# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9b17eb9d-1e90-57b5-8808-95aac83748ec
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 19.12.2023 S 2021 122
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2021-122_2023-12-19.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 21 122

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

RichterIn Pedretti und Righetti

Aktuarin ad hoc Christen

URTEIL

vom 19. Dezember 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Christian Thöny, 

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geboren 1970, machte eine Ausbildung zum Postbeamten und 

arbeitete danach bei der B._____ in C._____. Als 25-Jähriger wanderte er 

nach Costa Rica aus. Nach acht Jahren kam er im Januar 2003 zurück in 

die Schweiz. Vom 16. bis 27. Mai 2003 hielt er sich im Zusammenhang mit 

einer leichten depressiven Episode erstmals stationär in einer Klinik der 

D._____ (nachfolgend: D._____) auf. In der Folge zog er zurück nach 

Costa Rica, verbrachte aber jeweils die Wintersaison in der Schweiz und 

arbeitete bei den E._____ und den F._____ als Bahnmitarbeiter.

2. Während sich A._____ im Winter 2013/14 in der Schweiz aufhielt, verstarb 

am 4. März 2014 unerwartet sein Lebenspartner in Costa Rica. A._____ 

beendete umgehend sein Arbeitsverhältnis bei den F._____ und reiste 

nach Costa Rica. In der Folge verschlechterte sich sein psychischer 

Zustand. Bei einem Konsilium der D._____ am 29. Oktober 2014 wurden 

eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion sowie eine 

Panikstörung diagnostiziert. Bei den F._____ wurde A._____ im Winter 

2014/15 nicht mehr eingestellt. Dies trug zu einer weiteren 

Verschlechterung seines psychischen Zustands bei. Am 30. Januar 2015 

führte ein Alkoholmissbrauch zu einer notfallmässigen Einlieferung in eine 

Klinik der D._____. Dort wurde A._____ bis zum 3. März 2015 stationär 

behandelt. Diagnostiziert wurde eine Anpassungsstörung mit einer 

längeren depressiven Reaktion. Vom 23. Oktober 2015 bis zum 5. Januar 

2016 war A._____ erneut hospitalisiert. Im diesbezüglichen 

Austrittsbericht der D._____ vom 29. Januar 2016 wurden eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode 

und eine Akzentuierung im Bereich emotional instabile Persönlichkeit vom 

Borderline-Typ diagnostiziert. Nach dem Klinikaufenthalt wurde A._____ 

in der Tagesklinik und ambulant von Dr. med. G._____ weiterbehandelt. 

Mit Bericht vom 26. Januar 2016 diagnostizierte dieser eine rezidivierende 

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depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und neu 

psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol mit 

Abhängigkeitssyndrom.

3. Noch während der Hospitalisation hatte sich A._____ am 19. November 

2015 bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) 

zum Bezug von Leistungen angemeldet. Die IV-Stelle gewährte in der 

Folge Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining bei der H._____ 

GmbH vom 24. August 2016 bis zum 25. November 2016. A._____ 

absolvierte dieses Training und schloss vom 26. November 2016 bis zum 

17. März 2017 ein Aufbautraining an, welches ebenfalls von der H._____ 

GmbH durchgeführt wurde. Der behandelnde Psychiater Dr. med. 

G._____ hielt mit Verlaufsbericht vom 15. Februar 2017 fest, nach seiner 

Einschätzung zeige sich keine genügende Besserungstendenz, um von 

einer erfolgreichen Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt 

ausgehen zu können. In Frage gestellt wurde die Fortsetzung der 

Eingliederungsmassnahme auch dadurch, dass A._____ plante, im Mai 

2017 für mehrere Wochen nach Costa Rica zu reisen. Mit Mitteilung vom 

20. April 2017 hielt die IV-Stelle daraufhin fest, die Weiterführung der 

Integrationsmassnahmen sei aufgrund der unklaren privaten und 

medizinischen Situation nicht zielführend.

4. In der Folge wurde A._____ im Auftrag der IV-Stelle begutachtet. Der 

Psychiater Dr. med. I._____ führte in seinem Gutachten vom 7. September 

2017 aus, Eingliederungsmassnahmen seien zumutbar und es liege keine 

psychische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. 

Bestandteil des Gutachtens war die neuropsychologische Beurteilung vom 

3. September 2017, in welcher Dr. phil. J._____ zum Schluss gekommen 

war, A._____ sei in einer adaptierten Tätigkeit nicht in seiner 

Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Als adaptiert gelte eine überschaubare, 

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klar geregelte und repetitiv gestaltete Tätigkeit auf dem ersten 

Arbeitsmarkt.

5. Am 2. Februar 2018 riet der Regionale Ärztliche Dienst (nachfolgend: 

RAD) zu einer polydisziplinären Abklärung, weil bei A._____ neben den 

psychischen Beschwerden wiederholt somatische Beschwerden 

unterschiedlicher Art aufgetreten waren. Die IV-Stelle beauftragte darauf 

die MEDAS Zentralschweiz mit einer allgemein-internistischen, 

rheumatologischen, neurologischen und psychiatrischen Abklärung. Mit 

Gutachten vom 11. Juli 2018 wurde ein Verdacht auf rezidivierende 

depressive Störungen (Differentialdiagnose Anpassungsstörung), eine 

posttraumatische Verbitterungsstörung, Persönlichkeitsanteile 

pathognomonisch für Borderline-Persönlichkeitsstörung und diverse 

somatische Erkrankungen diagnostiziert. Das MEDAS-Gutachten 

attestierte A._____ aus somatischer Sicht eine medizinisch-theoretische 

Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten, körperlich leichten und 

gelegentlich mittelschweren Tätigkeit mit einer Gewichtsbelastung von 

maximal 10 kg. Aus psychiatrischer Sicht blieb die Arbeitsfähigkeit unklar. 

Der psychiatrische Teilgutachter Dr. med. K._____ führte aus, sichere 

Aussagen, inwieweit ein andauernder Gesundheitsschaden mit 

Einschränkung der Leistungsfähigkeit vorliege, seien aus psychiatrischer 

Sicht nicht möglich. Gegebenenfalls müsste ein erneutes Belastungs- und 

Aufbautraining durchgeführt und von einer integrierten psychiatrisch-

psychotherapeutischen Behandlung flankiert werden.

6. Hierauf tätigte die IV-Stelle Abklärungen im Hinblick auf eine geeignete 

Integrationsmassnahme. Mit E-Mail vom 7. November 2018 teilte der 

behandelnde Psychiater Dr. med. L._____ der IV-Stelle mit, A._____ fühle 

sich nicht in der Lage, eine weitere Integrationsmassnahme zu 

absolvieren. Mit Schreiben vom 13. November 2018 begründete A._____ 

seine Position. Die IV-Stelle verzichtete hierauf auf die erneute 

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Durchführung einer Integrationsmassnahme und holte stattdessen einen 

Bericht zum Belastbarkeits- und Aufbautraining von 2016/2017 ein. Mit 

Schreiben vom 23. November 2018 gab die H._____ GmbH an, A._____ 

sei nach den Erfahrungen im Training auf einen Arbeitsplatz ohne 

Schwankungen in der Belastung angewiesen und brauche ein 

empathisches und wohlwollendes Umfeld, um die vorhandenen 

Ressourcen einzusetzen. Die schwankenden Leistungen seien auf sehr 

gut wahrnehmbare Probleme mit der Konzentration und kognitive 

Einschränkungen zurückzuführen gewesen. Mit Schreiben vom 11. Januar 

2019 antwortete der psychiatrische MEDAS-Gutachter Dr. med. K._____ 

auf Anfrage der IV-Stelle, er sei leider nicht in der Lage, gestützt auf den 

Bericht der H._____ GmbH die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit 

von A._____ einzuschätzen.

7. Mit Bericht vom 11. Februar 2019 führte der RAD Psychiater Dr. med. 

M._____ aus, bei der von Dr. med. K._____ gestellten Diagnose einer 

„posttraumatischen Verbitterungsstörung“ handle es sich nicht um eine 

kategorisierte Diagnose nach ICD-10 oder DSM 5. Trotz umfassender 

Abklärungen der IV-Stelle und trotz Durchführung der gutachterlich 

empfohlenen Massnahmen sei ein invalidisierender psychischer 

Gesundheitsschaden nicht ausgewiesen. 

8. Mit Verfügung vom 5. Juni 2019 verneinte die IV-Stelle den 

Rentenanspruch. Sie legte das Valideneinkommen auf CHF 57‘328.70 

fest, ausgehend vom Lohn, den A._____ bei den F._____ erzielt hatte. 

Das Invalideneinkommen legte die IV-Stelle auf CHF 68‘418.40 fest, 

gestützt auf die LSE und ausgehend von einer 100%igen 

Leistungsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit im 

Kompetenzniveau 1. Es ergab sich so ein Invaliditätsgrad von 0 %. Diese 

Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

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9. Mit Schreiben vom 2. Juli 2019 beantragte A._____ erneut berufliche 

Eingliederungsmassnahmen. Er gab an, er fühle sich zu 50 % arbeitsfähig. 

Mit Schreiben vom 4. Juli 2019 forderte ihn die IV-Stelle auf, die geltend 

gemachte Veränderung des Gesundheitszustandes zu begründen. Dieser 

Aufforderung kam die seit Oktober 2019 behandelnde Psychiaterin Dr. 

med. N._____ mit Bericht vom 13. Februar 2020 nach. Sie diagnostizierte 

eine posttraumatische Belastungsstörung (nachfolgend: PTBS) nach dem 

plötzlichen Tod des Freundes, Schlafstörungen mit Albträumen sowie eine 

depressive Episode ohne Remission seit dem Tod des Freundes 

mittelgradig bis schwer mit Todeswünschen. A._____ sei weder in der 

angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig. Mit 

Schreiben vom 20. März 2020 teilte die IV-Stelle mit, sie trete auf das neue 

Gesuch ein.

10. Im Rahmen der Abklärungen der IV-Stelle ergänzte Dr. med. N._____ mit 

Bericht vom 21. Juli 2020, bei der PTBS liege ein Übergang in eine 

Anpassungsstörung und andauernde Persönlichkeitsänderung vor. Die 

depressive Störung beschrieb Dr. med. N._____ als aktuell leicht bis 

mittelgradig, gemischt mit Angst. Zudem leide A._____ unter einer 

Schlafstörung mit gelegentlichen Albträumen. Am 19. September 2020 

beschrieb Dr. med. N._____ die depressive Episode erneut als 

mittelgradig bis schwer mit Todeswünschen und erwähnte zusätzlich zu 

den zuvor gestellten Diagnosen den Verdacht auf eine 

Autismusspektrumstörung (nachfolgend: ASS), die weiter abgeklärt 

werden sollte.

11. Im Auftrag der IV-Stelle wurde A._____ am 4. März 2021 durch den 

Psychiater Dr. med. O._____ untersucht. Mit Gutachten vom 28. Mai 2021 

(nachfolgend: O._____-Gutachten) kam dieser zum Schluss, es liege 

keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. 

Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine 

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rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive 

Episode, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-

instabilen, histrionisch-infantilen Anteilen sowie psychische und 

Verhaltensstörungen durch Alkohol, zeitweilig schädlicher Gebrauch. Dr. 

med. O._____ führte aus, in sämtlichen adaptierten Tätigkeiten sei aus 

psychiatrischer Sicht ab spätestens September 2017 von einer 

Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen. Adaptiert seien 

medizintheoretisch die angestammte Tätigkeit und sämtliche anderen 

Tätigkeiten, die 50-jährigen Männern unter Beachtung von etwaigen 

somatischen Einschränkungen zugemutet werden könnten. Eine Tätigkeit 

in der freien Wirtschaft sei eindeutig und uneingeschränkt möglich, eine 

Tätigkeit im geschützten Rahmen sei nicht erforderlich und sogar 

kontraproduktiv. Es müssten ein sekundärer Krankheitsgewinn und ein 

nun schon lange bestehendes dysfunktionales Krankheits-, Schon- und 

Vermeidungsverhalten beachtet werden. Zudem bestünden über 

Verdeutlichungstendenzen eindeutig hinausgehende Tendenzen zu 

Aggravation. 

12. Gestützt auf das O._____-Gutachten stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid 

vom 6. Juli 2021 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. 

Hiergegen erhob A._____ am 5. August 2021 Einwand. Mit Stellungnahme 

vom 25. Oktober 2021 kritisierte Dr. med. N._____ das O._____-

Gutachten in zahlreichen Aspekten und führte aus, es ergäben sich für sie 

mehr und mehr Hinweise darauf, dass es sich um eine viel grundlegendere 

Störung handeln könnte als das Trauma, die Traumafolgen und die 

Depression. Es seien weitere Abklärungen notwendig, einerseits 

neuropsychologisch und andererseits im Hinblick auf eine ASS. Sie werde 

entsprechende Schritte bei der nächsten Sitzung einleiten. 

13. Am 8. November 2021 führte der RAD Psychiater Dr. med. M._____ aus, 

das O._____-Gutachten erfülle alle Kriterien, welche das Bundesgericht 

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an ein Gutachten stelle. Die abweichende Beurteilung durch Dr. med. 

N._____ begründe keine Zweifel daran. 

14. Mit Verfügung vom 9. November 2021 hielt die IV-Stelle an ihrem 

Vorbescheid fest und wies das Rentenbegehren ab. Es bestehe im 

Vergleich zum Zeitpunkt des letzten materiellen Entscheides am 5. Juni 

2019 ein im Wesentlichen unveränderter Gesundheitszustand. Bei den 

von A._____ und Dr. med. N._____ geltend gemachten Beschwerden und 

Beeinträchtigungen handle es sich lediglich um eine andere Beurteilung 

eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes.

15. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2021 ersuchte A._____ das 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden um Verlängerung der Frist 

zur Einreichung der Beschwerde bis am 8. Februar 2022. Mit Schreiben 

vom 3. Dezember 2021 informierte das Verwaltungsgericht, dass die Frist 

nicht erstreckbar sei und dass die Eingabe innert der Beschwerdefrist von 

30 Tagen seit Erhalt der IV-Verfügung mit einem Rechtsbegehren, einer 

Begründung sowie einer kurzen Sachverhaltsdarstellung zu ergänzen sei.

16. Am 8. Dezember 2021 suchte A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) 

einen Rechtsanwalt auf und dieser erhob gleichentags Beschwerde mit 

dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und auf 

Zusprache einer Rente, eventuell auf Zurückweisung an die IV-Stelle zur 

nochmaligen medizinischen Abklärung. In formeller Hinsicht ersuchte er 

um die Gewährung von unentgeltlicher Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung und um Einräumung einer Frist bis zum 7. Januar 

2022, da er mangels Aktenkenntnis die Richtigkeit der angefochtenen 

Verfügung zurzeit nur pauschal bestreiten könne. Mit Verfügung vom 10. 

Dezember 2021 kam die Instruktionsrichterin dem Antrag um 

Fristerstreckung nach. 

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17. Mit Beschwerdeergänzung vom 4. Januar 2022 hielt der 

Beschwerdeführer an seinem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung fest. Neu beantragte er, es sei ein gerichtlich-psychiatrisches 

Gutachten anzuordnen und auf dessen Grundlage sei ihm eine 

Invalidenrente zuzusprechen. Am Eventualantrag auf Rückweisung zur 

Abklärung und am Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung hielt er ebenfalls fest. Zur Begründung machte der 

Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, das O._____-Gutachten 

erfülle die Voraussetzungen der Praxis an ein psychiatrisches Gutachten 

nicht. Er stützte sich dabei insbesondere auf die von Dr. med. N._____ 

aufgeworfenen Kritikpunkte.

18. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 27. Januar 2022 die 

Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen 

geltend, sie habe in der Frage der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer 

Sicht zu Recht auf das O._____-Gutachten abgestellt. Es sei nicht 

ungewöhnlich, dass sich die Einschätzungen der verschiedenen Ärzte 

widersprächen. Dr. med. N._____ liefere in ihrer Funktion als behandelnde 

Psychiaterin eine Einschätzung, die sich an den tatsächlichen, also auch 

IV-fremden Gegebenheiten einschliesslich der Selbsteinschätzung des 

Beschwerdeführers orientiere, und unterlasse es im Gegensatz zum 

Berger-Gutachten insbesondere auch, sich mit den vom Bundesgericht in 

BGE 141 V 281 festgelegten Indikatoren auseinanderzusetzen. 

19. Mit Replik vom 23. Mai 2022 hielt der Beschwerdeführer an seinen 

Anträgen fest und ergänzte, der Gutachter Dr. med. O._____ habe die 

Einschätzung von Dr. med. N._____ zwar rein formal berücksichtigt, 

materiell aber nur sehr einseitig und unvollständig gewürdigt. Auch Dr. 

med. P._____ halte in seinem Bericht vom 17. Mai 2022 fest, dass die 

Diagnose einer ASS nicht auszuschliessen sei. Er habe diese Vermutung 

nach einer fremdanamnestischen Kontaktnahme mit seiner Mutter 

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geäussert – etwas, was im Gutachten von Dr. med. O._____ schmerzlich 

vermisst werde. Es liege eine wesentliche Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes seit der Ablehnung des Rentenanspruchs mit 

Verfügung vom 5. Juni 2019 vor. Die vorher leichte Depression habe sich 

in eine mittelschwere oder gar schwere Depression gewandelt und die 

neue Diagnose einer ASS sei im Raum gelassen worden, ohne diese 

nachvollziehbar bejahen oder verneinen zu können. Die letztere Diagnose 

erfordere eine genauere Beurteilung.

20. Mit Duplik vom 2. Juni 2022 entgegnete die IV-Stelle, aus dem Bericht von 

Dr. med. P._____ vom 17. Mai 2022 könne der Beschwerdeführer nichts 

zu seinen Gunsten ableiten. Massgebend sei der Sachverhalt, der sich bis 

zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 9. November 2021 verwirklicht 

habe. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und 

auf die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen 

IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle 

anfechtbar. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden vom 9. November 2021 stellt demnach ein 

taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche 

Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts als Versicherungsgericht ergibt 

sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 

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Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 

370.100). Der Beschwerdeführer ist als formeller und materieller Adressat 

von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59 ATSG), weshalb er 

zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die zudem frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist somit 

einzutreten.

2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Rentenanspruch des 

Beschwerdeführers zu Recht verneint hat. In Frage steht der 

Rentenanspruch ab dem 1. Januar 2020, dies angesichts der Anmeldung 

am 2. Juli 2019 (IV-act. 147) und der sechsmonatigen Frist gemäss Art. 

29 Abs. 1 IVG. Unbestritten ist, dass keine relevanten somatischen 

Beschwerden vorliegen. Streitig ist hingegen die Arbeitsfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht beziehungsweise die Frage, ob der medizinische 

Sachverhalt aus psychiatrischer Sicht genügend abgeklärt wurde. Die IV-

Stelle ist der Ansicht, sie habe zu Recht auf das Gutachten von Dr. med. 

O._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 28. Mai 

2021 abgestellt (nachfolgend: O._____-Gutachten; IV-act. 185). Der 

Beschwerdeführer ist demgegenüber der Ansicht, dieses Gutachten sei 

nicht genügend beweiskräftig, es sei ein Gerichtsgutachten einzuholen 

oder die Angelegenheit sei zur nochmaligen medizinischen Abklärung an 

die IV-Stelle zurückzuweisen.

3. Massgebend für die Beurteilung der sich vorliegend stellenden 

Streitfragen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses 

der angefochtenen Verfügung am 9. November 2021 entwickelt hat (BGE 

132 V 215 E.3.1.1). In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, 

dass seit dem 1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG und 

der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft 

sind (Weiterentwicklung der IV). Da der hier umstrittene Rentenanspruch 

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seine Begründung vor dem 1. Januar 2022 fand, sind nach den 

allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts die bis zum 31. 

Dezember 2021 gültig gewesenen Bestimmungen massgebend (vgl. 

Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 19. Juni 2020; BGE 

144 V 210 E.4.3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_479/2021 vom 5. Mai 

2022 E.4.1).

4. Mit Verfügung vom 5. Juni 2019 war dem Beschwerdeführer in einem 

früheren Verfahren eine Rente verweigert worden (IV-act. 144). Das 

vorliegende Verfahren basiert deshalb auf einer Neuanmeldung. Auf diese 

ist die IV-Stelle, wie nachstehend dargelegt wird, zu Recht eingetreten.

4.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, 

so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn glaubhaft gemacht wird, 

dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen 

Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV; Urteil des 

Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2). Damit soll 

verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener 

rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und 

nicht näher begründeten Gesuchen befassen muss (BGE 130 V 64 

E.5.2.3). Voraussetzung für das Eintreten auf eine Neuanmeldung ist nach 

der Rechtsprechung eine erhebliche Veränderung der tatsächlichen 

Verhältnisse (BGE 130 V 71 E.2.2). Eine solche Veränderung kann 

namentlich in einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit 

entsprechend verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten 

erwerblichen Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen 

Beeinträchtigung der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss 

abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen 

Sachverhalts keine relevante Änderung dar (BGE 141 V 9 E.2.3; Urteil des 

Bundesgerichts 8C_541/2019 vom 23. Dezember 2019 E.3.1). Erheblich 

ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der 

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Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend 

gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_175/2019 vom 30. Juli 2019 E.1.1).

4.2. Unter Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV ist nach der 

Rechtsprechung kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht 

allgemein massgebenden Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind vielmehr 

herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die Verwaltung 

überzeugt werden muss, dass seit der letzten, rechtskräftigen 

Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung der tatsächlichen 

Verhältnisse eingetreten ist. Vielmehr genügt es, dass für die geltend 

gemachte Veränderung wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, 

auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei 

eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung 

nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. 

Januar 2020 E.2.2).

4.3. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob Anhaltspunkte für 

eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten 

sein könnte, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer 

materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer 

Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines 

Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E.5.4, 130 V 71 E.3; Urteil 

des Bundesgerichts 9C_346/2019 vom 6. September 2019 E.2.1.1). Im 

vorliegenden Fall ist die Vergleichsbasis demnach die Verfügung vom 5. 

Juni 2019 (IV-act. 144). Dieser Verfügung lag eine Begutachtung durch 

Dr. med. I._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 

7. September 2017 (IV-act. 90) sowie ein polydisziplinäres Gutachten der 

MEDAS vom 11. Juli 2018 (IV-act. 107) zugrunde. Während im Gutachten 

von Dr. med. I._____ keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf 

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die Arbeitsfähigkeit gestellt worden war (IV-act. 90 S. 47), hatte der 

psychiatrische Teilgutachter der MEDAS, Dr. med. K._____, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH, einen Verdacht auf eine 

rezidivierende depressive Störung mit Differentialdiagnose 

Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2), eine posttraumatische 

Verbitterungsstörung (ICD-10 F43.8) und Persönlichkeitsanteile 

pathognomonisch für Borderline-Persönlichkeitsstörung (ICD-10 Z73.1) 

mit nicht genau einschätzbarem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

diagnostiziert (IV-act. 107 S. 38 und 94). Rund acht Monate nach dem 

Erlass der Verfügung vom 5. Juni 2019 stellte die behandelnde Ärztin Dr. 

med. N._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, mit 

Bericht vom 13. Februar 2020 deutlich gravierendere Diagnosen, nämlich 

eine PTBS (ICD-10 F43.1), Schlafstörungen mit Albträumen (ICD-10 

F51.9/5) und eine depressive Episode ohne Remission seit dem Tod des 

Freundes mittelgradig bis schwer mit Todeswünschen (ICD-10 F32.1/2). 

Zudem hielt Dr. med. N._____ fest, der Beschwerdeführer sei weder in der 

bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig (IV-act. 154 

S. 2). Damit war eine Verschlechterung des psychischen 

Gesundheitszustands glaubhaft gemacht. Die IV-Stelle war deshalb 

verpflichtet, auf die Neuanmeldung einzutreten und sie in tatsächlicher und 

rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere 

Beurteilungen bestand (BGE 141 V 9 E.2.3; Urteil des Bundesgerichts 

9C_19/2021 vom 29. März 2021 E.2.2.1). Dies hat die IV-Stelle in korrekter 

Weise getan (IV-act. 155) und auch im vorliegenden Verfahren ist so 

vorzugehen.

5. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid 

ist. Als Invalidität gilt bei erwerbstätigen Versicherten die durch einen 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden 

verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

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Erwerbsunfähigkeit, welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit 

oder Unfall sein kann (Art. 8 Abs. 1 ATSG; Art. 4 Abs. 1 IVG). Der 

rentenbegründende Invaliditätsgrad ist aufgrund eines 

Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Dazu wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), 

in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, 

wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der 

Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass 

Validen- und Invalideneinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt 

und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz 

lässt sich sodann der Invaliditätsgrad bestimmen. Bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine 

Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine 

halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine 

Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von 70 % auf eine ganze 

Rente (Art. 28 Abs. 2 aIVG [bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesene 

Version des IVG]).

6. Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist die Frage entscheidend, 

welche Arbeitsleistungen der versicherten Person in welchem Umfang 

noch zugemutet werden können, beziehungsweise wie gross die 

Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit ist. Für die 

Beantwortung dieser Frage ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das 

Gericht auf Unterlagen angewiesen, die medizinische Fachleute zur 

Verfügung stellen (BGE 125 V 256 E.4). Aufgabe der medizinischen 

Fachleute ist es, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu 

beurteilen und Stellung zu nehmen zu der Frage, in welchem Umfang und 

- 16 -

bezüglich welcher Tätigkeiten diese arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E.4, 

125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit können sich die 

IV-Stellen und die Sozialversicherungsgerichte auf den RAD (Art. 59 Abs. 

2bis aIVG), auf die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder 

auf externe medizinische Sachverständige stützen (Art. 59 Abs. 3 IVG).

6.1. Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in 

sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung 

(Art. 61 lit. c ATSG). Der Beweiswert der ärztlichen Stellungnahmen hängt 

deshalb nach der Rechtsprechung davon ab, ob sie für die streitigen 

Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die 

geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und in den 

daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen. 

Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist 

folglich grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen 

Bezeichnung als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E.5.1). Dennoch 

hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung 

als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer 

Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen.

So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 

von versicherungsexternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten 

Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen 

Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft 

zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit 

sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb). Nur wenn die 

Schlüssigkeit eines solchen Gutachtens in wesentlichen Punkten 

zweifelhaft erscheint, sind ergänzende Beweisvorkehren in Betracht zu 

- 17 -

ziehen und nötigenfalls anzuordnen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 

E.3b/bb).

Bei Berichten von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der 

Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf 

ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu 

Gunsten ihrer Patienten aussagen. Der Bericht eines behandelnden 

Arztes hat somit nicht den gleichen Rang wie ein Gerichtsgutachten oder 

ein von der IV-Stelle nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht 

eingeholtes Gutachten. Ein solcher Bericht verpflichtet indessen - wie jede 

substanziiert vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten - 

den Richter zu prüfen, ob der Bericht des behandelnden Arztes die 

Auffassungen und Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachters 

derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 135 V 

465 E.4.5, 125 V 361 E.3c).

Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert, 

sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in 

sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit 

bestehen (BGE 135 V 465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/ee).

6.2. Mit BGE 141 V 281 führte das Bundesgericht im Zusammenhang mit 

somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren 

psychosomatischen Leiden einen strukturierten, normativen Prüfraster 

ein. Demnach liegt Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2 ATSG 

nur insoweit vor, als mittels objektivierbarer Indikatoren nachgewiesen 

werden kann, dass einer versicherten Person keine Arbeitsleistung mehr 

zugemutet werden kann. Die nach wie vor nötige objektivierte 

Beurteilungsgrundlage liefern die medizinischen Sachverständigen, 

welche das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen 

Person anhand eines Kataloges von Indikatoren – unter Berücksichtigung 

- 18 -

leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und 

Kompensationspotentialen respektive Ressourcen andererseits – 

ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen haben (BGE 141 V 281 

E.3.6). Mit BGE 143 V 418 weitete das Bundesgericht den 

Anwendungsbereich des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 

V 281 auf sämtliche psychischen Erkrankungen aus. Der vom 

Bundesgericht entwickelte Indikatorenkatalog sieht für den Regelfall 

folgendermassen aus (BGE 141 V 281 E.4.1.3):

1. Kategorie "Funktioneller Schweregrad"

1.1. Komplex Gesundheitsschädigung

1.1.1. Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde

1.1.2. Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz

1.1.3. Komorbiditäten

1.2. Komplex Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik (Persönlichkeitsstruktur, 

Persönlichkeitsentwicklung und -störungen, persönliche Ressourcen)

1.3. Komplex Sozialer Kontext

1.3.1. Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Faktoren

1.3.2. Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds

2. Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)

2.1. Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren 

Lebensbereichen

2.2. Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck

6.3. Bei der Prüfung der Beweiskraft von psychiatrischen Gutachten sind die 

„Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten“ der 

Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP 

und der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie 

SGVP in der Version vom 17. Oktober 2016 zu berücksichtigen 

(nachfolgend: Qualitätsleitlinien; einsehbar auf www.sgvp.ch/leitlinien, 

zuletzt besucht am 19. Dezember 2023, BGE 140 V 260 E.3.2.2). Diese 

Leitlinien wurden im Nachgang zu BGE 141 V 281 überarbeitet und gelten 

als anerkannter Standard für eine sachgerechte und rechtsgleiche 

- 19 -

versicherungspsychiatrische Begutachtung. Sie verstehen sich als 

Empfehlung, von welcher im begründeten Einzelfall abgewichen werden 

kann (BGE 143 V 418 E.7.1; Entscheid des Bundesgerichts 8C_466/2017 

vom 9. November 2017 E.5.1; Qualitätsleitlinien S. 3).

7. Vorliegend hat die IV-Stelle auf das O._____-Gutachten vom 28. Mai 2021 

abgestellt. Darin wurde keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit gestellt (IV-act. 185 S. 33). Als Diagnosen ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10: F33.0) 

festgehalten, zudem eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit 

emotional-instabilen, histrionisch-infantilen Anteilen (ICD-10: F61) und 

psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, zeitweilig schädlicher 

Gebrauch (ICD-10: F10.1; IV-act. 185 S. 33). Die Arbeitsfähigkeit in 

adaptierten Tätigkeiten wurde aus psychiatrischer Sicht retrospektiv ab 

September 2017 und echtzeitlich mit 100 % eingeschätzt, wobei als 

adaptiert die angestammte Tätigkeit und sämtliche anderen in somatischer 

Hinsicht angepassten Tätigkeiten umschrieben wurden (IV-act. 185 S. 33 

f.). Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft wurde als eindeutig und 

uneingeschränkt möglich bezeichnet, eine Tätigkeit im geschützten 

Rahmen als nicht erforderlich und sogar kontraproduktiv (IV-act. 185 S. 

34). Dr. med. O._____ hielt zudem fest, es bestünden über 

Verdeutlichungstendenzen eindeutig hinausgehende Tendenzen zu 

Aggravation (IV-act. 185 S. 35).

7.1. Das O._____-Gutachten wird nachfolgend vor dem Hintergrund der oben 

dargelegten einschlägigen Rechtsprechung und der Qualitätsleitlinien auf 

seinen Beweiswert hin geprüft. Dabei ist davon auszugehen, dass es sich 

beim O._____-Gutachten um ein Gutachten eines versicherungsexternen 

Spezialarztes handelt, welches im Rahmen des Verwaltungsverfahrens 

eingeholt wurde, so dass ihm nach der Praxis des Bundesgerichts volle 

- 20 -

Beweiskraft zuzuerkennen ist, solange nicht konkrete Indizien gegen seine 

Zuverlässigkeit sprechen (siehe Erwägung 6.1). Nachfolgend werden 

deshalb insbesondere jene Aspekte eingehend geprüft, welche vom 

Beschwerdeführer und von der behandelnden Psychiaterin Dr. med. 

N._____ in ihrer Stellungnahme vom 25. Oktober 2021 (IV-act. 200) 

beanstandet wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das O._____-

Gutachten am 28. Mai 2021 verfasst wurde, der streitige Rentenanspruch 

aber rund eineinhalb Jahre früher am 1. Januar 2020 beginnt. Für die Zeit 

vom 1. Januar 2020 bis zum 28. Mai 2021 beurteilte Dr. med. O._____ 

den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers also nur retrospektiv. 

Nach der Rechtsprechung sind solche retrospektiven Einschätzungen 

zurückhaltend zu gewichten, da es generell und namentlich bei 

psychischen Störungen schwierig ist, die Arbeitsfähigkeit rückwirkend 

zuverlässig zu beurteilen (Urteile des Bundesgerichts 9C_549/2020 vom 

1. September 2021 E.5.1 und 8C_418/2010 vom 27. August 2010 E.5.3.2).

7.2. Dr. med. O._____ war als Facharzt FMH für Psychiatrie und 

Psychotherapie und als zertifizierter medizinischer Gutachter SIM zur 

Beurteilung der psychischen Situation des Beschwerdeführers qualifiziert. 

Dr. med. N._____ kritisierte, Dr. med. O._____ sei nach ihrer 

Einschätzung kein Traumaexperte (IV-act. 200 S. 2). Dieses Vorbringen 

vermag den Beweiswert des O._____-Gutachtens nicht zu 

beeinträchtigen. Zum einen ist das Vorbringen nicht substanziiert. Und 

zum anderen ist nach der Rechtsprechung und den Qualitätsleitlinien eine 

fachärztliche Qualifikation ausreichend, ohne dass eine Spezialisierung für 

die in Frage stehenden Krankheitsbilder notwendig wäre (Urteil des 

Bundesgerichts 9C_53/2009 vom 29. Mai 2009 E.4.2; Qualitätsleitlinien S. 

4).

7.3. Dr. med. O._____ hielt in seinem Gutachten fest, es hätten ein sekundärer 

Krankheitsgewinn, ein dysfunktionales Krankheits-, Schon- und 

- 21 -

Vermeidungsverhalten und auch über Verdeutlichungstendenzen 

hinausgehende Tendenzen zu Aggravation beobachtet werden können 

(IV-act. 185 S. 28). Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, Dr. med. 

O._____ hätte diese Beobachtungen mit testpsychologischen 

Zusatzuntersuchungen untermauern müssen. Dem kann nicht gefolgt 

werden. Nach der Rechtsprechung liegt es im Ermessen des 

psychiatrischen Sachverständigen zu entscheiden, inwiefern 

testpsychologische Befunde angezeigt sind (Urteil des Bundesgerichts 

8C_663/2021 E.5.6.5 vom 9. Februar 2022 mit weiteren Hinweisen). 

Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sehen auch die 

Qualitätsleitlinien testpsychologische Zusatzuntersuchungen nicht 

zwingend vor. Sie verpflichten den Gutachter lediglich dazu, bei 

begründeter Indikation den Einsatz von geeigneten Tests zur Validität der 

geklagten Symptome zu prüfen (Qualitätsleitlinien S. 11 Ziff. 4.3.2.2). In 

Anhang 4 der Qualitätsleitlinien wird der Einsatz von Testverfahren zur 

Beschwerde- und Symptomvalidierung entsprechend nicht als 

obligatorisch, sondern nur als sinnvoll bezeichnet (Qualitätsleitlinien 

S. 29). Entsprechend geht denn auch das Bundesgericht davon aus, dass 

testpsychologischen Untersuchungen nach den aktuell geltenden 

Qualitätsstandards in der psychiatrischen Begutachtung bloss 

ergänzende Beweisfunktion zukommt (Urteile des Bundesgerichts 

8C_663/2021 vom 9. Februar 2022 E.5.6.5 und 9C_51/2021 vom 29. März 

2021 E.4.3). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers können die 

Ergebnisse eines psychiatrischen Gutachtens also auch dann 

aussagekräftig sein, wenn - wie vorliegend - keine testpsychologischen 

Untersuchungen durchgeführt wurden. 

7.4. Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter 

Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf 

Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft 

- 22 -

namentlich zu, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den 

geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten 

Verhalten oder der Anamnese besteht, wenn intensive  Schmerzen 

angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt, wenn 

keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen 

wird, wenn demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen 

unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag 

behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. 

Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin 

(BGE 141 V 281 E.2.2.1, 131 V 49 E.1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_728/2017 vom 31. August 2018 E.2.2 mit Hinweisen). Eine auf 

Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende 

Leistungseinschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden 

nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit 

darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die 

Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation 

eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden 

Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische 

Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische 

Störung zurückzuführen wäre (BGE 143 V 418 E.8.2 mit Hinweis; Urteil 

des Bundesgerichts 8C_418/2021 vom 16. September 2021 E.6.2). Steht 

fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche 

Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die 

Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 

(vgl. BGE 141 V 281 E.2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 

29. Juni 2015 E.4.4). Die Frage, ob ein Verhalten (nur) verdeutlichend ist 

oder die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden 

Konstellationen überschreitet, bedarf einer einzelfallbezogenen, 

sorgfältigen Prüfung auf möglichst breiter Beobachtungsbasis. Soweit die 

Anzeichen für Aggravation lediglich neben einer ausgewiesenen 

- 23 -

verselbstständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren 

Auswirkungen im Umfang der Aggravation zu bereinigen (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_418/2021 vom 16. September 2021 E.6.1 m.H.a. BGE 

141 V 281 E.2.2.2).  

Vorliegend ging Dr. med. O._____ nicht von einer ausgewiesenen 

Aggravation aus, sondern erwähnte lediglich Tendenzen zur Aggravation. 

Der Beschwerdeführer rügt, Dr. med. O._____ beschreibe nicht 

nachvollziehbar, wie er zu der Einschätzung gelange, es hätten 

Tendenzen zur Aggravation beobachtet werden können. Der 

Beschwerdeführer bezieht sich damit allem Anschein nach auf Seite 28 

des Gutachtens (Beschwerdeschrift S. 7). Dort wird in der Tat keinerlei 

Begründung für die beobachtete Tendenz zur Aggravation angeführt. Dies 

liegt daran, dass der Gutachter auf den Seiten 27 bis 32 summarisch auf 

die Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 einging. Entgegen der Ansicht des 

Beschwerdeführers findet sich aber an anderer Stelle eine 

nachvollziehbare und hinreichende Begründung. Im Kapitel 

"Stellungnahme zur Selbsteinschätzung der versicherten Person" auf 

Seite 35 führte der Gutachter aus, der Beschwerdeführer sehe seine 

Arbeitsfähigkeit derzeit und weiterhin als hochgradig eingeschränkt. Diese 

subjektive Einschätzung sei aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht bei 

nicht objektivierbaren, andauernden psychischen Einschränkungen nicht 

nachvollziehbar. Zudem bestehe ein subjektives, eigenwilliges 

Krankheitskonzept, eine Priorität auf Freizeitgestaltung und ein 

fortgesetzter Rentenwunsch (IV-act. 185 S. 35). Mit dieser Begründung 

bezog sich der Gutachter auf den psychischen Befund auf Seite 20. Dort 

beschrieb er, dass der Beschwerdeführer vordergründig freundlich und 

einigermassen kooperativ über verschiedene psychosoziale Probleme 

und Schwierigkeiten und auch über seine gebesserten psychischen 

Beschwerden berichtet habe. Dabei hätten von Beginn an Tendenzen zur 

- 24 -

Aggravation beobachtet werden und keine Motivation für berufliche 

Eingliederungsmassnahmen festgestellt werden können, obwohl dafür 

weiter ausbaufähige Ressourcen vorliegen würden (IV-act. 185 S. 20). 

Dass der Beschwerdeführer Ressourcen für die Wiederaufnahme einer 

Erwerbsarbeit hätte, leitete der Gutachter aus dem bei der Untersuchung 

festgestellten psychischen Befund und aus dem vom Beschwerdeführer 

geschilderten Tagesablauf ab (IV-act. 85 S. 20, 26 f. und 29). Danach 

erledigte der Beschwerdeführer in der Regel vormittags Arbeiten im 

Haushalt und ging nach dem Mittagessen spazieren oder einkaufen. Die 

Mahlzeiten bereitete er in der Regel selber zu und die übrige Zeit 

verbrachte er mit Fernsehen, Radiohören und Lesen (IV-act. 185 S. 18 f.). 

Die Schilderung des Tagesablaufs interpretierte Dr. med. O._____ in dem 

Sinn, dass der Beschwerdeführer seinen Haushalt ohne Probleme selber 

versorgen konnte, täglich verschiedene Aktivitäten unternahm, seine 

Hobbies pflegte und ein unauffälliges und normales Leben führte und 

dabei eine gute und enge Beziehung zur Mutter, zu einer Schwester und 

zu wenigen Freunden pflegte (IV-act. 185 S. 27, 18). Damit beschrieb der 

Gutachter nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer aus seinen 

tatsächlich vorliegenden psychosozialen und psychischen Problemen eine 

weitergehende Einschränkung der Leistungsfähigkeit ableitete, als dies 

aus gutachterlicher Sicht angemessen gewesen wäre. Die beobachtete 

Tendenz zur Aggravation ergab sich für den Gutachter mithin aus der   

Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, der 

zum Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. med. O._____ anfangs März 

2021 überhaupt keine Erwerbsarbeit mehr für möglich hielt (IV-act. 185 S. 

19) und der gutachterlichen Einschätzung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit 

in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiter bei einer Bergbahn oder in 

einer sonstigen adaptierten Tätigkeit (IV-act. 185 S. 33). 

- 25 -

7.5. Der Beschwerdeführer macht geltend, Dr. med. O._____ habe seinen 

Tagesablauf geschönt dargestellt. In Wahrheit komme wöchentlich eine 

Cousine vorbei, die seinen Haushalt besorge. Er koche ausschliesslich 

Pasta und gehe für richtige Mahlzeiten zu seiner Mutter. Er mache auch 

keine ausgedehnten Wanderungen, sondern nur kurze Spaziergänge bei 

schönem Wetter. Ob diese Behauptungen zutreffen, kann offengelassen 

werden. Würden sie zutreffen, so wäre die Abweichung gegenüber der 

Schilderung des Tagesablaufs im O._____-Gutachten nicht so gross, dass 

wesentlich andere Schlüsse im Hinblick auf die Ressourcen zur 

Wiedereingliederung und zur Arbeitsfähigkeit zu ziehen wären. 

Entscheidend ist, dass der Beschwerdeführer seinen Alltag zuhause in 

einer geordneten Routine weitgehend selbständig bewältigen konnte. 

Dass der Beschwerdeführer zudem in der Lage war, auch ausserhalb 

seiner Wohnung und seiner üblichen Routine zu funktionieren, zeigt sich 

daran, dass er gemäss Angabe von Dr. med. N._____ kurz nach der 

Untersuchung durch Dr. med. O._____ nach Costa Rica reiste (IV-act. 200 

S. 2). Mehrwöchige Reisen nach Costa Rica hatte er auch zuvor jedes 

Jahr unternommen (IV-act. 185 S. 18). Im Jahr 2017 war er sogar für sechs 

Wochen in Costa Rica. Dabei hatte er sich gemäss Aussage gegenüber 

dem psychiatrischen MEDAS Gutachter Dr. med. K._____ wohl gefühlt 

und viele Bekannte und Kollegen getroffen (IV-act. 107 S. 89, 185 S. 18).

7.6. Der Beschwerdeführer rügt, Dr. med. O._____ habe eine falsche 

Vorstellung davon, welche Rolle die psychosozialen Belastungsfaktoren 

bei der Bemessung des Invaliditätsgrades spielten. Er bezieht sich damit 

auf die Seite 28 des Gutachtens, wo Dr. med. O._____ diverse 

psychosoziale Belastungsfaktoren auflistete und ausführte, psychosoziale 

Belastungsfaktoren könnten nach IV-rechtlichen Kriterien nicht in der 

gutachterlichen Beurteilung in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 

miteinbezogen werden (IV-act. 185 S. 28). Diese apodiktische Aussage ist 

- 26 -

entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers im Ergebnis nicht zu 

beanstanden. In BGE 141 V 281 sah das Bundesgericht die Abgrenzung 

psychosozialer und soziokultureller Faktoren als einen wesentlichen 

Schritt bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen 

Krankheiten vor (siehe oben Erwägung 6.2, Ziff.1.3.1) und rund ein Jahr 

später hielt es mit Urteil 8C_616/2015 fest, eindeutig im Vordergrund 

stehende invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren seien auch nach der 

Änderung der Rechtsprechung mit BGE 141 V 281 bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit abzugrenzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_616/2015 vom 20. Mai 2016 E.3.2). In seiner neuesten 

Rechtsprechung differenzierte das Bundesgericht diese Aussage und 

führte aus, die Annahme einer Invalidität bedinge in jedem Fall ein 

medizinisches Substrat, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt 

werde und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 

wesentlich beeinträchtige. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle 

Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund träten und das Beschwerdebild 

mitbestimmten, desto ausgeprägter müsse eine fachärztlich festgestellte 

psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeute, 

dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, 

welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, 

bestehen dürfe, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde 

zu umfassen habe, zum Beispiel eine von depressiven 

Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im 

fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen 

Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu 

unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische 

Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit seien 

unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden könne. 

Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebe, welche 

in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende 

- 27 -

Erklärung fänden, gleichsam in ihnen aufgingen, sei kein invalidisierender 

psychischer Gesundheitsschaden gegeben (Urteil des Bundesgerichts 

9C_468/2021 vom 13. Dezember 2021 E.2.2.2; BGE 127 V 294 E. 5a mit 

Hinweisen). Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass Dr. med. 

O._____ zu Recht ausführte, es lägen verschiedene invaliditätsfremde, 

psychosoziale Belastungsfaktoren vor, insbesondere ein subjektives 

eigenwilliges Krankheitskonzept, ein einfacher Schulabschluss und eine 

einfache Berufsausbildung, eine jahrelange Tätigkeit in angelernten 

Tätigkeiten, viele Jahre Aufenthalt im aussereuropäischen Ausland, nach 

der Rückkehr geringe Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt, inzwischen 

geringer beruflicher Ehrgeiz, beginnende Dekonditionierung vom 

regulären  Arbeitsprozess, Alleinleben, finanzielle Engpässe, Priorität auf 

Freizeitgestaltung, Entschädigungswünsche und fortgesetzter 

Rentenwunsch (IV-act. 185 S. 28 und 35).

7.7. Dr. med. O._____ diagnostizierte keine psychische Krankheit mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dr. med. N._____ hingegen hatte mit 

Bericht vom 13. Februar 2020 eine PTBS nach dem plötzlichen Tod des 

Freundes (F43.1), Schlafstörungen mit Albträumen (F51.9/5) und eine 

depressive Episode ohne Remission seit dem Tod des Freundes 

mittelgradig bis schwer mit Todeswünschen (ICD-10 F32.1/2) 

diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit hatte sie auf 0 % festgelegt (IV-act. 154 

S. 2). Mit Bericht vom 21. Juli 2020 hatte Dr. med. N._____ im 

Wesentlichen an dieser Beurteilung festgehalten und angegeben, bei der 

PTBS gebe es einen Übergang in eine andauernde 

Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F62.8) und die depressive Störung sei 

aktuell nur leicht bis mittelgradig ausgeprägt, gemischt mit Angst (IV-act. 

159 S. 4). Mit Bericht vom 19. September 2020 hatte sie die Depression 

dann erneut als mittelgradig bis schwer beschrieben und neu die 

Differentialdiagnose einer ASS gestellt wie auch auffällige 

- 28 -

Gedächtnisstörungen beschrieben (IV-act. 164 S. 2). Zu diesen 

abweichenden Diagnosen nahm Dr. med. O._____ in seinem Gutachten - 

wie nachfolgend im Detail aufgezeigt wird – nur teilweise in überzeugender 

Weise Stellung. 

7.7.1. Dr. med. O._____ führte aus, zielführende oder typische Symptome einer 

PTBS hätten bei der aktuellen gutachterlichen Exploration nicht verifiziert 

oder eruiert werden können. Der Beschwerdeführer habe zwar 

unzweifelhaft eine schwierige Situation erlebt, der Tod des Partners sei 

aber kein "Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder 

katastrophenartigem Ausmass, welches bei fast jedem eine tiefe 

Verzweiflung hervorrufen würde", wie dies in der ICD-10 bei der PTBS als 

Ursache vorausgesetzt werde (ICD-10 F43.1; IV-act. 185 S. 37 f.). Diese 

Erklärung ist nachvollziehbar und überzeugend. Entscheidend bekräftigt 

wird Dr. med. O._____ Sichtweise durch die Einschätzung der 

behandelnden Fachärzte der D._____ und der beiden Vorgutachter, 

welche ebenfalls keine PTBS diagnostiziert hatten (IV-act. 22 S. 45, 18 S. 

13, 24 S. 1, 68, 185 S. 37). Dr. med. I._____ hatte rund dreieinhalb Jahre 

nach dem Tod des Partners des Beschwerdeführers in seinem Gutachten 

vom 7. September 2017 überhaupt keine psychische Krankheit aus dem 

ICD-10 Kapitel «F43.- / Reaktionen auf schwere Belastungen und 

Anpassungsstörungen» diagnostiziert (IV-act. 90 S. 47). Dr. med. K._____ 

hatte rund ein halbes Jahr später in seinem psychiatrischen MEDAS-

Teilgutachten vom 25. April 2018 eine posttraumatische 

Verbitterungsstörung diagnostiziert (IV-act. 107 S. 94). Diese in der ICD-

10 nicht erwähnte Diagnose hatte er als Subkategorie der 

Anpassungsstörung gemäss ICD-10 F43.2 erklärt (IV-act. 107 S. 99 f.). 

Dies deckt sich damit, dass eine Anpassungsstörung bereits zuvor 

anlässlich der ersten Hospitalisation nach dem Tod des Partners von den 

D._____ diagnostiziert worden war (Austrittsbericht vom 3. März 2015, IV-

- 29 -

act. 22 S. 40). Dass Dr. med. O._____ diese Anpassungsstörung bei 

seiner Untersuchung im Frühjahr 2021, mithin rund sieben Jahre nach 

dem Tod des Partners, nicht mehr feststellte, ist nachvollziehbar, da 

Anpassungsstörungen in der Regel mit zunehmender zeitlicher Distanz 

zum auslösenden Ereignis abklingen 

(https://www.msdmanuals.com/de/profi/psychische-störungen/anst-und-

stressbezogene-erkrankungen/anpassungsbedingte-störungen, zuletzt 

besucht am 19. Dezember 2023).

7.7.2. Zu Dr. med. N._____ Diagnose einer Andauernden 

Persönlichkeitsänderung wies Dr. med. O._____ darauf hin, es fehle an 

der gemäss der ICD-10 vorausgesetzten Belastung von katastrophalem 

Ausmass beziehungsweise an einer Belastung, welche so extrem sei, 

dass die Vulnerabilität der betreffenden Person als Erklärung für die tief 

greifende Auswirkung auf die Persönlichkeit nicht in Erwägung gezogen 

werden müsse (IV-act. 185 S. 38). Als Beispiele für eine Belastung, welche 

zu einer andauernden Persönlichkeitsveränderung führen kann, nennt die 

ICD-10 das andauernde Ausgesetztsein lebensbedrohlicher Situationen, 

etwa als Opfer von Terrorismus, eine andauernde Gefangenschaft mit 

unmittelbarer Todesgefahr, Folter, Katastrophen und 

Konzentrationslagererfahrungen (ICD-10 F62.0). Dass Dr. med. O._____ 

den plötzlichen, krankheitsbedingten Tod des Partners des 

Beschwerdeführers nicht in diese Kategorie einordnet, ist nachvollziehbar. 

Auch weist er zu Recht darauf hin, dass beim Beschwerdeführer das für 

eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung 

typische chronische Gefühl der Anspannung wie bei ständigem 

Bedrohtsein fehle (IV-act. 185 S. 38).

7.7.3. Dr. med. N._____ diagnostizierte in ihren Berichten vom 13. Februar 2020, 

21. Juli 2020 und 19. September 2020 Schlafstörungen mit Albträumen 

(ICD-10 F51.9/5; IV-act.154 S. 2, 159 S. 4 und 164 S. 2). Gegenüber Dr. 

- 30 -

med. O._____ erwähnte der Beschwerdeführer weder bei der Befragung 

zu seinem Leiden (IV-act 185 S. 17 f.) noch sonst Albträume oder 

schwerwiegende Probleme mit dem Schlafen. Bei der Beschreibung 

seines Tagesablaufs gab er vielmehr an, gegen 22 Uhr gehe er ins Bett 

und schlafe relativ gut ein. Nach drei bis vier Stunden erwache er, gehe 

zur Toilette, sei dann etwa 15 bis 20 Minuten wach und könne dann wieder 

weiterschlafen, bis er morgens etwa um acht oder neun Uhr aufstehe (IV-

act. 185 S. 18 f.). Für die Zeit ab der Begutachtung durch Dr. med. 

O._____ am 28. Mai 2021 kann somit davon ausgegangen werden, dass 

der Beschwerdeführer nicht mehr unter Schlafstörungen mit Albträumen 

litt. Für die Zeit davor ist indessen auf die Berichte von Dr. med. N._____ 

abzustellen. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb die von der 

behandelnden Psychiaterin festgehaltenen gravierenden Probleme mit 

dem Schlaf nicht so hätten vorgelegen haben sollen, wie sie dies 

beschreibt. Anders als viele andere psychische Störungen sind 

Schlafstörungen einfach und eindeutig zu diagnostizieren, wenn ein 

Patient diesbezüglich glaubhaft anhaltende Schwierigkeiten schildert. 

Zudem waren bereits zuvor wiederholt Schlafstörungen aufgetreten und 

waren dem Beschwerdeführer diesbezüglich Medikamente verschrieben 

worden (Bericht der D._____ vom 4. Januar 2016 [IV-act. 18 S. 1], Bericht 

von Dr. med. G._____ vom 26. Januar 2016 [IV-act. 90 S. 72], Bericht des 

Hausarztes Dr. med. Q._____ vom 13. April 2016 [IV-act. 22 S. 2], 

Gutachten von Dr. med. I._____ vom 7. September 2017 [IV-act. 90 S. 32 

f.], Gutachten der MEDAS vom 11. Juli 2018 [IV-act. 107 S. 89]). Dr. med. 

O._____ nahm zu der von Dr. med. N._____ diagnostizierten 

Schlafstörung keine Stellung und auch der RAD äusserte sich nicht dazu. 

Es drängt sich deshalb auf, bezüglich der Schlafstörungen für die Phase 

ab dem 1. Januar 2020 bis zur Begutachtung durch Dr. med. O._____ auf 

die echtzeitliche Beurteilung der behandelnden Psychiaterin abzustellen. 

Dies umso mehr als Probleme mit dem Schlafen bei Menschen mit 

- 31 -

Depressionen (siehe dazu nachfolgend Erwägung 7.7.4) 

erfahrungsgemäss sehr häufig auftreten 

(https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-

gesundheitsstörungen/affektive-störungen/depression, zuletzt besucht am 

19. Dezember 2023).

7.7.4. Dr. med. O._____ und Dr. med. N._____ sind sich darin einig, dass der 

Beschwerdeführer unter einer affektiven Störung (ICD-10 F30-F39) leidet. 

Während Dr. med. O._____ eine rezidivierende depressive Störung mit 

gegenwärtig leichter depressiver Episode diagnostizierte (ICD-10 F33.0, 

IV-act. 185 S. 33), lautete die Diagnose bei Dr. med. N._____ «Depressive 

Episode ohne Remission seit dem Tod des Freundes, mittelgradig bis 

schwer» bzw. «leicht bis mittelgradig» (ICD-10 F32.1/2 bzw. F32.0/1; 

Berichte vom 13. Februar 2020, 21. Juli 2020 und 19. September 2020, 

IV-act.154 S. 2, 164 S. 2 und 159 S. 4). Angesichts der Tatsache, dass 

der Beschwerdeführer nicht erst seit dem Tod seines Partners depressive 

Symptome zeigte, sondern schon zuvor zumindest zwei separate 

depressive Episoden erlebt hatte, erscheint die diagnostische Einordnung 

von Dr. med. O._____ dem streitberufenen Gericht im 

Begutachtungszeitpunkt als nachvollziehbar. In seinem Gutachten wies er 

darauf hin, dass der Beschwerdeführer nach seiner eigenen Angabe mit 

etwa 20 Jahren eine erste depressive Phase gehabt hatte (IV-act. 185 S. 

36). Und aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer im 

Frühjahr 2003 ein erstes Mal in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert 

gewesen war und dass damals eine leichte depressive Episode 

diagnostiziert worden war (IV-act. 22 S. 9). In Bezug auf den Schweregrad 

der affektiven Störung vermögen die Berichte von Dr. med. N._____ keine 

Zweifel an der Einschätzung von Dr. med. O._____ zu wecken, soweit es 

um die Zeit ab der Begutachtung geht. Der Gutachter stellte anlässlich der 

Untersuchung vom 4. März 2021 in affektiver Hinsicht eine leicht 

- 32 -

bedrückte Grundstimmung, eine unverminderte emotionale 

Resonanzfähigkeit, keine Hinweise auf zirkadiane Besonderheiten oder 

tageszeitliche Stimmungsschwankungen, keine psychosomatischen 

Beschwerden, einen unverminderten Antrieb, eine ausgeglichen wirkende 

Psychomotorik, keinen Anhalt für akute Suizidalität und keine Tendenzen 

zu Selbstverletzung oder Fremdgefährdung fest. Er führte aus, die 

Durchhaltefähigkeit, die emotionale Flexibilität und Belastbarkeit, die 

Stress- und Frustrationstoleranz und die Selbstbehauptungsfähigkeit 

seien noch leicht vermindert. Die Gruppen- und Teamfähigkeit und die 

Fähigkeit zur Selbstpflege seien nicht vermindert. Bei einem leicht 

beeinträchtigten Selbstwerterleben hätten sich gewisse Selbstzweifel und 

auch gewisse Versagensängste ohne Hinweise auf einen relevanten 

sozialen Rückzug gezeigt (IV-act. 185 S. 20). Es darf davon ausgegangen 

werden, dass Dr. med. O._____ als erfahrener Psychiater und 

ausgebildeter medizinischer Gutachter nach der doch rund drei Stunden 

dauernden Untersuchung den Schweregrad der depressiven Problematik 

des Beschwerdeführers mit ausreichender Gewissheit einschätzen 

konnte. 

Zum Schweregrad der depressiven Störung in der Zeit vor der 

Begutachtung äusserte sich Dr. med. O._____ hingegen nicht in 

überzeugender Weise. Er führte aus, bei der rezidivierenden depressiven 

Störung habe der Beschwerdeführer nach dem Tod des Freundes eine 

mittelgradige, eventuell zeitweilig eine schwere depressive Episode 

entwickelt. Durch die intensive Behandlung habe die depressive 

Symptomatik gebessert werden können, sodass nun nur noch eine leichte 

depressive Episode vorliege (IV-act. 185 S. 24). Auf die von Dr. med. 

N._____ für das Jahr 2020 festgestellte Verschlechterung bei der 

depressiven Störung ging er überhaupt nicht ein, auch nicht im Kapitel 

"Stellungnahme zur früheren ärztlichen Einschätzungen" (IV-act. 185 S. 

- 33 -

36 f.). In diesem Punkt ist das O._____-Gutachten demnach klarerweise 

mangelhaft. Für die Phase vom 1. Januar 2020 bis zum 28. Mai 2021 ist 

deshalb auf die echtzeitliche Einschätzung der behandelnden Psychiaterin 

abzustellen. Von dem vom Beschwerdeführer beantragten 

Gerichtsgutachten oder von weiteren medizinischen Abklärungen der IV-

Stelle wären in Bezug auf den Schweregrad der Depression von Januar 

2020 bis Mai 2021 keine verlässlichere Einschätzung zu erwarten. Die 

Einschätzung wäre retrospektiv und müsste im Wesentlichen auf die 

Arztberichte von Dr. med. N._____ abstellen.

Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die IV-Stelle 

bezüglich des Schweregrads der Depression für die Zeit ab dem 28. Mai 

2021 zu Recht auf das O._____-Gutachten abgestellt hat. Für die Zeit ab 

dem 1. Januar 2020 hingegen ist das O._____-Gutachten im 

Zusammenhang mit der Depression nicht beweiskräftig. Für diese Phase 

ist gestützt auf die Berichte von Dr. med. N._____ davon auszugehen, 

dass die Depression mittelgradig bis schwer war. Die vorübergehende 

Besserung vom 21. Juli 2020 bis zum 19. September 2020 (IV-act. 159 S. 

4, 164 S. 2) ist infolge ihrer kurzen Dauer IV-rechtlich nicht relevant (Art. 

88a Abs. 1 IVV).

7.7.5. Dr. med. N._____ stellte mit Bericht vom 19. September 2020 die 

Differentialdiagnose einer ASS (IV-act. 164 S. 2). Dieser Bericht fehlt im 

Aktenauszug des O._____-Gutachtens (IV-act. 185 S. 15), ebenso fehlen 

Äusserungen von Dr. med. O._____ zur ASS im Kapitel Stellungnahme zu 

früheren ärztlichen Einschätzungen (IV-act. 185 S. 36 ff.). Auch in diesem 

Punkt ist das O._____-Gutachten also mangelhaft. Dieser Mangel hat aber 

nicht zur Folge, dass das Gutachten als Ganzes als nicht beweiskräftig zu 

erachten wäre. Dies weil – wie nachfolgend gezeigt wird – angesichts der 

Umstände und der Beurteilung des RAD das Vorliegen einer ASS mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.

- 34 -

In ihrem Bericht vom 19. September 2020 gab Dr. med. N._____ an, dass 

eine Abklärung zur ASS gemacht werden sollte (IV-act. 164 S. 2). In der 

Folge veranlasste sie aber keine entsprechende Untersuchung, obwohl 

der Beschwerdeführer weiterhin bei ihr in Therapie war. Dies muss als 

Hinweis darauf interpretiert werden, dass die Anzeichen für eine ASS nicht 

so deutlich waren, dass eine sofortige Abklärung aus fachärztlicher Sicht 

zwingend notwendig gewesen wäre. Rund ein Jahr später gab Dr. med. 

N._____ in ihrer Stellungnahme vom 26. Oktober 2021 zum O._____-

Gutachten an, die Anzeichen hätten sich gehäuft, dass der 

Beschwerdeführer unter einer neuropsychologischen Störung oder einer 

ASS leide (IV-act. 200 S. 1 und 7). Auch hierauf erfolgte aber keine 

umfassende Untersuchung. Erst im Frühjahr 2022 holte Dr. med. N._____ 

im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren eine Zweitmeinung 

bei Dr. med. P._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, 

ein. Dieser untersuchte den Beschwerdeführer am 5. Mai 2022 und führte 

mit Bericht vom 17. Mai 2022 aus, es seien Autismus-Spektrum 

Symptome vorhanden. Der Beschwerdeführer habe mehrmals stereotype 

Antworten auf seine Fragen gegeben und koche täglich dieselbe Pasta 

und führe die gleichen Rituale durch. Ein Telefongespräch mit der Mutter 

habe ergeben, dass der Beschwerdeführer in der Kindheit keine 

repetitiven oder stereotypen Verhaltensweisen gezeigt habe. Die 

auffälligen Verhaltensweisen seien erst nach dem Tod des Freundes 

entstanden. Dr. med. P._____ kam zum Schluss, eine ASS sei nicht 

auszuschliessen, diagnostizierte einen Verdacht auf eine ASS und 

kodierte dies mit ICD-10 F84.12 (Beilage des Beschwerdeführers [Bf-act.] 

Nr. 5). Dem Bericht von Dr. med. P._____ kann im Rahmen des 

vorliegenden Verfahrens nur geringer Beweiswert beigemessen werden. 

Erstens bezieht er sich nicht echtzeitlich auf den relevanten Zeitraum bis 

zum 9. November 2021 (Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen 

Verfügung, siehe vorne Erwägung 3), sondern wurde rund sechs Monate 

- 35 -

später erstellt. Zweitens vermag er inhaltlich nicht zu überzeugen. In der 

ICD-10 findet sich keine Diagnose mit der Bezeichnung ASS, der Wechsel 

zu dieser Bezeichnung wird erst mit der ICD-11 vollzogen 

(https://autismus-kultur.de/icd-diagnosekriterien/, zuletzt besucht am 19. 

Dezember 2023). Die von Dr. med. P._____ verwendete Nummer ICD-10 

F84.12 bezieht sich korrekterweise auf den atypischen Autismus gemäss 

F84.1 im Typ «Autismus mit atypischem Erkrankungsalter und atypischer 

Symptomatologie» gemäss dem multiaxialen Klassifikationsschema für 

psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Multiaxiales_Klassifikationsschema_für_psy

chische_Störungen_des_Kindes-_und_Jugendalters, zuletzt besucht am 

19. Dezember 2023). Sodann gilt gemäss der ICD-10 für alle 

tiefgreifenden Entwicklungsstörungen – in diese Kategorie fallen die ASS 

–, dass sie ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit beginnen 

und einen stetigen Verlauf ohne Remissionen und Rezidive aufweisen 

(ICD-10 Info zu F84.-). Angesichts dieser klaren Voraussetzungen wäre 

zu erwarten gewesen, dass Dr. med. P._____ erklärt, weshalb er eine ASS 

für möglich hält, obwohl der Beschwerdeführer allem Anschein nach 

erstmals im Alter von 44 Jahren Symptome zeigte, welche auf eine ASS 

hätten hinweisen können. Eine solche Erklärung fehlt gänzlich. Auch bei 

Dr. med. N._____ findet sich diesbezüglich keine Erklärung. Gegen das 

Vorliegen einer ASS spricht sodann auch, dass weder in den Berichten zu 

den beiden Klinikaufenthalten im Jahr 2015 (IV-act. 22 S. 40 ff. und 18), 

noch in den Gutachten von Dr. med. I._____ vom 7. September 2017 (IV-

act. 90) und von Dr. med. K._____ vom 25. April 2018 (IV-act. 107 S. 85 

ff.) eine ASS diagnostiziert worden war oder Symptome mit einer ASS in 

Verbindung gebracht worden waren. In seiner Stellungnahme vom 8. 

November 2021 wies der RAD Psychiater Dr. med. M._____ deshalb zu 

Recht darauf hin, dass keiner der vorbefassten Psychiater Hinweise auf 

eine ASS festgehalten habe (IV-act. 201 S. 15). Einleuchtend ist auch Dr. 

- 36 -

med. M._____s Bemerkung, wenn Dr. med. N._____ nun plötzlich eine 

ASS vermute, dürfe doch darauf hingewiesen werden, dass sich davon in 

ihrem Arztbericht vom 21. Juli 2020 - nach immerhin einem Jahr 

Behandlung - kein Wort finde (IV-act. 201 S. 15). Dr. med. M._____ kam 

deshalb in nachvollziehbarer Weise zum Schluss, weitere Abklärungen 

seien nicht angezeigt (IV-act. 201 S. 16). Zusammenfassend kann 

festgehalten werden, dass Dr. med. N._____s Differentialdiagnose einer 

ASS das Gutachten von Dr. med. O._____ nicht in seiner Beweiskraft zu 

erschüttern vermag. 

7.7.6. Dr. med. N._____ beschrieb in ihrem Bericht vom 19. September 2020 

Gedächtnisstörungen. Der Patient sei sehr vergesslich und habe eine 

kurze Konzentrationsspanne (IV-act. 164 S. 1). Dr. med. O._____ stellte 

bei seiner Untersuchung am 4. März 2021 keine relevanten 

Gedächtnisstörungen mehr fest. In seinem Gutachten führte er aus, der 

formale Gedankengang sei geordnet und kohärent gewesen, die 

kognitiven Fähigkeiten hätten im Normbereich gelegen und es hätten sich 

keine Hinweise auf relevante Gedächtnisstörungen oder Defizite der 

Merkfähigkeit gefunden. Auch hätten nach dem klinischen Eindruck eine 

gute Aufmerksamkeit, ein gutes Auffassungsvermögen und eine gute 

Konzentration bei einer noch leicht verminderten Ausdauer bestanden (IV-

act. 185 S. 20). Echtzeitlich kann dieser Einschätzung volle Beweiskraft 

beigemessen werden. Weder der Beschwerdeführer noch Dr. med. 

N._____ erheben diesbezüglich Kritik (IV-act. 200 S. 4 f.). 

Für die Zeit ab dem 1. Januar 2020 bis zur Begutachtung ist indessen auch 

im Zusammenhang mit den Gedächtnisstörungen auf die echtzeitliche 

Beurteilung von Dr. med. N._____ abzustellen. Im O._____-Gutachten 

findet sich keine Stellungnahme zu den von Dr. med. N._____ im Jahr 

2020 festgestellten Gedächtnisstörungen (IV-act. 185 S. 36 ff.) und 

Konzentrationsschwierigkeiten treten in einer depressiven Episode 

- 37 -

erfahrungsgemäss häufig auf 

(https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-

gesundheitsstörungen/affektive-störungen/depression, zuletzt besucht am 

19. Dezember 2023). 

7.8. Dr. med. N._____ kritisierte das O._____-Gutachten in zahlreichen Details 

(IV-act. 200 S. 3 ff.). Der RAD Psychiater Dr. med. M._____ führte dazu 

aus, soweit sich die Kritik auf die Seiten mit der Fragestellung der IV und 

den Aktenauszügen beziehe, mithin auf die Seiten 1 bis 15, laufe sie ins 

Leere (IV-act. 201 S. 15). Dies trifft zu. Auf diesen Seiten zitierte Dr. med. 

O._____ lediglich die zentralen Aussagen aus den medizinischen 

Vorakten (IV-act. 185 S. 1 ff.). Dabei verzichtete er in Übereinstimmung 

mit der Vorgabe in den Qualitätsleitlinien (S. 8) auf eine Bewertung des 

Akteninhalts. Zu den übrigen Kritikpunkten führte RAD Psychiater Dr. med. 

M._____ aus, Dr. med. N._____ verliere sich in seitenweiser Detailkritik, 

welche die gutachterlichen Schlussfolgerungen nicht zu erschüttern 

vermöchten (IV-act. 201 S. 15). Dem kann – wie nachfolgend dargelegt - 

gefolgt werden. 

7.8.1. Dr. med. N._____ wies darauf hin, dass die gutachterliche Untersuchung 

am Todestag des verstorbenen Freundes stattgefunden habe, kurz vor der 

Reise nach Costa Rica (IV-act. 200 S. 2). Daraus lässt sich nichts zu 

Gunsten des Beschwerdeführers ableiten, im Gegenteil, diese Tatsache 

spricht dafür, dass sich die an diesem besonders belastenden Tag 

festgestellten Symptome an einem "normalen" Tag eher weniger 

ausgeprägt gezeigt haben dürften.

7.8.2. Dr. med. N._____ kritisierte, die Diagnostik und die Begrifflichkeiten im 

O._____-Gutachten seien recht eigenwillig und nicht immer ICD-konform 

und Kodierungen würden gänzlich fehlen (IV-act. 200 S. 2). Dem kann 

nicht gefolgt werden. Im Kapitel «Psychiatrische Diagnosen» kodierte Dr. 

- 38 -

med. O._____ sämtliche Diagnosen und benannte sie auch in 

Übereinstimmung mit der ICD-10 (IV-act. 185 S. 33). Dies trifft entgegen 

der Ansicht von Dr. med. N._____ auch auf die Diagnose der 

«Kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und 

histrionisch-infantilen Anteilen» zu. Dr. med. O._____ kodierte diese 

Diagnose mit «F61», im Sinne einer Kombination von F60.3 (emotional 

instabile Persönlichkeitsstörung) und F60.4 (histrionische 

Persönlichkeitsstörung, inklusive Persönlichkeitsstörung infantil). Den 

Begriff «infantil» verwendet die ICD-10 bei F60.4 ausdrücklich, so dass die 

diesbezüglichen Ausführungen des Gutachters entgegen der Ansicht von 

Dr. med. N._____ keine "fantasievollen Setzungen und 

psychopathologischen Zusammenführungen" (IV-act. 200 S. 5) darstellen. 

Auch die Zuordnung der Psychischen und Verhaltensstörungen durch 

Alkohol, zeitweilig schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1) zu den 

Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 185 S. 33) ist 

nicht zu beanstanden, stellt der Gutachter doch fest, dass kein Suchtleiden 

und keine irreversible Gesundheitsstörung verursacht durch eine 

Suchtmittelabhängigkeit vorliegt (IV-act. 185 S. 28 f.). Diese Zuordnung ist 

vom Beschwerdeführer und von Dr. N._____ unbestritten geblieben.

7.8.3. Beim Kapitel 4.1 (Psychischer Befund) bemängelte Dr. med. N._____, es 

kämen Befunde und Pauschalbeurteilungen des Gutachters vor ohne zum 

Beispiel die Kriterien zu nennen, weshalb keine posttraumatischen 

Symptome vorlägen (IV-act. 200 S. 5). Damit verkennt sie, dass der 

Gutachter in diesem Kapitel den psychopathologischen Befund in einer 

standardisierten Weise unter Verwendung des Systems der 

Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie 

(nachfolgend: AMDP) erfasste, wie dies die Qualitätsleitlinien (S. 10) 

vorsehen. Eine eingehende Begründung des Gutachters dazu, weshalb 

gewisse Symptome eben gerade nicht festgestellt wurden, wäre an dieser 

- 39 -

Stelle systematisch falsch gewesen. Die Auseinandersetzung mit 

abweichenden Einschätzungen hat nach den Qualitätsleitlinien (S. 11) im 

Rahmen der medizinischen und versicherungsmedizinischen Beurteilung 

zu erfolgen. Dem entsprach Dr. med. O._____, indem er im Kapitel 

«Stellungnahme zu früheren ärztlichen Einschätzungen» nachvollziehbar 

erklärte, weshalb seiner Meinung nach keine PTBS vorliege (IV-act. 185 

S. 37 f.; siehe vorne Erwägung 7.7.1). 

7.8.4. Dr. med. N._____ kritisierte, die vom Gutachter diagnostizierte 

Persönlichkeitsstörung sei schwer vorstellbar ohne Einschränkungen auf 

die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 200 S. 6). Dem kann nicht gefolgt werden. Eine 

diagnostizierte psychische Krankheit hat nicht automatisch eine 

Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Vielmehr gehört es im Rahmen des 

strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 zu den Aufgaben 

des Gutachters, sich zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 

und Symptome zu äussern. Vorliegend führte Dr. med. O._____ aus, bei 

leicht akzentuierten Persönlichkeitszügen mit emotional-instabilen und 

histrionisch-infantilen Anteilen hätten gewisse Defizite der sozialen 

Kompetenzen eruiert werden können, insbesondere der Konfliktfähigkeit, 

weniger des Abgrenzungsvermögens. Die Durchhaltefähigkeit, die 

emotionale Flexibilität und Belastbarkeit, die Stress- und 

Frustrationstoleranz und die Selbstbehauptungsfähigkeit würden noch 

leicht vermindert erscheinen (IV-act. 185 S. 20). Diesen Befunden ordnete 

Dr. med. O._____ in nachvollziehbarer Weise keine quantitative, sondern 

nur eine qualitative Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu (IV-act. 185 S. 

29). Entsprechend führte er in konsistenter Weise aus, in einer 

adaptierten, wenig anspruchsvollen Hilfstätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit 

nicht eingeschränkt (IV-act. 185 S. 27 und 32 f.). 

7.8.5. Dr. med. N._____ warf Dr. med. O._____ vor, er stelle mit der ICD-10 auf 

ein veraltetes Klassifikationssystem ab (IV-act. 200 S. 5). Dieser Vorwurf 

- 40 -

ist nicht stichhaltig. Die ICD-11 wurde erst nach der Erstellung des 

O._____-Gutachtens im Januar 2022 in englischer Sprache eingeführt 

(https://icd.who.int/en, zuletzt besucht am 19. Dezember 2023). Die ICD-

11 wird die ICD-10 im deutschsprachigen Raum erst dann ablösen, wenn 

die offizielle deutschsprachige Übersetzung innert der flexiblen 

Übergangszeit von fünf Jahren vorliegen wird (https://icd.who.int/en und 

https://de.wikipedia.org/wiki/ICD-11, zuletzt besucht am 19. Dezember 

2023). Aktuell besteht noch keine Möglichkeit, die Entwurfsfassung der 

ICD-11 in Deutsch herunterzuladen oder anderweitig zu beziehen 

(https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-

11/uebersetzung/_node.html; Stand am 19. Dezember 2023).

7.8.6. Dr. med. N._____ erklärte eingehend, weshalb ihrer Ansicht nach eine 

PTBS eine Depression nicht ausschliesse (IV-act. 200 S. 5). Dieses 

Vorbringen geht ins Leere. Dr. med. N._____ ging allem Anschein nach 

davon aus, dass Dr. med. O._____ in seinem Gutachten die Ansicht 

vertrete, eine PTBS und eine Depression könnten nicht gleichzeitig 

auftreten. Damit interpretierte sie die gutachterlichen Aussagen falsch. Dr. 

med. O._____ schrieb: «Die aktuell behandelnde Psychiaterin stellt nun 

(…) die Verdachtsdiagnose einer PTBS in den Raum (…). Letztendlich 

kann sie sich diagnostisch nicht entscheiden und führt zwei 

unterschiedliche Diagnosen - nämlich zusätzlich noch eine rezidivierende 

depressive Störung - (…) auf» (IV-act. 185 S. 37). Zwar geht aus dieser 

Formulierung klar hervor, dass Dr. med. O._____ bezüglich der Diagnosen 

anderer Ansicht war, er bezeichnete die PTBS und die Depression aber 

lediglich als «unterschiedliche Diagnosen» und nicht, wie Dr. med. 

N._____ interpretierte, als sich widersprechende Diagnosen. 

7.9. Der Beschwerdeführer wirft Dr. med. O._____ vor, er habe auf 

fremdanamnestische Abklärungen verzichtet und sei möglicherweise auch 

deshalb den Hinweisen auf eine ASS nicht nachgegangen und habe sich 

- 41 -

stattdessen ausschliesslich darauf konzentriert festzustellen, was der 

Explorand nicht habe. Dieser Sichtweise kann nicht gefolgt werden. Das 

Einholen einer Fremdanamnese ist nach der Rechtsprechung nicht 

zwingend erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 9C_867/2018 vom 28. 

Mai 2019 E.5.2.2). Vielmehr liegt das Einholen fremdanamnestischer 

Auskünfte im Ermessen des Gutachters und wird veranlasst, wenn der 

Gutachter zur Klärung der gestellten Fragen auf diese angewiesen ist 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_379/2019 vom 26. September 2019 

E.3.5.1). Entsprechend sieht das Kreisschreiben des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen (KSVI) Drittauskünfte in der Vorlage für die 

Gliederung von invalidenversicherungsrechtlichen Gutachten nicht 

zwingend, sondern nur unter dem Titel "Allfällige Angaben von Dritten" vor 

(KSVI [Stand 1. Januar 2018] Anhang VII Ziff. 5). Vorliegend sind keine 

besonderen Aspekte ersichtlich, welche das Einholen einer 

Fremdanamnese als unerlässlich erscheinen lassen würden. Vielmehr 

stellen die umfangreichen Vorakten mit zwei psychiatrischen Gutachten 

einen Hinweis darauf dar, dass Dr. med. O._____ eine Fremdanamnese 

zu Recht als nicht unbedingt erforderlich einstufte. Auch der Vorwurf, Dr. 

med. O._____ habe sich auf die nicht vorliegenden Symptome bzw. 

Erkrankungen konzentriert, ist nicht gerechtfertigt. Dieser Vorwurf bezieht 

sich auf den psychischen Befund (IV-act. 185 S. 20). Dort erwähnte der 

Gutachter zwar tatsächlich zahlreiche nicht vorliegende Krankheiten bzw. 

Symptome. Er tat dies indessen in Übereinstimmung mit den 

Qualitätsleitlinien (S. 17). Bei der Anwendung des AMDP-Systems für die 

Befunderhebung ist es korrekt und üblich zu erwähnen, dass eine Störung 

nicht vorliegt, wenn die Befunderhebung dies ergeben hat. Nur so besteht 

Klarheit, dass bei der gutachterlichen Untersuchung Abklärungen im 

Hinblick auf diese Störung tatsächlich auch erfolgt sind.

- 42 -

7.10. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die IV-Stelle 

dem O._____-Gutachten in Bezug auf die Zeit ab dem 28. Mai 2021 zu 

Recht volle Beweiskraft beigemessen hat. Weder die abweichenden 

Einschätzungen der behandelnden Psychiaterin Dr. med. N._____, noch 

die Kritik des Beschwerdeführers noch die Stellungnahme von Dr. 

P._____ im Mai 2022 nach Ergehen der angefochtenen Verfügung, 

vermögen Zweifel an den von Dr. med. O._____ für den damaligen 

Zeitpunkt gestellten Diagnosen und seiner Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit für die Zeit ab dem 28. Mai 2021 zu wecken. 

Für den Zeitraum ab dem Beginn des streitigen Rentenanspruchs am 1. 

Januar 2020 bis zur Begutachtung hat sich das O._____-Gutachten 

hingegen in Bezug auf den Schweregrad der Depression sowie auf die 

Schlaf- und Gedächtnisstörungen als nicht beweiskräftig erwiesen. 

Entsprechend kann für diese Phase nicht auf die retrospektive Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit im O._____-Gutachten abgestellt werden. 

Stattdessen ist – aus den in der nachfolgenden Erwägung dargelegten 

Gründen - auf die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin 

abzustellen. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle ist somit für die Zeit vom 

1. Januar 2020 bis zum 28. Mai 2021 davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer infolge seiner mittelgradigen bis schweren Depression, 

der Schlafstörungen mit Albträumen und der Gedächtnisstörungen 

vollständig arbeitsunfähig war. 

7.11. Nach der Rechtsprechung kommt im Streitfall eine direkte 

Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden 

Ärztinnen und Ärzte kaum je in Frage. Da sich die behandelnden Ärztinnen 

und Ärzte in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben, 

verfolgen deren Berichte nicht den Zweck einer den abschliessenden 

Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven 

Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die 

- 43 -

materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 

3a (BGE 135 V 465 E.4.5). Im vorliegenden Fall stellen die echtzeitlichen 

Einschätzungen der behandelnden Psychiaterin allerdings 

ausnahmsweise eine taugliche Grundlage für die Bemessung der 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der befristeten Zeitspanne vom 

1. Januar 2020 bis zum 28. Mai 2021 dar. Würde ein Gerichtsgutachten 

eingeholt, so wäre von diesem Gutachten keine Einschätzung zu 

erwarten, welche wesentlich verlässlicher wäre als diejenige der 

behandelnden Psychiaterin. Der Gerichtsgutachter würde den 

Beschwerdeführer in einem grossen zeitlichen Abstand zu der zu 

beurteilenden Zeitspanne untersuchen und könnte wegen des 

charakteristischen schwankenden Verlaufs der rezidivierenden 

depressiven Störung von den Ergebnissen dieser Untersuchung nicht auf 

den Schweregrad der depressiven Episode im Jahr 2020 schliessen. Von 

weiteren medizinischen Abklärungen sind deshalb keine 

entscheidrelevanten Resultate zu erwarten. Dem Antrag des 

Beschwerdeführers auf Einholung eines Gerichtsgutachtens bzw. auf 

Rückweisung der Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abklärung 

kann deshalb in antizipierter Beweiswürdigung nicht Folge geleistet 

werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2022 vom 21. Dezember 

2022 E.10 mit Hinweisen u.a. auf BGE 144 V 361 E.6.5). 

 8. Gestützt auf das O._____-Gutachten ist davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer ab dem 28. Mai 2021 in seiner angestammten Tätigkeit 

als Mitarbeiter bei einer Bergbahn und in anderen adaptierten Tätigkeiten 

zu 100 % arbeitsfähig war. Für die Bemessung des Invaliditätsgrades kann 

auf die Werte abgestellt werden, die der Verfügung vom 5. Juni 2019 

zugrunde gelegt wurden (Valideneinkommen als Mitarbeiter bei den 

Bergbahnen CHF 57‘328.70; Invalideneinkommen gemäss LSE im 

Kompetenzniveau 1 CHF 68‘418.40; IV-act. 144). Eine Anpassung dieser 

- 44 -

Werte an die Teuerung erübrigt sich. Weil sowohl der Wert des 

Valideneinkommens als auch derjenige des Invalideneinkommens an die 

Teuerung anzupassen wären, bliebe sich der Invaliditätsgrad gleich. Für 

die Zeit ab dem 28. Mai 2021 liegt der Invaliditätsgrad somit bei 0 %. 

Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit 

für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an 

zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie 

voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu 

berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei 

Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. In 

Randziffer 4017 des Kreisschreibens über die Invalidität und die 

Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen (KSIH, Stand 1. Januar 2021) wird zu dieser 

Bestimmung ausgeführt, bei instabilen Verhältnissen, mithin wenn eine 

erneute Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit noch im Bereich des 

Möglichen liege, sei die eingetretene Verbesserung erst zu 

berücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate 

angedauert habe und voraussichtlich weiterhin andauern werde. Im 

vorliegenden Fall ist von instabilen Verhältnissen im Sinne von Randziffer 

4017 KSIH auszugehen, die bei Schwankungen in der Intensität der 

Symptome bei einer rezidivierenden depressiven Störung typisch sind. 

Das bedeutet, dass im Hinblick auf den Rentenanspruch gestützt auf Art. 

88a Abs. 1 IVV ab dem 1. September 2021 von einem Invaliditätsgrad von 

0 % auszugehen ist. Die IV-Stelle hat den Rentenanspruch für die Zeit ab 

dem 1. September 2021 demnach zu Recht abgelehnt. 

Vom 1. Januar 2020 bis zum 31. August 2021 ist hingegen von einer 

vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Das Invalideneinkommen 

liegt in dieser Zeit bei CHF 0.00, der Invaliditätsgrad bei 100 %, so dass 

- 45 -

der Beschwerdeführer vom 1. Januar 2020 bis zum 31. August 2021 

Anspruch auf eine ganze Rente hat.

9. Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG haben invalide oder von einer Invalidität 

bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit 

diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die 

Fähigkeit sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu 

erhalten oder zu verbessern. Vorliegend hat der Beschwerdeführer bei der 

Wiederanmeldung am 2. Juli 2019 Eingliederungsmassnahmen beantragt 

und ausgeführt, er fühle sich zu 50 % arbeitsfähig (IV-act. 147). Die IV-

Stelle hat in der Folge nicht über den Anspruch auf 

Eingliederungsmassnahmen sondern nur über den Rentenanspruch 

entschieden. Dies ist nicht korrekt. Aus dem O._____-Gutachten geht klar 

hervor, dass der Beschwerdeführer eingliederungsfähig ist. Der Gutachter 

führte aus, es erscheine aus medizinischer Sicht zumutbar, dass der 

Beschwerdeführer die verschiedenen beschriebenen Ressourcen, die ihm 

in der Freizeit zur Verfügung stünden, auch bei einer erneuten beruflichen 

Tätigkeit und bei der beruflichen Wiedereingliederung einsetze (IV-act. 

185 S. 27). Der Gutachter wies sogar darauf hin, dass die berufliche 

Wiedereingliederung für den psychischen Zustand des 

Beschwerdeführers förderlich wäre. Er erklärte, eine Tätigkeit in der freien 

Wirtschaft sei eindeutig und uneingeschränkt möglich (IV-act. 185 S. 34). 

Bezüglich beruflicher Eingliederung sei zu empfehlen, dass konkrete, 

zielführende Eingliederungsmassnahmen wie zum Beispiel Unterstützung 

bei der Arbeitssuche durchgeführt würden (IV-act. 185 S. 34). Bezüglich 

der Eingliederungsmassnahmen wird die Angelegenheit deshalb an die 

IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie die nötigen Abklärungen trifft und bei 

gegebener Eingliederungswilligkeit des Beschwerdeführers solche 

Massnahmen aufnimmt.

- 46 -

10. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.00 bis CHF 1'000.00 

festgelegt. Vorliegend sind die Kosten auf CHF 700.00 festzusetzen. Sie 

sind der teilweise unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen.

11. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende 

Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses bemessen. Der Rechtsprechung folgend wird dies nach einer 

materiellen Betrachtungsweise unter Zugrundelegung der gestellten 

Anträge beurteilt und es kann erst dann von einem Obsiegen gesprochen 

werden, wenn das Gericht den Entscheid zu Gunsten der 

beschwerdeführenden Person abgeändert hat resp. wenn sich deren 

Position durch den Entscheid verbessert hat. Bei bloss teilweisem 

Obsiegen ist nur dann eine ungekürzte Parteientschädigung 

zuzusprechen, wenn die versicherte Person im Grundsatz obsiegt und 

lediglich im Masslichen (teilweise) unterliegt (vgl. dazu statt vieler BGE 

137 V 57 E.2.1, 133 V 645 E.2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2022 

vom 24. Oktober 2022 E.7.1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 

machte mit Honorarnote vom 20. Juni 2022 einen Totalbetrag von CHF 

7'118.95 geltend für 25.67 Arbeitsstunden (plus Barauslagen und 

Mehrwertsteuer). Die geltend gemachte Arbeitszeit erscheint angesichts 

der Komplexität des Falles und angesichts der grossen Menge an Akten 

als angemessen. Der Anwalt des Beschwerdeführers hat das Honorar mit 

einem Stundenansatz von CHF 250.00 berechnet. Von diesem 

Stundenansatz kann ausgegangen werden. Er ist gedeckt von der 

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Honorarvereinbarung vom 8. Dezember 2021 über ein Honorar von CHF 

270.00 pro Stunde (Bf-act. 2). Die IV-Stelle hat deshalb dem 

Beschwerdeführer einen Parteikostenersatz im Umfang von CHF 7'118.95 

zu leisten. Daran ändert aufgrund obgenannter Rechtsprechung auch 

nichts, dass der Beschwerdeführer mit dem Hauptantrag in der 

Beschwerde nicht vollständig durchgedrungen ist, ist ihm doch eine 

befristete ganze Rente vom 1. Januar 2020 bis 31. August 2021 

zuzusprechen und bezüglich dem Anspruch auf 

Eingliederungsmassnahmen ist die Angelegenheit an die IV-Stelle 

zurückzuweisen, womit der Beschwerdeführer im Grundsatz obsiegt und 

lediglich im Masslichen (teilweise) unterliegt. 

12. Ausgangsgemäss erübrigen sich Weiterungen zur beantragten 

unentgeltlichen Prozessfühung und Rechtsverbeiständung.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird in Bezug auf den Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis 

zum 31. August 2021 gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung wird 

diesbezüglich aufgehoben und dem Beschwerdeführer wird vom 1. Januar 

2020 bis zum 31. August 2021 eine ganze Rente zugesprochen. Im 

Übrigen wird die Beschwerde im Zusammenhang mit dem 

Rentenanspruch abgewiesen.

2. Im Zusammenhang mit dem Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen 

wird die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückgewiesen.

3. Die Kosten von CHF 700.00 werden der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons Graubünden, IV-Stelle, auferlegt.

- 48 -

4. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, 

entschädigt A._____ aussergerichtlich mit CHF 7'118.95 (inkl. Spesen und 

MWST).

5. [Rechtsmittelbelehrung]

6. [Mitteilung]