# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36fec07e-35d7-59c2-beed-5c143b5c3fa1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2021 E-3911/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3911-2021_2021-09-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3911/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Christa Luterbacher, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl 

 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kongo (Kinshasa),   

vertreten durch Karine Povlakic,  

Entraide Protestante Suisse EPER/SAJE,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 4. August 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3911/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reiste eigenen Angaben zufolge am 8. Juni 2019 

in die Schweiz ein und suchte am 11. Juni 2019 im Bundesasylzentrum 

(BAZ) (…) in B._______ um Asyl nach. 

B.  

Am 29. Juli 2019 wurde die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen an-

gehört, dabei machte sie im Wesentlichen folgenden Sachverhalt geltend: 

Sie sei in Kinshasa geboren und dort mit ihren Eltern und Geschwistern 

aufgewachsen. Die Mutter habe auf einem Markt Kleider verkauft und der 

Vater sei arbeitslos gewesen. Sie habe im Jahr 2015 die Matura erlangt 

und danach zwei Jahre lang an der Universität Medizin studiert. Im Som-

mer 2018 sei sie mit einem Studentenvisum in die Schweiz gereist. Die 

anschliessende Aufnahmeprüfung für das Studium an der Universität 

C._______ habe sie jedoch nicht bestanden. Nach rund drei Monaten Auf-

enthalt in der Schweiz sei sie wieder nach Kinshasa zurückgekehrt. Den 

Aufenthalt habe ein Onkel, welcher Pastor sei, finanziert. Im Dezember 

2018 habe sie ihren Freund kennen gelernt. Er sei der (…) des hochrangi-

gen kongolesischen Generals D._______ gewesen. Im April 2019 habe ihr 

Freund in der Residenz (…) seinen Geburtstag gefeiert. In dieser Nacht 

habe die Beschwerdeführerin durch das Zimmerfenster beobachtet, wie 

(…) ihres Freundes seine neunjährige Tochter vergewaltigt habe. Sie habe 

diesen Vorfall mit ihrem Mobiltelefon gefilmt und die Videos zwei Freunden 

geschickt. Am nächsten Tag habe sie das Video auch ihrem Freund ge-

zeigt, welcher sehr verärgert gewesen sei. Die Videoaufnahmen hätten 

sich plötzlich in den sozialen Medien verbreitet und die Eltern hätten ihr 

geraten, sich sofort zu einer Tante zu begeben. Sie sei daraufhin vom Mili-

tär gesucht worden. Aufgrund ihrer Abwesenheit im Elternhaus sei zu-

nächst ihr Vater und dann ihre Mutter an ihrer Stelle festgenommen wor-

den. Ihre Tante und deren Mann hätten umgehend ihre Ausreise organi-

siert. Der Mann ihrer Tante habe sie im Hinblick auf die geplante Ausreise 

mit einem Italiener, der mit einer Kongolesin verheiratet gewesen sei, in 

Verbindung gebracht. Mit diesem Italiener sei sie – unter Verwendung der 

Reisedokumente seiner kongolesischen Ehefrau – im Mai 2019 nach Ita-

lien gereist. In Italien sei sie von E._______ drei Wochen in einem Haus 

eingesperrt, vergewaltigt und geschlagen worden. Schliesslich sei ihr mit 

Hilfe eines Bekannten von E._______, der Mitleid mit ihr gehabt habe, die 

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Seite 3 

Flucht aus diesem Haus gelungen. Dieser habe sie mit dem Auto in die 

Schweiz gefahren, wo sie schliesslich um Asyl nachsuchte. 

C.  

Das SEM konsultierte im Anschluss die Visaakten der Beschwerdeführerin 

vom Jahr 2018 und nahm diese in die Asylakten auf. 

D.  

D.a Mit Verfügung vom 8. August 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-

lingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr Asylgesuch ab, ver-

fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Weg-

weisung an. 

D.b Am 12. August 2019 reichte die Beschwerdeführerin medizinische Un-

terlagen zu den Akten. Gleichzeitig legte die im beschleunigten Verfahren 

zugewiesene Rechtsvertretung das Mandat nieder. 

D.c Mit Eingabe vom 19. August 2019 liess die Beschwerdeführerin durch 

ihre neu mandatierte Rechtsvertretung der Fachstelle für Frauenhandel 

und Frauenmigration (FIZ) die Verfügung des SEM beim Bundesverwal-

tungsgericht anfechten und wies insbesondere darauf hin, dass weitere Ab-

klärungen notwendig seien, da der Verdacht bestehe, dass die Beschwer-

deführerin Opfer von Menschenhandel geworden sei. 

D.d Mit Urteil E-4184/2019 vom 6. September 2019 hiess das Bundesver-

waltungsgericht die Beschwerde gut und wies die Sache zur Neubeurtei-

lung und für weitere Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurück. 

Das Gericht hielt fest, dass vorliegend ein beschleunigt durchgeführtes 

Asylverfahren nicht angezeigt gewesen sei. Es wären weitere Abklärungen 

in Zusammenhang mit dem Verdacht auf Menschenhandel notwendig ge-

wesen. Gemäss BVGE 2016/27 seien Asylbehörden verpflichtet, Hinwei-

sen nachzugehen, die darauf hindeuten, Personen könnten Opfer von 

Menschenhandel sein. Es seien konkrete Verdachtsmerkmale für Men-

schenhandel aus den vorinstanzlichen Akten ersichtlich, weshalb das SEM 

gehalten gewesen wäre, den fraglichen Sachverhalt eingehender abzuklä-

ren. 

E.  

Mit Verfügung vom 25. September 2019 wies das SEM die Beschwerde-

führerin dem erweiterten Verfahren zu. 

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Seite 4 

F.  

Mit Zuweisungsentscheid vom 16. Oktober 2019 wurde die Beschwerde-

führerin dem Kanton F._______ zugewiesen.  

G.  

Am 16. Oktober 2019 reichte die Beratungsstelle für Asylsuchende der Re-

gion G._______ eine Mandatsanzeige unter Beibringung einer Vollmacht, 

datierend auf den 9. Oktober 2019, ein. Gleichzeitig reichte sie eine ärztli-

che Bestätigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) 

H._______, vom 30. September 2019, ein. Am 6. November 2019 reichte 

die Rechtsvertretung zwei ärztliche Berichte der UPK H._______ vom 

17. Oktober 2019 und 31. Oktober 2019 zu den Akten. 

H.  

Am 21. November 2019 wurde ein Einschätzungsbericht der FIZ vom 

4. November 2019 eingereicht. 

I.  

Am 11. Dezember 2019 fand eine ergänzende Anhörung im erweiterten 

Verfahren statt. Dabei machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen 

geltend, dass der Mann ihrer Tante die Ausreise mit Hilfe des Italieners 

namens E._______ organisiert habe. Sie wisse nicht, ob diese sich bereits 

zuvor gekannt hätten. E._______ habe sie im Mai 2019 mit dem Pass sei-

ner kongolesischen Ehefrau nach Italien gebracht. Über die Umstände und 

die Organisation der Ausreise wisse sie nichts. In Italien angekommen, 

habe E._______ sie während drei Wochen festgehalten und missbraucht. 

Zudem habe sie schwere Hausarbeit verrichten müssen. Nach drei Wo-

chen sei ein Freund von E._______ in die Wohnung gekommen, als dieser 

abwesend gewesen sei. Er habe sie zunächst auch vergewaltigen wollen, 

habe dann aber Mitleid mit ihr gehabt und sie schliesslich in die Schweiz 

gefahren. Im Falle einer Rückkehr würde sie sich vor der Rache von 

E._______ fürchten, da sie sein Haus illegal verlassen habe. Sie habe 

noch immer keinen Kontakt mit Familienangehörigen im Kongo aufgenom-

men, habe aber beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) eine Suchan-

frage gestellt. 

Die Beschwerdeführerin reichte einen weiteren ärztlichen Bericht der UPK 

H._______ vom 11. Dezember 2019 ein.  

J.  

Am 16. Januar 2020 wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör 

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Seite 5 

zu einem Visumsantrag einer Person namens I._______, bei welcher es 

sich offenbar um ihren Bruder handle, gewährt. Die Person trage densel-

ben Nachnamen und habe identische Angaben zu den Namen der Eltern, 

zur Wohnadresse und zur Begründung des Visumsgesuchs gemacht. 

K.  

Am 23. Januar 2020 gab die Vorinstanz eine Botschaftsabklärung insbe-

sondere zu den Familienverhältnissen der Beschwerdeführerin im Kongo 

in Auftrag.  

L.  

Am 30. Januar 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme 

zum Schreiben des SEM vom 16. Januar 2020 betreffend das Visumsge-

such des angeblichen Bruders ein. Sie führte aus, sie kenne die Person 

namens I._______ nicht. Es handle sich um einen weit verbreiteten Nach-

namen und viele junge Personen würden beabsichtigen, im Ausland zu stu-

dieren und würden zwecks Durchführung eines Studiums einen Visumsan-

trag stellen. Möglicherweise habe sich eine fremde Person nun seit dem 

Verschwinden ihrer Familie auf dem Grundstück niedergelassen.  

M.  

Am 20. Mai 2020 beantragte die Beschwerdeführerin einen Wechsel in ei-

nen französischsprachigen Kanton, damit sie eine traumaspezifische The-

rapie auf Französisch in Anspruch nehmen könne. 

N.  

Am 10. Juli 2020 wurde das Kantonswechselgesuch vom SEM bewilligt 

und die Beschwerdeführerin dem Kanton J._______ zugewiesen. 

O.  

Am 15. September 2020 liess die Schweizer Botschaft in Kongo (Kinshasa) 

ihre Abklärungsergebnisse dem SEM zukommen. 

P.  

Mit Eingabe vom 12. November 2020 reichte der Service d’Aide Juridique 

aux Exilé-e-s (SAJE) K._______ unter Beilegung einer Vollmacht eine 

Mandatsanzeige ein. 

Q.  

Am 18. November 2020 legte die (…) der Region G._______ das Mandat 

nieder. 

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Seite 6 

R.  

Mit Schreiben vom 21. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführerin das 

rechtliche Gehör zur Botschaftsabklärung (Zusammenfassung der Bot-

schaftsauskunft) gewährt und sie wurde aufgefordert, weitere Fragen zu 

beantworten.  

S.  

Am 8. Januar 2021 reichte die Beschwerdeführerin ihre Stellungnahme zu 

den Akten. Daneben reichte sie einen E-Mailaustausch mit dem SRK be-

treffend die Suche nach ihren Eltern ein.  

T.  

Am 1. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen ärztlichen Be-

richt ihrer Psychologin vom 27. Januar 2021 zu den Akten. 

U.  

Am 18. März 2021 wurde eine Bestätigung der Organisation ASTREE 

(Association de Soutien aux victimes de Traite Et d’Exploitation), datierend 

auf den 10. März 2021, eingereicht. Aus dem Dokument geht hervor, dass 

die Beschwerdeführerin mit Hilfe der Organisation eine Strafanzeige gegen 

den Schlepper eingereicht habe.  

V.  

Ebenfalls am 18. März 2021 reichte die Beschwerdeführerin das Abklä-

rungsergebnis des SRK, datierend auf den 22. Februar 2021, zu den Ak-

ten.  

W.  

Am 24. Juni 2021 gewährte das SEM Akteneinsicht in die Botschaftsabklä-

rung vom 15. September 2020 (Offenlegung des Botschaftsberichts unter 

Abdeckung der geheimzuhaltenden Passagen). 

X.  

Am 8. Juli 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme ein. 

Y.  

Mit Verfügung vom 4. August 2021 (eröffnet am 5. August 2021) verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr 

Asylgesuch vom 11. Juni 2019 ab und ordnete ihre Wegweisung aus der 

Schweiz und den Vollzug an. 

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Seite 7 

Z.  

Mit Eingabe vom 2. September 2021 (Poststempel) liess die Beschwerde-

führerin gegen die Verfügung des SEM vom 4. August 2021 beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragte, die Verfügung 

des SEM sei aufzuheben und ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei die 

Verfügung in Bezug auf den Vollzug der Wegweisung aufzuheben und eine 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean-

tragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Bei-

ordnung eines amtlichen Rechtsbeistands. 

Der Beschwerde wurde eine Fürsorgebestätigung beigelegt. 

AA.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

3. September 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

BB.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. September 2021 bestätigte die Instruktions-

richterin den Eingang der Beschwerde und hielt fest, die Beschwerdefüh-

rerin könne den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

1.3 Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG wird das Beschwerdeverfahren in 

deutscher Sprache geführt. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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Seite 9 

5.  

5.1 Zunächst sind die formellen Rügen zu behandeln, da sie allenfalls ge-

eignet wären, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken. 

5.2 In der Beschwerde wird gerügt, die 14-seitigen Erwägungen des SEM 

seien im Vergleich zu anderen Asylentscheiden mit ähnlichen Vorbringen 

zu detailliert und umfangreich ausgefallen. Es sei nicht ersichtlich, was eine 

solche umfangreiche Verfügung in diesem Fall gerechtfertigt habe. Es sei 

zu berücksichtigen, dass die Rechtsmittelfrist 30 Tage betrage und diese 

Frist nicht ausreiche, um die zahlreichen Argumente des SEM umfassend 

in der Beschwerde zu behandeln. Die Verfügung sei zudem nicht adressa-

tengerecht. Es sei der Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen, die 

Überlegungen, von welchen die Vorinstanz sich habe leiten lassen, nach-

zuvollziehen und demnach angemessen anzufechten. Sie habe somit nicht 

vollumfänglich am Verfahren teilnehmen können. Das Mandat der Rechts-

vertretung bestehe nicht darin, eine eigene Einschätzung und ihre Argu-

mente an die Stelle derjenigen der Mandantin zu setzen (Beschwerde 

Ziff. 9 f.).  

Aus der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt 

sich, dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen 

soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn 

sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Trag-

weite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungsdichte 

richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensum-

ständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden 

Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um 

solche geht es bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung – eine sorg-

fältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 

2008/47 E. 3.2).  

Die Verfügung des SEM ist tatsächlich sehr umfangreich und ausführlich 

ausgefallen. Es handelte sich auch um ein umfangreiches Verfahren, in 

welchem verschiedene Abklärungen und Eingaben der Beschwerdeführe-

rin sowie medizinische Unterlagen berücksichtigt werden mussten. Das 

SEM hat im Detail ausgeführt, wieso es die Vorbringen als unglaubhaft er-

achtete. Inwiefern der Beschwerdeführerin durch eine ausführliche Be-

gründung ein Nachteil hätte erwachsen sollen, erschliesst sich dem Gericht 

nicht. Im Gegenteil war es aufgrund der detaillierten Verfügung des SEM 

der Beschwerdeführerin möglich, die Überlegungen, von welchen das SEM 

sich hat leiten lassen, nachzuvollziehen. Ein Mangel in der Verfügung lässt 

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sich dadurch nicht feststellen. Es wäre Aufgabe der Rechtsvertretung ge-

wesen, die vorinstanzlichen Erwägungen der Beschwerdeführerin in einer 

Weise darzulegen, dass sie im Beschwerdeverfahren ihre eigenen Argu-

mente hätte einbringen können. 

5.3 In der Beschwerde wird ferner moniert, dass das SEM die Verfügung 

in deutscher Sprache, und nicht in der an ihrem Wohnort gesprochenen 

Sprache Französisch, abgefasst habe. In Anbetracht der ausserordentlich 

umfangreichen Verfügung fehle es der Beschwerdeführerin, wie auch der 

Rechtsvertretung, an Kapazität und der Möglichkeit, die Argumente der  

Vorinstanz zu verstehen und sich sinnvoll am Verfahren beteiligen zu kön-

nen (Beschwerde Ziff. 11). Dadurch sei ihr Anspruch auf rechtliches Gehör 

verletzt worden, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 

Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. 

Tatsächlich erging die angefochtene Verfügung in deutscher Sprache, wo-

bei das Dispositiv zweisprachig (Deutsch/Französisch) ausgefertigt wurde, 

während die Beschwerdeführerin im Kanton J._______ wohnhaft ist. In der 

Verfügung begründete das SEM das Vorgehen damit, dass die Beschwer-

deführerin nach Einreichung des Asylgesuchs dem B._______ und später 

auch dem Kanton F._______ zugewiesen worden sei. Auf Wunsch der Be-

schwerdeführerin sei sie später, aufgrund der Dringlichkeit einer psychiat-

rischen Behandlung in französischer Sprache, dem Kanton J._______ zu-

gewiesen worden. Da bis dahin sämtliche Verfahrensschritte in deutscher 

Sprache erfolgt seien und ein Handwechsel aufgrund der Komplexität des 

Falles ausgeschlossen gewesen sei, sei das Verfahren auf Deutsch wei-

tergeführt worden. 

Das Vorgehen des SEM ist nicht zu beanstanden. Es hat gestützt auf 

Art. 16 Abs. 3 Bst. c AsylG die Verfügung in deutscher Sprache eröffnet. 

Die Gründe des SEM, diese Ausnahmeklausel anzurufen, sind nachvoll-

ziehbar und vom Gesetz ausdrücklich vorgesehen. Die Beschwerdeführe-

rin war zudem rechtlich vertreten und es darf angenommen werden, dass 

ihre Vertreterin die Verfügung des SEM der Beschwerdeführerin verständ-

lich wiedergegeben hat beziehungsweise bei mangelnden Sprachkenntnis-

sen eine deutschsprachige Rechtsvertretung oder eine Übersetzerin bei-

gezogen hätte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist jedenfalls nicht 

ersichtlich. Die Rüge geht fehl. 

5.4 Es sind insgesamt keine formellen Mängel ersichtlich, welche eine Kas-

sation der angefochtenen Verfügung rechtfertigen würden. Die formellen 

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Seite 11 

Rügen (Beschwerde Ziff. 9 bis Ziff. 14) sind unbegründet und eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor. 

6.  

6.1 Das SEM begründete die ablehnende Verfügung mit der Unglaubhaf-

tigkeit der Vorbringen. Es führte aus, dass es sich bei dem genannten Ge-

neral um den damaligen Kommandanten der Sicherheitsgarde des kongo-

lesischen Präsidenten gehandelt habe, welcher aufgrund von Menschen-

rechtsverletzungen internationale Bekanntheit erlangt habe. Die Schilde-

rungen der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Beziehung zum (…) des 

Kommandanten seien oberflächlich geblieben, wie beispielsweise die Aus-

führungen über die erste Begegnung. Ihre Angabe, sie habe erst am Tag 

der Geburtstagsfeier von ihrem Freund erfahren, dass (…) ein Militärchef 

sei, sei wenig plausibel. Es sei erstaunlich, dass sie trotz des gemeinsa-

men Schulbesuchs, ungefähr vier Monaten gelebter Beziehung und mehr-

maligen gegenseitigen Besuchen erst anlässlich der Feier erfahren habe, 

wer der (…) des Freundes sei. Aufgrund der hohen Stellung des Generals 

dürfte ihr oder ihrem Umfeld der Nachname des Freundes ein Begriff ge-

wesen sein. In Richtung dieser Annahme deute auch die Reaktion der El-

tern, die nach der Rückkehr von der Geburtstagsfeier sofort auf die Gefähr-

lichkeit des Generals hingewiesen hätten, sowie das Vorgehen einer 

Freundin, welche sie umgehend kontaktiert habe, um zu erfahren, ob die 

Gerüchte in Bezug auf den General stimmen würden. Wie die Freundin 

diesen Zusammenhang hätte herstellen sollen, obschon die Beschwerde-

führerin selbst bis am Vorabend nichts von der Verwandtschaft ihres Freun-

des zum General gewusst habe, sei unklar. Ihre unpersönliche Aussage, 

sie sei «sehr erstaunt gewesen» und habe «auch etwas Angst» gehabt, als 

sie erfahren habe, wer (…) sei, sei angesichts des Ausmasses der Infor-

mation befremdlich. Ihre allgemeine Äusserung, sie sei überrascht gewe-

sen und ein wenig in Panik verfallen, als sie gesehen habe was der General 

seiner Tochter angetan habe, sei ebenfalls erstaunlich. Zudem sei zwar 

nicht ausgeschlossen, dass der General im Innenhof unter einer beleuch-

teten Sitzvorrichtung seine Tochter vergewaltigt habe, es mute jedoch un-

realistisch an, da sich auch weitere Familienangehörige im Haus befunden 

hätten. Ihre Mutmassungen, dass sich vielleicht nicht viele weitere Perso-

nen auf dem Grundstück befunden hätten, und solche Vorkommnisse ein 

Familiengeheimnis sein könnten, vermöchten die Zweifel an der Darstel-

lung nicht zu entkräften. Auch ihre Aussagen, sie sei bei dem Anblick emo-

tionsgeladen und schockiert gewesen und es habe ihr weh getan, liessen 

den persönlichen Bezug vermissen. Des Weiteren sei erstaunlich, dass sie 

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das Video Freunden geschickt habe, welche ebenfalls an der Feier gewe-

sen seien, jedoch nicht gewusst hätten, dass der General (…) sei. Ihre be-

denkenlose Verbreitung des Videos sei angesichts ihrer Angst vor dem Ge-

neral zweifelhaft.  

Sie habe ferner angegeben, ihre Freunde hätten nicht auf die Videos rea-

giert, obschon sie die Nachricht gelesen hätten, was erstaunlich sei. Da-

nach gefragt, wie sie sich im Moment des Versands gefühlt habe, habe sie 

lediglich erklärt, sich nicht gut gefühlt zu haben. Ihr Freund sei zornig ge-

wesen. Auch hier überrasche ihre Wortkargheit. Auf die fehlende Auseinan-

dersetzung mit den Konsequenzen der Verbreitung des Videos konfron-

tiert, habe sie ausweichend reagiert und erklärt, dass die zwei Freunde, 

denen sie das Video geschickt habe, ihre besten Freunde seien. Sie sei 

sich sicher gewesen, dass die beiden diese Informationen für sich behalten 

würden. Im Widerspruch dazu habe sie ebenso erklärt, dass sie sich sicher 

sei, dass diese beiden Freunde das Video weiterverbreitet hätten. Sie habe 

jedoch nicht nachvollziehbar zu erklären vermocht, weshalb ihre Freunde 

sie in eine derartige Gefahrenlage hätten bringen sollen. Auch auf die 

Frage, wo genau das Video verbreitet worden sei, habe sie ausweichend 

geantwortet und gesagt, sie wisse es nicht. Sie habe die Verbreitung auch 

nicht verifiziert, da sie kein Telefon mehr gehabt habe und auch keinen Zu-

griff auf Facebook oder Whatsapp. Diese Gründe würden indes einer Veri-

fizierung nicht im Wege stehen, was weitere Fragen aufwerfe. Nicht zuletzt 

erstaune auch die Tatsache, dass sich im Internet zahlreiche Berichte über 

den General finden würden, jedoch trotz der angeblich raschen und öffent-

lichen Verbreitung nirgendwo Informationen über den Missbrauchsskandal 

ersichtlich seien. Angesichts der sozialen Stellung des Generals und der 

Tragweite des Vorfalls wäre dies zu erwarten gewesen. Auch habe sie nicht 

nachvollziehbar angeben können, wie man derart schnell sie als Urheberin 

der Videos habe ausfindig machen können. Des Weiteren habe sie auf die 

Frage, weshalb die Mutter nach der Festnahme des Vaters überhaupt noch 

nach Hause zurückgekehrt sei, angegeben, der Vorfall habe sie und nicht 

ihre Mutter betroffen. Dies entbehre jeder Logik, da der ebenfalls unbetei-

ligte Vater bereits verhaftet worden sei. Darauf angesprochen habe sie ge-

sagt, die Mutter habe keinen Ort zum Übernachten gehabt. Abgesehen da-

von, dass sich bei einer tatsächlichen Bedrohungslage sicherlich ein Ort 

hätte finden lassen, hätten ihre Erklärungen auch jegliche Betroffenheit 

vermissen lassen. Sie habe hierzu angegeben, dass es der Fehler der Mut-

ter gewesen sei. Auf die Frage, was sie unternommen habe, um etwas über 

den Verbleib der Eltern in Erfahrung zu bringen, habe sie gesagt, sie hätte 

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zu niemandem im Kongo mehr Kontakt. Sie könne deswegen keine Nach-

forschungen anstellen. Damit konfrontiert, dass sie nach der Festnahme 

der Eltern noch zwei Wochen in Kinshasa geblieben sei und einer ihrer 

Brüder im Kongo sei, habe sie sich in Erklärungsversuche verstrickt. Es sei 

unklar geblieben, inwiefern ihr fehlendes Telefon eine Rolle gespielt habe 

zumal die Tante ein Telefon gehabt habe. Auch bei diesen Schilderungen 

sei keine persönliche Betroffenheit erkennbar gewesen. Nicht zuletzt stehe 

ihr Verhalten nach der Festnahme der Eltern auch in Widerspruch zum Ein-

schätzungsbericht der FIZ, gemäss welchem sie stark abhängig von den 

Eltern gewesen und nach deren Verhaftung verzweifelt gewesen sei. Sie 

würde sich ohne den Rat und die Fürsorge der Mutter hilflos fühlen und 

habe «enorme Schuldgefühle». All dies sei während der Anhörung nicht 

erkennbar gewesen und sie habe vielmehr teilnahmslos gewirkt. Ferner 

werfe der Suchauftrag des SRK weitere Fragen auf. Das Internationale 

Rote Kreuz habe Kontakt zu einem Onkel herstellen können. Seinen Aus-

sagen zufolge seien die Eltern bedroht worden und hätten fliehen müssen. 

Von einer Verhaftung habe er nicht gesprochen. Die Beschwerdeführerin 

habe hingegen keine Drohungen erwähnt. Zudem wäre angesichts ihrer 

Sorgen um die Eltern eine sofortige Kontaktaufnahme mit dem Onkel zu 

erwarten gewesen. Einem Schreiben der Rechtsvertretung sei zu entneh-

men, dass sie bis heute nicht mit dem Onkel in Kontakt stehe, da der Onkel 

sie nicht angerufen habe. Bei einer tatsächlichen Notlage wäre ein aktive-

res Verhalten zu erwarten gewesen, insbesondere da sie auf ein Unterstüt-

zungsnetzwerk wie das FIZ und ihre Rechtsvertretung zählen könne. 

Schliesslich erstaune auch die freie Schilderung der Ausreisegründe, die 

zwar detailliert ausgefallen sei, aber in ihrer Darlegung vorhersehbar und 

strukturiert wirke. Die Beschreibung habe mit der Schilderung der militäri-

schen Funktion des Generals begonnen, obschon ihr diese während Mo-

naten nicht bekannt gewesen sei. Sie sei sodann gleich auf die Ereignisse 

nach der Geburtstagsfeier zu sprechen gekommen. Unvorhersehbares  

oder Abweichungen in den Aussagen seien nicht zu finden. Dies im Ge-

gensatz zu der Schilderung der Reise, die, obschon weniger zentral für die 

Asylvorbringen, deutlich sprunghafter, detaillierter und von mehr Realkenn-

zeichen geprägt ausgefallen sei. Die Unterschiede in der Erzählweise 

seien auch anhand der ergänzenden Anhörung deutlich. 

Betreffend die Familienverhältnisse falle zudem auf, dass die Beschwerde-

führerin an der Anhörung ausweichende Antworten zu ihren Geschwistern 

gegeben habe. Sie habe gesagt, dass keiner der drei Brüder mit ihr zusam-

mengewohnt habe. Sie habe seit der Ausreise keinen Kontakt mehr mit 

E-3911/2021 

Seite 14 

ihnen, da sie kein Telefon mehr habe. Angesichts der heute fortgeschritte-

nen Kommunikationsmöglichkeiten sei dies erstaunlich. Ebenfalls er-

staune, dass sie in ihrem Visumsantrag angegeben habe, dass die Eltern 

drei Kinder in Kongo und eines in Frankreich hätten. Dies stimme wiederum 

nicht mit ihren Aussagen an der Anhörung überein. Auf der Schweizeri-

schen Botschaft in Kinshasa sei zudem im Sommer 2019 ein Visumsantrag 

einer Person namens A._______ I._______ eingereicht worden. Der Nach-

name, der Name der Eltern und deren Geburtsort sowie die Adresse und 

sogar der vorgesehene Studiengang an der Universität in C._______ wür-

den mit ihrem Visumsantrag übereinstimmen. Selbst die Ausstellungs- und 

Gültigkeitsdaten der Pässe seien identisch, wie auch die im Pass eingetra-

gene Wohnadresse. Die Vermutung liege nahe, dass es sich bei der Per-

son um ihren Bruder handle, worauf auch die Schweizer Botschaft in 

Kinshasa hingewiesen habe. Ihr sei hierzu das rechtliche Gehör gewährt 

worden, worauf sie erklärt habe, es handle sich nicht um ihren Bruder und 

sie kenne diese Person auch nicht. Gleichzeitig habe sie zahlreiche Erklä-

rungsversuche unternommen, weshalb die beiden Visaanträge identisch 

seien, wie beispielsweise die Häufigkeit der Nachnamen und unübersicht-

liche Familienverhältnisse. Auf die zentrale Frage, weshalb ein angeblich 

Unbekannter seine Visumsunterlagen den ihrigen überhaupt hätte anglei-

chen können, bis hin zur Wohnadresse im offiziellen Pass, sei sie nicht 

eingegangen. Gemäss Nachforschungen der Botschaft hätten die Nach-

barn von ihrer Wohnadresse angegeben, dass sie sich im Ausland befinde, 

I._______ indes dort noch wohne. Die Botschaft habe auch mit I._______ 

direkt gesprochen, er habe jedoch nicht auf konkrete Fragen antworten 

wollen und habe erwähnt, dass die Eltern vor Ort seien und er den Vater 

holen werde. Der Mann, welcher dann in der Folge mit den Botschaftsmit-

arbeitern gesprochen habe, habe sich jedoch als Bruder ihres Vaters aus-

gegeben. Er kümmere sich seit dem Verschwinden der Familie um das 

Grundstück. Die Botschaft sei jedoch aufgrund der Aussagen von 

I._______ davon ausgegangen, dass es sich bei dem Mann um den ge-

meinsamen Vater handle. Ihr sei auch hierzu das rechtliche Gehör gewährt 

worden. Sie habe trotz der Aktenlage daran festgehalten, I._______ nicht 

zu kennen. Obschon seitens der Botschaft keine offiziellen Identitätsdoku-

mente geprüft worden seien, gehe das SEM davon aus, dass es sich bei 

den Personen vor Ort um ihren Bruder und Vater gehandelt habe, wofür 

auch die Aussagen der Nachbarn und die diffusen Angaben von I._______ 

sprechen würden. Aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten gelange das 

SEM zum Schluss, dass die Schilderungen nicht den tatsächlichen Vor-

kommnissen vor ihrer Abreise aus Kinshasa entsprechen würden. 

E-3911/2021 

Seite 15 

In Bezug auf die vorgebrachten Erlebnisse in Italien führte das SEM zu-

nächst aus, dass allfällige Asylvorbringen, welche sich in einem Drittstaat 

ereignet hätten, nur dann geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu be-

gründen, wenn diese auch im Heimatstaat zu einer Verfolgungssituation 

führen würden. Da das SEM erhebliche Zweifel an ihren Fluchtgründen 

habe, sei es nur bedingt möglich, die Umstände der Ausreise sinnvoll ab-

zuklären. Sie habe angegeben, dass ihre Ausreise bereits organisiert ge-

wesen sei, als sie zu ihrer Tante gekommen sei. Dies erstaune, da die Vor-

fälle mit dem General erst in der vorherigen Nacht stattgefunden hätten. 

Sie sei bereits am Mittag des nächsten Tages bei der Tante angekommen, 

ihre Eltern seien zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal verhaftet gewesen. 

Wie und weshalb die Tante die Ausreise innerhalb dieser kurzen Zeit und 

noch vor der Festnahme der Eltern, welche letztlich der Auslöser für die 

Ausreise gewesen sei, hätte organisieren sollen, sei unklar. Zur Beziehung 

zwischen E._______ (dem Schlepper) und ihrem Onkel habe sie auch 

keine Angaben machen können und sie wisse nicht, ob diese sich zuvor 

gekannt hätten. Es deute nichts darauf hin, dass E._______ in engem Kon-

takt mit ihrer Familie in Kinshasa stehe. Sie selbst habe ausserdem nicht 

viel Kontakt zu ihrer Tante und ihrem Onkel gehabt. Es bestünden auch 

keine Hinweise, dass ihre Familie E._______ Geld schulde oder ihm sonst 

auf eine Weise verpflichtet sei. Zudem liege die Vermutung nahe, dass sich 

allfällige nachträgliche Forderungen an den Organisator der Ausreise, den 

Mann ihrer Tante, richten würden. In der Schweiz habe sie nun seit zwei 

Jahren ein vollkommen unbehelligtes Leben führen können, obschon 

E._______ nur wenige Stunden entfernt wohne, sein Freund (ihr Fluchthel-

fer) über ihren Weggang in die Schweiz informiert und inzwischen auch ein 

Teil ihrer Familie über ihren jetzigen Aufenthalt in Kenntnis sei. Obschon 

ihre Befürchtungen aus subjektiver Sicht nachvollziehbar seien, bestünden 

keine objektiven und konkreten Hinweise, wonach sie im Falle einer Rück-

kehr nach Kinshasa auf E._______ treffen würde oder aufgrund der Erleb-

nisse in Italien einem asylrechtlich relevanten Nachteil ausgesetzt wäre. 

Abschliessend führte das SEM aus, dass die Ereignisse in Italien sehr be-

dauerlich seien, es sich jedoch nicht der Meinung des FIZ anschliessen 

könne, wonach die Beschwerdeführerin Opfer von Menschenhandel ge-

worden sei. Das Palermo-Protokoll halte in seiner Definition von Men-

schenhandel den zentralen Aspekt der Ausbeutung fest. Ausbeutung um-

fasse «mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere 

Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, 

Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Ent-

nahme von Organen». Aus ihren Aussagen an den beiden Anhörungen 

E-3911/2021 

Seite 16 

seien – abgesehen von dem Missbrauch durch E._______ – keine Hin-

weise ersichtlich, wonach sie einem derartigen Vergehen ausgesetzt ge-

wesen wäre. Über konkrete Abmachungen zwischen E._______ und sei-

nem Freund sei nichts bekannt und dieser habe sie nach L._______ ge-

fahren, ohne sie sexuell missbraucht zu haben. Auch sei es überzeichnet 

zu sagen, sie hätte sklavereiähnliche Zustände erdulden müssen. Sie habe 

gemäss ihren Aussagen schwere Arbeit verrichten müssen. Sie habe Klei-

der gebügelt und das Haus geputzt. Ohne die Schwere der Erlebnisse in 

Abrede stellen zu wollen, habe es sich gemäss Einschätzung des SEM 

vielmehr um einen Einzeltäter gehandelt, der ihre Notlage in Italien ausge-

nutzt habe. 

6.2 In der Beschwerde wird in materieller Hinsicht moniert, dass die Aus-

führungen des SEM in Bezug auf die unterstellte Unglaubhaftigkeit der Vor-

bringen sich weder auf Widersprüche noch auf Inkohärenzen beziehen 

würden. Es handle sich um eine rein subjektive Einschätzung des SEM, 

wie der Sachverhalt sich hätte ereignen müssen beziehungsweise wie die 

Beschwerdeführerin erwartungsgemäss hätte reagieren müssen. Es gehe 

bei der Glaubhaftigkeitsprüfung nicht darum, eine Geschichte widerzuge-

ben, welche wahrscheinlicher erscheine als die Vorbringen der Beschwer-

deführerin. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern das SEM zum Schluss ge-

lange, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin unglaubhaft ausgefal-

len seien. Beispielsweise werde nicht klar, weshalb das SEM der Ansicht 

sei, die Beschwerdeführerin hätte sich nach dem gefilmten Vorfall anders 

mit ihrem Freund verhalten sollen, als sie es getan habe, oder weshalb sie 

alle Konsequenzen ihres Handelns hätte voraussehen und bedenken sol-

len, bevor sie das Video geteilt habe. Das SEM habe die Glaubhaftigkeit 

der Vorbringen nicht korrekt beurteilt. Zudem sei die Beschwerdeführerin 

nicht ein zweites Mal zu den Asylgründen angehört worden. Man könne 

somit keine allfälligen Widersprüche zwischen Befragungen heranziehen, 

und die Einschätzung der Glaubhaftigkeit des SEM sei subjektiver Natur, 

da keine formellen Beweise für oder gegen die Glaubhaftigkeit bestünden. 

Die Beschwerdeführerin habe ihre Asylvorbringen in ihrer freien Rede aus-

führlich dargelegt. Sie habe beispielsweise substantiiert angegeben, dass 

die Mutter sie von der Feier nicht habe abholen können, da sie den jünge-

ren Bruder der Beschwerdeführerin ins Krankenhaus habe bringen müs-

sen. Weil es für eine junge Frau unmöglich sei, nachts alleine unterwegs 

zu sein, habe sie bei ihrem Freund übernachten müssen. Ferner habe sie 

beispielsweise auch ausgeführt, dass die Schwester ihres Freundes Autis-

tin sei. Als sie ihrem Freund das Video gezeigt habe, sei dieser schockiert 

E-3911/2021 

Seite 17 

gewesen. Ihre Eltern wiederum hätten ihr gesagt, der General sei gefähr-

lich und könne ihr Probleme bereiten. Der Vater habe ausgeführt, es sei 

schlimm, was sie gemacht habe und sie müsse sofort das Haus verlassen. 

Als eine Freundin sie angerufen und ihr mitgeteilt habe, sie habe das Video 

auf sozialen Medien gesehen, sei sie in Panik verfallen. Die darauffolgen-

den Fragen des SEM habe sie kohärent, detailliert und emotional beant-

wortet. Die Schilderungen seien in sich schlüssig und sie habe die Vorbrin-

gen in einer chronologischen Reihenfolge, unter Wiedergabe auch von un-

wichtigen Details, vorgetragen. Sie habe beispielsweise ausführlich darge-

legt, wie sie den (…) des Generals kennengelernt habe und wie sie er-

staunt gewesen sei, als sie erfahren habe, wer sein (…) sei. Es sei glaub-

haft, dass sie mit dem (…) des Generals eine Beziehung gehabt habe und 

erst später erfahren habe, wer sein (…) sei. Aufgrund verschiedener Um-

stände habe sie im Haus des Generals übernachten müssen und sei dann 

Zeugin des Übergriffs geworden, welchen sie gefilmt habe. Sie sei unter 

Schock gestanden, als sie das Video an Freunde verschickt habe, welche 

es wiederum weiterverbreitet hätten. Dadurch sei ihr Leben in Gefahr ge-

raten, da sie in der Zwischenzeit das Video auch ihrem Freund gezeigt 

habe. Dieser habe ihr sodann das Mobiltelefon entwendet. Daraufhin seien 

ihre Eltern verhaftet worden. Es sei offensichtlich, dass die Soldaten ei-

gentlich gekommen seien, um sie zu verhaften. Seither seien ihre Eltern 

verschwunden, weshalb sie beim SRK einen Suchauftrag gestellt habe. 

Das Rote Kreuz sei zu ihrem damaligen Wohnort gegangen und habe ei-

nen Onkel namens M._______ vorgefunden. Sie habe schon von diesem 

Onkel gehört, kenne ihn aber nicht, da er zuvor in einer anderen Region 

gewohnt habe. Dieser selbe M._______ sei auch beim Besuch der Schwei-

zer Botschaft vor Ort angetroffen worden. Zwei Quellen hätten somit fest-

gestellt, dass das Haus von einem Onkel bewohnt werde und dieser nicht 

wisse, wo sich die Eltern der Beschwerdeführerin aufhalten würden. Diese 

beiden voneinander unabhängigen Quellen würden somit beweisen, dass 

die Eltern verschwunden seien beziehungsweise die Familie keine Nach-

richt von ihnen erhalten habe. Die Beschwerdeführerin habe zudem gleich 

nach ihrer Ankunft in die Schweiz, am 12. August 2019, beim SRK eine 

Suchanfrage in Auftrag gegeben. Sie sei somit unmittelbar aktiv geworden, 

um ihre Familienangehörigen zu finden. Es müsse demnach als glaubhaft 

erachtet werden, dass ihre Eltern von Soldaten abgeführt worden und seit-

her verschwunden seien. Sie habe begründete Furcht, bei einer Rückkehr 

ebenfalls inhaftiert zu werden, da sie Zeugin von gewaltsamem Verhalten 

des Generals geworden sei. Angesichts seiner hohen Stellung beim Staat 

handle es sich um eine politisch motivierte Verfolgung. Sie erfülle somit die 

Flüchtlingseigenschaft. 

E-3911/2021 

Seite 18 

7.  

7.1 Vorab ist festzuhalten, dass das SEM, nachdem das Gericht die erste 

Verfügung des SEM vom 8. August 2019 aufgehoben und zur Abklärung 

des Sachverhalts sowie Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen 

hat, die entsprechenden offenen Punkte umfassend abgeklärt hat und der 

Sachverhalt als erstellt erachtet werden kann. Nach Durchsicht der Akten 

gelangt das Gericht nun ebenfalls zum Schluss, dass es der Beschwerde-

führerin nicht gelungen ist, ihre Flüchtlingseigenschaft glaubhaft zu ma-

chen. Es kann vollumfänglich auf die ausführlichen Erwägungen des SEM 

verwiesen werden. In der Beschwerde wurde nichts vorgetragen, was zu 

einer anderen Betrachtungsweise führen könnte, zumal sich die Beschwer-

deführerin weitgehend darauf beschränkt, lediglich den Sachverhalt wie-

derzugeben. 

7.2 Ergänzend kann festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin in 

der Beschwerde zu Recht ausführt, dass sie ihre Vorbringen tatsächlich 

einigermassen substantiiert dargelegt hat (Beschwerde Ziff. 24 ff.). Das 

Gericht schliesst sich jedoch der Ansicht des SEM an, dass ihre Angaben 

nicht plausibel sind. Insbesondere überzeugen das Gericht die Ausführun-

gen des SEM, dass nicht nachvollziehbar ist, dass die Beschwerdeführerin 

selbst nie verifiziert hat, wo sich das Video in den sozialen Medien verbrei-

tet und ob es sich tatsächlich um ihr Video gehandelt habe (SEM Akte 

1043432-14/22 [nachfolgen A14], F106 ff.). Ihre Angaben, sie habe kein 

Telefon mehr gehabt, ihre Mutter sei nicht auf den sozialen Medien und 

auch von sonst niemandem habe sie das Telefon ausleihen können, über-

zeugen nicht (a.a.O., F99 f., F108). Da dieses eine Video so weitreichende 

Konsequenzen für sie und ihre Familie gehabt habe, wäre zu erwarten ge-

wesen, dass sie der Sache nachgegangen wäre. Auch ist dem SEM beizu-

pflichten, dass das Verhalten der Mutter der Beschwerdeführerin realitäts-

fremd erscheint. Nachdem der Vater bereits verhaftet worden sei, sei die 

Mutter noch nach Hause zurückgekehrt, da man die Beschwerdeführerin 

gesucht habe und nicht sie (a.a.O., F111). Zudem habe die Mutter keinen 

Ort zum Übernachten gehabt (a.a.O., F112). Daraufhin sei dann jedoch die 

Mutter auch umgehend verhaftet worden. Diese Begründung überzeugt er-

neut nicht, da bereits der Vater an der Stelle der Beschwerdeführerin ver-

haftet worden sei. Zudem mutet seltsam an, dass die Mutter in einer der-

artigen Notlage nicht auch bei der Tante hätte unterkommen können. Fer-

ner hat das SEM zu Recht festgehalten, es sei erstaunlich, dass die Be-

schwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise aus dem Kongo nie versucht habe 

herauszufinden, was mit ihren Eltern passiert sei. Sie sei noch zwei Wo-

E-3911/2021 

Seite 19 

chen bei ihrer Tante verblieben, habe jedoch aus Angst das Haus nicht ver-

lassen und ihr älterer Bruder reise viel (a.a.O., F114 ff.). Es ist nicht nach-

vollziehbar, dass die Beschwerdeführerin nicht versucht habe, über den 

Verbleib der Eltern mehr zu erfahren. Die Ausführungen in der Be-

schwerde, wonach sie gleich nach Ankunft in der Schweiz Kontakt mit dem 

SRK aufgenommen habe (Beschwerde Art. 28), ändern nichts an dieser 

Einschätzung. Aus dem Bericht des SRK geht hervor, dass die Beschwer-

deführerin das SRK erstmals am 12. August 2019 kontaktiert habe (SEM 

Akte 1043432-61/3). Die Beschwerdeführerin reiste bereits am 11. Juni 

2019 in die Schweiz ein und hat somit wiederum zwei Monate nichts unter-

nommen, um Kontakt mit ihrer Familie in Kongo aufzunehmen, bevor sie 

sich an das SRK gewandt hat. Auch scheint es realitätsfremd, dass die 

Beschwerdeführerin, nachdem sie das Video an ihre Freunde verschickt 

habe, keinen Kontakt mehr zu diesen Freunden gehabt hätte (SEM Akte 

A14, F124). Einerseits wäre zu erwarten gewesen, dass sie diese Freunde 

zur Rede gestellt hätte, andererseits sie diese auch gewarnt hätte, da die 

Verbreitung des Videos auch für diese erwartungsgemäss zu Konsequen-

zen hätte führen können.  

7.3 Die Zweifel an den unplausiblen Angaben der Beschwerdeführerin er-

härten sich insbesondere auch durch die Widersprüche, welche sich aus 

den Visumsunterlagen sowie der Botschaftsanfrage ergeben. Entgegen 

den Ausführungen der Beschwerdeführerin (Beschwerde Ziff. 22) liegen 

somit Unterlagen vor, welche gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

sprechen und das SEM stützte sich bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

somit auch auf objektiv festzustellende Ungereimtheiten, welche die Be-

schwerdeführerin nicht nachvollziehbar hat auflösen können. Nach Durch-

sicht der Visaunterlagen von I._______ (SEM Akte 1043432-67/48 [nach-

folgend A67]) und der Beschwerdeführerin (SEM Akte 1043432-17/36 

[nachfolgend A17]) sowie den Nachforschungen der Schweizer Botschaft 

erachtet es das Gericht als wahrscheinlich, dass es sich bei I._______ um 

den Bruder und bei der anderen vor Ort angetroffenen Person um den Va-

ter der Beschwerdeführerin handelt. In der Botschaftsabklärung wurde 

festgehalten, dass ein Nachbar bestätigt habe, dass es sich bei dem Wohn-

haus um den Wohnort von A._______ (Anmerkung des Gerichts: dies ist 

der Vorname der Beschwerdeführerin) und I._______ handle, A._______ 

jedoch derzeit im Ausland sei. Ferner wurde ausgeführt, dass I._______ 

angab, seinen Vater zu holen, diese Person dann jedoch bestritt, der Vater 

zu sein (SEM Akte 1043432-51/12). Auch das Rote Kreuz habe an ihrem 

ehemaligen Wohnort in Kinshasa einen Mann angetroffen. Er habe ausge-

sagt, der Bruder des Vaters der Beschwerdeführerin zu sein (SEM Akte 

E-3911/2021 

Seite 20 

A61/3). Das SEM hat hierzu zutreffend festgehalten, dass es nicht nach-

vollziehbar ist, weshalb die Beschwerdeführerin zunächst eine Suchan-

frage aufgegeben, dann jedoch den angeblich gefundenen Onkel nicht 

kontaktiert habe. Die Ausführungen in der Beschwerde, wonach zwei Quel-

len bestätigt hätten, dass ein Onkel nun am ehemaligen Wohnort der Be-

schwerdeführerin wohnhaft sei und ihre Eltern verschwunden seien (Be-

schwerde Ziff. 27), überzeugen nicht. Vielmehr hat ein Nachbar gegenüber 

dem Mitarbeiter der Schweizer Botschaft bestätigt, dass die Beschwerde-

führerin und I._______ dort wohnen würden, weshalb nicht glaubhaft ist, 

dass die Beschwerdeführerin ihn nicht kennen würde. Unter Berücksichti-

gung der Visumsunterlagen von I._______ kann angenommen werden, 

dass er ihr Bruder ist. Zu diesem Schluss kam auch die Schweizer Bot-

schaft in Kinshasa, nachdem das Visumsgesuch von I._______ eingegan-

gen war (SEM Akte A67, S. 8). Zudem sind die Visaanträge der Beschwer-

deführerin und von I._______ weitestgehend identisch und diverse Schrei-

ben («Acte d’Engagement», «Plan d’Etude», «ma Motivation») weisen 

exakt denselben Wortlaut auf (SEM Akten A17 und A67). Dies lässt es als 

unglaubhaft erscheinen, dass die Beschwerdeführerin I._______ – wie von 

ihr behauptet – nicht kenne. Ferner hat I._______ einleitend gegenüber der 

Vertrauensperson der Botschaft bestätigt, dass sein Vater dort wohne. Vor 

dem Hintergrund, dass somit der Vater der Beschwerdeführerin nicht ver-

schwunden beziehungsweise in Haft ist und sie auch weitere unglaubhafte 

Aussagen zu ihren Familienverhältnissen gemacht hat, sind ihre Asylvor-

bringen mit erheblichen Zweifeln behaftet. 

7.4 In Bezug auf die Frage, ob die Beschwerdeführerin Opfer von Men-

schenhandel geworden ist, vertritt das Gericht die Auffassung, dass dies 

vorliegend offen blieben kann. Die Problematik des Menschenhandels 

knüpft grundsätzlich nicht an ein flüchtlingsrechtliches Merkmal an. Viel-

mehr handelt es sich dabei um ein ausschliesslich gemeinrechtlich moti-

viertes Verbrechen ohne asylrelevantes Motiv (vgl. dazu die Urteile des 

BVGer D-2759/2018 vom 2. Juli 2018 S. 6 f; E-7609/2015  vom 24. Feb-

ruar 2016 E. 5.4; D-1683/2014 vom 12. August 2014 E. 6.2;  

D-5017/2011 vom 20. September 2011 S. 7). Einer möglichen Gefährdung 

ist daher im Rahmen der zu prüfenden Wegweisungsvollzugshindernisse, 

insbesondere nach Art. 3 und 4 EMRK Rechnung zu tragen. Das Gericht 

sieht vorliegend keine Gründe, auf diese Praxis zurückzukommen. Die Er-

lebnisse in Italien sind folglich nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu 

begründen. 

E-3911/2021 

Seite 21 

7.5 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht, 

was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin-

dest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch zu Recht ab-

gelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2  

9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

E-3911/2021 

Seite 22 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in 

den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-

sig. 

9.2.3 Liegen Hinweise für das Vorliegen von Menschenhandel vor, sind 

diese im Rahmen der Wegweisungsvollzugshindernisse nach Art. 83 Abs. 

3 AIG (im Sinne eines Unzulässigkeitskriteriums nach Art. 3 oder 4 EMRK) 

zu prüfen. Das FIZ kam in seinem Einschätzungsbericht vom 4. November 

2019 (SEM Akte 1043432-65/10) zum Schluss, dass die Beschwerdefüh-

rerin Opfer von Menschenhandel geworden sei. Das SEM hat die Wegwei-

sungsvollzugshindernisse in Bezug auf den Menschenhandel nicht weiter 

geprüft, da es der Einschätzung der FIZ, dass die Beschwerdeführerin Op-

fer von Menschenhandel geworden sei, nicht gefolgt ist.  

In Bezug auf den Bericht der FIZ kann wie bereits oben festgestellt vorlie-

gend offenbleiben, ob die Beschwerdeführerin aufgrund der Erlebnisse in 

Italien tatsächlich als Opfer von Menschenhandel zu qualifizieren ist. Nicht 

in Frage steht, dass es sich bei den Vorkommnissen in Italien um schwer-

wiegende und traumatische Erlebnisse handelte. Aus den Akten ergeben 

sich jedoch keine Hinweise, wonach der Beschwerdeführerin bei einer 

Rückkehr nach Kongo das unmittelbare Risiko drohe, erneut rekrutiert oder 

Vergeltungsmassnahmen ausgesetzt zu werden (vgl. BVGE 2016/27 

E. 5.3.1). Entsprechendes hat die Beschwerdeführerin sodann weder im 

Asylverfahren noch gegenüber der FIZ geltend gemacht. Die FIZ hat zwar 

in ihrem Bericht ausgeführt, dass sich die Frage stelle, inwiefern der Mann 

ihrer Tante mit E._______ verbandelt sei und dieser allenfalls noch Schul-

den für die Reise zu begleichen habe, was wiederum eine Gefahr für die 

Beschwerdeführerin darstellen könne (Einschätzungsbericht FIZ vom 

E-3911/2021 

Seite 23 

4. November 2019 Ziff. 7.2). Die Beschwerdeführerin hat indes nicht ange-

geben, je von ihrer Tante oder deren Mann kontaktiert worden zu sein oder 

sich in diesem Zusammenhang vor Nachteilen zu fürchten. Der Einschät-

zung des FIZ, wonach sich die Beschwerdeführerin nur sehr schwer alleine 

zurechtfinden könne und Gefahr laufe, erneut Opfer von Ausbeutung zu 

werden, kann nicht gefolgt werden. Das SEM hat zu Recht ausgeführt, 

dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2018 alleine in die Schweiz gereist 

ist, mit der Absicht, ein Studium zu absolvieren. Dies erweckt nicht den 

Anschein, dass sie erhebliche Mühe habe, sich alleine zurecht zu finden. 

Zudem ist, wie oben dargelegt, nicht glaubhaft geworden, dass sich keiner-

lei Familienangehörigen mehr in Kinshasa befinden würden. Die Aktenlage 

lässt somit nicht darauf schliessen, dass ihr bei einer Rückkehr ein unmit-

telbares Risiko droht, erneut rekrutiert oder Vergeltungsmassnahmen aus-

gesetzt zu werden, welches der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs 

entgegenstehen würde. Auch ist nicht ersichtlich, dass sie aufgrund laufen-

der, strafrechtlicher Ermittlungen in der Schweiz vor Ort sein müsste 

(BVGE 2016/27 E. 6.1). Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor, dass 

die Beschwerdeführerin mit Hilfe der Organisation ASTREE am 10. März 

2021 einen Brief an die Staatsanwaltschaft des Kantons J._______ ge-

schickt hat, mit der Absicht, den Schlepper E._______ anzuzeigen (vgl. 

SEM Akte 1043432-60/4). Weitere Dokumente befinden sich nicht in den 

Akten und auch in der Beschwerde hat sich die Beschwerdeführerin hierzu 

nicht geäussert. Es ist somit nicht ersichtlich, ob überhaupt ein Verfahren 

eingeleitet wurde. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass auf-

grund der geltend gemachten Erlebnisse in Italien nicht auf die Unzuläs-

sigkeit des Vollzugs der Wegweisung geschlossen werden kann. 

9.2.4 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt 

den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-

scheinen. Wie den nachfolgenden Ausführungen (in E. 9.3.5.2) entnom-

men werden kann, können auch die gesundheitlichen Probleme der Be-

schwerdeführerin nicht zur Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung 

führen (vgl. hierzu BVGE 2011/9 E. 7.1, 2009/2 E. 9.1.3, je m.w.H.). 

9.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.3  

9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

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grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.3.2 In Kongo (Kinshasa) herrscht keine landesweite Situation von Krieg, 

Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt; ein Wegweisungsvollzug nach 

Kinshasa kann in der Regel als zumutbar erachtet werden (vgl. Referenz-

urteil BVGer E-731/2016 vom 20. Februar 2017 E. 7.3; bestätigt in jüngster 

Zeit beispielsweise in den Urteilen E-6011/2020 vom 8. Januar 2021 

E. 8.2 f.; E-4739/2020 vom 25. November 2020 E. 9.4 f.; D-7269/2017 vom 

9. Oktober 2020 E. 11.2). 

9.3.3 Das SEM führte zu den individuellen Umständen im Wesentlichen 

aus, dass sich aus den Aussagen zu den Familienverhältnissen zahlreiche 

Ungereimtheiten ergeben hätten und es davon ausgehe, dass sich die fa-

miliären Verhältnisse der Beschwerdeführerin im Heimatland anders ge-

stalten würden, als sie es dargelegt habe. Sie sei eine junge, kinderlose 

Frau, die stets im familieneigenen Haus in Kinshasa gelebt habe. Nach 

Abschluss der Matura habe sie zwei Jahre lang (…) studiert. Später habe 

sie auch Kurse in (…) und (…) besucht. Sie verfüge somit über ein hohes 

Bildungsniveau. Aus ihren Aussagen während der Anhörung sowie aus den 

Visumsunterlagen lasse sich auf einen familiären Zusammenhalt – sowohl 

im Inland als auch im Ausland – und auf finanzielle Ressourcen schliessen. 

Auch ihre psychischen Erkrankungen würden dem Vollzug der Wegwei-

sung nicht entgegenstehen. Sie leide an einer Posttraumatischen Belas-

tungsstörung (PTBS) und sei in psychotherapeutischer Behandlung. Da-

neben nehme sie die Medikamente Sertralin, Valdoxan und Atarax ein. Ge-

mäss verschiedenen Quellen gebe es in ihrem Herkunftsstaat sowohl 

staatliche als auch private Einrichtungen, in welchen man eine psychothe-

rapeutische Behandlung in Anspruch nehmen könne (SEM, Consulting 

médical Congo Kinshasa: traitement d'une schizophrénie paranoïde, Bern, 

07. Mai 2021; SEM, Medizinisches Consulting Demokratische Republik 

Kongo: PTBS mit depressiver Reaktion, Behandelbarkeit in Kinshasa und 

Erhältlichkeit zweier Medikamente, Bern, 25. April 2018). Angesichts ihres 

Vorhabens, ein Bachelorstudium in C._______ zu absolvieren, könne an-

genommen werden, dass die finanziellen Mittel vorhanden seien, um eine 

private medizinische Einrichtung in Kinshasa aufzusuchen. Das Medika-

ment Valdoxan sei zwar im Kongo nicht erhältlich. MedCOI empfehle dafür 

aber zwei alternative Antidepressiva, Venlaflaxin und Mirtazipin. Die beiden 

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weiteren Medikamente, welche sie einnehme (Atarax und Sertralin) seien 

hingegen in Kinshasa erhältlich (SEM, Medizinisches Consulting RD 

Congo: Disponibilité Valdoxan 25 mg, Dépakine 300 mg et Atarax 25 mg, 

Bern, 30. August 2016; SEM, Medizinisches Consulting Demokratische 

Republik Kongo: PTBS mit depressiver Reaktion, Behandelbarkeit in 

Kinshasa und Erhältlichkeit zweier Medikamente, Bern, 25. April 2018). 

Eine Weiterführung der Behandlung der Beschwerdeführerin, inklusive 

derselben Medikation, welche sie in der Schweiz erhalte, sei somit möglich. 

Dass ein temporärer Unterbruch der Therapie, beziehungsweise eine Ver-

lagerung der Therapie nach Kinshasa, nicht optimal wäre, sei für das SEM 

durchaus ersichtlich. Unzumutbar im Sinne des Asylrechts sei der Vollzug 

der Wegweisung deswegen jedoch nicht. 

9.3.4 In der Beschwerde wird moniert, der Vollzug der Wegweisung sei un-

zumutbar, da die Beschwerdeführerin an psychischen Beeinträchtigungen 

leide. Sie habe Angst vor Männern, was zu einem sozialen Rückzug führe. 

Sie sei vulnerabel und eine Rückkehr in den Kongo sei unmöglich. 

9.3.5  

9.3.5.1 Das Gericht schliesst sich den Einschätzungen des SEM an und 

erachtete den Wegweisungsvollzug auch in individueller Hinsicht als zu-

mutbar. Angesichts des Bildungsstands der Beschwerdeführerin ist davon 

auszugehen, dass es ihr möglich sein dürfte, in ihrem Heimatstaat einer 

Arbeit nachzugehen und für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Auf-

grund der Aktenlage kann zudem angenommen werden, dass die Be-

schwerdeführerin über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt, welches 

sie bei einer Wiedereingliederung zu Beginn unterstützen könnte. Die Er-

wägungen des SEM sind zu bestätigen, und auch das Gericht geht nicht 

davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr in eine exis-

tenzbedrohende Situation geraten würde. 

9.3.5.2 In Bezug auf die geltend gemachten medizinischen Probleme der 

Beschwerdeführerin ist zunächst festzuhalten, dass nur dann auf Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn 

eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-

gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden 

Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes führen würde. Dabei wird als 

wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erach-

tet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz notwen-

dig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht vor, wenn im Heimat- oder Her-

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Seite 26 

kunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende me-

dizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, m.w.H.; u.a. 

E-3954/2018 vom 24. Juli 2018 E. 9.4.2). 

Die Einschätzung des SEM ist zu bestätigen, wonach die geltend gemach-

ten psychischen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin keine Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs begründen können. Gemäss dem 

letzten eingereichten Arztbericht vom 27. Januar 2021 leidet die Beschwer-

deführerin an einer PTBS und ist bis auf weiteres auf eine Psychotherapie 

und auf Medikamente angewiesen (SEM Akte 1043432-59/6). Das SEM 

hat sorgfältig geprüft und begründet, dass eine psychotherapeutische Be-

handlung von Personen mit einer diagnostizierten PTBS in Kinshasa vor-

handen ist. Die Medikamente, welche die Beschwerdeführerin gemäss 

dem letzten Arztbericht vom 27. Januar 2021 (a.a.O.) einnimmt, sind in 

Kinshasa ebenfalls erhältlich beziehungsweise stehen Alternativen zu Ver-

fügung. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die Erwägungen des 

SEM verwiesen werden. Auch das Bundesverwaltungsgericht geht in sei-

ner Rechtsprechung davon aus, dass psychische Erkrankungen in ver-

schiedenen Einrichtungen in Kinshasa behandelt werden können. Diesbe-

züglich ist beispielsweise auf das «Centre Neuro-Psycho-Pathologie» 

(CNPP) du Mont Amba in Kinshasa zu verweisen. Auch in dem von katho-

lischen Nonnen unterhaltenen «Centre de Santé Mentale TELEMA» oder 

bei Psychologen internationaler Organisationen ist eine Behandlung mög-

lich (vgl. Urteile BVGer D-7269/2017 vom 9. Oktober 2020 E.11.3.3;  

E-7609/2015 vom 24. Februar 2016 vom E.7.2.3 je m.w.H.). Dabei ist nicht 

erforderlich, dass die Behandlung dem schweizerischen Standard ent-

spricht (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Es bestehen demnach keine Anhalts-

punkte dafür, dass die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden 

Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin füh-

ren würde. Entsprechendes wurde sodann in der Beschwerde auch nicht 

konkret vorgebracht. 

Im Übrigen steht es der Beschwerdeführerin im Rahmen der Rückkehr of-

fen, vor der Ausreise bei der Vorinstanz einen Antrag auf individuelle me-

dizinische Rückkehrhilfe, welche in der Form der Mitgabe von Medikamen-

ten, oder auch der Übernahme von Kosten für notwendige Therapien, be-

stehen kann, zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst.  d AsylG; Art. 75 der Asyl-

verordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV2, SR 142.312]). 

9.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

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Seite 27 

9.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

Auch die Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht entge-

gen. Ihr ist im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Be-

hörden Rechnung zu tragen, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der 

Situation im Heimatland angepasst wird. 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den 

vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, 

womit die kumulativen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht er-

füllt sind. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 28 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Tina Zumbühl 

 

 

Versand: