# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aa8a0060-108a-5ffb-9634-dccc8b29ab42
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.09.2010 D-6212/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6212-2010_2010-09-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6212/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
Algerien,
c/o (...)

Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 24. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6212/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen (angeb-
lichen) Heimatstaat im Jahr 2006 verliess und in B._______ unter den 
Personalien  C._______,  geboren  (...),  marokkanischer 
Staatsangehöriger, um Asyl nachsuchte,

dass er von den (b._______) Behörden am (...)  2010 nach Marokko 
ausgeschafft wurde,

dass er am 7. Juli 2010 in die Schweiz einreiste und am 8. Juli 2010 
im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  D._______  ein 
Asylgesuch einreichte,

dass er anlässlich der Kurzbefragung im EVZ E._______ vom 19. Juli 
2010  zur  Begründung  des  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend 
machte, er sei nach seiner Ausschaffung von Marokko nach Algerien 
weitergereist, wo er jedoch niemanden mehr habe,

dass er nicht gewusst habe, wie er seinen Lebensunterhalt bestreiten 
solle, und nicht genügend zu Essen gehabt habe,

dass er überdies befürchtet habe, man werde ihm in Algerien etwas 
antun, weil sein verstorbener Vater dort Feinde habe,

dass für den weiteren Inhalt seiner Aussagen auf die Akten verwiesen 
wird,

dass dem Beschwerdeführer am 5. August 2010 das rechtliche Gehör 
zum in B._______ durchgeführten Asylverfahren, insbesondere zu den 
dort angegebenen abweichenden Personalien, gewährt wurde,

dass  er  beteuerte,  in  B._______  unter  falscher  Identität  gelebt  zu 
haben,

dass dem Beschwerdeführer mitgeteilt wurde, das BFM ziehe den Er-
lass eines Nichteintretensentscheides in Erwägung,

dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Folge  ausdrücklich  an  seinem 
Asylgesuch festhielt,

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dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  24. August  2010  –  eröffnet  am 
25. August 2010 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. c des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  auf  das Asylgesuch 
nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug 
anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Be-
schwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht schuldhaft grob verletzt,  
indem er  sich – entgegen den Weisungen im ausgehändigten Merk-
blatt  für  Asylsuchende  –  mehrmals  ohne  Erlaubnis  aus  dem  EVZ 
E._______ entfernt habe beziehungsweise nicht dorthin zurückgekehrt 
sei,

dass durch dieses Verhalten ein Termin für die geplante Bundes-An-
hörung  zu  den  Asylgründen  nicht  habe  festgesetzt  werden  können, 
weil  das hohe Risiko bestanden habe, dass diese nicht hätte durch-
geführt werden können und entsprechend den aufgebotenen Personen 
unter grossen Kostenfolgen hätte abgesagt werden müssen,

dass dem Beschwerdeführer aufgrund seines Untertauchens auch das 
rechtliche Gehör nicht habe gewährt werden können,

dass er durch sein Verhalten zu erkennen gegeben habe, dass er an 
einer Fortsetzung des Asylverfahrens nicht interessiert sei,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  dieser  Argumentation  bei  ana-
loger Sachlage in einem Entscheid vom 12. März 2009 (D-1473/2009) 
gefolgt sei,

dass der Beschwerdeführer mit  Eingabe vom 31. August 2010 (Post-
stempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde erhob und dabei beantragte, die angefochtene Verfügung 
sei aufzuheben und die Sache sei zur Prüfung des Asylgesuches an 
die Vorinstanz zurückzuweisen,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Verzicht auf die Erhebung 
eines  Kostenvorschusses  und  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege ersuchte,

dass auf die Begründung der Beschwerde – soweit für den Entscheid 
wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,

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dass die vorinstanzlichen Akten am 1. September 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretens-
entscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen 
materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und 
die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

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dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich 
volle Kognition zukommt, 

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e AsylG) 
und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten wird,  wenn Asylsuchende 
auf andere Weise als den in Art. 32 Abs. 2 Bstn. a und b AsylG ge-
nannten Gründen ihre Mitwirkungspflicht schuldhaft und in grober Wei-
se verletzen (Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG),

dass  eine  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  dann  als  grob  zu  be-
zeichnen ist, wenn dadurch die Abklärungen des Falles erheblich er-
schwert werden (vgl. EMARK 1995 Nr. 18),

dass  das  Asylgesetz  für  einen  Nichteintretensentscheid  wegen  Ver-
letzung der Mitwirkungspflicht im Übrigen keinen Vorsatz voraussetzt 
(vgl. EMARK 2000 Nr. 8),

dass unter einer schuldhaften Mitwirkungspflichtverletzung im Gegen-
satz zur strafrechtlichen Terminologie eine solche zu verstehen ist,  bei 
welcher die betreffende Person durch aktives Handeln zur Verletzung 
beiträgt oder ein Handeln unterlässt, das ihr aufgrund ihres Alters, ih -
rer  Ausbildung,  ihrer  beruflichen  und  sozialen  Stellung  vernünftiger-
weise zugemutet werden kann, 

dass  gemäss  bisheriger  Rechtsprechung,  an  der  das  Bundesver-
waltungsgericht festhält, eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht 
nur  dann  vorliegt,  wenn  eine  bestimmte,  konkret  vorgesehene  Ver-
fahrenshandlung verhindert wird (vgl. EMARK 2001 Nr. 19 S. 139 ff.), 
worunter  gemäss  der  einschlägigen  Kasuistik  insbesondere  das 
Nichterscheinen zu einer angesetzten Anhörung zu verstehen ist (vgl. 
EMARK 2000 Nr. 8 E. 7a S. 69 f., EMARK 2003 Nr. 22 E. 4a S. 142 f.;  
zur Qualifizierung einer Mitwirkungspflicht als grob vgl. auch EMARK 

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2001 Nr. 19 E. 4a S. 142 und EMARK 2003 Nr. 21 E. 3d S. 136,  in 
jüngster  Rechtsprechung  statt  vieler:  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts E-2773/2009 vom 8. Mai 2009),

dass der gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG ergangene Nichtein-
tretensentscheid  im  Ergebnis  nicht  mit  der  Verhinderung  einer 
konkreten Verfahrenshandlung begründet wurde, sondern damit, dass 
der  Beschwerdeführer  sich  mehrmals  unerlaubterweise  vom 
Empfangszentrum entfernt habe,

dass aus den Akten sowie der angefochtenen Verfügung hervorgeht, 
dass  die  Vorinstanz  keinen  konkreten  Anhörungstermin  festgesetzt 
hat,

dass  die  mehrfachen Abwesenheiten des Beschwerdeführers  jedoch 
die Ansetzung eines Anhörungstermin nicht verunmöglichten, sondern 
die  Vorinstanz  von  sich  aus,  im  Bemühen,  unnötige  Kosten  zu  ver-
meiden, auf eine Ansetzung verzichtete,

dass bei dieser Sachlage nicht gesagt werden kann, der Beschwerde-
führer habe eine konkrete Verfahrenshandlung verhindert, selbst wenn 
(berechtigte) Zweifel an der Durchführbarkeit der Anhörung bestanden,

dass vielmehr der Verzicht auf eine konkrete Verfahrenshandlung, vor-
liegend  die  Ansetzung  eines  Anhörungstermins,  aus  Praktikabilitäts-
gründen die Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG nicht recht-
fertigt,

dass  dem  in  der  angefochtenen  Verfügung  genannten  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  12. März  2009  (D-1473/2009) 
schliesslich gerade insofern ein anderer Sachverhalt zugrunde lag, als 
im  damaligen  Fall  bereits  ein  Anhörungstermin  anberaumt  war, 
welcher  zufolge  Abwesenheit  des  Asylbewerbers  abgesagt  werden 
musste,

dass  insgesamt  festzustellen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  weder 
eine  konkret  vorgesehene  Verfahrenshandlung  vereitelt  hat,  noch 
Hinweise für eine anderweitige grobe und schuldhafte Verletzung der 
Mitwirkungspflicht ersichtlich sind,

dass das BFM zu Unrecht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG auf 
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

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dass bei  dieser  Sachlage auf  die vom Beschwerdeführer  in  der  Be-
schwerdeschrift aufgeführten Gründe für seine Abwesenheiten und die 
behauptete Nationalität nicht weiter einzugehen ist,

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 
des BFM vom 24. August 2010 aufzuheben und die Sache zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass  angesichts  des  Ausgangs  des  Verfahrens  keine  Kosten  zu  er-
heben sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG), womit das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos wird,

dass  dem  Beschwerdeführer  angesichts  des  Obsiegens  im  Be-
schwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art. 64  Abs. 1  VwVG  eine 
Parteientschädigung  für  ihm  erwachsene  notwendige  Vertretungs-
kosten  zuzusprechen  wäre  (vgl.  Art. 7  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]),  er  im  Be-
schwerdeverfahren jedoch nicht  vertreten ist  und nicht  davon auszu-
gehen ist,  ihm seien durch die  Beschwerdeführung allfällige  weitere 
notwendige  Auslagen  (Art. 8  VGKE)  entstanden,  weshalb  keine 
Parteientschädigung auszurichten ist.

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 24. August  2010 wird  aufgehoben und 
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer  durch Vermittlung des Empfangs-  und Ver-
fahrenszentrums E._______ (Einschreiben)

- das  BFM,  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  E._______  (per 
Telefax zu den Akten Ref.-Nr. N [...], mit der Bitte um Eröffnung des 
Urteils  an  den  Beschwerdeführer  und  um  Zustellung  der  bei-
liegenden Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungsgericht)

- das (...) Kanton F._______ (per Telefax)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

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