# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 90415b83-bb80-5605-956d-e5c69fc59b36
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 E-98/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-98-2012_2012-01-30.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­98/2012

U r t e i l   v om   3 0 .   J a nua r   2 0 1 2  

Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima 
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,  
vertreten durch lic.iur. Monique Bremi, Beratungsstelle für 
Asyl­ und Ausländerrecht, (…)
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­
Verfahren); Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2011 /
N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt 

in Anwendung 

des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30),

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105),

der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101),

des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten 
Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]),

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist (Dublin­II­VO),

der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 
2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin),

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021),

des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), 

des Bundesgesetzes  vom 17. Juni  2005 über das Bundesgericht  (BGG, 
SR 173.110),

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des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2),

fest,

dass  der  Beschwerdeführer  am  6.  November  2011  in  der  Schweiz  um 
Asyl nachsuchte,

dass ein Fingerabdruckvergleich mit der Eurodac­Datenbank ergab, dass 
der  Beschwerdeführer  am  29.  August  2011  in  Österreich  als 
Asylsuchender registriert wurde, 

dass  die  österreichischen  Behörden  auf  Anfrage  des  BFM  vom  9. 
November 2011 mit Schreiben vom 14. November 2011 der Übernahme 
des  Beschwerdeführers  wegen  Unzuständigkeit  nicht  zustimmten  und 
dem BFM mitteilten,  dass  die  ungarischen Behörden  im Rahmen  eines 
Konsultationsverfahrens  der  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers 
gestützt  auf  Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO  zugestimmt  hätten  und  die 
Überstellungsfrist noch nicht abgelaufen sei, 

dass  am  15.  November  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
Kreuzlingen  eine  summarische  Befragung  des  Beschwerdeführers 
stattfand,  bei  der er unter anderem angab, er  sei  gemäss Auskunft  des 
Vaters siebzehnjährig, 

dass er auf Vorhalt,  in Österreich sei er als volljährige Person registriert 
worden, angab, er sei nie in Österreich gewesen, 

dass er auf Vorhalt, er habe sich auch  in Ungarn aufgehalten und gelte 
dort als volljährige Person, zu Protokoll gab, das treffe nicht zu, er kenne 
Ungarn nicht, 

dass er weiter ausführte, er habe Afghanistan vor drei Monaten im Besitz 
eines  von  einem  Schlepper  organisierten  falschen  Passes  mit  einem 
Visum für die Türkei verlassen,

dass  er  nach  einem  zirka  zwanzigtägigen  Aufenthalt  in  der  Türkei  auf 
dem Seeweg nach Griechenland gereist sei, und ihm dabei seine Tasche 
mit seiner Identitätskarte ins Meer gefallen sei, 

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dass er nach zirka achtundvierzig Tagen von Griechenland aus zuerst per 
Taxi  und  danach  in  einem  Lastkraftwagen  (LKW)  versteckt  bis  in  die 
Schweiz gereist sei, 

dass  ihm  bei  der  Befragung  vom  15.  November  2011  das  rechtliche 
Gehör  zu  einer  möglichen  Zuständigkeit  Österreichs,  Ungarns  oder 
Griechenlands  sowie  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin  gewährt 
wurde, 

dass das BFM mit einem Zuweisungsentscheid vom 16. November 2011 
den Beschwerdeführer  für die Dauer seines Asylverfahrens dem Kanton 
Schaffhausen zuwies, 

dass die ungarischen Behörden einem vom BFM gestellten Ersuchen um 
Übernahme  des  Beschwerdeführers  vom  14.  November  2011  mit 
Schreiben  vom  25.  November  2011  nicht  zustimmten  und  zur 
Begründung  ihres negativen Entscheides ausführten, sie hätten gestützt 
auf  Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO  dem  vorgängig  gestellten 
Übernahmeersuchen  Österreichs  zugestimmt,  aber  dem  vorliegenden 
Übernahmeersuchen  könnten  sie  nicht  zustimmen, weil  die Angabe der 
schweizerischen  Behörden  betreffend  das  Geburtsjahr  des 
Beschwerdeführers (1994 oder 1.1.1993) zu ungenau sei, um sich für die 
Durchführung  des  Asylverfahrens  als  zuständig  erachten  zu  müssen; 
gemäss Angaben Österreichs  sei  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  1993 
geboren und gelte mithin als Volljähriger,

dass  das  BFM  am  15.  Dezember  2011  die  ungarischen  Behörden 
gestützt  auf  Art.  5  Abs.  2  Dublin­II­VO  um  nochmalige  Beurteilung  des 
Übernahmeersuchens  ersuchte  und  zur  Begründung  seiner  Anfrage 
ausführte, der Beschwerdeführer habe beim Stellen seines Asylgesuchs 
in der Schweiz zwar das Geburtsjahr 1994 angegeben, 

dass indessen aus dem Antwortschreiben Österreichs vom 14. November 
2011  hervorgehe,  dass  der  Beschwerdeführer  sowohl  in  Österreich  als 
auch in Ungarn als volljährige Person registriert worden sei, 

dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Angaben zur Reiseroute, die 
nicht mit den Fakten übereinstimmen würden (aktenkundiger Aufenthalt in 
Österreich  zum  Zeitpunkt  seiner  angeblichen  Aufenthalte  in  der  Türkei 
und  in  Griechenland),  nicht  glaubwürdig  erscheine,  weshalb  ihm  die 
geltend  gemachte Minderjährigkeit  nicht  geglaubt  werde,  zumal  er  älter 
wirke, 

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dass  der  Beschwerdeführer  angesichts  dieser  Umstände  bei  den 
Schweizer Behörden als volljährige Person gelte und deshalb auch in der 
Schweiz mit dem Geburtsdatum "01.01.1993" registriert sei, 

dass die ungarischen Behörden der Übernahme des Beschwerdeführers 
mit Schreiben vom 16. Dezember 2011 zustimmten und sich gestützt auf 
Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO  zur  Durchführung  des  Asylverfahrens  für 
zuständig erklärten, 

dass  sie  indessen  berichtigten,  der  Beschwerdeführer  habe  in  Ungarn 
bisher  noch  kein  Asylgesuch  gestellt,  weshalb  sich  ihre  Zuständigkeit 
nicht  – wie  vom BFM erwähnt  –  aus Art.  16 Abs.  1 Bst.  c Dublin­II­VO 
ergebe, 

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  23.  Dezember  2011  –  eröffnet  am 
29. Dezember 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf 
das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die 
Wegweisung nach Ungarn sowie den Vollzug anordnete,

dass  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  die  Schweiz 
spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den 
Kanton  Schaffhausen  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu 
vollziehen,  feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung 
habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die 
editionspflichtigen Akten aushändigte, 

dass es zur Begründung ausführte, die ungarischen Behörden hätten der 
Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­
VO  zugestimmt  und  der  Beschwerdeführer  habe  anlässlich  der 
Gewährung des rechtlichen Gehörs nur ausgeführt, er sei nie  in Ungarn 
gewesen, 

dass  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers  –  vorbehältlich  einer 
allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung (Art. 19 f. Dublin­II­VO) – bis 
spätestens am 16. Juni 2012 zu erfolgen habe, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  5.  Januar  2012  gegen 
diesen Entscheid Beschwerde erheben und beantragen  liess, es sei die 
vorinstanzliche Verfügung  aufzuheben  und  es  sei  das BFM anzuhalten, 
sein  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  zuständig  zu 
erklären, 

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dass der Vollzug bis zum Entscheid über das Gesuch um aufschiebende 
Wirkung  der  Beschwerde  superprovisorisch  auszusetzen  und  der 
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei, 

dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersucht wurde, 

dass der Wegweisungsvollzug nach Ungarn mit Verfügung vom 9. Januar 
2012 vorsorglich ausgesetzt wurde, 

dass  die  vollständigen Akten  dem Bundesverwaltungsgericht mit Datum 
vom 10. Januar 2012 vorlagen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

dass  mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  13.  Januar  2012  das 
Gesuch  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde 
gutgeheissen und der Beschwerdeführer aufgefordert wurde, bis zum 18. 
Januar  2012  eine  Fürsorgebestätigung  einzureichen,  andernfalls  nicht 
von seiner Mittellosigkeit auszugehen sei, 

dass ferner der Entscheid über die unentgeltliche Rechtspflege auf einen 
späteren  Zeitpunkt  verschoben,  indessen  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtet wurde, 

dass  mit  Eingaben  vom  13.  und  16.  Januar  2012  eine 
Fürsorgebestätigung zu den Akten gereicht wurde, 

dass auf die Ausführungen der Vorinstanz und des Beschwerdeführers – 
soweit für den Entscheid relevant – in den Erwägungen einzugehen ist, 

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  VGG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  BGG, 
SR 173.110),

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dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

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dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­
Assoziierungsabkommens verpflichtet hat, die Dublin­II­VO anzuwenden, 

dass  seitens  des  Beschwerdeführers  die  Zuständigkeit  Ungarns  für  die 
Durchführung des vorliegenden Asylgesuchs bestritten und dabei geltend 
gemacht  wird,  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte 
Altersangabe  sei  massgebend  und  dieser  habe  angegeben,  er  sei 
minderjährig; das BFM berufe sich zu Unrecht auf das Äussere und gehe 
von dessen Volljährigkeit aus, 

dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  somit  um  einen  unbegleiteten 
minderjährigen Asylsuchenden handle,  der  nachweislich  erstmals  in  der 
Schweiz  um  Asyl  ersucht  habe;  es  gebe  bezüglich  Ungarn  nur  eine 
Rückübernahme­Einwilligung  und  bezüglich  Österreich  lediglich  einen 
Eurodac­Treffer, 

dass  der  Beschwerdeführer  überdies  ausdrücklich  bestreitet,  in  Ungarn 
ein Asylgesuch eingereicht zu haben, 

dass er aus den vorgenannten Gründen als unbegleiteter minderjähriger 
Asylsuchender zu gelten habe und die Schweiz gestützt auf Art. 6 Abs. 2 
AsylG für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei, 

dass dem Beschwerdeführer  in diesem Fall gemäss Grundsatzurteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­8468/2010  vom  21.  September  2011  für 
die Befragung eine Vertrauensperson hätte beigeordnet werden müssen, 
und die Verfahrensgarantien für unbegleitete minderjährige Asylsuchende 
im Dublinverfahren somit verletzt worden seien, weshalb das vorliegende 
Verfahren zu kassieren sei, 

dass  hierzu  vorab  in  formeller  Hinsicht  zu  klären  ist,  ob  der 
Beschwerdeführer minder­ oder volljährig  ist bzw. ob das Bundesamt zu 
Recht von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen ist, 

dass dies – wie zu Recht von Seiten des Beschwerdeführers ausgeführt – 
deshalb  entscheidend  ist,  weil  bei  unbegleiteten  minderjährigen 
Asylsuchenden die Zuständigkeit erst mit dem Stellen eines Asylgesuchs 
begründet wird, 

dass  im  Verwaltungsverfahren  zwar  die  Untersuchungsmaxime  gemäss 
Art.  12  VwVG  gilt,  wobei  diese  ihre  Grenzen  in  der  Mitwirkungspflicht 
(Art. 8 AsylG) des Beschwerdeführers findet, 

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dass  im  vorliegenden  Verfahren  indessen  mit  einer  Untersuchung 
hinsichtlich  der  Bestimmung  des  Alters  des  Beschwerdeführers  kein 
eindeutiges  Ergebnis  erzielt  werden  könnte,  weil  bei  den  vorhandenen 
Methoden  zur  Bestimmung  des  Alters  ein  Streubereich  von  zirka  drei 
Jahren  zu  berücksichtigen  ist,  und  der  Beschwerdeführer  selbst 
angegeben hat, er sei siebzehn Jahre alt, 

dass  dem Bundesamt  überdies  die  Schreiben  der  österreichischen  und 
ungarischen Behörden vorlagen, gemäss welchen der Beschwerdeführer 
mit  dem  Geburtsdatum  "01.01.1993"  registriert  worden  sei  und  als 
volljährige Person gelte, 

dass  der  Beschwerdeführer  seinerseits  seine  Mitwirkungspflicht  zur 
Feststellung  des  entscheidwesentlichen  Sachverhalts  durch  sein 
unkooperatives  Verhalten  (kategorisches  Verneinen  seines  vorgängigen 
Aufenthalts  in  Österreich  und  Ungarn,  widersprüchliche  Angaben 
bezüglich seiner Reise­ und Identitätsausweise) verletzte, 

dass angesichts dieser Umstände das BFM im vorliegenden Verfahren zu 
Recht von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausging, und sich auf 
die  Altersangaben  der  vorgängig  involvierten  ausländischen  Behörden 
abstützen durfte, 

dass  angesichts  dieses  Zwischenresultats  festzustellen  ist,  dass  der 
Beschwerdeführer  als  volljähriger Asylsuchender  gilt, weshalb  ihm auch 
keine  Vertrauensperson  zur  Seite  gestellt  werden  musste  und  kein 
Verfahrensmangel besteht,

dass  der  Beschwerdeführer  in  Ungarn  in  der  Eurodac­Datenbank 
daktyloskopisch zwar nicht erfasst wurde und er selbst einen Aufenthalt in 
Ungarn und Österreich kategorisch verneinte, 

dass indessen aufgrund der Zustimmung Ungarns gemäss Art. 10 Abs. 1 
Dublin­II­VO  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen 
ist,  dass  der  Beschwerdeführer  von  einem  Drittstaat  herkommend  die 
Landesgrenze von Ungarn illegal überschritten hat, 

dass Ungarn gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­VO der zuständige Staat 
für  die Durchführung  des Asylverfahrens  ist, weil  der Beschwerdeführer 
erstmals  in  diesem  Hoheitsstaat  des  Dublin­Raums  als  illegal 
Anwesender aufgegriffen wurde, 

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dass  aufgrund  dieses  Ergebnisses  auf  die  weiteren 
Beschwerdevorbringen  betreffend  die  Unzuständigkeit  Ungarns  oder 
(auch)  Österreichs  nicht  einzugehen  ist,  weil  diese  nicht  zu  einem 
anderen Ergebnis führen würden, 

dass  das  Bundesamt  somit  zu  Recht  von  der  Zuständigkeit  Ungarns 
ausging,  weshalb  die  gesetzliche  Grundlage  für  einen 
Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfüllt ist, 

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG), 

dass  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und 
zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht 
(vgl. EMARK 2001 Nr. 21), 

dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach 
Hindernissen  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits 
Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  E­2010/45  E.  10.2)  und 
allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen 
der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 
Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  der  Asylverordnung  1  über 
Verfahrensfragen,  SR,  142.311  [AsylV  1])  zu  prüfen  sind,  weshalb  kein 
Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2  i.V.m. Art. 83 
Abs. 1­4 AuG) besteht, 

dass  demnach die Schweiz  auch ein Asylgesuch materiell  prüfen  kann, 
wenn  nach  den  in  der  Verordnung  vorgesehenen  Kriterien  ein  anderer 
Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), 

dass  die  Anwendung  der  Souveränitätssklausel  nicht  unmittelbar 
anwendbar  ist,  sondern  nur  in Verbindung mit  einer  anderen Norm des 
nationalen  oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  kann  (vgl. 
BVGE 2010/45 E.5), 

dass ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung eines Selbsteintrittsrechts 
besteht,  wenn  ein  Verstoss  gegen  übergeordnetes  Recht  droht  (BVGE 
2010/45 E. 7.2), 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/45
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dass auf Beschwerdeebene einerseits geltend gemacht wird, die Schweiz 
verletze  das  völkerrechtliche  Non­Refoulement­Gebot  (Art.  33  FK)  und 
das  Rückschiebungsverbot  gemäss  Art.  3  EMRK,  weil  dem 
Beschwerdeführer  mit  einem  Wegweisungsvollzug  nach  Ungarn  eine 
Kettenabschiebung nach Afghanistan drohe, 

dass hierzu festzuhalten ist, dass Ungarn sowohl Signatarstaat der FK als 
auch  der  EMRK  oder  des  FoK  ist,  und  es  sich  zudem  an  die 
entsprechenden  Normen  der  EU  halten  muss  (insbesondere  Richtlinie 
2004/83/EG  des Rates  vom 29. April  2004  über  die Mindestnormen  für 
die  Anerkennung  und  den  Status  von  Drittstaatsangehörigen  oder 
Staatenlosen  als  Flüchtlinge  oder  als  Personen,  die  anderweitig 
internationalen  Schutz  benötigen,  und  über  den  Inhalt  des  zu 
gewährenden Schutzes), 

dass das Bundesverwaltungsgericht aufgrund seiner Rechtspraxis davon 
ausgeht, dass Ungarn kraft seiner Mitgliedschaft seinen völkerrechtlichen 
Verpflichtungen nachkommt (vgl. dazu BVGE 2010/45 E. 7.4.2), 

dass  dabei  grundsätzlich  für  die  Mitgliedstaaten  des  Dublinsystems 
vermutet  werden  darf,  sie  würden  die  völkerrechtlichen 
Mindestanforderungen  an  ein  korrektes  Asylverfahren  einhalten, 
namentlich das Non­Refoulement­Gebot respektieren, 

dass  bei  einer  nicht  systematisch  vorliegenden  Verletzung  dieses 
Grundsatzes durch den zuständigen Mitgliedstaat der Beschwerdeführer 
diese  Vermutung  umstossen  kann,  indem  er  nachweist,  dass  konkrete 
Gründe  für  eine  reale  Gefahr  bestehen,  dass  ihm  bei  einer 
Rücküberstellung  in  den  zuständigen  Mitgliedstaat  eine 
völkerrechtswidrige Ausschaffung in seinen Heimatstaat drohe, 

dass  mit  der  Beschwerdeeingabe  auf  die  jüngst  erschienene  Kritik  am 
ungarischen Asylsystem verwiesen wurde (vgl. Zeitschrift "der Standard" 
http://derstandard.at/1325485585156/Ungarn­Kritik­an­magyarischer­
Fluechtlingshaft  und  Hungarian  Helsinki  Commitee  [HHC]  "Access  To 
Protection  Jeopardised",  Information  note  on  the  treatment  of  Dublin 
returnees in Hungary, December 2011),

dass  der  österreichische  Asylgerichtshof  mit  Urteil  vom  31.10.2011, 
Nr. S4422.020­1/2011/5E  einen  vorinstanzlichen  Entscheid  aufgehoben 
habe,  weil  ungenügend  abgeklärt  worden  sei,  inwieweit  die  Asylgründe 

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von  über  Serbien  eingereisten  Personen  in  Ungarn  inhaltlich  und  unter 
Berücksichtigung des Non­Refoulement­Gebots geprüft würden, 

dass  überdies  geltend  gemacht  wird,  der  Beschwerdeführer  erhalte  in 
Ungarn kein faires Asylverfahren,

dass  laut  vorgenanntem  Bericht  des  HHC  die  ungarischen  Behörden 
zwar  kritisiert  werden,  weil  sie  Dublin­Rückkehrer  nicht  automatisch  als 
Asylsuchende,  sondern  hauptsächlich  als  unrechtmässige  Migranten 
behandeln und als solche direkt in ein Wegweisungsverfahren einweisen 
würden, obwohl sie sich  im Rahmen eines Dublin­Verfahrens  in Ungarn 
aufhalten würden, 

dass  –  selbst  wenn  dieses  Verfahren  ungewöhnlich  und  rechtsstaatlich 
bedenklich  erscheint  (sofern  zutreffend)  –  daraus  noch  nicht  abzuleiten 
ist, die Asylsuchenden erhielten keinen Zugang zum Asylverfahren oder 
das Asylverfahren sei nicht fair, 

dass weiter  im Bericht des HHC festgehalten wird, die höheren Gerichte 
Ungarns  hätten  in  einigen  Beschwerdeverfahren  die  vorinstanzlichen 
Behörden  gerügt,  weil  sie  in  diesen  Verfahren  während  eines 
eingereichten  Asylgesuchs  bereits  vor  Erlass  der  materiellen 
erstinstanzlichen  Entscheide  die  Ausweisung  der  Asylsuchenden 
vollzogen hätten, 

dass die  im Bericht des HHC genannten Urteile des "Metropolitan Court 
of  Budapest"  zwar  Hinweise  auf  Unregelmässigkeiten  im  ungarischen 
erstinstanzlichen  Asylverfahren  geben,  dass  sie  indessen  auch 
gleichzeitig belegen, dass Ungarn grundsätzlich über ein funktionierendes 
mehrinstanzliches Asylverfahren verfügt, 

dass  aus  den  eingereichten  Berichten,  in  denen  das  ungarische 
Asylsystem kritisiert wird, weder eine systematische Verletzung des Non­
Refoulement­Gebots durch Ungarn hervorgeht noch daraus eine konkrete 
individuelle Gefährdung des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nach 
Ungarn abgeleitet werden kann, 

dass  die  angeführte  Kritik  nicht  genügt,  um  annehmen  zu  müssen, 
Ungarn  verfüge  nicht  über  ein  im  Sinne  des  Dublin­Systems 
rechtsstaatliches Asylverfahren, 

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dass im Bericht des HHC auch die Haftpraxis Ungarns kritisiert wird, weil 
das  Haft­Beschwerde­System  ineffektiv  sei  und  infolgedessen  die 
Rechtmässigkeit der Inhaftierungen von Asylsuchenden in Frage stehe, 

dass  der  Beschwerdeführer  aus  der  allgemeinen  Kritik  an  der 
bestehenden  Haftpraxis  kein  konkretes  Vollzugshindernis  ableiten  kann 
und hinsichtlich seiner Überstellung keine existenzgefährdende Situation 
glaubhaft zu machen vermochte,

dass  insgesamt  weder  aus  völkerrechtlichen  noch  aus  humanitären 
Gründen (Art. 29a Abs. 3 AsylV1) ein Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 
Dublin­II­VO angezeigt gewesen wäre und auch zum heutigen Zeitpunkt 
nicht  besteht,  weshalb  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach 
Ungarn nichts entgegensteht, 

dass  somit  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  auf  das 
Asylgesuch in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG offensichtlich 
gegeben sind, und das BFM demnach zu Recht auf das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist  und  ebenfalls  zu  Recht  die 
Überstellung  (Wegweisung) nach Ungarn und deren Vollzug angeordnet 
hat, 

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
abzuweisen  ist,  weil  die  eingangs  gestellten  Rechtsbegehren  –  wie 
vorgängig dargelegt – keine Erfolgsaussichten aufwiesen, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­ 
(Art. 1 – 3  VGKE)  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen

3.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

Versand: