# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b00c9327-e6e8-50a4-8e88-c929d3564d7d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2023 D-1779/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1779-2020_2023-08-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1779/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter William Waeber, Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. Januar 2016 / N (…). 

 

 

 

D-1779/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 14. Oktober 2013 in der Schweiz um 

Asyl nach.  

Am 18. Oktober 2013 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg und sum-

marisch zu den Fluchtgründen befragt (BzP [vgl. SEM-Akte A4]) und am 

20. Dezember 2013 einlässlich zu seinen Asylgründen angehört (vgl. SEM-

Akte A10). Er machte im Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staats-

angehöriger tamilischer Ethnie und stamme aus dem B._______ Distrikt in 

der Nordprovinz. Er sei in B._______ geboren und habe zuletzt mit seiner 

Mutter und seiner jüngsten Schwester C._______ in D._______ gewohnt. 

Die anderen Geschwister seien verheiratet und ausgezogen. Sein Vater 

lebe von seiner Mutter getrennt in E._______. Er habe nach der Schule als 

(…) gearbeitet. Für die Wahlen des «(…)» von F._______, die im Septem-

ber 2013 stattgefunden hätten, habe er auf Anfrage eines Freundes hin ab 

dem 10. September 2013 an zwei, drei Tagen Plakate für die Tamil Thesiya 

Kuttamaipu (nachfolgend: TNA [Tamil National Alliance]) aufgehängt. Sein 

Vater sei (….) gewesen und habe früher, als er in Vanni gewesen sei, für 

die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gearbeitet. Dies habe ihn zur 

Unterstützung der TNA motiviert, da es auch ihm ein Anliegen gewesen 

sei, etwas für die Tamilen zu machen. Am Freitag sei es beim Plakatieren 

an einer Bushaltestelle in G._______ zu einer handgreiflichen Auseinan-

dersetzung mit Angehörigen der Eelam People’s Democratic Party (EPDP) 

gekommen, die ihnen vorgeworfen hätten, Plakate der EPDP zerrissen und 

überklebt zu haben. Er habe einen der EPDP-Anhänger gekannt; sie seien 

in dieselbe Schule gegangen und dessen Bruder sei Mitglied der EPDP 

gewesen. Der Schulkollege habe ihn geschlagen, worauf er zurückge-

schlagen habe. Freunde, die andernorts mit Plakatieren beschäftigt gewe-

sen seien, seien hinzugekommen und hätten den Streit schlichten können. 

Am folgenden Tag, dem Samstag, seien zwei Soldaten der sri-lankischen 

Armee zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn zwecks Befragung 

in das Camp in G._______ mitgenommen. Seine Mutter sei ihm gefolgt und 

habe vergeblich seine Freilassung verlangt. Es sei ihr erklärt worden, er 

müsse zuerst durch den Leiter des Camps befragt werden. Er sei an einen 

Stuhl gefesselt und geschlagen worden. Der Schulkollege, mit dem er am 

Vortag gestritten habe, sei auch in dem Armeecamp anwesend gewesen, 

welches direkt neben einem Camp der EPDP gelegen habe, und habe den 

Soldaten von der Beschädigung von EPDP-Postern erzählt. Deshalb sei er 

geschlagen worden und man habe ihm verboten, weitere politische 

D-1779/2020 

Seite 3 

Aktivitäten auszuüben. Man habe ihn beschimpft und ihm vorgeworfen, zu 

den LTTE zu gehören. Nachdem er über das Wochenende festgehalten 

worden sei, sei am Montagmorgen der Campleiter, ein höherer Offizier, ge-

kommen. Dieser habe ihn verwarnt, ihm weitere politische Aktivitäten un-

tersagt, seine Identitätskarte registriert und ihn dann gehen lassen, verbun-

den mit der Auflage, sich fortan jeden Sonntag im nächstgelegenen Armee-

camp zur Unterschriftsleistung zu melden. Er sei der Aufforderung nachge-

kommen und habe sich an den beiden folgenden Sonntagen in dem 

«H._______» genannten Camp der Armee, welches sich in der Nähe sei-

nes Hauses befunden habe, gemeldet. Beim ersten Mal seien drei Solda-

ten dort gewesen und es sei ihm bei der Unterschriftsleistung nichts pas-

siert. Am zweiten Sonntag seien zwei Soldaten zugegen gewesen und der 

eine habe ihn in einen dunklen Raum geführt und ihn dort sexuell miss-

braucht. Der Soldat habe die Hand auf seinen Körper gelegt und obwohl er 

gesagt habe, dass er das nicht wolle, habe er die Hände auf seine Hüfte 

gelegt, ihm die Hose ausgezogen und sein Glied angefasst. Als er ge-

schrien habe, habe dieser ihm den Mund zugehalten, und sei von hinten in 

ihn eingedrungen. Dies habe etwa eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde 

gedauert. Er habe Schmerzen gehabt und geweint. Dann habe man ihn 

gehen lassen. Am folgenden Sonntag sei er aus Angst nicht mehr dorthin 

hingegangen. Aber noch am gleichen Abend seien Soldaten zu ihm nach 

Hause gekommen und hätten ihn zum Camp mitgenommen. Respektive er 

sei damals nicht zuhause gewesen, da er auswärts etwas zu erledigen ge-

habt habe. Seine Mutter habe ihn angerufen und ihm gesagt, dass Solda-

ten nach ihm verlangt hätten; er müsse um 17 Uhr im Camp zur Unter-

schriftsleistung erscheinen. Er sei dann früher zurückgekehrt, um rechtzei-

tig im Camp zu sein. Dort habe sich derselbe Soldat wie am Sonntag zuvor 

erneut auf die gleiche Weise an ihm vergangen, und es sei ihm mit vorge-

haltenem Gewehr mit dem Tod gedroht worden, sollte er nicht jeden Sonn-

tag in dem Camp vorbeikommen. Nach diesem Vorfall habe er seiner Mut-

ter alles erzählt, worauf sein Onkel mütterlicherseits auf ihr Ersuchen hin 

seine Ausreise mithilfe eines Schleppers organisiert habe. Er habe wegen 

der Übergriffe keine Anzeige erstattet. Hätte er im Rahmen einer Gerichts-

verhandlung öffentlich darüber sprechen müssen, wäre sein Name in Ver-

ruf geraten. Am 12. Oktober 2013 sei er mit einem Van nach Colombo ge-

fahren. Von dort aus sei er gleichentags mit einer ihm nicht bekannten Flug-

gesellschaft an einen ihm unbekannten Ort geflogen. Dort sei er von einem 

Auto abgeholt und zu einem Haus gebracht worden. Noch am gleichen 

Abend seien sie weitergefahren und am 14. Oktober 2013 in die Schweiz 

eingereist. Für die Flugreise habe er einen sri-lankischen Reisepass be-

nützt, den er vom Schlepper erhalten habe. In diesem sei sein Foto 

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Seite 4 

gewesen. Auf welchen Namen das Dokument ausgestellt gewesen sei, 

wisse er nicht. Er selber habe nie einen Pass beantragt. Die Identitätskarte 

sei ihm, wie gesagt, von der Armee abgenommen worden. 

B.  

Mit Verfügung vom 23. Oktober 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch ab. 

Die an den Beschwerdeführer adressierte Sendung wurde dem SEM am 

2. November 2015 durch die Post retourniert. Mit Schreiben vom 18. Ja-

nuar 2016 zeigte der rubrizierte Rechtsanwalt beim SEM die Mandatierung 

durch den Beschwerdeführer an und monierte, der Entscheid vom 23. Ok-

tober 2015 sei seinem Mandanten nicht korrekt eröffnet worden. 

C.  

Mit Verfügung vom 29. Januar 2016 – eröffnet am 5. Februar 2016 – er-

setzte das SEM seinen Entscheid vom 23. Oktober 2015. Es stellte fest, 

dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte 

das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie 

den Wegweisungsvollzug an. 

D.  

Mit Eingabe vom 7. März 2016 erhob der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte 

um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Rückweisung der 

Sache an das SEM wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-

hör, eventualiter wegen unvollständiger und unrichtiger Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts, subeventualiter wegen Verletzung der Be-

gründungspflicht. Eventualiter ersuchte er um Aufhebung der vorinstanzli-

chen Verfügung und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um 

Gewährung des Asyls, subeventualiter um Aufhebung der Dispositivzif-

fern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung und um Feststellung der Un-

zulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Zudem er-

suchte er in prozessualer Hinsicht um Mitteilung des Spruchkörpers und 

um Bestätigung, dass dieser zufällig ausgewählt worden sei. 

Es wurden – nebst der angefochtenen Verfügung – folgende Dokumente 

eingereicht: Voucher für medizinische Versorgung bei einer Ärztin vom 

16. Dezember 2015, Schreiben des kantonalen Migrationsamts vom 

24. Februar 2016 hinsichtlich der Zuweisung des Beschwerdeführers an 

einen männlichen Erstversorgungsarzt, Analysebericht des SEM vom 

10. Dezember 2013, Gutachten von Prof. Dr. W. Kälin vom 23. Februar 

2014, Gutachten des UNHCR vom November 2013, vom Rechtsvertreter 

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Seite 5 

verfasster Lagebericht zu Sri Lanka vom 22. Februar 2016 (Beilagen auf 

CD), Auszug aus einem Entscheid des SEM betreffend Backgroundcheck. 

Mit Eingabe vom 13. April 2016 reichte der Beschwerdeführer zudem einen 

Arztbericht vom 6. April 2016 (Diagnose: [Verdacht auf] posttraumatische 

Belastungsstörung [PTBS] nach sexueller Gewalt; Empfehlung: psychiatri-

sche Beurteilung) und eine Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht 

zu den Akten. 

E.  

E.a Im unter der Verfahrensnummer D-1485/2016 geführten Beschwerde-

verfahren wurde ein Kostenvorschuss von Fr. 600.– erhoben, welcher zu 

Gunsten der Gerichtskasse einbezahlt wurde. Das SEM liess sich am 

24. Oktober 2016 vernehmen und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. Mit Replik vom 14. November 2016 reichte der Beschwerdefüh-

rer einen Bericht der I._______ vom 28. September 2016 (Diagnose: Sta-

tus nach mittelgradiger depressiver Episode; Differentialdiagnose: PTBS) 

und einen vom Rechtsvertreter verfassten Lagebericht zu Sri Lanka vom 

27. Juli 2016 (Beilagen auf CD) ein. 

E.b Mit Urteil D-1485/2016 vom 13. Mai 2019 wies das Bundesverwal-

tungsgericht die Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Dem Beschwer-

deführer wurden dabei Verfahrenskosten von Fr. 1200.- auferlegt, wobei 

der geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung verwendet wurde. Die ver-

bleibenden Verfahrenskosten wurden bisher nicht beglichen. 

F.  

F.a Mit an das Bundesverwaltungsgericht adressierter Eingabe vom 

13. Juni 2019 ersuchte der Beschwerdeführer um wiedererwägungsweise 

Gewährung des Asyls. Der Eingabe lag ein Schreiben eines ehemaligen 

Mitglieds des «(…)» vom 10. Juni 2019 bei und der Beschwerdeführer 

führte aus, unbekannte Personen würden sich immer noch bei seiner Mut-

ter nach ihm erkundigen. 

F.b Das Gericht überwies die Eingabe am 26. Juni 2019 dem SEM zur wei-

teren Behandlung. 

F.c Mit Verfügung vom 30. August 2019 lehnte das SEM das Wiedererwä-

gungsgesuch ab. 

F.d Im Rahmen der dagegen erhobenen Beschwerde legte der Beschwer-

deführer weitere Beweismittel vor (positiver Asylentscheid betreffend seine 

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Seite 6 

Schwester vom (…) 2015 [N {…}], Schreiben der Mutter vom 1. Oktober 

2019, Schreiben ehemaliger Mitglieder des «(…)» vom 1. Oktober 2019). 

F.e Mit Urteil D-5043/2019 vom 5. November 2019 wies das Bundesver-

waltungsgericht die Beschwerde gegen die Verfügung des SEM vom 

30. August 2019 ab. In Bezug auf den positiven Asylentscheid der Schwes-

ter des Beschwerdeführers hielt das Gericht fest, dass dieser keinen Wie-

dererwägungsgrund bilden könne. 

G.  

G.a Mit Eingabe vom 20. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer beim 

Bundesverwaltungsgericht ein Revisionsgesuch ein. Er beantragte, das 

Urteil D-1485/2016 vom 13. Mai 2019 sei aufzuheben und das Beschwer-

deverfahren wiederaufzunehmen.  

Der Beschwerdeführer verwies auf Dokumente aus dem Asylverfahren sei-

ner Schwester C._______ (u.a. Befragungsprotokolle vom […] 2013 und 

[…] 2015 sowie positiver Asylentscheid vom […] 2015) und machte gel-

tend, diese würden belegen, dass er durch die sri-lankische Armee verfolgt 

und auch nach der Flucht gesucht worden sei. Aus den Befragungsproto-

kollen ergebe sich, dass seine Schwester wegen ihm Reflexverfolgung er-

litten habe. Fluchtauslösend sei gewesen, dass sie am (…) November 

2013 von Soldaten, die ihn vergeblich gesucht hätten, mitgenommen, zu 

ihm befragt und vergewaltigt worden sei. Dies sei vom SEM als glaubhaft 

erachtet worden und habe dazu geführt, dass seiner Schwester Asyl ge-

währt worden sei.  

G.b Mit Urteil D-1003/2020 vom 24. März 2020 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht das Revisionsgesuch gut. Es hob das Urteil D-1485/2016 vom 

13. Mai 2019 auf und nahm das ordentliche Beschwerdeverfahren unter 

der neuen Verfahrensnummer D-1779/2020 wieder auf.  

Das Gericht stellte fest, dass sich nach der Lektüre der Befragungsproto-

kolle der Schwester des Beschwerdeführers ein enger Zusammenhang 

zwischen den Asylvorbringen der Geschwister erkennen lasse. Nachdem 

aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen sei, dass die Asylakten 

der Schwester im Asyl- und Beschwerdeverfahren des Beschwerdeführers 

konsultiert worden wären, sei das ordentliche Beschwerdeverfahren wie-

deraufzunehmen und die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien, 

unter Beizug der Asylakten der Schwester, neu zu beurteilen. 

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Seite 7 

H.  

Im vorliegenden, wiederaufgenommenen ordentlichen Beschwerdeverfah-

ren stellte die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 6. April 

2020 fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten dürfe. Gleichzeitig forderte sie das SEM auf, unter Bei-

zug der Asylakten der Schwester des Beschwerdeführers (N […]) zur Be-

schwerde vom 7. März 2016 Stellung zu nehmen.  

I.  

In seiner Vernehmlassung vom 11. Mai 2020 hielt das SEM auch nach Kon-

sultation der Asylakten der Schwester des Beschwerdeführers an seiner 

Verfügung vom 29. Januar 2016 fest. 

J.  

Am 22. Mai 2020 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer die 

Vernehmlassung zu und räumte ihm Gelegenheit zur Replik ein. 

K.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 8. Juni 2020. 

L.  

Nach zwischenzeitlich erfolgter Heirat wurde dem Beschwerdeführer, des-

sen Ehefrau über das Schweizer Bürgerrecht verfügt, im März 2023 eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung erteilt. 

M.  

Die Asylakten der Schwester des Beschwerdeführers (N […]) wurden vom 

Gericht beigezogen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 8 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Zusammensetzung des Spruchkörpers im vorliegenden Beschwerde-

verfahren ist dem Beschwerdeführer bekannt; er entspricht demjenigen 

des vorangegangenen Revisionsverfahrens (vgl. Urteil D-1003/2020 vom 

24. März 2020 [Wiederaufnahme des ordentlichen Beschwerdeverfahrens 

durch das besagte Spruchgremium]). Infolge Abteilungswechsels eines 

Mitglieds wurde das aktuell mitwirkende Spruchgremium wiederum or-

dentlich mittels Spruchkörpergenerierungssystem eingesetzt. Manuelle Er-

gänzungen waren nicht notwendig. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

Im Sinne einer Vorbemerkung ist bezüglich des Prüfungsgegenstands im 

vorliegenden Verfahren festzuhalten, dass die Fragen der Wegweisung 

und des Wegweisungsvollzugs gegenstandslos geworden sind, nachdem 

dem Beschwerdeführer im März 2023 eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung erteilt wurde. 

5.  

5.1 In Anbetracht nachfolgender Erwägungen muss auf die formellen Rü-

gen des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe vom 7. März 2016 

betreffend Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, 

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Seite 9 

unvollständiger Abklärung des Sachverhalts und Verletzung der Begrün-

dungspflicht seitens der Vorinstanz nicht weiter eingegangen werden. Sei-

nem Antrag um Ansetzung einer Frist zur Einreichung eines Arztberichts 

(vgl. Beschwerde vom 7. März 2016 S. 20) wurde im vorangegangenen 

Beschwerdeverfahren D-1485/2016 bereits entsprochen (vgl. dortige Zwi-

schenverfügung vom 14. März 2016), und der Beschwerdeführer reichte 

am 13. April 2016 und 14. November 2016 ärztliche Berichte zu den Akten.  

5.2 Die Asylakten der Schwester des Beschwerdeführers (N […]) wurden 

im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens beigezogen. Das 

SEM liess sich unter Einbezug derselben am 11. Mai 2020 zur Beschwerde 

vernehmen und der Beschwerdeführer hatte Gelegenheit, zu den entspre-

chenden Ausführungen des SEM Stellung zu nehmen (vgl. Replik vom 

8. Juni 2020). Der rechtserhebliche Sachverhalt ist – wie die nachfolgen-

den Erwägungen zeigen – durch Heilung auf Beschwerdeebene liquid und 

die bestehende Aktenlage erlaubt es, die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers abschliessend zu beurteilen. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen 

aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten den Anforderun-

gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen. Er habe 

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die Aufenthalte im Armeecamp teils widersprüchlich geschildert. So habe 

er hinsichtlich des dritten Sonntags zunächst angegeben, von Soldaten zu-

hause abgeholt worden zu sein, danach aber ausgesagt, durch einen Anruf 

der Mutter von dem Besuch der Soldaten erfahren und sich daraufhin selb-

ständig zum Camp begeben zu haben. Auch den Zeitpunkt, wann ihm die 

Identitätskarte abgenommen worden sei, habe er unterschiedlich eingeord-

net. Zudem sei das geschilderte Verhalten vom dritten Sonntag, wonach er 

nach dem Anruf der Mutter nach Hause zurückgekehrt sei, um sich recht-

zeitig ins Armeecamp zu begeben, realitätsfremd. Dies entspreche nicht 

der Vorgehensweise eines Menschen, der zuvor sexuelle Übergriffe in dem 

Camp erduldet haben wolle. Nachdem der Beschwerdeführer am besagten 

Tag ausser Haus gewesen sei, wäre es ihm ein Leichtes gewesen, nicht 

wieder in das Armeecamp zurückzukehren. Ferner seien die Angaben zum 

Reiseweg unsubstanziiert geblieben. Es könne daher nicht geglaubt wer-

den, dass der Beschwerdeführer die vorgebrachten sexuellen Übergriffe 

im geltend gemachten Kontext erlebt habe, und es sei davon auszugehen, 

dass er anders als geschildert aus Sri Lanka ausgereist sei.  

7.2 Der Beschwerdeführer brachte in der Rechtsmitteleingabe vom 7. März 

2016 in materieller Hinsicht im Wesentlichen vor, die Verfolgungssituation 

habe mit den Regionalwahlen im September 2013 begonnen, als er sich 

für die TNA engagiert habe, die von der damaligen sri-lankischen Regie-

rung massiv bekämpft worden sei. Bei dem Handgemenge mit jungen Män-

nern, welche für die mit der Regierung verbundene EPDP Plakate aufge-

hängt hätten, habe er den ihm von der Schule her bekannten J._______ 

geschlagen. Der Bruder von J._______ sei der Chef der lokalen EPDP ge-

wesen und habe das unmittelbar neben dem örtlichen Camp der Armee 

gelegene EPDP-Camp geleitet. Als er am nächsten Tag von Soldaten zu 

dem Armeecamp gebracht worden sei, sei auch J._______ dort zugegen 

gewesen. Er sei geschlagen, ermahnt und eingeschüchtert worden, und 

die Identitätskarte sei ihm abgenommen und ihm eine Meldepflicht aufer-

legt worden. Nachdem er anlässlich der Unterschriftsleistung am zweiten 

Sonntag von einem Soldaten unter Waffengewalt anal vergewaltigt worden 

sei, habe er am nächsten Sonntag aus Angst vor weiteren Übergriffen nicht 

mehr in das Camp gehen wollen. Aber nachdem die Armee bei seiner Mut-

ter nach ihm verlangt und ihm gedroht habe, dass man ihn im ganzen Land 

finden könnte, habe er sich doch wieder dorthin begeben. In der Folge sei 

er durch den gleichen Soldaten erneut vergewaltigt worden. Das SEM habe 

mit einer selektiven, einseitigen Wahrnehmung seiner Aussagen und der 

Fixierung auf für die Frage der Flüchtlingseigenschaft nicht relevanten An-

gaben zum Ablauf der Flucht auf die Unglaubhaftigkeit aller Vorbringen 

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geschlossen. Aus unzulänglichen Angaben zur Fluchtroute könne aber 

nicht auf die Unglaubhaftigkeit der Kernvorbringen eines Asylsuchenden 

geschlossen werden. Das SEM habe bei der Beurteilung der Verfolgungs-

vorbringen die vorhandenen Realkennzeichen ausser Acht gelassen und 

auch nicht berücksichtigt, dass er traumatisiert sei. Vergewaltigungen hät-

ten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schwerwiegende kör-

perliche und psychische Konsequenzen für das Opfer und eine psychische 

Traumatisierung, wie sie bei Vergewaltigungsopfern regelmässig auftrete, 

beeinträchtige auch die Wahrnehmung des Betroffenen und die Möglich-

keit, sich zur Sache zu äussern. Er habe die mehrfache Vergewaltigung 

durch einen Soldaten eingehend geschildert. Auch habe er auf die damit 

verbundene Stigmatisierung und seine Probleme, über das Erlebte zu 

sprechen, hingewiesen. Seine Ausführungen im Rahmen der Anhörung 

vom 20. Dezember 2013 würden zahlreiche Realkennzeichen aufweisen. 

Beispielsweise habe er den zeitlichen Ablauf der Ereignisse präzis darge-

legt, und bei der Lektüre des Anhörungsprotokolls entstehe der Eindruck, 

dass er die Vorfälle beim Erzählen nochmals durchlebe. Der Entschluss, 

am dritten Sonntag doch noch einmal in das Camp zu gehen, weil er die 

Drohung, dass er im Unterlassungsfall überall im Land gefunden werden 

könnte, ernstgenommen habe, könne zwar im Nachhinein als Fehlent-

scheid bezeichnet werden. Der Vorhalt des SEM, dass sich jede andere 

Person in ähnlicher Lage wohl anders entschieden hätte, sei aber rein spe-

kulativ. Selbst wenn er im heutigen Zeitpunkt nicht mehr wegen der Plakat-

aktion für die TNA, die mittlerweile in der Regierung vertreten sei, verfolgt 

würde, sei trotzdem weiterhin vom Bestehen einer Gefährdungslage aus-

zugehen. Ausgelöst durch die Plakataktion und den Zusammenstoss mit 

EPDP-Anhängern sei es zu Schikanen seitens der sri-lankischen Armee 

gekommen, die zu den sexuellen Übergriffen durch einen Armeeangehöri-

gen geführt hätten. Es sei bekannt, dass die sri-lankischen Behörden die 

Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen, die durch Angehörige 

der Sicherheitskräfte und der Armee begangen worden seien, mit allen Mit-

teln verhindern würden. Er könne folglich nicht einfach gegen den Täter 

vorgehen. Da er die Taten aber auch nicht einfach hinnehmen könne, 

würde er in den Augen des Täters eine Gefahr darstellen. Jeder Angriff ge-

gen Angehörige der Sicherheitskräfte werde durch den gesamten Sicher-

heitsapparat bekämpft. Als Opfer und Zeuge einer schweren Menschen-

rechtsverletzung wäre er daher bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefähr-

det und es würde ihm asylrelevante Verfolgung drohen. Er müsste mit Dro-

hungen, Einschüchterungen oder gar extralegaler Tötung rechnen. Mög-

licherweise sei bereits ein beliebiger Verdacht gegen ihn vermerkt worden, 

so dass es bereits bei einem Backgroundcheck zu Verfolgungshandlungen 

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Seite 12 

kommen würde. Angesichts der Entehrung infolge der Vergewaltigung 

müsse er zudem mit einer Stigmatisierung durch die Gesellschaft, insbe-

sondere durch seine Verwandtschaft, rechnen. Er würde daher bei einer 

Rückkehr nicht über ein ihn tragendes Beziehungsnetz verfügen. Zudem 

sei die Behandlung seiner gesundheitlichen Probleme in Sri Lanka nicht 

durchführbar und finanzierbar. 

7.3 Das SEM vertrat in seiner Vernehmlassung vom 24. Oktober 2016 die 

Ansicht, dass die am 6. April 2016 gestellte Diagnose einer PTBS, die nicht 

von einem Facharzt getroffen worden sei, an seiner Würdigung der Vor-

bringen des Beschwerdeführers nichts zu ändern vermöge. Ob der Be-

schwerdeführer in einem anderen Kontext sexuelle Übergriffe erlebt habe, 

müsse offengelassen werden. 

7.4 Mit der Replik vom 14. November 2016 entgegnete der Beschwerde-

führer im Wesentlichen, der Bericht vom 28. September 2016 belege, dass 

er sich in psychiatrische Behandlung begeben habe. Da die Sprechstun-

den durch eine Psychologin und Psychiaterin durchgeführt worden seien, 

habe er erneut nicht offen über die sexuellen Übergriffe berichten können. 

Dem Bericht lasse sich aber entnehmen, dass er an einer mittelgradig de-

pressiven Episode und damit verbunden an depressiver Pseudodemenz 

leide, was die Erzählweise und Widersprüche erklären würde. Er bemühe 

sich um Fortsetzung der Behandlung bei einem männlichen Facharzt. 

7.5 Nach Konsultation der Asylakten der Schwester des Beschwerdefüh-

rers führte das SEM in seiner Vernehmlassung vom 11. Mai 2020 aus, die 

Schwester hätte unabhängig von den Vorbringen des Beschwerdeführers 

Asyl erhalten, da sie schon in der (…) und (…) Klasse – nicht mit dem Be-

schwerdeführer in Verbindung stehende – asylrelevante sexuelle Über-

griffe seitens sri-lankischer Soldaten erlebt habe. Es sei bei ihr daher nicht 

um eine Reflexverfolgung in Bezug auf ihren Bruder gegangen. Der Um-

stand, dass sie kaum Angaben über die politischen Aktivitäten des Be-

schwerdeführers habe machen können, zeige auch, dass ihre Vorbringen 

wenig mit denen des Beschwerdeführers zu tun hätten. Sie habe anlässlich 

ihrer Anhörung vom (…) 2015 nur angegeben, dass der Beschwerdeführer 

mit Kollegen Plakate aufgehängt habe, dann einige Male mitgenommen 

worden sei, regelmässig zur Unterschriftsleistung ins Camp habe gehen 

müssen und zu Hause gesucht worden sei, sonst aber nichts über dessen 

politische Aktivitäten zu sagen gewusst. Es stehe daher auch nicht im Wi-

derspruch, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers – insbesondere 

D-1779/2020 

Seite 13 

den dritten Sonntag betreffend – als unglaubhaft erachtet worden seien. Es 

halte deshalb an seinen Erwägungen im angefochtenen Entscheid fest. 

7.6 Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Replik vom 8. Juni 2020 im 

Wesentlichen entgegen, dass seine Schwester bei ihrer BzP vom (…) 2013 

keine anderen Asylgründe vorgebracht habe, als ihre Mitnahme durch Sol-

daten am (...) November 2013, welche auf der Suche nach ihm gewesen 

seien. Die sexuellen Übergriffe in der Jugendzeit habe sie erst auf Nach-

frage nach weiteren Schwierigkeiten im Rahmen ihrer Anhörung vom (…) 

2015 erwähnt, wobei deswegen eine Ausreise nicht zur Diskussion gestan-

den habe. Die Aussagen seiner Schwester würden zeigen, dass er am (…) 

November 2013 gesucht worden und sie Opfer von Reflexverfolgung ge-

worden sei, weil er für die Behörden nicht greifbar gewesen sei. Dass das 

SEM ihr wegen in der Jugendzeit erlittener Übergriffe Asyl gewährt haben 

wolle, ändere nichts daran, dass sie im November 2013 wegen ihm verfolgt 

worden sei. Die Ausführungen des SEM, wonach eine Reflexverfolgung 

seiner Schwester zu verneinen sei, weil ihr Hintergrundwissen bezüglich 

seiner politischen Aktivitäten fehle, seien unsinnig. Seine Schwester sei bei 

ihrer Festnahme gerade deshalb so hart angefasst worden, weil sie nichts 

über ihn gewusst habe. Es sei üblich, dass separatistische Aktivisten im 

Familienkreis nicht über ihre Aktivitäten sprechen würden. Dies gerade 

auch zum Schutz der Familie, sei doch den sri-lankischen Behörden so 

klar, dass von Angehörigen in der Regel nur wenige Informationen erhält-

lich gemacht werden könnten. Dies bedeute nicht, dass es bei Verhören 

von Angehörigen nicht zu Verfolgung kommen könne. Nicht vorhandene 

Informationen würden aber im Allgemeinen vor vertiefter Verfolgung schüt-

zen. In seiner Familie sei die Kommunikation und die Bereitschaft, über 

andere Familienmitglieder zu sprechen, beeinträchtigt. Nachdem die Ver-

folgung von ihm dazu geführt habe, dass seine Schwester reflexverfolgt 

worden sei, wäre es logisch gewesen, wenn das SEM die ihn betreffende 

Verfügung in Wiedererwägung gezogen hätte. 

Er verwies ferner auf sein exilpolitisches Engagement, welches die Gefähr-

dungslage noch akzentuieren würde. Wie beiliegende Fotos zeigen wür-

den, habe er an regimekritischen Demonstrationen – am (…) 2017 in 

K._______ und im (…) 2017 in L._______ – teilgenommen. Er sei auf den 

Fotos zu erkennen und von LTTE-Symbolen umgeben. Dass er auch heute 

noch wegen seines Engagements für den tamilischen Separatismus mit 

Verfolgung zu rechnen hätte, ergebe sich aus der negativen Entwicklung 

der Sicherheitslage in Sri Lanka und der Rückkehr des Rajapaksa-Clans 

an die Macht. Er verweise hierzu auf den Lagebericht des SEM vom 

D-1779/2020 

Seite 14 

7. Februar 2020 und einen von seinem Rechtsvertreter verfassten Zusatz-

bericht zur Lage in Sri Lanka vom 10. April 2020 (mit Beilagen auf CD). 

Daraus ergebe sich, dass sich die Sicherheitslage seit 2018 massgeblich 

verschlechtert habe und die Machtkonzentration des Rajapaksa-Clans so-

wie die Militarisierung des Nordens und Ostens des Landes zugenommen 

hätten. Folter sei weitverbreitet, insbesondere Terrorverdächtige müssten 

bei einer Inhaftierung damit rechnen. Unter dem Vorwand der Bekämpfung 

des Corona-Virus habe sich die Sicherheitslage seit Februar 2020 weiter 

verschlechtert. Das Militär sei als zentraler Akteur der Pandemiebekämp-

fung aufgetreten und die Corona-Krise habe auch zu einer verstärkten 

Überwachung des Internets und der sozialen Medien geführt. Es sei folg-

lich davon auszugehen, dass zurückgeschaffte tamilische Gesuchstel-

lende unabhängig von ihrem sonstigen Risikoprofil einem Check auf regie-

rungskritische Aktivitäten in den besagten Medien unterzogen und dabei 

Verfolgung riskieren würden. Die neue sri-lankische Regierung habe sich 

vom Reform- und Versöhnungsprozess abgekehrt. Auch sei die Gefahr, 

welche die sri-lankischen Behörden der tamilischen Diaspora im Westen 

bezüglich angeblicher Wiederbelebungsversuche der LTTE zuschreiben 

würde, zu berücksichtigen. Es sei davon auszugehen, dass jede Person, 

die nach längerer Zeit aus einem Diasporazentrum nach Sri Lanka zurück-

kehre, dem Generalverdacht unterstehen würde, in den tamilischen Sepa-

ratismus involviert zu sein. Er habe sich für die TNA engagiert und dabei 

sei es zu einer Auseinandersetzung mit einem EPDP-Mitglied gekommen, 

was zu seiner Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden geführt habe. 

Die Aussagen seiner Schwester würden dokumentieren, dass die Suche 

nach ihm angehalten habe. Seine Ausreise ohne legale Papiere, der mehr-

jährige Auslandsaufenthalt und sein exilpolitisches Engagement würden 

sein Risikoprofil verschärfen. Es sei davon auszugehen, dass er bei einer 

Rückkehr der Gefahr von unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre. 

8.  

8.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

asylsuchenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, über-

wiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 

Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeur-

teilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen 

Sachverhalts, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche 

Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person 

D-1779/2020 

Seite 15 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Eine Behauptung gilt demnach bereits als glaubhaft 

gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, 

sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. 

Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der 

Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten 

Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-

brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 

2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

8.2 Anders als die Vorinstanz gelangt das Gericht nach Prüfung der Akten 

des Beschwerdeführers und Konsultation des N-Dossiers dessen Schwes-

ter zum Schluss, dass die wesentlichen Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers zu den fluchtauslösenden Ereignissen die oben genannten Anforde-

rungen an die Glaubhaftmachung erfüllen. 

8.2.1 Der Beschwerdeführer hat detailliert beschrieben, wie es dazu ge-

kommen sei, dass er in den Fokus der sri-lankischen Armee geraten sei. 

Die entsprechenden Schilderungen weisen keine wesentlichen Ungereimt-

heiten auf. Er hat die Unterstützung der TNA anlässlich der Regionalwah-

len von September 2013 und die damit in Zusammenhang stehende hand-

greifliche Auseinandersetzung mit Anhängern der EPDP schlüssig darge-

legt. Der geschilderte Vorfall ist in den betreffenden zeitlichen und regiona-

len Kontext einordbar. Es ist bekannt, dass es im Vorfeld der damaligen 

Wahlen ins Regionalparlament der Nordprovinz von Sri Lanka seitens des 

Militärs, der Geheimdienste und der verbündeten EPDP zu Einschüchte-

rungen der Wähler und Angriffen auf Kandidaten der Opposition gekom-

men ist (vgl. WORLD SOCIALIST WEBSITE, SRI LANKA: TNA gewinnt Kommu-

nalwahlen in der nördlichen Provinz, https://www.wsws.org/de/artic-

les/2013/10/04/sril-o04.html, abgerufen am 3. Juli 2023). Der Beschwerde-

führer hat auch den zeitlichen Ablauf der daraus resultierenden Ereignisse 

– Mitnahme zum Armeecamp in G._______ am Tag nach dem Handge-

menge vom Freitag, Entlassung am Montag unter Auferlegung einer Mel-

depflicht, Unterschriftsleistung im Armeecamp am Wohnort an den folgen-

den drei Sonntagen, Ausreise am darauffolgenden Samstag (12. Oktober 

2013) – durchwegs kohärent und präzis, unter exakter Angabe des jewei-

ligen Wochentags, geschildert. Auch wenn die beim Plakatieren aneinan-

dergeratenen EPDP- und TNA-Anhänger den Streit untereinander hätten 

schlichten können, erscheint es nicht abwegig, dass er von seinem Geg-

ner, der ihn persönlich kennt und gute Beziehungen zur Armee habe, dort 

angeschwärzt worden ist, woraufhin ihm eine Verbindung zu den LTTE 

https://www.wsws.org/de/articles/2013/10/04/sril-o04.html
https://www.wsws.org/de/articles/2013/10/04/sril-o04.html

D-1779/2020 

Seite 16 

unterstellt worden sei. Die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner 

Festhaltung im Armeecamp in G._______ sind von einer zu erwartenden 

Substanziiertheit und weisen keine wesentlichen Divergenzen auf. Auch 

der Umstand, dass dem Beschwerdeführer bei der Entlassung aus dem 

Armeecamp eine Meldepflicht auferlegt worden sei, ist im sri-lankischen 

Kontext plausibel. Der Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer habe die 

Abnahme seiner Identitätskarte durch die Armee zeitlich abweichend ein-

geordnet, vermag für die Glaubhaftigkeitsprüfung keine erhebliche Rele-

vanz zu entfalten. Unabhängig vom Zeitpunkt der physischen Abnahme der 

Identitätskarte ist angesichts der verhängten Meldepflicht davon auszuge-

hen, dass die Personalien des Beschwerdeführers im besagten Zusam-

menhang (TNA-Unterstützung) registriert wurden. Den sexuellen Miss-

brauch durch einen Armeeangehörigen anlässlich der Unterschriftsleistung 

hat der Beschwerdeführer ausreichend detailliert beschrieben. Die diesbe-

züglichen Schilderungen weisen diverse Realkennzeichen auf (bspw. Be-

schreibung seiner Schmerzen und Reaktionen [Schreie, Weinen] sowie 

seines Verhaltens nach der Heimkehr [Hinlegen, Duschen] [vgl. SEM-Akte 

A10 S. 3 F5 und S. 8 F59]) und wirken – in Nachachtung eines auch im 

Kreis eines gleichgeschlechtlichen Befragungsteams bei der Anhörung 

vom 20. Dezember 2013 durchaus nachvollziehbaren Schamgefühls – au-

thentisch. Die im Bericht der I._______ vom 28. September 2016 gestellte 

Differentialdiagnose einer PTBS kann die vorgebrachte Verfolgungssitua-

tion zwar nicht belegen, da sie per se keine Rückschlüsse auf die spezifi-

schen Ursachen der psychischen Leiden des Beschwerdeführers zulässt, 

aber doch als Anhaltspunkt für die Plausibilität der Vorbringen erachtet wer-

den. Den dritten Sonntag betreffend divergieren die Angaben des Be-

schwerdeführers insofern, als er bei der BzP anlässlich der – rudimentären 

– Befragung zu den Gesuchsgründen angegeben hat, von den Soldaten 

zuhause abgeholt worden zu sein (vgl. SEM-Akte A4 S. 6 Ziff. 7.01), im 

Rahmen der Anhörung aber ausführte, sich damals auf Geheiss der Sol-

daten selbständig zum Camp begeben zu haben (vgl. SEM-Akte A10 S. 3 

F5, S. 11 F89/F90). Diesem Widerspruch ist in der Tat ein gewisses Ge-

wicht beizumessen, weshalb Zweifel bezüglich des Ablaufs der Ereignisse 

am dritten Sonntag zu bestätigen sind. Der entsprechende Widerspruch ist 

aber letztlich nicht geeignet, um zur Unglaubhaftigkeit der gesamten Ver-

folgungsvorbringen respektive der Unglaubhaftigkeit des Vorbringens, der 

Beschwerdeführer habe sexuellen Missbrauch seitens eines Armeeange-

hörigen erlebt, zu führen, dies insbesondere auch mit Blick auf die nachfol-

genden Erwägungen.  

D-1779/2020 

Seite 17 

8.2.2 Von erheblicher Relevanz für die vorliegende Glaubhaftigkeitsprü-

fung ist nämlich auch der Umstand, dass der Schwester des Beschwerde-

führers in der Schweiz wegen erlittener Reflexverfolgung Asyl gewährt 

wurde (positiver Asylentscheid vom […] 2015). Vorauszuschicken ist dabei, 

dass die Verfolgungsvorbringen der Schwester in einem wesentlichen Teil 

die Aussagen des Beschwerdeführers bestätigen, ohne dass der Eindruck 

entstehen würde, es sei zu Absprachen gekommen. So weisen die Vorbrin-

gen der Schwester auch massgebliche Lücken auf – wie zur politischen 

Tätigkeit des Beschwerdeführers –, die im Falle der Abrede zweifellos ge-

füllt worden wären. Den konsultierten Asylakten der Schwester (N […]) 

lässt sich sodann entnehmen, dass diese nur einen Monat nach dem Be-

schwerdeführer – am (…) November 2013 – in der Schweiz um Asyl nach-

gesucht hat. Sie gab im Rahmen ihrer Befragungen vom (…) 2013 und (…) 

2015 zu Protokoll, dass Soldaten nach der Ausreise des Beschwerdefüh-

rers wiederholt nach ihm gesucht hätten und zusehends wütend geworden 

seien, als die Familie immer wieder gesagt habe, nicht zu wissen, wo er 

sei. Als die Soldaten am (…) November 2013 wiedergekommen seien und 

sie, aber nicht den Beschwerdeführer zuhause angetroffen hätten, sei sie 

anstelle ihres Bruders in das Armeecamp mitgenommen worden. Dort sei 

sie insbesondere auch sexueller Gewalt ausgesetzt worden. Bereits früher, 

in der (…) und (…) Klasse – und damit Jahre vor der Ausreise – habe sie 

sexuelle Übergriffe seitens von Soldaten erlebt. Aus den besagten Akten 

ergibt sich, dass das SEM die Vorbringen der Schwester alle Vorfälle be-

treffend als glaubhaft erachtet hat, insbesondere auch, dass sie am 

(…) November 2013 von Soldaten, die nach dem Beschwerdeführer ge-

sucht hätten, anstelle ihres Bruders zum Armeecamp mitgenommen wor-

den sei. Insofern erscheint es nicht nachvollziehbar, dass das SEM in sei-

ner Vernehmlassung vom 11. Mai 2020 ausführte, in den Vorbringen der 

Schwester gehe es nicht um Reflexverfolgung, weshalb deren Asylgewäh-

rung keine Relevanz entfalte. Vielmehr ist es in Berücksichtigung der Akten 

der Schwester und des entsprechenden rechtskräftigen Asylentscheids als 

erstellt zu erachten, dass der Beschwerdeführer nach seiner Ausreise aus 

Sri Lanka von der sri-lankischen Armee zuhause gesucht wurde, was wie-

derum die Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungsvorbringen unterstreicht. 

8.2.3 Nach einer Gesamtschau der Aussagen des Beschwerdeführers ist 

mit genügender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er in Zusam-

menhang mit einer ihm obliegenden Meldepflicht sexuellen Missbrauch 

durch einen Armeeangehörigen erlebt hat. Insgesamt betrachtet vermögen 

die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den fluchtauslösenden Ereig-

nissen somit in einem für die Glaubhaftigkeit genügenden Mass zu 

D-1779/2020 

Seite 18 

überzeugen. Es ist ihm gelungen, den zur Begründung seines Asylgesuchs 

vorgetragenen Sachverhalt in den wesentlichen Punkten glaubhaft zu ma-

chen, auch wenn zu einzelnen Sachverhaltselementen gewisse Zweifel be-

stehen bleiben. Daran vermögen auch die vom SEM erwähnten Plausibili-

tätsüberlegungen oder die vage geschilderte Fluchtroute – beides äusserst 

schwache Kriterien gegen die Glaubhaftigkeit der Fluchtgründe – nichts zu 

ändern. 

8.3 Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass die vom Beschwerde-

führer dargelegten Fluchtgründe als glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 7 

AsylG zu erachten sind. Es ist folglich davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer im Nachgang zu einer Plakataktion zugunsten der TNA im 

Rahmen der Provinzratswahlen im September 2013 und einer damit ver-

bundenen handgreiflichen Auseinandersetzung mit EPDP-Anhängern in 

den Fokus der sri-lankischen Armeebehörden geraten ist, aufgrund dieses 

Engagements kurzzeitig von der Armee festgehalten, befragt und geschla-

gen wurde und bei der Befolgung der ihm in diesem Zusammenhang auf-

erlegten Meldepflicht sexuellen Missbrauch seitens eines Armeeangehöri-

gen erlebt hat. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass er nach seiner 

Ausreise wiederholt seitens Armeeangehöriger gesucht wurde. 

9.  

9.1 Es bleibt, die flüchtlingsrechtliche Relevanz der als glaubhaft befunde-

nen Vorbringen des Beschwerdeführers zu prüfen. 

9.2 Nach Lehre und Rechtsprechung setzt die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Per-

son ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr 

gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind 

oder drohen. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft 

ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung oder eine be-

gründete Furcht vor einer solchen bestand. Die Verfolgung respektive die 

Verfolgungsfurcht muss grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylent-

scheids noch aktuell sein, wobei erlittene Verfolgung vor der Ausreise oder 

im Zeitpunkt der Ausreise bestandene begründete Furcht vor Verfolgung 

auf eine andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der ob-

jektiven Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und 

Asylentscheid sind bei der Beurteilung der Aktualität der Verfolgungsfurcht 

zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen 

D-1779/2020 

Seite 19 

(vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/51 E. 6; 2011/50 E. 3.1.1 und 3.1.2; 

2010/57 E. 2; 2008/34 E. 7.1; 2008/12 E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2 je m.w.H.). 

Die Beurteilung einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung hat ei-

nerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und 

ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und 

das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Eine 

Person, die bereits einmal Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat 

objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht als eine Per-

son, bei der dies nicht der Fall ist (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1; 2011/50 

E. 3.1.1 und 2010/57 E. 2). 

9.3 Der Beschwerdeführer hat, wie oben ausgeführt (vgl. E. 8.2 –  8.3), 

glaubhaft dargelegt, dass er in Sri Lanka wegen Unterstützung der TNA ins 

Visier der heimatlichen Sicherheitskräfte geraten ist. Er wurde von den sri-

lankischen Armeebehörden einige Tage festgehalten und dabei geschla-

gen und eingeschüchtert, wobei ihm auch vorgeworfen worden sei, den 

LTTE anzugehören. Die Entlassung erfolgte unter Auflage einer Melde-

pflicht und folglich einer entsprechenden Registrierung seiner Personalien. 

Bei der Befolgung der Pflicht zur Unterschriftsleistung wurde er Opfer se-

xuellen Missbrauchs durch einen Armeeangehörigen. Damit hat der Be-

schwerdeführer bereits vor seiner Ausreise aus Sri Lanka ernsthafte Nach-

teile im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten und er hatte im Ausreisezeitpunkt 

objektiv begründete Furcht, künftig weiteren Nachteilen erheblichen Aus-

masses ausgesetzt zu sein. Er wurde, nachdem er der Meldepflicht nicht 

mehr nachkam, wiederholt von Armeeangehörigen zuhause gesucht, und 

seine Schwester wurde im November 2013 an seiner Stelle von Soldaten 

mitgenommen. Für den Zeitpunkt der Ausreise ist daher von einer asylre-

levanten Verfolgung des Beschwerdeführers auszugehen. 

9.4 Für die Annahme, dass sich die Verfolgungssituation, wie sie sich im 

Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers aus Sri Lanka präsentierte, 

ernsthaft und dauerhaft in dem Sinne verbessert hat, dass dieser im heuti-

gen Zeitpunkt keine begründete Furcht mehr hätte, im Heimatland ernst-

hafte Nachteile zu erleiden, besteht keine Veranlassung. 

9.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri 

Lanka vorgenommen. Es orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von 

Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und 

Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Eine tatsächliche oder 

D-1779/2020 

Seite 20 

vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Ein-

trag in der sogenannten «Stop-List», die Teilnahme an exilpolitischen re-

gimekritischen Handlungen und das Vorliegen früherer Verhaftungen durch 

die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer 

tatsächlichen oder auch bloss vermuteten Verbindung zu den LTTE, wer-

den als stark risikobegründende Faktoren eingestuft (vgl. a.a.O., 

E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft 

zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen 

Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach 

Sri Lanka zurückgeführt werden oder über die Internationale Organisation 

für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, die sich eine gewisse 

Zeit in einem westlichen Land aufgehalten haben und die gut sichtbare 

Narben aufweisen (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., 

E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-

haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der 

betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-

dere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachtei-

len im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Be-

hörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Se-

paratismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 

Die besagten Risikofaktoren, die zu einer asylrechtlich relevanten Gefähr-

dung von nach Sri Lanka zurückkehrenden tamilischen Personen führen 

können, sind nach wie vor aktuell. Seit Erlass des Referenzurteils war die 

Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen. Zu erwäh-

nen sind namentlich die Terroranschläge an Ostern 2019, die Wahl von 

Gotabaya Rajapaksa am 16. November 2019 zum Präsidenten des Lan-

des und die jüngsten Begebenheiten, welche zum Rücktritt einzelner Re-

gierungsmitglieder und des Präsidenten Gotabaya Rajapaksa geführt ha-

ben. Das Gericht ging in seiner Rechtsprechung aufgrund der Veränderun-

gen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Machtwechsel nach den 

Präsidentschaftswahlen im November 2019 – vielmehr von einer mögli-

chen Akzentuierung der Gefährdungslage für Personen, die bestimmte Ri-

sikofaktoren erfüllen, aus (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-6428/2019 

vom 6. Oktober 2022 E. 8.3.2 m.w.H.). Die Wahl von Ranil Wickreme-

singhe am 20. Juli 2022 zum Nachfolger des abgetretenen Gotabaya Raja-

paksa als neuer Staatspräsident ändert vorerst nichts an der bisherigen 

Lageeinschätzung, ist dieser doch Teil der alten politischen Elite (vgl. bspw. 

Urteile des BVGer E-458/2021 vom 8. Juni 2023 E. 7.1.3, E-43/2020 vom 

2. Juni 2023 E. 7.4.4 und D-307/2020 vom 20. März 2023 E. 8.2). 

D-1779/2020 

Seite 21 

9.4.2 Beim Beschwerdeführer liegen mehrere Risikofaktoren vor. Er geriet 

bereits vor seiner Ausreise aus Sri Lanka wegen seines Engagements für 

die TNA und den damit verbundenen Zusammenstoss mit EPDP-Anhä-

ngern in den Fokus der sri-lankischen Behörden, ihm wurden Verbindun-

gen zu den LTTE unterstellt und er wurde in diesem Zusammenhang Opfer 

sexuellen Missbrauchs seitens eines Armeeangehörigen. Auch wenn sein 

damaliges politisches Engagement aus heutiger Sicht niederschwellig er-

scheint, wie dies auch das in der Eingabe vom 8. Juni 2020 dargelegte 

exilpolitische Engagement (Teilnahme an zwei Demonstrationen im Jahr 

2017) es tut, kann nicht ausgeschlossen werden, dass er bei einer heutigen 

Rückkehr nach Sri Lanka – nach rund zehnjähriger Landesabwesenheit – 

mit erhöhter Aufmerksamkeit seitens der Behörden und eingehender Be-

fragung hinsichtlich (vermeintlicher) oppositioneller Aktivitäten zu rechnen 

hätte, zumal die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass sein Name bei den Be-

hörden weiterhin registriert ist, nachdem er der ihm obliegenden Pflicht zur 

Unterschriftsleistung nicht mehr nachgekommen ist. Der Umstand, dass 

Armeeangehörige nach seiner Ausreise wiederholt nach ihm gesucht und 

seine Schwester an seiner Stelle mitgenommen haben, spricht für diese 

Annahme. Es gilt zudem zu berücksichtigen, dass die Anforderungen an 

die Erfüllung einer im heutigen Zeitpunkt objektiv begründeten Furcht des 

Beschwerdeführers vor künftiger Verfolgung aufgrund der von ihm bereits 

erlittenen Verfolgung herabgesetzt sind (vgl. E. 9.2). Angesichts der erleb-

ten Vorverfolgung und der weiterhin schlechten Sicherheitslage in Sri 

Lanka ist die subjektive Furcht des Beschwerdeführers vor weiteren Über-

griffen, müsste er in sein Heimatland zurückkehren, auch im heutigen Zeit-

punkt objektiv nachvollziehbar und als begründet im Sinne von Art. 3 Abs. 1 

AsylG zu erachten. 

9.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen zur Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG vorlie-

gend erfüllt sind. Aus den Akten ergeben sich zudem keine konkreten Hin-

weise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen (vgl. Art. 49 AsylG). 

Der Beschwerdeführer hat demnach Anspruch auf Asyl. 

 

10.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene 

Verfügung vom 29. Januar 2016 ist aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist 

gemäss Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und das SEM anzuwei-

sen, ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

D-1779/2020 

Seite 22 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Folglich ist dem Beschwerdeführer der – im 

Beschwerdeverfahren D-1485/2016 einbezahlte – Kostenvorschuss von 

Fr. 600.– zurückzuerstatten. 

11.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Seitens der 

Rechtsvertretung wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Auf die 

Nachforderung einer solchen kann verzichtet werden, da sich der Aufwand 

zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Entschädigungspflich-

tig ist nur der notwendige Aufwand. Die Beschwerdeeingaben enthalten 

mehrseitige Ausführungen zur allgemeinen Lage in Sri Lanka, die sich 

auch in Eingaben des Rechtsvertreters in anderen Beschwerdeverfahren 

finden lassen. In Berücksichtigung dieses Umstands sowie der übrigen 

massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist die dem Be-

schwerdeführer von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung 

auf insgesamt Fr. 3500.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 

Abs. 1 Bst. c VGKE) festzulegen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1779/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 29. Januar 2016 wird aufgehoben. Der 

Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt und das SEM angewiesen, 

ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Dem Beschwerdeführer wird der im Beschwerdeverfahren D-1485/2016 

einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 600.– rückerstattet. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3500.– auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Susanne Burgherr 

 

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