# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 428287bd-e6bb-5f8e-ad89-04c6f4aca0d0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-09-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.09.2017 D-2338/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2338-2017_2017-09-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2338/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  S e p t e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Bendicht Tellenbach,    

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 22. März 2017 / N (…). 

 

 

 

D-2338/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin, eine Tigrinya mit letztem Wohnsitz in 

C._______, verliess Eritrea eigenen Angaben gemäss im Dezember 2014 

und gelangte am 14. Mai 2015 in die Schweiz, wo sie am folgenden Tag 

um Asyl nachsuchte. 

A.b Bei der Befragung zur Person (BzP) vom 1. Juni 2015 im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum Kreuzlingen sagte sie aus, ihr Mann sei während 

Jahren im Militärdienst gewesen. Einmal sei er unerlaubterweise nach 

D._______ (…) gekommen und ein Jahr lang geblieben. Deshalb sei sie 

sechs Wochen lang in E._______ inhaftiert worden. Sie sei auch in 

F._______ inhaftiert gewesen; insgesamt sei sie zweieinhalb Monate in 

Haft gewesen. Ihr Mann habe nach F._______ kommen müssen, wonach 

sie freigelassen worden sei. Er sei sechs Monate lang inhaftiert worden; 

man habe ihnen ihr Land und die Essenskarte weggenommen. Nach der 

Freilassung ihres Mannes seien sie gemeinsam ausgereist. Sie habe wäh-

rend ihres Militärdienstes im Jahr 2010 zu fliehen versucht. Man habe sie 

erwischt und sie sei am Fuss verletzt worden. Sie sei in G._______ sechs 

Monate lang inhaftiert gewesen und in der Haft medizinisch behandelt wor-

den.  

A.c Am (…) wurde der Beschwerdeführerin ihre Tochter B._______ gebo-

ren. 

A.d Das SEM hörte die Beschwerdeführerin am 26. Mai 2016 zu ihren Asyl-

gründen an. Sie machte im Wesentlichen geltend, ihr Ehemann habe sich 

aus dem Militärdienst entfernt, bevor sie ihn gekannt habe. Sie hätten Ende 

2012 geheiratet und dann in einem gemeinsamen Haushalt gelebt. Da er 

nicht zu Hause gewesen sei, als die Soldaten ihren Mann gesucht hätten, 

habe man sie festgenommen. Sie sei ins Gefängnis von E._______ ge-

bracht und dort eineinhalb Monate festgehalten worden. Da er sich nicht 

gestellt habe, sei sie nach F._______ verlegt worden. Nachdem sie zwei 

Monate inhaftiert gewesen sei, habe er sich gestellt. Sie habe dann ins Dorf 

gehen können. Auf dem Polizeiposten sei sie den ganzen Tag draussen in 

einem Hof gesessen und am Abend habe man ins Bett gehen müssen. Sie 

sei von Wächtern bewacht worden, die nicht mit ihr gesprochen hätten. Bei 

ihrer Einvernahme habe man ihr gesagt, sie werde freigelassen, wenn ihr 

Mann sich stelle. Sie habe darauf hingewiesen, dass sie schwanger sei. 

Da er sich nicht gestellt habe, sei sie in Begleitung einer Frau nach 

F._______ gebracht worden, wo sie zwei Monate lang inhaftiert gewesen 

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sei. Nachdem die Ernte abgeschlossen gewesen sei, habe sich ihr Mann 

gestellt. Dann sei sie freigelassen worden. Im Gefängnis habe sie zum 

Glück keine ärztliche Betreuung benötigt. Da die Lebensmittel nicht ausge-

reicht hätten, habe sie von ihrem eigenen Geld noch Esswaren kaufen 

müssen. Sie sei bei einer Köchin in einer Strohhütte untergebracht gewe-

sen, weshalb sie das Gefängnis nicht beschreiben könne. Das Gefängnis 

sei weit weg von ihrer Behausung gewesen. Sie sei dort untergebracht 

worden, weil sie schwanger gewesen sei. Eine Flucht sei nicht in Frage 

gekommen und sie sei auch bewacht worden. Geschlafen habe sie mit den 

anderen in einem geschlossenen Raum. Nachdem ihr Ehemann sich ge-

stellt habe, sei sie in die Stadt und von dort aus ins Dorf gegangen. Sie sei 

erstaunt gewesen, dass sie gleich nach der Entbindung von ihrem Sohn 

ihren Mann wiedergesehen habe. Sie habe erfahren, dass er aus der Haft 

habe entwischen können, als man ihn für die Notdurft nach draussen ge-

bracht habe. Zwei Wochen später sei sie von Soldaten aufgesucht worden, 

denen sie gesagt habe, sie wisse nicht, wo sich ihr Mann aufhalte. Er habe 

das Grundstück in D._______ bewirtschaftet und als ihr Sohn ein Jahr alt 

gewesen sei, habe er gesagt, sie müssten ins Ausland gehen, da ein wei-

terer Verbleib im Dorf zu riskant sei. Sie habe ihren Sohn bei ihrer Mutter 

zurückgelassen, damit er registriert werden könne.  

B.  

Mit Verfügung vom 22. März 2017 stellte das SEM fest, die Beschwerde-

führerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asyl-

gesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz. Da es 

den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erachtete, ordnete es die vor-

läufige Aufnahme der Beschwerdeführerinnen an. 

C.  

Die Beschwerdeführerinnen beantragten mit Eingabe an das Bundesver-

waltungsgericht vom 20. April 2017, die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 des 

Dispositivs der angefochtenen Verfügung. Der Beschwerdeführerin sei die 

Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter 

sei sie als Flüchtling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen. Es sei ihr 

die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Sie sei von der Bezahlung 

von Verfahrenskosten zu befreien und es sei auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten. 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

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chen Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 26. April 2017 gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Akten übermit-

telte er zur Vernehmlassung an das SEM. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 8. Mai 2017 beantragte das SEM die Ab-

weisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht setzte die Be-

schwerdeführerinnen am 10. Mai 2017 von der Vernehmlassung in Kennt-

nis. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 

Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

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Seite 5 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder 

wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be-

gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), erfüllt grundsätzlich eben-

falls die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft, verwehrt bleibt ihm 

jedoch die Asylgewährung (vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Per-

sonen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der 

Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer be-

reits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Aus-

richtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 

über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] vorbehalten 

bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM begründete seinen Entscheid damit, dass die Aussagen der 

Beschwerdeführerin zu ihren Asylvorbringen sehr unsubstanziiert ausge-

fallen seien. Sie sei nicht in der Lage gewesen, ihre Verhaftung detailliert 

zu schildern und sei immer wieder in die dritte Person Singular verfallen. 

Sie habe so beschrieben, wie der Ablauf allgemein sei, wenn ein Mann 

desertiere und wie man seine Frau abhole. Dieses Antwortverhalten habe 

sich auch nach wiederholter Aufforderung, konkret ihre eigenen Erlebnisse 

darzulegen, nicht geändert. Den Aufenthalt in den Gefängnissen habe sie 

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oberflächlich und detailfrei beschrieben. Sie sei nicht in der Lage gewesen, 

den Tagesablauf zu schildern und habe wiederum auf formelhafte Erzäh-

lungen in der dritten Person zurückgegriffen. Sie habe gesagt, sie könne 

das Gefängnis in F._______ nicht beschreiben, da sie dort als Zivilistin in-

haftiert gewesen sei. Auf Nachfrage habe sie immer dieselben Aussagen 

wiederholt. Für den Beschrieb der Behandlung im Gefängnis habe sie auf 

nichtssagende allgemeingültige Aussagen zurückgegriffen. Die Fragen 

nach ihrer Flucht habe sie erst gar nicht und später nur oberflächlich be-

antworten können. 

Bei der BzP habe die Beschwerdeführerin gesagt, sie sei einen Monat in 

F._______ inhaftiert gewesen, bei der Anhörung habe sie von zwei Mona-

ten gesprochen. Sie habe auch gesagt, sie sei auf dem Polizeiposten von 

E._______ festgehalten worden, bis ihr Mann erschienen sei. Kurz zuvor 

habe sie jedoch gesagt, man habe sie nach F._______ verlegt, weil er sich 

nicht gestellt habe. Bei der BzP habe sie gesagt, ihr Mann sei aus der Haft 

entlassen worden, bei der Anhörung habe sie gesagt, er sei entflohen. Sie 

habe sich in Bezug auf den Aufenthaltsort ihres Mannes nach seiner Ent-

lassung widersprochen und habe die Folgen der Desertion, die sie erlitten 

habe, bei der Anhörung nicht mehr erwähnt. Auch das Jahr, in dem sie ei-

nen Fluchtversuch aus Eritrea unternommen habe, habe sie nicht annä-

hernd konsistent wiedergeben können. Sie habe sich bezüglich des von ihr 

geleisteten Militärdiensts widersprüchlich geäussert. 

Aufgrund der widersprüchlichen und tatsachenwidrigen Angaben könnten 

ihre Schilderungen zu den Fluchtgründen und der Ausreise aus Eritrea 

nicht geglaubt werden. Auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente werde 

nicht eingegangen. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 

habe die Verhaftung detailliert beschrieben. Zwei Soldaten seien bei ihr zu 

Hause vorbeigekommen und hätten sich nach ihrem Ehemann erkundigt. 

Weil sie ihn nicht hätten finden können, sei sie auf den Polizeiposten von 

E._______ gebracht worden. Bei ihrer Ankunft in der Schweiz habe sie 

nicht gewusst, wie gut die Mitarbeitenden des SEM über die Geschehnisse 

in Eritrea informiert seien. Sie habe es für nötig gehalten, zu erklären, dass 

Ehefrauen von Deserteuren üblicherweise festgenommen würden. Kon-

krete Fragen habe sie aber konkret beantwortet. Es treffe nicht zu, dass 

sie ihr Antwortverhalten nicht geändert habe. Durch ihre Absicht, der Be-

fragerin den Kontext ihrer persönlichen Erlebnisse näherzubringen, könne 

ihre Glaubwürdigkeit nicht beeinträchtigt werden. Sie habe auch die beiden 

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Inhaftierungen detailgetreu beschrieben, soweit sie danach gefragt worden 

sei. Sie habe sechs Wochen auf dem Polizeiposten von E._______ ver-

bracht und ausgeführt, dass sie den Tag in einem Hof verbracht und nachts 

in einem Bett auf dem Posten geschlafen habe. Ausser Verhören habe sie 

kaum Kontakt zum Wachpersonal gehabt. Sie habe angegeben, wie sie ins 

Gefängnis von F._______ gebracht worden sei und dass sie nur ungenü-

gend Nahrung erhalten habe. Zudem habe sie gesagt, dass Zivilisten tags-

über in einer Hütte bei einer Köchin untergebracht worden seien und in der 

Nacht mit anderen in einem Raum hätten schlafen müssen. Die Schilde-

rungen enthielten konkrete Beschreibungen ihres Aufenthalts und der Be-

handlung in den Gefängnissen.  

Sie habe bei der Anhörung dreimal gesagt, dass sie zwei Monate in 

F._______ inhaftiert gewesen sei. Bei der BzP sei sie durcheinander ge-

wesen, die Aussage, sie sei nur einen Monat in F._______ inhaftiert gewe-

sen, sei auf ein Missverständnis zurückzuführen. Sie habe nie gesagt, dass 

sich ihr Mann dem Militär gestellt habe, als sie noch in E._______ gewesen 

sei. Sie habe lediglich angegeben, dass man sie auf dem Polizeiposten 

von E._______ festgehalten habe, solange sich ihr Mann nicht gestellt 

habe. Das Wort „freigelassen“ in den BzP sei schlecht übersetzt; sie habe 

„freigekommen“ gesagt, wie es aus der Anhörung hervorgehe. Sie habe 

dem SEM mitgeteilt, dass sich ihr Ehemann nach der Flucht aus dem Ge-

fängnis in D._______ versteckt gehalten habe. Er sei alle ein bis zwei Wo-

chen zu ihr nach C._______ gekommen. Bei der BzP seien ihre Angaben 

aufgrund von Missverständnissen falsch aufgenommen worden. Bei der 

Anhörung habe sie klargemacht, dass ihr erster Fluchtversuch aus Eritrea 

2007 stattgefunden habe. Sie sei nie im Militärdienst gewesen, bei der ent-

sprechenden Aussage bei der BzP handle es sich um ein Missverständnis. 

Bei ihrem ersten Ausreiseversuch habe ihr eine Frau geholfen, die im Mili-

tärdienst gewesen sei, was höchstwahrscheinlich zur ungenauen Überset-

zung geführt habe.  

Sie habe ihre Vorbringen substanziiert und widerspruchslos vorgetragen, 

weshalb die Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit erfüllt 

seien. Im Falle einer Rückkehr nach Eritrea drohten ihr wegen der Dienst-

verweigerung ihres Mannes Konsequenzen. Es sei davon auszugehen, 

dass die Behörden auf sie aufmerksam würden, sie in den Nationaldienst 

einzögen und bestraften. Sie sei als Flüchtling anzuerkennen. Zudem sei 

sie illegal ausgereist, weil ihr Mann und sie sich vor Inhaftierung und Be-

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strafung gefürchtet hätten. Bei einer Rückkehr müsse sie mit einem Straf-

verfahren wegen Landesverrat und mit Gefängnisstrafe und Folter rech-

nen. Sie mache deshalb auch subjektive Nachfluchtgründe geltend. 

5.  

5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 

dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel 

sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentli-

chen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren 

und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widerspre-

chen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaub-

würdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre 

Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber 

auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch 

darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder 

unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder 

die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im 

Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung 

die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsu-

chenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte 

Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; BVGE 2013/11 E. 5.1; 

2010/57 E. 2.3). 

5.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei zum Zeitpunkt der BzP 

noch von der Reise in die Schweiz etwas verwirrt und durcheinander ge-

wesen, weshalb es bei der Befragung zu Missverständnissen gekommen 

sei. Diesbezüglich geht aus den Akten hervor, dass sie am 14. Mai 2015 in 

die Schweiz gelangte und nach rund zweiwöchigem Aufenthalt am 1. Juni 

2015 erstmals befragt wurde. Somit stand sie nicht mehr unter dem direk-

ten Eindruck der Reisestrapazen und konnte sich etwas von diesen erho-

len. Sie gab zum Ende der Befragung an, sie habe den Dolmetscher gut 

verstanden und bestätigte nach der Rückübersetzung, dass das Protokoll 

ihren Aussagen und der Wahrheit entspreche.  

5.3  

5.3.1 Bei der BzP gab die Beschwerdeführerin an, sie sei am (…) geboren 

worden und habe im Juni (…) nach Brauch geheiratet. Auf Nachfrage sagte 

sie, sie habe keinen Eheschein, sie habe nach Brauch ohne Papiere ge-

heiratet (act. A6/11 S. 3 und 6). Aus der später eingereichten Identitätskarte 

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geht indessen hervor, dass sie im Jahr (…) geboren wurde. Bei der Anhö-

rung sagte sie aus, sie und ihr Ehemann hätten sich Ende (…) beim Stan-

desamt trauen lassen. Sie hätten beide drei Zeugen beiziehen müssen und 

hätten noch eine Bürgschaft gehabt. Es gebe ein Papier, auf dem die sechs 

Zeugen und die Bürgschaft unterschrieben hätten. Dieses Dokument 

müsse zu Hause aufbewahrt werden. Da ihre Grossmutter umgezogen sei, 

wisse sie nicht, ob das Dokument noch vorhanden sei oder nicht (act. 

A26/20 S. 5 und 8). Somit bestehen sowohl bezüglich des Geburtsjahres 

der Beschwerdeführerin als auch hinsichtlich des Zeitpunkts und der Mo-

dalitäten des Eheschlusses Ungereimtheiten in ihren Aussagen.  

5.3.2 Bei der BzP sagte die Beschwerdeführerin, sie sei in der Stadt 

E._______ für sechs Wochen inhaftiert worden, auch in F._______ sei sie 

einen Monat lang inhaftiert gewesen (insgesamt sei sie zweieinhalb Mo-

nate in Haft gewesen). Ihr Mann habe zu ihr nach F._______ kommen müs-

sen und sie sei freigelassen worden (act. A6/11 S7). Bei der Anhörung 

machte sie geltend, sie sei in E._______ eineinhalb Monate und in 

F._______ zwei Monate inhaftiert gewesen. Nachdem sie zwei Monate in 

Haft gewesen sei, habe er sich gestellt; sie habe dann ins Dorf gehen kön-

nen (act. A26/20 S. 7 und 9). Abweichend von diesen Angaben sagte sie 

aus, man habe sie auf dem Polizeiposten von E._______ vorübergehend 

festgehalten, bis er erschienen sei. Man habe sie dort festgehalten, bis sich 

ihr Ehemann gestellt habe (act. A26/20 S. 9). Sie machte somit unter-

schiedliche Angaben zur Dauer ihrer Haft und zum Ort, an dem sie in Haft 

gewesen sei, als ihr Ehemann sich gestellt habe. Der in der Beschwerde 

vertretenen Auffassung, die Beschwerdeführerin habe nie gesagt, man 

habe sie in E._______ festgehalten, bis ihr Ehemann sich gestellt habe, 

kann unter Hinweis auf ihre Ausführungen zu den Fragen 81 und 82 (act. 

A26/20 S. 9), die von ihren anderslautenden Angaben, wonach sie sich in 

F._______ befunden habe, als er sich gestellt habe, abweichen, nicht bei-

gepflichtet werden. 

5.3.3 Bei der BzP führte die Beschwerdeführerin aus, ihr Ehemann sei da-

für (für die Desertion; Anmerkung des Gerichts) sechs Monate inhaftiert 

worden. Nach sechs Monaten sei er freigelassen worden; er sei direkt zu 

ihr nach Hause gekommen. Anschliessend sei er nach F._______ gegan-

gen und sie habe in H._______ auf ihn gewartet (act. A6/11 S. 7). Im Rah-

men der Anhörung brachte sie vor, ihr Ehemann habe die Flucht aus dem 

Gefängnis von F._______ ergriffen. Danach habe er sich in D._______ auf-

gehalten und nach einem Jahr habe er gesagt, sie müssten Eritrea verlas-

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sen. Auch diese Angaben lassen sich nicht miteinander in Übereinstim-

mung bringen. Ihre Erklärung in der Beschwerde, sie habe bei der BzP 

gesagt, ihr Ehemann sei „freigekommen“, wie es auch aus dem Protokoll 

der Anhörung hervorgehe, überzeugt nicht, gab sie doch bei derselben an, 

er habe die Flucht ergriffen, was nicht mit dem Begriff „freikommen“ gleich-

zusetzen ist. 

5.3.4 Die Beschwerdeführerin machte bei der BzP geltend, man habe 

ihnen ihr Land und die Essenskarte weggenommen, nachdem sie aus der 

Haft entlassen und ihr Ehemann inhaftiert worden sei (act. A6/11 S. 7). Als 

sie bei der Anhörung gefragt wurde, ob noch weitere Sanktionen gegen sie 

verhängt worden seien, nachdem sie ins Dorf zurückgekehrt sei, verneinte 

sie dies (act. A26/20 S. 12). 

5.3.5 Hinsichtlich ihres in Eritrea zurückgebliebenen Sohnes I._______ 

gab die Beschwerdeführerin an, er sei am (…) geboren worden  

(act. A6/11 S. 5, A26/20 S. 7). Des Weiteren sagte sie, sie sei im dritten 

Monat schwanger gewesen, als sie ins Gefängnis gesteckt worden sei. 

Gleich nachdem sie von I._______ entbunden worden sei, sei ihr Ehemann 

erschienen, was sie sehr erstaunt habe (act. A26/20 S. 12). Von den Anga-

ben der Beschwerdeführerin ausgehend, wäre sie bei ihrer Freilassung aus 

der Haft im sechsten Monat schwanger gewesen. Da ihr Ehemann sechs 

Monate inhaftiert worden sei (act. A6/11 S. 7), kann er nicht gleich nach der 

Entbindung zu ihr gekommen sein. Bei der Anhörung sagte die Beschwer-

deführerin im Widerspruch zu ihrer Aussage bei der BzP denn auch, sie 

wisse nicht, wie lange man ihren Ehemann festgehalten habe (act. A26/20 

S. 12). Im Unterschied zu ihrer vorhergehenden Angabe, wonach ihr Ehe-

mann gleich nach ihrer Entbindung von I._______ erschienen sei, sagte 

sie zu einem späteren Zeitpunkt in der Anhörung, sie sei einen Monat vor 

der Entbindung gewesen, als ihr Ehemann vom Gefängnis gekommen sei  

(act. A26/20 S. 13). Auch diese Angaben sind in sich nicht stimmig. 

5.3.6 Das SEM gelangte aufgrund des Aussageverhaltens der Beschwer-

deführerin (act. A26/20 S. 8 ff.) zum Schluss, die Art und Weise, wie sie die 

Verhaftung und die Inhaftierung geschildert habe, sei stereotyp und unsub-

stanziiert gewesen. Es trifft zu, dass die Beschwerdeführerin auf konkrete 

Fragen nach ihren Erlebnissen, immer wieder in die Erzählweise, was all-

gemein in Eritrea geschehe, wenn die Behörden erfolglos einen Deserteur 

suchten und an seiner Statt eine Ehefrau festnähmen und inhaftierten, was 

nicht von einer erlebnisgeprägten Erzählweise zeugt. Die Angaben, welche 

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sie zu ihrem Aufenthalt im Gefängnis machte, wertete das SEM im Ergeb-

nis zu Recht als weitgehend stereotyp und unpersönlich. Auf die Frage, wie 

es im Gefängnis von F._______ ausgesehen habe, antwortete sie, sie sei 

in einer Strohhütte bei der Köchin untergebracht worden, weshalb sie das 

Gefängnis nicht beschreiben könne. Kurz danach gab sie an, sie sei mit 

der Köchin in einer Blechhütte gewesen (act. A26/20 S. 11). Als sie aufge-

fordert wurde, ihre Freilassung so detailliert wie möglich zu beschreiben, 

war sie auch dazu nicht in der Lage (act. A26/20 S. 12). 

5.3.7 Zusammenfassend gelangt das Bundesverwaltungsgericht zur Auf-

fassung, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, ihre Inhaftie-

rung aufgrund der Desertion ihres Ehemannes als überwiegend wahr-

scheinlich und damit glaubhaft erscheinen zu lassen. Auch zu ihrer persön-

lichen Lebensgeschichte machte sie unstimmige Angaben, was die Zweifel 

an ihren Asylvorbringen bestärkt. Daraus folgt, dass der von der Beschwer-

deführerin genannte Grund für ihre Probleme mit den heimatlichen Behör-

den – die vor ihrer Heirat erfolgte Desertion ihres Ehemannes – nicht als 

erstellt erachtet werden kann. 

5.4 Bei der BzP sagte die Beschwerdeführerin aus, sie sei beim Militär ge-

wesen und habe im Jahr 2010 versucht, über die Grenze zu fliehen. Sie 

sei erwischt und am Fuss stark verletzt worden. Sie sei zwei Monate me-

dizinisch betreut und darüber hinaus in G._______ sechs Monate inhaftiert 

worden (act. A6/11 S. 7). Im Verlauf der Anhörung gab sie an, sie habe nie 

Militärdienst geleistet (act. A26/20 S. 8 und 16). Auf Nachfrage bestätigte 

sie, sie sei nicht eingezogen worden, sondern im Jahr 2011 bei der illegalen 

Ausreise aufgegriffen worden. Daran anschliessend korrigierte sie, dies sei 

im Jahr 2007 geschehen. Während des Ausreiseversuchs habe sie eine 

Verletzung von einem Holz erlitten. Deswegen sei es zur Festnahme ge-

kommen. Angesichts der widersprüchlichen Angaben zum Zeitpunkt des 

Fluchtversuchs und des Ablaufs der Geschehnisse gelingt es der Be-

schwerdeführerin nicht, einen früheren, erfolglosen Ausreiseversuch aus 

Eritrea glaubhaft zu machen. 

5.5 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt aufgrund der gesamten Akten-

lage zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin bis zum Zeitpunkt ihrer 

Ausreise aus Eritrea keine Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden 

hatte und von diesen nicht negativ verzeichnet wurde. Sie hat vor ihrer 

Ausreise keine asylrechtlich relevanten Nachteile erlitten und musste sol-

che zum Zeitpunkt derselben auch nicht in objektiv begründeter Weise be-

fürchten.  

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Seite 12 

6.  

6.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen 

des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht 

sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-

tend.  

6.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum 

Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht 

missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjek-

tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als 

Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).  

6.3 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3  

Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend machen, 

die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder Aus-

druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-

stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gelten 

können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber aller-

dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung der 

FK relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 

6.4  

6.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangte im zur Publikation vorgese-

henen Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 zum Schluss, dass die 

bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise aus Eritrea per se zur 

Flüchtlingseigenschaft führt, nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Es 

sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass 

einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asyl-

relevante Verfolgung drohe, womit die geltend gemachte Furcht vor ernst-

haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG allein aufgrund einer illegalen 

Ausreise nicht als objektiv begründet erscheine. Es sei fraglich, inwiefern 

die Strafbestimmungen der illegalen Ausreise überhaupt noch zur Anwen-

dung gelangten, zumal ein gewisses Umdenken der Behörden stattgefun-

den zu haben scheine und gegen Rückkehrer nicht mehr rigoros vorgegan-

gen werde. Unbestritten und auch von regimekritischen Quellen bestätigt 

sei, dass Personen aus der Diaspora in nicht unerheblichem Ausmass (für 

kurze Aufenthalte) nach Eritrea zurückkehrten. Es sei anzunehmen, dass 

sich unter diesen Personen auch solche befänden, die Eritrea illegal ver-

lassen hätten. Vor diesem Hintergrund lasse sich die Annahme, dass sich 

D-2338/2017 

Seite 13 

Eritreer aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen ihres Heimat-

staates konfrontiert sehen, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen 

Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG 

darstellen würden, nicht mehr aufrechterhalten. Es fehle insbesondere an 

einem politischen Motiv, da bei einer problemlosen Rückkehr, sei es auch 

nur für einen kurzen Aufenthalt, nicht davon gesprochen werden könne, 

illegal ausgereiste Personen würden generell als Verräter betrachtet. Dafür 

spreche, dass illegal ausgereiste Personen nach einer gewissen Zeit den 

Diaspora-Status erhielten, der eine gefahrlose (vorübergehende) Rückkehr 

ermögliche. Ferner gehe eine etwaige Bestrafung aufgrund des Umstan-

des, dass der Status mit den eritreischen Behörden vor der Rückkehr nicht 

geregelt worden sei, insbesondere die 2%-Steuer nicht entrichtet worden 

sei, nicht auf ein asylrelevantes Motiv (Politmalus) zurück. Ebenfalls nicht 

asylrelevant sei die Möglichkeit einer Einziehung in den Nationaldienst 

nach der Rückkehr, da es sich dabei ebenfalls nicht um eine Massnahme 

handle, die aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolge. Ob eine drohende 

Einziehung in den Nationaldienst unter dem Aspekt von Art. 3 EMRK oder 

des Verbots der Sklaverei und der Zwangsarbeit gemäss Art. 4 EMRK re-

levant sein könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit beziehungsweise 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  

6.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, ein erhebliches Ri-

siko einer Bestrafung bei einer Rückkehr gestützt auf asylrelevante Motive 

sei nur dann anzunehmen, wenn nebst der illegalen Ausreise weitere Fak-

toren hinzuträten, welche die asylsuchende Person in den Augen der erit-

reischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen. 

 

6.4.3 Vorliegend konnte die Beschwerdeführerin keinen Behördenkontakt 

betreffend eine bereits versuchte illegale Ausreise aus Eritrea oder eine 

Inhaftierung nachweisen oder glaubhaft machen, so dass nicht anzuneh-

men ist, sie werde von den eritreischen Behörden als missliebige Person 

eingestuft. Andere Anknüpfungspunkte, welche sie in den Augen des erit-

reischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, sind 

ebenfalls nicht ersichtlich. Sie gab bei der Anhörung an, sie habe sich an 

die eritreischen Behörden gewandt, da sie der Auffassung gewesen sei, ihr 

hätte nach dem Tod ihres Vaters, der im Krieg gefallen sei, eine höhere 

Entschädigung zugestanden. Sie habe leider keine Antwort erhalten  

(act. A26/20 S7 f.). Allein deshalb wird sie nicht als missliebig verzeichnet 

worden sein. Somit bleibt festzuhalten, dass die geltend gemachte illegale 

D-2338/2017 

Seite 14 

Ausreise allein keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfol-

gung zu begründen vermag, weshalb die Frage deren Glaubhaftigkeit vor-

liegend offengelassen werden kann. 

 

6.5 Das SEM hat demnach in der angefochtenen Verfügung berechtigter-

weise festgestellt, dass die Beschwerdeführerinnen die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfüllen, und das Asylgesuch ebenso zu Recht abgelehnt. Es 

erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in den auf Beschwerdeebene 

gemachten Eingaben weiter einzugehen, da sie an der Würdigung des vor-

liegend zu beurteilenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 

 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die 

Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwischen-

verfügung vom 26. April 2017 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt 

wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts geändert hat, sind 

keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2338/2017 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

 

  

Hans Schürch Christoph Basler 

 

 

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