# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f5f8d00-2b08-5a3e-8b27-d105245e3cc8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-05-21
**Language:** de
**Title:** PÄUSBONOG; Anspruch auf eine Rente wurde zu Recht abgelehnt.
**Docket/Reference:** IV.2012.01208
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.01208.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.01208
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Minder
Urteil
vom
21. Mai 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1958
und
seit 1979 Hausfrau
, meldete sich bereits
in den Jahren 2006 und 2007
wegen
Knie-, Rücken-
, Fuss-
und Schulterschmerzen bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an (
Urk.
7
/2,
Urk.
7
/29), wo
bei die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, jeweils nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7
/22-23,
Urk.
7
/34-35) die Abwei
sung der Leistungsbegehren verfügte (Verfügung vom 1
1.
April 2007,
Urk.
7
/26; Verfügung vom
6.
März 2008,
Urk.
7
/37).
1.2
Am 2
6.
März 2012 meldete sich
die Versicherte
unter Hinweis auf
“
Arthrose, Knie
probleme,
Kopfprobleme, Schwindelanfal
l, Hörprobleme, neu Zuckerkrank
heit,
Rückenschmerzen
“
erneut bei der Invalidenversicherung zum
Leistungs
bezug
an (
Urk.
7
/44).
Die IV-Stelle holte in der Folge einen Auszug aus dem in
dividuellen Konto der Versicherten (
Urk.
7
/48) sowie
mehrere
Arztberichte (
Urk.
7
/49
-
50) ein.
Mit Eingabe vom 2
7.
August 2012 (
Urk.
7
/51) reichte die Versicherte weitere
B
ericht
e
von
Dr.
med.
Y.___
, Spezialarzt FMH für Neurolo
gie,
nach (
Urk.
7
/52). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7
/55), in dessen Verlauf
erneut
Berichte
von
Dr.
Y.___
eingereicht wurden (
Urk.
7
/56-57),
verfügte die IV-Stelle am
2.
November 2012 (
Urk.
2) die Abweisung des Leistungsbegehrens
(Invalidenrente)
.
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
November 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
9.
November 2012 Beschwerde und beantragte sinngemäss, diese
sei
aufzuhe
ben und
es seien
ihr die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen
(
Urk.
1).
Der Be
schwerdeschrift legte sie zudem
diverse
Berichte von
Dr.
Y.___
bei (
Urk.
3/1-3)
.
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Januar 2013 (
Urk.
6) beantrage die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
9.
Januar 2013 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei Versicherten mit vollendetem 2
0.
Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich
zu betätigen.
Art.
7
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
ist sinngemäss anwendbar: Demnach sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (
Art.
8
Abs.
3 ATSG in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
1.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Aus
prägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Inten
sität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkran
kun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein aus
gewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, thera
peu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behand
lungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und ge
schei
terte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigen
an
stren
gung
(kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kri
te
rien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an dieser Rechtsprechung unter Ausei
nandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1). Ins
besondere erkannte das Bundesgericht,
dass sich die unklaren Beschwerden hinsichtlich ihrer invalidisierenden Folgen von anderen (psychischen) Leiden durch die mangelnde Objektivierbarkeit unterscheiden. Dabei hand
elt
es sich um
ein sachliches Kriterium, das überprüft werden kann. Die hinreichende Objekti
vierbarkeit der gesundheitlichen Beeinträchtigung
wird
für Ansprüche auf
Sozi
alversicherungsleistungen
seit jeher vorausgesetzt und ha
t
im Rahmen der 5.
IV-Re
vision auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden (Art.
7 Abs.
2 ATSG). Von einer unbegründeten Schlechterstellung
beziehungsweise
einer Dis
kriminierung der betroffenen Versicherten in
verfassungsmässigem
Sinne
bezie
hungsweise
nach
Massgabe
der EMRK k
a
nn daher nicht gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts
8C_142/2013 vom 20.
November 2013 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 5.6 in
fine
und
E.
5.7).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rakters von
Fibromyalgien
(BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (SVR 2007 IV Nr. 45 S. 150, I 9/07 E. 4 am Ende),
Chro
nic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom) und Neurasthenie (Urteile 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), bei dissoziativen Bewe
gungsstörungen (Urteil 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare
Funktions
fälle
(BGE 136 V 279) sowie bei nicht organischer
Hypersomnie
(BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog angewendet
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
in ihrer Verfügung vom
2.
November 2012
auf den Standpunkt
, dass
die
bei der
Beschwerdeführer
in
gestellten Diagnosen zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlagen gehör
t
en. Es lägen keine objektivierbaren Befunde vor, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeits
unfähigkeit begründeten
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde vor, es gehe ihr aufgrund der Schmerzen gesundheitlich sehr schlecht.
Sie sei weder
arbeitsfähig noch in der Lage, den Haushalt zu besorgen.
Sie
benötige die Hilfe ihrer Familie
.
Auch fehle das
Geld, um die Medikamente zu bezahlen (
Urk.
1).
3.
3.1
Am 2
3.
Dezember 20
11 (
Urk.
7
/49/5-1
5
) berichtete
Dr.
med.
Z.___
, Assistenzarzt des
A.___
, zuhanden
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 1
6.
bis 2
3.
Dezember 201
1.
Er nannte folgende Hauptdiagnosen:
-
Neu-diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 2 (Erstdiagnose Dezember 2011)
-
Metabolisches Syndrom (Erstdiagnose Dezember 2011; Arterielle Hyper
tonie, Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2)
-
Symptomatischer komplizierter
nitritpositiver
Harnwegsinfekt
bei Dia
betes mellitus Typ 2
-
Myogelose
Nacken links
-
Anamnestisch Kniearthrose beidseits
Dr.
Z.___
berichtete, dass die
initiale
Selbstzuweisung
wegen
Kopf- und links
s
ei
tigen
Thoraxschmerzen
, teils ausgehend vom linken Nacken mit Ausstrahlung in den linken Arm sowie auch
längerbestehender
Hyperästhesie und teils auch Gefühlslosigkeit der Fussballen beidseits erfolgt sei.
Er schrieb diese schliesslich einer
Myogelose
des link
s
seitigen Nackens zu, weil die Symptomatik auf Druck hin auslösbar war und unter Physiotherapie mit Massage besserte. Die als er
höht aufgefallenen Blutzuckerwerte führten erstmals auch zur Diagnose eines Diabetes mellitus Typ
2. Dr.
Z.___
erwähnte diesbezüglich, dass nach Abklärun
gen und Visitationen der Patientin durch die Ernährungs- und Diabetesberatung aktuell die Einstellung mit oralen Antidiabetika einer Insulintherapie
vorgezo
gen
worden sei, wobei im Falle
insuffizienter Einstellung des Blutzuckers die Zugabe eines
bedtime
-Insulins zu diskutieren wäre. Die
Blutzuckerselbstmes
sung
sei problemlos erlernt worden (
Urk.
7/49/6). Zur Arbeitsfähigkeit äusserte er sich nicht.
Im (undatierten) Bericht (
Urk.
7/50/1-4) zuhanden der IV-Stelle führte
Dr.
Z.___
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
einen Diabetes mellitus Typ 2
Erstdiagnose Dezember 2011 mit klinischen Zeichen von
Endorganschä
den
und ein metabolisches Syndrom an. Alle Fragen zur bisherigen Tätigkeit, möglichen Eingliederungsmassnahmen und Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit beantwortete er mit “unklar“ oder einem Fragezeichen (
Ziff.
1.6-1.10).
3.2
Dr.
B.___
berichtete am 1
1.
April 2012 (
Urk.
7
/49/1-4) zuhanden der
Be
schwer
degegnerin
, dass er die Beschwerdeführerin seit zwei Jahren nicht mehr gesehen habe. Sie beziehe nur regelmässig ihre Medikamente und sei auf
grund eines neu diagnostizierten Diabetes mellitus im
A.___
ge
wesen.
3.3
Am 2
9.
Mai 2012
nannte
Dr.
Y.___
zuhanden der Beschwerdeführerin (
Urk.
7
/52
/4-7
)
folgende
Hauptd
iagnosen (S.
5+6
):
-
Zervikovertebral
-Syndrom
-
Spannungstyp-Kopfschmerzen seit April 2005 täglich
-
Systematisierter Schwindel seit April 2005 täglich, Dauer 2-3 Minuten
-
vegetative und psychologische Begleit
s
ymptome
-
orthostatische
Komponente
-
V
.a.
vertebro-basiläre
Durchblutungsstörung
-
Tinnitus beidseits als Begleitsymptom
-
Berührung des externen Gehörgangs beidseits nicht toleriert
-
Vielzahl von Begleitsymptomen
-
depressive Verstimmung
-
Unsystematisierter
Schwindel seit April 2005 täglich
-
Elektroenzephalogra
ph
ie
(EEG) Juni 2008 normal
-
Deutliches sensibles
Carpaltunnelsyndrom
(CTS) beidseits August 2008,
rechts betont
-
digitu
s
I beidseits,
digitu
s
III rechts deutlich verzögert zwischen Hand
gelenk und
digitu
s
I
-
digitu
s
II beidseits,
digitu
s
III links mittelgradig verlangsamt
-
motorisch: distale motorische Latenzzeit rechts leicht verzögert, links oberste Norm ohne Verlangsamung
-
CTS beidseits:
Hyposensibilität
digitu
s
II und III beidseits
palmar
und dor
sal November 2008
-
sämtliche Phalangen II und III betroffen
-
Nervus
ulnaris
:
Elektroneurographie (ENG)
beidseits September 2008:
Ul
narisneuropathie
über rechte
m
Handgelenk sowie über
Su
lcus
beid
seits:
-
fehlende Reizantwort über
Sulcus
beidseits
-
deutliche Verlangsamung de
r
sensibel-
antid
ro
men
Nervengeschwin
digkeit
(NLG) zwischen Handgelenk und Kleinfinger rechts
-
Normalwerte über der Loge-de-
Guyon
beidseits
-
Thorakovertebral
-Syndrom (Schmerzen
interscapulär
)
-
R
öntgen
der
Brustwirbelsäule (BWS)
Juni 2008: leichte links-konvexe Skoliose kranial
-
initiale
Osteochondrose
-
Lumbovertebral
syndrom
, korrelierend zum Röntgenbefund
-
R
öntgen der Lendenwirbelsäule (LWS) Juni 2008: leichte rechts-kon
vexe Skoliose
-
Beckentiefstand rechts 10 mm
-
ungünstige Statik: steiler Kreuzbeinbasiswinkel, Lot aus
Lendenwir
belkörper
(LWK) 3: 16 mm vor ventraler
Sacrum
-Kante, 26 mm vor
Sacrum
-Mitte
-
Spondylolisthesis
L5/S1: 7 mm breite Spalten
interartikulär
beidseits
-
erhebliche
Osteochondrose
L5/S1
-
Spondylosen: distale BWS, LWS
-
Normalbefund: Hüftgelenk beidseits,
Iliosacralgelenk
(ISG) beidseits
-
LWS November 2008:
ischiocrurale
Muskulatur beidseits deutlich ver
kürzt
-
deutlicher Hohlrücken lumbal
-
Schulterschmerzen beidseits Juli 2008
-
Schmerzen der Kniegelenke / Patella beidseits:
Chondropathia
patellae
?
-
Akupunktur September 2008
(3 Sitzungen)
-
Polyneuropathie der unteren Extremitäten Oktober 2008
-
motorisch:
Nervus
peroneus
profundus
rechts (leicht)
-
sensibel:
Nervus
suralis
beidseits (mässig)
-
Areflexie
der oberen und unteren Extremitäten beidseits November 2008, Vibrationssinn intakt
-
ungerichtetes
Schwanken beim Blindstrichgang
-
Krampi
: Sohle beidseits, Schmerzen über Fussrücken und Aussenknöchel beidseits
-
erster und zweiter Zeh beidseits (Grosszehe in
Plantarflexion
,
Krampi
)
-
V.a. Fibrome des Gesichts (Wange beidseits, links Kinn)
-
Schmerzbedingte Insomnie, Ein- und Durchschlafstörung
-
Depressive Verstimmung, schmerzbedingt, reaktiv
Weiter listete
Dr.
Y.___
diverse Nebendiagnosen auf (S. 6).
Er berichtete
zudem
, dass
die Beschwerdeführerin meist zu Hause im Bett liege und Schmerzen habe
. Wenn sie aufstehe, sei alles blockiert. Nach rund 20 minütigem Sitzen habe sie ebenfalls Schmerzen. Da sie keine Kraft habe, könne sie nicht einmal eine Fla
sche Mineralwasser öffnen.
3.4
Dr.
Y.___
teilte
am 1
4.
Oktober 2012 (
Urk.
7
/56/1-4,
Urk.
7
/57) unter Beilage seines Berichtes vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
7
/56/5-8, siehe E. 3.3 vorstehend) zu
handen der Beschwerdegegnerin seine erhobenen Befunde
mit
. Zudem berich
tete er, dass die Prognose ungünstig sei. Der Verlauf sei protrahiert und chro
nische Schmerzen würden das Geschehen dominieren
(
Urk.
7
/57
Ziff.
1.4)
.
Die Beschwerdeführerin schätze, dass sie maximal zweieinhalb Stunden täglich arbeitsfähig sei (
Ziff.
1.6). Sie sei zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.7). Nach Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin
, welche objektivierbar sei,
bestehe ein chronischer Schmerz und eine Depression (
Ziff.
1.11).
3.5
Am
2.
November 2012 nahm
pract
. med.
C.___
, Facharzt für Arbeitsme
dizin
,
vom
Regional
en
Ärztlichen Dienst (RAD)
der Beschwerde
gegnerin
Stel
lung zu den Berichten des
Dr.
Y.___
(
Urk.
7
/58/
2-
3).
Er führte aus, dass als funktionelle Einschränkung im Wesentlichen auf den Schmerz verwiesen werde und weitere Angaben zu funktionellen Einschränkungen fehlen würden. Das reine Schmerzgeschehen geh
öre
zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage. Den
Akten seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen würden nicht vorliegen.
4.
4.1
In Würdigung de
r medizinischen Akten
und in Übereinstimmung mit
pract
. med.
C.___
vom RAD
ist
davon auszugehen
, dass die Beschwerdeführerin
hauptsächlich
an einem Schmerzgeschehen leidet
,
das
sich einer objektiven
und
fachärztlich schlüssigen Beurteilung entzieht
.
Solches
lässt sich
auch
dem Bericht
von
Dr.
Y.___
vom
1
4.
Oktober
2012 (
Urk.
7
/57/1-4, siehe auch
Urk.
7
/56/5-8
)
entnehmen
,
indem
dieser zwar zahlreiche Haupt- und auch Nebendiagnosen stellt, aber bei den konkreten Fragen der IV-Stelle zu den gesundheitlichen Einschränkungen nur chronische Schmerzen und eine Depres
sion erwähnt und betreffend Tätigkeit beziehungsweise Arbeitsfähigkeit ledig
lich die – objektivierbare – Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin be
zie
hungsweise die Einschätzung
ihres
Sohnes aufführt (
Ziff.
1.6-1.11)
.
Weiter
blieben auch die
Thoraxschmerzen
, aufgrund welcher sich die Beschwerdefüh
rerin ins
A.___
begab, für den damaligen Arzt nicht hinrei
chend erklär- und objektivierbar (vgl. E. 3.1 vorstehend).
Die
von
Dr.
Y.___
zur Diagnose erhobenen unklaren Beschwerdebilder wie etwa Spannungstyp-Kopf
schmerzen
,
systematisierter und
unsystematisierter
Schwindel
,
Schulterschmer
zen
, Schmerzen der Kniegelenke
und
Fusskrämpfe
beruhen auf den subjektiven Schmer
zangaben der Beschwerdeführerin
,
sind
nicht
messbar und
folglich
kaum zu überprüfen,
sodass
es
solchen Störungen
an der nötigen Objektivierbarkeit fehlt
,
damit sie
eine
invalidisierende Wirkung entfalten
können
.
Allein aufgrund der Grundlage eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Besch
w
erdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage lässt sich daher die Vermutung, die versicherte Person sei
arbeits
fähig
beziehungsweise es sei ihr möglich, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen
und es liege keine invalidisierende Beeinträchtigung vor, in der Regel nicht widerlegen. Die
Rechtsprechung
hat deshalb die Voraussetzungen umschrieben, unter denen sich eine Arbeitsunfähigkeit dennoch
nachweisen läss
t
(sogenannte „Foerster-Kriterien“, siehe
BGE 139 V 547 E. 9.1;
sowie
auch
E. 1.1
und 1.2
vorstehend
).
Den medizinischen Akten zufolge liegt keine mitwirkende, psychisch ausge
wiesene
Komorbiditiät
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vor
.
Die von
Dr.
Y.___
diagnostizierte schmerzbedingte und reaktive depressive Verstimmung erfüllt
rechtsprechungsgemäss
diese Anforderung nicht
(
Urk.
7
/56/6
).
Ebenso liegen keine Anhaltspunkte vor,
um das Vorhandensein der anderen qualifizierten Kriterien zu bejahen
(siehe E. 1.
2
vorstehend
).
So liegt weder eine
chronisch
e
körperliche Begleiterkrankung
noch ein
mehrjähri
ger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne
längerfristige Remission
vor.
Diabetes mellitus beziehungsweise Hyperglykämie, Adipositas und arterielle Hypertonie genügen jedenfalls
gemäss
bundesgericht
licher
Rechtsprechung (
vgl.
etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_624/2007 E.
2.3.1 vom 1
9.
Oktober 2007)
dafür nicht. Sie werden auch von
Dr.
Y.___
deshalb folgerichtig nur unter den Nebendiagnosen aufgeführt (
Urk.
7/52/7).
Auch von einem ausgewiesenen
sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens
kann nicht die Rede sein
, da sich die Beschwerdeführerin
nach wie vor
von ihrer Schwiegertochter pflegen
lässt
(vgl.
Urk.
7
/56/8).
Ebenfalls zu verneinen ist
ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewäl
tigung
(primärer Krankheitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit")
; vielmehr ist ein sekundärer in Form vermehrter Zuwendung seitens der Familie nicht auszu
schliessen. Ebenso nicht gegeben ist
ein
unbefriedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Reha
bilitationsmassnahmen
bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person
, wie in den Akten überhaupt Hinweise auf ein psychiatrisch/psychotherapeutisches Behandlungskonzept gänzlich fehlen
.
Vor diesem Hintergrund ist offenkundig, dass die Kriterien, die ein Abweichen von der Ü
berwindbarkeitsvermutung erlauben
, nicht erfüllt sind
.
4.2
Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass auf die
Beurteilung
des
pract
. med.
C.___
vom RAD abzustellen ist.
Die Beschwerdeführerin leidet an einem reinen Schmerzgeschehen,
das
als solches zu den
ätiologisch-pathogene
tisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehört. Aus versicherungsmedizinischer Sicht ist die Beschwerde
führerin
nach dem Gesagten
in ihrem Aufgabenbereich nicht eingeschränkt.
Der medizinische Sachverhalt ist in dem Sinne als erstellt zu betrachten. Von wei
t
eren medizinischen Abklärungen
sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung, BGE
124 V 94 E. 4b; 122 V 162 E. 1d
). So wurden die organischen Befunde vollständig erho
ben und es ist nicht ersichtlich, welche abweichenden Resultate eine weitere interdisziplinäre Begutachtung ergeben könnte.
Demnach erweist sich die an
gefochtene Verfügung vom
2.
November 2012 als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
5.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
6
00
.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
der
Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMinder