# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f5592a74-5ad0-5ba3-9ebd-6af9dd89f4bb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.01.2024 F-157/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-157-2024_2024-01-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-157/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Yannick Antoniazza-Hafner, 

mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli;   

Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. 

   

Parteien 

 
A._______,  

Türkei,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 27. Dezember 2023 / N (…). 

 

 

 

F-157/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 11. Dezember 2023 in der Schweiz um 

Asyl. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2023 trat das SEM in Anwendung 

des Dublin Abkommens auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 

ein, ordnete seine Überstellung nach Deutschland an und forderte ihn auf, 

die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleich-

zeitig verfügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und 

stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme 

keine aufschiebende Wirkung zu. 

B.  

Mit Schreiben vom 4. Januar 2024 (Eingang beim SEM am 5. Januar 2024; 

Weiterleitung an das BVGer am 8. Januar 2024) erhob der Beschwerde-

führer gegen die obgenannte Verfügung Beschwerde. 

Am 8. Januar 2024 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich grundsätzlich nach dem VwVG, dem VGG 

und dem BGG, (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG [SR 142.31]). Die Be-

schwerde am Bundesverwaltungsgericht ist vorliegend zulässig (Art. 105 

AsylG; Art. 31 ff. VGG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen sind 

erfüllt (Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG; Art. 108 Abs. 3 AsylG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Bei Beschwerden gegen Nichteintretens-

entscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Be-

gründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurtei-

lungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-

schränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten 

ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

1.3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

F-157/2024 

Seite 3 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

2.  

2.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).  

2.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO (vollständige Referenz: Verord-

nung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist) wird jeder Asylantrag von einem einzigen 

Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III  

Art. 8-15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch  

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23-25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

2.3. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

2.4. Hat der Antragsteller einen Familienangehörigen - ungeachtet der 

Frage, ob die Familie bereits im Herkunftsland bestanden hat - der in seiner 

Eigenschaft als Begünstigter internationalen Schutzes in einem 

F-157/2024 

Seite 4 

Mitgliedstaat aufenthaltsberechtigt ist, so ist dieser Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig, sofern die be-

treffenden Personen diesen Wunsch schriftlich kundtun (Art. 9 Dublin-III-

VO). Praxisgemäss ist für die Beurteilung, ob jemand als Familienangehö-

riger im Sinne von Art. 9 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 2 Bst. g Dublin-

III-VO gilt, auf die Rechtsprechung zum Schutzbereich des grundrechtli-

chen Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK zu-

rückzugreifen (vgl. anstatt vieler Urteil des BVGer D-2343/2023 vom 4. Mai 

2023 E. 5.2 m.H.). 

3.  

Der Beschwerdeführer brachte als Argument gegen die beabsichtigte 

Überstellung nach Deutschland vor, dass zwei Brüder, (B._______  

[geb. 1991], C._______ [geb. 1992], und eine Schwester (D._______ [geb. 

1989]), sowie zwei (namentlich nicht genannte) Cousinen in der Schweiz 

seien und er deshalb hier Asyl beantragen möchte. In Deutschland kenne 

er niemanden. Ausserdem sei die Schweiz ein schönes Land.  

4.   

4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers ergab, dass 

er am 25. August 2023 in Deutschland daktyloskopisch erfasst wurde. Glei-

chentags stellte er gemäss Auszug aus der Eurodac-Datenbank ein Asyl-

gesuch. Die deutschen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmegesuch 

der Vorinstanz vom 21. Dezember 2023 am 27. Dezember 2023 gemäss 

Art. 18 Abs. 1 lit. b Dublin-III-VO zu (Vorakten [SEM-act.] 18/2). Dies ist aus 

nachstehenden Gründen nicht zu beanstanden.  

Indem der volljährige Beschwerdeführer geltend macht, drei seiner  

Geschwister und zwei Cousinen lebten in der Schweiz, vermag er nichts 

zu seinen Gunsten abzuleiten. Gemäss Art. 2 lit. g Dublin-III-VO umfasst 

der Begriff der Familienangehörigen nur die Kernfamilie, das heisst Ehe-

gatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner sowie minderjährige Kin-

der. Seine in der Schweiz lebenden Familienangehörigen fallen somit nicht 

in die Kategorie der Familienangehörigen im Sinne der Dublin-III-VO. Da-

bei wurde das Bestehen eines besonderen Abhängigkeitsverhältnisses im 

Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht geltend gemacht (siehe auch 

E. 4.2 unten). Ein Zuständigkeitsübergang auf die Schweiz zur Durchfüh-

rung des Asylverfahrens lässt sich gestützt auf Art. 9 Dublin-III-VO (Schutz 

der Familieneinheit) ebenfalls nicht begründen. Die Familienangehörigen 

in der Schweiz fallen nämlich nicht unter dem Schutzbereich des grund-

rechtlichen Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss  

Art. 8 EMRK (siehe E. 2.4 oben und 4.2 unten).  

F-157/2024 

Seite 5 

Auch die im Dublin-Gespräch vom 21. Dezember 2023 getätigten Behaup-

tungen des Beschwerdeführers, er sei in Deutschland zur Abgabe seiner 

Fingerabdrücke gezwungen worden sowie er sei über die Rechtswirkung 

eines solchen Schrittes nicht korrekt informiert worden (vgl. SEM-act. 

13/2), vermögen an der Zuständigkeit Deutschlands nichts zu ändern. 

Sämtliche Dublin-Mitgliedstaaten sind von Gesetzes wegen dazu verpflich-

tet, Personen, die internationalen Schutz beantragen, beziehungsweise 

Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, die beim illegalen Überschrei-

ten einer Aussengrenze aufgegriffen werden, den Abdruck aller Finger ab-

zunehmen (Art. 9 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EU]  

Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 [Eurodac-Verordnung]). Die schweizerischen Behörden dürfen 

grundsätzlich darauf vertrauen, dass die Einträge in der Eurodac-Daten-

bank korrekt sind. Andererseits sieht das Gericht nicht ein, wieso die deut-

schen Behörden diesbezüglich falsche Angaben machen würden (vgl. Ur-

teile des BVGer F-2134/2020 vom 29. April 2020; E-2222/2017 vom  

20. April 2017 S. 6; F-3426/2022 vom 20. Dezember 2022 E. 4.5.2). Es ist 

somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Deutschland um 

Asyl ersucht hat. Ferner ist das Vorbringen des Beschwerdeführers, die 

Behörden hätten ihn nicht korrekt informiert, eine unbelegte und nicht über-

zeugende Parteienbehauptung. 

Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren 

Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45  

E. 8.3). Die persönliche Präferenz des Beschwerdeführers ist somit uner-

heblich. 

Die Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung seines Asylverfah-

rens ist somit grundsätzlich gegeben.  

4.2. Der Beschwerdeführer macht weiter keine Umstände geltend, die ein 

Vollzughindernis nach dem internationalen Recht darstellen könnte. Sollte 

er sich implizit auf Art. 8 EMRK berufen, ist Folgendes festzuhalten. 

Gemäss dieser Vorschrift hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Pri-

vat- und Familienlebens. Der Schutzbereich dieser Bestimmung umfasst 

dabei neben der Kernfamilie (vgl. E. 4.1, zweiter Abs. oben) auch weitere 

verwandtschaftliche Bande. So kann die Beziehung zwischen Geschwis-

tern ebenfalls darunterfallen, sofern eine nahe, echte und tatsächlich ge-

lebte Beziehung vorliegt. Nach der Rechtsprechung setzt dies indessen 

zusätzlich voraus, dass zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhän-

gigkeitsverhältnis besteht (vgl. zum Ganzen BVGE 2008/47 E. 4.1.1). Da 

F-157/2024 

Seite 6 

die Beziehung zwischen den sich in der Schweiz aufhaltenden Familienan-

gehörigen und dem Beschwerdeführer nicht unter den Begriff der Kernfa-

milie fällt und auch kein Abhängigkeitsverhältnis besteht, ist der Anspruch 

auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK vorliegend nicht ver-

letzt. 

Es besteht demnach kein Grund für die Anwendung von Art. 17 Dublin-III-

VO. Somit bleibt Deutschland der für die Behandlung des Asylgesuchs des 

Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss der Dublin-III-VO. 

4.3. Die Vorinstanz ist folglich zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und 

hat die Wegweisung nach Deutschland angeordnet. 

5.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 8. Januar 2024 angeordnete Vollzugsstopp dahin. 

6.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.- festzu-

setzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

F-157/2024 

Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.-  werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

 

3. 

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter 

 

 

Versand: