# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 029c842f-8d27-5d38-b494-0ddf18cc60e3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.11.2011 D-2359/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2359-2011_2011-11-25.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­2359/2011

U r t e i l   v om   2 5 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Robert Galliker,
Gerichtsschreiber Gert Winter.

Parteien A._______, geboren (…),
alias A._______, geboren (…),
Syrien,
vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM
vom 21. März 2011 / N .

D­2359/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 

A.a  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen 
Heimatstaat  am  27.  Oktober  2010  auf  dem  Landweg  und  gelangte  am 
3. Februar  2011 von Athen aus auf  dem Luftweg  in die Schweiz, wo er 
noch  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
M._______  um  Asyl  nachsuchte.  Anlässlich  der  Befragung  vom  8. 
Februar  2011  zur  Person  (BzP)  im  EVZ  M._______  sowie  der 
Direktanhörung  vom  23.  Februar  2011  durch  das  BFM  machte  der 
Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs  im Wesentlichen 
geltend, er sei im Sommer 2009 oder 2010 im Touristenort N._______ bei 
Damaskus als Kellner  im Restaurant  "O._______"  tätig  gewesen. Eines 
Tages habe dort ein Sicherheitsbeamter in Begleitung einer Frau getafelt. 
Als dieser erfahren habe, dass es sich bei ihm um einen Angehörigen der 
kurdischen Ethnie handle, habe er sich geweigert, die Rechnung für das 
Essen  zu  bezahlen.  Darüber  hinaus  habe  er  ihm  eine  Backpfeife 
verabreicht.  In  der  Folge  sei  der  renitente  Gast  vom  Eigentümer  des 
Restaurants und dem Buchhalter verprügelt worden. Daraufhin habe der 
Mann  die  Rechnung  schliesslich  doch  noch  bezahlt.  Kurz  darauf  sei 
indessen  eine  Polizeipatrouille  im  Restaurant  erschienen  und  habe  ihn 
festgenommen.  Er  sei  verhört,  vor  Gericht  gebracht  und  ins  Gefängnis 
von  P._______  gebracht  worden,  wo  er  eine  fünfmonatige  Haftstrafe 
habe absitzen müssen. Nach der Haftentlassung sei er zurück zu seinen 
Eltern  nach  Q._______  gegangen.  In  der  Folge  habe  sich  dieser 
Restaurantkunde in seiner Abwesenheit mehrfach bei seinem Vater nach 
ihm erkundigt und den Vater beschimpft. Dies habe ihn dazu veranlasst, 
sein  Elternhaus  zu  verlassen.  Er  sei  zuerst  für  einen  Monat  nach 
R._______  und  dann  nach  S._______  gegangen,  wo  er  eine  Arbeit  an 
einer Tankstelle angenommen habe. Von seinem Vater sei er wiederholt 
darüber informiert worden, dass dieser Kunde ihn noch immer suche. Aus 
Angst  um seine Sicherheit  habe er  sich  schliesslich dazu entschlossen, 
sich  ins Ausland abzusetzen. Am 27. Oktober  2010 habe er S._______ 
verlassen  und  sei  in  Begleitung  eines  Schleppers  via  R._______  unter 
Vorweisung  seines  syrischen  Reisepasses  legal  in  die  Türkei  gelangt. 
Von  dort  aus  sei  er  weiter  nach  Griechenland  gereist,  wo  er  von  den 
griechischen  Behörden  registriert  und  daktyloskopiert  worden  sei.  Nach 
einem dreimonatigen Aufenthalt in Athen habe er sich auf die Reise in die 
Schweiz aufgemacht.

D­2359/2011

Seite 3

A.b Der Beschwerdeführer gab keinerlei  Identitätspapiere zu den Akten. 
Er  reichte  nachträglich  eine  Faxkopie  seiner  gemäss  seinen  Aussagen 
bei seinen Eltern befindlichen syrischen Identitätskarte ein.

B. 
Mit Verfügung vom 21. März 2011 – eröffnet am 28. März 2011 – stellte 
das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  ordnete  es  die 
Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zur Begründung hielt 
die Vorinstanz im Wesentlichen fest, der Bericht des Beschwerdeführers 
sei,  so müsse  festgestellt  werden,  geprägt  von  sowohl  unplausiblen  als 
auch  widersprüchlichen  Angaben,  die  insgesamt  eine  unglaubhafte 
Geschichte  ergäben.  So  habe  sich  der  Beschwerdeführer  bereits 
bezüglich der Zeitangaben zu den von  ihm geschilderten Ereignissen  in 
eklatante  Widersprüche  verstrickt.  Des  Weiteren  seien  auch  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Umständen seiner Festnahme 
als  unplausibel  zu  beurteilen.  Während  der  Zweitanhörung  habe  der 
Beschwerdeführer zu Protokoll gegeben, der Restaurantbesitzer und der 
Buchhalter seien noch am selben Abend von der Polizei  festgenommen 
worden, derweil ihm selber die Flucht gelungen sei. Am nächsten Tag sei 
er  wie  gewohnt  wieder  zur  Arbeit  gegangen,  und  auch  der 
Restaurantbesitzer und der Buchhalter seien wieder vor Ort gewesen. Am 
späten  Abend  seien  die  Behörden  sodann  erneut  ins  Restaurant 
gekommen  und  hätten  ihn  festgenommen.  Die  Erklärung  des 
Beschwerdeführers, aufgrund seiner Unschuld nichts befürchtet zu haben 
und  deswegen  wie  gewohnt  zur  Arbeit  gegangen  zu  sein,  stehe  in 
krassem Gegensatz zu seiner Angabe, am Vorabend die Flucht ergriffen 
zu  haben.  Sodann  sei  es  dem  Beschwerdeführer  weder  möglich 
anzugeben,  von welcher Behörde genau er  festgenommen worden sein 
wolle, noch sei er in der Lage, den Namen des Gerichts zu nennen, das 
ihn  verurteilt  habe.  Auch  den  Namen  seines  angeblichen  Verfolgers 
könne er nicht nennen. Seine Erklärungen hierzu, er könne weder  lesen 
noch  schreiben,  zudem  erhalte  man  in  Syrien  keinerlei 
Gerichtsunterlagen,  vermöchten  in  keiner  Weise  zu  überzeugen. 
Schliesslich  entbehrten  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers, 
wonach  dieser  Sicherheitsbeamte  ihn  nach  seiner  Haftentlassung 
weiterhin gesucht, verfolgt und sich wiederholt bei seinem Vater nach ihm 
erkundigt  haben  solle,  jeglicher  vernünftigen  Grundlage,  da  es  diesem 
Sicherheitsbeamten  kraft  seiner  Funktion  ein  Leichtes  gewesen  wäre, 
den  Beschwerdeführer  erneut  offiziell  verhaften  zu  lassen.  Nach  dem 
Gesagten  hielten  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den 

D­2359/2011

Seite 4

Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  stand, 
weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden müsse.  Im  Übrigen  sei 
der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich.

C. 
Mit  Beschwerde  vom  21.  April  2011  liess  der  Beschwerdeführer  die 
nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen:  Dem 
Beschwerdeführer sei Einsicht in die Akten A7/1 und A10/1 zu gewähren. 
Eventualiter sei  ihm das rechtliche Gehör zu diesen Akten zu gewähren. 
Im  Anschluss  an  die  Gewährung  der  Akteneinsicht  sei  dem 
Beschwerdeführer  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer 
Beschwerdeergänzung  anzusetzen.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  21. 
März 2011 sei aufzuheben und die Sache an das BFM zur vollständigen 
und  richtigen  Abklärung  und  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei 
die  Verfügung  des  BFM  vom  21.  März  2011  aufzuheben  und  dem 
Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des 
BFM  vom  21. März  2011  aufzuheben,  und  es  seien  die  Unzulässigkeit 
und  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers 
festzustellen.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D. 

D.a  Mit  Zwischenverfügung  vom  29.  April  2011  teilte  der 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  dem 
Beschwerdeführer  den  Inhalt  der  Akten  A7/1  und  A10/1  mit,  wies  das 
Gesuch um Ansetzung einer angemessenen Frist  zur Einreichung einer 
Beschwerdeergänzung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, innert 
30 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung ein aktuelles ärztliches Gutachten 
sowie  eine  Erklärung  über  die  Entbindung  von  der  ärztlichen 
Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden einzureichen.

D.b Mit Eingabe vom 6. Juni 2011  liess der Beschwerdeführer  folgende 
Dokumente  (Beschwerdebeilagen  3  –  10)  einreichen:  ein  Arztzeugnis 
vom  23.  Mai  2011,  zwei  Entbindungserklärungen,  zwei  Briefe  vom 
26. und  31.  Mai  2011,  acht  Fotos,  die  Fotokopie  eines  vom 
Beschwerdeführer  verteilten  Flugblatts,  Ausdrucke  von  Filmen  auf 
www.youtube.com,  welche  anlässlich  der  Demonstration  vom  29.  April 
2011 vor der (…) in U._______ aufgenommen worden seien.

http://www.youtube.com

D­2359/2011

Seite 5

D.c In der Folge liess der Beschwerdeführer am 7. Juni 2011 ein Gesuch 
um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung eines weiteren 
Arztberichts stellen.

D.d  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Juni  2011  wies  der 
Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts dieses Gesuch ab und 
überwies die Akten an die Vorinstanz zur Vernehmlassung.

D.e  In  einer  weiteren  Eingabe  vom  5.  Juli  2011  liess  der 
Beschwerdeführer die Fax­Kopie eines Arztberichts  (Beschwerdebeilage 
11), mit  Eingabe  vom  12.  Juli  2011  die  Kopie  der  Beitrittserklärung  zur 
"Yekiti Schweiz" einreichen (Beschwerdebeilage 12).

E. 

E.a Mit Vernehmlassung vom 20. Juli 2011 hob das BFM die Ziffern 3, 4 
und  5  der  Verfügung  vom  21.  März  2011  auf  und  hielt  fest,  die 
Wegweisung  werde  zurzeit  wegen  Unzumutbarkeit  nicht  vollzogen  und 
der  Vollzug  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen 
Aufnahme  aufgeschoben.  Zur  Begründung  machte  die  Vorinstanz  im 
Wesentlichen  geltend,  in  Anbetracht  der  aktuellen  Situation  in  Syrien 
werde  vom  Vollzug  der  Wegweisung  abgesehen,  weil  ein  solcher  im 
heutigen Zeitpunkt nicht zumutbar sei.

E.b  In  seiner  Replik  vom  11.  August  2011  liess  der  Beschwerdeführer 
mitteilen,  er  halte  an  seinen  Anträgen  fest,  soweit  diese  nicht 
gegenstandslos  geworden  seien.  Ausserdem  reichte  er  ein  Foto  von 
Demonstrationsteilnehmern  sowie  zwei  Ausdrucke  betreffend  Filme  auf 
www.youtube.com  zur  Demonstration  vom  (…)  in  U._______ 
(Beschwerdebeilagen 13 – 15) zu den Akten.

E.c  Schliesslich  liess  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  6. 
September  2011  weitere  Unterlagen  betreffend  seine  Teilnahme  an 
Demonstrationen gegen das syrische Regime einreichen  (Beilagen 16 – 
18).

http://www.youtube.com

D­2359/2011

Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 

D­2359/2011

Seite 7

wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1.  In  der  Beschwerdeschrift  macht  der  Beschwerdeführer  im 
Wesentlichen geltend, das BFM habe dem Beschwerdeführer die Einsicht 
in  die  Akten  A7/1  und  A10/1  zu  Unrecht  verweigert.  Zudem  habe  die 
Vorinstanz  insofern  den  Sachverhalt  unvollständig  erfasst,  als  sie 
wesentliche  Sachverhaltselemente  mit  keinem  Wort  erwähnt  habe.  So 
habe die Vorinstanz nicht erwähnt, dass der Beschwerdeführer vier oder 
fünf  Jahre  vor  der  ergänzenden  Anhörung  bereits  in  T._______  im 
Gefängnis  gewesen  sei.  Dabei  handle  es  sich  um  ein  wesentliches 
Sachverhaltselement, weil es zum einen das Verhalten der Behörden als 
nachvollziehbar erscheinen lasse und zum anderen die Anforderungen an 
die  begründete  Furcht  vor  asylrelevanter  Verfolgung  herabsetze. 
Desgleichen  habe  die  Vorinstanz  nicht  erwähnt,  dass  der 
Beschwerdeführer  während  der  fünfmonatigen  Haft  geschlagen  worden 
sei.  Dementsprechend  liege  eine  schwere  Verletzung  der 
Begründungspflicht  und  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  vor. 
Ausserdem  habe  die  Vorinstanz  entgegen  sonstigen  Gepflogenheiten 
und  trotz  geltend  gemachtem  Gerichtsverfahren  keine 
Botschaftsabklärung  vorgenommen,  weshalb  sie  den  Sachverhalt  nicht 
richtig abgeklärt habe. Des Weiteren habe es das BFM unterlassen, eine 
medizinische  Abklärung  zu  veranlassen,  welche  die  Probleme  des 
Beschwerdeführers  bei  der  Datierung  von  Geschehnissen  abkläre. 
Dementsprechend  müsse  die  Verfügung  schon  wegen  mangelhafter 
Abklärung aufgehoben werden. Im Übrigen sei es absurd, wenn das BFM 

D­2359/2011

Seite 8

dem  Beschwerdeführer  vorwerfe,  mit  "letztem  Sommer"  den  Sommer 
2010 gemeint zu haben. Eine Person, welche fünf Monate im Gefängnis 
verbringe,  danach  mehrere  Monate  lang  im  Land  verbleibe  und 
schliesslich  eine  mehrmonatige  Reise  nach  Europa  mache,  könne  mit 
"letzten Sommer  "  bei  einer Befragung  im Februar  2011 unmöglich  das 
Jahr  2010  gemeint  haben.  Die  Erwägungen  des  BFM  zur 
Unglaubhaftigkeit wirkten denn auch konstruiert und vermöchten nicht zu 
überzeugen. So sei das Verhalten des Beschwerdeführers  im Nachgang 
zu  den  Ereignissen  im  erwähnten  Restaurant  keineswegs  unplausibel: 
Nach  dem  Vorfall  mit  dem  Kunden  seien  der  Chef  des 
Beschwerdeführers  und  der  Buchhalter  verhaftet  worden.  Der 
Beschwerdeführer  habe  demgegenüber  fliehen  können.  Angesichts  der 
Verhaftung  der  beiden  andern  Personen  habe  er  verständlicherweise 
befürchtet,  ebenfalls  verhaftet  zu  werden.  Ebenso  nachvollziehbar  sei 
sein  Erscheinen  an  nächsten  Tag  im  Restaurant.  Er  sei  nämlich  zum 
Schluss gekommen,  ihm könne nichts  vorgeworfen werden, weil  er  den 
Kunden  nicht  geschlagen  habe.  Zudem  seien  sein  Chef  und  der 
Buchhalter  freigelassen  worden.  Dementsprechend  habe  er  nicht  damit 
rechnen müssen, nochmals verhaftet zu werden. Des Weiteren habe der 
Beschwerdeführer  ausdrücklich  mitgeteilt,  der  erwähnte  Kunde  arbeite 
mit  dem  Geheimdienst  zusammen,  weshalb  die  Behörden  die  Identität 
dieser  Person  logischerweise  geheim  gehalten  hätten.  Überdies  könne 
die  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  mit 
der angeblichen Unlogik des Verhaltens der Verfolger begründet werden. 
Vielmehr sei  in casu massgebend, dass der Beschwerdeführer während 
Monaten  immer wieder gesucht und bedroht worden sei.  Im Übrigen sei 
der Beschwerdeführer in der Schweiz für die Partei "Yekiti" tätig und habe 
sich an mehreren Demonstrationen beteiligt.

4.2. 

4.2.1. Was  die  Verweigerung  der  Akteneinsicht  anbelangt,  so  kann  an 
dieser Stelle auf die Erwägungen in der Zwischenverfügung vom 29. April 
2011 verwiesen werden. Nach dem dort Gesagten kann bestenfalls von 
einer  geringfügigen  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  die  Rede  sein, 
welche geheilt ist und eine Kassation der angefochtenen Verfügung nicht 
zu  rechtfertigen vermag. Bezüglich der Rüge, die Vorinstanz habe nicht 
erwähnt,  dass  der  Beschwerdeführer  vier  oder  fünf  Jahre  vor  der 
ergänzenden Anhörung bereits in T._______ im Gefängnis gewesen sei, 
stellt  sich  die  Frage,  welche  Bedeutung  diesem  Vorbringen  im  Kontext 
der geltend gemachten Verfolgungssituation zukommt. Offensichtlich liegt 

D­2359/2011

Seite 9

eine vor vier oder fünf Jahren erlittene fünfmonatige Haft zum einen – bei 
Wahrunterstellung  –  zu  lange  zurück,  um  noch  in  einem  kausalen 
Verhältnis zur Ausreise des Beschwerdeführers am 27. Oktober 2010 zu 
stehen, und sie stellt zum anderen namentlich deshalb kein wesentliches 
Sachverhaltselement  dar,  weil  die  geltend  gemachte  aktuelle 
Verfolgungssituation  –  wie  nachstehend  auszuführen  sein  wird  –  nicht 
geglaubt  werden  kann.  Dementsprechend  kann  vorliegend  von  einer 
unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts,  einer 
Verletzung  der  Begründungspflicht  und  des  rechtlichen  Gehörs  keine 
Rede sein.

4.2.2.  Entgegen  den  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift  lassen  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers nicht auf ein medizinisches Problem 
im  Zusammenhang  mit  der  Nennung  von  Daten  schliessen.  Vielmehr 
drängt  sich  der  Eindruck  auf,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  seinen 
Schilderungen  nicht  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten 
zurückgreifen  können,  sondern  die  geltend  gemachte 
Verfolgungssituation  vollumfänglich  erfunden.  Charakteristisches  Indiz 
hiefür sind die Schwierigkeiten des Beschwerdeführers bei der zeitlichen 
Einordnung  angeblicher  Erlebnisse.  Sie  äussern  sich  im  Ergebnis  in 
chronologischen  Unstimmigkeiten,  etwa  wenn  der  Beschwerdeführer 
beinahe in einem Atemzug erwähnt, der Vorfall  im Restaurant habe sich 
am 15. Oktober  2010 ereignet,  und er  habe deswegen  vom 15.  Januar 
2010  bis  März  2010  eine  (fünfmonatige)  Haftstrafe  abgesessen  (A8/11 
F16 S. 3, F19 und F20 S. 4). Konstruiert oder absurd sind somit nicht die 
diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz, sondern die Schilderungen 
des Beschwerdeführers zur angeblichen Verfolgungssituation, dies umso 
mehr,  als  es  sich  bei  der  entsprechenden  Fehlleistung  keineswegs  um 
das  einzige  Indiz  handelt,  welches  auf  die  Unglaubhaftigkeit  der 
Vorbringen  schliessen  lässt.  Die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers 
zeichnen  sich  nämlich  zusätzlich  insbesondere  dadurch  aus,  dass  sie 
wirklichkeitsfremd  erscheinen.  Angefangen  vom  angeblichen  Streit  mit 
dem Geheimdienstmitarbeiter,  der  mit  einer  Frau  getafelt  und  aufgrund 
der  Präsenz  eines  kurdischen  Kellners  eine  grössere  tätliche 
Auseinandersetzung  in  Kauf  genommen  habe,  bis  zur  Weigerung  des 
Beschwerdeführers,  seine  Tatsachenbehauptungen  vor  dem  syrischen 
Richter zu beschwören,  finden sich zahlreiche weitere Hinweise auf den 
fehlenden  Realitätsbezug  seiner  Vorbringen.  Insbesondere  ist  nicht 
anzunehmen,  der  Geheimdienstarbeiter  habe  den  Beschwerdeführer 
gefragt, weshalb er – für die Bewirtung – Geld von ihm verlangt habe; er 
sei  doch  Kurde  aus  R._______  (A8/11  F16  S.  3).  Angesichts  des 

D­2359/2011

Seite 10

Gesagten  versteht  es  sich  von  selbst,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  zur  angeblichen  Verfolgungssituation  keinen  Bezug 
zur Realität haben, weshalb die Vorinstanz zu Recht davon absah, eine 
Botschaftsabklärung  oder  eine  medizinische  Abklärung  des 
Beschwerdeführers  in  Auftrag  zu  geben,  weil  derartige 
Beweiserhebungen  vorliegend  nicht  zu  einer  veränderten 
Betrachtungsweise  hätten  führen  können  und  folglich  auch  nicht  auf 
Beschwerdeebene  vorzunehmen  sind.  Zur  Vermeidung  von 
Wiederholungen kann im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen in der 
angefochtenen Verfügung verwiesen werden.

4.2.3. Bei  dieser Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf weitere Vorbringen  und 
Beweismittel  des  Beschwerdeführers  weiter  einzugehen  oder  die 
angefochtene  Verfügung  zu  kassieren  und  zu  neuem  Entscheid 
zurückzuweisen.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  für  den  Zeitpunkt  seiner  Ausreise 
aus Syrien eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder 
glaubhaft zu machen.

4.3.  In  den  Beschwerdeergänzungen  machte  der  Beschwerdeführer 
sinngemäss  geltend,  er  habe  sich  in  der  Schweiz  exilpolitisch  betätigt, 
weshalb er sich zusätzlich auf subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von 
Art. 54  AsylG  berufe.  Zum  Beweis  seiner  exilpolitischen  Tätigkeiten 
reichte er verschiedene Beweismittel zu den Akten (vgl. Bstn. D. und E. 
vorstehend).

4.3.1.  Flüchtlingen  wird  kein  Asyl  gewährt,  wenn  sie  erst  durch  ihre 
Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres 
Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge  im Sinne von Artikel 3 wurden 
(Art.  54  AsylG).

Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus 
dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  ­  insbesondere  durch  politische 
Exilaktivitäten  ­  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist, 
sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) 
beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn 
der  Heimat­  oder  Herkunftsstaat mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von 
den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer 
Rückkehr  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter Weise  verfolgt  würde  (BVGE 
2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 

D­2359/2011

Seite 11

2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien 
zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993).

4.3.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe am 29. März 2011 
ein Beitrittsgesuch  für die Partei  "Yekiti" gestellt und sich  insofern  in der 
Schweiz  exilpolitisch  betätigt,  als  er  an  Demonstrationen  teilgenommen 
und Flugblätter verteilt habe.

4.3.3.  Die  syrischen  Sicherheits­  und  Geheimdienste  verfügen  über 
umfassende  Sondervollmachten  und  unterstehen  keinen  gesetzlichen 
oder  administrativen  Kontrollen.  Der  syrische Geheimdienst  ist  auch  im 
Ausland aktiv, wo eine  seiner Aufgaben  im Wesentlichen darin  besteht, 
syrische  Oppositionelle  und  deren  Kontaktpersonen  auszuforschen  und 
zu überwachen sowie Exilorganisationen syrischer Kurden zu  infiltrieren. 
Bei  realistischer  Betrachtung  ist  davon  auszugehen,  dass  eine  solche 
Spitzeltätigkeit sich auf die Erfassung von Personen konzentriert, welche 
im Ausland  Funktionen wahrnehmen  und Aktivitäten  entwickeln,  die  sie 
als  ernsthafte  und  potentiell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen 
lassen.  Dass  die  syrischen  Sicherheitsbehörden  ihrerseits  bei  der 
Auswertung  zugetragener  Informationen  zwischen  tatsächlich  politisch 
engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit  ihren Aktionen  in 
erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht im Ausland zu erhöhen 
versuchen,  zu  unterscheiden  vermögen,  darf  auch  unter  den  aktuellen 
syrischen Verhältnissen vorausgesetzt werden.

4.3.4. Gemäss den Akten hat der Beschwerdeführer seit seiner Einreise 
in die Schweiz an regimekritischen Kundgebungen teilgenommen, wo er 
Flugblätter  verteilt  haben will.  Als  Beweis  dafür  reichte  er  verschiedene 
Ausdrucke  von  im  Internet  veröffentlichten  Fotos  beziehungsweise 
Originalfotos  ein,  die  ihn  als  Teilnehmer  an  diversen  Kundgebungen 
zeigen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass 
der  Beschwerdeführer  anhand  dieser  Fotografien  von  den  syrischen 
Geheimdiensten wahrgenommen und erkannt worden  ist, nur gering  ist. 
Dies  insbesondere  auch  deshalb,  weil  in  der  Schweiz  unzählige 
exilpolitische  Anlässe  durchgeführt  werden,  sodass  es  den  syrischen 
Behörden  unmöglich  sein  dürfte,  alle  diese  Anlässe  genau  zu 
überwachen.  Inwiefern  er  aus  der  Masse  der  exilpolitischen  aktiven 
Kurdinnen  und  Kurden  hervorgetreten  sein  und  dadurch wahrscheinlich 
eine Registrierung durch die syrischen Behörden bewirkt haben sollte, ist 
nicht einzusehen. Durch die blosse Teilnahme an Kundgebungen und mit 
dem  Verteilen  von  Flugblättern,  die  sich  teilweise  an  Russland  richten, 

D­2359/2011

Seite 12

hebt er sich nicht von der breiten Masse der exilpolitisch  tätigen Kurden 
ab.

Insgesamt  lassen  die  eingereichten  Beweismittel  nicht  auf  ein 
wesentliches  exilpolitisches  Engagement  des  Beschwerdeführers 
schliessen, aufgrund dessen dieser damit  rechnen müsste, dass er dem 
syrischen  Geheimdienst  als  ernsthafter  Regimegegner  aufgefallen  und 
entsprechend  registriert  worden  wäre.  Dieser  Einschätzung  liegt  die 
Erkenntnis zugrunde, dass nicht primär das Hervortreten  im Sinne einer 
optischen Erkennbarkeit, sondern die Fähigkeit zu einem Verhalten in der 
Öffentlichkeit  massgebend  ist,  welches  aufgrund  der  Persönlichkeit  des 
Asylsuchenden,  der  äusseren  Form  seines  Auftretens  und  nicht  zuletzt 
aufgrund  des  Inhaltes  der  abgegebenen  Erklärungen  den  Eindruck 
erweckt,  er  stelle  eine  Gefahr  für  das  von  der  Baath­Partei  und  dem 
Präsidenten Baschar al­Assad dominierte politische System in Damaskus 
dar.  Ein  dermassen  erhöhter  Exponierungsgrad  kann  dem 
Beschwerdeführer klarerweise nicht bescheinigt werden. Den Akten sind 
denn  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür  zu  entnehmen,  dass  in  Syrien 
gegen  ihn  aufgrund  der  geltend  gemachten Mitgliedschaft  in  der  Partei 
"Yekiti"  sowie  der  vorgebrachten  exilpolitischen  Aktivitäten  behördliche 
Massnahmen  eingeleitet  worden  wären.  Daher  ist  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei 
der  Rückkehr  nach  Syrien  nicht  mit  einer  ernsthaften  Benachteiligung 
seitens  der  dortigen  Behörden  zu  rechnen  hat.  Daran  ändert  auch  die 
Tatsache  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  um  Asyl 
nachgesucht  hat,  da  keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  die 
Einreichung eines Asylgesuchs  für  sich alleine bei einer Rückkehr nach 
Syrien regelmässig zu behördlicher Verfolgung führt.

Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  die  geltend  gemachten 
subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich 
relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen.  Es  ist  daher  festzustellen, 
dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  auch  unter  dem 
Aspekt der subjektiven Nachfluchtgründe nicht erfüllt.

5. 

5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­2359/2011

Seite 13

5.2. Wie  sich  auch  den  Erwägungen  der  Verfügung  vom  20.  Juli  2011 
entnehmen  lässt,  verfügt  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung einer solchen. Bei dieser Sachlage ist von Gesetzes wegen die 
Wegweisung anzuordnen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 
S. 733). Die Vorinstanz verfügte demgegenüber  in  ihrer Verfügung vom 
20. Juli  2011  auch  die  Aufhebung  von  Ziffer  3  des  Dispositivs  der 
Verfügung  vom  21.  März  2011,  weshalb  sie  anzuweisen  ist,  in  der 
Dispositivziffer  1  ihrer  Verfügung  vom  20. Juli  2011  die  Ziffer  3  der 
Verfügung vom 21. März 2011 nicht aufzuheben.

6. 
Mit Verfügung vom 20. Juli 2011 hob das BFM auch die Ziffern 4 und 5 
des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  21.  März  2011  auf  und  schob  den 
Vollzug  der  Wegweisung  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  auf. 
Dementsprechend  ist  der  Eventualantrag  auf  Feststellung  der 
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs gegenstandslos geworden (vgl. 
FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 326).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
– soweit  sie  zu  beurteilen  war  –  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und 
angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem 
Gesagten abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist.

8. 
Der Beschwerdeführer  ist  im  vorliegenden Verfahren  unterlegen,  soweit 
es um die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft,  die Gewährung des 
Asyls  und  die  Wegweisung  als  solche  geht,  weshalb  er  insoweit 
kostenpflichtig  wird  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Das 
Bundesverwaltungsgericht veranschlagt im Asylbeschwerdeverfahren bei 
Konstellationen wie in casu das partielle Unterliegen mit der Hälfte. Dem 
Beschwerdeführer  sind  somit  die  hälftigen  Kosten  von  Fr. 300.­ 
aufzuerlegen.

Dem Beschwerdeführer ist – als teilweise obsiegende Partei – für die ihm 
im  Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten  eine 
praxisgemäss  um  die  Hälfte  zu  reduzierende  Parteientschädigung 
zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG 

D­2359/2011

Seite 14

i.V.m.  Art. 5  und  15  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 
SR 173.320.2).  Mit  Eingabe  vom  11.  August  2011  liess  der 
Beschwerdeführer  eine Kostennote  einreichen,  die  den Arbeitsaufwand, 
die Auslagen und den in Rechnung gestellten Tarif ausweist, wobei der in 
Rechnung  gestellte  Aufwand  zum  einen  leicht  überhöht  erscheint  und 
zum  anderen  nicht  den  gesamten  Aufwand  bis  zum  Abschluss  des 
Verfahrens  umfasst.  In  Anwendung  von  Art.  8,  9  und  11  VGKE  ist  die 
Entschädigung  deshalb  pauschal  auf  Fr.  1'880.­  (inkl.  Auslagen  und 
MWSt)  festzusetzen  und  ausgehend  von  einem  hälftigen  Obsiegen  auf 
Fr.  940.­  zu  reduzieren.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  diesen  Betrag  dem 
Beschwerdeführer als Parteientschädigung auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

D­2359/2011

Seite 15

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos 
geworden ist.

2. 
Das BFM wird angewiesen, in der Dispositivziffer 1 seiner Verfügung vom 
20. Juli  2011  die  Ziffer  3  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  21. März 
2011 nicht aufzuheben.

3. 
Dem Beschwerdeführer werden die hälftigen Verfahrenskosten im Betrag 
von Fr. 300.­ auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des 
Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dem Beschwerdeführer wird  zu  Lasten  des BFM eine  hälftig  reduzierte 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 940.­ (inkl. MWSt und Auslagen) 
ausgerichtet.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

Versand: