# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7ee0294d-c610-5732-8409-a19f5ebfb14d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-11-10
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 10.11.2006 R 2006 62
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_R-2006-62_2006-11-10.pdf

## Full Text

R 06 62
4. Kammer 

URTEIL
vom 10. November 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baugesuch (BAB)

1. Im Frühling 2006 reichte … bei der Gemeinde … ein Gesuch zwecks 

Erstellung eines Aussenbalkons (ca. 24 m2) entlang der Süd- sowie teils der 

Westfassade an der vor 3 Jahren im Alpgebiet … gekauften Ferienhütte 

(Grundriss ca. 30 m2) auf Parz. 610 in der Landwirtschaftszone unweit 

(Distanz ca. 150 m) der dazu oberhalb gelegenen Erhaltungszone „…“ ein. In 

ihrer Vorprüfung vom 18. Mai hielt das für Bauten ausserhalb von Bauzonen 

kantonal zuständige Amt für Raumentwicklung (ARE) gegenüber der 

Ortsgemeinde fest, dass das Projektvorhaben die vor Ort zu beachtenden 

Gestaltungsvorschriften verletzen und die Identität der betreffenden Hütte auf 

Alpstufe zerstören würde, weshalb das Gesuch nicht bewilligt werden könnte. 

Gestützt auf jene Beurteilung lehnte die Ortsgemeinde das Baugesuch am 

12., mitgeteilt am 15. Juni 2006, ab.

2. Dagegen erhob die Gesuchstellerin am 4. Juli 2006 frist- und formgerecht 

Rekurs beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag um Aufhebung des 

angefochtenen Ablehnungsentscheids und um Gewährung der 

nachgesuchten Baubewilligung; allenfalls einer flächenmässig reduzierten 

Balkonausbauvariante. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, 

dass die Behauptung der Vorinstanz nicht richtig sei, wonach es im … bei 

Temporärbauten keine Balkone gebe. Die mehreren beigelegten 

Fotoaufnahmen zeigten gerade das Gegenteil. Vielmehr sei sie durch die 

bereits existierenden Balkone erst inspiriert worden, um ein solches Gesuch 

zu stellen. Sollte die Grösse des Balkons nicht die Kriterien nach guter 

Gestaltung erfüllen, sei eine Umgestaltung/Verkleinerung jederzeit möglich.

3. In der Vernehmlassung beantragte die Gemeinde die Abweisung des 

Rekurses. Anknüpfend an die Begründung im angefochtenen Entscheid hielt 

sie fest, dass die einschlägigen Gestaltungs- und Ästhetikvorschriften auf 

Stufe Kanton als auch auf Stufe Gemeinde durch das Bauprojekt missachtet 

würden und sie daher zu Recht keine Bewilligung erteilt habe.

4. In seiner Stellungnahme beantragte das ARE die Abweisung des Rekurses. 

Den Einwänden der Gesuchstellerin hielt es entgegen, dass es prinzipiell 

keinen Anspruch auf Gleichhandlung im Unrecht gebe; zumal die 

Ortsgemeinde durch den Erlass entsprechender Gestaltungs- und 

Ästhetikschriften (GGP 1992) beschlossen habe, dass sie allfällig „alte“ 

Bausünden (Baubewilligungen vor Erlass der neuen 

Raumplanungsvorschriften seit 1972) generell nicht wiederholen bzw. bei 

Gelegenheit sogar wieder rückgängig machen möchte. Dieses Ansinnen sei 

schützenswert; dies gelte umso mehr, als der geplante Balkon auf besagter 

Alpstufe an der schon 1964 von einem Stall in eine Ferienhütte umgebauten 

und seither entsprechend genutzten Temporärbaute auf Parz. 610 weder 

baulich ortsüblich noch sonst kulturgeschichtlich wertvoll gewesen wäre.

5. In ihrer Replik betonte die Gesuchstellerin nochmals, dass sie nicht verstehen 

könnte, weshalb sie offensichtlich anders als die umliegenden Hüttenbesitzer 

behandelt würde. Die bestehenden und fotografisch dokumentierten Balkone 

in der Umgebung seien doch allesamt ebenfalls rechtsgültig und 

gesetzeskonform bewilligt worden, weshalb ihr Vorhaben nun nicht plötzlich 

unrecht sein könnte. Zum Argument der störenden Gestaltung bzw. 

ungenügenden Ästhetik habe sie zudem schon ihr Einverständnis signalisiert, 

dass sie sich auch mit einer kleineren Balkonvariante zufrieden geben würde.

6. Duplicando hielten die Ortsgemeinde (Rekursgegnerin) und das ARE 

(Rekursgegner) unverändert an ihren zuvor geäusserten Anträgen fest.

7. Am 09.11.2006 führte die IV. Kammer des Verwaltungsgerichts noch einen 

Augenschein vor Ort durch, an welchem die Gesuchstellerin und heutige 

Rekurrentin persönlich in Begleitung ihres Ehegatten anwesend war. Von 

Seiten der Rekursgegnerin waren die Gemeindepräsidentin, der 

Gemeindeschreiber sowie der Baufachchef zugegen. Der Rekursgegner war 

durch einen Vertreter des ARE präsent. Allen Anwesenden wurde sodann an 

Ort und Stelle noch einmal mündlich die Gelegenheit geboten, sich zur Sache 

zu äussern. Von jener Möglichkeit wurde einerseits auf der Höhe des 

bestehenden Holzpodestes an der Südwestecke der Ferienhütte sowie an der 

Südostecke mit Blick auf einen Terrassenanbau bei einer Gastwirtschaft in 

der ca. 150 m oberhalb gelegenen Erhaltungszone „…“ Gebrauch gemacht. 

Seitens des Gerichts wurden ausserdem noch drei Fotos über die räumlichen 

Verhältnisse in der nächsten Umgebung des ebenerdigen Sitzplatzpodestes 

und der Ferienhütte auf Parz. 610 erstellt und dem Protokoll des 

Augenscheins beigefügt.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Laut Art. 73 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden 

(KRG, BR 801.100) sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den Regeln 

der Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass mit der Umgebung und 

der Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. In Ergänzung und 

Präzisierung jener Gestaltungsvorschrift hält das Baugesetz der Gemeinde … 

in Art. 18 fest, dass Bauten architektonisch gut zu gestalten seien und auf ihre 

Umgebung Bezug (Rücksicht) nehmen sollten (Abs. 1: Schutz Orts- und 

Landschaftsbild). Sie seien insbesondere bezüglich der Proportionen des 

Gebäudes, Gliederung der Fassaden, Dachgestaltung oder Farbgebung 

entsprechend anzupassen (Abs. 3).

b) Im Lichte dieser gesetzlichen Vorgaben, der Würdigung der eingereichten 

Bauprojektpläne (mit Datum 07.02.2006) sowie der anlässlich des 

Augenscheins vom 09.11.2006 erlangten Erkenntnisse über die räumlichen 

Distanzverhältnisse, die traditionelle, typische und vorherrschende Baukultur 

sowie vor allem der doch sehr bescheidenen Proportionen (Grundriss 30 m2; 

1½ -stöckig; Höhe Dachgiebel max. 5 m) und Ausgestaltung (Holzriegelbau 

mit nachträglich halbhoch erstellter Steinmauerattrappe auf der Süd-, Ost- 

und Westfassadenseite) der erst 1964 von einem gewöhnlichen Heustall neu 

in eine temporär genutzte Ferienhütte umfunktionierten Wohnbaute auf Parz. 

610 (Landwirtschaftzone), ist das Gericht im konkreten Fall zur Überzeugung 

gelangt, dass die Gemeinde und das ARE korrekt und verhältnismässig 

handelten, als sie das geplante Vorhaben (Erstellen eines Aussenholzbalkons 

entlang der ganzen Südseite sowie zur Hälfte an der Westseite der Hütte mit 

einer Sitzfläche von insgesamt ca. 24 m2 in einer Höhe von ca. 1.6 m über 

dem gewachsenen Terrain) im Resultat als nicht bewilligungsfähig taxierten. 

Hier kommen zwar nicht die strengen Gestaltungsvorschriften der 

benachbarten Erhaltungszone „…“ zur Anwendung. Jedoch beanspruchen 

hier die Gestaltungs- und Ästhetikvorschriften gemäss Art. 73 KRG und 18 

BG Geltung. Nach der Praxis des Gerichtes können zudem die mit der 

örtlichen Baukultur am besten vertrauten Baubehörden ein weites Ermessen 

beanspruchen, was zur Konsequenz hat, dass das angerufene 

Verwaltungsgericht nur bei Missbrauch oder Überschreitung dieses 

Spielraums durch die Baubehörden einschreitet. Aus den oben erwähnten 

Gründen kann vorliegend jedoch nicht von einer derartigen Fehlbeurteilung 

seitens der Gemeinde bzw. des ARE die Rede sein. Wie vor Ort festgestellt 

wurde, können Balkone grundsätzlich nicht als charakteristisch oder typisch 

für die dort existierenden einfachen Heuställe bezeichnet werden. Der 

Hauptablehnungsgrund, wonach der von überall her gut einsehbare Balkon 

auf Parz. 610 wie ein Fremdkörper in der Landschaft erscheinen und deshalb 

ein unnötiges Störpotential für die traditionell „balkonfreie“ Umgebung 

darstellen würde, vermag im Ergebnis daher zu überzeugen. Daran würde 

selbst der Eventualantrag der Gesuchstellerin (angemessene Verkleinerung 

der Balkonfläche) nichts ändern, da jeder Balkon das Orts- und 

Landschaftsbild beeinträchtigen würde. Vorliegendenfalls, wo eine 

Balkonfläche von ca. 24 m2 bei einer Balkonhöhe von bloss 1.6 m zur Debatte 

steht, gilt es zudem festzuhalten, dass damit die Proportionen der kleinen 

Ferienhütte (Grundriss 30 m2; nur 1½-stöckig) erheblich gestört würden, was 

mit den zitierten Ästhetikvorschriften unvereinbar wäre. Was die 

Gesuchstellerin dagegen vorbringt, ist unerheblich, da sie den Beweis für 

allfällige Balkonbewilligungen in ihrer nächsten Umgebung seit dem 

Inkrafttreten der raumplanerisch (ab 1972) eingeführten Baubeschränkungen 

nicht erbrachte und sich die Gemeinde glaubwürdig dahin gehend äusserte, 

dass sie bereits seit Jahrzehnten keine Balkone mehr bewilligt habe und auch 

künftig bestimmt keine bewilligen werde, womit sich die Rüge einer 

rechtsungleichen Behandlung ebenfalls als haltlos erweist. Im Übrigen ist  

festzuhalten, dass das erstellte Holzpodest auf der Südseite der Ferienhütte 

weit zweckmässiger und optisch bedeutend landschaftsverträglicher ist als 

der offenkundig weit überdimensionierte und bloss geringfügig über dem 

Erdreich vorgesehene Balkon auf Parz. 610. Selbst der Verweis auf das 

Gasthaus samt Terrasse oberhalb ihrer Ferienhütte (Distanz zirka 150 m) 

vermag an dieser Beurteilung  nichts zu ändern, da deren Nutzung als auch 

deren Grösse zum voraus nicht mit dem überproportionalen, klar artfremden 

und ausschliesslich bloss privat verwendeten Balkon an der kleinen 

Ferienhütte auf Parz. 610 vergleichbar ist.

c) Der angefochtene Entscheid erweist sich demnach in jeder Beziehung als 

recht- und verhältnismässig, was zur Abweisung des Rekurses führt.

2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf Art. 

75 des Verwaltungsgerichtsgesetzes (VGG, BR 370.100) der Rekurrentin 

aufzuerlegen. Auf die Ausrichtung einer aussergerichtlichen 

Parteientschädigung an die nicht anwaltlich vertretene Gemeinde 

(Rekursgegnerin) sowie an das ARE (Rekursgegner) wird indessen 

praxisgemäss verzichtet.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 126.--

zusammen Fr. 2'126.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.