# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e660a5a5-dbd0-5421-9ef0-6a2bc5284abc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-01-07
**Language:** de
**Title:** Keine verlässlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit angestammt und angepasst, Hausarzt- sowie RAD-Bericht genügen nicht. Rückweisung
**Docket/Reference:** IV.2019.00308
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00308.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00308
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Keller
Urteil
vom
7.
Januar 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
Direktion Bern,
lic
.
iur
.
Y.___
Monbijoustrasse
68, Postfach, 3001 Bern
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1958 geborene
X.___
ist Mutter von drei erwachsenen Kindern (Urk. 7/1 Ziff. 3) und war zuletzt seit 1996 als Mitarbeiterin Druckweiterverar
beitung bei der Druckerei
Z.___
tätig
(Urk. 7/10). Am 13.
Dezember 2017 meldete sie sich unter Hinweis auf unkontrollierte Schwindelanfälle bei der Inva
lidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte in der Folge medizinische und erwerbliche Abklärungen und
zog die Akten de
r zuständigen Taggeldver
siche
rung bei (Urk. 7/16). Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 7.
März 2018 mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen nötig seien, da sie mitgeteilt habe, keine s
olchen zu benötigen (
Urk.
7/14),
und wies nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(
Urk.
7/
19
-2
1
, Urk. 7/25, Urk. 7/30
) das Leistungsbegehren mit Verfü
gung vom 15.
März 2019 (Urk. 7/32 = Urk.
2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 30.
April 2019 Beschwerde gegen die Ve
rfügung vom 15. März 2019 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien die ge
setzlichen Leistungen auszu
richten.
Eventuell seien weitere medizinische Ab
klä
rungen zu veranlassen (Urk. 1 S. 2).
Am 13. Juni 2019 (Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die A
bweisung der Beschwerde. Am 17.
Juli 2019 erstattete die Be
sc
hwerdeführerin die Replik (Urk.
10) und reic
hte einen Arztbericht ein (Urk. 11). Mit Schreiben vom 21.
August 2019 (Urk.
13) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Duplik, wa
s der Beschwerdeführerin am 22.
August 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fü
gung vom 1
5.
März 2019 (
Urk.
2) damit, dass
die diagnostizierten gesundheit
lichen Beschwerden auf keine rententangierende Arbeitsunfähigkeit hinwiesen (S. 1). Mit einem unspezifischen Schwindel liege keine invalidisierende Ein
schrän
kung vor (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Juni 2019 (Urk. 6) führte die Beschwerde
geg
nerin
unter anderem
aus,
gestützt auf die aktuelle medizinische Aktenlage sei nicht von einem erheblichen Gesundheitsschaden auszugehen, der die Arbeits
fähig
keit auf längere Sicht einschränke (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
der medizinische Sachverhalt sei nicht ausreichend abgeklärt worden. Insbeson
dere sei nicht nachvollziehbar, weshalb die von
Dr.
med.
A.___
prognostisch attestierte andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen sein sollte (S. 4).
Mit Replik vom 1
7.
Juli 2019 (Urk. 10) führte die Beschwerdeführerin aus, auf
grund der ausgeprägten Schwindelbeschwerden liege keine verwertbare Arbeits
fähig
keit mehr vor (S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom
2
5.
August 2017 (
Urk.
7/16/23)
attestierte
Dr.
med.
A.___
,
Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
,
der Be
schwer
deführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom
22. August bis 2.
September 201
7.
3.
2
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für
Radiologie
, hielt
am
3
0.
August 2017
zu einer gleichentags
durchgeführte
n
Magnetresonanztomographie (MRI)
des
Neurokrani
ums
folgendes fest: F
ür das Alter betonte, überwiegend kleinfleckige, Differen
tialdiagnose (
dd
) vaskuläre
Leukenzephalopathie
.
Im rechten inneren Gehörgang verlaufende AICA-Schlinge mit Kontakt zum
Nervus
Vestibulocochlearis
, mög
licher
weise für eine
Vestibularisparoxysmie
verantwortlich. Keine Raumforde
rung
(Urk.
7/17/9)
.
3.
3
Prakt.
med.
C.___
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie,
D.___
, nannte mit Bericht vom
4.
September 2017 (Urk. 7/16/6-7
) als Diagnose
ungerichtete
Schwindelbeschwerden unklarer Ätio
logie
. Es habe sich ein unauffälliger ORL-Status gezeigt. Eine
Videonystagmo
graphie
bei frag
licher Innenohrpathologie zeige symmetrisch erregbare
Vestibu
larorgane
. Somit werde kein peripherer vestibulärer Schwindel
vermutet. Die im MRI beschriebene AICA Schlinge
könne
zu einer
Vestibularisparoxysmie
führen. In der Regel ver
spürten Patienten dann sekundenlangen Drehschwindel und teil
weise
einen
puls
syn
chronen Tinnitus. Dieser sei initial vorgekommen und habe sich nach Nacke
n
massagen gebessert. Aktuell beschreibe die Beschwerdeführerin jedoch ein Schwin
del
gefühl mit Müdigkeit und
S
chwarzwerden vor den Augen während 30 bis 60
Minuten. Somit sei dies nicht hinweisend auf eine
Vesti
bularisparoxysmie
. Eine regelmässige Kontrolle des Blutdruckes werde empfohlen
(S. 2)
.
3.
4
Dr.
A.___
(vorstehend E. 3.1)
führte mit
Bericht
vom 17. Oktober 2017 zu
han
den der
zuständigen T
aggeldversicherung der Beschwerdeführerin (Urk.
7/16/10-11)
aus, die Beschwerdeführerin leide an
ungerichteten
Schwindelbeschwerden. Diese schwankten sehr stark. Im MRI habe eine Pathologie im Bereich des
Nervus
Vestibulocochlearis
nachgewiesen werden können. Die Schwindelbesch
w
erden verursachten bei der Beschwerdeführerin Ängste. Insbesondere könne sie nicht voraussehen, wann diese auftreten würden (Ziff. 1). Die Beschwerdeführerin sei nicht mehr voll einsetzbar. Die Arbeitsfähigkeit lasse sich
sch
wer beurteilen (Ziff. 5).
Es werde eine Physiotherapie durchgeführt zur Verbesserung des Gleich
gewichtsorgans (Ziff. 9).
Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom
1
3.
Dezember 2017 (Urk.
7/16/17)
attestierte Dr.
A.___
der Beschwerdeführerin eine
50%ige
Arbeitsunfähigkeit vom
3.
September 2017 bis 3
1.
Januar 201
8.
3.
5
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
antwor
tete
auf ihm
am 19. Dezember 2017 (Urk. 7/16/8-9)
gestellte
Fragen der Kranken
taggeldversicherung.
Er
führte
aus, die bisherige und aktuell attestierte Arbeits
un
fähigkeit
sei
nachvollziehbar (Ziff. 1).
3.
6
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Arbeitsmedizin,
antwortete am 15.
Februar 2018 (Urk. 7/16/4-5) auf Fragen der Krankentaggeldversicherung. Er gab an
, die b
isherige und aktuell attestierte Arbeitsunfähigkeit sei nachvollziehbar
(Ziff. 1)
. In der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0 bis 50
%
(Ziff. 3)
.
3.
7
Dr.
A.___
(vorstehend E. 3.1) nannte mit Bericht vom 2.
März 2018
zuhanden der zuständigen Taggeldversicherung der Beschwerdeführerin
(Urk. 7/16/3)
a
ls Diagnose
ungerichtete
Schwindelbeschwerden mit Kontakt zum
Nervus
Vestibu
lo
cochlearis
, Differentialdiagnose (DD)
Vestibularisparoxysmie
(Zi
ff. 5). Er
führte aus, leider sei es zu keinerlei Verbesserung der Schwindelproblematik gekommen. Die Schwindelbeschwerden seien nicht voraussehbar und für die Beschwerde
führerin bei der Arbeit äusserst störend. Deshalb sei sie ab 1.
Februar 2018 für die Arbeit in der Druckerei zu 100 % krankgeschrieben worden. Eine Besserung der Situation lasse sich nicht erwarten. Ausführlichste Abklärungen hätten bereits stattgefunden (Ziff. 1). Die Schwindelbeschwerden seien nicht durch bestimmte Verhaltensweisen auslösbar. Die Situation sei medizinisch sehr schwierig zu lösen (Ziff. 3).
Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom
1
2.
Juni 2018 (
Urk.
7/16/13)
attestierte Dr.
A.___
der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Februar bis 3
1.
Juli 201
8.
Dr.
A.___
nannte mit Bericht vom 10. August 2018
zuhanden der Beschwerde
gegnerin
(Urk.
7/17/1-7)
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit
(Ziff. 2.5)
:
-
Status nach
Hämorrhoidektomie
2007
-
Hämoglobinopathie
, wahrscheinlich
HbE
-Anomalie
-
mittelschwere hypochrom-
mikrozytäre
Anämie
-
Tochter mit nachgewiesener
HbE
-Homozygotie
-
Antrumgastritis
,
Helicobacter-pylori-Eradikation
2014
-
arterielle Hypertonie
-
Status nach Pter
y
gium
-O
peration linkes Auge 2016
-
Bruxismu
s,
Erstdiagnose 2017
-
u
ngerichtete
Schwindelbeschwerden
-
MRI Schädel 2017: Im rechten inneren Gehörgang verlaufende AICA-Schlinge mit Kontakt zum
N
ervus
Vestibulocochlearis
, Differential
diag
nose
(DD)
Vestibularisparoxysmie
Die Beschwerdeführerin
habe seit Herbst 2017 zunehmende Schwindelprobleme. Die ausführlichen Abklärungen hätten eine komplexe Situation im Bereich des rechten inneren Gehörgangs gezeigt (Ziff. 2.1). Die therapeutischen Möglich
keiten der Schwindelbeschwerden seien ausgeschöpft. Es werde noch eine Phy
siotherapie zur Verbesserung der Schwindelsituation gemacht. Medikamentöse Möglichkeiten zur Schwindelbehandlung gäbe es keine (Ziff. 2.7).
Die Beschwer
deführerin arbeite in einer Druckerei und müsse schwere körperliche Arbeit ver
richten (
Ziff.
3.2). Sie sei nicht mehr arbeitsfähig (
Ziff.
3.3). Sie sei 60 Jahre alt (
Ziff.
4.1).
Eine angepasste Tätigkeit sei nicht zumutbar (Ziff. 4.2).
Es bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr (
Ziff.
4.3).
3.
8
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte mit Stellungnahme
vom 17
.
Oktober 2018 (Urk.
7/18/3-4)
aus, die vom ORL-Facharzt aufgeführten Befunde seien nicht als
Vestibularisparoxysmie
zu interpretieren. Diese seien als unspezifische Schwin
del
beschwerden zu sehen, welche keine relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit auslösten.
Somit sei
kein
IV
-relevanter Gesundheitsschaden gegeben
(S. 2)
.
3.
9
Dr.
A.___
(vorstehend E. 3.1)
führte mit Bericht vom
25.
März 2019 (Urk.3)
aus,
die
ungerichteten
Schwindelbeschwerden hätten zu einer vollständigen Arbeits
un
fähigkeit geführt. Ein Arbeitsversuch sei gestartet worden, habe aber wieder abgebrochen werden müssen. Es seien die bekannten Schwindel
be
schwer
den aufgetreten. Diese hätten zu gefährlichen Präsynkopen geführt. Die Be
schwer
deführerin sei krank. Es spiele keine Rolle, was die Ursache der Schwindel
beschwerden sei. Der ORL-Facharzt habe in seiner Beurteilung lediglich eine Differentialdiagnose ausgeschlossen. Er habe sich aber nicht festgelegt
,
woher die Beschwerden kämen. Er habe gar nicht zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen. Ein Rekurs gegen den Entscheid der Beschwerdegegnerin werde unterstützt (S. 1).
Dr.
A.___
führte mit Bericht vom
13. Juli 2019 (Urk.
11)
aus,
die Schwindel
beschwerden schränkten die Beschwerdeführerin im Alltag ein. Die Abklärungen bei
Dr.
C.___
seien zielführend gewesen, indem die Ätiologie geklärt und festgehalten worden sei, dass keine therapeutischen Möglichkeiten bestünden. Eine Operation sei evaluiert worden, aber als zu gefährlich wieder verworfen worden, da es nicht sicher sei, ob sie überhaupt etwas helfe (S. 1). Wenn eine thera
peutische Möglichkeit bestanden hätte, wären weitere Abklärungen durch
geführt worden. Bei fehlenden Konsequenzen sei davon Abstand genommen worden (S. 2).
Die Beschwerdeführerin habe im Zusammenhang mit der Schwindelproblematik eine Anpassungsstörung entwickelt
(S. 2)
.
4.
4.
1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung die Ansicht, die diagnostizierten gesundheitlichen Beschwerden
würden
auf keine rententangie
rende Arbeitsunfähigkeit
hinweisen
. Mit einem unspezifischen Schwindel liege keine inv
alidisierende Einschränkung vor
(vgl. vorstehend E. 2.1). Dabei stützte sie sich insbesondere auf die RAD-Beurteilung (vorstehend E. 3.
8
).
Der RAD-Arzt
Dr.
G.___
führte
aus, die vom ORL-Facharzt aufgeführten Befunde seien nicht als
Vestibularisparoxysmie
zu interpretieren. Diese seien als
unspezifische Schwindelbeschwerden zu sehen, welche keine relevante Ein
schrän
kung
der Arbeitsfähigkeit auslösten. Somit sei kein
IV
-relevanter Gesund
heits
schaden gegeben
(vorstehend E. 3.
8
).
4.2
Aus fachärztlicher Sicht
nannte
Dr.
C.___
als Diagnose
ungerichtete
Schwindelbeschwerden unklarer Ätiologie.
Er
nahm in seinem
Bericht keine Stellung zu den Auswirkungen dieser Diagnose
auf die Arbeitsfähigkeit
(vgl. vor
stehend E. 3.3)
. Dennoch ist aufgrund diese
s
Bericht
s
nicht auszuschliessen, dass die Diagnose Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ha
t
.
4.
3
Hausarzt
Dr.
A.___
nahm zwar eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin
vor, indem er sie
sowohl in der bisherigen als auch in einer
angepassten Tätigkeit
als zu 100 %
arbeits
un
fäh
ig schätzte (vgl. vorstehend E.
3.
7,
E. 3.9
).
Indessen kann nicht unbesehen und allein auf die Angaben de
s
behan
deln
den
Arztes
abgestellt werden.
Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte stehen in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren. Ihre Berichte verfol
gen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Ver
sicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszu
stan
des und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungs
tatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärz
te (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E.
4.1).
4.
4
RAD-Arzt
Dr.
G.___
nahm keine eigene Untersuchung, sondern lediglich eine Aktenbeurteilung vor, was den Beweisanforderungen (vg
l. vorstehend E.
1.
3
)
kaum
zu genügen vermag. Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Exper
tise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizini
sc
hen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Be
weis
wert zu (Urteil des Bundesge
richts 8C_971/2012 vom 11.
Juni 2013 E. 3.4).
Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb er zum Schluss kommt, die Schwindel
beschwerden lösten keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus (vgl. vorstehend E. 3.8).
Zwar wies er zu Recht darauf hin, dass die vom ORL-Facharzt aufgeführten Befunde nicht als
Vestibularisparoxysmie
zu interpretieren seien. Eine solche schloss letzterer
aufgrund der Beschreibungen der Beschwerde
füh
rerin eher aus (vgl. vorstehend E. 3.3). Dies ändert aber nichts daran, dass die von der Beschwerdeführerin geäusserten Schwindelbeschwerden Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben
könnten
, zumal
im MRI eine im rechten inneren Gehör
gang verlaufende AICA-Schlinge mit Kontakt zum
Nervus
Vestibulocochlearis
beschrieben wurde
(vgl. vorstehend E. 3.2)
.
4.
5
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach
Art.
49
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist mit jenem externer medizinischer Sachverständi
gen
gutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom
3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7). Solche Zweifel bestehen vorlie
gend, weshalb der RAD-Bericht keinen genügenden Aufschluss über die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin zu geben vermag. Nachdem auch
nicht einzig auf die Beurteilung des behandelnden Hausarztes abgestellt werden kann und keine fachärztliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorhanden ist,
fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Vorliegend wurde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt
ungenügend
abgeklärt. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
wei
sen, damit diese
,
nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen
,
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
die
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und beim praxisgemässen Stunden
ansatz von
Fr.
185
.-- (zuz
üglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 1’
0
00.-- (inklusive Bar
au
s
lagen und
MwSt
) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
1
5.
März 2019 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Ka
ntons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
500
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1’
0
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannKeller