# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6ccb2c83-6530-5f31-bd36-6cd7871f86e8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-17
**Language:** de
**Title:** Nur gestützt auf Haushaltsabklärung kann Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich nicht beurteilt werden, dies ist Sache des Psychiaters. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2014.01153
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.01153.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.01153
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
17. Februar 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Procap
Schweiz
Advokatin Karin
Wüthrich
Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
,
geboren 1968
, war bis 3
1.
August 2012 in einem Pensum von etwa 60
%
für die
Y.___
in Heimarbeit tätig (vgl.
Urk.
6/11/2). Am
6.
März 2013
meldete sie sich
wegen Depressionen mit psy
cho
somatischen Störungen und Angstzuständen bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tä
tigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und veranlasste eine Abklä
rung der
beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (
Urk.
6/34).
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/22-33
;
Urk.
6/35-37) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
September 2014 einen Rentenan
spruch der Ver
sicherten (
Urk.
6/39 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 3
0.
September 2014 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
3
0.
Oktober 2014 Beschwerde
mit dem Antrag auf deren Aufhebung,
Zu
sprache
einer Invalidenrente und eventuell Rückweisung der Sache an die
Be
schwerde
gegnerin
(
Urk.
1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2014 (
Urk.
5)
be
antragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwer
deführerin am 1
6.
Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG
in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwer
ten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend ob
jek
tiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Be
einträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur
soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann,
die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die medizinischen Abklärungen da
von aus, dass keine gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen bestehen
würden. Die mittelgradige rezidivierende depressive Störung sei behandelbar und
deshalb überwindbar. Die generalisierte Angststörung habe keine dauer
hafte Au
s
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführerin sei die bis
herige wie auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit zumutbar. Aufgrund der
Haushalt
abklärung
sei von einem strukturierten Tagesablauf auszugehen. Die Beschwer
de
führerin gehe täglich spazieren und erledige ihren Haushalt selb
ständig, sie koche und kaufe ein und habe guten Kontakt mit ihren Verwandten. Im
Ge
sundheitsfall
sei von einem Erwerbspensum von 60
%
auszugehen. Eine volle Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar (
Urk.
2 S. 1-2). Gemäss Be
urteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sei
die Beschwerdeführerin
aufgrund der psy
chischen Beschwerden in jeder Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Aus
objek
tiver Sicht sei das Leiden aber überwindbar
, sie habe genügend Ressour
cen
,
um einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können (
Urk.
5 S. 1-2).
2.3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, gemäss Einschätzung ihrer Ärzte wie auch des RAD zu 100
%
arbeitsunfähig zu sein. Die generalisierte
Angst
störung
sei der Überwindbarkeitspraxis nicht zugänglich. Gerade wegen dieser Er
krankung habe sie bislang ausschliesslich Heimarbeit verrichtet. Angesichts
der verfestigten Problematik sei nicht von einer Überwindbarkeit auszugehen. Auch
sei sie in ihrem Alltag eingeschränkt; sie benötige immer eine Begleit
per
son für Besorgungen und Termine. Dies werde ärztlich bestätigt.
Aufgrund der heutigen finanziellen Situation mit Entfallen des nachehelichen Unterhalts im Jahr 2014 und der Alimente für die Kinder wäre sie zudem im
Gesundheits
fall
zu 100
%
erwerbstätig. Dem sei, wenn nicht in diesem Verfahren, mindes
tens in einem zukünftigen Revisionsverfahren Rechnung zu tragen (
Urk.
1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Dr.
med.
Z.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte mit Bericht vom 3
0.
April 2013 (
Urk.
6/16) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig, sowie eine schwere generalisierte
Angststö
rung
(
Ziff.
1.1). Die Behandlung bei ihm erfolge seit 2
1.
März 2013 (
Ziff.
1.2). Die Beschwerdeführerin habe ab 2005 in einem Pensum von etwa 70
%
Heim
arbeit verrichtet und sei immer mehr überfordert gewesen. Per 3
1.
August 2012 sei ihr gekündigt worden. Ein Arbeitsversuch als Logistik-Mitarbeiterin sei nach drei Wochen
mangels Leistung
gescheitert.
Zur Zeit
sei sie wegen Zunahme der Agoraphobie kaum fähig, ausser Haus zu gehen (
Ziff.
1.4). In der angestammten Tätigkeit als Büroangestellte sei sie vom 2
1.
November bis 3
1.
Dezember 2012 zu 100
%
und ab
1.
Januar 2013 zu 50
%
arbeits
un
fähig (
Ziff.
1.6).
3.2
Dr.
med.
A.___
,
Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin,
stellte mit Bericht vom 2
1.
Mai 2013 (
Urk.
6/17/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronische Depression mit
-
schwerer Angststörung
-
Status nach Alkoholmissbrauch
-
Status nach Anorexia
nervosa
-
Tablettenmissbrauch
Vor gut einem Jahr sei die Tochter der Beschwerdeführerin ausgezogen und
die Beschwerdeführerin
habe zudem ihre Arbeit verloren. Wegen der Angststörung seien mehrere Versu
che, ausserhalb Arbeit anzunehmen, gescheitert. Es sei ein schweres
Vermei
dungsverhalten
feststellbar (
Ziff.
1.4). In der angestammten Heimarbeitstätigkeit sei sie seit 2
4.
November 2012 zu 50
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Eine Wieder
aufnahme der Tätigkeit sei in einem Umfang von 50
%
bei 50%iger Leistung ab sofort zumutbar (
Ziff.
1.9). Die Beschwerdeführerin be
wältige ihren Haushalt seit Jahren mehr schlecht als recht und benötige Hilfe der Tochter und der Nachbarin (
Ziff.
1.11).
3.3
Dr.
Z.___
wiederholte mit Bericht vom 1
4.
September 2013 (
Urk.
6/18) die bisher gestellte Diagnose (vgl. vorstehend E. 3.1) und hielt fest, dass der Verlauf stati
onär sei. Die Beschwerdeführerin sei unfähig, allein ausser Haus zu gehen. Sie komme auch begleitet in die Therapie. Weiterhin bestünden massive
Selbstunsi
cherheit
, multiple Ängste, zudem eine sehr hohe psychische und physische
Er
schöpfbarkeit
, eine depressive Antriebshemmung sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Zur Zeit und wahrscheinlich auch noch mindestens ein Jahr, wenn nicht länger, müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwer
de
führerin
nicht
imstande sein werde, ein Arbeitstraining oder eine andere
Wie
der
eingliederungsmassnahme
zu besuchen (
Ziff.
1.4). In der Tätigkeit als Büro
angestellte bestehe seit
1.
Januar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Die Beschwerdeführerin beziehe
zur Zeit
ein Arbeitslosentaggeld. Faktisch sei sie seit dem 2
1.
November 2012 voll arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Es sei keine Tätigkeit mehr zumutbar (
Ziff.
1.7).
3.4
B.___
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte am 3
0.
Oktober 2013 (
Urk.
6/21/3) aus,
es seien ausgehend vom Bericht von
Dr.
Z.___
eine rezidivierende depressive Störung, zur Zeit mittelgradig, sowie eine
generalisierte Angststörung ausgewiesen. Davon habe nur die rezidivie
rende mittel
gradige Störung dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. In Bezug auf die bisherige Tätigkeit als kaufmännische Angestellte wirkten sich die Kon
zentrationsstörungen, Antriebsstörungen, die Stressintoleranz und die Angst ein
schränkend aus. Die Beschwerdeführerin benötige eine wohlwollende At
mos
phäre ohne Termindruck, mit gut vorbesprochenen Aufgaben und
Rück
zugs
mög
lichkeiten
bei aufkommender Angst. In angestammter Tätigkeit als kauf
männische Angestellte sei sie seit 2
1.
November 2012 voll arbeitsunfähig, eben
so
derzeit in angepasster Tätigkeit. Bei medikamentöser Einstellung und adäquater Therapie sei eine mindestens 50%ige Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit zu erwarten.
3.5
Am 2
3.
Januar 2014 fand eine Haushaltabklärung statt (Bericht vom
3.
Septem
ber 2014;
Urk.
6/34).
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, ihr grosses Prob
lem sei die Angst, hinauszugehen. Mit dem Hund könne sie nach draussen, sie spaziere täglich bis zu 30 Minuten mit ihm. Müsse sie dringend etwas ein
kaufen, erledige
sie
dies im nahen Geschäft, nehme aber den Hund mit. Abends hole die Tochter, der der Hund gehöre, diesen wieder ab. Dann sei sie alleine mit ihrem Sohn (S. 1). Sie berichte, dass sie nie unter die Leute gehe. Mit ihrer Mutter habe sie guten Kontakt und telefoniere häufig mit ihr und der Schwester. Sie stehe jeden Tag auf, auch wenn sie eine depressive Phase habe. Dann bleibe sie höchstens ein bisschen länger liegen und es falle ihr schwerer, die Körper
pflege inklusive Schminken vorzunehmen. Sie wolle unbedingt ein Vorbild für ihre Kinder sein. So erledige sie den Haushalt zuverlässig und al
leine. Nach dem Aufstehen spiele sie mit dem Hund und erledige
Haushaltar
beiten
. Abends koche sie für sich und ihren Sohn, was sie sehr gerne mache. Die Beschwerde
führerin betone, absolut selbständig zu sein und in keinem der all
täglichen Lebensbereiche Hilfe zu benötigen. Lediglich für auswärtige Termine brauche sie die Hilfe ihrer Mutter, die sie jeweils fahre. Sie fahre nicht mehr Auto und habe grosse Probleme im öffentlichen Verkehr (S. 2).
Ihr letzter Arbe
itgeber habe ihr im Zuge von Outsourcing-Massnahmen gekün
digt. Aktuell schreibe sie Bewerbungen, es sei aber eigentlich sinnlos, da sie auf
grund der Angststörung sowieso keinen Arbeitsort ausserhalb erreichen könne. Heute würde sie im Gesundheitsfall etwa im gleichen Pensum von 60
%
ar
bei
ten. Dazu hielt die Abklärungsperson fest,
die Beschwerdeführerin habe sich auch in diesem Umfang der Arbeitsvermittlung zur Verfügung gestellt. Die Beschwerdeführerin hielt weiter fest, sie müsse aus dem Haus der ehemaligen Schwiegereltern ausziehen, wenn ihre Kinder nicht mehr bei ihr wohnten. Damit
würden der günstige Mietzins wegfallen und auch die Kinderalimente. Wie lange
ihr selbst noch Unterhalt bezahlt werde, wisse sie nicht (S. 3).
Die Abklärung ergab keine Einschränkung im Haushaltbereich (S. 7).
4.
4.1
Der behandelnde Therapeut
Dr.
Z.___
diagnostizierte eine rezidivierende depres
sive Störung gegenwärtig mittleren Grades sowie eine schwere generalisierte Angststörung (vgl. vorstehend E. 3.1, 3.3) und erachtete die Beschwerdeführerin zunächst noch ab
1.
Januar 2013
als Büroangestellte
als zu 50
%
arbeitsfähig (vgl. E.
3.1), ging jedoch
anschliessend
in seinem Bericht vom 1
4.
September 2013 davon aus, dass
gar
keine Tätigkeit mehr zumutbar sei (vgl. E. 3.3).
Dies
erscheint angesichts der gestellten Diagnosen grundsätzlich als fraglich und
wäre eher nachvollziehbar, wenn die Beschwerdeführerin tatsächlich bislang als Büroangestellte tätig gewesen wäre, da eine solche Tätigkeit wohl üblicherweise soziale Fertigkeiten an einem externen Arbeitsplatz erfordert. Die Beschwerde
führerin war aber bislang - möglicherweise aus gesundheitlichen Gründen - in Heimarbeit tätig, wo solche Anforderungen gerade nicht bestanden.
Die Ein
schätzung durch
Dr.
Z.___
ist d
eshalb zu wenig genau begründet, um darauf ab
zustellen.
4.2
Hausarzt (vgl.
Urk.
6/6
Ziff.
6.5)
Dr.
A.___
bezog zwar die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
korrekterweise
auf die Tätigkeit als Heimarbeiterin
(vgl. vorste
hend E. 3.2)
. Sein Fachgebiet ist jedoch die Allgemeine Medizin, weshalb seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin rechtsprechungsgemäss
geringeres Gewicht zukommt,
denn f
ür die verlässliche Beurteilung des psychi
schen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februa
r 2011 E. 4.4.2 mit Hin
weisen).
Zudem bezog
Dr.
A.___
auch psychosoziale Faktoren in die Beurteilung mit ein.
4.3
RAD-Arzt
B.___
ist Facharzt für Psychiatrie und somit grundsätzlich befä
higt, eine Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abzuge
ben. Er ging jedoch ohne weitere Begründung davon aus, dass einzig die De
pression Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe. Dies, obwohl er festhielt, dass
sich
auch die Angst auf die bisherige Tätigkeit als kaufmännische Angestellte -
die Beschwerdeführerin war
wie bereits
festgestellt
Heimarbeiterin -
auswirke
(vgl. vorstehend E.
3.4). Zudem erging diese Ein
schätz
ung
zeitlich
vor der Haushaltabklärung und ist, wie nachfolgend zu zei
ge
n
ist, auch aus diesem Grund nicht genügend
beweiswertig.
4.4
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach
Mass
gabe
des
Art.
69
Abs.
2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV);
vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilf
losig
keit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die ge
eignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Ein
schränkung im Haushalt dar (Urteil 9C_201/2011 vom
5.
September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr.
19 S.
86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den ein
zelnen Posi
tionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumut
barkeit zu
äussern
hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei un
glaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Be
funden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung
des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfah
ren
kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grund
sätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es
um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die
Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S.
137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die
fach
me
dizinischen
Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre ge
wohn
ten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztli
chen Stellung
nahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die
Haushalts
ab
klä
rung
, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteile des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1,
9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezem
ber
2009 E. 5.1.2, je mit Hinweisen).
4.5
Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der Haushaltabklärung betont, den Haus
halt zuverlässig und alleine zu erledigen, absolut selbständig zu sein und in keinem der alltäglichen Lebensbereiche Hilfe zu benötigen (vorstehend E. 3.5).
Hinsichtlich ihrer Fähigkeiten im Haushalt besteht kein Grund, von der Beur
tei
lung der Abklärungsperson abzuweichen; in dieser Hinsicht kommt dem
Ab
klä
rungsbericht
Beweiskraft zu und es ist davon auszugehen, dass die Be
schwerde
führerin im Haushaltbereich nicht eingeschränkt ist.
D
ie Beschwerdegegnerin
ging jedoch
gestützt auf
die Ergebnisse des
Abklä
rungsbericht
s
auch von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Erwerbsbereich aus.
Dem kann nicht gefolgt werden, denn alle
beteiligten Ärzte
nahmen eine substantielle Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich an. D
er RAD
ging
sogar von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tät
igkeit aus
(vgl.
vorstehend E. 3.4)
. Es ist
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4)
. Somit
wäre die
Beschwerdeführerin
gehalten gewesen, zur Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich
den
Haushaltabklä
rungsbericht
und dessen Ergebnisse von einem Facharzt
oder einer Fachärztin
für Psychiatrie
be
ur
teilen zu lassen.
Auch
wenn
im Haushaltsbericht
Hinweise auf viele Ressourcen
der Be
schwerdeführerin zu finden sind, kann
a
us dem Umstand, dass sie ihren Haushalt bewältigen
, sich pflegen, mit Mutter und Schwester telefonieren und manchmal mit dem Hund zum Laden gehen
kann, nicht ohne genauere
medizi
ni
sche
Beurteilung
auf eine volle Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich geschloss
en
werden. Dies insbesondere, da
die Beschwerdefüh
rerin
bisher mit der Heimarbeit eine Tätigkeit ausgeübt hat, die ihr ein Umgehen der möglicherweise invalidisie
renden Angsterkrankung erlaubt
haben könnte.
Ein
Arbeitgeberbericht
wurde nicht eingeholt, so dass dazu keine näheren In
formationen vorliegen
.
4.6
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass
zwar von einer vollen Arbeits
fähigkeit im Haushaltbereich auszugehen ist, aber
weder gestützt auf die vorlie
genden Arztberichte noch auf den Haushaltbericht beurteilt werden kann, ob
sich
die psychische Krankheit der Beschwerdeführerin
im Erwerbsbereich
aus objektiver Sicht invalidisierend
auswirkt
(vgl. vorstehend E.
1.3). Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
4.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Es ist angezeigt, dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S.
2) ent
sprechend die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdef
ührerin im Erwerbs
bereich fachärztlich
ab
kläre
und hernach über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin erneut verfüge
. Sollte sich an der finanziellen Situation und dem Wohnsitz der Be
schwerde
führerin in der Zwischenzeit etwas geändert haben, so
wäre
dies bei der
Status
frage
zu berücksichtigen.
Dies führt zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides und z
ur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
)
und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). In Anwendung dieser Kriterien und beim für vor dem 1. Januar 2015 erbrachte Leistungen anwend
baren
Stunden
ansatz
von Fr. 170
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Parteients
chädigung vorliegend auf Fr. 1‘2
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und
ausgangs
gemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 3
0.
Septem
ber 2014 aufgeho
ben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1'200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Procap
Schweiz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannLienhard