# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85d39b99-31fb-587e-8e7a-0ae89143b1be
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.03.2024 E-1673/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1673-2023_2024-03-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1673/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Rahel Senn, Advokatin   

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 22. Februar 2023. 

 

 

 

E-1673/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte in der Schweiz am 24. Oktober 2022 um 

Asyl und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ zugewiesen. 

Am 3. Januar 2023 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene Rechtsvertre-

tung (HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren B._______). 

B.  

Nachdem er angegeben hatte, minderjährig zu sein, wurde am 24. Januar 

2023 eine Erstbefragung des Beschwerdeführers als unbegleiteter minder-

jähriger Asylsuchender (UMA) in Anwesenheit seiner Rechtsvertre-

tung/Vertrauensperson im BAZ durchgeführt. Am 13. Februar 2023 wurde 

er einlässlich zu den Asylgründen angehört.  

B.a Dabei gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er habe Afghanistan am 

20. August 2021 verlassen. Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er 

an, er sei paschtunischer Ethnie und im Dorf C._______, Distrikt 

D._______, Provinz Kunar, geboren.  Als Kleinkind sei er mit seiner Familie 

in die Stadt E._______ (Provinz Nangarhar) gezogen. Er habe zuletzt im 

Dorf F._______, Bezirk G._______, in der Nähe von E._______ gelebt. Er 

habe die Schule bis zur achten Klasse besucht. Als die Taliban an die 

Macht gekommen seien (im August 2021), seien die Schulen geschlossen 

worden. Sein Vater sei Dorfvorsteher gewesen. Dieser sei psychisch krank 

und verlasse das Haus nicht; er lebe vermutlich in E._______. Seine Mutter 

lebe versteckt bei einem Verwandten. Er habe eine Schwester sowie zwei 

jüngere und zwei ältere Brüder. Er habe keinen Kontakt zu seiner Familie.  

B.b Zur Begründung seines Asylgesuches führte er im Wesentlichen aus, 

seine beiden älteren Brüder hätten für die Behörden gearbeitet. Sein Bru-

der H._______ sei bei einer amerikanischen Firma in Kabul respektive für 

die Amerikaner im Sicherheitsbereich tätig gewesen und sei unmittelbar 

nach ihrer Machtübernahme von den Taliban festgenommen worden. Sein 

Bruder I._______ habe mehr als acht Jahre lang beim afghanischen Militär 

als Soldat gedient, habe das Land beschützt und gegen die Taliban ge-

kämpft. Er sei seit dem Sturz der afghanischen Regierung verschollen. Die 

Taliban hätten die Familie sehr belästigt und drei- bis viermal bei ihr vorge-

sprochen. Am zweiten Tag nach dem Regierungssturz, beim ersten Besuch 

der Taliban, hätten diese ihr Haus durchsucht, nach seinen beiden älteren 

Brüdern gesucht und den Bruder H._______ mitgenommen. Beim zweiten 

Besuch der Taliban sei die Familie aufgefordert worden, den Aufenthaltsort 

von I._______ anzugeben; sie hätten auch den Beschwerdeführer 

E-1673/2023 

Seite 3 

mitnehmen wollen, um zu erreichen, dass sich I._______ meldet, aber 

seine Mutter habe ihn im Ofen versteckt. Am Folgetag sei der Beschwer-

deführer nach Aufforderung seiner Mutter aus Afghanistan ausgereist. In 

der Schweiz habe er von seinem Onkel erfahren, dass seine Familie inzwi-

schen umgezogen sei; er kenne ihren Aufenthaltsort nicht.  

B.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer bei der 

Vorinstanz Kopien seiner afghanischen Taskara und Geburtsurkunde (mit 

rudimentärer Übersetzung) zu den Akten. Ferner reichte er mit Eingabe 

vom 30. Januar 2023 folgende Beweismittel, die er gemäss eigenen Anga-

ben vom Onkel erhalten habe, nach: 

- Ausweis und Karte, beide lautend auf respektive mit Bild von I._______; 

- Karte der J._______, lautend auf I._______; 

- Karte («Employee Identity Card» der «K._______», lautend auf H._______; 

ausgestellt am […] 2012); 

- Schreiben («Employment Verification») der «K._______», lautend auf 

H._______ betreffend Anstellung vom […] 2012 bis […] 2015, ausgestellt am 

(…) 2021; (Bestätigung, dass die K._______ Auftragnehmer des US Army 

Corps […] für das Projekt «L._______» gewesen ist und die Angestellten über 

vertrauliche Informationen und Kenntnisse über die Arbeit verfügen würden);  

- Auszüge aus E-Mail-Korrespondenzen zwischen H._______ und der 

«M._______», vom (…) 2021 betreffend Ausstellung von Visa.  

C.  

Am 20. Februar 2023 wurde dem Beschwerdeführer der Entwurf des Asyl-

entscheides des SEM zur Stellungnahme unterbreitet.  

D.  

Die Rechtsvertretung HEKS reichte am 20. Februar 2023 eine entspre-

chende Stellungnahme ein, worin sie ausführte, aus welchen Gründen der 

Beschwerdeführer mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden sei. 

E.  

Mit Verfügung vom 22. Februar 2023 – gleichentags eröffnet – lehnte das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte dessen Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnete gleichzeitig wegen Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an.  

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Seite 4 

F.  

Am 22. Februar 2023 wurde der Beschwerdeführer dem Kanton 

N._______ zugeteilt.  

G.  

Mit Eingabe vom 24. März 2023 erhob der Beschwerdeführer – handelnd 

durch seine Rechtsvertretung – beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte, die SEM-Verfügung sei bezüglich der Ziffern 1 

bis 3 des Dispositivs aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzu-

stellen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur rechts-

genüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen.  

In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

H.  

Mit Instruktionsverfügung vom 30. März 2023 hiess die zuständige Instruk-

tionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehmlas-

sung eingeladen. 

I.  

Am 5. April 2023 liess sich das SEM vernehmen und hielt an seinen bishe-

rigen Erwägungen fest. 

J.  

Am 28. April 2023 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 5 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden nur die angefoch-

tenen Dispositivziffern 1 (Flüchtlingseigenschaft), 2 (Asyl) und 3 (Anord-

nung der Wegweisung) der vorinstanzlichen Verfügung. Der Wegwei-

sungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwer-

deführer mit Verfügung vom 22. Februar 2023 wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat.  

4.  

4.1 Zur Begründung ihres Entscheids führte die Vorinstanz im Wesentli-

chen aus, die Aussagen des Beschwerdeführers würden die Anforderun-

gen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsyIG respektive die Asylre-

levanz gemäss Art. 3 AsylG nicht erfüllen. Seine Darstellung der Ereignisse 

sei relativ simpel und oberflächlich ausgefallen, obwohl er aufgefordert 

worden sei, ausführlich und detailliert zu schildern. Es sei auffallend, dass 

er trotz zweifacher Aufforderung, seine Angaben zum fluchtauslösenden 

Kerngeschehen zu präzisieren, kaum substanziierte Antworten gemacht 

habe. Seine Angaben seien pauschal geblieben und würden einen sehr 

geringen Detaillierungsgrad aufweisen, was nicht auf tatsächlich Erlebtes 

hindeute. Es sei nicht nachvollziehbar, dass seine Angaben zur Situation, 

als er im Ofen versteckt gewesen sei, keinerlei Anzeichen von persönlicher 

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Betroffenheit enthalten würden. Auch seine Angaben zum Moment, als er 

von der Mutter aus dem Ofen herausgeholt worden sei, seien nicht über-

zeugend ausgefallen. Bei der zusätzlich gebotenen Gelegenheit, den gel-

tend gemachten Besuch der Taliban aus seiner subjektiven Sicht zu schil-

dern, seien seine Ausführungen auch substanzlos geblieben. Die Erzähl-

weise zur Mitnahme des Bruders durch die Taliban habe keine qualitativ 

hochwertigen Elemente enthalten und die Angaben würden keinen persön-

lichen Bezug aufweisen, obwohl der Beschwerdeführer selbst beim Vorfall 

anwesend gewesen sei. Familienangehörige von missliebigen Personen 

könnten von Übergriffen, namentlich Drohungen und Gewaltanwendung, 

insbesondere Hausdurchsuchungen, betroffen sein. Ein systematisches 

Vorgehen der Taliban gegen Familienangehörige von missliebigen Perso-

nen sei jedoch nicht erkennbar. Das Bestehen einer begründeten Furcht 

vor einer flüchtIingsrechtlich relevanten Reflexverfolgung sei deshalb nur 

bei Vorliegen von besonderen Umständen gegeben. Dies sei etwa der Fall, 

wenn die betreffende Person bereits schwerwiegende Nachteile erlitten 

habe oder bei Verdacht eigener, in den Augen der Taliban oppositioneller 

Aktivitäten bzw. Unterstützungshandlungen für die Gegner der Taliban. 

Auch müsse seitens der Taliban aufgrund des spezifischen Profils der ge-

suchten Hauptperson ein ausgeprägtes und ungebrochenes Interesse an 

deren Ergreifung und Festnahme bestehen. Vorliegend sei nicht von einem 

konkreten Verfolgungsinteresse der Taliban am Beschwerdeführer auszu-

gehen. Die von ihm geltend gemachten eigenen Vorfluchtgründe seien 

nicht glaubhaft. Er habe keine flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteile er-

lebt, bevor er Afghanistan verlassen habe; er weise auch kein eigenes Pro-

fil auf, welches ihn aus Sicht der Taliban als politischen Gegner darstellen 

würde. Es sei zwar nachvollziehbar, dass er befürchte, wegen seines fami-

liären Umfelds Opfer von Reflexverfolgungsmassnahmen zu werden. Die 

zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft notwendige objektive Furcht 

vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung sei aber nicht begrün-

det. An dieser Einschätzung vermöchten die eingereichten Beweismittel 

nichts zu ändern. Das SEM zweifle nicht an den Profilen der beiden älteren 

Brüder. Der Beschwerdeführer habe jedoch nicht dartun können, was er 

mit der E-Mail-Korrespondenz seines Bruders beweisen wolle.  

 

4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe, er 

habe alle ihm bekannten Dokumente, die in irgendeinem Zusammenhang 

zu seinen Brüdern stehen würden, eingereicht und sei daher seiner Mitwir-

kungspflicht nachgekommen. Weil das SEM diesbezüglich keine weiteren 

Abklärungen vorgenommen und die Beweismittel nicht gewürdigt habe, 

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habe es den Untersuchungsgrundsatz missachtet und seinen Entscheid 

ungenügend begründet. 

Seine beiden älteren Brüder seien seit der Machtübernahme der Taliban 

am 15. August 2021 verschwunden. Beim ersten Aufsuchen der Taliban zu 

Hause sei der Beschwerdeführer in Ruhe gelassen worden; erst beim zwei-

ten Besuch um 16. August 2021 hätten die Taliban ihn mitnehmen wollen. 

Aus seinem Versteck im Ofen habe er mitgehört, wie die Taliban seine Fa-

milie bedroht hätten und dass diese nach seinen Namen gefragt und ihn 

hätten mitnehmen wollen. Es habe sich dabei um eine gezielte Verfolgung 

gehandelt. Er habe am 17. August 2021 das Land verlassen und habe seit-

her nichts mehr von seiner Familie gehört. Er habe nur noch zu seinem 

Onkel Kontakt, welcher ihm mitgeteilt habe, dass die Familie ein drittes Mal 

von den Taliban aufgesucht worden sei. Dieser Onkel habe ihm auch die 

Beweismittel in die Schweiz gesandt.  

Er habe bei der Erstbefragung und der Anhörung auf gleichbleibendem Ni-

veau nüchterne Angaben gemacht, ohne seine Gefühlslage freiwillig mit-

zuteilen. Er habe nicht verstanden, weshalb ihm mehrmals dieselben Fra-

gen gestellt worden seien. Er habe sich auch bei der Anhörung unwohl ge-

fühlt. Er sei nicht darin geübt, seine Gefühlslage preiszugeben, insbeson-

dere wenn er unbekannten Personen respektive einer staatlichen Behörde 

gegenüberstehe. Es könne ihm nicht angelastet werden, dass er nicht 

mehr über die Tätigkeiten seiner Brüder gewusst habe. Es sei auch üblich, 

dass die Engagements beim Militär respektive im Security-Bereich einer 

Geheimhaltungspflicht unterstehen würden und innerhalb der Familie nicht 

darüber berichtet worden sei. Da sein Versteck im Ofen nicht lange gedau-

ert habe, sei plausibel, dass er zu diesem Sachverhaltsvorgang nicht mehr 

zu berichten gehabt habe. Durch den Machtumsturz der Taliban und des-

sen Folgen für seine Familie habe er ein Trauma erlebt. Er wisse nichts 

über seine Familie und könne sich nicht an seinen Onkel wenden, weshalb 

er stark unter Druck stehe. Die angebrachten Zweifel an der Glaubhaf-

tigkeit seiner Vorbringen seien unbegründet. Das SEM habe die asylrele-

vanten Risikoprofile der Brüder nicht in Frage gestellt, habe aber dennoch 

die Reflexverfolgungssituation nicht vertieft geprüft. Solange der Bruder 

I._______ nicht in die Hände der Taliban gerate, bestehe deren  

Interesse am Beschwerdeführer weiterhin. Die befürchtete Mitnahme und 

die Vergeltung der Brüder seitens der Taliban seien als begründete Furcht 

vor ernsthaften Nachteilen im Sinne des AsylG zu werten.  

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Seite 8 

4.3 In der Vernehmlassung legte die Vorinstanz ergänzend dar, im Asylent-

scheid sei eine umfassende Prüfung der Vorbringen auf ihre Glaubhaf-

tigkeit hin vorgenommen worden. In der Beschwerde werde nichts vorge-

tragen, was zu einer anderen Einschätzung führen würde. Der Beschwer-

deführer habe zu Beginn der Erstbefragung eine ausführliche und alters-

gerechte Einleitung durch die befragende Person erhalten. Es sei bei der 

Erstbefragung und in der Anhörung besonderer Wert darauf gelegt worden, 

dass er sich so gut wie möglich fühle. Es würden keine Anzeichen für ein 

Unwohlsein vorliegen, welches sich negativ auf das Aussageverhalten aus-

gewirkt habe.     

Das SEM habe die eingereichten Beweismittel gewürdigt und eine Re-

flexverfolgung geprüft, wozu auf Ziffer II/2 der angefochtenen Verfügung 

verwiesen werde. Die Gefährdung des Beschwerdeführers sei unter Be-

rücksichtigung der Tätigkeiten seiner Brüder vorgenommen worden. Es sei 

auch nicht ersichtlich, inwiefern weitere Abklärungen des SEM zu den Pro-

filen der beiden Brüder Einfluss auf die Einschätzung der Verfolgungsge-

fahr für den Beschwerdeführer gehabt hätten.  

4.4 In der Replik wurde vollumfänglich an den Anträgen und den Ausfüh-

rungen in der Beschwerde festgehalten und ergänzt, das Unwohlsein des 

Beschwerdeführers habe nicht durch eine ausführliche und altersgerechte 

Einleitung durch die befragende Person verhindert werden können. Das 

SEM habe bei der Würdigung des Aussageverhaltens die Minderjährigkeit 

und den Aufenthalt des Beschwerdeführers in einem fremden Staat nicht 

mitberücksichtigt. Zudem habe das SEM nicht alle zur Verfügung stehen-

den Akten und Beweismittel berücksichtigt. Es sei eine Identitätskarte so-

wie eine Bankkarte eingereicht worden, die beide den Namen des Be-

schwerdeführers tragen würden. 

4.5 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe, das SEM 

habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt und sei seiner Begründungs-

pflicht nicht in genügender Weise nachgekommen; es habe auch nicht alle 

eingereichten Beweismittel gewürdigt. Zudem habe man sein Unbehagen 

bei der Anhörung sowie seine Minderjährigkeit und den Umstand, dass er 

sich in einem fremden Staat befinde, nicht genügend berücksichtigt.  

Auf diese Rügen ist vorweg einzugehen.  

4.5.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

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Seite 9 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/-BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 

Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, 

welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-

zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur 

Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). 

Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-

gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung 

angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-

gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und 

jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 

E. 5.2).   

4.5.2 Der Beschwerdeführer wurde zweimal befragt: Es fand eine summa-

rische Erstbefragung als UMA sowie eine einlässliche Anhörung zu den 

Asylgründen statt. Beide Anhörungen fanden in Anwesenheit seiner 

Rechtsvertreterin (respektive Vertrauensperson) statt (vgl. SEM-Akten […] 

[nachfolgend: A] 17, Einleitung, Bst. f sowie A22, Einleitung, S. 1). Er wurde 

bereits in der Erstbefragung aufgefordert, kurz und summarisch seine Asyl-

gründe anzugeben. Er wurde ferner zu seinem Gesundheitszustand be-

fragt und seine diesbezüglichen Antworten wurden korrekt protokolliert 

(vgl. A17 Ziffern 7.01 und 8.02).  

Auch in der Anhörung vom 13. Februar 2023 wurde der Beschwerdeführer 

zweimal gefragt, wie es ihm gehe, worauf er angab «Es geht mir gut» (vgl. 

A22, Fragen 4 und 5). Er wurde einleitend zum medizinischen Sachverhalt 

befragt (vgl. Fragen 5 bis 8). Anschliessend wurden ihm konkrete Fragen 

zu seinen bisherigen Aufenthalten (Fragen 9 bis 13) und zum Reiseweg 

(Fragen 14 bis 20) gestellt. Ab Frage 21 wurde ihm Gelegenheit einge-

räumt, seine Asylgründe darzulegen; zunächst im Rahmen eines freien Be-

richts (vgl. Antwort 21) und anschliessend in Form von konkreten Fragen 

und Nachfragen. Der Rechtsvertretung wurde ebenfalls Gelegenheit gege-

ben, ergänzende Fragen zu stellen (Fragen 104 ff.) und Beweismittel ein-

zureichen (vor Frage 70). 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

E-1673/2023 

Seite 10 

4.5.3 Dem Beschwerdeführer wurde auch unter Mitberücksichtigung sei-

nes jungen Alters im gebotenen Umfang Gelegenheit gegeben, seine Asyl-

gründe vollständig darzulegen. Er wurde mehrmals aufgefordert, das Ge-

schilderte näher zu präzisieren und es wurden auch einige Rückfragen zur 

Präzisierung sowie Verständnisfragen gestellt (vgl. A22, Fragen 24, 27, 33, 

39, 43, 52, 54, 55, 59, 61, 63, 75, 76, 79, 80, 82, 84, 85, 88, 89, 101, 104, 

109). Er wurde auch in altersgerechter Weise aufgefordert, seine subjek-

tive Wahrnehmung und Gedanken während seines Verstecks im Ofen zu 

schildern (Fragen 60 und 63-66) und seine Angaben wurden protokolliert. 

Der Umstand, dass der jugendliche Beschwerdeführer mehreren Perso-

nen, unter anderem einem Befrager des SEM, gegenüberstand, wird bei 

der Würdigung seiner Angaben mitberücksichtigt. Zu berücksichtigen ist 

aber ebenso, dass dem Beschwerdeführer während der Anhörung seine 

Rechtsvertretung zur Seite stand.  

4.5.4 Der Beschwerdeführer wurde mehrmals gefragt, ob er weitere Asyl-

vorbringen oder Gründe habe, weshalb er nicht in den Heimatstaat zurück-

kehren könne (vgl. A22, Fragen 22 und 102). Er hat dabei keine weiteren, 

bisher nicht vorgetragenen Asylgründe geltend gemacht. Er hat mit seiner 

handschriftlichen Unterzeichnung des Anhörungsprotokolls explizit bestä-

tigt, dass das Protokoll seine Angaben korrekt und vollständig wiedergibt 

(A22, S. 14). Darauf muss er sich behaften lassen. Auch die anwesende 

Rechtsvertretung hat das Anhörungsprotokoll mitunterzeichnet und dabei 

keinerlei Einwendungen angebracht.  

4.5.5 Für das in der Beschwerde behauptete Unwohlsein des Beschwer-

deführers (vgl. Ziffer 20) gibt es in den Protokollen keine stützende Grund-

lage. Es wird auch nicht schlüssig dargelegt, weshalb in der rund drei Stun-

den dauernden Anhörung (inklusive Pausen) die Asylgründe nicht vollstän-

dig erhoben worden wären. Die Rechtsvertretung wurde auch explizit ge-

fragt, ob aus ihrer Sicht noch Fragen oder Themenbereiche nicht ange-

sprochen worden seien und es wurde ihr Gelegenheit eingeräumt, ergän-

zende Fragen zu stellen, was auch in Anspruch genommen wurde (vgl. 

A22, Fragen 104 bis 108). Die entsprechenden Antworten fanden auch Ein-

gang im Protokoll, ohne dass ein irgendwie geartetes, aussergewöhnliches 

Unwohlsein des Beschwerdeführers angesprochen worden wäre.   

4.5.6 Entgegen der weiteren Behauptung in der Beschwerde hat das SEM 

sämtliche vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel zu den Akten 

genommen sowie im Sachverhalt (vgl. Ziffer I/3 und 4) und im Rahmen der 

Erwägungen (Ziffer II/2, S. 5 unten) des Asylentscheides vom 22. Februar 

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Seite 11 

2023 gewürdigt. Das SEM hat dabei festgehalten, dass es an den Profilen 

der beiden Brüder (Tätigkeiten für eine amerikanische Firma respektive für 

die afghanische Armee) nicht zweifelt. Es hat deren Gefährdungslage ge-

prüft und sich zu deren Risikoprofilen geäussert. Das SEM hat sich auch 

mit der Frage einer Reflexverfolgung des Beschwerdeführers auseinander-

gesetzt und diese verneint (vgl. Ziffer II/2, S. 5). Es hat diesbezüglich auch 

zutreffend erwogen, dass es sich (bei den mit der Eingabe vom 30. Januar 

2023 eingereichten Unterlagen) um Beweismittel betreffend seine Brüder 

handelt. Entgegen der Behauptung in der Rechtsmitteleingabe und in der 

Replik hat der Beschwerdeführer keine persönliche, ihn betreffende Bank-

karte eingereicht (vgl. Beschwerde, Ziffer 13). Die Bankkarte, die er am 

20. Januar 2023 zu den Akten gereicht hat, lautet vielmehr auf seinen Bru-

der I._______, welcher gemäss den Angaben des Beschwerdeführers für 

das afghanische Militär tätig war. Auf dieser Bankkarte ist auch die Kontoart 

(«[…]») und das (…) («O._______») aufgeführt, was die Angaben des Be-

schwerdeführers zu diesem Bruder stützt, jedoch keine Rückschlüsse auf 

die persönliche Gefährdung des Beschwerdeführers zulässt.     

4.5.7 Die Vorinstanz hat nachvollziehbar und hinreichend differenziert auf-

gezeigt, von welchen Überlegungen sie sich hinsichtlich der Asylfrage lei-

ten liess. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung hat sie 

sich mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen in der gebotenen Tiefe ausei-

nandergesetzt und ihren Entscheid hinreichend begründet. Die Schlussfol-

gerung des SEM, dass weitere Abklärungen im Zusammenhang mit den 

beiden Brüdern nicht erforderlich seien, ist nicht zu beanstanden. Von einer 

unvollständigen Feststellung des Sachverhalts oder von einem nicht alters-

gerechten Befragungsstil kann vorliegend keine Rede sein. Es ist weder 

eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch der Begründungs-

pflicht ersichtlich.  

4.6 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-

det. Damit besteht kein Anlass, die Verfügung aus formellen Gründen auf-

zuheben. Es besteht auch keine Veranlassung, von Amtes wegen weitere 

Abklärungen im Zusammenhang mit den beiden Brüdern des Beschwer-

deführers vorzunehmen. 

Auf die rechtliche Prüfung der Asylvorbringen ist in den nachstehenden Er-

wägungen weiter einzugehen. 

 

E-1673/2023 

Seite 12 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auch auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Re-

flexverfolgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der 

Reflexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19 

E. 3.3 m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete 

Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeit-

lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. 

5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung, wonach die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers diese Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nicht erfüllen, sind zu bestätigen. Dabei fallen insbesondere die vom SEM 

bereits festgestellten oberflächlichen und pauschalen, kaum substanziier-

ten Schilderungen innerhalb der Kernvorbringen des Beschwerdeführers 

ins Gewicht.  

6.1.1 So schilderte der Beschwerdeführer die beiden Besuche der Taliban 

bei seiner Familie im Rahmen seines freien Berichts sehr substanzarm 

E-1673/2023 

Seite 13 

(A22, Antwort 22). Er wurde in der Folge mehrmals aufgefordert, diese Vor-

kommnisse, insbesondere sein Verhalten und seine Gedanken während 

des zweiten Besuches, als die Taliban ihn persönlich gesucht haben sol-

len, ausführlicher und detaillierter zu schildern. Der Beschwerdeführer hat 

zwar zu Protokoll gegeben, er habe sich während des Hausbesuches der 

Taliban in einem Ofen versteckt aufgehalten, er habe jedoch die Gesprä-

che zwischen den Taliban und seinen Eltern mitgehört. Auch seine diesbe-

züglichen Ergänzungen sind vage und oberflächlich geblieben (vgl. A22, 

Antworten 53-67), Seine Schilderungen weisen keinerlei Anzeichen von 

persönlicher Betroffenheit auf, obwohl die Hausbesuche der Taliban den 

Beschwerdeführer unmittelbar zum Verlassen seiner Familie und seines 

Heimatstaates veranlasst haben sollen. In der Rechtsmitteleingabe wird 

nichts vorgetragen, was die vorinstanzliche Einschätzung des Sachver-

haltsvortrags in einem anderen Licht betrachten liesse. Nachdem dieser 

die ihm in Afghanistan drohende asylrelevante Verfolgungssituation mit 

den Hausbesuchen der Taliban begründet, wäre von ihm zu erwarten ge-

wesen, dass er diese Ereignisse substanziierter hätte vortragen können.  

6.1.2 Auch die Angaben zu den konkreten Tätigkeiten seiner beiden Brü-

der, von welchen er seine Gefährdungslage ableitet, sind äusserst undiffe-

renziert ausgefallen (vgl. A22, Antworten 38-47). Der Beschwerdeführer 

trug zwar vor, er habe keine weiteren Informationen zu seinen Brüdern, da 

er damals «klein» gewesen sei (vgl. A22, Antwort 44). Im Zeitpunkt, als die 

Taliban erstmals bei der Familie zu Hause erschienen, und den für eine 

amerikanische Firma tätigen Bruder H._______ mitgenommen haben sol-

len, am 15. August 2021 (vgl. dazu: Beschwerde Ziffer 8 respektive A22 

Antwort 53 i.V.m. Antwort 50), war der Beschwerdeführer bereits (…)-jäh-

rig. Nachdem er geltend macht, die Tätigkeiten seiner Brüder seien die 

Hauptursache für seine Ausreise aus Afghanistan gewesen, durften auch 

hier von ihm detailliertere Angaben verlangt werden.   

6.2  

6.2.1 Der Beschwerdeführer hat zur Stützung seiner Angaben mehrere Be-

weismittel eingereicht. Mit Ausnahme der persönlichen Taskara und des 

Geburtsscheins betreffen alle weiteren Beweismittel, namentlich diejeni-

gen, die er mit der Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 30. Januar 2023 

eingereicht hat, seine beiden Brüder H._______ und I._______ (vgl. Sach-

verhalt oben, Bst. B.c).  

6.2.2 Aus den eingereichten Ausweisen, Bankkarten und Arbeitsbestäti-

gungen seiner Brüder kann die vom Beschwerdeführer behauptete Furcht 

E-1673/2023 

Seite 14 

vor asylbeachtlichen Nachteilen nicht abgeleitet werden. Diese Unterlagen 

sind nicht geeignet, einen flüchtlingsrelevanten Hintergrund für das be-

hauptete Verschwinden der beiden Brüder als überwiegend wahrscheinlich 

darzutun. Auch die eingereichte E-Mail-Korrespondenz seines Bruders 

H._______ vermag zu keiner anderen Einschätzung zu führen.  Die einge-

reichte elektronische Korrespondenz steht vielmehr in einem gewissen Wi-

derspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers. Er trug in der Anhö-

rung nämlich vor, dieser Bruder sei am ersten Tag nach der Machtüber-

nehme durch die Taliban – im August 2021 – von diesen zu Hause mitge-

nommen worden. Aus dem E-Mail-Verkehr geht demgegenüber hervor, 

dass sich dieser Bruder im September 2021 beim «National Visa Center» 

des (US-amerikanischen) State Departments (vgl. dazu: Special Immigrant 

Visas for Afghans - Who Were Employed by/on Behalf of the U.S. Govern-

ment (state.gov); abgerufen am 02.02.2024) um die Ausstellung eines Vi-

sums bemüht hat, was dagegen spricht, dass er sich zum fraglichen Zeit-

punkt im Gewahrsam der Taliban befunden hat.   

6.3 Die festgestellten Unstimmigkeiten und die fehlende Substanziiertheit 

führen dazu, dass die vom Beschwerdeführer zu Protokoll gegebenen Er-

eignisse und die von ihm daraus abgeleitete Verfolgung durch die Taliban 

nicht als überwiegend wahrscheinlich einzuschätzen sind.   

6.4 Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers 

die Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG 

nicht zu erfüllen. Bei dieser Sachlage kann auf eine eingehende Prüfung 

von deren Asylrelevanz verzichtet werden. Der Vollständigkeit halber ist in-

dessen Folgendes festzuhalten: 

6.5  

6.5.1 Gemäss langjähriger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts lassen sich bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan 

Gruppen von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem 

Personen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen 

Gemeinschaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder 

als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orien-

tierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Gründen nicht ent-

sprechende Personen (vgl. hierzu Referenzurteil des BVGer D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 sowie statt vieler Urteil des BVGer D-3571/2022 

vom 29. März 2023 E. 7.2 m.w.H.). Demgemäss betrachten die Taliban 

Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte als Feinde ihrer Sache, 

https://travel.state.gov/content/travel/en/us-visas/immigrate/special-immg-visa-afghans-employed-us-gov.html
https://travel.state.gov/content/travel/en/us-visas/immigrate/special-immg-visa-afghans-employed-us-gov.html
https://travel.state.gov/content/travel/en/us-visas/immigrate/special-immg-visa-afghans-employed-us-gov.html

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Seite 15 

weshalb ihnen Nachteile angedroht werden, welche bisweilen auch vollzo-

gen werden. Indessen handelt es sich dabei um Personen, welche sich in 

besonderer Weise exponiert haben, so dass sie den Taliban aufgefallen 

sind (vgl. Urteil des BVGer D-6581/2018 vom 27. Februar 2019 E. 5.3.1). 

Zwar kann die aktuelle Lage in Afghanistan nicht abschliessend beurteilt 

werden, sie hat sich jedoch nach der Machtergreifung der Taliban im Au-

gust 2021 zweifellos noch akzentuiert, weshalb diese Rechtsprechung wei-

terhin Gültigkeit hat (vgl. Urteile des BVGer D-3571/2022, a.a.O. E. 7.2, E-

5120/2021 vom 21. Juli 2022 E. 6.3.2, D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 

E. 7.3 und E-4649/2021 vom 15. November 2021 E. 7.4.2; vgl. ferner Eu-

ropean Union Agency for Asylum [EASO], Afghanistan Country focus – 

Country of Origin Information Report vom Januar 2022, S. 45 ff., 

(https://coi.euaa.europa.eu/administration/easo/PLib/2022_01_EASO_-

COI_Report_Afghanistan_Country_focus.pdf) und Update der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe [SFH] -Länderanalyse vom 2. November 2022, Af-

ghanistan: Gefährdungsprofile, S. 16 ff., (https://www.fluechtlings-

hilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderbe-

richte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanistan/221102_AFG_Gefa-

ehrdungsprofile.pdf), beide letztmals abgerufen am 02.02.2024). 

6.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung davon 

aus, dass die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem er-

höhten Verfolgungsrisiko im Sinne der obenstehenden Erwägungen aus-

gesetzt ist, zu einer Reflexverfolgung führen kann (vgl. Urteile des BVGer 

D-3571/2022, a.a.O., E. 7.3, m.w.H.). Dies gilt insbesondere in Bezug auf 

(ehemalige) Angehörige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regierungs-

beamte oder der Regierung nahestehende Personen (vgl. SFH, a.a.O., 

S. 13 f. sowie Human Rights Watch [HRW], "No Forgiveness for People 

Like You": Executions and Enforced Disappearances in Afghanistan under 

the Taliban, 30. November 2021, [https://www.hrw.org/re-

port/2021/11/30/no-forgiveness-people-you/executions-and-enforced-

disappearances-afghanistan], beide letztmals abgerufen am 02.02.2024]). 

Eine Einschätzung hat jedoch im jeweiligen Einzelfall zu erfolgen. 

6.6  

6.6.1 Aufgrund der eingereichten Beweismittel kann davon ausgegangen 

werden, dass einer der Brüder des Beschwerdeführers von September 

2012 bis Ende Oktober 2015 für eine US-amerikanische Firma im Security-

Bereich tätig war und der andere als Soldat im afghanischen Militär gedient 

hat. Aus den Akten und den substanzarmen Angaben des Beschwerdefüh-

rers gehen keine Hinweise vor, dass die Brüder ihre Arbeit in Afghanistan 

https://coi.euaa.europa.eu/administration/easo/PLib/2022_01_EASO_-COI_Report_Afghani‌stan_Country_focus.pdf
https://coi.euaa.europa.eu/administration/easo/PLib/2022_01_EASO_-COI_Report_Afghani‌stan_Country_focus.pdf

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Seite 16 

in besonders brisanter Funktion ausgeübt haben. Es kann nicht davon aus-

gegangen werden, dass sie sich im Sinne der Rechtsprechung exponiert 

und in den Augen der Taliban in oppositioneller Weise betätigt hätten. 

Nachdem vom Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht wurde, dass 

sich sein Bruder H._______ im Gewahrsam der Taliban befindet (vgl. E. 

5.2.2) bestehen keine konkreten Hinweise dafür, dass die beiden Brüder 

oder die Familie des Beschwerdeführers gezielt ins Visier der Taliban ge-

raten sind.  

6.7 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass es dem Be-

schwerdeführer weder gelungen ist, ein Risikoprofil noch eine begründete 

Furcht vor einer Reflexverfolgung darzulegen. Es liegen auch keine kon-

kreten Indizien oder Anhaltspunkte dafür vor, dass sich eine Reflexverfol-

gung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ver-

wirklichen könnte. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft 

des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

Abschliessend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen nicht etwa der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen 

Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Afghanistan nicht gefährdet. Je-

doch ist eine solche Gefährdungslage unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 

und Ausländer und über die Integration (AIG; SR 142.20) einzuordnen, wo-

nach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, 

wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie 

Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret 

gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situa-

tion in Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde bereits durch die 

Vorinstanz mit der am 22. Februar 2023 erfolgten Anordnung der vorläufi-

gen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rech-

nung getragen.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

E-1673/2023 

Seite 17 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung als solche (Dispositiv-Ziffer 3 der 

angefochtenen Verfügung) wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 22. Feb-

ruar 2023 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere 

Erwägungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs 

der Wegweisung (vgl. BVGE 2011/7 E. 8; 2009/51 E. 5.4).   

8.4 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem diesem mit Zwi-

schenverfügung vom 30. März 2023 die unentgeltliche Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und aktuell nach wie vor von 

dessen prozessualer Bedürftigkeit auszugehen ist, ist auf die Erhebung 

von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

E-1673/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde.  

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Sandra Bodenmann 

 

 

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