# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4226db19-0ab7-5bc6-aac5-7d8eab40be6f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-03-23
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 23.03.2004 SF 2004 3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2004-3_2004-03-23.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 23. März 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 04 3 (mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

(Abwesenheitsurteil)

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Jegen, Riesen-Bienz, Sutter-Ambühl und Burtscher
Aktuarin ad hoc Bäder Federspiel

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In der Strafsache

des X., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. Martina Zarn, 
c/o Bardill Advokatur & Notariat, Reichsgasse 71, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 27. Januar 2004, 

wegen Vergewaltigung sowie Widerhandlung gegen das ANAG,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 5. Mai 1964 in Sladna, Bosnien-Herzegowina geboren. 
Er wuchs in Tuzla zusammen mit zwei Geschwistern bei den Eltern auf. Dort be-
suchte er während acht Jahren die Grundschule. Danach absolvierte er während 
drei Jahren die Mittelschule, wo er eine Ausbildung zum Automechaniker abschloss. 
Danach bildete er sich während eines Jahres zum Maschinenmechaniker weiter und 
spezialisierte sich danach noch weitere eineinhalb Monate im Motorenbereich. An-
schliessend war er im Autozentrum in Tuzla tätig. Gemäss eigenen Angaben leistete 
X. im Krieg während vier Jahren an der Front Dienst als Offizier im technischen 
Bereich. Am 24. Februar 1998 gelangte er als Asylbewerber in die Schweiz. Mit 
Verfügung vom 28. Mai 2003 wurde gegen X. durch das Bundesamt für Ausländer-
fragen eine bis am 21. Juni 2008 dauernde Einreisesperre erlassen.

X. verheiratete sich am 21. Dezember 1985 mit C.. Aus der Ehe, die am 10. 
Dezember 2001 in Tuzla geschieden wurde, gingen zwei Kinder hervor. Die ge-
schiedene Ehefrau sowie die beiden Kinder wohnen in Domat/Ems. Am 23. April 
2002 ging X. mit der in der Schweiz niedergelassenen jugoslawischen Staatsan-
gehörigen A. geb. F. die Ehe ein. Seit April 2003 leben sie in Trennung.

X. verfügt über kein Einkommen. Er gibt an, Schulden in der Höhe von Fr. 
7'000.-- bis Fr. 8'000.-- zu haben.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet.

Am 5. April 2003 wurde X. in Chur festgenommen und mit Entscheid des 
Haftrichters des Bezirksgerichts Plessur vom 8. April 2003, mitgeteilt gleichentags, 
in Untersuchungshaft versetzt. Mit Verfügung vom 24. April 2003 wurde der Ange-
schuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen.

B. Am 5. April 2003 erhob A. gegen X. Strafantrag wegen Vergewaltigung 
in der Ehe. Mit Verfügung vom 8. April 2003 eröffnete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden gegen X. eine Strafuntersuchung wegen Vergewaltigung sowie Wider-
handlung gegen das ANAG und beauftragte das Untersuchungsrichteramt Thusis 
mit deren Durchführung. Die Schlussverfügung erging am 16. Oktober 2003. Am 
19. Januar 2004 erfolgte eine Teil-Einstellungsverfügung, gemäss welcher das am 
19. August 2002 gegen X. eröffnete Strafverfahren mit Bezug auf Drohungen zwi-
schen dem 1. März 2003 und 10. November 2003 sowie Erpressung vom 20. August 
2003 gegenüber A. unter dem Vorbehalt der Wiederaufnahme eingestellt wurde, da 
der Angeklagte infolge unbekannten Aufenthalts nicht zur Sache befragt werden 
konnte. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 27. Januar 2004 

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wurde X. wegen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 und 2 StGB sowie Wider-
handlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG in Anklagezustand versetzt. Der Anklage 
liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 27. Januar 
2004 der folgende Sachverhalt zugrunde:

 „X. wird angeklagt 

1. der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG 

Der Angeklagte lernte im Dezember 2001 A. kennen und wohnte ab Fe-
bruar 2002 zeitweilig auch in ihrer 1 ½-Zimmerwohnung in Chur. Am 23. 
April 2002 heiratete die damals 62-jährige A. den 23 Jahre jüngeren An-
geklagten einzig, um diesem zu ermöglichen, in der Schweiz zu bleiben, 
was dieser in der Folge auch tat. 

Akten: Dossier 6 

2. der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 und 2 StGB 

Am Samstag, 05. April 2003, begab sich der Angeklagte nach dem Aus-
gang gegen 04.00 Uhr nach Hause. Als er die Wohnung betrat, schlief 
A.X. auf dem Bettsofa. In der Folge zog sich X. bis auf das Unterleib-
chen aus. A.X. forderte ihn auf, die Balkontüre einen Spalt zu öffnen und 
ihr nicht zu nahe zu kommen, da er stark nach Rauch stank. Daraufhin 
wurde er wütend und stürzte sich auf sie. Die Geschädigte, welche mit 
ihm nie eine sexuelle Beziehung unterhalten haben will, bat ihn vergeb-
lich, sie in Ruhe zu lassen. Trotzdem riss der Angeklagte ihr die Pyja-
mahose und den Slip vom Leib. Dann drückte er mit beiden Händen und 
verschränkten Armen ihren Oberkörper auf das Bett, wobei er gleichzei-
tig seine Knie auf ihre Beine presste. Als sie dabei schrie, hielt er ihr mit 
der Hand den Mund zu und drohte, sie umzubringen. Nachdem sie sich 
geweigert hatte, seine Genitalien zu küssen, drang er mit seinem erreg-
ten Penis immer wieder in ihre Scheide ein. A.X. wehrte sich, indem sie 
ihn am Rücken mit den Fingernägeln kratzte bzw. in den Arm biss und 
versuchte wegzustossen. Nachdem der Angeklagte den Geschlechtsakt 
während rund 20 bis 30 Minuten gewaltsam vollzogen hatte, wobei es 
zu keinem Samenerguss kam, suchte er die Toilette auf. Die Geschä-
digte flüchtete daraufhin nur mit einem T-Shirt bekleidet aus der Woh-
nung und läutete Sturm an der Wohnungstüre ihrer Nachbarin. In der 
Folge liess B. die Geschädigte in ihre Wohnung ein und avisierte um 
05.00 Uhr in deren Auftrag die Stadtpolizei Chur.

Gemäss Arztbericht des kantonalen Frauenspitals Fontana vom 23. Mai 
2003 erlitt die Geschädigte an beiden Wangen, im Bereich des Halses 
rechtsseitig, beidseits an den Schultern und in den Achselhöhlen kleine 
Blutungen. Ferner wies sie einen kleinen Bluterguss an der Oberlippe 
rechts sowie an der linken Schulter auf. Gemäss Oberarzt pract. med. 
Niklaus Oechslin waren die im Genitalbereich der Geschädigten festge-
stellten Verletzungen auf Gewaltanwendung zurückzuführen. 

Die in der Folge beim Angeklagten durchgeführte Blutprobe und der 
HIV- Test verliefen negativ. 

Am 05. April 2003 stellte A.X. Strafantrag wegen Vergewaltigung in der 
Ehe. 

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Der Angeklagte anerkennt den Geschlechtsverkehr mit A.X. vollzogen 
zu haben; er bestreitet hingegen, dies gegen ihren Willen getan zu ha-
ben. 

Akten: Dossier 5 

Am 04. November 2003 reichte der Rechtsvertreter der Geschädigten 
eine Adhäsionsklage über Fr. 25'000.-- Genugtuung (zuzüglich 5 % Zins 
seit dem 05. April 2003) ein. 

Akten: 1.11 

Gegen A.X. wurde durch die Staatsanwaltschaft Graubünden im Zu-
sammenhang mit der Schein- bzw. Aufenthaltsehe ein separates Ver-
fahren durchgeführt (Proz. Nr. 2002.2009).“

C. Am 4. November 2003 reichte der Rechtsvertreter der Geschädigten 
A. gegen X. eine Adhäsionsklage mit folgenden Rechtsbegehren ein:

„1. X. sei zu verpflichten, Fr. 25'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 5. 
April 2003 an A. zu bezahlen.

2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von X..“

D. Die Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden fand am 23. März 2004 statt. Anwesend waren die amtliche Verteidi-
gerin des Angeklagten, Rechtsanwältin lic. iur. Martina Zarn, und der ausserordent-
liche Staatsanwalt, lic. iur. Corsin Capaul. Der Angeklagte wurde von der Fremden-
polizei aus der Schweiz ausgewiesen und ist unbekannten Aufenthaltes. Gegen die 
Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichts sowie gegen die Durch-
führung des Kontumazverfahrens wurden keine Einwände erhoben.

Nach Abschluss des Beweisverfahrens zur Person und zur Sache stellte und 
begründete der ausserordentliche Staatsanwalt in seinem Plädoyer folgende An-
träge:

„1. X. sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er mit Zuchthaus von 2 ½ Jahren, unter Anrechnung der Un-
tersuchungshaft, zu bestrafen.

3. Kostenfolge gemäss Gesetz.“

Die amtliche Verteidigerin von X. äusserte sich zunächst zur Anklage betref-
fend Vergewaltigung in der Ehe. Sie hielt fest, dass der Angeklagte den Tatbestand 
der Vergewaltigung bestreite. Der Geschlechtsverkehr zwischen ihm und A. am 
Morgen des 5. April 2003 sei im beidseitigen Einverständnis erfolgt. Ein direkter 
Beweis für eine Vergewaltigung liege nicht vor und es ständen sich widersprüchliche 

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Aussagen gegenüber. Die Anklage stütze ihren Vorwurf ausschliesslich auf die Aus-
sagen der Ehegattin sowie auf den Arztbericht des kantonalen Frauenspitals Fon-
tana. Die Tatsache, dass die Ehefrau A. seit Jahren an Depressionen, starken Ängs-
ten und psychosomatischen Beschwerden - massgeblich beeinflusst durch den 
Mord an ihrer Tochter vor zehn Jahren - leide, werde hierbei nicht erwähnt. Sie ge-
rate dadurch schneller in Angstzustände als andere Personen und fühle sich psy-
chisch eher bedroht als andere, auch wenn gar keine Drohung beabsichtigt sei. So-
dann beständen in den Aussagen von A. einige Ungereimtheiten zum konkreten 
Tathergang. Auch in Bezug auf die Frage, ob der Angeklagte gegenüber seiner Ehe-
frau zur Duldung des Beischlafs Gewalt angewendet habe, widersprächen die Aus-
sagen der Strafantragsstellerin teilweise den Fakten. Zusammenfassend seien bei 
der Sachverhaltsdarstellung von A. vernünftige Zweifel nicht zu unterdrücken, wes-
halb der Angeklagte bei einer pflichtgemässen Würdigung des vorliegenden Be-
weismaterials vom Vorwurf der Vergewaltigung in der Ehe freigesprochen werden 
müsse. Zur Anklage betreffend Verletzung des ANAG hielt die Verteidigerin fest, es 
gebe viele konkrete Hinweise für eine eigentliche Lebensgemeinschaft, bloss ein-
zelne Anhaltspunkte hingegen für die Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt 
und Niederlassung. Das Letztere lasse das Bundesgericht für die Annahme einer 
sogenannten Aufenthaltsehe jedoch nicht genügen. Für den Fall, dass das Gericht 
dennoch zu einem Schuldspruch gelange, erweise sich vorliegend eine Zucht-
hausstrafe von 18 Monaten als angemessen. Bei diesem Strafmass sei dem Ange-
klagten aufgrund des Vorlebens und des Charakters sodann der bedingte Strafvoll-
zug zu gewähren. Es könne ihm eine günstige Prognose betreffend künftigem Wohl-
verhalten gestellt werden. Die Adhäsionsklage von A. sei infolge des beantragten 
Freispruchs kostenfällig abzuweisen beziehungsweise für den Fall eines Schuld-
spruchs wegen Vergewaltigung in der Ehe aufgrund der konkreten Umstände auf 
maximal Fr. 8'000.-- festzusetzen. Abschliessend stellte die amtliche Verteidigerin 
folgende Anträge:

„1. X. sei von der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 und 2 StGB und 
der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG frei zu sprechen.

2. Eventualbegehren:

a) X. sei der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 und 2 StGB und der 
Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG schuldig zu sprechen.

b) Dafür sei er angemessen, maximal mit 18 Monaten Zuchthaus, abzüg-
lich der erstandenen Untersuchungshaft, zu bestrafen.

c) Es sei ihm unter Ansetzung einer angemessenen Probezeit der be-
dingte Strafvollzug zu gewähren.

3.a) Die Adhäsionsklage von A. vom 04. November 2003 sei abzuweisen.

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b) Eventualiter sei X. zu verpflichten, A. eine Genugtuung nach richterli-
chem Ermessen, maximal Fr. 8'000.--, zuzüglich Zins seit dem 05. April 
2003 zu bezahlen.

c) Kosten und Entschädigungsfolge sei jeweils (Ziffern 3 a und b) die ge-
setzliche.

4. Kosten- und Entschädigungsfolge sei die gesetzliche.“

In der Replik sowie der Duplik hielten beide Parteien an ihren Anträgen und 
deren Begründung fest.

Auf die weiteren mündlichen Ausführungen des Staatsanwalts und der Ver-
teidigerin - das mündliche Plädoyer der Verteidigerin wurde schriftlich zu den Akten 
gereicht - sowie die schriftlichen Ausführungen der Adhäsionsklägerin wird, soweit 
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden zur Beurtei-
lung der vorliegenden Strafsache ergibt sich aus Art. 45 Abs. 1 lit. a) StPO, nach 
welchem das Kantonsgericht alle Verbrechen beurteilt, die mit Zuchthaus über fünf 
Jahren bedroht sind. X. wurde unter anderem der Vergewaltigung gemäss Art. 190 
Abs. 1 StGB angeklagt, ein Delikt, welches einer Strafdrohung von Zuchthaus bis 
zu zehn Jahren unterliegt.

2. X. wurde wegen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 und 2 StGB 
sowie Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG in Anklagezustand versetzt. 
Die ihm zur Last gelegten Taten werden vom Angeklagten in beiden Anklagepunk-
ten bestritten. Hierzu ist festzuhalten, dass die Beweislast für die dem Angeklagten 
zur Last gelegte Tat grundsätzlich beim Staat liegt (Willy Padrutt, Kommentar zur 
Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, Ziff. 2 zu Art. 
125 StPO, S. 306). Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht 
gemäss Art. 144 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StPO nach freier, 
in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung (vgl. Niklaus Schmid, Strafpro-
zessrecht, 3. Aufl., Zürich 1997, N 286, S. 82 f.). Dieser Grundsatz der freien Be-
weiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 BStP. Das Gericht hat von Bundes-
rechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen 
Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber 
zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 115 IV 
268 f.). Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle Wahrheit 

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wegleitend, so kann für diese Beurteilung nur die freie Meinung des Gerichts mass-
gebend sein (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches Strafprozess-
recht, 4. Auflage, Basel 1999, § 54 N 2, S. 215). Allein auf diese Weise kann das 
Gericht ein für jeden Einzelfall zutreffendes Urteil fällen.

Neben der Würdigung der Beweise stellt sich dem Gericht die Frage, wann 
es eine bestimmte Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann nicht. Nach 
Lehre und Rechtsprechung darf blosse Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung 
nicht genügen, absolute Sicherheit ist für eine solche aber auch nicht erforderlich 
und eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein 
könnte, rechtfertigt keinen Freispruch (vgl. Hauser/Schweri, a.a.O., § 54 N 11, S. 
217). Trotzdem sind an den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen 
zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein 
absoluter Beweis der Täterschaft. Aufgabe des Gerichts ist es, ohne Bindung an 
Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeu-
gung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Über-
zeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Angeklagten 
muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige Zwei-
fel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; 
Schmid, a.a.O., N 289, S. 83). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 
EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrich-
ter jedoch nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachver-
haltes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsäch-
lichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 
f.). Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil 
solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es 
muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, 
das heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 120 
Ia 37). Die genannte allgemeine Rechtsregel kommt nicht schon dann zur Anwen-
dung, wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher sich 
aus den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der An-
klage oder jene des Angeklagten das Gericht zu überzeugen vermag. Erst wenn 
eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung zu ge-
winnen ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den Angeklagten 
günstigere Sachverhalt angenommen werden (Padrutt, a.a.O., N 2 zu Art. 125 
StPO, S. 307).

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Bei der Würdigung von Zeugenaussagen im Rahmen des Gerichtsverfahrens 
interessiert nicht in erster Linie die persönliche Glaubwürdigkeit eines Zeugen, son-
dern vielmehr die sachliche Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage (vgl. Robert 
Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozes-
ses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind 
dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Ge-
schehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebten zu wer-
ten. Die Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von 
demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Indiz 
für die Richtigkeit der Deposition. Für die Korrektheit einer Aussage sprechen im 
weiteren die Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter, Opfer und 
Zeuge, die Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle, Ent-
lastungsbemerkungen zu Gunsten des Beschuldigten und die Konstanz in der Aus-
sage bei verschiedenen Befragungen. Bei wahrheitswidrigen Bekundungen fehlen 
diese Kennzeichen regelmässig. Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aus-
sagen sind Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, 
Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe 
mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten 
und gleichförmige, eingeübt wirkende Aussagen. Die Richtigkeit einer Deposition 
muss alsdann auf ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem Er-
gebnis der übrigen Beweiserhebungen geprüft werden. Auch im System der Glaub-
würdigkeitskriterien von Arntzen (Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, Psycho-
logie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Auflage, Mün-
chen 1993) steht an erster Stelle die Aussage selbst. Sie ist vor dem Hintergrund 
allgemein bekannter oder im Einzelfall zu erkundender psychischer Eigenarten zu 
betrachten, wobei bestimmte Aussageeigenarten als Glaubwürdigkeitsmerkmale 
anzusehen sind. Unterschieden wird dabei zwischen Glaubwürdigkeitskriterien, die 
sich aus dem Aussageinhalt, der Aussageentwicklung, der Aussageweise sowie 
dem Motivationsumfeld der Aussage ergeben. Kriterien des glaubhaften Aussagein-
halts sind der Grad der Detaillierung und der inhaltlichen Besonderheit sowie die 
Homogenität der Aussage. Die Glaubwürdigkeit aus dem Verlauf der Aussageent-
wicklung ergibt sich aus der relativen Konstanz einer Aussage in zeitlich auseinan-
derliegenden Befragungen sowie aus der Ergänzbarkeit der Deposition bei nachfol-
genden Befragungen. Nacherlebende Gefühlsbeteiligung und ungesteuerte Aussa-
geweise sprechen im Bereich der Aussageweise für einen hohen Wahrheitsgehalt. 
Der Grad der Objektivität ist schliesslich massgebend für den Grad der Glaubwür-
digkeit, der sich aus dem Motivationsumfeld ergibt (vgl. Arntzen/Michaelis-Arntzen, 
a.a.O., S. 15 ff.).

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3. Nach Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG macht sich strafbar, wer rechtswidrig 
das Land betritt oder darin verweilt. Ein illegaler Aufenthalt gemäss Art. 23 ANAG 
liegt dann vor, wenn sich ein Ausländer ohne Berechtigung in der Schweiz aufhält 
(vgl. Art. 1 ANAG). Dem Ehegatten eines Ausländers, der im Besitz einer Nieder-
lassungsbewilligung ist, kommt gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG ein Anspruch auf 
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu, solange die Ehegatten 
zusammen wohnen. Der ausländische Ehegatte eines Schweizer Bürgers hat nach 
Art. 7 Abs. 2 ANAG dann keinen Anspruch auf die ihm nach Abs. 1 der genannten 
Bestimmung grundsätzlich zustehende Erteilung und Verlängerung der Aufenthalts-
bewilligung, wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die Vorschriften über Auf-
enthalt und Niederlassung von Ausländern zu umgehen. Eine entsprechende Re-
gelung findet sich im eingangs erwähnten Art. 17 Abs. 2 ANAG, wo der Aufenthalts-
anspruch des Ehegatten eines in der Schweiz niedergelassenen Ausländers gere-
gelt wird, nicht ausdrücklich. Das Bundesgericht hat indes entschieden, dass als 
Ausfluss des allgemeinen verfassungsrechtlichen Grundsatzes des Rechtsmiss-
brauchs der Anspruch aus Art. 17 Abs. 2 ANAG in gleicher Weise wie derjenige aus 
Art. 7 Abs. 1 ANAG entfällt, wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die frem-
denpolizeilichen Vorschriften zu umgehen (BGE 121 II 5 ff.). Eine Umgehung findet 
unter anderem in Fällen statt, in denen die Ehegatten von vornherein keine echte 
eheliche Gemeinschaft einzugehen beabsichtigen (BGE 127 II 49 ff., 55). 

In der Regel entzieht es sich dem direkten Beweis, dass Ehegatten mit ihrer 
Heirat nicht eine eheliche Lebensgemeinschaft begründen, sondern lediglich die 
einschlägigen ausländerrechtlichen Bestimmungen umgehen wollen. Die Tatsache, 
dass die Ehe von keinem bzw. nur von einem der beiden Ehegatten als Lebensge-
meinschaft wirklich gewollt ist (sog. einverständliche bzw. einseitige Aufenthalt-
sehe), kann zumeist nur durch Indizien nachgewiesen werden. Nach bundesgericht-
licher Rechtsprechung können insbesondere die folgenden Indizien für das Vorlie-
gen einer Aufenthaltsehe sprechen: Grosser Altersunterschied zwischen den Ehe-
gatten, drohende Wegweisung des ausländischen Ehegatten infolge Nichtverlänge-
rung der Aufenthaltsbewilligung bzw. Abweisung des Asylgesuches oder bestehen-
des Einreiseverbot, kurze Dauer und ungewöhnliche Umstände der Bekanntschaft 
vor der Eheschliessung, Nichtaufnahme der Wohn- und Lebensgemeinschaft sowie 
Geldzahlungen für den Eheschluss (vgl. BGE 121 II 101 f., 119 Ib 419 ff.; vgl. auch 
M. und S. Raess-Eichenberger [Hrsg.], Das aktuelle schweizerische Ausländer-
recht, Teil 3, Kapitel 2.3.1.1.1.). Dass die Begründung einer wirklichen Lebensge-
meinschaft gewollt war, kann umgekehrt nicht bereits aus dem Umstand abgeleitet 
werden, wonach die Ehegatten während einer gewissen Zeit zusammenlebten und 

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intime Beziehungen unterhielten; ein derartiges Verhalten kann auch lediglich vor-
gespiegelt sein, um die Behörden zu täuschen (vgl. BGE 122 II 292, 121 II 1 2 f., 
119 Ib 420, je mit Hinweisen).

a) Die Anklage wirft X. vor, gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG verstossen 
zu haben, indem er am 23. April 2002 mit A., Inhaberin einer Niederlassungsbewil-
ligung, eine sogenannte Aufenthaltsehe eingegangen sei. Die damals 62-jährige A. 
habe den 23 Jahre jüngeren Angeklagten einzig geheiratet, um diesem zu ermögli-
chen, in der Schweiz zu bleiben. Von Seiten der Verteidigung wird bestritten, dass 
der Angeklagte mit A. eine Aufenthaltsehe eingegangen sei. So gebe es viele kon-
krete Hinweise für eine eigentliche Lebensgemeinschaft, bloss einzelne Anhalts-
punkte jedoch für eine Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt und Niederlas-
sung. Diese genügten für die Annahme einer Aufenthaltsehe indes noch nicht.

b) Das Kantonsgericht gelangt nach Würdigung der vorhandenen Be-
weise zur Ansicht, dass zwischen dem Angeklagten und A. eine Aufenthaltsehe vor-
liegt, und zwar aus folgenden Gründen:

b/1) Auszugehen ist zunächst von den Aussagen der Ehefrau A.. Jene gab 
sowohl anlässlich der Einvernahme durch die Kantonspolizei Graubünden vom 29. 
Mai 2002 (act. 6.3) als auch im Verlaufe der fremdenpolizeilichen Befragung vom 
17. Juni 2002 (act. 6.11) unumwunden zu, den Angeklagten einzig geheiratet zu 
haben, um diesem zu ermöglichen, in der Schweiz zu bleiben. Im Rahmen der ers-
ten Befragung war sie nicht einmal in der Lage, den Familiennamen oder das Alter 
jenes Mannes anzugeben, mit dem sie die Ehe eingegangen war. Der Angeklagte 
hingegen macht geltend, seine Ehefrau aus Liebe geheiratet zu haben und mit ihr 
in normalen Eheverhältnissen zu leben. Den abweichenden Aussagen seiner Ehe-
frau spricht er beziehungsweise die Verteidigung jeglichen Beweiswert ab. Es 
handle sich bei A. um eine stark traumatisierte Person mit psychischen Problemen, 
die dem schweren Druck einer fremdenpolizeilichen Befragung nicht gewachsen 
gewesen sei. Hierzu ist festzuhalten, dass A. gemäss einem sich in den Akten be-
findenden ärztlichen Bericht tatsächlich an psychischen Problemen leidet. Anzei-
chen, wonach sie bei der fremdenpolizeilichen Einvernahme einem schweren Druck 
ausgesetzt gewesen wäre, sind jedoch nicht ersichtlich. Es besteht denn auch kein 
erkennbarer Grund, weshalb die Ehefrau des Rekurrenten anlässlich dieser Einver-
nahmen das Vorliegen einer Aufenthaltsehe hätte zugeben sollen, wenn es sich 
nicht tatsächlich um eine solche handeln würde, umso mehr als sie durch die Frem-
denpolizei ausdrücklich zur wahrheitsgetreuen Aussage ermahnt worden war. 

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b/2) Zu beachten ist, dass gegen A. ebenfalls eine Strafuntersuchung be-
treffend Widerhandlung gegen das ANAG eröffnet worden war (vgl. act. 1.1.). Im 
Rahmen dieser Untersuchung wurde sie als Angeschuldigte am 14. November 2002 
untersuchungsrichterlich einvernommen (act. 6.15). Sie gab bei dieser Gelegenheit 
an, die vor der Kantons- und der Fremdenpolizei gemachten Aussagen betreffend 
Aufenthaltsehe seien allesamt falsch, da sie zu dieser Zeit depressiv gewesen sei. 
Es handelt sich hierbei allerdings um eine einmalige Aussage, die mit sämtlichen 
zeitlich früheren (act. 6.3, 6.11) und späteren Aussagen (act. 4.5, 4.18) von A. nicht 
übereinstimmt. Es bestehen sodann Anzeichen, dass jene von ihrem Ehemann be-
droht wurde beziehungsweise unter Druck gesetzt wurde, das Bestehen einer Auf-
enthaltsehe abzustreiten, so jedenfalls ihr anlässlich weiterer Aussagen konstant 
vorgebrachter Vorwurf (vgl. act. 6.11). Diese isolierte widersprüchliche Aussage ist 
daher nicht geeignet, den Wahrheitsgehalt der Aussagen von A. gesamthaft in 
Frage zu stellen. Das Gericht gelangt vielmehr zur Überzeugung, dass die wieder-
holten Aussagen von A., bei ihrer Ehe mit dem Angeklagten handle es sich um eine 
Aufenthaltsehe, glaubhaft sind und der Wahrheit entsprechen. Hinzu kommen wei-
tere Indizien, die die Aussagen seiner Ehefrau untermauern. 

b/3) Ein gewichtiges Indiz, welches für das Vorliegen einer Aufenthaltsehe 
spricht, ist der Umstand, dass dem Angeklagten im Zeitpunkt der Heirat bzw. deren 
Vorbereitungen die Wegweisung aus der Schweiz drohte. Die Schweizerische Asyl-
rekurskommission hatte am 4. Februar 2002 die Beschwerde des Angeklagten ge-
gen den am 14. Dezember 1998 ergangenen negativen Asylentscheid abgelehnt. 
Dem Angeklagten war in der Folge Frist bis am 8. Mai 2002 zum Verlassen der 
Schweiz gesetzt worden. Die Eheschliessung erfolgte kurz vor Ablauf dieser Frist, 
nämlich am 23. April 2002. Die Heirat mit der in der Schweiz niedergelassenen A. 
bildete für den Angeklagten die einzige noch verbleibende Chance, eine fremden-
polizeiliche Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu erhalten. Die Verteidigung 
wendet hiergegen ein, Vorkehrungen zur Eheschliessung, namentlich die Anmel-
dung beim Zivilstandsamt, seien bereits getroffen worden, bevor dem Angeklagten 
mitgeteilt worden sei, dass er die Schweiz verlassen müsse. Es könne ihm daher 
nicht vorgeworfen werden, wegen einer drohenden Ausweisung geheiratet zu ha-
ben. Dieser Einwand vermag nicht zu überzeugen. Zu beachten ist zunächst, dass 
die erste Ehe des Angeklagten erst am 10. Dezember 2001 geschieden wurde, 
demnach nur etwas mehr als vier Monate vor der erneuten Eheschliessung. Dem 
Angeklagten war sodann spätestens seit dem negativen Urteil der Schweizerischen 
Asylrekurskommission vom 4. Februar 2002 klar, dass er die Schweiz verlassen 
musste. Dafür, dass schon vor diesem Zeitpunkt konkrete Vorkehrungen für eine 

12

Eheschliessung getroffen wurden, bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Der zeitliche 
Rahmen, den die Vorbereitung einer Zivilhochzeit in Anspruch nimmt - nach Ab-
schluss des Vorbereitungsverfahrens kann die Trauung frühestens nach zehn Ta-
gen und spätestens nach drei Monaten stattfinden (vgl. Art. 100 ZGB) - lässt in casu 
jedenfalls keinen Schluss zu, wann mit den konkreten Vorbereitungen begonnen 
wurde. Der enge zeitliche Ablauf zwischen der Scheidung am 10. Dezember 2001, 
dem ablehnenden Asylentscheid vom 4. Februar 2002 beziehungsweise der darin 
angesetzten Frist zum Verlassen der Schweiz bis am 4. Mai 2002 und der erneuten 
Heirat am 23. April 2002 deutet entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht auf 
eine lange dauernde Vorbereitung mit langwieriger Papierbeschaffung im Ausland 
hin. Die Hochzeit wurde, soweit sich aus den Akten ergibt, vielmehr kurzfristig und 
rudimentär geplant und fand ohne Familienangehörige statt. Zu beachten ist in die-
sem Zusammenhang insbesondere die Aussage der Trauzeugin D. (act. 6.7), die 
offenbar erst einen Tag vor der Hochzeit darum gebeten wurde, als Trauzeugin bei 
der Hochzeit mitzuwirken.

b/4) Die Tatsache, dass kein Heiratsgeld bezahlt wurde beziehungsweise 
der Umstand, dass die Ehefrau von der Heirat nicht finanziell profitierte, da sie da-
durch das Recht auf Ergänzungsleistungen eingebüsst hatte, spricht nach Ansicht 
der Verteidigung klar gegen das Vorliegen einer Aufenthaltsehe. Hierbei ist zu 
berücksichtigen, dass der Angeklagte gemäss Aktenlage über wenig bis gar keine 
finanziellen Mittel verfügte, so dass er gar nicht in der Lage gewesen wäre, A. ein 
Heiratsgeld zu zahlen. Die Ehefrau hat durch die Heirat damit in finanzieller Hinsicht 
kurzfristig tatsächlich nicht profitiert, wie dies bei einer Scheinehe zwischen einem 
Ausländer und einer in der Schweiz niedergelassenen Ausländerin unter Umstän-
den zu erwarten wäre. Allerdings erklärte die Ehefrau bei der Einvernahme durch 
die Kantonspolizei glaubhaft, ihr Ehemann habe ihr versprochen, sie nach der Heirat 
finanziell zu unterstützen und ihr die entgangenen Ergänzungsleistungen zurück zu 
bezahlen. Demnach erhoffte sich die Ehefrau durch das Eingehen der Ehe zumin-
dest langfristig sehr wohl eine finanzielle Besserstellung. Dies wiederum stellt ein 
Indiz für das Bestehen einer Aufenthaltsehe dar.

b/5) Dass der am 5. Mai 1986 geborene Angeklagte rund 23 Jahre jünger 
ist als die am 28. April 1941 geborene A., mag für sich alleine zwar nicht die An-
nahme einer Aufenthaltsehe zu rechtfertigen, legt diese Vermutung unter Einbezug 
der vorgenannten Aspekte indes nahe. Der Einwand des Angeklagten, er bevorzuge 
die Heirat mit einer älteren Frau, da bei jüngeren Frauen die Gefahr bestehe, dass 
diese Drogen nähmen oder ihn finanziell ausnützen würden, wirkt wenig glaubhaft. 

13

b/6) Zuzustimmen ist der Verteidigung darin, dass eine häusliche Gemein-
schaft zwischen dem Angeklagten und A. bestand. Der Angeklagte gab anlässlich 
der fremdenpolizeilichen Befragung an, seit Oktober 2001 mit seiner Ehefrau zu-
sammenzuwohnen. Es sei jedoch nicht regelmässig bei ihr gewesen, sondern im-
mer wieder nach Bern zurückgegangen. Seit Ende Januar 2002 sei er immer bei ihr 
(act. 6.10). Auch A. gab an, dass der Angeklagte zeitweilig bei ihr wohnte. Dafür 
bestehen auch Anzeichen in der Wohnung an der G.-Strasse in Chur. So fanden 
sich gemäss den fremdenpolizeilichen Feststellungen im Bad einige Herrenkleider 
und Rasierzeug. Auch in einem Mottenschrank auf dem Balkon fand man Herren-
bekleidung. Aufgrund dieser Feststellungen sowie der in diesem Punkt weitgehend 
übereinstimmenden Aussagen der Eheleute X.-A. ist davon auszugehen, dass 
diese zumindest seit Februar 2002 gemeinsam in der 1 ½-Zimmerwohnung an der 
G.-Strasse in Chur wohnten. Allein daraus lässt sich indes noch nicht auf das Be-
stehen einer Ehe schliessen.

c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nebst der klaren Aussage 
der Ehefrau zahlreiche Indizien und Umstände für das Vorliegen einer Aufenthalt-
sehe sprechen. Ins Gewicht fallen namentlich die kurze Dauer der Bekanntschaft 
vor der Heirat, die improvisierte Vorbereitung der Hochzeit, der Umstand, dass der 
Angeklagte einer Wegweisung nur durch die Heirat entgehen konnte sowie der 
grosse Altersunterschied. Die Abwägung der dargelegten Indizien führt daher in ei-
ner Gesamtwürdigung zum Schluss, dass es dem Angeklagten mit der Heirat nicht 
um die Begründung einer echten Lebensgemeinschaft ging, sondern die Ehe einzig 
zur Umgehung der einschlägigen fremdenpolizeilichen Vorschriften geschlossen 
wurde.

Unter diesen Umständen kam dem Angeklagten kein Anspruch auf Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG zu. Das Verweilen 
des Angeklagten in der Schweiz erweist sich damit als rechtswidrig, so dass er sich 
der Verletzung von Art. 23 Abs. 1 al. 4 schuldig gemacht hat.

4. Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs 
nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen 
Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Zuchthaus bis zu zehn 
Jahren bestraft (Art. 190 Abs. 1 StGB). Gewalt liegt dann vor, wenn auf das Opfer 
mit chemisch oder physikalisch fassbaren Mitteln eingewirkt oder physisch in seine 
Rechtssphäre eingegriffen wird. Dabei schaltet der Täter entweder den Widerstand 
des Opfers aus (Einwirkung auf die Willensbetätigung) oder verhindert eine allfällige 

14

Gegenwehr, bevor das Opfer reagieren kann (Einwirkung auf die Willensbildung). 
Eine gewisse Einwirkung auf den Körper des Opfers ist erforderlich, wobei die not-
wendige Intensität nach relativen Kriterien zu bestimmen ist. Keine Rolle spielt, ob 
das Opfer Widerstand leistet und dieser allenfalls gebrochen wird (Philipp Maier, 
Basler Kommentar zum StGB, Band II, Basel 2003, N 5 zu Art. 190 StGB, N 13 zu 
Art. 189 StGB). So wird als Gewalt unter anderem das Niederdrücken oder mit über-
legener Körperkraft festhalten definiert. Es genügt grundsätzlich diejenige Gewalt, 
die nötig war, das konkrete Opfer gefügig zu machen. Nicht erforderlich ist, dass 
sich das Opfer andauernd wehrt oder widerstandsunfähig wird. Der Täter muss sich 
im Moment des Gewaltausübens zudem bewusst sein, dass sein gewaltsames Han-
deln dem Brechen des Widerstands des Opfers dient (Maier, a.a.O., N 14 zu Art. 
189 StGB; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. 
Auflage, Zürich 1997, N 5 zu Art. 189 StGB). Eine Bedrohung liegt vor, wenn der 
Täter explizit oder implizit mit gewaltsamer Einwirkung auf den Körper des Opfers 
droht, gegen die sich das Opfer nicht mit guter Aussicht auf Erfolg zur Wehr setzen 
könnte beziehungsweise, wenn der Täter dem Opfer Nachteile in Aussicht stellt, die 
sich dazu eignen, es in Angst und Schrecken zu versetzen (Maier, a.a.O., N 6 zu 
Art. 190 StGB, N 16 zu Art. 189 StGB). Durch die genannten Nötigungsmittel muss 
der Täter den Beischlaf erzwingen. Ob es dabei zur Ejakulation kommt oder nicht, 
spielt rechtlich keine Rolle (Maier, a.a.O, N 9 zu Art. 190 StGB). Der subjektive Tat-
bestand erfordert ein vorsätzliches Handeln, das sich auf die drei Tatbestandsele-
mente der Nötigung, des Beischlafs sowie der Kausalität zwischen den Nötigungs-
mitteln und dem Beischlaf beziehen muss. Eventualvorsatz genügt. Wer es für mög-
lich hält und in Kauf nimmt, dass das Opfer mit dem Beischlaf nicht einverstanden 
ist, handelt eventualvorsätzlich (Maier, a.a.O., N 13 zu Art. 190 StGB).

Ist der Täter der Ehegatte des Opfers und lebt er mit diesem in einer Lebens-
gemeinschaft, wird die Tat auf Antrag verfolgt (Art. 190 Abs. 2 StGB). Für die An-
wendung von Art. 190 Abs. 2 StGB verlangt das Gesetz kumulativ, dass das Opfer 
Ehegatte des Täters ist und gleichzeitig mit diesem in einer Lebensgemeinschaft 
zusammenlebt. Der Sinn der für diesen Fall aufgestellten Prozessvoraussetzung 
besteht darin, dass der Strafrichter nicht gegen den Willen des Verletzten eingreifen 
und damit das Zusammenleben der Eheleute gefährden können soll. Für das Vor-
liegen einer ehelichen Lebensgemeinschaft wird vorausgesetzt, dass die Ehegatten 
gemeinsam Essen und Wohnen sowie unter dem gleichen Dach schlafen. Ein bloss 
sporadisches Zusammensein wird aber kaum genügen; das gemeinsame Wohnen 
muss vielmehr die Regel bilden (vgl. BGE 102 IV 163; Jürg Rehberg, Das revidierte 
Sexualstrafrecht, in: AJP 1993, S. 22). Der Begriff der Lebensgemeinschaft verlangt 

15

eine gewisse Intimität des Zusammenlebens und muss zur Zeit der Tat bestehen 
(Maier, a.a.O., N 43 zu Art. 189 StGB). Nach abweichender Meinung ist als Grund-
lage zur Begriffsbestimmung der Lebensgemeinschaft einzig entscheidend, ob ein 
Fortbestand der Ehe noch ernstlich in Aussicht steht (Trechsel, a.a.O., N 15 zu Art. 
189 StGB, mit Hinweisen).

a) X. wird vorgeworfen, A. in der Nacht des 5. April 2003 vergewaltigt zu 
haben. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihrer Anklage in grossen Teilen auf 
die Aussagen von A.. Der Angeklagte hingegen stellt den ihm von der Staatsanwalt-
schaft vorgeworfenen Sachverhalt und damit auch die Richtigkeit der Aussagen von 
A. in den entscheidenden Punkten in Abrede. Er will den Geschlechtsverkehr mit A. 
in gegenseitigem Einverständnis vollzogen haben. Nachfolgend ist demnach 
zunächst gestützt auf die vorliegenden Akten und Aussagen der Beteiligten zu be-
urteilen, ob und inwiefern der Angeklagte tatsächlich für die ihm vorgeworfenene 
Tat verantwortlich gemacht werden kann. 

a/1) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 5. April 2003 (act. 4.5) 
schilderte A., dass sie in ihrem Bett geschlafen habe, als der Angeklagte gegen 
04.00 Uhr morgens nach Hause gekommen sei. Sie habe ein Geräusch gehört und 
sei aufgewacht. Sie habe den Angeklagten gebeten, die Balkontür einen Spalt auf-
zumachen, wobei jener erwidert habe, das könne sie selbst tun. Er habe stark nach 
Rauch gerochen. Der Angeklagte sei wütend gewesen, weil sie beide ein Schreiben 
bekommen hätten, wonach wieder eine Anhörung wegen der Scheinehe stattfinde. 
Er habe ihr vorher schon gedroht, dass er sie umbringen werde, wenn er die Auf-
enthaltsbewilligung nicht bekomme. Als sie zu ihm gesagt habe, er solle ihr nicht zu 
nahe kommen, weil er stinke, sei er zu ihr gekommen und habe sie angegriffen. Er 
habe ihr den Pyjama und den darunter getragenen Slip vom Leib gerissen und sie 
während einer Stunde vergewaltigt. Dabei habe er immer wieder gesagt, sie müsse 
sterben. Auf den detaillierten Ablauf der Vergewaltigung angesprochen hielt A. fest, 
der Angeklagte habe sie auf das Bett gedrückt und  sie geküsst, wobei er auch 
zugebissen habe. Er habe sie mit den Händen angegriffen, auch auf der Schulter 
und am Rücken. Ob er sie mit den Händen oder den Zähnen verletzt habe, könne 
sie nicht mehr sagen. Bevor er sei angegriffen habe, habe er sich bis auf das Un-
terleibchen ausgezogen. Er sei dann mehrmals in sie eingedrungen, wobei sie auf 
dem Rücken auf dem Bett gelegen und er sie mit beiden Händen am Oberkörper 
nach unten gedrückt habe. Sie habe sich überhaupt nicht wehren können. Sie habe 
lediglich geschrien. Dazwischen habe er ihr immer wieder gedroht, er würde sie 
umbringen. Es sei grauenhaft gewesen. Vor der Vergewaltigung habe er gewollt, 

16

dass sie ihn an den Genitalien küsse, was sie nicht gewollt habe, worauf er ihren 
Kopf gegen den Boden gedrückt habe. Als sie sich gewehrt habe, habe sie ihn auch 
gebissen, vermutlich am Arm. Als der Angeklagte auf die Toilette gegangen sei, 
habe sie ihr Pyjamaoberteil gepackt und sei zu ihrer Nachbarin geflohen. Sie habe 
grauenhafte Angst gehabt, dass er oder seine Kollegen sie umbringen würden. Sie 
gab an, der Angeklagte habe in ihr einen Samenerguss gehabt. Vom Beissen habe 
sie Verletzungen an den Lippen, und weitere Verletzungen an Hals und Rücken.

a/2) Am 9. April 2003 fand eine Konfronteinvernahme zwischen dem An-
geklagten und A. (act. 4.18) statt. Bei dieser Gelegenheit bestätigte die Letztere die 
vor der Polizei gemachten Aussagen. Sie gab an, der Angeklagte sei nach 04.00 
Uhr morgens, stark nach Rauch riechend, nach Hause gekommen. Sie habe ihn 
aufgefordert, die Balkontüre zu öffnen, worauf er erwidert habe, das könne sie selbst 
tun. Als sie sagt habe, dass sie so nicht schlafen könne, habe er sich auf sie gestürzt 
und sie vergewaltigt. Sie sei etwa eine Stunde vergewaltigt worden, wobei der An-
geklagte ihr gesagt habe, dass er sie umbringen würde, falls er die Jahresaufent-
haltsbewilligung nicht erhalten würde. Sie habe ihn in der Anfangsphase gebeten, 
er solle dies unterlassen und habe immer „nein, nein“ geschrien. Sie habe das 
Ganze als schrecklich empfunden und habe im Genitalbereich grosse Schmerzen 
verspürt. Sie habe sich gewehrt, indem sie den Angeklagten weggestossen habe, 
und habe ihn immer wieder gebeten, aufzuhören. Auch in der am 16. April 2003 
stattfindenden Konfronteinvernahme mit dem Angeklagten (act. 4.20) blieb A. bei 
ihrer Aussage. Zum Vergewaltigungsakt hielt sie präzisierend fest, der Angeklagte 
habe sie mit beiden Händen auf das Bett gedrückt, indem er mit verschränkten Ar-
men gegen ihren Oberkörper gedrückt habe. Sodann habe er mit beiden Knien auf 
ihre Beine gedrückt.

a/3) Der Angeklagte hingegen gab anlässlich der untersuchungsrichterli-
chen Einvernahme vom 6. April 2003 (act. 4.15) an, er habe sich in der Nacht des 
5. April 2003 nach 02.00 Uhr nachts nach Hause begeben, worauf es zwischen ihm 
und A. zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Bei diesem Geschlechtsverkehr 
habe es sich um einen normalen und freiwilligen Akt gehandelt, der zwischen fünf 
bis zehn Minuten gedauert habe. Es sei aus seiner Sicht zu keinem Gewaltakt 
bekommen. Er verneinte, A. anlässlich des Geschlechtsverkehrs gekratzt oder 
gebissen zu haben. Auch stritt er ab, in jener Nacht wegen des Schreibens des 
Bezirksgerichts Plessur betreffend Eheschutz wütend gewesen zu sein. Er habe 
seine Ehefrau zudem nie bedroht, sie umzubringen, falls er nicht die 
Aufenthaltsbewilligung erhalten würde. Auf die Verletzungen von A. an Hals, 

17

Schulter, Rücken und Genitalbereich angesprochen, hielt er fest, dies sei alles 
erlogen und eine Falle, er habe A. nicht mit Gewalt berührt. Die oberflächlichen 
Schürfungen und Schrammen im Brustbereich und am Rücken bei sich führte er auf 
einen sechs Monate zurückliegenden Motorradunfall zurück. Anlässlich der 
Konfronteinvernahmen vom 9. April 2003 (act. 4.18) und vom 16. April 2003 (act. 
4.20) mit A. hielt der Angeklagte daran fest, es habe sich um normalen 
einvernehmlichen Geschlechtsverkehr ohne Gewaltanwendung gehandelt. Die 
belastenden Aussagen von A. führte der Angeklagte jeweils auf psychische 
Probleme zurück. A. sei überdies sehr labil und gewissen Gefühlsschwankungen 
unterworfen.

a/4) Die Verteidigung bringt im Hinblick auf die dargestellten Aussagen vor, 
die Anklage nehme keine Rücksicht auf die Tatsache, dass A. gemäss einem 
Schreiben von Dr. med. Klesse vom 23. Oktober 2003 seit Jahren an Depressionen, 
starken Ängsten und psychosomatischen Beschwerden leide, massgeblich bedingt 
durch den Mord an ihrer Tochter vor zehn Jahren. Sie gerate daher schneller in 
Angstzustände als andere Personen. Namentlich sei auch unklar, inwiefern die Dro-
hungen und Erpressungsversuche, welche A. nach der behaupteten Vergewalti-
gung geltend mache, mit ihrer psychischen Verfassung zusammenhängen würden. 
Sie habe sodann mehrfach ihre Aussage geändert, was das Vorliegen einer Schei-
nehe sowie von sexuellen Kontakten mit ihrem Ehemann betreffe. Auch die behaup-
teten Nachteilsdrohungen für den Fall, dass sich A. nicht für seine Aufenthaltsbe-
willigung einsetzen würde, seien nicht nachgewiesen. Da die Ehegattin im Dezem-
ber 2002 ausgesagt habe, es bestände keine Scheinehe, habe der Angeklagte für 
solche Drohungen keine Veranlassung gehabt, es habe keine Drucksituation be-
standen. Die belastende Situation betreffend Aufenthaltsbewilligung habe im be-
haupteten Tatzeitpunkt bereits ein knappes Jahr angedauert, ein Jahr, in dem keine 
Reaktionen des Angeklagten in Form von Gewaltäusserungen aktenkundig seien. 
Zusammenfassend seien bei der Sachverhaltsdarstellung von A. vernünftige Zwei-
fel nicht zu unterdrücken.

Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. A. wurde insgesamt dreimal von 
den Strafverfolgungsbehörden zur Sache befragt. Nennenswerte, nicht erklärbare 
Widersprüche bei den verschiedenen Befragungen ergaben sich, wie sich den vor-
stehend zusammenfassend wiedergegebenen Aussagen entnehmen lässt und in 
den nachstehenden Erwägungen noch eingehend darzulegen sein wird, nicht. Be-
harrlich blieb sie bei der schon anlässlich der ersten Einvernahme vorgetragenen 
Schilderung, wonach der Geschlechtsverkehr in der Nacht vom 5. April 2003 gegen 

18

ihren Willen stattgefunden habe. Sie wurde dabei als Zeugin bei den untersu-
chungsrichterlichen Einvernahmen vom 9. April 2003 und vom 16. April 2003 jeweils 
auf ihre Wahrheitspflicht und auf die Folgen einer falschen Zeugenaussage hinge-
wiesen. Sie blieb indes bei ihren Aussagen. Ebenso sind keine unerklärlichen, über-
trieben wirkenden Abschwächungen oder Übersteigerungen ersichtlich. Es ist so-
dann kein Motiv ersichtlich, weshalb A. den Angeklagten wahrheitswidrig belasten 
sollte. 

Das Bestehen von psychischen Problemen in der Person von A. schliesst 
nicht per se aus, dass jene wahrheitsgetreu aussagt. So interessiert im Rahmen der 
Beweiswürdigung letztlich nicht in erster Linie die Persönlichkeit der Zeugin, son-
dern vielmehr die sachliche Glaubhaftigkeit ihrer konkreten Aussagen, die vorlie-
gend durchaus gegeben ist. Insbesondere weisen ihre Aussagen im Kernpunkt, 
nämlich im Hinblick auf den gegen ihren Willen stattfindenden Geschlechtsverkehr, 
keinerlei Widersprüche auf. Auch darüber hinaus finden sich keine grösseren Wi-
dersprüche in ihren Aussagen. Sie brachte wiederholt vor, mit dem Angeklagten 
eine Aufenthaltsehe eingegangen zu sein, während der es zwischen ihr und dem 
Angeklagten zu keinen geschlechtlichen Kontakten gekommen sei. Vielmehr habe 
es sich eher um eine Mutter-Sohn-Beziehung gehandelt. Es trifft zwar zu, dass die 
Aussage der Zeugin vom 14. November 2002 (act. 6.15) im Rahmen des fremden-
polizeilichen Verfahrens diesbezüglich widersprüchlich ist. A. gab damals an, sie 
habe ihren Mann nicht geheiratet, damit er in der Schweiz bleiben könne. Ihre Aus-
sagen betreffend Aufenthaltsehe seien falsch; sie habe diese in einer depressiven 
Phase gemacht. Sie führe ein harmonische Ehe und unterhalte mit ihrem Ehemann 
auch eine intime Beziehung. Es handelt sich hierbei, wie bereit dargelegt, indes um 
eine einmalige Aussage, die mit sämtlichen zeitlich früheren (act. 6.3, 6.11) und 
späteren Aussagen (act. 4.5, 4.18) von A. nicht übereinstimmt. Sodann bestehen 
Anzeichen, dass jene von ihrem Ehemann bedroht wurde beziehungsweise unter 
Druck gesetzt wurde, das Bestehen einer Aufenthaltsehe abzustreiten, so jedenfalls 
ihr anlässlich weiterer Aussagen konstant vorgebrachter Vorwurf (vgl. act. 6.11). In 
der erwähnten Einvernahme wurde sie überdies als Angeschuldigte wegen des er-
wähnten Vorwurfs einer Aufenthaltsehe befragt, so dass sie durchaus ein Interesse 
hatte, sich nicht selbst zu belasten. Die isolierte widersprüchliche Aussage vom 14. 
November 2002 ist daher nicht geeignet, den Wahrheitsgehalt der Aussagen von A. 
gesamthaft in Frage zu stellen.

Es trifft sodann nicht zu, dass im Tatzeitpunkt am 5. April 2003 keine beson-
dere Drucksituation bestand. Namentlich war am 1. April 2003 die Mitteilung des 

19

Urteils des Verwaltungsgerichts vom 18. Februar 2003 erfolgt, in welchem der Re-
kurs des Angeklagten gegen die eine Aufenthaltsbewilligung ablehnende fremden-
polizeiliche Verfügung abgewiesen wurde. Anfangs April 2003 bestand für den An-
geklagten daher durchaus eine belastende Situation, musste ihm nun definitiv be-
wusst sein, dass er keine Aufenthaltsbewilligung erhalten würde und die Schweiz 
verlassen musste.

a/5) Die Aussagen von A. werden von diversen Indizien gestützt. Wesent-
liches Gewicht kommt hierbei dem Untersuchungsbericht des Kantonalen Frauen-
spitals Fontana vom 23. Mai 2003 zu. A. war gemäss Polizeirapport unmittelbar 
nach der Vergewaltigung von der Stadtpolizei in das Frauenspital Fontana begleitet 
worden, wo man sie untersuchte. Gemäss Untersuchungsbericht erlitt A. an beiden 
Wangen, im Bereich des Halses rechtsseitig, beidseits an den Schultern und in den 
Achselhöhlen kleine Blutungen. Ferner wies sie einen kleinen Bluterguss an der 
rechten Oberlippe sowie an der linken Schulter auf. Im Genitalbereich wurden 
Rötungen und verschiedene Verletzungen festgestellt. Diese Verletzungen spre-
chen nach Ansicht des Oberarztes pract. med. Niklaus Oechslin für eine Gewaltan-
wendung. Der ärztliche Bericht bestätigt damit die Aussagen von A., dass der Ge-
schlechtsverkehr zwischen ihr und dem Angeklagten unter Gewaltanwendung so-
wie gegen ihren Willen stattfand. Der Einwand der Verteidigung, Verletzungen der 
genannten Art seien auch bei einvernehmlichem Geschlechtsverkehr möglich, ist - 
unabhängig von der Nationalität der Beteiligten - abzulehnen. Anzumerken ist, dass 
gemäss Untersuchungsbericht keine Spuren von Spermien gefunden wurden. Die 
Betroffene hatte diesbezüglich ausgeführt, ihr Ehegatte habe, nachdem er in sie 
eingedrungen sei, ejakuliert. Der Angeklagte selbst bestritt dies, wobei seine Aus-
sage durch die genannte Untersuchung bestätigt wird. Es handelt sich indes sowohl 
in tatbeständlicher wie auch in rechtlicher Hinsicht um einen untergeordneten Punkt. 
Wesentlich ist einzig die Frage, ob der Geschlechtsverkehr einvernehmlich oder un-
ter Gewaltanwendung zu Stande kam. Für das letztere bietet der ärztliche Untersu-
chungsbericht klare Hinweise.

Die Aussage von A., dass sie sich während des erzwungenen Geschlechts-
verkehrs zur Wehr gesetzt habe, wird dadurch gestützt, dass beim Angeklagten 
Kratzer und Schürfungen oberhalb der Brust und am Rücken festgestellt werden 
konnten. Der Angeklagte führt die Spuren an seinem Körper auf einen sechs Mo-
nate zurückliegenden Motorradunfall zurück, seit dem er an Brust und Rücken Na-
rben aufweise. Es handle sich nicht um Anzeichen, dass sich A. gegen den Ge-
schlechtsverkehr zur Wehr gesetzt habe. Bei näherer Betrachtung der Verletzungen 

20

wird allerdings ersichtlich, dass es sich bei den Verletzungen des Angeklagten 
grösstenteils um Kratzspuren und Schürfungen handelt und nicht um schlecht ver-
heilte oder verheilende Wunden, die auf einen bereits sechs Monate zurück liegen-
den Unfall zurückzuführen sind. 

a/6) Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen von A. spricht auch ihr Verhalten 
nach der Tat. So nutzte sie den Umstand, dass der Angeklagte sich auf die Toilette 
begab, aus, um aus der Wohnung zu fliehen und sich, einzig mit einem Pyjamao-
berteil bekleidet, zur Wohnungsnachbarin B. zu begeben, an deren Wohnungstür 
sie frühmorgens Sturm läutete. Bei dieser Gelegenheit hatte sie auch versucht, den 
Angeklagten in der Wohnung einzuschliessen, wobei es ihr in der Aufregung nicht 
gelungen war, die Türe von aussen abzuschliessen. Die Zeugin B. sagte vor der 
Polizei (act. 4.14) diesbezüglich aus, A. habe am 5. April 2003, um ca. 5.10 Uhr, bei 
ihr an der Wohnungstüre Sturm geläutet. Sie habe sie in die Wohnung gelassen, 
wobei jene geweint habe und fast nicht in der Lage gewesen sei, zu sprechen. A. 
habe angegeben, soeben von ihrem Ehemann gegen ihren Willen zum Ge-
schlechtsverkehr gezwungen worden zu sein. Sie habe sich auch über Schmerzen 
an den Brüsten und am Schritt geäussert. Aus Angst, ihr Mann könne in der Nach-
barwohnung auftauchen, sei A. fast in Panik geraten und habe sich erst beruhigt, 
nachdem sie (B.) die Türe verschlossen habe. Die Zeugin, deren Schlafzimmer di-
rekt an die Wohnung von A. grenzt, gab an, zur Tatzeit Schreie und Wimmern aus 
der Nachbarwohnung gehört zu haben. Sie habe gespürt, dass sich A. in Not be-
fand, habe sich aber nicht getraut, an der Wohnungstür der Nachbarn zu klingeln, 
da sie vor dem Angeklagten Angst gehabt habe. Die Zeugin B. wiederholte ihre 
eben erwähnten Ausführungen anlässlich der untersuchungsrichterlichen Konfron-
teinvernahme mit dem Angeklagten am 6. April 2003 (act. 4.16). Insbesondere 
bestätigte sie, dass es sich bei den Schreien und dem Wimmern aus der Nachbar-
wohnung nicht um Laute anlässlich eines normalen Geschlechtsverkehrs gehan-
delt, sondern dass sich A. nach ihren Dafürhalten in grosser Not befunden habe. 
Die Aussage des Angeklagten, die Laute, die die Nachbarin B. alarmierend wahr-
genommen haben wolle, stammten vom Orgasmus seiner Frau, wird durch die ge-
nannte Aussage der Zeugin B. klar widerlegt.

Was das Verhalten von A. nach der Tat betrifft, so ist auch dem Polizeirapport 
zu entnehmen, dass jene beim Eintreffen der Polizei in der Wohnung von B. am 
ganzen Leib zitterte und von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Die geschilderten 
Umstände, namentlich der verstörte Gefühlszustand von A. nach der Tat, das Zittern 
und die Weinkrämpfe sowie ihr Unvermögen, eine normale Konversation führen zu 

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können, sprechen klar dafür, dass ihr Schlimmes widerfahren war. Ihr Verhalten war 
zudem eindeutig von Angst geprägt, dass der Angeklagte ihr etwas antun könnte, 
bat sie doch die Nachbarin darum, die Wohnungstüre abzuschliessen. 

a/7) Das Gericht gelangt aufgrund der vorstehenden Überlegungen zur 
Ansicht, dass den Aussagen von A. Glauben zu schenken ist. Sie schildert den Tat-
hergang anschaulich und detailliert und ohne wesentliche Widersprüche. Die Aus-
sagen des Angeklagten, der Geschlechtsverkehr sei in der Nacht des 5. April 2003 
in gegenseitigem Einverständnis vollzogen worden, erachtet das Gericht hingegen 
als reine Schutzbehauptung, die durch die Aussagen von A. sowie durch weitere 
Indizien klar widerlegt sind. Die Verteidigung macht geltend, aus dem Verhalten des 
Angeklagten nach der Tat, namentlich aus dem Umstand, dass jener trotz Möglich-
keit nicht geflohen sei, sondern später sogar seine Frau angerufen habe, sei auf 
seine Unschuld zu schliessen. Dem kann sich das Gericht jedoch nicht anschlies-
sen. Der Angeklagte musste, nachdem A. aus der Wohnung geflohen war, anneh-
men, dass sie bei der Polizei Anzeige erstatten und eine allfällige körperliche Un-
tersuchung ans Licht bringen würde, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen 
war. Zu seiner Entlastung blieb ihm daher gar keine andere Möglichkeit, als sich auf 
den Standpunkt zu stellen, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich erfolgt. Dass 
der Angeklagte nicht aus der Wohnung floh, diente daher einzig dem Zweck, den 
vorerwähnten Standpunkt zu festigen beziehungsweise sich nicht unnötigerweise 
verdächtig zu machen. Es ist sodann darauf hinzuweisen, dass die Glaubhaftigkeit 
der Aussagen des Angeklagten entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht über 
alle Zweifel erhaben ist. Wenn er nämlich geltend macht, die Angaben seiner Ehe-
frau betreffend den ehelichen Geschlechtsverkehrs seien widersprüchlich, so sind 
es seine diesbezüglichen Angaben ebenfalls. So gab er teilweise an, regelmässig 
mit seiner Frau intim zu sein (vgl. act. 4.15), hielt andernorts dann aber fest, er habe 
nur die entsprechende Absicht gehabt, seine Frau habe dies jedoch abgelehnt (vgl. 
act. 4.18, 4.20). Anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 6. 
April 2003 (act. 4.15) gab er gar an, A. habe sich bei der Nachbarin E. darüber 
beklagt, dass er nicht mit ihr schlafen wolle. Dies habe ihm die Nachbarin anlässlich 
eines Gesprächs bekannt gegeben. E. konnte diese Aussage des Angeklagten in-
des weder anlässlich ihrer polizeilichen Befragung vom 8. April 2003 (act. 4.17) 
noch anlässlich der untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahme mit dem An-
geklagten vom 9. April 2003 (act. 4.19) bestätigen. Die Zeugin stützte hingegen die 
Aussage von A., dass jene keine sexuelle Beziehung mit dem Angeklagten geführt 
habe, sondern es sich eher um eine Mutter-Sohn-Beziehung gehandelt habe. Fest-
zuhalten ist, dass der Frage, ob das Ehepaar X.-A. eine sexuelle Beziehung unter-

22

halten hat, letztlich nur untergeordnete Bedeutung zukommt. Vorliegend zu beurtei-
len ist einzig die Frage, ob der Geschlechtsverkehr in der Nacht des 5. April 2003 
einvernehmlich erfolgt ist oder nicht.

a/8) Nach Prüfung und Würdigung der verschiedenen Aussagen und der 
übrigen Beweislage besteht für die Strafkammer des Kantonsgerichts zusammen-
fassend kein Zweifel, dass sich der Sachverhalt wie in der Anklageschrift geschildert 
zugetragen hat. A. schilderte in sich geschlossen und ohne wesentliche Wider-
sprüche, dass der Geschlechtsverkehr zwischen ihr und dem Angeklagten nicht ein-
vernehmlich, sondern unter Einwirkung von Drohungen und physischer Gewalt voll-
zogen wurde. Ihre Angaben sind konkret, detailliert und anschaulich. Weder aus 
den Aussagen noch der Motivlage von A. ergeben sich Anzeichen dafür, dass sie 
Falschanschuldigungen erheben könnte. Zu den glaubhaften Aussagen von A. tre-
ten weitere Indizien hinzu, so unter anderem der Untersuchungsbericht des Frau-
enspitals Fontana, der am Körper und im Genitalbereich von A. für eine Gewaltan-
wendung sprechende Verletzungen feststellte, die Verletzungen des Angeklagten, 
die überstürzte halbnackte Flucht zur Nachbarin sowie das der Tat folgende Verhal-
ten von A..

b) X. erfüllte in der Nacht des 5. April 2003 den objektiven Tatbestand 
der Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB, indem er A. zum Beischlaf nötigte. 
Dies geschah einerseits unter Anwendung von Gewalt, indem der Angeklagte den 
Oberkörper von A. mit beiden Händen und verschränkten Armen auf das Bett 
drückte, wobei er gleichzeitig seine Knie auf ihre Beine presste. Diese Gewaltan-
wendung erfolgte mit dem eindeutigen Zweck, den Widerstand des Opfers zu bre-
chen. Anderseits stiess er gegenüber A. Todesdrohungen aus. Der Einwand der 
Verteidigung, A. habe sich aufgrund psychischer Probleme stärker bedroht gefühlt 
als eine psychisch gesunde Person ist in diesem Zusammenhang unbeachtlich. Die 
genannten Drohungen waren eindeutig und hätten zweifellos jede Person in der 
Lage des Opfers gefügig gemacht. In der genannten Weise zwang der Angeklagte 
A. zur Duldung des Geschlechtsverkehrs und drang immer wieder gewaltsam in sie 
ein. A. bat ihn mehrmals, aufzuhören, und wehrte sich, indem sie ihn am Rücken 
mit den Fingernägeln kratzte beziehungsweise in den Arm biss und versuchte, ihn 
wegzustossen. Dies gelangt ihr jedoch nicht. Die von A. erlittenen Verletzungen 
deuten klar auf ihre Gegenwehr hin. Subjektiv handelte der Angeklagte vorsätzlich, 
setzte er sich für den Vollzug des Geschlechtsverkehrs doch über den klar geäus-
serten Willen und die Abwehr seines Opfers hinweg. Es musste dem Angeklagten 
unter den gegebenen Umständen bewusst sein, dass der Geschlechtsverkehr ge-

23

gen den Willen von A. geschah. X. hat sich dadurch der Vergewaltigung im Sinne 
von Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Schuldigsprechung gemäss Art. 190 Abs. 1 
und 2 StGB beantragt. Bei Art. 190 Abs. 2 StGB handelt es sich nicht um einen 
separaten Straftatbestand, sondern um eine Prozessvoraussetzung. Liegen diese 
sowie die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale von Art. 190 Abs. 1 
StPO vor, erfolgt eine Bestrafung des Schuldigen daher einzig gestützt auf Art. 190 
Abs. 1 StGB und nicht wie in der Anklageschrift dargestellt gestützt auf Art. 190 Abs. 
1 und Abs. 2 StGB.

Im Übrigen erscheint fraglich, ob es vorliegend für die Verfolgung des Verge-
waltigungsdelikts überhaupt eines Strafantrags bedurfte. Wie erwähnt (vgl. E. 4, S. 
15) soll nach der ratio legis von Art. 190 Abs. 2 StGB das Antragsrecht verhindern, 
dass der Strafrichter gegen den Willen des verletzten Ehegatten eingreift und da-
durch das weitere Zusammenleben gefährdet. Dabei verlangt der Gesetzeswortlaut 
ausdrücklich, dass der Ehegatte des Opfers mit diesem in einer Lebensgemein-
schaft lebt, was eine gewisse Intensität des Zusammenlebens voraussetzt. Andern-
falls lässt sich der mit dem Strafantrag verfolgte Zweck nicht rechtfertigen. Nach den 
vorstehenden Erwägungen (vgl. E. 3.b, S. 10) ging es dem Angeklagten mit der 
Heirat nicht um die Begründung einer echten Lebensgemeinschaft. Ob die Intensität 
des Zusammenlebens mit der Ehefrau dennoch derart war, dass von einer - wenn 
auch nicht echten - Lebensgemeinschaft im Sinne von Art. 190 Abs. 2 StGB gespro-
chen werden kann, braucht hier jedoch nicht abschliessend beurteilt zu werden, da 
Art. 190 Abs. 1 StGB in jedem Fall zur Anwendung gelangt. Wird die Lebensge-
meinschaft verneint, ist die Anwendung dieser Bestimmung nicht von einem rechts-
gültigen Strafantrag abhängig. Wird sie hingegen bejaht, liegt ein solcher Antrag 
des Opfers vor.

5.a) Gemäss Art. 63 StGB bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschul-
den des Täters. Es berücksichtigt dabei die Beweggründe, das Vorleben und die 
persönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Grundlage für die Bemessung der 
Schuld ist immer die Schwere der Tat. Bei der Beurteilung der Tatkomponente wer-
den insbesondere das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise sei-
ner Herbeiführung, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat und die 
Beweggründe des Schuldigen berücksichtigt. Die Täterkomponente umfasst das 
Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat oder im 
Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Strafempfindlichkeit. Das 

24

Mass des Verschuldens variiert unter anderem mit der Schwere des deliktischen 
Erfolges, den unterschiedlich gravierenden Modalitäten der Tatbegehung und dem 
Mass an Entscheidungsfreiheit, das dem Täter zugeschrieben werden muss. Je 
leichter es für ihn gewesen wäre, die Rechtsgutverletzung zu vermeiden, je grösser 
also sein Handlungsspielraum war, desto grösser wiegt das Verschulden. Diese in 
die Waagschale gelegten Elemente wirken strafmindernd oder straferhöhend, wo-
bei in der Begründung der Strafzumessung die Überlegungen des Gerichts nach-
vollziehbar sein müssen (vgl. BGE 117 IV 113 f., 118 IV 14 f., 124 IV 44 ff.).

Wenn jemand durch eine oder mehrere Handlungen mehrere Freiheitsstra-
fen verwirkt hat, so verurteilt ihn das Gericht nach dem Asperationsprinzip zu der 
Strafe der schwersten Tat und erhöht deren Dauer angemessen. Es kann jedoch 
das höchste Mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte überschrei-
ten und ist dabei zudem an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 
68 Ziff. 1 StGB). Schwerste Tat ist diejenige, welche unter den mit der höchsten 
Strafe bedrohten Tatbestand fällt. Grundlage für die Strafzumessung ist daher im 
vorliegenden Fall der in Art. 190 Abs. 1 StGB vorgesehene Strafrahmen von einem 
bis zu zehn Jahren Zuchthaus.

b) Das Verschulden von X. wiegt schwer. Er hat sich in rücksichtloser Art 
an seiner Ehefrau vergangen, missbrauchte das ihm von ihr entgegengebrachte 
Vertrauen. Er nutzte seine physische Überlegenheit aus und nahm auf den klar 
geäusserten Willen des Opfers keinerlei Rücksicht. Damit missachtete er das sexu-
elle Selbstbestimmungsrecht von A. in gravierender Weise. Der Angeklagte zeigt 
sich zudem uneinsichtig, was sich für ihn zwar nicht straferhöhend auswirkt, aber 
auch nicht dazu führt, dass ihm mit besonderer Milde begegnet werden kann (Stra-
tenwerth, Allgemeiner Teil II, 1989, S. 241). Strafschärfend wirkt sich das Zusam-
mentreffen mehrerer strafbarer Handlungen aus. Strafmindernd fällt, soweit be-
kannt, der gute Leumund und die Vorstrafenlosigkeit des Angeklagten ins Gewicht. 
Straferhöhungs- oder Strafmilderungsgründe liegen keine vor.

Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erscheint dem 
Kantonsgericht eine Strafe von 18 Monaten Zuchthaus als dem Verschulden und 
der Verhaltensweise des Angeklagten angemessen und gerechtfertigt.

c) Nach Art. 69 StGB rechnet das Gericht dem Verurteilten die Untersu-
chungshaft auf die Freiheitsstrafe an, soweit der Täter diese nicht durch sein Ver-
halten nach der Tat herbeigeführt oder verlängert hat. Nach der neueren Praxis des 

25

Bundesgerichts darf von der Anrechnung nur abgesehen werden, soweit der Be-
schuldige durch sein - nach rechtsstaatlich vertretbaren Verfahrensgrundsätzen 
vorwerfbares - Verhalten nach der Tat die Untersuchungshaft in der Absicht herbei-
geführt oder verlängert hat, dadurch den Strafvollzug zu verkürzen oder zu umge-
hen (BGE 117 IV 404 ff.). Als solches Verhalten gilt weder die blosse Verweigerung 
von Aussagen, noch die einfache Bestreitung der dem Angeschuldigten vorgewor-
fenen Straftaten, sondern einzig das Aufstellen von unwahren oder irreführenden 
Behauptungen, welche die Behörden zu weiteren und unnötigen Erhebungen ver-
anlassen, oder der Missbrauch von Verteidigungsrechten zur Erreichung sachfrem-
der Zwecke (BGE 105 IV 241, 103 IV 10). Ablehnungsgründe im Sinne der aufge-
führten Rechtsprechung bestehen in Bezug auf X. nicht, so dass einer Anrechnung 
der erstandenen Untersuchungshaft an die Strafe gestützt auf Art. 69 StGB nichts 
entgegen steht.

6.a) Bei diesem Strafmass ist zu prüfen, ob dem Verurteilten für die acht-
zehnmonatige Zuchthausstrafe die Rechtswohltat des bedingten Strafvollzugs ge-
währt werden kann. Die diesbezüglichen Anforderungen bestimmen sich nach Art. 
41 Ziff. 1 StGB. Danach kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von nicht 
mehr als 18 Monaten oder einer Nebenstrafe aufschieben, wenn Vorleben und Cha-
rakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde dadurch von weiteren Verbrechen 
und Vergehen abgehalten (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Es ist zu prüfen, ob eine 
günstige Prognose für künftiges Wohlverhalten gestellt werden kann. Dabei ist in 
erster Linie der Grundsatz der Spezialprävention massgeblich (BGE 118 IV 100). 
Allerdings lässt sich selbst durch eine umfassende und intensive Auseinanderset-
zung mit der Täterpersönlichkeit keine absolut verlässliche Zukunftsvoraussage 
treffen. Bei Prüfung der günstigen Prognose im Sinne von Art. 41 Ziff. 1 StGB steht 
daher die Frage im Vordergrund, unter welchen Voraussetzungen einem Verurteil-
ten trotz unsicherer Zukunftsaussichten Vertrauen geschenkt werden kann. Vermag 
das Gericht begründetes Vertrauen zu gewinnen, so ist der Vollzug der Freiheits-
strafe aufzuschieben. Der Aufschub ist nicht zulässig, wenn der Verurteilte innerhalb 
der letzten fünf Jahre vor der Tat wegen eines vorsätzlich begangenen Verbrechens 
oder Vergehens eine Zuchthaus- oder eine Gefängnisstrafe von mehr als drei Mo-
naten verbüsst hat (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Im Falle des Aufschubes bestimmt 
das Gericht dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis zu fünf Jahren (Art. 41 Ziff. 
1 Abs. 3 StGB).

b) Da X. innerhalb der letzten fünf Jahre keine Freiheitsstrafe von mehr 
als drei Monaten verbüssen musste und beim hier zu beurteilenden Fall eine Frei-

26

heitsstrafe von achtzehn Monaten Zuchthaus verhängt wird, sind die objektiven Vor-
aussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs gegeben. Auch in 
subjektiver Hinsicht erachtet das Gericht die Voraussetzungen als erfüllt. Nach An-
sicht des Kantonsgerichts kann X. eine günstige Prognose gestellt werden. So hat 
er sich nebst den vorliegend beurteilten Taten bis anhin keine strafrechtlichen Ver-
fehlungen zu Schulden kommen lassen. Was die Vergewaltigung betrifft, so han-
delte es sich zudem um eine einmalige Tat. Anzeichen für weitere beziehungsweise 
versuchte sexuelle Übergriffe auf seine Frau oder andere Frauen bestehen nicht. 
Auch auffällige sexuelle Neigungen sind nicht bekannt. Es liegen damit keine An-
haltspunkte vor, dass sich der Täter wiederum einer Vergewaltigung schuldig ma-
chen wird, so dass erwartet werden kann, dass sich X. in Zukunft wohl verhalten 
wird. Aus diesen Gründen wird der Vollzug der 18-monatigen Freiheitsstrafe aufge-
schoben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.

7.a) Gemäss Art. 55 Abs. 1 StGB kann das Gericht eine ausländische Per-
son, welche zu Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt wird, für drei bis fünfzehn Jahre 
aus dem Gebiet der Schweiz verweisen. Die Landesverweisung ist Nebenstrafe und 
Sicherungsmassnahme zugleich (BGE 114 Ib 3 f.). Obwohl der zweite Gesichts-
punkt im Vordergrund steht, verlangt ihre Eigenschaft als Nebenstrafe, dass sie in 
Anwendung von Art. 63 StGB festgesetzt wird, das heisst nach dem Verschulden 
des Täters unter Berücksichtigung der Beweggründe, des Vorlebens und der per-
sönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Damit ist der Sicherungszweck jedoch nicht 
ausgeschaltet. Es ist Sache des Richters, im Einzelfall dem Straf- und dem Siche-
rungszweck der Landesverweisung Rechnung zu tragen (BGE 123 IV 108 f.; 117 IV 
118). Der Richter hat sich besondere Zurückhaltung aufzuerlegen, wenn der Aus-
länder lange in der Schweiz gelebt hat und hier verwurzelt ist, zu der eigenen Heimat 
aber keine Beziehungen mehr hat (vgl. BGE 123 IV 108 f.). Anders verhält es sich, 
wenn er eigens zur Begehung von Delikten in die Schweiz einreist (BGE 94 IV 104; 
Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, Strafen und 
Massnahmen, Bern 1989, § 6 N 45, S. 208). Bezüglich der Länge der Landesver-
weisung ist anzumerken, dass zwischen der Dauer der Hauptstrafe und jener der 
Nebenstrafe eine gewisse Übereinstimmung bestehen sollte, weil bei einem schwe-
ren Verschulden in der Regel ein erhöhtes Sicherungsbedürfnis gegeben ist, bei 
einem leichten Verschulden ein entsprechend geringeres. Zwar braucht bei einer 
tiefen Hauptstrafe nicht notwendigerweise eine kurze Landesverweisung und bei 
einer hohen Hauptstrafe eine lange ausgesprochen zu werden. Besteht bei der 
Dauer der Hauptstrafe und der Landesverweisung keine Übereinstimmung, so hat 
das Gericht dies hinreichend zu begründen (BGE 123 IV 110 f.). Nicht gegen eine 

27

Landesverweisung spricht der Umstand, dass der Täter bei einer allfälligen Rück-
führung in seinem Heimatland wegen dort begangenen Straftaten unweigerlich in 
den Strafvollzug überführt würde (vgl. Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafge-
setzbuch, Kurzkommentar, 2. Auflage, Zürich 1997, N 3b zu Art. 55 StGB).

b) Wie bereits im Zusammenhang mit der Strafzumessung ausgeführt, 
wiegt das Verschulden von X. in Bezug auf die begangenen Delikte schwer. Auf-
grund des begangenen Verstosses gegen ausländerrechtliche Vorschriften wurde 
der Verurteilte durch die Fremdenpolizei bereits des Landes verwiesen. Mit Verfü-
gung vom 28. Mai 2003 wurde gegen X. durch das Bundesamt für Ausländerfragen 
zudem eine bis am 21. Juni 2008 dauernde Einreisesperre erlassen. Unter diesen 
Umständen erübrigt sich vorliegend das Aussprechen einer Landesverweisung.

8.a) Am 4. November 2003 reichte der Rechtsvertreter der Geschädigten 
A., Rechtsanwalt lic. iur. HSG Arno Lombardini, gegen X. eine Adhäsionsklage mit 
folgenden Rechtsbegehren ein:

„1. X. sei zu verpflichten, Fr. 25'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 5. 
April 2003 an A. zu bezahlen.

2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von X..“

Zur Begründung wird geltend gemacht, dass der von der Adhäsionsklägerin 
A. erlittene Eingriff in die sexuelle Integrität ihr einen Anspruch auf Genugtuung im 
Sinne von Art. 47 OR gebe. Die durchschnittliche Genugtuung bei einer Vergewal-
tigung von Fr. 10'000.-- erscheine vorliegend entschieden zu tief. Umstände, die die 
Zusprechung einer höheren Genugtuung rechtfertigten, seien unter anderem das 
äusserst brutale Vorgehen des Beklagten, welcher der Klägerin grosse Schmerzen 
im Genitalbereich zugefügt habe, die lange Dauer der Vergewaltigung von rund ei-
ner Stunde, die mehrfachen Todesdrohungen und die dadurch erlittene Todesangst 
der Klägerin, die vorbestehenden psychischen Probleme, die sich durch die Verge-
waltigung verstärkt hätten sowie der Umstand, dass die Klägerin vom Beklagten 
nach wie vor bedroht und unter Druck gesetzt werde. Unter Würdigung aller Um-
stände erscheine - auch unter Berücksichtigung vergleichbarer Urteile - eine Ge-
nugtuung in Höhe von Fr. 25'000.-- durchaus angemessen.

Die Rechtsvertreterin des Adhäsionsbeklagten erachtet hingegen eine Ge-
nugtuung von maximal Fr. 8'000.-- als angemessen. Sie macht geltend, die den von 
der Adhäsionsklägerin angeführten Urteilen zugrundeliegenden Sachverhalte wür-
den sich massgeblich von vorliegenden unterscheiden. So habe es sich in jenen 
Urteilen um Fälle mehrfacher Vergewaltigungen gehandelt. Zudem sei zu berück-

28

sichtigen, dass A. seit Jahren an psychischen Problemen leide, so dass die Verge-
waltigung diese Probleme nicht verursacht, sondern höchstens verschlimmert habe. 
Eine eigentliche Traumatisierung werde zudem verneint. Auch sei zu berücksichti-
gen, dass die Bedrohungssituation durch den Beklagten nicht mehr bestehe, da sich 
dieser nicht mehr in der Nähe der Klägerin aufhalte und jene auch nicht mehr kon-
taktiert habe.

b) A. ist gemäss Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Op-
fer von Straftaten (OHG) als Opfer zu betrachten und gilt als Geschädigte im Sinne 
der Art. 129 ff. StPO. Ihr steht die Geltendmachung von Zivilansprüchen im Rahmen 
einer Adhäsionsklage zu (vgl. Art. 8 und Art. 9 OHG).

Gemäss Art. 47 OR kann das Gericht bei einer Körperverletzung dem Ver-
letzten unter Würdigung der besonderen Umstände eine angemessene Geldsumme 
als Genugtuung zusprechen. Eine Körperverletzung im Sinne des Art. 47 OR ist 
nicht nur eine Beeinträchtigung der körperlichen, sondern auch der seelischen Inte-
grität. Eine Störung des psychischen Gleichgewichts ist auch ohne gleichzeitige 
physische Verletzung eine Körperverletzung (Roland Brehm, Berner Kommentar zu 
Art. 41-61 OR, Bern 1998, N 14 zu Art. 47 OR mit Hinweisen). Der Zweck der Ge-
nugtuungssumme besteht darin, dass durch eine schadenersatzunabhängige Geld-
leistung ein gewisser Ausgleich geschaffen wird für den erlittenen physischen 
und/oder psychischen Schmerz. Das Gericht hat demnach nach Recht und Billigkeit 
zu entscheiden, ob eine Genugtuung zuzusprechen ist und wie hoch diese bejahen-
denfalls sein soll. Die Bemessung der Genugtuungssumme hängt im Wesentlichen 
von der Art und der Schwere der Verletzung, von der Intensität und der Dauer der 
Auswirkungen sowie vom Grad des Verschuldens des Schädigers und des Verletz-
ten ab (BGE 112 II 131).

Durch die Vergewaltigung hat A. eine auf die strafbaren Handlungen des Ad-
häsionsbeklagten zurückzuführende Körperverletzung erlitten. Ihre körperliche und 
seelische Integrität wurde beeinträchtigt, so dass ein Anspruch auf eine Genugtu-
ung insofern zu bejahen ist. Bei der Bemessung der Genugtuung ist zu berücksich-
tigen, dass gemäss Rechtsprechung die durchschnittliche Genugtuung bei einer 
Vergewaltigung in der Höhe von Fr. 10'000.-- liegt (Hütte Klaus/Ducksch Petra, Die 
Genugtuung, 3. Aufl. Zürich 2003, Kapitel I/100, Ziff. 9.8). Die Berücksichtigung der 
Umstände des vorliegend zu beurteilenden Falles ergibt einerseits, dass die Kläge-
rin in ihren persönlichen Verhältnissen schwer getroffen wurde. Die mit der Tat ver-
bundene sexuelle Erniedrigung, die Gewalt, die der Täter ausübte, und die Angst, 

29

die das Opfer damals empfunden hat, sind der eine Teil des erlittenen Unrechts. 
Nicht weniger gravierend sind die psychischen Folgen der Verletzung. Gemäss Be-
richt von Dr. med. R. Klesse vom 23. Oktober 2003 (act. 1.13) leidet A. sei Jahren 
an depressiven Episoden mit starken Ängsten und psychosomatischen Beschwer-
den. Die gesamten Umstände der Heirat, Trennung und Scheidung haben gemäss 
Dr. Klesse zu einer erneuten Verstärkung der depressiven Symptomatik geführt. In 
diesem Sinn habe die Vergewaltigung vom 5. April 2003 sicher zu einer Verschlech-
terung des psychischen Zustandes beigetragen. Es liege eine mittelschwere bis 
schwere Beeinträchtigung des psychischen Zustandes von A. vor. An dieser Beein-
trächtigung bzw. Verschlechterung des psychischen Zustandes von A. trägt jene 
kein Verschulden. Hingegen hat sich X. durch sein rücksichtsloses Verhalten ein 
schweres Verschulden anrechnen zu lassen. Anderseits ist zu berücksichtigen, 
dass gemäss ärztlichem Bericht eine eigentliche Traumatisierung im Sinne des Vor-
liegens einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht besteht. Zudem erweist 
sich das Verhalten des Adhäsionsbeklagten zwar zweifellos als gewalttätig und 
rücksichtslos, der Vergewaltigungsakt erweist sich hinsichtlich Dauer und Intensität 
der Gewalteinwirkung indes nicht als äus-serst intensiv und besonders brutal. Es 
handelte sich zudem nicht um wiederholte Vergewaltigungen, sondern um einen 
einmaligen Vorfall. Ein Vergleich mit den von der Adhäsionsklägerin angeführten 
Urteilen, in denen Genugtuungen von Fr. 20'000.-- ausgesprochen wurde, rechtfer-
tigt sich nicht. Im ersten der von der Adhäsionsklägerin angeführten Urteile handelte 
es sich um wiederholte Vergewaltigungen über einen Zeitraum von zehn Stunden 
(Hütte/Ducksch, Die Genugtuung, Kapitel X/34, 1998 - 2000, Nr. 25b). Auch im 
zweiten angeführten Urteil handelte es sich um mehrfache und zudem brutalste Ver-
gewaltigungen über einen Zeitraum von über 30 Stunden (Hütte/Ducksch, a.a.O., 
2001 -, Nr. 23a).

In Würdigung aller Umstände sowie unter Berücksichtigung der sich in die-
sem Bereich entwickelten Praxis erachtet die Strafkammer des Kantonsgerichts 
eine Genugtuungssumme von Fr. 10'000.-- als angemessen. Zur klagbaren Genug-
tuungsforderung gehört auch der Schadenszins. Dieser wird mit Eintritt des den An-
spruch begründenden Vorfalls fällig (BGE 85 II 512 ff.; R. Brehm, a.a.O., N 87 ff. zu 
Art. 47 OR mit Hinweis auf N 97 zu Art. 41 OR). Der Adhäsionsbeklagte wird somit 
verpflichtet, der Adhäsionsklägerin Fr. 10'000.-- zuzüglich dem gesetzlich festgeleg-
ten Zins von 5 % (Art. 73 OR) seit 5. April 2003 zu bezahlen.

c) Soweit in der Strafprozessordnung Verfahrensfragen in Bezug auf die 
Adhäsionsklagen nicht geregelt werden, sind die Bestimmungen der Zivilprozess-

30

ordnung analog heranzuziehen (Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. 
Auflage, Zürich 1979, S. 59; Jürg Domenig, Die Adhäsionsklage im Bündner Straf-
prozess, Diss. Zürich 1990, S. 42 f.). Hinsichtlich aussergerichtlicher Entschädigun-
gen in Adhäsionsverfahren findet sich in der Strafprozessordnung keine Regelung, 
so dass Art. 122 Abs. 2 ZPO analog anzuwenden ist. Demnach hat die unterlegene 
Partei dem obsiegenden Prozessgegner dessen aussergerichtliche Kosten im Zu-
sammenhang mit der Beauftragung eines Rechtsanwaltes zu ersetzen. Fällt das 
Urteil nicht ausschliesslich zu Gunsten einer Partei aus, richtet sich die Entschädi-
gung nach dem Mass des Obsiegens beziehungsweise Unterliegens. In restriktiver 
Praxis sind aber nur die notwendigerweise verursachten Kosten zu erstatten. Da im 
Strafverfahren der Sachverhalt von Amtes wegen festgestellt wird und den Parteien 
aus der Behandlung der Zivilklage meist keine nennenswerten Kosten entstehen, 
bewegen sich allfällige zuzusprechende aus-seramtliche Entschädigungen im Ad-
häsionsverfahren in aller Regel in bescheidener Höhe (vgl. Domenig, a.a.O., S. 128; 
PKG 1990 Nr. 38).

Die Adhäsionsklägerin ist mit ihren Begehren auf Zusprechung einer Genug-
tuung von Fr. 25'000.-- nur im Umfang von Fr. 10'000.-- durchgedrungen. Es gilt 
zwar zu berücksichtigen, dass die Bestimmung der angemessenen Genugtuungs-
forderung für die klagende Partei nicht einfach ist. Wohl besteht mittlerweile eine 
recht breite Praxis in den verschiedenen Kantonen. Die Höhe der Forderung beur-
teilt sich jedoch immer aufgrund der konkreten Verhältnisse, die bei jedem Fall wie-
der anders liegen. Ferner steht dem Gericht bei der Festlegung der Genugtuung ein 
gewisser Ermessensspielraum zu. Vorliegend erweist sich die vom Rechtsvertreter 
eingeklagte Genugtuungssumme indes als klar zu hoch. Es rechtfertigt sich daher, 
der Adhäsionsklägerin gegenüber dem Adhäsionsbeklagten in analoger Anwen-
dung von Art. 122 Abs. 2 ZPO einen reduzierten Anspruch auf Entschädigung ihrer 
notwendigen Aufwendungen einzuräumen. Der Adhäsionsbeklagte wird verpflich-
tet, der Adhäsionsklägerin eine ausseramtliche Entschädigung in der Höhe von Fr. 
600.-- zu bezahlen.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Untersuchungskosten 
der Staatsanwaltschaft, die Gerichtsgebühr sowie das Honorar der amtlichen Ver-
teidigung gestützt auf Art. 158 Abs. 1 StPO zu Lasten des Verurteilten. Die Kosten 
der angerechneten Polizei- und Untersuchungshaft sowie eines allfälligen Strafvoll-
zugs trägt der Kanton Graubünden (Art. 158 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 188 
StPO).

31

32

Demnach erkennt die Strafkammer :

1. X. ist schuldig der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB sowie der 
Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG.

2. Dafür wird er in Abwesenheit mit 18 Monaten Zuchthaus bestraft, abzüglich 
der erstandenen Polizei- und Untersuchungshaft von 20 Tagen.

Der Vollzug der Strafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit 
von 2 Jahren.

3. Von einer Landesverweisung wird abgesehen.

4. Die Adhäsionsklage von A. wird im Umfang von Fr. 10'000.-- gutgeheissen, 
zuzüglich 5 % Zins seit 5. April 2003. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Der Verurteilte hat die Adhäsionsklägerin zudem ausseramtlich mit Fr. 600.-
- zu entschädigen.

5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft
Graubünden von Fr. 4'185.45

- der Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.00
- sowie den Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 1'412.80
total somit Fr. 8'598.25

gehen zu Lasten des Verurteilten. Die Kosten der angerechneten Polizei- und 
Untersuchungshaft sowie eines allfälligen Strafvollzugs trägt der Kanton 
Graubünden.

6.a) Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

b) Der Verurteilte kann beim Kantonsgericht von Graubünden die Aufhebung 
seines Abwesenheitsurteils und die Durchführung des ordentlichen Verfah-

33

rens verlangen. Dies ist innert 60 Tagen seit Kenntnis des Urteils und der 
Möglichkeit, sich zu stellen, zu verlangen.

7. Mitteilung an:

__________

Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin ad hoc: