# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9cc734cd-3169-5271-85de-635bf7938c1d
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-28
**Language:** de
**Title:** Rentenprüfung in Anwendung von Art. 28 Abs. 4 UVV bei über 62-jährigen Beschwerdeführer rechtens, Abweisung
**Docket/Reference:** UV.2023.00180
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2023.00180.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2023.00180
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Langone
Urteil
vom
28. März 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Y.___
Z.___
GmbH
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwältin Nadine Berchtold-Suter
Lischer
Zemp & Partner, Rechtsanwälte und Notare
Schwanenplatz 4, 6004 Luzern
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1960, war seit
1.
Juli 2010 als Bauarbeiter bei der
A.___
AG tätig
und über die Arbeitgeberin bei der Suva obligatorisch unfallversichert
(
Urk.
8/1). Am 2
1.
März 2019 erlitt der Ver
sicherte einen Unfall, als beim Versetzen und Richten eines Elements
dieses auf ihn
kippte
(
Urk.
8/1). Er zog sich dabei ein Polytrauma nach Quetschung durch
eine
850
Kilogramm schwere
Betonplatte mit diversen Frakturen zu. Am 25.
März
2019 fand eine
o
steosynthetische Versorgung der
Sacrumfraktur
links
(
Urk.
8/6)
sowie eine
o
ffene Reposition und Plattenosteosynthese der
Claviculaschaftfraktur
rechts
statt (
Urk.
8/
43/1
8)
.
Der
Versicherte
befand sich vom 2
1.
März bis 1
7.
April 2019 im
Spital B.___
(
Urk.
8/31)
.
Anschliessend fand
bis 2
2.
Mai 2019
ein stationärer
Reha
aufenthalt
in der
Rehak
linik
C.___
statt (vgl. Urk.
8/
56/3-9
).
Bei prolongiertem Heilverlauf
folgten weitere operative Eingriffe
,
unter anderem im Februar 2020
eine
Metallentfernung im Ber
e
ich des Beckens
(Urk.
8/154)
und
im Oktober 2020 im Zusammenhang mit einer
Thrombose der rechten
Vena
sub
clavia
bei posttraumatischem
Thoratic
Outlet Syndrom
(
Urk.
8/235
,
Urk.
8/405/24).
Am
2
8.
März
202
2
erfolgte
eine ärztliche Untersuchung
des Ver
sicherten
durch Suva-Arzt
Dr.
med.
D.___
,
Facha
rzt für Allgemeinmedizin (
Urk.
8
/
405
)
.
Die
bis dahin erbrachten
vorübergehenden
Leistungen
stellte die Suva
unter Mitteilung des Fallabschlusses am
4.
Mai 2022 per
1.
Juni 2022 ein (
Urk.
8/412). M
it Verfügung vom 1
0
.
Mai
202
2
sprach sie dem Versicherten eine
Integritäts
entschädigung bei einer Integritätseinbusse von
2
5
%
zu
und verneinte einen Rentenanspruch (
Urk.
9/
4
19/2-5
). Die vom Versicherten erhobene Einsprache
mit dem Antrag auf Zusprache einer Invalidenrente
(
Urk.
8/423;
Urk.
8/439)
wies die Suva am
2
0.
November 2023
ab (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
3.
Dezember 2023 Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom 2
0.
November 2023 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente auf Grundlage einer Erwerbsunfähigkeit von 100 % zuzusprechen; eventualiter sei ihm eine Rente auf Grundlage einer Erwerbsun
fähigkeit von 13 % bzw. 17 % zuzusprechen;
subeventualiter
sei die Sache an die Suva zwecks weiterer Abklärungen zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Februar 2024 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7
)
, was
dem Beschwerdeführer am
1
2.
Februar
202
4
(Urk.
11
) zur Kenntnis gebracht
wurde
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des
ordentlichen Rentenalters
ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG
in der anwendbaren, bis 3
1.
Dezember 2023 in Kraft gestandenen Fassung
). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundes
gerichts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis
auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Rentenanspruch
im angefochtenen
Ein
spracheentscheid
damit
(Urk.
2)
, dass dem Beschwerdeführer gemäss Zumutbar
keitsbeurteilung von
Dr.
D.___
vom
2.
Mai
2022 noch leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ganztags zumutbar
seien. Basierend auf dieser unbestritten gebliebenen Beurteilung sei zu eruieren, welches Einkom
men der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der unfallbedingten Ein
schränkungen heute noch erzielen könne (S. 5). Vorliegend sei wohl davon aus
zugehen, dass beim Beschwerdeführer die unfallbedingte Beeinträchtigung als Faktor der Beeinträchtigung der Erwerbstätigkeit ins Gewicht falle. Ein erheblicheres Hindernis sei indessen
sein
Alter. Im Zeitpunkt des Fallabschlusses sei der Beschwerdeführer in seinem 6
3.
Altersjahr gestanden, weshalb vor allem das Alter des Beschwerdeführers eine Wiedereingliederung verunmögliche. Zudem sei aktenkundig, dass der Beschwerdeführer im Unfallzeitpunkt gerade einmal ein Jahr vor der vorzeitigen Pensionierung
gestanden sei
(S. 6).
D
ie Invaliditäts
bemessung
sei folglich
unter Anwendung von
Art.
28
Abs.
4
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
vorzunehmen
(S. 7)
, woraus sich
keine erheb
liche unfallbedingte Einschränkung
der
Erwerbsfähigkeit
ergebe
(S. 10).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1), dass der Beschwerdegegnerin
zwar
insofern beizupflichten sei, als er im Zeitpunkt des Fallabschlusses in seinem 6
3.
Altersjahr
ge
stand
en
und zweifellos im vorge
rückten Alter im Sinne von
Art.
28
Abs.
4 UVV gewesen sei. Indes seien aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdeführer neben den verbleibenden Unfallfolgen auch an einer bedeutenden physiologischen Altersgebrechlichkeit leiden würde. Zudem sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch eine versicherte Person mit 42 Jahren nach einer Quetschung durch eine ca. 850
Kilogramm
schwere Betonplatte
des
rechtseitigen Thorax/Becken
s
die gleichen Behin
derungen aufweisen würde wie er. Es sei davon auszugehen, dass eine versicherte Person im Alter von 42 Jahren, welche den gleichen Gesundheitsschaden wie der Beschwerdeführer habe, die Tätigkeit als Bauarbeiter ebenfalls nicht mehr in vollem Umfang ausführen könnte. Damit falle die unfallbedingte Verletzung altersunabhängig gleich ins Gewicht, weshalb die Bedeutung des Altersfaktors in
den Hintergrund rück
e
. Demnach seien die Voraussetzungen für die Anwendbar
keit von
Art.
28
Abs.
4 UVV nicht erfüllt (S.
4).
Es sei somit die Zumutbarkeit eines Berufswechsel
s
zu prüfen. Der Beschwerde
führer sei gelernter Maurer und habe während 26 Jahren als solcher gearbeitet. Bereits unter diesen Aspekten erschein
e
es fraglich, ob es dem Beschwerdeführer
zuzumuten sei, eine
andere
Tätigkeit auszuüben. Zudem sei er
i
m Zeitpunkt des Fallabschlusses, in dem
die medizinische Zumutbarkeit eines allfälligen Berufs
wechsels fest
ge
stand
en habe
, 63 Jahre alt
gewesen. Insgesamt sei es ihm daher nicht mehr zumutbar, einer Verweistätigkeit nachzugehen, womit ein Invalidi
tätsgrad von 100 % vorliege (S. 5).
Doch selbst wenn man mit der Beschwerdegegnerin die Zumutbarkeit des Berufs
wechsels bejahen würde, würde daraus kein wesentlich anderes Ergebnis resultieren.
Beim
Invalideneinkommen sei
ein Abzug wegen einer leidens
bedingten Einschränkung von 5 % vom Tabellenlohn vorzunehmen. Das
Valideneinkommen
sei basierend auf den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin zu berechnen (S. 7). Das ergebe gerundet ein
en
Invaliditätsgrad von 13 %
(ohne Tabellenlohnabzug) und bei einem 5 %
leidensbedingte
n
Abzug ein
en
solchen
von 17 % (S. 7).
2.3
Die Beschwerdegegnerin führte
in der Beschwerdeantwort
ergänzend aus (
Urk.
7), dass keine Zweifel daran beständen, dass dem Alter des Versicherten gegenüber den invalidisierenden Faktoren eine wesentliche Bedeutung zukomme. So sei der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Fallabschlusses in seinem 6
3.
Altersjahr und gerade einmal ein knappes Jahr und damit kurz vor der geplanten vorzeitigen Pensionierung. Die Anmeldung für seine vorzeitige Pensionierung sei im Unfall
zeitpunkt bereits pendent gewesen. Es sei daher davon auszugehen, dass es vor allem das Alter des kurz vor der Pensionierung stehenden Versicherten gewesen sei, welches einer Wiedereingliederung im Wege gestanden habe, weswegen nicht zu beanstanden sei, dass die Invaliditätsbemessung unter Anwendung von
Art.
28
Abs.
4 UVV vorgenommen worden sei (S. 5). Im Unfallversicherungsrecht habe sich
sodann
keine Rechtsprechung etabliert, wonach die Unverwertbarkeit einer verbleibenden medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit wegen des fortge
schrittenen Alters zu berücksichtigen wäre, weshalb der Beschwerdeführer dies
bezüglich nicht zu hören sei (S. 6).
Bezüglich
des
leidensbedingte
n
Abzug
s sei
zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer die ihm zumutbaren Tätigkeiten unter Einhaltung des Belastungsprofils vollzeitig und ohne leistungsmässige Ein
busse ausführen könne, weshalb zu Recht kein leidensbedingter Abzug berück
sichtigt worden sei (S. 7).
2.4
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch, wobei unbestritten sowohl bezüg
lich der Unfallfolgen als auch der Frage nach dem Zeitpunkt des Fallabschlusses und der Restarbeitsfähigkeit auf die kreisärztliche Beurteilung von
Dr.
D.___
vom
2.
Mai 2022 (
Urk.
8/405) abzustellen ist.
3.
Dr.
D.___
schloss
in seiner ärztlichen
Beurteilung vom
0
2.
Mai
2022
auf folgende unfallkausalen Diagnosen
(
Urk.
8/405
/21-22
)
:
-
Polytrauma nach Quetschung Thorax/Becken durch eine 850 kg Beton
platte am 2
1.
März
2019 mit
-
Status nach
dorsalen Rippenserienfrakturen
beidseits,
5-8 rechts, 2-4 sowie 6-10 links, ausgeheilt
-
Status nach
Pneumothorax rechts, ausgeheilt
-
Status nach
Klavikulafraktur
rechts, Plattenosteosynthese am 25.
März
2019, konsolidiert
mit guter funktioneller Bewegungs
fähigkeit rechter Arm
-
Status nach
Thrombose der
Vena
subclavia rechts am 17.
September
2020
am ehesten
im Rahmen eines posttraumatischen
Thoracic
-outlet-Syndroms rechts
mit primär erfolgreicher Revaskulari
sation mittels Thrombolyse und PTA 1
7.
September
2020
sowie Resektion
1.
Rippe am 1
6.
Oktober
2020
und
Stenting
am
27.
November
2020
-
Status nach
Beckenringverletzung, erlaubte Vollbelastung seit 2
9.
April
2019
mit
Status nach
oberer und unterer Schambeinastfraktur
beidseits
, konservativ behandelt
und
Status nach
Fraktur des Os
sacrum
mit
-
lumbopelviner
Abst
ü
tzungsosteosynthese und ISG-
Verschraubung 2
5.
März 20
19,
-
O
SME am
7.
Februar
2020
-
anamnestisch persistierende erektile Dysfunktion seit dem Trauma
-
Status nach
Fraktur Processus
transversus
LWK 5 links, konservativ ausgeheilt
-
Status nach
Critical
illness
Neuropathie und
-
Status nach
am ehesten
Druckläsion
des
N
ervus
peroneus
links
mit
rückläufiger
Fussheberschwäche
und anhaltenden Gefühlsstörungen Fussrücken link
s
Drei
Jahre nach dem Unfallereignis
sei
entsprechend den vorliegenden medizini
schen Fremdberichten sowie dem persönlichen Untersuchungsbefund des Beschwerdeführers ein stabiler medizinischer Gesundheitszustand erreicht
.
Auch von weiteren medizinischen Behandlungsmassnahmen könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Verbesserung des unfallbezogenen Gesund
heitszustandes und insbesondere des Zumutbarkeitsprofil mehr erwartet werden
(S. 24)
.
Die geltend gemachten Restbeschwerden mit Gefühlsstörungen am linken Fuss
rücken bei einer klinisch ansonsten wieder gut zurückgebildeten Fuss-/
Grossze
henheberschwäche
links seien wahrscheinlich als indirekte Unfallfolge mit einer reversible
n
Critical
illness
Polyneuropathie und teilreversiblen Druckläsion des
N
ervus
peroneus
links einzuordnen.
Im Hinblick auf den Beckenringbruch mit der operierten Kreuzbeinfraktur erkläre sich eine hier klinisch vorliegende, aktuell symptomarme ISG-Blockade links (S. 24). Hierzu könn
t
e
n
sich
perspektivisch
auch im Rahmen einer dementsprechenden Fehlbelastung eine vorzeitige t
ieflum
bale Abnutzung und Beschwerden ebenda entwickeln
(S. 24-25).
Nach der hypertrophen Ausheilung des rechten Schlüsselbeinbruchs sei die Bewegungs
fähigkeit des rechten Armes funktionell wieder gut.
Der sekundär erlittene, erfolgreich behandelte Armvenenverschluss rechts sei wahrscheinlich eine indirekte Unfallfolge (S. 25).
In
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
D.___
weiter aus, dass die
ange
stammte, körperlich robuste berufliche Tätigkeit als Baufacharbeiter
dem
mittler
weile 62-jährigen Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar
sei.
Bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wären dem Beschwerde
f
ührer medizinisch-theoretisch aber weiterhin leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, anteilig zum Stehen, Gehen und Sitzen vollzeitig zumutbar
. Das Heben, Tragen und Bewegen schwerer Lasten sowie dauerhaft gleichbleibende Körperhaltungen monoton zum Stehen, langstreckig zum Gehen sowie die Einnahme körperlicher Zwangshaltungen zur tiefen Rumpfvorbeugung und Rumpfüberstreckung
und
das repetitive Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie auf einem unebenen Untergrund
mit einer erhöhten Sturzgefahr seien leidensinadäquat
(S. 24)
.
4.
4.1
Die Parteien sind sich einig, dass d
er
Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als
Bauarbeiter nicht mehr
arbeitsfähig ist und in einer leidensange
passten Tätigkeit
entsprechend dem von
Dr.
D.___
definierten Zumutbarkeits
profil
eine vollständige Arbeitsfähigkeit besteht.
Unb
e
stritten ist ebenfalls, dass zum Zeitpunkt des Fallabschlusses per
1.
Juni 2022 keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers zu erwarten war.
Dies ist auf
grund der Akten denn auch ausgewiesen.
Zu
prüfen
ist
vorliegend
somit einzig, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Strittig ist dabe
i
insbesondere, ob für die Berechnung des Invaliditätsgrads
Art.
28
Abs.
4 UVV zur Anwendung gelangt.
4.2
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Nach
Art.
18
Abs.
2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung des Invaliditäts
grades in Sonderf
ä
llen. Er kann dabei auch von
Art.
16 ATSG abweichen.
4.3
Der Bundesrat hat gestützt auf Art. 18 Abs. 2 UVG in Art. 28 Abs. 4 UVV eine besondere Regelung getroffen für die Ermittlung des Invaliditätsgrades bei Ver
sicherten, welche die Erwerbstätigkeit nach dem Unfall altershalber nicht mehr aufnehmen (Variante I) oder bei denen sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirkt (Variante II). In diesen Fällen sind gemäss Art. 28 Abs. 4 UVV für die Bestimmung des Invalidi
tätsgrades die Erwerbseinkommen massgebend, die eine versicherte Person
mit denselben beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Begabungen
im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte
(BGE 148 V 419 E. 7.2, 134 V 392 E. 6.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_582/2020 vom 2. August 2021 E. 3 mit Hinweisen und 8C_799/2019 vom 17. März 2020 E. 2.3)
. Nach der Rechtsprechung liegt das mittlere Alter im Sinne dieser Bestimmung bei etwa «42 Jahren» oder zwischen «40 und 45 Jahren» und das vorgerückte Alter im Bereich von «rund 60 Jahren», wobei für letztes der Zeitpunkt des Renten
beginns massgebend ist (BGE 122 V 418 E. 1b, 122 V 426
E. 2, je mit Hinweisen
).
Die Regelung ist ihrem Wortlaut nach («bei einer entsprechenden Gesundheits
schädigung») zwar primär auf die Ermittlung des Invalideneinkommens ausge
richtet, hat gemäss einhelliger Lehre und Rechtsprechung aber auch dann Platz zu greifen, wenn es um die Bestimmung des
Valideneinkommens
geht (BGE 122 V 418 E. 5 mit Hinweisen). Somit sind beide Vergleichseinkommen unter dieser Prämisse festzulegen (BGE 114 V 310 E. 2 in
fine
; Urteil des Bundesgerichts 8C_219/2022 vom 2. Juni 2022 E. 6.1 mit Hinweisen).
Mit Blick auf Art. 28 Abs. 4 UVV hat der Unfallversicherer nicht zu prüfen, ob und inwieweit eine versicherte Person fortgeschrittenen Alters die ihr verbliebene medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit zu verwerten vermag (Urteile des Bundesgerichts 8C_472/2022 vom 18. Oktober 2022 E. 6.2 und 8C_219/2022 vom 2. Juni 2022 E. 6.5, je mit Hinweisen).
Ein leidensbedingter Abzug aufgrund des fortgeschrittenen Alters der ver
sicherten Person kann nicht in Betracht gezogen werden, wenn es sich um einen Anwendungsfall von Art. 28 Abs. 4 UVV handelt [BGE 148 V 419 E. 8.5].
)
Mit
Art.
28
Abs.
4 UVV soll verhindert werden, dass bei älteren Versicherten zu hohe Invaliditätsgrade angenommen werden und dass dort Dauerrenten zuge
sprochen werden, wo sie mit Blick auf die unfallbedingte Invalidität eher die Funktion von Altersrenten aufweisen (BGE 122 418 E. 3a).
4.4
4.4.1
Vorliegend ist aktenkundig, dass
der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des Fall
abschluss
es
p
er
1.
Juni 2022 in seinem 6
3.
Altersjahr
stand
. Weiter geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer eine vorzeitige Pensionierung
bereits vor dem Unfall
per Ende 2020
geplant hatte
(vgl.
Urk.
8/111/2), womit er zum Zeitpunkt des Unfalls ein Jahr vor der vorzeitigen Pensionierung
(flexibler Altersrücktritt FAR)
stand.
Darüber hinaus
ist
der Beschwerdeführer in seiner angestammten körperlich schweren Tätigkeit unbestrittenermassen nicht mehr arbeitsfähig. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die Bemessung der Invalidität
Art.
28
Abs.
4 UVV herangezogen hat.
4.4.2
Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, verfängt nicht.
Es mag zwar zutreffen, dass auch bei einem 42
-
jährigen Versicherten die Unfallfolgen bzw. der Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Fallabschlusses
ähnlich
wie beim Beschwerdeführer gewesen wären, zumal vom Suva-Arzt
Dr.
D.___
nicht erwähnt wurde, dass sich beim Beschwerdeführer sein
vorgerückte
s
Alter erheb
lich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirk
e
(vgl
.
Urk.
8/405)
. Der Beschwerdeführer scheint aber zu verkennen, dass sich der Altersfaktor auch in dem Sinne erwerblich auswirken kann, dass beispielsweise die Wiedereingliederung schwieriger ist, eine Eingliederungsmassnahme nicht (mehr) gewährt wird oder aber sich kein Arbeitgeber mehr findet, der eine Person kurz vor dem AHV-Alter mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einstellen würde. Diese erwerbliche
n
Auswirkung
en
des Altersfaktors
führen recht
sprechungsgemäss
dazu
, dass
Art.
28
Abs.
4 UVV auch dann zur Anwendung kommt, wenn das vorgerückte Alter das Zumutbarkeitsprofil nicht zusätzlich beeinflusst, also keine zusätzlichen Einschränkungen des funktionellen Leistungs
vermögens mit sich bringt, aber einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit trotzdem entgegensteht (Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2019 vom
1
7.
März
2020 E
. 3.3.2
m.w.H
.
).
D
as ist vorliegend offensichtlich der Fall, zumal der Beschwerdeführer in den letzten 26 Jahren ausschliesslich als Bauarbeiter tätig war (
vgl.
Urk.
8/56/8
) und
das vorgerückte Alter einem
Berufswechsel
entgegen
steht. Zudem bringt der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang selber vor, dass ein Berufswechsel für ihn unzumutbar sei (
Urk.
1 S. 5)
.
4.4.3
Schliesslich ist auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der
Entschluss
zur vorzeitigen Pensionierung und somit
zur Aufgabe der Erwerbstätigkeit
gemäss Aktenlage
schon vor dem Unfall
getroffen wurde
(
vgl.
Urk.
8/16
, 8/62/1
)
, was vom Beschwerdeführer unbestritten blieb (
Urk.
1 S. 3 ff.),
und
diese Ta
tsache
bereits für die Anwendung von Art.
28
Abs.
4 UVV genügt (
vgl.
BGE 122 V 418 E. 4b).
4.4.4
Nach dem Gesagten gelangt somit vorliegend
Art.
28
Abs.
4 UVV zur Anwendung, womit f
ür die Bestimmung des Invaliditätsgrades die Erwerbs
einkommen massgebend
sind
, die eine versicherte Person im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte.
4.5
Die Beschwerdegegnerin
berechnete
das
Invalideneinkommen
gestützt auf de
n
im Verfügungszeitpunkt neuste
n Tabellenlohn
(
LSE
2020,
Tabelle
TA1
_tirage_skill_level
,
Kompetenzniveau 1,
Total
Männer) unter Berück
sichtigung der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit und des Nominal
lohnindex mit
Fr.
66'406.-- (Urk. 2 S. 7), was vom Beschwerdeführer nicht
in Frage gestellt
wird (
vgl.
Urk.
1 S. 6).
Unter Berücksichtigung des Nominal
lohnindex, Männer, 2021-2022 (Bundesamt für Statistik, Tabelle T1.1.20), resultiert ein massgebliches Invalideneinkommen 2022 von Fr.
66'012.55 (
Fr.
5'261.
--
x
12 :
40 x 41.7 : 100 [Basis Index 2020] x 100.3 [2022]).
Jedoch ist der Beschwerdeführer der Ansicht, dass
davon ein leidensbedingter Abzug von
mindestens
5 % aufgrund seines eingeschränkten Zumutbarkeits
profil
s
zu gewähren sei (
Urk.
1 S. 6.-7).
4.6
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invaliden
einkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Als Zumutbarkeitsprofil wurde vorliegend festgehalten,
dass
dem Beschwerde
führer
weiterhin leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, anteilig zum Stehen, Gehen und
Sitzen vollzeitig zumutbar
sind
. Das Heben, Tragen und Bewegen schwerer Lasten sowie dauerhaft
gleichbleibende Körperhaltungen monoton zum Stehen, langstreckig zum Gehen sowie die Einnahme
körperlicher Zwangshaltungen zur tiefen Rumpfvorbeugung und Rumpfüberstreckung sowie
das repetitive Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie auf einem unebenen Untergrund mit einer
erhöhten Sturzgefährdung sind leidensinadäquat. Au
ch
sind
der Umgang mit stossenden, vibrierenden
und schlagenden Werkzeugen und ein regelmässiges Arbeiten über
der
Schulterhöhe möglichst zu vermeiden
(
Urk.
8/405/24)
.
D
amit sind dem Beschwerdeführer leicht
e bis mittelschwere
Tätigkeiten
im Wesentlichen uneingeschränkt
zumutbar, weswegen
nach dem Gesagten
kein Raum für einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn besteht.
Zwangs
haltungen zur tiefen Rumpfvorbeugung und Rumpfüberstreckung sowie repetitive Arbeiten auf Leitern und Gerüsten
wie auch
das
Hantieren mit stossenden, vibrierenden und schlagenden Werkzeugen dürften im Rahmen
leichter
bis mittelschwerer Tätigkeiten
nur selten anfallen
. Die Einschränkung betreffend regelmässiges Arbeiten über
der
Schulterhöhe allein rechtfertigt sodann
keinen Abzug.
Ein leidensbedingter Abzug aufgrund des fortge
schrittenen Alters kann
ebenfalls
nicht in Betracht gezogen werden
(vgl. E. 4.3).
Somit bleibt es bei einem Invalideneinkommen von
Fr.
66'012.55
.
4.7
In Bezug auf das
Valideneinkommen
bringt der Beschwerdeführer vor, dieses sei basierend auf de
n
Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin zu ermitteln (
Urk.
1 S. 7).
Dies trifft allerdings nicht zu. Da vorliegend
Art.
28
Abs.
4 UVV zur Anwendung gelangt, ist das
Valideneinkommen
ebenfalls gestützt auf Tabellen
löhne
festzusetzen
(vgl
.
E. 4.3)
.
Der Beschwerdeführer wäre bei intakter Gesund
heit schon lange vor Fallabschluss pensioniert worden und hätte gar kein Erwerbseinkommen mehr erzielt (
Urk.
8/16/1 und
Urk.
8/61-62), was unbestritten geblieben ist.
Grundlage bildet somit auch hier
,
wie von der Beschwerdegegnerin ausgeführt
,
die Tabelle
LSE
TA1
2020, Baugewerbe, Pos. 41-43, Kompetenzniveau 1, Männer
, was unter Berücksichtigung der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeiten und
der
Nominallohnentwicklung zu einem
Valideneinkommen
von Fr.
—71'291.10
führt
(
Fr.
5'731.
--
x 12 x 41.3 : 40 : 100 x 100.4 [Index 202
2, Baugewerbe/Bau],
vgl.
Urk.
2 S. 9).
4.8
Ausgehend von einem Invalideneinkommen von
Fr.
66'012.55
und einem
Valideneinkommen
von
Fr.
71'291.10
ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
gerundet
7
%. Mangels eines Invaliditätsgrades von mindestens 10
%
hat die Beschwerde
gegnerin somit den Rentenanspruch zu Recht verneint (vgl. vorstehende E. 1.3).
Weiterung zur Frage der Zumutbarkeit erübrigen sich nach dem unter E. 4.3 Dargelegten.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
2
0.
November
202
3
(
Urk.
2) erweist sich somit insgesamt als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Rechtsanwältin Nadine Berchtold-Suter
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLangone