# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fc801af6-381e-53d4-89a4-30fd1576cfc8
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.02.2023 SB220119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220119_2023-02-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB220119-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, und lic. iur. R. Faga, 

Ersatzoberrichter lic. iur. R. Amsler sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Simic 

 

Urteil vom 9. Februar 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und I. Berufungsklägerin 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. T. Keller, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatklägerin und II. Berufungsklägerin (Nichteintreten)  

sowie Anschlussberufungsklägerin 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____, 

 

betreffend Förderung der Prostitution etc. und Widerruf  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur 
vom 6. Oktober 2021 (DG210001)  

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

22. Dezember 2020 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/23).  

Urteil der Vorinstanz vom 6. Oktober 2021 
(Urk. 114 S. 113 ff.) 

"Es wird beschlossen: 

1. Das Verfahren wird hinsichtlich der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 

Abs. 1 und 2 lit. a StGB zum Nachteil der Privatkläger 2 bis 5 für den Zeitraum bis 

zum 5. Oktober 2018 definitiv eingestellt. 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung sowie Rechtsmittel mit nachfolgen-

dem Erkenntnis. 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c StGB, 

− des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, 

− der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflichten im Sinne von Art. 219 

Abs. 1 StGB, 

− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 und 2 lit. a StGB, 

− der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB, 

− des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a 

SVG, 

− der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Ver-

bindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV, 

− der mehrfachen Widerhandlung im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d 

BetmG sowie 

− der mehrfachen Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

- 3 - 

2. Die Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

− der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. b StGB, 

− des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. e 

SVG sowie 

− des mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage 

im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB. 

3. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unter-

land vom 19. Februar 2019 ausgefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird wider-

rufen. 

4. Die Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit 

57 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe und als teilweise Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 19. Februar 2019, 

wovon bis und mit heute 590 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug 

erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 900.–. 

5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. 

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so 

tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 9 Tagen.  

6. Die Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. e und h StGB für 7 Jahre des 

Landes (Hoheitsgebiet der Schweiz) verwiesen. 

7. Der Antrag der Privatklägerin 1 betreffend Kontaktverbot im Sinne von Art. 67b 

StGB wird abgewiesen. 

8. Die Anträge der Privatkläger 2 bis 5 betreffend Kontaktverbot im Sinne von Art. 67b 

StGB werden samt Eventual- und Subeventualanträgen abgewiesen. 

9. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

12. März 2020 beschlagnahmten, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

gelagerten Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde Vernichtung 

bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen: 

− 1 VVG Karte mit Kokainresten, 1 EOM Kundenkarte mit Kokainresten, 

2 Plastikröhrchen (Asservaten Nr. A013’569'012), 

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− 1 ZKB Maestrokarte lautend auf C._____ mit Kokainresten, 1 Karte O._____ 

mit Kokainresten (Asservaten Nr. A013’569'045). 

10. Von der Festsetzung einer Ersatzforderung wird abgesehen. 

11. a) Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 aus 

dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird 

die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

b) Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 Fr. 8'000.– zuzüglich 

5 % Zins ab 28. August 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Das 

Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 1 wird im Mehrbetrag abgewiesen. 

12. a) Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber den Privatklägern 2 bis 

5 aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflich-

tig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspru-

ches werden die Privatkläger 2 bis 5 auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen. 

b) Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 2 bis 5 folgende Genug-

tuungsleistungen jeweils zuzüglich 5 % Zins ab 30. Dezember 2017 zu be-

zahlen: 

− D._____: Fr. 8'000.–,  

− E._____: Fr. 8'000.–,  

− F._____: Fr. 8'000.– und 

− G._____: Fr. 5'000.–. 

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 3 wird im Mehrbetrag 

abgewiesen. 

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13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'800.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 8'000.00   Gebühr Vorverfahren 

Fr. 800.00   Telefonkontrolle 

Fr. 1'320.00   Auslagen 

Fr. 770.00   Auslagen Polizei 

Fr. 334.80   Entschädigung Zeuge 

Fr. 480.00   Entschädigung Dolmetscher für staatsanwaltschaftliche   Befragung der Privatklägerin 1 

Fr. 1'500.00 
  Gerichtsgebühr gemäss Beschluss der III. Strafkammer 
  des Obergerichts des Kantons Zürich vom 29. Oktober  
  2020, UB200189 

Fr. 36'024.75 
  Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertreterin der  
  Privatklägerin 1, Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ (inkl.  
  Barauslagen und MwSt.) 

Fr. 55'009.20 

  Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt  
  lic. iur. X._____ (inkl. Spesenpauschale und MwSt.; 
  ab 20. August 2020; abzgl. Akontozahlung vom  
  24. August 2020 in Höhe von Fr. 22'196.15) 

Fr. 109'038.75   Total 

14. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 13 werden der Beschuldigten zu 9/10 auferlegt 

und zu 1/10 auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Vertei-

digung durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ und der unentgeltlichen Rechtsvertrete-

rin der Privatklägerin 1 durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ werden einstweilen 

auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung im Umfang von 9/10 bleibt 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO 

vorbehalten. 

15. (Mitteilungen) 

16. (Rechtsmittel)" 

 

 
 

- 6 - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 15 ff.) 

a) Der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten (Urk. 116 S. 3 f.; 189 S. 2 f.): 

"1. Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils der Vorinstanz sei hinsichtlich der Spiegelstri-

che 1-3 und 5 aufzuheben und die Beschuldigte sei von den Vorwürfen 

- der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c StGB, 

- des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, 

- der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflichten im Sinne von 

Art. 219 Abs. 1 StGB sowie 

- der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB 

freizusprechen. 

2. Dispositiv-Ziffern 4 und 5 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die 

Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer Freiheits-

strafe von 14 Monaten als Gesamtstrafe und als teilweise Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 19. Februar 

2019 sowie einer Busse von CHF 800.00 zu bestrafen, wobei festzustellen 

sei, dass diese Strafe durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigem Strafvoll-

zug erstanden sei. 

3. Dispositiv-Ziffer 6 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und von einer 

Landesverweisung sei abzusehen. 

4. Dispositiv-Ziffer 11 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die 

Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche der Privatklägerin 1 seien ab-

zuweisen. 

5. Dispositiv-Ziffer 12 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die 

Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche der Privatkläger 2 bis 5 seien 

abzuweisen; eventualiter seien diese auf den Zivilweg zu verweisen. 

- 7 - 

6. Dispositiv-Ziffer 14 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die Kos-

ten der Untersuchung sowie des vorinstanzlichen Verfahrens seien der Be-

schuldigten zu einem Fünftel aufzuerlegen, jedoch aufgrund offensichtlicher 

Uneinbringlichkeit sofort und definitiv abzuschreiben. Die Kosten der amtli-

chen Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren seien auf die Gerichtskas-

se zu nehmen.  

7. Der Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung für übermässige Haft 

in der Höhe von CHF 132'200.00 aus der Gerichtskasse zuzusprechen.  

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amt-

lichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen." 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin B._____ (Urk. 133; 

Urk. 191 S. 2): 

"1. Es sei die Beschuldigte im Sinne des Entscheides des Bezirksgerichts 

Zürich vom 6. Oktober 2021 schuldig zu sprechen und zu bestrafen. 

2. Es sei Dispositivziffer 11 b abzuändern und es sei die Beschuldigte zu ver-

pflichten, der Privatklägerin eine Genugtuungssumme in Höhe von 

23'000.00 nebst 5 % Zins seit dem 28. August 2021 zu bezahlen. 

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. der gesetzlichen Mwst.) 

zu Lasten der Beschuldigten, wobei die Kosten der anwaltlichen Vertretung 

der Privatklägerin einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen sind." 

d) Der Vertreterin der Privatkläger 2-5 (Urk. 176 S. 1) 

"1. Das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 6.10.2021 

(DG210001) sei zu bestätigen. 

- 8 - 

  2. Den Geschädigten und Privatklägern 2, 3, 4 und 5 sei die unentgeltliche 

Prozessführung zu gewähren." 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

1. Am 8. Oktober 2021 meldete die Beschuldigte A._____ sowie am 18. Okto-

ber 2021 die Privatklägerin B._____ jeweils fristgerecht Berufung gegen das ein-

gangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Winterthur (nachfolgend: Vo-

rinstanz) vom 6. Oktober 2021 an (Urk. 81 und 84), welches den Parteien am 7. 

Oktober 2021 mündlich und schriftlich im Dispositiv eröffnet worden war (vgl. Prot. 

I S. 110 f.; Urk. 79). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 102 = 

Urk. 114) am 31. Januar 2022 (Urk. 103) reichte die Beschuldigte dem Oberge-

richt am 15. Februar 2022 (Poststempel) fristgerecht ihre Berufungserklärung ein 

(Urk. 116). Die Privatklägerin B._____ liess ihrer Berufungsanmeldung dagegen 

keine Berufungserklärung folgen, weshalb auf ihre Berufung mit Beschluss vom 

15. März 2022 nicht eingetreten wurde (Urk. 120). 

2. Mit Präsidialverfügung vom 22. März 2022 wurden der Staatsanwaltschaft 

und den Privatklägern in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie 

Art. 401 StPO eine Kopie der Berufungserklärung der Beschuldigten zugestellt 

und Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten 

auf die Berufung zu beantragen. Zugleich wurde der Staatsanwaltschaft Frist an-

gesetzt, um zum Beweisantrag der Beschuldigten obligatorisch Stellung zu neh-

men; selbiges wurde den Privatklägern freigestellt (Urk. 122). Die Staatsanwalt-

schaft verzichtete mit Eingabe vom 4. April 2022 (Poststempel), die Privatkläger 

2-5 (Kinder der Beschuldigten) mit Eingabe vom 8. April 2022 (Poststempel) auf 

eine Anschlussberufung (Urk. 124 und 126). Die Privatklägerin B._____ erklärte 

mit Eingabe vom 13. April 2022 Anschlussberufung (Urk. 129), welche sie später 

auf die Höhe der ihr zugesprochenen Genugtuung beschränkte (Urk. 133). Der 

weitere Privatkläger H._____ liess sich auf die Verfügung vom 22. März 2022 

nicht vernehmen. 

- 9 - 

3. Mit Präsidialverfügung vom 21. April 2022 wurde der Beweisantrag der 

Beschuldigten (Sicherstellung und Auswertung des von der Privatklägerin 

B._____ verwendeten Mobiltelefons) abgewiesen (Urk. 131). Mit Präsidialverfü-

gung vom 12. September 2022 wurde die Publikumsöffentlichkeit von der Beru-

fungsverhandlung ausgeschlossen (Urk. 140). Am 27. Oktober 2022 wurden die 

Parteien zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen, wobei den Privatklägern 

2-6 das Erscheinen freigestellt wurde (Urk. 149). Am 4. Januar 2023 wurden die 

Parteien über einen Wechsel in der vorgesehenen Gerichtsbesetzung informiert 

(Urk. 169-171). Am 25. Januar 2023 reichte die Vertreterin der Privatkläger 2-5 

dem Gericht ihre Anträge samt Begründung schriftlich ein (Urk. 176; vgl. Art. 405 

Abs. 2 StPO). Diese wurden der Verteidigung sowie der Staatsanwaltschaft zur 

Kenntnis gebracht. Die Privatklägerin B._____ ersuchte mit Eingabe vom 

2. Februar 2023 um Erlass des persönlichen Erscheinens an der Berufungsver-

handlung, was ihr bewilligt wurde (Urk. 185 und 186). 

4. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen die Beschuldigte A._____ 

(aus dem vorzeitigen Strafvollzug zugeführt) in Begleitung ihres amtlichen Vertei-

digers Rechtsanwalt lic. iur. X._____, Staatsanwalt lic. iur. T. Keller, Rechtsanwäl-

tin lic. iur. Y._____ für die Privatklägerin B._____ sowie MLaw I._____ mit Substi-

tutionsvollmacht für die Privatkläger 2-5. Es waren keine Vorfragen und keine 

Beweisanträge zu entscheiden. In der Sache selbst stellten die Parteien die ein-

gangs wiedergegebenen Anträge (Prot. II S. 15 ff.). Das Verfahren ist spruchreif. 

II. Prozessuales 

1. Umfang der Berufung 

1.1. Die Berufungserklärung der Beschuldigten richtet sich gegen ihre Ver-

urteilung wegen Förderung der Prostitution, mehrfachen Betruges, Verletzung der 

Fürsorge- oder Erziehungspflichten und mehrfacher Pornografie (Disp.-Ziff. 1, 1.-

3. sowie 5. Spiegelstrich), die Strafzumessung (Disp.-Ziff. 4 und 5), die Anord-

nung der Landesverweisung (Disp.-Ziff. 6), die Zivilforderungen der Privatkläger 

(Disp.-Ziff. 11 und 12) sowie die Kostenauflage (Disp.-Ziff. 14; Urk. 116). 

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1.2. Die Anschlussberufung der Privatklägerin B._____ richtet sich gegen den 

vorinstanzlichen Entscheid über ihre Genugtuungsforderung (Disp.-Ziff. 11 b); 

Urk. 133 und 191). 

1.3. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen sind somit der Vorab-

Beschluss der Vorinstanz betreffend die teilweise Einstellung des Verfahrens so-

wie die Dispositiv-Ziffer 1, 4. und 6. bis 9. Spiegelstrich (Schuldsprüche betreffend 

mehrfache Tätlichkeiten sowie Strassenverkehrs- und Betäubungsmitteldelikte), 

Ziffer 2 (Freisprüche), Ziffer 3 (Widerruf), Ziffer 7 und 8 (Abweisung Kontaktver-

bot), Ziffer 9 (Einziehungen), Ziffer 10 (Absehen von Ersatzforderung) und Zif-

fer 13 (Kostenfestsetzung) des vorinstanzlichen Urteils, was vorab festzustellen 

ist. 

1.4. Nachdem im Wesentlichen einzig die Beschuldigte Berufung führt, steht die 

Überprüfung des angefochtenen Urteils – mit Ausnahme der von der Privatkläge-

rin B._____ mit Anschlussberufung ebenfalls angefochtenen Genugtuungssumme 

– unter dem Vorbehalt des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

2. Formelles 

2.1. Soweit nachfolgend auf Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen 

Entscheid verwiesen wird, erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO 

(vgl. dazu etwa BGer. 6B_570/2019 vom 23. September 2019, E. 4.2, m.w.H., 

sowie Nydegger, Der Verweis auf die Entscheidbegründung der Vorinstanz ge-

mäss Art. 82 Abs. 4 StPO, recht 2021, S. 15 ff.), auch ohne dass dies jeweils ex-

plizit Erwähnung findet. 

2.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249, 

E. 1.3.1, mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit in der Begründung 

auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. 

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III. Schuldpunkt 

A. Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c StGB (Anklageziffer I.; 

Privatklägerin: B._____) 

1. Die Vorinstanz erachtete es nicht als erstellt, dass die Beschuldigte die 

Privatklägerin hinsichtlich ihres Entscheids, aus Ungarn in die Schweiz zu reisen 

und hier der Prostitution nachzugehen, massgeblich unter Druck gesetzt hätte 

(Anklagesachverhalt S. 3 f.). Entsprechend sprach sie die Beschuldigte vom 

Vorwurf des Zuführens zur Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. b StGB frei 

(Urk. 114 S. 12 ff.). Dieser Freispruch ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen 

und der diesbezügliche Vorwurf damit nicht mehr Gegenstand des Berufungsver-

fahrens. 

Hingegen erachtete es die Vorinstanz im Wesentlichen (mit einzelnen Relativie-

rungen des Anklagesachverhalts) als erstellt, dass die Beschuldigte zusammen 

mit J._____ (alias: "J'._____"; separates Verfahren bei der Bundesanwaltschaft 

pendent, vgl. Urk. 151) die Privatklägerin bezüglich ihrer Ausübung der 

Prostitution in der damaligen Wohnung der Beschuldigten in K._____ von ca. 

10. August 2019 bis 17. September 2019 in verschiedener Hinsicht unter Druck 

gesetzt und kontrolliert hat (Anklagesachverhalt S. 5 ff.). Sie sprach die Beschul-

digte deshalb der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c StGB 

(Beschränkung der Handlungsfreiheit der Prostituierten) schuldig (Urk. 114 S. 16 

ff.). 

2. Die Beschuldigte wandte im Berufungsverfahren gegen ihre Verurteilung im 

Wesentlichen ein, dass es nicht stimme, dass sie zusammen mit J._____ die Pri-

vatklägerin bezüglich ihrer Ausübung der Prostitution unter Druck gesetzt und 

kontrolliert sowie den Plan geschmiedet habe, die Privatklägerin in eine 

psychische und materielle Abhängigkeit zu treiben. Sie sei nicht an ihrem Prostitu-

tionserlös beteiligt gewesen und habe auch kein Geld von der Privatklägerin 

genommen. Diese habe zudem immer selber entscheiden können, mit welchen 

Kunden sie welche sexuelle Handlungen vornehmen wolle und habe selber auch 

Kunden abgewiesen (Urk. 188 S. 13 ff.).    

- 12 - 

3. Vorab kann auf die einlässlichen und zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 114 S. 16-36). 

Die Vorinstanz gelangte in ihrer ausführlichen und differenzierten Würdigung der 

umfangreichen Beweislage zu Recht zum Schluss, dass der relevante Anklage-

sachverhalt im Wesentlichen (mit einzelnen Einschränkungen) erstellt ist und die 

Beschuldigte zusammen mit J._____ mannigfaltig auf die Privatklägerin einwirkte, 

um diese bei der Ausübung der Prostitution zu kontrollieren und sich schliesslich 

praktisch der gesamten von ihr erzielten Einnahmen zu bemächtigen. Das Be-

weisbild ist insgesamt eindeutig und lässt keinen anderen Schluss zu. Wenn die 

Verteidigung im Berufungsverfahren vorbringt, es sei schlicht falsch, dass die Be-

schuldigte der Privatklägerin zu Beginn ihrer Tätigkeit als Prostituierte die Hälfte 

und danach den gesamten Erlös abgenommen habe (Urk. 189 S. 7), kann ihr 

nicht gefolgt werden: So ergibt sich insbesondere aus dem umfangreichen Chat-

verkehr zwischen der Beschuldigten und J._____ mit aller Deutlichkeit, dass diese 

sich permanent über die Tätigkeit bzw. das Verhalten der Privatklägerin aus-

tauschten und sich dahingehend absprachen, wie diese zu 'führen' sei und wie ihr 

die (gesamten) Einnahmen abgenommen werden konnten (vgl. dazu bereits die 

Vorinstanz in Urk. 114 S. 21 f. und 30 f.). Die Beschuldigte und J._____ ver-

einbarten unter anderem miteinander, dass sie den gesamten Lohn der Privat-

klägerin im Verhältnis 70 % (die Beschuldigte) zu 30 % (J._____) untereinander 

aufteilen (Urk. D1/12/6 S. 31). Zwar führte die Beschuldigte aus, dass 70 % bei 

der Privatklägerin verbleiben sollten und sie selber von diesem Geld nichts erhal-

ten habe (Urk. 188 S. 14). Allerdings ergibt sich aus den eindeutigen Chat-

Nachrichten ein anderes Bild. So schrieb die Beschuldigte J._____, dass die Pri-

vatklägerin keine Fr. 5.– mehr habe, sie das ganze Geld der Privatklägerin weg-

genommen habe und ihr kein Geld lasse sowie die Privatklägerin einzig für die 

Beschuldigte und J._____ da sei (Urk. D1/12/8 S. 17 ff.). Dass die Privatklägerin 

das Geld lediglich für ihren Kokainkonsum habe abgeben müssen und in der Zeit, 

in welcher sie bei der Beschuldigten war, dafür Fr. 1'140.– bezahlt habe, was ei-

nen Grossteil ihrer Einnahmen darstelle (Urk. 189 S. 8), widerspricht klar den 

Ausführungen der Beschuldigten selbst. So schrieb sie im Chat mit dem Freier 

- 13 - 

L._____, die Privatklägerin habe ihr bereits in einer Woche Fr. 7'000.– einge-

bracht (Urk. D1/12/24 S. 14).  

Wenn die Verteidigung konstatiert, dass es in jedem anderen Beruf so sei, dass 

eine Person, die einen neuen Job beginne, von ihren erfahrenen Arbeitskollegen 

in die Tätigkeit eingeführt werde sowie Tipps erhalte und ihr auch Arbeit besorgt 

werde, d.h. im vorliegenden Fall Kunden gebracht würden (Urk. 189 S. 6), so mag 

dies zwar stimmen, doch ergibt sich vorliegend – insbesondere wiederum gestützt 

auf die zahlreichen Chat-Nachrichten – eindeutig, wie die Privatklägerin planmäs-

sig ausgenutzt sowie ihr gedroht wurde und sie finanziellen Druck hatte, zumal sie 

an einem bestimmten Punkt ihre gesamten Einnahmen abgeben musste. Selbst 

wenn damit die Unterstützung der unerfahrenen und mit der hiesigen Sprache 

und den Gegebenheiten nicht vertrauten Privatklägerin bei ihrem Einstieg in die 

Prostitution durch die Beschuldigte und J._____ vordergründig teilweise als blos-

se Hilfestellung verstanden werden könnte, ergibt sich aus dem späteren Verlauf 

letztlich klar, dass diese im Eigeninteresse der Beschuldigten erfolgte und Grund-

lage der nachfolgenden Ausbeutung der Privatklägerin darstellte.  

Dass der Inhalt der eindeutigen Kommunikation mit J._____ ferner "gelogen" sei, 

wie die Beschuldigte im Berufungsverfahren erneut vorbrachte (vgl. Urk. 188 

S. 16 f. und bereits vor der Vorinstanz, Urk. 114 S. 31), erscheint mit der Vo-

rinstanz nicht glaubhaft und geradezu absurd. Die diesbezügliche "Erklärung" der 

Beschuldigten, dass sie und J._____ eine komische Beziehung miteinander ge-

habt hätten, er ihr Dealer gewesen sei und sowohl sie ihn als auch er sie angelo-

gen habe (Urk. 188 S. 17), ist unbehelflich und vermag nichts zu ihren Gunsten zu 

ändern. Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, decken sich diese "Lügen" zudem 

mit den Aussagen der Privatklägerin (Urk. 114 S. 31). Dass diese die Nachrichten 

zwischen der Beschuldigten und J._____ gekannt habe, da sie das Telefon der 

Beschuldigten gesehen habe – wie die Beschuldigte anlässlich der Berufungs-

verhandlung ausführte (Urk. 188 S. 19) –, wirkt gesucht und ist im Übrigen nicht 

glaubhaft. Aufgrund des Gesagten kann der Beschuldigten auch nicht dahinge-

hend gefolgt werden, dass die Privatklägerin ihre Aussagen nur erfunden habe, 

damit sie Opfergeld von der Beschuldigten erhalte (Urk. 188 S. 19). 

- 14 - 

Der Verteidigung ist zwar insofern zuzustimmen, dass die Aussagen der Privat-

klägerin in der Untersuchung teilweise ambivalent waren (Urk. 189 S. 5 ff.). Es 

kann auch nicht alleine auf sie abgestellt werden, um die Taten der Beschuldigten 

zu beweisen. Allerdings ergeben sie zusammen mit den umfangreichen und ein-

deutigen Chat-Nachrichten zwischen der Beschuldigten und J._____ ein stimmi-

ges Ganzes und zeigen die Realität, in welcher die Privatklägerin mehrere Wo-

chen leben musste und auch, dass die Beschuldigte und J._____ von der Privat-

klägerin nichts gehalten haben: Mehrfach wird die Privatklägerin von ihnen als 

"Hure" und "Schlampe" bezeichnet, zudem schreibt die Beschuldigte, dass sie ih-

rer eigenen Schwester so etwas nie antun würde und dass sie die Privatklägerin 

vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer geschlagen habe (Urk. D1/12/6 S. 47 ff.; 

Urk. D1 12/7 S. 123). Die Aussage der Beschuldigten anlässlich der Berufungs-

verhandlung, wonach die Privatklägerin für sie wie eine Schwester gewesen sei 

(Urk. 188 S. 27), wirkt vor diesem Hintergrund alles andere als glaubhaft. Insge-

samt zeigt sich aus den Chat-Nachrichten klarerweise die Grundeinstellung der 

Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin, welche sich schliesslich auch in de-

ren Verhalten ihr gegenüber wiederspiegelte. 

Die Verteidigung führte an der Berufungsverhandlung sodann aus, es sei die 

Privatklägerin gewesen, die, nachdem sie in einer Schutzwohnung untergebracht 

worden sei, von sich selbst den Kontakt zur Beschuldigten bzw. deren Schwester 

aufgenommen habe. Ein solches Verhalten eines angeblich eingeschüchterten 

Opfers, welches zuvor massiv unter Druck gesetzt worden sein solle, widerspre-

che jeglichem gesunden Menschenverstand und zeige in aller Deutlichkeit, dass 

sich die Dinge mit Sicherheit nicht so zugetragen haben könnten, wie es die Vo-

rinstanz darstelle (Urk. 189 S. 14 f.). Das von der Verteidigung angesprochene 

Verhalten mag zwar auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, doch spie-

gelt sich darin auch ein typisches Verhalten von Opfern wieder und zeigt es deut-

lich, dass die Privatklägerin auf sich selbst gestellt und lediglich die Beschuldigte 

als 'Bezugsperson' in der Schweiz hatte. Die Beschuldigte hatte es, entgegen der 

Verteidigung (Urk. 189 S. 13 f.), geschafft, die Privatklägerin in eine (auch emoti-

onale) Abhängigkeit nicht nur von ihr, sondern auch von J._____ zu bringen. So 

hatte dieser gemäss gemeinsamer Absprache mit der Beschuldigten der Privat-

- 15 - 

klägerin vorgespiegelt, in sie verliebt zu sein (vgl. Urk. D1/12/6 S. 57 und Urk. 114 

S. 18). Dass der Plan in der Folge aufging und sich die Privatklägerin tatsächlich 

in J._____ verliebte, zeigt sich unter anderem auch an den Ausführungen von 

Rechtsanwältin Y._____, wonach die Privatklägerin sogar ein T-Shirt von J._____ 

zum Schlafen gebraucht habe, um wenigstens seinen Duft im Schlaf zu haben 

(Urk. 191 S. 12 und Urk. 188 S. 15). Dies deckt sich im Übrigen mit einer Chat-

Nachricht der Beschuldigten selbst, in welcher sie J._____ schreibt, dass die Pri-

vatklägerin ein T-Shirt von ihm brauche, weil sie ihn vermisse (Urk. D1/12/7 

S. 12). Aufgrund des Gesagten überzeugt auch die Behauptung der Beschuldig-

ten, sie habe die Privatklägerin lediglich von M._____ lösen wollen, nicht und ist 

vielmehr als Schutzbehauptung zu werten (vgl. Urk. 189 S. 14).  

Des Weiteren kann der Verteidigung nicht dahingehend gefolgt werden, dass es 

der Privatklägerin freistand zu entscheiden, wie viele Freier sie bedienen wolle 

bzw. dass sie nur wenige Freier habe bedienen müssen oder dass die Beschul-

digte keine Termine und Dienstleistungen ohne Rücksprache mit der Privatkläge-

rin vereinbart habe (Urk. 189 S. 8 und 10). Vielmehr ist der Vorinstanz zuzustim-

men, dass sich aus diversen Chat-Nachrichten ergibt, wie die Beschuldigte mit 

Freiern sexuelle Dienstleistungen seitens der Privatklägerin vereinbarte oder die-

se zumindest anbot, und zwar auch solche, welche die Privatklägerin nicht wollte, 

wie diese in der Untersuchung glaubhaft ausgesagt hatte (vgl. Urk. 114 S. 25). 

Auch schrieb die Beschuldigte einem Freier, der fragte, ob die Privatklägerin Lust 

auf ihn habe, dass diese keine Lust habe, weil sie bereits drei Stunden mit ihrem 

Freund Geschlechtsverkehr gehabt habe, aber wenn sie (die Beschuldigte) es ihr 

sage, dann mache es die Privatklägerin auch (Urk. D1/12/26 S. 49). Ferner erklär-

te sie dem gleichen Freier, die Privatklägerin würde auch ohne Kondom mit ihm 

Geschlechtsverkehr haben (Urk. D1/12/26 S. 52 f.). Dies steht im Widerspruch zu 

den wiederholten Aussagen der Beschuldigten, wonach sie nicht gewollt habe, 

dass die Privatklägerin ohne Kondom arbeite (vgl. Urk. 114 S. 25). Insgesamt 

zeigt sich somit ein eindeutiges Bild, wonach es die Beschuldigte war, welche die 

Kontrolle darüber hatte, wann und mit wem die Privatklägerin welche sexuellen 

Handlungen vornahm.  

- 16 - 

Keine Rolle spielt schliesslich, dass sich die Privatklägerin grundsätzlich "freiwil-

lig" prostituierte (oder dies zumindest in ihren Aussagen teilweise so darstellte) 

und sich auch nicht durchgehend an die Anweisungen der Beschuldigten und von 

J._____ hielt bzw. sich diesen teilweise widersetzte. Entscheidend ist vielmehr, 

dass die Beschuldigte durchgehend die Kontrolle über die Privatklägerin ausübte. 

Spätestens ab dem Zeitpunkt, als die Privatklägerin nahezu sämtliche Einnahmen 

der Beschuldigten bzw. J._____ abgeben musste, kann ohnehin kaum mehr von 

einer freiwilligen Tätigkeit der Privatklägerin gesprochen werden. 

4. Auch die rechtliche Würdigung der Vorinstanz (vgl. Urk. 114 S. 32 ff.) er-

weist sich ohne Weiteres als zutreffend. Die Beschuldigte ist damit der Förderung 

der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c StGB schuldig zu sprechen. 

B. Mehrfacher Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Anklageziffer II.) 

1. Die Vorinstanz erachtete diesen Anklagesachverhalt als erstellt und sprach 

die Beschuldigte diesbezüglich des mehrfachen Betruges im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB schuldig (Urk. 114 S. 37 ff.). 

2. Die Beschuldigte wandte im Berufungsverfahren gegen ihre Verurteilung im 

Wesentlichen ein, dass sie gegenüber dem Sozialamt der Gemeinde K._____ ihr 

Einkommen aus der Prostitution nur deshalb nicht deklariert habe, da für sie 

Prostitution keine richtige Arbeit sei. Sie bestritt jedoch nicht, dass sie auf diese 

Weise Sozialhilfegelder in der Höhe von Fr. 106'000.– bezogen und gleichzeitig 

als Prostituierte gearbeitet habe (Urk. 188 S. 20 f.). 

3. Es kann vorab wiederum auf die einlässlichen und zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 114 S. 37-49). Diese sind nur insofern zu 

korrigieren, als die Nichtdeklaration des von der Beschuldigten von ihrer Mutter in 

Ungarn geerbten Anteils an einem Haus bzw. einer Wohnung von der Staats-

anwaltschaft nicht zur Anklage gebracht wurde, weshalb die Beschuldigte dies-

bezüglich auch nicht verurteilt werden kann.  

Zusammenfassend sowie ergänzend zu den Erwägungen der Vorinstanz ist 

auszuführen, dass sich die Beschuldigte im Jahr 2016 zweimal beim Sozialamt 

- 17 - 

K._____ für wirtschaftliche Unterstützung anmeldete, wobei sie angab, nicht 

arbeiten zu können, weil sie Kinder zu betreuen habe. Mit Beschluss der Sozial-

behörde K._____ vom 19. April 2017 wurden der Beschuldigten schliesslich 

rückwirkend ab Dezember 2016 monatliche Sozialhilfebeiträge zugesprochen. 

Anlässlich der regelmässigen Nachfragen bzw. Überprüfungen ihrer Bedürftigkeit 

gab die Beschuldigte gegenüber dem Sozialamt jeweils wahrheitswidrig an, nicht 

gearbeitet zu haben, keinerlei Einkommen zu erzielen und insbesondere auch 

nicht von Dritten unterstützt zu werden (vgl. Urk. D2/1/3/2-14). Tatsächlich erzielte 

die Beschuldigte jedoch im gesamten anklagerelevanten Zeitraum von Januar 

2017 bis September 2019 mittels selbständiger Prostitution bzw. Zuhälterei (vgl. 

Anklageziffer I.) ein regelmässiges, wenn auch schwankendes Einkommen. Zu-

dem wurde sie – wie in der Anklageschrift beschrieben – von diversen Freiern mit 

namhaften Geldbeträgen zusätzlich unterstützt, was die Beschuldigte anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung denn auch einräumte (vgl. Prot. I S. 66 

ff.). Obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wäre (Mitwirkungspflicht 

gemäss § 18 SHG), informierte die Beschuldigte das Sozialamt nicht über ihre di-

versen Einkünfte, sondern behauptete vielmehr wiederholt wahrheitswidrig, keine 

Einnahmen erzielt zu haben. Dies führte dazu, dass der Beschuldigten im Ankla-

gezeitraum Sozialhilfeleistungen von insgesamt rund Fr. 106'000.– ausbezahlt 

wurden, auf die sie – jedenfalls in dieser Höhe – keinen Anspruch gehabt hätte. 

Diverse Nachfragen des Sozialamtes hinsichtlich festgestellter verdächtiger Geld-

flüsse beantwortete die Beschuldigte zögerlich und ausweichend, um schliesslich 

falsche Erklärungen zu präsentieren (vgl. Urk. D2/1/3/2, D2/1/3/3 und D2/1/3/14), 

was – entgegen der Verteidigung – nicht gegen, sondern für ein arglistiges Vor-

gehen der Beschuldigten spricht. Es kann keine Rede davon sein, dass die Ge-

meinde K._____ ihr zumutbare Überprüfungen unterlassen hätte, zumal es sich 

bei den verschwiegenen Einkünften vorwiegend um Bareinnahmen handelte. 

Auch verfängt das Vorbringen der Verteidigung an der Berufungsverhandlung 

nicht, wonach dem Sozialamt von Beginn an klar gewesen sei, dass die Angaben 

der Beschuldigten nicht vollständig gewesen seien bzw. nicht der Wahrheit ent-

sprochen hätten und dies umso mehr gelte, als dass dem Sozialamt Kontoauszü-

ge vorgelegen seien, in welchen ersichtlich gewesen sei, dass die Beschuldigte 

- 18 - 

gearbeitet und von Dritten Geld erhalten habe (Urk. 189 S. 16 f.). Dem Sozialamt 

ist nicht zuzumuten, in dessen Rolle als Sozialbehörde und eben nicht als Unter-

suchungsbehörde, Kontoauszüge von insgesamt 123 Seiten (Urk. D1/10/1/2) auf 

blossen Verdacht hin im Detail zu überprüfen. Das Sozialamt handelte mitnichten 

besonders leichtfertig, sondern stellte, wie bereits vorstehend ausgeführt, in dem 

ihm möglichen Umfang die notwendigen und zumutbaren Nachforschungen an. 

Die Beschuldigte hingegen unterlief gezielt die Überprüfungen durch das Sozial-

amt, was einer schweren Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht gleichkommt. Damit 

musste die Gemeinde K._____ im Rahmen der sogenannten "Opfermitverantwor-

tung" denn auch nicht rechnen. Die Gemeinden im Kanton Zürich sind zur finan-

ziellen Unterstützung bedürftiger Einwohner gesetzlich verpflichtet (vgl. § 1 Abs. 

1, § 4 sowie § 14 SHG). Der Gemeinde K._____ stand es somit vorliegend – ent-

gegen der Verteidigung – nicht frei, der Beschuldigten die von ihr geltend ge-

machten gesetzlichen Leistungen auf blossen Verdacht hin zu verweigern. Dass 

es der Beschuldigten nicht bewusst gewesen sein soll, dass sie jegliche Einkünfte 

dem Sozialamt hätte angeben müssen, ist einerseits grundsätzlich, insbesondere 

aber deshalb unglaubhaft, weil sie entsprechenden Nachfragen des Sozialamtes 

gezielt auswich bzw. bewusst falsche Angaben machte. Als unglaubhafte Schutz-

behauptung der Beschuldigten erscheint ferner, dass sie die diversen an sie ge-

richteten und auch von ihr unterzeichneten, schriftlichen Belehrungen über ihre 

Mitwirkungspflichten als Sozialhilfeempfängerin nicht verstanden haben will bzw. 

davon ausgegangen sei, dass sie nur eine "richtige" Arbeit hätte melden müssen, 

nicht aber die selbständige Ausübung der Prostitution. So antwortete sie nämlich 

in der Einvernahme vom 20. Mai 2020 auf die Frage, weshalb sie das Einkommen 

aus der Prostitution nicht angegeben habe, es habe eine Situation gegeben, in 

welcher sie nicht als Prostituierte gearbeitet und sie nicht immer Geld von ihrer 

Arbeit als Prostituierte gehabt habe (Urk. D2/3/1 Frage 14). Im Übrigen darf als 

allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass Sozialhilfe in der Schweiz kein 

"bedingungsloses Grundeinkommen" darstellt, sondern nur subsidiär an Bedürfti-

ge ausgerichtet wird, die über keine anderen Einnahmequellen verfügen. Dass 

dies der Beschuldigten ebenfalls bewusst gewesen ist, bestätigte sie mit ihrer 

Aussage an der Berufungsverhandlung, dass Sozialhilfe an diejenigen Personen 

- 19 - 

ausbezahlt werde, die Hilfe brauchen (vgl. Urk. 189 S. 21). Die Beschuldigte woll-

te jedoch hier ihre vorhandenen, aber für ihre Bedürfnisse (inkl. Drogenkonsum) 

offenbar ungenügenden Einnahmen aus Prostitution und weiteren Zuwendungen 

durch den zusätzlichen (ungerechtfertigten) Bezug von Sozialhilfegeldern in voller 

Höhe aufbessern und sich somit zu Lasten der Gemeinde K._____ bereichern.  

Bezüglich der Höhe des Deliktsbetrages sind die zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz dahingehend zu ergänzen, dass mangels konkreter Angaben und 

Belege der Beschuldigten über ihren selbständigen Verdienst als Prostituierte im 

Nachhinein kaum mehr festgestellt werden kann, inwiefern die Beschuldigte auch 

bei ordnungsgemässer Deklaration ihrer Einkünfte allenfalls teilweise Anspruch 

auf die von ihr bezogenen Sozialhilfegelder gehabt und sich insofern nicht 

unrechtmässig bereichert hätte. Entgegen der Verteidigung führt dies allerdings 

nicht dazu, dass nur von einem minimalen Deliktsbetrag auszugehen ist. Wie be-

reits die Vorinstanz festhielt ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Be-

schuldigten der gesamte von ihr durch falsche Angaben erlangte Betrag von rund 

Fr. 106'000.– zur Last fällt. Selbst wenn man die (mutmasslich) erzielten Einkünfte 

der Beschuldigten nachträglich schätzen wollte (vgl. Urk. 114 S. 45), gelangte 

man zu keinem anderen Bild: Alleine die diversen, von der Beschuldigten aner-

kannten Einmal-Zuwendungen von Dritten gemäss Anklageschrift belaufen sich 

bereits auf insgesamt ca. Fr. 44'000.– oder umgerechnet ca. Fr. 1'333.– pro Mo-

nat (bei einem Deliktszeitraum von 33 Monaten, Januar 2017-September 2019). 

Geht man weiter davon aus, dass die Beschuldigte in diesem Zeitraum noch zu-

sätzlich im Durchschnitt nur schon ca. Fr. 1'880.– pro Monat als Prostituierte ver-

diente (was bei geschätzten 20 Arbeitstagen pro Monat Tageseinnahmen von le-

diglich ca. Fr. 94.– bzw. ca. einem Kunden pro Tag entspräche oder bei zwei 

Kunden pro Tag lediglich 10 Arbeitstagen pro Monat etc.) – was ohne Weiteres 

als realistisch erscheint, spricht doch die Verteidigung von Einnahmen von weni-

ger als Fr. 2'800.– (vgl. Urk. 189 S. 16) – wäre der ungerechtfertigte Bezug in der 

gesamten Höhe von Fr. 106'000.– bereits erreicht. So oder anders ist der Ankla-

gesachverhalt, wonach die Beschuldigte von der Gemeinde K._____ zu Unrecht 

Sozialhilfegelder von insgesamt rund Fr. 106'000.– betrügerisch erlangt hat, des-

halb erstellt. 

- 20 - 

4. Auch die rechtliche Würdigung der Vorinstanz erweist sich als zutreffend 

und es kann auf die korrekten Erwägungen vollumfänglich verwiesen werden 

(Urk. 114 S. 44 ff.). Die Beschuldigte ist somit des mehrfachen Betruges im Sinne 

von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

C. Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht im Sinne von Art. 219 

Abs. 1 StGB sowie mehrfache Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer III.; Privatkläger 2-5) 

1. Hinsichtlich des unter dieser Anklageziffer gegen die Beschuldigte erhobe-

nen Vorwurfs der mehrfachen Tätlichkeiten (regelmässiges Schlagen von 

E._____ und F._____ mit der Hand und zum Teil mit einem hölzernen Kochlöffel 

im Zeitraum vom 4. September 2016 bis 5. November 2019) stellte die Vorinstanz 

das Verfahren vorab für den Zeitraum bis zum 5. Oktober 2018 infolge eingetrete-

ner Verjährung definitiv ein (Urk. 114 S. 11). Für den verbleibenden Zeitraum 

(6. Oktober 2018 bis 5. November 2019) erachtete es die Vorinstanz aufgrund 

des Beweisergebnisses als erstellt, dass die Beschuldigte ihre Kinder E._____ 

und F._____ (Privatkläger 3 und 4) "jeweils" bzw. "gelegentlich" mit der Hand – 

jedoch nicht mit dem Kochlöffel – geschlagen hat. Die Vorinstanz sprach die Be-

schuldigte in diesem Sinne der mehrfachen Tätlichkeiten schuldig (Urk. 114 S. 61 

und 64). Sowohl die teilweise Verfahrenseinstellung als auch der (teilweise) 

Schuldspruch wegen mehrfacher Tätlichkeiten blieben allseits unangefochten und 

sind somit nicht mehr Thema des Berufungsverfahrens. 

Im Übrigen erachtete es die Vorinstanz als erstellt, dass sich die Beschuldigte 

gemeinsam mit der Privatklägerin B._____ in der Familienwohnung der Beschul-

digten prostituierte, wobei die Kinder der Beschuldigten in dieser Zeit ruhig sein 

und sich entweder im Wohnzimmer oder auf dem Spielplatz aufhalten mussten. 

Weiter sei erstellt, dass die Beschuldigte und die Privatklägerin B._____ in der 

Küche Kokain konsumiert hätten und die Beschuldigte sich teilweise tagelang 

nicht um die Kinder gekümmert habe. Schliesslich habe die Beschuldigte ihrem 

Sohn F._____ mindestens einmal ihr Handy gegeben, um Fotos anzuschauen, 

worauf F._____ mindestens ein Video gesehen habe, welches die Beschuldigte 

beim Sex gezeigt habe. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte bezüglich dieses 

- 21 - 

von ihr als erstellt erachteten Sachverhaltes der Verletzung der Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht sowie der mehrfachen Pornografie schuldig (Urk. 114 S. 61 ff.). 

2. Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren zusammengefasst vor, 

dass die Beschuldigte zwar durch ihre Prostitutionstätigkeit in der Familienwoh-

nung sicherlich nicht ein optimales Umfeld für ihre Kinder geschaffen, sich aber 

stets darum bemüht habe, die Kinder von ihrer Tätigkeit als Prostituierte fernzu-

halten und diese hierfür in andere Zimmer oder nach draussen zum Spielen ge-

schickt habe, bevor Freier gekommen seien. Sie habe die Kinder nicht einfach ih-

rem Schicksal überlassen bzw. sie verwahrlosen lassen, wie die Vorinstanz sug-

geriere. Für eine Gefährdung der Kinder in ihrer körperlichen oder seelischen 

Entwicklung gebe es keine konkreten Anhaltspunkte. Ferner sei es nicht vorge-

kommen, dass die Beschuldigte ihren Kindern ihr Mobiltelefon ausgehändigt und 

ihr Sohn F._____ ein Video von ihr bei sexuellen Handlungen gesehen habe (Urk. 

189 S. 18 ff.). 

3.1 Die Vorinstanz hat den Anklagevorwurf sowie die relevante Beweislage zu-

treffend wiedergegeben (Urk. 114 S. 49-61 oben), worauf verwiesen werden 

kann. Die Beschuldigte räumte dabei (auch an der Berufungsverhandlung, vgl. 

Urk. 188 S. 22 f.) ein, sich im Anklagezeitraum von ca. April 2016 bis September 

2019 zunächst alleine und zuletzt im August/September 2019 gemeinsam mit der 

Privatklägerin B._____ in ihrer Wohnung – in der auch die sich damals unter der 

alleinigen elterlichen Sorge und Obhut der Beschuldigten befindlichen Kinder 

D._____ (*2006; Privatklägerin 2), E._____ (*2009; Privatklägerin 3), F._____ 

(*2011; Privatkläger 4) sowie G._____ (*2016; Privatkläger 5) lebten – regelmäs-

sig prostituiert zu haben. Weiter gab die Beschuldigte zu, dass sich die Kinder je-

weils vor ihren Freiern 'verstecken' mussten, indem sie sich im Wohnzimmer ruhig 

halten oder die Wohnung verlassen mussten. Dass dies kein Umfeld ist, in dem 

man kleine Kinder aufwachsen lässt, bestätigte auch die Beschuldigte anlässlich 

der Berufungsverhandlung und gab ferner zu, diese Erkenntnis bereits damals 

gehabt zu haben, jedoch sei das Geld, welches sie erhalten habe, zu wenig ge-

wesen (Urk. 188 S. 22 f.). Die Beschuldigte gestand auch ein, dass sie der jeweils 

ältesten Tochter (zunächst D._____ und nach deren Auszug im Mai 2019 dann 

- 22 - 

E._____) faktisch die Mutterrolle für die jüngeren Geschwister zuwies. Zwar stellte 

sie in der Berufungsverhandlung in Abrede, sich teilweise tagelang nicht um die 

Kinder gekümmert zu haben, es seien lediglich zwei bis drei Stunden gewesen 

(Urk. 188 S. 23). Diesbezüglich kann ihr jedoch kein Glauben geschenkt werden, 

zumal sie diesen Vorwurf sowohl in der Untersuchung als auch vor der Vorinstanz 

bereits eingestanden hatte (vgl. Urk. D1/4/12 Frage 14; Urk. 114 S. 50 und 61), 

weshalb sie darauf zu behaften ist. Im Übrigen hatte auch F._____ in der Unter-

suchung angegeben, dass die Beschuldigte zumindest ein Mal ohne ihn und sei-

ne Geschwister in die Ferien (zwischen einem und zwei Tagen) gegangen sei 

(vgl. Urk. D1/50/4 Fragen 99 ff.). Auch wenn diese Aussage in der Anklage nicht 

erwähnt ist, so untermauert sie dennoch das ursprüngliche Einräumen der Be-

schuldigten selbst, dass sie die Kinder teilweise tagelang sich selbst überlassen 

hat.  

Zusammenfassend decken sich die Zugeständnisse der Beschuldigten mit der 

übrigen Beweislage, so dass der Anklagesachverhalt insofern ohne Weiteres als 

erstellt erachtet werden kann. 

3.2 Hingegen bestreitet die Beschuldigte, die Kinder ihrem Kokainkonsum aus-

gesetzt zu haben. Vielmehr habe sie immer darauf geachtet, dass die Kinder da-

von nichts mitbekämen, indem sie jeweils gewartet habe, bis diese schliefen 

(Urk. 188 S. 24), und sie habe das Kokain auch für die Kinder unerreichbar im 

oberen Küchenschrank aufbewahrt. Jedoch treffe es zu, dass die Privatklägerin 

B._____ einmal von F._____ beim Kokainkonsum in der Küche beobachtet wor-

den sei (Urk. 114 S. 50 f.). Aus den vorliegenden Aussagen der Kinder ergibt sich 

– mit der für eine Verurteilung erforderlichen Klarheit und Sicherheit – letztlich 

nichts anderes (Urk. 114 S. 52 ff.). Der Beschuldigten lässt sich somit nicht wider-

legen, dass sie darauf bedacht war, ihren Kokainkonsum vor den Kindern mög-

lichst zu verbergen. Die Aussagen von D._____, wonach die Beschuldigte sie je-

weils zu den Drogenkäufen mitgenommen habe, fanden keinen Eingang in die 

Anklageschrift und können der Beschuldigten daher (ungeachtet deren Glaubhaf-

tigkeit) nicht zur Last gelegt werden. Bereits an dieser Stelle ist sodann festzuhal-

ten, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern der Umstand, dass die Privatklägerin 

- 23 - 

B._____ offenbar einmal von F._____ beim Kokainkonsum in der Küche ertappt 

wurde, der Beschuldigten unter dem Titel der Verletzung ihrer Fürsorge- und Er-

ziehungspflicht zum Vorwurf gereichen könnte. Der Anklagesachverhalt lässt sich 

insofern nicht erstellen. 

3.3 Hinsichtlich der Tatbestandsvoraussetzungen der Verletzung der Fürsorge- 

oder Erziehungspflicht gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB kann vorab auf die zutref-

fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 114 S. 62 f.). Die 

Verteidigung weist zwar zu Recht darauf hin, dass dieser Tatbestand aufgrund 

seines potentiell uferlosen Anwendungsbereichs in der Lehre kritisiert und dessen 

restriktive Auslegung gefordert wird. Dieser gewährleistet denn auch sicherlich 

keinen strafbewehrten Anspruch auf eine 'optimale' Kindheit. Das Bundesgericht 

hat in einem neuesten Entscheid das tatbestandsmässige Verhalten wie folgt 

konkretisiert (BGer. 6B_586/2021 vom 26. Januar 2022, E. 1.2): 

"Il faut ensuite que l'auteur ait violé son devoir d'assistance ou d'éducation ou qu'il 

ait manqué à ce devoir. Le comportement délictueux peut donc consister en une 

action ou en une omission; dans le premier cas, l'auteur viole positivement son 

devoir, par exemple en maltraitant le mineur ou en l'exploitant par un travail ex-

cessif ou épuisant; dans le second cas, l'auteur manque passivement à son obli-

gation, par exemple en abandonnant l'enfant, en négligeant de lui donner des 

soins ou en ne prenant pas, face à un danger, les mesures de sécurité qui s'im-

posent. Il faut encore, sur le plan objectif, que la violation du devoir d'assistance 

ou d'éducation ou le manquement à ce devoir ait eu pour effet de mettre en dan-

ger le développement physique ou psychique du mineur (ATF 125 IV 64 consid. 

1a p. 69; arrêt 6B_1220/2020 du 1er juillet 2021 consid. 1.2). L'infraction réprimée 

par l'art. 219 CP est un délit de mise en danger concrète; il n'est donc pas néces-

saire que le comportement de l'auteur aboutisse à un résultat, c'est-à-dire à une 

atteinte à l'intégrité corporelle ou psychique du mineur; la simple possibilité abs-

traite d'une atteinte ne suffit cependant pas; il faut que cette atteinte apparaisse à 

tout le moins vraisemblable dans le cas concret (ATF 126 IV 136 consid. 1b et 

l'arrêt cité; arrêt 6B_138/2021 du 23 septembre 2021 consid. 1.4.2)." 

- 24 - 

Nachdem Art. 219 StGB ein konkretes Gefährdungsdelikt darstellt, ist letztlich das 

Ausmass der durch die Verletzung der Fürsorgepflicht, sei es durch (aktive) Miss-

handlung oder durch (passive) Vernachlässigung, hervorgerufenen Gefährdung 

der körperlichen oder seelischen Entwicklung der betroffenen, unter der Sorge 

und Obhut des Täters stehenden Minderjährigen entscheidend. Zwar ist eine tat-

sächlich erfolgte Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Unversehrt-

heit zur Erfüllung des Tatbestands nicht erforderlich, jedoch genügt die bloss abs-

trakte Möglichkeit einer solchen nicht. Die Beeinträchtigung muss im konkreten 

Fall zumindest als wahrscheinlich erscheinen. 

3.4 Vorliegend ist unbestritten, dass die Privatkläger 2-5 im Tatzeitraum unter 

der alleinigen Sorge und Obhut der Beschuldigten standen, weshalb diese ge-

mäss Art. 302 Abs. 1 ZGB insbesondere verpflichtet war, die körperliche, geistige 

und sittliche Entfaltung ihrer Kinder zu fördern und zu schützen (Kindeswohl). 

Dass die jahrelange Ausübung der Prostitution in der gemeinsamen Familien-

wohnung – wobei sich die Kinder zu Gunsten der Freier jeweils in ihrer eigenen(!) 

Wohnung verstecken oder diese verlassen mussten und die Bedienung der Freier 

teilweise in den Kinderzimmern erfolgte – der kindesrechtlichen Fürsorgepflicht 

der Beschuldigten zuwiderlief, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Erör-

terung. Ferner prostituierten sich während eines gewissen Zeitraums zwei Frauen 

gleichzeitig in der Familienwohnung, nämlich die Beschuldigte zusammen mit der 

Privatklägerin (vgl. vorstehend Ziff. III.A.1.). Zu Recht konstatierte bereits die Vo-

rinstanz, dass von einer gedeihlichen und kinderfreundlichen Umgebung bei der 

Beschuldigten keine Rede sein konnte (Urk. 114 S. 63). Selbiges gilt für die re-

gelmässige Vernachlässigung der Kinder, teilweise über mehrere Tage, wobei 

diese sich selbst bzw. der "Obhut" der ältesten Schwester überlassen waren, was 

eine massive Überforderung für die noch kleinen Kinder darstellte. So war das 

jüngste Kind G._____ im Tatzeitraum zwischen 0 und 3 Jahre alt, F._____ zwi-

schen 4 und 8 Jahre alt, E._____ zwischen 6 und 10 Jahre alt sowie D._____ 

zwischen 10 und 13 Jahre alt. Durch die jahrelange regelmässige Vernachlässi-

gung bzw. Überforderung der Kinder einerseits sowie die für diese beelendenden 

Wohnverhältnisse, welche die Beschuldigte durch die von ihr praktizierte Prostitu-

tion bei sich zu Hause zwangsläufig schuf, gefährdete die Beschuldigte zweifellos 

- 25 - 

konkret die seelische, wenn nicht auch die körperliche Entwicklung ihrer Kinder, 

was ihr offenbar auch bewusst war (Prot. I S. 80 f.; Urk. 188 S. 22 f.). Zudem 

ergibt sich aus den Akten, dass die Privatkläger 2-4 auf psychologische Unter-

stützung angewiesen sind und sich von ihren (bisher) behandelnden Therapeutin-

nen bereits folgende Diagnosen stellen liessen: eine reaktive Bindungsstörung 

des Kindesalters bei E._____, eine posttraumatische Belastungsstörung und/oder 

ADHS bei F._____ und eine komplexe Traumafolgestörung bei D._____ 

(Urk. 176; Urk. D1/59/1-3). Die vormalige Therapeutin von F._____ hielt in ihrem 

Bericht vom 17. September 2021 fest, dass sich der psychische Zustand von 

F._____ verbessert habe, seit er nicht mehr bei der Beschuldigten, sondern bei 

seiner Tante lebe. Ferner habe er durch die Vernachlässigung, mangelnde Für-

sorge und erlebte Hilflosigkeit einen sehr schwierigen Start in den Kindergarten 

und in die Schule gehabt und Verhaltensauffälligkeiten sowie Entwicklungsverzö-

gerungen gezeigt (Urk. D1/59/2). Sodann sprach die Therapeutin von E._____ in 

ihrem Bericht vom 16. August 2021 davon, dass die Auffälligkeiten und Schwie-

rigkeiten bei E._____ sie in ihrer Entwicklung beeinträchtigen und mit grosser 

Wahrscheinlichkeit mit den strafbaren Taten zusammenhängen würden. Es sei 

noch nicht abschätzbar, in welchem Ausmass E._____ aufgrund der belastenden 

Erlebnisse in der schulischen und beruflichen, sowie auch ihrer körperlichen, psy-

chischen und sexuellen Entwicklung eingeschränkt sein werde. Zudem zeige sie 

ein vergleichsweise höheres Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit und ver-

lässlichen Bindungen (Urk. D1/59/1). Schliesslich hielt die Therapeutin von 

D._____ in ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2023 fest, dass diese zwar aus 

therapeutischer Sicht Fortschritte gemacht habe, jedoch weiterhin die im Bericht 

vom 16. September 2021 festgestellten Symptome zu beobachten seien (unter 

anderem ein verringertes Arbeitsgedächtnis, Impulsivität und starke Stimmungs-

schwankungen), welche auf die Diagnose einer komplexen Traumafolgestörung 

zurückzuführen seien. Die Fortführung der psychotherapeutischen Behandlung 

und eine verlässliche sozialpädagogische Wohnstruktur sei für die weitere emoti-

onale Entwicklung von D._____ zentral. Zwar werde sie lernen, mit ihren psychi-

schen Schwierigkeiten besser umzugehen, sie werde aber weiterhin mit den er-

wähnten Symptomen zu kämpfen haben (Urk. 177/2). Es kann somit, entgegen 

- 26 - 

der Verteidigung, mitnichten die Rede davon sein, dass keine (konkrete) Gefähr-

dung der Privatkläger 2-5 stattgefunden habe. Vielmehr wurden die Privatkläger 

2-4 angesichts der erwähnten Diagnosen in ihrer Entwicklung tatsächlich beein-

trächtigt. Was das jüngste Kind G._____ (Privatkläger 5) betrifft, so kann Rechts-

anwältin Z._____ zugestimmt werden, dass heute noch nicht abschätzbar ist, 

welche Folgeschäden er aufgrund der Tathandlungen der Beschuldigten davon-

tragen wird (Urk. 176 S. 6).   

Selbst wenn die Beschuldigte diese Gefährdung der Privatkläger 2-5 zwar nicht 

gezielt anstrebte, nahm sie sie doch zumindest in Kauf. Entgegen den Vorbringen 

der Beschuldigten (vgl. vorstehend Ziff. III.C.3.1.) war sie auch nicht aus finanziel-

len Gründen zur Ausübung der Prostitution "gezwungen", zumal sie sich und die 

Kinder gleichzeitig von der Sozialhilfe unterstützen liess. Die Beschuldigte ist so-

mit der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht im Sinne von Art. 219 

Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

4. Die Beschuldigte bestreitet schliesslich, ihrem damals achtjährigen Sohn 

F._____ ihr Handy überlassen zu haben. Dies habe sie gerade deshalb nicht ge-

tan, weil sie gewusst habe, dass darauf zahlreiche pornografische Videos von ihr 

und der Privatklägerin B._____ gespeichert seien. F._____ müsse von ihrer 

Schwester N._____ (unter deren Obhut sich die Kinder inzwischen befinden) zu 

dieser Aussage angestiftet worden sein, weil diese ihr die Kinder habe wegneh-

men wollen (Urk. 114 S. 51 f.; Prot. I S. 78 ff.; Urk. 188 S. 24 f.).  

Diese Ausführungen überzeugen nicht: Hätte die Schwester der Beschuldigten 

tatsächlich gewollt, dass unrichtige bzw. unwahre Aussagen zum Nachteil der 

Beschuldigten gemacht würden, so wäre es wahrscheinlicher gewesen, dass sie 

sämtliche Kinder in diesem Sinne instrumentalisiert hätte und nicht nur F._____. 

Ferner kann der Verteidigung auch nicht dahingehend gefolgt werden, dass die 

Tatsache, dass keines der anderen Kinder angegeben habe, einmal solche Vi-

deos gesehen zu haben, klar dagegen spreche, dass die Beschuldigte ihnen ihr 

Mobiltelefon ausgehändigt habe (Urk. 189 S. 19). Einerseits wird der Beschuldig-

ten nicht vorgeworfen, sie habe allen ihren Kindern ihr Mobiltelefon ausgehändigt, 

sondern nur F._____. Andererseits spricht der Umstand, dass eben nur F._____ 

- 27 - 

von diesen Videos gesprochen hat, gerade dafür, dass er dies, im Gegensatz zu 

seinen Geschwistern, tatsächlich erlebt hat. Somit ist gestützt auf die anschauli-

chen und glaubhaften Aussagen von F._____ davon auszugehen, dass ihm die 

Beschuldigte (im eingeklagten Tatzeitraum von August/September 2019) zumin-

dest einmal ihr Handy überliess, damit F._____ darauf Fotos anschauen konnte, 

wobei er offenbar auf diverse Sexvideos der Beschuldigten und der Privatklägerin 

B._____ stiess, deren Anblick ihn (nachvollziehbar) verstörte (vgl. Urk. 114 

S. 53 f. und S. 61 f.). Dass F._____ von der Schwester der Beschuldigten zu sol-

chen Aussagen angehalten worden sein soll, erscheint demgegenüber geradezu 

abwegig.  

Nachdem der Beschuldigten schliesslich laut eigenen Aussagen das Risiko sehr 

wohl bewusst war, dass F._____ auf ihrem Handy auf die Sexvideos stossen 

könnte – was er denn auch tat –, nahm sie ohne Weiteres in Kauf, F._____ por-

nografischen Bildaufnahmen im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB auszusetzen, als 

sie ihm ihr Handy überliess, damit er sich Fotos (wohl: Familienfotos) anschauen 

konnte. Insoweit ist der Anklagesachverhalt erstellt. Die rechtliche Würdigung der 

Staatsanwaltschaft wie auch der Vorinstanz trifft grundsätzlich zu. Da die Be-

schuldigte ihr Handy F._____ indessen nur einmal nachweislich überliess, ist ent-

gegen der Vorinstanz nur von einer einmaligen, nicht von einer mehrfachen Tat-

begehung auszugehen. Die Beschuldigte ist daher der Pornografie im Sinne von 

Art. 197 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

5. Zusammenfassend ist die Beschuldigte somit bezüglich Anklageziffer III. der 

Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht im Sinne von Art. 219 Abs. 1 

StGB sowie der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB schuldig zu spre-

chen. 

IV. Strafzumessung 

1. Nachdem die Beschuldigte die heute zu beurteilenden Delikte teilweise vor 

und teilweise nach Inkrafttreten des revidierten Sanktionenrechts am 1. Januar 

2018 verübt hat, stellt sich vorab die Frage nach dem auf die Strafzumessung 

anwendbaren Recht. Dabei gilt der Grundsatz der lex mitior, wonach das im 

- 28 - 

Tatzeitpunkt anwendbare Recht massgeblich ist, ausser das im Urteilszeitpunkt 

anwendbare Recht erwiese sich für die Beschuldigte als milder (vgl. Art. 2 StGB). 

Sind mehrere Taten zu beurteilen, ist für jede einzelne gesondert zu prüfen, ob 

das neue oder das alte Recht anwendbar ist. Gegebenenfalls ist eine Gesamtstra-

fe zu bilden (vgl. BGE 134 IV 82, E. 6.2.3, m.w.H.). Bei Dauerdelikten gilt demge-

genüber grundsätzlich der Zeitpunkt der Beendigung, nicht des Beginns als für 

das anwendbare Recht massgeblicher Tatzeitpunkt, wobei bei der Strafzumes-

sung berücksichtigt werden muss, wenn die Tat nach altem Recht noch gar nicht 

oder milder bestraft wurde (vgl. Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl., Basel 

2019, N 9 und 11 zu Art. 2 StGB, m.w.H.). 

Vorliegend handelt es sich bei den von den übergangsrechtlichen Fragestellun-

gen betroffenen Delikten des mehrfachen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

StGB (Tatzeitraum: Januar 2017 bis September 2019) sowie der Verletzung der 

Fürsorge- oder Erziehungspflicht im Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB (Tatzeitraum: 

April 2016 bis September 2019) um eigentliche Dauerdelikte, weshalb sie nach 

dem Gesagten grundsätzlich nach neuem Sanktionenrecht zu beurteilen sind, 

zumal nicht ersichtlich ist, dass diese vor dessen Inkrafttreten milder bestraft wor-

den wären. Sämtliche übrigen Delikte sind aufgrund ihrer jeweiligen Tatzeitpunkte 

(nach dem 1. Januar 2018) ohnehin nach neuem Recht zu beurteilen. 

2. Weiter gilt es zu beachten, dass aufgrund des vorliegend geltenden 

Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) die Ausfällung einer höheren als 

der von der Vorinstanz ausgefällten Strafe – Freiheitsstrafe von 57 Monaten als 

Gesamtstrafe nebst einer Busse von Fr. 900.– ausgeschlossen ist. 

3. Bezüglich der allgemeinen Strafzumessungsregeln hat die Vorinstanz zutref-

fende Ausführungen gemacht, auf die verwiesen werden kann (Urk. 114 S. 75 ff.). 

Ergänzend bzw. präzisierend dazu ist festzuhalten, dass das Bundesgericht 

spätestens seit BGE 144 IV 217 verlangt, für jedes Delikt innerhalb seines jeweili-

gen Strafrahmens eine Einzelstrafe (zumindest anhand der jeweiligen Tatkompo-

nenten) festzulegen. Diese Einzelstrafen sind dann – soweit sie gleichartig aus-

fallen – erst in einem zweiten Schritt gegebenenfalls zu (einer oder mehreren) 

- 29 - 

Gesamtstrafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB zusammenzufassen. Bei der 

Gesamtstrafenbildung ist sodann jeweils von der für die schwerste Tat (pro Straf-

art) festgelegten Einzelstrafe als Einsatzstrafe auszugehen, und diese ist dann für 

die übrigen Einzelstrafen (derselben Strafart) unter Beachtung des Asperations-

prinzips angemessen zu erhöhen, so dass die Gesamtstrafe höher ausfällt als die 

Einsatzstrafe, aber tiefer als die Summe der verwirkten Einzelstrafen. Zudem darf 

die Gesamtstrafe nicht tiefer ausfallen als die höchste gesetzliche Mindeststrafe 

aller daran beteiligten Strafrahmen (vgl. BGE 144 IV 217, E. 3.5.1 ff. und E. 4.). 

Ferner darf die Strafart der bei mehreren Delikten festzulegenden Gesamtstrafe 

nicht mehr pauschal anhand der resultierenden Gesamtstrafenhöhe festgelegt 

werden. Vielmehr sind – wie bereits ausgeführt – die sich bei der Bewertung der 

jeweiligen Einzeltaten konkret ergebenden Strafen bzw. Strafarten nur noch inso-

fern mittels Asperation zu einer Gesamtstrafe zusammenzufassen, als sie gleich-

artig ausgefallen sind (sog. konkrete Methode). Eine Ausnahme gilt lediglich noch 

für den Fall, dass viele Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng miteinander ver-

knüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem engen Zusam-

menhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse präventiv auf 

den Täter einzuwirken. In einem solchen Fall dürfen die Einzeltaten ausnahms-

weise in einem Gesamtzusammenhang betrachtet und eine Gesamtfreiheitsstrafe 

ausgesprochen werden (vgl. dazu BGer. 6B_382/2021 vom 25. Juli 2022, E. 2.4.2 

und 2.6, m.w.H.). 

4.1 Die Beschuldigte wurde sodann mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Winterthur / Unterland vom 19. Februar 2019 wegen diversen Strassenverkehrs-

delikten mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten (nebst einer Busse von 

Fr. 1'000.–) bestraft (vgl. Urk. 119 sowie Urk. D1/18/5). Da sich die Beschuldigte 

teilweise noch vor jener Verurteilung des mehrfachen Betruges gemäss Anklage-

ziffer II., der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht gemäss Anklagezif-

fer III., sowie des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung gemäss Anklageziffer 

IV./2. (Dossiers 5 und 6) schuldig gemacht hat – für welche Delikte (wie noch zu 

zeigen sein wird) wiederum eine Freiheitsstrafe zu verhängen ist – stellt sich vor-

- 30 - 

ab die Frage, ob bzw. inwiefern vorliegend eine teilweise Zusatzstrafe zum Straf-

befehl vom 19. Februar 2019 auszufällen ist. 

4.2 Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung zum Vorgehen bei teilweiser 

retrospektiver Konkurrenz in zwei neueren Urteilen wie folgt präzisiert: 

Ein Fall von teilweiser retrospektiver Konkurrenz liegt vor, wenn das Gericht meh-

rere Taten zu beurteilen hat, von denen mindestens eine Tat vor der Verurteilung 

wegen anderer Taten begangen wurde. In dieser Konstellation sind die Delikte vor 

dem Ersturteil und die Delikte nach dem Ersturteil getrennt sowie selbständig zu 

behandeln, weshalb zwischen Taten, die vor, und solchen, die nach dem Erstur-

teil begangen wurden, zu unterscheiden ist. Das Gericht beurteilt zunächst, ob 

bezüglich der Taten, welche vor dem Ersturteil begangen wurden, mit Blick auf 

die ins Auge gefasste Strafart, die Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB in Be-

tracht fällt. Ist dies der Fall, hat es unter Berücksichtigung des sich aus Art. 49 

Abs. 1 StGB ergebenden Schärfungsgrundsatzes eine Zusatzstrafe zur Grund-

strafe festzulegen. Kann Art. 49 Abs. 2 StGB nicht angewandt werden, weil die für 

die vor dem Urteil begangenen Straftaten vorgesehene Strafart von derjenigen 

der bereits verhängten Strafe abweicht, so muss das Gericht eine zu kumulieren-

de Strafe verhängen. Anschliessend legt es für die nach dem Ersturteil begange-

nen Taten eine unabhängige Strafe fest, gegebenenfalls in Anwendung von Art. 

49 Abs. 1 StGB. Schliesslich addiert das Gericht die für die vor dem Ersturteil be-

gangenen Straftaten festgelegte Zusatzstrafe oder zu kumulierende Strafe mit 

derjenigen für die neuen Taten. Wurde die beschuldigte Person bereits mehrfach 

verurteilt und hat sie vor, zwischen und nach diesen Urteilen die neu zu beurtei-

lenden Taten begangen, hat das Gericht etappenweise vorzugehen. Konkret hat 

es zunächst die vor dem Ersturteil begangenen Delikte zu beurteilen und eine Zu-

satzstrafe oder eine zu kumulierende Strafe festzusetzen. Dieses Vorgehen ist für 

die vor der zweiten und jeder folgenden Verurteilung begangenen Delikte zu wie-

derholen, um danach für die nach dem letzten rechtskräftigen Urteil begangenen 

Taten eine unabhängige (Gesamt-) Strafe festzulegen. Schliesslich sind die fest-

gelegten Strafen zu addieren (vgl. BGE 145 IV 1, E. 1.2 f.; BGer. 6B_759/2019 

vom 11. März 2020, E. 2.3.2; je m.w.H.). 

- 31 - 

Im Entscheid BGE 145 IV 377 hat das Bundesgericht bei gewerbsmässigen 

Delikten eine Ausnahme vom vorstehend beschriebenen Vorgehen zugelassen: 

Es erwog, gewerbsmässige Delikte seien im Rahmen der Strafzumessung als 

Einheit zu betrachten. Im Falle einer teilweisen retrospektiven Konkurrenz recht-

fertige es sich, die vor einer früheren Verurteilung begangenen Einzeltaten in eine 

Deliktsgruppe einzufügen, welche die letzte kriminelle Handlung beinhalte. Art. 49 

Abs. 2 StGB finde in solchen Fällen keine Anwendung (vgl. BGE 145 IV 377, E. 

2.3.3). 

Die Methodik der Zusatzstrafenbildung hatte das Bundesgericht bereits im 

Entscheid BGE 142 IV 265 wie folgt (neu) festgelegt: 

"2.4.4. Die Zusatzstrafe ist die infolge Asperation mit der Grundstrafe reduzierte Strafe für die neu 

zu beurteilenden Taten. Um bei der Zusatzstrafenbildung dem Prinzip der Strafschärfung gemäss 

Art. 49 Abs. 2 StGB Rechnung zu tragen, hat das Zweitgericht die rechtskräftige Grundstrafe und 

die von ihm für die neu zu beurteilenden Taten auszusprechenden Strafen nach den Grundsätzen 

von Art. 49 Abs. 1 StGB zu schärfen. Die Einsatzstrafe bildet die Strafe der (abstrakt) schwersten 

Straftat sämtlicher Delikte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und herrschender Lehre 

ist die schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB die mit der schwersten Strafe bedrohte und 

nicht die nach den Umständen des konkreten Falles verschuldensmässig am schwersten wiegen-

de Tat. Würde auf die höchste ausgefällte Einzelstrafe abgestellt, könnte dies zu einer sinnwidri-

gen Herabsetzung des Strafrahmens infolge von Konkurrenz führen (BGE 136 IV 55 E. 5.8; BGE 

127 IV 101 E. 2b S. 104; Urteil 6B_157/2014 vom 26. Januar 2015 E. 2.2; ACKERMANN, a.a.O., 

N. 116 zu Art. 49 StGB; GÜNTHER STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner 

Teil I: Die Straftat, 4. Aufl. 2011; ders., Erneut zur Gesamtstrafenbildung, forumpoenale 2011 S. 

349; je mit Hinweisen; anders noch: BGE 69 IV 145 S. 149). 

Es ist zu unterscheiden, ob die Grundstrafe oder die neu zu beurteilenden Delikte die schwerste 

Straftat enthalten. Im ersten Fall ist die Grundstrafe aufgrund der Einzelstrafen der neu zu beurtei-

lenden Delikte angemessen zu erhöhen. Anschliessend ist von der (gedanklich) gebildeten Ge-

samtstrafe die Grundstrafe abzuziehen, was die Zusatzstrafe ergibt. Liegt umgekehrt der Einzel- 

oder Gesamtstrafe der neu zu beurteilenden Taten die schwerste Straftat zugrunde, ist diese um 

die Grundstrafe angemessen zu erhöhen. Die infolge Asperation eintretende Reduzierung der 

rechtskräftigen Grundstrafe ist von der Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte abzuziehen und 

ergibt die Zusatzstrafe. Bilden die Grundstrafe und die Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte 

ihrerseits Gesamtstrafen, kann das Zweitgericht der bereits im Rahmen der jeweiligen Gesamt-

strafenbildung erfolgten Asperation durch eine gemässigte Berücksichtigung bei der Zusatz-

strafenbildung Rechnung tragen." 

- 32 - 

4.3 Vorliegend enthalten die teilweise retrospektiv zu beurteilenden neuen Delik-

te eine abstrakt schwerere Straftat (Betrug, Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren) als 

die bereits ausgefällte Grundstrafe (Strassenverkehrsdelikte, Freiheitsstrafe bis zu 

drei Jahren). Die (teilweise) Zusatzstrafenbildung erfolgt somit konkret dadurch, 

dass die infolge Asperation der Grundstrafe eintretende Reduktion von der neu zu 

bildenden Gesamtstrafe abgezogen wird. Ein "etappenweises" Vorgehen erübrigt 

sich damit vorliegend und es kann eine einheitliche Gesamtstrafenbildung erfol-

gen. 

4.4 Sodann verübte die Beschuldigte die neu zu beurteilenden Verbrechen und 

Vergehen zu einem wesentlichen Teil nachdem sie bereits mit Strafbefehl vom 

19. Februar 2019 zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden war und sich 

diesbezüglich in einer Probezeit befand. Es ist deshalb davon auszugehen, dass 

sich die Beschuldigte durch die Ausfällung einer Geldstrafe in spezialpräventiver 

Hinsicht nicht hinreichend beeindrucken liesse, weshalb bei der Beschuldigten die 

Ausfällung einer Freiheitsstrafe gemäss Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB ungeachtet des 

konkreten Strafmasses immer als geboten erscheint. Darüber hinaus ist auch 

mehr als fraglich, ob eine Geldstrafe angesichts der finanziellen Verhältnisse der 

Beschuldigten sowie der anstehenden Landesverweisung (vgl. jeweils nachste-

hend Ziff. 5.8 sowie E. V.) überhaupt vollzogen werden könnte (Art. 41 Abs. 1 lit. b 

StGB). Somit sind für die neu zu beurteilenden Verbrechen und Vergehen Frei-

heitsstrafen auszufällen und aus diesen ist eine Gesamtstrafe als teilweise Zu-

satzstrafe zum Strafbefehl vom 19. Februar 2019 zu bilden. 

Hinsichtlich der zu beurteilenden Übertretungen kommt von Gesetzes wegen nur 

die Ausfällung von Bussen in Betracht, welche ebenfalls zu einer (separaten) 

Gesamtstrafe zusammenzufassen sind. 

5.1 Als schwerstes der neu zu beurteilenden Verbrechen und Vergehen wird die 

Förderung der Prostitution gemäss Art. 195 lit. c StGB mit einer Freiheitsstrafe 

von drei Tagen (Art. 40 Abs. 1 StGB) bis zu 10 Jahren bestraft. 

In objektiver Hinsicht fällt diesbezüglich in Betracht, dass die Beschuldigte zu-

sammen mit J._____ der Privatklägerin B._____ im Zeitraum von ca. einem 

- 33 - 

Monat Vorschriften über die Ausübung ihrer Prostitution etwa hinsichtlich Preisge-

staltung (bis hin zu "Gratis-Sex"), Zuweisung von Freiern sowie Dauer und Inhalt 

der anzubietenden Dienstleistungen machte und ihr dabei den erzielten Erlös von 

insgesamt mehreren Tausend Franken abnahm. Dabei schreckte die Beschuldig-

te im Zusammenwirken mit J._____ – nebst der Ausnützung der Unterlegenheit 

und Hilflosigkeit der Privatklägerin – auch vor Drohungen und Schlägen nicht zu-

rück. Relativierend ist der vergleichsweise eher kurze Zeitraum der Tathandlun-

gen zu berücksichtigen, wobei die Beschuldigte nicht freiwillig von der Privatklä-

gerin abliess, sondern diese in eine (zufällige) Polizeikontrolle geriet, was 

schliesslich zur Beendigung ihrer Tätigkeit für die Beschuldigte führte. Insgesamt 

ist das objektive Verschulden der Beschuldigten innerhalb des weiten Strafrah-

mens als noch leicht einzustufen. 

Subjektiv handelte die Beschuldigte direktvorsätzlich und ausserdem aus finanzi-

ellen, mithin egoistischen Motiven, um sich an den Einnahmen der Privatklägerin 

zu bereichern, was das objektive Verschulden nicht relativiert. Es bestehen keine 

Anzeichen dafür, dass die Beschuldigte durch ihren Drogenkonsum in ihrer 

Schuldfähigkeit massgeblich beeinträchtigt gewesen wäre. So sagte sie anlässlich 

der Berufungsverhandlung selber aus, der Umstand, dass sie aufgrund der Haft 

keine Drogen mehr habe konsumieren können, habe für sie kein Problem darge-

stellt und sie sei deswegen auch nicht auf medizinische Unterstützung angewie-

sen gewesen (Urk. 188 S. 9). Ausgehend von einem gesamthaft noch leichten 

Verschulden ist die Einsatzstrafe auf 20 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. 

5.2 Die Beschuldigte hat sich ferner des mehrfachen Betruges im Sinne von 

Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wofür sie mit einer Freiheitsstrafe von 

drei Tagen bis zu fünf Jahren zu bestrafen ist. 

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Beschuldigte hinsichtlich ihres 

Handelns jeweils auf die gleiche Art und Weise vorgegangen ist und sich ihre Ta-

ten gegenüber der gleichen Institution richteten (dem Sozialamt der Gemeinde 

K._____), drängt sich vorliegend für die Strafzumessung des mehrfachen Betru-

ges eine Gesamtbetrachtung auf. Angesichts der Vielzahl und auch der Schwere 

dieser Taten kommt einzig eine Freiheitsstrafe in Frage.   

- 34 - 

Objektiv fällt zunächst die mehrfache Begehung während eines längeren Zeit-

raums ins Gewicht. So ertrog die Beschuldigte durch hartnäckiges Verschweigen 

bzw. wiederholtes Verleugnen ihrer tatsächlich vorhandenen Einkünfte bei gleich-

zeitigem Bestehen auf finanzielle Unterstützung durch die Sozialhilfe über einen 

Zeitraum von 2 3/4 Jahren zu Lasten der Gemeinde K._____ Sozialhilfegelder 

von insgesamt rund Fr. 106'000.–. Ferner kommt erschwerend hinzu, dass die 

Beschuldigte, wie die Vorinstanz bereits zu Recht festhielt, eine soziale Institution, 

die Menschen in Not unterstützt, betrogen hat (Urk. 114 S. 79 f.). Das objektive 

Verschulden wiegt nicht mehr leicht. 

Subjektiv handelte die Beschuldigte aus finanziellen, mithin egoistischen Motiven, 

indem sie sich durch falsche Angaben an Geldern der öffentlichen Hand 

bereicherte, auf die sie keinen Anspruch hatte. Sie handelte auch hier mit direk-

tem Vorsatz. Es bestehen im Übrigen wiederum keine Anzeichen dafür, dass die 

Beschuldigte durch ihren Drogenkonsum in ihrer Schuldfähigkeit massgeblich 

beeinträchtigt gewesen wäre (vgl. vorstehend Ziff. 5.1). Insgesamt relativiert sich 

das objektive Verschulden dadurch nicht. Ausgehend von einem gesamthaft nicht 

mehr leichten Verschulden ist die Einzelstrafe auf 18 Monate Freiheitsstrafe fest-

zusetzen. 

In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe um 12 Monate zu 

erhöhen. 

5.3 Die Beschuldigte hat sich ferner der Verletzung der Fürsorge- oder Erzie-

hungspflicht im Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wofür sie mit 

einer Freiheitsstrafe von drei Tagen bis zu drei Jahren zu bestrafen ist. 

In objektiver Hinsicht setzte die Beschuldigte die vier unter ihrer Obhut stehenden 

Kinder während eines langen Zeitraums von rund dreieinhalb Jahren in ihrer ei-

genen Wohnung ihrer Prostitutionstätigkeit aus. Dabei entschied sich die Be-

schuldigte bewusst dafür, sich in der Familienwohnung – für eine gewisse Zeit 

auch zusammen mit einer weiteren Frau, der Privatklägerin B._____ – zu prostitu-

ieren. Zugleich vernachlässigte sie die Kinder regelmässig, teilweise tagelang, 

bzw. überliess diese sich selber, was eine massive Überforderung darstellte. Da-

- 35 - 

bei war das jüngste Kind G._____ im Tatzeitraum zwischen 0 und 3 Jahre alt, 

F._____ zwischen 4 und 8 Jahre alt, E._____ zwischen 6 und 10 Jahre alt sowie 

D._____ zwischen 10 und 13 Jahre alt. Abgesehen von gelegentlichen Ohrfeigen 

misshandelte die Beschuldigte ihre Kinder jedoch nicht aktiv. Insgesamt hat sie 

aber ihre Fürsorgepflichten als Mutter in grober Weise verletzt (vgl. bereits 

Urk. 114 S. 81). Nach dem Gesagten wiegt das Verschulden in objektiver Hinsicht 

erheblich.  

Subjektiv kann der Beschuldigten zu Gute gehalten werden, dass sie den Kindern 

nicht aus Bösartigkeit gezielt schaden wollte, sondern mit ihrer Situation als al-

leinerziehende Mutter wohl schlicht überfordert war, wobei sie jedoch auch be-

wusst ihre eigenen Bedürfnisse vor diejenigen der Kinder stellte. Die Beschuldigte 

nahm dabei eine erhebliche Gefährdung der körperlichen und seelischen Entwick-

lung ihrer Kinder  – welche sich zumindest bei den Privatklägern 2-4 auch verwirk-

lichte (vgl. Ziff. III.C.3.4) – zumindest in Kauf. Es bestehen wiederum keine Anzei-

chen dafür, dass die Beschuldigte durch ihren Drogenkonsum in ihrer Schuldfä-

higkeit massgeblich beeinträchtigt gewesen wäre (vgl. vorstehend Ziff. 5.1 f.). Ins-

gesamt relativiert das subjektive Verschulden das objektive leicht. Ausgehend von 

einem gesamthaft mittleren Verschulden ist die Einzelstrafe auf 18 Monate Frei-

heitsstrafe festzusetzen. 

In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe um weitere 12 Mona-

te zu erhöhen. 

5.4 Die Beschuldigte hat sich ferner der Pornografie im Sinne von Art. 197 

Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wofür sie mit einer Freiheitsstrafe von drei Tagen 

bis zu drei Jahren zu bestrafen ist. 

In objektiver Hinsicht überliess die Beschuldigte ihrem damals achtjährigen Sohn 

F._____ einmal ihr Handy, um darauf Fotos anzuschauen, im Wissen darum, 

dass sich auch pornografische Videos darauf befanden, wobei F._____ denn 

auch auf ein solches Video stiess und dieses konsumierte. Es handelt sich jedoch 

um einen einmaligen Vorfall, an der Grenze zur Fahrlässigkeit. Das objektive Ver-

schulden wiegt leicht. 

- 36 - 

In subjektiver Hinsicht handelte die Beschuldigte wohl aus Unachtsamkeit und 

suchte F._____ nicht gezielt pornografischen Videos auszusetzen, nahm dies je-

doch zumindest in Kauf. Eine weitere Relativierung des Verschuldens ergibt sich 

daraus nicht. Ausgehend von einem gesamthaft leichten Verschulden ist die Ein-

zelstrafe auf zwei Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. 

In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe um einen weiteren 

Monat zu erhöhen. 

5.5 Die Beschuldigte hat sich ferner des mehrfachen Fahrens ohne Berechti-

gung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG schuldig gemacht, wofür sie mit einer 

Freiheitsstrafe von drei Tagen bis zu drei Jahren zu bestrafen ist. Nachdem diese 

insgesamt acht Delikte in einem engen sachlichen, aber auch zeitlichen Zusam-

menhang stehen, rechtfertigt es sich, sie für die Strafzumessung gemeinsam zu 

behandeln, zumal – wie bereits in Ziff. 4.4 ausgeführt – eine Geldstrafe vorliegend 

ungeachtet des konkreten Strafmasses ohnehin nicht in Betracht fällt. 

In objektiver Hinsicht lenkte die Beschuldigte in einem Zeitraum von rund neun 

Monaten insgesamt acht Mal in der Schweiz einen Personenwagen, vorwiegend 

im Zürcher Oberland, einmal aber auch bis zum EuroAirport Basel, obwohl sie 

nicht über den erforderlichen Führerausweis verfügte. Dabei kam es jedoch of-

fenbar nie zu einer konkreten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Das Ver-

schulden wiegt angesichts der Häufigkeit bzw. Regelmässigkeit der Verstösse 

dennoch nicht mehr leicht. 

Subjektiv bestand kein nachvollziehbarer Anlass für das Handeln der Beschuldig-

ten. Sie setzte sich vielmehr über das Führerscheinerfordernis einfach hinweg. 

Dabei handelt es sich um ein egoistisches Motiv, welches das objektive Verschul-

den nicht relativiert. Ausgehend von einem gesamthaft nicht mehr leichten 

Verschulden ist die Einzelstrafe auf 12 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. 

In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe um weitere acht 

Monate zu erhöhen. 

- 37 - 

5.6 Schliesslich machte sich die Beschuldigte des mehrfachen Vergehens ge-

gen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG 

schuldig, wofür sie mit einer Freiheitsstrafe von drei Tagen bis zu drei Jahren zu 

bestrafen ist. Auch hierbei handelt es sich um eine Vielzahl von Einzelhandlungen 

in engem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang, welche für die Strafzumes-

sung gemeinsam zu behandeln sind. 

Objektiv verkaufte die Beschuldigte über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten 

insgesamt ca. 42 Gramm Kokain vorwiegend in kleinen Portionen von 1-2 Gramm 

an diverse Konsumenten zum Selbstkostenpreis, ohne dabei einen Gewinn zu 

erzielen. Der Reinheitsgehalt des von der Beschuldigten verkauften Kokains liess 

sich nicht eruieren. Gestützt auf die Analysestatistiken der Schweizerischen 

Gesellschaft für Rechtsmedizin kann für diesen Zeitraum und bei dieser Portio-

nengrösse jedoch von einem Reinheitsgehalt von ca. 60 % ausgegangen werden 

(vgl. https://sgrm.ch/de/forensische-chemie-und-toxikologie/fachgruppe-forensische 

-chemie/statistiken-kokain-und-heroin). Insgesamt wiegt das objektive Verschul-

den nicht mehr leicht. 

Subjektiv zog die Beschuldigte aus ihrem Handeln offenbar keinen konkreten 

Gewinn, sondern offerierte das Kokain anderen Konsumenten als "Dienstleis-

tung". Das objektive Verschulden relativiert sich dadurch leicht. Ausgehend von 

einem gesamthaft noch leichten Verschulden ist die Einzelstrafe auf 10 Monate 

Freiheitsstrafe festzusetzen. 

In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe um weitere sechs 

Monate zu erhöhen. 

5.7 Zur Bildung der teilweisen Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 19. Februar 

2019 (vgl. Ziff. 4.3 vorstehend) ist nun noch die damals rechtskräftig ausgefällte 

Grundstrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe auf die vorliegende Gesamtstrafe 

zu "asperieren" und die daraus resultierende Differenz zum Abzug zu bringen. In 

Würdigung aller Umstände, insbesondere da ein wesentlicher Teil der heute zu 

beurteilenden Delinquenz vor der Grundstrafe verübt wurde, rechtfertigt sich eine 

Asperation im Umfang von lediglich drei Monaten, womit im Ergebnis die vorlie-

- 38 - 

gend auszufällende Gesamtstrafe um drei Monate zu reduzieren ist, um der Zu-

satzstrafenkomponente Rechnung zu tragen. 

5.8 Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten kann vorab auf 

die Darstellung im vorinstanzlichen Urteil sowie die ausführliche Befragung der 

Beschuldigten vor Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 114 S. 78 f., S. 91 f. 

sowie S. 100 f.; Prot. I S. 16 ff.). Neu ergab sich an der Berufungsverhandlung, 

dass die Beschuldigte in der Justizvollzugsanstalt Hindelbank eine Ausbildung als 

Hauswirtschafterin abgeschlossen habe sowie einen Computer- und einen 

Deutschkurs besuche. Ferner habe sie wegen ihres Drogenkonsums eine Thera-

pie gemacht. Des Weiteren arbeite sie auch – sie stelle Kerzen her – und verdie-

ne dabei monatlich Fr. 300.–. Sie habe rund Fr. 20'000.– Schulden, die von der 

Miete, Krankenkasse und Versicherungen stammten. Nach dem Tod ihrer Mutter 

hätten die Beschuldigte und ihre Schwester eine Wohnung in Ungarn geerbt, die 

ihnen jedoch aufgrund der Schulden der Mutter wieder weggenommen worden 

sei. Aus den Akten ergibt sich weiter, dass die Beschuldigte diverse Beziehungs-

urlaube bewilligt erhalten, jedoch nicht immer die Vorgaben bzw. das vorgegebe-

ne Besuchsprogramm eingehalten hat. So besuchte sie unter anderem mit ihren 

Kindern eigenmächtig das Kino anstelle eines Spielplatzes. Schliesslich ergab 

sich aus der Befragung, dass die Beschuldigte im Vollzug von ihrem Ehemann 

und ihrer Schwiegermutter besucht werde sowie die Beziehung zwischen der Be-

schuldigten und ihrem Ehemann – welcher die Polizeischule besuche – kompli-

ziert sei, sie jedoch immer noch zusammen seien. Er habe im Übrigen aber kei-

nen Kontakt mit ihren Kindern (Urk. 188 S. 2 f., S. 5 f., S. 7 f., S. 10 sowie S. 12).  

Die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten sind insgesamt weder straferhö-

hend noch strafmindernd zu berücksichtigen. 

Wie bereits mehrfach erwähnt wurde die Beschuldigte am 19. Februar 2019 von 

der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland wegen diversen Strassenverkehrs-

delikten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten, bei einer Probezeit von 

zwei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 1'000.– verurteilt. Diese Vorstrafe ist nicht 

allzu gravierend und nur teilweise einschlägig. Jedoch delinquierte die Beschul-

- 39 - 

digte während laufender Probezeit in erheblichem Umfang weiter. Insgesamt ist 

diese Vorstrafe leicht straferhöhend zu berücksichtigen. 

Strafmindernd ist das Nachtatverhalten der Beschuldigten zu berücksichtigen. Sie 

zeigte sich in tatsächlicher Hinsicht weitgehend geständig, bestritt jedoch insbe-

sondere den gravierendsten Vorwurf der Förderung der Prostitution bis zuletzt 

trotz geradezu erdrückender Beweislage. 

Insgesamt resultiert aus der Täterkomponente eine leichte Strafminderung um 

3 Monate. 

5.9 Die Verteidigung machte im Berufungsverfahren eine Verletzung des 

Beschleunigungsgebotes geltend. Sie stellte sich dabei auf den Standpunkt, dass 

die begründete Ausfertigung des erstinstanzlichen Urteils der Beschuldigten am 

31. Januar 2022 zugestellt worden sei, die Berufungsverhandlung jedoch erst 

heute, d.h. über ein Jahr später, stattfinde. Zudem hätten in der Zwischenzeit kei-

ne relevanten Verfahrenshandlungen stattgefunden (Urk. 189 S. 20). Der Vertei-

digung ist zu entgegnen, dass es sich vorliegend um einen grossen Fall mit um-

fangreichen Akten handelte, welcher eine entsprechende Vorbereitungszeit erfor-

derlich machte. Ferner wurde bereits im Oktober 2022 zur heutigen Verhandlung 

vorgeladen, wobei es auch den Parteien selbst zuzuschreiben ist, dass kein 

früherer Termin gefunden werden konnte (Urk. 149). Vor diesem Hintergrund 

kann, trotz des Umstandes, dass im Zeitraum von ca. Mai 2022 bis anfangs Ja-

nuar 2023 keine "relevanten" Verfahrenshandlungen stattfanden bzw. vorwiegend 

Gesuche um Bewilligung von Beziehungsurlauben der Beschuldigten eingingen 

(vgl. Urk. 146, Urk. 153, Urk. 165), nicht von einer Verletzung des Beschleuni-

gungsgebotes die Rede sein. Eine Reduktion der Strafe unter diesem Titel recht-

fertigt sich deshalb nicht.  

5.10 Die Vorinstanz widerrief den bedingten Strafvollzug betreffend die Freiheits-

strafe von 6 Monaten gemäss Strafbefehl vom 19. Februar 2019 (Urk. 114 S. 86), 

was allseits unangefochten blieb. Gestützt auf Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB ist in 

sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden, da es 

- 40 - 

sich um gleichartige Strafen handelt. Es rechtfertigt sich eine Asperation der wi-

derrufenen Strafe im Umfang von 4 Monaten. 

5.11 Insgesamt ist die Beschuldigte demnach mit einer Freiheitsstrafe von 

57 Monaten bzw. 4 3/4 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen, unter Einbezug der 

bereits von der Vorinstanz widerrufenen Freiheitsstrafe gemäss Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 19. Februar 2019 sowie als teil-

weise Zusatzstrafe zu diesem. An diese Freiheitsstrafe sind insgesamt 1081 Tage 

erstandene Haft und vorzeitiger Strafvollzug vom 25. Februar 2020 bis und mit 

heute anzurechnen (Art. 51 StGB). 

6.1 Für die von ihr begangenen Übertretungen ist die Beschuldigte zudem mit 

einer Busse von bis zu Fr. 10'000.– zu bestrafen. Ferner ist für den Fall schuld-

hafter Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von bis zu drei Mona-

ten festzulegen. Busse und Ersatzfreiheitsstrafe sind je nach den persönlichen 

Verhältnissen des Täters so zu bemessen, dass dieser die Strafe erleidet, die 

seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 StGB). 

6.2 Hinsichtlich der persönlichen bzw. finanziellen Verhältnisse der Beschuldig-

ten kann auf die vorstehenden Erwägungen unter Ziff. 5.8 verwiesen werden. 

6.3 Die Beschuldigte hat im Zeitraum von ca. einem Jahr regelmässig Tätlichkei-

ten im Sinne von Art. 126 StGB (Schläge mit der flachen Hand) gegen zwei ihrer 

Kinder verübt, um sie zu erziehen bzw. zu bestrafen. Unter Einbezug der persön-

lichen Verhältnisse der Beschuldigten erscheint dafür eine Busse von Fr. 600.– 

als Einsatzstrafe angebracht. 

6.4 Die Beschuldigte konsumierte während ca. 6 Monaten regelmässig Kokain 

bzw. erwarb dieses zum Eigenkonsum, insgesamt ca. 122 Gramm, was eine 

mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG darstellt. Unter Einbezug der persönlichen Verhältnisse der Be-

schuldigten sowie des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe dafür um Fr. 200.– 

zu erhöhen. 

- 41 - 

6.5 Schliesslich telefonierte die Beschuldigte einmalig ohne Freisprechanlage 

am Steuer eines Personenwagens, was eine erhöhte Unfallgefahr infolge man-

gelnder Aufmerksamkeit nach sich zog und eine Übertretung des 

Strassenverkehrsgesetzes im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG darstellt. Unter Ein-

bezug der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten sowie des Asperations-

prinzips ist die Einsatzstrafe dafür um weitere Fr. 100.– zu erhöhen. 

6.6 Insgesamt ist die Beschuldigte somit für die begangenen Übertretungen mit 

einer Gesamtbusse von Fr. 900.– zu bestrafen. Praxisgemäss ist die Ersatzfrei-

heitsstrafe dafür zu einem Tagessatz von Fr. 100.– auf 9 Tage festzusetzen. 

V. Landesverweisung 

Es kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwie-

sen werden (Urk. 114 S. 87-94). Die heute 34-jährige Beschuldigte (ungarische 

Staatsangehörige) hält sich erst seit rund acht Jahren gefestigt in der Schweiz 

auf, wovon die letzten drei Jahre in Untersuchungshaft bzw. vorzeitigem Strafvoll-

zug. Zuletzt verfügte sie über eine Aufenthaltsbewilligung B (EU/EFTA). Kurz vor 

ihrer Inhaftierung heiratete sie einen Schweizer, den sie zuvor jedoch kaum kann-

te. Zwar brachte die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vor, der 

Ehemann der Beschuldigten habe diese über einen Zeitraum von 19 Monaten 

zwei bis drei Mal monatlich im Gefängnis besucht, was angesichts der Distanz 

zwischen seinem Wohnort und dem Gefängnis sowie seiner Vollzeiterwerbstätig-

keit bemerkenswert sei (Urk. 189 S. 26). Dies vermag jedoch nichts daran zu än-

dern, dass bei der Beschuldigten und ihrem Ehemann nicht von einer gefestigten 

Beziehung gesprochen werden kann. So gab die Beschuldigte an der Berufungs-

verhandlung selber an, dass die Beziehung zwischen ihr und ihrem Ehemann – 

zwar auch aufgrund der Tatsache, dass sie in Haft sitzt und aus dem Land gewie-

sen werden solle – kompliziert sei. Doch lebten sie auch nur kurze Zeit zusam-

men, und dies in einer Wohnung, die gemäss Akten für sie und die Familie gar 

nicht bewohnbar war. Gemäss Angaben der Beschuldigten habe ihr Ehemann 

zudem lange bei seiner Mutter gelebt bzw. lebe momentan immer noch bei ihr 

(Urk. 188 S. 5 und S. 7; vgl. bereits Urk. 114 S. 92). Im Übrigen kann der Vertei-

- 42 - 

digung auch nicht dahingehend gefolgt werden, dass bei zwei bis drei Besuchen 

im Monat von einer bemerkenswerten Bemühung seitens des Ehemanns auszu-

gehen ist.   

Was das Verhältnis der Beschuldigten zu ihren Kindern angeht, kann ihr zwar 

zugutegehalten werden, dass sie sich gemäss Ausführungen der Verteidigung 

darum bemüht, wieder eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und auch diverse 

Beziehungsurlaube bereits stattgefunden haben (Urk. 189 S. 24 f.). Allerdings ist 

nochmals festzuhalten, dass die Kinder der Beschuldigten fremdplatziert wurden 

und bei ihrer Schwester leben (vgl. bereits Urk. 114 S. 92). Der Ehemann der 

Beschuldigten pflegt sodann gemäss ihren eigenen Aussagen keinen Kontakt zu 

ihren Kindern (Urk. 188 S. 8). Ferner wird die Beschuldigte auch zweitinstanzlich 

wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht zu Lasten ihrer Kinder 

verurteilt, was nicht zu ihren Gunsten sprechen kann, stellte sie doch ihre eigenen 

Bedürfnisse klar über diejenigen der Kinder. Insgesamt kann aufgrund des Ge-

sagten nicht von gelebten, intakten familiären Beziehungen in der Schweiz im 

Sinne von Art. 8 EMRK die Rede sein (Urk. 189 S. 24 ff.). Zudem ist darauf hin-

zuweisen, dass es der Beschuldigten als EU-Bürgerin freisteht, sich trotz Landes-

verweisung im grenznahen Ausland, insbesondere auch im deutschsprachigen 

Raum, niederzulassen und sie nicht nach Ungarn zurückkehren muss. Eine El-

tern-Kind-Beziehung bzw. die Beziehung zu ihrem Ehemann und der Schwester 

könnten damit aufrechterhalten werden.   

Die Beschuldigte ist in der Schweiz sodann weder wirtschaftlich noch gesell-

schaftlich integriert. Zwar spricht sie Deutsch und besucht in der Justizvollzugs-

anstalt Hindelbank einen Deutschkurs (Urk. 188 S. 3). Doch kann auch aufgrund 

des andauernden delinquierenden Verhaltens der Beschuldigten keinesfalls von 

einer gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Integration ihrerseits ausgegangen 

werden. So ertrog sie unter anderem in erheblichem Umfang Sozialhilfegelder, 

anstatt sich (neben/anstelle ihrer Tätigkeit als Prostituierte) um eine gefestigte Ar-

beitsstelle in der Schweiz zu bemühen. Im Übrigen verfügt sie nach wie vor über 

Beziehungen zu ihrem Herkunftsland Ungarn (vgl. bereits Urk. 114 S. 91). Dass 

die Beschuldigte, welche erst mit 28 Jahren in die Schweiz gekommen ist, keiner-

- 43 - 

lei Kollegen oder Freunde in Ungarn habe (Urk. 188 S. 27), ist nicht überzeugend 

und erscheint nicht glaubhaft. Zusammenfassend liegt offensichtlich kein Härtefall 

im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor. Selbst wenn, würde das öffentliche Inte-

resse – entgegen der Verteidigung – angesichts der erheblichen, von der Be-

schuldigten an den Tag gelegten Delinquenz die privaten Interessen der Beschul-

digten an einem Verbleib in der Schweiz ohne Weiteres überwiegen. Auch das 

Freizügigkeitsabkommen steht vorliegend einer Landesverweisung angesichts der 

erheblichen Delinquenz der Beschuldigten, für welche heute eine Freiheitsstrafe 

von 4 3/4 Jahren ausgefällt werden musste, nicht entgegen. Die von der Vo-

rinstanz festgelegte Dauer von 7 Jahren ist angemessen, zumal sich die Beschul-

digte gleich zweier Katalogtaten gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB (Förderung der 

Prostitution und Sozialhilfebetrug) schuldig machte. 

VI. Zivilansprüche 

1. Vorab kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu den allge-

meinen Voraussetzungen der Geltendmachung von Zivilansprüchen im Strafpro-

zess verwiesen werden (Urk. 114 S. 103 ff.). 

2.1 Bezüglich der Privatklägerin B._____ stellte die Vorinstanz eine Schadener-

satzpflicht der Beschuldigten im Grundsatz fest und verwies die Privatklägerin zur 

genauen Feststellung von deren Umfang auf den Weg des Zivilprozesses. Zudem 

verpflichtete die Vorinstanz die Beschuldigte, der Privatklägerin B._____ eine 

Genugtuung von Fr. 8'000.– nebst 5 % Zins seit 28. August 2019 zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wies sie das Genugtuungsbegehren ab (Urk. 114 S. 106 f.). 

2.2 Die Beschuldigte verlangt im Berufungsverfahren die vollständige Abwei-

sung der Schadenersatz- wie auch der Genugtuungsforderung der Privatklägerin 

B._____. Die Verteidigung begründete dies zusammengefasst damit, dass die 

Beschuldigte der Privatklägerin B._____ nie Einnahmen aus ihrer Tätigkeit als 

Prostituierte abgenommen habe. Folglich bestehe auch kein Raum für die geltend 

gemachten Zivilforderungen. Nichts anderes gelte für die Genugtuungsforderung. 

Mangels strafbaren Verhaltens der Beschuldigten seien deshalb die Zivilforderun-

gen der Privatklägerin B._____ abzuweisen (Urk. 189 S. 28). 

- 44 - 

2.3 Demgegenüber verlangt die Privatklägerin B._____ mit ihrer Anschlussberu-

fung die Zusprechung einer höheren Genugtuung von Fr. 23'000.–. Rechtsanwäl-

tin lic. iur. Y._____ begründete dies zusammengefasst damit, dass sich die Be-

schuldigte über das Selbstbestimmungsrecht und die Handlungsfreiheit der Pri-

vatklägerin B._____ auf das Gröbste hinweggesetzt habe. So habe sie nicht nur 

die Arbeitstarife und die Vereinbarungen mit den Freiern getroffen, sondern auch 

die sexuellen Dienstleistungen, welche die Privatklägerin zu erbringen hatte, be-

stimmt und ferner ihren gesamten Verdienst weggenommen. Die Privatklägerin 

sei der Beschuldigten aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse sowie der 

Isolation durch die Beschuldigte hilflos ausgeliefert gewesen und habe in perma-

nenter Angst gelebt, die auch heute noch weiterbestehe (Urk. 191 S. 11 ff.).  

2.4 Die Vorinstanz bejahte zu Recht die Voraussetzungen zur Feststellung einer 

Schadenersatzpflicht der Beschuldigten im Grundsatz (Urk. 114 S. 106). Darauf 

kann verwiesen werden. Eine weitergehende Verpflichtung der Beschuldigten im 

Berufungsverfahren scheitert bereits am Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 

StPO). 

2.5 Hinsichtlich der von der Privatklägerin B._____ beantragten Genugtuung ist 

auszuführen, dass die Beschuldigte sie während rund eines Monats bei der Aus-

übung der Prostitution in verschiedener Hinsicht manipulierte und drangsalierte 

und so ihr Recht auf (auch sexuelle) Selbstbestimmung beschnitt (vgl. vorstehend 

E. IV./5.1), was zweifellos eine schwere Verletzung ihrer persönlichen Verhältnis-

se im Sinne von Art. 49 Abs. 1 OR darstellt und zur Zusprechung einer Genugtu-

ung führt. Die Höhe der Genugtuung bemisst sich nach den gesamten Umstän-

den. Fraglich erscheint dabei, ob die von der Privatklägervertretung angeführten 

psychiatrischen Diagnosen der Privatklägerin auf die relativ kurze Tätigkeit bei der 

Beschuldigten zurückgeführt werden können (vgl. Urk. D1/72 S. 25). Ferner wur-

de die Privatklägerin B._____ von der Beschuldigten nicht unter Druck gesetzt, 

sondern kam vielmehr freiwillig in die Schweiz, um sich zu prostituieren. In Würdi-

gung aller Umstände erscheint die Zusprechung einer Genugtuung von 

Fr. 10'000.– als angemessen. 

- 45 - 

Nachdem die Privatklägerin ihren Lebensmittelpunkt in Ungarn hat, ist ihre wirt-

schaftliche Situation indes nicht mit jener eines in der Schweiz lebenden Opfers 

vergleichbar. So entspricht die Kaufkraft in Ungarn etwa einem Sechstel des 

hierzulande geltenden Betrages 

(www.gfk.com/hubfs/20201020_PM_GfK_Kaufkraft_Europa_dfin.pdf?hsLang=de, 

wobei die Kaufkraft in der Schweiz rund EUR 42'000.– und in Ungarn rund EUR 

7'000.– beträgt). Somit ist der ausländische Wohnsitz der Privatklägerin deutlich – 

wenn auch nicht proportional – genugtuungsreduzierend zu berücksichtigen. Es 

erscheint dabei als angemessen, den der Privatklägerin grundsätzlich zustehen-

den Betrag um einen Drittel zu kürzen und ihr eine Genugtuung in Höhe von 

Fr. 6'000.– zuzusprechen.  

Zusammenfassend ist die Beschuldigte somit zu verpflichten, der Privatklägerin 

B._____ eine Genugtuung von Fr. 6'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 28. August 

2019 (mittlerer Verfall) zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren 

der Privatklägerin abzuweisen. 

3.1 Bezüglich der Privatkläger 2-5 stellte die Vorinstanz eine Schadenersatz-

pflicht der Beschuldigten im Grundsatz fest und verwies die Privatkläger 2-5 zur 

genauen Feststellung von deren Umfang auf den Weg des Zivilprozesses. Zudem 

verpflichtete die Vorinstanz die Beschuldigte, den Privatklägern 2-4 eine Genug-

tuung von je Fr. 8'000.– sowie dem Privatkläger 5 eine solche von Fr. 5'000.– zu 

bezahlen, jeweils nebst 5 % Zins seit 30. Dezember 2017 (mittlerer Verfall). Im 

Mehrbetrag wies sie die Genugtuungsbegehren ab (Urk. 114 S. 108 ff.). 

3.2 Die Beschuldigte verlangt im Berufungsverfahren die vollständige Abwei-

sung der Schadenersatz- wie auch der Genugtuungsforderungen der Privatklä-

ger 2-5. Die Verteidigung begründete dies zusammengefasst damit, dass ange-

sichts des beantragten Freispruchs vom Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- 

oder Erziehungspflicht sowie der Geringfügigkeit der begangenen Tätlichkeiten, 

die Zusprechung eines Schadenersatzes und einer Genugtuung ausser Betracht 

falle. Ferner sei die Schadenersatzforderung auch gänzlich unsubstantiiert und 

unbeziffert geblieben und seien die Genugtuungsforderungen, selbst wenn alle 

- 46 - 

Vorwürfe gegen die Beschuldigte erstellt werden könnten, unverhältnismässig und 

überrissen (Urk. 189 S. 28). 

3.3 Die Vorinstanz bejahte zu Recht die Voraussetzungen zur Feststellung einer 

Schadenersatzpflicht der Beschuldigten im Grundsatz (Urk. 114 S. 108). Darauf 

kann verwiesen werden. Eine weitergehende Verpflichtung der Beschuldigten im 

Berufungsverfahren scheitert bereits am Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 

StPO). 

3.4 Hinsichtlich der Genugtuungsforderungen der Privatkläger 2-5 ist auszu-

führen, dass die Beschuldigte ihre noch kleinen Kinder während rund dreieinhalb 

Jahren immer wieder, teils über mehrere Tage vernachlässigte und sich selbst