# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09fc2438-b21b-5861-9daf-1d62515f95dc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-11-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Zivilkammer 05.11.2002 ZF 2002 63
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_006_ZF-2002-63_2002-11-05.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 05. November 2002 Schriftlich mitgeteilt am: 
ZF 02 63

Urteil
Zivilkammer

Vizepräsident Schlenker, Kantonsrichterinnen und Kantonsrichter Heinz-Bommer, 
Rehli, Sutter-Ambühl und Vital, Aktuar Engler.

——————

In der zivilrechtlichen Berufung

der S. L.-P., Klägerin und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. 
Adolf Hörler, Plazza da Scoula 10, Postfach 223, 7500 St. Moritz,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtes M a l o j a  vom 3. Juli 2002, mitgeteilt am 10. Juli 
2002, in Sachen der Klägerin und Berufungsklägerin gegen C. P., Beklagte und 
Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Schimun Vonmoos, 
Quaderstrasse 16, 7000 Chur,

betreffend Erbteilung,

hat sich ergeben:

2

A. Am Y. verstarb der in St. Moritz wohnhaft gewesene R. P.. Er hinter-
liess als einzige Erbinnen seine beiden Töchter S. L.-P. und C. P..

Mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde des Kreises Oberengadin vom 
3. Juni 1987 war für R. P. eine Mitwirkungs- und Verwaltungsbeiratschaft errichtet 
worden, wobei zum Beirat Rechtsanwalt lic. iur. Thomas J. Meile, St. Moritz, er-
nannt wurde. Nach dem Ableben des Verbeirateten betrauten die beiden Erbinnen 
Rechtsanwalt Meile mit der Verwaltung des Nachlasses sowie der Mithilfe bei der 
Teilung.

Im Verlauf der erbrechtlichen Auseinandersetzung kam es insoweit zu Mei-
nungsverschiedenheiten, als S. L.-P. gestützt auf entsprechende Quittungen gel-
tend machte, sie habe ihrem Vater zwei zu 5,5 % verzinsliche Darlehen gewährt, 
eines in der Höhe von Fr. 50'000.– am 30. Oktober 1986 und eines im Betrage 
von Fr. 100'000.– am 16. April 1987. C. P. macht demgegenüber geltend, es be-
stehe keine hinlängliche Gewissheit, dass ihre Schwester ihrem Vater die genann-
ten Gelder tatsächlich zur Verfügung gehalten habe.

B. Am 21. August 2001 machte S. L.-P. gegen C. P. beim Kreispräsi-
denten Oberengadin als Vermittler eine Erbteilungsklage anhängig. Laut dem Leit-
schein vom 25. Oktober 2001 hatten die Parteien an der Sühneverhandlung vom 
4. Oktober 2001 die folgenden Anträge gestellt:

Klägerisches Rechtsbegehren:

„1. Es sei der zum Zeitpunkt der Klageeinreichung noch unverteilte 
Nachlass des am Y. verstorbenen Erblassers R. P., wohnhaft 
gewesen in St. Moritz, richterlich festzustellen.

2. Es sei richterlich festzustellen, dass der Klägerin eine Forderung 
an den Nachlass in Höhe von insgesamt CHF 150'000.00 aus 
zwei dem Erblasser zu seinen Lebzeiten gewährten Darlehen 
samt Zins zu 5,5 % seit den jeweiligen Darlehensgewährungen 
bis zur definitiven Teilung des Nachlasses zusteht.

3. Richterliche Teilung des noch verbleibenden Nachlassvermö-
gens unter Berücksichtigung dieser Darlehensforderung der 
Klägerin samt Zinsen.

4. Richterliche Anweisung an den von den Parteien als Erbinnen 
bevollmächtigten Verwalter des Nachlasses, Herrn Rechtsan-
walt lic. iur. Thomas J. Meile, St. Moritz, die richterlich festge-
stellten Treffnisse an die Parteien auszuzahlen.

3

5. Im Sinne einer vorsorglichen Verfügung wird die richterliche An-
ordnung zur Weiterführung der Verwaltung des Nachlasses bis 
zu einem rechtskräftigen Gerichtsentscheid und erfolgter defini-
tiver Erbteilung durch Rechtsanwalt Thomas J. Meile beantragt.

6. Unter voller vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergericht-
licher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklag-
ten.“

Beklagtisches Rechtsbegehren:

„1. Abweisung der Klage.

2. Unter voller vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergericht-
licher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin.“

C. Mit Prozesseingabe vom 13. November 2001 unterbreitete S. L.-P. 
die Streitsache dem Bezirksgericht Maloja, wobei sie an ihren Rechtsbegehren 
gemäss Leitschein festhielt.

In ihrer Prozessantwort vom 21. Januar 2002 liess C. P. den Antrag stellen:

„1. Sämtliche Rechtsbegehren mit Ausnahme von Ziffer 2 und 6 ent-
sprechen den Wünschen und Intentionen der Beklagten.

2. Es sei festzustellen, dass die Forderung der Klägerin im Betrage 
von Fr. 150'000.–, plus Zinsen, ungerechtfertigt ist.

3. Aus all diesen und noch zu erwähnenden Gründen sei die Klä-
gerin zu verpflichten, sämtliche gerichtlichen und aussergericht-
lichen Kosten zu tragen.“

Es wurde kein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt.

D. Mit Urteil vom 3. Juli 2002, mitgeteilt am 10. Juli 2002, erkannte das 
Bezirksgericht Maloja:

„1. Die Klage wird teilweise gutgeheissen und der Nachlassverwal-
ter wird angewiesen, den restlichen, bei Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteils vorhandenen Nachlass des R. P. selig, verstorben 
Y., zu gleichen Teilen unter den Parteien aufzuteilen, ohne 
Berücksichtigung der von der Klägerin geltend gemachten Dar-
lehen in Höhe von CHF 150'000.– nebst Zins.

2. Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von 
CHF 8000.–, einem Streitwertzuschlag von CHF 3000.– sowie 

4

Schreibgebühren von CHF 500.–, sowie die vermittleramtlichen 
Kosten von CHF 220.– werden der Klägerin auferlegt.

3. Die Klägerin wird verpflichtet, die Beklagte mit CHF 14'899.70 
ausseramtlich zu entschädigen.

4. Gegen dieses Urteil kann innert 20 Tagen seit Mitteilung beim 
Bezirksgerichtspräsidium Maloja zuhanden des Kantonsgerich-
tes Graubünden Berufung erklärt werden.

5. Mitteilung an: ...

E. Hiergegen liess S. L.-P. am 27. August 2002 Berufung an die Zivil-
kammer des Kantonsgerichtes erklären mit dem Begehren:

„1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Maloja im Fall Nr. 99/01 vom 
03./10.07.02 sei vollumfänglich aufzuheben.

2. In Gutheissung der Klage und der Berufung sei richterlich fest-
zustellen, dass der Klägerin eine Forderung an den Nachlass 
des am Y. verstorbenen Erblassers R. P., wohnhaft gewesen in 
St. Moritz, zufolge Darlehensgewährungen von CHF 50'000.00 
am 30.10.1986 und von CHF 100'000.00 am 16.04.1987 
gemäss Quittungen, total demnach CHF 150'000.00 zuzüglich 
Zins von 5,5 % seit den Daten der jeweiligen Darlehensge-
währungen bis zur definitiven Teilung des Nachlasses zusteht.

Eventuell sei der Zinssatz für den Betrag von CHF 50'000.00 seit 
dem 30.10.1986 mit 5,5 % und für den Betrag von CHF 
100'000.00 seit dem 16.04.1987 mit 5 % festzulegen.

3. Richterliche Feststellung, dass der gesamte Nachlass unter 
Berücksichtigung der Erbschaftsschuld von CHF 150'000.00 
gemäss vorstehender Ziff. 2 zuzüglich Zinsen je zur Hälfte auf 
die Parteien aufzuteilen ist.

4. Richterliche Anweisung an den Nachlassverwalter, Rechtsan-
walt lic. iur. Thomas J. Meile, St. Moritz, die entsprechende Tei-
lung unter den Parteien vorzunehmen.

5. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge, letztere zuzüg-
lich 7,6 % MWSt., für beide Instanzen zulasten der Beklagten 
und Berufungsbeklagten.“

F. Anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 5. November 2002 vor 
der Zivilkammer bestätigte der Rechtsvertreter von S. L.-P. die schriftlichen Beru-
fungsbegehren, während C. P. beantragen liess, es sei die Berufung abzuweisen, 
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Gegenpartei. Auf die wei-

5

teren Ausführungen der Parteivertreter zur Begründung ihrer Rechtsbegehren 
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. – Rechtsanwalt Von-
moos gab überdies seine Plädoyernotizen sowie eine Kopie einer bereits einge-
legten Urkunde zu den Akten.

Die Zivilkammer zieht in Erwägung:

1. Im Prozess der Erbin S. L.-P. gegen ihre Miterbin C. P. will die Klä-
gerin im Grunde gerichtlich feststellen lassen, dass ihr im Rahmen der Teilung des 
noch verbleibenden Nachlasses ihres verstorbenen Vaters – wie von ihm aus-
drücklich angeordnet – vorab die Darlehen zurückzubezahlen seien, die er von ihr 
seinerzeit erhalten habe. Wie bei anderen Ansprüchen, die durch den Tod des 
Erblassers entstanden sind oder die sonstwie in engem Zusammenhang mit dem 
Erbfall stehen, handelt es sich auch hierbei um eine erbrechtliche Klage, welche 
gemäss Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Gerichtsstand in Zivilsachen 
(Gerichtsstandsgesetz, GestG) – abweichende Parteivereinbarungen vorbehalten 
– beim Gericht am letzten Wohnsitz des Erblassers oder der Erblasserin anzuhe-
ben ist (vgl. Harold GRÜNINGER, Kommentar zum Gerichtsstandsgesetz [Hrsg.: Tho-
mas MÜLLER und Markus WIRTH], Z. 2001, Art. 18 GestG N. 21; LEUCH/MARBACH/KEL-
LERHALS/STERCHI, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, Bern 2000, Art. 
30 Rz. 2.a und 2.b). Da R. P. vor seinem Tod während vielen Jahren in St. Moritz 
gelebt hatte, wo er während langer Zeit auch als A. tätig gewesen war, er also an 
diesem Ort, einer im Bezirk Maloja gelegenen Gemeinde, offenkundig seinen letz-
ten Wohnsitz besass, durfte die von S. L.-P. angerufene Vorinstanz ihre örtliche 
Zuständigkeit zu Recht bejahen. Dies blieb denn auch von Seiten der Parteien 
völlig unbestritten.

Vermögensrechtliche Klagen im Betrag von über Fr. 8000.–, wie hier eine 
zu beurteilen war, fallen gemäss Art. 19 Ziff. 1 ZPO in die sachliche Zuständigkeit 
des jeweiligen Bezirksgerichts, hier also jenes von Maloja, so dass auch insoweit 
einem Eintreten auf die Streitangelegenheit durch die Vorinstanz nichts entgegen-
stand.

6

Bezirksgerichtliche Urteile im Sinne von Art. 19 ZPO, seien sie in vermö-
gensrechtlichen (Ziff. 1) oder nicht vermögensrechtlichen Streitsachen (Ziff. 2) er-
gangen, können gemäss Art. 218 Abs. 1 ZPO mit Berufung bei der Zivilkammer 
des Kantonsgerichtes angefochten werden. Da dieses Rechtsmittel im vorliegen-
den Fall innert Frist ergriffen wurde (Art. 219 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und da die Wei-
terzugserklärung überdies den gesetzlichen Formerfordernissen entspricht (Art. 
219 Abs. 1 Satz 2 ZPO), ist darauf grundsätzlich einzutreten.

An einem rechtlich schützenswerten Interesse als Eintretensvoraussetzung 
fehlt es indessen von vornherein insoweit, als mit der Berufung eine gerichtliche 
Feststellungserklärung erlangt werden soll, wonach die Parteien je zur Hälfte An-
spruch auf den nach der Erledigung der vorliegenden Angelegenheit verbleiben-
den Nachlass von R. P. besitzen würden. Dies war zwischen den beiden Töchtern 
des Erblassers im ganzen Verfahren gar nie streitig. Ebenso wenig besteht für die 
Weiterzugsinstanz Anlass, dem nicht amtlich bestellten, sondern durch die beiden 
Erbinnen beigezogenen Nachlassverwalter Thomas J. Meile irgendwelche Wei-
sungen darüber zu erteilen, wie er bei der weiteren Teilung vorzugehen habe. Hier 
bei Bedarf tätig zu werden, ist allein Sache der Klägerin und der Beklagten. – In 
diesen zwei Punkten kann also auf die Berufung nicht eingetreten werden.

2. Hauptinhalt eines Darlehensvertrages bildet im Normalfall einerseits 
die Verpflichtung des Darleihers, dem Borger am vereinbarten Geldbetrag Eigen-
tum zu verschaffen (Aushändigungspflicht) und ihm für die Dauer des Vertrages 
den Wertgebrauch an der Darlehenssumme zu erhalten (Belassungspflicht), 
während anderseits der Borger zur Rückerstattung einer gleich grossen Summe 
Geldes verpflichtet ist (vgl. Heinz SCHÄRER, Basler Kommentar zum Schweizeri-
schen Privatrecht, Obligationenrecht I, 2. Aufl., Basel und Frankfurt am Main 1996, 
Art. 312 OR N. 1, 6 und 11).

Wer auf Rückzahlung eines Darlehens klagt, hat also nicht nur die Aushän-
digung des Geldes zu beweisen, sondern ebenso – und zwar in erster Linie – das 
Bestehen eines Darlehensvertrages und demzufolge auch die daraus fliessende 
Rückerstattungspflicht (vgl. BGE 83 II 209, 210; LGVE 1975-I-255-312, SCHÄRER, 
a. a. O., Art. 318 OR N. 34). Dabei kann im Einzelfall der blosse Empfang einer 
bestimmten Geldsumme durchaus ein ausreichendes Indiz für die Annahme eines 
Darlehensvertrages mit dem für ihn typischen Rückforderungsanspruch bilden, 
dann nämlich, wenn sich die Aushändigung des Geldes nach der aus den konkre-

7

ten Umständen gewonnenen Überzeugung des Richters nicht anders erklären 
lässt als durch das Vorliegen einer derartigen Vereinbarung (vgl. BGE 83 II 210; 
LGVE-1975-I-255-313).

3. In zwei schriftlichen, als Quittung bezeichneten und von ihm eigen-
händig unterschriebenen Erklärungen vom 30. Oktober 1986 und 16. April 1987 
bestätigte R. P., von S. L.-P. Geldbeträge von Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– er-
halten zu haben. Zusätzlich findet sich in jeder der beiden Urkunden eine aus-
drückliche Anordnung des Empfängers, dass die angeführte Summe seiner Toch-
ter S. im Rahmen der Erbteilung (zuzüglich Zins) zurückzubezahlen sei. Damit 
wurde deutlich gemacht, dass die Gelder, deren Empfang R. P. quittierte, keine 
Schenkung darstellten, sondern dass es sich hierbei um rückzahlbare Darlehen 
handelte. Irgendwelche Anhaltspunkte, dass die Unterschriften auf den beiden Do-
kumenten nicht vom Vater der heutigen Parteien stammen könnten, sind nicht er-
sichtlich. Sie weisen denn auch gegenüber den Unterschriften auf anderen Ak-
tenstücken keine ins Auge springenden Abweichungen auf, welche den Verdacht 
einer Fälschung entstehen lassen könnten. Ebenso wenig gibt es Hinweise, dass 
R. P. – von seiner Tochter getäuscht oder übermässig unter Druck gesetzt – an 
den genannten, mehrere Monate auseinander liegenden Daten den Empfang von 
Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– förmlich bestätigt habe, obwohl ihm solche Zahlun-
gen lediglich (möglicherweise nicht einmal ernst gemeint) in Aussicht gestellt wor-
den seien, und erst recht jeder Grundlage entbehren würde die Vermutung, dass 
er im Einvernehmen mit der Klägerin eine Darlehenshingabe gar fingiert habe. 
Insgesamt betrachtet muss bei dieser Sachlage der S. L.-P. obliegende Beweis, 
dass sie ihrem Vater zwei Darlehen über Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– ein-
geräumt habe, die erst nach seinem Tod zur Rückzahlung fällig werden sollten, 
als gelungen angesehen werden.

Was hiergegen von C. P. und ihren Einwendungen folgend im angefochte-
nen Urteil des Bezirksgerichtes Maloja vorgebracht wird, vermag das bisher Ge-
sagte nicht zu erschüttern. – Nur weil für R. P. am 3. Juni 1987, offenbar auf eige-
nes Begehren, eine Mitwirkungs- und Verwaltungsbeiratschaft errichtet wurde, 
darf daraus nicht einfach geschlossen werden, dass er im Herbst 1986 und Früh-
jahr 1987 die Bedeutung einer Quittung samt Rückzahlungsverpflichtung nicht 
mehr zu ermessen vermochte. Es ist ohne weiteres verständlich, dass ihm die mit 
dem Besitz von zwei Liegenschaften (darunter einer Parzelle mit einem Mehrfa-

8

milienhaus in T.) verbundenen Umtriebe allmählich zu mühselig wurden. Dies be-
sagt aber noch nicht, dass er bereits durch nicht besonders komplizierte, mit wenig 
Aufwand verbundene Geschäfte wie die hier interessierende Darlehensge-
währung überfordert war. In einem Zwischenbericht an die Vormundschafts-
behörde des Kreises Oberengadin vom 26. Januar 1988 führte denn auch der Bei-
rat aus, dass R. P. trotz seines fortgeschrittenen Alters sowohl in körperlicher wie 
in geistiger Hinsicht einen gesunden Eindruck erwecke. – Ebenso unverfänglich 
ist, dass offenbar keine der Personen aus dem Umfeld des späteren Erblassers 
(Beirat, Treuhänder, Tochter C.) über die Darlehen unterrichtet war, welche S. L.-
P. ihrem Vater eingeräumt hat. Diesbezüglich war er niemandem Rechenschaft 
schuldig, und es ist auch keineswegs aussergewöhnlich, dass Darlehen unter na-
hen Verwandten in Steuererklärungen nicht ausgewiesen werden. – Nicht gesagt 
werden kann weiter, dass sich die Vorstellung, R. P. habe eine Tochter um ein 
Darlehen gebeten, mit seiner Persönlichkeit und seinem bescheidenen Lebens-
wandel nicht vertrage. Dem ist gerade nicht so, behauptet doch auch die andere 
Tochter (die Beklagte), dass sie ihrem Vater auf dessen Ersuchen hin mehrfach 
Darlehen gewährt habe, und aus dem bereits erwähnten Bericht des Beirates geht 
hervor, dass am 3. Juli 1987 eine bestehende Hypothek erhöht wurde; im hier 
interessierenden Zeitraum bestand also offensichtlich ein Finanzierungsbedarf 
(Sanierung Liegenschaft T., Pflegekosten). Über die von C. P. stammenden Dar-
lehen war übrigens der Treuhänder ihres Vaters so wenig auf dem Laufenden wie 
über jene der anderen Tochter, so dass auch sie in den jeweiligen Steuererklärun-
gen nicht aufschienen. – Für die vordergründige Auffälligkeit, dass zu Lebzeiten 
von R. P. die Darlehen von C. P. dann doch noch einem weiteren Kreis bekannt 
wurden, nicht aber jene von S. L.-P., gibt es wiederum eine plausible Erklärung. 
Da die Wohnliegenschaft des Erblassers zu tragbaren Bedingungen auf die Be-
klagte übergehen sollte (vgl. etwa die bei den Editionsakten liegende Erklärung 
von R. P. vom 8. Mai 1987), war es nahe liegend, in der öffentlichen letztwilligen 
Verfügung vom 19. November 1986 bzw. im Kauf- und Erbvorbezugsvertrag vom 
8. Mai 1987 all jene Forderungen ausdrücklich anzuführen, welche die Erwerberin 
mit dem Übernahmepreis würde verrechnen können. Solches auch bezüglich der 
Klägerin vorzukehren, bestand demgegenüber kein Anlass, wurde sie doch nicht 
in vergleichbarer Weise bedacht. – Dass schliesslich S. L.-P. zur Herausgabe 
sämtlicher einschlägiger Unterlagen durch die Steuerbehörden des Kantons Z. im 
Prozess nicht Hand bot, muss nicht zwingend mit der vorliegenden Streitsache 
zusammenhängen und belegt jedenfalls noch nicht, dass sie im fraglichen Zeit-

9

raum völlig mittellos und selbst mit Hilfe ihres damaligen Ehemannes zur Ausrich-
tung von Darlehen nicht in der Lage gewesen sei.

Aus all dem erhellt, dass S. L.-P. mit ihrer Klage und Berufung insoweit 
durchzudringen vermag, als sie gerichtlich festgestellt wissen will, dass ihr ge-
genüber dem Nachlass ihres verstorbenen Vaters noch Forderungen in der Höhe 
von Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– zustehen würden.

Keiner näheren Begründung bedarf schliesslich, dass die Darlehensrück-
zahlung zuzüglich Zins zu erfolgen hat, wurde dies doch vom Borger in den beiden 
Urkunden vom 30. Oktober 1986 und 16. April 1987 ausdrücklich zugestanden. 
Dabei anerkannte er hinsichtlich des Darlehens von Fr. 50'000.– einen Zinssatz 
von 5,5 %, während in Bezug auf den zweiten Betrag von Fr. 100'000.– dessen 
Verzinslichkeit wenigstens dem Grundsatz nach festgehalten wurde. Damit 
bestände an sich gemäss Art. 314 Abs. 1 OR eine Vermutung zugunsten jenes 
Zinsfusses, der zur Zeit und am Ort des Darlehensempfanges für die betreffende 
Art von Darlehen üblich war. Da die Höhe dieses Satzes indessen im Verfahren 
völlig unbewiesen geblieben ist, kommt Art. 73 Abs. 1 OR als ergänzendes Recht 
zur Anwendung; er sieht in solchen Fällen einen Zinssatz von 5 % vor (vgl. BGE 
126 III189 und 192 = Pra 2000-119-702, 705). Dass die Verzinsung bei Bejahung 
der Rückzahlungsverpflichtung ab dem 30. Oktober 1986 bzw. dem 16. April 1987 
zu erfolgen hat, blieb im Prozess unbestritten.

4. Nachdem S. L.-P. vor Bezirksgericht Maloja im eigentlichen Streit-
punkt mit ihren Begehren noch vollumfänglich unterlegen war, erreichte sie nun-
mehr mit ihrer Berufung gegen den Widerstand der Beklagten die Aufhebung des 
angefochtenen Urteils sowie die richterliche Feststellung, dass die von ihr gegenü-
ber dem Nachlass ihres verstorbenen Vaters geltend gemachten Darlehensforde-
rungen samt Zins Bestand hätten, wobei sie sich lediglich insoweit einen geringen 
Abstrich gefallen lassen musste, als auf einen Betrag von Fr. 100'000.– statt des 
mit dem Hauptantrag verlangten Zinses von 5,5 % bloss der im Eventualbegehren 
genannte Zins von 5 % zu entrichten ist. Bei dieser Sachlage rechtfertigt es sich, 
die Kosten der Vermittlung sowie jene des erst- und zweitinstanzlichen Gerichts-
verfahrens vollumfänglich C. P. zu überbinden.

Als obsiegende Partei besitzt die Klägerin und Berufungsklägerin überdies 
einen Anspruch darauf, für ihre Umtriebe in den Verfahren vor den genannten In-

10

stanzen (Kreisamt Oberengadin, Bezirksgericht Maloja, Zivilkammer des Kantons-
gerichtes) von ihrer Gegnerin eine aussergerichtliche Entschädigung bezahlt zu 
erhalten. Die Vergütung wird der Bedeutung des Falles sowie dem geltend ge-
machten, als angemessen erachteten Aufwand Rechnung tragend auf insgesamt 
Fr. 16'198.40 festgelegt, wovon Fr. 2000.– für das Berufungsverfahren geschuldet 
sind.

11

Demnach erkennt die Zivilkammer:

1. Die Berufung wird, soweit darauf eingetreten werden kann, gutgeheissen 
und es wird das angefochtene Urteil aufgehoben.

2. In teilweiser Gutheissung der Klage wird festgestellt, dass S. L.-P. gegenü-
ber dem Nachlass des am Y. verstorbenen R. P., wohnhaft gewesen in St. 
Moritz, eine Forderung von Fr. 150'000.– zusteht, nebst Zins zu 5,5 % auf 
Fr. 50'000.– seit 30. Oktober 1986 und 5 % auf Fr. 100'000.– seit 16. April 
1987.

3. Die Kosten des Kreispräsidenten Oberengadin als Vermittler von Fr. 220.– 
sowie jene des Bezirksgerichtes Maloja von Fr. 11'500.– gehen zu Lasten 
der Beklagten, welche überdies verpflichtet wird, die Klägerin für ihre Um-
triebe im erstinstanzlichen Verfahren aussergerichtlich mit Fr. 14'198.40 zu 
entschädigen.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr 
von Fr. 6000.– und einer Schreibgebühr von Fr. 165.–, total somit Fr. 
6165.–, gehen zu Lasten der C. P., welche überdies verpflichtet wird, S. L.-
P. für ihre Umtriebe im Verfahren vor der Zivilkammer eine aussergerichtli-
che Entschädigung von Fr. 2000.– zu bezahlen.

4. Mitteilung an:

__________

Für die Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Der Aktuar