# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 59bbfdd4-2282-5814-8029-556eeb6ed98f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 20.01.2022 3-RV.2021.105
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-RV-2021-105_2022-01-20.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

 

3-RV.2021.105       
P 18 
 

 

 

 

Urteil vom 20. Januar 2022 
 
 

 
 

Besetzung  Präsident Fischer  

Richter Mazzocco  

Richter Herzog  

Gerichtsschreiber Lenarcic          

 

 
 

   

Rekurrent   A._____  

   

 

 
 
 

Gegenstand  Einspracheentscheid der Steuerkommission Q._____ 

vom 27. Mai 2021 

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2018 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 25. Januar 2021 wurde A. von der Steuerkommission 

Q. für das Jahr 2018 zu einem steuerbaren Einkommen von CHF 33'200.00 

veranlagt. Der Veranlagung liegt der Tarif A zu Grunde. 

 

2. 

Gegen die Verfügung vom 25. Januar 2021 erhob A. mit Schreiben vom 

3. Februar 2021 Einsprache. Die Steuerkommission Q. ging von den 

folgenden sinngemäss gestellten Begehren aus: 

 

"- Tarifänderung: Es sei der Tarif B anstelle des gewährten Tarif A zu gewäh-

ren 

- Berufsauslagen: Die Autokosten seien mit 34 km pro Wegstrecke zu gewäh-

ren 

- Antrag auf Steuererlass für das Jahr 2018 aufgrund von persönlichen finan-

ziellen Ausgaben und die finanzielle Unterstützung des Sohnes C." 

 

3. 

Mit Entscheid vom 27. Mai 2021 wies die Steuerkommission Q. die 

Einsprache ab, soweit darauf eingetreten werden konnte, und leitete den 

Antrag auf Steuererlass an die Abteilung Finanzen der Gemeinde Q. weiter. 

 

4. 

Den Einspracheentscheid vom 27. Mai 2021 (Versanddatum 25. Juni 2021) 

hat A. mit rechtzeitigem Rekurs vom 4. Juli 2021 (Postaufgabe am 5. Juli 

2021) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern, wei-

tergezogen. Er beantragt,  

 

es sei der Tarif B anzuwenden und Steuererlass für das Jahr 2018 zu gewäh-

ren. 

 

Auf die Begründung wird, soweit für die Entscheidung erforderlich, in den 

Erwägungen eingegangen. 

 

5. 

Die Steuerkommission Q. beantragt die Abweisung des Rekurses, soweit 

darauf eingetreten werden kann. Das Kantonale Steueramt beantragt die 

Abweisung des Rekurses. 

 

6. 

A. hat eine Replik erstattet. 

  

 - 3 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2018. 

Massgebend für die Beurteilung ist das Steuergesetz vom 15. Dezember 

1998 (StG). 

 

2. 

2.1. 

Der Rekurrent beantragt, es sei der Tarif B anzuwenden. 

 

2.2. 

Die Steuerkommission Q. hat nicht den Tarif B angewendet, weil die beiden 

volljährigen Kinder D. und C. am Stichtag 31. Dezember 2018 im Haushalt 

der Mutter wohnhaft gewesen seien (vgl. Einspracheentscheid). C. habe 

den niederlassungsrechtlichen Wohnsitz am Stichtag in der Gemeinde S. 

gehabt (Vernehmlassung vom 4. August 2021 unter Hinweis auf die 

Wegzugs-Meldung der Gemeinde S. sowie die Zuzugs-Meldung der 

Gemeinde Q.). 

 

3. 

3.1. 

Für Verheiratete, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, 

sowie für verwitwete, getrennt lebende, geschiedene und ledige Steuer-

pflichtige, die mit Kindern im gleichen Haushalt zusammenleben und deren 

Unterhalt zur Hauptsache bestreiten, ist der Steuersatz des halben steuer-

baren Einkommens [Tarif B] anzuwenden (§ 43 Abs. 2 StG). 

 

Der Tarif wird nach den Verhältnissen am Ende der Steuerperiode oder 

Steuerpflicht festgelegt (§ 43 Abs. 4 StG). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Gewährung des Tarifs B steht also unter den beiden Bedingungen, 

dass der Rekurrent mit einem (eigenen) Kind "im gleichen Haushalt zusam-

menleben" und für dieses den "Unterhalt zur Hauptsache bestreiten" muss. 

 

3.2.2. 

Beim Zusammenleben wird auf den Wohnsitz gemäss Art. 25 Abs. 1 ZGB 

abgestellt, womit der Wohnsitz der Eltern als Wohnsitz des Kindes unter 

elterlicher Sorge gilt oder, wenn die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz 

haben, der Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut das Kind steht 

(VGE vom 27. Januar 2020 [WBE.2019.171], mit Hinweis auf das 

Kreisschreiben Nr. 30 vom 21. Dezember 2010 betreffend "Ehepaar- und 

Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte 

 - 4 - 

 

 

Bundessteuer [DBG]"). Ob ein Steuerpflichtiger mit seinem Kind zusam-

menlebt, hängt nicht vom formellen Wohnsitz des Kindes, sondern davon 

ab, ob dieses im Haushalt des Steuerpflichtigen lebt (VGE vom 28. Februar 

2000 [BE.1999.00264]; SGE vom 29. Mai 2020 [3-RV.2019.96]). 

 

Bei mündigen Kindern ist davon auszugehen, dass § 43 Abs. 2 StG – in 

Abweichung vom strikten Wortlaut – nur dann zur Anwendung gelangt, 

wenn das mündige Kind, mit dem der Steuerpflichtige zusammenlebt und 

für dessen Unterhalt er zur Hauptsache aufkommt, (noch) in Ausbildung 

steht oder unterstützungsbedürftig ist (VGE vom 8. Juli 2020 

[WBE.2019.412]). 

 

3.3. 

C. ist am tt.mm. 2001 geboren, d.h. er war am 31. Dezember 2018 17 Jahre 

alt (vgl. Details Steuerveranlagung 2018). Es ist daher nicht 

nachvollziehbar, warum die Steuerkommission Q. von zwei volljährigen 

Kindern ausgeht. Ausserdem hängt gemäss der dargelegten 

Rechtsprechung, entgegen der Auffassung der Steuerkommission Q., die 

Beurteilung der Frage, ob ein Steuerpflichtiger mit seinem Kind zusam-

menlebt, nicht vom formellen Wohnsitz des Kindes, sondern davon ab, ob 

dieses im Haushalt des Steuerpflichtigen lebt. 

 

3.4. 

Der Rekurrent hat bereits in der Einsprache geltend gemacht, seit C. aus 

dem Jugendheim T. entlassen worden sei, sorge er für ihn. Da die Arbeits- 

bzw. Lehrstellensuche schwierig sei, unterstütze er ihn finanziell. Die 

Steuerkommission Q. hätte daher abklären müssen, ob sich C. im ganzen 

Jahr 2018 im Jugendheim T. aufgehalten hat. Dann kommt die Anwendung 

des Tarifs B nicht in Frage.  

 

Wenn dies nicht der Fall war, ist abzuklären, wo er nach dem Austritt aus 

dem Jugendheim T. gewohnt hat (gemäss Rekurs ging C. danach zum 

Rekurrenten) und von wem er finanziell unterstützt wurde. Aufgrund der 

gewonnenen Erkenntnisse ist in Anwendung der geltenden 

Rechtsprechung neu zu beurteilen, ob beim Rekurrenten antragsgemäss 

der Tarif B anzuwenden ist. 

 

3.5. 

Da es nicht die Aufgabe des Spezialverwaltungsgerichts ist, erstinstanzlich 

diese Abklärungen vorzunehmen und die darauf basierende sachgerechte 

neue Beurteilung des anwendbaren Tarifs vorzunehmen, ist der Ein-

spracheentscheid vom 27. Mai 2021 diesbezüglich aufzuheben und die An-

gelegenheit an die Steuerkommission Q. zurückzuweisen (analog SGE 

vom 21. Oktober 2021 [3-RV.2020.118]). 

 

 

 - 5 - 

 

 

4. 

Auf den Antrag um Gewährung eines Steuererlasses für das Jahr 2018 ist 

nicht einzutreten, weil dafür erstinstanzlich der Gemeinderat Q. zuständig 

ist (§ 222 Abs. 5 StG). Der Antrag wurde offenbar von der zuständigen 

Stelle bereits behandelt (vgl. Einspracheentscheid, S. 3). 

 

5. 

Die Rückweisung zu ergebnisoffenen weiteren Abklärungen gilt praxis-

gemäss als Obsiegen (Bundesgerichtsurteil vom 24. August 2015 [2C_529/ 

2014]; VGE vom 4. Juli 2019 [WBE.2019.112]). Es sind daher die Kosten 

des Rekursverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen (§ 189 Abs. 1 StG). 

Dem nicht vertretenen Rekurrenten ist keine Parteikostenentschädigung 

auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG). 

 

 

 

  

 - 6 - 

 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

Der Einspracheentscheid vom 27. Mai 2021 wird betreffend Tarifanwen-

dung aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärun-

gen und Fällung eines neuen Entscheids an die Steuerkommission Q. 

zurückgewiesen. 

 

2. 

Auf den Antrag um Gewährung eines Steuererlasses für das Jahr 2018 wird 

nicht eingetreten. 

 

3. 

Die Kosten des Rekursverfahrens werden auf die Staatskasse genommen. 

 

4. 

Es wird keine Parteikostenentschädigung ausgerichtet. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Rekurrenten 

das Kantonale Steueramt  

das Gemeindesteueramt Q. 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung  

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau angefochten 

werden. Die Beschwerde ist in doppelter Ausfertigung beim Spezialver-

waltungsgericht, Laurenzenvorstadt 9, 5001 Aarau, einzureichen. Die 

Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerdeschrift muss einen Antrag, wie 

der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Begründung enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizu-

legen (§§ 28 und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 [VRPG] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 der Schwei-

zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO]; §§ 187, 

196 und 198 des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 [StG]). 

 

 

 - 7 - 

 

 

 
   

Aarau, 20. Januar 2022 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Fischer Lenarcic