# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 06157c07-3d76-5f73-b66f-570750b86b81
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-12-30
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung; 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, Berufswechsel (Aufgabe der selbständigerwerbenden Tätigkeit als Bauhandwerker) zumutbar.
**Docket/Reference:** IV.2012.00875
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00875.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00875
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Oertli
Urteil
vom
30. Dezember 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG
Rechtsdienst Haftpflicht- und Versicherungsrecht,
lic
.
iur
.
Y.___
Affolternstrasse
42, Postfach 6944, 8050 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1955 geborene
X.___
, gelernter Zimmermann,
ist seit dem Jahr 200
3
Inhaber der Einzel
un
t
ernehmung
Z.___
(Handelsregister Firmen-
Nr.
A.___
)
. Er meldete sich am 3
0.
März 2011 unter Hinweis auf
Nackenbeschwerden
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf in der Folge erste erwerbliche Abklärungen (
Urk.
7/7), liess einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug) erstellen (
Urk.
7/10) und holte
zwei
Arztberichte (
Urk.
7/9 und
Urk.
7/12)
sowie bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst eine Stellungnahme zum medizinischen Sachverhalt ein (Urk.
7/20 S. 2 f.)
.
Die Verwaltun
g veranlasste zudem eine Abklärung der gesundheitsbedingten Einschränkung in der selbständigen Erwerbstätigkeit (Urk. 7/16
, vollständig wiedergegeben in
Urk.
7/30
) und nahm Kopien von Bilanz
en
und Erfolgsrechnung
en
der Jahre 2
008-2011
zu den Akten
(
Urk.
7/14
und
Urk.
7/17
).
Mit Vorbescheid vom
5.
April 2012 stellte
sie
dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/22).
Auf
Einwand des Versicherten
(
Urk.
7/26 und
Urk.
7/29)
hin
nahm die
IV-Stelle Rücksprache mit ihrem
Abklärungs- (
Urk.
7/31 S. 3) und Rechtsdienst
(
Urk.
7/33 S. 2).
In der Folge hielt sie am Vorbescheid fest und verneinte mit
Verfügung vom 15.
August 2012 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
5.
August 2012 erhob der Versicherte am 5.
September 2012 Beschwerde (
Urk.
1) mit
dem
Rechtsbegehren
, es sei die Verfügung vom 1
5.
August 2012 aufzuheben und ihm ein
e
halbe Rente auszu
richten
(S. 2).
In ihrer Vernehmlassung
vom 1
1.
Oktober 2012 beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 1
6.
Oktober 2012 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der
rentenablehnende
n
Verfügung
(
Urk.
2)
dafür
, dass
der Versicherte
in einer angepassten Tätigkeit
wie beispielsweise Call-Center Mitarbeiter, Bürohilfe oder Sachbearbeiter
zu 100
%
arbeitsfähig sei
.
Aus medizinischer Sicht könne der Beschwerdeführer aber keine körperlich schweren Arbeiten und insbesondere keine Überkopfarbeiten mehr ausführen.
Seine angestammte
selbständige
Tätigkeit bestehe
etwa zu 90
%
aus vorwiegend körperlicher, darunter auch schwerer Arbeit und sei damit nicht
behinderungs
angepasst
.
Eine Betriebsaufgabe sei dem Versicherten im Rahmen der
Schaden
minderungspflicht
zumutbar.
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
entgegen,
es sei ihm nicht zumutbar, seine selbständige Tätigkeit aufzugeben und eine unselbständige
Tätigkeit aufzunehmen (S. 1 f.). Ferner könne eine
rein
sitzende oder stehende Tätigkeit aufgrund seiner Rücken- und Nackenbeschwerden nicht als angepasst bezeichnet werden. Im Übrigen
hätte die Beschwerdegegnerin bei ihrem
Ein
kommensvergleich
ein
en leidensbedingten
Abzug von mindestens 10
%
vor
nehmen müssen
.
3.
3.1
Am 2
4.
März 2011
(
Urk.
7/12/14-15) diagnostizierte
PD
Dr.
med.
B.___
, Chef
arzt Neurochirurgie am
C.___
,
in
seinem
Bericht an den Hausarzt des Beschwerdeführers
Dr.
med.
D.___
, Innere Medizin FMH, ein
cervicoradikuläres
Syndrom beidseits bei degenerativen Veränderungen der unteren Halswirbel
säule (Spondylose/
Uncarthrose
).
Er berichtete weiter
, der Versicherte leide seit zirka eineinhalb Jahren unter belastungsabhängigen Schmerzen in der linken Schulter, einer l
okal
schmerzhaften Einschränkung der Halswirbelsäulenbeweglichkeit und rezidivierenden
Kribbelparästhesien
in bei
den Armen (alle Finger betroffen), letzteres vor allem nachts. Er sei derzeit in seiner Tätigkeit als selbständiger Handwerker (Zimmermann) mit
häufigen
Überkopfarbeit
en
arbeitsunfähig.
Am 3
0.
März 2011
unterzog sich
der Versicherte zur Aktualisierung der Bildge
bung
einer
MRI
-Untersuchung
a
m
C.___
.
Diese
zeigte
laut dem Bericht vom
6.
April 2011 an den Hausarzt (
Urk.
7/12
/10
) eine degenera
tive Veränderung vor allem
in den Segmenten C5/6 und C6/7
, hauptsächlich
im Sinne einer
Spondylosis
deformans
, die zu einer Einengung der
Neuroforam
ina
in beiden Segmenten (betont auf
Höhe C6/7) führ
e. Die Beschwerden des Versi
cherten seien damit hinreichend erklärt. Bei Fehlen gravierender neurologischer Ausfallserscheinungen sei eine Operation (
Spondylodese
C5/6 und C6/7) derzeit nicht zwingend. Alternativ
schlug Dr.
B.___
die Fortsetzung der Physiotherapie und eine Reduktion des Arbeitspe
nsums vor. Ab dem 2
6.
April 2011
sei der Beschwerdeführer bis auf weiteres zu 50
%
arbeitsfähig.
3.2
Am
2
9.
April 2011 (
Urk.
7/9)
berichtete
Dr.
B.___
der IV-Stelle von den vorge
nannten Diagnose
n
.
Dr.
B.___
führte
weiter
aus, der Beschwerdeführer müsse als selbständiger Handwerker (Zimmermann) schwer körperlich arbeiten und auch Überkopfarbeiten ausführen. Die Beschwerden verstärkten sich durch die körperliche Arbeit. Von November 2010 bis zum 25.
April 2011 sei der Be
schwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen.
Seit
dem 2
6.
April 2011 bestehe eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit
bis auf weiteres, mit Physiotherapie könne zumindest
diese
erhalten bleiben.
Dr.
B.___
verwies
im Übrigen auf die Berichte vom 2
4.
März und
6.
April 2011 sowie auf den MRI-Bericht vom 3
0.
März 2011.
3.
3
Der Hausarzt
,
Dr.
D.___
,
bei dem der
Beschwerdeführer seit Mai 2007
in Behandlung steht und zuletzt
am 2
9.
Juli 2011 zur Kontrolle
war
, berichtet
e
der IV-Stelle am 26.
August 2011 (
Urk.
7/12/5-9). Er diagnostizierte ein seit dem Jahr 2010 bestehendes
cervicoradikuläres
Syndrom bei mehrsegmentalen dege
nerativen Veränderungen und
foraminaler
Stenose C6 und C7 beidseits. Ohne Auswirkung auf die Arb
eitsfähigkeit seien eine peripher
arterielle
Versch
luss
krankheit
bei
Endarteriekto
mie
der
Femoralisbifurk
ation
links am 8.
Dezember 2010,
eine koronare und
hyp
ertensive
Herzkrankheit bei PTCA /
Stenting
im März 2007
und
„RF:
Adipositas, Nikotin, Hypertonie und Lipide
“
sowie eine
Periarthr
opathia
humeroscapularis
links.
Dr.
D.___
führte aus,
in den letzten Jahren seien zunehmend
bewegungs
abhängige
Schmerzen im Nacken mit Ausstrahlung in die Arme und
zeit
weise auftretendem Kribbeln und Taubheit in den Fingern
aufgetreten
. Zudem
seien
in unterschiedlichem Ausmass schmer
z
hafte Bewegungseinschränkungen der lin
ken Schulter vor
handen
. Der Versicherte arbeite als Bauhandwerker selbständig in einem Einmannbetrieb. Entsprechen
d
müsse er alle Arbeiten selber ausfüh
ren. Schwierigkeiten seien zunehmend bei Montag
e
arbeiten über Kopfhöhe auf
getreten, wo die Beschwerden zu einer Verlangsamung des Arbeitstempos und manchmal auch zum Abbruch einer Arbeit geführt hätten. Klinisch zeige sich eine allseits eingeschränkte Halswirbelsäulenbeweglichkeit mit
Schmerzprovo
kation
vor allem bei
Reklination
, dabei auch Verstärkung von Hypästhesie
und Kribbeln in der linken Hand. Die Sensibilität
Dig
IV und
V links sei vermindert
. Es bestünden keine Paresen oder Muskelatrophien und es liege eine normal leb
hafte MER ohne Asymmetrie vor. Neben der bildgebenden Diagnostik
habe
ein
n
eurochirurgisches Konsilium
stattgefunden
, in dem keine zwingende
Operati
onsindikation
attestiert und eine Reduktion des Arbeitspensums und weitere Physiotherapien empfohlen worden sei
en
.
Der Versicherte habe
insge
samt fünf Serien Physiotherapie
zu neun Sitzungen
absolviert
.
Zusätzlich sei d
as Schul
ter
gelenk am
2.
November 2010 und am 2
4.
Januar 2011 mit einer
subacro
mi
alen
Steroidinfiltration behandelt worden
. Aktuell bestünden weiter
hin
bewe
gungs
abhängige
Beschwerden bei Kopfbewegungen – insbesondere
bei
Reklination
– und
geringg
radig
auch bei Heben der linken Schulter. Das Beschwerdemass habe reduziert werden können, doch seien Schmerzen im Nacken und im Ober
arm sowie Kribbeln der Hände bei Arbeiten über Kopf noch regelmässig vorhanden. Es sei ein stationärer Zustand zu erwarten, vorübergehende Ver
schlechterungen seien möglich. In seiner bisherigen Tätigkeit als Bauhandwer
ker sei der Beschwerdeführer vom 29.
November 2010 bis 3
1.
März 2011 zu
100% arbeitsunfähig gewesen, seit dem
1.
April 20
11 bestehe eine 50%ige Arbeits
fähigkeit
(halbtags vier Stunden)
. Arbeiten über Kopf könnten nur aus
nahmsweise durchgeführt werden.
Dr.
D.___
fand
,
dem Versicherten seien in einer behinderungsangepassten Tätigkeit sämtliche Arbeiten ausser
Überkopfar
beiten
zumutbar.
Er machte
diesbezüglich
keine Angaben
zum
zumutbaren zeitlichen Rahmen.
3.4
In Würdigung der medizinischen Aktenlage gelangte
p
ract
. med.
E.___
, F
ach
arzt
für Arbeitsmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle
am
7.
September 2011 zum Schluss, es
könne auf den Bericht von
Dr.
D.___
abgestellt werden (
Urk.
7/20 S. 3)
, wobei er diesen so interpretierte, dass in an
gepassten Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe
.
Pract
. med.
E.___
stellte fest, i
n der bisherigen Tätigkeit als Bauhandwerker sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer dauerhaften 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszuge
hen. In einer angepassten Tätigkeit bestehe
aus
versicherungsmedizinischer Sicht spätestens
seit
August 2011 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Zumutbar seien
sitzende, stehende und wechselbelastende Tätigkeiten ohne
Überkopfar
beiten
.
4
.
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass d
er Beschwerdeführer
infolge degenerativer Veränderungen
un
ter schmerzhaften
Bewegungseins
chränkungen der Halswirbelsäule
und teilweise der linken Schulter mit zeitweise
m
Kribbeln
in den
Hände
n
leidet
.
Unstrittig ist
, dass er deswegen in seiner Tätigkeit als selb
ständiger Bauhandwerker eingeschränkt ist
.
Vom 29. November 2010 bis 3
1.
März 2011 ist von einer
100
%igen
,
s
eit
1.
April 2011
von einer dauerhaften 50%igen Arbeits
un
fähigkeit in dieser an
gestammten Tätigkeit auszugehen
.
Nachvollziehbar ist ferner, dass der RAD-Arzt
pract
. med.
E.___
gestützt auf die
Berichte der behandelnden Ärzte
spätestens seit August 2011 (mit Hinweis auf die letzte Kontrolle beim Hausarzt am 2
9.
Juli 2011)
von einer uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausging.
Die
behandelnden Ärzte
haben sich zwar
nicht ausdrücklich zum zumutbaren zeitlichen Umfang von
angepasste
n Tätigkeiten
geäussert
– beziehungsweise die von Dr.
B.___
formulierte Einschränkung
auf
vier Stunden pro Tag (Urk.
7/9 S.
6)
bezieht sich
offensichtlich
auf
die
bisherig
e Tätigkeit als Bauhandwerker.
A
us den Berichten geht aber hervor
,
dass
sich
die
schmerzhaften Bewegungseinschränkungen
bei schweren körperlichen Tätigkeiten und namentlich bei Überkopfarbeiten limi
tierend auswirken
.
Demgegenüber kann
ihnen
nicht entnommen werden
, dass auch bei
angepassten
Tätigkeiten erhebliche Einschränkungen
vorliegen
.
Dies stimmt
denn auch
mit
der Aussage
des Beschwerdeführers bei der Abklärung
vor Ort überein, wonach im administrativen Bereich und bei den Kundenbesu
chen kaum Einschränkungen vorhanden seien (
Urk.
7/30
S. 5)
.
Beanstandet wurde seitens des Beschwerdeführers allerdings das
von
pract
. med.
E.___
formulierte Belastungsprofil
.
P
ract
. med.
E.___
erachtete
sit
zende, stehende oder wechselbelastende Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten
als angepasst
.
Dagegen wandte der
Versicherte
ein,
rein
sitzende
oder
stehende Tätigkeiten seien ihm aufgrund seiner Rücken- und Nackenbeschwerden nicht
vollschichtig
zumutbar. Er wies darauf hin, dass er früher wegen
Rücken
be
schwerden
in Behandlung
gewesen sei
und im Jahr 1983 deswegen
eine
von der
Invalidenversicherung unterstützte
Umschulung
zum Zimmermeister
absol
viert habe
(
Urk.
1 S. 3)
.
Da der
Versicherte
allerdings weder
gegenüber seinen Ärzten noch in der
Beschwerde geltend machte, dass
die früheren
Rückenleiden
(
Dis
kushernie
L5/S1) immer noch Beschwerden verursach
t
en
, vermögen diese Ausführungen das
vom
RAD
-Arzt
formulier
te
und auch mit den Angaben des Hausarztes
Dr.
D.___
übereinstimmende
Belastungsprofil nicht in Frage zu stellen.
Dieses ist
indessen
– wie es auch die Beschwerde
gegnerin
in der ange
fochtenen Verfügung machte –
gestützt auf
die
Ausführungen der Ärzte
dahin
gehend zu ergänzen, dass
der
Beschwerdeführer
körperlich schwere
Arbeiten meiden sollte
.
Zusammenfassend ist erstellt, dass der Beschwerdeführer in seiner angestamm
ten Tätigkeit als selbständiger Bauhandwerker
vom 2
9.
November 2010 bis 3
1.
März 2011 vollständig arbeitsunfähig war und seit
1.
April 2011
zu 50
%
arbeitsunfähig ist
,
während in angepasster Tätigkeit
spätestens seit 1. August 2011
eine volle Arbeitsfähigkeit besteht.
5.
5.1
Zu prüfen ist weiter, ob dem Versicherten im Rahmen der ihm obliegenden
Selbst
eingliederungspflicht
ein Berufswechsel zumutbar ist.
5.2
Nach der Rechtsprechung gilt im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allge
mein der Grundsatz, dass die
versicherte
Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Inv
alidität bestmöglich zu mildern.
Als Richtschnur bei der Interessenabwägung kann gel
ten, dass die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht zulässigerweise dort strenger sind, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht. Dies trifft beispielsweise zu, wenn der Verzicht auf
schaden
min
dernde
Vorkehren Rentenleistungen auslösen würde
(Urteil des Bundesge
richts I 365/03 vom
8.
Juli 2004 E. 4.2 mit Hinweisen; BGE
113 V
3
2). Ein Rentenan
spruch ist dann zu verneinen, wenn die versicherte Person selbst ohne Einglie
derungsmassnahmen, nötigenfalls mit einem Berufswechsel,
zumut
ba
rer
weise
in der Lage ist, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Urteil des Bundesgerichts 8C_460/2011 vom 2
2.
September 2011 E. 2 mit Hinweisen).
Für
die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit nach
Art.
28
Abs.
2 IVG im Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbstständi
gen Erwerbstätigkeit im Besonderen,
sind
die gesamten subjektiven und objek
tiven Gegebenheiten des
Einzelfalles zu berücksichtigen
. Im Vordergrund stehen bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die weiteren persönlichen Verhältnisse, wie Alter, berufliche Stellung
, Verwurze
lung am Wohnort usw
. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende Aktivitätsdauer mass
geblich
(Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_460/2011 vom 2
2.
September 2011 E. 2
und I 365/03 vom
8.
Juli 2004 E. 4.2
,
beide mit Hinweisen
).
Rechtsprechungs
gemäss
ist eine Betriebsaufgabe nur unter strenger Voraussetzung unzumutbar und es kann ein Betrieb selbst dann nicht auf Kosten der Invalidenversicherung
aufrecht erhalten
werden, wenn die versi
cherte Person da
rin
Arbeit von einer ge
wissen erwerblichen Bedeutung leistet (Urteil des Bundesgerichts 9C_834/2011 vom 2.
April 2012
E. 4).
5.3
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrak
ter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar so
wohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Vorausset
zungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichts
punkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein
rentenausschlies
sen
des
Einkommen zu
erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur
soweit
zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des
Invali
ditätsgrades
gewährleistet ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf ab
zustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnis
sen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeits
plätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f.
E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5.
Mai 2004, I 285/99
vom
1
3.
März 2000 und U 176/98 vom 1
7.
April 2000).
5.4
Zur Argumentation
des Beschwerdeführers, ein Berufswechsel sei ihm altersbe
dingt nicht mehr zumutbar (
Urk.
1 S.
2 f
f
.
),
ist vorab auf die
neuere
Rechtspre
chung des Bundesgerichts zum
generellen Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Ar
beitsmarkt zu verwerten
,
hinzuweisen
. In
BGE 138 V 457
hat das Bundesgericht
in Präzisierung seiner bisherigen Rechtsprechung festgehalten, dass für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeits
fähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, auf das Feststehen der medi
zinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
tätigkeit abzustellen ist
(
E. 3.3
)
. Vorliegend
ist spätestens seit August 2011 von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auszugehen
. Der Beschwerdeführer war damals 56 Jahre alt.
Damit war die kritische Altersgrenze (vgl. die Kasuistik im
Urteil des Bun
desgerichts
8C_482/2010 vom 2
7.
September 2010 E. 4.2
sowie
das
Urteil des Bundesgerichts I 819/04 vom 2
7.
Mai 2005 E. 2.2
) für
eine altersbedingte
Unzu
mutbarkeit
,
das
verbliebene
Leistungsvermögen wirtschaftlich
zu verwerten
,
noch nicht erreicht.
Für die Zumutbarkeit eines Berufswechsels
spricht
, dass der Beschwerdeführer als
selbständigerwerbender
Bauhandwerker nur zu 50
%
, in einer angepassten Tätigkeit hingegen vollzeitlich arbeitsfähig
ist, wobei die gesundheitliche
Be
einträch
tigung
nicht derart beschaffen
ist,
dass eine Anstellung auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt nicht mehr als realistisch anzusehen wäre (
vgl. E.
4 und E. 5.3
hie
vor
).
Dem Beschwerdeführer wäre es – wie die
nachfolgenden
Aus
führungen
zum Einkommensvergleich
zeigen –
möglich, mit einer vollzeitlich ausgeübten
adaptierten
Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen zu er
zielen.
Dabei
kommen nicht
nur die von der Beschwerdegegnerin exemplarisch
aufgezählten
Tätigkeiten als Call-Center-Mitarbeiter, Bürohilfe und Sachbear
beiter
in Frage
, denen der Beschwerdeführer
im Übrigen
entgegenhält
,
diese
würden ihm wegen
f
ehlender notwendiger beruflicher
Voraussetzungen nicht
offen stehen
, da er seit
der Lehre immer in der Baubranche
gearbeitet habe
(
Urk.
1 S.
3)
.
In Frage kommen
auch andere
körperlich leichte oder mittel
schwere Tätigkeit
en
ohne Überkopfarbeit
,
wie
b
eispielsweise
Kontrol
l- sowie Überwachungsfunktionen
.
Dem Beschwerdeführer verblie
b
im massgebenden Zeitpunkt bis zur ordentlichen Pensionierung
noch
eine Aktivitätsdauer von rund neun Jahren – keine Rolle spielen kann dabei der Umstand, dass
ange
stellten Bauhandwerkern
laut Gesamtarbeitsvertrag
(GAV)
für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe
(FAR) unter Umständen ein frühzeitiger
Altersrücktritt offen
steht
(vgl. Bundesratsbeschluss
über die
Allgemeinverbind
licherklärung
des GAV FAR
vom
5.
Juni 2001
und der Einwand in
Urk.
1
S. 3
).
Aus dem
Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
vom 2.
August 2012 (
Urk.
7/30
)
wird
zudem
deutlich,
dass der
Beschwerdeführer
hauptsächlich als
Subunternehmer
Fensterläden und Sonnenstoren m
ontiert
(S.
3
),
in der Haupt
sache
also ausgerechnet
die zu vermeidenden
Arbeit
en
über Kopfhöhe
ausführt
. Ein Festhalten an dieser Tätigkeit erscheint deshalb
weder aus ökonomischer noch
aus
medizinischer Sicht
sinnvoll
.
5.5
Zusammenfassend
ist die Zumutbarkeit eines Berufswechsels zu bejahen.
Zumin
dest muss sich der Beschwerdeführer im Rahmen der
ihm
zumutbaren Schadenminderungspflicht anrechnen lassen, was er in einer angepassten Tätig
keit auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu erzielen noch in der Lage wäre.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin ermittelte für das Jahr 20
1
1
(hypothetischer
Rentenbe
ginn
) gestützt auf
den durchschnittlichen Gewinn der Jahre 2008 bis 2010 ein
Valideneinkommen
von
Fr.
53
'
520
.-- (Abklärungsbericht für
Selbständigerwer
bende
vom
2.
August 2012
,
Urk.
7/
30
S. 6
), welches nicht bestritten wurde und zu keinen Bemerkungen Anlass gibt.
6.2
Zur Bemessung des Invalideneinkommens zog die Beschwerdegegnerin die vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE 200
8
Tabelle TA1 S.
26
) heran und ermittelte ausgehend vom monatlichen Bruttolohn der mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten im privaten Sektor beschäftigten Männer von
Fr.
4'
806
.-- und einer betriebsüblichen
Wochen
arbeitszeit
von 41.
6
Stunden
sowie
der Lohnentwicklung
ein Jahreseinkommen von Fr.
62‘098.75
(
Urk.
2)
.
Diese Vorgehensweise ist angesichts dessen, dass die Zumutbarkeit eines Berufswechsels zu bejahen ist (E. 5
hievor
), und mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach die Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen werden können, wenn die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder – wie dies vorliegend zutrifft – keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit a
ufgenommen hat (BGE 126 V 75 E.
3b
), nicht zu beanstanden. Die konkreten Zahlen geben zu keinen Bemerkun
gen Anlass und w
erden vom Beschwerdeführer
auch nicht bestritten. Die
Be
schwer
degegnerin
nahm des Weiteren
im Hinblick auf das Anforderungsprofil einen leidensbedingten Abzug (BGE 126 V 75 E. 5b) von 5
%
vor
, womit ein
Invali
deneinkommen
von
Fr.
58
'
993.85
und ein Invaliditätsgrad von 0
%
resul
tierte
(
Urk.
2
)
.
Der Beschwerdeführer erachtete demgegenüber einen
leidensbe
dingten
Abzug von mindestens 10
%
als angezeigt
(
Urk.
2 S. 4)
,
womit aber
nach wie vor
keine
rentenbegründende
Erwerbseinbusse vorliegen würde
. Selbst unter Berücksichtigung eines maximalen
leidensbedingten Abzugs
von 2
5
% resul
tierte bei einem Invalideneinkommen von
Fr.
46‘574
.05
und einem
Vali
den
ein
kommen
von Fr.
53
‘
520.--
ein Invaliditätsgrad von
13
%
, der
immer noch
unter
dem Eckwert für
einen Rentenanspruch
liegt.
7.
Nach dem Dargelegten steht fest, dass in einer adaptierten Tätigkeit eine zeitlich uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit besteht, wobei dem Beschwerdeführer ein Berufswechsel in eine solche Tätigkeit zumutbar ist und er bei Ausschöpfung seines beruflichen Leistungsvermögens keine
rentenbegründende
Erwerbsein
busse
erleidet. Damit erweist sich die einen Rentenanspruch verneinende Verfü
gung vom
1
5.
August 2012
als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erho
benen Beschwerde führt.
8.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--) auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubOertli