# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 17b569f1-9c51-5f0d-8a13-76b33e4eb14f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-07-30
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 30.07.2008 SB 2008 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2008-22_2008-07-30.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 30. Juli 2008 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 08 22 (nicht/mündlich eröffnet)

(Eine gegen dieses Urteil beim Bundesgericht erhobene Beschwerde ist mit Urteil 
vom 14. November 2008 abgewiesen worden).

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Möhr und Michael Dürst 
Aktuar ad hoc Pers

——————

In der strafrechtlichen Berufung

des Z., Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty, Post-
fach 528, Alexanderstrasse 8, 7002 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Albula vom 4. April 2008, mitgeteilt am 
26. Juni 2008, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Senn-
hofstrasse 17, 7001 Chur, Berufungsbeklagte, gegen den Berufungskläger,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am 19. April 2007 um ca. 17.20 Uhr fuhr Z. mit seinem Personenwa-
gen auf einer Nebenstrasse in Y. vom Industriegebiet in Richtung X.. Er beabsich-
tigte, in die X., welche durch Y. führt, einzubiegen. Vor ihm bog ein Geländewagen 
nach rechts in die X. in Richtung W. ein. Anschliessend fuhr auch Z. mit der Absicht, 
nach links einzubiegen, in die X. ein. Zeitgleich näherte sich von rechts V. mit sei-
nem Motorrad. Als Z. das Motorrad bemerkte, leitete er sofort eine Vollbremsung 
ein und kam noch vor der Mittellinie zum Stillstand. Der Motorradlenker reagierte 
ebenfalls mit einem sofortigen Bremsmanöver, als er das Fahrzeug wahrnahm. Da-
durch stürzte er, rutschte mit seinem Motorrad noch einige Meter und kam leicht 
verletzt unterhalb der Einmündung (Nebenstrasse – X.) zum Stillstand. V. erlitt beim 
Sturz Knieverletzungen, verzichtete jedoch auf die Stellung eines Strafantrags we-
gen Körperverletzung. Der am Motorrad entstandene Schaden wurde auf Fr. 500.00 
geschätzt.

B. Mit Kompetenzentscheid vom 15. Mai 2007 stellte die Staatsanwalt-
schaft Graubünden fest, dass für Z. die Übertretungstatbestände von Art. 27 Abs. 1 
SVG (Art. 36 Abs. 2 SSV), Art. 36 Abs. 2 SVG und Art. 14 Abs. 1 VRV in Verbindung 
mit Art. 90 Ziff. 1 SVG in Betracht fallen. Mit deren Verfolgung im Strafmandatsver-
fahren wurde der Kreispräsident Surses betraut. Gegen V. wurde kein Kompeten-
zentscheid erlassen.

C. In seiner Vernehmlassung vom 17. Juni 2007 bestätigte Z. den Unfall-
hergang weitgehend. Seiner Ansicht nach bog der Motorradfahrer wahrscheinlich in 
dem Moment in die X. ein, als der vor ihm abbiegende Geländewagen zwischen ihm 
und dieser Ausfahrt in seiner Sichtlinie war. Weiter war er der Auffassung, der Mo-
torradfahrer habe recht schnell beschleunigt; anders könne er sich nicht erklären, 
diesen nicht bereits früher gesehen zu haben.

D. Mit Strafmandat vom 20. August 2007, mitgeteilt am 24. August 2007, 
erkannte der Kreispräsident Surses:

„1. Altmann Steffen ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG (Art. 36 Abs. 2 SSV, Signalisations-
verordnung), Art.36 Abs. 2 SVG und Art. 14 Abs. 1 VRV (Ver-
kehrsregelnverordnung) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG 
(Strassenverkehrsgesetz).

2. Dafür wird er verurteilt zu einer Busse von Fr. 300.00, ersatzweise 
zu einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen.

3. Der Angeschuldigte bezahlt die Kosten des Verfahrens, beste-
hend aus:

Busse Fr.  300.00

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Rechnung der Polizei Fr.  336.00

Gebühren Kreisamt Fr.  250.00

Gebühren Staatsanwaltschaft Fr.   50.00

Abz. gel. Depot Fr. -600.00

Total Fr.  336.00
Zahlbar innert 30 Tagen an die Kreiskasse Surses.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Angeschuldigte 
habe vorliegendenfalls erwähnte Gesetzesbestimmungen nicht genügend beachtet 
und damit verletzt. Bei einem anschliessenden und genügenden Überblick über den 
vorherrschenden Verkehr auf der X. hätte er das sich nähernde Motorrad rechtzeitig 
erblicken können.

E. Mit Eingabe vom 4. September 2007 liess Z. durch seinen Rechtsver-
treter gegen das ergangene Strafmandat vom 20. August 2007 fristgerecht Einspra-
che erheben. In der Folge wurde die Streitsache am 10. September 2007 zur Weit-
erbehandlung dem Bezirksgerichtspräsidium Albula überwiesen.

F. Nachdem die Untersuchung im Verfahren gegen Z. ergänzt und gegen 
ihn am 13. Dezember 2007 Anklage erhoben worden war, erkannte der Bezirksge-
richtsausschuss Albula mit Urteil vom 4. April 2008, mitgeteilt am 26. Juni 2008, wie 
folgt:

„1. Z. ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 
Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 2 SSV und Art. 14 Abs. 1 VRV in Ver-
bindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

2. Dafür wird er bestraft mit einer Busse von Fr. 100.00, ersatzweise 
zu einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

Untersuchungskosten des Bezirksgerichts-

präsidiums Fr.  400.00

Kosten des Kreisamtes Fr.  636.00

Gerichtsgebühren Fr. 1200.00

insgesamt Fr. 2236.00
gehen zulasten des Verurteilten. Das von diesem geleistete De-
positum von Fr. 600.- wird mit der Busse verrechnet und an die 

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Kosten angerechnet. Der Restbetrag von Fr. 1763.00 ist innert 30 
Tagen mittels beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

Begründet wurde dieses Urteil im Wesentlichen damit, dass der Angeklagte 
den Motorradfahrer zu einem brüsken Bremsmanöver gezwungen habe, womit er 
in objektiver Hinsicht die erwähnten Tatbestände erfüllt habe. Anlässlich der Einver-
nahme durch den Bezirksgerichtspräsidenten am 31. Oktober 2007 habe er selbst 
eingeräumt, die einzige Erklärung, dass er den Motorradfahrer zu spät erblickt habe, 
sei, dass dieser durch den Geländewagen verdeckt gewesen sei. Damit habe er 
seine Vorsichtspflichten dahingehend nicht erfüllt, als dass er hätte warten können 
und müssen, bis ihm die Sicht auf die Gegenfahrbahn nicht mehr durch den Gelän-
dewagen verdeckt gewesen wäre, anstatt einfach loszufahren. Hingegen könne 
nicht davon ausgegangen werden, dass der Motorradfahrer die Kontrolle aufgrund 
eines überhöhten Bremsmanövers verloren habe, vielmehr sei davon auszugehen, 
dass dieser erschrocken sei, als der Angeklagte begann, in die X. einzubiegen und 
im Begriff war, ihm den Vortritt nicht zu gewähren.

G. Gegen dieses Urteil erhob Z. mit Eingabe vom 11. Juli 2008 Berufung 
an den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden mit den folgenden Rechtsbe-
gehren:

„1. Das angefochtene Urteil sei aufzuheben.

2. Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

3. Unter Kost- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz.“

Anhand von Skizzen und Berechnungen wird geltend gemacht, dass erstens 
der Geländewagen den Motorradfahrer zu dem Zeitpunkt, als der Berufungskläger 
den letzten Kontrollblick nach rechts machte, bereits passiert und somit die Sicht 
entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht behindert habe, und zweitens der 
Motorradfahrer mit seiner Maschine dermassen beschleunigt habe, dass er 
buchstäblich aus dem Nichts vor dem Fahrzeug des Berufungsklägers zu Fall ge-
kommen sei.

H. Mit Schreiben vom 18. Juli bzw. 23. Juli 2008 verzichteten die Staats-
anwaltschaft Graubünden sowie der Bezirksgerichtsausschuss Albula auf die Ein-
reichung einer Vernehmlassung.

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Auf die Ausführungen in der Rechtsschrift sowie im angefochtenen Urteil 
wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung:

1.a) Gegen Urteile der Bezirksgerichtsausschüsse können der Verurteilte 
und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erheben (Art. 141 
Abs. 1 StPO). Dazu ist die schriftliche Berufung innert zwanzig Tagen seit der 
schriftlichen Eröffnung des angefochtenen Entscheids einzureichen. Sie ist zu be-
gründen und hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheids gerügt 
werden und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 
142 Abs. 1 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende, frist- und form-
gerecht eingereichte Berufung zu genügen, weshalb darauf einzutreten ist.

b) Der Kantonsgerichtsausschuss überprüft das erstinstanzliche Urteil in 
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht im Rahmen der gestellten Anträge frei (Art. 
146 Abs. 1 StPO). Er besitzt somit eine umfassende, uneingeschränkte Kognitions-
befugnis, und zwar auch in Bezug auf Ermessensfehler, obschon er sich bei deren 
Überprüfung eine gewisse Zurückhaltung auferlegt. Wenn die Aktenlage die Beur-
teilung zulässt und keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt, oder der Man-
gel geheilt ist, entscheidet der Kantonsgerichtsausschuss in der Sache selbst (Art. 
146 Abs. 2 StPO, e contrario). Die Rückweisung an die Vorinstanz bildet die Aus-
nahme (vgl. Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubün-
den, 2. Aufl., Chur 1996, S. 376).

2.a) Der konkrete Unfallhergang ist im vorliegenden Fall im Wesentlichen 
unbestritten geblieben. Streitig ist demnach einzig die Frage, ob der Berufungsklä-
ger von der Vorinstanz zu Recht der betreffenden Verkehrsregelverletzungen schul-
dig gesprochen worden ist. Diese hält hierzu in ihrem Urteil fest, es müsse als er-
stellt gelten, dass der Berufungskläger den vortrittsberechtigten Motorradfahrer zu 
einem brüsken Bremsmanöver gezwungen habe, weshalb er in objektiver Hinsicht 
die ihm zur Last gelegten Tatbestände erfüllt habe. Zudem habe er seine Vorsichts-
pflichten dahingehend nicht erfüllt, als dass er hätte warten können und müssen, 
bis ihm die Sicht auf die Gegenfahrbahn nicht mehr durch den Geländewagen ver-
deckt gewesen sei, anstatt einfach loszufahren. Zu diesem Schluss gelangte die 
Vorinstanz unter anderem auch deshalb, weil der Berufungskläger selbst anlässlich 
der Einvernahme durch die Kantonspolizei am 19. April 2007 (act. 3, S. 2) zu Pro-
tokoll gab, es bestehe die Möglichkeit, dass er den Motorradfahrer zu spät erkannt 
habe, weil ihm der vorausfahrende Geländewagen die Sicht auf die talwärts 

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führende Fahrbahn der X. verdeckte. Diese Aussage wiederholte er auch anlässlich 
der Einvernahme durch den Bezirksgerichtspräsidenten Albula am 31. Oktober 
2007 (act. 28, S. 5). Hingegen könne nach Auffassung der Vorinstanz nicht davon 
ausgegangen werden, der Motorradfahrer habe die Kontrolle aufgrund eines über-
mässigen Beschleunigungsmanövers verloren.

b) Demgegenüber macht der Berufungskläger geltend, die Vorinstanz 
stelle in ihrem Urteil auf zwei Überlegungen ab, welche nachweislich falsch seien. 
Zum einen nehme sie seine Mutmassungen, das Geländefahrzeug habe ihm wohl 
die Sicht verdeckt, als absolut gesichert an. Zum anderen sei sie der Auffassung, 
ein Motorrad könne gar nicht so schnell beschleunigen, wie dies der Berufungsklä-
ger angab.

c) Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last gelegten Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 306). Bei der Würdigung der Be-
weismittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 125 Abs. 2 StPO nach freier, in der 
Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung (vgl. Schmid, Strafprozessrecht, 4. 
Aufl., Basel 2004, N. 286). Dieser Grundsatz der freien Beweiswürdigung ergibt sich 
bereits aus Art. 249 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP; 
SR 312.0). Das Gericht hat von Bundesrechts wegen frei von gesetzlichen Beweis-
regeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter 
Prüfung der vorliegenden Beweise darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für 
bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 115 IV 267 E. 1). Ist für die Urteilsfindung wie im 
vorliegenden Fall die materielle Wahrheit wegleitend, so kann für diese Beurteilung 
nur die freie Meinung des Gerichts massgebend sein (vgl. Hauser/Schweri/Hart-
mann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N. 2). Allein 
auf diese Weise kann das Gericht ein für jeden Einzelfall zutreffendes Urteil fällen. 
Neben der Würdigung der Beweise stellt sich dem Gericht die Frage, wann es eine 
bestimmte Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann nicht. Nach Lehre und 
Rechtsprechung darf blosse Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung nicht genü-
gen, absolute Sicherheit ist für eine solche aber auch nicht erforderlich und eine 
theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein könnte, recht-
fertigt keinen Freispruch (vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N. 11). Trotz-
dem sind an den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen zu stellen. 
Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Be-
weis der Täterschaft. Aufgabe des Gerichts ist es, ohne Bindung an Beweisregeln 
die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen 
bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung ob-
jektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Angeklagten muss sich 

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dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in aus-
schliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Schmid, 
a.a.O., N. 289). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) und Art. 6 Ziffer 2 der Konvention zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) fliessenden 
Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter jedoch nicht von 
der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzun-
gen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2a). Bloss 
theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche 
immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss 
sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das 
heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (vgl. BGE 120 
Ia 31 E. 2c). Die genannte allgemeine Rechtsregel kommt nicht schon dann zur 
Anwendung, wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist vielmehr anhand sämtli-
cher sich aus den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung 
der Anklage oder jene des Angeklagten das Gericht zu überzeugen vermag. Erst 
wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung 
zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den Ange-
klagten günstigere Sachverhalt angenommen werden (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 307).

d) Zu den verschiedenen Beweismitteln ist auszuführen, dass der Grund-
satz der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet, was bedeutet, dass 
alle Beweismittel grundsätzlich gleichwertig sind. Insbesondere sind die Aussagen 
von Zeugen, Auskunftspersonen und sogar Angeschuldigten vollgültige Beweismit-
tel mit derselben Beweiseignung. Weniger die Form, sondern vielmehr der Gesamt-
eindruck, das heisst die Art und Weise der Bekundung sowie die Überzeugungskraft 
ist bei der Würdigung dieser Beweise entscheidend (vgl. Schmid, a.a.O., N. 290). 
Wesentlich können auch so genannte Indizien sein. Indizien können einen für die 
Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben (vgl. BGE 102 IV 33 E. 2a). Indizien 
sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittelbar erhebliche Tatsache 
zulassen. Dabei müssen Indizienbeweise den direkten Beweis oft ersetzen, weil 
Straftaten meistens nicht in aller Öffentlichkeit verübt werden. Indizien können aber 
trügen, und müssen deshalb besonders sorgfältig und kritisch gewürdigt werden, da 
ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 
die Tat hinweist und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lässt 
und somit auch Zweifel enthält. Alle Indizien zusammen können aber vollen Beweis 
und volle Überzeugung bringen und jeden vernünftigen Zweifel ausschliessen. So-

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mit kann aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein 
betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache 
oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechts-
genügenden Beweis von Tat oder Täter geschlossen werden (vgl. Pra 2002 Nr. 180, 
E. 3.4; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N. 12 ff.).

e) Bei der Würdigung von Zeugenaussagen steht nicht die Glaubwürdig-
keit der befragten Person, sondern vielmehr die sachliche Glaubhaftigkeit der Aus-
sage im Vordergrund. Indizien für eine wahrheitsgetreue Aussage bilden dabei die 
innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensab-
laufs sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Ereignisses. Die Schil-
derung des Vorfalls in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu 
erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Kennzeichen für die 
Richtigkeit der Deposition. Die Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befra-
gungen sowie die unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle sprechen ebenfalls 
für die Korrektheit einer Aussage. Bei wahrheitswidrigen Depositionen fehlen diese 
Kennzeichen regelmässig. Als Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Bekun-
dungen gelten Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-
gen, Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen oder Übersteigerungen im Ver-
laufe mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende Ant-
worten und gleichförmig, eingeübt wirkende Aussagen (vgl. Hauser, Der Zeugenbe-
weis im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürcher Schriften 
zum Verfahrensrecht, Band 5, Zürich 1974, S. 311 ff.).

3.a) Anlässlich der Einvernahme durch die Kantonspolizei am 19. April 
2007 (act. 3) gab der Berufungskläger zu Protokoll, dass er mit seinem Personen-
wagen auf der U. in Richtung X. gefahren sei. Als er auf die Strassenkreuzung ge-
langte, habe sich vor ihm noch ein roter Geländewagen befunden, welcher ansch-
liessend nach rechts auf die X. abgebogen sei. Er habe dann langsam die X. befah-
ren, weil er nach links abbiegen wollte. Als er mit seinem Fahrzeug bereits auf der 
genannten Strasse gewesen sei, habe er den von rechts kommenden Motorradfah-
rer bemerkt und sofort gebremst. Auch der Lenker des Motorrads habe ein Brems-
manöver eingeleitet und sei dabei ins Rutschen gekommen. Zu einer Kollision sei 
es jedoch nicht gekommen. Zu dem Zeitpunkt, in dem er den Motorradfahrer erblickt 
habe, sei der Geländewagen bereits 50 - 100 m entfernt gewesen. Zudem räumte 
er ein, es bestehe die Möglichkeit, dass seine Sicht auf die rechte Seite durch den 
Geländewagen verdeckt gewesen sei und er dadurch den Motorradfahrer zu spät 
erkannt habe. Zu der Geschwindigkeit des Motorradfahrers könne er keine Angaben 

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machen, da dieser, als er ihn erblickt habe, bereits das Bremsmanöver eingeleitet 
habe. 

Anlässlich der Einvernahme vor dem Bezirksgerichtspräsidium Albula am 31. 
Oktober 2007 (act. 28) bestätigte er den Unfallhergang weitgehend. Ergänzend gab 
er zu Protokoll, er habe sein Fahrzeug bei der Einmündung völlig angehalten, nach-
dem der vor ihm fahrende Geländewagen nach rechts abgebogen sei. Bevor er die 
X. befahren habe, habe er sich abwechselnd je zweimal in beide Richtungen versi-
chert, dass sich kein anderes Fahrzeug auf der Strasse befände. Weiter erklärte er, 
der Fahrweg, der zum Haus von V. führe, von wo aus dieser mit seinem Motorrad 
in die X. eingebogen sei, münde cirka 50 m oberhalb der Einmündung der U. in die 
X.. Dieser Zufahrtsweg sei von der Einmündung der U. in die X. sichtbar. Es sei für 
ihn auch heute noch die einzige mögliche Erklärung, dass er den Motorradfahrer 
etwas spät gesehen habe, weil er allenfalls vom Geländewagen verdeckt gewesen 
sei. Angaben zu der zurückgelegten Geschwindigkeit des Motorradfahrers könne er 
keine machen, da dieser bereits am Bremsen gewesen sei, als er ihn wahrgenom-
men habe.

b) V. führte zum Unfallhergang anlässlich der Einvernahme durch die 
Kantonspolizei am 19. April 2007 (act. 6) folgendes aus: Er wohne cirka 50 m von 
der Unfallstelle entfernt. Um etwa 17.25 Uhr sei er von seinem Wohnhaus in Rich-
tung Savognin weggefahren. Auf Höhe des Schulhauses habe er eine Geschwin-
digkeit von cirka 30 km/h erreicht. Plötzlich sei links von ihm bei der dortigen Ab-
zweigung ein Fahrzeug in die Hauptstrasse eingebogen. Der Lenker habe die Ab-
sicht gehabt, in Richtung Savognin abzubiegen. Dieser habe ihn im letzten Moment 
gesehen und sofort abgebremst. Er selbst habe eine Vollbremsung eingeleitet, als 
er den einbiegenden Wagen wahrgenommen habe. Gleichzeitig habe er versucht, 
nach rechts auf den angrenzenden Parkplatz auszuweichen, was jedoch gefährlich 
gewesen sei, da sich dort zwei Kinder aufgehalten hätten. Durch das Ausweich-
manöver und das Bremsen sei ihm das Motorrad, welches er habe loslassen müs-
sen, um nicht selber darunter zu geraten, weggerutscht. Aufgrund seiner guten Re-
aktion sei es nicht zu einer Kollision gekommen.

Anlässlich der Einvernahme durch das Bezirksgerichtspräsidium Albula am 
31. Oktober 2007 (act. 27) gab er, von der ersten Aussage abweichend, an, auf der 
Höhe des Schulhauses mit einer Geschwindigkeit zwischen 40 und 50 km/h gefah-
ren zu sein. Im Übrigen deckten sich seine Aussagen mit denjenigen der ersten 
Einvernahme.

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c) Der Berufungskläger bringt nun vor, die Vorinstanz nehme seine Mut-
massung, das Geländefahrzeug habe ihm die Sicht verdeckt, fälschlicherweise als 
absolut gesichert an. Es spricht jedoch einiges dafür, die Auffassung der Vorinstanz 
zu teilen. Der Berufungskläger gab sowohl anlässlich der Einvernahme durch die 
Kantonspolizei wie auch durch das Bezirksgerichtspräsidium Albula zu Protokoll, es 
bestehe die Möglichkeit, dass der Geländewagen ihm die Sicht auf die rechte Seite 
der X. verdeckt habe. Überhaupt sei dies für ihn die einzige Erklärung dafür, den 
Motorradfahrer zu spät gesehen zu haben. Auch anhand der von der Kantonspolizei 
vor Ort gemachten Fotos (act. 9, Foto 1 und 2) ist erkennbar, dass der Berufungs-
kläger bei freier Sicht den in die Hauptstrasse einbiegenden Motorradfahrer in einer 
Entfernung von rund 50 m hätte sehen müssen. Ebenso deutet die Aussage des 
Berufungsklägers, er habe die X. langsam befahren, nachdem der Geländewagen 
nach rechts abgebogen war (act. 3, S. 1), darauf hin, dass er seine Geschwindigkeit 
den beschränkten Sichtverhältnissen angepasst hat. Wäre die Sicht auf beide Sei-
ten frei gewesen, hätte an sich kein Grund bestanden, die Linksbewegung langsam 
durchzuführen. Kann nämlich das Abbiegemanöver ohne Behinderung oder Gefähr-
dung anderer Verkehrsteilnehmer durchgeführt werden, ist es zügig auszuführen, 
damit die Fahrbahn für den Längsverkehr möglichst rasch wieder frei wird (vgl. 
Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I: 
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl., Bern 2002, N. 767, 
N. 873; BGE 99 IV 173 E. 5b). Gemäss Aktenlage erachtet es das Gericht, wie die 
Vorinstanz, als erstellt, dass dem Berufungskläger durch den nach rechts abbiegen-
den Geländewagen die Sicht versperrt war und er deshalb den sich nähernden Mo-
torradfahrer zu spät erblickt hat.

4. Durfte die Vorinstanz nach dem Gesagten zu Recht davon ausgehen, 
der Unfall habe sich ereignet, weil dem Berufungskläger die Sicht versperrt war, 
bleibt zu prüfen, ob er sich der Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, 
Art. 36 Abs. 2 SSV (Signalisationsverordnung; SR 741.21) und Art. 14 Abs. 1 VRV 
(Verkehrsregelnverordnung; SR 741.11) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schul-
dig gemacht hat.

Gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG sind Signale und Markierungen sowie 
Weisungen der Polizei zu befolgen. Art. 36 Abs. 2 SSV führt aus, dass das Signal 
„Kein Vortritt“ den Führer verpflichtet, den Fahrzeugen auf der Strasse, der er sich 
nähert, den Vortritt zu gewähren. Dabei unterscheidet sich die Verhaltenserwartung 
inhaltlich nur insofern von derjenigen beim Signal „Stop“, als hier nicht obligatorisch 
angehalten werden muss, sondern nur dann, wenn die Situation es erfordert (vgl. 
Schaffhauser, a.a.O., N. 860). Weiter bestimmt Art. 14 Abs. 1 VRV hierzu, dass, 

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wer zur Gewährung des Vortritts verpflichtet ist, den Vortrittsberechtigten nicht in 
seiner Fahrt behindern darf. Er hat seine Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen 
und, wenn er warten muss, vor Beginn der Verzweigung zu halten. Der Wartepflich-
tige hat bei einer Kreuzung oder Einmündung dafür zu sorgen, dass er den Berech-
tigten in der Weiterfahrt nicht behindert. Eine Behinderung liegt schon dann vor, 
wenn der Berechtigte gezwungen wird, seine Fahrtrichtung oder seine Geschwin-
digkeit brüsk zu ändern (vgl. BGE 99 IV 173 E. 3a). BGE 105 IV 341 präzisiert diese 
Rechtsprechung dahingehend, dass das Vortrittsrecht verletzt ist, wenn der Berech-
tigte durch das Verhalten des Vortrittsbelasteten zu brüskem Bremsen, Beschleuni-
gen oder Ausweichen vor, auf oder kurz nach der Verzweigung gezwungen wird, 
gleichgültig, ob eine Kollision erfolgt oder nicht. Ebenso liegt eine Behinderung im 
Sinne von Art. 14 Abs. 1 VRV vor, wenn sie der Vortrittsberechtigte erwartet und 
sich darauf einstellt, dass sie sich verwirklichen könnte (vgl. BGE 114 IV 146). Indem 
der Berufungskläger vorliegend trotz verdeckter Sicht in die Hauptstrasse einbog 
und den heranfahrenden Motorradfahrer zu einem brüsken Bremsmanöver zwang, 
hat er eindeutig dessen Vortrittsrecht missachtet. In einem solchen Fall ist sogar 
eine konkrete Gefährdung zu bejahen (vgl. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, 
Davos 1999, S. 91).

5. Wenn der Berufungskläger weiter vorbringt, der Motorradfahrer habe 
aufgrund rennmässiger Beschleunigung die besagte Strecke von ca. 60 m in 2.1 
Sekunden mit einer Geschwindigkeit von 51 km/h zurückgelegt, so ist dieser Ein-
wand unbeachtlich, und zwar aus folgenden Gründen. Bei einer Geschwindigkeit 
von 51 km/h (50 km/h = 14 m/s) werden für eine Strecke von 60 m 4.2 Sekunden 
benötigt, was bedeutet, dass der Motorradfahrer in den vom Berufungskläger vor-
gebrachten 2.1 Sekunden bei entsprechender Geschwindigkeit gerade einmal die 
Hälfte der besagten Strecke zurückgelegt hätte; andererseits müsste der Motorrad-
fahrer, um die Strecke in 2.1 Sekunden zurückzulegen, mit einer durchschnittlichen 
Geschwindigkeit von rund 102,9 km/h (100 km/h = 28 m/s) unterwegs gewesen sein. 
Dass aber der Motorradfahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h 
derart massiv überschritten haben soll, wird nicht geltend gemacht und hierfür liegen 
auch keinerlei Anhaltspunkte vor. Auch vermag der Umstand, dass das betreffende 
Motorrad, wie vom Berufungskläger vorgebracht, eine Beschleunigung von 200 
km/h in 8.4 Sekunden aufweist, weder das eine noch das andere zu beweisen. So 
oder anders kann der Berufungskläger daraus nichts zu seinen Gunsten herleiten. 
Wenn der Berufungskläger ca. 2 m gefahren sein soll (act. 3, S. 2) und in 2.6 Se-
kunden die Mittelspur erreicht haben will, so war der Motorradfahrer in dieser Zeit 
bereits auf seiner Fahrspur; er kam somit nicht gewissermassen aus dem „Nichts“, 

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umso mehr nicht, als er noch von einer tieferen Geschwindigkeit auf rund 50 km/h 
beschleunigen musste.

An der fraglichen Stelle – einem Innerortsbereich – beträgt die zulässige 
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h. Gemäss dem Einvernahmeprotokoll der Kantons-
polizei Graubünden vom 19. April 2007 (act. 6, S. 1) sagte V. aus, mit ungefähr 30 
km/h in Richtung Savognin gefahren zu sein. Gegenüber dem Bezirksgerichtsprä-
sidenten gab er am 31. Oktober 2007 zu Protokoll, die Geschwindigkeit habe zwi-
schen 40-50 km/h betragen (act. 27, S. 2). Anders lautende Aussagen oder Anhalts-
punkte, die darauf hindeuten würden, er sei mit überhöhter Geschwindigkeit gefah-
ren und der Sturz sei die Folge eines übermässigen Bremsmanövers gewesen, lie-
gen dem Gericht nicht vor. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dieser in der Tat 
erschrak, als er sah, wie der Berufungskläger in die X. einbiegen wollte und ihm 
dadurch den Vortritt verweigert hätte. Dass er daraufhin eine Vollbremsung einlei-
tete, kann ihm jedoch nicht zum Vorwurf gemacht werden. Denn der Vortrittsberech-
tigte darf grundsätzlich davon ausgehen, dass Wartepflichtige sein Recht beachten. 
Dies erlaubt ihm der Vertrauensgrundsatz, solange er sich selbst verkehrsregelkon-
form verhält, worunter insbesondere die Beachtung der allgemeinen Vorsichtspflich-
ten und die Einhaltung einer situationsangemessenen Geschwindigkeit fallen. Ist 
seine Geschwindigkeit nämlich der Situation angemessen, was vorliegend der Fall 
war, braucht er sie vor einer Verzweigung grundsätzlich nicht herabzusetzen (vgl. 
BGE 99 IV 173 E. 3a). Die Vorinstanz hat demnach zutreffend festgestellt, der Be-
rufungskläger habe in objektiver Hinsicht die Tatbestände gemäss Art. 27 Abs. 1 
SVG, Art. 36 Abs. 2 SSV und Art. 14 Abs. 1 VRV erfüllt.

6.a) In subjektiver Hinsicht hat die Vorinstanz dem Berufungskläger ein 
pflichtwidrig unvorsichtiges und damit fahrlässiges Handeln vorgeworfen. Dadurch, 
dass er trotz versperrter Sicht in die Hauptstrasse eingebogen sei und deshalb den 
Motorradfahrer zu spät erblickt habe, müsse ihm vorgeworfen werden, seine Vor-
sichtspflichten dahingehend nicht erfüllt zu haben, als dass er hätte warten können 
und müssen, bis ihm die Sicht auf die Gegenfahrbahn nicht mehr durch den Gelän-
dewagen verdeckt gewesen wäre, anstatt einfach loszufahren. Der Auffassung der 
Vorinstanz beizupflichten.

b) Verkehrsregelverstösse werden gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG mit Busse 
bestraft, soweit nicht die qualifizierten Tatbestandsmerkmale von Art. 90 Ziff. 2 SVG 
erfüllt sind (vgl. Giger, SVG, Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 6. Aufl., Zürich 
2002, S. 246). Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird bestraft, wer durch grobe Verletzung 
der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder 

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in Kauf nimmt. Der Tatbestand ist nach der Rechtsprechung objektiv erfüllt, wenn 
der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet 
und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2; Boll, 
a.a.O., S. 91). Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses Verhalten. Ein 
solches ist unter anderem dann zu bejahen, wenn der Täter ein bedenkenloses Ver-
halten gegenüber fremden Rechtsgütern offenbart (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2; BGE 
130 IV 32 E. 5.1; Boll, a.a.O., S. 91). Da es im vorliegenden Fall an einem rück-
sichtslosen Verhalten seitens des Berufungsklägers fehlt, hat die Vorinstanz zu 
Recht nicht auf grobe Verkehrsregelverletzung entschieden. Der Berufungskläger 
ist zwar in die Hauptstrasse eingebogen, ohne sich ausreichend versichert zu ha-
ben, ob dieses Manöver allenfalls vortrittsberechtigte Verkehrsteilnehmer behindern 
könnte, doch zeugt diese Unachtsamkeit weder von Rücksichtslosigkeit noch offen-
bart sie ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern (vgl. auch 
das Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008, 6B_109/2008). Dem Berufungs-
kläger muss hierbei immerhin zugute gehalten werden, dass er nur langsam in die 
Hauptstrasse eingebogen ist und mitunter auch deshalb eine Kollision mit allenfalls 
schwerwiegenderen Folgen für die beiden Beteiligten vermieden werden konnte.

c) Der Auffassung der Vorinstanz, eine vorsätzliche Verkehrsregelverlet-
zung liege im konkreten Fall nicht vor, ist zuzustimmen. Somit bleibt zu prüfen, ob 
der Berufungskläger die besagten Verkehrsregeln fahrlässig verletzt hat. Fahrlässig 
begeht gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB eine Tat, wer die Folge seines Verhaltens aus 
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. 
Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu 
der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflich-
tet ist. Die pflichtwidrige Unvorsichtigkeit kann darin bestehen, dass er die straf-
rechtlich relevante Folge seines Verhaltens entweder gar nicht bedenkt oder sie 
zwar für möglich hält, aber «darauf nicht Rücksicht nimmt», das heisst, nach der 
üblichen Formulierung, leichtfertig oder gar frivol darauf vertraut, dass sie nicht ein-
treten werde. Unvorsichtig kann nur ein Verhalten sein, dessen negative Folgen für 
den Täter nach seinen individuellen Fähigkeiten zumindest vorhersehbar waren. 
Dazu gehört auch, dass der zu diesen Folgen führende Geschehensablauf im Rah-
men dessen lag, womit nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge gerechnet werden 
musste, zwar nicht in allen Einzelheiten, wohl aber in seinen wesentlichen Zügen 
(vgl. Stratenwerth/Wohlers, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 
Bern 2007, N. 9 f. zu Art. 12 StGB mit Hinweisen).

Der Berufungskläger ist vorliegend in die Hauptstrasse eingebogen, obwohl 
die Sicht auf seiner rechten Seite nicht gänzlich frei war. Damit, dass in einer sol-

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chen Situation die Möglichkeit besteht, dass ein anderer Verkehrsteilnehmer von 
rechts kommen kann, muss nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge gerechnet wer-
den. Der Umstand, dass der Berufungskläger in der konkreten Situation nur lang-
sam eingebogen ist, zeigt, dass es für ihn zumindest nicht unvorhersehbar war, 
dass ein Dritter von rechts kommen könnte. Andernfalls wäre er wohl mit höherer 
Geschwindigkeit und ohne die Fahrt auf der Strasse zu unterbrechen abgebogen 
(vgl. Erw. 3.a). Ob er hätte halten und warten müssen, richtet sich nach der Ge-
samtsituation an der Strassenverzweigung, so vorab nach der Signalisation, der 
Übersichtlichkeit und dem Verkehrsgeschehen auf der vortrittsberechtigten Fahr-
bahn. So ist es insbesondere dann erforderlich, zu halten und zu warten, wenn bei 
der Zufahrt zur Strassenverzweigung diese noch nicht oder nicht ausreichend über-
blickt werden kann. Dabei hat der Vortrittsbelastete vor Beginn der Verzweigung zu 
warten, bis er ohne Behinderung Vortrittsberechtigter weiterfahren kann (Schaffhau-
ser, a.a.O., N. 869). Folglich hätte der Berufungskläger vor Beginn der Verzweigung 
warten müssen, bis er die durch den nach rechts abbiegenden Geländewagen ver-
sperrte Strasse wieder gänzlich hätte überblicken können. Indem er aber trotz ver-
deckter Sicht in die Hauptstrasse einbog und den heranfahrenden Motorradfahrer 
zu einem brüsken Bremsmanöver zwang, hat er die in dieser Situation erforderliche 
Sorgfalt vermissen lassen und dessen Vortrittsrecht missachtet. Unter den gegebe-
nen Umständen erachtet das Gericht auch die von der Vorinstanz festgesetzte 
Busse in der Höhe von Fr. 100.00 dem Verschulden des Berufungsklägers als an-
gemessen.

7.a) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz zu 
Recht davon ausgehen durfte, der vorliegende Unfall habe sich deshalb ereignet, 
weil dem Berufungskläger durch den nach rechts abbiegenden Geländewagen die 
Sicht versperrt war und er deshalb den Motorradfahrer zu spät bemerkt hat. Ebenso 
wurde er zu Recht der einfachen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 27 Abs. 1 
SVG, Art. 36 Abs. 2 SSV und Art. 14 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 
SVG für schuldig befunden. Die Berufung ist daher abzuweisen.

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Berufungskläger die 
Kosten des Berufungsverfahrens (Art. 160 Abs. 1 StPO).

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss:

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.00 gehen zu Lasten des 
Berufungsklägers.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesge-
richt geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen 
seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der 
gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zuläs-
sigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das 
Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident: Der Aktuar ad hoc: