# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc1b1e7b-c006-5503-8f10-e720b98148c0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.03.2021 D-2145/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2145-2020_2021-03-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2145/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richter Gérard Scherrer,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…)  

B._______, geboren am (…)  

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

F._______, geboren am (…), 

alle Kosovo,   

alle vertreten durch MLaw Lena Reusser, Rechtsanwältin 

(…) 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Wegweisung und Wegweisungsvollzug  

(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  

Verfügung des SEM vom 20. März 2020 / N (…). 

 

D-2145/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden ersuchten am 22. September 2015 um Asyl in 

der Schweiz und machten im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer 

A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) sei in eine Blutfehde in 

seinem Heimatdorf G._______ (Gemeinde H._______) involviert gewesen, 

nachdem er anlässlich einer Auseinandersetzung mit den Nachbarn eine 

Person erschossen sowie zwei weitere verletzt habe. Nach Verbüssen sei-

ner Haftstrafe habe er es aufgrund der Blutfehde nicht mehr gewagt, aus 

dem Haus zu gehen und habe aus diesem Grund keiner Arbeit mehr nach-

gehen können. Auch die anderen Beschwerdeführenden hätten ein Leben 

in Isolation verbringen müssen.  

B.  

Mit Entscheid des SEM vom 25. August 2016 wurden die Asylgesuche ab-

gelehnt, gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz verfügt sowie deren 

Vollzug angeordnet. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bun-

desverwaltungsgericht mit Urteil D-5872/2016 vom 7. Dezember 2017 ab-

gewiesen.   

C.  

Mit als Wiedererwägungsgesuch bezeichneter Eingabe vom 15. Februar 

2018 wurde erneut das Vorhandensein einer bestehenden Blutfehde gel-

tend gemacht sowie neue Unterlagen und verschiedene Arztberichte ins 

Recht gelegt. Das SEM lehnte das Gesuch mit Verfügung vom 9. April 

2018 ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwal-

tungsgericht mit Urteil D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 abgewiesen.  

D.  

Mit Eingabe vom 16. September 2019 reichten die Beschwerdeführenden 

– handelnd durch ihre damalige Rechtsvertreterin – erneut ein Wiederer-

wägungsgesuch ein und beantragten, der Asylentscheid vom 25. August 

2016 sei im Wegweisungspunkt in Wiedererwägung zu ziehen und aufzu-

heben. Es sei ihnen die vorläufige Aufnahme aufgrund medizinischer 

Gründe zu gewähren.  

Dem Wiedererwägungsgesuch wurden folgende Beweismittel beigelegt: 

ein Arztzeugnis der (…), die Beschwerdeführerin B._______ (nachfolgend: 

die Beschwerdeführerin) betreffend, vom 26. August 2019, eine Meldung 

einer Kindeswohlgefährdung, ein Abklärungsauftrag der KESB vom 

D-2145/2020 

Seite 3 

22. August 2019 sowie ein Verlaufsbericht zu F._______, D._______ und 

E._______ vom 14. August 2019 (UPD I._______ und KJP J._______). 

E.  

Mit Eingabe vom 21. Dezember 2019 wurden bei der Vorinstanz weitere 

Beweismittel eingereicht (Abklärungsbericht zuhanden der (…) vom 

22. November 2019, Bericht der Psychiatrie K._______ vom 9. Dezember 

2019, eine Stellungnahme der Familie (…) vom 10. Dezember 2019, Aus-

trittbericht des (…) vom 13. Dezember 2019). 

F.  

Mit Schreiben vom 23. Dezember 2019 beantragten die Beschwerdefüh-

renden, dass im Fall einer Ablehnung ihres Wiedererwägungsgesuches 

Abklärungen bei der zuständigen KESB bezüglich einer allfälligen Unzu-

lässigkeit bezugsweise Unzumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs in 

den Kosovo getätigt werden sollen. Dem Schreiben wurden weitere Kran-

kenakten beigelegt.  

G.  

Mit Eingabe vom 7. Januar 2020 sowie vom 24. Januar 2020 reichten die 

Beschwerdeführenden weitere Beweismittel ein.  

H.  

Mit Entscheid vom 28. Januar 2020 der KESB K._______ wurde für 

F._______, E._______ und D._______ eine Beistandschaft im Sinne von 

Art. 308 Abs. 1 ZGB (Schweizerisches Zivilgesetzbuch [SR210]) errichtet.  

I.  

Mit Verfügung vom 20. März 2020 – eröffnet am 22. März 2020 – wies die 

Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden ab 

und hielt fest, dass die Verfügung vom 25. August 2016 rechtskräftig sowie 

vollstreckbar sei. Zudem wurde der Antrag auf eine Prüfung der Zulässig-

keit des Vollzugs der Wegweisung in Verbindung mit dem Kindeswohl 

durch die KESB abgelehnt.  

J.  

Mit Eingabe vom 22. April 2020 erhoben die Beschwerdeführenden gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragten, der Vollzug der Wegweisung sei wiedererwägungsweise als unzu-

mutbar oder als unzulässig zu beurteilen, sie seien in der Schweiz vorläufig 

aufzunehmen und die Vorinstanz sei anzuweisen, im Wegweisungspunkt 

D-2145/2020 

Seite 4 

die Verfügung vom 25. August 2016 aufzuheben. Als Eventualantrag stell-

ten sie das Begehren, die Sache sei zur Neubeurteilung unter Bezug sämt-

licher Vorbringen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hin-

sicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiord-

nung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeistän-

din. Weiter beantragten sie die Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung. 

K.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 23. April 2020 wurde der Vollzug 

der Wegweisung per sofort einstweilen ausgesetzt.  

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2020 wurden die Beschwerdeführen-

den aufgefordert, ihre finanzielle Situation offenzulegen. Das Gesuch um 

aufschiebende Wirkung wurde gutgeheissen.   

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 wurde das Gesuch um unent-

geltliche Prozessführung gutgeheissen und die Beschwerdeführenden auf-

gefordert, die in Aussicht gestellten Beweismittel einzureichen. Das Ge-

such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung hingegen wurde abgewie-

sen.  

N.  

Mit Eingabe vom 17. Juli 2020 reichen die Beschwerdeführenden folgende 

Unterlagen zu den Akten: Eine Anordnung der fürsorgerischen Unterbrin-

gung – datiert vom 17. April 2020 – und ein Behandlungsplan der (…) – 

datiert vom 27. April 2020 – C._______ betreffend (Beilagen 4 und 5), ein 

aktueller Bericht des Spitals K._______ vom 14. Juli 2020 (Beilage 6), ein 

Schreiben von C._______ vom 30. April 2020 inklusive deutscher Überset-

zung (Beilage 7), eine Anordnung der fürsorgerischen Unterbringung – da-

tiert vom 17. April 2020 – sowie ein Behandlungsplan der PZM – datiert 

vom 23. April 2020 – die Beschwerdeführerin betreffend (Beilagen 8 und 

9), ein Überweisungsbericht des Spital K._______ vom 17. April 2020 und 

ein Behandlungsplan des PZM vom 1. Mai 2020 den Beschwerdeführer 

betreffend (Beilagen 10 und 11), ein Bericht der Universitären Psychiatri-

schen Dienste I._______ UPD, Universitätsklinik für Kinder- und Jugend-

psychiatrie und Psychotherapie KJP, D._______, E._______ und 

F._______ betreffend vom 23. Juni 2020 (Beilage 12), ein psychologisches 

D-2145/2020 

Seite 5 

Gutachten der Kindepsychologin der Kinder die Familie (…) betreffend, da-

tiert vom 3. Juli 2020 (Beilage 13), ein Bericht von L._______ – datiert vom 

24. Juni 2020 – die Geschwister (…) betreffend (Beilage 14) sowie sieben 

verschiedene Referenzschreiben (Beilage 15).   

O.  

Mit Eingabe vom 23. Juli 2020 wurde ein Spitalbericht – datiert vom 21. Juli 

2020 – die Beschwerdeführerin betreffend, eingereicht (Beilage 16).  

P.  

Mit Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 nahm die Vorinstanz Stellung. 

Q.  

Die Beschwerdeführenden nahmen ihr Replikrecht mit Eingabe vom 

25. November 2020 wahr und legten weitere Beweismittel bei (Beilagen 17 

bis 19).   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-

dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung 

auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist 

das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

D-2145/2020 

Seite 6 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

2.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM 

innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-

lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). 

In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-

gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine 

nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-

fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem 

blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde –, beziehungsweise nach 

Abschluss des ordentlichen Verfahrens neue Beweismittel eingereicht wur-

den, die erst danach erstellt wurden und mit denen vorbestandene Tatsa-

chen belegt werden sollen, können auch Revisionsgründe einen Anspruch 

auf Wiedererwägung begründen (zum sogenannten "qualifizierten Wieder-

erwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 und 13.1 m.w.H.). 

3.  

Vorliegend beschränkt sich die Beschwerde auf die Frage des Vollzugs der 

Wegweisung. Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet 

demnach lediglich die Frage des Vollzugs der Wegweisung. Es ist zu prü-

fen, ob sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Ent-

scheid der Vorinstanz vom 25. August 2016 respektive dem Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts D-5872/2016 vom 7. Dezember 2017 respektive 

D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 in wesentlicher Form verändert hat und 

die ursprünglich fehlerfreie Verfügung an nachträglich eingetretene Verän-

derungen der Sachlage anzupassen ist.  

 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden zunächst formelle Rügen erhoben, welche 

vorab zu behandeln sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kas-

sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Nach Art. 61 Abs. 1 

VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder 

weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vor- 

instanz zurück. Eine Rückweisung kommt insbesondere dann in Betracht, 

wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes 

D-2145/2020 

Seite 7 

Beweisverfahren durchzuführen ist (WEISSENBERGER/HIRZEL, N 16 zu 

Art. 61 VwVG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 

Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016). 

4.2 In der Beschwerde wurde moniert, es liege eine Verletzung des recht-

lichen Gehörs vor, da die Vorinstanz sich nicht mit den eingereichten Arzt-

berichten und den darin gestellten Diagnosen auseinandergesetzt sowie 

den Bericht des (...) vom 16. September 2019 gänzlich unerwähnt gelas-

sen habe. Zudem seien die von der Vorinstanz in Rechnung gestellten Ver-

fahrensgebühren für das vorliegende Wiedererwägungsgesuch aufzuhe-

ben, zumal das Gesuch nicht als aussichtslos hätte bezeichnet werden und 

die Vorinstanz deshalb keine Gebühren hätte berechnen dürfen.  

4.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-

spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. 

VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der 

Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-

zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-

hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 

tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 

berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss. 

4.4 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches 

Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent-

scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach-

gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmitte-

linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. 

BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die 

wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die 

Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf wel-

che sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). Nicht erforder-

lich jedoch ist, dass sich die Begründung mit allen Parteipunkten einläss-

lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-

legt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

4.5 Das Bundesverwaltungsgericht kommt hinsichtlich der bemängelten 

Berücksichtigung der eingereichten Beweismittel zum Schluss, dass sich 

die Vorinstanz sehr wohl mit den zahlreichen medizinischen sowie päda-

gogischen Berichten auseinandergesetzt hat. Dabei war sie nicht verpflich-

D-2145/2020 

Seite 8 

tet, jedes einzelne Dokument in die Entscheidfindung einzubeziehen, ins-

besondere, wenn deren Inhalt sich nicht wesentlich von dem der anderen 

eingereichten Beweismittel unterscheidet. Des Weiteren ist festzustellen, 

dass sich die Vorinstanz sehr wohl mit den Beweismitteln auseinanderge-

setzt hat. Dass sie dabei zu einem anderen Schluss gelangt ist als wie von 

den Beschwerdeführenden erhofft, stellt weder eine Verletzung des recht-

lichen Gehörs, noch eine Verletzung der Abklärungs- und Begründungs-

pflicht dar.  

4.6 Der Antrag, die in Rechnung gestellten Verfahrensgebühren für das 

vorliegende Wiedererwägungsgesuch aufzuheben, erweist sich ange-

sichts des Ausgangs des Verfahrens als nicht gerechtfertigt.  

5.  

5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

D-2145/2020 

Seite 9 

6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Dieser Artikel findet auch An-

wendung auf Personen, welche nach ihrer Rückkehr wegen der vorherr-

schenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit in völlige Armut ge-

raten würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung 

des Gesundheitszustands, der Invalidität oder gar dem Tod ausgeliefert 

wären (vgl. BVGE 2014/26, E. 7.5. und BVGE 2011/24, E.11.1; m.w.H.). 

Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

 

7.  

7.1 Die Beschwerdeführenden machten in ihrem Wiedererwägungsgesuch 

im Wesentlichen Vollzugshindernisse im Sinne einer medizinischen Not-

lage geltend und brachten vor, ein neuer Sachverhalt sei aufgetreten. Es 

bestehe eine ernstzunehmende gesundheitliche Gefährdung aller Be-

schwerdeführenden. Dies werde anhand der eingereichten zahlreichen 

Arztberichte belegt. Es wurde ausgeführt, dass nach der letzten negativen 

Entscheidseröffnung vom 4. Juli 2019 des Bundesverwaltungsgerichts die 

Eltern (die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer) aufgrund 

schwerer Dekompensation und akuter Suizidalität umgehend in den Notfall 

der psychiatrischen Klinik ([…]) hätten eingeliefert werden müssen. Zeit-

gleich hätten D._______ und C._______ wegen suizidalen Äusserungen 

desgleichen in einer Klinik platziert werden müssen, wobei die Selbstge-

fährdung als hoch eingeschätzt worden sei. Daneben würden die Be-

schwerdeführerin und der Beschwerdeführer unter einer posttraumati-

schen Belastungsstörung sowie einer schweren Depression leiden und 

könnten ihre eigenen minderjährigen Kinder nicht selber betreuen. Die 

KESB habe die Kinder deshalb fremdplazieren müssen. Des Weiteren sei 

der elfjährige F._______ seit Januar 2018 in psychiatrischer Behandlung. 

Auch der vierzehnjährige D._______ sei seit Oktober 2018 in jugendpsy-

chiatrischer Behandlung, wobei auch bei ihm eine erhöhte Suizidgefahr 

festgestellt worden sei. Bei E._______ seien neue Belastungssymptome 

aufgetreten, weshalb sie seit Juli 2019 ebenfalls an den Therapiesitzungen 

gemeinsam mit ihren beiden Brüdern teilnehme. Die gesamte gesundheit-

liche Situation sei auf die traumatischen Ereignisse im Heimatland, verbun-

den mit der Angst vor einer Rückkehr, sowie bei den Kindern auf die Über-

forderung der gesundheitlichen Situation der Eltern zurückzuführen. Das 

Kindswohl sei gravierend gefährdet und es sei nicht absehbar, wann und 

D-2145/2020 

Seite 10 

in welchem Rahmen die Eltern (die Beschwerdeführerin und der Beschwer-

deführer) in der Lage sein würden, ihren Pflichten vollumfänglich nachzu-

kommen sowie ein stabiles familiäres Umfeld zu gewährleisten. Aus den 

Akten gehe hervor, dass diese auf Grund deren psychischer Belastung 

nicht mehr in der Lage seien, sich alleine um ihre Kinder zu kümmern. Da-

mit das Kindswohl in genügender Weise gewahrt werden könne, sei die 

Familie auf intensive Unterstützung durch Fachpersonen sowie auf ein 

stabiles Umfeld angewiesen. Eine umfassende Begleitung und Betreuung 

der Familie sei im Heimatland nicht möglich.  

Hinsichtlich der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Vollzugs 

der Wegweisung sei auf die entsprechenden Auszüge des Handbuchs des 

SEM zu verweisen. Ein Wegweisungshindernis könne dann vorliegen, 

wenn eine Person ein schweres körperliches oder psychisches Leiden auf-

weise und die Behandlungsmöglichkeiten im Heimatland unzulänglich 

seien. Im Zusammenhang mit der Berücksichtigung des Kindswohls seien 

weniger hohe Anforderungen an eine konkrete Gefährdung zu stellen. Ge-

mäss berichten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH zufolge seien 

psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten im Kosovo unzureichend. Zu-

dem seien insbesondere die Kinder bestens in der Schweiz integriert und 

würden bei einer Rückkehr aus ihrem sozialen sowie stabilen Umfeld her-

ausgerissen.  

7.2 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid dahingehend, als dass so-

wohl die eingereichten Arztberichte als auch der Bericht der UMA-Fach-

stelle der KESB seine Einschätzungen ausdrücklich darauf stützen wür-

den, dass die gesamte Familie wegen der anhaltenden Blutfehde bei einer 

Rückkehr in den Kosovo an Leib und Leben gefährdet sei. Im ordentlichen 

Asylverfahren wie auch auf Beschwerdeebene vor dem Bundesverwal-

tungsgericht sei dies jedoch ausdrücklich verneint worden. Es gebe keine 

neuen Beweise, welche dies umstossen könnten. Zudem hätten Bot-

schaftsabklärungen vom 2. März 2016 ergeben, dass die geltend ge-

machte Blutfehde nicht aktiv von den Nachbarn vorangetrieben werde und 

keine, wie von den Beschwerdeführenden behauptete, Isolation vorhanden 

sei, zumal Versöhnungsversuche mit der verfeindeten Familie vom Be-

schwerdeführer ausgeschlagen worden seien. Auch gehe aus dem Bericht 

hervor, dass die verfeindeten Familien an gemeinsamen Feiern teilgenom-

men hätten. Deshalb würden sich die eingereichten Arzt- und Behördenbe-

richte auf teilweise unzutreffende Annahmen stützen und somit die 

Schlussfolgerungen in Hinblick auf die Gefährdung der Beschwerdeführen-

den relativieren.  

D-2145/2020 

Seite 11 

Dennoch erscheine es angebracht, vorliegend die individuelle Situation 

hinsichtlich der medizinischen Probleme zu prüfen. Insbesondere seien die 

Suizidgefährdung sowie die Suizidversuche unter dem Blickwinkel von 

Art. 3 EMRK zu beleuchten. Praxisgemäss würde die Gefahr, dass dem 

Vollzug ausgesetzte Personen ihrem Leben ein Ende setzen würden, ei-

nen Wegweisungsvollzug nicht bereits als unzulässig erscheinen lassen, 

zumal allfälligen diesbezüglichen Risiken mit einer sorgfältigen Vorberei-

tung der Ausreise entgegengewirkt werden könne. Zudem sei es nicht un-

gewöhnlich, dass ein Wegweisungsentscheid zu psychischen Problemen 

führe. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, eine Rückführung zu verhin-

dern. Diesen Umständen werde bei der Rückführung der Beschwerdefüh-

renden genügend Rechnung getragen.  

Im Zusammenhang mit einer möglichen Gefährdung des Kindswohls habe 

die bundesrechtliche Rechtsprechung festgestellt, dass der Vollzug einer 

Wegweisung nur dann unzulässig sei, wenn dieser auf einer Bestimmung 

des schweizerischen Rechts oder auf einer Behördenpraxis beruhe, wel-

che mit den allgemeinen Richtlinien der Kinderrechtskonvention, nament-

lich mit Art. 22, nicht vereinbar sei, wobei im Zivilgesetzbuch der Schutz 

von ausländischen Kindern während ihres Aufenthaltes in der Schweiz be-

reits genügend geregelt sei und den internationalen Anforderungen ge-

nüge. Die Einschätzung im Bericht der UMA-Fachstelle zur Kindswohlge-

fährdung und einer akuten Gefahr für die ganze Familie an Leib und Leben 

treffe jedoch nicht zu. Angesichts der vorliegenden Akten stelle sich die 

Frage, ob sich die geltend gemachte Traumatisierung durch die vergange-

nen Erlebnisse im Kosovo nicht bereits früher, nämlich im Kosovo oder 

gleich nach Ihrer Einreise in die Schweiz hätte manifestieren müssen, 

wenn diese tatsächlich so schwerwiegend gewesen wären, wie es in den 

vorgelegten Arztberichten geltend gemacht werde. Zudem hätten gemäss 

Aktenlage die beiden Söhne schulische Probleme, wobei einiges darauf 

hindeute, dass dies nicht nur auf psychische Probleme, sondern auch auf 

kulturelle Verschiedenheiten zurückzuführen sei. Es stelle sich in diesem 

Kontext die Frage, ob es dem Kindeswohl effektiv dienlich sei, wenn ihr 

Leben und insbesondere auch die Schule in der Schweiz nur mit behördli-

chen Interventionen und einem grossen Aufgebot von Betreuern bewältigt 

werden könne. Diese Umstände relativierten auch die behauptete fortge-

schrittene Integration der Kinder und der Eltern in der Schweiz. Eine Rück-

kehr in den Kosovo könne für die Kinder eine Reintegration in ein vertrau-

tes soziales und kulturelles Umfeld bedeuten, in welchem sich wohl auch 

die Eltern heimischer fühlen würden und ihre Kinder dadurch besser unter-

D-2145/2020 

Seite 12 

stützen könnten. Ausserdem gebe es im Kosovo vierzig Zentren für Sozi-

alarbeit, deren Mitarbeitende sich um soziale Probleme von Kindern küm-

mern würden, womit das Kindswohl auch bei einer Rückkehr ins Heimat-

land gewährleistet werden könne. Ferner sei davon auszugehen, dass die 

Grossfamilie (…) ihnen bei allen Belangen einer Reintegration behilflich 

sein würde. Sodann stehe der Grossfamilie ein Haus zur Verfügung, wo die 

Beschwerdeführenden wohnen könnten. Überdies gehe aus den Arztbe-

richten hervor, dass sich trotz regelmässiger Therapien der Gesundheits-

zustand der Beschwerdeführenden nicht verbessert habe und es stelle sich 

die Frage nach der unbedingten Notwendigkeit der Therapien.  

7.3 In der Beschwerdeschrift wurde einleitend festgehalten, dass sich die 

psychische Gesundheit der Beschwerdeführenden bei der Entscheidser-

öffnung erneut verschlechtert habe. Trotz eines Spezialsettings mit ver-

schiedenen Fachpersonen wie Ärzten, Psychologen sowie den Beiständen 

der minderjährigen Kinder hätten C._______ und die Beschwerdeführerin 

wegen akuter Suizidalität notfallmässig fürsorgerisch untergebracht wer-

den müssen. Zudem sei erneut darauf hinzuweisen, dass trotz des von der 

Vorinstanz bestrittenen Sachverhalts hinsichtlich der Blutfehde die Bewe-

gungsfreiheit im Heimatland der Beschwerdeführenden eingeschränkt ge-

wesen sei. Sollten weiterhin Zweifel daran bestehen, so sei zumindest die 

älteste Tochter C._______ erneut hierzu zu befragen. 

Des Weiteren gehe aus den eingereichten Berichten der behandelnden 

Ärzte und Therapeuten sowie aus dem Bericht der KESB hervor, dass die 

Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer aufgrund der drohenden 

Wegweisung in ihrer Erziehungskompetenz eingeschränkt seien und 

dadurch ihre Kinder erneut destabilisiert würden, weshalb in diesem Fall 

das Kindswohl nicht gewährleistet sei. Die Beurteilungen der jeweiligen 

Fachpersonen würden sich auf fachlich ausgewiesene Diagnosen stützen 

und es sei nachgewiesen, dass alle Beschwerdeführenden unter psychi-

schen Beeinträchtigungen leiden würden. Insbesondere sei hervorzuhe-

ben, dass die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer bei einer 

Ausschaffung erneut Suizidversuche angedroht hätten. Die ausgewiese-

nen langjährigen sowie schweren psychischen Beeinträchtigungen seien 

in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Die Argumentation der Vor- 

instanz, es würden Zweifel an den geltend gemachten gesundheitlichen 

Problemen bestehen, da diese bereits viel früher hätten auftreten müssen, 

sei verfehlt, da aus den Arztberichten nachvollziehbar ihre Leidensge-

schichte hervorgehe. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass sich die Be-

schwerdeführerin bereits zehn Monate nach ihrer Einreise in die Schweiz 

D-2145/2020 

Seite 13 

in psychiatrische Behandlung habe begeben müssen (vgl. Arztbericht vom 

16. Juni 2016) und der Beschwerdeführer seit Ende 2015 wiederkehrend 

in therapeutischer Behandlung sei. Aus den verschiedenen Berichten gehe 

eindeutig hervor, dass eine Stabilisierung des Krankheitsverlaufs nur mit 

einem stabilen Aufenthalt erfolgreich sein könne. Der Vorwurf, die Leiden 

der Beschwerdeführenden hätten sich erst in der Schweiz eingestellt, die 

Kinder würden zu Aufenthaltszwecken instrumentalisiert und eine Verbes-

serung der Leiden habe sich trotz aufwändiger Therapien nicht eingestellt, 

sei zurückzuweisen, zumal es keine Beweise hierfür gebe.  

Die Suizidalität sei mehrmalig innerhalb von wenigen Monaten aufgetreten 

und sei dementsprechend nicht nur vorübergehend, sondern latent vorhan-

den, wie dies aus den verschiedenen Berichten hervorgehe. Es müsse da-

von ausgegangen werden, dass bei einer Rückkehr in den Kosovo 

C._______ einen effektiven Suizidversuch begehen würde. Zudem be-

stehe bei ihr der Verdacht auf eine komplette Traumafolgestörung. Eine 

Wegweisung unter diesem Gesichtspunkt sei unzulässig und verstosse ge-

gen Art. 3 EMRK. Ferner sei eine Wegweisung unzumutbar, zumal aus den 

neu eingereichten Berichten hervorgehe, dass bei einem Vollzug der Weg-

weisung der Zustand aller Beschwerdeführenden zu einer klaren Ver-

schlechterung der Gesundheit führen würde.   

Sodann wurde in der Beschwerde moniert, das Kindeswohl sei nicht vor-

rangig berücksichtigt worden. Bei zwei der minderjährigen Kinder sei der 

Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert worden, 

zudem seien alle drei Minderjährigen auf eine stabile Umgebung sowie 

eine regelmässige Therapie angewiesen, welche jedoch im Kosovo fehlen 

würden, wie dies aus den verschiedenen Berichten der SFH hervorgehe. 

Psychische Erkrankungen könnten lediglich unzureichend behandelt wer-

den und nur aufgrund der Tatsache, dass im Kosovo neuropsychiatrische 

Kliniken vorhanden seien, könne nicht auf die Behandelbarkeit von psychi-

schen Krankheiten geschlossen werden, zumal nicht genügend ausgebil-

detes Personal vorhanden sei und die entsprechenden Medikamente feh-

len würden. Zudem könnten die Beschwerdeführerin und der Beschwerde-

führer ihre Kinder nicht mehr adäquat betreuen, da gemäss dem betreffen-

den Abklärungsbericht auch bei einem positiven Krankheitsverlauf der El-

tern deren Gesundheitszustand dennoch fragil bleiben würde und diese 

weiterhin auf Unterstützung sowie Hilfestellungen angewiesen wären. Die 

betreuende Aufgabe würden zurzeit die eingesetzten Berufsbeistände 

übernehmen. Aufgrund fehlender Behandlungsmöglichkeiten sowie des er-

D-2145/2020 

Seite 14 

wiesenermassen ungenügenden Kindesschutzes wegen fehlender Ausbil-

dungen von Sozialarbeitenden im Kosovo sei die Gewährleistung des 

Kindswohls erheblich in Frage zu stellen. Insgesamt sei festzustellen, dass 

sämtliche Fachberichte zum Kinderschutz im Kosovo übereinstimmend 

zum Schluss gekommen seien, dass dieser aufgrund fehlender finanzieller 

und personeller Ressourcen sowie ungenügender fachlicher Ausbildung 

des Personals mangelhaft sei. Schliesslich sei im Zusammenhang mit der 

Schulbildung im Kosovo festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage davon 

auszugehen sei, dass die minderjährigen Beschwerdeführenden weiterhin 

ihr Haus im Heimatland nicht verlassen könnten und somit von einem re-

gelmässigen Schulbesuch ausgeschlossen wären. Auch sei eine Wegwei-

sung unzumutbar, da die Blutfehde weiterhin bestehe, womit die Wohnsi-

tuation und die beruflichen Aussichten im Heimatland nicht gewährleistet 

seien. Die mangelnde Integration der Kinder und die schulischen Schwie-

rigkeiten würden nicht, wie von der Vorinstanz behauptet, an den kulturel-

len Unterschieden liegen, sondern seien vielmehr der schlechten psychi-

schen Verfassung der Beschwerdeführenden geschuldet.  

7.4 Die Vorinstanz erklärte in ihrer Vernehmlassung, dass obwohl der Arzt-

bericht vom 19. September 2019 (recte: 16. September 2019) nicht er-

wähnt worden sei, dessen Inhalt im Wesentlichen mit den anderen, zahl-

reich beigelegten Berichten vergleichbar sei und auch bei Berücksichti-

gung desselben zu keiner anderen Einschätzung der Zumutbarkeit des 

Vollzugs der Wegweisung führen würde.  

7.5 In der Replik wurde bemängelt, die Vorinstanz habe sich in ihrer Ent-

scheidfindung nicht auf die Arztberichte gestützt, sondern vielmehr die da-

rin enthaltenen Diagnosen zu relativieren versucht. Auch wenn sie im All-

gemeinen den Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden gewürdigt 

habe, bestehe die Pflicht, sich mit jedem einzelnen Beweismittel auseinan-

derzusetzen, zumal es sich dabei um sehr ausführliche Berichte handle. 

Weiter sei festzuhalten, dass sich seit den letzten Arztberichten der Ge-

sundheitszustand der Eltern und derjenige von C._______ nicht verändert 

habe. Der Beschwerdeführer habe mehrmals täglich Suizidgedanken und 

die minderjährigen Kinder würden gemäss den zuständigen Lehrkräften 

unter einer enormen Belastung leiden. Eine erneute Verschlechterung sei 

festzustellen (vgl. Beilagen 17 und 19). Sämtliche Fachpersonen hätten 

darauf hingewiesen, dass nur eine stabile Lebenssituation die jeweiligen 

Gesundheitszustände verbessern könne. Diese sei nur in der Schweiz 

möglich. Schliesslich lebten die Beschwerdeführenden bereits seit fünf 

Jahren in der Schweiz und die minderjährigen Kinder hätten ihre prägende 

D-2145/2020 

Seite 15 

Zeit in der Schweiz verbracht, womit sich eine Reintegration im Heimatland 

für die Kinder als äusserst schwierig erweisen würde.  

7.6 Vorliegend ist zu prüfen, ob das Wiedererwägungsgesuch vom 

16. September 2019 neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel enthält, 

welche geeignet sind darzulegen, dass eine wesentlich veränderte Sach-

lage eingetreten ist, welche die vorinstanzliche Verfügung vom 20. März 

2020 aufheben könnte. Sofern sich die Beschwerdeführenden auf den 

Standpunkt stellen, dass die Vorinstanz die geltend gemachte Blutfehde 

nicht genügend gewürdigt habe, ist darauf hinzuweisen, dass dieses Sach-

verhaltselement nicht Gegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet 

(vgl. E. 3).  

7.7 Im Zusammenhang mit einer medizinischen Notlage kann nur dann auf 

Unzumutbarkeit geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische 

Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu 

einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-

heitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die 

allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur 

Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. 

Unzumutbarkeit liegt nicht bereits dann vor, wenn im Heimatstaat eine nicht 

dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung 

möglich ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 24, E. 5a und 5b; BVGE 2009/2, E.9.3.2; 

BVGE 2011/50 E. 8.3).  

Wie aus den verschiedenen eingereichten Berichten ersichtlich wird, wur-

den bei der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdeführer depressive 

Episoden, eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine akute Be-

lastungsreaktion festgestellt (vgl. etwa Beilagen 9 bis 11). Diese Diagnosen 

lagen bereits dem Sachverhalt im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 zugrunde. Es war festgestellt worden, 

dass sowohl die gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin 

und des Beschwerdeführers als auch diejenigen von D._______ im Kosovo 

behandelbar seien sowie die benötigte psychotherapeutische und medika-

mentöse Therapie dort erhältlich gemacht werden könnten. Insofern ist im 

Zusammenhang mit den Krankheitsbildern der Beschwerdeführerin und 

des Beschwerdeführers sowie des erwähnten Sohnes keine wesentlich 

veränderte Sachlage aufgetreten. Sodann wurden die Beschwerdeführerin 

und der Beschwerdeführer am 17. April 2020 aufgrund akuter Suizidalität 

fürsorgerisch untergebracht, wobei deren Auslöser die Eröffnung des ne-

D-2145/2020 

Seite 16 

gativen Entscheids gewesen (vgl. Beilagen 8 und 10) und die Verschlech-

terung ihrer Gesundheitszustände respektive die fürsorgerische Unterbrin-

gung einer Reaktion des negativen Asylentscheids geschuldet sei, wobei 

ihre Gesundheit und Sicherheit mittels suizidaler Gedanken gefährdet sei. 

Übereinstimmend wird in den verschiedenen Arztberichten festgehalten, 

dass bei einer drohenden Ausschaffung erneute Suizidgefahr bestehe. 

Ausserdem ist den Akten zu entnehmen, dass weitere, für die Familie ne-

gative Entscheide im Rahmen des Asylverfahrens erneut eine psychische 

Krise auslösen und dadurch auch die Kinder weiter psychisch destabilisiert 

würden. Die Familie gehe davon aus, dass sich ihre gesundheitliche Situ-

ation durch einen positiven Asylentscheid nachhaltig verbessern würde 

und dadurch die nötige Kraft entstünde, um selbständig sowie ohne Hilfe 

von dritter Seite wieder zu funktionieren. Dennoch wären auch bei einem 

positiven Entscheid die Eltern längerfristig auf Unterstützung angewiesen. 

Sodann wird in der Beschwerde geltend gemacht, dass die volljährige 

Tochter C._______ sowie die drei minderjährigen Kinder unter psychischen 

Problemen und teilweise unter Dekompensation leiden würden (vgl. etwa 

Beilagen 5, 6, 12, 13, 18, 19). Nach dem erneuten negativen Asylentscheid 

sei C._______ zeitgleich mit ihren beschwerdeführenden Eltern wegen 

akuter Suizidalität notfallmässig per fürsorgerischer Unterbringung in den 

psychiatrischen Notfall eingewiesen worden war (vgl. Beilage 4). Es wur-

den eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine schwere depres-

sive Episode festgestellt und gemäss Einschätzung der verfassenden 

Oberärztin ist davon auszugehen, dass weitere negative Ereignisse zu ei-

ner erneuten akuten Belastungssituation führen würden, welche für ihr 

Überleben hochgefährlich sein könnte (vgl. Beilage 6, S.2). Bei D._______ 

und F._______ seien Anpassungsstörungen sowie der Verdacht auf eine 

posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Seit 15. Ja-

nuar 2018 respektive 3. Oktober 2018 würden sie an wöchentlich respek-

tive zweiwöchentlichen therapeutischen Sitzungen teilnehmen. Seit dem 

Ergehen des letzten negativen Entscheids nehme auch E._______ an den 

Therapiesitzungen teil, wobei festgestellt worden sei, dass sich der Zu-

stand der beiden Buben seit dem negativen Entscheid verschlechtert habe. 

Weiter ist den Akten zu entnehmen, dass die minderjährigen Kinder verbei-

ständet wurden und teilweise einige Nachmittage bei einer Pflegefamilie 

verbringen würden, da weder die Beschwerdeführerin noch der Beschwer-

deführer in der Lage seien, ihren erzieherischen Pflichten vollständig nach-

zukommen.  

D-2145/2020 

Seite 17 

Obwohl sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführenden ver-

schlechtert hat und die minderjährigen Kinder vermehrt depressive sowie 

auffällige psychische Symptome aufweisen, werden diese und insbeson-

dere die akuten Suizidgedanken – wie in den verschiedenen Arztberichten 

festgehalten wurde – hauptsächlich durch die jeweiligen negativen Ent-

scheidseröffnungen ausgelöst. Wie die Vorinstanz in ihrer Verfügung be-

reits zutreffend festhielt, stellt eine solche akute Verschlechterung des Ge-

sundheitszustandes von Asylsuchenden nach einem abweisenden Ent-

scheid noch keine relevante Veränderung des Sachverhalts dar, und es 

erscheint nicht ungewöhnlich, wenn sich bei einer bevorstehenden Rück-

führung akut auftretende psychische Probleme manifestieren (vgl. auch Ur-

teil des BVGer D-1243/2017 vom 4. Mai 2017, E.4.3.2). Daran vermögen 

auch die akuten sowie latenten Todeswünsche der Beschwerdeführenden 

nichts zu ändern, zumal ein Konventionsstaat grundsätzlich nicht dazu ver-

pflichtet ist, bei einer Konfrontation mit einem allfälligen Suizid von einer zu 

vollziehenden Weg- oder Ausweisung Abstand zu nehmen. Im konkreten 

Fall besteht jedoch Gewähr dafür, dass nötigenfalls geeignete Massnah-

men ergriffen werden könnten mit dem Ziel, allfällige suizidale Tendenzen 

im Zusammenhang mit der Ausschaffung zu verhindern (vgl. EMARK 2005 

Nr. 23 E. 5.1. S. 212, mit einem Hinweis auf den Entscheid des EGMR 

Dragan u.a. gegen Deutschland vom 7. Oktober 2004, 33743/03).  

Auch wenn es äusserst bedauerlich ist, dass sowohl C._______, 

E._______, F._______ und D._______ seit kürzerer Zeit unter psychologi-

schen Problemen leiden, sind die gesundheitlichen Probleme, wie auch 

diejenigen ihrer Eltern (der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdefüh-

rer) im Kosovo behandelbar. Obwohl das kosovarische Gesundheitssys-

tem nicht dem schweizerischen Standard entspricht, ist die dreistufige me-

dizinische Versorgung im Kosovo grundsätzlich gewährleistet. Das Ge-

sundheitssystem ist auf drei Ebenen organisiert. Die grundlegende Primär-

versorgung wird von Familien-Gesundheitszentren in mehr als 30 Städten 

in ganz Kosovo durchgeführt. Medikamente der Liste der unentbehrlichen 

Arzneimittel sollten in jedem öffentlichen Gesundheitszentrum kostenlos 

zur Verfügung stehen. Rückkehrende haben in allen Situationen einen gu-

ten Zugang zum Gesundheitswesen und sind von Behandlungskosten be-

freit. Eine etablierte Krankenversicherung hingegen gibt es im Kosovo 

noch nicht (vgl. Urteil des BVGer D-2958/2018 vom 12. November 2018, 

E.8.4.2 m.w.H.). Auch die psychiatrische Versorgung ist dreistufig organi-

siert: Die Primärversorgung der Familien-Gesundheitszentren umfasst 

auch eine gewisse psychiatrische Versorgung. Die psychiatrische Sekun-

därversorgung besteht insbesondere aus den regionalen Krankenhäusern. 

D-2145/2020 

Seite 18 

Hinzu kommen sieben sogenannte Mental Health Centers, die ebenfalls 

eine niederschwellige psychiatrische Versorgung anbieten. Die Tertiärver-

sorgung wird schliesslich wiederum durch die Universitätsklinik in Pristina 

sichergestellt. Das Hauptproblem der psychiatrischen Versorgung ist der 

Mangel an ausgebildeten Spezialisten, insbesondere Psychiatern und 

Psychologen. Eigentliche Psychotherapien finden deshalb nur einge-

schränkt statt (vgl. Urteil des BVGer E-4677/2019 vom 27. Mai 2020 

m.w.H.).  

7.8 Sind von einem Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, bildet das Kin-

derwohl einen wichtigen Gesichtspunkt im Zusammenhang mit der Zumut-

barkeitsprüfung. Dies ergibt sich aus einer völkerrechtskonformen Ausle-

gung von Art. 83 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 3 Abs.  1 des Übereinkommens vom 

20. November 1989 über die Recht des Kindes (KRK). Vor diesem Hinter-

grund sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im 

Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung eines Kindes wesentlich erschei-

nen. Namentlich können dabei folgende Kriterien im Rahmen einer Ge-

samtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife, Abhängig-

keiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigen-

schaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereit-

schaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung bezie-

hungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem 

längeren Aufenthalt in der Schweiz. Die Dauer des Aufenthaltes in der 

Schweiz ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer 

Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu wer-

ten. Kinder sollten nicht ohne triftigen Grund aus einem vertrauten Umfeld 

herausgerissen werden. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht 

nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (das heisst seine 

Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern es sind auch seine weiteren so-

zialen Beziehungen in die Überlegungen miteinzubeziehen. Die Verwurze-

lung in der Schweiz kann – auch und insbesondere bei jungen Erwachse-

nen – eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs haben, indem eine starke Integration in der Schweiz eine 

Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, die unter Umständen 

die Rückkehr in den Heimatstaat unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 

2009/51 E. 5.6, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 je mit weiteren Hinweisen). 

In diesem Zusammenhang ist insbesondere dem Gesichtspunkt der In-

tegration der drei minderjährigen Kinder E._______, D._______ und 

F._______ Rechnung zu tragen. Einleitend ist festzustellen, dass die Be-

schwerdeführenden sich trotz der Abweisung ihrer Beschwerde mit Urteil 

D-2145/2020 

Seite 19 

des BVGer D-5872/2016 vom 7. Dezember 2017 und des abschlägigen 

Urteils des BVGer D-2747/2018 vom 24. Juni 2019 in der Schweiz aufhiel-

ten und mit Eingabe vom 16. September 2019 ein weiteres Wiedererwä-

gungsgesuch einreichten. In den beiden Mehrfachgesuchen wurden vor-

wiegend medizinische Gründe respektive psychische Erkrankungen der 

Familienmitglieder geltend gemacht. Obwohl die drei minderjährigen Kin-

der im Alter von ungefähr sieben, neun und zehn Jahren eingereist sind, 

seither fünf Jahre in der Schweiz verbracht haben und somit einen gewis-

sen prägenden Teil ihres Lebens hier verbracht haben, erscheint ihre In-

tegration in der Schweiz nicht in besonderem Mass herausragend. So geht 

aus den verschiedenen eingereichten Berichten hervor, dass sich 

E._______ zwar relativ gut in ihre Schulklasse integriert habe, sich sport-

lich betätige und auch Freundinnen gefunden habe. Jedoch sei trotz der 

Verbesserung ihrer schulischen Leistungen noch ein deutliches Defizit ge-

genüber ihren Mitschülerinnen und Mitschülern vorhanden. D._______ sei 

motiviert, benötige jedoch aufgrund einer Lernschwäche ein Sondersetting 

durch eine heilpädagogische individuelle Lernförderung und müsse in 

schulischer Hinsicht engmaschig begleitet werden. F._______ stehe in 

schulischer Sicht weit hinter seinen Mitschülern und benötige eine Haus-

aufgabenhilfe. Zudem habe seine für ihn verantwortliche Lehrperson allge-

meine Anpassungsprobleme in der Schule und Autoritätsprobleme, insbe-

sondere Frauen gegenüber, festgestellt (vgl. Beilagen 13, 18 und 19). Trotz 

Berücksichtigung der Gesamtumstände kann vorliegend nicht von einer 

herausragenden Integration gesprochen werden. Eine Reintegration im 

Heimatland, auch unter dem Aspekt der schulischen Wiedereingliederung, 

erscheint zumutbar, zumal davon auszugehen ist, dass alle Kinder die Mut-

tersprache beherrschen und im Kosovo bereits eingeschult wurden. Ange-

sichts ihres jungen Alters ist davon auszugehen, dass sie fähig sind, sich 

den Gegebenheiten und der Gesellschaft im Heimatland anzupassen und 

sich somit erfolgreich in eine heimatliche Schule einzugliedern. Zufolge 

(…), dem ehemaligen Klassenlehrer PBI (vgl. Schreiben vom 11. Mai 2020) 

sei C._______ sehr motiviert und äusserst sozial ausgerichtet. Sie enga-

giere sich zielgerichtet für ihre Berufswahl respektive eine Anschlusslösung 

nach dem Schulabgang. Nach einer Schnupperlehre habe man ihr eine 

Lehrstelle als Assistentin Gesundheit und Soziales angeboten. Aufgrund 

ihrer persönlichen und sozialen Voraussetzungen kann davon ausgegan-

gen werden, dass sie im Kosovo eine geeignete Ausbildung finden wird.  

7.9 Hinsichtlich der Kindswohlgefährdung im Zusammenhang mit der ver-

minderten Erziehungsfunktionen der Eltern ist anzunehmen, dass auch im 

D-2145/2020 

Seite 20 

Kosovo soziale Institutionen verfügbar sind, welche eine gewissen Hilfe-

stellung anbieten.  

Gemäss einer breit angelegten Untersuchung von UNICEF zu medizini-

scher Versorgung und sozialen Einrichtungen Kinder und Frauen betref-

fend, werde im Kosovo hauptsächlich auf Verwandtschaftspflege, Pflege-

familien und Vormundschaftsdienste gesetzt, um bei Bedarf Kindern eine 

alternative familienähnliche Unterbringung zu bieten. Ein weiteres Ziel sei 

die Verhinderung des Verlustes der elterlichen Sorge. Gemäss kosovari-

scher Gesetzgebung würde Familien materielle, psychologische und prak-

tische Unterstützung gewährt, um eine Trennung von Eltern und Kindern 

zu verhindern. Allerdings seien die Präventions- und Wiedereingliede-

rungsdienste aufgrund fehlender finanzieller Mittel jedoch schwach, weil 

die Zentren für Sozialarbeit überlastet sind und nicht genügend Ressour-

cen zur Verfügung stehen, was bedeutet, dass sie sich auf Krisen konzent-

rieren und nur ungenügende Prävention betreiben. Der Schnitt von etwa 

200 Sozialarbeitern auf kommunaler Ebene, welche individuell mit Kindern 

im Sinne eines Fallmanagements arbeiten, sei niedrig 

(https://www.unicef.org/kosovoprogramme/media/211/file/Raporti_unicef_ 

ENG.pdf, S. 96, 110, 126, 134). 

Auch wenn das kosovarische Sozialsystem Mängel aufweist, welche sich 

gemäss dem erwähnten Bericht hauptsächlich auf den Ressourcenmangel 

bei der Prävention beziehen, stehen dennoch soziale Strukturen sowie So-

zialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zur Verfügung. Zudem verfügen die 

Beschwerdeführenden über verschiedene Familienangehörige, welche sie 

unterstützen können und bei Bedarf auch die Kinder betreuen könnten.  

In der Botschaftsabklärung vom 2. März 2016 (vgl. act. A26/6) wurde fest-

gehalten, dass die Eltern des Beschwerdeführers vor ihrer Flucht aus dem 

Heimatland in einem komfortabel eingerichteten Haus mit den Beschwer-

deführenden zusammengelebt hätten. Demnach steht auch bei einer 

Rückkehr in den Kosovo eine adäquate Unterkunft zur Verfügung. Zudem 

leben einige enge Familienangehörige der Beschwerdeführenden (vgl. act. 

A9/15, F3.01; A10/11, F3.01) im Kosovo, auf welche die Beschwerdefüh-

renden bei einer Reintegration oder der persönlichen Unterstützung für die 

Kinder aufbauen können.  

7.10 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass weder im Wie-

dererwägungsgesuch noch in der Beschwerde aufgezeigt werden konnte, 

inwiefern sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen 

https://www.unicef.org/kosovoprogramme/media/211/file/Raporti_unicef_

D-2145/2020 

Seite 21 

Entscheid in wesentlicher Weise verändert haben soll, um mithin die ur-

sprünglich fehlerfreie Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderun-

gen der Sachlage anzupassen wäre. Die Vorbringen der Beschwerdefüh-

renden sowie die von ihnen eingereichten Beweismittel und Beweismittel-

anträge sind wiedererwägungsrechtlich nicht relevant. Die Vorinstanz hat 

das Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen. Die Beschwerde ist 

demnach abzuweisen.  

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten (Art. 1-3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem mit Zwischen-

verfügung vom 11. Juni 2020 das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-

rung gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2145/2020 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Martina von Wattenwyl 

 

 

Versand: