# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 326c23b8-6d3b-5a8c-b72d-4106aa0840f5
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-14
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 14.03.2025 OG.2024.00023 (OGS.2025.181)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2024-00023_2025-03-14.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtspräsidentin Dr. iur. Petra Hauser,
  Oberrichter MLaw Mario Marti ,
  Oberrichterin Ruth Hefti , Oberrichter
  Martin Ilg  und Oberrichterin Petra Zentner  sowie Gerichtsschreiber
  lic. iur. Sebastian Micheroli. 

  
	
   

  
	
  Achtung: Zwischen dem letzten Richter und
  "sowie" hat es zwei Leerschläge zuviel; bitte löschen, darauf
  achten dass Vizepräsidenten nicht als solche benannt sind, wenn sie nicht
  präsidieren!

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 14. März 2025

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2024.00023

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Berufungskläger

  
	
  und Beschuldigter

  
	
   

  
	
  verteidigt durch lic. iur. Kim Mauerhofer, Rechtsanwältin Verteidigerin,

  

  

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus 

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
  und Anklägerin

  
	
   

  
	
  vertreten durch lic. iur. Dorothea
  Speich, Staatsanwältin Vertreterin,

  

  

  
	
  2. B.______

  
	
  Berufungsbeklagter

  
	
  und
  Privatkläger

  
	
   

  
	
  vertreten durch Dr. Thomas Bähler, LL.M., Rechtsanwalt Vertreter,

  

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  3.
  C.______

  
	
   

  
	
   

  
	
  4.
  D.______

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
  und Privatklägerinnen

  
	
   

  
	
  beide vertreten
  durch B.______ Vertreter,

  

  

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Veruntreuung,
  ungetreue Geschäftsbesorgung

  
	
   

  
	
   

  
	
  Schlussanträge
  des Berufungsklägers und Beschuldigten (gemäss
  Berufungserklärung vom 10. Juni 2024, act. 33, und anlässlich der
  Berufungsverhandlung vom 8. November 2024 gestellt, act. 48 S. 4 und 14 f.):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Das
    erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Ziffern 1, 2, 4 und 6
    vollumfänglich aufzuheben und A.______ sei vom Vorwurf der Veruntreuung
    (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB), eventualiter der ungetreuen
    Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB) vollumfänglich freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
     

    
	
    2.1

    	
    Hauptantrag:
    Es sei festzustellen, dass B.______ (Privatkläger 1) von seiner
    Zivilforderung Abstand genommen hat und auf deren Geltendmachung vor dem
    Obergericht verzichtet hat.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.2

    	
    Eventualantrag:
    Die Zivilforderung von B.______ (Privatkläger 1) betreffend seine
    Geschäftsanteile von 2‰ (Promille) am ehemaligen Stammkapital der X.______
    GmbH sei vollumfänglich abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die
    Verfahrenskosten vor erster und zweiter Instanz seien vollumfänglich auf
    die Staatskasse zu nehmen, eventualiter (teilweise) der Privatklägerschaft
    aufzuerlegen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Ziff.
    7  des erstinstanzlichen Urteils sei dahingehend aufzuheben, als dass A.______
    für die Kosten seiner erbetenen Verteidigung durch Rechtsanwältin lic. iur.
    Kim Mauerhofer vor erster und zweiter Instanz gemäss der aktenkundigen und
    den heute eingereichten Honorarnoten vollumfänglich aus der Staatskasse zu
    entschädigen sei.

    
	
     

    	
    Die
    Kosten des Kurzgutachtens von Rechtsanwalt [...] im Betrag von EUR 5'000.—
    seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    B.______
    (Privatkläger 1) habe (auch) seine zweitinstanzlichen Parteikosten selbst
    zu tragen (vgl. Ziff. 7 des erstinstanzlichen Urteils). 

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Schlussanträge der Staatsanwaltschaft (anlässlich der
  Berufungsverhandlung vom 8. November 2024 gestellt, act. 48 S. 5 und 26):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Berufung des Berufungsklägers vom 10. Juni 2024 gegen das Urteil des Kantonsgerichts
    vom 16. Mai 2024 sei vollumfänglich abzuweisen und es sei damit das Urteil
    des Kantonsgerichts vom 16. Mai 2024, soweit nicht bereits rechtskräftig,
    in allen Punkten zu bestätigen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Unter
    Kostenfolge zu Lasten des Berufungsklägers.

    

  

  
	
   

  
	
  Schlussanträge des Privatklägers B.______
  (anlässlich der Berufungsverhandlung vom 8. November 2024 gestellt, act. 48
  S. 5 und 33): 

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Berufung des Beschuldigten A.______ vollumfänglich abzuweisen und
    es sei das Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Mai 2024 vollumfänglich zu
    bestätigen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es
    seien die Anträge des Beschuldigten A.______ bzw. seiner Verteidigerin RA
    Mauerhofer abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die
    Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren seien dem Beschuldigten
    A.______ aufzuerlegen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Der
    Beschuldigte A.______ sei zu verpflichten, den Privatklägern vertreten
    durch B.______ eine gerichtlich zu bestimmende Parteientschädigung von
    mindestens CHF 2'328.75 (zzgl. MwSt.) für das Berufungsverfahren zu
    bezahlen.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  Die Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus erhob am 8. Dezember 2022 beim Kantonsgericht Glarus Anklage
  gegen den Beschuldigen A.______ wegen Veruntreuung i.S.v. Art. 138 Ziff. 1
  Abs. 2 StGB, eventualiter wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung i.S.v. Art. 158
  Ziff. 1 StGB (vgl. act. 1).

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Mit Urteil vom 16. Mai 2024 im
  Verfahren SG.2022.00118 erkannte das Kantonsgericht den Beschuldigten der
  Veruntreuung i.S.v. Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB für schuldig (vgl. act. 29
  S. 40 Dispositiv-Ziff. 1). 

  
	
  Das Kantonsgericht verurteilte
  den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je
  CHF 90.—, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren;
  sowie zu einer Busse von CHF 2'700.—, bei schuldhafter Nichtbezahlung
  umzuwandeln in eine Ersatzfreiheitsstrafe von 30 Tagen (vgl. act. 29 S. 40
  Dispositiv-Ziff. 2). 

  
	
  Die Zivilforderung der
  Privatkläger B.______, C.______ und D.______ betreffend die Geschäftsanteile
  aus dem Nachlass von E.______ und F.______ von 2‰ am ehemaligen Stammkapital
  der X.______ GmbH wurde infolge fehlender notwendiger Streitgenossenschaft
  abgewiesen (vgl. act. 29 S. 41 Dispositiv-Ziff. 3). 

  
	
  Die Zivilforderung von B.______
  betreffend seine Geschäftsanteile von 2‰ am ehemaligen Stammkapital der
  X.______ GmbH wurde auf den Zivilweg verwiesen (vgl. act. 29 S. 41
  Dispositiv-Ziff. 4). 

  
	
  Die Verfahrenskosten
  (Gerichtsgebühr von CHF 2’600.— sowie Untersuchungsgebühr von CHF 2‘800.—)
  wurden dem Beschuldigten vollumfänglich auferlegt (vgl. act. 29 S. 41
  Dispositiv-Ziff. 5 f.). 

  
	
  Den Parteien wurden keine
  Entschädigungen zugesprochen (vgl. act. 29 S. 41 Dispositiv-Ziff. 7). 

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Das Urteil vom 16. Mai 2024 im
  Verfahren SG.2022.00118 ist der Berufung zugänglich (vgl. Art. 398 Abs. 1
  StPO).

  
	
  Mit Berufung kann gemäss Art. 398
  Abs. 3 StPO geltend gemacht werden, die Vor­instanz habe das Recht verletzt,
  habe den Sachverhalt unvollständig oder unrichtig festgestellt und/oder habe
  unangemessen gehandelt.

  
	
  Der Beschuldigte erklärte die
  vorliegende Berufung rechtzeitig (vgl. act. 33 i.V.m. act. 32).

  
	
  Die Staatsanwaltschaft und die
  Privatkläger erhoben weder (Anschluss-)Berufung, noch stellten sie einen
  Nichteintretensantrag i.S.v. Art. 400 Abs. 3 Bst. a StPO (vgl. act. 38). 

  
	
  Die Berufungsinstanz überprüft
  das Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

  
	
  Der Beschuldigte ficht jedenfalls
  den Schuldspruch (Dispositiv-Ziff. 1) und die deswegen ausgesprochenen
  Sanktionen (Dispositiv-Ziff. 2) sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositiv-Ziff.
  6 f.) an (siehe die oben wiedergegebenen Schlussanträge). Die Verweisung der
  Zivilforderung von B.______ auf den Zivilweg (Dispositiv-Ziff. 4) ficht der
  Beschuldigte eventualiter an (siehe unten E. IV). 

  
	
  Mangels Anfechtung ist
  Dispositiv-Ziff. 3 des erstinstanzlichen Entscheids in Rechtskraft erwachsen
  und sind daher C.______ und D.______ am vorliegenden Berufungsverfahren nicht
  mehr als Zivilklägerinnen beteiligt. 

  
	
  Die Staatsanwaltschaft (vgl. act.
  1 S. 4), das Kantonsgericht (vgl. act. 29 S. 38) und implizit auch der
  Beschuldigte in der Berufungserklärung (vgl. act. 33) gingen davon aus, dass
  es sich bei C.______ und D.______ um Strafklägerinnen (und daher um
  Berufungsbeklagte) handelt. C.______ und D.______ resp. B.______ als deren
  Vertretung resp. die Vertretung von B.______ haben diesbezüglich keinen
  Widerspruch erhoben. Vielmehr beantragte die Vertretung von B.______ an der
  Berufungsverhandlung eine Entschädigung der durch B.______ vertretenen
  Privatkläger. Dementsprechend sind C.______ und D.______ auch im vorliegenden
  Berufungsverfahren als Strafklägerinnen anzusehen. 

  
	
  Das Obergericht wird, nachdem auf
  die Berufung einzutreten ist, ein neues Urteil fällen (vgl. Art. 408 StPO).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Am 8. November 2024 fand vor dem
  Obergericht die mündliche Berufungsverhandlung statt (vgl. act. 48). Am 14.
  März 2025 fällte das Obergericht seinen Entscheid (act. 58). Der
  Entscheid wird schriftlich eröffnet, nachdem die Parteien auf eine mündliche
  Urteilsbekanntgabe ausdrücklich verzichteten (vgl. Art. 84 Abs. 3
  StPO, act. 48 S. 43).

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1. 

  
	
  Die Verteidigung warf an der
  Hauptverhandlung mehrere Vorfragen auf. Namentlich äusserte sie Zweifel an
  der Berechtigung von I.______ zur Vertretung des Privatklägers B.______ sowie
  an der Unbefangenheit von Staatsanwältin Speich und Gerichtsschreiber Micheroli
  (vgl. act. 48 S. 2 f.).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Rechtsanwalt Bähler
  aus dem Kanton Bern teilte dem Obergericht mit E-Mail vom 5. November 2024
  mit, dass sein Mandant, Privatkläger B.______, an der Berufungsverhandlung
  durch I.______, Substitutin, vertreten sein werde (vgl. act. 44 f.).

  
	
  I.______ reichte an der
  Berufungsverhandlung eine diesbezügliche, von Rechtsanwalt Bähler und ihr
  unterzeichnete Substitutionsvollmacht ein (vgl. act. 50). 

  
	
  Nach Art. 8 Abs. 1 des Anwaltsgesetzes
  des Kantons Bern kann ein Anwalt eine Praktikantin, der er die für die
  Anwaltsprüfung verlangte praktische Ausbildung vermittelt, zur
  Parteivertretung ermächtigen.

  
	
  Für die Zulassung zum Praktikum
  genügt der Abschluss eines juristischen Studiums mit dem Bachelor (Art. 7
  Abs. 3 BGFA); I.______ verfügt bereits über einen Masterabschluss in Recht. 

  
	
  Die Berechtigung zur
  Parteivertretung vor den glarnerischen Gerichten wird in Art. 3 des
  Anwaltsgesetzes des Kantons Glarus geregelt: Soweit das Gesetz keine
  Ausnahmen vorsieht, sind zur Parteivertretung vor den glarnerischen Gerichten
  nur Personen berechtigt, welche gemäss Art. 5 BGFA im kantonalen
  Anwaltsregister eingetragen sind oder Freizügigkeit nach Bundesrecht
  geniessen (vgl. Abs. 1). Die Anwaltskommission kann Rechtsanwältinnen und
  Rechtsanwälten, die in einem kantonalen Anwaltsregister eingetragen sind, die
  Bewilligung erteilen, die bei ihnen tätigen Praktikumsangestellten unter
  ihrer Leitung und Verantwortung zur Prozessvertretung im Kanton Glarus
  einzusetzen (vgl. Abs. 2). 

  
	
  Dementsprechend kann auch eine
  Substitutionsbewilligung zur Parteivertretung vor den glarnerischen Gerichten
  berechtigen. 

  
	
  Dabei werden nach ständiger
  Praxis auch ausserkantonale Substitutionsbewilligungen wie die vorliegende
  als Berechtigung zur Parteivertretung vor den glarnerischen Gerichten
  anerkannt. 

  
	
  Im Übrigen kann die
  Privatklägerschaft gestützt auf Art. 127 Abs. 4 StPO (i.V.m. Art. 104
  Abs. 1 Bst. b StPO) – anders als die beschuldigte Person (vgl. Art. 127
  Abs. 5 StPO) – jede handlungsfähige, gut beleumundete und
  vertrauenswürdige Person als Rechtsbeistand bestellen. Beschränkungen des
  Anwaltsrechts bleiben nach Art. 127 Abs. 4 StPO ausdrücklich vorbehalten. Da
  Art. 3 Abs. 1 des Anwaltsgesetzes des Kantons Glarus wiederum gesetzliche
  Ausnahmen vorbehält, steht diese Bestimmung der Regelung von Art. 127 Abs. 4
  StPO (i.V.m. Art. 104 Abs. 1 Bst. b StPO) nicht entgegen. 

  
	
  Im Ergebnis war I.______ zur
  Vertretung des Privatklägers B.______ an der Berufungsverhandlung berechtigt.
  

  
	
   

  
	
  2.2 In der vorliegenden
  Strafsache sind zwei Verträge von Relevanz, die G.______, der Vater des
  Beschuldigten, am 19. April 2000 mit dem Privatkläger B.______ resp. mit
  dessen Vater E.______ geschlossen hat. Diese beiden Verträge wurden von Rechtsanwalt
  J.______ beurkundet (vgl. act. 2/2.1.02-1 und act. 2/2.1.02-2 resp. act.
  2/3.1.01 Beilagen 2 und 3 resp. act. 2/8.1.05 und act. 2/8.1.06). 

  
	
  Staatsanwältin Speich hielt in
  einer Protokollnotiz Folgendes fest: Sie habe am 29. April 2021
  gegenüber dem Beschuldigten und dem Privatkläger B.______ offengelegt, dass
  sie vom [...] bis [...] – neben Rechtsanwalt J.______ – in der damaligen
  Anwaltskanzlei [...] als selbstständige Anwältin gearbeitet habe. Sie selbst
  habe mit den Angelegenheiten des Vaters des Beschuldigten nichts zu tun
  gehabt. Die beiden Parteien hätten deutlich bekundet, dass kein Anlass zu
  einem Ausstand von ihr bestehe (vgl. act. 2/10.1.01 S. 1 f.). 

  
	
  Es bestehen keine Zweifel an
  diesen Angaben. Folglich ist bei Staatsanwältin Speich kein Ausstandsgrund 
  gegeben (vgl. Art. 56 StPO e contrario). 

  
	
  Hinzu kommt, dass ein
  Ausstandsgesuch einer Partei nach Art. 58 Abs. 1 StPO «ohne Verzug» zu
  stellen ist. Anderenfalls, namentlich wenn ein solches Gesuch nach Kenntnis
  des Ausstandsgrunds nicht innert zwei Wochen eingereicht wird, verwirkt der
  Anspruch (vgl. z.B. Urteil BGer 7B_249/2024 vom 19. Juni 2024 E. 2.4). Dies
  ist vorliegend der Fall. 

  
	
  Im Übrigen wäre nach Art. 59 Abs.
  1 Bst. b StPO die Beschwerdeinstanz und nicht das Berufungsgericht zuständig
  für den Entscheid über ein Ausstandsgesuch gegenüber einer Staatsanwältin
  (vgl. auch Urteil BGer 6B_1036/2021 vom 1. November 2021 E. 2.2 f.).

  
	
  Daher ist vorliegend auf das
  Ausstandsgesuch gegenüber Staatsanwältin Speich mangels Zuständigkeit nicht
  einzutreten.

  
	
  Da offensichtlich kein
  Ausstandsgrund vorliegt und der Anspruch auf Stellen eines Ausstandsgesuchs
  schon längst verwirkt war, besteht kein Anlass dazu, das Ausstandsgesuch an
  die Beschwerdeinstanz weiterzuleiten.

  
	
   

  
	
  2.3 Am erstinstanzlichen
  Urteil wirkte Kantonsrichter Renato Micheroli mit. 

  
	
  Eine in einer Strafbehörde tätige
  Person tritt u.a. dann in den Ausstand, wenn sie mit einer Person, die in der
  gleichen Sache als Mitglied der Vorinstanz tätig war, in gerader Linie oder
  in der Seitenlinie bis und mit dem zweiten Grad verwandt ist (vgl. Art. 56
  Bst. e StPO).

  
	
  Kantonsrichter Renato Micheroli
  und Gerichtsschreiber Sebastian Micheroli sind weiter entfernt miteinander
  verwandt (vgl. act. 48 S. 2); ein anderer Ausstandsgrund wird nicht geltend
  gemacht und liegt auch nicht vor. 

  
	
  Ausserdem wurden die Parteien in
  der Vorladung vom 12. September 2024 über die voraussichtliche Besetzung des
  Obergerichts inklusive Gerichtsschreiber Micheroli informiert (vgl. act. 39).
  

  
	
  Somit erfolgte auch das Ausstandsgesuch
  gegenüber Gerichtsschreiber Micheroli verspätet; der betreffende Anspruch war
  verwirkt (siehe allgemein oben E. II Ziff. 2.2). 

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Der Anklage liegt folgender
  Sachverhalt zu Grunde (vgl. act. 1):

  
	
  Mit separatem, jeweils öffentlich
  beurkundetem Vertrag hätten B.______ und sein Vater E.______ am 19. April
  2000 von G.______ in Glarus je einen Geschäftsanteil von 2 Promille am
  Stammkapital der X.______ GmbH erworben. Der Kaufpreis habe bei B.______ CHF
  98'400.—, bei E.______ hingegen CHF 65'600.— betragen. Bei einem Stammkapital
  von damals DM 100'000.— hätten B.______ und E.______ je einen Geschäftsanteil
  von DM 200.— erworben. 

  
	
  Basis der Kaufverträge vom
  19. April 2000 sei die schriftliche Absichtserklärung des
  Mehrheitsgesellschafters an der X.______ GmbH vom 24. November 1999 gewesen.
  Darin habe der Mehrheitsgesellschafter, H.______, die Absicht erklärt, die
  X.______ GmbH mit Sitz [...], Deutschland, in eine Aktiengesellschaft
  umzuwandeln, mit dem Ziel eines baldigen Börsengangs.

  
	
  B.______ und E.______ hätten
  jeweils vertraglich Vormerk genommen, dass G.______ ihre Geschäftsanteile an
  den Gesellschafterversammlungen der X.______ GmbH bis zum Börsengang
  vertreten werde. Mit Abschluss der Kaufverträge vom 19. April 2000 hätten sie
  G.______ jeweils ausdrücklich eine Vertretungsvollmacht erteilt. 

  
	
  Am 23. November 2008 sei G.______
  verstorben. Zu diesem Zeitpunkt habe G.______ inklusive der treuhänderisch
  gehaltenen Anteile von B.______ und E.______ über 19.08% Geschäftsanteile an
  der X.______ GmbH verfügt. Nachdem am [...] ein öffentliches Inventar
  erstellt worden sei, habe sein Sohn A.______ Annahme der Erbschaft unter
  öffentlichem Inventar erklärt. Somit habe A.______ die Geschäftsanteile
  seines Vaters an der X.______ GmbH übernommen. Die X.______ GmbH sei nie zu
  einer Aktiengesellschaft umgewandelt worden.

  
	
  Am 21. April 2014 sei E.______
  verstorben. Sein Erbe sei zuerst an seine Ehefrau F.______ gegangen, welche
  ihrerseits am 12. November 2019 verstorben sei. Letztlich hätten seine Kinder
  B.______, C.______ und D.______ als Erbengemeinschaft, vertreten durch
  B.______, 2 Promille am Stammkapital der X.______ GmbH geerbt. 

  
	
  Am 18. Juni 2014 habe A.______
  insgesamt 19.08% Geschäftsanteile an der X.______ GmbH, Deutschland, für
  einen Kaufpreis von EUR 894'750.— an die Y.______ GmbH, Deutschland,
  verkauft. Damals sei er in [...] wohnhaft gewesen. In der Folge sei am 16.
  Juli 2014 der Betrag von EUR 894'670.— auf das Konto [...] von A.______
  überwiesen worden. 

  
	
  Die verkauften Anteile von 19.08%
  hätten auch die 2 Promille von B.______ und die weiteren 2 Promille von
  B.______, C.______ und D.______ beinhaltet.

  
	
  A.______ habe als Einziger
  tatsächlich über diese Anteile von 4 Promille am Stammkapital der X.______
  GmbH selbstständig verfügt. Diesbezüglich habe er aber an der
  Gesellschafterversammlung der X.______ GmbH für die Erben von E.______ sowie
  für B.______ und nicht für sich selber gehandelt. 

  
	
  A.______ habe am 18. Juni 2014
  die betreffenden Anteile von 4 Promille am Stammkapital der X.______ GmbH
  verkauft, obwohl er von «seiner faktisch ausgeübten Werterhaltungspflicht
  gegenüber E.______ bzw. dessen Erben sowie gegenüber B.______» gewusst habe. 

  
	
  A.______ habe weder den Wert der
  4 Promille, nämlich EUR 18'756.20, an B.______ und seine beiden Schwestern
  weitergeleitet, noch B.______, welcher ihm bekannt gewesen sei, auch nur über
  den Verkauf informiert.

  
	
  Vielmehr habe A.______ sich den
  Betrag von EUR 18'756.20 auf sein Konto überweisen lassen, um über diesen
  Verwertungserlös selbst für sich zu verfügen. 

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Der nachfolgende Sachverhalt ist
  unbestritten und als erstellt anzusehen: 

  
	
  G.______, der Vater des
  Beschuldigten, schloss am 19. April 2000 je einen als «Kaufvertrag»
  bezeichneten Vertrag mit B.______ (u.a. act. 2/2.1.02-1) und E.______ (u.a.
  act. 2/2.1.02-2). Dabei ging es um den Erwerb von Geschäftsanteilen an der
  X.______ GmbH durch B.______ und E.______ von G.______ in Höhe von je 2
  Promille am Stammkapital. 

  
	
  Die betreffenden Anteile befanden
  sich auch nach dem 19. April 2000 im Verfügungsbereich von G.______; weder
  B.______ noch E.______ wurden in die Gesellschafterliste aufgenommen (vgl.
  act. 2/2.1.02-4; act. 2/3.1.01 S. 5). 

  
	
  Am 23. November 2008 verstarb
  G.______ (vgl. act. 2/2.1.02-9; act. 2/2.1.03). 

  
	
  In der Folge wurde ein öffentliches
  Inventar errichtet (vgl. act. 2/2.1.02-9 und act. 2/2.1.02-17 resp.
  act. 2/8.1.04-1). 

  
	
  Dieses öffentliche Inventar vom
  [...] enthält als Aktivum [...] die Position «X.______ GmbH», «10%
  Aktienteile» (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-17 S. 6). Mit Bezug auf Anteile an der
  X.______ GmbH finden sich im öffentlichen Inventar Ansprüche mehrerer
  Personen (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-17 S. 9, 12 f., 17 f. und 22 f.), nicht
  aber von B.______ oder E.______. Hingegen ist im Zusammenhang mit «10'000
  Aktien der [...]» ein Anspruch von B.______ eingetragen (vgl. u.a.
  act. 2/2.1.02-17 S. 6 und 12). Betreffend E.______ bestehen gar keine
  Eintragungen im öffentlichen Inventar. 

  
	
  Mit Schreiben vom 9. November
  2009 nahm der Beschuldigte die Erbschaft seines Vaters unter öffentlichem
  Inventar an (vgl. act. 2/2.1.02-9).

  
	
  Im Rahmen eines am 18. Juni 2014
  geschlossenen Vertrags verkaufte der Beschuldigte die Anteile an der X.______
  GmbH, welche sich im Verfügungsbereich seines verstorbenen Vaters befunden
  hatten (vgl. act. 2/2.1.02-16 resp. act. 2/9.1.03-1;
  act. 2/2.1.05-3; act. 2/3.1.01 S. 3; act. 2/3.1.01 Beilage 8;
  act. 2/6.1.02-1; act. 2/8.1.02 S. 3 und 10; act. 2/9.1.03-1;
  act. 18 S. 12). 

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1 Nach Art. 138 Ziff. 1
  Abs. 1 StGB ist wegen Veruntreuung strafbar, wer eine ihm anvertraute fremde
  bewegliche Sache aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu
  bereichern. Ebenfalls der Veruntreuung strafbar macht sich nach Art. 138
  Ziff. 1 Abs. 2 StGB, wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in
  seinem oder eines anderen Nutzen verwendet. 

  
	
  Tatobjekt von Art. 138 Ziff. 1
  Abs. 1 StGB ist als «fremde bewegliche Sache» eine körperliche Sache i.S.v.
  Art. 713 ZGB (vgl. z.B. Botschaft Änderung StGB, BBl 1991 II 969,
  1000 f.), die im Eigentum einer anderen Person als des Täters steht (vgl.
  z.B. BGE 115 IV 104 E. 1b). Bei beweglichen Sachen, die einem Treuhänder
  anvertraut werden, aber im Eigentum des Treugebers verbleiben, hat der
  Treugeber gegenüber dem Treuhänder einen dinglichen Herausgabeanspruch
  aufgrund des sachenrechtlichen Eigentumsschutzes (vgl. Art. 641 Abs. 2 ZGB). 

  
	
  Der Tatbestand von Art. 138 Ziff.
  1 Abs. 2 StGB erfasst hingegen Fälle, in denen ein Treuhänder an den
  erhaltenen Werten Eigentum erwirbt; er erlangt mithin nicht nur tatsächliche,
  sondern auch rechtliche Verfügungsmacht. Die fraglichen Vermögenswerte sind
  jedoch dem Treuhänder gegenüber wirtschaftlich fremd, da – namentlich
  aufgrund eines Vertrags – ein obligatorischer resp. schuldrechtlicher
  Herausgabeanspruch des Treugebers besteht. Der Treuhänder ist deshalb
  verpflichtet, dem Treugeber den Wert des Empfangenen ständig zu erhalten. Es
  besteht also eine Werterhaltungspflicht (vgl. z.B. Urteil BGer 6B_1422/2019
  vom 28. Mai 2021 E. 4.4.1 m.H.). 

  
	
  In der Anklageschrift wird dem
  Beschuldigten vorgeworfen, er habe entgegen «seiner faktisch ausgeübten
  Werterhaltungspflicht gegenüber E.______ bzw. dessen Erben sowie gegenüber
  B.______» 4 Promille am Stammkapital der X.______ GmbH verkauft (siehe oben
  E. III Ziff. 1). Dadurch habe der Beschuldigte sich der Veruntreuung nach
  Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB strafbar gemacht (siehe oben E. I Ziff. 1). 

  
	
  Die Staatsanwaltschaft geht in
  der Anklageschrift somit davon aus, dass von den Anteilen an der X.______
  GmbH, die der Beschuldigte verkaufte, 4 Promille ihm gegenüber wirtschaftlich
  fremd gewesen seien. 

  
	
  Eventualiter wird das
  vorgeworfene Verhalten des Beschuldigten in der Anklageschrift als ungetreue
  Geschäftsbesorgung i.S.v. Art. 158 Ziff. 1 StGB qualifiziert (siehe oben E. I
  Ziff. 1). Danach macht sich u.a. derjenige strafbar, der aufgrund des
  Gesetzes oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, «Vermögen eines
  andern» zu verwalten, und dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt
  oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird.

  
	
  Es geht also bei Art. 158 StGB
  («Vermögen eines andern») wie bei Art. 138 StGB um (wirtschaftlich) fremde
  Vermögenswerte.

  
	
  Nach dem Ausgeführten stellt sich
  zunächst die Frage, ob der Beschuldigte – wie ihm in der Anklageschrift
  vorgeworfen wird – 4 Promille am Stammkapital der X.______ GmbH verkaufte,
  die ihm gegenüber wirtschaftlich fremd waren. 

  
	
   

  
	
  3.2 Strittig ist schon die
  Gültigkeit der Verträge, die G.______ betreffend die fraglichen 4 Promille am
  Stammkapital der X.______ GmbH mit B.______ und E.______ abschloss. 

  
	
  Falls diese Verträge nicht gültig
  waren und B.______ sowie E.______ daher keinen Anspruch auf einen Anteil an
  der X.______ GmbH erlangten, würde es vorliegend an der (wirtschaftlichen)
  Fremdheit fehlen. 

  
	
  Einem von B.______ in Auftrag
  gegebenen Gutachten ist zu entnehmen, dass er und E.______ am 19. April 2000
  vom Vater des Beschuldigten wirksam Geschäftsanteile an der X.______ GmbH
  erworben hätten und damit Gesellschafter geworden seien (vgl. act. 2/3.1.01
  Beilage 9 S. 2 und 4). 

  
	
  Ein im Auftrag des Beschuldigten
  erstelltes Gutachten gelangt zum gegenteiligen Ergebnis (vgl. act. 47 S. 2
  ff.). 

  
	
  Vorliegend kann offenbleiben, ob
  die betreffenden Verträge gültig waren, da die Voraussetzung der
  (wirtschaftlichen) Fremdheit sowieso nicht erfüllt ist, wie nachfolgend
  aufgezeigt wird. 

  
	
   

  
	
  3.3 Ziff. 2 der jeweiligen
  Verträge lautet dahin, dass der Käufer – vorliegend B.______ resp. E.______ –
  «hiermit» vom Verkäufer (G.______) einen Geschäftsanteil in der Höhe von 2
  Promille am Stammkapital der X.______ GmbH erwirbt (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-1
  und act. 2/2.1.02-2).

  
	
  In Ziff. 3 wird jeweils
  präzisiert, dass der Käufer den Geschäftsanteil mit der vollständigen Zahlung
  des Kaufpreises – CHF 98'400.— bei B.______; CHF 65'600.— bei E.______ –
  erwirbt (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-1 und act. 2/2.1.02-2).

  
	
  Ob B.______ und E.______ diese
  Zahlungen tatsächlich leisteten, lässt sich den Akten nicht unmittelbar
  entnehmen. 

  
	
  B.______ reichte zusammen mit der
  Strafanzeige vom 23. März 2018 keine entsprechenden Nachweise ein (vgl. act.
  2/3.1.01 ff.). Es ist davon auszugehen, dass er Zahlungsnachweise erbracht
  hätte, wenn es ihm möglich gewesen wäre. Entweder gibt es also diesbezügliche
  Unterlagen nicht mehr, zumal die am 19. April 2000 erfolgten
  Vertragsschlüsse lange zurückliegen, oder wurden solche Zahlungen gar nie
  geleistet. 

  
	
  B.______ erklärte den Unterschied
  bei den Kaufpreisen damit, dass diese aufgrund der (unterschiedlichen)
  Beteiligungen von ihm und seinem Vater an der [...] AG festgesetzt worden
  seien (vgl. act. 2/10.1.01 S. 4 f.; vgl. auch act. 2/2.1.02-14 resp.
  act. 2/8.1.09). Demgegenüber erscheint es aber auch möglich, dass B.______
  und E.______ zunächst keine Kenntnis von den unterschiedlichen Kaufpreisen
  hatten und danach gerade wegen dieses Unterschieds deren Zahlung unterliessen.
  

  
	
  Im Übrigen werden beide
  Kaufpreise in der Strafanzeige vom 23. März 2018 als überteuert bezeichnet
  (vgl. act. 2/3.1.01 S. 3) und äusserte B.______ diese Ansicht auch schon in
  einem E-Mail vom 28. April 2013 an den Beschuldigten (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-14).
  Es ist denkbar, dass B.______ zwar erst nach den Vertragsunterzeichnungen,
  aber – als erfahrener Geschäftsmann (vgl. act. 2/10.1.01 S. 8) – doch
  noch vor der dann unterlassenen Zahlung der Kaufpreise zu diesem Schluss
  gelangte.

  
	
  In den Akten befindet sich ein
  Schreiben vom 26. September 2007 des Privatklägers B.______ an G.______.
  Darin bittet B.______ im Zusammenhang mit der «Überprüfung des Steuerwertes
  der Beteiligung an X.______ GmbH» darum, dass ihm und seinem Vater (E.______)
  weitere Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. Es geht u.a. um die exakte
  Angabe des Anteils. Hierzu scheint G.______ in diesem Brief von B.______
  handschriftlich «0.194%» vermerkt zu haben (vgl. act. 2/2.1.02-13; vgl. auch
  act. 2/8.1.02 S. 4). Zudem reichte der Beschuldigte an der
  Berufungsverhandlung eine «Adressliste der durch G.______ vertretenen
  Beteiligten an der X.______ GmbH» vom 31. Dezember 2000 ein, wo B.______ und
  E.______ aufgeführt sind (vgl. act. 48 S. 7).

  
	
  Dies spricht dafür, dass B.______
  und E.______ die Kaufpreise tatsächlich zahlten. 

  
	
  Allerdings ist auch zu
  berücksichtigen, dass nach den Aussagen des Beschuldigten bei den zahlreichen
  Unterlagen von G.______ inklusive Verträge mit verschiedenen Personen ein
  Chaos resp. ein Durcheinander bestanden habe (vgl. act. 2/2.1.02-15
  resp. act. 2/3.1.01 Beilage 7 resp. act. 2/8.1.03; act. 2/8.1.02
  S. 3 ff.; act. 18 S. 7; act. 48 S. 6 und 8). 

  
	
  Es kann daher nicht
  ausgeschlossen werden, dass G.______ den Überblick verloren hatte, welche
  Vertragspartner die vereinbarten Zahlungen geleistet hatten.  

  
	
  Im Übrigen wurden B.______ und
  E.______ nicht in die Gesellschafterliste eingetragen (siehe oben E. III
  Ziff. 2).

  
	
  Ausserdem erklärte G.______ am
  27. Juni 2002 vor einem Notar in Deutschland, dass die von ihm – gemäss der
  Gesellschafterliste – gehaltenen Geschäftsanteile «nicht mit Rechten Dritter
  belastet» seien (vgl. act. 51 S. 3).

  
	
  Hinzu kommt, dass im öffentlichen
  Inventar vom [...] betreffend Anteile an der X.______ GmbH keine Ansprüche
  von B.______ und E.______ aufgeführt sind (siehe oben E. III Ziff. 2). 

  
	
  Darüber hinaus bezog sich
  B.______ in einem Brief vom 4. November 2009 an den Beschuldigten auf das
  öffentliche Inventar vom [...]: «Vorweg möchte ich festhalten, dass das
  Inventar für mich in einigen Punkten nachvollziehbar ist.» B.______ hatte
  somit Kenntnis vom Inhalt des öffentlichen Inventars, also auch vom Eintrag
  des Aktivums «X.______ GmbH», «10% Aktienteile» und von den eingetragenen
  Ansprüchen anderer Personen betreffend Anteile an der X.______ GmbH (siehe
  oben E. III Ziff. 2). Trotzdem erwähnte B.______ in diesem Schreiben keine
  diesbezüglichen Ansprüche von ihm oder seinem Vater E.______ (vgl.
  act. 2/2.1.02-7 resp. act. 2/8.1.10).

  
	
  Die genannten Umstände liessen
  sich damit erklären, dass in Bezug auf Anteile an der X.______ GmbH
  allenfalls gar keine Ansprüche von B.______ oder E.______ bestanden. 

  
	
  Dabei besteht auch die
  Möglichkeit, dass B.______ oder E.______ solche Ansprüche trotz erfolgter
  Zahlung der Kaufpreise später nicht mehr hatten, weil die Verträge noch zu
  Lebzeiten von G.______ rückabgewickelt wurden.

  
	
  Dies ergibt sich aus Äusserungen
  von B.______ und des Beschuldigten. So schrieb B.______ in einem E-Mail vom
  30. April 2010 an den Beschuldigten, dass er und E.______ mit G.______ die
  Rückabwicklung der betreffenden Kaufverträge diskutiert hätten (vgl.
  act. 2/3.1.01 Beilage 4). Im bereits erwähnten E-Mail vom 28. April 2013
  an den Beschuldigten brachte B.______ vor, dass G.______ ihm und E.______
  eine Erhöhung der Beteiligung an der X.______ GmbH zugesichert habe, ohne
  seine Versprechungen dann aber zu erfüllen (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-14). Der
  Beschuldigte erwähnte in einem Brief vom 8. Mai 2013 an B.______, dass
  er diesbezüglich in den Unterlagen seines Vaters (G.______) nicht viel
  gefunden habe, «vor allem keine Notizen über weitergehende getroffene
  Absprachen oder angebliche Versprechen»; daraus sei zu schliessen, dass diese
  Angelegenheit für ihn (G.______) wohl erledigt gewesen sei (vgl. u.a.
  act. 2/2.1.02-15). B.______ sagte aus, er habe den Beschuldigten darüber
  informiert, dass es mit G.______ Gespräche über die von ihm (B.______) und E.______
  gewollte Rückabwicklung ihrer Verträge gegeben habe (vgl. act. 2/10.1.01
  S. 6). Nach Aussage des Beschuldigten seien etwa ein Drittel der Verträge,
  die sein Vater (G.______) abgeschlossen habe, nicht mehr «aktiv» gewesen, als
  er das Erbe seines Vaters angetreten habe; verschiedenste Leute hätten
  gesagt, dass sich ihre Verträge mit seinem Vater (G.______) erledigt hätten
  (vgl. act. 2/10.1.01 S. 5; act. 18 S. 14). Der Beschuldigte gab an, dass
  er nicht wisse, ob es bei den Verträgen, die B.______ und E.______ mit
  G.______ geschlossen hatten, zu einer Rückabwicklung gekommen sei; er wisse
  einfach, dass es mit gewissen Personen zu Rückabwicklungen gekommen sei (vgl.
  act. 2/8.1.02 S. 9; act. 18 S. 16). 

  
	
  Den Aussagen von B.______ und des
  Beschuldigten ist zu entnehmen, dass zwischen B.______ und G.______ ein
  gespanntes Verhältnis bestanden habe. G.______ habe B.______ wegen Betrugs
  und Urkundenfälschung angezeigt. B.______ habe die Erfüllung eines Vertrags
  durch G.______ gerichtlich durchsetzen müssen (vgl. act. 2/10.1.01 S. 7 f.;
  act. 48 S. 11; vgl. auch u.a. act. 2/2.1.02-14). 

  
	
  Diese Konflikte könnten ein Motiv
  dafür sein, dass B.______ gegebenenfalls Ansprüche geltend macht, die nicht
  (mehr) bestehen. Soweit ersichtlich, hat E.______ nie selbstständig gegenüber
  G.______ oder dem Beschuldigten einen entsprechenden Anspruch geltend
  gemacht. Vielmehr vertrat B.______ jeweils auch die Interessen seines Vaters
  E.______ (vgl. act. 2/2.1.02-11 resp. act. 2/3.1.01 Beilage 6; act.
  2/2.1.02-13; u.a. act. 2/2.1.02-14; act. 2/3.1.01 Beilage 4). 

  
	
  Nach dem Grundsatz in dubio pro
  reo geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage
  aus, wenn unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen
  Voraussetzungen der angeklagten Tat bestehen (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO).

  
	
  Vorliegend ist nach dem
  Ausgeführten unklar, ob B.______ und E.______ die vereinbarten Kaufpreise
  zahlten oder gegebenenfalls die betreffenden Verträge noch zu Lebzeiten von
  G.______ rückabgewickelt wurden.

  
	
  Falls B.______ und E.______ die
  Kaufpreise nicht zahlten, hätten sie jeweils nach Ziff. 3 der am 19. April
  2000 mit G.______ geschlossenen Verträge keine Geschäftsanteile an der
  X.______ GmbH erworben. Anderenfalls hätte ein allfällige Rückabwicklung der
  Verträge dazu geführt, dass B.______ und E.______ keine Ansprüche mehr auf
  Anteile an der X.______ GmbH gehabt hätten.

  
	
  Es ist daher zu Gunsten des
  Beschuldigten davon auszugehen, dass die Kaufpreise nicht gezahlt wurden oder
  noch vor dem Tod von G.______ eine Rückabwicklung der Verträge stattfand. 

  
	
  Dementsprechend ist nicht
  erstellt, dass der Beschuldigte Anteile an der X.______ GmbH verkaufte, die
  ihm gegenüber (wirtschaftlich) fremd waren.

  
	
   

  
	
  3.4 

  
	
  3.4.1 Der Vollständigkeit
  halber ist im Zusammenhang mit der Frage nach der (wirtschaftlichen)
  Fremdheit noch darauf einzugehen, dass der Beschuldigte die Erbschaft seines
  Vaters unter öffentlichem Inventar i.S.v. Art. 580 ff. ZGB annahm.

  
	
  Art. 590 Abs. 1 ZGB lautet wie
  folgt: «Den Gläubigern des Erblassers, deren Forderungen aus dem Grunde nicht
  in das Inventar aufgenommen worden sind, weil sie deren Anmeldung versäumt
  haben, sind die Erben weder persönlich noch mit der Erbschaft haftbar.»

  
	
  Etwas anderes gilt, wenn die
  Gläubiger ohne eigene Schuld die Anmeldung zum Inventar unterlassen oder
  deren Forderungen trotz Anmeldung in das Verzeichnis nicht aufgenommen worden
  sind. Nach Art. 590 Abs. 2 ZGB haftet in solchen Fällen der Erbe, soweit er
  aus der Erbschaft bereichert ist.

  
	
  Nach dem zivilrechtlichen
  Begriffsverständnis sind jedenfalls obligatorische Ansprüche – (insbesondere
  vertragliche) Ansprüche auf Geldzahlungen oder andere Leistungen eines
  Schuldners – Gegenstand von Forderungen (vgl. z.B. Art. 119 OR).

  
	
  Ob die Rechtsfolge von Art. 590
  Abs. 1 ZGB auch eintritt, wenn es um dingliche Ansprüche (namentlich aufgrund
  des sachenrechtlichen Eigentums- resp. Besitzesschutzes) geht, die nicht in
  das öffentliche Inventar aufgenommen worden sind, wurde vom Bundesgericht
  noch nicht entschieden und ist in der Literatur strittig (vgl. Leu/Brugger in: BSK ZGB II, Art. 581 N
  15 f. m.H.). 

  
	
  Diese Frage wäre zu klären, falls
  B.______ und E.______ dingliche Ansprüche auf Anteile an der X.______ GmbH
  erlangt hätten.

  
	
   

  
	
  3.4.2 Die Vorinstanz
  stellt sich auf den Standpunkt, dass B.______ und E.______ an den
  betreffenden Anteilen Eigen­tum erworben hätten, weil die Kaufverträge vom
  19. April 2000 formgültig und rechtswirksam geschlossen worden seien (vgl.
  act. 29 S. 18). 

  
	
  Ob resp. inwieweit an diesen
  Anteilen überhaupt Eigentum resp. ein dingliches Recht erlangt werden konnte,
  klärte die Vorinstanz nicht weiter ab. 

  
	
   

  
	
  3.4.3 Die X.______ GmbH
  war eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht und damit
  eine Handelsgesellschaft (vgl. § 13 Abs. 3 deutsches GmbHG). Bei der
  Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach Schweizer Recht handelt es sich
  ebenfalls um eine Handelsgesellschaft (vgl. Art. 772 ff. OR). Gesellschaften
  mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht sind vergleichbar mit
  denjenigen nach Schweizer Recht (vgl. auch act. 2/3.1.01 Beilage 9 S. 3).

  
	
  Wertpapiere, in denen Rechte
  betreffend Anteile an Handelsgesellschaften verkörpert sind, unterliegen
  dinglichen Ansprüchen (vgl. Art. 965 ff. OR); bei der X.______ GmbH waren die
  Anteilsrechte soweit ersichtlich nicht in Wertpapieren verbrieft (vgl. auch
  act. 18  S. 5).

  
	
  Ob darüber hinaus Anteile an
  Handelsgesellschaften Gegenstand von sachenrechtlichem Eigentum resp.
  dinglichen Ansprüchen – die sich grundsätzlich auf körperliche Objekte
  beziehen (vgl. Art. 713 ZGB und § 90 des deutschen BGB) – sind, ist sowohl
  nach Schweizer als auch nach deutschem Recht fraglich. 

  
	
  Zwar lautet der Randtitel von
  Art. 792 ZGB, wo es um Stammanteile an einer Gesellschaft mit beschränkter
  Haftung (nach Schweizer Recht) geht, «Gemeinschaftliches Eigentum». Allein
  hieraus kann aber nicht auf ein sachenrechtliches Eigentum nach Art. 641 ff.
  ZGB resp. auf einen dinglichen Anspruch geschlossen werden. Es könnte auch
  ein Eigentumsrecht in einem weiteren, obligatorische Rechte umfassenden Sinn
  gemeint sein, wie es von der verfassungs- resp. grundrechtlichen Eigentumsgarantie
  erfasst wird (vgl. zum Ganzen Botschaft zur Revision des Obligationenrechts,
  BBl 2002 3148, 3188 und BGE 147 III 505 E. 6.2.2 m.H.; vgl. auch BGE 138
  III 137 E. 5.2.1, Art. 1 Abs. 2 BEG i.V.m. Art. 29 Abs. 2 BEG e contrario und
  Botschaft zum Bucheffektengesetz, BBl 2006 9315, 9328, 9339, 9342 f.,
  9345, 9378; vgl. zudem Urteil BGer 4A_482/2008 vom 28. Januar 2009 E. 2.3,
  wonach auch Rechte Gegenstand eines Kaufvertrags i.S.v. Art. 184 Abs. 1
  OR bilden können, im Einklang mit der dort vorgeschriebenen Pflicht des
  Verkäufers zur Eigentumsübertragung).

  
	
  Das von B.______ eingereichte
  Gutachten äussert sich nicht zur Frage, ob bei den Anteilen an der X.______
  GmbH nach deutschem Recht dingliche Ansprüche bestanden resp. möglich waren
  (vgl. act. 2/3.1.01 Beilage 9). Das Gutachten, das der Beschuldigte
  einreichte, enthält hingegen den Ausdruck «die dingliche Übertragung von
  Gesellschaftsanteilen» (vgl. act. 47 S. 4). Der Leitende Oberstaatsanwalt in
  Berlin wiederum führte mit Schreiben vom 18. Februar 2019 im
  Zusammenhang mit der Ablehnung der Verfahrensübernahme u.a. Folgendes aus:
  Der Tatbestand der Unterschlagung nach § 246 des deutschen
  Strafgesetzbuches sei vorliegend nicht erfüllt, «da der Beschuldigte nicht
  über eine fremde Sache, sondern über Rechte – die gerade keine Sachen sind –
  verfügt hat» (vgl. act. 2/13.1.03).

  
	
  Selbst wenn Anteile an einer
  Handelsgesellschaft nach deutschem Recht dinglichen Ansprüchen unterliegen
  würden, könnte der Schutz durch das schweizerische (Straf-)Recht im Hinblick
  auf den Souveränitätsgrundsatz auf obligatorische Rechte an solchen Anteilen
  beschränkt sein. 

  
	
  Es erscheint daher – falls die
  Kaufverträge überhaupt gültig waren (siehe oben E. III Ziff. 3.2) – unklar,
  ob B.______ und E.______ (nach Schweizer Recht) dingliche Ansprüche auf
  Anteile an der X.______ GmbH haben konnten. 

  
	
  Die Klärung dieser Frage erübrigt
  sich, falls Art. 590 Abs. 1 ZGB nicht nur bei obligatorischen (siehe oben E.
  III Ziff. 3.4.1), sondern auch bei dinglichen Ansprüchen anwendbar ist.

  
	
   

  
	
  3.4.4 Die Vorinstanz geht
  ohne weitere Begründung (implizit) davon aus, dass dingliche Ansprüche resp. Eigentumsansprüche
  von Art. 590 Abs. 1 ZGB nicht erfasst würden (vgl. act. 29
  S. 18 f.).

  
	
   

  
	
  3.4.5 Das öffentliche
  Inventar besteht in der Anlegung eines Verzeichnisses der Vermögenswerte und
  Schulden der Erbschaft, wobei alle Inventarstücke mit einer Schätzung zu
  versehen sind (vgl. Art. 581 Abs. 1 ZGB).

  
	
  Es dient der Information der
  Erben über die Aktiven und Passiven der Erbschaft und gibt den Erben in Form
  des Instituts der Annahme der Erbschaft unter öffentlichem Inventar die
  Möglichkeit, die Schuldenhaftung zu beschränken (vgl. BGE 144 III 313 E.
  2.4).

  
	
  Den Erben soll also durch das
  öffentliche Inventar eine fundierte Abschätzung der finanziellen Risiken
  ermöglicht werden. Hierbei sind dingliche Ansprüche von Dritten auf
  Vermögenswerte, die sich im Verfügungsbereich des Erblassers befanden, für
  die Erben genauso relevant wie Schulden des Erblassers.

  
	
  Zudem gilt nach Art. 581 Abs. 2
  ZGB Folgendes: «Wer über die Vermögensverhältnisse des Erblassers Auskunft
  geben kann, ist bei seiner Verantwortlichkeit verpflichtet, der Behörde alle
  von ihr verlangten Aufschlüsse zu erteilen.»

  
	
  Die Geltendmachung eines
  Anspruchs wird i.S.v. Art. 590 Abs. 1 ZGB versäumt, wenn sie selbst
  verschuldet unterlassen wird (vgl. Art. 590 Abs. 2 ZGB e contrario).

  
	
  Dies ist namentlich der Fall,
  wenn berechtigte Personen trotz Kenntnis davon, dass ein öffentliches
  Inventar aufgenommen wird, einen Ihnen bekannten (allfälligen) eigenen
  Anspruch nicht geltend machen (vgl. BGE 90 II 428 E. 3).

  
	
  Im Hinblick auf die
  Auskunftspflicht nach Art. 581 Abs. 2 ZGB, die sich umfassend auf «die
  Vermögensverhältnisse des Erblassers» bezieht, ist nicht ersichtlich, wieso
  die Säumnisfolge von Art. 590 Abs. 1 ZGB nur bei obligatorischen Ansprüchen
  eintreten sollte. Vielmehr ergibt sich aus dem Zweck des öffentlichen
  Inventars und der umfassenden Auskunftspflicht nach Art. 581 Abs. 2 ZGB, dass
  Art. 590 Abs. 1 ZGB auch bei dinglichen Ansprüchen anwendbar ist. 

  
	
  Zwar wäre im Hinblick auf nicht
  inventarisierte dingliche Ansprüche die spätere Berufung auf einen Irrtum
  denkbar (vgl. Leu/Brugger in:
  BSK ZGB II, Art. 581 N 17). Dies stünde aber gerade im Widerspruch zum
  Zweck des öffentlichen Inventars, eine Beschränkung der finanziellen Risiken
  zu ermöglichen. Aufgrund der erforderlichen gerichtlichen Geltendmachung des
  Irrtums würden nämlich Gerichts- und Anwaltskosten drohen. Ausserdem müsste,
  nach einer erfolgreichen Geltendmachung des Irrtums, die Annahme der
  Erbschaft rückabgewickelt werden, was mit praktischen und finanziellen
  Problemen verbunden sein könnte. Namentlich bestünde bei bereits getilgten
  Nachlassschulden die Gefahr, dass Rückforderungen nicht einbringlich sind. 

  
	
  Somit können den Erben bei
  Annahme der Erbschaft unter öffentlichem Inventar weder obligatorische noch
  dingliche Ansprüche entgegengehalten werden, deren Geltendmachung i.S.v. Art.
  590 Abs. 1 ZGB versäumt worden ist.

  
	
   

  
	
  3.4.6 Das vorliegende
  öffentliche Inventar vom [...] enthält eine Forderung von B.______ (siehe
  oben E. III Ziff. 2). 

  
	
  Es bestehen folglich keine
  Zweifel daran, dass B.______ von der Aufnahme des öffentlichen Inventars
  betreffend den Erblasser G.______ wusste. 

  
	
  Ebenso wenig zweifelhaft ist,
  dass B.______ sich damals im Hinblick auf den am 19. April 2000 mit G.______
  geschlossen Vertrag der Möglichkeit bewusst war, diesbezüglich einen Anspruch
  geltend zu machen. 

  
	
  Im vorliegenden öffentlichen
  Inventar findet sich zwar kein Anspruch von E.______ (siehe oben E. III Ziff.
  2). E.______ war aber der Vater von B.______, wobei B.______ gegenüber
  G.______ (vgl. act. 2/2.1.02-13) und dem Beschuldigten (vgl. u.a. act.
  2/2.1.02-11; u.a. act. 2/2.1.02-14; act. 2/3.1.01 Beilage 4) auch die
  Interessen seines Vaters vertrat. Somit ist davon auszugehen, dass E.______
  ebenfalls von der Aufnahme eines öffentlichen Inventars in Bezug auf den
  Erblasser G.______ Kenntnis hatte. Es wurde von B.______ soweit ersichtlich
  auch nie etwas anderes geltend gemacht. E.______ war sich damals der
  Möglichkeit, im Hinblick auf den am 19. April 2000 mit G.______ geschlossen
  Vertrag einen Anspruch geltend zu machen, ebenso bewusst wie B.______. 

  
	
  B.______ bringt nicht etwa vor,
  dass er und E.______ Ansprüche auf Anteile an der X.______ GmbH zwar
  angemeldet hätten, diese aber trotzdem nicht in das öffentliche Inventar
  aufgenommen worden seien. Vielmehr ist B.______ der Ansicht, dass
  Eintragungen im öffentlichen Inventar keinen Sinn gemacht hätten, weil er und
  E.______ Anteile an der X.______ GmbH erworben und somit bereits in ihrem
  Vermögen gehabt hätten (vgl. act. 2/10.1.01 S. 4, 6 und 8). 

  
	
  Hierbei wären B.______ und E.______
  gegebenenfalls einem Rechtsirrtum unterlegen, der nichts daran ändern würde,
  dass sie aufgrund ihrer Kenntnisse der Sachlage die Geltendmachung ihrer
  allfälligen Ansprüche i.S.v. Art. 590 Abs. 1 ZGB versäumten (zur
  Unwesentlichkeit des Rechtsirrtums vgl. BGE 79 II 272 E. 5b). 

  
	
  Folglich konnten sie dem
  Beschuldigten keine Ansprüche entgegenhalten betreffend die Anteile an der
  X.______ GmbH aus dem Verfügungsbereich des Erblassers G.______.

  
	
  Entsprechend waren diese Anteile
  an der X.______ GmbH gegenüber dem Beschuldigten aufgrund von Art. 590 Abs. 1
  ZGB nicht (wirtschaftlich) fremd. 

  
	
   

  
	
  3.5 

  
	
  3.5.1 Der vorliegende Fall
  bietet noch Anlass zur Frage, ob B.______ und E.______ sowieso gegenüber dem
  Beschuldigten auf allfällige Ansprüche betreffend Anteile an der X.______
  GmbH verzichteten. 

  
	
  Nach dem Vertrauensgrundsatz hat
  der Erklärende seine Erklärung so gelten zu lassen, wie sie von der
  Adressatin nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen
  nach Treu und Glauben verstanden werden durfte und musste. Massgebend ist
  dabei der Zeitpunkt der Erklärung (vgl. zum Ganzen z.B.
  BGE 143 III 157 E. 1.2.2 m.H.; BGE 132 III 626 E. 3.1 m.H.).

  
	
   

  
	
  3.5.2 Weder B.______ noch
  E.______ machten im Rahmen der Aufnahme des öffentlichen Inventars der Erbschaft
  von G.______ Ansprüche betreffend Anteile an der X.______ GmbH geltend (siehe
  oben E. III Ziff. 2 und 3.4.3).

  
	
  Bevor der Beschuldigte die
  Erbschaft seines Vaters am 9. November 2009 unter öffentlichem Inventar
  annahm (siehe oben E. III Ziff. 2), verhandelte er mit Gläubigern seines
  Vaters, u.a. mit B.______, über teilweise Verzichte auf ihre Forderungen
  (vgl. act. 2/2.1.02-6; act. 2/2.1.02-7; act. 2/2.1.02-8).

  
	
  In diesem Zusammenhang verfasste
  B.______ den bereits erwähnten Brief vom 4. November 2009. Diesem
  Schreiben an den Beschuldigten ist zu entnehmen, dass B.______ den Inhalt des
  öffentlichen Inventars vom [...] kannte. Er wusste daher sowohl vom
  eingetragenen Aktivum «X.______ GmbH», «10% Aktienteile», als auch von den
  verschiedentlich geltend gemachten Ansprüchen betreffend Anteile an der
  X.______ GmbH (siehe oben E. III Ziff. 2 und 3.3).  

  
	
  B.______ erwähnte im Schreiben
  vom 4. November 2009 trotzdem keine diesbezüglichen Ansprüche von ihm oder
  seinem Vater E.______. Vielmehr stellte B.______ eine Reduktion seines
  Guthabens in Aussicht: Er sei bereit, einen Abschlag auf seine gerichtlich
  festgestellte Forderung zu gewähren. Dafür werde er die 10'000 [...] Aktien
  behalten. «Im Gegenzug würde ich auf mein Guthaben gegenüber dem Nachlass
  [...] sel. gemäss Inventar verzichten.» (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-7). 

  
	
  Aufgrund der Unterlagen von
  G.______ war für den Beschuldigten damals ersichtlich, dass B.______ und
  E.______ die vorliegend relevanten Verträge geschlossen hatten und B.______
  sich dabei auch um die Interessen seines Vaters E.______ kümmerte (siehe oben
  E. III Ziff. 3.4.3). 

  
	
  Ausserdem brachte der
  Beschuldigte zu Recht vor, dass B.______ in einer besseren
  Verhandlungsposition war (vgl. act. 18 S. 15); der Beschuldigte bat ja
  B.______ darum, auf seine Forderung teilweise zu verzichten. Insoweit hätte
  B.______ entsprechende Ansprüche von ihm und E.______ auch nach erfolgter
  Aufnahme des öffentlichen Inventars (trotz der Regelung von Art. 590 Abs. 1
  ZGB) noch mit Aussicht auf Erfolg vorbringen können. 

  
	
  Vor diesem Hintergrund durfte und
  musste der Beschuldigte die unterbliebene Geltendmachung entsprechender
  Ansprüche sowohl im öffentlichen Inventar als auch im Schreiben vom 4.
  November 2009 als Verzicht durch B.______ und E.______ verstehen. 

  
	
  Es verstösst gegen Treu und
  Glauben, dass B.______ solche Ansprüche doch noch geltend macht, erst nachdem
  der Beschuldigte die Erbschaft seines Vaters angenommen hatte und in der
  betreffenden Angelegenheit eine Einigung zwischen B.______ und dem
  Beschuldigten erzielt wurde (vgl. act. 2/2.1.02-10).

  
	
  Ausserdem brachte der
  Beschuldigte im Schreiben vom 8. Mai 2013 an B.______ zum Ausdruck, dass kein
  Anspruch von B.______ bestehe. Mangels Notizen in den Unterlagen von G.______
  über (von B.______ geltend gemachte) Absprachen und Versprechen sei darauf zu
  schliessen, dass die Angelegenheit für G.______ wohl erledigt gewesen sei.
  Zudem sei keine Eintragung im öffentlichen Inventar erfolgt und gelange Art.
  590 Abs. 1 ZGB zur Anwendung (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-15). 

  
	
  B.______ hat diesen Brief vom 8.
  Mai 2013 (am 16. Mai 2013) erhalten (vgl. act. 2/3.1.01 Beilage 7). 

  
	
  Der Beschuldigte schloss den
  Vertrag über den Verkauf der Anteile an der X.______ GmbH am 18. Juni 2014
  (siehe oben E. III Ziff. 2), also über ein Jahr nachdem B.______ das erwähnte
  Schreiben zugegangen war.

  
	
  In der Zwischenzeit erfolgte nach
  unbestritten gebliebener Angabe des Beschuldigten keine Rückmeldung von
  B.______ an den Beschuldigten auf den Brief vom 8. Mai
  2013 (vgl. act. 2/8.1.02 S. 11 f.; act. 2/3.1.01 S. 3; act.
  2/10.1.01 S. 7; act. 48 S. 10). 

  
	
  Im Gegensatz dazu richtete sich
  B.______ zuvor in dieser Angelegenheit wiederholt an den Beschuldigten (vgl.
  act. 2/2.1.02 S. 3; u.a. act. 2/2.1.02-11; act. 2/2.1.02-12; u.a. act.
  2.1.02-14; act. 2/3.1.01 Beilage 4; act. 2/8.1.02 S. 9; act. 18 S. 8). 

  
	
  Unter diesen Umständen durfte und
  musste der Beschuldigte auch die ausgebliebene Reaktion von B.______ auf das
  Schreiben vom 8. Mai 2013 als entsprechenden Verzicht durch B.______ und
  E.______ verstehen. 

  
	
  Somit durfte der Beschuldigte in
  guten Treuen davon ausgehen, dass die Anteile an der X.______ GmbH, die der
  Beschuldigte verkaufte, ihm gegenüber auch deshalb nicht (wirtschaftlich)
  fremd waren, weil B.______ und E.______ auf allfällige diesbezügliche Ansprüche
  verzichtet hatten.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Im Übrigen setzt der
  Straftatbestand der Veruntreuung nach Art. 138 StGB voraus, dass dem Täter
  eine fremde bewegliche Sache resp. ein Vermögenswert anvertraut wurde. 

  
	
  Als anvertraut gilt, was jemand
  mit der Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse des
  Treugebers zu verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder
  einem anderen abzuliefern. Gemäss einer anderen Umschreibung ist anvertraut,
  was jemand mit der besonderen Verpflichtung empfängt, es dem Treugeber
  zurückzugeben oder es für diesen einem Dritten weiterzuleiten, wobei der
  Treugeber seine Verfügungsmacht über das Anvertraute aufgibt
  (BGE 143 IV 297 E. 1.3 m.H.). 

  
	
  Dabei genügt, dass der Täter ohne
  Mitwirkung des Treugebers über die Werte verfügen kann, ihm mithin Zugriff
  auf das fremde Vermögen eingeräumt worden ist (Urteil BGer 6B_1422/2019 vom
  28. Mai 2021 E. 4.4.1)

  
	
  Täter einer ungetreuen
  Geschäftsbesorgung i.S.v. Art. 158 Ziff. 1 StGB kann sein, wer namentlich
  aufgrund des Gesetzes oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen
  eines andern zu verwalten. 

  
	
  Es handelt sich um Personen, die
  – als Geschäftsführer – in tatsächlich oder formell selbstständiger und
  verantwortlicher Stellung im Interesse eines anderen für einen nicht unerheblichen
  Vermögenskomplex zu sorgen haben (vgl. BGE 142 IV 346 E. 3.2).

  
	
  Insoweit geht es auch bei der
  ungetreuen Geschäftsbesorgung i.S.v.  Art. 158 Ziff. 1 StGB um Vermögen, das
  dem Täter anvertraut wurde.

  
	
  B.______ und E.______ vertrauten
  dem Beschuldigten die fraglichen Anteile nicht unmittelbar an. Vielmehr
  gelangten sie durch die Erbschaft seines Vaters in den Verfügungsbereich des
  Beschuldigten (siehe oben E. III Ziff. 2).

  
	
  Es stellt sich die Frage, ob die
  betreffenden Anteile dem Beschuldigten hierdurch allenfalls mittelbar
  anvertraut wurden.

  
	
   

  
	
  4.2 Nach Art. 560 ZGB
  erwerben die Erben die Erbschaft als Ganzes mit dem Tode des Erblassers kraft
  Gesetzes. Mit Vorbehalt der gesetzlichen Ausnahmen gehen die Forderungen, die
  dinglichen Rechte und der Besitz des Erblassers ohne weiteres und insgesamt
  auf sie über, die Schulden des Erblassers werden zu ihren persönlichen
  Schulden. Die Erbfolge des ZGB wird somit vom Grundsatz der Gesamtnachfolge,
  der Universalsukzession, beherrscht. Dies bedeutet, dass die einzelnen
  Vermögensgegenstände des Erblassers nicht je gesondert auf die Erben
  übergehen, sondern dass der ganze Inbegriff vererblicher Verhältnisse, in
  denen der Erblasser bei seinem Tode gestanden ist, als eine geschlossene
  Einheit auf die Erben übergeht. Diese Gesamtnachfolge kann vom Erblasser
  nicht wegbedungen werden und charakterisiert geradezu den erbrechtlichen
  Vermögensübergang (zum Ganzen BGE 107 Ib 22 E. 2a).

  
	
  Nach Art. 405 Abs. 1 OR erlischt
  aber ein Auftrag mit dem Tod des Beauftragten, sofern nicht das Gegenteil
  vereinbart ist oder aus der Natur des Geschäfts hervorgeht. 

  
	
  Falls jedoch das Erlöschen des
  Auftrages die Interessen des Auftraggebers gefährdet, so ist der Erbe
  verpflichtet, für die Fortführung des Geschäftes zu sorgen, bis der Auftraggeber
  in der Lage ist, es selbst zu tun (vgl. Art. 405 Abs. 2 OR). 

  
	
   

  
	
  4.3 Ziff. 5 der Verträge,
  die B.______ resp. E.______ am 19. April 2000 mit G.______ schlossen, lautet
  jeweils wie folgt: «Der Käufer nimmt davon Vormerk, dass sein Geschäftsanteil
  (bzw. seine Aktien) an der X.______ GmbH (bzw. AG) bis zum Börsengang von
  G.______ an den Gesellschaftsversammlungen vertreten werden (vgl. Anhang).
  Der Käufer erteilt hiermit die ausdrückliche Vollmacht an  G.______, ihn bei
  den Gesellschafterversammlungen zu vertreten.» (u.a. act. 2/2.1.02-1 und act.
  2/2.1.02-2). 

  
	
  Folglich sahen diese Verträge
  vor, dass G.______ die betreffenden Anteile treuhänderisch halten wird bis zu
  einem allfälligen Börsengang. Dabei ging es um ein Auftragsverhältnis i.S.v.
  Art. 394 ff. OR, zumal in diesen Verträgen (ohne Rechtswahl) [...] (Schweiz)
  als Wohnort von G.______ angegeben ist (vgl. Art. 117 IPRG). 

  
	
  Die Verträge enthalten keine
  Regelung für den Fall des Todes von G.______. 

  
	
  Beim jeweils in Ziff. 5 genannten
  Anhang handelt es sich um eine «Bestätigung» vom 24. November 1999 von
  H.______ als Geschäftsführer der X.______ GmbH und als deren Gesellschafter
  mit Mehrheitsbeteiligung. Darin wird u.a. bestätigt, dass die X.______ GmbH
  in eine «kleine AG» umgewandelt werden solle, «mit dem Ziel eines baldigen
  Börsengangs» (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-1 und act. 2/2.1.02-2).

  
	
  In Ziff. 1 der Verträge wird
  festgehalten, dass die Vertragsparteien von dieser Bestätigung resp. vom
  Beschluss, die X.______ GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, Vormerk
  nehmen; der Anhang sei «integrierender Vertragsbestandteil» (vgl. u.a. act.
  2/2.1.02-1 und act. 2/2.1.02-2).

  
	
  Die Interessen von B.______ und
  E.______ waren somit darauf beschränkt, Aktien zu erhalten. Dementsprechend
  sagte B.______ aus, dass sie «reine Vermögensanteile» erworben hätten (vgl.
  act. 2/10.1.01 S. 4 und 6). 

  
	
  Es bestehen eigenständige
  Pflichten, sich fremde bewegliche Sachen nicht unrechtmässig anzueignen (vgl.
  Art. 137 StGB) und Vermögenswerte nicht unrechtmässig zu verwenden (vgl. Art.
  141bis StGB). Hierfür müssen die Sachen resp. Vermögenswerte nicht
  (im Rahmen eines Auftragsverhältnisses) anvertraut worden sein. 

  
	
  Folglich ist kein Grund i.S.v.
  Art. 405 OR ersichtlich, weshalb das betreffende Auftragsverhältnis – falls
  es überhaupt zustande kam resp. noch bestand (siehe oben E. III Ziff. 3.2 f.)
  – nicht erloschen sein sollte durch den Tod von G.______. 

  
	
  Ausserdem machten B.______ und
  E.______ im Rahmen des öffentlichen Inventars keinen Anspruch auf
  Weiterführung der Verwaltung der Anteile durch die Erben von G.______ geltend
  (siehe oben E. III Ziff. 2).

  
	
  Falls das allfällige
  Auftragsverhältnis also nicht schon durch den Tod des Erblassers erloschen
  wäre, hätte aufgrund von Art. 590 Abs. 1 ZGB die mangelnde Geltendmachung eines
  diesbezüglichen Anspruchs dazu geführt (siehe oben E. III Ziff. 3.4). 

  
	
  Vorliegend sind daher der
  (objektive) Straftatbestand der Veruntreuung nach Art. 138 StGB und
  derjenige der ungetreuen Geschäftsbesorgung i.S.v. Art. 158 Ziff. 1 StGB
  auch deswegen nicht erfüllt, weil die betreffenden Anteile dem Beschuldigten
  (durch die Erbschaft) nicht anvertraut wurden. 

  
	
   

  
	
  4.4 Falls dennoch davon
  ausgegangen würde, dass diese Anteile dem Beschuldigten anvertraut waren,
  stellte sich die Frage, ob deren Verkauf – dann trotz Vertretungsvollmacht
  des Beschuldigten (siehe oben E. III Ziff. 4.3) – pflichtwidrig gewesen wäre.
  

  
	
  Dem Vertrag vom 18. Juni 2014 ist
  zu entnehmen, dass alle Gesellschafter ihre gesamten Anteile zusammen an
  einen Dritten verkauften, wobei der Beschuldigte nur über eine
  Minderheitsbeteiligung verfügte (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-16 S. 13 bis 15).

  
	
  Der Beschuldigte gab an, dass die
  Anteile an der X.______ GmbH verkauft worden seien, weil eine Umwandlung in
  eine AG nach verschiedenen erfolglosen Anläufen und aufgrund des
  fortgeschrittenen Alters von H.______, dem Gründer und
  Mehrheitsgesellschafter (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-16 S. 13 i.V.m. S. 15),
  keinen Sinn mehr gemacht habe (vgl. act. 2/2.1.05-3; act. 2/8.1.02 S. 6;
  act. 2/10.1.01 S. 6). 

  
	
  Entsprechend hätte das
  Vertragsziel, dass B.______ und E.______ Aktien erhalten sollten (siehe oben
  E. III Ziff. 4.3), gar nicht mehr erreicht werden können. 

  
	
  Ausserdem legte der Beschuldigte
  nach eigener Angabe einen Teil des Verkaufserlöses auf die Seite, wodurch die
  von B.______ und E.______ geltend gemachten Ansprüche gedeckt gewesen seien
  (vgl. act. 2/8.1.02 S. 13; act. 48 S. 9 f.).

  
	
  Jedenfalls in dubio pro reo (vgl.
  Art. 10 Abs. 3 StPO) wäre davon auszugehen, dass die Angaben des
  Beschuldigten zutreffen. 

  
	
  Es liesse sich daher auch bei
  Annahme von anvertrauten Anteilen an der X.______ GmbH kein pflichtwidriges
  Verhalten des Beschuldigten erstellen. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Schliesslich ist noch
  darauf einzugehen, dass sowohl der Straftatbestand der Veruntreuung nach Art.
  138 StGB als auch derjenige der ungetreuen Geschäftsbesorgung i.S.v. Art. 158
  Ziff. 1 StGB Vorsatz erfordert (vgl. z.B. BGE 133 IV 21 E. 6.1.2; BGE
  142 IV 346 E. 3.2).

  
	
  Vorsätzlich begeht ein Verbrechen
  oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2
  Satz 1 StGB).

  
	
  Vorsätzlich handelt bereits, wer
  die Verwirklichung der Tat i.S. eines Eventualvorsatzes für möglich hält und
  in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB).

  
	
  Bei einem Sachverhaltsirrtum
  i.S.v. Art. 13 Abs. 1 StGB handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung
  über den Sachverhalt, wodurch Vorsatz ausgeschlossen wird (vgl. Botschaft
  StGB, BBl 1999 II 1979, 2003). In einem solchen Fall beurteilt das Gericht
  die Tat zu Gunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den sich der Täter vorgestellt
  hat.

  
	
  Ein Sachverhaltsirrtum liegt auch
  bei falscher Vorstellung über Tatbestandsmerkmale rechtlicher (normativer)
  Natur vor, z.B. wenn irrtümlich die (wirtschaftliche) Fremdheit eines
  Vermögenswerts verkannt wird (vgl. BGE 129 IV 238 E. 3.2).

  
	
   

  
	
  5.2 Der Beschuldigte
  teilte B.______ mit Brief vom 8. Mai 2013 mit, dass er (B.______) betreffend
  Anteile an der X.______ GmbH keinen Anspruch habe. Zur Begründung führte der
  Beschuldigte aus, mangels Notizen über (von B.______ geltend gemachte)
  Absprachen und Versprechen in den Unterlagen von G.______ sei darauf zu
  schliessen, dass die Angelegenheit für G.______ wohl erledigt gewesen sei.
  Ausserdem sei keine Eintragung im öffentlichen Inventar erfolgt und Art. 590
  Abs. 1 ZGB anwendbar (siehe oben E. III Ziff. 3.5.2). 

  
	
  Zudem liegt eine Erklärung des
  Beschuldigten vom 6. Februar 2013 in den Akten. Darin erklärt der
  Beschuldigte im Zusammenhang mit Verkaufsverhandlungen, dass er frei über die
  Anteile an der X.______ GmbH verfügen könne und diese frei von Rechten
  Dritter seien, trotz Kaufverträgen, die sein Vater abgeschlossen habe. Zur
  Begründung führt der Beschuldigte aus, dass die betreffenden Kaufverträge
  nicht gültig seien, wobei er sich auf eingeholten «deutschen Rechtsrat»
  beruft. Die Frage, ob aufgrund der Kaufverträge (nicht verjährte) Ansprüche
  gegen ihn bestehen, sei für seine Verfügungsbefugnis ohne Bedeutung (vgl.
  act. 2/2.1.02-5). 

  
	
  Im Rahmen des Strafverfahrens
  machte der Beschuldigte u.a. folgende Angaben: Er sei zum Zeitpunkt des
  Verkaufs der Anteile an der X.______ GmbH der Meinung gewesen, dass
  diesbezüglich kein Anspruch von B.______ bestehe. Ob es bei den zwischen
  G.______ und B.______ resp. E.______ geschlossenen Verträgen zu einer
  Rückabwicklung gekommen sei, wisse er nicht; mit gewissen Personen sei es zu
  Rückabwicklungen gekommen; etwa ein Drittel der Verträge sei nicht mehr
  «aktiv» gewesen. Er habe nur eigene Anteile verkauft; dies sei beim Verkauf
  geprüft worden. Die Anteile habe er verkaufen dürfen. B.______ habe nie ein
  «Besitzrecht» gehabt. Mehrere Personen hätten im öffentlichen Inventar
  Ansprüche mit Bezug auf die X.______ GmbH geltend gemacht, nicht aber
  B.______ und E.______, obwohl B.______ einen anderen Anspruch angemeldet habe
  resp. Kenntnis vom öffentlichen Inventar gehabt habe. Deswegen habe er (der
  Beschuldigte) angenommen, dass sich die Sache erledigt habe. Aufgrund des
  öffentlichen Inventars hafte er nicht. Er habe B.______ im Jahr 2013 einen
  Brief gesendet, in welchem er sich auf das öffentliche Inventar beziehe.
  B.______ habe auf diesen Brief nicht reagiert. Daher sei er davon
  ausgegangen, dass B.______ keinen Anspruch mehr geltend mache; für ihn sei
  die Sache abgeschlossen gewesen (vgl. zum Ganzen act. 2/2.1.02 S. 2 und 4 f.;
  act. 2/8.1.02 S. 1, 9 und 11 ff.; act. 2/10.1.01 S. 4 und 7
  ff.; act. 18 S. 7 und 13 ff.; act. 48 S. 8 ff.). 

  
	
  Der Beschuldigte macht also
  geltend, dass er im Zeitpunkt des Verkaufs der Anteile davon ausgegangen sei,
  er könne frei über diese Vermögenswerte verfügen, da sie ihm gegenüber nicht
  (wirtschaftlich) fremd gewesen seien. 

  
	
  Es ist glaubhaft, dass der
  Beschuldigte diese Vorstellung hatte.

  
	
  So war die (wirtschaftliche)
  Fremdheit gerade aus verschiedenen Gründen, die der Beschuldigte für seine
  Vorstellung angab, objektiv nicht gegeben (siehe oben E. III Ziff. 3). 

  
	
  Hinzu kommt, dass der
  Beschuldigte den Verkauf der Anteile gegenüber Personen, von denen Ansprüche
  betreffend die X.______ GmbH im öffentlichen Inventar eingetragen sind, nicht
  etwa verheimlichte. Vielmehr überwies er ihnen nach dem Verkauf Geldbeträge
  (vgl. u.a. act. 2/2.1.02-17 i.V.m. act. 2/6.1.02-1; vgl. auch act.
  2/2.1.05-3; act. 2/8.1.02 S. 13; act. 18 S. 14; act. 48 S. 9). Unerheblich
  ist, ob der Beschuldigte zudem einen Teil des Verkaufserlöses
  sicherheitshalber – im Hinblick auf allfällige weitere (nicht verjährte)
  Ansprüche, die seine Verfügungsbefugnis (nach seiner Vorstellung) nicht
  berührt hätten – auf die Seite legte (siehe oben E. III Ziff. 4.4).

  
	
  Es bestehen daher keine Zweifel
  daran, dass der Beschuldigte es nicht für möglich hielt, (wirtschaftlich)
  fremde Vermögenswerte zu verkaufen, und dies auch nicht in Kauf nahm. 

  
	
  Folglich hat sich der
  Beschuldigte auch mangels Vorsatz nicht strafbar gemacht.

  
	
  Daran würde sich im Übrigen auch
  nichts ändern, wenn die betreffenden Anteile dem Beschuldigten gegenüber
  trotz allem objektiv (wirtschaftlich) fremd gewesen wären. Vielmehr wäre dann
  von einem Sachverhaltsirrtum i.S.v. Art. 13 Abs. 1 StGB und damit von einem
  Vorsatzmangel des Beschuldigten auszugehen (siehe oben E. III Ziff. 5.1).
  Dies ergibt sich aus den nachvollziehbaren Gründen, die der Beschuldigte für
  seine Vorstellung angab, zumal die Gültigkeit der betreffenden Kaufverträge
  fraglich und der Anwendungsbereich von Art. 590 Abs. 1 ZGB nicht
  abschliessend durch das Bundesgericht geklärt ist (siehe oben E. III
  Ziff. 3.2 und 3.4.1).

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Im Ergebnis hat der Beschuldigte
  sich – aus mehreren Gründen (siehe oben E. III Ziff. 3 ff.) – nicht strafbar
  gemacht.

  
	
  Die erstinstanzliche Verurteilung
  wegen Veruntreuung i.S.v. Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB ist aufzuheben; der
  Beschuldigte ist freizusprechen

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  Die Anträge des Beschuldigten
  betreffend Zivilforderung von B.______ sind missverständlich.

  
	
  Einerseits beantragt der
  Beschuldigte, dass Dispositiv-Ziff. 4 des erstinstanzlichen Urteils, wonach
  die Zivilforderung von B.______ auf den Zivilweg verwiesen wird (siehe oben
  E. I Ziff. 2), vollumfänglich aufzuheben sei (vgl. act. 33 S. 2 und act. 48
  S. 4). 

  
	
  Andererseits fordert er
  ausdrücklich nur «eventualiter» resp. als «Eventualantrag», dass die
  «(allfällige) Zivilforderung» von B.______ abzuweisen sei (vgl. act. 33
  S. 2 und act. 48 S. 4 und 14). 

  
	
  Zunächst stellte der Beschuldigte
  hier den Hauptantrag, dass auf die «(allfällige) Zivilforderung» von B.______
  nicht einzutreten sei (vgl. act. 33 S. 2 und act. 48 S. 4). 

  
	
  Der Privatkläger B.______
  beantragte dann im Berufungsverfahren unmissverständlich, dass das Urteil des
  Kantonsgerichts vom 16. Mai 2024 vollumfänglich – also mitsamt
  Dispositiv-Ziff. 4 – zu bestätigen sei (vgl. act. 48 S. 5 und 33).  

  
	
  Nachher stellte der Beschuldigte
  den neuen Hauptantrag, «[e]s sei festzustellen, dass B.______ […] von seiner
  Zivilforderung Abstand genommen hat und auf deren Geltendmachung vor dem
  Obergericht verzichtet hat» (vgl. act. 48 S. 14 und 24). 

  
	
  Dies kann nur so verstanden
  werden, dass der Beschuldigte seine Berufung betreffend die Anfechtung von
  Dispositiv-Ziff. 4 zurückzog (vgl. Art. 386 StPO), da B.______ diesen Punkt
  (schon mangels eigener Berufung resp. Anschlussberufung) nicht anfechtet und
  somit im vorliegenden Berufungsverfahren keine Zivilforderung geltend macht. 

  
	
  Ein solches Vorgehen des
  Beschuldigten lässt sich prozesstaktisch damit begründen, dass in der Folge
  die Privatklägerschaft nach Art. 81 Abs. 1 Bst. b Ziff. 5 BGG nicht zur
  Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht berechtigt ist (vgl. z.B. Urteil
  BGer 6B_1012/2022 vom 23. September 2022 E. 3).

  
	
  Somit ist festzustellen, dass
  Dispositiv-Ziff. 4 des erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen
  ist. 

  
	
   

  
	
  V.

  
	
  1. 

  
	
  Nach Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO
  tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres
  Obsiegens oder Unterliegens. Ob und inwieweit eine Partei im Sinne dieser
  Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre
  vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen werden (vgl. z.B.
  Urteil BGer 6B_1290/2021 vom 31. März 2022 E. 5.1 m.H.). Als unterliegend
  gilt auch die Partei, die das Rechtsmittel zurückzieht.

  
	
  Weil das Obergericht als
  Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid fällt, ist auch über die von der
  Vorinstanz getroffene Kosten- und Entschädigungsregelung zu entscheiden (vgl.
  Art. 428 Abs. 3 StPO).

  
	
  Bei Freispruch sind die Kosten
  des erstinstanzlichen Gerichtsverfahren und des Vorverfahrens grundsätzlich
  auf die Staatskasse zu nehmen (vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 426 Abs.
  1 StPO e contrario). 

  
	
  Die beschuldigte Person hat bei
  Freispruch zudem grundsätzlich Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen
  für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrens-rechte (vgl. Art. 429 Abs. 1
  Bst. a StPO und Art. 436 Abs. 1 StPO).

  
	
  Nach Art. 429 Abs. 3 StPO steht
  der Entschädigungsanspruch der Verteidigung zu, wenn es sich – wie vorliegend
  – um eine Wahlverteidigung handelt. 

  
	
  Nach Art. 433 Abs. 1 Bst. a StPO
  und Art. 436 Abs. 1 StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber der
  beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
  Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt. 

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1 Der Beschuldigte ist
  freizusprechen (siehe oben E. III Ziff. 6). 

  
	
  Daher sind die Kosten des
  Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens auf die
  Staatskasse zu nehmen und hat der Beschuldigte resp. die Verteidigung
  betreffend diese Verfahren Anspruch auf Entschädigung der Aufwendungen des
  Beschuldigten für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte. 

  
	
  Zwar hat der Beschuldigte seine
  Berufung teilweise zurückgezogen, nämlich soweit es darum geht, dass die
  Zivilforderung von B.______ auf den Zivilweg verwiesen wird (siehe oben E.
  IV). Da aber der Aufwand, der den anderen Parteien und dem Gericht in diesem
  Punkt erwachsen ist, als unbedeutend erscheint, ist der vorliegende Rückzug
  nicht zu berücksichtigen bei der Frage nach dem Obsiegen und Unterliegen im
  Berufungsverfahren. Entsprechendes gilt betreffend die Vorfragen (siehe oben
  E. II).

  
	
  Mithin kommt dem Privatkläger
  B.______ gegenüber dem Beschuldigten kein Entschädigungsanspruch aufgrund
  eines Obsiegens zu. 

  
	
  Vielmehr hat der Beschuldigte im
  Berufungsverfahren grundsätzlich obsiegt. 

  
	
  Daher sind die Kosten des
  Berufungsverfahrens ebenfalls auf die Staatskasse zu nehmen und hat die
  Verteidigung auch betreffend dieses Verfahren Anspruch auf Entschädigung der
  Aufwendungen des Beschuldigten für die angemessene Ausübung seiner
  Verfahrensrechte. 

  
	
   

  
	
  2.2 Es ist noch die Höhe
  der Entschädigung des Beschuldigten resp. der Verteidigung festzusetzen. 

  
	
  Das Gericht verfügt bei der
  Beurteilung der Angemessenheit anwaltlicher Bemühungen über ein
  beträchtliches Ermessen; es besteht kein Anspruch, zu der vom Gericht beabsichtigten
  Entschädigungsregelung vorweg Stellung zu nehmen (vgl. Urteil BGer
  6B_1145/2022 vom 13. Oktober 2023 E. 5.3.3 und 5.3.4 je m.H.).

  
	
  Praxisgemäss ist der
  Entschädigung für angemessene Aufwendungen im Verfahren ein Stundenansatz von
  CHF 220.— zu Grunde zu legen.

  
	
  Dementsprechend sind die von der
  Verteidigung in den eingereichten Honorarnoten angegebenen Beträge (inklusive
  Spesenpauschale), die auf einem Stundenansatz von CHF 300.— basieren (vgl.
  act. 23 und act. 52), zu kürzen. 

  
	
  In den Honorarnoten werden als
  Wegzeit für die Hin- und Rückreise betreffend erstinstanzliche
  Hauptverhandlung und Berufungsverhandlung insgesamt mehr als sieben Stunden
  geltend gemacht (vgl. act. 23 und act. 52). Als Wegzeit wird praxisgemäss –
  auch bei einer Wahlverteidigung – maximal eine halbe Stunde vergütet (vgl.
  Urteil BGer 1B_385/2021 vom 25. Oktober 2021 E. 4.8). Somit sind vorliegend
  insgesamt zwei Stunden zu entschädigen. 

  
	
  Der Aufwand für rechtliche
  Abklärungen ist nur bei aussergewöhnlichen Rechtsfragen zu entschädigen (vgl.
  Urteil BGer 6B_694/2013 vom 9. September 2013 E. 2).

  
	
  Es wird in den Honorarnoten nicht
  ausgeführt und ist auch nicht ersichtlich, wieso für die angemessene Ausübung
  der Verfahrensrechte des Beschuldigten erforderlich gewesen sein solle, dass
  sich neben Rechtsanwältin lic. iur. Kim Mauerhofer auch noch die
  Rechtsanwälte [...] und [...] an der Verteidigung beteiligen. Dies gilt umso
  mehr, da Rechtsanwältin lic. iur. Kim Mauerhofer nach eigener Angabe (u.a.
  auf den eingereichten Honorarnoten) auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert
  ist (vgl. act. 23 und act. 52) und die sich stellenden Rechtsfragen
  nicht überdurchschnittlich schwierig sind (so auch Rechtsanwalt Dr. Thomas
  Bähler in seiner Honorarnote, act. 53). Der in den Honorarnoten angegebene Austausch
  mit den Rechtsanwälten [...] und [...] im Umfang von insgesamt etwas mehr als
  vier Stunden (vgl. act. 23 und act. 52) ist daher nicht zu vergüten. 

  
	
  Betreffend den 7. November 2024
  werden 180 Minuten Zeitaufwand für «Recherchen und Notizen zu Vorfragen,
  Beweisanträgen, allfälligen Ergänzungsfragen etc.» geltend gemacht (vgl. act.
  52). Unter Berücksichtigung der tatsächlich an der Berufungsverhandlung
  gestellten Anträge erscheint dieser Aufwand als überhöht. Hinzu kommt, dass
  der Zeitaufwand für rechtliche Abklärungen eben nicht separat zu entlöhnen
  ist, wenn es sich wie vorliegend um keine besonders schwierigen rechtlichen
  Fragestellungen handelt. Die entsprechende Position ist daher um zwei Drittel
  auf 60 Minuten zu kürzen.

  
	
  Die nach Angabe in der
  Honorarnote am 27. Februar 2023 sowie am 7., 19. und 20. November 2023
  erfolgten juristischen Abklärungen sind aus dem erwähnten Grund nicht zu
  entschädigen, wobei von insgesamt 240 Minuten (2/3 von 355 Minuten)
  auszugehen ist (vgl. act. 23). 

  
	
  Da von einer schweizerischen
  Anwältin nicht verlangt werden kann, Kenntnis des deutschen Rechts zu haben,
  ist es angemessen, das Kurzgutachten von Rechtsanwalt [...] zur deutschen
  Rechtslage (vgl. act. 47) zu vergüten.

  
	
  Die Verteidigung reichte trotz
  frühzeitigem und mehrmaligem Nachfragen von Seiten des Gerichts (vgl. act. 54
  ff.) keine (genügend substantiierte) Honorarnote von Rechtsanwalt [...] ein.
  Die im Kurzgutachten behandelte Frage ist für einen deutschen Rechtsanwalt
  nicht als besonders schwierig einzuordnen. Dies gilt umso mehr, wenn es sich
  – wie nach eigener Angabe bei Rechtsanwalt [...] (vgl. act. 47) – um einen
  Fachanwalt für Steuerrecht handelt. Das Kurzgutachten umfasst sechs Seiten,
  wobei die Begründung einen Umfang von etwa vier Seiten aufweist (vgl.
  act. 47). Nach dem Ausgeführten ist betreffend das Kurzgutachten eine
  Entschädigung von CHF 1'800.— (inklusive gesetzlicher Abgaben und
  Steuern) als angemessen zu betrachten.

  
	
  Es erscheint zwar etwas speziell,
  dass am Tag vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung resp. der
  Berufungsverhandlung fast 17 resp. über 15 Stunden und jeweils am
  Verhandlungstag, vor Verhandlungsbeginn um 9 Uhr, noch über fünf resp. über
  zwei Stunden Arbeitszeit angegeben werden (vgl. act. 23 und act. 52). Es gibt
  aber keinen konkreten Grund, an diesen Angaben zu zweifeln. 

  
	
  Die Berufungsverhandlung dauerte
  von 9:05 Uhr bis 13:55 Uhr, also aufgerundet fünf Stunden, wie in der
  Honorarnote geschätzt (vgl. act. 52).

  
	
  Nach den erwähnten Abzügen
  verbleibt ein Zeitaufwand von (gerundet) insgesamt 73.5 Stunden. 

  
	
  Bei einem Stundenansatz von CHF
  220.— resultiert insgesamt ein Betrag von CHF 16'170.—.  

  
	
  Vor dem 1. Januar 2024 wurden 44
  Stunden (Mehrwertsteuersatz von 7.7%) und ab diesem Datum 29.5 Stunden
  (Mehrwertsteuersatz von 8.1%) geleistet. 

  
	
  Praxisgemäss wird eine
  Auslagenpauschale von 3% entschädigt. 

  
	
  Als Reisekosten werden betreffend
  die erstinstanzliche Hauptverhandlung CHF 71.— (Zugfahrt von Bern nach
  Glarus und zurück, 2. Klasse, Halbtax) und betreffend die
  Berufungsverhandlung CHF 29.— (Zugfahrt von Zürich nach Glarus und zurück, 2.
  Klasse, Halbtax) entschädigt. 

  
	
  Unter Berücksichtigung der
  Auslagen (Auslagenpauschale von 3% zuzüglich Reisekosten) und Mehrwertsteuer
  ergibt sich ein Betrag von (gerundet) insgesamt CHF 18'080.—. 

  
	
  Betreffend das Vorverfahren hat
  der Beschuldigte keine zu entschädigenden Aufwendungen geltend gemacht;
  solche sind auch nicht ersichtlich.

  
	
  Die Verteidigung ist somit für
  die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte des Beschuldigten im
  erstinstanzlichen Gerichtsverfahren und im Berufungsverfahren insgesamt mit
  CHF 18'080.— (inkl. Auslagen und MwSt.) sowie CHF 1’800.— (inklusive
  gesetzlicher Abgaben und Steuern) zu entschädigen. 

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Auf das Ausstandsgesuch
    gegenüber Staatsanwältin Speich wird nicht eingetreten.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es wird festgestellt, dass
    Dispositiv-Ziff. 3 und 4 des Urteils des Kantons-gerichts des Kantons
    Glarus vom 16. Mai 2024 (SG.2022.00118) in Rechtskraft erwachsen sind. Im
    Übrigen wird dieses Urteil aufgehoben.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    A.______ wird vollumfänglich
    freigesprochen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Kosten des gesamten
    Strafverfahrens werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Rechtsanwältin lic. iur. Kim
    Mauerhofer wird für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte von
    A.______ im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren und im Berufungsverfahren
    eine Entschädigung von insgesamt CHF 18'080.— (inkl. Auslagen und MwSt.)
    und CHF 1’800.— (inklusive gesetzlicher Abgaben und Steuern) aus der
    Gerichtskasse zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Im Übrigen werden keine
    Entschädigungen zuerkannt. 

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    [...]