# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6dc3ef2a-b768-5dcd-918d-88dd11f66dbc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-03-08
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 08.03.2005 SF 2004 48
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2004-48_2005-03-08.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 8. März 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 04 48 (mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Heinz-Bommer, Riesen-Bienz, Hubert, Giger
Aktuarin ad hoc Riesen-Ryser

——————

In der Strafsache

des A., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Luca Tenchio, 
Obere Plessurstrasse 36, 7000 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. November 2004, 

wegen Raub, gewerbsmässigem Diebstahl etc.,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

2

A. A. wurde am 15. Juni 1982 in OO. geboren. Zusammen mit zwei jün-
geren Geschwistern wuchs er dort bei seinen Eltern in schwierigen familiären Ver-
hältnissen auf. In OO. besuchte er während sechs Jahren die Primar- und während 
drei Jahren die Realschule. Wegen schulischer und disziplinarischer Schwierigkei-
ten wurde A. vorzeitig aus der Volksschulpflicht entlassen. Im April 1998 begann er 
eine dreijährige Lehre als Plattenleger bei der Firma B. AG in PP., wo er nach einem 
erfolgreichen Lehrabschluss noch während eines Jahres, bis zum Juli 2003, weiter 
arbeitete. Bei der Firma B. erzielte er ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 
4'500.--. Sein ehemaliger Arbeitgeber stellt ihm ein gutes Zeugnis aus. Von Oktober 
2003 an arbeitete A. temporär während zwei Monaten bei der Gerüstbaufirma NN. 
in QQ. und etwa einen Monat bei der Firma EE. in OO.. Von Januar bis März 2004 
hielt er sich zwei Mal jeweils während zwei bis drei Wochen zwecks Drogenentzugs 
auf der Suchtstation AO. in RR. auf. Am 10. März 2004 trat er im Rehabilitations-
zentrum AN. in AM. eine Langzeitdrogentherapie an. Diese Therapie brach er je-
doch nach drei Monaten vorzeitig ab. Von Mitte Juni 2004 bis anfangs September 
2004 arbeitete er temporär als Maurer bei der Baufirma C. und ab dem 13. Septem-
ber 2004 bei der Firma D.. Vom 1. Dezember 2004 an war er für die Wintersaison 
bei der AP. in SS. als Allrounder tätig. Dabei verdiente er nach eigenen Angaben 
monatlich Fr. 2'500.-- netto. Er beabsichtigte, per Mai 2005 bei der Bauunterneh-
mung E. AG, SS., eine Stelle als Hilfsarbeiter anzutreten. Seit dem 2. Mai 2005 
befindet er sich nun im vorzeitigen Strafvollzug. A. ist ledig und hat keine Unterhalts-
verpflichtungen.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. nicht verzeichnet. Hingegen 
musste sich die Jugendanwaltschaft Graubünden drei Mal mit ihm befassen: Mit 
Entscheid vom 10. Juni 1998 wurde A. wegen einfacher Körperverletzung und 
Sachbeschädigung mit einer Busse von Fr. 300.-- bestraft. Am 10. Mai 1999 wurde 
er wegen mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG mit einer Busse 
von Fr. 300.--, teilweise als Zusatzstrafe zum Entscheid vom 10. Juni 1998, bestraft. 
Schliesslich verurteilte ihn der Jugendanwalt mit Entscheid vom 17. Februar 2000 
wegen Entwendung zum Gebrauch zu einer Busse von Fr. 100.--.

A. wurde am 17. September 2003 in OO. festgenommen und befand sich bis 
am 2. Oktober 2003 in der Strafanstalt AR. in Untersuchungshaft.

B. Am 26. April 2004 wurden die Psychiatrischen Dienste Graubünden 
mit einer psychiatrischen Begutachtung von A. beauftragt. In ihrem Gutachten vom 
12. August 2004 gelangt Frau Dr. med. KK. zu folgender medizinischer Diagnose: 

3

Störung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum sonstiger psychotroper 
Substanzen, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch ICD-10: F19.25. 
Die ihr gestellten Fragen beantwortet sie wie folgt:

„5.1 Litt der Angeschuldigte im Zeitpunkt der Taten an einer Geistes-
krankheit, an Schwachsinn oder einer schweren Störung des Be-
wusstseins, so dass seine Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht 
der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht aufgehoben war 
(Art. 10 StGB)?

Nein.

5.2 War der Angeschuldigte zur Zeit der Taten in seiner geistigen Ge-
sundheit oder in seinem Bewusstsein beeinträchtigt oder war er 
geistig mangelhaft entwickelt, so dass seine Fähigkeit zur Einsicht 
in das Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht 
herabgesetzt war, wenn ja, in welchem Grad (Art. 11 StGB)?

Die festgestellte Abhängigkeit von multiplen psychotropen Substanzen, 
vornehmlich Heroin und Kokain, in geringerem Masse Alkohol sowie 
Cannabis, beeinträchtigt nicht die Fähigkeit des Expl. zur Einsicht in das 
Unrecht seiner Taten. Die erwähnte Abhängigkeit (Beeinträchtigung der 
geistigen Gesundheit) reduziert infolge des ausgeprägten Konsum-
drangs die Steuerungsfähigkeit des Expl.. Daher ist die Zurechnungs-
fähigkeit des Expl. im Zeitraum der inkriminierten Taten leicht vermin-
dert gewesen (gemäss Art. 11 StGB).

5.3 Erfordert der Geisteszustand des Angeschuldigten ärztliche Be-
handlung oder besondere Pflege und ist anzunehmen, eine allfäl-
lige Rückfallgefahr lasse sich durch eine Einweisung in eine Heil- 
und Pflegeanstalt verhindern oder vermindern (Art. 43 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB)?

Nein.

Genügt eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 
Abs. 1 letzter Satz StGB?

Entfällt.

Wäre der sofortige Vollzug einer Strafe mit einer ambulanten Be-
handlung vereinbar oder würde diese durch den Strafvollzug 
schwer beeinträchtigt?

Entfällt.

5.4 Gefährdet der Angeschuldigte in schwerwiegender Weise die öf-
fentliche Sicherheit, so dass er in einer Anstalt verwahrt werden 
muss, um ihn vor weiterer Gefährdung anderer abzuhalten (Art. 43 
Ziff. 1 Abs. 2 StGB)?

Nein.

5.5 Ist der Angeschuldigte trunksüchtig oder rauschgiftsüchtig und er-
scheint daher zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die 
Einweisung in eine Trinkerheilanstalt, eine Drogenentziehungsan-
stalt oder eine andere Heilanstalt zweckmässig (Art. 44 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB)?

4

Zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr erscheint es zweckmäs-
sig, die diagnostizierte behandlungsbedürftige Abhängigkeitserkran-
kung des Expl. zu therapieren. Eine stationäre Massnahme gemäss Art. 
44 StGB erscheint momentan nicht sinnvoll.

Genügt eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 
Abs. 1 letzter Satz StGB?

Wir empfehlen eine ambulante Behandlung des Expl. im Sinne von Art. 
44 Ziff. 1 Abs. 1 letzter Satz StGB. Diese sollte auf eine totale Alkohol- 
und Drogenabstinenz über den Zeitraum von mindestens drei Jahren 
abzielen und von einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 
durchgeführt werden. Die Abstinenzkontrollen können beim Hausarzt 
erfolgen.

Wäre der sofortige Vollzug einer Strafe mit einer ambulanten Be-
handlung vereinbar oder würde diese durch den Strafvollzug 
schwer beeinträchtigt?

Der sofortige Vollzug einer Strafe wäre grundsätzlich mit einer ambu-
lanten Behandlung vereinbar. Allerdings müsste gewährleistet werden, 
dass der Expl. völlig alkohol- und drogenabstinent ist sowie eine psych-
iatrische Behandlung auf Wunsch bereits dort in Anspruch nehmen 
kann.

5.6 Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren:

Erscheint nach dem körperlichen und geistigen Zustand des An-
geschuldigten sowie im Blick auf dessen Erziehbarkeit zur Arbeit 
zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die Einweisung in 
eine Arbeitserziehungsanstalt zweckmässig (Art. 100 bis StGB)?

Nein.

5.7 Für den Fall eines bedingten Strafvollzuges:
Ist eine psychiatrische Behandlung notwendig oder zweckmässig 
(Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB), so dass Weisungen (welche?) ange-
zeigt wären oder Schutzaufsicht angeordnet werden sollte?

Wir empfehlen die Anordnung der Schutzaufsicht. Diese sollte die Kon-
trolle der dreijährigen totalen Alkohol- und Drogenabstinenz sowie die 
Durchführung der psychiatrischen Behandlung überwachen und den 
Expl. bei der sozialen Stabilisierung (Wohnung, Finanzen, Arbeit sowie 
Freizeitgestaltung) unterstützen.

5.8 Sind andere Massnahmen zweckmässig, z. B. Bevormundung, Ver-
beiständung?

Nein.“

Mit Schreiben vom 4. Dezember 2004 beantragte Rechtsanwalt Dr. iur. Luca 
Tenchio, es sei ein ergänzender Kurzbericht zum psychiatrischen Gutachten vom 
12. August 2004 einzuholen, da sich die Situation von A. derart verbessert habe, 
dass der Strafvollzug das Erreichte sowie das Behandlungsziel einer allenfalls an-
geordneten ambulanten Massnahme ernstlich würde gefährden können. Am 8. De-
zember 2004 beauftragte das Kantonsgerichtspräsidium die psychiatrischen 

5

Dienste Graubünden, A. im Februar 2005 nochmals kurz zu konsultieren und die 
vom Verteidiger in seinem Schreiben vom 4. Dezember 2004 gestellten Fragen zu 
beantworten. Die erneute Untersuchung fand am 22. Februar 2005 statt. Im ergän-
zenden Kurzbericht vom 23. Februar 2005 hielt der Gutachter, Dr. med. LL., fest, 
der Explorand unterschätze weiterhin seine Abhängigkeit deutlich. Dies unterstrei-
che noch einmal die Notwendigkeit einer suchtbezogenen fachpsychiatrischen Be-
handlung, welche eine kontrollierte Drogenabstinenz zum Ziel haben müsse. Auch 
die Tatsache, dass A., trotz Empfehlung seitens der Gutachterin, seit August 2004 
keine solche Behandlung begonnen habe, zeige die Unterschätzung der Suchtpro-
blematik. Im weiteren scheine sich, so wie sich die Dinge derzeit darstellen würden, 
die soziale Situation leicht gebessert zu haben. Der Explorand habe eine ihn befrie-
digende Arbeitsstelle und er habe eine neue Beziehung aufgebaut. Auf der anderen 
Seite sei anzumerken, dass das jetzt Erreichte noch recht unstabil sei. Einer ambu-
lanten Massnahme sei vor allem dann der Vorzug zu geben, wenn bereits eine trag-
fähige Beziehung zu einem Therapeuten oder einer Therapeutin aufgebaut und ein 
psychotherapeutischer Prozess in Gang gekommen sei. Ein Unterbruch einer sol-
chen Beziehung beziehungsweise Behandlung könne sich tatsächlich ungünstig auf 
den Prozess auswirken. Da dies vorliegend nicht gegeben sei, sei bei der Aussage 
des Gutachtens zu bleiben mit der einzigen Einschränkung, dass zumindest aktuell 
eine leichte Verbesserung der sozialen Situation und damit eine Stabilisierung ge-
geben zu sein scheine. Die von Rechtsanwalt Dr. iur. Luca Tenchio im Schreiben 
vom 4. Dezember 2004 gestellten Fragen beantwortete der Gutachter wie folgt:

„Nach der Rechtsprechung geht eine ambulante Massnahme dem Freiheits-
entzug vor, wenn bei einem Strafaufschub gute Resozialisierungschancen 
bestehen, welche der Vollzug der Freiheitsstrafe klar verhindert oder vermin-
dern würde (vergleiche z.B. BGE 120 IV 1, 3).

Würde der Heilungserfolg einer allenfalls durch das Gericht verfügten ambu-
lanten Massnahme durch den Freiheitsentzug beeinträchtigt?

Auf Grund der aktuell erhobenen Befunde ist nicht davon auszugehen, dass 
der Heilungserfolg einer allenfalls verfügten ambulanten Massnahme durch 
den Freiheitsentzug beeinträchtigt werden würde, da bisher noch keine spe-
zifische Therapie begonnen wurde. Diese derzeitige Stabilisierung der sozi-
alen Situation ist zwar positiv im Sinne einer Heilungschance zu werten, zeigt 
aber noch nicht eine solche Festigung, dass ein grosser Schaden anzuneh-
men wäre.

Falls ja: weshalb und würde der Vollzug der Freiheitsstrafe den Erfolg einer 
ambulanten Therapie ernstlich oder erheblich gefährden?

Da bisher keine ambulante Massnahme begonnen wurde, entfällt dieser 
Punkt.“

6

C. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. November 
2004 wurde A. wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB, unvollendeten 
Raubversuchs gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB in Verbindung mit Art. 21 Abs. 1 
StGB, gewerbsmässigen und besonders gefährlichen Diebstahls gemäss Art. 139 
Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 4 StGB, mehrfacher Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 
1 StGB, mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, Tätlichkeit 
gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB, unberechtigten Verwendens eines Fahrrades 
gemäss Art. 94 Ziff. 3 SVG, mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 
43 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG sowie mehrfacher Widerhand-
lung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt 
gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. November 
2004 folgender Sachverhalt zu Grunde:

„A. wird angeklagt

1. des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB sowie des unvoll-
endeten Raubversuchs gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB in Ver-
bindung mit Art. 21 Abs. 1 StGB.

1.1. Am Sonntagabend, 13. September 2003, fuhr der Angeklagte mit dem 
Fahrrad durch das Areal der Wohnüberbauung UU. in OO.. Um ca. 
18.15 Uhr bemerkte er eine betagte Frau, welche an der Schulter eine 
Handtasche umgehängt hatte und sich mit einem Paar unterhielt. Er be-
schloss, der Frau die Umhängetasche zu entreissen, um sich Bargeld 
zu verschaffen. Nachdem die 93-jährige F. sich von dem Paar getrennt 
hatte und ihren Spaziergang in Richtung VV. fortsetzte, fuhr der Ange-
klagte mit dem Fahrrad von hinten an der Fussgängerin vorbei, packte 
die an der Schulter umgehängte Handtasche und riss daran. Weil die 
Geschädigte die Tragriemen der Tasche über Kopf und Schulter gelegt 
hatte, wurde sie mitgerissen und anschliessend zu Boden geworfen. 
Dabei erlitt sie gemäss Arztbericht einen Bruch des Beckenrings links 
vorne (Schambein und Sitzbein) sowie diverse Blutergüsse am Hinter-
kopf, an der Hüfte und am Oberschenkel. 
Das erbeutete Bargeld in Höhe von ca. Fr. 25.-- verwendete der Ange-
klagte zum Kauf von Drogen. Die Handtasche mit dem restlichen Inhalt 
(Portemonnaie, Ausweise und Schlüssel) warf er in der Nähe der AS. in 
die EEE..

Am 14. September 2003 stellte die Geschädigte Strafantrag wegen Kör-
perverletzung und Diebstahls.

1.2. Am Mittwoch, 5. November 2003 um ca. 16.45 Uhr, hielt sich der Ange-
klagte an der AAA. bei der YY. auf und beobachtet eine ältere Frau, 
welche am Stock ging und den Migrosmarkt WW. in Richtung XX. ver-
liess. Er beschloss, die Frau zu überfallen. In der Folge näherte er sich 
der 81-jährigen G. und versuchte, ihr im Vorbeigehen die Handtasche 
zu entreissen. Die Geschädigte hielt jedoch ihre Handtasche krampfhaft 
fest. Der Angeklagte riss daher nochmals an der Tasche, so dass die 
Geschädigte zu Boden stürzte. Aufgrund ihrer Hilferuf[e] und ihrer Ge-
genwehr liess der Angeklagte schliesslich unverrichteterdinge von ihr 
ab und ergriff die Flucht.

7

Die Geschädigte zog sich beim Sturz einen Bruch des linken Unterarm-
knochens zu. Am 12. November 2003 stellte sie Strafantrag wegen Kör-
perverletzung.

2. des gewerbsmässigen und besonders gefährlichen Diebstahls 
gemäss Art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 4 StGB, der mehrfachen 
Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, des mehrfachen 
Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB sowie der Tätlichkeit 
gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB.

2.1. des gewerbsmässigen und besonders gefährlichen Diebstahls gemäss 
art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 4 StGB sowie der Tätlichkeit gemäss Art. 
126 Abs. 1 StGB.

2.1.1. Am Samstagnachmittag, 7. Juni 2003, befand sich der Angeklagte auf 
einer Sitzbank beim Schulhaus BBB. und hielt Ausschau nach älteren 
Frauen, um diesen die Handtasche zu entreissen. Als er um ca. 16.30 
Uhr eine hochbetagte Frau in Richtung Alters- und Pflegeheim CCC. 
spazieren sah, entschloss er sich, die Frau zu überfallen. Er folgte der 
92-jährigen H. bis zum Vorplatz des Altersheimes, trat dort von hinten 
an sie heran, packte ihren Arm und entriss ihr die Handtasche. Danach 
flüchtete er zu Fuss in Richtung DDD.. Mit dem erbeuteten Bargeld in 
Höhe von ca. Fr. 80.-- kaufte er Kokain und Esswaren. Die Handtasche 
samt Portemonnaie und Ausweisen warf er unweit des Tatortes fort, wo 
sie fünf Tage später aufgefunden und der Geschädigten erstattet wer-
den konnte.

Am 7. Juni 2003 stellte das Opfer Strafantrag wegen Diebstahls und 
Tätlichkeit.

2.1.2. Am Donnerstag, 24. Juli 2003 um ca. 15.15 Uhr, sass der Angeklagte 
erneut auf einer Sitzbank beim Schulhaus BBB. und hielt Ausschau 
nach älteren Frauen. Als um 15.15 Uhr eine betagte Frau mit einer Um-
hängetasche in Richtung Alters- und Pflegeheim CCC. vorbeispazierte, 
entschloss er sich, ihr die Handtasche zu entreissen. Auf der FFF., Höhe 
GGG., trat er unvermittelt von hinten auf die 84-jährige I. zu, entriss ihr 
die Tasche und rannte in Richtung HHH. davon. Das erbeutete Bargeld 
in Höhe von ca. Fr. 150.-- verwendete er für Kokain und Esswaren. Die 
Tasche mit dem restlichen Inhalt (Schlüssel, ID, Kontokarte) warf er in 
die EEE..

2.1.3. Nur einen Tag später, am 25. Juli 2003, fuhr der Angeklagte mit einem 
Fahrrad in der Stadt herum in der Absicht, bei sich bietender Gelegen-
heit einen Entreissdiebstahl zu begehen. Um ca. 13.30 Uhr bemerkte er 
die 83-jährige J., welche auf dem Trottoir der JJJ. in Richtung KKK. lief. 
Auf der Höhe des LLL. fuhr der Angeklagte mit dem Fahrrad von hinten 
an der Fussgängerin vorbei und entriss ihr die Handtasche, welche sie 
am rechten Arm angehängt hatte. Dabei erbeutete er Bargeld in Höhe 
von ca. Fr. 400.--, welches er für Kokain und Esswaren verwendete. Die 
Handtasche mit den Ausweisen warf er später beim Ententeich im 
MMM. in ein Gebüsch, wo sie gleichentags aufgefunden und der Ge-
schädigten erstattet werden konnte.
Beim Versuch, die Tasche zurückzuhalten, erlitt die Geschädigte 
Schmerzen am rechten Arm. Am 25. Juli 2003 stellte sie Strafantrag 
wegen Diebstahls evtl. Körperverletzung.

8

Am 4. Oktober 2004 reichte der Rechtsvertreter der Geschädigten eine 
Adhäsionsklage über Fr. 1'240.50 ein.

2.1.4. Am Mittwochabend, 10. September 2003, fuhr der Angeklagte erneut 
mit dem Fahrrad in der Stadt herum in der Absicht, bei sich bietender 
Gelegenheit einen Handtaschendiebstahl zu verüben. Um ca. 21.00 Uhr 
bemerkte er auf dem Trottoir der NNN. eine ältere Frau mit einer Um-
hängetasche in der Hand. In der Folge wendete er sein Fahrrad und fuhr 
von hinten an die 73-jährige K. heran. Im Vorbeifahren riss er ihr die 
Handtasche aus der Hand und ergriff die Flucht. Nachdem er das Bar-
geld (ca. Fr. 55.--) entnommen hatte, warf er die Handtasche mit dem 
restlichen Inhalt in die EEE..

2.1.5. Vier Tage später, am Sonntagabend, 14. September 2003, hielt sich 
der Angeklagte in der Nähe der OOO. auf, um bei sich bietender Gele-
genheit einen Entreissdiebstahl zu begehen. Um ca. 20.15 Uhr be-
merkte er auf dem linken Trottoir der JJJ. eine ältere Frau, welche zu 
Fuss in Richtung PPP. lief und an ihrer rechten Schulter eine Handta-
sche umgehängt hatte. Er entschloss sich, die Frau zu überfallen und 
fuhr mit dem Fahrrad von hinten an die 68-jährige L. heran. Im Vorbei-
fahren riss er ihr die Handtasche von der Schulter, wobei der Tragrie-
men riss. Anschliessend ergriff er die Flucht. Nachdem er das Bargeld 
(ca. Fr. 36.--) entnommen hatte, warf er die Handtasche mit den Aus-
weisen und Schlüsseln etc. in die EEE..

2.2. des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB, der 
mehrfachen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, des 
mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB.

Nebst den unter Ziff. 2.1 erwähnten Delikten verübte der Angeklagte in 
der Zeit vom 16. Mai 2003 bis zum 6. Januar 2004 in OO. und PP. wei-
tere drei Einbruch- und sechs Einschleichdiebstähle, zwei Einbruchs-
versuche sowie fünf weitere Diebstähle und einen Diebstahlsversuch im 
Gesamtdeliktsbetrag von Fr. 14'349.--. Das erbeutete Geld oder den Er-
lös aus dem Verkauf von Diebesgut verwendete er grösstenteils zur Fi-
nanzierung seines Drogenkonsums.
Der bei den Einbruchdiebstählen entstandene Sachschaden beläuft 
sich auf ca. Fr. 7'820.--. Entsprechende Strafanträge wegen Diebstahls, 
Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs liegen - soweit erforderlich 
- vor.

Der Angeklagte ist geständig. Die meisten Delikte will er unter Drogen-
einfluss oder auf Methadonentzug begangen haben (act. 4/8 S. 1). In 
einem Fall (Ziff. 2.2.12) behauptet er, einen geringeren als den von der 
Geschädigten geltend gemachten Geldbetrag erbeutet zu haben. In ei-
nem weiteren Fall (Ziff. 2.2.15) bestreit er, einen Sachschaden verur-
sacht zu haben.

Im Einzelnen werden ihm folgende Delikte zur Last gelegt:

2.2.1 Zeit: 16. Mai 2003, ca. 14.40 Uhr

Ort: OO., QQQ.

Geschädigte: M.

9

Deliktsgut: Bargeld (Fr. 70.--), ein Portemonnaie, 
Ausweise und Kreditkarten etc.

Deliktsbetrag: ca. Fr. 970.--

Bemerkungen: Der Angeklagte entwendete im Vorbeifah-
ren die Handtasche aus dem Velogepäck-
träger.

Adhäsionsklage: Am 7. Oktober 2004 reichte die geschä-
digte eine Adhäsionsklage über Fr. 970.-- 
ein (act. 5/4)

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 1; 5/1-4

2.2.2 Zeit: 22. August 2003, ca. 21.00 Uhr

Ort: OO., RRR. 19

Geschädigter: N.

Deliktsgut:
1 Wanduhr, 4 Raddeckel, 1 Haushaltappa-
rat

Deliktsbetrag: ca. Fr. 110.--

Bemerkungen: Der Angeklagte schlich in den Keller des 
Mehrfamilienhauses ein und behändigte 
aus einem unverschlossenen Kellerabteil 
die obenerwähnten Gegenstände.

Strafantrag: Gestellt wegen Diebstahls und Hausfrie-
densbruchs.

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 5; 9/1-3

2.2.3 Zeit: 29./30. August 2003, zwischen ca. 21.00          
und 04.50 Uhr

Ort: OO., SSS. 7

Geschädigte: O., vertreten durch P.

Deliktsgut: ---

Sachschaden: ca. Fr. 6’000.--

Bemerkungen: Der Angeklagte versuchte erfolglos, die 
Fensterscheibe der Bijouterie einzuschla-
gen, indem er mehrmals einen Stein von 
ca. 25 cm Durchmesser gegen die gepan-
zerte, doppelverglaste Scheibe warf.

Strafantrag: Gestellt wegen Sachbeschädigung.

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 6; 10/1-3

10

2.2.4 Zeit: 4. September 2003, ca. 22.30 Uhr

Ort: OO., TTT.

Geschädigter: Q.

Deliktsgut: 1 Mobiltelefon Sony Ericsson 

Deliktsbetrag: Fr. 550.--

Bemerkungen: Der Angeklagte fragte den Geschädigten, 
ob er dessen Handy benutzen dürfe. Als 
dieser ihm daraufhin das Handy übergab, 
ergriff er auf dem Fahrrad die Flucht.

Strafantrag: Gestellt wegen Diebstahls.

Adhäsionsklage: Am 15. Oktober 2004 reichte der Geschä-
digte eine Adhäsionsklage über Fr. 550.-- 
ein (act. 11/4).

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 7; 11/1-4

2.2.5 Zeit: 6. September 2003, ca. 19.25 Uhr

Ort: OO., UUU., Höhe VVV.

Geschädigter: R.

Deliktsgut: 1 Mobiltelefon Nokia 3310

Deliktsbetrag: ca. Fr. 540.--

Bemerkungen: Der Angeklagte fragte den Geschädigten, 
ob er dessen Handy benutzen dürfe. Als 
dieser ihm das Handy übergab, ergriff er 
auf dem Fahrrad die Flucht.

Strafantrag: Gestellt wegen Diebstahls.

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 8; 12/1-3

2.2.6 Zeit: 9. September 2003, ca. 01.15 Uhr

Ort: OO., WWW. 12

Geschädigte: Bijouterie S., vertreten durch T.

Deliktsgut: 1 Herrenarmbanduhr der Marke Alfex

Deliktsbetrag: ca. Fr. 650.--

Sachschaden: ca. Fr 1'250.--

Bemerkungen: Mit einem Betonzylinder warf der Ange-
klagte ein Schaufenster der Bijouterie ein 
und entwendete daraus eine Herrenarm-
banduhr.

Strafantrag: Gestellt wegen Sachbeschädigung.

11

Adhäsionsklage: Mit Schreiben vom 28.07.2004 machte die 
Schweizerische Mobiliar-Versicherung 
eine zivilrechtliche Forderung in Höhe von 
Fr. 728.80 geltend, welche vom Angeklag-
ten anerkannt wird (act. 13/7)

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 9; 13/1-7

2.2.7 Zeit: 10. September 2003, zwischen 00.15 und 
07.00 Uhr

Ort: OO., UUU. 35

Geschädigte: a) U. AG, vertreten durch U.

b) V.

Deliktsgut: a) ---

b) 1 Bohrmaschine De Walt

Deliktsbetrag: b) ca. Fr. 250.--

Sachschaden: a) ca. Fr. 400.--

Bemerkungen: Der Angeklagte gelangte durch die unver-
schlossene Eingangstüre ins Mehrfamili-
enhaus. An drei Kellerabteilen wuchtete er 
die Türen auf, so dass die Stossriegel und 
Türblätter beschädigt wurden. Aus einem 
Kellerabteil behändigte er eine Bohrma-
schine, welche er später auf der Gasse 
verkaufte.

Strafantrag: a) Gestellt wegen Sachbeschädigung

b) Gestellt wegen Diebstahls und Hausfrie-
densbruchs.

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 11; 15/1-4

2.2.8 Zeit: 10. September 2003, zwischen 00.15 und 
07.00 Uhr

Ort: OO., UUU. 35

Geschädigte: W.

Deliktsgut: 1 Fahrrad Scott

Deliktsbetrag: Fr. 1’395.--

Bemerkungen: Der Angeklagte schlich in den Keller des 
Mehrfamilienhauses und entwendete aus 
dem unverschlossenen Abteil von X. zum 
Nachteil von W. ein Mountain Bike.

Strafantrag: ---

12

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 12; 16/1-3

2.2.9 Zeit: 11. September 2003, zwischen 20.00 und 
23.30 Uhr

Ort: OO., XXX. 17

Geschädigter: Y.

Deliktsgut: 1 Bandschleifmaschine Bosch

Deliktsbetrag: ca. Fr. 200.--

Bemerkungen: Der Angeklagte entwendete aus dem Hob-
byraum eine Bandschleifmaschine.

Strafantrag: Gestellt wegen Diebstahls.

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 13; 17/1-3

2.2.10 Zeit: 14. September 2003, ca. 00.30 Uhr

Ort: OO., YYY. 124

Geschädigter: Z., vertreten durch AA.

Deliktsgut: 1 PC-Tower unbekannter Marke, Bild-
schirm und Farbdrucker

Deliktsbetrag: ca. Fr. 500.--

Sachschaden: Ca. Fr. 50.--

Bemerkungen: Der Angeklagte stieg durch das defekte 
Türfenster in den Bürocontainer ein und 
entwendete daraus die komplette Compu-
teranlage, welche er tags darauf für Fr. 
80.-- weiterverkaufte.

Strafantrag: ---

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 14; 18/1-3

2.2.11 Zeit: 15. September 2003, ca. 20.15 Uhr

Ort: OO., ZZZ.

Geschädigte: BB.

Deliktsgut: Einkauftasche, Portemonnaie, Bargeld, 
Esswaren

Deliktsbetrag: ca. Fr. 80.--

Bemerkungen: Der Angeklagte entwendete im Vorbeifah-
ren die Einkaufstasche aus dem Fahrrad-
korb. In der Folge kam er mit seinem Fahr-
rad zu Fall und musste zu Fuss flüchten. 

13

Der Insasse eines Pws verfolgte ihn und 
konnte ihn in der Nähe des Tatortes stel-
len. Nachdem er dem Angeklagten die Ta-
sche abgenommen hatte, riss sich jener 
los und floh. 

Strafantrag: Gestellt wegen Diebstahls.

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 17; 21/1-7

2.2.12 Zeit: 15. September 2003, ca. 23.50 Uhr

Ort: OO., AB., Höhe Gewerbepark AC.

Geschädigte: CC.

Deliktsgut: Einkaufstasche, Handtasche, Bargeld in 
Höhe von Fr. 1'570.--, Kredit- und Kunden-
karten, ID, Schlüssel

Deliktsbetrag: ca. Fr. 1’770.--

Bemerkungen: Der Angeklagte will lediglich ca. Fr. 800.-- 
bis 900.-- an Bargeld erbeutet haben.

Strafantrag: ---

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 18; 22/1-4

2.2.13 Zeit: 1.-4. September 2003

Ort: OO., AD.

Geschädigter: unbekannt

Deliktsgut: 1 Mobiltelefon Nokia 5210

Deliktsbetrag: ca. Fr. 100.--

Bemerkungen: Der Angeklagte fragte den Geschädigten, 
ob er dessen Mobiltelefon benutzen dürfe. 
Als dieser ihm sein Handy übergab, fuhr er 
davon.

Strafantrag: ---

Akten: 4/1, 2, 4-6; 8 Ziff. 19; 23/1-2

2.2.14 Zeit: 24.-27. Oktober 2003

Ort: PP., AE. 25

Geschädigte: B. AG, vertr. durch DD.

Deliktsgut: 1 Schneidmaschine, 1 Kabelrolle

Deliktsbetrag: ca. Fr. 428.--

14

Bemerkungen: Die Schneidmaschine konnte am 
27.01.2004 bei AQ. sichergestellt und dem 
Geschädigten erstattet werden.

Strafantrag: Gestellt wegen Diebstahls und Hausfrie-
densbruchs.

Akten: 4/7, 8 Ziff. 21, 9, 27/1-6

2.2.15 Zeit: 27.-28. Oktober 2003

Ort: OO., AF., Überbauung AG.

Geschädigte: B. AG, vertr. durch DD.

Deliktsgut: 2 Schneidmaschinen, 1 Rührmaschine, 1 
Bohrhammer, 1 Winkelschleifmaschine, 1 
Kabelrolle

Deliktsbetrag: ca. Fr. 4’175.--

Sachschaden:
Ca. Fr. 20.-- (Vorhängeschloss beschä-
digt)

Bemerkungen: Der Angeklagte bestreitet, das Vorhänge-
schloss aufgebrochen zu haben.

Strafantrag: Gestellt wegen Sachbeschädigung und 
Hausfriedensbruchs.

Akten: 4/7, 8 Ziff. 22; 28/1-6

2.2.16 Zeit: 27.-28. Oktober 2003, 02.50 Uhr

Ort: OO., UUU.

Geschädigter: EE., vertreten durch FF.

Deliktsgut: ---

Deliktsbetrag: ca. Fr. 100.--

Bemerkungen: Der Angeklagte drang durch ein Kippfens-
ter in die Büroräumlichkeiten seines ehe-
maligen Arbeitgebers ein und versuchte, 
die Computeranlage zu stehlen. Dabei 
wurde er von einer Polizeipatrouille ge-
stört.

Strafantrag: Gestellt wegen Sachbeschädigung und 
Hausfriedensbruchs.

Akten: 4/7, 8 Ziff. 23; 29/1-7

2.2.17 Zeit: 6. Januar 2004

Ort: OO., AH 148

15

Geschädigter: GG.

Deliktsgut: Einen Koffer, diverses Fahrradzubehör, ei-
nen Steckschlüsselsatz, eine Schlagbohr-
maschine 

Deliktsbetrag: ca. Fr. 2’631.--

Bemerkungen: Das Deliktsgut konnte am 27.01.2004 bei 
AQ. sichergestellt und dem Geschädigten 
erstattet werden.

Strafantrag: Gestellt wegen Hausfriedensbruchs.

Akten: 4/7, 8 Ziff. 24; 30/1-7

3. des unberechtigten Verwendens eines Fahrrades gemäss Art. 94 
Ziff. 3 SVG und der mehrfachen Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 43 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

In der Zeit vom 1. bis 15. September 2003 verwendete der Angeklagte 
unberechtigterweise das Fahrrad MTB Euroteam, welches er eigenen 
Aussagen zufolge am Bahnhof in OO. unabgeschlossen aufgefunden 
haben will. Das Fahrrad war anfangs September 2003 in TT. zum Nach-
teil von HH. entwendet worden.
Bei den Entreissdiebstählen vom 25.07., 10.09. und 14.09.2003 befuhr 
der Angeklagte verbotenerweise das Trottoir.

4. der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.

Im Zeitraum von Januar bis zu seiner Festnahme vom 17. September 
2003 und von Mitte Dezember 2003 bis zum 15. Januar 2004 kaufte und 
konsumierte der Angeklagte - abgesehen von einem 4-wöchigen Entzug 
im Februar 2003 - täglich eine oder mehrere Portionen Kokain. Gele-
gentlich konsumierte der Angeklagte auch Heroin und Marihuana. Das 
Kokain kaufte der Angeklagte von verschiedenen Schwarzafrikanern 
auf der Gasse in OO..

Gegen Mitbeteiligte werden separate Verfahren geführt.“

D. Am 8. März 2005 fand die Hauptverhandlung vor der Strafkammer des 
Kantonsgerichts Graubünden statt. Anwesend waren der Angeklagte A. sowie sein 
amtlicher Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Luca Tenchio. Die Anklage wurde von 
Staatsanwalt Dr. iur. Jakob Grob mündlich vertreten. Gegen die Zuständigkeit und 
Zusammensetzung des Gerichts wurden keine Einwände erhoben. In der Befra-
gung bestätigte A. die von ihm in den polizeilichen und untersuchungsrichterlichen 
Einvernahmen gemachten Aussagen. Insbesondere erklärte er erneut, dass er nicht 
bereit sei, in eine stationäre Massnahme einzutreten.

a) Der Staatsanwalt stellte in seinem Plädoyer den Antrag, A. sei im Sinne 
der Anklage schuldig zu sprechen. Dafür sei er, unter Anrechnung der Untersu-

16

chungshaft von 16 Tagen, mit zweieinhalb Jahren Gefängnis zu bestrafen. Begrün-
dend führte er aus, bei der rechtlichen Subsumption stellten sich einige Abgren-
zungsfragen bezüglich der Raubtaten und der Diebstähle. Was zunächst die beiden 
unter Ziffer 1 der Anklageschrift eingeklagten Raubtaten betreffe, so könnten diese 
nicht als blosse Entreissdiebstähle qualifiziert werden, auch wenn der Angeklagte 
mit den Opfern keinen Körperkontakt gehabt habe. In beiden Fällen seien die Opfer 
durch den Zug an der Handtasche zu Boden gerissen worden und in beiden Fällen 
habe der Widerstand der Opfer gebrochen werden müssen. Der Angeklagte habe 
daher in beiden Fällen Gewalt gegen die Opfer angewendet. Es lägen deshalb kla-
rerweise Handlungen vor, die als Raub im Sinne von Art. 140 StGB zu qualifizieren 
seien. Dem Angeklagten werde im weiteren vorgeworfen, bezüglich dieser beiden 
Raubtaten eine besondere Gefährlichkeit offenbart zu haben. Eine besondere Ge-
fährlichkeit liege unter anderem vor, wenn das Opfer erheblich verletzt werde, so 
dass die Schwelle zur schweren Körperverletzung knapp nicht erreicht werde. Diese 
Voraussetzung sei mindestens beim ersten Opfer, der 93-jährigen F., gegeben, wel-
che insbesondere einen Bruch des Beckenrings erlitten habe, was für betagte Men-
schen gravierend sei. Subjektiv habe der Angeklagte bei seinem Vorgehen damit 
rechnen müssen, dass Verletzungen dieser Art eintreten könnten. Eine weitere Tat-
variante bestehe darin, dass dem Opfer erhebliche Schmerzen zugefügt würden, 
ohne dass eine grausame Behandlung vorliege. In beiden eingeklagten Raubfällen 
hätten die Opfer Verletzungen erlitten, die fraglos mit erheblichen Schmerzen ver-
bunden gewesen seien. In subjektiver Hinsicht habe der Angeklagte damit rechnen 
müssen, dass mit dem Umreissen der beiden Frauen schmerzhafte Verletzungen 
verursacht werden könnten. Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB sei daher erfüllt. Beim Über-
fall auf G. habe der Angeklagte keine Beute gemacht, weshalb es beim unvollende-
ten Versuch geblieben sei. 

Für sämtliche Diebstähle sei Gewerbsmässigkeit eingeklagt worden. Der An-
geklagte habe in etwa acht Monaten insgesamt 22 Diebstähle verübt, wobei es in 
drei Fällen beim Versuch geblieben sei, was für die Gewerbsmässigkeit jedoch irre-
levant sei. Er habe ein Deliktsgut von rund Fr. 15'000.-- erbeutet. Gewerbsmässig-
keit sei klar zu bejahen. 

In den unter Ziff. 2.1 der Anklageschrift aufgeführten fünf Fällen sei auch be-
sondere Gefährlichkeit gemäss Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB eingeklagt. Es sei in 
allen Fällen darum gegangen, dass der Angeklagte betagten Frauen die Handta-
sche entrissen habe, ohne dass damit der Tatbestand des Raubes erfüllt worden 
sei. Der Angeklagte habe es planmässig auf betagte Frauen abgesehen gehabt. Er 

17

habe den Frauen die Handtaschen weggerissen unbekümmert darum, ob die Opfer 
sich gewehrt hätten, ob sie zu Fall gekommen seien, ob sie Schmerzen erlitten hät-
ten. Es sei ihm also völlig gleichgültig gewesen, ob die Frauen körperliche und psy-
chische Schäden davongetragen hätten. Damit habe der Angeklagte eine beson-
dere Gefährlichkeit manifestiert. 

Bezüglich der Strafzumessung sei festzuhalten, dass dem Angeklagten ein 
sehr schweres Verschulden zur Last gelegt werden müsse. Er habe rund acht Mo-
nate lang intensiv delinquiert und dabei eine erschreckende Geringschätzung der 
körperlichen und seelischen Gesundheit anderer offenbart. Sein Verhalten wiege 
um so schwerer, als er es bei einem Teil der Delikte auf eine aufgrund ihres Alters 
bei solchen Interventionen für körperliche und psychische Schäden besonders an-
fällige Personengruppe abgesehen gehabt habe. Strafmindernd könne das Ge-
ständnis gewertet werden. In geringem Masse straferhöhend zu gewichten seien 
die drei Jugendstrafen. Erheblich straferhöhend wirke der Umstand, dass der An-
geklagte während laufender Strafuntersuchung weiter delinquiert habe. Bereits drei 
Wochen nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft habe er wieder mit dem 
Verüben von Straftaten begonnen. Strafschärfend sei das Zusammentreffen meh-
rerer strafbarer Handlungen zu berücksichtigen. Die in leichtem Grad verminderte 
Zurechnungsfähigkeit stelle einen Strafmilderungsgrund dar. Im vorliegenden Fall 
habe auch die Generalprävention ihre Bedeutung und dürfe straferhöhend gewertet 
werden, gehe es doch um den Schutz einer Personengruppe, die infolge ihres Alters 
bei Angriffen jedwelcher Art in körperlicher und psychischer Hinsicht zwangsläufig 
anfälliger sei als jüngere Menschen. Es gehe aber auch darum, dem besonders 
empfindlichen Sicherheitsbedürfnis betagter Menschen Rechnung zu tragen. 

Für die Strafzumessung sei vorliegend von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB aus-
zugehen, der eine Strafe von mindestens zwei und höchstens zwanzig Jahren 
Zuchthaus androhe. Wegen des Strafmilderungsgrundes der verminderten Zurech-
nungsfähigkeit dürfe die Minimalstrafe unterschritten werden, der Strafschärfungs-
grund von Art. 68 StGB lasse ein Überschreiten des Strafminimums dann aber wie-
der zu. Es sei auch zu berücksichtigen, dass weitere eingeklagte Straftatbestände 
Strafminima vorsehen würden. Es handle sich also auch bei diesen Tatbeständen 
um Delikte, die der Gesetzgeber als besonders schwer eingestuft habe. In Würdi-
gung aller Strafzumessungsgründe erscheine eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb 
Jahren, abzüglich der erstandenen Untersuchungshaft von 16 Tagen, als angemes-
sen. Entgegen der Empfehlung des psychiatrischen Gutachters werde keine ambu-
lante Massnahme beantragt, da der Angeklagte bis anhin nichts unternommen 

18

habe, was auf eine Motivation seinerseits für eine Therapie schliessen lasse. Die 
erforderliche Einsicht sei beim Angeklagten nicht vorhanden. Falls das Gericht 
gleichwohl eine ambulante Massnahme anordne, sei die Strafe jedenfalls nicht auf-
zuschieben. Ein Aufschub sei gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als 
Ausnahme zu qualifizieren. Gemäss psychiatrischem Gutachten müsse eine ambu-
lante Massnahme an die Bedingung geknüpft werden, dass der Angeklagte völlig 
alkohol- und drogenabstinent sei. Gerade das könne aber im Falle, dass der Ange-
klagte in Freiheit belassen werde, nicht gewährleistet werden.

b) In seinem Plädoyer hielt der Verteidiger fest, dass der sogenannte Ent-
reissdiebstahl in der Regel nicht unter den Raub zu subsumieren sei. Dies insbe-
sondere insoweit, als das Opfer aufgrund der Überraschung keine Gegenwehr zu 
entwickeln vermöge. Entscheidend für die Abgrenzung von Raub und Entreissdieb-
stahl sei somit, ob das Opfer als Reaktion auf das Entreissen der Tasche besonde-
ren, über das Festhalten der Tasche hinausgehenden Widerstand leiste, den der 
Täter brechen müsse. Begehe der Täter einen Diebstahl, bevor das Opfer über-
haupt Widerstand entwickeln könne, so könne kein Raub vorliegen. Da der Ange-
klagte in allen Fällen nie gegen das Opfer Gewalt angewendet habe und es in der 
Folge auch nicht zu einer Auseinandersetzung mit Gewaltanwendung gekommen 
sei, könne nur Art. 139 StGB zum Zuge kommen. Es bestehe vorliegend kein Raum 
für den Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB. Werde wider Erwarten doch 
auf Raub erkannt, so sei nicht von Ziff. 3 Abs. 3 der Bestimmung auszugehen. Glei-
ches gelte für Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB, den besonders gefährlichen Diebstahl. 
Wo sich das Opfer nicht zur Wehr setze beziehungsweise bedingt durch das Über-
raschungsmoment gegen den Täter nicht zur Wehr setzen könne - was vorliegend 
überall der Fall gewesen sei - sei auch keine besondere Gefährlichkeit gegeben. 
Verletzungen, die sich das Opfer durch einen Sturz zuziehe, vermöchten keine be-
sondere Gefährlichkeit zu erzeugen, sofern sich das Opfer nicht zur Wehr setze 
beziehungsweise nicht zur Wehr setzen könne. Für den Vorfall vom 13. September 
2003 sei der Angeklagte folglich wegen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB zu 
verurteilen. Auch beim Vorfall vom 5. November 2003 liege ein Diebstahl vor. Es 
habe auch hier keine Gewalteinwirkung auf das Opfer stattgefunden und es sei 
ebenfalls auszuschliessen, dass sich das Opfer gewehrt habe. Lediglich die physi-
kalische Einwirkung auf die Tasche habe das Opfer zu Fall gebracht. Der Ange-
klagte habe auch in den anderen Fällen nie Gewalt angewendet und er habe zu 
Protokoll gegeben, dass er nie habe Gewalt anwenden wollen. Er habe jeweils ohne 
besondere Gefährlichkeit im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ge-
handelt, weshalb auf Art. 139 Ziff. 2 StGB erkannt werden müsse. Falls beim Vorfall 

19

vom 25. Juli 2003 eine Tätlichkeit, namentlich ein Verstauchen des Armes des Op-
fers im Zusammenhang mit dem Wegreissen der Tasche, entstanden sei, so sei - 
neben Art. 139 Ziff. 2 StGB - auf Tätlichkeit nach Art. 126 Abs. 1 StGB zu erkennen. 
Bezüglich des Vorfalles vom 15. September 2003 könne man sich im übrigen fra-
gen, ob lediglich Fr. 800.-- bis Fr. 900.-- erbeutet worden seien und nicht die geltend 
gemachten Fr. 1'570.--. Im weiteren bestreite der Angeklagte, bei Ziff. 2.2.15 das 
Vorhängeschloss aufgebrochen zu haben. Weiter würden alle gestellten Adhäsions-
klagen anerkannt. Das unberechtigte Verwenden eines Fahrrades, die mehrfache 
Verletzung von Verkehrsregeln sowie die mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19a 
Ziff. 1 BetmG würden ebenfalls anerkannt. Der Angeklagte könne zusammenfas-
send des gewerbsmässigen Diebstahls, des unvollendeten Diebstahls, der mehrfa-
chen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der Tätlichkeit, des 
unberechtigten Verwendens eines Fahrrades, der mehrfachen Verletzung von Ver-
kehrsregeln sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG 
schuldig gesprochen werden. Hierfür sei er mit 18 Monaten Freiheitsstrafe zu ver-
urteilen. Es sei eine ambulante Massnahme nach Art. 44 Ziff. 1 StGB anzuordnen, 
verbunden mit einer Schutzaufsicht von drei Jahren. Der Vollzug der Freiheitsstrafe 
sei aufzuschieben. Bezüglich des Strafrahmens sei der Strafmilderungsgrund von 
Art. 64 Abs. 2 al 2 StGB, das Handeln in schwerer Bedrängnis, zu berücksichtigen. 
Der Angeklagte sei in einer klaren Notsituation gewesen, die ihn bewogen habe, 
Geld zu beschaffen. Es sei vorliegend ferner das Geständnis und die Kooperations-
bereitschaft des Angeklagten zu berücksichtigen. Des weiteren sei die verminderte 
Zurechnungsfähigkeit zu beachten, so dass die Strafe gemäss Art. 11 StGB in Ver-
bindung mit der geltenden Rechtsprechung um 25 % reduziert werden könne. Der 
Angeklagte habe eine nicht unerhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt, die 
jedoch im Lichte der Vergangenheit, der persönlichen Umstände sowie der Gegen-
wart und Zukunft in ein richtiges Licht gerückt werden müsse. Der Angeklagte habe 
eine sehr schwere Jugend gehabt. Trotzdem habe er eine Lehre als Plattenleger 
absolvieren und erfolgreich abschliessen können. Anschliessend habe er noch im 
Ausbildungsbetrieb gearbeitet. Er habe in der Vergangenheit gezeigt, dass er fähig 
und willig sein könne, sich in geordneten Bahnen zu bewegen. Es gelte im weiteren 
zu beachten, dass der Angeklagte im Tatzeitraum stark alkohol- und drogenabhän-
gig gewesen sei, keine Freundin und kein Obdach gehabt habe und von einem Mo-
natsgrundgehalt von netto Fr. 500.-- habe leben müssen. Er habe auch mehrfach 
ausgesagt, dass er den Bestohlenen nichts habe antun und keine Gewalt habe an-
wenden wollen. Die Drogen- und Alkoholabhängigkeit, das fehlende soziale Netz 
sowie die fehlende soziale Hilfe für Nahrung und Kleidung würden die Taten nicht 
rechtfertigen, liessen sie aber in einem anderen Licht erscheinen. Durch die Dro-

20

genabhängigkeit habe er alle wichtigen Aspekte des sozialen Lebens verloren ge-
habt, was vorliegend zu beachten sei. Nachdem der Aufenthalt in AM. für den An-
geklagten positiv habe abgeschlossen werden können, habe A. gespürt, dass er 
von seiner Abstinenz profitieren könne. Seit dem 1. Dezember 2004 arbeite er für 
die Wintersaison in der AP. in SS.. Sein Arbeitgeber sei sehr zufrieden mit ihm. In 
SS. erhalte er auch das Methadon, welches er regelmässig und ohne negativ auf-
zufallen einnehme. Sein Hausarzt bestätige, dass sich A. an die getroffenen Ver-
einbarungen halte. Der Angeklagte habe eine Freundin, die ihm privat einen starken 
Halt gebe. Ab Mai 2005 habe er zudem eine feste Vollzeitanstellung in SS. in Aus-
sicht. Durch die offenkundige Stabilisierung und die erfolgreiche Bewältigung des 
Alltages fühle sich A. wie neu. Er sei für eine ambulante Therapie unter Schutzauf-
sicht sehr motiviert. Dass A. die Sucht unterschätze, wie das psychiatrische Gut-
achten vom 12. August 2004 festhalte, müsse nach diesen Ausführungen zurück-
gewiesen werden. A. wisse, wie sich das Drogenelend auswirken könne, er habe 
es am eigenen Leib gespürt und erfahre es eindringlich durch die vorliegende Ver-
handlung. Er wolle diese Phase seines kriminellen Lebens als abgeschlossen be-
trachten, wozu die Anzeichen positiv seien. Zweck und Ziel des Strafrechts seien 
unter anderem und vor allem die Spezialprävention verbunden mit Resozialisierung. 
Die Gutachterin habe im Gutachten vom 12. August 2004 festgehalten, dass es die 
Legalprognose günstig beeinflussen würde, falls A. sich auch sozial (Wohnung, Fi-
nanzen, Arbeit, Freizeitgestaltung) stabilisieren könne; eine Verwahrung (im Sinne 
des Vollzugs einer Freiheitsstrafe) scheine nicht zweckmässig. Vorliegend sei die 
erste Voraussetzung für den Aufschub der Strafe bei Anordnung einer ambulanten 
Massnahme gegeben, nämlich die Ungefährlichkeit des Täters. A. habe über ein 
Jahr lang keine Straftaten mehr verübt, lebe seit längerem in geordneten Verhält-
nissen und könne daher nicht mehr als gefährlich eingestuft werden. Die zweite 
Voraussetzung sei, dass der Heilungserfolg durch einen Freiheitsentzug beein-
trächtigt werden würde. Mit anderen Worten gehe die Therapie vor, wenn bei einem 
Strafaufschub gute Resozialisierungschancen bestehen würden, welche der Voll-
zug der Freiheitsstrafe vermindern würde. Vorliegend werde die Aussicht auf eine 
erfolgreiche ambulante Behandlung des Angeklagten durch keinen der Gutachter 
bestritten. Der Vollzug einer Strafe würde den Angeklagten aus seinen bisherigen 
geordneten Bahnen, seinem sozialen Netz, der aufgebauten Arbeitsstabilität sowie 
der bereits etwas gefestigten Beziehung zu seiner Freundin herausreissen und 
nachhaltig schädigen. Komme hinzu, dass ein therapiefeindliches Umfeld in Straf-
anstalten (wie zum Beispiel Drogen und Gewalt) meistens einer erfolgreichen The-
rapie entgegenstehen könne. Entgegen den Ausführungen der Klinik AL. sei die 
derzeitige soziale Festigung derart, dass ein Vollzug der Strafe eine Spezialpräven-

21

tion beinträchtige. Hinzu komme, dass vorliegend die ambulante Massnahme mit 
einer Schutzaufsicht von drei Jahren verbunden werden solle, was es erlauben 
werde, den Angeklagten zu überwachen und zu begleiten. Bei Unzweckmässigkeit 
der ambulanten Massnahme könne diese auch jederzeit umgewandelt werden in 
den Vollzug der Strafe oder in eine stationäre Massnahme. Ein stufenweises Vor-
gehen lasse sich insbesondere nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit unter 
den vorliegenden Umständen rechtfertigen. Es sei im übrigen darauf hinzuweisen, 
dass der letzte Gutachter davon ausgegangen sei, dass der Angeklagte sich keiner 
ambulanten Massnahme unterzogen habe. Dies sei nur beschränkt der Fall. A. be-
finde sich in einem Methadonprogramm. Bei Drogenabhängigkeit bestehe eine am-
bulante Massnahme nun einmal in der Methadonsubstitution, wenn keine kontrol-
lierte Heroin-Abgabe vorgehe. Die Methadonabgabe könne vorliegend durch eine 
psychiatrische Nebenbegleitung ergänzt werden. 

c) In seiner Replik wies der Staatsanwalt bezüglich der Abgrenzung zwischen 
Raub und Entreissdiebstahl auf zwei Entscheide des Kantonsgerichts hin. Im wei-
teren führte er aus, dass gemäss einem Entscheid des Bundesgerichtes auch das 
planmässige Vorgehen die besondere Gefährlichkeit begründen könne. Bezüglich 
des Strafmilderungsgrundes der schweren Bedrängnis hielt er fest, dass dessen 
Voraussetzungen von vornherein nicht gegeben seien. Schliesslich sei die Such-
tabhängigkeit des Angeklagten bereits im Gutachten beachtet worden, welches auf-
grund der Sucht auf eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit geschlossen 
habe.

Duplizierend hielt Rechtsanwalt Dr. iur. Luca Tenchio fest, dass die von ihm 
zitierte Literatur bezüglich der Abgrenzung von Raub und Entreissdiebstahl jünge-
ren Datums sei, weshalb sie den älteren kantonsgerichtlichen Urteilen vorzuziehen 
sei. Bezüglich der schweren Bedrängnis wies er darauf hin, dass deren Beachtung 
durch das Anerkennen einer verminderten Zurechnungsfähigkeit nicht ausgeschlos-
sen sei. 

d) In seinem Schlusswort hielt A. fest, dass er sich für seine Taten entschul-
digen wolle. Bezüglich der ambulanten Massnahme stimme es nicht, dass er nichts 
erreiche, wie dies der Staatsanwalt gesagt habe. Er habe eine Lehre abgeschlossen 
und das Militär gemacht. Wenn er etwas wolle, dann schaffe er das auch. Er habe 
sich die Drogenabstinenz fest vorgenommen. Er wolle das und er schaffe das.

22

Auf die weiteren Ausführungen in den mündlichen Vorträgen wird, soweit er-
forderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Die Staatsanwaltschaft Graubünden wirft dem Angeklagten vor, er 
habe mit seinem Verhalten F. gegenüber den Tatbestand des Raubes erfüllt; durch 
seine Vorgehensweise habe er zudem eine besondere Gefährlichkeit offenbart. 
Ebenso habe er G. berauben wollen, jedoch sei es beim Versuch geblieben. Auch 
in diesem Fall zeige das Vorgehen des Angeklagten eine besondere Gefährlichkeit. 
Die Verteidigung macht demgegenüber geltend, die Opfer hätten aufgrund der 
Überraschung gar keine Gegenwehr zu entwickeln vermocht, weshalb der Tatbe-
stand des Raubes von vornherein nicht erfüllt sein könne. Falls trotzdem auf Raub 
erkannt werde, dürfe nicht von einer besonderen Gefährlichkeit ausgegangen wer-
den. Wo das Opfer sich nicht zur Wehr setze, sei auch keine besondere Gefährlich-
keit gegeben. Es ist im Folgenden mithin zu prüfen, ob der Angeklagte mit seinem 
Verhalten den Tatbestand des Raubes erfüllte oder nicht. Wenn sein Verhalten als 
Raub zu qualifizieren ist, stellt sich die Frage, ob er besonders gefährlich gehandelt 
hat. 

a) Des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer 
mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib 
oder Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht 
hat, einen Diebstahl begeht. Die Strafe beträgt Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder 
Gefängnis nicht unter sechs Monaten. Der Räuber wird mit Zuchthaus nicht unter 
zwei Jahren bestraft, wenn er durch die Art, wie er den Raub begeht, seine beson-
dere Gefährlichkeit offenbart (Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB). Der objektive Tatbestand 
des Raubes ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Diebstahl begangen wird, nach-
dem eine Nötigungshandlung ausgeführt wurde, welche gerade die Duldung dieses 
Diebstahls bezweckt. Die Nötigungshandlung muss sich gegen den Gewahrsam-
sinhaber oder jemanden richten, der den Gewahrsam eines anderen vorüberge-
hend hütet beziehungsweise verteidigt. Das Gesetz nennt alternativ drei Nötigungs-
handlungen, nämlich Gewalt gegen eine Person, Androhung gegenwärtiger Gefahr 
für Leib und Leben sowie das Bewirken der Widerstandsunfähigkeit. Unter Gewalt 
wird die unmittelbare physische Einwirkung auf den Körper einer Person verstan-
den. Seit der Revision von 1995 ist nicht mehr vorausgesetzt, dass das Opfer durch 
die Gewaltanwendung widerstandunfähig wird beziehungsweise diese nachgewie-

23

sen werden muss. Es reicht aus, dass das Opfer als Folge der Gewaltanwendung 
den Diebstahl duldet. Die Gewalt muss jedoch eine Intensität aufweisen, die 
grundsätzlich geeignet wäre, den Widerstand des Opfers zu brechen. Die Andro-
hung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben kann durch entsprechende Äusse-
rungen sowie durch konkludente Handlungen erfolgen und muss grundsätzlich ge-
eignet sein, das Opfer widerstandsunfähig zu machen. Es muss dem Opfer sinn-
gemäss ein so erheblicher Schaden an Körper oder Gesundheit in Aussicht gestellt 
werden, dass sich unter den gleichen Umständen normalerweise auch ein anderer 
dem Angreifer beugen würde. Allgemein ist anerkannt, dass der Täter seine Dro-
hung nicht zu verwirklichen wollen braucht. Es genügt, wenn für das Opfer dieser 
Eindruck erweckt wird (vgl. BGE 121 IV 182 ff., 107 IV 33). Als dritte Nötigungs-
handlung wird das Bewirken der Widerstandsunfähigkeit genannt, wobei davon an-
dere Tatmittel als Gewalt oder Drohung erfasst werden, durch welche der Täter das 
Opfer - wenn auch nur vorübergehend - widerstandsunfähig macht. Im Anschluss 
und als Konsequenz der begangenen Nötigungshandlung muss der Täter einen 
Diebstahl nach Art. 139 Ziff. 1 StGB begehen, das heisst eine fremde, bewegliche 
Sache in Bereicherungsabsicht zur Aneignung wegnehmen. Dieser Diebstahl muss 
ihm gerade durch die Nötigungshandlung ermöglicht oder zumindest erleichtert wor-
den sein. Vollendet ist der Raub mit Vollendung des Diebstahls. Kommt es nicht so 
weit, liegt ein unvollendeter Versuch des Raubes vor. In subjektiver Hinsicht ist der 
Vorsatz des Täters erforderlich, jemanden durch die gesetzlich umschriebenen Nöti-
gungsmittel widerstandsunfähig zu machen. Dies hat zudem in der Absicht zu erfol-
gen, einen Diebstahl zu begehen (Niggli/Riedo, Basler Kommentar zum StGB, Band 
II, Basel 2003, N 10 ff. zu Art. 140 StGB, mit Hinweisen; Trechsel, Schweizerisches 
Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Auflage, Zürich 1997, N 1 ff zu Art. 140 StGB). 
Die in Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB genannte besondere Gefährlichkeit ist zu bejahen, 
wenn die konkrete Tat nach ihrem Unrechts- und Schuldgehalt besonders schwer 
wiegt. Ob dies der Fall ist, ist aufgrund der Tatumstände zu prüfen. Nach der Recht-
sprechung ist die besondere Gefährlichkeit mit Blick auf die in Art. 140 Ziff. 3 Abs. 
3 StGB enthaltene Mindeststrafdrohung von zwei Jahren Zuchthaus nur mit Zurück-
haltung anzunehmen. Dies ergibt sich auch daraus, dass bereits der Grundtatbe-
stand des Raubes einen Angriff auf das Opfer und damit begriffsnotwendig dessen 
mehr oder weniger grosse Gefährdung voraussetzt. Beides führt im weiteren dazu, 
dass die für Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB entwickelten Kriterien nicht unbesehen auf 
den analogen Tatbestand von Art. 140 Ziff. 3 StGB übertragen werden dürfen (BGE 
116 IV 316). Die besondere Gefährlichkeit lässt sich namentlich begründen mit der 
professionellen Vorbereitung der Tat und der ausgeprägt kühnen, verwegenen, 
heimtückischen, hinterlistigen oder skrupellosen Art ihrer Begehung, wobei der 

24

Täter diesbezüglich mindestens eventualvorsätzlich handeln muss (BGE 117 IV 137 
mit Hinweis auf BGE 116 IV 315 ff.). Im weiteren werden einfache Körperverletzun-
gen gemäss Lehre und Rechtsprechung von Art. 140 StGB konsumiert. Zerstört 
oder beschädigt der Täter in der Folge eine von ihm weggenommene Sache, so ist 
dies mitbestrafte Nachtat (Niggli/Riedo, a.a.O., N 217 zu Art. 139 StGB).

b) aa) Nach anfänglichem Bestreiten (vgl. polizeiliche Einvernahmen vom 22. 
September 2003, act. 20.7, vom 25. September 2003 morgens, act. 20.8 und vom 
25. September 2003 nachmittags, act. 20.9) führte der Angeklagte in der Untersu-
chung aus, er sei gegen Abend des 13. September 2003 mit dem Fahrrad von zu 
Hause in die Stadt gefahren. In der AJ. habe er einen alten „Schleichweg“ bei der 
AI. genommen. Dabei sei ihm eine ältere Frau aufgefallen. Sie habe mit einem Pär-
chen gesprochen. Mit dabei seien auch zwei kleine Kinder gewesen. Die ältere Frau 
habe sich anschliessend von den Personen getrennt und sei zu Fuss Richtung 
VV.weiter gegangen. Weil er sich gedacht habe, dass die Handtasche der älteren 
Dame eine leichte Beute sei, habe er eine Schlaufe gedreht und sei danach einfach 
von hinten an die Frau heran gefahren. Die Frau habe ihre Handtasche mit dünnen 
Riemen an der linken Schulter getragen. Im Vorbeifahren habe er an der Handta-
sche gerissen. Er sei sehr schnell gewesen und vermute, dass die Frau es gar nicht 
richtig mitbekommen habe. In der Tasche sei wenig Geld gewesen. Er habe die 
Tasche wohl in die EEE. geworfen. Er habe an diesem Nachmittag von seiner Mut-
ter kein Geld, sondern nur Essen und Trinken erhalten. Er sei deswegen stocksauer 
gewesen. Und nachdem er die ältere Frau gesehen habe, habe er deren Tasche 
haben wollen. Er habe mit dem Geld seinen Lebensunterhalt finanzieren und auch 
Drogen kaufen wollen. Er wisse, dass die Frau zu Boden gefallen sei. Er habe des-
wegen kurz angehalten, sei vom Fahrrad gestiegen und habe der Frau helfen wol-
len. Als dann aber noch andere Leute hinzu gekommen seien, sei es ihm zu riskant 
geworden und er sei davon gefahren. Anlässlich der untersuchungsrichterlichen 
Einvernahme vom 2. Oktober 2003 (act. 4.6) bestätigte der Angeklagte im wesent-
lichen seine früher gemachten Aussagen. Er bestätigte auf entsprechende Frage 
des Untersuchungsrichters zudem, dass ihm schon bewusst gewesen sei, dass so 
etwas (eine Verletzung des Opfers bei einem Sturz aufgrund des Alters) passieren 
könne. F. hat gegenüber der Polizei erklärt, sie habe sich von zu Hause aus auf 
einen Spaziergang begeben. Sie habe die Absicht gehabt, den UU. auf der Seite 
der AJ. zu verlassen, als plötzlich ein Velofahrer auf sie zugefahren sei. Ob er zuerst 
an ihr vorbeigefahren sei, könne sie nicht mehr sagen. Jedenfalls habe er ihr die 
Umhängetasche entrissen. Da sie die Tasche über Kopf und Schultern gehängt ge-
habt habe, sei sie zu Boden gerissen worden. An Details könne sie sich nicht mehr 

25

erinnern (polizeiliche Einvernahme vom 14. September 2003, act. 20.6). Aus dem 
Arztbericht vom 14. September 2003 (act. 20.4) geht hervor, dass sich F. beim Sturz 
einen Bruch des Beckenrings links vorne (Schambein und Sitzbein) sowie teilweise 
grossflächige Blutergüsse zuzog. Wie sich den Akten entnehmen lässt, bestehen 
kleinere Differenzen in den Aussagen des Angeklagten und der Geschädigten. Ins-
besondere hat der Angeklagte erklärt, die Frau habe die Handtasche an der linken 
Schulter getragen, während F. ausgesagt hat, sie hätte die Umhängetasche über 
den Kopf und die Schulter gelegt gehabt. Die Staatsanwaltschaft Graubünden geht 
im Sachverhalt in der Anklageschrift davon aus, dass der Tragriemen der Tasche 
über den Kopf und die Schulter gezogen war. Der Angeklagte hat den Sachverhalt, 
wie er in der Anklageschrift aufgeführt ist, sowohl anlässlich der untersuchungsrich-
terlichen Einvernahme vom 2. Oktober 2003 (act. 4.6, S. 2), als auch in der Schluss-
einvernahme vom 16. September 2004 (act. 4.8, S. 9) und an der Hauptverhandlung 
vor der Strafkammer des Kantonsgerichts Graubünden vom 8. März 2005 als richtig 
anerkannt. Es ist mithin im Folgenden davon auszugehen.

bb) Die Geschädigte G. gab am 13. November 2003 zu Protokoll (act. 26.5), 
dass sie am 5. November 2003 gegen 16.45 Uhr über die XX. in Richtung Migros 
gegangen sei. Es sei ihr ein ca. 30-jähriger Mann entgegen gekommen, der sie ohne 
zu zögern attackiert habe. Er habe sie mit beiden Händen umfasst und zu Boden 
geworfen. Gleichzeitig habe der Mann versucht, ihr die Handtasche zu entreissen. 
Sie habe ihre Handtasche jedoch krampfhaft festgehalten und angefangen, lauthals 
zu schreien. Dies habe dem Täter offenbar nicht gefallen, er habe die Flucht ergrif-
fen. Sie sei am Boden sitzen geblieben und habe unschwer feststellen können, dass 
der linke Unterarm gebrochen gewesen sei. Anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme vom 2. März 2004 (act. 26.7) gab der Angeklagte zu Protokoll, dass er an 
einem Tag, an das Datum könne er sich nicht mehr erinnern, als es bereits dunkel 
gewesen sei, an der AAA. bei der YY. gestanden sei. Er habe eine ältere Frau aus 
der Migros kommen sehen. Sie habe eine Handtasche und, soweit er sich erinnern 
könne, eine Migros-Tasche bei sich gehabt. Sie sei in Richtung ZZ. gegangen. Er 
habe sich entschlossen, ihr zu folgen und ihr dann die Handtasche wegzureissen. 
Unmittelbar am Ende der XX. sei er von hinten an sie heran gekommen. Er habe 
versucht, im Vorbeigehen die Handtasche zu entreissen. Darauf habe die Frau an-
gefangen, laut zu schreien. Er habe von ihr abgelassen und sei sofort davon ge-
rannt. Er nehme an, dass er die Frau zu Boden gerissen habe. Er habe jedoch nicht 
nachgeschaut, da er sofort das Weite gesucht habe. Er habe nicht mitbekommen, 
dass die Frau sich verletzt habe. Bei der untersuchungsrichterlichen Einvernahme 
vom 16. September 2004 (act. 4.7, S. 1) erklärte der Angeklagte, dass er sich nicht 

26

mehr konkret an die Tat erinnern könne, es werde wohl schon so gewesen sein, wie 
er es der Polizei gegenüber geschildert habe. Er sei vermutlich unter starkem Ein-
fluss von Drogen gestanden. Weiter führte er aus, es sei möglich, dass G. den Ein-
druck gehabt habe, er komme von vorn. In der Regel aber habe er sich stets von 
hinten angeschlichen. Er könne sich an Details jedoch nicht mehr erinnern. Anläss-
lich der untersuchungsrichterlichen Schlusseinvernahme vom 16. September 2004 
(act. 4.8, S. 11) und an der Hauptverhandlung vor Schranken des Kantonsgerichts 
am 8. März 2005 hat der Angeklagte schliesslich den in der Anklageschrift wieder-
gegebenen Vorhalt vollumfänglich und ohne Vorbehalte anerkannt. Auch wenn es 
in den Aussagen des Angeklagten und des Opfers gewisse Abweichungen bezüg-
lich des Tatherganges gibt, ist im Folgenden daher vom Sachverhalt auszugehen, 
wie ihn der Angeklagte anerkannt hat. Somit steht fest, dass der Angeklagte am 
Abend des 5. November 2003 versuchte, der Handtasche von G. habhaft zu wer-
den, indem er beim Vorbeigehen die Handtasche packte und daran riss. Dabei kam 
G. zu Fall und verletzte sich. Weil G. aus Leibeskräften schrie, liess der Angeklagte 
von ihr ab und floh ohne die Handtasche. 

c) Das Tatvorgehen des Angeklagten weist in beiden Fällen dasselbe Muster 
auf: Er hat sich den Opfern genähert, hat ihre Handtasche gepackt und daran ge-
rissen. Dabei sind die Opfer gestürzt und haben sich verletzt. Ohne Zweifel hat der 
Angeklagte durch den Zug an der Handtasche den Sturz der Opfer verursacht, was 
er anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht mehrfach anerkannt 
hat. Damit aber hat der Angeklagte augenscheinlich unmittelbar auf den Körper sei-
ner Opfer eingewirkt, auch wenn er sie unter Umständen nicht berührt hat. Das Vor-
gehen des Angeklagten ist nämlich nicht anders zu qualifizieren, als wenn jemand 
einen anderen an den Kleidern packt und umreisst oder mit einem Stock, Baseball-
schläger oder ähnlichem den anderen umstösst beziehungsweise schlägt. Auch un-
ter diesen Umständen ist es möglich, dass der Täter das Opfer nicht direkt berührt, 
aber es ist offensichtlich, dass er auf den Körper des Opfers einwirkt. Die Folgen 
der Handlungen des Täters treten in allen genannten Fällen unmittelbar am Körper 
der Opfer ein. Der Angeklagte hat mit seinem Vorgehen daher auf den Körper der 
Opfer eingewirkt und damit im Sinne des Gesetzes Gewalt an einer Person ange-
wendet (vgl. hierzu auch BGE 81 IV 226; PKG 1985 Nr. 17; Rehberg/Schmid/Do-
natsch, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen, 8. Auflage, Zürich 2003, FN 329 
S. 138). Im weiteren war die Gewalt, welche der Angeklagte gegen seine Opfer 
angewandt hat, ohne weiteres geeignet, deren zu erwartenden Widerstand zu bre-
chen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei den Opfern um 
alte Menschen gehandelt hat (F. war im Zeitpunkt des Ereignisses 93 Jahre und G. 

27

81 Jahre alt), die aufgrund ihres Alters und ihrer körperlichen Verfassung gar nicht 
in der Lage waren, starken Widerstand zu leisten. G. hat dies in ihrer polizeilichen 
Einvernahme vom 13. November 2003 (act. 26.5, S. 1) sehr treffend zum Ausdruck 
gebracht, indem sie auf die Frage, ob sie sich gewehrt habe, unter anderem erklärte, 
sie habe ihre Tasche krampfhaft festgehalten und geschrieen. Ansonsten habe sie 
sich nicht wehren können; sie gehe am Stock und sei mittlerweile 81 Jahre alt. Es 
dürfen vorliegend an das Kriterium des Widerstandes keine allzu grossen Anforde-
rungen gestellt werden, ansonsten gegenüber alten und gebrechlichen Menschen 
der Tatbestand des Raubes kaum erfüllt werden könnte. Der Angeklagte musste 
von vornherein von seinen Opfern keinen grossen Widerstand erwarten. Er hat denn 
auch vor Schranken des Kantonsgerichts mehrfach zugegeben, dass er gerade 
deshalb ältere Personen für seine Taten ausgesucht hat, weil er von ihnen keine 
grosse Gegenwehr erwartet hat. 

aa) F. hatte sich den Tragriemen ihrer Handtasche über Kopf und Schulter 
gelegt. Damit hat sie ihren Widerstand gegen ein Entreissen der Handtasche klar 
manifestiert. Die Handtasche wurde nun nämlich durch den Körper zurückgehalten, 
was einem sehr starken Festhalten gleichgesetzt werden kann. Diesen Widerstand 
musste der Angeklagte überwinden, um die Tasche an sich nehmen zu können. 
Dass dazu ein nicht unerheblicher Kraftaufwand notwendig war, lässt sich aus der 
Tatsache ableiten, dass der Tragriemen der Handtasche eben auch über den Kopf 
des Opfers gelegt war. Der Verteidiger hat geltend gemacht, die Opfer (vorliegend 
also F.) hätten aufgrund der Überraschung gar keinen Widerstand zu entwickeln 
vermocht. Dem kann nicht zugestimmt werden. Es muss zwar wohl davon ausge-
gangen werden, dass F. durch den unerwarteten und für sie unvorhersehbaren An-
griff des Angeklagten überrascht worden ist. Gleichwohl musste der Angeklagte et-
welche Kraft einsetzen, um die Handtasche an sich zu bringen. Dieser Kraftaufwand 
war bedingt durch die Tatsache, dass F. den Tragriemen der Tasche über den Kopf 
und die Schulter gezogen hatte und ihre Tasche so mit ihrem Körper schützte be-
ziehungsweise zurückhielt. Dies ist als Widerstand im Rahmen der F. überhaupt zur 
Verfügung stehenden Möglichkeiten zu werten. Der Angeklagte hat mithin den Wi-
derstand, den F. aufgebracht hat, mittels Kraftaufwand gebrochen. Dadurch ist es 
dem Angeklagten gelungen, der Handtasche von F. habhaft zu werden. Er hat in 
der Folge die Tasche mitgenommen, hat ihr anschliessend das Geld entnommen 
und die Tasche samt weiterem Inhalt weggeworfen. Mit diesem Verhalten hat der 
Angeklagte ohne Zweifel einen Diebstahl begangen, denn zum ersten waren die 
Tasche und deren Inhalt für den Angeklagten augenscheinlich fremde bewegliche 
Sachen, gehörten sie doch F. und hatte der Angeklagte kein Anrecht auf sie. Zum 

28

zweiten hat der Angeklagte dadurch, dass er die Tasche F. entrissen und ansch-
liessend mitgenommen hat, den Gewahrsam von F. gebrochen und eigenen Ge-
wahrsam begründet. Drittens hat er in der Folge wie ein Eigentümer über die Tasche 
und deren Inhalt verfügt, indem er das Geld für die Befriedigung seiner Bedürfnisse 
ausgegeben und die Handtasche weggeworfen hat, womit er seine Aneignungsab-
sicht klar kundgetan hat. Zu guter letzt ist auch die Absicht unrechtmässiger Berei-
cherung gegeben, war der Angeklagte durch das erbeutete Geld und die Tasche 
samt Inhalt doch offensichtlich wirtschaftlich besser gestellt, beziehungsweise hat 
er dadurch einen Vermögensvorteil erlangt, ohne darauf einen Rechtsanspruch zu 
besitzen. Damit hat der Angeklagte mit seinem Verhalten gegenüber F. alle objek-
tiven Tatbestandsmerkmale eines Raubes erfüllt. In subjektiver Hinsicht ist davon 
auszugehen, dass der Angeklagte zumindest in Kauf genommen hat, dass er einen 
eventuellen Widerstand seines Opfers mittels kräftigerem Zug an der Handtasche 
und allenfalls einem dadurch bedingten Umreissen des Opfers würde brechen müs-
sen (vgl. auch seine bereits zitierte Aussage gegenüber dem Untersuchungsrichter 
anlässlich der Einvernahme vom 2. Oktober 2003, act. 4.6, S. 3 oben). Das eine wie 
das andere hat sich als so nahe Möglichkeit dargestellt, dass das Vorgehen des 
Angeklagten nicht anders verstanden werden kann, denn als Inkaufnahme. Der An-
geklagte hat zwar in der Untersuchung und vor Schranken des Kantonsgerichts 
mehrfach ausgesagt, es sei nie seine Absicht gewesen, jemanden zu verletzen (vgl. 
zum Beispiel act. 8.3, S. 2). Dies kann jedoch nur dazu führen, dass vorliegend nicht 
von direktem Vorsatz ausgegangen wird, denn beim Vorgehen des Angeklagten 
war die Möglichkeit einer Gewaltanwendung, allenfalls mit Schädigung der Opfer, 
dermassen konkret vorauszusehen und naheliegend, dass die Tatsache, dass der 
Angeklagte trotzdem handelte, als Inkaufnahme verstanden werden muss. Mithin 
hat der Angeklagte zumindest eventualvorsätzlich gehandelt. Ebenso ist offensicht-
lich, dass der Angeklagte in der Absicht gehandelt hat, einen Diebstahl zu begehen. 
Somit ist auch der subjektive Tatbestand des Raubes erfüllt. Nachdem auch die 
objektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt sind, hat sich der Angeklagte gegenüber F. 
eines Raubes schuldig gemacht.

bb) Aus den Aussagen von G. wird deutlich, dass sie ihre Handtasche 
krampfhaft festgehalten hat, sobald ihr bewusst wurde, dass der Angeklagte die Ta-
sche entreissen wollte. G. hat mithin Widerstand (krampfhaftes Festhalten der Ta-
sche) geleistet, so wie es in ihren Möglichkeiten lag. Bezüglich dem Argument des 
Verteidigers, die Opfer (hier also G.) hätten aufgrund der Überraschung gar keinen 
Widerstand zu entwickeln vermocht, kann auf das diesbezüglich bei F. Festgestellte 
verwiesen werden. G. mag durchaus überrascht gewesen sein. Sie war jedoch of-

29

fensichtlich in der Lage, ihre Handtasche krampfhaft festzuhalten, so dass sie der 
Angeklagte nicht sofort zu entreissen vermochte. Dies geht über das normale Halten 
einer Tasche weit hinaus und ist ohne Weiteres als Widerstand zu qualifizieren. Der 
Angeklagte hat versucht, diesen Widerstand zu brechen, indem er an der Handta-
sche zog. Dass er dies mit einiger Kraft getan hat, lässt sich aus dem Umstand 
schliessen, dass G. umgerissen wurde. Nachdem aber G. zu schreien begann, hat 
der Angeklagte sein Vorhaben aufgegeben und ist ohne Handtasche geflohen. Da-
mit hat der Angeklagte den beabsichtigten Diebstahl nicht durchgeführt. Er hat zwar 
Gewalt gegen eine Person angewandt und damit deren Widerstand zu überwinden 
gesucht, hat aber von seinem Opfer abgelassen und die strafbare Tätigkeit nicht zu 
Ende geführt, nachdem das Opfer zu schreien begann und er befürchtete, entdeckt 
zu werden. In subjektiver Hinsicht muss dem Angeklagten zumindest Eventualvor-
satz angelastet werden, denn die Möglichkeit, dass sich das Opfer wehren würde, 
was ein stärkeres Ziehen an der Handtasche notwendig machen und dadurch be-
dingt einen Sturz mit Verletzungsfolge des Opfers zur Folge haben würde, war so 
naheliegend, dass das Verhalten des Angeklagten als Inkaufnahme der Gewalt an 
einer Person betrachtet werden muss. Augenscheinlich gegeben ist die Absicht, ei-
nen Diebstahl zu begehen. Der subjektive Tatbestand ist mithin erfüllt. In objektiver 
Hinsicht ist die Gewalt gegen eine Person gegeben, es fehlt jedoch der Diebstahl, 
welcher durch die Nötigungshandlung ermöglicht werden sollte. Der Angeklagte hat 
folglich das Delikt nicht vollendet, es ist beim Versuch geblieben. Das Vorgehen 
gegenüber G. erfüllt mithin den Tatbestand des unvollendeten Raubversuchs.

d) Zu prüfen bleibt, ob der Angeklagte durch sein Verhalten eine besondere 
Gefährlichkeit offenbart hat. Der Staatsanwalt macht geltend, die Verletzungen, wel-
che sich F. zugezogen habe, befänden sich jedenfalls ganz nah bei einer schweren 
Körperverletzung. Subjektiv habe der Angeklagte bei seinem Vorgehen mindestens 
damit rechnen müssen, dass Verletzungen dieser Art eintreten könnten. Die beson-
dere Gefährlichkeit sei daher klar erfüllt. Der Angeklagte habe F. und G. zudem 
erhebliche Schmerzen zugefügt. Objektiv sei dadurch das Tatbestandselement der 
besonderen Gefährlichkeit klar gegeben. Subjektiv habe der Angeklagte damit rech-
nen müssen, dass mit dem Umreissen der Frauen schmerzhafte Verletzungen ver-
ursacht werden könnten. Die besondere Gefährlichkeit sei auch in diesem Fall zu 
bejahen. 

aa) Aus dem Arztbericht vom 17. September 2003 (act. 20.4) geht hervor, 
dass sich F. beim Sturz einen Bluterguss am linken hinteren Schädel, einen Bruch 
des Beckenrings links vorne (Schambein und Sitzbein) sowie einen sehr grossen 

30

Bluterguss an linker Hüfte und Oberschenkel zugezogen hat. Auf die Frage, ob blei-
bende Nachteile zu erwarten seien und wenn ja welche, erklärt der Arzt, dass F. 
blutverdünnende Medikamente zu sich nehme, so dass der Rückgang des Häma-
toms sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Der Bruch des Beckenrings 
wird mit keiner Silbe erwähnt. Die voraussichtliche Dauer der Heilung schätzt der 
Arzt auf ungefähr zwei Wochen, wobei er diese Aussage mit einem Fragezeichen 
versieht. Zur Dauer des Spitalaufenthaltes äussert er sich nicht. In ihrer polizeilichen 
Einvernahme vom 14. September 2003 (act. 20.6, S. 2 oben) hat F. auf die Frage, 
was sie sich für Verletzungen zugezogen habe, geantwortet, eine grosse Wunde 
am Hinterkopf sowie diverse Prellungen. Den Beckenringbruch hat sie mit keinem 
Wort erwähnt. Im Arztbericht wird mithin im Zusammenhang mit dem Beckenring-
bruch weder von einer schwerwiegenden Verletzung noch von bleibenden Nachtei-
len gesprochen. Ebenso wenig gibt es darin Hinweise, dass eine Operation notwen-
dig gewesen wäre oder F. lange im Spital hätte bleiben müssen. F. selbst erwähnt 
den Beckenringbruch nicht einmal. Sie klagt auch nicht über besondere Schmerzen 
oder Beeinträchtigungen neben der Wunde am Hinterkopf und den Prellungen. Ihre 
Ausführungen enthalten weiter keinen Hinweis darauf, dass eine Operation, andere 
spezielle Heilbehandlungen oder ein längerer Spitalaufenthalt notwendig gewesen 
wären. Es ist jedoch davon auszugehen, dass insbesondere der Arzt aber auch F. 
den Bruch des Beckenrings weitergehend erwähnt beziehungsweise in ihren Aus-
sagen den Bruch des Beckenrings und seine Folgen ausführlich geschildert hätten, 
wenn dieser sehr schmerzhaft gewesen wäre, wenn eine Operation und/oder eine 
weitergehende Heilbehandlung notwendig gewesen wäre beziehungsweise wenn 
schwerwiegende und/oder bleibende Nachteile zu erwarten gewesen wären. Aus 
dem Umstand, dass nichts davon erwähnt worden ist und insbesondere der Arzt 
grosses Gewicht auf die Hämatome legte, den Beckenringbruch jedoch nur kurz, 
gewissermassen beiläufig erwähnte, darf geschlossen werden, dass es sich beim 
Bruch des Beckenrings vorne links (Schambein und Sitzbein) um einen stabilen 
Bruch handelte, der erfahrungsgemäss auch bei älteren Menschen meist ohne ope-
rativen Eingriff und in der Regel ohne Komplikationen wieder ausheilt und oft nicht 
besonders schmerzhaft ist. Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft 
Graubünden handelt es sich daher bei den Verletzungen, die sich F. zugezogen hat, 
klarerweise nicht um solche, die beinahe den Grad einer schweren Körperverlet-
zung erreichen. Vielmehr sind es zwar sicherlich sehr ernst zu nehmende, jedoch 
nicht übermässig schwerwiegende einfache Körperverletzungen. Unter diesen Um-
ständen jedoch vermögen die von F. erlittenen Verletzungen eine besondere Ge-
fährlichkeit des Angeklagten nicht zu begründen. Dies insbesondere auch unter 
dem Aspekt, dass gemäss Lehre und Rechtsprechung schon der Grundtatbestand 

31

des Raubes einfache Körperverletzungen konsumiert, das heisst, mit der Bestra-
fung des einfachen Raubes einfache Körperverletzungen bereits mitabgegolten 
sind. Damit eine einfache Körperverletzung qualifizierend zu wirken vermöchte, 
müsste sie daher äusserst gravierend und schwerwiegend sein. Dies ist vorliegend 
nicht der Fall.

bb) Weiter macht die Staatsanwaltschaft geltend, den Opfern seien erhebli-
che Schmerzen zugefügt worden, was wiederum die besondere Gefährlichkeit zu 
begründen vermöge. Wie bereits ausgeführt, konsumiert der einfache Raub gemäss 
Lehre und Rechtsprechung einfache Körperverletzungen. Es wird somit davon aus-
gegangen, dass sich die dem einfachen Raub begriffsnotwendig inhärente Gefahr 
in einer einfachen Körperverletzung verwirklichen kann und dass das Unrecht dieser 
Körperverletzung mit der Bestrafung des Raubes mitabgegolten wird. Wird aber 
eine einfache Körperverletzung vom Raubtatbestand konsumiert, so vermögen 
Schmerzen, wie sie typischerweise mit einer einfachen Körperverletzung einher ge-
hen, augenscheinlich nicht als qualifizierendes Merkmal zu wirken. Denn in Inten-
sität und Dauer für eine Körperverletzung typische Schmerzen sind mit der Bestra-
fung für diese Körperverletzung abgegolten. Schmerzen, die allenfalls qualifizierend 
wirken könnten, müssten daher weit über das hinaus gehen, was normalerweise bei 
der fraglichen Körperverletzung zu erwarten ist. Vorliegend hat F. in ihrer polizeili-
chen Einvernahme vom 14. September 2003, also einen Tag nach dem Vorfall, 
keine besonderen Schmerzen erwähnt (act. 20.6, S. 2 oben). Auch im Arztbericht 
(act. 20.4) finden sich keine Hinweise auf besondere Schmerzen. Wie bereits aus-
geführt ist aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass F. einen stabilen Be-
ckenringbruch erlitten hat, der erfahrungsgemäss oft als nicht besonders schmerz-
haft empfunden wird. Dass im weiteren die Hämatome, welche F. sich zugezogen 
hatte, erheblich mehr Schmerzen verursacht hätten, als zu erwarten war, kann den 
Akten nicht entnommen werden. Unter diesen Umständen aber muss davon ausge-
gangen werden, dass die Schmerzen von F. im Zusammenhang mit den einfachen 
Körperverletzungen nicht über das typischerweise zu Erwartende hinaus gegangen 
sind. Sie vermögen folglich eine besondere Gefährlichkeit des Angeklagten nicht zu 
begründen. G. hat in der polizeilichen Einvernahme vom 13. November 2003 aus-
geführt, sie habe, nachdem sie gestürzt sei, an ihrem linken Unterarm starke 
Schmerzen verspürt und leicht feststellen können, dass dieser gebrochen gewesen 
sei (act, 26.5, S. 1 unten). Gemäss Arztbericht vom 18. November 2003 war der 
linke Unterarm von G. gebrochen und es war eine Operation notwendig gewesen 
(act, 26.3, S. 2). Es ist offensichtlich und bedarf keiner weiteren Erwägungen, dass 
es sich bei der Verletzung von G. um eine einfache Körperverletzung gehandelt hat. 

32

Es kann im weiteren nicht bestritten werden, dass ein Armbruch ohne weiteres 
starke Schmerzen verursachen kann. Starke Schmerzen können daher grundsätz-
lich als typisch für einen Armbruch erachtet werden. Es finden sich in den Akten 
keine Hinweise dafür, dass die Schmerzen von G. im Zusammenhang mit dem Un-
terarmbruch in Dauer und Intensität über das Mass hinaus gegangen sind, das nor-
malerweise bei einem Bruch der vorliegenden Art erwartet werden müsste. Es fin-
den sich auch keine Hinweise, dass es zu schmerzhaften Komplikationen gekom-
men wäre. Die Schmerzen von G., auch wenn sie stark gewesen sind, sind daher 
gemäss Aktenlage nicht über das zu Erwartende hinaus gegangen. Im übrigen lässt 
sich aufgrund der Akten auch nicht sagen, der Angeklagte hätte bewusst und ge-
wollt einen besonders schmerzhaften Bruch hervorgerufen beziehungsweise die für 
einen Unterarmbruch typischen Schmerzen durch sein Verhalten in irgend einer 
Form verstärkt. Insgesamt betrachtet ist somit festzuhalten, dass die Schmerzen, 
welche G. aufgrund des Bruches des Unterarms zu ertragen hatte, eine besondere 
Gefährlichkeit des Angeklagten nicht zu begründen vermögen. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich in den Akten keine Hinweise 
finden lassen, die eine besondere Gefährlichkeit des Angeklagten im Sinne des Ge-
setzes begründen würden. Der Angeklagte hat sich mithin keinen qualifizierten 
Raub zu schulden kommen lassen. 

e) Aus dem Gesagten erhellt, dass der Angeklagte durch sein Vorgehen ge-
genüber F. den Tatbestand des einfachen Raubes erfüllt hat. Er ist daher wegen 
Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Gegenüber G. 
ist es beim Versuch geblieben, weshalb der Angeklagte wegen unvollendetem 
Raubversuch gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 21 Abs. 1 
StGB zu bestrafen ist.

2. Die Staatsanwaltschaft Graubünden wirft dem Angeklagten vor, er 
habe mit seinem Vorgehen gegenüber H., I., J., K. und L., welchen er allen die 
Handtasche entrissen habe, ohne Gewalt gegen sie anzuwenden, die Tatbestände 
des gewerbsmässigen und des besonders gefährlichen Diebstahls erfüllt.

a) Des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer je-
mandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder 
einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. Die Strafe dafür beträgt Zucht-
haus bis zu fünf Jahren oder Gefängnis. Das Tatobjekt kann ausschliesslich in einer 
fremden, beweglichen Sache bestehen, zum Beispiel Bargeld, das im Eigentum ei-

33

ner anderen Person steht als derjenigen des Täters. Nach herrschender Lehre und 
Praxis nimmt eine Sache weg, wer den an ihr bestehenden Gewahrsam eines an-
deren bricht und neuen, meist eigenen Gewahrsam daran begründet. Gewahrsam 
bedeutet die tatsächliche Sachherrschaft und umfasst zwei Bestandteile, nämlich 
einerseits die Möglichkeit und andererseits den Willen, die Sache zu beherrschen. 
Bei der Herrschaftsmöglichkeit kann sich die Sache unter anderem in einem räum-
lich abgegrenzten Zugriffsbereich einer Person befinden, so zum Beispiel in deren 
Wohnung. Auch wenn sich der Gewahrsamsinhaber vorübergehend oder auch für 
längere Zeit von seinem Herrschaftsbereich - wie der Wohnung - entfernt, so geht 
der Gewahrsam an den darin befindlichen Sachen nicht unter. Der Herrschaftswille 
einer Person ist in Bezug auf die seiner Herrschaftsmöglichkeit unterliegenden Sa-
chen regelmässig gegeben. Gebrochen wird der Gewahrsam, wenn jemand gegen 
den Willen und ohne Einverständnis des Inhabers den entsprechenden Gegenstand 
behändigt. Neuer Gewahrsam ist dann begründet, wenn der Täter die Sache an 
sich nimmt. Allgemein erfolgt der Bruch fremden und die Begründung neuen Ge-
wahrsams regelmässig in einem Akt, wie es das Wort „wegnehmen“ ausdrückt. Die 
Wegnahme, und damit der Diebstahl, ist demnach vollendet, sobald an Stelle des 
bisherigen Gewahrsamsinhabers der neue getreten ist. In subjektiver Hinsicht wird 
das Wissen des Täters um die Fremdheit der Sache und sein Wille zum Bruch des 
fremden und zur Begründung des eigenen Gewahrsams an der Sache verlangt. 
Ausserdem werden Aneignungsabsicht und die Absicht zur unrechtmässigen Berei-
cherung verlangt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung besteht die An-
eignung darin, dass der Täter die fremde Sache wirtschaftlich seinem eigenen Ver-
mögen einverleibt, um sie zu behalten, zu verbrauchen oder sie einem anderen zu 
veräussern beziehungsweise darin, dass er wie ein Eigentümer über die Sache ver-
fügt, ohne diese Eigenschaft zu haben. Es genügt die blosse Absicht der Aneig-
nung, die aber schon bei der tatbestandsmässigen Handlung, also im Moment der 
Wegnahme der fremden Sache gegeben sein muss. Die unrechtmässige Bereiche-
rung besteht in einem Vermögensvorteil, auf welchen der Täter keinen Rechtsan-
spruch hat (vgl. zum Ganzen Rehberg/Schmid/Donatsch, a.a.O., S. 121 ff. mit Hin-
weisen, Niggli/Riedo, a.a.O., N 10 ff. und N 63 ff. zu Art. 139 StGB, BGE 111 IV 75, 
BGE 118 IV 151). Stiehlt der Dieb gewerbsmässig, beträgt die Strafe Zuchthaus bis 
zu zehn Jahren oder Gefängnis nicht unter drei Monaten (Art. 139 Ziff. 2 StGB). 
Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. BGE 116 IV 319; BGE 
119 IV 132 f.) liegt im Begriff des berufsmässigen Handelns der Ansatzpunkt für die 
Umschreibung der Gewerbsmässigkeit. Der Täter handelt berufsmässig, wenn sich 
aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der 
Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes sowie aus den 

34

angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach 
der Art eines Berufs ausübt. Diese abstrakte Umschreibung kann nur Richtlinien-
funktion haben. Nicht vorausgesetzt ist insbesondere, dass die deliktische Tätigkeit 
die einzige oder auch nur die hauptsächliche  Einnahmequelle des Täters bilde; es 
genügt, dass diese im Sinne eines „Nebenerwerbs“ ausgeübt wird (Niggli/Riedo, 
a.a.O., N 93 zu Art. 139 StGB; BGE 123 IV 116 f.). Wesentlich ist, dass sich der 
Täter, wie aus den gesamten Umständen geschlossen werden muss, darauf einge-
richtet hat, durch deliktische Handlungen relativ regelmässige Einnahmen zu erzie-
len, die einen namhaften Beitrag an die Kosten der Finanzierung seiner Lebenshal-
tung darstellen; dann ist die erforderliche soziale Gefährlichkeit gegeben. Es ist 
nach wie vor notwendig, dass der Täter die Tat bereits mehrfach begangen hat, 
dass er in der Absicht handelte, ein Erwerbseinkommen zu erlangen, und dass auf-
grund seiner Taten geschlossen werden muss, er sei zu einer Vielzahl von unter die 
fraglichen Tatbestände fallenden Taten bereit gewesen (BGE 119 IV 129 f.). In die-
sem Zusammenhang sei auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts hingewiesen, 
welches für die Annahme der Gewerbsmässigkeit monatliche Einkünfte von Fr. 
1'000.-- bei einem Automechaniker (BGE 119 IV 139 ff.) beziehungsweise Fr. 500.-- 
bei einem sonstigen Einkommen über Fr. 3'500.-- (BGE 123 IV 113) genügen liess. 
Nicht von Belang ist aber auch, dass die deliktischen Einnahmen grösstenteils der 
Finanzierung des Drogenkonsums gedient haben; die Notlage des Täters schliesst 
nämlich die Absicht der Erzielung regelmässiger Einkünfte nicht aus (Niggli/Riedo, 
a.a.O., N 97 zu Art. 139 StGB). Offenbart der Dieb durch die Art, wie er den Dieb-
stahl begeht, eine besondere Gefährlichkeit, so beträgt die Strafdrohung Zuchthaus 
bis zu zehn Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten (Art. 139 Ziff. 3 Abs. 
1 und 4 StGB). Der Täter muss also durch die deliktische Vorgehensweise eine 
besondere Gefährlichkeit offenbaren. Das Verhalten des Täters vor und nach der 
Tat, insbesondere auch die Wiederholungsgefahr, sind nicht zu berücksichtigen 
(BGE 110 IV 79, BGE 109 IV 162, beide zur analogen Qualifikation beim Raub). 
Eine besondere Gefährlichkeit zeigt der Täter nach herrschender Lehre und Recht-
sprechung, wenn die Tat professionell vorbereitet und als besonders kühn, verwe-
gen, heimtückisch, hinterlistig oder skrupellos erscheint (BGE 117 IV 137; BGE 116 
IV 315 ff). Zu beachten ist, dass für den besonders gefährlichen Diebstahl nicht 
derselbe strenge Massstab anzuwenden ist wie bei der analogen Qualifikation beim 
Raub, so dass die Voraussetzung der besonderen Gefährlichkeit beim Diebstahl 
früher erfüllt ist. Zerstört oder beschädigt der Täter eine von ihm weggenommene 
Sache, so ist dies mitbestrafte Nachtat (Niggli/Riedo, a.a.O., N 217 zu Art. 139 
StGB).

35

b) aa) Am 7 Juni 2003 sass der Angeklagte nach eigenen Angaben auf einer 
Sitzbank beim Schulhaus BBB.. Um ca. 16.30 Uhr sah er die 92-jährige H.. Er folgte 
der älteren Dame ein Stück, fuhr dann von hinten mit dem Fahrrad an sie heran, 
packte ihren Arm und entriss ihr die Handtasche. Er erbeutete Bargeld in der Höhe 
von Fr. 80.--, mit welchem er Kokain und Esswaren kaufte. Die Tasche mit dem 
restlichen Inhalt warf er unweit des Tatorts weg, wo sie nach fünf Tagen gefunden 
und der Geschädigten erstattet werden konnte (vgl. Dossier 6, Ziffer 2.1.1 der An-
klageschrift). Am Nachmittag des 24. Juli 2003 sass der Angeklagte auf einer Sitz-
bank beim AK.. Um 15.15 Uhr sah er die 84-jährige I. mit einer Umhängetasche, 
welche sie locker in der Hand hielt, vorbeispazieren. Er begab sich zu einem Tor-
bogen, und als I. diesen passierte, rannte er zu ihr hin, entriss ihr die Handtasche 
und floh. Der Handtasche entnahm er das Bargeld, gemäss Polizeirapport ungefähr 
Fr. 150.--, nach Aussagen des Angeklagten etwa Fr. 60.-- bis Fr. 80.--. Anschlies-
send warf er die Handtasche samt weiterem Inhalt in die EEE.. Mit dem Geld kaufte 
er sich Lebensmittel und Kokain (Dossier 7, Ziffer 2.1.2 der Anklageschrift). Am 25. 
Juli 2003, kurz nach dem Mittag, fuhr der Angeklagte mit einem Fahrrad in der Stadt 
herum. Dabei bemerkte er die 83-jährige J., welche auf dem Trottoir der JJJ. ging. 
Der Angeklagte fuhr mit dem Fahrrad von hinten an die Frau heran, entriss ihr die 
Handtasche und floh. Noch während der Fahrt untersuchte er die Handtasche und 
entnahm ihr das Bargeld. Dann deponierte er die Tasche samt restlichem Inhalt am 
Ententeich im MMM.. Gemäss Angaben der Geschädigten in der Adhäsionsklage 
befanden sich in der Tasche Fr. 400.--. Der Angeklagte will höchstens Fr. 150.-- 
gefunden haben (Dossier 8, Ziffer 2.1.3 der Anklageschrift). Am späteren Abend 
des 10. September 2003 fuhr der Angeklagte erneut mit einem Fahrrad in der Stadt 
herum. Er bemerkte auf dem Trottoir der NNN. die 73-jährige K., welche eine Um-
hängetasche in der Hand trug. Der Angeklagte wendete sein Fahrrad, fuhr von hin-
ten an die Frau heran, riss ihr im Vorbeifahren die Handtasche aus der Hand und 
ergriff die Flucht. In der Handtasche fand der Angeklagte nach eigener Aussage 
ungefähr Fr. 40.--, gemäss Polizeirapport Fr. 55.--, welche er entnahm und für Ess-
waren ausgab. Die Tasche mit dem restlichen Inhalt warf er in die EEE. (Dossier 
14, Ziffer 2.1.4 der Anklageschrift). Am Abend des 14. September 2003 hielt sich 
der Angeklagte in der Nähe der OOO. auf. Um ca. 20.15 Uhr bemerkte er die 68-
jährige L., welche auf der JJJ. in Richtung PPP. ging. Der Angeklagte fuhr der Frau 
hinterher, fuhr von hinten an sie heran, entriss ihr die Handtasche, wobei der Trag-
riemen riss, und floh. Der Handtasche entnahm er das Bargeld, nach seinen Aus-
sagen etwa Fr. 80.--, gemäss Polizeirapport etwa Fr. 36.--, und warf die Tasche 
samt weiterem Inhalt anschliessend in die EEE. (Dossier 19, Ziffer 2.1.5 der Ankla-
geschrift). Der Angeklagte hat diese Sachverhalte vor Schranken des Kantonsge-

36

richts grundsätzlich anerkannt. Bezüglich dem Deliktsbetrag beim Vorfall vom 25. 
Juli 2003, als der Angeklagte die Handtasche von J. behändigte, hat er auch vor 
Schranken des Kantonsgerichts daran festgehalten, dass sich lediglich etwa Fr. 
150.-- im Portemonnaie befunden hätten. 

bb) Vorliegend ist offensichtlich und es bedarf keiner weiteren Erläuterungen, 
dass der Angeklagte in den geschilderten fünf Fällen jeweils eine fremde bewegli-
che Sache weggenommen hat. In allen fünf Fällen standen die Handtaschen mit-
samt ihrem Inhalt augenscheinlich nicht im zivilrechtlichen Eigentum des Angeklag-
ten sondern der Opfer, und der Angeklagte hatte auch keinen Rechtsanspruch auf 
sie. Der Angeklagte macht denn auch in keiner Weise geltend, er sei an den Hand-
taschen oder deren Inhalt in irgend einer Form berechtigt gewesen. Durch das Ent-
reissen und anschliessende Mitnehmen der Handtaschen hat der Angeklagte in ge-
radezu lehrbuchmässiger Form den Gewahrsam der Opfer an den Handtaschen 
gebrochen, indem er ihnen gegen ihren Willen die Herrschaftsmöglichkeit über die 
Sachen entzogen hat. Gleichzeitig hat der Angeklagte neuen, und zwar eigenen 
Gewahrsam begründet, indem er die Handtaschen samt Inhalt mit sich nahm. Damit 
sind vorliegend die objektiven Tatbestandselemente des Diebstahls nach Art. 139 
Ziff. 1 StGB erfüllt. In subjektiver Hinsicht ist ohne Weiteres davon auszugehen, 
dass der Angeklagte mit Wissen und Willen gehandelt hat. Ohne Zweifel war ihm 
bewusst, dass die Handtaschen samt Inhalt nicht in seinem Eigentum standen, und 
bewusst hat er auch die Taschen den Opfern entrissen und mit sich genommen, 
also den Gewahrsam der Opfer gebrochen und eigenen Gewahrsam begründet. 
Der Angeklagte hat mithin vorsätzlich gehandelt. Im weiteren hat sich der Ange-
klagte die Gegenstände auch angeeignet, was sich daraus ergibt, dass er das Bar-
geld für seine Bedürfnisse verbraucht und die Taschen samt weiterem Inhalt weg-
geworfen hat, womit er wie ein Eigentümer über die Sachen verfügte, ohne jedoch 
diese Eigenschaft zu haben. Die Absicht, sich die Sachen in der geschilderten Form 
anzueignen, bestand zweifellos bereits im Zeitpunkt, als der Angeklagte die Ta-
schen behändigte, hat er doch genau aus dem Grund die Taschen entrissen, dass 
er zu Geld kam, und hatte er für die Taschen samt restlichem Inhalt von vorneweg 
keine Verwendung. Ebenfalls zu bejahen ist die unrechtmässige Bereicherung, hat 
sich der Angeklagte durch die weggenommenen Sachen doch einen Vermögens-
vorteil verschafft (seine Aktiven haben sich vermehrt), was insbesondere in Bezug 
auf das Bargeld offensichtlich ist, jedoch auch bezüglich der Taschen und deren 
weiteren Inhalt zutrifft, wenn der Vermögensvorteil auch nur für die kurze Zeit ein-
trat, bis der Angeklagte sich der Taschen wieder entledigte. Auch der subjektive 
Tatbestand des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB ist mithin vorliegend in den 

37

genannten fünf Fällen erfüllt. Der Angeklagte hat dies vor Schranken des Kantons-
gerichts denn auch ausnahmslos anerkannt. 

cc) Es stellt sich die weitere Frage, ob der Angeklagte gewerbsmässig ge-
handelt hat, wie es durch die Staatsanwaltschaft Graubünden geltend gemacht wird. 
In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich der Angeklagte in dem Zeit-
raum, in welchem er die geschilderten fünf Entreissdiebstähle begangen hat, sowie 
davor und danach weitere Vermögensdelikte hat zu Schulden kommen lassen. Für 
die Beantwortung der Frage, ob der Angeklagte gewerbsmässig gehandelt hat, sind 
daher die genannten fünf Entreissdiebstähle nicht isoliert zu betrachten, sondern 
zusammen mit den weiteren Vermögensdelikten zu beurteilen. Die Staatsanwalt-
schaft Graubünden hat den Angeklagten denn auch nicht nur in Bezug auf die be-
reits geschilderten fünf Entreissdiebstähle wegen gewerbsmässigem Diebstahl an-
geklagt, sondern bezüglich sämtlicher eingeklagter Diebstähle. Die Frage, ob der 
Angeklagte mit Bezug auf die fünf genannten Entreissdiebstähle gewerbsmässig 
gehandelt hat, wird folglich im Zusammenhang mit den übrigen Vermögensdelikten 
zu klären sein. An dieser Stelle kann daher auf die dortigen Ausführungen verwie-
sen werden (siehe Ziff. 3 c). 

dd) Schliesslich macht die Staatsanwaltschaft Graubünden geltend, der An-
geklagte habe mit seinem Vorgehen in den bereits geschilderten fünf Fällen eine 
besondere Gefährlichkeit offenbart, weshalb er gemäss Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB 
zu verurteilen sei. In seinem Urteil 6S.102/1997 vom 18. April 1997, wiedergegeben 
bei Weissenberger, ZBJV 133 [1997], S. 498 f., hatte das Bundesgericht zu prüfen, 
ob der Täter eine besondere Gefährlichkeit offenbart hatte, als er innert weniger 
Tage zwei betagten Frauen die Handtasche entriss beziehungsweise zu entreissen 
versuchte, ohne dass die Opfer Widerstand geleistet hätten oder verletzt worden 
wären. Das Bundesgericht führte in diesem Zusammenhang aus, dass derjenige, 
der betagten Frauen planmässig die Handtaschen entreisse oder zu entreissen ver-
suche, damit ganz allgemein eine Tendenz zu stärkeren Eingriffen in deren körper-
liche Integrität zeige, auch wenn er von solchen Opfern keine oder höchstens eine 
schwache Gegenwehr erwarte. In den konkret zu beurteilenden Fällen sei das ge-
wählte Tatvorgehen geeignet gewesen, die Opfer durch Stürze zu verletzen und bei 
ihnen Angst und Betroffenheit auszulösen. Ältere Menschen seien bei Entreiss-
diebstählen gegenüber jüngeren einer massgeblich erhöhten Sturzgefahr ausge-
setzt. Bekanntlich führten im fortgeschrittenen Alter auch scheinbar harmlose Stürze 
nicht selten zu schweren Verletzungen. Schliesslich könne gerade bei älteren Men-
schen ein durch einen Entreissdiebstahl ausgelöster Schreck unabsehbare physi-

38

sche und psychische Folgen haben. Unter diesen Umständen erweise sich die 
Handlungsweise des Täters als besonders hemmungslos und sei Ausdruck beson-
derer Gefährlichkeit im Sinne von Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB. Vorliegend hat der 
Angeklagte zugegebenermassen für seine Entreissdiebstähle bewusst und gewollt 
ältere Damen ausgesucht, weil er deren Verletzlichkeit und den Umstand, dass sie 
kaum in der Lage waren, Widerstand zu leisten, ausnutzen wollte, was er an der 
Hauptverhandlung selbst bestätigt hat. Der Angeklagte hat damit besonders nieder-
trächtig gehandelt. Er hat - einzig um sich einen Vorteil zu verschaffen - bewusst in 
Kauf genommen, dass die Opfer seiner Handlungen durch den überraschenden Zug 
an der Handtasche zu Fall kommen und sich dabei, gerade aufgrund ihres Alters 
und der damit einhergehenden Gebrechlichkeit, (unter Umständen gravierend) ver-
letzen könnten. Der Einwand des Angeklagten, er habe zunächst gar nicht daran 
gedacht, dass den Opfern etwas geschehen könnte, ist als Schutzbehauptung 
zurückzuweisen. Die Möglichkeit, dass die Opfer durch die Vorgehensweise des 
Angeklagten (ein überraschender, heftiger Zug an der Handtasche) zu Fall gebracht 
werden könnten, drängte sich dermassen klar und naheliegend auf, insbesondere 
auch weil ja für den bewusst gewollten und gesuchten Überraschungseffekt sowie 
die an das Delikt anschliessende Flucht alles sehr schnell gehen musste und ging 
(der Angeklagte ist in drei Fällen auf dem Fahrrad an den Frauen vorbeigefahren), 
dass sie dem Angeklagten vernünftigerweise nicht hat verborgen bleiben können. 
Dass im weiteren ein Sturz für betagte Menschen schwerwiegende Folgen haben 
kann, ist hinlänglich bekannt. Es muss vorliegend unter diesen Umständen davon 
ausgegangen werden, dass der Angeklagte auch schwere Verletzungen seiner Op-
fer in Kauf genommen hat. Die Vorgehensweise des Angeklagten weist folglich auf 
eine erschreckende Geringschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber der körperli-
chen Unversehrtheit von älteren Menschen hin, einer Personengruppe, die zweifel-
los besonders schutz- und hilfsbedürftig ist, mithin eigentlich gerade besondere 
Rücksichtnahme von Seiten ihrer Mitmenschen erwarten darf und auch erfahren 
müsste. Die Tatsachen, dass der Angeklagte bewusst und gewollt ältere Damen 
ausgesucht hat, um deren Gebrechlichkeit und damit verbunden ihr Unvermögen, 
wirksamen Widerstand zu leisten, auszunützen, dass der Angeklagte einen Sturz 
seiner Opfer und dadurch bedingt eine Verletzung derselben in Kauf genommen hat 
sowie dass er es bewusst auf eine besonders schutz- und hilfsbedürftige Gruppe 
abgesehen hatte, zeigen deutlich eine besondere Niedertracht und Hemmungslo-
sigkeit, die den Qualifikationsgrund der besonderen Gefährlichkeit erfüllen. Der An-
geklagte hat sich durch die Entreissdiebstähle daher in fünf Fällen einen besonders 
gefährlichen Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB zu Schulden kommen 
lassen.

39

ee) J. hat im Zusammenhang mit dem Entreissdiebstahl vom 25. Juli 2003 
erklärt, sie habe beim Versuch, die Tasche zurück zu halten, starke Schmerzen im 
rechten Arm erlitten; sie werde deswegen allenfalls einen Arzt aufsuchen müssen 
(Polizeirapport vom 28. Juli 2003, act. 8.1, S. 3 Mitte). Auf telefonische Anfrage des 
Untersuchungsrichters vom 16. September 2004 hin teilte JJ., der Sohn von J., mit, 
dass seine Mutter damals keinen Arzt konsultiert habe, sondern lediglich im Rah-
men ihres normalen Besuches beim Hausarzt die Schmerzen im Arm erwähnt habe. 
Der Hausarzt habe keine spezielle Behandlung angeordnet. J. habe noch gelegent-
liche Schulterschmerzen, die möglicherweise mit dem Vorfall vom 25. Juli 2003 zu-
sammenhängen würden (vgl. Aktennotiz des Untersuchungsrichters vom 16. Sep-
tember 2004, act. 8.4). J. hat am 25. Juli 2004 Strafantrag wegen Diebstahl und 
Körperverletzung gestellt (act. 8.2). - Wer gegen jemanden Tätlichkeiten verübt, die 
keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge haben, wird gemäss 
Art. 126 Abs. 1 StGB auf Antrag hin mit Haft oder Busse bestraft. Der Rechtspre-
chung des Bundesgerichtes folgend besteht eine Tätlichkeit in einer das allgemein 
übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden physischen Einwir-
kung auf einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit 
zur Folge hat (BGE 119 IV 25; BGE 117 IV 15). Es erscheint durchaus nachvoll-
ziehbar und plausibel, dass durch den Zug an der Handtasche, welcher zum Ent-
reissen derselben notwendig war, auch ein Zug/Ruck auf den rechten Arm der Ge-
schädigten ausgeübt wurde, welcher in diesem Arm starke Schmerzen verursachte. 
Offensichtlich haben diese Schmerzen jedoch nicht eine so grosse Intensität er-
reicht, dass von einer Schädigung des Körpers oder der Gesundheit gesprochen 
werden kann. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass der Hausarzt der Geschä-
digten keine spezielle Behandlung angeordnet hat. Ebenso hat die Geschädigte 
nach Aussage ihres Sohnes von einem Arztbesuch im Anschluss an den Entreiss-
diebstahl abgesehen. Daraus darf wohl geschlossen werden, dass die Schmerzen 
im rechten Arm nachgelassen hatten und schliesslich gänzlich verschwunden sind, 
hat der Sohn der Geschädigten dem Untersuchungsrichter gegenüber doch nur 
noch von Schulterschmerzen gesprochen, welche vielleicht mit dem Entreissdieb-
stahl zusammenhängen würden. Die Einwirkung auf den Körper, welche zu den 
Schmerzen geführt hatte, überschreitet jedoch klarerweise das übliche und gesell-
schaftlich geduldete Mass. Unter den gegebenen Umständen sind die Schmerzen, 
welche die Geschädigte am rechten Arm erlitten hat, als Tätlichkeit zu qualifizieren. 
Ohne weiteres ist davon auszugehen, dass der Angeklagte in Kauf genommen hat, 
dass sein Verhalten - der unerwartete und kräftige Zug an der Handtasche - bei den 
Opfern Schmerzen hervorrufen konnte, wie sie J. beklagt hat. Denn diese Möglich-
keit hat sich so klar aufgedrängt, dass aus dem Umstand, dass der Angeklagte trotz-

40

dem die Handtasche entrissen hat, nur geschlossen werden kann, er habe die Ver-
wirklichung der Möglichkeit in Kauf genommen