# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1546945d-d3ca-5388-a676-31abbe4d645c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-08-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.08.2019 F-2547/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2547-2017_2019-08-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2547/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  A u g u s t  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. 
 

 
 

Parteien 
 X._______,  

Beschwerdeführer, 

vertreten durch lic. iur. Markus Häfliger, Rechtsanwalt, 

Frauchiger Häfliger Koch Anwälte, Alte Bahnhofstrasse 1, 

Postfach 1548, 5610 Wohlen AG,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. 

 

 

 

F-2547/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der 1974 geborene, aus Tunesien stammende Beschwerdeführer lernte im 

Mai oder Juni 2006 in Tunesien seine zukünftige schweizerische Ehefrau, 

A._______, geboren 1941, kennen. Am 29. November 2006 reiste er zur 

Vorbereitung der Eheschliessung in die Schweiz ein und am 13. Januar 

2007 fand die Heirat in B._______ statt. Gestützt auf den Eheschluss er-

hielt er im Kanton C._______ eine Aufenthaltsbewilligung. 

B.  

Am 29. März 2012 (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1/23) ersuchte der Be-

schwerdeführer beim damaligen Bundesamt für Migration BFM (heute: 

Staatssekretariat für Migration SEM) um erleichterte Einbürgerung nach 

Art. 27 des Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (aBüG, AS 

1952 1087; aufgehoben am 1. Januar 2018; AS 2016 2561). Im Rahmen 

des Einbürgerungsverfahrens unterzeichneten die Eheleute am 17. Januar 

2013 eine gemeinsame Erklärung, wonach sie in einer tatsächlichen, un-

getrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zu-

sammenlebten und weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten bestün-

den (nachfolgend: Erklärung betreffend eheliche Gemeinschaft; SEM-act. 

1/4). 

Am 12. März 2013 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert 

(SEM-act. 1/2). Mit dem Schweizer Bürgerrecht erwarb er die Bürgerrechte 

des Kantons D._______ und der Gemeinde E._______ (SEM-act. 1/1). 

C.  

Mit Schreiben vom 5. August 2014 gelangte das Departement F._______ 

des Kantons C._______ an die Vorinstanz mit dem Hinweis, dass die Ehe-

gatten X._______ in Trennung lebten und bat gestützt darauf um Prüfung 

einer allfälligen Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung (SEM-act. 

2/30). 

D.  

Die Ehegatten reichten am 5. September 2014 ein gemeinsames Schei-

dungsbegehren (SEM-act. 17/76-78) sowie eine Vereinbarung über die Ne-

benfolgen der Ehescheidung (SEM-act. 17/96-98) beim Gericht G._______ 

ein. Gestützt darauf erfolgte am 12. November 2014 eine gemeinsame An-

hörung, aus deren Protokoll hervorgeht, dass das Scheidungsbegehren 

aus «freiem Willen» und «nach reiflicher Überlegung» erfolgt sei (SEM-act. 

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Seite 3 

17/90-94). Die Ehe wurde schliesslich am 5. Dezember 2014 geschieden 

(SEM-act. 17/115). 

E.  

Der Beschwerdeführer meldete sich daraufhin am 23. Januar 2015 in der 

Wohngemeinde B._______ ab und reiste nach Tunesien, wo er am 28. 

März 2015 mit einer 1989 geborenen Landsfrau die Ehe einging (SEM-act. 

5/36 und 38). 

F.  

Aufgrund dieser Umstände eröffnete die Vorinstanz am 4. März 2016 ein 

Verfahren auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung gemäss 

Art. 41 aBüG. Gleichzeitig forderte sie den (sich zu dieser Zeit immer noch 

in Tunesien aufhaltenden) Beschwerdeführer auf, zu verschiedenen Fra-

gen schriftlich Stellung zu nehmen (SEM-act. 7/43-45). Eine undatierte 

Stellungnahme des Beschwerdeführers ging am 5. April 2016 bei der Vor-

instanz ein (SEM-act. 9/50-51). Gleichzeitig reichte die Ex-Ehefrau des Be-

schwerdeführers (unaufgefordert) ein als Unterstützungsschreiben zu qua-

lifizierendes Dokument, datiert vom 3. April 2016, ein (SEM-act. 10/52-53). 

Am 1. Juni 2016 wurde die Ex-Ehefrau im Auftrag der Vorinstanz von der 

Regionalpolizei B._______ rogatorisch zur Sache einvernommen (SEM-

act. 19/137-139). Das dabei erstellte Protokoll brachte die Vorinstanz dem 

Beschwerdeführer zur Kenntnis (SEM-act. 23/145-146). Der Beschwerde-

führer reagierte mit einer abschliessenden Stellungnahme vom 3. August 

2016 (SEM-act. 24/147-148). Die Vorinstanz zog die Akten des Eheschei-

dungsverfahrens bei (SEM-act. 12-17).  

G.  

Am 22. Oktober 2016 wurde der Beschwerdeführer Vater eines Sohnes, 

der in Tunesien zur Welt kam (SEM-act. 25/151). 

H.  

Am 13. März 2017 erteilte der Kanton D._______ als Heimatkanton des 

Beschwerdeführers die Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten 

Einbürgerung (SEM-act. 29/157). 

I.  

Mit Verfügung vom 29. März 2017 erklärte die Vorinstanz die erleichterte 

Einbürgerung des Beschwerdeführers für nichtig und stellte fest, dass sich 

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Seite 4 

die Nichtigkeit auf alle Familienmitglieder erstrecke, deren Schweizer Bür-

gerrecht auf der nichtig erklärten Einbürgerung beruhe (SEM-act. 31/166-

173).  

Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die 

Chronologie der Ereignisse eine natürliche Vermutung begründe, wonach 

die erleichterte Einbürgerung erschlichen worden sei. Ein erst nach der er-

leichterten Einbürgerung eingetretenes ausserordentliches Ereignis, wel-

ches zum raschen Scheitern einer zuvor intakten Ehe hätte führen können, 

sei im Umstand, dass sich der Beschwerdeführer nach einer Begegnung 

mit seiner Schwester und deren kleiner Tochter eigene Kinder gewünscht 

habe, nicht zu erblicken. Dieser Wunsch habe ganz offensichtlich schon 

vorher bestanden und der Beschwerdeführer müsse sich schon bei der 

Heirat bewusst gewesen sein, dass er angesichts des fortgeschrittenen Al-

ters seiner Ehefrau mit dieser keine Kinder haben könne.  

J.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 1. Mai 2017 gelangte der Beschwerdeführer 

an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der vor-

genannten Verfügung (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act. 

1]). 

Zur Begründung seines Rechtsmittels rügt er im Wesentlichen eine fehler-

hafte Sachverhaltsfeststellung und –würdigung durch die Vorinstanz. Der 

zur Auflösung der Ehe führende Kinderwunsch sei bei ihm erst im Mai 2014 

und aufgrund eines «klar umrissenen äusseren Ereignisses (Besuch seiner 

Schwester mit deren kleiner Tochter)» aufgekommen.  

K.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 30. Juni 2017 die 

Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6). 

L.  

Die Ex-Ehegattin reichte am 13. Juli 2017 unaufgefordert ein Unterstüt-

zungsschreiben zu Gunsten des Beschwerdeführers beim Bundesverwal-

tungsgericht ein (BVGer-act. 8). Dieses wurde dem Beschwerdeführer am 

18. Juli 2017 zur Kenntnis und zur möglichen Stellungnahme zugestellt 

(BVGer-act. 11). 

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Seite 5 

M.  

Mit Eingaben vom 17. Juli 2017 und 10. August 2017 hielt der Beschwer-

deführer replizierend an seinem Rechtsbegehren und dessen Begründung 

fest (BVGer-act. 9 und 12).  

N.  

Die Vorinstanz duplizierte mit einer Eingabe vom 4. September 2017 

(BVGer-act. 14). 

O.  

Der Beschwerdeführer reagierte mit einer abschliessenden Stellungnahme 

vom 4. Oktober 2017 (BVGer-act. 17). 

P.  

In einer Eingabe vom 18. Juli 2018 orientierte die Migrationsbehörde des 

Kantons C._______ das Bundesverwaltungsgericht über ein bei ihr hängi-

ges Familiennachzugsgesuch betreffend die Ehefrau und das Kind des Be-

schwerdeführers (BVGer-act. 21). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Mit dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Bürgerrechtsgesetz vom 

20. Juni 2014 (BüG, SR 141.0) wurde der gleichnamige Erlass vom 

29. September 1952 aufgehoben (vgl. Art. 49 BüG i.V.m. Ziff. I seines An-

hangs). Gemäss der Übergangsbestimmung des Art. 50 Abs. 1 BüG richten 

sich Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts nach dem Recht, das 

bei Eintritt des massgebenden Tatbestandes in Kraft steht. Das ist in der 

vorliegenden Streitsache das bisherige Recht, weshalb diese nach dem 

alten Bürgerrechtsgesetz zu beurteilen ist. 

2.  

2.1 Verfügungen des SEM über die Nichtigerklärung einer erleichterten 

Einbürgerung unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsge-

richt (vgl. Art. 47 Abs. 1 BüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 

37 VGG). 

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Seite 6 

2.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Ergreifung des 

Rechtsmittels legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf seine frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 

VwVG). 

3.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. 

Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever-

fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 

VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann eine 

Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gut-

heissen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 aBüG kann eine ausländische Person nach der 

Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte 

Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz ge-

wohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr hier wohnt (Bst. b), und seit drei Jahren 

in ehelicher Gemeinschaft mit einem Schweizer Bürger lebt (Bst. c). Die 

Einbürgerung setzt zudem voraus, dass die ausländische Person in die 

schweizerischen Verhältnisse eingegliedert ist, die schweizerische Rechts-

ordnung beachtet und die innere und äussere Sicherheit der Schweiz nicht 

gefährdet (vgl. Art. 26 aBüG). Sämtliche Einbürgerungsvoraussetzungen 

müssen sowohl im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung als auch anlässlich 

der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es daher im Zeitpunkt des 

Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemeinschaft, so darf die er-

leichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden (vgl. BGE 140 II 65 

E. 2.1 m.H.). 

4.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet nach der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung mehr als nur das formelle Bestehen einer Ehe. 

Verlangt wird vielmehr die tatsächliche Lebensgemeinschaft, getragen vom 

beidseitigen Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten. Mit Art. 27 

aBüG wollte der Gesetzgeber dem ausländischen Ehegatten eines 

Schweizer Bürgers die erleichterte Einbürgerung ermöglichen, um die Ein-

heit des Bürgerrechts der Ehegatten im Hinblick auf die gemeinsame Zu-

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kunft zu fördern. Zweifel am Willen der Ehegatten, die eheliche Gemein-

schaft aufrecht zu erhalten, können sich etwa dann ergeben, wenn kurze 

Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt oder die 

Scheidung eingeleitet wird (BGE 135 II 161 E. 2 m.H.), ein Ehegatte wäh-

rend der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (vgl. Urteil des BGer 

1C_27/2011 vom 21. März 2011 E. 6.4.1) oder eine Zweitehe schliesst, der 

Prostitution nachgeht oder sich in anderer Weise verhält, die in grobem 

Widerspruch zum traditionellen Bild der Ehe als einer ungeteilten, von 

Treue und Beistand getragenen Geschlechtergemeinschaft zwischen Frau 

und Mann steht (vgl. Urteil des BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober 2016 

E. 3.2 m.H.). 

5.  

5.1 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung des Heimatkan-

tons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Verheim-

lichung erheblicher Tatsachen erschlichen, d.h. mit einem unlauteren und 

täuschenden Verhalten erwirkt wurde (vgl. Art. 41 Abs. 1 aBüG). Arglist im 

Sinne des strafrechtlichen Begriffs ist nicht erforderlich. Es genügt, wenn 

die betroffene Person bewusst falsche Angaben macht bzw. die mit dem 

Gesuch um erleichterte Einbürgerung befasste Behörde bewusst in einem 

falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen 

zu haben, über eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE 140 II 

65 E. 2.2 m.H.). 

5.2 Weiss die betroffene Person, dass die Voraussetzungen für die erleich-

terte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so 

muss sie die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung 

der Verhältnisse orientieren, von der sie weiss oder wissen muss, dass sie 

einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem 

Grundsatz von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtlichen Mit-

wirkungspflicht nach Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde ihrerseits 

darf sich darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei passi-

vem Verhalten der gesuchstellenden Person nach wie vor der Wirklichkeit 

entsprechen (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 m.H.) 

5.3 Die Täuschungshandlung der gesuchstellenden Person muss sich auf 

einen erheblichen Sachverhalt beziehen. Erheblich im Sinne von Art. 41 

Abs. 1 aBüG ist ein Sachverhalt nicht nur, wenn seine pflichtgemässe Of-

fenlegung dazu geführt hätte, dass die mit der Einbürgerung befasste Be-

hörde das Vorliegen einer Einbürgerungsvoraussetzung verneint und die 

Einbürgerung verweigert hätte. Es genügt, wenn der Sachverhalt, wäre er 

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der Behörde bekannt gewesen, begründete Zweifel am Vorliegen einer sol-

chen Voraussetzung geweckt und die Einbürgerung ernsthaft in Frage ge-

stellt hätte bzw. eine solche nicht ohne weitere Beweismassnahmen hätte 

verfügt werden können (vgl. Urteil des BVGer F-2375/2016 vom 29. März 

2018 E. 5.3 m.H.). 

6.  

6.1 Die Möglichkeit der Nichtigerklärung geht durch Zeitablauf unter. 

Art. 41 Abs. 1bis aBüG statuiert hierfür seit dem 1. März 2011 eine differen-

zierte Fristenregelung, welche auch ins neue Bürgerrechtsgesetz über-

nommen worden ist (vgl. Art. 36 Abs. 2 BüG). Demnach kann die Einbür-

gerung innert zwei Jahren, nachdem das SEM vom rechtserheblichen 

Sachverhalt Kenntnis erhalten hat, spätestens jedoch innert acht Jahren 

nach dem Erwerb des Schweizer Bürgerrechts, nichtig erklärt werden. 

Nach jeder Untersuchungshandlung, die der eingebürgerten Person mitge-

teilt wird, beginnt eine neue zweijährige Verjährungsfrist zu laufen. Wäh-

rend eines Beschwerdeverfahrens stehen die Fristen still (vgl. Urteil des 

BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 5). 

6.2 Vorliegend sind die Fristen von Art. 41 aBüG – sowohl die zweijährige 

relative als auch die achtjährige absolute Verjährungsfrist – eingehalten. 

Auch die Zustimmung des zuständigen Heimatkantons liegt vor. Die for-

mellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der erleichterten Einbür-

gerung sind somit erfüllt. 

7.  

7.1 Das Verfahren zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung 

richtet sich nach dem VwVG (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 2 Bst. a VwVG). Es gilt 

namentlich der Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 12 VwVG). Die Behörde 

hat daher von Amtes wegen zu untersuchen, ob der betroffenen Person die 

Täuschung über eine Einbürgerungsvoraussetzung vorgeworfen werden 

kann, wozu insbesondere die Existenz eines beidseitig intakten und geleb-

ten Ehewillens gehört. Da die Nichtigerklärung in die Rechte der betroffe-

nen Person eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde. Allerdings geht 

es in der Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörige Sach-

verhalte, die der Behörde nicht bekannt und einem direkten Beweis natur-

gemäss kaum zugänglich sind. Sie können regelmässig nur indirekt durch 

Indizien erschlossen werden. Die Behörde kann sich darüber hinaus auch 

veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbe-

kannte (Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche sogenannten natürlichen 

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bzw. tatsächlichen Vermutungen stellen eine besondere Form des Indizi-

enbeweises dar und können sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung 

ergeben, namentlich auch im öffentlichen Recht. Dabei handelt es sich um 

Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezo-

gen werden. Die betroffene Person ist bei der Sachverhaltsabklärung mit-

wirkungspflichtig (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 und BGE 135 II 161 E. 3 je 

m.H.). 

7.2 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (vgl. 

Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Sie stellt eine Beweiserleichte-

rung dar, indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter Schlüssig-

keit mögliche Beweisführung unterstützt wird. Eine Umkehr der Beweislast 

hat sie nicht zur Folge. Wenn daher bestimmte Tatsachen – bspw. die Chro-

nologie der Ereignisse – die natürliche Vermutung begründen, dass die er-

leichterte Einbürgerung erschlichen wurde, muss die betroffene Person 

nicht den Beweis für das Gegenteil erbringen. Sie bringt die natürliche Ver-

mutung bereits mit dem Gegenbeweis zu Fall (HANS PETER WALTER, Ber-

ner Kommentar, 2012, N. 476 zu Art. 8 ZGB). Es genügt zum Beweis, wenn 

sie einen Grund anführt, der es dem Gericht plausibel erscheinen lässt, 

dass sie die Behörde nicht getäuscht hat. Bei diesem Grund kann es sich 

um ein ausserordentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetre-

tenes Ereignis handeln, das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder 

die betroffene Person vermag glaubhaft darzulegen, dass sie die Ernsthaf-

tigkeit der ehelichen Probleme zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürge-

rung nicht erkannte (BGE 135 II 161 E. 3 m.H.). 

8.  

In materieller Hinsicht stellt sich der Sachverhalt gestützt auf die Aktenlage 

wie folgt dar: 

 

8.1 Der Beschwerdeführer lernte seine schweizerische Ex-Ehefrau im Mai 

oder Juni 2006 in Tunesien kennen. Ende November und damit nach nur 

rund einem halben Jahr Bekanntschaft gelangte er in die Schweiz und ehe-

lichte am 13. Januar 2007 die um gut 32 Jahre ältere, damals 65 Jahre alte 

Partnerin. Gestützt auf den Eheschluss erhielt der Beschwerdeführer im 

Kanton C._______ eine Aufenthalts-, später eine Niederlassungsbewilli-

gung. Am 29. März 2012 und damit nur wenige Monate nach Erreichen der 

gesetzlichen Voraussetzung von Art. 27 Abs. 1 Bst. a aBüG (Wohnsitz in 

der Schweiz während fünf Jahren) ersuchte er um erleichterte Einbürge-

rung. Im Zuge des Verfahrens unterzeichneten er und seine Ehefrau am 

17. Januar 2013 die Erklärung betreffend eheliche Gemeinschaft. Am 12. 

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Seite 10 

März 2013 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert. Am 5. 

September 2014 und damit rund 20 Monate nach Abgabe der Erklärung 

bzw. rund 18 Monate nach erleichterter Einbürgerung reichten die Ehegat-

ten ein gemeinsames Scheidungsbegehren zusammen mit einer Schei-

dungsvereinbarung beim Gericht G._______ ein. Am 19. November 2014 

schliesslich wurde die Ehe dort geschieden. Der Beschwerdeführer mel-

dete sich am 23. Januar 2015 nach Tunesien ab und heiratete dort am 

28. März 2015 die am 15. Juli 1989 geborene und damit gegenüber seiner 

schweizerischen Ehefrau mehr als 48 Jahre jüngere Tunesierin 

H._______. Am 22. Oktober 2016 ging aus dieser Ehe ein gemeinsames 

Kind hervor. Gemäss Schreiben der Migrationsbehörde des Kantons 

C._______ vom 6. Dezember 2016 schliesslich stellte der inzwischen wie-

der in der Schweiz ansässige Beschwerdeführer ein Familiennachzugsge-

such für seine Ehefrau und sein Kind (SEM-act. 25/151). 

8.2 Die relativ enge zeitliche Abfolge insbesondere zwischen der gemein-

samen Erklärung bzw. Erteilung der erleichterten Einbürgerung und der 

Einreichung eines gemeinsamen Scheidungsbegehrens begründet ohne 

Weiteres die natürliche Vermutung, dass die Ehe zum Zeitpunkt der ge-

meinsamen Erklärung bzw. der erleichterten Einbürgerung in Wirklichkeit 

nicht intakt war und die Einbürgerungsbehörde über diesen Umstand aktiv 

oder passiv getäuscht wurde. Die aktuelle Rechtsprechung geht von einer 

hinreichend raschen chronologischen Verkettung der Ereignisse aus, wenn 

zwischen dem Einbürgerungszeitpunkt und der Trennung der Ehegatten 

bis zu 24 Monate vergehen, wobei der Schwerpunkt bei einigen wenigen 

Monaten liegt (vgl. in diesem Sinne Urteile des BGer 1C_466/2018 vom 

15. Januar 2019 E. 5.3, 1C_796/2013 vom 13. März 2014 E. 3.2 und 

1C_172/2012 vom 11. Mai 2012 E. 2.3). Dabei gilt zu bedenken, dass das 

Scheitern einer intakten und auf die Zukunft ausgerichteten Ehe einen Pro-

zess darstellt, der – besondere Umstände vorbehalten – regelmässig län-

gere Zeit in Anspruch nimmt, als es vorliegend der Fall war. An dieser Ein-

schätzung vermag der Einwand des Beschwerdeführers nichts zu ändern, 

wonach die Meldung des Departements F._______ vom 5. August 2014 

über eine erfolgte Trennung falsch gewesen sei, er mit seiner Ehefrau viel-

mehr noch bis zu seiner Abmeldung im Januar 2015 an der gleichen Ad-

resse zusammengelebt habe. Entscheidend ist vielmehr, dass mit Einrei-

chung des Scheidungsbegehrens am 5. September 2014 ein definitiver 

Scheidungswille manifestiert wurde. 

8.3 Gestützt wird die tatsächliche Vermutung im vorliegenden Fall durch 

weitere Sachverhaltselemente. Diese liegen in der raschen Heirat nach 

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Seite 11 

erst relativ kurzer Bekanntschaft und darin, dass sich der Beschwerdefüh-

rer nur durch eine solche Heirat zu einem Aufenthaltsrecht in der Schweiz 

kommen konnte. Von besonderer Bedeutung scheint aber die Tatsache, 

dass die Heirat mit einer im Zeitpunkt des Eheschlusses 65 Jahre alten, 

gegenüber dem Ehemann über 32 Jahre älteren Frau im traditionell-patri-

archalischen Kulturkreis des Beschwerdeführers, in dem die Ehe der Fa-

miliengründung dient, als untypisch zu gelten hat (in anderem Zusammen-

hang vgl. Urteil des BGer 2C_782/2018 vom 21. Januar 2019 E. 4.2.1). 

Schliesslich ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Bedeutung, dass der 

Beschwerdeführer nur zwei Jahre nach der erleichterten Einbürgerung 

bzw. vier Monate nach der Scheidung in seiner Heimat eine gegenüber 

seiner schweizerischen Ehefrau mehr als 48 Jahre jüngere Landsfrau hei-

ratete und mit dieser umgehend ein Kind zeugte.  

9.  

Es ist nach dem bereits Gesagten am Beschwerdeführer, die tatsächliche 

Vermutung zu erschüttern, indem er ein ausserordentliches, nach der er-

leichterten Einbürgerung eingetretenes Ereignis aufzeigt, das den nachfol-

genden raschen Zerfall einer zuvor intakten ehelichen Beziehung plausibel 

erklärt oder, falls die Ehe zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung 

nicht mehr intakt war, glaubwürdig darlegt, dass er zum Zeitpunkt der er-

leichterten Einbürgerung in guten Treuen von einer intakten Ehe ausging. 

9.1 Der Beschwerdeführer macht mit seiner Rechtsmitteleingabe ersteren 

Sachverhalt geltend. Er will anlässlich einer 2014 und damit nach Erteilung 

der erleichterten Einbürgerung stattgefundenen Begegnung mit seiner 

Schwester und deren damals zweijährigen Kind angesichts seiner eigenen 

Kinderlosigkeit emotional derart stark berührt worden sein, dass er sich ge-

nötigt gesehen habe, seiner Ehefrau die Auflösung der ehelichen Gemein-

schaft vorzuschlagen. Vor diesem Ereignis sei ein Kinderwunsch in seiner 

Ehe kein Thema gewesen. 

9.2 Im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens hat sich der Beschwer-

deführer wiederholt schriftlich zum Inhalt und zur Auflösung der Ehe ge-

äussert. 

9.2.1 In seiner ersten Stellungnahme vom 5. April 2016 (Eingang bei der 

Vorinstanz) erklärte der Beschwerdeführer, er sei stets ein guter und ehrli-

cher Ehegatte gewesen. Er habe mit seiner Ex-Ehefrau «in Frieden gere-

det» und sie seien zum Entschluss gekommen, sich scheiden zu lassen. 

Seine damalige Ehefrau habe gemerkt, dass er Kinder sehr liebe und gerne 

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Seite 12 

eigene Kinder hätte. Da sie bereits 75 Jahre alt gewesen sei, sei eine Adop-

tion nicht in Frage gekommen (SEM-act. 9/50). 

9.2.2 In seiner Stellungnahme vom 3. August 2016 machte der Beschwer-

deführer geltend, sie hätten nie Probleme gehabt und Ferien und Freizeit 

zusammen genossen. Im Jahr 1997 habe er seinen Vater verloren und im-

mer, wenn er Kinder gesehen habe, gerade auch seine Geschwister mit 

ihren Kindern, sei der Wunsch nach eigenen Kindern hochgekommen. Im 

Jahr 2013 seien sie gemeinsam nach Tunesien zu seiner Mutter gereist. 

Nach dem Besuch seiner Schwester habe er mit seiner damaligen Ehefrau 

darüber geredet und sie gefragt, ob sie einverstanden sei, wenn er eine 

neue Familie gründe. Die Trennung habe beiden sehr weh getan, denn ihre 

Ehe sei immer ehrlich und echt gewesen. Das gute Verhältnis zwischen 

ihnen sei geblieben. Sie sei wieder nach Tunesien gereist und sei von sei-

ner Familie gut aufgenommen worden. Als er nach seiner Scheidung nach 

Tunesien gereist sei, habe er seine heutige Ehefrau kennengelernt. An-

schliessend habe er am 28. März 2015 geheiratet. Nun gehe sein Kinder-

wunsch im Oktober in Erfüllung, da seine Ehefrau ein Kind erwarte. Derzeit 

wohne er bei seiner Ex-Ehefrau, bis er eine eigene Wohnung finde. Er sei 

sehr dankbar, dass sie ihm helfe (SEM-act. 24/147-148). 

9.3 Die Ex-Ehefrau des Beschwerdeführers machte im erstinstanzlichen 

Verfahren die folgenden Aussagen zum Sachverhalt: 

9.3.1 Im Schreiben vom 3. April 2016 führte sie aus, sie sei mit dem Be-

schwerdeführer als Ehegatte immer sehr zufrieden gewesen und hätte sich 

keinen besseren wünschen können. Der Altersunterschied sei nie ein 

Thema zwischen ihnen gewesen. Sie hätten gut zusammengepasst. Wenn 

ihr Ex-Ehegatte kleine Kinder gesehen habe, sei er sehr traurig geworden. 

Er habe immer gesagt, dass er auch Kinder haben wolle. Sie habe auf-

grund ihres Alters keine Kinder mehr bekommen können. Sie sei bei der 

Heirat bereits 65 Jahre alt gewesen. Sie hätten sich aber trotzdem sehr 

geliebt. Im Mai 2014 seien sie nach Tunesien zur Mutter ihres Ex-Ehegat-

ten gereist. Seine Schwester habe sie mit ihrer zwei Jahre alten Tochter 

besucht. Das Kind zu sehen, habe ihren damaligen Ehegatten sehr traurig 

gestimmt. Sie habe nicht mehr länger zusehen können, wie er immer ge-

weint habe. Wieder zuhause, hätten sie miteinander geredet und sie habe 

entschieden, ihn für eine Jüngere freizugeben, damit er noch Kinder haben 

könne. Aus diesem Grund habe er die Scheidung eingereicht. Sie sei in-

zwischen 74 Jahre alt und wünsche ihm nur das Beste. Mit ihm und seiner 

Familie habe sie noch immer Kontakt (SEM-act. 10/57). 

F-2547/2017 

Seite 13 

9.3.2 Anlässlich ihrer Befragung durch die Regionalpolizei Wohlen am 

1. Juni 2016 gab die Ex-Ehefrau zu Protokoll, der Beschwerdeführer habe 

heiraten wollen, da er als letzter der Brüder noch unverheiratet gewesen 

sei und er nicht alleine bei der Familie habe bleiben wollen. Er habe sich in 

sie verliebt und sie habe ihn auch nett und attraktiv gefunden. Sie hätten 

sich gemeinsam entschieden zu heiraten. Immer wenn er Kinder gesehen 

habe, sei bei ihm der Wunsch nach eigenen Kindern hochgekommen. Dies 

sei in Tunesien und in der Schweiz vorgekommen. Er habe dann zu weinen 

angefangen. Sie hingegen habe keine Kinder mehr gewollt. Dies sei der 

Trennungs- und Scheidungsgrund. Das Thema Kinder sei in den Jahren 

2013/2014 vermehrt aufgekommen, insbesondere, nachdem er das Klein-

kind seiner Schwester gesehen habe. Am 13. Januar 2013, als sie die Er-

klärung betreffend eheliche Gemeinschaft unterzeichnet hätten, sei alles 

noch in Ordnung gewesen. Sie hätten nach der Scheidung immer Kontakt 

gehalten, auch mit seiner Familie habe sie den Kontakt aufrechterhalten 

und dürfe bei dieser noch Ferien verbringen. Sie hätten alle ein gutes Ver-

hältnis untereinander. Seit dem 15. Mai 2016 habe der Beschwerdeführer 

ein Zimmer bei ihr. Sie sei es ihm schuldig, ihm bei der Wohnungs- und 

Arbeitssuche zu helfen. Die Liebe zwischen ihr und ihrem Ex-Ehegatten 

sei echt gewesen und es habe beiden weh getan, sich scheiden zu lassen 

(SEM-act. 19/137-139). 

9.4 Auf Rechtsmittelebene sind insbesondere folgende Stellungnahmen 

aktenkundig: 

9.4.1 In ihrem Schreiben vom 27. April 2017, welches im Anhang der Be-

schwerde vom 1. Mai 2017 eingereicht wurde, erklärte die Ex-Ehefrau des 

Beschwerdeführers, die Ehe sei bis zur letzten gemeinsamen Ferienreise 

nach Tunesien harmonisch verlaufen. Der Beschwerdeführer sei immer, 

auch nach der Scheidung, sehr lieb und fürsorglich gewesen. Erst anläss-

lich der letzten gemeinsamen Reise sei er plötzlich traurig geworden, nach-

dem er das kleine Kind seiner Schwester gesehen habe. Danach habe er 

plötzlich auch eigene Kinder gewollt, was für sie rein vom Alter her nicht 

mehr in Frage gekommen sei. Sie habe immer gedacht, dass die letzte 

gemeinsame Reise im Jahr 2013 stattgefunden habe. Nun habe sie aber 

in den Reiseunterlagen gesehen, dass sie zuletzt im Jahr 2014 gemeinsam 

verreist seien. Entsprechend habe sich die Diskussion über den Kinder-

wunsch erst im Mai oder Juni 2014 ergeben (BVGer-act. 1, Beilage 5). 

9.4.2 In seiner Beschwerde vom 1. Mai 2017 rügt der Rechtsvertreter, die 

Vorinstanz sei von einer falschen Sachverhaltsfeststellung ausgegangen. 

F-2547/2017 

Seite 14 

Diese sei zum Teil auch auf die irrtümlich ungenauen Angaben des Be-

schwerdeführers und seiner Ex-Ehefrau zurückzuführen, da sie wiederholt 

angegeben hätten, dass der Kinderwunsch bereits im Jahr 2013 zum 

Thema zwischen den Ehegatten geworden sei. Nachdem die Ex-Ehefrau 

nun in ihren Reiseunterlagen nachgesehen habe, habe sie festgestellt, 

dass die letzte gemeinsame Reise vom 24. bis 31. Mai 2014 stattgefunden 

habe. Es sei ziemlich unwahrscheinlich, dass die Ehegatten noch gemein-

sam in die Ferien gereist wären, wäre ihnen bewusst gewesen, dass ihre 

Ehe keine Zukunft mehr habe. Erst das unerwartete Zusammentreffen mit 

der kleinen Nichte des Beschwerdeführers habe den zur raschen einver-

nehmlichen Scheidung führenden Kinderwunsch hervorgebracht. Es sei 

folglich erstellt, dass der Kinderwunsch beim Beschwerdeführer erst 13 

Monate nach der erleichterten Einbürgerung im Mai 2014 und aufgrund ei-

nes klar umrissenen Ereignisses entstanden und erst danach der Gedanke 

an eine Trennung oder Scheidung von seiner damaligen Ehefrau aufge-

kommen sei. Diese habe dann – nicht zuletzt aus Liebe und wegen der 

zwischen den Ehegatten stets bestandenen grossen Zuneigung – einer ra-

schen gütlichen Scheidung zugestimmt (BVGer-act. 1).  

9.4.3 Die Ex-Ehefrau des Beschwerdeführers reichte am 13. Juli 2017 un-

aufgefordert ein weiteres Schreiben beim Bundesverwaltungsgericht ein. 

Darin führte sie im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe ab No-

vember 2006 bis Januar 2015 bei ihr in der Schweiz gewohnt. Er sei sehr 

hilfsbereit gewesen, schaue auch heute noch für sie und sei der einzige 

Mensch, der immer für sie da sei. Bezüglich seiner neuen Ehefrau sei sie 

überzeugt, dass er sie erst nach der Scheidung kennengelernt habe. Sie 

stamme aus seinem Bekanntenkreis (BVGer-act. 8). 

9.4.4 In seiner Eingabe vom 10. August 2017 liess der Beschwerdeführer 

durch seinen Rechtsvertreter im Wesentlichen ausführen, der Inhalt des 

Schreibens der Ex-Ehefrau belege, dass selbst nach der Scheidung ein 

tiefes und festes Band der Zuneigung, Fürsorge und Liebe zwischen dem 

Beschwerdeführer und seiner Ex-Ehegattin bestehe. Diese emotionale 

Verbundenheit sei mehr vorhanden als in vielen formell bestehenden Ehen. 

Es zeige auch exemplarisch auf, dass weder der Beschwerdeführer noch 

seine Ex-Ehefrau im Januar 2013 den Behörden fälschlich vorgespielt hät-

ten, ihre Ehe sei auf die Zukunft ausgerichtet (BVGer-act. 12).  

9.4.5 Mit Eingabe vom 4. Oktober 2017 liess der Beschwerdeführer durch 

seinen Rechtsvertreter ergänzend ausführen, dass die Ehegatten von ei-

ner stabilen, zukunftsgerichteten Ehe ausgegangen seien zeige auch der 

F-2547/2017 

Seite 15 

von der Ex-Ehefrau angegebene Umstand, dass nach dem Aufkommen 

des Kinderwunsches beim Beschwerdeführer Mitte 2014 primär die Mög-

lichkeit einer gemeinsamen Adoption ernsthaft und intensiv diskutiert wor-

den sei. Der Beschwerdeführer habe seinen Kinderwunsch eigentlich im-

mer zusammen mit seiner Ehefrau erfüllt haben wollen. Erst nachdem 

diese Lösung für die Ex-Ehefrau definitiv nicht in Betracht gekommen sei, 

sei die Auflösung der Ehe ins Auge gefasst worden. Es sei klarzustellen, 

dass der Beschwerdeführer seine zweite Frau erst im Februar 2015 ken-

nengelernt habe. Der Brautvater habe dann nach tunesischer Sitte auf eine 

rasche zivile Heirat gedrängt. Die «richtige» Hochzeit habe erst am 28. De-

zember 2015 stattgefunden (BVGer-act. 17). 

9.5 Die Darstellungsweise der Ex-Ehefrau, aber auch des Beschwerdefüh-

rers selbst auf Beschwerdeebene zur zentralen Frage des Kinderwun-

sches steht in einem auffälligen Gegensatz zu derjenigen im erstinstanzli-

chen Verfahren. Während im Beschwerdeverfahren nunmehr bestritten 

wird, dass ein Kinderwunsch vor der Begegnung mit der Schwester im 

Jahre 2014 in der Ehe überhaupt ein Thema war, gingen die Aussagen 

insbesondere der Ex-Ehefrau, aber teilweise auch des Beschwerdeführers 

im erstinstanzlichen Verfahren eindeutig dahin, dass bei letzterem immer 

ein ausgeprägter Kinderwunsch bestanden und sich im Verlauf der Ehe 

noch akzentuiert habe.  

So erklärte der Beschwerdeführer in seiner undatierten (am 5. April 2016 

bei der Vorinstanz eingegangenen) Stellungnahme, seine damalige Ehe-

frau habe gemerkt, dass er Kinder sehr liebe und gerne eigene Kinder hätte 

(SEM-act. 9/50). In seiner Stellungnahme vom 3. August 2016 erwähnte er 

das Ableben seines Vaters im Jahr 1997 und einen seither bestehenden 

starken Kinderwunsch. Er gab an, immer den Wunsch nach eigenen Kin-

dern verspürt zu haben, wenn er Kinder gesehen habe (SEM-act. 24/147-

148). Die Ex-Ehefrau bestätigte den permanent bestandenen Kinder-

wunsch ebenfalls wiederholt. In ihrem Schreiben vom 3. April 2016 erklärte 

sie, wenn ihr Ehegatte Kinder gesehen habe, sei er sehr traurig geworden. 

Er habe immer gesagt, dass er auch Kinder haben wolle (SEM-act. 10/57). 

Anlässlich ihrer Befragung vom 1. Juni 2016 gab die Ex-Ehefrau zudem zu 

Protokoll, immer wenn der Beschwerdeführer Kinder gesehen habe, sei bei 

ihm der Wunsch nach eigenen Kindern hochgekommen, in Tunesien und 

in der Schweiz. Er habe dann jeweils zu weinen begonnen. In den Jahren 

2013/2014 sei das Thema Kinder vermehrt aufgekommen (SEM-act. 

19/137-139).  

F-2547/2017 

Seite 16 

Selbst wenn sich das Bedürfnis nach eigenen Kindern schliesslich durch 

den Besuch der Schwester mit ihrer Nichte im Jahr 2013 bzw. 2014 ver-

stärkt haben soll bzw. aktuell geworden sein soll, so zeigen diese früheren 

Stellungnahmen deutlich auf, dass der Beschwerdeführer durchaus zuvor 

bereits einen starken Kinderwunsch hegte, ihn die Kinderlosigkeit schon 

vor der erleichterten Einbürgerung belastete, was sich in Traurigkeit äus-

serte. Da der Kinderwunsch bereits vor der erleichterten Einbürgerung be-

stand, ist unerheblich, ob sich der Vorfall mit der Schwester und deren 

Tochter im Jahr 2013 oder, wie vom Beschwerdeführer im vorliegenden 

Verfahren geltend gemacht, im Jahr 2014 abgespielt hat. 

9.6 Vor diesem Hintergrund stellt das Bundesverwaltungsgericht zwar nicht 

grundsätzlich in Frage, dass die Begegnung mit der Schwester und ihrem 

Kind in der Zeit nach der erleichterten Einbürgerung beim Beschwerdefüh-

rer und seiner damaligen Ehefrau eine finale Diskussion über die Fortfüh-

rung der Ehe ausgelöst haben kann. Es scheint aber offensichtlich, dass 

der Kinderwunsch in dieser Ehe schon lange vorher ein starkes Thema 

gewesen sein und die Gemeinschaft zumindest phasenweise belastet ha-

ben muss. Entsprechend kann die Begegnung mit der Schwester und de-

ren Kind nicht als isoliertes Ereignis betrachtet werden, das völlig unerwar-

tet eintrat und eine zuvor intakte Ehe rasch und endgültig zerstörte. 

9.7 Damit ist es dem Beschwerdeführer insgesamt nicht gelungen, die be-

stehende Vermutung der erschlichenen erleichterten Einbürgerung zu ent-

kräften bzw. zu widerlegen. Seinem klaglosen und vorbildlichen Verhalten 

während seines nunmehr über 10-jährigen Aufenthaltes in der Schweiz 

kann im vorliegenden Kontext keine entscheidende Bedeutung zukommen. 

Der Beschwerdeführer hat im Einbürgerungsverfahren für die Beurteilung 

wesentliche Umstände verschwiegen bzw. eine Erklärung unterschrieben, 

deren Inhalt nicht der Wahrheit entsprochen haben kann. Dadurch hat er 

die erleichterte Einbürgerung im Sinne von Art. 41 Abs. 1 aBüG erschli-

chen.  

9.8 Die von der Vorinstanz verfügte Nichtigkeit erstreckt sich gemäss 

Art. 41 Abs. 3 aBüG auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürger-

recht auf der nichtig erklärten Einbürgerung beruht, sofern nicht ausdrück-

lich anders verfügt wird. Mit erfasst ist somit grundsätzlich auch der am 

22. Oktober 2016 geborene Sohn des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz 

verneinte in der angefochtenen Verfügung Sachumstände, die es rechtfer-

tigten, das Kind von den Folgen der Nichtigerklärung auszunehmen. Es 

F-2547/2017 

Seite 17 

handle sich um ein Kleinkind, das die tunesische Staatsbürgerschaft sei-

nes Vaters von Gesetzes wegen durch Abstammung erworben habe, dem 

also keine Staatenlosigkeit drohe. Der solchermassen begründete Einbe-

zug in den Nichtigkeitsentscheid des Vaters ist nicht zu beanstanden und 

wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht gerügt. 

10.  

Die angefochtene Verfügung ist als rechtmässig und verhältnismässig zu 

bestätigen (Art. 49 VwVG) und die Beschwerde demzufolge abzuweisen. 

11.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer 

die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-2547/2017 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘200.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss 

gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (…) 

– die Vorinstanz (…) 

– (…) 

– (…) 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Andreas Trommer Giulia Santangelo 

 

 

 

 

 

 

F-2547/2017 

Seite 19 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-

legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist 

gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim 

Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 

Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver-

tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in 

einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung 

mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde-

führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

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