# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df873671-47f6-52ed-b03a-96e15b54bf17
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.10.2011 E-7233/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7233-2009_2011-10-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­7233/2009

U r t e i l   v om   3 1 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,
Richterin Regula Schenker Senn,   
Gerichtsschreiberin Carmen Wittwer.

Parteien A._______, geboren (…),
Eritrea,
vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  eigenen  Angaben  zufolge  der  Sohn  einer 
äthiopischen  Mutter  und  eines  eritreischen  Vaters,  verliess  gemäss 
seinen Ausführungen Eritrea (B._______, Zoba C._______) im Jahre (…) 
und hielt sich danach mit seiner Mutter bis (…) in Äthiopien (D._______, 
E._______)  auf.  Nach  Festnahmen  und  Inhaftierungen  sei  er  im  Jahre 
(…) nach F._______ und anschliessend nach G._______ gegangen, wo 
er sich (…) Monate aufgehalten habe. Am 27. Juli 2007 gelangte er in die 
Schweiz;  er  suchte  am  28.  Juli  2007  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) H._______ um Asyl nach.

Anlässlich  der  summarischen Befragung  vom  23.  August  2007  und  der 
einlässlichen Anhörung vom 22. Oktober 2007 durch das BFM machte er 
Folgendes geltend: 

Er sei wegen Problemen mit den eritreischen und äthiopischen Behörden 
weggegangen. Als er sich im Jahre (…) – die beiden Länder hätten sich 
damals  im  Krieg  befunden  –  nach  Eritrea  habe  begeben wollen,  sei  er 
festgenommen  und  in  ein  Gefängnis  in  I._______  (Äthiopien)  gebracht 
worden, wo er zirka (…) Jahre und (…) Monate inhaftiert gewesen sei. Es 
sei  dort  schlimm  gewesen,  die  Soldaten  hätten  die  Gefangenen 
misshandelt  und  schikaniert.  Im  (…)  sei  er  aus  der  Haft  entlassen 
worden. Als er erneut versucht habe, nach Eritrea zu gehen, sei er wieder 
festgenommen  und  (…)  Monate  inhaftiert  worden.  Man  habe  ihn  aufs 
Schlimmste  verprügelt. Weitere  (…) Monate später  seien Mitglieder des 
Roten Kreuzes gekommen und hätten ihn befragt. Er habe ihnen erklärt, 
er wolle nur nach Eritrea zurück. Als er freigekommen sei, habe man ihm 
gesagt,  er  werde  in  sein  Heimatland  geschickt,  aber  er  habe  nicht 
gewartet, sondern er sei in den J._______ gegangen, weil Bekannte ihm 
geraten hätten, nicht nach Eritrea zu gehen, da die Situation dort schlecht 
sei.

Nach Eritrea habe er gehen wollen, weil Äthiopien nicht sein Land sei, in 
seiner Kultur gehe es nach dem Vater und nicht nach der Mutter.  In der 
Schule  sei  er  beschimpft  worden  und  man  habe  sich  über  ihn  lustig 
gemacht,  weshalb  er  begonnen  habe,  die  Leute  dort  zu  hassen.  In 
G._______  habe  er  sich  deshalb  als  Äthiopier  ausgegeben,  weil  er 
gehofft habe, seine Herkunft würde nicht bekannt, wenn er einen anderen 
Namen angebe. 

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Er  sei  weder  in  K._______  noch  in  F._______  geblieben,  weil  es  dort 
keine Schulbildung gebe, man könne nicht in Ruhe leben, und die Leute 
würden Christen, wie er einer sei, nicht mögen. 

In G._______ habe er ein Asylgesuch gestellt, welches abgelehnt worden 
sei; den Grund für den ablehnenden Entscheid kenne er nicht. 

Er  habe weder mit  seiner  Familie  noch mit  seinen Verwandten Kontakt 
und  wolle  nicht  nach  Äthiopien  zurück,  weil  "er  aus  dem  Gefängnis 
gegangen" und  illegal ausgereist sei. Eritrea sei auch keine Option, weil 
es dort keinen Frieden und keine Arbeit sowie keine Bildung gebe und er 
beim jetzigen Regime in diesem Land fremdbestimmt wäre.

Der Beschwerdeführer reichte keinerlei Beweismittel zu den Akten.

B. 
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2009 – eröffnet am 22. Oktober 2009 – 
stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Das 
Bundesamt verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den 
Wegweisungsvollzug  an.  Auf  Einzelheiten  der  Begründung  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

C. 
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  19.  November  2009  beantragte  der 
Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter in materieller Hinsicht die 
vollumfängliche  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl 
sowie eventualiter unter Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit 
und  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  Gewährung  der 
vorläufigen  Aufnahme.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die 
Gewährung  der  un­entgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  Einzelheiten  der  Begründung 
wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 26. November 2009 
wurde festgestellt, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Rechts­
mittelverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Das Gesuch  um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wurde  abgewiesen  und  es  wurde  ein 
Kostenvorschuss einverlangt, welcher fristgerecht beim Gericht einging. 

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E. 
Am  17.  Dezember  2009  vom  Gericht  zur  Vernehmlassung  eingeladen, 
führte das BFM in seiner Stellungnahme vom 4. Januar 2010 aus, die Be­
schwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, 
weshalb  an  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung 
festgehalten und die Abweisung der Beschwerde beantragt werde.

Diese Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 12. Januar 2010 
zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­
schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 AsylG sowie Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 
Art. 52 VwVG). Somit ist auf die Beschwerde einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  Entscheides  im 
Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien 
tatsachenwidrig und unsubstanziiert sowie unglaubhaft. 

So  habe  er  auf  die  Aufforderung  hin,  seine  genaue  Wohnadresse  in 
Äthiopien  anzugeben,  vorgebracht,  dort  gebe  es  keine  Strassennamen 
und keine Hausnummern, was  tatsachenwidrig sei. Es sei  zu vermuten, 
dass  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  ungenauen  und  unwahren 
Angaben  verhindern  wolle,  dass  Abklärungen  zu  seiner 
Staatsangehörigkeit  gemacht  werden  könnten.  Aufgrund  dieses 
Verhaltens  müsse  von  dessen  äthiopischer  Staatsangehörigkeit 
ausgegangen  werden.  Die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  keine 
Ausweispapiere eingereicht habe, erhärte diese Annahme. In dieses Bild 

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passe auch, dass er sich den (…) Behörden gegenüber als äthiopischer 
Staatsbürger  ausgegeben  habe.  Sein  Vorbringen,  dies  einzig  deshalb 
gesagt zu haben, weil er nicht in G._______ habe bleiben wollen und mit 
diesen  Angaben  in  anderen  euro­päischen  Ländern  nicht  identifiziert 
werden könne, vermöge die angebliche eritreische Staatsbürgerschaft  in 
keiner Weise zu belegen.

Der  Beschwerdeführer  habe  bei  den  Befragungen  widersprüchliche 
Angaben zur Asyleinreichung in einem anderen Land gemacht. Zunächst 
habe er verneint, anderswo ein Asylgesuch eingereicht zu haben, später 
hingegen habe er erklärt,  in G._______ um Asyl nachgesucht zu haben. 
Auch  in  zeitlicher Hinsicht  habe  er widersprüchliche  Angaben  gemacht. 
So habe er vorgebracht,  im  (…) zum zweiten Mal von den äthiopischen 
Behörden  festgenommen und bis  (…)  inhaftiert worden zu sein, danach 
sei er in den J._______ gegangen. In Abweichung davon habe er jedoch 
bei anderer Gelegenheit behauptet, Äthiopien im (…) verlassen zu haben, 
und  auf  den  Widerspruch  aufmerksam  gemacht,  habe  er  die  erste 
Aussage  in  Abrede  gestellt.  In  weitere  Widersprüche  habe  er  sich 
bezüglich  des  Aufenthaltes  im  J._______  und  in  K._______  verwickelt. 
Aufgrund  dieser  Widersprüche  könne  ihm  der  geltend  gemachte 
Ausreiseweg nicht geglaubt werden. 

Unglaubhaft sei schliesslich das Vorbringen des Beschwerdeführers, die 
äthiopischen Behörden hätten  ihm nach seiner Entlassung aus der Haft 
im (…) die Auflage gemacht, die Stadt I._______ nicht zu verlassen, wo 
er es mit sich nicht habe vereinbaren können, zu leben, weshalb er einen 
zweiten  Fluchtversuch  nach  Eritrea  unternommen  habe.  Auf  Nachfrage 
hin  habe  er  erklärt,  Äthiopien  sei  nicht  sein  Land,  und  er  kenne 
niemanden  in  I._______.  Diese  Erklärung  überzeuge  nicht,  da  der 
Beschwerdeführer angegeben habe, bei seiner Mutter in Äthiopien gelebt 
und dort die Schule besucht zu haben, nur während der Schulferien habe 
er sich in Eritrea aufgehalten.

Dem  Beschwerdeführer  könne  die  behauptete  eritreische 
Staatsangehörigkeit  nicht  geglaubt werden. Die  Vorbringen würden  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht 
standhalten,  so  dass     ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden müsse. 
Demzufolge  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  das  Asylgesuch  sei  abzulehnen  und  es  sei  die  Wegweisung 
anzuordnen sowie zu vollziehen.  

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4.2. Der Beschwerdeführer hält in seiner Rechtmitteleingabe dem Vorwurf 
des BFM, die Vorbringen würden sich auf einen konstruierten Sachverhalt 
beziehen, entgegen, er habe stets erwähnt, dass es sich beim  (Heimat­ 
bzw. Geburts­)Ort um einen sehr kleinen,  ländlichen handle, und dieses 
Dorf stelle bezüglich Kebelenummer und Hausnummer offensichtlich eine 
Ausnahme  dar.  Auch  der  Feststellung  der  Vorinstanz,  der 
Beschwerdeführer  habe  sich  in  G._______  als  Äthiopier  ausgegeben, 
was bestätige,  dass er  kein Eritreer  sei,  sei  zu widersprechen. Er  habe 
den  schweizerischen  Behörden  gegenüber  stets  seine  wahre  Identität 
offengelegt.  Nach  seiner  Ankunft  in  G._______  habe  er  Informationen 
erhalten,  wonach  dort  gewisse  Asylgesuche  nur  ungenügend  abgeklärt 
und Asylsuchende  zurückgeschickt  würden. Um  eine Rückschaffung  zu 
verhindern,  habe  er  deshalb  den  (…)  Behörden  gegenüber  falsche 
Angaben  gemacht.  Keinesfalls  könne  daraus  geschlossen  werden,  der 
Beschwerdeführer  sei  ein  Äthiopier  ohne  eritreische  Abstammung.  Er 
habe  auch  zahlreiche  Einzelheiten  geschildert,  indessen  nicht  die 
Gelegenheit  erhalten,  seine  jährlichen  Aufenthalte  in  Eritrea  und  seine 
Familien­ sowie Verwandtschaftsverhältnisse zu schildern. 

Zum Vorwurf, er habe sich bezüglich einzelner Daten widersprochen, sei 
anzumerken, dass dies nur  in zeitlicher Hinsicht zutreffe,  inhaltlich seien 
keine  Widersprüche  auszumachen;  allerdings  sei  einzugestehen,  dass 
ihm  der  Umgang  mit  Daten  Schwierigkeiten  bereite.  Insgesamt  könne 
nicht  von  zahlreichen  Widersprüchen  gesprochen  werden.  Schliesslich 
werde  vom  Bundesamt  vorgebracht,  das  Verhalten  des 
Beschwerdeführers  widerspreche  der  allgemeinen  Handlungslogik. 
Indessen würden sich die meisten Einwände des BFM auf den Fluchtweg 
und  die Aufenthalte  beziehen.  Es  sei  dem Beschwerdeführer  gelungen, 
seine  Fluchtgründe  substanziiert  und  plausibel  darzulegen.  Das 
Bundesamt habe es namentlich unterlassen, Näheres über die eritreische 
Familie  oder  die  Ferienaufenthalte  des Beschwerdeführers  in Erfahrung 
zu bringen, was  zum Ergebnis  geführt  hätte,  dass der Vater  tatsächlich 
eritreischer  Staatsangehörigkeit  gewesen  sei  und  gestützt  darauf  der 
Beschwerdeführer  eritreische  Identitätspapiere  beantragen  könnte.  Die 
Vorinstanz prüfe fälschlicherweise eine Wegweisung nach Äthiopien. 

Gesamthaft  betrachtet  sei  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
eritreischer  Abstammung  sei  und  es  die  Vorinstanz  unterlassen  habe, 
diesbezüglich  weitere  Abklärungen  vorzunehmen.  Mit  der  Asylrelevanz 
der  Vorbringen  setze  sich  das  BFM  gar  nicht  auseinander.  Der 
Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr in den Herkunftsstaat mit an 

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Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  zum  Militärdienst  aufgeboten; 
dort würden unmenschliche Bedingungen herrschen. Auch wegen seiner 
Landesabwesenheit  müsse  er  Verhöre  und  Haft  befürchten.  Die 
drohende Verfolgung sei politisch motiviert, der Beschwerdeführer sei an 
Leib und Leben konkret gefährdet. 

Die  Vorinstanz  stelle  fälschlicherweise  die  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers  nicht  fest  und  verletze  somit  Art.  3  AsylG.  Die 
Flüchtlingseigenschaft sei zumindest glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 
7 AsylG, die Folge davon sei die Anerkennung als Flüchtling. Sollte die 
Flüchtlingseigenschaft nicht lediglich gestützt auf Nachfluchtgründe erteilt 
werden, sei ihm Asyl zu gewähren, da keine Ausschlussgründe vorliegen 
würden.

Der  Wegweisungsvollzug  müsse  als  unzulässig  bezeichnet  werden,  es 
bestehe ein "real risk"  im Sinne der Praxis der Strassburger Organe der 
EMRK  (Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten  (SR 0.101). Wegen Unzulässigkeit 
sei der Vollzug der Wegweisung nicht statthaft, und es sei die vorläufige 
Aufnahme  anzuordnen,  soweit  nicht  ohnehin  die  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  zur  Anwendung  des  Non­Refoulement­Verbots 
führe.  Konsequenterweise  sei  dann  festzustellen,  dass  der 
Wegweisungsvollzug auch unzumutbar sei. 

5. 

5.1.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich 
dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel 
sind.  Sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik 
entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung 
widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel 
abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes 
Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert. 
Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis 
– ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse 
Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers. 

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Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden 
sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte 
Sichtweise abzustellen  (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

5.2. Die Vorinstanz  kam  in  der  angefochtenen Verfügung  zum Schluss, 
die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  als  unglaubhaft  zu 
bewerten. Diese Auffassung  ist, wie nachfolgend dargelegt,  im Ergebnis 
zu be­ stätigen.

5.2.1. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer keinerlei 
Beweismittel  zu  den  Akten  gereicht  und  es  offensichtlich  bis  heute 
unterlassen  hat,  sich  um  solche  zu  bemühen.  Dabei  stehen 
Identitätspapiere im Vordergrund, geht es im Kern doch um die Herkunft 
beziehungsweise  die  Identität  des  Beschwerdeführers.  Diesbezüglich 
muss  er  sich  den Vorwurf  gefallen  lassen,  die Mitwirkungspflicht  (Art.  8 
AsylG)  zu  verletzen.  Die  Untersuchungspflicht  nach  Treu  und  Glauben 
hat ihre Grenzen. Der Vorwurf in der Rechtsmitteleingabe, die Vorinstanz 
habe es unterlassen, Näheres über das familiäre und verwandtschaftliche 
Umfeld des Beschwerdeführers in Erfahrung zu bringen (Beschwerde Ziff. 
3  S.  7)  verfängt  nicht.  Es  wäre  umso  mehr  zu  erwarten,  dieser  selber 
bemühe  sich  um  Dokumente  und  Unterlagen,  als  er  in  verschiedenen 
Ländern  unterschiedliche  Angaben  zu  seiner  Person  gemacht  hat  und 
seine  Begründung  dafür,  G._______  befasse  sich  nur  ungenügend  mit 
gewissen Asylgesuchen und Gesuchsteller würden zurückgeschickt, nicht 
überzeugt.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  er  versuche  auch  in  der 
Schweiz  eine  Rückschaffung  zu  verunmöglichen,  wie  er  das  bereits  in 
G._______ gemacht hat (Beschwerde Ziff. 3 S. 5). Mit dieser Feststellung 
verbinden  sich  erste  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  des 
Beschwerdeführers. 

5.2.2  Diese  Zweifel  werden  verstärkt  durch  den  Umstand,  dass  der 
Beschwerdeführer  hinsichtlich  Daten  tatsächlich  einen  wenig 
überzeugenden  Eindruck  hinterlässt,  der  mit  dem  Eingeständnis  in  der 
Rechtsmitteleingabe, der Umgang mit Daten bereite ihm Schwierigkeiten 
(Beschwerde Ziff. 3 S. 5), nicht ausgeräumt wird. So wollte er sich nicht 
erinnern können, wann sein Vater gestorben ist (vgl. [Anhörungsprotokoll] 
A23/19  S. 6: "Es wird ca. (…), (…) Jahre sein …"). Weiter datierte er den 
Zeitpunkt  für  das  Verlassen  von  Äthiopien  anlässlich  der  Anhörung  auf 

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"ca.  (…)"  (vgl.  A23/19  S.  9),  und  auf  den  Vorhalt,  anlässlich  der 
Befragung  in  H._______  (…)  angegeben  zu  haben,  antwortete  er,  das 
müsse  ein  Fehler  sein,  er  habe  gesagt,  dass  er  (…)  in  F._______ 
angekommen sei. Dazu ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer das 
Befragungsprotokoll  Seite  für  Seite  unterzeichnet  und  schliesslich 
unterschriftlich  bestätigt  hat,  dass  dieses  seinen  Aussagen  und  der 
Wahrheit  entspreche  und  in  eine  ihm  verständliche  Sprache 
rückübersetzt  worden  sei  (vgl.  [Befragungsprotokoll]  A1/11  S.  7).  Eine 
auffällige Unsicherheit ist auch bezüglich der Antworten auf Fragen nach 
dem Zeitpunkt der Reise  in den J._______ (vgl. A23/19 S. 13) und dem 
Aufenthaltszeitraum in F._______ (vgl. A23/19 S. 14) auszumachen. 

Insgesamt  ist  festzustellen,  dass  es  überall  dort,  wo  genaue  zeitliche 
Angaben  und  deren  korrekte  Einordnung  in  den  vorgebrachten 
Sachverhalt  auch  bei  einem  spontan  sich  ändernden  Anhörungsverlauf 
gefragt  sind,  seitens  des  Beschwerdeführers  immer  wieder  zu 
Korrekturen,  Behauptungen  und  zur  Entgegnung  gekommen  ist,  falsch 
verstanden worden  zu  sein  oder  etwas  gar  nicht  gesagt  zu  haben.  Die 
diesbezügliche Würdigung durch die Vorinstanz wird vom Gericht geteilt.

5.2.3.  In  der  Beschwerde  wird  einerseits  diese  "Datenschwäche" 
eingestanden, anderseits geltend gemacht,  in Bezug auf die  inhaltlichen 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  seien  keine  Widersprüche 
auszumachen.

In  der  Tat  ist  der  Beschwerdeführer  einerseits  in  der  Lage,  etwa  zum 
Gefängnis  in  I._______  recht  detaillierte  Angaben  zu  machen  (vgl. 
A23/19  S.  8),  gleiches  gilt  für  die  Begegnung mit  Vertretern  des Roten 
Kreuzes  (vgl.  A23/19  S.  8  und  10).  Anderseits  fällt  auch  diesbezüglich 
auf,  dass  dort,  wo  die  schweizerischen  Behörden  zwecks 
rechtsgenüglicher  Behandlung  des  Asylgesuchs  konkrete,  detaillierte 
Angaben benötigen,  solche nicht gemacht werden. Beispielhaft dafür  ist 
die  genaue  Wohnadresse.  Die  in  der  Beschwerde  vorgebrachte 
Erklärung,  das Heimatdorf  stelle  offensichtlich  eine  Ausnahme  dar  (vgl. 
Beschwerde  Ziff.  3  S.  4),  überzeugt  umso  weniger,  als  im  gleichen 
Kontext vom Rechtsvertreter vorgebracht wird, es handle sich beim Dorf 
L._______ um einen sehr kleinen, ländlichen Ort. Da es in Äthiopien eine 
Vielzahl solcher kleiner Dörfer gibt, müsste es sich folglich nicht um eine 
Ausnahme, sondern um die Regel handeln. 

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Vor  allem  aber  fehlt  es  in  Würdigung  der  gesamten  Vorbringen,  die 
ausschliesslich behauptet  beziehungsweise durch nichts belegt  sind,  an 
der  inneren Logik. Der Beschwerdeführer will  in Kauf genommen haben, 
wegen versuchter Ausreise von Äthiopien nach Eritrea, dem Heimatstaat 
seines  Vaters,  in  Haft  genommen  zu  werden.  Zurück  in  dieses  Land 
wollte  er  gemäss  seinen  Angaben,  weil  die  Situation  in  Äthiopien  für 
eritreische Staatsangehörige schlecht sei. Es muss ihm jedoch zu Ohren 
gekommen  sei,  dass  die  Lebensbedingungen  auch  in  Eritrea  sehr 
schwie­rig, zum Teil wohl gar noch schwieriger sind. Dies einzig mit der 
kulturellen  Verbundenheit  zu  erklären,  greift  zu  kurz,  hat  er  sich  doch 
selber anlässlich der Anhörung zur Situation in diesem Land schliesslich 
wie  folgt  geäussert:  "Ja,  es  gibt  keinen  Frieden,  keine  Arbeit,  keine 
Bildung.  Ich  kann  unter  der  eritreischen  Regierung  nicht  mein  privates 
Leben bestimmen." (vgl. A23/19 S. 17). 

5.2.4  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  ausgeführt,  da  der 
Beschwerdeführer  eritreischer  Abstammung  sei,  müsste  er  bei  einer 
Rückkehr  in  sein  Herkunftsland  mit  einem  Aufgebot  zum  Militärdienst 
rechnen.  Die  unmenschlichen  Bedingungen  im  eritreischen Militärdienst 
seien gerichtsnotorisch. Zudem habe er "zeit seines Lebens" im Ausland 
verbracht. Bereits damit würde er sich verdächtig machen. Er müsste mit 
Verhören, Haft  und  unmenschlicher  Behandlung  rechnen.  Somit  sei  die 
Asylrelevanz  der  Vorbringen  gegeben.  Die  drohende  Verfolgung  sei 
politisch  motiviert,  der  Beschwerdeführer  sei  an  Leib  und  Leben 
gefährdet, und es gebe auch keine  innerstaatliche Fluchtalternative. Die 
Vorinstanz  habe  fäschlicherweise  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht 
festgestellt und verletze somit Art. 3 AsylG.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Der Beschwerdeführer will  in früheren 
Jahren  Inhaftierungen  durch  die  äthiopischen  Behörden  in  Kauf 
genommen haben,  um nach Eritrea gehen  zu  können, wo eine Regime 
herrscht,  das  schon  dannzumal  durch  seine  Rücksichtslosigkeit  und 
Brutalität  Schlagzeilen  machte.  Die  vorstehende  Argumentation  in  der 
Beschwerde  ist  trotzdem  zwar  konsequent,  aber  es  ist  in  ihrer 
Einschätzung  mit  dem  BFM  einigzugehen,  dass  die  nicht  belegten 
Vorbringen  zum  Schluss  führen,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht 
eritreischer Staatsangehörigkeit und die Asylbegründung sei unglaubhaft. 

Die Erwägungen der Vorinstanz sind nicht zu rügen. Das Gericht  ist der 
Auffassung,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  tatsächliche  Herkunft 
vermutlich deshalb verschweigt, weil er sich mit dem Beharren auf seiner 

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eritreischen  Herkunft  aufgrund  der  diesbezüglich  geltenden  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  eine  vorteilhaftere  Beurteilung  seines 
Asylgesuches erhofft.

5.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  betreffend  seine  Herkunft  wie  auch  die 
Asylvorbringen an sich den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss 
Art.  7  AsylG  nicht  genügen.  Die  Vorinstanz  hat  demnach  zu  Recht  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint  und  dessen 
Asylgesuch abgelehnt. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in 
der Beschwerdeeingabe einzugehen, da sie an dieser Würdigung nichts 
zu ändern vermögen. 

5.4.  Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.5.  Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9).

6. 

6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  sind  sie  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

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den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter 
oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung 
unterworfen werden.

6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen  schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es 
dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh­
rers  nach  Äthiopien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Äthiopien 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 

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unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

6.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

6.4.1.  In  Äthiopien  herrscht  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt, 
weshalb  in  konstanter Praxis  von der  grundsätzlichen Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs nach Äthiopien ausgegangen wird  (vgl. Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­2097/2008  vom  7.  Juli  2011).  Der 
zweieinhalb  Jahre  dauernde Grenzkrieg  zwischen Äthiopien  und Eritrea 
wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas 
(OAU)  vermittelten  Waffenstillstand  und  einem  von  beiden  Staaten  am 
12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz 
des Abzugs der UN­Friedenstruppen aus Eritrea  im März 2008 und aus 
Äthiopien  im  August  2008  ist  im  heutigen  Zeitpunkt  nicht  von  einem 
offenen  Konflikt  im  Grenzgebiet  zwischen  diesen  beiden  Staaten 
auszugehen, wenn auch gleichzeitig zu bemerken  ist, dass eine Lösung 
der  Grenzproblematik  und  eine  Normalisierung  zwischen  den  beiden 
Staaten  nach  wie  vor  nicht  in  Sicht  ist  (zur  Entwicklung  der  Lage  in 
Äthiopien  siehe:  PETER  K.  MEYER,  SFH,  Äthiopien,  Update:  Aktuelle 
Entwicklungen  bis  Juni  2009,  Bern,  11.  Juni  2009,  S. 6 ff.;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­1724/2007  vom  5.  Mai  2011  und  E­
5432/2006 vom 13. Januar 2011). 

6.4.2.  Vorliegend  sind  den  Akten  auch  keine  Hinweise  zu  entnehmen, 
wonach  ein  Wegweisungsvollzug  in  individueller  Hinsicht  unzumutbar 
wäre.  Vorausgesetzt,  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  seinen 
Inhaftierungen würden den Tatsachen entsprechen (wobei allerdings die 
Gründe  der  Inhaftierungen  immer  noch  im  Dunkeln  liegen  würden 
beziehungsweise  einzig  behauptet  sind),  wäre  zwar  nicht  vollends 
auszuschliessen,  dass  es  bei  einer  Wiedereinreise  nach  Äthiopien  zu 
einer Befragung kommen könnte. Es  ist aber nicht einzusehen, weshalb 
der  Beschwerdeführer  dort  mit  asylrelevanten  Nachteilen  zu  rechnen 
hätte. Sodann hat der junge und – soweit dies den Akten zu entnehmen 
ist  –  gesunde  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  die  Schule 

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besucht und eine gewisse Berufserfahrung, welche ihm die wirtschaftliche 
Integration  in  Äthiopien  erleichtern  dürfte.  Im  Übrigen  ist  aufgrund  der 
Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  die  Frage,  ob 
er – wie von ihm geltend gemacht – tatsächlich keine nahen Verwandten 
und  damit  ein  tragfähiges  soziales  Netz  in  Äthiopien  hat,  letztlich  nicht 
geklärt  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  praxisgemäss  auch  nicht 
weiter  abzuklären,  da  die Untersuchungspflicht  nach  Treu  und Glauben 
ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der beschwerdeführenden Person 
findet  (Art. 8  AsylG),  und  diese  sich  vorliegend  auffallend  zurückhält 
beziehungsweise  gemäss  den  Akten  seit  ihrer  Ankunft  überhaupt  nicht 
aktiv geworden ist.

6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

6.6.  Die  Vorinstanz  hat  somit  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als 
zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 
AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Verfahrenskosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr.  600.­  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2).  Sie  werden mit  dem 
einbezahlten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  verrechnet  und  sind 
damit gedeckt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  einbezahlten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und das Amt  für 
(…).

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Carmen Wittwer