# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc75fc7b-a5f0-5451-9e5d-ef9a08a9cfe3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.11.2011 D-331/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-331-2009_2011-11-04.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­331/2009

U r t e i l   v om   4 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richterin Regula Schenker Senn, 
Richterin Claudia Cotting­Schalch;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…), Serbien, alias B._______, 
geboren (…), Serbien und Montenegro, 
alias C._______, geboren (…), Serbien, alias D._______, 
geboren (…), Serbien, alias E._______, geboren (…), 
Serbien, alias F._______, geboren (…), Serbien, alias 
G._______, geboren (…), Serbien,
vertreten durch lic. iur. Brigitt Thambiah, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 17. Dezember 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a  Der  Beschwerdeführer  wurde  am  17.  März  1989  in  H._______ 
(serbisch  I._______, heutige Republik Kosovo) geboren. Bevor er am 1. 
Februar  1990  im Rahmen  des  Familiennachzugs  zusammen mit  seiner 
Mutter  und  seinen  vier  Geschwistern  dem  Vater  in  die  Schweiz  folgte, 
lebte  er  als  Kleinkind  ausserhalb  der  damaligen  Provinz  Kosovo  in  der 
südserbischen  Ortschaft  J._______  (heutige  Republik  Serbien, 
Verwaltungsbezirk K._______, Gemeinde L._______). Nach Verbüssung 
einer  wegen  qualifizierter  Widerhandlung  gegen  das 
Betäubungsmittelgesetz  ausgesprochenen  Zuchthausstrafe  wurde  der 
Vater  des  Beschwerdeführers  am  28.  Juni  1998  aus  der  Schweiz 
weggewiesen  und  mit  einer  unbefristeten  Einreisesperre  belegt.  Seine 
Ehe mit der Mutter des Beschwerdeführers war zuvor mit rechtskräftigem 
Scheidungsurteil  vom  3.  Juli  1997  aufgelöst  worden.  Nach  der 
Ausweisung des Familienoberhauptes verlängerte die Migrationsbehörde 
des  Kantons  M._______  die  Aufenthaltsbewilligungen  für  den 
Beschwerdeführer  und  dessen  Mutter  und  Geschwister  vorerst  mit 
Auflagen. Mit  Entscheid  vom 19.  Januar  2005  lehnte  sie mit  Bezug  auf 
den  Beschwerdeführer  und  dessen  Mutter  eine  Verlängerung  der  am 
30. September  2003  abgelaufenen  Aufenthaltsbewilligungen  ab.  Die 
Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligungen  wurde  in  der  Folge 
sowohl vom kantonalen Justiz­ und Sicherheitsdepartement als auch vom 
kantonalen  Verwaltungsgericht  bestätigt.  Auf  die  gegen  den  Entscheid 
des  Verwaltungsgerichts  erhobene  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  trat 
das Bundesgericht mit Urteil vom 10. Januar 2007 nicht ein. Am 30. April 
2007  dehnte  das  BFM  die  kantonale  Wegweisungsverfügung  auf  die 
ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein aus und  räumte dem 
Beschwerdeführer und seiner Mutter eine bis zum 31. Mai 2007 laufende 
Frist zum Verlassen der Schweiz ein. Die Mutter des Beschwerdeführers 
heiratete am 21. Mai 2007 einen schweizerischen Staatsangehörigen und 
ersuchte  bei  der  Migrationsbehörde  ihres  neuen  Wohnsitzkantons  um 
Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  nach,  die  ihr  schliesslich  erteilt 
wurde.  Ein  am  25.  Mai  2007  eingereichtes  Gesuch  des 
Beschwerdeführers um Erstreckung der Ausreisefrist  bis  zum Entscheid 
über  die  Aufenthaltsbewilligung  seiner  Mutter  wurde  von  der 
Migrationsbehörde  seines  Wohnsitzkantons  nicht  an  die  Hand 
genommen. Dieselbe Migrationsbehörde  forderte den Beschwerdeführer 
stattdessen mit Schreiben vom 8. Februar 2008 auf, die Schweiz bis zum 
15. März 2008 zu verlassen. 

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A.b Der Beschwerdeführer wird seit seiner Einreise in die Schweiz wegen 
Epilepsie  behandelt.  Im  Alter  von  sieben  Jahren,  als  sein  Vater  wegen 
Drogendelikten  inhaftiert  wurde,  traten  bei  ihm  gehäuft  epileptische 
Anfälle auf. Nach einem extremen Anfall im Jahr 2000 musste er sich für 
die  Dauer  von  vier  Monaten  in  stationäre  Behandlung  begeben.  Zur 
Einschränkung  der  Anfälle  muss  er  täglich  Medikamente  einnehmen. 
Noch  heute  treten  beim  Beschwerdeführer  immer  wieder  epileptische 
Anfälle  auf.  In  regelmässigen  Abständen  muss  er  aufgrund  seiner 
psychischen Probleme in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. 
Als  Schüler  zeigte  der  Beschwerdeführer  massive  disziplinarische 
Schwierigkeiten,  die eine Teilnahme am normalen Unterricht nicht mehr 
erlaubten  und  im Herbst  2001  eine Versetzung  in  ein Sonderschulheim 
sowie die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft notwendig machten. 
Nach  der  Einweisung  in  ein  Internat  durch  die  zuständige  kantonale 
Jugendanwaltschaft  im Januar 2004  im Hinblick auf die Beendigung der 
obligatorischen  Schulzeit  verstiess  der  Beschwerdeführer  wiederholt 
gegen  die  dort  geltenden Regeln,  so  dass  der  Aufenthalt  per  17. März 
2004 vorzeitig beendet wurde. Nach dem von der Jugendanwaltschaft im 
Sinne  einer  Schutzmassnahme  verfügten  Eintritt  in  ein  Erziehungsheim 
am  5.  Mai  2004  traten  beim  Beschwerdeführer  Besserungsphasen  ein, 
die  immer  wieder  von  schweren  Regelverstössen  und  Entweichungen 
aus  dem  Heim  unterbrochen  wurden.  Am  1.  August  2005  nahm  der 
Beschwerdeführer  in der  internen Lehrwerkstatt  im Erziehungsheim eine 
Anlehre als (…) in Angriff, die er Ende Mai 2007 erfolgreich abschliessen 
konnte.

A.c Der Beschwerdeführer kam wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Mit 
Strafverfügungen  der  Jugendanwaltschaft  vom  17.  Dezember  2001, 
22. September  2003  und  19.  Dezember  2003  wurde  er  wegen 
Tätlichkeiten,  Diebstahls,  eines  geringfügigen  Vermögensdeliktes, 
Hausfriedensbruchs  und wegen  Verstosses  gegen  das  Transportgesetz 
jeweils  mit  Verweis  betraft.  Wegen  mehrfacher  sexueller  Belästigung, 
Drohung,  Widerhandlung  gegen  das  Transportgesetz,  mehrfacher 
geringfügiger  Vermögensdelikte  sowie  wegen  Tätlichkeit  ordnete  die 
Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 28. April 2004 seine Einweisung 
in ein Erziehungsheim an. Diese Schutzmassnahme wurde mit Verfügung 
der  Jugendanwaltschaft  vom  26.  Februar  2007  weitergeführt,  nachdem 
sich  der  Beschwerdeführer  der  einfachen  Körperverletzung  fehlbar 
gemacht  hatte.  Mit  Strafverfügung  des  Polizeirichteramtes  N._______ 
vom 7. April  2008 wurde der Beschwerdeführer wegen Übertretung des 
Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel zu einer Busse von Fr. 80.– 

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verurteilt. Mit Urteil  des Bezirksgerichts O._______  vom 24.  September 
2008  wurde  er  wegen  Raubes,  begangen  am  4.  Juli  2007,  zu  einer 
Freiheitsstrafe  von  acht Monaten  bedingt  verurteilt,  ausgesetzt  auf  eine 
Probezeit  von  vier  Jahren.  Mit  Strafverfügungen  des  Bezirksamtes 
O._______ vom 20. September 2007, 6. November 2007, 26. März 2008, 
5.  Mai  2009,  19.  August  2009,  3.  November  2009  sowie  8.  Dezember 
2009  wurde  er  wegen  Übertretungen  des  Bundesgesetzes  über  den 
Transport  im  öffentlichen  Verkehr  respektive  wegen  Verletzung  der 
Verkehrsregeln  sowie  Übertretung  des  Bundesgesetzes  über  den 
Transport  im  öffentlichen  Verkehr  beziehungsweise  wegen 
Widerhandlungen  gegen  das  Strassenverkehrsgesetz  zu  Bussen 
zwischen  Fr.  60.–  bis  Fr.  180.–  verurteilt.  Mit  Strafverfügung  des 
Bezirksamtes  O._______  vom  10.  September  2009  wurde  der 
Beschwerdeführer  wegen  Übertretungen  des  Bundesgesetzes  über  die 
Betäubungsmittel  respektive  der  Verordnung  über  die 
Strassenverkehrsregeln  zu  einer  Busse  von  Fr.  200.–  verurteilt.  In  den 
Akten  finden  sich  zudem  unter  anderem  den  Beschwerdeführer 
betreffende  Polizeirapporte  bezüglich  Sachbeschädigung  –  angeblich 
begangen  am  29.  September  2008  –,  Tätlichkeit  /  Körperverletzung  / 
eventuell Raufhandel  –  angeblich  begangen am 18. April  2009 –  sowie 
Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  /  Hinderung  einer 
Amtshandlung / Tätlichkeiten – angeblich begangen am 4. August 2011. 
Den Akten lässt sich jedoch nicht entnehmen, dass diesbezüglich bereits 
eine Verurteilung gegen den Beschwerdeführer erfolgt wäre.

B. 
B.a Am 14. März 2008  reichte der Beschwerdeführer ein Asylgesuch  in 
der Schweiz ein. Als Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er 
befürchte,  bei  einer  Rückkehr  nach  Serbien  Opfer  von  Blutrache  zu 
werden,  weil  im  Jahre  1991  der Onkel mütterlicherseits  in  der  Schweiz 
einen Onkel väterlicherseits erschossen habe. Er selber kenne in Serbien 
ausser seinem Vater, auf dessen Schutz er nach dessen Scheidung von 
seiner Mutter nicht mehr zählen könne und den er vielmehr ebenfalls als 
Urheber möglicher Übergriffe zu fürchten habe, keinen Menschen. Zudem 
würde  er  als  Albanischstämmiger  bei  einer  Rückkehr  in  seinen 
Herkunftsort in Serbien unmittelbar an der Grenze zu Kosovo von den in 
diesem Gebiet  herrschenden  ethnischen Spannungen  zwischen Serben 
und Kosovaren bedroht.

B.b Mit  Verfügung  vom  2.  Juni  2008  trat  das  BFM  in  Anwendung  von 
Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 

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(AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung 
des Nichteintretens auf das Asylgesuch hielt es zusammenfassend  fest, 
der  Beschwerdeführer  habe  trotz  dahin  gehender  Aufforderung  innert 
48 Stunden  nach  Gesuchseinreichung  keine  Reise­  oder 
Identitätspapiere abgegeben und keine entschuldbaren Gründe für dieses 
Versäumnis glaubhaft dargelegt. Mangels asylrechtlicher Relevanz seiner 
Vorbringen erfülle er zudem die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 
Art.  7  AsylG  nicht,  und  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
seien in seinem Fall aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich.

B.c  Am  11.  Juni  2008  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen 
Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  eine  Beschwerde 
einreichen  und  darin  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  es  sei  die 
Verfügung  des  BFM  vom  2.  Juni  2008  aufzuheben,  die  Unzulässigkeit 
und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  seine 
vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen.

B.d  Mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15.  August  2008 
wurde  die  Beschwerde  gutgeheissen,  soweit  darin  im  Hauptunkt – 
sinngemäss – die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 2. Juni 2008 
im  Umfang  der  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffenden 
Dispositivziffern  3­4  und  die  Rückweisung  der  Sache  zur  weiteren 
Abklärung  des  Sachverhalts  und  Neubeurteilung  beantragt  wurde.  Als 
Begründung  führte das Bundesverwaltungsgericht  im Wesentlichen aus, 
in  der  angefochtenen  Verfügung  fehlten  jegliche  Erwägungen  zur 
Vereinbarkeit des Wegweisungsvollzugs mit Art. 8 der Konvention vom 4. 
November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR  0.101).  In  der  Vernehmlassung  zur  Beschwerde  habe  sich 
das  BFM  einseitig  zum  Teilaspekt  des  Familienlebens  geäussert  und 
habe  mit  Blick  auf  die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  das 
Schwergewicht  auf  die  nunmehr  eingetretene  Volljährigkeit  des 
Beschwerdeführers  und  auf  das  Fehlen  einer  besonderen  Abhängigkeit 
von  einem anderen  Familienmitglied  gelegt.  Dabei  übersehe  es  jedoch, 
dass bei intensiven Beziehungen zum Gastland die Ausweisung auch das 
Recht auf Achtung der Privatsphäre berühren könne,  indem nämlich der 
Ausländer  gezwungen werde,  seinen  gewohnten Umkreis  zu  verlassen. 
Ein etwaiges Familienleben im Gastland könne in dieser Konstellation im 
Hinblick auf die – gleichermassen garantierte – Achtung der Privatsphäre 
bedeutsam  werden,  selbst  wenn  es  allein  betrachtet  nicht  als 

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Familienleben  im  Sinne  von  Art.  8  EMRK  gewertet  werden  könne, 
beispielsweise  weil  die  Bedingung  der  Abhängigkeit  nicht  gegeben  sei. 
Damit  lasse  sich  als  Fazit  festhalten,  dass  das  BFM  den  für  die 
Beurteilung  der  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  unter  dem 
Blickwinkel  von  Art  8  EMRK  wesentlichen  Sachverhalt  unvollständig 
erhoben  habe  beziehungsweise  in  diesem  Punkt  seiner  Pflicht  zur 
Begründung  seines  Entscheides  unzureichend  nachgekommen  sei.  Für 
den  weiteren  Inhalt  des  ersten  Asylverfahrens  wird  auf  die  Akten 
verwiesen. 

C. 
Mit  Eingabe  vom  9.  Oktober  2008  liess  der  Beschwerdeführer  durch 
seine neu mandatierte Rechtsvertreterin einen ärztlichen Bericht von Dr. 
med. P._______ vom 6. Oktober 2008 sowie einen ärztlichen Bericht von 
Dr. med. Q._______ vom 4. Oktober 2008 zu den Akten reichen. Die im 
Bericht  vom  4.  Oktober  2008  erwähnten  Beilagen wurden  nicht  zu  den 
Akten gereicht. 

D. 
Mit  Verfügung  vom  17.  Dezember  2008  –  eröffnet  am  folgenden  Tag – 
verfügte das BFM, der Nichteintretens­  und Wegweisungsentscheid des 
BFM vom 2. Juni 2008 (Dispositivziffern 1 und 2 ) sei am 15. August 2008 
in Rechtskraft erwachsen und der Beschwerdeführer habe die Schweiz – 
unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  bis  zum 
16. Januar 2009 zu verlassen. 

Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  die 
Anwendung  von  Art.  8  Ziff.  1  EMRK  unter  dem  Aspekt  des 
Familienlebens komme im vorliegenden Fall aus folgenden Gründen nicht 
in Frage: Der Beschwerdeführer sei volljährig, weswegen er sich nicht auf 
den  Schutz  von  Art.  8  EMRK  berufen  könne.  Zudem  sei  keine 
Abhängigkeit  im Sinne der Strassburger Rechtsprechung auszumachen, 
zumal er  im Heimatstaat – allenfalls mit Hilfe anfänglicher Unterstützung 
seitens  seiner  Verwandten  in  der  Schweiz  und  im  Heimatstaat  –  eine 
eigene  Existenz  aufbauen  könne.  Überdies  sei  der  Beschwerdeführer 
trotz  Epilepsie  nicht  auf  dauernde  Pflege  seiner  Verwandten  in  der 
Schweiz  angewiesen.  Vielmehr  könne  auf  die  medizinischen 
Behandlungsmöglichkeiten  in  seinem  Heimatstaat  verwiesen  werden. 
Ausserdem  bestehe  die  Möglichkeit,  das  er  sich  die  notwendigen 
Medikamente von seinen Verwandten in der Schweiz schicken lasse.

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Hinsichtlich  der  Anwendung  von  Art.  8  EMRK  bezüglich  des  Schutzes 
des  Privatlebens  sei  zunächst  darauf  hinzuweisen,  dass  nach  der 
Ausweisung  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  die 
Aufenthaltsbewilligung  der  Mutter  und  ihrer  Kinder  nur  mit  Auflagen 
verlängert  worden  sei.  Weil  diese  Auflagen  nicht  erfüllt  worden  seien, 
habe  das  Ausländeramt  des  Kantons M._______  die  Verlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligungen  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Mutter 
abgelehnt und sie angewiesen, den Kanton M._______ bis zum 31. Mai 
2005 zu verlassen. Bereits am 24. Mai 2002 sei dem Beschwerdeführer 
selbst  die  Ausweisung  angedroht  worden  und  er  sei  förmlich  verwarnt 
worden. Er habe deshalb seit längerer Zeit nicht mit letzter Sicherheit mit 
einer  Erneuerung  der  befristeten  Bewilligung  rechnen  können.  Der 
Beschwerdeführer habe den überwiegenden Teil seiner schulischen und 
beruflichen  Ausbildung  in  Sonderstrukturen  absolviert,  womit  die 
integrative  Wirkung  der  ordentlichen  Schul­  und  Berufsausbildung 
weggefallen  sei.  Bisher  sei  er  auch  nicht  erwerbstätig  und  in 
Arbeitsprozesse  eingebunden  gewesen.  Schliesslich  sei  aufgrund  der 
Aktenlage  auch  nicht  erkennbar,  dass  der  Beschwerdeführer  in  einer 
stabilen  Beziehung  lebe  und  Verantwortung  für  eine  eigene  in  der 
Schweiz lebende Familie trage. Er habe daher trotz längeren Aufenthalts 
in  der  Schweiz  keine  intensiven  gesellschaftlichen  oder  beruflichen 
Bindungen zu diesem Land zu entwickeln vermocht, weshalb kein Eingriff 
ins Recht auf Achtung des Privatlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK 
vorliegen  dürfte.  Diese  Frage  könne  jedoch  offen  gelassen  werden,  da 
ein  allfälliger  Eingriff  in  das  Privat­  und  Familienleben  vorliegend 
gerechtfertigt  sei.  Der  in  Art.  8  Ziff.  1  EMRK  garantierte  Anspruch  auf 
Privat­  und  Familienleben  sei  keineswegs  absolut.  Er  stehe  vielmehr 
unter dem in Ziff. 2 von Art. 8 EMRK statuierten Vorbehalt, wonach eine 
Behörde  in  die  Ausübung  dieses  Rechts  eingreifen  dürfe,  soweit  der 
Eingriff gesetzlich vorgesehen und  in einer demokratischen Gesellschaft 
notwendig  sei  für  die  nationale  oder  öffentliche  Sicherheit,  für  das 
wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur 
Verhütung  von  Straftaten,  zum  Schutz  der  Gesundheit  oder  der  Moral 
oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. 

Die Wegweisung stütze sich vorliegend auf Art. 44 Abs. 1 AsylG, womit 
eine  gesetzliche  Grundlage  gegeben  sei.  Überdies  müsse  eine 
Abwägung  zwischen  einerseits  dem  Interesse  des  betroffenen 
Ausländers  an  der  Respektierung  seines  Privatlebens  und  andererseits 
den oben erwähnten öffentlichen  Interessen der Schweiz vorgenommen 
werden.  In  diesem  Sinne  habe  ein  Eingriff  in  das  Privatleben  eines 

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Ausländers  verhältnismässig  zu  sein.  Dabei  seien  folgende Kriterien  zu 
beachten: Die Art und Schwere des vom Ausländer begangenen Delikts, 
die  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz,  die  Zeitspanne  zwischen  der 
Begehung seines letzten Delikts und der staatlichen Massnahmen sowie 
das Verhalten  des Gesuchstellers während dieser Zeit,  die Solidität  der 
gesellschaftlichen,  kulturellen  und  familiären  Bindungen  in  der  Schweiz 
sowie  im Heimatstaat des Ausländers und allenfalls einzelfallspezifische 
Aspekte.  Eine  Gesamtwürdigung  des  vorliegenden  Falles  führe  zum 
Schluss, dass die privaten  Interessen des Beschwerdeführers an einem 
weiteren Verbleib in der Schweiz vor dem öffentlichen Interesse an seiner 
Wegweisung aus der Schweiz zurückzutreten hätten. Die kontinuierliche 
und  relativ  schwere  Delinquenz  lasse  weitere  Straftaten  befürchten. 
Dieses  Risiko  könne  auch  unter  Berücksichtigung  der  nachteiligen 
Auswirkungen einer Wegweisung in den Heimatstaat auf die persönliche 
Situation des Beschwerdeführers nicht hingenommen werden. 

Gemäss Art.  83 Abs.  7 Bst.  b  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 
2005  über  die  Ausländerinnen  und Ausländer  (AuG,  SR  142.20) werde 
die  vorläufige  Aufnahme  nach  den  Absätzen  2  (bei  Unmöglichkeit  der 
Wegweisung) und 4 (bei Unzumutbarkeit der Wegweisung) nicht verfügt, 
wenn  die  weg­  oder  ausgewiesene  Person  erheblich  oder  wiederholt 
gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im 
Ausland  verstossen  habe  oder  diese  gefährde  oder  die  innere  oder 
äussere  Sicherheit  der  Schweiz  gefährde.  Vorliegend  sei  festzuhalten, 
dass  der  Beschwerdeführer  erwiesenermassen  wiederholt  gegen  die 
schweizerische  Rechtsordnung  verstossen  habe  und  sich  trotz 
wiederholter Verwarnung und Bemühungen um seine Person uneinsichtig 
gezeigt  habe.  Durch  sein  konstantes  deliktisches  Verhalten  werde 
offenbar, dass er nicht in der Lage beziehungsweise nicht willens sei, sich 
an die geltende Ordnung in der Schweiz zu halten. Der Beschwerdeführer 
stelle somit auch in Zukunft eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und 
Ordnung  in der Schweiz dar. Daher überwiege das öffentliche  Interesse 
der Schweiz an der Wegweisung des Beschwerdeführers dessen privates 
Interesse  an  einem  weiteren  Verbleib  im  Land.  Aus  diesen  Gründen 
müsse  die  Frage  der  Zumutbarkeit  der  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers  in  seinen Heimatstaat  an  dieser  Stelle  nicht  geprüft 
werden. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung  technisch möglich 
und  praktisch  durchführbar.  Für  den  weiteren  Inhalt  wird  auf  die 
vorinstanzliche Verfügung verwiesen. 

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E. 
Mit Beschwerde vom 16. Januar 2009 (Poststempel: 17. Januar 2009) an 
das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine 
Rechtsvertreterin  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  17. 
Dezember  2008  sei  aufzuheben  und  es  sei  festzustellen,  dass  der 
Vollzug  seiner Wegweisung  unzulässig  und  unzumutbar  sei,  weswegen 
die  Vorinstanz  anzuweisen  sei,  ihn  in  der  Schweiz  vorläufig 
aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer 
um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  sowie  um Beiordnung 
der Unterzeichnenden als unentgeltliche Rechtsbeiständin. 

Der Rechtsmittelschrift  lagen eine Kopie des Urteils des Bezirksgerichts 
Frauenfeld  vom  24.  September  2008  (inklusive  Anklageschrift),  zwei 
ärztliche Berichte von Dr. med. P._______ vom 19. April 2004 respektive 
6.  Oktober  2008  (in  Kopie;  teilweise  bereits  eingereicht)  sowie  ein 
Schreiben von Dr. med. P._______ vom 27. November 2003  (in Kopie) 
bei.

F. 
Mit  Eingabe  vom  27.  Januar  2009  liess  der  Beschwerdeführer  eine 
Fürsorgebestätigung vom 21. Januar 2009 zu den Akten reichen. 

G. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  29.  Januar  2009  wurde  dem 
Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz  abwarten  könne.  Gleichzeitig  verfügte  der  Instruktionsrichter, 
dass  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet,  über  das 
Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von 
Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  im  Endentscheid  befunden 
und das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung  im Sinne von 
Art.  65  Abs.  2  VwVG  abgewiesen werde.  Zudem wurde  die  Vorinstanz 
eingeladen,  bis  zum  16.  Februar  2009  eine  Vernehmlassung 
einzureichen. 

H. 
In ihrer Vernehmlassung vom 6. Februar 2009 hielt die Vorinstanz an der 
angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der 
Beschwerde. 

D­331/2009

Seite 10

I. 
Mit  Schreiben  vom  23.  Februar  2009  liess  der  Beschwerdeführer 
replizieren.  Der  Eingabe  lag  eine  Kopie  des  Aktenverzeichnis  der  den 
Beschwerdeführer betreffenden kantonalen Akten bei.

J. 
Mit  Eingabe  vom  19.  November  2009  reichte  der  Beschwerdeführer – 
handelnd  durch  seine  Rechtvertreterin  –  eine  Behandlungsbestätigung 
des Kantonsspitals O._______ vom 19. November 2009 zu den Akten. 

K. 
Mit  Schreiben  vom  1.  Juni  2010  liess  der  Beschwerdeführer  einen 
Austrittsbericht  von  Dr.  med.  R._______  (Psychiatrische  Klinik 
S._______)  vom  14.  Mai  2010  dem  Bundesverwaltungsgericht 
einreichen. 

L. 
Mit  Schreiben  vom  1.  Juli  2011  erkundigte  sich  das  Fürsorgeamt  des 
Kantons  M._______  beim  Bundesverwaltungsgericht  über  den 
Verfahrensstand.  Dem  Schreiben  lag  eine  Stellungnahme  des 
Durchgangsheims  für  Asylsuchende  und  Flüchtlingsbegleitung  in 
O._______ vom 29. Juni 2011 bei. 

M. 
Am  2.  August  2011  informierte  das  Bundesverwaltungsgericht  das 
Fürsorgeamt  des  Kantons  M._______  telefonisch  über  den 
Verfahrensstand.

N. 
Mit Eingabe vom 12. August 2011 stellte das Fürsorgeamt des Kantons 
M._______  zusammen  mit  dem  Migrationsamt  ein  Gesuch  um 
vorsorgliche Massnahme für die Zeit bis zur Urteilsfindung. Der hängigen 
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung für die Dauer des restlichen 
Verfahrens  zu  entziehen.  Der  Beschwerdeführer  sei  anzuweisen,  den 
Ausgang des Verfahrens im Herkunftsland abzuwarten. Das Gesuch wird 
hauptsächlich  mit  dem  nicht  existierenden  sozialen  Umfeld  des 
Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  und  seinem  dissoziativen  Verhalten 
begründet.

O. 
Auf  Begehren  des  Bundesverwaltungsgerichts  reichte  Dr.  med.  Dipl.­

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Seite 11

Psych.  T._______  (Psychiatrische  Klinik  S._______)  per  E­Mail  einen 
Arztbericht vom 29. August 2011 zu den Akten. 

P. 
Dem BFM wurde am 8. September 2011 ein Rapport der Kantonspolizei 
M._______ vom 21. August 2011 bezüglich Gewalt und Drohung gegen 
Behörden und Beamte  / Hinderung einer Amtshandlung  / Tätlichkeiten – 
angeblich  vom  Beschwerdeführer  am  4.  August  2011  begangen – 
zugestellt.  Die  Vorinstanz  übermittelte  den  Rapport  in  der  Folge 
zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht. 

Q. 
Mit  Verfügung  vom  27.  September  2011  brachte  der  Instruktionsrichter 
des  Bundesverwaltungsgerichts  die  schriftliche  Stellungnahme  des 
Durchgangsheims  für  Asylsuchende  und  Flüchtlingsbegleitung  in 
O._______  vom  29.  Juni  2011,  die  Eingabe  des  Fürsorgeamtes  des 
Kantons M._______ vom 12. August 2011 sowie den Arztbericht von Dr. 
med.  Dipl.­Psych.  T._______  vom  29.  August  2011  dem 
Beschwerdeführer  –  unter  Abdeckung  gewisser  Stellen  aus 
Geheimhaltungsgründen  –  zur  Kenntnis.  Bezüglich  Einsicht  in  den 
Rapport der Kantonspolizei M._______vom 21. August 2011 verwies der 
Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  an  die  zuständige  kantonale 
Behörde.  Gleichzeitig  gewährte  der  Instruktionsrichter  dem 
Beschwerdeführer bis zum 18. Oktober 2011 Gelegenheit, bezüglich der 
oben erwähnten Aktenstücke eine Stellungnahme einzureichen. 

R. 
Am  13.  Oktober  2011  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine 
Rechtsvertreterin  eine Stellungnahme – datiert  vom 14. Oktober  2011 – 
einreichen.  Auf  den  Inhalt  der  Stellungnahme  wird,  sofern 
entscheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

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Seite 12

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2. 
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 
von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Das BFM trat gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG auf das 
Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  14.  März  2008  mit  Verfügung 
vom  2.  Juni  2008  nicht  ein  und  ordnete  seine  Wegweisung  aus  der 
Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  vom  Beschwerdeführer  dagegen 
erhobene  Beschwerde  richtete  sich  lediglich  gegen  den 
Wegweisungsvollzug.  Dadurch  ist  die  Verfügung  des  BFM  vom  2.  Juni 
2008,  soweit  sie  das  Nichteintreten  auf  das  Asylgesuch  betrifft,  in 
Rechtskraft erwachsen (Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung des BFM). 
Demzufolge  ist  –  wie  schon  im  ersten  Beschwerdeverfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht – auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren 
die  Wegweisung  als  solche  grundsätzlich  nicht  mehr  zu  überprüfen. 
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit lediglich die Frage, 
ob  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet hat. 

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Seite 13

4. 
4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

4.2. 
4.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter 
oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung 
unterworfen werden.

4.2.2.  Da  rechtskräftig  feststeht,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht 
gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen 
oder  glaubhaft  zu machen,  kann das  in Art.  5 AsylG  verankerte Prinzip 
des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 

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Seite 14

keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach 
Serbien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. 
Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren 
Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nicht  gelungen.  Soweit  er  vorbringt,  er  habe 
aufgrund  eines  familiären  Tötungsdeliktes  im  Jahre  1991  bei  einer 
Rückkehr  nach  Serbien  Blutrache  von  Seiten  seines  Onkels  zu 
befürchten,  ist  festzuhalten,  dass  es  sich  dabei  lediglich  um  eine 
unbelegte  Behauptung  handelt,  für  die  keine  konkreten  Hinweise 
vorliegen. Zudem ist auch nicht plausibel, weshalb der Beschwerdeführer 
heute noch – zwanzig Jahre nach der Tat – für dieses Tötungsdelikt zur 
Rechenschaft  gezogen  werden  sollte.  Sodann  lässt  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  in  Serbien  den  Wegweisungsvollzug  zum 
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

4.2.3.  In  der  Beschwerde  vom  16.  Januar  2009  wird  vom 
Beschwerdeführer  hauptsächlich  geltend  gemacht,  aufgrund  seines 
mittlerweile  neunzehnjährigen  Aufenthalts  in  der  Schweiz  habe  er  hier 
sehr wohl  intensive  private Beziehungen  geknüpft.  Einerseits  unterhalte 
er verschiedene Beziehungen zu Kollegen und Kolleginnen, andererseits 
bestünden  sehr  intensive  Beziehungen  zu  seiner Mutter  und  zu  seinen 
beiden Schwestern. Er habe einzig in der Schweiz ein soziales Netz und 
tragfähige  Beziehungen.  Zu  Personen  in  seiner  Heimat  habe  er  keine 
Beziehungen,  zumal  er  das  Land  im  Alter  von  elf  Monaten  verlassen 
habe. Er sei während all dieser Jahre nie in seine Heimat zurückgekehrt. 
Angesichts  seines  Aufenthalts  in  der  Schweiz  seit  seinem  "Baby­Alter", 
des fehlenden sozialen und familiären Netzes in seiner Heimat sowie der 
mangelnden  Albanisch­Kenntnisse  stelle  der  Vollzug  der  Wegweisung 
zweifellos  einen  Eingriff  in  sein  durch  Art.  8  Ziff.  1  EMRK  geschütztes 
Privatleben  dar.  Es  sei  festzuhalten,  dass  er  aufgrund  der  von  ihm 
begangenen Straftaten nicht als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und 

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Ordnung bezeichnet werden könne. Die von ihm verübten Taten könnten 
einen  Eingriff  in  das  Recht  auf  Achtung  des  Privatlebens  keinesfalls 
rechtfertigen. Für die weitere Begründung wird auf die Beschwerdeschrift 
verwiesen.

4.2.4. Der  Beschwerdeführer  beruft  sich  somit  (zumindest  sinngemäss) 
auf  den  Schutz  des  Privat­  und  Familienlebens  gemäss  Art.  8  EMRK. 
Nach  eingehender  Prüfung  der  Rechtslage  –  insbesondere  unter 
Berücksichtigung  der  weiterhin  zutreffenden  und  gültigen 
Rechtsprechung  der  [vormaligen]  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21)  kommt 
das Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich zum Schluss, dass sich das 
Gericht  im  vorliegenden  Fall  bei  der  Prüfung  der  Zulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzugs nicht (mehr) mit Art. 8 EMRK zu befassen hat, weil 
das  Bundesgericht  in  seinem  Urteil  2A.564/2006  vom  10.  Januar  2007 
nach  einlässlicher  Prüfung  zum  Schluss  gekommen  ist,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer  und  seine  Mutter  nicht  auf  einen  Rechtsanspruch 
gestützt  auf  Art.  8 EMRK berufen  können. Da  sich  seit  ergehen  dieses 
Urteils  die  Sachlage  in  relevanten  Gesichtspunkten  nicht  geändert  hat 
(vgl.  dazu  auch  E.  4.3.6.),  kann  darauf  verzichtet  werden,  den 
Beschwerdeführer  aufzufordern,  ein  Gesuch  um  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung  bei  der  kantonalen  Migrationsbehörde 
einzureichen. Dem Beschwerdeführer  bleibt  es  indes  unbenommen,  bei 
der  zuständigen  kantonalen  Behörde  (erneut)  ein  Gesuch  um  Erteilung 
einer  Aufenthaltsbewilligung  gestützt  auf  Art.  8  EMRK  einzureichen. 
Insoweit erübrigt es sich, auf die Ausführungen des Beschwerdeführers in 
der Rechtsmittelschrift bezüglich Art. 8 EMRK einzugehen. 

4.2.5.  Demnach  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im 
Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen  als 
zulässig. 

4.3. 
4.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

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4.3.2. Gemäss Art.  83 Abs.  7 Bst.  b AuG wird die  vorläufige Aufnahme 
nach Art. 83 Abs. 2 und 4 AuG (Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des 
Vollzugs  der  Wegweisung)  nicht  verfügt,  wenn  die  weg­  oder 
ausgewiesene  Person  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche 
Sicherheit und Ordnung  in der Schweiz oder  im Ausland verstossen hat 
oder  diese  gefährdet  oder  die  innere  oder  die  äussere  Sicherheit 
gefährdet.  Der  Tatbestand  ist  grundsätzlich  dann  erfüllt,  wenn  der 
Ausländer erheblich oder wiederholt gegen gesetzliche Vorschriften oder 
behördliche  Verfügungen  verstossen  hat,  die  die  öffentliche  Sicherheit 
und Ordnung betreffen (vgl. MARC SPESCHA, in: Marc Spescha/Hanspeter 
Thür/Andreas  Zünd/Peter  Bolzli,  Kommentar  Migrationsrecht,  2.  Aufl., 
Zürich 2009, N 7  zu Art.  62 AuG,  sowie BOLZLI  a.a.O., N 22 zu Art.  83 
AuG).  Es  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  bei  der  Anwendung  von  Art.  83 
Abs.  7  AuG  –  wie  bereits  früher  unter  Art.  14a  Abs.  6  des 
Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung 
der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  –  generell  Zurückhaltung  geboten  ist 
(vgl. BVGE 2007/32; EMARK 2006 Nr. 30, EMARK 2006 Nr. 23, EMARK 
2004 Nr. 39).

4.3.3. Mit  Strafverfügungen  der  Jugendanwaltschaft  vom  17. Dezember 
2001,  22.  September  2003  und  19.  Dezember  2003  wurde  der 
Beschwerdeführer  wegen  Tätlichkeiten,  Diebstahls,  eines  geringfügigen 
Vermögensdeliktes,  Hausfriedensbruchs  und  wegen  Verstosses  gegen 
das  Transportgesetz  jeweils  mit  Verweis  betraft.  Wegen  mehrfacher 
sexueller  Belästigung,  Drohung,  Widerhandlung  gegen  das 
Transportgesetz,  mehrfacher  geringfügiger  Vermögensdelikte  sowie 
wegen Tätlichkeit ordnete die Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 28. 
April  2004  seine  Einweisung  in  ein  Erziehungsheim  an.  Diese 
Schutzmassnahme wurde mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 26. 
Februar  2007  weitergeführt,  nachdem  sich  der  Beschwerdeführer  der 
einfachen  Körperverletzung  schuldig  gemacht  hatte.  Mit  Urteil  des 
Bezirksgerichts  O._______  vom  24. September  2008  wurde  der 
Beschwerdeführer wegen Raubes – begangen am 4. Juli 2007 – zu einer 
Freiheitsstrafe  von  acht Monaten  bedingt  verurteilt,  ausgesetzt  auf  eine 
Probezeit von vier Jahren. Auch vor und nach dieser Verurteilung wurde 
er  wegen  Übertretungen  des  Bundesgesetzes  über  den  Transport  im 
öffentlichen Verkehr, wegen Verletzung der Verkehrsregeln sowie wegen 
Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel mehrfach zu 
einer Busse verurteilt. Durch dieses wiederholte deliktische Verhalten hat 
der Beschwerdeführer den Ausschlusstatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst. 
b AuG erfüllt,  nach welchem die Unmöglichkeit  und die Unzumutbarkeit 

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des  Wegweisungsvollzugs  nach  Art.  83  Abs.  2  und  4  AuG  nicht  zur 
vorläufigen  Aufnahme  berechtigen  und  die  entsprechenden 
Prüfungsschritte demzufolge entfallen.

4.3.4.  Zu  trennen  von  der  Frage,  ob  ein  in  Art.  83  Abs.  7  AuG 
umschriebener  Tatbestand  erfüllt  ist  beziehungsweise  wie  darin 
formulierte  (unbestimmte) Rechtsbegriffe auszulegen sind,  ist die Frage, 
ob die daran anknüpfende Nichtgewährung der vorläufigen Aufnahme im 
Einzelfall  eine  verhältnismässige  Massnahme  darstellt.  Ausser  Zweifel 
steht, dass das Vorliegen eines Ausschlusstatbestands von Art. 83 Abs. 7 
AuG  das  öffentliche  Interesse  am  Vollzug  einer  rechtskräftigen 
Wegweisung als gewichtig erscheinen  lässt. Gleichwohl  steht  in diesem 
Fall  nicht  automatisch  fest,  dass  im  Rahmen  der  vorzunehmenden 
Abwägung die privaten Interessen der weggewiesenen Person an einem 
Weiterverbleib  in  der  Schweiz  schwächer  ins  Gewicht  fallen.  So  kann 
etwa  bei  einer  besonders  ausgeprägten  Gefährdungslage  im  Heimat­ 
oder  Herkunftsland  und  einem  vergleichsweise  "geringfügigen" 
Fehlverhalten  die  Interessenabwägung  trotz  der  Verwirklichung  eines 
Ausschlussgrundes zugunsten der privaten Interessen an einem Verbleib 
in der Schweiz ausfallen (vgl. BOLZLI a.a.O, N 23 zu Art. 83 AuG; STÖCKLI 
a.a.O, Rz. 11.70). Andererseits darf es gerade nicht darauf hinauslaufen, 
dass  im  Rahmen  der  Interessenabwägung  letztlich  trotzdem  eine 
vollständige  Zumutbarkeitsprüfung  vorgenommen  wird.  Bei  der 
vorzunehmenden  Verhältnismässigkeitsprüfung  sind  die  gesamten 
Umstände  zu  berücksichtigen,  namentlich  die  Schwere  des 
Verschuldens,  der Grad  der  Integration  beziehungsweise  die Dauer  der 
bisherigen  Anwesenheit  sowie  die  dem  Betroffenen  und  seiner  Familie 
drohenden  Nachteile  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_295/2009  vom 
25. September 2009 E. 4.3; BVGE 2007/ 32 E. 3.2).

4.3.5. Die Schweiz hat im vorliegenden Fall ein erhebliches Interesse am 
Vollzug der Wegweisung, zumal der Beschwerdeführer  in der Schweiz – 
wie in E. 4.3.3 vorstehend dargelegt – in erheblichem Ausmass straffällig 
wurde. Auch nachdem er mit Urteil des Bezirksgerichts O._______ vom 
24.  September  2008 wegen Raubes  –  begangen  am  4.  Juli  2007  –  zu 
einer  Freiheitsstrafe  von  acht  Monaten  bedingt  verurteilt  worden  war, 
machte  er  sich  immer  wieder  strafbar.  Dadurch  manifestierte  er  eine 
extreme  Unbelehrbarkeit,  Uneinsichtigkeit  und  er  bewies,  dass  er  über 
beträchtliche kriminelle Energie verfügt. Mit seinem deliktischen Verhalten 
gefährdete beziehungsweise beeinträchtigte er das Vermögen sowie die 
körperliche  und  psychische  Gesundheit  vieler  Menschen.  Keinen 

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weiteren Personen vergleichbare Bedrohungssituationen zuzumuten liegt 
fraglos im Interesse der Allgemeinheit. Aufgrund der Akten ist nicht davon 
auszugehen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  Zukunft  an  die 
schweizerische  Rechtsordnung  halten  wird.  Wegen  seines  kriminellen 
Verhaltens  in  der  Vergangenheit  und  seines  Persönlichkeitsprofils  ist 
vielmehr  damit  zu  rechnen,  dass  er  auch  in  Zukunft  in  erheblichem 
Ausmass  deliktisch  tätig  sein  wird.  Darauf  deutet  insbesondere  der 
Umstand  hin,  dass  er  gemäss  einem  sich  bei  den  Akten  befindlichen 
Polizeirapport am 4. August 2011 einem Beamten einen Kopfstoss an die 
Nase verpasste, weswegen gegen  ihn  in der Folge Strafanzeige wegen 
Tätlichkeit  erhoben  wurde.  Das  öffentliche  Interesse  am 
Wegweisungsvollzug  erschöpft  sich  vorliegend  im  Übrigen  nicht  darin, 
zukünftige  Verletzungen  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  durch 
den  Beschwerdeführer  zu  vermeiden.  Vielmehr  geht  es  über  den 
Einzelfall  hinaus auch darum, dem Recht der Allgemeinheit  zur Geltung 
zu  verhelfen,  indem gegen Verhaltensweisen, welche  die Gemeinschaft 
in Gefahr bringen, wirkungsvolle Massnahmen ergriffen und konsequent 
durchgesetzt werden  (vgl. BVGE 2007/32 E. 3.7.3 S. 391).  Im Weiteren 
ist  aus  den  Akten  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der 
Vergangenheit  immer  wieder  durch  sein  erhebliches  dissoziales 
Verhalten  negativ  aufgefallen  ist.  In  seiner  Stellungnahme  vom 
14. Oktober  2011  räumt  der  Beschwerdeführer  selbst  ein,  dass  er  sich 
verschiedenen  Personen  gegenüber  immer  wieder  aggressiv  verhalte 
und  die  Kontrolle  über  sich  verliere.  Zudem  hat  er  sich  trotz  guter 
Rahmenbedingungen  und Hilfestellungen  in  der  Schweiz  nicht  beruflich 
zu  integrieren  vermocht  und  demzufolge  hohe  Fürsorgekosten 
verursacht. Auch in dieser Hinsicht hat die Schweiz im vorliegenden Fall 
ein  erhebliches  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers.

4.3.6. Auf der anderen Seite sind die Interessen des Beschwerdeführers, 
in  der  Schweiz  verbleiben  zu  können,  nicht  als  überaus  gewichtig  zu 
beurteilen. Zwar hält er sich bereits seit Februar 1990 in der Schweiz auf. 
Aufgrund  seines  dissozialen  Verhaltens  musste  er  einen  Teil  der 
obligatorischen  Schulzeit  sowie  die  Berufslehre  in  einem  Internat 
respektive Erziehungsheim absolvieren. Sein bisher an den Tag gelegtes 
Verhalten  in  Kombination  mit  Alkohol­  und  Drogenkonsum 
verunmöglichte,  einen  positiven  und  konstruktiven  Freundes­  und 
Bekanntenkreis  aufzubauen  und  sich  in  der  Schweiz  beruflich  –  den 
Akten  lässt sich nicht entnehmen, dass er  in der Schweiz  in den  letzten 
Jahren  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen  wäre  –  und  sozial  in 

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nennenswertem  Ausmass  zu  integrieren.  Aus  den  Akten  geht  nicht 
hervor,  dass  er  solide,  soziale,  kulturelle,  persönliche  und  familiäre 
Bindungen  geknüpft  hat.  Insbesondere  das  Verhältnis  zu  seiner  Mutter 
und seinen Geschwistern scheint nicht eng und frei von Spannungen zu 
sein (vgl. Eingabe vom 12. August 2011 des Fürsorgeamtes des Kantons 
M._______). In seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2011 räumte der 
Beschwerdeführer denn auch ein, dass er nur noch sporadischen Kontakt 
zu  seiner  in  der  Schweiz  lebenden  Familie  hat.  Es  fehlt  somit  an 
Anhaltspunkten  dafür,  dass  er  während  seines  über  zwanzig  Jahre 
dauernden Aufenthalts in der Schweiz eine dermassen starke Verbindung 
zu  seinem  Gastland  eingegangen  ist,  dass  der  Ausschluss  von  der 
vorläufigen  Aufnahme  beziehungsweise  der  Vollzug  der  Wegweisung 
deswegen  unangemessen  erschient.  Trotz  seines  langjährigen 
Aufenthalts  in der Schweiz dürfte der Beschwerdeführer aufgrund seiner 
marginalen  Beziehungen  zu  seiner Mutter  und  zu  seinen Geschwistern 
mit  den  Sitten  und Gebräuchen  in  Serbien  vertraut  sein,  was  ihm  eine 
Reintegration  in seinem Heimatland erleichtern wird. Zudem  ist aus den 
Akten  ersichtlich,  dass  er  eine  Anlehre  als  (…)  abgeschlossen  hat, 
weshalb anzunehmen  ist, er könne sich  in Serbien beruflich  integrieren. 
Davon ist umso mehr auszugehen, da er neben Deutsch und Französisch 
auch Albanisch spricht. Die mangelnden Serbisch­Kenntnisse sollte sich 
der  Beschwerdeführer  aufgrund  seines  jungen  Alters  relativ  problemlos 
aneignen  können.  Ausserdem  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  sein 
Vater sowie zwei seiner Onkel  in Serbien aufhalten  (Akten BFM A 1/11, 
S.  4).  Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  zu  diesen 
heute keinen Kontakt mehr habe und er auch nicht genau wisse, wo sie 
sich  aufhielten,  ist  aufgrund  der  im  Kulturkreis  des  Beschwerdeführers 
normalerweise herrschenden familiären Verbundenheit zweifelhaft, zumal 
der  Beschwerdeführer  bis  zur  Einreichung  des  Asylgesuchs  im  Jahre 
2008  freien  Kontakt  zu  seinem  Heimatland  unterhalten  konnte. 
Abgesehen davon wäre es dem Beschwerdeführer auch zuzumuten, sich 
um Kontakt zu seinem Vater und seinen zwei Onkeln zu bemühen. Es ist 
somit  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer  unterhalte  familiäre 
Bindungen zu seinem Heimatland oder er könne solche zumindest ohne 
grössere Probleme wieder aufnehmen. 

Bezüglich  der  gesundheitlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  lässt 
sich dem aktuellsten sich bei den Akten befindlichen Arztbericht von Dr. 
med.  Dipl.­Psych.  T._______  vom  29.  August  2011  Folgendes 
entnehmen:  Das  gewalttätig­impulsive  sowie  teilweise  manipulative 
Verhalten  des  Beschwerdeführers  sei  als  Ausdruck  einer  dissozialen 

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Persönlichkeitsstörung mit  impulsiven Zügen  (ICD 10 Nr. F60.2  / 60.30) 
zu  werten.  Die  Störung  lasse  sich  zum  gegenwärtigen  Zeitpunkt  nicht 
behandeln.  Insbesondere  auch,  weil  eine  pharmakotherapeutische 
Behandlung  dieser Art  von Störungen  kaum möglich  erscheine  und  der 
Beschwerdeführer  keinen  Leidensdruck  diesbezüglich  zeige.  Hinzu 
komme eine Erkrankung aus dem epileptischen Formenkreis (ICD 10 Nr. 
G40),  die  aber  insbesondere  dadurch  zu  Komplikationen  führe,  da  der 
Beschwerdeführer,  der  an  sich  gut  eingestellt  erscheine,  die 
entsprechenden  antiepileptische Medikation  immer  wieder  von  sich  aus 
absetze,  obwohl  er  über  die  Konsequenzen  informiert  sei. 
Zusammenfassend  liege  kein  akut  behandlungsfähiges  medizinisches­
psychiatrisches Störungsbild vor. Der Beschwerdeführer würde in seinem 
Heimatland  bezüglich  dieser  psychiatrischen  Problematiken  keine 
schlechtere  Behandlung  erfahren  als  in  der  Schweiz.  Aufgrund  des 
Dargelegten  ist  davon  auszugehen,  dass  die  teilweise 
selbstverschuldeten  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers 
in Serbien  adäquat  behandelt werden  können. Diesbezüglich  kann  vom 
Beschwerdeführer  erwartet  werden,  dass  er  die  antiepileptischen 
Medikamente  korrekt  einnimmt.  Die  Behauptung  in  der  Stellungnahme 
vom  14. Oktober  2011,  wonach  sich  der  Gesundheitszustand  des 
Beschwerdeführers seit zirka drei Monaten verschlechtert habe,  ist nicht 
belegt.  Es  ist  anzunehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  Bedarf  von 
seiner in Serbien und in der Schweiz wohnhaften Familie unterstützt wird. 
Es  steht  dem  Beschwerdeführer  zudem  frei,  allenfalls  medizinische 
Rückkehrhilfe  im  Sinne  von  Art.  75  der  Asylverordnung  2  über 
Finanzierungsfragen  vom  11.  August  1999  (AsylV  2,  SR  142.312)  zu 
beantragen. 

4.3.7. Somit  sind  insgesamt  keine Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich,  dass 
dem Beschwerdeführer im Falle des Vollzugs der Wegweisung Nachteile 
in  einem  Ausmass  und  einer  Schwere  drohten,  die  sein  Interesse  an 
einem Weiterverbleib in der Schweiz trotz des gewichtigen gegenläufigen 
Interesses der Allgemeinheit als überwiegend erscheinen  liessen. Damit 
ergibt  sich  als  Fazit,  dass  gestützt  auf  Art.  83  Abs.  7  Bst.  b  AuG  die 
Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  oder 
Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nicht  in  Betracht  kommt. 
Demnach ist nicht weiter zu prüfen, ob Gründe bestehen, die den Vollzug 
der Wegweisung als unzumutbar  im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG oder 
unmöglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG erscheinen lassen. 

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4.4. Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt  es  sich,  auf weitere 
Einwendungen  in  der  Beschwerde  respektive  der  weiteren  Eingaben 
einzugehen, da diese nicht geeignet sind, einen anderen Entscheid in der 
Frage  des Wegweisungsvollzugs  herbeizuführen.  Nach Würdigung  aller 
relevanten Umstände  ist  deshalb  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  den 
Vollzug  der Wegweisung  des Beschwerdeführers  im Ergebnis  zu Recht 
angeordnet hat. 

5. 
Aus diesen Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die Verfügung  des BFM vom 
17.  Dezember  2008  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 
AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

6. 
Mit  vorliegendem  Urteil  in  der  Hauptsache  wird  das  Gesuch  des 
Fürsorgeamtes  des  Kantons  M._______  vom  12.  August  2011  um 
vorsorgliche Massnahmen während des Verfahrens gegenstandslos. 

7. 
Da  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  vollumfänglich 
unterlegen  ist, wären  ihm grundsätzlich  die Verfahrenskosten  im Betrag 
von  Fr. 800.–  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Der 
Beschwerdeführer  hat  jedoch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege ersucht. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird die Partei, die 
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung 
der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos 
erscheint. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 
mittellos  ist.  Zudem  erschien  das  Begehren  des  Beschwerdeführers  im 
Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung als nicht aussichtslos. Das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  demnach 
gutzuheissen und es sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

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