# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fc4a2c5c-bb44-5038-9e9f-b7b9fd5e1bd4
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-18
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 18.10.2022 S 2022 51
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2022-51_2022-10-18.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 22 51

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterIn von Salis und Audétat

Aktuarin Kuster

URTEIL

vom 18. Oktober 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Leo Sigg,

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

IV-Stelle,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geb. 1969, war zuletzt als Messtechniker bei der B._____ AG 

tätig. Seit der Erstmanifestation im Jahr 2005 leidet er an einer axialen 

Spondylarthritis. Aufgrund dessen befand er sich ab Ende Oktober 2018 

bis insgesamt zum 8. Dezember 2018 zunächst zur rheumatologischen 

Schmerzkomplextherapie im Universitätsspital C._____ und sodann zur 

stationären Rehabilitation im Rehazentrum in der Klinik D._____. Dabei 

wurde nebenbefundlich namentlich ein cervicovertebrales und 

lumbovertebrales Schmerzsyndrom sowie eine chronische 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren festgestellt. 

Daneben wies der behandelnde Rheumatologe Dr. med. E._____ in 

seinem Bericht vom 24. Januar 2019 ein chronisches 

Panvertebralsyndrom sowie einen Tramal-Überkonsum aus. Er attestierte 

A._____ – nachdem er vom 30. Oktober 2018 bis zum 27. Januar 2019 zu 

100 % arbeitsunfähig war – ab dem 28. Januar 2019 eine Arbeitsfähigkeit 

von 50 % in der Tätigkeit als Messtechniker.   

2. Im April 2019 meldete sich A._____ bei der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese 

tätigte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen. Im Juni 

2019 führte A._____ einen Entzug von Tramal und Wechsel auf eine 

Behandlung mit Palexia durch. Daraufhin wies Dr. med. E._____ eine 

Arbeitsfähigkeit von 30 % infolge einer Schmerzzunahme aus. Zudem 

stellte er gestützt auf ein MRI der Wirbelsäule vom 6. November 2019 

akute Enthesitiden im Bereich der mittleren BWS und am thorakolumbalen 

Übergang als Zeichen einer persistierenden Krankheitsaktivität fest. 

Anlässlich der am 8. Januar 2020 durchgeführten Abklärung beim 

Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) befand Dr. med. F._____, Facharzt 

für Chirurgie, dass die von A._____ aktuell bei der B._____ AG als 

Techniker mit Montage- und Reparaturarbeiten an Kabelschäden 

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durchgeführten, körperlich schweren Arbeiten auf Dauer nicht mehr 

geeignet seien. Nach aktueller groborientierender Einschätzung und 

gestützt auf die Aktenlage sei zukünftig von einer hochgradigen 

Arbeitsfähigkeit für lediglich leichtere körperliche Arbeiten im 

Wechselrhythmus von ca. 80 % bis 100 % auszugehen. Zusammen mit 

der Eingliederungsberaterin entschied er, dass A._____ aus dem 

aktuellen angestammten Arbeitsverhältnis herausgenommen und eine 

Integrationsmassnahme im Sinne eines Aufbaubelastungstrainings 

durchgeführt werde.

3. Aufgrund einer ausgeprägten Beeinträchtigung der Stimmungslage und 

des Antriebs wegen der Schmerzsymptomatik attestierte Oberärztin 

G._____ der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) A._____ ab 

dem 25. Februar 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit. 

Mit Verlaufsbericht vom 20. August 2020 wies sie eine chronische 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus und hielt 

dazu fest, durch die psychopharmakologische Behandlung mit 

Antidepressiva sei es bislang zu keiner Verbesserung des Zustands 

gekommen. In somatischer Hinsicht zeigte das am 16. Dezember 2020 

durchgeführte MRI im Wesentlichen unveränderte, tendenziell rückläufige 

entzündliche Veränderungen an der mittleren BWS und am 

thorakolumbalen Übergang. Im Bereich der HWS wurde eine leicht 

aktivierte Osteochondrose mit linksseitiger Unkovertebralarthrose HWK5-

7 und neuroforaminaler Einengung für C6 und C7 links festgestellt.

4. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2020 schloss die IV-Stelle die 

beruflichen Massnahmen ab, nachdem sich A._____ aufgrund seiner 

gesundheitlichen Situation nicht in der Lage gesehen hatte, an 

Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.

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5. In der Folge liess die IV-Stelle A._____ polydisziplinär in den 

Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und 

Psychotherapie sowie Rheumatologie begutachten und eine Evaluation 

der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchführen, wobei der Auftrag 

der estimed AG zugeteilt wurde. In der am 27. Juli 2021 erstatteten 

Expertise (nachfolgend: estimed-Gutachten) wiesen die Gutachter 

folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus: 

Spondyloarthritis mit axialem Befall, nicht ankylosierend, chronisches 

panvertebrales Schmerzsyndrom und psychologische Faktoren und 

Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten. Sie 

erachteten A._____ in seiner angestammten Tätigkeit als Messtechniker 

zu 50 % arbeitsfähig, während sie ihm in einer Verweistätigkeit eine 

70%ige Arbeitsfähigkeit attestierten.

6. Nach Einholung der Beurteilung von RAD-Arzt Dr. med. F._____ stellte 

die IV-Stelle A._____ mit Vorbescheid vom 3. September 2021 die 

Zusprache einer Viertelsrente in Aussicht. Dabei errechnete sie aus dem 

ohne gesundheitliche Beschwerden als Messtechniker erzielbaren 

Einkommen von CHF 88'908.85 und einem gestützt auf die Tabellenlöhne 

der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (LSE) im 

Kompetenzniveau 1 bei einer Leistungsfähigkeit von 70 % in adaptierter 

Tätigkeit ermittelten Invalideneinkommen von CHF 48'831.30 einen 

Invaliditätsgrad von 45 %. Dagegen liess A._____ am 15. September 2021 

bzw. 18. Oktober 2021 vorsorglich und am 16. November 2021 einen 

begründeten Einwand erheben, wobei namentlich auf die Diskrepanz im 

rheumatologischen Teilgutachten zwischen der darin für möglich 

befundenen Präsenzzeit von vier Stunden und der daraus gefolgerten 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % hingewiesen wurde.

7. Mit Verfügung vom 5. Mai 2022 entschied die IV-Stelle wie vorbeschieden 

und sprach A._____ ab dem 1. Oktober 2019 eine Viertelsrente zu. Zum 

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Einwand hielt sie fest, die Gutachter hätten auf Rückfrage hin mitgeteilt, 

dass im rheumatologischen Teilgutachten ein Schreibfehler unterlaufen 

sei. Die korrekte Beurteilung laute, dass aus rheumatologischer Sicht eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % vorliege (vgl. dazu die 

Stellungnahme von Prof. Dr. med. H._____, Facharzt für Neurologie, vom 

23. März 2022). Daraus resultiere folglich eine Arbeitsfähigkeit von 70 % 

in angepassten Tätigkeiten. Der mit dem Einwand beigebrachte Bericht 

von Dr. med. E._____ vom 15. November 2021 vermöchte nach Ansicht 

des RAD die bisherige Beurteilung nicht zu erschüttern.

8. Dagegen liess A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 4. Juni 2022 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben, 

wobei er was folgt beantragen liess:

1. Die Verfügung vom 5. Mai 2022 sei aufzuheben.

2. Es seien ihm die gesetzlichen Leistungen nach IVG, insbesondere eine 
ganze Rente zuzusprechen.

3. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten durchzuführen.

Zur Begründung führte er zusammenfassend aus, dem estimed-

Gutachten könne keine erhöhte Beweiskraft zukommen. Es liege keine 

schlüssige und nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer 

angepassten Tätigkeit vor, weshalb auf diejenige von Dr. med. E._____ 

vom 15. November 2021 abzustellen sei. Zudem sei ein 

Tabellenlohnabzug von 25 % geschuldet, was einen Anspruch auf eine 

ganze Invalidenrente verleihe.

9. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 8. Juli 2022 auf Abweisung der Beschwerde. 

Eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine reformatio in peius in dem 

Sinne anzudrohen, dass ihm in Abänderung der Verfügung vom 5. Mai 

2022 keine Invalidenrente zugesprochen werde. Diese begründete sie 

damit, dass es sich in Anbetracht der Berufskenntnisse des 

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Beschwerdeführers im Bereich der Telekommunikation rechtfertigen 

würde, für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf das 

Kompetenzniveau 2 abzustellen. Ansonsten nahm die 

Beschwerdegegnerin in ablehnender Weise zu den 

beschwerdeführerischen Vorbringen Stellung.

10. Der Beschwerdeführer replizierte am 19. August 2022 bei unveränderten 

Rechtsbegehren. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 29. August 

2022 auf die Einreichung einer Duplik.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene 

Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den 

nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 5. Mai 2022. Eine solche Anordnung, 

die laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort 

der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige 

Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. 

Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung 

[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als 

formeller und materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer 

von der angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und er hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit 

zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 

ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht 

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(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 

lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.

2.1. Streitgegenstand bildet die Frage des Rentenanspruchs des 

Beschwerdeführers, welcher angesichts der Anmeldung im April 2019 

gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. Oktober 2019 (d.h. 

sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs) entsteht, 

sofern bis dahin das Wartejahr erfüllt ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), was 

vorliegend unbestrittenermassen zutrifft (vgl. IV-act. 92 S. 22 [Case 

Report]). Daran vorbeizielende Vorbringen des Beschwerdeführers, 

namentlich zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit der Gutachterpersonen, 

sind von vornherein nicht zu hören. Nicht in Abrede gestellt wird das 

gestützt auf die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als 

Messtechniker ermittelte Valideneinkommen von CHF 88'908.85 für das 

Jahr 2021 (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom 12. April 2019 [IV-

act. 13 S. 2] und Case Report [IV-act. 92 S. 22]). Uneins sind sich die 

Parteien beim Invalideneinkommen und dabei hinsichtlich der (Rest-

)Arbeitsfähigkeit in bisheriger und leidensangepasster Tätigkeit (vgl. dazu 

nachstehende Erwägungen 7.1 ff.), der Vornahme eines Leidensabzugs 

(vgl. dazu nachstehende Erwägungen 8.1 ff.) und der Anwendung des 

Kompetenzniveaus 2 zur Bemessung des Invalideneinkommens (vgl. 

dazu nachstehende Erwägung 10).

2.2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der IVV in Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der hier 

umstrittene Rentenanspruch seine Begründung jedoch noch vor dem 

1. Januar 2022 findet, sind die bis zum 31. Dezember 2021 gültig 

gewesenen Bestimmungen massgebend (vgl. Übergangsbestimmungen 

des IVG zur Änderung vom 19. Juni 2020; Kreisschreiben über Invalidität 

und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab dem 1. Januar 

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2022, Rz. 9101). Dies ergibt sich auch aus den allgemeinen Grundsätzen 

des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts 

(statt vieler: BGE 144 V 210 E.4.3.1 und 129 V 354 E.1 m.w.H.; Urteil des 

Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022 E.2.2). Soweit der 

Beschwerdeführer auf die neuen Bestimmungen der IVV Bezug nimmt, um 

einen Teilzeitabzug zu rechtfertigen, zielt sein Vorbringen somit ins Leere.

3. In formeller Hinsicht ist zunächst auf die vom Beschwerdeführer gerügte 

Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör einzugehen.

Zwar ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass er im Einwand 

vom 16. November 2021 nebenbei einen Tabellenlohnabzug von 10 % 

genannt hat (vgl. IV-act. 85 S. 3), mit welchem sich die 

Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht explizit 

auseinandergesetzt hat (vgl. IV-act. 90 S. 1 f.). Im Einwand vom 

16. November 2021 leitete der Beschwerdeführer aus dem 

rheumatologischen estimed-Teilgutachten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in 

angepassten Tätigkeiten ab und errechnete auf dieser Grundlage in 

Anwendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs einen 

Invaliditätsgrad von 60.77 %. Dazu hielt er fest, dass schon dieser 

Invaliditätsgrad einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente verliehe (vgl. IV-

act. 85 S. 3). Sodann führte der Beschwerdeführer aus, mit einem 

10%igen Leidens- bzw. Teilzeitabzug aufgrund der 50%igen 

Arbeitsfähigkeit resultiere ein Invaliditätsgrad von 64.69 %, was ebenfalls 

einer Dreiviertelsrente entspreche und ihm im Minimum zu gewähren sei 

(vgl. IV-act. 85 S. 3). Da sich der genannte Leidensabzug bei dem dem 

Einkommensvergleich zugrunde gelegten, auf einer Arbeitsfähigkeit von 

50 % basierenden Invalideneinkommen insofern nicht als rentenrelevant 

erwies, ist fraglich, ob sich die Beschwerdegegnerin dazu auch explizit 

hätte äussern müssen. Denn sie ist rechtsprechungsgemäss nicht 

gehalten, sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

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auseinanderzusetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich zu 

widerlegen. Sie darf sich vielmehr auf die wesentlichen Einwände 

beschränken (siehe BGE 141 III 28 E.3.2.4, 141 V 557 E.3.2.1 und 134 I 

83 E.4.1). Insoweit hat sich die Beschwerdegegnerin auch zur Diskrepanz 

im rheumatologischen estimed-Teilgutachten hinsichtlich der 

ausgewiesenen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit sowie – unter 

Hinweis auf die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med. F._____ (vgl. 

hierzu IV-act. 92 S. 24) – zum beigebrachten Bericht von Dr. med. 

E._____ vom 15. November 2021, wenn auch nur kurz, geäussert. Die 

Überlegungen, von denen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess, 

konnten daher zumindest im Kern nachvollzogen werden (vgl. BGE 145 III 

324 E.6.1, 143 III 65 E.5.2 und 142 III 433 E.4.3.2). Selbst wenn jedoch 

von einer Gehörsverletzung auszugehen wäre, wäre eine nicht besonders 

schwerwiegende Verletzung praxisgemäss einer Heilung zugänglich, 

wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer 

Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die 

Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 140 III 159, nicht publ. E.3.2; BGE 

137 I 195 E.2.3.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_177/2022 vom 13. Juli 

2022 E.7.2). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung wäre 

sodann selbst bei einer gravierenden Verletzung des rechtlichen Gehörs 

abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen 

Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit 

dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung 

der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 137 I 195 E.2.3.2, 136 V 

117 E.4.2.2.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_259/2021 vom 

30. November 2021 E.4.4.1, 2C_106/2021 vom 25. Juni 2021 E.2.3). 

Aufgrund der einlässlichen Ausführungen des Beschwerdeführers zum 

Tabellenlohnabzug in seiner Beschwerde vom 4. Juni 2022 (vgl. dortige 

S. 14 ff.) und der Replik vom 19. August 2022 (vgl. dortige S. 9 ff.) und der 

ebenfalls ausführlichen Stellungnahme der Beschwerdegegnerin dazu in 

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ihrer Vernehmlassung vom 8. Juli 2022 (vgl. dortige S. 7 ff.) erwiese sich 

eine Rückweisung als solchen formalistischen Leerlauf. Zudem kann das 

Verwaltungsgericht bei der Frage, ob ein Leidensabzug vorzunehmen ist, 

Rechtsverletzungen und Sachverhaltsfeststellungen prüfen (vgl. Art. 61 

Ingress ATSG i.V.m. Art. 51 Abs. 1 VRG), weshalb hier kein 

Kognitionsgefälle besteht. Da sich der Beschwerdeführer im vorliegenden 

Beschwerdeverfahren zur im Streit liegenden Angelegenheit umfassend 

äussern konnte, wäre eine Heilung der Gehörsverletzung vorzunehmen 

(zum Leidensabzug vgl. nachstehende Erwägungen 8.1 ff.).

4.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen. 

Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven 

Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose 

zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 

hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 

nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt 

eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich 

begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. 

Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 

Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (siehe BGE 145 V 364 E.3.2.1 f., 140 V 

193 E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021 

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vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 

8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4, 8C_47/2021 vom 18. März 2021 

E.5.2.3).

4.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den 

Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel 

– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das 

Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von 

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 

These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 351 E.3a). 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach 

entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die 

Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. 

BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 

8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom 

25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.1, 

8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 

E.2.4). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit 

weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der 

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eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder 

Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c). 

4.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf 

bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für 

die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche 

Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit 

zahlreichen Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens 

eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund 

eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in 

die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu 

schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle 

Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die 

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 

V 351 E.3b/bb; siehe auch Urteile des Bundesgerichts 8C_33/2021 vom 

31. August 2021 E.2.2.2 und 9C_257/2020 vom 23. Juli 2020 E.3.2). In 

Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter 

auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte 

mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in 

Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (siehe BGE 135 

V 465 4.5, 125 V 351 E.3b/cc). Insbesondere lässt es die unterschiedliche 

Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person 

einerseits und der Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten 

fachmedizinischen Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits 

nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu 

stellen und zum Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die 

behandelnden Arztpersonen oder Therapiekräfte zu anderslautenden 

Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in 

denen sich eine vom (amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung 

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aufdrängt, weil die Berichte der behandelnden Ärzte wichtige – nicht rein 

der subjektiven Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei 

der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (siehe 

Urteile des Bundesgerichts 8C_491/2021 vom 20. Dezember 2021 E.4.1, 

8C_277/2021 vom 25. August 2021 E.3 und 8C_105/2021 vom 8. Juni 

2021 E.3).

5. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das estimed-

Gutachten vom 27. Juli 2021 und die Stellungnahme von Prof. Dr. med. 

H._____ vom 23. März 2022 abgestellt hat oder ob konkrete Indizien 

gegen deren Zuverlässigkeit sprechen bzw. ob diese von den übrigen 

medizinischen Akten derart in Zweifel gezogen werden, dass von der 

70%igen Arbeitsfähigkeitseinschätzung in adaptierten Tätigkeiten 

abzuweichen wäre.

6. Vorab ist auf die formelle Kritik des Beschwerdeführers am bzw. in 

Zusammenhang mit dem estimed-Gutachten vom 27. Juli 2021 und der 

Involvierung von Prof. Dr. med. H._____ einzugehen.

6.1. Diesbezüglich wirft der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin 

zunächst vor, der nicht als Gutachter bekannt gegebene Prof. Dr. med. 

H._____ habe als Geschäftsleitungsmitglied der estimed AG in 

unzulässiger Weise auf die Beurteilung und Formulierung des Gutachtens 

Einfluss genommen. Es stellt sich daher die Frage, ob das estimed-

Gutachten vom 27. Juli 2021 den Anforderungen von Art. 44 ATSG 

entspricht.

6.1.1.1. Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein 

Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so 

gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den 

Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge 

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machen (Art. 44 ATSG in der bis zum 31. Dezember 2021 gültig 

gewesenen Fassung). Als Experte im Sinne von Art. 44 ATSG ist derjenige 

zu verstehen, der (als beauftragtes Subjekt) ein Gutachten erstellt und 

dafür verantwortlich zeichnet. Es handelt sich zum einen um das mit der 

Begutachtung beauftragte Subjekt und zum andern die natürliche Person, 

die das Gutachten erarbeitet. Die Bekanntgabe des Namens des 

Gutachters soll es dem Versicherten ermöglichen, zu erkennen, ob es sich 

um eine Person handelt, gegen die ein Ausstandsgrund vorliegt. Die 

Mitteilung muss zudem frühzeitig erfolgen, so dass der Versicherte in der 

Lage ist, seine Mitwirkungsrechte vor Beginn der eigentlichen 

Begutachtung geltend zu machen. Insbesondere wenn die betroffene 

Person Einwände gegen die Person des Gutachters erhebt, muss sich die 

IV-Stelle vor Beginn der Begutachtung dazu äussern (BGE 146 V 9 E.4.2.1 

m.H.a. BGE 132 V 376 E.8.4, der sich insbesondere auf die Bekanntgabe 

der Namen der ärztlichen Fachpersonen im Falle einer Begutachtung 

durch eine medizinische Abklärungsstelle [MEDAS] bezieht; vgl. ferner 

Urteile des Bundesgerichts 9C_525/2020 vom 29. April 2021 E.4.1.2 und 

9C_228/2011 vom 10. August 2011 E.3.1).

6.1.1.2. Als Auftraggeber hat der Versicherungsträger Anspruch darauf, dass die 

Begutachtung durch die beauftragte Person durchgeführt wird. Die 

Substitution oder Weitergabe (selbst eines Teils) des Auftrags an einen 

anderen Sachverständigen setzt grundsätzlich die Einwilligung des 

Auftraggebers voraus. Die persönliche Leistungspflicht des Beauftragten 

schliesst jedoch nicht aus, dass der Experte die Unterstützung einer 

Hilfsperson in Anspruch nimmt, die unter seiner Anleitung und Aufsicht 

handelt, um gewisse untergeordnete Hilfsarbeiten auszuführen, zum 

Beispiel technische Aufgaben (Analysen) oder Recherchier- Schreib-, 

Kopier- oder Kontrollarbeiten. Eine solche durch einen qualifizierten 

Dritten vorgenommene Unterstützung für untergeordnete Hilfsarbeiten ist 

- 15 -

zulässig, ohne dass darin eine zustimmungsbedürftige Substitution zu 

sehen ist, solange die Verantwortung für die Expertise, insbesondere die 

Begründung und die Schlussfolgerungen sowie die Beantwortung der 

Gutachterfragen, in den Händen des beauftragten Experten bleiben. Es ist 

wichtig, dass der beauftragte Gutachter die grundlegenden Aufgaben im 

Rahmen einer medizinischen Expertise im Sozialversicherungsrecht 

persönlich erfüllt, da er genau aufgrund seines Fachwissens, seiner 

besonderen wissenschaftlichen Fähigkeiten und seiner Unabhängigkeit 

beauftragt wurde. Zu diesen Aufgaben, die nicht delegiert werden können, 

gehören insbesondere die Kenntnisnahme vom Dossier in seiner 

Gesamtheit und dessen kritische Analyse, die Untersuchung der zu 

begutachtenden Person oder die Gedankenarbeit hinsichtlich der 

Beurteilung des Falles und der Schlussfolgerungen, die gezogen werden 

können, wenn nötig im Rahmen einer interdisziplinären Diskussion (BGE 

146 V 9 E.4.2.2 m.w.H.; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_525/2020 vom 

29. April 2021 E.4.1.2). 

6.1.1.3. Im Zusammenhang mit Art. 44 ATSG resultiert aus dem Gesagten, dass 

die Verpflichtung, den Namen der mit der Begutachtung beauftragten 

Mediziner im Voraus zu kommunizieren, resp. das Recht des 

Versicherten, diesen Namen zu kennen, diejenige Person betrifft, die 

durch die Invalidenversicherung mit der Erstellung des Gutachtens 

beauftragt wurde. Diese Verpflichtung erstreckt sich nicht auf den Namen 

von Dritten, die den Experten mit Hilfsarbeiten unterstützen. Nicht als 

blosse Hilfsperson, die eine untergeordnete Aufgabe ("tâche secondaire") 

erfüllt, kann hingegen eine ärztliche Fachperson angesehen werden, die 

vom Gutachter beauftragt wird, die grundlegende Anamnese der zu 

begutachtenden Person zu erstellen, die Krankengeschichte zu 

analysieren und zusammenzufassen oder das Gutachten auf die 

Stichhaltigkeit seiner Schlussfolgerungen hin durchzulesen. Die 

- 16 -

intellektuelle Leistung dieser Person kann das Ergebnis des Gutachtens 

beeinflussen. So beinhaltet beispielsweise das Erstellen einer 

Zusammenfassung der Krankenakte eine Analyse, die bereits einen 

gewissen Interpretationsspielraum beinhaltet; selbst wenn die 

Zusammenfassung nur Auszüge aus den Akten enthalten soll, beruht sie 

auf einer Auswahl der Daten, Informationen und Daten, die für den 

Verfasser als massgeblich angesehen werden. Eine solche Auswahl trägt 

zum Ergebnis des Gutachtens bei. In den erwähnten Konstellationen 

gelten daher die Vorschriften von Art. 44 ATSG. Der Name der ärztlichen 

Fachperson, die mit der Aufgabe betraut wird, die Basisanamnese oder 

die Zusammenfassung der Akte zu erstellen oder das Gutachten 

gegenzulesen, um dessen formale Richtigkeit zu gewährleisten, muss 

dem Versicherten vorab mitgeteilt werden (BGE 146 V 9 E.4.2.3 m.w.H.; 

vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_525/2020 vom 29. April 2021 E.4.1.2). 

6.1.2.1. Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass RAD-Arzt Dr. med. F._____ 

am 29. Januar 2021 eine polydisziplinäre Begutachtung für angezeigt hielt 

(vgl. IV-act. 92 S. 10), nachdem die beruflichen Massnahmen 

abgeschlossen worden waren, da sich der Beschwerdeführer aus 

gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gesehen hatte, an solchen 

teilzunehmen (vgl. Verfügung vom 21. Dezember 2020 [IV-act. 59] und 

Verlaufsprotokoll Berufsberatung vom 4. Dezember 2020 [IV-act. 54]). 

Daraufhin teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, dass 

zur Abklärung seines Leistungsanspruchs eine umfassende medizinische 

Begutachtung in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, 

Psychiatrie und Psychotherapie sowie Rheumatologie mit Durchführung 

einer EFL notwendig sei (vgl. IV-act. 63). Der entsprechende Auftrag 

wurde über die SuisseMED@P-Plattform der estimed AG zugeteilt (vgl. 

IV-act. 64; vgl. für das Zufallsprinzip Art. 72bis Abs. 2 der Verordnung über 

die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201] in der bis zum 31. Dezember 

- 17 -

2021 gültig gewesenen Fassung). Diese informierte die 

Beschwerdegegnerin sodann am 4. Februar 2021 über die Namen der 

Expertin und Experten und hielt in einem Kommentar fest, dass das 

Gutachten durch den ärztlichen Leiter supervidiert werde (vgl. IV-act. 68). 

Gleichentags teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die 

Namen der (ärztlichen) Fachpersonen mit, wobei es sich dabei um Dr. 

med. I._____ (Allgemeine Innere Medizin), med. pract. J._____ 

(Psychiatrie und Psychotherapie), Dr. med. K._____ (Rheumatologie) und 

um die diplomierte Physiotherapeutin L._____ (EFL) handelte. Ein Hinweis 

auf die Supervision durch den ärztlichen Leiter der estimed AG unterblieb 

indes (vgl. IV-act. 69). Nachdem die entsprechenden Explorationen und 

Untersuchungen zwischen Mitte März und Anfang Juni 2021 stattgefunden 

hatten (vgl. IV-act. 70), erstatteten die Expertin und Experten ihr 

Gutachten am 27. Juli 2021 (vgl. IV-act. 71). Dieses enthält neben der 

Konsensbeurteilung die jeweiligen Teilgutachten, in welchen die Experten 

ihre Beurteilung in Kenntnis der medizinischen Vorakten und ihre 

Schlussfolgerungen gestützt auf eigene klinische sowie sonografische 

Untersuchungen sowie Laborbefunde getroffen haben (vgl. IV-act. 71 

S. 66 f., S. 86 ff., S. 115 ff. und S. 128 ff.). Die Gutachter Dres. med. 

I._____ und K._____ sowie med. pract. J._____ und die Expertin L._____ 

visierten die Konsensbeurteilung elektronisch (vgl. IV-act. 71 S. 14). Diese 

führt zudem am Ende den Namen des medizinischen Leiters der estimed 

AG, Prof. Dr. med. H._____, auf (ohne Hinweis auf eine elektronische 

Unterschrift [vgl. IV-act. 71 S. 14]).  

6.1.2.2. Aus dem Dargelegten erhellt, dass der Name des ärztlichen Leiters der 

estimed AG dem Beschwerdeführer nicht vorab bekanntgegeben worden 

ist. Aufgrund der Funktion von Prof. Dr. med. H._____ als Supervisor ist 

hingegen davon auszugehen, dass dieser den Begutachtungsprozess 

fachlich begleitet, das Gutachten durchgesehen und (allenfalls) 

- 18 -

Rückmeldungen zu den darin enthaltenen Beurteilungen und 

Schlussfolgerungen getätigt hat (vgl. zum Begriff der Supervision: 

https://www.pschyrembel.de/Supervision/K0LXK/doc/, zuletzt besucht am 

18. Oktober 2022). Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Prof. Dr. med. 

H._____ – wie vom Beschwerdeführer behauptet – die Beurteilungen der 

am estimed-Gutachten beteiligten Experten als weisungsgebundene 

Mitarbeiter der estimed AG derart beeinflusst hätte, dass diese ihre 

Arbeitsfähigkeitseinschätzungen nach oben korrigiert hätten, weil er aus 

geschäftlichen Gründen kein Interesse an hohen Arbeitsunfähigkeiten 

habe, sind nicht ersichtlich. Derartiges hat denn auch die 

Beschwerdegegnerin entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers 

nicht eingestanden. Insbesondere lässt sich dies nicht aus der Diskrepanz 

im rheumatologischen Teilgutachten zwischen der darin angegebenen, in 

einer angepassten Tätigkeit möglichen Präsenz von täglich vier Stunden 

und der letztlich – auch in der Konsensbeurteilung – ausgewiesenen 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % ableiten (vgl. IV-act. 71 S. 94 

und S. 11 f.). Denn wie noch aufzuzeigen sein wird (vgl. nachstehende 

Erwägung 7.2.4.1), ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, 

dass es sich bei der genannten Einschränkung des zeitlichen 

Arbeitspensums auf vier Stunden täglich in einer leidensangepassten 

Tätigkeit bereits aufgrund der im rheumatologischen Teilgutachten von Dr. 

med. K._____ aufgezeigten Herleitung um einen Schreibfehler handeln 

muss. Gleiches gilt mit Blick auf die im estimed-Gutachten ausgewiesene 

Beurteilung der psychischen Leiden des Beschwerdeführers: Eine 

etwaige, den geschäftlichen Interessen dienende Beeinflussung lässt sich 

nicht aus der Bezugnahme auf somatoforme Schmerzstörungen herleiten, 

da dies – wie noch darzulegen sein wird (vgl. nachstehende 

Erwägung 7.2.1) –  der Auseinandersetzung mit den vorbefundlichen 

Diagnosen der behandelnden (Fach-)Personen geschuldet war. Auch 

entbehrt die Vermutung des Beschwerdeführers jeglicher Grundlage, dass 

- 19 -

eine – aus seiner Sicht – mangelhafte Handhabe des Datenschutzes bzw. 

eine damit zusammenhängende, geltend gemachte 

Amtsgeheimnisverletzung auf eine unzulängliche Darlegung der 

medizinischen Situation schliessen liesse. Ebenso fehlen konkrete 

Hinweise dafür, dass die Experten von Prof. Dr. med. H._____ streng 

überwacht worden wären und ihre Begutachtung aufgrund seiner 

Einsichtnahme nicht frei, objektiv und unabhängig hätten vornehmen 

können. Solche Anhaltspunkte werden denn auch nicht vom 

Beschwerdeführer benannt. Vielmehr erklärten die am estimed-Gutachten 

beteiligten Experten mit ihrer (elektronischen) Unterschrift, den Auftrag der 

IV frei von Interessenbindungen, unparteiisch und in voller Unabhängigkeit 

ausgeführt und in der Argumentation sowie bei der Beantwortung der 

Fragen die allgemein anerkannten medizinischen Erkenntnisse und die 

versicherungsmedizinischen Rahmenbedingungen berücksichtigt zu 

haben (vgl. IV-act. 71 S. 73, S. 95 f. und S. 126). Der 

Beschwerdegegnerin ist dabei darin beizupflichten, dass es keinen Grund 

gibt, an diesen Erklärungen zu zweifeln. Insofern mutet die 

beschwerdeführerische Behauptung einer unzulässigen, im Ergebnis auf 

eine Manipulation hinauslaufende Einflussnahme von Prof. Dr. med. 

H._____ auf die am estimed-Gutachten beteiligten Experten rein 

spekulativ an und findet keine Stütze in den Akten.

6.1.2.3. Allerdings liegt angesichts der von Prof. Dr. med. H._____ ausgeübten 

Supervisionstätigkeit nahe, dass dieser nicht bloss als Hilfsperson 

einzustufen ist, zumal davon auszugehen ist, dass er das Gutachten vom 

27. Juli 2021 gegengelesen hat, um dessen Kohärenz zu prüfen und 

(allenfalls) Rückmeldungen zu tätigen. Insofern ist die Funktion von Prof. 

Dr. med. H._____ im Rahmen des Begutachtungsprozesses nicht als 

untergeordnet zu betrachten. Vielmehr war diese grundsätzlich geeignet, 

zum Ergebnis des Gutachtens beizutragen. Folglich hätte der Name des 

- 20 -

ärztlichen Leiters der estimed AG dem Beschwerdeführer gemäss Art. 44 

ATSG vorgängig bekannt gegeben werden müssen. Die Nichtbeachtung 

dieses Erfordernisses stellt demnach eine Verletzung der 

Mitwirkungsrechte und des rechtlichen Gehörs dar (vgl. BGE 146 V 9 

E.4.3.2 m.w.H.). Dieser dem Begutachtungsverfahren anhaftende formelle 

Mangel führt jedoch rechtsprechungsgemäss nicht dazu, dass das 

estimed-Gutachten vom 27. Juli 2021 als solches aus dem Recht zu 

weisen wäre und nicht darauf abgestellt werden könnte (vgl. BGE 146 V 9 

E.4.4). Angesichts des Umstands, dass die daran beteiligten Experten die 

grundlegenden Aufgaben der Begutachtung persönlich erfüllten, stellt die 

Tatsache, dass der Beschwerdeführer vorab keine Kenntnis vom Namen 

des ärztlichen Leiters der estimed AG hatte, von dem auszugehen ist, dass 

er ohnehin nur punktuell im Rahmen der Begutachtung tätig geworden ist, 

keine so schwerwiegende Verletzung seiner Ansprüche auf Mitwirkung 

und rechtliches Gehör dar, dass diese keiner Heilung zugeführt werden 

könnte (vgl. BGE 146 V 9 E.4.4). Vorliegend erübrigt sich eine 

Rückweisung an die Beschwerdegegnerin, damit diese die notwendigen 

Schritte unternehme und dem Beschwerdeführer den Namen des 

ärztlichen Leiters eröffne, so dass dieser allfällige Ausstands- oder 

Ablehnungsgründe geltend machen könnte (so in BGE 146 V 9 E.4.4). 

Denn die (punktuelle) Mitwirkung von Prof. Dr. med. H._____ am estimed-

Gutachten vom 27. Juli 2021 war dem Beschwerdeführer, wenn nicht 

schon seit dem Einwand vom 16. November 2021, in welchem er sich 

bereits mit dieser Expertise auseinandergesetzt hatte (vgl. IV-act. 85), so 

dann spätestens mit der Erhebung der Beschwerde an das streitberufene 

Gericht am 4. Juni 2022 bekannt (vgl. auch Schreiben der 

Beschwerdegegnerin vom 18. Mai 2022 betreffend Zustellung der Akten 

an den Beschwerdeführer [IV-act. 97]). Darin begnügte er sich jedoch 

vorzubringen, ihm hätte die Gelegenheit eingeräumt werden müssen, 

Ausstandsgründe geltend machen zu können, was nicht geschehen sei. 

- 21 -

Einen eigentlichen Ausstands- oder Ablehnungsgrund gegen Prof. Dr. 

med. H._____ führt er indes nicht an. Anlass dazu hätte aber – wie 

dargelegt – spätestens mit der Beschwerdeerhebung am 4. Juni 2022 

bestanden. Denn Ausstands- und Ablehnungsgründe sind unverzüglich, 

d.h. binnen sechs bis sieben Tage nach erstmaliger Kenntnisnahme durch 

die versicherte Person geltend zu machen, ansonsten das Recht auf 

Geltendmachung verwirkt (Urteil des Bundesgerichts 8C_828/2019 vom 

17. April 2020 E.3.2 m.H.a. BGE 143 V 66 E.4.3, 138 I 1 E.2.2 und 132 II 

485 E.4.3). Dies ist vorliegend geschehen. Allein der Umstand, dass Prof. 

Dr. med. H._____ die ärztliche Leitung der estimed AG innehat und 

Mitglied des Verwaltungsrats ist (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-

act.] 3), reicht für sich nicht aus, um Misstrauen in dessen Unparteilichkeit 

zu erwecken, fehlt es doch bereits an einem spezifischen, 

personenbezogenen Ablehnungsgrund, der seinen Ursprung im 

Verhältnis zwischen ihm und dem Beschwerdeführer hat und sich aus den 

konkreten Verhältnissen des Einzelfalls ergibt (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_218/2021 vom 6. Mai 2021 E.4.2, 8C_445/2018 vom 

6. November 2018 E.3.2). Ebenso ins Leere zielt – wie bereits aufgezeigt 

– die behauptete, nicht erhärtete unzulässige Einflussnahme durch Prof. 

Dr. med. H._____. Dass dessen Stellungnahme vom 23. März 2022, in 

welcher dieser bestätigt, dass sich aus rheumatologischer Sicht eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % ergebe (vgl. IV-act. 89), nicht 

beweiskräftig sein soll, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden. 

Obschon wünschenswert gewesen wäre, wenn der rheumatologische 

Experte Dr. med. K._____ zur Rückfrage der Beschwerdegegnerin 

Stellung genommen hätte (vgl. hierzu IV-act. 86), ergibt sich aus dessen 

Teilgutachten – wie noch aufzuzeigen sein wird (vgl. nachstehende 

Erwägung 7.2.4.1) – mit hinreichender Klarheit, dass es sich bei der als 

möglich befundenen Präsenz von täglich vier Stunden in einer 

Verweistätigkeit um einen Schreibfehler handeln muss. 

- 22 -

6.2. Nachdem nun davon auszugehen ist, dass Prof. Dr. med. H._____ als 

Supervisor am Gutachten vom 27. Juli 2021 mitgewirkt hat, wie dies von 

der beauftragten Begutachtungsstelle auch so ausgewiesen worden war 

(siehe Nachricht der estimed AG vom 4. Februar 2021 [IV-act. 68]), zielt 

damit auch der beschwerdeführerische Vorwurf einer krassen Verletzung 

des Datenschutzes, weil einer Drittperson Zugang zu sensiblen 

Gesundheitsdaten gewährt worden sei, ins Leere (vgl. dazu nachstehend). 

6.2.1. Das kantonale Datenschutzgesetz (KDSG; BR 171.100) dient dem Schutz 

von Personen vor widerrechtlichem Bearbeiten von Personendaten durch 

Behörden, zu welchen auch die Beschwerdegegnerin als öffentlich-

rechtliche Anstalt des Kantons Graubünden zu zählen ist (Art. 1 Abs. 1 

und Abs. 2 lit. b KDSG; vgl. https://www.sva.gr.ch/portrait.html, zuletzt 

besucht am 18. Oktober 2022). Für das Bearbeiten von Personendaten 

finden die Vorschriften des Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG; 

SR 235.1) sinngemäss Anwendung (Art. 2 Abs. 2 KDSG). Insofern bedarf 

es gemäss Art. 17 Abs. 2 DSG für das Bearbeiten – wozu auch die 

Bekanntgabe gehört (vgl. Art. 3 lit. e DSG) – von besonders 

schützenswerten Personendaten, wie solche über die Gesundheit (siehe 

Art. 3 lit. c Ziff. 2 DSG), einer Grundlage in einem Gesetz im formellen Sinn 

(Abs. 2) oder aber einer einzelfallweisen Einwilligung der betroffenen 

Person (Abs. 2 lit. c; vgl. für die Bekanntgabe von Personendaten im 

Speziellen auch Art. 19 Abs. 1 und Abs. 1 lit. b DSG, welcher ebenfalls 

eine Rechtsgrundlage im Sinne von Art. 17 DSG oder aber eine 

Einwilligung im Einzelfall voraussetzt). 

6.2.2. Nach Art. 66 IVG sind für die Bearbeitung von Personendaten die 

Vorschriften des Bundesgesetzes über die Alters- und 

Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) sinngemäss anwendbar, 

wobei Art. 66a Abs. 2 IVG für die Bekanntgabe im Speziellen auf Art. 50a 

AHVG verweist. In Art. 49b AHVG werden die mit der Durchführung, 

- 23 -

Kontrolle oder Beaufsichtigung der Durchführung des Gesetzes betrauten 

Organe – vorliegend mithin (sinngemäss) die Beschwerdegegnerin – 

befugt, die Personendaten, einschliesslich besonders schützenwerter 

Daten, zu bearbeiten oder bearbeiten zu lassen, die sie benötigen, um die 

gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen, namentlich um Leistungsansprüche zu 

beurteilen (lit. b). Hierfür ist das Organ aufgrund der ihm obliegenden 

Untersuchungspflicht hinsichtlich des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl. 

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.) regelmässig auf 

versicherungsexterne Begutachtungen angewiesen, andernfalls es seine 

gesetzlichen Aufgaben nicht erfüllen könnte (vgl. hierfür Art. 57 Abs. 1 lit. c 

und f IVG in der bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung 

sowie Art. 69 IVV). Dabei werden Begutachtungsaufträge für 

polydisziplinäre Gutachten nach dem Zufallsprinzip an MEDAS vergeben 

(vgl. Art. 72bis IVV in der bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Fassung), was auch vorliegend mit der Beauftragung der estimed AG als 

Begutachtungsstelle der Fall war (vgl. IV-act. 64 f.). Insofern stand es ihr 

bzw. den eingesetzten Gutachtern und Prof. Dr. med. H._____ als 

Supervisor auch zu, als an der Durchführung der 

Sozialversicherungsgesetze Beteiligte besonders schützenswerte Daten 

zu bearbeiten, sieht dies der ausdrückliche Gesetzeswortlaut von Art. 49b 

AHVG (i.V.m. Art. 66 IVG), wonach die zuständige Behörde mitunter 

befugt ist, solche Daten "bearbeiten zu lassen", doch so vor (vgl. auch 

Botschaft vom 24. November 2009 über die Anpassung und 

Harmonisierung der gesetzlichen Grundlagen für die Bearbeitung von 

Personendaten in den Sozialversicherungen, BBl 2000 255, S. 263, wo 

medizinische Gutachten als Beispiel für die Bearbeitung von Daten durch 

Dritte explizit genannt werden). Damit übereinstimmend sieht Rz. 2075.7 

des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung 

(KSVI; gültig ab dem 1. Januar 2010, in der Fassung vom 1. Januar 2018) 

- 24 -

vor, dass für die begutachtende Stelle in datenschutzrechtlicher Sicht die 

gleichen Abklärungsmöglichkeiten gelten wie für die IV-Stellen und die 

RAD.

Im Weiteren ist in diesem Zusammenhang auf Art. 28 ATSG zu verweisen. 

Danach hat namentlich die versicherte Person beim Vollzug der 

Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken (Abs. 1). Dazu 

gehört auch die Teilnahme an ärztlichen oder fachlichen Untersuchungen 

und an Begutachtungen, welche für die Beurteilung notwendig und 

zumutbar sind (vgl. Art. 43 Abs. 2 ATSG; KIESER, a.a.O., Art. 28 Rz. 17 

und Rz. 30 sowie Art. 43 Rz. 89). Zudem haben gemäss Art. 28 Abs. 3 

ATSG Personen, die Versicherungsleistungen beanspruchen, alle 

betroffenen Personen, namentlich Ärztinnen und Ärzte, im Einzelfall zu 

ermächtigen, die Auskünfte zu erteilen, die insbesondere für die Abklärung 

des Leistungsanspruchs erforderlich sind; diese Personen und Stellen 

sind zur Auskunft verpflichtet. Für die Invalidenversicherung sieht Art. 6a 

IVG im Speziellen eine generelle (und nicht nur einzelfallweise) 

Ermächtigung zur Erteilung von Auskünften vor (vgl. PÄRLI/KUNZ, Basler 

Kommentar zum ATSG, in: Frésard-Fellay/Klett/Leuzinger [Hrsg.], 

Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020, Art. 28 

Rz. 38; KIESER, a.a.O., Art. 28 Rz. 86), welcher der Beschwerdeführer 

vorliegend mit seiner Anmeldung zum Leistungsbezug zugestimmt hat 

(vgl. IV-act. 2 S. 5). In praktischer Hinsicht entband der Beschwerdeführer 

damit bestimmte Drittpersonen vom Amts- bzw. Berufsgeheimnis und 

erteilte ihnen die Zustimmung zur Datenbekanntgabe an die Organe der 

Invalidenversicherung (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 28 Rz. 76).

6.2.3. Insgesamt ist somit entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers 

aufgrund der Einsichtnahme von Prof. Dr. med. H._____ in das estimed-

Gutachten vom 27. Juli 2021 (wie auch hinsichtlich einer weiteren 

Datenbearbeitung) keine Verletzung des Datenschutzes auszumachen. 

- 25 -

Hinzuweisen ist zudem, dass dieser als an der Durchführung der 

Sozialversicherungsgesetze Beteiligter gegenüber Dritten zur 

Verschwiegenheit verpflichtet ist (vgl. Art. 33 ATSG; vgl. auch BBl 2000 

255, S. 264). Auch insofern wird der Datenschutz durch die Begutachtung 

nicht gefährdet, abgesehen davon, dass die Experten bei der Erfüllung 

ihres Mandats ohnehin die Grundsätze des Datenschutzes einhalten 

müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_561/2020 vom 10. Juni 2021 

E.4.1).

7.1. Soweit der Beschwerdeführer das estimed-Gutachten vom 27. Juli 2021 

in mehrfacher Hinsicht als mängelbehaftet kritisiert und ihm den 

Beweiswert abspricht, ist festzuhalten, dass die Gutachter ihre Beurteilung 

in Kenntnis der medizinischen Vorakten und ihre Schlussfolgerungen 

gestützt auf eigene klinische, laborchemische und sonografische 

Untersuchungen getroffen haben (vgl. IV-act. 71 S. 17 ff., S. 66 f., 

S. 80 ff., S. 86 ff. und S. 103 ff.). Auch flossen die vom Beschwerdeführer 

gemachten Angaben zur Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden 

in die Würdigung mit ein (vgl. IV-act. 71 S. 8 f., S. 61 ff., S. 82 ff. und 

S. 109 ff.). In der Konsensbeurteilung wiesen die Gutachter folgende 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus (vgl. IV-act. 71 

S. 9): 

1. Spondyloarthritis mit axialem Befall, nicht ankylosierend (ICD-10: M46.80)

 Enthesitis thorakal, thorakolumbal

2. Chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.80)

 spondylogen
 entzündlich im Rahmen der Spondylarthritis
 Osteochondrosen HWS

3. Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts 
klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54)

Dazu führten die Gutachter aus, im Vordergrund der subjektiven 

Beschwerden stünden die chronischen Schmerzen in Folge der 

- 26 -

Spondyloarthritis mit axialem Befall, was aufgrund der Befunde auch 

nachvollziehbar sei (vgl. IV-act. 71 S. 10). Dem entsprechenden 

Teilgutachten von Dr. med. K._____ ist diesbezüglich zu entnehmen, aus 

rheumatologischer Sicht fänden sich erklärende Befunde anhand einer im 

Jahr 2005 erstdiagnostizierten, nicht-ankylosierenden, weiterhin 

entzündlich aktiven Spondyloarthritis (MRI 12/2020), vornehmlich als 

interspinale Enthesitis auftretend, und anhand der gering- bis 

mässiggradigen degenerativen Veränderungen, insbesondere der HWS. 

Insgesamt scheine eine begleitende zentrale 

Schmerzsensibilisierungsstörung vorzuliegen, da nur in diesem Rahmen 

die gesamte Ausprägung der subjektiven Schmerzwahrnehmung erklärt 

werden könne. Die Spondyloarthritis sei mit diversen Biologika therapiert 

worden. Aufgrund des frustranen Therapieerfolges bestehe derzeit keine 

spezifische antientzündliche Therapie, sondern lediglich eine 

medikamentös-analgetische Therapie. Da sich mittlerweile zusätzliche 

zugelassene medikamentöse Therapieoptionen ergeben hätten, sollte ein 

weiterer Versuch zur Therapie der Enthesitis im Rahmen der 

Spondyloarthritis erfolgen. Aufgrund der aktuellen Anamnese, der 

körperlichen Untersuchung sowie hinsichtlich der Aktenlage ergäben sich 

auf rheumatologischem Fachgebiet die vorgenannten Diagnosen mit 

entsprechenden Funktionseinschränkungen im Bereich des axialen 

Halteapparats. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit oder in einer etwaigen Verweistätigkeit aus rein 

rheumatologischer Sicht beeinträchtigt (vgl. IV-act. 71 S. 90 ff.). 

Diese Ausführungen zur Beurteilung der medizinischen Situation 

erscheinen einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum 

Gesundheitszustand decken sich auch mit jenen des behandelnden 

Rheumatologen Dr. med. E._____. So wies dieser in seinen zahlreichen 

aktenkundigen Berichten namentlich eine Spondylarthritis mit axialem 

- 27 -

Befall (Erstmanifestation im 2005) bei mitunter klinisch entzündlichen 

Rückenschmerzen und ein chronisches Panvertebralsyndrom aus (so 

zuletzt Bericht vom 29. Januar 2021 [vgl. IV-act. 71 S. 144 f.]; vgl. 

insbesondere auch IV-act. 62 S. 1, S. 5 und S. 7). Zudem bestätigte er in 

seiner Stellungnahme vom 15. November 2021 zum estimed-Gutachten 

ausdrücklich, dass die darin ausgewiesenen Diagnosen mit den Seinigen 

übereinstimmten (vgl. IV-act. 85 S. 5). Auch bildgebend zeigten sich in 

dem am 16. Dezember 2020 durchgeführten MRI im Wesentlichen 

unveränderte, tendenziell rückläufige entzündliche Veränderungen an der 

mittleren BWS und am thorakolumbalen Übergang, wobei im Bereich der 

HWS eine leicht aktivierte Osteochondrose mit linksseitiger 

Unkovertebralarthrose HWK5-7 und neuroforaminaler Einengung für C6 

und C7 links festgestellt wurde (vgl. IV-act. 62 S. 9). Dr. med. E._____ 

folgerte daraus in seinem Bericht vom 29. Januar 2021, dass sich hieraus 

keine Progredienz der seronegativen Spondylarthritis ergebe und sich 

degenerative Veränderungen fänden, hauptsächlich linksseitig im unteren 

HWS-Bereich (vgl. IV-act. 71 S. 144 f.).

7.2.1. Soweit der Beschwerdeführer es in medizinisch-psychiatrischer Hinsicht 

als irritierend empfindet, dass im estimed-Gutachten auf eine Erkrankung 

aus dem somatoformen Diagnosespektrum Bezug genommen wird, kann 

ihm nicht gefolgt werden. Er übersieht dabei, dass diese Bezugnahme 

dem Umstand geschuldet war, dass sich med. pract. J._____ mit der von 

den behandelnden ärztlichen (Fach-)Personen gestellten Diagnose einer 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 

auseinandergesetzt und aufgezeigt hat, weshalb er dieser nicht 

beipflichten konnte. So führte er aus, die vom Beschwerdeführer beklagte 

Symptomatik möge durchaus auf einer organischen Genese beruhen. 

Obschon bereits Ende 2018 die Diagnose einer chronischen 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, ED 11/2008 

- 28 -

[recte: 2018], gestellt (Austrittsbericht von Dr. med. M._____ vom 

14. November 2018 [Anm. des Gerichts: vgl. IV-act. 11 S. 2]) und diese 

Diagnose dann in den gesamten weiteren Berichten von Dr. med. E._____ 

fortgeführt (Anm. des Gerichts: vgl. so zuletzt im Bericht vom 29. Januar 

2021 [IV-act. 71 S. 144 f.]) und letztendlich sogar in den Berichten der 

PDGR vom 20. August 2020 (Anm. des Gerichts: vgl. IV-act. 48) genannt 

worden sei, erschliesse sich diese Diagnose heute nicht wirklich. 

Wenngleich die auf organischer Grundlage beruhende 

Schmerzsymptomatik und die daraus resultierenden Einschränkungen 

etwas über das zu erwartende Ausmass hinausgingen, liessen sich 

weitere Diagnosekriterien für eine Diagnose aus dem somatoformen 

Diagnosespektrum nicht feststellen. So sei für die Diagnose einer 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 

nicht deutlich geworden, welchen psychischen Faktoren eine wichtige 

Rolle für Schweregrad, Exazerbation und Aufrechterhalt des Schmerzes 

hätte zukommen sollen. Wenn der Schmerz vom Beschwerdeführer als 

einschränkend erlebt worden sei, möge dies zwar der Realität 

entsprechen, erfüllte aber nicht die entsprechenden Diagnosekriterien für 

eine chronische Schmerzstörung (vgl. IV-act. 71 S. 119 f.). Im Gegensatz 

dazu trug med. pract. J._____ der vom Beschwerdeführer erlebten 

Belastung, etwa durch die schmerzbedingte Insomnie und das Erleben, 

dass seine Zukunftspläne, -phantasien und -vorstellungen sich durch die 

körperliche Erkrankung verändert hätten, mit der Diagnose einer 

Verhaltensauffälligkeit mit körperlichen Störungen und Faktoren im Sinne 

einer somatopsychischen Auswirkung der körperlichen Erkrankung 

Rechnung. Eine Bestätigung hierfür erblickte er in der auch im 

Verlaufsbericht der PDGR vom 20. August 2020 wiedergegebenen 

Beeinträchtigung der psychischen Verfassung auf dem Boden einer 

körperlichen Erkrankung bzw. eines chronischen Schmerzsyndroms (vgl. 

hierfür IV-act. 48; ferner so schon Verlaufsbericht vom 2. April 2020 [IV-

- 29 -

act. 41 S. 3]), welche seine Diagnose stütze und nicht eine solche aus dem 

somatoformen Diagnosespektrum (vgl. IV-act. 71 S. 120 f.). Insofern 

erkannte med. pract. J._____ durchaus eine – wenn auch nicht vollständig 

korrelierende – organische, primär in der Spondyloarthritis mit axialem 

Befall zu verortende Ursache für die vom Beschwerdeführer beklagten 

chronischen Schmerzen, was denn auch der Ansicht des 

Beschwerdeführers entspricht. Damit im Einklang steht zudem, dass 

anlässlich der im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung 

durchgeführten EFL keine Symptomausweitung festgestellt worden war 

(vgl. IV-act. 71 S. 128), der vom Beschwerdeführer angegebene Schmerz 

aus psychiatrischer Sicht als der Realität entsprechend befunden worden 

ist (vgl. IV-act. 71 S. 120), der Beschwerdeführer trotz der 

Erstmanifestation der axialen Spondyloarthritis im 2005 in beruflicher 

Hinsicht über viele Jahre leistungsfähig war sowie verschiedene 

firmeninterne Weiterbildungen absolvieren konnte und auch im Rahmen 

der Frühintervention die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit 

aus gesundheitlichen Gründen nicht schrittweise gesteigert und stabilisiert 

werden konnte (vgl. IV-act. 42 S. 7 f.). Demnach ist entgegen der 

beschwerdeführerischen Auffassung nachvollziehbar, wenn med. pract. 

J._____ daraus folgerte, dass das Verhalten des Beschwerdeführers mit 

einer Erkrankung aus dem somatoformen Diagnosespektrum nicht 

kongruent sei (vgl. IV-act. 71 S. 120 mit Hinweis auf die durchgeführte 

EFL, die Schmerzschilderung des Beschwerdeführers, seine 

Erwerbsbiographie und den Eintrag im Verlaufsprotokoll vom 29. Mai 

2020; vgl. auch Konsensbeurteilung [IV-act. 71 S. 11]). Insofern zeigte er 

in begründeter und plausibler Weise auf, weshalb insbesondere der von 

Oberärztin G._____ gestellten Diagnose einer chronischen 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie den 

damit zusammenhängenden funktionellen Auswirkungen nicht gefolgt 

werden konnte. Diesbezüglich erscheint es denn auch nicht überzeugend, 

- 30 -

wenn Oberärztin G._____ zwar ab dem 25. Februar 2020 eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten auswies, ohne dabei jedoch 

eine funktionelle Auswirkungen zeitigende Diagnose zu stellen, und sie 

namentlich mit der Beeinträchtigung des Antriebs durch die 

Schmerzsymptomatik und die depressive Verfassung sowie mit den 

Konzentrationsschwierigkeiten Funktionseinschränkungen aus dem 

depressiven Formenkreis beschrieb, ohne aber eine entsprechende 

Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen (vgl. 

Berichte vom 2. April 2020 [IV-act. 41 S. 2 ff.] und vom 20. August 2020 

[IV-act. 48]). Auch anlässlich der Begutachtung durch den psychiatrischen 

estimed-Experten med. pract. J._____ schloss dieser angesichts der 

weitgehend unauffälligen Untersuchungsbefunde und dem vom 

Beschwerdeführer erzielten tiefen Punktwert auf der Hamilton 

Depressions-Skala (vgl. hierzu IV-act. 71 S. 116 ff.) nachvollziehbar eine 

depressive Störung aus (vgl. IV-act. 71 S. 119 und S. 121).

7.2.2. Des Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer die im psychiatrischen 

estimed-Teilgutachten aufgeführten Inkonsistenzen, welche auch Einzug 

in die Konsensbeurteilung gefunden haben (vgl. IV-act. 71 S. 10 f. und 

S. 120). Zwar ist ihm darin beizupflichten, dass die im Gutachten 

ausgewiesenen somatischen Diagnosen an sich kurzen Fahrten im Auto 

nicht gänzlich entgegenzustehen scheinen. Immerhin ist aktenkundig, 

dass er bei den bekannten Beschwerden in der Lage war, Fahrten bis zu 

45 Minuten bzw. einer Stunde im Auto zurückzulegen, bis eine Pause nötig 

geworden sei, während langes Autofahren nicht mehr möglich gewesen 

sei (vgl. Evaluationsgespräch Eingliederung vom 16. April 2019 [IV-act. 18 

S. 3]; ferner psychiatrisches estimed-Teilgutachten [IV-act. 71 S. 113]). 

Allerdings gab er anlässlich der Begutachtung selbst an, dass er aufgrund 

der Schmerzmittel gar nicht mehr fahren dürfte (vgl. rheumatologisches 

Teilgutachten [vgl. IV-act. 71 S. 84]). Angesichts dessen ist nicht zu 

- 31 -

beanstanden, wenn med. pract. J._____ im Umstand, dass der 

Beschwerdeführer trotz dauerhafter medikamentös-analgetischer 

Therapie weiterhin selbstständig ein Fahrzeug führt, eine Inkonsistenz 

erblickte. Dasselbe gilt hinsichtlich der vom Beschwerdeführer gemachten 

(Flug-)Reisen in die Ferien. Hierbei mutet es widersprüchlich an, wenn er 

aufgrund der Schmerzproblematik von einem Tagesablauf mit kaum 

auffälligen Aktivitäten berichtet (vgl. hierzu IV-act. 71 S. 114) und angibt, 

dass bereits 30 Minuten dauerndes Stehen oder Sitzen zu einer 

Schmerzexazerbation führe (vgl. IV-act. 71 S. 109), sodann aber 

aktenkundigerweise mehrere (Flug-)Reisen nach Q._____ bzw. R._____ 

oder aber in die Ferien unternommen hat (vgl. hierzu psychiatrisches 

Teilgutachten [IV-act. 71 S. 112] mit dem Hinweis, dass der 

Beschwerdeführer etwa zweimal im Jahr seine Mutter in Q._____ 

besuche; ferner Berichte von Dr. med. E._____ vom 22. Oktober 2020 [IV-

act. 62 S. 6], vom 13. August 2020 [IV-act. 52 S. 6] und vom 

11. September 2019 [IV-act. 32 S. 2]). Eine weitere nachvollziehbare 

Diskrepanz besteht hinsichtlich der Medikamentencompliance des 

Beschwerdeführers. So führte med. pract. J._____ gestützt auf die 

durchgeführten laborchemischen Untersuchungen plausibel aus, dass die 

gemessene Serumwirkstoffkonzentration der angegebenen 

eingenommenen Psychopharmaka-Medikation (Sertralin) dafür spreche, 

dass diese entgegen der Angaben des Beschwerdeführers nicht 

verlässlich und regelmässig eingenommen worden sei (vgl. IV-act. 71 

S. 118). Insofern leuchtet auch der Vermerk von med. pract. J._____ ein, 

wonach sich selbstverständlich keine Besserung einstellen könne, wenn 

die Medikation nicht eingenommen werde, was auch die Aussagen im 

Verlaufsbericht der PDGR vom 20. August 2020 erklären würden (vgl. IV-

act. 71 S. 120), in welchem Oberärztin G._____ berichtete, dass es durch 

die psychopharmakologische Behandlung mit Antidepressiva bislang zu 

keiner Verbesserung des Zustands gekommen sei (vgl. IV-act. 48). 

- 32 -

Insgesamt vermag sein Einwand, wonach die aufgezeigten 

Inkonsistenzen nicht nachvollziehbar seien, somit nicht zu verfangen. 

Gleiches gilt mit Blick auf die in der Replik erhobene Kritik, es sei keine 

Indikatorenprüfung vorgenommen worden, hat sich med. pract. J._____ 

doch nachweislich an den massgeblichen Beweisthemen orientiert (vgl. 

IV-act. 71 S. 119 ff.).

7.2.3. Soweit der Beschwerdeführer sodann die im estimed-Gutachten vom 

27. Juli 2021 ausgewiesene medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 

50 % in der angestammten Tätigkeit bemängelt (vgl. IV-act. 71 S. 11 f. und 

S. 93), ist ihm entgegenzuhalten, dass diese ohnehin keinen Einfluss auf 

den Verfahrensausgang hat. Abgesehen davon ist davon auszugehen, 

dass Ärztinnen und Ärzte bei der Festlegung und Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit die betriebsübliche Arbeitszeit nach 

Wirtschaftsabteilungen gemäss Erhebung des Bundesamtes für Statistik 

(BfS) nicht bewusst als Basis für eine Umrechnung ihrer in Stunden pro 

Tag ausgedrückten Arbeitsfähigkeit in eine prozentuale Quote im Hinblick 

auf die Bemessung der Vergleichseinkommen zugrunde legen wollten. 

Entsprechende Hinweise finden sich jedenfalls nicht in den Akten. 

Vielmehr ist anzunehmen, dass bei der medizinischen Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit regelmässig von einem 8‑Stundenarbeitstag 

ausgegangen wird (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_317/2020 vom 

10. Februar 2021 E.3.1, 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E.4.1 ff., 

9C_22/2012 vom 4. Mai 2012 E.2.3 sowie 9C_260/2009 vom 25. Januar 

2010 E.2.1 und 2.4, 8C_761/2008 vom 27. März 2009 E.4.3 und 

9C_488/2008 vom 5. September 2008 E.3.2; Urteile des 

Verwaltungsgerichts [VGU] S 21 113 vom 11. Januar 2022 E.3.2, S 20 79 

vom 1. Dezember 2020 E.4.4, S 18 61 vom 2. April 2019 E.3.3, S 10 172 

vom 13. Dezember 2011 E.4c und S 10 126 vom 11. Januar 2011 E.3a). 

Mithin ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin bei einem 

- 33 -

medizinisch ausgewiesenen zeitlichen Arbeitspensum von vier Stunden 

pro Tag (vgl. IV-act. 71 S. 93) – bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit 

von acht Stunden täglich – auf eine prozentuale Arbeitsfähigkeit von 50 % 

schloss. 

7.2.4. Mit Blick auf die im rheumatologischen estimed-Teilgutachten 

ausgewiesene Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit weist der 

Beschwerdeführer gestützt auf den Bericht von Dr. med. E._____ vom 

15. November 2021 (vgl. IV-act. 85 S. 5 ff.) zu Recht auf eine Diskrepanz 

hin. So führte der estimed-Gutachter Dr. med. K._____ auf die Frage nach 

der maximal möglichen Präsenz in einer leidensangepassten Tätigkeit 

zunächst aus, aus rheumatologischer Sicht ergebe sich eine 

Einschränkung des zeitlichen Arbeitspensums auf vier Stunden täglich 

(vgl. IV-act. 71 S. 94). Nachdem er angab, dass während dieser 

Anwesenheitszeit keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestehe, 

hielt Dr. med. K._____ sodann fest, dass sich aus rheumatologischer Sicht 

eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % ergebe (vgl. IV-act. 71 

S. 94). Diese letztere Arbeitsunfähigkeitsattestierung wurde schliesslich 

auch in die Konsensbeurteilung aufgenommen (vgl. IV-act. 71 S. 11 f.). 

Nachdem diese Diskrepanz im Einwand vom 16. November 2021 gestützt 

auf die vorgenannte Stellungnahme von Dr. med. E._____ moniert worden 

war (vgl. IV-act. 85), bat die Beschwerdegegnerin die estimed AG um eine 

Rückmeldung zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, da sie 

vermutete, dass sich ein Fehler eingeschlichen habe (vgl. IV-act. 86). 

Daraufhin bestätigte Prof. Dr. med. H._____ mit Schreiben vom 23. März 

2022, dass es sich bei der Angabe zum zeitlichen Arbeitspensum in einer 

adaptierten Tätigkeit (von vier Stunden pro Tag) um einen Schreibfehler 

handle. Die korrekte Beurteilung laute, dass sich aus rheumatologischer 

Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % ergebe (vgl. IV-

act. 89). Dies hat sich die Beschwerdegegnerin sodann in der 

- 34 -

angefochtenen Verfügung vom 5. Mai 2022 zugrunde gelegt und ist von 

einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer leidensadaptierten Tätigkeit 

ausgegangen (vgl. IV-act. 90 und 94).

7.2.4.1. Unabhängig davon, ob letztendlich auf die Stellungnahme von Prof. Dr. 

med. H._____ vom 23. März 2022 abgestellt werden kann oder nicht (vgl. 

hierfür vorstehende Erwägungen 6 ff. zur Bekanntgabe der Namen der am 

Gutachten mitwirkenden Experten), liegt bereits aufgrund des estimed-

Gutachtens vom 27. Juli 2021 nahe, dass es sich bei der Angabe zur 

maximal möglichen Präsenz in einer leidensangepassten Tätigkeit von 

täglich vier Stunden um einen Schreibfehler handelt, wobei wohl 

irrtümlicherweise die (gleiche) Angabe wie für die Arbeitsfähigkeit in der 

bisherigen Tätigkeit übernommen worden ist (vgl. hierzu IV-act. 71 S. 93, 

wonach sich in dieser Tätigkeit aktuell aus rheumatologischer Sicht eine 

Einschränkung des zeitlichen Arbeitspensums auf vier Stunden täglich 

ergebe). Denn angesichts der unterschiedlichen Belastungsprofile für die 

bisherige und für eine Verweistätigkeit erschiene es in sich 

widersprüchlich, wenn für beide Tätigkeiten dieselbe Arbeitsfähigkeit, 

resultierend aus der maximal möglichen Präsenzzeit und der dabei 

bestehenden Leistungsfähigkeit, attestiert würde. Wie aus dem 

rheumatologischen Teilgutachten hervorgeht, wurde die bisherige 

Tätigkeit des Beschwerdeführers als Messtechniker bei der B._____ AG 

als körperlich anstrengend angesehen, zumal sie auch Tätigkeiten in 

Kabelschächten und in der Höhe umfasste (vgl. IV-act. 71 S. 90; vgl. 

ferner Anforderungsprofil der bisherigen Tätigkeit gemäss 

Konsensbeurteilung auf S. 7 f.). Auch wenn ihn der Arbeitgeber im 

Rahmen der Frühintervention aktenkundigerweise von gewissen 

schweren (Hebe-)Arbeiten zu entlasten versuchte (z.B. Hilfsmittel für das 

Heben der rund 120 kg schweren Schachtdeckel [Einträge im 

Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 8. Mai 2019, IV-act. 42 S. 2, und vom 

- 35 -

29. Mai 2020, IV-act. 42 S. 7 f.] oder Durchführen von einfacheren 

Messarbeiten [RAD-Abklärungsbericht vom 14. Januar 2020, IV-act. 37 

S. 2]), scheint die Einstufung dieser Tätigkeit als körperlich anspruchsvoll 

nachvollziehbar zu sein. Denn die Behebung von Störungen und Schäden 

an den Kabeln der N._____ bedingte oft, dass in Kabelschächte 

hinabgestiegen werden musste, um dort entsprechende Messungen und 

Reparatur- bzw. Montagearbeiten durchzuführen (vgl. RAD-

Abklärungsbericht vom 14. Januar 2020 [IV-act. 37 S. 1 f.]). So bestätigte 

auch der Arbeitgeber, dass die Arbeiten, welche sie verrichten würden, 

nicht ergonomisch seien, da sie in einem engen Raum im Schacht über 

mehrere Stunden ausgeführt werden müssten (vgl. Eintrag im 

Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 13. Juni 2019 [IV-act. 42 S. 2]). Des 

Weiteren kamen auch anderweitige Tätigkeiten mitunter auf Dächern mit 

Kabelarbeiten über der Horizontalen, über den Schultern oder über dem 

Kopf hinzu (vgl. RAD-Abklärungsbericht vom 14. Januar 2020 [IV-act. 37 

S. 1]). Dass diese – insbesondere in den Schächten häufig auch im 

Bücken oder Knien unter engen Platzverhältnissen auszuübende – 

Tätigkeit bei den vom Beschwerdeführer beklagten Rückenbeschwerden 

nicht leidensangepasst ist, liegt dabei auf der Hand (vgl. hierzu auch RAD-

Abklärungsbericht vom 14. Januar 2020 [IV-act. 37 S. 2], wonach die 

bisherige, körperliche schwere Tätigkeit des Beschwerdeführers als 

Messtechniker auf Dauer nicht geeignet sei). Insofern ist nicht zu 

beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin letztlich für adaptierte 

Tätigkeiten von einer 70%igen und damit höheren Arbeitsfähigkeit ausging 

als die 50%ige in der bisherigen Tätigkeit des Beschwerdeführers. Denn 

wie dem gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil zu entnehmen ist, sollte eine 

leidensangepasste Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht – im Gegensatz 

zur bisherigen Tätigkeit – körperlich nicht belastend sein, wobei die 

Möglichkeit flexibel wechselnder Körperhaltungen bestehen soll, 

optimalerweise ohne statische Tätigkeiten (z.B. rein sitzend oder rein 

- 36 -

stehend) (vgl. IV-act. 71 S. 94). Gleichermassen hielt bereits RAD-Arzt Dr. 

med. F._____ in seinem Abklärungsbericht vom 14. Januar 2020 fest, 

dass dem Beschwerdeführer körperlich leichte Arbeiten im 

Wechselrhythmus, mitunter durchaus auch mit einer häufig gehenden 

Komponente zumutbar seien, wobei kniende, bückende, kauernde 

Tätigkeiten oder solche mit Armarbeiten über der Horizontalen zu 

vermeiden seien (vgl. IV-act. 37 S. 3). Dabei wird mit dem Einschluss der 

Bewegungskomponente in die im Wechselrhythmus auszuübenden 

körperlich leichten Tätigkeiten denn auch dem Umstand Rechnung 

getragen, dass dem Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben 

das Gehen mit Blick auf die Schmerzsituation Entlastung verschafft (vgl. 

psychiatrisches estimed-Teilgutachten [IV-act. 71 S. 109 und S. 114] und 

Evaluationsgespräch Eingliederung vom 16. April 2019 [IV-act. 18 S. 1]; 

siehe zudem Austrittsbericht der Dres. med. M._____ und O._____ vom 

14. November 2018, wonach sich hinsichtlich der Schmerzsituation bei 

Wechselbelastung und Bewegung passend zu einer entzündlichen 

Komponente eine Besserung einstellt [IV-act. 11 S. 2]; vgl. ferner Bericht 

von Dr. med. E._____ vom 11. Juni 2020 [IV-act. 52 S. 2]). Dass in einer 

solchen ideal leidensangepassten Tätigkeit im Vergleich zur bisherigen 

eine höhere Arbeits- und Leistungsfähigkeit angenommen und letztlich – 

wie auch in der Konsensbeurteilung des estimed-Gutachtens vom 27. Juli 

2021 ausgewiesen wird (vgl. IV-act. 71 S. 11 f.) – auf eine 70%ige 

Arbeitsfähigkeit für Verweistätigkeiten abgestellt wird, ist somit entgegen 

der Auffassung des Beschwerdeführers nachvollziehbar.

7.2.4.2. Wenn nun Dr. med. E._____ in seiner Stellungnahme vom 15. November 

2021 mit Blick auf adaptierte Tätigkeiten eine andere Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit trifft (vgl. IV-act. 85 S. 5 f.), ist dem sich darauf 

abstützenden Beschwerdeführer entgegenzuhalten, dass ärztliche 

Beurteilungen von der Natur der Sache her unausweichlich 

- 37 -

Ermessenzüge aufweisen (vgl. BGE 145 V 361 E.4.1.2 und 4.3, 140 V 193 

E.3.1 sowie 137 V 210 E.3.4.2.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_153/2021 

vom 10. August 2021 E.5.3.2, 8C_138/2021 vom 7. Juni 2021 E.4.2 und 

8C_699/2018 vom 28. August 2019 E.4.2.2). Nur weil ein behandelnder 

Arzt zu einer anderen Einschätzung gelangt bzw. an vorgängig 

geäusserten, abweichenden Auffassungen festhält, kann dies nicht zum 

Anlass weiterer Abklärungen genommen werden. Dr. med. E._____ bringt 

in seiner zuhanden der Vertretung des Beschwerdeführers verfassten 

Stellungnahme vom 15. November 2021 denn auch nichts vor, was bei der 

gutachterlichen Beurteilung durch die Fachärzte der estimed AG 

unerkannt oder ungewürdigt geblieben sein soll (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5 

f.; Urteile des Bundesgerichts 8C_308/2021 vom 4. Oktober 2021 E.5.1.2, 

8C_313/2020 vom 12. August 2020 E.8.2.3, 8C_143/2019 vom 21. August 

2019 E.4.4.1 und 8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2). Vielmehr 

stimmt er namentlich in medizinischer Hinsicht den im estimed-Gutachten 

vom 27. Juli 2021 ausgewiesenen Diagnosen ausdrücklich zu (vgl. IV-

act. 85 S. 5). Die estimed-Gutachter haben ihre Beurteilung denn auch in 

Kenntnis der zahlreichen, aktenkundigen Berichte von Dr. med. E._____ 

getroffen (vgl. IV-act. 71 S. 25 ff., S. 81 und S. 105 f.). Wenn Dr. med. 

E._____ nun in einer leidensangepassten Tätigkeit – gleich wie in der 

angestammten Tätigkeit – infolge eines vermehrten Pausenbedarfs auf 

eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit auch während verkürzter 

Präsenzzeit schliesst und im Ergebnis eine Arbeitsfähigkeit von 20 % bis 

30 % annimmt (vgl. IV-act. 85 S. 6 mit Verweis auf S. 5), kann ihm nicht 

gefolgt werden. Dabei scheint er insbesondere zu übersehen, dass – wie 

in der vorstehenden Erwägung aufgezeigt – im Gegensatz zur Arbeit als 

Messtechniker in einer körperlich leichten bzw. nicht anspruchsvollen, 

wechselbelastenden Tätigkeit ohne kniende, bückende, kauernde oder 

anderweitige nicht ergonomische Arbeiten und ohne statische, sondern 

auch Bewegungskomponenten umfassende Tätigkeiten den mit der 

- 38 -

Schmerzproblematik einhergehenden Funktionseinschränkungen 

überwiegend Rechnung getragen werden kann, so dass nachvollziehbar 

ist, dass sie – wenn auch nicht vollständig, so doch bis zu einem gewissen 

Grad – auch ohne ausserordentliche Pausen kompensiert werden können. 

Dieses leidensangepasste Zumutbarkeitsprofil berücksichtigt Dr. med. 

E._____ in seiner Stellungnahme vom 15. November 2021 nicht 

gebührend, sondern er scheint von der irrigen Annahme auszugehen, 

dass die angestammte Tätigkeit optimal leidensadaptiert sei (vgl. so auch 

Bericht vom 3. Juni 2019 [IV-act. 22 S. 13 f.]; vgl. ferner Bericht von Dr. 

med. P._____, Facharzt für Innere Medizin, vom 12. April 2019 [IV-act. 16 

S. 4]). Insofern vermag seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung die 

gutachterlich ausgewiesene 70%ige Arbeitsfähigkeit in 

leidensangepasster Tätigkeit nicht in Zweifel zu ziehen. Daran ändert auch 

die Aussage von Dr. med. E._____, wonach der Beschwerdeführer 

hinsichtlich der medikamentösen, physiotherapeutischen und 

medizinischen Trainingstherapie compliant gewesen sei (vgl. IV-act. 85 

S. 6), nichts. Denn mit der laborchemischen Untersuchung im Rahmen der 

Begutachtung durch die estimed AG kann als erstellt gelten, dass der 

Beschwerdeführer zumindest hinsichtlich der Einnahme der 

psychopharmakologischen Medikation nicht therapieadhärent war (vgl. IV-

act. 71 S. 118).

7.3. Insgesamt ergibt sich daher, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers 

und die Ausführungen in der von ihm beigebrachten Stellungnahme von 

Dr. med. E._____ nicht geeignet sind, den Beweiswert des estimed-

Gutachtens vom 27. Juli 2021 zu schmälern. Es ist daher nicht zu 

beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin auf die in der 

Konsensbeurteilung ausgewiesene 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer 

angepassten Tätigkeit abstellte. Die retrospektive 

Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der estimed-Gutachter in der 

- 39 -

Konsensbeurteilung (vgl. IV-act. 71 S. 12) präzisierte RAD-Arzt Dr. med. 

F._____ in seiner Abschlussbeurteilung vom 1. September 2021 

dahingehend, als er die attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % in bisheriger 

bzw. von 70 % in einer Verweistätigkeit ab Ende Januar 2019 annahm (vgl. 

IV-act. 92 S. 19) und dabei – in plausibler Weise – auf die von Dr. med. 

E._____ ausgewiesene Verbesserung der Arbeitsfähigkeit von 100 % 

Arbeitsunfähigkeit auf 50 % Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, in 

dessen Umfang der Beschwerdeführer seine Arbeit denn auch wieder 

aufnahm, abstellte (vgl. hierzu Berichte von Dr. med. E._____ vom 3. Juni 

2019 [IV-act. 22 S. 11], vom 31. Mai 2019 [IV-act. 22 S. 8 f.], vom 2. April 

2019 [IV-act. 16 S. 18 f.], vom 19. Februar 2019 [IV-act. 11 S. 9] und vom 

24. Januar 2019 [IV-act. 16 S. 17]; ferner Bericht von Dr. med. P._____ 

vom 12. April 2019 [IV-act. 16 S. 6]). Damit wurde entgegen der 

Auffassung des Beschwerdeführers den Ende 2018 stattgehabten 

stationären Aufenthalten zur rheumatologischen 

Schmerzkomplextherapie im Universitätsspital C._____ (vom 30. Oktober 

bis zum 14. November 2018 [IV-act. 11 S. 1 ff.]) bzw. zur stationären 

Rehabilitation im Rehazentrum in der Klinik D._____ (vom 14. November 

bis zum 8. Dezember 2018 [IV-act. 16 S. 9 ff.]) bereits hinreichend 

Rechnung getragen. Zudem fanden diese – wie auch der rund 

zweiwöchige, stationäre Tramal-Entzug im Juni 2019 (vgl. hierzu Bericht 

von Dr. med. E._____ vom 25. September 2019 [IV-act. 31 S. 3] und 

Verlaufsprotokoll Eingliederung, Einträge vom 13. Juni 2019 [IV-act. 42 

S. 2] und vom 25. Juli 2019 [IV-act. 42 S. 3 f.]) – ohnehin bereits vor dem 

hier für den Rentenanspruch massgeblichen Zeitraum ab dem 1. Oktober 

2019 statt, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen 

Gunsten ableiten kann. Ebenso wenig kann angesichts des vorstehend 

zum estimed-Gutachten Ausgeführten dem Beschwerdeführer gefolgt 

werden, wenn er aufgrund der Präzisierung zur retrospektiven 

Arbeitsfähigkeitsbeurteilung die Qualität des Gutachtens pauschal in 

- 40 -

Zweifel zieht. Vor diesem Hintergrund kann auf die beantragte Einholung 

eines Gerichtsgutachtens verzichtet werden, zumal das streitberufene 

Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine Überzeugung 

gebildet hat und annehmen darf, dass diese Überzeugung durch weitere 

Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl. BGE 144 II 427 E.3.1.3, 141 

I 60 E.3.3, 136 I 229 E.5.3 und 134 I 140 E.5.3; Urteile des Bundesgerichts 

8C_411/2021 vom 27. August 2021 E.4.3.2, 9C_319/2020 vom 19. August 

2020 E.2.2, 9C_89/2020 vom 18. Juni 2020 E.4.8 und 8C_709/2019 vom 

19. Mai 2020 E.4.2.4).

8.1. Der Beschwerdeführer macht des Weiteren geltend, ihm sei insbesondere 

aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen mit spezifischen 

Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit, des fortgeschrittenen Alters, 

der langjährigen Betriebszugehörigkeit, der fehlenden Berufserfahrung in 

anderen als der angestammten Tätigkeit als Messtechniker, der nur noch 

zumutbaren Teilzeittätigkeit und der reduzierten Leistungsfähigkeit 

aufgrund der Schmerzexazerbation bzw. des vermehrten Pausenbedarfs 

ein Leidensabzug von 25 % zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin nahm 

in der angefochtenen Verfügung vom 5. Mai 2022 keinen solchen Abzug 

vor (vgl. IV-act. 90).

8.2.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können persönliche und 

berufliche Merkmale der versicherten Person wie Art und Ausmass der 

Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität 

oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung 

Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben, weshalb ein auf höchstens 25 % 

begrenzter Leidensabzug von dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu 

ermittelnden Invalideneinkommen vorgenommen werden kann, soweit 

anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende 

Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem 

allgemeinen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 134 V 64 E.4.2.1) nur mit 

- 41 -

unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (BGE 146 V 

16 E.4.1, 135 V 297 E.5.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_115/2021 vom 

10. August 2021 E.3.2.1, 8C_330/2021 vom 8. Juni 2021 E.5.1 und 

9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1). Bei der Bestimmung der 

Höhe des Abzugs ist der Einfluss aller in Betracht fallender Merkmale auf 

das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall 

nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und insgesamt, 

wie erwähnt, auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (BGE 

135 V 297 E.5.2, 134 V 322 E.5.2, 126 V 75 E.5b/bb-cc; Urteile des 

Bundesgerichts 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1, 

9C_787/2018 und 9C_795/2018 vom 19. Juli 2019 E.6.2). Die 

Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem 

Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen 

einer körperlich leichten Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit 

eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E.5a/bb; Urteile des Bundesgerichts 

8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1 und 9C_283/2020 vom 

17. August 2020 E.7.1.1). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in 

der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene 

gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des 

leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten 

Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 

E.4.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_115/2021 vom 10. August 2021 

E.3.2.1 und 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1).

8.2.2. Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde einen Leidensabzug 

damit begründet, dass dieser dazu diene, jene Nachteile auszugleichen, 

welche versicherte Personen bei den bei gesunden Arbeitnehmern 

erhobenen statistischen Invalidenlöhnen erleiden würden, kann ihm 

angesichts der vorgenannten Rechtsprechung nicht gefolgt werden. 

Vielmehr bildet danach der ausgeglichene Arbeitsmarkt massgeblicher 

- 42 -

Referenzpunkt (zum Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkts vgl. BGE 

148 V 174 E.9.1, 138 V 457 E.3.1 und 134 V 64 E.4.2.1; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_330/2021 vom 8. Juni 2021 E.5.3.1 und 8C_464/2019 

vom 28. November 2019 E.5.4). Dabei bringt die Beschwerdegegnerin in 

ihrer Vernehmlassung zu Recht vor, dass ein Leidensabzug 

rechtsprechungsgemäss nicht generell und in jedem Fall zur Anwendung 

gelangt. Ein Abzug soll nicht automatisch, sondern dann erfolgen, wenn 

im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person 

wegen eines oder mehrerer einkommensbeeinflussender Merkmale ihre 

gesundheitlich bedingte Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen 

Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg 

verwerten kann (siehe BGE 146 V 16 E.4.1, 126 V 75 E.5a/bb und 

E.5b/aa; Urteile des Bundesgerichts 8C_276/2021 vom 2. November 2021 

E.5.1, 8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1, 9C_18/2020 vom 

19. Mai 2020 E.6.1.1, 9C_323/2019 vom 2. September 2019 E.4.2 und 

9C_549/2018 vom 20. Februar 2019 E.4.1). Anhaltspunkte dafür, dass 

diese Rechtsprechung keine Geltung mehr beanspruchen sollte, sind nicht 

ersichtlich. Insbesondere verneinte das Bundesgericht in dem auch vom 

Beschwerdeführer angeführten und in Würdigung der jüngsten 

Erkenntnisse aus der Wissenschaft (namentlich statistisches Gutachten 

"Nutzung Tabellenmedianlöhne LSE zur Bestimmung der Vergleichslöhne 

bei der IV-Rentenbemessung" des Büros für arbeits- und sozialpolitische 

Studien BASS AG vom 8. Januar 2021, das Rechtsgutachten 

"Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung" 

vom 22. Januar 2021 und der Beitrag "Der Weg zu einem 

invaliditätskonformeren Tabellenlohn", publiziert in: SZS 6/2021, S. 287 ff.) 

ergangenen BGE 148 V 174, dass die Ermittlung des 

Invalideneinkommens anhand der Medianwerte der LSE, allenfalls 

korrigiert um namentlich einen leidensbedingten Abzug, diskriminierend 

sein soll (vgl. dortige E.9.2.3, Hervorhebung durch das streitberufene 

- 43 -

Gericht). Daraus kann entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers 

demnach weder geschlossen werden, es sei im Regelfall ein 

leidensbedingter Abzug zu gewähren, noch, dass eine Bemessung des 

Invalideneinkommens gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne ohne 

korrigierende Herabsetzung mittels Leidensabzugs in jedem Fall 

diskriminierend sei. Auch wird in der jüngsten Rechtsprechung einem 

statistisch begründeten Abzug vom Zentralwert die Anwendung versagt 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_339/2021 vom 27. Juli 2022 E.4.5.3). 

Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesgericht im besagten 

BGE 148 V 174 gestützt auf die angeführten Studien ausgeführt hat, dass 

der Medianlohn teilweise auch von Personen mit gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen erzielt werde (vgl. dortige E.9.2.3). Indem das 

Bundesgericht in BGE 148 V 174 letztlich an der bisherigen Praxis zur 

Ermittlung des Invalideneinkommens anhand statistischer Werte festhielt, 

verneinte es somit auch eine Verletzung von Bundes(verfassungs)- und 

Konventionsrecht. Unter Verweis auf die vorgenannten jüngsten 

Erkenntnisse aus der Wissenschaft wies es auf die überragende 

Bedeutung des Abzugs als Korrekturinstrument für die Festsetzung eines 

möglichst korrekten Invalideneinkommens hin (BGE 148 V 174 E.9.2.3). 

Insofern ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt verglichen mit anderen Beschäftigten mit einem 

Minderverdienst rechnen müsste.

8.3.1. Soweit der Beschwerdeführer einen Abzug mit dem Verweis auf seine 

Leidensgeschichte und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen geltend 

macht, ist ihm entgegenzuhalten, dass die sich aus medizinischer Sicht 

auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden Limitierungen, welche bereits in 

qualitativer Hinsicht bei der Festlegung des Belastungsprofils bzw. in 

quantitativer Hinsicht im Sinne einer reduzierten Arbeitsfähigkeit 

berücksichtigt worden sind, nicht nochmals – als abzugsrelevant – 

- 44 -

herangezogen werden dürfen. Dies käme einer unzulässigen doppelten 

Anrechnung derselben Gesichtspunkte gleich (vgl. BGE 146 V 16 E.4.1; 

Urteile des Bundesgerichts 8C_48/2021 vom 20. Mai 2021 E.4.3.3 f., 

8C_390/2020 vom 25. November 2020 E.4.3, 8C_393/2020 vom 

21. September 2020 E.3.1, 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1 

und 8C_586/2019 vom 24. Januar 2020 E.4.1, 8C_94/2018 vom 2. August 

2018 E.7.2 und 9C_771/2017 vom 29. Mai 2018 E.3.5.1). Insbesondere 

kann mit Blick auf den geltend gemachten erhöhten Pausenbedarf infolge 

Schmerzexazerbation auf das im Rahmen der optimal leidensadaptierten 

Tätigkeit bereits Ausgeführte verwiesen werden (vgl. vorstehende 

Erwägungen 7.2.4.1 f.). Zudem umfasst das hier anwendbare 

Kompetenzniveau 1 ein genügend breites Spektrum an zumutbaren 

leichten, wechselbelastenden Verweisungstätigkeiten (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_799/2021 vom 3. März 2022 E.4.3.2, 8C_301/2021 

vom 23. Juni 2021 E.6.3, 8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.8.2.2, 

9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E.3.3.3.2, 8C_798/2019 vom 16. Juli 

2020 E.5.2, 8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E.6.2, 9C_447/2019 vom 

8. Oktober 2019 E.4.3.2, 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E.6.3.2 

und 9C_284/2018 vom 17. Juli 2018 E.2.2.1). Zu denken wäre 

beispielsweise an leichte Kontroll- oder Überwachungstätigkeiten (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 8C_535/2021 vom 25. November 2021 

E.5.4.3, 9C_574/2019 vom 16. Oktober 2019 E.2.3 und 8C_77/2019 vom 

8. März 2019 E.3.2.2). Angesichts dessen und dem hernach unter dem 

Faktor Alter zu den persönlichen Merkmalen und beruflichen Fähigkeiten 

des Beschwerdeführers Ausgeführten ist entgegen der Auffassung des 

Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar, inwiefern auf eine 

Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu schliessen wäre.

8.3.2. Nicht abzugsrelevant ist sodann die vom Beschwerdeführer angeführte 

fehlende oder geringe Berufserfahrung in anderen als der angestammten 

- 45 -

Tätigkeit. Denn diesen Aspekten wird vorliegend mit der Anwendung des 

Kompetenzniveaus 1 nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

bereits hinreichend Rechnung getragen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_350/2022 vom 9. November 2022 E.6.2.3, 8C_627/2021 vom 25. 

November 2021 E.7.2, 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E.7.7 und 

9C_323/2019 vom 2. September 2019 E.4.2). Praxisgemäss werden für 

Hilfsarbeiten weder eine Berufsausbildung noch Erfahrung oder sonstige 

Vorkenntnisse vorausgesetzt (Urteil des Bundesgerichts 8C_55/2021 vom 

9. Juni 2021 E.5.2.1). Insoweit kommt im Kompetenzniveau 1 auch dem 

Umstand, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit 

eine langjährige Betriebszugehörigkeit aufwies und somit im Rahmen der 

adaptierten Tätigkeit keine Dienstjahre aufweist, keine relevante 

Bedeutung zu (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_339/2021 vom 27. Juli 

2022 E.4.5.4.3, 9C_498/2021 vom 18. Januar 2022 E.3.2.4, 9C_439/2018 

vom 31. Januar 2019 E.4.3.2 und 9C_200/2017 vom 14. November 2017 

E.4.6). Vielmehr ist eine lange Dienstdauer beim gleichen Arbeitgeber auf 

dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gemäss der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung grundsätzlich positiv zu werten, indem sich die durch die 

langjährige Betriebstreue ausgewiesene Zuverlässigkeit und Tüchtigkeit 

bei einem anderen Arbeitgeber im Anfangslohn niederschlägt (Urteile des 

Bundesgerichts 9C_407/2019 vom 28. August 2019 E.4.4.3 und 

8C_552/2017 vom 18. Januar 2018 E.5.4.1 m.H.). 

8.3.3. Entgegen dem Beschwerdeführer stellt sein Alter (Jahrgang 1969) keinen 

Grund dar, der einen leidensbedingten Abzug zu rechtfertigen vermöchte. 

Denn insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten muss sich ein 

fortgeschrittenes Alter auf dem hypothetischen ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 134 V 64 E.4.2.1) praxisgemäss nicht 

zwingend lohnsenkend auswirken. Gerade Hilfsarbeiten werden gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf dem massgebenden 

- 46 -

ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (siehe 

BGE 146 V 16 E.7.2.1 m.w.H.; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 

8C_799/2021 vom 3. März 2022 E.4.3.3, 8C_535/2021 vom 

25. November 2021 E.5.4.3, 8C_176/2021 vom 18. Mai 2021 E.6.2.2 und 

8C_393/2020 vom 21. September 2020 E.4.2). Bei Männern im 

Alterssegment von 50 bis 64/65 wirkt sich das Alter gemäss der LSE bei 

Stellen ohne Kaderfunktion sogar eher lohnerhöhend aus (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 9C_206/2021 vom 10. Juni 2021 E.4.4.5 und 

9C_702/2020 vom 1. Februar 2021 E.6.3.2; siehe auch LSE 2018, Tabelle 

TA9 sowie die dem Kompetenzniveau 1 zuzuordnende 

Berufshauptgruppe 9 "Hilfsarbeitskräfte" in der Tabelle T17), was das 

Bundesgericht auch in seiner jüngsten Rechtsprechung bestätigte (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_292/2021 vom 21. April 2022 E.7). Hinzu 

kommt, dass der Beschwerdeführer von seinen bisher gewonnenen 

Berufserfahrungen und Kenntnissen, insbesondere als über viele Jahre 

tätig gewesener Messtechniker mit firmeninternen Weiterbildungen als 

Spleisser und bauführender Monteur, auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt profitieren kann (vgl. estimed-Gutachten vom 27. Juli 2021 

[vgl. IV-act. 71 S. 63, S. 83 und S. 112] und Verlaufsprotokoll 

Eingliederung, Zusammenfassung vom 29. Mai 2020 [IV-act. 42 S. 7 f.]). 

Dabei war er in der Lage, die ihm übertragenen Aufgaben zur vollsten 

Zufriedenstellung seiner Vorgesetzten auszuführen, was ihm sein 

Arbeitgeber attestierte (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederung, Eintrag vom 

13. Juni 2019 [IV-act. 42 S. 2], wonach er auf den Beschwerdeführer als 

seinen besten Mitarbeiter angewiesen sei). Zudem hat der 

Beschwerdeführer bisher praktische und handwerkliche Tätigkeiten 

ausgeübt, weshalb der Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand in eine 

Verweistätigkeit gering sein dürfte. Dies ist mit Blick auf die kürzere 

verbleibende Aktivitätsdauer positiv zu werten, genauso wie seine 

Persönlichkeitsstruktur als grundsätzlich leistungswillige und im 

- 47 -

beruflichen Kontext sehr geschätzte Person (vgl. Verlaufsprotokoll 

Eingliederung, Einträge vom 13. Juni 2019 [IV-act. 42 S. 2] und vom 

13. Dezember 2019 [IV-act. 42 S. 5], RAD-Abklärungsbericht vom 

14. Januar 2020 [IV-act. 37 S. 2] sowie Evaluationsgespräch 

Eingliederung vom 16. April 2019 [IV-act. 18 S. 3]). Es fehlen somit 

konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer auf dem 

allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund seines Alters verglichen mit anderen 

Beschäftigten seiner Alterskategorie mit einem geringeren Lohn rechnen 

müsste.

8.3.4. Allerdings ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass bei 

Männern, die behinderungsbedingt nur mehr einer Teilzeitarbeit 

nachgehen können, unter dem Titel Beschäftigungsgrad allenfalls ein 

Abzug vom Tabellenlohn anerkannt wird. Ein solcher entfällt, wenn 

grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige Versicherte aus gesundheitlichen 

Gründen lediglich reduziert leistungsfähig sind (Urteile des 

Bundesgerichts 8C_395/2019 vom 20. September 2019 E.6.5.2, 

9C_232/2019 vom 26. Juni 2019 E.2 und 3.1, 8C_211/2018 vom 8. Mai 

2018 E.4.4 und 8C_344/2012 vom 16. August 2012 E.3.2, je mit 

Hinweisen). Eine solche Konstellation liegt hier ausweislich der Akten nicht 

vor. So wiesen die Gutachter im estimed-Gutachten vom 27. Juli 2021 

eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit aus (vgl. IV-

act. 71 S. 11 f.), welche aus rheumatologischer Sicht bei einer reduzierten 

täglichen Präsenzzeit ohne Leistungseinschränkung verwertet werden 

kann (vgl. IV-act. 71 S. 94, wobei es sich bei der dort ausgewiesenen 

Einschränkung des zeitlichen Arbeitspensums auf vier Stunden am Tag 

um einen Schreibfehler handelt [vgl. hierzu Erwägungen 7.2.4 ff.]). Selbst 

wenn davon ausgegangen wird, dass Männer ohne Kaderfunktion mit 

einem Beschäftigungsgrad von 50 bis 74 % gemäss der LSE-Tabelle T18 

für das Jahr 2018 statistisch gut 4 % weniger verdienten als solche mit 

- 48 -

einem Beschäftigungsgrad von 90 % und mehr und dies für sich allein 

genommen rechtsprechungsgemäss keine überproportionale 

Lohneinbusse darstellt (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_329/2021 

vom 27. Oktober 2021 E.8.6, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.2, 

8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E.6.3.2, 9C_223/2020 vom 25. Mai 2020 

E.4.3.2), ist zu berücksichtigen, dass vorliegend spezifische 

Anforderungen hinzutreten, welche sich aus dem vorerwähnten 

Belastungsprofil ergeben. So umfasst – wie bereits dargelegt (vgl. 

vorstehende Erwägungen 7.2.4.1 f.) – eine leidensangepasste Tätigkeit 

körperlich leichte bzw. nicht anspruchsvolle, wechselbelastende 

Tätigkeiten ohne kniende, bückende, kauernde oder anderweitige nicht 

ergonomische Arbeiten und ohne statische, sondern auch 

Bewegungskomponenten aufweisende Tätigkeiten, wobei dabei gemäss 

gutachterlichem Zumutbarkeitsprofil die Möglichkeit flexibel wechselnder 

Körperhaltungen bestehen soll (vgl. IV-act. 71 S. 94; ferner RAD-

Abklärungsbericht vom 14. Januar 2020 [IV-act. 37 S. 3]). Insofern muss 

es dem Beschwerdeführer bei der Ausführung der ihm übertragenen 

Aufgaben gestattet sein, während der Arbeit je nach Schmerzsituation 

flexibel zwischen sitzenden, stehenden und gehenden Tätigkeiten zu 

wechseln, um sich dadurch Entlastung verschaffen bzw. 

Schmerzexazerbationen vermeiden zu können. Dabei ist davon 

auszugehen, dass eine solche gesundheitsbedingte Rücksichtnahme auf 

flexible Wechsel der Körperhaltung und der damit einhergehenden 

Ausgestaltung der Arbeitsverrichtungen aus betriebswirtschaftlicher Sicht 

lohnmässig relevant ist. Hinzu kommt, dass dem estimed-Gutachten vom 

27. Juli 2021 in anamnestischer Hinsicht zu entnehmen ist, dass sich der 

Beschwerdeführer im Liegen hinsichtlich der Schmerzen Linderung 

verschaffen kann (vgl. IV-act. 71 S. 109, S. 114 und S. 64; vgl. ferner 

Bericht zur EFL vom 20. Mai 2021 [IV-act. 71 S. 133]). Daher müsste 

idealerweise die Möglichkeit bestehen, dass sich der Beschwerdeführer 

- 49 -

während der Pausen auch hinlegen kann. Insgesamt sind somit die 

funktionellen Einschränkungen nicht ohne Weiteres mit den 

Anforderungen vereinbar, welche sich aus den gewöhnlichen betrieblichen 

Abläufen ergeben. Vielmehr ist aufgrund des vorerwähnten 

Belastungsprofils davon auszugehen, dass die darin aufgeführten 

Anforderungen auch im Rahmen einer adaptierten Tätigkeit eine 

Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur 

mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg erlauben würden.

9. Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich vorliegend bei einer gesamthaften 

Betrachtungsweise und unter der Berücksichtigung der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung, einen Leidensabzug von 15 % vom 

statistisch bemessenen Invalideneinkommen vorzunehmen. Das 

Invalideneinkommen per 2021 beläuft sich somit auf CHF 41'506.60 (LSE 

2018, TA 1, Kompetenzniveau 1, Männer, umgerechnet auf die 

wöchentliche durchschnittliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, aufindexiert, 

Arbeitsfähigkeit von 70 %, Leidensabzug von 15 % = CHF 5'417.-- x 12 : 

40 x 41.7 x 1.009117 x 1.01 x 1.01 x 0.7 x 0.85). Dabei resultiert bei einem 

unbestritten gebliebenen, auf der Tätigkeit als Schichtmitarbeiter 

basierenden und der Nominallohnentwicklung angepassten 

Valideneinkommen per 2021 von CHF 88'908.85 ein Invaliditätsgrad von 

gerundet 53.3 %, womit ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente 

besteht. Dies ergäbe sich selbst dann, wenn von einem Leidensabzug von 

20 % ausgegangen würde (Invalideneinkommen von CHF 39'065.05 = 

CHF 5'417.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.009117 x 1.01 x 1.01 x 0.7 x 0.8). 

10. Soweit die Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung eventualiter 

anbegehrt, dem Beschwerdeführer sei eine reformatio in peius 

anzudrohen, zumal für die Ermittlung des Invalideneinkommens 

angesichts dessen Berufskenntnisse auf das Kompetenzniveau 2 im 

Bereich der Telekommunikation abzustellen sei, kann ihr nicht gefolgt 

- 50 -

werden. Zwar war der Beschwerdeführer – wie bereits aufgezeigt – 

langjähriger Mitarbeiter bei der B._____ AG und hat firmenintern 

Weiterbildungen zum Spleisser, bauführenden Monteur und 

Messtechniker absolviert. Welche Tätigkeiten mit diesen Kenntnissen dem 

Beschwerdeführer im Bereich der dem Dienstleistungssektor 

zuzuordnenden Telekommunikation im Kompetenzniveau 2, das 

praktische Tätigkeiten wie Verkauf, Pflege, Datenverarbeitung und 

Administration, Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten 

sowie Sicherheits- und Fahrdienst umfasst, noch möglich sein sollen, die 

zugleich dem vorerwähnten Zumutbarkeitsprofil entsprechen, zeigt die 

Beschwerdegegnerin indes nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Zwar 

ist dem Bericht zur durchgeführten EFL vom 20. Mai 2021 zu entnehmen, 

dass Bürotätigkeiten bis maximal 6 Stunden täglich zumutbar sein sollen 

(vgl. IV-act. 71 S. 129 und S. 133). Allerdings wurde eine solche bei 

seinem ehemaligen Arbeitgeber bereits erfolglos erprobt. So führte dieser 

im Rahmen der Frühintervention aus, dass der Beschwerdeführer bei 

diesen Büroarbeiten immer Schmerzen gehabt habe und es ihm dabei 

nicht gut gegangen sei (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederung, Eintrag vom 

25. Juli 2019 [IV-act. 42 S. 4]; siehe ferner auch Zusammenfassung im 

selbigen Verlaufsprotokoll [IV-act. 42 S. 7]). Auch RAD-Arzt Dr. med. 

F._____ bemerkte dazu in seinem Abklärungsbericht vom 14. Januar 

2020, die Bürotätigkeit beim (ehemaligen) Arbeitgeber sei bald wegen 

Zunahme von Rückenbeschwerden eingestellt worden, da überwiegend 

sitzende Tätigkeiten ungünstig gewesen seien (vgl. IV-act. 37 S. 2; vgl. 

ferner auch Angaben des Beschwerdeführers im psychiatrischen estimed-

Teilgutachten [IV-act. 71 S. 112]). Dies leuchtet insofern ein, als eine 

solche Bürotätigkeit, auch wenn sie im angestammten Bereich der 

Messtechnik anzusiedeln ist, mehrheitlich sitzend bzw. gelegentlich 

stehend (am Stehpult) und daher relativ statisch ohne wirkliche, 

entlastende Bewegungsmöglichkeiten ausgeübt werden muss, was dem 

- 51 -

vorerwähnten Anforderungsprofil zuwiderläuft. Dieses zielt mit den als 

zumutbar erachteten körperlich leichten bzw. nicht anspruchsvollen, 

wechselbelastenden Verweisungstätigkeiten auf solche im 

Kompetenzniveau 1 ab. Die Beschwerdegegnerin verhält sich denn auch 

widersprüchlich, wenn sie in der Vernehmlassung zunächst die Vornahme 

eines Leidensabzugs unter Hinweis auf Tätigkeiten im 

Kompetenzniveau 1 negiert, sodann aber für die Ermittlung des 

Invalideneinkommens auf den Tabellenlohn im Kompetenzniveau 2 im 

Wirtschaftszweig Telekommunikation abstellen will. Aus diesen Gründen 

ist somit von einer Androhung der reformatio in peius abzusehen.

11. Insgesamt erweist sich die Beschwerde somit als begründet. Die 

angefochtene Verfügung vom 5. Mai 2022 ist in Gutheissung der 

Beschwerde aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 

2019 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.

12.1. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwa