# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b176d43-0eca-5674-81a3-0570f038d042
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.11.2008 C-8300/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-8300-2007_2008-11-19.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-8300/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), 
Richterin Ruth Beutler, Richter Bernard Vaudan, 
Gerichtsschreiber Rudolf Grun.

S._______,
vertreten durch T._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf 
K._______ und R._______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-8300/2007

Sachverhalt:

A.
Am  28.  Juni  2007  beantragten  die  indischen  Staatsangehörigen 
K._______ und R._______ (geboren 1985 und 1983, nachfolgend: Ge-
suchstellerinnen) bei der Schweizerischen Botschaft in New Delhi ein 
Visum für einen einmonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem in Bern an-
sässigen Vater  S._______ (Gastgeber  und Beschwerdeführer). Nach 
formloser  Verweigerung  übermittelte  die  Auslandvertretung  das  Ge-
such zum Entscheid an das BFM.

B.
Nachdem die Migrationsbehörde der  Stadt  Bern  beim Gastgeber er-
gänzende Auskünfte eingeholt hatte, wies die Vorinstanz das Einreise-
gesuch mit Verfügung vom 1. November 2007 ab. Als Begründung leg-
te  sie  dar,  die  Ausstellung  einer  Einreisebewilligung  sei  namentlich 
dann zu verweigern, wenn die anstandslose und fristgerechte Wieder-
ausreise der Gesuch stellenden Personen nicht als gesichert betrach-
tet werden könne, sei  es als Folge der in ihrem Ursprungsland herr-
schenden politischen oder sozioökonomischen Verhältnisse oder auf-
grund ihrer persönlichen Situation. Wie die in  zahlreichen Fällen ge-
machte Erfahrung zeige, würden insbesondere Touristen- oder Besu-
chervisa immer wieder von Personen, welche sich eigentlich dauerhaft 
hierzulande niederlassen möchten, für eine erleichterte Einreise in die 
Schweiz missbraucht. Auch die Gesuchstellerinnen würden aus einer 
Region stammen, aus welcher der Zuwanderungsdruck im dargelegten 
Sinne nach wie vor stark anhalte. Des Weiteren würden ihnen im Ur-
sprungsland  keine  zwingenden  familiären  Verpflichtungen  obliegen, 
welche Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten würden. Zudem 
bestünden gemäss Mitteilung der zuständigen kantonalen Migrations-
behörde erhebliche Zweifel, ob die Gesuchstellerinnen von der Gast-
geberfamilie erwartet würden oder nicht.

C.
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  6.  Dezember  2007  beantragt  der  Be-
schwerdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die 
Erteilung einer Einreisebewilligung für einen Besuchsaufenthalt von ei-
nem Monat. Eventuell sei der Beschwerdeführer zwecks Sicherstellung 
der fristgemässen Ausreise seiner Töchter zur Leistung einer gericht-
lich oder durch die Vorinstanz zu bestimmenden Sicherheitsleistung zu 
verpflichten. Dabei bringt er hauptsächlich vor, er sehne sich nach sei-

Seite 2

C-8300/2007

nen Töchtern und möchte diese gerne für einen Monat bei sich zu Be-
such haben. Nach dem Besuchsaufenthalt würden sie nach Indien zu-
rückkehren und dort ihre zweijährige Ausbildung im Bereich "beauty & 
cosmetics" beenden. Durch die Verweigerung der Einreisebewilligung 
mit der pauschalen, ohne Abklärung der konkreten Verhältnisse vorge-
nommenen Begründung, die Gesuchstellerinnen erfüllten aufgrund ih-
rer Herkunft die Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr nicht, müsse 
sich die Vorinstanz eine unrichtige und unvollständige Feststellung des 
Sachverhalts  vorhalten  lassen.  Dadurch  und  durch  die  sachfremde 
Aussage,  nur  zwingende  familiäre  Verpflichtungen  im  Ursprungsland 
könnten eine solche Gewähr bieten, verletze die Vorinstanz Art. 1 Abs. 
2 Bst. c der Verordnung vom 14. Januar 1998 über die Einreise und 
Anmeldung von Ausländerinnen und Ausländern (VEA, AS 1998 194, 
zum vollständigen Quellennachweis vgl. Art. 39 der Verordnung vom 
24. Oktober  2007  über  das  Einreise-  und  Visumverfahren  [VEV, SR 
142.204]). K._______ habe anlässlich ihres letztjährigen Besuches in 
Deutschland (beim Bruder des Beschwerdeführers) bereits bewiesen, 
dass sie Gewähr biete für eine fristgerechte Rückkehr. Auch der Um-
stand, dass aufgrund der Ausbildung beider Töchter ein Besuchsauf-
enthalt von lediglich einem Monat beantragt worden sei, spreche vor-
liegend  für  die  Annahme  einer  fristgerechten  Ausreise.  Durch  das 
blosse Abstellen auf Erfahrungswerte ohne Berücksichtigung der kon-
kreten Verhältnisse verletze die angefochtene Verfügung nicht nur Art. 
1 Abs. 2 Bst. c VEA, sondern auch Art. 14 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) 
und Art. 8 Ziff. 1 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze 
der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101).  Das 
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens verlange, dass der 
Beschwerdeführer seine Töchter für 30 Tage zu sich auf Besuch neh-
men könne.

D.
In ihrer Vernehmlassung vom 4. März 2008 schliesst die Vorinstanz auf 
Abweisung der Beschwerde und hält ergänzend fest, dass die beiden 
Gesuchstellerinnen zur Zeit in Indien auch nicht über zwingende beruf-
liche Verpflichtungen verfügten. Ferner müsse angesichts der Aktenno-
tiz der Migrationsbehörde der Stadt Bern vom 18. September 2007 so-
wie der Stellungnahme dieser Behörde vom 17. Oktober 2007, wonach 
sich die Gastgeber (Beschwerdeführer und Ehefrau) nicht  einig über 
die Visumanträge seien, in Frage gestellt werden, ob sich diese für die 
rechtzeitige Ausreise der Gesuchstellerinnen einsetzen würden.

Seite 3

C-8300/2007

E.
Mit Replik vom 7. April 2008 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich 
an seinen Begehren und der Begründung fest.
Auf die einzelnen Vorbringen und die beantragten Beweismassnahmen 
wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Am 1. Januar  2008  traten  das  neue  Bundesgesetz  vom 16. De-
zember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 
142.20)  sowie  die  dazugehörigen  Ausführungsverordnungen  in  Kraft 
(u.a. die Verordnung über das Einreise- und Visumverfahren). Gemäss 
den  Übergangsbestimmungen  richtet  sich  das  Verfahren  nach  dem 
neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AuG), womit nach Art. 112 Abs. 1 AuG 
die  allgemeinen  Bestimmungen  der  Bundesrechtspflege  anwendbar 
sind. 

1.2 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verweigerung der Einreise-
bewilligung unterliegen demnach der Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht (Art. 31, Art. 32 sowie Art. 33 Bst. d des Verwaltungs-
gerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]).  Gemäss 
Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsge-
richtsgesetz  nichts  anderes bestimmt. Das Urteil  des Bundesverwal-
tungsgerichts  ist  endgültig  (Art. 1  Abs. 2  VGG  i.V.m.  Art. 83  Bst. c 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 
173.110]).

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde 
legitimiert; auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 
einzutreten (Art. 48 ff. VwVG).

2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verlet-
zung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch 
des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit gerügt 
werden,  sofern nicht  eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz 

Seite 4

C-8300/2007

verfügt hat (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 
Beschwerdeverfahren das  Bundesrecht  von Amtes wegen an. Es  ist 
gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht 
gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel-
tend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist 
grundsätzlich die  Sach-  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides  (vgl.  E. 1.2  des  in  BGE  129  II  215  teilweise  publ.  Urteils 
2A.451/2002 vom 28. März 2003). Gemäss Art. 126 Abs. 1 AuG bleibt 
auf  Gesuche,  die  vor  dem Inkraftreten des  AuG eingereicht  worden 
sind, aber das bisherige (materielle) Recht anwendbar. 

2.2 Da das der Beschwerde zugrunde liegende Gesuch um Einreise 
am 28. Juni 2007 eingereicht wurde, erfolgt die Beurteilung noch nach 
dem alten Recht. Einschlägig sind demnach das Bundesgesetz vom 
26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
(ANAG, BS 1 121, zum vollständigen Quellennachweis vgl. Ziff. I des 
Anhangs  zum AuG) sowie  die  gestützt  darauf  erlassenen  Durchfüh-
rungsvorschriften (Art. 25 ANAG), insbesondere die Verordnung über 
die  Einreise  und  Anmeldung  von  Ausländerinnen  und  Ausländern 
(VEA).

3.
3.1 Die Schweizerische Rechtsordnung gewährt grundsätzlich keinen 
Anspruch  auf  Bewilligung  der  Einreise. Der  Entscheid  darüber  ist  – 
vorbehältlich nachfolgend zu erörternder Hinderungsgründe – von der 
Bewilligungsbehörde in pflichtgemässer Ausübung ihres Ermessens zu 
fällen  (Art. 4  und  Art. 16  Abs. 1  ANAG,  Art. 9  Abs. 1  VEA;  PETER 
UEBERSAX, Einreise und Anwesenheit, in: Peter Uebersax/Peter Münch/ 
Thomas Geiser/Martin Arnold (Hrsg.), Ausländerrecht, Ausländerinnen 
und Ausländer im öffentlichen Recht, Privatrecht, Steuerrecht und So-
zialrecht  der  Schweiz,  Basel/Genf/München  2002,  S. 143;  URS BOLZ, 
Rechtsschutz im Ausländer- und Asylrecht,  Basel und Frankfurt  a.M. 
1990, S. 29 mit weiteren Hinweisen;  PHILIP GRANT,  La protection de la 
vie  familiale  et  de  la  vie  privée  en  droit  des  étrangers,  Basel/Genf/ 
München 2000, S. 24; BGE 133 I 185 E. 2.3).

3.2 Ausländerinnen  und  Ausländer  benötigen  zur  Einreise  in  die 
Schweiz einen Pass und ein Visum, sofern sie nicht aufgrund beson-
derer Regelung von diesem Erfordernis ausgenommen sind (vgl. Art. 1 
bis 5 VEA). 

Seite 5

C-8300/2007

3.3 Um ein Visum zu erhalten, müssen Ausländerinnen und Ausländer 
die in  Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Ge-
mäss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA haben sie unter  anderem Gewähr für 
eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten. 

4.
4.1 Die Gesuchstellerinnen können sich auf keine Ausnahmeregelung 
berufen;  sie  sind  aufgrund  ihrer  Staatsangehörigkeit  visumspflichtig. 
Die Vorinstanz verweigerte den Gesuchstellerinnen die Erteilung eines 
solchen Visums mit der Begründung, ihre fristgerechte Wiederausreise 
erscheine nicht als hinreichend gesichert. 

4.2 Wenn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten Wie-
derausreise erfüllt ist, muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. 
Dazu lassen sich in der Regel keine Feststellungen, sondern lediglich 
Prognosen treffen. Dabei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesu-
chen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten oder Regionen mit po-
litisch respektive wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnis-
sen zum Vornherein mit Zurückhaltung zu begegnen, da die persönli-
che  Interessenlage  in  solchen  Fällen  häufig  nicht  mit  dem Ziel  und 
Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.

4.3 Dank  anhaltenden  kräftigen  Wachstums  (8,7% im  Haushaltsjahr 
2007/8; durchschnittlich 8% in den letzten fünf Jahren) gehört Indien 
heute zu denjenigen Staaten mit dem weltweit grössten Bruttoinland-
produkt (BIP).  Die meisten langfristigen Wachstumsprognosen gehen 
davon aus, dass das Land mit seinen gegenwärtig ca. 1,1 Mia. Men-
schen bis  2050 ein BIP erwirtschaften wird,  das dann nur noch von 
China und den USA übertroffen werden kann. Gemessen in Kaufkraft-
parität nimmt Indien bereits jetzt den vierten Rang weltweit ein. Hinter 
dem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 828 US-
Dollar (USD) im abgelaufenen Fiskaljahr 2007/8 verbergen sich aller-
dings grosse regionale Unterschiede und wachsende Disparitäten zwi-
schen  einer  sich  herausbildenden  städtischen  Mittelschicht  und  der 
überwiegend armen Bevölkerung auf dem Lande, wo noch ca. 70% al-
ler Inderinnen und Inder leben. Etwa ein Viertel  der Gesamtbevölke-
rung lebt unterhalb der Armutsgrenze von 1 USD pro Kopf und Tag. 
Der  Dienstleistungssektor  mit  seinem  anhaltend  überproportionalen 
Wachstum (2006/7: 11%, Prognose für 2007/8: 9 – 11 %) erwirtschaf-
tet mehr als die Hälfte des BIP (55%), beschäftigt jedoch nur ca. 25% 
der Arbeitskräfte (nach Angaben der Regierung verfügen nur 5% aller 

Seite 6

C-8300/2007

Arbeitskräfte überhaupt über eine berufliche Qualifikation). Genau um-
gekehrt verhält es sich mit der Landwirtschaft, deren Anteil bei mage-
ren 2,7% Wachstum im letzten Fiskaljahr weiter absank und nur noch 
bei 18,5% liegt (1990/1 betrug er noch 34%), die aber weiterhin fast 
zwei Drittel der Landbevölkerung mehr schlecht als recht ernährt. Un-
ter dem Strich hängt über die Hälfte der 1,1 Mia. Inderinnen und Inder 
direkt von der Landwirtschaft ab, die mit häufig suboptimalen Flächen, 
geringer Kapitalintensität, stagnierenden Erträgen und mangelnder Lo-
gistik- und Absatzorganisation das Sorgenkind jeder indischen Regie-
rung bleiben muss (Länder- und Reiseinformationen auf der Website 
des  Auswärtigen  Amtes,  Länder-  und  Reiseinformationen  > Indien, 
<http://www.auswaertiges-amt.de>, Stand: Juni 2008). So ist das Land 
trotz des anhaltenden Wirtschaftswachstums von weit verbreiteter Ar-
mut und einer hohen Analphabetenrate geprägt; breite Bevölkerungs-
schichten  leben  nach  wie  vor  unter  vergleichsweise  schwierigen 
ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen.

4.4 Bei  der  Risikoanalyse sind aber  nicht  nur solch allgemeine Um-
stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des 
konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer Gesuchstelle-
rin oder einem Gesuchsteller im Heimatstaat beispielsweise eine be-
sondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung, 
kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose 
Wiederausreise  begünstigen.  Andererseits  muss  bei  Antragstellerin-
nen und Antragstellern,  die  in  der  Heimat  keine der  erwähnten Ver-
pflichtungen haben, die sie von einer möglichen Emigration abhalten 
könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das Risiko eines frem-
denpolizeilich  nicht  vorschriftsgemässen  Verhaltens  nach  bewilligter 
Einreise zu einem Besuchsaufenthalt hoch eingeschätzt werden.

5.
5.1 Bei den Gesuchstellerinnen handelt es sich um 25- bzw. 23-jähri-
ge ledige Frauen. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers befinden 
sich beide zur Zeit in einer zweijährigen Ausbildung im Bereich "beau-
ty und cosmetics". Ob sie mit dieser Tätigkeit in Indien ihren Lebens-
unterhalt  selber bestreiten können, geht aus den Akten nicht hervor. 
Auf jeden Fall kann nicht von einer besonders vorteilhaften und stabi-
len wirtschaftlichen Situation ausgegangen werden. Demzufolge kann 
bei den Gesuchstellerinnen – wie die Vorinstanz zutreffend festhielt  – 
nicht  auf  besondere  berufliche  Verpflichtungen geschlossen  werden. 
Insofern scheint es nicht abwegig anzunehmen, dass der Wunsch zur 

Seite 7

C-8300/2007

Emigration  vorhanden  ist  oder  zumindest  entstehen  könnte.  Hinzu 
kommt – was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird – das Fehlen 
zwingender  familiärer  Verpflichtungen.  Dass  die  Gesuchstellerinnen 
lediglich  einen  Besuchsaufenthalt  von  30  Tagen  beantragt  haben, 
vermag  am  vorgenannten  hohen  Risiko  einer  nicht  fristgerechten 
Ausreise  ebenso  wenig  etwas  zu  ändern  wie  der  Umstand,  dass 
K._______  bereits  einmal  in  Deutschland  zu  Besuch  gewesen  und 
offenbar  wieder  rechtzeitig  in  ihre  Heimat  zurückgekehrt  ist.  Der 
Beschwerdeführer verkennt in diesem Zusammenhang, dass bezüglich 
der Begleitumstände und Voraussetzungen jenes Besuches nicht ohne 
weiteres auf  den vorliegenden Fall  geschlossen werden kann. Einer-
seits ist nicht bekannt, was in Bezug auf jenes Einreisegesuch über-
haupt geprüft worden war. Anderseits ist der Gastgeber nicht identisch. 
Insofern ist das Risiko einer nicht fristgerechten Rückkehr höher, wenn 
es sich bei der Bezugsperson im Gastgeberland – wie hier – um einen 
engsten  Familienangehörigen  handelt,  was  in  Deutschland  mit  dem 
Bruder des Beschwerdeführers nicht der Fall war.

5.2 Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers  greift  die  Ver-
weigerung eines 30-tägigen Besuchsaufenthalts  in casu nicht  in den 
Schutzbereich des Privat- und Familienlebens ein (Art. 13 [und 14] BV 
und Art. 8 EMRK), verleiht doch keine dieser Bestimmungen einen An-
spruch auf Einreise oder Verwirklichung des Familienlebens an einem 
bestimmten Ort  (vgl. BGE 130 II  281  E. 3.1  [mit  Hinweisen],  ferner 
STEPHAN BREITENMOSER, in: Bernhard Ehrenzeller / Philippe Mastronardi / 
Rainer J. Schweizer / Klaus A. Vallender, Die Schweizerische Bundes-
verfassung,  Zürich  2002,  N  25  zu  Art.  13;  ARTHUR HAEFLIGER/FRANK 
SCHÜRMANN,  Die  Europäische  Menschenrechtskonvention  und  die 
Schweiz,  Die  Bedeutung  der  Konvention  für  die  schweizerische 
Rechtspraxis, 2. Aufl., Bern 1999, S. 261). Von einem rechtfertigungs-
bedürftigen Grundrechtseingriff  könnte  – wenn überhaupt  – allenfalls 
dann ausgegangen werden,  wenn die  Wahrnehmung familiärer  Kon-
takte in zumutbarer Weise nur durch Besuche der Gesuchstellerinnen 
in der Schweiz zu verwirklichen wäre, was vorliegend nicht zutrifft. 
Dem Beschwerdeführer steht nämlich weiterhin die Möglichkeit offen, 
seine Töchter  in Indien zu besuchen, wie er dies letztmals im Jahre 
2006 getan hat.

5.3 Der  Beschwerdeführer  beantragt  eventualiter  seine Verpflichtung 
zu einer gerichtlich festzulegenden Sicherheitsleistung (Kaution).
Mit  der Unterzeichung der Unterhaltsverpflichtung am 18. September 

Seite 8

C-8300/2007

2007 hat er sich bereit erklärt, für die Lebensunterhaltskosten der Ge-
suchstellerinnen  während  des  geplanten  Besuchsaufenthalts  aufzu-
kommen. Die  Pflicht  zur  Abgabe einer  solchen Erklärung stützt  sich 
auf Art. 7 Abs. 1 VEA und umfasst auch allfällige Kosten für Unfall und 
Krankheit während des Besuchaufenthalts sowie die Rückreisekosten, 
wobei die Garantiesumme Fr. 20'000.- beträgt (Art. 7 Abs. 3 VEA). Wei-
tere Auflagen, wie die von ihm beantragte Kaution, sind nicht vorgese-
hen. Der Beschwerdeführer verkennt  dabei  auch,  dass in Bezug auf 
die Abwägung des Risikos einer  nicht  fristgerechten Wiederausreise 
nicht so sehr die Einstellung oder Ansichten des Gastgebers, sondern 
in  erster  Linie  das  mögliche  Verhalten  des  Gastes  bzw. der  Gäste 
selbst von Bedeutung ist. Nur Letztere sind in der Lage, hinreichend 
Gewähr  für  eine  fristgerechte  und  anstandslose  Wiederausreise  zu 
bieten. Der Gastgeber kann zwar – wie er dies mit der Unterzeichung 
der  Unterhaltsverpflichtung und dem Abschluss  einer  Reiseversiche-
rung für die Gesuchstellerinnen getan hat – für gewisse finanzielle Ri-
siken Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer 
Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten der Gäste (vgl. anstel-
le  vieler  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C-5488/2007  vom 
19. August 2008 E. 5.3 und C-6493/2007 vom 9. Juni 2008 E. 5.3).

6.
Aufgrund dieser Darlegungen ist somit nicht zu beanstanden, dass die 
Vorinstanz das öffentliche Interesse sowie die Beachtung der gelten-
den Bestimmungen entsprechend gewichtete und den Gesuchstellerin-
nen die Einreise verweigerte. Die angefochtene Verfügung verletzt da-
her  Bundesrecht  nicht.  Auf  eine  Befragung  des  Beschwerdeführers 
und seiner Ehefrau kann ferner verzichtet werden, zumal das Bundes-
verwaltungsgericht trotz der von der kantonalen Migrationsbehörde ge-
machten Feststellungen in Bezug auf die Uneinigkeit über die Visum-
anträge keine Zweifel hat, dass der Beschwerdeführer die Gesuchstel-
lerinnen  bei  sich  zu  einem  Besuchsaufenthalt  empfangen  will.  Der 
rechtserhebliche Sachverhalt wurde im Übrigen richtig und vollständig 
festgestellt  und  die  Vorinstanz  hat  das  ihr  zustehende  Ermessen 
pflichtgemäss  und  zutreffend  gehandhabt  (Art.  49  VwVG).  Die  Be-
schwerde ist demzufolge abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer die 
Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 
3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Seite 9

C-8300/2007

Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt und mit dem am 19. Dezember 2007 geleisteten Kostenvor-
schuss gleicher Höhe verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. [...] zurück)
- die Migrationsbehörde der Stadt Bern

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Antonio Imoberdorf Rudolf Grun

Versand: 

Seite 10