# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ddde26ea-aa88-51ad-af5e-8ac62d6d64f5
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-28
**Language:** de
**Title:** Pöschl Tabakprodukte: Verfügung vom 28. Juni 2021
**Docket/Reference:** P%C3%B6schl%20Tabakprodukte_Verf%C3%BCgung%20vom%2
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2022/poeschl_tabakprodukte_verfuegung_vom_28_juni_2021.pdf.download.pdf/P%C3%B6schl%20Tabakprodukte_Verf%C3%BCgung%20vom%2028.%20Juni%202021.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Verfügung 

vom 28. Juni 2021 

in Sachen 

gegen 

Besetzung 

Untersuchung gemäss Artikel 27 des Bundesgesetzes über Kartelle 
und andere Wettbewerbsbeschränkungen vom 6. Oktober 1995 
(Kartellgesetz [KG]; SR 251) 
betreffend 

22-0505: Pöschl Tabakprodukte 
wegen unzulässiger Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 4 KG, 

Pöschl GmbH & Co. KG, Dieselstrasse 1, Postfach 1149,  
D-84144 Geisenhausen 
vertreten durch CORE Rechtsanwälte AG, RA Mario Strebel 
und/oder RA Fabian Koch, Dufourstrasse 105, 8008 Zürich 

Andreas Heinemann (Präsident, Vorsitz), 
Danièle Wüthrich-Meyer (Vizepräsidentin), Armin Schmutzler 
(Vizepräsident), 
Florence Bettschart-Narbel, Nicolas Diebold, Winand Emons, 
Clémence Grisel Rapin, Andreas Kellerhals, Pranvera Këllezi, Isabel 
Martínez, Rudolf Minsch, Martin Rufer, Henrique Schneider. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A. 

Verfahren .................................................................................................................... 4 

A.1.  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 4 
A.2.  Prozessgeschichte ....................................................................................................... 7 

B. 

Erwägungen ............................................................................................................... 9 

B.1.  Geltungsbereich ........................................................................................................... 9 
B.1.1.  Persönlicher Geltungsbereich ................................................................................. 9 
B.1.2.  Sachlicher Geltungsbereich ..................................................................................... 9 
B.1.3.  Örtlicher Geltungsbereich ........................................................................................ 9 
B.2.  Zuständigkeit der Gesamtkommission der WEKO ..................................................... 10 
B.3.  Parteien/Verfügungsadressatinnen ............................................................................ 10 
B.4.  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 10 
B.5.  Unzulässige Wettbewerbsabrede............................................................................... 12 
B.5.1.  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 12 
B.5.1.1.  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken ......................................................... 13 
B.5.1.2.  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung ................................ 13 
B.5.1.3.  Vertikale Wettbewerbsabreden.............................................................................. 14 
B.5.1.4.  Abrededauer ......................................................................................................... 14 
B.5.2.  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................. 14 
B.5.2.1.  Vorliegen von vertikalen Abreden über absoluten Gebietsschutz .......................... 15 
B.5.2.2.  Widerlegung der gesetzlich vermuteten Wettbewerbsbeseitigung ......................... 15 
B.5.2.2.1.  Relevante Märkte .............................................................................................. 15 
B.5.2.2.2. 
Intrabrand-Wettbewerb ...................................................................................... 17 
Interbrand-Wettbewerb ...................................................................................... 17 
B.5.2.2.3. 
B.5.2.3.  Zwischenergebnis ................................................................................................. 18 
B.5.3.  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ..................................................... 18 
B.5.4.  Rechtfertigung aus Effizienzgründen ..................................................................... 18 
B.5.5.  Ergebnis ................................................................................................................ 19 
B.6.  Massnahmen ............................................................................................................. 19 
B.6.1.  Einvernehmliche Regelung .................................................................................... 19 
B.6.2.  Sanktionierung ...................................................................................................... 20 
B.6.2.1.  Tatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG ....................................................................... 20 
B.6.2.2.  Vorwerfbarkeit ....................................................................................................... 21 
B.6.2.3.  Sanktionierbarkeit in zeitlicher Hinsicht ................................................................. 21 
B.6.2.4.  Bemessung ........................................................................................................... 21 
B.6.2.4.1.  Konkrete Sanktionsberechnung ........................................................................ 22 
B.6.2.4.2.  Selbstanzeige – teilweiser Erlass der Sanktion ................................................. 25 
B.6.2.4.3.  Verhältnismässigkeitsprüfung ............................................................................ 27 
B.6.2.5.  Ergebnis ................................................................................................................ 27 

C. 

D. 

Kosten ...................................................................................................................... 28 

Ergebnis ................................................................................................................... 29 

2 

 
 
 
 
 
 
E. 

Dispositiv ................................................................................................................. 30 

3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
A. 

Verfahren 

A.1.  Gegenstand der Untersuchung 

Fokus der Untersuchung 

1. 
Das  Sekretariat  der  Wettbewerbskommission  (nachfolgend:  Sekretariat)  eröffnete  am 
17. August 2020 im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der Wettbewerbskom-
mission (nachfolgend: WEKO) aufgrund der im Rahmen der vorgängig durchgeführten Markt-
beobachtung  gemäss  Art.  45  Abs.  1  KG1  ermittelten  Anhaltspunkte  für  mögliche  Verstösse 
gegen  Art.  5  KG  eine  Untersuchung  gemäss  Art.  27  KG  gegen  die  
Pöschl Tabak GmbH & Co. KG (nachfolgend: Pöschl Deutschland) sowie alle mit ihr konzern-
mässig  verbundenen  Unternehmen  (nachfolgend:  Pöschl).  Im  Rahmen  der  Untersuchung 
wurde geprüft, ob unzulässige vertikale Gebietsschutzabreden nach Art. 5 Abs. 4 KG zwischen 
Pöschl Deutschland und deren ausländischen Vertriebspartnerinnen vorlagen. 

Am  19.  Februar  2019  meldete  eine  Marktteilnehmerin  (nachfolgend:  Anzeigerin)  dem 
2. 
Sekretariat, dass die Pöschl Tobacco Switzerland AG (nachfolgend: Pöschl Schweiz) Druck 
auf Pöschl Deutschland ausgeübt habe, um Lieferungen von Schnupftabak der Marke Gawith 
von seiner in Europa ansässigen Lieferantin zu blockieren. Pöschl Deutschland soll gemäss 
der Anzeigerin die Lieferung an ihre Lieferantin mit der Begründung verweigert haben, dass 
Produkte aus früheren Lieferungen in die Schweiz hätten verfolgt werden können, und dass 
Pöschl Deutschland keine Parallelimporte in die Schweiz mehr haben wolle. Der Anzeige lag 
eine E-Mail der ausländischen Lieferantin bei, worin diese gegenüber der Anzeigerin erklärte: 
«[…] Poeschl refused to supply Gawith due to previous shipments found in Swiss market. It is 
small anyway and I do not intend to start a war with them, just not worth it. […]».2 

Aus Gründen der Verhältnismässigkeit fokussiert sich die vorliegende Untersuchung auf 
3. 
Schnupftabak und Feinschnitt (Tabak zum Selberdrehen), da die anderen von Pöschl herge-
stellten oder vertriebenen Produkte (insbesondere Rauchtabak, Pfeifentabak, Kautabak, Ziga-
retten) umsatzmässig weniger bedeutend und/oder die Marktanteile auf den anderen relevan-
ten  Märkten  sehr gering  sind.  Zudem  liegt  der  Fokus  auf den  Vertriebsverträgen mit  den  in 
Europa ansässigen Vertriebspartnerinnen (vgl. unten, Rz 11).  

Vertrieb von Schnupftabak und Feinschnitt 

4. 
Pöschl  Deutschland  ist gemäss  ihrem Internetauftritt  die  weltweit  grösste  Produzentin 
von Schnupftabak und führende deutsche Herstellerin von Tabakprodukten. Zu Pöschl gehö-
ren neben dem Stammhaus Pöschl Deutschland auch […] rein vertrieblich tätige, internatio-
nale Tochter- und Beteiligungsgesellschaften.3 Pöschl Schweiz ist in der Schweiz und im Aus-
land im Vertrieb von Produkten tätig, die von Pöschl hergestellt oder vertrieben werden.4  

5. 
Pöschl Deutschland lässt die Tabakprodukte durch ihre Vertriebspartnerinnen an Wie-
derverkäuferinnen und/oder Endkundinnen/Endkunden vertreiben.5 Mit […] von […] ausländi-
schen  Vertriebspartnerinnen  hat  Pöschl  Deutschland  schriftliche  Vertriebsverträge  abge-
schlossen,6 wovon […] kartellrechtlich problematische Klauseln enthalten. 

1 Bundesgesetz vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz, 
KG; SR 251). 
2 Act. […]. 
3 Act. […]. 
4 Siehe <https://lu.chregister.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-358.515.576> (28.6.2021). 
5 Act. […]. 
6 Act. […]. 

4 

 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Vertriebsverträge 

6.  Gegenstand  der  Vertriebsverträge  ist  der  Vertrieb  von  Produkten,  die  Pöschl  herstellt 
oder vertreibt (insbesondere Schnupftabak, Feinschnitt, Rauchtabak, Pfeifentabak, Kautabak, 
Zigaretten; nachfolgend: Vertragsprodukte) bzw. durch Vertriebspartnerinnen an Wiederver-
käuferinnen und/oder Endkundinnen/Endkunden vertreiben lässt.7  

In […] von […] schriftlichen Vertriebsverträgen,8 welche Pöschl Deutschland mit auslän-

7. 
dischen Vertriebspartnerinnen abgeschlossen hat, waren jeweils Klauseln wie die folgenden  
oder ähnlich lautende Klauseln enthalten (nachfolgend: Exportverbotsklauseln): 

«The Customer is prohibited from marketing the supplied goods beyond the Territory or 
to deliver them to third parties for the purpose of marketing outside the Territory.»9 

«Dem Abnehmer ist es untersagt, die gelieferte Ware außerhalb des Vertragsgebiets zu 
vertreiben oder diese an Dritte zum Vertrieb außerhalb des Vertragsgebiets zu liefern.»10 

«The Customer shall refrain from marketing or selling the Products to third parties outside 
the Territory and from supplying the Products to third parties for the purpose of marketing 
or selling them outside the Territory.»11  

Die  nachfolgende  Tabelle  1  enthält  eine  Übersicht  der  insgesamt  […]  ausländischen 
8. 
Vertriebspartnerinnen von Pöschl Deutschland und gibt an, mit welchen ein schriftlicher Ver-
triebsvertrag besteht sowie ggf., mit welchen Vertriebspartnerinnen die Exportverbotsklauseln 
vereinbart wurden. 

Tabelle 1: Übersicht Vertriebsverträge mit ausländischen Vertriebspartnerinnen 

Vertriebspartnerin (Absatzgebiet) 

Vertriebsvertrag  Exportverbotsklausel 

[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 

7 Act. […]. 
8 Act. […]. 
9 Act. […]. 
10 Act. […]. 
11 Act. […]. 

Ja 
[…] 
[…] 
Ja 
[…] 
[…] 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 
Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 
Ja 

Ja 
[…] 
[…] 
Ja 
[…] 
[…] 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 
Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 
Ja 

5 

 
 
 
 
 
 
                                                
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…]** 
[…] 
* […]. 
** […].12 
Quelle: Act. […]. 

[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 

[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 
[…] 

9. 
Die Tabelle 1 zeigt, dass mit […] von insgesamt […] (unabhängigen) ausländischen Ver-
triebspartnerinnen von Pöschl Deutschland schriftliche Verträge betreffend den Vertrieb von 
Vertragsprodukten bestehen und in […] davon die Exportverbotsklauseln enthalten waren bzw. 
sind (nachfolgend: ausländische Vertriebspartnerinnen). Davon wurden sieben mit Vertriebs-
partnerinnen  abgeschlossen,  die  in  Europa  ansässig  sind  (nachfolgend:  europäische  Ver-
triebspartnerinnen). Der älteste entsprechende Vertrag stammt vom […] und wurde zwischen 
Pöschl Deutschland und […] abgeschlossen. 

10.  Grafisch lässt sich der Vertrieb und der beschriebene Inhalt der Vertriebsverträge von 
Pöschl Deutschland in vereinfachter Form wie folgt darstellen:  

Abbildung 1: Übersicht Vertrieb und Vertriebsverträge Pöschl 

Quelle: Darstellung der WEKO. 
11.  Die vorliegende Untersuchung fokussiert auf diejenigen Vertriebsverträge, die eine Ex-
portverbotsklausel enthalten und mit europäischen Vertriebspartnerinnen abgeschlossen wur-
den ([…], […], […], […], […], […] und […]; nachfolgend: europäische Vertriebsverträge). Die 

12 Act. […].  

6 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
kartellrechtliche  Würdigung  der  entsprechenden  Verträge  mit  Vertriebspartnerinnen  in  Län-
dern,  die  ausserhalb  Europa  ansässig  sind  (nachfolgend:  aussereuropäische  Vertriebsver-
träge), wird offengelassen, weil sie infolge des Abschlusses der einvernehmlichen Regelung 
(vgl. unten, Rz 72) keinen Einfluss auf das Ergebnis des vorliegenden Verfahrens hat. Damit 
wird namentlich offengelassen, ob die Exportverbote in den aussereuropäischen Vertriebsver-
trägen überhaupt in den Geltungsbereich des Kartellgesetzes fallen (Art. 2 Abs. 2 KG) und ob 
es sich gegebenenfalls um Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG handelt, wel-
che aufgrund ihres Gegenstandes grundsätzlich erhebliche Wettbewerbsbeschränkungen dar-
stellen (Art. 5 KG). Im Folgenden wird nicht mehr auf die kartellrechtliche Beurteilung der aus-
sereuropäischen Vertriebsverträge eingegangen.  

Inhalt Selbstanzeige 

12.  Pöschl Deutschland reichte eine Selbstanzeige ein und lieferte dem Sekretariat in die-
sem  Rahmen  sämtliche  mit  den  aktuellen  Vertriebspartnerinnen  bestehenden  Vertriebsver-
träge.13 Pöschl Deutschland gab zu Protokoll, dass sie im Zuge der Beantwortung des ersten 
Auskunftsbegehrens (vgl. unten, Rz 15) festgestellt habe, dass in einzelnen ihrer Vertriebsver-
träge Klauseln enthalten seien, die nach schweizerischem Verständnis und der bundesgericht-
lichen  Rechtsprechung  als  harte  vertikale  Abreden  qualifiziert  werden  könnten.14  Pöschl 
Deutschland habe zu keinem Zeitpunkt Parallelimporte in die Schweiz in Form von Passivver-
käufen unterbinden wollen oder effektiv unterbunden.15 Als möglichen Grund für die Klauseln 
nennt Pöschl Deutschland die unterschiedlichen Rechtslagen betreffend Tabakprodukte in der 
Europäischen  Union  (nachfolgend:  EU)  und  der  Schweiz.  Gewisse  Produkte  seien  in  der 
Schweiz verkehrsfähig, in der EU hingegen nicht (z.B. Zigaretten/Tabak zum Selberdrehen mit 
charakteristischem Aroma).16 Produkte, die zulässigerweise in der EU vertrieben werden, dürf-
ten parallel in die Schweiz importiert werden.17 Pöschl Deutschland gehe davon aus, dass es 
an ausländischen Bezugsmöglichkeiten nicht mangle, und dass Importe von Pöschl-Produkten 
(Produkte, die von Pöschl hergestellt oder vertrieben werden) auch tatsächlich erfolgen wür-
den.18 Pöschl Deutschland führt hierzu einige britische Webshops als Beispiele auf.19  

A.2.  Prozessgeschichte 

13.  Am 19. Februar 2019 meldete die Anzeigerin dem Sekretariat Hinweise für möglicher-
weise  unzulässige  Gebietsschutzabreden  beim  Vertrieb  von  Schnupftabak,  welcher  von 
Pöschl vertrieben wird.20  

Am  24.  Mai  2019  stellte  das  Sekretariat  Pöschl Schweiz  im  Rahmen  einer  Marktbe-

14. 
obachtung ein Auskunftsbegehren zu.21  

15. 
Am  21. August  2019  reichte  die  Rechtsvertretung  von  Pöschl  Deutschland  in  den 
Räumlichkeiten des Sekretariats eine Selbstanzeige ein (nachfolgend: Selbstanzeige Teil I), 
welche mit Eingabe vom 26. Februar 2020 (nachfolgend: Selbstanzeige Teil II) ergänzt wurde. 
Mit Teil I und II der Selbstanzeige reichte Pöschl Deutschland Rundschreiben ein, welche an 

13 Act. […]. 
14 Act. […]. 
15 Act. […]. 
16 Act. […].  Pöschl meint wohl die Richtlinie 2014/40/EU des Europäischen Parlaments und des Rates 
vom 3.4.2014 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die 
Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen und verwandten Erzeugnissen 
und zur Aufhebung der Richtlinie 2001/37/EG (Tabak-RL). 
17 Act. […]. 
18 Act. […]. 
19 Act. […]. 
20 Act. […]. 
21 Act. […]. 

7 

 
 
 
 
 
 
                                                
sämtliche Vertriebspartnerinnen verschickt wurden und worin auf die Zulässigkeit des Passiv-
verkaufs an Schweizer Kundinnen und Kunden (Händler sowie Endkundinnen und Endkun-
den; nachfolgend: Kundinnen und Kunden) hingewiesen wurde. 

Am 17. August 2020 eröffnete das Sekretariat im Einvernehmen mit dem Präsidenten 
16. 
der  WEKO  eine  Untersuchung  gegen  Pöschl.22  Die  Untersuchungseröffnung  wurde  am 
25. August 2020 im SHAB und im BBl veröffentlicht.23 

Am 24. September 2020 stellte die Anzeigerin ein Gesuch um Zulassung als Partei am 

17. 
Untersuchungsverfahren.24  

18.  Mit Eingabe vom 13. Oktober 2020 beantwortete Pöschl Deutschland offene Fragen.25 
Am 13. November 2020 ergänzte Pöschl ihre bisherige Selbstanzeige mit einer weiteren Ein-
gabe (nachfolgend: Selbstanzeige Teil III), woraufhin das Sekretariat am 19. November 2020 
Pöschl  erneut  ein  Auskunftsbegehren  zustellte.26  Am  18. Dezember  2020  reichte  Pöschl 
Deutschland eine zusätzliche Ergänzung der Selbstanzeige (nachfolgend: Selbstanzeige Teil 
IV) und eine Stellungnahme zwecks Beantwortung von Fragen ein.27 

19. 
Am 22. Januar 2021 nahm Pöschl Deutschland Stellung zum Gesuch der Anzeigerin 
um Zulassung als Partei (vgl. Rz 17).28 Mit Schreiben vom 16. Februar 2021 wurde das Ge-
such vom Sekretariat abgelehnt.29  

Am 3. März 2021 präsentierte das Sekretariat Pöschl Deutschland das vorläufige Be-

20. 
weisergebnis, stellte ihr dieses am 4. März 2021 zu und verlangte weitere Informationen.30 

Am 10. März 2021 erklärte Pöschl Deutschland ihre Bereitschaft zum Abschluss einer 

21. 
einvernehmlichen Regelung und beantwortete noch offene Fragen.31  

Am 1. April 2021 schloss das Sekretariat mit Pöschl Deutschland eine einvernehmliche 

22. 
Regelung ab.32 

23. 
Am 26. April 2021 versandte das Sekretariat den Antrag an Pöschl Deutschland zur 
Stellungnahme.33  Am  gleichen  Tag  versandte  das  Sekretariat  eine  Zusammenfassung  des 
wesentlichen Inhalts des Antrages des Sekretariats an die Anzeigerin zur Kenntnis- bzw. Stel-
lungnahme.34 

Am 12. Mai 2021 reichte Pöschl Deutschland ihre Stellungnahme ein.35 Am gleichen 
24. 
Tag teilte die Anzeigerin dem Sekretariat mit, dass sie mit dem geplanten Vorgehen einver-
standen sei.36 

22 Act. […]. 
23 Act. […]. 
24 Act. […]. 
25 Act. […]. 
26 Act. […]. 
27 Act. […]. 
28 Act. […]. 
29 Act. […]. 
30 Act. […]. 
31 Act. […]. 
32 Act. […]. 
33 Act. […]. 
34 Act. […]. 
35 Act. […]. 
36 Act. […]. 

8 

 
 
 
 
 
 
                                                
Am 28. Juni 2021 genehmigte die WEKO die einvernehmliche Regelung und fällte un-
25. 
ter  Berücksichtigung  der  Stellungnahme  von  Pöschl  Deutschland  ihren  Entscheid  im  vorlie-
genden Verfahren. 

B. 

Erwägungen 

B.1.  Geltungsbereich 

B.1.1.  Persönlicher Geltungsbereich 

Das  Kartellgesetz  gilt  in  persönlicher  Hinsicht  sowohl  für  Unternehmen  des  privaten 
26. 
wie auch für solche des öffentlichen Rechts (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen im Sinne des 
Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen 
im  Wirtschaftsprozess,  unabhängig 
ihrer  Rechts-  oder  Organisationsform 
(Art. 2 Abs. 1bis KG).37  

von 

Die vorliegende Untersuchung richtet sich gegen Pöschl.38 Pöschl Deutschland ist un-
27. 
ter anderem in der Entwicklung und Herstellung sowie im Handel und Vertrieb von Vertrags-
produkten tätig (vgl. oben, Rz 6). Die Vertriebspartnerinnen von Pöschl Deutschland vertreiben 
die von ihr hergestellten oder vertriebenen Produkte an Kundinnen und Kunden. Dies zeigt, 
dass Pöschl Deutschland, wie auch ihre Vertriebspartnerinnen Güter und Dienstleistungen an-
bieten und als Unternehmen i.S.v. Art. 2 Abs. 1bis KG zu qualifizieren sind. 

B.1.2.  Sachlicher Geltungsbereich 

In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
28. 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG). Der Begriff der Wettbewerbsabrede 
wird in Art. 4 Abs. 1 KG definiert. Ob Pöschl Deutschland mit ihren Vertriebspartnerinnen sol-
che Abreden getroffen hat und ob unzulässige Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 KG vorlie-
gen, wird nachfolgend im Rahmen der Beurteilung erörtert. Es wird auf die dortigen Ausfüh-
rungen verwiesen (vgl. unten, Rz 41 ff.). 

B.1.3.  Örtlicher Geltungsbereich 

29. 
In räumlicher Hinsicht ist das Kartellgesetz auf Sachverhalte anwendbar, die sich in der 
Schweiz auswirken, auch wenn sie im Ausland verursacht werden (sog. Auswirkungsprinzip; 
Art. 2 Abs. 2 KG).  Mit  anderen Worten  kommt  es  nicht  darauf  an,  wo  eine  Wettbewerbsbe-
schränkung veranlasst wurde. Stattdessen ist massgebend, ob sich diese auf den schweizeri-
schen Markt auswirkt.39 Dabei ist der örtliche Anwendungsbereich nach Rechtsprechung des 
Bundesgerichts  weit  auszulegen,  damit  das  Kartellgesetz  nicht  seiner  Wirksamkeit  beraubt 
wird und damit sichergestellt werden kann, dass die WEKO überhaupt mit der Prüfung begin-
nen kann, ob sich eine Abrede beschränkend auswirkt. Erst im Rahmen der materiellen Best-

37 JENS LEHNE, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.) 2010, Art. 2 N 14. 
38 Act. […]. 
39 Botschaft vom 23.11.1994 zu einem Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschrän-
kungen (Botschaft KG 1994), BBl 1995 I 535. 

9 

 
 
 
 
 
 
                                                
immungen ist eine vertiefte Prüfung der Wirkungen von Wettbewerbsbeschränkungen durch-
zuführen.40 Wenn Pöschl Deutschland mittels Abreden mit ihren europäischen Vertriebspart-
nerinnen Exporte in die Schweiz verhindert bzw. behindert hat, hat dieser im Ausland veran-
lasste  Sachverhalt  potenzielle  Auswirkungen  auf  die  Wettbewerbsverhältnisse  in  der 
Schweiz.41 Das Kartellgesetz ist folglich anwendbar.  

B.2.  Zuständigkeit der Gesamtkommission der WEKO 

Die 

Zuständigkeit 

nach 
30. 
der  Wettbewerbsbehörden 
Art. 18 Abs. 3 Satz 1 KG und den Vorschriften des GR-WEKO42. Danach trifft die Gesamtkom-
mission der WEKO die Entscheide, welche nicht ausdrücklich einem anderen Organ oder dem 
Sekretariat zugewiesen sind.  

bestimmt 

sich 

31. 
Vorliegend  soll  die  WEKO  mittels  verfahrensabschliessender  Endverfügung  darüber 
entscheiden, ob gegen Pöschl Deutschland wegen eines Verstosses gegen das Kartellgesetz 
Massnahmen (Handlungs- und Unterlassungspflichten, Sanktionen) zu erlassen sind. Hierfür 
ist 
auch 
Art. 10 Abs. 1 GR-WEKO).  

die  Gesamtkommission 

der  WEKO 

vorliegend 

zuständig 

(vgl. 

B.3.  Parteien/Verfügungsadressatinnen 

32.  Gemäss Art. 6 VwVG43 (i.V.m. Art. 39 KG) gelten als Parteien Personen, deren Rechte 
oder Pflichten die Verfügung berühren soll. Vorliegend ist Pöschl Deutschland Verfügungsad-
ressatin.  

33. 
Die Untersuchung wird aus Verhältnismässigkeitsgründen nicht auf die europäischen 
Vertriebspartnerinnen  von  Pöschl  ausgedehnt.  Dies  entspricht  der  bisherigen  Praxis  der 
WEKO beim Vorliegen von vertikalen Abreden nach Art. 5 Abs. 4 KG.44 

B.4.  Vorbehaltene Vorschriften 

34. 
Dem  Kartellgesetz  sind Vorschriften  vorbehalten,  die  auf  einem  Markt für  bestimmte 
Waren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staat-
liche Markt- oder Preisordnung begründen (Art. 3 Abs. 1 KG). Nicht jede staatliche Intervention 
führt  jedoch  zu  einer  Ausschaltung  des  Wettbewerbsprinzips  auf  einem  bestimmten  Markt: 
Lassen  der  gesetzliche  Rahmen  und  das  dadurch  geschützte  öffentliche  Interesse  dafür 
Raum, so kommen die wettbewerbsrechtlichen Regeln auch hier zum Tragen. Es geht um die 
Frage, inwieweit das Kartellgesetz auf Wirtschaftsbereiche Anwendung finden kann, in denen 
der Staat mittels öffentlich-rechtlicher Vorschriften die Wettbewerbsfreiheit ganz oder teilweise 
aufgehoben hat, weil im betreffenden Bereich das Regelsystem Markt seine Funktionen nicht 
oder  nicht  hinlänglich  zu  erfüllen  vermag  (sog.  Marktversagen).  Bei  der  Rechtsanwendung 

40  Urteil  des  BGer  2C_63/2016  vom  24.10.2017,  RPW  2017/4,  691  E.3,  BMW;  BGE  143  II  297, 
E. 3.2.1 ff., (= RPW 2017/2, 346 ff. E. 3.2.1 ff.), Gaba. 
41 Vgl. RPW 2000/2, 209 Rz 47, Volkswagen-Vertriebssystem. 
42 Geschäftsreglement der Wettbewerbskommission vom 15.6.2015 (Geschäftsreglement WEKO, GR-
WEKO); SR 251.1. 
43  Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 
VwVG; SR 172.021). 
44  Vgl.  RPW  2019/4  1142  Rz  29,  Stöckli,  Rz  RPW 2017/2,  286  Rz  27  und  294  Rz 109,  Husqvarna; 
RPW 2016/3, 736 Rz 95 ff., Saiteninstrumente; RPW 2016/2, 398 f. Rz 127, Altimum SA; RPW 2016/2, 
482 ff. Rz 345 ff., Nikon AG; RPW 2012/3, 551 ff. Rz 107 ff., BMW. 

10 

 
 
 
 
 
 
                                                
haben die Wettbewerbsbehörden nur zu prüfen, ob der Gesetzgeber von einem Marktversa-
gen  ausgegangen  ist  und  deshalb  mit  seinen  Vorschriften  den  Wettbewerb  ausschalten 
wollte.45 

Pöschl  Deutschland  brachte  während  des  Verfahrens  vor,  dass  die  geltenden  Vor-
35. 
schriften  betreffend  Tabakprodukte  (vgl.  oben,  Rz  12)  vorbehaltene  Vorschriften  i.S.v. 
Art. 3 Abs. 1 KG seien und berief sich dabei auf eine Vorabklärung des Sekretariats aus dem 
Jahr 200046.47  

Hinsichtlich 

Import  und  Handel  von  Tabakprodukten  sind 

36. 
insbesondere 
Art. 3 Abs. 3 des früheren  LMG48  sowie  die  entsprechenden  Verordnungen  (LGV49, TabV50, 
Art.  73  LMG)  einschlägig.  Zudem  sind  die  Verordnung  des  Eidgenössischen  Departements 
des Innern (EDI) über kombinierte Warnhinweise auf Tabakprodukten51 und die Tabaksteuer-
gesetzgebung zu beachten. Bei der Einfuhr von Tabakerzeugnissen sind ferner das THG und 
die VIPaV relevant.52 

In Bezug auf die Einfuhr und das Inverkehrbringen von Produkten in die Schweiz ist 
37. 
insbesondere Art. 16a Abs. 1 THG53 massgebend, wonach Produkte in der Schweiz in Verkehr 
gebracht werden dürfen, wenn sie: a. den technischen Vorschriften der Europäischen Gemein-
schaft  (EG)  und,  bei  unvollständiger  oder  fehlender  Harmonisierung  in  der  EG,  den  techni-
schen Vorschriften eines Mitgliedstaats der EG oder des EWRs entsprechen; und b. im EG-  
oder EWR-Mitgliedstaat nach lit. a rechtmässig in Verkehr sind (Cassis-de-Dijon-Prinzip). Da-
von ausgenommen sind Produkte, für die der Bundesrat nach Art. 4 Abs. 3 und 4 THG eine 
Ausnahme  beschliesst  (Art.  16a  Abs.  2  lit.  e  THG).54  Der  Bundesrat  hat  für  Tabakprodukte 
zwei derartige Ausnahmen beschlossen, die einerseits der Steuerfestsetzung und der steuer-

45 Vgl. RPW 2006/4, 632 Rz 36 ff., Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking; RPW 2002/4, 666 
E. 4.3.1, Elektra Baselland; ROLF H. WEBER, in: DIKE-Kommentar, Bundesgesetz über Kartelle und an-
dere Wettbewerbsbeschränkungen, Zäch et. al. (Hrsg.), 2018, Art. 3 N 6; BBl 1995 I 468, 537 ff. 
46 RPW 2001/2, 237 Rz 7 lit. b, Zigarettenpreise. Gegenstand dieser Vorabklärung war der Vorwurf der 
abgestimmten Verhaltensweisen dreier Zigarettenhersteller hinsichtlich einer angekündigten Preiserhö-
hung für die meisten Zigarettenprodukte. Dabei wurde insbesondere abgeklärt, welche Wirkungen die 
Tabaksteuer und deren Veränderungen auf die Festlegung der Verkaufspreise und damit auf den Preis-
wettbewerb haben. Zusammenfassend wurde festgehalten, dass staatliche Vorschriften i.S.v. Art. 3 KG 
den Zigarettenmarkt erheblich einschränken und ihn soweit einer Beurteilung durch die WEKO entzie-
hen. Hinsichtlich Importen von Zigarettenprodukten wurde erwähnt, es sei nicht auszuschliessen, dass 
die Vorschriften betreffend die notwendigen Angaben auf der Verpackung, die Warnhinweise, die Spra-
che und die Werbeeinschränkungen den Schweizer Markt abschotten würden. Importe würden wegen 
den Regelungen und der Kleinheit des Marktes sehr teuer werden. 
47 Act. […]. 
48 Bundesgesetz vom 9.10.1992 über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände (Stand am 1.10.2013, 
Lebensmittelgesetz, LMG; SR 817).  
49 Verordnung des Bundesrats vom 23.11.2005 über Lebensmittel- und Gebrauchsgegenstände (Stand 
am 1.2.2016, Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung, LGV; SR 817.02). 
50 Verordnung des Bundesrats vom 27.10.2004 über Tabakerzeugnisse und Raucherwaren mit Taba-
kersatzstoffen (Tabakverordnung, TabV; SR 817.06). 
51  Verordnung  des  EDI  vom  10.12.2007  über  kombinierte  Warnhinweise  auf  Tabakprodukten 
(SR 817.064). 
52  Siehe  auch:<https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesetze-und-bewilligungen/gesetzgebung/ge-
setzgebung-mensch-gesundheit/gesetzgebung-tabakprodukte-schutz-vor-passivrauchen.html> 
(28.6.2021). 
53 Bundesgesetz vom 6.10.1995 über die technischen Handelshemmnisse (THG; SR 946.51). 
54 Die vom Bundesrat beschlossenen Ausnahmen vom Cassis-de-Dijon-Prinzip müssen den Anforde-
rungen von Art. 4 Abs. 3 und 4 THG entsprechen, d.h. sie müssen überwiegenden öffentlichen Interes-
sen dienen, dürfen weder ein Mittel zur willkürlichen Diskriminierung noch eine verschleierte Beschrän-
kung des Handels darstellen und sie müssen verhältnismässig sein. 

11 

 
 
 
 
 
 
                                                
lichen Kontrolle von Tabakprodukten und andererseits dem Schutz der menschlichen Gesund-
heit dienen. Diese Vorschriften sind weder als Mittel zur willkürlichen Diskriminierung, noch als 
eine verschleierte Beschränkung des internationalen Handels zu betrachten.55  

38.  Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen deuten weder der Wortlaut der genannten 
Vorschriften noch ihr Sinn und Zweck, ihre Systematik oder der Wille des Gesetzgebers darauf 
hin, dass diese Vorschriften im Bereich Tabakprodukte den Wettbewerb i.S.v. Art. 3 Abs. 1 KG 
nicht zulassen würden. Je nach konkreter Sachverhaltskonstellation kann das Einführen in die 
Schweiz  von  gewissen  Tabakerzeugnissen  vom  Cassis-de-Dijon-Prinzip  allerdings  ausge-
nommen  sein.  Damit  dürfte  der  Wettbewerb  in  diesem  Wirtschaftsbereich  in  beschränktem 
Umfang zwar behindert, jedoch nicht ausgeschaltet sein. Wie Pöschl Deutschland zutreffend 
festgehalten hat, dürften mit diesen Vorschriften allenfalls technische Handelshemmnisse für 
den Import von Tabakprodukten vorliegen.56 Insgesamt ist in Bezug auf den Import von Ta-
bakprodukten festzustellen, dass keine vorbehaltenen Vorschriften i.S.v. Art. 3 Abs. 1 KG vor-
liegen.  

Pöschl Deutschland führt dagegen aus, dass aufgrund der weitgehenden Tabakregu-
39. 
lierung und im Einklang mit der bisherigen Praxis der WEKO Vieles dafürsprechen würde, das 
Kartellgesetz für nicht anwendbar zu erklären. Sofern das Kartellgesetz dennoch zur Anwen-
dung kommen würde, sei es zwingend erforderlich, die besagte Tabakregulierung im Rahmen 
der Festlegung des Basisbetrages angemessen zu berücksichtigen.57 

40.  Wie  bereits  aufgezeigt wurde,  schliesst  die Tabakregulierung Wettbewerb  nicht  aus, 
sodass die Anwendung des Kartellgesetzes nicht in Frage steht. Darüber hinaus bringt Pöschl 
keine neuen Argumente vor. Für die Festlegung des Basisbetrags sei an die entsprechende 
Stelle dieser Verfügung verwiesen (vgl. Rz 83 ff.). 

B.5.  Unzulässige Wettbewerbsabrede 

41. 
Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

B.5.1. 

 Wettbewerbsabrede 

42. 
Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Verein-
barungen sowie aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen gleicher oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG, vgl. auch Ziff. 1 und 8 VertBek58). 

43. 
Eine  Wettbewerbsabrede  im  Sinne  von  Art.  4  Abs.  1  KG  definiert  sich  daher  durch 
folgende Tatbestandselemente: a) ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken der an der 

55 Vgl. Ziff. 2.1.1.4.1 Bericht des Bundesrates vom 31.10.2007 zur Überprüfung der Abweichungen im 
schweizerischen Produkterecht vom in der EG geltenden Recht, abrufbar unter: <http://www.news-ser-
vice.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/9990.pdf>  (26.4.2021),  mit  Verweis  auf  EuGH,  
ECLI:EU:C:1984:384, Rz 13, Vorübergehende Einfuhr von Kraftfahrzeugen – Befreiung von den Ein-
gangsabgaben; EuGH, ECLI:EU:C:1980:230, Rz 8 ff., Freier Warenverkehr – vorübergehende Einfuhr 
von Kraftfahrzeugen. 
56 Act. […]. 
57 Act. […]. 
58 Bekanntmachung der WEKO vom 28.6.2010 über die wettbewerbsrechtliche Behandlung vertikaler 
Abreden (Vertikalbekanntmachung, VertBek), abrufbar unter: <www.weko.admin.ch>. 

12 

 
 
 
 
 
 
                                                
Abrede beteiligten Unternehmen, b) die Abrede bezweckt oder bewirkt eine Wettbewerbsbe-
schränkung und c) die an der Abrede beteiligten Unternehmen sind auf gleicher oder auf ver-
schiedenen Marktstufen tätig.59  

B.5.1.1. Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

44.  Am  eindeutigsten  ist  der  Nachweis  eines  «bewussten  und  gewollten  Zusammenwir-
kens», wenn die Wettbewerbsabrede in der Form einer ausdrücklichen Vereinbarung vorliegt. 
Eine  formelle  vertragliche  Grundlage  des  bewussten  und  gewollten  Zusammenwirkens  ist 
nicht notwendig, vielmehr sind abgestimmte Verhaltensweisen bis hin zu verbindlichen Ver-
einbarungen  einschlägig,60  wobei  sich  Vereinbarungen  von  den  aufeinander  abgestimmten 
Verhaltensweisen  durch  den  vorhandenen  resp.  nicht  vorhandenen  Bindungswillen  unter-
scheiden.61 Die rechtliche oder tatsächliche Form des Zusammenwirkens und die Durchset-
zungsmöglichkeit  sind  unerheblich.62  Entscheidend  ist  allein,  dass  zwei  oder  mehrere  wirt-
schaftlich voneinander unabhängige Unternehmen kooperieren und so bewusst und gewollt 
auf die individuelle Festlegung der eigenen Wettbewerbsposition verzichten.63  

45.  Gemäss den Vertriebsverträgen zwischen Pöschl und sieben ihrer europäischen Ver-
triebspartnerinnen war es Letzteren untersagt, Vertragsprodukte ausserhalb ihrer Vertragsge-
biete  zu  verkaufen  oder  an  Dritte  ausserhalb  der  jeweiligen  Vertragsgebiete  zu  liefern 
(vgl.  oben, Rz 9).64 Das Vertragsbiet wurde in den jeweiligen Verträgen auf ein bestimmtes 
Land bzw. mehrere bestimmte Länder beschränkt.65 Folglich verpflichteten sich die europäi-
schen Vertriebspartnerinnen gegenüber Pöschl Deutschland vertraglich, unaufgeforderte Be-
stellungen von Kundinnen und Kunden (Händler sowie Endkundinnen und Endkunden) aus 
der Schweiz nicht zu bedienen (vgl. oben, Rz 7) und wirkten somit bewusst und gewollt mit 
Pöschl Deutschland zusammen. 

B.5.1.2. Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

46.  Neben einem bewussten und gewollten Zusammenwirken muss die Abrede «eine Wett-
bewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken». Eine Abrede bezweckt eine Wettbewerbs-
beschränkung,  wenn  die  Abredebeteiligten  «die  Ausschaltung  oder  Beeinträchtigung  eines  
oder  mehrerer  Wettbewerbsparameter  zum  Programm  erhoben  haben».  Dabei  genügt  es, 
wenn der Abredeinhalt objektiv geeignet ist, eine Wettbewerbsbeschränkung durch Ausschal-
tung eines Wettbewerbsparameters zu verursachen. Die subjektive Ansicht der an der Abrede 
Beteiligten ist unerheblich. 

59 So etwa auch das Urteil des BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 6.3, Paul Koch AG/WEKO. 
60 Siehe dazu etwa RPW 2020/4a, 1811 Rz 396, Bauleistungen Graubünden; RPW 2018/2, 237 Rz 31, 
Gym 80; s. a. RPW 2009/3, 204 Rz 49, Elektroinstallationsbetriebe Bern; SIMON BANGERTER/BEAT ZIR-
LICK,  in:  DIKE-Kommentar,  Kartellgesetz,  Zäch/Arnet/Baldi/Kiener/Schaller/Schraner/Spühler  (Hrsg.), 
2018, Art. 4 Abs. 1 N 20 ff.; ferner THOMAS NYDEGGER/WERNER NADIG, in: Basler Kommentar, Kartellge-
setz, Art. 4 Abs. 1 KG N 78 und 81.  
61 Siehe dazu etwa RPW 2020/4a, 1811 Rz 396, Bauleistungen Graubünden; RPW 2018/2, 237 Rz 31, 
Gym 80; RPW 2018/1, 78 Rz 114, Verzinkung; RPW 2017/3, 421 Rz 194, Hoch- und Tiefbauleistungen 
Münstertal;  RPW  2016/3,  731  Rz  77,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  RPW 
2016/3, 652 Rz 61, Flügel und Klaviere; DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK, (Fn 60), Art. 4 Abs. 1 N 5. 
62  Urteil  des  BVGer,  RPW  2013/4,  756  E. 3.2.2,  Gaba/WEKO;  Urteil  des  BVGer,  RPW  2013/4,  813 
E. 3.2.4, Gebro/WEKO. 
63 Urteil des BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 6.3.1.13, Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer 
B-8399/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.1.1.20, Siegenia-Aubi AG/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 
756 E. 3.2.2, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 E. 3.2.4, Gebro/WEKO. 
64 Act. […]. 
65 Act. […]. 

13 

 
 
 
 
 
 
                                                
Vorliegend ist die Exportverbotsklausel in den europäischen Vertriebsverträgen objek-
47. 
tiv geeignet, Käufe von Vertragsprodukten durch Kundinnen und Kunden aus der Schweiz bei 
europäischen Vertriebspartnerinnen zu unterbinden und damit den Wettbewerb zu beschrän-
ken. 

B.5.1.3. Vertikale Wettbewerbsabreden  

48.  Vertikale  Abreden  zeichnen  sich  dadurch  aus,  dass  zwei  oder  mehrere  wirtschaftlich 
selbständige Unternehmen verschiedener Marktstufen den Wettbewerb durch ein koordinier-
tes Verhalten beschränken. Dieses betrifft die Geschäftsbedingungen, zu denen die Unterneh-
men bestimmte Waren oder Dienstleistungen beziehen, verkaufen oder weiterverkaufen kön-
nen (Ziff. 1 VertBek). Auf verschiedenen Marktstufen befinden sich Unternehmen, wenn sie 
tatsächlich oder der Möglichkeit nach auf unterschiedlichen Wirtschaftsstufen agieren d.h. auf 
unterschiedlichen Produktions- oder Vertriebsstufen tätig sind. Für die kartellrechtliche Beur-
teilung vertikaler Wettbewerbsabreden gelangt die Vertikalbekanntmachung zur Anwendung. 
Die Vertikalbekanntmachung findet auch Anwendung, wenn Wettbewerber eine nicht gegen-
seitige  vertikale  Vereinbarung  treffen  und  der  Anbieter  zugleich  Hersteller  und  Händler  von 
Waren ist, der Abnehmer dagegen Händler, jedoch kein Wettbewerber auf der Herstellerebene 
(sog. dualer Vertrieb; Ziff. 8 Abs. 2 lit. a VertBek). 

49.  Vorliegend  ist  ausschliesslich  Pöschl  Deutschland  zugleich  Herstellerin und  Händlerin 
der Vertragsprodukte und die europäischen Vertriebspartnerinnen sind nur auf Handelsstufe 
tätig. Damit treten Pöschl Deutschland und die europäischen Vertriebspartnerinnen auf Händ-
lerstufe als Wettbewerberinnen auf. Auf die bestehenden Abreden sind somit die Grundsätze 
der Vertikalbekanntmachung anwendbar (Ziff. 8 Abs. 2 lit. a VertBek). Pöschl Deutschland und 
ihre europäischen Vertriebspartnerinnen sind voneinander unabhängige Unternehmen, die auf 
verschiedenen Marktstufen tätig sind und Exportverbote vereinbarten. Zwischen Pöschl und 
den europäischen Vertriebspartnerinnen bestanden somit vertikale Wettbewerbsabreden. 

B.5.1.4. Abrededauer  

50.  Der älteste vorliegende Vertrag stammt vom […] (vgl. oben, Rz 9). Die Wettbewerbsab-
reden  wurden  am  31.  Juli  2019  mit  dem  Versand  der  Rundschreiben  an  ausländische  Ver-
triebspartnerinnen von Pöschl Deutschland eingestellt.66 In den Rundschreiben wurde klarge-
stellt, dass passive Verkäufe an Schweizer Kundinnen und Kunden zulässig sind (vgl. oben, 
Rz 15).  

B.5.2.  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

51.  Gemäss Art. 5 Abs. 4 KG wird die Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs vermutet 
bei Abreden zwischen Unternehmen verschiedener Marktstufen über Mindest- oder Festpreise 
sowie bei Abreden in Vertriebsverträgen über die Zuweisung von Gebieten, soweit Verkäufe 
in  diese  durch  gebietsfremde  Vertriebspartner  ausgeschlossen  werden  (sog.  absolute  Ge-
bietsschutzabrede). Vorliegend kommt eine absolute Gebietsschutzabrede in Frage, weshalb 
nachfolgend die entsprechenden Tatbestandselemente geprüft werden. 

66 Act. […]. 

14 

 
 
 
 
 
 
                                                
B.5.2.1. Vorliegen von vertikalen Abreden über absoluten Gebietsschutz 

52.  Der Tatbestand des absoluten Gebietsschutzes setzt nach dem Wortlaut des Gesetzes 
Folgendes voraus: Erstens einen Vertriebsvertrag, zweitens eine Gebietszuweisung und drit-
tens einen gebietsübergreifenden Verkaufsausschluss.67 Mit anderen Worten liegt ein absolu-
ter Gebietsschutz dann vor, wenn passive Verkäufe seitens gebietsfremder Vertriebspartner 
in zugewiesene Gebiete direkt oder indirekt untersagt sind.68  

Indem sich die europäischen Vertriebspartnerinnen von Pöschl Deutschland ihr gegen-
53. 
über im Rahmen von Vertriebsverträgen verpflichteten, Vertragsprodukte nicht ausserhalb des 
zugewiesenen Vertragsgebiets zu vertreiben oder diese an Dritte zum Vertrieb ausserhalb des 
Vertragsgebiets zu liefern, haben Pöschl Deutschland und die europäischen Vertriebspartne-
rinnen eine vertikale Abrede über einen absoluten Gebietsschutz i.S.v. Art. 5 Abs. 4 KG ge-
schlossen. Damit greift die gesetzliche Vermutung, dass wirksamer Wettbewerb beseitigt ist. 
Nachfolgend wird geprüft, ob die gesetzlich vermutete Beseitigung wirksamen Wettbewerbs 
widerlegt werden kann.  

B.5.2.2. Widerlegung der gesetzlich vermuteten Wettbewerbsbeseitigung 

54.  Die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs kann durch den Nachweis 
widerlegt werden, dass trotz der Wettbewerbsabrede noch wirksamer Wettbewerb bestehen 
bleibt. Für die Widerlegung der Vermutung ist eine Gesamtbetrachtung des Marktes unter Be-
rücksichtigung des Intrabrand- und des Interbrand-Wettbewerbs massgebend. Ausschlagge-
bend ist, ob genügend Intrabrand- oder Interbrand-Wettbewerb auf dem relevanten Markt be-
steht  oder  die  Kombination  der  beiden  zu  genügend  wirksamen  Wettbewerb  führt  
(Ziff. 11  VertBek).  Diese  Gesamtbetrachtung  erfordert  vorab  eine  Abgrenzung  der  sachlich 
und räumlich relevanten Märkte. 

B.5.2.2.1.  Relevante Märkte 

Sachlich relevante Märkte 

55.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substituier-
bar  angesehen  werden  (Art.  11  Abs.  3  lit.  a  VKU69,  der  hier  analog  anzuwenden  ist).70  Die 
Definition des sachlich relevanten Marktes erfolgt aus Sicht der Marktgegenseite und fokus-
siert auf den strittigen Einzelfall. Der Begriff der «Marktgegenseite» bezeichnet die Gegenseite 
derjenigen Unternehmen, welchen die unzulässige Abrede vorgeworfen wird.71 Massgebend 
ist,  ob  aus  deren  Optik  Waren  oder  Dienstleistungen  miteinander  im  Wettbewerb  stehen.72 
Auszugehen ist vom Gegenstand der konkreten Untersuchung.73 

67 BGE 143 II 297, 328 E. 6.3 (= RPW 2017/2, 355 E. 6.3), Gaba; Urteil des BVGer, RPW 2016/3, 852 f. 
E. 7.3.1, Nikon AG/WEKO m.w.H. 
68 BGE 143 II 297, 330 E. 6.3.5 (= RPW 2017/2, 356 E. 6.3.5), Gaba. 
69  Verordnung  vom  17.6.1996  über  die  Kontrolle  von  Unternehmenszusammenschlüssen  (VKU; 
SR 251.4). 
70 BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
71 RPW 2010/4, 670 Rz 165, Hors-Liste Medikamente/Pfizer. 
72  BGer  2C.75/2014  vom  28.1.2015  E.  3.2,  Hors-Liste  Medikamente/Pfizer;  BGE  139  1  72,  (=  RPW 
2013/1, 127 E. 9.2.3.1), 93 E. 9.2.3.1, Publigroupe SA et al./WEKO; BEAT ZIRLICK/SIMON BANGERTER, 
in: DIKE-Kommentar, Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen, Zäch et 
al. (Hrsg.), 2018, Art. 5 N 64 f. und 75. 
73 BGE 139 1 72, (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), 93 E. 9.2.3.1, Publigroupe SA et al./WEKO. 

15 

 
 
 
 
 
 
                                                
56.  Vorliegender Untersuchungsgegenstand sind die absoluten Gebietsschutzabreden zwi-
schen Pöschl und den europäischen Vertriebspartnerinnen betreffend Schnupftabak und Fein-
schnitt. Wie bereits erwähnt wurde, ist Pöschl Deutschland als Herstellerin und Händlerin tätig 
(vgl. oben, Rz 4). Einige der Vertriebspartnerinnen sind gemäss dem Vertragswortlaut nicht 
nur auf der Grosshandels-, sondern gleichzeitig auch auf der Detailhandelsstufe tätig.74 Markt-
gegenseite von Pöschl Deutschland sind folglich Gross- und Detailhändlerinnen von Schnupf-
tabak und Feinschnitt. Marktgegenseite der europäischen Vertriebspartnerinnen von Pöschl 
Deutschland sind zum einen ebenfalls Detailhändlerinnen von Schnupftabak und Feinschnitt 
und zum anderen Endkundinnen und Endkunden. Die Nachfrage der Detailhändlerinnen wird 
vom Nachfrageverhalten der Endkundinnen und Endkunden geleitet (abgeleitete Nachfrage). 
Demzufolge bilden die Präferenzen und das Verhalten der Endkundinnen und Endkunden den 
Ausgangspunkt für die Marktabgrenzung.  

57.  Der  von  den  Endkundinnen  und  Endkunden  nachgefragte  Schnupftabak  bzw.  Fein-
schnitt ist gemäss den Angaben von Pöschl Deutschland aufgrund seiner unterschiedlichen 
Eigenschaften und Verwendungszwecke nicht mit anderen Tabakprodukten wie Tabak, Pfei-
fentabak, Kautabak, industriell hergestellten Zigaretten, Zigarren und Tabak zum oralen Ge-
brauch75 substituierbar. Dafür sprechen auch die unterschiedlichen Vorlieben der Endkundin-
nen und Endkunden. Deshalb dürften die verschiedenen Tabakprodukte je separate sachliche 
Märkte bilden.76 Ob diese Märkte je anhand der einzelnen Vertriebsstufen (Grosshandel und 
Einzelhandel) weiter zu unterteilen wären, kann im Rahmen der vorliegenden Untersuchung 
offengelassen werden, da dies keinen Einfluss auf das Ergebnis des vorliegenden Verfahrens 
hat.77 Zum Zwecke der vorliegenden Untersuchung wird folglich von den separat abzugren-
zenden sachlich relevanten Märkten für Schnupftabak bzw. für Feinschnitt ausgegangen. 

Räumlich relevante Märkte 

58.  Der räumliche Markt umfasst das Gebiet, in welchem die Marktgegenseite die den sach-
lichen  Markt  umfassenden  Waren  oder  Leistungen  nachfragt  oder  anbietet 
(Art. 11 Abs. 3 Bst. b VKU, der hier analog anzuwenden ist).78 

59.  Für die räumliche Marktabgrenzung ist relevant, wo die von einer marktabschottenden 
Massnahme  betroffene  Marktgegenseite  die  betroffenen  Produkte  nachfragt.  In  casu  sind 
Schweizer Kundinnen und Kunden von den Exportverboten betroffen (vgl. oben, Rz 15). Sie 
fragen  die  Vertragsprodukte  primär  in  der  Schweiz,  zumindest  jedoch  auch  im  grenznahen 
Ausland nach. Ohne den Markt abschliessend zu definieren, wird in casu basierend auf den 
verfügbaren  Informationen  davon  ausgegangen,  dass  der  sachlich  relevante  Markt  für  den 
Verkauf von Schnupftabak bzw. von Feinschnitt eine über die Schweiz hinausgehende Dimen-
sion  aufweist.  In  Bezug  auf  die  Bestimmung  der  Marktanteile  ist  dabei  ausschliesslich  die 

74 Act. […]. 
75 Vgl. Art. 2 TabV. 
76 Im Zusammenschlussverfahren Bat/Skandinavisk Tobakskompagni unterschied die EU-Kommission 
zwischen den separaten Märkten für fabrikgefertigte Zigaretten, für selbstgedrehte Zigaretten und für 
rauchfreie Tabakwaren (Snus, Kautabak, Schnupftabak). Ob letztgenannter Markt weiter zu segmentie-
ren ist, wurde offengelassen (EU-KOMM, COMP/M.5086 vom 27.6.2008, Rz 12-18, Bat/Skandinavisk 
Tobakskompagni). Im Zusammenschlussverfahren Imperial Tobacco/Altadis unterschied die EU-Kom-
mission ebenfalls separate Märkte für fabrikgefertigte Zigaretten, für selbstgedrehte Zigaretten, für Pfei-
fentabak und Zigarren (EU-KOMM, COMP/M.4581 vom 18.10.2007, Rz 10 ff., Imperial Tobacco/Alta-
dis). 
77 Im Zusammenschlussverfahren JT/Gallaher liess die EU-Kommission die Frage offen, ob der Einzel- 
und  Grosshandelsvertrieb  getrennte  Märkte  bilden  (KOMM,  COMP/M.4424  vom  21.2.2007,  Rz 18, 
JT/Gallaher). Der EuG ging im Entscheid AAMS/Kommission von separaten Märkten für die Herstellung, 
den Grosshandel und den Einzelhandel aus (EuGH, ECLI:EU:T:2001:272, Rz 38, AAMS/Kommission).  
78 BGE 139 I 72, 92 E. 9.2.1 m.Hw. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 

16 

 
 
 
 
 
 
                                                
Nachfrage in der Schweiz relevant, da diese von einer allfälligen Wettbewerbsbeschränkung 
betroffen ist. 

B.5.2.2.2.  Intrabrand-Wettbewerb 

60.  Pöschl  beliefert  in  der  Schweiz  laut  eigenen  Angaben  einige  Grossisten  sowie  eine 
grosse Anzahl von unabhängigen Wiederverkäuferinnen auf der Detailhandelsstufe; dazu ge-
hören  grosse  Ketten,  unabhängige  Einzelläden/Kioske  und  eine  Reihe  von  spezialisierten 
Webshops. Endkundinnen und Endkunden könnten in der Schweiz bei über 7'000 Verkaufs-
stellen Schnupftabak und/oder Feinschnitt beziehen.79 

61.  Aufgrund des Abschlusses der einvernehmlichen Regelung wurden keine abschliessen-
den Ermittlungshandlungen vorgenommen. Die vorhandenen Beweismittel sprechen aber da-
für, dass die grosse Anzahl Anbieterinnen von Schnupftabak und Feinschnitt in der Schweiz 
vorliegend  zu  einem  gewissen  Intrabrand-Wettbewerb  führt.  Hinzu  kommt,  dass  Pöschl 
Deutschland nicht mit sämtlichen ihrer in Europa ansässigen Vertriebspartnerinnen Exportver-
botsklauseln  vereinbart  hat  (vgl.  oben,  Tabelle  1).  Konkret  enthielten  […]  von  […]  europäi-
schen Vertriebsverträgen ([…]) keine Exportverbotsklausel. Gestützt auf den Wortlaut der Ver-
träge ist davon auszugehen, dass die Vertriebspartnerinnen in […] unaufgeforderte Bestellan-
fragen  aus  der  Schweiz  bedienen  durften.  Der  Intrabrand-Wettbewerb  aus  diesen  Ländern 
dürfte damit weiterbestanden haben. 

B.5.2.2.3.  Interbrand-Wettbewerb 

62.  Gemäss Pöschl Deutschland stünden ihr auf dem Markt für Schnupftabak mit Oettinger 
(mit  den  Marken  McChrystal’s,  Singleton’s  und  Kensington)  und  Wellauer  (mit  den  Marken 
Fichtennadel und Gebr. Bernard) sehr gut etablierte Konkurrentinnen gegenüber. Zudem seien 
in  der  Schweiz  weitere  Konkurrentinnen  wie Wilsons  of  Sharrow,  die  American  Snuff  Com-
pany, Samuel Gawith, Toque Snuff, Sir Walter Scott’s, die Tabakmanufaktur Rosinski und die 
A+S  Tabakfabrik  GmbH  präsent.  Den  Nachfragerinnen  und  Nachfragern  von  Schnupftabak 
stünde damit ein breites und qualitativ hochwertiges Angebot verschiedener Herstellerinnen 
und Marken zur Verfügung. Auf dem Markt für Feinschnitt gebe es neben den drei wichtigsten 
Konkurrentinnen Japan Tobacco International (JTI), Oettinger und British American Tobacco 
(BAT) eine Vielzahl  weiterer Herstellerinnen und Marken wie z.B. Philip Morris International 
(PMI), Fred und Wellauer. Zudem bleibe zu beachten, dass Feinschnitt einseitig mit industriell 
hergestellten Zigaretten substituierbar sei, weshalb die Konkurrenz durch Zigarettenhersteller 
wie BAT, PMI und JTI ebenfalls zu berücksichtigen sei.80 

63.  Basierend auf den von Pöschl gelieferten Angaben zu den geschätzten Marktanteilen 
sowie den Gesamtmarktvolumen für das Jahr 2018 ergeben sich für Schnupftabak und Fein-
schnitt die folgenden geschätzten Marktanteile:81 

79 Act. […]. 
80 Act. […]. 
81 Act. […]. 

17 

 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Tabelle 2: Übersicht geschätzte Marktanteile/Gesamtmarktvolumen 

[…] 

Quelle: Act. […]. 

64.  Tabelle 2 zeigt auf, dass Pöschl im Jahr 2018 auf dem Markt für Schnupftabak in der 
Schweiz  über  eine  starke  Marktstellung  (ca.  [70–80] %)  verfügte.  Die  stärkste  Konkurrentin 
verfügte über ca. [20–30] % Marktanteile ([…]) und die zweitstärkste Konkurrentin über weni-
ger als [0–10] % ([…]). Auf dem Markt für Feinschnitt betrug der Marktanteil in der Schweiz 
von Pöschl im Jahr 2018 ca. [10–20] %. Die Marktanteile der marktstärksten Konkurrentin la-
gen  damals  laut  Pöschl  bei  über  [40–50] %  ([…])  und  die  Marktanteile  der  zweit-  und  dritt-
stärksten Konkurrentinnen bei je ca. [10–20] % ([…] und […]).  

65.  Ohne infolge des Abschlusses der einvernehmlichen Regelung abschliessende Ermitt-
lungshandlungen  vorgenommen  zu  haben,  ist  gestützt  auf  die  Angaben  von  Pöschl  davon 
auszugehen, dass auf den Märkten für Schnupftabak und Feinschnitt ein gewisses Mass an 
Interbrand-Wettbewerb bestand bzw. besteht. 

B.5.2.3. Zwischenergebnis 

66.  Die Vermutung der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs auf den Märkten für Schnupf-
tabak und Feinschnitt gemäss Art. 5 Abs. 4 KG kann durch die Kombination von Intra- und 
Interbrand-Wettbewerb widerlegt werden (vgl. Ziff. 11 VertBek). 

B.5.3.  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

67.  Das Bundesgericht hat im Entscheid Gaba festgehalten, dass das Kriterium der Erheb-
lichkeit eine Bagatellklausel ist.82 Die in Art. 5 Abs. 4 KG aufgeführten besonders schädlichen 
Abreden, d.h. vertikale Mindest- und Festpreisabreden sowie absolute Gebietsschutzabreden, 
erfüllen grundsätzlich das Kriterium der Erheblichkeit nach Art. 5 Abs. 1 KG.83 Vorliegend sind 
keine Elemente ersichtlich, welche auf eine Ausnahme von der grundsätzlichen Erheblichkeit 
der vertikalen Gebietsschutzabreden hinweisen würden. Somit stellen die vertikalen Gebiets-
schutzabreden zwischen Pöschl Deutschland und den europäischen Vertriebspartnerinnen er-
hebliche Wettbewerbsbeschränkungen im Sinne von Art. 5 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 KG dar. 

B.5.4.  Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

68.  Wettbewerbsabreden sind gemäss Art. 5 Abs. 2 KG durch Gründe der wirtschaftlichen 
Effizienz gerechtfertigt, wenn sie:  

a.  notwendig sind, um die Herstellungs- oder Vertriebskosten zu senken, Produkte oder 
Produktionsverfahren zu verbessern, die Forschung oder die Verbreitung von techni-
schem oder beruflichem Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nut-
zen; und 

b.  den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wett-

bewerb zu beseitigen.  

69.  Vorliegend sind keine Rechtfertigungsgründe im Sinne von Art. 5 Abs. 2 KG ersichtlich. 
Solche wurden von Pöschl Deutschland trotz entsprechender Aufforderung auch nicht geltend 
gemacht.84 

82 BGE 143 II 297, E.5.1.6 (= RPW 2017/2, 350 E. 5.1.6), Gaba. 
83 BGE 143 II 297, E. 5.2.5 und E. 5.6 (= RPW 2017/2, 351 f. E. 5.2.5 und 354 E. 5.6), Gaba. 
84 Act. […]. 

18 

 
 
 
 
 
 
                                                
B.5.5.  Ergebnis 

70.  Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen kommt die WEKO zum Ergebnis, dass zwi-
schen Pöschl Deutschland und den europäischen Vertriebspartnerinnen unzulässige vertikale 
Abreden über absoluten Gebietsschutz im Sinne von Art. 5 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 KG bestan-
den. 

B.6.  Massnahmen 

71.  Nach Art. 30 Abs. 1 KG entscheidet die WEKO über die zu treffenden Massnahmen oder 
die  Genehmigung  einer einvernehmlichen  Regelung.  Massnahmen  in  diesem  Sinn  sind  so-
wohl Anordnungen zur Beseitigung von unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen als auch 
monetäre Sanktionen. 

B.6.1.  Einvernehmliche Regelung 

Im vorliegenden Fall hat das Sekretariat am 1. April 2021 mit Pöschl Deutschland eine 

72. 
einvernehmliche Regelung abgeschlossen (vgl. oben, Rz 22). Diese lautet wie folgt:  

A. 

Vorbemerkungen 

a)  Die nachfolgende einvernehmliche Regelung im Sinne von Art. 29 KG erfolgt im 
übereinstimmenden Interesse der Beteiligten, das Verfahren 22-0505 zu vereinfa-
chen,  zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die  Wettbe-
werbskommission (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

b)  Zur Erreichung der Zielsetzung gemäss lit. a) werden die Sachverhaltsermittlun-
gen  und  die  rechtliche  Würdigung  soweit  wie  möglich  reduziert.  Entsprechend 
kann die Begründungsdichte und -tiefe der Verfügung der WEKO gegenüber einer 
Verfügung ohne einvernehmliche Regelung teilweise reduziert werden.  

c)  Mit der Unterzeichnung der vorliegenden einvernehmlichen Regelung werden (un-
ter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die  WEKO)  die  Massnahmen  hinsichtlich 
aller  Gegenstand  der  Untersuchung  22-0505  bildenden  Wettbewerbsbeschrän-
kungen, gegenüber Pöschl einvernehmlich und abschliessend geregelt. 

d)  Der Wille und die Bereitschaft von Pöschl zum Abschluss der nachfolgenden ein-
vernehmlichen Regelung werden vom Sekretariat als kooperatives Verhalten ge-
würdigt und im Rahmen des Antrages als sanktionsmindernder Umstand berück-
sichtigt.  Aufgrund  der  aktuellen  Ausgangslage  beabsichtigt  das  Sekretariat,  der 
WEKO eine Sanktion in der Grössenordnung von CHF […] und […] zu beantragen. 
Die  definitive  Festlegung  der  Höhe  der  Sanktion  liegt  jedoch  im  Ermessen  der 
WEKO und erfolgt in der Verfügung, die das Verfahren zum Abschluss bringt.  

e)  Sollte diese einvernehmliche Regelung von der WEKO nicht genehmigt werden, 

wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt. 

f)  Selbst wenn der Abschluss der vorliegenden einvernehmlichen Regelung seitens 
von Pöschl keine Anerkennung der rechtlichen Würdigung der Wettbewerbsbehör-
den darstellt, hält Pöschl fest, dass sich im Falle einer Genehmigung dieser EVR 
durch die WEKO und bei Nichtüberschreiten des beantragten Sanktionsrahmens 
gemäss lit. d) die Ergreifung von Rechtsmitteln erübrigt. 

g)  Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten zu Lasten von 

Pöschl. 

19 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
B. 

Vereinbarungen 

1.  Pöschl verpflichtet sich, ihre nicht in der Schweiz ansässigen Vertriebspartner weder 
direkt noch indirekt darin  zu beschränken, unaufgeforderte Bestellungen betreffend 
Tabakprodukte von Schweizer Kundinnen und Kunden (Händler sowie Endkundinnen 
und Endkunden) zu bedienen.  

2.  Pöschl  verpflichtet  sich,  die  bestehenden  Vertriebsverträge  mit  ihren  Vertriebspart-
nern  dahingehend  anzupassen,  dass  die  Vertriebsverträge  mit  Abschnitt  B  Ziffer  1 
dieser Vereinbarung übereinstimmen.  

73.  Diese  einvernehmliche  Regelung  umschreibt  die  Verpflichtungen,  welche  Pöschl 
Deutschland  eingegangenen  ist,  um  sich  künftig  kartellrechtskonform  zu  verhalten,  hinrei-
chend bestimmt, vollständig und klar. Die bisherige unzulässige Wettbewerbsbeschränkung 
wird gestützt auf die getroffene Vereinbarung beseitigt, und für die beteiligten Unternehmen 
wird hinreichende Klarheit über die bestehende Rechtslage geschaffen.  

74.  Verstösse  bzw.  Widerhandlungen  gegen  die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung 
können  nach  Massgabe  von  Art. 50  bzw.  54  KG  mit  einer  Verwaltungs-  bzw.  Strafsanktion 
belegt  werden.  Diese  Sanktionierbarkeit  ergibt  sich  ohne Weiteres  aus  dem  Gesetz  selber, 
weshalb auf eine entsprechende – lediglich deklaratorische und nicht konstitutive – Sanktions-
drohung im Dispositiv verzichtet werden kann.85  

B.6.2.  Sanktionierung 

B.6.2.1. Tatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG 

75.  Die Belastung der Verfahrenspartei mit einer Sanktion setzt voraus, dass sie den Tatbe-
stand von Art. 49a Abs. 1 KG erfüllt. 

76.  Die unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen, auf welche Art. 49a Abs. 1 KG Bezug 
nimmt, müssen von einem «Unternehmen» begangen werden. Für den Unternehmensbegriff 
wird auf Art. 2 Abs. 1 und 1bis KG abgestellt.86 Zur Qualifizierung von Pöschl Deutschland als 
Unternehmen sei hier auf die Ausführungen in Rz 25 verwiesen. 

77.  Nach Art. 49a Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, welches an einer unzulässigen Abrede 
nach Art. 5 Abs. 3 bzw. 4 KG beteiligt ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einer 
Sanktion belastet. Eine Sanktionierung der hier interessierenden ersten in Art. 49a Abs. 1 KG 
erwähnten Tatbestandsvariante ist an folgende zwei Voraussetzungen geknüpft: Erstens an 
die Beteiligung an einer Abrede über Preise, Mengen oder die Aufteilung von Märkten im Sinne 
von Art. 5 Abs. 3 oder 4 KG sowie zweitens an die Unzulässigkeit dieser Abrede.87  

78.  Die Voraussetzungen der Beteiligung von Pöschl Deutschland an vertikalen absoluten 
Gebietsschutzabreden im Sinne von Art. 5 Abs. 4 KG und der Unzulässigkeit dieser Abreden 
sind in casu erfüllt (vgl. oben, Rz 41 ff.).  

85 Vgl. Urteil des BVGer vom 3.10.2007, RPW 2007/4, 653 E. 4.2.2, Flughafen Zürich AG, Unique;Ent-
scheid der REKO/WEF vom 9.6.2005, RPW 2005/3, 530 E. 6.2.6, Telekurs Multipay.  
86  Ständige  Praxis,  siehe  statt  aller  RPW  2018/3,  508  Rz 581,  Supermédia;  Urteil  des  BVGer 
B-831/2011 vom 18.12.2018, E. 1472, SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC) (nicht 
rechtskräftig). 
87 Vgl. ROGER ZÄCH, Die sanktionsbedrohten Verhaltensweisen nach Art. 49a Abs. 1 KG, in: Kartellge-
setzrevision 2003 – Neuerungen und Folgen, Stoffel/Zäch (Hrsg.), Zürich/Basel/Genf 2004, 34. 

20 

 
 
 
 
 
 
                                                
B.6.2.2. Vorwerfbarkeit 

79.  Das Verschulden im Sinne von Vorwerfbarkeit stellt gemäss Rechtsprechung das sub-
jektive Tatbestandsmerkmal von Art. 49a Abs. 1 KG dar.88 Massgebend für das Vorliegen von 
Verschulden  im  Sinne  von  Vorwerfbarkeit  ist  gemäss  dieser  Rechtsprechung  ein  objektiver 
Sorgfaltsmangel bzw. ein Organisationsverschulden, an dessen Vorliegen jedoch keine allzu 
hohen Anforderungen zu stellen sind.  

Ist ein Kartellrechtsverstoss nachgewiesen, so ist im Regelfall auch ein objektiver Sorg-
80. 
faltsmangel  bzw.  ein  Organisationsverschulden  gegeben.  Nur  in  seltenen  Fällen  wird  keine 
Vorwerfbarkeit vorliegen; so möglicherweise wenn der durch einen Mitarbeitenden ohne Or-
ganstellung begangene Kartellrechtsverstoss innerhalb des Unternehmens nicht bekannt war 
und auch mit einer zweckmässigen Ausgestaltung der Organisation nicht hätte bekannt wer-
den können und das Unternehmen alle zumutbaren Massnahmen getroffen hat, den Kartell-
rechtsverstoss  zu  verhindern.89  Ein  objektiver  Sorgfaltsmangel  bzw.  ein  Organisationsver-
schulden  liegt  nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  insbesondere  dann  vor,  wenn  ein 
Unternehmen ein Verhalten an den Tag legt oder weiterführt, obwohl es sich bewusst ist oder 
sein müsste, dass das Verhalten möglicherweise kartellrechtswidrig sein könnte.90 

81. 
Das  Kartellgesetz  resp.  dessen  grundlegende  Normen  dürfen  für  Unternehmen  (als 
dessen  Adressaten)  als  bekannt  vorausgesetzt  werden.91  Der  Geschäftsleitung  von  Pöschl 
Deutschland sollte insbesondere bekannt gewesen sein, dass eine vertikale Gebietsschutzab-
rede  mit  den  europäischen  Vertriebspartnerinnen  kartellrechtswidrig  sein  könnte.  Pöschl 
Deutschland hat diese Klauseln in den Verträgen mit Wissen und Willen vorgesehen. Die Un-
ternehmen müssen alles Zumutbare vorkehren, um sicherzustellen, dass die Vorgaben des 
Kartellgesetzes eingehalten werden. Dass Pöschl Deutschland vorliegend angemessene und 
wirksame organisatorische Massnahmen zur Verhinderung der getroffenen Wettbewerbsab-
reden  ergriffen  hat,  ist  nicht  ersichtlich.  Somit  ist  zumindest  ein  objektiver  Sorgfaltsmangel 
bzw. ein Organisationsverschulden gegeben. 

B.6.2.3. Sanktionierbarkeit in zeitlicher Hinsicht 

82.  Der vorliegende Wettbewerbsverstoss dauerte von Mai 1981 bis zum 31. Juli 2019 (vgl. 
oben, Rz 50). Sanktionierbar ist der Verstoss ab Inkrafttreten von Art. 49a KG, d.h. ab dem 
1. April 2004. 

B.6.2.4. Bemessung 

83.  Rechtsfolge  eines  Verstosses  im  Sinne  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des 
fehlbaren Unternehmens mit einem Betrag bis zu 10 % des in den letzten drei Geschäftsjahren 
in der Schweiz erzielten Umsatzes. Dieser Betrag stellt demnach die höchstmögliche Sanktion 
dar. Die konkrete Sanktion bemisst sich nach der Dauer und der Schwere des unzulässigen 

88  Ständige  Praxis,  siehe  statt  aller  RPW  2018/2,  356  Rz  90,  Gerätebenzin;  Urteil  des  BGer 
2C_484/2010 vom 29.6.2012, E. 12.2.2 (= RPW 2013/1, 135; nicht publizierte Erwägung in BGE 139 I 
72), Publigroupe SA et al./WEKO.  
89  Vgl.  Urteil  des  BVGer  B-831/2011  vom  18.12.2018,  E.  1492,  SIX/DCC  (nicht  rechtskräftig); 
RPW 2011/1, 190 Rz 558 m.w.H., SIX/DCC. 
90 Vgl. Urteil des BGer 2C_484/2010 vom 29.6.2012, E. 12.2.2 (= RPW 2013/1, 135; nicht publizierte 
Erwägung  in  BGE  139  I  72),  Publigroupe  SA  et  al./WEKO;  Urteil  des  BVGer,  RPW 2010/2,  363 
E. 8.2.2.1, Publigroupe SA und Mitbeteiligte/WEKO. 
91 Siehe statt  anderer etwa  RPW 2011/1,  190 Rz 558  m.w.H., SIX/DCC;  vgl. auch Art. 8  Abs. 1 des 
Bundesgesetzes vom 18.6.2004 über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt (Publi-
kationsgesetz, PublG; SR 170.512). 

21 

 
 
 
 
 
 
                                                
Verhaltens, wobei der mutmassliche Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt hat, an-
gemessen zu berücksichtigen ist. 

84.  Die  konkreten  Bemessungskriterien  und  damit  die  Einzelheiten  der  Sanktionsbemes-
sung  werden  in  der  SVKG92  näher  präzisiert  (vgl.  Art. 1  lit. a  SVKG).  Die  Festsetzung  des 
Sanktionsbetrags  liegt  dabei  grundsätzlich  im  pflichtgemäss  auszuübenden  Ermessen  der 
WEKO, welches durch die Grundsätze der Verhältnismässigkeit (Art. 2 Abs. 2 SVKG) und der 
Gleichbehandlung begrenzt wird.93 Die WEKO bestimmt die effektive Höhe der Sanktion nach 
den konkreten Umständen im Einzelfall.94 

B.6.2.4.1.  Konkrete Sanktionsberechnung 

85.  Nach Art. 49a Abs. 1 KG bemisst sich der konkrete Sanktionsbetrag anhand der Dauer 
und  der  Schwere  des  unzulässigen  Verhaltens.  Angemessen  zu  berücksichtigen  ist  zudem 
auch der durch das unzulässige Verhalten erzielte mutmassliche Gewinn. Die SVKG geht für 
die konkrete Sanktionsbemessung zunächst von einem Basisbetrag aus, der in einem zweiten 
Schritt an die Dauer des Verstosses anzupassen ist, bevor in einem dritten Schritt erschwe-
renden und mildernden Umständen Rechnung getragen werden kann. 

(i) 

I. 

Basisbetrag 

Obergrenze des Basisbetrags (Umsatz auf dem relevanten Markt) 

86.  Die obere Grenze des Basisbetrags beträgt gemäss Art. 3 SVKG 10 % des Umsatzes, 
den  das  betreffende  Unternehmen  in  den  letzten  drei  Geschäftsjahren  vor  Beendigung  der 
unzulässigen Wettbewerbsbeschränkung auf den relevanten Märkten in der Schweiz erzielt 
hat.  

87.  Der Basisbetrag beträgt gemäss SVKG je nach Art und Schwere des Verstosses bis zu 
10 % des Umsatzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäftsjahren 
vor Aufgabe des wettbewerbswidrigen Verhaltens auf den relevanten Märkten in der Schweiz 
erzielt hat (Art. 3 SVKG). Pöschl erzielte auf den vorliegend relevanten Märkten in der Schweiz 
für Schnupftabak und Feinschnitt in den Geschäftsjahren 2016, 2017 resp. 2018 Umsätze in 
der Höhe von CHF […] resp. CHF […] resp. CHF […].  

92 Verordnung über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen (SVKG; SR 251.5). 
93  Vgl.  PETER  REINERT,  in:  Stämpflis  Handkommentar  zum  Kartellgesetz,  Baker  &  McKenzie  (Hrsg.), 
2001, Art. 49a KG N 14; Urteil des BVGer B-831/2011 vom 18.12.2018, E. 1556, SIX/DCC (nicht rechts-
kräftig); RPW 2006/4, 661 Rz 236, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking. 
94 RPW 2009/3, 212 f. Rz 111, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 

22 

 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
II. 

Berücksichtigung der Art und Schwere des Verstosses 

88.  Gemäss Art. 3 SVKG ist die aufgrund des Umsatzes errechnete Höhe des Basisbetra-
ges je nach Schwere und Art des Verstosses festzusetzen (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, 
S. 2 f.95). Pöschl hat sich unzulässig im Sinne von Art. 5 Abs. 4 KG verhalten. Im Folgenden 
gilt es demnach zu prüfen, als wie schwer dieser Verstoss gegen das Kartellgesetz zu qualifi-
zieren ist; hierbei stehen objektive96 Faktoren im Vordergrund. Grundsätzlich ist die Schwere 
der Zuwiderhandlung im Einzelfall unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände zu beur-
teilen. Allgemeine Aussagen zur Qualifizierung konkreter Abreden als schwer sind nur sehr 
beschränkt möglich, kommt es doch immer sehr stark auf die konkreten Umstände des Ein-
zelfalls an. 

89.  Zweifellos stellen Abreden gemäss Art. 5 Abs. 4 KG, welche den Wettbewerb beseitigen, 
in aller Regel schwere Kartellrechtsverstösse dar. Tendenziell leichter zu gewichten sind den 
Wettbewerb erheblich beeinträchtigende Abreden, welche sich nicht durch Gründe der wirt-
schaftlichen Effizienz rechtfertigen lassen. Darüber hinaus ist im Allgemeinen davon auszuge-
hen,  dass  Wettbewerbsbeschränkungen,  welche  gleichzeitig  mehrere  Tatbestände  von 
Art. 5 KG erfüllen, schwerer zu gewichten sind als solche, die nur einen Tatbestand erfüllen. 97 
Die Möglichkeit, Direkt- und/oder Parallelimporte tätigen zu können, wird sowohl in der Praxis 
 als auch in der Praxis der Europäischen Kommission99 als besonders schutzwür-
der WEKO98
dig angesehen. 

90.  Unter  Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  die  Vermutung  der  Beseitigung  wirksa-
men Wettbewerbs durch ein gewisses Mass an Intrabrand-Wettbewerb (vgl. oben, Rz 60 f.) 
und Interbrand-Wettbewerb (vgl. oben, Rz 62 ff.) widerlegt werden kann und Pöschl nicht mit 
allen  ihren  europäischen  Vertriebspartnerinnen  Exportverbotsklauseln  vereinbarte,  ist  es  im 
Lichte der Praxis der WEKO bei ähnlich gelagerten Fällen100 als angemessen, den Basisbetrag 
der Sanktion auf 3 % des Umsatzes festzusetzen, den Pöschl in den letzten drei Geschäfts-
jahren auf den relevanten Märkten in der Schweiz erzielt hat. Der Basisbetrag beträgt somit 
CHF […]. 

91.  Pöschl  Deutschland  macht  diesbezüglich  geltend,  dass  der  vorliegende  Fall  nicht  mit 
den vom Sekretariat im Antrag als ähnlich gelagert genannten Fällen vergleichbar sei; es hätte 
keine effektive Wettbewerbsbeschränkung festgestellt werden können. Aus diesem Grund be-
antragt Pöschl Deutschland, den Basisbetrag von 3 % auf […] % zu senken.101 

92.  Diesem Vorbringen von Pöschl Deutschland wird nicht gefolgt, da die genannten Fälle 
von  absoluten  Gebietsschutzabreden  in  Bezug  auf  die  Art  und  Schwere  durchaus  mit  dem 
vorliegenden Fall vergleichbar sind. In diesen Fällen wurde der Basisbetrag von der WEKO 
auf zwischen 3 % und 5 % angesetzt.102 Aus den oben dargelegten Gründen erachtet es die 

95  Erläuterungen  der  WEKO  vom  1.1.2006  zur  KG-Sanktionsverordnung  (SVKG),  abrufbar  unter: 
<www.weko.admin.ch>. 
96 D.h. nicht verschuldensabhängige Kriterien, vgl. ROLF DÄHLER/PATRICK L. KRAUSKOPF, Die Sanktions-
bemessung und die Bonusregelung, in: Walter Stoffel/Roger Zäch (Hrsg.), Kartellgesetzrevision 2003, 
139. 
97 Vgl. Erläuterungen SVKG, S. 3. 
98 Vgl. RPW 2019/4, 1164 ff. Rz 58 ff., Bucher Landtechnik/Ersatzteilhandel Traktoren; RPW 2018/2, 
366 ff. Rz 37 ff., RIMOWA; RPW 2017/1, 100 ff. Rz 39 ff., Eflare; RPW 2016/2, 463 ff. Rz 184 ff., Ni-
kon AG; RPW 2012/3, 553 ff. Rz 119 ff., BMW; RPW 2010/1, 72 ff. Rz 98 ff., Gaba. 
99 STEFFEN NOLTE, in: Kartellrecht Kommentar, Langen/Bunte (Hrsg.), Bd. 2, Europäisches Kartellrecht, 
13. Aufl. 2018, Art. 101 N 469 ff. 
100 Vgl. RPW 2019/4, 1170 Rz 104, Bucher Landtechnik/Ersatzteilhandel Traktoren; RPW 2018/2, 371 
Rz 73, RIMOWA; RPW 2017/1, 103 Rz 75, Eflare; RPW 2016/2, 521 Rz 566, Nikon AG; RPW 2012/3, 
589 Rz 375, BMW; RPW 2010/1, 112 Rz 362, Gaba. 
101 Act. […]. 
102 Vgl. Fn 100. 

23 

 
 
 
 
 
 
                                                
WEKO als angemessen, im vorliegenden Fall den Basisbetrag auf 3 % anzusetzen und weist 
den Antrag von Pöschl, den Basisbetrag von 3 % auf […] % zu senken, ab. 

(ii) 

Dauer des Verstosses 

93.  Gemäss Art. 4 SVKG erfolgt eine Erhöhung des Basisbetrages um bis zu 50 %, wenn 
der Wettbewerbsverstoss zwischen einem und fünf Jahren gedauert hat, für jedes weitere Jahr 
ist ein Zuschlag von bis zu 10 % möglich (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 3). Legt das ko-
operierende Unternehmen der WEKO Beweismittel über die Dauer des Wettbewerbsverstos-
ses vor, von welchen diese keine Kenntnis hatte, so berechnet sie die Sanktion ohne Berück-
sichtigung dieses Zeitraums (Art. 14 Abs. 2 SVKG). 

94.  Vorliegend reichte Pöschl Deutschland sämtliche ihrer ausländischen Vertriebsverträge 
bereits im Rahmen der Marktbeobachtung ein, d.h. vor Eröffnung der Untersuchung (vgl. oben, 
Rz 12). Diese Verträge belegen, dass der Wettbewerbsverstoss ab dem 1. April 2004 mindes-
tens 15 Jahre gedauert hat. Folglich legte Pöschl Deutschland die Beweismittel über die Dauer 
des Wettbewerbsverstosses vor, von denen die Wettbewerbsbehörden bis zu den Eingaben 
von Pöschl Deutschland keine Kenntnis hatten. In Anwendung von Art. 14 Abs. 2 SVKG ist die 
Sanktion daher ohne Berücksichtigung eines Dauerzuschlages zu berechnen (vgl. unten, Ta-
belle 3). 

(iii) 

Erschwerende und mildernde Umstände 

In  einem  letzten  Schritt  sind  schliesslich  die  erschwerenden  und  die  mildernden  Um-
95. 
stände nach Art. 5 und 6 SVKG zu berücksichtigen. Diejenigen Aspekte, welche im Rahmen 
der Selbstanzeige berücksichtigt werden, können nicht zusätzlich als erschwerende respektive 
mildernde Umstände Berücksichtigung finden. Die Annahme einer anstiftenden oder führen-
den Rolle in einem Wettbewerbsverstoss (Art. 5 Abs. 2 lit. a SVKG) wird im Rahmen der Be-
urteilung  der  Selbstanzeige  gewürdigt  (vgl.  unten,  Rz 100 ff.).  Weitere  erschwerende  Um-
stände sind vorliegend nicht ersichtlich.  

Abschluss einer einvernehmlichen Regelung 

96.  Der Wille und die Bereitschaft zum Abschluss einer einvernehmlichen Regelung werden 
von den Wettbewerbsbehörden bei der Sanktionsbemessung als kooperatives Verhalten ge-
würdigt. Der Kooperation ist im Rahmen von Art. 2, 3 und 6 SVKG Rechnung zu tragen. 

[…].103 Dank des Abschlusses der einvernehmlichen Regelung konnte im Sinne der Ver-
97. 
fahrensökonomie  auf  zusätzliche  Ermittlungsmassnahmen  verzichtet  und  die  Begrün-
dungstiefe und -dichte der Verfügung reduziert werden. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es 
sich im vorliegenden Fall, für den Abschluss der einvernehmlichen Regelung eine Sanktions-
reduktion von 20 % in der Höhe von CHF […] zu gewähren (vgl. unten, Tabelle 3: Sanktions-
bemessung). Weitere mildernde Umstände sind nicht ersichtlich.  

(iv) 

Maximalsanktion 

98.  Die Sanktion beträgt in keinem Fall mehr als 10 % des in den letzten drei Geschäftsjah-
ren  in  der  Schweiz  erzielten  Gesamtumsatzes  des  Unternehmens  (Art. 49a Abs. 1  KG  und 
Art. 7 SVKG). 

103 Act. […]. 

24 

 
 
 
 
 
 
                                                
99.  Vorliegend  erübrigt  sich  die  Ermittlung  der  Gesamtumsätze  von  Pöschl,  da  die  Maxi-
malsanktion gemäss  Art.  49a  Abs.  1  KG  und  Art.  7  SVKG  offensichtlich nicht  überschritten 
wird (vgl. unten, Rz 112 f.). 

B.6.2.4.2.  Selbstanzeige – teilweiser Erlass der Sanktion 

100.  Nach Art. 49a Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, welches an einer unzulässigen Abrede 
nach Art. 5 Abs. 3 bzw. 4 KG beteiligt ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einer 
Sanktion belastet. Wenn ein Unternehmen an der Aufdeckung und Beseitigung der Wettbe-
werbsbeschränkung mitwirkt, kann auf eine Belastung dieses Unternehmens ganz oder teil-
weise verzichtet werden (Art. 49a Abs. 2 KG). Die Modalitäten eines vollständigen Sanktions-
erlasses sind in Art. 8 ff. SVKG aufgeführt, jene eines teilweisen in Art. 12 ff. SVKG. 

101.  Pöschl Deutschland reichte die vorliegend bedeutendsten Beweismittel, d.h. die […] aus-
ländischen  Vertriebsverträge,  […]  vor  Untersuchungseröffnung  freiwillig  ein  (vgl.  oben, 
Rz 6 ff.). Damit und mit der Eingabe der Selbstanzeige erfüllt Pöschl Deutschland die Anfor-
derungen von Art. 8 Abs. 1 SVKG. Die Voraussetzungen für einen vollständigen Sanktionser-
lass nach Art. 8 SVKG sind in casu in Übereinstimmung mit der bisherigen Praxis der WEKO 
in  ähnlich  gelagerten  Fällen104  allerdings  nicht gegeben,  da  Pöschl  eine führende  Rolle  zu-
kommt (Art. 8 Abs. 2 lit. a SVKG).  

102.  Pöschl  Deutschland  bringt  vor,  keine  führende  Rolle  inne  gehabt  zu  haben  und  führt 
hierzu unter anderem aus, dass sie als Anbieterin von Nischenprodukten über keine oder nur 
eine geringe Verhandlungsmacht verfügt habe. Demgegenüber würden einige Vertriebspart-
nerinnen über eine sehr starke Position verfügen. Namentlich genannt werden die Vertriebs-
partnerinnen für […].105  

103.  Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass mit zwei der drei genannten, angeblich verhand-
lungsmächtigen,  Vertriebspartnerinnen  keine  Exportverbotsklauseln  vereinbart  wurden  ([…] 
und […], vgl. oben Tabelle 1). Ferner kann von der angeblich geringen Verhandlungsmacht 
gegenüber den Vertriebspartnerinnen für […] nicht darauf geschlossen werden, dass Pöschl 
Deutschland auch gegenüber den anderen Vertriebspartnerinnen über keine Verhandlungs-
macht verfügt haben soll. Hinzu kommt, dass Pöschl trotz expliziter Aufforderung des Sekre-
tariats keine stichhaltigen Belege für ihre Vorbringen, wonach sie die Bedingungen gewisser 
Vertriebspartnerinnen  habe  akzeptieren  müssen,  eingereicht  hat.106  Des  Weiteren  dürfte 
Pöschl insbesondere zwecks Schutzes ihrer Schweizer Tochtergesellschaft Pöschl Schweiz 
vor allfälligen Parallel- und Direktimporten ein Interesse an den allfälligen Gebietsschutzabre-
den gehabt haben.  

104.  Schliesslich  entspricht  es  der  Praxis  der  WEKO,  einem  Unternehmen  eine  führende 
Rolle zuzuschreiben, das die Wettbewerbsabrede steuert, d.h. wenn es die eigentliche Initia-
tive sowohl bei der Vorbereitung als auch der Durchführung der Wettbewerbsbeschränkung 
ergreift.107 Indizien hierfür können beispielsweise die Organisation von Zusammenkünften und 
Austauschen im Zusammenhang mit der Wettbewerbsbeschränkung sein, die Initiierung von 

104 Vgl. RPW 2019/4, 1171 Rz 115 f., Bucher Landtechnik / Ersatzteilhandel Traktoren; RPW 2009/2, 
157 Rz 101, Sécateurs et cisailles; RPW 2016/3, 752 Rz 225, Saiteninstrumente; RPW 2017/2, 294 Rz 
109, Husqvarna; RPW 2019/4, 1152, Rz 97, Stöckli Ski. 
105 Act. […]. 
106 Vgl. act. […]. 
107 Vgl. Fn 104. 

25 

 
 
 
 
 
 
                                                
Korrespondenz, eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung oder die Interessenlage des Unterneh-
mens.108 Pöschl Deutschland hat als Urheberin der europäischen Vertriebsverträge die Initia-
tive bei der hier in Rede stehenden Wettbewerbsbeschränkung ergriffen, indem sie die Export-
verbotsklauseln  formuliert  hat109  und  die  europäischen  Vertriebsverträge  von  ihren  europäi-
schen Vertriebspartnerinnen unterschreiben liess (vgl. oben, Rz 7 f.). 

105.  Pöschl  Deutschland  bestreitet,  eine  führende  Rolle  innezuhaben  und  beantragt  einen 
vollständigen  Sanktionserlass  mangels  führender  Rolle  mit  folgenden  Argumenten:  Im  Ver-
triebskontext  handle  es  sich  grundsätzlich  um  kaufmännischen  Verkehr  und  vorliegend  um 
Vertragsverhältnisse mit sehr geschäftserfahrenen Vertriebspartnern. Das Zustandekommen 
und die Formulierung der Vertriebsverträge würden daher vom Willen des Vertriebsgebers und 
-nehmers  gleichermassen  abhängen.  Sie  könnten  und  dürften  nicht  einseitig  allein  Pöschl 
Deutschland als Vertriebsgeberin zugerechnet werden. Die Herstellereigenschaft von Pöschl 
Deutschland  sei  für  sich  betrachtet  kein  Anzeichen  für  eine  führende  Rolle.  Eine  derartige 
pauschale Zurechnung zulasten von Pöschl Deutschland würde gegen die Unschuldsvermu-
tung und das Legalitätsprinzip verstossen, da es hierfür keine konkreten Anzeichen gebe und 
das Gesetz keine solche Vermutung zulasten der Vertriebsgeberinnen enthielte.110 

106.  Pöschl Deutschland führt weiter ins Feld, dass sich der vorliegende Fall nicht mit den im 
Antrag des Sekretariats erwähnten ähnlich gelagerten Fällen111 vergleichen liesse, weil es im 
vorliegenden  Fall  um  stark  regulierte  Tabakprodukte  gehe.  Aufgrund  des  im  Tabakbereich 
stark eingeschränkten (Preis-)Wettbewerbs habe Pöschl Deutschland im Vornherein kein In-
teresse an der Vorgabe von Gebietsschutzabreden zum Schutz ihrer Schweizer Tochterge-
sellschaft.112 

107.  Schliesslich macht Pöschl Deutschland geltend, dass die wettbewerbsrechtlich proble-
matischen Klauseln zwar in einigen Verträgen enthalten waren, jedoch längst nicht in allen. 
Auch  dieser  Umstand  zeige,  dass  es  Pöschl  Deutschland  nicht  darum  gegangen  sei,  den 
Schweizer  Markt  abzuschotten.  Damit  dies  hätte  gelingen  können,  hätten,  wenn  schon,  in 
sämtlichen oder zumindest in den aus der Sicht der Schweiz wichtigsten Vertriebsverträgen 
entsprechende Klauseln enthalten sein müssen. Dies sei aber in wichtigen und aus Schweizer 
Sicht  geografisch  und  kulturell  naheliegenden  europäischen  Märkten  nicht  der  Fall  gewe-
sen.113 

108.  Die Vorbringen von Pöschl stossen aus folgenden Gründen ins Leere: Zunächst ist fest-
zuhalten, dass Pöschl nicht bestreitet, die Exportverbotsklausel redigiert und die Verträge den 
europäischen Vertriebspartnerinnen zum Abschluss vorgelegt zu haben. Dieser Umstand il-
lustriert, dass Pöschl Deutschland die Initiierung von Korrespondenz vornahm. Zudem hat ein 
eingeschränkter (Preis-)Wettbewerb infolge der Tabakregulierung keinen Einfluss auf die Qua-
lifikation der führenden Rolle. Für die WEKO ist schliesslich nicht nachvollziehbar, inwiefern 
der Umstand, dass Pöschl Deutschland nicht mit sämtlichen europäischen Vertriebspartnerin-
nen schriftliche Exportverbotsklauseln vereinbarte, gegen eine führende Rolle sprechen soll. 
Der  Antrag  von  Pöschl  Deutschland  auf  vollständigen  Sanktionserlass  mangels  führender 
Rolle  wird  aus  diesen  und  den  bereits  oben  dargelegten  Gründen  abgewiesen  (vgl.  oben, 
Rz 102 ff.). 

108 RPW 2019/4, 1171 Rz 115, Bucher Landtechnik / Ersatzteilhandel Traktoren. 
109 Act. […]. 
110 Act. […]. 
111 Vgl. Fn 104. 
112 Act. […]. 
113 Act. […]. 

26 

 
 
 
 
 
 
                                                
109.  In Anwendung von Art. 8 Abs. 2 lit. a SVKG kann Pöschl Deutschland die Sanktion in-
folgedessen nicht vollständig erlassen werden. Sind nicht alle Voraussetzungen für einen voll-
ständigen Erlass der Sanktion erfüllt, ist dennoch eine Reduktion von bis zu 50 % der Sanktion 
möglich.  Eine  solche  setzt  gemäss  Art. 12  SVKG  voraus,  dass  ein  Unternehmen  an  einem 
Verfahren unaufgefordert mitgewirkt und im Zeitpunkt der Vorlage der Beweismittel die Teil-
nahme am betreffenden Wettbewerbsverstoss eingestellt hat. 

110.  Die  Voraussetzungen  für  eine  Reduktion  der  Sanktion  sind  vorliegend  erfüllt.  Pöschl 
Deutschland  arbeitete  ununterbrochen,  uneingeschränkt  und  ohne  Verzug  mit  der  Wettbe-
werbsbehörde zusammen. Zudem stellte Pöschl Deutschland den Wettbewerbsverstoss mit 
der Einreichung ihrer Selbstanzeige ein (vgl. oben, Rz 15). Unter Würdigung sämtlicher Um-
stände  erachtet  die WEKO  eine  Reduktion  der  Sanktion  um  50  %  in  Höhe  von  CHF  [rund 
270'000] als angemessen (vgl. unten, Tabelle 3). 

B.6.2.4.3.  Verhältnismässigkeitsprüfung 

111.  Schliesslich muss eine Sanktion als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes für 
die betroffenen Unternehmen auch finanziell tragbar sein.114 Vorliegend ist der Sanktionsbe-
trag gestützt aufgrund des aktuellen Kenntnisstandes als tragbar bzw. zumutbar einzustufen. 

B.6.2.5. Ergebnis 

112.  Die  nachfolgende  Tabelle  fasst  die  Sanktionsberechnung  für  Pöschl  Deutschland  zu-
sammen: 

Tabelle 3: Sanktionsbemessung 

Sanktionsbemessung 

Umsatz auf dem relevanten Markt letzte drei Jahre 

Obergrenze Basisbetrag (Art. 3 SVKG)  

Basisbetrag konkreter Fall (Art. 3 SVKG) 

Zuschlag für Dauer (Art. 4 SVKG)  

Total Basisbetrag  

Erschwerende Umstände (Art. 5 SVKG)  

Mildernde Umstände (Art. 6 SVKG)  

Zwischenergebnis Sanktionsbemessung  

10 % 

3 % 

+ 0 %  

+ 0 % 

- 20 % 

Reduktion der Sanktion: Bonus (Art. 12 SVKG)  

- 50 % 

CHF 

[…] 

[…] 

[…] 
0 

[…] 

0 

 - […] 

[…] 

 - […] 

Total 
Quelle: Darstellung der WEKO, Umsätze berechnet aus Act. […], Rz […].  

[rund 270'000] 

113.  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände erachtet die 
WEKO eine Verwaltungssanktion in Höhe von [rund CHF 270'000] dem Verstoss von Pöschl 
Deutschland  gegen  Art. 5  Abs.  4  i.V.m.  Abs.  1  KG,  mit  welchem  der  Tatbestand  von 
Art. 49a Abs. 1 KG erfüllt ist, als angemessen. Die Sanktion liegt in jedem Fall unter der Maxi-
malsanktion, da die Obergrenze des Basisbetrags nicht überschritten ist. 

114 Vgl. dazu etwa Verfügung der WEKO vom 26.3.2018 i.S. Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin I, 
Rz 1085 ff.  und  Verfügung  der WEKO  vom  8.7.2016  i.S.  Bauleistungen  See-Gaster,  Rz 1419,  beide 
publiziert 
Internet  unter:  <https://www.weko.admin.ch/weko/de/home/praxis/publizierte-ent-
scheide.html> (28.6.2021); RPW 2009/3, 218 Rz 150 m.w.Hw., Elektroinstallationsbetriebe Bern. 

im 

27 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
C. 

Kosten 

114.  Nach Art. 2 Abs. 1 GebV-KG115 ist gebührenpflichtig, wer das Verwaltungsverfahren ver-
ursacht hat.  

115.  Im Untersuchungsverfahren nach Art. 27 ff. KG besteht eine Gebührenpflicht, wenn auf-
grund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt oder 
wenn sich die Parteien unterziehen. Vorliegend wurde ein Verstoss gegen das Kartellgesetz 
festgestellt,  zudem  hat  die  Verfügungsadressatin  das  beanstandete  Verhalten  aufgegeben 
und sich zu einer einvernehmlichen Regelung verpflichtet. Eine Gebührenpflicht ist daher zu 
bejahen. 

116.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100 bis 400. Dieser richtet 
sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des ausführen-
den Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den Gebühren ein-
geschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG).  

117.  Die aufgewendete Zeit beträgt vorliegend insgesamt [rund 470 Stunden]. Aufgeschlüs-
selt werden demnach folgende Stundenansätze verrechnet:  

−  […] Stunden zu CHF 130, ergebend CHF […] 

−  […] Stunden zu CHF 200, ergebend CHF […] 

−  […] Stunden zu CHF 290, ergebend CHF […] 

118.  Demnach beläuft sich die Gebühr auf [rund CHF 90'000]. 

119.  Hiergegen wendet Pöschl Deutschland ein, dass es während des ganzen Verfahrens 
zu mehreren Teamwechseln innerhalb des Sekretariats gekommen sei, was zu redundanten 
Aufwänden  geführt  habe.  Diese  dürften  Pöschl  Deutschland  nicht  auferlegt  werden.  Ferner 
seien  diverse  (aufwändige)  Schriftenwechsel  und  Interaktionen  zwischen  dem  Sekretariat, 
Pöschl Deutschland und der Anzeigerin alleine durch den Antrag auf Gewährung der Partei-
stellung von der Anzeigerin verursacht worden. Dieser Antrag sei abgewiesen worden bzw. 
infolge Aussichtslosigkeit zurückgezogen worden, weshalb vom Unterliegen von der Anzeige-
rin auszugehen sei. Entsprechend dürften die damit verbundenen Kosten Pöschl Deutschland 
nicht aufgebürdet werden. 

120.  Diesen Einwendungen von Pöschl Deutschland ist entgegen zu halten, dass die ausge-
wiesene Gebühr die von ihr geforderten Kostenabzüge bereits grösstenteils berücksichtigt. Zu 
Gunsten von Pöschl Deutschland werden weitere, mit den Teamwechseln verbundene Kosten 
(CHF […]) sowie diejenigen, die durch die umfangreiche Prüfung des Antrags auf Parteistel-
lung der Anzeigerin (CHF […]) entstanden, von den gesamthaft angefallenen Verfahrenskos-
ten ausgeschieden. 

121.  Für die Berechnung der Verfahrenskosten bedeuten vorstehende Ausführungen, dass 
von den eigentlich angefallenen [rund CHF 90'000] diejenigen Kosten, die im weitesten Sinne 
mit  den  Teamwechseln  innerhalb  des  Sekretariats  zusammenhängen  (insgesamt  CHF […]) 
sowie diejenigen Kosten, die allenfalls über das übliche Mass für Prüfung der Frage der Par-
teistellung  von  der  Anzeigerin  zusammenhängen  (insgesamt  CHF  […]),  in  Abzug  gebracht 
werden. Die Verfahrenskosten belaufen sich daher total auf [rund CHF 85'000]. 

115  Verordnung  vom  25.2.1998  über  die  Gebühren  zum  Kartellgesetz  (Gebührenverordnung  KG, 
GebV-KG; SR 251.2). 

28 

 
 
 
 
 
 
                                                
D. 

Ergebnis 

122.  Zusammenfassend kommt die WEKO gestützt auf die vorstehenden Erwägungen zu fol-
gendem Ergebnis:  

•  Zwischen Pöschl Deutschland und den europäischen Vertriebspartnerinnen bestanden 
seit  Mai  1981  bis  Ende  Juli  2019  vertikale  Wettbewerbsabreden  im  Sinne  von 
Art. 4 Abs. 1 KG (vgl. oben, Rz 50). 

•  Diese  Wettbewerbsabreden  stellen  vertikale  absolute  Gebietsschutzabreden  nach 

Art. 5 Abs. 4 KG dar (vgl. oben, Rz 53). 

•  Die gesetzlich statuierte Vermutung der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs kann wi-

derlegt werden (vgl. oben, Rz 66). 

•  Die vertikalen absoluten Gebietsschutzabreden zwischen Pöschl Deutschland und den 
europäischen  Vertriebspartnerinnen  stellen  erhebliche  Wettbewerbsbeschränkungen 
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG dar (vgl. oben, Rz 67). 

•  Rechtfertigungsgründe  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  2  KG  liegen  nicht  vor  (vgl.  oben, 

Rz 69). 

•  Zwischen Pöschl Deutschland und den europäischen Vertriebspartnerinnen lagen so-
mit vertikale Abreden über den absoluten Gebietsschutz im Sinne von Art. 5 Abs. 4 KG 
vor, die nach Art. 5 Abs. 1 KG unzulässig sind (vgl. oben, Rz 70). 

•  Mit dem Abschluss der einvernehmlichen Regelung werden die Massnahmen hinsicht-
lich aller Gegenstand der Untersuchung bildenden Wettbewerbsbeschränkungen ge-
genüber  Pöschl  Deutschland  einvernehmlich  und  abschliessend geregelt (vgl.  oben, 
Rz 72). 

•  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände erachtet 
die WEKO eine Verwaltungssanktion in Höhe von [rund CHF 270’000] dem Verstoss 
von Pöschl Deutschland gegen Art. 49a Abs. 1 KG als angemessen (vgl. oben, Rz 112 
f.). 

•  Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat Pöschl Deutschland die Verfahrenskosten in 

Höhe von [rund CHF 85'000] zu tragen (vgl. oben, Rz 121). 

29 

 
 
 
 
 
 
 
 
E. 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die WEKO (Art. 30 
Abs. 1 KG): 

1. 

Die WEKO genehmigt die nachfolgende, von der Pöschl GmbH & Co. KG mit dem Sek-
retariat der WEKO vereinbarte einvernehmliche Regelung vom 1. April 2021 mit nach-
folgendem Wortlaut  

1.  Pöschl verpflichtet sich, ihre nicht in der Schweiz ansässigen Vertriebspartner weder 
direkt noch indirekt darin zu beschränken, unaufgeforderte Bestellungen betreffend 
Tabakprodukte von Schweizer Kundinnen und Kunden (Händler sowie Endkundin-
nen und Endkunden) zu bedienen.  

2.  Pöschl verpflichtet sich, die bestehenden Vertriebsverträge mit ihren Vertriebspart-
nern dahingehend anzupassen, dass die Vertriebsverträge mit Abschnitt B Ziffer 1 
dieser Vereinbarung übereinstimmen. 

2. 
Die Pöschl GmbH & Co. KG wird wegen Beteiligung an unzulässigen Abreden über den 
absoluten  Gebietsschutz  gemäss  Art. 5  Abs. 4  i.V.m.  Abs. 1  KG  mit  einer  Sanktion  nach 
Art. 49a Abs. 1 KG in der Höhe von [rund CHF 270'000] belastet.  

3. 

4. 

Im Übrigen wird die Untersuchung eingestellt. 

Die Verfahrenskosten in der Höhe von [rund CHF 85'000] werden der Pöschl GmbH & 
Co. KG auferlegt. 

Die Verfügung ist zu eröffnen:  

−  Pöschl GmbH & Co. KG, Dieselstrasse 1, Postfach 1149,  

D-84144 Geisenhausen 

vertreten durch CORE Rechtsanwälte, RA Mario Strebel, RA Fabian Koch, 
Dufourstrasse 105, 8008 Zürich 

Wettbewerbskommission 

Prof. Dr. Andreas Heinemann 
Präsident 

Prof. Dr. Patrik Ducrey  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde geführt werden. Die Rechtsschrift hat die Begeh-
ren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Die 
angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei 
in Händen hat, beizulegen.  

30