstehend E.
1.3) bilden das Urteil des hiesigen Gerichts vom
1
2.
Novem
ber 2012
beziehungsweise die
mit diesem
bestätigte
Verfügung
vom
2
7.
Juni 2011
und die angefochtene Verfügung vom
7.
Juli
2015.
3.
3.1
Der
Rentenzusprache
vom 2
7.
Juni 2011
(
Urk.
6/59
)
lagen die folgenden medi
zinischen
Berichte
zugrunde
.
Mit zuhanden der Taggeldversicherung erstattetem Bericht vom 20. Juli 2009 (Urk.
6/27
/18-19) diagnostizierte Dr. med.
A.___
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie, eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10 F43.22) sowie einen Status nach rezidivierender depressiver Störung. Die Beschwerdeführerin stehe seit 15. Juni 2009 in psychiatrischer Be
handlung und sei gemäss ihrem Hausarzt seit 20. Mai 2009 zu 100 % arbeits
unfähig. Die bisherige Tätigkeit sei voraussichtlich noch zumutbar, jedoch könne der Zeit
punkt der Wiederaufnahme noch nicht beurteilt werden (S. 1-2).
3.2
Dr.
B.___
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheu
matologie
, stellte in sei
nem am 14. November 2009 zuhanden der
Tag
geld
ver
sicherung
erstatteten Be
richt (Urk. 9/11/13-14) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S. 1):
-
bilaterale
Impingement
-Symptomatik bei beidseitigen degenerativen
Sup
raspinatussehnenläsionen
-
chronisch-rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
bei degenerativen LWS-Veränderungen
-
anamnestisch depressive Verstimmung
Ob die Beschwerdeführerin ihre bisherige Tätigkeit wieder aufnehmen könne, könne nicht bestimmt werden. Dr.
B.___
hielt fest, dass er der Beschwerdefüh
rerin nie eine Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Dies heisse aber nicht, dass eine solche für belastende Tätigkeiten (wohl: nicht) gegeben sein könne. Grund
sätzlich werde die körperliche Belastbarkeit der Beschwerdeführerin durch die
Schulterproblematik eingeschränkt, indem sämtliche belastenden Tätigkeiten und
insbesondere Überkopftätigkeiten nicht zumutbar seien (S. 1). Hinsichtlich der
Schulterbeschwerden seien alle therapeutischen und diagnostischen Mass
nahmen
ausgeschöpft (S. 2).
3.3
Am 18. Dezember 2009 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer
Schulter
arthroskopie
links mit
Tenodese
der langen
Bizepssehne
,
subakromialer
Bursek
tomie
,
Akromioplastik
und Rekonstruktion der
Supraspinatussehne
(Urk.
6/31/7
).
Dr. med.
C.___
,
D.___
Klinik, diagnostizierte mit Be
richt vom 25. Janu
ar 2010 (Urk.
6/30
/5-6) eine
transmurale
Supraspinatusseh
nenruptur
link
s
mit instabiler langer
Bizepssehne
. Diese Diagnose wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus, nicht hingegen diejenige einer Depression. Postoperativ sei der Verlauf auf der linken Seite zeitgerecht; es sei mit einer vollständigen Wiederherstellung zu rechnen. Auf der rechten Seite bestehe ebenfalls ein aus
geprägtes
subakromiales
Impingement
-Syndrom bei
transmuraler
Supraspi
na
tus
sehnenruptur
. Hier sei der weitere Spontanverlauf abzuwarten, bis die Re
ha
bilitation auf der Gegenseite abgeschlossen sei. Möglicherweise werde auch hier eine operative Intervention notwendig sein (S. 1).
Die Beschwerdeführerin sei vom 18. Dezember 2009 bis 2. März 2010 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die bisherige Tätigkeit als Büroangestellte sei grund
sätzlich nach abgeschlossener Rehabilitation wieder zu 100 % zumutbar. Es könne ab 3. März 2010 mit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit im Umfang von 50 % gerechnet werden (S. 2).
3.4
Mit Bericht vom 29. April 2010 (Urk.
6/37
/1-4) stellte Dr.
A.___
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode (ICD-10 F32.1)
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.0)
-
akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen, C-Typ (ICD-10 Z73.1)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei ein Status nach Schulteroperation links.
Die Beschwerdeführerin habe im Mai 2009 völlig unerwartet die Kündigung erhalten und in der Folge unter Schlafstörungen, Ängsten, Verwirrtheit, Alp
träu
men und zunehmender Depressivität gelitt
en. Die psychotherapeutische Be
handlung bewirke nur eine langsame Verbesserung von Sicherheitsgefühl und
Coping
-Strategien bei belastenden Situationen. Aus psychischen Gründen sei die Arbeitsfähigkeit langsam zu steigern und betrage ab Mitte Mai 2010 50 %. Sie bleibe aber vorerst durch den verzögerten Heilungsverlauf nach der
Schul
teroperation
bestimmt, weshalb die Beschwerdeführerin momentan zu 100 % arbeitsunfähig sei (S. 2).
Bei der depressiven Störung sei mit einer Remission zu rechnen. Die begleitende Angststörung und vor allem die akzentuierte Persönlichkeit liessen aber einen stark verzögerten Heilungsverlauf erwarten. Es müsse also mit einer länger dau
ernden Teil-Arbeitsunfähigkeit von etwa 50 %
gerechnet werden. Als Sachbe
ar
beiterin sei die Beschwerdeführerin vom 20. Mai 2009 bis 18. April 2010 zu 100 %, vom 19. April 2010 bis Ende Mai 2010 zu 75 % und ab diesem Zeit
punkt zu 50 % arbeitsunfähig (S. 2). Es sei keine behinderungsangepasste Tätig
keit erforderlich (S. 3).
3.5
Dr.
C.___
diagnostizierte mit Bericht vom 15. Juni 2010 (Urk.
6/50
/23-24) einen Status nach Schulterarthroskopie links sowie eine mediale Gonarthrose links. Als Nebendiagnosen wurden die folgenden genannt (S. 1):
-
subakromiales
Impingement
-Syndrom Schulter rechts bei
sonographisch
nachgewiesener
transmuraler
Ruptur der
Supraspinatussehne
-
Handgelenksschmerzen rechts
-
Depression
Hinsichtlich des Verlaufs führte Dr.
C.___
aus, die Schmerzen in der linken Schulter seien deutlich zurückgegangen. Problematisch sei momentan eine
de
kompensierte
, medial betonte Gonarthrose links, so dass die Beschwerdeführerin praktisch gehunfähig sei (S. 1). Die
Rotatorenmanschettenruptur
rechts sei der
zeit nur wenig symptomatisch. Die Arbeitsunfähigkeit bezüglich der linken Schulter könne per 30. Juni 2010 auf 0 % festgelegt werden. Aufgrund der akuten Kniegelenksbeschwerden sei jedoch derzeit eine Reintegration nicht möglich. Die Voraussetzungen für die
Zusprache
einer Invalidenrente seien er
füllt (S. 2).
3.6
Dr.
B.___
stellte mit Bericht vom 5. September
2010 (Urk.
6/45
/5) folgende Diag
nose:
-
fortgeschrittene mediale Gonarthrose mit
Osteonekrose
-
chronische Schulterschmerzen links
-
Status nach Schulterarthroskopie,
Bursektomie
und
Akromioplastik
2009
-
Impingement
-Syndrom rechts
-
anamnestisch Depression
Die Beschwerdeführerin leide an einer eingeschränkten Belastbarkeit des linken Kniegelenks. Die momentan konservative Behandlung müsse abgewartet wer
den. Es sei eine
Knietotalend
o
prothese
in Betracht zu ziehen; möglicherweise sei dann wieder eine Teilarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zumutbar.
3.7
Dr.
C.___
führte mit Bericht vom 16. Dezember 2010 (Urk.
6/50
/21-22) bei glei
cher Diagnose (vgl. vorstehend E. 3.5) aus, die Beschwerdeführerin berichte über
zunehmende Beschwerden in der rechten Schulter. Diese stünden in Zu
sammen
hang mit der Sehnenruptur. Da die Kniebeschwerden links zentral seien, sei eine weitere Abklärung vorzunehmen. Die Beschwerdeführerin werde sich im
Be
darfs
fall für eine weiterführende Abklärung der rechten Schulter melden (S. 1-2).
3.8
Hinsichtlich der Kniebeschwerden diagnostizierten die Ärzte der
D.___
Klinik mit Bericht vom 1. Februar 2011 (Urk.
6/50
/19-20) eine mediale Gon
arth
rose links mehr als rechts sowie eine Adipositas (BMI 34; S. 1). Der Befund habe ein deutlich hinkendes Gangbild mit einer Beweglichkeitseinschränkung des linken Kniegelenks ergeben. Nach Diskussion der verschiedenen Möglich
keiten wolle die Beschwerdeführerin konservative Massnahmen wie Infiltration, Physi
otherapie und Gewichtsreduktion ergreifen (S. 2).
3.9
Dr. med.
E.___
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin und
für
Rheu
ma
tologie
, stellte in seinem am 29. März 2011 unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung eigener Untersuchungen erstatteten Gutach
ten (Urk.
6/50
/1-18) keine Diagnosen m
it Auswirkung auf die Arbeits
fä
higkeit (S. 8). Ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die fol
genden Diagnosen (S. 8):
-
chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar
-
primäres Fibromyalgie-Syndrom
-
betont im Bereich der unteren Körperhälfte
-
Panalgie
-
diffuse Druckschmerzangabe
-
nicht
dermatombezogene
Hyosensibilität
ganzes linkes Bein für aus
schliesslich taktile Reize bei allseits normalem Lage- und
Vibrations
sinn
-
multiple Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit,
ungerichtete
Steh- und Gehunsicherheit, Schmerzen im Brustkorb und Bauch
-
Gonarthrosen
-
Periarthropathia
humeroskapularis
rechts
-
sonographisch
Ruptur der
Supraspinatussehne
-
Adipositas mit BMI von 33.4
-
Nikotinkonsum von ca. 15 pack
years
-
anamnestisch Reizmagen-Syndrom
-
2002
binaurale
Hörgeräteversorgung
-
aus somatischer Sicht nicht beurteilt: anamnestisch „traurige Verstim
mung, Ängste" (Zitat)
Der Untersuchungsbefund habe hinsichtlich der Knie ein zumeist normales Gangbild ergeben. Phasenweise erfolge ein unspezifisches Schonhinken des lin
ken Beines, das den Charakter sofort ändere, wenn die Beschwerdeführerin von einer Vorwärts- in eine Rückwärtsbewegung wechsle (S. 4). Beide Kniegelenke seien in einer Flexion/Extension von 120/0/0° beweglich, und es fänden sich
keine Meniskuszeichen, Gelenksergüsse oder Hinweise auf eine Instabilität (S. 5
).
In der klinischen Untersuchung imponierten eine schmerzvermittelnde Mimik und Gestik, diffuse Druckschmerzen, nicht
dermatombezogene
Sensibilitätsstö
rungen des ganzen linken Beines, eine Adipositas und darüber hinaus, abge
stützt auf objektivierbare Befunde, ein weitgehend normaler Habitus. Es seien drei von fünf
Waddell
-Zeichen objektivierbar (S. 8). Die Beschwerdeführerin schil
dere sämtliche Bewegungen aller axialen und peripheren Gelenke, betont in der unteren Körperhälfte, in allen Ebenen als etwa gleich schmerzhaft, unab
hängig davon, ob ein jeweils untersuchtes Gelenk in belasteter oder entlasteter Körperhaltung untersucht werde. Dies weise auf vordergründig nicht somatisch abstützbare Beschwerden hin, ansonsten zu erwarten sei, dass die eine
Bewe
gungsrichtung
als eindeutig schmerzhafter geschildert werde als die andere (S. 9).
Insgesamt seien die geschilderten Beschwerden bezüglich Umfang und Intensi
tät teilweise auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde
ab
stütz
bar
. Hinsichtlich der linken Schulter habe sich der im Januar 2010 be
schriebene postoperativ erfreuliche Verlauf unterdessen nochmals verbessert. Die Beweglichkeit der Kniegelenke sei unterdessen symmetrisch und frei. Ein Erguss im linken Knie könne nicht mehr bestätigt werden. Die Einschätzung, wonach mittels einer Knieprothese eine teilweise Arbeitsfähigkeit erreichbar sei,
konnte Dr.
E.___
nicht unterstützen (S. 14 ff.). Die bezüglich der rechten Schulter
beschriebenen Bewegungseinschränkungen könnten nicht mehr bestätigt wer
den
. Jedoch sei auch mit den in früheren Berichten erwähnten Befunden aus rein somatischer Sicht die von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübte Tätig
keit uneingeschränkt zumutbar (S. 16).
Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aus somatisch-rheumatologi
sch
er Sicht für ihre bisherigen Tätigkeiten nicht eingeschränkt, auch nicht für
Haus
haltarbeiten
mit einem leicht- bis mittelgradig belastenden Arbeitsprofil. Die Beschwerden könnten mittels zumutbarer medikamentöser,
gewichtsredu
zieren
der
und bewegungsaktivierender Massnahmen möglicherweise günstig beein
flusst werden (S. 17).
3.10
Die rentenzusprechende Verfügung vom 2
7.
Juni 2011 erging im Wesentlichen infolge psychischer Beschwerden. So hielt
Dr.
med.
F.___
, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD), am
7.
Mai 2010 fest,
es sei au
s psychiatrischer Sicht bezüglich der depressiven Störung mit einer Remission zu rechnen. Aller
dings sei
aufgrund der
begleitende
n
Angststörung und vor allem der akzentu
ierten Persönlichkeit mit einem stark verzögerten Heilverlauf zu rechnen. Es müsse mit einer länger dauernden Arbeitsunfähigkeit von etwa 50
%
gerechnet werden. Die genannten Zeiten der Arbeitsunfähigkeit seien plausibel und träfen auf die bisherige und auf behinderungsangepasste Tätigkeiten zu, wobei die ange
stammte Tätigkeit einer behinderungsangepassten entspreche
(
Urk.
6/38/4
)
.
Die Beurteilung durch
Dr.
E.___
erfolgte aufgrund der ab Juni 2010 eingetretenen somatischen Verschlechterung im linken Knie (vgl. vorstehend E. 3.5).
I
m Beschwerdeverfahren vor dem hiesigen Gericht
war
unbestritten, dass ab
Juni 2010 in der angestammten Tätigkeit aus psychischen Gründen eine Ar
beits
unfähigkeit von 50
%
bestand (vgl. E. 4.1 des Urteils vom 1
2.
November 2012;
Urk.
6/69).
3.11
Das hiesige Gericht erachtet
e
das Gutachten von
Dr.
E.___
als beweiswertig (vgl. E. 4.4 des genannten Urteils;
Urk.
6/69), weshalb in Bestätigung der angefochte
nen Verfügung bis zum Zeitpunkt des Erlasses derselben von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen ausgegangen wurde. Das Gericht hielt Folgendes fest (E. 4.5.3- 4.7):
„Damit steht fest, dass bis Ende Juni 2011 keine relevante Arbeitsunfähigkeit wegen den Kniebeschwerden in der angestammten Tätigkeit bestand. Inwieweit die einsetzende Verschlechterung - welche zur
Totalendoprothesen
-Operation führte - eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit mit sich brachte, ist vorliegend nicht von Bedeutung, wäre sie doch erst nach drei Monaten Dauer zu berück
sichtigen (Art. 88a Abs. 2
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV
) und damit nach Erlass der angefochtenen Verfü
gung.
Da zusammenfassend Hinweise bestehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ab Juni 2011 verschlechtert hat, rechtfertigt es sich, die Sache an die Beschwerdegegnerin zu überweisen zur Prüfung des Sachverhalts ab Juni 2011 und der ab September 2011 in Frage stehenden Ansprüche der Beschwerdeführerin.
Zu bedenken ist jedoch, dass eine Arbeitsunfähigkeit - angesichts der Ein
schrän
kungen aus psychischen Gründen - erst ab einem 50 % übersteigenden Ausmass überhaupt relevant wäre. Dass dies ab Juni 2011 der Fall war, bedürfte bei einer angestammten Tätigkeit im Büro einer schlüssigen Begründung.
Damit besteht einzig in psychischer Hinsicht gestützt auf die Beurteilung durch Dr.
A.___
eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50 %. Diesbezüglich ist sodann anzumerken, dass Dr.
A.___
- wie auch die Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S.
12) - mit einer Remission der depressive
n
Störung rechnet (vgl. vor
ste
hend E. 3.4). Dies ist ebenfalls im anstehenden Revisionsverfahren zu über
prü
fen, ebenso wie die Diagnose einer Agoraphobie, die gemäss Dr.
A.___
den
Heilverlauf verzögere, sich aber nach Lage der Akten offenbar in der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin nicht ausgewirkt hat. Auch die Auswirkungen der von Dr.
A.___
gestellten Diagnose einer akzentuierten Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen (ICD-10 Z73.1) sind fraglich: Diese gehört zu der Kategorie „
Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" und damit zu den Faktoren, die den Gesundheitszustand
beeinflussen und zur Inanspruch
nahme von Gesundheitsdiensten führen (ICD
10 Z.00-/99
), denen jedoch kein versicherungsmedizinischer
Krankheits
wert
zu
kommt (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2010 vom 15. November 2010, E. 5.2.4
).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ab 20. Mai 2009
bis 31. Mai 2010 mindestens zu 75 % und ab 1. Juni 2010 zu 50 % ar
beits
un
fähig war. Diese Verbesserung der Arbeitsfähigkeit war ab 1. September 2010 (Art. 88a Abs. 1 IVV) zu berücksichtigen.“
4.
4.1
Im Nachgang zu diesem Urteil ergingen die folgenden Arztberichte.
Dr.
B.___
stellte mit Bericht vom 1
2.
März 2013 (
Urk.
6/73/5) folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Gonarthrose beidseits:
-
Status nach Knietotal-
Endoprothese
rechts März 2012
-
fortgeschrittene Gonarthrose links
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen LWS-Verän
derungen und Adipositas
-
anamnestisch Depression
-
Status nach
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion links 2009
Dr.
B.___
führte aus, dass er zu den Einschränkungen der Beschwerdeführerin keine Angaben machen könne, da er sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen habe.
4.2
Dr.
med.
G.___
, Oberarzt Orthopädie
D.___
Klinik, diagnostizierte
m
it einem undatierten Bericht (
Urk.
6/74) einen Status nach
Knie-Total
endo
prothese
rechts und eine Gonarthrose links sowie, was von einem Psychiater zu beurteilen sei, eine Depression, Panikattacken und Angstzustände (
Ziff.
1.1). Die Behandlung erfolge seit 2
0.
März 2013 (
Ziff.
1.2). Die Beschwerdeführerin sei in der angestammten Tätigkeit seit 2009 vollständig arbeitsunfähig und es sei auch eine teilweise Tätigkeit nicht zumutbar (
Ziff.
1.6-1.7).
4.3
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Allgemein
e Innere M
edizin,
stellte in seinem
ihm am 1
8.
April
2013 zugestellten (vgl. Urk.6/77/5), undatierten Bericht fol
gende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Gonarthrose beidseits, rechts Status nach Knie-
Total
endo
prothese
im März 2012, links mit progredienten Schmerzen
-
chronisch rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
und lumbales
Schmerz
syndrom
, intermittierend
lumboradikuläres
Reizsyndrom, bei degenerativen LWS-Veränderungen
-
rezidivierende depressive Störung und Angsterkrankung mit
Panikstö
rung
und Agoraphobie
Die Beschwerdeführerin sei auch für Haushaltarbeiten deutlich eingeschränkt. Längere körperliche Betätigungen seien ihr nicht möglich, sie könne nicht in die
Knie gehen, eine gebückte Haltung führe zu verstärkten Rückenschmerzen, lan
g
es Sitzen sei auch nicht gut. Lasten heben sei nicht möglich, ebenso schwerere Putzarbeiten (
Ziff.
1.5). Seit Mai 2009 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 75
%
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit, dies infolge der ausserordentlich schwer
wiegenden und schwer zu behandelnden rheumatologisch-orthopädischen
Problematik in Kombination mit der langdauernden psychiatrischen Erkrankung
(
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (
Ziff.
1.7).
4.4
Dr.
A.___
berichtete am
7.
Juni 2013 (
Urk.
6/78) und stellte folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode (ICD-10 F32.1)
-
vorübergehende Anpassungsstörung (F43.2) nach zwei Einbrüchen in ihr Haus 2012
-
akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen, C-Typ (Z73.1)
Dr.
A.___
führte aus, der Beschwerdeführerin sei eine tägliche Tätigkeit ausser Haus im Umfang von etwa 10 bis 20
%
als unbezahlte Aushilfe im Res
taurant des Sohnes ohne zeitliche oder inhaltliche Verpflichtung zumutbar. Die in seinem letzten Bericht aus dem Jahr 2010 per Ende Mai 2010 in Aussicht gestellte Teil-Arbeitsfähigkeit von etwa 50
%
habe nie erreicht werden können. Zwei orthopädische Eingriffe hätten den Heilungsverlauf verzögert und zu einer zusätzlichen psychischen Verunsicherung beigetragen. Weiter hätten die häufig auftretenden Schmerzen sowie die akzentuierten ängstlichen und
selbstunsi
cheren
Persönlichkeitszüge einen Zustand der Mutlosigkeit und des fehlenden Selbstvertrauens gefördert. Die aktuell mögliche zeitliche Arbeitsfähigkeit be
trage höchstens 20
%
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit mit einer Leis
tung von etwa 60
%
. Erst nach einem Einsatz in diesem Umfang könne ab
geschätzt werden, ob und in welchem Umfang eine allfällige
Pensumssteigerung
möglich sei. Eine Leistungsminderung bestehe auch in der
Haushaltsbewälti
gung
. Die Patientin sei auf die Mithilfe ihres Ehemannes und ihres S
ohnes an
gewiesen (
Ziff.
1.4).
In der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin sei die Beschwerdeführerin zu 80
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Eine angepasste Tätigkeit erfordere eine sit
zende Arbeit mit häufigen Pausen und geringen kognitiven Anforderungen (
Ziff.
1.7).
4.5
Die Gutachter des
Z.___
erstatteten ihr Gutachten vom 1
8.
August
2014 (
Urk.
6/93
) nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der
Anamnese und Durchführung einer internistischen, psychiatrischen und orthopädischen Un
tersuchung. Sie stellten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit (S. 21):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Panikstörung (F41.0)
-
symptomatische medial betonte Gonarthrose links
-
radiologisch deutliche Degeneration medial und weniger auch
femoro
patellär
(Röntgen vom
6.
April 2014)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie
:
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
-
Status nach Implantation einer Knie-Totalprothese rechts am 2
3.
März 2012
-
klinisch unauffälliger Befund
-
radiologisch unauffälliger Befund (Röntgen vom 2
0.
März 2013
)
-
chronische Schulterbeschwerden rechts
-
bis auf mögliches
subakromiales
Impingement
unauffälliger klinischer Befund
-
Status nach Schulterarthroskopie, Tenotomie der langen
Bizepssehne
,
sub
akromialer
Bursektomie
,
Akromioplastik
und Rekonstruktion der
Supraspinatussehne
links am 1
8.
Dezember 2009
-
chronische Hüft- und Gesässschmerzen beidseits
-
klinisch unauffälliger Befund der Hüftgelenke
-
metabolisches Syndrom
-
Diabetes mellitus Typ II, bisher keine medikamentöse Behandlung
-
Adipositas mit BMI 34
-
Dyslipidämie
, bisher
keine medikamentöse Behandlung
-
arterielle Hypertonie möglich
-
Schwerhörigkeit
-
Hörgeräteversorgung seit 2002
-
fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ca. 25 pack
years
)
In der psychiatrischen Teiluntersuchung
habe
die Beschwerdeführerin
berichtet
, dass sie bei
Dr.
A.___
in psychiatrischer Behandlung gewesen und nun zu
Dr.
I.___
überwiesen worden sei, da
Dr.
A.___
mit ihr nicht weitergekom
men sei.
Sie sei einmal pro Woche oder alle zwei Wochen in Behandlung und nehme
Cymbalta
,
Trittico
sowie nach Bedarf
Temesta
ein (S. 10).
Der Gutachter stellte fest, dass der affektive Kontakt sehr gut herstellbar gewesen sei. Die Stimmung sei depressiv gewesen. Die Beschwerdeführerin habe er
höhte Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und
Morgen
tiefs
angegeben, ebenso anfallsartige Angst mit vegetativen Symptomen wie Atemnot bis mehrmals in der Woche und unabhängig von der Situation. Hin
weise auf Zwänge hätten nicht bestanden, die Vigilanz sei nicht gestört gewe
sen. Die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar und allseitig orientiert gewe
sen. Es hätten leichte Konzentrationsstörungen bestanden. Die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt gewesen. Das
Denken sei formal geordnet gewesen und es seien keine Wahnideen, Halluzina
tionen und Ich-Störungen vorhanden, ebenso keine Hinweise auf Suizidalität. Weiter führte der Gutachter aus, dass die Urteilsbildung nicht gestört sei. Die Beschwerdeführerin gebe ausserhalb der Familie keine Kontakte an. Die
Bezie
h
ungsfähigkeit
sei erhalten. Es habe vielleicht eine etwas verminderte
Affekt
steuerung
mit raschem Weinen ohne Hinweise auf Impulskontrollstörungen be
standen. Der Antrieb sei herabgesetzt mit erhöhter Ermüdbarkeit bei erhaltener Intentionalität. Die Selbstwertregulation sei ebenfalls erhalten
und die
Abwehr
mechanismen
seien
nicht deutlich auffällig (S. 12).
Es bestehe eine leichte depressive Episode gekennzeichnet durch die Kriterien der verminderten Freudempfindungsfähigkeit, erhöhte
n
Ermüdbarkeit, leichte
n
Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und Morgentiefs. Zudem lägen eine
Panikstörung mit anfallsartigen Ängsten und vegetativen Symptomen sowie ei
ne chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bei aus
geweiteten Schmerzen im Bewegungsapparat, deren Ausmass sich durch die somatischen Befunde nicht erklären lasse, vor. Es bestünden psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren mit Todesfällen, Einbrüchen zuhause und vor
allem der Kündigung ihrer früheren Arbeitsstelle, aber auch einem Ehemann, der
ebenfalls krank sei und eine Rente beziehe, sowie den finanziellen As
pekten ihrer eigenen Berentung. Sonst bestünden keine lebensgeschichtlichen Belas
tungen, die eine deutliche Relevanz hätten, um sich negativ auf die
Ge
sund
heitsentwicklung
auszuwirken. Die differentialdiagnostisch in Betracht zu zieh
ende Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung könne nicht gestellt werden, da deutlich schwere psychosoziale oder emotionale
Be
las
tungsfaktoren
als ursächliche Faktoren fehlten (S. 12).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
, was durch die depressive Störung und die Panikstörung bedingt sei. Die Schmerzstörung wirke sich nicht arbeitsfähigkeitseinschränkend aus.
Der Explorandin könne aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden, einer ihren kör
perlichen Einschränkungen angepassten und ihren Fähigkeiten entsprech
enden Tätigkeit zu 70
%
nachzugehen. Im idealen Fall kön
nte es sich dabei um ein ganztäg
iges Pensum mit der Möglichkeit vermehrter Pausen, aufgrund der durch die Depression und die Panikstörung bedingten erhöhten Ermüdbarkeit, handeln. Von dieser Einschätzung könne mit Sicherheit mindestens seit der aktu
ellen Untersuchung ausgegangen werden. Zuvor könne nicht genau ange
ge
ben werden, ab wann es zu einer Besserung gekommen sei, da neuere fach
ärzt
liche Befunde, auf die mit Sicherheit abgestellt werden kann, fehlten (S.
13).
Zur Beurteilung durch
Dr.
A.___
hielt der psychiatrische Gutachter fest, dass bei einer Episode nach ICD nicht gleichzeitig eine Anpassungsstörung diag
nostiziert werden könne. Zudem habe
Dr.
A.___
eine 10-20%ige Arbeits
fähig
keit bei 60%iger Leistungsfähigkeit attestiert, was bei der Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode doch zu gering eingeschätzt sei. Die frühere Ein
schätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit könne heute medizinisch-theo
re
tisch nicht mehr aufrechterhalten werden (S. 14).
Der orthopädische Gutachter stellte fest, dass die Explorandin e
i
n inkonstantes linksseitiges Hinken demonstriere, aber die Gangarten durchaus durchführen könne. Beim
Treppabgehen
stelle sie nicht die schmerzhafte linke untere Extre
mität, sondern den rechten Fuss voran. Bei der Prüfung der Wirbelsäule zeige sich eine freie Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte, indem der initial etwas
ver
mehrte
Finger-Boden-Abstand später durch eine freie Auslenkung im
Lang
sitz
relativiert
werden könne. Auch an den oberen und unteren Extremitäten be
steh
e eine weitgehend freie Beweglichkeit. Bei der Anamneseerhebung, ins
beson
dere aber während der klinischen Untersuchung, welche bei guter Koope
ration im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen problemlos durchgeführt werden könne, er
folg
ten sehr unklare Schmerzangaben. So beklage die Explorandin sehr
diffuse, keinesfalls reproduzierbare
Druckdolenzen
an Stamm und Extre
mitäten und be
richte schliesslich von einem zeitweise generalisiert auftretenden Leiden. Einzig am linken Knie erfolge eine relativ konstante Beschwerdeangabe. Fünf von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv. Auf neurologischer Ebene zeigten sich keine klaren Hinweise für das Vorliegen einer Pathologie im Bereich des peripheren Nervensystems. Auf radiologischer Ebene zeigten sich an den Knie
gelenken
rechts
(richtig
wohl
: links)
deutliche degenerative Veränderungen und links
(richtig
wohl
: rechts)
unauffällige Verhältnisse nach Gelenksersatz. Zu
sammen
fassend könne gesagt werden, dass sich die von der Beschwerdeführerin äusserst diffus und wechselhaft beklagten Beschwerden durch die klinischen und radio
logischen Befunde keinesfalls vollständig begründen liessen. Nach
vollziehbar seien
sie
einzig im Bereich des linken Knies, kaum aber in den übri
gen Ab
schnitten des Bewegungsapparates. Nicht zuletzt die deutlichen Inkon
sistenzen, die anamnestisch erfolgte Beschwerdezunahme unter konservativer Therapie sowie die Verschlechterung trotz langjähriger Schonung könnten als klare Hin
weise für eine im Vordergrund stehende nicht-organische
Beschwerde
kompo
nen
te
angesehen werden (S. 19 f.).
Für die angestammte Bürotätigkeit sowie für jede andere körperlich leichte Tätigkeit bestehe eine Arbei
tsfähigkeit von 90
%
bei ganztäg
igem Pensum mit um 10
%
reduzierter Leistung aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs. Das wie
derholte Heben und Tragen von Lasten über 10 kg sowie das häufige Über
win
den von Treppen und unebenem Grund sollte dabei vermieden werden. Es könne für solche Tätigkeiten keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer
invalidisierenden Erkrankung attestiert werden (S. 20). Der Einschätzung von
Dr.
G.___
, wonach seit 2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe, könne aufgrund der heutigen Untersuchung keinesfalls gefolgt werden. Sollte tatsächlich ein derart invalidisierender Leidensdruck bestanden haben, bleibe es überdies unverständlich, weshalb angesichts des positiven postoperativen Ver
laufs die Prozedur nicht auf der Gegenseite längst wiederholt worden sei (S. 21 oben).
Die Konsensbeurteilung ergab, dass objektiv das psychische Leiden im Vorder
grund stehe, welches die Arbeitsfähigkeit um 30
%
einschränke. Weiter vermin
dere die symptomatische, medial betonte Gonarthrose links die Arbeitsfähigkeit um 10
%
. Aus allgemeininternistischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht ein
geschränkt. Die Schwerhörigkeit sei seit 2002 mit Hörgeräten versorgt und die
Explorandin sei dadurch in der bisherigen Tätigkeit nicht eingeschränkt gewe
se
n (S. 22).
Zusammengefasst sei die Beschwerdeführerin aus polydisziplinärer Sicht für die angestammte Tätigkeit im Bürobereich wie auch für jede andere körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit zu 70
%
arbeits- und leistungsfähig, was in einem ganztägigen Pensum mit vermehrten Pausen verwertbar sei. Die
Arbeits
unfähigkeiten aus psychiatrischer und orthopädischer Sicht könnten nicht
kumuliert werden, da dieselben Zeitabschnitte für vermehrt notwendige Pausen genutzt werden könnten.
Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersu
chungsbefunde, der vorliegenden Dokumente sowie früher attestierter Arbeits
unfähigkeiten sei davon auszugehen, dass die Explorandin seit Mai 2009 auf
grund des psychischen Leidens in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Der genaue Verlauf dieser Arbeitsunfähigkeit könne nicht angegeben werden. Seit der
Rentenzusprache
sei es zu einer Besserung des psychischen Leidens gekom
men. Anlässlich der Untersuchung habe noch eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, welche ab dem Untersuchungsdatum im April 2014 gelte.
Aus so
matischer Sicht, insbesondere von Seiten des Bewegungsapparates, h
ä
tten immer Arbeitsunfähigkeiten von einigen Wochen bestanden, welche durch die Operationen verursacht worden seien. Eine länger dauernde,
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit könne aus somatischer Sicht nicht bestätigt werden (S.
23
oben
).
Bei einer Haushalttätigkeit würden sich vor allem die somatischen Probleme mit
Gonarthrosen
bemerkbar machen, wodurch die Explorandin bei körperlich schweren und mittelschweren Arbeiten eingeschränkt sei. In Kombination mit
dem psychischen Leiden könne im Haushalt eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
bestätigt werden, dies unter der Annahme, dass die Arbeiten individuell über den Tag verteilt mit Pausen verrichtet werden könnten (S. 23
Mitte
).
Die Explorandin selbst fühle sich nicht mehr arbeitsfähig. Diese Einschätzung könne medizinisch nicht vollständig erklärt werden. Die körperlichen Probleme sollten bei einer körperlich leichten Tätigkeit, wie sie die Explorandin früher ausgeübt habe, nicht zu einer wesentlichen Beschwerdeverstärkung gegenüber Alltagsaktivitäten führen. Sie sei dabei auch psychisch nicht
höhergradig
ein
geschränkt, insbesondere sei es ihr aus psychiatrischer Sicht zumutbar, die not
wendige Willensanstrengung aufzubringen, um mit 70%iger Leistungsfähigkeit erwerbstätig zu sein (S. 23
unten
).
Zu
r Einschätzung durch
Dr.
A.___
hielten die Gutachter fest, dass bei der von ihm gestellten Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode und den von ihm festgestellten Befunden eine höhere als 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht begründet werden könne. Anlässlich der aktuellen Begutachtung sei nur noch eine leichte depressive Episode festgestellt worden (S. 23). In somatischer Hinsicht habe
Dr.
E.___
nur einen Teil der Beschwerden objektivieren können und habe für die frühere Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert, was
zu be
stätigen sei (S. 24 oben).
4.6
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(vgl.
Urk.
6/104
Ziff.
8) reichte die Be
schwerdeführerin den Bericht ihres behandelnden Therapeuten
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
8.
Oktober 2014 ein.
Dr.
I.___
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig mittelgradige Episode, sowie eine Panikstörung (S. 4). Die bestehen
den, näher
genannten Einschränkungen infolge psychischer und körperlicher Symptome hätten
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Voreinschätzung durch
Dr.
A.___
habe im Juni 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
ergeben. Seit der Übernahme der Therapie seien keine Hinweise gefunden worden, dass sich an dieser Einschätzung etwas geändert hätte (S. 5).
5.
5.1
Dr.
B.___
(vorstehend E. 4.1) konnte zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin keine Stellung nehmen, da er sie längere Zeit nicht gesehen hatte.
Dr.
G.___
(vorstehend E. 4.2) ging in somatischer Hinsicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seit 2009 aus, und
vertrat die Auffassung
auch eine Teiltätigkeit sei nicht zumutbar. Dabei verkannte er
jedoch
, dass
Dr.
E.___
bereits 2011 nicht mehr von einer somatisch begründeten Arbeitsunfähigkeit ausging. Dies war
Dr.
G.___
möglicherweise nicht bekannt; dennoch wird nicht erklärt, weshalb
aufgrund der
somatischen
Diagnosen
- Status nach
Knie-Endototal
prothese
rechts und Gonarthrose links
-
keinerlei Arbeitsfähigkeit mehr beste
hen solle.
Auch
Dr.
H.___
(vorstehend E.
4.3) ging
in der angestammten Tätigkeit
von einer Arbeitsunfähigkeit von 75
%
seit Mai 2009
aus,
begründet durch soma
t
ische und psychische Erkrankung
ohne diese nicht nachvollziehbare Abwei
chung von der Einschätzung von
Dr.
E.___
zu begründen. Hinzu kommt, dass
Dr.
H.___
als Facharzt für Allgemeine Innere M
edizin
bezüglich
eines
psychi
a
tri
schen
und orthopädisch/rheumatologischen Sachverhaltes grundsätzlich nicht genü
gend befähigt ist,
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzu
schät
zen. Dies setzt den Beweiswert seines Berichts entscheidend herab.
5.2
Dr.
A.___
(vorstehend E. 4.4)
stützte seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode, einer vorübergehenden Anpassungsstörung und einer
ak
zen
tuierten Persönlichkeit mit ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen
. Letzteres ist
unter ICD-10 Z.73.0 und damit in der Kategorie
„
Probleme verbun
den mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" aufgeführt und gehört zu den Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruch
nahme von Gesundheitsdiensten führen (ICD-10 Z.00-/99), denen jedoch kein versicherungsmedizinischer Krankheitswert zukommt (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2010 vom 1
5.
November
2010, E.
5.2.4).
Zudem ist e
ine Anpassungsstörung rechtsprechungsgemäss grundsätzlich kein invalidisierendes Leiden (vgl. beispielsweise das Urteil des Bundesgerichts 9C_4/2013 vom 1
9.
Dezember 2013 oder
8C_1055/2010 vom 1
7.
Febr. 2011
). Diese beiden Di
ag
nosen
vermögen
also aus rechtlicher Sicht
keine Arbeitsunfähigkeit zu be
grün
den. Dies gilt jedoch auch für die Diagnose einer mittelschweren depressi
ven Episode:
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittel
gradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episo
disch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwie
se
nermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - ge
setzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und
Prü
fungsweise
Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3). Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären)
Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausge
schöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3; BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April
2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
Vorliegend ist nicht anzunehmen, dass
die therapeutischen Optionen ausgeschöpft sind, hat die Beschwerdeführerin d
och einen Therapeutenwechsel (vgl. vorstehend E.
4.6) vorgenommen und wurde bis
lang nach Lage der Akten noch keine stationäre Therapie absolviert.
Dass die Beschwerdeführerin gemäss
Dr.
A.___
angepasst und angestammt höchstens zu 20
%
arbeitsfähig sein soll (vgl. vorstehend E. 4.4), entbehrt ange
sichts der gestellten Diagnosen und des Gesagten jeglicher Grundlage und kann nur auf die vom Gericht zu berücksichtigende Erfahrungstatsache zurückgeführt werden, dass Spezialärzte - wie Hausärzte -
im Hinblick auf ihre
auftragsrecht
liche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aus
sagen (vgl. BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hinweisen).
5.3
Das Gutachten des
Z.___
(vorstehend E. 4.5) entspricht den Anforderungen an den Beweiswert eines ärztlichen Berichts (vgl. vorstehend E. 1.4) und vermag insbesondere deshalb zu überzeugen, weil es im Gegensatz zu den bisherigen Berichten eine Gesamtbeurteilung aller gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin erlaubt. Die Gutachter kamen nach genauer Abklärung und Untersuchung zum Schluss, dass die Diagnosen einer rezidivierenden depressi
ven Störung, gegenwärtig leichte Episode, einer Panikstörung und einer symp
tomatischen Gonarthrose links die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein
schränken. Dass nun von einer
leichtgradigen
Depression auszugehen ist, wurde vom psychiatrischen
Gutachter
anhand der von ihm erhobenen Befunde
nach
vollziehbar
hergeleitet und ausführlich begründet (vgl. S. 12 des Gutach
tens).
Er ging davon aus, dass diese zusammen mit der Panikstörung eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
bewirkt. Dazu ist festzuhalten, dass gemäss dem
oben Gesagten eine
leichtgradige
depressive Episode aus rechtli
cher Sicht grun
d
sätzlich keine invalidisierende Wirkung hat
, und zudem nicht auszuschliessen ist, dass psychosoziale Gründe im Vordergrund des
Beschwer
debildes
stehen könnten
. Der psychiatrische Gutachter hielt jedoch fest, dass auch die
Panik
störung
Einfluss habe und zusammen mit der Depression eine er
höhte Ermüd
barkeit bewirke. D
em wird mit der
Einschätzung einer 30%igen Arbeitsun
fähig
keit
in vertretbarer Weise Rechnung getragen
. Hervorzuheben gilt es
mit Blick auf die Schadenminderungspflicht
,
dass es der Beschwerdefüh
rerin aus psychia
trischer Sicht zumutbar ist, in einem Umfang von 70
%
er
werbstätig zu sein
, auch wenn sie sich selbst nicht als arbeitsfähig sieht.
5.4
In somatischer Hinsicht ergab die Begutachtung, dass die klinische Untersu
chung im Stehen, Gehen und Liegen bei guter Kooperation problemlos
durch
geführt werden ko
nn
t
e
. Die Beschwerdeführerin habe sehr
diffuse, keinesfalls reproduzierbare
Druckdolenzen
beklagt; einzig am linken Knie seien die Be
schwerden relativ konstant angegeben worden. Der Gutachter erkannte fünf von fünf
Waddell
-Zeichen als positiv und wies darauf hin, dass die deutlichen Inkonsistenzen, die anamnestische Beschwerdezunahme unter konservativer The
rapie sowie die Verschlechterung trotz langjähriger Schonung klare Hin
weise für eine im V
ordergrund stehende nicht-organ
ische
Komponente dar
stellten. Dies vermag zu überzeugen
, ebenso wie der Umstand, dass der ortho
pädische Gutachter die kniebedingte Beeinträchtigung mit einer Verringerung der Ar
beitsfähigkeit von 10
%
berücksichtigte
. Die
Gutachter
nahmen zudem in diffe
renzierter Weise Stellung zu den bisherigen Einschätzungen und kamen in der Konsensbeurteilung zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der ange
stammten Bürotätigkeit sowie in jeder anderen körperlich leichten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit ab April 2014 zu 70
%
arbeits- und leistungsfähig sei. Die Arbeitsunfähigkeiten aus psychiatrischer und orthopädischer Sicht sei
en
nicht zu addieren, da dieselben Zeitabschnitte für Pausen nutzbar seien.
5.5
Während also vor Erlass der Verfügung vom 2
7.
Juni 2011 noch eine Arbeits
unfähigkeit von 50
%
aus psychischen Gründen bestand, hat sich der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin seither so verbessert, dass seit April 2014 aus psychischen und somatischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von
nur
mehr
30
%
besteht.
Damit wurde der
verbleibenden
Beeinträchtigung ange
messen Rechnung getragen.
Die im Urteil vom
1
2.
November 2012 erwähnte mögliche Verschlechterung infolge der Kniebeschwerden
und der Operation des rechten Kniegelenk
s
war vorübergehend, was im
Z.___
-Gutachten bestätigt wurde (vgl. 20 des Gutachtens).
An dieser Einschätzung vermag der Bericht von
Dr.
I.___
(vorstehend E. 4.6) nicht
s
zu
ändern: Es gilt das oben (E. 5.2
) zur invalidisierenden Wirkung von mittelgradigen depressiven Episoden
Gesagte
. Zudem nahm
Dr.
I.___
keine eigene
, begründete
Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor, sondern wies lediglich darauf hin, dass sich seit der Einschätzung durch
Dr.
A.___
nichts geändert habe. Ebenfalls fehlt eine begründete Auseinan
dersetzung mit dem
Z.___
-Gutachten.
5.6
Zusammenfassend ist gestützt auf das
Z.___
-Gutachten somit von einer Verbesse
rung ab April 2014 auszugehen, indem die Beschwerdeführerin ab diesem Datum als zu 70
%
arbeitsfähig gilt. Diese Verbesserung ist gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV
spätestens ab
1.
September 2014 zu berücksichtigen.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
m
en
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander ge
gen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Da der Beschwerdeführerin ab April 2014 auch die angestammte Tätigkeit wie
der zu 70
%
zumutbar war, ermittelte die Beschwerdegegnerin gestützt auf den früher bei dieser Tätigkeit erzielten Lohn einen Invaliditätsgrad von 30
%
(vgl.
Urk.
6/94 sowie S. 2 des angefochtenen Entscheides). Dies wurde von der Be
schwerdeführerin nicht bestritten und ist nicht zu beanstanden.
6.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist vor einer Erhöhung, Herab
setzung oder Aufhebung der Rente abzuklären, ob ein Eingliederungsbedarf besteht. Dabei ist vom Grundsatz der erwerblichen Verwertbarkeit einer ver
besserten oder wieder
gewonnenen Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der
Selbstein
gliederung
auszugehen. In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Recht
spre
chung dennoch nach langjährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) aus
gewiesener Leistungs
fähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugesprochen, bis mit Hilfe von me
dizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen
Massnahmen
das the
oretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es können im Einzelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhande
nen Leistungsfähigkeit und medizinisch zumutbaren
Leis
tungs
entfaltung
entge
gen stehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige
Durchführung befähi
gender
Massnahmen
allein vermittels Eigenanstrengung der
versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.2).
6.4
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 dahin gehend präzisiert, dass die revisions- oder
wiedererwä
gungsweise
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Beschwerdegegnerin zuvor
Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt hat (E. 3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Personen aufgrund des fortge
schrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden lang
jährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selber wieder einzugliedern. Dies führt zwar für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Rente grundsätzlich erst nach geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt werden darf (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 E. 3.5).
6.5
Die am
2
0.
Juni 19
55
geborene Beschwerdeführerin war im Zeitpunkt der
ren
ten
aufhebenden
Verfügung vom
7.
Juli 2015 (Urk. 2) 60-jährig.
Damit fällt sie unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
. Nachdem die
Begutachtung
durch
das
Z.___
erfolgt war
,
bot die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin
im Vorbescheid vom
9.
September 2014 (Urk. 6/97
) an,
sich für Unterstützung bei der Stellensuche zu melden
.
Die Beschwerdeführerin rea
gierte na
ch Lage der Akten nicht darauf. Sie sieht sich selbst als nicht arbeits
fähig
(vgl. S. 23 des
Z.___
-Gutachtens). Es ist somit von fehlendem
Eingliede
rungswillen
auszugehen.
Fehlt es am Eingliederungswillen
und
an der subjekti
ven Eingliederungsfähigkeit, so entfällt der Anspruch auf Eingliederungsmass
nahmen, ohne dass zunächst ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt werden müsste (Urteil des Bundesgerichts 8C_569/2015 vom 1
7.
Februar 2016 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_19/2016 vom
4.
April 2016 E. 5.2.3).
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin ihre bislang bestehende 50%ige Arbeits
fähigkeit bereits vor der vorliegend strittigen Rentenaufhebung nie verwertete, obwohl ihr dies zumutbar gewesen wäre. Mit anderen Worten
bildete
die lange Absenz vom Arbeitsmarkt kein
en
Umstand, den die Beschwerdegegnerin zu ver
treten hat.
Sie
war demnach nicht gehalten,
aktiv
Eingliederungsmassnah
men
zu treffen.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach auch unter diesem Gesichts
punkt als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gan
g des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerdeführer
in
aufzuerle
gen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
9
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Christos
Antoniadis
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannLienhard