# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2411d9e-b522-5a60-9f45-0a79456a5d55
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-15
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 15.02.2022 460 2021 146 (460 21 146)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2021-146_2022-02-15.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom  

15. Februar 2022 (460 21 146) 

____________________________________________________________________ 

 
Strafrecht  

 
Diebstahl etc.  

 

Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.),                      

Richterin Susanne Afheldt, Richter Beat Hersberger,                       

Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,                                           

Allgemeine Hauptabteilung,                                                      

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde und Berufungsklägerin 

 

E.____AG,                                                             

vertreten durch F.____,  

Privatklägerin 

  

gegen 

 

 A.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Michael Daphinoff,                     

Effingerstrasse 1, Postfach, 3001 Bern,  

Beschuldigter 

 

B.____,                                                                  

vertreten durch Advokatin Miriam Riegger,                               

Bordeaux-Strasse 5, 4053 Basel,  

Beschuldigter 

 

C.____, 

vertreten durch Advokatin Jessica Baltzer,                                  

Bordeaux-Strasse 5, 4053 Basel,  

Beschuldigte 

 

D.____,                                                                   

vertreten durch Advokatin Nadja Burkhardt,                               

Frankfurt-Strasse 14, 4053 Basel,  

Beschuldigte 

 

Gegenstand Diebstahl etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 

18. Februar 2021 

 

 

A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgericht) vom 

18. Februar 2021 wurde A.____ des versuchten Diebstahls sowie der mehrfachen Sachbe-

schädigung schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 9. Mai 2020 bis zum 18. Februar 

2021 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 

286 Tagen, zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt (Dispositiv-Ziffer 1). Demgegen-

über wurde A.____ vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freigesprochen (Dispositiv-Ziffer 2). 

A.____ wurde zudem in Anwendung von Art. 66abis des Schweizerischen Strafgesetzbuchs 

vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311) für die Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen. 

Es wurde angeordnet, dass die Landesverweisung nicht im Schengener Informationssystem 

(SIS) eingetragen wird (Dispositiv-Ziffer 3).  

 

B.____ wurde ebenfalls des versuchten Diebstahls sowie der mehrfachen Sachbeschädigung 

schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 9. Mai 2020 bis zum 18. Februar 2021 in 

Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 286 Ta-

gen, zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 18 Monaten, bei einer Probezeit von 2 

Jahren, verurteilt. Zudem wurde B.____ gemäss Art. 19a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 

3. Oktober 1951 über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelge-

setz; SR 812.121) der Widerhandlung im Sinne des Eigenkonsums schuldig erklärt. Gemäss 

Art. 19a Ziff. 2 BetmG wurde aber von einer Bestrafung abgesehen (Dispositiv-Ziffer 4). Des 

Weiteren wurde B.____ von den Vorwürfen des Hausfriedensbruchs und der Vereitelung von 

Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer freigesprochen 

(Dispositiv-Ziffer 5). Sodann wurde auch B.____ in Anwendung von Art. 66abis StGB für die 

Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen, wobei kein Eintrag der Landesverweisung im 

Schengener Informationssystem (SIS) angeordnet wurde (Dispositiv-Ziffer 6).  

 

Ferner wurde C.____ des versuchten Diebstahls sowie der mehrfachen Sachbeschädigung 

schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 9. Mai 2020 bis zum 18. Februar 2021 in Un-

tersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 286 Tagen, 

zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 17 Monaten, bei einer Probezeit von 2 Jah-

ren, verurteilt (Dispositiv-Ziffer 7). Demgegenüber wurde C.____ vom Vorwurf des Hausfrie-

densbruchs freigesprochen (Dispositiv-Ziffer 8). C.____ wurde zudem in Anwendung von 

Art. 66abis StGB für die Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen. Es wurde angeordnet, dass 

die Landesverweisung nicht im Schengener Informationssystem (SIS) eingetragen wird (Dis-

positiv-Ziffer 9).  

 

Schliesslich wurde D.____ des versuchten Diebstahls sowie der mehrfachen Sachbeschädi-

gung schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 9. Mai 2020 bis zum 18. Februar 2021 

in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 286 

Tagen, zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 18 Monaten, bei einer Probezeit von 

2 Jahren, verurteilt (Dispositiv-Ziffer 10). Hingegen wurde D.____ vom Vorwurf des Hausfrie-

densbruchs freigesprochen (Dispositiv-Ziffer 11). Überdies wurde D.____ in Anwendung von 

Art. 66abis StGB für die Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen, wobei kein Eintrag der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) angeordnet wurde (Dispositiv-

Ziffer 12).  

 

 
 

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Darüber hinaus entschieden die Vorderrichter über die Beschlagnahmegüter, wobei teils eine 

Anrechnung des beschlagnahmten Bargelds an die Verfahrenskosten (Dispositiv-Ziffer 13), 

teils ein Einzug gemäss Art. 69 StGB zur Verwertung bzw. Vernichtung (Dispositiv-Ziffer 14), 

teils ein Verbleib bei den Akten (Dispositiv-Ziffer 15) sowie teils ein Einzug zur Vernichtung 

nach Rechtskraft des Urteils (Dispositiv-Ziffer 16) angeordnet wurde. Überdies wurde die 

Schadenersatzforderung der E.____AG (nachfolgend: Privatklägerin) in der Höhe von 

Fr. 6‘500.-- auf den Zivilweg verwiesen (Dispositiv-Ziffer 17).  

 

Die Gerichtsgebühr der Vorinstanz wurde auf Fr. 16'000.-- festgelegt, wobei sie in Bezug auf 

die Beschuldigten zu je einem Viertel aufgeteilt wurde (Dispositiv-Ziffer 22). So wurden dem 

Beschuldigten A.____ in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 des Schweizerischen Strafprozess-

ordnung vom 5. Oktober 2007 (Strafprozessordnung, StPO; SR 312) die Verfahrenskosten 

von insgesamt Fr. 6‘344.25, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 994.25, den 

Kosten des Zwangsmassnahmengerichts Basel-Landschaft (nachfolgend: Zwangsmassnah-

mengericht) von Fr. 1‘350.-- sowie der Gerichtsgebühr von Fr. 4‘000.--, auferlegt (Dispositiv-

Ziffer 23). Dem Beschuldigten B.____ wurden gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrens-

kosten von total Fr. 7‘179.25 auferlegt, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von 

Fr. 2‘329.25, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 850.-- sowie der Gerichts-

gebühr von Fr. 4‘000.-- (Dispositiv-Ziffer 24). Der Beschuldigten C.____ wurden in Anwendung 

von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 6‘560.25, bestehend aus 

den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 914.25, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts 

von Fr. 850.--, den Kosten des Personenwagens Ford Focus in Höhe von Fr. 796.-- sowie der 

Gerichtsgebühr von Fr. 4‘000.--, auferlegt, wobei eine Anrechnung des allfälligen Erlöses der 

Verwertung an die Abstellkosten des Personenwagens angeordnet wurde (Dispositiv-Ziffer 

25). Der Beschuldigten D.____ schliesslich wurden gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO die Ver-

fahrenskosten von total Fr. 13‘744.60 auferlegt, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens 

von Fr. 1‘364.25, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 850.--, den Kosten des 

Hundes „Lady“ von Fr. 7‘530.35 sowie der Gerichtsgebühr von Fr. 4‘000.--, wobei das einge-

zogene Bargeld von £ 2‘150.-- an die Verfahrenskosten angerechnet wurde (Dispositiv-Ziffer 

26).  

 

Zu guter Letzt sprach das Strafgericht den amtlichen Verteidigungen der Beschuldigten die 

nachstehenden Entschädigungen zu, dies jeweils inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer so-

wie unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung der Beschuldigten: Advokat Martin Lutz, 

amtlicher Verteidiger des Beschuldigten A.____: Fr. 18‘674.25 (Dispositiv-Ziffer 18); Advokatin 

Miriam Riegger, amtliche Verteidigerin des Beschuldigten B.____: Fr. 18‘904.65 (Dispositiv-

Ziffer 20); Advokatin Jessica Baltzer, amtliche Verteidigerin der Beschuldigten C.____: 

Fr. 19‘110.05 (Dispositiv-Ziffer 21); Advokatin Nadja Burkhardt, amtliche Verteidigerin der Be-

schuldigten D.____: Fr. 18‘644.55 (Dispositiv-Ziffer 21).  

 

Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Anträge der Parteien 

wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. 

 

B. Gegen dieses Urteil hat die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Haupt-

abteilung (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), mit Eingabe vom 26. Februar 2021 in Bezug auf 

 
 

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alle vier Beschuldigten die Berufung angemeldet (act. S 1099-1005). Mit Schreiben vom 

25. Juni 2021 hat die Staatsanwaltschaft dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung 

Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), sodann ihre Berufungserklärung übermittelt. 

 

Ursprünglich hat auch der Beschuldigte A.____ mit Eingabe vom 4. März 2021 die Berufung 

angemeldet (act. S 1107), diese jedoch mit Schreiben vom 8. März 2021 zurückgezogen (act. 

S 1111). Ebenso hat die Beschuldigte D.____ mit Eingabe vom 3. März 2021 die Berufung 

angemeldet (act. S 1113), diese jedoch mit Schreiben vom 15. April 2021 wieder zurückgezo-

gen (act. S 1117). Hingegen ist namens der amtlichen Verteidigerin der Beschuldigten D.____, 

Advokatin Nadja Burkhardt, am 18. Juni 2021 separat Beschwerde gegen die Festlegung der 

Entschädigung gemäss Dispositiv-Ziffer 21 des Urteils des Strafgerichts vom 18. Februar 2021 

erhoben worden (vgl. separates Beschwerdeverfahren 470 21 151). 

 

C. Mit Entscheid des Kantonsgerichts vom 22. Juni 2021 wurde das Gesuch des Beschul-

digten A.____ vom 11. Juni 2021, er sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen, abgewiesen. 

 

D. In ihrer Berufungserklärung vom 25. Juni 2021 beantragte die Staatsanwaltschaft, (1.) 

es seien in Abänderung der entsprechenden Dispositiv-Ziffern des strafgerichtlichen Urteils 

die Beschuldigten gemäss Anklage wegen Diebstahls (einschliesslich betreffend die Wohnan-

hänger Tabbert Cellini 655 DF im Wert von Fr. 69‘872.-- und Tabbert Cellini 750 HTD im Wert 

von Fr. 118‘020.--), mehrfacher Sachbeschädigung sowie Hausfriedensbruchs schuldig zu 

sprechen, wobei B.____ zusätzlich der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der 

Fahrunfähigkeit schuldig zu erklären sei; (2.) den Schuldsprüchen entsprechend sei A.____ 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 8 Monaten, B.____ zu einer solchen 

von 3 Jahren und 2 Monaten, C.____ zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 

6 Monaten sowie D.____ zu einer solchen von 3 Jahren und 2 Monaten zu verurteilen; (3.) des 

Weiteren sei in Abänderung des vorinstanzlichen Erkenntnisses gegen die Beschuldigten eine 

obligatorische Landesverweisung für die Dauer von 8 Jahren zu verhängen, wobei die Lan-

desverweisungen mit Ausnahme bei C.____ im Schengener Informationssystem (SIS) einzu-

tragen seien. Zudem stellte die Staatsanwaltschaft den Verfahrensantrag, es seien ihr eine 

Kopie des Protokolls sowie die Tonaufzeichnung der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zur 

Einsichtnahme zuzustellen. Endlich brachte die Staatsanwaltschaft den Beweisantrag vor, es 

seien die vom Strafgericht als unverwertbar angesehenen und aus dem Recht gewiesenen 

Einvernahmen von G.____, geboren am xxx, und von H.____, geboren am yyy (act. 2755-

2899), wieder zu den Akten zu nehmen und als verwertbar zu erklären. 

 

E. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 5. Juli 2021 wurde unter 

anderem Advokat Martin Lutz per sofort aus seinem Amt als amtlicher Verteidiger des Be-

schuldigten A.____ entlassen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass der Beschuldigte A.____ 

neu Rechtsanwalt Dr. Michael Daphinoff als Wahlverteidiger mandatiert hat. Des Weiteren 

wurde der Staatsanwaltschaft sowie sämtlichen Beschuldigten eine Kopie des Protokolls der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung einschliesslich der Tonaufzeichnung zugestellt.  

 

F. Mit weiterer kantonsgerichtlicher Verfügung vom 16. Juli 2021 wurde dem vormaligen 

amtlichen Verteidiger des Beschuldigten A.____, Advokat Martin Lutz, für seine Bemühungen 

 
 

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vom 22. Februar 2021 bis zum 25. Juni 2021 ein Honorar von Fr. 1‘245.60 (inkl. Auslagen von 

Fr. 61.60) zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer von Fr. 95.90, somit insgesamt Fr. 1‘341.50, aus 

der Gerichtskasse entrichtet.  

 

G. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 3. August 2021 wurde unter anderem festge-

stellt, dass die Beschuldigten und die Privatklägerin weder Berufung noch Anschlussberufung 

erhoben haben.  

 

H. Sodann wurde mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 6. Oktober 2021 der Beschul-

digten C.____ auf ihr Gesuch vom 10. August 2021 hin die amtliche Verteidigung mit Advokatin 

Jessica Baltzer für das Rechtsmittelverfahren bewilligt. 

 

I. Der Beschuldigte A.____ stellte in seiner Berufungsantwort vom 22. November 2021 

die Rechtsbegehren, (1.) es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich abzuwei-

sen; (2.) es sei der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen und A.____ sei nach der Beru-

fungsverhandlung umgehend aus der Haft zu entlassen; (3.) es sei der Beweisantrag der 

Staatsanwaltschaft abzuweisen; (4.) es sei, wie bereits mit Eingaben vom 20. September 2021 

und 20. Oktober 2021 beantragt, A.____ für das Berufungsverfahren die amtliche Verteidigung 

zu gewähren; (5.) es sei die vorliegende Eingabe zu den Akten zu nehmen; (6.) alles unter 

Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates. 

 

J. Die Beschuldigten B.____, C.____ und D.____ beantragten in ihren Berufungsantwor-

ten vom 10. November 2021, 27. Oktober 2021 und 20. Oktober 2021, (1.) es sei die Berufung 

der Staatsanwaltschaft vollumfänglich abzuweisen; (2.) es sei das Urteil der Vorderrichter zu 

bestätigen; (3.) der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft sei ebenfalls abzuweisen; (4.) alles 

unter o/e-Kostenfolge. Dabei begehrte die Beschuldigte D.____ zusätzlich, es sei ihr für das 

Berufungsverfahren die amtliche Verteidigung zu gewähren. 

 

K. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 1. Dezember 2021 wurde unter anderem fest-

gestellt, dass innert der mit Verfügung vom 17. November 2021 angesetzten nicht erstreckba-

ren Frist seitens der Beschuldigten B.____, C.____ und D.____ kein begründeter Gegenbe-

richt zur Dispensation vom persönlichen Erscheinen an der mündlichen Berufungsverhand-

lung eingegangen ist. Folgerichtig wurden die genannten Beschuldigten vom persönlichen Er-

scheinen vor Kantonsgericht dispensiert. Ebenso wurde mit erwähnter Verfügung entschie-

den, dass der zuständige Spruchkörper anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung 

über den Beweisantrag der Staatsanwaltschaft gemäss Berufungserklärung vom 25. Juni 

2021, wonach die vom Strafgericht als unverwertbar angesehenen und aus dem Recht gewie-

senen Einvernahmen von G.____ und H.____ wieder zu den Akten zu nehmen und als ver-

wertbar zu erklären seien, befinden wird. Mit nämlicher Verfügung wurde dem Beschuldigten 

A.____ auf seine Gesuche vom 20. September 2021 und 20. Oktober 2021 hin die amtliche 

Verteidigung für das zweitinstanzliche Verfahren mit Rechtsanwalt Dr. Michael Daphinoff be-

willigt. Ebenso wurde dem Beschuldigten B.____ seinem Antrag vom 20. Oktober 2021 ent-

sprechend die amtliche Verteidigung mit Advokatin Miriam Riegger für das zweitinstanzliche 

Verfahren bewilligt. In gleicher Weise wurde der Beschuldigten D.____ auf ihr Gesuch vom 

 
 

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20. Oktober 2021 hin die amtliche Verteidigung mit Advokatin Nadja Burkhardt für das zweit-

instanzliche Verfahren bewilligt. Schliesslich wurden mit Verfügung vom 1. Dezember 2021 

die Staatsanwaltschaft, der Beschuldigte A.____ und sein Verteidiger sowie die Rechtsvertre-

terinnen der Beschuldigten B.____, C.____ und D.____ zur kantonsgerichtlichen Hauptver-

handlung geladen. 

 

L. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 14. Dezember 2021 wurde unter Hinweis auf 

die Eingabe von Advokatin Miriam Riegger vom 8. Dezember 2021 die britische Botschaft in 

Bern ersucht, dem Kantonsgericht bis zum 7. Januar 2022 mitzuteilen, ob das Ableben von 

B.____ bestätigt werden kann, und ob der allfällige Todeszeitpunkt bekannt ist. Mit Eingabe 

vom 7. Januar 2022 (den Parteien mit Verfügung vom 11. Januar 2022 zur Kenntnisnahme 

gebracht) teilte die britische Botschaft mit, das Ableben von B.____ könne nicht bestätigt wer-

den. 

 

M. Mit weiterer kantonsgerichtlicher Verfügung vom 15. Dezember 2021 wurde unter an-

derem festgestellt, dass die gegenüber dem Beschuldigten A.____ mit kantonsgerichtlichem 

Entscheid vom 22. Juni 2021 bestätigte Haft für die gesamte Dauer des Berufungsverfahrens 

Geltung hat, vorbehältlich einer anderslautenden Entscheidung im Rahmen eines allfälligen 

neuerlichen Haftentlassungsgesuchs. 

 

N. Anlässlich der vom 14. bis zum 15. Februar 2022 stattfindenden Hauptverhandlung 

vor dem Kantonsgericht erscheinen als Vertreterin der Staatsanwaltschaft Staatsanwältin 

Nicole Wolf, der Beschuldigte A.____ mit seinem amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Mi-

chael Daphinoff, die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten B.____, Advokatin Miriam Rieg-

ger, die amtliche Verteidigerin der Beschuldigten C.____, Advokatin Jessica Baltzer, sowie die 

amtliche Verteidigerin der Beschuldigten D.____, Advokatin Nadja Burkhardt. Die Parteien 

wiederholen im Wesentlichen ihre bisher in Schriftform gestellten Anträge (vgl. Prot. Hauptver-

handlung Kantonsgericht, S. 10 ff.). Der Beschuldigte A.____ wird sowohl zu seiner Person 

als auch zur Sache eingehend befragt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 10 ff.).  

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Ge-

richte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gestützt auf 

Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, ein-

schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und 

Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts 

(lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen ange-

fochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Vorliegend macht die 

Staatsanwaltschaft zulässige Rügegründe geltend. Ihre Legitimation zur Erhebung der Beru-

fung ergibt sich aus Art. 381 Abs. 1 StPO. Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung 

zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich 

oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustel-

lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 

 
 

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Aus den Akten ergibt sich, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichts vom 18. Februar 2021 

der Staatsanwaltschaft am 24. Februar 2021 zugestellt worden ist (act. S 661). Mit ihrer Beru-

fungsanmeldung vom 26. Februar 2021 (act. S 1099-1105) hat die Staatsanwaltschaft die 

zehntägige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Frist zur Berufungserklä-

rung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurde vorliegend gewahrt: Das begründete Urteil des Straf-

gerichts vom 18. Februar 2021 wurde der Staatsanwaltschaft am 8. Juni 2021 zugestellt (act. 

S 825), und mit Datum vom 25. Juni 2021 hat die Anklagebehörde die Berufungserklärung 

beim Kantonsgericht eingereicht. Was die Form betrifft, so erfüllen alle Eingaben der Staats-

anwaltschaft die Anforderungen von Art. 385 Abs. 1 StPO. Schliesslich ergibt sich mit Blick auf 

die seitens der Staatsanwaltschaft vor Strafgericht wie auch vor Kantonsgericht betreffend die 

Beschuldigten A.____, B.____ und D.____ gestellten Strafanträge von jeweils über 3 Jahren 

Freiheitsstrafe die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, 

als Berufungsgericht zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmittels aus Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a und lit. b des Einführungsgesetzes vom 12. März 2009 zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Es ist demnach auf die Berufung 

der Staatsanwaltschaft einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufungen 

1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Es liegt einzig eine 

Berufung der Staatsanwaltschaft vor. Demgegenüber haben sämtliche Beschuldigten sowie 

die Privatklägerin weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben. Aufgrund des Gegen-

standes der Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft vom 25. Juni 2021 ist vorliegend das 

Urteil des Strafgerichts vom 18. Februar 2021 grundsätzlich vollständig angefochten. Nicht 

mehr bestritten und daher in Anwendung von Art. 437 Abs. 1 lit. a StPO und Art. 437 Abs. 2 

StPO bereits per Urteilstag in Rechtskraft erwachsen sind demgegenüber die folgenden Teile 

des vorinstanzlichen Urteils: der Schuldspruch wegen mehrfacher Sachbeschädigung (Dispo-

sitiv-Ziffern 1, 4, 7 und 10); der Schuldspruch betreffend B.____ wegen Widerhandlung ge-

mäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG im Sinne des Eigenkonsums, wobei gestützt auf Art. 19a Ziff. 2 

BetmG von einer Bestrafung abgesehen wird (Dispositiv-Ziffer 4 Abs. 4); die Nicht-Eintragung 

der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) bei C.____ (Dispositiv-Ziffer 

9 Satz 2); die Anordnungen der Vorinstanz betreffend die Beschlagnahmegüter (Dispositiv-

Ziffern 13-16); der Verweis der Schadenersatzforderung der Privatklägerin in Höhe von 

Fr. 6‘500.-- auf den Zivilweg (Dispositiv-Ziffer 17); die Festsetzung der Höhe der Entschädi-

gungen an die amtlichen Verteidigungen (Dispositiv-Ziffern 18-20), mit Ausnahme der Festle-

gung des Honorars an Advokatin Nadja Burkhardt, welche separat mit Beschwerde angefoch-

ten wird (vgl. separates Beschwerdeverfahren 470 21 151); sowie die Anordnungen der Vor-

derrichter über die Auferlegung der Verfahrenskosten an die Beschuldigten (Dispositiv-Ziffern 

22-26). 

 

2. Laut Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil 

der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen 

worden ist (sog. Verbot der "reformatio in peius"). Diese Konstellation liegt hier zufolge der 

 
 

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eingelegten Berufung der Staatsanwaltschaft nicht vor. Entsprechend kann das Kantonsge-

richt das vorinstanzliche Urteil nach Massgabe der Berufungsanträge der Staatsanwaltschaft 

entweder bestätigen oder zu Lasten der Beschuldigten verschärfen. 

 

3. Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstan-

zen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die 

Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue 

tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfah-

ren vorgetragen werden (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zür-

cher Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 82 N 10). Vorliegend wird daher in Anwendung der obge-

nannten Bestimmung bezüglich Sachverhaltsfeststellung und rechtliche Würdigung in den un-

angefochten gebliebenen Punkten bereits an dieser Stelle grundsätzlich auf das vorinstanzliche 

Urteil verwiesen und nur auf neu im Berufungsverfahren vorgebrachte Argumente eingegangen. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Vorfragen und Beweis- bzw. Verfahrensanträge 

1.1 Verwertbarkeit der Aussagen von G.____ und H.____  

1.1.1 Das Strafgericht führte auf S. 4-6 des angefochtenen Urteils aus, die vier Beschuldig-

ten sowie die beiden Jugendlichen, G.____ und H.____, Töchter der Beschuldigten B.____ 

und D.____, seien zusammen am 9. Mai 2020 festgenommen worden. Danach seien die Ver-

fahren gegen die beiden Jugendlichen separat durch die Jugendanwaltschaft Basel-Land-

schaft (nachfolgend: Jugendanwaltschaft) geführt worden, wobei G.____ viermal und H.____ 

zweimal einvernommen worden sei. Vorliegend seien die Teilnahmerechte der Beschuldigten 

und ihrer Verteidigungen gemäss Art. 147 StPO verletzt worden, da weder den Beschuldigten 

noch den Verteidigungen die Teilnahme an den Einvernahmen der minderjährigen G.____ und 

H.____ gewährt worden sei, obwohl die Verfahren gegen alle diese Personen wegen Mittäter-

schaft eröffnet worden seien. Zudem sei der Konfrontationsanspruch der Beschuldigten ge-

mäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 

18. April 1999 (BV; SR 101), Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 i.V.m. Art. 6 Ziff. 3 lit. d der 

Europäischen Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und 

Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) verletzt worden, denn die beiden Jugendlichen seien nach 

Grossbritannien zurückgeschickt worden, bevor gegenüber den vier Beschuldigten Anklage 

erhoben worden sei; aus diesem Grund sowie aufgrund der Corona-Massnahmen komme die 

nachträgliche Wiederholung dieser Beweiserhebungen nicht mehr in Betracht. Schliesslich 

habe die Jugendanwaltschaft auch die Bestimmungen über den Beizug einer notwendigen 

Verteidigung gemäss Art. 24 der Schweizerischen Jugendstrafprozessordnung vom 20. März 

2009 (Jugendstrafprozessordnung, JStPO; SR 312.1) verletzt, da die Verfahren gegen die 

beiden Jugendlichen offenbar ohne Beizug einer Verteidigung durchgeführt und abgeschlos-

sen worden seien. Aus den genannten Gründen erklärte die Vorinstanz die Einvernahmen der 

jugendlichen G.____ und H.____ (act. 2755-2899) als unverwertbar und wies diese aus dem 

Recht (vgl. angefochtenes Urteil, a.a.O.). 

 

1.1.2 Die Staatsanwaltschaft stellt in ihrer Berufungserklärung vom 25. Juni 2021 wie auch 

in ihrer Berufungsbegründung vom 16. September 2021 den Beweisantrag, es seien die vom 

 
 

9 von 81 

Strafgericht als unverwertbar angesehenen und aus dem Recht gewiesenen Einvernahmen 

von G.____, geboren am xxx, und H.____, geboren am yyy (act. 2755-2899), wieder zu den 

Akten zu nehmen. Zur Begründung führt die Staatsanwaltschaft zunächst aus, es seien einer-

seits Strafverfahren gegen die Beschuldigten durch die Staatsanwaltschaft und andererseits 

gegen G.____ und H.____ durch die Jugendanwaltschaft geführt worden. Bekanntlich gelte 

aber der Anspruch beschuldigter Personen auf Teilnahme an Beweiserhebungen gemäss 

Art. 147 StPO in getrennt geführten Verfahren gegen andere Mitbeschuldigte nicht. Darum 

könnten die Beschuldigten und ihre Verteidigungen keinen Anspruch auf Teilnahme an den 

durch die Jugendanwaltschaft durchgeführten Einvernahmen von G.____ und H.____ erhe-

ben. Angesichts dessen seien entgegen der Auffassung der Vorinstanz die Teilnahmerechte 

der Beschuldigten gemäss Art. 147 StPO nicht verletzt worden. Ebenso wenig liege eine Ver-

letzung des Konfrontationsanspruchs der Beschuldigten vor, da in casu ausreichend kompen-

sierende Faktoren, welche die streitigen Aussagen auch ohne Konfrontation verwertbar mach-

ten, vorhanden seien. So stellten die Aussagen von G.____, welche auch den bisher nicht 

geständigen A.____ belasteten, lediglich ein Indiz für dessen Beteiligung an den vorgeworfe-

nen Taten dar. Denn es seien alle Beschuldigten in flagranti am Tatort bei der Begehung eines 

Diebstahls erwischt worden. Des Weiteren hätten die übrigen Beschuldigten angegeben, dass 

der Beschuldigte A.____ vom Tatplan gewusst habe und überdies anlässlich des am Tag vor 

dem Diebstahl stattgefundenen Augenscheins vor Ort ebenfalls dabei gewesen sei. Somit 

handle es sich bei den Aussagen von G.____ und H.____ keineswegs um das einzige aus-

schlaggebende Beweismittel für die Beteiligung des Beschuldigten A.____ an den Taten. Des 

Weiteren sei im Zusammenhang mit dem Konfrontationsanspruch auch die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung betreffend das Stellen von Anträgen zu beachten, wonach unter gewissen 

Umständen auf das Recht der Befragung von Belastungszeugen verzichtet werden könne. 

Vorliegend habe der Beschuldigte A.____ bzw. dessen vormaliger Verteidiger erst anlässlich 

der Hauptverhandlung vom 17. Februar 2021 geltend gemacht, die Aussagen von G.____ und 

H.____ dürften mangels Konfrontation nicht verwertet werden, währenddem er im Wissen da-

rum, dass die beiden Jugendlichen bereits am 11. Juni 2020 wieder in ihre Heimat geschickt 

worden seien, weder im Vorverfahren noch anlässlich der Hauptverhandlung vor Strafgericht 

einen Antrag auf Durchführung einer entsprechenden Konfrontationseinvernahme gestellt 

habe. Die durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) veranlasste Rückschaf-

fung von G.____ und H.____ in ihr Heimatland sei mit Blick auf das Kindeswohl und aufgrund 

der Tatsache, dass sich die Eltern der Beiden in Untersuchungshaft befunden hätten, ange-

zeigt gewesen und habe durch die Staatsanwaltschaft nicht verhindert werden können. Darum 

liege nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keine offensichtliche Unverwertbarkeit der fragli-

chen Einvernahmen von G.____ und H.____ im vorliegenden Strafverfahren vor und diese 

hätten demensprechend als Bestandteil bei den Akten zu bleiben. Was schliesslich die angeb-

liche Verletzung der Bestimmungen über die notwendige Verteidigung im Jugendstrafverfah-

ren betreffe, so sei G.____ noch am 9. Mai 2020 im Rahmen der ersten polizeilichen Einver-

nahme ohne Beisein eines Verteidigers befragt worden. Diese Einvernahme habe jedoch kurz 

nach der erfolgten Verhaftung stattgefunden, weshalb der Beizug eines Verteidigers auch nicht 

notwendig gewesen sei. Bereits anlässlich der Hafteröffnung am 10. Mai 2020 sei für G.____ 

offensichtlich eine notwendige Verteidigung bestellt worden. Aus welchen Gründen die bereits 

bestellte Verteidigung an der Einvernahme nicht teilgenommen habe, sei zwar aus dem Ein-

vernahmeprotokoll nicht ersichtlich, es sei jedoch davon auszugehen, dass die Verteidigung 

 
 

10 von 81 

auf die Teilnahme an der Einvernahme verzichtet habe. Auch H.____ sei am 9. Mai 2020 durch 

die Polizei befragt worden. Da sie zum Tatzeitpunkt noch nicht 12 Jahre alt gewesen sei, sei 

sie nach der ersten Befragung aus der Haft entlassen und in einem Kinderheim untergebracht 

worden. Somit habe auch kein Anlass dazu bestanden, für sie eine notwendige Verteidigung 

beizuziehen. Angesichts dessen seien die Bestimmungen über den Beizug einer notwendigen 

Verteidigung gemäss Art. 24 lit. c JStPO nicht verletzt worden (vgl. S. 4 und 6 der Berufungs-

erklärung sowie S. 12-16 der Berufungsbegründung). 

 

Im Rahmen ihres Parteivortrages vor dem Kantonsgericht ergänzt die Staatsanwaltschaft, 

dass sich selbst eine Verletzung von Art. 24 lit. c JStPO nicht auf das Strafverfahren gegen 

die erwachsenen Beschuldigten auswirken würde (vgl. S. 1 des Plädoyers). 

 

1.1.3.1 Der Beschuldigte A.____ nimmt in seiner Berufungsantwort vom 22. November 2021 

zum oben dargestellten Beweisantrag der Staatsanwaltschaft dahingehend Stellung, dass im 

vorliegenden Fall beide Jugendlichen bereits vor der ersten Einvernahme die Voraussetzun-

gen für eine notwendige Verteidigung erfüllt hätten, was der Jugendanwaltschaft auch bekannt 

gewesen sei. So seien die Jugendlichen zu Delikten befragt worden, in welche sowohl deren 

Eltern als auch weitere Verwandte involviert erschienen seien (Interessenskonflikt). Sodann 

sei bereits vor der Ersteinvernahme bekannt gewesen, dass die Jugendlichen der deutschen 

Sprache nicht mächtig gewesen seien und überdies unter psychischen Beeinträchtigungen 

gelitten hätten. Folglich hätte zwingend vor der ersten Einvernahme eine notwendige Verteidi-

gung bestellt werden müssen, weshalb die Aussagen der Jugendlichen unverwertbar und der 

Beweisantrag der Staatsanwaltschaft abzuweisen sei (vgl. S. 8 der Berufungsantwort). 

 

1.1.3.2 Auch der Beschuldigte B.____ erwidert in seiner Berufungsantwort vom 10. Novem-

ber 2021, die jugendlichen Beschuldigten seien nach der Anhaltung zeitgleich wie die erwach-

senen Beschuldigten erstmals zur Sache einvernommen worden. Danach seien weitere Ein-

vernahmen der beiden Jugendlichen erfolgt, bis diese am 11. Juni 2020 nach Grossbritannien 

ausgeschafft worden seien. Erst mit der Schlussmitteilung und der vollständigen Akteneinsicht 

seien die diversen Aussagen von G.____ bekannt geworden. Eine Konfrontationseinvernahme 

sei zu diesem Zeitpunkt nicht mehr durchführbar gewesen. Insofern habe sich auch ein ent-

sprechender Antrag seitens der Verteidigung von B.____ erübrigt. Bereits in der ersten Ein-

vernahme seien den beiden Kindern des Beschuldigten B.____ Delikte von grosser Tragweite 

vorgehalten worden, so dass schon zu diesem Zeitpunkt ein Freiheitsentzug von mehr als 

einem Monat als möglich erschienen sei. Ausserdem seien die beiden Kinder zu Delikten be-

fragt worden, welche im direkten Zusammenhang mit deren Eltern und Verwandten gestanden 

seien. Das Verfahren habe aufgrund der zahlreichen beschuldigten Personen und der diversen 

rechtlichen Fragestelllungen bereits zu Beginn eine besondere Komplexität aufgewiesen. Die 

Strafbehörden hätten zu diesem Zeitpunkt ebenso Kenntnis davon gehabt, dass die jugendli-

chen Beschuldigten der deutschen Sprache nicht mächtig gewesen und psychisch angeschla-

gen gewesen seien. Damit seien bei beiden jugendlichen Beschuldigten sämtliche Gründe für 

den Beizug einer notwendigen Verteidigung schon zum Zeitpunkt der ersten Einvernahme vor-

gelegen. Infolgedessen seien die Aussagen der Jugendlichen unverwertbar und der Beweis-

antrag der Staatsanwaltschaft abzuweisen (vgl. S. 2 f. der Berufungsantwort). 

 

 
 

11 von 81 

1.1.3.3 Die Beschuldigte C.____ führt in ihrer Berufungsantwort vom 27. Oktober 2021 zum 

Beweisantrag der Staatsanwaltschaft ins Feld, die beiden Kinder seien mit massiven Vorhalten 

konfrontiert worden, welche einen Freiheitsentzug mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten erwar-

ten lassen. Es wäre die Aufgabe der Jugendanwaltschaft gewesen, eine Verteidigung für die 

Jugendlichen sicherzustellen, umso mehr es sich um einen Haftfall gehandelt habe. G.____ 

sei bis zum 11. Juni 2020 in Haft und H.____ nach zwei Tagen vorläufiger Festnahme bis zum 

11. Juni 2020 in einem Kinderheim untergebracht gewesen. Es frage sich, warum die Jugend-

anwaltschaft derart elementare Verfahrensrechte der jugendlichen Beschuldigten verletzt 

habe. Die jugendlichen Beschuldigten seien bereits vier Wochen nach der Anhaltung der 

Gruppe, am 11. Juni 2020, in ihr Heimatland überführt worden. Sie seien ab diesem Zeitpunkt 

somit für die Untersuchung nicht mehr greifbar gewesen. Die Aussagen der Kinder, insbeson-

dere die teilweise auch belastenden Aussagen von G.____, seien den Beschuldigten erstmals 

anlässlich ihrer Befragung vom 14. Juli 2021 vorgehalten und die vollständigen Akten der Ver-

teidigung erst mit der Schlussmitteilung und der Fristansetzung für allfällige Beweisanträge 

zugestellt worden. Somit hätte eine Konfrontation bzw. ein entsprechender Antrag der Be-

schuldigten C.____ gar nicht mehr erfolgen können. Aufgrund der Verletzungen der StPO bzw. 

der JStPO seien die Aussagen der Jugendlichen unverwertbar und der Beweisantrag der 

Staatsanwaltschaft abzuweisen (vgl. S. 3 f. der Berufungsantwort). 

 

Ergänzend rügt die Verteidigerin von C.____ in ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht, dass 

es nicht nur bei der Verhaftung, sondern auch bei den danach erfolgten Einvernahmen ziem-

lich chaotisch zugegangen sei (vgl. S. 4 des Plädoyers). 

 

1.1.3.4 Schliesslich entgegnet auch die Beschuldigte D.____ in ihrer Berufungsantwort vom 

20. Oktober 2021, nach der Ersteinvernahme der erwachsenen Beschuldigten seien die Ju-

gendlichen und insbesondere G.____ mehrfach einvernommen worden. Am 11. Juni 2020 

seien die Jugendlichen nach Grossbritannien ausgeschafft worden. Erstmals in der Einver-

nahme vom 7. Juli 2020 und somit rund einen Monat, nachdem sich G.____ nicht mehr in der 

Schweiz befunden habe, sei die Beschuldigte D.____ mit einer einzigen Aussage von G.____ 

konfrontiert worden, welche für D.____ nicht belastend gewesen sei. Insofern habe vor der 

Abreise von G.____ und auch danach kein Grund bestanden, eine Konfrontationseinvernahme 

zu verlangen. Erst mit der Schlussmitteilung und der vollständigen Akteneinsicht seien die 

diversen Aussagen von G.____ bekannt geworden. Da faktisch eine Konfrontationseinver-

nahme nicht mehr durchführbar gewesen sei, habe sich ein entsprechender Antrag erübrigt. 

So oder so seien die Aussagen der Kinder nicht verwertbar. Neben den massiven Vorhalten 

gegenüber den Jugendlichen, welche bereits bei der Ersteinvernahme einen drohenden Frei-

heitsentzug von über einem Monat mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten erwarten lassen, sei 

eine besondere Konstellation vorgelegen, da sowohl die Eltern der Jugendlichen als auch wei-

tere Verwandte hinsichtlich der befragten Delikten involviert erschienen seien. Zudem hätten 

die Jugendlichen über keine Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt und an psychischen 

Beeinträchtigungen gelitten, weswegen insbesondere G.____ Psychopharmaka habe einneh-

men müssen. Das Verfahren habe von Anfang an aufgrund der diversen involvierten Personen 

eine gewisse Komplexität aufgewiesen. Vorliegend hätten daher beide Jugendlichen bereits 

vor der ersten Einvernahme alle Gründe gemäss Art. 24 lit. a und lit. b JStPO erfüllt, was der 

 
 

12 von 81 

Jugendanwaltschaft auch bekannt gewesen sei. Es hätte somit zwingend vor der ersten Ein-

vernahme eine notwendige Verteidigung bestellt werden müssen. Angesichts dessen seien 

die Aussagen der Jugendlichen unverwertbar und der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft 

abzuweisen (vgl. S. 2 f. der Berufungsantwort). 

 

1.1.4.1 Das Kantonsgericht stellt zunächst fest, dass vorliegend G.____ insgesamt viermal, 

nämlich am 9. Mai 2020, am 10. Mai 2020, am 15. Mai 2020 sowie am 10. Juni 2020, sowie 

H.____ insgesamt zweimal, nämlich am 9. Mai 2020 und am 10. Mai 2020, einvernommen 

worden sind (vgl. act. 2755-2899). Die beiden Jugendlichen wurden sodann am 11. Juni 2020 

aus der Haft entlassen und nach Grossbritannien überführt (vgl. Aktennotiz der Jugendanwalt-

schaft vom 24. Juli 2020, act. 2897 f.; Strafbefehl der Jugendanwaltschaft vom 19. August 

2020 in Sachen G.____, act. 3193 ff.; 3201). Gegenüber G.____ wurde durch die Jugendan-

waltschaft am 19. August 2020 ein Strafbefehl, anordnend einen Freiheitsentzug von 80 Ta-

gen, davon 34 Tage unbedingt vollziehbar und 46 Tage bedingt vollziehbar, unter Anrechnung 

von 34 Tagen Untersuchungshaft, wegen mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls, Sach-

beschädigung und Hausfriedensbruchs erlassen (act. 3193 ff.). Demgegenüber wurde das 

Verfahren gegen H.____ mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 19. August 2020 einge-

stellt (act. 3217 ff.). Angesichts des im Berufungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft ge-

stellten Antrags zu prüfen ist, ob die obgenannten Einvernahmen der beiden Jugendlichen im 

Verfahren gegen die vier erwachsenen Beschuldigten A.____, B.____, C.____ und D.____, 

verwertet werden dürfen. 

 

1.1.4.2 Vorab ist auf Art. 139 Abs. 2 StPO, welcher in der vorliegenden Konstellation analog 

anzuwenden ist, zu verweisen. Demnach wird über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, 

der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, nicht Beweis geführt. 

 

Rechtsstaatlich unbedenklich und prozessökonomisch geboten ist es, Beweisbegehren dann 

nicht stattzugeben, wenn eine antizipierte Beweiswürdigung das Ergebnis erbringt, dass die 

beantragte Beweiserhebung – im Falle der erfolgreichen Durchführung – zu einem Ergebnis 

führen würde, das auf der Grundlage der bereits erhobenen Beweise zur Überzeugung der 

Strafbehörde bzw. des Gerichts bereits besteht. Hier reicht es auch, die Erhebung der bean-

tragten Beweise mit der Begründung abzulehnen, die entsprechenden Umstände seien bereits 

erwiesen. Praktisch bedeutsam ist dies insbesondere in Fällen, in denen für eine bestimmte 

Beweistatsache eine Vielzahl von Beweismitteln – zum Beispiel alle zu einer bestimmten Zeit 

an einem bestimmten Ort befindlichen Personen – zur Verfügung steht (vgl. WOLFGANG 

WOHLERS, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 139 N 10, m.w.H., u.a. auf BGE 124 I 287). 

Beweise, die Umstände betreffen, welche für die infrage stehende Entscheidung keine Bedeu-

tung haben, die also nicht rechtserheblich sind, sind nicht zu erheben. Nicht rechtserheblich 

sind nur solche Beweistatsachen, die weder direkt noch indirekt einen Einfluss auf die Beur-

teilung einer relevanten Beweisfrage haben können (vgl. WOLFANG WOHLERS, a.a.O., N 16, 

m.w.H.).  

 

Das Kantonsgericht erachtet nach vorweggenommener Durchsicht der fraglichen Einvernah-

men der beiden Jugendlichen G.____ und H.____ einerseits sowie der Beweismittel in den 

übrigen Akten andererseits die in Frage stehenden Aussagen insofern als "unerheblich" i.S.v. 

 
 

13 von 81 

Art. 139 Abs. 2 StPO, als diese für eine sachgerechte Beurteilung der Anklage durch das Ge-

richt gar nicht benötigt werden. Vielmehr kann ein materieller gerichtlicher Entscheid bereits 

gestützt auf die übrigen Akten erfolgen, ohne dass es der Einvernahmen von G.____ und 

H.____ bedarf. Dies relativiert die Bedeutung der im Streit stehenden Einvernahmen der bei-

den Jugendlichen erheblich; nichtsdestotrotz ist nachfolgend auf die Argumente der Parteien 

einzugehen und der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft abschliessend zu behandeln. 

 

1.1.4.3 Was hierbei zunächst die Teilnahmerechte der Beschuldigten gemäss Art. 147 StPO 

betrifft, so statuiert diese Bestimmung in Abs. 1 Satz 1 den Grundsatz der Parteiöffentlichkeit 

der Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren. Demnach haben die Parteien 

das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend 

zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische Teilnahme- und 

Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). 

Es kann nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen (vgl. Art. 108, Art. 146 Abs. 4 

und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO; s. auch Art. 101 Abs. 1 StPO) eingeschränkt werden (vgl. BGE 

140 IV 172 E. 1.2.1, unter Hinweis auf die Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitli-

chung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1187 f. Ziff. 2.4.1.3). Die Partei oder ihr Rechtsbei-

stand können die Wiederholung der Beweiserhebung verlangen, wenn der Rechtsbeistand 

oder die Partei ohne Rechtsbeistand aus zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert 

waren. Auf eine Wiederholung kann verzichtet werden, wenn sie mit unverhältnismässigem 

Aufwand verbunden wäre und dem Anspruch der Partei auf rechtliches Gehör, insbesondere 

dem Recht, Fragen zu stellen, auf andere Weise Rechnung getragen werden kann (Art. 147 

Abs. 3 StPO). Beweise, die in Verletzung von Art. 147 Abs. 1 StPO erhoben worden sind, 

dürfen nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend war (Art. 147 Abs. 4 

StPO; vgl. zum Ganzen BGE 139 IV 25 E. 4.2 S. 29 f.; BGer 1B_404/2012 vom 4. Dezember 

2012 E. 2.1.2). Das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Ge-

richte anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen, setzt Parteistel-

lung voraus (vgl. Art. 147 Abs. 1 StPO). Parteien sind die beschuldigte Person, die Privatklä-

gerschaft sowie im Haupt- und im Rechtsmittelverfahren die Staatsanwaltschaft (Art. 104 

Abs. 1 StPO).  

 

Der gesetzliche Anspruch auf Teilnahme an den Beweiserhebungen im Untersuchungs- und 

Hauptverfahren gilt grundsätzlich auch für die Einvernahme von Mitbeschuldigten (vgl. BGE 

140 IV 172 E. 1.2.2 unter Hinweis auf BGE 139 IV 25 E. 5.1-5.3 S. 30 ff.; BGer 1B_404/2012 

vom 4. Dezember 2012 E. 2.1). In getrennt geführten Verfahren kommen indes den Beschul-

digten im jeweils anderen Verfahren keine Parteistellung zu. Ein gesetzlicher Anspruch auf 

Teilnahme an den Beweiserhebungen im eigenständigen Untersuchungs- und Hauptverfahren 

der anderen beschuldigten Person besteht folglich nicht (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario). 

Die Einschränkung der Teilnahmerechte von Beschuldigten in getrennt geführten Verfahren 

im Vergleich zu Mitbeschuldigten im gleichen Verfahren ist vom Gesetzgeber implizit vorgese-

hen und insofern hinzunehmen (vgl. BGE 140 IV 172 E. 1.2.3). So sieht Art. 11 Abs. 1 JStPO 

ausdrücklich das Prinzip vor, dass Verfahren gegen Erwachsene und Jugendliche getrennt 

geführt werden. Dies ist die konsequente Folge davon, dass es sich beim Jugendstrafrecht um 

ein Sonderstrafrecht handelt, das sich vom Erwachsenenstrafrecht namentlich dadurch unter-

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14 von 81 

scheidet, ein Täterstrafrecht mit besonderen Grundsätzen zu bilden, durch besondere Straf-

verfolgungsorgane angewandt zu werden und eine spezielle Gerichtsstandsregelung zu ken-

nen. Die jugendstrafrechtliche Intervention wird auf die Ereignisse abgestimmt, die genau 

diese Person betreffen, weshalb Täter mit ähnlichen Delikten unterschiedlich behandelt wer-

den, je nachdem, welche Sanktion als notwendig erscheint. Aus diesem Grund sowie mit Blick 

auf die geforderte Spezialisierung der Jugendstrafbehörden erfordert es die gesetzliche Be-

stimmung, wonach Verfahren gegen Erwachsene und Jugendliche, die gemeinsam gehandelt 

haben, getrennt, in der Regel durch verschiedene Behörden, behandelt werden (vgl. 

CHRISTOPH HUG/PATRIZIA SCHLÄFLI, Basler Kommentar JStPO, 2. Aufl., Art. 11 N 1 f.). 

 

In Berücksichtigung dieser Gesetzeslage und Rechtsprechung ist im Einklang mit der Staats-

anwaltschaft und entgegen der Auffassung der Vorinstanz wie auch der Beschuldigten festzu-

stellen, dass Letztgenannte angesichts der vom Gesetzgeber bewusst getrennten Verfahren 

vor der Staatsanwaltschaft gegen erwachsene Beschuldigte einerseits und vor der Jugendan-

waltschaft gegen jugendliche Beschuldigte andererseits mangels Parteistellung im jeweils an-

deren Verfahren gerade keinen Anspruch darauf haben bzw. hatten, an den Einvernahmen 

der beiden Jugendlichen teilzunehmen. Eine entsprechende Verletzung der Teilnahmerechte 

gemäss Art. 147 StPO, wie sie die Vorderrichter angenommen haben, ist daher zu verneinen.  

 

1.1.4.4 Was in einem weiteren Punkt das Konfrontationsrecht der Beschuldigten angeht, so 

haben diese angesichts der aus Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 

i.V.m. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK fliessenden Verfahrensgarantien als Teilgehalt des Rechts auf 

ein faires Verfahren Anspruch darauf, dem Belastungszeugen Fragen zu stellen. Eine belas-

tende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Beschuldigte wenigstens 

einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeug-

nis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu stellen. Dies kann zum Zeit-

punkt der Aussage oder aber auch in einem späteren Verfahrensstadium erfolgen. Dem An-

spruch gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK kommt grundsätzlich absoluter Charakter zu (vgl. BGer 

6B_1196/2018 vom 6. März 2019 E. 2, unter Hinweis auf BGE 133 I 33 E. 3.1 und 131 I 

476 E. 2.2; BGE 129 I 151 E. 3.1, je mit Hinweisen). Von einer Konfrontation des Angeklagten 

mit dem Belastungszeugen oder auf dessen ergänzende Befragung kann nur unter besonde-

ren Umständen abgesehen werden. Die ausgebliebene Konfrontation mit dem Belastungszeu-

gen verletzt die Garantie aber nicht, wenn jener berechtigterweise das Zeugnis verweigert oder 

die erneute Befragung nicht möglich ist, weil er trotz angemessener Nachforschungen unauf-

findbar bleibt, dauernd oder für lange Zeit einvernahmeunfähig wird oder in der Zwischenzeit 

verstorben ist. Die Verwertbarkeit der ursprünglichen Aussage erfordert allerdings, dass der 

Beschuldigte zu den belastenden Erklärungen hinreichend Stellung nehmen konnte, diese 

sorgfältig geprüft wurden und sich ein Schuldspruch nicht allein darauf abstützt. Ausserdem 

darf der Umstand, dass der Angeschuldigte seine Rechte nicht wahrnehmen konnte, nicht in 

der Verantwortung der Behörde liegen (BGer 6B_1196/2018 vom 6. März 2019 E. 2, unter 

Hinweis auf BGE 131 I 476 E. 2.2 und 2.3.4, mit Hinweisen). Nach der neueren Rechtspre-

chung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) kann ein streitiges Zeug-

nis von ausschlaggebender Bedeutung ohne Konfrontation mit dem Belastungszeugen auch 

verwertbar sein, wenn ausreichend kompensierende Faktoren gegeben sind, die den An-

spruch des Angeschuldigten auf ein faires Verfahren und die Überprüfung der Verlässlichkeit 

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15 von 81 

des Beweismittels gewährleisten (BGer 6B_1196/2018 vom 6. März 2019 E. 2, unter Hinweis 

auf BGer 6B_961/2016 vom 10. April 2017 E. 3.3.1; BGer 6B_75/2013 vom 10. Mai 2013 

E. 3.3.1, je mit Hinweisen; vgl. SIMONE BECKERS, Das Konfrontationsrecht nach Art. 6 Ziff. 3 

lit. d EMRK, ZStrR 133/2015 S. 420 ff.). Dies gilt freilich nur, wenn die Einschränkung des 

Konfrontationsrechts unumgänglich war und das Gericht mithin vorgängig vernünftige Anstren-

gungen unternommen hat, um das Erscheinen des Zeugen vor Gericht sicherzustellen (BGer 

6B_510/2013 vom 3. März 2014 E. 1.3.2).  

 

Im vorliegenden Fall sind derartige kompensierende Elemente, welche den Beschuldigten 

selbst mangels Konfrontation mit den Aussagen der Jugendlichen ein faires Verfahren sicher-

gestellt haben, fraglos zu bejahen. Wie bereits in Erw. 1.1.4.2 festgehalten, stellen die Depo-

sitionen von G.____ und H.____ lediglich Indizien, nicht aber den einzigen bzw. ausschlagge-

benden Beweis gegen die Beschuldigten, allen voran gegen den eine Tatbeteiligung abstrei-

tenden A.____, dar. So wurden die Beschuldigten, wie die Staatsanwaltschaft richtig ausführt, 

am Tatort in flagranti festgehalten (vgl. Polizeirapport vom 19. Mai 2020, act. 2035 ff.). Hinzu 

kommt, dass die Beschuldigten B.____, C.____ und D.____ selbst ausgesagt haben, A.____ 

sei über den Tatplan informiert und auch am Augenschein tags zuvor dabei gewesen, womit 

sie A.____ massiv belasten. So gaben die Beschuldigten C.____ und D.____ anlässlich ihrer 

Einvernahmen vom 14. Juli 2020 und 7. Juli 2020 unter anderem an, der Auftrag von "I.____" 

zum Diebstahl sei "an alle" gegangen (act. 2471, 2379). B.____ führte bereits anlässlich seiner 

Einvernahme vom 9. Mai 2020 aus, die Reise sei von A.____ und D.____ organisiert worden 

(act. 2261). Angesichts dessen wird das Gewicht des allenfalls belastenden Elements in den 

Aussagen der Jugendlichen stark relativiert. Mithin kann das Gericht auch ohne Berücksichti-

gung der Einvernahmen der Jugendlichen schlüssig zu einem Beweisergebnis gelangen. Aus 

den Akten ist zwar nicht ersichtlich, dass die Beschuldigten durch die Strafbehörden in irgend-

einer Weise an einer Konfrontation mit den Aussagen der Jugendlichen gehindert worden wä-

ren. Nicht gefolgt werden kann allerdings der Auffassung der Staatsanwaltschaft, wonach die 

Verteidigungen eine Konfrontation bereits früher hätten beantragen sollen. Denn zum Zeit-

punkt der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen der Beschuldigten, d.h. im Juli 2020, waren 

die Jugendlichen angesichts ihrer Rückführung vom 10. Juni 2020 bereits wieder in Grossbri-

tannien. Ein entsprechender Antrag der Beschuldigten bzw. deren Verteidigungen wäre somit 

ins Leere gelaufen. Ob im konkreten Fall eine Verletzung des Konfrontationsrechts, wie sie 

die Vorinstanz angenommen hat, zu bejahen ist oder nicht, kann aber letztlich offengelassen 

werden, da selbst bei einer Bejahung einer derartigen Verletzung, wie oben dargelegt, genü-

gend kompensierende Umstände vorhanden sind, weshalb allein aus diesem Grund nicht 

zwingend auf eine Unverwertbarkeit der Einvernahmen der Jugendlichen zu schliessen wäre.  

 

1.1.4.5 Beizupflichten ist der Vorinstanz hingegen uneingeschränkt darin, dass im separaten, 

gegen G.____ und H.____ geführten Jugendstrafverfahren ganz offensichtlich die Vorschriften 

über die notwendige Verteidigung im Jugendstrafverfahren gemäss Art. 24 JStPO verletzt wor-

den sind:  

 

Die oder der Jugendliche muss gemäss Art. 24 JStPO verteidigt werden, wenn ihr oder ihm 

ein Freiheitsentzug von mehr als einem Monat oder eine Unterbringung droht (lit. a); sie oder 

er die eigenen Verfahrensinteressen nicht ausreichend wahren kann und auch die gesetzliche 

 
 

16 von 81 

Vertretung dazu nicht in der Lage ist (lit. b); die Untersuchungs- oder Sicherheitshaft mehr als 

24 Stunden gedauert hat (lit. c); sie oder er vorsorglich in einer Einrichtung untergebracht wor-

den ist (lit. d); die Jugendanwältin oder der Jugendanwalt beziehungsweise die Jugendanwalt-

schaft an der Hauptverhandlung persönlich auftritt (lit. e). Die gesetzliche Formulierung in 

Art. 24 lit. b JStPO lässt richtigerweise einen grossen Ermessensspielraum offen. Das Bun-

desgericht hat in seinem Entscheid BGE 138 IV 35 E. 6.3 Kriterien festgehalten, wann eine 

ungenügende Interessenwahrung vorliegen könnte. Erwähnt werden als persönliche Gründe 

mangelnde Sprachkenntnisse, Interessenkonflikte zwischen dem Jugendlichen und seiner ge-

setzlichen Vertretung und eine spezifische Unterstützungsbedürftigkeit sowie als fallbezogene 

sachliche Gründe eine besondere Schwierigkeit oder Komplexität des Verfahrens oder die 

Schwere des Tatvorwurfs, falls sich daraus nicht schon ein Fall von notwendiger Verteidigung 

gestützt auf lit. a ergibt (vgl. DIETER HEBEISEN, Basler Kommentar JStPO, 2. Aufl., Art. 24 N 3). 

Unvermögen zur Verteidigung kann aber auch gegeben sein bei fehlenden intellektuellen Fä-

higkeiten oder bei Unkenntnis der hiesigen Gepflogenheiten. Das Unvermögen wird umso 

mehr zu bejahen sein, je komplizierter der zu beurteilende Sachverhalt und dessen rechtliche 

Würdigung sind (DIETER HEBEISEN, a.a.O., N 3a). Im Jugendstrafprozess ist an die Gewährung 

der amtlichen Verteidigung grundsätzlich ein grosszügiger Massstab anzulegen (BGE a.a.O.). 

 

Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass gleich mehrere Voraussetzungen von Art. 24 JStPO 

erfüllt sind. So wurde den beiden Jugendlichen im Rahmen ihrer Einvernahmen mit dem Tat-

bestand des Diebstahls ein Verbrechen vorgehalten und ihnen drohte dementsprechend mit 

grosser Wahrscheinlichkeit ein Freiheitsentzug von mehr als einem Monat oder eine Unter-

bringung (Art. 24 lit. a JStPO). Des Weiteren waren in casu während der Dauer des Jugend-

strafverfahrens gleich sämtliche vom Bundesgericht (BGE 138 IV 35 E. 6.3) aufgestellten Kri-

terien einer ungenügenden Interessenwahrung sowohl bei den Jugendlichen selbst als auch 

bei deren gesetzlicher Vertretung gemäss Art. 24 lit. b JStPO zu bejahen. So verfügten diese 

Personen allesamt nicht über die erforderlichen Sprachkenntnisse. Interessenkonflikte zwi-

schen den Jugendlichen und deren gesetzlicher Vertretung bestanden in der vorliegenden 

Konstellation in eklatanter Weise, zumal sich sowohl die Jugendlichen als auch just deren 

beide Elternteile, nämlich der Beschuldigte B.____ und die Beschuldigte D.____, mit demsel-

ben Tatvorwurf konfrontiert sahen. Auch ist mit Blick auf die persönlichen Verhältnisse der 

Jugendlichen, gerade was ihre intellektuellen Fähigkeiten, ihren Gesundheitszustand und ih-

ren kulturellen Hintergrund angeht, fraglos von einer besonderen Unterstützungsbedürftigkeit 

derselben auszugehen. Nicht zuletzt ist zudem in sachlicher Hinsicht eine besondere Komple-

xität des Verfahrens allein schon mit Blick auf die Vielzahl der beschuldigten Personen anzu-

nehmen. Hinzu kommt, dass sich G.____ vom 9. Mai 2020 bis zum 10. Juni 2020 und H.____ 

vom 9. bis zum 10. Mai 2020 in Haft befanden, wobei Letztgenannte im Anschluss daran bis 

zum 10. Juni 2020 in einem Jugendheim untergebracht war. Hierdurch sind ebenso ein An-

wendungsfall von Art. 24 lit. c JStPO, eine mehr als 24 Stunden dauernde Untersuchungs- 

oder Sicherheitshaft, sowie ein solcher von Art. 24 lit. d JStPO, eine Unterbringung in einer 

Einrichtung, zu bejahen. Angesichts dessen ist festzustellen, dass das Vorgehen der Jugend-

anwaltschaft im konkreten Fall in mehrfacher Hinsicht nicht den Vorgaben von Art. 24 JStPO 

entsprochen hat. Daher stimmt das Kantonsgericht mit der Vorinstanz überein, dass eine Ver-

teidigung der beiden Jugendlichen offensichtlich notwendig war und die in casu erfolgte Un-

terlassung einer Bestellung derselben einen klaren Verstoss gegen Art. 24 JStPO darstellt. 

 
 

17 von 81 

Der Einwand der Staatsanwaltschaft, dass es sich bei der JStPO um eine andere Prozessord-

nung als die StPO handle, kann nicht gehört werden, zumal die JStPO in Art. 3 Abs. 1 explizit 

eine Anwendung der Bestimmungen der StPO vorsieht, sollte die JStPO selbst keine beson-

dere Regelung enthalten. Es wird lediglich einschränkend festgehalten, dass bei einer Anwen-

dung der StPO deren Bestimmungen im Lichte der Grundsätze von Artikel 4 JStPO auszule-

gen sind (vgl. Art. 3 Abs. 3 JStPO). Diese analoge Anwendung kann jedoch mit Blick auf die 

besondere Zweckbestimmung des Jugendstrafrechts als Täterstrafrecht, wozu insbesondere 

der Schutz und die Entwicklung der Jugendlichen gehören (vgl. CHRISTOPH HUG/PATRIZIA 

SCHLÄFLI, a.a.O., Art. 3 N 10, Art. 4 N 3), nicht zu deren Lasten erfolgen. Schliesslich besticht 

ebenso wenig das Argument der Staatsanwaltschaft, es sei davon auszugehen, dass die be-

reits bestellte Verteidigung auf die Teilnahme an der Einvernahme der Jugendlichen verzichtet 

habe. Dies ist als blosse Mutmassung einzustufen und entbehrt jeder Grundlage in den Akten; 

zudem hätte die betreffende Befragung unter diesen Umständen gar nicht durchgeführt wer-

den dürfen. 

 

1.1.4.6 Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt somit, dass den beiden Jugendlichen 

G.____ und H.____ in jedem Fall zu Unrecht keine Verteidigung bestellt worden ist, obwohl 

diese gemäss Art. 24 JStPO notwendig gewesen wäre. Die Rechtsfolge hinsichtlich der den-

noch erfolgten Einvernahmen von G.____ und H.____ richtet sich mangels besonderer Best-

immungen in der JStPO gemäss deren Art. 3 Abs. 1 nach Art. 131 Abs. 3 StPO: Wurden in 

Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, be-

vor eine Verteidigerin oder ein Verteidiger bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur 

gültig, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet. 

 

Aus den Akten geht an keiner Stelle hervor, dass die Jugendlichen auf eine Wiederholung der 

Beweisabnahme in Form von Einvernahmen verzichtet haben. Ein fehlender Verzicht wird 

denn auch seitens der Beschuldigten im Berufungsverfahren ausdrücklich moniert. Es ist ge-

stützt auf das in Erw. 1.1.4.5 festgestellte, offenkundige Unvermögen der Jugendlichen, ihre 

Verfahrensinteressen ausreichend zu wahren, davon auszugehen, dass G.____ und H.____ 

mangels Beistands durch eine notwendige Verteidigung zu einem solchen Verzicht schlicht-

weg nicht in der Lage gewesen wären. Der entgegenstehenden Argumentation der Staatsan-

waltschaft ist auch insofern nicht zu folgen, als es nicht Aufgabe der Verteidigung sein kann, 

einen Antrag zu stellen, welcher sich offensichtlich negativ auf die Position der Beschuldigten 

auswirken würde. Als Rechtsfolge gemäss Art. 131 Abs. 3 StPO ist somit festzuhalten, dass 

die in Frage stehenden Aussagen von G.____ und H.____ (act. 2755-2899) im Verfahren ge-

gen die Beschuldigten nicht verwertbar sind, wie die Vorinstanz im Ergebnis zu Recht ent-

schieden hat. Demensprechend ist der im Berufungsverfahren gestellte Beweisantrag der 

Staatsanwaltschaft, die fraglichen Einvernahmen der Jugendlichen seien vorliegend zu ver-

werten, abzuweisen. 

 

1.2 Ableben von B.____ 

1.2.1 Vor den Schranken des Kantonsgerichts wirft die amtliche Verteidigerin von B.____ 

die Frage nach dessen Ableben auf und beantragt für den Fall, dass der Tod von B.____ 

bestätigt werden sollte, eine Einstellung des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft schliesst sich 

 
 

18 von 81 

diesem Antrag an (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22; S. 1 des Parteivortra-

ges). 

 

1.2.2.1 Kann ein Urteil nach Anklageerhebung definitiv nicht ergehen, so stellt das Gericht, 

mithin auch die Rechtsmittelinstanz, gestützt auf die allgemeine Verweisungsnorm in Art. 379 

StPO das Verfahren ein (Art. 329 Abs. 4 StPO), sofern dieses wegen fehlender Prozessvo-

raussetzungen oder vorhandener Prozesshindernisse (Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO) einzustellen 

ist (BGer 6B_991/2013 vom 24. April 2014 E. 2.3). Ein Prozesshindernis liegt insbesondere 

beim Tod der beschuldigten Person vor (ROLF GRÄDEL/MATTHIAS HEINIGER, Basler Kommentar 

StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 319 N 15). Sollte der Beschuldigte während des Berufungsverfahrens 

verstorben sein, läge ein unüberwindbares Verfahrenshindernis vor, welches die Fällung eines 

Urteils definitiv verunmöglichen würde. Das Verfahren wäre bei Tod der beschuldigten Person 

einzustellen. Zudem würde das erstinstanzliche Urteil in Bezug auf die verstorbene beschul-

digte Person gegenstandslos (vgl. Art. 329 Abs. 4 StPO; JEREMY STEPHENSON/ROBERTO 

ZANULARDO-WALSER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 329 N 5; LUZIUS EUGSTER, 

Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 403 N 6; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, StPO 

Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 399 N 2, Art. 382 StPO N 8, Art. 403 StPO N 9). 

 

1.2.2.2 Wie der Prozessgeschichte (lit. L) zu entnehmen ist, gab die amtliche Verteidigerin 

von B.____, Advokatin Miriam Riegger, bereits mit Schreiben vom 8. Dezember 2021 gegen-

über dem Kantonsgericht an, ihr sei seitens der amtlichen Verteidigerin von D.____, Advokatin 

Nadja Burkhardt, zugetragen worden, dass sich B.____ am 20. Juli 2021 das Leben genom-

men habe. Belege für den Tod von B.____ seien nicht vorhanden, weshalb um eine amtliche 

Erkundigung bei der britischen Botschaft in Bern ersucht werde. Auch der Beschuldigte 

A.____, Bruder der Beschuldigten D.____, gibt anlässlich seiner Einvernahme zur Person vor 

Kantonsgericht an, man habe ihm am Telefon mitgeteilt, dass sein Schwager B.____ am 

21. Juli 2021 zuhause erhängt aufgefunden worden sei (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantons-

gericht, S. 14). Eine auf Verfügung des Kantonsgerichts vom 14. Dezember 2021 hin erfolgte 

amtliche Erkundigung bei der britischen Botschaft in Bern hat allerdings ergeben, dass weder 

diese noch die britischen Behörden das Ableben von B.____ bestätigen können. So sei eine 

Suche im offiziellen Totenregister von England und Wales ohne Ergebnis geblieben, wobei 

anzumerken sei, dass in Grossbritannien ein Ableben im Normalfall innerhalb von 5 Tagen 

registriert werde (vgl. Schreiben der britischen Botschaft Bern vom 7. Januar 2022 an das 

Kantonsgericht). Diese Mitteilung wurde den Parteien mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 

11. Januar 2022 zur Kenntnis gebracht. Nachdem hinsichtlich des angeblichen Hinschieds von 

B.____ bereits eine amtliche Erkundigung bei der britischen Botschaft in Bern eingeholt und 

die Antwort negativ ausgefallen ist, d.h. das geltend gemachte Ableben des Beschuldigten 

behördlicherseits nicht bestätigt wurde, drängt sich für das Kantonsgericht keine weitere Ab-

klärung betreffend den angeblichen Tod des Beschuldigten B.____ auf. Die Verteidigerin von 

B.____ oder die Mitbeschuldigte und Ehefrau D.____ konnten dem Gericht ebenso wenig ei-

nen gegenteiligen Beleg einreichen. Angesichts dieser Umstände geht das Gericht nach wie 

vor davon aus, dass das Ableben von B.____ nicht bestätigt ist. Aus diesem Grund ist ein 

Verfahrenshindernis zu verneinen und es kann ohne Einschränkung ein Berufungsurteil (auch) 

betreffend den Beschuldigten B.____ erfolgen. 

 

 
 

19 von 81 

2. Diebstahl und Hausfriedensbruch, begangen durch A.____, B.____, C.____ und 

D.____  

2.1 Die Staatsanwaltschaft warf mit Anklageschrift vom 9. September 2020 den vier Be-

schuldigten A.____, B.____, C.____ und D.____ zusammengefasst vor, sie hätten am 9. Mai 

2020, zwischen 01:56 Uhr und 02:45 Uhr, auf dem Areal der Privatklägerin an der 

Y.____strasse 35 in X.____ zusammen mit weiteren nicht näher identifizierten Mittätern bzw. 

zumindest mit einem nicht näher identifizierten Mittäter namens "J.____" oder "I.____" mit ge-

meinsamem Tatentschluss und in arbeitsteiliger Tatausführung wissentlich und willentlich so-

wie mit Aneignungswillen und in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht einen Diebstahl zum 

Nachteil der Privatklägerin begangen (vgl. S. 6 der Anklageschrift, act. S 11).  

 

Dabei seien die Beschuldigten in der Absicht, in der Schweiz mehrere Wohnanhänger, even-

tualiter einen Wohnanhänger, zu entwenden, bereits am Tag zuvor mit ihren Fahrzeugen Ford 

Focus (Kennzeichen GB, ZX.____) und Ford Ranger (Kennzeichen GB, XX.____) zweimal 

über diverse Grenzübergänge in die Schweiz ein- und wieder ausgereist, um das Gelände der 

Privatklägerin auszukundschaften (vgl. S. 6 f. der Anklageschrift, act. S 11 f.). 

 

Am Tattag seien die Beschuldigten mit den zwei vorgenannten Fahrzeugen von Frankreich 

herkommend über den Grenzübergang Z.____strasse erneut in die Schweiz eingereist und 

zum Gelände der Privatklägerin gefahren, wobei mutmasslich die Beschuldigte C.____ das 

Fahrzeug Ford Focus (mit dem Beschuldigten A.____ als Mitfahrer) sowie die Beschuldigte 

D.____ das Fahrzeug Ford Ranger (mit dem Beschuldigten B.____ und den gemeinsamen 

Kindern als Mitfahrer) gelenkt hätten. Daraufhin seien die Beschuldigten zusammen mit wei-

teren, nicht näher identifizierten Mittätern bzw. zumindest mit einem nicht näher identifizierba-

ren Mittäter namens "J.____" oder "I.____" wissentlich und willentlich unbefugt und gegen den 

Willen der Berechtigten mit den beiden obgenannten Fahrzeugen sowie mit einem weiteren, 

nicht näher identifizierten Fahrzeug auf das durch Bäume und Leitplanken zumindest teilweise 

umfriedete Areal der Privatklägerin gefahren. Eventualiter hätten sich die Beschuldigten nicht 

direkt auf das Gelände begeben, sondern die beiden Fahrzeuge in der Nähe abgestellt. In der 

Folge hätten die Beschuldigten sowie die minderjährige G.____, eventualiter ein nicht identifi-

zierter Mittäter und G.____, den zwecks Begehung des Diebstahls mitgeführten Spanngurt an 

einem als Absperrung dienendem Stein, der sich vor dem Standplatz der Wohnanhänger be-

funden habe, befestigt und diesen Stein mit dem Fahrzeug Ford Ranger weggezogen, um den 

Wohnanhänger Tabbert Cellini 655 DF, ohne Kontrollschild, im Wert von Fr. 78'197.-- an den 

Ford Ranger ankoppeln zu können. Dabei habe mutmasslich der Beschuldigte B.____, even-

tualiter ein nicht identifizierter Mittäter, das Fahrzeug gelenkt. Des Weiteren hätten die Be-

schuldigten einen zweiten sich vor dem Standplatz der Wohnanhänger befindlichen Stein, wel-

cher ebenfalls als Absperrung gedient habe, auf eine nicht näher bekannte Weise verschoben. 

Danach sei der Beschuldigte B.____, eventualiter ein nicht näher identifizierter Mittäter, als 

Lenker des Ford Focus rückwärts zum vorgenannten Wohnanhänger gefahren, wobei ihm die 

Beschuldigte C.____ beim Ankoppeln des Wohnanhängers behilflich gewesen sei, indem sie 

ihn beim Rückwärtsfahren mit dem Ford Ranger gelotst und Ausschau gehalten habe. Nach-

dem die Beschuldigten sowie G.____ mittels der Kurbel die Stützen des vorgenannten Wohn-

anhängers hochgefahren, das Stützrad auf der Ladefläche des Fahrzeugs Ford Ranger ver-

staut und den Wohnanhänger angehängt und somit behändigt hätten, seien sie mit dem Ford 

 
 

20 von 81 

Ranger und dem daran angehängten Wohnanhänger Tabbert Cellini 655DF im Wert von 

Fr. 78'197.-- zur Einfahrt des Areals der Privatklägerin in Fahrtrichtung Liebmattstrasse gefah-

ren, wobei mutmasslich der Beschuldigte B.____, eventualiter "J.____" oder "I.____", das 

Fahrzeug Ford Ranger gelenkt habe. Zudem hätten die Beschuldigten beim Wohnanhänger 

Tabbert Cellini 655 DF im Wert von Fr. 69'872.--, welcher direkt hinter dem entwendeten 

Wohnanhänger gestanden sei, die beiden vorderen Stützen komplett sowie die hintere rechte 

Stütze teilweise hochgekurbelt. Überdies hätten die Beschuldigten beim Wohnanhänger Tab-

bert Cellini 750 HTD im Wert von Fr. 118'020.--, welcher sich ebenfalls direkt neben dem ent-

wendeten Wohnanhänger befunden habe, die Abdeckung der hinteren linken Stütze entfernt 

und die elektronischen Stützen abgerissen. Dies hätten die Beschuldigten in der Absicht getan, 

diese beiden Wohnanhänger ebenfalls an das Fahrzeug Ford Focus resp. an das weitere nicht 

näher bekannte Fahrzeug anzuhängen. Schliesslich seien die Beschuldigten mit dem Fahr-

zeug Ford Focus ebenfalls wissentlich und willentlich unbefugt und gegen den Willen der Be-

rechtigten auf das durch Bäume und Leitplanken zumindest teilweise umfriedete Areal der 

Privatklägerin gefahren, um die zuvor präparierten Wohnanhänger Tabbert Cellini 655 DF im 

Wert von Fr. 69'87.-- und Tabbert Cellini 750 HTD im Wert von Fr. 118'020.-- zu entwenden. 

Wenige Minuten danach sei die Polizei eingetroffen und habe die Beschuldigten festgenom-

men (vgl. S. 6-9 der Anklageschrift, act. S 11-17). 

 

2.2.1 Das Strafgericht würdigte in tatsächlicher Hinsicht die Aussagen der Beschuldigten 

sowie die weiteren objektiven Beweise und Indizien (Umstände bei der Anhaltung, polizeiliche 

Feststellungen am Tatort, Aussagen weiterer Personen, Videoaufnahme vom Tatort, Grenz-

übergänge, Feststellungen zur Auswertung der Geräte und Mobiltelefone, DNA-Spur und Be-

schlagnahme, verwandtschaftliche Beziehungen der Beschuldigten untereinander sowie Do-

kumentation betreffend "I.____" und seine Familie) dahingehend, dass es zunächst die wider-

sprüchlichen und sich im Verlauf des Verfahrens abgeänderten Angaben der Beschuldigten 

als nicht glaubhaft einstufte. Die Vorinstanz orientierte sich bei der Entscheidfindung primär 

an den objektiven Beweisen und legte die Behauptungen der Beschuldigten betreffend Grund 

der Reise in die Schweiz, den Reiseverlauf sowie die Anhaltungssituation dem Sachverhalt 

nur dort ergänzend zugrunde, wo sie unter Berücksichtigung der Feststellungen als nachvoll-

ziehbar erschienen. In diesem Kontext zog sie fast ausschliesslich die Angaben der Beschul-

digten B.____, C.____ und D.____ in Betracht, da sie die ohnehin sehr dürftigen Aussagen 

des Beschuldigten A.____, welcher seine Aussage über weite Strecken verweigerte, als nur 

wenig brauchbar erachtete (vgl. S. 6-26 des angefochtenen Urteils). Zudem folgerten die Vor-

derrichter, es sei nicht nachgewiesen, dass die Beschuldigten schon beim Reiseantritt in 

Grossbritannien einen Diebstahl in der Schweiz geplant hätten. Zugunsten der Beschuldigten 

sei anzunehmen, dass sie sich erst in der Region Basel mit "I.____" getroffen hätten, nachdem 

dieser bereits im Gebiet Paris mit ihnen in telefonischem Kontakt gestanden sei. Des Weiteren 

sei davon auszugehen, dass die Beschuldigten erst, aber spätestens nach einem Treffen mit 

"I.____" in Deutschland den Tatentschluss gefasst hätten, bevor sie zusammen mit diesem 

zur Auskundschaftung des Tatortes sowie zur konkreten Planung der Tatausführung zum Tat-

ort geschritten seien. Des Weiteren schloss die Vorinstanz, dass sämtliche auf dem Firmen-

gelände festgenommenen Personen sowie diejenigen, welche auf den Videoaufnahmen er-

sichtlich seien, jedoch nicht hätten festgenommen werden können, wie unter anderem 

"I.____", aufgrund der konkreten Tatausführung am Tatort zusammengekommen seien. Dabei 

 
 

21 von 81 

nahmen die Vorderrichter in dubio pro reo weiter an, dass die Beschuldigten nur mit dem Dieb-

stahl in Bezug auf den Wohnanhänger Tabbert Cellini 655 DF im Wert von Fr. 78'197.--, nicht 

aber in Bezug auf die beiden weiteren Wohnanhänger in Verbindung gebracht werden könn-

ten. Dass die Beschuldigten von "I.____" bedroht und dieser sie zur Tathandlung genötigt 

habe, sei demgegenüber als Schutzbehauptung zu werten. Mangels objektiver Beweise könne 

zwar nicht festgestellt werden, welche genaue Rolle die Beschuldigten bei der Tatentschlies-

sung, -planung und -ausführung innegehabt hätten. Jedenfalls sei aber die Tat zumindest von 

allen Beschuldigten sowie "I.____" gemeinsam gefasst und geplant worden. Die Beschuldigten 

hätten in der Folge zumindest durch ihre Anwesenheit am Tatort auch bei der Tatausführung 

konkludent mitgewirkt, weshalb alle Beschuldigten, mithin auch A.____, Mitglied des Täterte-

ams gewesen seien (vgl. S. 26-33 des angefochtenen Urteils).  

 

2.2.2 In rechtlicher Hinsicht führte das Strafgericht in Bezug auf die Anklage des Diebstahls 

aus, dass sich der Ford Ranger samt dem angehängten Wohnanhänger noch im Ausfahrtsbe-

reich des Firmengeländes der Privatklägerin befunden habe, als die Polizei die Beschuldigten 

in flagranti ertappt habe. Auf dem Fahrersitz habe die Beschuldigte D.____ gesessen. Die 

anderen Beschuldigten sowie weitere Personen seien auf dem Firmengelände oder im Ford 

Focus gewesen, während die Beschuldigte C.____ und G.____ auf der Flucht festgenommen 

worden seien. Somit sei die Tatausführung noch im Gange gewesen, als die Polizei am Tatort 

erschienen sei. Daher sei der Diebstahl hinsichtlich der Begründung neuen Gewahrsams nicht 

vollendet gewesen. Die Beschuldigten hätten aber den entsprechenden Vorsatz gehabt, wes-

halb es sich um einen versuchten Diebstahl handle. Zudem ging die Vorinstanz davon aus, 

dass die Beschuldigten B.____, C.____, D.____, G.____, "I.____" und allenfalls weitere Per-

sonen den Tatentschluss betreffend den Diebstahl gemeinsam gefasst, bei der Auskundschaf-

tung des Tatortes die Tat konkret geplant und diese dem Tatplan entsprechend in arbeitsteili-

ger Tatausführung verübt hätten. Der Beschuldigte A.____ habe bei der Entschlussfassung 

und Planung der Tat aktiv und bei der Tatausführung konkludent mitgewirkt. Daher hätten sich 

alle Beschuldigten des versuchten Diebstahls im Sinne der Mittäterschaft schuldig gemacht 

(vgl. S. 33 f. des angefochtenen Urteils). 

 

In Bezug auf die Anklage des Hausfriedensbruchs stellten die Vorderrichter fest, dass das 

Firmengelände der Privatklägerin zwar zum grössten Teil unter anderem mit Leitplanken und 

Bäumen umzäunt gewesen sei. Dieses sei indes ohne irgendwelche Einschränkungen rund 

um die Uhr, sowohl zu Fuss als auch mit Fahrzeugen, allgemein zugänglich gewesen. Daher 

könne nicht gesagt werden, dass die Privatklägerin in Bezug auf das Hausrecht ausdrücklich 

oder konkludent irgendeinen Willen geäussert habe, gegen welchen die Beschuldigten durch 

das Betreten des Firmengeländes gehandelt haben sollten. Bereits daran scheitere der objek-

tive Tatbestand, weshalb die Beschuldigten vom entsprechenden Vorwurf freizusprechen 

seien (vgl. S. 35 des angefochtenen Urteils). 

 

2.3.1 In ihrer Berufungsbegründung vom 16. September 2021 führt die Staatsanwaltschaft 

zunächst in tatsächlicher Hinsicht ins Feld, am Tatort hätten sich drei Fahrzeuge sowie min-

destens fünf volljährige Personen befunden, was für den geplanten Diebstahl von lediglich 

einem Wohnwagen nicht erforderlich gewesen wäre, zumal sich das Risiko, aufzufliegen, mit 

jedem zusätzlich involvierten Fahrzeug erhöht habe. Des Weiteren spreche die mitgeführte 

 
 

22 von 81 

Ausrüstung, beinhaltend einen Adapter und einen Caravanspiegel, nicht gegen die Annahme 

eines Diebstahlsvorsatzes auch in Bezug auf die weiteren beiden Wohnanhänger, seien doch 

am bereits angekoppelten und 120 Meter gezogenen Wohnanhänger weder Adapter noch Ca-

ravanspiegel angebracht gewesen. Somit sei die Entwendung von Wohnanhängern auch ohne 

diese Ausrüstung zumindest technisch möglich gewesen. Es sei ohnehin nicht davon auszu-

gehen, dass Kriminaltouristen wie die Beschuldigten die Einhaltung der schweizerischen 

Strassenverkehrsordnung interessiere. Ein weiteres Indiz, welches für eine beabsichtigte Ent-

wendung mehrerer Wohnanhänger spreche, sei, dass das Fahrzeug Ford Focus auf dem Ge-

lände der Privatklägerin zügig in Richtung der präparierten Wohnanhänger gefahren sei, wäh-

renddem sich der Ford Ranger mit dem angehängten Wohnanhänger bereits in Richtung Aus-

fahrt befunden habe. Das Fahrzeug Ford Focus habe ebenfalls über eine Anhängerkupplung 

verfügt, wobei es geeignet gewesen sei, einen Wohnanhänger zu ziehen. Zusammenfassend 

hätten die Beschuldigten somit gemäss ihrem Tatplan in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 

2020 mehrere Wohnanhänger entwenden wollen, was ihnen aber lediglich aufgrund der Poli-

zeirequisition nicht gelungen sei (vgl. S. 2-4 der Berufungsbegründung).  

 

In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht ergänzt die Staatsanwaltschaft, dass der Beschul-

digte B.____ beide Fahrzeuge, sowohl zuerst den Ford Ranger mit dem bereits angehängten 

Wohnanhänger als auch danach den Ford Focus, gelenkt habe, was ebenfalls dafür spreche, 

dass mehr als ein Wohnanhänger hätte entwendet werden sollen. Zudem hätten sich zum 

Zeitpunkt des Eintreffens der Polizei einige Beschuldigte weiter hinten auf dem Grundstück 

und nicht allesamt in den Fahrzeugen befunden, um sodann mit diesem einen entwendeten 

Wohnanhänger wegzufahren (vgl. S. 2-4 des Plädoyers). Was die Tatbeteiligung des Beschul-

digten A.____ betreffe, so habe dieser während des gesamten Verfahrens unglaubhafte Aus-

sagen getätigt. Auch fielen die Angaben des Beschuldigten zu dessen Querschnittlähmung 

durch einige Ungereimtheiten auf. Der Beschuldigte A.____ präsentiere sich als hilflose Per-

son, welche auf starke Medikamente angewiesen und nicht in der Lage sei, einen Diebstahl 

zu begehen. Wohl habe er aber in den Jahren 2015 diverse Delikte begangen, welche das 

Gegenteil bezeugten. Auch wenn der Beschuldigte nicht aktiv am Diebstahl mitgeholfen habe, 

spreche dies nicht gegen eine Mittäterschaft, denn der Beschuldigte habe den Tatentschluss 

mitgetragen und sei auch an der Planung der Tat beteiligt gewesen. Bei der Tatausführung sei 

der Beschuldigte zumindest anwesend gewesen, weshalb er sich die Tatbeiträge der anderen 

Beschuldigten zurechnen lassen müsse (vgl. S. 5 f. des Plädoyers). 

 

2.3.2 In rechtlicher Hinsicht weist die Anklagebehörde in ihrer Berufungsbegründung vom 

16. September 2021 daraufhin, dass die Beschuldigten den Wohnanhänger Tabbert Cellini 

655 DF im Wert von Fr. 78'197.-- mitten in der Nacht an das Fahrzeug Ford Ranger angekup-

pelt und diesen von seinem ursprünglichen Standplatz ca. 120 Meter bis zum Eingang des 

Firmengeländes gezogen hätten. Das zumindest teilweise durch Blocksteine, Zäune, Bäume 

und Hecken sowie Leitplanken umfriedete Firmenareal der Privatklägerin sei im Tatzeitpunkt 

weder durch Personen bewacht noch seien allfällige Sicherheitsschranken oder anderweitige 

Hindernisse vorhanden gewesen, welche die Beschuldigten noch zu überwinden gehabt hät-

ten bzw. welche der Privatklägerin erleichtert hätten, die Herrschaftsmacht an dem bereits am 

Ford Ranger angekoppelten Wohnanhänger zu behalten. Die Privatklägerin habe, trotz instal-

lierter Videokameras, keinerlei Möglichkeit gehabt, die Begehung des Diebstahls irgendwie zu 

 
 

23 von 81 

verhindern. Somit hätten die Beschuldigten das Firmenareal mit dem am Ford Ranger ange-

hängten Wohnanhänger ungehindert verlassen können. Die Herrschaftsmöglichkeit der Pri-

vatklägerin über diesen Wohnanhänger sei dadurch aufgehoben gewesen. Dass es den Be-

schuldigten schliesslich nicht gelungen sei, das Firmenareal mit dem Wohnanhänger zu ver-

lassen, sei lediglich dem Zufall zu verdanken. Die Beschuldigten hätten auf jeden Fall die tat-

sächliche Herrschaft über den angehängten Wohnanhänger innegehabt. Der Umstand, dass 

sie sich noch auf dem Firmenareal befunden hätten, ändere nichts daran, dass der Diebstahl 

bereits vollendet, wenn auch nicht beendet gewesen sei. Der vorliegende Fall unterscheide 

sich insofern von einem normalen Ladendiebstahl. Dieser sei erst im Zeitpunkt vollendet, in 

dem der Geschäftsinhaber keine Verfügungsmacht mehr über die Waren habe, was erst dann 

der Fall sei, wenn der Kunde die Ware in seiner Tasche oder Jacke verstecke. Ein Einkaufs-

vorgang in einem Selbstbedienungsladen unterscheide sich stark vom Kauf eines Wohnanhä-

ngers. So liege es nicht im Sinn und Zweck des Ausstellungsareals, dass die Kunden die aus-

gestellten Wohnanhänger oder Wohnwagen zuerst an ihre Fahrzeuge ankoppeln und diese 

anschliessend am Eingang des Areals bezahlen. An der rechtlichen Würdigung ändere auch 

nichts, dass die zwei weiteren Wohnanhänger noch nicht an die dafür bestimmten Zugfahr-

zeuge angekuppelt gewesen seien, da in Bezug auf die Entwendung sämtlicher Wohnanhä-

nger von einer natürlichen Handlungseinheit auszugehen sei. Die Beschuldigten hätten insge-

samt drei Wohnanhänger entwenden wollen. Diesbezüglich habe ein einheitlicher Willensent-

schluss, d.h. ein Gesamtvorsatz, bestanden. Bei der Privatklägerin sei auch die Herrschafts-

möglichkeit über die noch nicht angekoppelten Wohnanhänger aufgehoben gewesen, weil die 

Beschuldigten die als Absperrung dienenden Steine direkt vor dem Standplatz der Wohnan-

hänger bereits mit dem Fahrzeug Ford Ranger weggezogen hätten und somit die Wohnwagen 

ohne Überwindung allfälliger Sicherheitsschranken oder anderweitiger Hindernisse vom Fir-

menareal hätten entwenden können, ohne dass die Privatklägerin irgendeine Möglichkeit ge-

habt hätte, dies zu verhindern. Dass das Unterfangen schliesslich nicht gelungen sei, sei le-

diglich dem Erscheinen der Polizei vor Ort zu verdanken. Zusammenfassend liege somit ein 

vollendeter Diebstahl vor (vgl. S. 4-7 der Berufungsbegründung). 

 

In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht weist die Staatsanwaltschaft abermals darauf hin, 

dass der Diebstahl bereits mit der Begründung neuen Gewahrsams vollendet sei, wobei es 

keine Rolle spiele, ob sich die Täter noch im Herrschafts- bzw. Machtbereich der Privatklägerin 

aufgehalten hätten. Ein Gewahrsamsbruch bei einem Diebstahl von grossen Gegenständen 

dürfe nicht restriktiver angenommen werden als ein solcher bei kleinen Gegenständen (vgl. 

S.  7 f. des Plädoyers). 

 

Auch hinsichtlich des angeklagten Hausfriedensbruchs, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Be-

rufungsbegründung vom 16. September 2021, vermöge die Begründung der Vorinstanz nicht 

zu überzeugen. Zur Erfüllung des Tatbestands gemäss Art. 186 StGB müsse der Täter gegen 

den Willen des Berechtigten handeln, wobei eine klare Willensbekundung des Berechtigten 

betreffend Ausübung des Hausrechts vorausgesetzt sei. Der Wille des Berechtigten könne 

sowohl ausdrücklich als auch konkludent zum Ausdruck gebracht werden. Indem sich die Be-

schuldigten mitten in der Nacht auf das teilweise umfriedete Gelände der Privatklägerin bege-

ben hätten, um zumindest einen Wohnanhänger zu entwenden und damit eine Straftat zu be-

gehen, und nicht etwa um Wohnanhänger zwecks Kaufs oder Miete zu besichtigen, hätten sie 

 
 

24 von 81 

sich zu einem anderen als dem von der Privatklägerin bestimmten Zweck auf das Firmenge-

lände mit den dort ausgestellten Wohnanhängern begeben. Damit hätten sie eindeutig gegen 

den Willen der Privatklägerin gehandelt. Angesichts dessen sei der Tatbestand des Hausfrie-

densbruchs erfüllt (vgl. S. 10 f. der Berufungsbegründung). 

 

In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht ergänzt die Anklagebehörde, dass der in BGE 108 

IV 39 zu beurteilende Fall mit dem vorliegenden durchaus vergleichbar sei. Wer sich nicht 

nach dem klar erkennbaren Zweck, für welchen die Räumlichkeit öffentlich zugänglich sei, 

verhalte, dringe gegen den Willen des Berechtigten ein und begehe einen Hausfriedensbruch. 

Fraglos entspreche es hier nicht dem Willen des Berechtigten, dass sich Personen, welche 

einzig und alleine zur Begehung von Diebstählen eingefunden hätten, Zutritt auf das Firmen-

gelände verschafften. Folgerichtig hätten sogar die Verteidigungen der Beschuldigten B.____, 

C.____ und D.____ noch vor Strafgericht einen Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs be-

antragt (vgl. S. 9 f. des Plädoyers). 

 

2.4.1.1 Demgegenüber bestreitet der Beschuldigte A.____ in seiner Berufungsantwort vom 

22. November 2021 nach wie vor die ihm gegenüber gemachten Anklagevorwürfe. So macht 

er abermals geltend, während der relevanten Zeitspanne unter Medikamenteneinfluss gestan-

den und auf dem Beifahrersitz des Ford Focus geschlafen zu haben. Er habe daher weder an 

der Planung noch an der aktiven Ausführung der Tat mitgewirkt. Ihm sei mithin bloss seine 

schlafende Anwesenheit zum Verhängnis geworden (vgl. S. 2 der Berufungsantwort). Zutref-

fenderweise sei gemäss Urteil des Strafgerichts der Vorwurf des versuchten Diebstahls der 

beiden weiteren Wohnwagen als nicht erstellt erachtet worden. Die Argumentation der Staats-

anwaltschaft, wonach sich die Beschuldigten nicht ansatzweise um die hiesige Verkehrsord-

nung scheren würden, weshalb die Mitnahme von bloss einem Adapter und einem Caravan-

spiegel nicht gegen die Diebstahlsabsicht in Bezug auf drei Wohnanhänger spreche, sei eine 

reine Mutmassung und Unterstellung. Vielmehr müsse davon ausgegangen werden, dass sich 

jemand, mutmasslich "I.____", Gedanken über die Verkehrsordnung und den Abtransport ge-

macht habe. Abgesehen davon habe sich der Ford Focus keineswegs in unmittelbarer Nähe 

der beiden betreffenden Wohnanhänger befunden; über die Beweggründe für das Rückwärts-

fahren des Ford Focus könne nur spekuliert werden. Der Beschuldigte habe auch keinerlei 

Vorbereitungshandlungen getätigt oder die Wohnwagen "präpariert". Wer wann welchen Ta-

tentschluss gefasst habe, sei völlig unklar. Jedenfalls scheide ein Schlafender dafür aus. So-

dann seien lediglich zwei Fahrzeuge polizeilich angehalten worden, was ebenfalls gegen die 

Diebstahlsabsicht in Bezug auf drei Wohnanhänger spreche. Schliesslich hätten sich die bei-

den Wohnanhänger bei der Anhaltung an ihrem gewöhnlichen Standort befunden, seien weder 

angekoppelt noch verschoben worden, es sei kein abschleppendes Fahrzeug in unmittelbarer 

Nähe gestanden und an keinem der beiden Wohnanhänger hätten sich DNA-Spuren befun-

den. Wer wann und weshalb die beiden Wohnanhänger präpariert haben sollte, sei völlig un-

klar und sicher scheide der Beschuldigte hierfür aus. Im Ergebnis sei die Berufung der Staats-

anwaltschaft abzuweisen und das Urteil des Strafgerichts in diesem Punkt zu bestätigen (vgl. 

S. 3-5 der Berufungsantwort). 

 

In seinem Parteivortrag vor Kantonsgericht ergänzt der amtliche Verteidiger von A.____ hin-

sichtlich des Sachverhalts, dass der Beschuldigte vor Antritt der Reise nicht gewusst habe, 

 
 

25 von 81 

wohin es gehe und was geplant sei. Wegen seiner Invalidität sei es dem Beschuldigten auch 

nicht möglich gewesen, unterwegs auszusteigen und davonzulaufen. Keines der beiden Fahr-

zeuge, weder der Ford Focus noch der Ford Ranger, gehörten dem Beschuldigten. Ursprüng-

lich sei eine Reise nach Paris ins Disneyland geplant gewesen. Es sei erst zu einem späteren 

Zeitpunkt der Entscheid betreffend eine Reise in die Schweiz gefallen. Der Beschuldigte sei 

zudem beim Eintreffen der Polizei am Tatort im Ford Focus gesessen, an welchem kein Wohn-

anhänger angekuppelt gewesen und welcher auch nicht in den umfriedeten Bereich mit Cara-

vans hineingefahren sei. Zudem sei dieses Fahrzeug den eintreffenden Polizisten entgegen- 

und nicht etwa in Richtung der Caravans rückwärtsgefahren. Des Weiteren sei das Firmenge-

lände nur teilweise umfriedet gewesen. Es habe weder bestimmte Hinweistafeln noch Verbote 

gegeben; das Areal sei vielmehr rund um die Uhr sowohl zu Fuss als auch mit Fahrzeugen 

öffentlich zugänglich gewesen. Es sei gerade Sinn und Zweck gewesen, das Ausstellungsge-

lände jederzeit zum Anschauen der ausgestellten Fahrzeuge betreten zu können. Aus den 

Videoaufnahmen zeige sich, dass einige Personen, welche sich zum Ereigniszeitpunkt auf 

dem Firmenareal befunden hätten, nicht hätten festgenommen werden können. Dass der Be-

schuldigte während der ganzen Reise wegen Schmerzen starke Medikamente eingenommen 

und in der Folge fast nur geschlafen habe, werde von den übrigen Beschuldigten bestätigt. 

Der Beschuldigte sei am Ereignisort lediglich aufgewacht, weil die Polizei mit einer starken 

Taschenlampe in sein Gesicht geleuchtet habe. Der Aussage, dass man spontan entschieden 

habe, ins Disneyland zu reisen, könne durchaus gefolgt werden, da Fahrende einen anderen 

Lebensstil pflegten und ein anderes Temperament hätten als Sesshafte. Was schliesslich den 

Auftrag von "I.____" betreffe, so habe der Beschuldigte, wenn überhaupt, von allen Beschul-

digten die geringste Rolle innegehabt (vgl. S. 3-5 des Plädoyers). 

 

2.4.1.2 In rechtlicher Hinsicht führt der Beschuldigte A.____ weiter in seiner Berufungsant-

wort vom 22. November 2021 aus, betreffend den Schuldspruch der Vorinstanz wegen ver-

suchten Diebstahls in Bezug auf den Wohnanhänger Tabbert Cellini 655 DF im Wert von 

Fr. 78'197.-- habe das Strafgericht zutreffenderweise einen neuen Gewahrsam daran und da-

mit eine Vollendung des Diebstahls verneint. Denn vorliegend stelle sich nicht die Frage, ob 

das Firmengelände der Privatklägerin mit einem Verkaufsgeschäft verglichen werden könne. 

Ausschlaggebend sei vielmehr, ob sich der Wohnanhänger noch im Machtbereich (Gewahr-

sam) der Privatklägerin befunden habe. Unbestritten sei, dass die Privatklägerin den Herr-

schaftswillen sowie die Herrschaftsmöglichkeit und damit Gewahrsam über sämtliche sich auf 

ihrem Firmengelände befindlichen Sachen bzw. Gegenstände verfüge. Bei den Wohnanhä-

ngern bestehe Gewahrsam ungeachtet der fehlenden zusätzlichen Absicherung. Es genüge, 

dass sie sich auf dem Firmengelände – dem Machtbereich der Privatklägerin – befänden. Ein 

vollendeter Diebstahl läge nur und erst vor, wenn die Wohnanhänger aus dem Machtbereich 

der Privatklägerin entfernt worden wären. Als die Polizei eingetroffen sei, habe sich der Ford 

Ranger mit dem Wohnanhänger Tabbert Cellini 655 DF im Wert von Fr. 78'197.-- jedoch noch 

vollständig auf dem Firmenareal und somit im Machtbereich der Privatklägerin befunden. Folg-

lich könne nicht von einem vollendeten Diebstahl ausgegangen werden. Der Vorinstanz sei zu 

folgen und mithin versuchter Diebstahl anzunehmen, weshalb die Berufung der Staatsanwalt-

schaft auch in diesem Punkt abzuweisen sei (vgl. S. 5-7 der Berufungsantwort).  

 

 
 

26 von 81 

In seinem Parteivortrag vor dem Berufungsgericht ergänzt der amtliche Verteidiger von 

A.____, dass dieser angesichts seiner körperlichen Behinderung ohnehin keine Entschei-

dungsmacht über das Geschehen gehabt habe. Abgesehen davon fehle es in casu an einem 

Gewahrsamsbruch, wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt habe. Das blosse Ergreifen der 

Sache genüge hier noch nicht und es sei hinzunehmen, dass die Entwendung von kleinen 

Gegenständen allenfalls anders zu beurteilen sei als eine solche von grossen Gegenständen. 

Die Sache sei vorliegend noch nicht aus dem Machtbereich des Berechtigten entfernt gewe-

sen, wie ein Blick auf den Übersichtsplan des Firmenareals zeige. Somit liege bloss ein ver-

suchter Diebstahl vor (vgl. S. 6 f. des Plädoyers). 

 

Schliesslich habe die Vorinstanz, so der Beschuldigte in seiner Berufungsantwort vom 22. No-

vember 2021, zutreffenderweise auch betreffend die Anklage des Hausfriedensbruchs einen 

Freispruch gefällt. Denn die Privatklägerin habe weder ausdrücklich noch konkludent einen 

Willen geäussert, gegen den die Beschuldigten beim Betreten des Firmengeländes gehandelt 

haben sollen. Der von der Staatsanwaltschaft angerufene BGE 108 IV 33 behandle eine nicht 

mit dem vorliegenden Fall vergleichbare Konstellation, sei es doch dort um ein Parkhaus mit 

kontrollierter und eingeschränkter Ein- und Ausfahrt, Öffnungszeiten sowie Parkgebühren ge-

gangen. In casu handle es sich hingegen um ein teilweise umfriedetes Areal, welches zu jeder 

Zeit für die Allgemeinheit frei zugänglich und mit keinerlei Zugangsbeschränkungen oder Ver-

botsschildern versehen sei. Daraus lasse sich offenkundig kein Wille der Privatklägerin erken-

nen, wonach der Zutritt zum Areal auf bestimmte Personengruppen begrenzt bzw. unter ge-

wissen Voraussetzungen der Zutritt gestatten gewesen sein solle. Daher sei die Berufung der 

Staatsanwaltschaft auch diesbezüglich abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil zu bestäti-

gen (vgl. S. 7 f. der Berufungsantwort). 

 

2.4.2 Auch der Beschuldigte B.____ macht in seiner Berufungsantwort vom 10. November 

2021 geltend, dass lediglich ein Wohnwagen hätte abtransportiert werden sollen und es sich 

nicht um einen vollendeten Diebstahl gehandelt habe. Der Beschuldigte sei aber ohnehin nicht 

mit allen Schilderungen und Schlussfolgerungen der Vorinstanz einverstanden. So sei er sehr 

wohl durch "I.____" bzw. dessen Familie zu dieser Tat genötigt worden und habe erst nach 

der Einreise in die Schweiz von dessen Tatplan erfahren. Die rechtlichen Ausführungen der 

Vorinstanz zum versuchten Diebstahl und zum Hausfriedensbruch seien indessen zutreffend 

(vgl. S. 2 der Berufungsantwort). 

 

Die amtliche Verteidigerin von B.____ führt in ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht abrun-

dend aus, die Staatsanwaltschaft stütze sich in ihrer Berufung nicht auf Fakten, sondern ledig-

lich auf Annahmen. So sage die Anzahl der anwesenden Fahrzeuge und erwachsenen Perso-

nen am Tatort noch nichts über die Anzahl der zu entwendenden Gegenstände aus. Auch die 

Argumentation der Anklagebehörde betreffend den Caravanspiegel und den Adapter vermöge 

nicht zu überzeugen; es spreche vielmehr alles dafür, dass nur ein Wohnanhänger entwendet 

werden sollte. Sodann sei der Ford Focus gerade nicht zügig in Richtung der bereits präpa-

rierten Wohnanhänger gefahren. Dabei sei zu beachten, dass der Fahrzeuglenker das Firmen-

gelände nicht kenne und zudem unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden sei. Über die 

Gründe der Fahrtrichtung des Ford Focus könne nur spekuliert werden. Auch die Tatsache, 

dass der Ford Focus über eine Anhängerkupplung verfügt habe, beweise rein gar nichts. Somit 

 
 

27 von 81 

liege zusammenfassend kein rechtsgenüglicher Nachweis, dass mehr als ein Wohnanhänger 

hätte entwendet werden sollen, vor, weshalb der diesbezügliche vorinstanzliche Freispruch zu 

bestätigen sei. In rechtlicher Hinsicht sei festzustellen, dass die Tatausführung in Bezug auf 

den Diebstahl noch nicht abgeschlossen gewesen sei, habe sich doch der Ford Ranger beim 

Eintreffen der Polizei noch auf dem Firmengelände befunden. Sodann liege angesichts der 

uneingeschränkten Zugänglichkeit des Geländes kein Hausfriedensbruch vor (vgl. S. 3-5 des 

Plädoyers).  

 

2.4.3 Die Beschuldigte C.____ bringt in ihrer Berufungsantwort vom 27. Oktober 2021 

ebenso vor, es hätte lediglich ein Wohnwagen entwendet werden sollen und nicht deren drei. 

Die Gruppe sei gerade nicht mit der Absicht des Wohnwagendiebstahls in die Schweiz einge-

reist und habe den beabsichtigten Diebstahl auch nicht minutiös vorbereitet. Der Tatentschluss 

sei vielmehr erst kurz vor der Tat gefällt worden. Die Beschuldigte sei von "I.____" unter Druck 

gesetzt worden, den Wohnwagen zu entwenden. In rechtlicher Hinsicht handle es sich lediglich 

um einen versuchten Diebstahl, und ein Hausfriedensbruch sei nicht gegeben. Auch wenn 

einige Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil bestritten würden, so beantrage die Beschul-

digte eine Bestätigung desselben und damit einhergehend eine Abweisung der Berufung der 

Staatsanwaltschaft (vgl. S. 1-3 der Berufungsantwort). 

 

In ihrem Plädoyer vor Kantonsgericht führt die amtliche Verteidigerin von C.____ zur Ergän-

zung ins Feld, die Beschuldigten hätten sich lediglich wegen versuchten Diebstahls und mehr-

facher Sachbeschädigung zu verantworten. In Bezug auf die Anzahl der Erwachsenen und 

Fahrzeuge auf dem Firmengelände, die Mitnahme eines Caravanspiegels und eines Adapters, 

die Fahrtrichtung des Ford Focus sowie die Anhängerkupplung am Ford Focus stütze sich die 

Staatsanwaltschaft bloss auf Mutmassungen. Eine Indizienkette betreffend einen beabsichtig-

ten Diebstahl von drei Wohnanhängern könne nicht gebildet werden. Was die rechtliche Wür-

digung des beabsichtigten Diebstahls eines Wohnanhängers angehe, so könne ein Gewahr-

samsbruch keinesfalls von den Bemühungen der Privatklägerin, ihr Firmenareal gegen Dieb-

stahl zu sichern, abhängig gemacht werden. Vorliegend sei die Tatausführung noch im Gange 

gewesen, habe doch die Polizei sofort eingegriffen. Schliesslich habe seitens der Privatkläge-

rin kein Wille bestanden, den Zutritt zum Areal persönlich oder sachlich zu begrenzen; daher 

sei auch der Tatbestand des Hausfriedensbruchs nicht erfüllt (vgl. S. 1-4 des Parteivortrages). 

 

2.4.4 Endlich lässt sich auch die Beschuldigte D.____ in ihrer Berufungsantwort vom 

20. Oktober 2021 dahingehend vernehmen, dass sie und die mitverurteilten Familienmitglieder 

durch "I.____" zum versuchten Diebstahl genötigt worden seien. Der Tatentschluss sei fr