# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c92ee26c-123d-5f28-871a-b877baf95941
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 14.07.2020 S 2019 100
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2019-100_2020-07-14.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 19 100

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti
RichterIn von Salis, Audétat 
Aktuarin Parolini

URTEIL

vom 14. Juli 2020

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Fabienne Brandenberger,

Beschwerdeführerin
gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. A._____ zog im Oktober 2007 aus X._____ in die Schweiz. Im September 

2012 begann sie an der ETH Y._____ ein Chemie-Studium, brach dieses 

jedoch aus gesundheitlichen Gründen im Oktober 2013 ab. In der Folge 

befand sie sich wegen Verwahrlosungstendenzen in psychiatrischer Be-

handlung. Am 8. Juli 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf ein psychi-

sches Leiden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die 

damals behandelnde Psychiaterin, Dr. med. B._____, Fachärztin FMH 

Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte mit Bericht vom 22. Okto-

ber 2013 soziale Phobien (ICD-10: F40.1) und eine Adipositas permagna 

BMI 53.6 (ICD-10: E66). In ihrem Bericht vom 8. September 2014 stellte 

sie sodann folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 

post-traumatische Belastungsstörung (nachfolgend PTBS) nach sexuellem 

Missbrauch (ICD-10: F43.1) und, als Folge davon, die bereits erwähnten 

Verwahrlosungstendenzen. Dr. med. B._____ erachtete A._____ als in ih-

rer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Studentin seit Oktober 2013 zu 50 % 

arbeitsunfähig. In dieser Zeit besuchte A._____ neben der ambulanten Be-

handlung bei Dr. med. B._____ die psychiatrische Tagesklinik in Chur.

2. Mit Mitteilung vom 14. Oktober 2014 gewährte die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden A._____ berufliche Massnahmen im Sinne von Berufsbera-

tung. Zwischen dem 26. Oktober 2015 und dem 20. November 2015 fand 

eine vierwöchige berufliche Abklärung im C._____, Kompetenzzentrum für 

berufliche Integration statt. Im entsprechenden Schlussbericht (BEFAS-Ab-

klärung) vom 30. November 2015 diagnostizierte Dr. med. D._____, Fach-

arzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie und zertifizierter Gutachter SIM, 

eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden, 

selbstunsicheren und unreifen Anteilen (ICD-10 F.61.0), differenzialdia-

gnostisch eine PTBS (ICD-10 F.43.1) sowie eine Adipositas permagna.

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3. Vom 29. März 2016 bis zum 31. Juli 2016 erfolgte im E._____, einer Ein-

gliederungsinstitution für Menschen mit körperlichen und psychischen 

Schwierigkeiten eine weitere berufliche Abklärung in den Bereichen Print-

medienverarbeitung, Informatik, Logistik, Mechanik und Technisches Büro. 

Gemäss entsprechendem Schlussbericht (Abklärung Flex) vom 23. Juni 

2016 gelang es A._____ relativ rasch, das Arbeitspensum auf 100 % zu 

steigern, wobei sie, bezogen auf eine Präsenzzeit im ersten Arbeitsmarkt 

und auf das Ziel der erstmaligen beruflichen Ausbildung, eine durchschnitt-

liche Leistungsfähigkeit von 90 % zeigte.

4. In der Folge wurde A._____ von Seiten des E._____ eine Ausbildung zur 

Informatikerin EFZ (drei- oder vierjährige Ausbildung zur Erlangung eines 

eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses) mit Schwerpunkt Betriebsinforma-

tik für die Zeit ab dem 1. August 2016 angeboten. Für diese erstmalige 

berufliche Ausbildung gewährte ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom 4. Au-

gust 2016 eine Kostengutsprache. Ende Januar 2018 kam es indes zur Auf-

lösung des Lehrvertrags, nachdem die schulischen Leistungen und Anwe-

senheiten von A._____ aufgrund der erhöhten Anforderungen im 2. Ausbil-

dungsjahr eingebrochen waren, sie ihre Körperhygiene zunehmend ver-

nachlässigt bzw. sich immer mehr zurückgezogen hatte und sie nur mit 

massiver Hilfe in der Lage gewesen war, Ordnung zu halten. A._____ gab 

die Berufsfachschule auf, arbeitete jedoch bis Juni 2018 weiterhin in der 

Informatikabteilung des E._____.

5. Im Bericht vom 10. Mai 2018 diagnostizierte Dr. med. F._____, Fachärztin 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei der A._____ seit November 2017 

in Behandlung war, eine mittelschwere bis schwere Depression ohne psy-

chotische Symptome (ICD-10: F32.2) auf dem Hintergrund einer posttrau-

matischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F.62.0), differentialdiagnos-

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tisch auf dem Hintergrund einer vermeidenden Persönlichkeitsstörung 

(ICD-10: F.60.6) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. 

6. Am 18. Mai 2018 trat A._____ in das Wohnheim des Vereins G._____, ei-

ner Institution für die Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankun-

gen oder leichten kognitiven Einschränkungen ein, wo sie bezüglich Wohn-

kompetenzen und Körperhygiene enger begleitet werden konnte. Am 27. 

Juni 2018 stellte das E._____ den Schlussbericht aus. Da A._____ auch 

nicht in der Lage war, die EBA-Ausbildung (zweijährige berufliche Grund-

bildung zur Erlangung eines eidgenössischen Berufsattests) im E._____ 

weiterzuführen, wurden die beruflichen Massnahmen mit Verfügung vom 

16. Juli 2018 per 30. Juni 2018 beendet.

7. Am 9. November 2018 wurde A._____ im Swiss Medical Assessment- and 

Business-Center (SMAB) durch Dr. med. H._____, Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie, psychiatrisch begutachtet. Letzterer diagnostizierte in 

seinem Gutachten vom 10. Dezember 2018 eine Persönlichkeitsstörung 

mit selbstunsicheren und unreifen Anteilen (ICD-10: F60.88) mit Einfluss 

auf die Arbeitsfähigkeit. Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit 

führte Dr. med. H._____ aus, A._____ habe zuletzt eine Ausbildung zur 

Informatikerin absolviert. Sie sei im zweiten Lehrjahr gewesen, das insbe-

sondere erhöhte Anforderungen an die eigene Strukturierung und den Ei-

genantrieb gestellt habe. Diesbezüglich sei die Arbeitsfähigkeit aufgeho-

ben. Zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bemerkte Dr. med. 

H._____, aufgrund der sehr stark eingeschränkten Fähigkeit, Aufgaben sel-

ber zu strukturieren, kämen nur Tätigkeiten in Frage, die für A._____ weit-

gehend vorstrukturiert seien, bei denen sie weitestgehend allein arbeiten 

könne und bei denen nur wenig Abstimmungsbedarf mit Kolleginnen und 

Kollegen bzw. Vorgesetzten bestehe. Ihre Körperhygiene reiche für den all-

gemeinen Arbeitsmarkt gerade noch aus, nicht jedoch für diesbezüglich 

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sensible Tätigkeiten. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit 

schätzte der Gutachter auf 100 % ohne Leistungseinschränkung.

8. In seiner Abschlussbeurteilung vom 24. Januar 2019 befand der RAD-Arzt 

Dr. med. I._____, dass auf das SMAB-Gutachten vom 10. Dezember 2018 

abgestellt werden könne.

9. Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2019 sprach die IV-Stelle A._____ für die 

Zeit vom 1. Januar 2015 bis 31. März 2016 und, mit einem Unterbruch für 

die Zeit der beruflichen Massnahmen, wieder ab dem 1. Juli 2018 eine Vier-

telsrente zu. Dagegen erhob A._____ am 27. März 2019 Einwand und legte 

diesem ein Schreiben ihrer Psychiaterin, Dr. med. F._____, vom 6. Februar 

2019 bei, in dem diese die Notwendigkeit des weiteren Verbleibs von 

A._____ im Wohnheim G._____ begründete.

10. Mit Verfügungen vom 3. Juli 2019 sprach die IV-Stelle A._____ für die Zeit 

vom 1. Januar 2015 (sechs Monate nach Anmeldung im Juli 2014) bis zum 

31. März 2016 und für die Zeit ab dem 1. Juli 2018 eine Viertelsrente zu. 

Dabei stellte sie auf die im SMAB-Gutachten ausgewiesene 100% Arbeits-

fähigkeit in einer leidensangepassten (ungelernten) Tätigkeit ab. Bei der 

Festlegung des Valideneinkommens (nachfolgend VEK) ging die IV-Stelle 

von einem jährlichen Erwerbseinkommen von Fr. 94'250.-- aus; sie nahm 

dabei an, dass A._____ ohne gesundheitliche Einschränkung nach abge-

schlossenem Bachelor-Studium z.B. in einem Lehramt an einer Mittel-

schule (im Fach Chemie) hätte erwerbstätig sein können. Das Invaliden-

einkommen (nachfolgend IVEK) berechnete sie auf der Grundlage der 

LSE-Tabellenlöhne (LSE 2016, Total, weiblich, Kompetenzniveau 1), ohne 

Leidensabzug, und legte es bei Fr. 55'347.-- fest, sodass ein Invaliditäts-

grad von 41 % resultierte.

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11. Dagegen liess A._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) mit Eingabe 

vom 4. September 2019 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kan-

tons Graubünden erheben. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung 

vom 3. Juli 2019 und die Ausrichtung einer unbefristeten ganzen Invaliden-

rente vom 1. Januar 2015 bis zum 31. März 2016 sowie ab dem 1. Juli 

2018. Eventualiter sei die Sache zur näheren Abklärung und Neubeurtei-

lung des Anspruchs auf eine Invalidenrente an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. Bezüglich der ärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beantragte 

sie die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens für den Fall, dass das Ge-

richt von einer Arbeitsfähigkeit ausgehen sollte. In prozessualer Hinsicht 

ersuchte die Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege und Ver-

beiständung. Im Wesentlichen machte sie geltend, es bestehe keine Ar-

beitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit, jedenfalls sei diese auf dem ausge-

glichenen Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar, und auf dem IVEK müsse 

ein Leidensabzug von 25 % vorgenommen werden. Der Beschwerde legte 

sie u.a. einen weiteren Bericht von Dr. med. F._____ vom 23. August 2019 

sowie einen Zwischenbericht des Wohnheims G._____ vom 7. August 

2019 bei.

12. Mit Vernehmlassung vom 19. September 2019 beantragte die IV-Stelle 

(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenfällige Abweisung der Be-

schwerde. 

13. Mit Replik vom 1. Oktober 2019 bestätigte die Beschwerdeführerin ihre 

Rechtsbegehren und vertiefte ihren bisherigen Standpunkt punktuell. 

14. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2019 verwies die Beschwerdegegnerin auf 

ihre Vernehmlassung und verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.

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15. Mit Schreiben vom 10. Oktober 2019 forderte die Instruktionsrichterin die 

anwaltlich vertretenen Parteien auf, die Honorarvereinbarung und die Kos-

tennote einzureichen. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2019 reichte die 

Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ihre Kostennote ein.

Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid sowie die weiteren Aus-

führungen der Parteien in ihren Rechtschriften wird, sofern entscheidrele-

vant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche-

rung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt 

vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die (in zwei 

bzw. drei separaten Aktenstücken ergangenen) Verfügungen der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden vom 3. Juli 2019 (Akten der Beschwerdeführerin 

[Bf-act.] 2, Akten der IV-Stelle [IV-act.] 127, 134 und 140) stellen eine sol-

che anfechtbare Verfügung der Invalidenversicherung und folglich ein taug-

liches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsge-

richts ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit 

Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; 

BR 370.100). Als Adressatin der strittigen Verfügungen ist die Beschwer-

deführerin berührt, und sie weist ein schutzwürdiges Interesse an deren 

Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Im 

Übrigen wurde die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 

Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 ATSG), weshalb darauf einzutreten ist.

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2. Streitgegenstand bildet vorliegend der Rentenanspruch der Beschwerde-

führerin ab dem 1. Januar 2015. Uneins sind sich die Parteien insbeson-

dere hinsichtlich der Bestimmung des IVEK, mithin über die Fragen der 

(Rest-)Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, der Verwert-

barkeit dieser (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

und der Vornahme eines Leidensabzugs. 

Nicht bestritten ist das VEK von Fr. 94'250.--, das auf der Annahme der 

Beschwerdegegnerin basiert, die Beschwerdeführerin könnte heute mit ei-

nem abgeschlossenen Bachelor-Studium im Fach Chemie z.B. als Lehrerin 

an einer Mittelschule erwerbstätig sein und ein entsprechendes Jahresein-

kommen erzielen. Dies ist angesichts von Art. 26 Abs. 2 der Verordnung 

über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) nicht zu beanstanden. 

Demnach entspricht das Invalideneinkommen bei einer Versicherten, die 

wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht absch-

liessen konnte, dem durchschnittlichen Einkommen einer Erwerbstätigen 

im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde (Frühinvalidität). Eben-

falls unbestritten ist, dass der Beschwerdeführerin während der Eingliede-

rungsmassnahmen, nämlich für die Zeit vom 1. April 2016 bis zum 30. Juni 

2018, keine Rente zusteht (vgl. Art. 43 Abs. 2 IVG).

3.1. Gemäss Art. 6 und Art. 28 IVG hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid ist, 

Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, u.a. auch auf eine In-

validenrente. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität die voraussichtlich 

bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsun-

fähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperli-

chen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-

mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende und aus objektiver 

Sicht nicht überwindbare, ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög-

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lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun-

fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch-

tigung zu berücksichtigen, wobei eine solche nur vorliegt, wenn sie aus ob-

jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit 

ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi-

schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen 

Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Abs. 1 

Satz 1 ATSG).

Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG 

vor, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, 

sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliede-

rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann (lit. a), 

während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-

schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist 

(lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 

ATSG) ist (lit. c). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so steht der versi-

cherten Person bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Vier-

telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe 

Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertels-

rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze 

Rente zu (Art. 28 Abs. 2 IVG). Der Rentenanspruch entsteht frühestens 

nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-

spruchs, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Al-

tersjahres folgt (Art. 29 IVG).

3.2. Die Bemessung des Invaliditätsgrades wird in Art. 28a IVG geregelt, wobei 

unterschieden wird zwischen erwerbstätigen und nicht bzw. teilweise er-

werbstätigen Versicherten. Hinsichtlich erwerbstätigen Versicherten ver-

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weist Art. 28a Abs. 1 IVG auf Art. 16 ATSG. Demnach wird das Erwerbs-

einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und 

nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie-

derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche-

ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbs-

einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Art. 16 ATSG). 

3.3.1. Im Sozialversicherungsrecht gilt generell das Untersuchungsprinzip. Dem-

nach hat die Behörde und im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheb-

lichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die An-

träge der Parteien gebunden zu sein (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c 

ATSG; vgl. auch KIESER, Kommentar ATSG, Zürich/St. Gallen 2020, Art. 43 

Rz. 13 ff.; Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 

E.3.1). Die Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie 

auch grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (KIESER, a.a.O. Art. 43 

Rz. 30). Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich wel-

cher Tätigkeiten einem Versicherten eine Erwerbstätigkeit noch zugemutet 

werden kann, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall angerufene 

Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls an-

dere Fachleute zur Verfügung stellen (BGE 132 V 93 E.4). Dabei können 

sich die IV-Stellen und im Streitfall die Sozialversicherungsgerichte auf die 

Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD; Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die 

Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizini-

sche Sachverständige abstützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht 

schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind, viel-

mehr gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer-

deverfahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c 

ATSG; BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3). 

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3.3.2. Im Rahmen der zu beachtenden Beweiswürdigungsregeln hat das Bundes-

gericht mit BGE 141 V 281 die bisherige bei psychosomatischen Leiden/so-

matoformen Schmerzstörungen geltende Überwindbarkeitspraxis (Re-

gel/Ausnahme-Modell) für die Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit bzw. In-

validität durch einen strukturierten normativen Prüfungsraster ersetzt (Indi-

katorenprüfung/strukturiertes Beweisverfahren) und diese neue Rechtspre-

chung mit BGE 142 V 342 (E.5.2) auf die PTBS sowie mit BGE 143 V 409 

(E.4.5.1) und BGE 143 V 418 (E.6 und 7) auch auf sämtliche psychischen 

Leiden ausgedehnt (vgl. Erwägung 5.3).

3.4. Abzustellen ist vorliegend auf den Sachverhalt, der sich bis zum Zeitpunkt 

des Verfügungserlasses, hier also bis zum 3. Juli 2019 (Bf-act. 2, IV-

act. 127, 134 und 140), verwirklicht hat (Urteil des Bundesgerichts 

8C_147/2020 vom 21. April 2020 E.3.2; BGE 144 V 224 E.6.1.1). Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind später ausgestellte Arztberichte 

aber in die Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die 

im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situa-

tion erlauben (Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2019 vom 25. September 

2019 E.2.2.2).

4. Die Beschwerdegegnerin ging in ihren Verfügungen vom 3. Juli 2019 (Bf-

act. 2, IV-act. 127, 134 und 140) davon aus, dass die Beschwerdeführerin 

aktuell nicht ausbildungsfähig, jedoch in einer leidensangepassten Tätig-

keit zu 100 % arbeitsfähig sei und in einer solchen auf dem ersten Arbeits-

markt, abstellend auf die LSE-Tabelle 2016, ein Jahreseinkommen von 

Fr. 55'347.20 erzielen könnte. Sie erachtete das SMAB-Gutachten vom 10. 

Dezember 2018 als beweiskräftig. Der Einkommensvergleich ergab einen 

Invaliditätsgrad von 41 %, womit eine Viertelsrente zugesprochen werden 

konnte.

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4.1. In ihrer Beschwerde vom 4. September 2019 und der Replik vom 1. Okto-

ber 2019 bestreitet die Beschwerdeführerin, dass sie zu 100 % arbeitsfähig 

sei. Ihre Psychiaterin, Dr. med. F._____, habe in den beiden Berichten vom 

10. Mai 2018 und vom 23. August 2019 eine Depression und eine posttrau-

matische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, und festgehalten, dass sie 

krankheitsbedingt weder auf dem geschützten noch auf dem ersten Ar-

beitsmarkt einsetzbar sei. Sie sei wegen ihrer psychischen Leiden nicht in 

der Lage, ihren Alltag selbständig zu bewältigen; es gelinge ihr nicht, die 

elementarsten Alltagsaufgaben (z.B. Körperhygiene) zu erledigen. Für die 

Körperhygiene sei sie auf aussenstehende Hilfe angewiesen (Spitex). Des-

halb wohne sie auch seit dem 18. Mai 2018 im Wohnheim G._____. Dies 

werde im Zwischenbericht des Wohnheims G._____ vom 7. August 2019 

bestätigt. Aufgrund der krankhaft bedingten Antriebslosigkeit sei eine Tätig-

keit im ersten Arbeitsmarkt undenkbar. Das Invalideneinkommen müsse 

daher mit Fr. 0.-- eingesetzt werden, womit ihr eine ganze Invalidenrente 

zustehe. Eventualiter sei die Sache diesbezüglich zur näheren Abklärung 

und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Für den Fall, dass 

das Gericht sie als arbeitsfähig einstufen sollte, beantragt die Beschwerde-

führerin die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens. Zudem bestreitet sie 

für diesen Fall auch die Verwertbarkeit einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit 

auf dem Arbeitsmarkt. Die Beschwerdeführerin gibt an, sie habe noch nie 

auf dem ersten Arbeitsmarkt gearbeitet. Gemäss Gutachten lägen eine 

ausgeprägte Selbstunsicherheit und erhebliche Mängel bezüglich ihrer so-

zialen Kompetenzen vor. Nach Ansicht von Dr. med. F._____ sei die Kör-

perhygiene für den Arbeitsmarkt nicht ausreichend. Realistischerweise 

führten die krankheitsbedingt bestehenden Defizite (Körperhygiene, Sozi-

alkompetenz, körperliche Leistungsfähigkeit, etc.) dazu, dass sie auf dem 

Arbeitsmarkt keine Chance habe, weshalb die Frage der Verwertbarkeit ih-

rer Arbeitsfähigkeit verneint werden müsse. Darüber hinaus müsste, wenn 

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von einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit ausgegangen würde, vom Tabel-

lenlohn ein leidensbedingter Abzug von 25 % gewährt werden.

4.2. In ihrer Vernehmlassung vom 19. September 2019 verweist die Beschwer-

degegnerin im Wesentlichen auf die angefochtene Verfügung. Sie führt zu-

dem aus, dass die von der Beschwerdeführerin eingereichten Berichte – 

Arztbericht von Dr. med. F._____ vom 23. August 2019 und Zwischenbe-

richt des Wohnheims G._____ vom 8. August 2019 – die Schlussfolgerun-

gen des eingeholten psychiatrischen Gutachtens nicht zu erschüttern ver-

möchten. Dr. med. F._____ bestätige gerade, dass im Bereich Körperhygi-

ene mit Hilfe der Spitex eine Verbesserung eingetreten sei, dies sei ange-

sichts ihrer Schadenminderungspflicht nicht zu beanstanden. Dasselbe 

gelte für den Einwand, der Gutachter, Dr. med. H._____, habe die Be-

schwerdeführerin erst viele Monate nach Beginn ihrer Behandlung gese-

hen, zumal sich Versicherte bei Depressionen im Rahmen ihrer Schaden-

minderungspflicht behandeln lassen müssten. Auch in diesem Punkt 

komme dem Gutachten volle Beweiskraft zu. Auf weitere Beweisvorkehren 

könne verzichtet werden. Damit sei von einer wirtschaftlich verwertbaren 

Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 100 % und bei der Ermittlung 

des IVEK von einem LSE-Tabellenlohn auszugehen. Der Beschwerdefüh-

rerin sei es weiterhin zumutbar, betreffend Körperhygiene Hilfe in Anspruch 

zu nehmen.

5. Vorerst ist auf die Frage einzugehen, ob die Beschwerdegegnerin in den 

angefochtenen Verfügungen vom 3. Juli 2019 (Bf-act. 2, IV-act. 127, 134 

und 140) zu Recht auf das SMAB-Gutachten vom 10. Dezember 2018 (Bf-

act. 3, IV-act. 118) abstellte oder ob die Ausführungen in den übrigen (me-

dizinischen) Akten derartige Zweifel an der gutachterlichen Einschätzung 

der Arbeitsfähigkeit (100% in einer adaptierten Tätigkeit) zu wecken ver-

möchten, dass deren Beweiskraft erschüttert wird. 

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5.1. Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass sie in einer adaptierten Tätigkeit 

arbeitsfähig sei. Sie macht diesbezüglich geltend, dass sie an erheblichen 

Einschränkungen leide, weshalb es ihr nicht gelinge, die elementarsten All-

tagsaufgaben (z.B. Körperhygiene) selbstständig zu bewältigen. Im Wohn-

heim G._____ müsse sie für jede Aktivität ausserhalb ihres Zimmers, das 

sie nur für etwa zwei Stunden täglich verlasse, vom Betreuungspersonal 

abgeholt werden. Obwohl sie von Letzteren unterstützt und motiviert werde, 

sei es ihr nicht einmal gelungen, einmal wöchentlich an einem Freizeitpro-

gramm teilzunehmen. Es sei daher undenkbar, dass sie eine Tätigkeit im 

ersten Arbeitsmarkt bewältigen könne. Die Antriebslosigkeit sei dabei auf 

ihre psychischen Leiden, einschliesslich einer Depression, zurückzuführen, 

die auch für die Betreuungspersonen tagtäglich erkennbar sei. 

5.2.1. Gemäss dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben, wie bereits 

erwähnt (vgl. Erwägung 3.3.1), Versicherungsträger und Sozialversiche-

rungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisre-

geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. Art. 61 lit. c 

ATSG; BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3). Für das Beschwer-

deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig 

davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-

den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des 

streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-

ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 

abstellt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V 124 E.2.2.2 und BGE 125 V 351 

E.3a). 

- 15 -

5.2.2. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der 

Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-

chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-

nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuch-

tet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin/des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für 

den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweis-

mittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen 

Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 

125 V 351 E.3a mit Hinweisen). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit 

dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Be-

zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtli-

nien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E.3b). Den im 

Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen 

Spezialärztinnen und Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobach-

tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er-

statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, 

solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E.2; 

BGE 137 V 210 E.1.3.4, BGE 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte 

von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll die Richterin auch der Er-

fahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese/r mitunter im Hinblick auf 

ihre/seine auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu 

Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5, BGE 125 V 351 

E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten und Gutachten versiche-

rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig 

erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind 

und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. BGE 135 V 

- 16 -

465 E.4.4, BGE 125 V 351 E.3b/ee; Urteil des Bundesgerichts 

8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3). 

5.3. Im SMAB-Gutachten vom 10. Dezember 2018 (Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 12) 

diagnostizierte der Gutachter, Dr. med. H._____, eine Persönlichkeitss-

törung mit selbstunsicheren und unreifen Anteilen (ICD-10: F60.88) mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Auf dieses Beschwerdebild ist die 

Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 (Ersatz des bisherigen Re-

gel/Ausnahme-Modells durch einen strukturierten normativen Prüfungsras-

ter, Standardindikatorenprüfung) anwendbar (vgl. dazu BGE 143 V 409 

E.4.5.1 und BGE 143 V 418 E.6 und 7; vgl. auch Erwägung 3.3.2). Dem-

nach beurteilt sich die Frage, ob eine psychische Störung zu einer Arbeits-

unfähigkeit führt, die auch rechtlich bedeutsam ist, in Nachachtung von 

Art. 7 Abs. 2 ATSG grundsätzlich immer auf der Grundlage eines struktu-

rierten Beweisverfahrens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_475/2019 

vom 15. November 2019 E.4.2.2). Dr. med. H._____ orientierte sich in sei-

nem Gutachten denn auch an den entsprechenden Standardindikatoren 

(vgl. S. 15 ff.; Bf-act. 3, IV-act. 118); insofern ist das SMAB-Gutachten nicht 

zu beanstanden. 

5.3.1. Nach Ansicht des Gerichts erweist sich die Beurteilung von Dr. med. 

H._____ (Bf-act. 3, IV-act. 118) insgesamt und grundsätzlich als für die 

streitigen Belange umfassend; sie basiert auf den im Zeitpunkt der Begut-

achtung vorhandenen Vorakten bzw. den Angaben aus der beruflichen Ein-

gliederung sowie ausführlichen eigenen Untersuchungen und berücksich-

tigt die geklagten Beschwerden. Der Beschwerdegegnerin ist darin bei-

zupflichten, dass der Gutachter sich sorgfältig mit den gesundheitlichen 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin auseinandersetzte und seine 

Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen Untersuchungen getroffen 

hat. 

- 17 -

Als Untersuchungsbefunde (Bf-act. 3, IV-act. 118; Ziff. 4.3, S. 9 ff.) hielt 

Dr. med. H._____ insbesondere fest, die Beschwerdeführerin habe sich im 

Erstkontakt (sehr) ängstlich gezeigt, sei aber ausreichend zugewandt und 

situationsadäquat gewesen. Sie sei dem Untersucher ins Untersuchungs-

zimmer gefolgt, habe auf dem Patientenstuhl Platz genommen und sei dort 

im Weiteren ohne zwischenzeitliches Aufstehen und/oder Herumgehen 

verblieben. Während der gesamten Untersuchung habe sie ein mitgebrach-

tes grosses Stofftier umarmt und gestreichelt. Hinsichtlich der äusseren Er-

scheinung sei sie wenig gepflegt. Sie habe einen deutlich wahrnehmbaren 

Köpergeruch und relativ fettige Haare. Der Körpergeruch sei zwar wahr-

nehmbar, aber nicht derart extrem, dass die Beschwerdeführerin nicht ge-

sellschaftsfähig wäre bzw. dass es für Dritte nicht möglich wäre, sich bei 

geschlossenem Fenster mit ihr in einem Raum aufzuhalten. Hinsichtlich 

des Antriebs (S. 10) vermerkte Dr. med. H._____, unter Berücksichtigung 

von Psychomotorik und Gesprächsaktivität habe sich in der Untersu-

chungssituation selbst keine Antriebsminderung abgezeichnet. Anamnes-

tisch zeige sich ein sehr unstrukturierter Tagesablauf und ein deutlich re-

duzierter Eigenantrieb. Die Beschwerdeführerin habe erhebliche Schwie-

rigkeiten, Handlungen eigenständig, also ohne Anstoss und Impulse von 

aussen, zu initiieren bzw. in Gang zu setzen. Gebe es Vorgaben von aus-

sen, so habe sie keine Probleme, z.B. bestimmte Ämtli in der Einrichtung 

auszuüben. Sei eine Aktivität erst einmal in Gang gekommen, erfolge diese 

nach Beschreibung der Beschwerdeführerin dann auch zügig. Zur Affekti-

vität (S. 10) fügte Dr. med. H._____ an, dass die Beschwerdeführerin an-

gegeben habe, sich oft einsam zu fühlen, von der Stimmung her innerlich 

leer sei. Sie habe sehr wenig Selbstwertgefühl. Wenn sie mit anderen Men-

schen zusammen sei, fühle sie sich immer als fünftes Rad am Wagen und 

denke, dass andere sich nicht für sie interessieren würden, mit ihr nichts zu 

tun haben wollten. Werde diese Problematik thematisiert, wirke die Be-

- 18 -

schwerdeführerin durchaus deprimiert, aber nicht in einem massiven Aus-

mass im Sinne von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit etc.; Symptome wie 

Selbstvorwürfe, Schuldgefühle etc., die bei schwerer ausgeprägten De-

pressionen häufig vorkämen, fehlten völlig. Über neutrale Themen sei die 

Beschwerdeführerin auflockerbar und modulierbar, sie gehe zudem durch-

aus auch positiv besetzen Aktivitäten (Bücher lesen) intensiv nach. Die af-

fektive Schwingungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt. Ebenso wenig be-

stehe eine Affektlabilität bzw.-inkontinenz, eine Interessenlosigkeit, kein 

ausgewiesener Rückzug und keine Anhedonie (reduzierte Fähigkeit zum 

positiven emotionalen Erleben). Hinsichtlich der Persönlichkeit (S. 10 f.) 

falle, so Dr. med. H._____, eine ausgeprägte Selbstunsicherheit auf. Die 

Beschwerdeführerin denke, dass andere sich nicht für sie interessierten. 

An sich hätte sie gern soziale Kontakte, habe aber Ängste, auf andere zu-

zugehen. Es lägen umfangreiche Berichte über Eingliederungsmassnah-

men vor, aus denen hervorgehe, dass die Beschwerdeführerin in sozialen 

Situationen unbeholfen und z.B. nicht ausreichend in der Lage sei, sich an-

gemessen in ein Gespräch zweier Personen einzubringen. Sie bringe sich 

entweder aufgrund von Angst gar nicht ein oder unterbreche die Unterhal-

tung zwischen zwei Personen viel zu grob. Die Mängel im Bereich ihrer 

sozialen Kompetenz seien einerseits Ausdruck der Selbstunsicherheit, an-

dererseits Ausdruck mangelnder Übung hinsichtlich des Verhaltens in so-

zialen Situationen aufgrund eines sich schon seit der Jugend durchziehen-

den Aussenseitertums. Im Rahmen der Ausbildung zur Informatikerin bei 

der Stiftung E._____ sei deutlich geworden, dass bei höheren Anforderun-

gen an Eigenstrukturierung und gleichzeitig nachlassendem beruflichen In-

teresse für die Informatik zunehmend Kontrollen und Anstoss von aussen 

erforderlich gewesen seien. Insgesamt ergebe sich, dass neben selbstun-

sicheren auch unreife Persönlichkeitsanteile vorlägen mit erhöhtem Ange-

wiesensein auf Strukturierung, Anstoss und Vorgaben von aussen. Es be-

- 19 -

stehe eine Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und unreifen Antei-

len (ICD-10: F60.88).

5.3.2. Bei der medizinischen/versicherungsmedizinischen Beurteilung (Bf-act. 3, 

IV-act. 118; Ziff. 7, S. 13 ff.) zeigte Dr. med. H._____ vorerst die bisherige 

persönliche, berufliche und gesundheitliche Entwicklung der Beschwerde-

führerin (einschliesslich der aktuellen psychischen, sozialen und gesund-

heitlichen Situation) (Ziff. 7.1, S. 13 f.) sowie den Verlauf der bisherigen Be-

handlungen seit 2013 auf (Ziff. 7.2, S. 14). 

Zum Indikator "Konsistenz und Plausibilität" (Bf-act. 3, IV-act. 118; Ziff. 7.3, 

S. 14 f.) erklärte der Gutachter, die Beurteilung, dass die Beschwerdefüh-

rerin zu keiner beruflichen Tätigkeit in der Lage sei, erachte er als nicht 

plausibel. Diesbezüglich setzte er sich mit der Einschätzung der behan-

delnden Ärzte auseinander und zeigte auf, weshalb er eine andere Ansicht 

vertritt (S. 14 f.). So finde sich im Bericht von Dr. med. B._____ vom 22. 

Oktober 2013 (vgl. IV-act. 11/2 ff.) in psychiatrischer Hinsicht die Diagnose 

"soziale Phobien". Solche sozialphobischen Ängste spielten bei der Be-

schwerdeführerin durchaus eine Rolle, aber sie würden, nach seiner Ein-

schätzung, für sich allein die Verhaltensauffälligkeiten, die im Rahmen um-

fangreicher Wiedereingliederungsmassnahmen aufgefallen seien, nicht 

ausreichend erklären. Vielmehr liege bei der Beschwerdeführerin nach sei-

ner Beurteilung eine Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und un-

reifen Anteilen vor (S. 14). 

Des Weiteren finde sich in den Unterlagen die Diagnose einer PTBS nach 

sexuellem Missbrauch (Bericht von Dr. med. B._____ vom 8. September 

2014, vgl. IV-act. 15/2 ff.). Die Beschwerdeführerin habe in der Jugend ei-

nen sexuellen Missbrauch erlebt. Auf aktuelle explizite Nachfrage habe sie 

eine posttraumatische Symptomatik im Sinne von Flash-Backs, Intrusionen 

- 20 -

und Albträumen eindeutig verneint. Auch in der Vergangenheit habe diese 

Symptomatik nach Angaben der Beschwerdeführerin nicht vorgelegen. 

Trotz entsprechender Diagnose werde im fraglichen Bericht (gemeint ist 

derjenige von Dr. med. B._____) die entsprechende Symptomatik nicht be-

schrieben (Bf-act. 3, IV-act. 118; S. 15).

Übereinstimmend mit seiner aktuellen Einschätzung werde auch im Ab-

schlussbericht BEFAS (gemeint ist der Schlussbericht C._____ von 

Dr. med. D._____ vom 30. November 2015, vgl. IV-act. 30) mitgeteilt, dass 

die in den Akten zu entnehmende Diagnose einer PTBS in der Form nicht 

bestätigt werden könne, da weder Intrusionen noch Hypervigilanz vorliegen 

würden, und dass die (…) psychische Verfassung der Beschwerdeführerin 

zutreffender mit der Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung 

und unsicheren, ängstlich vermeidenden sowie unreifen Anteilen beschrie-

ben werden könne. Dies entspreche auch der aktuellen, mithin seiner eige-

nen Einschätzung (Bf-act. 3, IV-act. 118; S. 15). 

Schliesslich finde sich in den Akten die Diagnose einer mittleren bis schwe-

ren Depression ohne psychiatrische Symptome (Bericht von Dr. med. 

F._____ vom 10. Mai 2018, vgl. IV-act. 93). Diese Diagnose sei nicht nach-

vollziehbar und ergebe sich auch nicht aus dem psychischen Befund. In 

diesem würden keinerlei kognitive Einschränkungen mitgeteilt, im Gegen-

teil, die Beschwerdeführerin werde dort als wach, aufmerksam, in der The-

rapie sehr präsent beschrieben; darüber hinaus werde dort festgehalten, 

dass sie interessiert gewirkt habe und in vielen Gebieten sehr fachkundig 

sei, was nicht zu einer mittelgradigen bis schwer ausgeprägten Depression 

passe (S. 15). Es werde eine "deutliche Antriebsminderung" benannt, wo-

bei nicht weiter differenziert werde zwischen Eigenantrieb, d.h. eine eigene 

Aktivität in Gang setzen, und Durchhaltevermögen. Nach Einschätzung des 

Gutachters habe die Beschwerdeführerin einen verminderten Eigenantrieb, 

- 21 -

benötige immer wieder Anstoss, Vorgaben und Strukturierung, könne dann 

aber durchaus ausreichende Aktivitäten entfalten (S. 15). Es handle sich 

hier um eine persönlichkeitsbedingte Problematik, wie dies bereits in der 

BEFAS-Abklärung 2015 (Schlussbericht C._____ vom 30. November 

2015, vgl. IV-act. 30) aufgrund einer mehrwöchigen Beobachtung sehr gut 

nachvollziehbar dargelegt worden sei (S. 15). 

5.3.3. Bei der Würdigung der "Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen" (Bf-

act. 3, IV-act. 118; Ziff. 7.4, S. 16) der Beschwerdeführerin beschrieb 

Dr. med. H._____ eine hohe Intelligenz, feinmotorisches Geschick und 

eine gute schulische Ausbildung (Ressourcen). Demgegenüber bestünden 

aufgrund der ausgeprägten Selbstunsicherheit erhebliche Fähigkeitss-

törungen in den Bereichen Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie Gruppenfähig-

keit; massiv beeinträchtigt sei der Bereich Strukturierung von Aufgaben. 

Beim Belastungsprofil erklärte der Gutachter, dass aufgrund der sehr stark 

eingeschränkten Fähigkeit, Aufgaben selber zu strukturieren, nur Tätigkei-

ten in Frage kämen, die für die Beschwerdeführerin weitgehend vorstruk-

turiert seien. Geeignet seien insbesondere getaktete Tätigkeiten, z.B. in der 

Produktion. Aufgrund der sozialen Ängste sollte die Beschwerdeführerin 

weitestgehend für sich alleine arbeiten können, und es sollte nur wenig Ab-

stimmungsbedarf mit Kollegen und Kolleginnen oder Vorgesetzten beste-

hen. Auch sollte kein Kundenkontakt erforderlich sein. Die von der Be-

schwerdeführerin praktizierte Körperhygiene reiche für den allgemeinen Ar-

beitsmarkt noch aus; in dieser Hinsicht sensible Tätigkeiten, in denen be-

sonderer Wert auf ein gepflegtes Äusseres gelegt werde, seien für sie aber 

nicht geeignet.

5.3.4. Diese Ausführungen zur Beurteilung der medizinischen Situation erachtet 

das Gericht als einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum 

Gesundheitszustand als nachvollziehbar. Zu prüfen ist sodann, inwiefern 

- 22 -

sich diese gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin auf ihre Ar-

beitsfähigkeit auswirkt.

5.3.5.1.Bei der Beantwortung der Fragen zur Arbeits(un)fähigkeit (Bf-act. 3, IV-

act. 118; S. 16) legte Dr. med. H._____ dar, dass diese bezüglich der Aus-

bildung zur Informatikerin, die im zweiten Lehrjahr erhöhte Anforderungen 

an die eigene Strukturierung, den Eigenantrieb etc. gestellt habe, aufgeho-

ben sei. Nach medizinischen Massnahmen befragt, führte er aus, mit Blick 

auf die ambulante therapeutische Behandlung der Beschwerdeführerin sei 

es zwar durchaus realistisch, dass eine Nachreifung der Persönlichkeit mit 

dann auch vorliegender Ausbildungsfähigkeit gelinge. Eine diesbezügliche 

Re-Evaluation erscheine aber frühestens in zwei Jahren sinnvoll. Derzeit 

sei eine Ausbildung von der Beschwerdeführerin aber nicht zu bewältigen, 

auch nicht im geschützten Rahmen (S. 19). Hinsichtlich einer optimal an-

gepassten Tätigkeit (vgl. Beschreibung in Ziff. 5.3.3) besteht gemäss Gut-

achter eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im freien Arbeitsmarkt (S. 17). Die Ar-

beitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit sei gegeben, weil die Anforderungen 

in einer einfachen Tätigkeit gemäss Belastungsprofil hinsichtlich Eigenan-

trieb, Eigenstrukturierung und Wahrnehmung sozialer Kontakte bei Weitem 

nicht so hoch seien wie in einer Ausbildung (S. 18). 

5.3.5.2.Während sich die gutachterliche Beurteilung der medizinischen Situation 

als nachvollziehbar erweist, vermag die Einschätzung der medizinisch-the-

oretischen Arbeitsfähigkeit nach Ansicht des Gerichts nicht zu überzeugen. 

Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchti-

gungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson denn auch keine ab-

schliessende Beurteilungskompetenz zu (BGE 145 V 361 E.3.2.1, BGE 

144 V 50 E.4.3, BGE 140 V 193 E.3.1). Vielmehr nimmt die Ärztin/der Arzt 

zur Arbeits(un)fähigkeit Stellung, d.h. sie/er gibt eine Schätzung ab, die 

sie/er aus ihrer/seiner Sicht so substanziell wie möglich begründet. 

- 23 -

Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die 

juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person 

noch zugemutet werden können (so die mit BGE 105 V 156 E.1 in fine be-

gründete und in zahllosen Urteilen bestätigte bundesgerichtliche Recht-

sprechung, z.B. BGE 144 V 50 E.4.3, BGE 132 V 93 E.4). Nötigenfalls sind, 

in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerb-

lich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen In-

tegration und Berufsberatung einzubeziehen (seit BGE 107 V 17 E.2b gel-

tende bundesgerichtliche Rechtsprechung, vgl. BGE 140 V 193 E.3.1 mit 

Hinweisen) 

Zwar ist dem psychiatrischen Gutachter, Dr. med. H._____, zuzugestehen, 

dass die Berichte aus der beruflichen Eingliederung in seine Beurteilung 

miteinflossen und sich daraus durchaus Rückschlüsse auf die Ressourcen 

der Beschwerdeführerin ziehen lassen (vgl. insbesondere Bf-act. 3, IV-

act. 118, Ziff. 7.4, S. 16). So ist neben deren unzweifelhaft hohen Intelli-

genz und ihrem motorischen Geschick insbesondere auf ihre Fähigkeit, 

ausführende Aufgaben mit klaren Vorgaben und Strukturen exakt und kon-

stant zu bearbeiten sowie darin Fortschritte zu erzielen, hinzuweisen (vgl. 

BEFAS-Abklärung/Schlussbericht C._____ vom 30. November 2015 [IV-

act. 30/5 f.], Schlussbericht Abklärung Flex im E._____ vom 23. Juni 2016 

[IV-act. 59/3 ff.] und Zwischenbericht 1. Ausbildungsjahr E._____ vom 

31. August 2017 [IV-act. 83]). Ausserdem gelang es der Beschwerdeführe-

rin anlässlich des Berufsfindungsprogramms im E._____ gut, einfache Auf-

träge zu erfassen und diese selbstständig zu bearbeiten, wobei sie sich 

dabei motiviert und interessiert zeigte und eine durchschnittliche Leistungs-

fähigkeit von 90 % im ersten Arbeitsmarkt für eine erstmalige berufliche 

Ausbildung erreichte (vgl. Schlussbericht Abklärung Flex im E._____ vom 

23. Juni 2016 [IV-act. 59/3 ff.]). Relativierend ist dazu indes anzumerken, 

dass es sich dabei lediglich um ein Schnuppern in verschiedenen Berufen 

- 24 -

ohne Leistungsdruck im geschützten Ausbildungsrahmen mit zusätzlich in-

ternem, begleiteten Wohnen in der Ausbildungsinstitution handelte, bei 

dem die Eingliederungsfachpersonen trotz dieser Ressourcen letztlich zum 

Schluss gelangten, dass der geschützte Rahmen notwendig sei (BEFAS-

Abklärung/Schlussbericht C._____ vom 30. November 2015 [IV-act. 30/9], 

Schlussbericht Abklärung Flex im E._____ vom 23. Juni 2016 [IV-act. 59/8] 

und Zwischenbericht 1. Ausbildungsjahr E._____ vom 31. August 2017 [IV-

act. 83/2]). Im Vergleich zum ersten Arbeitsmarkt orteten sie einen ausser-

ordentlichen Mehraufwand im Förderbedarf der Persönlichkeitsentwicklung 

und in einer unterstützenden, verständnisvollen Begleitung (Schlussbericht 

Abklärung Flex im E._____ vom 23. Juni 2016 [IV-act. 59/8]). Aus der be-

ruflichen Eingliederung ging ausserdem hervor, dass sich die Beschwerde-

führerin bei offenen Aufgaben ohne klare Rahmenbedingungen im Lö-

sungsprozess verlor und dabei überdurchschnittlich viel Zeit in Anspruch 

nehmen musste bzw. nicht zum Abschluss gelangte (vgl. insbesondere BE-

FAS-Abklärung/Schlussbericht C._____ vom 30. November 2015 [IV-

act. 30/6] und Schlussbericht Abklärung Flex im E._____ vom 23. Juni 

2016 [IV-act. 59/4]). Insofern leuchtet es ein, wenn der psychiatrische Gut-

achter strukturierte und geordnete Tätigkeiten, die insbesondere im Kom-

petenzniveau 1 der LSE zusammengefasst sind, als geeignet erachtet (vgl. 

Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 17). Indes bestehen auch gemäss Dr. med. 

H._____ über die massiv beeinträchtigte Fähigkeit zur Selbststrukturierung 

hinaus zusätzliche erhebliche Fähigkeitsstörungen, insbesondere im Be-

reich der sozialen Kontakte und der Selbstwahrnehmung bzw.

-sicherheit, die neben sämtlichen Eingliederungsfachpersonen (vgl. 

Schlussbericht Abklärung Flex im E._____ vom 23. Juni 2016 [IV-act. 59/8], 

Zwischenbericht 1. Ausbildungsjahr E._____ vom 31. August 2017 [IV-

act. 83/2] und Zwischenbericht 2. Ausbildungsjahr 1. Semester vom 26. Fe-

bruar 2018 [IV-act. 89/3]) und der behandelnden Psychiaterin (vgl. Stel-

lungnahme Dr. med. F._____ vom 23. August 2019 [Bf-act. 5]; vgl. zur Be-

- 25 -

achtlichkeit von nach Verfügungserlass erstellten bzw. eingereichten Arzt-

berichten Erwägung 3.4) insbesondere auch den Psychiater des C._____, 

Dr. med. D._____, zum Schluss bewegten, dass eine Eingliederung in den 

ersten Arbeitsmarkt unmöglich sei (vgl. BEFAS-Abklärung/Schlussbericht 

C._____ vom 30. November 2015 [IV-act. 30/8 f.]). Auf dessen Diagnose 

einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit unsicheren, ängstlich ver-

meidenden und unreifen Anteilen stellte denn auch Dr. med. H._____ im 

SMAB-Gutachten vom 10. Dezember 2018 massgeblich ab (Bf-act. 3; IV-

act. 118, S. 15). Insofern erscheint die von Letzterem getroffene Einschät-

zung der Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit auf dem 

ersten Arbeitsmarkt – auch vor dem Hintergrund des Ermessensspiel-

raums, der namentlich psychiatrischen Explorationen innewohnt (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 8C_699/2018 vom 28. August 2019 E.4.2.2 und 

9C_191/2017 vom 15. Februar 2018 E.5.2.3; BGE 137 V 210 E.3.4.2.3) – 

erklärungsbedürftig.

5.3.5.3.Insbesondere was den Eigenantrieb anbelangt, führte der psychiatrische 

Gutachter in seinem Gutachten vom 10. Dezember 2018 (Bf-act. 3, IV-

act. 118) selbst aus, die Beschwerdeführerin bedürfe aktuell immer wieder 

eines Anstosses und Vorgaben von aussen sowie vermehrter Kontrollen 

(S. 11 und S. 15). Dies widerspiegelte sich denn auch im Rahmen der be-

ruflichen Eingliederung. So benötigte die Beschwerdeführerin gemäss den 

Eingliederungsfachpersonen im E._____ insbesondere im 2. Ausbildungs-

jahr eine enge Begleitung und Kontrolle; die ihr übergebenen Aufträge habe 

sie nur punktuell bearbeitet und sich dabei oft ablenken lassen; ihre Ar-

beitsleistung habe sich als eingeschränkt, strukturlos und kaum verwertbar 

erwiesen (vgl. Schlussbericht Ausbildung Informatik vom 27. Juni 2018 [IV-

act. 99/2]). Die Antriebslosigkeit zeigte sich aber auch im Bereich des Woh-

nens und der Körperpflege. Laut Angaben der Eingliederungsfachpersonen 

sei die Beschwerdeführerin mit der Zeit auf massive Hilfe der Betreuer an-

- 26 -

gewiesen gewesen, um überhaupt damit zu beginnen, in der Wohngruppe 

Ordnung zu halten (vgl. Zwischenbericht 2. Ausbildungsjahr 1. Semester 

vom 26. Februar 2018 [IV-act. 89/2]). Auch habe sie sich immer mehr 

zurückgezogen und dabei ihre ohnehin auffällige Körperhygiene und das 

äussere Erscheinungsbild zunehmend vernachlässigt (vgl. Zwischenbe-

richt 2. Ausbildungsjahr 1. Semester vom 26. Februar 2018 [IV-act. 89/2], 

Bericht Wohnen E._____ vom 25. Juni 2018 [IV-act. 99/3], Schlussbericht 

Wohnen E._____ vom 18. Juni 2016 [IV-act. 59/9] und Zwischenbericht 

1. Ausbildungsjahr E._____ vom 31. August 2017 [IV-act. 83/2]). Auch die 

Spitex-Pflegerin äusserte sich dahingehend, dass es der Beschwerdefüh-

rerin nur möglich sei, ihre Tagesstruktur mit Begleitung und Unterstützung 

dauerhaft und konsequent wahrzunehmen (vgl. Verlaufsprotokoll Berufs-

beratung, Eintrag vom 17. Mai 2015 [IV-act. 31/1]). Schliesslich wird auch 

im Zwischenbericht des Wohnheims G._____, in dem sich die Beschwer-

deführerin aktuell aufhält, ausgewiesen, dass Letztere für die Alltagsbewäl-

tigung auf die aktive Unterstützung durch das Betreuungsteam angewiesen 

sei, denn sie könne zurzeit nicht auf die Handlungsebene treten; vielmehr 

ziehe sie sich viel in ihr Zimmer zurück und verbringe nur etwa zwei Stun-

den täglich ausserhalb davon, wobei sie vom Betreuungspersonal jeweils 

dort aufgesucht und abgeholt werde (Zwischenbericht G._____ vom 7. Au-

gust 2019 [Bf-act. 6]; vgl. zu dessen Beachtlichkeit Erwägung 3.4). 

Beim Eigenantrieb handelt es sich um eine zentrale Fähigkeit für das Er-

werbsleben, denn liegt ein solcher, wie hier, nicht vor bzw. ist er deutlich 

reduziert, fehlt es an der Grundvoraussetzung, damit die (noch verblei-

bende) erwerbliche Leistungsfähigkeit überhaupt entfaltet werden kann. 

Soweit der psychiatrische Gutachter vorbringt, die Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit sei durchaus gegeben, da die Anforderungen in einer 

einfachen Tätigkeit gemäss Belastungsprofil namentlich hinsichtlich des Ei-

genantriebs bei Weitem nicht so hoch seien wie in einer Ausbildung (wo 

- 27 -

die Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachter vollständig aufgehoben ist, nota 

bene auch im geschützten Rahmen, vgl. Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 18), kann 

ihm nicht gefolgt werden, zumal es die Beschwerdeführerin angesichts ih-

res ausgeprägten Vermeidungsverhaltens unabhängig davon, ob es sich 

um eine erwerbliche Tätigkeit oder eine Ausbildung handelt, erhebliche 

Überwindung kostet, sich überhaupt in irgendeiner Weise zu betätigen. 

Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin bisher nur einer Tätigkeit im 

geschützten Rahmen (mit betreutem Wohnen) nachging und ihr somit eine 

aktive Unterstützung durch die Betreuungspersonen, deren direkte Auffor-

derung sowie Impulse und Kontrolle von aussen zuteil kamen. Brechen 

diese Strukturen im Rahmen einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft weg, 

erscheint es als wahrscheinlich, dass sich das Vermeidungsverhalten der 

Beschwerdeführerin noch weiter verstärken wird. Des Weiteren vermag es 

nicht zu überzeugen, wenn der Gutachter die Fähigkeit, eigenständige 

Handlungen in Gang zu setzen, im Umstand begründet sieht, dass die Be-

schwerdeführerin bestimmte "Ämtli" zu erledigen vermag. Abgesehen da-

von, dass solche Aufgaben nicht mit einer Erwerbstätigkeit im ersten Ar-

beitsmarkt vergleichbar sind und die Beschwerdeführerin sie insbesondere 

deshalb zu erledigen scheint, weil kein grosser Zeitaufwand damit verbun-

den ist (vgl. Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 6), übersieht er, dass die Beschwer-

deführerin gemäss Zwischenbericht des Wohnheims G._____ auch hierfür 

einen Impuls von aussen und Unterstützung benötigt (vgl. Zwischenbericht 

vom 7. August 2019 [Bf-act. 6]). Insgesamt lassen der auch gutachterlich 

ausgewiesene, sehr unstrukturierte Tagesablauf der Beschwerdeführerin 

und ihr deutlich reduzierter Eigenantrieb, die sich klarerweise unter dem 

Niveau von einfachen Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 bewegen, eine 

uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft als fraglich er-

scheinen.

- 28 -

5.3.5.4.Des Weiteren führte der psychiatrische Gutachter das Vermeidungsverhal-

ten der Beschwerdeführerin im SMAB-Gutachten vom 10. Dezember 2018 

(Bf-act. 3, IV-act. 118) zumindest teilweise auf die im 2. Lehrjahr aufgetre-

tenen, nachlassenden beruflichen Interessen im Bereich der Informatik 

zurück (S. 11). Die Beschwerdeführerin gab nach Lehrabbruch an, sich für 

Bücher, Geschichte und Mythologie zu interessieren, was jedoch als nicht 

verwertbar erachtet wurde (vgl. Verlaufsprotokoll Berufsberatung, Eintrag 

vom 6. April 2018 [IV-act. 94/6]). Wenn nun gemäss gutachterlichem Be-

lastungsprofil einfache, repetitive Tätigkeiten als zumutbar erachtet wer-

den, die sich massgeblich von den geäusserten Interessen unterscheiden 

und zudem unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin über eine hohe 

Intelligenz verfügt, ist nicht auszuschliessen, dass dies dem ohnehin deut-

lich reduzierten Eigenantrieb noch weiter abträglich ist. Hinzu kommt, dass 

die Beschwerdeführerin in solch getakteten Tätigkeiten nicht auf erworbene 

Berufskenntnisse zurückgreifen kann, was sich angesichts der gutachter-

lich attestierten Selbstunsicherheit und der von ihr bekundeten Mühe mit 

Leistungsdruck (vgl. Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 7) ebenfalls negativ auf die 

Arbeitsfähigkeit auswirken dürfte.

5.3.5.5.Letztlich kann die Frage, ob die gutachterliche Einschätzung der Arbeits-

fähigkeit in adaptierter Tätigkeit den erheblichen Einschränkungen der Be-

schwerdeführerin tatsächlich gerecht wird, jedoch offen bleiben, da die ge-

schilderten, ausgewiesenen Funktionsstörungen zusammen mit den nach-

folgend dargelegten Umständen die (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem aus-

geglichenen Arbeitsmarkt zumindest aktuell als unverwertbar erscheinen 

lassen.

6. Nebst der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit steht die Frage der 

Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit im Raum. Diese hat die Be-

schwerdegegnerin in ihren Verfügungen vom 3. Juli 2019 (Bf-act. 2, IV-

- 29 -

act. 127, 134 und 140) ohne weitere Begründung bejaht (vgl. insbesondere 

Bf-act. 2 und IV-act. 127, jeweils S. 3). 

6.1. Demgegenüber stellt die Beschwerdeführerin die Verwertbarkeit ihrer 

(Rest-)Arbeitsfähigkeit in Abrede. Begründend führt sie dazu aus, sie sei 

noch nie auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig gewesen. Der psychiatrische 

Gutachter, Dr. med. H._____, beschreibe sie als sehr ängstlich und attes-

tiere ihr eine ausgeprägte Selbstunsicherheit. Aufgrund des im Gutachten 

ausgewiesenen Zumutbarkeitsprofils müsste sie eine Tätigkeit finden, bei 

der wenig Abstimmungsbedarf mit Kolleginnen und Kollegen bzw. Vorge-

setzten bestehe. Gleichzeitig sei sie in erhöhtem Mass auf Anstoss und 

Vorgaben von aussen angewiesen. Offensichtlich stelle es potenzielle Ar-

beitgeber vor grosse Schwierigkeiten, wenn einerseits von der Beschwer-

deführerin keine Selbstständigkeit erwartet werden könne und andererseits 

zwischen ihr und Kolleginnen und Kollegen bzw. Vorgesetzten möglichst 

wenig Kontakt bestehen solle. Hinzu komme, dass sie derart ängstlich sei, 

dass sie bei Gesprächen zur Beruhigung ein Stofftier streicheln und umar-

men müsse. Ein potenzieller Arbeitgeber müsste zudem dazu bereit sein, 

jemanden einzustellen, der ständig äusserst ungepflegt (deutlich wahr-

nehmbarer Körpergeruch und fettige Haare) zur Arbeit erscheine. Vor dem 

Hintergrund, dass auf dem ersten Arbeitsmarkt bei jeder Arbeitsstelle ein 

gewisses Mass an Körperhygiene vorausgesetzt werde, sei es äusserst un-

realistisch, dass ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer in diesem Bereich 

entgegenkommen könnte. Gerade in der Produktion müssten Arbeitneh-

mer praktisch immer mit anderen Personen im selben Raum arbeiten. 

Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass es sich bei Tätigkeiten in der Pro-

duktion um körperlich anstrengende Arbeiten handle. In Anbetracht ihres 

sehr starken Übergewichts (sie wiege ca. 145 bis 165 kg), sei von einer 

deutlich eingeschränkten Leistungsfähigkeit auszugehen. 

- 30 -

6.2. Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothe-

tisch ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG). Nach der Rechtspre-

chung des Bundesgerichts handelt es sich dabei um einen theoretischen 

abstrakten Begriff (BGE 134 V 64 E.4.2.1), der dazu dient, den Leistungs-

bereich der Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversi-

cherung abzugrenzen (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundes-

gerichts zum IVG, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a Rz. 131). Der Begriff 

umschliesst einerseits ein bestimmtes konjunkturelles Gleichgewicht zwi-

schen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen (MEYER/REICH-

MUTH, a.a.O., Art. 28a Rz. 131; 9C_277/2016 vom 15. März 2017 E.4.1); 

anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her 

einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüg-

lich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen 

wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des Bundesgerichts 

9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 mit Hinweis auf BGE 110 V 273 

E.4b). Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszuge-

hen; es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung 

der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles 

zumutbar sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 

E.2.2.1, 9C_910/2011 vom 30. März 2012 E.3.1 und 9C_830/2007 vom 29. 

Juli 2008 E.5.1). 

Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide 

Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 mit Hin-

weis auf BGE 110 V 273 E.4b; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a Rz. 131 

mit Hinweis auf ZAK 1991 S. 318, 320 E.3b). Daraus folgt, dass für die 

Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person 

unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, 

sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirt-

- 31 -

schaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot 

an Arbeitskräften entsprechen würden (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a 

Rz. 132 mit Hinweis auf AHI-Praxis 6/1998 S. 287, 291). Der ausgegli-

chene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also 

Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkom-

men von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteile des Bundesge-

richts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1, 9C_910/2011 vom 30. März 

2012 E.3.1, 9C_124/2010 vom 21. September 2010 E.2.2 und 9C_95/2007 

vom 29. August 2007 E.4.3). Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann nicht 

mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so einge-

schränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt prak-

tisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen 

eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer 

entsprechenden Stelle daher von vornherein ausgeschlossen erscheint 

(Urteile des Bundesgerichts 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020 E.4.2, 

8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.5.2 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 

2017 E.2.2.1). Art und Mass dessen, was einer versicherten Person an Er-

werbstätigkeit noch zugemutet werden kann, richtet sich nach den beson-

deren persönlichen Verhältnissen einerseits und nach den allgemein herr-

schenden Auffassungen andererseits (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a 

N 28). Für die Beurteilung der Zumutbarkeit ist letztlich insofern eine objek-

tive Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf eine bloss subjektiv 

ablehnende Bewertung der infrage stehenden Erwerbstätigkeit durch die 

Versicherte ankommt (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a N 28).

6.3.1. Im vorliegenden Fall wurde im SMAB-Gutachten vom 10. Dezember 2018 

ein ausführliches Belastungsprofil definiert (Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 17). 

Demnach sind für die Beschwerdeführerin nur Tätigkeiten geeignet, die für 

sie weitgehend vorstrukturiert sind, mithin insbesondere getaktete Tätigkei-

ten, z.B. in der Produktion. Zudem sollte sie wegen ihrer sozialen Ängste 

- 32 -

weitestgehend für sich alleine arbeiten können, sich nur wenig mit Kollegen 

und Kolleginnen sowie Vorgesetzten abstimmen und keinen Kundenkon-

takt haben müssen. Gemäss Gutachter ist die Körperhygiene der Be-

schwerdeführerin für den allgemeinen Arbeitsmarkt ausreichend, doch sind 

in dieser Hinsicht sensible Tätigkeiten, bei denen besonderer Wert auf ein 

gepflegtes Äusseres gelegt werde, für sie nicht geeignet.

Zwar umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkei-

ten körperlicher oder handwerklicher Art) typischerweise einfach struktu-

rierte und geordnete Tätigkeiten sowie – entgegen der Auffassung der Be-

schwerdeführerin – eine Vielzahl von körperlich leichten und teilweise sit-

zenden Tätigkeiten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. 

Oktober 2019 E.4.3.2, 8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.5.2 und 

8C_82/2019 vom 19. September 2019 E.6.3.2). Zudem verfügt die Be-

schwerdeführerin nachweislich über eine gute Grundausbildung (Matura im 

Jahr 2010 an der Bündner Kantonsschule, vgl. z.B. IV-act. 2 und 17) und 

über eine hohe Intelligenz. 

Die Beschwerdeführerin weist aber gemäss SMAB-Gutachten vom 10. De-

zember 2018 (Bf-act. 3, IV-act. 118) erhebliche Funktionsstörungen auf, 

die mittels einfachen, getakteten Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 nur 

unvollständig abgefangen werden können. Nach gutachterlicher Einschät-

zung hat die Beschwerdeführerin einen sehr unstrukturierten Tagesablauf, 

zudem ist ihr Eigenantrieb deutlich reduziert (S. 10). Sie habe erhebliche 

Schwierigkeiten, Handlungen eigenständig, also ohne Anstoss und Im-

pulse von aussen, zu initiieren bzw. in Gang zu setzen (S. 10). Bei der 

Strukturierung von Aufgaben sei sie massiv beeinträchtigt (S. 16). Zudem 

bestehe eine ausgeprägte Selbstunsicherheit in den Bereichen Kontakt-

fähigkeit zu Dritten sowie Gruppenfähigkeit (S. 12, 16). Daraus lässt sich 

schliessen, dass die Beschwerdeführerin einer engen arbeitsplatzbezoge-

- 33 -

nen Betreuung mit Anstössen und Vorgaben von aussen, einer strukturier-

ten und konstanten Führung sowie vermehrter Kontrollen bedarf. Dabei 

liegt auf der Hand, dass der gutachterlich ausgewiesene Betreuungsbedarf 

für einen Arbeitgeber einen erheblichen zusätzlichen Aufwand bedeuten 

würde. Auch in den Berichten der beruflichen Eingliederung wird ein im Ver-

gleich zum ersten Arbeitsmarkt ausserordentlicher Mehraufwand im För-

derbedarf bei lebenspraktischen Fähigkeiten und in einer engen und unter-

stützenden Begleitung beschrieben (vgl. Schlussbericht Abklärung Flex im 

E._____ vom 23. Juni 2016 [IV-act. 59/8], Zwischenbericht 1. Ausbildungs-

jahr E._____ vom 31. August 2017 [IV-act. 83/2] und Zwischenbericht 2. 

Ausbildungsjahr 1. Semester vom 26. Februar 2018 [IV-act. 89/3]). Darüber 

hinaus weist die Beschwerdeführerin zu Recht auf die erhebliche Schwie-

rigkeit für eine/n Arbeitgeber/in hin, sie einerseits mit Anstössen und struk-

turierten Vorgaben von aussen sowie vermehrten Kontrollen zu begleiten, 

andererseits aber aufgrund der ausgeprägten Selbstunsicherheit zu re-

spektieren, dass nur wenig Abstimmungsbedarf mit Kollegen und Kollegin-

nen sowie Vorgesetzten bestehen soll. Zudem ist nicht auszuschliessen, 

dass auch der starke Körpergeruch der Beschwerdeführerin zu Spannun-

gen innerhalb der Belegschaft führen könnte. Ein solches, von der Be-

schwerdeführerin benötigte Entgegenkommen kann realistischerweise von 

einem/r durchschnittlichen Arbeitgeber/in auf dem ersten Arbeitsmarkt 

nicht erwartet werden (vgl. ähnlich Urteile des Bundesgerichts 

9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.5 und 9C_277/2016 vom 15. März 

2017 E.4.3).

6.3.2. Im Falle der Beschwerdeführerin kommt zudem die fehlende arbeitsmarkt-

liche Integration hinzu. Was ihre Erwerbsbiografie betrifft, ist dem IK-Aus-

zug (IV-act. 7) zu entnehmen, dass sie in den Jahren 2011 bis 2013 bei der 

Firma K._____ gearbeitet und dabei ein Jahreseinkommen zwischen 

Fr. 3'450.-- bis Fr. 12'935.-- verdient hat. Dabei handelte es sich um das 

- 34 -

Geschäft ihrer Mutter und ihres Stiefvaters (IV-act. 9 und IV-act. 118/3), in 

dem sie Büroarbeiten erledigte (vgl. Arbeitgeberbericht [IV-act. 12/6]). Es 

kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um eine 

eigentliche berufliche Erwerbstätigkeit gehandelt hat (vgl. hierzu auch 

SMAB-Gutachten, Bf-act. 3, IV-act. 118, S. 3). Die Beschwerdeführerin 

verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung und musste auch das 

Chemie-Studium an der ETH abbrechen. Bisher war sie einzig im geschütz-

ten Rahmen tätig, wobei sie parallel dazu in Institutionen des betreuten 

Wohnens lebte. Mithin kann sie in keiner Weise von bereits erworbenen 

Berufskenntnissen auf dem ersten Arbeitsmarkt profitieren, die in einer Ver-

weistätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar wären bzw. 

bereits ihre Vermittelbarkeit erleichtern würden. Darüber hinaus ist auf-

grund dessen mit einem hohen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand zu 

rechnen, der sie aufgrund der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung mit 

selbstunsicheren und unreifen Anteilen vor weitere Herausforderungen 

stellen würde. Aufgrund der psychiatrischen Leiden der Beschwerdeführe-

rin gingen sowohl Dr. med. D._____ als auch ihre behandelnde Psychiate-

rin, Dr. med. F._____, von einer mehrjährigen Therapiebedürftigkeit aus, 

bevor eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt stattfinden könne (vgl. 

BEFAS-Abklärung/Schlussbericht C._____ vom 30. November 2015 [IV-

act. 30/8 unten] und Arztbericht Dr. med. F._____ vom 10. Mai 2018 [IV-

act. 93/6]). 

6.3.3. In einer Gesamtwürdigung der konkreten Umstände des Einzelfalls fehlt es 

demnach – zumindest im hier massgeblichen Zeitraum – an der wirtschaft-

lichen Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_644/2019 vom 20. Januar 

2020 E.4.3). Immerhin bestehen aber aus medizinischer Sicht gute Chan-

cen auf eine erwerbliche Integration, sofern die Therapien von der Be-

schwerdeführerin auch regelmässig wahrgenommen werden. In diesem 

- 35 -

Zusammenhang ist die Beschwerdeführerin daher darauf hinzuweisen, 

dass zumutbare medizinische Behandlungen im Sinne der Schadenminde-

rungspflicht wahrgenommen werden müssen, andernfalls die ihr zugespro-

chenen Leistungen verweigert oder gekürzt werden können (Art. 7 IVG 

i.V.m. Art. 21 Abs. 4 ATSG).

6.4. Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass es aktuell an 

einer wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mangelt. Damit 

muss von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit der Beschwerdeführerin 

ausgegangen werden, womit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente 

besteht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_321/2018 vom 16. Oktober 

2018 E.5 und 9C_277/2016 vom 15. März 2017 E.4.3). In diesem Sinn ist 

die Beschwerde gutzuheissen, und es erübrigen sich weitere Ausführun-

gen zur ebenfalls umstrittenen Frage des Leidensabzugs und den entspre-

chenden Vorbringen der Beschwerdeführerin sowie zu deren Antrag auf 

Rückweisung zur Neubeurteilung durch die Vorinstanz bzw. zur Einholung 

eines gerichtlichen Gutachtens. Damit sind die angefochtenen Verfügun-

gen vom 3. Juli 2019 (Bf-act. 2, IV-act. 127, 134 und 140) aufzuheben und 

der Beschwerdeführerin ist für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis zum 31. 

März 2016 sowie ab dem 1. Juli 2018 eine ganze Invalidenrente zuzuspre-

chen. 

7. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren, in Abweichung 

von Art. 61 lit. a ATSG, bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verwei-

gerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Ver-

sicherungsgericht kostenpflichtig, wobei die Kosten nach dem Verfahrens-

aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt werden. 

- 36 -

7.1. Vorliegend legt das Gericht die Kosten für das Verfahren auf Fr. 700.-- fest. 

Diese gehen zu Lasten der unterliegenden Beschwerdegegnerin. 

7.2. Die obsiegende Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten; diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und 

ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und 

nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Aus-

gangspunkt für die Kostenübernahme der Rechtsvertretung bildet die Ho-

norarnote der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, mit der ein Hono-

rar von insgesamt Fr. 4'406.10 (bestehend aus 19.92 Std. Arbeits-/Zeitauf-

wand à [ausgerechnet rund] Fr. 200.-- [Fr. 4'038.--] zzgl. Auslagen für Porti 

und Kopien von Fr. 53.10 und 7.7 % Mehrwertsteuer [Fr. 315.--]) geltend 

gemacht wird. Dieses Honorar erscheint angesichts des Umstands, dass 

die Beschwerdeführerin im Einwandverfahren noch nicht anwaltlich vertre-

ten war, als angemessen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege (Prozessführung und Verbeiständung) vom 4. September 

2019 (Ziff. 4 des Rechtsbegehrens der Beschwerdeführerin und Bf-act. 7) 

ist angesichts des Verfahrensausgangs gegenstandslos.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtenen Verfügungen 

vom 3. Juli 2019 werden aufgehoben. A._____ steht für die Zeit vom 1. 

Januar 2015 bis zum 31. März 2016 sowie ab dem 1. Juli 2018 eine ganze 

Invalidenrente zu. 

2. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des 

Kantons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Ent-

- 37 -

scheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu be-

zahlen.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A._____ mit Fr. 4'406.10 aus-

sergerichtlich zu entschädigen. 

4. [Rechtsmittelbelehrung]

 

5. [Mitteilungen]