# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a6a0af70-9b0c-5950-9fbb-708260b02a38
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-12-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.12.2025 D-2199/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2199-2020_2025-12-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2199/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  D e z e m b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti,  

Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

China (Volksrepublik),   

vertreten durch Christian Bignasca, Rechtsanwalt,  

(...),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 20. März 2020. 

 

 

 

D-2199/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin, eine chinesi-

sche Staatsangehörige tibetischer Ethnie, aus der Präfektur Qamdo stam-

mend, gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester (N [...]) am 20. August 

2017 ihr Heimatland. Am 27. Juni 2018 reiste sie in die Schweiz ein und 

stellte gleichentags ein Asylgesuch. 

B.  

Am 5. Juli 2018 wurde die Beschwerdeführerin im damaligen Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._______ zu ihrer Person, ihrem Reise-

weg und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person 

[BzP]).  

C.  

C.a Am 13. August 2018, 14. August 2018 sowie am 27. August 2018 

wurde die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen angehört.  

C.b Darin legte sie hinsichtlich ihres Lebenslaufs zusammenfassend dar, 

sie sei im Dorf C._______ (auch [D._______]) in der Gemeinde E._______ 

(auch [F._______]), dem Bezirk Gongjue in der Region Kham, aufgewach-

sen. Sie habe weder die Schule besucht noch einen Beruf gelernt, sondern 

habe bis gegen Ende 2016 ihren Eltern in deren Landwirtschaftsbetrieb 

geholfen und auf den Feldern gearbeitet. Ein Mönch aus dem Dorf habe 

sie Tibetisch schreiben und lesen gelernt. Danach sei sie mit ihrer Schwes-

ter zum Vater, welcher in G._______ gewohnt sowie als Händler gearbeitet 

habe, gezogen und habe dort während ungefähr neun Monaten in einem 

Restaurant gearbeitet. Ihre Mutter, zwei Brüder und drei Schwestern wür-

den weiterhin in C._______ leben.  

C.c Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen vor, sie habe während ihres Aufenthalts in G._______ eine 

Nonne aus dem abgebrannten Kloster Serta kennengelernt. Diese habe ihr 

und ihrer Schwester vorgeschlagen, eine Protestaktion durchzuführen, um 

so auf die Probleme der Tibeter in China aufmerksam zu machen. Rund 

eine Woche später, am Abend des 15. August 2017 gegen 22 oder 23 Uhr, 

habe sie gemeinsam mit ihrer Schwester und der Nonne auf der (...)-

Strasse in G._______ Plakate mit dem Bild des Klosters von Serta (auch 

Lharonggar) geklebt. Auf den Plakaten seien zudem Forderungen nach der 

Freiheit Tibets, der religiösen Freiheit und der Vertreibung der Chinesen 

sowie gute Wünsche für den Dalai Lama für ein langes Leben zu lesen 

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gewesen. Sie hätten ausserdem kleine beschriebene Flugblätter vorberei-

tet und diese in die Luft geworfen. Plötzlich habe ihre jüngere Schwester 

angefangen, Parolen auszurufen. Beamte der öffentlichen Sicherheitsbe-

hörde seien daraufhin auf sie aufmerksam geworden und sie seien zu dritt 

weggerannt, um sich in Sicherheit zu bringen. Auf der Flucht habe sie be-

merkt, dass die Nonne von Beamten gefasst worden sei. Sie selber und 

ihre Schwester hätten jedoch nach Hause flüchten können. Zu Hause hät-

ten sie ihrem Vater den Vorfall geschildert. Er sei verärgert gewesen, weil 

sie nicht nur sich, sondern die gesamte Familie mit dieser Aktion in Gefahr 

gebracht hätten. Er habe ihnen jedoch geholfen und habe am nächsten 

Tag einen Bekannten namens H._______ kontaktiert. Dieser habe mit Wa-

ren zwischen China und Nepal gehandelt und sich bereit erklärt, sie und 

ihre Schwester ausser Landes zu bringen. Umgehend hätten sie ihre Sa-

chen gepackt und seien zu H._______ gegangen, wo sie sich insgesamt 

drei Tage bis zu ihrer illegal erfolgten Ausreise aus China aufgehalten hät-

ten. Danach hätten sie und ihre Schwester während ungefähr acht Mona-

ten vor ihrer Weiterreise nach Europa bei einem Verwandten in der Nähe 

von Katmandu in Nepal gelebt. 

 

Die Beschwerdeführerin legte ihre chinesische Identitätskarte (Ausstel-

lungsdatum: 29. Juli 2014) zu den Akten.  

Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit 

wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.   

D.  

Am 6. Januar 2020 erfolgte ein (telefonisches) LINGUA-Gespräch, wobei 

der Beschwerdeführerin Fragen zum Alltagswissen gestellt sowie – an-

hand des Gesprächsinhalts – eine linguistische Analyse durchgeführt wur-

den.  

E.  

Am 6. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör 

zum Ergebnis der LINGUA-Analyse gewährt. Gleichzeitig wurde sie über 

den Werdegang und die Qualifikationen der sachverständigen Person in-

formiert.  

F.  

Mit telefonischer Anfrage vom 10. Februar 2020 beantragte die Beschwer-

deführerin Einsicht in die Aufzeichnungen des LINGUA-Gesprächs, deren 

Konsultation ihr am 24. Februar 2020 gewährt wurde.  

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Seite 4 

G.  

Am 3. März 2020 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zu den Ergebnis-

sen der LINGUA-Analyse.  

H.  

Mit Verfügung vom 20. März 2020 – eröffnet am 25. März 2020 – stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegwei-

sung aus der Schweiz an und verfügte deren Vollzug.  

I.  

Die Beschwerdeführerin focht mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 

24. April 2020 (Datum Poststempel) die Verfügung des SEM beim Bundes-

verwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei 

aufzuheben, sie sei als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewäh-

ren. Eventualiter sei sie vorläufig aufzunehmen. Als Subeventualantrag 

stellte sie das Begehren, die Sache sei zu weiteren Sachverhaltsabklärun-

gen sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-

zessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses. Weiter beantragte sie die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertre-

ters als amtlichen Rechtsbeistand sowie die Vereinigung des Beschwerde-

verfahrens mit demjenigen ihrer Schwester (N (...)).  

Der Beschwerde legte sie eine Kopie des Auszugs aus dem Familienbüch-

lein («Hukou») bei.  

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Rechtsanwalt Chris-

tian Bignasca wurde antragsgemäss als amtlicher Rechtsbeistand beige-

ordnet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, eine Vernehmlas-

sung einzureichen.  

K.  

Die Vorinstanz nahm in ihrer Vernehmlassung vom 18. Mai 2020 Stellung 

zu den in der Beschwerde geltend gemachten formellen Rügen, zur Aus-

wertung der eingereichten Identitätskarte der Beschwerdeführerin sowie zu 

den Ergebnissen der durchgeführten LINGUA-Analyse.  

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Seite 5 

L.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 17. Juli 2020.   

M.  

Die Beschwerdeführerin beantragte mit Eingabe vom 14. Januar 2021 die 

Edition der vollständigen LINGUA-Analyse durch die Vorinstanz und legte 

einen Zeitungsausschnitt, einen wissenschaftlichen Bericht zu LINGUA-

Analysen sowie eine Kostennote bei.  

N.  

Mit Eingabe vom 28. Juli 2022 ersuchte die Beschwerdeführerin erneut um 

Einsicht in das Gutachten der LINGUA-Analyse. 

O.  

O.a Mit Eingabe vom 5. September 2023 ersuchte der Rechtsvertreter um 

Edition der vollständigen LINGUA-Analyse und erkundigte sich nach dem 

Stand des Verfahrens.  

O.b Am 19. September 2023 beantwortete das Gericht die Verfahrens-

standanfrage.  

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. September 2023 wies das Gericht das Ge-

such um Einsicht in die LINGUA-Analyse ab. 

Q.  

Q.a Mit Verfügung vom 21. Februar 2025 wurde die Beschwerdeführerin 

aufgefordert, ihre aktuelle finanzielle Situation offenzulegen.  

Q.b Am 14. März 2025 reichte die Beschwerdeführerin Kopien eines Ar-

beitsvertrags, ihrer Lohnausweise 2021 bis 2024, ihrer Lohnabrechnungen 

vom Dezember 2024, Januar und Februar 2025, ihres Mietvertrags sowie 

ihrer Krankenkassenpolice ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 

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Seite 6 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent-

scheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines 

Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh-

rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG 

liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entschei-

det. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

1.5 Das Urteil in vorliegender Sache ergeht koordiniert mit demjenigen der 

Schwester der Beschwerdeführerin (D-2200/2020) mit dem gleichen Da-

tum und demselben Spruchkörper. Der Antrag auf Vereinigung der beiden 

Verfahren wird abgewiesen. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde wurde subeventualiter die Rückweisung der Sache 

zwecks weiterer Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurteilung an die  

Vorinstanz beantragt sowie die Verletzung des rechtlichen Gehörs, des Un-

tersuchungsgrundsatzes und der Begründungspflicht gerügt. Formelle Rü-

gen sind vorab zu prüfen, da sie geeignet sein könnten, eine Kassation der 

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Seite 7 

vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI Ver-

waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 

2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 

3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei erfassen die 

behördlichen Ermittlungen nicht nur jene Umstände, welche die Betroffe-

nen belasten, sondern auch die entlastenden. Die Behörde hat alle sach- 

und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten fest-

zuhalten. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfü-

gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, 

etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird 

und folglich nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachver-

halts geprüft werden, oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvoll-

ständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid 

rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig 

dann der Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien 

auf rechtliches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). 

3.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-

spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. 

VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der 

Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-

zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-

hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 

tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 

berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3). 

3.4 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches 

Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent-

scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach-

gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmitte-

linstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können 

(vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf 

die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die 

Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf 

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welche sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). Nicht erfor-

derlich jedoch ist, dass sich die Begründung mit allen Parteipunkten ein-

lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-

derlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

3.5  

3.5.1 Die Beschwerdeführerin beanstandete zunächst, dass die massge-

benden Akten des LINGUA-Gutachtens nicht ediert und diejenigen der Do-

kumentenanalyse der Identitätskarte nicht offengelegt worden seien. Trotz 

der Offenlegung des Werdeganges der mit ihrer Herkunftsabklärung be-

auftragten Fachpersonen sei es unmöglich, Einwände gegen die betreffen-

den Personen vorzubringen oder allfällige Ausstandsgründe zu prüfen. 

Auch könne nicht kontrolliert werden, wie viele Fragen sie richtig beantwor-

tet habe und wie diese in der Entscheidfindung berücksichtigt worden 

seien. Dem Werdegang der Expertenperson sei ferner nicht zu entnehmen, 

welche Dialekte sie spreche. Aus den Akten gehe lediglich hervor, dass 

eine der Expertinnen seit Oktober 2012 bei LINGUA unter Vertrag stehe.  

 

3.5.2 Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs 

ergibt sich, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Be-

teiligten offenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Ver-

fügung darauf abgestellt wird (vgl. BGE 132 V 387 E. 3.1 f.; Art. 26 VwVG). 

Die Einsichtnahme kann jedoch eingeschränkt werden, wenn wesentliche 

öffentliche Interessen die Geheimhaltung erfordern (vgl. Art. 27 Abs. 1 

VwVG). Dem Anspruch auf Einsicht in LINGUA-Analysen stehen grund-

sätzlich überwiegende öffentliche und private Geheimhaltungsinteressen 

entgegen, die eine Verweigerung der vollumfänglichen Offenlegung recht-

fertigen. Dazu zählen insbesondere die Vermeidung eines Lerneffektes, ei-

ner missbräuchlichen Weiterverbreitung des Fragenkatalogs und der Si-

cherheitsanspruch der sachverständigen Person. Zur Wahrung des An-

spruchs auf rechtliches Gehör muss der asylsuchenden Person aber vom 

wesentlichen Inhalt der Analyse Kenntnis gegeben werden, mit der Mög-

lichkeit, sich dazu zu äussern und Gegenbeweise zu bezeichnen (vgl. 

Art. 28 VwVG). Die Rechtsprechung hat Mindeststandards zur Gewährung 

des rechtlichen Gehörs und der Akteneinsicht betreffend LINGUA-Analy-

sen definiert. Dazu ist der wesentliche Inhalt sowie zusammenfassend die 

von der Fachperson gestellten Fragen und die darauf erhaltenen Antworten 

offenzulegen sowie zur sachverständigen Person Auskunft geben (vgl. 

BVGE 2015/10 E. 5. sowie etwa die Urteile des BVGer Urteil des BVGer 

D-2773/2020 vom 5. Oktober 2023 E. 5.2; A-1822/2021 vom 7. September 

2022 E. 5.3 m.w.H. sowie Art. 27 VwVG f.).    

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Seite 9 

3.5.3 Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin – entgegen ihrer Ansicht, 

dass das rechtliche Gehör lediglich pro forma erfolgt sei – der wesentliche 

Inhalt der LINGUA-Analyse im Rahmen der Gewährung des rechtlichen 

Gehörs vom 6. Februar 2020 auf knapp drei Seiten (inklusive ihrer Antwor-

ten) zusammengefasst zur Kenntnis gebracht und sie wurde über den Wer-

degang der sachverständigen Person informiert. Die Vorinstanz räumte ihr 

am 24. Februar 2020 sodann die Gelegenheit ein, ihr aufgezeichnetes LIN-

GUA-Gespräch anzuhören und Stellung dazu zu nehmen (vgl. SEM-Akten 

A25/5, A26/3, A28/2; A29/4). Mit diesem Vorgehen wurde ihr Einsicht in 

den wesentlichen Inhalt der Analyse gewährt und der Anspruch auf das 

rechtliche Gehör hinreichend gewahrt. Die Rüge, dass ihr keine Einsicht in 

die Dokumentenanalyse ihrer Identitätskarte gewährt worden und diese als 

interne respektive geheime Akten klassifiziert worden sei, kann nicht ge-

hört werden, zumal die Vorinstanz in der Vernehmlassung zusammenfas-

send die Resultate aufführte. Überdies ist nicht ersichtlich, welche weiteren 

Erkenntnisse zur Echtheit der Identitätskarte hätten offengelegt werden 

sollen (vgl. Vernehmlassung vom 18. Mai 2020 S. 2). Eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs oder des Rechts auf ein faires Verfahren im Sinne von 

Art. 29 BV und Art. 6 EMRK sind demzufolge nicht erkennbar. Im Übrigen 

ist auf die Verfügung vom 20. September 2023 zu verweisen, worin das 

Gesuch um Akteneinsicht in das LINGUA-Gutachten bereits abgewiesen 

worden war.  

 

3.6  

3.6.1 Weiter bemängelte die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz sich 

einseitig auf die (belastenden) Ergebnisse des LINGUA-Gutachtens abge-

stützt, jedoch ihre Ausführungen während der Anhörungen und die Stel-

lungnahme zum LINGUA-Gutachten sowie die eingereichten Beweismittel 

in willkürlicher Weise unberücksichtigt und der Identitätskarte lediglich ei-

nen geringen Beweiswert zugesprochen habe. Damit seien das rechtliche 

Gehör und der Anspruch auf ein faires Verfahren im Sinne von Art. 29 BV 

und Art. 6 EMRK ebenfalls verletzt. Grundsätzlich sei die Fachkompetenz 

der sachverständigen LINGUA-Experten zwar nicht anzuzweifeln, jedoch 

sei ihr sowie ihrer Schwester aufgefallen, dass die durchführende Person 

mehrere Jahre nicht mehr im Tibet gelebt haben könne, da sie verschie-

dene, in dieser Gegend gebräuchliche Ausdrücke nicht gekannt habe. Die 

angeblich aktuellen Kenntnisse der Fachperson zur Herkunftsregion der 

Beschwerdeführerin seien zu bezweifeln, da verschiedenen Quellen zu-

folge seit mindestens 2008 der Zugang zur besagten Region für ausländi-

sche Personen eingeschränkt oder gar gesperrt sei. Deshalb seien das un-

eingeschränkte Vertrauen der Vorinstanz in die Analysen sowie die 

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Seite 10 

notwendige Objektivität und Neutralität zu relativieren. Sollte es sich bei 

der sachverständigen Person um die Person mit dem Pseudonym «AS19» 

handeln, seien konkrete Zweifel an deren Fachwissen und deren Unab-

hängigkeit angebracht. Um eine tatsächlich objektive Einschätzung einer 

Herkunftsanalyse zu erhalten, sei unter Umständen ein unabhängiges Gut-

achten in Auftrag zu geben, dies nicht zuletzt unter dem Aspekt, dass die 

LINGUA-Fachstelle der Vorinstanz angegliedert und dieser untergeordnet 

sei, weshalb Zweifel an ihrer Unabhängigkeit bestünden.  

 

3.6.2 Hierzu ist festzustellen, dass eine LINGUA-Analyse zwar kein Sach-

verständigengutachten, sondern eine schriftliche Auskunft einer Drittper-

son darstellt. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifika-

tion, Objektivität und Neutralität der Expertin oder des Experten wie auch 

an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt 

sind, ist einer solchen Analyse jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen 

(vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1). Im Referenzurteil D-2337/2021 kam das 

Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Person unter dem Pseu-

donym «AS19» fachlich korrekte, neutrale und objektive LINGUA-Analysen 

zur Überprüfung der Sozialisation eines Asylsuchenden in der Autonomen 

Region Tibet vornehme. Die Fachstelle LINGUA arbeite laufend an der Op-

timierung der allgemeinen Methodik. Die von «AS19» erstellten LINGUA-

Analysen seien somit nicht grundsätzlich zu beanstanden, müssten jedoch 

einzelfallspezifisch auf ihre Aussagekraft hin geprüft werden (vgl. zum 

Ganzen das Referenzurteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 E. 7). 

 

3.6.3 Vorliegend erweist sich die Analyse als ausführlich sowie schlüssig. 

Anhand der biographischen Angaben der Beschwerdeführerin und unter 

Berücksichtigung ihrer fehlenden Schulbildung wurde Basiswissen aus 

dem Alltag, der Umgebungsgeographie und zur Landwirtschaft abgefragt. 

In der Folge wurde in der Analyse nachvollziehbar dargelegt, dass sie zwar 

über landeskundlich-kulturelle Kenntnisse zur angegebenen Heimatregion 

verfüge, jedoch die verschiedenen Wissenslücken vor ihrem angegebenen 

biografischen Hintergrund nicht erklärbar seien. Die Erwartungen an die 

Sprache seien insgesamt nicht erfüllt und sie sei angesichts der Auswer-

tung ihres gesprochenen Dialekts höchstwahrscheinlich nicht wie von ihr 

behauptet, im Kreis Gonjo, sondern vielmehr in einer exiltibetischen Ge-

meinschaft ausserhalb der Volksrepublik China hauptsozialisiert worden.  

 

3.6.4 Die Rüge, dass der Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt und 

der Sachverhalt einseitig sowie falsch festgestellt worden sei, da ihre Aus-

führungen in der Entscheidfindung kaum berücksichtigt respektive 

D-2199/2020 

Seite 11 

pauschal abgewiesen worden seien, ist abzuweisen. Die Vorinstanz hat 

sich in ihrer Verfügung mit den Antworten der Beschwerdeführerin ausei-

nandergesetzt und ausführlich begründet, aus welchen Überlegungen sie 

zu ihrem Entscheid gelangt ist, weshalb und unter Berücksichtigung des 

Gesamtkontextes die geschilderten Fluchtgründe sowie die illegale Aus-

reise unglaubhaft ausgefallen seien und sie unter diesen Umständen der 

Identitätskarte und der Kopie des Hukou den Beweiswert abspreche (vgl. 

SEM-Akte A31/11 [Seiten 3-7] und Vernehmlassung vom 18. Mai 2020 

S. 3). Damit hat die Vorinstanz dem rechtlichen Gehör und insbesondere 

der Begründungspflicht ebenso Genüge getan wie den Untersuchungs-

grundsatz respektiert. Bei diesen Rügen handelt es sich vielmehr um die 

Frage der rechtlichen Würdigung; wobei der Umstand allein, dass die Vo-

rinstanz aufgrund der vorliegenden Aktenlage zu einer anderen Würdigung 

gekommen ist, als in der Beschwerde gefordert, nicht für eine unrichtige 

oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung spricht (vgl. E.6.3 hiernach). 

 

3.6.5 Schliesslich ist auch keine Verletzung von Verfahrensfehlern darin 

erkennbar, dass die Vorinstanz trotz Einreichens einer Identitätskarte eine 

LINGUA-Analyse hat durchführen lassen, zumal die alleinige Einreichung 

eines Identitätsdokuments nicht automatisch die Richtigkeit von Vorbrin-

gen im Asylverfahren – und namentlich zur Herkunft – der beschwerdefüh-

renden Person impliziert.  

 

3.7 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass der An-

spruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör nicht verletzt ist, der 

Sachverhalt richtig sowie vollständig festgestellt und insbesondere auch 

die Begründungspflicht nicht verletzt wurde. Der Antrag auf die Erstellung 

eines unabhängigen Gutachtens ist ebenso abzuweisen wie der Subeven-

tualantrag um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz oder die Möglich-

keit zu einer weiteren Stellungnahme.  

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken, Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 12 

4.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuch-

stellenden Person. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, 

wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber 

überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der 

Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdi-

gung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung 

sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise 

abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

4.3 Bei Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft einer asylsuchenden 

Person lässt das SEM in der Regel durch einen amtsexternen Sachver-

ständigen mit entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen eine Her-

kunftsanalyse respektive LINGUA-Analyse durchführen. Dabei werden lan-

deskundlich-kulturelle Kenntnisse und sprachliche Fähigkeiten der asylsu-

chenden Person geprüft. Bei solchen Analysen handelt es sich, wie er-

wähnt, zwar nicht um Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 

Bst. e VwVG, sondern um schriftliche Auskünfte einer Drittperson im Sinne 

von Art. 12 Bst. c VwVG. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche 

Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Analysten und an die inhaltli-

che Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind, ist ihnen jedoch ein 

erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.). 

Als weiteres Indiz zur Klärung, ob die beschwerdeführende Person ihre 

Herkunft zu verschleiern versucht, sind ebenfalls ihre Aussagen in den Be-

fragungen zu würdigen (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2337/2021 vom 

5. Juli 2023 E. 7.12).  

D-2199/2020 

Seite 13 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte hinsichtlich der fehlenden Glaubhaftigkeit der 

Asylvorbringen der Beschwerdeführerin an, dass ihre Schilderungen ins-

gesamt substanzarm, realitätsfremd und widersprüchlich ausgefallen 

seien. Obwohl sie während der Anhörung viel gesprochen habe, sei es ihr 

weder gelungen, ihre Schilderungen zu den Vorbereitungen noch zur ei-

gentlichen, fluchtauslösenden Aktion in G._______ detailliert und glaubhaft 

darzulegen. Insbesondere falle auf, dass sie ihre Rolle während der Pla-

kataktion nicht habe detailliert schildern können, sondern lediglich über die 

Taten sowie Gefühle ihrer Schwester erzählt habe. Auch den Inhalt der 

handgeschriebenen Zettel habe sie nicht benennen können. Zudem sei es 

zu Widersprüchen in den Schilderungen des Ereignisses mit den Schilde-

rungen ihrer Schwester gekommen. Überdies sei es nicht verständlich, 

weshalb sie zwar im Geheimen sowie nachts die Plakate aufgehängt, 

gleichzeitig jedoch laut Parolen gerufen und Flugblätter in die Luft gewor-

fen haben sollten, obwohl sich zu dieser Zeit kaum jemand auf der Strasse 

aufgehalten habe. Ausserdem seien ihre Angaben zu ihrer Motivation für 

diese politische Aktion sehr pauschal und substanzarm ausgefallen. Ob-

wohl sie unbestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, legten die mangelhaf-

ten Länder- respektive Regionalkenntnisse, die mangelnden Kenntnisse 

der lokalen Sprache sowie die unglaubhaft vorgetragenen Asylgründe 

nahe, dass sie nicht wie behauptet in der von ihr angegebenen Region 

sozialisiert worden sein könne. Die zu den Akten gereichte chinesische 

Identitätskarte sei zwar von guter Qualität, jedoch sei es bekannt, dass sol-

che käuflich seien und dementsprechend über einen geringen Beweiswert 

verfügen würden. Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtspre-

chung sei bei der Unglaubhaftigkeit der Angaben zu einer (angeblichen) 

Sozialisierung in der Volksrepublik China davon auszugehen, dass die be-

schwerdeführende Person in einem Drittstaat über eine Aufenthaltsbewilli-

gung verfügen oder zumindest eine Duldung eines Aufenthalts in diesem 

Staat besitzen müsse. Vorliegend habe sie nicht glaubhaft darzulegen ver-

mocht, im Tibet sozialisiert worden zu sein. Vielmehr sei davon auszuge-

hen, dass sie in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie jedoch 

keine konkreten Hinweise auf ihren tatsächlichen Aufenthaltsort habe an-

geben können respektive somit ihre Mitwirkungspflicht verletzt habe, sei 

davon auszugehen, dass sie an ihren bisherigen Aufenthaltsort zurückkeh-

ren könne. Die Angaben zu ihrer Sozialisierung in der Volksrepublik China 

seien aufgrund ihrer mangelnden Chinesischkenntnisse sowie ihrem unge-

nügenden geographischen Wissen ihres angeblichen Herkunftsorts zu be-

zweifeln. Der LINGUA-Analyse sei zu entnehmen, dass sie zwar die Na-

men einiger Orte, des nahegelegenen Flusses sowie des Klosters ihres 

D-2199/2020 

Seite 14 

Herkunftsortes habe angeben können. Zudem habe sie einige Feldfrüchte, 

welche in diesem Gebiet angebaut würden, richtig benannt. Weiter habe 

sie stimmige Angaben zu Identitätspapieren, einigen Ämtern sowie zum 

Schulsystem gemacht. Gemäss der sachverständigen Person könne die-

ses faktische Wissen jedoch auch ausserhalb von Tibet erworben werden. 

Es sei zu Lücken und Unstimmigkeiten ihrer Angaben gekommen und es 

erstaune, dass sie die seit Langem obsoleten Bezeichnungen für die chi-

nesische administrative Zuteilung verwendet habe. Bezüglich ihrer geogra-

phischen Kenntnisse falle auf, dass sie das unmittelbare Nachbarsdorf ih-

res Heimatdorfes, weitere anliegende Nachbarsgemeinden sowie die Se-

henswürdigkeit des Klosters Gyarangön nicht gekannt habe. Dies wäre je-

doch zu erwarten gewesen, wenn sie tatsächlich ihr ganzes Leben dort 

verbracht hätte. Es erstaune ferner, dass sie die Saatmonate anhand des 

tibetischen Kalenders, der lediglich für religiöse Feiertage verwendet 

werde, auch noch falsch benannt habe. Weitere fehlende Kenntnisse habe 

sie in Bezug auf die Ernte, die Tierhaltung und im Bereich der Gastronomie 

aufgewiesen. Die sprachliche Analyse habe ergeben, dass ihr Dialekt auf 

phonetischer und phonologischer Ebene aus einem Gemisch verschiede-

ner Dialekte bestehe, wobei dieser nicht zu ihrer angegebenen Biographie 

passe. Vielmehr sei von einer Sozialisierung in einem gemischtsprachigen 

Umfeld auszugehen, wie dies vor allem im Exil der Fall sei.  

 

5.2 Die Beschwerdeführerin monierte, die Vorinstanz habe sich aus-

schliesslich darauf beschränkt, Widersprüche und kleine Unstimmigkeiten 

in der LINGUA-Analyse zu finden, um ihr anhand dieser unterstellen zu 

können, dass sie nicht in der Volksrepublik China sozialisiert worden sei. 

Ausserdem habe sie sich bei ihrer Argumentation lediglich auf das erstellte 

Gutachten gestützt. Aus der eingereichten Kopie ihres Hukou ergebe sich 

dagegen, dass der Ausstellungsort demjenigen ihrer Identitätskarte ent-

spreche, wobei die Nummer der Identitätskarte mit derjenigen aus dem Fa-

milienbüchlein identisch sei. Somit sei ihre Identität rechtsgenüglich belegt, 

weshalb ihr Asyl oder die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei. Weiter 

habe sich die Vorinstanz ausschliesslich auf das nicht vorhandene Wissen 

gestützt und dabei die fehlende Schulbildung unberücksichtigt gelassen. 

Sodann sei sowohl der vorinstanzlichen Verfügung als auch der schriftli-

chen Zusammenfassung des Gutachtens zu entnehmen, dass sie die ihr 

gestellten Fragen zum grossen Teil korrekt beantwortet habe, was jedoch 

in der Entscheidfindung nicht berücksichtigt, sondern lediglich mit der Be-

gründung, man könne sich dieses Wissen auch faktisch aneignen, taxiert 

worden sei. Unter diesen Voraussetzungen stelle sich grundsätzlich die 

Frage nach dem Sinn der ihr gestellten Fragen. Ferner erstaune es, dass 

D-2199/2020 

Seite 15 

das LINGUA-Gespräch so lange gedauert habe; dies um lediglich heraus-

zufinden, dass sie angeblich nicht in Tibet sozialisiert worden sei.  

  

5.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung bezüglich der eingereich-

ten Identitätskarte fest, dass die interne Prüfung zwar ergeben habe, dass 

keine offensichtlichen Fälschungsmerkmale vorliegen würden, jedoch sei 

dem Dokument im Kontext mit den Ergebnissen der LINGUA-Analyse, ins-

besondere aufgrund ihres vom Exiltibetischen stark beeinflussten Dialekts, 

lediglich ein geringer Beweiswert beizumessen. Sodann äusserte sich die 

Vorinstanz zu den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten formel-

len Rügen.   

 

5.4 Die Beschwerdeführerin entgegnete in ihrer Replik, die Vorinstanz 

habe das neu eingereichte Beweismittel – den Hukou – nicht berücksichtigt 

und bemängelte erneut die fehlende Auseinandersetzung der Vorinstanz 

mit ihrer illegalen Ausreise aus der Volksrepublik China. Es sei festzuhal-

ten, dass diverse gängige Begriffe der befragenden Person während der 

Herkunftsabklärung nicht bekannt gewesen seien und sie – die Beschwer-

deführerin – diese mehrmals habe umformulieren müssen. Unter diesen 

Umständen sei davon auszugehen, dass die befragende Person mehrere 

Jahre ausserhalb ihrer Heimatregion gelebt haben müsse.  

 

6.  

6.1 In BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss den Ent-

scheidungen und Mitteilungen der Asyl- und Rekurskommission (EMARK) 

2005 Nr. 1 und stellte fest, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre 

wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon 

auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen 

Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestün-

den. Die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mit-

wirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine tibetische 

asylsuchende Person durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Ab-

klärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien inne-

habe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung 

und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlings-

eigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland 

verunmöglicht. Steht eine Täuschung über die Herkunft im Raum, kommt 

einer LINGUA-Analyse grosse Bedeutung zu (vgl. BVGE 2014/12 

E. 4.2.1.und E.  5.9 f. mit Hinweis auf EMARK 1998 2003 Nr. 14 E. 7 und 

EMARK 1998 Nr. 34; bestätigt im Referenzurteil D-2337/2021 vom 5. Juli 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31

D-2199/2020 

Seite 16 

2023 E. 7.1ff.). Vor diesem Hintergrund ist die Frage, wo die asylsuchende 

Person in den Jahren vor ihrer Einreise in die Schweiz gelebt hat, von ent-

scheidender Bedeutung.  

6.2 Das Gericht schliesst sich der Einschätzung der Vorinstanz an, dass 

die Asylvorbringen und die Schilderungen zur illegalen Ausreise der Be-

schwerdeführerin aus ihrem Heimatland substanzarm, teilweise wider-

sprüchlich sowie zum Teil realitätsfremd ausgefallen sind (vgl. SEM-Akte A 

31/11 S. 3 und S. 6-7). Obwohl sie anlässlich der BzP und ihrer Anhörung 

verschiedene Informationen zu ihren Lebensumständen, zur Landwirt-

schaft, zur lokalen Administration und Geographie sowie einige Chine-

sischkenntnisse wiedergab, sind ihre fluchtauslösenden Vorbingen insge-

samt als unglaubhaft einzustufen. Auch wenn ihre Schilderungen hierzu 

relativ umfangreich ausgefallen sind, fällt auf, dass sie lediglich die Ge-

schehnisse ihre Schwester betreffend wiedergab und auch auf Nachfrage 

hin nicht detailliert zu schildern vermochte, welche konkreten Handlungen 

sie selber anlässlich der Aktion an der (...)-Strasse durchgeführt hat. Zu-

dem erscheint es nicht überzeugend, dass sie, ihre Schwester und die 

Nonne, im Wissen um die Gefährlichkeit der Tat, durch das Ausrufen von 

Parolen auf sich aufmerksam gemacht haben und sich so wissentlich in 

Gefahr gebracht haben sollen. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf 

die diesbezüglichen Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung zu 

verweisen (vgl. SEM-Akte A31/11, S. 6-7). Ferner überzeugen die Schilde-

rungen zu ihrer Ausreise aus dem Heimatland aufgrund mangelnder Sub-

stanziiertheit ebenfalls nicht und wirken teilweise realitätsfremd. Es er-

staunt vor dem Hintergrund ihrer fehlenden Schulbildung, dass sie die Aus-

reisedaten präzise anzugeben vermochte. Hingegen wusste sie die Namen 

der Staaten, in welchen sie sich während mehrerer Monate aufgehalten 

habe, namentlich nicht zu benennen. Dieses mangelnde Grundwissen zu 

ihrem vorgebrachten mehrmonatigen Auslandaufenthalt erstaunt, zumal 

auch von einer Person ohne Schulbildung erwartet werden kann zu wissen, 

wo sie sich aufhält. Dieses angeblich fehlende Wissen überzeugt ebenso 

wenig wie ihre lediglich sehr oberflächlich beschriebene Flugreise. Eben-

falls ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie keine konkreten Angaben zu ih-

rer Fahrt an die Grenze machen und insbesondere die Stadt Dram nicht 

beschreiben konnte. Der Umstand, dass sie zudem nicht in der Lage war, 

die Überquerung der Grenze detailliert zu beschreiben, stützt die Einschät-

zung, dass sie nicht wie unter den beschriebenen Umständen aus der 

Volksrepublik China geflüchtet sein kann (vgl. SEM-Akten A9/14 F5.02; 

A16/13, F42-64).   

D-2199/2020 

Seite 17 

6.3  Angesichts der unglaubhaften Schilderungen zu ihren Fluchtgründen 

und den Ausreiseumständen bestanden trotz dem Einreichen einer Identi-

tätskarte für das SEM – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – 

berechtigte Anhaltspunkte, an ihrer behaupteten Sozialisierung – nicht je-

doch an ihrer tibetischen Ethnie – zu zweifeln und demnach Anlass, eine 

Herkunftsabklärung mittels einer LINGUA-Analyse durchführen zu lassen. 

Der LINGUA-Analyse kommt ein erhöhter Beweiswert zu, da diese auch 

vorliegend als inhaltlich schlüssig und ausgewogen zu erachten ist und die 

sachverständige Person die Anforderungen an die fachliche Qualifikation 

erfüllt. Die in der Beschwerde angebrachte Kritik, das Interview habe zu-

lange gedauert, um lediglich herauszufinden, dass die Beschwerdeführerin 

nicht in der Autonomen Region Tibet sozialisiert worden sein soll, ist nicht 

verständlich, zumal gerade aus der langen Dauer eines Interviews hervor-

geht, dass die entsprechenden Abklärungen sorgfältig und seriös durchge-

führt wurden. In der Analyse wurde im Wesentlichen das Basiswissen des 

täglichen Lebens, welches durch eigene Beobachtung und Kontakt mit an-

deren Menschen erworben wird, bezüglich der administrativen Einteilung, 

der Distanzen, geografischen Gegebenheiten und Sehenswürdigkeiten im 

Umfeld ihres unmittelbaren Lebensraumes geprüft und ausgewertet, ob sie 

in der Volksrepublik China hauptsozialisiert worden sein kann. Die Analyse 

kam im Ergebnis zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin zwar Fach-

wissen in geographischer und kultureller Hinsicht, aber auch einige Lücken 

und Unstimmigkeiten betreffend die administrativen Einheiten, lokalen Se-

henswürdigkeiten, Aussaatzeiten sowie begrenztes Wissen rund um die 

Tierhaltung aufweise, welche vor dem von ihrem angegebenen biografi-

schen Hintergrund nicht erklärbar seien. Auch wenn nicht allen erwähnten 

Unstimmigkeiten gleich grosses Gewicht zuzumessen ist und sie mehrheit-

lich korrekte Angaben im Zusammenhang mit der Schule sowie der Aus-

stellung von Identitätsdokumenten machte, fällt ihr sehr knappes und teil-

weise falsches Wissen bezüglich Landwirtschaft und insbesondere zu den 

Aussaatzeiten auf. Diese Unwissenheit erstaunt hauptsächlich vor dem 

Hintergrund, dass sie seit ihrer Kindheit ausschliesslich in der familienei-

genen Tierhaltung und in der Landwirtschaft gearbeitet haben will 

(vgl. SEM-Akte A15/21 F27-40). Die bereits vorhandenen Zweifel an ihrer 

angegebenen Hauptsozialisierung werden schliesslich durch ein bedeu-

tendes Indiz – den von ihr gesprochenen Dialekt – bekräftigt. Die LINGUA-

Analyse ergab, dass die von ihr gesprochene Sprache ein Gemisch ver-

schiedener Dialekte sei und auf eine Sozialisierung in einem gemischtspra-

chigen Umfeld, wie man es vorwiegend im Exil finde, hindeute. Die Ana-

lyse, wonach auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Aufenthalte 

ausserhalb ihres angegebenen Geburtsortes, die einen Dialekt 

D-2199/2020 

Seite 18 

beeinflussen könnten, sie eindeutig nicht wie von ihr angegeben, während 

21 Jahren im Kreis Gonjo, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft 

ausserhalb der Volksrepublik China hauptsozialisiert worden sein müsse, 

erscheint nachvollziehbar und im Gesamtkontext zutreffend. 

6.4 Zur eingereichten Identitätskarte ist zu bemerken, dass amtliche 

Dokumente ausländischer Staaten, deren Zweck es ist, die Identität ihres 

Inhabers nachzuweisen, nicht als öffentliche Urkunden im Sinne von Art. 9 

ZGB gelten, weshalb ihnen nicht ohne Weiteres ein erhöhter Beweiswert 

zukommt und sie wie andere Urkunden einer freien Beweiswürdigung zu 

unterziehen sind (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2337/2021, a.a.O. 

E. 7.14 m.w.H.). Aufgrund der Fälschungsanfälligkeit ist dem Hukou 

ohnehin nur ein geringer Beweiswert beizumessen, dies gilt umso mehr, 

wenn das Dokument lediglich in Kopie vorliegt. Die vorgelegte 

Identitätskarte weist gemäss der Dokumentenanalyse des SEM zwar keine 

objektiven Fälschungsmerkmale auf. Vor dem Hintergrund der als 

unglaubhaft erachteten Hauptsozialisierung in der Volksrepublik China und 

der insgesamt wenig überzeugenden Schilderungen zu den Fluchtgründen 

sowie den Ausreiseumständen kommt ihr jedoch kein entscheidender 

Beweiswert zu, und sie vermag nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin 

zu bewirken.  

 

6.5 Nach einer Abwägung aller für und gegen die geltend gemachte 

Hauptsozialisierung sprechenden Elementen kommt das Gericht 

zusammenfassend zum Schluss, dass es zwar durchaus möglich 

erscheint, dass die Beschwerdeführerin in der Volksrepublik China 

geboren und allenfalls kurze Zeit dort gelebt haben könnte. Jedoch 

sprechen ihre Schilderungen sowie die LINGUA-Analyse insgesamt gegen 

die Glaubhaftigkeit ihrer behaupteten Hauptsozialisierung. Über-

einstimmend mit der Einschätzung der Vorinstanz stellt das Gericht fest, 

dass die Beschwerdeführerin zwar tibetischer Ethnie ist, aber ihre wahre 

Herkunft verschleiert hat.  

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist bei 

Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder ver-

heimlichen, vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- 

oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bis-

herigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 mit Verweis 

auf EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3). Die Vorinstanz hat demzufolge zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylge-

such abgelehnt. 

D-2199/2020 

Seite 19 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar und möglich zu 

erachten (vgl. E. 6.6 hiervor). Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme 

fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.3 Diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürger-

schaft besitzen, haben in Bezug auf China zumindest subjektive Nach-

fluchtgründe, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als sepa-

ratistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in Be-

zug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29). 

Ein Vollzug der Wegweisung nach China für alle Exil-Tibeter und somit 

auch für die Beschwerdeführerin ist auszuschliessen, da ihr dort eine un-

menschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht oder drohen 

könnte.  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

D-2199/2020 

Seite 20 

10.  

10.1 Mit Verfügung vom 1. Mai 2020 wurde der Beschwerdeführerin – un-

ter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung ihrer finanziellen Verhält-

nisse – die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt 

Christian Bignasca wurde als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Mit Ver-

fügung vom 6. März 2025 wurde sie aufgefordert, ihre aktuelle finanzielle 

Situation offenzulegen. Mit Eingabe vom 14. März 2025 reichte sie Kopien 

ihres Arbeitsvertrags, ihrer Lohnausweise 2021-2024, ihrer Lohnabrech-

nungen vom Dezember 2024, Januar 2025 und Februar 2025, ihres Miet-

vertrags sowie ihrer Krankenkassenpolice ein. Dem eingereichten Arbeits-

vertrag mit der Firma (...) zufolge steht sie seit 1. September 2023 in einem 

unbefristeten Arbeitsverhältnis und erhält ein Monatsbruttogehalt von 

3'950.– (zuzüglich 13. Monatslohn). Gemäss Lohnausweis erhielt sie 2024 

ein Jahresnettogehalt vom Fr. 47’606.– respektive einen monatlichen Net-

tolohn von Fr. 3'967.– (inklusive Anteil des 13. Monatsgehalts). Nach Ab-

zug der monatlichen Ausgaben (aktueller Mietzins [Fr. (...)], Krankenkas-

senversicherung [Fr. (...)], Quellensteueranteil [Fr. (...)], Grundbedarf plus 

Zuschlag von 20% [Fr. 1’440.–]) ergibt sich ein monatlicher Überschuss 

von Fr. (...). Weitere Aufwendungen wurden nicht geltend gemacht. Die Be-

schwerdeführerin ist anwaltlich vertreten und es kann davon ausgegangen 

werden, dass keine zusätzlichen Ausgaben von ihrem Budget abzuziehen 

sind, weshalb auf das Einholen weiterer Informationen über ihre finanzielle 

Situation verzichtet werden kann. Vor diesem Hintergrund kann somit nicht 

mehr von einer prozessualen Bedürftigkeit ausgegangen werden, weshalb 

eine Voraussetzung für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG weggefallen ist. Nachdem deren 

Gewährung unter dem Vorbehalt der nachträglichen Veränderungen der 

finanziellen Verhältnisse erfolgte, ist auf diesen Entscheid zurückzukom-

men und die am 1. Mai 2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung wie-

dererwägungsweise zu entziehen.  

 

10.2 Beim Ausgang des vorliegenden Verfahrens sind somit die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], 

SR 173.320.2).  

 

10.3 Abschliessend ist über das amtliche Honorar zu befinden. Die aufge-

laufenen Kosten der Rechtsvertretung sind durch das Bundesverwaltungs-

gericht zu vergüten, zumal an dieser Stelle ein Widerruf der amtlichen Ver-

beiständung (und damit ex tunc) nicht in Betracht fällt.   

D-2199/2020 

Seite 21 

10.4 Mit Eingabe vom 14. Januar 2021 reichte der amtliche Rechtsbei-

stand eine Kostennote in der Höhe von Fr. 4'828.95 ein. Dabei ging er von 

einem Aufwand von 19.04 Stunden und einem Stundenansatz von 

Fr. 230.– aus. Der zeitliche Aufwand erscheint angesichts des teilweise 

überschneidenden Inhalts respektive gleicher Argumentation in der Be-

schwerde der Schwester zu hoch und ist auf insgesamt 10 Stunden zu kür-

zen. Da die Eingaben vom 3. März 2025 und 14. März 2025 identisch mit 

denjenigen der Schwester sind und bereits in ihrem Honorar berücksichtigt 

wurden, ist ihm hierfür keine zusätzliche Entschädigung zu entrichten. Mit 

Zwischenverfügung vom 1. Mai 2020 war darauf aufmerksam gemacht 

worden, dass bei Anwältinnen und Anwälten bei einer amtlichen Rechts-

vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis 

Fr. 220.– ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der 

Stundenansatz ist auf Fr. 200.– herabzusetzen und dem amtlichen Rechts-

beistand ein Honorar von gerundet Fr. 2'258.– (inklusive Auslagen und 

Mehrwertsteuer) auszurichten.  

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2199/2020 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 

3.  

Die mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2020 gewährte unentgeltliche Pro-

zessführung wird wiedererwägungsweise entzogen. Die Verfahrenskosten 

in Höhe von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt.  

4.  

Dem für das vorliegende Verfahren als amtlicher Rechtsbeistand einge-

setzten Rechtsvertreter Rechtsanwalt Christian Bignasca wird zulasten der 

Gerichtskasse ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 2'258.– ausge-

richtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Martina von Wattenwyl 

 

 

Versand:  

D-2199/2020 

Seite 23 

Zustellung erfolgt an: 

– den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilagen: 

Formular Zahladresse und Rechnung) 

– das SEM, mit den Akten (…) (in Kopie) 

– das Migrationsamt des Kantons Luzern, Ref. Nr. (…) 

(in Kopie)