# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c240094-a90d-5cd7-aa95-13ac8d11f8ac
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-25
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Kammer für Kindes-und Erwachsenenschutz 25.04.2024 XBE.2023.95
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_002_XBE-2023-95_2024-04-25.pdf

## Full Text

Obergericht 

Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz 

 

XBE.2023.95 
(KEMN.2023.698)  

Art. 22 

 

 

Entscheid vom 25. April 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Merkofer, Präsidentin  

Oberrichter Holliger 

Oberrichter Giese  

Gerichtsschreiberin Meister 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____,  

[…] 

 

 

Anfechtungs- 

gegenstand 

 Entscheid des Familiengerichts Aarau vom 11. Oktober 2023 

 

 

Betreff  Prüfung einer Massnahme 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entnimmt den 

Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Eingabe vom 16. August 2023 (Posteingang am 21. August 2023) be-

antragte A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) beim Familiengericht 

Aarau die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft für ihn in den Berei-

chen Finanzen und Administration.  

 

1.2. 

Mit Entscheid vom 11. Oktober 2023 verzichtete das Familiengericht Aarau 

auf die Errichtung einer behördlichen Massnahme für den Beschwerdefüh-

rer unter Vorbehalt einer Neubeurteilung infolge veränderter Verhältnisse 

(KEMN.2023.698). 

 

2. 

2.1. 

Gegen den ihm am 22. November 2023 in begründeter Ausfertigung zuge-

stellten Entscheid vom 11. Oktober 2023 erhob der Beschwerdeführer mit 

Eingabe vom 21. Dezember 2023 Beschwerde bei der Kammer für Kindes- 

und Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau und bean-

tragte sinngemäss die Aufhebung des Entscheids vom 11. Oktober 2023 

und die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft.  

 

2.2. 

Das Familiengericht Aarau verzichtete mit Schreiben vom 4. Januar 2024 

auf eine Vernehmlassung unter Hinweis auf die Begründung des angefoch-

tenen Entscheids.  

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz zieht in Erwä-

gung: 

 

1. 

1.1. 

Zuständig für Beschwerdeverfahren gegen Entscheide der Kindes- und Er-

wachsenenschutzbehörde wie das vorliegende ist die Kammer für Kindes- 

und Erwachsenenschutz des Obergerichts des Kantons Aargau als einzige 

Beschwerdeinstanz (§ 41 EG ZGB i.V.m. § 10 Abs. 1 lit. c EG ZPO und 

§ 10 Abs. 1 der Geschäftsordnung des Obergerichts des Kantons Aargau 

vom 21. November 2012 [GKA 155.200.3.101] i.V.m. deren Anhang 1 

Ziff. 5 Abs. 7 lit. b). 

 

 - 3 - 

 

 

1.2. 

Die Rechtsmittelinstanz prüft den erstinstanzlichen Entscheid von Amtes 

wegen in Anwendung der Untersuchungs- und Offizialmaxime – in der Re-

gel beschränkt auf den Umfang der Anfechtung – in rechtlicher und tatsäch-

licher Hinsicht umfassend und beurteilt ihn neu (Art. 446 Abs. 4 ZGB; Bot-

schaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetz-

buches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], BBl 2006 

7001 ff., S. 7083). 

 

2. 

2.1. 

Strittig ist, ob das Familiengericht Aarau zu Recht darauf verzichtet hat, 

eine Erwachsenenschutzmassnahme für den Beschwerdeführer zu errich-

ten.  

 

2.2. 

Das Familiengericht Aarau begründet den Verzicht auf eine Massnahme im 

Wesentlichen damit, dass der Beschwerdeführer temporär 100 % als […] 

angestellt sei. Er verfüge über ein geregeltes Einkommen. Zwar habe er 

hohe Schulden und Probleme im Umgang mit finanziellen Mitteln, es habe 

sich aber auch gezeigt, dass er für seinen Sohn, der unter seiner Obhut 

stehe, alles gebe und er ihn bestmöglich unterstütze. Dabei lebe er offen-

sichtlich über seinen Verhältnissen. Aufgrund der enormen Schulden be-

stehe aktuell eine Lohnpfändung. Gemäss seinen Angaben stünden ihm 

von seinem monatlichen Einkommen nur noch Fr. 1'950.00 für die Bestrei-

tung seines Lebensunterhaltes zur Verfügung. Der Beschwerdeführer habe 

zwar angegeben, teilweise angeschlagen und depressiv zu sein, da er nicht 

wisse, wie er seine finanziellen Probleme in den Griff bekomme. Jedoch 

gebe es weder eine (medizinische) Diagnose einer Fachperson noch lasse 

sich der Beschwerdeführer therapieren. Gestützt auf ein blosses Gefühl 

lasse sich noch keine psychische Erkrankung attestieren. Es liege auch 

keine geistige Behinderung vor. Gesamthaft seien keine Anhaltspunkte er-

kennbar, dass der Beschwerdeführer unter einem Schwächezustand leide, 

weshalb die Errichtung einer behördlichen Massnahme entfalle. Dem Be-

schwerdeführer stünden weiterhin die Sozialen Dienste der Ortschaft 

Q._____ und zudem drei Termine bei der Schuldenberatung zur Verfü-

gung. Damit könne er sich Hilfe und Unterstützung sichern. Es stehe dem 

Beschwerdeführer auch offen, Hilfe bei der Hilfsinstitution C._____ zu su-

chen (angefochtener Entscheid, E. 2.3). 

 

2.3. 

Der Beschwerdeführer führt mit Beschwerde aus, dass er unter einer "Post-

phobie" leide und Angst habe, eingeschriebene Briefe abzuholen. Erst auf 

Nachfragen und Anraten von B._____ der Sozialen Dienste der Ortschaft 

Q._____, […], habe er sich telefonisch beim Bezirksgericht Aarau nach der 

Begründung des Entscheids erkundigt und dadurch erfahren, dass dieser 

 - 4 - 

 

 

bereits am 11. Oktober 2023 gefällt worden sei. Der Erwachsenenschutz-

behörde sei bekannt, dass sein Start ins Erwachsenenleben durch seine 

schulischen Defizite, den früheren Drogenkonsum, seine Delinquenz und 

Schulden massiv erschwert gewesen sei. Erst sein Sohn habe ihm eine 

neue Perspektive gegeben, auch der Sport gebe ihm Halt und Struktur. Er 

gehe seit zweieinhalb Jahren in regelmässigen Abständen freiwillig in die 

Beratung von B._____ bei den Sozialen Diensten der Ortschaft Q._____. 

Schon damals habe er um die Errichtung einer Beistandschaft gebeten, da 

er ohne verbindliche Hilfe überfordert sei. In der Beratung bei B._____ sei 

es vor allem um seinen Sohn gegangen, hinsichtlich welchem ihm seit 

Frühjahr 2023 die Obhut zustehe. Es sei ihm gelungen eine Anstellung in 

der Nähe des Wohnortes zu finden und den Lebensunterhalt im Grossen 

und Ganzen zu bestreiten. Sein Lohn sei jedoch gepfändet und er habe 

grosse Angst, "es finanziell nicht zu schaffen". Sein Vermieter bestehe zu-

dem auf eine Person, die ihn vertrete und wolle ihm ohne eine solche "Zu-

sicherung" keinen "def." Mietvertrag ausstellen. Aus diesem Grund stehe 

er vor einer Ausweisung aus seiner aktuellen Wohnung. B._____ habe sich 

bereits mehrfach ohne Erfolg für ihn eingesetzt. Er habe in den letzten zwei 

Jahren auch freiwillige Beratungsangebote der Hilfsinstitution C._____ und 

der Sozialen Dienste der Ortschaft Q._____ genützt. Dabei habe er festge-

stellt, dass seine Altlasten und Defizite im Umgang mit finanziellen und ad-

ministrativen Aufgaben zu erheblich seien, als dass er diese mit freiwilligen 

Unterstützungsangeboten lösen könne. Die drei ungenützten Beratungs-

termine bei der Schuldenberatung dürften kaum ausreichen, um seine "Alt-

lasten" zu bereinigen und künftig anstehende Aufgaben selbstständig zu 

bewältigen. Ihm sei bewusst, dass eine Beistandschaft nicht alle Probleme 

würden lösen können. Er sei jedoch bereit, auch therapeutische Massnah-

men zu beanspruchen. Mit einem Beistand wolle er kooperieren, damit er 

schrittweise seine Aufgaben selbst bewältigen könne. Eine Beistandschaft 

wäre damit keine Dauerlösung, sondern eine einstweilige Massnahme, um 

einen geregelten Arbeitsrhythmus aufrechterhalten zu können, die Betreu-

ung seines Sohnes zu gewährleisten und seine aktuelle Wohnung zu be-

halten.  

 

Mit Beschwerde nimmt auch B._____ der Sozialen Dienste der Ortschaft 

Q._____ Stellung. Sie führt aus, dass der Beschwerdeführer aktuell auf kei-

nen ärztlichen oder psychiatrischen Bericht verweisen könne, der seine 

psychische Vulnerabilität bestätige. Aufgrund ihres beruflichen Hintergrun-

des und ihrer Erfahrung könne sie jedoch bestätigen, dass beim Beschwer-

deführer ein psychologischer bzw. psychiatrischer Handlungsbedarf be-

stehe, den er in Angriff nehmen könne, sobald seine existentielle Situation 

gesichert sei. Der Beschwerdeführer mache phasenweise einen tendenzi-

ell manischen Eindruck und nach ihrer Einschätzung bestehe die Gefahr, 

dass er unter dem massiven Druck dekompensiere. In Bezug auf seine Zu-

verlässigkeit hinsichtlich der Verpflichtungen im Zusammenhang mit sei-

nem Sohn habe sie einen sehr guten Eindruck. Die aktuelle 

 - 5 - 

 

 

Betreuungssituation des Sohnes durch den Beschwerdeführer solle unter-

stützt werden, weshalb dem Beschwerdeführer mit zusätzlichen Massnah-

men geholfen werden solle. Über Panikattacken und Phobien habe der Be-

schwerdeführer selbst berichtet. Die Beratung auf freiwilliger Basis könne 

im bisherigen Umfang aus Kapazitätsgründen und in Ermangelung von 

Vertretungskompetenzen nicht mehr gewährleistet werden. Die subsidiä-

ren Massnahmen seien derzeit ausgeschöpft, weshalb die Errichtung einer 

Vertretungsbeistandschaft aus ihrer Sicht dringend empfohlen und ge-

wünscht werde. 

 

3. 

3.1. 

Kann eine volljährige Person wegen einer geistigen Behinderung, einer 

psychischen Störung oder eines ähnlichen in der Person liegenden Schwä-

chezustandes ihre Angelegenheiten nur teilweise oder gar nicht besorgen, 

errichtet die Erwachsenenschutzbehörde eine Beistandschaft (Art. 390 

Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Liegt ein Schwächezustand vor, braucht es zusätzlich 

ein daraus resultierendes teilweises oder gänzliches Unvermögen, die ei-

genen Angelegenheiten hinreichend zu besorgen oder jemanden damit 

rechtsgenügend zu beauftragen oder zu bevollmächtigen (BIDERBOST, in: 

Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Auflage 2022, N. 2 zu Art. 390 

ZGB). In Art. 389 ZGB unterstellt der Gesetzgeber alle behördlichen 

Massnahmen des Erwachsenenschutzes den beiden Maximen der Subsi-

diarität und der Verhältnismässigkeit. Ist die gebotene Unterstützung der 

hilfsbedürftigen Person auf andere Art – durch die Familie, andere nahe-

stehende Personen oder private oder öffentliche Dienste (BGE 140 III 49 

E. 4.3.1) – schon gewährleistet, so ordnet die Erwachsenenschutzbehörde 

keine Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Kommt die Erwachse-

nenschutzbehörde demgegenüber zum Schluss, die vorhandene Unter-

stützung der hilfsbedürftigen Person sei nicht ausreichend oder von vorn-

herein ungenügend, so muss ihre behördliche Massnahme verhältnismäs-

sig, das heisst erforderlich und geeignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Die 

Erwachsenenschutzbehörde hat dabei nicht gesetzlich fest umschriebene, 

starre Massnahmen, sondern "Massnahmen nach Mass" zu treffen, die den 

Bedürfnissen der betroffenen Person entsprechen (Art. 391 Abs. 1 ZGB). 

 

3.2. 

Als mildeste Massnahme sieht das Gesetz die Begleitbeistandschaft vor 

(Art. 393 Abs. 1 ZGB). Diese kann nur mit Zustimmung der hilfsbedürftigen 

Person angeordnet werden und zielt darauf ab, dieser für die Erledigung 

bestimmter Angelegenheiten begleitende Unterstützung zu gewähren. 

Demgegenüber wird eine Vertretungsbeistandschaft angeordnet, wenn die 

hilfsbedürftige Person bestimmte Angelegenheiten nicht selbst erledigen 

kann und deshalb vertreten werden muss (Art. 394 Abs. 1 ZGB). Die Er-

wachsenenschutzbehörde kann die Handlungsfähigkeit der betroffenen 

Person entsprechend einschränken (Art. 394 Abs. 2 ZGB). Auch wenn die 

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Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt ist, muss die betroffene Person 

sich die Handlungen des Beistands oder der Beiständin anrechnen oder 

gefallen lassen (Art. 394 Abs. 3 ZGB).  

 

3.3. 

Die Angelegenheiten, in denen der Beistand die betroffene Person zu ver-

treten hat, ergeben sich aus den ihm übertragenen Aufgabenbereichen 

(Art. 391 Abs. 1 ZGB). Sie können die Personensorge, die Vermögens-

sorge oder den Rechtsverkehr betreffen, soweit sie einer Vertretung zu-

gänglich sind (Art. 391 Abs. 2 ZGB). Als bestimmte Angelegenheiten, wel-

che die hilfsbedürftige Person nicht erledigen kann, kommen die Sorge um 

eine geeignete Wohnsituation, gesundheitliches Wohl, medizinische Be-

treuung und soziale Integration ebenso wie die Besorgung der administra-

tiven und finanziellen Angelegenheiten in Frage sowie in Kombination mit 

Art. 395 ZGB die Verwaltung von Einkommen und Vermögen (vgl. BIDER-

BOST, a.a.O., N. 1, 2 und 11 zu Art. 394 ZGB).  

 

4. 

4.1. 

Zu prüfen ist demnach, ob beim Beschwerdeführer ein Schwächezustand 

vorliegt, aus welchem ein Unvermögen resultiert, seine Angelegenheiten 

hinreichend zu besorgen. Im Anschluss ist gegebenenfalls zu klären, wel-

che Art von Massnahme geeignet und erforderlich ist, um den Beschwer-

deführer angemessen zu unterstützen. 

 

4.2. 

4.2.1. 

Wie unter E. 3.1 hiervor dargelegt, ist Voraussetzung für die Errichtung ei-

ner Beistandschaft zunächst das Vorliegen eines Schwächezustands, also 

einer geistigen Behinderung, einer psychischen Störung oder eines ähnli-

chen in der Person liegenden Schwächezustands (Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 

ZGB). Unter geistiger Behinderung werden angeborene oder erworbene In-

telligenzdefizite verschiedener Schweregrade verstanden. Der Begriff der 

psychischen Störung umfasst die anerkannten Krankheitsbilder der Psychi-

atrie (vgl. Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches 

[Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, 

BBl 2006 7001 ff, S. 7043). Die weit gefasste Wendung des ähnlichen in 

der Person liegenden Schwächezustands ermöglicht als Auffangtatbestand 

insbesondere den Schutz Betagter, bei denen gleichartige Defizite wie bei 

Menschen mit einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Störung 

auftreten. Erfasst sind auch ausgeprägte Fälle von Unerfahrenheit, Abhän-

gigkeit (Unfähigkeit dem eigenen Willen entsprechend zu handeln und Hilfe 

zu holen aufgrund von Angst und eingeschränkter Mobilität), Unwilligkeit 

(z.B. Ablehnung der unbedingt erforderlichen Reinigung der Wohnung samt 

Bekämpfung von Schädlingen sowie Desinfektion), Verschwendung oder 

Misswirtschaft sowie schwerste Erscheinungsformen körperlicher 

 - 7 - 

 

 

Beeinträchtigungen (z.B. schwere Lähmungen) oder multiple Behinderun-

gen (z.B. Taubblindheit). Ein solcher Schwächezustand kann sich bei-

spielsweise bei jungen Erwachsenen auch in mangelnder psychischer und 

sozialer Reife manifestieren und eine Beistandschaft zur Förderung und 

Begleitung der beruflichen Entwicklung angezeigt erscheinen lassen. Der 

Ursprung der Schwäche muss in der Person selbst liegen und nicht bloss 

auf äusseren Umständen (z.B. soziale Herkunft, Arbeitsschwierigkeiten, 

Einsamkeit, finanzielle Not) beruhen (vgl. HENKEL, in: Basler Kommentar, 

Erwachsenenschutz, 4. Aufl. 2012, Art. 390 ZGB N. 13; MEIER, in: Fam-

Komm. Erwachsenenschutz [Hrsg. Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler], Bern 

2013, Art. 390 ZGB N. 16 f.; HÄFELI, Grundriss zum Kindes- und Erwach-

senenschutzrecht, 2. Aufl. 2016, N. 16.05 f.). Die Variante des ähnlichen in 

der Person liegenden Schwächezustands ist restriktiv zu handhaben, das 

heisst, ein Schwächezustand kann nur dann Anlass zur Errichtung einer 

Beistandschaft sein, wenn er im Hinblick auf die Hilfsbedürftigkeit einer Per-

son mit einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Störung ver-

gleichbar ist. Dies schliesst es beispielsweise aus, eine Person allein des-

halb zu verbeiständen, weil sie in einer Art und Weise mit ihrem Geld um-

geht, die nach landläufiger Auffassung unvernünftig ist (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 5A_773/2013 vom 5. März 2014 E. 4.1, 5A_638/2015 vom 

1. Dezember 2015 E. 5.1). 

 

4.2.2. 

Den Akten lässt sich keinen ärztlich oder psychiatrisch attestierten Schwä-

chezustand des Beschwerdeführers entnehmen. Zu klären ist, ob der Tat-

bestand eines ähnlichen in der Person liegenden Schwächezustands erfüllt 

ist. Gemäss Betreibungsregisterauszug vom 17. August 2023 scheint der 

Beschwerdeführer über die letzten Jahre hinweg hohe Schulden aufgebaut 

zu haben. Am 17. August 2023 bestand noch eine ausstehende Restschuld 

in Höhe von Fr. 184'991.73 (act. 5). Der Beschwerdeführer selbst führte 

anlässlich der persönlichen Anhörung vom 23. September 2023 vor dem 

Familiengericht Aarau aus, dass er seit Frühjahr 2023 mit seinem Sohn 

zusammenwohne (act. 17). Seit 2016 sei er geschieden und er habe seither 

noch keine neue Partnerin. Sowohl zu seiner Mutter als auch zu seinen 

beiden Schwestern habe er ein gutes Verhältnis und alle seien im Notfall 

für ihn da. Sie würden ihn jedoch nur in Bezug auf die Betreuung seines 

Sohnes – und nicht in administrativer Hinsicht – unterstützen (act. 18 f.). Er 

habe schon vor Erreichen der Volljährigkeit Schulden gehabt und habe des-

wegen Ängste vor solcher Post entwickelt. Briefe oder E-Mails könne er 

nicht selbst schreiben, er müsse jeweils Personen suchen, die diese Auf-

gabe für ihn übernehmen würden. Er könne nicht einmal die Post abholen, 

da er hiervor Angst habe. Bei eingeschriebener Post bringe ihn bereits der 

gelbe Abholzettel zum Schwitzen und Post von Behörden, wie bspw. vom 

Steueramt, öffne er erst gar nicht. Telefonieren gehe zwar, aber auch dabei 

sei er nervös, beginne zu stottern und sage Dinge, die er gar nicht habe 

sagen wollen (act. 22 f.).  Er habe zurzeit eine Temporäranstellung als […] 

 - 8 - 

 

 

im Stundenlohn und verdiene monatlich ungefähr Fr. 4'500.00. Da sein 

Lohn gepfändet sei, bleibe ihm monatlich nur noch Fr. 1'950.00 für Miete, 

Krankenkasse, Essen und Kleidung. Er selbst könne nicht unterscheiden, 

welche Rechnungen er zuerst bezahlen müsse. Selbst im Falle eines mo-

natlichen Budgets von Fr. 800.00 wäre er nicht fähig, sich das Geld einzu-

teilen (act. 19, 21 f.) Obwohl er freiwillige Unterstützung in Anspruch 

nehme, sei er überfordert (act. 24 f.).  

 

Nach dem Gesagten bestehen gesamthaft gesehen durchaus gewisse An-

zeichen für einen Unterstützungsbedarf in administrativer Hinsicht und so-

mit Anhaltspunkte für eine Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers: 

B._____, […] der Sozialen Dienste der Ortschaft Q._____ führte im Rah-

men der Beschwerde – wie in E. 3.1 hiervor dargelegt − aus, dass sie auf-

grund ihrer beruflichen Erfahrung einen psychologischen Handlungsbedarf 

beim Beschwerdeführer sehe und er tendenziell einen manischen Eindruck 

hinterlasse. Dies wird auch durch die Darstellungen des Beschwerdefüh-

rers hinsichtlich seiner Postphobie und Unfähigkeit im Umgang mit Geld 

bzw. seine hohen Schulden bekräftigt. Hinzu kommt, dass er sich zwar mit 

grosser Hingabe um seinen Sohn kümmert doch dabei administrative 

Dinge aus der Überforderung heraus erst recht in den Hintergrund geraten. 

Die Schutzbedürftigkeit ist jedoch aktuell nicht als sehr ausgeprägt bzw. als 

gering einzustufen. Die Frage, ob ein ähnlicher in der Person liegenden 

Schwächezustand tatsächlich gegeben ist, muss vorliegend jedoch nicht 

abschliessend beurteilt werden, da die Beschwerde – wie nachfolgend auf-

gezeigt wird – so oder so abzuweisen ist. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Errichtung einer (Vertretungs-)Beistandschaft setzt indes – nebst dem 

in Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB festgehaltenen, für alle Erwachsenenschutz-

massnahmen geltenden Subsidiaritätsprinzip – nach dem insoweit klaren 

Gesetzeswortlaut von Art. 390 Abs. 1 ZGB voraus, dass die betroffene Per-

son ihre Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag. Ein solches Unver-

mögen ist vorliegend aktuell nicht ersichtlich. 

 

4.3.2. 

Der Wunsch des Beschwerdeführers nach Unterstützung ist aufgrund sei-

ner nicht einfachen Lebenssituation verständlich und es ist positiv, dass er 

sich um Hilfe bemüht. Es ist zutreffend, dass der Beschwerdeführer in der 

Vergangenheit mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wobei er sein Leben 

mittlerweile wieder (besser) im Griff zu haben scheint. So hat er richterlich 

die Obhut für seinen Sohn zugeteilt erhalten, arbeitet Vollzeit und hat eine 

Wohnung nahe seiner Arbeitsstelle gefunden, damit er die Betreuung sei-

nes Sohnes optimal gewährleisten kann. Auch in administrativer Hinsicht 

hat sich gezeigt, dass der Beschwerdeführer aktiv versucht, seine Situation 

zu verbessern und aus Eigeninitiative mit geeigneten Stellen (Soziale 

 - 9 - 

 

 

Dienste der Ortschaft Q._____, Hilfsinstitution C._____, Schuldenberatung 

Aargau) zusammenarbeitet. Er scheint damit seine Probleme mit eigener 

Kraft angehen zu können. Der Beschwerdeführer führt aus, eine Beistand-

schaft zu benötigen, um einen geregelten Arbeitsrhythmus aufrechterhal-

ten zu können, die Betreuung seines Sohnes zu gewährleisten und seine 

aktuelle Wohnung zu behalten (vgl. E. 2.3 hiervor). Aktuell deutet jedoch 

alles darauf hin, dass er dies bereits aus eigenem Antrieb meistern konnte. 

Der Beschwerdeführer verweist weiter auf seine Betreibungen und seine 

Schulden, zeigt aber nicht auf, inwieweit sich seine finanzielle Lage zuletzt 

bzw. derzeit verschlechtert hätte oder inwiefern er ohne Beistandschaft in 

weitere finanzielle Schieflage geraten würde. Hinsichtlich seiner aktuellen 

finanziellen Lage ist denn auch festzuhalten, dass er aufgrund der beste-

henden Lohnpfändung über sehr wenig Geld verfügt, welches er selbst zu 

verwalten hat. Betreffend die Schuldensanierung scheinen die notwendi-

gen Massnahmen durch die Lohnpfändung zudem bereits getroffen worden 

zu sein, weshalb ihm ein Beistand diesbezüglich aktuell auch nicht weiter-

helfen könnte. Anlässlich der Anhörung vom 25. September 2023 machte 

der Beschwerdeführer zudem geltend, dass ihm eine Beistandschaft für 

kurze Zeit bereits ausreiche. Er brauche bloss "ein wenig Wegleitung" und 

eine "Bürgschaft seines Beistandes" zum Abschluss eines Mietvertrages 

(act. 17 und 25). Wie das Familiengericht Aarau mit Entscheid zutreffend 

ausführte (vgl. angefochtener Entscheid, E. 2.3), könnte ein Beistand für 

den Beschwerdeführer weder eine Bürgschaft abgeben noch würde er eine 

Mietkaution aus eigenen Mitteln leisten.  

 

4.3.3. 

B._____ der Sozialen Dienste der Ortschaft Q._____ gibt an, dass die Be-

ratung des Beschwerdeführers auf "freiwilliger Basis" im bisherigen Um-

fang aus Kapazitätsgründen (und mangels Vertretungskompetenzen) nicht 

mehr gewährleistet werden könne und dass die subsidiären Massnahmen 

ausgeschöpft seien. Dieser Auffassung ist nicht zuzustimmen. Zutreffend 

mag sein, dass der Beschwerdeführer aus seinem sozialen Umfeld nur be-

schränkt Unterstützung in administrativen Belangen findet, so hilft ihm 

seine Familie vor allem betreffend die Betreuung seines Sohnes. Es ist je-

doch nicht nachvollziehbar, weshalb sich der Beschwerdeführer innerhalb 

der Sozialen Dienste der Ortschaft Q._____ nicht durch die Sektion […] 

unterstützen lässt, welche die materielle Existenzsicherung sicherstellt und 

eine persönliche Beratung und Unterstützung für berufliche und soziale In-

tegration bietet. So legt denn auch § 8 des Gesetzes über die öffentliche 

Sozialhilfe und die soziale Prävention (Sozialhilfe und Präventionsgesetz, 

SPG; SAR 851.200) fest, dass persönliche Hilfe nebst der Beratung und 

Betreuung auch die Vermittlung von Dienstleistungen umfasst. Denkbar 

wäre hier insbesondere die Vermittlung einer (freiwilligen) Einkommens- 

und Vermögensverwaltung.  

 

 - 10 - 

 

 

Wenn der Beschwerdeführer zudem selbst angibt, psychologisch bedingte 

Defizite aufzuweisen und grosse Ängste (wie eine Postphobie) zu haben, 

hat er diesbezüglich therapeutischen Massnahmen in Anspruch zu neh-

men. Eine psychologische oder psychiatrische Begleitung wäre notwendig, 

um an diesen Ängsten zu arbeiten und seinen Phobien entgegenzuwirken. 

Ein Beistand würde ihm hierbei nur bedingt und insbesondere nicht länger-

fristig helfen können.  

 

4.4. 

Zusammengefasst ist hinsichtlich der Besorgung seiner Angelegenheiten 

kein Unvermögen des Beschwerdeführers ersichtlich, welche die Errich-

tung einer (Vertretungs-)beistand zu rechtfertigen vermag. Ebenso wenig 

ist ersichtlich, dass die subsidiären Massnahmen erschöpft sind. Unter die-

sen Umständen erscheint eine zusätzliche Beistandschaft zur Unterstüt-

zung des Beschwerdeführers derzeit nicht erforderlich. Ihm wird empfoh-

len, die ihm allenfalls noch zustehenden Termine bei der Schuldenberatung 

wahrzunehmen, Unterstützung im Rahmen der (im)materiellen Sozialhilfe 

bei der Sozialen Dienste der Ortschaft Q._____ zu beantragen und sich in 

therapeutische Behandlung zu begeben.  

 

Vollständigkeitshalber ist zudem festzuhalten, dass sich auch die Anord-

nung einer Begleitbeistandschaft nicht aufdrängt, zumal der Beschwerde-

führer mit einer solchen nicht mehr unterstützt wäre, als er es aktuell durch 

die Beratung durch die Sozialen Dienste der Ortschaft Q._____ bereits ist. 

 

5. 

Für einen behördlichen Eingriff und für die Errichtung einer erwachsenen-

schutzrechtlichen Massnahme besteht damit gemäss Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 

ZGB zumindest aktuell kein hinreichender Anlass. Die Beschwerde erweist 

sich somit als unbegründet. Der vorinstanzliche Entscheid vom 11. Oktober 

2023 ist zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen.  

 

6. 

Auf die Erhebung von obergerichtlichen Verfahrenskosten wird gemäss 

Art. 37 Abs. 5 EG ZGB i.V.m. Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO ausnahmsweise 

verzichtet. Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 - 11 - 

 

 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entscheidet: 

 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 

2. 

Auf die Erhebung von obergerichtlichen Verfahrenskosten wird verzichtet. 

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.