# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ec7907f7-3d31-54a8-b0a0-fa32b1e58adc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-11
**Language:** de
**Title:** Gutachten beweiskräftig, rentenausschliessender Invaliditätsgrad, kein Anspruch auf berufliche Massnahmen nachdem Stellensuche aus invaliditätsfremden Gründen erschwert ist
**Docket/Reference:** IV.2024.00419
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00419.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00419
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
11. Februar 2025
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf
Webernstrasse 5, Postfach, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die
1969 geborene
X.___
war zuletzt vom
2
0.
August 1990 bis
31. März 2021 als Allrounderin bei der
Y.___
AG
angestellt (
Urk.
8
/8)
. Am
1
3.
Januar 2021
meldete sie sich unter Hinweis auf
Rückenschmer
zen mit Ausstrahlung bis ins Bein
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk.
8
/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und wies
das Leistungsbegeh
ren mit Verfügung vom
1
8.
März 2022
(Urk.
8
/
44
) ab.
Das
Sozialversicherungs
gericht hiess die von der Versicherten dagegen am
6.
Mai 2022 erhobene Beschwerde (
Urk.
8/48/3-13
) mit Urteil vom
2
1.
September 2022
(Prozess-Nr. IV.2022.00249;
Urk.
8/54
)
in dem Sinne gut, dass
es
die Sache
zu weiterer Abklärung und neuer Verfügung
an die IV-Stelle
zurückwies.
Die IV-Stelle
tätigte
zusätzliche
medizinische Abklärungen
und
liess die Versicherte insbesondere
durch d
as
Z.___
polydisziplinär begutachten (Expertise vom
1
8.
Januar 2024
;
Urk.
8/81
/1-61
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8
/85
,
Urk.
8/
87 und Urk. 8/100
) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung
vom
4.
Juni 2024 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
5.
Juli 2024
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
,
es sei
ihr ab August 2021 eine Invalidenrente zuzusprechen und es seien ihr berufliche Massnahmen bezie
hungsweise Eingliederungsmassnahmen zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Am
1
6.
Oktober 2024
(Urk.
7
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzu
weisen, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
17. Oktober 2024
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Rentenanspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstan
dener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Januar 2021
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invali
denversicherung
und der seit August 2020 bestehenden Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
könnten allfällige Leistungen frühestens ab
August 2021
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massge
bend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Referenzpunkt bei der Invaliditätsbemessung im erwerblichen Bereich bildet gestützt auf Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 ATSG) der hypothe
tisch als ausgeglichen unterstellte Arbeitsmarkt (BGE 147 V 124 E. 6.2),
dies im Gegensatz zum effektiven. Das Abstellen auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt gemäss Art. 16 ATSG dient auch dazu, den Leistungsbereich der Invalidenversi
cherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen (BGE 141 V 351 E. 5.2). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenan
gebote und sieht von den fehlenden oder verringerten Chancen gesundheitlich Beeinträchtigter ab, tatsächlich eine zumutbare und geeignete Arbeitsstelle zu finden. Er umschliesst einerseits ein Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen
offen hält
(BGE 148 V 174 E. 9.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2022 vom 2. März 2023 E. 4.2).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeits
gelegenheit kann aber dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeits
markt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkom
men eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vornherein als ausgeschlossen erscheint.
Mit dem Konzept des ausgeglichenen Arbeitsmarktes geht der Gesetzgeber somit grundsätzlich davon aus, dass auch gesundheitlich eingeschränkten Personen ein ihren (verbleibenden) Fähigkeiten entsprechender Arbeitsplatz
offen steht
. Selbst wenn sich der Fächer an Stellen- und Arbeitsangeboten im Laufe der letzten Jahrzehnte namentlich infolge der Deindustrialisierung und des Strukturwandels verändert hat, darf vom gesetzlich vorgegebenen Konzept des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes nicht abgewichen werden, indem stattdessen konkret existierende Erwerbsmöglichkeiten oder konkrete Arbeitsmarktverhältnisse beigezogen werden
(BGE 148 V 174 E. 9.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2022 vom 2. März 2
023 E. 4.2).
1.5
1.5.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Massnahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufli
che Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.5.
2
Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle ver
anlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (Abs. 2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bedarf der Anspruch auf Arbeitsver
mittlung weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades. Zur Begrün
dung des Anspruchs ist jedoch eine spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art notwendig, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit betroffen ist, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind. Die leistungsspe
zifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht. Dies trifft beispielsweise zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der versi
cherten Person erläutert werden müssen (zum Beispiel welche Tätigkeiten trotz Sehbehinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (Urteile des Bundesgerichts
9C_329/2020 vom 6. August 2020 E. 3.2.3 und 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2, je mit Hinweisen).
Zur Arbeitsvermittlung ist im Weiteren berechtigt, wer aus invaliditätsbedingten Gründen spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz (beispielsweise Sehhilfen) oder den Arbeitgeber (beispielsweise Toleranz gegenüber invaliditätsbedingt notwendigen Ruhepausen) stellen muss und demzufolge aus invaliditätsbeding
ten Gründen für das Finden einer Stelle auf das Fachwissen und entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden angewiesen ist. Bei der Frage nach der Anspruchsberechtigung nicht zu berücksichtigen sind demgegenüber invalidi
tätsfremde Probleme bei der Stellensuche wie beispielsweise Sprachschwierigkei
ten (im Sinne fehlender Kenntnisse der Landessprache, anders wiederum bei medizinisch diagnostizierten, somit gesundheitsbedingten Sprachstörungen; Urteil des Bundesgerichts 9C_467/2022 vom 3. Februar 2023 E. 3.2.2 mit Hinweis). Es genügt ferner nicht, dass der versicherten Person die Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen gekündigt worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_199/2023 vom 30. August 2023 E. 6.2 mit Hinweis).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
angefochtene leistungsabweisende
Verfügung vom
4.
Juni 2024
(Urk. 2) damit, dass
der Beschwerdeführerin die angestammte
,
ausschliesslich stehende Tätigkeit als Allrounderin seit dem 1. August 2020 nicht mehr zumutbar sei. In einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit bestehe demgegenüber eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 18
%
. Es bestehe
entsprechend
weder Anspruch auf Rentenleistungen noch auf Eingliederungsmassnahmen. Auf die medizinische Untersuchung könne abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei aus medizi
nischer Sicht in der Stellensuche nicht eingeschränkt. Dass sich diese schwierig gestalte, sei auf IV-fremde Gründe zurückzuführen. Ihr sei es möglich, ohne Unterstützung durch Eingliederungsmassnahmen eine neue Anstellung zu finden (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss den Gutachtern des
Z.___
könne - aus näher dargelegten Gründen - nicht gefolgt
und auf das Gutachten nicht abgestellt
werden (S. 7-
10). Ihr stehe deshalb gestützt auf den Bericht ihres Hausarztes
Dr.
med.
A.___
,
FMH Innere Medizin und FMH Rheumatologie,
welcher von einer Arbeitsfähigkeit von einer Stunde pro Tag ausgehe, bei einem Invaliditätsgrad von über 70
%
eine ganze Rente zu. Sollte nicht auf dessen Feststellungen abgestellt werden können, so wären weitere Abklärungen zu tätigen. Im Übrigen würde selbst gestützt auf das
Z.___
-Gutachten bei korrekt durchgeführtem Einkommensvergleich ein mindestens rentenbegründender Inva
liditätsgrad von 40
%
resultieren (S. 10-11).
Ihr sei es auch mit Hilfe des RAVs nicht gelungen, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Dass sie lediglich im Umfang von 20
%
auf Stellensuche gewesen sei, schliesse die Zusprache von beruflichen Massnahmen nicht aus. Auch angesichts des hohen Invaliditätsgrads bestehe ein Anspruch darauf
(S. 11-12).
3.
3.1
Die behandelnde
Dr.
med.
B.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
in ihrem Bericht vom 2
7.
April 2022
zu Händen der Beschwerdeführerin
(Urk.
8/47
)
die Diagnose Angst und depressive Störung gemischt. Zudem hielt sie fest,
dass keine Schmerzverarbeitungsstörung oder somatoforme Schmerzstörung vor
lägen
.
Am
1
5.
April 2021
habe die Erstkonsultation und
am
8.
Februar und 9.
März 2022
hätten
weitere Konsultationen stattgefunden (S. 1). Die aktuelle Arbeitsfähigkeit sei von körperlichen Beschwerden abhängig
. Die Beschwerde
führerin klage glaubhaft über star
k
e Schmerzen, was auf Grund der neurologi
schen Beurteilung der
Klinik C.___
nachvollziehbar sei (S. 2). Die Prognose sei von den körperlichen Beschwerden abhängig.
Eine stationäre multimodale Schmerztherapie sei zu empfehlen. Ob eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit nach durchgeführter Therapie bis 100 % möglich sei, bleibe offen. Es sei mit einer schlechten Prognose zu rechnen, was schliesslich von der neurologischen Beur
teilung abhängig sei (S. 3).
3.2
Dr.
A.___
hielt in seinem Bericht vom
5.
Juni 2023 (Urk. 8/66/1-
6
) fest, die Beschwerdeführerin stehe seit Mai 2021 in seiner Behandlung, dies mit Konsul
tationen alle zwei bis drei Wochen. Als Restaurantangestellte sei sie vom
1.
August 2020 bis 3
1.
März 2021 zu 100
%
, anschliessend bis 3
0.
Mai 2021 zu 50
%
und seither zu 80
%
arbeitsunfähig. Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit sei während einer Stunde pro Tag zumutbar. Es beständen eine verminderte
Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule
(LWS)
rechts sowie psychische Einschrän
kungen.
3.
3
Dr.
med.
D.___
, FMH Radiologie und Leitender Arzt am
Spital E.___
,
hielt zur Beurteilung de
r
Röntgen
bilder
der Brustwirbelsäule
(BWS)
vom 1
5.
November 2023 Folgendes fest: «
Diskret flachbogige linkskonvexe skolioti
sche Fehlhaltung. Keine höhengeminderte Wirbelkörper
.
Grenzwertige Hyperky
phose
.» Zur Beurteilung de
r
Röntgen
aufnahmen
der
LWS
vom 1
5.
November 2023 führte er zudem Folgendes auf: «Fünfgliedrige LWS. Flachbogige rechtskonvexe skoliotische Fehlhaltung. Harmonische Lordose. In der Inklination
Ventralgleiten
von LWK4 gegenüber LWK5 um 6,5 mm, in der Reklination Reduktion des Abstandes auf 2,5 mm, somit besteht auf dieser Höhe eine Gleitinstabilität im Rahmen einer
Pseudolisthesis
Grad I bei bilaterale hypertro
phe Spondylarthrose, begleitende moderate
Osteochondrose
.
Osteochondrose
auch auf Höhe LWK5/SWK1
mit bilaterale hypertrophe Spondylarthrose
mit erfasste ISG mit altersentsprechenden osteo- degenerativen Veränderungen etwas rechts betont»
(
Urk.
8/81/63).
3.
4
Dr.
F.___
, FMH Allgem
e
ine Innere Med
i
zin,
Dr.
G.___
,
FMH Rheumatologie,
Dr.
H.___
, FMH Neurologie, und
Dr.
I.___
, FMH Psyc
h
iatrie und Psychothera
pie, vom
Z.___
stellten in ihrem Gutachten vom
1
8.
Januar 2024
(Urk.
8/81/1-61
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
8
):
-
c
hronisches
Lumbovertebralsyndrom
mit pseudoradikulärer Ausstrahlung rechts, neu
diskret auch links
be
i
-
Multisegmentdegenerationen tieflumbal mit Spondylarthrosen,
Osteo
chondrosen
,
Recessusstenose
L4/5, degenerativer leicht instabiler
Antero
listhesis
L4/5 und
Retrolisthesis
L5/S1
-
reaktiven myofaszialen Befunden paralumbal, Beckengürtel und Tractus iliotibialis
rechts
Dadurch
beständen
funktionelle Einschränkungen bezüglich Zwangshaltungen der
LWS
, vor allem auch
bei
Tätigkeiten in leicht nach vorne geneigter Stellung
sowie
beim repetitiven Tragen, Heben oder Stossen von Lasten über 5 kg. Arbei
ten, welche ausschliesslich im Stehen ausgeführt werden müssten, seien nicht möglich (S. 8-9).
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S.
9
):
-
chronisch rezidivierendes
Cervical
- und
Thorakalsyndrom
mit pseudoradiku
lärer Ausstrahlung in die Arme
-
Knick-Senk- und Spreizfüsse mit
Hallux
valgus beidseits, wenig symptoma
tisch
-
Status nach korrigierender TMT-I-Arthrodese, lateralem Kapselrelease, Resektion von medialer
Pseudoexostose
und medialer Kapselraffung, FDL-Tenotomie II rechts 1
7.
Oktober 2012
-
Schmerzverarbeitungsstörung
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine leicht ängstlich vermeidende Verarbei
tungsweise der bestehenden Symptomatik und eine Sorge
der Beschwerdeführe
rin
, dass die Beschwerden niemals besser werden könnten und dass
sie
vielleicht einmal im Rollstuhl landen könnte (S. 9).
-
Hypercholesterinämie gemäss Akten
-
behandlungsbedürftiges
menopausales
Syndrom
-
anamnestisch Status nach Venenoperation dorsaler rechter Unterschenkel 2023
Dazu führten
die Gutachter
aus,
b
ei der internistischen Untersuchung und Befra
gung
hätten
sich keine Befunde mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
gefunden
. Die
Beschwerdeführerin
leide unter einem unbehandelten
menopausa
len
Syndrom
(S. 6)
.
Bei der rheumatologischen Untersuchung
falle
eine S-förmige Skoliose auf, ein
relevanter Beckentiefstand
sei
aktuell nicht objektivierbar. Schmerzen im Gesäss und Bein
rechts w
ü
rden bei allen LWS-Bewegungen ausgelöst, auch
sei
die ganze Wirbelsäule
druckdolent. Es
beständen
leicht eingeschränkte
Beweglichkeiten
der HWS nach rechts,
auch der BWS und der LWS. Radiologisch
werde
eine früher bereits erwähnte Instabilität bestätigt mit
Anterolisthesis
LWK 4 gegenüber LWK 5 um 6,5 mm, in Reklination Reduktion auf 2,5 mm, d.h. Verschiebung um 4
mm. Dies als Folge einer hypertrophen Spondylarthrose und begleitender moderater
Osteochondrose
. Zusätzlich
seien
eine mässiggradige
Osteochondrose
und Spondylarthrosen L5/S1 objektivierbar mit
Retrolisthesis
, welche sich bei Inkli
nation reponier
e
, aber mit 3 mm nicht einer signifikanten Instabilität entspr
e
ch
e
. Zusammenfassend
würden
die Befunde zu einem chronischen
Lumbovertebral
syndrom
mit pseudoradikulärer Ausstrahlung rechts
passen
, in letzter Zeit anamnestisch ganz diskret auch links, bei degenerativen Veränderungen vor allem der unteren LWS inklusive Gleitinstabilität L4/5 und begleitenden myofas
zialen Befunden
.
Die statischen Veränderungen mit Skoliosen
ständen
im Hinter
grund. Hinweise für eine persistierende radikuläre Reizung
würden
auch gemäss neurologischer Beurteilung
fehlen
. Ausserdem
sei
ein leichtes
Cervical
- und
Thorakal
s
yndrom
mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in die Arme bei diskreten Degenerationen der BWS und leichter linkskonvexer Skoliose vorhanden, welches sich im Vergleich zum
Lumbovertebralsyndrom
nicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirk
e
(S. 6-7).
Die neurologische Untersuchung
ergebe
ein chronisches
Lumbovertebral
-Syndrom bei degenerativen LWS-Veränderungen. Anhaltspunkte für eine radi
kuläre Reiz- oder Ausfallssymptomatik
fänden
sich weder klinisch noch kernspintomographisch. Ausgehend von der Bildgebung
würde
eine Irritation von L5 links möglich
sein
, jedoch nicht auf der rechten Seite. Die angegebene Schmerzausstrahlung
sei
sehr suggestiv für ein
Betroffensein
der Wurzel L5 rechts, diese
sei
aber viermal negativ infiltriert worden und auch Facettenge
lenksinfiltrationen rechts h
ä
tten nicht zu einer Besserung geführt. Die Ausstrah
lung ins rechte Bein
sei
somit deskriptiv al
s «
pseudoradikulä
r»
,
differentialdiag
nostisch (
DD
)
spondylogen
zu werten.
Er - d
er
neurologische
Gutachter -
glaub
e
eigentlich nicht, dass im gesamten Krankheitsverlauf je eine echte Radikulopathie
v
orgelegen ha
b
e. Auch die Neurologie der
Klinik C.___
sei
im letzten Bericht vom 3
0.
März
2021 zum Schluss
gekommen
, das
s «
facettogen
e
Schmerzen mit hoher myofaszialer Komponent
e» vorgelegen hätten
, ohne sensomotorische Defizite. Die Situation
sei
chronifiziert (S. 7).
Aus psychiatrischer Sicht
fänden
sich keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Es
falle
allenfalls eine leichte Schmerzverarbeitungsstörung mit ängstlich gefärbten Gedanken auf, später einmal im Rollstuhl landen
zu
könne
n,
sowie
ein
selbstlimitierender Umgang mit real vorhandenen somatischen Einschränkungen. Eine vom Hausarzt diagnostizierte Depression
lasse
sich nicht reproduzieren, ebenso wenig die von der Psychiaterin gestellte Diagnose von Angst und Depression gemischt. Dabei
sei
nicht auszuschliessen, dass zeitweilig in der Vergangenheit stärkere affektive Beeinträchtigungen bestanden haben könn
t
en. Eine antidepressive Therapie oder eine Psychotherapie
habe
jedoch niemals statt
gefunden
(S. 7-8).
Die Angaben der
Beschwerdeführerin
seien
konsistent, die Plausibilität der ange
gebenen Schmerzen
sei
teilweise erfüllt. Insbesondere das Ausmass der angege
benen Beschwerden
könne
jedoch nicht in vollem Umfang nachvollzogen werden. Es
sei
von einer gewissen Selbstlimitierung auszugehen. Die Situation
sei
heute chronifiziert (S. 8).
Die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
seien
auf die degenerativen Verände
rungen insbesondere der Lumbalwirbelsäule zurückzuführen. Die
Beschwerdefüh
rerin
habe
seit vielen Jahren an der Theke in einer Pizzeria am Flughafen in ausschliesslich stehender Tätigkeit
gearbeitet
. In einer solchen ausschliesslich stehenden Tätigkeit
könne sie
seit
1.
August
2020, wo auch erstmalig eine volle Arbeitsunfähigkeit dokumentiert
worden sei
, nicht mehr eingesetzt werden.
In
einer
angepasste
n
Tätigkeit
, welche den dargelegten funktionellen Einschränkun
gen Rechnung trage,
werde
von einer 20%igen
Rendementverminderung
wegen
der chronischen Schmerzen und dem erhöhten Pausenbedarf aus
gegangen, d
ies bei vollschichtiger Tätigkeit.
Dies
gelte
, soweit von der Aktenlage her beurteilbar, ebenfalls seit dem
1.
August 2
020 (S. 10).
3.
5
Dr.
med.
J.___
, Fachärztin für Urologie und Chirurgie, vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD)
hielt in ihrer Stellungnahme vom
7.
Mai 2024 (
Urk.
8/102/2-4) fest,
soweit die Beschwerdeführerin bemängle, dass die im April 2023 stattgehabte Venenoperation zwar im Gutachten erwähnt, nicht aber diskutiert worden sei, ob sich die Venenproblematik auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe, sei festzu
halten, dass eine Operation die Venenproblematik am dorsalen Unterschenkel, was dem Bereich der
Vena
poplitea entspreche, mit überwiegender Wahrschein
lichkeit verbessert habe (zumindest fänden sich in den vorgelegten Unterlagen keine anders lautenden Informationen). Im Falle einer körperlich leichten, nicht ausschliesslich im Gehen und Stehen auszuführenden beruflichen Tätigkeit, wie sie im Belastungsprofil des
Z.___
-Gutachtens propagiert worden sei, habe die Venenproblematik zudem keinerlei Relevanz für die Arbeitsfähigkeit, insbeson
dere dann nicht, wenn sie bereits vorher operativ behoben worden sei (S. 3). Der Wortlaut der auf S. 37 des Gutachtens zitierten und von den Gutachtern in Auftrag gegebenen Bildgebung vom 1
5.
November 2023 am Spital
E.___
[
vgl.
Urk.
8/81/37
]
sei zwar nicht absolut kongruent zur tatsächlichen Beurteilung des Spitals
E.___
vom 1
5.
November 2023
[
vorstehend E. 3.3
]
, welche dem Gutachten angehängt sei. Rein inhaltlich und medizinisch gesehen seien die Aussagen beider Röntgenbefunde jedoch absolut identisch zu einander, nämlich: Es bestehe an der
LWS
ein Wirbelgleiten des
4.
gegen den
5.
Lendenwirbel bei mässig ausgeprägten degenerativen Veränderungen (
Osteochondrosen
und
Spondylarthrosen). Beim
Nachvornbeugen
nehme das Wirbelgleiten von 2,5 mm auf 6,5 mm zu. Beim Zurückbeugen normalisiere sich dies wieder. Das
lliosakral
gelenk
zeige altersentsprechende degenerative Veränderungen. Im Bereich der
BWS
seien die Wirbelkörper regelhaft linear zueinander ausgerichtet
(S. 3-4).
Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, wonach das MRI vom März 2023 in der Begutachtung keine Berücksichtigung gefunden habe, lasse sich leicht widerle
gen: Auf S. 46 des neurologischen Teilgutachtens werde das MRI der
LWS
vom
9.
März 2023 zitiert [vgl. Urk.
8/81/46]. Der darin angeführte Befund decke sich im Grossen und Ganzen mit den röntgenologisch erhobenen Befunden vom 1
5.
November 2023 (S. 4). Weitere Abklärungen seien nicht notwendig, um die medizinische Situation korrekt einschätzen zu können. Es gebe keinen von der Beschwerdeführerin neu eingereichten medizinischen Befund, der es erforderlich mache, vom
Z.___
-Gutachten und seinen fachärztlichen Einschätzungen abwei
chen zu müssen (S. 4).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten des
Z.___
vom
1
8.
Januar 2024
(vorstehend E. 3.
4
) beruht auf den erforderlichen allgemeininternistischen, rheumatologischen, psychiatrischen und
neurologischen
Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und
setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin a
useinander.
Sie zeigten auf, dass
die Beschwerdeführe
rin
an einem chronischen
Lumbovertebralsyndrom
leidet, infolge dessen sie in ihrer angestammten Tätigkeit sowie in jeglicher Tätigkeit, welche ausschliesslich im Stehen ausgeführt werden muss, nicht mehr arbeitsfähig ist. Zudem bestehen funktionelle Einschränkungen bezüglich Zwangshaltungen der Lendenwirbel
säule, vor allem auch bei Tätigkeiten in leicht nach vorne geneigter Stellung sowie beim repetitiven Tragen, Heben oder Stossen von Lasten über 5 kg. Die
chronischen Schmerzen und de
r
erhöhte Pausenbedarf
führen zudem
auch in einer angepassten Tätigkeit
zu einer
Rendementverminderung
von 20
%
.
Die Gutachter legten weiter dar, dass sich weder die Diagnose einer Depression noch von Angst und Depression gemischt reproduzieren liess und dass allenfalls eine leichte Schmerzverarbeitungsstörung mit ängstlich gefärbten Gedanken auffiel, diese sich jedoch nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Weiter wiesen sie darauf hin, dass bislang weder eine antidepressive Therapie noch eine Psychotherapie
stattgefunden hat.
Die Gutachter gelangten sodann
z
ur begründeten und nachvollziehbaren Ansicht, dass
die Beschwerdeführerin seit dem
1.
August 2020 in der angestammten Tätigkeit nicht mehr, in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit hingegen zu 80
%
arbeitsfähig ist.
Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. vorstehend E. 1.
6
).
4.2
Soweit die Beschwerdeführerin die Beweiskraft des Gutachtens anzweifelte unter Hinweis auf ihre Venenoperation, deren Berichte den Gutachtern nicht vorgele
gen hätten, ist festzuhalten, dass
ihnen
die Venenoperation bekannt war
, sie diese jedoch als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit qualifizierten
(vgl.
Urk.
8/81 S. 9).
Dies ist nicht zu beanstanden, ergeben sich doch aus den Akten keinerlei Hinweise darauf, dass die Venenproblematik weiterhin behandlungsbedürftig wäre
,
und wurde
solches
von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. So hielt denn auch
Dr.
J.___
vom RAD
fest, dass die Venenproblematik i
m Falle einer körperlich leichten, nicht ausschliesslich im Gehen und Stehen auszuführenden beruflichen Tätigkeit
-
wie sie im Belastungsprofil des
Z.___
-
Gutachtens propagiert
wurde -
keinerlei Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
hat
, insbesondere dann nicht, wenn sie
wie bei der Beschwerdeführerin
bereits opera
tiv behoben
wurde. Dass die Berichte zur Venenoperation etwas an der Einschät
zung der Gutachter, wonach die Venenproblematik sich in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt,
geändert hätten
, ist nicht ersichtlich, weshalb die diesbezügliche Unvollständigkeit der Aktenlage an der Beweiskraft des Gutachtens nichts zu ändern vermag.
Die Beschwerdeführerin wandte weiter ein, dass die am 1
5.
November 2023 durchgeführten Röntgen
aufnahmen
der
Lenden- und Brustwirbelsäule
von den Gutachtern anders beurteilt worden seien als vom Radiologen des Spitals
E.___
(
Urk.
1 S.
7)
.
Dr.
J.___
vom RAD führte dazu nachvollziehbar aus, dass der Wortlaut
der beiden Beurteilungen
zwar nicht
vollumfänglich
übereinstim
mend
ist
,
die Aussagen beider Röntgenbefunde jedoch
r
ein inhaltlich und medi
zinisch
gesehen
absolut identisch
sind, halten doch beide Beurteilungen fest, dass an
der Lendenwirbelsäule ein Wirbelgleiten des
4.
gegen den
5.
Lendenwirbel bei mässig ausgeprägten degenerativen Veränderungen
besteht, welches b
eim
Nachvornbeugen
von 2,5 mm auf 6,5 mm zu
nimmt und sich b
eim Zurückbeugen wieder
normalisiert
.
Zudem zeigt d
as
lliosakralgelenk
altersentsprechende dege
nerative Veränderungen
und i
m Bereich der Brustwirbelsäule
sind
die Wirbelkör
per regelhaft linear zueinander ausgerichtet
. Es ergeben sich damit entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin keine Hinweise darauf, dass den Gutachtern des
Z.___
andere Röntgenbilder vorgelegen hätten als die
jenigen, welche
am
1
5.
November 2023 am
Spital
E.___
erstellt
wurd
en.
Das MRI der Lendenwir
belsäule vom
9.
März 2023 fand zudem in der
neurologischen
Begutachtung Berücksichtigung (vgl.
Urk.
8/81 S. 46)
und war
gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin auch der rheumatologischen Gutachterin bekannt (
Urk.
1 S. 7)
.
Nachdem
allen
Gutachtern aktuelle Röntgenbilder vorlagen
und sich der im MRI vom
9.
März 2023 angeführte Befund gemäss Ausführungen von RAD-Ärztin
Dr.
J.___
im Grossen und Ganzen mit den röntgenologisch erhobenen Befunden vom 1
5.
November 2023 deckt, ist nicht davon auszugehen, dass das explizite Aufführen des MRI-Befundes auch im rheumatologischen Teilgutachten zur Attestierung einer höheren Arbeitsunfähigkeit geführt hätte. Der Umstand, dass sich
Dr.
G.___
mit dem MRI-Befund nicht explizit auseinandergesetzt hat, vermag das rheumatologische Teilgutachten entsprechend nicht in Frage zu stellen.
Soweit
zudem
die Beschwerdeführerin mit Verweis auf den Bericht ihres Hausarztes
Dr.
A.___
von einer Arbeitsfähigkeit von einer Stunde pro Tag in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit ausging (vgl. vorstehend E. 3.2), kann
darauf von Vornherein nicht abgestellt werden, ist doch nicht nachvollzieh
bar, weshalb in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
bestehen soll, in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit hingegen lediglich noch eine solche von 12
%
.
Dr.
A.___
begründete
seine Einschätzung
denn auch
mit keinem Wort
.
Dass sich die Gutachter mit diesem Bericht nicht ausei
nandersetzten, ist entsprechend - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 7) - nicht zu beanstanden.
In der Zumutbarkeitsbeurteilung des rheumatologischen Teilgutachtens wird zudem aufgeführt, dass der Beschwerde
führerin praktisch ausschliesslich stehende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar sind (
Urk.
8/81 S. 41). Die Konsensbeurteilung (
Urk.
8/81 S. 8-9) widerspricht dem nicht, ein schwerwiegender Mangel in der Konsensbeurteilung ist damit nicht auszumachen.
Z.___
-Gutachter
Dr.
I.___
vermochte schliesslich keine
psychiatrischen Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen.
Entgegen der Vorbringen
der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 8) hielt
er
ihr aber nicht vor, dass sie aggra
vier
t
e
und dass er deshalb keine psychiatrische Diagnose stellen konnte, vielmehr waren Befunde, welche auf ein psychisches Leiden hätten schliessen lassen, anlässlich der Begutachtung nicht feststellbar. Inwiefern
Dr.
I.___
daraus falsche Schlüsse hätte ziehen können, wie dies die Beschwerdeführerin
geltend machte
(
Urk.
1 S. 8), ist nicht ersichtlich. Vielmehr hielt
die Beschwerdeführerin
anläss
lich der Begutachtung
explizit fest, dass sie kein psychisches Problem hat (
Urk.
8/81 S.
23), auch
Dr.
B.___
, welche die Beschwerdeführerin von April 2021 bis März 2022 lediglich dreimal konsultierte, führte in ihrem Bericht aus, dass sowohl Arbeitsfähigkeit als auch Prognose von den somatischen Beschwer
den abhäng
en
(vorstehend E. 3.1). Dass die Beschwerdeführerin nicht in psychiatrischer Behandlung steht,
dürfte
entsprechend
- entgegen ihrer Vorbrin
gen
(
Urk.
1 S. 11-12)
-
nicht auf eingeschränkte finanzielle Mittel zurückzuführen
sein
,
sondern auf das Fehlen von
behandlungsbedürftigen psychischen Beschwer
den.
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin vermögen nach dem Gesagte
n
nichts an der Beweiskraft des Gutachtens des
Z.___
zu ändern und es ist auf dieses abzustellen und von einer seit
1.
August 2020 vollumfänglichen Arbeitsunfähig
keit in der angestammten und einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auszugehen.
Mit Blick
auf die Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass weitere Abklärungen daran etwas ändern
würden
, zumal keine me
dizinische
n
Berichte
vorliegen
, welche sich mit dem Gutachten substantiiert auseinander
setzen
und aufgrund welcher
auf
solche
s
geschlossen
werden könnte. A
uf
die von der Beschwerdeführerin
eventualiter
beantragten
weitere
n
Abklärungen
ist deshalb
in antizipierter Beweiswürdigung
(
vgl. BGE
146 V 240 E. 8.2,
122 V 157 E. 1d
je
m.w.H
.
)
zu verzichten.
5
.
5
.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massgebende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5
.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
, also des Einkommens, welches die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Regel am zuletzt erzielten Verdienst angeknüpft.
Die
Beschwerdeführer
in
war im Zeitpunkt
ihrer
Erkrankung
seit 30 Jahren als Allrounderin bei der
Y.___
AG angestellt
. Es ist davon auszugehen, dass
sie
diese Tätigkeit bei
guter Gesundheit weiterhin
ausgeübt hätte
. Gestützt auf
die
Angaben
der ehemaligen Arbeitgeberin hätte sie im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns im Jahre 2021
bei einer 100 %-Anstellung ein
Jahreseinkommen von
Fr.
52'793.-- (13 x
Fr.
4'061.--) erzielt (
Urk.
8/8 S. 5). Eine
(lediglich statistisch ausgewiesene)
Nominallohnentwicklung ist nicht zu berück
sichtigen, nachdem die ehemalige Arbeitgeberin eine solche per 2021
faktisch
nicht vorsah und nicht davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin nach dreissigjähriger Tätigkeit für ihre Arbeitgeberin einzig aufgrund einer verweigerten
Teuerungsanpassung
ihre Anstellung gewechselt hätte.
Es ist damit von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
52'793.--
auszugehen.
5
.3
Das Invalideneinkommen ist gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) 20
20
festzulegen. Der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für
Frauen
in einfachen und repetitiven Tätigkeiten (TA1, Total, Kompetenzniveau 1) beläuft sich auf Fr.
4
'
276
.--. Dies ergibt unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(Bundesamt für Statistik, Tabelle T 03.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total),
aufgerechnet auf das Jahr 2021 (vgl.
Bundesamt
für Statistik, Nominallohnindex, Frauen, Tabelle T1.
2
.10,
Total
, 20
20
:
107.9
[Basis 100: 2010], 2021: 10
8.6
) bei der gutachterlich festgestellten
80
%igen Arbeitsfähigkeit ein Jahreseinkommen von Fr.
43'071.85
.
5
.4
Aus dem Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen ergibt sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von
18
%.
Nachdem selbst unter Berück
sichtigung des
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
maximal mögli
chen Leidensabzugs von 25
%
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad
resul
tiert
, erübrigen sich Ausführungen zur Frage, ob und in welcher Höhe ein solcher zu berücksichtigen wäre.
6.
Die Beschwerdeführerin beantragte die Zusprache von beruflichen Massnahmen
bzw. Eingliederungsmassnahme
n
,
da sie in der Stellensuche massiv eingeschränkt sei (vgl.
Urk.
1 S. 11).
Soweit sie
dabei
auf ihre erfolglose Stellensuche bezüglich eines 20
%
-Pensums verwies, vermag sie daraus jedoch nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Denn wie
aufgezeigt, ist die Beschwerdeführerin in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig. Bewerbungen
für
Stellen mit einem Pensum
in diesem Umfang
- welche deutlich häufiger angebo
ten werden dürften als
Stellen mit
20
%
-Pensen -
tätigte sie offenbar nicht.
Den Nachweis,
dass sie
erfolglos
die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung
- welche
Pflicht
dem gesetzlichen Eingliederungsanspruch vor
geht
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_467/2022 vom
3.
Februar 2023 E.
4.2.1
)
-
unternommen hat
, vermochte sie damit nicht zu erbringen.
Zwischen
dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der Arbeitsvermitt
lung
muss zudem gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ein Kausalzusam
menhang bestehen
. B
ei der Suche nach einer geeigneten, auf
das
Anforderungs
profil zugeschnittene
n
Arbeitsstelle
müssen also
zusätzliche krankheitsbedingte Erschwernisse
vorliegen, welche
Probleme bei der Stellensuche selber verursa
ch
en (vgl. vorstehend E. 1.5.2).
Die
Rückenbeschwerden schränken die Beschwer
deführerin zwar beim Ausüben einer Arbeit ein, hindern sie aber nicht am Schrei
ben von Bewerbungen und an der Teilnahme an Bewerbungsgesprächen.
Zudem ist das Belastungsprofil der Beschwerdeführerin unbestritten eingeschränkt, auf dem vorliegend
massgebenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu vorste
hend E.
1.4) kommen
dennoch
ausreichend
Beschäftigungen in Betracht, welche
sie
auszuüben in der Lage
ist.
Bei de
n Schwierigkeiten mit der
Stellensuche stehen
entsprechend nicht gesundheitliche, sondern
vielmehr
invaliditätsfremde Probleme
wie mangelnde Deutschkenntnisse und eine fehlende Ausbildung im Vordergrund
.
Dafür ist
nicht die Invaliden
-, sondern
die Arbeitslosenversicherung
zuständig
.
Die Beschwerdegegnerin hat
demnach
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
zu Recht
verneint.
Einen konkreten Antrag auf Zusprache anderer
Eingliederungsmassnahmen
stellte die Beschwerdeführerin nicht und ein Anspruch darauf ist auch nicht ersichtlich.
Die Beschwerde ist
damit
abzuweisen.
7.
Da es um die
Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf
Fr.
9
00.--
festzusetzen
und ausgangsgemäss der unter
liegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
9
00.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanw
alt Tomas Kempf
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht
Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher