# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 399f4cd0-0215-5a91-82c7-ae8fea3e7ade
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.04.2024 SK 2023 283
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-283_2024-04-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 283

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. April 2024 

Besetzung Oberrichter Wuillemin (Präsident i.V.), Oberrichterin Schwende-
ner, Oberrichterin Weingart
Gerichtsschreiberin Schürch

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Drohung, Beschimpfung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 11. Mai 2023 (PEN 22 833)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 11. Mai 2023 (und Urteilsberichtigung vom 16. Mai 2023 [pag. 527 
ff.]; kursiv und unterstrichene Hervorhebung) erkannte das Regionalgericht Bern-
Mittelland (Einzelgericht; nachfolgend: Vorinstanz) was folgt (pag. 518 ff.; fette Her-
vorhebungen im Original):

Die Gerichtspräsidentin erkennt:

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen in der Zeit von ca. 2013 bis im Frühling 
2017 in D.________ (Ortschaft) z. N. von C.________

2. wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen ca. Frühling 2020 und in der Zeit davor in 
D.________ (Ortschaft) z. N. C.________ und E.________, 

3. wegen Missbrauch einer Fernmeldeanlage, angeblich begangen in den Monaten März und 
April 2020 in D.________ (Ortschaft) z. N. von C.________,

4. wegen Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen, angeblich begangen am 28.04.2020 in 
D.________ (Ortschaft) 

wird eingestellt,

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten von 4/5, insgesamt bestimmt auf 
CHF 2'480.00 (inkl. schriftliche Begründung), an den Kanton Bern. Wird keine schriftliche Begrün-
dung verlangt oder nötig, reduziert sich die Gebühr um CHF 480.00. Die Entschädigung für die Ver-
teidigungskosten wird in Ziffer IV. hiernach bestimmt.

II.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der Beschimpfung, angeblich begangen am 23.03.2020 in D.________ 
(Ortschaft) 

z. N. von C.________

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Drohung, begangen am 20.03.2018 in D.________ (Ortschaft) z. N. von C.________,

2. der Beschimpfung, begangen am 05.04.2020 in D.________ (Ortschaft) z. N. von C.________

und in Anwendung der 

3

 Art. 34 Abs. 1, 42 Abs. 1, 44 Abs. 1, 47, 49 Abs. 1, 51, 177, 180 StGB

 Art. 356, 422 ff., 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 63 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 1'890.00.

Die Polizeihaft von einem Tag wird auf die Geldstrafe angerechnet.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf 
CHF 620.00.

Kosten der Untersuchung CHF 500.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 2’600.00
Total CHF 3’100.00

Die totalen Gebühren setzen sich zusammen aus:

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 120.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 500.00.

IV.

1. Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwältin 
F.________ und Rechtsanwalt G.________ wird wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 27.00 200.00 CHF 5’400.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 124.60
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 5’524.60 CHF 425.40

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 5’950.00

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin F.________ und Rechtsanwalt G.________ für die 
amtliche Verteidigung von A.________ mit CHF 5'950.00. 

A.________ hat dem Kanton Bern 1/5 der ausgerichteten amtlichen Entschädigung von CHF 
5'950.00 (ausmachend CHF 1'190.00) zurückzuzahlen sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-
nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Es wird im Weiteren festgestellt, dass CHF 4'760.00 auf 
die Einstellung des Verfahrens (vgl. Ziff. I hiervor) entfallen. 

Es wird festgestellt, dass Rechtsanwältin F.________ und Rechtsanwalt G.________ auf die Gel-
tendmachung des vollen Honorars verzichtet haben.

Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwältin 
B.________ wird wie folgt bestimmt:

4

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 20.92 200.00 CHF 4’184.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 32.10
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 4’216.10 CHF 324.65

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 4’540.75

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 4'540.75. 

A.________ hat dem Kanton Bern 1/5 der ausgerichteten amtlichen Entschädigung von CHF 
4'540.75 (ausmachend CHF 908.15) zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-
nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Es wird im Weiteren festgestellt, dass CHF 3’632.60 auf 
die Einstellung des Verfahrens (vgl. Ziff. I hiervor) entfallen.

Es wird festgestellt, dass Rechtsanwältin B.________ auf die Geltendmachung des vollen Hono-
rars verzichtet hat.

2. Die amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ durch 
Rechtsanwältin H.________ wird wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 24.70 200.00 CHF 4’940.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 267.60
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 5’207.60 CHF 401.00

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 5’608.60

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin H.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von C.________ mit CHF 5'608.60.

Es wird festgestellt, dass Rechtsanwältin H.________ auf die Geltendmachung des vollen Hono-
rars verzichtet hat. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung im Umfang 
von 1/5, ausmachend CHF 1'121.70, für die unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ 
verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 
i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO).

Gestützt auf Art. 30 OHG trifft C.________ keine Rückerstattungspflicht der amtlichen Entschädi-
gung an den Kanton Bern.

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V.

Im Zivilpunkt wird weiter verfügt:

1. Es wird festgestellt, dass die Privatklägerin C.________ ihre Zivilklage vor Abschluss der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen hat und diese auf dem Zivilweg erneut geltend 
machen kann (Art. 122 Abs. 4 StPO).

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden. 

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil inkl. Urteilsberichtigung meldete A.________ (nachfolgend: 
Beschuldigter), amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________ am 22. Mai 
2023 form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 532). Die schriftliche Urteilsbe-
gründung datiert vom 27. Juni 2023 (pag. 541 ff.) und wurde den Parteien am glei-
chen Tag mit Verfügung zugestellt (pag. 564 f.).

Mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 18. Juli 2023 focht Rechtsan-
wältin B.________ namens des Beschuldigten die Kostenregelung gemäss Ziffer I., 
die Schuldsprüche, die Strafzumessung und die Verteilung der Verfahrenskosten 
gemäss Ziffer III. sowie die auferlegte Rückzahlungspflicht betreffend die amtliche 
Entschädigung gemäss Ziffer IV.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs an 
(pag. 569 ff.).

Mit Verfügung vom 19. Juli 2023 wurde der Generalstaatsanwaltschaft und 
C.________ (damals noch Straf- und Zivilklägerin; vgl. pag. 14 f. und 167) Gele-
genheit eingeräumt innert Frist Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein 
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (pag. 581 f.). Die Generalstaatsan-
waltschaft hat weder Anschlussberufung erklärt noch ein Nichteintreten auf die Be-
rufung beantragt. Stattdessen verzichtete sie mit Eingabe vom 25. Juli 2023 auf die 
Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 585 f.). C.________, amtlich ver-
treten durch Rechtsanwältin H.________ teilte am 14. August 2023 mit, dass sie ih-
re Strafklage zurückziehe (pag. 588; die Zivilklage wurde bereits vor Abschluss der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen, vgl. dazu pag. 465 und Ziff. V. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Mit Verfügung vom 18. August 2023 wurde 
dem Beschuldigten Gelegenheit eingeräumt, zur Eingabe von C.________ und zur 
allfälligen Durchführung eines schriftlichen Berufungsverfahrens Stellung zu neh-
men (pag. 600 f.). Nach zweimalig gewährter Fristerstreckung teilte der Beschuldig-
te mit Eingabe vom 23. Oktober 2023 mit, dass er mit der Durchführung eines 
schriftlichen Verfahrens nicht einverstanden sei. Zur Eingabe von C.________ ent-
hielt sich der Beschuldigte einer Stellungnahme (pag.  612). Mit Verfügung vom 
2. November 2023 wurde festgestellt, dass C.________ infolge Rückzugs der 
Strafklage als Partei aus dem Berufungsverfahren ausscheide. Gleichzeitig wurde 
die Durchführung eines mündlichen Verfahrens angeordnet (pag. 614 f.). Da 
C.________ in der Folge im oberinstanzlichen Verfahren nur noch als Zeugin auf-
trat, wird sie nachfolgend als Zeugin C.________ bezeichnet. Mit Vorladung vom 

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18. Dezember 2023 wurde der Beschuldigte zur Berufungsverhandlung vorgeladen 
und die Zusammensetzung der Kammer bekanntgegeben (pag. 625 f.).

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 5. April 2024 statt 
(pag. 641 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz ein aktueller Strafregisterauszug (da-
tierend vom 11. März 2024, pag. 639) und ein aktueller Leumundsbericht (datie-
rend vom 6. März 2024) inkl. Erhebungsformular Wirtschaftliche Verhältnisse 
(pag. 634 ff.) über den Beschuldigten eingeholt. Weiter wurden der Beschuldigte 
und die Zeugin C.________ an der oberinstanzlichen Verhandlung einvernommen 
(pag. 651 ff. und pag. 644 ff.).

4. Anträge des Beschuldigten

Rechtsanwältin B.________ stellte an der Berufungsverhandlung namens des Be-
schuldigten folgende Anträge (pag. 664):
1. Es seien Ziff. 1 in Bezug auf die Kostenauferlegung zu 5/4 an den Kanton Bern, Ziff. Ill sowie Ziff. 

IV.1 in Bezug auf die Rückzahlungspflicht der Verteidigungskosten des vorinstanzlichen Urteils 
aufzuheben. 

2. Der Berufungsführer sei vom Vorwurf der Drohung, angeblich begangen am 20.03.2018, freizu-
sprechen.

3. Der Berufungsführer sei vom Vorwurf der Beschimpfung, angeblich begangen am 05.04.2020, 
freizusprechen. 

4. Es sei die Einstellung von den Tätlichkeiten, u.a. angeblich begangen in der Zeit von ca. 2013 bis 
im Frühling 2017, zu bestätigen. Das Regionalgericht Bern-Mittelland sei jedoch anzuweisen, die 
Begründung des Urteils so abzuändern, dass die Unschuldsvermutung gewahrt und der Verdacht 
der Ausübung von Tätlichkeiten beseitigt wird. 

5. Zudem sei durch das Obergericht festzustellen, dass die vorinstanzlichen Formulierungen unter 
Ziff. Il der Urteilsbegründung (Verfahrenseinstellungen) betreffend die Tätlichkeiten, angeblich 
begangen in der Zeit von ca. 3013 [recte: 2013] bis im Frühling 2017 die Unschuldsvermutung 
und entsprechend Art. 6 EMRK sowie Art. 32 BV verletzen. Weiter sei festzustellen, dass der 
Vorwurf der Tätlichkeiten nicht erstellt ist. 

6. Die dem Berufungsführer im Verfahren vor dem Regionalgericht auferlegten anteilsmässigen Ver-
fahrenskosten von Fr. 620.00 sowie die übrigen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern auf-
zuerlegen und dem Berufungsführer sei für das Verfahren vor dem Regionalgericht eine Partei-
kostenentschädigung in der Höhe von Fr. 10'490.75 (inkl. Auslagen und MwSt) zuzusprechen. 

7. Ausgangsgemäss seien die Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren dem Kanton Bern auf-
zuerlegen und dem Berufungsführer sei eine Parteikostenentschädigung in der Höhe der einge-
reichten Honorarnote zuzusprechen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

5.1 Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-
rung des angefochtenen Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 
Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Das rechtlich 

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geschützte Interesse an der Änderung oder Aufhebung ergibt sich aus dem Dispo-
sitiv des angefochtenen Entscheides, nicht aus dessen Begründung. Nur soweit 
das Dispositiv belastende Feststellungen oder Anordnungen enthält, besteht eine 
Beschwer. Daraus folgt, dass die beschuldigte Person ein freisprechendes Urteil, 
selbst wenn es eine für sie nachteilige Begründung enthält, mangels Beschwer 
grundsätzlich nicht anfechten kann (LIEBER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kom-
mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 7 ff. zu Art. 382 
StPO). Eine rechtskräftige Nichtanhandnahmeverfügung kommt einem freispre-
chenden Endentscheid gleich (Art. 320 Abs. 4 i.V.m. Art. 310 Abs. 2 StPO). Die be-
schuldigte Person ist deshalb grundsätzlich nicht legitimiert, eine zu ihren Gunsten 
erfolgte Nichtanhandnahme anzufechten, um eine andere juristische Begründung 
der Einstellungsverfügung zu erwirken. Eine Ausnahme gilt nach der Rechtspre-
chung nur dort, wo Begründung und Dispositiv der Einstellungsverfügung sinn-
gemäss einem Schuldvorwurf gleichkommen, ohne dass zuvor der gesetzliche Be-
weis der Schuld erbracht worden wäre und die beschuldigte Person Gelegenheit 
zur Wahrnehmung ihrer Verteidigungsrechte erhalten hätte (Urteil des Bundesge-
richts [nachfolgend: BGer] 7B_82/2023 vom 20. September 2023 E. 2.2; BGer 
6B_581/2017 vom 18. Juli 2017 E. 4; 6B_155/2014 vom 21. Juli 2014 E. 1.1).

5.2 Die Verteidigung beantragte in Rechtsbegehren Ziffer 4 Satz 1, es sei die vorin-
stanzliche Einstellung des Strafverfahrens wegen Tätlichkeiten zu bestätigen. Für 
ein solches Rechtsbegehren, welches keine inhaltliche Änderung des Urteilsdispo-
sitivs bezweckt und somit keine Auswirkungen auf die Rechtsfolgen des Urteils hat, 
besteht kein Rechtsschutzinteresse (Art. 382 StPO). Weiter ist auf das Rechtsbe-
gehren Ziffer 4 auch insoweit nicht einzutreten, als die Verteidigung in Satz 2 bean-
tragte, die Vorinstanz sei anzuweisen, ihre Urteilsbegründung anzupassen, sodass 
die Unschuldsvermutung gewahrt und der Verdacht der Ausübung von Tätlichkei-
ten beseitigt werde. Eine kassatorische Erledigung durch Rückweisung (Art. 409 
Abs. 1 StPO) bildet aufgrund des reformatorischen Charakters des Berufungsver-
fahrens die Ausnahme und kommt nur bei schwerwiegenden, nicht heilbaren Män-
geln des erstinstanzlichen Verfahrens in Betracht. Ein solcher ist vorliegend nicht 
ersichtlich. Zudem bezieht sich die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und 
die Aufhebung des erstinstanzlichen Entscheids auf das Urteil in seiner Gesamtheit 
(BGer 6B_165/2020 vom 20. Mai 2020 E. 2.1), weshalb die gleichzeitigen Anträge 
der Verteidigung auf Beurteilung der Sache und Rückweisung nicht korrelieren. Die 
Kammer wird hingegen gemäss Rechtsbegehren Ziffer 5 Satz 1 zu prüfen haben, 
ob die Vorinstanz mit ihrer Urteilsbegründung die in Art. 10 Abs. 1 StPO, Art. 32 
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 
101) und Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101]) verankerte Unschuldsvermutung verletzte. 
Dafür besteht gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) ein Überprüfungsanspruch. Nach dessen Rechtsprechung ist 
die Unschuldsvermutung verletzt, wenn in einer Einstellungsverfügung der Staats-
anwaltschaft zufolge Verjährung festgestellt wird, die beschuldigte Person habe die 
angeklagten Straftaten begangen, obschon solche Feststellungen für den Ent-
scheid nicht notwendig sind, da der Eintritt der Verjährung auch anhand der Ankla-

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gevorwürfe beurteilt werden kann (Urteil des EGMR Peltereau-Villeneuve gegen 
Schweiz vom 28. Oktober 2014, §§ 34 ff.; vgl. BGer 6B_907/2014 vom 4. Februar 
2015 E. 2.3), womit die entsprechende Beschwerdemöglichkeit [bzw. vorliegend 
die Berufungsmöglichkeit] aufgrund von Art. 13 EMRK sowie Art. 29a BV gegeben 
sein muss (BÄHLER, in: Basler Kommentar, Strafprozessord-
nung/Jugendstrafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 6 zu Art. 382 StPO).

Schliesslich beantragte die Verteidigung in Rechtsbegehren Ziffer 5 Satz 2, es sei 
festzustellen, dass der Vorwurf der Tätlichkeiten nicht erstellt sei. Wie dargelegt 
besteht für die Überprüfung der zu Gunsten des Beschuldigten erfolgten vorin-
stanzlichen Einstellung des Strafverfahrens wegen Tätlichkeiten kein Rechtsschut-
zinteresse. Diese Einstellung ist daher in Rechtskraft erwachsen und der Kammer 
ist damit eine materielle Prüfung des Tatbestandes der Tätlichkeiten untersagt. Auf 
das Rechtsbegehren 5 Satz 2 ist folglich nicht einzutreten.

Zusammenfassend ist folglich auf das Rechtsbegehren Ziffer 4 und auf das 
Rechtsbegehren Ziffer 5 Satz 2 nicht einzutreten.

5.3 Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Mit Blick auf den Umfang der Berufung (vgl. 
Ziff. I.2. vorne) und die hiervor gemachten Ausführungen kann festgestellt werden, 
dass das erstinstanzliche Urteil (inkl. Urteilsberichtigung) insoweit in Rechtskraft 
erwachsen ist, als das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen Tätlichkei-
ten (angeblich mehrfach begangen in der Zeit von ca. 2013 bis im Frühling 2017 in 
D.________ (Ortschaft) z.N. von C.________ und angeblich mehrfach begangen 
ca. Frühling 2020 und in der Zeit davor in D.________ (Ortschaft) z.N. C.________ 
und C.________), wegen Missbrauch einer Fernmeldeanlage (angeblich begangen 
in den Monaten März und April 2020 in D.________ (Ortschaft) z.N. von 
C.________) und wegen Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen (angeblich be-
gangen am 28. April 2020 in D.________ (Ortschaft)) eingestellt wurde, unter Auf-
erlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten von 4/5, ausmachend CHF 
2'480.00, an den Kanton Bern (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Wei-
ter ist das erstinstanzliche Urteil inkl. Urteilsberichtigung insoweit in Rechtskraft er-
wachsen, als der Beschuldigte freigesprochen wurde von der Anschuldigung der 
Beschimpfung, angeblich begangen am 23. März 2020 in D.________ (Ortschaft) 
z.N. von C.________, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausschei-
dung von Verfahrenskosten (Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). In 
Rechtskraft erwachsen ist schliesslich der Zivilpunkt (Ziff. V. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs).

Die Kammer hat somit die Schuldsprüche und die Strafzumessung gemäss Ziffer 
III. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs zu überprüfen. Über die verbleibenden 
Verfahrenskosten und die amtlichen Entschädigungen ist sodann praxisgemäss 
neu zu befinden (Ziff. I. und III. und IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Auf 
die Höhe des amtlichen Honorars in erster Instanz ist allerdings nur zurückzukom-
men, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermes-
sen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (BGer 6B_349/2016 vom 13. De-
zember 2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). Darüberhin-

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ausgehend unterliegt dieser Punkt aufgrund der fehlenden Beanstandung durch die 
Generalstaatsanwaltschaft dem Verschlechterungsverbot (BGer 6B_1231/2022 
vom 10. März 2023 E. 2.2.5).

Wie bereits ausgeführt ist zudem zu prüfen, ob die Vorinstanz mit ihrer Urteilsbe-
gründung zur Verfahrenseinstellung die Unschuldsvermutung (Art. 10 Abs. 1 StPO, 
Art. 32 BV und Art. 6 EMRK) verletzte.

Die Kammer verfügt als Berufungsgericht über umfassende Kognition in tatsächli-
cher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO) und ist aufgrund der al-
leinigen Berufung des Beschuldigten an das Verschlechterungsverbot (Verbot der 
reformatio in peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil 
nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abändern.

II. Keine Verletzung der Unschuldsvermutung

6. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung machte im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung mit Ver-
weis auf ihre Ausführungen in der Berufungserklärung geltend, die Vorinstanz habe 
mit den folgenden Ausführungen und der gleichzeitigen Einstellung des Strafver-
fahrens wegen Tätlichkeiten die Unschuldsvermutung verletzt (S. 3 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 543 f.):

«Vorab war zu prüfen, ob es sich bei der in Ziff. 1 des Strafbefehls angeklagten einfachen Körperver-
letzung nicht auch um Tätlichkeiten handeln könnte. Gemäss Lehre und Rechtsprechung ist bei 
Schürfungen, Kratzwunden, Quetschungen oder bloss blauen Flecken von Tätlichkeiten auszugehen, 
wenn diese so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen und ausheilen. Gemäss Anga-
ben der Privatklägerin an der Hauptverhandlung hatte sie blaue Flecken an Armen und Beinen ge-
habt. Diese hätten rund eine Woche geschmerzt. Insbesondere der psychische Schmerz sei geblie-
ben. Auf den angeblichen Zwerchfellbruch – wie dies die Privatklägerin geltend machte – kann nicht 
eingegangen werden. Er ist nicht Bestandteil des Strafbefehls, aber auch in keiner Weise belegt, da 
kein Arztbericht o.ä. vorliegt. Somit erachtet das Gericht den Tatbestand der Tätlichkeiten als erfüllt, 
welche aber für den angeklagten Zeitraum verjährt sind».

Zur Begründung führte die Verteidigung aus, die Formulierung erwecke den Ein-
druck, das Gericht habe den Vorwurf materiell geprüft und das Vorhandensein der 
blauen Flecken an den Armen und Beinen als erstellt erachtet. Zudem werde mit 
diesem Absatz und insbesondere dem letzten Satz «Somit erachtet das Gericht 
den Tatbestand der Tätlichkeiten als erfüllt, welche aber für den angeklagten Zeit-
raum verjährt sind» die tatbestandsmässige Handlung explizit festgestellt.

7. Gesetzliche Grundlagen

Gemäss Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 10 Abs. 1 StPO gilt jede Person bis zur rechts-
kräftigen Verurteilung als unschuldig. Nach Art. 6 Ziff. 2 EMRK gilt jede Person, die 
einer Straftat angeklagt ist, bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschul-
dig. Für einen nicht verurteilenden Verfahrensabschluss bedeutet dies, dass der 
verfahrensabschliessende Entscheid nicht den Eindruck des Bestehens strafrecht-

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licher Schuld erwecken darf. So sind etwa Kostenauflagen unzulässig, wenn sich 
aus dem Text des Entscheids eine strafrechtliche Missbilligung ergibt, die in der 
Kostenauflage zum Ausdruck kommt. Dabei ist nicht auf den Eindruck abzustellen, 
welchen der Entscheid beim juristisch geschulten Leser hervorruft, sondern darauf, 
wie ihn der juristische Laie verstehen darf und muss. Diese Grundsätze gelten 
auch hinsichtlich der Verweigerung einer Entschädigung bei nicht verurteilendem 
Verfahrensabschluss (BGer 6B_472/2021 vom 27. April 2023 E. 3.1 mit Verweis 
auf BGE 115 Ia 309 E. 1a; 114 Ia 299 E. 2b). Auch die Verfügung über die Aufbe-
wahrung erkennungsdienstlichen Materials kann gegen die Unschuldsvermutung 
verstossen, wenn die Behörden damit ausdrücken, die betroffene Person sei doch 
schuldig, obwohl sie freigesprochen oder das Strafverfahren eingestellt worden ist 
(BGE 120 Ia 147 E. 3b). Nach der Rechtsprechung des EGMR ist die Unschulds-
vermutung wie bereits erwähnt zudem verletzt, wenn in einer Einstellungsverfü-
gung der Staatsanwaltschaft zufolge Verjährung festgestellt wird, die beschuldigte 
Person habe die angeklagten Straftaten begangen, obschon solche Feststellungen 
für den Entscheid nicht notwendig sind, da der Eintritt der Verjährung auch anhand 
der Anklagevorwürfe beurteilt werden kann (Urteil des EGMR Peltereau-Villeneuve 
gegen Schweiz vom 28. Oktober 2014, §§ 34 ff.; vgl. auch BGer 6B_907/214 vom 
4. Februar 2015 E. 2.3).

8. Würdigung der Kammer

Unter dem Titel «Verfahrenseinstellung» begründete die Vorinstanz, weshalb sie 
das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen verschiedener Delikte einstell-
te. Aus den Erwägungen geht hervor, dass die dem eingestellten Strafverfahren 
wegen Tätlichkeiten zu Grunde liegenden Tathandlungen als mehrfache einfache 
Körperverletzung angeklagt wurden und die Vorinstanz sich vorbehalten hat (Art. 
344 StPO), diese auch unter dem Gesichtspunkt des Tatbestands der Tätlichkeiten 
rechtlich zu würdigen. Nach wenigen theoretischen Ausführungen zum Tatbestand 
der Tätlichkeiten, schlussfolgerte die Vorinstanz gestützt auf eine Vorabprüfung 
(«Vorab war zu prüfen […]»), dass die von der Zeugin C.________ geltend ge-
machten und angeklagten Verletzungen (blaue Flecken an Armen und Beinen) als 
blosse Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 des Schweizerischen Strafgesetzbuches 
(StGB; SR 311.0) zu werten seien. Selbst wenn die Formulierung ihrer Schlussfol-
gerung «Somit erachtet das Gericht den Tatbestand der Tätlichkeiten als erfüllt, 
welche aber für den angeklagten Zeitraum verjährt sind» für sich alleine betrachtet 
nach einer Schuldfeststellung klingen mag, geht aus den gesamten Ausführungen 
– und insbesondere auch für einen juristischen Laien – unmissverständlich hervor, 
dass die Vorinstanz keine eigentliche Beweiswürdigung vorgenommen und insbe-
sondere nicht beurteilt hat, ob die Aussagen der Zeugin C.________ zu den gel-
tend gemachten Verletzungen überhaupt glaubhaft und die Verletzungen erstellt 
wären. Vielmehr hat die Vorinstanz «vorab» als Vorfrage und notabene unter dem 
Titel «Verfahrenseinstellung» (und nicht etwa im materiellen Teil der Urteilsbegrün-
dung) einzig geprüft, ob die von der Zeugin C.________ behaupteten Verletzungen 
überhaupt die Intensität erreichen würden, welche für die rechtliche Qualifikation 
als einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB erforderlich wäre. Dies 

11

verneinte sie und sie stellte das Verfahren wegen Tätlichkeiten in der Folge konse-
quenterweise ein (vgl. Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Art. 109 StGB). Vor diesem Hinter-
grund kommt die Kammer zum Schluss, dass die bemängelten Ausführungen in ih-
rem kontextuellen Zusammenhang nicht als Schuldfeststellung verstanden werden 
können. Entsprechend liegt keine Verletzung der Unschuldsvermutung vor.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Vorbemerkung zur Änderung der Personendaten des Beschuldigten

Der Klarheit halber ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte 
während des Strafverfahrens bei der Fremdenpolizei der Stadt D.________ (Orts-
chaft) ein Gesuch um Änderung seiner Personendaten (Namen und Geburtsdatum) 
einreichte und es gestützt darauf zur Änderung seiner Personaldaten von 
I.________ (geb. J.________ (Datum)) zu A.________ (geb. K.________ (Datum)) 
kam (pag. 327 ff.). In den Akten sind noch beide Namen zu finden.

10. Verwertbarkeit der Aussagen der Zeugin C.________

10.1 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung brachte im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung und wie 
bereits bei der Vorinstanz vor, es seien das Protokoll der Einvernahme der Zeugin 
C.________ vom 8. April 2020 und die Protokolle der darauffolgenden Einvernah-
men der Zeugin C.________ aus den Akten zu weisen bzw. deren Unverwertbar-
keit zu Ungunsten des Beschuldigten festzustellen.

Zur Begründung führte sie aus, dass es vor der ersten Einvernahme der Zeugin of-
fensichtlich zu einem ausführlichen Gespräch zwischen ihr und der Polizistin ge-
kommen sei. So habe die Polizistin während der Einvernahme u.a. auf pag. 80 und 
pag. 85 immer wieder auf das «Erstgespräch» Bezug genommen. Es sei offen-
sichtlich, dass die konkreten Vorwürfe in diesem Gespräch thematisiert worden 
seien. So sei auf pag. 87 ersichtlich, dass bereits im Erstgespräch vom «kreideblei-
chen Gesicht» des Beschuldigten gesprochen worden sei. Dieses Erstgespräch sei 
schliesslich auch nie bestritten worden. Die Protokollierungspflicht, welche ein zen-
trales Element von Art. 6 EMRK und Art. 26 BV darstelle, sei dadurch verletzt wor-
den, weshalb die Aussagen gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO unverwertbar seien. Es 
könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Erstgespräch einen Einfluss auf die 
späteren Aussagen der Zeugin gehabt habe. Es sei nämlich unklar, wie die Fragen 
anlässlich des Erstgesprächs gestellt worden seien und ob die Befragte dadurch 
oder auf andere Art und Weise beeinflusst worden sei. Die Zeugin C.________ ha-
be nicht mehr sagen können, wann sie gegenüber der Polizei welche Aussage ge-
macht habe. Sie wisse nur noch, dass irgendwann ein Protokoll geführt worden und 
bis zur offiziellen Befragung nur kurze Zeit verstrichen sei. Demgegenüber sei zu 
beachten, dass die Polizistin klar und mehrfach von einem «Erstgespräch» gespro-
chen habe. Beeinflussungen seien nicht nur durch Tipps, sondern auch durch die 
Art der Fragestellungen resp. durch Suggestivfragen möglich. Es sei vor diesem 

12

Hintergrund unmöglich, die Aussagen der Zeugin C.________ zu würdigen; zudem 
sei durch das nicht protokollierte Erstgespräch eine genügende Verteidigung ver-
unmöglicht worden. Das Fragerecht habe nicht ausgeübt werden können. Es sei 
weiter klar, dass das geführte Erstgespräch über ein informelles Gespräch hinaus-
gehe. Das Obergericht des Kantons Bern habe im Urteil SK 19 113 festgehalten, 
dass sich die Polizei einen Überblick verschaffen könne und dürfe. Eine informelle 
Erstbesprechung sei aber nicht mehr zulässig, sobald konkrete Anhaltspunkte für 
eine Straftat vorliegen würden. Zudem müssten auch informelle Gespräche in den 
Akten, beispielsweise in einem Rapport, in Erscheinung treten. Die Zeugin 
C.________ habe beim Erstgespräch das Journal abgegeben, woraus sich sowohl 
der Gegenstand des Verfahrens sowie die Rollen der Beteiligten ergeben hätten. 
Es seien folglich bereits in diesem Zeitpunkt die Grenzen eines informellen Ge-
sprächs überschritten worden (pag. 642 f., pag. 660 und pag. 506 f.).

10.2 Gesetzliche Grundlagen

Gemäss Art. 78 Abs. 1 StPO sind die Aussagen der Parteien, Zeuginnen, Zeugen, 
Auskunftspersonen und Sachverständigen laufend zu protokollieren (Dokumentati-
onspflicht). Die entsprechenden Bestimmungen über die Protokollierung stellen 
Gültigkeitsvorschriften dar (BGE 143 IV 408 E. 8.2). Die Nichtbeachtung der Proto-
kollierungsvorschriften hat grundsätzlich die Nichtverwertbarkeit der jeweiligen Ein-
vernahme zur Folge (Art. 141 Abs. 2 StPO). Die Belehrungs- und Protokollierungs-
pflichten gelten ab der ersten Einvernahme auch für die Polizei. Fraglich ist aller-
dings, was als erste Einvernahme gilt bzw. wann diese stattfindet. Der Begriff der 
Ersteinvernahme (bzw. der Einvernahme generell) ist in der StPO nicht definiert, 
bezieht sich aber gemeinhin auf die erste protokollarische Befragung (SK 16 169 
E. 6.2; RUCKSTUHL, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 
3. Aufl. 2023, N. 7 zu Art. 158 StPO). Eine Einvernahme setzt einerseits einen vor-
bestehenden «Gegenstand des Strafverfahrens» voraus, zu dem sich die einzu-
vernehmende Person äussern soll, andererseits muss die Eigenschaft benannt 
werden, in der die Person einvernommen werden soll. Beim Eintreffen an einem 
Tatort oder an einer Unfallstelle lässt sich nun aber vielfach noch gar nicht sagen, 
welche Rolle anwesende Personen haben könnten. Vom Einvernahmebegriff aus-
zunehmen sind dementsprechend sog. informelle Befragungen, mit der sich die Po-
lizei zuerst einen Überblick über das Geschehen verschaffen muss, um überhaupt 
feststellen zu können, worum es geht und wer allenfalls für die Begehung eines De-
likts in Frage kommen könnte. Unter solchen Umständen ist die Polizei befugt, 
formlose Orientierungsfragen an die Anwesenden zu richten. Sodann liegt noch 
keine Einvernahme vor bei Spontanäusserungen gegenüber den Polizei- oder 
Strafverfolgungsbehörden, die staatlicherseits nicht provoziert worden sind und ei-
nen Tatverdacht erst begründen, wie z.B. Strafanzeigen, Notrufe oder Ad-hoc-
Geständnisse (anders verhält es sich bei Spontanaussagen im Falle einer Fest-
nahme; vgl. zum Ganzen: GODENZI, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 6 zu 
Art. 143 StPO, RUCKSTUHL, a.a.O., N. 8 zu Art. 158 StPO). Sobald sich im Verlauf 
des Gespräches jedoch konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer bestimm-

13

ten Straftat ergeben und zugleich objektiv erkennbar wird, dass der aussagenden 
Person diesbezüglich – bei materieller Betrachtung – die Stellung einer beschuldig-
ten Person, einer Auskunftsperson oder eines Zeugen zukommt, ist das Gespräch 
als Einvernahme zu qualifizieren (zum Ganzen: GODENZI, a.a.O., N. 6 ff. zu 
Art. 143 StPO; RUCKSTUHL, a.a.O., N. 8 f. zu Art. 158 StPO; HÄRING, in: Basler 
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 6 zu Art. 142 
StPO).

10.3 Würdigung der Kammer

Gemäss Einvernahmeprotokoll vom 8. April 2020 fand das von der Verteidigung 
bemängelte und von der Polizei als «Erstgespräch» betitelte Gespräch zwischen 
der Polizistin und der Zeugin statt, als die Zeugin im Anzeigebüro erschien, um ge-
gen den Beschuldigten Anzeige zu erheben. Die Anzeigeerhebung erfolgte unbe-
strittenermassen aus freien Stücken und spontan mit dem Verlangen nach behörd-
lichem Einschreiten, weshalb es sich dabei um eine sog. Spontanäusserung han-
delt (vgl. SALZMANN/MUTTI/FRITZ, Verwertbarkeit von Spontanäusserungen und in-
formellen Befragungen, in: forumpoenale 3/2022 S. 199 ff.). Dass bei einer Anzei-
geerhebung auch die Polizei Fragen stellt, um abzuklären, ob ein Notfall vorliegt, 
ob eine behördliche Hilfeleistung erforderlich ist usw., ist unerlässlich und zulässig. 
Nur so kann sich die Polizei überhaupt einen Überblick über die Sache verschaffen 
und die weiteren Schritte einleiten. Gleichermassen durfte die Polizei auch das 
«Journal» entgegennehmen. Dieses Vorgehen der Polizei begründet insoweit noch 
lange kein ausgedehntes, nicht protokolliertes Vorgespräch, welches angesichts 
der obigen Ausführungen problematisch wäre. Auch darüber hinaus liegen keine 
Hinweise für eine extensive «Erstbesprechung» über Einzelheiten des Tatgesche-
hens vor. Vielmehr sprechen bereits die zeitlichen Umstände klar dagegen. 
Gemäss Anzeigerapport (pag. 8 ff.) und dem Meldeformular Häusliche Gewalt er-
schien die Zeugin am 8. April 2020 um 13:00 Uhr bei der Polizei (pag. 17) und um 
13.14 Uhr fand bereits die formelle Befragung statt (pag. 79). Dazu passen die 
Aussagen der Zeugin C.________, welche im Rahmen der oberinstanzlichen Be-
fragung glaubhaft schilderte, sie habe am Schalter des Polizeipostens Anzeige er-
hoben, habe dann kurz warten müssen und sei danach in einen anderen Raum ge-
beten worden (pag. 647 Z. 17 ff.). Die Polizistin habe dann wohl noch kurz das 
«Journal», welches sie in diesem separaten Raum (bzw. beim Hineingehen) abge-
geben habe (pag. 647 Z. 25 f. und Z. 30), angeschaut und dann sei es losgegan-
gen mit der offiziellen Befragung (pag. 647 Z. 36 ff.). Dass sich die Zeugin 
C.________ vor oberer Instanz nicht mehr an alle Details der Anzeigeerhebung 
und Einvernahme (wann genau sie wo welche Aussage gemacht hat) erinnern 
konnte, ist angesichts des Zeitablaufs und der Ausnahmesituation, in der sie sich 
befand (es sei nach all den Jahren das erste Mal gewesen, dass sie alles auf den 
Tisch gelegt habe, vgl. pag. 647 Z. 38 ff.), nicht erstaunlich und macht ihre Aussa-
gen, wonach sie mit der Polizistin kein ausführliches Gespräch geführt habe, nicht 
unglaubhaft. Die diesbezüglichen Ausführungen der Verteidigung an der Beru-
fungsverhandlung (vgl. pag. 660) überzeugen nicht. Die Zeugin C.________ gab 
denn auch offen zu Protokoll, dass ihr im Voraus vielmehr die Opferhilfe geholfen 

14

und sie mit Tipps versorgt habe, wozu sie nachvollziehbar ausführte, dass es viel 
Mut brauche dorthin zu gehen, es sei ein massiver Schritt gewesen und sie habe 
gewusst, dass dieser vieles nach sich ziehen werde (pag. 648 Z. 1 ff.). Schliesslich 
kann bereits an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Vorhalte der Polizistin 
im Rahmen der ersten formellen Einvernahme der Zeugin C.________ dann auch 
nicht über das eingereichte «Journal» hinausgingen (pag. 79 ff., vgl. dazu Ziff. 
III.17.1 hinten). Dafür, dass es zwischen der Zeugin und der Polizistin zu einem 
ausführlichen Gespräch gekommen ist und die Zeugin beeinflusst worden sein 
könnte, wie es die Verteidigung vorbrachte, bestehen somit keine Hinweise. Daran 
ändert schliesslich auch der im Einvernahmeprotokoll vom 8. April 2020 verwende-
te Terminus «Erstgespräch» (pag. 80) nichts. Was die Protokollierungspflicht anbe-
langt, ist der Verteidigung zwar beizupflichten, dass auch informelle Gespräche in 
den Akten (beispielsweise in einem Rapport) in Erscheinung treten müssen (SK 16 
196 E. 6.3; HÄRING, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 
N. 9c zu Vor Art. 142 – 146 StGB). Vorliegend ist aber mit Blick auf das Gesagte 
gerade nicht ersichtlich, inwiefern der Anzeigerapport vom 8. April 2020 unvollstän-
dig sein soll und eine Verletzung der Protokollierungspflicht ist daher zu verneinen.

11. Vorwurf gemäss Strafbefehl vom 20. Juli 2021

Soweit im vorliegenden Berufungsverfahren noch relevant, wird dem Beschuldigten 
mit Strafbefehl vom 20. Juli 2021 – der als Anklageschrift gilt (Art. 356 Abs. 1 
StPO) – vorgeworfen, sich der Drohung, begangen am 20. März 2018 zum Nachteil 
der Zeugin C.________ (Ziff. 3 des Strafbefehls) und der Beschimpfung, begangen 
am 5. April 2020 zum Nachteil der Zeugin C.________ (Ziff. 4 Satz 2 des Strafbe-
fehls) schuldig gemacht zu haben, wobei ihm folgende Sachverhalte zur Last ge-
legt werden (pag. 283 ff.):

[…]

3. I.________ behändigte, nachdem ihm die Privatklägerin eröffnet hatte, dass sie sich von ihm tren-
nen wolle, ein kleines Küchenmesser, sagte ihr, er werde sie umbringen und setzte ihr den Schnitzer 
mit der rechten Hand so nahe an den Hals, dass er mit der Klinge fast die Haut der Privatklägerin 
berührte, was sie in Todesangst versetzte.

4. […]; zudem zeigte er ihr [der Privatklägerin] am 05.04.20 den Mittelfinger, nachdem er ihr die ge-
meinsamen Kinder zurückgebracht hatte.

[…]

12. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Bezüglich der allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen und 
der Aussagenanalyse im Besonderen kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (S. 4 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 544 ff.).

15

13. Beweiswürdigung und Beweisergebnis der Vorinstanz

13.1 Zum Vorwurf der Drohung

Die Vorinstanz erachtete die Aussagen der Zeugin C.________ als glaubhaft. Da-
bei erwog sie, die Zeugin C.________ habe das Vorgehaltene nicht einfach wie-
derholt, sondern detaillierte Ausführungen dazu gemacht (S. 8 f. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung, pag. 548 f.). Weiter habe die Zeugin C.________ in ihren 
Aussagen zahlreiche Details genannt, erlebnisbasierte und glaubhafte Aussagen 
gemacht. Sie habe originelle Details benennen können, namentlich, dass der Be-
schuldigte wie in einem Tunnel gewesen sei, nicht einmal die Schreie der Kinder 
bemerkt habe und bleich geworden sei, als er realisiert habe, dass die Nachbarin 
ihre Schreie gehört habe. Auch der weitere Ablauf, das Werfen des Schnitzers in 
den Schüttstein, die Behändigung des grösseren Messers und die Mitteilung, er 
werde sich nun im Wald umbringen, wirke erlebnisbasiert und daher glaubhaft. 
Ebenso habe die Zeugin C.________ detailliert Nebenumstände geschildert, bei-
spielsweise, dass der Beschuldigte vor dem Verlassen des Hauses durch die Gar-
tentür ein sehr langes Messer behändigt und es sich beim Bund an der Taille in die 
Hosen gesteckt habe (S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung pag. 549). 

Die Aussagen des Beschuldigten stufte die Vorinstanz als erstaunlich und als Fan-
tasiegeschichte ein. Es wäre eine sehr erstaunliche kognitive Leistung, wenn sich 
der Beschuldigte als gelernter V.________ (Beruf) an einen mehr als zwei Jahre 
zurückliegenden Vorfall würde erinnern können, der nur darin bestanden habe, 
dass er abends eine Melone mit einem Messer geschält habe. Darüber hinaus wol-
le sich der Beschuldigte auch noch daran erinnern können, dass an diesem Abend 
keine Rede von einer Trennung gewesen sei. Auf Vorhalt der Staatsanwaltschaft, 
wonach er anschliessend ein grösseres Messer genommen habe, um in den Wald 
zu gehen, habe der Beschuldigte ausgeführt, dass die Wassermelone gross gewe-
sen sei und das erste Messer nicht gepasst habe. Dazu erwog die Vorinstanz, es 
erscheine schlicht unmöglich, dass man sich nach mehr als zwei Jahren noch an 
eine solche Nebensächlichkeit erinnern könne. In der Hauptverhandlung habe der 
Beschuldigte dagegen gesagt, er habe das grösste Messer genommen, um die Me-
lone zu schneiden. Vor diesem Hintergrund erachtete die Vorinstanz die Aussagen 
des Beschuldigte als Schutzbehauptungen und damit als unglaubhaft (S. 10 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung pag. 550).

Im Rahmen der Gesamtwürdigung erblickte die Vorinstanz bei den allgemeinen 
Aussagen sowohl des Beschuldigten als auch der Zeugin C.________ Vorbehalte. 
Auffällig sei, dass der Beschuldigte kaum eine Frage konkret beantwortet habe, 
ausgewichen sei, viel Nebensächliches zu Protokoll gegeben und überdies durch 
Schuldzuweisungen an das Gegenüber ein typisches Täterverhalten an den Tag 
gelegt habe. Zudem seien die Aussagen des Beschuldigen zur Wassermelone 
dermassen lebensfremd, dass ein realer Erlebnishintergrund ausgeschlossen wer-
den könne. Demgegenüber erachtete die Vorinstanz die Aussagen der Zeugin 
C.________ als detailliert, konstant und mit Erwähnung von Nebenumständen ge-
spickt, weshalb die Vorinstanz auf deren Schilderung abstellte und den angeklag-

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ten Sachverhalt gemäss Ziffer 3 des Strafbefehls als erstellt erachtete (S. 10 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung pag. 550 f.).

13.2 Zum Vorwurf der Beschimpfung

Zum Vorwurf der Beschimpfung führte die Vorinstanz aus, die Zeugin C.________ 
habe die ersten Aussagen in freier Erzählung gemacht, ohne dass ihr Antworten 
suggeriert worden seien und ihre Aussagen seien glaubhaft (S. 14 der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung pag. 554). Zu den Aussagen des Beschuldigten könne 
nicht viel gesagt werden. Er habe auch diesen Vorfall bestritten und darauf verwie-
sen, dass er nicht «so ein Mensch» sei und andere mit Respekt behandle. In der 
Folge stellte die Vorinstanz auf die tatnächsten und als glaubhaft taxierten Aussa-
gen der Zeugin C.________ ab und erachtete den Sachverhalt gemäss Ziffer 4 
Satz 2 des Strafbefehls als erstellt (S. 15 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung 
pag. 555).

14. Vorbringen der Verteidigung

Im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung führte die Verteidigung aus, dass 
aus den Aussagen der Zeugin C.________ hervorgehe, dass sie nichts unversucht 
gelassen habe, um den Beschuldigten auf der ganzen Linie zu diskreditieren. Er sei 
seinen väterlichen Pflichten nicht nachgekommen, er sei zu seinen Kindern böse 
gewesen und habe sie bedroht und beschimpft. Aus den Akten, beispielsweise aus 
den Chatnachrichten sowie den Berichten der Kita und der Schule gehe aber her-
vor, dass dies nie der Fall gewesen sei. Zu berücksichtigen seien dabei auch der 
Zeitpunkt und der Kontext der Vorwürfe gegen den Beschuldigten. Gemäss ihren 
eigenen Schilderungen habe die Zeugin C.________ dem Beschuldigten am 
21. Februar 2020 mitgeteilt, dass sie sich von ihm trennen wolle. Am 27. März 2020 
hätten die Ehegatten das gemeinsame Scheidungsbegehren eingereicht, wobei sie 
sich über die Kinderbelange noch nicht einig gewesen seien. Am 28. März 2020 sei 
sie aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Die Anzeige gegen den Be-
schuldigte am 8. April 2020 sei somit mitten in der Auseinandersetzung über die 
Kinderbelange eingereicht worden. Es müsse berücksichtigt werden, dass sich die 
Zeugin C.________ mit der Anzeige einen positiven Einfluss auf das hängige 
Scheidungsverfahren erhofft habe. Die Vorinstanz habe dem Beschuldigten attes-
tiert, dass er ein typisches Täterverhalten an den Tag lege. Er habe versucht die 
Schuld seinem Gegenüber zuzuschieben. Gleiches treffe aber auch auf das Aus-
sageverhalten der Zeugin C.________ zu. Zudem habe die Vorinstanz in ihrer Ur-
teilsbegründung selber ausgeführt, dass es bei den Aussagen der Zeugin 
C.________ am freien Bericht fehle, die Antworten teilweise kurz seien und das 
Setting bei der Polizei nicht ideal gewesen sei. Aufgrund des Erstgesprächs bei der 
Polizei sei eine Beurteilung der Aussagen der Zeugin C.________ gar nicht mög-
lich. Hinzu komme, dass die Aussagen der Zeugin C.________ entgegen der Auf-
fassung der Vorinstanz nicht detailreich seien. Dass die Zeugin C.________ ge-
schildert habe, dass der Beschuldigte in einem Tunnel gewesen sei, sei kein Detail. 
Dieser Satz sei vielmehr standartmässig und insbesondere auch bei den anderen 
Vorwürfen verwendet worden. Auch die Geschichte mit der Nachbarin sei komisch. 

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Jedenfalls sei befremdlich, dass nie beantragt worden sei, diese Nachbarin als 
Zeugin einzuvernehmen, wodurch die Schilderungen der Zeugin C.________ hät-
ten bestätigt werden können. Weiter habe die Zeugin C.________ geschildert, dass 
der Beschuldigte ein grosses Messer genommen und sich dieses in den Hosen-
bund gesteckt habe. Die Verteidigung führt aus, dass sie dies mit einem Brieföffner 
selbst versucht habe und dass man sich damit ein Loch in die Hose mache oder 
sich in das Bein steche. Weder das eine noch das andere sei aber vorliegend ge-
schildert worden. Die Zeugin habe schliesslich mit Verweis auf pag. 500 Z. 41 ff. 
bereits bei der Vorinstanz gegenüber ihren Erstaussagen widersprüchliche Aussa-
gen gemacht. Heute habe sie gar noch ausgeführt, dass der Beschuldigte sie habe 
ermorden wollen. Es liege eine Zuspitzung der Geschehnisse vor. Aus diesen 
Gründen könne auf die Aussagen der Zeugin C.________ betreffend den Vorwurf 
der Drohung insgesamt nicht abgestellt werden. Betreffend den Vorwurf der Be-
schimpfung sei festzuhalten, dass die Zeugin auch die diesbezüglichen Aussagen 
nicht im freien Bericht gemacht habe. Zudem falle auf, dass die Zeugin bei der Vor-
instanz nicht mehr habe sagen können, dass der Beschuldigte ihr den Mittelfinger 
gezeigt habe. Vielmehr habe sie ausgeführt, dass sie sich nicht mehr daran erin-
nern könne. An der Berufungsverhandlung habe sie sich wieder im Detail an das 
Erlebnis erinnert, was doch sehr erstaunlich sei. Auch die Aussagen zur angebli-
chen Beschimpfung seien daher nicht glaubhaft. Zusammenfassend sei festzuhal-
ten, dass sich mit den Aussagen der Zeugin C.________ die Vorwürfe der Drohung 
und Beschimpfung nicht rechtsgenüglich erstellen lassen würden. Eine eingehende 
Würdigung der Aussagen des Beschuldigten sei vor diesem Hintergrund nicht er-
forderlich. Es sei aber anzumerken, dass der Beschuldigte beispielsweise einge-
standen habe, am Hochzeitstag in die Wand geschlagen zu haben. Ebenso habe 
er zugegeben, dass er mit den Besuchen der Zeugin C.________ bei ihren Freun-
dinnen nicht immer einverstanden gewesen sei und dass er die Zeugin 
C.________ trotz Annäherungs- und Kontaktverbot kontaktiert habe. Er habe nicht 
integral alles in Abrede gestellt (pag. 660 f.).

15. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet die angeklagten Sachverhalte gemäss Ziffer 3 und Zif-
fer 4 Satz 2 des Strafbefehls vollumfänglich. Konkret bestreitet er, der Zeugin 
C.________ am 20. März 2018 mit einem kleinen Küchenmesser mit dem Tod ge-
droht und ihr am 5. April 2020 den Mittelfinger gezeigt zu haben.

Unbestritten sind demgegenüber die Eckpunkte des Verhältnisses zwischen dem 
Beschuldigten und der Zeugin C.________: Der Beschuldigte und die Zeugin 
C.________ wohnten ab dem Jahr 2013 zusammen in D.________ (Ortschaft) und 
am L.________ (Datum) 2013 heirateten sie. Am 28. März 2020 zog die Zeugin 
C.________ mit den gemeinsamen Kindern (E.________ und M.________) aus 
der gemeinsamen Wohnung aus und sie leben seither an der N.________ (Stras-
se) in D.________ (Ortschaft). Aus den Aussagen des Beschuldigten und der Zeu-
gin C.________ geht sodann unzweifelhaft hervor, dass sich diese im Zuge der 
Trennung über die Aufteilung der Obhut zuerst nicht einigen konnten. Am 14. Ja-
nuar 2021 wurde die Ehe geschieden. Gemäss den Angaben des Beschuldigten an 

18

der oberinstanzlichen Verhandlung sind die Kinder (d.h. die heute zehnjährige 
Tochter und der heute siebenjährige Sohn) derzeit jedes zweite Wochenende bei 
ihm (pag. 652 Z. 5 ff.).

16. Beweismittel

16.1 Übersicht

Objektive Beweismittel

Es liegen der Kammer verschiedene objektive Beweismittel vor (insbesondere der 
Anzeigerapport vom 30. April 2020 [pag. 8 ff. und pag. 63 f.], ein Auszug der Rech-
nung für das Mobiltelefon des Beschuldigten für die Zeit vom 10. März bis 9. April 
2020 mit Anrufdetails vom Mobiltelefonanschluss des Beschuldigten auf die Mobil-
telefonnummer der Zeugin C.________ [pag. 23 ff.], Auszüge aus Whatsapp- und 
iMessage-Chatverläufen zwischen dem Beschuldigten und der Zeugin C.________ 
[pag. 26 ff. und pag. 65, teilweise kommentiert], der Strafantrag des Beschuldigten 
gegen die Zeugin C.________ [pag. 71 f.], Unterlagen betreffend Namensänderung 
[pag. 312 ff.], usw.). Auf eine abschliessende Auflistung und Zusammenfassung 
der objektiven Beweismittel wird verzichtet und es wird soweit relevant direkt im 
Rahmen der Beweiswürdigung auf die einzelnen Beweismittel eingegangen.

Subjektive Beweismittel

Als subjektives Beweismittel liegt der Kammer zunächst das bereits erwähnte 
«Journal» vor (pag. 22). Am 8. April 2020 sprach die Zeugin C.________ persön-
lich bei der Polizeiwache O.________ vor und erstattete Anzeige gegen den Be-
schuldigten wegen häuslicher Gewalt, wobei sie Strafantrag wegen Beschimpfun-
gen, Tätlichkeiten, einfachen Körperverletzungen, Drohungen und Missbräuche ei-
ner Fernmeldeanlage stellte und sich als Strafklägerin (erst später dann auch als 
Zivilklägerin [pag. 167]) konstituierte (pag. 8 ff.). Zugleich gab sie ein als «Journal» 
bezeichnetes einseitiges Dokument zu den Akten, in welchem sie verschiedene 
Vorfälle zwischen März 2013 und dem 5. April 2020 aufführte (pag. 22). Der Vor-
wurf gemäss Ziffer 3 des Strafbefehls wurde darin wie folgt umschrieben:

«Androhung von Mord mit einem Messer nachdem ich das erstemal versucht habe mich zu trennen. 
Schreie so laut um auf mich aufmerksam zu machen. «Nimm das Messer, weg, mehrmals wiederholt» 
Nachbarin P.________ schreit zurück. Starrer Blick, kreidebleich im Gesicht. Ging in den Wald um 
sich umzubringen (Drohung Suizid) Hatte Angst um mein Leben und das Leben der Kinder. Hatte 
Angst, dass meine Kinder ohne Eltern aufwachsen und war eingeschüchtert».

Zum Vorwurf gemäss Ziffer 4 Satz 2 des Strafbefehls ist im «Journal» Folgendes 
festgehalten: 

«Nach Diskussion bezüglich Kinderbetreuung zeigt I.________ mir den Mittelfinger».

Weiter liegen der Kammer als subjektive Beweismittel die Aussagen der Zeugin 
C.________ anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 8. April 2020 (pag. 79 
ff.), der Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft vom 27. Juli 2020 (pag. 97 ff.) 
und 12. Oktober 2021 (pag. 107 ff.), der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
4. Mai 2023 (pag. 499 ff.) und im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung 

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(pag. 644 ff.), die Aussagen des Zeugen Q.________ anlässlich der polizeilichen 
Einvernahme vom 23. April 2020 (pag. 73 ff.) sowie die Aussagen des Beschuldig-
ten anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 24. April 2020 (pag. 112 ff.), der 
Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft vom 27. Juli 2020 (pag. 120 ff.) und 
12. Oktober 2021 (pag. 133 ff.), der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
4. Mai 2023 (pag. 502 ff.) und im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung 
(pag. 651 ff.) vor.

Bereits an dieser Stelle kann festgehalten werden, dass der Zeuge Q.________ zu 
den noch zu beurteilenden Sachverhalten keine sachdienlichen Aussagen machen 
konnte (so auch die Vorinstanz, pag. 547) und sich diese auch mit den objektiven 
Beweismitteln nicht erstellen lassen. Die Sachverhalte sind vielmehr anhand der 
Aussagen der Zeugin C.________ und des Beschuldigten zu beurteilen. Es liegt 
mithin eine klassische «Aussage gegen Aussage»-Konstellation vor, weshalb im 
Folgenden zunächst eine Zusammenfassung der Aussagen der Zeugin 
C.________ und des Beschuldigten erfolgt (die Vorinstanz hat auf eine Zusammen-
fassung der Aussagen verzichtet und ist direkt in ihrer Beweiswürdigung auf die 
Aussagen eingegangen, vgl. pag. 548 ff.). Von Relevanz sind nicht nur die Aussa-
gen zu den konkreten Vorwürfen, sondern auch jene zum Rahmengeschehen (ehe-
liche Beziehung, Kinder, usw.). Für die nicht mehr zu beurteilenden Vorwürfe, von 
denen der Beschuldigte erstinstanzlich freigesprochen wurde oder hinsichtlich de-
ren das Strafverfahren eingestellt wurde, gilt selbstredend die Unschuldsvermu-
tung.

16.2 Aussagen der Zeugin C.________

Bei ihrer ersten Einvernahme vom 8. April 2020 führte die Zeugin C.________ aus, 
sie und der Beschuldigte seien im Jahr 2013 zusammengezogen. Dann habe es 
bereits angefangen. Er sei der Meinung gewesen, sie müsse alles putzen und auf-
räumen. Er sei ihr entgleist. Er habe sie beleidigt und da das erste Mal an die 
Wand geschlagen. Sie sei erschrocken, sie habe sowas noch nie erlebt. Dann ha-
be es immer wieder Diskussionen gegeben, bis er ihr das erste Mal eine Ohrfeige 
gegeben habe. Es habe sich immer mehr gesteigert. Von Ohrfeige zu Anspucken, 
dann zu Tritten ins Schienbein und in die Oberschenkel. Sie sei ihm massiv unter-
legen. Bei jedem Vorfall habe er einen starren Blick gehabt und sei kreidebleich 
gewesen, da habe sie jeweils gewusst, jetzt eskaliere es (pag. 81 Z. 61 ff.). Bei den 
Diskussionen sei es immer um den Haushalt gegangen. Er habe das Gefühl ge-
macht, sie würde nichts machen. Er habe auch keine Rücksicht genommen, als sie 
schwanger gewesen sei und habe dennoch das Gefühl gehabt, sie müsste alles 
machen (pag. 81 Z. 73 ff.). Er sei der Auffassung, dass die Frau zuhause alles ma-
che (pag. 81 Z. 80 ff.). Das «Journal» habe sie gestern und vorgestern [in den bei-
den Tagen vor der Anzeigeerhebung] erstellt, damit ihr nichts entfalle (pag. 81 
Z. 99 f.). Zum Vorwurf gemäss Ziffer 3 des Strafbefehls wurde der Zeugin 
C.________ sodann der wesentliche Inhalt ihres «Journals» vorgehalten mit der 
Aufforderung, diesen Vorfall zu beschreiben (pag. 87 Z. 366 ff.). Sie führte aus, sie 
sei mit den Kindern beim Abendessen gewesen. Der Beschuldigte habe den 
Schnitzer (Küchenmesser) genommen. Sie habe ihm offenbart, dass sie sich tren-

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nen werde. Er habe vor den Kindern das Messer genommen und gesagt, er werde 
sie umbringen. Da habe sie wirklich gedacht, jetzt sei es vorbei. Sie habe Todes-
angst gehabt. Er sei wie in einem Tunnel gewesen (pag. 87 Z. 372 ff.). Auf Vorhalt, 
sie habe gesagt, er hätte einen starren Blick gehabt und sei kreidebleich gewesen, 
führte sie aus, er sei wie im Tunnel gewesen, habe links und rechts nichts mehr 
wahrgenommen. Er habe nicht einmal gemerkt, dass die Kinder daneben am Tisch 
laut geschrien haben, E.________ habe immer «Papa hör uf» gesagt (pag. 87 Z. 
378 ff.). Auf Frage, wie er das Messer gehalten habe, antwortete die Zeugin 
C.________, er habe es in der rechten Hand, auf der Höhe seines Kopfes in An-
griffsstellung gehalten, die Klinge gegen sie gerichtet (pag. 87 Z. 385 ff.). Auf Frage 
gab die Zeugin C.________ die Distanz mit ca. 20 cm von Gesicht zu Gesicht an. 
Er habe das Messer in der Folge ganz nahe an ihren Hals gebracht. Er habe sie 
nicht berührt, aber er sei mit der Klinge fast an der Haut an ihrem Hals gewesen. 
Dies sei der Moment gewesen, als sie gedacht habe, jetzt müsse sie auf sich auf-
merksam machen, sonst sei es vorbei (pag. 87 Z. 390 ff.). Auf Frage, was passiert 
sei, nachdem die Nachbarin zurückgeschrien habe, erklärte die Zeugin 
C.________, der Beschuldigte sei erschrocken. Er sei kreideweiss gewesen und 
sein Gesicht sei wie erschrocken gewesen, weil dies von aussen jemand mitbe-
kommen habe. Weil er immer gedacht habe, dass es draussen niemand mitbe-
kommen würde. Er habe das Messer genommen und es in den Schüttstein gewor-
fen (pag. 87 Z. 397 ff.). Auf Frage ergänzte die Zeugin C.________, dass die 
Nachbarin nicht vorbeigekommen sei, sondern nur geschrien und selber Angst ge-
habt habe (pag. 87 Z. 404) und dass sie mit der Nachbarin, Frau P.________, an-
schliessend nur kurz über dem Vorfall gesprochen habe (pag. 88 Z. 408 f.). Auf 
Vorhalt, dass der Beschuldigte anschliessend in den Wald gegangen und Suizi-
dandrohungen gemacht habe, und auf Frage, ob sie dies weiter beschreiben kön-
ne, führte sie aus, er habe das Messer weggeworfen, sich umgedreht, ein langes 
Fleischmesser genommen und ihr und den Kindern gesagt, er gehe jetzt in den 
Wald und bringe sich um (pag. 8 Z. 412 ff.). Auf Frage, was dann passiert sei, gab 
die Zeugin C.________ an, er habe dann das sehr lange Messer genommen und 
sich dieses beim Bund an der Taille in die Hosen gesteckt, damit es niemand sehe. 
Dann sei er durch die Gartentüre raus – sie hätten in einem Haus gewohnt – und 
nach fünf Minuten wieder zurückgekommen, um sich von den Kindern zu verab-
schieden mit den Worten «wegen Mami stirbt Papi». Anschliessend sei er wieder 
losmarschiert und dann aber auch wieder zurückgekommen. Als ob nichts gewe-
sen sei, habe er das Messer zurück in die Schublade getan und gemäss dem Be-
schuldigten sei dann alles wieder gut gewesen (pag. 88 Z. 419 ff). Auf Frage schil-
dert die Zeugin C.________ zum Vorwurf gemäss Ziffer 4 Satz 2 des Strafbefehls, 
dies sei nach der Übergabe der Kinder, welche der Beschuldigte extrem in die 
Länge gezogen habe, passiert. Sie habe die Kinder dann raufgenommen, obschon 
sie geweint hätten und sie habe ihnen gesagt, sie würden nach oben gehen. Die 
Kinder hätten sich dann noch verabschieden können, dann habe er ihr den Mittel-
finger gezeigt, weil er die Kinder bei sich hätte haben wollen. Sie habe ihm erklärt, 
die Kinder seien jetzt bei ihr und er würde sie übernächstes Wochenende wieder-
sehen können (pag. 91 Z. 597 ff.). Gegen Ende ihrer polizeilichen Einvernahme 

21

wurde die Zeugin C.________ sodann gefragt, weshalb sie gemäss «Journal» ein 
Kontakt- und Annäherungsverbot für den Beschuldigten wünsche, worauf sie aus-
führte, sie habe Angst, dass er die Kinder entführe. Sie sei extra in den 7. Stock ei-
nes Hochhauses gezogen, damit sie anonym leben könne. Sie arbeite bei der 
R.________ in O.________ und auch dort könne es sein, dass er sie überall antref-
fe. Sie habe Angst vor ihm. Sie könne nicht sagen, zu was er alles fähig sei. Und 
wenn er seinen Tunnelblick immer wieder aufsetze, könne noch viel passieren 
(pag. 94 Z. 727 ff.).

Am 27. Juli 2020 wurde die Zeugin C.________ von der Staatsanwaltschaft einver-
nommen. Bezüglich des Vorwurfes der Beschimpfung vom 5. Mai 2020 (Zeigen 
des Mittelfingers) wurde sie dabei nicht befragt. Auf Vorhalt, sie habe in Bezug auf 
die Drohung mit dem Messer geschildert, ihre Nachbarin habe auf ihre Schreie hin 
auch geschrien, und auf Frage, ob sie das genauer erklären könne und ob dies ei-
ne Reaktion auf ihr eigenes Schreien gewesen sei, führte sie aus: «Ich hatte so 
Angst, ich wusste, dass ich auf mich aufmerksam machen müsse. Wir wohnten 
damals in einem alten Haus und sehr ringhörig. Sie hat auch geschrien, aber ich 
kann nicht sagen was, es war einfach ein Laut, aber wohl damit, dass er hört, dass 
er hört, dass noch jemand da ist» (pag. 100 f. Z. 128 ff.).

Am 12. Oktober 2021 wurde die Zeugin von der Staatsanwaltschaft als beschuldig-
te Person einvernommen, wobei es im Wesentlichen um die vom Beschuldigten 
gegen sie erhobenen Vorwürfe ging. Zu den im vorliegenden Verfahren noch zu 
behandelnden Vorwürfe gegen den Beschuldigten wurden der Zeugin C.________ 
keine Fragen gestellt (pag. 107 ff.). 

An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. Mai 2023 wurde die Zeugin 
C.________ (als Auskunftsperson) erneut einvernommen (pag. 499 ff.). Zum Vor-
wurf der Drohung gemäss Ziffer 3 des Strafbefehls schilderte sie, dieser Vorfall sei 
in der Küche passiert. Er habe sie mit dem Messer angegriffen. Sie habe laut ge-
schriene, so dass jemand sie höre. Die Kinder seien am Tisch gesessen. 
E.________ habe aus Verzweiflung geschrien, hör auf. Die Nachbarin habe rüber 
geschrien. Er habe das Messer hingelegt und dann ein grosses Messer genom-
men. Er habe sich dann im Wald umbringen wollen (pag. 500 Z. 39 ff.). Gemäss 
protokollarischem Vermerk weinte die Zeugin C.________ bei ihren Aussagen 
(pag. 500 Z. 46). Auf Frage, von wo die Nachbarin geschrien habe, führte sie aus, 
es sei ein Zweifamilienhaus gewesen. Es seien relativ alte Häuser der Stadt 
D.________ (Ortschaft), die sehr ringhörig seien. Sie sei nebenan in ihrer Woh-
nung gewesen (pag. 501 Z. 1 ff.). Die Frage nach dem Auslöser des Vorfalls konn-
te die Zeugin C.________ nicht mehr genau beantworten und führte aus, sie ver-
mute, es sei eine Diskussion wie abermals gewesen (pag. 501 Z. 5 ff.). Auf Frage, 
was am 5. April 2020 gewesen sei, gab die Zeugin C.________ an, dies müsse 
wahrscheinlich um die Trennung herum gewesen sein. Entweder habe der Be-
schuldigte ihr den Mittelfinger gezeigt oder sie beleidigt (pag. 501 Z. 17 ff.). Auf 
Frage ergänzte sie, das mit dem Mittelfinger sei eigentlich eher selten vorgekom-
men. Er sei da auf Distanz gewesen. Normalerweise hätte es eher mit körperlicher 
Gewalt geendet (pag. 501 Z. 21 ff.). Schliesslich ergänzte die Zeugin C.________, 

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das werde ihr Leben lang in ihrem Herzen bleiben. Sie könne wahrscheinlich nie 
ein Leben führen wie eine normale junge Frau. Das habe in ihr ganz viel kaputt 
gemacht schon nur wegen des Vertrauens (pag. 501 Z. 25 ff.).

Vor oberer Instanz führte die Zeugin C.________ zum Vorwurf der Drohung aus, 
sie sei mit den Kindern am Abendessen gewesen und sie habe sich wieder einmal 
von ihm trennen wollen. Dann sei er aufgestanden, habe das Messer genommen 
und sie umbringen wollen. Sie sei aufgestanden. Er sei vor ihr gestanden und habe 
ihr das Messer an den Hals gehalten. Sie habe gewusst, jetzt müsse sie schreien. 
Sie habe laut geschrien, er soll das Messer runternehmen. E.________ daneben 
habe gesagt «Papi hör uf, Papi hör uf». Aber er habe nicht reagiert. Er sei im Tun-
nel gewesen und habe nichts mitbekommen. Sie habe so laut geschrien, dass je-
mand sie habe hören können. Sie habe auf sich aufmerksam machen müssen, an-
sonsten wäre es wohl vorbei gewesen. Die Nachbarin habe es gehört und geschri-
en. Das sei vermutlich ihr Glück gewesen. Er habe das Messer in die Spüle gewor-
fen. Er sei wie erwischt worden. Er habe das grosse Küchenmesser genommen 
und gesagt, er gehe sich in den Wald umbringen. Er sei gegangen und wieder 
zurückgekommen. Er habe sich von den Kindern verabschieden wollen und gesagt, 
Papi gehe sich umbringen wegen Mami. Er sei gegangen und irgendwann wieder 
zurückgekommen. Er habe das Messer in die Schublade gelegt und so getan als 
sei nichts geschehen (pag. 645 Z. 3 ff.). Mit der Nachbarin habe sie nur kurz darü-
ber gesprochen, es sei ja nicht das erste Theater gewesen und die Nachbarin habe 
selber Angst (pag. 645 Z. 18 ff.). Es habe keinen Vorfall mit einer Melone gegeben 
(pag. 645 Z. 32). Das Messer habe sie nicht berührt, es sei Millimeter vor der Haut 
gewesen und der Spitz habe gegen ihren Hals gezeigt (pag. 648 Z. 39 ff.). Für wie 
lange der Beschuldigte den Spitz des Messers gegen ihren Hals gehalten habe, 
könne sie nicht mehr sagen (pag. 649 Z. 5 f.). Sie seien in der Küche gewesen und 
der Beschuldigte sei vor dem Schüttstein gestanden mit dem Rücken zum Fenster. 
Sie sei vor ihm gestanden und die Kinder seien auf der Seite am Tisch gewesen 
(pag. 649 Z. 12 ff.). Beim Messer habe es sich um einen Migros-Schnitzer gehan-
delt mit einem schwarzen Plastik hinten und dieser sei spitzig gewesen (pag. 649 
Z. 30 ff.). Auf Frage, wie der Beschuldigte das Messer gehalten habe, zeigte und 
erklärte die Zeugin C.________, dass das Messer vorne beim kleinen Finger raus-
gekommen sei (pag. 649 Z. 45). Es habe nach unten geschaut. Er sei ja grösser 
als sie (pag. 650 Z. 1).

16.3 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde am 24. April 2020 vorläufig festgenommen (pag. 3 ff.) und 
gleichentags von der Polizei einvernommen (pag. 112 ff.). Dabei bestritt er den 
Vorwurf der häuslichen Gewalt und führte aus, das stimme überhaupt nicht. Er sei 
seit 2013 mit der Zeugin C.________ zusammen. Seit 2013 hätten sie die beste 
Zeit gehabt. Falls das stimmen würde, frage er sich, wieso sich die die Zeugin 
C.________ bis anhin nie bei der Polizei oder entsprechenden Stelle wegen häus-
licher Gewalt gemeldet habe, obwohl sie sich als Schweizerin besser mit den hiesi-
gen Gesetzen auskenne als er (pag. 114 Z. 58 ff.). In der Folge erzählte er ausführ-
lich vom Beginn und Verlauf seiner Beziehung zur Zeugin C.________ (pag. 114 Z. 

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69 ff.). Im Wesentlichen führte er aus, die Beziehung sei ab 2013 eigentlich immer 
sehr gut gewesen, abgesehen von normalen kleineren Streitigkeiten, wer was ma-
chen sollte, hätten sie keine grossen Probleme gehabt (pag. 116 Z. 182 ff.). Erst in 
den letzten sechs Monaten hätten sie Probleme gehabt (pag. 116 Z. 190). Der Be-
schuldigte führte diese Probleme darauf zurück, dass sich die Zeugin C.________ 
mit zwei Frauen angefreundet habe, S.________ und der Nachbarin T.________, 
welche beide getrennt von ihren Männern leben würden (vgl. pag. 116 f. Z. 190 ff.). 
Seit die Frauen Freundinnen geworden seien, hätten er und die Zeugin 
C.________ Probleme in der Beziehung (pag. 117 Z. 198). Die Zeugin C.________ 
sei dann jeden Abend nach dem Abholen der Kinder in der Kita zu den Frauen rü-
ber zum Essen gegangen und er habe für die Kinder kochen müssen (pag. 117 Z. 
204 f.). Es sei ihm zuviel gewesen, alleine zu den Kindern zu schauen (pag. 117 Z. 
208). Er habe dann rausgefunden, dass die anderen beiden Frauen finden würden, 
dass sie frei wären ohne Mann (pag. 117 Z. 209 f.). T.________ sei Lehrerin in 
O.________ und alle Kinder würden dort zur Schule gehen. Die Zeugin 
C.________ habe dann ohne ihn darüber zu informieren, auch E.________ dort in 
die Schule geschickt, damit sie mit den Kindern von T.________ und S.________ 
in die Schule gehen würde (pag. 117 Z. 213 ff.). Bis er das rausgefunden habe, sei 
alles schon erledigt gewesen; er sei ja der Vater und hätte das auch wissen dürfen 
(pag. 117 Z. 216 f.). So habe es Tag für Tag Diskussionen zu Hause gegeben, es 
sei immer mehr und mehr geworden, bis die Zeugin C.________ ihm gesagt habe, 
sie denke, sie würden nicht zusammenpassen (pag. 117 Z. 217 ff.). Daraufhin habe 
der Beschuldigte S.________ angerufen und gesagt, er wolle nicht, dass sich die 
Frauen in das Familienleben einmischen würden (pag. 117 Z. 222 ff.). S.________ 
habe gesagt, das würden sie nicht tun (pag. 117 Z. 226). Am nächsten Tag habe 
S.________ mit ihm alleine gesprochen, ihn umarmt, sie sei sehr nett gewesen und 
habe gesagt, er solle von seinen Problemen erzählen. Er habe geschildert, dass er 
alles mit den Kindern machen würde: Rausgehen, in die Kita bringen, Ausflüge un-
ternehmen, alles alleine, was ihn nicht störe (pag. 117 Z. 227 ff.). S.________ habe 
ihm recht gegeben und gesagt, das gehe nicht, die Zeugin C.________ müsse 
auch mitgehen (pag. 117 Z. 231 f.). Er habe dann gesagt, er möchte einfach, dass 
es zu Hause wieder normal werde und das Essen normal sei. Die Zeugin 
C.________ könne schon zu ihnen kommen, aber nicht jeden Tag. Dem habe 
S.________ beigepflichtet (pag. 117 Z. 232 ff.). Währenddessen sei die Zeugin 
C.________ mit den Kindern bei T.________ gewesen (pag. 117 Z. 234 f.). Als sie 
später nach Hause gekommen sei, sei sie sehr wütend gewesen und habe gesagt, 
es stimme nicht alles, was er erzählt habe (pag. 117 Z. 236 ff.). Danach hätten sich 
die Probleme verdoppelt (pag. 117 Z. 238). In der Folge habe er S.________ ein-
mal angerufen und gefragt, wieso sie der Zeugin C.________ alles erzählt habe, 
worauf sie geantwortet habe, er solle bitte nicht mehr anrufen, sie hätten nichts mit 
der Beziehung von ihm und der der Zeugin C.________ zu tun. Daraufhin habe sie 
das Telefonat beendet (pag. 117 Z. 238 ff.). Eine Stunde später habe S.________ 
angerufen und gesagt, er habe einen grossen Fehler gemacht, dass er sie angeru-
fen habe und sie zur Polizei gehen werde, wenn er sie wieder kontaktiere (pag. 117 
Z. 242 ff.). Dann habe er die Zeugin C.________ angerufen und diese habe ihm 

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erklärt, dass ihre Beziehung jetzt fertig sei, worauf er «nein» gesagt und gefragt 
habe, was jetzt mit den Kindern sei. Die Zeugin C.________ habe ausgeführt, es 
sei ein Fehler gewesen, dass er mit S.________ telefoniert habe, deshalb sei es 
nun vorbei (pag. 118 Z. 246 ff.). Daraufhin hätten sich die drei Frauen wohl zu-
sammen besprochen, was sie gegen ihn unternehmen könnten und S.________ 
habe nicht mehr mit ihm gesprochen (pag. 118 Z. 248 ff.). Die Zeugin C.________ 
sei weiterhin jeweils rüber [zu den anderen Frauen] gegangen, er habe die Kinder 
nach Kitaschluss um 17:00 Uhr nur während einer halben Stunde sehen können, 
da er nur Zimmerstunde gehabt habe und um 17:30 Uhr wieder auf den Zug nach 
U.________ (Ortschaft) habe gehen müssen (pag. 118 Z. 251 ff.). Die Frauen wür-
den sich jetzt wegen Corona nicht mehr viel treffen, seien aber immer am Chatten 
(pag. 118 Z. 256 f.). Sie seien auch gegen ihre Männer so vorgegangen, wie sie es 
jetzt der Zeugin C.________ gesagt hätten (pag. 118 Z. 257 f.). Er nehme keine 
Drogen, kein Alkohol und sei ein Familientyp, kein aggressiver Mensch (pag. 118 
Z. 258 f.). 

Nachdem der Beschuldigte bis dahin ohne Beisein einer anwaltlichen Vertretung 
Aussagen machte, bat er in der Folge um eine Unterbrechung der Einvernahme. 
Nach Wiederaufnahme der Einvernahme im Beisein seines Verteidigers verweiger-
te der Beschuldigte die weiteren Aussagen (pag. 118 Z. 261 ff.). 

Am 11. Juni 2020 zeigte der Beschuldigte die Zeugin C.________ bei der Polizei 
an (Beschimpfung, Tätlichkeiten, Nötigung; pag. 71 f.).

Am 27. Juli 2020 wurde der Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft einvernom-
men (pag. 120 ff.). Angesprochen auf den Stand der Beziehung zur Zeugin 
C.________ führte er aus, er habe in drei Monaten seine Situation unter Kontrolle 
gebracht und alles geregelt, währenddessen die Zeugin C.________ mit den Kin-
dern zu seinen Nachbarn komme und versuche ihn zu provozieren, damit er etwas 
Rechtswidriges tue. Er könne sich aber kontrollieren (pag. 121 Z. 27 ff.). Weiter 
bestätigte der Beschuldigte, dass er die Zeugin C.________ nie geschlagen, getre-
ten, beschimpft oder bedroht habe und führte aus, er habe die Zeugin C.________ 
damals geliebt und sei bereit gewesen, alles für sie zu machen. Er sei bereit gewe-
sen die Schule zu beenden, eine höhere Schule zu beginnen, gleichzeitig zu arbei-
ten und zu Hause sein, um den Haushalt zu machen und die Kinder zu erziehen 
(pag. 121 Z. 42 ff.). Auf Vorhalt, dass die Zeugin C.________ angegeben habe, 
sich aus Angst lange Zeit nicht getraut zu haben, zur Polizei zu gehen, führte der 
Beschuldigte aus, die Zeugin C.________ kenne als Schweizerin ihre Rechte. 
Wenn er während so langer Zeit so schlecht zu ihr gewesen wäre, hätte sie doch 
eine Anzeige machen können (pag. 122 Z. 49 ff.). Auf Frage, ob es richtig sei, dass 
die Zeugin C.________ ihn getreten, beschimpft und bedroht habe, führte er aus, 
dass sie wegen den Aufgaben im Haus ab und zu Streit gehabt hätten. Es habe 
sich um Streit über normale Sachen, worüber auch andere Paare streiten, gehan-
delt. «Keine Schläge, kein Spucken, keine Beschimpfungen». Wenn er gewusst 
habe, dass der Streit weitergehen würde, sei er einfach nach draussen gegangen 
(pag. 122 Z. 62 ff.). Auf Frage, wieso er dann eine Anzeige gegen die Zeugin 
C.________ eingereicht habe, gab der Beschuldigte an, im Juni 2020 sei ihr Pro-

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blem aufgetaucht. Sie habe ihn im März getreten und beschimpft. Sie hätten zwei 
Kinder und er habe gemerkt, dass diese das alles mitbekommen. Er habe gedacht, 
dass die einzige Möglichkeit die Trennung sei (pag. 122 Z. 69). Es stimme nicht, 
dass die Idee der Trennung von der Zeugin C.________ gekommen sei (pag. 122 
Z. 74 f.). Angesprochen auf den Umstand, dass er die Zeugin C.________ erst am 
11. Juni 2020 bei der Polizei angezeigt habe, schilderte er Folgendes: «Ich wollte 
ruhig bleiben wegen der Kinder, obwohl klar war, dass wir uns trennen werden. Sie 
ist aber die Mutter meiner Kinder und ich bin der Vater ihrer Kinder. Die Kinder sind 
mir sehr wichtig. Streit oder Probleme wären nicht gut für die Kinder. Die Kinder 
wussten, dass wir Probleme hatten. Sie kommt immer zu den Nachbarn, um mich 
zu provozieren, damit ich einen Fehler mache. Sie hat mir auch gesagt, dass ich 
ein Scheissausländer sei. Ich habe keine Chance gegen sie, sie ist eine Schweize-
rin und eine Frau» (pag. 122 Z. 77 ff.). Am 15. März 2020, als die Zeugin 
C.________ sich von ihm getrennt habe und das Haus habe verlassen wollen, ha-
be sie ihn und seine Familie mit üblen Worten beschimpft. Sie habe seine Mutter 
als Hure bezeichnet, womit sie ihn habe provozieren wollen, damit er sie auch be-
schimpfe. Sie habe ihn wütend machen wollen, damit er handgreiflich werde. Sie 
habe ihn dann von hinten getreten und ihm auch Faustschläge verpasst, nur damit 
er auch reagiere und etwas Falsches mache. Er habe sich aber nicht darauf einge-
lassen (pag. 123 Z. 113 ff.). Im Monat, bevor die Zeugin C.________ die Wohnung 
verlassen habe, sei dies drei Mal passiert. Sie habe ihn mit ihrem Knie in seinen 
Hintern getreten, sie habe ihn geschubst und ihn aus der Wohnungstüre hinausge-
worfen (pag. 124 Z. 127 ff.). Das erste Mal sei am 15. März 2020 gewesen, die 
beiden anderen Male danach, aber er wisse nicht, wie viele Tage später (pag. 124 
Z. 132 ff.). Auf Vorhalt, dass in der Mitteilung des Polizisten, der die Anzeige des 
Beschuldigten entgegengenommen habe, mehrmalige Fusstritte, nicht aber Faust-
schläge erwähnt seien, gab der Beschuldigte an, der betreffende Polizist habe ge-
sagt, dass er nicht alles detailliert schildern müsse, er könne es bei der Staatsan-
waltschaft ausführlich erzählen. Der Polizist habe nur gewollt, dass der Beschuldig-
te stichwortartig eine Zusammenfassung mache (pag. 124 Z. 146 ff.). Weiter be-
stritt der Beschuldigten den Vorwurf, der Zeugin C.________ am 5. April 2020 nach 
einer Diskussion wegen der Kinderbetreuung den Mittelfinger gezeigt zu haben 
(pag. 127 Z. 254 ff.). Auf Vorhalt, dass die Zeugin C.________ dem Beschuldigten 
nichts Übertriebenes vorwerfe, was ihre Aussagen glaubhaft erscheinen lasse, gab 
der Beschuldigte zu Protokoll, die Zeugin C.________ habe, bevor sie das Zuhau-
se verlassen habe, in einem Gespräch über das Sorgerecht vorgeschlagen, dass 
wenn er auf das Sorgerecht verzichte, sie nichts gegen ihn machen werde. Es sei 
dann nicht so rausgekommen, weshalb sie gegen ihn Anzeige erhoben und gesagt 
habe, sie werde alles dafür tun, dass er diesen Fall verliere (pag. 128 Z. 270 ff.). 
Angesprochen auf den Vorwurf, wonach er am 20. März 2018 der Zeugin 
C.________ ein Messer an den Hals gehalten habe, als sie ihm gegenüber erst-
mals von einer Trennung gesprochen habe, führte der Beschuldigte aus: «Das ist 
ein Drehbuch, was sie da erzählt. Es ist überhaupt nicht die Rede von einer Tren-
nung gewesen. An diesem Tag habe ich eine Wassermelone geschält. Ich war mit 
meinen Kindern in der Küche und sie auf dem Sofa im Wohnzimmer. Ich bin dann 

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zu ihr gegangen und sagte zu ihr, sie solle in die Küche kommen, wir würden Was-
sermelone essen. Sie verlangte von mir aber, dass ich ihr die Wassermelone ins 
Wohnzimmer bringen solle. Ich habe dann – mit dem Messer in der Hand – gesagt 
und die Bewegung gemacht, dass man solche Sachen nicht im Wohnzimmer essen 
würde» (pag. 129 Z. 321 ff.). Auf Vorhalt, dass er dann das Messer ins Spülbecken 
geworfen und ein noch grösseres Messer genommen habe, daraufhin in den Wald 
gegangen und damit gedroht habe, sich umzubringen, schilderte der Beschuldigte: 
«Die Wassermelone war sehr gross, das erste Messer passte nicht um die Melone 
zu schneiden, weshalb ich dann ein grösseres Messer nehmen musste» (pag. 129 
Z. 334 f.). Er sei ein ganz normaler Mensch und möchte sich nicht umbringen (vgl. 
pag. 129 Z. 338). Angesprochen auf den «angeblichen Vorfall mit dem Mittelfinger» 
führte der Beschuldigte auf Frage seines Verteidigers aus: «Das war am Sonntag-
abend, als ich dann die Kinder ihr zurückgebracht habe. Meine Tochter hat ange-
fangen zu weinen und wollte wieder zu mir zurück um mich zu umarmen. Die Mut-
ter wollte das aber nicht und hat die Türe geschlossen. Ich hatte Herzschmerzen 
und wollte meine Tochter noch einmal umarmen und ihr sagen, dass sie nicht wei-
nen solle, es sei alles gut. Sie war im Wohnzimmer und ich bin zurückgekehrt um 
ihr zu sagen sie solle nicht weinen. Die Mutter hat die Türe nicht geöffnet und mir 
den Mittelfinger gezeigt» (pag. 130 Z. 376 ff.). Schliesslich führte der Beschuldigte 
zu seiner Person aus, dass es eine wichtige Sache gäbe, die er vorhin noch nicht 
erzählt habe. Er sei als dreimonatiges Kind von Pflegeeltern aufgenommen wor-
den, weil seine Eltern im Krieg verstorben seien. Seine Pflegeeltern hätten ihn auf-
gezogen, er habe fünf Schwestern und drei Brüder, welche die Kinder seiner Pfle-
geeltern seien (pag. 131 Z. 395 ff.). 

Am 12. Oktober 2021 wurde der Beschuldigte erneut von der Staatsanwaltschaft 
einvernommen (pag. 133 ff.). Dabei gab er an, er habe anfangs wegen der ge-
meinsamen Kinder keine Anzeige gegen die Zeugin C.________ machen wollen. 
Die Zeugin C.________ habe dann auch die Kinder in Spiel gebracht, um ihn unter 
Druck zu setzen. Deshalb habe er dann ausgepackt und Anzeige erhoben (vgl. 
pag. 134 Z. 39 ff. und pag. 135 Z. 56 ff.). Er habe bei der Polizei und der Staatsan-
waltschaft zu 100 Prozent die Wahrheit gesagt (pag. 135 Z. 53 f.). In der Folge leg-
te der Staatsanwalt dar, dass der Beschuldigte entgegen der Wahrheitsbeteuerung 
bei der Fremdenpolizei angegeben habe, seine Familie sei vor .________ geflüch-
tet und seine Mutter lange weg gewesen, währenddessen er bei der Staatsanwalt-
schaft ausgeführt habe, ein Waisenkind zu sein, dass seine Eltern mit drei Monaten 
verloren habe (pag. 135 f. Z. 83 ff.). Hierauf führte der Beschuldigte aus, er sei am 
8. April 2020 am Morgen von der Polizei abgeführt worden und habe dann die er-
wähnten Äusserungen gemacht, er habe dort nicht die Wahrheit gesagt, weil er zu 
dieser Zeit nicht die ganze Wahrheit über seine Familie gekannt habe. Dies sei ein 
Fehler gewesen. Heute kenne er die Wahrheit (vgl. pag. 136 Z. 86 ff., Z. 95 ff.). In 
der Folge wurde dem Beschuldigten vorgehalten, er habe dies bei der Fremdenpo-
lizei aber damit begründet, er habe nicht gewollt, dass die Zeugin C.________ wei-
tere Informationen über seine Vergangenheit erfahre, aus Angst, sie würde ihn mit 
diesen neuen Erkenntnissen in Schwierigkeiten bringen (pag. 136 Z. 101 ff.). Auf 
Frage, wie ihn die Zeugin C.________ mit seiner wahren Vorgeschichte hätte in 

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Schwierigkeiten bringen können, gab der Beschuldigte an, gedacht zu haben, diese 
Geschichte werde zu einem weiteren Punkt, mit dem sie ihn schlecht dastehen las-
sen wolle und es einen negativen Einfluss auf sein familiäres Leben mit seinen 
Kindern haben könnte. Sie sei über seine Vergangenheit bereits einigermassen in-
formiert gewesen, was bereits 2014 ans Tageslicht gekommen sei (pag. 136 Z. 104 
ff.). 

Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. Mai 2023 gab der Be-
schuldigte zu Protokoll, er sei in einem tiefen Schlaf gewesen als die Polizei bei 
ihm geklingelt und ihm gesagt habe, dass er die Zeugin C.________ geschlagen 
haben soll. Man habe ihn gefragt, ob er sie geschlagen und mit dem Messer be-
droht habe. Da habe er gesagt, dass dies alles nicht stimme. Wenn es stimme, 
dann müsse er ein Beweismittel haben (pag. 502 Z. 16 ff.). Auf Frage, weshalb er 
mit dem Strafbefehl vom 20. Juli 2021 nicht einverstanden sei, führte er aus, er le-
be in einem Land, in dem es andere Rechte gebe. Warum habe sie ihn nicht von 
Anfang an angezeigt. Es stimme alles nicht (pag. 502 Z. 37 ff.). Das werde alles 
gemacht, um sein Leben in der Schweiz zu ruinieren (pag. 503 Z. 1 f.). Er habe den 
Wunsch gehabt zusammen mit der Zeugin C.________ ein Restaurant zu haben, 
er habe sich mit allem zurückgehalten und sich gut benommen bis sie von zu Hau-
se weggegangen sei. Die Probleme hätten mit diesem Restaurant angefangen. 
Das Problem sei gewesen, dass er in einem Restaurant gearbeitet habe. Er habe 
die Idee gehabt, ein Restaurant zu eröffnen, da hätten die Probleme angefangen, 
die Zeugin C.________ habe Probleme gemacht (pag. 503 Z. 5 ff.). Auf die darauf 
gefolgte Frage, weshalb es in der Beziehung nicht gut gelaufen sei, führte der Be-
schuldigte aus, dass sie eine gute Beziehung und zwei gesunde Kinder gehabt hät-
ten. Er habe 100 Prozent und sie 60 Prozent gearbeitet, sie habe noch eine Ausbil-
dung gemacht und er habe auch im Haushalt viel geholfen. Dann habe sich eine 
Kollegin eingemischt. Diese Kollegin habe drei Kinder und lebe alleine. Sie habe 
der Zeugin C.________ empfohlen, auch alleine zu leben (pag. 503 Z. 21 ff.). Die-
se Frau habe eine Kollegin der Zeugin C.________ kennengelernt. Dies sei die 
Nachbarin gewesen, welche auch drei Kinder habe. Sie habe die Zeugin 
C.________ motiviert, in die Disco und in den Ausgang zu gehen, währendem er 
alleine bei den Kindern zu Hause habe bleiben müssen. Sie hätten die Zeugin 
C.________ beeinflusst. Von 2013 bis 2018 hätten sie keine Probleme gehabt, al-
les sei in Ordnung gewesen. Er als Vater und Hausherr habe bemerkt, dass die 
Zeugin C.________ keinen Respekt mehr habe. Sie habe sich durch diese zwei 
Kolleginnen verändert. Bis zur Trennung seien sie [wohl gemeint: die drei Frauen] 
Freunde gewesen, jetzt seien sie nicht mehr befreundet (pag. 503 Z. 23 ff.).

Der Vorwurf gemäss Ziffer 3 des Strafbefehls stimme nicht. Dies sei die grösste 
Lüge, welche die Zeugin C.________ behaupte. Er sei V.________ (Beruf). Er ha-
be eine Leidenschaft fürs Kochen. Er habe zu Hause viele Messer. Sie hätten eine 
Wassermelone zu Hause gehabt. Sie alle würden Wassermelonen mögen. Er habe 
eine grosse Wassermelone gekauft. Er habe das grösste Messer genommen, um 
die Melone zu schneiden. Dann habe er die Wassermelone geschnitten und Stücke 
gemacht. Er habe mit dem Messer ein Stück Wassermelone aufgespiesst und ihr 

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die Melone so gebracht. Das sei das Messerthema gewesen (pag. 504 Z. 1 ff.). Auf 
Vorhalt, dass er schon im April 2020 bei der Polizei vom Schneiden der Wasserme-
lone gesprochen habe und auf Frage, weshalb er sich damals so genau an dieses 
zwei Jahre zurückliegende Datum habe erinnern können, antwortete der Beschul-
digte, dies sei die Wahrheit. Die Wahrheit bleibe für immer. Nur die Lüge vergesse 
man (pag. 504 Z. 13 ff.). Bezüglich des Vorwurfs gemäss Ziffer 4 des Strafbefehls, 
wonach er der Zeugin C.________ am 5. April 2020 den Mittelfinger gezeigt habe, 
gab der Beschuldigte an, die Zeugin C.________ wisse sehr gut, dass er nicht so 
ein Mensch sei. Er gehe mit den Menschen mit Respekt um und liebe die Men-
schen. Er würde nie so etwas tun. Damals habe sie das behauptet, weil sie eine 
Anzeige bei der Polizei gemacht habe. Sie habe ein Beweismittel gesucht, bis jetzt 
werde nach Beweismitteln gesucht und es sei nichts gefunden worden (pag. 504 Z. 
40 ff.). Abschliessend führte der Beschuldigte aus, die Schweiz sei ein Rechtsstaat, 
diese Beschuldigungen könne man nicht beweisen. Ohne Beweis könne man 
nichts gegen ihn machen. Er habe alles gut gemacht. Ohne Beweise könne man 
ihn nicht beschuldigten. Er habe Vertrauen in den Rechtsstaat Schweiz (pag. 505 
Z. 13 ff.). 

Vor oberer Instanz bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen Aussagen 
(pag. 652 Z. 41) und führte aus, dass die Aussagen der Zeugin C.________ Lügen 
darstellen würden (pag. 653 Z. 7 und 12). Angesprochen auf den Vorwurf der Dro-
hung mit dem Messer führte er aus, dass sein Magen im Jahr 2017 geplatzt sei und 
es ihm daher im Jahr 2018 wegen diesen Magenproblemen schlecht gegangen sei. 
Er habe versucht Melonen und Äpfel zu essen. Er möge Wassermelonen sehr ger-
ne und auch seine Kinder und die Zeugin C.________ würden Wassermelonen 
mögen. Er habe in einem türkischen Laden eine grosse Wassermelone gekauft. Er 
sei nach Hause gekommen und habe die Wassermelone geschnitten. Wenn er 
Wassermelone schneide, entferne er die Haut der Melone nicht. Die Zeugin 
C.________ sei im Wohnzimmer am Liegen gewesen. Er habe sie gefragt, ob sie 
in die Küche komme, um Wassermelone zu essen, oder ob er ihr die Melone brin-
gen soll. Er sei Küchenhilfe und habe zu Hause ein Set mit Messern von der Mi-
gros. Es habe kleine bis grosse Messer. Er habe dieses Messer hinten in die Melo-
ne reingesteckt und die Melone so serviert. Dass er sie damit bedroht habe, stim-
me nicht. Er habe nur Melone geben wollen. Es stimme nicht, dass er sich im Wald 
habe umbringen wollen, seine Kinder bedroht habe oder ihnen etwas habe tun wol-
len. Dass die Kinder von diesem Thema wissen würden, stimme auch nicht (pag. 
653 Z. 22 ff.). Auf Frage, was danach passiert sei, gab der Beschuldigte an, sie ha-
be [die Melone] gegessen und habe noch ein zweites Stück genommen (pag. 653 
Z. 41). Auf die Frage, weshalb er sich an diese Situation, obschon dabei nichts 
Aussergewöhnliches vorgefallen sei, mehr als zwei Jahre später noch habe erin-
nern können, führte der Beschuldigte aus, es sei nicht das erste Mal gewesen, 
dass er mit ihr Wassermelone gegessen und ein Messer in der Hand gehalten ha-
be (pag. 654 Z. 4 f.). Es sei eine Routinesache und eine Sache, die er nicht ver-
gesse. Er nehme auch heute noch Melone mit dem Messer (pag. 654 Z. 8 ff.). Auf 
die Frage, ob er die Melone oft im Wohnzimmer gegessen habe, gab er an, er und 
seine Kinder seien immer in der Küche gewesen und hätten dort gegessen. Als 

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seine Frau nach Hause gekommen sei, habe sie es [die Melone] genommen und 
sei ins Fernsehzimmer gegangen (pag. 654 Z. 25 ff.). Auf die Frage, weshalb die 
Zeugin C.________ ihn zu Unrecht belasten sollte, führte der Beschuldigte aus, 
bevor sie sich getrennt hätten, habe sie ihm angedroht, ihm die Kinder wegzuneh-
men. Zudem habe sie ihm gesagt, dass er seinen Aufenthalt verlieren könnte. Sie 
habe immer versucht ihn zu diskreditieren, so dass er seine Glaubwürdigkeit verlie-
re (pag. 654 Z. 11 ff.).

17. Beweiswürdigung der Kammer

17.1 Aussagen der Zeugin C.________

17.1.1 Vorbemerkung

Bei den Aussagen der Zeugin C.________ vom 8. April 2020 ist zu beachten, dass 
die Polizei bei der ersten Einvernahme jeweils auf das von der Zeugin C.________ 
erstellte «Journal» Bezug nahm (pag. 87 und 91). Bezogen auf die vorliegend noch 
zu beurteilenden Vorfälle liegt indes kein vollständig freier Bericht vor (vgl. pag. 87 
f., 91), was bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen ist. Die Zeugin 
C.________ wurde anfänglich aber immerhin mit einer offenen Frage aufgefordert, 
die Vorfälle zu schildern, welche sie zur Anzeigeerhebung bewogen hätten (pag. 
80). 

17.1.2 Zum Vorwurf der Drohung

Bezüglich des Vorwurfs der Drohung vom 20. März 2018 wurde der Zeugin 
C.________ der Inhalt ihres «Journals» zusammengefasst vorgehalten, wobei der 
Vorhalt im Wesentlichen die Elemente Morddrohung mit Messer nach erstem Tren-
nungsversuch, lautes Aufschreien durch die Zeugin C.________ sowie Zurück-
schreien der Nachbarin enthielt (pag. 87 Z. 366 ff.). In der Folge beschrieb die 
Zeugin C.________ die Situation, in welcher sich die dem Beschuldigten vorgewor-
fene Handlung abspielte (pag. 87 Z. 372 ff.): Sie sei mit den Kindern beim Abend-
essen gewesen und sie habe dem Beschuldigten offenbart, dass sie sich trennen 
werde. Daraufhin habe der Beschuldigte vor den Kindern «den Schnitzer (Küchen-
messer)» (pag. 87 Z. 372) genommen und ihr gesagt, er werde sie umbringen 
(pag. 87 Z. 373 f.). Damit schilderte die Zeugin C.________ das Element Morddro-
hung mit Messer nach erstem Trennungsversuch detailliert und ergänzte dieses mit 
der Anwesenheit der Kinder, welche sie mit der Handlung verknüpfte. Die erwähnte 
Anwesenheit der Kinder war weder im «Journal» der Zeugin C.________ noch im 
polizeilichen Vorhalt enthalten. Ergänzend zum Vorhalt und zum «Journal» gab sie 
zudem an, dass der Beschuldigte ihr gesagt habe, er bringe sie um, zudem konkre-
tisierte sie die Art des Messers (Schnitzer/Küchenmesser). Weiter beschrieb die 
Zeugin C.________ nachvollziehbar ihre Gedanken und Gefühle, welche sie in die-
sem Moment erlebt habe: Sie habe wirklich gedacht, jetzt sei es vorbei, sie habe 
Todesangst gehabt. Diese Elemente wurden ihr von der Polizei nicht vorgehalten, 
waren aber bereits – wenn auch in anderen Worten – in ihrem «Journal» vorhan-
den («Hatte Angst um mein Leben und das Leben meiner Kinder. Hatte Angst, 
dass meine Kinder ohne Eltern aufwachsen und war eingeschüchtert» [pag. 22]). 

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Schliesslich – immer noch im Rahmen ihrer ersten Antwort auf die Frage, ob sie 
den Vorfall beschreiben könne – gab die Zeugin C.________ an, der Beschuldigte 
sei «richtig in einem Tunnel» (pag. 87 Z.375) gewesen. Auf Vorhalt, der Beschul-
digte hätte gemäss Journal einen starren Blick gehabt und sei kreidebleich gewe-
sen, präzisierte die Zeugin C.________, er sei wie in einem Tunnel gewesen und 
habe links und rechts nichts mehr wahrgenommen. Er habe nicht einmal gemerkt, 
dass die Kinder nebendran am Tisch laut geschrien hätten. E.________ habe ge-
sagt «Papa hör uf». Damit ergänzte die Zeugin C.________ – im Vergleich zum 
«Journal» und zum polizeilichen Vorhalt – die Handlung wiederum mit neuen Ele-
menten (scheinbare Nichtwahrnehmung der Situation durch den Beschuldigten, 
Sitzen der Kinder am Tisch, Reaktion der Kinder), wobei insbesondere auch die 
wörtlich wiedergegebene Reaktion der Tochter – welche die Zeugin C.________ 
auch vor oberer Instanz zitierte (pag. 645 Z. 7) – lebensnah und selbsterlebt wirkt. 
Auch die darauffolgenden Antworten der Zeugin C.________ auf die Fragen der 
Polizei sind detailliert und enthalten weitere Einzelheiten, welche weder im «Jour-
nal» noch in den Vorhalten bereits vorhanden waren und ihre Aussagen glaubhaft 
erscheinen lassen. So konnte die Zeugin C.________ noch genau beschreiben, 
wie der Beschuldigte das Messer gehalten habe (mit der rechten Hand in Angriffs-
stellung auf der Höhe seines Kopfes, die Klinge gegen die Beschuldige gerichtet) 
und wie gross die Distanz zwischen ihr und dem Beschuldigten gewesen sei (ca. 
20 cm Gesicht an Gesicht). Dabei belastete sie den Beschuldigten nicht übermäs-
sig, sondern gab an, dass er das Messer ganz nahe an ihren Hals gehalten, er sie 
damit jedoch nicht berührt habe (pag. 87 Z. 391 f.). Dies bestätigte sie auch im 
Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung (pag. 648 Z. 42). Auf Vorhalt, was ge-
schehen sei, als ihre Nachbarin zurückgeschrien habe, gab die Zeugin C.________ 
ebenso überzeugend an, er sei kreideweiss und sein Gesicht wie erschrocken ge-
wesen, weil es jemand von aussen mitbekommen habe, er habe das Messer dann 
genommen und in den Schüttstein geworfen (pag. 87 Z. 398 ff.), wobei bereits der 
Umstand, dass die Zeugin eine neutrale Drittperson nennt, die allenfalls weitere 
Aussagen zum Wahrgenommenen machen könnte, für Erlebnishintergrund spricht. 
Auf Vorhalt, dass der Beschuldigte gemäss «Journal» in der Folge in den Wald ge-
gangen sei und Suizidandrohungen gemacht habe, führte die Zeugin C.________ 
aus: Er habe das Messer wegeschmissen, sich umgedreht, ein langes Fleischmes-
ser genommen und gesagt, er gehe jetzt in den Wald und bringe sich um. Dass der 
Beschuldigte ein längeres Fleischmesser zur Hand nahm und mit diesem drohte 
sich umzubringen, stellt ein für den beschriebenen Vorgang untypisches Detail dar, 
zumal der Beschuldigte ja bereits ein (kleineres) Messer in der Hand hatte. Gleich-
zeitig zeigt diese Aussage erneut, dass die Zeugin C.________ den Beschuldigten 
nicht unnötig belastete. So hat der Beschuldigte nach den Aussagen der Zeugin 
C.________ das geschilderte sehr lange Fleischermesser gerade nicht gegen sie 
eingesetzt, sondern er hat dieses erst anschliessend behändigt. Schliesslich nann-
te die Zeugin C.________ auf die Frage, was weiter passiert sei, weitere neue De-
tails und Einzelheiten: Der Beschuldigte habe das sehr lange Messer genommen 
und in die Hosen beim Bund an der Taille gesteckt, damit es niemand sehe, ansch-
liessend sei er aus der Gartentüre – sie hätten in einem Haus gewohnt – rausge-

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gangen. Nach fünf Minuten sei er zurückgekehrt, habe sich von den Kindern mit 
den Worten «wegen Mami stirbt Papi» verabschiedet und sei wieder losmarschiert. 
Er sei dann wieder zurückgekommen, habe das Messer zurück in die Schublade 
getan, als wäre nichts gewesen und gemäss ihm sei dann alles wieder gut gewe-
sen (pag. 88 Z. 419 ff.). 

Die soeben dargelegte Erstaussage der Zeugin C.________ enthält unzählige De-
tails und Ergänzungen zum im «Journal» enthaltenen und von der Polizei vorgehal-
tenen Kerngeschehen des Vorwurfes. Ohne das Kerngeschehen zu verändern, 
konnte die Zeugin C.________ die einzelnen Elemente sowohl miteinander als 
auch mit zusätzlichen Gegebenheiten (wie namentlich der Anwesenheit der Kinder 
am Tisch, deren Reaktion und der Art des Messers) und weiteren Handlungen des 
Beschuldigten (wie namentlich dem Wegschmeissen des Schnitzers in den Schütt-
stein und das Behändigen des langen Fleischermessers im Zuge des angekündig-
ten Suizids) verknüpfen. Nach Ansicht der Kammer kommt der Erstaussage der 
Zeugin C.________ damit und trotz des Umstands, dass ihr Vorhalte aus dem 
«Journal» gemacht wurden, eine hohe Aussagekraft zu. In den Aussagen sind etli-
che originelle Details auszumachen wie das Zurückschreien der Nachbarin, das 
Wegschmeissen des kleineren Küchenmessers und Behändigen des grossen Flei-
schermessers, der Abgang des Beschuldigten durch die Gartentüre sowie die erste 
Rückkehr mit der gleichsam unmöglichen wie pathetischen Verabschiedung von 
den Kindern. Schliesslich fehlen Aggravationstendenzen. Darüber hinaus fällt der 
durch die Zeugin C.________ eindringlich geschilderte Tunnelblick des Beschuldig-
ten auf, welchen sie am Schluss der gleichen Einvernahme in Zusammenhang mit 
ihren dargelegten Ängsten («wenn er seinen Tunnelblick immer wieder aufsetze 
könne noch viel passieren» pag. 94 Z. 734 f.) nochmals aufgriff. Widersprüche feh-
len in den Erstaussagen der Zeugin C.________ gänzlich. Angesichts all dieser 
Umstände erscheinen die Erstaussagen der Zeugin C.________ logisch, klar, de-
tailliert, erlebnisbasiert und damit glaubhaft. 

Bei der Staatsanwaltschaft wurde die Zeugin C.________ bezüglich des Vorwurfs 
der Drohung nur zu den Schreien der Nachbarin befragt (pag. 100 f. Z. 128 ff.). Auf 
Frage, ob sie diese genauer erklären könne und diese Schreie eine Reaktion auf 
ihr eigenes Schreien gewesen seien, führte die Zeugin C.________ wie bereits in 
ihren Erstaussagen aus, sie habe so Angst gehabt und gewusst, dass sie auf sich 
aufmerksam machen müsse. Sie hätten damals in einem alten, ringhörigen Haus 
gewohnt. Sie [die Nachbarin] habe auch geschrien, aber sie könne nicht sagen 
was, es sei einfach ein Laut gewesen, wohl damit er höre, weil noch jemand da sei 
(pag. 101 Z. 131 ff.). Weiter gab die Zeugin C.________ auf Frage ohne Weiteres 
den Namen der Nachbarin, welcher auch im «Journal» enthalten ist (pag. 22), an 
und führte aus, dass die Nachbarin immer noch dort wohne (pag. 101 Z. 137 f.). 
Auf Frage gab die Zeugin C.________ zudem an, die Nachbarin habe sie im Gar-
ten einmal darauf angesprochen, aber das sei dann schnell wieder vergessen ge-
wesen (pag. 101 Z. 141 f.). Obschon die staatsanwaltschaftliche Befragung zum 
Vorwurf der Drohung nur kurz ausfiel, kann festgehalten werden, dass die Zeugin 

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C.________ weitere Einzelheiten dazu lieferte, wie und weshalb ihr Schreien dazu 
geführt habe, dass die Nachbarin auch geschrien habe.

Bei der vorinstanzlichen Einvernahme, welche rund drei Jahre nach der polizeili-
chen Ersteinvernahme stattfand, schilderte die Zeugin C.________ das Kernge-
schehen unverändert (pag. 500 Z. 41 ff., pag. 501 Z. 2 f.). Dass sich die Zeugin 
C.________ an den genauen Auslöser des Vorfalls nicht mehr erinnern konnte und 
ausführte, vermutungsweise sei es eine Diskussion wie abermals gewesen (pag. 
501 Z. 6 f.), ist angesichts des Zeitablaufs nicht erstaunlich. Gleiches gilt für die im 
Vergleich zur polizeilichen Erstaussage spärlicheren Details. Dass die Zeugin 
C.________ bei ihren Aussagen weinte (pag. 500 Z. 46), dürfte mit der empfunde-
nen und im Rahmen der polizeilichen Einvernahme glaubhaft geschilderten Angst 
um ihr eigenes Leben und die im «Journal» erwähnten Gedanken, ihre Kinder 
müssten ohne Eltern aufwachsen, erklärbar sein.

Glaubhaft sind schliesslich auch die Aussagen der Zeugin C.________ im Rahmen 
der oberinstanzlichen Verhandlung, wobei sie das Geschehen wiederum unverän-
dert schilderte (pag. 645 Z. 3 ff.) und auf entsprechende Fragen durch Wort und 
Gestik nachvollziehbar präzisierte, wie der Beschuldigte das Messer in der Hand 
gehalten habe. Sie zeigte, dass der Beschuldigte das Messer in der geschlossenen 
rechten Hand hielt und der Spitz gegen ihren Hals zeigte (pag. 648 f. Z. 37 ff.). Zu-
dem konnte die Zeugin C.________ die Handlungen des Beschuldigten räumlich 
verknüpfen und genau angeben, wo der Beschuldigte in der Küche gestanden sei 
(vor dem Schüttstein mit dem Rücken zum Fenster). Eine Zuspitzung der Situation 
resp. ein Aggravieren ist in ihren Aussagen entgegen den Ausführungen der Ver-
teidigung nicht auszumachen.

Insgesamt erachtet die Kammer die Aussagen der Zeugin C.________ zum Vor-
wurf der Drohung gleichbleibend, nachvollziehbar, erlebnisbasiert und damit glaub-
haft.

17.1.3 Zum Vorwurf der Beschimpfung

Zum Vorwurf der Beschimpfung wurde die Zeugin C.________ insgesamt weniger 
einlässlich befragt. Bei der polizeilichen Erstbefragung wurde ihr gestützt auf das 
«Journal» vorgehalten, der Beschuldigte habe ihr am 5. April 2020 den Mittelfinger 
gezeigt (pag. 91 Z. 597 f.). Die Zeugin C.________ führte in der Folge detailliert 
aus, es sei dabei um die Kinderübergabe gegangen, welche der Beschuldigte ex-
trem in die Länge gezogen habe. Die weinenden Kinder hätten sich noch vom Be-
schuldigen verabschieden können, danach habe sie ihnen gesagt, sie würden jetzt 
nach oben gehen. Er habe ihr dann den Mittelfinger gezeigt (pag. 91 Z. 599 ff.). 
Dieser Geschehensablauf war weder im «Journal» der Zeugin C.________ noch im 
polizeilichen Vorhalt enthalten. Von der Staatsanwaltschaft wurde die Zeugin 
C.________ zu diesem Vorwurf der Beschimpfung nicht befragt. Im Rahmen der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung und angesprochen auf den 5. April 2020 führte 
die Zeugin C.________ aus, es sei wahrscheinlich um die Trennung herum gewe-
sen und der Beschuldigte habe ihr entweder den Mittelfinger gezeigt oder sie belei-
digt (pag. 501 Z. 18 f.). Vor oberer Instanz führte die Zeugin C.________ dann 

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nochmals im Detail aus, was am 5. April 2020 vorgefallen sei. Die Ausführungen 
der Verteidigung, wonach es erstaune, dass sich die Zeugin C.________ nach ih-
ren Aussagen bei der Vorinstanz vor oberer Instanz wieder detailliert an den Vorfall 
habe erinnern wollen, überzeugen nicht. Die Zeugin C.________ gab bei der Vor-
instanz gerade nic