# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c9ebfab-3d9e-58a1-ba1c-0f6a3d73d5af
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-04-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 05.04.2006 UK030131
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_UK030131_2006-04-05.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich

Geschäfts-Nr. UK030131/U/ml

III. Strafkammer

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. H. Mathys, Vorsitzender, Dr. F. Bollinger und

Dr. D. Bussmann sowie die juristische Sekretärin lic.iur. Welti

Beschluss vom 5. April 2006

in Sachen

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, 8026 Zürich,
Rekurrentin

gegen

S. R.,
Rekursgegner

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt

betreffend Kosten etc.

Rekurs gegen den Beschluss der 4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich
vom 21. August 2003, DA030053

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Das Gericht erwägt:

1. Die Bezirksanwaltschaft Horgen führte gegen S. R. (heutiger Rekursgeg-

ner) eine Strafuntersuchung wegen Tötungsdelikten zum Nachteil von +M. G. und

zwei weiteren Opfern sowie weiterer Straftaten. Am 3. April 2003 erhob die

Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bei der Anklagekammer des Obergerich-

tes des Kantons Zürich einerseits Anklage wegen mehrfachen Mordes zum

Nachteil zweier Geschädigter etc. und stellte mit gleichem Datum anderseits die

Untersuchung mit Bezug auf das Tötungsdelikt zum Nachteil von +M. G. ein. Sie

auferlegte ihm jedoch die Kosten dieser Einstellungsverfügung, 1/3 der das Tö-

tungsdelikt +M. G. betreffenden Untersuchungskosten sowie die Kosten seiner

amtlichen Verteidigung (Urk. 5). Der Angeschuldigte verlangte gerichtliche Beur-

teilung des Entscheides über die Kosten- und Entschädigungsfolgen, worauf die

4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich am 21. August 2003 beschloss, dass

dem Gesuchsteller in der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zü-

rich vom 3. April 2003 eingestellten Strafuntersuchung Nr. ___ keine Kosten auf-

erlegt werden und die Kosten seiner amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse

genommen werden. Sodann sprach sie ihm für die im Zusammenhang mit diesem

Tötungsdelikt erstandene Untersuchungshaft vom 19. Februar 2000 bis 12. Juli

2000, mithin von 144 Tagen (4 Monate und 24 Tage), als Genugtuung Fr.

14'400.00, zuzüglich 5% Zins seit 1. Mai 2000, aus der Staatskasse zu (Urk. 3).

2. Gegen diesen Entscheid erhob die Staatsanwaltschaft des Kantons Zü-

rich fristgerecht Rekurs mit dem Antrag, in Aufhebung von Ziff. 1 und Ziff. 2 des

Dispositivs des angefochtenen Beschlusses seien die Kosten der Einstellungs-

verfügung, 1/3 der das Tötungsdelikt zum Nachteil von +M. G. betreffenden Un-

tersuchungskosten und die betreffenden Kosten der amtlichen Verteidigung dem

Rekursgegner aufzuerlegen und es sei von der Ausrichtung einer Genugtuung

abzusehen; eventualiter sei in Aufhebung von Ziff. 2 des Dispositivs des ange-

fochtenen Beschlusses dem Rekursgegner eine Genugtuung von Fr. 5'000.00 zu-

züglich Zins seit dem 1. Mai 2000 aus der Staatskasse zuzusprechen (Urk. 1).

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Der amtliche Verteidiger des Rekursgegners stellte nach einmaliger Frister-

streckung den Antrag auf Sistierung des Rekursverfahrens. Zur Begründung

führte er aus, der Rekursgegner sei mit Urteil des Geschworenengerichtes des

Kantons Zürich vom 18. Dezember 2003 in zwei Fällen des Mordes für schuldig

gesprochen worden. Die Fortsetzungsverhandlung zur Festsetzung des Strafma-

sses finde voraussichtlich Ende August 2004 statt. Die den Hauptstreitpunkt des

vorliegenden Rekursverfahrens bildende Untersuchungshaft von 144 Tagen habe

der Rekursgegner nach den beiden ihm (im Geschworenengerichtsurteil) zur Last

gelegten Tötungsdelikten vom Juni 1999 bzw. Januar 2000 erstanden. Im Rah-

men der Festsetzung des Strafmasses durch das Geschworenengericht werde

sich daher die Frage stellen, ob die im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an

+M. G. erstandene Untersuchungshaft an die vom Geschworenengericht auszu-

sprechende Strafe anzurechnen sei (Urk. 9). Mit Präsidialverfügung vom 24. April

2004 wurde das vorliegende Rekursverfahren antragsgemäss bis zum Entscheid

des Geschworenengerichtes sistiert (Urk. 11).

3. Das Geschworenengericht bestrafte S. R. mit Urteil vom 25. August 2004

unter anderem mit lebenslanger Zuchthausstrafe, unter Anrechnung von 1'170

Tagen erstandener Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Urk. 13). Gegen dieses

Urteil erhob der Angeklagte kantonale Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag,

das angefochtene Urteil sei vollumfänglich, eventuell nur im Strafpunkt, aufzuhe-

ben und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Mit Zirkulati-

onsbeschluss des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich vom 7. Oktober 2005

wurde die Nichtigkeitsbeschwerde abgewiesen und dem Beschwerdeführer Frist

zur Erhebung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde angesetzt (Urk. 14).

Die daraufhin erhobene eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde schliesslich wur-

de mit Urteil des Kassationshofes des Schweizerischen Bundesgerichts vom 14.

März 2006 abgewiesen (Urk. 15). Das geschworenengerichtliche Urteil vom 18.

Dezember 2003 und 25. August 2004 ist somit rechtskräftig und das vorliegende

Rekursverfahren ist wieder aufzunehmen.

4. Das Geschworenengericht rechnete in seinem erwähnten Urteil den über-

einstimmenden Anträgen der Parteivertreter entsprechend dem Angeklagten die

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144 Tage erstandene Untersuchungshaft in der eingestellten Untersuchung be-

treffend die Tötung von +G. an die auszusprechende Strafe an, und der Ange-

klagte erklärte sich diesfalls konsequenterweise persönlich mit dem Verzicht auf

eine Entschädigung und/oder Genugtuung für diese Haft ausdrücklich einverstan-

den (Urk. 16 Ziff. VII.7.4.2., S. 110). Bei dieser Sachlage hat die Rekurrentin am

31. März 2006 ihren Antrag betreffend Kosten zurückgezogen und hat der Re-

kursgegner auf Rekursantwort verzichtet (Prot. S. 11). Demzufolge ist in teilweiser

Gutheissung des Rekurses Dispositiv Ziffer 2 des angefochtenen Beschlusses der

4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 21. August 2003 aufzuheben und

neu dahingehend zu formulieren, dass dem Angeschuldigten (= Rekursgegner)

keine Genugtuungssumme zuzusprechen und im Übrigen auf den Rekurs nicht

einzutreten ist.

5. In Berücksichtigung der Höhe der ausgefällten Hauptstrafe, der Neben-

strafe (15 Jahre Landesverweisung ohne Aufschub des Vollzuges) und der dem

Angeklagten im Geschworenengerichtsverfahren auferlegten Kosten von über

200'000 Franken fallen die Kosten des vorliegenden Verfahrens zufolge offen-

sichtlicher Unerhältlichkeit ausser Ansatz.

Demnach beschliesst das Gericht:

1. Das Verfahren wird wieder aufgenommen.

2. In teilweiser Gutheissung des Rekurses wird Dispositiv Ziffer 2 des Be-

schlusses der 4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 21. August 2003

aufgehoben und neu wie folgt formuliert:

"2.Dem Angeschuldigten wird im Sinne der Erwägungen keine Genugtuungssum-

me zugesprochen."

Im Übrigen wird auf den Rekurs nicht eingetreten.

3. Kosten fallen ausser Ansatz.

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4. Schriftliche Mitteilung an:

� die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
� den Rekursgegner bzw. seinen amtlichen Verteidiger
� die 4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich unter Rücksendung ihrer

Akten

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OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH

III. Strafkammer

Die juristische Sekretärin:

lic.iur. Welti

Anonymisiert am 22. Mai 2006

lic.iur. Welti