# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c556bbe2-eb12-57ec-b431-2cd4b9d97f69
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-10-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.10.2017 E-4655/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4655-2015_2017-10-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4655/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  O k t o b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Gérard Scherrer, Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokatur-

büro, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. Juni 2015 / N (…). 

 

 

 

E-4655/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat am (…) über den 

Flughafen Colombo und gelangte über Italien am 3. Juli 2013 in die 

Schweiz. Am 5. Juli 2013 ersuchte er im Empfang- und Verfahrenszentrum 

Basel um Asyl. Dort fand am 11. Juli 2013 die Befragung zur Person (BzP; 

Protokoll in den SEM-Akten: A3/10) statt. Mit Verfügung vom 14. Au-

gust 2013 beendete das SEM das am 18. Juli 2013 eingeleitete Dublin-

Verfahren mit Italien und entschied, das Asyl- und Wegweisungsverfahren 

des Beschwerdeführers in der Schweiz durchzuführen. Am 17. Feb-

ruar 2015 wurde er zu seinen Asylgründen angehört (Protokoll in den SEM-

Akten: A16/17).  

A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen an, er sei tamilischer Ethnie und in B._______ geboren und 

aufgewachsen. Im Verlaufe der kriegerischen Auseinandersetzungen sei 

er im (…) während einer Razzia von einem Armeeangehörigen verhaftet 

und für einen Tag im C._______ Armee-Camp festgehalten worden, da 

man ihn verdächtigt habe, Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam 

(LTTE) zu sein. In der Folge sei ihm eine Meldepflicht aufgelegt worden, 

wobei er für (…) wöchentlich beim genannten Camp habe erscheinen müs-

sen. Aufgrund dieser Situation, und generell wegen der prekären Sicher-

heitslage, habe ihm ein Freund der Familie eine Arbeitsbewilligung in 

D._______ besorgt. Seine Mutter habe die sri-lankischen Behörden so-

dann davon überzeugen können, dass der Beschwerdeführer keine Ver-

bindungen zur LTTE aufweise. Nachdem er von den Behörden eine Reise-

genehmigung erhalten habe, habe er Sri Lanka im (…) verlassen und bis 

im (…) in D._______ gelebt. Dort habe er als (…) und (…) gearbeitet. Wäh-

rend dieser Zeit habe er auch einmal Sri Lanka besucht, vom (…) bis am 

(…). Am (…) sei er dann wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt, weil er ein 

(…) habe eröffnen wollen. Freunde beziehungsweise Soldaten des 

C._______-Armeecamps hätten ihn aber als Spitzel gewinnen wollen. Er 

habe in der Folge auch kleinere Arbeiten für den (…) ausgeführt, etwa Ad-

ressen und Angaben zu ehemaligen LTTE-Mitgliedern zusammengetragen 

und Personen transportiert. Er habe diese Tätigkeit aber nicht weiterführen 

wollen beziehungsweise habe er anderen Personen keine Gewalt antun 

wollen, weshalb er am (…) wieder nach D._______ ausgereist sei. Am (…) 

sei er wieder nach Sri Lanka gereist, um das Land schliesslich am (…) zu 

verlassen. Bei den jeweiligen Ein- und Ausreisen habe er keine Probleme 

mit den sri-lankischen Behörden gehabt.  

E-4655/2015 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 26. Juni 2015 – eröffnet am 29. Juni 2015 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte 

sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der 

Schweiz und deren Vollzug an.  

Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dem Beschwerdeführer 

könne nicht geglaubt werden, dass er Sri Lanka im (…) wegen Problemen 

mit den sri-lankischen Behörden verlassen habe, zumal nicht seit seinem 

Aufenthalt in D._______. Die für (…) geltend gemachten Ereignisse seien 

mangels Kausalzusammenhang zur Ausreise nicht asylrelevant und hin-

sichtlich einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung bestünden trotz 

seiner Ethnie, Herkunft aus dem Norden Sri Lankas, seinem Alter sowie 

der kurzen Festnahme (…) und der inzwischen (…)jährigen Landesabwe-

senheit keine hinreichender Anlass zur Annahme, bei einer Rückkehr habe 

er Massnahmen zu befürchten, die über einen sogenannten Background 

Check hinausgingen. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich als zuläs-

sig, zumutbar und möglich. 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 6. Juli 2015 zeigte der Rechtsvertreter des Beschwer-

deführers dem SEM die Übernahme des Mandats an und ersuchte um voll-

ständige Einsicht in die gesamten Asylakten. 

C.b Mit Zwischenverfügung vom 13. Juli 2015 gewährte das SEM dem 

Rechtsvertreter Akteneinsicht soweit es diese nicht mit der Begründung 

ablehnte, wesentliche öffentliche oder private Interessen erforderten die 

Geheimhaltung oder es handle sich um interne Akten, die nach der bun-

desgerichtlichen Praxis dem Akteneinsichtsrecht nicht unterstünden. Die-

ser Zwischenverfügung legte es eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie 

Kopien der zur Einsicht gegebenen Akten bei. 

D.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 29. Juli 2015  be-

antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung und die Rückweisung der Sache an das SEM, wegen Verletzung des 

Anspruches auf rechtliches Gehör, eventuell wegen Verletzung der Be-

gründungspflicht, eventuell zur Feststellung des vollständigen und richti-

gen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung, eventuell un-

ter der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von 

E-4655/2015 

Seite 4 

Asyl, eventuell betreffend die Ziffern 3 und 4 (recte wohl 4 und 5) und Fest-

stellung der Unzulässigkeit oder zumindest Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei ihm vollständige Ein-

sicht in die gesamten Asylakten zu gewähren, es sei ihm nach Gewährung 

der Akteneinsicht eine angemessene Frist zur Einreichung einer Be-

schwerdeergänzung anzusetzen, und es sei das zuständige Spruchgre-

mium bekanntzugeben. Weiter sei seine gesundheitliche Situation im Rah-

men einer medizinischen Behandlung und eines spezialärztlichen Berichts 

abzuklären, und es sei ihm eine angemessene Frist anzusetzen, um Be-

lege zum überdurchschnittlichen Vermögen seiner Familie und zusätzliche 

Informationen und Unterlagen zu den durch ihn verratenen Personen und 

mit ihm für die sri-lankische Armee tätigen Mitaktivsten beibringen zu kön-

nen. 

Der Beschwerde wurde ein vom Rechtsvertreter selbst verfasster Länder-

bericht zur aktuellen Lage in Sri Lanka sowie eine CD-Rom, mit den im 

Bericht enthaltenen Quellenangaben in elektronischer Form, beigelegt.  

Auf die Begründung der Rechtsmitteleingabe wird, soweit für den Ent-

scheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  

D. 

Mit Zwischenverfügung vom 17. August 2015 stellte das Bundesverwal-

tungsgericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfah-

rens in der Schweiz abwarten, gab ihm die Zusammensetzung des voraus-

sichtlichen Spruchgremiums bekannt und forderte ihn auf, einen Kosten-

vorschuss einzubezahlen. 

E.   

Am 1. September 2015 bezahlte der Beschwerdeführer den geforderten 

Kostenvorschuss fristgemäss ein.   

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2015 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht das Gesuch um Einsicht in die Seite 8 der Akte A3/10 gut und 

räumte dem Beschwerdeführer Gelegenheit ein, eine Stellungnahme ein-

zureichen. Die weiteren Anträge, namentlich betreffend die geforderten Ab-

klärungen der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers und das 

Beibringen von weiteren Beweismitteln, lehnte es ab.  

E-4655/2015 

Seite 5 

G.  

Mit Eingabe vom 1. Oktober 2015 nahm der Beschwerdeführer zum offen-

gelegten Aktenstück Stellung.  

H.  

H.a Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2016 lud das Bundesverwal-

tungsgericht die Vorinstanz ein, zur Beschwerde vom 29. Juli 2015 eine 

Vernehmlassung einzureichen.  

H.b Am 21. Januar 2016 liess sich das SEM vernehmen.  

H.c Mit Replik vom 8. Februar 2016 nahm der Beschwerdeführer zur vo-

rinstanzlichen Vernehmlassung Stellung. Der Eingabe legte er insbeson-

dere die folgenden Beweismittel bei: 

– einen Arztbericht von Dr. med. E._______, Fachärztin der Psychiatri-

schen Klinik F._______, und G._______, Assitenzarzt der Psychiatri-

schen Klinik F._______, vom 29. Juli 2015; 

– einen Fahrzeugausweis eines Motorrads, das der Beschwerdeführer 

(…) gekauft habe, in Kopie und in fremder Sprache; 

– zwei Grundstücksurkunden betreffend das Elternhaus des Beschwer-

deführers und eine (…)plantage, in Kopie und in fremder Sprache; 

– eine Fotographie, welche das Elternhaus des Beschwerdeführers in Sri 

Lanka zeige; 

– einen vom Rechtsvertreter verfassten aktualisierten Länderbericht vom 

22. Januar 2016 zur Situation in Sri Lanka, insbesondere der Verände-

rungen seit der Wahl des neuen Präsidenten, sowie eine CD-ROM mit 

weiteren Unterlagen. 

I.  

Mit Eingabe vom 11. März 2016 reichte der Beschwerdeführer weitere Be-

weismittel, namentlich insgesamt 11 Fotographien des Elternhauses des 

Beschwerdeführers, zwei Grundstücksbesitzurkunden in Kopie, samt 

Übersetzung in die englische Sprache, sowie weitere Dokumente, welche 

den Reichtum der Familie belegen würden, ein. 

 

E-4655/2015 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend - endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht können entsprechend die Verletzung von 

Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermes-

sens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts gerügt werden. Soweit das Ausländerrecht anzu-

wenden ist, kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 

Abs. 1 AuG [SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG, Art. 96 AuG; vgl. auch BVGE 

2014/26 E. 5.4 f.). 

3.  

Vorab ist der bisher unbehandelte Antrag auf Einreichung einer Beschwer-

deergänzung abzuweisen, weil im vorliegenden Verfahren weder ein aus-

sergewöhnlicher Umfang noch eine besondere Schwierigkeit im Sinne von 

Art. 53 VwVG erkennbar sind. 

  

E-4655/2015 

Seite 7 

4.  

In der Beschwerde werden diverse formelle Rügen erhoben, welche vorab 

zu beurteilen sind, da sie – sofern begründet – allenfalls geeignet wären, 

eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Vorab ist fest-

zuhalten, dass eine allfällige Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht 

durch die Zwischenverfügung des SEM vom 13. Juli 2015 als geheilt be-

trachtet werden, nachdem auf Beschwerdeebene mit Zwischenverfügung 

vom 16. September 2015 Einsicht in die Seite 8 der Akte A3/10 gegeben 

worden ist und der Beschwerdeführer Gelegenheit zur Stellungnahme er-

hielt, wovon er auch Gebrauch machte. 

4.1   

4.1.1 Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, die BzP sei äusserst kurz 

ausgefallen, wobei das SEM dem Beschwerdeführer kaum Rückfragen ge-

stellt habe. Im Rahmen der Anhörung habe der Beschwerdeführer mehr-

mals erwähnt, dass er nur oberflächlich befragt worden sei. Von Seiten des 

Übersetzers sei während der BzP sodann Druck auf ihn ausgeübt worden, 

schnell und zusammenfassend zu erzählen. Damit sei das rechtliche Ge-

hör verletzt worden, zumal das SEM aus diesen Ausführungen Widersprü-

che abgeleitet habe. In der Stellungnahme vom 1. Oktober 2015 merkte er 

weiter an, die inzwischen offengelegte Seite 8 des Befragungsprotokolls 

bestätige die – auch im Verhältnis zu anderen Befragungen – sehr kurze 

Dauer.  

4.1.2 Das in Art. 30 VwVG verbriefte Recht auf Anhörung umfasst als Teil-

gehalt des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 

Abs. 1 VwVG) das Recht auf Orientierung und Äusserung, und ist bei der 

Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts von herausragender Be-

deutung. Im Gegensatz zum normalen Verwaltungsverfahren – welches 

keinen Anspruch auf mündliche Äusserung kennt – hat die asylsuchende 

Person in ihrem Verfahren im Sinne von Art. 29 Abs. 1 AsylG grundsätzlich 

das Recht, wenigstens einmal mündlich ihre Asylgründe vorzubringen und 

umfassend darzulegen (vgl. Urteil des BVGer D-3914/2013 vom 

30. Juli 2013 E. 4; BVGE 2007/30 E. 5.5). Die BzP dient allerdings in 

erster Linie dem Zweck, festzustellen, ob überhaupt ein Asylgesuch vor-

liegt, sowie einer ersten Triage (etwa im Hinblick auf die Einleitung eines 

Dublin-Verfahrens). Bei der Anhörung, welche als wichtigste Grundlage für 

den Entscheid im Asylverfahren bezeichnet werden kann, erhält der Be-

schwerdeführer die Möglichkeit, sein Gesuch zu begründen und sich um-

fassend zu seinen Asylgründen zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.5).  

E-4655/2015 

Seite 8 

Zwar kann die BzP für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der vorgebrach-

ten Asylgründe aufgrund ihres Zwecks und des summarischen Charakters 

tatsächlich nur mit Zurückhaltung herangezogen werden (vgl. dazu Ent-

scheide und Mitteilungen der Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 7 

E. 6.2.1 S. 66 und dort zitierte, auch beim Bundesverwaltungsgericht wei-

terhin geltende Praxis). Vorliegend wurden dem Beschwerdeführer indes-

sen die Widersprüche – wobei es sich im Übrigen offensichtlich nicht um 

geringfügige Unstimmigkeiten handelt – auch im Verlaufe der Anhörung 

selbst entgegengehalten und er erhielt Gelegenheit, sich dazu zu äussern 

(vgl. u.a. A16/17 F100 f.). Schliesslich stützte das SEM seine Qualifikation 

der Vorbringen als unglaubhaft auf eine Gesamtwürdigung, im Wesentli-

chen aber auf weitere Elemente, wie Widersprüche innerhalb der Anhörung 

selbst oder aber Realitätsferne der Vorbringen. Aus dem Befragungsproto-

koll ist sodann nicht ersichtlich, dass von Seiten des SEM auf den Be-

schwerdeführer in unzulässiger Weise Druck ausgeübt worden wäre, sich 

bei der Schilderung zu den Asylgründen möglichst kurz zu halten (vgl. 

A3/7). Das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers wurde unter diesem 

Aspekt offensichtlich nicht verletzt.  

4.2   

4.2.1 Unter dem Titel einer Verletzung der Begründungspflicht wird sodann 

eingewendet, der Beschwerdeführer sei während den Befragungen, insbe-

sondere während der Anhörung zu den Asylgründen vom 17. Februar 

2015, geistig angeschlagen gewesen, was dem SEM hätte auffallen müs-

sen. Die offensichtlichen Widersprüche, die nicht bestritten würden, bezie-

hungsweise das widersprüchliche Aussageverhalten des Beschwerdefüh-

rers sei auf eine psychische Problematik zurückzuführen, welche der Be-

schwerdeführer im Verlaufe der Verarbeitung seiner Rolle bei seiner Tätig-

keit für die sri-lankische Armee und der damit einhergehenden Schuldge-

fühle, entwickelt habe. Entsprechend hätte das SEM die Aussagen des Be-

schwerdeführers nicht anhand einer standardisierten Glaubhaftigkeitsprü-

fung analysieren dürfen, sondern wäre gehalten gewesen, alternativ vor-

zugehen. Jedenfalls sei die Aussageweise des Beschwerdeführers ange-

sichts seines psychischen Zustandes nachvollziehbar und könne sich nicht 

negativ auf seine Glaubwürdigkeit auswirken. Indem das SEM genau dies 

getan habe, habe es die Begründungspflicht verletzt. Die psychische Ver-

fassung hätte vom SEM zudem abgeklärt werden müssen.  

Im Rahmen der Replik vom 8. Februar 2016 führte der Beschwerdeführer 

ergänzend aus, der nun eingereichte Arztbericht belege, dass der Be-

schwerdeführer unter psychischen Beschwerden leide. Im Rahmen des 

E-4655/2015 

Seite 9 

erstinstanzlichen Asylverfahrens sei es ihm aus Scham nicht möglich ge-

wesen, darüber zu sprechen, zumal psychische Krankheiten in Sri Lanka 

stark stigmatisiert seien.  

Im erwähnten Arztbericht befänden sich allerdings Übersetzungs- bezie-

hungsweise Verständigungsfehler. So stimme die dortige Angabe, der Be-

schwerdeführer sei während neun Monaten in Sri Lanka in Haft gewesen, 

und er habe in seiner Heimat eine Lehre als (…) gemacht, nicht mit den 

Ausführungen in den Befragungen überein. Der Rechtsvertreter habe den 

Beschwerdeführer im Rahmen einer Besprechung auf diese Widersprüche 

angesprochen und dieser habe ausgeführt, beim Arzt dieselben Angaben 

wie bei den Befragungen gemacht zu haben. Der deutsch-tamilische Über-

setzer habe den Rechtsanwalt in der Folge darauf hingewiesen, dass der 

Beschwerdeführer schlecht tamilisch spreche, was wohl auf seine lange 

Landesabwesenheit zurückzuführen sei. Die Widersprüche seien jeden-

falls damit zu erklären. Darüber hinaus sei davon auszugehen, dass die 

sprachliche Einschränkung des Beschwerdeführers sein Aussageverhal-

ten beeinflusst habe und die Widersprüche während der Befragung res-

pektive Anhörung womöglich erklären würde.  

4.2.2 Ferner wird gerügt, das SEM habe weitere rechtserhebliche Sachver-

haltselemente – so das Engagement des Beschwerdeführers zugunsten 

der sri-lankischen Armee sowie den Reichtum der Familie – nicht vollstän-

dig abgeklärt und es in unterschiedlichen Punkten, etwa in Bezug auf die 

Relevanz des Verdachts einer Unterstützung der LTTE seitens des Be-

schwerdeführers oder seines langjährigen Auslandaufenthalts, unterlas-

sen, vertiefende Hintergrundinformationen beizuziehen.  

4.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den 

Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b 

VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. Un-

richtig ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Ver-

fügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zu-

grunde gelegt worden ist. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, 

wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sach-

verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Ent-

scheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt worden sind (vgl. dazu 

BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2008, Art. 49 N. 28). Ihre 

Grenze findet die Untersuchungspflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht 

der asylsuchenden Person (vgl. Art. 8 AsylG). 

E-4655/2015 

Seite 10 

Der bereits erwähnte Grundsatz des rechtlichen Gehörs verlangt, dass die 

verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorg-

fältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was 

sich entsprechend auch in der Entscheidbegründung niederschlagen muss 

(vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so 

abgefasst sein, dass der oder die Betroffene ihn gegebenenfalls sachge-

recht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der oder die 

Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Ent-

scheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, in: Kommen-

tar zum VwVG, 2008, Art. 35 N. 6 ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6). 

4.3.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe die 

dargelegten Verfahrensgrundsätze verletzt, indem sie die Möglichkeit einer 

psychischen Beeinträchtigung nicht abgeklärt und nicht berücksichtigt 

habe, hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest:  

Aus dem mit Eingabe vom 8. Februar 2016 eingereichten Arztbericht ergibt 

sich, dass sich der Beschwerdeführer am 23. Juli 2015 in psychiatrische 

Behandlung begeben hat. Die behandelnden Ärzte hielten als Diagnose 

fest, es bestehe ein (…) (F32.1-2) bei vermutlich (…) nach negativem Asyl-

entscheid (vgl. Arztbericht von Dr. med. E._______ und G._______, a.a.O., 

vom 29. Juli 2015, S. 1 f.). Vorab fällt auf, dass der Bericht von gut fünf 

Monaten nach der Anhörung stammt, weshalb sich daraus von vornherein 

nur beschränkt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Beschwer-

deführers während dieser Anhörung ziehen lassen. Weshalb der vom 

29. Juli 2015 datierende Bericht dann dem Gericht erst im Februar 2016 

eingereicht wurde, ist ferner nicht nachvollziehbar. Unabhängig davon, wird 

aus den Akten weder ersichtlich, dass der Beschwerdeführer nach Juli 

2015 weiterhin in psychologischer Behandlung gestanden noch, dass sich 

der Diagnoseverdacht tatsächlich bestätigt hätte. Sodann ist anzumerken, 

dass die Diagnose beziehungsweise der entsprechende Verdacht, wie der 

Beschwerdeführer selbst einräumte, auf der falschen Anamnese beruhte, 

er sei in Sri Lanka für neun Monate in Haft gewesen und habe dort Gewalt 

erlitten (vgl. Replik 8. Februar 2016 S. 4 ff.), was insbesondere in Bezug 

auf die Vermutung einer (…) relevant gewesen sein dürfte. Dem Beschwer-

deführer gelingt es unter diesen Umständen nicht, eine psychische Erkran-

kung darzulegen, die auf sein Aussageverhalten während der Befragung 

und der Anhörung einen entscheidenden Einfluss gehabt hätte; dass der 

negative Asylentscheid den gesundheitlichen Zustand des Beschwerde-

führers vorübergehend beeinträchtigt haben könnte, ist unstrittig und ein 

bekanntes und nachvollziehbares Phänomen.  

E-4655/2015 

Seite 11 

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift sind auch dem Be-

fragungs- und dem Anhörungsprotokoll keine Hinweise auf eine psychi-

sche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers zu entnehmen, die an einer 

Verwertbarkeit seiner protokollierten Aussagen zweifeln liessen. Für die 

Vorinstanz bestand somit kein Anlass, diesbezüglich weitere Abklärungen 

vorzunehmen, zumal auch die Hilfswerksvertreung keinerlei Bemerkungen 

anbrachte. Soweit der Beschwerdeführer in diesem Rahmen weitere Ein-

wände erhebt, sind diese als Kritik an der Glaubhaftigkeitsprüfung zu wer-

ten und deshalb im Rahmen der Beurteilung der materiellen Rügen zu be-

handeln. 

Was die vorgebrachten sprachlichen Einschränkungen des Beschwerde-

führers betrifft, so ergeben sich aus den Akten keine hinreichenden An-

haltspunkte darauf, dass solche sein Aussageverhalten wesentlich beein-

flusst hätten, oder dass es im Rahmen der Übersetzung zu Fehlern gekom-

men wäre. Zwar wird im eingereichten Arztzeugnis vom 29. Juli 2015 da-

rauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer teilweise deutlich verlang-

samt, etwas oberflächlich und einsilbig antworte sowie Mühe zu haben 

scheine, dem Gespräch richtig zu folgen (vgl. Arztbericht von Dr. med. 

E._______ und G._______, a.a.O., S. 2). Daraus alleine lässt sich aber 

nicht schliessen, beim Beschwerdeführer hätten – zumal im Zeitpunkt der 

Befragungen - Kommunikations- oder Verständigungsschwierigkeiten in ei-

nem Umfange vorgelegen, welche die Widersprüche in seinen Aussagen 

erklären würden. Der Beschwerdeführer gab am Anfang der jeweiligen Be-

fragungen zudem an, dass er den Dolmetscher gut verstehe (vgl. A3/2; 

A16/1 F1). Sodann wurden ihm seine Aussagen rückübersetzt, und er be-

stätigte die Richtigkeit des Protokolls mit seiner Unterschrift (vgl. A3/8, 9; 

A16/4). Damit erweist sich die Rüge des Vorliegens von sprachlichen Prob-

lemen und Übersetzungsfehlern in entscheidendem Umfang nicht stichhal-

tig.  

4.3.2 Der Sachverhalt kann im  Übrigen als hinreichend abgeklärt und 

vollständig erfasst gelten. So ist zunächst festzuhalten, dass auch die dies-

bezüglich konkret angeführten Argumente mehrheitlich eine Kritik an der 

Würdigung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz und mithin in der Sa-

che darstellen. Dies gilt etwa bezüglich dem Vorwurf der mangelhaften 

Länderkenntnisse des SEM-Mitarbeiters, wobei sich ohnehin alleine aus 

einer fehlenden Auseinandersetzung mit den vom Rechtsvertreter ange-

führten Punkten noch nicht auf so etwas schliessen lässt. Betreffend den 

Einwand, das SEM hätte in Bezug auf das Engagement des Beschwerde-

führers zugunsten der sri-lankischen Armee sowie auf das Vermögen der 

E-4655/2015 

Seite 12 

Familie weitere Abklärungen treffen müssen, ist darauf hinzuweisen, dass 

sich die Vorinstanz bei der Sachverhaltsabklärung auf die rechtserhebli-

chen Elemente beschränken darf. Es ist nicht ersichtlich, weshalb das SEM 

diesbezüglich weitere Massnahmen hätte treffen müssen, zumal es diese 

Umstände gar nicht bestreitet.  

4.3.3 Die Begründung des Entscheides ist schliesslich insgesamt so abge-

fasst, dass sich der Beschwerdeführer über die Tragweite der Verfügung 

ein Bild machen und diese offensichtlich auch sachgerecht anfechten 

konnte. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM seiner Begründungs-

pflicht nicht nachgekommen wäre.  

4.4 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet 

und es besteht keine Veranlassung eine „alternative“ Glaubhaftigkeitsprü-

fung durchzuführen, sprachliche Einschränkungen des Beschwerdeführers 

abzuklären, ihn noch einmal anzuhören oder besondere Länderinformatio-

nen beizuziehen. Die entsprechenden Anträge sind abzuweisen. Der An-

trag, die angefochtene Verfügung sei aus formellen Gründen aufzuheben 

und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen 

ist ebenfalls abzuweisen. Soweit sich die Kritik des Beschwerdeführers auf 

die Beweiswürdigung bezieht, ist in den nachgehenden Erwägungen da-

rauf einzugehen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

E-4655/2015 

Seite 13 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger 

Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 f. 

und BVGE 2012/5 E. 2.2). 

6.  

6.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids befand die Vorin-

stanz, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien entweder nicht glaub-

haft ausgefallen oder nicht asylrelevant, weshalb er die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle.  

Was seine Ausführung in Bezug auf die Rekrutierung durch den sri-lanki-

schen (…) anlässlich seiner Rückkehr nach Sri Lanka im (…) betreffe, 

seien diese krass widersprüchlich ausgefallen. So habe er in der BzP aus-

geführt, er habe damals für ein (…)geschäft arbeiten wollen. Als er mit 

Freunden unterwegs gewesen sei, hätten diese gesagt, er könne einer 

besser bezahlten Arbeit beim (…) nachgehen. Er sei jedoch gegen diese 

Arbeit gewesen, weil man dort „Gewalt gegen andere Personen“ habe aus-

üben müssen. Auch seine Mutter sei dagegen gewesen. In der Folge habe 

er „viele Probleme“ gehabt. Auf Nachfrage hin habe ergänzt, er habe für 

diese Freunde arbeiten müssen. Zusammen mit (…) habe er „mit dem Mo-

torrad hinfahren und Leute zusammenschlagen müssen, die seine 

Freunde nicht gemocht hätten.“ Dies habe er nicht tun wollen. Bei der An-

hörung habe der Beschwerdeführer dagegen vorgebracht, der (…) – Leute 

in Armeekleidern – hätten ihn in jenen Ferien in Sri Lanka aufgefordert, mit 

ihm zusammenzuarbeiten. Seine Mutter sei damit nicht einverstanden ge-

wesen und habe ihm nicht erlaubt, mit der Armee zusammen zu arbeiten. 

Er sei „ständig belästigt“ worden, weshalb er nach vier Monaten Aufenthalt 

in Sri Lanka wieder nach D._______ zurückgekehrt sei. Im späteren Ver-

lauf der Anhörung habe er zuerst ausgeführt, er sei „unzählige Male“ ins 

nahe gelegene Armeecamp von C._______ vorgeladen worden. In einem 

„zivilen Armeebüro“ sei er mehrmals aufgefordert“ worden, „beizutreten 

und mitzumachen“. Es seien jeweils Armeeangehörige zu ihm nach Hause 

gekommen und hätten ihn mündlich vorgeladen. Wenn man ihm dieses 

Angebot gemacht habe, habe er jeweils „gelogen“ und „immer wieder ge-

sagt“, dass er zum Mitmachen bereit sei. Auf Nachfrage habe er zuerst 

E-4655/2015 

Seite 14 

verneint, etwas für die Armee gemacht zu haben, um etwas später zu er-

klären, er habe kleine Aufgaben wie „Adressen recherchieren“ erledigt. 

Schliesslich habe er zu Protokoll gegeben, er habe Informationen be-

schafft, indem er „ehemalige LTTE Mitglieder kontaktiert“ habe. Zudem 

habe er manchmal auf seinem Motorrad Leute – hauptsächlich LTTE-An-

gehörige – für die Armee transportiert. Diese Arbeiten habe er zwei Wo-

chen nach seiner damaligen Ankunft in Sri Lanka angenommen und unge-

fähr eine Woche vor seiner Wiederausreise nach D._______ im (…) been-

det.  

Auf Vorhalt der Unvereinbarkeit dieser Aussagen bei der BzP mit jenen an 

der Anhörung, habe der Beschwerdeführer angeführt, er habe „niemanden 

geschlagen“. Manchmal habe er Gefangene transportiert, die nach seinem 

Transport „durch die Armee verprügelt“ worden seien. Diese Erklärung sei 

indessen nicht geeignet, die völlig unterschiedlichen Aussagen unter einen 

Hut zu bringen respektive die krassen Widersprüche zu entkräften. Zudem 

seien seine Vorbringen auch innerhalb der Anhörung völlig unterschiedlich 

ausgefallen, indem er zuerst verneint habe, Tätigkeiten für die Armee aus-

geübt zu haben und dann gerade solche Tätigkeiten über einen längeren 

Zeitraum geltend gemacht habe. Zum anderen seien die Vorbringen auch 

realitätsfern, so dass zusammenfassend nicht geglaubt werden könne, 

dass der Beschwerdeführer Sri Lanka im (…) verlassen habe, weil er dort 

von Problemen seitens der Armee betroffen gewesen sei oder solche zu 

befürchten gehabt habe. Angesichts dessen – und vor dem Hintergrund 

seiner Reisen zwischen Sri Lanka und D._______ – dränge sich der 

Schluss auf, dass er Sri Lanka legal verlassen habe und nach wie vor im 

Besitz seines – teilweise in Kopie eingereichten – Reisepasses sei, den er 

den schweizerischen Asylbehörden vorenthalte.  

Auch das Vorbringen, wonach er (…) einer (…) dauernden, oftmals tägli-

chen, Meldepflicht unterstellt worden sei, sei als unglaubhaft einzustufen. 

So sei es angesichts der damaligen Situation in Sri Lanka zwar möglich, 

dass er anlässlich einer Kontrolle im Dorf von der Armee festgenommen 

worden sei. Der Umstand, dass man ihn bereits nach einem Tag auf freien 

Fuss gesetzt habe, sei aber ein klares Indiz dafür, dass die Armee ihn of-

fensichtlich nicht verdächtigt habe, den LTTE anzugehören respektive mit 

ihnen etwas zu tun zu haben, da er ansonsten länger in Haft genommen 

worden wäre. Angesichts dessen sei die geltend gemachte intensive Mel-

depflicht während Monaten, als realitätsfremd einzustufen.  

E-4655/2015 

Seite 15 

Die Festnahme (…) habe sodann bei der Ausreise bereits (…) Jahre zu-

rückgelegen, weshalb es ihr am in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft 

geforderten Kausalzusammenhang fehle, zumal dieser Eingriff auch kei-

nen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dargestellt habe. Auch 

die Flugreise von H._______ nach I._______ mache im Übrigen deutlich, 

dass die sri-lankischen Sicherheitsbehörden zum damaligen Zeitpunkt kein 

Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt hätten, da er ansons-

ten keine Clearance für den Flug erhalten hätte.  

Die (…)jährige Landesabwesenheit sowie die Zugehörigkeit zur tamili-

schen Ethnie reichten nicht aus, um bei der Rückkehr von Verfolgungs-

massnahmen auszugehen. Die Herkunft des Beschwerdeführers aus dem 

Norden Sri Lankas, sein Alter sowie die kurze Festnahme seien zwar Risi-

kofaktoren, es bestehe deshalb jedoch noch kein hinreichend begründeter 

Anlass zur Annahme, dass er Massnahmen zu befürchten hätte, welche 

über einen sogenannten Background Check (Befragungen, Überprüfung 

von Auslandaufenthalten und Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland) hin-

ausgehen würden. 

6.2 Auf Beschwerdeebene räumte der Beschwerdeführer ein, dass es in 

seinen Aussagen zu Widersprüchen gekommen sei, diese seien jedoch  

mit seinen psychischen Problemen erklärbar. Ein Armee-Engagement ei-

nes jungen hinduistischen Tamilen aus dem Norden Sri Lankas sei äus-

serst ungewöhnlich und nicht nur die daraus resultierende Verfolgungs-

struktur, sondern auch die persönliche Verarbeitung einer solchen Tätigkeit 

stelle sich äusserst komplex dar. So hätten sich beim Beschwerdeführer – 

nachdem er unter anderem aus Naivität und Geldgier andere Tamilen an 

die sri-lankische Armee verraten habe – starke Schuldgefühle eingesetzt, 

als er realisiert habe, welche Konsequenzen sein Verrat für die Betroffenen 

gehabt habe. Der Beschwerdeführer versuche sein Engagement seither 

auf die Ebene des Zwanges zu verschieben, könne aber dennoch schlecht 

mit der ihn treffenden Schuld umgehen. Er versuche, viel zu verdrängen, 

weshalb es ihm nicht möglich sein, stringente Aussagen zu machen. Seine 

ambivalenten Aussagen seien darauf zurückzuführen.  

Unter diesen Umständen seien die Kernvorbringen des Beschwerdefüh-

rers – nämlich, dass er (…) für einen Tag inhaftiert und danach einer 

(…)monatigen Meldepflicht unterstellt worden sei sowie sich (…) dem 

mehrmonatigen Engagement für die sri-lankische Armee entzogen habe – 

glaubhaft. Damit sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in 

den Augen der sri-lankischen Behörden als Verräter, Überläufer und vor 

E-4655/2015 

Seite 16 

allem Zeuge von Menschenrechtsverletzungen gelte. Mit einem solchen 

Profil habe er eine massive Verfolgung seitens des sri-lankischen Staates 

zu befürchten.  

Der Beschwerdeführer sei sodann der (…) Sohn einer wohlhabenden Fa-

milie in Sri Lanka und müsse deshalb jeder Zeit mit einer Entführung 

zwecks Lösegelderpressung rechnen. Schliesslich gehöre der Beschwer-

deführer der sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylgesuch-

steller an. Als solcher würde er bei der Rückkehr nach Sri Lanka mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund eines Generalverdachts der Unter-

stützung der LTTE durch die sri-lankischen Behörden verhaftet und unter 

Anwendung von schwerer Folter verhört und für unbestimmte Zeit inhaftiert 

werden. Darüber hinaus sei der Beschwerdeführer bereits zu einem frühe-

ren Zeitpunkt als Unterstützer der LTTE verdächtigt und einer Meldepflicht 

unterstellt worden. Damit sei er bei den sri-lankischen Behörden aktenkun-

dig, was bei einer Wiedereinreise aus einem bekannten Diasporaland ge-

gen ihn verwendet werde.   

7.  

7.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-

langt, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden entweder den Anfor-

derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen oder 

seien nicht asylrelevant. Auf die betreffenden Erwägungen der Vorinstanz 

in der angefochtenen Verfügung kann zur Vermeidung von Wiederholun-

gen verwiesen werden (vgl. Zusammenfassung oben E. 6.1). Die Argu-

mentation in der Beschwerde führt zu keiner anderen Betrachtungsweise. 

Der Beschwerdeführer bestritt die vom SEM aufgezeigten Widersprüche in 

der Rechtsmitteleingabe nicht, sondern bezeichnete seine Aussagen 

selbst als „äusserst ambivalent“ und „extrem“ widersprüchlich (vgl. Be-

schwerdeeingabe vom 29. Juli 2015 S. 9, 14).  

Zwar ist nicht ganz ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer während 

der Befragung und der Anhörung unter einer gewissen Stresssituation ge-

standen hat, indessen vermag sein Einwand, wonach seine psychische 

Verfassung derart gewesen sei, dass ihm stringente Ausführungen unmög-

lich gewesen wären, das Gericht nicht zu überzeugen. Zum einen kann auf 

das bereits unter Erwägung 4 Gesagte verwiesen werden. Zum anderen 

erklärt die Argumentation, wonach der Beschwerdeführer insbesondere 

sein Engagement für die sri-lankische Armee aufgrund von tiefgreifenden 

Schuldgefühlen zu verdrängen versuche, und deshalb über das Gesche-

hene nur bruchstückhaft und erst nach und nach habe erzählen können, 

E-4655/2015 

Seite 17 

die zentralen Widersprüche nicht. Dies zeigt sich etwa bei der Ungereimt-

heit in Bezug auf die Rekrutierung und die Tätigkeiten des Beschwerdefüh-

rers für den sri-lankischen (…). Gemäss seinen Aussagen in der BzP hät-

ten ihn seine Freunde dazu überredet für diesen zu arbeiten (A3/7); ge-

mäss den Aussagen in der Anhörung sei er von zwei zivil gekleideten Ar-

meeangehörigen auf einem Motorrad bedrängt worden beziehungsweise 

sei er von solchen zu Hause unzählige Male ins Militärcamp eingeladen 

und dabei aufgefordert worden, beizutreten (A16/8 F52 ff.). Bei der BzP 

gab er sodann an, er habe die Tätigkeit für (…) nicht machen wollen, da 

man Gewalt gegen andere Personen hätte ausüben, und er Leute, die 

seine Freunde nicht gemocht hätten, hätte zusammenschlagen müssen 

(A3/7). Eine entsprechende Aussage lässt sich dem Anhörungsprotokoll 

nicht mehr entnehmen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern diese beispielhaft 

aufgezeigten Widersprüche allein mit Verdrängungsmechanismen zu er-

klären wären. Das SEM durfte im Übrigen solche diametral voneinander 

abweichenden Aussagen in der BzP und der Anhörung – entgegen der Mei-

nung in der Rechtsmitteleingabe – bei der Glaubhaftigkeitsprüfung durch-

aus heranziehen (vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66 und dort zitierte, 

weiterhin geltende Praxis).  

Insgesamt gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, ein Verfolgungsinte-

resse seitens der sri-lankischen Behörden glaubhaft zu machen. Gemäss 

seinen eigenen Aussagen reiste er nach der Verhaftung im Jahr (…) – wel-

che das SEM nicht Frage stellt – und der nachgehenden Meldepflicht mit 

einer offiziellen Reisegenehmigung der Behörden über den Flughafen Co-

lombo legal aus Sri Lanka legal aus (vgl. A3/5, 7; A16/4 F25, 46 ff.). Dass 

dies möglich war, stellt ein starkes Indiz dafür dar, dass die sri-lankischen 

Behörden ihm keine Verbindungen zu den LTTE unterstellen. In diesem 

Zusammenhang wies der Beschwerdeführer sodann selbst darauf hin, 

dass seine Mutter die Soldaten habe überzeugen können, dass er nicht bei 

der LTTE gewesen sei (A16/7 F45). Dasselbe lässt sich im Übrigen auf den 

Ausreisezeitpunkt (…) sagen, zumal er nach der ersten legalen Ausreise 

in Richtung D._______ nochmals problemlos nach Sri Lanka zurückge-

kehrt, und einige Tage später wiederum legal ausgereist sei (A3/5, 7; 

A16/11 F76). Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, der 

Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt der Ausreise in asylrechtlich erhebli-

cher Weise verfolgt gewesen.  

7.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ferner zutreffend 

erkannt, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka 

E-4655/2015 

Seite 18 

nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asyl-

relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre. Das gilt auch für 

den heutigen Zeitpunkt.  

Das Bundesverwaltungsgericht hielt im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 

2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag 

in die „Stop-List“, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) 

seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Ent-

scheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Be-

jahung einer begründeten Furcht vor Verfolgung führen könnten. Demge-

genüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine 

zwangsweise respektive durch die International Organization for Migration 

(IOM) begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risiko-

begründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass letztere in der Regel 

für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachtei-

len zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofakto-

ren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter 

Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu be-

rücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse 

(ebd. E. 8.5.5). 

Wie vorangehend festgestellt, konnte weder das Vorbringen, wonach die 

sri-lankischen Behörden dem Beschwerdeführer eine Verbindung mit der 

LTTE unterstellt hätten noch sein Engagement für den (…) erhärtet wer-

den. Entsprechend greift auch das in der Rechtsmitteleingabe vorge-

brachte Argument nicht, es könne davon ausgegangen werden, dass der 

Beschwerdeführer in den Augen der sri-lankischen Behörden als Verräter, 

Überläufer und vor allem Zeuge für Menschenrechtsverletzungen er-

scheine. Damit liegen beim Beschwerdeführer keine der oben erwähnten 

stark risikobegründenden Faktoren vor. Allein aus seiner tamilischen Eth-

nie und der mehrjährigen Landesabwesenheit kann der Beschwerdeführer 

keine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung ableiten. Auch der Um-

stand, dass der Beschwerdeführer aus einer wohlhabenden Familie 

stammt, schärft sein Risikoprofil nicht. Abgesehen davon, dass der Be-

schwerdeführer eine damit einhergehende drohende Gefährdung (Entfüh-

rung) im vorinstanzlichen Verfahren nicht ansatzweise geltend machte, 

fehlt es dem entsprechenden Vorbringen als von rein privater Seite dro-

hender Gefährdung an einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv. 

Schliesslich ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer Zugang zu 

E-4655/2015 

Seite 19 

seinen Identitätsdokumenten hat, zumal er Kopien seines Reisepasses zu 

den Akten gereicht hat.  

Es bestehen somit keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass dem Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka im heutigen Zeitpunkt 

ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten. Dies ergibt 

sich auch nicht aus den auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismit-

teln. Es erübrigt sich, auf die weiteren Argumente in der Beschwerde im 

Einzelnen einzugehen, da sie nicht geeignet sind, zu einer anderen Ein-

schätzung zu führen. 

7.3 Zusammenfassend gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, seine 

Flüchtlingseigenschaft glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat sein Asylge-

such demzufolge zu Recht abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG nicht zulässig, 

wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der 

Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen 

E-4655/2015 

Seite 20 

Drittstaat entgegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von 

Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des 

Vollzuges beurteilt sich noch nach den allgemeinen verfassungs- und völ-

kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-

mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-

menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; 

Art. 3 EMRK). 

Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-

sungsvollzug aktuell nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil E-

1866/2015 E. 12.2). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-

rechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus-

zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch-

liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom-

men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep-

tember 2013, 10466/11, Ziff. 37).  

Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen 

sogenannten Background Check (Befragung und Überprüfung von Tätig-

keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK verbotenen Strafe 

oder Behandlung ausgesetzt wäre. Nachdem der Beschwerdeführer – wie 

in Erwägung 7.2 ausgeführt – nicht glaubhaft gemacht hat, dass er befürch-

ten müsste, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-

lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf 

sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde dort 

demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung drohen. Mit 

dem erst auf Rechtsmittelebene vorgebrachten Hinweis auf die Gefahr ei-

ner Entführung, wurde offensichtlich ebenfalls kein „real risk“ im Sinne der 

massgeblichen Rechtsprechung dargetan (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124-127 

m.w.H.). Somit erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zulässig.  

9.3 Der Vollzug der Wegweisung kann gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG unzu-

mutbar sein, wenn die beschwerdeführende Person im Heimat- oder Her-

kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner 

Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. 

E-4655/2015 

Seite 21 

Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den 

LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-

der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 

E. 13.2.1). Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen 

Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekom-

men, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des 

„Vanni-Gebiets“) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumut-

barkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder 

sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-

mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 

E. 13.2). Der Beschwerdeführer stammt nicht aus dem Gebiet des Vanni, 

sondern aus J._______. Dort leben (…) und (…) Geschwister des Be-

schwerdeführers. Die Familie ist wohlhabend und wird zudem finanziell 

vom in der Schweiz lebenden (…) beziehungsweise (…) unterstützt. Der 

Beschwerdeführer hat sodann (…) die Schule besucht und zuletzt als (…) 

und (…) gearbeitet. Für eine soziale und berufliche Wiedereingliederung 

fallen damit begünstigende Umstände ins Gewicht. Eine Rückkehr nach Sri 

Lanka dürfte sich auch in Bezug auf die gesundheitliche Situation des Be-

schwerdeführers nicht als problematisch erweisen. Insbesondere ergibt 

sich aus den Akten nicht, dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt 

noch auf eine Behandlung angewiesen wäre. 

Nach dem Gesagten ist nicht von einer konkreten Gefährdung des Be-

schwerdeführers bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auszugehen. Somit 

erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. 

9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

E-4655/2015 

Seite 22 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von 600.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der am 

1. September 2015 in gleicher Höhe eingegangene Kostenvorschuss wird 

zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4655/2015 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung 

der Verfahrenskosten verwendet.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

  

Esther Marti Sibylle Dischler 

 

 

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