# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e71acfb9-dd21-56cb-9652-d9cb075fd077
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-31
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 31.07.2023 BK 2022 517
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2022-517_2023-07-31.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss 
BK 22 517

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 31. Juli 2023

Besetzung Oberrichter Bähler (Präsident), Oberrichter Gerber, 
Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiberin Neuenschwander 

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

B.________
v.d. C.________

Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin

Gegenstand Nichtanhandnahme

Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland vom 24. November 2022 (BM 22 31797)

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Erwägungen:

1. Mit Verfügung vom 24. November 2022 nahm die Regionale Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) das Strafverfahren gegen 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen Betrugs zum Nachteil der 
B.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) und Urkundenfälschung nicht an 
die Hand. Dagegen erhoben diese am 20. Dezember 2022 Beschwerde und ver-
langten, die Nichtanhandnahmeverfügung sei aufzuheben und die Akten seien zur 
Untersuchung und zur Entscheidung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. 
Gestützt darauf wurde mit Verfügung vom 27. Dezember 2022 ein Beschwerdever-
fahren eröffnet. Da diese Verfügung dem Beschuldigten nicht zugestellt werden 
konnte und auch eine erneute Zustellung an seine neue Adresse erfolglos geblie-
ben war, wurde die Verfügung am 22. Februar 2023 im Amtsblatt des Kantons Bern 
publiziert. In ihrer Stellungnahme vom 13. Januar 2023 beantragte die General-
staatsanwaltschaft die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Der Beschuldigte 
liess sich nicht vernehmen. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf abschliessende 
Bemerkungen. 

2. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei 
der Beschwerdekammer innert zehn Tagen schriftlich und begründet Beschwerde 
geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]; Art. 35 des Gesetzes über die Organisation 
der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. 
Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 
162.11]). Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung unmittel-
bar in ihren rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 Bst. b StPO). Auf die frist- 
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

3.

3.1 Die Beschwerdeführerin wirft dem Beschuldigten Betrug und Urkundenfälschung 
vor. Hinsichtlich des massgeblichen Sachverhalts führte die Beschwerdeführerin in 
ihrer Anzeige vom 16. August 2022 aus, dass der Beschuldigte am 1. April 2018 
als Produktionsmitarbeiter angestellt gewesen sei und in den Industriewerken in 
I.________ gearbeitet habe. Für den Zeitraum vom 10. Mai 2021 bis 9. Juli 2021 
habe er ein ärztliches Zeugnis vorgelegt, welches ihn aufgrund eines nicht berufs-
bedingten Unfalls für arbeitsunfähig erklärt habe. Im Juni 2021 habe er bei der Fir-
ma D.________ in J.________ (Ort) (Frankreich) gearbeitet. Er sei von der Tem-
porärfirma E.________ mit Sitz in K.________ (Ort) eingestellt worden. Zu einem 
späteren Zeitpunkt habe er seine Arbeit bei der Beschwerdeführerin, die keine 
Kenntnis über die Beschäftigung in J.________(Ort) gehabt habe, wiederaufge-
nommen. Am 27. Januar 2022 sei der Beschuldigte erneut krankgeschrieben wor-
den und habe der Beschwerdeführerin verschiedene ärztliche Bescheinigungen 
vorgelegt, die seine Arbeitsunfähigkeit belegt hätten. Am 19. Mai 2022 habe er ei-
nen Wiedereingliederungsplan unterzeichnet. Zwischen März 2022 und Mai 2022 
habe er als Temporärarbeiter bei F.________ in L.________ (Ort) (Frankreich) ge-
arbeitet. Er sei über die Arbeitsvermittlungsagentur G.________ eingestellt worden, 

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bei welcher er registriert gewesen sei. Während dieser Einsätze sei der Beschul-
digte vertraglich an die Beschwerdeführerin gebunden gewesen und habe von die-
ser ebenfalls Lohn bezogen. Die Beschwerdeführerin habe eher zufällig von dieser 
Doppelbeschäftigung erfahren und habe den Beschuldigten umgehend befragt. 
Dieser habe das beschriebene Verhalten zugegeben und sei daraufhin fristlos ent-
lassen worden. 

Zudem habe der Beschuldigte bei der Arbeitsvermittlungsagentur G.________ ein 
Arbeitszeugnis der Beschwerdeführerin über eine Arbeitsperiode vom 4. Juni 2017 
bis 30. September 2020 vorgelegt. Diese Daten seien nicht korrekt. 

3.2 Die Staatsanwaltschaft gelangte in der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfü-
gung zum Ergebnis, dass es sich um eine zivilrechtliche bzw. arbeitsrechtliche 
Streitigkeit handle. Indem der Beschuldigte während seiner Krankschreibung bei 
der Beschwerdeführerin zwei andere temporäre Arbeitsstellen angenommen habe, 
sei die Beschwerdeführerin lediglich finanziell geschädigt worden, andere Nachteile 
seien nicht entstanden. Der Beschuldigte habe der Beschwerdeführerin ordnungs-
gemässe Arztzeugnisse eingereicht und es bestünden keine Hinweise auf eine 
Täuschung. Hinsichtlich des Vorwurfs der Urkundenfälschung hält die Staatsan-
waltschaft fest, dass sich sowohl der Wohnsitz des Beschuldigten als auch der Sitz 
der Firma (G.________), bei der die Dokumente eingereicht worden seien, in 
L.________(Ort) (Frankreich) befinden würden. Es liege somit kein Anknüpfungs-
punkt für eine mögliche Strafverfolgung in der Schweiz vor, da die Zuständigkeit 
am Ort des Verfassens der Dokumente (Wohnsitz) bzw. am Ort, wo die Dokumente 
eingereicht worden seien (G.________), liege. Beide möglichen Deliktsorte würden 
in Frankreich liegen, weshalb eine entsprechende Anzeige gegen den Beschuldig-
ten bei den zuständigen französischen Behörden einzureichen sei, zumal sich die-
ser für allfällige weitere Abklärungen wie Befragungen oder sonstige mögliche Er-
mittlungshandlungen ebenfalls in Frankreich befinde. 

3.3 Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerde vom 20. Dezember 2022 
zunächst, dass die Staatsanwaltschaft fälschlicherweise davon ausgehe, dass kei-
ne Hinweise vorlägen, wonach der Beschuldigte seine Krankheit vorgetäuscht ha-
be. Er habe ein Arztzeugnis, das seine Arbeitsunfähigkeit bestätige, vorgelegt und 
bald darauf in Frankreich dieselbe Arbeit mit einem Beschäftigungsgrad von 100% 
aufgenommen, die er bei der Beschwerdeführerin innegehabt habe. Dies habe er 
einmal im Juni 2021 und einmal von März bis Mai 2022 gemacht. Daraus könne 
geschlossen werden, dass es konkrete Hinweise dafür gebe, wonach der Beschul-
digte im Stande gewesen sei, seine Arbeit bei der Beschwerdeführerin zu verrich-
ten. Er habe diese durch Vorspiegelung seiner Arbeitsunfähigkeit getäuscht. Die 
Beschwerdeführerin habe keine Möglichkeit gehabt, diese Täuschung zu bemer-
ken. Selbst wenn dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden könne, dass er 
seine Krankheit vorgetäuscht habe, sei die Täuschung insoweit vollzogen, als er 
bei der Einreichung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gegenüber der Be-
schwerdeführerin angegeben habe, dass er nicht arbeiten werde, und in Kenntnis 
seiner Verpflichtungen beschlossen habe, eine Arbeitstätigkeit in Frankreich aufzu-
nehmen. Darüber hinaus – so scheine es – wolle die Staatsanwaltschaft darauf 
hinweisen, dass ein rein finanzieller Schaden zur Erfüllung des Tatbestandes nicht 

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ausreiche. Dies sei nicht nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der 
Täuschung durch den Beschuldigten finanziell geschädigt worden. Der Schlussfol-
gerung, dass es sich um eine rein privatrechtliche Angelegenheit handle, könne 
nicht gefolgt werden; würde dies im Ergebnis doch dazu führen, dass bei Vorliegen 
eines Arbeitsverhältnisses nie auf einen Betrug erkannt werden könnte. 

In Bezug auf das gefälschte Dokument müsse der Vorwurf der Urkundenfälschung 
im Rahmen des vorliegenden Strafverfahrens untersucht werden, da diese ein Teil 
des Lügengebäudes sei, das der Beschuldigte errichtet habe, um zwei Gehälter 
gleichzeitig zu erhalten. Sollte sich herausstellen, dass die Straftat auf französi-
schem Boden begangen worden sei, werde die Staatsanwaltschaft zu prüfen ha-
ben, ob der Fall den zuständigen französischen Behörden anzuzeigen bzw. auf der 
Grundlage von Art. 85 des Bundesgesetzes über die internationale Rechtshilfe in 
Strafsachen (IRSG; SR 351.1) eine Verständigung mit Frankreich zu erzielen sei, 
wenn die Konnexität der Sachverhalte dies gebiete. 

4. Gemäss Art. 310 Abs. 1 Bst. a StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtan-
handnahme, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, 
dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig 
nicht erfüllt sind. Es muss mit anderen Worten sicher sein, dass der Sachverhalt 
unter keinen Straftatbestand fällt, was etwa der Fall ist bei rein zivilrechtlichen 
Streitigkeiten (OMLIN, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 
2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 310 StPO). Eine Nichtanhandnahme darf nur in sachver-
haltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen. Im Zweifelsfall ist eine Untersu-
chung zu eröffnen (BGE 137 IV 285 E. 2.3 mit Hinweisen). Ergibt sich nach durch-
geführter Untersuchung, dass kein Straftatbestand erfüllt ist, stellt die Staatsan-
waltschaft das Strafverfahren gestützt auf Art. 319 StPO ein.

5.

5.1 Des Betrugs gemäss Art. 146 StGB macht sich strafbar, wer in der Absicht, sich 
oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung 
oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglis-
tig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich 
selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. 

Angriffsmittel des Betruges ist die Täuschung des Opfers. Die Täuschung ist eine 
unrichtige Erklärung über Tatsachen, die darauf gerichtet ist, bei einem andern eine 
von der Wirklichkeit abweichende Vorstellung hervorzurufen. Als Tatsachen, über 
welche getäuscht werden kann, gelten auch innere Tatsachen, wie etwa Leis-
tungswille und Erfüllungsbereitschaft (BGE 147 IV 73 E. 3.1). Die Tatsache kann 
explizit oder implizit erklärt werden, also durch sämtliche Verhaltensweisen, denen 
im sozialen Verkehr ein bestimmter Erklärungswert zukommt (MAEDER/NIGGLI, in: 
Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 43 zu Art. 146 StGB). Verschwei-
gen ist i.d.R. Vorspiegelung, d.h. Täuschung durch (konkludentes) Tun, wenn und 
weil eine Frage falsch oder unvollständig beantwortet wird. Bei Teilwahrheiten und 
Verschweigen ist besonders sorgfältig zu prüfen, ob es sich um erlaubte «soziala-
däquate» Formen der Täuschung handelt (MAEDER/NIGGLI, a.a.O., N. 51 f. zu Art. 
146 StGB). Eine Täuschung durch Unterlassen setzt eine qualifizierte Rechtspflicht 

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des Täters zum Handeln im Sinne einer Garantenpflicht voraus (BGE 140 IV 206 E. 
2.3.2). Gesetzliche und vertragliche Pflichten des Bezügers von Versicherungsleis-
tungen, rentenrelevante Veränderungen in den persönlichen Verhältnissen zu mel-
den, begründen keine Garantenpflicht (BGE 140 IV 206 2.4). 

5.2 Der Nichtanhandnahmeverfügung lässt sich als Begründung zum Vorwurf des Be-
trugs einzig entnehmen, dass die Beschwerdeführerin lediglich finanziell geschä-
digt worden sei und keine Hinweise auf eine Täuschung über die Krankheit bestün-
den. Nicht nur, dass die Begründung äusserst knapp ausgefallen ist; die Be-
schwerdekammer kann sich ihr darüber hinaus auch inhaltlich nicht anschliessen. 
Die Beschwerde ist begründet. Wie der Beschwerdeführer zutreffend ausführt, sind 
die Voraussetzungen von Art. 310 Abs. 1 Bst. a StPO nicht erfüllt. Weder liegt eine 
klare Straflosigkeit vor noch handelt es sich um eine klar rein zivilrechtliche Strei-
tigkeit. Es kann zunächst auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin verwiesen 
werden. Es gilt Folgendes zu ergänzen bzw. hervorzuheben: 

Aktenkundig hatte der Beschuldigte der Beschwerdeführerin Arztzeugnisse über-
geben, die seine vollständige Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 10. Mai 2021 
bis 9. Juli 2021 und vom 27. Januar 2022 bis Mai 2022 attestierten. Trotz ärztlich 
attestierter vollständiger Arbeitsunfähigkeit soll der Beschuldigte zwischen März 
und Mai 2022 bei F.________ in L.________(Ort) (FR) mit einem Arbeitspensum 
von 100% als Schweisser gearbeitet haben. Wenn der Beschuldigte anlässlich sei-
ner Befragung durch die Beschwerdeführerin geltend macht, er habe «travaillé un peu 
à l’atelier, mais c’était principalement de la formation» (Frage 14), wird noch genauer abzu-
klären sein, welche Arbeiten der Beschuldigte verrichtet hatte. Jedenfalls erklärte 
er, dass er Schweisser/Schlosser sei und in diesem Bereich tätig bleiben wolle 
(Frage 37). Auch im Juni 2021, für den er wiederum vollständig arbeitsunfähig ge-
schrieben war, hat er offenbar für D.________ in J.________(Ort) (Frankreich) ge-
arbeitet. Welcher Arbeit er dort nachgegangen ist und mit welchem Beschäfti-
gungsgrad er gearbeitet hat, lässt sich den Akten nicht entnehmen und wird eben-
falls abzuklären sein. Jedenfalls hat sein Arbeitspensum mehr betragen als er 
gemäss Arztzeugnis zu leisten fähig gewesen wäre. Damit hat der Beschuldigte 
während seiner Krankschreibung gearbeitet, was für eine deutlich über dem ärztlich 
attestierten Arbeitsunfähigkeitsgrad liegende Arbeitstätigkeit spricht. Dass zwei 
Arztzeugnisse die Arbeitsunfähigkeit des Beschuldigten attestieren, ändert daran 
nichts. Immerhin sind die Ärzte für die Erstellung der Arztzeugnisse wesentlich auf 
Selbstangaben des Beschuldigten angewiesen. Aufgrund der durch den Beschul-
digten verrichteten Arbeit sind die Arztzeugnisse und die Umstände, wie es zur der 
vollständig attestierten Arbeitsunfähigkeit gekommen ist, näher abzuklären. Immer-
hin kann der Befragung durch die Beschwerdeführerin entnommen werden, dass 
der Beschuldigte während seiner Krankschreibung bewusst das Gespräch mit der 
Beschwerdeführerin vermieden hat, da sie ein Teil des Problems gewesen sei 
(Frage 37). Da er sich aber habe beschäftigen müssen, habe er die Arbeitsvermitt-
lungsagentur G.________ kontaktiert, die ihm die Arbeitsstelle bei F.________ 
vermittelt habe (Frage 7). Er habe den Entscheid, wieder zu arbeiten, getroffen, um 
sein Selbstbewusstsein zu stärken und aus den dunklen Gedanken herausfinden 
(Frage 10). Sodann erklärte der Beschuldigte, dass er bereits vor seiner Anstellung 
bei der Beschwerdeführerin bei der Arbeitsvermittlungsagentur G.________ regis-

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triert gewesen sei und sich nie abgemeldet habe. Für seine Beschäftigung bei 
F.________ sei er es gewesen, der G.________ angefragt habe, ob sie eine Ar-
beitsstelle für ihn hätten (Frage 12). Dagegen sei er während seiner ersten Krank-
schreibung von der Temporärfirma E.________ in K.________(Ort) für einen Ein-
satz bei D.________ angefragt worden (Frage 19). Wann und mit welcher Absicht 
der Beschuldigte beschlossen hatte, trotz seiner vollständig attestierten Arbeitsun-
fähigkeit einer anderen Arbeit in der gleichen Funktion wie bei der Beschwerdefüh-
rerin nachzugehen, ist unklar. Fest steht, dass er die Beschwerdeführerin jeweils 
nicht über seine Tätigkeiten informiert hat. Jedenfalls kann den Ausführungen der 
Staatsanwaltschaft, wonach keine Hinweise auf eine Täuschung vorliegen, unter 
diesen Umständen derzeit nicht gefolgt werden. Vielmehr ist besonders sorgfältig 
zu prüfen und zu begründen, ob es sich um eine erlaubte Form der Täuschung 
handelt oder nicht. Eine Nichtanhandnahme verlangt Eindeutigkeit. Davon, dass 
das Verhalten des Beschuldigten eindeutig nicht rechtswidrig und damit eindeutig 
nicht strafrechtlich relevant sein soll, kann zumindest derzeit nicht gesprochen wer-
den. Auch der subjektive Tatbestand kann derzeit nicht mit der verlangten Erforder-
lichkeit verneint werden. Der Beschuldigte hat bewusst auf ein Gespräch mit der 
Beschwerdeführerin verzichtet und im Wissen um seine vollständig attestierte Ar-
beitsunfähigkeit eine andere Arbeitsstelle angenommen. Über diese Umstände hat 
er die Beschwerdeführerin zu keiner Zeit informiert, weshalb (Eventual-)Vorsatz 
zumindest nicht von vornherein verneint werden kann. 

6.

6.1 Der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 StGB macht sich schuldig, wer in der Ab-
sicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich 
oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde 
fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines 
andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebli-
che Tatsache unrichtig beurkunden oder beurkunden lässt, eine Urkunde dieser Art 
der Täuschung gebraucht. 

6.2 Es ist festzuhalten, dass die mutmassliche Straftat wahrscheinlich in Frankreich 
stattfand. Jedenfalls bestehen keine genügenden Hinweise darauf, wonach der 
Ausführungsort in der Schweiz liegt. Mithin ist ein Anknüpfungspunkt gemäss Art. 8 
StGB (Begehungsort) nicht gegeben. Die Zuständigkeit der Schweizer Strafverfol-
gungsbehörden gestützt auf Art. 4 StGB (Verbrechen oder Vergehen im Ausland 
gegen den Staat) und Art. 5 StGB (Straftaten gegen Minderjährige im Ausland) fällt 
von vornherein ausser Betracht. Dagegen wäre die Zuständigkeit der Schweizeri-
schen Strafverfolgungsbehörden insbesondere gestützt auf Art. 7 StGB einlässlich 
zu prüfen gewesen. Der Beschuldigte ist Schweizer Staatsbürger womit die Vor-
aussetzungen hinsichtlich von Art. 7 Abs. 1 StGB zu prüfen sind. Zunächst wird 
gemäss Bst. a die doppelte Strafbarkeit der Tat vorausgesetzt, welche gegeben ist. 
So ist auch in Frankreich der Tatbestand der Urkundenfälschung unter Strafe ge-
stellt (Art. 441-1 bis Art. 441-12 des französischen Strafgesetzbuches). Nach Bst. b 
ist die inländische Anwesenheit des Beschuldigten vorausgesetzt. Der Beschuldig-
te hat seinen Wohnsitz und seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort in Frankreich. Den 
Akten lassen sich darüber hinaus keine Hinweise entnehmen, wonach sich der Be-

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schuldigte in der Schweiz aufhalten würde. Gründe, die gegen eine Auslieferung an 
die Schweiz sprechen würden, sind derzeit keine ersichtlich (Bst. b zweiter Halb-
satz). Bst. c beschränkt in Halbsatz 1 die inländische Strafhoheit auf Ausliefe-
rungsdelikte. Auslieferungsdelikte zeichnen sich gemäss Art. 35 Abs. 1 Bst. a IRSG 
dadurch aus, dass Freiheitsstrafe, und zwar mit einem Maximum von mindestens 
einem Jahr, oder eine strengere Sanktion angedroht ist. Damit wird eine gewisse 
Schwere des Delikts vorausgesetzt (POPP/KESHELAVA, in: Basler Kommentar zum 
Schweizerischen Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N. 6 zu Art. 7 StGB). Auch diese 
Voraussetzung ist zweifelsfrei erfüllt, sieht Art. 251 StGB eine Freiheitsstrafe bis zu 
fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor (in besonders leichten Fällen: Freiheitsstrafe 
bis zu drei Jahren oder Geldstrafe). Bst. c beinhaltet schliesslich als negative Vor-
aussetzung inländischer Strafhoheit die unterbleibende Auslieferung. Den wesentli-
chen Gesichtspunkt bildet die fehlende Auslieferung aus rechtlichen Gründen, wel-
che ausserhalb der Tat liegen – wie z.B. die Schweizerische Staatsangehörigkeit 
des Täters (POPP/KESHELAVA, a.a.O., N. 8 zu Art. 7 StGB). Da der Beschuldigte 
Schweizer Staatsangehöriger (von M.________, Kanton Freiburg) ist, scheinen die 
Voraussetzungen von Art. 7 Abs. 1 StGB (kumulativ) zumindest derzeit erfüllt und 
eine Zuständigkeit der Schweizerischen Strafverfolgungsbehörden gegeben. 

7. Nach dem Gesagten bestehen Anzeichen dafür, dass sich der Beschuldigte des 
Betrugs schuldig gemacht haben könnte. Darüber hinaus wird die Staatsanwalt-
schaft ihre Zuständigkeit betreffend den Vorwurf der Urkundenfälschung zu prüfen 
haben. Die Voraussetzungen für eine Nichtanhandnahme sind nicht gegeben. Die 
Beschwerde ist deshalb gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben. Die Akten gehen zwecks Eröffnung einer Strafuntersuchung an die Staatsan-
waltschaft zurück. 

8.

8.1 Bei diesem Verfahrensausgang trägt der Kanton Bern die Verfahrenskosten 
(Art. 428 Abs. 4 StPO). Diese werden bestimmt auf CHF 1'000.00.

8.2 Der anwaltlich nicht vertretenen Beschwerdeführerin sind durch das Beschwerde-
verfahren bloss geringfügige Aufwendungen entstanden, weshalb auf die Ausrich-
tung einer Entschädigung verzichtet wird (Art. 430 Abs. 1 Bst. c i.V.m. Art. 436 Abs. 
1 StPO). Dem Beschuldigten, der sich nicht vernehmen liess, ist kein entschädi-
gungswürdiger Aufwand entstanden. 

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland vom 24. November 2022 wird aufgehoben. 

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1'000.00, trägt der Kanton 
Bern.

3. Entschädigungen werden keine ausgerichtet. 

4. Zu eröffnen:
- der Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin, v.d. C.________ (per Einschrei-

ben)
- dem Beschuldigten (per Einschreiben mit Rückschein)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwältin H.________

(mit den Akten – per Kurier)

Bern, 31. Juli 2023 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter Bähler
i.V. Oberrichter Gerber

Die Gerichtsschreiberin:

Neuenschwander 

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.