# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cb80acb7-df8f-5ac3-90de-484564549c91
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-13
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 13.11.2015 SB150197
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150197_2015-11-13.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB150197-O/U/ad 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, lic. iur. Ruggli und lic. iur. 

Stiefel sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. Höfliger 

 

 
Urteil vom 13. November 2015 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  

Anklägerin und Erstberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. A._____,  

Privatklägerin  

2. B._____,  

Privatklägerin und Drittberufungsklägerin 

3. C._____,  

Privatklägerin und Zweitberufungsklägerin 

 

2 vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X1._____ 

3 vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ 

 

gegen 

 

D._____,  

Beschuldigter und Viertberufungskläger 

 

erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ 

-   2   - 

 

betreffend Vergewaltigung etc. 

 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 20. November 

2014 (DG140009) 

 

-   3   - 

Inhaltsübersicht 

Anklage             

Urteil der Vorinstanz               5 

Berufungsanträge               7 

I. Prozessuales              10 

II. Sachverhalt              11 
A. ALLGEMEINES              11 

B. VORWÜRFE BETREFFEND DIE PRIVATKLÄGERIN 1        11 

1. Anklagevorwurf              11 
2. Standpunkt des Beschuldigten           13 
3. Beweiswürdigung             14 
 3.1.  Glaubwürdigkeit der involvierten Personen        14 
 3.2.  Sachverhaltswürdigung           16 
  3.2.1.  Täteridentifikation           16 
  3.2.2.  Tatnachweis            22 
4. Fazit                31 
C. VORWÜRFE BETREFFEND DIE PRIVATKLÄGERIN 2        32 

1. Anklagevorwurf              32 
2. Standpunkt des Beschuldigten           33 
3. Beweiswürdigung             33 
 3.1.  Glaubwürdigkeit der involvierten Personen        33 
 3.2.  Sachverhaltswürdigung           34 
  3.2.1.  Täteridentifikation           34 
  3.2.2.  Tatnachweis            38 
4.  Fazit                52 
D. VORWÜRFE BETREFFEND DIE PRIVATKLÄGERIN 3        52 

1. Anklagevorwurf              52 
2. Standpunkt des Beschuldigten           53 
3. Beweiswürdigung             53 
 3.1.  Glaubwürdigkeit der involvierten Personen        53 
 3.2.  Sachverhaltswürdigung           53 
  3.2.1.  Täteridentifikation           53 
  3.2.2.  Tatnachweis            56 
4.  Fazit                61 

-   4   - 

III. Rechtliche Würdigung            62 

1. Delikte zum Nachteil der Privatklägerin 1         62 
2. Delikte zum Nachteil der Privatklägerin 2         63 

IV. Strafzumessung             65 

1. Strafzumessungsregeln            65 
2. Strafrahmen              65 
3. Einsatzstrafe und Straferhöhung aufgrund des Asperationsprinzips    65 
4. Täterkomponenten             71 
5. Auszufällende Strafe             72 

V. Massnahmen              72 

VI. Zivilansprüche             80 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen         81 

Dispositiv                 82 

-   5   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 7. Juli 2014 

(Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte D._____ ist schuldig 

a)  betreffend die Privatklägerin 1 (A._____) 

-  der versuchten qualifizierten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 3 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB; 

-  der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB; 

-  er Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB. 

b)  betreffend die Privatklägerin 2 (B._____) 

-  der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB; 

-  des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird hinsichtlich des Vorwurfes des Raubes betreffend die 

Privatklägerin 3 (C._____) freigesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe, 

wovon bis und mit heute 707 Tage durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug 

erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 200.–. 

4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen. 

-   6   - 

5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber den Privatklägerin-

nen 1 und 2 aus den eingeklagten Ereignissen dem Grundsatze nach scha-

denersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Scha-

denersatzanspruches werden die Privatklägerinnen 1 und 2 auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung in 

der Höhe von Fr. 15'000.–, zzgl. 5 % Zins seit 8. November 2012, zu bezah-

len. 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 eine Genugtuung in 

der Höhe von Fr. 15'000.–, zzgl. 5 % Zins seit 19. Oktober 2012, zu bezah-

len. 

8. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung der Privatklägerin 3 wird 

abgewiesen. 

9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:  

Fr.   5'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr.   24'665.55   Auslagen Vorverfahren;  

Fr.   18'352.47   Kosten amtliche Verteidigung (14.12.2012-02.06.2014); 

Fr.   10'000.–   Gebühr Strafuntersuchung (§ 4 Abs. 1 Bst. d GebV StrV). 

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

11. Es wird vorgemerkt, dass der ehemalige amtliche Verteidiger des Beschul-

digten, Rechtsanwalt lic.iur. Y2._____, für seine Bemühungen vom 14. De-

zember 2012 bis 2. Juni 2014 im Betrag von Fr. 18'352.47 (inkl. Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) bereits vollumfänglich entschädigt wurde. 

Der Beschuldigte wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO hingewiesen. 

-   7   - 

12. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 1, Rechtsanwältin 

X3._____, wird für ihre Bemühungen mit Fr. 11'500.– (inkl. Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

13. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 2, Rechtsanwältin 

lic.iur. X1._____, wird für ihre Bemühungen mit Fr. 15'000.– (inkl. Barausla-

gen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

14. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 3, Rechtsanwältin 

lic.iur. X2._____, wird für ihre Bemühungen mit Fr. 11'200.– (inkl. Barausla-

gen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 74 S. 1 f.) 

1. Die Berufungen der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerinnen sei-

en vollumfänglich abzuweisen. 

2. Hingegen sei die Berufung des Beschuldigten gutzuheissen. Dement-

sprechend seien Ziff. 1, 3, 4, 5, 6, 7 und 10 des angefochtenen Urteils 

aufzuheben und der Beschuldigte sei auch von den Vorwürfen betref-

fend die Privatklägerin 1 und die Privatklägerin 2 vollkommen freizu-

sprechen.  

3. Alles unter gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen (insbeson-

dere Entschädigung und Genugtuung für den Beschuldigten infolge 

Freispruchs). 

4. Der Beschuldigte sei im Anschluss an das Berufungsurteil aus der Haft 

zu entlassen. 

-   8   - 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:  

(Urk. 70, S. 1 f.) 

1. Es sei der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend die Privatklägerin 1, 

A._____, (Dispositiv Ziff. 1.a) zu bestätigen. 

2. Der Beschuldigte sei betreffend die Privatklägerin 2, B._____, anklage-

gemäss der qualifizierten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

und 3 StGB schuldig zu sprechen. Im Übrigen sei betreffend die Privat-

klägerin 2 der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend Raub zu bestä-

tigen.  

3. Der Beschuldigte sei betreffend die Privatklägerin 3, C._____, ankla-

gegemäss des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB 

schuldig zu sprechen. 

4. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren, unter An-

rechnung der erstandenen Haft sowie eiern Busse von Fr. 1'000.– zu 

bestrafen.  

5. Bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse sei eine Ersatzfreiheitsstra-

fe von 10 Tagen festzulegen.  

6. Der Beschuldigte sei im Sinne von Art. 64 Abs. 1 zu verwahren.  

7. Eventualiter sei eine vollzugsbegleitende Massnahme im Sinne von 

Art. 59 StGB anzuordnen.  

8. Es sei über die Zivilansprüche der Privatklägerinnen zu entscheiden.  

9. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen. 

10. Unter Kostenfolgen für das zweitinstanzliche Verfahren zulasten des 

Beschuldigten. 

-   9   - 

c) Der Vertreterin der Privatklägerin 3: 

(Urk. 71 S. 2) 

1. Der Beschuldigte sei anklagegemäss schuldig zu sprechen. bzw. hin-

sichtlich Anklagevorwurf 1.4 des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 

Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Der Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zu verpflichten, der Privat-

klägerin C._____ für den bereits erstandenen wie auch allfälligen zu-

künftigen Schaden, der im Zusammenhang mit dem eingeklagten Er-

eignis vom 9. November 2012 steht, Schadenersatz zu leisten. 

3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin C._____ eine 

Genugtuung von Fr. 10'000.–, zuzüglich Zins zu 5% seit dem 9. No-

vember 2012, zu zahlen.  

4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin C._____ eine 

angemessene Prozessentschädigung für das Berufungsverfahren ge-

mäss eingereichter Honorarnote (inkl. Barauslagen und 8% MwSt) für 

die unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bezahlen. 

 

_________________________________ 

-   10   - 

Erwägungen: 

I.  Prozessuales 

 1.  Mit Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 20. November 2014 wurde der 

Beschuldigte betreffend die Privatklägerin 1 der versuchten qualifizierten Verge-

waltigung, der Drohung und der Tätlichkeit und betreffend die Privatklägerin 2 der 

(einfachen) Vergewaltigung und des Raubes schuldig gesprochen. Vom Vorwurf 

des Raubes betreffend die Privatklägerin 3 wurde er freigesprochen. Er wurde 

bestraft mit 6 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von 

Fr. 200.–. Weiter wurde die grundsätzliche Schadenersatzpflicht des Beschuldig-

ten gegenüber den Privatklägerinnen 1 und 2 festgestellt und diesen je eine Ge-

nugtuung von Fr. 15'000.– (zuzüglich Zins) zugesprochen. Die Schadenersatz- 

und Genugtuungsforderung der Privatklägerin 3 wurde abgewiesen.  

 2.  Gegen dieses Urteil meldeten am 21. November, 24. November und 

1. Dezember 2014 der Beschuldigte, die Staatsanwaltschaft sowie die Privatklä-

gerinnen 2 und 3 rechtzeitig Berufung an (Urk. HD 46, 47, 48 und 50). Die Privat-

klägerin 1 reichte kein Rechtsmittel ein. Anschlussberufungen blieben aus. 

 a)  Die Privatklägerin 2 reichte in der Folge keine Berufungserklärung ein, 

weshalb auf ihre Berufung nicht einzutreten ist.  

 b)  Die Staatsanwaltschaft reichte am 8. Mai 2015 die Berufungserklärung 

ein (Urk. 59) und stellte anlässlich der Berufungsverhandlung die vorgenannten 

Anträge (vgl. Urk. 70). Sie verlangt einen Schuldspruch wegen qualifizierter Ver-

gewaltigung betreffend die Privatklägerin 2 und einen Schuldspruch wegen Raub 

betreffend die Privatklägerin 3 sowie eine Bestrafung des Beschuldigten mit 10 

Jahren Freiheitsstrafe und Fr. 1'000.– Busse. Weiter beantragt sie die Anordnung 

der Verwahrung bzw. eventualiter einer stationären Massnahme. Schliesslich 

stellte sie den Antrag, es sei über den Zivilpunkt der Privatklägerinnen zu ent-

scheiden (hinsichtlich dessen ihr die Rechtsmittellegitimation allerdings abgeht).  

-   11   - 

 Sie stellt sodann den Beweisantrag, der Gutachter PD Dr. med. E._____ sei 

vor Gericht zur Frage der anzuordnenden Massnahme zu befragen.  

 c)  Die Berufungserklärung der Privatklägerin 3 erfolgte am 13. Mai 2015 

(Urk. HD 60). Sie stellte anlässlich der Berufungsverhandlung die vorgenannten 

Anträge (vgl. Urk. 71). Sie verlangt hinsichtlich des sie betreffenden Verfahrens 

einen Schuldspruch wegen Raub, die grundsätzliche Feststellung der Schaden-

ersatzpflicht des Beschuldigten sowie die Zusprechung einer Genugtuung von 

Fr. 10'000.– (zuzüglich Zins) und einer angemessenen Prozessentschädigung.  

 d)  Der erbeten (vgl. Urk. HD 15/42) verteidigte Beschuldigte reichte seine 

Berufungserklärung am 13. Mai 2015 ein (Urk. HD 61) und stellte anlässlich der 

Berufungsverhandlung die vorgenannten Anträge (vgl. Urk. 74). Er verlangt im 

Hauptantrag einen vollumfänglichen Freispruch und eventualiter eine Bestrafung 

mit höchstens 4 Jahren Freiheitsstrafe.  

 3.  Das vorinstanzliche Urteil ist demnach vollumfänglich angefochten. 

 

II.   Sachverhalt 

A. Allgemeines 

 Hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Beweismittel sowie der allgemei-

nen Regeln der Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 6 ff. und S. 76-78).  

B. Vorwürfe betreffend die Privatklägerin 1 (A._____) 

1. Anklagevorwurf 

 1.1.  Versuchte qualifizierte Vergewaltigung (Anklageziffer 1.2.1. i.V.m. 1.1.) 

 Die Anklage – sich diesbezüglich auf die Aussagen der Privatklägerin 1 

stützend – wirft dem Beschuldigten in tatsächlicher Hinsicht im Wesentlichen vor, 

-   12   - 

dass er abends am 8. November 2012 auf dem Parkplatz der Sportanlage 

F._____ in ..., nach einer kurzen Zeit des einvernehmlichen geschützten Ge-

schlechtsverkehrs, sich das Kondom von seinem Geschlechtsteil weggerissen 

und der Geschädigten zu verstehen gegeben habe, dass er ohne Kondom mit ihr 

vaginalen Geschlechtsverkehr haben wolle. Diese habe ihm verbal zu verstehen 

gegeben, dass sie damit nicht einverstanden sei, und habe ihm, als er nicht von 

ihr habe ablassen wollen, mit ihren Beinen in den Bauch getreten. Der Beschul-

digte habe auch danach nicht von der immer noch unter ihm liegenden Geschä-

digten abgelassen, sondern ihr zwei Ohrfeigen gegeben und begonnen, sie mit 

beiden Händen um den Hals so lange und stark zu würgen, bis sie unfreiwilligen 

Urinabgang gehabt habe. Darauf habe er, immer noch auf ihr kniend, sie weiter 

mit einer Hand gewürgt und mit der anderen Hand noch einige Male ins Gesicht 

geohrfeigt sowie sich an seinem Geschlechtsteil stimuliert. Dann habe er ver-

sucht, mit seinem Geschlechtsteil vaginal in die nunmehr widerstandsunfähige 

Geschädigte einzudringen, was ihm aber nicht auf Anhieb gelungen sei. Noch 

bevor er in sie habe eindringen können, habe deren Mobiltelefon geläutet, worauf 

er von ihr abgelassen habe.  

 Mit dem oben geschilderten Würgen und Knien auf der Brust der Privatklä-

gerin 1 habe er diese in eine unmittelbare Lebensgefahr gebracht, da die Gefahr 

von Durchblutungsstörungen im Gehirn und einem Erstickungstod bestanden 

habe (Urk. HD 19 S. 4 f.). 

 1.2.  Tätlichkeiten (Anklageziffer 1.2.2.) 

 Nachdem der Beschuldigte von der Geschädigten abgelassen habe, habe 

er dieser während der Rückfahrt nach Zürich noch einige Ohrfeigen ins Gesicht 

versetzt (a.a.O. S. 5). 

 1.3.  Drohung (Anklageziffer 1.2.3.) 

 Ca. 10 Tage nach dem oben geschilderten Vorfall habe der Beschuldigte 

am ... die Geschädigte, welche dort nach wie vor ihre Dienste als Sexarbeiterin 

angeboten habe, von seinem Auto aus gesehen. Dabei sei er sich – gut sichtbar 

-   13   - 

für die Geschädigte – mit seinem Finger quer über den Hals gefahren und habe 

damit einen Kehlenschnitt angedeutet, wodurch die Geschädigte panische Angst 

bekommen habe, was er zumindest in Kauf genommen habe (a.a.O. S. 5).  

2.  Standpunkt des Beschuldigten 

 Der Beschuldigte bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seit Anbeginn 

des Strafverfahrens. Im Untersuchungsverfahren verzichtete er vorerst auf eine 

(weitergehende) Stellungnahme zu den Aussagen der Privatklägerin (vgl. Urk. 

HD 3/1 S. 5; HD 3/2 Blatt 2 = HD 4/5 S. 14), erklärte allerdings einmal von sich 

aus (anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit G._____ vom 26. November 

2013; Urk. HD 3/5 S. 9 f.) – auf die Frage des Staatsanwaltes, ob er am ... die 

Dienste von Prostituierten im Beisein von G._____ in Anspruch genommen habe 

– dass er einmal mit der Privatklägerin 1 gegangen (bzw. mit ihr zum … Altstet-

ten gefahren sei, während G._____ unter der Brücke beim ... auf ihn gewartet 

habe). Anlässlich der Befragung vor Vorinstanz machte er diesbezüglich nähere 

Ausführungen: Er sei mit der Privatklägerin 1 am 20. August 2011 zusammen 

gewesen. Danach habe er die Frau nie mehr gesehen. Am 8. November 2012 

habe er nichts mit ihr zu tun gehabt. Als er mit der Privatklägerin 1 am 20. August 

2011 zusammen gewesen sei, habe er ein Telefonat geführt und habe womög-

lich dabei zu laut gesprochen, so dass die Privatklägerin 1 möglicherweise Angst 

bekommen haben könnte. Man sei gemeinsam im Auto gefahren, als er den An-

ruf erhalten habe. Es sei aber nichts passiert. Auch geschrien habe er nicht. An-

sonsten habe er keine Erklärung dafür, weshalb die Privatklägerin 1 Angst vor 

ihm gehabt haben sollte. Wenn er jemanden schlagen würde, so würde diese 

Person doch nicht mehr zu ihm ins Auto einsteigen. Er habe am 20. August 2011 

mit der Privatklägerin 1 Geschlechtsverkehr mit Kondom für Fr. 50.– vereinbart. 

Davor habe er die Privatklägerin 1 noch nie gesehen gehabt. Er habe dann nach 

einigen Minuten einen Anruf erhalten. Er könne sich nicht mehr so genau erin-

nern, aber wahrscheinlich habe die Privatklägerin 1 ebenfalls einen Anruf erhal-

ten. Der Geschlechtsverkehr mit Kondom habe nur ca. zwei bis drei Minuten ge-

dauert, dann sei es zu Ende gewesen. Danach sei er mit der Privatklägerin 1 zu-

rück gefahren, wobei er ihr weder Schläge versetzt, noch über sie geflucht habe 

-   14   - 

(Prot. I S. 10 f.). Auch anlässlich der Befragung im Rahmen der Berufungsver-

handlung gab er an, dass er mit der Privatklägerin 1 einmal im August 2011 Ge-

schlechtsverkehr gehabt habe, diese danach aber nie mehr gesehen habe (vgl. 

Prot. II. S. 13 und 17).  

 Der Beschuldigte stellt demnach nicht in Abrede, einmal die Dienste der 

Privatklägerin 1 in Anspruch genommen zu haben. Er macht indes geltend, dass 

der Kontakt mit ihr über ein Jahr vor dem vorgeworfenen Vorfall (und an einem 

anderen Ort) stattgefunden habe und damals nicht über einen kurzen, einver-

nehmlichen bzw. verabredungsgemässen Geschlechtsverkehr mit Kondom hin-

ausgegangen sei. Danach will er die Privatklägerin 1 nie mehr gesehen haben.  

3.  Beweiswürdigung 

3.1.  Glaubwürdigkeit der involvierten Personen 

3.1.1. Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

 Die Vorinstanz hat mit ausführlicher und (weitestgehend) überzeugender 

Begründung dargetan, weshalb die generelle Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

als erheblich beeinträchtigt angesehen werden muss. Auf ihre sorgfältigen Erwä-

gungen kann vorab verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 78-81; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Zusammenfassend, teilweise ergänzend – und in einem Punkt korrigie-

rend (vgl. gleich nachstehend) – ist das Folgende festzuhalten.  

 Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz darf zur Beurteilung der 

Glaubwürdigkeit nicht mitberücksichtigt werden, dass der Beschuldigte im Jahr 

2001 bereits einmal wegen versuchter Vergewaltigung einer am ... arbeitenden 

Strassenprostituierten verurteilt worden war, da diese Vorstrafe bereits gelöscht 

ist (vgl. Art. 369 Abs. 7 StGB). 

 Gegen die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten spricht aber, dass er im vor-

liegenden Verfahren repetitiv erklärte, er würde nicht einmal einer Ameise weh-

tun (Urk. HD 3/1 S. 5 und 6), bzw. er würde niemandem so etwas antun, er wür-

de nicht einmal einer Fliege wehtun (a.a.O. S. 7), bzw. er habe nie jemanden zu 

-   15   - 

etwas gezwungen (a.a.O.), er sei nicht so ein Mensch (Urk. HD 3/3 S. 17), er sei 

kein Mensch, der Gewalt anwende (a.a.O. S. 18), bzw. er könne keine fremde 

Frau treffen (Prot. I S. 12). Solchen typischen Floskeln kommt schon per se keine 

grosse Glaubhaftigkeit zu. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang sodann, 

dass der Beschuldigte sein angeblich gewaltfreies Naturell mit der Aussage un-

terstreichen wollte, dass er auch gegenüber seiner Ehefrau in über 40 Ehejahren 

nie gewalttätig geworden sei (Urk. HD 3/3 S. 18; Urk. HD 12/7 S. 29), was aber in 

klarem Widerspruch steht zu den Aussagen der Ehefrau (wonach sie vor ca. 10 

Jahren viel Streit gehabt hätten und es dabei auch zu Tätlichkeiten gekommen 

sei; Urk. HD 5/8 S. 3) sowie den damit übereinstimmenden Aussagen der Söhne 

des Beschuldigten (wonach Gewalttätigkeiten des Vaters gegenüber der Mutter 

vor ca. 10 Jahren, in den letzten Jahren aber nicht mehr so vorgekommen seien 

[H._____ in Urk. HD 5/4 S. 4] bzw. schon länger her seien [I._____ in Urk. HD 

5/36 S. 3]).  

 Wie die Vorinstanz überzeugend darlegte, leidet die Glaubwürdigkeit des 

Beschuldigten sodann an mehrfachen Widersprüchen in seinen allgemeinen, 

nicht direkt auf das Beweisthema gerichteten Aussagen; namentlich hinsichtlich 

der Häufigkeit und Zeitpunkte seiner Freieraktivitäten am .... Hinzu kommt drit-

tens die klar erkennbare Tendenz des Beschuldigten, auf kritische Fragen aus-

weichend bis teilweise gar zusammenhangslos zu antworten. Diese Auswei-

chungstendenz des Beschuldigten mag zwar bis zu einem gewissen Grade auf 

seine einfache, wenig differenzierungs- und introspektionsfähige Persönlichkeits-

struktur zurückzuführen sein (so der Gutachter in Urk. HD 12/7 S. 36). Seine un-

klaren, verschwommenen oder ausweichenden Antworten sind aber darüber hin-

aus – soweit sie gerade bei kritischen Fragen im Zusammenhang mit den im 

Raum stehenden Vorwürfen auftreten – doch auch ein anerkanntes aussagepsy-

chologisches Indiz für Falschaussagen.  

3.1.2.  Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 1 

 Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung dargetan, dass die generel-

le Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 1 bejaht werden kann. Namentlich hat das 

Bezirksgericht überzeugend hervorgehoben, dass der Umstand, dass die Privat-

-   16   - 

klägerin 1 nur zögernd und erst nach Anraten seitens der Frauenberatung 

J._____ und der Sittenpolizei Anzeige erstattete, aufgrund der erlittenen Trauma-

tisierung, der Angst vor Repressalien und der Unvertrautheit derselben mit dem 

hiesigen Justizsystem nachvollziehbar erscheint und zudem ihr allfälliges (und 

grundsätzlich legitimes) Interesse an einer finanziellen Entschädigung in den Hin-

tergrund treten lässt.  

 Ergänzend kann ausgeführt werden, dass entgegen den Ausführungen der 

Verteidigung (Urk. HD 43 S. 9) die strafprozessuale Aussagewilligkeit einer 

Strassenprostituierten keinen Einfluss auf ihre Arbeitsbewilligung hat (deren Vor-

aussetzungen in Art. 9 der städtischen Prostitutionsgewerbeverordnung geregelt 

sind). Hinzu kommt, dass die Privatklägerin 1 als EU-Bürgerin ohnehin hier arbei-

ten darf. Die Art der Anzeigeerstattung spricht deshalb auch unter diesem Aspekt 

nicht gegen ihre generelle Glaubwürdigkeit.   

 3.1.3.  Zur Glaubwürdigkeit der Zeugen und des ehemals Mitbeschuldigten  

 Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die erstinstanzlichen Ausführungen 

verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 81-83).  

 3.2.  Sachverhaltswürdigung  

 3.2.1.  Identifikation des Täters 

 3.2.1.1.  Die Verteidigung macht geltend, dass es von Seiten der Privatklä-

gerin 1 zwar eine Täteridentifizierung gegeben habe, diese aber wegen gravie-

render Mängel bei der Lebendwahlkonfrontation wertlos sei. Unter Berufung auf 

eine Literaturstelle (Bender/Nack, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 2. Aufl., N 

90) führt die Verteidigung aus, dass sich bei einer Wahlkonfrontation der Ver-

dächtige nicht wesentlich von den Vergleichspersonen unterscheiden dürfe. Ob-

jektiv sollten wenigstens Grösse, Gewicht, Körperbau, Alter, Frisur, Haarfarbe 

und Barttracht ähnlich sein und die Vergleichsgruppe aus wenigstens acht Per-

sonen bestehen. Subjektiv sei zusätzlich zu beachten, das alle Vergleichsperso-

nen die gleichen Merkmale haben müssten, welche dem Opfer aufgefallen seien. 

Vorliegend seien lediglich sechs Personen miteinander verglichen worden, wo-

-   17   - 

runter sich nur zwei Ausländer befunden hätten, bzw. mit dem Beschuldigten nur 

ein weiterer Türke gewesen sei. Die Privatklägerin 1 sei zudem nie angehalten 

worden, ein Signalement des Täters abzugeben, weshalb nicht sichergestellt sei, 

dass die Vergleichspersonen die gleichen Merkmale gehabt hätten, welche die-

ser aufgefallen seien. Die Lebendwahlkonfrontation sei somit nicht lege artis er-

folgt, weshalb der Identifizierung durch die Privatklägerin 1 gar kein oder höchs-

tens ein geringer Beweiswert zukomme. Aus diesem Grund und mangels weite-

rer genügender Beweisen könne nicht mit rechtsgenügender Sicherheit davon 

ausgegangen werden, dass der Beschuldigte überhaupt der Täter der eingeklag-

ten Tat sei (Urk. HD 43 S. 6 f.; vgl. auch Urk. 74 S. 12 f.). 

 3.2.1.2.  Die Argumentation der Verteidigung vermag nicht zu überzeugen. 

Die Vorinstanz hat treffend dargetan, dass (erstens) der Lebendwahlkonfrontati-

on ein gewichtiger Beweiswert zukommt (Urk. HD 58 S. 89) und dass (zweitens) 

vor dem Hintergrund sämtlicher entsprechender Indizien keine vernünftigen 

Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten zurückbleiben (a.a.O. S. 89-93).  

Auf ihre Erwägungen kann vorab verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 89). Zusam-

menfassend, präzisierend sowie ergänzend ist das Folgende auszuführen:  

 a)  Lebendwahlkonfrontation 

 Wann und wie eine Identifizierungsgegenüberstellung erfolgen soll, steht im 

Ermessen der Strafbehörde. Es existieren weder besondere Vorschriften noch 

eine gefestigte Praxis zu dieser Thematik. Von der Rechtsprechung und Lehre 

wurden lediglich einzelne Empfehlungen ausgearbeitet. Zunächst empfiehlt sich 

im Interesse einer möglichst zuverlässigen Täteridentifikation, dem Opfer mehre-

re Personen zu zeigen (bzw. mehrere Vergleichsfotos vorzulegen). Ein vorge-

schriebenes Mindestmass heranzuziehender Vergleichspersonen (oder -fotos) 

gibt es allerdings nicht. Gemäss der vom Verteidiger herangezogenen Literatur 

sollen es wenigstens 8 Vergleichspersonen sein; nach anderen Literaturmeinun-

gen soll die identifizierende Person zwischen mindestens 6 und idealerweise 9 

Personen wählen können (vgl. BSK StPO - Häring, Art. 146 Ziff. 11, Anm. 56). 

Nach Lehre und Rechtsprechung vermag selbst die Präsentation bloss einer 

Person oder die Vorlage bloss eines Fotos nicht von vornherein die Unverwert-

-   18   - 

barkeit des so abgenommenen Beweises zu bewirken; verlangt wird lediglich, 

dass eine solche Konstellation im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu be-

rücksichtigen und der so erfolgten Täteridentifikation allenfalls ein geringerer Be-

weiswert zuzuerkennen sei. Sodann erfordert die Auswahl der Vergleichsperso-

nen ein spezielles Augenmerk. Grundsätzlich ist auf die Täterbeschreibung des 

Opfers abzustellen. Für den Fall, dass keine Täterbeschreibung vorliegt, müssen 

die Vergleichspersonen dem Verdächtigen ähnlich sein. Die Vergleichspersonen 

sollten dem (beschriebenen) Tatverdächtigen bezüglich Aussehen und Körper-

haltung ähnlich sein und sollten auch nicht durch äussere Merkmale (etwa Klei-

dung) von ihm stark unterschieden werden können (vgl. zum Ganzen: ZR 

106/2007 S. 276, E. 5.2.b; Urteil 1P.104/2004 vom 10. Mai 2004 E. 4; BSK StPO 

- Häring, Art. 146 N 11; Blättler, Zur Problematik der Täteridentifikation im Rah-

men einer Konfrontation aus der Sicht der polizeilichen Praxis, AJP 2000 1374; 

Garbade, Mindestanforderungen bei Täteridentifikationen - Forum "Redlich aber 

falsch" Bern, 20. Mai 2000, AJP 2000 1375). Das Gericht hat demnach eine freie 

Beweiswürdigung der in Frage stehenden Wahlkonfrontation vorzunehmen. Da-

bei ist auf die konkreten Umstände des Einzelfalles abzustellen. In diesem Sinne 

sind in einem ersten Schritt zunächst die während der Tat bestehenden Umstän-

de zu berücksichtigen, namentlich die Dauer der Beobachtung, die Erkennbarkeit 

des Täters auf Grund der Licht- und Wetterverhältnisse, die Entfernung des 

Standorts des Zeugen oder Opfers, der Blickwinkel, die Auffälligkeit des Täters, 

sonstige Umstände der Beobachtung (gezielt oder zufällig), die Aufmerksamkeit 

des Beobachters. Dadurch kann festgestellt werden, inwieweit die befragte Per-

son die Möglichkeit hatte, das Aussehen des Täters bewusst wahrzunehmen. In 

einem nächsten Schritt ist zu erörtern, ob Anhaltspunkte für eine suggerierte 

Aussage bestehen (vgl. Urteil SB140133 vom 20. November 2014 Ziff. 6.1.). 

 Gemäss den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 1 hatte diese mit 

dem Täter zuerst am ... ein Gespräch über die zu erbringende sexuelle Dienst-

leistung und später am Tatort während einiger Zeit "normalen" Geschlechtsver-

kehr in dessen Fahrzeug, wozu sie (rücklings) auf dem Rücksitz gelegen sei und 

der Täter am Anfang mit einem Knie am Boden und mit dem anderen Knie auf 

der Rückbank gekniet habe und später sich mit seinem ganzen Gewicht auf sie 

https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/00000000-0000-0000-0000-000000000000?source=document-link&SP=6|f1nhwq
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/6baccef6-d119-4a04-bbf5-180a42005329?citationId=28186b93-20f1-4a19-ab08-6eb04ebcc355&source=document-link&SP=6|f1nhwq

-   19   - 

gelegt habe (Urk. HD 4/1 S. 6). Bereits vor diesem unbestrittenen Hintergrund 

kann davon ausgegangen werden, dass die Privatklägerin 1 das Gesicht des Tä-

ters mehrfach aus kurzer Distanz und über längere Zeit sehen und somit relativ 

gut wahrnehmen konnte. Die Privatklägerin 1 erwähnte denn auch anlässlich ih-

rer ersten formellen Befragung vom 6. Dezember 2012 – noch bevor der einge-

klagte eigentliche Vergewaltigungsversuch zur Sprache kam (nämlich nach Be-

antwortung der Frage, wo der Mann sein Fahrzeug parkiert habe) – spontan von 

sich aus und ohne Konnex zu den zuvor gestellten Fragen, dass sie das Gesicht 

des Mannes vor sich sehe und das nie im Leben vergessen werde (Urk. HD 4/1 

S. 5). Auch der eingeklagte Vergewaltigungsversuch – welcher, wie noch zu zei-

gen sein wird, aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin erstellt 

werden kann (Ziff. 3.2.) – lief in einer Art und Weise ab, bei der sich Täter und 

Opfer frontal gegenüber befanden. Hinzu kommt, dass die Privatklägerin den Tä-

ter ca. 10 Tage nach dem eingeklagten Vergewaltigungsversuch ein weiteres Mal 

am ... sah, wo er gemäss ihrer glaubhaften Aussage (vgl. Ziff. 3.2.2.2.c) aus sei-

nem Auto heraus eine Geste des Kehlendurchschneidens gemacht und ihr dabei 

"ins Gesicht gelacht" habe (Urk. HD 4/1 S. 9). Dass die Privatklägerin 1 das Ge-

sicht des Täters bewusst wahrgenommen, dieses sich ihr geradezu eingeprägt 

hatte, steht aufgrund all dieser nachweisbaren konkreten Umstände ausser Zwei-

fel. In diesem Zusammenhang kann auch noch auf die Aussage von K._____, ei-

ner Sozialarbeiterin der J._____ Frauenberatung hingewiesen werden, wonach 

ihr die Privatklägerin 1 auch noch im Juli 2013 erzählt habe, dass sie das Gesicht 

des Täters jeden Morgen vor sich habe und es einfach nicht vergessen könne 

(Urk. HD 5/26 S. 5).  

 Die Lebendwahlkonfrontation fand am 11. März 2013 statt. Vorinstanz und 

Staatsanwaltschaft ist beizupflichten, dass durchaus typengleiche Personen zur 

Auswahl gestellt wurden (vgl. die entsprechende Aufnahme in Urk. HD 1/17). Die 

Vergleichspersonen erwecken den Eindruck des ungefähr gleichen Alters wie der 

Beschuldigte. Sie sind etwa gleich gross wie dieser und von ähnlicher untersetz-

ter Statur. Weiter entsprechen sie sich auch ungefähr in Frisur und Farbe des 

(angegrauten) Kopfhaars sowie im Stil ihrer Kleidung. Fünf der vier Vergleichs-

personen weisen einen ähnlich leichten Bartbewuchs wie der Beschuldigte auf, 

-   20   - 

lediglich einer trägt einen Vollbart. Dass die Vergleichspersonen nicht die gleiche 

Nationalität wie der Beschuldigte aufweisen, fällt nicht ins Gewicht, da rein op-

tisch, jedenfalls auf den ersten Blick, eine unterschiedliche Herkunft derselben 

nicht auszumachen ist. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass Ver-

gleichspersonen von ausreichender Ähnlichkeit zum Beschuldigten aufgestellt 

wurden und damit den vorstehend ausgeführten Empfehlungen zur Auswahl der 

Vergleichspersonen bei Fehlen einer Täterbeschreibung durch das Opfer nach-

gekommen wurde. Dass die Privatklägerin 1 nicht angehalten worden war, vor-

gängig eine Täterbeschreibung abzugeben, ist mit der Vorinstanz als Versäumnis 

der Untersuchungsbehörden zu bezeichnen (Urk. HD 58 S. 91), vermag aber die 

Regelkonformität der durchgeführten Lebendwahlkonfrontation nicht in Frage zu 

stellen. Auch dass lediglich sechs und nicht acht oder mehr Personen vorgesetzt 

wurden, bewegt sich im Rahmen der von Lehre und Rechtsprechung entwickel-

ten Empfehlungen und führt nicht zu einer Minderung des Beweiswerts der Kon-

frontation. Gemäss Polizeirapport identifizierte die Privatklägerin 1 den Beschul-

digten nämlich klar und eindeutig, brach dabei gar in Tränen aus und war auf-

grund der 'Begegnung' (hinter der Spiegelwand) emotional aufgewühlt (Urk. HD 

1/16 S. 2). Aufgrund dieser deutlichen, spontanen und authentischen Reaktion 

der Privatklägerin 1 kann eine Suggestivwirkung des Arrangements der Lebend-

wahlkonfrontation bzw. der Anzahl und Auswahl der Vergleichspersonen mit Si-

cherheit ausgeschlossen werden. Das Verhalten der Privatklägerin 1 bei Kon-

frontation mit dem Beschuldigten spricht klar gegen eine willentliche oder irrtüm-

liche Falschbeschuldigung.  

 Im Fazit drängt sich deshalb allein schon aufgrund des Ergebnisses der 

ordnungsgemäss durchgeführten Lebendwahlkonfrontation mit rechtsgenügen-

der Wahrscheinlichkeit auf, dass es sich beim Beschuldigten um den Täter han-

delt.  

 b)  Weitere Indizien 

 Gestützt und abgerundet wird dieses Beweisergebnis durch zahlreiche wei-

tere nachgewiesene Umstände. Für die Täterschaft des Beschuldigten spricht 

-   21   - 

zusätzlich (wobei zur näheren Begründung auf die ausführlichen Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden kann): 

• dass er im entsprechenden Zeitraum einigermassen regelmässig als 

Freier am ... verkehrte,  

• dass er tatsächlich – wie von der Privatklägerin 1 zur Tatzeit (und von 

weiteren Sexarbeiterinnen nach der Tat) beobachtet wurde – einen Opel 

Corsa in der eher selten anzutreffenden Farbe ... fuhr,  

• dass die Privatklägerin 1 den von ihr als Täter bezichtigten Beschuldigten 

nach der eingeklagten Tat noch einige Male am ... sah (Urk. HD 4/5 S. 

12) und sie dies zumindest einmal auch den Mitarbeiterinnen des 

J._____ Busses meldete (a.a.O. S. 7),  

• dass in der Zeit nach dem Vorfall eine Freierwarnung erstellt und im 

J._____ Bus aufgehängt wurde, die mit dem Erscheinungsbild des Be-

schuldigten in Deckung zu bringen ist (und mit hoher Wahrscheinlichkeit 

auf den Angaben der Privatklägerin 1 beruht),  

• dass die Polizei eines Abends im November 2012 – auf einen Anruf der 

Mitarbeiterinnen des J._____-Busses hin, wonach sich der Tatverdächti-

ge mit dem auffälligen Opel Corsa laut der Mitteilung einiger Sexarbeite-

rinnen gerade unter der …brücke befinden würde – diesen einer Kontrol-

le unterzog, und es sich dabei um den Beschuldigten handelte,  

• dass die Privatklägerin 1 überdies den am ... zurückbleibenden Begleiter 

des Täters beschreiben konnte und diese Beschreibung ziemlich exakt 

auf G._____ zutrifft, 

• dass der Beschuldigte durch die Aussagen von G._____ indirekt belastet 

wird (der bestätigte, dass er den Beschuldigten mehrmals an den Stras-

senstrich am ... begleitete und u.a. ausführte, seiner Beobachtung nach 

habe der Beschuldigte dort einen schlechten Ruf gehabt, da viele Frauen 

sich von Anfang an geweigert hätten, mit ihm mitzugehen). 

-   22   - 

 3.2.1.3.  Zusammengefasst bestehen keine vernünftigen Zweifel mehr an 

der Täterschaft des Beschuldigten. 

 3.2.2.  Tatnachweis 

 3.2.2.1.  Die Verteidigung führte vor Vorinstanz aus, dass wenn man von der 

Täterschaft des Beschuldigten ausgehen würde, jedenfalls die eingeklagten 

Sachverhalte nicht als rechtsgenügend erstellt erachtet werden könnten. Nach-

dem die Zeugenaussagen verschiedener Drittpersonen, namentlich der Sozialar-

beiterinnen der Frauenberatung J._____ und des Polizisten L._____, keine eige-

nen Beobachtungen zum Tatablauf liefern, sondern lediglich Angaben vom Hö-

rensagen machen könnten, basiere die Anklage einzig und allein auf den Aussa-

gen der angeblichen Geschädigten (hier der Privatklägerin 1). Deren Aussagen 

seien inhaltlich nicht über alle Zweifel erhaben. Bei der Privatklägerin 1 falle auf, 

dass sie nicht sofort zur Polizei gegangen, sondern ihre Belastungen erst viel spä-

ter zu Papier habe bringen lassen habe. Aus dem Polizeiprotokoll (Urk. HD 4/1/1 

Frage 12) gehe hervor, dass sie sich am 20. November 2012 offenbar bereits 

anonym mit den Polizisten der Milieuaufklärung unterhalten habe, weshalb die 

erste formelle Befragung durch die Polizei schon von dieser früheren Befragung 

mit dem Polizisten L._____ geprägt sein dürfte. Die Privatklägerinnen (demnach 

auch die Privatklägerin 1) hätten einfach stereotyp das wiedergegeben, was die 

Polizei habe hören wollen. Lebensfremd sei weiter, dass die Privatklägerin 1 an-

geblich sogar einen Telefonanruf einer Kollegin habe entgegennehmen können, 

obschon sie vom Beschuldigten dermassen brutal behandelt und festgehalten 

worden sein wolle. Sodann steige, wer dermassen Gewalt erleide wie die Privat-

klägerin 1, nachher nicht auch noch ins Auto des Täters ein, um mit ihm von ... 

wieder nach Zürich zu fahren. Entscheidend sei aber, dass sich die Belastungen 

der Privatklägerin 1 nicht durch ärztliche Befunde hätten objektivieren lassen. Ins-

besondere sei die Privatklägerin 1 nach dem angeblichen Übergriff nicht zum Arzt 

gegangen, sondern sei erst ca. 3 Wochen nach dem behaupteten Ereignis erst-

mals ärztlich untersucht worden. Dass sie erst so spät zum Arzt gegangen sei, 

könne den Grund nur darin haben, dass es die von ihr behaupteten Verletzungen 

nie gegeben habe (Urk. HD 43 S. 8 f.; Prot. I S. 21; Urk. 74 S. 11 f.).  

-   23   - 

 3.2.2.2.  Auch in diesem Punkt ist der Auffassung der Verteidigung nicht zu 

folgen. Vielmehr überzeugt die Argumentation der Vorinstanz, wonach die einzel-

nen in der Anklage aufgeführten Vorgänge und Umstände als rechtsgenügend er-

stellt zu betrachten seien. Ihre Beweiswürdigung ist in allen Details gut nachvoll-

ziehbar und überzeugt im Einzelnen wie im Gesamten. Stichhaltige Gegenargu-

mente der Verteidigung blieben aus. Es kann deshalb vorab auf die zutreffenden 

erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 84-95). Im Fol-

genden ist das Wesentliche zusammenzufassen und soweit erforderlich auf Ein-

zelheiten einzugehen.  

 a)  Allgemeines 

 Wie bereits vorstehend ausgeführt spricht der Umstand, dass die Privatklä-

gerin 1 – aufgrund ihrer subjektiv nachvollziehbar als schwach empfundenen Po-

sition als Strassenprostituierte – erst auf Zuraten der Sozialarbeiterinnen von 

J._____ und der Milieupolizei zu Aussagen bereit war, gerade für ihre Glaubwür-

digkeit und damit auch für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung. Zutreffend ist, 

dass die Privatklägerin 1 ein erstes Mal am 20. November 2012 dem Polizisten 

L._____ von der Milieuaufklärung anonym erzählte, was ihr passiert sei (vgl. Urk. 

HD 4/1 S. 2 Frage 12; HD 5/34 S. 4). Haltlos ist aber der von der Verteidigung 

daraus gezogene Schluss, dass diese darauf an der formellen polizeilichen Ein-

vernahme vom 6. Dezember 2012 einfach "stereotyp" das wiedergegeben habe, 

"was die Polizei hören wollte" bzw. einfach "den Erwartungen der Polizei […] 

Folge geleistet" habe (Prot. I S. 21). Vielmehr zeigen die Aussagen von L._____ 

– wonach die Frau anfänglich ein Gespräch kategorisch abgelehnt habe, dazu 

erst nach Zusicherung der Vertraulichkeit bereit gewesen sei und nicht gewollt 

habe, dass darüber ein Protokoll erstellt würde (Urk. HD 5/32 S. 4) – wie auch 

der Umstand, dass danach noch einmal nahezu 3 Wochen verstrichen, bis sie 

sich formell einvernehmen liess, deutlich, dass die Privatklägerin nur zurückhal-

tend und zögernd zur Aussage bereit war. Dies spricht eher für eigenständige 

und glaubhafte Aussagen der Privatklägerin 1 als für das Gegenteil.  

 Für die Wahrhaftigkeit ihrer Darstellung spricht ein weiterer, sehr gewichti-

ger Umstand. Aus den Protokollen sämtlicher Befragungen ist ersichtlich, dass 

-   24   - 

die Privatklägerin 1 bei ihren Aussagen jeweils äusserst stark mit ihren Emotio-

nen zu kämpfen hatte:  

• Bereits anlässlich der informellen Befragung vom 20. November 2012 hat-

te die Privatklägerin 1 während ihrer Erzählung – gemäss Amtsbericht des 

Polizisten L._____ vom 22. November 2012 (Urk. HD 1/2 S. 2) – "immer 

wieder Mühe, die Fassung zu wahren und war ständig den Tränen nahe". 

Eine "unerwartet starke Reaktion" habe sie auf die Frage nach Urinab-

gang während des Würgens gezeigt: "Die Frau brach in sich zusammen 

und erlitt einen Weinkrampf, welcher die Erzählung längere Zeit unter-

brach. Die Frau bestätigte den Urinabgang und fügte an, dass sie dies aus 

Schamgefühl nie jemandem erzählen wollte".   

• Anlässlich der formellen polizeilichen Befragung vom 6. Dezember 2012 

wurde die Privatklägerin 1 in ihrer Stimme mehrere Male zittrig und brach 

verschiedentlich in Tränen aus (Urk. HD 4/1 S. 3, 4, 5, 8). Zweimal weinte 

sie so heftig, dass die Befragung unterbrochen werden musste (a.a.O. 

S. 6 und 7). In der Folge wünschte sie den Abbruch der Befragung, da sie 

nicht mehr könne (a.a.O. S. 9). Diesem Wunsch kam die Polizei einige 

Frage später nach, worauf sie sich müde und erschöpft zeigte (a.a.O. 

S. 10).  

• Auch noch an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. März 

2013 begann die Privatklägerin 1 zweimal an zu weinen (Urk. HD 4/5 S. 6, 

8).  

 Ein solch eindrückliches nonverbales Verhalten kann nicht gespielt werden, 

sondern deutet klar auf selbst Erlebtes hin. Die Privatklägerin 1 manifestiert mit 

diesem von ihr nicht bewusst steuerbaren Verhalten deutlich, wie nachhaltig sie 

durch den Vorfall traumatisiert worden war.  

 Die Traumatisierung der Privatklägerin 1 konnte im Übrigen nicht erst an-

lässlich der Einvernahmen durch die Untersuchungsbehörden, sondern auch 

schon in der Zeit nach der Tat durch mehrere Sozialarbeiterinnen der Frauenbe-

-   25   - 

ratung J._____ beobachtet werden. M._____ schilderte, dass sich die Privatklä-

gerin 1 "in einer Art Schockzustand" befunden habe (Urk. HD 5/17 S. 4). N._____ 

gab an, dass der Privatklägerin 1 die Angst, dass sie sterben müsse, "immer 

wieder hoch" gekommen sei und diese auf sie "einen stark traumatisierten Ein-

druck" gemacht habe (Urk. HD 5/23 S. 7, vgl. auch S. 4). K._____ sagte aus, 

dass es schwierig gewesen sei, die Privatklägerin 1 "bezüglich ihrer Probleme zu 

beraten, weil sie vor allem am Anfang immer wieder repetitiv ihre Geschichte er-

zählte und ihre Ängste schilderte"; sie habe diese deshalb "auch nicht weiter 

nach den Ereignissen gefragt, weil sonst ihr Trauma noch verschärft worden wä-

re" (Urk. HD 5/26 S. 4).  

 Hinzu kommt, dass die Traumatisierung der Privatklägerin 1 durch die Arzt-

berichte zweier verschiedener Mediziner bestätigt wird. Dr. med. O._____, wel-

che die Privatklägerin 1 seit November/Dezember 2012 aus ihrer Sprechstunde 

im J._____ Bus kannte, bestätigte, dass diese noch am 1. März 2013 unter ei-

nem "ausgeprägten posttraumatischen Stress-Syndrom mit [mehreren, einzeln 

aufgelisteten] seelischen und somatischen Beschwerden mit Krankheitswert" litt 

(Urk. HD 37/1). In einem weiteren Arztbericht vom 12. Juni 2013 stellte sie der 

Privatklägerin 1 noch immer die Diagnose einer "posttraumatische[n] Belas-

tungsstörung mit Flashbacks, Übererregbarkeit, Ängstlichkeit, Lichtempfindlich-

keit und erhöhtem Muskeltonus (Verspannung) nach Übergriff am 8.11.2012" 

und führte (sinngemäss) aus, dass die Probleme der Privatklägerin noch immer 

immens seien, auch wenn sich ihr Zustand in den letzten drei Monaten etwas 

gebessert habe (Urk. HD 37/2). Ein dritter im Recht liegender Arztbericht, von 

med. pract. P._____, vom 11. August 2013 attestiert, dass die Privatklägerin 1 

nach wie vor an einer schwerwiegenden psychischen Belastungsstörung 

(ICD 10 F43.1) nach Gewaltanwendung leide (Urk. HD 37/3).  

 Diese ausgewiesenen psychischen Auffälligkeiten der Privatklägerin – wel-

che unabhängig voneinander durch mehrere Sozialarbeiterinnen, Fachärzte und 

Strafbehörden beobachtet werden konnten, und dies sowohl kurz nach der Tat 

als auch über einen längeren Zeitraum und insbesondere auch im Rahmen ihrer 

-   26   - 

Einvernahmen – sprechen deutlich für die Wahrheit ihrer Aussagen über das mit 

dem Beschuldigten Erlebte. 

 b)  Versuchte qualifizierte Vergewaltigung (Anklageziffer 1.2.1.) 

 Die Privatklägerin 1 machte – nimmt man die informelle Befragung hinzu, 

wie sie im Amtsbericht des Polizisten L._____ zusammengefasst wurde – drei-

mal Aussagen zum eingeklagten Vorfall. Dabei gab sie das Kerngeschehen in 

den wesentlichen Punkten jeweils übereinstimmend wieder: Der Täter habe sie 

am ... angesprochen und sie hätten dann Sex für Fr. 50.– mit Kondom vereinbart. 

Als sie beim ... Auto des Täters angelangt seien, sei ein weiterer Mann auf dem 

Beifahrersitz gesessen, der dann ausgestiegen sei. Darauf sei sie mit dem Täter 

in einer Fahrt von ca. 30 Minuten zum Tatort gegangen (Urk. HD 1/2 S. 1; HD 4/1 

S. 2 und 5, HD 4/5 S. 4 f.). Dort seien sie ausgestiegen, und der Täter sei auf die 

Beifahrerseite gekommen und habe den Beifahrersitz nach vorne geklappt und 

ihr gesagt, sie solle sich auf den Rücksitz des Autos begeben. Sie hätten sich, 

ein jeder für sich, ausgezogen (Urk. HD 1/2 S. 1; HD 4/1 S. 2 f., HD 4/5 S. 6 und 

8). Sie hätten dann vorerst eine kurze Zeit Geschlechtsverkehr mit Kondom voll-

zogen, welches von ihr hervorgeholt und dem Täter übers Glied gestreift worden 

sei (Urk. HD 1/2 S. 1 f.; HD 4/1 S. 3, HD 4/5 S. 6 und 8). Plötzlich sei er von ihr 

abgestiegen, habe das Kondom von seinem Glied gezerrt und ihr zu verstehen 

gegeben, dass er ohne Gummi weitermachen wolle. Sie habe ihm zu verstehen 

gegeben, dass sie ohne Gummi nicht wolle. Er habe dann unter Anwendung von 

Gewalt versucht, ungeschützt in sie einzudringen. Er habe sie dazu in den Sitz 

gedrückt und mit beiden Händen gewürgt. Darauf habe er seine rechte Hand ge-

löst und ihr mit dieser auf die linke und rechte Gesichtshälfte geschlagen, derweil 

er sie mit der linken Hand weiter gewürgt habe. Auch habe er mit seiner (rechten) 

Hand versucht, sich am Penis zu stimulieren. Es sei ihm aber nicht gelungen, in 

sie einzudringen. Sie habe sich gewehrt und versucht, ihn wegzustossen (Urk. 

HD 1/2 S. 2; HD 4/1 S. 3 f. und 6 ff., HD 4/5 S. 6 und 8 f.). Plötzlich habe ihr Tele-

fon geklingelt, worauf der Täter zwar "no Telefon" geschrien, aber von ihr abge-

lassen habe. Sie habe ihm gesagt "problem, Polizei", und ihm zu verstehen ge-

geben, dass das ihre Kollegin sei, und habe das Telefon abnehmen können. Die 

-   27   - 

Kollegin habe dann dem Täter durch das Telefon zu verstehen gegeben, dass 

sie die Polizei benachrichtigen würde (Urk. HD 1/2 S. 2; HD 4/1 S. 4 und 9, HD 

4/5 S. 6 und 9). In der Folge habe der Täter sich angezogen und darauf bestan-

den, sie wieder ans ... zu fahren. Sie habe erst gesagt, sie würde ein Taxi neh-

men, dann aber aus Angst eingewilligt (Urk. HD 1/2 S. 2; HD 4/1 S. 4, HD 4/5 S. 

6 und 13). 

 Die Privatklägerin 1 blieb von Anfang bis Schluss bei ihren Anschuldigun-

gen und fügte im Verlaufe der Befragungen keine weiteren Vorwürfe hinzu. An-

dererseits schwächte sie ihre Vorwürfe auch nicht ab. Dies alles spricht für die 

Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Auffallend ist weiter ihr differenziertes und zu-

rückhaltendes Aussageverhalten. Die Privatklägerin neigt nicht zu Übertreibun-

gen und belastet den Beschuldigten auch nicht unnötig. So gab sie beispielswei-

se an, dass der Beschuldigte anfangs versucht habe, sie zu küssen, dann aber 

nicht weiter insistiert habe, als sie dies abgelehnt habe (Urk. HD 4/1 3; HD 4/5 

S. 8). Auch gab sie etwa an, dass sie von den Ohrfeigen keine Verletzungen da-

vongetragen, sondern höchstens das Gefühl gehabt habe, dass ihre Wange ein 

wenig geschwollen gewesen sei (Urk. HD 4/5 S. 11). Weiter deklarierte sie stets 

offen, wenn sie sich an etwas nicht mehr erinnern zu vermochte (vgl. z.B. Urk. 

HD 4/5 S. 8: "Das weiss ich wirklich nicht mehr" / "Ich weiss das wirklich nicht 

mehr. Das Ganze war sehr hektisch"; Urk. HD 4/5 S. 10: "Ja er gab mir eine Ohr-

feige, ich weiss aber nicht mehr genau, was im Detail passierte" bzw. "ich weiss 

das heute nicht mehr. Aber ich kann Ihnen sagen; das, was ich damals bei der 

Polizei gesagt habe, ist alles richtig"; vgl. auch die Protokollnotiz in Urk. HD 4/1 

S 5: "Die Geschädigte wirkt verzweifelt und versucht sich krampfhaft zu erinnern. 

Weinend signalisiert sie, dass sie sich nicht erinnern kann"). Weiter sind die Aus-

sagen der Privatklägerin 1 konkret, detailliert und anschaulich. Die Vorinstanz hat 

eine Reihe von Beispielen aufgezählt, auf welche verwiesen werden kann (Urk. 

HD 58 S. 85 f.), Ergänzend kann etwa auf die von der Privatklägerin 1 wörtlich 

wiedergegebenen Kommunikationsfetzen in einem charakteristischen gemischt-

sprachigen Kauderwelsch zwischen ihr und dem Beschuldigten hingewiesen 

werden – "no Problem" / "Gummi gut" / "No Gummi" / "No ohne Gummi" / "Gut 

ohne Gummi" / "idiota persona" / "No Telefon" / "Problem Polizei" – welche in 

-   28   - 

Anbetracht einer fehlenden gemeinsam beherrschten Sprache sehr authentisch 

wirken. Die Privatklägerin erwähnte weiter auch Einzelheiten, welche nicht direkt 

auf das Beweisthema gerichtet sind, so etwa, dass sie beim ... dort gestanden 

sei, wo es "einen Luftschacht [gibt] der warme Luft rausbläst" (Urk. HD 4/1 S. 4), 

oder auch, dass sie am Tatort "einen Drahtzaun und ein paar Bäume" gesehen 

habe (Urk. HD 4/1 S. 2). Die wenigen Widersprüche, welche sich zwischen ihren 

Aussagen vor der Polizei und denjenigen vor der Staatsanwaltschaft ausmachen 

lassen (vgl. dazu die Vorinstanz, Urk. HD 58 S. 86 f.), betreffen durchwegs Ne-

bensächlichkeiten und führen deshalb letztlich zu bedeutungslosen Differenzen. 

Zu berücksichtigen ist, dass ein Vergewaltigungsversuch ein äusserst dynami-

sches Geschehen darstellt, weshalb von einem Opfer retrospektiv nicht eine in 

allen noch so nebensächlichen Details übereinstimmende Schilderung erwartet 

werden kann. Vielmehr ist es so, dass einzelne kleinere Ungenauigkeiten und 

Abweichungen im Verlaufe mehrerer Befragungen gerade als Realkennzeichen 

zu werten sind, währenddessen erst eine völlige Widerspruchlosigkeit ein Hin-

weis auf ein einstudiertes Lügenkonstrukt hinweisen könnte. Alles in allem wirkt 

die Darstellung der Privatklägerin 1 aufgrund sämtlicher vorstehend aufgeführter 

Umstände alles andere als stereotyp und einstudiert, weshalb nicht daran ge-

zweifelt werden kann, dass hier persönlich Erlebtes wiedergegeben wird.  

 Dass die Privatklägerin 1 den Tatzeitpunkt nicht genau benennen konnte, 

bzw. diesbezüglich Angaben machte, welche zu Gunsten des Beschuldigten – 

nachdem ein allfälliger Protokollierungs- oder Übersetzungsfehler höchstens 

vermutet, nicht aber nachgewiesen werden kann – im Ergebnis als widersprüch-

lich bezeichnet werden müssen, vermag ihre im Übrigen höchst glaubhafte Dar-

stellung nicht zu trüben. Mit der Vorinstanz (Urk. HD 58 S. 87 f.) mögen die va-

gen Ausführungen der Privatklägerin 1 betreffend die Tatzeit zum Einen mit ihrer 

ausgewiesenen starken Traumatisierung und zum Andern auch mit dem bekann-

termassen vielfach tristen bzw. eintönigen und strukturlosen Tages- und Wo-

chenablauf einer Strassenprostituierten erklärt werden. Ergänzend kann ausge-

führt werden, dass die Privatklägerin 1 bei ihren Versuchen, den Tatzeitpunkt zu 

rekonstruieren, offen und konstant deklarierte, nicht mehr genau sagen zu kön-

nen, an welchem Tag der Überfall passiert sei (und sich nicht etwa in haltlose 

-   29   - 

und durchschaubare Widersprüche verrannte), was insofern für ihre Glaubwür-

digkeit bzw. die Glaubhaftigkeit ihrer Gesamtdarstellung spricht.  

 Entgegen der Auffassung der Verteidigung kommt sodann insbesondere 

auch dem Detail, dass der Beschuldigte aufgrund des überraschenden Klingelns 

des Telefons von der Privatklägerin abgelassen und mit derer Kollegin über das 

Telefon gesprochen habe, grosse Glaubhaftigkeit zu. Gerade die relative Aus-

sergewöhnlichkeit dieses Umstandes spricht dagegen, dass die Privatklägerin 1 

ihn frei erfunden haben könnte. Die Privatklägerin erklärte zudem nachvollzieh-

bar, dass sie und ihre Kollegin auf diese Art, bei ungewöhnlich langem Wegblei-

ben einer von ihnen, aufeinander aufpassen würden (vgl. Urk. HD 1/2 S. 2 und 

HD 4/5 S. 6). Sodann schilderte sie höchst anschaulich, wie sie in ihrer Todes-

angst beim Vernehmen des klingelnden Handys realisiert habe, dass sie jetzt et-

was machen müsse, um hier lebend wegzukommen, und es ihr schliesslich ge-

lungen sei, das Handy zu finden (Urk. HD 4/1 S. 44). Sie wisse nicht mehr, ob sie 

das Handy aus der Jackentasche, welche über den Vordersitz gehangen habe, 

oder aus der Handtasche genommen habe; sie habe es jedenfalls von dort her-

ausgenommen (Urk. HD 4/5 S. 13). Weiter erscheint auch nicht lebensfremd, 

sondern gut vorstellbar, dass der Beschuldigte durch das unerwartete Klingeln 

des Telefons aufgeschreckt und aus seinem Konzept gerissen wurde.  

 Auch dass die Privatklägerin 1 nach dem Vergewaltigungsversuch wieder in 

den Beifahrersitz des Autos des Beschuldigten stieg, um mit ihm von ... nach Zü-

rich zurück zu fahren, erscheint entgegen der pauschalen Behauptung der Ver-

teidigung nicht lebensfremd. Den anschaulichen und nachvollziehbaren Aussa-

gen der Privatklägerin ist sinngemäss zu entnehmen, dass der Beschuldigte (der 

auf der Beifahrerseite gewartet habe, bis sie eingestiegen sei) darauf bestanden 

habe, und sie eingewilligt (bzw. ihren zuvor geäusserten Plan, mit dem Taxi zu-

rückzufahren, aufgegeben) habe, weil sie Angst gehabt habe, den mittlerweile 

ruhiger gewordenen Beschuldigten durch eine weiteres Nein zu provozieren (vgl. 

Urk. HD 4/1 S. 4 und HD 4/5 S. 13).    

 Den Ausführungen der Verteidigung, dass sich die Belastungen der Privat-

klägerin 1 nicht durch ärztliche Befunde objektivieren, kann sodann nur teilweise 

-   30   - 

gefolgt werden. Zutreffend ist lediglich, dass die Privatklägerin sich unmittelbar 

nach der Tat nicht ärztlich untersuchen liess, und deshalb die körperlichen Fol-

gen des Würgens und Schlagen durch den Beschuldigten nicht medizinisch do-

kumentiert sind. Dies ist damit nachvollziehbar zu erklären, dass sich die Privat-

klägerin 1 vorerst aus Angst vor Vergeltung durch den Beschuldigten und man-

gels Vertrauen in die ihr unbekannte hiesige Justiz, aber auch aus Scham, vor 

einer Anzeige und einer medizinischen Untersuchung fürchtete. Die im Recht lie-

genden Arztberichte (Urk. HD 37/1-3, auch HD 10/5) bezeugen aber jedenfalls 

die psychischen Folgen des gegen sie verübten Übergriffs bzw. namentlich die 

posttraumatische Belastungsstörung. Sodann wird im Aktengutachten des Insti-

tuts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM) vom 15. Juli 2014 ausgeführt, 

dass aus dem vorliegenden Akteninhalt zwar keine objektiven Verletzungsbefun-

de nachvollzogen werden könnten. Folge man aber den subjektiven Aussagen 

der Betroffenen, einer Zeugin, sowie der behandelnden Ärztin und der Physiothe-

rapeutin, könnten die beschriebenen Symptome und nicht mehr objektivierbaren 

Befunde ("Würgemale", Schmerzen, psychische Symptome etc.) aus rechtsme-

dizinischer Sicht ohne Weiteres mit einem Würgevorgang, wie er von der Privat-

klägerin 1 beschrieben werde, in Einklang gebracht werden. Die Aussage, dass 

sich drei Wochen nach dem Ereignis keine von Aussen sichtbaren Verletzungen 

der Halshaut mehr gefunden hätten, stehe nicht im Widerspruch zu den Angaben 

zur Vorfallszeit, da sich Hautein- und -unterblutungen nach einer derart langen 

Zeitspanne bereits wieder vollständig abgebaut haben können (Urk. HD 10/13A 

S. 7). Damit vermögen die in den Akten liegenden medizinischen Unterlagen die 

Darstellung der Privatklägerin 1 zumindest teilweise zu untermauern und wider-

sprechen dieser im Übrigen in keiner Weise.  

 Den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 1 vermögen die pauschalen 

und ausweichenden Aussagen des Beschuldigten nichts entgegen zu setzen. 

Der Sachverhalt gemäss Ziff. 1.2.1. der Anklageschrift ist somit aufgrund der 

vorhandenen Beweismittel erstellt.  

 Einzig das mit Anklage behauptete Knien des Beschuldigten auf der Brust 

der Privatklägerin 1 – in diesem Punkt sind die (impliziten) vorinstanzlichen Er-

-   31   - 

wägungen zu präzisieren bzw. korrigieren – kann nicht erstellt werden. Die Pri-

vatklägerin 1 gab lediglich glaubhaft an, dass der Beschuldigte (während des 

Würgens) auf ihr gekniet habe (Urk. 4/1 S. 8), führte hiezu aber nichts näheres 

aus.  

 Ungeachtet des Wegfall dieses Details bleibt erstellt, dass diese sich in 

unmittelbarer Lebensgefahr befand. Laut dem Aktengutachten des IRM vom 

15. Juli 2014 können die von der Privatklägerin 1 geschilderten Symptome, ins-

besondere der unwillkürliche Urinabgang, als Zeichen einer kreislaufrelevanten 

Halskompression mit hieraus resultierender Durchblutungsstörung des Gehirns 

interpretiert werden. Folge man also diesen subjektiven Angaben, so sei eine 

unmittelbare Lebensgefahr durch den geltend gemachten Angriff gegen den Hals 

zu bejahen (Urk. HD 10/13A S. 8). Gemäss diesem Aktengutachten hätte ein 

Knien des Beschuldigten im Brustbereich der Privatklägerin 1 lediglich einen wei-

teren (selbständigen) lebensbedrohlichen Vorgang dargestellt.   

b)  Tätlichkeiten (Anklageziffer 1.2.2.) 

 Auch dieser Teilsachverhalt ist aufgrund der glaubhaften Aussagen der Pri-

vatklägerin 1 erstellt – mit der Präzisierung, dass es zwei Ohrfeigen waren – wo-

bei zur Begründung auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 

werden kann (Urk. HD 58 S. 93 f.). 

c)  Drohung (Anklageziffer 1.2.3.) 

 Auch hinsichtlich dieses Sachverhalts kann auf die glaubhafte Darstellung 

der Privatklägerin 1 abgestellt und zur Begründung wiederum auf die überzeu-

genden erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 94 f.). 

4. Fazit 

 Die dem Beschuldigten vorgeworfenen Sachverhalte im Zusammenhang 

mit der Privatklägerin 1 sind demnach im Wesentlichen erstellt. 

 

-   32   - 

C. Vorwürfe betreffend die Privatklägerin 2 (B._____) 

1. Anklagevorwurf 

 1.1.  Qualifizierte Vergewaltigung (Anklageziffer 1.3.1.) 

 Die Anklage – sich diesbezüglich auf die Aussagen der Privatklägerin 2 

stützend – wirft dem Beschuldigten in tatsächlicher Hinsicht im Wesentlichen vor, 

dass er in der Nacht vom 18./19. November 2012 vorerst entgegen der Abma-

chung von der Privatklägerin 2 verlangt habe, dass sie ohne Kondom mit ihm 

verkehre, worauf diese ihn ersatzweise oral stimuliert habe. Als darauf die auf 

dem Beifahrersitz sitzende Privatklägerin dabei gewesen sei, ihre Hosen auszu-

ziehen, habe er plötzlich die Lehne des Beifahrersitzes nach hinten gelehnt und 

sich auf die Privatklägerin 2 gelegt. Dabei habe er mit seinem Unterarm willent-

lich auf ihren Hals gedrückt, wodurch diese keine Luft mehr bekommen habe und 

widerstandsunfähig geworden sei. Hierauf habe er an der widerstandsunfähigen 

Privatklägerin 2 gegen deren Willen ungeschützten Geschlechtsverkehr bis zum 

Samenerguss vollzogen, wobei er mit seinem ganzen Gewicht auf ihr gelegen sei 

und ihr weiterhin den Hals zugedrückt habe bis zum unfreiwilligen Urinabgang 

bei derselben. 

 Mit dem oben geschilderten Würgen am Hals und Drücken auf den Brust-

korb der Privatklägerin 2 habe er diese in eine unmittelbare Lebensgefahr ge-

bracht, da die Gefahr von Durchblutungsstörungen im Gehirn und einem Ersti-

ckungstod bestanden habe (Urk. HD 19 S. 6). 

 1.2.  Raub (Anklageziffer 1.3.2.) 

 Nach dieser Vergewaltigung habe der Beschuldigte, nachdem er den Bei-

fahrersitz wieder nach oben gerichtet habe, der Privatklägerin 2 mit seinem 

Handrücken erneut den Hals zugedrückt und von ihr den bereits bezahlten Dir-

nenlohn von Fr. 100.– zurückverlangt, bis diese das Geld aus ihrer Handtasche 

genommen und er es an sich genommen habe (Urk. HD 19 S. 7). 

-   33   - 

2.  Standpunkt des Beschuldigten 

 Der Beschuldigte bestreitet den vorgeworfenen Sachverhalt. Anlässlich der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der Privatklägerin 2 vom 11. Juni 2013 er-

klärte der Beschuldigte, diese würde sich irren, bzw. ihn mit einer anderen Per-

son verwechseln, er sei nicht so ein Mensch. Auf Vorhalt, ein Irrtum in der Per-

son erscheine wenig plausibel, nachdem er von ihr klar als Täter identifiziert wor-

den sei, meinte er sinngemäss, diese habe ihn nur deshalb wiedererkannt, weil 

ein Bild von seinem Auto aufgehängt gewesen sei. Weiter meinte er (u.a.) sinn-

gemäss, dass wenn ihre Geschichte zutreffend wäre, sie doch Fingerabdrücke in 

seinem Auto hätte hinterlassen müssen (Urk. ND 1/3/4 S. 17 = Urk. HD 3/3 Blatt 

2). Auch vor Vorinstanz gab er an, er kenne die Privatklägerin 2 nicht und habe 

sie nie getroffen. Er könne nicht eine fremde Frau treffen. Gefragt, ob er eine Er-

klärung dafür habe, wieso er von ihr ohne Grund belastet werden sollte, antwor-

tete er (u.a.), woher er das wissen solle, er sei seit 20 Jahren nie in ... gewesen. 

Er würde alles akzeptieren, wenn jemand ein Bild zeigen könnte, worauf ersicht-

lich wäre, dass er mit seinem Auto in ... gewesen sei (Prot. I S. 12 f.). Entspre-

chende Aussagen machte er auch vor dem Berufungsgericht (vgl. Prot. II S. 18 

f.) 

3.  Beweiswürdigung 

 3.1.  Glaubwürdigkeit der involvierten Personen  

 3.1.1.  Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 2 

 Die generelle Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 2 ist zu bejahen, wobei zur 

Begründung auf die vorstehenden Erwägungen zur Privatklägerin 1 verwiesen 

werden kann (Ziff. B.3.1.2.), welche hier analog gelten. Namentlich gilt auch hier, 

dass das Zögern bzw. sich zur-Anzeige-Durchringen Müssen der Privatklägerin 2 

mit ihrem schwachen sozialen Status erklärt werden kann und vor diesem Hinter-

grund gerade für deren Glaubwürdigkeit spricht. Ihre Antwort anlässlich der poli-

zeilichen Einvernahme vom 11. Dezember 2012 auf die Frage, wieso sie sich erst 

jetzt zu einer Anzeige entschlossen habe, demonstriert dies anschaulich: Als sie 

-   34   - 

ihren Kolleginnen vom Vorfall erzählt habe, hätten diese zu ihr gesagt "Ja du bist 

eine Nutte und bei dieser Arbeit musst Du mit solchen Sachen rechnen" (Urk. ND 

1/3/1 S. 12).  

 3.1.1.  Glaubwürdigkeit des Beschuldigten sowie der weiteren Personen  

 Diesbezüglich kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden 

(Ziff. B.3.1.1. und 3.1.3.). 

 3.2.  Sachverhaltswürdigung  

 3.2.1.  Identifikation des Täters 

 3.2.1.1.  Die Verteidigung bringt auch hier die bereits dargelegten Einwände 

gegen das Setting der Lebendwahlkonfrontation vor. Darüber hinaus führt sie 

aus, dass die Privatklägerin 2 den Beschuldigten nicht einwandfrei habe identifi-

zieren können, da sie die Männer mit Nummer 2 und 5, also gerade nicht allein 

den Beschuldigten, als den eventuellen Täter bezeichnet habe. Ihre spätere Aus-

sage anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, wonach sie den Be-

schuldigten als Täter bezeichnet habe (Urk. ND 1/3/4 S. 16), könne die fehlende 

Identifizierung nicht mehr gut machen. Allein schon der Umstand, dass der Be-

schuldigte hinter einer Trennscheibe habe sitzen müssen, habe ihr doch sugge-

riert, dass es der Täter sein müsse (Urk. HD 37 S. 5; Urk. 74 S. 15).  

 3.2.1.2.  Der Standpunkt der Verteidigung kann nicht geteilt werden. Die 

Vorinstanz hat überzeugend dargetan, dass trotz nicht eindeutiger Identifizierung 

anlässlich der Lebendwahlkonfrontation, in Anbetracht sämtlicher dafür spre-

chender Indizien an der Täterschaft des Beschuldigten nicht gezweifelt werden 

kann. Auf ihre Ausführungen kann vorab verwiesen werden (Urk. HD 58 

S. 100 f.), unter Anfügung des Folgenden.  

 a)  Lebendwahlkonfrontation 

 Die Lebendwahlkonfrontation fand am 11. März 2013 statt. Der Privatkläge-

rin 2 wurden die gleichen Personen vorgesetzt wie der Privatklägerin 1 (vgl. Urk. 

ND 1/1/15 und HD 1/16). Dass das Setting dieser Lebendwahlkonfrontation und 

-   35   - 

die Auswahl der Vergleichspersonen nicht zu beanstanden ist, wurde bereits 

ausgeführt (vorstehend Ziff. B.3.2.1.1.a). Die Privatklägerin 2 gab an, dass es 

sich bei der Person mit der Nummer 2 [dem Beschuldigten] oder der Person mit 

der Nummer 5 [der Vergleichsperson Q._____] um den Täter handeln könne. Auf 

Nachfrage gab sie an, dass es eher der Mann mit der Nummer 5 gewesen sei 

(Urk. ND 1/3/2 S. 1 f.; ND 1/1/5). Dass sich die Privatklägerin 2 im Unterschied 

zur Privatklägerin 1 bei der Identifizierung des Täters nicht sicher war, ist kein 

Hinweis auf eine Falschaussage, sondern lässt sich plausibel damit erklären, 

dass sie den Täter offenbar weniger gut beobachten konnte. Die Privatklägerin 2 

deklarierte ihre Unsicherheit offen und fügte nachvollziehbar hinzu, dass es so 

sei, dass sie den Täter damals nur seitlich und sitzend gesehen habe. Sie habe 

ab und zu einen Blick auf ihn geworfen. Es sei immer dunkel gewesen, der Täter 

habe das Innenlicht des Autos nie angeschaltet. Es seien der Bauch und der 

Blick, weshalb sie glaube, dass es der Mann mit der Nummer 2 oder der mit der 

Nummer 5 gewesen sein müsse. Sie habe in ihrem Kopf vor sich, wie sein Ge-

ruch gewesen sei – er habe gestunken – und dann sehe sie auch noch sein ver-

zerrtes Gesicht vor sich (Urk. ND 1/3/2 S. 2). Bereits anlässlich ihrer ersten Be-

fragungen im Dezember 2012 gab sich die Privatklägerin 2 im Hinblick auf eine 

Identifizierung des Täters weniger sicher als die Privatklägerin 1. Während Letz-

tere, wie ausgeführt, spontan von sich gab, dass sie das Gesicht des Täters vor 

sich sehe und das nie vergessen werde, gab die Privatklägerin 2 damals (auf 

entsprechende Frage) vorsichtig an, sie glaube ja, sie würde den Täter wiederer-

kennen (Urk. ND 1/3/1 S. 10 f.). Vor dem Hintergrund dieser nachvollziehbaren 

und authentisch wirkenden Aussagen erscheint verständlich, dass das Resultat 

der Lebendwahlkonfrontation nicht eindeutig ausfiel. Immerhin aber tippte sie 

auch auf den Beschuldigten. Der Lebendwahlkonfrontation kommt damit sehr 

wohl ein gewisser Beweiswert zu, auch wenn er nicht das Gewicht erreicht wie 

im Falle der Privatklägerin 1 und deshalb für sich alleine zur Erstellung der Täter-

schaft nicht ausreicht.   

-   36   - 

 b)  Weitere Indizien 

 Zur rechtsgenügenden Gewissheit wird die Täterschaft des Beschuldigten 

indes im Verbund der Lebendwahlkonfrontation mit allen übrigen ihn belastenden 

Indizien:  

•  Hinsichtlich der allgemeinen Indizien, welche für eine Täterschaft des Be-

schuldigten sprechen, kann an auf die Ausführungen im Zusammenhang 

mit dem Übergriff auf die Privatklägerin 1 verwiesen werden (vorstehend 

Ziff. B.3.2.1.1.b.).  

 Spezifisch auf den Übergriff der Privatklägerin 2 bezogen spricht zusätzlich 

für die Täterschaft des Beschuldigten (wobei zur vollständigen Begründung auf 

die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann, Urk. HD 58 S. 100 f.): 

• dass der von der Privatklägerin 2 bezeichnete Tatort nur wenige Meter 

neben dem von der Privatklägerin 1 bezeichneten entfernt liegt (vgl. Urk. 

ND 1/1/18 S. 2 und HD 1/15 S. 2), 

• dass auch die Privatklägerin 2 ausführte, der Täter habe ein kleines ... Au-

to gefahren, und überdies in sehr anschaulichen, klar selbst Erlebtes be-

zeugenden Worten auch die Marke desselben benennen konnte (vgl. Urk. 

ND 1/3/1 S. 2: "Ca. um 23.30 Uhr hielt ein ... Opel. Ich konnte merken, 

dass es ein Opel war, weil das Opel-Zeichen an seinem Schlüsselbund 

hing", vgl. auch a.a.O. S. 11: "Es ist ein ... Auto nicht ganz .... Ich denke, 

dass es ein Opel war, denn an seinem Schlüsselanhänger hing ein Opel-

Zeichen. Das weiss ich mit Bestimmtheit".), 

• dass es im Fall der Privatklägerin 2 wie in demjenigen der Privatklägerin 1 

darum ging, entgegen der ursprünglichen Abmachung plötzlich und über-

raschend ungeschützten Geschlechtsverkehr zu erzwingen, 

• dass die Privatklägerin 2 im Rahmen ihrer Einvernahmen vom 11. De-

zember 2012 und vom 11. Juni 2013 jeweils präzise und treffende Täter-

beschreibungen zu Protokoll gab (Urk. ND 1/3/1 S. 10, ND 1/3/4 S. 12 f.), 

-   37   - 

wobei namentlich der ersteren (welche vor der Lebendwahlkonfrontation 

vom 11. März 2013 erfolgte) eine grosse Aussagekraft zukommt, 

• dass die Privatklägerin 2 in beiden Einvernahmen beschrieb, wie der Täter 

auf seine Finger gezeigt und erklärt habe, eine Frau und zwei Kinder zu 

haben (ND 1/3/1 S. 10, ND 1/3/4 S. 8), eine Schilderung, die aufgrund ih-

rer Farbigkeit nicht erfunden sein kann, und auf den Beschuldigten zutrifft. 

 Ergänzend zu den Ausführungen der Vorinstanz ist auf einen weiteren 

charakteristischen Umstand hinzuweisen, welcher deutlich dafür spricht, dass es 

sich in beiden Fällen um den gleichen Täter, und damit den Beschuldigten, han-

delte: 

• Sowohl die Privatklägerin 1 als auch die Privatklägerin 2 gaben an, dass 

sie mit dem Täter aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten nur rudi-

mentär hätten kommunizieren können. Beide erwähnten insbesondere 

mehrfach, dass dieser sehr oft ein blosses "no problem" oder auch ein 

verdoppeltes "no problem, no problem" als Antwort oder Bemerkung von 

sich gegeben habe (so die Privatklägerin 1 in Urk. HD 4/1 S. 2 und 5, Urk. 

HD 4/5 S. 5 und 6; die Privatklägerin 2 in Urk. ND 1/3/1 S. 5, 6 und 10; ND 

1/3/4 S. 7, 8 und 10). Dabei sticht beispielsweise hervor, dass der Täter in 

beiden Fällen die jeweilige (sinngemässe) Frage der Privatklägerinnen, 

wann die (ungewöhnlich lange) Fahrt (zum Tatort) ende, mit "no problem" 

beantwortete (Privatklägerin 1 in Urk. HD 4/1 S. 2 Frage 13 / Privatkläge-

rin 2 in Urk. ND 1/3/1 S. 6 Frage 20). Auch fällt auf, dass er nach beiden 

sexuellen Übergriffen die Situation jeweils mit der Bemerkung "No prob-

lem" zu bagatellisieren versuchte (vgl. Urk. HD 4/1 S. 4 betr. Privatkläge-

rin 1: "Ich sagte, dass ich mit dem Taxi zurückfahren werde. Er sagte, 

dass er mich zurückbringen würde und es würde keine Probleme geben." 

und Urk. 1/3/1 S. 5 betr. Privatklägerin 2: "Er setzte sich wieder normal auf 

den Fahrersitz. Er war so frech und tätschelte meine Wange und sagte: 

«No problem, no problem»").   

-   38   - 

 3.2.1.3.  In Betrachtung aller relevanter Umstände kann nicht daran gezwei-

felt werden, dass es sich bei dem von der Privatklägerin 2 bezeichneten Täter 

um den Beschuldigten handelt.  

 3.2.2.  Tatnachweis 

 3.2.2.1.  Auch betreffend die Privatklägerin 2 machte die Verteidigung vor 

Vorinstanz geltend, dass deren Aussagen inhaltlich nicht über alle Zweifel erha-

ben seien. Diesbezüglich habe die Staatsanwaltschaft schon das falsche Datum 

eingeklagt, wobei nicht von einem Verschreiber derselben auszugehen sei, wes-

halb die diesbezügliche Annahme der Vorinstanz willkürlich sei (Prot. I S. 31; 

Urk. 74 S. 14). In Frage käme nicht die Nacht von 18./19. November 2012, son-

dern wohl diejenige vom 18./19. Oktober 2012. Weiter habe auch die Privatkläge-

rin 2 nicht unmittelbar nach dem angeblichen Vorfall, sondern erst viel später, 

nämlich am 11. Dezember 2012 ausgesagt. Auch sie habe ja zuerst noch mit 

dem Polizisten L._____ gesprochen. Sie habe demnach ausreichend Zeit ge-

habt, zu überlegen, wie sie ihre Belastungen vorbringen wolle. Dem Arzt im Spi-

tal ... habe sie gemäss Spitalbericht vom 23. Oktober 2012 den Vorfall anders 

geschildert als später in der Untersuchung, nämlich, dass sie beim Geschlechts-

verkehr mit der rechten Brustkorbseite gegen das Steuerrad geschlagen habe. 

Damit könnten die Rippenprellungen durchaus erklärt werden. Gemäss dem 

Gutachten des IRM vom 15. Juli 2014 könne hingegen das Vorliegen von Rip-

penbrüchen nicht nachvollzogen werden, zumal Rippenbrüche im Bericht des 

Spitals ... explizit verneint würden. Ebenfalls sei unklar, ob überhaupt eine post-

traumatische Belastungsstörung vorgelegen habe und (noch) vorliege. Auch im 

Falle der Privatklägerin 2 falle auf, dass deren Behauptungen durch nichts Objek-

tives, insbesondere nicht durch Arztberichte erhärtet würden. Aufgrund dieses 

Fehlens von klaren objektiven Hinweisen sei zu schliessen, dass die Angaben 

dieser wie der anderen Privatklägerinnen in der behaupteten Form nicht zutreffen 

könnten, sondern mindestens überzeichnet und übertrieben seien (Urk. HD 43 S. 

9 f.; Prot. I S. 21; Urk. 74 S. 14). Es sei nicht auszuschliessen, dass die Privat-

klägerin 2 nicht schon früher als Prostituierte gearbeitet und aus anderen Grün-

den traumatisiert sei (Prot. I S. 30, vgl. auch Prot. II S. 25).   

-   39   - 

 3.2.2.2.  Die Argumentation der Verteidigung vermag wiederum nicht zu 

überzeugen. Vielmehr kann auch hier in allen wesentlichen Punkten der Vor-

instanz gefolgt werden, auf welche vorab verwiesen werden kann (Urk. HD 58 

S. 95-103). In Zusammenfassung und Ergänzung derselben kann das Folgende 

ausgeführt werden. 

 a)  Allgemeines 

 Hinsichtlich des Tatzeitpunkts ist entgegen der Anklage nicht vom 

18./19. November, sondern vom 18./19. Oktober 2012 auszugehen (vgl. dazu 

nachstehende lit. b). Die polizeiliche Befragung der Privatklägerin 2 fand am 

11. Dezember 2012 statt (Urk. ND 1/3/1). Vor dieser ersten formellen Einver-

nahme führte auch die Privatklägerin 2 ein Gespräch mit den Polizeibeamten der 

Milieuaufklärung (vgl. a.a.O. S. 1). Gemäss Aussage des Polizisten L._____ 

dauerte dieses Gespräch nur kurz (vgl. Urk. HD 5/34 S. 5). Die Privatklägerin 2 

deponierte demnach erst rund 2 Monate nach dem Vorgefallenen formelle Aus-

sagen. Dass dieser Umstand deren Glaubwürdigkeit nicht beeinträchtigt, wurde 

bereits dargetan. Die verzögerte Aussagebereitschaft spricht auch nicht gegen 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, denn diese sind, wie im Folgenden zu zeigen 

ist, detailreich, anschaulich und konstant, ohne dass Lügensignale zu erkennen 

sind.  

 Für die Wahrheit ihrer Darstellung spricht vorerst schon, dass die Privatklä-

gerin bei der Aussage vor der Polizei zeitweise sehr stark mit ihren Emotionen zu 

kämpfen hatte. So begann sie bereits kurz nach Beginn der Befragung zu zittern 

und zu weinen, sodass diese unterbrochen werden musste (Urk. ND 1/3/1 S. 2). 

Als sie später den eigentlichen Übergriff zu schildern anfing, kamen ihr wiederum 

mehrmals die Tränen, und sie musste mehrmals (leer) schlucken und konnte 

kaum sprechen (a.a.O. S. 4). Im weiteren Verlaufe der polizeilichen Befragung 

wie auch anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schien sie sich 

dann gefasst zu haben (jedenfalls finden sich keine Protokollnotizen mehr hin-

sichtlich ihres Gemütszustandes). Die spontanen Gefühlsausbrüche der Privat-

klägerin 2, welche nicht gespielt sein können, weisen klar auf selbst Erlebtes hin 

und zeigen deutlich (auch wenn sie hinsichtlich ihrer Stärke und Andauerns nicht 

-   40   - 

das Ausmass der Emotionen der Privatklägerin 1 annehmen), dass das Vorgefal-

lene in ihrer Erinnerung anlässlich der Befragung durch die Polizei noch stark 

präsent war.  

 Dass die Privatklägerin 2 durch das Erlebte eine starke Traumatisierung er-

fuhr, geht sodann aus mehreren Zeugenaussagen hervor. R._____, die Sozialar-

beiterin im J._____-Bus, welche die Bezugsperson für die Privatklägern 2 war, 

gab an, dass diese am 22. Oktober 2012 in den Bus gekommen sei und dabei 

sehr stark traumatisiert gewirkt habe. Sie sei irgendwie nicht wiederzuerkennen 

gewesen, habe versteinert und apathisch gewirkt. Sie habe Mühe mit dem Atmen 

gehabt. Die mit ihr (R._____) arbeitende Mitarbeiterin, eine Krankenschwester, 

habe sofort erkannt, dass die Privatklägerin 2 allenfalls schwerer verletzt sein 

könnte. Sie hätten dann trotz anfänglicher Ablehnung der Privatklägerin 2 darauf 

beharrt, dass diese sich in ärztliche Behandlung begebe, und sie ins Spital ... ge-

bracht. Ihr (R._____) sei auch aufgefallen, dass die Privatklägerin 2 beim Rau-

chen kaum die Zigarette habe halten können, weil sie stark gezittert habe. Sie 

habe zwei Mal versucht, soweit das sprachlich gegangen sei, von der Privatklä-

gerin 2 zu erfahren, was passiert sei. Doch diese habe nicht darüber sprechen 

können, und beim zweiten Mal seien ihr Tränen über das Gesicht gelaufen (Urk. 

HD 5/20 S. 4 f.). Am nächsten Tag, dem 23. Oktober 2012, habe sie die Privat-

klägerin 2 dann noch einmal gesehen; diese habe wieder angefangen zu weinen 

und sei sehr blass gewesen. Ihr (R._____) sei einfach klar gewesen, dass was 

Schlimmes passiert sei. Ihr subjektiver Eindruck sei gewesen, dass die Privatklä-

gerin 2 versucht habe, den Vorfall zu verdrängen (a.a.O. S. 5). Die Sozialarbeite-

rin K._____ sagte aus, sie wisse einfach noch, dass die Privatklägerin 2 massive 

Schlafstörungen und Angstzustände gehabt habe, und sie habe diese deswegen 

auch beraten. Der Vorfall habe massive Auswirkungen auf die Privatklägerin 2 

und ihr Privatleben gehabt. Offenbar habe diese deswegen auch Probleme mit 

ihrem Freund gehabt (Urk. 5/26 S. 5).  

 Im Arztbericht von med. pract. P._____ vom 13. November 2014 wird der 

Privatklägerin 2 eine posttraumatische Belastungsstörung, verursacht durch den 

gewaltsamen Übergriff des Beschuldigten, attestiert (Urk. HD 39/3). Auch wenn 

-   41   - 

diesem Bericht – aufgrund des Umstandes, dass sich die Privatklägerin 2 erst 

seit dem 21. August 2014 in der psychotherapeutischen Behandlung der Ärztin 

P._____ befand – bezogen auf den Tatzeitraum kein allzu grosser Beweiswert 

zugemessen werden kann, vermag er doch die glaubhaften Schilderungen der 

vorstehend erwähnten Zeuginnen zusätzlich zu untermauern. Weiter bestätigt 

auch der Bericht der Frauenberatung sexuelle Gewalt – wo die Privatklägerin 2 

seit dem 13. Dezember 2012 Beratungstermine wahrnahm – eine immense psy-

chische Belastung durch den Vorfall und das Zeigen von spezifischen Sympto-

men bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (Urk. HD 39/2). 

 Diese ausgewiesenen psychischen Auffälligkeiten der Privatklägerin 2, wel-

che unabhängig voneinander kurz nach der Tat von zwei Sozialarbeiterinnen und 

später auch im Rahmen der Erstbefragung von den Polizeibehörden beobachtet 

werden konnte, sprechen deutlich für den Wahrheitsgehalt ihrer Belastungen ge-

gen den Beschuldigten.  

 Die Mutmassung der Verteidigung, dass die Privatklägerin 2 bereits auf-

grund früherer Tätigkeit als Prostituierte traumatisiert worden sein könnte, findet 

in den Akten keine Stütze. Vielmehr spricht etwa die in den Untersuchungsakten 

liegende "tagebuchähnliche Auflistung" der Privatklägerin 2 (Urk. ND 1/1/9; deut-

sche Übersetzung in ND 1/1/10) dagegen. Die Privatklägerin 2 beschreibt darin 

ihre Ankunft in Zürich am 23. September 2012, die Einholung der Prostitutions-

bewilligung am 25. und 26. September 2012 und führt aus, dass in der Nacht 

vom 27. September 2012 die Frauen, die im Bus arbeiteten, ihr alles erklärt hät-

ten, worauf sie achten solle etc.; sie sozusagen aufgeklärt hätten. In der Folge 

listete die Privatklägerin für jeden Tag penibel ihre Einnahmen und Ausgaben auf 

und hielt fest, was im Saldo übrigblieb. Diese detaillierte Auflistung ihrer finanziel-

len Situation und Sparbemühungen wirkt sehr authentisch, weshalb davon aus-

gegangen werden kann, dass diese tagebuchähnlichen Notizen jeweils am oder 

zeitnah zum angegebenen Tagesdatum erstellt worden sind. An einzelnen Tagen 

sind sodann verschiedene lebensnah wirkende Bemerkungen hinzugefügt, aus 

denen zu schliessen ist, dass die Privatklägerin 1 zum ersten Mal in Zürich war 

und sich hier grundsätzlich wohl fühlte. So notierte sie beispielsweise nach der 

-   42   - 

Abrechnung vom 29. September 2012, dass sie heute einen Flohmarkt entdeckt 

und sehr gute Sachen (für Fr. 100.–) gekauft habe. Unter dem 30. September 

2012 notierte sie, dass sie heute eine Kirche entdeckt habe, und es ein wunder-

volles Gefühl gewesen sei, spazieren zu gehen und in der Kirche zu verweilen, 

und dass sie in Zukunft öfters hierher kommen werde. Weiter hielt sie jeweils mit 

sichtlichem Stolz fest, wenn sie tausend Franken zusammengespart hatte; so 

erstmals unter dem 1. Oktober 2012: "Oh mein lieber Gott, ich habe meine ersten 

ersparten Tausender. Ich denke, dass ich meine Schulden bezahlen können 

werde", und wieder am 10. Oktober 2012: "Danke lieber Gott. ich habe den zwei-

ten ersparten Tausender jetzt auch". Die jüngste Auflistung ihrer Einnahmen und 

Ausgaben datiert vom 17. Oktober 2012. Darunter schrieb sie – offensichtlich am 

Sonntag, dem 21. Oktober 2012 – einen letzten Eintrag: "Seit zwei Tagen kann 

ich nicht arbeiten am Donnerstag hat mich ein orbitales Trauma getroffen heute 

ist schon Sonntag ich leide schrecklich ich kann nicht rausgehen arbeiten was 

wird so nur aus mir ?" (bzw. der letzte Satzteil alternativ gemäss der Übersetze-

rin: "… was soll ich jetzt nur machen ?". Dieses aufgrund seiner Originalität als 

authentisch einzustufende Tagebuch steht im Einklang mit den Beobachtungen, 

welche die Sozialarbeiterinnen der J._____ Frauenberatung gemacht hatten, und 

spricht deutlich dafür, dass es erst der Übergriff des Beschuldigten war, der zu 

ihrer Traumatisierung geführt hatte.   

 Für die Aussagen der Privatklägerin 2 spricht weiter, dass diese nur wenige 

Tage nach dem Vorfall, am 23. Oktober 2012, das Spital ... aufsuchte und dort 

Rippenprellungen festgestellt wurden (Urk. ND 1/5/1; vgl. auch ND 1/5/6). Diese 

Verletzungen können gemäss dem Gutachten des IRM vom 15. April 2014, so 

wie von der Privatklägerin 2 den Strafbehörden berichtet werde, durch Druck mit 

den Ellenbogen (des Täters) auf den Brustkorb entstanden sein (Urk. HD 10/13A 

S. 8). Dass die Privatklägerin 2 damals den Spitalärzten gegenüber verharmlo-

send angab, sie habe sich beim Geschlechtsverkehr im Auto am Lenkrad ges-

tossen, erklärt sich damit, dass diese zu jenem Zeitpunkt über das tatsächliche 

Vorgefallene aufgrund ihrer Traumatisierung sowie aus Scham und Angst noch 

nicht reden konnte, und steht deshalb nicht im Widerspruch zu ihrer Darstellung 

vor den Strafbehörden. Wie bereits dargelegt vermochte sich die Privatklägerin 2 

-   43   - 

zu Beginn selbst nicht gegenüber den ihr vertrauten Sozialarbeiterinnen der 

J._____-Frauenbetreuung zu öffnen. Auch dass die Privatklägerin 2 durchge-

hend von Rippenbrüchen sprach, vermag die Glaubhaftigkeit ihrer (übrigen) Aus-

sagen nicht in Zweifel zu ziehen. Allein anhand des subjektiven Schmerzempfin-

dens mögen Rippenbrüche von Rippenprellungen durch einen Laien nicht zu un-

terscheiden sein. Aus den Akten ist sodann ersichtlich, dass es nicht etwa die 

Privatklägerin 2 selber, sondern die am Abend des 22. Oktober 2012 zusammen 

mit R._____ im J._____-Bus anwesende Krankenschwester war, welche als ers-

te aussprach, dass eine Rippe gebrochen sein könnte, (und aus diesem Grund 

zusammen mit der Sozialarbeiterin R._____ auf einem Spitalbesuch beharrte; 

Urk. HD 5/20 S. 5). Dass im Spital dann lediglich Prellungen diagnostiziert wur-

den, mag die Privatklägerin 2 allein schon aus sprachlichen Gründen nicht mit-

bekommen haben. Hinzu kommt, dass selbst der damals behandelnde leitende 

Arzt des Spitals ..., Dr. med. S._____, im Nachhinein einräumte, es sei nicht de-

finitiv zu sagen sei, ob es sich bei den erlittenen Verletzungen der Patientin ledig-

lich um eine Prellung der Rippen oder um eine Rippenfraktur gehandelt habe. In 

der durchgeführten Röntgenkontrolle habe kein Rippenbruch dargestellt werden 

können, allerdings seien diese Brüche auch schlecht sichtbar im Röntgen. Eine 

therapeutische Konsequenz entstehe daraus aber nicht, da die Behandlung für 

Prellung und Bruch dieselbe sei (vgl. dessen Schreiben vom 9. Januar 2013 an 

die Staatsanwaltschaft, Urk. ND 1/5/6 S. 2). Dass die Ärzte des Spital ... sich 

nicht veranlasst sahen, den Befund genauer abzuklären, mag auf die verharmlo-

sende Erklärung der Privatklägerin 2 zurückzuführen sein. Zusammenfassend 

kann aus den dargestellten Gründen davon ausgegangen werden, dass die Pri-

vatklägerin 2 mit ihren Angaben betreffend Rippenbrüche den Beschuldigten 

nicht etwa übermässig belasten wollte, sondern (höchstens) unwillentlich falsch 

aussagte. Im Fazit ist festzuhalten, dass die von objektiver ärztlicher Seite fest-

gestellten körperlichen Verletzungen der Privatklägerin 2 ein weiteres, sehr deut-

liches Indiz für die Glaubhaftigkeit ihrer vor den Strafbehörden deponierten Dar-

stellung ist.  

-   44   - 

 b)  Vorwurf der qualifizierten Vergewaltigung 

 aa)  Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass aufgrund der Angaben 

der Privatklägerin 2 zum Tatdatum das in der Anklageschrift festgehaltene Datum 

vom 18./19. November 2012 als offensichtlicher Verschreiber der Staatsanwalt-

schaft qualifiziert und auf den 18./19. Oktober 2012 korrigiert werden muss. Da-

ran ändert auch nichts, dass der vor Vorinstanz anwesenden Staatsanwalt den 

Verschreiber nicht direkt bestätigen konnte (sondern lediglich angab, dass es 

sich bei den Daten in der Anklage um ungefähre Angaben handle und er eine all-

fällig notwendige Abänderung des Datums dem Gericht überlasse; Prot. I S. 29), 

hatte dieser zu jenem Zeitpunkt doch offensichtlich die einschlägigen Aussagen 

der Privatklägerin 2 nicht mehr vor Augen. Diese führte in der Untersuchung de-

zidiert aus, dass die Tat am Abend des 18. Oktobers 2012, einem Donnerstag, 

passiert sei. Sie wisse das ganz genau, weil die Leute vom J._____-Bus an je-

nem Abend nicht im Bus, sondern in einem Gebäude gewesen seien, wo sie ei-

nen Vortrag über Selbstverteidigung gehalten hätten, welchem Sie und ihre Kol-

leginnen zugehört hätten. Danach hätten sie Präservative geholt und seien zu ih-

rem Standplatz unter der Brücke, dort wo normalerweise der Bus stehe, zurück-

gegangen (Urk. ND 1/3/1 S. 1 f.; bestätigt in Urk. ND 1/3/4 S. 4: "Es war ein 

Donnerstag. Der J._____ Bus war nicht dort, es gab aber den Profi-Treff. Von 

dort aus gingen wir unter die Brücke"). Mit dieser farbigen Schilderung eines 

nicht alltäglichen Arbeitsanfangs (Anhören eines Vortrags der Frauenberatung) 

hat die Privatklägerin 2 nachvollziehbar dargetan, weshalb ihr das genaue Tatda-

tum in der Erinnerung haften blieb. Dieser Befund steht auch nicht im Wider-

spruch zu der bei der Privatklägerin 1 vorgenommenen Beweiswürdigung. Dass 

Letztere sich im Unterschied zur Privatklägerin 2 nicht mehr an die genaue Tat-

zeit zu erinnern vermochte, mag gerade daran gelegen haben, dass jenem 

Übergriff kein aussergewöhnliches Ereignis vorausging.  

 Die hier vorgenommene Korrektur der Tatzeit führt nicht zu einer Verletzung 

des Anklageprinzips. Der Beschuldigte und sein Verteidiger waren an der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme der Privatklägerin 2 anwesend; sie wussten 

demnach, dass der vorgeworfene Übergriff gemäss klarer Aussage derselben am 

-   45   - 

18./19. Oktober 2012 stattgefunden haben soll und die Anklage diesbezüglich 

somit einen Schreibfehler enthält.  

 bb)  In Bezug auf den Tatablauf betreffend die Vergewaltigung gab die Pri-

vatklägerin 2 anlässlich der polizeilichen Befragung detailliert und anschaulich 

an, dass der Mann nach Ankunft am Tatort und Übergabe der vereinbarten 

Fr. 100.– plötzlich Sex ohne Gummi verlangt habe und dass es deshalb zu einem 

Streit gekommen sei, weil sie Nein gesagt habe. Er habe dann gemeint, dass sie 

mindestens das "Blasen" ohne Gummi machen solle. In der Hoffnung, dass er 

sich dadurch beruhige, habe sie dann dazu eingewilligt. Danach, als sie glaublich 

gemeinsam ihre Hose abgezogen hätten, sei der Mann "ganz plötzlich, fast akro-

batischerweise" auf ihr gelegen. Es sei dann alles sehr schnell passiert. Er habe 

ihr rechtes Bein ganz fest hochgehoben und sei fest und brutal ungeschützt in 

sie eingedrungen. Dabei habe er seinen Ellenbogen in ihre rechte Seite unter-

halb der Brust in den Rippenbereich gedrückt. Sie habe fast keine Luft mehr be-

kommen. Sie wisse nicht mehr, was sie am meisten geschmerzt habe: der Vagi-

nalbereich, der Brustkorb oder die rechte Seite. Nachdem er seine Befriedigung 

gehabt habe, habe er noch einige Zeit auf ihr gelegen, danach habe er sich wie-

der abgedreht und sich auf den Fahrersitz gesetzt (Urk. HD 1/3/1 S. 4 f.). Die Pri-

vatklägerin 2 führte vor der Polizei nie aus, dass sie (bereits) während der Ver-

gewaltigung gewürgt worden sei und Urinabgang gehabt habe; entsprechende 

Angaben machte sie erst im Zusammenhang mit dem auf die Vergewaltigung 

folgenden Raub (vgl. hiezu die Erwägungen der Vorinstanz in Urk. HD 58 S. 98 

ff. sowie nachstehende lit. c). Sie gab lediglich an, dass sie während der Verge-

waltigung fast keine Luft bekommen habe, führte dies aber sinngemäss darauf 

zurück, dass der Mann mit seinem Ellenbogen in die Seite drückte und mit sei-

nem ganzen Gewicht auf ihr lag.  

 Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bestätigte die Privat-

klägerin 2 im Wesentlichen mit neuen Worten den vor der Polizei geschilderten 

Ablauf der Vergewaltigung: Nachdem sie am Tatort das vereinbarte Geld in ihre 

Tasche gesteckt und das Präservativ hervorgenommen habe, habe er gemeint, 

er brauche keinen Gummi. Sie habe gemeint doch und es habe einen diesbezüg-

-   46   - 

lichen Wortwechsel gegeben. Die ihr vorgehaltene Aussage vor der Polizei, wo-

nach der Mann während dieser Diskussion sehr laut geworden sei (etc.), bestä-

tigte sie und führte aus, dass sie deswegen auch das mit dem Blasen gemacht 

habe. Als sie danach angefangen habe, die Hose auszuziehen, sei etwas sehr 

seltsames geschehen. Der Mann habe einen Satz auf ihre Seite gemacht und 

seinen Ellenbogen in sie gedrückt (Urk. HD 1/3/4 S. 8 f.; die Privatklägerin 2 prä-

zisierte später, er habe seinen Ellenbogen in ihre Körperseite – dabei zeigte sie 

in ihren Rippenbereich – hineingedrückt; a.a.O. S. 11). Er habe dann ein Bein 

von ihr genommen und es hoch gedrückt. Auch habe er ihr mit seinem Arm in 

den Halsbereich gedrückt. Sie wisse nicht mehr, ob sie keine Luft mehr bekom-

men habe, weil er ihr den Arm in den Hals gedrückt habe oder wegen seinem 

Gewicht. Danach sei der ungeschützte Geschlechtsverkehr passiert. Als es zu 

Ende gewesen sei, sei er aus dem Auto gestiegen und sei dann zurück ins Auto 

gekommen (Urk. HD 1/3/4 S. 9 f.). Auch vor der Staatsanwaltschaft sprach die 

Privatklägerin 2 somit spontan nicht davon, dass der Mann sie bereits während 

der Vergewaltigung gewürgt habe. Im Unterschied zu den Aussagen vor der Po-

lizei gab sie allerdings zusätzlich an, dass der Mann mit dem Arm gegen den 

Hals gedrückt habe. Hinsichtlich dieses neu vorgebrachten Details schien sie 

sich aber nicht sicher zu sein, gab sie doch auch an, sie wisse nicht mehr, ob sie 

keine Luft mehr bekommen habe, weil er ihr den Arm in den Hals gedrückt habe 

oder wegen seinem Gewicht. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Privatkläge-

rin 2 vor der Staatsanwaltschaft offen deklarierte, dass sie sich damals vor der 

Polizei besser habe erinnern könne, bzw. ihr das Ganze damals noch präsenter 

gewesen sei (a.a.O. S. 6), was der gerichtsnotorischen Verblassungstendenz 

des menschlichen Erinnerungsvermögens entspricht und deshalb für ein glaub-

haftes Aussageverhalten spricht. Dem spontan geschilderten Drücken mit dem 

Arm (nicht der Hand!) gegen den Hals kann vor diesem Hintergrund keine we-

sentliche Bedeutung zu gemessen werden. Überdies erscheint vorstellbar, dass 

das geschilderte Drücken des Beschuldigten mit Ellenbogen und Unterarm auf 

den Brustkorb auch Druck gegen den Halsbereich ausübte.   

 Erst gegen Schluss der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme – im Zu-

sammenhang mit mehreren Nachfragen des Staatsanwaltes – machte die Privat-

-   47   - 

klägerin 2 plötzlich Aussagen, wonach sie schon während der Vergewaltigung 

mit der Hand gewürgt worden sei. Erstmals gab sie auf die Frage, ob es richtig 

sei, dass sie in der polizeilichen Befragung Seite 4 Vorhalt 17 ausgeführt habe, 

sie habe immer wieder die Hand des Mannes weggeschoben, an: ja, es sei ihr 

aber nicht gelungen. Sie habe nicht gewollt, dass der Mann sie so würge (a.a.O. 

S. 11). Die Staatsanwaltschaft stellte diesen Vorhalt im Kontext der Vergewalti-

gung (nämlich nach der Frage, ob sie sich gegen diese gewehrt habe). Dies 

muss als suggestiv bezeichnet werden, denn die Privatklägerin 2 machte die 

Aussage vor der Polizei in einem ganz anderen Kontext: Sie bezog sich damals 

darauf, dass der Täter – nach dem Oralverkehr und vor der Vergewaltigung – ihr 

die Kleider vom Unterkörper mit Gewalt habe wegreissen wollen, worauf sie ihm 

immer wieder gesagt habe er solle warten und seine Hand von ihm weggescho-

ben habe (vgl. Urk. ND 1/3/1 S. 4 Vorhalt 16 und 17). Diese aus dem ursprüngli-

chen Zusammenhang gerissene Frage der Staatsanwaltschaft mag der Privat-

klägerin suggeriert haben, dass sie damals ausgesagt habe, dass sie sich wäh-

rend der Vergewaltigung immer wieder gegen die Hand des Beschuldigten habe 

wehren müssen, und mag – vor dem Hintergrund, dass sie sich im Zeitpunkt der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erklärtermassen nicht mehr so gut an das 

Geschehen zu erinnern vermochte – die (von ihre Erstaussagen nicht gedeckte) 

Vorstellung hervorgerufen haben, dass der Beschuldigte sie bereits damals 

schon mit der Hand gewürgt habe. Im Anschluss an diese Aussage hielt die 

Staatsanwaltschaft der Privatklägerin 2 weiter vor, dass sie vor der Polizei auch 

"etwas von Urinabgang" erwähnt habe, was von der Privatklägerin 2 in ihrer Ant-

wort als zutreffend bestätigt wurde (Urk. ND 1/3/4 S. 11). Auch hier wurde der 

Kontext der damaligen Aussage der Privatklägerin 2 unterschlagen, was als 

problematisch angesehen werden muss, mag diese doch aufgrund des vorher 

(neu) erschaffenen Zusammenhangs des sich Wehrens während der Vergewalti-

gung, den Eindruck gehabt haben, sie habe auch den Urinabgang damals in die-

sem Zusammenhang geäussert. Erst mit der nächsten Frage – "Zu welchem 

Zeitpunkt? Als er auf ihnen lag und mit ihnen Geschlechtsverkehr hatte oder als 

er sie danach in den Hals drückte?" – kehrte der Staatsanwalt zu einer offenen 

Fragestellung zurück. Die Privatklägerin 2 antwortete differenziert und deklarierte 

-   48   - 

offen ihr fehlendes Erinnerungsvermögen: "Das weiss ich nicht mehr. Ich be-

merkte einfach im Nachhinein, dass meine Hose nass war. Beim ersten Würgen 

hatte ich das Gefühl, dass mir der Kopf platzt und die Augen aus dem Kopf 

springen. Ich glaube der Urinabgang geschah bei dieser Gelegenheit." Dieser 

Antwort ist zu entnehmen, dass sich die Privatklägerin 2 lediglich noch an die 

nassen Hosen nach Beendigung des gesamten Vorfalls zu erinnern vermochte. 

Zu welchem Zeitpunkt der Urinabgang stattgefunden hat, war ausserhalb ihrer 

Erinnerung, und wurde von ihr lediglich zu rekonstruieren bzw. rationell zu erklä-

ren versucht. Dabei mag sie aber von dem durch den vom Staatsanwalt neu her-

vorgerufenen Kontext beeinflusst worden sein. Die Antwort der Privatklägerin 2 

ergibt jedenfalls insoweit keinen rechten Sinn, als dass ein Nässen der Hosen 

während des Geschlechtsverkehrs schwer vorstellbar ist, gehen aus ihren übri-

gen (spontanen) Aussagen doch hervor, dass sie vor dem Geschlechtsverkehr 

ihre Hose bereits ausgezogen hatte (Urk. ND 1/3/1 S. 4) bzw. zumindest mit ei-

nem Bein bereits aus ihrer Hose gestiegen war (Urk. ND 1/3/4 S. 9), und dass sie 

sich nach dem Geschlechtsverkehr wieder anzog (Urk. ND 1/3/1 S. 5).  

 Die nächste (und abschliessende) Nachfrage stellte die Staatsanwaltschaft 

dann bereits wieder mit dem Fokus eingeengt auf die Situation der Wehrens 

während der Vergewaltigung ("Das war vor dem eigentlichen Geschlechtsver-

kehr?"), ohne dass nachgefragt und geklärt wurde, was genau unter einem "ers-

ten Würgen" verstanden werden soll. Dies erscheint wiederum problematisch, 

sprach doch die Privatklägerin 2 kurz vor diesem Fragenkomplex immerhin auch 

von zwei Phasen des Würgens während des Raubs (vgl. a.a.O. S. 10: "Er drück-

te dann mit seinem Handrücken völlig meinen Hals zu, von vorne. […]. Als er 

nach der Tasche griff, drückte er noch mehr auf meinen Hals."). Die Antwort der 

Privatklägerin 2 auf die – mehr als Feststellung, denn als Frage formulierte – letz-

te Frage der Staatsanwaltschaft ("Das war vor dem eigentlichen Geschlechtsver-

kehr?") fiel wiederum vorsichtig aus – "Ich glaube das war, als er auf mir lag. Da 

war er bereits in mir drinnen. Da ist das wahrscheinlich passiert" – und dokumen-

tiert einmal mehr kein direktes Erinnern, sondern blosses Vermuten der Privat-

klägerin 2. Problematisch ist schliesslich, dass die Staatsanwaltschaft die Privat-

klägerin 2 nie damit konfrontiert hat, dass ihre (vorsichtigen) Aussagen betreffend 

-   49   - 

eines Würgens und Urinabgangs während des Geschlechtsverkehrs in Wider-

spruch stehen zu den Aussagen vor der Polizei (wonach beides erst anlässlich 

des Raubes erfolgt sei).  

 Zusammengefasst muss festgehalten werden, dass die auf Nachfragen der 

Staatsanwaltshaft entstandenen Aussagen der Privatklägerin 2 betreffend eines 

ersten Würgens während des Geschlechtsverkehrs in Widerspruch zu ihren 

früheren Aussagen stehen. Dieser Widerspruch vermag indes die Glaubhaftigkeit 

ihrer übrigen, spontanen, detaillierten und authentisch wirkenden Darstellung 

nicht in Zweifel zu ziehen. Die späte Belastung des Beschuldigten, er habe sie 

auch schon während der Vergewaltigung gewürgt, kann nicht als ein Übertrei-

bungsmerkmal qualifiziert werden, nachdem wie dargelegt, zum Einen eine Sug-

gestivwirkung der Fragestellung durch die Staatsanwaltschaft nicht ausgeschlos-

sen werden kann, und zum Andern die Privatklägerin 2 offen deklarierte, dass sie 

sich diesbezüglich nicht mehr genau zu erinnern vermochte.  

 cc)  Mit der Vorinstanz kann demnach im Fazit festgehalten werden, dass 

aufgrund der glaubhaften und konstanten Aussagen der Privatklägerin 2 erstellt 

ist, dass der Beschuldigte unter Anwendung von Gewalt gegen ihren erkennba-

ren Willen ungeschützt vaginal in sie eingedrungen und den Geschlechtsverkehr 

bis zum Samenerguss vollzogen hat. Nicht rechtsgenügend nachgewiesen kann, 

dass während dieses erzwungenen Geschlechtsverkehrs der Beschuldigte auf 

den Hals der Privatklägerin 2 einwirkte und diese einen unfreiwilligen Urinabgang 

hatte. Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.3.1. ist damit nur teilweise erstellt.  

 c)  Vorwurf des Raubs 

 Die Privatklägerin 2 sagte vor der Polizei aus, dass sie nach der Vergewal-

tigung gedacht habe, es sei vorbei, und beide sich wieder angezogen hätten. 

Plötzlich habe sich der Täter erneut zu ihr gedreht. Mit einer Hand habe er sie 

wieder auf dem Brustbereich nach hinten gedrückt, mit der anderen Hand habe 

er von vorne ihren Hals umfasst und sie von vorne gewürgt. Er habe dies auf ei-

ne sehr seltsame Art und Weise getan; er habe überall stark zugedrückt, aber mit 

dem Finger auf der rechten Seite noch viel mehr. Es sei immer noch ganz klar in 

-   50   - 

ihrem Kopf wie der Mann immer wieder geschrien habe "Gehe zurück, gehe zu-

rück"