# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7e149a70-1df1-5f8a-9913-358ef0607272
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 08.04.2022 SST.2021.246
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-246_2022-04-08.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2021.246 

(ST.2020.153; STA.2019.3546) 

 

 

Urteil vom 8. April 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiberin i.V. Flütsch        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

    
    

Beschuldigte   A._____,  

geboren am tt.mm.1971, von Bottenwil und Däniken 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Vida Hug,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erliess gegen die Beschuldigte am 

2. Oktober 2020 den folgenden Strafbefehl: 

 

 "Sachverhalt: 
 
- Vorsätzliche Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht 
 
Anlässlich einer am 2. August 2019 am Wohnsitz der Familie A. […] in S. 
durchgeführten Hausdurchsuchung wurden prekäre Verhältnisse 
festgestellt. Die Liegenschaft war zu diesem Zeitpunkt kaum bewohnbar. 
Überall lag Müll, Dreck, ungewaschene Kleidung, Essensreste, Katzenkot, 
etc. Die gleichen Verhältnisse herrschten im Kinderzimmer der 
gemeinsamen Tochter E. (geb. tt.mm.2005), welche zu diesem Zeitpunkt 
ebenfalls in der Familienwohnung wohnte. Auch das Kinderzimmer von F. 
(geb. tt.mm.2003), welche zu diesem Zeitpunkt jeweils die Wochenenden 
in der Familienwohnung verbrachte, war vollkommen zugemüllt und 
dreckig. Zudem wurde am Dachfenster massiver Schimmel festgestellt. 
Als Verantwortliche für die entsprechenden Wohnverhältnisse haben die 
Beschuldigte und der Kindsvater B. mit Wissen und Willen (zumindest 
haben sie dies in Kauf genommen) ihre Fürsorge- resp. Erziehungspflicht 
gegenüber den zwei gemeinsamen Töchtern verletzt und vernachlässigt. 
Dadurch haben sie die körperliche und seelische Entwicklung von E. und 
F. mit Wissen und Willen gefährdet. Zumindest haben sie dies in Kauf 
genommen. 
 
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
 
Art. 219 Abs. 1 StGB 
 
 
Die Beschuldigte wird verurteilt zu: 
 
1. Einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 110.00, bedingt 

aufgeschoben bei einer Probezeit von 3 Jahren, abzüglich 8 Tage 
Untersuchungshaft, womit sich die Tagessätze auf 92 Tage und der 
Geldstrafenbetrag auf CHF 10'120.00 reduzieren. 

 
2. Einer Busse von CHF  2'500.00. 
 Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 23 Tagen. 
 
3. Den Kosten 
 - Strafbefehlsgebühr CHF  1'000.00 
 
 Rechnungsbetrag CHF  3'500.00 
 
 Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls 

eingehen, wird separat verfügt. 
 
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 - 3 - 

 

 

 
5. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen. 
 
6. Die unbezifferten Zivilforderungen von E. und F. werden auf den 

Zivilweg verwiesen." 
 

 

1.2. 

Gegen diesen Strafbefehl erhob die Beschuldigte am 7. Oktober 2020 

Einsprache. Mit Verfügung vom 3. November 2020 hielt die 

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm an ihrem Strafbefehl fest und überwies 

die Akten an das Bezirksgericht Zofingen zur Durchführung des 

Hauptverfahrens. 

 

2. 

2.1. 

Mit Verfügung vom 1. Dezember 2020 hielt der Präsident des 

Bezirksgerichts Zofingen fest, dass das Strafverfahren gegen die 

Beschuldigte zusammen mit jenem gegen den Mitbeschuldigten B. 

(Ehemann der Beschuldigten) verhandelt werde. 

 

2.2. 

Die Hauptverhandlung betreffend das vorliegende Verfahren und das 

Verfahren gegen den Mitbeschuldigten B. fand am 10. Mai 2021 vor dem 

Präsidenten des Bezirksgerichts Zofingen statt. Beide Parteien wurden 

befragt. 

 

2.3. 

Die Privatklägerinnen 1 und 2 stellten anlässlich der Hauptverhandlung 

vom 10. Mai 2021 die folgenden Anträge: 

 

"1. Die Beschuldigte 1, A., sei gemäss Anklage schuldig zu sprechen und 
angemessen zu bestrafen. 

 
 2. Der Beschuldigte 2, B., sei gemäss Anklage schuldig zu sprechen und 

angemessen zu bestrafen. 
 
 3. Die vom unentgeltlichen Vertreter der Zivil- und Strafklägerinnen 1 und 

2 geltend gemachte Parteientschädigung sei auf die Staatskasse zu 
nehmen und von den beiden Beschuldigten 1 und 2 in solidarischer 
Haftbarkeit zurückzufordern, sobald es deren wirtschaftliche 
Verhältnisse zulassen. 

 
 Eventualiter sei auf die Anordnung einer Nachzahlung der zugunsten 

der Zivil- und Strafklägerinnen 1 und 2 gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege i.S.v. Art. 30 Abs. 3 OHG zu verzichten. 

 
 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschuldigten 1 

und 2." 
 

 - 4 - 

 

 

2.4. 

Die Beschuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung vom 10. Mai 2021 

sinngemäss folgende Anträge: 

 

 "1. Die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 
 
2. Für die ausgestandene Untersuchungshaft von 8 Tagen sei die 

Beschuldigte angemessen zu entschädigen. 
 
3. Die Zivil- und Strafklägerinnen 1 und 2 seien durch den Staat für die 

entstandene Unbill angemessen zu entschädigen. 
 
4. Die Gerichtskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. 
 
5. Die Kosten für die Entschädigung der amtlichen Verteidigung seien zu 

Lasten der Staatskasse zu nehmen." 
 

2.5. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Zofingen erkannte gleichentags: 

 

 "1. 
Die Beschuldigte ist schuldig der Verletzung der Fürsorge- oder 
Erziehungspflicht gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB. 
 
2. 
2.1. 
Die Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 219 Abs. 1 StGB und gestützt 
auf Art. 34 und 47 StGB zu 60 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Der 
Tagessatz wird auf Fr. 30.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf 
Fr. 1'800.00. 
 
2.2. 
Die Untersuchungshaft von 8 Tagen (02.08.2019 - 09.08.2019) wird gestützt 
auf Art. 51 StGB auf die Geldstrafe angerechnet. 
 
3. 
Der Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 
bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf 
Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 
 
4. 
4.1. 
Die Anklagegebühr wird auf Fr. 500.00 festgesetzt und der Beschuldigten 
auferlegt. 
 
4.2. 
Die weiteren Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
a) der anteilsmässigen Gerichtsgebühr Fr. 1'000.00 
b) den kosten für die amtliche Verteidigung Fr.  3'900.00 
c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung Fr. 1'046.75 
d)  den Spesen Fr. 60.00
    
Total Fr. 6'006.75 
 

 - 5 - 

 

 

Der Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. a und d 
im Gesamtbetrag von Fr. 1'060.00 auferlegt. 
 
4.3. 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung gemäss lit. b in der Höhe von 
Fr. 3'900.00 (exkl. MwSt.) werden einstweilen von der Gerichtskasse 
bezahlt. Die Beschuldigten sind verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten 
für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen 
Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
4.4. 
Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Zivil- und 
Strafklägerinnen 1 und 2 gemäss lit. c in der Höhe von Fr. 1'046.75 (inkl. 
Fr. 74.85 MwSt.) werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. 
 
Die Beschuldigte wird unter solidarischer Haftbarkeit mit dem 
Mitbeschuldigten B. verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 
unentgeltliche Verbeiständung der Zivil- und Strafklägerinnen von 
Fr. 1'046.65 zurückzuzahlen (Art. 138 Abs. 2 sowie Art. 426 Abs. 4 StPO). 
 
5. 
5.1. 
Die Genugtuungsforderung der Beschuldigten wird abgewiesen. 
 
5.2. 
Die übrigen Entschädigungsforderungen werden abgewiesen, soweit darauf 
einzutreten ist. 
 
6. 
Die Beschuldigte trägt ihre Kosten selber." 
 

3. 

Mit Eingabe vom 25. Mai 2021 meldete die Beschuldigte Berufung gegen 

das ihr gleichentags im Dispositiv zugestellte Urteil an. Das begründete 

Urteil wurde ihr in der Folge am 14. Oktober 2021 zugestellt. 

 

4. 

4.1. 

Mit undatierter, beim Obergericht am 2. November 2021 eingegangener 

Berufungserklärung stellte die Beschuldigte folgende Anträge: 

 

 "1. 
Die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 
 
Eventualiter sei von einer Bestrafung Umgang zu nehmen. 
 
2. 
Die ausgestandene Untersuchungshaft von 8 Tagen seien der Beschuldigten 
angemessen zu entschädigen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates für das 
vorinstanzliche sowie obergerichtliche Verfahren." 

 

 - 6 - 

 

 

4.2. 

Mit Eingabe vom 12. November 2021 teilte die Staatsanwaltschaft 

Zofingen-Kulm ihren Verzicht sowohl auf einen Nichteintretensantrag als 

auch auf eine Erklärung der Anschlussberufung mit. 

 

4.3. 

Mit Verfügung vom 3. Dezember 2021 ordnete die Verfahrensleiterin im 

Einverständnis der Parteien das schriftliche Berufungsverfahren an. 

 

4.4. 

Mit Berufungsbegründung vom 5. Januar 2022 hielt die Beschuldigte an 

ihren Anträgen in der Berufungserklärung fest. 

 

4.5. 

Mit Berufungsantwort vom 17. Januar 2022 stellte die Staatsanwaltschaft 

Zofingen-Kulm den Antrag, die Berufung der Beschuldigten sei unter 

Kostenfolge abzuweisen. 

 

4.6. 

Mit Eingabe vom 28. Januar 2022 liess sich die Beschuldigte ein weiteres 

Mal vernehmen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschuldigte beantragt, sie sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

Eventualiter sei von einer Bestrafung Umgang zu nehmen. Das 

vorinstanzliche Urteil ist somit vollumfänglich zu überprüfen 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat die Beschuldigte der Verletzung der Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Sie 

kam zum Schluss, dass sich der Haushalt der Beschuldigten und ihres 

mitbeschuldigten Ehemannes […] in S. in einem für ihre Kinder E. und F. 

(vormals Privatklägerinnen 1 und 2) unzumutbaren Zustand befunden 

habe, zumal die Liegenschaft anlässlich einer am 2. August 2019 

durchgeführten Hausdurchsuchung völlig überstellt und verdreckt gewesen 

sei. Indem die Beschuldigte es über einen längeren Zeitraum hinweg 

unterlassen habe, diesen unhaltbaren Zustand selbst zu beheben oder 

dafür Hilfe in Beanspruchung zu nehmen, habe sie eine konkrete 

Gefährdung der Entwicklung ihrer Kinder in Kauf genommen und ihre 

Erziehungs- oder Fürsorgepflicht verletzt (vgl. Urteil E. 4.1 ff.). 

 

 - 7 - 

 

 

2.2. 

Die Beschuldigte bestreitet, ihre Erziehungs- oder Fürsorgepflicht 

gegenüber ihren Kindern verletzt zu haben. Zwar sei das Haus 

zugestandenermassen zugemüllt und unordentlich gewesen. Allerdings 

müsse mit Nichtwissen bestritten werden, dass das Umfeld den 

hygienischen Anforderungen nicht genügt habe und somit eine konkrete 

Gefährdung der physischen Bedürfnisse der Kinder vorgelegen habe. Die 

Beschuldigte sei sich zu keiner Zeit bewusst gewesen, noch habe sie je in 

Kauf genommen, ihre Kinder in irgendeiner Form zu gefährden. Weiter sei 

die vorinstanzliche Strafzumessung unangemessen, indem sie mit ihrem 

mitbeschuldigten Ehemann zu gleichen Teilen zur Verantwortung gezogen 

werde. Sie habe nachweislich die Hauptlast als Mutter und Hausfrau 

getragen (vgl. Berufungsbegründung S. 2 f.). 

 

3. 

Der zu beurteilende Sachverhalt betrifft die anlässlich einer am 2. August 

2019 durchgeführten Hausdurchsuchung angetroffene Wohnsituation in 

der Liegenschaft […] in S.. Die Beschuldigte und ihr mitbeschuldigter 

Ehemann bewohnten diese Liegenschaft mit ihrer Tochter F. (geb. 

tt.mm.2003) und E. (geb. tt.mm.2005), wobei F. ab März 2017 jeweils drei 

Tage pro Woche in einer WG der K. in U. verbrachte (vgl. vorinstanzliche 

Akten [VA] act. 46). Der Zustand der Räumlichkeiten des Hauses wurde 

durch die Kantonspolizei umfassend fotografisch dokumentiert (vgl. 

Untersuchungsakten [UA] act. 88 ff.) und von der Beschuldigten 

grundsätzlich nicht bestritten. 

 

Zu prüfen ist, ob sich die Beschuldigte auf Grundlage der am 2. August 

2019 vorgefundenen Wohnverhältnisse der Verletzung ihrer Erziehungs- 

oder Fürsorgepflichten gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB strafbar gemacht hat. 

 

4. 

4.1. 

Die Kantonspolizei Aargau führte am 2. August 2019 eine 

Hausdurchsuchung in der Liegenschaft der Beschuldigten und ihres 

mitbeschuldigten Ehemanns […] in S. durch (vgl. UA act. 88 f.). Dort fand 

sie das Wohnhaus in einem prekären Zustand vor. Wie auf der erstellten 

Fotodokumentation ersichtlich ist, waren praktisch sämtliche 

Räumlichkeiten komplett mit verschiedenen Materialien, Gegenständen 

und Abfall zugestellt. Dies begann bereits im Eingangsbereich, in welchem 

sich Kleidung, Schuhe und andere Gegenstände türmten (vgl. UA act. 89). 

Das Wohnzimmer war mit verschiedensten Papierstapeln, Spielsachen, 

Büchern, Kisten, Taschen etc. übersäht, sodass sich kaum noch Platz bot, 

um sich durch den Raum zu bewegen. Der Unrat türmte sich dabei teilweise 

regelrecht auf (vgl. UA act. 90). Wohnzimmermöbel, wie das Sofa, ein Tisch 

und dazugehörige Hocker, waren komplett zugestellt und dadurch kaum 

mehr erkennbar (vgl. UA act. 90). Selbiges Bild präsentierte sich in der 

 - 8 - 

 

 

Küche, in welcher sämtliche Ablageflächen mit Lebensmitteln, 

Essensresten und Abfall übersäht waren. Der von obigen Gegenständen 

einigermassen freiliegende Bereich des Küchenbodens war zudem stark 

verschmutzt (vgl. UA act. 92 f.). Die Badewanne im grösseren Badezimmer 

war ebenfalls stark verunreinigt und bis über den Rand mit 

Kartonschachteln, Papiertuchpackungen und sonstigen Gegenständen 

gefüllt, wodurch eine Benutzung nicht möglich war. Ausserdem befanden 

sich neben der Wanne diverse volle Müllsäcke. Auf dem 

Badezimmerboden unter dem Waschtisch befanden sich Futternäpfe der 

Katzen und eine Katzenkiste. Auch dieser Bereich war stark verschmutzt, 

wobei nicht erkennbar ist, ob es sich dabei um Katzenkot und bzw. oder -

futter handelte (vgl. UA act. 96). Das Kinderzimmer von E. war mit Ordnern, 

leeren Kisten, Schachteln und sonstigem Abfall zugemüllt, sodass nur der 

Türbereich und der Bereich zwischen den zwei verschmutzten Matratzen 

frei begehbar war. Auf den Matratzen fehlten die Bettbezüge und Kissen 

(vgl. UA act. 95). Ähnlich sah das Kinderzimmer von F. aus, welches 

ebenfalls komplett mit Karton, Papier, diversen Gegenständen und Abfall 

zugestellt und somit kaum begehbar war. Das Etagenbett war mit Büchern, 

Abfallsäcken und anderem Material vollends bedeckt und deshalb 

unbenutzbar (vgl. UA act. 102). Als Schlafplatz bot sich lediglich eine stark 

beschädigte Schaumstoffmatratze am Boden, mit komplett zerrissenem 

Bezug und verschmutzter Bettdecke und Kissen (vgl. UA act. 104). 

Ausserdem war das Dachfenster im Kinderzimmer dreckig und 

augenscheinlich stark von schwarzem Schimmel befallen (vgl. UA act. 

104).  

 

Der oben beschriebene Zustand starker Unordnung und Verschmutzung 

zeigte sich generell auch in den restlichen Räumlichkeiten des 

Wohnhauses, namentlich im Elternschlafzimmer, im kleinen Bad, auf 

Treppen, in der Waschküche und im Keller sowie auf dem Gartensitzplatz 

(vgl. UA act. 89, UA act. 94, UA act. 98 ff., UA act. 106 ff.). 

 

4.2. 

Zur in Ziff. 4.1. beschriebenen Wohnsituation sagte die Beschuldigte im 

Wesentlichen bereits an ihrer Ersteinvernahme vom 2. August 2019 aus, 

dass ihr der unordentliche Zustand im Haus bewusst sei (vgl. UA act. 309 

f.). Ihr seien die Kinder wichtiger als der Haushalt. Sie wisse, dass man das 

Haus wieder einmal "entrümpeln" müsse, allerdings würden sie und der 

Ehemann (Mitbeschuldigter) 100% arbeiten. Falls seitens der Behörden 

eine Putzfrau angeordnet würde, frage sie sich, wer dies finanzieren sollte. 

Der Witz sei, dass sie und ihre Tochter E. die Unordnung schon aufräumen 

würden, aber sie wolle nicht, dass nur sie beide das erledigen würden. Das 

Haus sei vielleicht verwahrlost, die Kinder jedoch nicht, da sie ärztliche 

Versorgung, zwei Mahlzeiten und Spielzeug hätten (vgl. UA act. 309). 

Anlässlich der Befragung an der Hauptverhandlung vom 10. Mai 2021 

bestätigte die Beschuldigte ihre Aussagen der Ersteinvernahme im 

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Wesentlichen (vgl. VA act. 83 ff.): Sie habe gewusst, dass aufgeräumt 

werden müsse, deshalb hätten sie auch schon verschiedene Firmen für 

Mulden angeschaut (vgl. VA act. 84). Für die Verhältnisse im Haus seien 

beide, d.h. die Beschuldigte und ihr Ehemann (Mitbeschuldigter), 

verantwortlich (vgl. VA act. 85). Es sei abgemacht worden, dass beide 

Elternteile im Haushalt mithelfen sollten. Der Mann habe jeden Tag warme 

Mahlzeiten gekocht, das Kochen sei aber jeweils eine Kunst gewesen (vgl. 

VA act. 83 f.). Sie habe jeweils geputzt, je nach zeitlicher Situation hätten 

beide mitgeholfen. Gewaschen habe sie (vgl. VA act. 83). Diese 

Aufgabenteilung bestätigte auch ihr mitbeschuldigter Ehemann anlässlich 

seiner Befragung (vgl. VA act. 78). Bezüglich des Kinderzimmers von F. 

habe sie zwar gesagt, dass sie wegen einem neuen Bett schauen müssten, 

aber F. sei es in diesem Bett "wohl" gewesen. Sie habe sich eine Art Nest 

gemacht. Sie wisse, dass sie das Bettzeug und Kissen wieder einmal 

waschen sollte, aber sie habe dies erst vor einem Monat getan. Die Löcher 

habe F. selbst gemacht (vgl. UA act. 309 f., vgl. VA act. 84). Auf die Frage, 

ob ihr bewusst gewesen sei, dass Schimmelpilz zu Krankheiten führen 

könne, antwortete die Beschuldigte mit "Jein". Es gebe verschiedene 

Schimmelarten. Sie sei im Internet nachschauen gegangen und da sei 

rausgekommen, dass er verschiedene Krankheiten hervorrufen könne (vgl. 

VA act. 85). Insgesamt beurteile sie das Umfeld für die Kinder als eigentlich 

nicht so gut, sie habe sich aber immer wieder um eine Verbesserung 

bemüht und es probiert, so gut es gegangen sei. Einen perfekten Haushalt 

mit Kindern gebe es nicht (vgl. VA act. 85 f.). 

 

5. 

5.1. 

Gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer seine Fürsorge- 

oder Erziehungspflicht gegenüber einer minderjährigen Person verletzt 

oder vernachlässigt und sie dadurch in ihrer körperlichen oder seelischen 

Entwicklung gefährdet. Das geschützte Rechtsgut ist mithin die körperliche 

und geistige Integrität der minderjährigen Person (vgl. ECKERT, in: Basler 

Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 2 zu Art. 219 StGB).  

 

5.2. 

5.2.1. 

In objektiver Hinsicht muss der Handelnde von Gesetzes wegen eine 

Fürsorgepflicht gegenüber der minderjährigen Person innehaben, d.h. er 

muss eine Garantenstellung einnehmen. Dieses Kriterium erfüllen unter 

anderem die Eltern der minderjährigen Person (vgl. ECKERT, a.a.O., N. 3 ff. 

zu Art. 219 StGB). Der Handelnde muss sodann seine Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht verletzen. Als Fürsorge im Sinne der Bestimmung ist in 

erster Linie die Befriedigung verschiedenster Grundbedürfnisse, darunter 

Nahrung, Kleider, Unterkunft, Zuneigung, Liebe usw. zu verstehen. 

Darüber hinaus kann die Gefährdung der körperlichen und seelischen 

Entwicklung der minderjährigen Person als Leitlinie dienen. Es werden jene 

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Pflichtverletzungen erfasst, die über einen gewissen Zeitraum betrachtet 

dazu führen können, dass eine Gefährdung eintritt. Das deliktische 

Verhalten kann dabei in einem Tun oder Unterlassen liegen; Letzteres 

bspw. in Fällen, in welchen ein Täter nicht für das Kind sorgt oder bei 

drohenden Gefahren nicht die sich aufdrängenden Sicherheitsmass-

nahmen ergreift (vgl. BGE 125 IV 64 E. 1a). Nicht erforderlich ist, dass das 

Verhalten der betroffenen Person zu einer tatsächlichen körperlichen oder 

seelischen Beeinträchtigung führt. Bei der Verletzung der Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht handelt es sich somit nicht um ein Erfolgs-, sondern um 

ein konkretes Gefährdungsdelikt (vgl. ECKERT, a.a.O., N. 8 ff. zu Art. 219 

StGB). Der Gesetzgeber verzichtete bewusst darauf, nur schwerwiegende 

Gefährdungen zu erfassen. Gleichwohl hat sich die Anwendung angesichts 

des weitgefassten Begriffs insbesondere der seelischen Entwicklung auf 

gravierende Einzelfälle zu beschränken (vgl. ECKERT, a.a.O., N. 10 zu Art. 

219 StGB). 

 

5.2.2. 

Bei der Beschuldigten handelt es sich um die Mutter und somit 

Erziehungsberechtigte der beiden im Tatzeitpunkt vom 2. August 2019 

minderjährigen Kinder F. (geb. tt.mm.2003) und E. (geb. tt.mm.2005). Wie 

bereits die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, trifft sie zweifelsohne eine 

Erziehungs- und Fürsorgepflicht gegenüber den beiden Kindern, welche 

den Unterhalt des Familienhaushalts […] in S. miteinschliesst (vgl. Urteil E. 

4.1). 

 

5.2.3. 

Der Art. 219 StGB bezweckt den Schutz der physischen und psychischen 

Integrität von Minderjährigen. Nebst den Grundbedürfnissen wie Nahrung, 

Kleidung oder Unterkunft, sollen Minderjährige die Möglichkeit haben, sich 

körperlich und geistig frei und ungefährdet zu entwickeln (vgl. Ziff. 5.2.1). 

Dies setzt unter anderem geordnete Lebensverhältnisse voraus. Die am 2. 

August 2019 vorgefundene Wohnsituation im Haus der Beschuldigten war 

der gesunden Entwicklung der Kinder F. und E. indessen in mehrfacher 

Weise hinderlich. Unter den vorherrschenden Umständen hatten die Kinder 

weder den nötigen Platz noch die nötige Ordnung, um sich zurückzuziehen, 

konzentriert Hausaufgaben zu machen oder zu spielen. Vielmehr waren sie 

in jedem Zimmer, insbesondere in ihren Kinderzimmern und dem 

Wohnzimmer, von überaus chaotischen Zuständen umgeben. Sämtliche 

dieser Räume waren komplett mit verschiedenstem Material und Abfall 

vollgestellt und es herrschte allgemein eine massive Unordnung (vgl. UA 

act. 90 f., UA act. 95, UA act. 102 ff.). Im Wohnzimmer türmten sich 

Abfallberge teilweise hüfthoch, sodass Möbel kaum mehr sichtbar waren 

und ein gemütliches bzw. komfortables Verweilen entsprechend nicht 

möglich war (vgl. UA act. 90 f.). So dürfte es aufgrund der durch Müll und 

diversen Gegenständen eingeschränkten Platzverhältnisse nur schon 

schwierig gewesen sein, sich frei durch das Haus zu bewegen, was bereits 

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aufgrund der schmalen, freigeschaufelten Wege ersichtlich ist (vgl. UA act. 

90 f., UA act. 93, UA act. 95, UA act. 103 ff.). Weiter verdeutlicht wird dieser 

eingeengte Zustand insbesondere durch die Tatsache, dass die Tochter F. 

aufgrund des Mülls nicht in ihrem eigentlichen Etagenbett schlafen konnte 

und stattdessen auf eine stark beschädigte Matratze am Boden 

ausweichen musste (vgl. UA 102 ff.). Unter vorgenannter Unordnung litt 

zudem offensichtlich auch die allgemeine Hygiene im Haushalt; dies unter 

anderem an offenkundig besonders hygieneempfindlichen Orten wie in der 

Küche, in den Nasszellen und in den Kinderzimmern, welche teilweise stark 

verdreckt waren (vgl. UA act. 92 f., UA act. 96 f.). Insbesondere in F.s 

Kinderzimmer war der Schimmelbefall am Dachfenster bereits so stark 

ausgeprägt, dass er bereits aus einer Distanz klar sichtbar war (vgl. UA act. 

103 f.). Ausserdem waren die Schlafplätze der Kinder, sofern überhaupt mit 

Bettwäsche ausgestattet, stark beschädigt und sichtbar verschmutzt (vgl. 

UA act. 95, UA act. 104). 

 

Alles in allem herrschten am 2. August 2019 […] in S. Zustände, welche es 

den Kindern offensichtlich verunmöglicht haben, sich frei und nach den 

eigenen Bedürfnissen einzurichten und zu bewegen. Der Grad an 

Unordnung und Schmutz sowie die komplett vernachlässigten Schlafplätze 

der Kinder überschritten dabei die Schwelle einer noch annehmbaren 

Wohnsituation für Kinder bei Weitem. Des Weiteren stellte der nicht 

behobene, bereits ausgeprägte Schimmelpilzbefall im Kinderzimmer eine 

konkrete Gesundheitsgefährdung für die Kinder dar. In diesem Sinne ist 

von einem von der Lehre geforderten, gravierenden Einzelfall auszugehen 

(vgl. Ziff. 5.2.1). 

 

5.2.4. 

Der Einwand der Beschuldigten, die Kinder hätten nachweislich keine 

gesundheitlichen Probleme gehabt und eine konkrete Gefährdung sei 

deshalb nicht vorgelegen, verfängt nicht. Unter Art. 219 Abs. 1 StGB 

werden bereits konkrete Gefährdungen, welche vorliegend zu bejahen 

sind, erfasst. Eine tatsächliche Beeinträchtigung wird nicht verlangt (vgl. 

Ziff. 5.2.1). Ebenso wenig verfängt der Einwand, das Mass und die 

Intensität des Schimmelpilzbefalls seien nirgends konkret umschrieben und 

insofern zu vernachlässigen, dass F. oftmals gar nicht in ihrem Zimmer 

geschlafen habe (vgl. Berufungserklärung, S. 2). Schimmelpilz ist 

gemeinhin als gesundheitsgefährdend bekannt, was auch die Beschuldigte 

zumindest teilweise anerkannte (vgl. VA act. 85). Ausserdem lag bereits 

ein ausgesprochen ausgeprägter Befall vor: Der schwarze Schimmel war 

äusserst gut sichtbar und hätte ungeachtet dessen, ob F. täglich im Zimmer 

übernachtete oder nicht, entfernt werden müssen, um eine gesundheitliche 

Gefährdung des Kindes zu vermeiden. 

 

 - 12 - 

 

 

5.2.5. 

Die Beschuldigte hat es zugelassen, dass sich ihr Haushalt […] in S. in 

einem für Kinder unzumutbaren Zustand befand. Als Folge der massiven 

Unordnung und der teilweise sehr unhygienischen Zustände in der 

Wohnung war die gesunde physische und psychische Entwicklung der 

Töchter F. und E. konkret gefährdet. Der objektive Tatbestand von Art. 219 

Abs. 1 StGB ist erfüllt. 

 

5.3. 

5.3.1.  

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 219 Abs. 1 StGB vorsätzliches Handeln, 

wobei Eventualvorsatz genügt. Der Handelnde muss sich seiner 

Garantenstellung bewusst sein und wissen, dass er seine Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht verletzt. Der Vorsatz muss sich auf die Gefährdung 

erstrecken (vgl. ECKERT, a.a.O., N. 11 zu Art. 219 StGB). 

 

5.3.2. 

Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschuldigten in Bezug auf ihre Kinder 

F. und E. keine direkte Gefährdungsabsicht vorgeworfen werden kann. Aus 

ihren Aussagen geht jedoch hervor, dass sie sich sowohl ihrer 

Verantwortung als Mutter als auch der unhaltbaren Zustände im Haus 

durchaus bewusst war. So gab sie an, sie sei zusammen mit ihrem 

mitbeschuldigten Ehemann für die Haushaltführung verantwortlich 

gewesen. Man habe abgemacht, dass man sich die Aufgaben teile. Bei 

Problemen habe man einander geholfen. Er habe gekocht, sie habe 

geputzt und gewaschen. Eingekauft habe man zusammen (vgl. VA 83 f.). 

Die Aufgabenteilung zwischen den Elternteilen wurde offenbar tatsächlich 

gelebt. Ausserdem sagte die Beschuldigte aus, sie sei mit dem Zustand 

des Haushalts eigentlich nicht zufrieden gewesen und habe gedacht, dass 

aufgeräumt werden müsse (vgl. VA act. 83 ff., vgl. UA act. 309). Die 

Beschuldigte gab verschiedene Gründe an, weshalb sie dies nicht getan 

habe. So führte sie einerseits mangelnde Zeit aufgrund ihres 

Vollzeitpensums an (vgl. UA act. 309), bemerkte jedoch an anderer Stelle, 

dass sie ohne Weiteres hätte aufräumen können, dies aber nur deshalb 

nicht getan habe, weil sie es nicht alleine mit ihrer Tochter habe erledigen 

wollen (vgl. UA act. 309). E. habe das schönste Zimmer gehabt und "die 

anderen" hätten es versaut. Sie (die Beschuldigte) habe dann gesagt, sie 

räume nicht auf, ansonsten alles gleich wieder zugemüllt werde (vgl. UA 

act. 316). Alles in allem ergibt sich ein Bild der Beschuldigten, welche zwar 

durchaus gewusst hat, dass Handlungsbedarf bestand, diesen aber 

bewusst nicht in Angriff genommen hat. Sofern sich die Beschuldigte mit 

ihrer Verantwortung überfordert fühlte, wäre sie gehalten gewesen, 

entsprechende Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nach dem Gesagten hat die 

Beschuldigte mit ihrem Verhalten in Kauf genommen, dass ihre Töchter F. 

und E. in einem für sie schädlichen Umfeld aufwachsen. Sie hat sie dadurch 

 - 13 - 

 

 

in ihrer Entwicklung gefährdet. Der subjektive Tatbestand von Art. 219 Abs. 

1 StGB ist ebenfalls zu bejahen. 

 

5.4. 

In Bezug auf mögliche schuldausschliessende Gründe gemäss Art. 19 Abs. 

1 StGB ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass es der Beschuldigten 

in Bezug auf die angeklagten Vorwürfe weder an der Einsichtsfähigkeit 

noch an der Steuerungsfähigkeit gefehlt hat (vgl. Urteil E. 4.3). Dies ergibt 

sich einerseits aus ihren Aussagen, wonach sie sich bewusst gewesen sei, 

dass aufgeräumt werden müsse und der Zustand des Haushalts für die 

Kinder nicht gut gewesen sei (vgl. Ziff. 4.2; vgl. Ziff. 5.3.2), andererseits aus 

dem Umstand, dass die Beschuldigte im Nachgang zur Hausdurchsuchung 

vom 2. August 2019 offenbar in der Lage war, das Haus aus eigenem 

Antrieb zusammen mit ihrem mitbeschuldigten Ehemann und ohne 

Putzhilfe in einen tadellosen Zustand zu bringen. Wenn dies auch einen 

gewissen Druck von aussen bedingte, konnte die Beschuldigte die massive 

Unordnung beheben und mindestens bis zur Hauptverhandlung am 10. Mai 

2021 beibehalten (vgl. VA act. 86 f.; vgl. Beilagen zur Hauptverhandlung, 

VA act. 102 ff.). Es lag somit keine psychische Störung vor, welche es der 

Beschuldigten gänzlich verunmöglicht hätte, tätig zu werden. Solches 

ergibt sich auch nicht aus dem eingereichten medizinischen Bericht vom 

26. August 2019 (vgl. Beilage zur Berufungsbegründung). Im Übrigen kann 

auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. 

Urteil E. 4.3). 

 

5.5. 

Sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand sind erfüllt. Es 

liegen keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe vor. Die 

Beschuldigte hat sich der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht 

gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

 

6. 

6.1. 

6.1.1. 

Die Vorinstanz hat die Beschuldigte der Verletzung der Fürsorge- und 

Erziehungspflicht schuldig gesprochen und – unter Anrechnung der von ihr 

ausgestandenen Untersuchungshaft von 8 Tagen – zu einer Geldstrafe von 

60 Tagessätzen à Fr. 30.00, d.h. total Fr. 1'800.00 verurteilt. Sie gewährte 

der Beschuldigten den bedingten Strafvollzug und setzte die Probezeit auf 

2 Jahre an (vgl. Urteil E. 5.2 ff.). 

 

6.1.2. 

Die Beschuldigte beantragt, es sei im Falle einer Verurteilung von einer 

Strafe Umgang zu nehmen (vgl. Berufungsbegründung S. 4). Das 

Strafgesetzbuch sieht die Möglichkeit einer Strafbefreiung grundsätzlich 

 - 14 - 

 

 

bei einem fehlenden Strafbedürfnis (Art. 52 StGB), einer Wiedergut-

machung (Art. 53 StGB) oder bei schwerer persönlicher Betroffenheit des 

Täters aufgrund seiner Tat (Art. 54 StGB) vor. 

 

6.1.3. 

Die Voraussetzungen für eine Strafbefreiung gemäss Art. 52 ff. StGB sind 

vorliegend klar nicht erfüllt. Im Übrigen wird der Umstand, dass die 

Hausdurchsuchung, die Untersuchungshaft und die damit verbundene 

Trennung der Familie für die Beschuldigte eine Belastung darstellten, bei 

der Strafzumessung berücksichtigt. Dies ist im Folgenden darzulegen. Der 

Antrag der Beschuldigten auf Strafbefreiung ist abzuweisen. 

 

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach 

Art. 47 ff. StGB wiederholt dargelegt (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; 

BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen 

werden. 

 

6.3. 

6.3.1. 

Die Beschuldigte hat sich der Verletzung der Fürsorge- oder 

Erziehungspflichten gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

Dieses Vergehen wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft.  

 

6.3.2. 

In Bezug auf die Berufung der Beschuldigten ist festzuhalten, dass die 

Vorinstanz zu Recht von einer Verantwortung der beiden Elternteile zu 

gleichen Teilen ausgegangen ist: Sowohl die Beschuldigte als auch ihr 

mitbeschuldigter Ehemann waren arbeitstätig und haben sich gemäss ihren 

eigenen Aussagen die Verantwortung im Haushalt ausdrücklich geteilt. 

Beide erwähnten dabei, sie hätten gewisse Aufgaben selbst übernommen 

und einander ansonsten geholfen. So bestätigten sie auch, dass sie beide 

die Verantwortung für den unhaltbaren Zustand zu tragen hätten (vgl. VA 

act. 78, VA act. 83 ff.). Dass sich die Beschuldigte gemäss medizinischem 

Bericht von Dr. med. O. vom 26. August 2019 von 2008 bis 2016 in 

psychiatrischer Behandlung befand, ist für die Zustände vom 2. August 

2019 nicht beachtlich und kann nicht zu ihren Gunsten berücksichtigt 

werden. Selbiges gilt für den Umstand, dass sich die Beschuldigte offenbar 

nach Aufdeckung der Wohnverhältnisse am 20. August 2019 erneut in 

Behandlung begab (vgl. Beilage zur Berufungsbegründung). Die 

Verantwortung der Beschuldigten wurde angemessen berücksichtigt und 

die vorinstanzliche Beurteilung der Tat- und Täterkomponente ist deshalb 

nicht zu beanstanden. Es kann dazu auf die diesbezüglichen Ausführungen 

verwiesen werden (vgl. Urteil E. 5.2 ff.). Zu beachten ist insbesondere, dass 

sich die Beschuldigte mit Blick auf die Betreuung der kognitiv 

 - 15 - 

 

 

eingeschränkten Töchter, ihrer Berufstätigkeit und dem ausser Kontrolle 

geratenen Haushalt zweifellos in einer belastenden Lebenssituation 

befand. Es fiel ihr offensichtlich schwer, die nötige Energie für die 

Bewältigung des Haushalts zu finden. Ausserdem ist die Beschuldigte 

einsichtig und hat den Haushalt mittlerweile wieder in einen tadellosen 

Zustand gebracht. Ihr Verschulden ist deshalb insgesamt noch als leicht 

einzustufen. Unter Berücksichtigung dieses noch als leicht zu wertenden 

Verschuldens erscheint die durch die Vorinstanz ausgefällte Geldstrafe von 

60 Tagessätzen als angemessen und ist zu bestätigen.  

 

6.3.3. 

Ebenfalls zu bestätigen ist die Tagessatzhöhe von Fr. 30.00 bei einem 

durchschnittlichen Nettoeinkommen der Beschuldigten von Fr. 900.00 bis 

Fr. 1000.00 (vgl. VA act. 88). Die Anrechnung der Untersuchungshaft von 

8 Tagen (2. August 2019 bis 9. August 2019) auf die Geldstrafe gemäss 

Art. 51 StGB erweist sich ebenfalls als korrekt (vgl. METTLER/SPICHTIN, 

a.a.O., N. 40 zu Art. 51 StGB, wonach ein Tag Haft einem Tagessatz 

Geldstrafe entspricht). 

 

6.4. 

Weiter ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass der Beschuldigten der 

bedingte Strafvollzug gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB zu gewähren ist. Die 

Beschuldigte ist vorstrafenlos und das vorliegende Strafverfahren inklusive 

Untersuchungshaft und die damit zusammenhängende Trennung von ihren 

Töchtern dürfte der Beschuldigten genügend Eindruck gemacht haben, um 

sich zukünftig wohl zu verhalten. Mit der Vorinstanz ist die damit 

verbundene Probezeit gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre anzusetzen 

(vgl. Urteil E. 5.5). Zudem ist, wie bereits die Vorinstanz feststellte, auf 

Grundlage der Hausdurchsuchung, der ausgestandenen Untersuchungs-

haft, der Trennung der Familie sowie den zu tragenden Kosten des 

Strafverfahrens von der Ausfällung einer Verbindungsbusse gemäss Art. 

106 StGB abzusehen (vgl. Urteil E. 5.6). 

 

7. 

Die Beschuldigte wird vorliegend der Verletzung der Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und 

hat somit keinen Anspruch auf eine Genugtuung (Art. 429 Abs. 1 StPO). 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens nach 

Massgabe ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die 

Berufung der Beschuldigten wird vorliegend abgewiesen. Ausgangs-

gemäss hat die Beschuldigte die obergerichtlichen Verfahrenskosten zur 

Hälfte zu tragen. 

 

 - 16 - 

 

 

8.2. 

Die Beschuldigte wurde im Berufungsverfahren amtlich verteidigt. Die 

Entschädigung in Strafsachen bemisst sich nach dem angemessenen 

Zeitaufwand des Anwalts (§ 9 Abs. 1 AnwT). Der massgebliche Stunden-

ansatz beträgt bei der amtlichen Verteidigung in der Regel Fr. 200.00; in 

einfachen Fällen kann er bis auf Fr. 180.00 reduziert werden. Auslagen und 

Mehrwertsteuer werden separat entschädigt (§ 9 Abs. 3bis AnwT). 

 

Mit Kostennote vom 10. März 2022 macht die amtliche Verteidigerin der 

Beschuldigten einen Aufwand von 10 Stunden und 30 Minuten à 

Fr. 200.00, somit Fr. 2'100.00 (inkl. Auslagen und MwSt.), geltend. 

 

Dieser Aufwand erscheint angemessen. Die der amtlichen Verteidigerin 

ausgerichtete Entschädigung von Fr. 2'100.00 ist dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend von der Beschuldigten in vollem Umfang 

zurückzufordern, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 

135 Abs. 4 StPO). 

 

9. 

9.1. 

Fällt das Obergericht einen neuen Entscheid, befindet es darin auch über 

die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

Die beschuldigte Person hat die Verfahrenskosten zu tragen, wenn sie 

verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Davon ausgenommen sind die 

Kosten der amtlichen Verteidigung, unter Vorbehalt der Rückforderung 

nach Art. 135 Abs. 4 StPO (Art. 426 Abs. 1 StPO) sowie die Kosten der 

unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerschaft, ebenfalls unter 

Vorbehalt der Rückforderung nach Art. 138 Abs. 2 StPO (Art. 426 Abs. 4 

StPO). 

 

9.2. 

Die Beschuldigte wurde bereits von der Vorinstanz der Verletzung der 

Fürsorge- oder Erziehungspflichten gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig 

gesprochen. Sie hat deshalb die erstinstanzlichen Verfahrenskosten 

vollumfänglich zu tragen. 

 

9.3. 

Die Beschuldigte wurde amtlich verteidigt (vgl. Art. 130 StPO i.V.m. Art. 132 

Abs. 1 lit. a StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung wurden von der 

Vorinstanz auf Fr. 3'900.00 (exkl. MwSt.) festgesetzt. In Bezug auf die 

Höhe dieser Kosten blieb das Urteil der Vorinstanz unangefochten. 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung von der Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (vgl. 

Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

 - 17 - 

 

 

9.4. 

Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerinnen 1 

und 2 im erstinstanzlichen Verfahren wurden der Beschuldigten unter 

solidarischer Haftbarkeit mit dem Mitbeschuldigten B. mit Fr. 1'046.75 

auferlegt (Art. 138 Abs. 2 StPO, Art. 426 Abs. 4 StPO). In Bezug auf die 

Höhe dieser Kosten blieb das Urteil der Vorinstanz unangefochten. 

Ausgangsgemäss sind diese Kosten von der Beschuldigten unter 

solidarischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten B. zurückzufordern, sobald 

es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

10. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschuldigte ist schuldig der Verletzung der Fürsorge- oder 

Erziehungspflicht gemäss Art. 219 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

2.1. 

Die Beschuldigte wird hierfür in Anwendung von Art. 219 Abs. 1 StGB und 

gestützt auf Art. 34 StGB und Art. 47 StGB zu einer Geldstrafe von 60 

Tagessätzen à Fr. 30.00, somit Fr. 1'800.00 verurteilt. Die ausgestandene 

Untersuchungshaft von 8 Tagen wird gestützt auf Art. 51 StGB im Umfang 

von Fr. 240.00 (8 Tage x Fr. 30.00) auf die Geldstrafe angerechnet. Es 

ergibt sich somit eine Geldstrafe von Fr. 1'560.00. 

 

2.2. 

Der Beschuldigten wird in Anwendung von Art. 42 Abs. 1 StGB für die 

Geldstrafe gemäss Ziff. 2.1 der bedingte Strafvollzug gewährt. Die 

Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf zwei Jahre festgesetzt. 

 

3. 

3.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.00 und den Auslagen von Fr. 112.00, 

gesamthaft Fr. 1'612.00, werden der Beschuldigten zur Hälfte mit 

Fr. 806.00 auferlegt. 

 

3.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin der 

Beschuldigten, Rechtsanwältin Vida Hug-Predavec, […], für das 

 - 18 - 

 

 

Berufungsverfahren eine richterlich auf Fr. 2'100.00 (inkl. Auslagen und 

MwSt.) festgesetzte Entschädigung auszurichten. 

 

Die Entschädigung wird von der Beschuldigten vollumfänglich 

zurückgefordert, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigten werden die anteilsmässige vorinstanzliche Gerichts-

gebühr, die Anklagegebühr sowie die Spesen im Gesamtbetrag von 

Fr. 1'560.00 auferlegt. 

 

4.2.  

Der amtlichen Verteidigerin der Beschuldigten, Rechtsanwältin Vida Hug-

Prevadec, […], wird für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung 

in der Höhe von Fr. 3'900.00 (exkl. MwSt.) zu Lasten der Staatskasse 

zugesprochen. 

 

Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

amtliche Verteidigung vollumfänglich zurückzuzahlen, sobald es ihre 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

4.3. 

Dem unentgeltlichen Vertreter der Privatklägerinnen 1 und 2, Rechtsanwalt 

Markus Holliger, […], ist für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung in der Höhe von Fr. 1'046.75 zu Lasten der Staatskasse 

auszurichten. 

 

Die Beschuldigte wird unter solidarischer Haftbarkeit mit dem 

Mitbeschuldigten B. verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerinnen 1 und 2 

vollumfänglich zurückzuzahlen, sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben (Art. 138 Abs. 2 StPO, Art. 426 Abs. 4 StPO). 

 

5. 

Die Entschädigungsforderung der Beschuldigten wird abgewiesen. 

 

6. 

Im Übrigen trägt die Beschuldigte ihre Kosten im erst- und 

zweitinstanzlichen Verfahren selber. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 - 19 - 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 
   

Aarau, 8. April 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

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