# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abad93a3-4221-5d12-9d0c-872931a0a308
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-02-21
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Zwangsmassnahmengericht 21.02.2012 350 12 95 (350 2012 95)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_ZMG_001_350-12-95_2012-02-21.pdf

## Full Text

Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft www.bl.ch/zmg 

 

21. Februar 2012 

 

Geheime Überwachung 

Verfahrensrechtliche Fragen 

 

Folgen der Verletzung der Frist gemäss Art. 274 Abs. 1 StPO (E. 1.2.1, in casu offen 

gelassen). Umfang der wesentlichen Akten (E. 1.2.2). Eine Delegation der Kompetenz zur 

Anordnung einer geheimen Überwachung (Zwangsmassnahme) an 

Untersuchungsbeauftragte ist nicht möglich (E. 1.3). 

 

Sachverhalt 

Die Staatsanwaltschaft führt gegen A.____ ein Verfahren wegen qualifizierter Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sie ordnete am 17. Februar 2012 die Echtzeit-

Überwachung der Rufnummer x des Mobiltelefons einer unbekannten Person an. Die 

entsprechende Anordnung ist i.V. durch ein nicht identifizierbare Person unterzeichnet 

worden. Gleichentags hat sie beim Zwangsmassnahmengericht die Genehmigung dieser 

Überwachung beantragt. Dieser Antrag ist am 20. Februar 2012 beim 

Zwangsmassnahmengericht eingegangen. 

Erwägungen 

1.2.1 Die 24-Stundenfrist beginnt mit der Übermittlung der Anordnung zu laufen, wobei es 

sich um eine Ordnungsvorschrift handelt, bei der mindestens geringfügige Überschreitungen 

die Gültigkeit der Anordnung nicht tangieren (NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar 

[nachfolgend Praxiskommentar], Zürich/St. Gallen 2009, Art. 274 N 4).  

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Anordnung vom 17. Februar 2012 gemäss beigelegtem Fax-

Report gleichentags um 7.38 Uhr dem Informatik Service Center (ISC) des EJPD, Dienst 

Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr, in Bern übermittelt, weshalb sie das 

Genehmigungsgesuch spätestens am 18. Februar 2012 dem Zwangsmassnahmengericht 

hätte einreichen müssen. Das betreffende Gesuch mit der Anordnung samt Akten ist jedoch 

erst am 20. Februar 2012 (Montag) per Einschreiben vom 17. Februar 2012 (Freitag) beim 

Zwangsmassnahmengericht eingegangen.  

Das Genehmigungsgesuch der Staatsanwaltschaft ist demnach nicht innert der 24-

Stundenfrist eingegangen, sondern erst 3 Tage nach der Anordnung, d.h. 2 Tage zu spät. 

Obwohl es sich hier um eine Ordnungsvorschrift handelt, kann nicht mehr von einer 

geringfügigen Überschreitung der Frist gesprochen werden. Da es sich bei der Bestimmung 

von Art. 274 Abs. 1 StPO um eine Stundenfrist handelt, muss auch angenommen werden, 

dass mit einer geringfügigen Überschreitung ebenfalls nur Stunden und nicht - wie 

vorliegend - mehrere Tage gemeint sind (vgl. Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts 

Obwalden vom 25. Oktober 2011).  

Inwieweit vorliegend diese Fristverletzung zu einem Nichtgenehmigungsentscheid führen 

müsste oder aufgrund des Umstands, dass der 17. Februar 2012 ein Freitag war, 

ausnahmsweise dennoch eine Genehmigung zu erteilen wäre, kann jedoch offen gelassen 

werden, da - wie nachfolgend dargelegt - die Genehmigung ohnehin aufgrund von 

Erwägungen zur Sache selbst nicht zu erteilen ist.  

1.2.2 Gemäss Art. 274 Abs. 2 zweiter Satz StPO kann das Zwangsmassnahmengericht 

eine Ergänzung der Akten verlangen. Die Bestimmung stellt klar, dass das 

Zwangsmassnahmengericht einen unvollständigen Genehmigungsantrag nicht einfach 

ablehnen soll, sondern verpflichtet ist, von Amtes wegen fehlende Akten nachzufordern, 

wenn sich aus dem Genehmigungsantrag ergibt, dass die Akten vorhanden wären und für 

die Beurteilung des Gesuchs beigezogen werden müssten (THOMAS HANSJAKOB, in: Andreas 

Donatsch / Thomas Hansjakob / Viktor Lieber [Herausgeber], Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), Zürich/Basel/Genf 2010,, Art. 274 N 15). Die 

Verdachtsgründe und die Beziehung der Zielperson zum Anschluss sind durch die Akten zu 

dokumentieren (MARC JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, in: Marcel Alexander Niggli / Marianne 

Heer / Hans Wiprächtiger [Herausgeber], Basler Kommentar, Schweizerische 

Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, Basel 2011, Art. 274 N 5). Die bereits 

vorhandenen Akten die relevant sind, sind beizulegen (SCHMID, Praxiskommentar, a.a.O., 

Art. 274 N 6). Das Dossier soll sicherstellen, dass nachvollzogen werden kann, aufgrund 

welcher Unterlagen das Zwangsmassnahmengericht entschieden hat (so auch: ROLAND 

WOLTER, in: Peter Goldschmid / Thomas Maurer / Jürg Sollberger [Herausgeber], 

Kommentierte Textausgabe zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 265). 

Es ist nicht die Aufgabe des Zwangsmassnahmengerichts als Genehmigungsbehörde 

sicherzustellen, dass bezüglich der Rechtmässigkeit einer Überwachung eine lückenlose 

Dokumentation vorliegt, oder darauf hinzuweisen, dass es für eine Beilage aus einer 

bisherigen Überwachung an einem Zufallsfund fehlt. Es muss sich aus den relevanten Akten 

- ohne Ergänzung auf Aufforderung des Zwangsmassnahmengerichts hin - ergeben, dass 

die beigelegten Unterlagen, welche belegen sollen, dass eine Überwachung zulässig ist, 

rechtmässig erhoben worden sind. Andererseits muss aus den relevanten Akten ersichtlich 

werden, weshalb eine bestimmte Rufnummer in Zusammenhang mit dem Strafverfahren 

steht. Zusätzlich hat auch ohne Weiteres aus den relevanten Akten ersichtlich zu werden, in 

welchem Verfahren eine Überwachung angeordnet wird, wer die Zielperson ist, wer der 

Anschlussinhaber ist und in welcher Beziehung dieser zu der überwachten Person steht (vgl. 

auch Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Basel-Landschaft vom 26. August 2011 

[350 11 387]). 

Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft dem Zwangsmassnahmengericht neben dem 

Genehmigungsantrag vom 17. Februar 2012 die Anordnungsverfügungen vom 17. Februar 

2012, den Antrag der Polizei Basel-Landschaft vom 8. Februar 2012 sowie die Protokolle der 

überwachten Gespräche von A.____ mit der unbekannten Person in Holland vom 17. 

November 2011 bis zum 7. Februar 2012 (6 Seiten) eingereicht (Eingang per Post am 20. 

Februar 2012).  

Es ist festzustellen, dass die zwei zitierten Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts vom 

18. November 2011 (350 11 530/531) nicht eingereicht wurden. Im Weiteren wurde auch 

keine Zufallsfundgenehmigung betreffend die Erkenntnisse aus diesen oder weiteren 

Telefonüberwachungen gegen A.____ in einem allfällig zu eröffnenden Verfahren gegen 

einen unbekannten Lieferanten aus Holland eingereicht (vgl. auch die nachfolgenden 

Erwägungen unter Ziff. 2).  

Inwieweit vorliegend diese Akten ausnahmsweise seitens des Zwangsmassnahmengerichts 

nachzufordern gewesen wären oder dieser Mangel allenfalls zu einem 

Nichtgenehmigungsentscheid geführt hätte, kann jedoch offen gelassen werden, da - wie 

nachfolgend dargelegt - die Genehmigung ohnehin aufgrund von Erwägungen zur Sache 

selbst nicht zu erteilen ist.  

Nur am Rande im Zusammenhang mit den einzureichenden Akten ist festzustellen, dass die 

Staatsanwaltschaft bzw. die Polizei Basel-Landschaft in ihren Anträgen Ausführungen 

betreffend eine Anhaltung von B.____ machen, diese jedoch durch nichts belegt sind und 

sich insbesondere aufgrund der Ausführungen die für das vorliegende Verfahren nicht 

relevante Frage stellt, ob die Erkenntnisse gegen B.____ aus den Telefonkontrollen gegen 

A.____ einen Zufallsfund im Sinne von Art. 278 Abs. 2 StPO darstellen.  

1.3 Aus Art. 46 Abs. 1 BV ergibt sich die derogatorische Kraft des Bundesrechts, welche 

besagt, dass die Kantone das Bundesrecht nach Massgabe der Verfassung und Gesetz 

umzusetzen haben. Somit kann festgehalten werden, dass Art. 311 Abs. 1 StPO lediglich 

eine Delegation von Untersuchungshandlungen an Untersuchungsbeauftragte ermöglicht. 

Insofern wird die Organisationsautonomie der Kantone gemäss Art. 14 Abs. 1 und 2 StPO 

eingeschränkt. Es gibt keinen Handlungsspielraum dafür, dass die Anordnung von 

Zwangsmassnahmen an Nichtstaatsanwälte/Nichtstaatsanwältinnen delegiert werden kann. 

Es ist deshalb unzulässig, im Rahmen der Organisationsautonomie der Kantone im Bereich 

der Strafbehörden (Art. 123 Abs. 2 BV i.V.m. Art. 14 Abs. 1 und 2 StPO), den Erlass von 

Zwangsmassnahmen Untersuchungsbeauftragten zu ermöglichen, da diese Tätigkeit den 

Staatsanwälten/Staatsanwältinnen vorbehalten ist (Art. 311 Abs. 1 StPO). Selbst wenn der 

Erlass von Zwangsmassnahmen durch Untersuchungsbeauftragte möglich wäre, müsste die 

entsprechende gesetzliche Grundlage im Kanton Basel-Landschaft in einem Gesetz im 

formellen Sinn geschaffen werden (§ 63 Abs. 1 KV). § 12 EG StPO verunmöglicht es, 

Untersuchungsbeauftragte mit dem Erlass von Zwangsmassnahmen zu betrauen. Diese 

eindeutige Bestimmung kann nicht durch eine entsprechende Norm in einem Dekret 

abgeändert werden, auch wenn die entsprechende Kompetenz nur für den Einsatz im Pikett 

gilt. Dies gilt umso mehr, als § 12 EG StPO im Einklang mit den entsprechenden 

Bestimmungen der StPO (u.a. Art. 311 StPO) ist und das Dekret EG StPO im Widerspruch 

zum kantonalen Gesetz im formellen Sinn und zum Bundesrecht steht (vgl. Entscheid des 

Zwangsmassnahmengerichts vom 23. September 2011 [350 11 453]). 

Die Anordnung einer Telefonüberwachung gemäss Art. 269 StPO ist eine 

Zwangsmassnahme. Vorliegend lässt sich nicht nachvollziehen, ob die Anordnung vom 17. 

Februar 2012 und das betreffende Genehmigungsgesuch an das 

Zwangsmassnahmengericht vom gleichen Tag von einem Staatsanwalt oder einer 

Staatsanwältin unterschrieben worden sind, wurden sie doch von einer nicht identifizierbaren 

Person in Vertretung der Staatsanwältin C.____ unterzeichnet. Immerhin lässt sich 

feststellen, dass der Untersuchungsbeamte D.____ die Anordnung am 17. Februar 2012, 

07.38 Uhr, an das ISC sandte.  

Weitere Abklärungen, ob die formellen Anforderungen in diesem Sinne vorliegend erfüllt 

sind, erübrigen sich, ist doch wie erwähnt, die Genehmigung ohnehin aufgrund von 

Erwägungen zur Sache selbst nicht zu erteilen. Anzumerken ist immerhin, dass der Antrag 

der Polizei Basel-Landschaft vom 8. Februar 2012 bereits am 9. Februar 2012 bei der 

Staatsanwaltschaft eingegangen ist, womit zumindest insofern von keiner Dringlichkeit 

auszugehen ist, welche eine allenfalls fragwürdige Stellvertretung für die Anordnung vom 17. 

Februar 2012 begründen könnte. 

 

 

Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 21. Februar 2012 (350 12 95)