# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc76d4a5-7b18-50a0-abd1-f42ad4722ffa
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-11-25
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 25.11.2003 LP030109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LP030109_2003-11-25.pdf

## Full Text

1. a) Die Beklagte will dem Kläger nach seinem Umzug zu seiner Leben-

spartnerin nur noch den halben Ehegattengrundbetrag zugestehen, da er seinen

Lebensmittelpunkt zu ihr verlegt habe und mit ihr in eheähnlicher Gemeinschaft

lebe. Die Vorinstanz hat dem Kläger den reduzierten Grundbetrag von Fr. 1'000.–

angerechnet. An diesem Betrag hält der Kläger fest mit der Begründung, dass

eine eheähnliche Gemeinschaft erst dann zu bejahen sei, wenn sich die Partner

gegenseitig unterstützten.

Das Kreisschreiben des Obergerichts des Kantons Zürich über die

Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums

(fortan Kreisschreiben) sieht vor, dass einer in Haushaltsgemeinschaft mit Er-

wachsenen lebenden Person ein Grundbetrag von Fr. 1'000.– und einem Ehepaar

oder zwei anderen in dauernder Haushaltgemeinschaft lebenden erwachsenen

Personen eine Pauschale von insgesamt Fr. 1'550.– zugestanden wird (Ziff. II.1.1

bzw. II.2 des Kreisschreibens). Im Falle eines qualifizierten Konkubinatsverhält-

nisses kann es demnach in Frage kommen, der betreffenden Person lediglich die

Hälfte des sogenannten Ehegattengrundbetrages zuzubilligen. Als qualifiziert ist

ein Konkubinat dann zu bezeichnen, wenn es sich um eine gefestigte, offensicht-

lich auf Dauer ausgerichtete Gemeinschaft handelt, deren Intensität über eine

blosse Hausgemeinschaft hinausgeht. Der Grund für die Ungleichbehandlung ei-

ner einfachen und einer qualifizierten Haushaltgemeinschaft liegt nicht darin, dass

zwei wie ein Ehepaar zusammen lebende Personen einen niedrigen Grundbetrag

als zwei in einfacher Haushaltgemeinschaft lebende Personen benötigten. Viel-

mehr wird angenommen, der Partner eines Schuldners, der wie ein Ehegatte mit

ihm in Haushaltgemeinschaft wohne, müsse in weitergehendem Masse an die

Kosten der eheähnlichen Gemeinschaft beitragen bzw. sich zu Gunsten des Un-

terhaltspflichtigen mit einschränken (Beschluss des Kassationsgerichts Kass.-Nr.

2000/022 vom 8. Juli 2000 S. 6f.). Eine solche Annahme ist jedoch nicht leichthin

zu treffen. Insbesondere solange keine zuverlässigen Anhaltspunkte für eine tat-

sächlich eheähnliche Gemeinschaft vorliegen, sollte auf die Anrechnung eines

hälftigen Ehegattengrundbetrages verzichtet werden. Die Beklagte beschränkt

sich darauf, zu behaupten, dass der Kläger seinen Lebensmittelpunkt zu seiner

Partnerin verlegt habe und mit ihr in eheähnlicher Gemeinschaft lebe. Weitere

Behauptungen, welche diese Aussage zu stützen vermöchten, stellt sie indessen

nicht auf. Der Kläger führte demgegenüber vor Vorinstanz aus, dass er seine Le-

benspartnerin erst seit November 2001 kenne und sich erst seit Februar 2002 ab

und zu bei ihr aufhalte, was von der Beklagten nicht in Abrede gestellt wurde.

Ebenso ist unbestritten, dass sich der Kläger erst vor rund zwei Monaten an der

Adresse seiner Partnerin angemeldet hat. Nach einer lediglich rund zweijährigen

Partnerschaft und so kurzer Zeit des Zusammenlebens kann noch nicht von einer

eheähnlichen Gemeinschaft ausgegangen werden. Daran ändert auch nichts,

dass die Partnerin den Kläger in ihrem Bestätigungsschreiben bezüglich des

Mietzinses als ihren "Lebenspartner" bezeichnet, wird doch diese Bezeichnung

heutzutage relativ schnell verwendet. Im Übrigen wird dem Kläger - wie noch zu

zeigen sein wird - aufgrund seines Schichtdienstes auch die Miete eines Perso-

nalzimmers an seinem Arbeitsort zugestanden. Er wird deshalb auch dort gewisse

Aufwendungen haben. Es kann deshalb nicht davon ausgegangen werden, dass

er durch den Zusammenzug mit seiner Partnerin derart grosse Einsparungen ma-

chen könnte, dass sich eine Reduktion des Grundbetrages auf einen halben Ehe-

gattengrundbetrag rechtfertigen würde. Es ist dem Kläger daher weiterhin der re-

duzierte Grundbetrag von Fr. 1'000.– anzurechnen.

...

2. b) Weiter moniert der Kläger die der Beklagten angerechneten Kosten

für die Krankenkasse von Fr. 356.85 als zu hoch. Darin seien überflüssige Zu-

satzversicherungen inbegriffen. Ein Betrag von Fr. 230.– für die Prämie erweise

sich als ausreichend. Im Übrigen habe die Beklagte Anspruch auf Prämienverbilli-

gung von wenigstens 35 %, so dass ihr für ihre eigene Krankenkassenprämie le-

diglich Fr. 149.50 anzurechnen seien. Auch die Kinder hätten Anspruch auf Prä-

mienverbilligung, weshalb ihr für die Kinder lediglich ein Betrag von insgesamt

Fr. 248.05 anzurechnen sei. Die Beklagte macht demgegenüber geltend, dass die

Vorinstanz zu Unrecht von einem Anspruch auf Prämienverbilligung ausgegangen

sei und diesen mit der Franchise und dem Selbstbehalt verrechnet habe. Diese

Kosten seien ebenfalls in ihrem Bedarf zu berücksichtigen. Im Übrigen seien die

Krankenkassenprämien ausgewiesen. Der Beklagten ist zwar darin zuzustimmen,

dass sie ihre Krankenkassenprämie in der Höhe von Fr. 356.85 belegt hat. Davon

entfallen rund Fr. 50.– auf eine Zusatzversicherung nach VVG. Die Beklagte hat

während des ganzen Verfahrens nie glaubhaft gemacht, wofür sie eine Zusatz-

versicherung braucht. Auch der Kläger verfügt lediglich über die Grundversiche-

rung. Die Kosten der Zusatzversicherung sind daher gestützt auf das Kreisschrei-

ben (Ziff. III.2) sowie in Anwendung des Gleichbehandlungsgebots zwischen den

Ehegatten nicht im Bedarf der Beklagten zu berücksichtigen. Für die Krankenkas-

senprämie ist ihr demnach ein Betrag von Fr. 305.15 anzurechnen, die Zusatz-

versicherung muss sie aus dem Freibetrag bezahlen. Demgegenüber ist der Be-

klagten darin zuzustimmen, dass sie aufgrund des steuerbaren Einkommens von

Fr. 59'005.– keinen Anspruch auf Prämienverbilligung hat. Ein solcher besteht

lediglich, wenn das steuerbare Einkommen einer alleinerziehenden Person weni-

ger als Fr. 47'500.– beträgt (vgl. dazu http://www.svazurich.ch/index/ index.cfm?

page=ipv_berechnung& sprache=de). Es ist ihr somit die volle Krankenkassen-

prämie der Grundversicherung im Bedarf anzurechnen. Gemäss der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung ist ferner neben der Krankenkassenprämie die Fran-

chise in der Berechnung des Existenzminimums gesondert zu berücksichtigen,

sofern diese tatsächlich anfällt (vgl. Urteil des BGer Nr. 7B.226/2002 vom

18.2.2003, zitiert in NZZ vom 13. März 2003). Dass der Beklagten ungedeckte

Medizinalkosten in der Höhe ihrer Franchise erwachsen, erscheint aufgrund ihrer

gesundheitlichen Verfassung und des dazu eingereichten ärztlichen Zeugnisses

ohne weiteres als glaubhaft. Die Franchise ist daher in ihrem Bedarf entspre-

chend zu berücksichtigen. Gleiches gilt für den Selbstbehalt. Insgesamt fallen der

Beklagten für sie persönlich ungedeckte Medizinalkosten von Fr. 69.– an, welche

ihr in ihre Bedarfsberechnung einzusetzen sind.

...

8. a) ...

b) Die Beklagte macht geltend, dass alle betroffenen Personen grund-

sätzlich gleich am Freibetrag zu beteiligen seien, was vorliegend eine Aufteilung

von vier Fünfteln für sie und einem Fünftel zugunsten des Klägers rechtfertigen

würde. Sie beantragt indessen eine Freibetragsaufteilung von drei Vierteln zu ih-

ren Gunsten und einem Viertel zugunsten des Klägers. Der Kläger hält demge-

genüber an der hälftigen Aufteilung gemäss dem erstinstanzlichen Entscheid fest.

c) Die Aufteilung des Freibetrages steht im Ermessen des Gerichts,

wobei gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Abweichung von der

- als Grundsatz zu beachtenden - hälftigen Aufteilung zu begründen ist. Wie der

Vorderrichter zutreffend festhielt, rechtfertigt sich eine Abweichung von der hälfti-

gen Aufteilung insbesondere dann, wenn ein Ehegatte für minderjährige Kinder

aufzukommen hat. Die Begründung der Vorinstanz, wonach insbesondere durch

die Berücksichtigung der Freizeitkosten für die Kinder im Bedarf der Beklagten ein

grosser Teil der Mehrkosten abgegolten sei und sich angesichts dieses Umstan-

des die hälftige Aufteilung des Freibetrages rechtfertige, obwohl die Kinder bei der

Beklagten leben, ist nachvollziehbar [Die Vorinstanz berücksichtigte im Bedarf der

Beklagten nahezu Fr. 450.– für die Hobbies der drei Kinder. Im Rekursverfahren

wurden der Beklagten zusätzlich die Kosten für Franchise und Selbstbehalt der

Kinder angerechnet]. Nicht zugestimmt werden kann demgegenüber der Auffas-

sung der Beklagten, dass der Freibetrag grundsätzlich gleichmässig auf alle be-

teiligten Personen, also insbesondere auch auf die Kinder, aufzuteilen sei. Die

Kinder brauchen in der Regel weniger finanzielle Mittel, um ihren bisherigen Le-

bensstandard aufrecht zu erhalten, so dass es sich nicht rechtfertigt, sie gleich am

Freibetrag zu beteiligen wie die Ehegatten. Vor diesem Hintergrund stand das

Vorgehen des Vorderrichters, die Kosten für die Freizeitaktivitäten der Kinder in

die Bedarfsberechnung aufzunehmen und dafür den Freibetrag hälftig aufzuteilen,

in seinem Ermessen. Demnach hat es vorliegend bei der hälftigen Freibetrags-

aufteilung zu bleiben.