# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 717195aa-d6e4-5f59-b283-04829b7b0a99
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 17.11.2022 SST.2022.112
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-112_2022-11-17.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.112 
(ST.2021.83; StA.2021.2523) 

 

 

Urteil vom 17. November 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichterin Vasvary 

Oberrichter Cotti  

Gerichtsschreiberin Sprenger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1974, von Bulgarien, 

[…] 

z.Zt.: Zentralgefängnis Lenzburg, Ziegeleiweg 13, 5600 Lenzburg  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Ian Graber,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Raub, Hausfriedensbruch, Widerhandlung gegen das Waffengesetz usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob am 26. Oktober 2021 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen Hausfriedensbruchs, Raubes, mehrfa-

chen Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis 

und Widerhandlung gegen das Waffengesetz. 

 

Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen, am 26. April 2021 um ca. 

12:00 Uhr gegen den Willen von A. in deren Haus eingedrungen zu sein, 

mit dem Willen, Bargeld sowie Wertgegenstände unter Anwendung von 

Gewalt zu stehlen. Er habe A. in ihr Schlafzimmer gedrängt, ihr sechs 

Fingerringe gewaltsam von den Fingern gerissen und ihr dabei 

Verletzungen zugefügt. Weiter habe er sie geschubst, woraufhin A. gestürzt 

sei und sich am linken Ellbogen verletzt habe. Danach habe er A. in ihr 

Schlafzimmer eingeschlossen und das kabellose Festnetztelefon aus dem 

Fenster geworfen, um zu verhindern, dass die verletzte A. hätte Hilfe rufen 

können. Anschliessend habe er weiteren Schmuck sowie Bargeld, 

insgesamt in der Höhe von Fr. 15'040.00 aus dem Haus entwendet 

(Anklage Ziff. I/1.). 

 

Zudem soll er am 25. April 2021 um 15:11 Uhr sowie am 26. Mai 2021 um 

13:50 Uhr den Personenwagen BMW 316i, deutsches Kontrollschild, ohne 

den dafür erforderlichen Führerausweis gelenkt habe (Anklage Ziff. I/2.).  

 

Weiter wurde ihm vorgeworfen, am 25. April 2021 um 15:11 Uhr in Allschwil 

(BL) einen Kugelschreiber mit integriertem Messer mit einer Gesamtlänge 

von 12.5 cm und einer Klingenlänge von 5.5 cm in die Schweiz gebracht zu 

haben, ohne die dafür erforderliche kantonale Ausnahmebewilligung 

erworben zu haben (Anklage Ziff. I/3.). 

 

2. 

Das Bezirksgericht Kulm erkannte mit Urteil vom 15. Februar 2022: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig 
- des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 
- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB 
- des Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis gemäss Art. 95 

Abs. 1 lit. a SVG 
- des Vergehens gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG 
 
2. 
2.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 

  

 - 3 - 

 

 

2.2. 
Die Untersuchungshaft von 161 Tagen (26. April 2021 bis 3. Oktober 2021) sowie der vor-
zeitige Strafantritt seit dem 4. Oktober 2021 werden gestützt auf Art. 51 StGB auf die Frei-
heitsstrafe angerechnet. 
 
3. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a StGB für 15 Jahre des Landes verwiesen. 
 
4. 
Die sichergestellte Waffe (Kugelschreiber mit integriertem Messer) wird in Anwendung von 
Art. 69 StGB zuhanden der Kantonspolizei Aargau, Fachstelle SIWAS, eingezogen und zur 
Vernichtung übergeben.  
 
5. 
Der beschlagnahmte Personenwagen BMW 316i, blau, deutsches Kontrollschild, wird ein-
gezogen und vernichtet.  
 
6. 
6.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.00 
b) der Anklagegebühr Fr.  3'000.00 
c) den Kosten der Beweisführung Fr.  5’991.60 
d) andere Auslagen Fr.  95.40 
Total Fr. 12’087.00 
 
Dem werden die Gerichtsgebühr (lit. a) sowie die Kosten gemäss lit. b) bis d) im Gesamt-
betrag von Fr. 12'087.00 auferlegt. 
 
6.2. 
Die Kosten für die Untersuchungshaft werden auf die Staatskasse genommen. 
 
6.3. 
Die Dolmetscherkosten von Fr. 355.20 werden auf die Staatskasse genommen. 
 
6.4. 
Die beschlagnahmten Vermögenswerte im Betrag von Fr. 373.77 werden zur Kostende-
ckung definitiv eingezogen und mit den Verfahrenskosten gemäss Ziff. 6.1. vorstehend 
verrechnet.  
 
7. 
7.1. 
Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten wird aus der Staatskasse honoriert. Die Ge-
richtskasse Kulm wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten das rich-
terlich genehmigte Honorar im Betrag von Fr. 14'057.55 (inkl. MwSt.) zu überweisen. 
 
7.2. 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidi-
gung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 lit. a StPO). 

  

 - 4 - 

 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 24. Mai 2022 beantragte der Beschuldigte, er 

sei vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz freizu-

sprechen und in Bezug auf die Tatbestände des Raubes, des Haus-

friedensbruchs sowie des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne 

erforderlichen Führerausweis zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu 

verurteilen. Die Landesverweisung sei für die Dauer von 5 Jahren 

anzuordnen. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte reichte am 23. Juni 2022 vorgängig zur Berufungsver-

handlung die schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit Berufungsantwort vom 14. Juli 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft 

vorgängig zur Berufungsverhandlung die Abweisung der Berufung. 

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 17. November 2022 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch 

wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz, die Strafzumessung 

sowie die Dauer der angeordneten Landesverweisung. In den übrigen 

Punkten ist das vorinstanzliche Urteil unangefochten geblieben und 

deshalb nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2.  

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG schuldig gesprochen. Sie hielt 

fest, der Beschuldigte habe einen Kugelschreiber mit versteckter Klinge – 

wobei er nicht in Abrede stelle, dass es sich dabei um eine verbotene Waffe 

gemäss Waffengesetz handle – in die Schweiz eingeführt und besessen. 

Ein Verbotsirrtum gemäss Art. 21 StGB liege nicht vor. Der Beschuldigte 

hätte sich über das Waffenrecht der Schweiz informieren müssen und 

können, was er jedoch unterlassen habe. Damit habe er zumindest 

eventualvorsätzlich gehandelt (vorinstanzliches Urteil E. 5.4.2 ff.). 

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch. Er macht geltend, den 

subjektiven Tatbestand nicht erfüllt zu haben, indem er ohne Wissen 

bezüglich des Tatbestandsmerkmals der «Waffe» und damit unbewusst 

 - 5 - 

 

 

fahrlässig und nicht vorsätzlich gehandelt habe. Er beruft sich mithin auf 

einen Sachverhaltsirrtum. Da die fahrlässige Begehung der Tat nicht 

angeklagt sei, sei er freizusprechen (Berufungsbegründung, S. 2 f.).  

 

2.2. 

Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG macht sich der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz schuldig, wer u.a. ohne Berechtigung Waffen erwirbt, besitzt, 

trägt oder in das schweizerische Staatsgebiet verbringt. Gemäss Art. 4 

Abs. 1 lit. c WG i.V.m. Art. 7 WV gelten insbesondere Messer mit einem 

einhändig bedienbaren automatischen Auslösemechanismus, einer 

Gesamtlänge von mehr als 12 cm und einer Klingenlänge von mehr als 

5 cm oder Wurfmesser und Dolche mit feststehender, spitz zulaufender, 

mehr als 5 cm und weniger als 30 cm langer symmetrischer Klinge als 

Waffen.  

 

2.3. 

Entgegen der Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz weist das vom 

Beschuldigten im Auto mitgeführte Messer keine Waffenqualität gemäss 

Waffengesetz auf. Insbesondere verfügt es nicht über einen einhändig 

bedienbaren automatischen Auslösemechanismus, um es als Messer 

gemäss Art. 7 Abs. 1 WV zu qualifizieren, und hat auch keine symme-

trische Klinge, um als Wurfmesser oder Dolch gemäss Art. 7 Abs. 3 WV zu 

gelten (vgl. UA act. 445 f.). Unter diesen Umständen kommt dem Umstand, 

dass das mit einem Kugelschreiber kombinierte Messer – das an einen 

Brieföffner erinnert (vgl. UA act. 445 f.; Beweisstück) – nicht sofort auch als 

Messer erkennbar ist, keine selbständige Bedeutung zu, zumal eine 

eigentlich «Tarnung» nur bei Feuerwaffen im Rahmen von Art. 5 Abs. 1 

lit. e WG relevant ist. Ausgeschlossen ist auch die Annahme einen 

gefährlichen Gegenstand gemäss Art. 4 Abs. 6 WG zu erkennen, dessen 

missbräuchliches Tragen eine Beschlagnahme gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. c 

WG rechtfertigen würde. Ein massgeblicher Unterschied zu einem 

Taschenmesser wie etwa dem Schweizer Armeetaschenmesser, das 

gemäss Art. 4 Abs. 6 WG ausdrücklich nicht als gefährlicher Gegenstand 

gilt, ist nicht auszumachen, zumal auch Taschenmesser vielfach in Hüllen 

oder Etuis mitgeführt werden. Sodann ist es vorliegend auch nicht darum 

gegangen, das mit einem Kugelschreiber kombinierte Messer unbemerkt 

an einen bestimmen Ort oder eine Veranstaltung, wo Messer generell 

verboten sind, zu schmuggeln. 

 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt im Ergebnis 

als begründet und er ist vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG freizusprechen. 

 

 - 6 - 

 

 

3.  

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB und des Führens eines 

Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 

lit. a SVG schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist. 

 

Er beantragt die Senkung der vorinstanzlich ausgesprochenen Freiheits-

strafe von 5 Jahren auf 24 Monate (Berufungsbegründung, S. 3 ff.).  

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.3. 

Sowohl der Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB als auch das Führen 

eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis gemäss Art. 95 

Abs. 1 lit. a SVG sehen als Strafen alternativ Freiheitsstrafe oder Geld-

strafe vor. Für den Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kommt 

hingegen als Sanktion von Gesetzes wegen nur eine Freiheitstrafe in 

Betracht, da keine ausserordentlichen Gründe vorliegen, die ein Unter-

schreiten des unteren Strafrahmens von 6 Monaten und einen Strafarten-

wechsel erlauben würden (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Bei der Wahl der 

Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beachtung des Prinzips 

der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweckmässigkeit und 

Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den 

Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre Wirksamkeit unter dem Gesichts-

winkel der Prävention zu berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 

IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Vorliegend kommt für sämtliche Delikte nur eine Freiheitsstrafe infrage. Der 

Beschuldigte ist mehrfach und teilweise einschlägig wegen Raubs, 

Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte 

in der Schweiz, Bulgarien, Italien, Deutschland und Österreich vorbestraft 

und dabei insbesondere auch in den letzten 10 Jahren bereits mehrfach zu 

mehrmonatigen Freiheitsstrafen verurteilt worden (UA act. 1 ff; GA act. 31; 

Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5 f.). Der Beschuldigte liess sich 

von den vielen Schuldsprüchen nicht beeindrucken. Nicht einmal die 

zahlreichen, teilweise langjährigen Vollzüge von Freiheitsstrafen konnten 

ihn von weiterer Delinquenz abhalten, sondern er delinquierte unbeirrt und 

in verschiedensten Ländern weiter. Angesichts dieser Ungerührtheit des 

Beschuldigten gegenüber dem Straf- und Vollzugssystem kommt als 

angemessene und zweckmässige Sanktion für alle vorliegend zu beurtei-

lenden Delikte, die sowohl mit Freiheitsstrafe als auch Geldstrafe bedroht 

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 - 7 - 

 

 

sind, nicht eine Geldstrafe, sondern nur eine Freiheitsstrafe in Frage (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.3 und 

6B_782/2011 vom 3. April 2012 E. 4.1). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Hinsichtlich der schwersten Straftat, des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB, für die eine Einsatzstrafe festzusetzen ist, ergibt sich 

Folgendes: 

 

Das Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach 

dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt ist die Schwere 

der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 

Abs. 2 StGB). Der Tatbestand des Raubs schützt nicht nur das Vermögen, 

sondern auch die (persönliche) Freiheit, die wiederum die körperliche 

Integrität mitumfasst (vgl. BGE 133 IV 207 E. 4.2). 

 

Der Beschuldigte hat A. teilweise gewaltsam Schmuck und Bargeld 

weggenommen, sie in ihr Schlafzimmer eingeschlossen und folglich wider-

standsunfähig gemacht und weiteren Schmuck und Bargeld entwendet.  

 

Der Beschuldigte erbeutete Bargeld und Schmuck. Der Beschuldigte stellt 

sich auf den Standpunkt, lediglich Fr. 300.00 an Bargeld entwendet zu 

haben. Das restliche bei ihm in der Hosentasche gefundene Bargeld von 

Fr. 2'640.00 will er kurz zuvor in Sondrio, Italien, erhalten haben 

(Berufungsbegründung, S. 4; UA act. 305 und 313 f; GA act. 33 f.; Protokoll 

der Berufungsverhandlung, S. 12). Dabei handelt es sich jedoch um eine 

offensichtliche Schutzbehauptung, denn es ist nicht nachvollziehbar, dass 

der Beschuldigte in Italien einen Betrag in Schweizer Franken als 

Anzahlung und zum Anwerben weiterer Helfer aus dem Euroraum für 

Abbrucharbeiten an einem Dach erhalten hat. Der Betrag ist denn auch um 

einiges höher, als das letzte reguläre monatliche Einkommen des Beschul-

digten (GA act. 30: Fr. 1'600.00; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5: 

1'800.00). Vielmehr ist davon auszugehen, dass das beim Beschuldigten 

in seiner Hosentasche sichergestellte Bargeld im Betrag von Fr. 2'640.00 

von A. stammt, zumal gemäss den auf ihrem Konto zu verzeichnenden 

Barabhebungen abzüglich ihrer notierten Ausgaben für die Monate Januar, 

Februar und März 2021 ein Überschuss von Fr. 2'587.20 resultierte, was in 

etwa dem in der Hosentasche des Beschuldigten aufgefundenen Betrag 

entspricht (UA act. 202 f. und 283 ff.). Folglich ist von einem geraubten 

Bargeldbetrag von Fr. 2'640.00 auszugehen. Insoweit der Beschuldigte 

vorbringt, der Wert des Schmuckes sei mit dem Betrag von Fr. 12'400.00 

als zu hoch veranschlagt worden (Berufungsbegründung, S. 4), kann er 

nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es liegen keine konkreten 

Anhaltspunkte für einen offensichtlich zu hoch veranschlagten 

Deliktsbetrag vor, zumal es der Beschuldigte unterlässt, die aufgeführten 

 - 8 - 

 

 

Schadenspositionen im Detail zu bestreiten und der Schmuck, soweit es 

sich um Gold und Edelsteine handelt, durchaus wertbeständig ist. Selbst 

wenn der effektive Wert des Schmuckes tiefer zu veranschlagen gewesen 

wäre, lässt dies den Taterfolg als nicht so viel geringer erscheinen, als dass 

damit ein wesentlich geringeres Verschulden einherginge, zumal es 

genügt, dass von einer Grössenordnung ausgegangen wird (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_56/2017 vom 19. April 2017 E. 2.2 mit Hinweis). Nach 

dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Betrag, auf den der Raub gerichtet 

war, zwar nicht von grösserem Ausmass gewesen sein mag, dieser jedoch 

nicht zu bagatellisieren ist. 

 

Der Beschuldigte nahm A. gewaltsam diverse Fingerringe ab. Zudem 

sperrte er A. in ihr Schlafzimmer ein, um sie zum Widerstand unfähig zu 

machen, sich weiterer Beute zu behändigen und diese im Anschluss zu 

sichern. Die Aussagen des Beschuldigten, nie im Haus gewesen zu sein 

und A. nicht in ihr Schlafzimmer eingeschlossen zu haben (UA act. 304; GA 

act. 33; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 12; anders in: UA 

act. 317), sind weder schlüssig noch nachvollziehbar und folglich nicht 

glaubhaft, da sich A. nicht selbst von aussen im Schlafzimmer 

eingeschlossen haben kann (UA act. 385 f.). Somit überliess er die betagte 

A. in ihrem Schlafzimmer sich selbst, genauso wie deren Auffinden, da das 

Haus eher abgeschieden gelegen ist (UA act. 340). Geistesgegenwärtig 

war A. – trotz ihres Sturzes und anhaltender Verwirrtheit (UA act. 386) – in 

der Lage, aus dem Schlafzimmerfenster heraus um Hilfe zu rufen, wobei 

sie durch Zufall von C. gehört wurde (UA act. 384). Die 91-jährige A. wies 

nach dem Raub eine Quetsch-Risswunde am linken Ellenbogen auf, 

feinfleckige Blutergüsse am Dekolleté, oberflächliche Hautabschürfungen 

am rechten Bein und am Nagelbett des linken Ringfingers sowie einen 

Bluterguss unter der Kopfschwarte am Scheitel (Gutachten des 

Kantonsspitals Aarau = UA act. 290 ff.). Insgesamt war A. acht Tage lang 

hospitalisiert (UA act. 173). Ob der Sturz von A. durch den Beschuldigten 

direkt verursacht wurde oder A. aufgrund des Raubes stressbedingt von 

selbst gestürzt ist (Berufungsbegründung, S. 3) spielt keine entscheidende 

Rolle, steht doch zweifelsfrei fest, dass die erheblichen Beeinträchtigungen 

der persönlichen Freiheit und der körperlichen Integrität auf den vom 

Beschuldigten begangenen Raub zurückzuführen sind. Entsprechend 

schwer wiegt der nicht monetäre Taterfolg und das damit einhergehende 

Verschulden. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung und folglich die Verwerflichkeit des 

Handelns ist verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Der Beschuldigte 

handelte gezielt und geplant, als er in das Wohnhaus von A. eindrang. Er 

hat die Adresse des Hauses, in dem A. wohnte, im Jahr 2020 als Bild 

erhalten (UA act. 316 und 336 ff.) und ist planmässig zu dem Haus in Q. 

gefahren. Dass er lediglich auf der Suche nach seiner Exfrau D. gewesen 

sein will, die dort vermeintlich mit E. – dem Sohn von A. – gewohnt haben 

 - 9 - 

 

 

soll, weil diese der gemeinsamen Tochter nicht geantwortet habe 

(Berufungsbegründung, S. 4; UA act. 302 und 318 ff.; vgl. GA act. 32; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9), erscheint reichlich konstruiert 

und ist als Schutzbehauptung zu werten, zumal es einfachere 

Kommunikationswege gibt, mit den Bewohnern eines Hauses in der 

Schweiz in Kontakt zu treten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte bereits im Voraus plante, sich an dieser Adresse finanziell zu 

bereichern, nachdem seine Exfrau bereits zu einem früheren Zeitpunkt 

regelmässig Geld von E. erhalten hatte (UA act. 144). Dass er nicht mit A. 

gerechnet hat, sondern mit E., ist nicht von entscheidender Bedeutung. Der 

Beschuldigte parkierte mehrere Stunden zuvor in unmittelbarer Umgebung 

zum Haus (UA act. 408 f.), bevor er um ca. 12:00 Uhr dann schliesslich 

klingelte. Er liess sich auch nicht von der Umsetzung seines Planes 

abhalten, als A. die Türe öffnete, er merkte, dass E. nicht da war, und als 

er feststellte, dass die betagte Frau Angst hatte (UA act. 319 f.). Vielmehr 

eignete sich der Beschuldigte einen Teil der Schmuckstücke ohne Skrupel 

und Gewissensbisse an, indem er zur Durchsetzung des Diebstahls, Ringe 

– insbesondere den Ehering – ab den Fingern von A. riss. Daran ändert 

auch die Aussage des Beschuldigten nichts, wonach A. ihm die Ringe aus 

Angst freiwillig gegeben habe (UA act. 320, 323; GA act. 32; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 10 f.), zumal sich die dokumentierten Verletzun-

gen von A. in ein in sich stimmiges Bild einreihen.  

 

Der Beschuldigte handelte aus rein finanziellen und damit letztlich egois-

tischen Gründen. Rein monetäre Gründe sind jedem Vermögensdelikt 

immanent und werden beim Raub als qualifizierte Form der Nötigung, um 

einen Diebstahl zu begehen, bereits durch das Tatbestandsmerkmal der 

unrechtmässigen Bereicherungsabsicht beim Diebstahl erfasst. Sie dürfen 

deshalb bei den Tatkomponenten nicht nochmals verschuldenserhöhend 

berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom 

16. März 2016 E. 4.2). Hingegen ist der Umstand verschuldenserhöhend 

zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte ausschliesslich zur finanziellen 

Bereicherung in die Schweiz eingereist bzw. nach Q. gefahren ist (BGE 143 

IV 145 E. 8.3.2). Verschuldenserhöhend ist sodann auch das grosse Mass 

an Entscheidungsfreiheit, über das der Beschuldigte verfügt hat, zu 

berücksichtigen. Der Beschuldigte verfügte über ein reguläres monatliches 

Einkommen (GA act. 30: Fr. 1'600.00; Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 5: Fr. 1'800.00). Auch ist nicht ersichtlich, dass er unter starkem Druck, 

dem starken Einfluss oder der Erwartungshaltung Dritter oder einer 

subjektiv als aussichtlos empfundenen Lage gehandelt hat. Je leichter es 

aber für ihn gewesen wäre, das Vermögen und die persönliche Freiheit 

sowie körperliche Integrität von A. zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung dagegen und damit sein Verschulden (vgl. BGE 

127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen). 

 

 - 10 - 

 

 

Unter Berücksichtigung des weiten ordentlichen Strafrahmens von sechs 

Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe und den davon erfassten Tatvor-

gehen und Tatumständen ist für den Raub vorliegend von einem mittel-

schweren Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 

4 Jahren auszugehen. 

 

3.4.2. 

Diese Einsatzstrafe ist für den Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB 

angemessen zu erhöhen. 

 

Der Täter, der u.a. gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus eindringt, 

wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

bestraft. Durch Art. 186 StGB wird das Hausrecht bzw. die Unverletzlichkeit 

der vom Hausfriedensbruch geschützten Räumlichkeiten und umfriedeten 

Ort geschützt. Der Beschuldigte ist in die von A. bewohnte Wohn-

liegenschaft eingedrungen und hat ihre Privatsphäre aufs Gröbste verletzt 

(UA act. 356; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August 

2015 E. 1.3). Insofern der Beschuldigte A. hingegen bereits durch den 

Raub in ihrem Sicherheitsgefühlt verletzt hat (UA act. 356), kann dies beim 

Hausfriedensbruch nicht nochmals berücksichtigt werden.  

 

Die Art und Weise der Tatbegehung ist nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestandes hinausgegangen und ist folglich neutral zu werten. 

Verschuldenserhöhend ist demgegenüber das hohe Mass an Entschei-

dungsfreiheit zu berücksichtigen, über das der Beschuldigte auch 

hinsichtlich des Hausfriedensbruchs verfügte.  

 

Insgesamt ist von einem mittelschweren Tatverschulden und einer dafür 

angemessenen Einzelstrafe von 1 Jahr auszugehen. Im Rahmen der Aspe-

ration ist der enge Zusammenhang des Hausfriedensbruchs zum Raub zu 

beachten. Entsprechend geringer ist der Gesamtschuldbeitrag des 

Hausfriedensbruchs zu veranschlagen. Angemessen erscheint eine 

Erhöhung der Einsatzstrafe von 4 Jahren um 6 Monate auf 4 ½ Jahre. 

 

3.4.3. 

Weiter ist die Einsatzstrafe für das Fahren ohne Berechtigung gemäss 

Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG zu erhöhen.  

 

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer 

ohne den erforderlichen Führerausweis ein Motorfahrzeug führt. Geschütz-

tes Rechtsgut ist die Verkehrssicherheit bzw. der Schutz von Leib und 

Leben der Verkehrsteilnehmer vor einer abstrakten Gefahr.  

 

Obwohl der Beschuldigte wusste, dass er nicht über den erforderlichen 

Ausweis verfügte, hat er sich hinter das Steuer eines Motorfahrzeugs 

gesetzt und ist insgesamt mehrere hundert Kilometer durch die Schweiz 

 - 11 - 

 

 

gefahren. Das Gesetz fingiert, dass jeder Verkehrsteilnehmer, der nicht im 

Besitz einer Fahrberechtigung ist, sein Fahrzeug nicht genügend 

beherrscht und deswegen andere Verkehrsteilnehmer (abstrakt) gefährdet 

(ADRIAN BUSSMANN, in: Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014, 

N. 4 zu Art. 95 SVG, mit Hinweisen). Indem der Beschuldigte ohne über 

einen gültigen Führerausweis zu verfügen, eine längere Strecke – teilweise 

auch nachts und folglich bei einer erhöhten Anspruchssituation – ein Motor-

fahrzeug geführt hat, hat er eine grosse Gleichgültigkeit gegenüber dem 

aus Gründen der Sicherheit im öffentlichen Strassenverkehr bestehenden 

Erfordernis eines Führerausweises manifestiert. Er hat leichtfertig und 

verantwortungslos gehandelt, zumal er in Bezug auf das Führen eines 

Motorfahrzeugs über ein sehr grosses Mass an Entscheidungsfreiheit 

verfügt hat. Es ist denn auch nicht ersichtlich oder dargetan, weshalb er 

nicht auf die Fahrt verzichtet oder sich nicht anders organisiert hat. Je 

leichter es aber für ihn gewesen wäre, das für ihn geltende Verbot zum 

Führen eines Motorfahrzeugs zu respektieren, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen.  

 

Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten bis mittelschweren 

Verschulden und einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 6 Monaten 

auszugehen. Es besteht kein Zusammenhang zu den anderen Tatbe-

ständen, weshalb es im Rahmen der Asperation eine Erhöhung der 

Einsatzstrafe um 3 Monate auf 4 ¾ Jahre angemessen erscheint. 

 

3.4.4. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

hat in der Vergangenheit in verschiedenen Ländern mit erschreckender 

Gleichgültigkeit zahlreiche Straftaten verübt (siehe dazu oben), was sich 

straferhöhend auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Offensichtlich hat er nicht 

einmal aus den mehrmonatigen Freiheitsstrafen irgendwelche Lehren 

gezogen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Vorstrafen nicht wie 

eigenständige Delikte gewürdigt werden dürfen, weil dies auf eine 

Doppelbestrafung hinausliefe (Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 

23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweis auf Urteile 6B_510/2015 vom 25. August 

2015 E. 1.4 und 6B_325/2013 vom 13. Juni 2013 E. 3.2.3). 

 

Der Beschuldigte hat sich hinsichtlich der zum Nachteil von A. begangenen 

Straftaten zumindest dem Grundsatz nach geständig gezeigt. Auch wenn 

ein Leugnen aufgrund der Beweislage (in Tatortnähe gesichtetes 

ausländisches und befristetes Kennzeichen, Reifenspuren, dunkle 

Kleidung des Beschuldigten, Deliktsgut im Auto, auf seinem Mobiltelefon 

gespeichertes Foto mit der Adresse des Tatorts [UA act. 71 ff. und 336 ff.]) 

weitgehend zwecklos gewesen wäre und sich deshalb nicht sagen lässt, 

dass der Beschuldigte aus freien Stücken ein Geständnis abgelegt hat und 

er einzelne Handlungsweisen auch noch im Berufungsverfahren bestreitet, 

ist nicht zu verkennen, dass er mit seinen Aussagen dazu beigetragen hat, 

 - 12 - 

 

 

das Strafverfahren zu vereinfachen und zu verkürzen. Das Geständnis darf 

deshalb nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben und ist leicht zu seinen 

Gunsten zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2014 vom 

9. Oktober 2014 E. 2.4). Sodann ist beim Beschuldigten keine nachhaltige 

Einsicht oder echte Reue ersichtlich, die über eine blosse Tatfolgenreue 

hinausgeht, zumal er regelmässig keine Aussagen machen wollte und sein 

Verhalten gegenüber A. verharmloste (UA act. 303 und GA act. 32: A. habe 

ihm den Schmuck und das Bargeld freiwillig gegeben; UA act. 313, 321 und 

GA act. 32 f.: Er habe lediglich Fr. 300.00 mitgenommen; UA act. 303: Er 

sei nicht mit der Absicht angereist, Probleme zu machen, sondern habe nur 

nach seiner Exfrau gesucht; UA act. 320 und GA act. 32: er sei nicht für die 

Verletzungen von A. verantwortlich; GA act. 33 f.: Er sei nicht im Haus 

gewesen und habe A. nicht eingeschlossen). Daran ändert auch die 

notierte und durch die Dolmetscherin bei seiner Einvernahme vom 30. Juni 

2021 bei der Polizei vorgelesene Entschuldigung nichts (UA act. 317). 

 

Eine schwierige Jugend ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung zwar 

geeignet, späteres deliktisches Verhalten zumindest zu begünstigen. 

Selbst wenn der Beschuldigte eine schwierige Jugend gehabt haben sollte 

– wofür keine gesicherten Informationen vorliegen –, so verfügte er 

hinsichtlich dieser von ihm im Erwachsenenalter von 46 Jahren verübten 

Delikte doch über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit. Ein direkter 

Zusammenhang zwischen den hier zu beurteilenden Taten und seiner 

Kindheit und Jugendzeit ist denn auch nicht ersichtlich. Nach dem 

Gesagten vermögen sich allfällige schwierige Lebensumstände in seiner 

Kindheit und Jugend höchstens geringfügig strafmindernd auszuwirken.  

 

Der Beschuldigte lebte vor seiner Inhaftierung in R. (D) in stabilen 

Verhältnissen mit seiner Lebenspartnerin und verfügte zudem über ein 

regelmässiges Einkommen (GA act. 30; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 3, 5 und 7). Er hat zwei erwachsene Töchter, wobei er vor 

seiner Inhaftierung zu der älteren Tochter Kontakt pflegte. Seit seiner 

Inhaftierung hat er den Kontakt zu den ihm nahestehenden Personen 

abgebrochen. Eine besondere Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ist 

unter diesen Umständen nicht auszumachen, zumal eine besondere 

Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen anzunehmen 

ist, welche vorliegend nicht gegeben sind. Entgegen den Aussagen des 

Beschuldigten, wonach er zwei Thrombosen hatte, aufgrund derer er vier 

Wochen im Spital habe verbringen müssen, schneller ermüde, sich 

wöchentlich Blut abnehmen lassen müsse und vermutlich für den Rest 

seines Lebens auf Medikamente (Blutverdünner) angewiesen sei 

(Berufungsbegründung, S. 5; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5; 

Plädoyer der Verteidigung S. 2), ist festzuhalten, dass weder die zwei 

Thrombosen noch deren Auswirkung einen aussergewöhnlichen Umstand 

darstellen und eine erhöhte Strafempfindlichkeit begründen (vgl. statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 

 - 13 - 

 

 

E. 3.4 mit Hinweisen). Vielmehr sind Thrombosen sowie die tägliche 

Einnahme von Medikamenten (insbesondere von Blutverdünnern), das 

regelmässige Blutnehmen sowie das schnellere Ermüden weit verbreitet. 

Der Beschuldigte vermag denn auch keine das durchschnittliche Mass 

übersteigende aussergewöhnlichen Umstände aufzeigen.  

 

Weitere Umstände, die im Rahmen der Täterkomponente zu berück-

sichtigen wären, sind nicht ersichtlich.  

 

Insgesamt überwiegen damit die negativen Täterkomponenten deutlich 

und die dem Verschulden angemessene Freiheitsstrafe ist um 3 Monate 

auf 5 Jahre zu erhöhen. 

 

3.5. 

Zusammenfassend erweist sich für den Raub, den Hausfriedensbruch und 

das Führen eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis eine 

Freiheitsstrafe von 5 Jahren als dem Verschulden und den persönlichen 

Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. 

 

3.6. 

Bei diesem Strafmass fällt der (teil-)bedingte Vollzug von vornherein ausser 

Betracht (Art. 42 und 43 StGB). 

 

3.7. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafantritt von 

insgesamt 571 Tagen (26. April 2021 bis 17. November 2022) sind dem 

Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. 

Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO). 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 15 Jahren des Lan-

des verwiesen. Die Landesverweisung an sich ist im Berufungsverfahren 

unbestritten geblieben. Der Beschuldigte beantragt mit Berufung jedoch die 

Senkung der Dauer auf 5 Jahre. 

 

4.2. 

Der Beschuldigte ist mit dem ausschliesslichen Ziel in die Schweiz 

eingereist bzw. nach Q. gefahren, um sich dort finanziell zu bereichern. 

Dazu hat er die Katalogtat des Raubes begangen (Art. 66a Abs. 1 lit. c 

StGB). Dabei schreckte er als Kriminaltourist nicht davor zurück, eine ihm 

unbekannte 91-jährige Frau an einer gezielt ausgewählten Adresse in Q. 

zu überfallen und damit die hochwertigen Rechtsgüter des Vermögens, der 

persönlichen Freiheit und insbesondere der körperlichen Integrität zu 

verletzen, wodurch er eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche 

Sicherheit und Ordnung darstellt. Sein mit dem Raub einhergehendes 

 - 14 - 

 

 

Verschulden wiegt denn auch mittelschwer und seine Legalprognose ist 

schlecht, zumal er bereits früher in der Schweiz wie auch in Deutschland, 

Österreich, Italien und Bulgarien mehrfach und teilweise einschlägig 

straffällig wurde und mehrmonatige Freiheitsstrafen zu verbüssen hatte 

(vgl. oben). Entsprechend hoch ist das öffentliche Interesse an einer 

Ausweisung und Fernhaltung zu veranschlagen. Gleichzeitig bestehen 

keine über die allgemeine Reisefreiheit hinausgehenden privaten 

Interessen des Beschuldigten daran, sich in der Schweiz aufzuhalten, 

zumal der Beschuldigte keinen persönlichen oder beruflichen Bezug zur 

Schweiz aufweist (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 8). Mithin liegen 

keine Gründe für eine kürzere Dauer der Landesverweisung vor, zumal – 

anders als im Ausländerrecht – die Bestimmungen zur Landesverweisung 

im Bereich des Strafrechts nicht eng auszulegen sind (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_378/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.4 nicht publiziert in 

BGE 145 IV 364).  

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Berufungsbegründung, 

S. 6) erscheint es nicht sachgerecht, dem Tatverschulden hinsichtlich der 

Dauer der Landesverweisung eine ausschlaggebende oder gar vorrangige 

Bedeutung zuzumessen. Dies deshalb, weil das Verschulden bei der 

Strafzumessung begrifflich im Einklang mit der ausgesprochenen Strafe 

stehen sollte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1194/2017 vom 14. Juni 

2018 E. 1.5.2 mit Hinweis), was insbesondere bei Straftatbeständen mit 

weiten Strafrahmen von bis zu 10 oder 20 Jahren Freiheitsstrafe zu 

Formulierungen führt, die im Rahmen der Landesverweisung irritierend 

erscheinen. Das im Rahmen der Strafzumessung bewertete Verschulden 

betrifft somit lediglich die Einordnung innerhalb des Strafrahmens (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 6B_399/2021 vom 13. Juli 2022 E. 2.3, 

6B_249/2020 vom 27. Mai 2021 E. 6.3). Daraus erhellt, dass dem 

Verschulden bei der Frage der Dauer der Landesverweisung regelmässig 

nur eine untergeordnete Bedeutung zukommen kann. In diesem 

Zusammenhang ist denn auch darauf hinzuweisen, dass die 

Landesverweisung im Wiederholungsfalle – vollständig ungeachtet des 

Verschuldens – von Gesetzes wegen auf 20 Jahre auszusprechen ist 

(Art. 66b StGB). Eine Verletzung des Prinzips der Verhältnismässigkeit ist 

entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Berufungsbegründung, S. 6) 

nicht ersichtlich. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in die-

sem Punkt als unbegründet und der Beschuldigte ist für 15 Jahre des Lan-

des zu verweisen. 

5. 

5.1. 

In der Berufung des Beschuldigten finden sich hinsichtlich der 

vorinstanzlich vorgenommenen Einziehungen und Verrechnung der 

beschlagnahmten Vermögenswerte von Fr. 373.77 (UA act. 149 f.) sowie 

 - 15 - 

 

 

der Einziehung und Vernichtung des Personenwagens BMW 316i (UA 

act. 147 f. und 462.1 f.) keine Ausführungen. Es kann dazu deshalb auf die 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. 9 

und 10; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 

5.2. 

Einzig auf die von der Vorinstanz angeordnete Einziehung und Vernichtung 

des Kugelschreibers mit integriertem Messer ist zurückzukommen. Da der 

Beschuldigte vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz 

freizusprechen ist und es sich auch nicht um einen gefährlichen 

Gegenstand im Sinne des Waffengesetzes handelt, ist ihm der Kugel-

schreiber mit integriertem Messer auf Verlangen herauszugeben. 

 

6.  

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

des Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung zwar, dass er vom Vorwurf 

der Widerhandlung gegen das Waffengesetz freigesprochen wird und ihm 

das beschlagnahme Messer herauszugeben ist. Es handelt sich dabei aber 

um vergleichsweise untergeordnete Punkte. Im Übrigen wird die Berufung 

denn auch abgewiesen und es bleibt bei einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren 

und der Landesverweisung für die Dauer von 15 Jahren. Mithin wird der 

angefochtene Entscheid nur unwesentlich abgeändert (Art. 428 Abs. 2 lit. b 

StPO). Es rechtfertigt sich deshalb, die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) vollumfänglich dem Beschuldigten 

aufzuerlegen. 

 

6.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote und angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung aus der Staatskasse mit Fr. 3'900.00 zu entschä-

digen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7. 

7.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie bei mehreren 

 - 16 - 

 

 

angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, sind die 

Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Dies gilt jedenfalls, soweit 

sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar auseinanderhalten lassen 

(Urteile des Bundesgerichts 6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3 und 

6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 7.4 f.). 

 

Zwar waren alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich der anderen 

Anklagepunkte notwendig. Untersuchungshandlungen, die einzig in Bezug 

auf die Widerhandlung gegen das Waffengesetz notwendig gewesen 

wären, sind nicht ersichtlich (vgl. UA act. 441 ff.). Der Vorwurf der Wider-

handlung gegen das Waffengesetz ist jedoch unabhängig und steht in 

keinem engen und direkten Zusammenhang zu den übrigen Anklage-

punkten. Die im Berufungsverfahren unbestritten gebliebenen erstinstanz-

lichen Verfahrenskosten von Fr. 12'087.00 sind dem Beschuldigten 

demnach zu 9/10 aufzuerlegen. 

 

7.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 14'057.55 (inkl. MwSt.) ist mit 

Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfah-

ren nicht mehr zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). Diese Entschädigung ist vom 

Beschuldigten zu 9/10 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

8. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

  

 - 17 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG freigesprochen.  

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte ist schuldig: 

- des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; 

- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB; 

- des Fahrens ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB; Art. 49 Abs. 1 StGB 

und Art. 40 StGB zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 5 Jahren 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafvollzug 

von insgesamt 571 Tagen (26. April 2021 bis 17. November 2022) wird dem 

Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

4. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für die Dauer 

von 15 Jahren des Landes verwiesen. 

 

5. 

5.1. 

Der beschlagnahmte Kugelschreiber mit integriertem Messer wird dem 

Beschuldigten auf Verlangen herausgegeben.  

 

Wird der Kugelschreiber nicht innert 20 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft 

herausverlangt, trifft die Staatsanwaltschaft die sachgemässen Verfügun-

gen. 

 

5.2. 

Der beschlagnahmte Personenwagen BMW 316i wird eingezogen und 

vernichtet.  

 

5.3. 

Die beschlagnahmten Vermögenswerte im Betrag von Fr. 373.77 werden 

zur Kostendeckung eingezogen und der Obergerichtskasse abgeliefert. 

 

 - 18 - 

 

 

5.4. 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 3'900.00 (inkl. MwSt.) 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 12'087.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 3'000.00) werden dem Beschuldigten zu 9/10 mit rund 

Fr. 10'870.00 auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 14'057.55 (inkl. MwSt.) 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 9/10 mit rund 

Fr. 12'650.00 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben. 

 
 

 Zustellung an:  

[…] 

  

 - 19 - 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 17. November 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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