# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b98437b4-1d90-5704-b950-07818c735d8b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-08
**Language:** de
**Title:** Kein Anspruch auf eine Invalidenrente: Polydisziplinäres Gutachten beweiskräftig; fehlender Einkommensvergleich in der Verfügungsbegründung stellt keine Gehörsverletzung dar, da ein solcher im Vorbescheidverfahren nicht auf jeden Fall verlangt wurde; leidensbedingter Abzug wegen nicht vorhersehbarer Krankheitsschübe; berufliche Eingliederungsmassnahmen durften mangels subjektiver Eingliederungsfähigkeit abgelehnt werden.
**Docket/Reference:** IV.2022.00263
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00263.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00263
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
8. März 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf
Weber
nstrasse 5, Postfach, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1978 geborene
X.___
begann
nach der obligatorischen Schulzeit eine
Lehre als Anlagen- und Apparatebauer, die er mangels genügenden Interesses am Beruf abbrach. In der Folge arbeitete er in diversen Positionen, hauptsächlich als Maschinenführer (
Urk.
7/158/113). Zusätzlich
absolvierte er in den Jahren 2009 bis 2013 berufsbegleitende Ausbildungen und
erwarb
ein Handelsdiplom sowie ein Diplom als technischer Kaufmann (
Urk.
7/11/5
,
Urk.
7/158/159
).
Seit dem 1
8.
August 2018 arbeitete er als
Maschinenbediener
in der Nachtschicht
(
Urk.
7/11/
6-
7
)
bei der
Y.___
AG. Diese meldete ihn am
7.
September 2016 wegen einer seit dem 2
7.
Juni 2016 anhaltenden 100%igen Arbeitsunfähig
keit bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung an (
Urk.
7/3). Das Früh
erfassungsgespräch ergab, dass wegen einer chronisch-entzündlichen Darmer
krankung und einer massiven Schlafstörung eine ordentliche Anmeldung zum
Leistungsbezug erforderlich sei (
Urk.
7/9)
. Diese
erfolgte
am
2
8.
Oktober 2016 (
Urk.
7/11)
.
In der Folge gewährte die IV-Stelle dem Versicherten ab 2
1.
Novem
ber 2016 berufliche Eingliederungsmassnahmen
(
Urk.
7/107/1)
in Form von Arbeitsvermittlung
(
Urk.
7/27,
Urk.
7/34)
,
einem Belastbarkeits-
(
Urk.
7/54)
, Aufbau-
(
Urk.
7/67)
und Arbeitstraining
(
Urk.
7/88)
sowie
Job Coaching
(
Urk.
7/99)
mit
begleitenden Taggeldern vom 2
6.
Februar 2018 bis 2
6.
Februar
201
9
(
Urk.
7/58,
Urk.
7/69,
Urk.
7/
90)
. Nach einer Verschlechterung des gesund
heitlichen
Befindens
, welche sowohl beim Versicherten wie bei
der IV-Stelle zur Einschätzung führte, dass eine Eingliederung in absehbarer Zeit nicht möglich sei,
wurden die Eingliederungsmassnahmen am 2
6.
Juni 2019 beendet (
Urk.
7/107/1
-2
,
Urk.
7/108).
1.2
Zur
Abklärung des Rentenanspruchs zog die IV-Stelle zunächst Berichte der behandelnden Ärzte bei (vgl.
Urk.
7/110,
Urk.
7/162/6-8)
. Anschliessend
holte
sie
das
interdisziplinäre (
neurologisch
e
, allgemein-internistische, neuropsycholo
gische und psychiatrische)
Gutachten der MEDAS
Z.___
vom
2
5.
Februar 2021 ein (
Urk.
7/158) und stellte dem Versicherten gestützt darauf mit Vorbescheid vom 1
8.
März 2021 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht, da er in einer leidensangepassten Bürotätigkeit ein ebenso hohes Einkommen verdienen könnte wie in der bisherigen Tätigkeit (
Urk.
7/164).
Nachdem der Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
7/181
; vgl. auch
Urk.
7/208
),
traf die IV-Stelle zunächst weitere medizinische Abklärungen (vgl.
Urk.
7/210). In der Folge hielt sie mit Verfügung vom 3
0.
März 2022 an der Rentenablehnung fest
(
Urk.
7/
211
=
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf, mit Eingabe vom 1
6.
Mai 2022 Beschwerde und beantragte, es seien ihm eine Rente sowie berufliche Massnahmen zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Juni 2022 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Replik vom 2
7.
Juli 2022
(
Urk.
11) und Duplik vom 1
4.
September 2022 (
Urk.
13) hielten die Parteien
an
ihren
Anträgen fest
. Eine Kopie der Duplik wurde dem Beschwerdeführer am 1
6.
September 2022 zugestellt (
Urk.
14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangs
bestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3.2
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen
depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens
vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstel
len, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Der Argumentation
der Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung, wonach dem Beschwerdeführer gemäss Beurteilung im MEDAS-Gutachten vom 2
5.
Februar 2021 eine leichte bis mittelschwere, behinderungsangepasste Tätig
keit zu 100
%
zumutbar sei und er in eine
r
Büro
beschäftigung
ein ebenso hohes Einkommen erzielen könne wie in der bisherigen Tätigkeit (
Urk.
2), hielt der
Beschwerdeführer beschwerdeweise entgegen,
die behandelnden Ärzte
hätten
ihm durchgehend seit Juni 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestier
t
. Er habe deshalb, mit Ausnahme der Zeit, als IV-Taggeldleistungen erbracht worden seien, rückwirkend ab Juni 2017 Anspruch auf eine ganze Rente. Auf
die im
MEDAS-Gutachten
attestierte
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit könne nicht abgestellt werden
(
Urk.
1 S. 13)
.
Die Gutachter hätten
nämlich
nicht
schlüssig
begründet, weshalb die von den Behandlern diagnostizierte rezidivie
rende depressive Störung mittelgradigen Ausmasses
für sie
nicht nachvollzieh
bar gewesen sei
und selbst bei Annahme einer maximal mittelgradigen Störungs
symptomatik keine dauerhafte volle Arbeitsunfähigkeit begründet werden könne
(
Urk.
1 S. 6).
Den Berichten der Oberpsychologin der
Klinik A.___
vom 1
2.
März 2020 und 2
1.
Jun
i 2021 sei zu entnehmen, dass damals eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe bei ungünstiger Prognose. Für eine zwischenzeitliche Besserung dieses Zustandes bestünden in den Akten keinerlei Anhaltspunkte (
Urk.
1 S. 10). Vielmehr habe die neu behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
B.___
am 1
4.
April 2022, zeitnah zum Erlass der angefochtenen Verfügung,
neu eine schwere depressive Episode diagnostiziert und ihm eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
1 S. 10 f.).
Auch die
vom
neuro
logischen
G
utachte
r
aufgrund seiner Beobachtungen während der Untersuchung geäusserten Zweifel an der Müdigkeit und Ermüdbarkeit überzeugten nicht. Denn im Gutachten werde einerseits angegeben, die Untersuchung habe 3 Stunden und 50 Minuten gedauert, andererseits, die Untersuchungsdauer habe lediglich 2 St
u
nden betragen, was widersprüchlich sei (
Urk.
1 S. 7).
Zudem seien anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung, welche 3 Stunden 10 Minuten gedauert habe, durchaus im Verlauf stärker werdende Ermüdungszeichen und
ein
Schmerzverhalten beobachtet worden
. Im entsprechenden Teilgutachten sei ferner darauf hingewiesen worden, dass eine reduzierte kognitive Belastbarkeit nicht ausgeschlossen werden könne, wobei dazu wegen angeblich «invalider Resultate» nicht abschliessend Stellung genommen werden könne (
Urk.
1 S. 7 f.). Auf die Expertise könne auch deshalb nicht abgestellt werden, weil
sich die Gutachter mit den
z
ahlreichen zur Begutachtung mitgebrachten, damals grösstenteils sehr aktuellen Berichte
n
nicht
auseinandergesetzt hätten (
Urk.
1
S. 10)
.
Aus dem
MRI-Befund der
Universitätsk
linik
C.___
vom 2
3.
September 2020
und dem Bericht des Rheumatologen
Dr.
med.
D.___
vom 1
6.
November 2020
ergäbe sich, dass eine entzündliche
Spondylarthropathie
bei bekannter
Colitis
ul
c
erosa
, Diskusdegenerationen zervikal, thorakal und lumbal sowie Hüft- und Daumenschmerzen bestünden. Angesichts dieser Beeinträchtigungen hätte auch eine rheumatologische Begutachtung durchgeführt werden müssen (
Urk.
1 S.
8 f.
)
.
Vor dem Hintergrund dieser Entzündungsaktivitäten könne die
Feststellung der Gutachter, dass hinsichtlich der gastroenterologischen Gesund
heitsstörungen mindestens zum Zeitpunkt der Begutachtung eine gute klinische und laborchemische Stabilität zu bestehen scheine, nicht geteilt werden, zumal die Gutachter ihre Behauptung, dass nur in Zeiten entzündlicher Aktivität vorübergehend eine leichte, nicht über 20
%
hinausgehende Einschränkung bestehe, nicht näher begründet hätten (
Urk.
1 S. 9).
Bereits der Regionale Ärzt
liche Dienst der IV-Stelle (RAD) habe am
8.
April 2020 festgestellt, dass sich die Symptome der Depression und der
C
olitis
ulcerosa
überlappen
würden und letztere Erkrankung die Behandlung der Depression erschweren würde
.
Da
ss
am
2.
Dezember 2021 eine weitere
Kolonoskopie
zur Klärung der Frage nach einer
mukosalen
Heilung erfolgt sei
, bedeute, dass entgegen den Gutachtern zuletzt noch keine
mukosale
Heilung stattgefunden und auch im Zusammenhang mit der
C
olitis
ulcerosa
von einer Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden müsse
(
Urk.
1 S. 11)
.
Selbst wenn
im Übrigen
von
einer
Restarbeitsfähigkeit in
angepassten Tätigkeit
en
ausgegangen werde
, könne der Leistungsanspruch nicht ohne die Durchführung eines Einkommensvergleichs abgelehnt werden. Dass er in einer Bürotätigkeit ein ebenso hohes Jahreseinkommen erzielen könne wie in seiner bisherigen Tätigkeit sei offensichtlich falsch, weil er nie im Büro gearbeitet habe und deshalb
– trotz der berufsbegleitend
erlangten Bürofach- beziehungsweise Handelsdiplome -
über keine entsprechenden Berufskenntnisse verfüge
(
Urk.
1 S. 12)
. Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens müsse auf Tabellenlöhne abgestellt und ein Leidensabzug berücksichtigt werden
.
B
ei der Festsetzung des
Valideneinkom
mens
sei zu beachten, dass er
vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
neben seiner Hauptbeschäftigung bei der
Y.___
AG zwei bezahlten Nebenbeschäf
tigungen
(am Flughafen und als
Securitas
)
nachgegangen sei
(
Urk.
1 S. 12)
.
2.2
In ihrer
Beschwerdeantwort
vom
2
7.
Juni 2022
hielt die IV-Stelle ergänzend fest,
gemäss Stellungnahmen des RAD-Arztes
Dr.
med.
E.___
vom 1
0.
Januar und
7.
März 2022 vermöchten die nach der Gutachtenserstattung eingegangenen ärztlichen Berichte die gutachterlichen Schlussfolgerungen nicht zu erschüttern. Zutreffend sei hingegen, dass zur Ermittlung des Invaliditätsgrades ein
Einkom
mensvergleich
durchgeführt werden müsse. Gemäss Auszug aus dem individuel
len Konto habe der Beschwerdeführer im Jahr vor Eintritt des Gesundheits
schadens ein Einkommen von
Fr.
82'671.
--
erzielt. Angepasst an die Nominal
lohnentwicklung resultiere im Jahr 2017 ein hypothetisches
Valideneinkommen
von
Fr.
83'001.6
8.
Hinsichtlich des Invalideneinkommens rechtfertige es sich,
von einem Monatslohn von
Fr.
5'417.-- gemäss
Tabelle TA1 der LSE 2018, Kompetenzniveau 1, Zeile Total
,
auszugehen. Bei einer wöchentlichen Anzahl
von 41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung resultiere ein Jahreslohn von
Fr.
68'037.7
3.
Daraus resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 17
%
. Dabei sei zu Gunsten des Beschwerdeführers das
Valideneinkommen
auf Basis des zuletzt erzielten Einkommens ermittelt worden, ohne den starken Einkommensschwankungen in den letzten Jahren Rechnung zu tragen, und das Invalideneinkommen ausgehend von den Tabellenlöhnen für das Kompetenzniveau 1, obwohl angesichts der absolvierten Zusatzausbildungen auch das höhere Kompetenzniveau 2 hätte herangezogen werden können (
Urk.
6 S. 2 f.).
Dem entgegnete der Beschwerdeführer mit
Replik
vom
2
7.
Juli 2022
,
gemäss dem
Histologienachbericht
vom
9.
Dezember 2021 habe nach wie vor keine
mukosale
Heilung stattgefunden (
Urk.
11 S. 1 f.,
Urk.
9-10).
D
ie IV-Stelle habe trotz entsprechender Rüge im
Vorbescheidverfahren
bei Erlass der angefochtenen Verfügung keinen
Einkommmensvergleich
vorgenommen. Dies stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Dieser Mangel könne durch den nachträg
lich in der Beschwerdeantwort durchgeführten Einkommensvergleich nicht geheilt werden, weil ihm durch das Vorgehen der IV-Stelle die Möglichkeit genommen worden sei, sich bereits vor der Beschwerdeantwort zum entsprechen
den Standpunkt der IV-Stelle zu äussern. Die angefochtene Verfügung sei deshalb unabhängig der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst aufzuheben
(
Urk.
11 S. 3 f.
). Im Übrigen habe die IV-Stelle die Vergleichseinkommen nicht richtig ermittelt. Das
Valideneinkommen
betrage mindestens
Fr.
85'214.50, weil zum Haupteinkommen nicht nur
das Nebeneinkommen
, welches er bei der
F.___
AG erzielt habe, hinzuzurechnen sei, sondern auch
dasjenige,
das
er
bei der
G.___
GmbH im Jahr 2015
verdient
habe.
Das Invalidenein
kommen sei tiefer als von der IV-Stelle angenommen, weil ein leidensbeding
t
er Abzug vorzunehmen sei. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle könne auch nicht auf die Tabellenlöhne für das Kompetenzniveau 2 abgestellt werden, da er nicht einmal einen Lehrabschluss habe (
Urk.
11 S. 4 f.).
In der Duplik vom 1
4.
September 2022 hielt die IV-Stelle an ihren bisherigen Ausführungen fest (
Urk.
13).
3.
3.1
Vorab zu ist prüfen, ob die IV-Stelle
,
wie vom Beschwerdeführer gerügt
,
eine unheilbare Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör begangen hat, weil die Verfügungsbegründung keinen Einkommensvergleich enthält.
3.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG), das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen.  Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (
BV
)
fliessende Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungsweise der Versicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einläss
lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Viel
mehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
3.3
Dem
renten
verneinenden Vorbescheid vom 1
8.
März 2021 ist in der Begründung bloss zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Bürotätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei und dabei ein ebenso hohes Einkommen erzielen könnte wie in der angestammten Tätigkeit. Einen Einkommensvergleich hatte die IV-Stelle damals noch nicht vorgenommen (
Urk.
7/164; vgl. auch
Urk.
7/162/11). Im Einwand vom
3.
Mai 2021
liess der Beschwerdeführer vorbringen, falls die IV-Stelle nach Berücksichtigung seiner medizinischen Argumente doch noch einen Einkommensvergleich zur Ermittlung des Invalidi
tätsgrades
vornehme
, habe sie beim
Valideneinkommen
beide Nebenbeschäfti
gungen zu berücksichtigen.
Der Beschwerdeführer forderte im
Vorbescheidver
fahren
aber
nicht, es sei
auf jeden Fall
ein
Einkommensvergleich
durchzuführen
(
Urk.
7/181/6-7; vgl. auch die spätere Stellungnahme vom 2
1.
Februar 2022 [
Urk.
7/208]).
I
n der Folge
hielt die IV-Stelle
an ihrer medizinischen Einschätzung fest und
legte
ihre dahingehenden Überlegungen in der
Begründung de
r
angefochtenen Verfügung dar
(
Urk.
2)
.
Da der Beschwerdeführer im
Vorbescheidverfahren
– anders als im Beschwerde
verfahren (
Urk.
11 S. 3 f.) - nicht unter allen Umständen auf der Durchführung eines Einkommensvergleichs beharrte, musste
die IV-Stelle
auch nicht begründen, weshalb sie auf einen solchen verzichtet hatte.
Sie durfte sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
Im
Ü
brigen
würde
eine bloss
unzutreffende
Begründung
– falls angenommen wird, dass die IV-Stelle eigent
lich von Anfang an einen Einkommensvergleich hätte durchführen müssen – für sich allein noch
keine Verletzung der Begründungspflicht dar
stellen
.
Aufgrund
dieser Überlegungen kann
der
IV-Stelle keine
Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör
vorgeworfen werden.
Im Übrigen konnte sich der Beschwerde
führer im vorliegenden Verfahren vor dem mit voller Kognition entscheiden
d
en Gericht zum Einkommensvergleich äussern, so dass selbst ein allfälliger Verfahrensmangel aus prozessökonomischen Gründen als geheilt zu gelten hat.
In diesem Punkt ist die Beschwerde abzuweisen.
4
.
4
.1
Das interdisziplinäre Gutachten der MEDAS
Z.___
vom 2
5.
Februar 2021 basiert auf
Abklärungen in den Disziplinen
N
eurologie
(
Untersuchung vom 2
5.
August 2020
)
, allgemein
e und innere Medizin (
Untersuchung vom 1
0.
September 2020
)
,
N
europsychologi
e
(Untersuchung vom 2
1.
September 2020), Psychiatrie (Unter
suchung vom
8.
Dezember 2020)
sowie der durchgeführten
Zusatzdiagnostik (pneumologische Polygrafie,
Urk.
7/158/2
,
Urk.
7/127-138
)
.
In ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung
(
Urk.
7/158/9)
hielten die Gutachter fest, der Beschwerdeführer habe sich Ende Oktober 2016
wegen einer ab dem 2
7.
Juni 2016 bestehenden Arbeitsunfähigkeit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet. Damals sei ihm eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus im Sinne eines Schichtarbeitssyndroms bescheinigt worden. Rück
blickend betrachtet hätten aber bereits damals nebst der hohen Arbeitsbelastung durch die Haupttätigkeit und zwei Nebenjobs von insgesamt etwa 130-140
%
eines Vollzeitpensums (vgl.
Urk.
7/158/6-7) familiäre Belastungen bestanden, welche ein Jahr später
zur Trennung
von der Ehefrau
und letztlich
zur
Scheidung geführt hätten. Obgleich
in der Folge einerseits die Nachtschichttätigkeit
nach Beendigung de
s
Arbeit
s
verhältnisses
und andererseits die private Belastungs
situation nach der Trennung weggefallen seien, sei
psychiatrischerseits
die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis dato verlängert worden. Die als mittelgradige und später teilweise als leichte depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung klassifizierte Symptomatik könne heute nicht mehr nachvollzogen werden
(
Urk.
7/158/9)
.
Ein eigenständiges depressives Bild habe im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung nicht festgestellt werden können
(
Urk.
7/158/8
,
Urk.
7/158/171-172
)
;
bei der neurologischen Begutach
tung sei gar keine affektive Störungssymptomatik erkennbar gewesen
(
Urk.
7/158/118-119)
.
Die Symptomatik könne diagnostisch lediglich als Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
sowie
als
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
gewertet werden
(
Urk.
7/158/8-10
,
Urk.
7/158/172-173
)
. Und selbst bei Annahme einer maximal mittelgradigen depressiven Störungssymptomatik könnte keine so dauerhafte vollständige Arbeitsunfähigkeit begründet werden.
In dieser Hinsicht müsse auch
auf die im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung festgestellten Inkonsistenzen hingewiesen werden, welche
neuropsychologisch
als
n
icht-authentische multiple kognitive Einschränkungen bei Leistungsverzerrung unbekannter Ursache
kategorisiert worden seien und
aus psychiatrischer Sicht die Kriterien einer Aggravation erfüllten
(
Urk.
7/158/9-10
,
Urk.
7/162-164
)
.
Ähnlich inkonsistent erscheine die Angabe des Beschwerdeführers
, dass seine Müdigkeit
anlässlich der Integrationsmassnahme im Jahr 2018 keine Steigerung des Pensums
über
50
%
zu
gelassen habe
.
Mindestens aktuell könne keine solche Müdigkeit oder Ermüdbarkeit objektiviert werden
. Im Rahmen der neurologischen Begutachtung
,
die nach fast zweistündiger Anreise immerhin fast vier Stunden bis
a
bends um 19:10 Uhr gedauert habe, sei der Befund in dieser Hinsicht unauffällig gewesen.
Mit dem schon 2013 diagnostizierten Schlafapnoe-Syndrom liege eine zusätzliche mögliche Ursache für die subjektive Müdigkeit vor. Dieses sei aber
ausweislich der aktuellen ambulanten
Polysomnografie
nur leicht bis mittelgradig und deutlich lageabhängig. Entsprechend könne durch erzwungene Seitenlage, ähnlich wie auch schon 2013 empfohlen, eine deutliche Verbesserung der Symptomatik erzielt werden. Deshalb sei nicht anzunehmen, dass dieses zu einer arbeitsrelevanten Müdigkeit führe, ausser bei sehr monotonen Tätigkeiten. Gegen eine wesentliche Müdigkeit sprächen im Übrigen etwa auch die Möglich
keit einer Autofahrt bis nach Südfrankreich, sogar in Zeiten einer damals noch höheren entzündlichen Darmaktivität. Gleichwohl sollten aufgrund des in der Vergangenheit aufgetretenen Schichtarbeitersyndroms weiterhin Schicht- und insbesondere Nachtschichttätigkeiten vermieden werden (
Urk.
7/158/9
,
Urk.
7/158/12
2
-12
3
).
Weiter bestehe eine Colitis
ulcerosa
. Hinsichtlich der gastroenterologischen Gesundheitsstörungen sei es in der Vergangenheit wiederholt zu Entzündungs
aktivitäten gekommen, was auch wiederholt zu Therapiewechseln geführt habe. Mindestens seit Mai/Juni 2020 scheine eine gute klinische und laborchemische
Stabilität zu bestehen
; die entsprechenden Beeinträchtigungen würden vom Beschwerdeführer gegenwärtig als gering beschrieben, so dass mit dieser Diagnose keine höhere Arbeitsunfähigkeit begründet werden könne
(
Urk.
7/158/10
-11
,
Urk.
7/158/152-153)
. Während in der Vergangenheit keine extragastrointes
tinale Symptomatik der
C
olitis attestiert worden sei, ergäben sich nun aus dem Ganzkörper-MRI-Befund vom September 2020
Verdachtsmomente für das Vorliegen einer leichten entzündlichen
Spondylarthropathie
bei der Colitis
ulcerosa
. Jedoch habe der im Rahmen der neurologischen Begutachtung erhobene muskuloskelettale Status keine wesentlichen funktionalen Beeinträchtigungen ergeben,
so dass von verhältnismässig geringen Beschwerden auszugehen sei.
Deshalb sei auf eine zusätzliche orthopädische Begutachtung verzichtet worden
(
Urk.
7/158/8,
Urk.
7/158/10,
Urk.
7/158/123-124)
.
Im Zusammenhang mit der Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter abschliessend fest, Hinweise für eine relevante Störung der Persönlichkeitsentwicklung fehlten.
Nebst den
neuropsychologisch
erhoben
en
Inkonsis
tenzen habe a
uch der vom neurologischen Gutachter durchgeführte REY-Memory-Test auffällige Resultate ergeben. Dieses Verhalten erfülle aus psychiat
rischer Sicht die Kriterien einer Aggravation. Die sehr gute soziale Partizipation stehe ebenfalls im Widerspruch
zu der vom Beschwerdeführer subjektiv angege
benen hohen Einschränkung seiner
Leistungs
fähigkeit auf beruflicher Ebene
(
Urk.
7/158/11)
. Aus interdisziplinärer
Sicht
sei eine Nachtschichttätigkeit wie die ehemal
s
bis 2016 ausgeübte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Andere
leidensange
passte
Tätigkeit
en
seien dagegen grundsätzlich im Vollzeitpensum
ohne Leistungsminderung
zumutbar. Aufgrund der funktionellen Auswirkungen der Befunde seien nur leichte bis mittelschwere, nicht rückenbelastende Tätigkeiten zumutbar. Wegen der Darmerkrankung müsse
eine Toilette
in der Nähe
erreichbar sein. Die regulären Pausen müssten auch für kurze Power-
Naps
eingesetzt werden können, und sehr monotone Tätigkeiten und übermässig hohe Stressbelastung sollten vermieden werden
(
Urk.
7/158/10-12). Auch retrospektiv erscheine weder aus psychiatrischer noch aus neurologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer solchen adaptierten Tätigkeit als plausibel belegbar.
Wegen entzündlichen Phasen der Colitis
ulcerosa
seien retrospektiv lediglich vorübergehende Phasen mit einer leichten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit, welche 20
%
nicht überschreite, plausibel. Angesichts der erkennbaren Tenden
zen zu
aggravatorischer
negativer Antwortverzerrung könne eine allfällige stärkere Beeinträchtigung in der Vergangenheit nicht hinreichend plausibel belegt werden. Unter der gegenwärtigen Behandlung bestehe diesbezüglich klinisch und laborchemisch
eine
Remission
(
Urk.
7/158/11-12,
Urk.
7/158/
152-153).
4
.2
4
.2.1
D
as Gutachten der MEDAS
Z.___
erging
in Kenntnis und Auseinandersetzung mit den relevanten
Vorakten
,
und zwar, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
(
Urk.
1 S. 10)
,
auch
mit
den
von
ihm
zur
Begutachtung
mitgebrachten
neuen
medizinischen Unterlagen
.
Diese wurden im Gutachten einzeln aufgelistet (
Urk.
7/158/45-46)
, wie die übrigen Akten in zusammengefasster Form aufgeführt (
Urk.
7/158/14-45)
und
der IV-Stelle als
Beilage zum Gutachten
übergeben
(
Urk.
7/158/47-107). Insbesondere der vom Beschwerdeführer erwähnte
(
Urk.
1
S. 8 f.)
MRI-Befund der
Universitätsk
linik
C.___
vom 2
3.
September 2020
(
Urk.
7/158/102-103)
und
der Bericht des Rheumatologen
Dr.
D.___
vom 1
6.
November 2020
(
Urk.
7
/158/
104-107)
, aber auch weitere nachträglich eingereichte Berichte aus dem Jahr 2020,
wurden
bei der Würdigung der musku
loskelettalen Beschwerden eingehend diskutiert (vgl. etwa
Urk.
7/158/
4,
Urk.
7/158/6,
Urk.
7/158/8,
Urk.
7/158/10
,
Urk.
7/158/123-124
).
Vor diesem Hintergrund fehlen Anhaltspunkte dafür, dass die
Gutachter nicht sämtliche relevanten medizinischen
Vorakten
berücksichtigt hätten.
4
.
2.2
Die Kritik, die Gutachter hätten im Abschnitt mit den Diagnosen keine Diagnose erwähnt, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkte, obgleich sie die angestammte Nachtschichttätigkeit als
nicht mehr
zumutbar bezeichnet hätten (
Urk.
1 S. 6), ist ebenfalls nicht geeignet, die Beweiskraft der gutachterlichen Schlussfolgerungen in Zweifel zu ziehen. Denn aus der übrigen
interdisziplinären
versicherungs
medizinischen Würdigung geht zweifelsfrei hervor, welche Einschränkungen sich in negativer Weise auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (
Urk.
7/158/7-12).
4
.
2.3
Dem neurologischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer
erläuterte
, die Müdigkeit sei mitursächlich gewesen, dass er sein Arbeitspensum im Rahmen des Arbeitstrainings Ende 2018 nicht über 50
%
habe erhöhen können (
Urk.
7/158/111,
Urk.
7/158/116,
Urk.
7/158/123). I
m Rahmen der Begutachtung
liess sich
ein lageabhängiges, mittelgradiges Schlafapnoesyndrom
polysomno
grafisch
nachweisen
, wo
mit eine erhöhte Müdigkeit grundsätzlich erklärt werden
könnte
(
Urk.
7/158/120-121)
.
Aufgrund
des Fehlens sicherer Ermüdungszeichen
während der
anstrengenden und langen
Untersuchung schloss der neurologische Sachverständige aber, dass
beim Beschwerdeführer effektiv keine
die Arbeits
fähigkeit wesentlich
einschränkende Müdigkeit vorliege (
Urk.
7/158/119,
Urk.
7/158/123).
Zwar trifft
der Einwand des Beschwerdeführers
zu, dass die Expertise wider
sprüchlich
e
Angaben zur Dauer der neurologischen Untersuchung enthält (
Urk.
1 S. 7):
S
owohl in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung als auch im neurologischen Teilgutachten
wurde
in den einleitenden Bemerkungen zur Gutachtens
abwicklung festgehalten, die
Anamneseerhebung und
neurologische Untersuchung habe
am 2
5.
August 2020 von 15.30 bis 17.30
Uhr
gedauert
(
Urk.
7/158/2,
Urk.
7/158/
108)
. Demgegenüber
w
urde
an mehreren Stellen im Gutachten, insbesondere auch beim
neurologischen
Untersuchungsbefund, angegeben, die Begutachtung habe fast vier Stunden bis 19.10 gedauert (
Urk.
7/158/7
,
Urk.
7/158/9,
Urk.
7/158/118,
Urk.
7/158/119). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers besteht kein Grund zur Annahme, dass
die letzt
genannten
-
offensichtlich in einem späteren Bearbeitungsstadium des Gutach
tens festgehaltenen
-
Angaben
zur Dauer der Begutachtung
unzutreffend seien.
Daraus folgt aber auch, dass der vom neurologischen Sachverständigen erhobene, den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers widersprechende Befund einer geringen Müdigkeit nicht anzuzweifeln ist, zumal auch der psychiatrische Gutachter dieselbe Beobachtung machte (
Urk.
7/158/
173
).
Der Beschwerdeführer weist zu Recht darauf hin, dass
der
begutachtende N
europsycholo
ge
im Verlauf der Untersuchung stärker werdende Ermüdungs
zeichen
erhob
(
Urk.
7/158/160-162), aufgrund derer er eine reduzierte kognitive Belastbarkeit nicht ausschliessen konnte (
Urk.
7/158/164). Dieser von den Beobachtungen der neurologischen und psych
i
atrischen Sachverständigen abweichende Befund
wird fraglos
auch mit den während 3 Stunden und 10 Minuten durchgeführten, psychisch anstrengenden Tests zusammenhängen. Jedenfalls stellte der Neuropsychologe auch eine bewusste oder unbewusste Leistungsverzerrung fest, weswegen kein gültiges Testprofil vorlag und er das tatsächliche Leistungsniveau nicht ermitteln konnte. Deshalb diagnostizierte er lediglich nicht authentische kognitive Einschränkungen (
Urk.
7/158/162).
Von Bedeutung ist auch der Hinweis des
neurologische
n
Sachverständige
n
, dass
der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben relativ problemlos mit dem Auto bis nach Südfrankreich fahren konnte (
Urk.
7/158/118), was mit einer schwerwie
genden Beeinträchtigung der Vigilanz und des Wachheitsgrades nicht vereinbar wäre (
Urk.
7/158/123).
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass
die Gutachter aus interdisziplinärer Sicht
davon ausgingen, objektiv
betrachtet
liege keine die Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränkende Müdigkeit vor (
Urk.
7/158/9). Immerhin anerkannten sie, dass der Beschwerdeführer möglicher
weise auf gelegentliche kurze Power-
Naps
während Pausen angewiesen sei, und muteten ihm keine hochgradig monotonen Tätigkeiten zu (
Urk.
7/158/10-11).
4
.
2.4
Wie bereits
in Erwägung
4
.2.1
dargelegt, wurden
die
mit dem MRI-Befund der
Universitätsk
linik
C.___
vom 2
3.
September 2020 und dem Bericht des Rheumatologen
Dr.
D.___
vom 1
6.
November 2020
dokumentierten
degenera
tiven und entzündlichen Veränderungen
(diverse leichte degenerative
V
erände
rungen
der Wirbelsäule
sowie Anhaltspunkte für eine entzündliche
Spondyl
arthropathie
)
von den Gutachtern
berücksichtigt
(vgl. etwa
Urk.
7/158/121,
Urk.
7/158/124)
.
D
er neurologische Gutachter
konnte
trotz der Angabe von Rücken- und Hüftbeschwerden
klinisch bloss eine leichte Klopfempfindlichkeit in den unteren Segmenten der Lendenwirbelsäule, nicht aber sensomotorische Defizite oder erhebliche Bewegungseinschränkungen erheben. Deshalb
schloss er
, dass die Beschwerden
trotz der
-
als leichtgradig
einzustufenden
-
bildgebenden Befunde vergleichsweise gering ausgeprägt
seien
.
Sie
führten zu einer leicht verminderten Rückenbelastbarkeit, so dass dem Beschwerdeführer nur noch
leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten zumutbar seien
(
Urk.
7/158/123-124)
.
Bei den Befunden hielt der neurologische Gutachter zudem fest, der Beschwerdeführer habe eine Druckempfindlichkeit über dem Daumen
mittelgelenk links angegeben. Dieses sei aber weder verformt noch in der Bewegung eingeschränkt gewesen (
Urk.
7/158/120). Angesichts dieses Befunds leuchtet ohne Weiteres ein, dass der neurologische Gutachter den Daumen
beschwerden keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass
(
Urk.
7/158/124).
Seine diesbezüglichen Ausführungen schloss
d
er
neurologische Sachverständige
mit der
nachvollziehbaren
Bemerkung ab, aufgrund der geringen funktionalen Ausprägung der muskuloskelettalen Beschwerden sei auf eine zusätzliche orthopädische Begutachtung verzichtet worden (
Urk.
7/158/124; vgl. auch
Urk.
7/158/8).
Entgegen dem Beschwerdeführer, der für seine Sichtweise keine Stellungnahme einer ärztlichen Fachperson namhaft machen kann
(
Urk.
1 S. 8 f.)
, ist deshalb nicht ausgewiesen, dass seine
muskuloskelet
t
alen
Beeinträchtigungen
einer
zusätzliche
n
rheumatologischen Begutachtung
bedürfen.
Zwar äusserte sich der neurologische Gutachter nur zur fehlenden Notwendig
keit
einer orthopädischen
Zusatzuntersuchung
. Da Schmerzen des Bewegungsapparates sowohl Gegenstand der Orthopädie als auch der Rheumatologie bilden (Urteil des Bundesgerichts
9C_644/2015 vom
3.
Mai 2016 E. 3.4 mit Hinweisen)
, kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass er
auch den Beizug
eine
s
r
heumatologische
n
Fach
arztes
als unnötig erachtete.
Angesichts der erhobenen geringfügigen Einschrän
kungen überzeugt auch die Beurteilung des Neurologen, dass höchstens eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf leichte bis höchstens mittel
schwere Tätigkeiten besteht.
Auch der behandelnde
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
erachtete gemäss Bericht vom 3
0.
November 2021 eine leidensangepasste Tätigkeit
aus rheumatologischer Sicht
als grundsätzlich zumutbar
und wies darauf hin, bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit spielten andere Faktoren eine wesentliche Rolle (
Urk.
7/197/3; vgl. auch
Urk.
7/210/4).
Es
liegt
folglich kein Grund
vor
, hinsichtlich der muskuloskeletta
len Beeinträchtigungen nicht
auf die Einschätzung im
MEDAS
-Gutachten
abzustellen
;
da
rauf
wies
auch
der RAD-Versicherungsmediziner
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Rheumatologie, in seiner Stellungnahme vom 1
0.
Januar 2022
zu Recht
hin (
Urk.
7/210/4-5).
4
.
2.
5
Hinsichtlich der Colitis
ulcerosa
anerkannten die Gutachter, dass
es in der Vergangenheit wiederholt
im Rahmen von Schüben
zu Entzündungsaktivitäten
kam
. Mindestens seit Mai/Juni 2020 scheine
aber
eine gute klinische und labor
chemische Stabilität zu bestehen
, womit die vom Beschwerdeführer beschriebe
nen geringgradigen
Beeinträchtigungen
korrelierten
(
Urk.
7/158/10-11,
Urk.
7/158/146-147,
Urk.
7/158/152-153)
.
Der internistische Gutachter hielt fest,
aus allgemein-internistischer Sicht bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/158/153). W
ährend
Colitis-
Schüben mit einer hohen Durchfall-Häufigkeit komme es zu einer
zusätzlichen
Reduktion der beruflichen Leistungsfähigkeit, weil das WC aufgesucht werden müsse und es an einzelnen Arbeitstagen zu Arbeitsausfällen komme.
Die
Leistungseinschränk
ung sei
- wie auch die Behandler festgestellt hätten – schwierig zu beziffern
(
Urk.
7/158/152)
. Sie
belaufe
sich
während Schüben
auf gesch
ä
tzt
maximal 20
%
(
Urk.
7/158/152
-153
)
. Auch retrospektiv massen die Gutachter der Colitis
ulcerosa
aus interdisziplinärer Sicht keine höhere Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bei, wobei
sie einschränkend bemerkten, eine allfällige höhere Arbeits
unfähigkeit in der Vergangenheit lasse sich angesichts der erkennbaren Tendenzen zu
aggravatorisch
negativer Leistungsverzerrung nicht mit hinreichender Plausibilität
belegen
(
Urk.
7/158/10-11
,
Urk.
7/158/153
)
.
Die Behauptung des Besch
werdeführers, die Gutachter hätten die auf die Colitis
ulcerosa
zurückzuführende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht
näher begründet (
Urk.
1 S. 9),
wird durch
die
vorstehend wiedergegebenen Ausführun
gen widerlegt.
Die auf 20
%
bezifferte Einschränkung während Colitis-Schüben wurde von den
Sachverständigen
mit konkreten Einschränkungen begründet. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, weshalb und inwiefern eine höhere Leistungs
einschränkung besteht
und den medizinischen Akten ist auch nichts Entsprechen
de
s
zu entnehmen
.
Es
besteht
folglich
kein Grund, von der Einschätzung
im
H.___
-Gutachten
abzuweichen.
Am
2
5.
November 2021
bestätigte
Prof.
Dr.
med.
I.___
, Chefarzt der Univer
sitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des
Spitals J.___
, eine weitgehende Remission der Colitis
ulcerosa
unter der medikamentösen Therapie
,
und
er
empfahl eine endoskopische Re-Evaluation mit der Frage nach
mukosaler
Heilung (
Heilung der Schleimhaut;
Urk.
7/209/4
; vgl. auch
Urk.
7/2010/5-6
).
Die am
2.
Dezember 2021 durchgeführte
Ileo
-
Kolonoskopie
ergab keine Hinweise auf aktiv-entzündliche Veränderungen (
Urk.
3/5).
Dem
Histologienachbericht
vom
9.
Dezember 2021
über die histologischen Befunde der Untersuchung vom
2.
Dezember 2021 ist zu entnehmen, dass einzig
linkskolisch
weiterhin geringe Zeichen aktiver Entzündung bestanden hätten, womit keine komplette
mukosale
Heilung stattgefunden habe (
Urk.
10).
Auch diese nachträglich eingereichten Arztberichte führen zu keinem anderen Ergebnis: Denn es folgt daraus, dass nur noch geringe Entzündungszeichen bestehen und sich die Colitis
ulcerosa
seit der
Begutachtung jedenfalls nicht verschlechtert hat. Die Arbeitsfähigkeitsein
schätzung der
MEDAS
-Gutachter umfasst im Übrigen auch zukünftig mögliche neue Colitis-Schübe
mit stärkerer En
t
zündungsaktivität
(
Urk.
7/158/10)
.
4
.
2.
6
In psychischer Hinsicht
konnten die
MEDAS
-Gutachter beim Beschwerdeführer kaum
auffällige Befunde erheben, wobei dies nicht nur den psychiatrischen (
Urk.
7/158/171-172) und neuropsychologischen
Experten
(
Urk.
7/158/160), sondern
auch
den neurologischen (
Urk.
7/158/118-119) und internistischen Sachverständigen auffiel
(
Urk.
7/158/150).
Hingegen ergaben die in der neurolo
gischen und neuropsychologischen Untersuchung durchgeführten Symptom
validierungsverfahren auffällige Ergebnisse, die
von den Gutachtern
aus interdis
ziplinärer
Sicht
mit
eine
r
bewusstseinsnahe
n
Aggravation
begründet
wurden (
Urk.
7/158/9,
Urk.
7/158/121,
Urk.
7/158/163,
Urk.
7/158/172).
Nur die überaus heftig geschilderten Auseinandersetzungen mit der Exfrau bewegte
n
den psychiatrischen Gutachter dazu, eine Diagnose aus dem Bereich der Anpassungs
störungen zu stellen (Angst und depressive Reaktionen gemischt;
ICD-10
F43.22). Die
angegebenen
psychischen Symptome seien als Folge des Ehekonfliktes und der organischen Symptomatik zu werten.
Unter Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsbefunde, des geschilderten Tagesablaufs sowie unter Zuhilfenahme des Mini-ICF-App ergäben sich keine Einschränkungen von Fähigkeiten.
V
or diesem Hintergrund
ist
nachvollziehbar, dass
die Gutachter die von den Behand
lern gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung
leichten bis mittelgradigen Ausmasses nicht übernahmen und
dem Beschwerdeführer aus
psychiatrischer Sicht
ab der Begutachtung
für alle Tätigkeiten mit Ausnahme solcher im (Nacht-)Schichtdienst eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit
beschei
nigten (
Urk.
7/158/8).
Anders als der Beschwerdeführer geltend macht (
Urk.
1 S. 6), lässt sich dem
MEDAS
-Gutachten
sodann
durchaus entnehmen, weswegen die
Sachverständi
gen
den
vor der Begutachtung ausgestellten
Arbeitsunfähigkeitsatteste
n
der
psychiatrischen Behandler nicht
folgten
.
Die Gutachter legten nämlich dar, dass die bis anhin bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen einer rezidivieren
den depressiven Störung
(vgl.
Urk.
7/133,
Urk.
7/183)
angesichts des Wegfalls der schweren
(nächtlichen)
Arbeitsbelastung
nach der Krankschreibung ab Juni 2016
und der Auflösung der belastenden
familiären
Situation durch Trennung und Scheidung ein Jahr später
nicht
(mehr)
nachvollzogen werden könne (
Urk.
7/158/9,
Urk.
7/158/11; vgl. auch
Urk.
7/77). Ferner wiesen sie mehrfach auf
die Tendenz des Beschwerdeführers zu
aggravatorischer
negativer Leistungs
verzerrung
hin,
welche die Belegbarkeit der retrospektiven
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
erschwere (
Urk.
7/158/10-11). Dass der Beschwerdeführer selbst geltend macht,
sein Gesundheitszustand habe sich inzwischen nicht gebessert (
Urk.
1 S. 10), spricht dafür, dass die von den Gutachtern erhobene leichte psychische Sympto
matik ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seit dem Jahr 2017 mehr oder weniger
unverändert
fortbestand
. Bei den vom Beschwerdeführer angeführten (
Urk.
1 S. 10) Berichten der behandelnden Oberpsychologin der
Klinik A.___
vom 1
2.
März 2020 (
Urk.
7/133) und 2
1.
Juni 2021 (
Urk.
7/183)
, in denen ihm eine vollständige Arbeitsunfähigkeit besche
inigt wurde,
darf nebst den bereits genannten Unstimmigkeiten
– insbesondere dem Fehlen einer Symptomvalidie
rung -
auch berücksichtigt werden, dass
behandelnde Arztpersonen beziehungs
weise Therapiekräfte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen erfahrungsgemäss eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Deshalb ist die in diesen Berichten geäusserte
negativere
Einschätzung de
s
psychischen
Beschwerdebildes
nicht geeignet, die gutachterlichen Schlüsse in Zweifel zu ziehen
, wie auch der RAD-Arzt
Dr.
E.___
in seinen Stellungnahmen vom 1
0.
Januar und
7.
März 2022 darlegte (
Urk.
7/210/4-6).
Die auf den Berichten der behandelnden Therapeuten abstützende frühere Einschätzung der RAD-Psychiaterin
Dr.
med.
K.___
vom
8.
April 2020, dass die Colitis
ulcerosa
eine medikamentöse Therapie der Depression erschwere (
Urk.
7/162/8
; vgl. auch
Urk.
7/158/3
), vermag entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S.
11)
zu keiner anderen Beurteilung zu führen.
Wegen der damals unzulänglichen Aktenlage
empfahl
Dr.
K.___
am
8.
April 2020 nämlich
auch
die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens (
Urk.
7/162/8).
In
ihrer späteren Stellungnahme vom
8.
März 2021 erachtete sie die Beurteilung der
MEDAS
-Gutachter, dass keine (behandlungsbedürftige) depressive Störung sowie auch retrospektiv keine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit vorliege,
dann
als überzeugend (
Urk.
7/162/10; vgl. auch
Urk.
7/158/12).
Im
beschwerdeweise eingereichten Abschlussbericht der behandelnden Ober
psychologin der
Klinik A.___
vom
8.
Februar 2022
wird im Wesentlichen der bisherige Verhandlungsverlauf für den Hausarzt und die nachbehandelnden Spezialisten zusammengefasst
, ohne dass eine Auseinandersetzung mit dem Gutachten erfolgt wäre
. Daraus
ergeben sich keine neuen Befunde und Aspekte (
Urk.
3/3)
, welche
Zweifel an der
Expertise
begründen
könnten
.
Die den Beschwerdeführer neu ab dem 2
4.
November 2021 in zweiwöchentlichem Rhythmus behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
B.___
hielt in ihrem Bericht vom 1
4.
April 2022 fest, der Beschwerdeführer habe in letzter Zeit über eine Verschlechterung des psychischen und somatischen Gesundheitszustands
(Colitis
ulcerosa
, Wirbelsäulenerkrankung)
berichtet. Dabei habe er angegeben, bei ihm
bestünden viele Unklarheiten bezüglich seiner gesundheitlichen Probleme. Er habe Zukunftsangst und wisse nicht, wie es in seinem Leben weitergehen solle
(
Urk.
3/4 S. 1 f.).
Die behandelnde Psychiaterin
diagnostizierte eine schwere depressive Episode mit schwerer körperlicher Problematik (Colitis
ulcerosa
, Morbus Bechterew) und attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft
(
Urk.
3/4 S. 1 f.)
, ohne die abweichenden gutachterlichen Einschätzungen zu erörtern oder den
gesundheitlichen
Verlauf seit der Begutach
tung
nachvollziehbar
zu beschreiben
.
Dr.
B.___
beschränkte sich darauf, haupt
sächlich die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers zu seinen somatischen Problemen wiederzugeben, ohne diese
kritisch
zu würdigen; dies ist angesichts ihrer fehlenden Qualifikation als Fachärztin einer somatischen Disziplin
nachvollziehbar
. Zudem waren die von
Dr.
B.___
erwähnte Colitis
ulcerosa
und die entzündlichen Skelettveränderungen den
MEDAS
-Gutachtern bereits bekannt. Aus diesen Gründen ist ihr
Bericht nicht geeignet, Anhaltspunkte für eine wesentliche Verschlechterung
des
körperlichen
Gesundheitszustands
zu bieten. Aber auch in psychischer Hinsicht
ergeben sich aus dem Bericht keine
Hinweise für eine
erhebliche
gesundheitliche
Änderung
:
Dass der Beschwerde
führer nach Erhalt des
seiner Selbsteinschätzung widersprechenden
MEDAS
-Gutachtens vom
2
5.
Februar 2021
und der
anspruchsv
erneinenden Verfügung vom
3
0.
März 2022
unter gewissen Zukunftssorgen
litt
und dies subjektiv als gesundheitliche Verschlechterung interpretierte
, ist ohne Weiteres nachvollzieh
bar
,
deutet für sich allein
aber
noch nicht auf eine
Verschärfung der
psycho
pathologische
n
Symptomatik hin
.
Sodann werden das
MEDAS
-Gutachten und die von den Gutachtern festgestellte Tendenz zur Aggravation im Bericht von
Dr.
B.___
nicht erwähnt
; es muss deshalb
davon ausgegangen werden, dass sie die gutachterliche Einschätzung nicht
kannte
.
Ferner stellte
Dr.
B.___
ausweislich ihres Berichts hauptsächlich auf die subjektiven
Beschwerdea
ngaben des Beschwerdeführers ab, ohne diese
wie die
MEDAS
-Experten
zu objektivieren,
etwa durch Symptomvalidierungstests und Fragen zum üblichen Tagesablauf, Hobbies etc. A
ufgrund ihres Behandlungsauftrags
hat sie zudem
eine andere Perspektive einzunehmen als die Gutachter (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
Aus diesen Gründen
ist ihr Verlaufsbericht nicht geeignet, den Beweiswert der gutachterlichen Schlüsse
in der Zeit bis zum
Erlass der Verfügung vom 3
0.
März 2022 zu erschüttern.
4
.
2.7
Abschliessend
ergibt sich
, dass das
MEDAS
-Gutachten
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
11.2022
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
begründet
e
Schlussfolgerungen der Experten
enthält. Ihm kommt deshalb voller Beweiswert zu
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
Angesichts der nur leichtgradigen
psychischen
Symptomatik
und der überzeu
gend begründeten gutachterlichen Einschätzung, dass sich die gestellte psychiat
rische Diagnose mit Ausnahme der Unzumutbarkeit von Schichtarbeit nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt
(vorstehend E.
4.2.6)
,
kann
zur Beurteilung der
diesbezüglichen
Arbeitsfähigkeit
auf die Durchführung eines
strukturierten Beweisverfahrens
verzichtet werden
(vorstehend E. 1.3.2)
,
zumal
grunds
ätzlich nur eine schwere psychische Störung invalidisierend im Rechtssinn sein
kann (BGE
148 V 49 55
E.
6.2.2)
.
Gestützt auf die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung im
MEDAS
-Gutachten vom 2
5.
Februar 2021 ist erstellt, dass der Beschwerdeführer im massgeblichen Beurteilungszeitraum in leidensangepassten Tätigkeiten (leichte bis mittel
schwere, nicht rückenbelastende, nicht sehr monotone und mit übermässig hoher Stressbelastung verbundene Tätigkeiten mit einer Toilette in der Nähe und der Möglichkeit, die regulären Pausen für kurze Power-
Naps
einzusetzen
, keine Schichtarbeiten
) grundsätzlich im Vollzeitpensum ohne Leistungsminderung arbeitsfähig ist (
Urk.
7/158/10-12). Während Colitis-Schüben besteht in solchen Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80
%
(
Urk.
7/158/152-153).
5.
5.1
Unbestrittenermassen ist durch einen Einkommensvergleich (vgl. dazu E. 1.
4
) zu ermitteln, wie sich die ärztlich bescheinigte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5.2
D
ie IV-Stelle
ermittelte das
Valideneinkommen
gestützt auf
die gemäss
Auszug aus dem individuellen Konto
(IK)
abgerechneten Löhne und stellte zu Gunsten des Beschwerdeführers auf
das
für das Jahr vor Eintritt des Gesundheitsschadens (2015)
ausgewiesene
Einkommen von
Fr.
82'671.
-- und nicht
auf
die tieferen Einkommen in den Jahren davor und danach
(
Urk.
6 S. 2,
Urk.
7/215/4)
oder
den niedrigeren Lohn gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 1
6.
November 2016 (
Urk.
7/25)
ab.
Der Beschwerdeführer macht geltend,
beim
Valideneinkommen
sei
nebst
dem
gemäss IK-Auszug
bei der
Y.___
AG erzielten Hauptein
kommen
von
Fr.
75'529
.--
(
Urk.
7/215/4)
nicht nur das Nebeneinkommen
von
Fr.
7'142.--
, welches er im Jahr 2015 bei der
F.___
AG verdient habe
(
Urk.
7/180/1)
, sondern
auch
der zusätzlich im gleichen Jahr
bei der
G.___
GmbH
erzielte Verdienst
von
Fr.
2'204.--
(
Urk.
7/179/2)
hinzuzurechnen (
Urk.
11
S. 4
; vgl. auch
Urk.
6 S. 2
).
Das
Gesamte
inkommen von
Fr.
84'875.
--
sei alsdann mit der Nominallohnentwicklung auf das Jahr 2017 von 1.004 zu multiplizieren
, was ein
Valideneinkommen
von
Fr.
85'214.50 ergebe
(
Urk.
11
S. 4; vgl. auch
Urk.
6 S. 2
)
. Anzumerken bleibt,
dass
die Nominallohn
entwicklung
von 2015
bis zum hypothetischen Beginn des Rentenanspruchs im Jahr 2017
höher ausfällt
(BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [Index Basis 2010 = 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Männer 2011 – 2021, T1.1.10, Total; 2015: 103,5; 2017: 104,6)
, so dass nach der Berechnungsweise des Beschwerdeführers ein
Valideneinkommen
von
Fr.
85‘777.05
resultiert (
Fr.
84'875.--
: 1
0
3,5 x 104,6)
.
Aufgrund der nachfolgenden Ausführungen kann dahingestellt bleiben, ob
das
Valideneinkommen
auf diese Weise
zu ermitteln ist.
5.3
5.3.1
Die Parteien sind sich einig, dass
das
zumutbarerweise
erzielbare Invalidenein
kommen anhand der
Tabellen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu ermitteln
ist
. Die IV-Stelle hat zu Gunsten des Beschwerdeführers auf den Männerlohn in der Tabelle TA1_tirage_skill_level, Zeile
«
Total
»
, mit dem tiefsten Kompetenzniveau 1 abgestellt. Dabei hat sie aber fälschlicherweise den
standar
disierten
monatlichen
Bruttol
ohn für das Jahr 2018 von
Fr.
5‘417.
-- herange
zogen (
Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Wochenstunden;
Urk.
6 S. 2)
.
Korrekterweise wäre auf den entsprechenden Tabellenlohn für das Jahr 2016 von
Fr.
5‘340.-- abzustellen. Umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (Bundesamt für Statistik [BFS], Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, im Internet abrufbar)
und angepasst an die Nominallohnentwicklung von 2016 bis 2017 (BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [Index Basis 2010 = 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Männer 2011 – 2021, T1.1.10, Total; 2016: 104,1; 2017: 104,6)
resultiert ein Jahreseinkommen von
Fr.
67‘124.25
(
Fr.
5‘340.-- :
40 x 41,7 : 104,1 x 104,6 x 12)
.
5.3.2
Der Beschwerdeführer verlangt, dass bei dem
anhand der
statistischen Tabellen
löhne ermittelten Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug
(vgl. dazu
BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc)
zu berück
sichtigen sei (
Urk.
1 S. 12,
Urk.
11 S. 4). Der Beschwerdeführer ist noch relativ jung, kann zu 100
%
arbeiten und verfügt über die Niederlassungsbewilligung (
Urk.
12/1).
Dass
er
keine Schichtarbeiten mehr versehen kann, ist praxisgemäss nicht abzugsbegründend
(vgl. Meyer/Reichmuth; Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
4.
Auflage, Zürich
2022,
Art.
28a
Rz
116 S. 337 mit Hinweis).
Auch d
ass
er nur noch leichte bis mittelschwere, nicht rückenbelastende, nicht mit übermässig hoher Stressbelas
tung verbundene Tätigkeiten mit der Möglichkeit, die regulären Pausen für kurze Power-
Naps
einzusetzen, versehen kann, rechtfertigt nach der Rechtsprechung keinen Abzug. Angesichts dieses Belastungsprofils ist nämlich von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auf dem massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt auszugehen (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_128/2022 vom 1
5.
Dezember 2022 E. 6.2.3 sowie Meyer/Reichmuth, a.a.O.,
Art.
28a
Rz
120 S. 339 mit weiteren Hinweisen)
. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass die Unzumutbarkeit sehr monotoner Tätig
keiten und die Notwendigkeit einer naheliegenden Toilette
sich lohnmindernd auswirken (vgl. dazu das Urteil
des
Bundesgerichts
9C_42/2022 vom 1
2.
Juli 2022
E. 4.6), rechtfertigen diese beiden Faktoren keinesfalls einen 10
%
übersteigenden Abzug.
Schliesslich können nicht vorhersehbare und schwer kalkulierbare Absenzen, wie sie durch Krankheitsschübe verursacht werden, einen Tabellen
lohnabzug rechtfertigen (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_128/2022 vom 1
5.
Dezember 2022 E. 6.2.3 und
9C_42/2022 vom 1
2.
Juli 2022 E. 4.5)
. Eine solche Konstellation ist hier gegeben, konnten die
MEDAS
-Gutachter doch weitere Krankheitsschübe der Colitis
ulcerosa
nicht ausschliessen.
Da sie dem Beschwerdeführer während Krankheitsschüben eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 20
%
attestierten (vorstehend E.
4.2.5
), rechtfertigt sich bei grosszügiger Betrachtung ein entsprechender leidensbedingter Abzug von höchstens
2
0
%
(vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 9C_42/2022 vom 1
2.
Juli 2022 E. 4.6
)
.
Kann nach dem Gesagten ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn von maximal 20
%
berücksichtigt werden, resultiert ein Invalideneinkommen von
Fr.
53'699.40 (
Fr.
67‘124.25 x 0.8).
5.4
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
85‘777.05
mit dem Invalidenein
kommen von
Fr.
53'699.40 ergibt einen invaliditätsbedingten Minderverdienst von
Fr.
32'077.65 und einen Invaliditätsgrad von 37
%
. Damit wird die renten
erhebliche Schwelle von 40
%
(vorstehend E. 1.5) nicht erreicht. Folglich hat die IV-Stelle im Ergebnis einen Rentenanspruch
zu Recht
verneint.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, er habe auf jeden Fall auch Anspruch auf berufliche Massnahmen (
Urk.
1 S. 12 f.). Solche seien mit der angefochtenen Verfügung ebenfalls beurteilt worden, was sich aus deren Begrün
dung ergebe
, wonach jeglicher Anspruch auf IV-Leistungen (Rente, berufliche Massnahmen) abgelehnt werde
(
Urk.
1 S. 5
; vgl. auch
Urk.
2
).
Weil er noch nie in einem Büro gearbeitet habe, könne er eine Restarbeitsfähigkeit in einer Büro
tätigkeit ohne berufliche Massnahmen nicht umsetzen. Allenfalls seien weitere Abklärungen nötig, wofür die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen sei (
Urk.
1 S. 12 f.).
6.2
N
ach dem Gesagten
resultiert auch dann
kein Rentenanspruch,
wenn
das Invalideneinkommen
aufgrund des – verglichen mit einer Bürotätigkeit tieferen – Einkommens ermittelt
wird
, welches der Beschwerdeführer in einer Hilfsarbeitertätigkeit erzielen könnte
(vorstehend E. 5.3-4)
.
Dass er seine medizi
nisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Hilfsarbeit
nicht
auf dem Weg der Selbsteingliederung
ohne vorgängige berufliche Mass
nahmen verwerten könne, macht er zu Recht nicht geltend.
Die IV-Stelle durfte deshalb das Rentenbegehren abweisen, ohne ihm vorher erneut die Durchführung beruflicher Massnahmen anzubieten. Unerheblich ist vor diesem Hintergrund, ob er eine Bürotätigkeit nur nach vorgängiger Durchführung befähigender Einglie
derungsmassnahmen aufnehmen könnte.
6.3
Von Bedeutung ist zudem, dass
d
er Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen einen Eingliederungswillen
beziehungsweise
eine subjektive Eingliederungs
fähigkeit voraussetzt
(Urteil des Bundesgerichts
9C_469/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 7
).
D
ie IV-Stelle
hatte
dem Beschwerdeführer bereits
ab
dem
2
1.
November 2016 berufliche Eingliederungsmassnahmen
gewährt (
Urk.
7/107/1)
.
Nach einer Verschlechterung des gesundheitlichen Befindens
,
welche sowohl beim
Beschwerdeführer
wie bei
der IV-Stelle zur Einschätzung führte, dass eine Eingliederung in absehbarer Zeit nicht möglich sei
(
Urk.
7/107/1
-2),
wurden
diese
mit Mitteilung vom
2
6.
Juni 2019
widerspruchslos
beendet
(
Urk.
7/108).
Wie sich aus
der vorstehenden Erwägung 4.2.6 ergibt,
attestierten
die
behandeln
den
Fachpersonen
dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Beschwerdeangaben in der Folge anhalten
d
– und zwar auch noch nach Erlass der angefochtenen Verfügung – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Damit fehlen Anhaltspunkte, dass sich der Beschwerdeführer
bei Erlass der angefochtenen Verfügung
subjektiv
eingliederungsfähig fühlt
e
. D
er blosse, unsubstantiierte Antrag auf Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Einwand vom
3.
Mai
2021 (
Urk.
7/181/1)
und
in der Beschwerde
vom
1
6.
Mai 2022
(
Urk.
1 S.
1 und
12 f.)
vermag
daran nichts zu ändern. Bei dieser Aktenlage
durfte die IV-Stelle mit der angefochtenen
Verfügung auch einen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen verneinen.
Sollte
der
Beschwerdeführer
seine
Haltung geändert haben und an einer Einglie
derungsmassnahme teilnehmen wollen, kann
er
sich bei der IV
-
Stelle wieder anmelden, welche darüber neu zu verfügen hätte
.
7.
Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
900.-- zulasten des unterliegenden Beschwerdeführers (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tomas Kempf
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrKlemmt