# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e6b8166-e3a1-53c7-b27a-dad603975e5c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-22
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 22.02.2022 SK 2011 84
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2011-84_2022-02-22.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 11 84

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 22. Februar 2022 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Bratschi, Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher Dr. B.________

Angeschuldigter/Appellant 1

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
a.v.d. Rechtsanwalt Dr. D.________
Privatkläger/Appellant 2

Gegenstand Gefährdung des Lebens, einfache Körperverletzung etc.

Appellation gegen das Urteil des a.o. GP 20 des Gerichtskreises 
VIII Bern-Laupen vom 1. Dezember 2010 (P08 10 995)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Der a.o. Gerichtspräsident des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen (nachfolgend Vor-
instanz) fällte am 1. Dezember 2010 betreffend A.________ sowie C.________ das 
folgende Urteil (pag. 848 ff.): 

A. Betreffend A.________

I.

Dem Strafverfahren gegen A.________ wegen Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen am 
19.05.2009 in Ittigen z.N. C.________ wird keine weitere Folge gegeben,

ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung.

II.

A.________, vgt., wird hingegen

schuldig erklärt:

1. der Gefährdung des Lebens;

2. der einfachen Körperverletzung;

3. der Nötigung;

alles begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. C.________;

4. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, begangen am 19.05.2009 in Ittigen durch Tra-
gen einer Waffe ohne Waffentragbewilligung;

und in Anwendung der Art. 19 Abs. 2, 34, 42 Abs. 1, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 123 Ziff. 1, 129, 181 
StGB; Art. 33 Abs. 1 lit. a WG; Art. 386 Abs. 1 und 3 StrV 

verurteilt:

1. zu einer Geldstrafe von 255 Tagessätzen zu CHF 120.00, ausmachend total CHF 30’600.00.

Die Polizei- und Untersuchungshaft von 32 Tagen (19.05. bis 19.06.2009) wird im Umfang von 
32 Tagessätzen angerechnet.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben mit einer Probezeit von 2 Jahren.

A.________ wird die Weisung erteilt, die beim Forensisch-Psychiatrischen Dienst der Univer-
sität Bern (FPD) begonnene Therapie nach Massgabe der behandelnden Ärzte fortzusetzen.

2. zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten inkl. Auslagen von CHF 16’500.00.

III.

Die Zivilklage von C.________ gegen A.________ wird abgewiesen.

3

IV.

Im Weiteren wird

verfügt:

1. Die beschlagnahmten Waffen, Zubehör und Munition (1 Revolver Python 537; 1 MP UZI 63075; 
1 Pistole C01770B534787; 1 Schalldämpfer; 2 Griffschalen; 1 Pistole Waffenfabrik Bern 31506; 
1 Revolver 64735; 2 Bajonett; 1 Pistole SIG P61408; 2 Magazine mit Patronen; 2 Magazinta-
schen à 3 Magazine mit Patronen; 1 Pistole SIG P85069; 3 Schachteln Munition; 1 Schachtel 
Munition; 1 Schachtel Schrotmunition; 2 Magazine mit je 10 Patronen; 1 Säbel 10877; 1 Gewehr 
671165; 1 Gewehr Big Bose 375 BB046715; 1 Gewehr 1200 L1273984; 1 Karabiner 612731; 1 
Karabiner 684330; 1 Karabiner 172575; 1 Revolver Buger SP101 357 Magnum; 30 Patronen) 
werden eingezogen (Art. 31 Abs. 3 WG).

2. Die beschlagnahmte Dienstwaffe SIG P229 AL 12691 geht an das Polizeikommando des Kan-
tons Bern.

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN.________1) ist notwendig und 
wird dem zuständigen Bundesamt hiermit erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-Profil-Gesetz).

4. Für die Behandlung der Zivilklage werden keine besonderen Verfahrenskosten ausgeschieden.

5. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Fürsprecher 
E.________ wird wie folgt bestimmt:

Honorar CHF 13’167.50
CHF 457.10

Mehrwertsteuer 7.6% auf CHF 13’624.60 CHF 1’035.45
CHF

Total CHF 14’660.05

amtliche Entschädigung CHF 9’922.50
CHF 457.10

Mehrwertsteuer 7.6% auf CHF 10’379.60 CHF 788.85
CHF 0.00

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 11’168.45

Differenz zum vollen Kostenersatz CHF 3’491.60

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Die gesetzliche Pflicht des Angeschuldigten zur Rückzahlung der ausgerichteten Entschädigung 
an den Kanton Bern und zur Nachzahlung der Differenz zum vollen Kostenersatz an Fürspre-
cher E.________ gemäss Art. 52 Abs. 2 StrV bleibt vorbehalten.

B. Betreffend C.________

I.

Dem Strafverfahren gegen C.________ wegen Verleumdung, evtl. übler Nachrede, angeblich be-
gangen am 20.05.2009 in Bern z.N. F.________, wird keine weitere Folge gegeben,

unter Ausscheidung von Verfahrenskosten von CHF 100.00, deren Auferlage an F.________, 
und unter Verrechnung mit der von F.________ geleisteten Kostensicherheit sowie ohne Ausrich-
tung einer Entschädigung.

4

II.

Dem Strafverfahren gegen C.________ wegen Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen am 
19.05.2009 in Ittigen z.N. A.________ wird keine weitere Folge gegeben,

ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung.

III.

C.________, vgt., wird 

freigesprochen:

von den Anschuldigungen

1. der Drohung, angeblich begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. A.________;

2. des Hausfriedensbruchs, angeblich begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. A.________ und 
F.________;

ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung.

IV.

C.________, vgt., wird hingegen

schuldig erklärt:

1. der einfachen Körperverletzung, begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. A.________;

2. der Sachbeschädigung (geringfügiges Vermögensdelikt), begangen am 19.05.2009 z.N. 
F.________;

und in Anwendung der Art. 34, 42 Abs. 1 und 4, 47, 106, 123 Ziff. 1, 144 Abs. 1 i.V.m. Art. 172ter 
StGB; Art. 41 ff. OR, Art. 386 Abs. 1 und 3 StrV 

verurteilt:

1. zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu CHF 60.00, ausmachend total CHF 2’100.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben mit einer Probezeit von 3 Jahren;

2. zu einer Busse von CHF 1'000.00, deren Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen 
auf 12 Tage festgesetzt wird (CHF 300.00 nach Art. 42 Abs. 1 StGB [Ersatzfreiheitsstrafe 5 Ta-
ge], CHF 700.00 nach Art. 106 StGB (Ersatzfreiheitsstrafe 7 Tage);

3. zur Bezahlung von CHF 2'094.00 Schadenersatz an den Privatkläger A.________;

soweit weitergehend wird die Zivilklage abgewiesen.

4. zur Bezahlung von CHF 292.70 Schadenersatz an die Privatklägerin F.________;

soweit weitergehend wird die Zivilklage (auf Bezahlung einer Genugtuung) zurückgewiesen (Art. 
301 Abs. 2 StrV).

5. zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten inkl. Auslagen von CHF 2'600.00.

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V.

Im Weiteren wird

verfügt:

1. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN.________2) ist notwendig und 
wird dem zuständigen Bundesamt hiermit erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-Profil-Gesetz).

2. Für die Behandlung der Zivilklagen werden keine besonderen Verfahrenskosten ausgeschieden.

3. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung von C.________ durch Rechtsanwalt Dr. 
D.________ wird wie folgt bestimmt:

Honorar CHF 11’155.00
CHF 713.00

Mehrwertsteuer 7.6% auf CHF 11’868.00 CHF 901.95
CHF

Total CHF 12’769.95

amtliche Entschädigung CHF 8’730.00
CHF 713.00

Mehrwertsteuer 7.6% auf CHF 9’443.00 CHF 717.65
CHF 0.00

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 10’160.65

Differenz zum vollen Kostenersatz CHF 2’609.30

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Die gesetzliche Pflicht des Angeschuldigten zur Rückzahlung der ausgerichteten Entschädigung 
an den Kanton Bern und zur Nachzahlung der Differenz zum vollen Kostenersatz an Fürspre-
cher E.________ [recte: RA Dr. D.________] gemäss Art. 52 Abs. 2 StrV bleibt vorbehalten. 

C. Verfügungen

1. Die Kosten einer schriftlichen Urteilsbegründung werden bestimmt auf CHF 2'000.00.

2. Nach Verrechnung mit den auferlegten Verfahrenskosten von CHF 100.00 werden F.________ 
von der geleisteten Kostensicherheit CHF 500.00 zurückerstattet.

3. Das Urteil ist mitzuteilen dem Bundesamt für Polizei (Art. 3 Ziff. 13 Mitteilungsverordnung).

2. Appellationserklärungen

Gegen dieses Urteil erklärte Fürsprecher E.________ am 13. Dezember 2010 na-
mens und im Auftrag von A.________ vollumfänglich die Appellation (pag. 858). 
Ebenfalls am 13. Dezember 2010 erklärte Rechtsanwalt Dr. D.________ im Namen 
von C.________ die Appellation, jedoch beschränkt auf die Verurteilung wegen ein-
facher Körperverletzung, das Strafmass, die Verurteilung zu Schadenersatz an 
A.________ sowie auf die Abweisung der Zivilklage von C.________ (pag. 860 ff.). 
Beiden Parteien wurde mit Verfügung vom 9. März 2011 Frist zur Einreichung einer 
Appellationsbegründung gesetzt (pag. 926 f.).

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3. Wechsel der amtlichen Verteidigung

Noch vor Ablauf der seinem Verteidiger angesetzten Frist zur Appellationsbegrün-
dung reichte A.________ am 30. März 2011 selber eine eigenständige schriftliche 
Begründung der Appellation samt Beilagen ein (pag. 931 ff.). Die Eingabe wurde 
Fürsprecher E.________ zur Stellungnahme zugestellt (pag. 957), worauf er am 6. 
April 2011 um Entlassung aus dem amtlichen Mandat ersuchte (pag. 971). Dem 
Antrag wurde durch die Verfahrensleitung entsprochen (pag. 974 f.). Mit Beschluss 
vom 17. Mai 2011 setzte die Kammer Fürsprecher Dr. B.________ als neuen amt-
licher Verteidiger von A.________ ein und bestimmte gleichzeitig das amtliche Ho-
norar von Fürsprecher E.________ (pag. 992 ff.). 

4. Verfahrenstrennung, -einstellung und -wiederaufnahme

Anlässlich der (ersten) oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 16. November 
2012 wurde das Verfahren gegen A.________, der sich per 29. April 2012 schrif-
tenpolizeilich nach M.________ (Thailand) abgemeldet hatte (pag. 1212) und nicht 
zur Verhandlung erschienen war, vom Verfahren gegen C.________ abgetrennt 
und sistiert (vgl. pag. 1230 ff.). Das Verfahren gegen C.________ wurde unter der 
Verfahrensnummer SK 11 85 weitergeführt, und das am 16. November 2012 gefäll-
te Urteil ist rechtskräftig (vgl. Verfahrensakten SK 11 85, pag. 29 ff. und pag. 61 ff.).

Im vorliegenden Verfahren, das nach der Rückkehr von A.________ in die Schweiz 
erst am 17. September 2020 wiederaufgenommen werden konnte (pag. 1258 f.), 
stehen sich die Parteien nur noch in der Eigenschaft als Angeschuldigter 
(A.________) und Privatkläger (C.________) gegenüber. Mit der Bezeichnung 
«Angeschuldigter» ist nachfolgend somit immer A.________ und mit der Bezeich-
nung «Privatkläger» stets C.________ gemeint. Der Einfachheit halber beziehen 
sich sämtliche Aktenangaben ohne Verfahrensnennung auf das Verfahren SK 11 
84. Aktenstellen anderer Verfahren – insbesondere des Verfahrens SK 11 85 – 
werden jeweils als solche gekennzeichnet.

5. Appellationsbegründungen

Aufgrund der veränderten prozessualen Ausgangslage (s. E. 4 oben) erübrigt es 
sich, an dieser Stelle näher auf die seinerzeit in den Appellationsbegründungen ge-
stellten Anträge der Parteien (Privatkläger, 4. April 2011, pag. 956 ff.; Angeschul-
digter, 7. Juli 2011, pag. 1019 ff.) einzugehen. Massgebend sind die in der zweiten 
oberinstanzlichen Verhandlung vom 22. Februar 2022 gestellten Anträge (vgl. E. 7 
hiernach), wobei Rechtsanwalt Dr. D.________ namens des Privatklägers in sei-
nem Schreiben vom 28. Oktober 2020 (pag. 1269) bereits deutlich machte, dass 
sich seine Appellation angesichts der neuen Ausgangslage auf die Zivilklage (Ge-
nugtuung; Rechtsbegehren 1.IV. der Appellationsbegründung; pag. 957) beschrän-
ke.

6. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

6.1 Im Hinblick auf die (erste) Hauptverhandlung vom 16. November 2012

Im Zusammenhang mit der im Sommer 2009 im forensischen Ambulatorium des 
Forensisch-Psychiatrischen Dienstes (FPD) begonnenen Behandlung des Ange-

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schuldigten (im erstinstanzlichen Urteil durch die Weisung abgelöst «die beim Fo-
rensisch-Psychiatrischen Dienst der Universität Bern (FPD) begonnene Therapie 
nach Massgabe der behandelnden Ärzte fortzusetzen») gingen die folgenden Be-
richte/Schreiben ein:

- 14. April 2011: Mitteilung, dass der Angeschuldigte nicht auf Anrufe und Emails 
reagiere (pag. 984 f.).

- 2. Mai 2011: Mitteilung, dass bei einem Hausbesuch nur Frau F.________, 
seine damalige Lebenspartnerin, angetroffen werden konnte und der Ange-
schuldigte aufgrund der veränderten Lebenssituation (Kündigung) vermehrt Al-
kohol konsumiere, wobei sich auch seine psychische Situation verschlechtert 
habe. Es stelle sich die Frage, ob nicht statt der Weisung eine ambulante Be-
handlung gemäss Art. 63 StGB geeigneter wäre (pag. 989 ff.)

- 29. Juni 2011: Mitteilung, dass der Angeschuldigte erklärt habe, er wolle keine 
weiteren Behandlungsgespräche mehr. Vom FPD wird ein Ergänzungsgutach-
ten zwecks Einschätzung der aktuellen Situation angeregt (pag. 1016)

Gestützt auf die Empfehlung des Forensik-Ambulatoriums des FPD vom 29. Juni 
2011 (pag. 1016) und aufgrund der Tatsache, dass wegen neuer Vorfälle im Okto-
ber 2011 ein Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland eingeleitet 
worden war (BM 11 37030; mehrfache Drohung, Diebstahl, einfache KV, Tätlichkei-
ten), beauftragte der Verfahrensleiter Frau Prof Dr. med. G.________ am 16. No-
vember 2011 mit der Erstellung eines Ergänzungsgutachtens (pag. 1053 ff.).

Den förmlichen Beschluss dazu fasste die Kammer am 5. Dezember 2011. Gleich-
zeitig wurden die seinerzeit vom Haftgericht III Bern-Mittelland angeordneten Er-
satzmassnahmen (Annäherungs- sowie Kontakt – und Kommunikationsverbot, 
wöchentlicher Besuch des Forensik Ambulatoriums) aufgehoben. Die Kammer ent-
sprach zudem dem Antrag der Verteidigung auf Edition der Schiessresultate sowie 
auf Beizug der Aus- und Weiterbildungsdokumentation des Angeschuldigten. Den 
Antrag auf Einvernahme von H.________ als Zeugin wies sie dagegen ab 
(pag. 1061 ff.).

Die beim Polizeikommando noch auffindbaren zwei Listen mit Schiessresultaten 
gingen am 31. Januar 2012 bei der Kammer ein (pag. 1070 ff.). Der Auszug aus 
den Personalakten, die sich nach der Integration der Stadt- in die Kantonspolizei 
bereits im Stadtarchiv befanden, wurde am 14. März 2012 zugestellt (pag. 1090 ff.).

Das Ergänzungsgutachten des FPD datiert vom 11. April 2012 (pag. 1146 ff.) und 
wurde den Parteien umgehend zugestellt. Auf Ergänzungsfragen dazu wurde sei-
tens der Parteien verzichtet. Hingegen wurde Frau Prof. Dr. G.________ von Am-
tes wegen als Sachverständige zur oberinstanzlichen Verhandlung vorgeladen und 
in der Folge auch befragt (pag. 1203 f., 1232 f.).

Im Hinblick auf die Hauptverhandlung vom 16. November 2012 wurde über den 
Angeschuldigten ein Leumundsbericht samt Betreibungsregisterauszug (datierend 
vom 2. Oktober bzw. 24. September 2012, pag. 1212 ff.) sowie ein aktueller 
Strafregisterauszug (datierend vom 2. November 2012, pag. 1223) eingeholt. Weil 
sich der Angeschuldigte zum Zeitpunkt der Erstellung bereits in Thailand befand, 

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enthält der Leumundsbericht indessen keine Informationen zur damals aktuellen 
Lebenssituation.

6.2 Im Hinblick auf die Hauptverhandlung vom 22. Februar 2022

Gleichzeitig mit der Wiederaufnahme des vorliegenden Verfahrens wurden am 
17. September 2020 die Akten im mittlerweile eingestellten Verfahren BM 11 37030 
(Einstellungsverfügung vom 22. Juni 2020; aus BM 11 37030) bei der Staatsan-
waltschaft Bern-Mittelland ediert. Nachdem der Angeschuldigte wiederum unbe-
kannten Aufenthaltes war und ihn auch die Verteidigung nicht hatte erreichen kön-
nen, holte die Verfahrensleitung am 15. Dezember 2020 vorerst einen Leumunds-
bericht ein, der am 16. März 2021 einging (pag. 1274 ff.). Gleichzeitig verfügte sie 
den Beizug der Akten des abgeschlossenen Verfahrens SK 11 85 gegen 
C.________ (pag. 1271 f.). 

Mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. April 2021 wurde im Einverständnis mit 
den Parteien eine ergänzende Begutachtung des Angeschuldigten durch den Fo-
rensisch-Psychiatrischen Dienst angeordnet (pag. 1296 ff.). Das Gutachten ist auf 
den 22. Juli 2021 datiert, wurde aber offensichtlich erst in der aktenkundig bis am 
30. September 2021 verlängerten Frist abgeschlossen (pag. 1316 ff.), ging am 
24. September 2021 ein (pag. 1321 ff.) und wurde den Parteien am 6. Oktober 
2021 zugestellt. Nachdem von keiner Seite Ergänzungsfragen zum Gutachten ge-
stellt worden waren, wurden die Parteien am 23. November 2021 auf den 22./23. 
Februar 2022 zur oberinstanzlichen Verhandlung vorgeladen (pag. 1377 ff.). 
Gleichzeitig wurde über den Angeschuldigten im Hinblick auf die Hauptverhandlung 
nochmals ein aktueller Leumundsbericht eingeholt. Der Bericht der StatPol Ittigen 
datiert vom 4. Februar 2022 (pag. 1393 ff.). Beigefügt wurden dem Bericht nebst 
dem Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnisse auch zwei Mails des Ange-
schuldigten an die Wachtleiterin der StatPol Ittigen (pag. 1398 ff.). Schliesslich 
wurde von Amtes wegen ein aktueller Strafregisterauszug eingeholt (datierend vom 
8. Februar 2022, pag. 1406). 

Fürsprecher Dr. B.________ reichte an der (zweiten) oberinstanzlichen Hauptver-
handlung ein Arztzeugnis sowie eine Medikamentenliste ein und beantragte im 
Einverständnis seines Mandanten, dieser sei von der Teilnahme an der Verhand-
lung zu dispensieren (pag. 1411; pag. 1429 f.). Den Parteien wurde Gelegenheit 
zur Stellungnahme geboten. Darauf beschloss die Kammer, dass der Angeschul-
digten dispensiert wird (pag. 1411). Aus dem eingereichten Arztzeugnis geht her-
vor, dass er zurzeit an der N.____-strasse in O.________ wohnt. 

An der Hauptverhandlung wurde der Privatkläger nochmals kurz befragt 
(pag. 1414 ff.). Im Nachgang an die Verhandlung ging zudem beim Generalsekre-
tariat des Obergerichts ein Schreiben vom 22. Februar 2021 ein, in dem 
«I.________ – Institut für Hochintelligenz» mit identischer Adresse wie der Ange-
schuldigte als Absender genannt und Bezug auf das vorliegende Verfahren ge-
nommen wurde (pag. 1447). 

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7. Anträge der Parteien

7.1 Verteidigung

Fürsprecher Dr. B.________ stellte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
namens des Angeschuldigten die folgenden Anträge (pag. 1431): 

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Strafeinzelgerichts des Gerichtskreises VIII Bern-
Laupen vom 01.12.2010 in Rechtskraft erwachsen ist, als dem Strafverfahren gegen 
A.________ wegen Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. 
C.________ keine weitere Folge gegeben wird;

2. A.________ sei freizusprechen von den Anschuldigungen
2.1. der Gefährdung des Lebens, angeblich begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. 

C.________;
2.2. der einfachen Körperverletzung, evtl. Tätlichkeit, angeblich begangen am 19.05.2009 

in Ittigen z.N. C.________;
2.3. der Nötigung, angeblich begangen am 19.05.2009 in Ittigen z.N. C.________;
2.4. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, angeblich begangen am 19.05.2009 in It-

tigen;
unter Auferlegung der Verfahrenskosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer Entschä-
digung gemäss Art. 400 StrV, insbesondere für die entstandenen Verteidigungskosten (gestützt auf 
die bereits eingereichte Honorarnote von Fürsprecher E.________ und die Honorarnote von Fürspre-
cher B.________), die beruflichen Konsequenzen des vorliegenden Strafverfahrens (CHF 550'000.00) 
sowie die ausgestandene Untersuchungshaft von 32 Tagen à Fr. 100.00.
3. Die Zivilklage von C.________ gegen A.________ sei kostenpflichtig zurückzuweisen, even-

tualiter abzuweisen, ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer 
Entschädigung.

4. Weiter sei A.________ betreffend zu verfügen, dass
4.1 die Beschlagnahme der Gegenstände von A.________ aufzuheben sei und die Ge-

genstände A.________ zurückzugeben seien;
4.2 das DNA-Profil zu löschen sei.

5. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. 

7.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte folgendes (pag. 1432 f.):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Einzelgerichts des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen vom 
1. Dezember 2010 (PEN 10 995) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als dem Verfahren gegen 
A.________ wegen Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen am 19. Mai 2009 in Ittigen zum 
Nachteil von C.________ keine weitere Folge gegeben wurde, ohne Ausscheidung von Verfahrens-
kosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung. 

II.

A.________ sei schuldig zu sprechen der
1. Gefährdung des Lebens;
2. einfachen Körperverletzung;
3. Nötigung
alles begangen am 19. Mai 2009 in Ittigen z.N. C.________;

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4. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, begangen am 19. Mai 2009 in Ittigen durch Tragen 
einer Waffe ohne Waffentragbewilligung.

und in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen

zu verurteilen:
1. zu einer Geldstrafe von 225 Tagessätzen zu Fr. 30.00, ausmachend total Fr. 6'750.00

Die Polizei- und Untersuchungshaft von 32 Tagen (19.05 bis 19.06.2009) sei im Umfang von 32 
Tagessätzen anzurechnen.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben mit einer Probezeit von 2 Jahren;
Es sei Bewährungshilfe anzuordnen.

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von 
Fr. 500.00 gemäss Art. 21 VKD).

III.

Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (Einziehung, Löschung DNA, amtliches Honorar der 
Verteidigung).

7.3 Privatklägerschaft

Rechtsanwalt Dr. D.________, an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung substi-
tuiert durch MLaw J.________ (pag. 1427 f.), beantragte mündlich namens und 
auftrags des Privatklägers, dass der Angeschuldigte zur Bezahlung einer Genugtu-
ung von CHF 2'000.00 an ihn zu verurteilen sei (pag. 1423).

8. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Vorab ist festzuhalten, dass das erstinstanzliche Urteil teilweise bereits rechtskräf-
tig abgeschlossen ist. Soweit C.________ als angeschuldigte Person betreffend 
bildet das erstinstanzliche Urteil somit nicht Gegenstand des vorliegenden Verfah-
rens (Ziff. B. des erstinstanzlichen Urteils; vgl. auch das Urteil SK 11 85).

Soweit noch verfahrensgegenständlich ist das erstinstanzliche Urteil insoweit in 
Rechtskraft erwachsen, als dem Strafverfahren gegen den Angeschuldigten wegen 
Beschimpfung, angeblich begangen zum Nachteil des Privatklägers, ohne Aus-
scheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung, keine 
weitere Folge gegeben wurde (Ziff. A.I. des erstinstanzlichen Urteils). In allen wei-
teren Punkten ist das Urteil der Vorinstanz angefochten. Die Kammer hat somit die 
Schuldsprüche gegen den Angeschuldigten wegen Gefährdung des Lebens, einfa-
cher Körperverletzung, Nötigung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz 
durch Tragen einer Waffe ohne Waffentragbewilligung zu überprüfen (Ziff. A.II. des 
erstinstanzlichen Urteils). Ferner ist gegebenenfalls eine neue Strafzumessung 
vorzunehmen, über die Verwendung zahlreicher beschlagnahmter Gegenstände 
sowie die Entschädigung der amtlichen Verteidigung einschliesslich Rück- und 
Nachzahlungspflicht zu befinden und die Kostenfolge zu regeln. Nicht der Rechts-
kraft zugänglich und daher ebenfalls zu überprüfen ist die vorinstanzliche Verfü-
gung betreffend Zustimmung zur Löschung des vom Angeschuldigten erstellten 
DNA-Profils (Ziff. A.IV.3. des erstinstanzlichen Urteils). 

Ferner ist die Appellation des Privatklägers zu beurteilen, die sich im vorliegenden 
Verfahren auf die Zivilklage beschränkt (pag. 1269). 

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Das erstinstanzliche Urteil erging vor Inkrafttreten der Schweizerischen Strafpro-
zessordnung (StPO; SR 312.0). Es gelangt das bernische Gesetz über das Straf-
verfahren (StrV) zur Anwendung (Art. 453 Abs. 1 StPO). Es gilt das refomatio in 
peius-Verbot gemäss Art. 358 StrV; die Kammer darf das erstinstanzliche Urteil 
nicht zum Nachteil des Angeschuldigten abändern. Davon ausgenommen ist infol-
ge der eigenständigen Appellation durch den Privatkläger der Zivilpunkt. 

II. Vorbringen der Parteien

Nachfolgend werden die den Verfahrensgegenstand beschlagenden Vorbringen 
der Parteien in den schriftlichen Appellationsbegründungen sowie in den oberin-
stanzlichen Parteivorträgen zusammengefasst. 

9. Vorbringen der Verteidigung

Gerügt wird vorab die unrichtige Würdigung der Beweismittel in Bezug auf den 
Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Art. 129 Schweizerisches Strafgesetzbuch 
[StGB; SR 311.0]). Den genauen Umständen des Revolvereinsatzes sowie den 
persönlichen Verhältnissen des Angeschuldigten sei zu wenig Rechnung getragen 
worden. Entscheidend bei der Bedrohung mit einer Schusswaffe sei, mit welchem 
Risiko im jeweiligen Einzelfall ein Schuss ausgelöst und das Opfer konkret gefähr-
det werde. 

Dass es sich bei der Aussage des Angeschuldigten, er habe die Waffe in der Posi-
tion «Finger lang» gehalten, um eine Schutzbehauptung handeln solle, sei nicht er-
sichtlich. Es sei im Gegenteil davon auszugehen, dass der Angeschuldigte, der 31 
Jahre lang Polizist gewesen sei, auch in Stresssituationen das jahrelang geübte 
und praktizierte Verhalten an den Tag gelegt und die Waffe «Finger lang» gehalten 
habe. Der Hammer des Revolvers sei ausserdem nicht gespannt gewesen, wes-
halb zur Schussabgabe ein erheblicher Kraftaufwand von 4.99 kg erforderlich ge-
wesen wäre. So sei das Risiko einer Schussabgabe äusserst gering gewesen, 
weshalb für den Privatkläger nie eine unmittelbare Lebensgefahr bestanden habe.

In Bezug auf die erlittenen Verletzungen seien durch das IRM beim Privatkläger nur 
kleine Hauteinblutungen und Hautrötungen festgestellt worden. Der objektive Tat-
bestand der einfachen Körperverletzung sei nicht erfüllt, es würden lediglich Tät-
lichkeiten vorliegen. Ausserdem sei der Privatkläger im Verfahren SK 11 85 als An-
greifer in der dritten Phase ermittelt worden. Der Angeschuldigte habe daher in 
Notwehr gehandelt. 

Notwehr wird auch zur Rechtfertigung des Verhaltens des Angeschuldigten in der 
sogenannt dritten Phase geltend gemacht. Er habe sich gegen die Aggression des 
Privatklägers, das gewaltsame Eintreten der Türe und das Missachten des Haus-
rechts, wehren dürfen (Art. 15 StGB). Für den Fall, dass die Abwehrhandlung vom 
Gericht als unverhältnismässig beurteilt werde, berufe sich der Angeschuldigte auf 
einen Notwehrexzess in entschuldbarer Aufregung über den Angriff (Art. 16 Abs. 2 
StGB).

Überdies sei auch die Verwendung des Revolvers (und damit die Widerhandlung 
gegen das Waffengesetz) durch den Rechtfertigungsgrund der Notwehr abgedeckt. 

12

Zufolge der Freisprüche sei die Zivilklage des Privatklägers zurückzuweisen. Falls 
wider Erwarten ein Schuldspruch ausgefällt werde, sei die Zivilklage abzuweisen.

10. Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft machte im oberinstanzlichen Parteivortrag geltend, 
der Angeschuldigte sei während des Vorfalls stark alkoholisiert gewesen, habe 
gemäss seiner damaligen Lebenspartnerin nur noch «munirot» gesehen und der 
Privatkläger habe aufgrund der geringen Distanz keine Ausweich- oder Deckungs-
möglichkeit gehabt. Obwohl zumindest in dubio davon auszugehen sei, dass der 
Angeschuldigte den Revolver in der Haltung «Finger lang» gehalten habe, habe im 
Sinne der Rechtsprechung eine unmittelbare Lebensgefahr vorgelegen. Eine un-
gewollte Schussabgabe sei trotz der langjährigen Erfahrung des Angeschuldigten 
im Umgang mit Schusswaffen nicht ausgeschlossen gewesen; solche hätten sich in 
seiner beruflichen Laufbahn als Polizist gemäss den Akten mehrmals ereignet. 

11. Vorbringen der Privatklägerschaft

Der Privatkläger habe im Moment, als der Angeschuldigte den Revolver gezückt 
habe, Todesangst ausgestanden. Er habe realisiert, dass er sich in Lebensgefahr 
befinde, was eine psychische Extremsituation darstelle. Die Lebensgefahr sei auf-
grund des damaligen Zustands des Angeschuldigten unmittelbar gewesen. Mit der 
Verurteilung wegen Gefährdung des Lebens habe dies ja auch die Vorinsanz be-
jaht, so dass sie die von ihr als überrissen taxierte Genugtuungsforderung von 
CHF 8'000.00 nicht einfach im Grundsatz hätte verneinen dürfen. Ermessensweise 
sei die Genugtuung jetzt auf CHF 2'000.00 festzusetzen. 

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

12. Sachverhalt gemäss Überweisungsantrag und Ausdehnungsbeschluss

Dem Angeschuldigten wird folgendes vorgeworfen (pag. 618): 

1. Gefährdung des Lebens, begangen am 19.05.2009 abends am P.___-weg in 3063 Ittigen, z.N. 
C.________, indem er in stark alkoholisiertem Zustand (BAK: zwischen 1.51 und 2.5 Promille) 
und äusserst aufgebrachten Zustand einen vollgeladenen Trommelrevolver in seiner Wohnung 
behändigte und im Treppenhaus des Wohnblocks mit dem Revolver aus einer Entfernung von 
rund 1.5 m auf C.________ zielte, wobei er den Finger am Abzug hielt; 

2. Einfache Körperverletzung, evtl. Tätlichkeiten, begangen abends an 19.05.2009 am P.___-
weg in 3063 Ittigen, z.N. C.________, indem er C.________ mit Faustschlägen (an den Kopf, 
die Brust, den Hals und den Rücken) traktierte und dieser davon Hautrötungen, Hauteinblutun-
gen und druckschmerzhafte Verletzungen davontrug;

[…]

4. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, begangen am 19.05.2009 am P.___-weg in 3063 
Ittigen durch Tragen einer Waffe ohne Waffentragbewilligung, indem er einen geladenen Trom-
melrevolver behändigte und im Treppenhaus des Wohnblockss C.________ damit bedrohte; 

13

Weiter dehnte die Vorinstanz das Strafverfahren gegen den Angeschuldigten mit 
Zustimmung der Parteien und in Anwendung von Art. 300 Abs. 1 StrV auf den Tat-
bestand der Nötigung, begangen am 19. Mai 2009 in Ittigen zum Nachteil des Pri-
vatklägers, aus (pag. 759). 

13. Vorbemerkungen

Zur Beurteilung steht ein mehrphasiges Geschehen vom 19. Mai 2009, das die 
Kulmination eines über längere Zeit gestörten, sich zu einem regelrechten Streit 
zuspitzenden Nachbarschaftsverhältnisses am P.___-weg in Ittigen darstellte. In 
die teilweise tätliche Auseinandersetzung involviert waren der Angeschuldigte und 
der Privatkläger, wobei sie beide nicht allzu erheblich verletzt wurden. 

Ein erstes Aufeinandertreffen der beiden ereignete sich beim Eintreffen des Privat-
klägers beim gemeinsam bewohnten Gebäude im Eingangsbereich (erste Phase). 
Die zweite Phase trug sich vor der Wohnungstür des Privatklägers zu. Das dritte 
(von der Vorinstanz vereinzelt zur zweiten Phase hinzugezählte) Aufeinandertreffen 
fand vor der Wohnungstür des Angeschuldigten statt. In dieser dritten Phase war 
auf Seiten des Angeschuldigten zudem ein geladener Revolver im Spiel. Eine wei-
tere Unterteilung dieser dritten Phase, wie von der Privatklägerschaft an der obe-
rinstanzlichen Hauptverhandlung beliebt gemacht, erscheint nicht sachgerecht. 

Vorliegend interessieren primär die Geschehnisse in der dritten Phase. Die Vorin-
stanz hat im Sinne einer Vorbemerkung auch zu Recht Wert auf die Feststellung 
gelegt, dass es ein dynamisches Geschehen zu beurteilen gilt, was eine lückenlose 
Rekonstruktion naturgemäss erschwert (pag. 879 f.):

[…] Im Weiteren ist festzuhalten, dass es sich namentlich beim Geschehen in der [dritten] Phase bei 
bzw. vor der Wohnungstüre von A.________ um ein dynamisches Turbulenzgeschehen handelte. 
Dabei ist angesichts der beschränkten menschlichen Aufnahme-, Speicherungs- und Wiedergabe-
fähigkeit sowie mangels naturwissenschaftlicher Daten auch im vorliegenden Fall einerseits eine in 
jeder Beziehung exakte nachträgliche Rekonstruktion der gesamten Abläufe unmöglich, andererseits 
jedoch auch nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr, ob auf Grund des gesamten Beweismateri-
als im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sowie unter Einbezug auch von Erfahrungswerten das zur 
Diskussion stehende Geschehen in seinen wesentlichen Grundzügen sachverhaltsmässig mit der er-
forderlichen Überzeugung derart festgestellt und eingegrenzt werden kann, dass damit die rechtlich 
relevanten Fragen ebenfalls beantwortet werden können. Gerade im Rahmen eines dynamischen 
Turbulenzgeschehens sind nachträgliche Angaben zu den sich in eigener und fremder Bewegung ab-
spielenden Abläufen naturgemäss mit Vorsicht aufzunehmen, wobei sich erfahrungsgemäss zusätz-
lich tatsächliche Wahrnehmungen mit rekonstruktiven Erwägungen vermischen können. Auch die ver-
schiedenen subjektiven Betroffenheits- und Interessenlagen können bewusst oder unbewusst zu nicht 
den Tatsachen entsprechenden Angaben führen.

Im schliesslich getrennt geführten und abgeschlossenen Verfahren gegen 
C.________ wurde das mehrphasige Geschehen bereits einer eingehenden Be-
weiswürdigung unterzogen. Soweit einschlägig werden die entsprechenden Erwä-
gungen der Kammer nachfolgend in die Beweiswürdigung eingeführt und in Kursiv-
schrift wiedergegeben. 

14

14. Unbestrittener Sachverhalt 

Der unbestrittene Sachverhalt gestaltet sich für die Kammer gleich wie für die Vor-
instanz, weshalb auf deren zutreffende Ausführungen verwiesen wird (pag. 880 ff.): 

Die Liegenschaft am P.___-weg in Ittigen mit drei Stockwerken à drei Wohneinheiten ist älter und 
ringhörig. Auf der einen Seite gab es Reklamationen von Mitbewohnenden an die Adresse der Familie 
C+K.________ wegen Lärms (p. 81 f.), auf der anderen Seite haben sich gemäss Auskunft der Ver-
mieter-/Eigentümerschaft Reklamationen gegenüber A.________ seit anfangs 2009 gehäuft (p. 98).

Unbestritten ist weiter, dass es im Jahre 2008 eine Auseinandersetzung zwischen C.________ und 
L.________ einerseits und A.________ andererseits gab. Alsdann erstattete F.________ am 
03.03.2009 gegen K.________ Anzeige wegen Tätlichkeiten, angeblich begangen am 29.01.2009 
durch Bespucken, z.N. F.________. Anlässlich der Verhandlung vom 13.05.2009 vor dem Gerichts-
kreis VIII Bern-Laupen schlossen die Parteien diesbezüglich eine Vereinbarung ab. Darin bedauerten 
sie den Vorfall, der Strafantrag und die Privatklage wurden zurückgezogen und die Verfahrenskosten 
von CHF 100.00 wurden hälftig geteilt.

Am gab 19.05.2009 F.________ A.________ den Hinweis, wonach C.________ nach Hause komme. 
Hierauf begab sich A.________ von seiner Wohnung im Hochparterre rechts ins Treppenhaus, wo es 
alsdann zu einer ersten, im Wesentlichen bloss verbalen, kaum tätlichen Konfrontation zwischen den 
beiden Angeschuldigten kam; C.________ hielt in dieser ersten Phase kurzzeitig den Arm des 
A.________ fest. A.________ hatte dabei bereits mit dem bei ihm und F.________ zum Nachtessen 
weilenden Wohnungsnachbar Q.________ etwas Wein konsumiert. In der Folge begab sich 
C.________ in seine Wohnung im zweiten Stock rechts und A.________ zog sich zurück in seine 
Wohnung, wo er mit Q.________ weiter Wein konsumierte. 

Gegen 22.00 Uhr – Q.________ war zwischenzeitlich in seine Wohnung, welche neben derjenigen 
von A.________ liegt, zurückgekehrt – begab sich A.________ in den zweiten Stock, hämmerte 
und/oder trat dabei gegen die Wohnungstüre von C.________ und kehrte in der Folge zurück in seine 
Wohnung. Kurz danach kam C.________ runter und trat seinerseits gegen die Wohnungstüre von 
A.________, so dass die Schliessvorrichtung beschädigt wurde und als Folge davon die Wohnungstü-
re von A.________ aufsprang. Nachfolgend fand die körperliche Auseinandersetzung zwischen den 
beiden Angeschuldigten statt, bei welcher jedenfalls A.________ zu Boden ging und welche bei bei-
den zu Verletzungen führten. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung holte A.________ seinen priva-
ten, geladenen Revolver aus seinem Wohnzimmer, welchen er vorgängig eigens für den Fall einer 
Auseinandersetzung nach Hause gebracht und zwischen den Sitzen im Sofa verstaut hatte. Er richte-
te den geladenen Revolver alsdann im Treppenhaus aus einer Distanz von ca. 1,5 m auf den Brust-
/Oberkörperbereich von C.________. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zumindest K.________ wel-
che bei C.________ auf der Treppe stand, sowie Q.________, der Nachbar von A.________ im 
Treppenhaus. Q.________ intervenierte in diesem Moment, indem er A.________ festhielt.

In der Folge wurde die Polizei alarmiert und im Rahmen der Hausdurchsuchung wurde der geladene 
Revolver zwischen den Sitzkissen des Sofas in der Wohnung von A.________ gefunden. Der fünf-
schüssige Revolver war mit fünf leistungsstarken Revolverpatronen zweier verschiedener Geschoss-
typen geladen, der Hahn war entspannt; der Abzugswiderstand bei Double Action beträgt 4,99 kg (p. 
158 f., 168 ff.).

Ein erster Atemlufttest am 19.05.2009 um 22.30 Uhr ergab bei A.________ einen Wert von 2,10 
Gew.‰ und ein weiterer Test um 00.53 Uhr einen solchen von 1,76 Gew.‰ (p. 132 f.). Die Blutanaly-
se des IRM ergab für die um 03.45 Uhr entnommene Blutprobe ein Resultat im Vertrauensbereich von 

15

1,18 – 1,32 Gew.‰ (p. 208). Unter der Annahme, dass A.________ bis zum Ereigniszeitpunkt Alkohol 
konsumiert hat und kein Nachtrunk erfolgt ist, bestand bei ihm gemäss IRM um 22.30 Uhr eine BAK 
von minimal 1,51 und maximal 2,50 Gew.‰ (p. 205).

Bezüglich der erlittenen Verletzungen ist unbestritten festzustellen, dass A.________ gemäss Gutach-
ten (p. 203 ff.) und entsprechende Fotos (p. 179 ff.) diverse kleine bzw. kleinere oberflächliche Haut-
abschürfungen und teilweise wegdrückbare Hautrötungen sowie Hautunterblutungen erlitten hat. Im 
Einzelnen ist dem Gutachten des IRM vom 13.10.2009 zur körperlichen Untersuchung von 
A.________ u.a. Folgendes zu entnehmen: „Im Gesicht am rechten Kieferwinkel eine kleine, punkt-
förmige, oberflächliche Hautabschürfung. Von dieser verläuft eine kurze blutige Abrinnspur entlang 

der Unterkieferkante. Unter dieser Verletzung, am Übergang zur Halshaut, zwei ca. 3 – 5 mm grosse, 

oberflächliche Hautabschürfungen. Am Hals seitlich, rechts, eine ca. 2.5 x 1 cm grosse, ovale, 

wegdrückbare Hautrötung. Darüber eine ca. 4 mm grosse, kratzerartige, feine, oberflächliche Hautab-

schürfung. Am Hals mittig, unter dem Kehlkopf eine ca. 2 cm lange, strichförmige, von oben rechts 

nach unten links verlaufende, oberflächliche Hautabschürfung. Über dem linken Schlüsselbein, nahe 

des Ansatzes in der Mitte, zwei kleine, punktförmige, oberflächliche Hautabschürfungen. Oberhalb 

des linken Schlüsselbeins, auf einem Areal von ca. 4 x 4 cm, mehrere strich- und punktförmige, 

wegdrückbare Hautrötungen. Über der linken Brustwarze eine von innen oben nach unten aussen 

verlaufende, ca. 4 cm lange, oberflächliche Hautabschürfung. Oberhalb dieser eine kleine, ca. 1 cm 

grosse, bogenförmige Hautrötung. Um den linken Oberarm, im oberen Drittel, eine schwarze, ca. 10 x 

5 cm grosse Tätowierung. Am linken Oberarm innenseitig am Ansatz, auf einem Areal von ca. 3 x 3 

cm mehrere, rundliche violett-bläuliche Hautunterblutungen. Am linken Unterarm streckseitig in der 

Mitte, drei kleine, oberflächliche Hautabschürfungen, teilweise mit eingetrocknetem Blut belegt. Am 

rechten Oberarm im oberen Drittel eine schwarze, zirkulär um den Arm verlaufende Mustertätowie-

rung. Am restlichen Körper keine weiteren Verletzungen.“ Bei C.________ sind auch mehrere, teil-
weise wegdrückbare Hautrötungen und Hauteinblutungen sowie eine kleine Eindellung am Scheitel-
bein festgestellt worden (p. 174 ff., 192 ff.). Dem Gutachten des IRM vom 02.07.2009 zur körperlichen 
Untersuchung von C.________ ist u.a. Folgendes zu entnehmen: „An der Stirn am Haaransatz meh-
rere, kleine, nicht wegdrückbare Hautrötungen. In diesem Bereich gibt Herr C.________ auf Druck 

Schmerzen an. Am linken Scheitelbein eine kleine Eindellung ertastbar. Diese ist ebenfalls druck-

schmerzhaft. … Im Nacken unterhalb des Haaransatzes, eine annähernd zirkulär verlaufende, nicht 

wegdrückbare, strichförmige Hautrötung. Am Rücken, entlang der Wirbelsäule eine schwarze Täto-

wierung, welche einen asiatischen Schriftzug zeigt. Gegen die Wirbelsäule zu, neben dem Schulter-

blatt links, ein Areal ca. 5 x 5 cm gross, mit mehreren strich- und punktförmigen, rötlich-violetten Hau-

teinblutungen und Hautrötungen. Die Stelle sei druckschmerzhaft. An der rechten Schulter zum An-

satz des rechten Armes, ein ca. 3 x 5 cm grosses Areal, mit mehreren strichförmigen, rötlichen Hau-

teinblutungen und Hautrötungen. An der rechten Hand, auf dem Handrücken zwischen Zeigefinger 

und Daumen eine schwarze, ca. 3 x 3 cm grosse Tätowierung, welche einen Skorpion zeigt. Am rech-

ten Unterarm streckseitig ein farbiger, ca. 10 x 10 cm grosser Tiger tätowiert. Am restlichen Körper 

zeigen sich keine weiteren Verletzungen.“

15. Bestrittener Sachverhalt und Beweisthemen

Mit Blick auf die vorliegend noch strittigen Fragen ist die als Phase 3 bezeichnete 
Sequenz zu beleuchten. Zu klären ist insbesondere, wie sich die unbestrittene kör-
perliche Auseinandersetzung zwischen dem Privatkläger und dem Angeschuldigten 
zugetragen hat, ob der Privatkläger dabei einen Holzstab verwendet hat und wie 
der Angeschuldigte in der Folge den geladenen Revolver gehalten hat. 

16

Die Phasen 1 und teilweise 2 können, weil die einzelnen Schilderungen kaum Er-
kenntnisse für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der jeweiligen Aussagen für die 
dritte Phase bringen, weitgehend ausgeblendet werden. Dies vor allem auch des-
halb, weil in Bezug auf die in der ersten Phase zur Diskussion stehenden Anschul-
digungen der gegenseitigen Beschimpfung jeweils keine weitere Folge gegeben 
wurde und auch die angeblich in Phase 2 vom Privatkläger vor seiner Haustüre ge-
genüber dem Angeschuldigten ausgestossene Drohung («Du tot») als beweismäs-
sig nicht erstellt erachtet wurde. Die Aussagen waren also allesamt nicht wirklich 
zuverlässig und glaubhaft, weshalb es Sinn macht, primär eine Würdigung der 
Aussagen zur Phase vor der Haustüre des Angeschuldigten (im Wesentlichen für 
Phase 3) vorzunehmen. Es bietet sich an, zuerst das allgemeine Tatgeschehen zu 
betrachten (sogleich E. 16 unten) und dann den Revolvereinsatz separat zu be-
leuchten (E. 17 unten). Es gelangen die von der Vorinstanz korrekt wiedergegebe-
nen Grundsätze der Beweiswürdigung zur Anwendung (pag. 883 f.). 

16. Allgemeines Tatgeschehen

16.1 Aussagen Angeschuldigter

Die Vorinstanz hat die für die Phase 3 relevanten Aussagen sorgfältig zusammen-
gefasst und deren Entwicklung Schritt für Schritt aufgezeigt. Darauf kann vollum-
fänglich verwiesen werden (pag. 887 ff.). Beweiswürdigend kam sie zum Schluss, 
die Aussagen seien mit Bezug auf das Kerngeschehen unglaubhaft. So führte sie 
unter anderem Folgendes aus (pag. 890 f.):

Ausgehend von der Entstehung, dem Inhalt und der Entwicklung der einzelnen Aussagen und der 
Motivationslage von A.________ ist beweiswürdigend festzuhalten, dass diese Aussagen im Wesent-
lichen hilflose rekonstruktive Erwägungen beinhalten mit dem einzigen Ziel, zu versuchen eine Not-
wehrsituation zu belegen und sein Verhalten zu rechtfertigen, dies ganz nach dem Motto: Was nicht 
sein darf, ist nicht. So gesehen weisen diese Aussagen von A.________ zahlreiche Lügensignale 
nach BENDER/NACK/TREUER (Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 3. Auflage) auf und müssen als kla-
re Schutzbehauptungen abgetan werden. Übers Ganze gesehen erfuhren die Aussagen von 
A.________ immer mehr Einzelheiten zur Geltendmachung dieser Notwehrsituation. Ebenso ist fest-
zustellen, dass die geltend gemachte Auseinandersetzung und Drohung im zweiten Stock mit 
C.________ sonst von niemandem bestätigt wird (weder vom Ehepaar C+K.________ noch von der 
Zeugin H.________). Das erwähnte Verschlagen der „Chnöddli“ durch den Estrichöffnerstab steht 
auch nicht in Einklang mit den vom IRM festgestellten Verletzungen bzw. dem Fehlen von Verletzun-
gen an den Fingern (vgl. Erw. II.B. und II.E.2.b. oben). A.________ hätte sicher versucht, das Behän-
digen dieses Estrichöffnerstabes zu verhindern, und wie hätte ihm C.________ dann auf der Flucht 
auf die Finger schlagen können?! Ebenso unerklärlich ist es, dass A.________ die Verletzung und 
Schmerzen im Rücken, welche durch den durch C.________ verursachten Sturz hervorgerufen wor-
den sein sollen und hauptsächlicher Grund dafür waren, dass er die Waffe überhaupt geholt haben 
will (p. 729, 734) erst anlässlich der Einvernahme in der Hauptverhandlung erwähnte. Dies erstaunt 
umso mehr, als er sich nach eigenen Angaben im Anschluss an den Vorfall in ärztliche Behandlung 
begeben und eine Physiotherapie machen musste (p. 734). Aber weder in den ersten Einvernahmen 
durch die Polizei und die Untersuchungsbehörden, noch anlässlich der körperlichen Untersuchung 
durch das IRM erwähnte er die Schmerzen im Rücken. Ähnlich verhält es sich mit der Aussage von 
A.________ anlässlich der Hauptverhandlung, wonach ihm C.________ mit seinem Fuss einen 

17

Schlag an den Hals verpasst haben soll (p. 734). So erwähnte er dies niemals gegenüber der Polizei, 
den Untersuchungsbehörden oder dem IRM, sondern vielmehr erst eineinhalb Jahre nach dem Vorfall 
anlässlich der Einvernahme an der Hauptverhandlung.

Dieser Würdigung der Vorinstanz ist zuzustimmen. Vorab ist hinsichtlich der Aus-
sage des Angeschuldigten, wonach der Privatkläger ihm mit dem Fuss einen 
Schlag an den Hals verpasst habe, zu ergänzen, dass der Zeuge Q.________ be-
reits am 22. Mai 2009 entsprechende Aussagen gemacht hat (dazu auch SK 11 85, 
pag. 81). So erklärte er, der Angeschuldigte sei dem Privatkläger hinterhergerannt. 
Dann habe der Privatkläger dem Angeschuldigten im 1. Stock einen Fusstritt ver-
passt bzw. diesen mit seinem Fuss in den Hals getreten und dann sei Letzterer 
zurückgekommen (pag. 307, Z. 287 ff.). Diese Zeugenaussage ist jedoch nicht ge-
eignet, an der Einschätzung der Aussagen des Angeschuldigten etwas zu ändern: 
Einerseits sind die Aussagen des Zeugen Q.________ – wie nachfolgend aufge-
zeigt – von unterschiedlicher Qualität. Andererseits ist nicht nachzuvollziehen, war-
um der Angeschuldigte einen solch eindrücklichen Vorfall, wie es ein Fusstritt in 
den Hals darstellt, nicht selbst sofort erwähnte.

Bezeichnenderweise stehen die Aussagen des Angeschuldigten teilweise in Wider-
spruch zu den Aussagen aller übrigen Befragten und belegen vielmehr die Absicht, 
seine Handlungen als Notwehr zu rechtfertigen. Beispielhaft zu erwähnen sind sei-
ne zunehmend detailgespickten Schilderungen über eine angebliche körperliche 
Auseinandersetzung in der zweiten Phase vor der Wohnungstür des Privatklägers, 
deren Hergang er in jeder Einvernahme unterschiedlich beschrieb (pag. 241, 
Z. 41 ff.; pag. 244, Z. 61 ff.; pag. 258, Z. 26 ff.). 

Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, dass die Aussagen des An-
geschuldigten hinsichtlich des relevanten Kerngeschehens nicht glaubhaft erschei-
nen.

16.2 Aussagen Privatkläger

Auch die Aussagen des Privatklägers wurden von der Vorinstanz sorgfältig analy-
siert und eingehend gewürdigt (pag. 891 ff.). Beweiswürdigend gelangte die Vorin-
stanz zum folgenden, auch von der Kammer als zutreffend erachteten Ergebnis:

Ausgehend von der Entstehung, dem Inhalt und der Entwicklung der einzelnen Aussagen und der 
Motivationslage von C.________ ist festzuhalten, dass seine Aussagen bezüglich Kerngeschehen im 
Wesentlichen gleich bleibend sind. Allerdings fällt auch auf, dass bezüglich der Auseinandersetzung 
vor der Wohnungstüre von A.________ seine Ausführungen zunehmend aggravierend sind. Umge-
kehrt räumte er an der Hauptverhandlung erstmals ein, dass er am Schluss A.________ in den Bauch 
getreten und es im 2008 zusammen mit L.________ eine Auseinandersetzung mit A.________ gege-
ben habe. Die Aussage von C.________, wonach er allerdings nur abgewehrt und sich verteidigt ha-
be, muss als Schutzbehauptung gewertet werden: Erstens ist das Aggressionspotenzial zu Beginn 
dieser letzten Phase von ihm ausgegangen, er ist derjenige gewesen, der nach unten zur Wohnung 
A.________ ging und wuchtig die Türe auftrat. Zweitens sind die bei A.________ festgestellten Ver-
letzungen zumindest nicht ohne weiteres mit blossen Abwehrhandlungen seitens von C.________ 
vereinbar, und schliesslich drittens wäre es C.________ zweifelsohne möglich gewesen, spätestens 
nach dem Umstossen von A.________, als dieser den Revolver holen ging, sich nach oben zurück in 

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seine Wohnung zu begeben, denn dieses Holen des Revolvers muss (inklusive Aufstehen) doch min-
destens gegen 10 Sekunden gedauert haben.

Bereits im Urteil SK 11 85 hielt die Kammer ergänzend fest, dass der Privatkläger 
aus seinem Zugeständnis, die Türe eingetreten zu haben, nichts für sich ableiten 
kann (zum Ganzen SK 11 85, pag. 81). Aufgrund der Beweislage blieb ihm faktisch 
gar nichts anderes übrig. Es ändert auch nichts daran, dass er sein sonstiges Ver-
halten abschwächend und jenes des Angeschuldigten aggravierend geschildert 
hat. Das Vorbringen, die Verletzungen des Angeschuldigten seien durch den Sturz 
und das vom Privatkläger abwehrend vorgehaltene Traineroberteil bzw. dessen 
Reissverschluss entstanden, ist eine Schutzbehauptung. Selbst wenn der Ange-
schuldigte bei der Auseinandersetzung tatsächlich am Oberkörper unbekleidet ge-
wesen wäre, erscheint unglaubhaft, dass die bei ihm festgestellten Verletzungen 
lediglich von einem «Herumschlagen mit dem Trainer» und dem Sturz stammen 
sollen. Der Privatkläger hat also selber auch zugelangt.
Diese, für die rechtskräftige Verurteilung des Privatklägers wegen einfacher Kör-
perverletzung zentrale Erwägung muss auch vorliegend berücksichtigt werden. 
Seine abstreitenden, sämtliches Fehlverhalten auf den Angeschuldigten abwälzen-
den Aussagen sind nicht stimmig. Auch an der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung – nach seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung 
und rund zwölf Jahre nach dem Vorfall – insistierte der Privatkläger, ausschliesslich 
der Angeschuldigte habe die Auseinandersetzung angezettelt, er hingegen habe 
nichts gemacht (pag. 1415, Z. 17 f.), was mit den übrigen Beweismitteln nicht zu 
vereinbaren ist. 

16.3 Aussagen Dritter

16.3.1 F.________

Bei der Würdigung der Aussagen von F.________ hält sich die Kammer an ihre 
Erwägungen im Urteil i.S. C.________ (SK 11 85, pag. 83): 

Hinsichtlich der Aussagen von F.________ kann vollumfänglich auf die Ausführun-
gen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. pag. 893 ff.). F.________ schilderte an-
lässlich ihrer ersten Befragung vom 22. Mai 2009 den Gemütszustand [des Ange-
schuldigten], ihres damaligen Partners, sehr authentisch und überzeugend (z.B. 
pag. 320, Z. 81 f.: „Ich habe das Gefühl, nach all dem was gewesen ist, ist mein 
Freund einfach explodiert. Er frisst immer alles in sich herein. Dann war das Fass 
voll.“ und pag. 323, Z. 185: „Ja, er war einfach geladen. Er hat nur noch „Munirot“ 
gesehen.“). Einen „Pänggel“ bzw. Stock habe sie [beim Privatkläger] aber nicht ge-
sehen und vermute lediglich, ein solcher könnte der Auslöser dafür gewesen sein, 
dass [der Angeschuldigte] die Pistole holen gegangen sei. Zu Recht als absolut be-
zeichnend erachtete die Vorinstanz die von F.________ anlässlich ihrer ersten Be-
fragung gemachte Aussage, wonach sich [der Privatkläger] und [der Angeschuldig-
te] im Treppenhaus „vrbrätschet“ hätten. Hervorzuheben ist im Weiteren ihre Aus-
sage, wonach sich [der Angeschuldigte] und [der Privatkläger] schon „Haber“ ge-
geben hätten. Die von F.________ in der ersten Befragung gemachten Aussagen 
sind strukturgleich, trotz gegebenem Motiv frei von übermässigen Belastungen, 
stringent und gerade was die Schilderung der gegenseitigen physischen Auseinan-

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dersetzung betrifft, auch im Einklang mit den durch das Institut für Rechtsmedizin 
(IRM) festgestellten Verletzungen der beiden Kontrahenten. Die weiteren, in späte-
ren Einvernahmen gemachten Aussagen von F.________ sind dagegen geprägt 
vom eher krampfhaften Bestreben, [den Angeschuldigten] zu entlasten (plötzlich 
soll er beim Rausgehen nicht auffällig gewesen sein, der ominöse Stecken soll 
nach dem Vorfall gefehlt haben etc.) und von ihrer Struktur und ihrem Detailgehalt 
her nicht mit denen ihrer ersten Einvernahme zu vergleichen. Auf ihre späteren 
Aussagen kann daher nicht abgestellt werden.

16.3.2 Q.________

Hinsichtlich der Aussagen von Q.________ ist ebenfalls kein Grund ersichtlich, von 
den Erwägungen der Kammer im Urteil i.S. C.________ abzuweichen (SK 11 85, 
pag. 83 ff.):

Auch in Bezug auf die Aussagen von Q.________ kann vollumfänglich auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. pag. 895 ff.). Vorab ist des Weite-
ren festzuhalten, dass es sich beim Zeugen Q.________ um eine Person handelt, 
die sich in ihrer Rolle als Zeuge sehr unwohl war und teilweise etwas ambivalent 
Aussagen machte. Dies verdeutlicht seine Aussage anlässlich der untersuchungs-
richterlichen Befragung vom 22. Mai 2009. Auf die Frage, was dann passiert sei, 
führte er aus, viel, ihm wäre es lieber, wenn er gar nichts gesehen hätte. Dann 
müsste er auch nicht als Zeuge Aussagen machen. Aber jetzt sei es halt so. Das 
sei das erste und das letzte Mal, dass er sich in eine solche Situation einmische. 
Ihm sei so etwas noch nie passiert seit er in der Schweiz lebe. Er wohne seit 30 
Jahren in der Schweiz (vgl. pag. 303 f., al. 159 ff.; siehe auch pag. 742, al. 5 ff.). 
Abgesehen von seinem offenkundigen Missbehagen, Aussagen zu machen, be-
kundete Q.________ teilweise Mühe, klar zu differenzieren, was er selbst gesehen 
und was er nur von anderen Personen gehört hat. So war er sich bezüglich des 
Stocks im Verlauf des Verfahrens nicht mehr sicher (vgl. pag. 306 f., al. 255 ff.; 
pag. 310 ff., al. 379 ff.) und übernahm anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung sogar die von der Zeugin F.________ vorgetragene Version, wonach seit 
jenem Tag in der ersten Etage ein Stock fehle. Wesentlich ist jedoch dabei, dass 
gemäss den Angaben des Zeugen Q.________ der Stock erstmals [vom Ange-
schuldigten] ins Spiel gebracht wurde (vgl. pag. 310 f., al. 388 ff.). 

Davon abgesehen machte der Zeuge Q.________ jedoch glaubhafte Aussagen. 
[Es] ist nicht davon auszugehen, dass er aufgrund seiner kameradschaftlichen Be-
ziehung [zum Angeschuldigten] und zu F.________ einseitig zu Ungunsten [des 
Privatklägers] ausgesagt hätte. Im Gegenteil stimmen seine Aussagen gerade in 
Bezug auf die zweite Phase mit den Aussagen [des Privatklägers] überein. So ver-
neinte er klar eine tätliche Auseinandersetzung während der zweiten Phase im 
zweiten Stock (vgl. pag. 303, al. 143 ff.). Zudem sagte er explizit aus, [der Privat-
kläger] sei nicht in der Wohnung von F.________ und [des Angeschuldigten] ge-
standen (vgl. pag. 304, al. 175). 
In Bezug auf die zweite Phase des Geschehens vor der Wohnungstüre [des Privat-
klägers] war der Zeuge Q.________ zwar kein Augen-, sondern nur ein auditiver 
Zeuge. Abgesehen von der Tatsache, dass ältere Mehrfamilienhäuser regelmässig 
relativ ringhörig sind, resultierte das angespannte Verhältnis zwischen der Familie 

20

C+K.________ und [dem Angeschuldigten] bzw. F.________ insbesondere auch 
aus der Ringhörigkeit des Hauses und dem unterschiedlichen Lärmempfinden (vgl. 
hierzu z.B. auch die Aussage [des Angeschuldigten] vom 4. Juni 2009, pag. 269, 
al. 391 ff.). Die Kammer zweifelt daher nicht daran, dass der Zeuge Q.________ 
tatsächlich hörte, wie sich [der Angeschuldigte] in den zweiten Stock begab, an die 
Türe polterte und anschliessend wieder in seine Wohnung zurückkehrte. 

Hinsichtlich der dritten Phase war Q.________ Augenzeuge und Schlichter. Seiner 
Schilderung zufolge waren bei der Auseinandersetzung vor der Türe beide Kontra-
henten aktiv und prügelten sich mit Faustschlägen und Fusstritten. Wie die Vorin-
stanz korrekt festgehalten hat, sagte Q.________ das Kerngeschehen betreffend 
konstant aus. Es ist kein Grund ersichtlich, in der Frage der wechsel- oder einseiti-
gen Auseinandersetzung von dieser Auffassung abzuweichen. Die bestehenden 
Ungereimtheiten in den Aussagen des Zeugen Q.________ sind nicht ausreichend, 
seine im Kerngeschehen glaubhaften und stringenten Aussagen zu entkräften.

16.3.3 K.________ und H.________
Betreffend die Aussagen von K.________ und H.________ wird ebenfalls auf die 
Erwägungen der Kammer im Urteil i.S. C.________ verwiesen (SK 11 85, 
pag. 85 ff.). Wegen der limitierten Relevanz ihrer Aussagen für die vorliegenden 
Beweisthemen wird auf eine Wiedergabe verzichtet. 

16.4 Zwischenfazit
Zusammenfassend schliesst sich die Kammer in Bezug auf das allgemeine Tatge-
schehen dem vorinstanzlichen Beweisergebnis an. Die Analyse der Aussagen der 
befragten Drittpersonen bestätigen, dass es lediglich in der dritten Phase vor der 
Wohnungstür des Angeschuldigten eine wechselseitige körperliche Auseinander-
setzung zwischen dem Privatkläger und dem Angeschuldigten gab. Dabei zogen 
sich die beiden die gutachterlich dokumentierten Verletzungen zu (pag. 192 ff.; 
pag. 203 ff.). Ein Estrichtreppenöffner oder ein ähnlicher Stock kam nicht zum Ein-
satz. Mit Blick auf die vom Angeschuldigten geltend gemachte Notwehrsituation ist 
in zeitlicher Hinsicht wesentlich, dass dieser den Revolver erst nach einem ersten 
Schlagabtausch mit dem Privatkläger vor der Haustür holte und der Zeuge 
Q.________ erst ins Treppenhaus trat, als der Angeschuldigte den Revolver be-
reits in den Händen hielt (vgl. pag. 304, Z. 313). 

17. Revolvereinsatz

In Bezug auf den konkreten Revolvereinsatz gelangte die Vorinstanz zum Ergeb-
nis, der Angeschuldigte habe den geladenen Revolver mit dem Zeigefinger am Ab-
zug aus einer Distanz von 1 bis 1.5 Metern direkt auf den Brust-/Oberkörperbereich 
des Privatklägers gerichtet. Die anderslautenden Aussagen des Angeschuldigten, 
insbesondere dass er den «Finger lang» gehalten habe, seien Schutzbehauptun-
gen. 

Nachfolgend werden diese Schlussfolgerungen von der Kammer anhand der ver-
schiedenen Aussagen nochmals eingehend geprüft. 

21

17.1 Aussagen Angeschuldigter

Es fällt auf, dass der Angeschuldigte in der Tatnacht – im Gegensatz zum Privat-
kläger und Q.________ – nicht dazu befragt wurde, wie er die Waffe hielt und wie 
er damit zielte. Von der untersuchungsrichterlichen Befragung am darauffolgenden 
Tag an sagte er konstant aus, er habe den Finger nicht am Abzug gehalten: «Ich 
hielt die Waffe mit gestreckten Armen in beiden Händen. AF: Ich hatte den Finger 
nicht am Abzug. AF: Ja, an das kann ich mich noch erinnern. Ich mache es immer 
so. AF: Ja, ich bin mir diesbezüglich ganz sicher» (pag. 248, Z. 188 ff.; ebenso 
pag. 256 f., pag. 258 ff. sowie pag. 730, Z. 2 ff.). Seine Angaben an anderer Stelle 
erhellen jedoch ein wenig verlässliches Aussageverhalten und eine deutliche Ver-
harmlosungstendenz. Nachdem er selbst die Distanz zum Privatkläger auf ca. 5 
Meter geschätzt hatte (pag. 248, Z. 198), gab er auf Vorhalt der Aussagen des Pri-
vatklägers (1 bis 1.5 Meter und Finger am Abzug) an: «Nein. Wo war das? Was 
sagt er?» (pag. 250, Z. 252 ff.). Auf Aufforderung des Untersuchungsrichters zur 
Beantwortung der Frage und auf Vorhalt der Aussagen Q.'s_______, der die Di-
stanz ebenfalls auf ca. 1.5 Meter schätzte, sagte der Angeschuldigte: «Ich kann 
mich nicht mehr erinnern» (pag. 250, Z. 257 ff.). Auf die Diskrepanz zu seinen An-
gaben betreffend «Finger lang» angesprochen, meinte er: «Ich mache das immer 
so. Den Finger hält man erst an den Abzug, wenn man abdrücken will» (pag. 250, 
Z. 267 f.). Zuletzt sprach der Angeschuldigte selbst von einer Distanz von ca. 1.5 
bis 2 Meter zwischen ihm und dem Privatkläger (pag. 259, Z. 60 f.), was eher mit 
den Örtlichkeiten zu vereinbaren ist, als die zuvor geschätzten 5 Meter (vgl. 
pag. 162 f.). 

Es kommt hinzu, dass der Angeschuldigte verschiedene Fragen über die Handha-
bung der Waffe in seinem alkoholisierten Zustand ausweichend und widersprüch-
lich beantwortete: So behauptete er einerseits auf Frage, was passierte, nachdem 
er die Waffe gezogen hatte: «Keine Ahnung. Ich weiss nicht einmal, wer die Polizei 
gerufen hatte. AF: Ich hatte schon vorher ‘Filmrisse’ aufgrund des Alkoholkon-
sums» (pag. 246, Z. 101 ff.). Gleichzeitig bedauerte er später, dass er sich «leider 
im Griff» gehabt habe und dass ein anderer sicherlich geschossen hätte (pag. 248, 
Z. 182 ff.). Der Angeschuldigte stützte seine Angaben zur Waffenhandhabung of-
fensichtlich nicht auf seine Erinnerungen, sondern berief sich auffallend oft auf sei-
ne Ausbildung und Erfahrung im Umgang mit Waffen und dass er sich deshalb im 
Griff gehabt habe (z.B. pag. 268, Z. 354 ff.). Zwar entspricht die von ihm konstant 
beschriebene Waffenhandhabung (zweihändiges Halten im Combatstil, «Finger 
lang») durchaus der Ausbildungsdoktrin. Indessen legte der Angeschuldigte in Be-
zug auf das gesamte mehrphasige Geschehen ein absolut unglaubhaftes Aussa-
geverhalten und eine deutliche Verharmlosungstendenz an den Tag. So leugnete 
er anfänglich sogar den Waffeneinsatz und gab an, es befänden sich keine Waffen 
in seiner Wohnung (pag. 242, Z. 7 und Z. 16 f.). Zugleich behauptete er aber, er 
habe sich in einer Notwehrsituation befunden und hätte sicherlich schiessen dürfen 
(pag. 245, Z. 77 f.). Deshalb schliesst sich die Kammer der vorinstanzlichen Auf-
fassung zur Glaubhaftigkeit der Aussagen des Angeschuldigten an; auf seine Aus-
sagen zur Waffenhandhabung kann nicht vorbehaltslos abgestellt werden.  

22

17.2 Aussagen Privatkläger

Der Privatkläger schilderte bei seiner ersten Befragung in der Tatnacht zuerst das 
ganze, dem Waffeneinsatz vorausgehende Geschehen (pag. 281). Er konnte die 
Waffe zutreffend beschreiben («vermutlich kleiner Revolver, eventuell silbrig», 
pag. 281). Die Bedrohung geschah nach seinen Angaben wie folgt: «[A.________] 
hielt die Waffe vermutlich in der rechten Hand und zielte auf meinen Körper. Der 
Finger war im Abzug, das konnte ich sehen. Meine Frau stand aber gleich hinter 
mir, ich sagte ihr, sie solle nach oben gehen. […] Ich hatte sehr viel Angst! Angst, 
dass er abdrücken würde» (pag. 282). Das bestätigte er auch am Folgetag: «Aber 
A.________ ist dann sofort wieder zurückgekommen und hielt eine Waffe in seinen 
Händen. […] Die Waffe hielt er in seiner rechten Hand. Er hielt sie in einer Hand. 
[…] Ja, der Finger war an diesem Halter wo man abdrückt. AF: Ja der Finger war 
gekrümmt am Abzug» (pag. 288). Später an der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung sagte er aus: «A.________ hielt die Waffe in einer Hand. Ein Mensch, welcher 
eine Waffe in der Hand hat, hält den Finger zu 90% am Abzug. […] Ich habe an je-
nem Tag zum ersten Mal eine Waffe gesehen. Der Finger befand sich zu 99% am 
Abzug. Wenn ich nachdenke, kann ich sagen, dass sich sein Finger auf dem Abzug 
befand. Ich kann mich erinnern, dass ich den Finger am Abzug gesehen habe. Der 
Unterschied zwischen ‚Finger lang’ und ‚Finger am Abzug’ ist mir nicht bekannt. Ich 
habe noch nie davon gehört. Es kann niemand bestätigen, wo A.________ seinen 
Finger hielt. Mit der Aufregung und dem Alkoholeinfluss hätte es jederzeit passie-
ren können, dass er den Abzug drückte. […] Soweit ich gesehen habe, befand sich 
der Finger von A.________ am Abzug. Ja, ganz sicher» (pag. 771 f., Z. 32 ff.). 

Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass der Privatkläger in dieser Situation in kurzer 
Distanz zum Angeschuldigten stand und kein Interesse an entlastenden Aussagen 
zu dessen Gunsten hat. Er konnte den Revolver beschreiben und muss seinen 
Blick zumindest zeitweise darauf gerichtet haben. Allerdings sind der Privatkläger 
und seine Frau die einzigen, die behaupteten, der Angeschuldigte habe den Revol-
ver in einer Hand gehalten, was für einen im Waffenumgang geübten Schützen un-
üblich und entsprechend unglaubhaft ist. Daher ist auch fraglich, wie sehr der Pri-
vatkläger sich auf den gegen ihn gerichteten Revolver und die Fingerstellung des 
Angeschuldigten konzentriert hatte. Gleichermassen fraglich ist, ob es für einen 
Laien in dieser Lage überhaupt möglich ist, die Fingerstellung bei einem gegen sich 
gerichteten Revolver («Finger lang» oder am Abzug) zu erkennen. Nach Ansicht 
der Kammer machte die vom Angeschuldigten beschriebene Combat-Stellung mit 
beidhändiger Umklammerung des Revolvergriffs diese Beurteilung besonders 
schwierig; ob die Finger um den Griff oder um den Abzug gekrümmt waren, lässt 
sich besonders in einem kurzzeitigen, dynamischen Geschehen kaum erkennen. 

Die Aussagen des Privatklägers in der rund zwölf Jahre nach dem Ereignis durch-
geführten oberinstanzlichen Einvernahme sind nicht aussagekräftig. Seine wider-
sprüchlichen Schilderungen zur Waffenhandhabung sind mit dem langen Zeitablauf 
zu erklären (vgl. pag. 1415, Z. 22 ff.). 

Aus diesen Gründen kann nicht auf die Aussagen des Privatklägers zur Waffen-
handhabung abgestellt werden. Seine Angaben können jedenfalls nicht belegen, 
dass der Angeschuldigte den Finger effektiv am Abzug hatte.  

23

17.3 Aussagen Q.________

Q.________ gab anlässlich seiner Erstbefragung vom 19. Mai 2009 zu Protokoll: 
«Herr A.________ kam dann aus seiner Wohnung. In diesem Moment bin auch ich 
ins Treppenhaus gegangen. Ich konnte dann sehen, dass Herr A.________ einen 
Revolver in seiner rechten Hand hielt und diesen gegen Herrn C.________ richtete. 
[…] Herr A.________ hielt den Revolver gerade vor sich gestreckt gegen Herrn 
C.________. Dabei hielt er den Revolver in der rechten Hand und unterstützte die-
se noch mit der linken Hand» (pag. 296 f.). Nach der Fingerstellung wurde 
Q.________ von der Polizei nicht gefragt.

An der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 22. Mai 2009 sagte 
Q.________ aus: «Er hielt die Pistole in beiden Händen fest. […] AF, ob er gese-
hen habe, ob A.________ den Finger am Abzug gehabt hat: Nein, das hat er nicht 
gemacht. Er hat die Pistole nur gehalten. Er hatte die Zeigefinger gekrümmt um 
den Griff gehabt. Er wollte ihm nur Angst machen» (pag. 304, Z. 190 f.; pag. 305, 
Z. 219 f.). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte Q.________ dann aus: 
«Als ich meine Türe öffnete und nach draussen ging, hielt A.________ den Revol-
ver bereits in der Hand. Er hat die Pistole einhändig gerade nach vorne gehalten. 
Er hat mit dem Revolver mit gestrecktem Arm auf den Türken gezielt. Er hatte den 
Revolver einfach normal in der Hand» Anschliessend zeigte er eine Faust. «Ich ha-
be mich nicht geachtet, wie A.________ den Zeigfinger hielt. Ich sah einfach, dass 
er die Pistole in der Hand hielt. […] Ich selber stand hinter A.________ und hielt ihn 
fest» (pag. 739, Z. 21 ff.). 

Zur Beobachtungsposition des Zeugen hält die Kammer vorab folgendes fest: 
Q.________ verliess seine Wohnung, als er die sich zuspitzende Auseinanderset-
zung hörte, und trat in dem Moment ins Treppenhaus, als der Angeschuldigte mit 
dem Revolver auf den Privatkläger zielte. Er bewohnte die mittlere der drei Woh-
nungen im Erdgeschoss und seine Wohnungstür befand sich direkt neben derjeni-
gen des Angeschuldigten (pag. 317), sodass er beim Öffnen der Türe ungefähr 
rechtwinklig zum sich aus seiner Wohnung hinausbewegenden Angeschuldigten 
stand. Daher hatte er eine idealere Beobachtungsposition hinsichtlich der Waffen-
handhabung als der Privatkläger; er befand sich auf der der rechten Hand des An-
geschuldigten zugewandten Seite. Gemäss seinen Angaben beobachtete er die Si-
tuation zunächst lediglich, bevor er sich als Schlichter einmischte und den Ange-
schuldigten zurückhielt. 

Die Aussagen des Zeugen Q.________ wirken glaubhaft. Trotz der Freundschaft 
zum Angeschuldigten schonte er diesen nicht, machte unumwunden Angaben zum 
Revolvereinsatz und widersprach unter anderem dessen Behauptung, wonach der 
Privatkläger in seine Wohnung eingedrungen sei (pag. 304, Z. 184 f.). Indes sind 
seine Angaben zum konkreten Revolvereinsatz unklar bzw. widersprüchlich. In der 
Erstbefragung sagte er aus, der Angeschuldigte habe den Revolver in der rechten 
Hand gehalten und diese mit der linken unterstützt (pag. 297, Z. 25 f.). Später sag-
te er aus, er habe die Zeigefinger (Mehrzahl) um den Griff gekrümmt gehabt 
(pag. 305, Z. 219 f.), was eher auf die vom Angeschuldigten beschriebene beid-

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händige Combat-Stellung hindeutet. Zuletzt wollte sich Q.________ hinsichtlich der 
Waffenhandhabung nicht mehr konkret festlegen und sagte aus, der Angeschuldig-
te habe den Revolver normal und einhändig gehalten; auf die Position des Zeige-
fingers habe er sich nicht geachtet (pag. 739, Z. 23 ff.). Aus diesen Angaben lässt 
sich die Fingerstellung des Angeschuldigten nicht eindeutig eruieren. Seine in Be-
zug auf den Waffenumgang untechnischen Aussagen weisen entgegen der Vorin-
stanz nicht auf Parteilichkeit hin, sondern sind auf mangelnde Fachkenntnisse 
zurückzuführen. Die Aussage Q.'s_______, wonach der Angeschuldigte die Zeige-
finger um den Griff der Waffe gekrümmt gehabt habe, kann deshalb nicht entschei-
dend sein. Darüber hinaus kann seiner Aussage, der Angeschuldigte habe den Re-
volver «normal» gehalten, entgegen der vorinstanzlichen Auffassung nichts Wei-
tergehendes entnommen werden, zumal er sogleich nachschob, er habe sich nicht 
auf den Zeigefinger geachtet. Ob Q.________ als Laie damit sagen wollte, der Fin-
ger sei am Abzug gewesen, lässt sich nicht abschliessend beurteilen und muss of-
fenbleiben. 

Zusammenfassend geht auch aus den Aussagen des Zeugen Q.________ nicht 
eindeutig hervor, ob der Finger effektiv am Abzug war oder ob der Angeschuldigte 
den Revolver in der Position «Finger lang» hielt. 

17.4 Aussagen K.________ 

Anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 27. Mai 2009, also 
rund eine Woche nach dem Vorfall, sagte K.________ dazu als Auskunftsperson 
aus (pag. 358 ff.): «Er hielt die Waffe in seinen Händen und hat die Waffe gegen 
meinen Mann gezielt. Ich stand hinter meinem Mann. […] Er hielt die Waffe mit ei-
ner Hand. AF: ich weiss nicht, in welcher Hand er die Waffe gehalten hat. […] Er 
hat die Waffe so gehalten, wie man eine Waffe einfach in den Händen hält.» An-
schliessend zeigte sie auf, wie der Angeschuldigte den Revolver gehalten habe, 
und hielt den Zeigefinger dabei gekrümmt. «Ja, Herr A.________ hatte den Zeige-
finger an seinem Abzug. […] Ich bin mir fast ganz sicher, dass er den Zeigefinger 
am Abzug gehalten hat. […] Ich dachte mir, jetzt drückt er ab» (pag. 364 f., 
Z. 211 ff.). 

An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte sie als Zeugin aus: «Ich kann 
mich gut erinnern, wie A.________ die Waffe in der Hand hielt. Er hielt die Waffe 
und richtete sie gegen meinen Mann. Ich kann mich nicht erinnern, ob A.________ 
die Waffe in einer Hand hielt oder in beiden. A.________ hielt die Waffe ganz nor-
mal, wie man sie in den Händen hält.» Anschliessend zeigte sie einen gekrümmten 
Finger. […] «Ich weiss genau, dass der Finger von A.________ am Abzug war. In 
diesem Augenblick sah ich nichts anderes als die Waffe, und die Distanz zwischen 
uns war ebenso sehr kurz. Ich sah genau, wo A.________ seinen Finger hatte» 
(pag. 762, Z. 15 ff.). 

Die Beobachtungsposition von K.________ ist nicht einfach zu eruieren. («Ich folg-
te ihm mit dem Telefon in der Hand», pag. 363, Z. 174). Wo genau sie dann hinter 
ihrem Mann stehen blieb, sagte sie zuerst nicht (pag. 364, Z. 211 f.). Auf einem Bild 
des Tatorts zeichnete sie ihre Position hinter dem Privatkläger auf der Treppe ein 
(pag. 371). Die ersten Treppenstufen entsprechen der von Q.________ angegebe-

25

nen Position des Privatklägers (pag. 304, Z. 173 f.) und letzterer zeichnete die Po-
sition seiner Frau ebenfalls hinter sich auf den ersten Treppenstufen ein (pag. 291; 
pag. 295). Somit war K.________ in Bezug auf den Finger der rechten Hand des 
Angeschuldigten offensichtlich in einer suboptimalen Beobachtungsposition – näm-
lich auf der von der rechten Hand abgewandten Seite. Vor diesem Hintergrund und 
verbunden mit der vergleichsweise späten Erstbefragung ist die Aussage, sie habe 
genau gesehen, dass der Angeschuldigte den Finger am Abzug gehabt habe, kri-
tisch zu betrachten. Die Vorinstanz misst auch mit ungleichen Ellen, wenn sie ei-
nerseits annimmt, K.________ habe von der Position hinter ihrem Mann die Waf-
fenhandhabung des Angeschuldigten beobachten können, andererseits jedoch da-
von ausgeht, F.________ habe von der Position hinter dem Angeschuldigten nicht 
einmal die Waffe sehen können. 

Zusammenfassend kann auch anhand der Aussagen der Zeugin K.________ nicht 
verlässlich bestimmt werden, ob der Finger des Angeschuldigten am Abzug war. 

18. Fazit und Beweisergebnis

Wie dargelegt, sind sämtliche Aussagen nicht geeignet, die Waffenhandhabung 
und die Fingerstellung des Angeschuldigten zu belegen. Insbesondere die im Übri-
gen glaubhaften Angaben Q.'s_______ sind in diesem Punkt nicht verlässlich und 
teilweise widersprüchlich. Die Behauptung des Angeschuldigten, er habe den «Fin-
ger lang» gehalten, lässt sich damit nicht entkräften bzw. als Schutzbehauptung 
entlarven, wie die Vorinstanz erwog. In dubio hatte der Angeschuldigte den Finger 
folglich nicht am Abzug. Gemäss dem Zustand des Revolvers beim Fund war der 
Hahn beim Revolvereinsatz entspannt (pag. 158). Weiteres ist über die Handha-
bung des Revolvers nicht zu ermitteln. Somit ist ergänzend zum unbestrittenen 
Sachverhalt (E. 14 oben) folgendes erstellt: 

Als der Angeschuldigte nach oben in den zweiten Stock ging und dort an die Woh-
nungstür des Privatklägers schlug/trat, ereignete sich keine körperliche Auseinan-
dersetzung. Weder wurde die Türe in seiner Anwesenheit geöffnet, noch kam es 
zum Einsatz eines Estrichtreppenöffners oder eines anderen Stocks des Privatklä-
gers gegen den Angeschuldigten. Ebenso wenig gelangte bei der anschliessenden 
Auseinandersetzung vor der Türe zur Wohnung vom Angeschuldigten und 
F.________ ein solcher Stock zum Einsatz. Hingegen gab es dort eine recht hefti-
ge, wechselseitige körperliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontra-
henten. Der Angeschuldigte und der Privatkläger erlitten dabei die gutachterlich 
dokumentierten Verletzungen (pag. 192 ff.; pag. 203 ff.). 

Nachdem der Angeschuldigte im Zuge der Auseinandersetzung kurz zu Boden ge-
gangen war, ging er in seine Wohnung, behändigte den Revolver, begab sich 
zurück ins Treppenhaus und richtete den geladenen Revolver aus einer Distanz 
von ca. 1.5 Metern direkt auf den Brust-/Oberkörperbereich des Privatklägers. Da-
bei hatte er den Finger nicht am Abzug und der Hahn des Revolvers war ent-
spannt. Während der Angeschuldigte den Revolver auf den Privatkläger richtete, 
trat sein Nachbar Q.________ ins Treppenhaus und umklammerte den Angeschul-
digten, um ihn an einer Schussabgabe zu hindern. Dieser beabsichtigte mit dem 

26

Revolvereinsatz, den Privatkläger zum Verlassen des Treppenhauses und zur 
Rückkehr in seine Wohnung zu bewegen.

IV. Rechtliche Würdigung

19. Gefährdung des Lebens

19.1 Theoretisches

Der Gefährdung des Lebens macht sich schuldig, wer einen Menschen in skrupel-
loser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt (Art. 129 aStGB; vgl. zum an-
wendbaren Recht E. 25 unten).  

In objektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand den Eintritt einer konkreten unmittel-
baren Lebensgefahr. Eine solche liegt vor, wenn sich aus dem Verhalten des 
Täters nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge direkt die Wahrscheinlichkeit oder 
nahe Möglichkeit der Todesfolge ergibt (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Dies setzt nicht vor-
aus, dass die Wahrscheinlichkeit des Todes grösser sein muss als jene seines 
Ausbleibens. Die Gefahr muss unmittelbar, nicht aber unausweichlich erscheinen 
(BGE 94 IV 60 E. 2). Der subjektive Tatbestand verlangt bezüglich der unmittelba-
ren Lebensgefahr direkten Vorsatz; Eventualvorsatz genügt nicht (BGE 133 IV 1 E. 
5.1). Bei sicherem Wissen um den Eintritt der tödlichen Verletzung liegt Tötungs-
vorsatz vor, so dass die Art. 111 ff. StGB eingreifen (zur echten Konkurrenz von 
Art. 129 aStGB und Art. 117 aStGB vgl. BGE 136 IV 76 E. 2.7). Eine Verurteilung 
wegen Art. 129 aStGB fällt daher nur in Betracht, wenn der Täter trotz der erkann-
ten Lebensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Gefahr werde sich nicht reali-
sieren (BGE 136 IV 76 E. 2.4). Weiter erfordert der Tatbestand skrupelloses Han-
deln. Skrupellos ist ein in schwerem Grade vorwerfbares, ein rücksichts- oder 
hemmungsloses Verhalten (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Je grösser die vom Täter ge-
schaffene Gefahr ist und je weniger seine Beweggründe zu billigen sind, desto eher 
ist die Skrupellosigkeit zu bejahen. Diese liegt stets vor, wenn die Lebensgefahr 
aus nichtigem Grund geschaffen wird oder deutlich unverhältnismässig erscheint, 
so dass sie von einer tiefen Geringschätzung des Lebens zeugt (Urteil 
6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 4.2 mit Hinweisen).

Im Hinblick auf Schusswaffenumgang hat das Bundesgericht die Anforderungen an 
die unmittelbare Lebensgefahr in mehreren Entscheiden konkretisiert. Demnach 
liegt keine Lebensgefahr vor, wenn der Täter die Waffe erst durch eine bewusste 
Manipulation schussbereit machen muss (BGE 121 IV 67). Daraus folgt, dass 
Art. 129 aStGB nur beim Einsatz einer durchgeladenen Schusswaffe erfüllt sein 
kann. Hingegen kommt der Frage, ob der Täter den Finger am Abzug hat oder 
nicht, keine entscheidende Bedeutung zu (BGE 117 IV 419 E. 4c; Urteile des Bun-
desgerichts 6B_737/2009 vom 28. Januar 2010 E. 1.2.2; 6B_824/2016 vom 10. 
April 2017 E. 10.2). Die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit des Todes ist bei 
der Bedrohung eines Menschen mit einer geladenen und entsicherten Pistole aus 
kürzester Distanz stets gegeben. Die Möglichkeit, dass sich selbst ungewollt und 
ohne weitere Handlungen des im Waffenumgang oft ungeübten Täters ein tödlicher 
Schuss löst, ist derart gross, dass es für eine konkrete Lebensgefahr i.S.v. Art. 129 

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aStGB nicht darauf ankommt, ob der Täter den Finger am Abzug hat oder nicht 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_317/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 3.3). 

19.2 Subsumtion

Wie das Beweisverfahren ergeben hat, richtete der stark alkoholisierte Angeschul-
digte (BAK mind. 1,5 Promille) den durchgeladenen Revolver aus einer Distanz von 
ca. 1.5 Metern direkt auf den Brust-/Oberkörperbereich des Privatklägers, wobei er 
den Finger nicht am Abzug hielt. Der Revolver war auch ohne gespannten Hahn 
schussbereit, der Abzugswiderstand betrug 4.99 kg. Selbst dem Polizisten, der die 
geladene Waffe seinerzeit sicherstellte, schien es zu gefährlich, den Revolver in 
diesem Zustand (Hahn entspannt, Trommel mit Patronen gefüllt) zu transportieren, 
weshalb er ihn vor dem Transport entlud (pag. 233). Bei diesen Gegebenheiten be-
steht gemäss der vorzitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei einem im 
Waffenumgang ungeübten Täter grundsätzlich stets die Gefahr einer ungewollten 
Schussabgabe. 

Der Angeschuldigte war als Polizist zweifelsohne mit Schusswaffen vertraut und 
kann nicht als ungeübt bezeichnet werden. Es ist indessen gerade nicht so, dass 
ihm im Zusammenhang mit Waffen noch nie ein Fehler unterlaufen wäre. Im Ge-
genteil: Anlässlich eines Staatsbesuchs am 22. April 1985 löste sich aus seiner MP 
HK 5 beim Laden versehentlich ein Schuss, der glücklicherweise keinen Schaden 
anrichtete. Aufgrund der Umstände musste davon ausgegangen werden, dass der 
Angeschuldigte mit ungesicherter Waffe eine Fehlmanipulation ausgeführt hatte. Er 
wurde wegen fahrlässiger Verletzung der Dienstpflichten mit einem Verweis diszi-
plinarisch bestraft (pag. 1124 ff.). Zu einer versehentlichen Schussabgabe war es 
bereits am 18. März 1982 im Schreibzimmer der Bereitschaftspolizei gekommen, 
als der Angeschuldigte angeblich den Abzug der SIG-Pistole eines Kollegen testen 
wollte. Der Schuss ging durchs Fenster ins Freie, verletzte aber niemanden. Der 
Angeschuldigte wurde damals ebenfalls mit einem Verweis sanktioniert 
(pag. 1130 ff.). 

Es kommt hinzu, dass sich der Angeschuldigte am Abend des 19. Mai 2009 in ei-
nem emotionalen Ausnahmezustand befand. Der Vorfall bildete den Höhepunkt ei-
nes sich über längere Zeit zuspitzenden Nachbarschaftsstreits. In dieser Situation 
war der stark alkoholisierte Angeschuldigte sichtlich in Rage und hatte sich mit dem 
Privatkläger geprügelt. Gemäss seiner damaligen Lebenspartnerin habe er nicht 
mehr gewusst, was er mache, und nur noch «munirot» gesehen (pag. 320, Z. 83 f.; 
pag. 185). Der Angeschuldigte selbst sprach davon, dass er an diesem Abend ei-
nen «Filmriss» gehabt und Alkohol eine enthemmende Wirkung auf ihn habe 
(pag. 246, Z. 102 f.; pag. 251, Z. 302). Im Rahmen der forensisch-psychiatrischen 
Begutachtung erklärte er, dass er nach dem Eintreten der Türe durch den Privat-
kläger nur noch einen «roten Vorhang» gesehen habe (pag. 433). Es liegt auf der 
Hand, dass bei diesen Voraussetzungen die Gefahr einer ungewollten Schussab-
gabe durch eine Fehlmanipulation bestand. Die konkrete Situation entsprach somit 
in mehrerlei Hinsicht nicht derjenigen, wie sie sich dem Angeschuldigten in einem 
normalen beruflichen Umfeld hätte präsentieren können. 

28

Der Revolvereinsatz erfolgte zudem auf engem Raum und in kurzer Distanz zum 
Privatkläger, dem sich keine Ausweich- oder Deckungsmöglichkeit bot. Ferner 
mischte auch Q.________ im dynamischen Turbulenzgeschehen mit. Er hielt den 
Angeschuldigten zeitweise zurück, was die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten 
Schussabgabe zusätzlich erhöhte. 

Zusammenfassend bestand in dieser Situation eine grosse Möglichkeit, dass sich 
ungewollt ein tödlicher Schuss aus dem Revolver löst, obwohl der Angeschuldigte 
den Finger nicht am Abzug hielt. Er handelte dabei in Geringschätzung des gefähr-
deten Lebens. Anders kann seine Aussage, er habe sich in dieser Situation «leider 
im Griff» gehabt (pag. 248, Z. 182), verbunden mit einigen im Laufe des Nachbar-
schaftsstreits gemachten Andeutungen, wo er sich bereits abschätzig über den Pri-
vatkläger äusserte (z.B. pag. 253, Z. 341 ff.), nicht verstanden werden. Die grosse, 
vom Angeschuldigten geschaffene Gefahr basierte somit auf nicht zu billigenden 
Beweggründen und war skrupellos. Er handelte dabei vorsätzlich und vertraute 
darauf, dass sich kein Schuss lösen würde. 

Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe liegen – wie sogleich aufgezeigt 
wird  (E. 21.2 unten) – nicht vor. 

20. Nötigung

20.1 Theoretisches

Betreffend die theoretischen Ausführungen wird auf die zutreffenden vorinstanzli-
chen Erwägungen verwiesen (pag. 910)

20.2 Subsumtion

Der nötige Strafantrag liegt vor (pag. 135). Der Angeschuldigte zielte mit seinem 
Revolver auf den Privatkläger, um diesen zum Verlassen des Treppenhauses und 
zur Rückkehr in seine Wohnung zu bewegen. Die von der Waffe ausgehende Be-
drohung zeigte mithin Wirkung. Dass die Nötigung rechtswidrig war, lässt sich posi-
tiv damit begründen, dass das verwendete Mittel unerlaubt war. Das Tra-
gen/Einsetzen eines Revolvers ist gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG verboten und 
war, wie sogleich aufgezeigt wird (E. 21.2 unten), auch unter Notwehrgesichtspunk-
ten nicht gerechtfertigt. 

21. Rechtfertigende Notwehr und entschuldbarer Notwehrexzess

21.1 Theoretisches

Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so 
ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umstän-
den angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB mit dem Randtitel «Rechtfer-
tigende Notwehr»). Bei der Notwehr ist zwischen rechtfertigender Situation (Not-
wehrlage: unmittelbarer Angriff ohne Recht) und gerechtfertigter Handlung (Not-
wehrhandlung: angemessene Verteidigung) zu unterscheiden (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_303/2018 vom 2. November 2018 E. 2.3). 

Eine Notwehrsituation liegt vor, wenn jemand ohne Recht angegriffen oder unmit-
telbar mit einem Angriff bedroht wird. Als Angriff gilt jede durch menschliches Ver-

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halten drohende Verletzung rechtlich geschützter Interessen (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1356/2016 vom 5. Januar 2018 E. 3.1.2), wobei das Wort «Angriff» nicht 
eng gefasst wird (BGE 102 IV 1 E. 2). Notwehrfähig ist jedes persönliche Rechts-
gut, d.h. auch solche, die keinen strafrechtlichen Schutz geniessen (BGE 104 IV 53 
E. 2). Die Unmittelbarkeit der Bedrohung setzt voraus, dass Anzeichen einer Ge-
fahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen. Abwehr ist zulässig, sobald 
mit einem Angriff ernstlich zu rechnen ist und jedes weitere Zuwarten die Verteidi-
gungschance gefährdet. Der Angriff droht mit anderen Worten nicht erst unmittel-
bar, wenn es für den Angreifer kein Zurück mehr gibt, sondern bereits, wenn der 
Bedrohte nach den gesamten Umständen mit dem sofortigen Angriff rechnen 
muss. Handlungen, die lediglich darauf gerichtet sind, einem zwar möglichen, aber 
noch unsicheren Angriff vorzubeugen, einem Gegner also nach dem Grundsatz, 
dass der Angriff die beste Verteidigung ist, zuvorzukommen und ihn vorsorglich 
kampfunfähig zu machen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_303/2018 vom 2. November 2018 E. 2.3). Der begonnene, 
schon in Verletzung übergegangene Angriff bleibt solange gegenwärtig, als die Zu-
fügung einer neuen oder die Vergrösserung der bereits eingetretenen Verletzung 
durch das Verhalten des Angreifers unmittelbar bevorsteht (BGE 102 IV 1 E. 2). 

Der Angegriffene ist zwar berechtigt, den Angriff abzuwehren, er muss dies jedoch 
in einer den Umständen angemessenen Weise tun. Die Abwehr in einer Notwehrsi-
tuation muss nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. 
Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und 
die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsäch-
liche Verwendung. Namentlich muss geprüft werden, ob das Verhältnis zwischen 
dem Wert des angegriffenen und demjenigen des verletzten Rechtsguts angemes-
sen ist. Dabei ist die Angemessenheit der Abwehr aufgrund jener Situation zu beur-
teilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Es 
dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob 
der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger einschneidenden 
Massnahmen hätte begnügen können und sollen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_303/2018 vom 2. November 2018 E. 2.3). 

Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr nach Art. 15 StGB, so 
mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 aStGB). Beim sogenannten Notwehr-
exzess wird zwischen dem intensiven bzw. quantitativen Exzess, bei dem der An-
gegriffene in einer Notwehrsituation die Grenzen der durch die Verhältnismässig-
keit gebotene Reaktion überschreitet, vom extensiven bzw. qualitativen Notwehr-
exzess unterschieden. Letzterer beschreibt eine Handlung des Angegriffenen ohne 
eigentliche Notwehrsituation und rechtfertigt keine Strafmilderung. Überschreitet 
der Abwehrende die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder 
Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 
aStGB). Ein Notwehrexzess ist entschuldbar, wenn die Aufregung oder die Bestür-
zung des Täters allein oder zumindest vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff 
zurückzuführen ist. Überdies müssen Art und Umstände des Angriffs derart sein, 
dass sie die Aufregung oder die Bestürzung entschuldbar erscheinen lassen. Nicht 
jede geringfügige Erregung oder Bestürzung führt zu Straflosigkeit. Das Gericht hat 
einen umso strengeren Massstab anzulegen, je mehr die Reaktion des Täters den 

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Angreifer verletzt oder gefährdet (Urteil des Bundesgerichts 6B_1211/2015 vom 
10. November 2016 E. 1.3.2).

Der Angegriffene kann sich nicht auf Notwehr berufen, wenn er die Notwehr-
situation provoziert, mithin den Angriff absichtlich herbeigeführt hat, um den Angrei-
fer gleichsam unter dem Deckmantel der Notwehr etwa zu töten oder zu verletzen. 
Bei dieser sogenannten Absichtsprovokation findet Art. 15 StGB keine Anwendung 
(vgl. BGE 104 IV 53 E. 2a S. 56 mit Hinweisen; BGE 102 IV 228 E. 2 S. 230). Ist 
der Angriff nicht dergestalt provoziert, liegt grundsätzlich eine Notwehrsituation im 
Sinne von Art. 15 StGB vor. Hat der Angegriffene die Notwehrlage zwar nicht ab-
sichtlich herbeigeführt, aber durch sein Verhalten doch mit verschuldet bezie-
hungsweise verursacht, so hängt es von der Bewertung dieses Verhaltens ab, wel-
che Folgen sich daraus für das Notwehrrecht ergeben. Je nach den Umständen 
kann das Notwehrrecht des Angegriffenen uneingeschränkt bestehen bleiben oder 
aber eingeschränkt sein. Ist es eingeschränkt, so ist die noch zulässige Abwehr im 
Vergleich zur sonst zulässigen begrenzt und kann eine bestimmte Abwehrhand-
lung, die bei uneingeschränktem Notwehrrecht noch angemessen wäre, unzulässig 
und damit als Notwehrexzess zu qualifizieren sein (Urteil des Bundesgerichts 
6S.268/2005 vom 9. August 2005 E. 3.1 mit Hinweis). Das Notwehrrecht ist einge-
schränkt, wenn der Verteidigungshandlung das eigene Unrecht des Angegriffenen 
noch unmittelbar anhaftet. Die Anforderungen an die Vermeidung von Verletzungen 
des Angreifers sind umso höher, je schwerer die rechtswidrige und vorwerfbare 
Herbeiführung der Notwehrlage wiegt.

21.2 Subsumtion betreffend den Revolvereinsatz

Das Vorliegen rechtfertigender Notwehr ist hinsichtlich der Gefährdung des Le-
bens, der Nötigung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu verneinen. 
Es ist offensichtlich, dass der Revolvereinsatz in einem Moment erfolgte, als kein 
Angriff mehr im Gang war oder unmittelbar drohte. Die Schlägerei vor der Türe war 
(zumindest vorübergehend) beendet, der Privatkläger verfolgte den Angeschuldig-
ten nicht in dessen Wohnung und machte auch keine Anstalten dazu. Hätte für den 
Angeschuldigten noch eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben bestanden, so 
wäre er nicht in der Lage gewesen, unbehelligt in seine Wohnung zu gelangen, 
sich Gedanken über eine geeignete Waffe zu machen (pag. 729, Z. 15 f.) und 
schliesslich den Revolver zu behändigen. Vielmehr bildete der Revolvereinsatz ei-
ne Reaktion des Angeschuldigten auf die Schmach, dass er vor dem Privatkläger 
zu Boden gegangen war, und bedeutete eine weitere Steigerung der sich zuspit-
zenden, wechselseitigen Auseinandersetzung. Ohne Notwehrsituation entfällt auch 
eine Straf- bzw. Schuldmilderung nach Art. 16 aStGB. Ein Exzess wäre ohnehin zu 
verneinen, hatte der Angeschuldigte doch angeblich Zeit zu überlegen, ob er ein 
Messer oder seinen Revolver holt (pag. 729, Z. 15 f.). Zudem ist eine allfällige Auf-
regung oder Bestürzung des Angeschuldigten eher auf den bereits seit einiger Zeit 
schwelenden Nachbarschaftsstreit als auf die konkrete Situation vor seiner Haustü-
re zurückzuführen. 

Desgleichen kann sich der Angeschuldigte nicht darauf berufen, er habe mit sei-
nem Revolvereinsatz auf das Eintreten seiner Wohnungstüre – mithin einen Angriff 
auf das Vermögen – reagiert. Zwischen dem Treten/Schlagen des Angeschuldigten 

31

an die Wohnungstüre des Privatklägers und dem Eintreten seiner eigenen Woh-
nungstür durch den Privatkläger besteht ein klarer sachlicher Zusammenhang, 
auch wenn diese Ereignisse sich an anderen Örtlichkeiten abspielten und einige 
Minuten dazwischenlagen. Obgleich der Privatkläger nicht berechtigt war, die 
Wohnungstür des Angeschuldigten einzutreten, hat letzterer diese Reaktion durch 
sein Verhalten provoziert. Rechtfertigende Notwehr scheidet wegen Mitverschul-
dens aus. Zwischen den beiden Vorfällen schlugen sich der Angeschuldigte und 
der Privatkläger zudem, womit die behauptete Notwehrsituation entschärft gewe-
sen wäre. Ohnehin wäre der Revolvereinsatz als (weitere) Reaktion auf das Eintre-
ten der Wohnungstür, wodurch diese nur beschädigt und nicht zerstört wurde, völlig 
unverhältnismässig. 

22. Einfache Körperverletzung

22.1 Theoretisches

Betreffend die theoretischen Ausführungen wird auf die zutreffenden vorinstanzli-
chen Erwägungen verwiesen (pag. 909 f.). 

22.2 Subsumtion

Der nötige Strafantrag liegt vor (pag. 135). Die vom Privatkläger erlittenen Verlet-
zungen sind dem Gutachten des IRM vom 13. Oktober 2009 zu entnehmen (wie-
dergegeben in E. 14 oben).  
Angesichts der grossen Anzahl von Verletzungen kann, auch wenn diese zugege-
benermassen für sich alleine betrachtet geringfügig erscheinen, nicht mehr von ei-
ner bloss vorübergehenden, harmlosen Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbe-
findens gesprochen werden. Die Vorinstanz hat die vom Privatkläger erlittenen Ver-
letzungen zu Recht als einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 aStGB 
qualifiziert. Der Angeschuldigte handelte vorsätzlich. 

Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe liegen – wie sogleich aufgezeigt 
wird – auch hinsichtlich der einfachen Körperverletzung nicht vor. 

23. Rechtfertigende Notwehr betreffend die Schlägerei

Gemäss dem oberinstanzlichen Beweisergebnis trug sich die wechselseitige kör-
perliche Auseinandersetzung zwischen dem Privatkläger und dem Angeschuldigten 
in der dritten Phase im Treppenhaus vor der Wohnungstür des Angeschuldigten zu. 
Wie die Kammer bereits im Urteil betreffend C.________ festgestellt hat, betrat 
dieser die Wohnung des Angeschuldigten nicht (SK 11 85, pag. 93; vgl. ebenso die 
Aussagen Q.'s_______ pag. 304, Z. 184 f.). Ihm drohte daher keine unmittelbare 
Gefahr. Er verliess vielmehr seine Wohnung, um sich mit dem Privatkläger zu prü-
geln. Wer genau mit der Schlägerei angefangen hat, ist nicht klar. Beide gaben sich 
dabei «Haber», trugen die bekannten Verletzungen davon und blieben sich gegen-
seitig nichts schuldig. 

Das Eintreten der Wohnungstür als Angriff gegen das Vermögen rechtfertigte die 
einfache Körperverletzung ebenso wenig wie den Revolvereinsatz. Abwehrhand-
lungen gegen Leib und Leben sind bei Angriffen gegen das Vermögen nur mit äus-
serster Zurückhaltung zu rechtfertigen (BSK StGB-NIGGLI/GÖHLICH, 4. Auflage, 

32

Art. 15 N 35). Das Beschädigen der Wohnungstür stellte keinen schweren Eingriff 
in das Eigentum dar. Ergo ist eine gegen den Körper gerichtete Abwehrhandlung 
von vornherein unverhältnismässig. Ausserdem gilt auch hier das bereits Ausge-
führte: Das vorherige Verhalten des Angeschuldigten war eindeutig provokativ und 
er musste mit einer wie auch immer gearteten Retourkutsche des Privatklägers 
rechnen (E. 21.2 oben). Unter diesen Vorzeichen wäre es absolut stossend, ihm 
nun deswegen eine Notwehrlage zuzubilligen, wenn sich der Privatkläger «stoff-
gleich» revanchierte.

24. Widerhandlung gegen das Waffengesetz

24.1 Theoretisches

Wer vorsätzlich und ohne Berechtigung Waffen, wesentliche oder besonders kon-
struierte Waffenbestandteile, Waffenzubehör, Munition oder Munitionsbestandteile 
anbietet, überträgt, vermittelt, erwirbt, besitzt, herstellt, abändert, umbaut, trägt, in 
einen Schengen-Staat ausführt oder in das schweizerische Staatsgebiet verbringt, 
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 33 Abs. 1 
Bst. a Waffengesetz [WG; SR 514.54]). 

24.2 Subsumtion

Es ist unbestritten, dass der Angeschuldigte den Revolver vorsätzlich behändigte 
und trug. Der objektive und subjektive Tatbestand ist somit erfüllt. Der Revolverein-
satz war nicht durch eine Notwehrsituation gerechtfertigt (dazu E. 21.2 oben). 

V. Strafzumessung

25. Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-
ten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst 
nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn 
dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnor-
men ist nach der sogenannten konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich um-
fassende Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht ge-
genüberzustellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur ent-
weder das alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden 
Rechte ist ausgeschlossen. Hat der Täter mehrere selbständige strafbare Hand-
lungen begangen, so ist in Bezug auf jede einzelne Handlung gesondert zu prüfen, 
ob das alte oder das neue Recht milder ist. Gegebenenfalls ist eine Gesamtstrafe 
zu bilden (BGE 134 IV 82, S. 88, E. 6.2.1 und 6.2.3). Ausschlaggebend ist, nach 
welchem der beiden Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser 
wegkommt (zum Ganzen TRECHSEL/VEST, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch 
Praxiskommentar, 3. Auflage, Art. 2 N 11 mit Hinweisen; BGE 126 IV 5 E. 2c). Der 
Gesetzesvergleich hat sich ausschliesslich nach objektiven Gesichtspunkten zu 
richten (BGE 134 IV 82 E. 6.2.2). Massgebend ist dabei das Ausmass der mit einer 
Sanktion verbundenen Beschränkung der persönlichen Freiheiten, namentlich der 

33

Bewegungsfreiheit, des Eigentums, der Ehre, der Betätigungsfreiheit und der Be-
ziehungsfreiheit. Unter den möglichen Strafformen hat die Freiheitsstrafe als die 
strengste zu gelten, gefolgt von der Geldstrafe. Sind im Übrigen die Sanktionen im 
Einzelfall gleichwertig, so ist altes Recht anzuwenden (BSK StGB-POPP/BERKE-
MEIER, 4. Auflage, Art. 2 N 17). 

Der Beschuldigte beging sämtliche vorliegend zu beurteilenden Delikte am 19. Mai 
2009. Nach damals geltendem Recht waren Geldstrafen von bis zu 360 Tagessät-
zen möglich. Das aktuell geltende Recht sieht hingegen vor, dass Strafen von mehr 
als 180 Strafeinheiten mit Freiheitsstrafe zu ahnden sind. Unter diesem Gesichts-
punkt ist das neue Recht für den Beschuldigte nicht milder, sodass das Strafge-
setzbuch in seiner am 19. Mai 2009 gültigen Fassung (aStGB) zur Anwendung ge-
langt. 

26. Vorbemerkungen

Für die theoretischen Ausführungen zur Strafzumessung wird auf die zutreffenden 
vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen (pag. 912 f.). 

27. Konkrete Strafzumessung

27.1 Strafart, Methodik und Strafrahmen

Aufgrund des geltenden Verschlechterungsverbots darf der Angeschuldigte nicht 
strenger bestraft werden als im erstinstanzlichen Urteil. Die Wahl der angemesse-
nen Strafart erübrigt sich daher; sämtliche Delikte können nur mit einer Geldstrafe 
geahndet werden. Aus diesem Grund ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 aStGB 
eine Gesamtstrafe zu bilden. 

Die Gefährdung des Lebens stellt aufgrund des abstrakten Strafrahmens das 
schwerste Delikt dar. Gründe für ein Über- oder Unterschreiten des abstrakten 
Strafrahmens sind nicht ersichtlich. Der Strafrahmen für die Gesamtgeldstrafe 
reicht somit von einem bis zu 360 Tagessätzen (Art. 34 Abs. 1 aStGB). 

27.2 Einsatzstrafe für die Gefährdung des Lebens

27.2.1 Objektive Tatschwere

Das Ausmass der hervorgerufenen Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Die Möglich-
keit einer ungewollten Schussabgabe war erheblich und dauerte eine gewisse Zeit 
an. Der Angeschuldigte handelte aus vergleichsweise nichtigem Anlass. Der sich 
zuspitzende Nachbarschaftsstreit hatte in der Schlägerei ihren Höhepunkt erreicht. 
Er holte den Revolver, um sich für die dabei erlittene Schmach, die indessen keine 
schwerwiegende Verletzung nach sich zog, zu revanchieren und wollte ein für alle 
Mal zeigen, wer hier das Sagen hat. Dass er den Privatkläger aus diesem Grund in 
unmittelbare Lebensgefahr versetzte, ist verwerflich. 

Aus diesen Gründen ist die objektive Tatschwere als gerade noch leicht einzustu-
fen. Es ist von einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen auszugehen. 

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27.2.2 Subjektive Tatschwere

Der Angeschuldigte handelte mit direktem Vorsatz, was deliktsimmanent ist und 
keine Auswirkungen auf die Tatschwere hat. Differenzierter zu betrachten ist die 
Möglichkeit der Vermeidung der Gefährdung. 

Im Gutachten vom 22. September 2009 wurde dem Angeschuldigten eine leichte 
bis mittelschwere Alkoholintoxikation im Tatzeitpunkt bei akzentuierten Persönlich-
keitszügen und schädlichem Gebrauch von Alkohol attestiert, wobei das Ausmass 
dieser Auffälligkeiten nicht als schwer einzustufen ist (pag. 442 f.). Diese haben 
dennoch eine verminderte Steuerungsfähigkeit bei erhaltener Einsichtsfähigkeit zur 
Folge, weshalb die Schuldfähigkeit leicht vermindert ist (pag. 450). Die Ergän-
zungsgutachten vom 11. April 2012 und vom 22. Juli 2021 äusserten sich nicht 
mehr zur Schuldfähigkeit und stellten lediglich fest, dass im Beurteilungszeitpunkt 
keine Hinweise auf Alkoholabhängigkeit (mehr) festzustellen seien (pag. 1166 f.; 
pag. 1346). 

Diese gutac