# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2108a83-c5eb-54c8-82fd-0583fea4e7a0
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 23.04.2025 WBE.2024.201
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2024-201_2025-04-23.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2024.201 / ew / jb 
ZEMIS [***]; (E.2024.011)  

Art. 15 

 

Urteil vom 23. April 2025 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Blocher 

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Gerichtsschreiberin William      

 

 
   

Beschwerde-

führerin 1 

 A._____, von der Türkei 

 

Beschwerde-

führer 2 

 B._____, von der Türkei  

 

beide vertreten durch Marc Spescha, Rechtsanwalt, Langstrasse 4, 

8004 Zürich  

substituiert durch Sven Kury, Langstrasse 4, 8021 Zürich 1 

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration vom 3. Mai 2024 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der aus der Türkei stammende und 1968 geborene Beschwerdeführer 2 

reiste am 6. Juni 1979 in die Schweiz ein, wo ihm zunächst eine Aufent-

haltsbewilligung zum Verbleib bei seinen Eltern und später die Niederlas-

sungsbewilligung erteilt wurde (act. 20). Am 22. September 1989 heiratete 

er in der Türkei die Beschwerdeführerin 1, welche ebenfalls türkische 

Staatsangehörige ist und später gleichfalls die Niederlassungsbewilligung 

erhielt (Akten des Amtes für Migration und Integration betreffend die Be-

schwerdeführerin 1 [MI1-act.] 2, und betreffend den Beschwerdeführer 2 

[MI2-act.] 7 ff.). Aus der Ehe sind die inzwischen volljährigen Töchter 

C._____ (heutiger Name, geb. tt.mm.jjjj), D._____ (geb. tt.mm.jjjj) sowie 

E._____ und F._____ (beide geb. tt.mm.jjjj) hervorgegangen, welche 

ebenfalls über Niederlassungsbewilligungen verfügen (MI2-act. 298). Die 

mit einem Schweizer verheiratete älteste Tochter C._____ ist überdies 

Mutter von I._____ (geb. tt.mm.jjjj) und des an Autismus erkrankten 

J._____ (geb. tt.mm.jjjj, MI2-act. 76). 

 

Am 25. August 2018 meldete sich der Beschwerdeführer 2 in seiner dama-

ligen Basler Wohngemeinde ab und reiste unter teilweiser Auszahlung sei-

nes Pensionskassenguthabens in die Türkei aus, worauf seine Niederlas-

sungsbewilligung zufolge Abmeldung ins Ausland erlosch (MI2-act. 64). 

Nachdem er am 13. Februar 2019 in die Schweiz zurückgekehrt war, mel-

dete er sich am 18. Februar 2019 bei der Beschwerdeführerin 1 an und er-

suchte um seine Wiederzulassung in der Schweiz (MI2-act. 48, 50 ff., 64). 

In Bewilligung dieses Gesuchs wurde ihm am 18. April 2019 eine bis zum 

24. April 2020 gültige Aufenthaltsbewilligung ausgestellt (MI2-act. 67, 

76 f.). 

 

Am 6. März 2020 meldete sich der Beschwerdeführer 2 erneut von seinem 

Schweizer Wohnort ab und zog am 9. März 2020 abermals in die Türkei 

(MI2-act. 77, 84 ff., 90).  

 

Am 23. Mai 2022 bzw. 26. Oktober 2022 ersuchten die Tochter D._____ 

und die Beschwerdeführerin 1 jeweils um Familien- bzw. Ehegattennach-

zug für ihren Vater bzw. Ehemann. Am 12. August 2022 ersuchte überdies 

auch der Beschwerdeführer 2 schriftlich um Erteilung einer Aufenthaltsbe-

willigung (MI2-act. 1 ff., 77, 87, 117 ff.). Nach weiteren Sachverhaltsabklä-

rungen und der Gewährung des rechtlichen Gehörs (MI2-act. 76 ff., 149 ff., 

163 ff., 190 ff.), verfügte das Amt für Migration und Integration Kanton Aar-

gau (MIKA) am 11. Januar 2024 die Ablehnung des Nachzugsgesuchs und 

verweigerte dem Beschwerdeführer 2 die Wohnsitznahme in der Schweiz 

(MI2-act. 219 ff.). 

 

 - 3 - 

 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 11. Januar 2024 erhoben die Be-

schwerdeführenden mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 20. Februar 

2024 beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache (MI2-

act. 234 ff.). 

 

Am 3. Mai 2024 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheentscheid 

(act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-
wiesen. 
 
3. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
4. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen.  

 

C. 

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 3. Juni 2024 erhoben die Be-

schwerdeführenden beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Ver-

waltungsgericht) Beschwerde und stellten folgende Anträge (act. 18 ff.): 

 

1. 
Es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben.  
 
2. 
Es sei der Beschwerdegegner anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine 
Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau gestützt auf Art. 43 
Abs. 1 AIG zu erteilen.  
 
3. 
Eventualiter sei der Beschwerdegegner anzuweisen, dem Beschwerde-
führer eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau ge-
stützt auf Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 8 Ziff. 1 EMRK (kombinierter Schutz-
bereich) zu erteilen. 
 
4. 
Es sei den Beschwerdeführenden die unentgeltliche Rechtspflege zu be-
willigen und ihnen in den Personen der Unterzeichnenden sowohl für das 
vorliegende Beschwerdeverfahren als auch für das Einspracheverfahren 
vor Vorinstanz ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben. 
 
5. 
Es sei den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung zuzuspre-
chen. 

 - 4 - 

 

 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Mit Instruktionsverfügung vom 24. Juni 2024 lehnte das Verwaltungsgericht 

das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mangels 

nachgewiesener Bedürftigkeit ab. Zudem setzte es den Beschwerdefüh-

renden Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 1'000.00 an 

(act. 52 ff.).  

 

Nach Eingang des Kostenvorschusses beantragte die Vorinstanz die Ab-

weisung der Beschwerde, hielt an ihren Erwägungen im Einspracheent-

scheid fest und reichte aufforderungsgemäss die Akten ein (act. 56 ff., 62). 

Die Beschwerdeantwort wurde mit Instruktionsverfügung vom 15. Juli 2024 

den Beschwerdeführenden zur Kenntnisnahme zugestellt. Ein weiterer 

Schriftenwechsel wurde nicht angeordnet (act. 63 f.).  

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden 

(vgl. § 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1.  

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Nachdem sich die vorliegende Beschwerde gegen den Einspracheent-

scheid der Vorinstanz vom 3. Mai 2024 richtet, ist die Zuständigkeit des 

Verwaltungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde daher einzutreten. 

 

2.  

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Be-

stimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungs-

gericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder 

Missbrauch des Ermessens und unrichtige oder unvollständige Feststel-

 - 5 - 

 

 

lung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermessens-

überprüfung steht dem Verwaltungsgericht jedoch grundsätzlich nicht zu 

(§ 9 Abs. 2 EGAR). Schranke der Ermessensausübung bildet das Verhält-

nismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER/ ANNE KNEER, in: MARTINA 

CARONI/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bun-

desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 

[AIG], 2. Aufl., Bern 2024, N. 6 zu Art. 96 AIG mit Hinweisen). In diesem 

Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss 

Art. 96 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und 

über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrations-

gesetz, AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, per-

sönliche Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechts-

fehlerfrei gewichtet wurden (vgl. SCHINDLER/KNEER, a.a.O., N. 8 zu Art. 96 

AIG). Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, 

ob die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Inte-

resse gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn). 

 

II. 

1.  

1.1.  

Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid fest, dass der Beschwer-

deführer 2 infolge seiner Abmeldung ins Ausland und seines jahrelangen 

Aufenthalts in der Türkei unbestrittenermassen seine Aufenthaltsbewilli-

gung verloren habe und weder eine erneute Wiederzulassung gestützt auf 

Art. 30 Abs. 1 lit. k AIG i.V.m. Art. 49 der Verordnung über Zulassung, Auf-

enthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE; SR 142.201) 

noch die Zulassung zum erwerbslosen Aufenthalt als Rentner nach Art. 28 

AIG in Betracht fallen würden.  

 

Ein Nachzug zum Verbleib bei der hier niedergelassenen Beschwerdefüh-

rerin 1 und den gemeinsamen Kindern komme wiederum nicht infrage, 

nachdem die entsprechende Nachzugsfrist unter Berücksichtigung der 

übergangsrechtlichen Regelung von Art. 126 Abs. 3 AIG bereits am 31. De-

zember 2012 abgelaufen sei und keine wichtigen familiären Gründe einen 

nachträglichen Familiennachzug rechtfertigen würden: Nach seinem abge-

brochenen früheren Auswanderungsversuch sei der Beschwerdeführer 2 

im März 2020 erneut in die Türkei ausgewandert, wo er mit bezogenen 

Pensionskassenguthaben Wohneigentum erworben und von Mietzinsein-

nahmen gelebt habe. Seine erneute Ausreise in die Türkei drücke sein ge-

ringes Interesse am Zusammenleben mit seiner Familie in der Schweiz aus 

und auch die Autismusdiagnose bei seinem in der Schweiz lebenden Enkel 

rechtfertige keine nachträgliche Bewilligung des Familiennachzugs, nach-

dem der Beschwerdeführer aufgrund seiner in der Schweiz geplanten Voll-

zeitbeschäftigung ohnehin nur marginale Unterstützung leisten könne und 

die Betreuung durch die Eltern des Enkels, weitere hier wohnhafte Ange-

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hörige und den allfälligen Beizug von Fachpersonen bereits gewährleistet 

sei. 

 

Weiter könne der Beschwerdeführer 2 aus der früheren Möglichkeit zur 

Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung nichts zu seinen Gunsten 

ableiten, nachdem er schon bei seinem ersten Auswanderungsversuch mit 

dem Bezug seines Pensionskassenguthabens seinen definitiven Auswan-

derungswillen manifestiert und damals freiwillig auf die Aufrechterhaltung 

der Niederlassungsbewilligung verzichtet habe.  

 

Ihren ursprünglichen Plänen entsprechend könnten die Beschwerdeführen-

den ihr Familienleben weiterhin über die Distanz oder in der Türkei pflegen. 

Überdies stünden aufgrund des Vorbezugs des Pensionskassengutha-

bens, der deshalb inskünftig zu erwartenden Abhängigkeit von Ergän-

zungsleistungen sowie der Verschuldung der beiden Beschwerdeführen-

den erhebliche öffentliche Interessen dem begehrten Nachzug entgegen, 

während eine erneute Wiederzulassung Fehlanreize setzen würde. Auf-

grund dieser Umstände, der jahrelangen freiwilligen Trennung und mangels 

wichtiger familiärer Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug 

überwiege das öffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungs-

politik das Nachzugsinteresse der Beschwerdeführenden. Die Verweige-

rung des Nachzugs erscheine damit verhältnismässig und rechtfertige auch 

einen Eingriff in das konventionsrechtlich geschützte Familienleben, ohne 

dass die Prüfung eines Erlöschensgrundes aufgrund der angehäuften 

Schulden erforderlich erscheine.  

 

Ein unrechtmässiger Eingriff in das konventionsrechtlich geschützte Recht 

auf Privatleben sei ebenfalls nicht ersichtlich, nachdem der Beschwerde-

führer 2 bereits während seines sehr langen Voraufenthalts von über 

40 Jahren erhebliche Integrationsschwierigkeiten gehabt und sich seine 

Bezüge zur hiesigen Bevölkerung während seines jahrelangen Heimat-

aufenthalts als Frührentner weiter abgeschwächt hätten.  

 

Abschliessend verneinte die Vorinstanz auch das Vorliegen eines schwer-

wiegenden persönlichen Härtefalls, nachdem sich der Beschwerdeführer 2 

selbst (wiederholt) zur Auswanderung entschlossen und in der Türkei ein 

geregeltes Leben ohne Nöte geführt habe. Dem Beschwerdeführer 2 

könne damit unter keinem Titel eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden. 

 

1.2.  

Die Beschwerdeführenden stellen sich in ihrer Beschwerde demgegenüber 

auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführenden zunächst zwar ihre 

gemeinsame Zukunft in der Türkei geplant hätten, ein erster Auswande-

rungsversuch des Beschwerdeführers 2 jedoch im Februar 2019 aufgrund 

von Reintegrationsschwierigkeiten schon nach weniger als einem halben 

Jahr abgebrochen worden sei. Nach erneuter Ausreise des Beschwerde-

 - 7 - 

 

 

führers 2 im März 2020 habe das Ehepaar ihre Auswanderungspläne auf-

grund fehlender Perspektiven im gemeinsamen Heimatland, der Unterstüt-

zungsbedürftigkeit ihrer ältesten Tochter und ihres autistischen Enkelkin-

des sowie ihrer familiären, beruflichen und sozialen Verankerung in der 

Schweiz endgültig fallen gelassen.  

 

Der Beschwerdeführer 2 erfülle unbestrittenermassen die materiellen 

Nachzugsvoraussetzungen und habe entgegen den vorinstanzlichen Erwä-

gungen auch keine Nachzugsfrist verpasst. So könne es nicht sein, dass 

noch während des Zusammenlebens in der Schweiz ein Nachzugsgesuch 

gestellt werden müsse. Die Nachzugsfrist könne vielmehr erst zu laufen 

begonnen haben, nachdem die Beschwerdeführerin 1 überhaupt erstmals 

Gelegenheit zum Nachzug ihres Ehegatten gehabt habe, womit die Nach-

zugsgesuche von Mai bzw. Oktober 2022 als fristgerecht entgegenzuneh-

men seien. Überdies dienten die gesetzlichen Nachzugsfristen primär der 

frühzeitigen Integration von Kindern und würden diese in der vorliegenden 

Konstellation keinen Sinn ergeben.  

 

Selbst bei Annahme einer verpassten Nachzugsfrist liege aufgrund der ge-

scheiterten Auswanderungspläne des Ehepaares und der Autismus-Dia-

gnose des Enkels nun eine diametral andere Ausgangssituation vor. Die 

Beschwerdeführenden hätten aus nachvollziehbaren Gründen und nicht 

aus Desinteresse zueinander getrennt gelebt, weshalb wichtige familiäre 

Gründe jetzt einen Familiennachzug offensichtlich gebieten würden. Zu-

dem verletze die Verweigerung des Familiennachzugs den kombinierten 

Schutzbereich von Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte 

und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101), nachdem 

den Beschwerdeführenden die Fortsetzung des gemeinsamen Ehelebens 

in der Türkei nach jahrzehntelangem Aufenthalt in der Schweiz nicht mehr 

zumutbar sei. Der sozial und beruflich bestens integrierte Beschwerdefüh-

rer 2 habe fast sein ganzes Leben in der Schweiz verbracht und sei hier 

sozialisiert worden. Seine Schulden und der Vorbezug von Freizügigkeits-

leistungen seien ihm nicht vorzuwerfen und aufgrund seiner Erwerbsaus-

sichten in der Schweiz und seines Wohneigentums in der Türkei könne ins-

künftig mit einer substanziellen Schuldentilgung gerechnet werden. Der 

Nachzug hätte deshalb nach Auffassung der Beschwerdeführenden bereits 

gestützt auf Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 8 EMRK bewilligt werden müssen 

und eine Nachzugsverweigerung erscheine jedenfalls unverhältnismässig.  

 

Weiter machten die Beschwerdeführenden in Zusammenhang mit ihrem 

Ersuchen um unentgeltliche Rechtspflege geltend, dass der Beschwerde-

führer 2 in den letzten zwei Jahren unfreiwillig in der Türkei gelebt und dort 

gezwungenermassen sein Vermögen aufgebraucht habe. 

 

 - 8 - 

 

 

2.  

2.1.  

Gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AIG erlischt eine Aufenthalts- oder 

Niederlassungsbewilligung mit der Abmeldung ins Ausland oder nach 

sechsmonatigem Auslandaufenthalt. Im Falle der Abmeldung ins Ausland 

erlischt die Bewilligung sofort mit der Abmeldung und nicht erst nach einer 

bestimmten Frist, wie dies beim tatsächlichen Aufenthalt im Ausland ohne 

Abmeldung der Fall ist. Auf Gesuch hin kann die Niederlassungsbewilli-

gung während vier Jahren aufrechterhalten werden, vorausgesetzt, die Ge-

suchstellung erfolgte noch vor Ablauf der sechsmonatigen Erlöschensfrist 

(Art. 61 Abs. 2 AIG i.V.m. Art. 79 Abs. 2 VZAE). Gemäss Weisungen des 

Staatssekretariats für Migration (SEM) muss zudem eine Rückkehrabsicht 

in die Schweiz bestehen bzw. der Auslandaufenthalt der Abklärung von 

Integrations- oder Wiedereingliederungsmöglichkeiten im Heimatland die-

nen (aktuelle Weisungen und Erläuterungen des SEM zum Ausländerbe-

reich [Weisungen AIG], Bern Oktober 2013 [Stand am 1. Januar 2025], 

Ziff. 3.5.3.2.3). Ansonsten stellt ein ununterbrochener Auslandaufenthalt 

während mehr als sechs Monaten einen zwingenden Erlöschensgrund dar. 

Der Grund für die Dauer der Landesabwesenheit ist unerheblich; selbst das 

unfreiwillige Verweilen im Ausland – z.B. wegen Krankheit oder Freiheits-

entzugs – lässt die Bewilligung erlöschen (Urteil des Bundesgerichts 

2C_980/2010 vom 21. Juni 2011, Erw. 2.2). Gemäss Art. 79 Abs. 1 VZAE 

wird die sechsmonatige Erlöschensfrist durch vorübergehende Besuchs-, 

Tourismus- oder Geschäftsaufenthalte in der Schweiz nicht unterbrochen 

(SILVIA HUNZIKER, in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/ 

DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesge-

setz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], 2. Aufl., Bern 2024, 

N. 28 f. zu Art. 61; ANDREAS ZÜND/ARTHUR BRUNNER, Beendigung der An-

wesenheit, Entfernung und Fernhaltung, in: PETER UEBERSAX/BEAT RUDIN/ 

THOMAS HUGI YAR/THOMAS GEISER/LUZIA VETTERLI [Hrsg.], Handbücher für 

die Anwaltspraxis, Ausländerrecht, 3. Aufl., 2022, Rz. 10.12). 

 

2.2.  

Der zuletzt nur noch über eine Aufenthaltsbewilligung verfügende Be-

schwerdeführer 2 meldete sich am 6. März 2020 an seinem Wohnort ab 

und hielt sich ab dem 9. März 2020 in der Türkei auf. Aufgrund der Abmel-

dung ins Ausland und der überdies auch mehr als sechsmonatigen Aus-

landabwesenheit ist die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers 2 

unbestrittenermassen und unabhängig von dessen späteren Rückkehrab-

sichten erloschen. Inwiefern der Beschwerdeführer 2 bei seinem ersten 

Auswanderungsversuch trotz des Vorbezugs von Pensionskassenleistun-

gen noch die Möglichkeit gehabt hätte, im Sinne von Art. 61 Abs. 2 AIG um 

die Aufrechterhaltung seiner damaligen Niederlassungsbewilligung wäh-

rend maximal vier Jahren zu ersuchen, kann hingegen offenbleiben, da vor-

liegend lediglich die aktuelle Bewilligungssituation des Beschwerdefüh-

rers 2 zu überprüfen ist. 

 - 9 - 

 

 

 

3.  

3.1.  

Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. k AIG kann von den Zulassungsvoraussetzungen 

nach Art. 18 ff. AIG abgewichen werden, um die Wiederzulassung von Aus-

länderinnen und Ausländern, die im Besitz einer Aufenthalts- oder Nieder-

lassungsbewilligung waren, zu erleichtern. Die Möglichkeit der Wiederzu-

lassung wurde auf Verordnungsebene unter anderem durch Art. 49 VZAE 

konkretisiert. Diese Bestimmung sieht vor, dass an Ausländerinnen und 

Ausländer, die früher im Besitz einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbe-

willigung waren, Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligungen erteilt wer-

den können, wenn ihr früherer Aufenthalt in der Schweiz mindestens fünf 

Jahre gedauert hat und nicht nur vorübergehender Natur war (lit. a) und 

ihre freiwillige Ausreise aus der Schweiz nicht länger als zwei Jahre zurück-

liegt (lit. b). Bei Überschreitung der letztgenannten Frist ist eine Wiederzu-

lassung nach Art. 30 Abs. 1 lit. k AIG selbst bei langjährigem und lebens-

prägendem Voraufenthalt in der Schweiz ausgeschlossen, jedoch kann der 

Dauer und Qualität des Voraufenthalts bei der Prüfung eines Härtefalls 

nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG oder der Bewilligung eines nachträglichen Fa-

miliennachzugs nach Art. 47 Abs. 4 AIG Rechnung getragen werden 

(ZÜND/BRUNNER, a.a.O., Rz. 10.20; MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ 

ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK 

[Hrsg.], Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 29 zu Art. 30 AIG; Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts F-736/2017 vom 18. Februar 2019, 

Erw. 4.5; a.M. noch das Aargauer Rekursgericht im Ausländerrecht am 

25. Juni 2010, Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 

2010, S. 349, Erw. 4.2.3, wobei an dieser Rechtsprechung insbesondere 

aufgrund der jüngeren Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

nicht festzuhalten ist. Dies, zumal es im Ergebnis einzig darum ging, 

darzulegen, dass die Verweigerung der Wiederzulassung mit Verweis auf 

die Überschreitung der Zweijahresfrist im konkreten Fall unverhältnismäs-

sig gewesen wäre, weshalb gleich wie durch ZÜND/BRUNNER [siehe oben] 

mit Verweis auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG angeregt, eine Härtefallprüfung ver-

langt wurde). 

 

Wie in Bezug auf die sechsmonatige Erlöschensfrist von Art. 61 Abs. 2 AIG 

ist hierbei unerheblich, welche Gründe eine frühere Rückkehr in die 

Schweiz verhindert haben (vgl. dazu vorne Erw. II/2.1). Sinn und Zweck 

von Art. 30 Abs. 1 lit. k AIG i.V.m. Art. 49 VZAE ist es, Personen, die auf-

grund eines langjährigen Aufenthalts in der Schweiz eine intensive Bezie-

hung zu unserem Land aufgebaut haben und trotz Ausreise weiterhin über 

eine enge Bindung zu unserem Land verfügen, die Anwesenheit (und Er-

werbstätigkeit) unter erleichterten Bedingungen wieder zu gestatten (Ent-

scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.259 vom 11. Dezember 2020, 

Erw. II./5.1). Die erleichterte Wiederzulassung steht überdies unter dem 

Vorbehalt, dass der Bewilligung des Aufenthalts in der Schweiz keine über-

 - 10 - 

 

 

wiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen (vgl. Art. 96 Abs. 1 

AIG). 

 

3.2.  

Obwohl der Beschwerdeführer 2 einen Grossteil seines Lebens in der 

Schweiz verbrachte und früher sogar über die Niederlassungsbewilligung 

verfügte, fällt eine erleichterte Wiederzulassung nach Art. 30 Abs. 1 lit. k 

AIG aus mehreren Gründen ausser Betracht: Der Beschwerdeführer 2 

hatte seine Niederlassungsbewilligung bereits bei seinem abgebrochenen 

ersten Ausreiseversuch 2018/2019 verloren und lebte vor seiner erneuten 

Ausreise in die Türkei im März 2020 erst seit etwas über einem Jahr wieder 

in der Schweiz. Die Aufenthaltsbewilligung wurde ihm überdies weniger als 

elf Monate vor seiner erneuten Ausreise erteilt. Die Voraussetzung eines 

fünfjährigen, dauerhaften Voraufenthalts gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a VZAE 

ist damit offenkundig nicht erfüllt. Zudem liess er erst im Mai 2022 über 

seine Tochter um seinen Nachzug in die Schweiz ersuchen, womit auch 

die über zweijährige Dauer seines Auslandaufenthalts nach Art. 49 Abs. 1 

lit. b VZAE einer erleichterten Wiederzulassung entgegensteht. Inwieweit 

der Wiederzulassung darüber hinaus aufgrund der Verschuldung der Fa-

milie und inskünftig allenfalls zu erwartender Abhängigkeit von Ergän-

zungsleistungen auch überwiegende öffentliche Interessen entgegenste-

hen könnten, kann an dieser Stelle offenbleiben (siehe dazu aber hinten, 

Erw. II/4.1.2 und II/4.3.3). 

 

Die Möglichkeit der erleichterten Wiederzulassung gemäss Art. 30 Abs. 1 

lit. k AIG i.V.m. Art. 49 Abs. 1 VZAE fällt daher ausser Betracht. Dem lang-

jährigen Voraufenthalt in der Schweiz ist aber im dargelegten Sinne bei der 

nachfolgenden Prüfung wichtiger familiärer Gründe für einen nachträgli-

chen Ehegattennachzug und der dort vorzunehmenden Interessensabwä-

gung Rechnung zu tragen. 

 

4.  

4.1.  

4.1.1.  

Ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung ha-

ben gemäss Art. 43 Abs. 1 AIG Anspruch auf Erteilung und Verlängerung 

der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), 

eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b), sie nicht auf Sozial-

hilfe angewiesen sind (lit. c), sie sich in der am Wohnort gesprochenen Lan-

desprache verständigen können (lit. d) und die nachziehende Person keine 

jährlichen Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz über Ergän-

zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung 

vom 6. Oktober 2006 (ELG; SR 831.30) bezieht oder wegen des Familien-

nachzugs beziehen könnte (lit. e). 

 

 - 11 - 

 

 

In Bezug auf den massgeblichen Zeitpunkt, in welchem die materiellen Vo-

raussetzungen für einen Familiennachzug vorliegen müssen, gilt, dass 

diese zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der Gesuchseinreichung und 

dem Entscheidzeitpunkt gleichzeitig erfüllt sein müssen (Entscheide des 

Verwaltungsgerichts WBE.2015.341 vom 3. Februar 2017, Erw. II/3.3, und 

WBE.2019.83 vom 2. September 2020, Erw. II/4.2). 

 

4.1.2.  

Die in der Schweiz niederlassungsberechtigte Beschwerdeführerin 1 und 

der Beschwerdeführer 2 sind seit dem 22. September 1989 verheiratet und 

wollen in der Schweiz dauerhaft zusammenwohnen. Geplant ist ein Zuzug 

des Beschwerdeführers 2 in die 4 ½-Zimmerwohnung, welche derzeit von 

der Beschwerdeführerin 1 und den drei Töchtern D._____, E._____ und 

F._____ bewohnt wird. Tochter C._____ und der an Autismus erkrankte 

Enkelsohn der Beschwerdeführenden wohnen nach Aktenlage hingegen 

an anderer Adresse in derselben Gemeinde (MI2-act 76). Die 4 ½-

Zimmerwohnung ist gemäss Mietvertrag vom 6. Mai 2021 derzeit nur für 

die Benutzung durch vier Personen vorgesehen (MI2-act. 26), gleichwohl 

wurde sie im Rahmen der migrationsamtlichen und vorinstanzlichen 

Abklärungen als bedarfsgerecht eingestuft (MI2-act. 79). Sodann kann 

aufgrund des sehr langen Voraufenthalts und des Schulbesuchs in der 

Schweiz ohne Weiteres von hinreichenden Deutschkenntnissen des 

Beschwerdeführers 2 ausgegangen werden und ist aktuell kein 

Sozialhilfebezug der Beschwerdeführerin 1 dokumentiert (MI2-act. 115). 

Inskünftig soll der Beschwerdeführer 2 mit eigenem Erwerbseinkommen 

zum Familienunterhalt beitragen. 

 

Die finanzielle Situation ist gleichwohl angespannt und die Beschwerdefüh-

rerin 1 verfügt gemäss den Angaben in der Beschwerdeschrift derzeit über 

kein existenzsicherndes Einkommen (act. 33 Rz. 42). Der Nachzug des Be-

schwerdeführers 2 wurde zudem auch mit der schwierigen finanziellen Si-

tuation der Familienangehörigen in der Schweiz begründet (MI2-act. 3, 6, 

87). Gemäss Betreibungsregisterauszug vom 14. September 2022 wurde 

der Beschwerdeführer 2 bis zu seiner Ausreise zahlreiche Male betrieben 

und liegen gegen ihn 19 offene Verlustscheine im Gesamtbetrag von 

Fr. 74'440.25 vor (MI2-act. 99 ff.). Auch die Beschwerdeführerin 1 weist ge-

mäss Betreibungsregisterauszügen der Stadt Q._____ vom 15. Juni 2022, 

bzw. von R._____ vom 14. September 2022 und der Stadt Q._____ vom 

31. Januar 2023 zahlreiche Betreibungen und offene Verlustscheine im Ge-

samtbetrag von Fr. 65'013.00 auf (MI1-act. 8; MI2-act. 107; MI1-act. 22 ff.), 

wobei sie gemäss Betreibungsregisterauszug von R._____ vom 30. Januar 

2023 zumindest die jüngsten Betreibungsforderungen inzwischen be-

glichen hat (MI1-act. 21). Dies lässt darauf schliessen, dass die Familie 

schon vor der Ausreise des Beschwerdeführers 1 kein existenzsicherndes 

Einkommen zu erzielen vermochte. Überdies wurde vorinstanzlich zu 

Recht auch die Zahlungsmoral der Beschwerdeführenden infrage gestellt, 

 - 12 - 

 

 

zumal sie sich bislang kaum um eine Schuldentilgung bemüht haben und 

ihre erheblichen Steuerschulden auch eigenen Angaben zufolge durch 

mangelhafte Mitwirkung im Steuerveranlagungsverfahren (mit)verursacht 

wurden (MI2-act. 171, 192). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführen-

den räumte in einer Stellungnahme vom 31. Oktober 2023 sodann auch 

ein, dass der Beschwerdeführer 2 seine Schulden "leichtsinnig oder naiv" 

angehäuft habe, wenngleich ein mutwilliges Verhalten in Abrede gestellt 

wurde (MI2-act. 192 Rz. 6). Spätestens nach der Auszahlung der Vorsor-

gegelder hätte der Beschwerdeführer 2 die finanziellen Mittel gehabt, um 

zumindest einen Teil seiner Schulden zu regulieren, investierte das vorbe-

zogene Kapital jedoch stattdessen in den Erwerb von Wohneigentum in der 

Türkei. Die zahlreichen Verlustscheine und das bisherige Verhalten der Be-

schwerdeführenden lassen darauf schliessen, dass sie ihren finanziellen 

Verpflichtungen in der Vergangenheit nicht immer nachkommen konnten 

und wollten. Eine künftige Sozialhilfeabhängigkeit oder eine weitere Finan-

zierung des Lebensunterhalts der Beschwerdeführenden über Schulden ist 

damit nicht auszuschliessen und hängt massgeblich davon ab, ob der we-

nige Jahre vor der Pensionierung stehende Beschwerdeführer 2 die ihm in 

Aussicht gestellte Stelle als Hilfsarbeiter bei der N._____ GmbH (Net-

toeinkommen Fr. 2'994.25, MI2-act. 78 bzw. Fr. 3'880.50, MI2-act. 192 

Rz. 7) auch tatsächlich antreten kann oder anderweitig Arbeit finden wird. 

Aufgrund des Vorbezugs aus der zweiten Säule ist nach der Pensionierung 

überdies mit einer Abhängigkeit von Ergänzungsleistungen zu rechnen, 

erst recht wenn der Beschwerdeführer 2 die vorbezogenen Kapitalleistun-

gen nun eigenen Angaben zufolge entgegen ihrem ursprünglichen Vorsor-

gezweck zur privaten Schuldentilgung verwenden will (siehe Beschwerde-

schrift, act. 32 Rz. 38). 

 

Die Erfüllung der materiellen Nachzugsbedingungen – namentlich in finan-

zieller Hinsicht – ist bei dieser Sachlage jedenfalls nicht evident, gleichwohl 

erachtete die Vorinstanz die materiellen Nachzugsvoraussetzungen alle-

samt als erfüllt. Wie es sich damit verhält, kann aber letztlich offenbleiben, 

da im Sinn nachfolgender Ausführungen jedenfalls die Nachzugsfrist ver-

passt wurde und wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen Fami-

lien- bzw. Ehegattennachzug fehlen. 

 

4.2.  

4.2.1.  

Gesuche um Familiennachzug von Ehegatten gestützt auf Art. 43 AIG müs-

sen gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG innerhalb von fünf Jahren eingereicht wer-

den. Die Frist beginnt mit der Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlas-

sungsbewilligung an die nachziehende Person oder mit der Entstehung des 

Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AIG). Ist die Einreise der nach-

ziehenden Person (sowie die Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlas-

sungsbewilligung) vor dem 1. Januar 2008 erfolgt bzw. das Familienver-

hältnis vor dem 1. Januar 2008 entstanden, beginnen die Nachzugsfristen 

 - 13 - 

 

 

am 1. Januar 2008 (Art. 126 Abs. 3 AIG). Werden die Fristen nicht einge-

halten, liegt ein nachträglicher Familiennachzug vor. Dieser ist nur bei Vor-

liegen wichtiger familiärer Gründe zu bewilligen (Art. 47 Abs. 4 AIG). 

 

Eine Abmeldung ins Ausland oder ein mehr als sechsmonatiger Ausland-

aufenthalt nach bereits erfolgtem Familiennachzug führt im bereits darge-

legten Sinne grundsätzlich zum Bewilligungsverlust (Art. 61 Abs. 1 lit. a und 

Abs. 2 AIG) und hat keinen Einfluss auf den Lauf der Nachzugsfrist (vgl. 

Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2024.54 vom 4. Dezember 2024, 

Erw. 2.3.1; THOMAS GEISER/FELIX BLOCHER/MARC BUSSLINGER, Ausländi-

sche Personen als Ehepartner und registrierte Partnerinnen, in: UEBERSAX/ 

RUDIN/HUGI YAR/GEISER/VETTERLI, a.a.O., Rz. 23.130 mit weiteren Hin-

weisen). 

 

4.2.2.  

Die Beschwerdeführenden sind seit 22. September 1989 verheiratet und 

der Beschwerdeführer 2 verfügte vor seinen beiden Versuchen, sich in der 

Schweiz niederzulassen, über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der 

Schweiz. Wie die Vorinstanz richtig feststellte, hatte die fünfjährige Nach-

zugsfrist aufgrund der übergangsrechtlichen Regelung von Art. 126 Abs. 3 

AIG aber erst am 1. Januar 2008 zu laufen begonnen und lief die Nach-

zugsfrist fünf Jahre später ab. Sowohl die erst am 23. Mai 2022 (Tochter) 

bzw. 26. Oktober 2022 (Beschwerdeführerin 1) gestellten Nachzugsgesu-

che als auch das schriftliche Gesuch des Beschwerdeführers 2 vom 

12. August 2022 (MI2-act. 1 ff., 87, 117 ff.) erfolgten damit fast ein Jahr-

zehnt zu spät und sind deshalb nur bei Vorliegen wichtiger familiärer Grün-

de im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG zu bewilligen. 

 

Nichts anderes ergibt sich überdies aus der in der Beschwerdeschrift 

angeführten Zürcher Praxis: Das von den Beschwerdeführenden zur Unter-

mauerung ihres Standpunktes beigezogene Präjudiz des Verwaltungs-

gerichts Zürich VB.2014.00235 vom 9. Juli 2014, Erw. 5.4.2, wurde in 

mehreren späteren Zürcher Entscheiden unter Verweis auf die klare Praxis 

des Bundesgerichts korrigiert und kann diesbezüglich keine Gültigkeit  

mehr beanspruchen (vgl. z.B. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich 

VB.2018.00440 vom 12. September 2018, Erw. 3.3 und VB.2018.00037 

vom 26. Juni 2018, Erw. 2.1, jeweils unter Verweis auf das Urteil des Bun-

desgerichts 2C_147/2015 vom 22. März 2016, Erw. 2.4.2). Gleiches gilt 

auch für den zweiten angeführten Zürcher Entscheid (Urteil des Verwal-

tungsgerichts Zürich VB.2015.00257 vom 24. Juni 2015, Erw. 2.3), dessen 

Kernaussage in späteren Entscheiden ebenfalls relativiert und präzisiert 

wurde (vgl. z.B. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2023.00512 vom 

4. Oktober 2023, Erw. 4.1.2 f.) und im Übrigen nur einen sehr kurzen Aus-

landaufenthalt eines Kindes betraf, mithin gar nicht einschlägig erscheint. 

Ohnehin wäre eine allenfalls abweichende Praxis der Zürcher Gerichte für 

die hiesigen Gerichte nicht verbindlich. 

 - 14 - 

 

 

 

4.3.  

4.3.1.  

4.3.1.1.  

Art. 75 VZAE greift den Begriff der wichtigen familiären Gründe auf und 

führt aus, dass solche vorliegen, wenn das Kindswohl nur durch einen 

Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann. Damit präzisiert der Verord-

nungsgeber zwar den Begriff der wichtigen familiären Gründe beim nach-

träglichen Kindernachzug, lässt aber den nachträglichen Ehegattennach-

zug ausser Acht. Bei Letzterem kann selbstredend nicht das Kindswohl  

für die Bejahung wichtiger familiärer Gründe ausschlaggebend sein (Ent-

scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2023.273 vom 29. Januar 2024, 

Erw. II/3.3.1.1 mit Hinweis). Auch in der einschlägigen Rechtsprechung und 

Lehre hat hinsichtlich des Ehegattennachzugs der unbestimmte Rechtsbe-

griff der wichtigen familiären Gründe bislang keine scharfen Konturen er-

fahren (so auch Urteile des Bundesgerichts 2C_481/2018 vom 11. Juli 

2019, Erw. 6.1, 2C_323/2018 vom 21. September 2018, Erw. 8.2.1, und 

2C_386/2016 vom 22. Mai 2017, Erw. 2.3 mit Hinweisen; MARC SPESCHA, 

a.a.O., N. 17 zu Art. 47 AIG). Jedenfalls bedarf es – analog zum Nachzug 

von Kindern – auch hier einer gesamthaften Würdigung der relevanten Um-

stände im Einzelfall (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_386/2016 vom 

22. Mai 2017, Erw. 2.3.2) und soll nach dem Willen des Gesetzgebers die 

Bewilligung eines nachträglichen Familiennachzugs die Ausnahme und 

nicht die Regel bilden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_214/2019 vom 

5. April 2019, Erw. 3.2). 

 

4.3.1.2.  

In Bezug auf den massgeblichen Zeitpunkt, in welchem wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG für einen nachträglichen Nachzug 

des Ehegatten vorliegen müssen, ist zunächst auf den Sachverhalt im Zeit-

punkt der Gesuchseinreichung abzustellen (vgl. BGE 136 II 497, Erw. 3.4). 

Waren sämtliche Voraussetzungen für den nachträglichen Familiennach-

zug bereits zu jenem Zeitpunkt erfüllt, ist das Gesuch grundsätzlich zu be-

willigen bzw. eine Einsprache oder Beschwerde gutzuheissen. Andernfalls 

ist die Entwicklung ab Gesuchseinreichung in die Beurteilung miteinzube-

ziehen. Stellt sich nämlich heraus, dass im Zeitpunkt der Gesuchseinrei-

chung noch keine wichtigen familiären Gründe vorlagen, diese jedoch im 

Laufe des Verfahrens eingetreten sind, ist eine Einsprache oder eine Be-

schwerde gutzuheissen, sofern in jenem Zeitpunkt auch die übrigen Vo-

raussetzungen für den Familiennachzug zeitgleich erfüllt waren. Dieselben 

Überlegungen gelten auch, wenn eine andere Voraussetzung für den Fa-

miliennachzug (z.B. Wohnung oder finanzielle Mittel) im Zeitpunkt der Ge-

suchseinreichung noch nicht erfüllt war (vgl. vorne Erw. II/4.1.1).  

 

Ein nachträgliches Familiennachzugsgesuch für den Ehegatten ist mit an-

deren Worten grundsätzlich dann zu bewilligen, wenn zu einem beliebigen 

 - 15 - 

 

 

Zeitpunkt zwischen der Gesuchseinreichung und dem Entscheidzeitpunkt 

sämtliche Voraussetzungen für den (nachträglichen) Familiennachzug 

gleichzeitig erfüllt waren. Dies geht auch aus dem Gebot der rechtsgleichen 

Behandlung hervor, da andernfalls der Ausgang eines Familiennachzugs-

verfahrens vom jeweiligen Zeitpunkt abhängig wäre, in welchem die zu-

ständige Behörde über das Gesuch befindet (Entscheid des Verwaltungs-

gerichts WBE.2015.341 vom 3. März 2017, Erw. II/3.3). 

 

4.3.1.3.  

Soll ein nachträglicher Familiennachzug bewilligt werden, obliegt es auf-

grund der weitreichenden Mitwirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG den 

Gesuchstellenden, ihre entsprechenden Vorbringen zu substanziieren und 

zu belegen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_214/2019 vom 5. April 

2019, Erw. 3.3, 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015, Erw. 6.1, und 

2C_906/2012 vom 15. Juni 2013, Erw. 2.2; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 2C_50/2010 vom 17. Juni 2010, Erw. 2.2; BGE 130 II 482, Erw. 3.2). 

 

4.3.2.  

4.3.2.1.  

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob wichtige familiäre Gründe im Sinne 

von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen, die den Familiennachzug offensichtlich 

gebieten. 

 

Bei einem nachträglichen Nachzug eines Ehegatten kann dies namentlich 

dann der Fall sein, wenn dieser im Heimatland noch eine Ausbildung ab-

schliessen, eine berufliche Karriere verfolgen oder Betreuungsaufgaben 

gegenüber Verwandten wahrnehmen musste (Urteil des Bundesgerichts 

2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.2). Zudem kann insbesondere 

auch eine wesentliche Änderung der Verhältnisse einen nachträglichen 

Ehegattennachzug rechtfertigen, etwa wenn bei einem (beispielsweise al-

tersbedingt) betreuungsbedürftigen Ehegatten die Betreuungssituation 

wegfällt und es im Heimatland an einer adäquaten Betreuungsalternative 

fehlt, oder wenn sich der Gesundheitszustand des Ehegatten verschlech-

tert und im Heimatland keine adäquate Behandlung möglich ist. Umgekehrt 

kann ein nachträglicher Ehegattennachzug aber auch deshalb offensicht-

lich geboten erscheinen, weil sich die Situation des nachziehenden Ehe-

gatten in der Schweiz – namentlich in gesundheitlicher Hinsicht – dergestalt 

verschlechtert, dass dieser der Unterstützung des nachzuziehenden, bis-

lang im Ausland lebenden Ehegatten bedarf (vgl. dazu BGE 146 I 185, 

Erw. 7.1.2; siehe auch Pra 110 (2021) Nr. 36). 

 

Auch ein längerer Voraufenthalt in der Schweiz und dabei erbrachte Inte-

grationsleistungen lassen das regulatorische Interesse an einer Nachzugs-

verweigerung nicht per se dahinfallen. Dies erschliesst sich schon daraus, 

dass der Gesetzgeber die erleichterte Wiederzulassung nach Art. 30 Abs. 1 

lit. k AIG selbst bei längeren Voraufenthalten nur zulässt, wenn der Aus-

 - 16 - 

 

 

landaufenthalt nicht mehr als zwei Jahre gedauert hat (siehe vorn 

Erw. II/3.1). Jedoch ist einmalig ein wichtiger Grund für einen nachträgli-

chen (erneuten) Ehegattennachzug zu bejahen, wenn nach früherer Bewil-

ligung des Ehegattennachzugs die Aufenthaltsbewilligung aufgrund einer 

Abmeldung ins Ausland oder eines mehr als sechsmonatigen Ausland-

aufenthalts erloschen ist, die eheliche Beziehung jedoch über die Distanz 

oder Besuchsaufenthalte weiter gepflegt wurde. Zur Vermeidung von 

Rechtsmissbräuchen gilt diese Sonderregelung jedoch bei wiederholtem 

Bewilligungsverlust nicht mehr (siehe dazu THOMAS GEISER/FELIX 

BLOCHER/MARC BUSSLINGER, Ausländische Personen als Ehepartner und 

registrierte Partnerinnen, in: UEBERSAX/RUDIN/HUGI YAR/GEISER/VETTERLI, 

a.a.O., Rz. 23.138 inkl. Fn. 309, mit Verweis auf Urteil des Bundesgerichts 

2C_784/2019 vom 10. März 2020, Erw. 2; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 2C_147/2015 vom 22. März 2016, Erw. 2.4.2). 

 

Liegen keine derartigen Umstände vor, ist in einem zweiten Schritt zu prü-

fen, ob die Verweigerung des Familiennachzugs zu einer Verletzung von 

Art. 8 EMRK führen würde und deshalb vom Vorliegen wichtiger familiärer 

Gründe auszugehen ist. 

 

4.3.2.2.  

Als wichtiger familiärer Grund im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG wird vorlie-

gend die schwierige finanzielle und persönliche Situation der ältesten Toch-

ter und des an Autismus erkrankten Enkelkindes geltend gemacht, welche 

beide neu auf Unterstützung des Beschwerdeführers 2 angewiesen seien. 

Zudem wird vorgetragen, dass die ursprünglich gemeinsamen Ausreise-

pläne der Beschwerdeführenden gescheitert seien und der Beschwerde-

führer 2 in der Türkei keine Perspektiven mehr habe. Überdies wird geltend 

gemacht, dass das Paar gar nie die Möglichkeit gehabt habe, rechtzeitig 

um Familiennachzug zu ersuchen, da die Nachzugsfrist zum Ausreisezeit-

punkt bereits abgelaufen sei. 

 

Entgegen der Vorbringen der Beschwerdeführenden hat sich ihre Situation 

durch die Autismusdiagnose bei ihrem Enkelkind im September 2021 (MI2-

act. 85) jedoch nicht massgeblich verändert: Störungen im Autismus-

Spektrum beginnen nach der aktuellen International Classification of Di-

seases (ICD-11 6A02) in der Regel bereits in der frühen Kindheit, können 

sich aber auch erst später voll manifestieren, wenn die sozialen Anforde-

rungen die begrenzten Fähigkeiten übersteigen. Insoweit ist grundsätzlich 

denkbar, dass sich der Unterstützungsbedarf für die älteste Tochter und 

das Enkelkind erst nach der Ausreise des Beschwerdeführers 2 akzentuiert 

haben könnte, wobei unklar ist, warum selbst nach der Diagnosestellung 

noch über ein halbes Jahr mit der Stellung eines Nachzugsgesuchs durch 

die Tochter zugewartet wurde. Die älteste Tochter und das an Autismus 

erkrankte Enkelkind leben jedoch getrennt von den Beschwerdeführenden 

und ein gemeinsamer Haushalt ist auch nach einer allfälligen Wiederein-

 - 17 - 

 

 

reise des Beschwerdeführers 2 nicht geplant (vgl. MI2-act. 76). Dass die 

Beschwerdeführenden ihre älteste Tochter bislang in massgeblicher Weise 

bei der Kinderbetreuung unterstützt haben, ist weder belegt noch ange-

sichts der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin 1 und der geplanten Er-

werbstätigkeit des Beschwerdeführers 2 sowie der getrennten Wohnorte 

inskünftig zu erwarten. Ebensowenig ist substanziiert dargelegt, dass die 

Tochter bzw. das Enkelkind auf eine entsprechende Unterstützung ange-

wiesen sind, zumal entsprechende Unterstützungsleistungen auch von an-

deren Angehörigen geleistet werden könnten und für die Unterstützung von 

Eltern mit autistischen Kindern fachkundige externe Betreuungsangebote 

bestehen. In einer im Namen der gesamten hier lebenden Familie verfass-

ten E-Mail-Stellungnahme vom 6. Juli 2023 stellte Tochter D._____ zudem 

klar, dass sich die Unterstützungsleistungen des Beschwerdeführers 2 

primär auf eine mentale Unterstützung und Präsenz in Notfällen be-

schränken würden, was dessen zugedachte Rolle bei der Betreuung des 

Enkels weiter relativiert (MI2-act. 171). 

 

Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die Perspektiven des Beschwer-

deführers 2 in der Türkei inzwischen massgeblich eingetrübt haben könn-

ten, nachdem er dort bislang als Frührentner von Mieterträgen lebte und 

dies auch weiterhin tun könnte. Ebenso könnte der Beschwerdeführer 2 

dort eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, zumal nicht hinreichend dokumen-

tiert ist, dass sich der voll erwerbsfähige Beschwerdeführer 2 in der Türkei 

erfolglos um Arbeit bemüht hat. Sodann hatte der Beschwerdeführer 2 be-

reits in den Jahren 2018 und 2019 den Versuch unternommen, sich in sei-

nem Herkunftsland niederzulassen, und zeigt seine mehrjährige erneute 

Rückkehr in die Türkei auf, dass er dort nach wie vor über einen sozialen 

Empfangsraum verfügt. 

 

Die relevanten Umstände der Beschwerdeführenden haben sich damit seit 

der (erneuten) Ausreise des Beschwerdeführers nicht massgeblich verän-

dert. Vielmehr hat sich höchstens die Lage der erwachsenen Tochter und 

des Enkelkindes verändert, welche jedoch beide weder über ein entspre-

chendes Nachzugsrecht nach Art. 43 i.V. mit Art. 47 AIG verfügen noch im 

dargelegten Sinn auf die Unterstützung des Beschwerdeführers 2 angewie-

sen sind. Es kann sodann offenbleiben, ob die Autismusdiagnose des En-

kelkindes und deren konkrete Auswirkungen von den diesbezüglich sub-

stanziierungspflichtigen Beschwerdeführenden hinreichend dargelegt wur-

den, nachdem sich dazu keinerlei medizinische Unterlagen in den Akten 

finden lassen. 

 

Weiter trifft es nicht zu, dass die Beschwerdeführenden gar nie Gelegenheit 

für einen rechtzeitigen Nachzug hatten. Vielmehr haben sie nach ihrer Hei-

rat rechtzeitig von ihrem Nachzugsrecht Gebrauch gemacht und mussten 

sie danach – wie jede andere ausländische Person auch – grundsätzlich 

selbst darum besorgt sein, ihren Bewilligungsstatus bei Auslandsaufenthal-

 - 18 - 

 

 

ten aufrechtzuerhalten (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_784/2019 

vom 10. März 2019, Erw. 2.3: "[…] il appartient certes au conjoint étranger 

du ressortissant suisse, de veiller au respect du délai de six mois prévu à 

l'art. 61 al. 2 LEtr."). Zwar haben Ehegatten, die wie die Beschwerdefüh-

renden von ihrem Nachzugsrecht bereits Gebrauch gemacht und in der 

Schweiz zusammengelebt haben, nach dargelegter Bundesgerichtspraxis 

(siehe vorn Erw. II/4.3.2.1) allenfalls einmalig die Möglichkeit zu einem er-

neuten Ehegattennachzug auch ausserhalb der Nachzugsfrist. Diese Son-

derregelung gilt jedoch eben nur einmalig und kommt vorliegend nicht mehr 

zum Zug, nachdem dem Beschwerdeführer 2 bereits nach seinem ersten 

gescheiterten Auswanderungsversuch in den Jahren 2018/2019 – wenn-

gleich in Bejahung eines Härtefalls bzw. einer erleichterten Wiederzulas-

sung nach Art. 30 Abs. 1 lit. k AIG und nicht als eigentliches Nachzugsge-

such – die Rückkehr zu seiner Ehefrau in die Schweiz gestattet wurde. An-

sonsten könnten die Nachzugsregeln bei Ehegatten komplett umgangen 

werden und müsste bei einer einmal in der Schweiz gelebten Ehegemein-

schaft die Rückkehr zum hier lebenden Ehegatten auch bei längeren Aus-

landaufenthalten immer wieder gestattet werden, was weder der Intention 

des Gesetzgebers noch der dargelegten Bundesgerichtspraxis entspre-

chen würde. Eine solch extensive Interpretation der Nachzugsregeln würde 

überdies ein so aus dem Gesetzeswortlaut nicht ersichtliches Sonder-

rechtsregime für Ehegatten schaffen und dem Missbrauch Tür und Tor öff-

nen.  

 

Es sind damit durch die substanziierungspflichtigen Beschwerdeführenden 

keine wichtigen familiären Gründe dargelegt, welche den nachträglichen 

Nachzug des Beschwerdeführers 2 offensichtlich gebieten würden. 

 

4.3.3. 

4.3.3.1.  

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das nationale Gesetzes-

recht möglichst verfassungs- und konventionskonform auszulegen (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018, Erw. 5.3.1, 

und 2C_1050/2016 vom 10. März 2017, Erw. 5.1). Wird der Familiennach-

zug eines Kindes zu einem Elternteil oder des einen Ehegatten zum ande-

ren verweigert, geht damit regelhaft ein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK 

geschützte Familienleben einher. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bil-

det indes eine ausreichende gesetzliche Grundlage für den Eingriff im 

Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK (Urteil des Bundesgerichts 2C_323/2018 

vom 21. September 2018, Erw. 6.5.1). Entsprechend gilt der Eingriff nach 

Massgabe von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als gerechtfertigt, sofern er sich im kon-

kreten Einzelfall in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig und 

als verhältnismässig im engeren Sinne erweist, d.h. ein überwiegendes öf-

fentliches Interesse an der Verweigerung besteht. Ist dies zu bejahen, hält 

die Verweigerung des Familiennachzugs vor Art. 8 EMRK stand. 

 

 - 19 - 

 

 

Nach dem Gesagten ist bei der Beurteilung nach nationalem Recht, ob der 

Familiennachzug eines Kindes oder des Ehegatten trotz Verpassens der 

Nachzugsfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG zu bewilligen ist, die Ausnahme-

regelung von Art. 47 Abs. 4 AIG so zu handhaben – mithin der unbestimmte 

Rechtsbegriff der wichtigen familiären Gründe so auszulegen – dass das 

durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben der Betroffenen nicht verletzt 

wird. Um dies sicherzustellen, ist im Rahmen der Gesamtschau, derer es 

hinsichtlich des allfälligen Vorliegens wichtiger Gründe für einen nachträg-

lichen Familiennachzug bedarf (siehe vorne Erw. II/4.3.1.1), grundsätzlich 

eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen (vgl. zum Ganzen Ur-

teil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hin-

weisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_386/2016 vom 22. Mai 

2017, Erw. 2.3.2). Erweist sich unter Berücksichtigung aller relevanten Um-

stände im Einzelfall die Verweigerung des nachträglichen Familiennach-

zugs als unverhältnismässig und damit als konventionswidrig (Art. 8 Ziff. 2 

EMRK), ist gleichsam davon auszugehen, dass bei gesamthafter Betrach-

tung wichtige familiäre Gründe für den nachträglichen Familiennachzug im 

Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen. Mit anderen Worten: Vermag das 

öffentliche Interesse an der Verweigerung des verspätet beantragten Fa-

miliennachzugs das private Interesse an dessen Bewilligung nicht zu über-

wiegen, ist dieser bereits unter nationalem Recht – gestützt auf Art. 47 

Abs. 4 AIG – zu bewilligen. 

 

Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass das Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 

Abs. 3 VZAE mit Blick auf Art. 8 EMRK nicht auf Gründe zu beschränken 

ist, die nicht vorhersehbar waren. Lassen die Gesamtumstände darauf 

schliessen, dass die Familie über längere Zeit freiwillig getrennt gelebt hat, 

geht das Interesse des Staates an einer restriktiven Einwanderungspolitik, 

der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG folgend, den verspätet vorgebrachten 

Interessen der Betroffenen an einer Familienzusammenführung in der 

Schweiz jedoch regelmässig vor. Werden demgegenüber objektiv nachvoll-

ziehbare Umstände glaubhaft gemacht, die darauf schliessen lassen, dass 

das Getrenntleben nicht freiwillig erfolgte, ist der Familiennachzug bei Weg-

fallen dieser Umstände in der Regel zu bewilligen (BGE 146 I 185, 

Erw. 7.1.1). Als nachvollziehbare Umstände fallen insbesondere das Feh-

len einer materiellen Nachzugsvoraussetzung wie einer bedarfsgerechten 

Wohnung oder genügender finanzieller Ressourcen für den Familienunter-

halt in Betracht (BGE 146 I 185, Erw. 7.1.2). Liegen derartige Umstände 

vor, erübrigt sich eine umfassende Interessenabwägung, sondern ist – ähn-

lich wie bei Vorliegen von Umständen, die den nachträglichen Familien-

nachzug offensichtlich gebieten (vgl. vorne Erw. II/4.3.2) – ohne weiteres 

von wichtigen familiären Gründen im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. 

Art. 73 Abs. 3 VZAE auszugehen. 

 

 - 20 - 

 

 

Das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG 

und Art. 73 Abs. 3 VZAE hängt zudem nicht davon ab, ob es den Betroffe-

nen unmöglich ist, das Familienleben im Ausland zu führen, da dies keine 

gesetzliche Voraussetzung für den Familiennachzug darstellt (vgl. 

BGE 146 I 185, Erw. 7.2). 

 

Zu den entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen betreffend 

den nachträglichen Familiennachzug des Ehegatten ist mit der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung das Folgende festzuhalten: 

 

4.3.3.1.1.  

Was das öffentliche Interesse angeht, soll mit der gesetzlichen Befristung 

des Familiennachzugs die rasche Integration der nachzuziehenden Ange-

hörigen und insbesondere der Kinder gefördert werden. Durch einen früh-

zeitigen Nachzug sollen diese unter anderem eine möglichst umfassende 

Schulbildung in der Schweiz geniessen. Gleichzeitig kommt den Nachzugs-

fristen die Funktion zu, den Zuzug ausländischer Personen zu steuern bzw. 

zu beschränken. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bildet einen Kompro-

miss zwischen den genannten, legitimen, öffentlichen Interessen und dem 

konträren Anliegen der Ermöglichung des Familienlebens (Urteil des Bun-

desgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hinweisen). Vor 

diesem Hintergrund ist rechtsprechungsgemäss von einem entsprechend 

grossen öffentlichen Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs 

auszugehen, wenn die Fristen von Art. 47 Abs. 1 AIG nicht eingehalten 

wurden (vgl. Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.410 vom 

27. April 2020, Erw. II/2.3.1.4.2, WBE.2019.1 vom 22. Januar 2020, 

Erw. II/3.4.1, und WBE.2015.476 vom 29. Juni 2016, Erw. II/4). Dies gilt – 

im Ergebnis – beim Ehegattennachzug ebenso wie beim Kindernachzug, 

derweil bei Ersterem migrationsregulatorische und bei Letzterem integra-

tionspolitische Aspekte im Vordergrund stehen (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015, Erw. 4.1, wo das Gericht die Gel-

tung von Art. 47 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Aus-

länder vom 16. Dezember 2005 [AuG; SR 142.20; heute AIG] auch für Ehe-

gatten unter Verweis auf die Materialien auf das öffentliche Interesse an 

einer Begrenzung der Einwanderung zurückführt; vgl. auch SPESCHA, 

a.a.O., N. 17 zu Art. 47 AIG).  

 

Im Gegensatz zum Kindernachzug ist bei einem Ehegattennachzug die 

nachzuziehende Person im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung in der Regel 

volljährig oder, von seltenen Ausnahmekonstellationen abgesehen, zumin-

dest nicht mehr schulpflichtig (vgl. Art. 94 Abs. 1 des Schweizerischen Zi-

vilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB; SR 210]; Art. 27 Abs. 1 und 

Art. 45 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht vom 

18. Dezember 1987 [IPRG; SR 291]). Entsprechend fehlt es an einem ver-

allgemeinerbaren Zusammenhang zwischen dem Alter und dem Integra-

tionspotential des nachzuziehenden Ehegatten, welcher es erlauben 

 - 21 - 

 

 

würde, die im Nachzugsfall zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten ob-

jektiviert zu bemessen. Eine Höher- oder Tieferveranschlagung des öffent-

lichen Interesses an der Verweigerung des nachträglichen Familiennach-

zugs aufgrund des konkreten Alters des nachzuziehenden Ehegatten im 

Gesuchszeitpunkt bzw. im Zeitpunkt, da sämtliche Nachzugsvoraussetzun-

gen erfüllt gewesen sein sollen, ist daher im Normalfall nicht angezeigt.  

 

4.3.3.1.2.  

Dem öffentlichen Interesse ist das private Interesse an der Bewilligung des 

nachträglichen Familiennachzugs gegenüberzustellen. Da die Verweige-

rung eines Ehegatten- oder Kindernachzugs regelhaft das geschützte Fa-

milienleben gemäss Art. 8 EMRK tangiert (siehe vorne Erw. II/4.3.3.1), ist 

– in einem ersten Schritt – grundsätzlich von einem grossen privaten Inte-

resse des nachzuziehenden und des nachziehenden Ehegatten am Zu-

sammenleben in der Schweiz auszugehen. Lebt eine Familie jedoch jahre-

lang freiwillig voneinander getrennt, bringt sie damit rechtsprechungsge-

mäss ihr geringes Interesse an einem gemeinsamen Familienleben zum 

Ausdruck und ist das private Interesse in der Regel entsprechend tiefer zu 

veranschlagen. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn objektive, 

nachvollziehbare Gründe für das bisherige Getrenntleben bestehen, wel-

che dagegen sprechen, dieses zu Lasten der Betroffenen zu würdigen 

(siehe wiederum vorne Erw. II/4.3.3.1; vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1 am 

Schluss; Urteil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, 

Erw. 3.1 mit Hinweisen; Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2019.1 

vom 22. Januar 2020, Erw. II/3.4.2).  

 

Gegebenenfalls sind zudem sämtliche weiteren Umstände des Einzelfalls 

zu beachten, welche sich auf das private Interesse an der Bewilligung eines 

nachträglichen Familiennachzugs auswirken.  

 

4.3.3.2.  

4.3.3.2.1.  

Die Verweigerung des Ehegattennachzugs tangiert ohne Weiteres das 

durch Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens: Der 

Beschwerdeführer 2 ist seit 1989 mit der Beschwerdeführerin 1 verheiratet, 

mit der er bis zu seiner Ausreise im August 2018 in ununterbrochener Le-

bensgemeinschaft in der Schweiz lebte. Die engste Familie – darunter vier 

gemeinsame Kinder und Enkelkinder – ist weiterhin hier ansässig. Ange-

sichts dieser familiären Konstellation sowie des über drei Jahrzehnte dau-

ernden ordnungsgemässen Aufenthalts der Beschwerdeführerin 1 in der 

Schweiz wäre es ihr nicht zumutbar, das Land zu verlassen bzw. das Ehe-

leben ins Ausland zu verlagern. Damit steht fest, dass die Verweigerung 

des Ehegattennachzugs das durch Art. 8 EMRK garantierte Familienleben 

tangiert und nur dann zulässig ist, wenn ein überwiegendes öffentliches In-

teresse an der Verweigerung des Familiennachzugs besteht (vgl. 

 - 22 - 

 

 

BGE 146 I 185, Erw. 5.2 f.; vgl. auch BGE 144 I 266, Erw. 3.9; zum Gan-

zen BGE 139 I 330, Erw. 2.1). 

 

Mangels eines ersichtlichen Abhängigkeitsverhältnisses fällt hingegen die 

Beziehung des Beschwerdeführers 2 zu seinen hier lebenden (erwachse-

nen) Kindern und Enkelkindern, einschliesslich seines autistischen Enkel-

kindes, nicht unter den Schutzbereich des in Art. 8 EMRK gewährleisteten 

Rechts auf Achtung des Familienlebens. 

 

Zweifelhaft erscheint demgegenüber, ob auch das durch Art. 8 EMRK ge-

schützte Recht auf Achtung des Privatlebens des Beschwerdeführers 2 

tangiert ist. Zwar ist mit dem Bundesgericht davon auszugehen, dass diese 

konventionsrechtliche Garantie keinen generellen Anspruch auf Wiederein-

reise oder Wiedererteilung einer Aufenthaltsbewilligung vermittelt und nicht 

dazu führen darf, die gesetzliche Regelung von Art. 61 Abs. 2 AIG faktisch 

zu unterlaufen (vgl. BGE 149 I 66, Erw. 4.8). Wie jedoch bereits die Vor-

instanz zutreffend unter Verweis auf die aktuellere bundesgerichtliche 

Rechtsprechung (BGE 149 I 207 f., Erw. 5.3.1 ff.) festhielt, ist bei der Beur-

teilung des Schutzbereichs keine schematische Betrachtungsweise ange-

zeigt. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob besonders intensive private 

Beziehungen beruflicher oder sozialer Art vorliegen, die über eine normale 

Integration hinausgehen. Nur bei deren Vorliegen ist eine anschliessende 

umfassende Interessenabwägung vorzunehmen.  

 

Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer 2 

während rund 40 Jahren ordnungsgemäss in der Schweiz lebte, davon 

über 33 Jahre in stabiler Anstellung beim gleichen Arbeitgeber, womit er 

massgeblich zum Unterhalt der Familie beitrug. Auch nach seiner Ausreise 

bestehen weiterhin persönliche und soziale Bindungen zur Schweiz, wie 

die in den Akten enthaltenen Referenzschreiben belegen (MI2-act. 284 ff.). 

Zudem liegt ein konkretes Angebot seines ehemaligen Arbeitgebers vor, 

ihn im Falle einer Rückkehr erneut zu beschäftigen (vgl. act. 13, act. 31 

Rz. 35), was auf eine fortbestehende berufliche Verwurzelung schliessen 

lässt.  

 

Der persönliche Bezug zur Schweiz mag durch den Auslandaufenthalt ab-

geschwächt worden sein, erscheint jedoch angesichts des jahrzehntelan-

gen ordnungsgemässen Voraufenthalts, der familiären und sozialen Ein-

bettung sowie der dokumentierten (beruflichen) Wiedereingliederungsper-

spektiven nicht derart unterbrochen, dass die Schutzwirkung von Art. 8 

EMRK im Hinblick auf das Privatleben bereits auf dieser Stufe verneint wer-

den müsste. Vielmehr sind der Verlust des Bewilligungsstatus, die Um-

stände der Auslandabwesenheit sowie das Verhalten des Beschwerdefüh-

rers 2 im Zusammenhang mit Schulden und Mitwirkungspflichten im Rah-

men der nachfolgenden Interessenabwägung zu würdigen. 

 

 - 23 - 

 

 

4.3.3.2.2.  

Wie dargelegt wurde, lassen der längere Voraufenthalt des Beschwerde-

führers 2 und die dabei erbrachten Integrationsleistungen das regulatori-

sche Interesse an einer Nachzugsverweigerung nicht einfach dahinfallen. 

Weiter hatte der Beschwerdeführer 2 seine ausländerrechtliche Bewilli-

gung schon bei seinem ersten Auswanderungsversuch zeitweilig verloren, 

weshalb keine Sonderkonstellation vorliegt, welche erst- und einmalig ei-

nen Ehegattennachzug losgelöst von sonstigen wichtigen familiären Grün-

den ermöglichen würde. Gleichwohl ist dem jahrzehntelangem Voraufent-

halt des Beschwerdeführers 2 in der nachfolgenden Interessensabwägung 

Rechnung zu tragen. 

 

4.3.3.2.3.  

Wie aus den vorangegangenen Erwägungen erhellt, besteht aufgrund des 

Verpassens der Nachzugsfrist von Art. 47 Abs. 1 AIG und des wiederholten 

Erlöschens der Aufenthaltsbewilligung aus migrationsregulatorischen 

Gründen ein grosses öffentliches Interesse an der Verweigerung des nach-

träglichen Ehegattennachzugs. Dies gilt umso mehr, als die Auslandabwe-

senheit nicht nur einmalig, sondern bereits zum zweiten Mal erfolgt ist. 

Hinzu kommen fiskalische Interessen aufgrund der bezogenen Pensions-

kassengelder und der Überschuldung der Ehegatten: Wie sich aus dem als 

Beschwerdebeilage eingereichten Bankauszug eines türkischen Bankinsti-

tuts und den Angaben in der Beschwerdeschrift (act. 33 Rz. 42) erschliesst, 

brauchte der in der Schweiz ohnehin überschuldete Beschwerdeführer 2 

während seines Aufenthalts in der Türkei sein Vermögen auf. Sein Pen-

sionskassenguthaben hat er hierfür und zum Erwerb von Wohneigentum in 

seinem Heimatland teilweise vorbezogen und aufgrund seiner Tätigkeit im 

Niedriglohnbereich ist kaum mehr damit zu rechnen, dass die dadurch ent-

standenen Vorsorgelücken bis zur Erreichung des Pensionsalters wieder 

geschlossen werden können. Jedenfalls ist durch die diesbezüglich sub-

stanziierungspflichtigen Beschwerdeführenden nicht hinreichend darge-

legt, dass der Beschwerdeführer 2 den Schweizer Staat nach erneuter Be-

willigungserteilung und späterer Pensionierung nicht über Gebühr belasten 

wird. Auch aus diesem Grund besteht ein grosses öffentliches Interesse, 

den Nachzug nach dem zweiten Auswanderungsversuch nicht mehr zu be-

willigen.  

 

Das öffentliche Interesse an einer Nachzugsverweigerung ist damit selbst 

dann als mindestens gross zu bewerten, wenn zugunsten der Beschwer-

deführenden nicht davon ausgegangen würde, dass die prekäre finanzielle 

Lage der Familie schuldhaft herbeigeführt worden ist. 

 

4.3.3.2.4.  

Was demgegenüber das private Interesse anbelangt, ist den Beschwerde-

führenden als langjährig verheiratetes Ehepaar mit enger familiärer Anbin-

dung an die Schweiz grundsätzlich ein ebenfalls grosses Interesse an ei-

 - 24 - 

 

 

nem Zusammenleben in der Schweiz zuzugestehen. Jedoch ist zu prüfen, 

ob bzw. inwieweit das längere Getrenntleben der Eheleute bzw. der Familie 

freiwillig erfolgte und dadurch auf ein mangelndes Interesse an einem ge-

meinsamen Familienleben in der Schweiz zu schliessen ist, sodass das 

private Interesse im Rahmen der Beurteilung des nachträglichen Familien-

nachzugs entsprechend tiefer zu veranschlagen wäre. 

 

Die Beschwerdeführenden lebten bereits von August 2018 bis Februar 

2019 fast ein halbes Jahr getrennt voneinander. Nachdem der Beschwer-

deführer 2 im März 2020 erneut in seine türkische Heimat zurückgekehrt 

war, lebte das Paar – abgesehen von Besuchsaufenthalten – weitere 

26 Monate getrennt voneinander, bis über ihre Tochter ein Nachzugsge-

such gestellt wurde. Inwiefern diese Trennung(en) unfreiwillig erfolgt sein 

sollte(n), ist nicht ersichtlich und erschliesst sich auch nicht aus dem Um-

stand, dass die Beschwerdeführerin 1 ihrem Ehemann eigenen Angaben 

zufolge zunächst noch nachfolgen wollte. Aufgrund der weitreichenden Mit-

wirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG (siehe vorne Erw. II/4.3.1.3) oblag es 

den Beschwerdeführenden konkrete Gründe, welche einer früheren Rück-

kehr entgegenstanden, geltend zu machen. Weder aus ihren Ausführungen 

noch aus den Akten lassen sich hierzu hinreichend konkretisierte Anhalts-

punkte entnehmen. Vielmehr deutet der Umstand, dass der Beschwerde-

führer 2 trotz seines vorangegangen Auswanderungsversuchs in den Jah-

ren 2018/2019 schon kurz darauf einen erneuten Auswanderungsversuch 

unternahm, klar darauf hin, dass die (erneute) Trennung nicht nur freiwillig 

erfolgte, sondern dass auch (erneut) eine (allenfalls gemeinsame) Zukunft 

in der Türkei geplant war.  

 

Nach dem Gesagten ist von einer jahrelangen freiwilligen Trennung der 

Beschwerdeführenden auszugehen. Dies lässt auf ein mangelndes Inte-

resse an einem ortsgebundenen gemeinsamen Familienleben schliessen. 

Bei jahrelanger freiwilliger Trennung ist auch bei einem gefestigten Anwe-

senheitsrecht der originär anwesenheitsberechtigten Person nur dort von 

einem erhöhten privaten Interesse an der Vereinigung der Gesamtfamilie 

auszugehen, wo stichhaltige Gründe zum Wohle der Familie eine andere 

Lösung erfordern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_979/2019 vom 7. Mai 

2020, Erw. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend werden solche Gründe 

nicht in substanziierter Weise geltend gemacht. Sodann haben die übrigen 

sozialen Beziehungen in der Schweiz den Beschwerdeführer 2 nicht davon 

abgehalten, (wiederholt) mit dem Willen zum dauerhaften Verbleib in der 

Heimat für mehrere Jahre in die Türkei zurückzukehren, was die Bedeutung 

seines hiesigen Umfelds weiter relativiert. 

 

Das private Interesse der Beschwerdeführenden am beantragten nachträg-

lichen Familiennachzug ist daher klar tiefer zu veranschlagen und besten-

falls noch als mittel einzustufen.  

 

 - 25 - 

 

 

4.3.3.2.5.  

Insgesamt besteht nach dem Gesagten ein maximal mittleres privates In-

teresse der Beschwerdeführenden, den nachträglichen Ehegattennachzug 

zu bewilligen. 

 

4.3.3.3.  

Im Ergebnis überwiegt – unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände 

– das festgestellte grosse öffentliche Interesse an der Verweigerung des 

nachträglichen Ehegattennachzugs das entgegenstehende mittlere private 

Interesse an einer Bewilligung des Nachzugs. Der mit der Verweigerung 

einhergehende Eingriff in das geschützte Privat- und Familienleben erweist 

sich somit als verhältnismässig und mithin unter Art. 8 Ziff. 2 EMRK als zu-

lässig. Die Verweigerung des nachträglichen Ehegattennachzugs verletzt 

Art. 8 EMRK nicht. Gleichsam ist auch unter dem Gesichtspunkt von Art. 8 

EMRK das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe für eine ausnahmsweise 

Bewilligung des nachträglichen Familiennachzugs im Sinne von Art. 47 

Abs. 4 AIG zu verneinen (siehe vorne Erw. II/4.3.3.1).  

 

Unter diesen Umständen kann offenbleiben, inwieweit die angehäuften 

Schulden und die zahlreichen gegen den Beschwerdeführer 2 vorliegen-

den Verlustscheine überdies einen Erlöschensgrund im Sinne von Art. 51 

Abs. 2 lit. b i.V. mit Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG und Art. 77 Abs. 1 lit. b VZAE 

darstellen könnten bzw. dem Beschwerdeführer 2 seine Schuldenwirt-

schaft und die bislang unzureichenden Bemühungen zu deren Regulierung 

vorzuwerfen sind. Ebenso kann offenbleiben, ob der Vorbezug des Be-

schwerdeführers 2 aus der zweiten Säule im Widerspruch zu seinen nun-

mehr geltend gemachten Rückkehrplänen steht oder gar als missbräuch-

lich zu betrachten ist. 

 

5.  

Weitere Rechtsgrundlagen für den begehrten Familiennachzug sind weder 

ersichtlich noch werden solche substanziiert geltend gemacht. Insbeson-

dere scheitert ein Nachzug zur erwerbslosen Wohnsitznahme im Sinn von 

Art. 28 AIG bereits an den fehlenden finanziellen Mitteln und der geplanten 

Erwerbstätigkeit. Sodann besteht für eine ermessensweise Bewilligungser-

teilung nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG oder Art. 96 AIG kein Raum, nachdem 

bereits im Rahmen der Prüfung des Ehegattennachzugs eine umfassende 

Interessensabwägung vorzunehmen war.  

 

6.  

Zusammenfassend hält die Verweigerung des Ehegattennachzugs vor na-

tionalem Recht als auch vor der EMRK stand. Der angefochtene Ein-

spracheentscheid ist nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzu-

weisen. 

 

 - 26 - 

 

 

7.  

Zur beantragten Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Ein-

spracheverfahren ist Folgendes festzuhalten: Die Vorinstanz hat das Ge-

such um unentgeltliche Rechtspflege für das Einspracheverfahren in ihrem 

Einspracheentscheid mangels Begründung und Belegung der Bedürftigkeit 

sowie zufolge Aussichtslosigkeit der Einsprache abgewiesen. Bei ihrer Be-

urteilung hat sie alle relevanten Gesichtspunkte sorgfältig geprüft und ein-

gehend gewürdigt. Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Beschwerde 

nichts vor, was diesen Entscheid umzustossen vermöchte. Der Umfang des 

Einspracheentscheids lässt entgegen ihrer Auffassung keine Rückschlüsse 

auf die Ernsthaftigkeit der Erfolgsaussichten der Einsprache zu, da sich die 

Vorinstanz nicht nur mit den angefochtenen Punkten auseinandergesetzt, 

sondern eine umfassende Überprüfung der angefochtenen Verfügung in 

tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht vorgenommen hat, was mit Blick auf 

den Untersuchungsgrundsatz (§ 17 Abs. 1 i.V.m. § 40 Abs. 2 VRPG) nicht 

zu beanstanden ist. Die Vorinstanz hat das Gesuch deshalb zu Recht ab-

gewiesen. Dementsprechend ist die Beschwerde auch in diesem Punkt ab-

zuweisen. 

 

III. 

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe 

des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2 

VRPG). Nachdem die Beschwerdeführenden vollumfänglich unterliegen, 

gehen die Kosten des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu ihren Las-

ten. Ein Parteikostenersatz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Staatsgebühr von Fr. 1'200.00 sowie der Kanzleigebühr und den Auslagen 

von Fr. 352.00, gesamthaft Fr. 1'552.00, sind von den Beschwerdeführen-

den unter solidarischer Haftbarkeit zu bezahlen. 

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführenden (Vertreter) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

 - 27 - 

 

 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweizeri-

schen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 23. April 2025 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger William