# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62706079-579c-515d-82c7-52a038c217cb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-06-07
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 07.06.2013 IV 2010/449
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2010-449_2013-06-07.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2010/449

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 07.06.2013

Entscheiddatum: 07.06.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 07.06.2013
Art. 43 i.V.m. Art. 28 ATSG. Art. 59 Abs. 5 IVG Würdigung ärztlicher Berichte, 
Notwendigkeit medizinischer Reevaluation trotz Observationsergebnisse 
und laufender Strafuntersuchung. Die Ergebnisse einer zulässigen 
Observation sowie Sachverhaltskenntnisse einer laufenden 
Strafuntersuchung können geeignet sein, erhebliche Zweifel an vorherigen 
medizinischen Beurteilungen aufkommen zu lassen, vermögen jedoch in 
aller Regel eine erneute medizinische Beurteilung nicht zu ersetzen 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juni 
2013, IV 2010/449).

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Sibylle Betschart

 

Entscheid vom 7. Juni 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17, 

Postfach, 9001 St. Gallen,

gegen

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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

 

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___, geboren 1978, meldete sich am 11. Juni 2008 für berufliche Integration/

Rente bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Er gab an, unter ADS, Panikanfällen, 

Gedächtnisbeeinträchtigung, zwanghaftem Verhalten, Phobien, Paranoia sowie 

Problemen mit Zahlen und Buchstaben zu leiden ("stehe stets unter Druck"). Einen 

behandelnden Arzt nannte er nicht, wies aber darauf hin, er habe bis jetzt Hemmungen 

gehabt, möchte sich aber künftig behandeln lassen. Er sei als Hilfsarbeiter temporär bei 

B.___, im Einsatz (IV-act. 1-1 ff.).

A.b   Im Fragebogen für Arbeitgebende berichtete B.___ am 4. Juli 2008, der 

Versicherte sei als Hilfsmonteur  (Heizungen) vollzeitlich eingesetzt worden. Mit 

geistiger Arbeit habe er Mühe gehabt; körperlich sei er sehr trainiert und belastbar 

gewesen ("kerngesund", IV-act. 17-1 ff.).

A.c   Im Bericht vom 7. Juli 2008 wurde vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst 

(RAD) Ostschweiz ausgeführt, am 30. Juni 2008 habe eine RAD-Untersuchung statt­

gefunden. RAD-Arzt Dr. med. C.___ diagnostizierte den Verdacht auf Angststörung mit 

sozialphobischen und klaustrophobischen Zügen (ICD-10 F41.1), den Verdacht auf 

posttraumatische Belastungsstörung bzw. Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F43.1, 

F62.0) sowie den Verdacht auf Intelligenzminderung (ICD-10 F70) und attestierte in 

einer Hilfsarbeitstätigkeit "in einem wohlwollenden Arbeitsumfeld mit geringerem 

zwischenmenschlichem Konfliktpotential" eine 80-100 %ige Arbeitsfähigkeit. Die Be­

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einträchtigung könnte durch die Konzentrationsstörung wegen der zu vermutenden 

Intelligenzminderung bedingt sein. Aufgrund der psychischen Probleme habe der Ver­

sicherte Schwierigkeiten, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden; es sei von ihm zu 

fordern, dass er sich in psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung begebe 

(IV-act. 12-1 ff.).

A.d   Am 25. September 2008 berichtete der Berufsberater der IV-Stelle über die IQ-

Testung vom 18. und 25. September 2008. Beide Teste mussten aufgrund von Enge­

gefühl, trockenem Mund, Unwohlsein, totaler Verkrampfung sowie zeitweilig geistiger 

Abwesenheit des Versicherten abgebrochen werden. Daher konnten die erhobenen 

Testbefunde nicht verwertet werden (IV-act. 21-1 ff.).

A.e   Am 9. Februar 2009 erstatteten die Ärzte des D.___ zuhanden der IV-Stelle einen 

Arztbericht. Sie diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht 

auf Intelligenzminderung, einen Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung bzw. 

andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sowie einen Verdacht auf 

Angststörung mit soziophobischen und klaustrophobischen Zügen. Der Versicherte sei 

aktuell einer ambulanten (psychiatrisch/psychotherapeutischen) Behandlung, welche 

auch die Diagnostik weiter voranbringen könnte, nicht zuführbar. Es wurde eine seit 

27. Juli 2008 bis auf Weiteres bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit im Beruf des 

Hilfsarbeiters bescheinigt (IV-act. 27-2 ff.).

A.f    Am 20. August 2009 erstattete die E.___ AG, einen Arbeitgeberbericht (IV-act. 

48-1 ff.). Darin wird ausgeführt, dass der Versicherte vom 1. Juli 1998 bis 5. Mai 2006 

als Materialaufbereiter im Unternehmen im Pensum von 30 Stunden pro Woche 

(Schichtbetrieb) tätig war. Da der Versicherte den gestiegenen Anforderungen nicht 

mehr gewachsen gewesen sei und nicht mehr in Nachtschicht habe arbeiten wollen, 

sei das Arbeitsverhältnis von der Arbeitgeberin aufgelöst worden. Seine Einstellung zur 

Firma und zur Arbeit habe nicht gestimmt.

A.g   Im Schreiben vom 23. November 2009 (IV-act. 49-1) führte die ehemalige 

Arbeitgeberin aus, der Versicherte habe gemäss beigelegter Bescheinigung des 

Militärkommandos F.___ in G.___ (IV-act. 49-2) vom 20. Dezember 1996 bis 

19. Dezember 1997 den obligatorischen Militärdienst bei der Armee absolviert. 

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Während seiner Anstellung ab 1998 habe der Versicherte gesundheitliche Probleme 

infolge des Militärdienstes nie erwähnt.

A.h   Die IV-Stelle erteilte der H.___ GmbH mit Schreiben vom 12. Dezember 2009 den 

Auftrag zur Überwachung des Versicherten, da aufgrund des letzten 

Arbeitgeberberichts diverse Inkonsistenzen festgestellt und bei der Diagnose aus­

schliesslich auf die Angaben des Versicherten abgestellt worden sei (IV-act. 50-1 ff.). In 

der Folge wurde der Versicherte vom 28. Dezember 2009 bis zum 7. Februar 2010 

observiert. Die Ergebnisse wurden im Observationsbericht festgehalten (IV-act. 70-1 

ff.).

A.i     Mit Entscheid der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 16. März 2010 

(IV-act. 57-1 ff.) wurde den Akteneditionsersuchen der IV-Stelle vom 5. Januar 2010 

(IV-act. 51-1) und vom 12. Februar 2010 (IV-act. 56-1 f.) in einer rechtskräftig abge­

schlossenen Strafsache gegen den Versicherten entsprochen. Den entsprechenden 

Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte mit Entscheid des Einzelrichters des 

Kreisgerichts I.___ vom 7. Oktober 2009 der groben Verletzung von Verkehrsregeln und 

des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerscheins für schuldig erklärt 

wurde. 

A.j     Mit Schreiben vom 5. Mai 2010 (IV-act. 63-1 f.) reichte der Rechtsvertreter des 

Versicherten den Bericht von Dr. med. J.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychologie 

FMH, vom 4. Mai 2010 (IV-act. 64-1 f.) ein. Dr. J.___, bei dem der Versicherte seit dem 

10. Februar 2010 in psychiatrischer Behandlung stand, diagnostizierte eine paranoide 

Schizophrenie (ICD-10 F20.0) und einen Verdacht auf posttraumatische 

Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und attestierte eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit (IV-

act. 64-1 f.).

A.k   Am 19. Mai 2010 gab Dr. C.___ vom RAD eine interne medizinische Stellung­

nahme betreffend die Observation ab (IV-act. 66-1 ff.). Er führte zusammenfassend aus, 

das in der Observation beobachtete Verhalten stehe im Widerspruch zu den Erkennt­

nissen, die aufgrund der medizinischen Abklärungen gezogen worden seien, und lasse 

sich nicht mit den von dem Versicherten berichteten und präsentierten psychischen 

Beeinträchtigungen in Einklang bringen. Insgesamt müsse damit festgestellt werden, 

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dass die bis anhin durchgeführten medizinischen Abklärungen nicht aussagekräftig 

seien und offensichtlich ein Bild wiedergäben, das nicht dem beobachtbaren 

Funktionsniveau ausserhalb einer ärztlichen Abklärungssituation entspreche (IV-act. 

66-3).

A.l     Am 18. Juni 2010 fand eine Befragung des Versicherten, anlässlich welcher er 

auch mit den Observationsergebnissen konfrontiert wurde, statt. Der Inhalt der 

Befragung wurde im gleichentags erstellten Gesprächsprotokoll der IV-Stelle schriftlich 

festgehalten (IV-act. 69-1 ff.).

A.m  Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2010 stellte die IV-Stelle die Abweisung des 

Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 75-1 ff.).

A.n   Dagegen liess der Versicherte am 8. Oktober 2010 Einwand erheben. Er 

beantragte eine Invalidenrente, basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %, 

eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten (IV-act. 78-1 

ff.).

A.o   Mit Verfügung vom 14. Oktober 2010 lehnte die IV-Stelle den Antrag des Ver­

sicherten auf eine Invalidenrente ab. Der Versicherte habe durch sein Verhalten die 

medizinischen Abklärungen manipuliert und verfälscht. Es müsse davon ausgegangen 

werden, dass dies bei weiteren Abklärungen ebenfalls der Fall wäre. Aufgrund der Ab­

klärungsergebnisse sei es dem Versicherten möglich, ein Renten ausschliessendes 

Einkommen zu erzielen (IV-act. 81-1 ff.).

B.     

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich die am 15. November 2010 erhobene Be­

schwerde, in der beantragt wird, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es 

sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente, basierend auf einem Invaliditätsgrad 

von 100 %, auszurichten. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, 

weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten. Zur Begründung wird im 

Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in seiner schulischen und 

beruflichen Entwicklung bereits lange vor der Anmeldung zum Bezug einer 

Invalidenrente Auffälligkeiten aufgewiesen habe. Zu berücksichtigen sei im Weiteren, 

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dass der Beschwerdeführer durch sein Militärdienstleisten in seiner Heimat von 

Dezember 1996 bis Dezember 1997 das Kriegsgeschehen hautnah habe miterleben 

müssen bzw. er in dieses direkt involviert gewesen sei. Angesichts des Umstandes, 

dass bis zur durchgeführten Observation immer davon ausgegangen worden sei, beim 

Beschwerdeführer würden erheblichste psychische Probleme vorliegen, mute es doch 

seltsam an, dass gleich mehrere Ärzte und Stellen vom Verhalten des 

Beschwerdeführers sich derart hätten täuschen lassen sollen, dass sie zu einer völlig 

falschen Einschätzung gelangt seien. Nachvollziehbar sei vielmehr, dass der 

Beschwerdeführer, der bereits als Kind an Auffälligkeiten gelitten habe, durch die 

Leistung seines Militärdienstes einer weiteren Verstärkung dieser psychischen 

Belastung ausgesetzt gewesen sei und damit eine Verschlechterung seines 

Gesundheitszustandes erlitten habe. Der Beschwerdeführer setze im Übrigen alles 

daran, ein "normales" Leben zu führen und würde sich selbst zwingen, gewisse Orte 

allein aufzusuchen. Allein gestützt auf die Observation könne und dürfe deshalb nicht 

davon ausgegangen werden, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten 

Beschwerden und Einschränkungen in seinem alltäglichen Leben nicht vorliegen 

würden. Zudem könne und dürfe bei der Einschätzung des RAD, welcher der IV-Stelle 

angegliedert sei bzw. der IV-Stelle sehr nahe stehe, nicht von einer objektiven 

Einschätzung ausgegangen werden. Die Beschwerdegegnerin sei gemäss dem Unter­

suchungsgrundsatz schliesslich verpflichtet, vor Erlass einer Verfügung alle für einen 

Leistungsanspruch erforderlichen Abklärungen von sich aus einzuleiten und durchzu­

führen (act. G 1).

B.b   In der Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2011 beantragt die Beschwerde­

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen 

aus, die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers sei massiv erschüttert: Wie bereits 

in der angefochtenen Verfügung dargelegt, sei es schon von der zeitlichen Abfolge 

her kaum möglich, dass der Beschwerdeführer überhaupt in kriegerische Ereignisse 

 involviert worden sei. Ein erster Polizeieinsatz gegen die K.___ sei erst im Februar 1998 

erfolgt, also nach dem Ausscheiden des Beschwerdeführers aus dem Militärdienst, und 

erst noch durch die Polizei und nicht durch die Armee. Der Beschwerdeführer sei den 

Fragen zum Thema der Kriegserlebnisse mit der Begründung ausgewichen, er rede 

nicht gerne darüber. Bezeichnend sei, dass der Beschwerdeführer auch in seiner 

Eingabe keine plausible Schilderung der Vorkommnisse beibringe. Bezüglich des 

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Unfalls seiner Mutter – ein weiteres von ihm genanntes traumatisierendes Ereignis – 

ergäben sich aus den Akten keine Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer als 

Zeuge anwesend gewesen sei. Am 30. Juni 2008 habe Dr. C.___ den 

Beschwerdeführer untersucht und wegen der diffusen Beschwerden nur Verdachts­

diagnosen erheben können. Er habe in seiner Beurteilung festgehalten, in einem ge­

eigneten Umfeld sei der Beschwerdeführer 80-100 % arbeitsfähig. Bei seiner später 

attestierten 100 %ige Arbeitsunfähigkeit habe Dr. C.___ sich ausschliesslich auf die 

Beurteilung von med. pract. M.___ des D.___ gestützt. Letzterer habe seinerseits 

feststellen müssen, dass der Beschwerdeführer keine weiteren Angaben gemacht und 

sich regelmässig vorzeitig aus der Therapiesitzung entfernt habe. Diese Situation sei 

zweifellos eine unsichere Basis für eine zuverlässige Beurteilung. Entsprechend seien 

Beobachtungen aus dem Leben gut geeignet, die medizinische Einschätzung zu 

verifizieren bzw. allenfalls zu entkräften. Vor dem Hintergrund des im realen Leben zu 

beobachtenden Funktionsniveaus müsse davon ausgegangen werden, dass der 

Beschwerdeführer in der Therapie Theater gespielt und dieses mühselige Spiel jeweils 

vorzeitig abgebrochen habe. Die Annahme einer Vortäuschung einer psychischen 

Erkrankung sei naheliegend. Dadurch würde erklärbar, warum das Beschwerdebild 

diagnostisch schwer einzuordnen sei, der Beschwerdeführer die Erhebung der 

Fremdanamnese verhindert und keine Therapiecompliance gezeigt habe (act. G 6).

B.c   Am 21. März 2011 erstattet der Beschwerdeführer Replik. Er verweist auf den mit 

der Replik eingereichten Bericht von Dr. med. M. L.___, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, vom 21. Februar 2011 über eine konsiliarische Untersuchung des 

Beschwerdeführers vom 20. Januar und 10. Februar 2011. Darin wird ein Verdacht auf 

eine undifferenzierte schizophrene Störung diagnostiziert mit paranoiden, hebephrenen 

zoenästhetischen Anteilen sowie Residualsymptomatik; differentialdiagnostisch gibt Dr. 

L.___ eine schwere dissoziative Störung an im Sinn eines "Ganser-Syndroms" (ICD 10 

F44.80, act. G 8.1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers  macht bezüglich den 

Ausführungen in der Beschwerdeantwort im Wesentlichen geltend, es mute seltsam an, 

dass gleich eine ganze Reihe anerkannter Fachärzte nach einer persönlichen Unter­

suchung des Beschwerdeführers und nach mit ihm geführten Gesprächen zu einer dia­

metral anderen Einschätzung bezüglich des Arbeitsfähigkeitsgrades gelangten als die 

Beschwerdegegnerin. Zudem habe der Beschwerdeführer gegenüber Dr. L.___ genau 

dargelegt, welche Bilder ihn verfolgen würden und wann er mit diesen Bildern zu 

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kämpfen habe. Durch die vorliegenden Akten und den Bericht von Dr. L.___ sei hin­

reichend erstellt, dass der Beschwerdeführer keinesfalls "Theater spiele", sondern 

offensichtlich an einer schweren psychischen Störung leide (act. G 8).

B.d   Am 11. April 2011 erstattet die Beschwerdegegnerin Duplik. Sie führt aus, dass 

sich der Bericht von Dr. L.___ vom 21. Februar 2011 nicht auf die Akten stütze und sich 

demnach auch nicht mit den Observationsergebnissen sowie der medizinischen Be­

urteilung durch den RAD auseinandersetze. Der Bericht belege die diagnostische Hilf­

losigkeit, mit der die Ärzte die vermeintliche Krankheit einzuordnen versuchten. Neu 

sei, dass der Beschwerdeführer versuche, den behaupteten Traumafolgen ein Gesicht 

zu geben; er umschreibe angebliche Schreckbilder, die ihm immer wieder vor Augen 

treten würden. Damit bleibe der Beschwerdeführer in einem vagen, nicht überprüfbaren 

Bereich. Die widersprüchlichen Ausführungen des Beschwerdeführers würden kritiklos 

als formale Denkstörungen interpretiert. Dr. L.___ setze sich im Weiteren nicht mit dem 

Problem auseinander, dass der angeblich an einer Angststörung leidende und das 

Haus kaum verlassende Beschwerdeführer seine Kollegen zu einem Einbruch gefahren 

habe. Ein Unterfangen, das zwangsläufig mit Stress verbunden sei und schon für einen 

normal konstituierten Menschen etwas Bedrohliches haben müsse. Dass sich ein 

Mensch, der an einer Angststörung leide, freiwillig in eine solche Lage bringe, könne 

eigentlich ausgeschlossen werden. Aus dem Bericht gehe aber nicht hervor, dass der 

Arzt, welcher die Symptome nicht als aggravierend darstelle, versucht hätte, die 

geschilderten Beschwerden methodisch zu validieren. Aggravation könne daher gerade 

nicht ausgeschlossen werden. Demnach fehle dem Bericht jede Überzeugungskraft 

(act. G 10).

B.e   Mit Schreiben vom 8. September 2011 ersucht die Beschwerdegegnerin um Ver­

fahrenssistierung und um zur gegebener Zeit vorzunehmenden Beizug der Akten beim 

Untersuchungsamt N.___, da gegen den Beschwerdeführer ein Strafverfahren eröffnet 

worden sei (act. G 12).

B.f    Mit Schreiben vom 4. Oktober 2011 (act. G 14) verweist der Beschwerdeführer 

auf den beigelegten "provisorischen" Bericht der Klinik O.___ vom 23. September 2011 

(act. G 14.1) und führt im Wesentlichen aus, gestützt auf diesen Bericht sei die 

Beschwerde ohne weiteres gutzuheissen, weshalb kein Anlass für eine Sistierung 

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bestehe. Der Bericht, welcher von einer unabhängigen Stelle erstellt worden sei, belege 

nochmals eindrücklich, dass hier offensichtlich eine paranoide Schizophrenie vorliege, 

die zweifelsohne zu einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit führe. Gemäss dem erwähnten 

Bericht war der Beschwerdeführer vom 15. August 2011 bis 23. September 2011 in der 

psychiatrischen Klinik in stationärer Behandlung. Es wurden die Diagnosen einer 

paranoiden Schizophrenie/kontinuierlich (F20.00), einer anamnestisch bekannten nicht 

näher bezeichneten Intelligenzminderung/sonstige Verhaltensstörung (F79.8) sowie 

einer posttraumatischen Belastungsstörung (F43.1) gestellt und eine weiterhin 

bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 14.1, S. 1 f.).

B.g   Mit Schreiben vom 4. November 2011 (act. G 18) verweist die 

Beschwerdegegnerin auf die beigelegte medizinische Stellungnahme von RAD-Arzt 

Dr. med. P.___, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin (act. G 18.1), und legt 

gleichzeitig Kopien von zwei Einvernahmeprotokollen in einem Strafverfahren wegen 

versuchten Betrugs und Widerhandlung gegen Art. 70 IVG in Verbindung mit Art. 87 

AHVG ins Recht (act. G 18.2). Dr. P.___ führt aus, die Ermittlungen hätten gezeigt, dass 

der Beschwerdeführer aufgrund der Einschätzung des RAD-Psychiaters im Mai 2010 

an einem angepassten Arbeitsplatz voll arbeitsfähig sei. Es sei in der Zwischenzeit zu 

keiner Entwicklung einer Krankheit gekommen. Das "Krankheitsbild" sei bereits zum 

damaligen Zeitpunkt genau gleich gewesen wie bei Dr. L.___, der es nun einfach einer 

Schizophrenie zuordne. Dr. P.___ schlug daher eine Ablehnung des Rentengesuchs auf 

Basis der Einschätzung des RAD vom 19. Mai 2010 vor (act. G 18.1, S. 3 f.).

B.h   Am 5. Dezember 2011 lässt sich der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver­

treter erneut vernehmen (act. G 20). Er macht im Wesentlichen Folgendes geltend: Die 

Unterstellung der Beschwerdegegnerin, die Klinikfachärzte in Q.___ hätten die durch 

Dr. L.___ gestellte Diagnose unbesehen übernommen, sei angesichts des Umstandes, 

dass der Beschwerdeführer während mehr als eines Monats, nämlich vom 15. August 

2011 bis 23. September 2011 stationär behandelt worden sei, keinesfalls nachvoll­

ziehbar. Es könne und dürfe angesichts des Umstandes, dass nicht nur der be­

handelnde Psychiater, sondern auch Dr. L.___ sowie die Ärzte der Klinik die Diagnose 

einer (paranoiden) Schizophrenie gestellt hätten, nicht einfach auf die Beurteilung durch 

den RAD-Arzt abgestellt werden (act. G 20, S. 3).

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B.i     Mit Schreiben vom 26. April 2012 (act. G 22) lässt der Beschwerdeführer den 

"Austrittsbericht Tagesklinik" des D.___ vom 26. April 2012 (act. G 22.1) ins Recht 

legen. Darin wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer vom 24. Januar bis 20. April 

2012 in der Tagesklinik stationär in Behandlung gewesen sei. Im "Austrittsbericht 

Tagesklinik" werden (bei Entlassung) die Diagnosen einer paranoiden Schizophrenie 

(F20.0), einer anamnestisch bekannten, nicht näher bezeichneten Intelligenzminderung, 

einer sonstigen Verhaltensstörung (F79.8) sowie einer posttraumatischen 

Belastungsstörung (F43.1) gestellt und dem Beschwerdeführer eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 22.1, S. 3).

B.j     Mit Eingabe vom 31. Mai 2012 lässt die Beschwerdegegnerin verlauten, das 

Beweisergebnis des laufenden Strafverfahrens sei durchaus geeignet, die ver­

schiedenen ärztlichen Beurteilungen in Frage zu stellen. Die bei der Staatsanwaltschaft 

zur Einsicht beantragten Akten seien noch nicht bei ihr eingetroffen. Daher behalte sie 

sich vor, diese zu einem späteren Zeitpunkt nachzureichen und sich nochmals zur 

Sache zu äussern (act. G 26).

B.k   Mit Schreiben vom 24. September 2012 (act. G 28) verweist die Beschwerde­

gegnerin auf die beigelegten Akten des laufenden Strafverfahrens gegen den Be­

schwerdeführer (vorgehaltene Straftatbestände: Betrug, Diebstahl, Sachbeschädigung, 

Hausfriedensbruch, Pornographie, Vergehen gegen das Waffengesetz, act. G 28.2) so­

wie auf den beigelegten Datenträger (act. G 28.3) und hält unter anderem fest, dem 

Beschwerdeführer sei es im Abklärungsverfahren nicht gelungen, die behaupteten Er­

lebnisse zu konkretisieren. Dies könne aber nur so verstanden werden, dass er diese 

Erlebnisse nicht erlebt habe. Damit sei überwiegend wahrscheinlich, dass der Be­

schwerdeführer keine Traumatisierung erlebt habe. Seine Schilderungen seien über­

wiegend wahrscheinlich Erfindungen mit dem Ziel, Leistungen der IV zu erschwindeln. 

Zudem hätten sämtliche befragten Personen den Beschwerdeführer nicht als 

psychisch krank wahrgenommen. Auch die Benutzung der "Euro-Mir" im Europapark 

werfe Fragen auf. Mit einer Angststörung sei weder der Besuch des notorisch überaus 

stark frequentierten Europaparks noch die Benützung einer Achterbahn zu vereinbaren. 

Wenn es dem Beschwerdeführer also möglich sei, verschiedene Lokale aufzusuchen 

und wöchentlich mehrmals in einem Fitnesscenter zu trainieren, sei es ihm auch 

möglich, einer Arbeit nachzugehen (act. G 28, S. 3). Unter den Strafakten befinden sich 

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insbesondere Protokolle der Einvernahmen des Beschwerdeführers, von zwei 

(ehemaligen) Freundinnen, der Mutter und von Bekannten des Beschwerdeführers (act. 

G 28.2).

B.l     Mit Stellungnahme zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 24. September 

2012 lässt der Beschwerdeführer am 5. November 2012 an den mit Beschwerde vom 

15. November 2010 gestellten Anträgen und der Begründung festhalten. Der Rechts­

vertreter führt im Wesentlichen aus, die einvernommenen ehemaligen Freundinnen des 

Beschwerdeführers würden bestätigen, dass dieser ihnen mitgeteilt habe, in Serbien 

traumatische Erlebnisse gehabt zu haben und an Albträumen zu leiden. Es bestehe 

überhaupt keine Veranlassung dafür, dass der Beschwerdeführer beiden Freundinnen 

übereinstimmend von Albträumen und traumatischen Erlebnissen in Serbien erzählt 

hätte, wenn er diese nicht erlebt habe. Aus den Schilderungen der Freundinnen sowie 

seiner Mutter gehe im Weiteren hervor, dass der Beschwerdeführer über sehr wenige, 

oberflächliche Freunde verfüge, keinen "besten Freund" habe, offensichtlich nur selten 

in den Ausgang gegangen sei und seinen Freundinnen zudem mitgeteilt habe, dass er 

sich in grösseren Menschenmengen nicht wohl fühle. Es könne deshalb keine Rede 

davon sein, dass der Beschwerdeführer regelmässig Partys besuche und mit seinen 

Freundinnen in den Ausgang gehe. Eine der Frauen habe im Übrigen festgehalten, dass 

der Beschwerdeführer manchmal beim Reden langsamer geworden sei. Auch der Um­

stand, dass er übermässig eifersüchtig sei, manchmal sehr aggressiv reagiere und alles 

kontrollieren wolle, wie von beiden Freundinnen übereinstimmend beschrieben, könne 

durchaus als eine psychische Störung oder ein Zeichen für eine psychische Störung 

gewertet werden. Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer mehrmals wöchent­

lich ins Fitnessstudio gehe, erstelle sodann nicht, dass er auch in der Lage wäre, einer 

Arbeitstätigkeit nachzugehen. Dies darum, weil das Training im Fitnesscenter nicht in 

einer Gruppe stattfinde bzw. es sich um eine typische Einzelgänger-Tätigkeit handle. 

Insgesamt seien auch die Akten des Untersuchungsamtes nicht dazu geeignet, von 

einer vollständigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen (act. G 32).

 

Erwägungen:

1.      

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Am 1. Januar 2012 sind die im Zug des ersten Teils der 6. Revision revidierten Be­

stimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der 

Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft 

getreten. Der zu beurteilende Sachverhalt beschlägt den Zeitraum vor Inkrafttreten des 

ersten Teils der 6. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zu­

sammenhängenden Begriffe mit diesen Revisionen nicht geändert haben, werden 

nachfolgend die seit dem 1. Januar 2012 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.

2.      

2.1    Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG ist die voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der 

durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze 

oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG, wenn die versicherte Person 

mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 % 

invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, wird eine halbe Rente 

zugesprochen und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente. 

Eine Invalidität von weniger als 40 % wird von der Invalidenversicherung rentenmässig 

nicht entschädigt.

2.2    Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität 

bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die 

ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen 

und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten 

die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine 

wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der ver­

sicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 

Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat das Gericht 

alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen. Hin­

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sichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein entscheidend, ob der 

Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 

auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des 

Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Rechtsprechungsgemäss kommt 

einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller 

Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht 

feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen 

entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der 

Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; 

seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 

2002, I 779/01, E. 4.2).

2.3    Eine Observation stellt einen Eingriff in die grundrechtlich geschützte 

Privatsphäre der betroffenen Person im Sinne von Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) dar. Sie bedarf daher einer 

gesetzlichen Grundlage und muss durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und 

verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 1–3 BV). Der Kerngehalt des Grundrechts auf 

Schutz der Privatsphäre darf durch eine Observation schliesslich keinesfalls angetastet 

werden (Art. 36 Abs. 4 BV). Die gesetzliche Grundlage für eine Observation ist in Art. 59 

Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu 

erblicken. Eine Observation kann mit Blick auf das Interesse der 

Versicherungsgemeinschaft, dass keine nicht geschuldeten Leistungen erbracht 

werden, gerechtfertigt sein. Mit Blick auf das Erfordernis der Verhältnismässigkeit ist 

insbesondere zu verlangen, dass eine Observation nur auf begründeten Verdacht hin 

erfolgt (vgl. den Entscheid IV 2008/451 des Versicherungsgerichts des Kantons 

St. Gallen vom 21. Juli 2009, E. 2.2; Stefan Dettwiler, Zulässige Video-Überwachung 

von SUVA-Versicherten, HAVE 2003, S. 247), dass keine andere, mildere Massnahme 

zur Abklärung des Verdachts zur Verfügung stehen darf (Regina Aebi-Müller/Andreas 

Eicker/Michel Verde, Grenzen bei der Verfolgung von Versicherungsmissbrauch mittels 

Observation, in: Gabriela Riemer-Kafka, Versicherungsmissbrauch, Zürich 2010, 

S. 41 f.) und dass der durch Art. 179  des Schweizerischen Strafgesetzbuches 

(StGB; SR 311.0) vorgegebene Rahmen beachtet wird. Vorliegend ist das öffentliche 

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Interesse an einer Observation angesichts der zur Diskussion stehenden erheblichen 

Leistungen der Invalidenversicherung (ganze Rente für einen noch eher jungen 

Versicherten) ohne Weiteres zu bejahen. Das Bundesgericht hat im Übrigen 

verschiedentlich zum Ausdruck gebracht, dass es an die Zulässigkeit einer Observation 

im Einzelfall keine hohen Anforderungen stellt (vgl. etwa BGE 137 I 327 mit Hinweisen 

auf weitere Urteile). Vorliegend war ein begründeter Verdacht dadurch gegeben, dass 

sich aufgrund der Angaben der letzten Arbeitgeberin Inkonsistenzen zeigten im 

Vergleich zu den in den medizinischen Akten beschriebenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen (IV-act. 17, 48). Da die medizinischen Beurteilungen alsdann 

weitgehend auf den eigenen Angaben des Beschwerdeführers beruhten, dieser die 

Erhebung von Fremdanamnesen verweigerte, sich im therapeutischen Umgang aber 

schwierig verhielt und seine Compliance fraglich erschien (IV-act. 25), war die 

Anordnung einer Observation als geeignete Massnahme zur besseren Abklärung 

jedenfalls vertretbar. Nachdem schliesslich der Observationsbericht keine 

Feststellungen enthält, die auf eine Verletzung von Art. 179  StGB hinweisen, ist die 

Observation als rechtmässig zu qualifizieren; die Ergebnisse sind im vorliegenden 

Verfahren demnach verwertbar.

3.      

3.1    Anhand der Ergebnisse der Observation und in Kenntnis der relevanten Akten des 

laufenden Strafverfahrens verdichtete sich zwar der Verdacht, der Beschwerdeführer 

verhalte sich im Alltag anders als gegenüber den Ärzten geschildert. So lassen sich ins­

besondere das Treffen mit Bekannten, das wiederholte Aufsuchen öffentlicher Plätze 

sowie des Fitnesscenters und der beobachtete Einkauf in Geschäften und Tankstellen-

Shops sowie das Besuchen von Gaststätten und des Europaparks nur schwer mit den 

Angaben des Beschwerdeführers über seine Beeinträchtigungen und sein Verhalten in 

Einklang bringen. Anlässlich der RAD-Untersuchung vom 30. Juni 2008 hatte der Be­

schwerdeführer nämlich angegeben, er habe kaum soziale Kontakte, meide Menschen­

ansammlungen, gehe deswegen auch nicht mehr oder nur selten aus dem Haus, er 

gehe nie alleine einkaufen, sondern immer in Begleitung und er warte oft vor dem Ein­

kaufsladen auf seine Begleitung (IV-act. 12-1). - Indessen lässt diese Widersprüchlich­

keit nicht ohne Weiteres ausschliessen, dass der Beschwerdeführer unter einer 

psychiatrischen Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

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© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/18

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leiden könnte. Dies insbesondere aus folgendem Grund: Der behandelnde Psychiater 

Dr. J.___ diagnostizierte in seinem noch vor Verfügungserlass erstellten Bericht vom 

4. Mai 2010 erstmals eine paranoide Schizophrenie (IV-act. 64-1). Diese Diagnose 

wurde in der Folge in den unabhängig voneinander verfassten Berichten des Psy­

chiaters Dr. L.___ vom 21. Februar 2011 (act. G 8.1, S. 2), der Klinik O.___ vom 

23. September 2011 (act. G 14.1, S. 1) sowie des D.___ vom 26. April 2012 (act. G 

22.1, S. 3) ebenfalls gestellt, auch wenn Dr. L.___ nur von einem Verdacht auf eine 

undifferenzierte schizophrene Störung mit paranoiden, hebephrenen und 

zoenästhetischen Anteilen sowie Residualsymptomatik spricht. Die Diagnose der 

paranoide Schizophrenie findet sich nicht bei den aufgeführten Diagnosen in der 

angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2010 (IV-act. 81-2). In seiner 

Stellungnahme vom 25. Oktober 2011 führt RAD-Arzt Dr. P.___ diesbezüglich aus, dass 

der kurze Bericht von Dr. J.___ vom 4. Mai 2010 nicht als Beweis für die Diagnose einer 

Schizophrenie herhalten könne. Weiter führt Dr. P.___ aus, Dr. L.___ habe die 

(Verdachts-)Diagnose ausschliesslich aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers 

gestellt; dem Arzt seien die fremdanamnestischen Elemente wie das 

Observationsmaterial, das Gesprächsprotokoll der Beschwerdegegnerin vom Juni 2010 

sowie die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. C.___ nicht bekannt gewesen. Gerade die 

fehlende Fremdanamnese von Dr. L.___ mache dessen Schizophrenie-Diagnose un­

glaubwürdig; dass der Beschwerdeführer seit Jahren ein Wahnerleben habe, sei nicht 

nachgewiesen sondern nur eine Behauptung. Dr. L.___ habe seine Diagnose nicht mit 

der nötigen Sorgfalt gestellt. Die Klinik-Fachärzte schliesslich hätten die Einschätzung 

von Dr. L.___ einfach übernommen (act. G 18.1, 3). - Diesen Erwägungen Dr. P.___s 

kann nicht beigepflichtet werden. Die Ausführungen von Dr. C.___ in der Stellung­

nahme des RAD vom 19. Mai 2010 mögen zwar durchaus zutreffend gewesen sein. 

Allerdings hatte Dr. C.___ am 19. Mai 2010 offenbar (noch) keine Kenntnis vom Bericht 

von Dr. J.___ vom 4. Mai 2010 (vgl. IV-act. 66-2). Da die in diesem Arztbericht genannte 

(und in späteren Berichten weiterer psychiatrischer Fachärzte wiederholte) Diagnose 

der paranoiden Schizophrenie in der angefochtenen Verfügung, wie bereits erwähnt, 

nirgends Erwähnung findet bzw. nirgends darauf Bezug genommen wird (IV-act. 81-1 

ff.), ist davon auszugehen, dass der Arztbericht von Dr. J.___ von der 

Beschwerdegegnerin nicht als Entscheidungsgrundlage beigezogen wurde. Mithin ist 

folgendes festzustellen: Angesichts der Zeitspanne von nahezu 1 ¾ Jahre zwischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/18

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dem aktuellsten in der angefochtenen Verfügung erwähnten medizinischen Bericht 

des D.___ vom 9. Februar 2009 bzw. den darin genannten Diagnosen (IV-act. 27-2) und 

dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2010 (IV-act. 81-1 ff.) wäre 

das Einholen eines Verlaufsberichts vor Verfügungserlass - trotz der Observations- und 

Strafuntersuchungsergebnisse - nicht nur aufschlussreich und von Vorteil, sondern 

notwendig gewesen. Dann wäre auch der Bericht von Dr. J.___ vom 4. Mai 2010 

berücksichtigt worden. Im Übrigen ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer 

vom 15. August 2011 bis 23. September 2011, mithin mehr als einen Monat, in der 

Klinik O.___ in stationärer Behandlung befunden und die Oberärztin bei seiner 

Entlassung als Diagnose unter anderem ebenfalls eine paranoide Schizophrenie 

genannt hat (act. G 14.1, S. 1). Es ist kaum anzunehmen, dass die Ärztin dies nur im 

Sinn einer Wiederholung früher gestellter Diagnosen getan hat; vielmehr ist davon 

auszugehen, dass aufgrund der während des Klinikaufenthalts erhobenen Befunde die 

Diagnose der Schizophrenie für zutreffend erachtet wurde. Schliesslich wurde auch 

seitens der psychiatrischen Klinik eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.

3.2    Vor diesem Hintergrund bedarf es mithin einer medizinischen bzw. 

psychiatrischen Reevaluation, also einer neuerlichen psychiatrischen Beurteilung in 

Kenntnis der bei den Akten liegenden medizinischen, insbesondere fachärztlichen 

Berichte, sowie der Observationsergebnisse und auch der Strafakten. Dabei wird wohl 

eine erneute Untersuchung des Beschwerdeführers durchzuführen sein. Ohne eine 

solche neuerliche fachärztliche Beurteilung könnte höchstens angenommen werden, 

die bisherigen medizinischen Einschätzungen seien durch unwahre Angaben des 

Beschwerdeführers verfälscht worden, nicht aber, dass beim Beschwerdeführer ein 

psychiatrischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

auszuschliessen ist. Jedenfalls vermag die Aktenbeurteilung des Allgemeinmediziners 

Dr. P.___ eine fachärztliche Neubeurteilung, allenfalls nach nochmaliger persönlicher 

Untersuchung nicht zu ersetzen. Auf eine solche durfte die Beschwerdegegnerin auch 

nicht in antizipierender Beweiswürdigung verzichten, denn es ist nicht überwiegend 

wahrscheinlich, dass diese keine neuen, für die Beurteilung relevanten Ergebnisse 

liefern wird. - Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit 

sie einen Psychiater mit einer solchen Neubeurteilung unter Berücksichtigung der 

Observationsergebnisse, allfälliger relevanter Straf- und Untersuchungsakten sowie der 

Berichte von Dr. J.___ vom 4. Mai 2010, Dr. L.___ vom 21. Februar 2011, der Klinik 

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O.___ vom 23. September 2011 sowie des D.___ vom 26. April 2012 und nach allfälliger 

nochmaliger Untersuchung des Beschwerdeführers beauftrage.

4.      

4.1    Damit ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 

14. Oktober 2010 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zu ergänzenden medizinischen 

Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer entsprechenden neuen 

Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2    Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender 

neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer 

Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (BGE 132 V 215 E. 6.1 

S. 235 mit zahlreichen Hinweisen). Angesichts des Unterliegens der Beschwerde­

gegnerin sind ihr die Gerichtskosten, die gemäss Art. 69 Abs. 1  IVG auf Fr. 600.--

festzusetzen sind, gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Der geleistete 

Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

4.3    Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine 

Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird 

(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Vorliegend fiel überdurch­

schnittlicher Aufwand an. Angemessen erscheint unter diesen Umständen eine Partei­

entschädigung von Fr. 4'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

 

entschieden:

1.       In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 14. Oktober 

2010 aufgehoben und die Sache zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen 

und anschliessender Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

bis

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2.       Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dem 

Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückerstattet.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Fr. 4’500.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 07.06.2013
	Art. 43 i.V.m. Art. 28 ATSG. Art. 59 Abs. 5 IVG Würdigung ärztlicher Berichte, Notwendigkeit medizinischer Reevaluation trotz Observationsergebnisse und laufender Strafuntersuchung. Die Ergebnisse einer zulässigen Observation sowie Sachverhaltskenntnisse einer laufenden Strafuntersuchung können geeignet sein, erhebliche Zweifel an vorherigen medizinischen Beurteilungen aufkommen zu lassen, vermögen jedoch in aller Regel eine erneute medizinische Beurteilung nicht zu ersetzen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juni 2013, IV 2010/449).

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