# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4907153a-b0fd-570d-b2ea-e56cb86d02a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-09-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.09.2015 E-1872/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1872-2014_2015-09-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1872/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Walter Stöckli (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Sylvie Cossy, 

Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), Afghanistan,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 6. März 2014 / N (…). 

 

 

 

E-1872/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger aus dem 

Dorf B._______, Distrikt C._______, Provinz D._______ – verliess eigenen 

Angaben zufolge seinen Heimatstaat am (…)  und reiste am 5. Februar 

2012 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asylgesuch einreichte. Er 

wurde am 8. März 2012 befragt und am 31. Oktober 2013 zu seinen Asyl-

gründen angehört.  

A.b Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen gel-

tend, sein Vater habe bei (…) gearbeitet und sei aufgrund dieser Tätigkeit 

von Mitgliedern der lokalen Taliban bei einem Angriff auf sein Elternhaus in 

B._______ getötet worden. Er selber sei nach der Ermordung seines Va-

ters auf Anraten und mit Hilfe der örtlichen Polizei zusammen mit seiner 

Mutter und Schwester zu seinem Onkel nach E._______ geflohen. Dort 

habe er etwa 20 bis 25 Tage später telefonisch die Nachricht erhalten, man 

habe ihr Haus in Brand gesetzt. In E._______ habe er sich mit den von der 

Regierung als Entgelt für die Ermordung des Vaters erhaltenen 200'000 

Afghani (umgerechnet fast 3000 CHF) ein Transportfahrzeug gekauft, um 

damit Fahrgäste zu befördern und Geld zu verdienen. Das habe er unge-

fähr fünf Monate lang ohne Schwierigkeiten getan. Eines Tages seien tele-

fonische Drohungen bei seinem Onkel eingegangen und einmal habe man 

ihn bei der Arbeit verfolgt. Als er die Verfolger bemerkt habe, habe er sich 

sofort zur nächsten Polizeistation begeben und die Verfolgung angezeigt. 

Als er mit dem Polizisten aus der Station getreten sei, seien die Verfolger 

verschwunden gewesen. Er wisse nichts Konkretes über die Identität sei-

ner Verfolger, ausser dass er einen dieser Personen als jemanden wieder-

erkannt habe, der früher in der gleichen Gegend wie sie gelebt habe. Die 

Polizei habe lediglich die Anzeige entgegengenommen und an die Bezirks-

stelle zur Bearbeitung weitergeleitet. Diese habe ihm mitgeteilt, sie sei nicht 

in der Lage, ihn vor solchen Bedrohungen zu schützen. Bei neuen Proble-

men solle er sich telefonisch melden. Ein paar Tage später habe er auf 

Anraten und mit Hilfe seines Onkels das Land verlassen (vgl. Befragungs-

protokoll A6/23 S. 8 f.; Anhörungsprotokoll A17/27 S. 10 ff.). Zum Beleg 

seiner Vorbringen reichte er die entsprechende Anzeige bei der Polizei (in 

Kopie) ein.  

A.c Mit Verfügung vom 6. März 2014 – am 10. März 2014 eröffnet – wies 

das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte seine Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. 

E-1872/2014 

Seite 3 

B.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. April 2014 

(Poststempel: 8. April 2014) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Aner-

kennung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Eventuali-

ter sei festzustellen, dass der Vollzug unzulässig, unzumutbar und unmög-

lich sei, und die vorläufige Aufnahme anzuordnen.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

C.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. April 2014 verzichtete das Bundesver-

waltungsgericht auf die Erhebung des Kostenvorschusses und hiess das 

Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter der 

Bedingung der nachträglichen Einreichung einer Fürsorgebestätigung 

gut.  

Gleichzeitig lud es die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung 

ein.  

D.  

Anlässlich des Schriftenwechsels hob die Vorinstanz mit Verfügung vom 5. 

Mai 2014 in teilweiser Wiedererwägung die Ziffern 4 und 5 der Verfügung 

vom 6. März 2014 auf. Zudem verfügte sie, dass die Wegweisung zurzeit 

wegen Unzumutbarkeit nicht vollzogen und zu Gunsten einer vorläufigen 

Aufnahme aufgeschoben werde.  

E.  

E.a Mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer 

ersucht mitzuteilen, ob er seine Beschwerde – soweit sie nicht gegen-

standslos geworden sei – zurückziehen wolle.  

E.b Der Beschwerdeführer teilte mit Schreiben vom 22. Mai 2014 mit, er 

halte an der Beschwerde bezüglich der Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft und der Gewährung des Asyls fest.  

F.  

Mit Schreiben vom 4. September 2014 reichte er das Original der seiner-

zeitigen Anzeige bei der Polizei (mit deutscher Übersetzung, aber ohne 

den Briefumschlag, mit welchem er das Dokument erhalten haben will) 

nach.  

E-1872/2014 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 

und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Die Anträge in der Beschwerde vom 7. April 2014 lauteten auf Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung, Anerkennung als Flüchtling und Asyl-

gewährung. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme wegen unzulässigen, 

unzumutbaren und unmöglichen Wegweisungsvollzuges anzuordnen.  

3.2 Mit der wiedererwägungsweisen Aufhebung der Ziffern 4 und 5 der an-

gefochtenen Verfügung und der vorläufigen Aufnahme des Beschwerde-

führers wurde den Anträgen teilweise entsprochen. Dieser Teil der Be-

schwerde ist als gegenstandslos geworden abzuschreiben. Nach der Mit-

teilung des Beschwerdeführers, er halte dennoch an der Beschwerde fest, 

bildet Gegenstand des vorliegenden Verfahrens somit nur noch die Frage, 

ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft nicht anerkannte, 

das Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung anordnete, oder ob die Dis-

positivziffern 1 – 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben sind. 

E-1872/2014 

Seite 5 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende 

Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem 

Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt 

und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimat-

staates oder nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind oder zugefügt 

zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen 

Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je 

m.w.H.). Die im Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive 

(Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe, politische Anschauungen) sind über die sprachlich allenfalls en-

gere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Ver-

folgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der 

Person oder der Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist be-

ziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4.1 m.w.H.). Aufgrund der 

Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person 

in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden 

kann (vgl. BVGE 2008/12 E.7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2). Massgeblich für die 

Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des 

Entscheides, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der 

Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andauernde 

Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen der 

Ausreise und dem Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-

suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, 2010/9 E. 

5.2 und 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründet ihren abweisenden Entscheid im Wesentli-

chen mit der fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen. So seien Übergriffe 

durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur 

E-1872/2014 

Seite 6 

asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder 

nicht in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Generell sei der Schutz gewähr-

leistet, wenn der Staat geeignete Massnahmen zur Verhinderung der Ver-

folgung treffe, beispielsweise durch wirksame Polizei- und Justizorgane zur 

Ermittlung, Strafverfolgung und Ahndung von Verfolgungshandlungen, und 

wenn die um Asyl nachsuchenden Personen Zugang zu diesem Schutz 

haben. Bei den vom Beschwerdeführer genannten Verfolgern, den Taliban, 

handle es sich nicht um den Staat oder seine Organe, sondern um Dritte. 

Seinen Schilderungen zufolge hätten sich die afghanischen Behörden be-

reits in beachtenswerte Weise für ihn eingesetzt. Der Angriff auf das Haus 

in B._______ sei untersucht worden und die Polizei habe den Beschwer-

deführer und seine Familie nach dem Angriff persönlich aus dem Dorf ge-

bracht. Sie hätten in E._______ 200'000 Afghanis von der Regierung er-

halten. Weiter habe er sich, als er in E._______ erfolgt worden sei, in eine 

Polizeistation begeben können, was die Verfolger veranlasst habe, "das 

Weite zu suchen". Als ihm die Bezirksstelle nicht mehr habe helfen können, 

habe er für weitere solche Vorfälle eine "Telefonstelle" (womit wohl die Te-

lefonnummer einer für solche Vorfälle zuständigen Stelle gemeint sei) ge-

geben. Dies zeige, dass die Behörden in Afghanistan, insbesondere in 

E._______, bemüht seien, ihrer Schutzpflicht nachzukommen.  

5.2 Diesem Argumentarium hält der Beschwerdeführer entgegen, als Sohn 

eines (…) gelte er für viele als Verräter und sei deshalb weiterhin gefährdet, 

was durch die Verfolgung in E._______ belegt sei. Auch wenn er damals 

von der Polizei Hilfe erhalten habe, könne sie das nicht immer tun. Die 

politische Situation mit der im April 2014 erfolgten Wahl des Präsidenten 

und der Abzug der internationalen Truppen würden zudem nicht zur Stabi-

lität in Afghanistan und in E._______ beitragen, sondern lediglich Unsicher-

heit schaffen. Da hätten Rückkehrer wie er keine Chance zu überleben. 

Zudem habe er seit Monaten keinen Kontakt mehr mit seiner Familie auf-

nehmen können. Beim letzten Telefonat habe die Mutter ihm mitgeteilt, sie 

lebe jetzt im Bezirk F._______ und dürfe nicht mehr mit ihm telefonieren. 

Er habe sich beim Bezirk seiner letzten Wohnadresse in E._______ und 

auch beim Bezirk F._______ nach seiner Familie erkundigt, indes (noch) 

keinerlei Information zu deren Verbleib erhalten. Er befürchte, dass seine 

Familie aus E._______ und vielleicht sogar ausser Landes habe fliehen 

müssen. 

 

6.  

E-1872/2014 

Seite 7 

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt einleitend fest, dass die von der 

Vorinstanz zur Ablehnung des Gesuchs allein herangezogene, auf eine 

Verfolgung durch Dritte fokussierte Schutztheorie zu kurz greift, weil der 

Beschwerdeführer die Identität der Verfolger ausdrücklich offen lässt. Nach 

seiner Vermutung könne es sich um Mitglieder der Taliban oder um (…) 

seines Vaters handeln (vgl. A17/27 S. 23 ff.). Mithin kann gemäss seinen 

Angaben eine Verfolgung durch staatliche (beziehungsweise beim Staat 

angestellte oder mit dem Staat verbundene) Akteure nicht ausgeschlossen 

werden. 

6.2 Allerdings kommt das Bundesverwaltungsgericht nach einer Würdi-

gung sämtlicher Akten zu dem letztlich mit der Beurteilung der Vorinstanz 

übereinstimmenden Schluss, dass es den insgesamt als glaubhaft ge-

macht zu qualifizierenden Vorbringen des Beschwerdeführers an Asylrele-

vanz mangelt. Dies aus den nachfolgenden Gründen: 

6.2.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass 

zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit-

punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensol-

cher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss 

entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen kon-

krete Indizien vorliegen, die den Eintritt der erwarteten und aus einem der 

flüchtlingsrechtlich relevanten Motive (vgl. E. 4.1) drohenden Benachteili-

gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realis-

tisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Entscheidungen und Mit-

teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 

21 E. 7 und EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a). 

6.2.2 Vorliegend ergeben sich indessen aufgrund der Aktenlage keine kon-

kreten Hinweise auf (zukünftige) konkrete Verfolgungsmassnahmen, sei es 

durch staatliche Stellen oder nichtstaatliche Organisationen beziehungs-

weise Personen. Die subjektive Furcht des Beschwerdeführers gründet 

einzig auf der Tatsache, dass sein Onkel rund fünf Monate nach dem Mord-

anschlag auf seinen Vater anonyme Telefonanrufe erhalten habe und er 

selber einmal von einem ehemaligen "Bekannten aus dem Dorf" verfolgt 

worden sei. Er macht zwar damit eine erfolgte und drohende Reflexverfol-

gung geltend, weil er als Sohn eines (…) als "Verräter" gelte, ohne aber 

damit die Identität und insbesondere die Motive der Verfolger genauer zu 

konkretisieren. Für eine Subsumtion unter den Verfolgungsbegriff von Art. 3 

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Seite 8 

AsylG mangelt es seinen Vorbringen somit an eigenen äusseren oder inne-

ren, mit seiner Person untrennbar verbundenen Merkmalen (vgl. E. 4.1), na-

mentlich zum Beispiel eigener (politischer) Aktivitäten und Ansichten. Zu-

dem kann die (…) des Vaters nicht eindeutig als Ursache und Motiv der 

erfolgten und insbesondere drohenden Verfolgung identifiziert werden. Da-

mit ist die Schilderung der einmaligen Verfolgung mitnichten als konkretes 

Indiz für eine Gefährdung des Beschwerdeführers aus einem der vom Ge-

setz aufgezählten Motive zu betrachten. Seine Befürchtungen gründen 

vielmehr auf diffusen Überlegungen und Vermutungen zur Verfolgungstä-

terschaft und deren Motivation.  

6.3 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Vorinstanz die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Ergebnis zu Recht ver-

neint hat, da seine Vorbringen den Voraussetzungen von Art. 3 AsylG nicht 

genügen. Der Beschwerdeführer erfüllt mangels begründeter Furcht vor 

asylrelevanter Verfolgung die Flüchtlingseigenschaft nicht. Seine auf die 

Flüchtlingseigenschaft bezogenen Ausführungen erweisen sich somit als 

unbeachtlich.  

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Dispositivziffern 1 bis 3 der 

angefochtenen Verfügung Bundesrecht nicht verletzen, der rechtserhebli-

chen Sachverhalt diesbezüglich richtig sowie vollständig feststellt wurde 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG) und sie – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange-

messen sind. Die Beschwerde ist, soweit sie nicht als gegenstandslos ge-

worden abzuschreiben ist, abzuweisen. 

9.  

9.1 Da der Beschwerdeführer der Auflage, eine Fürsorgebestätigung nach-

zureichen (vgl. Sachverhalt sub Bst. C und Zwischenverfügung vom 17. 

April 2014) nicht nachgekommen ist, gilt er nicht als bedürftig im Sinne von 

E-1872/2014 

Seite 9 

Art. 65 Abs.1 VwVG, weshalb sein Gesuch um Bewilligung der unentgeltli-

chen Prozessführung als abgewiesen gilt. 

9.2 Bei der Kostenauferlegung ist der Ausgang des Verfahrens als hälftiges 

Obsiegen zu werten. Mithin sind die Kosten im Umfang von Fr. 300.– dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

9.3 Dem hälftigen Obsiegen entsprechend wäre dem Beschwerdeführer 

für ihm erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten eine 

um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. VGKE). Indes dürften dem im Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht vertretenen Beschwerdeführer 

keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sein, weshalb ihm trotz 

seines Teilobsiegens keine Parteientschädigung zuzusprechen ist.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1872/2014 

Seite 10 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Betreffend die Aufhebung der Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen 

Verfügung (Wegweisungsvollzug und vorläufige Aufnahme) wird die Be-

schwerde als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Betreffend die 

Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3 der Verfügung vom 6. März 2014 

(Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Wegweisung) wird sie abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Stöckli Tu-Binh Tschan 

 

 

 

Versand: