# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ec761baa-0df8-5c7a-86dd-4fed4416a617
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-05
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 05.09.2016 IV 2014/79
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-79_2016-09-05.pdf

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/79

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 23.10.2019

Entscheiddatum: 05.09.2016

Entscheid Versicherungsgericht, 05.09.2016
Art. 43 Abs. 1 ATSG. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. 
Rückweisung der Sache zur erneuten psychiatrischen Begutachtung und zur 
Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens. Teilweise Gutheissung 
der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 5. September 2016, IV 2014/79).

Besetzung

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Lisbeth 

Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger

Geschäftsnr.  

IV 2014/79

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser,

c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand 

Rente

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ meldete sich im Juni 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum 

Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, seit dem 11. Februar 2009 wegen 

eines Burnouts und einer Depression in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt zu sein. Sie 

arbeite zu 100 % als Typografin und absolviere gelegentlich Einsätze als Korrektorin 

und als journalistische Mitarbeiterin. Dem IK-Auszug (IV-act. 143) war zu entnehmen, 

dass die Versicherte im Jahr 2008 ein Einkommen von Fr. 74'994.-- (B.___ AG) und ein 

Einkommen von Fr. 323.-- (C.___ GmbH) erzielt hatte.

A.b  Die Klinik D.___ hatte bereits am 8. Mai 2009 über einen Rehabilitationsaufenthalt 

vom 23. März 2009 bis 24. April 2009 berichtet (IV-act. 18). Als Diagnose hatte der 

Klinikarzt eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10: 

F43.22) angegeben. Er hatte ausserdem erklärt, dass die Affektlage zum depressiven 

Pol verschoben und die Modulation eingeschränkt gewesen sei. Zudem habe eine 

Affektlabilität bestanden. Der Behandlungsverlauf sei positiv gewesen, insbesondere 

hätten eine deutliche Leistungssteigerung und eine Stabilisierung der Stimmungslage 

erreicht werden können. Auch habe die Versicherte ihr Selbstvertrauen 

wiedergewonnen.

A.c  Dr. med. E.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gab gegenüber 

RAD-Ärztin Dr. med. F.___ im Telefongespräch vom 3. Juli 2009 an (IV-act. 6), dass die 

Versicherte an einer Anpassungsstörung mit Angst und Depression leide. Nach 

Veränderungen in der Chefetage habe es am Arbeitsplatz Spannungen gegeben und 

die Versicherte habe sich dort nicht mehr wohl, gemobbt und abgelehnt gefühlt. 

Demnächst sei eine Behandlung in der psychiatrischen Tagesklinik G.___ geplant. Im 

handschriftlich unterzeichneten Protokoll vom 29. Juli 2009 (IV-act. 22) ergänzte Dr. 

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E.___, dass die Versicherte Ängste und Panikattacken bekomme und zittere, wenn sie 

an die Umstände in der B.___ AG denke.

A.d  Die B.___ AG berichtete am 14. Juli 2009 (IV-act. 19), dass sie die Versicherte seit 

dem 1. April 1978 beschäftige. Bis am 11. Februar 2009 sei sie als Typografin tätig 

gewesen. Der Lohn habe Fr. 66'300.-- betragen. Die Tätigkeit habe das Arbeiten am 

PC (oft) und Besprechungen mit Mitarbeitern (selten) beinhaltet. Die Anforderungen an 

die Konzentration/Aufmerksamkeit und an das Durchhaltevermögen seien mittel 

gewesen, diejenigen an die Sorgfalt und an das Auffassungsvermögen gross. Die 

Versicherte habe wöchentlich zwei Zeitschriften erstellt und diese Arbeit absolut 

selbständig und zuverlässig erledigt. Daneben habe sie auch Arbeiten als 

Korrekturleserin erledigt.

A.e  Dr. med. H.___, Oberärztin an der psychiatrischen Tagesklinik G.___, berichtete am 

1. Dezember 2009 (IV-act. 28), dass die Versicherte ca. seit Beginn des Jahres 2009 an 

einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.1) leide. Vom 27. Juli bis 27. November 

2009 habe eine teilstationäre Behandlung stattgefunden. Die Oberärztin gab die 

folgenden Symptome an: Leichte Affektlabilität, Insuffizienz, Abgrenzungsproblematik, 

leichte Grübelneigung, Schwierigkeiten im Umgang mit stressreichen Situationen und 

subjektive Konzentrationsproblematik. Aufgrund der deutlichen Zustandsverbesserung 

während der Behandlung in der Tagesklinik, den zahlreichen Ressourcen und der 

Motivation sowie der langjährigen Arbeitstätigkeit sei grundsätzlich von einer günstigen 

Prognose auszugehen. Die Versicherte sei von Februar 2009 bis 27. November 2009 zu 

100 % arbeitsunfähig gewesen. Vom 27. November 2009 bis Ende 2009 habe in der 

zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Typografin eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. 

Die gesundheitlichen Einschränkungen wirkten sich durch Schwierigkeiten in der 

Flexibilität, evtl. in der Zusammenarbeit mit anderen und in der Übernahme von 

Verantwortung aufgrund von Unsicherheit und Ambivalenz aus. Auch bestünden 

Schwierigkeiten im Umgang mit stressreichen Situationen und Druck. Etwa ab Beginn 

des Jahres 2010 könne mit einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit gerechnet werden.

A.f  Dr. H.___ berichtete am 29. April 2010 (IV-act. 50), dass die Versicherte seit dem 8. 

Dezember 2009 in ihrer Behandlung stehe. Als Diagnose gab sie eine rezidivierende 

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mittelgradige Depression an. Die Versicherte sei als Typografin seit dem 31. März 2010 

zu 100 % arbeitsunfähig. Seit dem 1. Mai 2010 sei sie in einer adaptierten Tätigkeit zu 

50 % arbeitsfähig. Eine Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit komme nicht mehr in 

Frage. Die Versicherte sei aufgrund von Stresssymptomen bis hin zu einer depressiven 

Entwicklung in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Am 18. Juni 2010 teilte die IV-Stelle 

der Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen 

möglich seien, da eine Begutachtung notwendig sei (IV-act. 66). Dr. H.___ berichtete 

am 6. Juli 2010 (IV-act. 72), dass die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben an 

ihrer letzten Arbeitsstelle schlecht entlöhnt worden sei. Aus Angst, die Stelle zu 

verlieren, habe sie keinen angemessenen Lohn gefordert. Als alleinerziehende Mutter 

habe sie sich unter grossen Druck gesetzt, alles richtig zu machen. Schon in früheren 

Jahren habe sie mit depressiven Phasen gekämpft. In der Zwischenzeit sei ihr 

gekündigt worden. Ein Arbeitsversuch an einer neuen Stelle im bisherigen Beruf, der 

vom 10. bis 14. Mai 2010 stattgefunden habe, habe in einem Fiasko geendet. Die 

Versicherte sei völlig ausser Kontrolle geraten, habe sich den Anforderungen nicht 

gewachsen gefühlt und mit einem massiven Rückfall in die Depression reagiert. Aktuell 

sei sie wieder in der psychiatrischen Tagesklinik G.___ angemeldet. Seit dem 21. Juni 

2010 bestehe auch für adaptierte Tätigkeiten wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit. Die 

Versicherte sei nicht mehr belastbar und leide unter panikartigen Reaktionen, 

Unsicherheiten und Schlafstörungen. Ob eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % 

möglich sei, sei in ca. sechs Monaten zu beurteilen.

A.g  Am 26. Oktober 2010 wurde die Versicherte vom ABI (Ärztliches 

Begutachtungsinstitut GmbH) bidisziplinär (psychiatrisch, allgemein-internistisch) 

begutachtet (Gutachten vom 15. Dezember 2010, IV-act. 76). Die Diagnosen mit 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:

•  Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0);

•  selbstunsichere Persönlichkeit (F60.6).

Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden keine angegeben. Die 

Versicherte erklärte anlässlich der Begutachtung, dass sie seit dem 6. September 2010 

wieder in der psychiatrischen Tagesklinik G.___ in Behandlung sei. Nach dem 

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gescheiterten Arbeitsversuch im Mai 2010 sei es ihr sehr schlecht gegangen. Sie könne 

nicht mehr richtig funktionieren. Sie habe immer gearbeitet, ein Kind alleine erzogen 

und nie für sich geschaut. Dann sei sie in eine Depression gefallen. Sie sei erschöpft. 

Körperliche Beschwerden habe sie eigentlich keine. Seit dem Aufenthalt in der Klinik 

D.___ im Frühjahr 2009 gehe sie fast täglich ins Fitnesszentrum. Ihren Tagesablauf 

schilderte die Versicherte wie folgt: Sie wache zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr auf. Um 7 

Uhr frühstücke sie. Danach gehe sie von 9 Uhr bis 15:45 in die Tagesklinik. 

Anschliessend besuche sie das Fitnesszentrum. Um ca. 18.30 Uhr koche sie sich ein 

Abendessen. Zwischen 21 und 22 Uhr lege sie sich schlafen. Nachdem sie zuerst 

keinen Kontakt zu anderen Leuten mehr gehabt habe, suche sie nun wieder den 

Kontakt zu anderen Menschen. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. I.___ hielt fest, 

dass sich die Versicherte die bisherige Tätigkeit als Typografin nicht mehr zutraue. Die 

technische Entwicklung in den letzten Jahren sei rasant gewesen. Die Versicherte habe 

diesen Veränderungen kaum mehr folgen können und jetzt, da sie Mühe habe, sich zu 

konzentrieren, sei sie nicht mehr in der Lage, diese technisch anspruchsvolle Aufgabe 

zu meistern. Sie sei enttäuscht vom ehemaligen Arbeitgeber und befürchte, an einem 

neuen Arbeitsplatz wieder Enttäuschungen zu erfahren. Die Versicherte sei nach wie 

vor leicht depressiv. Sie sei psychisch vermindert belastbar, traue sich wenig zu, 

mache sich Selbstvorwürfe und habe ein vermindertes Selbstwertgefühl. Eine 

mittelgradige oder schwere depressive Störung liege nicht vor. Die Versicherte leide 

nicht unter Suizidgedanken, sei in der Lage, den Haushalt zu führen, besuche 

regelmässig die psychiatrische Tagesklinik und betreibe seit einem Jahr intensiv ein 

Fitnessprogramm. Aufgrund der mangelnden Zuneigung und Unterstützung in der 

Kindheit sei das Selbstwertgefühl mangelhaft entwickelt. Die Versicherte traue sich 

nichts zu, könne sich nicht wehren und habe Angst, falls sie sich wehren würde, 

abgelehnt zu werden. So habe sie sich während Jahren aus Angst, entlassen zu 

werden, nicht getraut, mehr Lohn zu verlangen. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, 

dass sie sich die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit kaum mehr vorstellen könne; sie 

befürchte, aufgrund ihrer Schwierigkeit, sich wehren zu können, wieder in eine 

Überforderungssituation hineinzugeraten. Aufgrund der leicht eingeschränkten 

Konzentrationsfähigkeit sei die Versicherte kaum in der Lage, sich auf die 

anspruchsvolle Arbeit am Computer zu konzentrieren. Sie habe in den letzten Jahren 

auch zunehmend Mühe gehabt, mit den andauernden Änderungen in ihrem Beruf 

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mitzuhalten. In der angestammten Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 

Arbeitsunfähigkeit von 50 %. In einer adaptierten Tätigkeit, die keine derart hohen 

Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und die psychische Belastbarkeit stelle, 

bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die Arbeitsfähigkeit sei seit Februar 2009 

herabgesetzt. Da die Gutachter in somatischer Hinsicht keine gesundheitlichen 

Einschränkungen festgestellt hatten, entsprach die Arbeitsfähigkeitsschätzung aus 

psychiatrischer Sicht derjenigen aus interdisziplinärer Sicht. RAD-Ärztin Dr. J.___ 

notierte am 28. Februar 2011 (IV-act. 78), dass auf das ABI-Gutachten abgestellt 

werden könne; es sei umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich 

widerspruchsfrei.

A.h  Am 19. September 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Kosten 

für den Basis-Kurs "Erfolgreich selbständig werden" vom 9. bis 30. September 2011 im 

Hinblick auf die Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit übernommen würden 

(IV-act. 93). Am selben Tag teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass ihr Beratung 

und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Eingliederungsverantwortliche 

gewährt werde (IV-act. 94). Am 25. Oktober 2011 informierte die Versicherte die IV-

Stelle darüber, dass sie seit dem 1. September 2011 zu 40 % als Korrektorin arbeite 

(IV-act. 100). Am 31. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die 

Kosten für die Fortsetzung des Kurses "Erfolgreich selbständig werden" vom 10. 

November bis 31. Dezember 2011 übernehme (IV-act. 99). RAD-Ärztin Dr. J.___ erklärte 

anlässlich einer Fallbesprechung vom 15. Dezember 2011, dass die Tätigkeit als 

Lektorin aus medizinischer Sicht nicht als optimal adaptiert gelte, da die Versicherte 

zwei Tage hintereinander arbeiten müsse, d.h. das Pensum nicht anders aufgeteilt 

werden könne (IV-act. 104).

A.i Dr. H.___ berichtete am 28. Februar 2012, dass die Tätigkeit als Korrektorin sehr 

anspruchsvoll sei (IV-act. 109). Der Arbeitgeber sei zufrieden mit den Leistungen der 

Versicherten. Allerdings zeichne sich klar ab, dass eine wesentliche Aufstockung des 

Pensums über 50 % unrealistisch sei.

A.j Am 23. März 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten für 

einen persönlichen Support am Arbeitsplatz vom 8. Februar bis 31. Dezember 2012 

übernehme (IV-act. 113). Am 3. Mai 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass 

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sie die Kosten für den Französisch-Grundkurs für Wiedereinsteiger im Hinblick auf die 

Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit übernehme (IV-act. 121).

A.k  Am 19. Juli 2012 informierte die Versicherte die Eingliederungsverantwortliche 

telefonisch darüber, dass sie vom Arbeitgeber das Angebot erhalten habe, ab dem 1. 

August 2012 zu 60 % als Revisorin zu arbeiten. Ihre Hauptaufgabe seien dann die 

Revisionen und weniger das Korrektorat (IV-act. 136-8). Die 

Eingliederungsverantwortliche notierte am 26. April 2013 (IV-act. 136), die Versicherte 

sei nachhaltig eingegliedert. Während des gesamten Eingliederungsprozesses hätten 

die Versicherte existentielle Ängste belastet. Zwischenzeitlich arbeite sie fünf bis sechs 

Stunden an vier Tagen pro Woche und befinde sich damit an der Grenze ihrer 

Belastbarkeit. Kurzfristig habe sie einmal 80 % gearbeitet, womit sie sich völlig 

überfordert gefühlt habe. Sie habe diese Situation nur durchgestanden, weil sie von 

kurzer Dauer gewesen sei. Es habe sich gezeigt, dass die Versicherte schnell mit 

somatischen Symptomen reagiere, wenn sie nicht mehr "über den Berg hinaussehe". 

RAD-Ärztin Dr. J.___ notierte am 17. Mai 2013 (IV-act. 138), dass die ab dem 1. 

September 2011 ausgeübte Tätigkeit als Lektorin nur einer teiladaptierten Tätigkeit 

entsprochen habe. Dennoch sei die Versicherte dabei unterstützt worden, diese 

Arbeitsstelle nicht zu verlieren, da bei einem Stellenverlust auch aufgrund des Alters 

der Versicherten mit einer erneuten völligen psychischen Dekompensation hätte 

gerechnet werden müssen. Ab dem 1. August 2012 habe die Versicherte ihre Tätigkeit 

firmenintern anpassen können. Während einer vorübergehenden Steigerung auf 80 % 

habe sich gezeigt, dass auch in dieser nun gut adaptierten Tätigkeit trotz adäquater 

ärztlicher Begleitung keine nachhaltige Steigerung möglich sei. Die Versicherte sei in 

ihrer angestammten Tätigkeit als Typografin zu 100 % arbeitsunfähig. In der 

derzeitigen, adaptierten Tätigkeit als Revisorin sei sie zu 50 % arbeitsfähig.

A.l Am 21. Juni 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die beruflichen 

Massnahmen abgeschlossen würden, da sie angemessen eingegliedert sei (IV-act. 

140).

A.m Dr. H.___ berichtete am 17. Juli 2013 über einen stationären Gesundheitszustand 

(IV-act. 144). Die Diagnose habe sich nicht verändert. Die Versicherte arbeite nun seit 

fast zwei Jahren als Korrektorin mit einem 50 %-Pensum. Die Anforderungen seien 

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recht hoch, die Tätigkeit erfordere volle Konzentration und Ausdauer. Die Versicherte 

müsse wegen Ferienvertretungen etc. auch Überstunden leisten. Es habe sich deutlich 

gezeigt, dass die Versicherte am Limit sei. Während den Arbeitstagen gehe sie um 21 

Uhr schlafen; sie könne für anderes keine Kräfte mehr mobilisieren. Die Erschöpfbarkeit 

sei überdurchschnittlich. Sobald etwas Aussergewöhnliches anstehe, gerate die 

Versicherte in Stress und werde nervös. Oft träten in solchen Momenten Panikattacken 

auf. Da die Versicherte ihren Beruf aber gerne und gut ausführe, wäre ein Wechsel in 

eine andere Tätigkeit sinnlos.

A.n  RAD-Ärztin Dr. J.___ notierte am 14. Oktober 2013 (IV-act. 150), dass die 

derzeitigen Funktionseinschränkungen deutlich höher seien als zum Zeitpunkt der 

Begutachtung. Aktuell habe die behandelnde Psychiaterin eine anhaltende, 

überdurchschnittliche Erschöpfbarkeit mit rascher Dekompensation beschrieben, 

sobald z.B. Überstunden zu bewältigen seien. Demgegenüber sei im Gutachten von 

täglichem Kochen und problemloser Bewältigung des Haushalts und täglichen 

Besuchen des Fitnessstudios berichtet worden; auch seien damals somatische 

Probleme und Schlafstörungen verneint worden. Die derzeitige Tätigkeit als Revisorin 

(eingeschränkter Aufgabenbereich, wenig und v.a. keine technisch hoch 

anspruchsvolle PC-Arbeit) müsse auch wegen zunehmender Betriebsroutine als eine 

weitgehend angepasste Tätigkeit eingeschätzt werden (Arbeit in Papierform, genügend 

Zeit). Die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin, dass die Versicherte in der 

jetzigen Tätigkeit bleibend zu 50 % arbeitsunfähig sei, sei nachvollziehbar. Die RAD-

Ärztin erklärte, dass es sich bei einer adaptierten Tätigkeit um eine klar strukturierte 

Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld, in ruhiger Atmosphäre, ohne Zeitdruck, ohne 

hohe Anforderungen an die "rasche" Konzentrationsfähigkeit, ohne Hektik und ohne 

hohe psychische Belastung handle. Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit als Polygrafin sei deutlich höher als in der adaptierten Tätigkeit als Revisorin. 

Der letzte Erfahrungswert vom Arbeitsversuch im Jahr 2010 habe eine rasche 

Überforderung gezeigt, weshalb weiterhin von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit im 

angestammten Beruf auszugehen sei.

A.o  Ein IV-Sachbearbeiter notierte am 18. Oktober 2013 (IV-act. 152), die Versicherte 

habe während der Durchführung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen mehrmals 

erklärt, der Auslöser der aktuellen depressiven Störung seien Konflikte am Arbeitsplatz 

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gewesen. Aus den bei den Akten liegenden Korrespondenzen gehe hervor, dass bei 

der Versicherten die finanziellen Schwierigkeiten im Vordergrund stünden. Ausserdem 

habe sie sich über den langen Arbeitsweg beklagt. Die beschriebenen Symptome der 

Erschöpfbarkeit könnten nicht eindeutig einer depressiven Erkrankung zugeschrieben 

werden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die erwähnten psychosozialen 

Belastungsfaktoren mitunter der Grund für die beschriebene Symptomatik seien. Daher 

sei davon auszugehen, dass die Versicherte beim Wegfall der Belastungsfaktoren in 

jeglicher Tätigkeit voll arbeitsfähig wäre. Der Rechtsdienstmitarbeiter bezeichnete diese 

Beurteilung als schlüssig. Mit Vorbescheid vom 5. November 2013 (IV-act. 155) 

kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des 

Rentengesuchs an. Zur Begründung führte sie aus, dass psychosoziale 

Belastungsfaktoren keine Invalidität zu begründen vermöchten. Daher bestehe in 

sämtlichen Tätigkeiten eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit. Dagegen liess die Versicherte 

am 3. Dezember 2013 einwenden (IV-act. 159), es sei nicht nachvollziehbar, dass 

aufgrund der Einschätzung eines Sachbearbeiters die von verschiedenen Ärzten 

gestellte Diagnose einer Depression in Frage gestellt werde. Der Sachbearbeiter habe 

Ursache und Wirkung verwechselt und verdreht. Ursache der verminderten 

Arbeitsfähigkeit sei die durchschnittlich mittelgradige Depression. Da ein höheres 

Arbeitspensum (als 50-60 %) nicht möglich sei, reiche das Erwerbseinkommen kaum 

aus, um den Lebensbedarf zu decken. Deshalb plagten die Versicherte Existenzängste. 

In einem beigelegten Bericht vom 4. Dezember 2013 erklärte Dr. H.___, dass die 

Versicherte das Arbeitspensum von 50-60 % nur unter grossem Kraft- und 

Energieaufwand zu bestreiten vermöge. Der finanzielle Engpass sei eine Ursache der 

Ängste und verstärke den Druck. Zum Zeitpunkt der Begutachtung durch das ABI habe 

die Versicherte nicht gearbeitet. Mit den Erfahrungen, die in den letzten drei Jahren 

gemacht worden seien, müsse davon ausgegangen werden, dass zwischenzeitlich eine 

bleibende Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit eingetreten sei.

A.p  Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem 

IV-Grad von 0 % aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 160). Zu 

den Einwänden hielt sie unter anderem fest, dass sich dem Bericht von Dr. H.___ vom 

4. Dezember 2013 keine neuen Erkenntnisse entnehmen liessen, die zu einer anderen 

medizinischen Beurteilung führen könnten.

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B. 

B.a  Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

am 7. Februar 2014 Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der 

Verfügung und die Zusprache einer halben IV-Rente. Zur Begründung machte sie 

geltend, obwohl der RAD die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H.___ als 

nachvollziehbar erachtet habe, habe die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) 

einen Rentenanspruch mit der Begründung verneint, dass psychosoziale 

Belastungsfaktoren die Erkrankung ausgelöst hätten. Diese Argumentation sei nicht 

nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin bat um die Einräumung einer Frist zur 

Beschwerdeergänzung und stellte ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Innert 

Frist reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 26. Februar 2014 eine 

Beschwerdeergänzung ein (act. G 5). Er beantragte die Aufhebung der Verfügung und 

die Zusprache einer IV-Rente. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren 

Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter stellte 

ausserdem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Zur Begründung 

brachte er vor, die Beschwerdegegnerin habe übersehen, dass die medizinischen 

Akten nicht vom Vorliegen psychosozialer Einschränkungen ausgingen. Weder das 

ABI-Gutachten noch der RAD hätten je auf solche Einschränkungen verwiesen. Es 

verstehe sich von selbst, dass eine invalidisierende Krankheit finanzielle Ängste und 

Zukunftsängste nach sich ziehe und mit der Ungewissheit eine zusätzliche Belastung 

bestehe. Deshalb könne eine diagnostizierte gesundheitliche Einschränkung jedoch 

nicht einfach ignoriert werden. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem 

medizinischen Sachverhalt habe nicht stattgefunden. Der Umstand, dass die 

Beschwerdeführerin die Grenze zur Überforderung erreicht habe, als sie 

zwischenzeitlich zu 80 % gearbeitet habe, sei von der Beschwerdegegnerin 

verschwiegen worden. Diese Tatsache stelle aber gerade die für die gesundheitlichen 

Einschränkungen angeblich alleine verantwortlichen psychosozialen Faktoren in Frage, 

da ein höheres Arbeitspensum einen höheren Verdienst bedeute und damit weniger 

Ängste auslösen müsste. Die gesundheitliche Situation hätte sich folglich verbessern 

müssen. Die Begründung der Beschwerdeführerin widerspreche folglich jeglicher 

Logik.

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B.b  Am 7. April 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung brachte sie vor, dass das ABI-Gutachten 

ausführlich abgefasst worden sei und es keine Hinweise gebe, dass die 

Beschwerdeführerin nicht kompetent untersucht worden sei. Die vom ABI festgestellte 

leichte depressive Störung sei nicht invalidisierend, weil gemäss der Rechtsprechung 

des Bundesgerichts eine solche Diagnose nicht den Schweregrad einer die 

Arbeitsfähigkeit tangierenden psychischen Erkrankung aufweise. Das Gleiche gelte für 

die vom ABI diagnostizierte selbstunsichere Persönlichkeit. Demnach sei von einer 

vollen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen. Insofern könne vom ABI-

Gutachten abgewichen werden, ohne dass diesem deshalb im restlichen Teil der 

Beweiswert abgesprochen werden müsse. Die angefochtene Verfügung sei somit 

rechtmässig.

B.c  Am 15. April 2014 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung durch Advokat lic. iur. M. Boltshauser) für das 

Beschwerdeverfahren (act. G 10).

B.d  In seiner Replik vom 21. Mai 2014 machte der Rechtsvertreter ergänzend geltend 

(act. G 12), dass die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort eine komplett 

neue Begründung der Verfügung vorgebracht habe. Auf die Vorbringen in der 

Beschwerdeschrift sei sie mit keinem Wort eingegangen. Die Argumentation der 

Beschwerdegegnerin sei ausserdem widersprüchlich: Zuerst habe sie ausgeführt, die 

Gutachterstelle klammere Leiden ohne Krankheitswert bei der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung konsequent aus. Danach habe sie erklärt, vom Gutachten 

könne abgewichen werden, weil die Diagnosen nicht invalidisierend seien, d.h. sie habe 

den Krankheitswert der gesundheitlichen Einschränkungen in Frage gestellt. Im 

Übrigen stamme das Gutachten aus dem Jahr 2010. RAD-Ärztin Dr. J.___ habe im 

Oktober 2013 festgehalten, dass sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung 

auf einem schlechteren Niveau stabilisiert habe und seit Februar 2009 eine 50 %ige 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.

B.e  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13 f.).

Erwägungen

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1. 

1.1  Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. Januar 2014 hat die 

Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Zu 

prüfen ist nachfolgend, ob diese Rentenabweisung zu Recht erfolgt ist.

1.2  Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist 

gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

1.3  Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich 

durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, 

das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares 

Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, 

wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).

2. 

2.1  Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-

führerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen.

2.2  Der psychiatrische Gutachter Dr. I.___ hat die Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Typografin wegen einer 

rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, und wegen einer 

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selbstunsicheren Persönlichkeit auf 50 % und in einer adaptierten Tätigkeit auf 20 % 

geschätzt. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit hat er auf den Februar 2009 gelegt. Dr. 

I.___ hat die Beschwerdeführerin im Oktober 2010 untersucht. Seine rückwirkende 

Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt aus den folgenden Gründen nicht: Die 

Beschwerdeführerin hat im Mai 2010 einen Arbeitsversuch gestartet, diesen jedoch 

nach wenigen Tagen abgebrochen. Gemäss der behandelnden Psychiaterin Dr. H.___ 

hat die Beschwerdeführerin auf den missglückten Arbeitsversuch mit einem massiven 

Rückfall in die Depression reagiert. Dr. H.___ hat die Arbeitsfähigkeit deshalb auch für 

adaptierte Tätigkeiten ab dem 21. Juni 2010 auf 0 % geschätzt. Der psychiatrische 

Gutachter Dr. I.___ hat sich mit dieser im Mai 2010 eingetretenen möglichen 

Verschlechterung nicht auseinandergesetzt. Die gutachterliche 

Arbeitsfähigkeitsschätzung weist aber auch für den Begutachtungszeitpunkt Mängel 

auf. Zu diesem Zeitpunkt hat die im September 2010 begonnene tagesklinische 

Behandlung nämlich noch angedauert. Obwohl kein Bericht über diese tagesklinische 

Behandlung bei den Akten gelegen hat, hat es Dr. I.___ unterlassen, einen solchen 

anzufordern oder sich zumindest telefonisch bei den Klinikärzten nach dem 

Behandlungsverlauf zu erkundigen. Der tagesklinische Aufenthalt hätte in der 

gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung wenigstens insoweit berücksichtigt werden 

müssen, als für die Aufenthaltsdauer wohl von einer vollen Arbeitsunfähigkeit 

angestammt und adaptiert hätte ausgegangen werden müssen. Ein weiterer Mangel 

des Gutachtens besteht darin, dass sich Dr. I.___ nicht mit der abweichenden 

Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin Dr. 

H.___ auseinandergesetzt hat. Und schliesslich überzeugt das Gutachten für die Zeit 

bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht, weil es zu diesem Zeitpunkt bereits 

mehr als drei Jahre alt und damit veraltet gewesen ist. Auf das psychiatrische 

Teilgutachten des ABI kann somit nicht abgestellt werden.

2.3  Auch die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin Dr. H.___ überzeugt nicht. 

Ihre Berichte enthalten nämlich keine Angaben zu den objektivierbaren 

psychopathologischen Befunden, weshalb ihre Diagnose einer mittelgradigen 

Depression nicht ausreichend begründet ist. Kommt hinzu, dass sie durchgehend von 

einem mittelschweren Grad der Depression ausgegangen ist, während der 

psychiatrische Gutachter Dr. I.___ im Oktober 2010 lediglich eine leichte depressive 

Symptomatik hat feststellen können. Des Weiteren ist gemäss der bundesgerichtlichen 

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Rechtsprechung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und 

behandelnde Spezialärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung 

im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Namentlich in umstrittenen Fällen 

kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden Haus- oder 

Spezialarztes abgestellt werden (EVGE I 814/03 vom 5. April 2004, E. 2.4.2). 

Ausserdem berücksichtigen die behandelnden Ärzte bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung 

oftmals auch rein subjektive, medizinisch nicht objektivierbare Beeinträchtigungen. Und 

schliesslich verfügen die behandelnden Ärzte in der Regel nicht über die umfassenden 

Vorakten, die notwendig sind, um den Gesundheitszustand umfassend beurteilen zu 

können.

2.4  Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von RAD-Ärztin Dr. J.___ überzeugt schon deshalb 

nicht, weil sie, nachdem sie das Gutachten vom 15. Dezember 2010 am 28. Februar 

2011 noch als umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei 

bezeichnet hatte, im Nachhinein ab Februar 2009 durchwegs von einer 100 %igen 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und von einer 50 %igen 

Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen ist, gleichzeitig jedoch 

angegeben hat, dass die Funktionseinschränkungen seit der gutachterlichen 

Untersuchung deutlich stärker geworden seien (siehe Stellungnahme vom 14. Oktober 

2013, IV-act. 150). Da also keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung im Recht 

liegt, ist eine weitere psychiatrische Begutachtung notwendig. Diese psychiatrische 

Begutachtung wird den zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit rückwirkend ab Februar 

2010 (frühestmöglicher Zeitpunkt des Rentenbeginns) aufzeigen müssen. Hierzu wird 

es notwendig sein, einen Bericht über den tagesklinischen Aufenthalt von September 

2010 bis Dezember 2010 anzufordern. Natürlich wird auch zu klären sein, ob sich der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, wie Dr. J.___ im Oktober 2013 erklärt 

hat, seit der Begutachtung durch das ABI im Oktober 2010 tatsächlich andauernd 

verschlechtert hat.

2.5  Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass die Argumentation der 

Beschwerdegegnerin, wonach sich die depressive Störung aus einer psychosozialen 

Belastungssituation heraus entwickelt habe und seither durch psychosoziale 

Belastungsfaktoren unterhalten werde und deshalb nicht invalidisierend sei, fehl geht. 

Denn die Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, d.h. es wird nicht nach der 

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Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsunfähigkeit 

verursacht. Der Gesundheitszustand ist immer gesamtheitlich zu betrachten. Selbst 

eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine 

soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der 

Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbständigtes 

psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit 

dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer 

Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014, 

8C_830/2013 E. 5.2.3; Urteil vom 30. November 2015, 8C_486/2015 E. 4.1.2; BGE 136 

V 279 E. 3.2.1). Der psychiatrischer Gutachter Dr. I.___ hat, wie die behandelnde 

Psychiaterin Dr. H.___ und die RAD-Ärztin Dr. J.___, die depressive Störung als 

eigenständige Erkrankung beurteilt. Den Akten sind auch keine Hinweise auf das 

Vorliegen erheblicher psychosozialer Belastungsfaktoren zu entnehmen. Folglich muss 

davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin an einer eigenständigen 

depressiven Erkrankung leidet. Der Auslöser der depressiven Störung spielt also keine 

Rolle.

3. 

Die Beschwerdeführerin hat ab September 2011 zu 40 % als Korrektorin und ab 

August 2012 zu 60 % als Revisorin gearbeitet. Die behandelnde Psychiaterin Dr. H.___ 

hat im Juli 2013 berichtet (vgl. IV-act. 144), dass die beruflichen Anforderungen recht 

hoch seien; die Tätigkeit als Korrektorin erfordere volle Konzentration und Ausdauer. Es 

habe sich deutlich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin am Limit sei. Da sie diesen 

Beruf jedoch gerne und gut ausführe, wäre ein Wechsel in eine andere Tätigkeit 

sinnlos. RAD-Ärztin Dr. J.___ hat im Oktober 2013 erklärt (vgl. IV-act. 150), dass die 

derzeitige Tätigkeit als Revisorin auch wegen zunehmender Betriebsroutine als eine 

weitgehend angepasste Tätigkeit eingeschätzt werden müsse (eingeschränkter 

Aufgabenbereich, wenig und v.a. keine technisch hoch anspruchsvolle PC-Arbeit, 

Arbeit in Papierform, genügend Zeit). Sie hat zudem angegeben, dass es sich bei einer 

adaptierten Tätigkeit um eine klar strukturierte Tätigkeit in einem wohlwollenden 

Umfeld, in ruhiger Atmosphäre, ohne Zeitdruck, ohne hohe Anforderungen an die 

Konzentrationsfähigkeit, ohne Hektik und ohne hohe psychische Belastung handle. 

Bereits der psychiatrische Gutachter Dr. I.___ hat ausgeführt, dass eine adaptierte 

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Tätigkeit keine hohen Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und an die 

psychische Belastung stellen dürfe. Korrektoren sind in Firmen der Medienvorstufe, 

Druckereien, Redaktionen, Verlagen und Korrekturbüros für Manuskriptbereinigungen, 

Korrekturarbeiten und Textrevisionen zuständig. Sie sorgen dafür, dass gedruckte oder 

online publizierte Texte fehlerfrei sind. Sie sind nicht nur für die sprachliche Richtigkeit 

eines Textes verantwortlich, sondern übernehmen auch die Verantwortung für das 

Erscheinungsbild der Medienprodukte. Korrektoren müssen über eine hohe 

Konzentrationsfähigkeit verfügen. Je nach Tätigkeitsbereich unterscheiden sich die 

Arbeitsbedingungen von Korrektoren leicht: Bei Zeitungen ist der Zeitdruck fast 

allgegenwärtig. Eine gewisse Fehlerquote wird in Kauf genommen, und die Korrektoren 

müssen einen Mittelweg zwischen Schnelligkeit und Gründlichkeit finden. Die 

bereinigten Texte geben die Korrektoren weiter ans Layout, wo sie, je nach Medium 

kombiniert mit Bildern, zur fertigen Seite zusammengestellt werden. Bei Drucksachen 

erhält die Korrekturabteilung einen letzten Abzug zur Kontrolle, den sogenannten 

Revisionsbogen. Darauf prüfen Korrektoren (resp. nun auch Revisoren genannt) nicht 

nur die ausgeführten Korrekturen, sondern auch technische Kriterien wie die 

Seitenreihenfolge oder die Positionierung von Abbildungen. Wenn alles stimmt, geben 

sie das "Gut zum Druck" (berufsberatung.ch, Korrektor/in (BP), www.orientation.ch/

dyn/show/1900?lang=de&id= 3770#, besucht am 11. Juli 2016). Eine Korrektorin muss 

somit über eine sehr hohe Konzentrationsfähigkeit verfügen und mit dem zeitlichen 

Druck und mit der Verantwortung für ein fehlerfreies Druckerzeugnis umgehen können. 

Das Gleiche gilt für die Tätigkeit als Revisorin, wobei hier die Verantwortung noch 

einmal grösser ist, da es sich um die letzte Kontrolle handelt und auch technische 

Kriterien kontrolliert werden müssen. Folglich bestehen ernsthafte Zweifel daran, dass 

es sich bei den Tätigkeiten als Korrektorin und Revisorin um dem psychischen Leiden 

der Beschwerdeführerin optimal angepasste Tätigkeiten handelt. Die 

Beschwerdegegnerin wird daher durch ihre Berufsberatung einen individuellen 

Tätigkeitsbeschrieb für die genannten beiden Berufe erstellen und diesen dem 

psychiatrischen Sachverständigen zur Verfügung stellen.

4. 

4.1  Somit bleibt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene 

Einkommensvergleich zu überprüfen. Als Validenkarriere ist die angestammte und 

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während über 30 Jahren ausgeübte Tätigkeit als Typografin zu betrachten. Der Lohn 

der Beschwerdeführerin hat im Jahr 2008 nach Angabe der Arbeitgeberin Fr. 66'300.-- 

betragen. Gemäss dem IK-Auszug hat die Beschwerdeführerin aber Fr. 74'994.-- 

verdient. Aus den eingereichten Lohnauszügen geht hervor, dass die 

Beschwerdeführerin im Jahr 2008 neben dem festen Lohnanteil eine Schichtzulage, 

eine Überzeitentschädigung und ein Dienstaltersgeschenk erhalten hat. Allerdings kann 

für die Berechnung des Valideneinkommens ohnehin nicht auf den tatsächlich erzielten 

Lohn abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin hat nämlich überzeugend dargelegt, 

dass sie für die von ihr erledigte Arbeit einen zu tiefen Lohn erhalten habe. Aus Angst, 

entlassen zu werden, habe sie sich während Jahren nicht getraut, mehr Lohn zu 

verlangen. Die Beschwerdeführerin wird somit abklären müssen, wie viel eine 

Typografin mit der Berufserfahrung der Beschwerdeführerin in einem 100 %-Pensum 

im Jahr 2010 (frühestmöglicher Zeitpunkt des Rentenbeginns) im Durchschnitt hätte 

verdienen können.

4.2  Die Beschwerdeführerin ist zwischenzeitlich über 60 Jahre alt, weshalb eine 

Umschulung nicht mehr in Frage kommt. Sollten die weiteren Abklärungen trotz aller 

Zweifel ergeben, dass es sich bei der Tätigkeit als Korrektorin/Revisorin um eine 

optimal adaptierte Tätigkeit handelt, würde diese Tätigkeit der Invalidenkarriere 

entsprechen. Falls dies nicht der Fall ist, wird die Beschwerdegegnerin abklären 

müssen, ob es eine medizinisch adaptierte Tätigkeit gibt, in der die Beschwerdeführerin 

ihre berufliche Qualifikation und Erfahrung wenigstens teilweise einbringen könnte. 

Falls keine solche Arbeitsstelle existiert, wird die Beschwerdegegnerin das 

Invalideneinkommen anhand des durchschnittlichen Einkommens einer Hilfsarbeiterin 

berechnen müssen.

4.3  Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung wegen der 

Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben. Die 

Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen, namentlich zur 

monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung und zur Ermittlung des Validen- und 

Invalideneinkommens, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

5. 

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5.1  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die 

Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die 

Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V 

215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

5.2  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur 

weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten 

ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das 

Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) 

pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote 

eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin 

somit mit Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Entscheid

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 9. 

Januar 2014 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur 

anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. 

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3. 

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Publikationsplattform

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Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 

3'500.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
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	Entscheid Versicherungsgericht, 05.09.2016
	Art. 43 Abs. 1 ATSG. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Rückweisung der Sache zur erneuten psychiatrischen Begutachtung und zur Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. September 2016, IV 2014/79).

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