# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc9997c7-a5b7-50b4-bdc7-0c35a7c60d47
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-21
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 21.07.2020 SK 2019 100
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-100_2020-07-21.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 19 100

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 21. Juli 2020 

Besetzung Oberrichterin Bratschi (Präsidentin), Oberrichter Kiener, Oberrich-
ter J. Bähler
Gerichtsschreiberin Hafner

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________

Strafklägerin

Gegenstand Drohung, einfache Körperverletzung, Erpressung, Beschimpfung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Ein-
zelgericht) vom 24.10.2018 (PEN 2016 188)

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Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland (nachfolgend: Vorinstanz) erkannte am 24. Okto-
ber 2018 in Abwesenheit von A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) was folgt 
(pag. 830 ff.):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Drohung, mehrfach begangen zwischen anfangs Juni und 11. Juli 2012, in E.________, 
z.N. C.________;

2. der einfachen Körperverletzung, begangen am 15.06.2012, in E.________, z.N. C.________;

3. der Erpressung, begangen zwischen anfangs Juni und 11. Juli 2012, in E.________ und 
F.________, z.N. D.________

4. der Beschimpfung, begangen am 03.03.2015 in G.________, z.N. H.________, I.________ 
und J.________;

und in Anwendung der Art. 

22 Abs. 1, 34, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 123 Ziff. 1, 156 Ziff. 3, 177 Abs. 1, 180 Abs. 1 
StGB

426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Die Untersuchungshaft von 17 Tagen wird im Umfang von 17 Tagen auf die Freiheitsstrafe an-
gerechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. 

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 10‘087.00 (inkl. 
Gebühren Staatsanwaltschaft) und Auslagen von CHF 11‘452.30 (inkl. Auslagen Staatsanwalt-
schaft), insgesamt bestimmt auf CHF 21‘539.30.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1‘000.00. Die 
reduzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 20‘539.30.

4. Das mit Entscheid des Regionalen Zwangsmassnahmengerichts vom 16.07.2012 als Ersatz-
massnahme ausgesprochene Kontaktverbot mit C.________ sowie das mit gleichem Entscheid 
ausgesprochene Rayonverbot betreffend den Dorfkern von E.________ sowie betreffend Lie-
genschaft K.________ werden aufgehoben. 

II.

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1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwältin L.________ wurde mit Entscheid vom 05.06.2018 bestimmt 
auf CHF 10‘405.80 amtliche Entschädigung sowie CHF 11‘815.20 volles Honorar. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwältin L.________ die Differenz von CHF 1‘409.40 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Fürsprecher B.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 27.75 200.00 CHF 5’550.00
Reisezuschlag CHF 225.00

CHF 446.35
Mehrwertsteuer 7,7% auf CHF 6’221.35 CHF 479.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 6’700.35

volles Honorar 27.75 250.00 CHF 6’937.50
Reisezuschlag CHF 225.00

CHF 446.35
Mehrwertsteuer 7,7 % auf CHF 7’608.85 CHF 585.90
Total CHF 8’194.75

nachforderbarer Betrag CHF 1’494.40

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 6‘700.35.

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Fürsprecher B.________ die Differenz von CHF 1‘494.40 zwischen der amtlichen Entschä-
digung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

III.

Weiter wird verfügt:

1. Das Nunchaku wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB).

2. Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegen-
den Urteils zurückgegeben:

 Auto-Mietvertrag M.________, Vertrags-Nr. ________
 Hemd des Beschuldigten.

3. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. ________) erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).

4. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt 
(Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken-
nungsdienstlicher Daten).

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2. Gesuch um neue Beurteilung

Mit Schreiben vom 19. November 2018 verlangte der Beschuldigte die «Wieder-
aufnahme» des Verfahrens (pag. 840). Dieses Schreiben wurde von der Vorinstanz 
als Gesuch um neue Beurteilung gemäss Art. 368 StPO entgegengenommen 
(pag. 844). Das Gesuch wurde mit Entscheid vom 11. Dezember 2018 bzw. Berich-
tigung vom 13. Dezember 2018 durch die Vorinstanz abgewiesen (pag. 852 ff. und 
pag. 857 ff.). Dieser Entscheid blieb unangefochten und ist in Rechtskraft erwach-
sen.

3. Berufung

Gegen das Urteil der Vorinstanz meldete der Beschuldigte, vertreten durch Für-
sprecher B.________, mit Eingabe vom 2. November 2018 fristgerecht die Beru-
fung an (pag. 836). Die Berufungserklärung datiert vom 2. April 2019 und ging in-
nert Frist beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 933). Die Generalstaatsan-
waltschaft erklärte mit Schreiben vom 17. April 2019 die auf den Sanktionenpunkt 
beschränkte Anschlussberufung. Gründe für ein Nichteintreten machte sie keine 
geltend (pag. 941). Die Strafklägerin liess sich nicht vernehmen.

4. Gesuch um Entbindung vom amtlichen Verteidigungsmandat

Mit Schreiben vom 20. Mai 2019 stellte Fürsprecher B.________ den Antrag auf 
Entbindung vom amtlichen Verteidigungsmandat (pag. 952). Dieses Gesuch wurde 
mit Verfügung vom 26. Juli 2019 abgewiesen und das amtliche Mandat von Für-
sprecher B.________ bestätigt (pag. 971).

5. Dispensation der Strafklägerin an der oberinstanzlichen Verhandlung

Mit Blick auf das hohe Alter der Strafklägerin und unter Beilage eines entsprechen-
den Arztzeugnisses ersuchte deren Sohn D.________ mit Schreiben vom 25. Mai 
2020 in ihrem Namen um Dispensation von der oberinstanzlichen Verhandlung 
(pag. 1019). Mit Verfügung vom 15. Juni 2020 wurde die Strafklägerin vom persön-
lichen Erscheinen an der oberinstanzlichen Verhandlung dispensiert (pag. 1031).

6. Gesuche um Verschiebung des oberinstanzlichen Verhandlungstermins

In einem undatierten Schreiben des Beschuldigten an die Vorinstanz (Postaufgabe: 
23. März 2020), welches an das Obergericht des Kantons Bern weitergeleitet wur-
de, ersuchte der Beschuldigte mit Verweis auf diverse ärztliche Berichte um «Ter-
minansetzung nach Genesung» (pag. 1004). Der Antrag wurde mit Verfügung vom 
25. März 2020 und mit Verweis auf Ziff. 6 der Vorladung vom 19. November 2019 
abgewiesen (pag. 1011).

In einem weiteren undatierten Schreiben (Eingang Obergericht: 14. Juli 2020) be-
antragte der Beschuldigte erneut die Absetzung der Verhandlung mit Verweis auf 
seinen schlechten Gesundheitszustand und unter Beilage diverser ärztlicher Be-
richte (pag. 1050 ff.). Mit Verfügung vom 14. Juli 2020 wurde dieser Antrag wieder-
um abgewiesen mit der Begründung, dass dem Beschuldigten im beigelegten Arzt-
zeugnis vom 1. Juli 2020 eine Arbeitsunfähigkeit, nicht jedoch eine Verhandlungs-
unfähigkeit bescheinigt werde und dass die eingereichten ärztlichen Berichte, wie 

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auch die vom Beschuldigten verfassten Schreiben keine Hinweise auf gesundheitli-
che oder kognitive Einschränkungen enthielten, die eine Teilnahme an der ange-
setzten Verhandlung verunmöglichen würden (pag. 1065).

7. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Der Beweisantrag des Beschuldigten auf Einvernahme von N.________ als Zeuge 
wurde mit begründetem Beschluss vom 19. November 2019 abgewiesen (pag. 933 
und pag. 985). Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden von Amtes 
wegen ein Leumundsbericht inkl. Betreibungsregisterauszug, datierend vom 
29. Juni 2020 (pag. 1035 ff.), sowie ein aktueller Strafregisterauszug, datierend 
vom 3. Juli 2020 (pag. 1048), eingeholt. Anlässlich der oberinstanzlichen Verhand-
lung wurde D.________ als Zeuge befragt.

8. Abwesenheit des Beschuldigten an der oberinstanzlichen Verhandlung

Der Beschuldigte ist der oberinstanzlichen Verhandlung vom 21. Juli 2020 unent-
schuldigt ferngeblieben. Die Säumnisfolgen im Berufungsverfahren unterscheiden 
sich von denjenigen im erstinstanzlichen Verfahren. Während im erstinstanzlichen 
Verfahren gemäss Art. 366 ff. StPO ein Abwesenheitsverfahren durchgeführt wird, 
findet ein solches im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO nur 
dann statt, wenn die Staatsanwaltschaft oder die Privatklägerschaft Berufung erho-
ben haben. Ist hingegen die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint 
zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist 
die Berufungsverhandlung nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne die 
säumige beschuldigte Person durchzuführen, ein Abwesenheitsverfahren findet 
nicht statt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2 
mit Hinweisen; Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 2016 260 vom 
28. August 2018).

Vorliegend wurde durch den Beschuldigten Berufung erhoben. Die Anschlussberu-
fung der Generalstaatsanwaltschaft ist in ihrem Bestand von der Berufung des Be-
schuldigten abhängig und somit keine eigenständige Berufung. Der Beschuldigte 
erschien nicht zur oberinstanzlichen Verhandlung, wurde jedoch durch seinen amt-
lichen Verteidiger vertreten. Aus diesem Grund wurde die Berufungsverhandlung in 
Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Abwesenheit des Be-
schuldigten durchgeführt.

9. Anträge der Parteien

Fürsprecher B.________ beantragte in der Berufungserklärung in der Hauptsache 
die vollumfängliche Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils inklusive Rückweisung 
der Akten an das Regionalgericht Oberland zur nochmaligen Durchführung der 
Hauptverhandlung in Anwesenheit des Beschuldigten. Eventualiter stellte er den 
Antrag, der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen und die Schuldsprüche 
gemäss Ziff. I 1-4 des Urteils vom 24. Oktober 2018 seien aufzuheben (pag. 933). 
Der Antrag auf Rückweisung des Verfahrens wurde mit Verfügung vom 19. No-
vember 2019 bereits im Vorfeld zur oberinstanzlichen Verhandlung abgewiesen 

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(pag. 985). Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung stellte Fürsprecher 
B.________ sodann folgende Anträge:

Hauptanträge:

1. Das Urteil des Regionalgerichtes Oberland vom 24. Oktober 2019 (PEN 16 188) sei vollumfäng-
lich aufzuheben und an das Regionalgericht Oberland zurückzuweisen zur nochmaligen Durch-
führung der Hauptverhandlung in Anwesenheit des Beschuldigten inklusive dessen Befragung.

2. Die Verfahrenskosten des Berufungsverfahren seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

3. Das Honorar für die amtliche Verteidigung sei gemäss eingereichter Kostennote festzulegen oh-
ne Rückerstattungspflicht für den Beschuldigten.

Eventualanträge:

1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen von den Anschuldigungen gemäss der An-
klageschrift vom 24. Mai 2016 (Aufhebung der Schuldsprüche gemäss Ziff. I 1-4 des Dispositivs 
sowie der ausgesprochenen Sanktionen).

2. Dem Freizusprechenden sei eine durch den Kanton Bern zu bezahlende Entschädigung von 
CHF 3’400.00 für die ausgestandene Untersuchungshaft auszurichten.

3. Sämtliche erkennungsdienstliche Erfassungen inkl. DNA Profil seien nach Rechtskraft des Ur-
teils zu löschen.

4. Das beschlagnahmte Nunchaku sei nach Rechtskraft des Urteils an A.________ zurückzuge-
ben.

5. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen (Ziff. 3 der Urteils-
formel).

6. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

7. Die Rückerstattungspflicht von A.________ für die amtliche Entschädigung für die Verteidi-
gungskosten vor der 1. Instanz (Ziff. 11/2 des Dispositivs) sei aufzuheben, inkl. bezüglich des 
amtl. Honorars von FS L.________.

8. Die oberinstanzlichen Verteidigungskosten seien gemäss eingereichter Kostennote festzulegen 
ohne Rückerstattungspflicht für A.________.

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
folgende Anträge:

I.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Drohung, mehrfach begangen zwischen Anfang Juni und 11. Juli 2012 in E.________ Z. N. 
von C.________;

2. der einfachen Körperverletzung, begangen am 15. Juni 2012 in E.________ Z. N. von 
C.________;

3. der Erpressung, begangen zwischen Anfang Juni und 11. Juli 2012 in E.________ und 
F.________ Z. N. von D.________;

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4. der Beschimpfung, begangen am 3. März 2015 in G.________ z. N. von H.________, 
I.________ und J.________;

und er sei zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungshaft von 17 Tagen;

2. zu einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB;

3. zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00;

4. zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

II.

Des Weiteren seien:

1. das Kontakt- und Rayonverbot gemäss Entscheid des Regionalen Zwangsmassnahmengerichts 
Oberland vom 16. Juli 2012 aufzuheben;

2. das Nunchaku zur Vernichtung einzuziehen;

3. der Auto-Mietvertrag M.________ und das Hemd dem Beschuldigten zurückzugeben;

4. die Zustimmung zur Löschung des DNA-Profils und der biometrischen erkennungsdienstlichen 
Daten zu erteilen;

5. die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung zu bestimmen.

10. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil mit der Berufungserklärung vollum-
fänglich angefochten (pag. 933). Mangels Beschwer sind jedoch die Aufhebung 
des Kontakt- und Rayonverbots sowie die Rückgabe der beschlagnahmten Ge-
genstände an den Beschuldigten (Ziff. I.4 sowie Ziff. III.2 des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs) nicht von der Berufung erfasst.

In der Berufungserklärung gab die Generalstaatsanwaltschaft an, die Anschlussbe-
rufung auf die ausgesprochene Sanktion zu beschränken (pag. 941). Anlässlich der 
oberinstanzlichen Verhandlung stellte die Generalstaatsanwaltschaft den Antrag, 
die ausgesprochene Strafe der Höhe nach zu bestätigen, jedoch sei der bedingte 
Vollzug zu verweigern und es sei zusätzlich eine ambulante Massnahme nach 
Art. 63 StGB auszusprechen (pag. 1106).

Im Ergebnis sind Ziff. I.4 sowie Ziff. III.2 des erstinstanzlichen Urteils in Rechtkraft 
erwachsen. In den übrigen Punkten ist das erstinstanzliche Urteil durch die Kam-
mer neu zu beurteilen. Die Kammer verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 
Abs. 3 StPO). Sie ist nicht an die Anträge der Parteien gebunden (Art. 391 Abs. 1 
StPO).

11. Verbot der reformatio in peius

Die Kammer darf Entscheide nicht zum Nachteil des Beschuldigten abändern, 
wenn das Rechtsmittel nur zu dessen Gunsten ergriffen worden ist (sogenanntes 
Verschlechterungsverbot, Art. 391 Abs. 2 StPO). Vorliegend hat die Generalstaats-

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anwaltschaft zwar Anschlussberufung betreffend den Sanktionenpunkt erhoben. 
Sie hat jedoch bezüglich Höhe und Strafart die Bestätigung der erstinstanzlich aus-
gesprochenen Freiheitsstrafe beantragt. Eine Abänderung des erstinstanzlichen 
Urteils verlangt die Generalstaatsanwaltschaft lediglich in Bezug auf die Fragen 
des unbedingten Vollzugs und der Massnahme.

Wird im Rahmen einer (Anschluss-)Berufung keine Änderung des erstinstanzlichen 
Urteils beantragt, ist darauf mangels Rechtschutzinteresse nicht einzutreten (Urteil 
des Bundesgericht 6B_337/2009 vom 16. Juli 2009; Urteil des Obergerichts des 
Kantons Bern SK 2011 14 vom 22. Dezember 2011 E. 4). Soweit die General-
staatsanwaltschaft also bezüglich Strafhöhe die bereits ausgesprochenen 14 Mo-
nate Freiheitsstrafe beantragt, fehlt ihr das rechtlich geschützte Interesse an der 
Beurteilung ihrer Anschlussberufung. Die Generalstaatsanwaltschaft hat jedoch 
den Sanktionenpunkt ursprünglich als Gesamtes angefochten und in diesem Zu-
sammenhang auch beantragt, die Freiheitsstrafe sei unbedingt zu vollziehen. Es ist 
deshalb zunächst zu prüfen, ob die StPO eine getrennte Anfechtung der Strafe und 
der Gewährung des bedingten Strafvollzugs zulässt. Während die Rechtskommis-
sion des Nationalrates bei der Ausarbeitung der StPO offenbar davon ausging, der 
Sanktionenpunkt könne nur als Ganzes angefochten werden, geht die herrschende 
Lehre mit Blick auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts mittlerweile davon aus, 
dass eine separate Anfechtung von Strafzumessung und Sanktionenvollzug mög-
lich ist (Eugster, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweize-
rische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014 [BSK StPO-Bearbeiter], 
Art. 399 N 9; Schmid/Jositsch, Praxiskommentar Schweizerische Strafprozessord-
nung, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, Art. 399 N 20 mit Verweis auf das Urteil 
des Bundesgerichts 6B_498/2011 vom 23. Januar 2012 E. 1.4).

In der Folge bleibt die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft sowohl in 
Bezug auf die Frage des bedingten oder unbedingten Strafvollzugs wie auch in Be-
zug auf die Massnahme bestehen, nicht jedoch betreffend Strafhöhe. Aus diesem 
Grund darf die Kammer die Sanktion nur betreffend den bedingten Vollzug und die 
Massnahme zum Nachteil des Beschuldigten abändern. In den übrigen zu beurtei-
lenden Punkten, inkl. der Frage der Strafhöhe, gilt das Verschlechterungsverbot 
(Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Rückweisungsantrag

Das durch die Kammer zu überprüfende Urteil vom 24. Oktober 2018 wurde in An-
wendung von Art. 366 StPO in Abwesenheit des Beschuldigten gefällt. Die Vertei-
digung brachte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung vor, die Vorausset-
zungen für die Durchführung dieses Abwesenheitsverfahrens seien vor der Vorin-
stanz nicht erfüllt gewesen und beantragte deshalb erneut die vollumfängliche Auf-
hebung des erstinstanzlichen Urteils sowie die Rückweisung der Akten an das Re-
gionalgericht Oberland zur nochmaligen Durchführung der Hauptverhandlung in 
Anwesenheit des Beschuldigten. Dabei rügte der Verteidiger insbesondere, der 
Beschuldigte sei zu den Vorwürfen gemäss Anklageschrift nicht genügend befragt 
worden und habe nicht genügend Gelegenheit erhalten, sich zu den Aussagen der 
Strafklägerin und des Zeugen D.________ zu äussern (pag. 1094).

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12. Rechtliche Grundlagen Abwesenheitsverfahren

Gemäss Art. 366 Abs. 1 StPO hat das Gericht eine neue Verhandlung anzusetzen, 
wenn die ordnungsgemäss vorgeladene beschuldigte Person der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung fernbleibt. Erscheint der Beschuldigte trotz ordnungsgemässer 
Vorladung nicht zur neu angesetzten Hauptverhandlung, so kann diese trotz des-
sen Abwesenheit durchgeführt werden, wenn der Beschuldigte im bisherigen Ver-
fahren genügend Gelegenheit erhalten hatte, sich zu den vorgeworfenen Straftaten 
zu äussern und die Beweislage ein Abwesenheitsurteil zulässt (Art. 366 Abs. 2 
und 4 StPO). Die formellen Voraussetzungen für die Durchführung eines Abwe-
senheitsverfahrens sind demnach erfüllt, wenn die beschuldigte Person trotz zwei-
maliger ordnungsgemässer Vorladung unentschuldigt nicht zur Verhandlung er-
scheint. In materieller Hinsicht wird einerseits verlangt, dass der Beschuldigte be-
reits vorher die Gelegenheit erhalten hat, sich zu den Vorwürfen gegen ihn zu äus-
sern. Andererseits muss das Verfahren spruchreif sein, mithin muss die Beweisla-
ge ein Urteil in der Sache zulassen.

13. Verfahrensablauf vor der Vorinstanz

Der Beschuldigte wurde durch die Vorinstanz erstmals am 3. August 2016 zu einer 
Hauptverhandlung vorgeladen, die am 20. Oktober 2016 hätte stattfinden sollen 
(pag. 447). Diese Verhandlung wurde auf Gesuch des Beschuldigten und mit Blick 
auf die von ihm beigelegten Arztzeugnisse abgesetzt (pag. 482 und pag. 486). Der 
daraufhin angesetzte zweite Verhandlungstermin vom 1. März 2017 wurde eben-
falls auf Gesuch des Beschuldigten und mit derselben Begründung abgesagt 
(pag. 495, 512 und 518). In der Folge teilte die Verfahrensleitung mit, die Einver-
nahme des Beschuldigten vorziehen und diese in O.________ bzw. an dessen 
Wohnort in G.________ durchführen zu wollen, um die Reisezeit des Beschuldig-
ten auf ein Minimum zu verkürzen. Von der darauffolgenden Hauptverhandlung 
könne sich der Beschuldigte dispensieren lassen (pag. 518). Nachdem sich der 
Beschuldigte mit diesem Vorgehen zunächst einverstanden erklärt hatte (pag. 525), 
stellte er zwei Tage vor der geplanten Einvernahme in G.________ erneut ein Ge-
such auf Absetzung des Termins aus gesundheitlichen Gründen (pag. 576). Dar-
aufhin wurde eine Abklärung der Vernehmungs- und Reisefähigkeit des Beschul-
digten durch einen Vertrauensarzt angeordnet (pag. 582). Am bereits angesetzten 
Termin für die Hauptverhandlung vom 16. August 2017 wurde derweilen festgehal-
ten, unter Dispensation des Beschuldigten (pag. 558). Die Verhandlung wurde in-
sofern durchgeführt, als dass D.________ in Anwesenheit der amtlichen Anwältin 
des Beschuldigten als Zeuge einvernommen und die Verhandlung daraufhin abge-
brochen wurde (pag. 641 ff.). Am 22. August 2017 wurde der Beschuldigte durch 
Dr. med. P.________ vertrauensärztlich untersucht. In seinem Bericht vom 3. Sep-
tember 2017 attestierte Dr. med. P.________ dem Beschuldigten die Fähigkeit, 
selbständig von G.________ nach X.________ zu reisen sowie eine Verneh-
mungsfähigkeit für eine Zeit von max. 2 Stunden. Im Gegensatz zur attestierten 
Vernehmungsfähigkeit empfahl Dr. med. P.________, zur Abklärung der Verhand-
lungsfähigkeit des Beschuldigten ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen, da er 
bezweifle, dass der Beschuldigte die eigenen Interessen während einer Verhand-
lung wahrnehmen und sich sachgerecht verteidigen könne (pag. 654 f.).

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Gestützt auf die vertrauensärztliche Einschätzung wurde der Beschuldigte für die 
Fortsetzungsverhandlung vom 11. Januar 2018 vorgeladen mit dem Hinweis, dass 
weitere Arztzeugnisse nur noch bei erheblicher Veränderung/Verschlechterung der 
gesundheitlichen Situation als Entschuldigungsgrund akzeptiert würden (pag. 658). 
Nachdem der Beschuldigte vergeblich telefonisch versuchte, die Verhandlung er-
neut aus gesundheitlichen Gründen absetzen zu lassen (pag. 665), strengte er die 
Absetzung seiner amtlichen Verteidigerin an (pag. 666 ff.). Auf deren Antrag hin 
wurde die amtliche Verteidigerin am 20. Dezember 2017 aus ihrem Amt entlassen, 
was dazu führte, dass auch die Fortsetzungsverhandlung vom 11. Januar 2018 ab-
gesetzt wurde (pag. 691). Die Fortsetzungsverhandlung wurde daraufhin unter 
Vorbehalt eines Abwesenheitsverfahrens im Falle des Fernbleibens der beschul-
digten Person auf den 31. Mai 2018 neu angesetzt (pag. 726).

Im Hinblick auf diesen Verhandlungstermin stellte der Beschuldigte zweimal einen 
Antrag auf Sistierung des Verfahrens, eventualiter auf Verschiebung der Verhand-
lung (pag. 746 f. und pag. 757 f.). Im ersten Antrag wurde dabei Bezug genommen 
auf das Arztzeugnis von Dr. med. Q.________ vom 9. Mai 2018 (pag. 748 f.). Dem 
zweiten Antrag wurde ein Bericht ebenfalls von Dr. med. Q.________, datierend 
vom 29. Mai 2018, beigelegt. Beide Anträge wurden durch die Verfahrensleitung 
mit Verfügung vom 23. bzw. 30. Mai 2018 abgewiesen (pag. 751 f. und 
pag. 760 f.). In der Begründung wurde der Beschuldigte zusammengefasst darauf 
hingewiesen, dass die beiden Arztzeugnisse im Vergleich zur vertrauensärztlichen 
Untersuchung vom 22. August 2017 keine erhebliche Verschlechterung des ge-
sundheitlichen Zustands des Beschuldigten in Bezug auf dessen Reise- und Ver-
nehmungsfähigkeit nachweisen würden und aus diesem Grund an der Vorladung 
für die Hauptverhandlung vom 31. Mai 2018 festgehalten werde. Die bereits von 
Dr. med. P.________ in Frage gestellte, fehlende Fähigkeit des Beschuldigten, 
seine eigenen Interessen wahrzunehmen, sei durch die Bestellung einer amtlichen 
Verteidigung berücksichtigt worden. Trotz dieser beiden Verfügungen erschien der 
Beschuldigte nicht zur Fortsetzungsverhandlung vom 31. Mai 2018 (pag. 766 ff.). 
Mit Vorladung vom 4. Juni 2018 wurde sodann ein letzter Verhandlungstermin auf 
den 24. Oktober 2018 angesetzt, erneut mit dem Hinweis auf die Durchführung ei-
nes Abwesenheitsverfahren bei Fernbleiben der beschuldigten Person (pag. 779). 
Da die Vorladung dem Beschuldigten weder per Post noch polizeilich zugestellt 
werden konnte, wurde sie am 15. August 2018 im Amtsblatt veröffentlicht (pag. 796 
und pag. 802 f.). Diese Terminansetzung wurde durch den Beschuldigten offenbar 
zu Kenntnis genommen, veranlasste er doch erneut einen Antrag auf Sistierung 
des Verfahrens, eventualiter Verschiebung der Verhandlung (pag. 804). Der Antrag 
wurde mit Verweis auf die Verfügung vom 30. Mai 2018 abgewiesen (pag. 807). 
Ebenso der kurzfristige Antrag des Beschuldigten persönlich auf Absetzung des 
amtlichen Verteidigers zwei Tage vor dem Verhandlungstermin (pag. 810 und 
pag. 811). Erneut erschien der Beschuldigte trotz fehlender Dispensation am 
24. Oktober 2018 nicht zum Verhandlungstermin.

14. Formelle Voraussetzungen des Abwesenheitsverfahrens

Der Beschuldigte ist sowohl dem Verhandlungstermin vom 31. Mai 2018 wie auch 
jenem vom 24. Oktober 2018 unentschuldigt ferngeblieben. Zu beiden Terminen 

11

war der Beschuldigte korrekt vorgeladen worden. Die im Hinblick auf die beiden 
Termine mehrfach gestellten Anträge auf Absetzung der Verhandlung belegen 
denn auch die vorgängige Kenntnisnahme der Termine durch den Beschuldigten. 
Die Vorinstanz hat im Vorfeld beider Termine begründet, weshalb sie den Beschul-
digten nicht von der Teilnahme dispensiert bzw. die Verhandlung nicht absetzt. Der 
amtliche Anwalt war an beiden Terminen anwesend. Damit waren die formellen 
Voraussetzungen für die Durchführung eines Abwesenheitsverfahrens erfüllt.

15. Materielle Voraussetzungen des Abwesenheitsverfahrens

Der Beschuldigte wurde am 9. Juli 2012 (pag. 197 ff.), am 13. Juli 2012 
(pag. 199 ff.) sowie am 8. August 2015 (pag. 208 ff.) und somit insgesamt drei Mal 
einvernommen. Davon wurde er zwei Mal von der Staatsanwaltschaft befragt und 
erhielt dabei die Gelegenheit, sich zu den Aussagen der Strafklägerin vom 3. Ju-
li 2012 zu äussern. An der zweiten Einvernahme der Strafklägerin vom 23. Sep-
tember 2015 war die amtliche Anwältin des Beschuldigten anwesend (pag. 216 ff.). 
Nicht vertreten war der Beschuldigte an der Einvernahme von D.________ als 
Zeuge am 1. Dezember 2015. Dieser wurde aber an der Hauptverhandlung vom 
16. August 2017 erneut und diesmal parteiöffentlich befragt. Zusätzlich dazu hätte 
der Beschuldigte wie dargelegt anschliessend mehrfach die Gelegenheit gehabt, 
sich vor Gericht persönlich zu den Vorwürfen zu äussern. Das erstinstanzliche Ge-
richt hat dabei auf die geltend gemachten gesundheitlichen Bedürfnisse des Be-
schuldigten Rücksicht genommen, indem es mehrfach angesetzte Termine abge-
setzt und verschoben hat und sogar anbot, eine Einvernahme am Wohnort des Be-
schuldigten durchzuführen. Erst nachdem der Beschuldigte kurzfristig auch dieses 
Angebot nicht wahrgenommen hatte, wurde eine vertrauensärztliche Begutachtung 
angeordnet, welche ergab, dass der Beschuldigte für die Dauer von ca. 2 Stunden 
vernehmungsfähig und für die Strecke G.________-X.________ reisefähig war. 
Wenn der Beschuldigte die Termine vor Gericht trotz dieser Bemühungen nicht 
wahrgenommen hat, hat er sich dieses Versäumnis selber zuzuschreiben – es 
wären ihm mehrere Gelegenheiten geboten worden, sich zu den ihm vorgeworfe-
nen Straftaten zu äussern und zu den ihn belastenden Aussagen persönlich Stel-
lung zu nehmen.

Im Weiteren lagen dem erstinstanzlichen Gericht mit den Aussagen des Beschul-
digten, der Strafklägerin, des Zeugen D.________ sowie den objektiven Beweismit-
teln genügend Beweismittel vor, um ein Urteil fällen zu können. Auch die materiel-
len Voraussetzungen für das Abwesenheitsverfahren waren somit erfüllt.

In diesem Zusammenhang kann auch dem Vorwurf der Verteidigung nicht gefolgt 
werden, der Beschuldigte werde vor Gericht nicht für die ihm vorgeworfenen Delik-
te, sondern für sein Verhalten im Verfahren verurteilt. Obwohl es dem Beschuldig-
ten gemäss vertrauensärztlicher Einschätzung von Dr. med. P.________ gesund-
heitlich möglich war, an den gerichtlichen Terminen in X.________ teilzunehmen, 
ist er sämtlichen gerichtlichen Terminen ferngeblieben. Mit Blick auf das vertrau-
ensärztliche Gutachten ist insbesondere nicht nachvollziehbar, weshalb der Be-
schuldigte die Einvernahme an seinem Wohnort kurzfristig abgesagt hat. Ein sol-
ches Verhalten hat von Gesetzes wegen prozessuale Konsequenzen. Dazu gehört, 

12

dass ein Verfahren ab einem bestimmten Zeitpunkt und unter bestimmten Voraus-
setzungen auch ohne die Teilnahme des Beschuldigten weitergeführt wird. Diese 
Konsequenzen hat der Beschuldigte zu tragen. Indem er sich einem gerichtlichen 
Termin wiederholt und entgegen den ausdrücklichen Hinweisen auf die prozessua-
len Folgen entzogen hat, ging er bewusst das Risiko einer Verurteilung aufgrund 
der aktuellen Beweislage ein, ohne dem Gericht noch einmal persönlich seine Sicht 
der Dinge zu präsentieren. Der Vorinstanz kann deshalb weder eine Verletzung 
des rechtlichen Gehörs noch eine unfaire Behandlung des Beschuldigten vorge-
worfen werden.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

Zu beurteilen sind die Vorwürfe gemäss Anklageschrift vom 24. Mai 2016 
(pag. 433 ff). Diese lassen sich in zwei unterschiedliche Sachverhaltskomplexe un-
terteilen: Einerseits geht es um die Delikte aus dem Jahr 2012 gegenüber der Mut-
ter (nachfolgend: Strafklägerin) und dem Bruder des Beschuldigten (Ziff. 1-3 der 
Anklageschrift). Andererseits ist eine Beschimpfung aus dem Jahr 2015 zu beurtei-
len (Ziff. 4 der Anklageschrift).

Auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den theoretischen Grundla-
gen der Beweiswürdigung wird verwiesen (pag. 880 ff.).

16. Beweiswürdigung betreffend Ziff. 1-3 der Anklageschrift

Die Vorinstanz hat den unbestrittenen Sachverhalt (pag. 879) für die Vorfälle im 
Jahr 2012 zutreffend aufgeführt. Weiter hat sie in Bezug auf Ziff. 1-3 der Anklage-
schrift eine gesamthafte Beweiswürdigung vorgenommen (pag. 889 ff.). Darin 
kommt sie zum Schluss, dass für die Ermittlung der relevanten Sachverhalte auf 
die glaubhaften und stringenten Aussagen der Strafklägerin und des Zeugen 
D.________ abzustellen sei. Die Kammer erachtet diesen Schluss als korrekt und 
verweist deshalb unter Vorbehalt der nachfolgenden Ergänzungen/Präzisierungen 
auf die Ausführungen der Vorinstanz.

16.1 Beweismittel

16.1.1 Allgemeine Beweismittel

Die Vorinstanz hat die massgeblichen objektiven und subjektiven Beweismittel aus-
führlich wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (pag. 882 ff.). Zu ergänzen 
ist diese Zusammenstellung um die Einvernahme des Zeugen D.________ anläss-
lich der oberinstanzlichen Verhandlung (pag. 1087 ff.).

16.1.2 Aussagen des Zeugen D.________ vom 21. Juli 2020

D.________ machte zunächst detaillierte Ausführungen zu den Familienverhältnis-
sen der Familie A.________-D.________ (pag. 1087 Z. 14-43, pag. 1092 Z. 18 ff.): 
Sie seien insgesamt acht Kinder gewesen, davon je vier Halbgeschwister. Er selber 
sei der Drittälteste, der Beschuldigte sei der Jüngste. Die finanziellen Verhältnisse 
der Familie seien immer knapp gewesen. Aus diesem Grund hätten der älteste 
Bruder R.________ und der Zweitälteste N.________ teilweise bei Verwandten ge-
lebt. Die Strafklägerin habe ihr ganzes Leben lang gearbeitet, tagsüber geputzt und 

13

die halbe Nacht genäht, um die Familie über Wasser zu halten. Sie habe nichts 
sparen können und könne sich das Altersheim jetzt nur leisten, weil sie ihr Haus 
verkauft habe. Sie sei ein «wärschaftes Froueli», die alle Kinder aufgezogen habe 
und «bis zum letzten Kind geschaut» habe (pag. 1093 Z. 3 ff.). Bis zu den Vorfällen 
mit dem Beschuldigten hätten sie alle ein gutes Verhältnis mit der Mutter gehabt. 
Neben dem Beschuldigten habe sich dann auch der Zweitälteste N.________ mit 
der Mutter überworfen. Auch dieser habe von ihr Geld gewollt, er habe ihr aber 
auch Vorwürfe gemacht, weil er nicht bei ihr habe aufwachsen dürfen (pag. 1092 
Z. 18ff.).

Der Zeuge D.________ gab sodann Einblick in die Vorgeschichte zu den Vorfällen 
vom Sommer 2012. Nachdem der Beschuldigte von seinem langjährigen Aus-
landsaufenthalt zurückgekommen sei, sei es bei ihm immer um Geld gegangen, da 
er nie gearbeitet und deshalb nie Geld gehabt habe (pag. 1089 Z. 3 ff.). So habe 
der Beschuldigte beispielsweise sofort Geld verlangt, wenn man ihn um einen Ge-
fallen gebeten habe (pag. 1089 Z. 5 ff.). Auch habe er die Witwe seines Bruders 
N.________ kurz nach dessen Tod um Geld angegangen (pag. 1092 Z. 13 ff.). Der 
Beschuldigte habe überall immer probiert, Geld zu erhalten, er habe auch seinen 
Schwager in S.________ oder T.________ (Profisportler) angegangen (pag. 1092 
Z. 26 ff.). Der Beschuldigte habe bereits vor den Vorfällen im Sommer 2012 von 
D.________ eine Viertel Million erhältlich machen wollen («jahrelange Geschich-
te», pag. 1090 Z. 26). Bereits Jahre vorher, nach seinem Autounfall, habe der Be-
schuldigte ihn um CHF 250'000.00 gebeten, für ein Projekt bzw. um im Zusam-
menhang mit diesem Unfall ein Gerichtsverfahren zu finanzieren und von der Ver-
sicherung auf diese Weise Geld zu erhalten. Er habe ihm das Geld aber nicht ge-
geben (pag. 1090 f. Z. 39 ff.). Während der Beschuldigte im Ausland gewesen sei, 
habe er ihm ein paar Mal aus der Klemme geholfen. Dies seien aber keine grossen 
Beträge gewesen, CHF 5'000.00-6'000.00 (pag.1092 Z. 23 f.).

D.________ bemerkte zudem, der Beschuldigte habe sich mit seinen Geschwistern 
überworfen, weil er diesen, die alle handwerkliche Berufe ausgeübt hätten, nach 
seiner Rückkehr aus dem Ausland vorgeworfen habe, sie seien nichts, sie seien 
nur «Büezer». Das habe die Geschwister verärgert, sie hätten den Eindruck ge-
habt, der A.________ sei weg und komme dann zurück, habe selber nichts und 
wolle ihnen sagen, was sie alles falsch gemacht hätten (pag. 1088 Z. 35 ff.). Die 
Geschwister wären gemäss D.________ durchaus bereit gewesen, ihrem Bruder 
zu helfen, wenn dieser sie mit seinen Aussagen, sie seien alle «nur Büezer», nicht 
vors Gesicht gestossen hätte und wenn sie gesehen hätten, dass dieser arbeite, 
sich die Hände dreckig mache (pag. 1092 Z. 34ff.).

Zur Sache gab D.________ Folgendes zu Protokoll: 

Von den Vorfällen zwischen seiner Mutter und dem Beschuldigten habe er über 
den ältesten Bruder R.________ erfahren, der mit ihr zum Arzt und zur Polizei ge-
gangen sei. Er wisse nur vom Hörensagen, was vorgefallen sei (pag. 1089 
Z. 13 ff.). R.________ habe ihm von «diesen japanischen Holzknebeln mit der Ket-
te» erzählt und dass der Beschuldigte die Strafklägerin geschlagen und mit den 
Haaren am Boden nachgerissen habe. Der Beschuldigte habe seiner Mutter aus-
serdem gesagt: «Jetzt kommst du mit, wir gehen zu D.________, der hat Kohle, 

14

jetzt gehen wir zu dem nach U.________, der soll die Kohle rausmachen» 
(pag. 1089 Z. 19 ff. und Z. 36 f.). Ob er in dieser Zeit auch mit der Mutter selber 
Kontakt gehabt habe, wisse er nicht mehr (pag. 1089 Z. 28 ff.).

Der Beschuldigte habe ihn danach angerufen und um eine Viertel Million gefragt 
und von ihm verlangt, er solle die Hypothek auf seiner Wohnung erhöhen 
(pag. 1088 Z. 19 ff.). Der Beschuldigte habe gesagt, es müsse eine Viertel Million 
her, er habe ein Projekt und er würde das Geld wieder zurückzahlen. D.________ 
schilderte sodann, er habe sich während dem Telefon überlegt, dem Beschuldigten 
CHF 50'000.00 als Darlehen zu geben, da er gewusst habe, dass der Beschuldigte 
sich danach davonmachen würde («de tubet er wider», pag. 1089 f. Z. 40 ff.). Die-
ses Telefon habe sich ereignet, kurz nachdem der Vorfall mit der Mutter passiert 
sei. Er habe den Beschuldigten am Telefon noch gefragt, was da gehe, was mit der 
Mutter gewesen sei. Er könne nicht mehr genau sagen, wann, aber es müsse ein 
paar Tage später gewesen sei, es sei jedenfalls alles noch frisch gewesen 
(pag. 1090 Z. 19 ff.). Auf Nachfrage bestätigte der Zeuge erneut, die Vorfälle mit 
der Mutter seien vor dem Telefonat passiert, er habe den Beschuldigten am Tele-
fon gefragt, was er da geleistet habe (pag. 1090 Z. 28 ff.).

Er habe dem Beschuldigten das Geld lediglich gegeben, um die Mutter zu schützen 
(pag. 1089 f. Z. 45 f.). Er habe dem Beschuldigten das Geld gegeben, nachdem 
dieser die Mutter gepackt habe. Er habe damit verhindern wollen, dass es eskalie-
re, habe gewollt, dass der Beschuldigte die Mutter in Ruhe lasse. Er habe sich am 
Telefon mit dem Beschuldigten gedacht, wie er verhindern könne, dass die Mutter 
noch mehr leiden müsse wegen dem Beschuldigten (pag. 1091 Z. 12 ff.). Er habe 
dem Beschuldigten das Geld nicht gegeben, damit dieser in die Ferien könne. Er 
habe sich gedacht, wenn der Beschuldigte Geld habe, lasse er die Mutter wieder in 
Ruhe (pag. 1091 Z. 32 ff.). Er hätte dem Beschuldigten das Geld ganz sicher nicht 
bezahlt, wenn dieser vorher nicht bei der Mutter gewesen wäre. Das sei verlorenes 
Geld, der Beschuldigte hätte das nie zurückzahlen können. Er habe es bezahlt, um 
die Mutter zu schützen, sonst hätte er das zu 100% nie bezahlt (pag. 1092 
Z. 31 ff.).

Da seine Mutter gesagt habe, der Beschuldigte wolle auch ihn «abschlagen oder 
was auch immer», habe er einen Pfefferspray gekauft und einen Golfschläger im 
Geschäft versteckt. Er habe seinem Personal gesagt, wenn einer komme und ihn 
angreife, sollten sie dem Angreifer damit in die Kniekehlen schlagen. Sein Bruder 
sei ja ein Kämpfer, das dürfe man nicht vergessen, da «liege man schnell flach» 
(pag. 1090 Z. 9 ff.).

Der Beschuldigte habe ihn nie direkt bedroht, ihn nie angerufen und gesagt, «ich 
schlage dich» (pag. 1091 Z. 27 f.). Er habe ihm – D.________ – auch nicht gesagt, 
er «gehe gegen die Mutter» (pag. 1093 Z. 19 ff.).

Der Beschuldigte habe gewusst, dass er – D.________ – ein gutes Verhältnis zu 
seiner Mutter pflege und dass diese ihn über die Vorfälle informieren würde 
(pag. 1091 Z. 20).

Das Telefon sei der letzte Kontakt zu seinem Bruder gewesen, danach habe er nie 
mehr etwas von ihm gehört (pag. 1088 Z. 19, pag. 1090 Z. 2 ff.).

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16.2 Würdigung der Aussagen

16.2.1 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde am 9. Juli 2012, am 13. Juli 2012 sowie am 8. Au-
gust 2015 zu den Vorwürfen gemäss Ziff. 1-3 der Anklageschrift befragt, wobei er 
lediglich in der Befragung bei der Staatsanwaltschaft vom 13. Juli 2012 Aussagen 
zur Sache gemacht hat (pag. 199 ff.). In der Würdigung dieser Aussagen kam die 
Vorinstanz zum Schluss, diese seien wenig stringent, in wesentlichen Punkten 
nicht nachvollziehbar und wirkten weitgehend konstruiert, weshalb die Aussagen 
nicht überzeugend seien (pag. 891 f.).

Die Aussagenanalyse der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden, es kann vorab dar-
auf verwiesen werden. Insbesondere ist hervorzuheben, dass der Beschuldigte im 
Grundsatz nicht bestreitet, dass es zwischen ihm und seiner Mutter beim ersten 
Zusammentreffen im Juni 2012 zu Handgreiflichkeiten kam und dass er von seinem 
Bruder Geld wollte (pag. 202 Z. 111 ff. und pag. 203 Z. 150 f.). Auch erwähnte der 
Beschuldigte den vorbestehenden Familienkonflikt zwischen ihm selbst und seiner 
Mutter resp. zwischen seinem Bruder [N.________] und der gemeinsamen Mutter 
(pag. 201 Z. 87 ff.). Diese Konflikte werden später auch vom Zeugen D.________ 
geschildert (pag. 1087 Z. 32 ff. und pag. 1092 Z. 13). Übereinstimmend mit seinem 
Bruder gab er ausserdem an, früher sei der Zusammenhalt zwischen den Ge-
schwistern gross gewesen (pag. 203 Z. 170 f). Die Angaben zum konkreten Ge-
schehensablauf hingegen erscheinen an verschiedenen Stellen widersprüchlich 
und nicht nachvollziehbar. So gab er etwa eingangs an, er habe mit seiner Mutter 
«die ganze Angelegenheit zwischen ihnen» bereinigen wollen, habe sie gefragt, 
weshalb sie ihn ausschliesse (pag. 202 Z. 115 ff.). Kurz darauf räumte er ein, es sei 
darum gegangen, Geld von seinem Bruder zu erhalten (pag. 203 Z. 150 f.), nur um 
wenige Fragen später zu ergänzen, es sei nicht so gewesen, dass er kein Geld ge-
habt habe, es sei eine Tradition seiner Mutter, er habe gesagt, er wolle das Geld 
nicht und er brauche dieses nicht (pag. 204 Z. 194 ff.). Anders als von der Verteidi-
gung vorgebracht, geht aus seinen Schilderungen demnach nicht hervor, der Be-
schuldigte habe mit seiner Mutter lediglich den innerfamiliären Konflikt beredet, 
nicht aber über Geld gesprochen.

Auch die Aussagen des Beschuldigten auf die Frage, ob er seine Mutter bei den 
Treffen jemals bedroht habe, erscheinen entgegen dem Vorbringen der Verteidi-
gung nicht glaubhaft. So gab er an, es sei schwierig zu sagen, ob er seine Mutter 
bedroht habe, er habe ihr von seinem Autounfall erzählt und ihr geschildert, es sei, 
als wäre sein Haus abgebrannt. Er habe seiner Mutter seine Projekte gezeigt und 
ihr gesagt, sie solle sich vorstellen, wenn ihr Haus abgebrannt wäre (pag. 203 
Z. 175 ff). An dieser Aussage fällt auf, dass der Beschuldigte seine angebliche Er-
zählung von seinem Unfall und den Vergleich mit dem Hausbrand von sich aus mit 
einer Drohung gegen seine Mutter in einen Zusammenhang gebracht hat: Die die-
ser Aussage vorangehende Frage hatte gelautet, ob er seine Mutter bei den Tref-
fen jemals bedroht habe. Die Tatsache, dass er auf diese Frage mit dem Vergleich 
des Hausbrandes antwortete, legt nahe, dass es hierzu tatsächlich einen Zusam-
menhang gab, sich die Strafklägerin effektiv bedroht fühlte. Die Erklärung des Be-
schuldigten wirkt dabei konstruiert und wenig glaubhaft.

16

Die Tatsache, dass der Beschuldigte während der Befragung in Tränen ausbrach 
und mehrfach beteuerte, wie sehr er seine Mutter liebe und verehre, verleiht dem 
Beschuldigten denn auch keine Glaubwürdigkeit. Vielmehr öffnet dieses Verhalten 
eine weitere Widersprüchlichkeit, stellt doch der Beschuldigte den ganzen Vorfall 
so dar, wie wenn seine Mutter ihn aus der Familie ausgrenze und beim ersten Zu-
sammentreffen sofort tätlich auf ihn losgegangen wäre.

Hervorzuheben sind zuletzt die Widersprüchlichkeiten seiner Angaben in Bezug auf 
sein persönliches Verhältnis zu Gewalt. Während er einerseits zugab, seine 86-
jährige Mutter am Kopf gepackt und ein Nunchaku zu ihr mitgenommen zu haben 
(pag. 202 Z. 121 und pag. 203 Z. 147), betonte er wiederholt, er sei ein völlig ge-
waltloser Mensch (pag. 204 Z. 226 ff.).

Die Angaben des Beschuldigten zum konkreten Geschehensablauf erscheinen vor 
diesem Hintergrund wenig glaubhaft, weshalb nicht darauf abgestellt wird.

16.2.2 Aussagen der Strafklägerin

Die Strafklägerin wurde zweimal einvernommen. Ein erstes Mal im Anschluss an 
die Anzeigeerstattung am 3. Juli 2012 bei der Polizei und ein zweites Mal parteiöf-
fentlich am 23. September 2015 bei der Staatsanwaltschaft. Wie von der Vorin-
stanz zutreffend festgehalten, hat sie das Geschehen darin weitgehend überein-
stimmend und detailreich geschildert.

Anders als von der Verteidigung vorgebracht, nimmt die Glaubwürdigkeit der Straf-
klägerin keinen Schaden daran, dass sie erst drei Jahre nach dem Vorfall parteiöf-
fentlich befragt wurde. Zwar sind ihre Aussagen bei der Polizei insgesamt detailrei-
cher als diejenigen bei der Staatsanwaltschaft. Es gelang ihr aber auch im Jahr 
2015 mühelos, den wesentlich Geschehensablauf zu schildern und die Fragen der 
Verteidigung zu beantworten. Der Beweiswert dieser Aussagen wurde durch den 
Zeitablauf somit in keiner Weise gemindert. Vielmehr fällt auf, dass die Strafkläge-
rin auch bei der Befragung bei der Staatsanwaltschaft drei Jahre nach dem Vorfall 
Details der Auseinandersetzung mit ihrem Sohn wiedergeben konnte, wie etwa, 
dass sie den Kopf gesenkt habe und er sie daraufhin aufgefordert habe, den Kopf 
zu heben und ihn anzuschauen (pag. 217 Z. 43) oder dass er zwischen den Dro-
hungen jeweils aufgestanden sei, mit den Fäusten auf den Tisch geschlagen und 
dabei gesagt habe, dass das, was er sage, auch gelte (pag. 219 Z. 92). Dieses Er-
innerungsvermögen zeigt, wie einschneidend das Erlebte für die Strafklägerin war 
und unterstreicht dadurch die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.

In Ergänzung zu den Ausführungen der Vorinstanz kann zudem hervorgehoben 
werden, dass die Strafklägerin nicht nur Gesprächsfetzen wiedergeben konnte, 
sondern auch zu Protokoll gab, was sie gerne gesagt hätte, jedoch nicht sagen 
konnte («Ich wollte zu ihm sagen, was ich ihm eigentlich in den Weg gelegt habe, 
aber ich kam nicht zu Wort» pag. 214 Z. 57). Sie war denn auch in der Lage, das 
Nunchaku treffend zu beschreiben, obwohl sie den Gegenstand nicht kannte 
(pag. 213 Z. 55). 

Aggravierungstendenzen von der ersten zur zweiten Einvernahme im Zusammen-
hang mit der Krawatte und dem verlangten Geldbetrag können entgegen der Be-
hauptung der Verteidigung keine festgestellt werden. Die Strafklägerin erwähnte 

17

bereits in der ersten Einvernahme bei der Polizei, der Beschuldigte habe plötzlich 
eine Krawatte in der Hand gehabt. Diese sei ihm zu Boden gefallen, als er ihr den 
Mund zugehalten habe (pag. 214 Z. 62 f.). An der zweiten Einvernahme schilderte 
die Strafklägerin im Rahmen der freien Erzählung zunächst ebenfalls von sich aus, 
der Beschuldigte habe eine Krawatte in den Händen gehalten, als er zu ihr ge-
kommen sei (pag. 217 Z. 46). Erst auf Frage der Verteidigung, ob A.________ ver-
sucht habe, ihr die Krawatte um den Hals zu legen, sagte sie aus: «Er ist auf mich 
zugekommen und hat versucht, die Krawatte mir umzulegen. Ich habe ihn dann 
weggestossen. Dabei habe ich ihm auch noch einen Hemdknopf abgerissen. Die 
Krawatte ist dann zu Boden gefallen» (pag. 219 Z. 113 ff.). Aus dem Protokoll geht 
nicht hervor, was für die Verteidigerin der Auslöser für diese Frage war, mithin ob 
die Strafklägerin zuvor in einer nicht protokollierten Aussage angegeben hatte, der 
Beschuldigte habe ihr die Krawatte umlegen wollen. Wesentlich in Bezug auf den 
Vorwurf der Aggravation ist jedoch die darauffolgende Erklärung der Strafklägerin 
auf die Frage, weshalb sie nicht bereits bei der Polizei gesagt habe, dass der Be-
schuldigte versucht habe, ihr die Krawatte um den Hals zu legen: «Ich war an dem 
Abend in solch einem speziellen Zustand, und auch am anderen Tag bei der Poli-
zei… Hinterher ist mir dann in den Sinn gekommen, wie er die Krawatte hielt» 
(pag. 219 Z. 120 f.). Diese Erklärung wirkt glaubhaft, ist doch aus dem Protokoll der 
ersten Einvernahme ersichtlich, dass die Strafklägerin vom soeben Erlebten er-
schüttert und aufgelöst war (pag. 213 Z. 32 und pag. 215 Z. 107 f.). Die Verteidi-
gung bringt dagegen vor, der Vorfall mit der Krawatte wäre – hätte er sich denn so 
wie von der Strafklägerin in der zweiten Einvernahme geschildert zugetragen – für 
die Strafklägerin das bedrohlichste Erlebnis gewesen und wäre deshalb bei der 
ersten Einvernahme nicht vergessen gegangen. Daraus schliesst die Verteidigung, 
dass die Schilderung der Strafklägerin in der zweiten Einvernahme eine Übertrei-
bung sei, die sich so nicht zugetragen habe und die die Glaubhaftigkeit ihrer Aus-
sagen untergrabe. Dem kann nicht gefolgt werden: Aus den Erzählungen der Straf-
klägerin geht hervor, dass dem Beschuldigten die Krawatte aus der Hand fiel, be-
vor er diese in irgendeiner Weise gegen die Strafklägerin verwendete. Entspre-
chend kurz war für sie diesbezüglich die Bedrohungssituation. Zugleich befanden 
sich der Beschuldigte und die Strafklägerin in einer Rangelei, von der die Strafklä-
gerin konkrete und schmerzhafte Verletzungen davontrug. Es erscheint deshalb 
nachvollziehbar, dass der Vorfall mit der Krawatte für die Strafklägerin eher ein Ne-
benschauplatz war, den sie in ihrer Wiedergabe des Erlebten nicht besonders her-
vorhob und zu dem sie sich erst hinterher richtig Gedanken gemacht hat.

Auch im Zusammenhang mit dem geforderten Geldbetrag ist keine Aggravation er-
sichtlich. Die Verteidigung brachte vor, die Strafklägerin habe erst in der zweiten 
Einvernahme behauptet, der Beschuldigte habe von ihr eine halbe Million gewollt. 
Dies sei so nicht vorgefallen, habe der Beschuldigte doch selber angegeben, er 
habe von ihr kein Geld gewollt, sie habe ja kein Geld. Tatsächlich gab die Strafklä-
gerin den Betrag «eine halbe Million» erst in der zweiten Einvernahme zu Protokoll 
und sagte dort zunächst auch, der Beschuldigte habe Geld von ihr gewollt 
(pag. 217 Z. 41). Im weiteren Verlauf der zweiten Einvernahme wird jedoch klar, 
dass es nach Ansicht der Strafklägerin darum ging, dass sie «schauen solle, dass 
das Geld komme» (pag. 218 Z. 53) und dass der Beschuldigte das Geld eigentlich 

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von seinem Bruder D.________ wollte (pag. 218 Z. 68). Diese Konstellation schil-
derte die Strafklägerin bereits an der ersten Einvernahme (pag. 214 Z. 78). Die we-
sentlichen Angaben der Strafklägerin stimmen somit von der ersten zur zweiten 
Einvernahme auch in diesem Punkt überein. Die Tatsache, dass sie nur in der 
zweiten Einvernahme einen konkreten Betrag nannte, kann vor diesem Hintergrund 
nicht als Aggravation bezeichnet werden.

Zuletzt ist hervorzuheben, dass aus den Aussagen der Strafklägerin verschiedent-
lich hervorgeht, wie sehr das Erlebte sie erschüttert hat. Bereits in der ersten Ein-
vernahme ging es ihr «seelisch nicht sehr gut» (pag. 213 Z. 32). Sie wollte nichts 
mehr mit dem Beschuldigten zu tun haben und wollte auch, dass er nicht mehr in 
ihre Nähe kommt (pag. 215 Z. 107). Sie gab weiter zu Protokoll, vor lauter Scham 
nicht zum Arzt gegangen zu sein, obwohl sie einige Tage ziemlich Schmerzen am 
Hals und an den Oberarmen gehabt habe (pag. 215 Z. 112). An der zweiten Ein-
vernahme drei Jahre nach den Vorfällen gab sie erneut an, sie wolle ihren Sohn 
einfach nie mehr sehen (pag. 217 Z. 27). Besonders bezeichnend ist sodann die 
Reaktion der Strafklägerin auf die Nachricht, dass ihr Sohn wieder in der Schweiz 
sei. Sie erklärte daraufhin, sie habe vor ca. 8 Tagen in der Nacht bei ihrem Haus 
jemanden gehört. Sie wisse, dass jemand an der Haustüre gewesen sei. Bei die-
sen Ausführungen begann die Strafklägerin zu weinen (pag. 225 Z. 340). Aus ihren 
Aussagen geht weiter hervor, dass sie grosse Hemmungen gehabt haben muss, 
den eigenen Sohn anzuzeigen. So hatte sie bereits nach dem Vorfall vom 15. Ju-
ni 2012 Angst vor dem Beschuldigten, ging jedoch erst nach dem zweiten Vorfall 
am 2. Juli 2012 zur Polizei. Damit konfrontiert gab sie an, der Beschuldigte sei ihr 
Kind. Sie habe Vertrauen gehabt und hätte nicht gedacht, dass er so weit gehe 
(pag. 220 Z. 129 ff.). Der Eindruck, dass diese Erlebnisse für die Strafklägerin äus-
serst einschneidend waren, wird bestätigt durch die Schilderungen des Zeugen 
D.________ anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung, wonach die Familien-
mitglieder die mittlerweile 94-jährige Mutter schon seit Jahren nicht mehr auf den 
Beschuldigten angesprochen hätten, da sie dies noch immer mitnehme, das Ganze 
sei für sie ein wahnsinniger Schock gewesen (pag. 1088 Z. 4 ff.). Er führte aus, er 
sei bei den Vorfällen zwischen dem Beschuldigten und der Strafklägerin zwar nicht 
dabei gewesen, brachte aber zugleich auch seine Überzeugung zum Ausdruck, 
dass der Beschuldigte der Mutter dort etwas angetan haben müsse, damit die Si-
tuation heute so sei wie sie sei («Das Schlimme ist, dass er die Mutter attackiert 
hat. Ein «wärschaftes Froueli», die sich nicht wehren kann. Ich war ja nicht dabei, 
aber etwas muss er gemacht haben» pag. 1093 Z. 3 ff.). Denn die Strafklägerin 
habe als Mutter von acht Kindern in engen finanziellen Verhältnissen Tag und 
Nacht gearbeitet und «bis zum letzten Kind geschaut» (pag. 1087 Z. 28 ff. und 
pag. 1093 Z. 4 ff.).

Diese Feststellungen sind für die Beweiswürdigung insofern relevant, als es im 
Lichte dieser Umstände umso unwahrscheinlicher scheint, dass die Strafklägerin 
den Beschuldigten zu Unrecht bezichtigt oder ihre Schilderungen zu dessen Un-
gunsten übertrieben hat.

Im Ergebnis kann somit auf die logischen, stringenten und detailreichen Aussagen 
der Strafklägerin abgestellt werden.

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16.2.3 Aussagen des Zeugen D.________

Die Vorinstanz stellte zusammengefasst auf die Aussagen von D.________ ab, da 
dieser seinen Bruder nicht übermässig beschuldigte, in seinen Aussagen jeweils 
klarstellte, was er selber erlebt und was er aus Erzählungen anderer wusste und 
kein Motiv für eine Falschaussage zum Nachteil seines Bruders ersichtlich ist 
(pag. 891). Dieses differenzierte Aussageverhalten konnte auch anlässlich der obe-
rinstanzlichen Verhandlung festgestellt werden.

D.________ machte zwar ausführliche Angaben zur Sache, in denen er auch Vor-
würfe gegen seinen Bruder erhob, legte dabei jedoch offensichtlich Wert darauf, 
seinen Bruder nicht über die Massen zu belasten. So betonte er immer wieder und 
auch auf Nachfrage, der Beschuldigte habe ihn nicht direkt bedroht, und auch nicht 
direkt gedroht, der Mutter etwas anzutun (pag. 1091 Z. 27 f. und pag. 1093 
Z. 19 ff.). Auch gab er an, keine Anzeige gegen den Bruder in Erwägung gezogen 
zu haben, so schlimm sei es auch nicht gewesen (pag. 1092 Z. 42). Es entstand 
insgesamt nicht der Eindruck, D.________ lasse sich in seinem Aussageverhalten 
vom Wunsch beeinflussen, den Beschuldigten verurteilt zu sehen.

D.________ gab mehrfach an, vom Vorfall zwischen dem Beschuldigten und der 
Strafklägerin nur vom Hörensagen zu wissen und deshalb nicht genau sagen zu 
können, was vorgefallen sei (pag. 1089 Z. 15 f. und pag. 1093 Z. 4). Auch Erinne-
rungslücken gab er unumwunden zu (pag. 1089 Z. 28 ff. und pag. 1090 Z. 20).

Die Übereinstimmung mit den früheren Aussagen von D.________ ist hoch. Mit 
Ausnahme jener Punkte, an die er sich nicht mehr erinnern konnte, gab er das Ge-
schehene in teilweise hohem Detailgrad übereinstimmend wieder, obwohl die Vor-
fälle acht Jahre zurückliegen, seine letzten Aussagen im Jahr 2018 erfolgten und er 
aufgrund seiner fehlenden Parteistellung keine Einsicht in die früheren Aussage-
protokolle hatte. So hat er beispielsweise die Vorsitzende während dem Vorhalt der 
eigenen früheren Aussage, er habe aufgrund der Drohungen des Beschuldigten ei-
nen Pfefferspray gekauft und einen Golfschläger deponiert, unterbrochen und von 
sich aus erzählt, er habe einen Golfschläger im Geschäft versteckt (pag. 1090 
Z. 9 ff.). Ergänzend erzählte er, er habe seinem Personal die Anweisung gegeben, 
einem allfälligen Angreifer damit in die Kniekehle zu schlagen und erklärte dies 
damit, dass sein Bruder Kampfsportler sei und man deshalb rasch «flach liegen» 
würde. Dieses auffallende Erinnerungsvermögen deutet daraufhin, wie einschnei-
dend das Erlebte auch für D.________ war, selbst wenn er sich bemühte, die 
Tragweite des Vorfalls herunterzuspielen (pag. 1092 Z. 42), und verleiht ihm eine 
hohe Glaubwürdigkeit.

Auffällig ist auch der Detailgrad, mit dem D.________ sein Telefonat mit dem Be-
schuldigten beschrieb und wiedergab, wie er mit seinem Bruder hin- und her disku-
tiert habe und sich dabei gefragt habe, wie er verhindern könne, dass seine Mutter 
wegen dem Beschuldigten noch länger leiden müsse. Schliesslich habe er gedank-
lich zu sich selber gesagt, er gebe seinem Bruder CHF 50'000.00, weil sich dieser 
dann davonmache und die Mutter in Ruhe lasse (pag. 1089 f. Z. 40 ff und 
pag. 1091 Z. 12 ff.).

20

Insgesamt ergibt sich daraus eine hohe Glaubwürdigkeit des Zeugen D.________. 
Es bleiben keine Zweifel, dass sich das Geschehene so abgespielt hat, wie von 
ihm dargelegt. Auf seine glaubhaften Aussagen kann somit abgestellt werden.

16.3 Gesamtwürdigung betreffend Ziff. 2 der Anklageschrift

Der zeitlich erste Vorfall zwischen dem Beschuldigten und der Strafklägerin wurde 
als einfache Körperverletzung, evtl. Tätlichkeiten angeklagt und wird aufgrund sei-
ner zeitlichen Priorität vorliegend zuerst abgehandelt.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe die Strafklägerin am 15. Juni 2012 
an den Haaren hoch- und durch den Raum gezogen, ihr von hinten den Mund zu-
gehalten und sie mit grosser Wucht auf einen Stuhl gesetzt, sodass dieser zusam-
menbrach und die Strafklägerin zu Boden stürzte, wobei sie sich massive Häma-
tome an den Armen sowie starke Halsschmerzen zuzog (Ziff. 2 in Kombination mit 
Ziff. 1 der Anklageschrift).

16.3.1 Erwägungen der Kammer

Abgestellt wird vorliegend in erster Linie auf die Aussagen der Strafklägerin. Zu 
berücksichtigen sind ferner die im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen erstellten 
Fotos der Hämatome der Strafklägerin, des beschlagnahmten Nunchakus sowie 
des zerbrochenen Stuhls (pag. 234 ff.). Demgegenüber sind die Aussagen des Be-
schuldigten zum detaillierten Geschehensablauf, wie im Rahmen der Aussagen-
würdigung festgehalten, nicht glaubhaft, auch wenn er im Grundsatz nicht bestrei-
tet, dass es zwischen ihm und der Strafklägerin zu Handgreiflichkeiten kam, er sie 
dabei an den Händen nahm und am Kopf packte und sich die Strafklägerin im Zu-
sammenhang mit dieser Auseinandersetzung Hämatome zuzog (pag. 202 
Z. 121 ff.).

Als erstellt gilt gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Strafklägerin, dass der 
Beschuldigte die Strafklägerin an den Haaren packte und sie an den Haaren hoch 
und zum Tisch zog (pag. 213 Z. 52 ff. und pag. 217 Z. 39 ff.). Als sie das Fenster 
öffnen wollte, hielt er ihr den Mund zu und zog sie vom Fenster weg. Dabei hielt er 
eine Krawatte in den Händen, die ihm zu Boden fiel (pag. 214 Z. 61 ff. und 
pag. 217 Z. 39 ff.). Im Gerangel riss die Strafklägerin dem Beschuldigten einen 
Hemdknopf ab (pag. 217 Z. 46 ff.).

Auch in Bezug auf den darauffolgenden Geschehensablauf im Zusammenhang mit 
dem Stuhl und der Ursache der Hämatome kann auf die Aussage der Strafklägerin 
abgestellt werden, wonach der Beschuldigte sie packte und mit einer solchen 
Wucht auf einen Stuhl setzte, dass ein Stuhlbein brach, die Strafklägerin zu Boden 
stürzte und der Beschuldigte ihr beim Aufstehen helfen musste (pag. 214 Z. 64 ff. 
und pag. 217 Z. 39 ff.). Zu den erlittenen Verletzungen gab sie an, sich durch die 
Handgreiflichkeiten des Beschuldigten die bei der Polizei fotografierten Hämatome 
zugezogen zu haben. Ausserdem habe sie einige Tage ziemliche Schmerzen am 
Hals und an den Oberarmen verspürt (pag. 215 Z. 112 f.). Die Hämatome waren 
zweieinhalb Wochen nach dem Vorfall noch ausserordentlich stark ausgeprägt 
(pag. 234 und pag. 239 ff.). Ungefähr einen Monat später waren sie immer noch 
nicht gänzlich abgeheilt (pag. 235). Es ist aufgrund dieser Aussagen unerheblich, 
dass die Verletzungen erst zweieinhalb Wochen nach dem Vorfall und nicht durch 

21

einen Arzt dokumentiert wurden und dass unklar blieb, ob die Strafklägerin im Zeit-
punkt des angeklagten Vorfalls Blutverdünner zu sich nahm. Die Strafklägerin hat 
die Handgreiflichkeiten glaubhaft beschrieben und die Schilderungen stimmen mit 
den fotografisch festgehaltenen Hämatomen überein. Auf den Bildern ist ersichtlich, 
dass die Strafklägerin an beiden Oberarmen über dem Ellbogen teilweise massive 
Hämatome hatte, die von der Anordnung her symmetrisch und an beiden Armen 
auf gleicher Höhe lagen und sich dadurch genau dort befanden, wo sie zu erwarten 
sind, nachdem jemand grob auf beiden Seiten an den Oberarmen gepackt wurde. 
Umgekehrt stimmen die Bilder der Hämatome nicht mit der Darstellung des Be-
schuldigten überein, wonach diese entstanden sein könnten, nachdem er die Straf-
klägerin «hinter den Armen durchgepackt und aufgestellt hat» oder von da her, wo 
sie ihn habe schlagen wollen (pag. 202 Z. 130). Es bleibt einerseits unklar, wie 
Hämatome an den Oberarmen entstehen sollten, wenn jemand gerade nicht an 
den Armen selber, sondern hinter den Armen hindurch gepackt wird. Andererseits 
ist nicht ersichtlich, wie sich die Strafklägerin derart gestaltete Hämatome an den 
Oberarmen hätte zuziehen sollen beim Versuch, den Beschuldigten zu schlagen. 
Zusammengefasst ist aufgrund der selbsterlebten, glaubhaften und mit den fotogra-
fierten Hämatomen übereinstimmenden Angaben der Strafklägerin klar, wie die 
Strafklägerin auf dem Stuhl gelandet ist und wie sie sich die Hämatome zugezogen 
hat. Es verbleibt deshalb – anders als von der Verteidigung vorgebracht – kein An-
wendungsraum für den Grundsatz von in dubio pro reo.

Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass sich der Sachverhalt wie von der Strafklä-
gerin beschrieben zugetragen hat.

16.3.2 Massgebender Sachverhalt

Die Kammer geht demnach von folgendem, massgebenden Sachverhalt aus:

Anlässlich eines Besuchs bei der Strafklägerin am 15. Juni 2012 packte der Be-
schuldigte die sitzende Strafklägerin von hinten an den Haaren, zog sie an den 
Haaren hoch und zum Tisch. Als die Strafklägerin aus Angst vor dem Beschuldig-
ten das Fenster öffnen und um Hilfe rufen wollte, hielt ihr dieser von hinten den 
Mund zu und zog sie vom Fenster weg. Dabei hielt er eine Krawatte in der Hand, 
die ihm jedoch zu Boden fiel. Daraufhin packte der Beschuldigte die Strafklägerin 
und setzte sie mit solcher Wucht auf einen Stuhl, dass der Stuhl zusammenbrach 
und die Strafklägerin zu Boden stürzte. Die Strafklägerin erlitt dadurch massive 
Hämatome an beiden Oberarmen, die noch einen Monat nach der Tat nicht 
vollständig abgeheilt waren. Sie verspürte mehrere Tage nach der Tat Schmerzen 
am Hals und an den Armen.

16.4 Gesamtwürdigung betreffend Ziff. 1 der Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, die Strafklägerin in der 
Zeit von anfangs Juni bis zum 11. Juli 2012 mehrfach bedroht und sie genötigt zu 
haben, beim Bruder des Beschuldigten, D.________, Geld für den Beschuldigten 
erhältlich zu machen (Ziff. 1 der Anklageschrift).

Auch in Bezug auf diese Vorwürfe kann auf die glaubhaften Aussagen der Strafklä-
gerin abgestützt werden. Ergänzend kann auf die Aussagen des Zeugen 
D.________ verwiesen werden.

22

16.4.1 Erwägungen der Kammer

Als erstellt gilt zunächst, dass der Beschuldigte der Strafklägerin am 15. Juni 2012 
sagte, er zeige ihr nun «wos dürä geit», nachdem er sie an den Haaren zum Stu-
bentisch gezogen hatte (pag. 213 Z. 54). Er legte sodann das mitgebrachte Nun-
chaku auf den Tisch (pag. 213 Z. 56) und sagte der Strafklägerin mehrfach, sie sei 
an allem schuld, sie müsse ihm zuhören und es müsse jetzt Geld her (pag. 214 
Z. 57 ff.). Dabei schlug er immer wieder mit dem Nunchaku und den Fäusten auf 
den Tisch (pag. 214 Z. 71 ff. und pag. 219 Z. 92 f). Die Strafklägerin ängstigte sich 
vor dem Beschuldigten (pag. 214 Z. 60). Der Beschuldigte sagte der Strafklägerin 
weiter «wehe, du nimmst das Telefon nicht mehr ab, wenn ich anrufe» und teilte ihr 
mit, er hole sie am Samstagmorgen ab und sie würden dann zusammen zu 
D.________ nach U.________ fahren, wo sie ihm helfen solle, von D.________ 
Geld zu erhalten (pag. 214 Z. 75 ff). Mit dieser letzten Androhung kann in Zusam-
menhang gebracht werden, dass der Beschuldigte einen Personenwagen gemietet 
hatte, mit dem er die Strafklägerin aufsuchte (pag. 214 Z. 89).

In der Zeit danach rief der Beschuldigte die Strafklägerin mehrfach an, besuchte sie 
und sagte immer wieder, die Strafklägerin sei an allem schuld und es müsse Geld 
her. Insbesondere besuchte er sie am 25. Juni 2012 und lud sie zum Mittagessen 
ein. Die Strafklägerin tat dabei, was der Beschuldigte von ihr verlangte, aus Angst, 
dieser würde bei Widerspruch wieder «böse» werden. Diese Befürchtung bestätigte 
sich denn auch, indem der Beschuldigte der Strafklägerin zweimal mit einer Zeitung 
auf den Kopf schlug, als sie ihm einmal widersprach (pag. 214 Z. 85 ff.). Mit diesen 
– körperlich nicht schmerzhaften (pag. 214 Z. 94 f.) – Schlägen auf den Kopf rief er 
bei der Strafklägerin seine Bereitschaft zur Gewaltanwendung in Erinnerung und 
demonstrierte ihr das von ihm installierte Machtgefälle.

Am 2. Juli 2012 sodann drohte er der Strafklägerin, sie fertig zu machen. Ebenso 
werde er seine Schwester V.________ kaputt machen lassen, das Haus der Straf-
klägerin anzünden und den Bruder D.________ kaputt machen und töten, wenn 
das Geld nicht komme (pag. 214 Z. 97 ff. und pag. 218 f. Z. 53ff.). Wie bereits be-
gründet, ist die Version des Beschuldigten, wonach die Strafklägerin ihn falsch ver-
standen habe und er ihr lediglich von seinem Autounfall erzählt und ihr geschildert 
habe, es sei gewesen, als wäre sein Haus abgebrannt, entgegen den Vorbringen 
der Verteidigung nicht glaubhaft (pag. 203 Z. 175 ff; siehe E. 16.2.1 oben). Die Ver-
teidigung weist weiter darauf hin, dass D.________ von diesen Drohungen (Haus 
anzünden, Schwester und Bruder kaputt machen) nie erzählt habe. Das sei er-
staunlich, denn es sei davon auszugehen, dass sich D.________ zu diesen Dro-
hungen geäussert hätte, wenn sie denn gefallen wären. Tatsächlich fällt auf, dass 
D.________ auf die Frage nach den Vorfällen zwischen der Strafklägerin und dem 
Beschuldigten zwar die tätliche Auseinandersetzung und die Forderung nach Geld 
erwähnt, nicht jedoch die für die Strafklägerin offenbar sehr beängstigende Dro-
hung, der Beschuldigte werde ihr Haus anzünden und seine Geschwister kaputt 
machen. Nach Ansicht der Kammer kann daraus jedoch nicht geschlossen werden, 
diese Drohungen seien nicht erfolgt: Vielmehr ist aufgrund der Angaben von 
D.________ zum Kontakt mit seiner Mutter und seinem Bruder im Zeitraum Ju-
ni/Juli 2012 erstellt, dass D.________ von den Vorfällen am 15. Juni 2012 erfahren 

23

hat. Es ist jedoch unklar, ob er auch Anfang Juli, nachdem diese Drohungen 
gemäss Strafklägerin gefallen waren, mit seiner Mutter oder seinem Bruder noch 
Kontakt hatte. So erfuhr er beispielsweise auch erst hinterher, dass gegen den Be-
schuldigten ein Kontakt- und Rayonverbot ausgesprochen worden war (pag. 645 
Z. 3). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass D.________ durch seine Mutter 
oder seinen Bruder zwar über die Vorfälle vom 15. Juni 2012 ausführlich informiert 
wurde, nicht jedoch über die Drohungen vom 2. Juli 2012. Die fehlenden Aussagen 
von D.________ zu diesem Thema sind damit erklärbar, beeinträchtigen die 
Glaubwürdigkeit der Strafklägerin aber nicht.

Die Strafklägerin wurde durch das Gebaren des Beschuldigten in grosse Angst 
versetzt (pag. 215 Z. 107 f.). Sie gab an, sie habe die Drohungen des Beschuldig-
ten ernst genommen und Angst gehabt. Sie habe deshalb alles abgeschlossen und 
in der Nacht immer das Licht brennen lassen, bis sie gewusst habe, dass er fort sei 
(pag. 219 Z. 91 ff.). Dies wurde von D.________ bestätigt, der erklärte, seine Mut-
ter sei am Telefon wahnsinnig verstört und noch über Wochen lang ängstlich ge-
wesen, so dass sein Bruder schliesslich eine Videokamera auf der Terrasse instal-
liert habe, um sie zu beruhigen (pag. 645 Z. 39 ff.). Sie habe Angst gehabt, dass 
der Beschuldigte wiederkomme und sie weiter traktiere. Auch heute habe sie noch 
Angst und könne manchmal nicht schlafen und weine (pag. 646 Z. 3).

Im Vordergrund stand dabei die Angst, der Beschuldigte würde die Drohung, ihr 
Haus anzuzünden, wahrmachen («das schlimmste», pag. 218 Z. 81 f.). Diese Dro-
hung hatte sie offenbar auch dazu bewogen, sich an ihren Sohn R.________ und 
an die Polizei zu wenden und vorübergehend ihre Wohnung zu verlassen (pag. 218 
Z. 55 f.). Die Strafklägerin fürchtete sich jedoch nicht erst ab dieser Drohung vor 
dem Beschuldigten. So gab sie bereits bei der Schilderung des ersten Vorfalls vom 
15. Juni 2012 an, sie habe Angst bekommen (pag. 214 Z. 60). Diese Angst sass 
tief, so hat sie beim nächsten Besuch des Beschuldigten am 25. Juni 2012 «ein-
fach gemacht, was er wollte», aus Angst, dieser würde wieder «böse», wenn sie 
ihm widersprechen würde (pag. 214 Z. 91 ff.). Dass die Vorfälle mit dem Beschul-
digten bei der Strafklägerin eine grosse Angst ausgelöst haben, zeigte sich auch 
eindrücklich an der Einvernahme vom 23. September 2015: Drei Jahre nach der 
Tat begann die Strafklägerin ob der Nachricht, ihr Sohn sei wieder in der Schweiz, 
zu weinen, weil sie ca. 8 Tage zuvor in der Nacht bei ihrem Haus jemanden gehört 
habe und wisse, dass jemand an der Haustüre gewesen sei (pag. 225 Z. 340 ff.).

Auch bei D.________ lösten die Äusserungen des Beschuldigten offenbar Angst-
gefühle aus. Dieser wurde von seiner Mutter davor gewarnt, der Beschuldigte wolle 
ihn «abschlagen». Daraufhin kaufte D.________ einen Pfefferspray, deponierte ei-
nen Golfschläger im Geschäft und wies seine Mitarbeitenden an, einen allfälligen 
Angreifer damit in die Kniekehle zu schlagen (pag. 643 Z. 31 ff. und pag. 1090 
Z. 9 ff.). Entgegen seinen Aussagen, es sei nicht so schlimm gewesen, sorgte sich 
D.________ also um seine eigene Sicherheit und sah sich veranlasst, auf die Dro-
hungen des Beschuldigten zu reagieren.

Zuletzt geht aus den Akten hervor, dass die Strafklägerin D.________ entgegen 
den Anweisungen des Beschuldigten nicht gebeten hat, diesem Geld zu geben und 

24

dass die angedrohte Fahrt nach U.________ nicht stattgefunden hat (pag. 644 
Z. 41).

16.4.2 Massgebender Sachverhalt

Beweismässig ist somit erstellt, dass der Beschuldigte der Strafklägerin gegenüber 
folgende Drohungen ausgesprochen hat:

Am 15. Juni 2012: Er zeige ihr, «wos düre geit», verdeutlicht damit, dass der Be-
schuldigte das mitgebrachte Nunchaku auf den Tisch legte und damit sowie mit der 
Faust immer wieder auf den Tisch schlug. Indem er die Strafklägerin im selben Zu-
sammenhang tätlich anging, unterstrich er die Ernsthaftigkeit seiner Drohung, er-
neut Gewalt gegen sie auszuüben. Das Verhalten des Beschuldigten ängstigte die 
Strafklägerin so sehr, dass sie sich noch zehn Tage später beim nächsten Besuch 
des Beschuldigten nicht traute, ihm zu widersprechen, aus Angst er werde wieder 
«böse» und einfach tat, was dieser von ihr verlangte. Der Beschuldigte bestätigte 
diese Befürchtung denn auch, indem er ihr am 25. Juni 2012 beim ersten Wider-
spruch mit einer Zeitung zwei Mal auf den Kopf schlug, und hielt auf diese Weise 
die Bedrohungssituation für die Strafklägerin aufrecht.

Am 2. Juli 2012: Der Beschuldigte kündigte der Strafklägerin an, sie fertig zu ma-
chen, seine Schwester V.________ kaputt machen zu lassen, das Haus der Straf-
klägerin anzuzünden und D.________ kaputt zu machen resp. zu töten, wenn das 
Geld nicht komme. Diese Drohungen verängstigten die Strafklägerin stark, so dass 
sie gegen den Beschuldigten Anzeige erstattete, ihr Haus verliess, bis gegen den 
Beschuldigten ein Kontakt- und Rayonverbot ausgesprochen worden war und da-
nach jeweils alles abschloss, in der Nacht das Licht brennen liess, bis sie wusste, 
dass der Beschuldigte fort war, und auf der Terrasse eine Kamera installieren liess. 
Noch an der Einvernahme drei Jahre später weinte die Strafklägerin, weil sie der 
Überzeugung war, der Beschuldigte sei nach seiner Rückkehr in der Nacht an ihrer 
Haustür gestanden.

16.5 Gesamtwürdigung betreffend Ziff. 3 der Anklageschrift

Unter dem Titel (qualifizierte) Erpressung wird dem Beschuldigten vorgeworfen, 
seinen Bruder D.________ durch das Vorgehen gemäss Ziff. 1 und 2 der Anklage-
schrift derart unter Druck gesetzt zu haben, dass dieser ihm einen grösseren Geld-
betrag überweise würde. Dabei habe er zunächst CHF 250'000.00 gefordert. Auf-
grund der Drohungen gegen die Mutter habe D.________ dem Beschuldigten 
CHF 50'000.00 überwiesen in der Hoffnung, damit würde Ruhe einkehren.

Abgestellt wird vorliegend auf die glaubhaften Aussagen der Strafklägerin und des 
Zeugen D.________. Als objektives Beweismittel ist zudem der Kontoauszug vom 
21. August 2012 zu berücksichtigen (pag. 233).

16.5.1 Erwägungen der Kammer

Erstellt ist aufgrund dieser Aussagen zunächst, dass die Vorfälle im Juni/Juli 2012 
eine innerfamiliäre Vorgeschichte haben, weil der Beschuldigte nach seiner Rück-
kehr aus dem Ausland keiner geregelten Arbeit nachging und deshalb seine Fami-
lie immer wieder und teils in dreister Art und Weise (frisch verwitwete Schwägerin) 
um Geld bat (Strafklägerin: pag. 221 Z. 186; D.________: pag. 1092 Z. 26 ff.). In 

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seinem Fokus stand dabei vor allem D.________, der als einziger der Familie in ei-
ner komfortablen finanziellen Lage war und vom Beschuldigten deshalb bereits vor 
den vorliegend zu beurteilenden Vorfällen mehrfach um Geld und sogar spezifisch 
um einen Betrag von CHF 250'000.00 angegangen wurde (pag. 644 Z. 3, 
pag. 1087 Z. 22, pag. 1088 Z. 19, pag. 1090 f. Z. 26 und 44 ff.). Die Familienmit-
glieder, insbesondere D.________, versagten ihm diese finanzielle Hilfe, weil der 
Beschuldigte seine Geschwister mit seinen Aussagen, sie seien nur «Büezer» ver-
ärgert hatte und er selber keiner Arbeit nachging. Dies obwohl innerhalb der Fami-
lie grundsätzlich die Bereitschaft da gewesen wäre, einander unter die Arme zu 
greifen (pag. 1092 Z. 34 ff. und pag. 221 Z. 183). Sowohl die Strafklägerin wie auch 
D.________ gaben denn auch mehrfach zu Protokoll, beim Beschuldigten sei es 
immer um Geld gegangen (D.________: pag. 229, pag. 232, pag. 1089 Z. 3 f.; 
Strafklägerin: pag. 217 Z. 52 und pag. 225 Z. 312 und 316).

Auch im Zusammenhang mit den vorliegend interessierenden Vorfällen geht aus 
den Aussagen der Strafklägerin hervor, dass es von Beginn weg um Geld ging. So 
gab die Strafklägerin an, der Beschuldigte habe am 15. Juni 2012 immer wieder 
gesagt, es müsse jetzt Geld her (pag. 214 Z. 58 und 76, pag. 217 Z. 41 f.). Dies 
habe er in der darauffolgenden Zeit immer wiederholt, wenn er die Strafklägerin 
angerufen oder besucht habe (pag. 214 Z. 85 ff.). Auch die Drohungen vom 2. Ju-
li 2012 waren mit der Forderung verbunden, Geld auf den Tisch zu legen (pag. 214 
Z. 101 und pag. 218 Z. 64). Klar war dabei auch, dass es nicht in erster Linie um 
Geld der Strafklägerin ging, sondern um Geld von D.________: Die Strafklägerin 
sollte dem Beschuldigten dabei helfen, von D.________ Geld zu erhalten (Strafklä-
gerin: pag. 214 Z. 78 und pag. 218 Z. 68; Beschuldigter: pag. 203 Z. 150). Selbst 
aus den widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten geht hervor, dass Geld 
seines Bruders beim Zusammentreffen am 15. Juni 2012 ein Thema war (pag. 203 
Z. 150).

Diese Aufforderung an die Mutter, ihm zu helfen, bei D.________ Geld erhältlich zu 
machen, verband der Beschuldigte am 15. Juni 2012 mit Handgreiflichkeiten und 
Drohungen, in dem er ihr sagte, er zeige ihr, «wos düre geit», sie sei an allem 
schuld, sie müsse ihm zuhören und es müsse jetzt Geld her. Er verdeutlichte diese 
Drohungen damit, dass er das mitgebrachte Nunchaku auf den Tisch legte und 
damit sowie mit der Faust immer wieder auf den Tisch schlug und indem er die 
Strafklägerin an den Haaren durch den Raum zog, ihr heftig den Mund zuhielt, sie 
grob packte und mit einer solchen Wucht auf einen Stuhl setzte, dass dieser zu-
sammenbrach und sie zu Boden stürzte (siehe E. 16.3.2 und E. 16.4.2 oben).

Auch am 2. Juli 2012 unterstrich der Beschuldigte seine Forderung nach Geld mit 
Drohungen, indem er der Strafklägerin ankündigte, sie fertig zu machen, seine 
Schwester V.________ kaputt machen zu lassen, das Haus der Strafklägerin an-
zuzünden und D.________ kaputt zu machen resp. zu töten, wenn das Geld nicht 
komme (siehe E. 16.4.2 oben).

Erstellt ist sodann, dass der Beschuldigte kurz nach dem Vorfall vom 15. Juni 2012 
seinen Bruder D.________ anrief und von diesem CHF 250'000.00 verlangte 
(pag. 643 Z. 30 ff. und pag. 1090 Z. 19 f. und 26 ff.). Im Zeitpunkt dieses Telefonats 
wusste D.________, dass der Beschuldigte die Strafklägerin tätlich angegangen, 

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sie bedroht und von ihr verlangt hatte, bei D.________ Geld für den Beschuldigten 
erhältlich zu machen, wenn auch aufgrund des Zeitablaufs nicht mehr eruiert wer-
den konnte, ob D.________ dies direkt durch seine Mutter oder vom Bruder 
R.________ erfahren hatte (pag. 643 Z. 27 ff., pag. 644 Z. 29 ff. und pag. 1089 
Z. 13 ff.). Das Geschehene war denn auch Thema am Telefon zwischen 
D.________ und dem Beschuldigten, indem D.________ seinen Bruder zur Rede 
stellte, weshalb er die Mutter drangsaliere (pag. 644 Z. 21 f. und pag. 1090 Z. 19 
und 29 f.).

Hingegen konnte nicht abschliessend eruiert werden, ob das Telefon zwischen 
D.________ und dem Beschuldigten vor oder nach dem 2. Juli 2012 erfolgte resp. 
ob D.________ im Zeitpunkt des Telefons auch von den massiven, am 2. Juli 2012 
ausgesprochenen Drohungen gegen das eigene Leben und das seiner Schwester 
sowie der Drohung, das Haus der Strafklägerin werde angezündet, wusste. Zwar 
war D.________ von seiner Mutter offenbar davor gewarnt worden, der Beschuldig-
te wolle ihn «abschlagen» (pag. 643 Z. 31 ff. und pag. 1090 Z. 9 ff.). Es kann je-
doch nicht mehr festgestellt werden, ob diese Warnung und die daraufhin getroffe-
nen Schutzmassnahmen vor oder nach dem Telefon zwischen D.________ und 
dem Beschuldigten erfolgt war und ob die Warnung auf die Drohungen vom 2. Ju-
li 2012 Bezug nahm. Auch fällt auf, dass D.________ in seinen Aussagen die Dro-
hung, der Strafklägerin werde das Haus angezündet, nie erwähnt, obwohl diese 
Drohung für die Strafklägerin «das Schlimmste» war. Dies deutet daraufhin, dass 
er zumindest im Zeitpunkt des Telefonats darüber keine Kenntnis hatte. Aufgrund 
dieser Unsicherheit ist zu Gunsten des Beschuldigten vorliegend davon auszuge-
hen, dass D.________ im Zeitpunkt des Telefonats und des Abschlusses des 
«Darlehensvertrags» lediglich über die Vorfälle vom 15. Juni 2012 informiert war, 
nicht jedoch über die Drohungen, welche am 2. Juli 2012 ausgesprochen worden 
waren. Die Drohungen vom 2. Juli 2012 dürfen dem Beschuldigten somit im Zu-
sammenhang mit dem Vorwurf der Erpressung zum Nachteil von D.________ nicht 
entgegengehalten werden.

D.________ wusste im Zeitpunkt des Telefonats mit dem Beschuldigten demnach, 
dass der Beschuldigte die gemeinsame Mutter mit der Drohung erneuter Gewalt-
anwendung unter Druck setzte, bei ihm – D.________ – für den Beschuldigten 
Geld erhältlich zu machen. D.________ pflegte stets ein gutes Verhältnis zu seiner 
Mutter und sorgte sich offenbar um deren Wohlergehen (pag. 1091 Z. 20 ff.). Um 
zu verhindern, dass der Beschuldigte die Strafklägerin weiterhin «plagt und be-
droht», willigte D.________ an diesem Telefonat deshalb ein, dem Beschuldigten 
ein Darlehen über CHF 50'000.00 auszuzahlen, wobei D.________ bewusst war, 
dass der Beschuldigte dieses Geld nicht zurückzahlen würde/würde zurückzahlen 
können (pag. 229, pag. 643 Z. 39 ff., pag. 644 Z. 5 ff., pag. 645 Z. 9, pag. 1089 f. 
Z. 42 ff., pag. 1091 Z. 12 ff. und 32 ff., pag. 1092 Z. 31 ff.). In der Folge schlossen 
die beiden auf dem Postweg einen schriftlichen, nicht aktenkundigen Darlehensver-
trag ab, woraufhin D.________ dem Beschuldigten den Betrag von CHF 50'000.00 
am 10. August 2012 überwies (pag. 644 Z. 10 ff. und pag. 233).

Im Zeitpunkt, in dem das Darlehen ausbezahlt wurde, war der Beschuldigte bereits 
seit dem 16. Juli 2012 mit einem Kontakt- und Rayonverbot die Strafklägerin betref-

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fend belegt worden (pag. 40 ff.). Dies war D.________ in dem Moment nicht be-
kannt (pag. 645 Z. 3).

In Bezug auf das subjektive Geschehen geht aus den glaubhaften Aussagen der 
Strafklägerin und von D.________ Folgendes hervor: Der Beschuldigte hatte be-
reits zuvor mehrfach vergeblich versucht, direkt von D.________ CHF 250'000.00 
zu erhalten (pag. 644 Z. 3, pag. 1087 Z. 22, pag. 1088 Z. 19, pag. 1090 f. Z. 26 und 
44 ff.). Zugleich wusste der Beschuldigte, dass die Strafklägerin mit seinen Ge-
schwistern und insbesondere auch mit D.________ einen engen Kontakt pflegte 
und dass die Familie generell einen guten Zusammenhalt hatte (pag. 1087 Z. 28 ff. 
und pag. 1091 Z. 20 ff.). Es darf deshalb davon ausgegangen werden, dass der 
Beschuldigte damit rechnete, dass die Vorfälle zwischen seiner Mutter und ihm in 
der Familie bekannt und auch D.________ zur Kenntnis gebracht würden, zumal er 
von der Strafklägerin ja gerade verlangte, mit D.________ Kontakt aufzunehmen. 
Spätestens als D.________ ihn am Telefon wegen dem Vorgefallenen zur Rede 
stellte, wusste der Beschuldigte, dass D.________ Kenntnis hatte von den Hand-
greiflichkeiten und Drohungen gegen die Mutter sowie von der Forderung, bei 
D.________ Geld für den Beschuldigten erhältlich zu machen. Dennoch hat der 
Beschuldigte seinen Bruder D.________ an diesem Telefonat um Geld gebeten 
und das Angebot von CHF 50'000.00 angenommen. Mit diesem Vorgehen hat er 
bewusst den innerfamiliären Zusammenhalt und das Verantwortungsbewusstsein 
seines Bruders gegenüber der Mutter ausgenutzt und sich die zuvor ausgespro-
chenen Drohungen gegenüber der Mutter zu Nutze gemacht. Dass der Beschuldig-
te bewusst Druck auf seinem Mutter ausübte, um von seinem Bruder Geld zu erhal-
ten, zeigt sich auch darin, dass er die Bedrohungssituation für seine Mutter nach 
dem 15. Juni 2012 aufrechterhielt, indem er sie danach mehrfach anrief und be-
suchte und dabei seine Forderung nach Geld wiederholte, ihr beim ersten Wider-
spruch seine Bereitschaft zur Gewaltanwendung in Erinnerung rief (Schläge auf 
den Kopf mit der Zeitung) und schlussendlich am 2. Juli 2012 – als er das Geld 
immer noch nicht erhalten hatte – die massiven Drohungen gegen die Strafklägerin 
und seine Geschwister aussprach. Dieses fortgesetzte Vorgehen zeigt deutlich, 
dass der Vorfall vom 15. Juni 2012 nicht das Ergebnis einer ausser Kontrolle gera-
tenen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn war. Vielmehr übte der Be-
schuldigte bereits in diesem Zeitpunkt bewusst Druck auf die Strafklägerin auf, um 
von D.________ Geld zu erhalten.

28

16.5.2 Massgeblicher Sachverhalt

Folgender Sachverhalt gilt demnach als erstellt:

Nachdem der Beschuldigte seinen Bruder D.________ in der Vergangenheit be-
reits mehrfach vergeblich um CHF 250'000.00 gebeten hatte, verlangte er am 
15. Juni 2012 verbunden mit den Handgreiflichkeiten gemäss Ziff. 2 Anklageschrift 
und der Drohung weiterer Gewaltanwendung gemäss Ziff. 1 Anklageschrift (siehe 
E. 16.3.2 und E. 16.4.2 oben) von seiner Mutter, ihm zu helfen, von D.________ 
Geld erhältlich zu machen. Kurz nach diesem Vorfall rief der Beschuldigte 
D.________ an, der durch seine Familie über das Geschehene informiert worden 
war, und verlangte von diesem CHF 250'000.00. Um zu verhindern, dass der Be-
schuldigte die Strafklägerin weiter «plagte und bedrohte» willigte D.________ ein, 
dem Beschuldigten einen Betrag von CHF 50'000.00 als Darlehen auszuzahlen, 
wobei D.________ bereits in diesem Zeitpunkt klar war, dass der Beschuldigte die-
ses Geld nicht zurückzahlen würde. Nachdem die beiden auf dem Postweg einen 
Darlehensvertrag unterzeichnet hatten, überwies D.________ dem Beschuldigten 
am 10. August 2012 den Betrag von CHF 50'000.00. Der Beschuldigte rechnete 
bereits im Zeitpunkt der Drohungen vom 15. Juni 2012 gegen die Strafklägerin da-
mit, dass diese D.________ mitgeteilt würden. Im Zeitpunkt des Telefonats mit 
D.________ wurde dem Beschuldigten bestätigt, dass D.________ von den Dro-
hungen gegen die gemeinsame Mutter Kenntnis hatte. Indem der Beschuldigte 
D.________ vor dem Hintergrund dieser Vorgeschichte nochmals direkt um Geld 
bat, nutzte er die zuvor gegenüber der Mutter ausgesprochenen und mittlerweile 
dem Bruder zur Kenntnis gebrachten Drohungen aus, um vom auf diese Weise un-
ter Druck gesetzten D.________ den gewünschten Betrag zu erhalten.

17. Beweiswürdigung betreffend Ziff. 4 der Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die Polizisten H.________, I.________ und 
J.________ mittels einer E-Mail an Polizist W.________ beschimpft zu haben. Die 
betreffende E-Mail vom 3. März 2015 ist in den Akten vorhanden (pag. 189), so-
dass der Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Es gibt keine Hinweise darauf, 
dass die betreffende E-Mail nicht vom Beschuldigten stammt.

Der Beschuldigte bezeichnete die obgenannte Polizistin sowie die Polizisten in sei-
ner E-Mail vom 3. März 2015 als „Deppenkollegen“. Die E-Mail ist nicht an die Be-
troffenen selbst, sondern an den Polizisten W.________ gerichtet. Der Beschuldig-
te musste jedoch damit rechnen, dass W.________ die E-Mail seinen Arbeitskolle-
gen zu Kenntnis bringen würde.

29

IV. Rechtliche Würdigung

17.1 Einfache Körperverletzung, evtl. Tätlichkeiten

Der unter Ziff. 2 der Anklageschrift beschriebene Sachverhalt wurde als einfache 
Körperverletzung, evtl. Tätlichkeiten angeklagt. Die Strafklägerin hat dazu am 
3. Juli 2012 rechtzeitig einen Strafantrag gestellt (pag. 146 f.). 

In Bezug auf die rechtlichen Voraussetzungen kann auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden. Auch die durch die Vorinstanz vorge-
nommene Subsumtion ist nicht zu beanstanden (pag. 896, S. 23 f. der vorinstanzli-
chen Urteilsbegründung):

Gemäss Beweisergebnis hat die Strafklägerin Halsschmerzen sowie massive Hämatome erlitten. Bei-
des schmerzte sie einige Tage lang „ziemlich“. Selbst wenn die Strafklägerin allenfalls blutverdünnen-
de Medikamente eigenommen hatte, so sind diese Hämatome dennoch ausserordentlich stark aus-
geprägt. Es handelt sich nicht lediglich um „blaue Flecken“, die rasch abheilen. Zwei Wochen nach 
dem Vorfall waren sie noch äusserst stark ausgeprägt (pag. 234 sowie 239 ff.). Und ca. ein Monat 
später waren sie immer noch nicht gänzlich abgeheilt (pag. 235). Es ist gerichtsnotorisch, dass Häma-
tome druckempfindlich sind, sodass von einer über den Vorfall hinaus andauernden körperlichen Be-
einträchtigung auszugehen ist. Hinzu kamen die von ihr erwähnten Halsschmerzen. Es ist zu beden-
ken, dass die Strafklägerin mit 86 Jahren nicht mehr so beweglich und agil ist, sodass sie durch 
Schmerzen am Hals sicher stärker in ihren Bewegungen beeinträchtigt ist als eine jüngere Person. 
Beide Verletzungen begleiteten sie einige Tage lang und bereiteten ihr Schmerzen. Einen Arzt hat sie 
aus Scham nicht aufgesucht, der Beizug eines solchen ist für die Annahme einer einfachen Körper-
verletzung aber auch nicht vorausgesetzt. Die Verletzungen, die die Strafklägerin erlitten hatte, gehen 
über eine bloss vorübergehende, leichte Beeinträchtigung hinaus. Nach Ansicht des Gerichts ist das 
Ausmass einer einfachen Körperverletzung vorliegend erreicht.

Der Beschuldigte hat somit den objektiven Tatbestand der einfachen Körperverlet-
zung erfüllt. In Bezug auf den subjektiven Tatbestand ist zunächst festzuhalten, 
dass dem Beschuldigten das hohe Alter seiner Mutter bekannt war. Es war ihm 
somit bewusst, dass er ihr Schmerzen und Verletzungen zufügen würde, wenn er 
sie an den Haaren hoch und durch den Raum ziehen, ihr grob den Mund zu halten 
und sie heftig an den Armen packen und so auf einen Stuhl zwingen würde. Zudem 
übte er während längerer Zeit Kampfsport aus und musste sich daher seiner Kraft 
bewusst sein. Indem der Beschuldigte dennoch wie beschrieben auf seine Mutter 
einwirkte, nahm er zumindest in Kauf, ihr Verletzungen und Schmerzen zuzufügen 
und handelte somit eventualvorsätzlich.

Damit sind der objektive und der subjektive Tatbestand von Art. 123 StGB erfüllt 
und der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung zum Nachteil der Strafklä-
gerin schuldig zu sprechen.

17.2 Nötigung, evtl. Drohung

Der unter Ziff. 1 der Anklageschrift beschriebene Sachverhalt wurde als Nötigung, 
evtl. Drohung angeklagt. In Bezug auf die rechtlichen Voraussetzungen kann auf 
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 893 f., 
S. 20 f. der vorinstanzlichen Urteilsbegründung).

30

Vorab kann festgehalten werden, dass es dem Beschuldigten nicht gelungen ist, 
die Strafklägerin zum von ihm bestimmten Verhalten zu bewegen – sie hat 
D.________ zwar über die Vorfälle informiert, sich jedoch nicht dafür eingesetzt, 
dass dieser dem Beschuldigten den gewünschten Geldbetrag überweist. Der Tat-
bestand der Nötigung ist somit nicht erfüllt und scheidet aus.

Demgegenüber wurde der Tatbestand der Drohung mehrfach erfüllt. Die Strafklä-
gerin hat dazu am 3. Juli 2012 rechtzeitig einen Strafantrag gestellt (pag. 146 f.).

Einerseits bedrohte der Beschuldigte seine 86-jährige Mutter am 15. Juni 2012 mit 
den Worten, er sage ihr nun, wo es langgehe und unterstrich seine Worte sowohl 
mit einer körperlichen Attacke, wie auch damit, dass er das mitgebrachte Nunchaku 
auf den Tisch legte und damit sowie mit der Faust immer wieder auf den Tisch 
schlug. Im Zusammenhang mit der gleichzeitig gegen die Strafklägerin ausgeübten 
körperlichen Gewalt können diese Äusserungen und Gesten nur als Androhung er-
neuter körperlicher Gewalt verstanden werden. Der Beschuldigte stellte der Straf-
klägerin damit ganz konkret Gewaltanwendung und somit einen schweren Nachteil 
in Aussicht, falls sie ihm nicht gehorche. Der Beschuldigte hielt diese Bedrohungs-
situation ausserdem über den 15. Juni 2012 hinaus aufrecht, indem er die Strafklä-
gerin in der Zeit danach mehrmals anrief und ihr am 25. Juni 2012 beim ersten Wi-
derspruch mit einer Zeitung zwei Mal auf den Kopf schlug. Das Verhalten des Be-
schuldigten ängstigte die Strafklägerin sehr, so dass sie sich noch zehn Tage 
später beim nächsten Besuch des Beschuldigten nicht traute, ihm zu widerspre-
chen, aus Angst er werde wieder «böse» und einfach tat, was dieser von ihr ver-
langte. Dem Beschuldigten gelang es somit, die Strafklägerin mit seiner Drohung in 
Angst und Schrecken zu versetzen. Da der Beschuldigte seine Drohung mit einer 
konkreten körperlichen Attacke verband, dazu eine Waffe auf den Tisch legte und 
damit sowie mit der Faust auf den Tisch schlug, steht ausser Frage, dass die Straf-
klägerin zu recht fürchtete, der Beschuldigte würde die Drohung, ihr Gewalt anzu-
tun, erneut wahrmachen. Der objektive Tatbestand von Art. 180 StGB wurde damit 
erfüllt.

Am 2. Juli 2012 kündigte der Beschuldigte der Strafklägerin weiter an, sie fertig zu 
machen, seine Schwester V.________ kaputt machen zu lassen, das Haus der 
Strafklägerin anzuzünden und D.________ kaputt zu machen resp. zu töten, wenn 
das Geld nicht komme. Diese Drohungen verängstigten die Strafklägerin stark, so 
dass sie gegen den Beschuldigten Anzeige erstattete, ihr Haus verliess, bis gegen 
den Beschuldigten ein Kontakt- und Rayonverbot ausgesprochen worden war und 
danach jeweils alles abschloss und in der Nacht das Licht brennen liess, bis sie 
wusste, dass der Beschuldigte fort war und schlussendlich auf der Terrasse eine 
Kamera installieren liess. Selbst anlässlich der Befragung vom 23. September 2015 
schilderte sie, dass nachts jemand an der Haustüre gestanden sei und weinte bei 
diesem Gedanken. Mit seinen Äusserungen stellte der Beschuldigte ihr erneut 
schwere Nachteile in Aussicht. Die Strafklägerin rechnete ernsthaft damit, dass der 
Beschuldigte seine Vorhaben ausführen könnte, wie die von ihr getroffenen Mass-
nahmen zeigen. Sie verspürte deshalb eine grosse Angst, die ihr noch Jahre später 
wieder hochkam. Damit hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von 
Art. 180 StGB ebenfalls erfüllt.

31

Das Vorgehen des Beschuldigten macht deutlich, dass ihm bewusst war, dass er 
der Strafklägerin mit diesen Äusserungen und dem dabei gezeigten Gebaren Angst 
einflössen würde und dass er genau dies bezwecken wollte. Eine andere Motivati-
on für sein Verhalten ist vorliegend nicht denkbar. Der Beschuldigte handelte somit 
direkt vorsätzlich und hat damit auch den subjektiven Tatbestand von 
Art. 180 StGB erfüllt.

Damit sind sowohl die objektiven als auch die subjektiven Tatbestandselemente 
der Drohung gemäss Art. 180 StGB erfüllt und der Beschuldigte ist der Drohung, 
mehrfach begangen zum Nachteil der Strafklägerin, schuldig zu erklären. Die un-
mittelbar aufeinander und im selben Zusammenhang ausgesprochenen Drohungen 
vom 2. Juli 2012 gelten dabei als natürliche Handlungseinheit.

17.3 Erpressung, versucht und vollendet, evtl. qualifiziert

Unter Ziff. 3 der Anklageschrift wird dem Beschuldigten versuchte und vollendete 
Erpressung vorgeworfen. Anlässlich der Verhandlung vom 16. August 2017 brachte 
die Gerichtspräsidentin gestützt auf den Antrag der Staatsanwaltschaft ausserdem 
den Würdigungsvorbehalt an, den Sachverhalt gemäss Ziff. 3 der Anklageschrift 
auch unter dem rechtlichen Gesichtspunkt einer qualifizierten Begehung gemäss 
Art. 156 Ziff. 3 StGB zu prüfen (pag. 642). Dieser Würdigungsvorbehalt hat weiter-
hin Bestand.

17.3.1 Rechtliches

Den Tatbestand von Art. 156 Ziff. 1 StGB erfüllt, wer in der Absicht, sich oder einen 
andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Gewalt oder Androhung 
ernstlicher Nachteile zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selber oder 
einen andern am Vermögen schädigt. Die Qualifikation von Art. 156 Ziff. 3 StGB er-
füllt, wer gegen eine Person Gewalt anwendet oder sie mit einer gegenwärtigen 
Gefahr für Leib und Leben bedroht. Wendet der Täter Gewalt gegen eine Person 
an, liegt immer eine qualifizierte Erpressung i.S. von Art. 156 Ziff. 3 StGB vor.

Die für den Tatbestand der Erpressung geforderte Drohung ist identisch mit der 
Drohung im Tatbestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB und kann sich auch 
gegen die Rechtsgüter anderer Personen richten, wenn dadurch ein hinreichender 
Zwang auf die erpresste Person ausgeübt wird (BSK StGB-Weissenberger, 
Art. 156 N 10 ff.). Auf welche Weise das angedrohte Übel angekündigt wird, ist da-
bei belanglos – die im Zusammenhang mit Art. 180 StGB ergangene Rechtspre-
chung des Bundesgerichts kann hierzu ohne weiteres beigezogen werden: Dem-
nach kann eine Drohung auch via eine Drittperson angekündigt werden, wenn zu 
erwarten ist, dass die betroffene Person von der Drohung erfahren wird (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_820/2011 vom 5. März 2012 E. 3).

Die Nötigung muss sodann ursächlich sein für das vermögensschädigende Verhal-
ten des Erpressten, d.h. diesen dazu motivieren. Art. 156 Ziff. 1 StGB setzt folglich 
einen objektiven Kausalzusammenhang zwischen der Nötigung und dem vermö-
gensschädigenden Verhalten des Erpressten sowie zwischen der Mitwirkung und 
dem Schadenseintritt voraus. An der Kausalität fehlt es, wenn das Opfer auch ohne 
die Nötigung schon zur Leistung bereit war.

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Die Erpressung erfordert schliesslich in allen Varianten Vorsatz. Der Täter muss im 
Bewusstsein und mit dem Willen handeln, einen andern durch Gewalt oder Dro-
hung zu einem vermögensschädigenden Verhalten zu nötigen (Nötigungs- und 
Schädigungsvorsatz), wodurch er oder ein anderer unrechtmässig bereichert wird. 
Dabei genügt Eventualvorsatz (BSK StGB-Weissenberger, Art. 156 N 31). Der sub-
jektive Tatbestand verlangt ferner die Absicht unrechtmässiger Bereicherung. Auch 
hier genügt die Eventualabsicht des Täters. Für den Nachweis des Vorsatzes darf 
das Gericht vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich diesem 
die Verwirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereit-
schaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Er-
folgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Je grösser die 
Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechts-
gutverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die 
Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2., 
BGE 133 IV 222 E. 5.3).

17.3.2 Vorbemerkung zur Anklageschrift

Gemäss Wortlaut der Anklageschrift überwies D.________ aufgrund der Drohun-
gen gegen die Mutter, in der Hoffnung damit würde Ruhe einkehren, respektive die 
Situation nicht weiter eskalieren, dem Beschuldigten CHF 50'000.00 (pag. 435). 
Obwohl für D.________ gemäss Beweisergebnis nicht nur die Drohungen, sondern 
auch die gegenüber der Strafklägerin ausgeübte körperliche Gewalt Grund für die 
Geldzahlung waren, ist das Gericht vorliegend an den Wortlaut der Anklageschrift 
gebunden (Art. 350 Abs. 1 StGB). Im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Erpres-
sung dürfen demnach nur die am 15. Juni 2012 ausgesprochenen Drohungen, 
nicht jedoch die Gewaltausübung gegenüber der Strafklägerin berücksichtigt wer-
den.

Weiter wurde der Sachverhalt sowohl als versuchte wie auch als vollendete Er-
pressung angeklagt. Dazu hat die Vorinstanz korrekt ausgeführt, dass die versuch-
te und vollendete Tatbegehung in Bezug auf denselben Sachverhalt nicht in echter 
Konkurrenz zueinanderstehen können (pag. 899, S. 26 der vorinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Ist die vollendete Erpressung zu bejahen – sei es auch nur für 
einen Teil des ursprünglich verlangten Geldbetrags – so ist der vollendete Tatbe-
stand erfüllt und die Prüfung der versuchten Tatbegehung erübrigt sich.

17.3.3 Objektiver Tatbestand

Der Beschuldigte verlangte am 15. Juni 2012 von seiner Mutter, ihm zu helfen, von 
seinem Bruder D.________ Geld erhältlich zu machen. Diese Forderung verband 
er mit der Drohung, ansonsten (erneut) körperliche Gewalt gegen sie anzuwenden. 
Er bedrohte die Strafklägerin damit mit einer Gefahr für Leib und Leben. Indem der 
Beschuldigte diese Bedrohungssituation durch Telefonate und weitere Besuche bis 
zum 2. Juli 2012 bzw. bis zur Anzeige bei der Polizei aufrechterhielt und seine Ge-
waltbereitschaft manifestierte, behielt die Drohung während dieser Zeitspanne ihre 
Unmittelbarkeit. Der Beschuldigte hat somit im Sinne von Art. 156 Ziff. 3 StGB eine 
Person mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben bedroht.

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Kurz nach diesem Vorfall rief der Beschuldigte D.________ an und verlangte von 
diesem CHF 250'000.00. D.________ war zu diesem Zeitpunkt bereits über den 
Vorfall zwischen dem Beschuldigten und der Strafklägerin informiert und wusste, 
dass der Beschuldigte die gemeinsame Mutter mit Gewaltandrohungen unter Druck 
setzte, bei ihm für den Beschuldigten Geld erhältlich zu machen. Ihm war demnach 
klar, dass er die Strafklägerin vor dem Beschuldigten schützen konnte, indem er 
der Forderung des Beschuldigten nachkam. D.________ wohnte in dieser Zeit in 
U.________. Es war ihm aufgrund der örtlichen Distanz deshalb nicht möglich, die 
in E.________ wohnhafte Mutter auf andere Art zu schützen. D.________ pflegte 
stets ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter und sorgte sich um deren Wohlergehen. 
Die durch den Beschuldigten herbeigeführte Bedrohungssituation für die gemein-
same Mutter setzte D.________ als fürsorglichen Sohn massiv unter Druck. Durch 
die Drohungen gegen die Strafklägerin wurde auf D.________ als erpresste Person 
somit ein hinreichender Zwang ausgeübt, weshalb es unbeachtlich ist, dass sich 
die Drohung vorliegend nicht gegen seine eigenen Rechtsgüter richteten.

Aufgrund der engen Familienverhältnisse war ausserdem zu erwarten, dass die 
Strafklägerin das Vorgefallene ihren Familienmitgliedern erzählen würde. Da der 
Beschuldigte wusste, dass die Strafklägerin mit seinen Geschwistern und insbe-
sondere auch mit D.________ einen engen Kontakt pflegte, rechnete er damit, 
dass D.________ von den ausgesprochenen Drohungen erfahren würde, zumal er 
von der Strafklägerin ja gerade verlangt hatte, mit D.________ Kontakt aufzuneh-
men. Indem D.________ den Beschuldigten am Telefon auf das Vorgefallene an-
sprach, hat der Beschuldigte ausserdem erfahren, dass D.________ über die mit 
der Droh