# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6fc31ebe-8c77-5663-9b2e-1c55c779da1d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.02.2021 F-2213/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2213-2018_2021-02-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2213/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richterin Susanne Genner, 

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

Beschwerdeführerin, 

vertreten durch B._______, 

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Familiennachzug zu Gunsten von C._______, D._______ 

und E._______. 

 

 

 

F-2213/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine 1988 geborene eritreische Staatsangehö-

rige, reichte am 2. September 2013 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Mit 

Verfügung vom 14. Mai 2014 bejahte das damalige Bundesamt für Migra-

tion zwar ihre Flüchtlingseigenschaft, lehnte ihr Asylgesuch aber ab und 

wies sie aus der Schweiz weg. Wegen Unzulässigkeit schob es den Vollzug 

der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf (Asylakten der 

Vorinstanz [SEM-A-act.] 21). Der Entscheid blieb unangefochten und er-

wuchs in Rechtskraft (SEM-A-act. 25). 

B.  

Ein erstes Gesuch der Beschwerdeführerin um Nachzug ihrer drei sich in 

Äthiopien befindenden Kinder (geb. 2003, 2004 und 2007) schrieb das 

SEM aufgrund der noch laufenden gesetzlichen Wartefrist (Art. 85 Abs. 7 

AuG; seit dem 1. Januar 2019 geändert in Ausländer- und Integrationsge-

setz, AIG, SR 142.20; vgl. unten E. 3) am 30. Dezember 2015 ab (Famili-

ennachzugsakten der Vorinstanz [SEM-B-act.] 6). Am 21. September 2017 

ersuchte die Beschwerdeführerin erneut um Familiennachzug für ihre drei 

Kinder. Dazu führte sie aus, die Kinder stammten aus zwei verschiedenen 

Beziehungen. Zum Vater der beiden älteren bestehe seit langem kein Kon-

takt mehr. Der Vater des jüngsten Kindes befinde sich seit Jahren im Mili-

tärdienst; sein Aufenthaltsort sei ihr unbekannt. Die Kinder, welche sich ur-

sprünglich unter der Obhut der Grossmutter in Eritrea befunden hätten, 

seien 2015 von einer Tante nach Äthiopien gebracht worden und hätten 

dort mit ihr zusammen in einem Flüchtlingscamp Aufnahme gefunden. Im 

März 2017 habe diese Tante zu ihrem Mann in die Schweiz ausreisen kön-

nen. Die drei Kinder seien alleine zurückgeblieben und hätten in einer klei-

nen Wohnung in Addis Abeba Unterschlupf gefunden. Ausser einer Nach-

barin, die manchmal vorbeischaue, seien sie dort völlig auf sich alleine ge-

stellt und hätten keinen Zugang zu Schulbildung. Sie selbst (die Beschwer-

deführerin) arbeite seit Juli 2016 in einem Beschäftigungsprogramm. Der 

Lohn werde direkt an die Sozialhilfe angerechnet. In diesem Sinne erfülle 

sie die Voraussetzung der Sozialhilfeunabhängigkeit gemäss Art. 85 Abs. 7 

Bst. c AuG für einen Familiennachzug zwar nicht. Sie bitte aber dennoch 

darum, zum Wohle der Kinder zu entscheiden und diese in die Schweiz 

einreisen zu lassen (SEM-B-act. 6). 

 

F-2213/2018 

Seite 3 

C.  

Die Migrationsbehörde des Kantons (…) übermittelte das Gesuch am 

17. Oktober 2017 zum Entscheid an die Vorinstanz. Dabei wies sie darauf 

hin, dass die Beschwerdeführerin Sozialhilfe beziehe, womit die Voraus-

setzungen für den Familiennachzug ihrer Ansicht nach nicht gegeben seien 

(SEM-B-act. 6).  

D.  

In einem Schreiben vom 23. November 2017 informierte die Vorinstanz die 

Beschwerdeführerin über die Absicht, das Gesuch abzulehnen und gab ihr 

Gelegenheit zur Stellungnahme, wovon die Beschwerdeführerin mit einer 

Eingabe vom 7. Dezember 2017 Gebrauch machte (SEM-B-act. 9 und 10).  

E.  

Mit Verfügung vom 12. März 2018 lehnte die Vorinstanz das Gesuch um 

Familiennachzug und Einbezug der drei Kinder in die vorläufige Aufnahme 

der Beschwerdeführerin ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen 

aus, die Beschwerdeführerin habe mit ihrem Entscheid, die Kinder bei de-

ren Grossmutter zurückzulassen, eine langfristige Trennung in Kauf ge-

nommen. Die Kinder hätten in Addis Abeba eine Wohnung gefunden und 

würden minimal betreut; sie befänden sich nicht in einer Notsituation. Zu-

dem lebten neun Geschwister der Beschwerdeführerin in Eritrea, welche 

die Kinder vor Ort betreuen oder deren Rückkehr nach Eritrea organisieren 

könnten. Die Beschwerdeführerin selbst sei sozialhilfeabhängig und eine 

Reduktion dieser Abhängigkeit sei nicht absehbar. Dies begründe auch un-

ter Berücksichtigung der flüchtlingsspezifischen Umstände ein erhebliches 

öffentliches Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs. Die 

wirtschaftlichen Voraussetzungen für den beantragten Nachzug seien da-

her (noch) nicht erfüllt (SEM-B-act. 12). 

F.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 14. April 

2018 beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der verweigern-

den Verfügung und die Gutheissung des Gesuchs um Familiennachzug 

sowie den Einbezug ihrer Kinder in die vorläufige Aufnahme. Den Kindern 

sei eine Einreisebewilligung in die Schweiz zu erteilen. In verfahrensrecht-

licher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, zwar treffe zu, 

dass sie die Voraussetzungen für einen Familiennachzug gemäss Art. 85 

Abs. 7 AuG nicht erfülle. Eine völkerrechtskonforme Auslegung der Famili-

ennachzugsbestimmungen (insbesondere unter Einbezug von Art. 8 

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Seite 4 

EMRK sowie Art. 3, 9, 10 und 22 des Übereinkommens vom 20. November 

1989 über die Rechte des Kindes [KRK, SR 0.107]) führe jedoch dazu, 

dass das Gesuch bewilligt werden müsse. Die Rechte und das Wohl der 

Kinder sowie das Recht an einem Zusammenleben seien höher zu gewich-

ten als ihre Sozialhilfeabhängigkeit. Sie sei nie zur Schule gegangen und 

Analphabetin, weshalb ihre Sozialhilfeabhängigkeit unverschuldet sei. Sie 

unternehme enorme Anstrengungen, um so bald wie möglich eine Arbeit 

zu finden (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act. 1]).  

G.  

In ihrer Vernehmlassung vom 16. Mai 2018 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. Ergänzend führte sie aus, Abklärungen über 

die Schweizer Botschaft in Addis Abeba hätten ergeben, dass das UNHCR 

(United Nations High Commissioner for Refugees) vor Ort in der Regel die 

Grundbedürfnisse der registrierten Flüchtlinge abdecke und minderjähri-

gen Flüchtlingen eine Betreuungsperson zur Seite gestellt werde. Aus der 

Beschwerde sei ersichtlich, dass es beim UNHCR bereits eine für die Kin-

der zuständige Person gebe (BVGer-act. 5).  

H.  

Mit Replik vom 26. Juni 2018 reichte die Beschwerdeführerin den Bericht 

eines vom UNHCR zur Betreuung der Kinder in Äthiopien eingesetzten 

Flüchtlingsdienstes vom 4. Mai 2018 ein. Unter Berufung auf diesen Bericht 

machte sie geltend, die Betreuung der Kinder sei derzeit nur bedingt ge-

währleistet (BVGer-act. 7). 

I.  

Am 8. August 2018 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht des UN-

HCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein vom 2. August 2018 zu den 

Akten, worin die Lebensumstände der Kinder in Äthiopien geschildert wer-

den. Dem Bericht zufolge lebten diese mit einer Betreuungsperson in einer 

Einzimmerwohnung mit Trennküche und Toilette. Die Betreuerin kümmere 

sich um den Haushalt, sodass die Kinder die Schule besuchen könnten. 

Allerdings stehe die Abreise der Betreuerin nach Europa kurz bevor und 

die Rekrutierung von Betreuungspersonen erweise sich allgemein als 

schwierig. Deshalb werde eine Familienzusammenführung mit der Kinds-

mutter als einzige Möglichkeit zur Wahrung des übergeordneten Kindes-

wohls betrachtet (BVGer-act. 11). 

 

F-2213/2018 

Seite 5 

J.  

In einer Duplik vom 14. August 2018 argumentierte die Vorinstanz, die von 

der Beschwerdeführerin geltend gemachte Beeinträchtigung des Kindes-

wohls sei aufgrund ihrer freiwilligen Ausreise letztlich ihrem eigenen Ver-

halten zuzuschreiben. Im Übrigen werde daran festgehalten, dass das In-

teresse der Kinder an einer Verbesserung ihrer Situation gegen dasjenige 

an einer Vermeidung weiterer Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdefüh-

rerin nicht aufzukommen vermöge (BVGer-act. 12). 

K.  

In einer E-Mail vom 13. September 2018 teilte die Schweizer Botschaft auf 

Nachfrage der Vorinstanz mit, die im Bericht des UNHCR vom 2. August 

2018 geschilderte Situation treffe nicht nur auf zahlreiche "zurückgeblie-

bene" Kinder zu, sondern auch auf einen grossen Teil der ärmeren, äthio-

pischen Bevölkerung (SEM-B-act., unpaginiert). 

L.  

Zum UNHCR-Bericht Stellung nehmend führte die Vorinstanz am 18. Sep-

tember 2018 aus, eine ernsthafte, unmittelbare und konkrete Gefährdung 

der Kinder an Leib und Leben könne ausgeschlossen werden. Es bestehe 

weiterhin keine Veranlassung, die Interessen an einem Familiennachzug 

höher zu gewichten als die öffentlichen Interessen, insbesondere an der 

Verhinderung von Sozialhilfeabhängigkeit (BVGer-act. 14). 

M.  

Am 22. September 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine Triplik zu den 

Akten und unterstrich, dass gemäss dem UNHCR-Bericht das Kindeswohl 

in Äthiopien gefährdet sei. Dies sei in der Interessenabwägung vorrangig 

zu berücksichtigen (BVGer-act. 16). 

N.  

Vom Gericht am 28. Januar 2020 zu einer Aktualisierung der persönlichen 

Verhältnisse aufgefordert, brachte die Beschwerdeführerin in einer Ein-

gabe vom 11. März 2020 unter anderem vor, sie sei bis November 2019 

beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angemel-

det gewesen und werde seit Januar 2020 vom Hilfswerk Caritas bei der 

Stellensuche unterstützt. Trotz fehlender Schulbildung unternehme sie al-

les ihr Mögliche, um sich im Arbeitsmarkt integrieren zu können. Die tägli-

chen Sorgen um ihre Kinder, Angstzustände, Schlaflosigkeit, extreme 

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Seite 6 

Hilflosigkeit, Schuldgefühle und der permanente Druck, eine Arbeit zu fin-

den, hätten aber zu traumatischen Reaktionen geführt. Ihr Hausarzt habe 

sie deswegen für eine Gruppentherapie angemeldet (BVGer-act. 21).  

Zudem reichte die Beschwerdeführerin einen aktuellen Bericht des UN-

HCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein vom 9. März 2020 zur Situ-

ation der Kinder in Äthiopien zu den Akten. Diesem ist zu entnehmen, dass 

die Kinder im Auftrag des UNHCR von einem Experten für Familien- und 

Kinderangelegenheiten am 26. Februar 2020 befragt worden seien. Die 

Kinder lebten mit einer Tante und deren Neugeborenem in einem Studio in 

Addis Abeba. Sie hätten Zugang zu einer Grundschule in der Nähe ihres 

Wohnortes. Der älteste Sohn besuche einen Abendunterricht. Von ihrer 

Mutter erhielten sie monatlich ETB (Äthiopische Birr) 8'000.–, womit sie die 

Miete bezahlten. Zudem seien die Kinder auf die finanzielle Unterstützung 

durch einen äthiopischen Flüchtlingsdienst im Umfang von ETB 1'000.– bis 

ETB 2'000.– angewiesen. Zwar bestehe kein dringender medizinischer Be-

treuungsbedarf, doch würden die Kinder aufgrund ständigen Stresses und 

zu knapper finanzieller Mittel nicht genügend essen. Sie seien daher un-

mittelbar gefährdet (BVGer-act. 21, Beilage 11). 

O.  

Am 19. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Arbeitsbestätigung 

und am 14. April 2020 den zwischenzeitlich zustande gekommenen Ar-

beitsvertrag mit einer Reinigungsfirma nach (BVGer-act. 23 und 27).  

P.  

In einer Stellungnahme vom 20. April 2020 erachtete die Vorinstanz die 

Bemühungen der Beschwerdeführerin, auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fas-

sen, mit Blick auf die Zeitspanne und im Vergleich mit ähnlich gelagerten 

Fällen als nicht ausreichend. Sie habe nicht alles ihr Zumutbare unternom-

men, um auf dem Arbeitsmarkt ihren eigenen Unterhalt und allenfalls den-

jenigen ihrer Kinder autonom bestreiten zu können. Der Fehlbetrag im So-

zialhilfebudget sei nach wie vor hoch und werde in absehbarer Zeit kaum 

ausgeglichen werden können. Entgegen der Einschätzung im UNHCR-Be-

richt vom 9. März 2020 seien die Kinder nicht ernsthaft und konkret an Leib 

und Leben gefährdet. Sie lebten mit einer Verwandten in geregelten Wohn-

verhältnissen und hätten Zugang zu Schulbildung (BVGer-act. 29).  

Q.  

Einer weiteren Eingabe vom 22. Mai 2020 legte die Beschwerdeführerin 

ein Schreiben ihrer bisherigen Arbeitgeberin vom 19. Mai 2020 bei, worin 

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Seite 7 

bestätigt wurde, dass im Rahmen eines neuen Geschäftskonzepts in zwei 

bis drei Monaten eine Vollzeitbeschäftigung als Reinigungsfachfrau in Be-

tracht gezogen werde (BVGer-act. 31).  

R.  

Am 17. August 2020 zeigte die Beschwerdeführerin dem Bundesverwal-

tungsgericht die Kündigung des seit 20. März 2020 mit der Reinigungsfirma 

bestehenden Arbeitsverhältnisses per Ende August 2020 an. Gleichzeitig 

teilte sie mit, sie habe eine unbefristete Anstellung als Betriebsmitarbeiterin 

einer Firma in einem 50 %-Pensum gefunden und arbeite zusätzlich stun-

denweise bei einer neuen Reinigungsfirma (BVGer-act. 33).  

S.  

Auf Nachfrage des Gerichts hin informierte die Beschwerdeführerin mit 

Schreiben vom 26. November 2020 darüber, sie sei erneut auf Stellensu-

che. Der Temporäreinsatz als Betriebsmitarbeiterin sei beendet worden. 

Aufgrund der COVID-19-Pandemie gestalte sich die Stellensuche schwie-

rig. Auch die Kinder in Äthiopien durchlebten eine äusserst schwierige Zeit 

und könnten pandemiebedingt seit Monaten keine Schule mehr besuchen. 

Da es in der Hauptstadt Addis Abeba zu gewaltsamen Auseinandersetzun-

gen komme, könnten sie das Haus nur noch selten verlassen. 

Nebst den Lohnabrechnungen Juli bis September 2020 legte die Be-

schwerdeführerin auch ein Schreiben eines ehrenamtlichen Mitarbeiters 

der Caritas vom 25. November 2020, das aktuelle Unterstützungsbudget 

mit einem Ausgabenüberschuss von Fr. 2002.– pro Monat sowie ein Kon-

tojournal der Sozialbehörde bei. Aus letzterem ist für die Zeit vom 1. De-

zember 2013 bis 30. November 2020 ein Nettobezug an Sozialhilfegeldern 

im Gesamtbetrag von Fr. 139'693.90 ersichtlich (BVGer-act. 36). 

T.  

Am 12. Dezember 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen tags zuvor 

unterzeichneten Vertrag über eine Anstellung als Lagermitarbeiterin nach 

und führte dazu aus, sie werde in einem Pensum von mindestens 50 - 60% 

tätig sein und Nachtarbeit leisten (BVGer-act. 38).  

U.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-

gen eingegangen. 

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Seite 8 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen des SEM betreffend Familiennachzug im Sinne von 

Art. 85 Abs. 7 AuG sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht 

anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. 

Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde 

legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 

VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Am-

tes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der 

Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als 

den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend 

ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheids (vgl. 

BVGE 2014/1 E. 2).  

3.  

Am 1. Januar 2019 hat das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und 

Ausländer vom 16. Dezember 2005 eine Teilrevision und Namensände-

rung erfahren (Änderung des AuG vom 16. Dezember 2016, AS 2018 

3171). Parallel dazu sind entsprechende Anpassungen der Verordnung 

über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201, 

AS 2018 3173) in Kraft getreten. Eine gesetzliche Übergangsregelung 

fehlt, weshalb aufgrund allgemeiner Grundsätze über das anwendbare 

Recht entschieden werden muss. Massgeblich sind grundsätzlich diejeni-

gen Rechtssätze, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden 

Sachverhalts Geltung haben. Da kein vorherrschendes öffentliches Inte-

resse für die sofortige Anwendung der neuen Bestimmungen spricht, ist 

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Seite 9 

vorliegend auf das im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung geltende 

Recht abzustellen und das AuG in seiner bis zum 31. Dezember 2018 gel-

tenden Fassung anzuwenden. Dasselbe gilt für die VZAE (vgl. Urteile des 

BVGer F-244/2019 vom 16. November 2020 E. 2; F-1975/2018 vom 

30. April 2020 E. 3 m.w.H.; F-3192/2018 vom 24. April 2020 E. 2). 

4.  

Gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG können Ehegatten und ledige Kinder unter 18 

Jahren von in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Personen und vor-

läufig aufgenommenen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme nachgezogen und in diese eingeschlossen wer-

den. Voraussetzung für einen Nachzug ist, dass sie zusammenwohnen 

(Bst. a), dass eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (Bst. b) und 

dass die Familie nicht auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c). Diese Bestim-

mung wird in Art. 74 VZAE konkretisiert. Gemäss Art. 74 Abs. 3 VZAE ist 

ein Familiennachzugsgesuch innerhalb von fünf Jahren zu stellen, sobald 

die zeitlichen Voraussetzungen gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG erfüllt sind; geht 

es um den Nachzug von Kindern über zwölf Jahren, muss das Gesuch in-

nerhalb von zwölf Monaten nach diesem Zeitpunkt eingereicht werden. Ein 

nachträglicher Familiennachzug ist nur aus wichtigen familiären Gründen 

möglich (Art. 74 Abs. 4 VZAE). Der besonderen Situation vorläufig aufge-

nommener Flüchtlinge ist beim Entscheid über das Familiennachzugsge-

such Rechnung zu tragen (Art. 74 Abs. 5 VZAE).  

5.  

In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin vorab eine Verletzung der 

Begründungspflicht. 

5.1 Die Begründungspflicht (Art. 35 VwVG; Art. 29 Abs. 2 BV) ist Teil des 

Anspruchs auf rechtliches Gehör; sie dient der rationalen und transparen-

ten Entscheidfindung. Sie soll den Adressaten in die Lage versetzen, den 

Entscheid zu akzeptieren oder sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat 

die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess. 

Sie ist indes nicht gehalten, zu jedem Argument der Partei explizit Stellung 

zu nehmen. Es genügt, wenn aus der Gesamtheit der Begründung hervor-

geht, weshalb das Vorgebrachte als unrichtig oder unwesentlich übergan-

gen wird. Je grösser der Ermessensspielraum der Behörde ist und je viel-

fältiger die tatsächlichen Voraussetzungen sind, desto strengere Anforde-

rungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. BGE 137 II 266 E. 3.2; 136 

I 229 E. 5.2; 129 I 232 E. 3.3; BVGE 2012/24 E. 3.2). 

F-2213/2018 

Seite 10 

5.2 Dem angefochtenen Entscheid kann entnommen werden, dass die  

Vorinstanz das private Interesse an einer Übersiedlung der Kinder in die 

Schweiz gegenüber dem öffentlichen Interesse an der Vermeidung zusätz-

licher hoher Sozialhilfekosten eingehend abgewogen hat. Dabei hat sie 

entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin auch die Umstände ihrer 

Trennung von den Vätern der Kinder, die Zumutbarkeit eines Familienle-

bens im Ausland, ihren Flüchtlingsstatus und ihre besondere Verletzlichkeit 

sowie das Kindeswohl, beziehungsweise die Betreuungssituation und die 

Lebensumstände der Kinder in Äthiopien berücksichtigt. Die Beschwerde-

führerin war denn auch ohne weiteres in der Lage, den vorinstanzlichen 

Entscheid sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung der Begründungs-

pflicht liegt nicht vor. 

6.  

Die Vorinstanz wies das Familiennachzugsgesuch aufgrund der Gefahr ei-

ner erheblichen, fortgesetzten Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdefüh-

rerin und ihrer Familie ab. Nachfolgend ist daher zu prüfen, wie es sich mit 

der Voraussetzung der Sozialhilfeunabhängigkeit im Sinne von Art. 85 

Abs. 7 Bst. c AuG verhält. Die Rechtsprechung zu Art. 44 Bst. c AuG ist 

analog zu übernehmen (BVGE 2017 VII/4 E. 4). 

6.1 Sozialhilfeunabhängigkeit wird in der Praxis grundsätzlich dann ange-

nommen, wenn die Eigenmittel das Niveau erreichen, ab dem gemäss 

Richtlinie der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) kein So-

zialhilfeanspruch mehr resultiert. Bei der Beurteilung der Sozialhilfeabhän-

gigkeit nach Art. 85 Abs. 7 Bst. c AuG sind die statusspezifischen Um-

stände von Flüchtlingen mit zu berücksichtigen (vgl. Art. 74 Abs. 5 VZAE). 

Unter dem Aspekt des öffentlichen Interesses kann es sich rechtfertigen, 

den Familiennachzug eines (vorläufig aufgenommenen) Flüchtlings zu ver-

weigern, wenn damit die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Für-

sorgeabhängigkeit einhergeht. Dabei ist von den aktuellen Verhältnissen 

des hier anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen sowie den wahr-

scheinlichen finanziellen Entwicklungen unter Berücksichtigung der finan-

ziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder auf längere Sicht auszuge-

hen. Die prospektive Einschätzung der künftigen Fürsorgeabhängigkeit 

setzt folglich eine Gesamtbetrachtung unter Einbezug der spezifischen 

flüchtlingsrechtlichen Situation voraus, wobei die Bemühungen des Flücht-

lings, sich hier zu integrieren und für seine Familie eigenständig aufkom-

men zu können, sowie die mittel- bis längerfristig zu erwartende Situation 

zu berücksichtigen sind. Unternimmt der anerkannte Flüchtling alles ihm 

Zumutbare, um auf dem Arbeitsmarkt seinen eigenen und den Unterhalt 

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Seite 11 

der Familie möglichst autonom bestreiten zu können, und hat er auf dem 

Arbeitsmarkt zumindest schon teilweise Fuss gefasst, muss dies genügen, 

um das Familienleben in der Schweiz zuzulassen. Bedingung dafür ist, 

dass der anerkannte Flüchtling trotz dieser Bemühungen innerhalb der für 

den Familiennachzug geltenden Fristen unverschuldet keine Situation zu 

schaffen vermag, die es ihm erlaubt, die entsprechende Voraussetzung 

von Art. 85 Abs. 7 Bst. c AuG zu erfüllen, sich der Fehlbetrag in vertretbarer 

Höhe hält und in absehbarer Zeit vermutlich ausgeglichen werden kann 

(vgl. BGE 139 I 330 E. 4; BVGE 2017 VII/4 E. 5.2 m.H.; Urteile des BVGer 

F-244/2019 E. 6.2; F-4731/2018 vom 11. Mai 2020 E. 5.2; F-643/2017 vom 

4. Juli 2019 E. 4.2). 

6.2 Die Beschwerdeführerin lebt seit über sieben Jahren in der Schweiz. 

Vom 27. Juli 2016 bis zum 19. November 2017 nahm sie an einem Integ-

rationsprogramm im Bereich Reinigungswesen teil (BVGer-act. 1, Beilage 

14). Im Dezember 2017 ging sie gemäss Sozialhilfebestätigung vom 

16. April 2018 während ca. 120 Stunden einer Erwerbstätigkeit nach 

(BVGer-act. 3, Beilage). Gemäss Sozialhilfebestätigung vom 10. März 

2020 nahm sie von Mai 2018 bis Juni 2018 an einem Beschäftigungspro-

gramm im Bereich Recycling teil. Vom 1. August 2018 bis 31. Dezember 

2018 absolvierte sie ein Praktikum als Kinderbetreuerin mit einem Pensum 

von 50 % (BVGer-act. 21, Beilagen 1 und 6). Vom 20. März 2020 bis Ende 

August 2020 leistete die Beschwerdeführerin für eine Reinigungsfirma ins-

gesamt 220 Arbeitsstunden. Für eine weitere Reinigungsfirma arbeitete sie 

im Juli 2020 während rund 55 Stunden. Vom 24. August bis zum 13. Sep-

tember 2020 war sie als Betriebsmitarbeiterin einer Firma rund 70 Stunden 

erwerbstätig (BVGer-act. 27 und 36). 

6.3  

6.3.1 Über die siebenjährige Anwesenheit in der Schweiz gesehen sind ak-

tenmässig 465 von der Beschwerdeführerin geleistete Arbeitsstunden (d.h. 

umgerechnet elf Wochen bei 42 Stunden pro Woche) ausgewiesen. Nach-

dem die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 26. November 2020 noch 

mitteilte, wieder auf Stellensuche zu sein, reichte sie am 12. Dezember 

2020 einen vom 11. Dezember 2020 datierenden Arbeitsvertrag nach. Die-

sem ist zu entnehmen, dass sie ab dem 3. Dezember 2020 auf unbe-

stimmte Zeit in einem "Teilzeitpensum" im Stundenlohn arbeitet. Ergän-

zend dazu führt sie mit Eingabe vom 12. Dezember 2020 aus, gemäss "te-

lefonischer Auskunft" ihres Arbeitgebers betrage die Arbeitszeit mindes-

tens 50 - 60 %. Mit dem Zuschlag für Nachtarbeit dürfte sie einen ordentli-

chen Lohn erhalten (BVGer-act. 36 und 38). 

F-2213/2018 

Seite 12 

6.3.2 Auch beim aktuellen Arbeitsvertrag muss – wie bereits bei früheren 

Arbeitsverträgen – festgestellt werden, dass darin keinerlei verbindliche 

Abmachungen betreffend das Arbeitspensum getroffen worden sind. Ob 

die Beschwerdeführerin tatsächlich in einem Pensum von über 50 % ein-

gesetzt wird, ist deshalb fraglich. Eine konstante, längerfristige Erwerbstä-

tigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt kann sie nicht vorweisen. Die bisheri-

gen Arbeitseinsätze waren zu kurz, als dass von einer genügenden beruf-

lichen Integration gesprochen werden könnte (vgl. Urteil des BVGer  

F-7303/2015 vom 11. August 2017 E. 6.1).  

6.3.3 Von der Sozialhilfe hat sich die Beschwerdeführerin aktenkundig 

nicht gelöst. Per 23. November 2020 wies das Unterstützungsbudget noch 

immer einen beträchtlichen Fehlbetrag von Fr. 2'002.– pro Monat auf. Dem 

Kontojournal der Sozialbehörde für die Periode vom 1. Dezember 2013 bis 

zum 30. November 2020 ist zu entnehmen, dass Fr. 151'322.40 an Sozial-

hilfeausgaben Einnahmen von Fr. 11'628.50 gegenüberstehen. Daraus re-

sultiert ein Nettobezug an Unterstützungsleistungen von Fr. 139'693.90. 

Ob drei Lohnabrechnungen, wie von der Beschwerdeführerin geltend ge-

macht, noch keinen Eingang in die Zusammenstellung der Sozialausgaben 

gefunden haben, spielt für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens 

keine Rolle, zumal es sich dabei nicht um entscheidwesentliche Beträge 

handelt. 

6.4 Mangels hinreichender beruflicher Integration und Ablösung von der 

Sozialhilfe ist das Kriterium der Sozialhilfeabhängigkeit gemäss Art. 85 

Abs. 7 Bst. c AuG einer prospektiven Beurteilung zu unterziehen. 

6.4.1 Die von der Beschwerdeführerin absolvierten Deutsch- und Alphabe-

tisierungskurse, die beiden Beschäftigungsprogramme und das viermona-

tige Praktikum als Kinderbetreuerin sind zwar als Bemühungen zur Integra-

tion auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich positiv zu werten. Bemühungen 

dieser Art entsprechen aber einer Pflicht, deren Missachtung zu Leistungs-

kürzungen führen kann; entsprechend ist die Bedeutung solcher Einsätze 

im Zusammenhang mit der Erwartung, wirtschaftliche Selbständigkeit zu 

erlangen, zu relativieren (vgl. Urteile des BGer 2C_870/2018 vom 13. Mai 

2019 E. 5.3.3; 2C_508/2017 vom 5. April 2018 E. 4.3). Während ihrer Tä-

tigkeiten als Reinigungsangestellte und parallel als Betriebsmitarbeiterin 

vom 20. März 2020 bis 13. September 2020 arbeitete die Beschwerdefüh-

rerin durchschnittlich in einem Pensum von 30 bis 35 %. Der Beweis, dass 

sie wirklich gewillt ist, kontinuierlich zu arbeiten, hat sie mit Blick auf die 

überwiegend temporären Arbeitseinsätze noch nicht erbracht. Sie hat dem 

F-2213/2018 

Seite 13 

Gericht im vorliegenden Verfahren mehrere Male den Abschluss eines un-

befristeten Arbeitsvertrages mitgeteilt und in Aussicht gestellt, mit dem Ein-

kommen ihren Lebensunterhalt fortan zu wesentlichen Teilen autonom be-

streiten zu können. Dies ist indes bis anhin nicht eingetreten. Aufgrund der 

bisherigen beruflichen Entwicklung mit lediglich wochen-, bestenfalls mo-

natsweisen Arbeitseinsätzen im Stundenlohn und in einem Teilzeitpensum 

von (kurzzeitig) maximal 35 % auf dem ersten Arbeitsmarkt kann vorlie-

gend nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin werde in 

absehbarer Zeit finanzielle Autonomie erlangen. Mit dem jüngsten Ab-

schluss eines Arbeitsvertrages als Lagermitarbeiterin im Stundenlohn 

scheint die Erzielung eines die Lebenshaltungskosten deckenden Einkom-

mens zwar einmal mehr zumindest hypothetisch als möglich. Wie bereits 

erwähnt, fehlt im Vertrag aber bereits die Zusicherung eines bestimmten 

Teilzeitpensums. Selbst wenn es der Beschwerdeführerin aber tatsächlich 

gelingen sollte, fortan 50 - 60 % zu arbeiten, wird, wie sogleich zu zeigen 

sein wird, der zu erwartende Lohn bei Weitem nicht ausreichen, um den 

finanziellen Bedarf für eine vierköpfige Familie abzudecken. Im Übrigen 

lassen der bei ihr festgestellte Verdacht auf eine posttraumatische Belas-

tungsstörung und die begonnene Gruppentherapie zur Behandlung von 

Traumafolgestörungen keinen positiven beruflichen Trend erhoffen. 

6.4.2 Mit dem Zuzug ihrer drei Kinder würde sich der Bedarf der Beschwer-

deführerin an Unterstützung durch Sozialhilfe nochmals deutlich erhöhen 

(höherer Grundbetrag, Wohnkosten etc.). Dem Gesetzeszweck der Verei-

nigung der Gesamtfamilie entsprechend sind die finanziellen Möglichkeiten 

aller Familienmitglieder über eine längere Sicht mit zu erwägen (BGE 122 

II 1 E. 3c; Urteil des BGer 2C_35/2019 vom 15. September 2020 E. 4.1). 

Zwar ist nicht von vornherein ausgeschlossen, dass der mittlerweile bald 

volljährige Sohn oder die Tochter künftig zum Unterhalt der Familie in der 

Schweiz beitragen könnten. Vor allem aufgrund der fehlenden Sprach- und 

Berufskenntnisse kann indes nicht angenommen werden, dass deren Er-

werbsmöglichkeiten und das damit verbundene Einkommen mit einer ge-

wissen Wahrscheinlichkeit auf mehr als nur kurze Frist hin gesichert er-

scheinen (BGE 139 I 330 E. 4.1; Urteile des BVGer F-611/2017 vom 

22. Februar 2019 E. 7.8; F-7893/2016 vom 16. Juli 2018 E. 4.3.2). Ausser-

dem wären die Kinder nur beschränkt verpflichtet, für den Lebensunterhalt 

der Gesamtfamilie aufzukommen.  

Demgegenüber ergäbe sich durch die Anwesenheit der drei Kinder trotz 

deren Alters von 14, 16 und 17 Jahren bei der Beschwerdeführerin ein Be-

treuungsbedarf, der bei ihr aller Voraussicht nach eine Anstellung in einem 

F-2213/2018 

Seite 14 

höheren Arbeitspensum verunmöglichen dürfte. Ein baldiger Ausgleich  

oder eine nennenswerte Reduktion des beträchtlichen Fehlbetrags im So-

zialhilfebudget für die gesamte Familie ist somit sehr unwahrscheinlich. 

Vielmehr ist auch unter Berücksichtigung der Erwerbsmöglichkeiten sämt-

licher Familienmitglieder von einer erheblichen und fortgesetzten Sozialhil-

feabhängigkeit auszugehen (vgl. BVGE 2017 VII/4 E. 5.4).  

6.5 Die Beschwerdeführerin beruft sich sodann auf ihre Verletzlichkeit so-

wie auf ihre besondere Situation als vorläufig aufgenommener Flüchtling. 

Sie führt an, sie sei aufgrund fehlender Schulbildung und ihres Analphabe-

tismus unverschuldet sozialhilfeabhängig. Sie unternehme aber alles, um 

sich zu integrieren und auf dem Arbeitsmarkt Fuss fassen zu können.  

6.5.1 Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Beschwerdeführerin 

bemüht hat, eine Arbeitsstelle zu finden. So sind von März bis April 2018 

sowie von Dezember 2018 bis Dezember 2019 zuhanden der Arbeitslosen-

versicherung über hundert Nachweise von Arbeitsbemühungen dokumen-

tiert, welche die Beschwerdeführerin grösstenteils durch persönliche Nach-

frage bei den potentiellen Arbeitgebern unternahm. 

6.5.2 Nichtsdestotrotz ist festzustellen, dass sie grundsätzlich arbeitsfähig 

ist. Sie war beim RAV gemeldet. Nicht ersichtlich ist, dass sie ganz oder 

teilweise vermittlungsunfähig ist, hat sie sich doch zumeist auf Vollzeitstel-

len beworben. Von medizinischer Seite ist eine Arbeitsunfähigkeit weder 

belegt, noch wird von der Beschwerdeführerin eine solche geltend ge-

macht (zur Bedeutung gesundheitlich bedingter Arbeitsunfähigkeit vgl. Ur-

teile des BGer 2C_13/2018 vom 16. November 2018 E. 3.5.1; 

2C_1048/2017 vom 13. August 2018 E. 4.5.2; Urteile des BVGer  

F-1822/2017 vom 21. März 2019 E. 8.1; F-611/2017 E. 7).  

6.5.3 Die Berufung der Beschwerdeführerin auf ihre Lernschwierigkeiten, 

ihre fehlende Schulbildung und ihren Analphabetismus ist nicht nachvoll-

ziehbar (Urteil 2C_458/2019 E. 3.2). Gemäss Gesundheitsbericht (…) vom 

10. März 2020 ist sie der deutschen Sprache einigermassen mächtig. Zu-

dem führt sie selber an, in der Lage zu sein, zumindest eine Hilfsarbeit mit 

tiefem Einkommen finden zu können. Ihre bisherigen Arbeitseinsätze be-

stätigen dies. Gewiss stellen ihre traumatische Belastungsreaktion, der An-

alphabetismus, die Sprachbarriere sowie neuerdings auch die schwierigen 

Verhältnisse aufgrund der COVID-19-Pandemie ein gewisses Handicap 

bei der Stellensuche dar. Mit Blick auf andere, vergleichbare Konstellatio-

nen muss von der Beschwerdeführerin nach siebenjährigem Aufenthalt in 

F-2213/2018 

Seite 15 

der Schweiz aber erwartet werden können, dass sie zumindest einmal eine 

länger andauernde und hochprozentige Erwerbstätigkeit ausübt. Bei dieser 

Ausgangslage kann nicht gesagt werden, sie habe alles ihr Zumutbare un-

ternommen, um für sich und ihre Kinder eine nachhaltige finanzielle Auto-

nomie zu erreichen. Ein völliges Unverschulden an ihrer Sozialhilfeabhän-

gigkeit kann vor diesem Hintergrund nicht angenommen werden. 

6.5.4 Zwar gilt es – wie erwähnt – bei der Beurteilung der Sozialhilfeabhän-

gigkeit die statusspezifischen Umstände, in denen sich ein Flüchtling be-

findet, mit zu berücksichtigen (vgl. oben E. 6.1). Einen unmittelbaren An-

spruch auf Familiennachzug aus der ihr mit Entscheid vom 14. Mai 2014 

zuerkannten Eigenschaft als Flüchtling, respektive aus dem Abkommen 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) kann die Beschwerdeführerin daraus jedoch nicht ableiten 

(vgl. BVGE 2012/26 E. 7.1; Urteile des BVGer F-7201/2016 vom 18. Juni 

2018 E. 6.4; F-404/2016 vom 2. Oktober 2017 E. 4.4; F-2186/2015 vom 

6. Dezember 2016 E. 6.1). 

6.6 Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass Art. 85 Abs. 7 Bst. c AuG als 

eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für einen Familien-

nachzug nicht erfüllt ist.  

7.  

Zu prüfen ist weiter, ob die Verweigerung des Familiennachzugs mit dem 

Anspruch auf Schutz des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK vereinbar 

ist. 

7.1  

7.1.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, wel-

ches in erster Linie die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehe-

gatten mit ihren minderjährigen Kindern, umfasst (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; 

135 I 143 E. 1.3.2). Die Garantie kann verletzt sein, wenn einer ausländi-

schen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwe-

senheit untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird. Das in Art. 8 

EMRK beziehungsweise Art. 13 BV geschützte Recht ist berührt, wenn 

eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer gefes-

tigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt wird, ohne dass es 

dieser möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr Familienleben andern-

orts zu pflegen (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; 143 I 21 E. 5.1; 139 I 330 E. 2.1; 

je m.H.). Auf den Schutz von Art. 8 Ziff. 1 EMRK können sich zwar grund-

sätzlich nur Personen mit einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der 

F-2213/2018 

Seite 16 

Schweiz berufen, praxisgemäss aber auch Personen, deren Anwesenheit 

in der Schweiz faktisch als Realität oder aus objektiven Gründen hinge-

nommen werden muss (BVGE 2017 VII/4 E. 6.2 und 6.3, je m.H.). 

7.1.2 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführerin als vorläufig 

aufgenommenem Flüchtling die Berufung auf Art. 8 EMRK offensteht. Wei-

ter sind sich die Parteien einig, dass es ihr und ihren Kindern nicht ohne 

weiteres zumutbar ist, das Familienleben in Eritrea oder in Äthiopien zu 

führen (vgl. dazu BGE 135 I 153 E. 2.1; BVGE 2017 VII/4 E. 6.6; Urteile 

des BVGer D-1627/2020 vom 2. Juni 2020 E. 8.3; E-4667/2018 vom 

22. Januar 2020 E. 10.5). Die Verweigerung des Familiennachzugs greift 

somit in das Recht auf Familienleben der Beschwerdeführerin ein. 

7.2 Geboten ist daher eine Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK, 

ob der Eingriff hinsichtlich der Verweigerung des Familiennachzugs ge-

rechtfertigt ist. 

7.2.1 Die Europäische Menschenrechtskonvention verschafft keinen abso-

luten Anspruch auf Einreise und Aufenthalt, respektive auf Wahl des für das 

Familienleben am geeignetsten erscheinenden Ortes, oder auf einen be-

sonderen Aufenthaltstitel. Vielmehr erweist sich eine aufenthaltsbeen-

dende oder -verweigernde, im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 

EMRK liegende Massnahme als zulässig, wenn sie gesetzlich vorgesehen 

ist, einem legitimen Zweck im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und 

zu dessen Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft notwendig 

erscheint (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.1; 135 I 153 E. 2.1). Die Konvention ver-

langt somit, dass die individuellen Interessen am Familiennachzug und die 

widerstreitenden öffentlichen Interessen an dessen Verweigerung gegen-

einander abgewogen werden (BGE 142 II 35 E. 6.1; 135 I 153 E. 2.2.1). 

Das öffentliche Interesse überwiegt, wenn die Massnahme durch ein "her-

ausragendes soziales Bedürfnis" gerechtfertigt und in Bezug auf das recht-

mässig verfolgte Ziel verhältnismässig erscheint, beziehungsweise einer 

"fairen" Interessenabwägung entspricht (BGE 139 I 330 E. 2.2). 

7.2.2 Sind sowohl das Familienleben, als auch die Immigration betroffen, 

hängt der Umfang der Pflicht, ausländische Familienmitglieder auf dem 

Staatsgebiet zu dulden oder ihren Aufenthalt zu ermöglichen, jeweils von 

den Umständen des Einzelfalls ab. Es wird eine Gesamtbetrachtung ver-

langt, bei welcher der Grad der konkreten Beeinträchtigung des Familien-

lebens, der Umstand, ob und inwieweit dieses in zumutbarer Weise im Hei-

matstaat oder allenfalls in einem Drittstaat gelebt werden kann, sowie die 

F-2213/2018 

Seite 17 

Natur der Bindungen zum und im Aufenthaltsstaat ins Gewicht fallen. Im 

Rahmen der Interessenabwägung ist auch zu prüfen, ob eine gute, wirt-

schaftliche Integration vorliegt. Von wesentlicher Bedeutung ist, ob dem 

Familiennachzug Gründe der Migrationsregulierung (z.B. illegaler Aufent-

halt), andere Motive zum Schutz der öffentlichen Ordnung (z.B. Kriminali-

tät) oder solche des wirtschaftlichen Wohlergehens des Landes (z.B. Sozi-

alhilfeabhängigkeit) entgegenstehen. Von besonderem Gewicht erscheint 

schliesslich, ob die betroffenen Personen aufgrund ihres migrationsrechtli-

chen Status vernünftigerweise davon ausgehen durften, ihr Familienleben 

künftig im Konventionsstaat pflegen zu können. Ist dies nicht der Fall, be-

darf es besonderer, beziehungsweise aussergewöhnlicher Umstände, da-

mit Art. 8 EMRK den einzelnen Staat verpflichten kann, die Anwesenheit 

von Familienangehörigen zu dulden (BGE 144 I 266 E. 3.7; 139 I 330 E. 2.2 

f.; BVGE 2019 VI/3 E. 6.3; Urteile des BVGer F-1975/2018 E 6.4;  

F-4731/2018 E. 6.2; F-2043/2015 vom 26. Juli 2017 E. 7.1).  

7.2.3 Soweit Kinder betroffen sind, ist dem Kindeswohl im Sinne einer Leit-

maxime eine gewichtige Bedeutung beizumessen, wobei wiederum die 

einzelfallspezifischen Umstände, namentlich das Alter, die Situation im Hei-

matstaat und die Abhängigkeit von den Eltern, massgeblich sind. Der Um-

stand allein, dass das Kind im Zielstaat bessere Lebensbedingungen hat, 

reicht selbstredend nicht für einen Familiennachzug (vgl. Urteil  

F-2043/2015 E. 7.1 m.w.H.). Wenngleich gemäss Art. 3 Abs. 1 KRK das 

Kindeswohl im Rahmen der Interessenabwägung vorrangig zu berücksich-

tigen und Familiennachzugsgesuche gemäss Art. 10 Abs. 1 KRK wohlwol-

lend, human und beschleunigt zu bearbeiten sind, begründen diese Be-

stimmungen keine eigenständigen Rechtsansprüche, die über die Garan-

tien von Art. 8 EMRK hinausgehen. Dies gilt auch in Bezug auf Art. 9, 

Art. 10 Abs. 2 sowie Art. 22 KRK (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.2.2; 140 I 145 

E. 3.2; 139 I 315 E. 2.4; 135 I 153 E. 2.2.2; 126 II 377 E. 5d; Urteile des 

BVGer F-1251/2020 vom 30. März 2020 E. 6.2.5; F-643/2017 E. 6.2;  

F-7201/2016 E. 9.5.5; F-2043/2015 E. 7.4; STEFANIE SCHMAHL, Handkom-

mentar zur Kinderrechtskonvention, 2. Aufl. 2017, Art. 22 N. 5 ff.). 

7.3 Das Zulassungskriterium des Vorhandenseins hinreichender finanziel-

ler Mittel und damit der Entlastung der Sozialhilfe und der öffentlichen Fi-

nanzen ist als Voraussetzung des Familiennachzugs konventionsrechtlich 

anerkannt (BGE 139 I 330 E. 3.2). Derzeit kann von einer beruflichen In-

tegration der Beschwerdeführerin nur ganz beschränkt ausgegangen wer-

den. Bei einem Familiennachzug der drei Kinder würde sich der Fehlbetrag 

im aktuellen Unterstützungsbudget von Fr. 2'002.– wesentlich und über 

F-2213/2018 

Seite 18 

längere Zeit erhöhen. Somit ist ein erhebliches öffentliches Interesse an 

der Verweigerung des Familiennachzugs anzunehmen. 

7.4 Diesem Interesse steht das gewichtige private Interesse der Beschwer-

deführerin an einem Familienleben sowie am Wohlergehen der Kinder ge-

genüber.  

7.4.1 Betreffend die Verfolgungssituation in Eritrea sowie die Ausreise-, be-

ziehungsweise Fluchtgründe der Beschwerdeführerin hielt die Vorinstanz 

mit rechtskräftiger Verfügung vom 14. Mai 2014 unter anderem fest, ihre 

Vorbringen seien generell sehr widersprüchlich und unsubstantiiert ausge-

fallen. So habe sie anfänglich angegeben, mit dem Vater ihrer ersten bei-

den Kinder stets zusammengelebt und Eritrea verlassen zu haben, um von 

ihm wegzukommen. Später habe sie dann ausgeführt, nur bis zur dritten 

Schwangerschaft mit dem Vater der ersten beiden Kinder zusammengelebt 

zu haben. Danach habe sie mit dem Vater des dritten Kindes zusammen-

gewohnt. Eritrea habe sie verlassen, weil der Vater des dritten Kindes im 

Militärdienst verlegt worden sei, sie sich eine neue Stelle als Köchin hätte 

suchen müssen und ihr die Arbeit mit ihren Kindern zu viel geworden sei 

(SEM-A-act. 21).  

7.4.2 Wohl hält die Beschwerdeführerin dem entgegen, sie sei als Minder-

jährige vom Vater der ersten beiden Kinder misshandelt, ausgenutzt, un-

terdrückt und immer wieder bedroht worden. Sie habe die Ausreise aus 

Eritrea als einzige Lösung gesehen, um sich aus der stetigen Unterdrü-

ckung und Bedrohung durch den Vater ihrer ersten beiden Kinder zu lösen. 

Zudem habe sie die Konsequenzen ihres damaligen Handelns, unter an-

derem wegen ihrer fehlenden Schulbildung, nicht vorgängig abschätzen 

können.  

7.4.3 Dies ändert indes nichts daran, dass das Asylgesuch der Beschwer-

deführerin mit Verfügung vom 14. Mai 2014 rechtskräftig abgewiesen und 

festgestellt wurde, dass sie erst durch die illegale Ausreise subjektive 

Nachfluchtgründe geschaffen hat. Mit der Entscheidung zur Ausreise nahm 

die Beschwerdeführerin eine langfristige Trennung von ihren Kindern in 

Kauf, und sie konnte nicht ohne weiteres damit rechnen, die Kinder in die 

Schweiz nachziehen und mit ihnen hier leben zu können. Insbesondere bei 

Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe verstösst es nicht ohne weiteres 

gegen Art. 8 Ziff. 1 EMRK, wenn eine Einreise von gewissen Bedingungen 

abhängig gemacht wird. Damit das Familienleben in der Schweiz zugelas-

F-2213/2018 

Seite 19 

sen werden kann, müsste die Integration auf gutem Weg und derart gesi-

chert erscheinen, dass zumindest eine Reduktion der Sozialhilfeabhängig-

keit ernstlich absehbar wäre (vgl. BGE 139 I 330 E. 4.2; 126 II 335 E. 3c/aa; 

Urteil des BGer 2C_502/2017 vom 18. April 2018 E. 4.2.1; Urteile  

des BVGer F-2043/2015 E. 7.2; F-2860/2018 E. 7.5). Dies ist vorliegend, 

wie erwähnt, nicht der Fall (vgl. oben E. 6).  

7.5 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin erscheint das Wohl-

ergehen ihrer zwischen 14 und 17 Jahre alten Kinder nicht als gefährdet. 

Deren Situation erweist sich nach Einholen der UNHCR-Berichte vom 

2. August 2018 und vom 9. März 2020 sowie nach der Befragung der Kin-

der vom 26. Februar 2020 durch einen Experten für Familien- und Kin-

derangelegenheiten übrigens als hinreichend abgeklärt. Die Kinder leben 

zusammen mit der Frau eines Onkels in einem Studio und besuchen die 

Schule, wenngleich dies derzeit vorübergehend pandemiebedingt offenbar 

nicht möglich ist. Die Kinder werden unter anderem von der Beschwerde-

führerin finanziell unterstützt. Die Bezahlung der Miete ist gesichert 

(vgl. oben Bst. N). Die Situation der Kinder ist sicherlich nicht ideal. Von 

derjenigen eines Grossteils anderer Kinder in der äthiopischen Gesell-

schaft dürfte sie sich jedoch kaum unterscheiden (vgl. oben Bst. K). Eine 

wesentliche Beeinträchtigung oder Bedrohung des Kindeswohls kann nicht 

ausgemacht werden. Im Gegenteil käme ein Umzug vor allem der beiden 

ältesten Kinder in die Schweiz aufgrund ihrer baldigen Volljährigkeit unter 

Umständen einer Entwurzelung gleich (vgl. Urteil des BVGer F-1975/2018 

vom 30. April 2020 E. 6.5).  

7.6 Nach dem Gesagten besteht am Familienleben vorliegend ein gewich-

tiges Interesse. Dieses wird durch die Ausreise der Beschwerdeführerin 

aus Eritrea ohne nachvollziehbare Fluchtgründe jedoch relativiert. Zu 

Gunsten der Beschwerdeführerin ist zu berücksichtigen, dass ihre Integra-

tion in den ersten Arbeitsmarkt und die Ablösung von der Sozialhilfe auf-

grund persönlicher und flüchtlingsspezifischer Gründe sowie nunmehr 

durch die COVID-19-Pandemie erschwert sind (vgl. oben E. 6.5.3). Vorlie-

gend muss jedoch von einer fortgesetzten und erheblichen Sozialhilfeab-

hängigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen werden, die sich bei ei-

nem Nachzug der drei Kinder nochmals massgeblich akzentuieren würde. 

Daher vermag das Interesse der Beschwerdeführerin an einem Nachzug 

ihrer Kinder das erhebliche öffentliche Interesse an einer Verhinderung zu-

sätzlicher hoher Fürsorgekosten nicht aufzuwiegen. 

F-2213/2018 

Seite 20 

7.7 Nicht stichhaltig ist schliesslich die Rüge der Verletzung des Diskrimi-

nierungsverbots nach Art. 14 EMRK in Verbindung mit Art. 8 EMRK. Nach 

konstanter Rechtsprechung ist die Ungleichbehandlung von asylberechtig-

ten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen in Bezug auf 

die Kriterien der Fürsorgeabhängigkeit und der bedarfsgerechten Woh-

nung mit der EMRK vereinbar (Urteile des BVGer F-7303/2015 E. 6.1;  

D-4563/2013 vom 6. März 2014 E. 4.3 f.; D-1149/2012 vom 22. August 

2013 E. 4.3 ff.; D-6334/2012 vom 13. August 2013 E. 4.3.3; vgl. auch 

BGE 139 I 330 E. 3.2). Daran ist festzuhalten, zumal es sich um eine vom 

Gesetzgeber gewollte Differenzierung handelt und Art. 85 Abs. 7 AIG als 

speziellere der Bestimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG zum Familienasyl für 

Flüchtlinge vorgeht (BVGE 2017 VII/8 E. 5.3; Urteile des BVGer  

F-2043/2015 E. 3.4; F-2186/2015 E. 5.2; MINH SON NGUYEN, in Cesla Ama-

relle/Minh Son Nguyen [éd.], Code annoté de droit des migrations, Volume 

IV: Loi sur l'asile [LAsi], 2015, Art. 51 N. 10).  

7.8 In Würdigung aller Umstände erweist sich die Verweigerung des Fami-

liennachzugsgesuchs auch unter Berücksichtigung von Art. 8 und Art. 14 

EMRK sowie der KRK als recht- und verhältnismässig. 

8.  

Die vorinstanzliche Verfügung verletzt Bundesrecht nicht (Art. 49 VwVG). 

Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten grund-

sätzlich der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Sie hat jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-

rung gestellt (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dieses ist gutzuheissen, da auf-

grund der Aktenlage von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist und die gestell-

ten Begehren überdies nicht als aussichtslos anzusehen waren (BGE 142 

III 138 E. 5.1; 138 III 217 E. 2.2.4). Folglich sind keine Verfahrenskosten 

aufzuerlegen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

F-2213/2018 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird gutgeheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]+[…]+[…] / N […]) 

 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Andreas Trommer Mathias Lanz 

 

 

 

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