# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b08c2de8-04d3-5bd6-b892-ebce7a29d267
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.10.2021 D-317/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-317-2021_2021-10-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-317/2021 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  O k t o b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis, 

Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien, 

vertreten durch lic. iur. Othman Bouslimi, 

(…), 

Beschwerdeführerin, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 22. Dezember 2020 / N (…). 

 

 

 

D-317/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin, eine Kurdin aus B._______, verliess Syrien 

eigenen Angaben gemäss im Jahr 1998 und lebte zuletzt in C._______ 

(Nordirak). Sie verliess den Irak am 18. Juni 2011 und gelangte am 2. Juli 

2011 zusammen mit ihrem Ehemann (…) Staatsangehörigkeit, D._______, 

und ihrer Tochter, E._______, in die Schweiz, wo sie am 4. Juli 2011 um 

Asyl nachsuchte. 

A.b Anlässlich der Erstbefragung durch das SEM (damals Bundesamt für 

Migration [BFM]) vom 13. Juli 2011 im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

F._______ erklärte sie, sie habe bis 1995 in B._______ gelebt. Sie sei da-

mals von der PKK (Partiya Karkeren Kurdistan) in das Gebiet von 

G._______ gebracht worden. Bis im Herbst 1998 habe sie sich noch auf 

syrischem Territorium aufgehalten, dann sei sie in die Berge H._______ 

und später nach I._______ geschickt worden. Zuletzt sei sie in C._______ 

gewesen. Sie habe einen schwierigen Vater, der ihre Mutter und sie ge-

schlagen habe. Sie habe sich in der Phase der Pubertät befunden, als ei-

nes Tages PKK-Angehörige gekommen seien und ihr gesagt hätten, man 

könne sie zum Ort bringen, an dem einer ihrer Onkel als Märtyrer gefallen 

sei. Als sie sich beim vereinbarten Treffpunkt eingefunden habe, sei sie 

mitgenommen worden. Die PKK habe 1998 entschieden, alle ihre Angehö-

rigen in die Berge zu schicken. Sie habe immer wieder Fluchtgedanken 

gehegt, habe aber nicht den Mut zur Flucht gehabt. Trotzdem habe sie 

zweimal zu entkommen versucht. Sie sei deshalb festgehalten und verhört 

worden. 2005 habe sie sich zusammen mit einer Freundin von der PKK 

getrennt. Sie sei nach C._______ gegangen, wo sie von den irakischen 

Kurden eine Woche lang verhört worden sei. Danach sei sie nach 

J._______ gegangen, wo sie ihren Ehemann kennengelernt habe. Würde 

sie nach Syrien zurückkehren, würde sie umgebracht. 

Die Beschwerdeführerin reichte eine (…) Identitätskarte, einen in 

C._______ ausgestellten Flüchtlingsausweis und zwei Schuldiplome zu 

den Akten. 

A.c Das BFM hörte die Beschwerdeführerin am 22. November 2011 ein-

lässlich zu ihren Asylgründen an. Dabei machte sie im Wesentlichen gel-

tend, sie habe sich eigentlich nicht der PKK anschliessen wollen, sie sei 

reingelegt worden. Nach der «PKK-Geschichte» sei sie in den Nordirak ge-

gangen, wo sie nicht sicher gewesen sei. Sie könne mit ihrem Ehemann 

weder im Irak bleiben noch in die Türkei oder nach Syrien gehen. Das 

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Schlimmste sei gewesen, dass man im Irak als Frau rechtlos sei. Ihre Toch-

ter und sie seien staatenlos. Nachdem sie die PKK verlassen habe, habe 

sie bei einer Familie leben dürfen, die ab und zu von ihrem Ehemann be-

sucht worden sei. So habe sie ihn kennengelernt. Sie könne nicht nach 

Syrien zurückkehren, weil in der Schule einige gesagt hätten, dass sie zur 

PKK gehe. Ihre Mutter habe ihr gesagt, ihr Vater, der pensionierter Staats-

angestellter sei, habe diese Information an die Behörden weitergeleitet. 

Zweimal beziehungsweise mehr als zehnmal seien «Männer vom Staat» 

bei ihren Eltern gewesen und hätten nach ihr gefragt. Seit sie im Alter von 

(…) Jahren zur PKK gegangen sei, habe sie eigentlich zu leben aufgehört. 

Viele von ihren Freunden seien getötet worden. Es sei ein Albtraum, wie 

sich Öcalan an ihre Freundinnen und an sie herangemacht habe. Sie habe 

viermal versucht, die PKK zu verlassen, sei aber erwischt worden. Jedes 

Mal habe man sie in einen Raum gestellt und gesagt, sie sei eine Verräte-

rin. Von 1995 bis 1998 habe sie sich in K._______ aufgehalten, wo Öcalan 

(…). Sie sei dort als «Dienerin» gewesen. Sie habe für die PKK an keinen 

Aktionen teilgenommen, sei aber politisch ausgebildet worden. Als sie in 

I._______ gewesen sei, habe sie dreimal beantragt, die PKK verlassen zu 

dürfen. Ihre Anträge seien abgelehnt worden. Schliesslich habe sie sich mit 

einer Freundin in einer Nacht weggeschlichen und habe sich unter den 

Schutz der KDP (Kurdische Demokratische Partei) begeben. Dort habe 

man ihr gesagt, sie müsse als Spitzel arbeiten und Informationen über die 

PKK geben. Man habe ihr wie schon bei der PKK mit Vergewaltigung ge-

droht, falls sie sich nicht füge. Nach den Befragungen durch die Vertreter 

der KDP sei sie zu einer Familie gegangen, die sie aufgenommen habe. 

Die KDP habe ihren Ehemann zwingen wollen, ihr als Soldat zu dienen. 

Man habe ihm gedroht, die Familie an die Türkei auszuliefern, sollte er nicht 

gehorchen. Sie hätten den Irak nach der Eheschliessung verlassen wollen, 

aber das Geld habe dazu nicht gereicht. In die Türkei hätten sie nicht gehen 

können, da ihr Ehemann dort gesucht wurde. Falls sie nach Syrien gingen, 

müsste sie dort als Spitzel arbeiten, ansonsten sie inhaftiert würde. Vor 

Abschluss der Anhörung sagte die Beschwerdeführerin, es gehe ihr ge-

sundheitlich nicht so gut. Sie habe im Irak und in der Schweiz zweimal ein 

Baby verloren. 

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte sie fünf Fotografien aus ihrer Zeit bei 

der PKK und die Kopie eines Registerauszugs ein. 

A.d Am (…) brachte die Beschwerdeführerin ihre Tochter L._______ zur 

Welt. 

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Seite 4 

A.e Die Beschwerdeführerin übermittelte dem BFM am 1. Oktober 2013 ei-

nen syrischen Ausweis. 

A.f Am 20. Dezember 2013 sandte die Beschwerdeführerin einen sie be-

treffenden ärztlichen Bericht vom 6. Dezember 2013 des (…) und ein Urteil 

des Bezirksgerichts M._______ vom 14. November 2013 an das SEM. 

A.g Mit Schreiben vom 28. März 2014 reichte die Beschwerdeführerin eine 

Wohnsitzbestätigung für B._______ von 15. März 2014 ein. 

A.h Am (…) brachte die Beschwerdeführerin ihre Tochter N._______ zur 

Welt. 

A.i Mit Verfügung vom 17. Juli 2014 stellte das BFM fest, die Beschwerde-

führerin, ihr Ehemann und ihre Kinder erfüllten die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Zugleich verfügte es ihre Wegwei-

sung aus der Schweiz. Da es den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar 

erachtete, verfügte es die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin 

und ihrer Familie. 

B.  

B.a Mit Eingabe vom 18. August 2014 erhoben die Beschwerdeführenden 

durch ihren damaligen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde gegen diese Verfügung. 

B.b Die Beschwerdeführerin liess mit Eingabe vom 31. Oktober 2014 ein 

am 4. August 2014 in O._______ ausgestelltes, als Strafregisterauszug 

bezeichnetes Dokument mit deutscher Übersetzung einreichen. Es wurde 

geltend gemacht, sie gelte gemäss dem Strafregisterauszug als vorbe-

straft. Dazu gebe es eine Vorladung des allgemeinen Sicherheitsdienstes. 

Ihr Bruder P._______ habe das Dokument in die Türkei gebracht, von wo 

aus es in die Schweiz geschickt worden sei. 

B.c Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil  

D-4593/2014 vom 4. Dezember 2017 gut, soweit die Aufhebung der Verfü-

gung vom 17. Juli 2014 beantragt worden war. Die Sache wurde im Sinne 

der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM zurückgewiesen. 

C.  

C.a Mit Eingabe an das SEM vom 17. Januar 2019 richtete sich der heutige 

Rechtsvertreter mit einer als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichneten 

Eingabe an das SEM. Es wurde beantragt, die Flüchtlingseigenschaft der 

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Beschwerdeführerin sei anzuerkennen und es sei ihr gemäss Art. 3 Abs. 1 

und 2 AsylG [SR 142.31] Asyl zu gewähren. 

C.b Das Zivilstandsamt Q._______ (Kanton R._______) übermittelte dem 

SEM am 8. Februar 2019 die syrische Identitätskarte der Beschwerdefüh-

rerin und einen Ehevertrag für Ausländer. 

C.c Das SEM teilte der Beschwerdeführerin am 15. März 2019 mit, dass 

ihr Asylverfahren nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wieder-

aufgenommen worden sei. Das SEM betrachte die als «Wiedererwägungs-

gesuch» betitelte Eingabe, respektive die darin enthaltenen Vorbringen als 

integrativen Bestandteil des Asylverfahrens. Ein Wiedererwägungsverfah-

ren werde nicht eröffnet. 

C.d Am 28. August 2020 hörte das SEM die Beschwerdeführerin ergän-

zend zu ihren Asylgründen an. Sie brachte im Wesentlichen vor, in Syrien 

lebten noch eine Schwester und ihr Vater, der sich wiederverheiratet habe. 

Sie sprächen vielleicht zwei- oder dreimal im Jahr miteinander. Zu ehema-

ligen PKK-Kollegen pflege sie keinen Kontakt. Ihre syrische Identitätskarte 

habe sie über ihren Vater erhalten. Ihre Mutter und ihre Geschwister hätten 

Druck auf ihn ausgeübt, bis er einverstanden gewesen sei, diese durch 

Bezahlung von Geld zu beschaffen. Da ihr Vater für die Behörden gearbei-

tet habe – er sei für (…) tätig gewesen –, sei es leichter gewesen, das 

Dokument zu erhalten. Die Beschwerdeführerin bestätigte in der Folge, 

dass sie die syrische Staatsangehörigkeit besitze. Sie führte des Weiteren 

aus, sie wäre nach ihrer Zeit bei der PKK gerne zu ihren Eltern zurückge-

kehrt. Ihre Mutter habe ihr jedoch gesagt, ihr mittlerweile pensionierter Va-

ter werde sie nicht mehr akzeptieren. Als sie ihre Familie verlassen habe, 

habe diese bei den Behörden eine Vermisstenanzeige erstatten müssen. 

Ihr Vater sei diesbezüglich befragt worden, was ihn sehr wütend gemacht 

habe. Er sei von den Behörden ein- oder zweimal befragt worden; so viel 

sie wisse, sei er auch im Gefängnis gewesen, weil man ihm vorgeworfen 

habe, er habe seine Tochter zur PKK gebracht. Sie sei damals aufgrund 

ihrer familiären Probleme zur PKK gegangen. Von der PKK werde sie als 

Verräterin betrachtet und in Syrien drohe ihr die Todesstrafe, weil sie als 

Tochter (…) zur PKK gegangen sei. Sie sei ungefähr drei Jahre bei Öcalan 

gewesen und habe sich politisch für die PKK betätigt. Sie sei zusammen 

mit ihren Kolleginnen von Öcalan unterrichtet worden. Als sie danach in 

den Bergen gewesen sei – Öcalan habe Syrien 1998 verlassen müssen –

, habe sie ein «militärisches Leben» geführt. Während dieser Zeit habe sie 

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immer eine Waffe tragen müssen. Sie sei indessen nie an die Front ge-

schickt worden, da sie von Öcalan «gekommen sei». Sie sei für den politi-

schen Unterricht und die Aufklärung zuständig gewesen. Sie habe bereits 

am ersten Tag bereut, dass sie zur PKK gegangen sei. Sie habe ihre «Kün-

digung» eingereicht und auch zu fliehen versucht. Nachdem sie die «Kün-

digung» eingereicht habe, sei sie ausge-stossen worden. Nach Monaten 

habe man ihre «Kündigung» akzeptiert und sie sei nach S._______ gegan-

gen. Ihre Mutter habe ihren Goldschmuck verkauft und eine in C._______ 

lebende Familie beauftragt, sie abzuholen und nach C._______ zu brin-

gen. Dort sei sie nach ihrer Ankunft verhört worden. Als man sie habe ge-

hen lassen, sei sie zu einer Freundin nach J._______ gegangen. Nach den 

Gründen ihrer Furcht vor einer Rückkehr nach Syrien gefragt, gab die Be-

schwerdeführerin an, sie sei dort vermisst gemeldet worden und ihre Rück-

kehr würde von Nachbarn bestimmt den Behörden gemeldet. Zudem seien 

die syrischen Geheimdienste sehr gut informiert. Sie sei den syrischen Be-

hörden aufgrund von Denunziationen bekannt. Ihre Familie habe ihr ge-

sagt, dass die Behörden mehrmals nach ihr gefragt hätten. Ihre Mutter, ihr 

Bruder und ihre Schwestern lebten mittlerweile auch in der Schweiz. Zwei 

Brüder und eine Schwester lebten in Deutschland. Ihre Brüder seien zum 

Reservedienst aufgeboten worden, was bedeute, dass die ganze Familie 

in Gefahr sei. Ihre Eltern hätten den Behörden mit der Zeit gesagt, dass sie 

zur PKK gegangen sei. Sie seien froh, wenn diese ihnen helfen würden, 

ihre Tochter von der PKK zurückzuholen. Ihre in Syrien zurückgebliebene 

Schwester wechsle immer wieder ihren Aufenthaltsort, um nicht entdeckt 

zu werden. Sollten die Behörden bei ihrem Vater nach ihr fragen, werde er 

bestimmt sagen, dass er keine Beziehung mehr zu ihr pflege. Gemäss ei-

nem bei den Akten liegenden Dokument werde sie gesucht. Es stehe da-

rauf, dass sie vorbestraft sei, was nicht zutreffe. Sollte man ihr vorwerfen, 

dass sie Agentin sei, werde man von ihr verlangen, dass sie für Syrien als 

Agentin oder Informantin arbeite. Würde sie dies akzeptieren, würde sie 

wohl nicht ins Gefängnis geschickt. Als sie in den Irak gekommen sei, hät-

ten einige Beamte versucht, sie sexuell zu belästigen. Ein Mann habe ver-

sucht, sie zu vergewaltigen, ein anderer habe ihr beim Verhör die Hose 

runtergeschoben. Beim letzten Verhör hätten ihr Mitglieder der KDP vorge-

schlagen, sie solle mit ihnen zusammenarbeiten. Aufgrund der geschilder-

ten Belästigungen sei sie psychisch sehr angeschlagen gewesen. Den 

Nordirak habe sie schliesslich verlassen, weil ihr Ehemann und sie bedroht 

worden seien. 

Zur Stützung ihrer Vorbringen gab die Beschwerdeführerin drei Fotografien 

aus ihrer Zeit bei der PKK ab. 

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D.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 22. Dezember 2020 fest, die Be-

schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 

und 2 AsylG nicht, sie werde indessen gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG als 

Flüchtling anerkannt (die Beschwerdeführerin wurde in die Flüchtlingsei-

genschaft ihres Ehemannes einbezogen; Anmerkung des Gerichts). Ihr 

Asylgesuch lehnte das SEM ab und wies sie aus der Schweiz weg. Da der 

Vollzug der Wegweisung nicht zulässig sei, ordnete das SEM die vorläufige 

Aufnahme der Beschwerdeführerin an. Die Staatsangehörigkeit der Be-

schwerdeführerin änderte es von «unbekannt» zu «Syrien». Die miss-

bräuchlich verwendete und auf T._______ lautende (…) Identitätskarte zog 

das SEM gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG ein. 

E.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 21. Januar 2021 erhob die Be-

schwerdeführerin gegen die Verfügung vom 22. Dezember 2020 beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser wurde beantragt, der ange-

fochtene Entscheid sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft der 

Beschwerdeführerin anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, der Beschwerdeführerin seien 

die Prozesskosten zu erlassen. Der Eingabe lag die Übersetzung des bei 

den Akten liegenden Strafregisterauszugs bei. 

F.  

Am 28. Januar 2021 wurde eine Bestätigung über ihre Sozialhilfeunterstüt-

zung betreffend die Beschwerdeführerin vom 25. Januar 2021 eingereicht. 

G.  

Mit Verfügung vom 29. März 2021 hiess Instruktionsrichter das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Akten übermittelte er zur Ver-

nehmlassung an das SEM. 

H.  

In seiner Vernehmlassung vom 7. April 2021 hielt das SEM an seinem 

Standpunkt fest. Das Bundesverwaltungsgericht setzte die Beschwerde-

führerin am 8. April 2021 von der Vernehmlassung in Kenntnis. 

I.  

Mit Eingabe vom 25. Mai 2021 wandte sich die Beschwerdeführerin an das 

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Seite 8 

Bundesverwaltungsgericht. Sie gab Unterlagen zu den in Deutschland ge-

führten Asylverfahren ihrer beiden Brüder ab. 

J. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Akten des Asylverfahrens der 

Mutter der Beschwerdeführerin, U._______ (N …), beigezogen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist somit einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

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3.  

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Verfahrensakten der Mutter der Be-

schwerdeführerin (SEM-Akten N (…), Akten des Bundesverwaltungsge-

richts D-1080/2017), die sich in der Schweiz befindet, beigezogen. Der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, der auch ihre Mutter im Be-

schwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht vertrat, liegen die 

entsprechenden Akten vor. Angesichts des vorliegenden Verfahrensaus-

gangs kann gestützt auf Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG auf die vorgängige Ge-

währung des rechtlichen Gehörs verzichtet werden. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we-

gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus-

druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-

stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 

4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, die Beschwerdeführerin 

habe widersprüchliche Angaben zur behördlichen Suche nach ihr gemacht. 

In der Anhörung vom 22. November 2011 habe sie zunächst geschildert, 

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dass zweimal Behördenmitarbeiter bei ihren Eltern nach ihr gefragt hätten. 

Nach zeitlichen Angaben gefragt, habe sie geantwortet, sie sei die ganze 

Zeit über gesucht worden. Auf die Ungereimtheit angesprochen, habe sie 

gesagt, die Behördenvertreter seien zweimal in kurzen Abständen gekom-

men; sie seien jedoch immer wieder gekommen und kämen immer noch. 

Zudem habe sie geschildert, Mitschülerinnen hätten ihre Mutter über ihren 

Weggang zur PKK unterrichtet. Ihr Vater habe diese Information an den 

Staat weitergeleitet, wonach die Behörden sie zuhause gesucht hätten. Sie 

habe davon erfahren, als sie mit ihrer Mutter erstmals wieder telefoniert 

habe. Während ihrer Zeit bei der PKK habe sie keinen Kontakt zur Familie 

gehabt. In der ergänzenden Anhörung am 28. August 2020 habe sie zu-

nächst angegeben, ihre Eltern hätten eine Vermisstenmeldung bei der Po-

lizei gemacht, sich jedoch nicht getraut, zu sagen, sie sei zur PKK gegan-

gen. Später habe sie berichtet, die Behörden hätten von ihrer Mutter – nicht 

ihrem Vater – erfahren, dass sie bei der PKK sei. Nachbarn – nicht Mit-

schülerinnen – hätten ihre Mutter darüber informiert. Ihre Mutter habe ihr 

von den Behördenbesuchen erzählt, als sie während ihrer Zeit bei der PKK 

– nicht erst danach – mit ihr telefoniert habe. Auf die Unterschiede ange-

sprochen, habe sie jeweils an ihrer Version bei der ergänzenden Anhörung 

festgehalten und versucht, die Widersprüche mit Übersetzungsproblemen 

zu erklären. Dem Protokoll der Anhörung vom 22. November 2011 seien 

keine Hinweise auf Verständigungsschwierigkeiten zu entnehmen. Die An-

hörung habe zwar auf Türkisch stattgefunden, die Beschwerdeführerin 

habe aber gesagt, sie verstehe die Dolmetscherin. Auch bei der BzP, die 

auf Türkisch durchgeführt worden sei, habe sie erklärt, sie verstehe die 

Dolmetscherin gut. Im Protokoll der BzP sei vermerkt, dass eine Anhörung 

auf Türkisch oder Kurdisch durchgeführt werden könne. Aufgrund ihrer Le-

bensgeschichte sei davon auszugehen, dass sie sich auf Türkisch hinrei-

chend verständigen könne. Auch der lange Zeitablauf vermöge die unter-

schiedlichen Darstellungen nicht zu erklären. Die Ausführungen zu den Be-

hördenbesuchen seien zudem äusserst vage und oberflächlich ausgefal-

len. 

Als Beweismittel eingereichte Dokumente würden keiner materiellen Prü-

fung unterzogen, wenn sie käuflich leicht erhältlich seien oder wenn unter-

schiedliche formale und inhaltliche Kriterien bei der Ausstellung eine 

schlüssige Überprüfung verunmöglichten. Der Strafregisterauszug vom 

4. August 2014, in dem vermerkt sei, dass die Beschwerdeführerin verur-

teilt worden sei, und dass eine Vorladung des allgemeinen Sicherheits-

diensts vom 21. Februar 2014 bestehe, sei nicht geeignet, diese Einschät-

zung zu ändern. Das Dokument weise keine fälschungssicheren Merkmale 

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Seite 11 

auf. Es sei bekannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von Dokumenten 

gekauft werden könne. Entsprechend gering sei die Beweiskraft syrischer 

Dokumente. Der Umstand, dass sie das Dokument in der ergänzenden An-

hörung erst am Schluss erwähnt habe, spreche gegen die Echtheit der Ur-

kunde. Es wäre zu erwarten gewesen, dass sie früher in der Anhörung da-

rauf hingewiesen hätte. Sie sei mehrfach gefragt worden, weshalb sie 

glaube, in Syrien gefährdet zu sein. Sie habe sich jeweils auf reine Vermu-

tungen und allgemein gehaltene Aussagen beschränkt. Erst als sie explizit 

gefragt worden sei, ob Unterlagen existierten, scheine sie sich an das Do-

kument erinnert zu haben. Zur angeblichen Verurteilung habe sie keine 

Aussagen machen können. Insgesamt könne nicht geglaubt werden, dass 

die syrischen Behörden sie wegen ihrer PKK-Vergangenheit gesucht hät-

ten beziehungsweise sie weiterhin suchten. 

Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Probleme mit der PKK 

seien mit ihrem Weggang im Jahr 2005 beendet gewesen und flüchtlings-

rechtlich nicht mehr relevant. Den Akten liessen sich keine Hinweise auf 

eine ihr zukünftig drohende Verfolgung seitens der PKK entnehmen, habe 

sie in der ergänzenden Anhörung doch eingeräumt, die PKK habe ihre Kün-

digung letztlich akzeptiert. 

Asylvorbringen, die sich auf den Irak bezögen, seien einzig dann geeignet, 

die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn diese auch im Heimatstaat 

zu einer Verfolgung führten. Aufgrund der Aktenlage sei nicht zu schlies-

sen, dass die Beschwerdeführerin wegen der Probleme mit der KDP in Sy-

rien Nachteile zu befürchten hätte. 

Die Beschwerdeführerin habe nicht glaubhaft machen können, dass die 

syrischen Behörden von ihrer PKK-Tätigkeit erfahren und sie gesucht hät-

ten. Aus den Akten ergäben sich keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, 

dass ihr zukünftig Verfolgung drohen könnte. Bei den Ausführungen der 

Beschwerdeführerin handle es sich um Mutmassungen und Überlegungen 

ohne objektive Grundlage. Da sie die PKK 2005 verlassen und dort keine 

besondere Funktion gehabt habe, sei nicht ersichtlich, welches Interesse 

die syrischen Behörden an ihrer Person haben könnten. 

Soweit die Beschwerdeführerin geltend mache, ihr drohe aufgrund der 

Wehrdienstverweigerung ihrer Brüder eine Reflexverfolgung, sei anzumer-

ken, dass ihr Bruder V._______ gemäss der früheren Praxis des SEM we-

gen Wehrdienstverweigerung am (…) Asyl erhalten habe. Daran anschlies-

send habe das Bundesverwaltungsgericht das SEM mit Urteil D-1080/2017 

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vom 19. November 2018 angewiesen, ihrer Mutter U._______ wegen dro-

hender Reflexverfolgung Asyl zu gewähren. Die Lage ihrer Mutter unter-

scheide sich jedoch in wesentlichen Punkten von der ihrigen. Sie habe die 

elterliche Wohnung 1995 verlassen und sei zwei Jahre später aus Syrien 

ausgereist. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass die syri-

schen Behörden davon ausgingen, sie stehe mit ihren Brüdern in Kontakt 

und könne etwas über deren Verbleib sagen. Der Umstand, dass ihr in 

B._______ lebender Vater offenbar keine nennenswerten Probleme habe, 

spreche gegen eine drohende Reflexverfolgung. Gemäss der aktuellen 

Asylpraxis könne zudem allein aufgrund einer Desertion oder Wehrdienst-

verweigerung nicht auf asylrelevante Verfolgung geschlossen werden, da 

die syrischen Behörden nicht allen Dienstverweigerern oder Deserteuren 

eine regierungsfeindliche Haltung unterstellten. Eine diesbezügliche Be-

strafung erfolge nur dann aus Gründen im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn 

zusätzliche einzelfallspezifische Risikofaktoren vorlägen. Da im Fall ihres 

Bruders derartige Risikofaktoren nicht vorlägen, sei nicht von einer zukünf-

tigen Reflexverfolgung auszugehen. 

Hinsichtlich des Vorbringens, Kurden würden in Syrien verfolgt, sei festzu-

halten, dass die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfol-

gung gemäss Rechtsprechung sehr hoch seien. Seit Beginn der Unruhen 

und des Kriegs in Syrien sei für die dort lebenden Kurden keine Situation 

entstanden, die den Schluss zuliesse, dass diese Personengruppe von kol-

lektiver Verfolgung betroffen sei. Zahlreiche Kurden seien verfolgt worden, 

weil sie sich aktiv in der Opposition betätigt hätten. Viele Kurden seien im 

Kampf oder im Widerstand gegen den IS oder andere Milizen getötet wor-

den. In Nordsyrien stünden Kurden seit der türkischen Militäroffensive im 

Oktober 2019 unter Druck. Insgesamt lasse sich kein ethnisch bedingtes 

Verfolgungsmuster gegen Kurden feststellen, das die Anforderungen an 

eine Kollektivverfolgung erfülle. Folglich seien die Voraussetzungen für die 

Annahme einer Kollektivverfolgung der kurdischen Bevölkerung in Syrien 

nicht gegeben. 

Die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten einerseits den Anforderun-

gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG, anderseits denjenigen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

Mit Verfügung vom (…) sei der Ehemann der Beschwerdeführerin als 

Flüchtling anerkannt worden. Gestützt auf den Grundsatz der Einheit der 

Familie, werde die Beschwerdeführerin ebenfalls als Flüchtling anerkannt. 

D-317/2021 

Seite 13 

Zufolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs werde sie in der 

Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen. 

5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Anhörung vom 22. No-

vember 2011 habe nicht den rechtlichen Anforderungen entsprochen, was 

im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4593/2014 vom 4. Dezember 

2017 festgestellt worden sei. Aus diesem Grund sei der Beschwerdeführe-

rin die Möglichkeit eingeräumt worden, die Befragung unter korrekten Be-

dingungen zu absolvieren. Sie habe bei der ergänzenden Anhörung ge-

sagt, dass sie keine genauen Angaben zu den behördlichen Vorsprachen 

machen könne, da ihre Mutter ihr gesagt habe, die Behörden seien immer 

und immer wieder gekommen. Als die syrischen Behörden erfahren hätten, 

dass sie zur PKK gegangen sei, sei ihr Vater verhört und inhaftiert worden. 

Die Widersprüche, die sich auf den ersten Blick ergäben, lösten sich jeweils 

auf, wenn die Beschwerdeführerin genau erkläre. Der Ablauf sei so gewe-

sen, dass sie von zuhause verschwunden sei. Ihre Mutter habe bei den 

Behörden eine Vermisstenmeldung erstattet; von Nachbarn habe sie erfah-

ren, dass die Beschwerdeführerin sich der PKK angeschlossen habe. Die 

Behörden hätten diese Information ebenfalls erhalten und hätten die Eltern 

besucht, welche sie bestätigt hätten. Der Vater sei beschuldigt worden, 

seine Tochter zur PKK geschickt zu haben, weshalb er verhaftet worden 

sei. Er sei, wohl, weil er ein regimetreuer (…) gewesen sei, wieder freige-

lassen worden, unter der Auflage, seine Tochter auszuliefern, falls sie 

heimkehre. Um seine Loyalität zu demonstrieren, habe der Vater ihre 

Schwestern von der Schule genommen. Die Beschwerdeführerin habe Wi-

dersprüche, die während der ergänzenden Anhörung entstanden seien, im-

mer erklären können. Da die Ereignisse mehrere Jahre zurücklägen, sei 

ersichtlich, dass sie aus ihren Erinnerungen schöpfe und nichts erfinde. Da 

das Gericht eine neue Anhörung angeordnet habe, weil der rechtserhebli-

che Sachverhalt nicht richtig und vollständig erhoben worden sei, dürfe er-

wartet werden, dass sie in der ergänzenden Anhörung den Sachverhalt 

richtig und vollständig darlegen dürfe, ohne dass ihr Widersprüchlichkeit 

der Aussagen vorgehalten werde. Der Strafregisterauszug sei nicht von 

vornherein als Dokument ohne Beweiskraft zu klassifizieren, zumal er ihre 

Aussagen stütze. Die Flüchtlingseigenschaft sei durch die Wahrscheinlich-

keit der Schilderungen begründet. Das Verschwinden der Beschwerdefüh-

rerin habe grosse Auswirkungen auf ihre Familie gehabt. Es sei angesichts 

der Lage in Syrien davon auszugehen, dass die Information betreffend ih-

ren Anschluss an die PKK nicht gelöscht worden sei. Sie sei mit Bestimmt-

heit vorgemerkt. Die Tatsache, dass sie während einer gewissen Zeit zum 

innersten Kreis um Öcalan gehört habe, mache sie zu einer Person, die für 

D-317/2021 

Seite 14 

die syrischen Behörden von besonderem Interesse sei. Sie habe begrün-

dete Furcht vor Verfolgung. 

Dass die Beschwerdeführerin ihr Zuhause im Alter von (…) Jahren verlas-

sen habe, sei kein Grund, dass sie nicht von Reflexverfolgung betroffen 

sein könne. Es sei fraglich, ob für die syrischen Behörden ein Familienzu-

sammenhalt als aufgelöst gelte, weil ein Mitglied der Familie früh weggehe. 

Ein erschwerender Umstand sei, dass sie selbst ein politisches Profil habe. 

Die Wehrdienstverweigerung durch ihren Bruder müsse im Lichte ihrer 

PKK-Vergangenheit als gefährdender Umstand gewertet werden. Ihr Vater 

habe in Syrien eine Stellung, die nicht mit der ihrigen verglichen werden 

könne. Hervorzuheben sei, dass ihrer Mutter im Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts D-1080/2017 vom 19. November 2018 aufgrund von Re-

flexverfolgung Asyl gewährt worden sei. Im Urteil sei ein aus Sicht der sy-

rischen Behörden bei ihrem Bruder vorliegendes oppositionelles Profil fest-

gestellt worden, womit die allfällige Reflexverfolgung gegeben sei. Sie sei 

als Schwester eines als regimefeindlich eingestuften Refraktärs der Gefahr 

ausgesetzt, bei einer Rückkehr nach Syrien ins Blickfeld der Behörden zu 

geraten und folterähnlichen Verhören ausgesetzt zu werden. Eine Re-

flexverfolgung sei auch deshalb nicht auszuschliessen, weil davon auszu-

gehen sei, dass die Behörden nicht davor zurückschreckten, Familienan-

gehörige politisch aktiver Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Verschie-

dene NGOs und der UNHCR hätten darauf hingewiesen, dass Reflexver-

folgung verbreitet sei beziehungsweise eine ganz entscheidende Charak-

teristik des anhaltenden syrischen Konflikts darstelle. Gefährdet seien bei-

spielsweise Angehörige von Dienstverweigerern. Vor diesem Hintergrund 

sei davon auszugehen, dass sie im Zusammenhang mit ihrem gesuchten 

Bruder ins Visier der syrischen Sicherheitsbehörden geraten sei. 

5.3 In der Eingabe vom 25. Mai 2021 wird darauf hingewiesen, dass der 

Ehemann der Beschwerdeführerin seit dem (…) (recte: …) in der Schweiz 

politisches Asyl habe. Zwei ihrer in Deutschland lebenden Brüder hätten 

dort politisches Asyl erhalten. Entgegen der Auffassung des SEM sei sie 

im Falle einer Rückkehr nach Syrien aufgrund ihrer politischen Vergangen-

heit sowie der politischen Aktivitäten ihrer Familie gefährdet, ins Visier der 

syrischen Regierung zu geraten. Ihre Familie lebe, abgesehen vom re-

gimetreuen Vater, ausserhalb Syriens. Dadurch sei die Gefahr einer Re-

flexverfolgung gross. 

 

D-317/2021 

Seite 15 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

6.2 Einleitend ist festzustellen, dass weder das SEM noch das Bundesver-

waltungsgericht Zweifel an den Angaben der Beschwerdeführerin hegen, 

sie habe sich als Teenager der PKK angeschlossen und sich jahrelang bei 

dieser aufgehalten. Aufgrund ihrer Aussagen und der eingereichten Be-

weismittel sind die diesbezüglichen Vorbringen als bewiesen beziehungs-

weise zumindest glaubhaft gemacht zu werten. Bewiesen respektive 

glaubhaft sind auch die Angaben der Beschwerdeführerin dazu, dass sie 

sich nach ihrem Aufenthalt bei der PKK während mehreren Jahren im Nord-

irak aufhielt, wo sie ihren Ehemann kennenlernte und heiratete. 

6.3  

6.3.1 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung, stellte das 

Bundesverwaltungsgericht im Urteil D-4593/2014 vom 4. Dezember 2017 

nicht fest, die Anhörung vom 22. November 2011 habe insgesamt gesehen 

den rechtlichen Anforderungen nicht entsprochen beziehungsweise, der 

rechtserhebliche Sachverhalt sei insgesamt gesehen nicht richtig erhoben 

worden. Im Urteil wurde befunden, dass die Anhörung der Beschwerdefüh-

rerin aufgrund der von ihr gemachten Andeutungen, die nahelegten, sie sei 

sexuellen Übergriffen ausgesetzt worden, in einer gleichgeschlechtlichen 

«Runde» hätte durchgeführt werden müssen, weshalb der Sachverhalt 

nicht als vollständig erhoben bezeichnet werden könne. Dies bedeutet in-

dessen nicht, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin, die sie bei der 

Erstbefragung vom 13. Juli 2011 und der Anhörung vom 22. November 

2011 machte, für die Entscheidfindung generell nicht berücksichtigt werden 

dürften. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Be-

schwerdeführerin in der ergänzenden Anhörung vom 28. August 2020 nicht 

geltend machte, während ihrer Zeit bei der PKK sexuellen Übergriffen aus-

gesetzt gewesen zu sein oder solche beobachtet zu haben, womit die in 

der Beschwerde vom 18. August 2014 seitens des damaligen Rechtsver-

treters geäusserten Vermutungen (vgl. Urteil D-4593/2014 vom 4. Dezem-

ber 2017 E. 4.4.2) durch ihre Angaben nicht bestätigt werden. Damit be-

steht kein Grund zur Annahme, die Beschwerdeführerin habe sich zu den 

Vorkommnissen in der Zeitspanne, während der sie sich in den Reihen der 

PKK befand, in einer der Befragungen nicht frei äussern können. 

D-317/2021 

Seite 16 

6.3.2 Die Beschwerdeführerin gab bei der Erstbefragung an, sie sei arabi-

scher Muttersprache und beherrsche zudem die türkische und die kurdi-

sche Sprache so gut, dass eine Anhörung auch in diesen Sprachen durch-

geführt werden könne (vgl. SEM-act. A5/10 S. 3). Bei der Anhörung sagte 

die Beschwerdeführerin, sie habe sich während ihrer Zeit bei der PKK (sie 

hielt sich rund zehn Jahre bei der PKK auf; Anmerkung des Gerichts) 

hauptsächlich in türkischer Sprache unterhalten (vgl. SEM-act. A13/13 

S. 7). Bei der Erstbefragung sagte sie vor dem Abschluss derselben, sie 

habe die Dolmetscherin gut verstanden (vgl. SEM-act. A5/10 S. 8), und bei 

der Anhörung bestätigte sie, dass sie die Dolmetscherin verstehe (vgl. 

SEM-act. A13/13 S. 1). Aufgrund der beiden Protokolle entsteht denn auch 

nicht der Eindruck, dass zwischen der Beschwerdeführerin und den Dol-

metscherinnen, die sich in türkischer Sprache unterhielten, Verständi-

gungsschwierigkeiten bestanden hätten. Angesichts der Tatsache, dass 

die Anhörung vom 22. November 2011 unter Zeitdruck durchgeführt wurde 

– sie dauerte inklusive Rückübersetzung und 15-minütiger Pause zwei 

Stunden und zehn Minuten (vgl. dazu auch die Beobachtungen der Hilfs-

werksvertretung auf dem Unterschriftenblatt [SEM-act. A13/13 S. 13]) –, ist 

zwar erklärbar, dass die Beschwerdeführerin nicht alle relevanten Vor-

kommnisse in der nötigen Tiefe vorbringen konnte, nicht jedoch, dass sie 

erheblich voneinander abweichende Angaben zu ihren Erlebnissen machte 

(vgl. E. 5.1). 

6.4  

6.4.1 Bei der Erstbefragung gab die Beschwerdeführerin an, sie habe wäh-

rend der Zeit, in der sie sich bei der PKK aufgehalten habe, immer wieder 

Fluchtgedanken gehabt, eine Flucht sei ihr aber nicht gelungen. Sie sei von 

der PKK viermal verhört worden; diese sei zum Schluss gekommen, sie 

benötige eine Erziehung und habe sie in die Berge von I._______ ge-

schickt. Im Jahr 2005 sei sie zusammen mit einer Freundin nach 

C._______ gegangen, wo sie von den irakischen Kurden eine Woche lang 

verhört worden sei (vgl. SEM-act. A5/10 S. 5). Auf Nachfrage antwortete 

sie, sie sei von der PKK wegen Fluchtversuchen zweimal vor einer grossen 

Menschenmenge verhört worden. Einmal sei sie deshalb während fünf, ein 

anderes Mal während zehn Tagen festgehalten worden. Einen dritten 

Fluchtversuch habe sie sich nicht leisten können (vgl. SEM-act. A5/10 

S. 6). 

Im Rahmen der Anhörung sagte die Beschwerdeführerin, sie habe zu ihrer 

Mutter keinen Kontakt gehabt, als sie sich bei der PKK befunden habe. Auf 

Nachfrage bestätigte sie, sie habe in dieser Zeit nie Kontakt zu ihrer Familie 

D-317/2021 

Seite 17 

gehabt (vgl. SEM-act. A13/13 S. 3). Als sie gefragt wurde, ob die syrischen 

Behörden Kenntnis davon hätten, dass sie bei der PKK gewesen sei, ant-

wortete sie, einige hätten in der Schule gesagt, dass sie zur PKK gehe. Auf 

Nachfrage gab sie an, Mitschülerinnen hätten mitgehört, dass sie zur PKK 

mitgenommen werde; nachdem sie gegangen sei, hätten diese Schülerin-

nen ihrer Mutter erzählt, dass sie mit zwei Frauen zur PKK gegangen sei. 

Sie habe davon erfahren, nachdem sie die PKK verlassen und zum ersten 

Mal wieder Kontakt mit ihr gehabt habe. Ihr Vater habe den syrischen Be-

hörden gemeldet, dass sie bei der PKK sei; ihre Mutter habe ihr dies ge-

sagt. Es seien zweimal «Männer vom Staat» bei ihr zuhause gewesen, die 

sich nach ihr erkundigt hätten. Kurz darauf sagte sie, die Männer seien 

zweimal in kurzen Abständen gekommen; sie seien aber auch danach im-

mer wieder gekommen und kämen heute noch. Die Männer hätten sie 

mehr als zehnmal gesucht (vgl. SEM-act. A13/13 S. 5 f. und S. 10). Die 

Beschwerdeführerin führte des Weiteren aus, sie sei insgesamt viermal er-

wischt worden, als sie versucht habe, die PKK zu verlassen. Jedes Mal sei 

sie in einen Raum gestellt worden, wobei zu den anderen PKK-Mitgliedern 

gesagt worden sei, sie sei eine Verräterin und man solle sie fragen, was 

sie angestellt habe (vgl. SEM-act. A13/13 S. 6). Schliesslich habe sie es 

zusammen mit einer Kollegin geschafft, der PKK zu entkommen. Auf Nach-

frage präzisierte sie, sie habe bei der PKK dreimal einen Antrag gestellt, 

um zu «kündigen», was abgelehnt worden sei. Sie habe sich dann mit einer 

Freundin, die auch nicht mehr bei der PKK habe bleiben wollen, in einer 

Nacht weggeschlichen (vgl. SEM-act. A13/13 S. 8). 

Die Beschwerdeführerin führte bei der ergänzenden Anhörung aus, ihre El-

tern hätten nach ihrem Verschwinden bei den syrischen Behörden eine 

Vermisstenmeldung erstatten müssen. Sie hätten sich nicht getraut, den 

Behörden zu sagen, dass sie zur PKK gegangen sei (vgl. SEM-act. A82/22 

S. 5). Sie habe damals selten mit ihrer Mutter gesprochen, die sie davor 

gewarnt habe, nach Syrien zurückzukehren, weil ihr Vater sie den Behör-

den überstellen würde (vgl. SEM-act. A82/22 S. 10). Sie habe die PKK 

nicht ohne Bewilligung verlassen können, da jeder, der fliehe, getötet 

werde. Deshalb habe sie offiziell die Kündigung eingereicht. Danach sei sie 

von der Gruppe entfernt worden und habe in einer Art Schutzraum leben 

müssen. Nach mehreren Monaten habe man ihre Kündigung akzeptiert, 

worauf sie nach S._______ gegangen sei. Ihre Mutter habe ihren Gold-

schmuck verkauft und eine in C._______ ansässige Familie beauftragt, sie 

abzuholen und nach C._______ zu bringen. Nachdem sie dort verhört wor-

den sei, sei sie zu einer in J._______ lebenden Freundin gegangen (vgl. 

SEM-act. A82/22 S. 11). 

D-317/2021 

Seite 18 

6.4.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung beim Vergleich der 

Aussagen, welche die Beschwerdeführerin im Rahmen der drei Befragun-

gen machte, zu Recht festgestellt, dass sie hinsichtlich der Frage, ob sie 

während ihres rund zehnjährigen Aufenthalts bei der PKK Kontakte zu ihrer 

Familie hatte oder nicht, wesentlich voneinander abweichende Aussagen 

machte. Ebenso widersprüchlich sind ihre Angaben dazu, wie sie von der 

PKK losgekommen sei. Unstimmig sind auch ihre Angaben zur Frage, wie 

ihre Familie Kenntnis davon erlangt habe, dass sie zur PKK ging. Die Er-

klärung der Beschwerdeführerin, bei der Übersetzung während der Anhö-

rung habe es bestimmt ein Missverständnis gegeben (vgl. SEM-act. 

A82/22 S. 17), vermag die klarerweise deutlich voneinander abweichenden 

Aussagen, die sie bei der ersten Anhörung teilweise auf Nachfrage hin be-

stätigte, nicht zu erklären. Sowohl die Aussagen der Beschwerdeführerin, 

die bei der Erstbefragung protokolliert wurden, als auch diejenigen im Pro-

tokoll der Anhörung, wurden der Beschwerdeführerin rückübersetzt. Sie 

bestätigte nach Rückübersetzung unterschriftlich, dass das Protokollierte 

ihren Aussagen entspreche (vgl. SEM-act. A5/10 S. 8 und A13/13 S. 12). 

Diesbezüglich ist festzustellen, dass die protokollierten Aussagen, welche 

die Beschwerdeführerin bei der Erstbefragung und der Anhörung machte, 

im Wesentlichen übereinstimmen. Da nicht die gleiche Person für die Über-

setzung der Aussagen eingesetzt wurde, erscheint die Annahme, bei der 

Übersetzung ihrer Aussagen bei der Anhörung sei es zu Missverständnis-

sen und Fehlern gekommen, als nicht überzeugend. 

6.5  

6.5.1 Die Beschwerdeführerin wurde bei der ergänzenden Anhörung ge-

fragt, weshalb sie sich vor den syrischen Behörden fürchte. Sie antwortete, 

sie sei Kurdin und damit eine Feindin der Baath-Partei. Darauf angespro-

chen, dass in Syrien viele Kurden lebten, die nicht gefährdet seien, erwi-

derte sie, sie habe sich der PKK angeschlossen und sei in den Augen der 

syrischen Behörden eine Verräterin. Gefragt, wie die Behörden von ihrer 

PKK-Vergangenheit erfahren haben sollten, sagte sie, Syrien sei ein klei-

ner Staat und die Behörden seien gut informiert. Falls sie zurückkehre, 

werde ein Nachbar oder eine Bekannte Meldung machen. Ausserdem 

habe ihre Mutter damals eine Vermisstenanzeige erstattet. Alle in Syrien 

lebenden Kurden seien in Gefahr. Zum Einwand, es sei normal, dass Eltern 

eines Kindes, das verschwunden sei, eine Vermisstenanzeige erstatteten, 

weshalb dies nicht automatisch zu einer Verfolgung führen müsse, meinte 

die Beschwerdeführerin, das syrische Regime wisse alles. Wenn sie je-

manden von der PKK verhafteten, werde diese Person verhört und man 

D-317/2021 

Seite 19 

zeige ihr Fotos von anderen PKK-Mitgliedern. So sei auch sie den syri-

schen Behörden bekannt geworden. Ihre Familie habe sie informiert, dass 

die syrischen Behörden mehrmals nach ihr gefragt hätten, was bedeute, 

dass diese etwas über ihre Vergangenheit wüssten. Ihre in der Schweiz 

und in Deutschland lebenden Brüder hätten in den Reservedienst einrü-

cken müssen und würden gesucht. Schon wenn nur eine Person aus der 

Familie gesucht werde, sei die ganze Familie in Gefahr. Als sie zur PKK 

gegangen sei, habe ihre Mutter erzählt, dass die Behörden immer wieder 

nach Hause gekommen seien und nach ihr gefragt hätten. Die Behörden 

hätten sie verhaften und befragen wollen. Gefragt, wie die syrischen Be-

hörden von ihrer PKK-Mitgliedschaft erfahren hätten, sagte sie, ihre Mutter 

habe es ihnen gesagt. Die PKK habe ihrer Mutter gesagt, dass sie bei ihr 

sei. Zu einem späteren Zeitpunkt hätten ihre Eltern den Behörden gesagt, 

dass sie zur PKK gegangen sei und sie froh wären, wenn diese ihnen hel-

fen würden, sie zurückzuholen (vgl. SEM-act. A82/22 S. 12 f.). Als die Be-

schwerdeführerin gefragt wurde, ob es Unterlagen dazu gebe, dass sie ge-

sucht werde, antwortete sie, sie habe vor ungefähr acht Jahren ein Doku-

ment eingereicht, in dem stehe, dass sie gesucht werde und «ein Urteil 

habe» (vgl. SEM-act. A82/22 S. 14). 

6.5.2 Das vorstehend wiedergegebene Aussageverhalten der Beschwer-

deführerin bestätigt die Zweifel an ihrer Sachverhaltsdarstellung hinsicht-

lich der Aussage, die syrischen Behörden hätten von ihrer PKK-Zugehörig-

keit erfahren. Sie beantwortete die klar und unmissverständlich gestellte 

Frage, weshalb sie sich vor den syrischen Behörden fürchte, vorerst mit 

allgemeinen Erklärungen, die nicht den Eindruck erwecken, als habe sie 

persönliche Gründe, die eine entsprechende konkrete Furcht als nachvoll-

ziehbar erscheinen liessen. Es erschliesst sich nicht, weshalb die Be-

schwerdeführerin ihre Furcht vor den syrischen Behörden zuerst mit ihrer 

kurdischen Ethnie zu erklären versucht, um dann auszuführen, Syrien sei 

ein kleiner Staat und die syrischen Behörden seien gut informiert, und an-

schliessend zu behaupten, sie sei von anderen PKK-Mitgliedern, die von 

den syrischen Behörden verhört worden seien, identifiziert worden. Da-

nach gab sie an, die syrischen Behörden hätten sich bei ihren Eltern nach 

ihr erkundigt, weshalb sie von ihrer PKK-Vergangenheit erfahren haben 

müssten. Schliesslich legte sie dar, dass die ganze Familie gefährdet sei, 

wenn nach einem Familienmitglied gesucht werde. Erst auf mehrfache 

Nachfrage hin schien ihr einzufallen, dass ihre Mutter die syrischen Behör-

den davon in Kenntnis gesetzt habe, dass sie zur PKK gegangen sei. Das 

Vorbringen der Beschwerdeführerin, die syrischen Behörden wüssten mit 

Bestimmtheit Bescheid über ihre PKK-Vergangenheit, vermag somit nicht 

D-317/2021 

Seite 20 

zu überzeugen. An dieser Einschätzung ändert auch die im Rahmen des 

ersten Beschwerdeverfahrens eingereichte Kopie eines Strafregisteraus-

zugs, der am 4. August 2014 in O._______ ausgestellt worden sein soll, 

nichts. Gemäss den Angaben auf diesem Dokument sei die Beschwerde-

führerin in der Region O._______ registriert und halte sich dort auf. Sie gab 

indessen an, sie stamme aus B._______ und habe bis im Jahr 1995 dort 

gelebt (vgl. SEM-act. A5/10 S. 1). Anschliessend sei sie bis 1998 in 

G._______ gewesen und von dort mit der PKK in den Nordirak verlegt wor-

den. Sie sei danach nie mehr nach Syrien zurückgekehrt. Aus der Lebens-

geschichte der Beschwerdeführerin lassen sich keine Anhaltspunkte dafür 

entnehmen, dass sie in der Region O._______ registriert gewesen sein 

könnte, zumal sie angeblich offiziell als vermisst gemeldet worden sei und 

ihre Familie auch nach ihrem «Verschwinden» weiterhin in B._______ ge-

lebt habe. Dem Dokument ist des Weiteren zu entnehmen, dass die Be-

schwerdeführerin vorbestraft sein soll. Obwohl auf dem Dokument gemäss 

den vorgedruckten Überschriften der Name des Gerichts, die Verbrechen-

sart, das Datum und die Nummer des Urteils sowie die verhängte Strafe 

aufgeführt sein sollten, lässt sich diesem diesbezüglich nichts entnehmen. 

Hingegen ist im Strafregisterauszug vermerkt, dass sich die Beschwerde-

führerin aufgrund einer entsprechenden, vom 21. Februar 2014 datieren-

den Vorladung beim allgemeinen Sicherheitsdienst melden solle, was zu-

mindest ungewöhnlich erscheint. Das der eingereichten Kopie zu Grunde 

liegende Dokument ist entsprechend dieser Erwägungen in freier richterli-

cher Beweiswürdigung als nicht authentisch zu erachten. 

6.6 Zusammenfassend erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als we-

der bewiesen noch glaubhaft gemacht, dass die syrischen Behörden von 

der Familie der Beschwerdeführerin oder von anderen Personen davon in 

Kenntnis gesetzt wurden, dass die Beschwerdeführerin sich der PKK an-

schloss und während rund zehn Jahren in deren Reihen stand. Aus den 

vorstehend genannten Gründen ist auch nicht davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin von den syrischen Behörden bei ihren Eltern gesucht 

wurde. Den Aussagen der Mutter der Beschwerdeführerin ist nichts zu ent-

nehmen, das diese Schlussfolgerung relativieren würde. 

6.7  

6.7.1 In der Eingabe vom 25. Mai 2021 wird geltend gemacht, dem Ehe-

mann der Beschwerdeführerin sei in der Schweiz politisches Asyl gewährt 

worden. Diese Behauptung ist aktenwidrig, da dieser vom SEM mit Verfü-

gung vom (…) aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe zwar als Flüchtling 

vorläufig aufgenommen, sein Asylgesuch aber abgelehnt wurde. Dies ist 

D-317/2021 

Seite 21 

dem die Eingabe verfassenden Rechtsvertreter, dem die erwähnte Verfü-

gung eröffnet wurde, bekannt. 

6.7.2 Des Weiteren wird in der Eingabe vom 25. Mai 2021 angeführt, zwei 

Brüder der Beschwerdeführerin hätten in Deutschland Asyl erhalten. Auch 

diese Behauptung ist unzutreffend, da ihrem Bruder W._______ gemäss 

der Kopie eines Bescheids des deutschen Bundesamtes für Migration und 

Flüchtlinge vom (…) zwar die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt, sein An-

trag auf Asylanerkennung aber abgelehnt wurde. Der Kopie eines Schrei-

bens des genannten deutschen Bundesamtes vom (…) ist zu entnehmen, 

dass dem Bruder P._______ die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde. 

Ob ihm Asyl gewährt wurde, ist den eingereichten Dokumentenkopien nicht 

zu entnehmen. 

6.7.3 In der Beschwerde wird zutreffend darauf hingewiesen, dass dem 

Bruder der Beschwerdeführerin, V._______ (N …), und ihrer Mutter, 

U._______, mit Verfügungen des SEM vom (…) beziehungsweise vom (…) 

in der Schweiz Asyl gewährt wurde. 

7.  

7.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu 

werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die 

Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder 

werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit 

in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende 

Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem 

Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-

schluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die 

begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und 

zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. An-

spruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat somit nur, wer im Zeit-

punkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus-

D-317/2021 

Seite 22 

gesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusseren, nach der Aus-

reise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, 

bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile befürchten 

müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe [vgl. zum Ganzen BVGE 

2011/51 E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 und 3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 

2008/12 E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl, 

in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, 

Rz.11.17 und 11.18]). 

7.2 Die in Syrien herrschende politische und menschenrechtliche Lage 

wurde durch das Bundesverwaltungsgericht ausführlich gewürdigt (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.2 sowie Urteil D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 [als 

Referenzurteil publiziert] E. 5.3 und 5.7.2, jeweils mit weiteren Nachwei-

sen). Durch eine Vielzahl von Berichten ist belegt, dass die staatlichen sy-

rischen Sicherheitskräfte seit Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen 

tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und 

Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich an regimekritischen De-

monstrationen beteiligten, sind in grosser Zahl von Verhaftung, Folter und 

willkürlicher Tötung betroffen. Personen, die durch die staatlichen syri-

schen Sicherheitskräfte als Gegner des Regimes identifiziert werden, ha-

ben eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. 

7.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in BVGE 2015/3 und BVGE 

2020 VI/4 auch einlässlich mit der Frage auseinandergesetzt, welche asyl-

rechtliche Relevanz der Entziehung von der Dienstpflicht in der staatlichen 

syrischen Armee zukommt. Dabei wurde festgehalten, dass eine Wehr-

dienstverweigerung oder Desertion für sich allein die Flüchtlingseigen-

schaft nicht zu begründen vermag. Nur wenn die betroffene Person des-

wegen eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen im 

Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt, erfüllt sie die Flüchtlingseigen-

schaft. Eine asylrechtlich relevante Verfolgung liegt insbesondere dann vor, 

wenn eine Person aufgrund ihrer Dienstverweigerung als politischer Geg-

ner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde. 

Gemäss Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts reicht eine Wehr-

dienstverweigerung im syrischen Kontext für sich allein genommen nicht 

aus, um die Flüchtlingseigenschaft zu erfüllen. Vielmehr ist erforderlich, 

dass bei einer asylsuchenden Person weitere Umstände hinzutreten, die 

darauf schliessen lassen, dass eine Person als Regimegegner angesehen 

wird und somit aus politischen Gründen eine unverhältnismässige Strafe 

zu befürchten hat. 

D-317/2021 

Seite 23 

7.4 Unter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen oder Behelli-

gungen von Angehörigen einer aus Sicht der Behörden missliebigen Per-

son aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass diese einer gesuchten, 

politisch unbequemen Person nicht habhaft werden oder schlechthin von 

deren politischer Exponiertheit auf eine solche auch bei Angehörigen 

schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexverfolgung kann insbesondere 

darin liegen, Informationen über gesuchte Personen zu erlangen, bezie-

hungsweise Geständnisse von Inhaftierten zu erzwingen. 

7.5 Die Beschwerdeführerin würde bei einer Rückkehr nach Syrien mit ho-

her Wahrscheinlichkeit aus verschiedenen Gründen einer eingehenden be-

hördlichen Überprüfung unterzogen. Den syrischen Sicherheitsbehörden 

dürfte nicht entgangen sein, dass sie während über 25 Jahren «unbekann-

ten Aufenthalts» beziehungsweise landesabwesend war. Des Weiteren 

dürfte ihnen bekannt sein, dass mehrere ihrer Brüder Syrien verliessen, um 

keinen (Reserve)Dienst leisten zu müssen, und auch ihre Mutter nicht mehr 

in Syrien weilt. Da die Beschwerdeführerin aus Westeuropa nach Syrien 

zurückkehren müsste, würde aus Sicht der syrischen Behörden nahelie-

gen, dass sie mit ihren Brüdern beziehungsweise ihrer Mutter in Kontakt 

gestanden haben könnte. Sie würde bei einer Rückkehr mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit intensiven Befragungen zu ihrer eigenen Vergangen-

heit sowie zum Verbleib ihrer Brüder und ihrer Mutter ausgesetzt und in-

haftiert. Naheliegend ist ausserdem, dass die syrischen Sicherheitsbehör-

den im Rahmen von Abklärungen über ihre Vergangenheit Hinweise auf 

ihre ehemalige PKK-Mitgliedschaft erhielten, beziehungsweise während ei-

nes Verhörs von ihr selbst entsprechende Angaben erwirkten. Das Bun-

desverwaltungsgericht hat bereits im Urteil D-1080/2017 vom 19. Novem-

ber 2018 ihre Mutter betreffend erwogen, dass ihrem Bruder V._______ 

aus flüchtlingsrechtlich relevanten Gründen in der Schweiz Asyl gewährt 

wurde. Da sich ihr Bruder seit längerer Zeit nicht mehr in Syrien aufhält, 

dürften sich die Verdachtsmomente gegen ihn aus der Sicht des Regimes 

zusätzlich bestätigt haben. Mithin liegen in Bezug auf die Beschwerdefüh-

rerin objektive Nachfluchtgründe im Sinne einer nachträglich entstandenen 

Gefahr vor (Reflex)Verfolgung vor. Der Umstand, dass der in B._______ 

lebende Vater der Beschwerdeführerin offenbar keine nennenswerten 

Probleme hat, spricht entgegen der vom SEM vertretenen Auffassung nicht 

gegen eine ihr drohende Reflexverfolgung. Sie sagte übereinstimmend mit 

ihrer Mutter aus, dass sich ihr regimetreuer Vater von seiner Familie dis-

tanziert habe und heute mit einer anderen Frau als ihrer Mutter zusammen-

lebe. Aufgrund der Nähe ihres Vaters zum syrischen Regime – er sei bis 

zu seiner Pensionierung bei (…) beschäftigt gewesen – ist nachvollziehbar, 

D-317/2021 

Seite 24 

dass er aufgrund der Ausreise seiner Söhne und der von ihm verlassenen 

Ehefrau keine ernsthaften Probleme hat(te). 

7.6 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde-

führerin die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Aus 

den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte für eine Asylunwür-

digkeit im Sinne von Art. 53 AsylG. Die Beschwerdeführerin wurde gemäss 

ihren glaubhaften Aussagen im jugendlichen Alter unter falschen Verspre-

chungen zur PKK gebracht und verliess diese im Jahr 2005 aus eigenem 

Antrieb. Im Rahmen der Befragungen distanzierte sie sich ebenso glaub-

haft von der PKK wie sie versicherte, sie habe seit geraumer Zeit keine 

Verbindungen mehr zu dieser Organisation. Unbesehen der Frage, ob sie 

an Kampfhandlungen teilnahm oder nicht – was sie im Rahmen ihrer Be-

fragungen verneinte –, wäre ein Ausschluss vom Asyl aufgrund der vorste-

henden Erwägungen im heutigen Zeitpunkt nicht verhältnismässig. Die Be-

schwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und das SEM anzuweisen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl zu 

gewähren.  

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädigung 

für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen 

(Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. 

Der notwendige Vertretungsaufwand ist daher aufgrund der Akten festzu-

legen (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehen-

den Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist das SEM anzuweisen, der 

Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1000.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)   

D-317/2021 

Seite 25 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.   

2.  

Die Verfügung des SEM vom 22. Dezember 2020 wird aufgehoben. Das 

SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1000.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler