# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20113ff8-0380-50eb-b382-991b0e293a79
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-07
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 07.12.2021 200 2020 940
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-940_2021-12-07.pdf

## Full Text

200 20 940 IV
WIS/GET/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil der Einzelrichterin vom 7. Dezember 2021

Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiber Germann

A.________
vertreten durch Regionaler Sozialdienst B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern 
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 27. November 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde-
führerin), von Juli 2017 bis Ende 2020 auf Anordnung der Kindes- und Er-
wachsenenschutzbehörde (KESB) … in der C.________ fremdplatziert, 
wurde – nach einer vorgängig erfolgten Anmeldung für Minderjährige im 
Juli 2019 – im Dezember 2019 durch ihren Beistand unter Hinweis auf eine 
soziale Phobie, Adoleszentenkrise, Genderproblematik sowie depressive 
Verstimmungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum 
Leistungsbezug angemeldet (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin], [act. II] 2; 12 S. 2; 27; 29; Beschwerde, S. 2). 
Die IVB holte u.a. die Akten des Regionalen Sozialdienstes B.________ 
ein, zog Berichte behandelnder Ärzte bei, führte mit der Versicherten ein 
Assessment (act. II 21) durch und verneinte in der Folge einen Anspruch 
auf berufliche Massnahmen (act. II 32). Im Hinblick auf die Prüfung eines 
Rentenanspruchs (vgl. act. II 40 S. 1) teilte die IVB der Versicherten nach 
Rücksprache mit Dr. med. D.________, Fachärztin für Kinder- und Ju-
gendpsychiatrie und -psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD; 
act. II 44), mit Schreiben vom 7. Mai 2020 (act. II 46) mit, es sei eine medi-
zinische Untersuchung notwendig, mit deren Durchführung vorbehältlich 
triftiger Einwendungen PD Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie 
und Psychotherapie, beauftragt werde. In der Folge machte die Versicherte 
gegen die vorgesehene Begutachtung keine Einwände geltend, nahm je-
doch den Begutachtungstermin wiederholt nicht wahr, worauf die IVB – 
nach erfolgter Aufforderung zur Mitwirkung unter Androhung des Nichtein-
tretens im Säumnisfall (act. II 55) sowie nach Durchführung des Vorbe-
scheidverfahrens (act. II 59) – mit Verfügung vom 27. November 2020 (act. 
II 64) auf das Leistungsbegehren nicht eintrat. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 3

B.

Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch den Regionalen Sozial-
dienst B.________, mit Eingabe vom 29. Dezember 2020 Beschwerde er-
heben. Sie stellt den folgenden Antrag: 

"Das Gericht soll den Entscheid der IV vom 27. November 2020 aufheben und 
die IV sei aufzufordern, die IV-Abklärung wieder aufzunehmen. Die IV sei an-
zuweisen, eine psychiatrische Begutachtung in geeigneter Weise anzuordnen. 
Eine Möglichkeit wäre allenfalls, die Begutachtung der Klinik F.________ zu 
übertragen."

Am 21. Januar 2021 (Postaufgabe: 20. Januar 2021) liess die Beschwerde-
führerin ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einreichen.

Mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2021 beantragt die Beschwerde-
gegnerin Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 4

i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Nichteintretensverfügung vom 
27. November 2020 (act. II 64). Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwer-
degegnerin zu Recht auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin 
mit der Begründung, sie sei ihren Mitwirkungspflichten im Rahmen der 
sachverhaltlichen Abklärung in unentschuldbarer Weise nicht nachgekom-
men, nicht eingetreten ist. 

1.3 Die Mitglieder des Verwaltungsgerichts behandeln als Einzelrichte-
rin oder Einzelrichter Beschwerden gegen Nichteintretensverfügungen oder 
-entscheide (Art. 57 Abs. 2 lit. c GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt unter 
anderem voraus, dass die versicherte Person invalid oder von Invalidität 
unmittelbar bedroht ist. Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die vor-
aussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist nach Art. 7 Abs. 1 ATSG der 
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge-
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf 
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für die Beurtei-
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind gemäss Art. 7 Abs. 2 
ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu 
berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus 
objektiver Sicht nicht überwindbar ist.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 5

2.2 Der Versicherungsträger prüft in Anwendung von Art. 43 ATSG die 
Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und 
holt die erforderlichen Auskünfte ein (Abs. 1). 

Der Untersuchungsgrundsatz besagt, dass die verfügende Instanz den 
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und 
ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, ab-
klären und feststellen muss. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von de-
ren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders 
zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden zu-
sätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hiezu 
aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergeben-
den Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a S. 
283). Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er 
findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 
193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158; SVR 2009 IV Nr. 4 S. 7 E. 4.2.2).

2.3 Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung 
notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu 
unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG).

Zumutbar ist die Mitwirkung, wenn der verfolgte Zweck in einem vernünfti-
gen Verhältnis zur Beeinträchtigung des Pflichtigen steht. Für diese Beur-
teilung sind sowohl die objektiven als auch die subjektiven Umstände zu 
berücksichtigen. Dabei ist die Frage der subjektiven Zumutbarkeit ebenfalls 
objektiv zu klären: Es geht mithin nicht etwa darum, ob die betreffende Per-
son aus ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung heraus die Untersuchung 
als zumutbar erachtet, sondern darum, dass die subjektiven Umstände, 
etwa Alter, Gesundheitszustand, bisherige Erfahrungen mit Abklärungen, in 
einer objektiven Betrachtung dahingehend gewürdigt werden, ob diese 
Umstände die Untersuchung zulassen oder nicht. Die objektive Zumutbar-
keit hängt unter anderem damit zusammen, dass eine medizinische Unter-
suchung oder gar eine Begutachtung die persönliche Freiheit einer 
versicherten Person tangieren kann, wobei lediglich leichte Eingriffe in die 
Grundrechte der persönlichen Freiheit von den Versicherten in Kauf ge-
nommen werden müssen. Die üblichen Untersuchungen in einer Gutach-
tensstelle sind ohne konkret entgegenstehende Umstände generell als 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 6

zumutbar zu betrachten (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 
4. August 2020, 8C_283/2020, E. 4.2.1).

2.4 Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leis-
tungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unent-
schuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund 
der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten be-
schliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die 
Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit ein-
zuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG).

Von der Möglichkeit des Nichteintretens auf ein Leistungsgesuch ist nur mit 
grösster Zurückhaltung Gebrauch zu machen (BGE 131 V 42 E. 3 S. 47). 
Nichteintreten kommt erst in Betracht, wenn eine materielle Beurteilung des 
Leistungsbegehrens aufgrund der gesamten Aktenlage ohne Mitwirkung 
der Partei ausgeschlossen ist. Umgekehrt kann ein materieller Entscheid 
aufgrund der Akten erst ergehen, wenn sich der rechtserhebliche Sachver-
halt unabhängig von der als notwendig und zumutbar erachteten Ab-
klärungsmassnahme, der sich die versicherte Person ohne entschuldbaren 
Grund widersetzt hat, nicht weiter vervollständigen lässt (SVR 2018 EL Nr. 
4 S. 10 E. 2.2).

3.

3.1 Die (medizinische) Aktenlage präsentierte sich bis zum Erlass der 
– zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung bildenden – angefochtenen 
Verfügung vom 27. November 2020 (act. II 64; BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 
243) im Wesentlichen wie folgt: 

3.1.1 Im Standortbericht des C.________ vom Juni 2019 (act. II 12 S. 2 
ff.) wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin beschreibe sich als Einzel-
gängerin. In der Wohnfamilie scheine sie sich dennoch grundsätzlich wohl-
zufühlen. Zu den einzelnen Mitarbeitern pflege sie in der Regel einen 
adäquaten Umgang. Zu einem Teenager der Wohngemeinschaft habe die 
Beschwerdeführerin einen regen Kontakt. Von den anderen Kindern und 
Jugendlichen scheine sie akzeptiert zu werden, was auf Gegenseitigkeit 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 7

beruhe. Freundschaften pflege sie zu diesen aber nicht. Wie sie selbst sa-
ge, bevorzuge sie Online-Freundschaften. Zu ihrer Mutter habe sie regel-
mässigen Kontakt (S. 2). Kontakt zu aussenstehenden Personen meide die 
Beschwerdeführerin. Sie äussere dabei Unwohlsein, was ihre Körperhal-
tung bestätige. Obwohl das Aufeinandertreffen mit fremden Personen, z.B. 
beim Einkauf, für sie anspruchsvoll zu sein scheine, verhalte sie sich stets 
freundlich und altersentsprechend. Grundsätzlich werde die Beschwerde-
führerin als aufgeschlossener, humorvoller, hilfsbereiter und zugleich sen-
sibler Mensch wahrgenommen. Wenn es ihr gut gehe, gelinge es ihr, 
anfallenden Aufgaben nachzukommen, an ihren Zielen zu arbeiten, Kontakt 
zu anderen zu suchen, Gespräche zu führen und am Gruppengeschehen 
teilzunehmen. Gehe es ihr schlecht, habe sie mangelnden Antrieb für Be-
lange jeglicher Art. Sie ziehe sich dann in ihr Zimmer zurück und sage, 
dass sie alleine sein möchte. Gute und weniger gute Tage ständen im 
ständigen Wechsel zueinander. Immer öfter gelinge es ihr, nach einem 
psychischen Tief ihr Verhalten und ihre Stimmung zu reflektieren. Im All-
tagsgeschehen sei die Beschwerdeführerin altersentsprechend selbstän-
dig. Sie halte Ordnung in ihrem Zimmer, kümmere sich um ihre Wäsche 
und erledige ihre "Ämtli" überwiegend zuverlässig (S. 3).

3.1.2 Dr. med. G.________, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
und -psychotherapie, hielt im Bericht vom 11. August 2019 (act. II 18) als 
Diagnose eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1) fest (S. 2). Im Rahmen eines 
sehr strittigen Scheidungsverfahrens habe die Beschwerdeführerin von zu 
Hause wegwollen. Der ältere Bruder sei zum Vater, die beiden jüngeren 
Geschwister zur Mutter gezogen. Sie sei nach einer Phase bei der Mutter 
schliesslich ins C.________ platziert worden. Nachdem sie auch von zu 
Hause aus die Schule nicht mehr besucht habe, sei dies vom Wohnheim 
aus versucht worden, was aber auch nicht mit Erfolg gekrönt gewesen sei. 
Die Beschwerdeführerin habe sich in der Folge immer mehr ins Zimmer 
zurückgezogen. Teilweise sei es ihr nicht mehr möglich gewesen, am 
Gruppenleben teilzunehmen. Aktuell (unter Medikation und Psychothera-
pie) bestehe eine Verbesserung der Sozialkontakte. Auch seien mehr Aus-
senkontakte möglich. Die Behandlung erfolge seit November 2018 (S. 3). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 8

3.1.3 Im Rahmen des Assessments vom 26. August 2019 (act. II 21) 
gab die Mitarbeiterin des C.________ gegenüber der Beschwerdegegnerin 
an, die Beschwerdeführerin habe manchmal Schwierigkeiten, ihre "Ämtli" 
zu erledigen. Sie käme nicht aus dem Bett. Auch wenn beispielsweise ein 
Termin mit dem Psychiater anstehe oder etwas Neues und Unbekanntes, 
könne es für sie schwierig sein, aufzustehen (S. 2).

3.1.4 Mit weiterem Bericht vom 11. März 2020 (act. II 40) hielt Dr. med. 
G.________ differentialdiagnostisch zusätzlich eine "anderweitige Angst-
störung" fest (S. 3). Die letzte Kontrolle habe am 5. Juli 2019 stattgefunden 
(S. 2). In der Zwischenzeit sei keine Psychotherapie mehr erfolgt, da die 
Beschwerdeführerin auch das Angebot, zu den Terminen transportiert zu 
werden, nicht wahrnehme (S. 3). 

3.1.5 Dr. med. D.________ (RAD) hielt im Bericht vom 6. Mai 2020 (act. 
II 44 S. 4 f.) fest, neben der Diagnose soziale Phobie gebe es in den Akten 
klare Hinweise auf mögliche zusätzliche Diagnosen/Komorbiditäten, wie 
Genderproblematik mit Verdacht auf Transsexualismus, emotionale Labi-
lität mit Tendenz zu Selbstverletzung und depressive Symptomatik. Bei 
bekannter interpersoneller Gewalt in der Familie stelle sich auch die Frage 
nach einer möglichen Traumatisierung. Zur genauen Diagnostik, Klärung 
der Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit und des Leistungsprofils empfehle 
sie – Dr. med. D.________ – ein psychiatrisches Gutachten (S. 4).

3.2 Die Beschwerdeführerin hat weder gegen die Begutachtung an 
sich noch gegen die begutachtende Person PD Dr. med. E.________ innert 
der durch die Beschwerdegegnerin gewährten Frist (triftige) Ablehnungs-
gründe geltend gemacht (act. II 46 S. 1). Ob vor diesem Hintergrund der im 
vorliegenden Beschwerdeverfahren erstmals gestellte Antrag, die Be-
schwerdegegnerin sei anzuweisen, eine psychiatrische Begutachtung in 
geeigneter Weise anzuordnen, wobei "eine Möglichkeit […] allenfalls" eine 
Begutachtung in der Klinik F.________ wäre, nicht ohnehin als verwirkt zu 
gelten hat (vgl. BGE 143 V 66 E. 4.3 S. 69, 132 V 93 E. 7.4.2 S. 112; SVR 
2019 IV Nr. 85 S. 280 E. 4.2), kann mit Blick auf die folgenden Erwägungen 
offen bleiben.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 9

3.3

3.3.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin sich der von der 
Beschwerdegegnerin angeordneten Begutachtung bei PD Dr. med. 
E.________ nicht unterzogen hat (act. II 65; Beschwerde, S. 1, Ziff. 2). In-
dem die Beschwerdeführerin sodann die Anordnung einer psychiatrischen 
Begutachtung "in geeigneter Weise" beantragt (Beschwerde, S. 3, Ziff. 3) 
steht – im Lichte der sich aus den Akten ergebenden Beschaffenheit der 
Gesundheitsproblematik sowie mit Blick auf den Bericht des RAD vom 6. 
Mai 2020 (vgl. E. 3.1.5 vorne) zu Recht – auch ausser Streit, dass zwecks 
Klärung des geltend gemachten Leistungsanspruchs (act. II 27) grundsätz-
lich eine psychiatrische Begutachtung zu erfolgen hat. Zur Begründung 
ihres dreimaligen Nichterscheinens zu den vorgesehenen Begutachtungs-
terminen (act. II 65) bringt die Beschwerdeführerin vor, sie leide an einer 
sozialen Phobie, diversen anderen Ängsten, Traumata aus ihrer Kindheit, 
Verlustängsten sowie Depressionen und immer wiederkehrenden Suizid-
gedanken. Sie habe sich in den letzten Monaten gegen jede Veränderung 
von aussen gewehrt und alle Kontakte vermieden (Beschwerde, S. 2, Ziff. 
3). 

3.3.2 Wie aus dem Schreiben von PD Dr. med. E.________ vom 
26. November 2020 (act. II 65) hervorgeht, wurde die Beschwerdeführerin 
durch ihre Bezugsperson vom C.________ drei Stunden vor dem dritten 
(und seitens der Beschwerdegegnerin letztmals gewährten) Begutach-
tungstermin abgemeldet. Als Begründung wurde angegeben, die Be-
schwerdeführerin würde sich erneut weigern und habe sich in ihrem 
Zimmer verbarrikadiert. Gemäss Angaben der Bezugsperson habe die Be-
schwerdeführerin "keinerlei Motivation" über ihre Probleme zu sprechen. 
Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass diese im Hinblick auf die 
vorgesehene Begutachtung (insgesamt dreimal) gezeigte Weigerungshal-
tung mit der von Dr. med. G.________ diagnostizierten sozialen Phobie 
(ICD-10 F40.1) oder einer anderweitigen psychischen Störung in Zusam-
menhang stehen sollte, so lässt sich aus dem aktenmässig erstellten Ge-
sundheitszustand der Beschwerdeführerin (vgl. E. 3.1 vorne) nicht auf eine 
Unzumutbarkeit der von der Beschwerdegegnerin angeordneten psychiatri-
schen Begutachtung schliessen. Die Beschwerdeführerin legt denn auch 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 10

keine medizinischen Berichte auf, welche eine Begutachtung als unzumut-
bar ausweisen. Die RAD-Ärztin hielt zwar fest, dass die Beschwerdeführe-
rin eine Begleitperson benötige (act. II 43 S. 1), machte die von ihr empfoh-
lene Begutachtung jedoch nicht von spezifischen Voraussetzungen 
hinsichtlich deren Zumutbarkeit abhängig. Auch war die Beschwerdeführe-
rin in der Lage, mit ihrer Mutter und einer Begleitperson am Assessment 
der Beschwerdegegnerin teilzunehmen (act. II 21) und sich in diesem 
Rahmen zu äussern (S. 2). Wie ferner aus dem Standortbericht des 
C.________ vom Juni 2019 (vgl. E. 3.1.1 vorne) hervorgeht, ist die Be-
schwerdeführerin – wenngleich gemäss Dr. med. G.________ "noch deut-
lich von normalen sozialen Fähigkeiten entfernt" (act. II 18 S. 3) – 
grundsätzlich zu sozialer Interaktion sowie zur Selbstreflexion fähig. Zwar 
erfolgte gemäss Dr. med. G.________ seit 5. Juli 2019 keine Psychothera-
pie mehr, dies, weil die Beschwerdeführerin offenbar das Angebot, zu den 
Terminen transportiert zu werden, nicht wahrgenommen habe (vgl. E. 3.1.4 
vorne). Daraus lässt sich jedoch nicht auf eine Unzumutbarkeit der ange-
ordneten Begutachtung schliessen, zumal auch insoweit nicht erstellt ist, ob 
allein motivationale Faktoren oder (auch) medizinische Gründe für die Wei-
gerungshaltung verantwortlich sind. Dass anderweitige, ausserhalb des 
Gesundheitszustandes stehende subjektive Umstände, wie etwa das Alter 
oder bisherige Erfahrungen mit Abklärungen (vgl. E. 2.3 vorne) gegen eine 
(gutachterliche) Untersuchung sprechen, ist nicht ersichtlich und wird auch 
nicht geltend gemacht. 

3.4 War die angeordnete Begutachtung bei PD Dr. med. E.________ 
demnach zumutbar, erfolgte die Verletzung der Mitwirkungspflichten ohne 
entschuldbaren Grund. Auch war eine materielle Beurteilung des Leis-
tungsbegehrens aufgrund der gesamten Aktenlage ohne Mitwirkung der 
Beschwerdeführerin ausgeschlossen – was auch die Beschwerdeführerin 
nicht in Frage stellt –, womit die Beschwerdegegnerin zu Recht auf Nicht-
eintreten erkannt hat (vgl. E. 2.4 vorne). 

3.5 Das Mahn- und Bedenkzeitverfahren (vgl. E. 2.4 vorne) wurde 
korrekt durchgeführt (act. II 55). Gegenteiliges wird denn auch nicht geltend 
gemacht. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 11

3.6 Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 27. No-
vember 2020 (act. II 64) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene 
Beschwerde abzuweisen. 

4.

Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sie sich im Falle ihrer 
Bereitschaft zur Mitwirkung bei der Begutachtung bei der Beschwerdegeg-
nerin jederzeit neu zum Leistungsbezug anmelden kann (SVR 2019 IV Nr. 
8 S. 25 E. 5.1, 2017 IV Nr. 50 S. 151 E. 3.3 und 3.4).

5.

Mit der Abweisung der Beschwerde ist die Beschwerdeführerin als unterlie-
gend zu betrachten. Damit wird sie kostenpflichtig (Art. 108 VRPG), wes-
halb nachfolgend vorab das Gesuch um Erteilung des Rechts auf 
unentgeltliche Rechtspflege zu prüfen ist. 

5.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei 
von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 
Abs. 1 und 2 VRPG). 

Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist aufgrund der dokumentierten 
finanziellen Verhältnisse respektive ihrer Sozialhilfebedürftigkeit ausgewie-
sen (Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 3). Im Weiteren ist die Be-
schwerde nicht als aussichtslos zu qualifizieren. Das Gesuch der 
Beschwerdeführerin ist somit in Bezug auf die Verfahrenskosten gutzuheis-
sen.

5.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG (in der bis 31. Dezember 2020 in 
Kraft gestandenen und hier massgebenden Fassung) ist das Beschwerde-
verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die 
Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kos-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 12

ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Im vorliegenden Fall werden die Verfahrenskosten auf Fr. 500.-- festgesetzt 
und der unterliegenden Beschwerdeführerin auferlegt. Aufgrund der ge-
währten unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 5.1 hiervor) wird die Be-
schwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss 
Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 
(ZPO; SR 272) –  vorläufig von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG).

5.3 Infolge Unterliegens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch 
auf Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Um-
kehrschluss] und Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die obsiegende Beschwerdegeg-
nerin hat als öffentlich-rechtliche Anstalt des Kantons Bern keinen 
Anspruch auf Parteikostenersatz (BGE 128 V 124 E. 5b S. 133).

Demnach entscheidet die Einzelrichterin:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege betreffend die Verfah-
renskosten wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 
gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Dez. 2021, IV/20/940, Seite 13

5. Zu eröffnen (R):
- Regionaler Sozialdienst B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.