# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd1864e8-bbf5-512e-9f54-20e69a44f2fb
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP ARGVP 2000 1365
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_ARGVP-2000-1365_nodate.pdf

## Full Text

A. Verwaltungsentscheide 1365 

 

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1365 

Bauen ausserhalb der Bauzonen. Gedeckter Sitzplatz (Praxisände-
rung). 

 Nach der Vorgabe von Art. 77 Abs. 2 des Gesetzes über die Ein-
führung des Bundesgesetzes über die Raumplanung (EG RPG, bGS 
721.1) haben sich Neubauten ausserhalb der Bauzone der herkömm-
lichen Bauart zumindest in Bezug auf die Gebäude- und Dachform 
sowie die Material- und Farbwahl anzupassen. Diese Bestimmung 
stellt nach konstanter Rechtsprechung nicht nur ein Verunstaltungs-
gebot, sondern darüber hinaus ein Eingliederungsgebot dar. Damit 
sollen im ausserhalb der Bauzonen gelegenen Gebiet der traditionelle 
Baustil und dessen Elemente geschützt werden. Das Gebot fordert 
positiv eine gute Gestaltung zur Sicherstellung einer befriedigenden 
Gesamtwirkung. Damit können an traditionellen Bauten stilgerechte 
Bauteile verlangt  und stilfremde untersagt werden (vgl. ARGVP 1996 
Nr. 2149 mit Hinweisen). 
 Nach konstanter erstinstanzlicher Praxis – gestützt durch Rechts-
mittelentscheide (vgl. zuletzt den Rekursentscheid der Baudirektion 
Appenzell A.Rh. vom 6. Juli 1999 i.S. M.) – wurden Balkone, Terras-
sen, Sitzplätze und dergleichen bislang nicht als Elemente des her-
kömmlichen appenzellischen Baustils taxiert und somit nicht als stil-
echt betrachtet. Deren Anbringung an Appenzellerhäuser war bis an-
hin nicht zugelassen, sowohl im Rahmen der Änderung oder des Wie-
deraufbaus bestehender als auch bei der Erstellung neuer Gebäude.  
 Würde diese bisherige Praxis unbesehen auf den vorliegenden Fall 
eines überdeckten Sitzplatzes (in Form einer Eckaussparung in der 
Grundrissgestaltung) übertragen, hätte dies zur Folge, dass das Vor-
haben aus gestalterischen Gründen nicht zulässig wäre, wie dies von 
der Vorinstanz beurteilt wurde. Die Rekurrenten demgegenüber argu-
mentierten anlässlich des Augenscheins, dass es den Anforderungen 
an zeitgemässes Wohnen zuwider laufe, wenn keine Balkone, Terras-
sen oder überdeckte Sitzplätze zugelassen würden. Bei der Erstellung 
eines neuen Wohnhauses müssten solche Bedürfnisse berücksichtigt 
werden können, wenngleich es sich dabei um ein traditionelles Appen-
zellerhaus handle. Diese Auffassung wurde auch vom Vertreter der 
Gemeinde unterstützt. 

A. Verwaltungsentscheide 1365 

 

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 Nach den zur Verfügung stehenden Bauplänen soll die Eckausspa-
rung im hier zu beurteilenden Fall in der südlichen Ecke des Gebäu-
des, im Bereich des (traditionellen) Anbauteils erfolgen. Unter Berück-
sichtigung dessen, dass mit dem Vorhaben kein Bruch der Hauptfas-
sade verbunden ist – da der Anbauteil betroffen ist –, dass auch ältere, 
im traditionellen Stil erbaute Appenzellerhäuser anzutreffen sind, die 
über Eckaussparungen im Eingangsbereich verfügen, und dass die 
oben erwähnten, grundsätzlichen Argumente der Rekurrenten und der 
Gemeinde nicht von der Hand zu weisen sind, drängt sich im vorlie-
genden Fall eine Abkehr von der bisherigen Praxis und damit die Be-
willigung des geplanten gedeckten Sitzplatzes auf. Der Rekurs wird 
damit gutgeheissen und das Vorhaben gemäss dem Rekursantrag 
bewilligt. 
 Anzumerken bleibt, dass mit der vorliegenden Praxisänderung 
ausdrücklich nicht Balkone, Terrassen und Sitzplätze im Anwendungs-
bereich von Art. 77 Abs. 2 EG zum RPG generell zugelassen werden 
sollen. Vielmehr unterliegt die vorzunehmende Lockerung der Bewilli-
gungspraxis den folgenden einschränkenden Kriterien: Zum einen sol-
len die neu gewährten Möglichkeiten nur gedeckten Sitzplätzen im 
Zusammenhang mit neu zu erstellenden Wohnbauten zuteil werden – 
gerade bei vorbestehenden Gebäuden würde die Grenze des Einord-
nungsgebots andernfalls überschritten. Sodann werden auch künftig 
Eckaussparungen nur im Bereich von traditionellen Anbauten realisiert 
werden können, um nicht Brüche der (im traditionell-appenzellischen 
Baustil eine wesentliche Bedeutung aufweisenden) Hauptfassaden 
herbeizuführen. Schliesslich wird die Bewilligung von gedeckten Sitz-
plätzen in Form von Eckaussparungen auch in Zukunft gute, möglichst 
dem traditionellen Baustil nicht zuwider laufende gestalterische Lö-
sungen voraussetzen. 

Entscheid der Baudirektion vom 30.11.2000