# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3dc0d2e0-a6a3-5be5-88f5-ff0be05a06da
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 31.03.2022 SST.2022.17
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-17_2022-03-31.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.17 
(ST.2021.8; StA.2019.3261) 

 

 

Urteil vom 31. März 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin i.V. Gall 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am [tt.mm.1978], von Luzern, 

[…] 

verteidigt durch Fürsprecher Philipp Kunz, 

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Schändung, Sachbeschädigung; Strafzumessung; Aufschub 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach erhob am 29. Januar 2021 gegen 

den Beschuldigten Anklage wegen Schändung und Sachbeschädigung. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Brugg erkannte mit Urteil vom 19. Oktober 2021: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig: 
der Schändung nach Art. 191 StGB 
der Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1 StGB 
 
2. 
2.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB als Zusatzstrafe zum Urteil des 
Kriminalgerichts des Kantons Luzern vom 6. Mai 2020 zu 14 Monaten Freiheitsstrafe 
verurteilt.  
 
2.2. 
Die ausgestandene Untersuchungshaft von 57 Tagen (vom 26. August 2019 bis 
21. Oktober 2019) wird dem Beschuldigten gemäss Art. 51 StGB an die ausgefällte Frei-
heitsstrafe gemäss Ziffer 2.1 angerechnet. 
 
3. 
3.1. 
Es wird eine ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB angeordnet. 
 
3.2. 
Der Vollzug der Freiheitsstrafe gemäss Ziff. 2.1. hiervor wird gestützt auf Art. 63 Abs. 2 
StGB zu Gunsten der ambulanten Behandlung aufgeschoben. 
 
4. 
Gestützt auf Art. 67 Abs. 4 StGB wird dem Beschuldigten lebenslänglich jede berufliche 
und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit verboten, die einen regelmässigen Kontakt 
zu volljährigen, besonders schutzbedürftigen Personen umfasst, sowie jede berufliche oder 
jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit im Gesundheitsbereich mit direktem Patienten-
kontakt. 
 
5. 
5.1. 
In teilweiser Gutheissung der Privatklage der Zivil- und Strafklägerin 1 [B.] wird der Be-
schuldigte verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 eine Genugtuung im Umfang von 
Fr. 15'000.00 zzgl. Zins von 5 % seit dem 25. August 2019 zu bezahlen. 
 
5.2. 
Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Zivil- und Strafklägerin 1 dem 
Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist für Schaden, der im Zusammenhang mit der von 
ihm begangenen Straftat gemäss Ziffer 1 (Schändung) steht und der nicht durch die 
Krankenkasse oder sonstige Privat- oder Sozialversicherungen übernommen wird. 
 

  

 - 3 - 

 

 

 

5.3. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 eine Entschädigung von 
Fr. 11'026.40 (inkl. MwSt. von Fr. 788.30) zu bezahlen.  
 
Die zugesprochene Entschädigung fällt gestützt auf Art. 138 Abs. 2 StPO im Umfang von 
Fr. 11'026.40 an den Kanton (vgl. Ziffer 10). Die Einforderung des entsprechenden Betra-
ges bleibt vorbehalten (Art. 426 Abs. 4 StPO). 
 
6. 
6.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 2 [C.] Schadenersatz in Höhe 
von Fr. 565.80 zu bezahlen. 
 
6.2. 
Im Übrigen wird die Privatklage des Zivil- und Strafklägers 2 auf den Zivilweg verwiesen. 
 
7. 
Die Anklagegebühr wird gemäss § 15 Abs. 1bis VKD auf Fr. 2'100.00 festgesetzt und dem 
Beschuldigten auferlegt. 
 
8. 
 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gebühr von Fr. 2'500.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  7'125.30 
c) den Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung Fr.  11'026.40 
d) den Kosten für das Gutachten von Fr.  20'656.15 
e) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.  134.00 
Total Fr. 41'441.85 
 
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. a, d und e im Gesamt-
betrag von Fr. 23'290.15 auferlegt. 
 
9. 
9.1. 
Die Gerichtskasse Brugg wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das vorliegende 
Strafverfahren eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 7'125.30 (inkl. MwSt. von 
Fr. 509.50) auszurichten. 
 
9.2. 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidi-
gung im Umfang von Fr. 7'125.30 (inkl. MwSt. von Fr. 509.50) zurückzuzahlen, sobald es 
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
10. 
Die Gerichtskasse Brugg wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Zivil- und 
Strafklägerin 1 die richterlich auf Fr. 11'026.40 (inkl. MwSt. von Fr. 788.30) festgesetzte 
Entschädigung auszurichten. 
 
11. 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten (inkl. Kosten für den gewählten Verteidiger) selber. 

 

 - 4 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 6. Januar 2022 beantragte die Staatsanwalt-

schaft, der Beschuldigte sei zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren zu verur-

teilen und auf den Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe zugunsten der 

ambulanten Massnahme sei zu verzichten. 

 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 27. Januar 2022 vorgängig zur Beru-

fungsverhandlung die schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 7. März 2022 beantragte der Be-

schuldigte, die Berufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen. 

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 31. März 2022 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das vorinstanzliche Urteil wurde nur hinsichtlich der Höhe der Freiheits-

strafe und des Aufschubs zugunsten der angeordneten ambulanten Mass-

nahme angefochten. In den übrigen, nicht angefochtenen Punkten erfolgt 

keine Überprüfung (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen Schändung gemäss Art. 191 

StGB und Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB – als Zusatz-

strafe zum Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Luzern vom 6. Mai 2020 

– zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt hinsichtlich der Schändung eine Erhö-

hung der Zusatzstrafe auf 5 Jahre Freiheitsstrafe. Für die Sachbeschädi-

gung erachtet sie eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen als angemessen. 

 

2.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

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2.3. 

Hinsichtlich der Schändung gemäss Art. 191 StGB ergibt sich Folgendes: 

Der Täter, der eine Schändung begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn 

Jahren oder Geldstrafe bestraft. Das Gericht misst die Strafe innerhalb des 

ordentlichen Strafrahmens nach dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 

StGB). Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Straf-

tatbestand der Schändung schützt die sexuelle Selbstbestimmung von Per-

sonen, die nicht in der Lage sind, sich gegen sexuelle Zumutungen zu weh-

ren (Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2020 vom 15. September 2021 

E. 1.3; BGE 133 IV 49 E. 7.2). 

 

Der Beschuldigte hat in der Nacht vom 25. auf den 26. August 2019 in der 

Psychiatrischen Klinik Königsfelden mit B., die im damaligen Zeitpunkt un-

fähig war, sich gegen einen unerwünschten Sexualkontakt zu wehren, den 

ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen. Dabei ist nicht erstellt, dass 

der Beschuldigte zum Samenerguss gekommen ist (vorinstanzliches Urteil 

E. 4.1.10 und E. 4.2.2). 

 

Beim ungeschützten Geschlechtsverkehr handelt es sich im weiten Spek-

trum möglicher sexueller Handlungen gegenüber einem zum Widerstand 

unfähigen Opfer um eine schwerwiegende Form der Schändung mit einer 

hohen Eingriffsintensität. Entsprechend schwer wiegt die Verletzung der 

sexuellen Selbstbestimmung und Integrität und damit einhergehend das 

Verschulden. Nichts zu seinen Gunsten kann der Beschuldigte daraus ab-

leiten, dass B. beim Geschlechtsakt nicht physisch verletzt worden ist. Das 

Fehlen eines zur Erfüllung des objektiven Tatbestands nicht notwendigen 

Umstandes wirkt sich vielmehr neutral aus. 

 

Leicht verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise bzw. die Ver-

werflichkeit der Tatbegehung aus, die erheblich über die blosse Erfüllung 

des Tatbestands hinausgegangen ist und eine nicht unerhebliche kriminelle 

Energie offenbart. So begab sich der Beschuldigte zuerst in das Zimmer 

der ihm fremden B. und legte sich zu ihr ins Bett. Unbeeindruckt davon, 

dass er vorerst vom Pflegepersonal in sein Zimmer zurückgewiesen wurde 

– und mit dem Ziel, den Geschlechtsverkehr an B. zu vollziehen (Protokoll 

der Berufungsverhandlung, S. 14) – begab er sich kurz darauf erneut in das 

Zimmer von B., wo er an ihr den ungeschützten Geschlechtsverkehr voll-

zog. 

 

Der Tatbestand der Schändung setzt voraus, dass das Opfer unfähig war, 

sich gegen die sexuellen Handlungen zu wehren. Der vorliegend zur Erfül-

lung des Tatbestands wesentliche Umstand, dass es sich bei B. aufgrund 

ihrer schwerwiegenden psychiatrischen Erkrankung um ein besonders 

vulnerables Opfer gehandelt hat, kann sich deshalb entgegen der Staats-

anwaltschaft nicht zusätzlich verschuldenserhöhend auswirken.  

 - 6 - 

 

 

 

Der Schändung ist eine (rein) sexuelle sowie egoistische Motivation im-

manent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu berücksichtigen 

ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember 2002 

E. 7.4.2). Der Beschuldigte verfügte jedoch über ein hohes Mass an Ent-

scheidungsfreiheit. Je leichter es für den Beschuldigten gewesen wäre, die 

sexuelle Selbstbestimmung von B. zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden (vgl. 

BGE 117 IV 112 E. 1 mit Hinweisen). Insbesondere lassen die Ausführun-

gen des Beschuldigten, dass er «chronisch untervögelt sei» und er sich nur 

in das Bett von B. gelegt habe, um einen Rauswurf aus der Psychiatrischen 

Klinik zu provozieren, das Mass seiner Entscheidungsfreiheit nicht als ein-

geschränkt erscheinen. Vielmehr zeugt diese Aussage von seiner rein ego-

istischen Motivation. Auch ein allfälliger Einfluss von Alkohol und Medika-

menten und die psychische Störung haben sein hohes Mass an Entschei-

dungsfreiheit nicht wesentlich einschränken können. Gestützt auf das 

schlüssige und nachvollziehbare psychiatrische Ergänzungsgutachten vom 

13. Februar 2020 (act. 186-189 und 209) ist vielmehr davon auszugehen, 

dass in Bezug auf die von ihm begangene Schändung keine Verminderung 

der Schuldfähigkeit vorgelegen hat. Dies bestätigte der Gutachter D. auch 

anlässlich der Berufungsverhandlung, indem er unter Berücksichtigung des 

hypomanisch depressiv gemischten Zustands sowie des Einflusses psy-

chotroper Substanzen ausführte, dass keine Verminderung der Einsichts- 

und Steuerungsfähigkeit in Bezug auf die vorgeworfene Straftat vorgelegen 

habe (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 22). 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu 10 Jahren Freiheits-

strafe und den in diesem Rahmen denkbaren Erscheinungsformen von 

Schändungen von einem mittelschweren Verschulden und einer dafür an-

gemessenen Einsatzstrafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen. 

 

2.4. 

Hinsichtlich der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB ergibt sich Fol-

gendes: 

 

Aufgrund der u.a. einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten und seiner 

Unbekümmertheit gegenüber den bedingt und unbedingt ausgesproche-

nen Geldstrafen sowie unter Berücksichtigung des Umstands, dass er die 

Sachbeschädigung während eines laufenden Strafverfahrens bzw. im vor-

zeitigen Massnahmenvollzug begangen hat, ist aus spezialpräventiven 

Gründen davon auszugehen, dass nicht eine Geldstrafe, sondern nur eine 

Freiheitsstrafe als angemessene und zweckmässige Sanktion in Frage 

kommt (vgl. BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 

E. 4.1). Das ist vom Beschuldigten denn auch unbestritten geblieben. Somit 

ist die für die Schändung festgesetzte Einsatzstrafe zufolge Gleichartigkeit 

der Strafen für die Sachbeschädigung in Anwendung des Asperationsprin-

zips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.  

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 - 7 - 

 

 

 

Der Beschuldigte hat in der Zeit zwischen dem 24. August 2019 und dem 

26. August 2019 auf einem Parkplatz in Windisch mit einem Stein die hin-

tere rechte Seitenscheibe des Jaguars von C. eingeschlagen. Der verur-

sachte Sachschaden beträgt Fr. 565.80. Dieser Sachschaden übersteigt 

die Grenze von Fr. 300.00, bis zu welchem noch von einem geringfügigen 

Vermögensdelikt im Sinne von Art. 172ter Abs. 1 StGB auszugehen ist, 

nicht nur knapp. Andererseits ist er weit entfernt von einem grossen Scha-

den im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB, der ab einem Schaden von 

Fr. 10'000.00 anzunehmen ist (BGE 136 IV 117 E. 4.3.1). Somit ist von 

einem vergleichsweise leichten Taterfolg auszugehen. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung ist nicht über die Erfüllung des Tatbe-

stands hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. Verschuldenserhöhend 

sind aber die niedrigen Beweggründe – der Beschuldigte vermag keine 

nachvollziehbaren Beweggründe für die Tatbegehung darzulegen – und 

das grosse Mass an Entscheidungsfreiheit, über welches er hinsichtlich des 

Einschlagens des Autofensters verfügte, zu berücksichtigen. Es gab keinen 

Grund für die Sachbeschädigung und es wäre für den Beschuldigten ein 

Leichtes gewesen, von seinem Vorhaben abzusehen. Mithin liegen auch 

keine konkreten Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit vor. 

 

Insgesamt ist von einem vergleichsweise noch leichten Tatverschulden 

auszugehen, für welches eine Einzelstrafe von 3 Monaten Freiheitsstrafe 

angemessen erscheint. Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, 

dass die Sachbeschädigung in keinem Zusammenhang zur Schändung 

steht und der Gesamtschuldbeitrag entsprechend hoch zu veranschlagen 

ist. In Anwendung des Asperationsprinzips ist somit eine angemessene Er-

höhung der Einsatzstrafe im Umfang von 2 Monaten vorzunehmen. 

 

2.5. 

Im Rahmen der Täterkomponente fallen die (einschlägigen) Vorstrafen 

straferhöhend ins Gewicht, da der Beschuldigte offensichtlich nicht genü-

gende Lehren aus seinem Fehlverhalten gezogen hat (BGE 136 IV 1 

E. 2.6.2). Es ist jedoch zu beachten, dass aus dem täterbezogenen Straf-

zumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes Kri-

terium gemacht wird. Mithin dürfen diese Vorstrafen nicht wie eigenständi-

ge Delikte gewürdigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 

vom 25. August 2015 E. 1.4). Negativ ins Gewicht fällt sodann, dass der 

Beschuldigte noch während eines laufenden Strafverfahrens bzw. während 

eines vorzeitigen Massnahmenvollzugs nach Art. 60 StGB delinquiert hat. 

So trat der Beschuldigte am 28. Mai 2018 in einen vorzeitigen stationären 

Massnahmenvollzug nach Art. 60 StGB ein. Zum Tatzeitpunkt befand sich 

der Beschuldigte in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden, wo er am 21. 

August 2019 eintrat. 

 

 - 8 - 

 

 

 

Der Beschuldigte hat sich an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gröss-

tenteils geständig gezeigt. Er hat das Strafverfahren dadurch aber nicht 

wesentlich erleichtert, zumal die Beweislage erdrückend war (siehe insbe-

sondere das forensisch-genetische Gutachten, act. 12 und 268) und er zu-

vor – nach anfänglichen Zugeständnissen – seine Geständnisse widerrufen 

und den Geschlechtsverkehr mit B. bestritten hat. Sodann hatte er sich auf 

den Standpunkt gestellt, dass er nichts mehr wisse. Eine erhebliche Straf-

minderung, wie sie bei einem von Anfang an geständigen, einsichtigen und 

nachhaltig reuigen Täter möglich ist, ist unter diesen Umständen ausge-

schlossen. Daran ändert auch nichts, dass er sich grundsätzlich kooperativ 

verhalten hat. 

 

Der Beschuldigte hat sich – aufgrund einer früheren Verurteilung – seit dem 

26. Februar 2020 im Massnahmenvollzug gemäss Art. 60 StGB befunden. 

Der Vollzugsbericht der JVA St. Johannsen über die Periode vom 24. Fe-

bruar 2021 bis 29. September 2021 attestiert dem Beschuldigten einen 

positiven allgemeinen Vollzugsverlauf. Insbesondere arbeite er engagiert 

an den Vollzugszielen, und es seien keine deliktrelevanten kritischen Zwi-

schenfälle zu verzeichnen. Der Beschuldigte führe eigenverantwortlich ein 

individuelles Risikomanagement aus. Zudem werde die Lockerungspro-

gnose für die anstehenden Progressionsschritte als günstig eingeschätzt 

(act. 496 ff.). Schliesslich wurde der Beschuldigte am 14. März 2022 aus 

dem Massnahmenzentrum St. Johannsen entlassen. Der Beschuldigte trat 

daraufhin in das Vollzugszentrum Klosterfiechten ein, um sich vom Drogen-

milieu der Innerschweiz zu distanzieren, an einem neuen Ort zu starten und 

sich dort in Zukunft auch beruflich etwas aufbauen zu können (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 2, 13 und 19). Diese positive Entwicklung des 

Beschuldigten ist begrüssenswert und mag einen ersten Schritt in die rich-

tige Richtung sein. Es wird sich aber erst noch weisen müssen, ob die Ver-

änderungen von Dauer sind und sich der Beschuldigte nachhaltig bewäh-

ren wird. Insbesondere kam es während der Berichtsperiode zu einzelnen 

instabilen Phasen (act. 497). Aufgrund seiner bipolaren Erkrankung ist der 

psychische Gesundheitszustand des Beschuldigten entsprechenden 

Schwankungen ausgesetzt, weshalb die Berichtsperiode auch von einer 

gewissen psychischen Instabilität mit depressiven und hypomanischen 

Phasen geprägt wurde (act. 498). Auch wenn sich beobachten lässt, dass 

es dem Beschuldigten vermehrt gelingt, diese Schwankungen einzudäm-

men sowie einen geeigneten Umgang damit zu finden (act. 502), kann sich 

die positive Entwicklung nur leicht strafmindernd auswirken. Dies auch 

zumal ein Wohlverhalten seit der Tat in der Regel keine besondere Leis-

tung darstellt und somit grundsätzlich neutral zu werten ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_738/2014 vom 25. Februar 2015 E. 3.4; Urteil 

6B_375/2014 vom 28. August 2014 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_364/2014 vom 30. Juni 2014 E. 2.4). 

 

 - 9 - 

 

 

 

Weitere relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten 

sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist nicht von einer erhöhten Strafemp-

findlichkeit auszugehen, denn es liegen keine aussergewöhnlichen Um-

stände vor (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. 

Februar 2019 E. 3.4). Die positiven und negativen Faktoren halten sich so-

mit etwa die Waage, so dass sich die Täterkomponente insgesamt neutral 

auswirkt. Es bleibt damit bei der dem Verschulden und den persönlichen 

Verhältnissen angemessenen Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 2 Monate. 

 

2.6. 

Der Beschuldigte hat beide vorliegend mit einer Freiheitsstrafe zu ahn-

denden Straftaten verübt, bevor er mit Urteil des Kriminalgerichts des Kan-

tons Luzern vom 6. Mai 2020 zu einer – zu Gunsten einer stationären 

Suchtbehandlung nach Art. 60 StGB aufgeschobenen – unbedingten Frei-

heitsstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten sowie einer unbedingten Geldstra-

fe von 85 Tagessätzen à Fr. 30.00 und einer Busse von Fr. 1'700.00 verur-

teilt worden ist. Es liegt damit ein Fall retrospektiver Konkurrenz vor, so 

dass die Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zum vorgenannten Urteil des Kri-

minalgerichts des Kantons Luzern auszusprechen ist. 

 

Vorliegend handelt es sich bei der neu zu beurteilenden Schändung qua 

Strafrahmen um die schwerste Tat. Die Zusatzstrafe ist deshalb die ge-

dankliche Gesamtstrafe der neuen Taten abzüglich der bei der Grundstrafe 

(d.h. der Freiheitsstrafe gemäss obgenanntem Urteil des Kriminalgerichts 

des Kantons Luzerns) durch Asperation eingetretenen Reduzierung. Bilden 

bereits die jeweiligen Strafen – so wie vorliegend – Gesamtstrafen, ist der 

bereits im Rahmen der Gesamtstrafenbildung erfolgten Asperation durch 

eine gemässigte Berücksichtigung bei der Zusatzstrafenbildung Rechnung 

zu tragen (vgl. BGE 142 IV 265 E. 2.4.4; Urteil des Bundesgerichts 

6B_837/2019 vom 6. Dezember 2019 E. 1.1). 

 

Im Rahmen der Asperation ist zu beachten, dass die rechtskräftige Grund-

strafe von 2 Jahren und 4 Monaten Freiheitsstrafe in keinem Zusammen-

hang mit den vorliegend zu beurteilenden Delikten steht und der Gesamt-

schuldbeitrag entsprechend hoch zu veranschlagen ist. Die Freiheitsstrafe 

von 3 Jahren und 2 Monaten ist für das Urteil des Kriminalgerichts des 

Kantons Luzerns angemessen um 2 Jahre und 2 Monate auf eine gedank-

liche Gesamtstrafe von 5 Jahren und 4 Monaten zu erhöhen. Davon ist die 

rechtskräftige Grundstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten in Abzug zu brin-

gen, was zu einer Zusatzstrafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe führt. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung der Staatsanwaltschaft als 

teilweise begründet.  

 - 10 - 

 

 

 

2.7. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 57 Tagen (26. August 2019 bis 

21. Oktober 2019) ist auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB 

i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB). 

 

2.8. 

Die Zusatzstrafe von 3 Jahren ist unbedingt auszusprechen. Denn für die 

Frage, ob aufgrund des Strafmasses der bedingte (max. 24 Monate) oder 

teilbedingte (max. 36 Monate) Vollzug infrage kommt, ist die hypothetische 

Gesamtstrafe – hier 5 Jahre und 4 Monate – massgebend (BGE 142 IV 265 

E. 2.4.6; BGE 145 IV 377 E. 2.4.1 = Pra 2020 Nr. 26).  

 

Im Übrigen verhält es sich so, dass eine Verurteilung zu einer bedingten 

Strafe nach Art. 42 StGB das Fehlen einer ungünstigen Prognose verlangt. 

An dieser Voraussetzung fehlt es vorliegend, wird doch eine Massnahme 

angeordnet (siehe dazu unten; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_669/2016 vom 28. März 2017 E. 3.3.1). 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat eine ambulante therapeutische Massnahme zur Be-

handlung der bipolar-affektiven Störung des Beschuldigten gemäss Art. 63 

StGB angeordnet, wobei ebenfalls eine Totalabstinenz von Alkohol und ille-

galen psychotropen Substanzen einzufordern ist (vorinstanzliches Urteil 

E. 10.5). 

 

Die Anordnung einer ambulanten Massnahme gemäss Art. 63 StGB ist im 

Berufungsverfahren unbestritten geblieben. Die Anordnung einer ambulan-

ten Massnahme gemäss Art. 63 StGB steht vorliegend auch nicht im Wider-

spruch zur mit Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Luzern mit Urteil 

vom 6. Mai 2020 angeordneten stationären Massnahme zur Suchtbehand-

lung gemäss Art. 60 StGB. Vielmehr ergänzen sich die Massnahmen zur 

Suchtbehandlung einerseits und zur Behandlung von psychischen Störun-

gen andererseits (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2015 vom 8. Ok-

tober 2015 E. 1.2). Treffen diese Massnahmen zusammen, werden gleich-

artige Massnahmen wie eine einzige vollzogen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_631/2014 vom 23. September 2014 E. 2.2). Vorliegend kommt hinzu, 

dass die Suchtbehandlung gemäss Art. 60 Abs. 4 StGB auf maximal vier 

Jahre beschränkt ist und somit unter Berücksichtigung des vorzeitigen 

Massnahmenantritts vom 28. Mai 2018 spätestens Ende Mai 2022 ausläuft. 

 

Umstritten ist jedoch, ob die Freiheitsstrafe gestützt auf Art. 63 Abs. 2 StGB 

zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben ist, wie dies die 

Vorinstanz getan hat. Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, die 

 - 11 - 

 

 

 

ambulante Massnahme sei vollzugsbegleitend durchzuführen. Der Be-

schuldigte hat die Abweisung der Berufung und somit den Aufschub bean-

tragt. 

 

3.2. 

Gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Massnah-

me aufschieben, um der Art der Behandlung Rechnung zu tragen. 

 

Diese Voraussetzungen für einen Aufschub der Freiheitsstrafe i.S.v. Art. 63 

Abs. 2 StGB sind vorliegend nicht erfüllt. Nach bundesgerichtlicher Recht-

sprechung ist eine ambulante Massnahme grundsätzlich gleichzeitig mit 

dem Strafvollzug durchzuführen. Der Aufschub ist die Ausnahme. Er ist an 

zwei Voraussetzungen gebunden. Einerseits muss der Täter ungefährlich 

und andererseits die ambulante Therapie vordringlich sein. Ein Aufschub 

muss sich aus Gründen der Heilbehandlung hinreichend rechtfertigen 

(BGE 129 IV 161 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_53/2017 vom 2. Mai 

2017 E. 1.3 mit Hinweisen). Die Vorinstanz verkennt den Ausnahme-

charakter des Strafaufschubs und die für den Aufschub erforderliche Er-

heblichkeit der Beeinträchtigung der Erfolgsaussichten durch die vollzugs-

begleitende Anordnung der Massnahme. 

 

Dem schlüssigen und nachvollziehbaren Gutachten von D. ist ausdrücklich 

zu entnehmen, dass die ambulante Behandlung auch während oder sogar 

nach einer Haft- bzw. Freiheitsstrafe zweckmässig und erfolgversprechend 

durchführbar ist (act. 207 und 212). D. hat dies anlässlich der Berufungs-

verhandlung ausdrücklich bestätigt (Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 21). Von einer erheblichen negativen Beeinträchtigung der Behand-

lungschancen kann daher – entgegen der Vorinstanz (vorinstanzliches 

Urteil E. 11.2) – keine Rede sein. Hinzu kommt, dass der bisherige statio-

näre Massnahmenvollzug gemäss Urteil des Kriminalgerichts des Kantons 

Luzern im Rahmen von Art. 60 StGB und somit einer Suchtbehandlung 

erfolgte (act. 452 f.). Eine deliktsbezogene Therapie – namentlich betref-

fend Gewalt- und Sexualdelikte – blieb bisher aus, weshalb auch nicht von 

einer fehlenden Gefährlichkeit des Beschuldigten ausgegangen werden 

kann. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung der Staatsanwaltschaft in 

diesem Punkt als begründet und die ambulante therapeutische Massnah-

me gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB ist vollzugsbegleitend anzuordnen. 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

 - 12 - 

 

 

 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutge-

heissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 10. Novem-

ber 2017 E. 4.3). 

 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft, welche eine Erhöhung der Freiheits-

strafe auf 5 Jahre und einen Verzicht auf den Aufschub der Freiheitsstrafe 

zu Gunsten der ambulanten Massnahme verlangt hat, ist überwiegend gut-

zuheissen. Der Beschuldigte ist wegen Schändung und Sachbeschädigung 

– als Zusatzstrafe – zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu verurteilen und 

die ambulante Massnahme ist vollzugsbegleitend anzuordnen. Unter die-

sen Umständen und unter Berücksichtigung dessen, dass dem Obergericht 

hinsichtlich der Strafzumessung ein grosses Ermessen zukommt, recht-

fertigt es sich, dem Beschuldigten – der die Abweisung der Berufung bean-

tragt hat – die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'500.00 (inkl. 

Gutachterkosten von Fr. 2'508.00) (§ 18 VKD) vollumfänglich aufzuerlegen 

(Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). 

 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 

47). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte seine Parteikosten für die frei-

gewählte Verteidigung selber zu tragen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 

Abs. 1 StPO e contrario). 

 

Dem bisherigen amtlichen Verteidiger ist für das Berufungsverfahren bis zu 

seiner Entlassung aus dem Amt gestützt auf die von ihm eingereichte 

Kostennote eine Entschädigung von Fr. 239.05 auszurichten (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). Diese Ent-

schädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine wirt-

schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

4.2. 

Die erstinstanzliche Kostenregelung bedarf keiner Änderung. Der Beschul-

digte wird verurteilt und hat deshalb die Verfahrenskosten zu tragen 

(Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

4.3. 

Die Höhe der dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochenen Entschädigung von Fr. 7'125.30 ist mit Berufung nicht an-

gefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zu-

rückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

 - 13 - 

 

 

 

4.4. 

Die Höhe der der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin B. für 

das erstinstanzliche Verfahren zugesprochenen Entschädigung von 

Fr. 11'026.40 ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf 

im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden kann. 

 

Die Vorinstanz hat einerseits den Beschuldigten verpflichtet, diesen Betrag 

der Privatklägerin B. zu bezahlen (Ziff. 5.3 des vorinstanzlichen Urteils-

dispositivs). Andererseits wurde die Gerichtskasse angewiesen, denselben 

Betrag der unentgeltlichen Rechtsbeiständin auszurichten (Ziff. 10 des vor-

instanzlichen Urteilsdispositivs). Die Vorinstanz verkennt, dass wenn der 

Privatklägerin – wie vorliegend – die unentgeltliche Rechtspflege gewährt 

worden ist, diese aus der Staatskasse zu bezahlen ist, wobei die beschul-

digte Person diese Kosten nur trägt, wenn sie sich in günstigen wirtschaft-

lichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO). Daher sind die Kosten 

der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin auf die Staatskasse zu 

nehmen. Sodann ist die Entschädigung an die unentgeltliche Vertreterin 

der Privatklägerin, und nicht an die Privatklägerin selber, auszurichten. Mit-

hin hat die Privatklägerin selber keinen Anspruch gegenüber dem Beschul-

digten, weshalb auch auf eine entsprechende Verpflichtung zu verzichten 

ist. 

 

5. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der Schändung gemäss Art. 191 StGB 

- der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss Art. 191 StGB und Art. 144 Abs. 1 

StGB sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB 

und Art. 40 StGB 

 

als Zusatzstrafe zum Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Luzern vom 

6. Mai 2020 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. 

 

 - 14 - 

 

 

 

2.2.[in Rechtskraft erwachsen] 

Die Untersuchungshaft von 57 Tagen (26. August 2019 bis 21. Oktober 

2019) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

3. 

3.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Es wird eine ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB angeordnet. 

 

3.2. 

Der Vollzug der ambulanten Massnahme erfolgt vollzugsbegleitend. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Gestützt auf Art. 67 Abs. 4 StGB wird dem Beschuldigten lebenslänglich 

jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit verboten, 

die einen regelmässigen Kontakt zu volljährigen, besonders schutzbedürf-

tigen Personen umfasst, sowie jede berufliche oder jede organisierte aus-

serberufliche Tätigkeit im Gesundheitsbereich mit direktem Patientenkon-

takt. 

 

5. 

5.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B. eine Genugtuung 

im Umfang von Fr. 15'000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 25. August 2019 

zu bezahlen. 

 

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B. 

dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist für Schaden, der in direk-

tem Zusammenhang mit der von ihm begangenen Straftat (Schändung) 

steht und der nicht durch die Krankenkasse oder sonstige Privat- oder 

Sozialversicherungen übernommen wird. 

 

5.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C. Schadenersatz in 

Höhe von Fr. 565.80 zu bezahlen. 

 

Im Übrigen wird die Zivilklage des Privatklägers C. auf den Zivilweg verwie-

sen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'500.00 (inkl. Gutachter-

kosten von Fr. 2'508.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

 - 15 - 

 

 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem ehemaligen amtlichen Ver-

teidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Lukas Müller, für das Berufungs-

verfahren eine Entschädigung von Fr. 239.05 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 25'390.15 (inkl. Anklagege-

bühr von Fr. 2'100.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

stattgefunden hat – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschul-

digten, Rechtsanwalt Lukas Müller, für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung von Fr. 7'125.30 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

stattgefunden hat – angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der 

Privatklägerin B., Rechtsanwältin Andrea-Ursina Bieri, für das erstinstanz-

liche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 11'026.40 auszurichten. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
    

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

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hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwer-

delegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 31. März 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

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