# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c75b5cd-13e9-5277-bc55-93aae495b838
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2025 D-6348/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6348-2024_2025-11-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6348/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  N o v e m b e r  2 0 2 5   

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen,  

Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch MLaw Saban Murat Özten,  

Rechtsbüro, (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 28. August 2024 / N (…). 

 

 

 

D-6348/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer 

Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge gemeinsam 

mit seinem Bruder B._______ (N […]) im Juli 2023 und gelangte auf dem 

Luftweg nach Serbien. Mit einem geschlossenen Transporter sowie per 

Zug reiste er weiter in die Schweiz, wo er am 30. Juli 2023 um Asyl nach-

suchte. Das SEM hörte ihn am 21. Dezember 2023 zu seinen Asylgründen 

an.  

A.b Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er sei in C._______ auf-

gewachsen, habe schon früh als (…) gearbeitet und später entsprechende 

Zertifikate erworben. Zuletzt habe er in diesem Bereich eine eigene Firma 

gegründet. Im Februar 2008 hätten die türkischen Behörden seinen damals 

(…)-jährigen Bruder B._______ verhaftet und einen Monat später auch sei-

nen Vater. Der Bruder sei in der Folge zu einer mehr als zehnjährigen Haft-

strafe verurteilt, nach viereinhalb Jahren aber wieder entlassen worden. Im 

Jahr 2014 habe es Proteste wegen der Situation in Kobane gegeben. Seine 

(…) Schwester sei damals auf der Strasse von Unterstützern des Islami-

schen Staates (IS) angegriffen und angeschossen worden. Seither sei sie 

gelähmt und könne nicht mehr gehen. Dennoch sei sie zunächst strafrecht-

lich verfolgt worden aufgrund des Vorwurfs, sie habe an den Unruhen teil-

genommen, bevor sie auf internationalen Druck hin freigesprochen worden 

sei. Seine Familie sei dann nach D._______ gegangen. Nachdem sie dort 

jedoch am (…) 2015 eine Explosion miterlebt hätten, sei er wieder nach 

C._______ zurückgekehrt. Im (…) 2016 sei er gerade in der Nähe gewe-

sen, als bei einem Bombenanschlag auf eine Hochzeitsfeier mehrere Men-

schen getötet worden seien. Da er Fotos von diesem Ereignis auf den so-

zialen Medien veröffentlicht habe, sei er bedroht worden. Er sei dann nach 

E._______ umgezogen, habe dort geheiratet und ein angenehmes Leben 

geführt. In den Jahren 2018/2019 habe sein Bruder als Fahrer für den Ver-

ein (…) die (…). Er habe ihn mehrmals als Ersatzfahrer begleitet, wobei sie 

Drohungen und Beleidigungen ausgesetzt gewesen seien. Später sei der 

Verein verboten worden. Schliesslich habe ein Anwalt seinen Bruder dar-

über informiert, dass sich der Drahtzieher verschiedener IS-Anschläge, da-

runter jener in D._______, in die Luft gesprengt habe. Bei einer Hausdurch-

suchung sei eine Todesliste gefunden worden, auf welcher auch er und 

sein Bruder gestanden hätten. Vor diesem Hintergrund sei er mit seiner 

Familie erneut umgezogen, bevor sie sich schliesslich in F._______ nie-

dergelassen hätten. Im Juli 2023 habe er einen Showroom für sein 

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Seite 3 

Geschäft eingerichtet, wobei bei der Eröffnung zwei Personen – wohl vom 

Geheimdienst – vorbeigekommen seien. Diese hätten ihn auf die Tätigkei-

ten seiner Angehörigen angesprochen und aufgefordert, als Informant für 

sie tätig zu werden. Dabei hätten sie indirekt seine Familie bedroht. Er habe 

danach seinen Schwager gebeten, ihm eine Meldeadresse in G._______ 

zuzulegen, sei aber tatsächlich an einen anderen Ort in G._______ gezo-

gen. Die türkischen Behörden hätten sich aber die Mühe gemacht, seinen 

tatsächlichen Wohnort ausfindig zu machen. Er habe dann seinen Bruder 

B._______ kontaktiert, welcher ebenfalls seit vielen Jahren Probleme mit 

den Behörden gehabt habe. In der Folge seien sie zusammen ausgereist.  

A.c Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seine tür-

kische Identitätskarte im Original ein. Weiter gab er folgende Beweismittel 

zu den Akten: Referenzschreiben von H._______, Fotos von «Nationalis-

ten» auf der Strasse, Wohnsitzauszug, Sozialversicherungsauszug, Steu-

erkarte, Anmeldeformular bei der Partei HDP, Auszug aus einem Justizdo-

kument betreffend den IS, diverse Links zu Artikeln über seine Familie, ein 

Online-Artikel über die Festnahme eines IS-Kämpfers sowie einen USB-

Stick mit dem Dossier seines Bruders.  

B.  

Am 29. Dezember 2023 teilte das SEM die Behandlung des Asylgesuchs 

des Beschwerdeführers dem erweiterten Verfahren zu.  

C.  

Mit Verfügung vom 28. August 2024 – eröffnet am 5. September 2024 – 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht. Es lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg 

und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.  

D.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines neu mandatierten 

Rechtsvertreters vom 5. Oktober 2025 beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragte er, die angefoch-

tene Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass 

der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig beziehungsweise nicht zumut-

bar sei und die Vorinstanz sei anzuweisen, eine vorläufige Aufnahme zu 

verfügen. Subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurtei-

lung zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um 

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unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung eines amtlichen Rechtsbei-

stands.  

E.  

Mit Eingabe vom 14. Oktober 2024 reichte der Beschwerdeführer folgende 

Beweismittel ein: e-Devlet-Auszug über seine Wohnsitzadressen, Bericht 

der Zeitung Evrensel vom 18. November 2018, UYAP-Auszüge seiner Mut-

ter, seines Vaters, seiner Schwester sowie seines Bruders und einen poli-

zeilichen Bericht vom 26. August 2024.  

F.  

Die Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 

2024 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Sie hiess die Gesuche um unentgeltliche Prozessfüh-

rung sowie amtliche Rechtsverbeiständung unter der Voraussetzung des 

Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut und forderte den Beschwer-

deführer auf, bis zum 3. Januar 2025 entweder eine Fürsorgebestätigung 

nachzureichen oder einen Kostenvorschuss zu bezahlen.  

G.  

Der Kostenvorschuss wurde am 27. Dezember 2024 geleistet.  

H.  

Das SEM liess sich mit Schreiben vom 31. Januar 2025 vernehmen.  

I.  

Mit Eingabe vom 3. Februar 2025 reichte der Beschwerdeführer eine Rep-

lik zu den Akten. 

J.  

Der Rechtsvertreter übermittelte dem Gericht mit Schreiben vom 23. Okto-

ber 2025 einen Arztbericht von Dr. med. I._______ vom 12. Oktober 2025.  

K.  

Mit Eingabe vom 30. Oktober 2025 wurden die folgenden weiteren Beweis-

mittel eingereicht: vier Anfragen des (…) H._______ vom 23. Oktober 2025 

an verschiedene hochrangige Politiker respektive Institutionen, Bericht der 

Zeitung Evrensel vom 2. Oktober 2025, Zeitungsartikel betreffend die Fa-

milie des Beschwerdeführers vom 2. Oktober 2025.  

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvor-

schuss wurde fristgerecht bezahlt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge-

hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich 

zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu 

berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die be-

troffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten 

kann. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-

bringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die Vorinstanz 

bei der Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit 

jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 

184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 

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3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, das SEM habe den Besuch der 

beiden Geheimagenten in seinem Showroom nicht ausreichend gewürdigt, 

obwohl es sich dabei um das für die Ausreise ausschlaggebende Sachver-

haltselement handle. Die Vorinstanz hat dieses Ereignis in ihrer Verfügung 

jedoch bei der materiellen Beurteilung durchaus aufgegriffen (vgl. dort. 

Ziff. II/1., S. 6). Auch wenn sie sich nur knapp dazu geäussert hat und im 

Anschluss feststellte, die diesbezüglich geltend gemachte Bedrohungslage 

stelle keinen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar, ist keine 

Verletzung der Begründungspflicht zu erkennen. Aus der angefochtenen 

Verfügung geht mit genügender Klarheit hervor, aus welchen Gründen die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge-

such abgelehnt wurde. Entsprechend war es ihm auch möglich, den Asyl-

entscheid sachgerecht anzufechten.  

3.3 Vor diesem Hintergrund besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung wegen einer Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben 

und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Da 

auch keine anderweitigen formellen Mängel ersichtlich sind, ist der betref-

fende Subeventualantrag abzuweisen.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

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5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM zunächst aus, der 

Beschwerdeführer mache eine Verfolgung geltend, weil er aus einer oppo-

sitionell gesinnten Familie stamme und sein Vater sowie ein Bruder und die 

schwer beeinträchtigte Schwester bereits behördlich verfolgt worden seien. 

Anders als bei seinem Bruder gebe es aber keine Verfahren gegen ihn. Er 

habe seit mehreren Jahren keine politischen Aktivitäten mehr ausgeführt 

und sei nach dem Umzug nach F._______ im Jahr 2020 – bis zur Eröffnung 

des Showrooms – nicht behelligt worden. Weiter gebe es keine Hinweise 

darauf, dass den türkischen Behörden bekannt sei, dass er in den Jahren 

2018/2019 seinen Bruder bei der Tätigkeit für den Verein (…) unterstützt 

habe. Die Schwester wiederum sei aufgrund der bedauerlichen Ereignisse 

im Jahr 2014 auf die Pflege der Familie angewiesen und es sei unwahr-

scheinlich, dass sie im heutigen Zeitpunkt als Regimegegnerin wahrge-

nommen werde. Somit sei nicht von einer flüchtlingsrechtlich relevanten 

Reflexverfolgung auszugehen. Hinsichtlich der «Todesliste» des IS-Funk-

tionärs sei festzustellen, dass die diesbezüglich drohende Verfolgung von 

Drittpersonen ausgehe. Der türkische Staat verfüge über funktionierende 

Polizei- und Justizorgane, um gegen derartige Gruppierungen vorzugehen. 

Zudem sei die betreffende Person bereits tot und seit dem Auffinden der 

Liste sei nichts passiert. Insgesamt hielten die Vorbringen des Beschwer-

deführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand.  

5.2 In der Beschwerde wurde vorgebracht, der Beschwerdeführer stamme 

aus einer politisch aktiven Familie, welche von den türkischen Behörden 

fichiert worden sei. Sein Onkel sei etwa aus politischen Gründen zu einer 

lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden und seit 2004 im Gefängnis. Der 

Bruder B._______ sei im Alter von (…) Jahren festgenommen und für vier-

einhalb Jahr inhaftiert worden. Auch sein Vater sei schon verhaftet und 

seine Mutter politisch motiviert vor Gericht gestellt worden. Seine Kindheit 

sei von Razzien geprägt gewesen, bei welchen die Sicherheitskräfte äus-

serst harsch vorgegangen seien und seinem Vater eine Waffe an den Kopf 

gehalten hätten. Die Verfolgung der Familie habe sich mit dem Aufstieg des 

IS und dessen verstärkten Aktivitäten in der Türkei intensiviert. Ausschlag-

gebend für das Verlassen des Heimatstaates sei schliesslich die Drohung 

von zwei Geheimagenten während ihres Besuchs in seinem Showroom 

gewesen. Dabei hätten sie ihn massiv unter Druck gesetzt, um als Infor-

mant der Behörden tätig zu werden. Nachdem er sein Leben lang staatli-

cher Verfolgung ausgesetzt gewesen sei, habe er sich nach diesem Vorfall 

entschlossen, aus der Türkei zu fliehen.  

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Der Beschwerdeführer mache nicht nur eine Reflexverfolgung geltend. Es 

gehe vielmehr darum, dass seine Familie die politische kurdische Bewe-

gung aktiv unterstützt habe und daher vom türkischen Staat verfolgt wor-

den sei. Als Mitglied dieser Familie habe er selbst unter dieser Verfolgung 

gelitten. Es handle sich nicht um ein einzelnes Ereignis, sondern um dau-

erhafte Unterdrückungen, die nicht isoliert betrachtet werden könnten. Die 

gesamte Familie sei in der türkischen Öffentlichkeit bekannt, da in den Me-

dien namentlich über seine Schwester ausführlich berichtet worden sei und 

sich Menschenrechtsorganisationen sowie Abgeordnete dazu geäussert 

hätten. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Vorinstanz die staatliche Verfol-

gung der gelähmten Schwester lediglich als vergangenen Vorfall bewerte, 

da die Prozesse in diesem Zusammenhang immer noch andauerten. An-

statt als Opfer vom Staat geschützt zu werden, sei sie mit unbegründeten 

Anschuldigungen konfrontiert worden. Weiter hätten die Familienmitglieder 

oft ihren Wohnort gewechselt und versucht, sich dadurch in Sicherheit zu 

bringen. Dies zeige, dass sie in der Türkei in grosser Angst gelebt hätten. 

Zusätzlich zur staatlichen Verfolgung sei auch eine Bedrohung von IS-Ter-

roristen ausgegangen, was die bei einem Drahtzieher von Anschlägen auf-

gefundene «Todesliste» mit seinem Namen belege. Es sei mehrfach nach-

gewiesen worden, dass der IS vom türkischen Staat geschützt und in ver-

schiedener Hinsicht gar unterstützt worden sei. Der IS sei denn auch nie 

gegen staatliche Einrichtungen in der Türkei vorgegangen und seine An-

schläge hätten sich stets gegen Personengruppen gerichtet, die gegen die 

türkische Regierung gewesen seien. Es treffe daher nicht zu, dass der Be-

schwerdeführer vor dieser Gefahr durch die heimatlichen Behörden ge-

schützt worden wäre. Sodann habe der Beschwerdeführer als regimekriti-

scher Kurde aus einer politischen Familie ein erhebliches Risikoprofil. Er 

habe auch in der Schweiz an politischen Veranstaltungen und Demonstra-

tionen der kurdischen Diaspora teilgenommen. Die Menschenrechtslage in 

der Türkei habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlech-

tert. Strafverfahren würden oft als Mittel gegen politische Gegner einge-

setzt und es gebe Tausende von Fällen, in denen Personen wegen Beiträ-

gen auf Social Media strafrechtlich verfolgt worden seien.  

5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM im Wesentlichen an seiner 

Verfügung fest. Ergänzend führte es aus, dass allgemeine Diskriminierun-

gen, welchen der Beschwerdeführer als Kurde in der Türkei ausgesetzt ge-

wesen sei, nicht für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausreich-

ten. Sodann beträfen die mit Beweismitteleingabe vom 14. Oktober 2024 

eingereichten Unterlagen mehrheitlich nicht ihn selbst, sondern seine 

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Seite 9 

Familienangehörigen, weshalb er daraus nichts Relevantes zu seinen 

Gunsten ableiten könne.  

5.4 Der Beschwerdeführer wies in der Replik erneut darauf hin, dass er auf 

der Todesliste eines IS-Kämpfers gestanden habe, von den türkischen Be-

hörden unter Druck gesetzt sowie aufgefordert worden sei, für sie als In-

formant zu arbeiten. Er sei einer spezifischen Verfolgung ausgesetzt ge-

wesen, welche über allgemeine Diskriminierungen von Kurden in der Tür-

kei hinausgehe. Die staatlichen Verfolgungshandlungen gegen ihn und 

seine Familie hätten sich über viele Jahre erstreckt und ihm schliesslich 

einen Aufenthalt in der Türkei unmöglich gemacht. Die nachgereichten Be-

weismittel zeigten, dass er nicht nur wegen seines eigenen Profils, sondern 

auch wegen seiner Familienangehörigen im Visier der Behörden gestan-

den habe.  

6.  

6.1 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die 

asylsuchende Person im Zeitpunkt der Flucht ernsthafte Nachteile von be-

stimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Falle einer 

Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in 

absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der betroffe-

nen Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Zudem muss die geltend gemachte Gefähr-

dungslage aktuell sein (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. m.H.). Ob eine begrün-

dete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivier-

ten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhalts-

punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Men-

schen in der gleichen Lage Furcht vor einer Verfolgung hervorrufen wür-

den. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Betroffenen be-

reits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen 

zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat 

objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 

2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; je m.w.H). 

6.2 Zur Begründung seines Asylgesuchs verweist der Beschwerdeführer 

zunächst auf die Verhaftung seines Bruders und seines Vaters im Jahr 

2008 sowie die anschliessende Verurteilung seines Bruders zu einer lang-

jährigen Haftstrafe (vgl. SEM-Akte […]-17/18 [nachfolgend: Akte 17], F71). 

Auch wenn diese Ereignisse für ihn ebenfalls belastend waren, waren 

diese Handlungen des türkischen Staates nicht gegen seine Person ge-

richtet. Die damaligen Vorfälle stehen offensichtlich auch nicht in einem 

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Seite 10 

zeitlichen Kausalzusammenhang zu seiner späteren Ausreise. Dasselbe 

gilt für den Angriff auf die Schwester im Jahr 2014, welcher zu schweren 

Beeinträchtigungen geführt hat (vgl. Akte 17, F73). Unbestritten war es für 

den Beschwerdeführer als nahen Angehörigen, welcher den Angriff miter-

lebte, unverständlich, dass die Schwester in der Folge – statt staatlichen 

Schutzes zu erhalten – strafrechtlichen Vorwürfen ausgesetzt war. Auch in 

dieser Hinsicht ist jedoch keine gegen den Beschwerdeführer gerichtete 

Verfolgung zu erkennen. Er hielt sich nach diesem Ereignis noch fast zehn 

Jahre lang an verschiedenen Orten im Heimatstaat auf, ohne konkrete 

Nachteile seitens der Behörden zu erleiden. Ungeachtet des Umstands, 

dass diesbezüglich weiterhin Verfahren laufen respektive H._______ kürz-

lich mehrere Anfragen an verschiedene politische Institutionen getätigt hat 

(vgl. dazu Eingabe vom 30. Oktober 2025), ist nicht ersichtlich, weshalb 

der Beschwerdeführer aufgrund von Ungerechtigkeiten gegenüber seiner 

Schwester ernsthaften Nachteilen ausgesetzt werden sollte. Zahlreiche der 

von ihm eingereichten Beweismittel und der Hinweise auf diverse Online-

Artikel betreffen den Fall seiner Schwester, seinen Bruder B._______ oder 

seine Eltern. Aus diesen lässt sich jedoch nicht ableiten, dass der Be-

schwerdeführer ebenfalls staatliche Massnahmen zu befürchten gehabt 

hätte. Das SEM wies zu Recht darauf hin, dass gegen ihn kein Strafverfah-

ren geführt wird. Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ein solches 

in absehbarer Zukunft eröffnet werden respektive ihm eine unrechtmässige 

Verurteilung zu einer massgeblichen Strafe drohen könnte. Der Beschwer-

deführer konnte so auch problemlos legal mit seinem eigenen Reisepass 

aus der Türkei ausreisen (vgl. Akte 17, F56), was ebenfalls dafür spricht, 

dass er nicht in ein Verfahren verwickelt oder von den Behörden gesucht 

worden war. Es sind auch keine anderen Hinweise dafür ersichtlich, dass 

er aufgrund der gegen seine Familienmitglieder gerichteten Verfahren ei-

ner (Reflex-)Verfolgung ausgesetzt werden könnte.  

6.3 Weiter macht der Beschwerdeführer eine Bedrohung durch den IS gel-

tend. Die Bombenanschläge in den Jahren 2015 (D._______) respektive 

2016 (C._______), welche er miterlebt hat (vgl. Akte 17, F74), waren je-

doch nicht gezielt gegen ihn gerichtet. Weiter sind die vorgebrachten Dro-

hungen, die er nach der Veröffentlichung von Fotos in den sozialen Medien 

erhalten habe (vgl. Akte 17, F75 und F76 f.), nicht als ernsthafte Nachteile 

im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu werten. Auch das Auffinden einer «To-

desliste» mit seinem Namen bei einem verstorbenen IS-Mitglied im Jahr 

2019 (vgl. Akte 17, F75 S. 11 und F80 f.) hatte für ihn keine direkten Kon-

sequenzen. Zudem verliess er seinen Heimatstaat erst mehrere Jahre spä-

ter, weshalb diese Ereignisse nicht als kausal für die Flucht anzusehen 

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Seite 11 

sind. Damit erübrigt es sich, näher auf die Frage einzugehen, ob der türki-

sche Staat in dieser Hinsicht als schutzfähig und schutzwillig anzusehen 

gewesen wäre.  

6.4 Sodann lässt sich weder den Aussagen des Beschwerdeführers noch 

den Akten entnehmen, dass seine Tätigkeiten als Ersatzfahrer seines Bru-

ders für den Verein (…) den türkischen Behörden bekannt war. Die von ihm 

geltend gemachten Beleidigungen und Drohungen in diesem Zusammen-

hang (vgl. Akte 17, F75 S. 11 und F84 ff.) weisen keine genügende Inten-

sität auf, um als ernsthafte Nachteile angesehen zu werden.  

6.5 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das für die Ausreise des Be-

schwerdeführers ausschlaggebende Ereignis sei der Besuch von zwei Per-

sonen anlässlich der Eröffnung eines Showrooms für seine Firma gewe-

sen. Diese hätten nach Informationen über Institutionen gefragt, in welchen 

seine Familienmitglieder aktiv seien, und ihn sowie seine Familie bedroht 

(vgl. Akte 17, F75 S. 11, F93, F96). Die beiden Personen seien entweder 

vom Geheimdienst oder von «Jitem» (Jandarma İstihbarat ve Terörle 

Mücadele; informeller Geheimdienst der türkischen Gendarmerie, Anm. 

Gericht) gewesen (vgl. Akte 17, F89). Dies leitet der Beschwerdeführer aus 

dem Umstand ab, dass ausser dem Staat niemand wisse, bei welchen In-

stitutionen seine Angehörigen arbeiteten (vgl. Akte 17, F92 und F97). 

Nachdem in der Beschwerde verschiedentlich darauf verwiesen wird, dass 

seine Familie in der türkischen Öffentlichkeit bekannt und medial mehrmals 

über sie berichtet worden sei, erscheint dies nicht überzeugend. Objektive 

Hinweise darauf, dass es sich bei den betreffenden Personen tatsächlich 

um Geheimdienstleute gehandelt hat, sind nicht ersichtlich und die betref-

fende Behauptung bleibt unbelegt. Zudem erscheint eine einmalige Auffor-

derung und dabei ausgesprochene, indirekte Drohungen auch vor dem 

Hintergrund der Familiengeschichte des Beschwerdeführers nicht geeig-

net, als ernsthafter Nachteil gewertet zu werden respektive begründete 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung auszulösen. Eine solche lässt sich auch 

nicht aus dem Umstand ableiten, dass die türkischen Behörden seine tat-

sächliche Adresse – und nicht die von ihm gemeldete Adresse – ausfindig 

gemacht hätten (vgl. Akte 17, F102). Für die Vermutung, dies hätten die 

beiden «Geheimdienstleute» veranlasst, gibt es keine Belege. Eine asylre-

levante Verfolgungshandlung ist darin, dass das Innenministerium von sich 

aus die korrekte Adresse eingetragen habe, jedenfalls nicht zu erkennen.  

6.6 Abschliessend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer kein Risi-

koprofil aufweist, welches ihn einer konkret drohenden Verfolgungsgefahr 

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Seite 12 

aussetzen könnte. Eigenen Angaben zufolge ist er seit dem Jahr 2019 nicht 

mehr Mitglied in einer politischen Partei und auch sonst nicht politisch aktiv 

(vgl. Akte 17, F109 f.). Die in der Beschwerde behaupteten exilpolitischen 

Aktivitäten – Teilnahme an Veranstaltungen und Demonstrationen der kur-

dischen Diaspora – sind nicht belegt und wären im Übrigen als nieder-

schwellig anzusehen. Die Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie ist für sich 

genommen ebenfalls nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begrün-

den (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer D-3973/2024 vom 25. Juli 2024 

S. 8 m.H.). 

6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zwar 

aus einer politischen Familie stammt und namentlich sein Bruder 

B._______ sowie seine Schwester über Jahre hinweg in verschiedene Ver-

fahren involviert – und dabei im Fall der Schwester wohl auch unrechtmäs-

sig angeschuldigt – waren. Bei ihm selbst war dies jedoch nicht der Fall 

und es gibt keine Hinweise darauf, dass er von der türkischen Justiz be-

langt worden wäre. Es ist nachvollziehbar, dass diese Ereignisse sowie das 

Miterleben von terroristischen Anschlägen teils aus nächster Nähe sehr be-

lastend waren und bei ihm eine erhöhte subjektive Furcht, er könnte eben-

falls Opfer (staatlicher) Verfolgung werden, hervorgerufen haben. Er sah 

sich denn auch mehrmals veranlasst, seinen Wohnort innerhalb der Türkei 

zu wechseln. Dennoch erscheint diese Furcht objektiv nicht ausreichend 

begründet. Konkrete Verfolgungshandlungen gegen seine Person sind 

nicht ersichtlich, abgesehen von dem Erscheinen von zwei unbekannten 

Personen in seinem Showroom, welche ihn aufgefordert hätten, als Infor-

mant tätig zu werden. Es ist jedoch nicht erstellt, dass diese tatsächlich 

Geheimdienstmitarbeitende waren, und ob seine Weigerung Konsequen-

zen nach sich gezogen hätte. Insgesamt sind keine genügenden Anhalts-

punkte für in absehbarer Zukunft drohende asylerhebliche Nachteile er-

sichtlich. Das SEM hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

D-6348/2024 

Seite 13 

 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 

BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. 

8.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 

erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der 

in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-

den Verfahren keine Anwendung finden. 

8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

D-6348/2024 

Seite 14 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm nach den vorstehenden Ausführun-

gen jedoch nicht. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Tür-

kei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzu-

lässig erscheinen.  

8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Auch unter Berücksichtigung der Entwicklungen in der Türkei im 

Nachgang des Putschversuchs vom Juli 2016 und sowie der Ereignisse in 

jüngerer Zeit, etwa dem schweren Erdbeben im Februar 2023, den Protes-

ten nach der Verhaftung des Oberbürgermeisters von Istanbul – der als 

Herausforderer von Präsident Erdogan für die nächsten Wahlen gilt – oder 

der im Frühjahr bekannt gegebenen Auflösung der PKK ist nicht von einer 

landesweiten Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen 

Verhältnissen auf dem türkischen Staatsgebiet auszugehen, auch nicht für 

Angehörige der kurdischen Ethnie (vgl. Referenzurteil E-4103/2024 E. 13.2 

m.w.H.; Urteil des BVGer E-3991/2020 vom 6. Mai 2025 E. 9.3.2).  

8.3.3 Weiter sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer ist ein heute 31-

jähriger Mann, der in der Türkei über viele Jahre hinweg berufstätig war, 

zuletzt ein eigenes Geschäft führte und in sehr guten finanziellen Verhält-

nissen lebte (vgl. Akte 17, F46 ff.). Seine Ehefrau und die beiden gemein-

samen Kinder befinden sich nach wie vor in der Türkei, ebenso seine Eltern 

und weitere Verwandte (vgl. Akte 17, F32 f. und F36 ff.). Es kann daher 

davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück-

kehr wiederum erwerbstätig sein kann und in der Lage sein wird, seinen 

Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Sein familiäres Beziehungsnetz kann 

D-6348/2024 

Seite 15 

ihn nötigenfalls bei der Wiedereingliederung unterstützen. In gesundheitli-

cher Hinsicht machte der Beschwerdeführer bei der Anhörung geltend, er 

habe aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse Sprachprobleme, stottere 

manchmal und könne sich teilweise schlecht konzentrieren (vgl. Akte 17, 

F6). Weitere medizinische Probleme brachte er nicht vor. Aus einem auf 

Beschwerdeebene eingereichten Arztbericht vom 12. Oktober 2025 geht 

hervor, dass er seit Mai 2025 in ambulanter psychiatrischer Behandlung ist 

und bereits davon von den Psychiatrischen Diensten J._______ betreut 

wurde. Der Bericht erwähnt als Hauptdiagnose eine Anpassungsstörung 

und als Nebendiagnose (…). Aus diesem Grund wurden ihm die Medika-

mente Trittico und (…) verschrieben sowie – als Reservemedikation – Re-

laxane, Magnesium und Ibuprofen. Diese gesundheitlichen Beeinträchti-

gungen erscheinen nicht derart gravierend, als dass sie einem Wegwei-

sungsvollzug entgegenstehen könnten. Es ist vielmehr möglich, dass sich 

hinsichtlich der Hauptdiagnose (Anpassungsstörung) bei einer Rückkehr 

ins vertraute soziale Umfeld eine Besserung ergeben würde. Darüber hin-

aus verfügt die Türkei über ein gutes Gesundheitswesen und allfällige wei-

terhin bestehenden psychischen Beschwerden können auch dort behan-

delt werden (vgl. etwa Urteil des BVGer D-4914/2018 vom 12. März 2021 

E. 7.3.4, m.H). Es gibt somit keine konkreten Hinweise dafür, dass der Be-

schwerdeführer in der Türkei aus sozialen, wirtschaftlichen oder medizini-

schen Gründen in eine Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegwei-

sung erweist sich daher als zumutbar.  

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 47 Abs. 1 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange-

messen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

D-6348/2024 

Seite 16 

10.  

10.1 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um unentgeltliche Pro-

zessführung sowie amtliche Verbeiständung wurden mit Zwischenverfü-

gung vom 18. Dezember 2024 unter Vorbehalt des Nachreichens einer 

Fürsorgebestätigung gutgeheissen. Der Beschwerdeführer wurde aufge-

fordert, eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder – da andernfalls 

seine prozessuale Bedürftigkeit nicht erstellt und das Gesuch um unent-

geltliche Rechtspflege abzuweisen ist – einen Kostenvorschuss zu leisten. 

Innerhalb der angesetzten Frist wurde keine Fürsorgebestätigung einge-

reicht, aber der Kostenvorschuss bezahlt. Es ist daher davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer nicht mittellos ist, womit die Voraussetzungen 

für die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – 

und damit auch der amtlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 102m 

AsylG – nicht erfüllt sind. Die betreffenden Gesuche sind daher abzuwei-

sen.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. – 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der am 27. Dezember 2024 geleistete Kostenvorschuss 

in gleicher Höhe ist zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-6348/2024 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsver-

beiständung werden abgewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung 

der Verfahrenskosten verwendet.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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