# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e9dd5e5b-6918-5858-a8fb-e30ef856355c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-11-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.11.2015 D-3736/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3736-2015_2015-11-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-3736/2015 

law/fes 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  N o v e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi, Richter Fulvio Haefeli, 

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

angeblich Eritrea, 

vertreten durch MLaw Katarina Socha, Caritas Luzern, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM);  

zuvor Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 6. Mai 2015 / N (…). 

 

 

 

D-3736/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge im Oktober 2013 und gelangte zu Fuss illegal nach Äthiopien, wo er 

sich mehrere Monate aufhielt. Danach reiste er via Sudan und Libyen nach 

Italien, von wo er am 19. Mai 2014 in die Schweiz einreiste und gleichen-

tags um Asyl nachsuchte.  

B.  

Am 17. Juni 2014 erhob das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

B._______ die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn zum 

Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen des Heimat-

landes. 

C.  

Am 2. Juli 2014 ordneten die zuständigen kantonalen Behörden dem Be-

schwerdeführer eine Vertrauensperson zu, welche im Dezember 2014 er-

setzt wurde. 

D.  

Am 26. Februar 2015 reichte der Beschwerdeführer, handelnd durch seine 

Vertrauensperson, eine Kopie seines Taufscheins ein und führte aus, er 

habe diesen von seinem Bruder über das Internet zugesendet bekommen. 

Sein Bruder lebe im Heimatdorf in Eritrea und es sei momentan nicht mög-

lich, das Dokument per Post in die Schweiz zu senden. 

E.  

Am 10. März 2015 hörte das SEM den Beschwerdeführer einlässlich zu 

den Asylgründen an. 

Zur Begründung seines Asylgesuches führte er im Wesentlichen aus, er sei 

im Dorf C._______, Subzoba D._______, Zoba E._______, geboren und 

dort mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aufgewachsen. Sein Vater 

sei Soldat. Seine Familie wisse jedoch nicht, wo er sei. Die Behörden hät-

ten deshalb ungefähr im Jahr 2011 die Mutter verhaftet und zwei Wochen 

festgehalten. Seine Mutter habe mit ihm, seiner Schwester und seinem 

Bruder einen Fluchtversuch unternommen, wobei auf sie geschossen wor-

den sei und sie festgenommen und eine Woche und drei Tage inhaftiert 

worden seien. Seine Schwester sei seither verschwunden. Im Jahr 2013 

habe seine Mutter zusammen mit ihm und seinem Bruder nochmals einen 

Fluchtversuch unternommen. Als sie in der Nähe der Grenze gewesen 

D-3736/2015 

Seite 3 

seien, seien sie von den eritreischen Soldaten wiederum entdeckt worden 

und es sei auf sie geschossen worden. Sie seien in alle Richtungen gelau-

fen. Er sei auf äthiopische Soldaten getroffen, die ihn nach F._______ ge-

bracht hätten. Als er im Flüchtlingslager gewesen sei, habe er von seiner 

Schwester in Israel erfahren, dass es seiner Mutter und seinem Bruder gut 

gehe, sie jedoch in Haft seien, aber bald freikommen würden. 

F.  

Mit Verfügung vom 6. Mai 2015 – eröffnet am 12. Mai 2015 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie deren Voll-

zug – unter Ausschluss von Eritrea – an. 

G.  

Am 8. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer, handelnd durch seine Ver-

trauensperson, beim SEM eine Kopie der Identitätskarte seines Vaters ein. 

Das Dokument sei von der Schwester in Israel über Viper gesendet wor-

den. 

H.  

Mit Eingabe vom 11. Juni 2015 erhob der Beschwerdeführer, handelnd 

durch seine Rechtsvertreterin, gegen diese Verfügung beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde und beantragte, es seien die Ziffern 1, 3, 4 

und 5 der angefochtenen Verfügung aufzuheben, es sei die Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

Eventualiter sei die Unzumutbarkeit beziehungsweise Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen. Subeventualiter sei das Verfahren zur erneuten Sachverhaltsabklä-

rung und Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hin-

sicht beantragte er, es sei die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsver-

beiständung unter Beiordnung der Rechtsvertreterin zu gewähren. 

Der Beschwerde legte er seinen Taufschein im Original, je eine Kopie der 

Identitätskarte seiner Mutter und seines Vaters, einen Bericht der (…) Kin-

der- und Jugendpsychiatrie vom 15. Mai 2015 und eine Zeichnung der erit-

reischen Flagge, welche er anlässlich der Anhörung beschrieben habe, bei. 

I.   

Am 12. Juni 2015 reichte der Beschwerdeführer, handelnd durch seine 

Rechtsvertreterin, eine Fürsorgebestätigung vom 10. Juni 2015 nach. 

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Seite 4 

J.  

Mit Verfügung vom 29. Juni 2015 stellte der Instruktionsrichter des Bun-

desverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang 

des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbin-

dung mit Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 42.31) hiess er gut und ordnete 

dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig forderte er das SEM unter Hinweis auf 

das zur Publikation vorgesehene Urteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 zur 

Vernehmlassung auf.  

K.  

In ihrer Vernehmlassung vom 10. August 2015 hielt die Vorinstanz an ihren 

Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der In-

struktionsrichter gab dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 24. Au-

gust 2015 Gelegenheit, eine Stellungnahme zur Vernehmlassung einzu-

reichen. 

L.  

Mit Replik vom 18. September 2015 nahm der Beschwerdeführer, han-

delnd durch seine Rechtsvertreterin, zur Vernehmlassung der Vorinstanz 

Stellung und reichte einen Bericht seiner Vertrauensperson und eine Kopie 

der Aufenthaltsbewilligung seiner Schwester für Israel ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen  

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Gemäss Art. 8 

AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht (und unter 

dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und 

Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht) an der Feststellung des Sachverhaltes 

mitzuwirken (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/21 E. 5.1 und 2009/50 E. 10.2 

je mit weiteren Hinweisen).  

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Seite 6 

3.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-

spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. 

VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der 

Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-

zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-

hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 

tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 

berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss.  

Das Recht auf vorgängige Anhörung (Art. 30 Abs. 1 VwVG) als Teilgehalt 

des rechtlichen Gehörs sieht insbesondere vor, dass die Behörde sich beim 

Erlass ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf, zu denen sich 

die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äussern und dies-

bezüglich Beweis führen konnte. 

Eng mit dem Äusserungsrecht ist der verfahrensrechtliche Anspruch auf 

Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) – ebenfalls Teilgehalt des rechtlichen Gehörs 

– verbunden. So können sich die Betroffenen in einem Verfahren nur dann 

wirksam zur Sache äussern und geeignet Beweis führen beziehungsweise 

Beweismittel bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die 

Unterlagen einzusehen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. 

Das Recht auf Akteneinsicht kann eingeschränkt werden, wenn ein über-

wiegendes öffentliches oder privates Interesse an der Geheimhaltung der 

betreffenden Akten vorhanden ist (Art. 27 VwVG). Wird einer Partei die Ein-

sichtnahme in ein Aktenstück verweigert, muss ihr die Behörde indes von 

seinem wesentlichen Inhalt Kenntnis sowie die Gelegenheit geben, sich 

dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG).  

Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet schliesslich auch, dass die 

Behörden alles in den Akten festzuhalten haben, was zur Sache gehört und 

entscheidwesentlich sein kann. Daraus resultiert die Pflicht, dass jegliche 

Abklärungen schriftlich festzuhalten, zu den Akten zu nehmen und aufzu-

bewahren sind. Die Aktenführung hat geordnet, übersichtlich und vollstän-

dig zu sein und es muss ersichtlich sein, wer die Akten erstellt hat und wie 

sie zustande gekommen sind (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 

BVGE 2013/23 E. 6.4.2 je mit weiteren Hinweisen). 

4.   

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM im Wesentlichen fest, 

es bestünden Zweifel, dass der Beschwerdeführer seit seiner Geburt bis 

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Seite 7 

zur illegalen Ausreise in Eritrea gelebt habe. Insbesondere deshalb, weil er 

zu Beginn der Anhörung die Fragen zur Schulbildung in Eritrea nur unbe-

friedigend habe beantworten können. Anlässlich der Anhörung seien nebst 

seinen Asylvorbringen insbesondere seine Länderkenntnisse sowie sein 

Alltagswissen und seine Aussagen zum Reiseweg geprüft worden. Er habe 

erklärt, er habe zu Identitätszwecken einen Schülerausweis gehabt, den er 

in Aussicht gestellt habe. Er sei nicht in der Lage gewesen, diesen beizu-

bringen, weil dieser zu Hause nicht habe aufgefunden werden können. 

Stattdessen habe er einen Taufschein nachgereicht. Er habe auf Nachfrage 

hin angegeben, er sei in der Kirche H._______ getauft worden. Wieso auf 

dem Taufschein eine andere Kirche vermerkt sei, habe er nicht plausibel 

erklären können. Die Frage, wie man eine Identitätskarte in Eritrea ausstel-

len lassen könne, habe er auch nicht zu beantworten gewusst. Aufgrund 

der unplausiblen Aussagen und der Tatsache, dass er nicht wisse, wie eine 

Identitätskarte ausgestellt werden könne, bestünden Zweifel an seiner an-

gegebenen Herkunft. Er habe zu Protokoll gegeben, mit sechs oder sieben 

Jahren eingeschult worden zu sein und habe die Schule bis im Oktober 

2013 besucht und diese in der siebten Klasse abgebrochen. Darauf ange-

sprochen, dass dies nicht mit seinem Geburtsdatum übereinstimmen 

könne, sei er nicht in der Lage gewesen, den Fehler plausibel zu erklären. 

Weil er in Bezug auf den Schulbesuch widersprüchliche Angaben gemacht 

habe, bestünden Zweifel an seinem Lebenslauf. Er habe weiter angege-

ben, er sei täglich von seinem Dorf nach I._______ zur Schule gelaufen. 

Auch nach mehrfacher Aufforderung, den Schulweg bildlich und detailreich 

zu beschreiben, habe er zum Schulweg lediglich gesagt, er sei von 

C._______ an K._______ vorbeigekommen und so nach I._______ zur 

Schule gelangt. Er sei nicht in der Lage gewesen, Details anzubringen oder 

das Dorf K._______ zu beschreiben. Er habe lediglich gesagt, es habe dort 

Häuser und eine Strasse gegeben. Auch die Beschreibung seines Dorfes 

sei kurz und oberflächlich ausgefallen, indem er geschildert habe, es liege 

zwischen Bergen und im Zentrum gebe es einen Baum. Weil er weder den 

Schulweg noch sein Dorf trotz mehrfachen Bittens nicht detailliert habe be-

schreiben können, bestünden Zweifel an der von ihm geltend gemachten 

Herkunft. Zum Schulsystem habe er fälschlicherweise angegeben, dass 

man nach zwölf Schuljahren nach Sawa gelange. Er habe nicht angeben 

können, wie lange die Sekundarschule daure oder ob man in Eritrea stu-

dieren könne. Bezüglich des Länderwissens habe er zwar gewusst, wie 

viele Zobas Eritrea habe, aber sei nicht im Stande gewesen, alle Zobas 

treffend zu benennen. Er habe auch nur zwei Subzobas der Zoba 

E._______ benennen können. Er sei auch nicht im Stande gewesen, die 

eritreische Flagge korrekt zu beschreiben oder darzustellen, und habe 

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nicht gewusst, wie das eritreische Wappen aussehe. Auch seine Kennt-

nisse zur eritreischen Währung seien äusserst beschränkt. Ein Indiz dafür, 

dass er aus einer anderen Gegend als der von ihm angegebenen stamme, 

sei, dass er hingegen spontan in der Lage gewesen sei, den Wechselkurs 

der äthiopischen Währung zu nennen. Seine Länderkenntnisse seien äus-

serst beschränkt, was auch im Hinblick darauf, dass er bis zur siebten 

Klasse zur Schule gegangen sei, nicht nachvollziehbar sei. Die anfängli-

chen Zweifel an seiner geltend gemachten Herkunft hätten sich somit wei-

ter erhärtet. Den Widerspruch betreffend die Anzahl Personen die mit ihm 

ausgereist seien, habe er nicht befriedigend aufklären können. Seine Aus-

sagen zum Fussmarsch und zur illegalen Ausreise seien oberflächlich ge-

blieben. Auch als er aufgefordert worden sei, persönliche Erlebnisse von 

dieser Reise zu erzählen, habe er unpersönliche und pauschale Darstel-

lungen repetiert. Er habe auch die Umgebung nicht bildlich beschreiben 

können. Als er gebeten worden sei, genau zu schildern, wie es gewesen 

sei, als auf ihn geschossen worden sei, habe er lediglich seine oberfläch-

lich gehaltenen Aussagen wiederholt. Er sei auf Nachfrage hin nicht in der 

Lage gewesen zu erzählen, wie sein Bruder und seine Mutter reagiert hät-

ten, woher plötzlich die Soldaten aufgetaucht seien, wie es ihm gelungen 

sei, den Soldaten zu entwischen oder was er bei der Flucht gedacht habe. 

Er habe unterschiedliche Aussagen zur Aufenthaltsdauer im Flüchtlings-

camp L._______ gemacht. Aufgrund der vagen und widersprüchlichen 

Aussagen habe er den geltend gemachten Reiseweg nicht glaubhaft zu 

machen vermocht, womit sich die Zweifel an seiner Herkunft erhärten wür-

den. Er habe sein Gesuch mit Problemen in Eritrea begründet. Da sein 

Aufenthalt in Eritrea nicht glaubhaft sei, seien auch die vor seiner Ausreise 

erlittenen Nachteile, die sich ausschliesslich auf Eritrea beschränken wür-

den, erheblich anzuzweifeln. Er habe nicht einsichtig erklären können, 

wieso er nicht gewusst habe, wo sein Vater stationiert gewesen sei. Seine 

Aussage, sein Vater habe vom Militärdienst drei Mal jährlich für jeweils ei-

nen Monat Urlaub gehabt, entspreche nicht den länderspezifischen Gege-

benheiten. Dies sei ein weiterer Hinweis, dass er nicht in der von ihm an-

gegebenen Gegend gelebt habe. Er habe vorerst erklärt, keine persönli-

chen Probleme in Eritrea gehabt zu haben, insbesondere sei der Militär-

dienst noch kein Thema gewesen. Erst nachträglich habe er gesagt, er 

habe bereits vorher einen Ausreiseversuch unternommen, bei dem er er-

wischt und inhaftiert worden sei und seine Schwester verschwunden sei. 

Auf die Frage, wieso er von diesem Fluchtversuch und der Haft nicht be-

reits vorher erzählt habe, habe er geantwortet, er habe lediglich auf die 

Fragen des Befragers geantwortet. Diese Begründung überzeuge nicht, da 

er offen nach seinen Problemen gefragt worden sei und er mehrmals die 

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Gelegenheit gehabt habe, dieses Vorbringen geltend zu machen. Insbe-

sondere im Hinblick auf die Schwere der geltend gemachten Vorfälle er-

scheine es nicht nachvollziehbar, wieso er dies nicht schon vorher vorge-

bracht habe. Er sei nicht im Stande gewesen anzugeben, wann genau der 

erste Fluchtversuch stattgefunden habe. Er habe auch keine detaillierten 

Ausführungen darüber machen können, wie es gewesen sei, als er von den 

Soldaten an der Grenze aufgegriffen worden sei, wie es gewesen sei, als 

man ihn ins Gefängnis gebracht habe, oder wie er die Zeit im Gefängnis 

erlebt habe. Diesbezüglich habe er nur gesagt, es sei sehr schlecht gewe-

sen. Die Befragung sowie die Anhörung seien auf Tigrinya durchgeführt 

worden. Dieser Umstand sei aber nicht dazu geeignet, seine Staatsange-

hörigkeit zu belegen. Es bestünden nämlich mehrere Möglichkeiten bezüg-

lich seiner Staatsangehörigkeit, denn seine Muttersprache werde nicht nur 

in Eritrea, sondern auch in Äthiopien gesprochen. Zusammengefasst be-

deute dies, dass aufgrund der fehlenden Identitätspapiere, seiner mangel-

haften Länderkenntnisse, seines fehlenden Alltagswissens, aufgrund des 

unglaubhaften Reisewegs sowie der unglaubhaften Asylgründe nicht da-

von auszugehen sei, dass er in der von ihm angegebenen Region soziali-

siert worden sei. Auf eine eingehende Würdigung der eingereichten Kopie 

des Taufscheins könne verzichtet werden. Beweismittel würden nämlich 

keiner materiellen Prüfung unterzogen, wenn sie erfahrungsgemäss käuf-

lich leicht erhältlich seien oder wenn unterschiedliche formale und inhaltli-

che Kriterien bei der Ausstellung eine schlüssige Überprüfung des Doku-

ments verunmöglich würden. Da Taufscheine erfahrungsgemäss käuflich 

erwerbbar seien und weil seine Identität nicht rechtsgenüglich belegt sei, 

vermöge die eingereichte Kopie seines Taufscheins die angegebene Her-

kunft nicht nachzuweisen. Seine geltend gemachte Herkunft sei aufgrund 

der oben genannten Gründe nicht glaubhaft. Daher sei auch nicht davon 

auszugehen, dass er Staatsangehöriger von Eritrea sei. Anlässlich der An-

hörung sei ihm das rechtliche Gehör gewährt worden. Erklärungen seiner-

seits seien ausgeblieben. Seine Stellungnahme sei deshalb nicht geeignet, 

die Einschätzung des SEM umzustossen. Dies habe zur Folge, dass seine 

Staatsangehörigkeit von "Eritrea" auf "Staat unbekannt" geändert werde. 

Angesichts dieser zahlreichen, nicht abschliessend aufgeführten, erhebli-

chen Unstimmigkeiten hielten seine Vorbringen den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrele-

vanz nicht geprüft werden müsse. 

4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge-

macht, es sei die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zu beachten. 

Art. 12 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte 

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Seite 10 

des Kindes und Art. 7 Abs. 5 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311) würden eine kindsgerechte Anhörung vorschreiben. 

An den von Minderjährigen vorgebrachten Sachverhalt dürften nicht die-

selben strengen Voraussetzungen der Glaubhaftmachung geknüpft wer-

den wie bei Erwachsenen. Von ihnen könne nicht erwartet werden, ihre 

Erfahrungen auf dieselbe Weise schildern zu können wie Erwachsene. Es 

werde ihnen zum Teil bereits an der Fähigkeit fehlen zu erkennen, welche 

Informationen wichtig seien, und sie würden dementsprechend wesentli-

che Informationen übergehen oder verzerrt darstellen. Kindern könne es 

auch schwer fallen, Eingebildetes von der Wirklichkeit zu unterscheiden 

oder abstrakte Begriffe wie Zeit oder Entfernung zu fassen. Für Minderjäh-

rige gelte folglich ein tieferer Beweismassstab, den man im Asylentscheid 

zu würdigen habe. Bestünden Bedenken über die Glaubhaftigkeit der Aus-

führungen eines Minderjährigen, solle gemäss dem Ausschuss für die 

Rechte des Kindes und nach dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars 

der Vereinten Nationen (UNHCR) "im Zweifel für das Kind" entschieden 

werden. Es gelte festzuhalten, dass das SEM in seinem Entscheid betref-

fend Glaubhaftmachung die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers und 

somit den tiefen Beweismassstab nicht berücksichtigt habe. Das gelte es 

insbesondere deshalb zu erwähnen, weil erstaune, dass das SEM im 

Grundsatz an allen vorgebrachten Inhalten Zweifel aufbringe (Staatszuge-

hörigkeit Eritrea, illegale Ausreise, Asylgründe). Offensichtlich habe dem 

Beschwerdeführer das Bewusstsein gefehlt, inwiefern vertiefte Beschrei-

bungen zu seiner Glaubhaftmachung beitragen würden. Jedenfalls sei er 

offensichtlich aufgrund seiner Minderjährigkeit, des kulturellen Hintergrun-

des, seiner Persönlichkeit und seines psychischen Zustands nicht fähig, 

sich detailliert und substantiiert auszudrücken. In BVGE 2014/30 konkreti-

siere das Bundesverwaltungsgericht, was bei einer Anhörung einer unbe-

gleiteten minderjährigen Person zu beachten sei: Neben dem Alter und der 

Reife des Kindes gelte es, die Kapazität, die Fragen richtig zu verstehen, 

sich an den Sachverhalt zu erinnern sowie sich auszudrücken, zu berück-

sichtigen. Die befragende Person müsse auch dafür sorgen, dass sich die 

minderjährigen Asylsuchenden möglichst wohl fühlen. Die Schaffung einer 

Vertrautheit könne sich positiv auf die Aussagen auswirken. Klarerweise 

müsse die Anhörung von Minderjährigen durch speziell geschultes Perso-

nal erfolgen. Nach objektiver Prüfung des Anhörungsprotokolls vom 

10. März 2015 falle auf, dass die befragende Person eine negative Wer-

tung und somit eine Verunsicherung bei dem Beschwerdeführer versur-

sacht habe (vgl. Akte A14/23 F36, F42, F47, F60, F65, F99, F144, F150, 

F177, F192, F229, F245). Jedenfalls habe sich der Beschwerdeführer ge-

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Seite 11 

mäss Aussage der Vertrauensperson von der befragenden Person provo-

ziert gefühlt, zumal er ohnehin nicht gerne über sich spreche. Sei eine 

Frage von der minderjährigen Person offensichtlich falsch verstanden wor-

den, so solle jene wiederholt oder in einer anderen Form erneut gestellt 

werden und etwas Zeit zum Nachdenken gegeben werden. Es sei günstig, 

wenn die befragende Person erkläre, weshalb oberflächliche Angaben 

nicht genügen würden und wie ausführlich man Fragen beantwortet haben 

wolle. Bei Frage 47 habe der Beschwerdeführer nicht gewusst, welchen 

Inhalt seiner vorher gemachten Antworten die befragende Person hätte hö-

ren wollen beziehungsweise, wie er sie besser hätte beantworten können. 

Der Beschwerdeführer habe aktiv nachgefragt, wie er die Frage besser 

hätte beantworten können, eine Antwort der befragenden Person sei je-

doch ausgeblieben. Bei Frage 48 habe der Beschwerdeführer den Weg 

aufzeichnen wollen, er sei aber aufgefordert worden, darüber zu sprechen. 

Die befragende Person hätte ihm beispielhaft am Arbeitsweg aufzeigen 

können, was eine detaillierte Antwort ausmache. Da die befragende Per-

son den Beschwerdeführer mehrmals auf unbefriedigende Antworten hin-

gewiesen habe, hätte sie dem Wunsche des Beschwerdeführers, den Weg 

von K._______ zur Schule aufzuzeichnen, nachgehen sollen. Auch als der 

Beschwerdeführer aufgefordert worden sei, C._______ zu beschreiben, 

habe er präferiert, die Antwort mit Gesten statt mit Worten zu beantworten, 

was ihm aber erneut verwehrt worden sei. Die Fahne Eritreas habe der 

Beschwerdeführer ebenfalls zeichnen wollen. Der Kapazität des minder-

jährigen Beschwerdeführers, ob und wie er sich am besten ausdrücken 

könne, sei sowohl in der Anhörung wie auch im Entscheid des SEM nicht 

befriedigend Rechnung getragen worden. Es sei festzustellen, dass der 

Beschwerdeführer – insbesondere was er selbst erlebt habe und somit 

kenne – befriedigend wiedergegeben habe. Er habe die Telefonnummer 

samt korrekter Vorwahl seiner Mutter und seines Bruders in Eritrea korrekt 

wiedergegeben. Er habe über die Morgen- und Nachmittagsschicht in der 

Schule Bescheid gewusst, wann das Schuljahr anfange sowie ende und zu 

welcher Zeit Abschlussprüfungen anstünden. Auch die Zobas, die Ort-

schaften um C._______, das Dorfzentrum, sowie die Stelle namens 

M._______, wo er sich mit seinen Freunden getroffen habe, habe er aus-

reichend wiedergeben können. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer 

die Flagge Eritreas entgegen der Meinung des SEM nicht vollumfänglich 

fehlerhaft dargestellt habe: Er habe lediglich die Farben rot und blau ver-

wechselt. Zu der vom SEM erachteten nachgeschobenen und somit un-

glaubhaften ersten illegalen Ausreise des Beschwerdeführers mit seiner 

Familie aus Eritrea sei auf den summarischen Charakter der EVZ-Befra-

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Seite 12 

gung hinzuweisen. Betreffend Name der Kirche, in welcher er getauft wor-

den sei, habe er angegeben, sie heisse "H._______". Darauf habe die be-

fragende Person den Beschwerdeführer hingewiesen, er habe eine andere 

Kirche als auf dem Taufschein genannt, ohne ihm anzugeben, welche Kir-

che denn richtigerweise auf dem Taufschein vermerkt sei – obschon dies 

die Sachlage hätte klären können. Auf Anfrage hin habe ein Dolmetscher 

aus Eritrea die Richtigkeit der Angabe des Beschwerdeführers bestätigt. 

Denn "Debre" heisse Kloster, "selam" stehe für Heil/Frieden, "ku(n)duj" be-

deute heilig und "abune" bedeute Abt, wobei "N._______" sehr wohl als 

Name der Kirche angegeben werden könne und nicht wie von der Vo-

rinstanz vermutet falsch zu Protokoll gegeben worden sei. Des Weiteren 

beweise die eingereichte Taufurkunde im Original, dass der Beschwerde-

führer in Eritrea getauft und somit geboren sei, weshalb vermutet werden 

könne, dass er auch dort sozialisiert worden sei. Untermauert werde dies 

durch Kopien der eritreischen Identitätskarten beider Elternteile. Zudem 

dürfe nicht missachtet werden, dass der Beschwerdeführer Tigrinya spre-

che. Dörfer in Eritrea würden keine grossen beziehungsweise für Minder-

jährige erwähnenswerten Merkmale aufweisen. So ergebe sich dort die 

Landschaft tatsächlich aus ähnlich aufgebauten Häusern, erdigen Stras-

sen, Bergen und Hügeln, Bäumen und Büschen und bestenfalls einer Kir-

che oder einer bestimmten Gaststätte, die zu erwähnen wären. Beschreibe 

der Beschwerdeführer also seinen Schulweg von C._______ damit, dass 

er nach I._______ 30 Minuten Fussmarsch über eine sandige Strasse hin-

lege, vor K._______ sich an der rechten Seite ein Berg befinde, er danach 

K._______ durchquere, wo es hauptsächlich Häuser und eine Kirche gebe, 

so sei aufgrund der Eigenschaft der eritreischen Dorflandschaft nicht da-

von auszugehen, dass die gemachten Angaben unbefriedigend ausgefal-

len und somit unglaubhaft seien. Es sei fraglich, ob dem Beschwerdeführer 

das rechtliche Gehör betreffend seine Staatsangehörigkeit vollumfänglich 

gewährt worden sei. Zum einen habe der Beschwerdeführer konkret nach-

gefragt, was der befragenden Person nicht klar sei, beziehungsweise ob 

sie etwas Konkretes nennen könne, zum anderen habe er darauf bestan-

den, ihm seien noch weitere Fragen zu stellen, damit er das Missverständ-

nis klären könne beziehungsweise seine eritreische Herkunft beweisen 

könne. Der Beschwerdeführer habe so klar die Mitwirkungsbereitschaft bei 

der Sachverhaltsabklärung betreffend seine Herkunft gezeigt. Die befra-

gende Person habe aber keine weiteren Fragen mehr zugelassen mit der 

Begründung, nicht nochmals eine Anhörung durchführen zu wollen. Von 

einem ernsthaften Auseinandersetzen mit den vom Beschwerdeführer ge-

machten Äusserungen könne folglich nicht die Rede sein. Da es sich um 

einen minderjährigen Asylsuchenden handle, scheine hier das rechtliche 

D-3736/2015 

Seite 13 

Gehör nicht genügend gewährt worden zu sein: Einerseits habe dem Be-

schwerdeführer das Bewusstsein betreffend die Aufklärung seiner Herkunft 

während der Anhörung gefehlt, zum anderen sei ihm die Möglichkeit, sich 

nochmals zur Staatszugehörigkeit zu äussern und diese damit mündlich zu 

beweisen, trotz aktiver Äusserung faktisch verwehrt worden. Wie der Be-

urteilung des ärztlichen Berichts der (…) Psychiatrie zu entnehmen sei, 

leide der Beschwerdeführer an ausgeprägten Schlaf- und Konzentrations-

störungen, Schreckhaftigkeit, starker innerer Unruhe, chronischen Kopf-

schmerzen sowie unter Dissoziation und Flashbacks. Nach Angaben des 

Beschwerdeführers könne er sich nur schlecht an seine Kindheit erinnern. 

Er traue aufgrund seiner Erlebnisse den Menschen nicht mehr, habe Angst 

vor ihnen, könne sich schlecht öffnen und fühle sich schnell provoziert. Auf-

grund der erwähnten Symptome sei beim Beschwerdeführer eine Posttrau-

matische Belastungsstörung diagnostiziert worden, welche eine Behand-

lung benötige. Dieser psychiatrische Befund sei bei der Würdigung der 

Aussagen beziehungsweise der Glaubhaftigkeit zu berücksichtigen. In An-

betracht des insgesamt zurückhaltenden Äusserungsstils zusammenhän-

gend mit dem psychischen Zustand könne nicht auf eine unglaubhaft ge-

machte illegale Ausreise geschlossen werden, zumal er keiner Frage aus-

gewichen sei und jede Frage nach individueller Möglichkeit beantwortet 

habe. Des Weiteren müsse festgestellt werden, dass es sich bei der Aus-

reise, der Schiesserei sowie dem Verlust der Familie an der Grenze für den 

minderjährigen Beschwerdeführer um ein traumatisches Erlebnis handle, 

was in der Würdigung seiner Aussagen zu berücksichtigen sei. Dass der 

Beschwerdeführer diese negativen Erlebnisse nicht detailliert wiedergeben 

könne oder wolle, sei dem psychiatrischen Bericht vom 15. Mai 2015 zu 

entnehmen. Würdige man nach einer objektiven Betrachtungsweise die 

Beweismittel, namentlich den Taufschein im Original, die Kopien der Iden-

titätskarte der Mutter, die Muttersprache, den ärztlichen Bericht in Verbin-

dung mit den Vorbringen der Anhörung sowie der Befragung, so könne ent-

gegen der Meinung des SEM nicht vertreten werden, dass allgemeine 

Zweifel an der Herkunft und der damit verbundenen illegalen Ausreise aus 

Eritrea bestünden. Aufgrund der obigen Erläuterungen sei der Beschwer-

deführer zweifelsfrei eritreischer Herkunft. Im Urteil D-3892/2008 vom 

6. April 2010 habe sich das Bundesverwaltungsgericht zur illegalen Aus-

reise aus Eritrea geäussert. Da der Beschwerdeführer weder einen Reise-

pass besitze noch die Voraussetzungen für ein Visum erfülle, sei mit höchs-

ter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er das Land auf illegalem Weg 

verlassen habe. Ergänzend sei beizufügen, dass eritreische Staatsbürger, 

die Eritrea illegal verlassen hätten, ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 

D-3736/2015 

Seite 14 

AsylG zu befürchten hätten. In vorliegendem Fall habe der Beschwerde-

führer Eritrea mit ungefähr 15 Jahren illegal verlassen. Aufgrund des Ge-

sagten habe der Beschwerdeführer seine Herkunft aus Eritrea sowie die 

illegale Ausreise aus Eritrea glaubhaft machen können, weshalb ihm die 

Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen sei. 

4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, dass auch in Anbe-

tracht des Alters des Beschwerdeführers von ihm detailliertere Aussagen 

erwartet werden dürften. Seine Schilderungen seien trotz mehrfachen 

Nachfragens auffallend ungenau gewesen. Zusätzlich müsse berücksich-

tigt werden, dass der Beschwerdeführer lediglich knapp minderjährig sei 

und dass er trotz seines Alters einen hohen Selbständigkeitsgrad aufweise, 

was er damit darlege, indem es ihm gelungen sei, eine interkontinentale 

Reise selbständig durchzuführen. Weder die Vertrauensperson noch die 

Hilfswerksvertretung hätten sich während der Anhörung negativ geäussert. 

Die Hilfswerkvertretung habe auch nichts dergleichen auf dem Beiblatt ver-

merkt. Der Ton der befragenden Person sei stets freundlich gewesen und 

mit den Fragen sei der Beschwerdeführer lediglich auf undetaillierte und 

unplausible Aussagen seinerseits aufmerksam gemacht und ihm die Mög-

lichkeit eingeräumt worden, sich verständlicher und detaillierter auszudrü-

cken. Im Übrigen müsse festgehalten werden, dass dem Beschwerdefüh-

rer explizit erklärt worden sei, weshalb er mehrfach nach Beschreibungen 

gefragt worden sei. Der Beschwerdeführer sei in der Anhörung fortwährend 

über seine fehlerhaften, undetaillierten und unplausiblen Aussagen infor-

miert worden und ihm sei somit stets die Gelegenheit geboten worden, 

seine Aussagen plausibel darzulegen. Dass davon abgesehen worden sei, 

beim rechtlichen Gehör den Beschwerdeführer wiederholt mit seinen man-

gelhaften Aussagen zu konfrontieren, dürfe nicht zu einer ungenügenden 

Wertung der Gewährung des rechtlichen Gehörs führen. Im Resultat än-

dere sich auch nach der Eingabe der weiteren Unterlagen nichts. Der Be-

schwerdeführer habe zur Untermauerung einen Geburtsschein einge-

reicht. Es sei allgemein bekannt, dass solche Dokumente ohne weiteres 

unrechtmässig erworben werden könnten, weshalb der Beweiswert als 

äusserst gering eingestuft werden müsse. Ebenso wenig vermöchten die 

eingereichten Kopien der Identitätskarten der Eltern die angegebene Her-

kunft des Beschwerdeführers nachzuweisen, da dessen Identität nicht ge-

nügend belegt sei. Die Schlaf- und Konzentrationsstörungen würden den 

Beschwerdeführer nicht von der Wahrheits- und Mitwirkungspflicht entbin-

den. Weder in der Anhörung noch in der Befragung habe er gesundheitli-

che Probleme angegeben. Dem ärztlichen Bericht sei zu entnehmen, dass 

der Beschwerdeführer im Auftrag seiner Rechtsvertretung zur Psychiatrie 

D-3736/2015 

Seite 15 

gegangen sei und er von einer Behandlung habe absehen wollen. Eine 

allfällige Posttraumatische Belastungsstörung sei im Übrigen nicht dazu 

geeignet, die unglaubhaften Aussagen des Beschwerdeführers zu begrün-

den. 

4.4 In der Replik wird daran festgehalten, dass bei Anhörungen von unbe-

gleiteten minderjährigen Asylsuchenden neben dem Alter auch seine Reife 

zu berücksichtigen sei. Deshalb könne auch die Meinung nicht vertreten 

werden, wer nur noch knapp minderjährig sei, sei faktisch schon erwach-

sen. Neben der psychologischen Entwicklung müssten auch kulturelle Hin-

tergründe sowie die interkulturelle Kommunikation berücksichtigt werden. 

Inwiefern die befragende Person im Stande gewesen sei, diesbezüglich 

Sensibilität aufzubringen, sei fraglich. Das Anhörungsprotokoll wirke moto-

risch und wenig auf den minderjährigen Beschwerdeführer eingehend. Die 

anwesende Vertrauensperson habe schriftlich Stellung genommen und 

führe aus, dass das Gespräch sehr angespannt verlaufen sei. Die junge 

Befragerin habe den Beschwerdeführer sehr direkt und provokativ befragt. 

Sie habe ihn oft ganz schnell unterbrochen, sei ruppig und kurz angebun-

den gewesen. Während des Interviews habe sie fast keinen Blickkontakt 

mit dem Jungen gehabt, was den unbegleiteten Minderjährigen enorm ver-

unsichert habe. Der Junge habe sich sehr von der Körperhaltung und der 

Art und Weise der Fragestellungen provozieren lassen. Da er schon bald 

habe erkennen können, dass die Befragerin seine Antworten nicht glaube, 

habe er sich noch mehr verschlossen. Mit seiner gleichgültigen Haltung 

habe er wiederum die Befragerin provoziert, die dann fast schnippisch ge-

worden sei. Diese Anhörung sei ihr zweites Interview gewesen als Vertrau-

ensperson und sie habe sich noch unsicher gefühlt, weshalb sie nicht si-

cher gewesen sei, wie sie reagieren solle. Zudem habe die Befragerin sie 

hinter dem Jungen platziert, von wo sie den Beschwerdeführer nicht habe 

sehen und ihm keine Unterstützung bieten können. Mittlerweile habe sie 

viele weitere Interviews begleitet und sie müsse sagen, dass dieses Inter-

view bisher das Unangenehmste gewesen sei. Ihre Erfahrungen würden 

nun zeigen, dass es sehr wohl möglich sei, eine angenehme Atmosphäre 

zu schaffen und die Fragen kinds- und jugendgerecht zu stellen. Die Be-

fragerin in B._______ habe dem Alter des Beschwerdeführers keine Rech-

nung getragen. Dem Jungen gehe es heute nicht gut. Er sei verschlossen 

und bedrückt. Sie würden sich grosse Sorgen um ihn machen. Sie sei sich 

sicher, dass er aus Eritrea stamme. Diese Bestätigung hätten sie auch vom 

Dolmetscher erhalten. Eine Reise allein sei nicht geeignet, den Grad an 

Selbständigkeit eines Jugendlichen zu bestimmen. Es sei nicht zutreffend, 

D-3736/2015 

Seite 16 

dass der Beschwerdeführer im Auftrag der Rechtsvertretung zur psychiat-

rischen Behandlung gegangen sei. Die Anmeldung sei über die zuständige 

Vertrauensperson erfolgt, da sich der Beschwerdeführer auffällig isoliert 

habe. Der Behandlungszeitraum sei zwischen dem 14. April und 6. Mai 

2015 gewesen – also noch vor dem Asylentscheid und somit vor der Be-

schwerde. Dass der minderjährige Beschwerdeführer keine Therapie wün-

sche, ändere nichts an seinem psychischen Befund. Die Meinung der Vo-

rinstanz, die Posttraumatische Belastungsstörung sei nicht geeignet, un-

glaubhafte Aussagen des Beschwerdeführers zu begründen, müsse als 

Bagatellisierung des Befundes gewertet werden und lasse sich somit – ins-

besondere mit Blick auf das jugendliche Alter – nicht vertreten. Es sei zu 

betonen, dass der Beschwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht sehr wohl 

nachgekommen sei. Er habe den Taufschein sowie die Kopien der Identi-

tätskarten seiner Eltern beschafft und während der Anhörung stets nach-

gefragt, wenn er eine Frage nicht verstanden habe, auch habe er bei der 

Gewährung des rechtlichen Gehörs mitwirken wollen, doch sei keine Mög-

lichkeit zu dieser Mitwirkung gegeben worden. Der Beschwerdeführer rei-

che zudem noch Kopien der befristeten Aufenthaltsbewilligung seiner 

Schwester ein. Der Beschwerdeführer sei bereit, eine Lingua-Analyse 

durchzuführen, sollte das Gericht Zweifel an seiner eritreischen Herkunft 

haben. Es sei nämlich fraglich, inwiefern die Vorinstanz – als nicht unab-

hängige Instanz – über die fachlich genügenden länderspezifischen Kom-

petenzen verfüge, dem Beschwerdeführer die eritreische Staatsbürger-

schaft abzuerkennen beziehungsweise die äthiopische zu vermuten. Viel-

mehr hätte vorliegend die angegebene Herkunft des Beschwerdeführers 

durch eine unabhängige und fundierte Herkunftsanalyse geprüft werden 

sollen, weshalb auf das Urteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 verwiesen 

werde. Aufgrund der objektiven Sachlage, namentlich der eingereichten 

Dokumente, der Muttersprache Tigrinya und der Aussagen an der Anhö-

rung müsse angenommen werden, dass der Beschwerdeführer eritreischer 

Herkunft sei. Dies könne jedenfalls aufgrund der vielen positiven Indizien 

nicht ausgeschlossen werden. Im Zweifel müsse zu Gunsten des unbeglei-

teten Minderjährigen entschieden werden.  

5.  

5.1 In BVGE 2015/10 hat das Bundesverwaltungsgericht festgehalten, 

dass die vom SEM neu eingeführte, als Praxisänderung deklarierte Me-

thode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie – an-

stelle von Lingua-Analysen werden neu im Rahmen der eingehenden An-

hörung vertiefte Befragungen zu den Länderkenntnissen und zum Alltags-

wissen durchgeführt – könne sich grundsätzlich zur Plausibilitätsprüfung 

D-3736/2015 

Seite 17 

von Herkunftsangaben eignen, sofern gewisse Mindeststandards die Ge-

währung des rechtlichen Gehörs respektive die Untersuchungspflicht be-

treffend eingehalten sind. Demnach muss aus den Akten nicht nur in für 

das Gericht nachvollziehbarer Weise hervorgehen, welche Fragen die Vo-

rinstanz dem Beschwerdeführer gestellt hat und wie dieser darauf geant-

wortet hat, sondern auch welche Fragen wie hätten beantwortet werden 

müssen und weshalb an jenem Ort sozialisierte asylsuchende Personen in 

einer vergleichbaren Situation wie der Beschwerdeführer die zutreffenden 

Antworten hätten kennen sollen. Da bei der neu eingeführten Methode kein 

amtsexterner Sachverständiger mitwirkt, muss aus den Akten auch hervor-

gehen, auf welche Informationen zum Herkunftsland (COI) sich die von der 

Vorinstanz als zutreffend angegebenen Antworten stützen, wobei sich die 

Vorinstanz an den grundlegenden Standards, die bei der Beschaffung, Auf-

bereitung und Präsentation von COI gelten, zu orientieren hat. In welcher 

Form die Vorinstanz dem Gericht die genannten Informationen offenlegen 

will, steht ihr frei. Eine rechtsgenügliche Gewährung der Akteneinsicht ver-

langt zudem, dass der betroffenen Person der wesentliche Inhalt der Her-

kunftsabklärung zur Kenntnis gebracht wird und ihr die Möglichkeit einge-

räumt wird, sich insbesondere zu den als unzureichend eingestuften Ant-

worten äussern zu können (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2). Sind diese Min-

deststandards betreffend Gewährung des rechtlichen Gehörs respektive 

die Untersuchungspflicht der Vorinstanz im Rahmen ihrer neu eingeführten 

Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende nicht erfüllt, ist der vo-

rinstanzliche Entscheid in der Regel aufzuheben und die Sache zur korrek-

ten Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. Davon ausgenommen sind jene Fälle, in denen die Vorbringen 

der asylsuchenden Person – aufgrund gänzlicher Unplausibilität, Sub-

stanzarmut oder Widersprüchlichkeit – offensichtlich unzulänglich und so-

mit derart haltlos sind, dass deren Beurteilung keiner weiteren fachlichen 

Abklärungen mehr bedarf (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3). 

5.2 Vorliegend hat das SEM analog der Herkunftsabklärungen von Perso-

nen tibetischer Ethnie die Herkunft eines unbegleiteten Minderjährigen aus 

Eritrea im Rahmen der eingehenden Anhörung mittels vertiefter Befragung 

zu den Länderkenntnissen und zum Alltagswissen abgeklärt (vgl. Akte 

A14/23). 

5.3  

5.3.1 Vor dem Hintergrund der eben erläuterten Anforderungen ist vorweg 

festzuhalten, dass die Antworten des minderjährigen Beschwerdeführers 

auf die Fragen zum Länder- und Alltagswissen nicht derart unplausibel, 

D-3736/2015 

Seite 18 

substanzarm und widersprüchlich ausgefallen sind, dass eine Herkunft 

desselben aus Eritrea offensichtlich ausgeschlossen werden könnte. So 

hat der Beschwerdeführer Namen von Ortschaften, Bergen, den Zobas, die 

Währung und den Namen einer Zeitung (vgl. Akte A14/23 F190, F193, 

F238, F212, F215) und auch die Telefonnummer seiner Mutter in Eritrea 

inklusive Vorwahl genannt (vgl. Akte A14/23 F17 f.). Ferner hat er Distan-

zen nicht in Kilometern angegeben, sondern aufgrund der Dauer, welche 

für die Zurücklegung benötigt wird (vgl. Akte A14/23 F21), was darauf hin-

weist, dass die Angabe auf der persönlichen Erfahrung beruht. Auch der 

Umstand, dass der Beschwerdeführer einige Ortschaften nennen konnte 

(vgl. Akte A14/23 F193), welche gerade nicht mit einer einfachen Recher-

che verifiziert werden können, deutet darauf hin, dass er sich diese Infor-

mation nicht aus dem Internet angeeignet hat. Zudem spricht der Be-

schwerdeführer Tigrinya und gab Dokumente zu den Akten, welche eine 

Herkunft aus Eritrea nahe legen. Gemäss einer internen Triage betreffend 

die Identitätskategorie stellte die Vorinstanz sodann selbst fest, es bestün-

den keine sprachlichen Hinweise auf eine Herkunft aus einem anderen 

Land (vgl. Akte A3/1). 

Auch lässt sich allein aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers zu 

den Asylgründen, zum Reiseweg und zu den fehlenden Identitätspapieren 

nicht ableiten, dass er nicht aus Eritrea stammt. Würden nämlich bereits 

diese Angaben für sich allein eine Herkunft aus Eritrea ausschliessen, wür-

den sich weitere fachliche Abklärungen bezüglich des Länder- und Alltags-

wissens des Beschwerdeführers von vornherein erübrigen. 

5.3.2 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass dem Protokoll zur 

Anhörung vom 10. März 2015 zwar die gestellten Fragen und die Antwor-

ten des Beschwerdeführers entnommen werden können. Allerdings enthal-

ten die Akten keinerlei Ausführungen zu den vom SEM als korrekt erachte-

ten Antworten, geschweige denn zu den Quellen, an denen sich die Befra-

gerin zwecks Beurteilung der Erklärungen des Beschwerdeführers orien-

tiert hat. Das Befragungsprotokoll erlaubt bezüglich eines Grossteils der 

Fragen nicht einmal eindeutige Rückschlüsse darauf, ob der Beschwerde-

führer diese in zulänglicher Weise beantwortet hat beziehungsweise, wenn 

er die Antwort nicht wusste, ob und weshalb er diese hätte kennen sollen 

(vgl. Akte A14/23 F18-25, F36-68, F86-101, F185-229). Aus den Akten geht 

somit nicht hervor, welche Antworten des Beschwerdeführers richtig bezie-

hungsweise falsch sind und wie im Falle unzutreffender Angaben die kor-

rekte Antwort auf die gestellte Frage lauten würde. Folglich ist für das Ge-

richt weder nachvollziehbar, ob die vorinstanzliche Einschätzung bezüglich 

D-3736/2015 

Seite 19 

des Länder- und Alltagswissens des minderjährigen Beschwerdeführers 

vertretbar ist, noch feststellbar, ob die Vorinstanz ihren aus dem Untersu-

chungsgrundsatz und dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessenden 

Pflicht zur ernsthaften, sorgfältigen und vollständigen Abklärung der Vor-

bringen des Beschwerdeführers sowie aller weiteren rechtsrelevanten Sa-

chumstände vorliegend tatsächlich nachgekommen ist. 

5.3.3 Wie in E. 5.1 ausgeführt, muss die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-

rer vor dem Hintergrund von Art. 30 VwVG überdies den wesentlichen In-

halt der Herkunftsuntersuchung – insbesondere die als unzureichend ein-

gestuften Antworten – so detailliert zur Kenntnis bringen, dass er hierzu 

konkrete Einwände anbringen kann, und ihm die Möglichkeit einräumen, 

sich tatsächlich dazu zu äussern.  

Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer zwar auf seine undetail-

lierten Beschreibungen und mit allgemeinen Aussagen auf sein angebli-

ches Unwissen anlässlich der Anhörung bezüglich der eritreischen Schule 

(vgl. Akte A14/23 F59 ff.), des Aussehens des Wappens und der Fahne 

(vgl. Akte A14/23 F228), der Namen der Subzobas (vgl. Akte A14/23 F192), 

der Fernsehsender (vgl. Akte A14/23 F231) und der Verwaltung (vgl. Akte 

A14/23 F186) unverzüglich nach seinen Antworten hingewiesen. Allerdings 

wurde nicht konkret dargelegt, welche seiner Antworten inwiefern falsch 

waren. Angesichts dieser pauschalen Rückfragen und insbesondere weil 

ihm grösstenteils gar nicht mitgeteilt wurde, dass seine Antworten angeb-

lich falsch seien, war es dem Beschwerdeführer objektiv unmöglich, kon-

krete Einwände anzubringen, was in der Beschwerde zu Recht gerügt wird.  

5.3.4 Nach dem Gesagten steht fest, dass das SEM im vorliegenden Fall 

sowohl den Anspruch des Beschwerdeführers auf Einräumung des rechtli-

chen Gehörs als auch den Untersuchungsgrundsatz verletzt hat.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. 

Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere an-

gezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein um-

fassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-

lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-

schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus 

D-3736/2015 

Seite 20 

prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber 

nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 mit weiteren Hinweisen). 

Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt – angesichts 

des formellen Charakters des Gehörsanspruchs unabhängig davon, ob die 

angefochtene Verfügung bei korrekter Verfahrensführung im Ergebnis an-

ders ausgefallen wäre – grundsätzlich ebenfalls zur Kassation und Rück-

weisung der Sache an die Vorinstanz. Die Heilung von Gehörsverletzun-

gen aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur 

möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer 

dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz für die konkrete 

Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und 

Rechtsanwendung zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht 

schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die Be-

schwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. 

BVGE 2014/22 E. 5.3 mit weiteren Hinweisen). Selbst wenn eine Heilung 

nach den erwähnten Anforderungen möglich wäre, kann sich eine Kassa-

tion unter Umständen aber rechtfertigen. Sie kann beispielsweise dann in 

Betracht gezogen werden, wenn die Gehörsverletzung durch die Vor-

instanz kein Versehen im Einzelfall darstellt, sondern Resultat gehäufter 

unsorgfältiger Verfahrensführung ist und es nicht Sinn der zitierten Recht-

sprechung sein kann, die Vorinstanz durch systematische Heilung erstin-

stanzlicher Verfahrensfehler von sorgfältiger Verfahrensführung zu entbin-

den sowie auf diese Weise zur Verschlechterung der Position von Betroffe-

nen beizutragen. Eine Kassation rechtfertigt sich diesfalls, um die Vo-

rinstanz auf ihre verfahrensrechtlichen Pflichten aufmerksam zu machen. 

Auch eine Häufung von für sich allein weniger gewichtigen Verfahrensfeh-

lern kann dazu führen, dass das Verfahren insgesamt als derart mangelhaft 

bezeichnet werden muss, dass eine Heilung im Rechtsmittelverfahren aus-

geschlossen ist. 

6.2 Eine Kassation ist vorliegend bereits angesichts der durch die Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs und des Untersuchungsgrundsatzes gehäuft 

aufgetretenen Verfahrensfehler gerechtfertigt. Hinzu kommt, dass der In-

struktionsrichter der Vorinstanz unter Hinweis auf das Urteil E-3361/2014 

vom 6. Mai 2015 (damals zur Publikation vorgesehen) Gelegenheit gab, 

Stellung zu nehmen, das SEM sich jedoch nicht veranlasst sah, auf den 

Hinweis in seiner Vernehmlassung einzugehen. Die angefochtene Verfü-

gung ist deshalb aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an 

die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang 

des Verfahrens braucht nicht geklärt zu werden, ob die im Zusammenhang 

D-3736/2015 

Seite 21 

mit der Anhörung des Beschwerdeführers erhobenen – prima facie jeden-

falls nicht von vornherein unbegründet erscheinenden – Rügen im Lichte 

der diesbezüglich bei unbegleiteten Minderjährigen zu beachtenden Fak-

toren (vgl. BVGE 2014/30) begründet sind.  

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG).  

7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechts-

vertreterin hat die Kosten in der Beschwerde und der Replik aufgeführt. 

Der darin geltend gemachte Zeitaufwand von zehneinhalb Stunden sowie 

eine Pauschale von Fr. 54.–, erscheinen angemessen. Der Stundenansatz 

von Fr. 194.– bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. 

Das SEM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 2091.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurich-

ten. 

7.3 Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 29. Juni 2015 die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a 

AsylG gewährt. Die öffentlichrechtliche Entschädigung des Rechtsbeistan-

des kommt jedoch bei einer zugesprochenen Prozessentschädigung ledig-

lich subsidiär zum Tragen. Es ist deshalb kein amtliches Honorar zuzuspre-

chen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3736/2015 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 6. Mai 2015 wird aufgehoben und die Sache 

im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückge-

wiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2091.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

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