# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70b84177-f393-5b10-a65c-88e4ac64300e
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-14
**Language:** de
**Title:** Glarus Kantonsgericht Strafkammern 14.03.2012 SG.2010.01007 (SG.2015.6)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_KG_001_SG-2010-01007_2012-03-14.html

## Full Text

Kanton Glarus

   

  Kantonsgericht

   

  Strafkammer

   

   

  Urteil
  vom 14. März 2012

   

   

  Verfahren
  SG.2010.01007

   

   

  A.______

  Anklägerin

   

  vertreten durch D.______

   

   

  K.______

   

  Zivilklägerin

   

   

  L.______

   

  Zivilkläger

   

  vertreten durch E.______
  

   

   

  M.______

   

  Zivilklägerin

   

   

  O.______

   

  Zivilkläger

   

  vertreten durch F.______
  

   

   

   

  G.______ 

  Zivilkläger

   

   

  N.______

   

  Zivilklägerin

   

   

  H.______ 

  Zivilklägerin

  vertreten durch E.______ 

   

  I.______ 

  Zivilkläger

   

  vertreten durch E.______ 

   

   

  J.______

   

  Zivilkläger

   

  vertreten durch E.______
  

   

   

   

   

  gegen

   

   

   

   

  B.______

   

  Beschuldigter

   

  verteidigt durch C.______
  

   

   

  angeklagt des

   

   

   

  mehrfachen
  Mordes, mehrfachen Raubes etc.

   

   

   

   Schlussanträge der A.______ (gemäss
  Anklageschrift vom 29. Oktober 2009, ergänzt an der mündlichen Verhandlung
  vom 13. März 2012, sinngemäss):

   

  1.    Der Beschuldigte sei des mehrfachen Mordes gemäss
  Art. 112 StGB, des mehrfachen qualifizierten Raubes nach Art. 140 Ziff. 1 und
  Ziff. 4 StGB, des einfachen Raubes nach Art. 140 Ziff. 1 StGB, des Diebstahls
  nach Art. 139 Ziff. 1 StGB und des Hausfriedensbruchs nach Art. 186
  StGB schuldig zu sprechen.

   

  2.    Der Beschuldigte sei zu einer lebenslänglichen
  Freiheitsstrafe zu verurteilen, unter Anrechnung der erstandenen
  Auslieferungshaft, Untersuchungshaft und des vorzeitigen Strafvollzugs.

   

  3.    Der Beschuldigte sei im Anschluss an die
  Strafverbüssung zu verwahren. 

   

  4.    Die gemäss Schlussbericht des Verhöramtes des Kantons
  Glarus vom 28. Mai 2010 sichergestellten Gegenstände seien gestützt auf Art.
  69 StGB einzuziehen und zu vernichten.

   

  5.    Die gesamten Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten
  aufzuerlegen.

   

   

  Schlussanträge
  der Zivilklägerin K.______ (vom 7. April 2008, sinngemäss):

   

  1.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der
  Zivilklägerin K.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 300.— zu bezahlen.

   

  2.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, S.______
  Schadenersatz in der Höhe von CHF 10'400.— zu bezahlen.

   

  3.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der
  [...]Schadenersatz in der Höhe von CHF 9'662.90 zu bezahlen.

   

   

  Schlussanträge
  des Zivilklägers L.______ (vom 13. März 2012, sinngemäss):

   

  1.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Zivilkläger
  L.______ Schadenersatz in der Höhe von CHF 139'818.— nebst Zins zu 5 % seit
  5. Juli 2005 zu bezahlen.

   

  2.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Zivilkläger
  L.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 30'000.— nebst Zins zu 5 % seit
  5. Juli 2005 zu bezahlen.

   

  3.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Zivilkläger
  L.______ eine Parteientschädigung für das Untersuchungsverfahren in der Höhe
  von CHF 1'391.25 zu bezahlen.

   

  4.    Alles unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten.

   

   

  Schlussantrag
  der Zivilklägerin M.______ (vom 20. Mai 2009 und 23. Juni 2009, sinngemäss):

   

  Der Beschuldigte sei zu
  verpflichten, der Zivilklägerin M.______ Schadenersatz in der Höhe von CHF
  16'107.20 zu bezahlen.

   

   

  Schlussanträge
  des Zivilklägers Y.______ (vom 13. März 2012, sinngemäss):

   

  1.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Zivilkläger
  Y.______ Schadenersatz in der Höhe von CHF 7'625.— nebst Zins zu 5 % seit 1.
  Mai 2006 zu bezahlen.

   

  2.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Zivilkläger
  Y.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 28'000.— nebst Zins zu 5 % seit
  28. Juli 2005 zu bezahlen.

   

  3.    Eventuell sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem
  Zivilkläger Y.______ eine 15 Jahre dauernde Genugtuungsrente von monatlich
  CHF 250.— zu bezahlen.

   

  4.    Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten
  des Beschuldigten.

   

   

  Schlussantrag
  des Zivilklägers G.______ (vom 7. Oktober 2008, sinngemäss):

   

  Der Beschuldigte sei zu
  verpflichten, dem Zivilkläger G.______ Schadenersatz in der Höhe von CHF
  100'000.— zu bezahlen.

   

   

  Schlussantrag
  der Zivilklägerin N.______ (vom 24. September 2008, sinngemäss):

   

  Der Beschuldigte sei zu
  verpflichten, der Zivilklägerin N.______ Schadenersatz in der Höhe von CHF
  300'711.— zu bezahlen.

   

   

  Schlussantrag
  der Zivilklägerin H.______ (vom 13. März 2012, sinngemäss):

   

  Der Beschuldigte sei zu
  verpflichten, der Zivilklägerin H.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF
  60'000.— nebst Zins zu 5 % seit 22. Februar 2007 zu bezahlen.

   

   

  Schlussantrag
  des Zivilklägers I.______ (vom 13. März 2012, sinngemäss):

   

  Der Beschuldigte sei zu
  verpflichten, dem Zivilkläger I.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF
  35'000.— nebst Zins zu 5 % seit 22. Februar 2007 zu bezahlen.

   

  Schlussantrag
  des Zivilklägers J.______ (vom 13. März 2012, sinngemäss):

   

  Der Beschuldigte sei zu verpflichten,
  dem Zivilkläger J.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 35'000.— nebst
  Zins zu 5 % seit 22. Februar 2007 zu bezahlen.

  Schlussanträge
  der Zivilkläger H.______, I.______ und J.______ (vom 13.
  März 2012, sinngemäss):

   

  1.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den Zivilklägern H.______,
  I.______ und J.______ Schadenersatz in der Höhe von CHF 6'944.— nebst
  Zins zu 5 % seit 13. März 2008 zu bezahlen.

   

  2.    Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den Zivilklägern H.______,
  I.______ und J.______ eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 28'026.55
  zu bezahlen.

   

  3.    Alles unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten.

   

   

  Schlussanträge
  der Verteidigung (gestellt an der mündlichen Verhandlung vom
  13. März 2012, sinngemäss):

   

  1.    Der Beschuldigte sei der fahrlässigen Tötung nach
  Art. 117 StGB, des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
  StGB und des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu
  sprechen.

   

  2.    Von den weiteren Vorwürfen sei der Beschuldigte
  freizusprechen.

   

  3.    Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren zu
  bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Auslieferungs- und
  Untersuchungshaft.

   

  4.    Es sei eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme anzuordnen.

   

  5.    Die beschlagnahmten Gegenstände seien endgültig einzuziehen.

   

  6.    Die Zivilforderungen seien, soweit heute anerkannt, gutzuheissen
  und im Übrigen auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses zu verweisen. 

   

   

   

  ____________________

   

   

  Das Gericht zieht in
  Betracht:

   

  I. Prozessgeschichte

   

  1. Gestützt
  auf die Untersuchungsakten und den Schlussbericht vom 28. Mai 2010 erhob
  die A.______ mit Anklageschrift vom 29. Oktober 2010 – eingegangen am
  29. Oktober 2010 – Anklage gegen B.______ wegen mehrfachen Mordes,
  Diebstahls, mehrfachen qualifizierten Raubes, einfachen Raubes und Hausfriedensbruchs.
  Mit Eingabe vom 13. Januar 2011 beantragte die Staatsanwaltschaft im
  Hinblick auf eine mögliche Verwahrung eine psychiatrische Begutachtung des
  Beschuldigten. Am 16. März 2011 wurde bei T.______ ein Gutachten in
  Auftrag gegeben.

  Mit Eingabe
  vom 24. Februar 2011 stellte die Verteidigung Antrag auf Befragung
  mehrerer Personen, mit Schreiben vom 4. Oktober 2011 die Staatsanwaltschaft
  auf Präzisierung des Erstgutachtens sowie Einholung eines Zweitgutachtens. Am
  11. November 2011 lehnte der Kantonsgerichtspräsident sämtliche Beweisanträge
  ab.

  Erwähnt sei
  zudem, dass per 1. Juli 2011 [...] als Amtsnachfolger von [...] die
  Verfahrensleitung übernommen hat.

   

  2. Die
  mündliche Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Kantonsgerichts wurde
  zunächst auf den 13. und 14. März 2012, 07.30 Uhr, angesetzt.
  Der Verhandlungsbeginn wurde mit Schreiben vom 18. Januar 2012 jeweils
  auf 09.00 Uhr verschoben. Mit Vorladung vom 20. Januar 2012 wurde
  der 26. März 2012 als zusätzlicher Verhandlungstag angesetzt.

  Die [...] erbat
  mit Schreiben vom 19. Januar 2012 um Dispensation von der
  Hauptverhandlung. K.______ liess sich telefonisch dispensieren. G.______ verzichtete
  mit Eingabe vom 24. Januar 2012 auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung.
  Mit Eingabe vom 26. Januar 2012 verzichtete auch die N.______ auf die
  Teilnahme an der Hauptverhandlung. Mit Eingabe vom 9. März 2012 liess
  sich L.______ von der Hauptverhandlung dispensieren.

  Die mündliche Hauptverhandlung vor der Strafkammer des
  Kantonsgerichts fand am 13. März 2012 statt.

  Am
  14. März 2012 fällte die Strafkammer ihr Urteil, welches am
  16. März 2012 versandt und am 19. März 2012 vom Rechtsvertreter von
  B.______ und von der A.______ empfangen wurde. Mit Eingabe vom 20. März
  2012 meldete der Rechtsvertreter von B.______ Berufung an. Mit Eingabe vom
  28. März 2012 meldete der Rechtsvertreter von L.______ sowie H.______,
  I.______ und J.______ Berufung an.

   

   

  II.
  Sachverhaltserstellung

   

  1. Die Anklageschrift der A.______ vom
  29. Oktober 2010 umfasst die in den Untersuchungsakten und im
  Schlussbericht des Verhöramtes des Kantons Glarus aufgeführten und näher
  umschriebenen strafbaren Handlungen des Beschuldigten. Auf diese, auf die
  Ausführungen der Parteien in der Hauptverhandlung gemäss Handprotokoll des
  Gerichtsschreibers und auf die Plädoyernotizen von Staatsanwaltschaft,
  Verteidigung und Geschädigtenvertretern wird soweit notwendig in den
  nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

   

  2. Der
  Beschuldigte gab zu, am 13. Juni 2005 die [...] Uhrenbijouterie in Zürich, am
  5. Juli 2005 die Bijouterie [...]Goldschmied in Wetzikon ZH, am
  8. Juli 2005 die Bijouterie V.______ in Glarus, am 14. Februar 2006
  das Uhrengeschäft Uhrenatelier in Zürich und am 22. Februar 2007 die
  Bijouterie [...]in [...]überfallen zu haben. Er bestritt jedoch, dabei
  jemanden getötet zu haben.

   

  3. Der
  Sachverhalt ist somit hinsichtlich des genauen Tatgeschehens zu erstellen
  (vgl. nachfolgend Ziff. IV/2. ff.). Das Gericht hat seinem
  Urteil denjenigen Sachverhalt zu Grunde zu legen, den es aus den im gesamten
  Verfahren gewonnenen Überzeugungen als verwirklicht erachtet (Art. 10
  Abs. 2 StPO).

   

  4. Nach dem
  Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung ist zu prüfen, ob der
  angeklagte Sachverhalt mit Sicherheit als gegeben erachtet werden kann. Bestehen
  nach abgeschlossener Beweiswürdigung erhebliche und unüberwindliche Zweifel,
  so sind diese zu Gunsten der beschuldigten Person zu werten (Art. 32
  Abs. 1 BV; Art. 10 Abs. 3 StPO; Schmid Niklaus, Schweizerische Strafprozessordnung,
  Praxiskommentar, Zürich 2009, N 4 ff. zu Art. 10). Erheblich
  sind jene Zweifel, welche bei einer objektiven Betrachtungsweise angebracht
  sind (Schmid Niklaus, a.a.O.,
  N 10 zu Art. 10). Es stellt
  sich die Frage, ob die der freien Beweiswürdigung verpflichteten Richter nach
  ihrer persönlichen Ansicht aufgrund gewissenhafter Prüfung die verschiedenen
  Aussagen für glaubhaft halten und zur Überzeugung gelangen, dass ein
  Schuldspruch aufgrund der vorliegenden Beweise erfolgen muss. Haben sie
  demgegenüber vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten, ist dieser
  freizusprechen.

   

   

  III. Fall [...]

   

  1. Die
  Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten B.______ vor, am 13. Juni
  2005 um ca. 16.10 Uhr die S.______ Uhren-Bijouterie im dritten Stock an
  der [...] in [...] bestohlen zu haben.

  B.______ habe
  das Geschäft, in welchem die damals 75jährige Verkäuferin 

  K.______ arbeitete, betreten und sich diverse Uhren im Gesamtwert von
  CHF 17'300.― zeigen lassen. Unvermittelt sei er in der Folge mit
  den Uhren aus dem Laden gerannt. Er habe die Beute später verkauft und
  verschenkt und mit dem Erlös seinen Lebensunterhalt bestritten. Dadurch habe
  er sich wegen (Entreiss-) Diebstahls im Deliktsbetrag von
  CHF 17'300.― gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB strafbar
  gemacht, indem er vorsätzlich den Gewahrsam an den Uhren gebrochen habe, um
  eigenen daran zu begründen.

   

  2. Die rechtliche Würdigung durch den
  Staatsanwalt ist zutreffend und wurde vom Verteidiger auch nicht bestritten.
  Schuld-ausschliessungs- und Rechtfertigungsgründe im Sinne des Gesetzes
  liegen keine vor.

  Dementsprechend ist der Beschuldigte des Diebstahls
  im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu
  sprechen.

   

   

  IV. Fall [...]

   

  1. Die
  A.______ wirft dem Beschuldigten vor, am 5. Juli 2005 zwischen
  09.30 Uhr und 11.30 Uhr die Bijouterie [...] an der [...] in [...] überfallen
  zu haben. Hierbei habe er sich des qualifizierten Raubes, im Deliktsbetrag
  von ca. CHF 74'746.85, gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und
  Ziff. 4 StGB, sowie wegen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB
  strafbar gemacht.

   

  2. Am
  3. April 2007 wurde B.______ durch die Kantonspolizei Zürich kurz zum
  Raub an L.______ befragt. Dort gab der Beschuldigte als Grund für seine
  Fahrten quer durch die Schweiz an, erstens sei das ein schönes Land, er habe
  so viel wie möglich davon sehen wollen, und zweitens habe er sich umgeschaut,
  was man wo machen könne, wo man ohne Hindernis stehlen oder Überfälle machen
  könne. An Tatutensilien habe er Handschuhe und Klebeband dabei gehabt.

   

  3. Gegenüber
  der Kantonspolizei Zürich gab der Beschuldigte am 4. Mai 2007 an, er sei
  zufällig zum Juweliergeschäft von L.______ gekommen und sei hingegangen um
  einmal zu schauen, was es dort so gebe. Den Entschluss zum Raub habe er erst
  unmittelbar im Geschäft gefasst. Der Beschuldigte habe L.______ gesagt, das
  sei ein Überfall. L.______ sei darauf zur Türe gelaufen und der Beschuldigte
  habe ihn am Arm gepackt und ins Gesicht geschlagen. Er habe mit der rechten
  Hand zugeschlagen. Der Beschuldigte sei selber Linkshänder. L.______ sei
  hingefallen, der Beschuldigte habe ihn aufgefangen und in die Werkstatt geschleppt.
  Dort habe L.______ zu schreien begonnen, weshalb der Beschuldigte erneut
  zugeschlagen habe. L.______ sei bei Bewusstsein gewesen und habe am Boden
  gelegen. B.______ habe ihn seitwärts ins Gesicht geschlagen. Der zweite
  Schlag sei auf den Kopf erfolgt. Dann habe B.______ ein drittes Mal zugeschlagen.
  Er habe erfolglos versucht, L.______ mit Klebeband zu fesseln. Beim Verlassen
  des Geschäfts sei L.______ seitlich auf dem Boden gelegen und habe sich
  bewegt. Der Beschuldigte habe ihn noch aufgesetzt und an einen Stuhl oder
  einen Schrank gelehnt. L.______ habe unter Schock gestanden und aus der Nase
  geblutet.

  Der
  Beschuldigte bezeichnete sich selber nicht als stark. Er mache Morgengymnastik
  und sei vor seiner Verhaftung – nicht regelmässig – ins Schwimmbad gegangen.
  Krafttraining mache er nicht, der Polizeibeamte solle sich doch seinen Körper
  ansehen. Er verneint, Kampfsport ausgeübt zu haben. Seinen kräftigen Händedruck
  erklärte der Beschuldigte damit, dass es in [...] üblich sei, sich einen
  kräftigen Händedruck zu geben. Er treibe jeden Tag Morgensport. Der Beschuldigte
  ist sich durchaus bewusst, dass die Wirkung eines Schlages von der Kraft
  abhängt, mit der er ausgeführt wird. Weil L.______ älter gewesen sei, habe er
  nicht so stark zugeschlagen, sondern versucht, ihn mit Worten zu beruhigen.
  Es könne nicht sein, dass L.______ schwere Kopfverletzungen und eine
  Hirnblutung davongetragen habe.

   

  4. Am
  14. März 2008 wurde der Beschuldigte durch die Staatsanwaltschaft IV
  des Kantons Zürich befragt. Er führte aus, das mitgeführte Klebeband habe er
  eigentlich in seinem Zimmer gehabt, aber wegen einer defekten Autoscheibe
  habe er es dann mitgenommen. Er habe allein gehandelt. Er anerkannte, dass
  L.______ zum Zeitpunkt der Befragung noch an einem schweren Schädelhirntrauma
  litt. Er bestritt, dass die beigebrachten Verletzungen lebensgefährlich waren
  und fragte, wofür er L.______ denn hätte töten sollen.

   

  5. Im Rahmen
  der ersten Einvernahme durch das Verhöramt des Kantons Glarus vom
  7. August 2009 anerkannte B.______ den qualifizierten Raub zum Nachteil
  des L.______ mit Deliktsbetrag von CHF 74'746.85. Beim Betreten des
  Juweliergeschäfts habe er noch keinen Vorsatz gehabt; erst als er bereits im
  Geschäft gewesen sei und gesehen habe, dass nur eine Person anwesend gewesen
  sei, habe er den Entschluss zum Raub gefasst. Er habe L.______ einen „ganz
  normalen Schlag“ gegeben, um ihn ruhigzustellen und ihm Angst zu machen. Dann
  habe er ihn in einen Nebenraum gezogen und Schmuckstücke eingesammelt, die er
  in eine Umhängetasche gefüllt habe, welche er bei sich gehabt habe. Da sei
  L.______ zur Tür gerannt, worauf der Beschuldigte ihm wiederum einen „ganz
  normalen Schlag“ in den Bauch verpasst habe. Er habe L.______ dann auf den
  Boden gedrückt und erfolglos versucht, ihn mit Klebeband, das er auch einfach
  so dabei gehabt habe, zu fesseln. So habe er L.______ noch einmal an den Kopf
  geschlagen, wobei er aber nur habe bewirken wollen, dass L.______ nicht
  wieder aufstehe, nicht jedoch, dass er bewusstlos werde. Anschliessend sei er
  aus dem Laden geflüchtet.

  B.______
  bestätigte die Richtigkeit der Aussagen vom 4. und 16. Mai 2007
  gegenüber der Kantonspolizei Zürich. Tatmotiv seien seine Schulden gegenüber
  seinen Verwandten in [...] für den Kauf der Wohnung in [...] gewesen. Die
  Beute habe er in der Schweiz verkauft und das Geld nach [...] mitgenommen.

  B.______ habe
  keinen Mittäter gehabt, obwohl er gemäss Kantonspolizei von Zeugen beim
  Auskundschaften des Tatorts mit einer zweiten Person beobachtet worden sei.

   

  6. In der
  zweiten Einvernahme durch den Verhörrichter vom 27. Januar 2010 bestritt
  B.______ die schwere Körperverletzung, er habe L.______ nicht so schwer
  verletzt.

   

  7. Die
  Verteidigung erachtet zwar als erstellt, dass B.______ L.______ in seinem
  Geschäft überfallen habe, bestritt aber die Qualifikation des Raubes im Sinne
  von Art. 140 Ziff. 4 StGB. Sie begründet dies damit, dass die durch
  das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (fortan
  'IRM') vom 10. August 2005 beschriebenen Verletzungen nicht die Schwere
  erreichten, wie sie für eine Qualifikation gemäss Art. 140 Ziff. 4
  StGB bzw. Art. 122 StGB notwendig seien. Man habe es somit bei den Verletzungen
  strafrechtlich mit einem Fall von Art. 123 StGB zu tun, welcher wiederum
  von Art. 140 Ziff. 1 StGB konsumiert werde. Daneben sei in der
  Untersuchung nicht bewiesen worden, dass B.______ nach dem Vorfall nicht mehr
  habe arbeiten können und sein Geschäft habe auflösen müssen, wie dies die
  Anklage behauptet. Schliesslich sei – sinngemäss – die Arbeitsunfähigkeit
  nach dem

  Überfall überhaupt nicht wissenschaftlich belegt, und selbst wenn L.______
  nach dem Überfall arbeitsunfähig gewesen sein sollte, so wäre der
  unmittelbare Kausalzusammenhang zwischen Überfall und Arbeitsunfähigkeit
  nicht wissenschaftlich belegt, schliesslich sei L.______ zum Tatzeitpunkt
  bereits 71 Jahre alt gewesen und möglicherweise aus anderen Gründen aus
  dem Geschäft ausgeschieden.

   

  8. Die
  Aussagen des Beschuldigten erscheinen – abgesehen davon, dass er nach seinem
  spontanen Besuch in der S.______ Uhrenbijouterie zum zweiten Mal quasi
  zufällig in ein Juweliergeschäft kam, um sich etwas umzuschauen, und dabei
  spontan den Vorsatz zu einem Überfall fasste – im Hinblick auf das tatsächliche
  Geschehen plausibel und glaubhaft. Nach seinen Aussagen trug sich der
  Überfall demnach zusammengefasst folgendermassen zu:

  B.______
  erklärte L.______, dies sei ein Überfall. L.______ versuchte daraufhin zu
  fliehen, wurde von B.______ aber am Arm gepackt, der ihm mit der rechten Hand
  „einen ganz normalen Schlag“ ins Gesicht verpasst und dann in einen
  Hinterraum geschleppt hat. Dort schrie L.______, so dass B.______ ihn erneut
  seitwärts ins Gesicht bzw. auf den Kopf schlug. Er versuchte daraufhin erfolglos,
  L.______ mit Klebeband zu fesseln. Schliesslich schlug er dem fliehenden
  L.______ mindestens ein weiteres Mal, wieder mit einem „ganz normalen
  Schlag“, in den Bauch und dann am Boden noch einmal in den Kopf, damit
  L.______ nicht wieder aufsteht.

  Bereits die
  beiden „ganz normalen Schläge“ deuten auf das spezielle Verhältnis des
  Beschuldigten zu Gewalt hin, welches auch das Gutachten feststellen wird.
  Auffällig ist auch, dass der Beschuldigte dem am Boden liegenden L.______ noch
  einen Schlag nachsetzte, damit dieser „nicht wieder aufsteht“. Es ging
  B.______ also mehr darum, ungestört den Laden ausräumen und flüchten zu
  können, als um die Gesundheit der Opfer, auch wenn er sich in begrenztem Masse
  fürsorglich gibt, indem er L.______ aufrecht hingesetzt und den Alarmknopf
  gedrückt haben will.

  Das
  mitgeführte Klebeband habe B.______ gleichsam zufällig in der Tasche gehabt,
  um seine Autoscheibe zu reparieren. An sich wäre das ja eine vernünftige
  Erklärung für das Mitführen einer Rolle Klebeband, wären da nicht seine widersprechenden
  Aussagen: Geht man davon aus, dass er das Klebeband tatsächlich aus seinem
  Zimmer mitgenommen hat, um die Autoscheibe zu reparieren, dann müsste er es
  eigentlich sogleich nach der Ankunft beim Auto verwendet haben. Dazu hätte er
  es aus der Tasche nehmen müssen. Und nach der Reparatur hätte er das
  Klebeband sicherlich im Auto gelassen, um nach einem erneuten Herunterfallen
  der Scheibe sofort wieder eine behelfsmässige Reparatur durchführen zu
  können. Ein vernünftiger Mensch hätte in der von B.______ geschilderten
  Situation das Klebeband niemals zurück in die Tasche gesteckt, denn im Auto
  selber wäre der einzig sinnvolle Ort gewesen – es sei denn natürlich,
  B.______ führte bereits beim Verlassen des Autos im Schilde, damit L.______
  zu fesseln. Dem Gericht scheint dies unter den gegebenen Umständen jedenfalls
  die einzig schlüssige Erklärung für das Mitführen einer Rolle Klebeband.

  Der
  Beschuldigte blieb durchwegs dabei, allein gehandelt zu haben. Somit gehen
  sämtliche Verletzungen L.______ auf das Handeln des Beschuldigten zurück und
  er muss sich dementsprechend dafür verantworten. Erst in der Befragung durch
  die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich akzeptierte der Beschuldigte
  überhaupt erst die Vorstellung, dass L.______ ein schweres Schädelhirntrauma
  erlitten hat. Dabei war er sich nach eigenen Aussagen aber bereits zum
  Tatzeitpunkt bewusst, dass die Wirkung eines Schlages von der Kraft, mit der
  er ausgeführt wird, abhängt. Die Verletzungen L.______ und das ärztliche
  Gutachten des IRM belegen, dass L.______ mit sehr grosser Kraft geschlagen
  wurde. Es mag sein, dass es in [...] zwar üblich ist, sich einen kräftigen
  Händedruck zu geben, man muss aber trotzdem auch die dazu nötigen physischen
  Voraussetzungen mitbringen. Bei B.______ ist dies offenbar der Fall. Er
  „treibe Sport und von daher trinke er nicht viel“. Offensichtlich ist er in
  sportlicher Hinsicht allgemein recht ambitioniert. Als jemand, der
  offensichtlich um eine gute Fitness bemüht ist (Morgensport) und zumindest in
  den Händen überdurchschnittlich kräftig ist (Händedruck), ist B.______ daher
  körperlich in der Lage, derart schwere Schläge mit brachialer Gewalt
  auszuteilen. Das belegt das Gutachten des IRM, welches das Ergebnis von
  B.______ Taten beurteilen musste. B.______ will aber nur weich zugeschlagen
  haben und führte aus, er habe sich sinngemäss zurückgehalten. Dabei musste
  ihm jedoch klar sein, dass für einen älteren Mann auch ein „sanfter“ Schlag
  eines überdurchschnittlich kräftigen Menschen extrem hart sein kann. B.______
  warf auch die Frage auf, wozu er denn L.______ hätte töten sollen.
  Selbstredend gibt es hierzu keinen vernünftigen Grund. B.______ bringt hier
  durch seine Selbstreflexion aber einen interessanten Gedanken ins Spiel, wenn
  auch zu seinem Nachteil: Wäre er tatsächlich so um sein Opfer besorgt gewesen,
  wie er nachträglich vorgibt, dann hätte er vermutlich gar nicht zugeschlagen.
  Es kann für einen rund 30jährigen, körperlich fitten Mann schliesslich nicht
  allzu schwer sein, seinen 71-jährigen Gegner ohne übermässige Gewaltanwendung
  zu überwältigen. Allein aufgrund des jungen Alters wäre es B.______ vermutlich
  problemlos möglich gewesen, L.______ mit relativ wenig Kraftaufwand und einem
  weniger aggressiven Vorgehen zu überwältigen und zu fesseln. Dennoch zog es
  B.______ vor, L.______ mit rohen Faustschlägen auf den Kopf ausser Verkehr zu
  setzen, und zwar, wie er als Linkshänder sagte, mit der Faustinnenseite der
  rechten Hand in einer runden Bewegung. Wieso genau er dabei als Linkshänder
  mit rechts zuschlägt, ist nicht nachvollziehbar. Hätte er mit seiner starken,
  linken Hand geschlagen, wäre er vermutlich viel eher in der Lage gewesen, den
  Krafteinsatz zu dosieren und die Schläge gezielt zu platzieren als dies mit
  der schwachen rechten Hand der Fall gewesen sein muss. Vielleicht ging es ihm
  dabei darum, seine „gute“ linke Hand zu schonen, weil er sich seine Hände in
  früheren Schlägereien durch zu starke Schläge verletzt und dementsprechend
  schlechte Erfahrungen gemacht hat. Hätte er aber nicht mit voller Kraft zugeschlagen,
  wieso hätte er seine Hand dann schützen sollen? Und wenn B.______ nicht so
  stark und absichtlich „nur“ auf die Wange geschlagen hat, warum hat dann
  L.______ aus der Nase geblutet und sah derart übel zugerichtet aus? Es muss
  B.______ bei den Einvernahmen darum gegangen sein, seine Tat nachträglich als
  so schonend ausgeführt wie möglich zu schildern. Dabei zeigen die Fakten das
  Gegenteil: B.______ ging es ― aus Sicht eines Räubers verständlich
  ― darum, so schnell wie möglich die Person im Laden auszuschalten, die
  Beute einzupacken und zu fliehen.

   

  9. Zu seiner
  körperlichen Konstitution meinte der Beschuldigte, er sei nicht stark. Er
  macht aber offenbar täglich nicht näher bezeichnete Morgengymnastik, jedoch
  kein Krafttraining. Zunächst verneinte er auch, Kampfsport ausgeübt zu haben.
  Dennoch fiel dem einvernehmenden Polizeibeamten der ausserordentlich kräftige
  Händedruck des Beschuldigten auf. Es ist allgemein bekannt, dass
  Kampfsportler nicht den gleichen Körperbau aufweisen mit Bodybuilder. Zum
  Teil mögen sie eingedenk der mannigfaltigen Gewichtsklassen, die zum Teil
  illustrierende Namen wie „Fliegengewicht“ tragen, gegen aussen sogar eher
  schmächtig wirken, was aber keineswegs heisst, dass sie nicht in der Lage
  wären, einem physisch schwer zuzusetzen.

  Ob der
  Beschuldigte nun tatsächlich eine Kampfsportausbildung genossen hat oder
  nicht, kann letzten Endes offen bleiben, schliesslich lag die angewendete
  Gewalt auch ohne solche Kenntnisse deutlich über dem "notwendigen"
  Mass, was B.______ allein schon aufgrund des gesunden Menschenverstandes
  hätte erkennen müssen.

   

  10. Tatsache
  bleibt nach dem Gesagten, dass es der Beschuldigte schaffte, L.______ mit nur
  vier Schlägen auf den Kopf krankenhausreif zu prügeln. Aus welchem Grund auch
  immer: Diese Schläge mussten mit grosser Kraft ausgeführt werden, um eine
  solche Wirkung zu entfalten. Nach Überzeugung des Gerichts betrat er das
  Geschäfts L.______ zudem bereits in der Absicht, einen Überfall zu verüben.

  11. L.______
  wurde am 27. Juli 2005 durch die Kantonspolizei Zürich befragt. Er
  konnte sich an den Ablauf des Überfalls nicht mehr erinnern.

   

  12. Am
  21. März 2007 fragte die Kantonspolizei Zürich telefonisch nach, ob
  L.______ inzwischen wieder etwas zum Überfall eingefallen sei. Er verneinte
  dies.

   

  13. In der
  polizeilichen Einvernahme vom 30. April 2007 äusserte sich L.______
  selber zum Raub in seinem Geschäft. Man sage, er sei nicht mehr der alte
  L.______, er leide unter Depressionen. Er selber merke, dass er irgendwie
  nichts mehr vom Leben habe. Er nehme Psychopharmaka. Seit dem Überfall habe
  er dauernd neue Leiden. Momentan könne er kaum gehen. Auch seine Hände könne
  er immer weniger bewegen. Er habe wegen des Raubes sein Geschäft auflösen
  müssen. Er sei insgesamt sechs Wochen im Spital gewesen nach dem Überfall.
  Seit dem Überfall gehe er abends nicht mehr aus.

   

  14. Der Rechtsvertreter L.______ schilderte an der
  Hauptverhandlung den aktuellen Gesundheitszustand wie folgt. L.______ habe
  früher viel gemalt und täglich auf seinem Flügel gespielt. Er habe tragende
  Rollen in Aufführungen des Zürcher Reisetheaters und der Operettenbühne
  Hombrechtikon wahrgenommen. Er sei trotz seines Alters von damals 71 Jahren
  in seinen eigenen Worten noch aus dem Stand auf einen Tisch gesprungen. Seit
  dem Überfall leide er an Sprechstörungen, Bewegungs- und Empfindungsstörungen
  an den Händen, habe immer noch keine Erinnerung an die Tat und auch seine
  Konzentrationsfähigkeit sei seit damals eingeschränkt. Aufgrund dieser
  feinmotorischen und intellektuellen Einschränkungen könne er seine Arbeit und
  seine Hobbys nicht mehr ausüben. Im Weiteren leide L.______ unter der
  ständigen Angst, Komplizen des Täters könnten zurückkehren, weshalb er
  Fremden gegenüber sehr furchtsam sei. Er leide auch unter Schlafstörungen. Im
  Universitätsspital seien Angst sowie eine depressive Störung gemischt
  diagnostiziert worden. Er nehme heute noch Medikamente ein.

   

  15. Trotz
  sechs Wochen Spitalpflege leidet L.______ zusammengefasst immer noch unter
  physischen Nachwirkungen des brutalen Überfalls durch B.______, ganz zu
  schweigen von den psychischen Auswirkungen dieses traumatischen Erlebnisses.
  Besonders schwer wiegt der Umstand, dass er als Goldschmied seine Hände nur
  noch schwer bewegen kann. Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, dass
  L.______ bereits durch diese Einschränkung seiner Physis faktisch
  arbeitsunfähig ist. Hinzu kommen die
  gravierenden Einschränkungen, welche nicht nur seine Erwerbsfähigkeit,
  sondern sein Wohlbefinden allgemein betreffen: motorische Störungen, Angstzustände,
  Konzentrationsschwäche. Diese Beschwerden dauern nach wie vor an, obwohl bis
  zur Hauptverhandlung rund 6½ Jahre vergangen sind.

   

  16. U.______
  wurde am 8. Juli 2005 durch die Kantonspolizei Zürich als Auskunftsperson
  befragt. [...] aufgefallen, die sich vor der Bijouterie L.______ verdächtig
  verhalten hätten. Er bestätigte seine Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft
  IV des Kantons Zürich am 28. April 2008.

   

  17. Am
  11. Mai 2007 führte die Kantonspolizei Zürich eine
  Personen-wahlkonfrontation zwischen dem Beschuldigten und weiteren Personen,
  unter anderem L.______ und dem Zeugen U.______, durch. Während und nach dem Gegenüberstellen
  hatten der Geschädigte und die Auskunftspersonen keine Möglichkeiten, sich
  untereinander abzusprechen. U.______ erkannte dabei B.______ mit einer selber
  bezeichneten Wahrscheinlichkeit von 80% anhand Körpergrösse und Statur als
  einen jener Männer wieder, die er einige Tage vor der Tat vor der Bijouterie
  L.______ beobachtet hatte. L.______ selber erkannte keine Person wieder.

   

  18. In der
  Einvernahme vom 27. Januar 2010 widerrief B.______ sein zunächst
  abgelegtes Mordgeständis in den Fällen V.______ und [...]. Mit Verfügung vom
  13. April 2010 ersuchte der Verhörrichter des Kantons Glarus die Kantonspolizei
  Zürich, zur geänderten Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten Stellung zu
  nehmen. In ihrem Bericht vom 28. April 2010 verwies die Kantonspolizei
  Zürich auf die Akten und die medizinischen Berichte der zuständigen Ärzte.
  Der damals zuständige Zürcher Staatsanwalt [...] hielt den Widerruf für
  völlig unglaubwürdig.

   

  19. Der
  DNA-Bericht vom 18. April 2007 ergab eine Übereinstimmung zwischen einer
  am Tatort gefundenen DNA-Spur und der DNA des Beschuldigten.

   

  20. Nach
  Ansicht der Kantonspolizei Zürich habe das Tatvorgehen im Fall [...]
  demjenigen im Falle von V.______ (vgl. unten Ziff. V.) sehr geglichen.
  Es müsse aufgrund der erlittenen Kopfverletzungen davon ausgegangen werden,
  [...] massiv geschlagen worden sei.

   

  21. Das IRM
  untersuchte L.______ am 15. Juli 2005 und erstellte ein Gutachten mit
  Datum vom 10. August 2005. L.______ habe ein Schädelhirntrauma erlitten
  und sei aufgrund zunehmender Verschlechterung seines Zustandes vom Spital
  [...] auf die Intensivstation für Unfallchirurgie des Universitätsspitals
  Zürich verlegt worden. Zudem wies er zahlreiche Hautunterblutungen an Hals,
  Brustkorb und Extremitäten auf, die alle Folgen einer stumpfen
  Gewalteinwirkung seien.

  L.______
  Zustand hat sich demnach unmittelbar nach dem Überfall stetig verschlechtert.
  Sein Zustand war offenbar derart ernst, dass eine Behandlung im Spital
  Wetzikon nicht als genügend aussichtsreich erachtet wurde und er ins Universitätsspital
  [...] verlegt werden musste, wenngleich die einzelnen Verletzungen nirgends
  als lebensgefährlich im eigentlichen Sinne beschrieben werden. Die diversen
  Hautunterblutungen belegen, dass er an Hals, Brustkorb und Extremitäten
  geschlagen oder zumindest derart grob behandelt wurde, dass diese diversen
  Hämatome die Folge waren.

   

  22. Wer jemandem eine fremde, bewegliche Sache zur Aneignung
  wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird
  mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe verurteilt
  (Art. 139 Ziff. 1 StGB).

  Wer mit
  Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib
  oder Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht
  hat, einen Diebstahl begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder
  Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft (Art. 140 Ziff. 1
  Abs. 1 StGB).

  Die Strafe
  ist Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren, wenn der Täter das Opfer in
  Lebensgefahr bringt, ihm eine schwere Körperverletzung zufügt oder es grausam
  behandelt (Art. 140 Ziff. 4 StGB).

  Raub ist eine
  qualifizierte Form der Nötigung, um einen Diebstahl zu begehen oder die
  weggenommene Sache behalten zu können (BGE 133 IV 210). Die Verübung von
  Gewalt liegt in jeder Art von physischer Einwirkung auf den Körper des
  Opfers, solange die Gewalt gerade zum Zweck des Diebstahls ausgeübt wird
  (BGE 122 IV 100). Die erforderliche Gewalt richtet sich nach dem
  Widerstand des konkreten Opfers (BGE 133 IV 211).

   

  23. Eine fremde Sache gilt als fremd im Sinne von
  Art. 139 Ziff. 1 StGB, wenn es sich bei ihr zivilrechtlich um
  fremdes Eigentum handelt. Auch für das Kriterium der Beweglichkeit ist auf
  das Zivilrecht abzustellen. Das entwendete Deliktsgut gehörte nicht B.______
  und ist eine bewegliche Sache im Sinne von Art. 713 ZGB.

  Die Aneignung im Sinne von Art. 139
  Ziff. 1 StGB besteht in der Anmassung der Eigentümerstellung im Zeitpunkt
  der Wegnahme; unrechtmässig ist die durch den Diebstahl eingetretene
  Bereicherung, wenn sie eine wirtschaftliche Besserstellung bewirkt, auf die
  der Bereicherte keinen Anspruch hat. B.______ entwendete das Diebesgut, um es
  später zu verkaufen und handelte damit gleichsam als Eigentümer. Er hat es
  weiterverkauft, ohne für dessen Erwerb seinerseits der Bijouterie
  [...] Goldschmied einen Kaufpreis bezahlt zu
  haben. Der durch die Entwendung erlangte Wert der Beute bewirkte somit eine
  wirtschaftliche Besserstellung, sparte B.______ sich doch im Hinblick auf den
  späteren Wiederverkauf quasi den Einstandspreis. Dass B.______ keinen
  Rechtsanspruch auf das Deliktsgut hatte, ergibt sich ebenfalls daraus, dass
  er die Uhren nicht durch einen ordentlichen Kaufvertrag oder sonst unter
  einem zulässigen Titel erworben hat. Hierin liegt auch die Wegnahme als
  letztes objektives Tatbestandselement begründet; sie besteht im Bruch fremden
  und der Begründung neuen, nicht notwendigerweise eigenen, Gewahrsams, wobei
  Gewahrsam die tatsächliche Sachherrschaft nach den Regeln des sozialen Lebens
  ist. L.______ hatte den Schmuck als Inhaber und Geschäftsführer der
  Bijouterie in seinem Gewahrsam, welchen B.______ durch seine Entwendung
  brach. Durch sein Vorgehen begründete er eigenen Gewahrsam.

  Der objektive Tatbestand ist damit erfüllt.

  Subjektiv setzt Art. 139 StGB Vorsatz und
  Bereicherungsabsicht voraus. Mit Vorsatz handelt, wer die Tat mit Wissen und
  Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Nach Überzeugung des
  Gerichts betrat B.______ das Geschäft bereits mit dem Vorsatz, einen Überfall
  zu begehen (vgl. oben Ziff. IV./10.). Auch die Bereicherungsabsicht
  erachtet das Gericht als gegeben. Wer Wertsachen aus einer Bijouterie raubt,
  muss praktisch eine geldwerte Besserstellung zum Ziele seines Handelns haben.
  B.______ verkaufte ja seine Beute und behielt den Gewinn. Auch der subjektiv
  Tatbestand ist damit erfüllt.

  Schuldausschluss- und Rechtfertigungsgründe sind
  nicht ersichtlich.

  Der Beschuldigte hat sich damit des Diebstahls im
  Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.

   

  24. B.______
  hat mindestens viermal auf L.______ eingeschlagen und somit physisch auf
  diesen eingewirkt. Ziel seines Wirkens war die Durchführung eines Diebstahls
  (vgl. oben Ziff. IV./23.). Dabei hat B.______ das Mass des Notwendigen
  bei Weitem überschritten (vgl. oben Ziff. IV./8.), mit Sicherheit wäre
  eine „verhältnismässigere“ Anwendung von Gewalt bereits genügend gewesen. Tatbestandsmässig ist B.______ Gewaltanwendung in
  Form der Schläge jedenfalls für den einfachen Raub nach Art. 140
  Ziff. 1 StGB in jedem Fall.

  Es stellt
  sich die Frage der Qualifikation nach Art. 140 Ziff. 4 StGB. Sie
  ist nach dem Wortlaut des Gesetzes zu bejahen, wenn der Täter das Opfer entweder
  in Lebensgefahr bringt, ihm eine schwere Körperverletzung zufügt oder es grausam
  behandelt. Obwohl L.______ zwei Wochen in Spitalpflege und vier Wochen in
  einer Höhenklinik verbringen musste und die Verletzungen demnach alles andere
  als harmlos waren, ist die Lebensgefahr der Verletzungen durch die vorliegenden
  Akten nicht genügend liquide nachgewiesen. Das Tatvorgehen mag nach allgemeinem
  Sprachgebrauch zwar als grausam erscheinen, erfüllt jedoch nicht die
  Voraussetzungen von Art. 140 Ziff. 4 StGB, wo die Grausamkeit im Zufügen
  von Qualen um ihrer selbst willen besteht (Trechsel Stefan et al., Praxiskommentar zum Schweizerischen
  Strafgesetzbuch, Zürich/St. Gallen 2008, N 21 zu Art. 140
  StGB). Das Gericht geht nämlich davon aus, dass die angewendete Gewalt
  lediglich Mittel zum Zwecke war und nicht als solches Ziel von B.______
  Handeln. L.______ ist wie ausgeführt aber faktisch arbeitsunfähig. Es ist
  daher zu prüfen, ob dadurch der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung
  nach Art. 122 StGB erfüllt ist. Art. 140 Ziff. 4 StGB verweist
  hier unzweifelhaft auf Art. 122 StGB (Niggli Marcel/Wiprächtiger Hans, Basler
  Kommentar, 2. Auflage, Basel 2007, N 142 zu Art. 140 StGB).

  Der schweren
  Körperverletzung macht sich schuldig, wer (…) vorsätzlich eine andere schwere
  Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines
  Menschen verursacht (Art. 122 Abs. 3 StGB). Zu berücksichtigen sind
  unter dieser Generalklausel insbesondere eine lange Dauer des Spitalaufenthalts
  und der (vollen oder teilweisen) Arbeitsunfähigkeit (Niggli Marcel/Wiprächtiger Hans, Basler
  Kommentar, 2. Auflage, Basel 2007, N 20 zu Art. 122 StGB). Zu
  berücksichtigen sind auch Faktoren, welche zwar die berufliche Tätigkeit
  nicht erheblich beeinträchtigen, dem Betroffenen aber insofern eine Einbusse
  der Lebensqualität bringen, als er Hobbys nicht mehr ausüben kann (Niggli Marcel/Wiprächtiger
  Hans, Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel 2007, N 21 zu
  Art. 122 StGB).

  Wie bereits
  erwähnt ist L.______ nach eigener Sachdarstellung zumindest teilweise
  arbeitsunfähig, weil er seine Hände nicht mehr bewegen kann. Eine befriedigende
  Ausübung eines Handwerks allgemein ist so nicht mehr möglich. L.______ ist
  als Goldschmied von dieser Einschränkung besonders betroffen, erfordert doch
  die Arbeit als Goldschmied im Speziellen handwerkliches Feingeschick.

  Den Einwand
  der Verteidigung, die Arbeitsunfähigkeit L.______ sei nicht nachgewiesen,
  erachtet das Gericht im Ergebnis als nicht begründet. Zwar entspricht es den
  Tatsachen, dass die Arbeitsunfähigkeit formell in den Akten nirgends von
  einer Fachperson bestätigt wurde, beispielsweise in einem ärztlichen Zeugnis.
  Jedoch kann es aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung und erst recht unter
  Berücksichtigung des erstellten Sachverhalts ohne Weiteres als notorisch
  erachtet werden, dass man nach einem brutalen Raubüberfall am helllichten Tag
  an seinem Arbeitsplatz im Zentrum einer Schweizer Kleinstadt völlig verängstigt
  ist und psychische Folgen davon trägt. Es ist schliesslich allgemein bekannt,
  dass bereits Personen, die "nur" Opfer eines Einbruchs waren,
  ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen können, obwohl sie zum
  Tatzeitpunkt nicht anwesend waren und bloss das Ergebnis der Tat erleben, und
  ohne dass sie brutal zusammengeschlagen wurden. B.______ hingegen erlebte den
  gesamten Überfall hautnah mit und wurde von einem überdurchschnittlich
  kräftigen jungen Mann mindestens viermal geschlagen mit dem Ziel, dass er
  nicht wieder aufstehen sollte. Da sind die vom Geschädigtenvertreter an der
  Hauptverhandlung geschilderten Symptome durchaus plausibel: Sprechstörung,
  Bewegungs- und Empfindungsstörungen an den Händen, leicht hinkender Gang,
  Amnesie bezüglich der Tat; dazu sei er feinmotorisch und intellektuell nicht
  mehr in der Lage, seine Hobbys Malen, Klavierspielen, Singen und
  Schauspielerei auszuüben, habe Angstzustände, Schlafstörungen und eine
  depressive Störung und müsse noch heute Medikamente einnehmen. Das Gericht
  sieht die Arbeitsunfähigkeit als erwiesen an.

  Sodann sei
  gemäss Verteidigung der Kausalzusammenhang zwischen Raub und
  Arbeitsunfähigkeit nicht erwiesen. L.______ war vor dem Überfall noch voll
  erwerbstätig, nach dem Überfall jedoch stellte er seine Arbeit quasi von
  einem Tag auf den anderen vollständig ein. Bei dieser Sachlage kann das
  Gericht berechtigterweise auch ohne medizinische Fachkenntnisse auf einen
  direkten Zusammenhang schliessen. Hätten zudem andere Gründe, wie
  beispielsweise das Alter L.______ eine Rolle gespielt, so hätte er sein
  Geschäft ― allenfalls nach dem Überfall ― in geordnetem Rahmen
  aufgelöst oder einem Nachfolger übergeben. Dies tat er aber nachweislich
  nicht. Auch hier folgt das Gericht nicht der Argumentation der Verteidigung.

  Darüber
  hinaus leide B.______ allgemein unter einer eingeschränkten Mobilität und
  verlasse das Haus abends nicht mehr. Er wird dadurch ähnlich in seiner
  Lebensqualität eingeschränkt wie das Opfer in BGE 105 IV 180, welches infolge
  eingeschränkter Mobilität nach einem Autounfall nicht mehr seinem
  Hobby, dem Fischen, nachgehen konnte, weil es steile Borde nicht mehr zu
  überwinden in der Lage war.

  Der objektive
  Tatbestand der schweren Körperverletzung ist damit gestützt auf die obigen
  Erwägungen und die Rechtsprechung des Bundesgerichts erfüllt.

  Im
  subjektiven Tatbestand ist (Eventual-)Vorsatz gefordert. Wie die Verletzungen
  zeigen, schlug B.______ wiederholt und mit grosser Kraft auf einen 71jährigen
  Mann ein, sogar als dieser bereits am Boden lag. Das Ziel war, dass dieser
  nicht mehr aufstehen sollte. Jeder umsichtige Mensch weiss oder hätte
  zumindest wissen müssen, dass unter diesen Umständen schwerste Schädigungen
  der Gesundheit, ja sogar der Tod, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Folge
  sind. Wahrscheinlich lagen die schwere gesundheitliche Schädigung L.______ tatsächlich
  nicht in der direkten Absicht B.______, denn es ging ihm ja nicht primär
  darum, L.______ zu verprügeln, sondern vielmehr darum, seinen Beutezug zu sichern.
  Die Überwältigung L.______ war in diesem Sinne notwendiges Übel zur Erreichung
  des Zweckes. B.______ gab an, die Wirkung eines Schlages hänge von der Kraft
  mit der er ausgeführt werde, ab. Aus dem Zustand L.______ nach der Tat kann
  geschlossen werden, dass B.______ sich nicht wirklich zurückhielt, auch wenn
  er dies behauptet. B.______ hätte daher wissen müssen, dass die L.______
  zugefügten Schläge zu schweren gesundheitlichen Schäden führen können, und
  dennoch schlug er zu. Auch muss ihm bei jedem weiteren Schlag aufgefallen
  sein, dass der Zustand L.______ sich von Schlag zu Schlag zunehmend verschlechterte.
  Und trotzdem schlug er ihn auf dem Boden liegend noch ein letztes Mal, nur um
  sicherzugehen, dass er nicht wieder aufstehen würde. Damit nahm er die
  Verletzungsfolgen in Kauf und handelte eventualvorsätzlich, was für die Erfüllung
  des subjektiven Tatbestandes genügt.

  Mit dem
  Erfüllen des Tatbestandes der schweren Körperverletzung im Sinne von
  Art. 122 Abs. 3 StGB ist in casu auch der qualifizierte Raub nach
  Art. 140 Ziff. 4 StGB erfüllt. Dabei konsumiert der Raub die
  Körperverletzung (Niggli
  Marcel/Wiprächtiger Hans, Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel
  2007, N 29 zu Art. 122 StGB).

  Schuldausschluss-
  und Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich.

  B.______ hat
  sich somit des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140
  Ziff. 4 StGB schuldig gemacht.

   

  25. B.______
  bestritt den Vorwurf des Hausfriedensbruchs, schliesslich habe er nur ein
  öffentliches Geschäft betreten. Die Verteidigung führte aus, wer ein Geschäft
  in rechtswidriger Absicht betrete, mache sich nicht des Hausfriedensbruches
  strafbar. Zudem wäre für diese Tat am 6. Juli 2010 die Verjährung eingetreten,
  da dafür gemäss damals geltender Rechtslage die fünfjährige Verjährungsfrist
  nach Art. 70 Abs. 4 aStGB anzuwenden sei, womit auf diesen Anklagepunkt
  nicht einzutreten sei.

  Die
  Verjährung der Strafverfolgung von sexuellen Handlungen mit Kindern
  (Art. 187) und unmündigen Abhängigen (Art. 188) sowie von
  Straftaten nach den Artikeln 111-113, 122, 189-191, 195 und 196, die sich
  gegen ein Kind unter 16 Jahren richten, bemisst sich nach den Absätzen
  1-3, wenn die Straftat vor dem Inkrafttreten der Änderungen vom 5. Oktober
  2001 begangen worden ist und die Verfolgungsverjährung zu diesem Zeitpunkt
  noch nicht eingetreten ist (Art. 70 Abs. 4 aStGB, Stand
  28. Dezember 2004).

  Bestimmt es
  das Gesetz nicht anders, so sind die Bestimmungen des neuen Rechts über die
  Verfolgungs- und Vollstreckungsverjährung, wenn sie milder sind als das
  bisherige Recht, auch auf die Täter anwendbar, die vor Inkrafttreten dieses
  Gesetzes eine Tat verübt haben oder beurteilt wurden (Art. 389
  Abs. 1 StGB).

  Der
  Hausfriedensbruch, geregelt in Art. 186 StGB, fällt nicht in den Geltungsbereich
  von Art. 70 Abs. 4 aStGB; auch ist Art. 389 Abs. 2 nicht
  einschlägig, da Hausfriedensbruch als Vergehen nach altem wie nach neuem
  Recht einer Verjährungsfrist von sieben Jahren unterliegt, welche vorliegend
  noch nicht abgelaufen ist (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB und
  Art. 70 Abs. 1 lit. c. aStGB).

   

  26. Wer gegen
  den Willen des Betroffenen in ein Haus, in eine Wohnung, in einen
  abgeschlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem Haus
  gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen Werkplatz unrechtmässig
  eindringt oder, trotz der Aufforderung des Berechtigten, sich zu entfernen,
  darin verweilt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
  Geldstrafe bestraft (Art. 186 StGB).

  Tatbestandsmässig
  ist erst das tatsächliche Eindringen gegen den Willen des Berechtigten in den
  umschlossenen, aber nicht notwendigerweise verschlossenen Raum (Donatsch Andreas/Flachsmann
  Stefan/Hug Markus/Weder Ulrich, Kommentar zum Schweizerischen
  Strafgesetzbuch, 18., überarbeitete Auflage, Zürich 2010, N 5 zu
  Art. 186 StGB). Nach Trechsel (Trechsel Stefan et al., a.a.O., N 15 zu Art. 186
  StGB, mit Hinweisen): Fehlende Erlaubnis genügt nicht, auch nicht ein
  hypothetischer Wille – "hätte der Hausherr die wahre Absicht des Täters
  gekannt…". Wer in Diebstahlsabsicht einen Selbstbedienungsladen betritt,
  begeht nicht Hausfriedensbruch, auch nicht, wer mittels Fassadenkletterei Einblick
  in ein Zimmer sucht. Viel zu weit geht nach Ansicht Trechsels BGE
  108 IV 39, wonach a priori zu vermuten sei, dass dem Publikum zu
  einem bestimmten Zweck geöffnete Räumlichkeiten nicht in Verfolgung anderer
  Zwecke betreten werden dürfen.

  Indes setzt das Verweilen in einem Raum
  trotz Aufforderung des Berechtigten, diesen zu verlassen, voraus, dass der
  Täter nach der Aufforderung noch eine gewisse Dauer im Raum verbleibt und
  dadurch nach aussen zu erkennen gibt, dass er das Verbot des Berechtigten
  missachtet (Donatsch
  Andreas/Flachsmann Stefan/Hug Markus/Weder Ulrich, a.a.O., N 15 f. zu Art. 186 StGB).

  Mit Trechsel erachtet das Gericht den
  Tatbestand des Hausfriedensbruches vorliegend als nicht erfüllt. Zunächst
  kannte L.______ die wahren Absichten B.______ nicht, als dieser das Geschäft
  betrat. Erst mit dem ersten Schlag manifestierte B.______ offensichtlich die
  Zweckwidrigkeit seines Aufenthaltes in der Bijouterie, womit sein Aufenthalt
  allenfalls objektiv tatbestandsmässig wurde. Indes war B.______, nachdem er
  mit diesem Schlag seinen Plan in die Tat umzusetzen begonnen hatte, bestrebt,
  das Geschäft raschest möglich wieder zu verlassen, so dass sein relativ
  kurzer Aufenthalt nach Ansicht des Gerichtes nicht reicht, um
  tatbestandsmässig zu sein, womit B.______ vom Anklagevorwurf des
  Hausfriedensbruches im Sinne von Art. 186 StGB freizusprechen ist.

   

   

  V. Fall [...]

   

  1. Gemäss
  Staatsanwaltschaft habe B.______ am 8. Juli 2005, zwischen
  09.00 Uhr und 09.45 Uhr, die Bijouterie V.______ am [...] in [...]
  überfallen. Er habe sich damit des qualifizierten Raubes, im Deliktsbetrag
  von ca. CHF 70'000.―, gemäss Art. 170 Ziff. 1 Abs. 1 und 4 StGB und, indem er den anwesenden Geschäftsinhaber
  V.______ erschlagen habe, des Mordes nach Art. 112 StGB strafbar
  gemacht.

   

  2. Der
  Beschuldigte zeige sich gemäss Verteidigung insofern geständig, als er den
  Raub verübt und V.______ mehrmals geschlagen habe. Die Verteidigung bejahte
  zwar den Kausalzusammenhang zwischen dem Wirken B.______ und dem Tod V.______,
  bestritt aber die rechtliche Qualifikation als Mord, ebenso wie die
  Qualifikation des Raubes im Sinne von Art. 140 Abs. 4 StGB. Konkret
  stellte die Verteidigung den von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen
  Eventualvorsatz zur Tötung und Habgier als Motiv der Tat in Frage. Der
  Beschuldigte selber ging in der Hauptverhandlung gar über den von der
  Verteidigung eingeräumten Tatumfang hinaus und gestand neben dem Raub auch
  den Mord ein.

  Bei dieser
  Sachlage ist der Sachverhalt, soweit für den Mord und die Qualifizierung des
  Raubes relevant, zu erstellen.

   

  3. Am
  3. April 2007 wurde B.______ von der Kantonspolizei Zürich kurz zum 

  Überfall auf V.______ befragt. B.______ habe keine besonderen Vorbereitungen
  getroffen, er habe im Auto immer Handschuhe und Klebeband dabei gehabt.

   

  4. Am
  14. Mai 2007 erfolgte die delegierte Einvernahme des Beschuldigten durch
  die Kantonspolizei Zürich. Der Beschuldigte verneinte, das Geschäft ausgekundschaftet
  zu haben, gab aber zu, vor der Tat bereits einmal im Geschäft gewesen zu sein,
  um sich Uhren anzusehen. Nach [...] sei er gekommen, weil er einfach so in
  der Schweiz herumgefahren sei. Den Tatentschluss habe er erst beim zweiten
  Besuch des Geschäfts gefasst. Er habe aber Handschellen mitgenommen. Zunächst
  habe er kurz mit dem Opfer gesprochen. Dann habe er mit der zur Faust
  geballten rechten Hand dem Opfer einmal ins Gesicht geschlagen. Dieses sei
  hingefallen, er habe es mit Handschellen gefesselt und in einen Nebenraum
  gebracht. Insgesamt habe er etwa fünfmal auf den Kopf des Opfers eingewirkt.
  Während des Sturzes nach dem ersten Schlag habe V.______ sich nirgends
  gestossen. Nach dem ersten Schlag habe das Opfer noch kein Blut im Gesicht
  gehabt. Der erste Schlag sei auf die rechte Wange erfolgt. Er habe V.______,
  der bei Bewusstsein gewesen sei, dann in den Nebenraum geschleift und sei in
  den Verkaufsraum zurückgekehrt, um Uhren zusammenzusuchen. Er habe bemerkt,
  dass V.______ sich Richtung Theke bewegte. Der Beschuldigte sei auf ihn
  zugerannt und habe ihm zweimal ins Gesicht geschlagen, wobei das Opfer nach
  diesen Schlägen aus der Nase geblutet habe. Dadurch sei das Opfer auf sein
  Gesäss gefallen. Der Beschuldigte habe ihn dann noch einmal geschlagen. Beim
  Verlassen des Geschäfts sei das Opfer halb auf dem Boden gelegen und habe versucht,
  sich auf den Ellbogen stützend aufzustehen. Der Beschuldigte wiederholte, er
  habe nur mit der Hand zugeschlagen. Als er das Geschäft verliess, sei
  V.______ noch ansprechbar gewesen und habe selber gesprochen.

   

  5. Die
  Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich fand am
  14. März 2008 statt. Der Beschuldigte gestand dort vier Raubüberfälle
  sowie einen Diebstahl ein. Er sei bereits vor dem Überfall einmal im Geschäft
  (sc. V.______) gewesen. Er habe dann nicht geplant, aber sinngemäss in
  Erwägung gezogen, einen Überfall zu begehen, deswegen habe er auch die
  Handschellen mitgeführt. Der erste Schlag sei mit der Hand ausgeführt worden.
  Er habe fest geschlagen, damit das Opfer zu Boden falle. Dann habe er zwei
  bis drei weitere Male, nicht in Serie, zugeschlagen. Der zweite Schlag sei
  erfolgt, weil das Opfer geschrieen habe. Der Beschuldigte sei zurück in den
  Nebenraum, habe zum zweiten Mal zugeschlagen und sei wieder in den
  Verkaufsraum. Nach einer bestimmten Zeit habe das Opfer im Nebenraum noch
  lauter zu schreien angefangen und sei plötzlich in den Verkaufsraum gekommen.
  Dort habe er zum dritten Mal zugeschlagen. Das Opfer habe sich auf die Theke
  gestützt. Schliesslich habe der Beschuldigte das Opfer zu Boden gestürzt und
  auf dem Boden erneut einmal zugeschlagen. Alles in allem seien es maximal
  fünf Schläge gewesen. Die Todesfolge könne sich der Beschuldigte nicht
  erklären. Zwar könne er sich vorstellen, dass seine Schläge dem Opfer grossen
  Schaden zugefügt hätten, aber dass sie tödlich waren, könne nicht sein. Er
  sei litauischer und internationaler Karate-Champion gewesen und habe deshalb
  gut verstanden, was er alles bewirken könne. Deshalb habe er auch nicht mit
  der gestreckten Faust zugeschlagen, sondern in einer runden Bewegung mit der Handinnenseite.
  Er habe keine besondere Kraft anwenden müssen. Hätte V.______ nicht
  geschrieen, wäre nichts passiert. Er habe sich keine Gedanken darüber
  gemacht, dass es für V.______ tödlich enden könnte. Zum Schluss habe er ihn
  aufrecht an einen Schrank gelehnt und einen vermeintlichen Alarmknopf unter
  der Theke gedrückt.

   

  6. Anlässlich
  der ersten Einvernahme durch das Verhöramt des Kantons Glarus vom
  7. August 2009 gab der Beschuldigte an, er sei ziellos in der Schweiz
  herumgefahren und trug sich mit dem unkonkreten Gedanken, dass er eventuell
  einen Überfall machen könnte. Er habe sich Uhren im Geschäft des Opfers angeschaut.
  Ein oder zwei Tage später sei er zurückgekommen und habe gesehen, dass das
  Opfer wiederum alleine im Geschäft gewesen sei. Da habe er sich „spontan“ zum
  Raub entschlossen. Er habe ihn mit der Hand ins Gesicht geschlagen, V.______
  sei zu Boden gestürzt und der Beschuldigte habe ihn mit zu diesem Zweck
  mitgeführten Handschellen gefesselt. Dann habe er Schmuck und Uhren in die
  mitgebrachte Tasche gefüllt. Die Handschellen hätten sich gelöst und das
  Opfer sei zur Tür gerannt, worauf der Beschuldigte ihm ins Gesicht geschlagen
  und ihn erneut mit den Handschellen gefesselt habe. B.______ habe dann weiteres
  Deliktsgut eingepackt und die Beute in der Schweiz verkauft und das Geld nach
  [...] mitgenommen.

  Die Richtigkeit der Aussagen gegenüber der
  Kantonspolizei Zürich vom 13. März 2008 bestätigte er.

  Motiv seien
  wiederum seine Schulden gewesen.

  Er habe
  keinen Mittäter gehabt, obwohl er von Zeugen beim Auskundschaften des Tatorts
  mit einer zweiten Person beobachtet worden sei.

  Der
  Beschuldigte anerkannte den Deliktsbetrag von CHF 70'000.― und den
  Sachverhalt sinngemäss, will aber keine Tötungsabsicht gehabt haben.

  In der
  zweiten Einvernahme durch den Verhörrichter vom 27. Januar 2010 sagte
  B.______ aus, diese Tötung habe auch der Mittäter begangen. Und wenn man
  jemanden töten wolle, dann führe man nicht noch Handschellen mit; er habe ihn
  sinngemäss also nicht töten wollen.

   

  7. Dem
  Psychiater T.______ erläuterte, wie es zum Tatentschluss gekommen sei. Er
  habe noch vor der Tat in [...] einen russisch sprechenden Mann kennengelernt,
  mit dem er gemeinsame Bekannte im kriminellen Millieu gehabt habe. Dieser
  Mann habe ihm dann den Überfall vorgeschlagen. B.______ sei über den
  Vorschlag nicht überrascht gewesen 

  Zudem habe
  hier auch ein Mittäter den Mord begangen. B.______ habe nicht auf Schreie aus
  dem Nebenraum, in dem sich V.______ und der Mittäter befunden hätten,
  reagiert und weiter Deliktsgut eingesammelt.

  Diese Aussage
  ist nicht überzeugend. Wie sich zeigen wird, wurde V.______ auf brutalste Art
  und Weise zusammengeschlagen. Unter diesen Umständen ist es sehr
  unwahrscheinlich, dass er nach dem Angriff noch bei Bewusstsein war und sich
  fortbewegte. Gefunden wurde seine Leiche hinter der Theke des Verkaufsraumes,
  also unmittelbar dort, wo B.______ Uhren eingesammelt haben will. Wenn
  V.______ tatsächlich dort vom Mittäter erschlagen worden wäre, hätte B.______
  dies unmittelbar mitbekommen müssen.

   

  8. Der
  Sachverhalt lässt sich nach den Aussagen B.______ somit wie folgt
  zusammenfassen: Der Beschuldigte war offenbar
  ziellos in der Schweiz unterwegs, um sich Uhren anzusehen. Dabei sei er
  einmal zufällig in Glarus in V.______ Juweliergeschäft gelandet, und ein oder
  zwei Tage später nochmals dorthin zurückgekehrt.

  Das Gericht
  ist davon überzeugt, dass der erste Besuch lediglich dazu diente, die
  Lokalität auszukundschaften. In seinen Aussagen gegenüber dem Gutachter will
  B.______ von einem gemeinsamen Bekannten aus dem bezeichnenderweise
  kriminellen Milieu V.______ Bijouterie als Tipp erhalten haben. Obwohl er
  stets vorgab, nur als Tourist in die Schweiz gekommen zu sein, sei er nach
  eigenen Angaben 

  über diesen Tipp zu einem Raub nicht überrascht gewesen. Zu diesem Überfall
  wurde er von seinen vermeintlichen Hinternmännern auch noch nicht gezwungen,
  wie er dies beim Überfall auf W.______ geltend machen wird.

  B.______ gibt
  auch zu, sich mit dem unkonkreten Gedanken, einen Raub zu begehen, getragen
  zu haben. Dieser Gedanke war damals wohl viel konkreter als B.______ im
  Nachhinein zugibt. Wozu hätte B.______ sonst auch mit Handschellen in der
  Tasche ins entlegene [...] zurückkehren sollen, zumal die Uhrenpreise hier
  wohl kaum tiefer sind als in [...], wo er sich bereits in der Einvernahme zum
  Diebstahl [...] über die hohen Preise beklagt hatte.

  Aus den
  Aussagen ergibt sich, dass der Tatablauf weitgehend identisch mit dem
  Vorgehen in [...] war. B.______ schlug V.______ mit der zur Faust geballten
  Hand einmal fest auf die rechte Wange V.______, damit dieser zu Boden geht.
  V.______ ging zu Boden und B.______ versuchte dann, ihn zu fesseln, wobei er
  diesmal Handschellen verwendete. Während des Sturzes hat V.______ sich nirgends
  gestossen und hat anschliessend auch noch nicht geblutet. B.______ schleifte
  ihn dann in einen Nebenraum und ging zurück in den Verkaufsraum, um Uhren
  einzusammeln. V.______ schrie im Nebenraum, so dass B.______ in den Nebenraum
  ging und ihn erneut schlug. Danach kehrte er wieder in den Verkaufsraum
  zurück und sammelte Uhren. V.______, der die Handschellen inzwischen gelöst
  hatte, bewegte sich schreiend aus dem Nebenraum in Richtung Verkaufstheke, wo
  er sich dann aufstützte. B.______ schlug ihn zweimal ins Gesicht. Nun blutete
  V.______ aus der Nase und fiel auf sein Gesäss. B.______ schlug nochmals zu
  und fesselte ihn mit Handschellen. V.______ lag zum Schluss auf einem
  Ellbogen aufgestützt auf dem Boden, war bei Bewusstsein und ansprechbar.
  Insgesamt schlug B.______ das Opfer fünfmal auf den Kopf.

  B.______
  könne sich zwar vorstellen, dass seine Schläge dem Opfer grossen Schaden
  zugefügt hätten, aber es könne nicht sein, dass sie tödlich gewesen seien. Im
  Gegensatz zu L.______, wo B.______ sich noch zurückgehalten haben will, gibt
  er hier zu, zumindest den ersten Schlag fest ausgeführt zu haben. Er war sich
  bewusst, dass seine Schläge zu schweren Verletzungen führen können. Die
  Todesfolge schloss er aber zunächst noch aus. In der Hauptverhandlung gestand
  er einen Mord ein, und sein Verteidiger bejahte zumindest den Kausalzusammenhang
  zwischen den Schlägen und dem Tod V.______. Wer fünfmal fest auf einen
  67-jährigen Mann einschlägt – davon zweimal, als dieser bereits auf dem Boden
  lag – und weiss, dass seine Schläge grossen Schaden verursachen könnten, der
  nimmt auch in Kauf, sein Opfer zu töten. Ansonsten hätte er spätestens zum
  Zeitpunkt, als V.______ sich an der Theke aufstützen musste, nicht mehr
  weiter zugeschlagen. Vermutlich hätte B.______ V.______ ohne grosse Mühe
  erneut fesseln und zurück in den Nebenraum schleifen können. Schliesslich
  konnte sich dieser nicht einmal mehr aus eigener Kraft auf den Beinen halten.
  Dessen ungeachtet schlug der Beschuldigte am Boden zum fünften Mal auf den
  blutenden Kopf des Opfers ein. Es gilt damit als erwiesen, dass er zumindest
  in Kauf nahm, V.______ mehr als nur zu immobilisieren. Auch hier wollte
  B.______ wie schon bei L.______ sicher gehen, dass er ungestört seinen Raub
  zu Ende bringen konnte. Einen schreienden Ladenbesitzer galt es daher möglichst
  rasch zum Schweigen zu bringen.

   

  9. Am
  10. Juli 2006 führte das IRM eine Obduktion an V.______ durch, mit
  folgendem Ergebnis:

  „Zusammenfassend
  steht aus rechtsmedizinischer Sicht fest, dass V.______ an den Folgen der
  schweren Hirnverletzung verstorben ist, für welche am ehesten Schütteln des
  Oberkörpers oder Schläge in das Gesicht in Frage kommen. Faustschläge ins
  Gesicht können ohne weiteres die klinisch dokumentierten Blutunterlaufungen
  in den Augenweichteilen (Brillenhämatom) verursacht haben“.

  Das Gutachten
  bestätigt die Vermutung, dass V.______ durch die wiederholten Schläge auf den
  Kopf getötet wurde. Wie bereits erwähnt bestritt auch die Verteidigung den
  Zusammenhang zwischen den Schlägen und dem Tode V.______ nicht.

   

  10. B.______
  behauptete, zum Schluss der Tat habe er den Alarmknopf gedrückt, um Hilfe für
  V.______ zu holen. Er sagte selber aus, nie Handschuhe getragen zu haben.
  Dennoch fanden sich auf dem Alarmknopf am Tatort keinerlei Spuren B.______.
  Auch ging kein entsprechender Alarm bei der Polizei ein. Es muss sich hier
  somit um eine reine Schutzbehauptung des Beschuldigten handeln. Im Übrigen
  passt diese Behauptung wieder ins Bild des Gericht, wonach B.______ im
  Nachhinein seine Tat geschönt darstellt.

   

  11. Der
  Umstand, dass B.______ Handschellen dabei hatte, als er das zuvor
  ausgekundschaftete Geschäft betrat, belegt, dass der Tatentschluss zum
  Überfall eben nicht spontan erfolgt ist, sondern bereits im Vorfeld geschah
  und entsprechende Vorbereitungen getätigt wurden. B.______ hat aus seinem
  erfolglosen Fesselversuch mit dem Klebeband gelernt und seine Ausrüstung für
  diesen Überfall verbessert.

   

  12. Es sei
  darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte zwar vorgibt, er bereue den Verlust
  des Lebenspartners von Y.______,
  sich diesem gegenüber aber sehr abschätzig verhielt, als er Ergänzungsfragen
  stellte. Vermutlich handelt es sich nur um aufgesetzte Reue, ansonsten hätte
  er Y.______ bei der Einvernahme
  durch die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich mit mehr Respekt behandelt.

   

  13. Am
  3. Mai 2007 führte die Kantonspolizei Glarus eine
  Personen-Wahlkonfrontation durch, an der Y.______
  den Beschuldigten mit 99.9%iger Sicherheit als diejenige Person
  identifizierte, die sich am Tag vor dem Überfall um ca. 17.00 Uhr im Geschäft
  aufgehalten habe. Er habe sich Uhrenbänder zeigen lassen und immer nur auf
  Vitrinen geachtet und nach allfälligen Kameras Ausschau gehalten. Der
  Beschuldigte sei allein gewesen. In der Zeugeneinvernahme durch die
  Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich wiederholte Y.______ im Wesentlichen seine
  Aussagen.

  Der
  Beschuldigte bestätigte, am Tag vor dem Raub im Geschäft gewesen zu sein.

  Die Aussagen Y.______ bestätigen, dass sich B.______
  am Tag vor dem Raub in der Bijouterie V.______ aufhielt und die
  Überwachungsmassnahmen ausspionierte. B.______ sagte selber, er habe beim
  ersten Besuch geschaut, ob es Kameras habe Wieso hätte er dies tun sollen,
  wenn er keinen Überfall im Schilde führte?

   

  14. Mit
  Verfügung vom 13. April 2010 ersuchte der Verhörrichter des Kantons
  Glarus die Kantonspolizei Glarus, zu der geänderten Sachverhaltsdarstellung
  des Beschuldigten Stellung zu nehmen. Mit ihrem Ergänzungsrapport vom
  22. April 2011 kam die Kantonspolizei dieser Aufforderung wie folgt
  nach:

  In der
  Bijouterie seien keine Überwachungskameras vorhanden gewesen. Es könne aber
  aufgrund der vorgefundenen Schuhabdrücke geschlossen werden, dass sich nach der
  Tat lediglich eine unbekannte Person am Tatort aufgehalten habe. Bei dieser
  Person müsse es sich um den Täter handeln.

  In der
  Bijouterie V.______ sei zum Zeitpunkt der Tat eine Alarmanlage mit zwei am
  Ladenkorpus erkennbaren Klingelknöpfen installiert gewesen. Die Knöpfe hätten
  

  Alarm bei der Kantonspolizei Glarus ausgelöst. Es sei aber am Tattag kein entsprechender
  Alarm eingegangen. Aus dem Rapport sei ersichtlich, dass das Opfer
  schliesslich von einer Kundin gefunden wurde. Eine DNA-Untersuchung der Knöpfe
  ergab keine Übereinstimmung mit dem Beschuldigten. Es steht damit fest, dass
  B.______ keinen Alarmknopf gedrückt hat.

  Den Widerruf
  des Geständnisses hält die Kantonspolizei auch aufgrund der bisherigen
  Aussagen des Beschuldigten mit erklärtem Täterwissen für völlig unglaubwürdig.

  Die
  DNA-Untersuchung zeigte keine Spuren B.______ auf dem Alarmknopf. Ein
  entsprechender Alarm ging bei der Polizei nicht ein. Der Alarmknopf wurde
  somit von B.______ gar nie gedrückt, es handelt sich nach Überzeugung des Gerichts
  um eine reine Schutzbehauptung des Beschuldigten.

  Aufgrund der
  Schuhabdrücke befand sich lediglich ein einziger Täter im Geschäft. B.______
  stritt nie ab, zum Tatzeitpunkt im Geschäft gewesen zu sein; er bestätigte
  vor Schranken sogar, V.______ überfallen zu haben. In Kombination dieser
  beiden Fakten ergibt sich, dass B.______ auch in Glarus allein im Geschäft
  war. Somit konnte es auch nur B.______ sein, der V.______ erschlagen hat.

   

  15. Die
  Staatsanwaltschaft legt B.______ vorliegend einen qualifizierten Raub nach
  Art. 140 Ziff. 4 StGB sowie einen
  Mord nach Art. 112 StGB zur Last.

  Zu den
  rechtlichen Ausführungen zum Raub vgl. vorstehend
  Ziff. IV. 22. ff.. Wie oben dargelegt musste B.______ durch
  seine brutale Vorgehensweise damit rechnen, dass V.______ den Überfall nicht
  überleben würde. V.______ ist an den Folgen denn auch tatsächlich gestorben.
  Somit ist zu bejahen, dass B.______ Handeln V.______ in Lebensgefahr gebracht
  hat. Die übrigen Tatbestandselemente des Raubes sind erfüllt, denn das
  Vorgehen B.______ in diesem Fall stimmt in den wesentlichen Punkten mit dem
  Vorgehen im Fall L.______ überein. Dies gilt wie erwähnt auch für den
  Vorsatz, welcher bereits beim Betreten des Geschäfts vorgelegen haben muss.
  B.______ nannte als Grund für die Tat Bereicherungsabsicht.

  Der objektive
  und der subjektive Tatbestand sind damit erfüllt.

  Schuldausschluss-
  und Rechtfertigungsgründe sind keine ersichtlich.

  Der
  Beschuldigte hat sich eines qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140
  Ziff. 4 StGB schuldig gemacht.

   

  16. Wer
  vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen
  Voraussetzungen der nachfolgen Artikel (sc. 112 ff. StGB) zutrifft, wird mit
  Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft (Art. 111 StGB).

  Handelt der
  Täter besonders skrupellos, sind namentlich sein Beweggrund, der Zweck der
  Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich, so ist die Strafe
  lebenslängliche Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren
  (Art. 112 StGB).

  Der objektive
  Tatbestand des Mordes umfasst die Tötung eines Menschen. B.______ war der
  einzige Täter und V.______ starb als Folge des Überfalls. B.______ muss somit
  V.______ getötet haben. Weder B.______ selber noch die Verteidigung
  bestritten dies.

  Subjektiv ist
  im Falle des Mordes nicht nur Vorsatz, sondern zudem besondere
  Skrupellosigkeit bei der Tathandlung gefordert. Wer besonders skrupellos handelt,
  der hat folglich keine moralischen Bedenken während der Tatausführung bzw.
  keine hemmenden Gefühlsregungen gegen das Auslöschen eines Menschenlebens (Niggli Marcel/Wiprächtiger
  Hans, Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel 2007, N 4 zu
  Art. 112 StGB mit Hinweisen). Die Tötung eines Menschen
  zum Zwecke des Raubes ist ein typischer Fall des Mordes im Sinne von Art. 112
  StGB. Es genügt, dass die Tötung im Rahmen der Verübung des Raubes
  stattgefunden hat; es ist insoweit unerheblich, ob der Räuber vor, während
  oder unmittelbar nach der Phase der Aneignung der Beute und ob er ohne
  besonderen Grund oder aus Angst vor einer (tatsächlichen oder vermuteten) Reaktion
  des Opfers getötet hat etc. (Regeste zu BGE 115 IV 187).

  Vorliegend
  sagte B.______ aus, wenn V.______ nicht geschrieen hätte, dann wäre nichts
  passiert. Er stützt mit seiner Aussage die Auffassung des Gerichts, wonach
  die Schläge lediglich Mittel zum Zwecke des ungestörten Diebstahls bzw.
  Raubes waren. B.______ schlug V.______, welcher an den Folgen starb, während
  des Überfalls, um sich ungestört die Beute aneignen zu können. In grosser
  Gefühlskälte und Rücksichtslosigkeit schlug er V.______ ohne zu Zögern mehrfach
  auf den Kopf, währenddem dieser gefesselt am Boden lag. Es gibt keine Anzeichen
  von Mitgefühl oder Reue, im Gegenteil zeigte sich B.______ gegenüber Y.______ im Nachgang zur Tat sehr
  pietätlos. Es ist erwiesen, dass B.______ entgegen seiner Behauptung keine
  Hilfe für den schwer verletzten V.______ geholt hat. Ziel seines Handelns war
  Habgier. Die Verteidigung verneint dies zwar, aber würde man ihrem Einwand
  Folge leisten und Habgier als "Rechtfertigung" der Gewalt
  ausschliessen, so bliebe eigentlich nur die blosse Freude an der Gewalt
  selber als Motiv für das Handeln B.______, was wiederum keinesfalls zu
  B.______ Vorteil gereichen würde. Hinsichtlich der "Verhältnismässigkeit"
  der angewendeten Gewalt muss zudem hier festgestellt werden, dass B.______
  nach dem Überfall auf L.______ mittlerweile über einschlägige Erfahrung mit
  sich wehrenden Opfern hatte und deshalb diesmal bessere Vorbereitungen
  getroffen und deshalb Handschellen mitgenommen hat. Nach dem ersten Schlag
  hatte er genügend Zeit, um V.______ zu fesseln und ihn in den Nebenraum zu
  schleifen. Trotzdem gelang es ihm auf längere Sicht nicht, V.______ mit den
  Handschellen allein ausser Gefecht zu setzen und er bediente sich wiederum
  roher Gewalt, um sich V.______ zu erwehren, auch nachdem dieser bereits zu
  Boden gegangen war. Zu erwähnen ist auch, dass ein Grossteil der Morddelikte
  allgemein ihren Ursprung in einer persönlichen Beziehung zwischen Täter und
  Opfer haben. Bei V.______ handelt es sich aber eben gerade nicht um eine
  B.______ bekannte Person. V.______ war ein wildfremdes Opfer, dessen Tötung
  nicht auf je nachdem entschuldigende oder nachvollziehbare persönliche Gründe
  zurückzuführen ist, sondern dessen Tod seinen Grund einzig und allein darin
  hat, dass er B.______ Bereicherungsabsicht zur falschen Zeit am falschen Ort
  im Wege stand. Nach bundesgerichtlicher
  Rechtsprechung ist somit ein Raubmord gegeben.

  Schuldausschluss-
  und Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich.

  B.______ ist
  des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB schuldig zu
  sprechen.

   

  17. Es stellt sich noch die Frage der Konkurrenz zwischen
  Art. 112 StGB und Art. 140 Ziff. 4 StGB. Art. 112 StGB
  konsumiert die Qualifikation von Art. 140 Ziff. 4 StGB, tritt aber
  zum einfachen Raub von Art. 140 Ziff. 1 StGB wegen der Verschiedenheit
  der betroffenen Rechtsgüter in echte Konkurrenz (Niggli Marcel/Wiprächtiger
  Hans, Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel 2007, N 30 zu
  Art. 112 StGB).

  Der
  Beschuldigte ist somit zu verurteilen wegen einfachen Raubes im Sinne von
  Art. 140 Ziff. 1 StGB und wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB.

   

  VI. Fall [...]

   

  1. Am
  14. Februar 2006 um ca. 11.00 Uhr habe der Beschuldigte das Uhrengeschäft Uhrenatelier am [...] in
  Zürich ausgeraubt. Dabei habe er den Geschäftsinhaber G.______
  niedergeschlagen, gefesselt und 44 Armbanduhren im Wert von
  CHF 398'650.― gestohlen. Dadurch habe B.______ sich wegen einfachen
  Raubes, im Deliktsbetrag von CHF 398'650.―, gemäss Art. 140
  Ziff. 1 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.

   

  2. Der
  Beschuldigte anerkannte den angeklagten Sachverhalt und die rechtliche
  Würdigung.

   

  3. Der
  Beschuldigte wurde am 2. Mai 2007 durch die Kantonspolizei Zürich
  befragt. Er gab den ihm vorgeworfenen Überfall auf das Uhren-Atelier von
  G.______ am 14. Februar 2006 zu. Er habe das Geschäft von einem früheren
  Besuch in Zürich gekannt und sich erst im allerletzten Moment, im Geschäft,
  zum Überfall entschieden. Er habe gesehen, dass ein Diebstahl nicht möglich
  sein würde, und habe sich zum Raub entschlossen. So habe er G.______ mit der
  Faustinnenseite gegen den Kopf geschlagen, worauf G.______ zu Boden gegangen
  sei. Der Beschuldigte habe ihm Handschellen angelegt und habe sich daran
  gemacht, Uhren einzusammeln. Schliesslich habe G.______ zu schreien oder
  sonst etwas zu tun begonnen, worauf der Beschuldigte ihm eine Ohrfeige verpasst
  habe. Darauf sei G.______, der noch bei Sinnen gewesen sei, ruhig gewesen.
  G.______ habe während der Anwesenheit des Beschuldigten nie das Bewusstsein
  verloren, das sei ganz sicher. Der Beschuldigte habe einmal am Kiefer und
  einmal seitlich am Kopf geschlagen. Es könne sein, dass G.______ den Kopf
  beim Hinfallen angeschlagen habe.

   

  4. Am
  28. April 2008 erfolgte die Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft IV
  des Kantons Zürich. Der Beschuldigte behauptete, er habe die Handschellen
  einfach dabei gehabt, er wisse nicht wieso. Er habe G.______ zunächst niedergeschlagen
  und anschliessend nochmals geschlagen; gesamthaft habe er ihn drei- bis
  viermal geschlagen. Der Beschuldigte anerkannte in der Folge den vorgeworfenen
  Sachverhalt, nachdem er G.______ „mit der zur Faust geballten Hand stark
  gegen das Gesicht“ und nachfolgend „mehrmals mit der offenen Hand gegen den
  Kopf“ geschlagen habe. Er stritt nicht ab, dass G.______ erhebliche Kopfverletzungen,
  eine Gehirnerschütterung, eine blutende Verletzung an der Lippe sowie eine
  Schwellung im Kieferbereich erlitten haben soll.

   

  5. Anlässlich
  der ersten Einvernahme durch das Verhöramt des Kantons Glarus vom
  7. August 2009 anerkannte der Beschuldigte den vorgeworfenen Sachverhalt
  und die rechtliche Würdigung sowie den Deliktsbetrag. In eigenen Worten habe
  er damals die unbestimmte Absicht gehegt, einen Raub zu begehen. Er habe das
  ihm von früher bekannte Geschäft am [...] in Zürich betreten und den Inhaber mit der Hand ins
  Gesicht geschlagen. Dieser sei umgefallen und der Beschuldigte habe ihn mit
  Handschellen gefesselt, die Beute eingesammelt und in seine Tasche gepackt
  und das Geschäft verlassen. Er habe die Beute dann in der Schweiz verkauft
  und das Geld nach Litauen mitgenommen, wo er seine Schulden damit bezahlt und
  seinen Lebensunterhalt bestritten habe. Motiv für die Tat sei Geld gewesen.
  Er bestätigte die Richtigkeit der Aussagen gegenüber der Kantonspolizei
  Zürich und der Staatsanwaltschaft Zürich sinngemäss. 

   

  6. In der
  zweiten Einvernahme durch den Verhörrichter vom 27. Januar 2010 bestritt
  der Beschuldigte die posttraumatische Belastungsstörung und die Gehirnerschütterung
  des Opfers, er habe ihn nur leicht an der Lippe verletzt. 

  Er anerkannte
  aber, einen Raub begangen zu haben.

   

  7. Auch bei
  diesem dritten Überfall nimmt das Gericht B.______ nicht ab, dass er während
  eines Spaziergangs zufällig in der Gegend war und dabei zufällig auch noch
  Handschellen mit sich führte. Vielmehr erachtete es als gegeben, dass
  B.______ das Geschäft bereits mit Vorsatz betrat. Alsdann schlug er G.______
  mit der Faustinnenseite an den Kiefer, fesselte ihn mit Handschellen und als
  dieser zu schreien begann, gab er ihm noch mindestens zwei, eventuell drei,
  Ohrfeigen. Er sammelte seine Beute ein und verliess das Geschäft wieder.
  B.______ anerkannte hier einen Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
  StGB.

   

  8. Mit
  Verfügung vom 13. April 2010 ersuchte der Verhörrichter des Kantons
  Glarus die Kantonspolizei Zürich, zur geänderten Sachverhaltsdarstellung des
  Beschuldigten Stellung zu nehmen. Mit ihrem Bericht vom 28. April 2010
  kam die Kantonspolizei dieser Aufforderung wie folgt nach:

  Sie verwies
  auf die Akten und den Arztbericht.

   

  9. Das Opfer
  G.______ erinnerte sich im Rahmen der polizeilichen Befragung vom
  14. Februar 2006 nur noch daran, dass ein vermeintlicher Russe in den Laden
  gekommen sei und sich für eine teure Rolex interessiert habe. Dann breche
  seine Erinnerung ab. 

  Die
  Erinnerung G.______ ist unvollständig, liefert aber immerhin keine Anhaltspunkte
  dafür, dass B.______ nicht allein gehandelt hat.

  Am
  10. März 2006 erfolgte eine zweite Einvernahme. Das Opfer konnte sich
  noch immer an nichts erinnern. Eine Wahlbildkonfrontation verlief negativ.

   

  10. Im
  Geschäftslokal von G.______ war die Überwachungskamera nach unten geschwenkt.
  Sie ergibt somit keine Hinweise auf einen Mitttäter. Angesichts B.______
  Fixierung auf Überwachungskameras erscheint es sehr gut möglich, dass er die
  Kamera selber nach unten geschwenkt hat.

   

  11. Der
  ärztliche Bericht des Universitätsspitals Zürich vom 2. Mai 2008 attestiert
  G.______ eine Hirnerschütterung, eine Rissquetschwunde an der Oberlippe und
  am Hinterkopf, Prellungen im Gesicht und Schürfungen im Rumpfbereich. Die
  Verletzungen seien zu keinem Zeitpunkt lebensgefährlich gewesen.

  Der Bericht
  von [...], Craniosacral-Therapeut, stellte bei G.______ „typische
  posttraumatische Belastungsstörungen“ fest.

   

  12. Das Geständnis stimmt mit den
  Untersuchungsergebnissen überein, weshalb der Sachverhalt rechtsgenügend
  erstellt ist. Die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft ist
  zutreffend.

  Schuldausschluss-
  und Rechtfertigungsgründe sind keine ersichtlich.

  Der
  Beschuldigte hat sich eines (einfachen) Raubes im Sinne von Art. 140
  Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.

   

   

  VII. Fall [...]

   

  1. Schliesslich legt die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten zur
  Last, er habe am 22. Februar 2007
  kurz nach 09.00 Uhr die Bijouterie [...] an der [...] in [...]
  überfallen und dabei den anwesenden Geschäftsinhaber W.______ getötet.
  Dadurch habe er sich wegen qualifizierten Raubes im Deliktsbetrag von
  CHF 203'650.― gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und
  4 StGB sowie wegen Mordes nach Art. 112 StGB strafbar gemacht.

   

  2. Die Verteidigung räumt zwar die Beteiligung des Beschuldigten am
  Überfall ein, sieht ihn aber trotz des in der Hauptverhandlung abgelegten
  ― nach ihrer Ansicht vagen ― Mordgeständnisses als Mitglied einer
  Bande, wobei nicht einwandfrei nachgewiesen werden könne, dass B.______
  derjenige war, der W.______
  getötet habe.

   

  3. Die
  Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich fand am 3. April 2007 statt.
  Hier berichtete der Beschuldigte über seine Hintermänner. Es seien Leute, die
  gedroht hätten, ihn fertig zumachen, wenn er das geschuldete Geld nicht zurückzahle.
  Sie hätten ihm das Juweliergeschäft gezeigt. Für den Überfall würde man ihm
  die Schulden abschreiben und er dürfte einen Teil der Beute als Belohnung
  behalten. Von den Hintermännern habe er weder Telefonnummer noch Adresse. Es
  sei alles über zwei Mittelsmänner gelaufen. Er habe [...] (alias [...]) als
  Fahrer gebraucht, da ihm der Führerschein in Litauen entzogen worden sei.

  B.______ habe
  keine andere Wahl gehabt als die Bijouterie zu überfallen. Er habe den
  Männern ja das Geld geschuldet. Wieso er ihnen das Geld schuldete, wollte er
  nicht verraten.

  Er habe von
  den Mittelsmännern am Vorabend eine Tasche mit Handschellen, Klebeband und
  Waffe erhalten. Am Tatmorgen sei ihm eine Hilfsperson, bei der es sich nicht
  um [...] gehandelt habe, zugeteilt worden. Die Hilfsperson habe sich jedoch
  ebenfalls als [...] vorgestellt.

  In der Bijouterie
  sei der Überfall im Wesentlichen so abgelaufen, dass der Reissverschluss der
  Tasche geklemmt habe und B.______ deshalb die Schrotflinte nicht habe
  hervorholen können. Er habe W.______
  deshalb geschlagen, wiederum mit der Innenseite seiner Faust, diesmal aber
  mit der linken, denn rechts sei die Theke gewesen und es sei deswegen
  „unbequem“ gewesen mit rechts. W.______
  sei zu Boden gegangen. Sie hätten ihm dann die Handschellen angezogen.
  Insgesamt sei W.______ von
  B.______ dreimal geschlagen worden, von [...] kein einziges Mal. B.______
  habe gesehen, dass W.______
  etwas älter war und habe sich deswegen bemüht, nicht so stark zuzuschlagen.
  B.______ bestreitet aber nicht, dass die Verletzungen, die er W.______ zugefügt habe, mögliche
  Auslöser für das waren, was weiter mit ihm passiert sei. Die Tötung sei nicht
  beabsichtigt gewesen. B.______ glaubte, W.______ habe einen Sack über dem Kopf gehabt, aber das habe
  wahrscheinlich der andere getan. Er habe ihm Wasser ins Gesicht gespritzt und
  ihn wieder zu Bewusstsein geholt. Vor dem Verlassen des Geschäfts habe
  B.______ noch den roten Alarmknopf an der Theke gedrückt.

  Er gestand
  zudem ein, im Februar 2006 ein Uhrengeschäft überfallen zu haben. Bei der
  Übergabe des Deliktsguts habe er sich verschwatzt und den Mittelsmännern
  verraten, dass er keine Handschuhe getragen habe. So hätten sie ihn zum
  Überfall auf W.______
  erpressen können. Grund für seinen Besuch damals in der Schweiz sei eine
  Internetbekanntschaft gewesen.

   

  4. Anlässlich
  der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
  28. April 2008 gab der Beschuldigte zu Protokoll, es stimme, dass er dem
  Opfer zunächst einen und im Hinterraum dann zwei weitere Schläge an den Kopf
  verpasst habe. Er habe ihn aber nicht stark geschlagen, denn es sei ein alter
  Mann gewesen. Er habe ihn mehr einschüchtern wollen. Der Beschuldigtes sei
  sich zwar bewusst gewesen, dass seine Schläge zu irgendwelchen Körperverletzungen
  führen könnten, nicht aber, dass sie tödlich sein könnten. 

   

  5. In der
  ersten Einvernahme durch das Verhöramt des Kantons Glarus vom 7. August
  2009 bestritt der Beschuldigte entgegen dem Vorwurf des Verhörrichters,
  Goldbarren und die Maurice LaCroix-Uhr genommen zu haben. Er habe lediglich
  zwei Silberbarren und Schmuck genommen. Er gestand den Raub und die
  Sachbeschädigung an sich ein, bestritt aber die Tötung des Opfers. So wie es
  aussehe, habe dies sein Mittäter getan.

  B.______
  präzisierte, er sei von Hintermännern aus der Schweiz zu diesem Überfall
  genötigt worden. Am Bahnhof Enge habe er seinen Mittäter [...]getroffen, nach
  dessen Instruktionen der Raubüberfall abgelaufen sei. Im Geschäft habe der
  Beschuldigte den Verkäufer gebeten, ihm eine Uhr aus der Vitrine zu zeigen.
  Er habe ihm dann ins Gesicht geschlagen, worauf dieser zu Boden gefallen sei
  und der Beschuldigte ihm zusammen mit [...] Handschellen angelegt habe. Er
  habe den Verkäufer eigentlich mit einer mitgeführten Waffe erschrecken
  wollen, habe aber die Tasche, in der sie sich befunden habe, nicht öffnen
  können. Das Opfer hätten sie dann in die Küche gebracht und anschliessend den
  Schmuck in eine mitgeführte Tasche gefüllt. Später sei der Beschuldigte in
  die Küche gegangen und habe dort das Opfer mit einem Sack über dem Kopf
  vorgefunden. Die Wand sei mit Blut vollgespritzt gewesen. Er habe den Sack
  etwas angehoben und dem Opfer Wasser ins Gesicht gespritzt, so dass dieser
  wieder zu Bewusstsein gekommen sei. Zu diesem Zeitpunkt habe sich das Opfer
  noch bewegt.

  B.______
  bestätigte die früher gemachte Aussagen gegenüber Kantonspolizei und
  Staatsanwaltschaft Zürich.

  Als Grund für
  seine Beteiligung nannte der Beschuldigte dieses Mal den Druck seiner
  Hintermänner. Ausser den zwei Silberbarren und einigen Schmuckstücken, die
  von der Polizei in Rosenheim auch sichergestellt worden seien, habe [...] die
  Beute mitgenommen.

  Den Mord
  bestritt der Beschuldigte. Diesen habe er weder selber begangen noch sei er
  mit [...] abgemacht gewesen. Raub und Sachbeschädigung anerkenne er aber. 

  Im Rahmen der
  zweiten Einvernahmen durch den Verhörrichter vom 27. Januar 2010
  ergänzte der Beschuldigte, sein Mittäter habe im Gegensatz zu ihm Handschuhe
  getragen. So erklärte er das Fehlen von Spuren eines Mittäters am Tatort. Der
  Mittäter müsse doch auf den Überwachungskameras zu erkennen sein.

  Er bestritt
  auch die Qualifikation des Raubes, weil er eine ungeladene Waffe und
  keinerlei Munition mit sich geführt habe, anerkannte aber, einen Raub begangen
  zu haben. Er gab auch die Sachbeschädigung zu, ergänzte aber, dass er nur die
  Schlösser aufgedrückt, nicht aber die Scheiben eingeschlagen habe. Zudem
  behauptete er, diese Tötung habe auch der Mittäter begangen. Und wenn man
  jemanden töten wolle, dann führe man nicht noch Handschellen mit; er habe ihn
  sinngemäss also nicht töten wollen.

   

  6. Alles in
  allem anerkennt der Beschuldigte den Sacherhalt und die rechtliche Würdigung
  somit in weiten Teilen. In der Hauptverhandlung gestand er sogar den Mord an
  W.______.

  Der
  Sachverhalt stellt sich nach der Schilderung des Beschuldigten wie folgt dar.
  B.______ betrat das Geschäft und schlug W.______ schliesslich ins Gesicht,
  fesselte ihn mit Handschellen und schleifte ihn in einen Nebenraum.

  Dieser
  Tatablauf ist praktisch identisch mit den bisherigen Abläufen, namentlich
  auch mit demjenigen in Glarus, wo B.______ nachweislich die einzige Person
  vor Ort war. Es gibt daher aufgrund des Tatablaufs keine Hinweise auf eine
  weitere beteiligte Person. Auch die Spurensicherung vor Ort lieferte keine entsprechenden
  Hinweise. Einzig die Aussagen des Beschuldigten lasten den Mord an W.______
  einem nebulösen Mittäter an, B.______ will praktischerweise nur den ersten
  Schlag ausgeführt haben, der aber nicht allzu schlimm gewesen sei, da das
  Opfer nachher noch bei Bewusstsein gewesen sei. Was genau sich in der
  Bijouterie nach dem ersten Schlag abgespielt hat, lässt sich nicht im Detail
  rekonstruieren, fest steht aber dann wieder, dass B.______ entgegen seiner Aussage
  keinen Alarmknopf gedrückt hat. Auch hier versucht er im Nachhinein wieder,
  den Sachverhalt zu seinen Gunsten geschönt darzustellen. Allerdings hat er
  mittlerweile offenbar gemerkt, dass es viel besser wäre, wenn er sein Opfer
  nicht nur einfach sich selbst überlassen hätte, sondern dessen Tod gar nicht
  erst auf sein Verschulden zurückgehen würde. Deshalb ist das Vorschieben
  eines Mittäters die logische Konsequenz seiner bisherigen Taten.

   

  7. Mit
  Verfügung vom 13. April 2010 ersuchte der Verhörrichter des Kantons
  Glarus die Kantonspolizei Zürich, zur geänderten Sachverhaltsdarstellung des
  Beschuldigten Stellung zu nehmen. Mit ihrem Bericht vom 28. April 2010
  kam die Kantonspolizei dieser Aufforderung wie folgt nach:

  Es gebe weder
  DNA-Hinweise auf einen zweiten Täter noch Videoaufnahmen.

  Ein
  akustischer Alarm sei zu keiner Zeit wahrgenommen worden und ein stiller
  Alarm zur Polizei sei nicht eingerichtet gewesen.

  Wie aus den
  Akten ersichtlich sei, habe der Beschuldigte eine abgesägte Schrotflinte
  mitgeführt, die aber nach dem Stand der Akten nicht als Tatwaffe eingesetzt
  worden sei.

  Ob er
  tatsächlich nur die Schlösser aufgedrückt habe, lasse sich weder bestätigen
  noch widerlegen.

   

  8. Die
  Kantonspolizei Zürich hält in ihrem Schlussbericht vom 13. März 2008
  fest, dass der Beschuldigte in seinem (zunächst widerrufenen) Geständnis
  viele Details nannte, die nur der Täter wissen konnte.

  Damals will
  der Beschuldigte nur bei diesem Einbruch Verstärkung durch einen [...] gehabt
  haben. Gesicherte Hinweise für einen zweiten Mann konnte die Kantonspolizei
  Zürich aber keine feststellen. Für den angeklagten Sachverhalt sind diese
  aber auch nicht weiter von Belang, denn für das Gericht steht fest, dass
  B.______ den Überfall auf V.______ mit Sicherheit alleine ausgeführt hat, und
  auch bei der Ausführung des Überfalls auf W.______ am Tatort war. Eine allfällige
  Beteiligung von Mittätern hat, wenn überhaupt, höchstens im Planungsstadium
  stattgefunden.

  Die
  Kantonspolizei Zürich kommt zum Schluss – sie ging damals davon aus, der
  Beschuldigte habe tatsächlich unter Mithilfe eines zweiten Mannes gehandelt
  –, der Beschuldigte habe den Plan gehegt, nach dem Betreten des Juweliergeschäfts
  das Opfer mit der Schrotflinte auf den Boden zu zwingen, wo [...] ihm
  Handschellen anlegen sollte. Da der Reissverschluss der Tasche geklemmt habe
  und der Beschuldigte die Schrotflinte deswegen nicht behändigen habe können,
  habe ihm der Beschuldigte unvermittelt mit der linken Faust an den Kopf geschlagen.
  Das Opfer sei zu Boden gegangen und die beiden Täter hätten ihm Handschellen
  angelegt und ihn in die Küche geschleppt. Der Beschuldigte habe in der Folge
  das Opfer noch zweimal geschlagen und zu einem unbestimmten Zeitpunkt habe
  [...] ihm einen Sack über den Kopf gestülpt.

  Beim
  Eintreffen der Polizei habe das Opfer noch geatmet.

   

  9. Bei den
  Akten befindet sich auch der Befund der Obduktion des IRM vom 6. März
  2008. Es kommt hinsichtlich der These, dass das Opfer mit blossen Fäusten
  erschlagen worden sei, zu folgendem Schluss:

  „Dieser
  Ablauf lässt sich aus forensisch-medizinischer Sicht ohne Einschränkungen
  bestätigen. Die Ausdehnung der Frakturen im Gesicht und die grossflächigen
  Weichteilunterblutungen und -quetschungen sprechen für erheblichen Impuls bei
  der Applikation von repetierten Fausthieben ins Gesicht. Untermauert wird die
  Vermutung, dass beim tödlichen Geschehen hochgradige stumpfe mechanische
  Gewalt eingesetzt worden war, durch Bruch des Unterarmknochens am rechten
  Handgelenk, aller Wahrscheinlichkeit nach verursacht durch grobe Manipulation
  an gefesselten Handgelenken durch Zug bis hin zum Hochheben einer ganzen
  Person an den mit Handfesseln fixierten Handgelenken.

  Nach
  Abschluss der Obduktion zeigte sich das IRM entgegen seiner ursprünglichen
  Vermutung, wonach die Verletzungen durch Einwirkung eines stumpfen
  mechanischen Gegenstandes resultiert seien, überzeugt, dass das Opfer mit
  blossen Fäusten erschlagen wurde. Eine Tötung mit sehr raschem Todeseintritt
  durch Faustschläge ins Gesicht, die zu Brüchen in der Schädelbasis und
  multipel im Gesichtsschädel führen würden, sei aus Sicht des IRM denkbar.

   

  10. Der
  Obduktionsbericht lässt demnach folgende Schlussfolgerungen zu:

  a) Das Opfer
  wurde derart unzimperlich behandelt, dass ihm der Unterarm gebrochen wurde.
  Damit ist endlich nachgewiesen, dass B.______ mit seinen Opfern keineswegs so
  umsichtig umging, wie er den Behörden weismachen wollte.

  b) Selbst die
  Mediziner des IRM gingen zunächst davon aus, die vorliegenden Verletzungen
  seien das Ergebnis der Einwirkung mit einem stumpfen Schlaggegenstand. Nicht
  einmal die Rechtsmediziner zogen auf den ersten Blick also das Wirken mit
  blossen Fäusten in Betracht.

  c) Das Opfer
  wurde wiederholt und mit grosser Kraft ins Gesicht geschlagen.

  d) Die
  Einwirkung des Täters war derart brutal, dass der Todeseintritt rasch
  erfolgte.

  Das Bild von
  stumpfer mechanischer Gewalt mit hohem Impuls gegen Schädel, beispielsweise
  mittels Faustschlägen, zeichne sich von W.______ über V.______ bis hin zu
  L.______.

  Auch aus
  Sicht des IRM ist es also wahrscheinlich, dass derselbe Täter für die
  Verletzungen W.______, V.______ und L.______ verantwortlich ist. Wie bereits
  erwähnt, handelte B.______ bei L.______ nachweislich alleine. Das identische
  Tatmuster spricht auch im Fall W.______ sehr dafür, dass B.______ der Täter
  war. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass ein zweiter Mann ohne Spuren zu
  hinterlassen nach demselben Muster einen Menschen tötet wie B.______, denn in
  B.______ vereinen sich mehrere ungünstige Eigenschaften zu einer Mischung,
  die es nicht ohne weiteres ein zweites Mal gibt:

  a) B.______
  ist überdurchschnittlich kräftig und physisch allgemein von sehr guter
  Konstitution (vgl. Händedruck und Morgensport). Er erfüllt damit die körperlichen
  Voraussetzungen für die Ausübung der bei den Überfällen an den Tag gelegten 

  überbordenden Gewalt. Auch hat er vermutlich eine fundierte Kampfsportausbildung
  und ist daher nicht nur physisch, sondern auch technisch in der Lage, mit
  blosser Faust menschliche Schädel zu zertrümmern. Entweder hat er also seine
  Kampfsportkenntnisse in krasser Weise zur Tötung von Menschen missbraucht, 

  oder er hat diese fehlenden technischen Kenntnisse durch rohe Gewalt wettgemacht.
  Beides spricht jedenfalls nicht für ihn.

  b) B.______
  hat offensichtlich eine niedrige Hemmschwelle, was die Anwendung von Gewalt
  betrifft, auch weil er sie als legitimes Mittel zur Lösung von Konflikten
  betrachtet (vgl. unten Ziff. VIII./7.).

  c) B.______
  hat offenbar keinerlei Respekt vor menschlichem Leben. Dies zeigt auch sein
  Verhalten gegenüber Y.______. Diesem
  gegenüber zeigte er weder Respekt noch Reue. Selbst wenn der Beschuldigte
  V.______ nicht getötet hätte, hätten Ehre und Anstand es geboten, Y.______ gegenüber weniger pietätlos
  aufzutreten.

  d) Im
  Gegensatz zu anderen Delinquenten, die nach der Tat in ständiger Furcht vor
  der Entdeckung leben, entwickelte B.______ ein Gefühl der Straffreiheit.

   

  11. Es zeigt
  sich somit, dass beide Todesopfer auf sehr ähnliche Weise und
  höchstwahrscheinlich von demselben Täter mit blosser Faust erschlagen wurden.
  Dazu muss man erst einmal in der Lage sein. Im Fall V.______ hat der Beschuldigte
  die Schläge gestanden und keinen zweiten Mann erwähnt. Dort muss er also dem
  Opfer die tödlichen Verletzungen selber mit blosser Faust beigebracht haben.
  Er wäre demnach also auch dazu in der Lage, die Verletzungen W.______ verursacht
  zu haben.

   

  12. Die
  Staatsanwaltschaft legt B.______ im Fall W.______ einen qualifizierten Raub
  nach Art. 140 Ziff. 4 StGB zur Last sowie einen Mord nach
  Art. 112 StGB.

  Den einfachen
  Raub nach Art. 140 Ziff. 1 StGB anerkannte B.______. Betreffend die
  rechtlichen Voraussetzungen der Qualifikation nach Art. 140 Ziff. 4
  StGB vgl. Ziff. V./15. oben. Das Tatvorgehen war in den wesentlichen
  Punkten identisch. B.______ schlug W.______ lebensgefährlich zusammen, um
  ungestört seinen Diebstahl begehen zu können. Die Lebensgefahr ist durch das
  spätere Versterben offensichtlich gegeben. Dieser Kausalzusammenhang wird
  auch im Obduktionsgutachten bejaht.

  Zu den
  rechtlichen Ausführungen zum Raubmord vgl. oben Ziff. V./15. Auch hier
  stimmen die wesentlichen Punkt des Sachverhalts überein und der Tatbestand
  des Mordes ist erfüllt. Art. 112 StGB konsumiert die
  Qualifikation von Art. 140 Ziff. 4 StGB, tritt aber zum
  einfachen Raub von Art. 140 Ziff. 1 StGB wegen der Verschiedenheit
  der betroffenen Rechtsgüter in echte Konkurrenz (Niggli Marcel/Wiprächtiger
  Hans, a.a.O., N 30 zu Art. 112 StGB).

  Schuldausschluss-
  und Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich.

  B.______ ist
  des einfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB sowie des
  Mordes im Sinne von Art. 112 StGB schuldig zu sprechen.

   

  13. Der
  Erörterung bedarf schliesslich die Frage, ob B.______ als Einzeltäter 

  oder Mitglied einer Bande gehandelt hat und ob er dazu erpresst wurde, wie er
  später sagen wird. Selber stritt B.______ zunächst durchwegs ab, mit jemandem
  zusammen gehandelt zu haben. Erst im Endstadium der Untersuchung wich
  B.______ von seinen bisherigen Aussagen ab und behauptete, die beiden Morde
  seien von einem Mittäter verübt worden. An der Hauptverhandlung gab B.______
  wieder an, bei allen Taten alleine gehandelt zu haben, jedoch wisse er nicht,
  wer V.______ und W.______ getötet habe, und habe er sein Geständnis nie
  widerrufen.

  Die
  ursprüngliche Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten erfährt Bestätigung
  durch die Aussagen K.______ und – soweit er sich erinnert – G.______. Beiden
  fiel kein zweiter Mann auf, was natürlich nicht heisst, dass kein solcher beteiligt
  gewesen sein kann. Die zuständigen Sachbearbeiter der Kantonspolizei Zürich
  erklärten auf Anfrage des Verhörrichters, dass sich in keinem der Fälle Anzeichen
  für einen Mittäter finden liessen. Als einziges Indiz für das Vorhandensein
  von Mittätern bleiben somit die folgenden Zeugenaussagen.

   

  14. Im Falle
  W.______ fiel ca. am 14. Februar 2007 ein verdächtiger BMW 750i mit
  Kennzeichen [...] auf, welcher am 16. Februar 2007 (sechs Tage vor der
  Tat) durch die Polizei kontrolliert wurde. Insassen des Fahrzeuges waren der
  Beschuldigte B.______ sowie [...], geb. 29. Juli 1973, der wie B.______
  auch litauischer Staatsangehöriger ist und von diesem stets [...]genannt
  wurde. Bei dieser Kontrolle wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. 

  Am
  21. Februar fielen dem Personal der Bijouterie [...] in [...]um ca.
  09.15 Uhr sowie 18.15 Uhr vor Ort zwei verdächtige Männer auf, die
  mit einem BMW, [...], unterwegs waren. Dabei handelte es sich um B.______ und
  [...].

  Den
  verwendeten BMW kaufte [...] einem Händler namens [...] in Wallisellen für
  CHF 500.― ab. [...] erschien in Begleitung einer zweiten Person,
  vermutlich B.______.

   

  15. B.______
  sagte aus, er habe sich wegen der erfolgten Polizeikontrolle geweigert, den
  Überfall auszuführen und deshalb am Tatmorgen [...], der nicht identisch mit
  [...] sei, als Unterstützung zur Seite gestellt bekommen. Die Kantonspolizei
  Zürich war sich nicht schlüssig, ob [...] nicht doch mit diesem [...] identisch
  ist, denn B.______ machte den Eindruck, [...] schützen zu wollen. Ausserdem
  liegt es nahe, den Überfall mit derjenigen Person zu verüben, die auch beim
  Auskundschaften mit dabei war.

   

  16. Als Motiv
  für den letzten Raub gibt B.______ an, die Hintermänner hätten ihm gedroht,
  ihn fertig zu machen, wenn er das geschuldete Geld nicht zurückzahle. Später
  sagte er aus, dass er sich bei einer Übergabe von Deliktsgut an Mittelsmänner
  verschwatzt habe und ihnen gesagt habe, dass er bei der Tatausführung keine
  Handschuhe getragen habe. So sei er erpressbar geworden.

   

  17. Im Fall
  V.______ machte B.______ keine grossen Angaben zu seinem angeblichen
  Mittäter. Im Wes