# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 395326e4-2d3f-5643-9f53-388fc37432b3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 31.05.2024 VBE.2024.73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-73_2024-05-31.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2024.73 / lm / ks  
Art. 79 

 

 

Urteil vom 31. Mai 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiberin i.V. Mary  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

vertreten durch lic. iur. Markus Zimmermann, Rechtsanwalt,  

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau,IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
   

Beigeladene   Valitas Sammelstiftung BVG, Dammstrasse 23, Postfach, 6300 Zug 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 15. Dezember 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1975 geborene Beschwerdeführer war zuletzt als Schichtleiter einer 

Bäckerei tätig. Er meldete sich bei der Beschwerdegegnerin im März 2018 

zur Früherfassung und im April 2018 aufgrund von Schulterbeschwerden 

zum Bezug von Leistungen (Berufliche Integration/Rente) an. Die Be-

schwerdegegnerin sprach ihm daraufhin Frühinterventionsmassnahmen 

sowie mit Verfügung vom 28. Mai 2020 eine befristete ganze Rente vom 

1. Januar 2019 bis zum 31. Oktober 2019 zu.  

 

1.2. 

Am 23. Juli 2020 meldete sich der Beschwerdeführer unter anderem mit 

Hinweis auf psychische Beschwerden erneut bei der Beschwerdegegnerin 

zum Leistungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin tätigte verschiedene 

Abklärungen und hielt Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst 

(RAD). Sie stellte dem Beschwerdeführer daraufhin mit Vorbescheid vom 

1. April 2022 die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Nach Prü-

fung der dagegen erhobenen Einwände und eines neu vorliegenden Arzt-

berichts sowie Rücksprache mit dem RAD liess die Beschwerdegegnerin 

den Beschwerdeführer durch das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI), 

Basel, bidisziplinär begutachten (Gutachten vom 17. Juli 2023). In der 

Folge verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 15. Dezem-

ber 2023 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 31. Januar 2024 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:  

 

"1. Die angefochtene Verfügung vom 15.12.2023 sei vollumfänglich aufzu-
heben und dem Beschwerdeführer seien die gesetzlich geschuldeten 
Leistungen, insbesondere eine Rente der Invalidenversicherung, zuzu-
sprechen.  

 
 2. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur ordnungs-

gemässen Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurück-
zuweisen.  

 
 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 5. März 2024 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 - 3 - 

 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 11. März 2024 wurde die beruf-

liche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers beigeladen und ihr Ge-

legenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Diese verzichtete in der Folge mit 

Schreiben vom 22. März 2024 auf eine Stellungnahme.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

15. Dezember 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 123) zu Recht einen 

Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneinte. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte möglich Ansprüche 

nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in 

medizinischer Hinsicht auf das bidisziplinäre ABI-Gutachten vom 17. Juli 

2023 (VB 120.2). Das ABI-Gutachten umfasst eine psychiatrische und eine 

orthopädische Beurteilung. Die Gutachter Dres. med. B._____, Fachärztin 

für Psychiatrie und Psychotherapie, und C._____, Facharzt für Orthopädi-

sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, stellten fol-

gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (VB 120.2 S. 7; 

120.4 S. 11, 22):  

 

"1. Chronische Schulterbeschwerden der adominanten linken Seite  
(ICD-10 M79.61/Z98.8) 
[…] 

 2. Chronische Schulterbeschwerden der dominanten rechten Seite  
(ICD-10 M79.61/Z19.01)  
[…] 

 3. Formal posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)" 

 

 - 4 - 

 

 

In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 100 % ar-

beitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe hingegen eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit. Als angepasst gelte eine körperlich leichte, 

wechselbelastende Tätigkeit ohne wiederholten Einsatz der oberen Extre-

mität oberhalb des Schulterniveaus und ohne wiederholtes Heben und Tra-

gen von Lasten über 10 kg. Der Arbeitsplatz sollte ruhig und klar strukturiert 

sein und keinen Schichtbetrieb erfordern. Diese Arbeitsfähigkeit könne seit 

dem November 2019 angenommen werden (VB 120.2 S. 8 f.; 120.4 

S. 11 f., 23).  

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG (in der seit 

1. Januar 2022 in Kraft stehenden Fassung) eingeholten (sowie den Anfor-

derungen in Art. 72bis IVV [in der seit dem 1. Januar 2022 in Kraft stehenden 

Fassung] für bi- und polydisziplinäre Gutachten entsprechenden) Gutach-

ten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobach-

tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er-

statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-

chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den Gut-

achten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversi-

cherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum Bun-

desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 

S. 105). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des ABI-Gutachtens vom 

17. Juli 2023 fachärztlich umfassend untersucht. Es wurden zudem eigene 

Laboruntersuchungen durchgeführt (vgl. VB 120.5; 121 S. 4, 8). Die Gut-

achter beurteilten die medizinischen Zusammenhänge sowie die medizini-

sche Situation in Kenntnis der Vorakten (VB 120.1 S. 1 ff.; 120.3 S. 2 ff.; 

120.5 S. 4 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden ein-

leuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten Schluss-

 - 5 - 

 

 

folgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert im 

Sinne vorstehender Kriterien zu.  

 

5. 

5.1. 

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen mit Verweis auf das im Be-

schwerdeverfahren eingereichte Schreiben des behandelnden Psychiaters 

Dr. med. D._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

18. Dezember 2023 vor, dass das psychiatrische ABI-Gutachten den bun-

desrechtlichen Anforderungen nicht genüge und der rechtserhebliche 

Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden sei (Beschwerde S. 3, 6 ff., 11; 

vgl. Beschwerdebeilage [BB] 3). Weiter sei bei der Erstellung des psychiat-

rischen ABI-Gutachtens nicht berücksichtigt worden, dass der Beschwer-

deführer vor der psychiatrischen Begutachtung Beruhigungsmittel einge-

nommen habe (Beschwerde S. 11 f.).  

 

Das orthopädische ABI-Teilgutachten (vgl. VB 120.5) wird vom Beschwer-

deführer hingegen nicht gerügt und es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, 

die gegen dessen Beweiswert sprechen. 

 

5.2. 

Den medizinischen Unterlagen ist unter anderem Folgendes zu entneh-

men:  

 

5.2.1. 

Bereits in seinem Bericht vom 9. Dezember 2020 diagnostizierte Dr. med. 

D._____ eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelas-

tung (F62.0), wobei die Merkmale der misstrauischen Haltung der Welt ge-

genüber, sozialer Rückzug, Gefühle der Leere oder Hoffnungslosigkeit und 

ein chronisches Gefühl von Nervosität wie bei einem ständigen "bedroht 

sein" vorliegen würden. Ursprünglich habe mit grösster Wahrscheinlichkeit 

eine posttraumatische Belastungsstörung bestanden, wobei sich noch 

heute entsprechende typische Merkmale wie das wiederholte Erleben von 

traumatischen Situationen in sich aufdrängenden Erinnerungen (Flash-

backs), der Verlust von Freude sowie die Vermeidung von Aktivitäten und 

Situationen fänden, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen würden. 

Bisher sei es nie zu Ausbrüchen von Aggression gekommen; der innere 

Druck würde aber gemäss Aussagen des Beschwerdeführers ansteigen, 

wenn es bei seinen vier Kindern "hoch zu und her" gehe. Es bestehe über-

dies ein Zustand von vegetativer Übererregung mit Vigilanzsteigerung und 

starken Schlafproblemen. Diese Symptome würden seit 25 Jahren beste-

hen, weshalb die Diagnose der andauernden Persönlichkeitsänderung 

nach Extrembelastung gestellt werde. Beim Beschwerdeführer bestehe ak-

tuell für die meisten Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit. In einer an-

gepassten Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit wohl in einem Pensum von 

 - 6 - 

 

 

30 % verbunden mit einer Leistungsfähigkeit von initial 50 % das Maximum 

(VB 84 S. 5).  

 

5.2.2. 

Dr. med. D._____ legte in seinem Schreiben vom 3. Mai 2022 dar, dass 

sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten Ver-

fügung vom 28. Mai 2020 wesentlich verschlechtert habe. Neu sei eine 

praktisch dauernd vorhandene latente Suizidalität mit teils imperativen in-

neren Stimmen, die den Beschwerdeführer beispielsweise zum Sprung von 

einer Felswand auffordern würden. Nur das strikte Suizidverbot seiner Re-

ligion würde ihn davon abhalten, aus dem Leben zu scheiden. Die andau-

ernde innere Unruhe des Beschwerdeführers sei überdies grösser gewor-

den und führe zu verbal-aggressivem Verhalten des Beschwerdeführers, 

welches sich auf die Familie beschränke. Die Flashbacks hätten ebenfalls 

zugenommen. Er sehe keine mögliche leidensangepasste Tätigkeit für den 

Beschwerdeführer (VB 102 S. 11).  

 

5.2.3. 

Dr. med. D._____ hielt in seinem Schreiben vom 18. Dezember 2023 im 

Wesentlichen fest, seit dem Jahr 2000 lebe der Beschwerdeführer mit 

Flashbacks und dauernder psychischer und physischer Übererregbarkeit 

(BB 3 S. 1). Insgesamt liege eine Persönlichkeitsveränderung nach Ext-

rembelastung vor; die entsprechenden Merkmale seien erfüllt und würden 

seit mindestens zwei Jahren bestehen. Dass keine Einschränkungen im 

Alltag vorliegen würden, sei nicht nachvollziehbar, denn der Beschwerde-

führer helfe nur punktuell im Haushalt und nehme am Familienleben ohne 

emotionale Beteiligung teil. Es sei zwar richtig, dass es noch nie zu einem 

Suizidversuch gekommen sei, jedoch liege eine latente Eigengefährdung 

fast dauerhaft vor (BB 3 S. 2). Es gäbe keine leidensangepasste Tätigkeit 

für den Beschwerdeführer und es sei nicht nachvollziehbar, dass er in der 

freien Wirtschaft einer Tätigkeit zu 100 % nachgehen könne (BB 3 S. 3). 

 

5.3. 

5.3.1. 

Soweit die versicherte Person dem Gutachten die abweichenden Beurtei-

lungen weiterer behandelnder Ärzte, insbesondere ihrer Hausärzte, gegen-

überstellen lässt, so trifft es zwar grundsätzlich zu, dass diese einen länge-

ren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch einen behan-

delnden Arzt oft wertvolle Erkenntnisse zu erbringen vermag. Es ist jedoch 

festzuhalten, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag 

des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauf-

trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits 

(BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichts-

gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen 

zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät-

zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab-

 - 7 - 

 

 

weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige As-

pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unge-

würdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 

E. 2.1.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_425/2019 vom 10. September 2019 

E. 3.4 mit Hinweisen). 

 

5.3.2. 

Die psychiatrische ABI-Gutachterin Dr. med. B._____ sowie der behan-

delnde Psychiater Dr. med. D._____ gingen beide davon aus, beim Be-

schwerdeführer würden "seit Jahren" bzw. seit 25 Jahren Symptome einer 

posttraumatischen Belastungsstörung bestehen und auch heute noch vor-

liegen (VB 84 S. 5; 102 S. 11; 120.4 S. 10). Im Unterschied zu Dr. med. 

B._____ diagnostizierte Dr. med. D._____ jedoch keine solche, sondern 

eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung, wel-

che seit mindestens zwei Jahren (seit seinem Bericht vom 18. Dezember 

2023) vorliege (BB 3 S. 3; VB 84 S. 5; 102 S. 11; 120.4 S. 11). Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung braucht es für die Annahme einer 

psychiatrisch begründeten Invalidität zwar eine fachärztlich (psychiatrisch) 

gestellte Diagnose (BGE 130 V 396 E. 5.3. S. 398). Die Beeinträchtigung 

der Erwerbsfähigkeit muss jedoch unabhängig von der Diagnose ausge-

wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist, ob und in-

wiefern einer versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer 

Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die 

Gesellschaft tragbar ist (BGE 145 V 215 E. 4.2 S. 221; 127 V 294 E. 4c 

S. 298). Dr. med. B._____ führte diesbezüglich schlüssig aus, dass die 

ICD-10 Diagnosekriterien für eine andauernde Persönlichkeitsveränderung 

nach Extrembelastung nicht erfüllt seien, denn es sei dem Beschwerdefüh-

rer während Jahren gelungen, berufstätig zu sein; er sei sogar in eine an-

spruchsvolle Position befördert worden und habe diese während Jahren 

ausgeübt. Zudem habe er eine Familie gegründet und lebe in einer famili-

ären Gemeinschaft, mit der er sich auseinandersetze. Er habe Freizeitinte-

ressen und unternehme Fernreisen. Daher möchten wohl punktuell die ent-

sprechenden Merkmale in gewissem Ausmass vorliegen, jedoch weder an-

dauernd, noch schwerstgradig (VB 120.4 S. 9). Es sei unter Verweis auf 

die Angaben zu den Alltagsaktivitäten und dem Tagesablauf des Be-

schwerdeführers lediglich von einer leichten bis geringen Einschränkung 

im Alltag auszugehen. Überdies wären die beschriebenen (Familien- und 

Freizeit-) Aktivitäten bei einer erheblichen Beschwerdelast in einem sol-

chen Ausmass nicht auszuüben (VB 120.4 S. 10). Dr. med. D._____ er-

wähnte in seinen Berichten zwar wiederholt die Merkmale der andauernden 

Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung und hielt fest, dass 

diese beim Beschwerdeführer vorliegen würden. Eine Beschreibung der 

Ausprägung dieser Merkmale beim Beschwerdeführer und insbesondere 

eine Begründung, inwiefern dies zur angegebenen 70%igen bzw. 100%-

igen Arbeitsunfähigkeit führen soll, ist den Berichten jedoch nicht zu 

 - 8 - 

 

 

entnehmen (vgl. VB 84 S. 5; 102 S. 12; BB 3 S. 2). Dr. med. D._____ gab 

an, er wisse nicht viel über die Behandlungsmöglichkeiten bei der Diagnose 

der andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung, 

gehe aber davon aus, eine stationäre Behandlung könne zu einer grösse-

ren Stabilisierung führen (BB 3 S. 2). Dr. med. B._____ legte dazu im ABI-

Gutachten dar, es sei nie eine höherfrequente oder stationäre Behandlung 

diskutiert worden oder eine Anpassung der Medikation erfolgt, obwohl eine 

sehr schwere psychiatrische Erkrankung angenommen worden sei. Es sei 

nicht nachvollziehbar, warum Dr. med. D._____ kaum von Besserungs-

möglichkeiten oder dem Erreichen einer Arbeitsfähigkeit ausgegangen sei 

(VB 120.4 S. 9). Darüber hinaus ordnete Dr. med. B._____ die vom Be-

schwerdeführer angegebenen wiederholten Gedanken des Lebensüber-

drusses und der Anhedonie sowie die Schlafstörungen der posttraumati-

schen Belastungsstörung zu. Dass bis 2018 gar keine psychotherapeuti-

sche Behandlung stattgefunden habe und schliesslich psycho-pharmako-

logisch nur mit einem niedrig dosierten, niedrig potenten Neuroleptikum be-

handelt worden sei, weise jedoch auf eine geringe Beschwerdelast hin 

(VB 120.4 S. 10). Im Übrigen wurde vom Beschwerdeführer kein Medika-

ment in einer für den therapeutischen Bereich ausreichenden Dosis einge-

nommen (VB 120.4 S. 11; 120.5 S. 9). Vor diesem Hintergrund ist die Fol-

gerung von Dr. med. B._____ nachvollziehbar, dass keine akute Eigen- 

oder Fremdgefährdung vorliege (VB 120.4 S. 8). Gesamthaft leuchtet da-

her ein, dass Dr. med. B._____ unter Berücksichtigung der jahrelangen po-

sitiven Arbeitsanamnese, der stabilen Beziehungen sowie der geringen bis 

leichten Einschränkungen im Alltag zum Schluss kam, es liege lediglich 

eine geringe bis leichte Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit 

vor und daher eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angestammter, und eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit annahm (VB 120.4 

S. 10 ff.). Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass Dr. med. B._____ 

das psychiatrische Gutachten auch in Kenntnis über die Einnahme von 

15 mg des Medikaments Truxal durch den Beschwerdeführer erstellt hat 

(VB 120.4 S. 7).  

 

5.3.3. 

Dem ABI-Gutachten sind schliesslich ausreichende Ausführungen zu den 

mit BGE 141 V 281 eingeführten Indikatoren zur Beurteilung zu entneh-

men, ob ein psychisches Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu be-

wirken vermag (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416; 143 V 418 E. 7.2 S. 429). 

So finden sich im Gutachten Ausführungen zum Schweregrad der diagnos-

tizierten psychischen Störungen und zur Ausprägung der diagnoserelevan-

ten Befunde (VB 120.4 S. 9 f.), zum Behandlungs- und Eingliederungser-

folg (VB 120.4 S. 11; vgl. VB 120.4 S. 9 f.), zur Persönlichkeitsdiagnostik 

beziehungsweise den persönlichen Ressourcen, zum sozialen Kontext so-

wie zur Konsistenz (VB 120.4 8 f., 11; vgl. VB 120.4 S. 6), inkl. Erhebung 

der Alltagsgestaltung (VB 120.4 S. 6 f.). Das Gutachten berücksichtigt da-

mit die rechtsprechungsgemäss zu beachtenden Indikatoren hinreichend. 

 - 9 - 

 

 

Die gutachterlichen Ausführungen sind nachvollziehbar begründet, womit 

die funktionellen Auswirkungen der diagnostizierten psychischen Störung 

medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festge-

stellt wurden. Das Gutachten stimmt daher mit den normativen Vorgaben 

der erwähnten Rechtsprechung überein.  

 

Gesamthaft sind den Berichten von Dr. med. D._____ keine wichtigen, bei 

der Erstellung des ABI-Gutachtens vom 17. Juli 2023 unberücksichtigt ge-

bliebenen Aspekte zu entnehmen und es kann vollumfänglich auf das ABI-

Gutachten abgestellt werden. Schliesslich bestätigte auch RAD-Arzt 

Dr. med. E._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner 

Aktennotiz vom 5. März 2024, dass die im Bericht von Dr. med. D._____ 

vom 18. Dezember 2023 (vgl. BB 3) inhaltlich vorgebrachten Einwände 

durch das ABI-Gutachten vom 17. Juli 2023 alle widerlegt worden seien 

(VB 125 S. 3). Ob beim Beschwerdeführer damit eine im neuanmeldungs-

rechtlichen Sinne wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen 

(vgl. BGE 133 V 263 E. 6.1 S. 263; 131 V 164 E. 2.2 S. 164; vgl. Art. 17 

Abs. 1 lit. a ATSG, Art. 88a IVV; BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 mit Hinweisen) 

eingetreten ist, kann vorliegend jedoch offen bleiben. Denn aus dem nach-

folgend zu ermittelnden Invaliditätsgrad resultiert ohnehin kein Rentenan-

spruch.  

 

6. 

6.1. 

Das Einkommen ohne Invalidität (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG) be-

stimmt sich anhand des zuletzt vor Eintritt der Invalidität tatsächlich erziel-

ten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an-

gepassten Erwerbseinkommens (Art. 26 Abs. 1 IVV; BGE 135 V 58 E. 3.1 

S. 59). Kann das tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen nicht oder nicht 

hinreichend genau bestimmt werden, zum Beispiel weil die von der versi-

cherten Person bisher innegehabte Stelle aus betrieblichen Gründen ge-

kündigt worden war (Urteile des Bundesgericht 8C_513/2014 vom 17. De-

zember 2014 E. 6.5 f., 9C_148/2016 vom 2. November 2016 E. 2.1), so 

wird das Einkommen ohne Invalidität nach den Zentralwerten der Lohn-

strukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik für eine Person bei 

gleicher Ausbildung und entsprechenden beruflichen Verhältnissen festge-

legt (Urteil des Bundesgerichts 9C_239/2019 vom 5. September 2019 

E. 2.2.1; MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum 

Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung 

[IVG], 4. Aufl. 2022, N. 56 zu Art. 28a IVG).  

 

Der Beschwerdeführer war zuletzt im Jahr 2018 als Schichtleiter einer Bä-

ckerei tätig – dieses Arbeitsverhältnis wurde vom Arbeitgeber jedoch nicht 

aufgrund des vorliegend zu beurteilenden potentiell neu eingetretenen Ge-

sundheitsschadens gekündigt, sondern aufgrund betrieblicher Gründe (vgl. 

VB 6; 19 S. 2). Entsprechend ist das Valideneinkommen nach den 

 - 10 - 

 

 

Zentralwerten der LSE zu bestimmen. Damit ist es basierend auf der LSE-

Tabelle TA1, 2020, Ziff. 10 – 11: Herstellung von Nahrungsmitteln; Geträn-

keherstellung, Kompetenzniveau 2, Total, Männer, und unter Berücksichti-

gung der Nominallohnentwicklung bis 2021 (Anmeldung zum Leistungsbe-

zug am 23. Juli 2020 und daher potentieller Rentenbeginn frühestens am 

1. Januar 2021, vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. die Tabelle Nominallohnindex 

Männer, 2011 – 2022, Ziff. 10 – 12: Herstellung von Nahrungsmitteln und 

Tabakerzeugnissen) sowie der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit 

(vgl. die Tabelle Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, 

1990 – 2022, Ziff. 10 – 12: Herstellung von Nahrungsmitteln und Tabaker-

zeugnissen) bei Fr. 67'985.00 festzusetzen (Fr. 5'426.00 x 12 x 105.6/106.7 x 
42.2/40). 

 

6.2. 

Bezüglich der Ermittlung des Invalideneinkommens ist auf die LSE-Tabelle 

TA1 des Jahres 2020, Kompetenzniveau 1, Total, Männer abzustellen. Un-

ter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis 2021, der betriebsüb-

lichen Arbeitszeit und der 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten 

Tätigkeit ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 65'322.10 

(Fr. 5'261.00 x 12 x 106.0/106.8 x 
41.7/40).  

 

7. 

Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von lohnstatistischen An-

gaben ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls abhängig 

von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten 

Einzelfalles (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationali-

tät/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) nach pflichtgemässem 

Ermessen zu kürzen. Ein Abzug soll nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall 

Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines 

oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Ar-

beitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnitt-

lichem Einkommen verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 

134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbeson-

dere E. 5 S. 78 ff.]). Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der 

Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen 

unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und 

insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen 

(BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472 

E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]). Selbst wenn vorlie-

gend der maximale Abzug von 25 % vom Tabellenabzug gewährt und das 

Invalideneinkommen damit bei Fr. 48'991.60 festgesetzt würde, ergäbe 

dies lediglich eine Erwerbseinbusse von Fr. 18'993.40 und somit einen ren-

tenausschliessenden Invaliditätsgrad von 28 % (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG). 

 

 - 11 - 

 

 

8. 

8.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenan-

spruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 15. Dezember 2023 zu 

Recht verneint. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen. 

 

8.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. 

 

8.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

 - 12 - 

 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 31. Mai 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Kathriner Mary