# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b98dc8f-e8bf-52d1-b5c1-9c33eeb0fce6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-12-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.12.2018 BVGE 2018 VI/6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2018-VI-6_2018-12-14.pdf

## Full Text

Familienzusammenführung. Asyl 2018 VI/6 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 97 

 

2018 VI/6 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i.S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

D‒3664/2016 vom 14. Dezember 2018 

Familienzusammenführung aus dem Ausland. Ehemann/Vater ist an-

erkannter Flüchtling mit Asyl. 

Art. 51 Abs. 4 AsylG. 

1. Von einer vorbestandenen Familiengemeinschaft im Sinne von 
Art. 51 Abs. 4 AsylG ist auszugehen, wenn die Eheleute zum Zeit-

punkt der Trennung im gleichen Haushalt zusammenlebten. Eine 

Trennung liegt vor, wenn die Familiengemeinschaft durch die 

Flucht des asylberechtigten Mitglieds ins Ausland getrennt wurde 

oder wenn in der Heimat ein weiteres Zusammenleben im gemein-

samen Haushalt infolge zwingender Gründe nicht möglich war 

(E. 5.1‒5.3). 

2. Die Bewilligung der Einreise in die Schweiz setzt weiter voraus, 
dass die Verbindung zwischen den Eheleuten auch nach der Tren-

nung aufrechterhalten und eine rasche Wiedervereinigung der Fa-

milie angestrebt wurde (E. 5.4‒5.5). 

Regroupement familial à l'étranger. Époux et père reconnu réfugié et 

au bénéfice de l'asile. 

Art. 51 al. 4 LAsi. 

1. Il y a préexistence d'une communauté familiale au sens de l'art. 51 
al. 4 LAsi si les époux vivaient en ménage commun au moment de 

la séparation. Tel est le cas lorsque la communauté familiale a été 

séparée par la fuite à l'étranger du membre de la famille ayant 

droit à l'asile ou lorsque la vie commune n'était plus possible dans 

le pays d'origine pour des raisons impérieuses (consid. 5.1–5.3). 

2. L'autorisation d'entrer en Suisse présuppose en outre que la re-
lation entre les époux a été maintenue également après la sépara-

tion et qu'une rapide réunification de la famille a été recherchée 

(consid. 5.4–5.5). 

2018 VI/6 Familienzusammenführung. Asyl 

 

 

98 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Ricongiungimento familiare. Il coniuge/padre è riconosciuto come ri-

fugiato con asilo. 

Art. 51 cpv. 4 Lasi. 

1. Si presume una comunità familiare preesistente ai sensi 
dell'art. 51 cpv. 4 LAsi se i coniugi vivevano in comunione dome-

stica al momento della separazione. Si è in presenza di una sepa-

razione se la comunità familiare è stata divisa dalla fuga all'estero 

del membro avente diritto all'asilo o se non è stato possibile con-

tinuare a vivere in comunione domestica nel paese d'origine per 

motivi imperativi (consid. 5.1‒5.3). 

2. L'autorizzazione di entrata in Svizzera presuppone inoltre che la 
relazione tra i coniugi si sia mantenuta anche dopo la separazione 

e che si sia cercato un rapido ricongiungimento familiare 

(consid. 5.4‒5.5). 

 

Der Beschwerdeführer suchte am 10. März 2015 in der Schweiz um Asyl 

nach. Zu seiner familiären Situation hielt er fest, am 20. Februar 2011 ge-

heiratet zu haben. Seine Ehefrau habe Eritrea zusammen mit ihren beiden 

Kindern anfangs Januar 2016 verlassen und befinde sich nunmehr in 

Äthiopien in einem Flüchtlingslager. 

Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen seines Asylverfahrens Kopien 

seiner Heiratsurkunde, der eritreischen Identitätskarten seiner Ehefrau und 

seiner Mutter sowie der Taufscheine beider Kinder ein. Eigene Identitäts-

papiere brachte er nicht bei. Seine persönliche Identitätskarte sei auf der 

Flucht von Eritrea nach Äthiopien verloren gegangen. 

Mit Verfügung vom 2. März 2016 hiess das Staatssekretariat für Migration 

(SEM, nachfolgend auch: Vorinstanz) das Asylgesuch des Beschwerde-

führers gut und gewährte ihm in der Schweiz Asyl. 

Mit Eingabe vom 22. April 2016 stellte der Beschwerdeführer beim SEM 

ein Gesuch um Familienzusammenführung mit seiner in Äthiopien leben-

den eritreischen Ehefrau sowie den beiden gemeinsamen Kindern. Dabei 

reichte er nebst den bereits während seines Asylverfahrens eingereichten 

Dokumenten zwei Fotos (eine Aufnahme der Ehefrau mit den beiden Kin-

dern und eine Aufnahme der beiden Kinder allein) zu den Akten. 

Mit Verfügung vom 10. Mai 2016 bewilligte das SEM die Einreise der 

Ehefrau und der beiden Kinder in die Schweiz nicht und lehnte das Gesuch 

um Familienzusammenführung ab. 

Familienzusammenführung. Asyl 2018 VI/6 

 

 

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Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mittels seiner Rechts-

vertreterin am 8. Juni 2016 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. 

Dabei liess er beantragen, die Verfügung der Vorinstanz vom 10. Mai 2016 

sei aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzuweisen, seiner Ehefrau und den 

gemeinsamen Kindern die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung 

des Asylverfahrens zu bewilligen. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 

Aus den Erwägungen: 

5.  
5.1 Die Einreisebewilligung zwecks Gewährung des Familienasyls 
wird denjenigen Familienmitgliedern erteilt, die mit dem in der Schweiz 

als Flüchtling anerkannten und asylberechtigten Mitglied in einer Fami-

liengemeinschaft gelebt haben, welche durch die Flucht desselben getrennt 

wurde. Die Einreisebewilligung dient demnach der Wiederherstellung von 

Familiengemeinschaften, die durch die Flucht getrennt wurden, hingegen 

nicht der Aufnahme von neuen oder der Wiederaufnahme von beendeten 

Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.2 und 5.4, insb. 5.4.2). 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei Familien, die bereits vor 
der Ausreise des asylberechtigten Mitglieds im Heimatstaat getrennt leb-

ten, gleichwohl von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft 

aus, wenn zwingende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat vorge-

legen haben (vgl. Urteil des BVGer D‒982/2016 vom 10. September 2018 

E. 5.2.1). 

5.3  
5.3.1 Aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers während seines 
Asylverfahrens sowie der eingereichten Heiratsurkunde und Hochzeits-

fotos, der Kopie der eritreischen Identitätskarte seiner Frau und der Fotos 

des Beschwerdeführers in dessen N-Dossier ist davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer am 22. Februar 2011 geheiratet hat. Nach der Heirat 

konnte er zwar nur wenig Zeit mit seiner Frau und dem am (…) erstgebo-

renen Kind verbringen, dies insbesondere, weil er als Mechaniker in einer 

staatlichen Garage im von seinem Heimatdorf etwa 75 km entfernten J. 

zivilen Nationaldienst habe leisten und deshalb abgesehen von Urlauben 

an seinem Arbeitsort habe leben müssen. Gemäss Aktenlage hat der Be-

schwerdeführer aber zumindest im Gefolge seiner ersten Desertion Mitte 

2012 vier Monate und im Anschluss an seine zweite Desertion im Jahr 

2013 bis zu seiner Ausreise aus Eritrea im Dezember 2013 sechs Monate 

2018 VI/6 Familienzusammenführung. Asyl 

 

 

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lang in seinem Heimatdorf E. bei seiner Mutter gelebt, wo sich auch seine 

Ehefrau sowie das gemeinsame erstgeborene Kind aufgehalten haben. Das 

Geburtsdatum des zweitgeborenen Kinds ([…]) deutet denn auch darauf 

hin, dass dieses während dieser sechs Monate gezeugt wurde. 

5.3.2 Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer nach seiner Heirat zwar gezwungenermassen weitgehend 

getrennt von seiner Frau und dem erstgeborenen Kind leben musste. Un-

geachtet dessen hat er im Gefolge der ersten Desertion während vier Mo-

naten und im Anschluss an die zweite Desertion während sechs Monaten 

bei seiner Frau und dem erstgeborenen Kind gelebt und mit ihnen jeden-

falls in diesen sechs Monaten eine Familiengemeinschaft gebildet, bevor 

er im Dezember 2013 aus Eritrea ausgereist ist. An dieser Einschätzung 

ändert auch der Umstand nichts, dass der Beschwerdeführer seine Familie 

nicht in seine Fluchtabsichten eingeweiht hat, zumal allein aus seiner Er-

klärung, er habe damals einfach verhindern wollen, dass ihn seine Familie 

von seinem Ausreiseentschluss abbringe, nicht darauf geschlossen werden 

kann, es habe im Zeitpunkt vor seiner Ausreise zwischen den Eheleuten 

keine ausgeprägte emotionale Bindung bestanden. Dies nicht zuletzt auch 

deshalb, weil der Beschwerdeführer anschaulich darzulegen vermochte, 

dass ihn die anhaltende behördliche Suche an seinem Wohnort, der seiner 

zweiten Desertion vorangehende Streit mit seinem Vorgesetzten sowie die 

Tatsache, dass er zweimal desertiert ist, Schlimmstes habe befürchten las-

sen, falls die eritreischen Militärbehörden seiner habhaft geworden wären. 

Die letzterwähnten Angaben hat das SEM dem Beschwerdeführer zudem 

zweifellos geglaubt, ansonsten es ihm kein Asyl gewährt hätte. 

5.4 Den Akten zufolge hielt der Beschwerdeführer auch nach seiner 
Ausreise aus Eritrea den Kontakt zu seiner in Eritrea zurückbleibenden 

Familie aufrecht: So erklärte er, er habe erstmals im Sudan telefonischen 

Kontakt mit seiner Ehefrau aufgenommen, und fügte ergänzend an, in 

Äthiopien sei dies nicht möglich gewesen, da es dort keine Telefonverbin-

dungen nach Eritrea gebe. Im Weiteren beantwortete er die Frage, ob er 

mit seiner Ehefrau und seiner Familie von der Schweiz aus regelmässigen 

Kontakt habe, dahingehend, dass dieser zwar nicht regelmässig sei, aber 

immer wieder erfolge. Damit zusammenhängend teilte er während der An-

hörung vom 7. Januar 2016 etwa mit, seine Frau und seine Kinder hätten 

Eritrea vor vier Tagen verlassen und würden sich nunmehr in Äthiopien in 

M. aufhalten. Dass der Beschwerdeführer den Kontakt mit seiner Familie 

seit seiner Ausreise aus Eritrea im Dezember 2013 permanent pflegt, ist 

Familienzusammenführung. Asyl 2018 VI/6 

 

 

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letztlich auch der Eingabe vom 15. Februar 2018 zu entnehmen, der zufol-

ge der Beschwerdeführer aktuell beinahe täglich mit seiner Ehefrau tele-

foniere und dabei auch zu berichten wisse, dass sie und ihre beiden Kinder 

derzeit illegal in R. lebten. All dies deutet darauf hin, dass die Verbindung 

zwischen den Eheleuten auch nach ihrer räumlichen Trennung aufrechter-

halten wurde, weshalb auch aus heutiger Sicht von einer anhaltenden, ge-

lebten Beziehung des Beschwerdeführers zu seiner Familie auszugehen 

ist. 

5.5 Ein starkes Indiz für eine nach wie vor ununterbrochene und 
ernsthafte eheliche Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer, seiner 

Ehefrau und ihren Kindern bildet schliesslich die Tatsache, dass dieser am 

22. April 2016, also eineinhalb Monate nach dem positiven Asylentscheid, 

ein Gesuch um Familiennachzug für seine Ehefrau sowie die beiden ge-

meinsamen Kinder gestellt hat. Dies verdeutlicht, dass der Beschwerde-

führer bestrebt ist, die Familie gestützt auf die aus dem Familienasyl flies-

senden Rechte möglichst rasch wieder zu vereinigen. 

5.6 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 
AsylG (SR 142.31) erfüllt. Es liegen überdies keine besonderen Umstände 

vor, die eine Verweigerung der Flüchtlingseigenschaft nahelegen würden.