# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4d18543-bb78-5a1b-a070-7283fcf86e36
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-21
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 21.09.2017 SK 2016 99
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2016-99_2017-09-21.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 16 99
SK 16 100

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 21. September 2017 

Besetzung Oberrichterin Bratschi (Präsidentin), Obergerichtssuppleant     
Gerber, Oberrichter Aebi
Gerichtsschreiber Erismann

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern 

und

B.________
amtlich vertreten durch Fürsprecher Y.________

Straf- und Zivilkläger

sowie

C.________
amtlich vertreten durch Fürsprecherin Z.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Schwere Körperverletzung, evtl. Versuch dazu, evtl. versuchte 
vorsätzliche Tötung etc. sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 26.11.2015 (PEN 2015 69)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 26.11.2015 erkannte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (in 
Dreierbesetzung), was folgt (pag. 1311 ff.):

«I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten vorsätzlichen Tötung, begangen am 07.01.2014 in Hindelbank an der 
R.________ Strasse (Parkplatz Q.________ AG), z.N. B.________;

2. der falschen Anschuldigung, begangen am 28.01.2014 in Burgdorf, z.N. D.________;

3. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 07.01.2014 in Hindelbank an der 
R.________ Strasse (Parkplatz Q.________ AG), z.N. C.________;

4. des Raufhandels, begangen am 07.01.2014 in Hindelbank an der R.________ Strasse (Park-
platz Q.________ AG);

5. des Betrugs, mehrfach begangen
5.1. am 24.11.2011 in Stalden OW, z.N. K.________ GmbH v.d. L.________ (Deliktssumme 

CHF 9‘997.00);
5.2. am 29.05.2012 in Biberist SO, z.N. M.________ (Deliktssumme CHF 11‘500.00);
5.3. am 30.06.2012 in Aesch BL, z.N. N.________ (Deliktssumme CHF 7‘000.00);

und in Anwendung der 
Art. 22 Abs. 1, 40, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 111, 122 Abs. 1, 133, 146 Abs. 1, 303 Ziff. 1 StGB,
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 5 (fünf) Jahren.
Die Untersuchungshaft von 115 Tagen wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 27‘281.00 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 53‘638.20, insgesamt bestimmt auf 
CHF 80‘919.20 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 59‘520.80).

[Zusammensetzung der Gebühren und Auslagen]

II.

1. Das Widerrufsverfahren gegen A.________ betreffend Urteil der Staatsanwaltschaft des Kan-
tons Solothurn vom 10.11.2010 wird eingestellt.

2. Der A.________ mit Urteil des Ministère public du canton de Berne, région Jura bernois-
Seeland, Moutier vom 22.08.2013 für eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 20.00 ge-
währte bedingte Vollzug wird nicht widerrufen.

3. Die Probezeit wird um 1 Jahr verlängert.

3

4. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 werden A.________ aufer-
legt.

5. Das Honorar des amtlichen Verteidigers ist im Hauptverfahren berücksichtigt. 

III.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt X.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 84.83 200.00 CHF 16'966.65

CHF 650.00
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 17'616.65 CHF 1'409.35

CHF 2'372.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 21'398.40

volles Honorar CHF 21'208.35
CHF 650.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 21'858.35 CHF 1'748.65
CHF 2'372.40

Total CHF 25'979.40

nachforderbarer Betrag CHF 4'581.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt X.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 21‘398.40. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt X.________ die Differenz von CHF 4‘581.00 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
B.________ durch Fürsprecher Y.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 61.35 200.00 CHF 12'270.00

CHF 1'165.00
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 13'435.00 CHF 1'074.80

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 14'509.80

volles Honorar CHF 15'337.50
CHF 1'165.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 16'502.50 CHF 1'320.20
CHF 0.00

Total CHF 17'822.70

nachforderbarer Betrag CHF 3'312.90

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher Y.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von B.________ mit CHF 14‘509.80. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von B.________ verlangen, wenn sie sich in günstigen wirtschaft-
lichen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

4

A.________ wird verpflichtet, B.________ zuhanden von Fürsprecher Y.________ als Differenz 
zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen Ho-
norar CHF 3‘312.90 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Fürsprecher Y.________ hat in diesem 
Umfang gegenüber seiner Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

3. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Fürsprecherin Z.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 62.20 200.00 CHF 12'440.00

CHF 1'096.10
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 13'536.10 CHF 1'082.90

CHF 1'441.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 16'060.00

volles Honorar CHF 15'550.00
CHF 1'096.10

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 16'646.10 CHF 1'331.70
CHF 1'441.00

Total CHF 19'418.80

nachforderbarer Betrag CHF 3'358.80

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecherin Z.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von C.________ mit CHF 16‘060.00. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn sie sich in günstigen wirtschaft-
lichen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

A.________ wird verpflichtet, C.________ zuhanden von Fürsprecherin Z.________ als Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen 
Honorar CHF 3‘358.80 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Fürsprecherin Z.________ hat in 
diesem Umfang gegenüber ihrer Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

IV.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 47 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 288.80 Schadenersatz an die Straf- und Zivilklägerin C.________, un-
ter Vorbehalt des Nachklagerechts innert 2 Jahren seit Rechtskraft des Urteils.

2. Zur Bezahlung von CHF 2‘500.00 Genugtuung zuzüglich 5% Zins seit dem 07.01.2014 an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________.

3. Zur Bezahlung von CHF 200.00 Schadenersatz an den Straf- und Zivilkläger B.________, unter 
Vorbehalt des Nachklagerechts innert 2 Jahren seit Rechtskraft des Urteils.

4. Zur Bezahlung von CHF 5‘000.00 Genugtuung an den Straf- und Zivilkläger B.________.

V.

Weiter wird verfügt:

1. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):
- Messer (Tatwaffe)
- Messerscheide (ASS.-Nr.: 002)

5

- Holzstück (ASS.-Nr.: 006)
- Hydraulikteil (ASS.-Nr.: 009)
- Holzstück (ASS.-Nr.: 010)

2. Die Beschlagnahmung über folgende Gegenstände wird aufrechterhalten und die Gegenstände 
werden dem kantonalen Waffenbüro übergeben zur Vornahme der weiteren Verfügungen:
- Pfefferspray (ASS.-Nr.: 053
- Klappmesser (ASS.-Nr.: 054)
- Klappmesser (ASS.-Nr.: 056)
- Klappmesser (ASS.-Nr.: 061)

3. Der bei A.________ beschlagnahmte Geldbetrag von CHF 380.00 wird zur Deckung der Verfah-
renskosten verwendet.

4. Folgende Gegenstände werden A.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:
- Pullover, violett-lila, Marke Chrisline, Grösse XL (ASS.-Nr.: 014)
- Zigarettenschachtel (ASS.-Nr.: 060)

5. Folgende Gegenstände werden C.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:
- T-Shirt, weiss mit schwarzem Muster, Marke Janica, Grösse 46/48 (ASS.-Nr.: 045)

6. Folgende Gegenstände werden B.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:
- Jeanshose, blau, Marke Canda, Grösse 38/32, mit braunem Gürtel (ASS.-Nr.: 046)
- Unterhose grau, Marke John Adams, Grösse XL (ASS.-Nr.: 047)
- Paar Socken, grau, Grösse 43-36 (ASS.-Nr.: 048)
- Paar Schuhe, Marke Memphis, Grösse 43 (ASS.-Nr.: 049)
- Fleecejacke (ASS.-Nr.: 055)

7. Folgende Gegenstände werden E.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:
- Pullover, grau/Schwarz, Marke CKH, Grösse XL (ASS.-Nr.: 022)

8. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) ist nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

9. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten ist 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

10. [Eröffnungs- und Mitteilungsformel]»

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigte) mit Eingabe 
vom 27.11.2015 fristgerecht die Berufung an (pag. 1320).

Die schriftliche Urteilsbegründung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau da-
tiert vom 17.03.2016.

Mit Eingabe vom 06.04.2016 erklärte die Beschuldigte form- und fristgerecht die 
Berufung beim Obergericht (pag. 1393 ff.). 

6

Aus der Berufungserklärung geht hervor, dass die Beschuldigte das erstinstanzli-
che Urteil mit Ausnahme der Ziff. II.1. (Einstellung des Widerrufsverfahrens betref-
fend Urteil der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 10.11.2010) sowie der      
Ziff.V.1.-10. (Verfügungen) vollumfänglich anficht (pag. 1395). Sie beantragte statt-
dessen Freisprüche von sämtlichen Anschuldigungen, die Einstellung auch des 
anderen Widerrufsverfahrens sowie die Abweisung sämtlicher Zivilforderungen; al-
les unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

Die anderen Parteien verzichteten auf eine eigenständige Berufung respektive auf 
die Erklärung der Anschlussberufung und machten auch keine Nichteintretens-
gründe geltend (pag. 1459 f., 1461) bzw. liessen sich innert Frist nicht vernehmen 
(Straf- und Zivilkläger).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

3.1

Die Beschuldigte beantragte in der Berufungserklärung, es sei ein forensisch-
medizinisches (psychiatrisch/somatisches) Gutachten zur Frage ihrer Wahrneh-
mungs-, Steuerungs- und Schuldfähigkeit im Tatzeitpunkt, unter Einbezug der 
Auswirkungen der durch die Straf- und Zivilklägerin C.________ gegen ihren Kopf 
ausgeübten Stockhiebe einzuholen.

Als ergänzende medizinische Beurteilungsgrundlage sei beim Gefängnispsychiater 
Dr. med. T.________, V.________ Klinik, das vollständige Patientendossier über 
die Beschuldigte zu edieren und im Rahmen des Gutachtens zu berücksichtigen.

Zusätzlich sei beim Gefängnispsychiater ein schriftlicher Bericht zu den aufgewor-
fenen Fragen in Bezug auf ihre Schuldfähigkeit einzuholen (pag. 1397).

Während die Generalstaatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme zu diesen Be-
weisanträgen verzichtete (pag. 1459 f.), schloss die Straf- und Zivilklägerin auf Ab-
weisung derselben (pag. 1461). Der Straf- und Zivilkläger liess sich nicht verneh-
men.

Mit Beschluss vom 29.07.2016 wies die Kammer die Beweisanträge der Beschul-
digten ab (pag. 1487 ff.).

3.2

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz ein Leumundsbericht vom 09.01.2017 
(pag. 1507 ff.) sowie Strafregisterauszüge vom 10.01.2017 und 18.09.2017 
(pag. 1506 / 1595) eingeholt.

Weiter wurden Nichtanhandnahmeverfügungen, Strafbefehle und Urteile ediert, 
welche betreffend die anderen in den Vorfall vom 07.01.2014 involvierten Personen 
ergangenen waren (pag. 1596 ff.).

Schliesslich wurde die Beschuldigte an der Berufungsverhandlung erneut kurz zur 
Person und zur Sache einvernommen (pag. 1630 ff.).

7

4. Anklageänderung

Mit Verfügung vom 16.01.2017 war den Parteien mitgeteilt worden, dass beabsich-
tigt sei, der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zur Änderung der Anklageziffer I./2.1. 
zu geben (pag. 1522 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft widersetzte sich dem An-
sinnen mit Schreiben vom 27.01.2017 nicht (pag. 1533). Der Straf- und Zivilkläger 
erklärte sich am 02.02.2017 mit dem Vorgehen einverstanden (pag. 1534). Auch 
die Straf- und Zivilklägerin widersetzte sich dem beabsichtigten Vorgehen mit Ein-
gabe vom 06.02.2017 nicht (pag. 1541). Die Beschuldigte beantragte in ihrer Stel-
lungnahme vom 03.02.2017 hingegen die Aufhebung des Urteils und die Zurück-
weisung an das Regionalgericht Emmental-Oberaargau zwecks Neubeurteilung 
und in diesem Zusammenhang die Möglichkeit der Einräumung einer Anklageände-
rung durch die Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO (pag. 1536 
ff.). 

Mit begründetem Beschluss vom 17.02.2017 wurde der Staatsanwaltschaft Em-
mental-Oberaargau, Staatsanwalt W.________, Gelegenheit gegeben, die Anklage 
gemäss Ziffer I. /. 2.1. im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO zu ändern (pag. 1543). 
Nach Gewährung der Parteirechte ging die Änderung der Anklage am 13.03.2017 
beim Obergericht ein (pag. 1548). 

Im Zusammenhang mit der geänderten Anklage erhob die Beschuldigte an der Be-
rufungsverhandlung (erneut) formelle Einwände. Darauf wird nachstehend unter 
E. I.7. eingegangen.

5. Anträge der Parteien

5.1

Die Beschuldigte beantragte an der Berufungsverhandlung (pag. 1642 ff.), das an-
gefochtene Urteil sei aufzuheben und die Angelegenheit zwecks Neubeurteilung 
und Durchführung eines neuen erstinstanzlichen Verfahrens an die Vorinstanz 
zurückzuweisen. 

Eventualiter sei sie von den Vorwürfen der versuchten vorsätzlichen Tötung z.N. 
von B.________, der versuchten schweren Körperverletzung z.N. von C.________, 
der falschen Anschuldigung, des Raufhandels und des mehrfachen Betrugs freizu-
sprechen; unter Ausrichtung einer Entschädigung für die ausgestandene Polizei- 
und Untersuchungshaft (Überhaft) von mindestens CHF 200.00 pro Hafttag.

Die Widerrufsverfahren seien einzustellen und die Zivilforderungen von 
B.________ und C.________ seien abzuweisen.

Schliesslich seien die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten der Staatskas-
se aufzuerlegen und es sei ihr eine angemessene Entschädigung, insbesondere für 
ihre Verteidigungskosen in erster und oberer Instanz, auszurichten. Das Honorar 
des amtlichen Verteidigers sei gemäss eingereichter Kostennote festzusetzen.

5.2

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte in ihrem Parteivortrag (pag. 1635 /    
1644 ff.), der Kassationsantrag der Beschuldigten sei abzuweisen.

8

Es sei festzustellen, dass die Einstellung des Widerrufsverfahrens sowie die Verfü-
gungen gemäss Ziff. V./1.-7. des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen 
seien.

Die Beschuldigte sei der versuchten vorsätzlichen Tötung z.N. von B.________, 
der versuchten schweren Körperverletzung z.N. von C.________, des Raufhandels 
und des mehrfachen Betrugs schuldig zu erklären und unter Anrechnung der Un-
tersuchungshaft von 115 Tagen zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren sowie zu den 
erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu verurteilen. 

Dem noch nicht rechtskräftig eingestellten Widerrufsverfahren sei keine weitere 
Folge zu geben und es seien die üblichen Verfügungen zu treffen.

5.3

Der Straf- und Zivilkläger B.________ (nachfolgend: B.________ oder Privatkläger) 
schloss an der Berufungsverhandlung ebenfalls auf Abweisung des Kassationsan-
trags der Beschuldigten (pag. 1637).

Weiter beantragte er, die Beschuldigte sei der versuchten vorsätzlichen Tötung, 
eventuell der vollendeten schweren Körperverletzung zu seinem Nachteil schuldig 
zu sprechen und zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen.

Die Beschuldigte sei sodann zur Bezahlung einer Genugtuung nach richterlichem 
Ermessen, jedoch mindestens CHF 5‘000.00, zu verurteilen.

Sämtliche Verfahrenskosten seien der Beschuldigten aufzuerlegen und es sei die 
Entschädigung seiner amtlichen Vertretung gemäss Kostennote zu bestimmen. 

Schliesslich seien die notwendigen Verfügungen zu treffen (pag. 1646).

5.4

Auch die Straf- und Zivilklägerin C.________ (nachfolgend C.________ oder Pri-
vatklägerin) beantragte die Abweisung des Kassationsantrags (pag. 1638).

Die Beschuldigte sei der versuchten schweren Körperverletzung zu ihrem Nachteil 
schuldig zu sprechen und zu einer gerichtlich zu bestimmenden Sanktion zu verur-
teilen.

Sie sei weiter zu verurteilen zur Bezahlung von CHF 288.80 Schadenersatz (unter 
Vorbehalt von Art. 46 Abs. 2 OR) sowie von CHF 2‘500.00 Genugtuung (zuzüglich 
Zins zu 5% seit 07.01.2014).

Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien der Beschuldigten aufzuer-
legen und diese sei zum Ersatz der erst- und oberinstanzlichen Parteikosten zu 
verurteilen. 

Im Weiteren seien die erforderlichen Verfügungen zu erlassen (pag. 1648).

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Von der Beschuldigten nicht angefochten sind die Einstellung des Widerrufsverfah-
rens gemäss Ziff. II.1. und die Verfügungen gemäss Ziff. V. des vorinstanzlichen 
Urteils. 

9

Insoweit kann grundsätzlich die Rechtskraft des Urteils des Regionalgerichts Em-
mental-Oberaargau vom 26.11.2015 festgestellt werden.

Trotz der gegenteiligen Formulierung in der Berufungserklärung als mitangefochten 
gelten muss allerdings die Verfügung in Ziff. V.3. des vorinstanzlichen Urteils, wo-
nach der beschlagnahmte Geldbetrag von CHF 380.00 zur Deckung der Verfah-
renskosten verwendet werden soll. Die Beschuldigte verlangt Freisprüche unter 
Kostenfolge zu Lasten des Staates. Bei dem von ihr angestrebten Ausgang des 
Verfahrens wären ihr keine Verfahrenskosten aufzuerlegen, welche mit dem be-
schlagnahmten Geld zu decken wären. 

Der Rechtskraft nicht zugänglich sind die ebenfalls nicht angefochtenen Verfügun-
gen betreffend das erstellte DNA-Profil und die erhobenen biometrischen erken-
nungsdienstlichen Daten (Ziff. V.8. und 9. des vorinstanzlichen Urteils).

In diesen und allen anderen Punkten, namentlich im Schuld- und Sanktionenpunkt, 
im Zivilpunkt sowie hinsichtlich des Entscheids im Widerrufsverfahren betreffend 
das Urteil des Ministère public du canton de Berne, région Jura bernois-Seeland, 
Moutier, vom 20.08.2013, ist das vorinstanzliche Urteil angefochten und von der 
Kammer grundsätzlich mit voller Kognition zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). 

Auf die Höhe der Entschädigung für die amtliche Verteidigung der Beschuldigten im 
erstinstanzlichen Verfahren ist allerdings nur zurückzukommen, falls die Vorinstanz 
das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise 
ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts 6B_349/2016 vom 13. Dezem-
ber 2016 E. 2.4.2, 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3).

Da einzig die Beschuldigte ein Rechtsmittel eingelegt hat, ist die Kammer an das 
Verschlechterungsverbot (sog. Verbot der reformatio in peius, Art. 391 Abs. 2 
StPO) gebunden. Ausgeschlossen ist namentlich eine strengere Bestrafung der 
Beschuldigten. Auch ein Widerruf der mit Urteil der regionalen Staatsanwaltschaft 
Berner Jura-Seeland vom 20. August 2013 aufgeschobenen Strafe ist nicht zuläs-
sig. Schliesslich ist die Kammer auch im Zivilpunkt an das erstinstanzliche Urteil 
gebunden, d.h. es dürfen keine höheren Schadenersatz- und Genugtuungsforde-
rungen zugesprochen werden als in erster Instanz. Im Zivilpunkt darf die Kammer 
zudem nicht über die Anträge der Privatklägerschaft hinausgehen (Dispositionsma-
xime).

7. Formelle Einwände der Beschuldigten

7.1 Kassationsantrag zufolge Anklageänderung mit Instanzenverlust

Die Beschuldigte beantragte im Rahmen des Plädoyers die Kassation des erstin-
stanzlichen Urteils und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu neuer Beur-
teilung. Zur Begründung wurde ausgeführt, indem sie sich vor oberer Instanz zur 
geänderten Anklage äussern könne, werde zwar das rechtliche Gehör gewahrt. 
Nachdem der Beschuldigten erstinstanzlich noch kein Tötungsversuch vorgeworfen 
worden sei, gehe mit der Anklageänderung aber ein unzulässiger Instanzenverlust 
einher.

10

Die Rüge ist unbegründet. Mit der Generalstaatsanwaltschaft und der Privatkläger-
schaft ist ein Instanzenverlust zu verneinen. Durch den in der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung angebrachten Würdigungsvorbehalt (pag. 1252) war der Vor-
wurf der versuchten Tötung sehr wohl Thema des erstinstanzlichen Verfahrens. 
Das Regionalgericht hat sich mithin – wenn nach Ansicht der Kammer auch auf 
Basis einer damals insoweit noch ungenügenden Anklageschrift – eingehend mit 
diesem Vorwurf befasst und alle Parteien konnten sich dazu äussern. Es liegt we-
der eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, noch ein Instanzenverlust vor. 

Der Kassationsantrag erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.

7.2 Verletzung des Anklageprinzips

Die Beschuldigte rügte im Rahmen ihres Parteivortrags weiter eine Verletzung des 
Anklageprinzips. Sie machte geltend, der subjektive Tatbestand der versuchten 
Tötung werde in der geänderten Anklageschrift ungenügend umschrieben. Es habe 
deshalb ein Freispruch vom Vorwurf des Tötungsversuchs zu erfolgen.

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-
richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 
sowie Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a sowie lit. b EMRK). Das Ge-
richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabi-
litätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde 
(Art. 350 Abs. 1 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe 
in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Das Akkusati-
onsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-
ten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; 
BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 65; 141 IV 132 E. 3.4.1 S. 142 f.; je mit Hinweisen). Die 
beschuldigte Person muss unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion aus 
der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zurei-
chende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die betroffene Person genau 
weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten recht-
lich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann. Sie 
darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigun-
gen konfrontiert zu werden (vgl. BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 65; 103 Ia 6 E. 1b S. 6 f.; 
je mit Hinweisen).  

Vorliegend wird der Beschuldigten in Ziff. I./2.1. der geänderten Anklageschrift fol-
gender Lebenssachverhalt vorgeworfen: Sie sei am 07.01.2014 in Hindelbank auf 
dem Parkplatz der Q.________ AG mit dem Jagdmesser auf B.________ losge-
gangen und habe ihm eine tiefe Schnittwunde vom rechten Ohransatz bis zum 
rechten Mundwinkel zugefügt. Dabei habe sie das Messer gezielt eingesetzt, um 
B.________ schwer zu verletzen bzw. sein Gesicht bleibend zu entstellen. Eventu-
ell habe sie mit dem Einsatz des Messers in der Wangen-/Halsregion den Tod von 
B.________ herbeiführen wollen oder ihn bewusst in Kauf genommen. Damit habe 
sich die Beschuldigte der schweren Körperverletzung, evtl. des Versuchs dazu, 
evtl. der versuchten vorsätzlichen Tötung, evtl. des Angriffs z.N. von B.________ 
schuldig gemacht.

11

Der in der Anklageschrift umschriebene Lebenssachverhalt enthält sowohl die ob-
jektiven wie auch die subjektiven Elemente der der Beschuldigten zur Last gelegten 
Delikte: Die Anklageschrift umschreibt die Tatwaffe («Jagdmesser»), deren Einsatz 
(«gezielt», «in der Wangen-/Halsregion») sowie die dem Opfer damit zugefügte 
Verletzung («tiefe Schnittwunde vom rechten Ohransatz bis zum rechten Mundwin-
kel») und damit wesentliche Elemente welche in rechtlicher Hinsicht gegebenen-
falls auf das Vorliegen eines Tötungseventualvorsatzes schliessen lassen, sofern 
man nicht sogar den in der Anklageschrift ebenfalls umschriebenen direkten Vor-
satz («den Tod [...] herbeiführen wollte») bejahen wollte. Damit ist der Vorwurf der 
versuchten Tötung in subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert. Der Beschuldig-
ten war stets klar, welcher konkreten Handlungen sie beschuldigt wird. 

Die Umgrenzungs- und Informationsfunktion der Anklageschrift sind gewahrt. Die 
Rüge der Verletzung des Anklagegrundsatzes ist unbegründet.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen 
und der Aussagenanalyse im Speziellen wird auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz (Ziff. II.1. ihrer Erwägungen) verwiesen.

9. Zum Vorfall auf dem Parkplatz der Q.________ AG vom 7. Januar 2014

9.1 Vorwürfe gemäss Anklageschrift Ziff. I.1., 2.1 und 2.2 (pag. 1082.1 ff., Ankla-
geänderung pag. 1548)

Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sich am 07.01.2014 in Hindelbank an der 
R.________ Strasse (Parkplatz Q.________ AG) zusammen mit ihrem Ehemann 
F.________ sowie ihren Söhnen E.________ und D.________ an einer tätlichen 
und wechselseitigen Auseinandersetzung mit B.________, C.________, 
H.________ und I.________ beteiligt zu haben. Die Beschuldigte habe ihr Jagd-
messer beim Überqueren des Parkplatzes in Richtung der beiden Privatkläger be-
reits in ihrer rechten Hand gehalten und habe direkt auf ihre Tochter C.________ 
zugesteuert. Dort sei zu einem Schlagabtausch gekommen, wobei die Beschuldigte 
mit dem mitgeführten Jagdmesser auf ihre Tochter C.________ eingestochen und 
diese mit einem Kunststoffstock auf ihre Mutter eingeschlagen habe. Die Beschul-
digte habe C.________ in diesem Gerangel eine durchgehende Stichverletzung am 
linken Oberarm zugefügt, die im Spital habe versorgt werden müssen. Die Be-
schuldigte habe dabei mindestens in Kauf genommen, ihre Tochter im Oberkörper-
bereich in gefährlicher Weise zu verletzen bzw. sie lebensgefährlich zu verletzen 
und damit auch deren Tod in Kauf genommen (Würdigungsvorbehalt vom 
23.11.2015, pag. 1252, gemäss Eingabe FS Z.________ vom 05.11.2015, pag. 
1206). Die Beschuldigte selber habe hierbei eine Platzwunde am Hinterkopf von 
C.________ erhalten. Die anderen Beteiligten hätten sich in dieser Zeit eine verba-
le Auseinandersetzung geliefert, bevor sie in die Rauferei zwischen der Beschuldig-
ten und ihrer Tochter eingegriffen und diese voneinander getrennt hätten. Danach 
hätten E.________, D.________, I.________ und H.________ aufeinander einge-

12

schlagen, wobei I.________ dazu einen Spazierstock aus Holz mit Metallknauf 
verwendet habe. Währenddessen sei die Beschuldigte mit ihrem Messer auf 
B.________ los und habe ihm eine tiefe Schnittwunde vom rechten Ohransatz bis 
zum rechten Mundwinkel zugefügt. Die Wunde habe im Spital stationär versorgt 
werden müssen und trotz guter Heilung eine erhebliche Narbe im Gesicht zurück-
gelassen. Die Beschuldigte habe das Messer gezielt eingesetzt, um B.________ 
schwer zu verletzen bzw. sein Gesicht bleibend zu entstellen, eventuell habe sie 
mit dem Einsatz des Messers in der Wangen-/Halsregion den Tod von B.________ 
herbeiführen wollen oder diesen bewusst in Kauf genommen (Änderung der Ankla-
ge vom 13. März 2017, pag. 1548). Im Rahmen der ganzen Auseinandersetzung 
habe sich die Beschuldigte ein Hämatom am rechten Auge und eine Rissquetsch-
wunde oberhalb der rechten Augenbraue zugezogen. Schliesslich sei E.________ 
am linken Hinterkopf verletzt worden (Rissquetschwunde) und habe ebenfalls ärzt-
lich versorgt werden müssen.

9.2 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Bestritten wird von allen Seiten, dass die Parteien mit einer tätlichen Auseinander-
setzung auf dem Areal der Q.________ AG gerechnet bzw. diese gesucht hätten.

Die Beschuldigte behauptet, sie habe das Messer nur dabei gehabt, um Eindruck 
zu machen (pag. 1271 Z. 27 ff.) und sich allenfalls gegen die bekanntlich regel-
mässig bewaffneten Mitglieder der Familie C.________ wehren zu können (pag. 
375 Z. 67 ff.).

Die Beschuldigte bestreitet auch, das Messer bewusst gegen ihre Tochter einge-
setzt zu haben. Sie wisse, dass sie rumgefuchtelt habe, aber dann sei alles schwa-
rz um sie gewesen (pag. 1271 Z. 25 ff.). Sie sei nicht direkt auf ihre Tochter losge-
gangen, sondern habe sich nur – mit dem Messer in der Hand – gegen die Stock-
schläge ihrer Tochter gewehrt (pag. 375 Z. 80 ff.). Dabei habe sie ihre Tochter 
«blöd preicht» (pag. 1631 Z. 47). 

Die Beschuldigte brachte weiter vor, es könne nicht sein, dass sie B.________ den 
Schnitt zugefügt habe (pag. 1272 Z. 25). Sie könne sich nicht daran erinnern, dass 
sie ihm die Backe aufgeschnitten haben solle (pag. 1272 Z. 43 f.). Von den Stock-
schlägen ihrer Tochter sei ihr Sehnerv beschädigt gewesen. Sie könne sich nicht 
vorstellen und sich auch nicht daran erinnern, um das Auto herum zum Privatkläger 
hingegangen zu sein (pag. 1631 Z. 64 ff.) Zuvor hatte die Beschuldigte allerdings 
auch ausgesagt, sie habe nichts mehr gesehen, sondern nur noch Stimmen gehört, 
und müsse B.________ wohl beim Fuchteln getroffen haben (pag. 376 Z. 88 ff.). 
Sie hatte zwischenzeitlich auch zu Protokoll gegeben, sie sage nicht, dass sie 
B.________ nicht verletzt habe, aber das müsse im Gerangel passiert sein (pag. 
376 Z. 106 ff.). 

9.3 Beweismittel

9.3.1 Verbindungsdaten

Verbindungsranddaten und Polizeinotruf vom 07.10.2014

Aus den erhobenen Verbindungsdaten der Beteiligten vom 07.01.2014 ist ersicht-
lich, dass es im Verlauf jenes Morgens zu diversen Kontakten zwischen Mitgliedern 

13

der Familie A.________ gekommen war (teilweise handelt es sich um Doppel- und 
Dreifacheinträge ein- und desselben Telefonats, vgl. Verbindungsdauer). So wurde 
um 09:41:16 von der Nummer von D.________ auf diejenige von F.________ und 
A.________ telefoniert (pag. 826). Um 11:02:11 Uhr kam es zu einem Telefonat 
von der Mobiltelefon-Nummer von S.________ auf diejenige von F.________ und 
A.________. Und um 11:40:12 Uhr wurde erneut von der Nummer von D.________ 
auf diejenige von F.________ und A.________ angerufen (pag. 826).

Sodann kam es zu mehrfachen Kontaktaufnahmen zwischen E.________ und 
C.________ bzw. B.________ (gelb markiert). Erstmals wurde um 11:45:00 Uhr mit 
der Mobiltelefon-Nummer von E.________ ein Anruf auf die Mobiltelefon-Nummer 
von B.________ getätigt (pag. 826), welcher aber laut Anzeigerapport von 
I.________ entgegengenommen worden sei (vgl. pag. 274).

Danach kam es innerhalb der jeweiligen Familien zu verschiedenen telefonischen 
Verbindungen (pag. 826, 11:47:08 bis 12.21.59 Uhr). Laut Anzeigerapport habe 
I.________ die Drohungen seines Onkels nun an seinen Vater bzw. an seine Mut-
ter weitergeleitet (pag. 274). 

Nachdem von der Nummer von E.________ aus sodann zunächst versucht worden 
war, auf die Mobiltelefon-Nummer von C.________ anzurufen, erfolgte ab 12:22:34 
Uhr ein knapp zweiminütiger Anruf auf den Festnetz-Anschluss der Familie 
C.________ (pag. 826, vgl. auch Anzeigerapport, pag. 270). 

Um 12:51:00 Uhr erfolgten zwei Anrufe von der Mobiltelefon-Nummer von 
C.________ auf die Nummer von E.________ (pag. 827). 

Auch in dieser Phase wurden jeweils familienintern verschiedene Anrufe getätigt. 
So wurde etwa von der Mobiltelefon-Nummer von S.________ aus mehrfach auf 
die Mobiltelefon-Nummer von F.________ und A.________ (12:38:41, 12:49:25, 
12:52:20 und 12:56:18 Uhr) und von jener Nummer aus wurde auf die Mobiltelefon-
Nummer von D.________ angerufen (12:33:08 und 12:54:50 Uhr) (pag. 826 f.). 
Von der Nummer von C.________ wurde um 12:33.31 und 12:47:08 Uhr auf die 
Nummer von B.________ angerufen (pag. 826 f.).

Um 12:59:57 Uhr alarmierte C.________ dann die Notrufzentrale der Polizei 
(pag. 827). Die Aufnahme dieses Anrufs wurde bei der REZ ediert (CD, pag. 796). 
C.________ meldete, es gebe eine Auseinandersetzung auf dem Areal der Q. 
________ AG in Hindelbank. Es würden Leute auf sie («uns») loskommen, diese 
wollten sie («uns«) zusammenschlagen. Es handle sich um einen Familienstreit 
und es wollten «alle» auf ihren Mann los. 

Weil die ausgerückte Polizeipatrouille vor Ort niemanden mehr antraf (vgl. Anzeige-
rapport, pag. 267), wurde C.________ um 13:14:05 Uhr von der Regionalen Ein-
satzzentrale (REZ) zurückgerufen (pag. 828). Sie gab an, man sei auf dem Weg in 
das Inselspital, «sie» hätten ihrem Mann einen ziemlich tiefen Schnitt «über d‘ Ba-
cke i» zugefügt. Die anderen seien «dänk ab», mit drei Autos weggefahren. Es 
handle sich um ihre Eltern und ihre Brüder (CD, pag. 796).  

14

Anlässlich eines weiteren Rückrufs der REZ von 13:29:16 Uhr (pag. 828) antworte-
te C.________ auf die Frage, wer gestochen habe, der Bruder oder die Eltern: «D 
Mueter». Diese heisse A.________.

Combox-Aufnahme

Über das Mobiltelefon von C.________ konnte zudem eine Combox-Aufnahme ei-
nes Anrufs von E.________ vom 15.05.2012 (vgl. pag. 524 Z. 58) gesichert werden 
(CD, pag. 833). Darauf beschimpft E.________ einen «________ [Rufname von 
B.]» während rund einer Minute aufs Gröbste und droht ihm auch («wenni di ver-
wütsche», «i mache di kaputt» etc.). Im Hintergrund scheint auch die Beschuldigte 
zu hören zu sein.

9.3.2 Überwachungsvideo

Bei der Q.________ AG konnten Aufnahmen einer Überwachungskamera sicher-
gestellt werden (CD, pag. 263). 

Der Kammer liegen drei Videodateien vor, welche allesamt von derselben Kamera 
aufgezeichnet wurden. Auf der ersten Videodatei (Aufnahmezeitraum 12:38:00 bis 
12:38:09 Uhr) ist der wartende B.________ mit seinem weissen Lieferwagen zu 
sehen. Die zweite Videodatei (12:49:33 bis 12:49:55 Uhr) zeigt das Eintreffen von 
C.________ mit ihrem Citroën C3. Die dritte Videodatei (12:59:29 bis 13:02:01 Uhr) 
zeigt schliesslich die Auseinandersetzung zwischen den Familien A.________ und 
C.________. 

Da die Kamera über einen Bewegungssensor verfügt, folgte sie jeweils einzelnen 
sich bewegenden Objekten und deckte deshalb nicht den ganzen Parkplatz ab. 
Zudem verdeckte der weisse Lieferwagen der Familie C.________ teilweise die 
Sicht auf das sich dahinter ereignende Geschehen. Nicht zu sehen ist auf dem Vi-
deo deshalb insbesondere, was die Beschuldigte und C.________ hinter dem Lie-
ferwagen gemacht haben und wie die Schnittverletzung von B.________ zu Stande 
kam.

Im Detail ergibt sich aus der Aufnahme Folgendes (die nachfolgenden Zeitangaben 
beziehen sich auf die eingeblendete Videozeit und werden hier nur ungefähr ange-
geben; ob die eingeblendete exakt der tatsächlichen Zeit entsprach, ist unklar):

Um 12:38 Uhr steht der weisse Lieferwagen der Familie C.________ auf dem 
Parkplatz. Bei der offenen Fahrertür steht B.________ (im blauen Pullover) (ab 
12:38:00). 

Um 12:49 Uhr fährt ein Citroën C3 vor und parkiert rückwärts auf dem Parkfeld di-
rekt neben bzw. hinter dem weissen Lieferwagen, so dass der Bereich zwischen 
den Autos vollständig von diesem verdeckt wird. B.________ steigt aus dem Lie-
ferwagen aus und geht – die Fäuste ballend und wohl eine Art "Boxer-Tänzeln" an-
deutend – in Richtung des parkierten Citroëns. Dort kommen ihm I.________ (in 
blauer Jeans, rotem T-Shirt und dunkler Kapuzenjacke) und C.________ entgegen. 
Ebenfalls auf dem Parkplatz anwesend sind zu diesem Zeitpunkt drei weitere Per-
sonen, welche in einer gewissen Entfernung bei einem parkierten Auto stehen. Um 
wen es sich dabei handelt, ist nicht erkennbar (ab 12:49:33). 

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Ab 12:59:32 Uhr stehen B.________ und seine beiden Söhne I.________ (nun mit 
geschlossener schwarzen Kapuzenjacke) sowie H.________ (in hellblauer Jeans 
und schwarzer Jacke ohne Kapuze) neben dem weissen Lieferwagen. C.________ 
befindet sich hinter dem Lieferwagen, zwischen diesem und dem Citroën C3. Sie 
ist noch kurz dort zu sehen, bevor die Kamera leicht nach links schwenkt. Wie 
später klar wird, bleibt C.________ dort zwischen Lieferwagen und Citroën stehen, 
obwohl sie auch gegen das Gebäude der Q.________ AG hin hätte ausweichen 
können. Kurz bevor A.________s eintreffen, springt I.________ hinten in den 
geöffneten Lieferwagen und kommt mit einem Stock in der Hand wieder raus. Die-
sen hält er hinter seinem Rücken. H.________ und B.________ stehen derweil et-
was neben bzw. beim Lieferwagen, offensichtlich in Erwartung der Ankunft der 
A.________s (ab 12:59:43). 

Die Kamera schwenkt nach links und es werden die vier eintreffenden Mitglieder 
der Familie A.________ ersichtlich (ab 12:59:52). Diese gehen in einer Reihe, je-
weils mit einem Abstand von wenigen Metern zueinander, mit raschen Schritten 
über den Parkplatz. F.________ (zuvorderst, in schwarzer Hose und hellem T-Shirt 
sowie mit hellen Schuhen), D.________ (als Zweiter, in dunklen Schuhen, schwar-
zer Hose und schwarzem Pullover mit weissen Elementen an der Brust) und 
E.________ (als Dritter, ebenfalls ganz in Schwarz, mit einer Art Daunenjacke, je-
doch in hellen Schuhen) laufen zielstrebig auf B.________ zu. Dieser steht bei der 
geöffneten Fahrertür bzw. hinter dieser geschützt und durch das Fenster schauend 
neben seinem Lieferwagen.

Während sich D.________ in einer Reihe mit den anderen A.________s nähert, 
macht er eine zeigende Handgeste in Richtung von B.________. D.________ 
scheint zu diesem Zeitpunkt keinen Gegenstand in den Händen zu halten. Auch 
F.________ scheint unbewaffnet zu sein. E.________ scheint dagegen einen Ge-
genstand mit sich zu führen. Diesen hält er zunächst in der herabhängenden rech-
ten Hand und wechselt ihn dann in einer schnellen Bewegung in die linke Hand, als 
er den Lieferwagen erreicht (ab 12:59:54).

Als die drei Männer der Familie A.________ bei B.________ eintreffen, wendet 
sich dieser kurz zum Lieferwagen und greift hinein. Dabei scheint er kurz etwas in 
der Hand zu halten, legt aber weder klar erkennbar etwas hinein, noch nimmt er er-
kennbar etwas aus dem Fahrzeug hinaus (12:59:57-59).

Als Letzte der Gruppe A.________ folgt die Beschuldigte. Sie läuft zunächst – 
ebenfalls in wenigen Metern Abstand – E.________ nach, schert dann aber von ihr 
aus gesehen nach links aus und steuert auf die Lücke zwischen Lieferwagen und 
Citroën zu. Sie hält in der rechten Hand des herabhängenden rechten Arms nach 
unten zeigend ein Messer (ab 12:59:58). 

Die männlichen Mitglieder der Gruppe A.________ umzingeln B.________, der 
zwischen Fahrertür und Fahrzeug steht. F.________ spricht B.________ als Erster 
an, dann reden auch der gestikulierende D.________ und – etwas zurückbleibend 
hinter diesem stehend – E.________ auf B.________ ein (ab 12:59:58). Die Be-
schuldigte verschwindet derweil hinter dem Lieferwagen (13:00:03). 

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F.________, D.________ und E.________ diskutieren mit B.________, der nach 
wie vor neben der geöffneten Fahrertür steht. Dabei legt F.________ die Hand auf 
die Schulter von B.________ (13:00:05). Unmittelbar hinter den A.________-
Söhnen stehend beobachten die beiden C.________-Söhne die Diskussion. Die 
Aufmerksamkeit all dieser Männer richtet sich auf das Geschehen bei der Fahrertür 
des Lieferwagens. 

Nach rund 9 Sekunden (13:00:11) kommt die Beschuldigte raschen Schrittes wie-
der hinter dem Lieferwagen hervor. Sie hat ihrer Tochter, welche sich – wie gleich 
klar werden wird – offensichtlich zwischen dem Lieferwagen und dem Citroën be-
findet, den Rücken zugedreht und läuft von dieser weg. Im Abstand von etwa 1 Me-
ter, taucht C.________ auf. Diese läuft der ihr nun das Gesicht zudrehenden Be-
schuldigten nach und schlägt sie von hinten mit einem Stock (13:00:12). Der erste 
sichtbare Stockschlag trifft die Beschuldigte am linken Arm oder im Bereich der lin-
ken Schulter. Während C.________ zu einem zweiten Stockschlag ausholt, dreht 
sich die Beschuldigte zu ihrer Tochter um und streckt ihren linken Arm in deren 
Richtung, um damit den Schlag abzuwehren. Als C.________ das dritte Mal aus-
holt, geht die Beschuldigte in den Gegenangriff über und es kommt zu einem 
Handgemenge (13:00:14). Während C.________ weiterhin auf die Beschuldigte 
einschlägt oder dies zumindest versucht, wird sie von dieser nun weggedrückt. Da-
bei setzen beide Kontrahentinnen jeweils beide Arme ein. Eindeutige, gezielte 
Stichbewegungen sind zunächst (noch) nicht zu erkennen. Die Beschuldigte ge-
winnt mehr und mehr die Oberhand und drängt C.________ in den Rückwärtsgang. 
Die Beschuldigte zieht nun mit der rechten Hand auf und macht eine Ausholbewe-
gung. Sie hält noch einmal kurz inne, bevor sie unmittelbar darauf von oben herab 
eine deutlich erkennbare, ziemlich heftige Stichbewegung gegen den Bereich des 
linken Oberarm/Schulterbereichs der etwas kleineren C.________ ausführt 
(13:00:16). 

In der Zwischenzeit haben die sich im Bereich der Fahrertür befindenden Männer 
bemerkt, dass auf der anderen Seite des Lieferwagens etwas passiert und alle ver-
schieben sich in Richtung der beiden Frauen, vorab E.________ und   
D.________. D.________ greift als Erster ein und versucht die Frauen zu trennen, 
unmittelbar nachdem die Beschuldigte die erwähnte Stichbewegung gegen 
C.________ ausführt hat. Beide Frauen versuchen noch, gegeneinander nachzu-
setzen, dann werden sie definitiv getrennt (13:00:18). 

Soweit auf den Überwachungsaufnahmen sichtbar, war es während der tätlichen 
Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen zu 6-7 Schlagbewegungen von 
C.________ gegen die Beschuldigte gekommen. Die Beschuldigte ihrerseits hatte 
1 klar erkennbare Stichbewegung von oben herab gegen C.________ ausgeführt.  

E.________ scheint zum Zeitpunkt, als die beiden Frauen getrennt werden, immer 
noch einen Gegenstand zu halten, nun wieder in seiner rechten Hand. Mit dieser 
Hand greift er aber während des Trennens der beiden Frauen nicht ein. 

C.________ verschwindet bei Videozeit 13:00:21 wieder hinter dem weissen Lie-
ferwagen. 

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Die Beschuldigte ihrerseits verbleibt etwas vom Lieferwagen entfernt stehen. Sie 
hält immer noch das Messer in ihrer rechten Hand, dies mit der Klinge beim Dau-
men. Was mit dem Stock passiert, mit welchem C.________ zuvor auf die Be-
schuldigte eingeschlagen bzw. einzuschlagen versucht hatte, ist nicht erkennbar. 
C.________ selbst scheint diesen nach der Trennung nicht mehr in den Händen zu 
halten.

Unmittelbar nach der Trennung der beiden Frauen "kümmert" sich D.________ um 
seine Mutter. Er gestikuliert etwas und scheint seiner Mutter dann mit der offenen 
Hand, mit wenig Wucht, an den Kopf zu schlagen (13:00:22). 

E.________ richtet seine Aufmerksamkeit zunächst ebenfalls auf seine Mutter, 
dann auf B.________. Daraufhin dreht er sich in Richtung des Lieferwagens um, 
rennt mit zwei drei Schritten C.________ nach und verschwindet bei Videozeit 
13:00:24 für ca. eine halbe Sekunde ebenfalls zwischen Lieferwagen und Citroën. 
Auf dem Weg hinter den Lieferwagen richtet er seine Aufmerksamkeit aber bereits 
wieder auf B.________, welcher vor der Kühlerhaube des Lieferwagens steht, 
dreht um und geht auf diesen los. E.________ setzt dabei zunächst seinen linken 
Arm ein, mit welchem er B.________ vor sich her schubst (13:00:25).

Derweil positioniert sich I.________ mit dem Stock in der Hand hinter E.________. 
Er zieht den Stock auf, wird aber von D.________ abgedrängt (13:00:27). 

E.________ verpasst B.________ nun mit seiner rechten Hand einen wuchtigen 
Schlag gegen die linke Gesichtshälfte (13:00:31). Unmittelbar zuvor schien er einen 
Gegenstand von der rechten in die linke Hand gewechselt zu haben. B.________ 
greift seinerseits E.________ nicht an, sondern versucht bloss abzuwehren. Zu 
diesem Zeitpunkt befinden sich B.________ und E.________ sowie ihnen folgend 
D.________, I.________ und H.________ bereits wieder im Bereich der Fahrertür 
des Lieferwagens. 

Unmittelbar darauf zieht I.________ E.________ den Stock mit dem Griff voran 
über den Kopf. Der Stock zerbricht (13:00:32). 

Inzwischen hat – eher schlendernd – auch J.________ den von der Kamera erfass-
ten Bereich betreten (ab 13:00:27), greift aber nicht ein. 

Während E.________ von I.________ mit dem Stock geschlagen wird, begibt sich 
F.________ zwischen Lieferwagen und Citroën und verschwindet deshalb bei Vi-
deozeit 13:00:32 aus dem Bild. 

E.________ seinerseits rennt nach dem erhaltenen Stockschlag nach links davon. 
I.________ rennt ihm mit einem Teil des zerbrochenen Stocks in der Hand nach 
(ab 13:00:33). Bei E.________ ist zu diesem Zeitpunkt wieder ein Gegenstand in 
seiner linken Hand erkennbar. 

Die Beschuldigte hatte sich seit der Trennung von C.________ eher passiv verhal-
ten und war mehr oder weniger am selben Ort geblieben. Nun, unmittelbar nach 
dem Stockschlag von I.________ gegen E.________ setzt sie sich blitzartig in Be-
wegung und beginnt in Richtung ihres Sohnes E.________ und des diesen verfol-
genden I.________ zu rennen (ab 13:00:32).

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D.________ seinerseits schaut seinem Bruder E.________ und I.________ nur 
nach, bleibt aber beim Lieferwagen stehen. Ihm gegenüber steht – einen knappen 
Meter entfernt – B.________ neben seiner geöffneten Fahrzeugtür. D.________ 
scheint zu diesem Zeitpunkt einen Gegenstand in seiner linken Hand zu halten. 
B.________ seinerseits scheint in seiner rechten Hand ebenfalls einen Gegenstand 
zu halten. 

Die Kamera schwenkt nach links und folgt E.________ und dem ihn verfolgenden 
I.________. Im Moment als B.________ und E.________ aus dem Bild verschwin-
den (13:00:33), stehen sie sich – wie erwähnt – vor der Fahrertür des Lieferwagens 
gegenüber. Kurz bevor die Beschuldigte aufgrund des Kameraschwenkers unmit-
telbar darauf ebenfalls aus dem Bild verschwindet (13:00:34), ist zu sehen, wie sie 
ihren ursprünglichen Kurs (welcher in Richtung ihres Sohnes E.________ gegan-
gen war) ändert und in die Richtung abdreht, wo sich ihr Sohn D.________ und 
B.________ aufhalten. Das Messer hält sie noch immer offen, mit am Körper ge-
haltenem, angewinkeltem Arm, die Klinge nach vorne zeigend, in der rechten 
Hand. 

H.________, welcher – wie die Beschuldigte – zunächst E.________ und seinem 
Bruder I.________ hatte folgen wollen, dreht sich ebenfalls um und läuft in Rich-
tung Lieferwagen los, bevor er aus dem Bild verschwindet (ab 13:00:33).

Etwa gleichzeitig mit der Beschuldigten, H.________ und den sich gegenüberste-
henden B.________ und D.________ verschwindet auch der bis dahin stets unbe-
teiligt gebliebene J.________ aus dem Bild. 

Im Sichtfeld der Kamera geht derweil der wegrennende E.________ zu Boden 
(13:00:34). I.________ steht anschliessend über ihm, versucht E.________ anzu-
greifen und drückt ihn zu Boden (ab 13:00:36). 

Knapp 4 Sekunden nachdem er aus dem Sichtfeld der Kamera verschwand, kommt 
bei Videozeit 13:00:38 von rechts D.________ wieder ins Bild auf. Er rennt hastig 
auf I.________ und E.________ zu. D.________ sorgt dafür, dass sich I.________ 
von E.________ entfernt und dieser kann wieder aufstehen.

Gleichzeitig taucht von rechts unten auch H.________ im Bild auf und bewegt sich 
rasch auf seine Cousins zu (13:00:39). Von hinten kommend schubst er  
D.________ weg, der I.________ entgegen getreten war (13:00:40). 

Dann rennt bei Videozeit 13:00:42 F.________ von rechts ins Bild, was dazu führt, 
dass sich die streitenden Söhne A.________ und C.________ trennen. 
F.________ war demnach für rund 9 Sekunden nicht zu sehen. 

Hiernach bewegen sich alle fünf Männer wieder nach rechts. Die Kamera folgt den 
beiden C.________-Söhnen. E.________ scheint zu diesem Zeitpunkt etwas  in 
seiner rechten Hand zu halten (13:00:43). Ob D.________ zu diesem Zeitpunkt ei-
nen Gegenstand in den Händen hält, ist nicht klar erkennbar. F.________ seiner-
seits scheint nun etwas Längliches in der rechten Hand zu halten (13:00:46).

F.________ geht zu I.________ und zeigt auf den Gegenstand, den dieser in der 
Hand hält (13:00:47). I.________ zeigt ihm den zerbrochenen Stock. Die Kamera 
folgt ihnen weiter nach rechts. J.________ taucht wieder im Bild auf. Er befindet 

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sich an unveränderter Stelle, in etwa 3-4 Metern Abstand seitlich vor dem Liefer-
wagen. H.________ gestikuliert in Richtung D.________, der – wie gleich erkenn-
bar werden wird – neben seiner Mutter steht (13:00:50). 

B.________ taucht ebenfalls wieder im Bild auf (13:00:51). Er steht neben seinem 
Fahrzeug vor der geöffneten Fahrertür und hält sich die Hand an die rechte Backe. 
Dabei umfasst er mit seiner linken Hand – etwa mittig – einen dünnen, länglichen 
Gegenstand (13:00:51). 

Die Beine der Beschuldigten tauchen bei Videozeit 13:00:49 wieder im Bild auf. Die 
Beschuldigte war demnach knapp 16 Sekunden nicht zu sehen gewesen. Sie steht 
zu diesem Zeitpunkt zwischen J.________ und ihrem Sohn D.________, etwa vier 
Meter von B.________ entfernt. Das Messer hält sie noch immer offen in der Hand. 

C.________ steht auf der rechten Seite der Kühlerhaube des Lieferwagens 
(13:00:54). Alle bis auf B.________ stehen nun vor der Kühlerhaube. Die Männer 
der Familie A.________ reden wild gestikulierend auf C.________ ein. Die Be-
schuldigte tritt langsam hinzu und hält das Messer nach vorne zeigend in Richtung 
C.________ (13:00:57). Die C.________-Söhne und J.________ stehen eher un-
beteiligt dabei (ÜV 13:00:58). 

B.________ tritt hinzu und präsentiert allen – mit der linken Hand darauf zeigend – 
seine rechte Gesichtshälfte (ÜV 13:01:05). Zuvor war er noch bei der geöffneten 
Fahrzeugtür geblieben und hatte kurz in die Fahrerkabine gegriffen (13:00:57). Nun 
hält er in seiner rechten Faust einen länglichen Gegenstand, der beim kleinen Fin-
ger hinausragt (13:01:07). 

D.________ scheint bei Videozeit 13:01:08 in seiner linken Hand ebenfalls einen 
Gegenstand zu halten, den er unmittelbar darauf in seiner linken Hosen- oder Ge-
sässtasche zu verstauen scheint (13:01:11). Bei Videozeit 13:01:22 greift er erneut 
an bzw. in seine linke Gesässtasche.

Nach kurzer weiterer Diskussion mit beidseitigen Gesten trennen sich die Gruppen 
(ab 13:01:08).

B.________ geht zurück zur Fahrerseite des Lieferwagens, verstaut den länglichen 
Gegenstand in der Fahrertür (13:01:16), zieht die bis dahin stets getragenen Hand-
schuhe aus und steigt fahrerseitig ein (13:01:30). 

Die Beschuldigte gestikuliert und wettert in Richtung ihrer Tochter und ihrer beiden 
Enkel (ab 13:01:32). Gleichzeitig fuchtelt sie mit dem Messer herum. Als letzte der 
Gruppe A.________ folgt sie dann ihrem Mann und ihren Söhnen (13:01:38). Die 
Gruppe A.________ (inkl. J.________) läuft über den Parkplatz und die Beschul-
digte wischt das Messer an ihren Kleidern ab (13:01:38). Zielstrebig und strammen 
Schrittes läuft sie den anderen nach. 

Schliesslich fährt der weisse Lieferwagen der Familie C.________ an der Gruppe 
A.________ vorbei (13:01:48) und der Citroën hinterher (13:01:58).

9.3.3 Sicherstellungen / Rapport des Kriminaltechnischen Dienstes

Tatort / sofortige Sicherstellungen

20

Am Tatort konnte zunächst lediglich eine Messerscheide sichergestellt werden.  
Diese fand sich auf einem der Parkfelder, in unmittelbarer Umgebung diverser Blut-
tropfen (vgl. Fotos KTD, pag. 299 f.).

An der Messerscheide konnten mittels DNA-Analyse zwei inkomplette, komplexe 
Mischprofile von mindestens drei, hauptsächlich weiblichen Spurengebern gesi-
chert werden. Aufgrund ihrer Komplexität war eine weitere Interpretation dieser 
DNA-Profile nicht möglich (vgl. Material- und Spurenverzeichnis, pag. 286 ff., 
Ass. 002.1 und 002.2; DNA-Auswertungen, pag. 294 f.).

Abgesehen von 2 braun lackierten Holzbruchstücken (vgl. pag. 301 ff.) wurden am 
Tatort keine weiteren Gegenstände sichergestellt. Die Abriebe von diesen Holz-
bruchstücken wurden nicht weiter ausgewertet (vgl. pag. 287 f., Ass. 006.1 und 
010.1).

Im Laderaum des Lieferwagens der Familie C.________ (Ford, ________) wurden 
diverse «Auftragsmesser» (Ass. 050) sowie 4 Scheren (Ass. 052) sichergestellt. Im 
Handschuhfach desselben Fahrzeugs fand sich ein Klappmesser (Ass. 054). Daran 
konnten keine besonderen kriminaltechnischen Feststellungen gemacht werden 
(pag. 291).

Auch im Kofferraum des Citroen C3 der Familie C.________ (________) fand sich 
ein Klappmesser. Dieses wurde ebenfalls kriminaltechnisch untersucht. Es ergaben 
sich keine besonderen Feststellungen (pag. 292).

Im Handschuhfach des Personenwagens der Familie A.________ (Ford, 
________) fand sich ein weiteres Klappmesser (Ass. 061). Dieses wurde vorerst 
nicht ausgewertet. Ein Blutvortest am Griff des Handschuhfachs war positiv 
(Ass. 063). Weiter fand sich auf dem Armaturenbrett dieses Wagens eine Zigaret-
tenschachtel, welche ein Papiertaschentuch mit Blutanhaftungen enthielt 
(Ass. 060). Auch am beifahrerseitigen Türgriff, an der dortigen Gurtschnalle und im 
beifahrerseitigen Fussraum waren Blutvortests positiv (Ass. 064 bis 067). Weitere 
Auswertungen wurden diesbezüglich nicht vorgenommen (pag. 292 f.).

Am Pullover der Beschuldigten (Ass. 014), dem T-Shirt von C.________ 
(Ass. 045), sowie an der Hose, der Unterhose, den Socken und den Schuhen von 
B.________ (Ass. 046 bis. 0490) fanden sich Blutanhaftungen. Auch am Pullover 
von E.________ (Ass. 022) fanden sich diverse Blutanhaftungen. Weitere Auswer-
tungen fanden diesbezüglich nicht statt (pag. 288 ff.).

Mutmassliche Tatwaffe

Nachdem sich G.________, Schwiegertochter der Beschuldigten, am 18.02.2014 
bei der Polizei gemeldet und zu Protokoll gegeben hatte, die mutmassliche Tatwaf-
fe in der Aare bei der Schleuse Port entsorgt zu haben (pag. 467 ff.), konnten Poli-
zeitauchern am 20.02.2014 an dem von ihr bezeichneten Ort ein Messer bergen 
(vgl. Anzeigerapport, pag. 275). 

Dabei handelt es sich um ein Jagdmesser mit einschneidiger, ca. 2cm breiter und 
ca. 11 cm langer, spitz zulaufender und relativ scharfer Klinge (vgl. Fotos KTD, 
pag. 295.1, der Griff ist  in Realität heller als auf den Aufnahmen). Das Jagdmesser 
wurde kriminaltechnisch nicht weiter ausgewertet.

21

9.3.4 Gutachten des IRM zur körperlichen Untersuchung / Notfallbericht Spital Burgdorf

Sowohl die beiden Privatkläger wie auch die Beschuldigte wurden am 07.01.2017 
bzw. 08.01.2017 vom Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Universität Bern unter-
sucht. Bei B.________ wurde ausserdem am 15.08.2015 der bisherige Heilungs-
verlauf begutachtet. Den Gutachten zur körperlichen Untersuchung lässt sich Fol-
gendes entnehmen:

Betreffend B.________

Gemäss Gutachten vom 11.02.2014 sei bei B.________ auf der Notfallstation des 
Inselspitals eine aktive Blutung aus der Gesichtsschlagader festgestellt worden. Es 
habe sich an der rechten Wange eine wenige Millimeter rechts des rechten Mund-
winkels beginnende, leicht gebogen bis wenige Millimeter vor das rechte Ohrläpp-
chen, ungefähr parallel zum rechten Unterkieferknochen verlaufende, klaffende, 
glattrandige Hautdurchtrennung mit feuchtem, rotem Wundrand gezeigt (Beurtei-
lung anhand Fotomaterial, pag. 309). Um die Blutung zu stillen, habe das Blutge-
fäss chirurgisch unterbunden werden müssen. Im Anschluss sei B.________ ope-
riert worden, um Verletzungen weiterer umliegender Strukturen auszuschliessen 
(pag. 320). Anlässlich der rechtsmedizinischen Untersuchung sei die Wunde be-
reits versorgt gewesen (vgl. Foto pag. 310). Der übrige Körper sei unverletzt gewe-
sen. Laut rechtsmedizinischer Einschätzung  habe sich B.________ zu keinem 
Zeitpunkt in unmittelbarer Lebensgefahr befunden. Ohne ärztliche Behandlung hät-
te die Verletzung der Gesichtsschlagader jedoch zu einem lebensgefährlichen 
Blutverlust führen können. Zusätzlich würden sich in der näheren Umgebung der 
Wunde wichtige Strukturen befinden, bei deren Verletzung eine bleibende Entstel-
lung oder Lebensgefahr zu erwarten sei, nämlich der Gesichtsnerv und diverse an-
dere Nerven, das rechte Auge, die Ohrspeicheldrüse und die Halsgefässe (Arteria 
carotis, Vena jugularis). Die Verletzung sei mit einem Messerschnitt erklärbar 
(pag. 320). Über die Art des Messers oder die Richtung der Zufügung der Wunde 
enthält das IRM-Gutachten keine Angaben.

Dem Gutachten zum Heilungsverlauf vom 25.08.2014 lässt sich entnehmen, dass 
sich die Narbe zu diesem Zeitpunkt reizlos, feinlinig und auf Hautniveau gelegen 
dargestellt habe. In Zusammenschau mit der anderen Gesichtshälfte habe sich 
keine merkliche Formveränderung im Gesicht gezeigt (vgl. auch Fotos pag. 334 ff.). 
Sprechen, Schlucken, Pfeifen, Wangen aufblasen u.Ä. seien symmetrisch und 
gemäss B.________ schmerzlos möglich gewesen. Dieser habe gemäss eigenen 
Angaben an keinen Beeinträchtigungen ausser gelegentlich noch an leichten 
Schmerzen im Narbenbereich gelitten. Es sei nach rechtsmedizinischer Erfahrung 
mit keinen weiter dazukommenden, allfällig bleibenden Schäden zu rechnen 
(pag. 331).

Betreffend C.________

C.________ habe bei der rechtsmedizinischen Untersuchung vom 07.01.2014 am 
linken Oberarm aussenseitig im oberen Drittel, zwei ungefähr parallel, von hinten-
oben nach vorne-unten verlaufende, ca. 2 cm lange, Hautdefekte im Abstand von 
ca. 4 cm aufgewiesen (pag. 339, Fotos pag. 306 f.). Laut IRM sei die Verletzung 
mit einem Messerstich erklärbar. Aufgrund der Wundmorphologie sei davon auszu-

22

gehen, dass es sich beim vorderen, oberen Defekt um die Einstichs-verletzung 
handle und beim hinteren, unteren Defekt um den Ausstich. Der Stichkanal sei di-
rekt unter der Haut verlaufen. Der zweiteilige Verlauf des vorderen, oberen Hautde-
fekts lasse sich damit erklären, dass sich C.________ gemäss ihren Angaben 
während des Angriffs zur Seite gedreht habe (pag. 340). Die Wunde sei in lokaler 
Betäubung mit fünf Einzelknopfnähten versorgt worden. C.________ sei stets an-
sprechbar, kreislauf- und atmungsstabil gewesen (pag. 339). Sie habe sich nie in 
unmittelbarer Lebensgefahr befunden. Wichtige Strukturen seien nicht beschädigt 
worden. Bleibende Schäden seien nicht zu erwarten (pag. 340).

Betreffend die Beschuldigte

Das rechtsmedizinische Gutachten über die Beschuldigte hält fest, dass diese 
während der Untersuchung vom 07.01.2014 (ab 20:40 Uhr, d.h. nach der ersten 
polizeilichen Befragung) zwar über diffuse Kopfschmerzen geklagt habe, aber bei 
klarem Bewusstsein gewesen sei. Gemäss dem dem IRM vorliegenden Notfallbe-
richt der chirurgischen Klinik Burgdorf habe die dortige Untersuchung eine ca. 3 cm 
lange und 0,5 cm tiefe Riss-Quetschwunde über der rechten Augenbraue und eine 
Unterblutung unter dem Auge ergeben. Die übrige neurologische sowie körperliche 
Untersuchung habe keine weiteren Auffälligkeiten gezeigt. Gemäss den dortigen 
Angaben der Beschuldigten sei sie nicht bewusstlos gewesen, habe weder 
Schwindel noch Übelkeit verspürt und auch nicht erbrochen. Die Wunde sei bereits 
im Regionalspital mit Steristrips versorgt worden (pag. 343). Laut rechtsmedizini-
scher Einschätzung seien die festgestellten Verletzungen mit dem geltend gemach-
ten Ereignis eines Schlages vereinbar (pag. 344).

Dem erwähnten Notfallbericht des Regionalspitals Emmental ist folgender Befund 
zu entnehmen: « GCS 15/15. Keine Amnesie. Pupillen seitengleich mittelweit, kon-
sensueller Lichtreflex. Hirnnerven unauffällig. Keine fokalneurologischen Ausfälle, 
symmetrische und unauffällige Muskeleigenreflexe [...]» (pag. 785). 

Dies bedeutet, dass die Beschuldigte gemäss den erstbehandelnden Ärzten unmit-
telbar nach der Auseinandersetzung die volle Punktzahl auf der Glasgow Coma 
Scale zur Abschätzung von Bewusstseinsstörungen erreichte (= keine Bewusst-
seinsbeeinträchtigung), regelrecht eine beidseitige Pupillenverengung bei bloss 
einseitigem Lichtreiz zeigte, unauffällige Hirnnerven aufwies und sich auch keine 
auf Gehirnveränderungen zurückzuführende Funktionsstörungen an anderen Kör-
perstellen zeigten.

9.3.5 Von den Parteien eingereichte ärztliche Berichte

Betreffend die Beschuldigte

In dem von der Beschuldigten eingereichten Bericht vom 06.03.2015 (pag. 1161 ff.) 
nimmt Dr. med. U.________, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Stellung zu 
den ihr von der Verteidigung gestellten Fragen. Zur Frage, ob es aus medizinischer 
Sicht und angesichts eines raschen Geschehensablaufs grundsätzlich möglich sei, 
dass Erinnerungslücken auftreten könnten und man sich nicht mehr an den genau-
en Geschehensablauf erinnern könnte, führt Dr. med. U.________ aus, als Psych-
iaterin könne sie «im Einvernehmen mit den anamnestischen Angaben der Patien-
tin» ein Bild über die psychische Verfassung «bei diesem Ereignis» abgeben. Die 

23

Beschuldigte habe «zu diesem Zeitpunkt» an einer sogenannten akuten Belas-
tungsstörung gelitten. Das auslösende Ereignis sei «das traumatische Erlebnis mit 
ernsthafter Lebensbedrohung (viel warmes Blut im Gesicht, der Sohn liegt ohn-
mächtig am Boden)» gewesen. Bei körperlicher Erschöpfung oder «„organischer 
Beeinträchtigung“ (Schläge an den Kopf)» sei das Risiko, diese Störung zu entwi-
ckeln, erhöht. In diesem Zustand könne eine teilweise Erinnerungslücke, eine so-
genannte Amnesie, vorliegen. Meistens sei diese Erinnerungslücke unvollständig 
und beschränke sich auf bestimmte Inhalte (selektive Amnesie). Sie setze meistens 
abrupt ein, häufig nach einer schweren Belastung, und ende meist auch plötzlich. 
«Im Rahmen hochgradiger Affektzustände zur Tatzeit» könnte eine Bewusstseins-
veränderung stattgefunden haben. Dies heisse, dass der Täter «zur Tatzeit» auf-
grund dieser Merkmale unfähig gewesen sei, sein Handeln zu kontrollieren. Die 
von der Verteidigung gestellte Frage, ob Dr. med. U.________ gestützt auf die per-
sönliche Behandlung und den ihr gegenüber gemachten Angaben der Beschuldig-
ten die Erinnerungslücken der Beschuldigten zum Tatzeitpunkt als glaubwürdig re-
sp. zumindest als (medizinisch) möglich erachte, beantwortet das Gutachten mit 
«Ja». Aktuell würden der Beschuldigten Anpassungsstörungen, Angst und depres-
sive Reaktion gemischt nach ICD-10; F43.22 diagnostiziert. Es zeigten sich bei ihr 
Symptome von subjektivem Leiden wie vegetative Symptome und emotionale Be-
einträchtigungen wie depressive Stimmung, Angst, Besorgnis, das Gefühl nicht 
mehr zurechtzukommen, massive Einschränkungen bei der Bewältigung der alltäg-
lichen Routine (die Beschuldigte traue sich nicht allein auf die Strasse zu gehen 
und sei sogar in der ambulanten Therapie auf die Begleitung durch ihre Angehöri-
gen angewiesen). Bedingt durch diese Merkmale habe die Beschuldigte grosse 
Einbussen ihrer Sozialkompetenz und Leistungen. Weiter leide sie an 
Schlafstörungen. Die Beschuldigte habe seit der Untersuchungshaft und dem Ver-
fahren keine Ruhe mehr. Der Gefängnisaufenthalt sei für sie dramatisch gewesen 
und sie habe manifestiert, dass eine Gefängnisstrafe für sie nicht mehr tragbar wä-
re. Die Behandlung bestehe in regelmässigen ärztlichen Konsultationen im Rah-
men der ambulanten psychiatrischen Behandlung mit Alltagsbewältigungsstrategi-
en sowie Psychopharmaka (Sitzungsfrequenz einmal alle 14 Tage 60 Minuten oder 
nach Bedarf). Ob bzw. seit wann sich die Beschuldigte bei Dr. U.________ in Be-
handlung befand, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Betreffend C.________

Gemäss dem von der Privatklägerin eingereichten Arztbericht vom 17.07.2015 von 
Dr. med. AA.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (pag. 
1225 f.), sei bei C.________ eine posttraumatische Belastungsstörung ausgehend 
vom Ereignis vom 07.01.2014 diagnostiziert worden. Die Privatklägerin habe den 
Vorfall und die bis heute fortgesetzten Drohungen von Seiten ihrer Mutter als aus-
serordentlich bedrohlich respektive lebensbedrohlich erlebt. Der Vorfall werde im-
mer noch lebendig erinnert und löse immer wieder innere Bedrängnis und Angst 
aus. In Alltagssituationen sei die Privatklägerin Ängsten ausgesetzt, so dass nor-
male Aktivitäten von ihr lange gemieden worden seien. Nach wie vor bewege sie 
sich ausserhalb ihrer Wohnsituation nur in Begleitung. Ungewohnte Situationen 
würden schnell als bedrohlich empfunden. Die Privatklägerin fühle sich nirgends 
mehr sicher. Sie leide an einer erhöhten Sensitivität mit hartnäckigen Schlafstörun-

24

gen, verminderter psychischer Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen aufgrund 
des erhöhten Angstpegels, Überwachheit, erhöhter Wachsamkeit und grosser 
Schreckhaftigkeit. Dazu kämen Panikattacken, Würgegefühle in banalen Alltagssi-
tuationen, begleitet von Angstzuständen, Stimmungsschwankungen i.S. von de-
pressiven Einbrüchen, Kraftlosigkeit und Erschöpfungsgefühlen. C.________ sei 
am 28.03.2014 erstmals in die Therapie gekommen und habe bis zum 17.07.2015 
16 Sitzungen wahrgenommen. Erst nach Ende der Bedrohungslage könne mit ei-
ner Besserung der Symptomatik gerechnet werden. 

Im ergänzenden Bericht vom 16.11.2015 (pag. 1249) wird dargelegt, dass sich der 
psychische Zustand der Privatklägerin erneut verschlechtert habe. Die Symptome 
der posttraumatischen Belastungsstörung hätten sich verstärkt, die Patientin fühle 
sich vermehrt durch die vonseiten der Familie ihrer Mutter ausgehenden Bedro-
hung belastet. Solange die Umstände noch nicht geklärt seien, könne es nicht zu 
einer Verbesserung der psychischen Gesundheit von C.________ kommen (pag. 
1249). 

Betreffend B.________

Gemäss dem vom Privatkläger eingereichten Arztbericht vom 09.11.2015 von 
Dr. med. AA.________ (pag. 1242) leide B.________ an einem länger als 6 Mona-
te andauernden posttraumatischen Syndrom. Seit April 2014 sei der Privatkläger in 
fortlaufender Behandlung und werde antidepressiv behandelt. Der Übergriff sei für 
ihn eine tiefgreifende, existentiell extreme Erfahrung mit Todesangst gewesen und 
habe zu einer tief verankerten Verhaltensänderung geführt, welche sich in unflexi-
blem und fehlangepasstem Verhalten äussere. Die Nähe zu Messern löse bei 
B.________ «flash-backs (bildliches und emotionales Wiedererleben der Messerat-
tacke)» mit heftigen somatischen Symptomen aus, weshalb er seinen angestamm-
ten Beruf als Messerschleifer habe aufgeben müssen. Ziel der Therapie sei die 
Wiederaufnahme des Berufs. Bis anhin hätten jedoch keine Fortschritte erzielt wer-
den können, welche einen Hinweis auf eine mögliche Rückkehr zum angestamm-
ten Beruf geben würden. Es sei mit noch mindestens einem Jahr Therapie zu rech-
nen. 

Weitere, aktuelle Berichte über den gesundheitlichen Zustand der Beschuldigten 
und der Privatklägerschaft liegen nicht vor.

9.3.6 Aussagen der Beteiligten

Was die Aussagen der Beteiligten anbelangt, kann an dieser Stelle mit der Vorin-
stanz festgehalten werden, dass sämtliche in den Vorfall vom 07.01.2014 involvier-
ten Personen bei ihren Einvernahmen in erheblichem Mass gelogen haben. Die ei-
gene Rolle wurde beschönigt und die der anderen Gruppe (teils masslos) übertrie-
ben. Die Mitglieder beider Familien stellten sich jeweils als Opfer eines Angriffs der 
anderen Partei im Rahmen eines zufälligen Treffens dar. Bei keiner der beteiligten 
Personen können die Aussagen als uneingeschränkt glaubhaft bezeichnet werden. 

Auf eine umfassende Darstellung der Aussagen wird daher verzichtet. Soweit von 
Wert, wird im Rahmen der Beweiswürdigung auf spezifische Aussagen eingegan-
gen. Entgegen den Vorbringen der Verteidigung ist dies – immer unter Berücksich-

25

tigung der offenkundigen Tendenz aller Beteiligten, sich selbst möglichst zu entlas-
ten – durchaus zulässig und auch unerlässlich.

9.4 Beweiswürdigung und erstellter Sachverhalt

9.4.1 Zustandekommen des Aufeinandertreffens der beiden Familien

Es bestehen unterschiedliche Aussagen darüber, was am Vormittag des 
07.01.2014 passiert ist, bevor sich die beiden Familien auf dem Areal der 
Q.________ AG getroffen haben. 

Klar ist, dass seit langem erhebliche, möglicherweise auch ethnisch begründete 
Differenzen (vgl. etwa pag. 348 Z. 62 ff., 509 Z. 9 ff., pag. 523 Z. 38 ff. und 
pag. 1254 Z. 30 ff.) zwischen beiden Familien A.________ und C.________ be-
standen. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus denkbar, dass es am Vormittag 
des 07.01.2014 zu einer Art (nicht tätlichen) Auseinandersetzung zwischen 
D.________ und B.________ kam (vgl. dazu die Schilderungen von D.________, 
pag. 441 f. Z. 10 ff., und J.________, pag. 570 f. Z. 10 ff.). Objektiv belegt ist, dass 
zunächst D.________ seine Eltern kontaktierte und es in der Folge um 11:45 Uhr 
zu einem ersten telefonischen Kontakt zwischen E.________ und der Familie 
C.________ kam. 

Angesichts der zahlreichen nun folgenden Telefonate – familienintern aber um 
12:22 Uhr und 12:51 Uhr auch zwischen den beiden Gruppen – ist klar, dass es 
sich bei dem folgenden Aufeinandertreffen auf dem Areal der Q.________ AG mit-
nichten um eine zufällige Begegnung der beiden Familien gehandelt hat. Es mag 
sein, dass es den A.________s gelegen kam, dass sie ohnehin bestellte Waren 
abzuholen hatten. Doch war ihnen nicht nur bewusst, dass sie dort auf 
C.________s treffen würden, vielmehr zogen beide Familien ihre Mitglieder regel-
recht zusammen, um sich zum "Showdown" beim Areal der Q.________ AG einzu-
finden. C.________ gab denn auch zu, dass sie zusammen mit ihrem Mann und ih-
ren Söhnen auf die A.________s gewartet habe (pag. 517 Z. 54 f.). 

Unter Berücksichtigung des seit langem vergifteten Klimas zwischen den beiden 
Familien, der sichergestellten Combox-Aufnahme sowie des offenbar im Raum 
stehenden morgendlichen Vorfalls, erachtet die Kammer auch als erstellt, dass es 
bereits im Vorfeld, anlässlich der Telefonate, zu gegenseitigen Beschimpfungen 
und Drohungen gekommen war. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Exponenten 
beider Lager dabei auch Todesdrohungen ausgesprochen hatten (vgl. dazu etwa 
die Aussagen von E.________, pag. 391 Z. 44 f., D.________, pag. 444 Z. 117 ff., 
und B.________, pag. 490 Z. 38). Dabei mag es sich um den üblichen zwischen 
den Gruppen herrschenden Umgangston, wie es die Beteiligten ausdrückten um 
blosse «Sprichworte» oder «Redensarten» (pag. 391 Z. 46, pag. 412 Z. 156), ge-
handelt haben. Klar ist jedoch, dass die Stimmung aufgeheizt war. 

Entgegen den Beteuerungen ging keine der beiden Seiten davon aus, es werde auf 
alle Fälle bei einer mehr oder weniger friedlichen Aussprache bleiben. Davon zeugt 
schon die von B.________ eingenommene, gespielte Kampfhaltung beim Eintref-
fen seiner Frau. C.________ ihrerseits gab zu, dass sich schon erwartet habe, 
dass es eskalieren würde, wenn auch nicht in diesem Mass (pag. 1255 Z. 27 ff.). 
Wie auf den Überwachungsbildern ersichtlich wird, rüstete sich mindestens 

26

I.________ von allem Anfang an mit einem (Schlag-)Stock aus. Die Beschuldigte 
ihrerseits hatte von Beginn weg ein Messer in der Hand. Sie gab an, sie habe ge-
wusst, dass C.________s immer bewaffnet seien und dass diese nicht mit streiten 
aufhören würden; sie habe damit gerechnet (pag. 1271 Z. 27 ff.). Auch bei prak-
tisch allen weiteren Beteiligten (mit Ausnahme von H.________ und J.________) 
sind auf den Überwachungsaufnahmen zum einen oder anderen Zeitpunkt der 
Auseinandersetzung Gegenstände in den Händen erkennbar, die zuvor eingesteckt 
oder bereit gelegt werden mussten. Es mag sein, dass die beiden Familienober-
häupter (F.________ und B.________) primär die Aussprache suchten, darauf 
deutet jedenfalls das Verhalten von F.________ hin, welcher B.________ zu Be-
ginn die Hand auf die Schulter legt. Doch waren beide Familien auch für einen 
Kampf gerüstet und schlossen eine tätliche Auseinandersetzung somit offensicht-
lich nicht aus. 

9.4.2 Täterschaft der Beschuldigten in Bezug auf die Verletzung von C.________

Die Beschuldigte bestreitet inzwischen nicht mehr, dass sie es war, welche 
C.________ die Verletzung zugefügt hat. Sie wollte zwar ihre Tochter zunächst nur 
– nota bene ohne Messer – an den Haaren getroffen (pag. 350 Z. 171 f.) und nicht 
mitbekommen haben, wie diese zu der Stichverletzung gekommen sei (pag. 356 
Z. 65 f., pag. 363 Z. 162 ff.). Später gab sie dann aber zu Protokoll, dass es sein 
könne, dass sie im Handgemenge zugestochen habe, als sie versucht habe, sich 
zu wehren (pag. 369 Z. 133 ff., pag. 375 Z. 80 ff.). Schliesslich gab sie zu, dass die 
Verletzungen ihrer Tochter vom «Herumfuchteln» stammten (pag. 384 f. Z. 37 ff.), 
es sei klar, dass die Stiche von der «Fuchtelei» gekommen seien (pag. 1273 
Z. 8 f.). An der Berufungsverhandlung meinte sie schliesslich, sie habe C.________ 
«blöd preicht» (pag. 1631 Z. 47). Damit ist die Täterschaft der Beschuldigten in Be-
zug auf die Verletzung von C.________ heute unbestritten. 

Im Übrigen geht auch aus dem objektiv erstellten äusseren Ablauf der Auseinan-
dersetzung hervor, dass eigentlich nur die Beschuldigte der Privatklägerin die 
Stichwunde am Oberarm zugefügt haben kann: 

Während der Dauer, in welcher C.________ von der Kamera erfasst wurde, führte 
nur die Beschuldigte eine erkennbare Stichbewegung gegen diese aus. Während 
sich die Privatklägerin ausserhalb des Sichtfelds der Kamera befand, hielt sich 
zunächst die Beschuldigte mit dieser hinter dem Lieferwagen auf. Als C.________ 
nach der Trennung von der Beschuldigten wieder dorthin verschwunden war, folgte 
ihr zwar auch E.________ kurz hinter den Lieferwagen, jedoch verschwand er nur 
für eine knappe halbe Sekunde aus dem Bild und hatte damit kaum genug Zeit für 
einen entsprechenden Stich. Zudem war seine Aufmerksamkeit zu diesem Zeit-
punkt bereits wieder auf B.________ gerichtet. E.________ scheidet damit als 
Täter aus. F.________ hielt sich seinerseits zwar längere Zeit hinter dem Lieferwa-
gen bzw. ausserhalb des Sichtfelds der Kamera auf und käme damit theoretisch als 
Täter in Frage. Er nahm aber bei der Auseinandersetzung ansonsten eine insge-
samt wenig aggressive, jedenfalls nicht tätliche Rolle ein. Das gilt umso mehr für 
J.________, der völlig passiv bleibt. 

27

Kommt hinzu, dass niemand E.________, F.________ oder J.________ der Täter-
schaft bezichtigte. Namentlich C.________ sprach immer nur von der Beschuldig-
ten, welche mit dem Messer auf sie losgegangen sei und ihr einen Schlag bzw. 
Stich versetzt habe (pag. 513, pag. 510 Z. 19 ff., 516 Z. 44 ff., pag. 531 Z. 325). Die 
Beschuldigte ist es auch, welche vor, während und unmittelbar nach der Auseinan-
dersetzung mit ihrer Tochter klar erkennbar ein Messer in der Hand hielt. 

Damit ist die Täterschaft der Beschuldigten in Bezug auf die Verletzung von 
C.________ erstellt.

9.4.3 Tatwaffe

Ob es sich bei dem auf den Videobildern in der rechten Hand der Beschuldigten 
erkennbaren Messer um das Jagdmesser handelte, welches später aus der Aare 
geborgen werden konnte, ist damit allerdings noch nicht geklärt. 

G.________ sagte aus, sie habe am Tattag ein ähnliches Messer, eine Art Pfadi-
messer mit braunem Holzgriff (mit unten etwas Glänzendem, Rostigen),    Barriere-
stange und ca. 10cm langer Klinge auf dem Mittelsitz des PW A.________ gefun-
den. Es sei mit der Jacke von F.________ bedeckt gewesen, welche sie eigentlich 
habe holen wollen. Das Messer sei weder dreckig noch blutig gewesen. Eine Hülle 
dazu sei nicht vorhanden gewesen. Sie habe das Messer an sich genommen und 
noch in derselben Nacht dort in die Aare geworfen, wo es später geborgen werden 
konnte (pag. 467 ff.). Auch wenn G.________ das geborgene Messer nicht mit Si-
cherheit wiedererkannte, ist aufgrund ihrer Beschreibung doch davon auszugehen, 
dass es sich um das von ihr in die Aare geworfene Messer handelt.

Das gefundene Jagdmesser passt sodann auch zur Beschreibung der Beschuldig-
ten. Diese gab zudem explizit zu, es könne sein, dass es sich beim gefundenen um 
das fragliche Messer handle, sie habe dieses nach der Tat auf den Mittelsitz des 
Autos geworfen (pag. 378 Z. 175 ff.). Auch C.________ erkannte das Messer wie-
der (pag. 527 Z. 189 f.). 

In Bezug auf die C.________ zugefügte Verletzung kommt das Jagdmesser so-
dann ohne weiteres als Tatwaffe in Frage. Es handelt sich um ein Messer mit einer 
spitzen, relativ scharfen Klinge, mit welcher ein Arm durchstochen werden kann. 
Die Breite der Klinge korrespondiert ausserdem mit der Länge der Ein- und Aus-
trittswunden am Oberarm der Privatklägerin. 

Damit ist erstellt, dass es sich bei dem geborgenen Jagdmesser um die Tatwaffe in 
Bezug auf C.________ handelt.

Auch die Verletzung von B.________ kann ohne weiteres mit diesem Jagdmesser 
zugefügt worden sein. Ob es sich auch in Bezug auf ihn tatsächlich um die Tatwaf-
fe handelt, kann indessen an dieser Stelle noch nicht abschliessend beantwortet 
werden. 

28

9.4.4 Genauer Hergang der Auseinandersetzung zwischen der Beschuldigten und 
C.________ 

Noch ungeklärt ist, wie die tätliche Auseinandersetzung zwischen der Beschuldig-
ten und C.________ genau begann, bzw. was sich hinter dem Lieferwagen abspiel-
te, und wann und wie genau die Beschuldigte C.________ verletzte.

Aufgrund des Überwachungsvideos ist erstellt, dass sich die Beschuldigte bei ihrer 
Ankunft zielstrebig, mit gezücktem und Messer in der Hand zwischen Lieferwagen 
und Citroën begab, wo sich zu diesem Zeitpunkt C.________ aufhielt. Insofern war 
sie diejenige, welche die bewaffnete Auseinandersetzung lancierte.

C.________ verschwieg bei ihren Erstaussagen die von ihr gegen die Beschuldigte 
ausgeführten Stockschläge und stellte die Situation so dar, als sei sie direkt von 
dieser angegriffen und gestochen bzw. geschlagen worden (pag. 510 Z. 19 ff., pag. 
513). Sie gab dann aber zu, von ihrem Mann einen Kunststoffstock zur Verteidi-
gung ausgehändigt erhalten (pag. 516 Z. 19 ff.) und diesen in den Händen gehabt 
zu haben (pag. 517 Z. 74). Ihre späteren Aussagen, dass sie diesen erst aus dem 
Auto geholt habe, nachdem die Beschuldigte auf sie eingestochen bzw. einzuste-
chen versucht gehabt habe (pag. 524 Z. 75 ff., pag. 1256 Z. 8 ff.) erscheinen des-
halb wenig glaubhaft. Gleichzeitig sagte sie nämlich auch aus, sie habe den zuvor 
von ihrem Mann erhaltenen Stock bereits aus dem Auto genommen, als sie gese-
hen habe, dass die Beschuldigte ein Messer hatte (pag. 1255 Z. 30 f. und 43 f.). 
Damit übereinstimmend hatte sie bei einer früheren Einvernahmen ausgesagt, sie 
habe den Stock eingesetzt, als ihre Mutter auf sie los gekommen sei und gesagt 
habe «du u di C.________schwanz verrecke itz» (pag. 517 Z. 90 ff.). Selbst 
B.________ erwähnte, seine Frau habe den Stock in der Hand gehabt, als die Be-
schuldigte mit dem Messer auf sie losgegangen sei (pag. 500 Z. 111 ff.). Die Kam-
mer erachtet es daher als erstellt, dass C.________ bereits mit dem Stock bewaff-
net war bzw. diesen spätestens aus einem der Autos behändigte, als die Beschul-
digte auf sie zukam.

Die Beschuldigte bestreitet, C.________ bereits hinter dem Lieferwagen Messersti-
che versetzt zu haben. Sie will als Erste angegriffen worden sein und ihre Tochter 
erst im Rahmen des nachfolgenden Handgemenges mit dem Messer getrof-
fen haben (etwa pag. 375 Z. 80 ff.). 

Angesichts des Umstands, dass die Beschuldigte sich mit dem offenen Messer in 
der Hand zu ihrer Tochter hinter den Lieferwagen begab, kann allerdings keine Re-
de davon sein, dass der Angriff vom C.________ ausgegangen ist. Vielmehr war 
es die Beschuldigte, welche die tätliche Auseinandersetzung lancierte. Ihre Tochter 
reagierte bloss darauf. 

In dubio pro reo ist aber davon auszugehen, dass die Beschuldigte ihre Tochter 
hinter dem Fahrzeug noch nicht zu stechen oder schneiden versucht hat. Auf die 
diesbezüglich widersprüchlichen Aussagen von C.________ kann nicht abgestellt 
werden. Die restlichen Beteiligten waren auf die "Diskussion" mit B.________ kon-
zentriert und können auch aufgrund der eingeschränkten Sichtverhältnisse kaum 
im Detail mitbekommen haben, was sich auf der gegenüberliegenden Seite des 
Lieferwagens abgespielt hat. 

29

Die Kammer ist davon überzeugt, dass sich die Beschuldigte und ihre Tochter hin-
ter dem Lieferwagen «Schande gesagt» und «Schlämperlige» ausgeteilt, sprich 
massive Beschimpfungen und auch Drohungen geäussert haben, und zwar gegen-
seitig (pag. 346 Z. 48 ff., 374 f. Z. 49 f., pag. 517 Z. 90 ff., pag. 525 Z. 115 ff., pag. 
531 Z. 314 f., pag. 1256 Z. 9, vgl. auch den rechtskräftigen Strafbefehl gegen 
C.________ wegen Beschimpfung, pag. 1596 ff.). Es ist angesichts des auf dem 
Video ersichtlichen Auftretens der Beschuldigten und des generellen Umgangstons 
der beiden Familien miteinander völlig unglaubhaft, dass die Beschuldigte ihre 
Tochter nur relativ sachlich gemassregelt haben will. 

Als Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass die Beschuldigte die tätliche 
Auseinandersetzung lancierte, indem sie sich mit dem gezückten Messer zwischen 
die beiden Fahrzeuge begab, wo ihre mit einem Stock ausgerüstete Tochter warte-
te. Dort beschimpften sich die beiden Frauen massiv, in dubio ist jedoch davon 
auszugehen, dass die Beschuldigte C.________ hinter dem Lieferwagen (noch) 
nicht mit dem Messer verletzte und dies auch (noch) nicht versuchte. Damit ist 
auch davon auszugehen, dass es C.________ war, die als erst tatsächlich tätlich 
wurde, indem sie noch hinter dem Lieferwagen den Stock gegen die Beschuldigte 
erhob, ansonsten letztere nicht in der auf dem Video ersichtlichen Art und Weise 
hervorgekommen wäre.

Der restliche Ablauf der Auseinandersetzung zwischen der Beschuldigten und der 
Privatklägerin ergibt sich aus den Überwachungsaufnahmen: 

C.________ schlug die davonlaufende Beschuldigte von hinten mehrmals mit dem 
Stock bzw. versuchte dies zumindest. Die Beschuldigte drehte sich um und ver-
suchte zunächst bloss Abzuwehren, ging dann aber in den Gegenangriff über. Es 
kam zu einem Handgemenge, in welchem die Beschuldigte mehr und mehr die 
Oberhand gewann und ihre Tochter in den Rückwärtsgang drängte. Die Beschul-
digte zog in der Folge mit der rechten Hand auf, machte eine Ausholbewegung, 
hielt noch mal kurz inne, und führte unmittelbar darauf von oben herab eine ziem-
lich heftige Stichbewegung gegen den linken Oberarm/ Schulterbereich ihrer Toch-
ter aus. Daraufhin griffen D.________ und E.________ ein und trennten die beiden 
Frauen, welche noch gegeneinander nachzusetzen versuchten.

Auf der Videoaufnahme ist nur eine einzige, jedoch klar erkennbare Stichbewegung 
der Beschuldigten gegen ihre Tochter zu sehen. Diese fand während des Handge-
menges statt, als C.________ zwar bereits etwas unterlegen war, aber nach wie 
vor auch auf die Beschuldigte einschlug. Es handelt sich um die einzige auf dem 
Video ersichtliche Bewegung der Beschuldigten mit dem Messer in der Hand, wel-
che zum eingetretenen Verletzungsbild passt. Sie erfolgte wuchtig und örtlich an 
die richtige Körperstelle. Diese Stichbewegung entspricht zudem den Schilderun-
gen von C.________ («von oben her», pag. 510 Z. 19 f.) und H.________ («von 
oben herab, etwas von der Seite», pag. 559 Z. 90), auch wenn sich deren Aussa-
gen in zeitlicher Hinsicht als unzutreffend erwiesen. Es scheint aufgrund der Video-
bilder weiter ausgeschlossen, dass die Beschuldigte C.________ die Verletzung 
bereits im Rahmen des ersten Teils des Handgemenges zugefügt haben könnte, 
als sie die Stockschläge abwehrte und ihre Tochter mit beiden Händen wegdrückte. 

30

Die Kammer erachtet es deshalb als erstellt, dass der Oberarm-Durchstich gerade 
durch die beschriebene, ziemlich heftige, von oben herab ausgeführte Stichbewe-
gung der Beschuldigten gegen den linken Oberarm/Schulterbereich entstanden ist. 
Dass die Beschuldigte dabei das Messer – soweit auf den Videoaufnahmen er-
sichtlich – nie so gedreht hat, dass die Klinge beim kleinen Fingern aus der Faust 
heraus ragte, vermag hieran keine Zweifel zu begründen. Die Beschuldigte kann 
bei der ausholenden Bewegung ihre Hand ohne weiteres entsprechend gegen die 
Schulter/den Oberarm ihrer Tochter hin gedreht haben. 

9.4.5 Angebliche "Amnesie" bzw. Wahrnehmungsbeeinträchtigungen der Beschuldigten

Die Beschuldigte macht geltend, ihre Tochter habe sie mit den Stockschlägen am 
Kopf, beim Auge, getroffen, es habe zu bluten begonnen und sie habe nichts mehr 
bzw. nur noch Sterne gesehen. Nach diesem Schlag habe sie nichts mehr mitbe-
kommen. Insbesondere habe sie keine Erinnerungen daran, zu B.________ ge-
gangen zu sein und diesen womöglich verletzt zu haben.

Allerdings sind die diesbezüglichen Aussagen der Beschuldigten widersprüchlich. 
Bei ihrer Erstaussage führte die Beschuldigte diese angebliche Wahrnehmungs-
störung bereits in Bezug auf die Verletzung ihrer Tochter ins Feld: Sie wollte 
zunächst gar nichts mehr gesehen haben bis zu Zeitpunkt als E.________ am Bo-
den gelegen habe (pag. 347 Z. 51 ff., pag. 350 Z. 162 ff.). Die Auseinandersetzung 
mit ihrer Tochter und den Umstand, dass sie ein Messer dabei hatte, verschwieg 
sie dabei geflissentlich. Inzwischen bestreitet die Beschuldigte hingegen nicht 
mehr, ein Messer gehabt, und C.________ im Rahmen des Handgemenges «blöd 
preicht» zu haben. Insofern hat die Beschuldigte den Beginn ihrer angeblichen Be-
einträchtigung im Verlauf des Verfahrens zeitlich auf einen späteren Zeitpunkt ver-
legt. Auffälligerweise betrifft die angebliche Erinnerungslücke sodann heute nur 
noch gerade das Geschehen, welches von der Überwachungskamera nicht aufge-
zeichnet wurde, nämlich die Verletzung von B.________. Gleichzeitig erinnert sich 
die Beschuldigte allerdings detailliert an die tätliche Auseinandersetzung zwischen 
ihrem Sohn E.________ und I.________, also an ein Ereignis welches zeitlich un-
mittelbar vor dem fraglichen Geschehen begann und auch erst während desselben 
endete (pag. 350 Z. 175 ff.). Die angebliche Erinnerungslücke endet sodann wie-
derum genau nach der erfolgten Verletzung von B.________. Die Beschuldigte 
konnte detaillierte Angaben zum anschliessenden Auseinandergehen der beiden 
Gruppen und zur Fahrt ins Spital machen (pag. 350 Z. 183 ff). Selbst in Bezug auf 
jene entscheidenden rund 15 Sekunden dazwischen sind die Aussagen der Be-
schuldigten nicht konsistent. Zwischenzeitlich gab sie nämlich auch einmal zu Pro-
tokoll, sie habe nichts mehr gesehen, aber von weit weg noch Stimmen gehört und 
müsse diesen – B.________ – wohl im Gerangel, beim Fuchteln getroffen haben 
(pag. 376 Z. 88 ff. und 106 ff.). Bereits angesichts dieses Aussageverhaltens er-
scheinen die geltend gemachten Wahrnehmungsstörungen und Erinnerungslücken 
äusserst zweifelhaft.

Es ist sodann aufgrund der Überwachungsaufnahmen und der dokumentierten Ver-
letzungen der Beschuldigten (Foto pag. 312) zwar davon auszugehen, dass diese 
tatsächlich von mindestens einem Stockschlag im Bereich des rechten Auges ge-
troffen worden sein muss. Die Wunde dürfte auch ziemlich schnell geblutet haben, 

31

wodurch in der Folge auch das Hämatom und die damit einhergehende Schwellung 
entstand. Allerdings ist aufgrund der rechtsmedizinischen Untersuchung und unter 
Berücksichtigung des Notfallberichts des Spitals Burgdorf erstellt, dass das linke 
Auge nicht betroffen war. Eine Platzwunde am Hinterkopf wies die Beschuldigte – 
entgegen der Darstellung in der Anklageschrift – ebenfalls nicht auf. Unmittelbar 
nach der Tat zeigten sich bei der Beschuldigten sodann keine neurologischen Auf-
fälligkeiten und diese hatte im Spital auch von keinen Bewusstseinsstörungen be-
richtet. Entsprechend kamen die erstbehandelnden Ärzte zum Befund: «Keine 
Amnesie». Angaben zu einer Beeinträchtigung des Sehnervs, wie sie neuerdings 
an der Berufungsverhandlung geltend gemacht wurde (pag. 1631 Z. 65), finden 
sich in den Arztberichten nicht. Es bestehen mithin keine objektiven Hinweise auf 
ein im Tatzeitpunkt bestehende, relevante Beeinträchtigung des Wahrnehmung, 
insbesondere des Sehvermögens. Im Gegenteil deuten die ärztlichen Untersu-
chungen darauf hin, dass die Beschuldigte sehr wohl sah, was sie machte, sich 
dessen bewusst war und ihre Handlungen auch steuern konnte.

Schliesslich ergeben sich auch aufgrund der Überwachungsaufnahmen keine Hin-
weise auf eine entsprechende Beeinträchtigung der Beschuldigten. Im Gegenteil ist 
zu sehen, wie diese sich dem Kampf stellte, in den Gegenangriff überging und eine 
eindeutige Stichbewegung gegen C.________ ausführte, hingegen nicht etwa 
"blind" herumfuchtelte. Nachdem die beiden Frauen daraufhin getrennt worden wa-
ren, machte die Beschuldigte ebenfalls keinen besonders mitgenommenen oder 
verwirrten Eindruck. Sie blieb zwar zunächst einige Sekunden mehr oder weniger 
am gleichen Ort stehen und griff für eine Weile nicht mehr in das Geschehen ein. 
Sie hatte aber z.B. nicht die geringsten Probleme mit dem Gleichgewicht und 
machte auch nicht den Anschein, nichts mehr sehen zu können, oder sich etwa 
Blut aus den Augen reiben zu müssen. Als I.________ ihrem Sohn E.________ 
sodann den Stock über den Kopf zog, reagierte sie blitzschnell und wollte diesem 
offensichtlich zu Hilfe eilen, bevor sie sich anders entschied und in Richtung von 
B.________ abdrehte.  Auch als sie knapp 16 Sekunden später wieder von der 
Kamera erfasst wurde, war die Beschuldigte offenkundig in der Lage, C.________ 
und ihren Familienmitgliedern noch einmal «Schande» zu sagen und gegen diese 
zu wettern, bevor sie schliesslich problemlos ihren eigenen Familienmitgliedern 
zum Auto folgen konnte. 

Bei der polizeilichen Einvernahme vom selben Abend war sie einvernahmefähig 
und konnte dabei – etwa in Bezug auf das von ihr mitgeführte Messer – erst noch 
gezielt Falschaussagen machen, was einer gewissen geistigen Fitness bedarf.

Die Kammer bezweifelt nicht, dass es im Rahmen von akuten Belastungsstörungen 
bzw. aufgrund von traumatischen Erlebnissen grundsätzlich zu Erinnerungslücken 
kommen kann, wie sie im Bericht von Dr. med. U.________ beschrieben werden. 
Allerdings ist sie aufgrund der erwähnten Gründe auch überzeugt, dass es sich bei 
der vorliegend von der Beschuldigten geltend gemachten "Amnesie" um eine reine 
Schutzbehauptung handelt. Die ärztliche Einschätzung von Dr. med. U.________ 
im konkreten Fall beruht denn auch auf falschen anamnestischen Angaben der Be-
schuldigten («viel warmes Blut im Gesicht, der Sohn liegt ohnmächtig am Boden»), 
eine «ernsthafte Lebensbedrohung» bestand nie. Selbst wenn man ihm Übrigen 

32

eine derartige Amnesie doch als erwiesen ansehen wollte, bedeutete das Bestehen 
einer Erinnerungslücke noch lange nicht, dass die Beschuldigte im Tatzeitpunkt 
einsichts- oder steuerungsunfähig gewesen wäre.

Es mag zwar ebenfalls sein, dass im Rahmen hochgradiger Affektzustände Be-
wusstseinsveränderungen stattfinden können, welche es der betroffenen Person 
unmöglich machen, ihr Handeln zu kontrollieren, wie dies im Bericht von Dr. med. 
U.________ ausgeführt wird. Aufgrund der Überwachungsaufnahmen ist aber er-
wiesen, dass die Beschuldigte vorliegend ihr Handeln sehr wohl steuern konnte.

Damit ist erstellt, dass die Beschuldigte zu jeder Zeit sah und begriff, was sie tat, 
und ihre Handlungen auch steuern konnte.

9.4.6 Täterschaft der Beschuldigten in Bezug auf die Verletzung von B.________

Auch wenn es sich bei der Darstellung der Beschuldigten, nach den ihr durch ihre 
Tochter zugefügten Schlägen nichts mehr mitbekommen zu haben, um eine reine 
Schutzbehauptung handelt, ist ihre Täterschaft in Bezug auf die Verletzung von 
B.________ damit noch nicht erstellt.

Von vornherein als Täter ausgeschlossen werden können aufgrund des Überwa-
chungsvideos hingegen I.________ und E.________. Beide befanden sich in der 
Zeitspanne, in welcher B.________ die Verletzung zugefügt worden sein muss, 
nicht in dessen Nähe. E.________ war zwar – bereits im Vorfeld des Aufeinander-
treffens – als einer der Hauptaggressoren aufgetreten und es muss davon ausge-
gangen werden, dass auch er auf dem Parkplatz mindestens zeitweilig einen Ge-
genstand in der Hand hielt, bei welchem es sich um ein (Taschen-)Messer gehan-
delt haben könnte. Unmittelbar bevor er B.________ einen Schlag an den Kopf 
verpasste, hatte er den erwähnten Gegenstand allerdings in die linke Hand ge-
wechselt. Der Schlag erfolgte hingegen mit der rechten Faust und traf B.________ 
an der linken, also der unverletzt gebliebenen Wange. Der Schnitt kann 
B.________ deshalb erst während der anschliessenden Phase zugefügt worden 
sein, in welcher dieser sich ausserhalb des Sichtfelds der Kamera befand. Zu die-
sem Zeitpunkt befand sich E.________ allerdings erwiesenermassen nicht mehr in 
seiner Nähe. 

Als Täter ausgeschlossen werden kann sodann wiederum J.________. Er blieb – 
soweit auf den Überwachungsaufnahmen ersichtlich – stets unbeteiligt und wird 
auch von niemandem mit der Verletzung von B.________ in Zusammenhang ge-
bracht.

Aufgrund der Motivlage bzw. ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe C.________ fallen als 
Täter weiter auch C.________ und H.________ ausser Betracht. 

Eine Täterschaft von F.________ wäre aufgrund seines längeren Verbleibs aus-
serhalb des Sichtfelds der Kamera theoretisch denkbar. Er hatte aber – wie sich 
aus den Überwachungsbildern ergibt –  eine eher passiv-schlichtende Rolle inne. 
Zudem hielt er sich in der fraglichen Zeitspanne – jedenfalls zu Beginn – nicht bei 
B.________ auf, sondern auf der anderen Seite des Lieferwagens bei seiner Toch-
ter C.________. Es wurde sodann zwar von verschiedener Seite ausgesagt, es sei 
während des Vorfalls auch zu einem Renkontre zwischen F.________ und 

33

B.________ gekommen, bei welchem auch Messer bzw. ähnliche Gegenstände im 
Spiel gewesen seien. So gab F.________ selbst zu Protokoll, er sei mit 
B.________ bei der Fahrertür am Reden gewesen, als dieser im Türraum ein 
Schwert behändigt und auf ihn «eingestochert» habe (pag. 424 Z. 53 ff.; bei seiner 
Ersteinvernahme hatte er allerdings noch ausgesagt, B.________ habe mit dem 
Säbel eine Stossbewegung gegen seinen Sohn E.________ ausgeführt). 
E.________ sagte aus, B.________ habe eine Art Bajonett aus dem Auto genom-
men und glaublich gegen seien Vater aufgezogen, worauf ihm dieser aber gesagt 
habe, er solle es zurücklegen, was B.________ auch getan habe (pag. 404 Z. 117 
ff., vgl. auch pag. 410 Z. 95 ff.). Und D.________ gab – als Grund für seinen an-
geblichen eigenen Messereinsatz – an, als sein Vater mit seiner Schwester gestrit-
ten bzw. sich seiner Mutter und seiner Schwester zugewandt gehabt habe, habe 
sich B.________ seinem Vater unbemerkt von hinten genähert und ihn mit einem 
Messer in den Rücken stechen wollen (pag. 454 Z. 12 ff. und pag. 454 Z. 88 ff.; zu-
vor hatte er hingegen noch angegeben, B.________ habe mit einem «Gertu» durch 
die Luft gefuchtelt und sein Vater habe ihm diesen aus der Hand schlagen können, 
pag. 442 Z. 45 ff.). Diese Aussagen sind allerdings inhaltlich höchst widersprüchlich 
und lassen sich teilweise auch nicht mit dem aufgrund der Überwachungsaufnah-
men objektiv erstellten Ablauf vereinbaren. Abgesehen hiervon ist insbesondere 
festzuhalten, dass niemand einen Messereinsatz von F.________ gegen 
B.________ beschrieben hat. Gerade von Seiten der Gruppe C.________ bezich-
tigt niemand F.________ der Täterschaft. B.________ selber gab sogar an, 
F.________ sei zu ihm gekommen und habe gesagt, er wolle keinen Streit (pag. 
495 Z. 270). Und H.________ sagte aus, F.________ sei nie tätlich geworden, er 
sei erst nach dem von der Beschuldigten gegen seinen Vater ausgeführten Schnitt 
hinzugekommen und habe die Beschuldigte weggezogen (pag. 561 Z. 177 und 206 
f.). Die Kammer erachtet eine Täterschaft von F.________ deshalb als ausge-
schlossen.

Somit beschränkt sich das Feld der möglichen Täter/innen auf die Beschuldigte 
und ihren Sohn D.________.

D.________ befand sich zu Beginn der fraglichen Zeitspanne, in welcher 
B.________ die Verletzung zugefügt worden sein muss, erstelltermassen in dessen 
Nähe. Aus den Überwachungsaufnahmen ergibt sich, dass sich die beiden in ei-
nem knappen Meter Entfernung vor dem Lieferwagen gegenüberstanden, bevor sie 
aus dem Bild verschwanden. Zu diesem Zeitpunkt schien D.________ einen Ge-
genstand in seiner linken Hand zu halten und es muss davon ausgegangen wer-
den, dass es sich dabei um ein (Taschen-)Messer handelte. Auch B.________ 
schien einen Gegenstand in der Hand zu halten. Es wäre deshalb grundsätzlich 
denkbar, dass es in der Folge zu einer Auseinandersetzung zwischen D.________ 
und B.________ kam, in deren Verlauf D.________ dem Privatkläger den Schnitt 
an der Wange zufügte. Auch der Umstand, dass sowohl die Beschuldigte wie auch 
H.________ ihre ursprüngliche Laufrichtung anpassten und sich in Richtung des 
Lieferwagens wandten, ist ein Indiz dafür, dass dort etwas zwischen D.________ 
und B.________ passiert sein könnte. Allerdings ist auf dem Video auch erkennbar, 
dass D.________ sich im fraglichen Moment gerade nicht auf sein Gegenüber kon-
zentriert, sondern seinem Bruder und dem diesen verfolgenden I.________ nach-

34

schaut. Entsprechend konnte er bei seiner Ersteinvernahme auch beschreiben, 
was sich zwischen diesen beiden im selben Zeitraum abgespielt hatte, selbst wenn 
er dabei in Bezug auf das Ausmass der gegen seinen Bruder ausgeübten Gewalt 
übertrieb (pag. 442 Z. 34 ff.). Dies zeigt, dass D.________ in diesem Moment 
B.________ weder selbst unmittelbar angreifen wollte, noch einen solchen unmit-
telbaren Angriff seines Gegenübers befürchtete. Für eine bewaffnete Auseinander-
setzung zwischen D.________ und B.________ wäre auch wenig Zeit geblieben. 
Bereits nach knapp 4 Sekunden tauchte D.________ wieder im Bild auf. Innerhalb 
dieser kurzen Zeitspanne musste er auch noch die Strecke hin zu seinem Bruder 
zurücklegen, wofür er (inkl. Reaktionszeit) gegen drei Sekunden benötigt haben 
dürfte. Es wird denn auch von keiner Seite konsistent und mit anderen Personen 
übereinstimmend ausgesagt, dass es zu einer solchen Auseinandersetzung zwi-
schen dem Privatkläger und D.________ gekommen sei bzw. wie diese abgelaufen 
sein soll. D.________ selbst beschrieb anlässlich seiner Ersteinvernahme lediglich, 
dass B.________ mit einem «Gertu» auf seine Mutter habe einstechen wollen 
(pag.  442 Z. 45 f.). Bei seinem – später widerrufenen – Schuldeingeständnis, gab 
er hingegen aber an, B.________ habe seinen Vater von hinten in den Rücken ste-
chen wollen, weshalb er mit seinem eigenen Taschenmesser herumgefuchtelt und 
B.________ dabei womöglich getroffen habe (pag. 454 Z. 12 ff.). Von einem gegen 
ihn selbst gerichteten Angriff sprach D.________ nie. F.________ wiederum gab 
an, als E.________ von den C.________-Söhnen angegriffen worden sei, habe 
D.________ versucht, B.________ aufzuhalten und im Handgemenge habe sich 
dieser mit seiner Waffe selbst im Gesicht verletzt (pag. 418 f. Z. 47 ff.). B.________ 
selbst erwähnte hingegen kein solches Handgemenge und er gab insbesondere nie 
an, von D.________ verletzt worden zu sein. Auch wenn er den eigentlichen Mes-
sereinsatz gemäss seinen Aussagen nicht gesehen hat, so müsste er wenigstens 
von einer irgendwie gearteten Beteiligung D.________s zu berichten wissen, wenn 
eine solche vorgelegen hätte. Auch von den übrigen Mitgliedern der Familie 
C.________ bezichtigt niemand D.________ der Täterschaft (vgl. etwa pag. 486 Z. 
28 f.). Gemäss H.________, der sich ja im fraglichen Moment zum Lieferwagen hin 
gewandt hatte, soll D.________ zwar etwas Glänzendes in der Hand gehabt ha-
ben, jedoch nie tätlich geworden sein (pag. 562 Z. 225 ff.). Es sind keine Gründe 
ersichtlich, weshalb die Gruppe C.________ D.________ schonen sollte.