# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49a46881-3f6f-5b17-b9c7-3985ceba084e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.03.2015 E-1197/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1197-2014_2015-03-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1197/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  M ä r z  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis, Richter Daniel Willisegger,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   Parteien 
 

A._______ geboren am (…), 

Staatszugehörigkeit unbekannt  

(gemäss eigenen Angaben China),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM, zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 4. Februar 2014 / N (…). 

 

 

E-1197/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein angebliches 

Heimatland China am 6. Juli 2013 und reiste nach Nepal, wo er sich in der 

Folge zweieinhalb Monate lang aufhielt. Von Nepal aus sei der Beschwer-

deführer unter Verwendung eines nepalesischen Reisepasses über ihm 

unbekannte Länder am 25. September 2013 in die Schweiz eingereist, wo 

er gleichentags um Asyl nachsuchte. Für die Dauer des Asylverfahrens 

wurde er dem Kanton B._______ zugewiesen. Am 1. Oktober 2013 fand 

eine erste Befragung des Beschwerdeführers zur Person im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel statt. Diese Befragung musste aus 

medizinischen Gründen abgebrochen werden. Die Fortsetzung der Befra-

gung zur Person im EVZ fand am 31. Oktober 2013 statt. Der Beschwer-

deführer trug im Rahmen seiner Erstbefragung im Wesentlichen Folgendes 

vor: 

Er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie. Er sei im Dorf 

C._______, Gemeinde D._______, Bezirk E._______, Provinz F._______, 

Tibet, geboren und habe dort bis zum 21. Lebensalter als Mönch im 

G._______-Kloster in H._______ gelebt. Seine Eltern und Geschwister 

lebten in C._______. Seine Mutter habe ihn als 10-Jährigen ins Kloster ge-

bracht, nachdem sie mittels eines "Rinpoche" (tibetischer Würdenträger) 

orakelmässig abgeklärt habe, dass aus ihm ein Mönch werden solle. Er 

habe sich im Kloster aufgehalten, bis im Jahr 2010 ein Gesetz erlassen 

worden sei, dass man vor dem 25. Lebensjahr nicht ins Kloster dürfe. Da 

er jünger als 25 Jahre gewesen sei, habe er wegen dieses Gesetzes 

grosse Probleme bekommen und das Kloster dann verlassen müssen. Am 

Geburtstag des Dalai Lama, am 6. Juli 2013, habe sich der Beschwerde-

führer in der Nähe des Klosters mit weiteren Personen aufgehalten. Chine-

sische Sicherheitskräfte seien erschienen, hätten eine Sitzung abgehalten 

und den Leuten mitgeteilt, dass sie den Geburtstag des Dalai Lama nicht 

feiern dürften. Der Beschwerdeführer und zwei weitere Personen hätten 

Steine an die Fahrzeugfenster der Polizeiautos geworfen, weil die Mönche 

schikaniert und schlecht behandelt würden. Dem Beschwerdeführer sei mit 

Hilfe eines Chauffeurs die Flucht nach I._______ gelungen. In I._______, 

wo sein Vater als Händler lebe, habe er nicht bleiben können. Seine Mutter 

habe telefonisch mitgeteilt, dass er gesucht werde; die Mutter sei auch 

misshandelt worden. Noch am gleichen Abend habe er von I._______ aus 

die Ausreise ins Ausland angetreten. Er habe sich im Übrigen nie politisch 

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betätigt und habe vorher nie Schwierigkeiten mit den chinesischen Behör-

den oder sonstigen Personen gehabt.  

Während der Befragung zur Person führte der Beschwerdeführer aus, er 

werde wegen einer (…) medizinisch behandelt.  

B.  

Im Auftrag des BFM führte eine sachverständige Person am 6. November 

2013 ein 60-minütiges Telefon-Interview mit dem Beschwerdeführer durch. 

Die sachverständige Person erstellte aufgrund der Angaben des Be-

schwerdeführers anlässlich dieses Interviews eine schriftliche Evaluation 

des Alltagswissens. Dabei kam sie zum Schluss, dass die Wahrscheinlich-

keit, dass der Beschwerdeführer im behaupteten geographischen Raum 

(Tibet) gelebt haben könnte, gering sei. 

C.  

Am 18. November 2013 wurde der Beschwerdeführer vom BFM einlässlich 

zu seinen Ausreise- und Asylgründen befragt. Eingangs dieser Befragung 

wurde der Beschwerdeführer darüber in Kenntnis gesetzt, dass das BFM 

nach der Befragung zur Person am 31. Oktober 2013 Zweifel an der von 

ihm geltend gemachten Herkunft gehegt habe, weshalb am 6. November 

2013 anlässlich eines Telefongesprächs mit einer sachverständigen Per-

son sein Alltagswissen über Tibet evaluiert worden sei. Dabei wurde dem 

Beschwerdeführer die Qualifikation der mit der Alltagswissensevaluation 

betrauten Person offengelegt und das rechtliche Gehör in diesem Zusam-

menhang gewährt.  

Die Evaluation als solche wurde dem Beschwerdeführer aufgrund von Ge-

heimhaltungsinteressen im Sinne von Art. 27 Abs. 1 VwVG nicht offenge-

legt. Der wesentliche Inhalt dieser Evaluation wurde dem Beschwerdefüh-

rer jedoch wie folgt zur Kenntnis gebracht:  

In ihrer Zusammenfassung der Evaluation komme die beigezogene sach-

verständige Person zum Schluss, dass aufgrund des Gesprächsinhalts 

respektive der Angaben des Beschwerdeführers die Wahrscheinlichkeit 

gering sei, dass er im behaupteten geographischen Raum (Tibet) gelebt 

habe. Insbesondere habe er widersprüchliche Angaben zum Herkunfts- 

und Heimatort gemacht, indem er anlässlich der Befragung zur Person das 

Dorf C._______ als Heimatort angegeben habe, während er hierzu der 

sachverständigen Person gegenüber die Ortschaft J._______ angegeben 

habe. Gemäss den Feststellungen der sachverständigen Person liege die 

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Gemeinde D._______ in einem ganz anderen Kreis als dem vom Be-

schwerdeführer angegebenen Kreis E._______. Im Weiteren habe der Be-

schwerdeführer falsche Angaben zur Umgebung des Dorfes (Flüsse, Be-

waldung), zu den in der Umgebung befindlichen Klöstern und zum Leben 

als Mönch im Kloster gemacht. Auch die Schilderungen der Umstände, wie 

sein Vater Schmuck verkauft habe, und seine Angaben zu den landwirt-

schaftlichen Tätigkeiten seiner Eltern seien realitätsfremd ausgefallen. Der 

Beschwerdeführer habe ebenfalls keine korrekten Angaben zu Lebensmit-

telpreisen, zur Beschriftung der Schule und der öffentlichen Gebäude, zur 

Schule in Tibet und zur Beschaffung von Identitätsausweisen in Tibet ge-

macht. Ferner sei nicht mit dem tibetischen Alltag vereinbar, dass der Be-

schwerdeführer, der stets in Tibet gelebt haben wolle, kein Chinesisch 

spreche.  

Im Weiteren wurde der Beschwerdeführer damit konfrontiert, dass er zu 

den Umständen seiner Ausreise und zum Verbleib seiner Identitätskarte 

unterschiedliche Angaben gemacht habe. Aufgrund seiner Angaben be-

stünden Indizien, dass er in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb 

Chinas, insbesondere Nepal oder Indien, sozialisiert worden sei, wozu dem 

Beschwerdeführer das rechtliche Gehör ebenfalls gewährt wurde.  

D.  

Am 25. Oktober 2013 ging beim BFM ein Bericht des K._______ vom 24. 

Oktober 2013 ein, in welchem insbesondere ein hochgradiger Verdacht auf 

eine (…) des Beschwerdeführers diagnostiziert wurde. 

 

Mit Verfügung vom 4. Februar 2014 – gleichentags eröffnet – wies das BFM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 25. September 2013 ab und 

ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegwei-

sung an. Ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China wurde aus-

drücklich ausgeschlossen. Das Bundesamt begründete die Verfügung im 

Wesentlichen damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten 

den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standzuhalten. Auf die Be-

gründung im Einzelnen wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-

gen.  

E.  

Gegen diese vorinstanzliche Verfügung richtet sich die durch den Be-

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Seite 5 

schwerdeführer am 6. März 2014 (Datum Poststempel) beim Bundesver-

waltungsgericht erhobene Beschwerde. Dabei beantragte er, die BFM-Ver-

fügung vom 4. Februar 2014 sei aufzuheben und es sei eine Neubeurtei-

lung vorzunehmen. Die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es 

sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass bei ihm subjek-

tive Nachfluchtgründe vorliegen würden, und entsprechend sei wegen Un-

zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges eine vorläufige Aufnahme als 

Flüchtling anzuordnen. Subeventualiter sei die Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzuges und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges festzu-

stellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren. Im Übrigen sei die zuständige Behörde vor-

sorglich anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat- 

oder Herkunftsstaates sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu un-

terlassen. Bei bereits erfolgter Datenweitergabe sei der Beschwerdeführer 

in einer separaten Verfügung zu informieren. Schliesslich sei der vorliegen-

den Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.  

Der Beschwerdeeingabe wurden unter anderem ein Internet-Auszug aus 

Wikipedia zum Begriff "Tsampa" (tibetisches Grundnahrungsmittel) sowie 

eine Auskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH)-Länderanalyse 

beigelegt. Für die weitere Begründung wird auf die Erwägungen verwiesen.  

F.  

Mit Eingabe vom 17. März 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsor-

gebestätigung der L._______ vom 11. März 2014 nach. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2014 hielt das Bundesverwaltungs-

gericht fest, die Beschwerde entfalte aufschiebende Wirkung. Der Be-

schwerdeführer könne gestützt auf Art. 42 AsylG den Abschluss des Ver-

fahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren wurde das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen und auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses verzichtet. Der Beschwerdeführer wurde 

aufgrund der geltend gemachten Erkrankung an (…) aufgefordert, einen 

aktuellen Arztbericht einzureichen. Schliesslich wies das Bundesverwal-

tungsgericht unter Verweis auf Art. 97 AsylG den Antrag um Erlass einer 

vorsorglichen Anweisung betreffend Kontaktaufnahme mit den Heimatbe-

hörden und der Datenweitergabe an diese ab. Gleichzeitig wurde festge-

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stellt, dass im vorliegenden Verfahren bisher keine Datenweitergabe an ei-

nen weiteren Staat erfolgt sei, weshalb der entsprechende Antrag in der 

Beschwerdeeingabe gegenstandslos sei.  

H.  

Am 7. April 2014 wurde ein Bericht von Dr. M._______, Allgemeine Medizin 

FMH, N._______, datiert vom 7. April 2014 zu den Akten gereicht.   

In diesem Bericht hält der behandelnde Arzt fest, die (…) des Beschwer-

deführers sei eine alte, vor Jahren "abgelaufene" Angelegenheit. Wahr-

scheinlich habe es sich damals um (…) gehandelt. Diese sei jedoch abge-

heilt und (…). Es sei aktuell keine (…) Medikation oder anderweitige medi-

zinische Behandlung erforderlich.  

I.  

Mit Instruktionsverfügung vom 17. Juni 2014 wurde das BFM zur Vernehm-

lassung eingeladen. Dabei wurde das Bundesamt insbesondere darum er-

sucht, dem Gericht Erläuterungen zur "Evaluation des Alltagswissens" ab-

zugeben, namentlich zum Unterschied (Vorgehen, Inhalt, beigezogene 

Fachpersonen) zwischen einer solchen "Evaluation" und den bisher prak-

tizierten, von der BFM-Fachstelle "Lingua" erstellten, sprach- und länder-

kundlichen Herkunftsanalysen. 

J.  

Mit Vernehmlassung vom 30. Juni 2014 hielt das BFM an seinem Stand-

punkt fest und beantragte sinngemäss die Abweisung der Beschwerde.  

K.  

Mit Replikeingabe vom 15. Juli 2014 äusserte sich der Beschwerdeführer 

schriftlich zur Vernehmlassung des BFM vom 30. Juni 2014. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM beziehungs-

weise BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine 

Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betref-

fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-

waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 

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Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so 

auch vorliegend, endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutre-

ten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge-

richts D-3622/2011 vom 8. Oktober 2014 E. 5, zur Publikation bestimmt). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, 

wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt 

wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen 

Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament-

lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die 

einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). Die Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person lan-

desweiter Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil 

ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann (vgl.  Entscheidungen und Mit-

teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-sion [EMARK] 2006 Nr. 

18; BVGE 2011/51).  

 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

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geben hält (Art. 7 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genü-

gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich 

nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht 

widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den 

Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus 

muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was 

insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf ge-

fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). 

Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass 

die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der asylsu-

chenden Person sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2010/57 E. 

2.6, EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren Hinweisen). 

4.  

4.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch wegen fehlender Glaubhaftigkeit der 

Asylvorbringen ab. Dazu führte es im Wesentlichen aus, die Evaluation des 

Alltagswissens habe nur eine kleine Wahrscheinlichkeit ergeben, dass der 

Beschwerdeführer im behaupteten geografischen Raum gelebt habe. An-

lässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zum Resultat des Tests 

habe er daran festgehalten, aus Tibet zu stammen. Er habe jedoch nichts 

Substanzielles vorzubringen vermocht, um seine behauptete Herkunft zu 

beweisen oder glaubhaft zu machen. Auch seine anlässlich des rechtlichen 

Gehörs teilweise angeführten Kenntnisse vermöchten nicht zu überzeu-

gen. Das BFM mache immer wieder die Erfahrung, dass sich Gesuchsteller 

im Verlauf des Asylverfahrens Wissen aneignen und bei einer weiteren An-

hörung einbringen würden, während bei einer früheren Befragung noch 

Unkenntnis geherrscht habe. Der Beschwerdeführer spreche zudem – ab-

gesehen von eine paar allgemeinen Begriffen (z.B. Wochentage) – kein 

Chinesisch, was für Tibeter, die tatsächlich aus Tibet stammten und vor 

einigen Monaten noch dort gewohnt hätten, kaum noch der Fall sei. Bei 

einer tatsächlichen Sozialisation im fraglichen Gebiet wären in sein Voka-

bular auch chinesische Begriffe eingeflossen, zumal diese die Wortäquiva-

lente im Tibetischen immer mehr ersetzen würden. Deshalb müsse auf-

grund der Evaluation davon ausgegangen werden, dass der Beschwerde-

führer nicht aus Tibet und somit nicht aus der Volksrepublik China stamme 

und dass er nicht dort sozialisiert worden sei und bis ins Jahr 2013 dort 

gelebt habe. Für diese Einschätzung würden auch die weiteren wider-

sprüchlichen und unsubstanziierten Aussagen zum Reiseweg sowie der 

Umstand sprechen, dass der Beschwerdeführer keine Ausweisepapiere zu 

den Akten gereicht habe und diesbezüglich keine überzeugende Erklärung 

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vorbringe. Es rechtfertige sich die Annahme, dass keine Hinweise auf Ver-

folgung vorliegen würden. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten 

den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand, weshalb deren Asyl-

relevanz nicht geprüft werden müsse. Dass der Beschwerdeführer aus der 

behaupteten Region stamme, sei nicht glaubhaft gemacht; vielmehr sei 

von einer Herkunft aus der exiltibetischen Gemeinschaft in Indien oder Ne-

pal auszugehen, und es müsse auch von einer unbekannten Staatsange-

hörigkeit ausgegangen werden. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer 

die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei abzulehnen. 

Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug im Ergebnis zulässig, zumutbar 

und möglich. Ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China werde 

ausgeschlossen.  

4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe führte der Beschwerdeführer im Wesent-

lichen aus, die beauftragte sachverständige Person sei in O._______ auf-

gewachsen und spreche einen ganz anderen Dialekt als er, der in der Pro-

vinz F._______ aufgewachsen sei. Er habe die sachverständige Person 

zwar immer verstanden, aber nachdem er die Protokolle mehrmals studiert 

habe, sei er sich nicht sicher, ob die sachverständige Person ihn immer 

richtig verstanden habe. So gebe es beispielsweise Ungereimtheiten bei 

der Übersetzung anlässlich der Befragung zur Person. Die sachverstän-

dige Person habe auch Begriffe verwendet, die der Beschwerdeführer nicht 

verstanden habe, wie beispielsweise "pescha". Nachdem der Beschwer-

deführer die sachverständige Person nicht verstanden habe, habe diese 

erklärt, dies sei der häufig im Exil verwendete Begriff für "Geld". Der Be-

schwerdeführer habe immer gesagt, dass er in C._______ gelebt habe. 

Möglicherweise habe die Tatsache zu Missverständnissen geführt, dass 

die Verwaltungseinheiten in Tibet anders seien als in der Schweiz. Sein 

Wohnort C._______ liege in der Gemeinde D._______, welche zu 

E._______ gehöre. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass sich diese Ortschaf-

ten auf keiner Karte finden liessen. Mit der Besetzung Tibets und der fort-

schreitenden Sinisierung seien Ortschaften teilweise auf Chinesisch um-

benannt worden. Dasselbe gelte bei den Flüssen, die im Tibetischen grund-

sätzlich nicht speziell benannt würden, ausser es handle sich um einen 

sehr grossen Fluss. Er habe zudem nie gesagt, dass die Umgebung dicht 

bewaldet sei, aber Bäume und Holz habe es gegeben. Im Kloster, in wel-

chem er gelebt habe, habe sich der "Rinpoche" um alles gekümmert. Er 

verstehe nicht, weshalb seine Schilderungen von der sachverständigen 

Person nicht geglaubt worden seien. Möglicherweise seien die Klöster in 

der Region O._______ anders organisiert. In seinem Kloster habe sich der 

einzelne Mönch nicht um Nahrungsmittel kümmern müssen. Daher könne 

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es sein, dass die Marktpreise für Salz, Reis etc. nur ungenau angegeben 

werden könnten. Er habe nie selber einkaufen gehen müssen, weshalb ihm 

die Preise nicht geläufig seien. Er sei seit Kindesalter im Kloster gewesen 

und nur einmal in I._______ gewesen und zwar auf seiner Flucht. Deshalb 

habe er keine genauen Angaben zum betreffenden Quartier machen kön-

nen. Er habe ferner nie gesagt, dass das Grundgetreide von Tsampa Wei-

zen sei, wie ihm im angefochtenen Entscheid angelastet werde. Er habe 

vielmehr gesagt, dass Tsampa aus beidem – Weizen und Gerste – ge-

macht werde, wie aus seinen protokollierten Aussagen hervorgehe. Er 

könne nicht verstehen, weshalb seine Aussage, wonach es auf dem Bau-

ernhof Pferde gehabt habe, die Brennholz getragen hätten, nicht nachvoll-

ziehbar sein solle. Weil es Bäume und Holz in seiner Region gegeben 

habe, seien vor allem Pferde als Lasttiere zum Einsatz gekommen. Zudem 

habe er nie behauptet, dass ausschliesslich mit Holz Feuer gemacht 

werde, sondern es sei – gemäss seinen protokollierten Aussagen - auch 

Kuh- und Pferdemist als Brennmaterial verwendet worden. Er sei als Kind 

ins Kloster gekommen und habe nie eine reguläre, öffentliche Schule be-

sucht. Seine Erziehung sei tibetisch-traditionell erfolgt, weshalb er nur sehr 

schlecht Chinesisch sprechen und kein Chinesisch lesen könne. Deshalb 

habe er die Bezeichnung der Schule, die bei ihnen nur einsprachig – auf 

Chinesisch – angeschrieben sei, nicht lesen können. Er kenne auch die 

Dauer und den Zeitpunkt der Schulferien nicht. Er sei ursprünglich im Be-

sitz einer Identitätskarte gewesen; diese habe er jedoch im Verlauf seiner 

Flucht abgeben müssen; er werde indessen versuchen, eine Kopie des 

Familienbüchleins zu beschaffen. Er halte daran fest, die chinesische 

Staatsbürgerschaft durch Geburt zu besitzen und nie eine andere Staats-

bürgerschaft besessen zu haben. Ihm werde zwar vorgeworfen, aus Indien 

oder Nepal zu stammen; entsprechende Hinweise auf diese Herkunft gebe 

es in der angefochtenen Verfügung indessen keine. Aufgrund seiner un-

überlegten Handlung an den Geburtstagsfeierlichkeiten des Dalai Lama 

habe er die chinesische Regierung gegen sich aufgebracht und er werde 

als Separatist betrachtet. Daher erfülle er die Flüchtlingseigenschaft und 

sein Asylgesuch sei gutzuheissen. Im Weiteren habe er durch seine Flucht 

aus Tibet subjektive Nachfluchtgründe im Sinne der Rechtsprechung (E-

MARK 2006 Nr. 1) geschaffen. Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug 

undurchführbar. Der Beschwerdeführer habe mit seinem Heimatland Tibet 

gebrochen und wäre bei einer Wegweisung nach China an Leib und Leben 

gefährdet. Ihm sei zwar eine Ausreisefrist angesetzt worden; er wisse aber 

nicht, in welches Land er gehen solle, da er von Geburt an bis zum Tag 

seiner Flucht in Tibet gelebt habe und vorher nie im Ausland gewesen sei. 

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Seite 11 

Im Weiteren leide er an einer (…), habe oft Schmerzen und sei auf eine 

medizinische Versorgung angewiesen.  

4.3 In der Vernehmlassung führte das BFM ergänzend aus, es dränge sich 

beim Beschwerdeführer der Verdacht auf, dass er sich nach seinen Befra-

gungen entsprechendes Alltagswissen zu den Lebensverhältnissen im be-

haupteten Herkunftsstaat angeeignet habe, um das offensichtliche Unwis-

sen zu diesen Aspekten kaschieren zu können. Der Verdacht werde 

dadurch bestärkt, dass sich der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte-

leingabe auf die Internet-Enzyklopädie Wikipedia berufe. Die Zweifel an 

der geltend gemachten Herkunft aus Tibet würden durch tatsachenwidrige 

Angaben in der Rechtsmitteleingabe (zur Anschrift der Schule) bestätigt. 

Im Weiteren liess sich das Bundesamt zum Ziel und Zweck sowie zur Basis 

der "Evaluation des Alltagswissens", zum Profil der beigezogenen sachver-

ständigen Personen und zum Unterschied zwischen den "Evaluationen des 

Alltagswissen" und den "Lingua-Analysen" vernehmen.  

 

4.4 In seiner Replikeingabe führte der Beschwerdeführer ergänzend aus, 

er wehre sich vehement gegen die Anschuldigung des BFM, er habe sich 

neues Wissen über Tibet nach seiner Ankunft in der Schweiz angeeignet. 

Seine Schule sei sehr klein gewesen. Er vermute, dass die Behörden die-

ser Schule nicht grosse Beachtung geschenkt hätten und deshalb keine 

zweisprachige Kennzeichnung angebracht hätten. Er sei Tibeter aus der 

Volksrepublik China. Durch seine Flucht sei er im Sinne der Rechtspre-

chung gemäss EMARK 2006 Nr. 1 aufgrund von Nachfluchtgründen zum 

Flüchtling geworden. Es sei ihm zwar eine Ausreisefrist angesetzt worden. 

Er wisse jedoch nicht, in welches Land er ausreisen sollte. Nepal komme 

nicht in Frage, da gemäss Länderanalyse der SFH eine Ausreise in dieses 

Land für ihn sehr gefährlich wäre. Er habe von Geburt an bis zum Tag sei-

ner Flucht in Tibet gelebt und sei vorher nie im Ausland gewesen. Er be-

sitze keine Aufenthaltsbewilligung eines anderen Staates. Seine Familie 

lebe noch immer in Tibet. Seit er Tibet verlassen habe, habe sich dort die 

Lage für Tibeter weiter dramatisch verschlechtert. So sei es bereits zu 125 

Fällen von Selbstverbrennungen gekommen. Die chinesischen Behörden 

hätten auf die unruhige Lage in Tibet mit einem noch grösseren Sicher-

heitsdispositiv reagiert.   

5.  

E-1197/2014 

Seite 12 

5.1 Im unter BVGE 2014/12 publizierten Urteil vom 20. Mai 2014 präzisierte 

das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 

dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Her-

kunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszuge-

hen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe ge-

gen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort beständen; denn die 

Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungs-

pflicht der asylsuchenden Person. Für asylsuchende Personen tibetischer 

Ethnie, welche unglaubhafte Angaben über ihren angeblichen Sozialisie-

rungsraum in China machen und vermutungsweise im Exil, vorab in Indien 

oder Nepal, gelebt hätten, beständen grundsätzlich folgende mögliche 

Konstellationen bezüglich der Staatsangehörigkeit: 

a. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit ohne Aufenthaltsbewilli-

gung in Nepal oder Indien (blosse Duldung im betreffenden Drittstaat); 

b. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit mit entsprechender Auf-

enthaltsbewilligung im Drittstaat Nepal oder Indien; 

c. Besitz der Staatsangehörigkeit von Nepal oder von Indien (mit dem da-

mit einhergehenden Verlust der chinesischen Staatsangehörigkeit). 

Daraus ergebe sich folgendes Prüfschema: Besitzt die betreffende Person 

die chinesische Staatsangehörigkeit und verfügt sie gleichzeitig über eine 

Aufenthaltsberechtigung im Drittstaat Nepal oder Indien (Konstellation b) 

oder wird die Person im betreffenden Drittstaat zumindest gelduldet (Kons-

tellation a), wäre eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 

31a Abs. 1 Bst. c AsylG durch die Asylbehörden möglich, vorausgesetzt die 

asylsuchende Person legt den schweizerischen Behörden alle Fakten im 

Verfahren dar. Bei der Konstellation b dürften im Regelfall die Vorausset-

zungen der Drittstaatenregelung gegeben sein. Hat die asylsuchende Per-

son die Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien erlangt (Konstellation 

c), besitzt sie die chinesische Staatsangehörigkeit nicht respektive nicht 

mehr, da sie gemäss chinesischer Rechtslage durch den Erwerb einer an-

derweitigen Staatsbürgerschaft die chinesische Nationalität verliert. Dies-

falls wäre die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal beziehungsweise 

Indien zu prüfen. Vermutungsweise gelte, dass die asylsuchende Person 

im Land ihrer (neu erlangten) Staatsangehörigkeit keine asylrelevante Ge-

fährdung zu befürchten hat, wenn sie keine entsprechenden Vorbringen 

glaubhaft vorträgt (BVGE 2014/12 E. 5.8). Zusammenfassend wurde dem-

nach festgestellt, dass für Angehörige der tibetischen Ethnie sowohl in Ne-

pal als auch in Indien die Möglichkeit bestehe, unter gewissen Bedingun-

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Seite 13 

gen eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten beziehungsweise dass es un-

ter engen Voraussetzungen auch möglich sei, die entsprechende Staats-

angehörigkeit zu erwerben, womit infolge Erwerbs einer neuen die chine-

sische Staatsangehörigkeit untergehe. Allerdings müsse davon ausgegan-

gen werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-

Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben hätten 

und nach wie vor chinesische Staatsangehörige seien.  

Verunmögliche eine tibetische asylsuchende Person durch die Verletzung 

ihrer Mitwirkungspflicht allerdings die Abklärung, welchen effektiven Status 

sie in Nepal respektive in Indien innehabe, könne aber namentlich keine 

Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. 

Im Übrigen werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wah-

ren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden 

Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (BVGE 

2014/12 E. 5.9 f.).  

6.  

6.1 Aufgrund der vorliegenden Aktenlage besteht Grund zur Annahme, 

dass der Beschwerdeführer seine wahre Herkunft zu verschleiern ver-

sucht, weshalb das Bundesverwaltungsgericht der Ansicht der Vorinstanz 

folgt, dass die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung nicht zu überzeugen 

vermag.  

6.1.1 Die Identität des Beschwerdeführers steht bis heute nicht gesichert 

fest. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass der in Art. 12 VwVG sta-

tuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt 

von Amtes wegen feststellt und sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweis-

mittel bedient, seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden 

(Art. 8 AsylG) findet. Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhan-

dene Identitätspapiere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes 

mitzuwirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Be-

weismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie 

bei der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. 

BVGE 2011/28 E. 3.4). 

6.1.2 Der Beschwerdeführer hat im vorinstanzlichen Verfahren weder Aus-

weispapiere noch irgendwelche Beweismittel, die geeignet wären, etwas 

zur Klärung seiner Identität und seines Herkunftslandes beizutragen, ein-

gereicht. Wohl führt er in seiner Rechtsmitteleingabe vom 6. März 2014 

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Seite 14 

(vgl. S. 7) aus, er werde alles versuchen, mit seiner Familie Kontakt aufzu-

nehmen und eine Kopie seines Familienbüchleins zu besorgen. Bis zum 

heutigen Datum hat er aber das in Aussicht gestellte Dokument zum Nach-

weis seiner Identität nicht nachgereicht; auch hat er dem Gericht gegen-

über die konkret vorgenommenen Bemühungen zur Beschaffung von ent-

sprechenden Ausweispapieren nicht dokumentiert.  

6.1.3 Im Weiteren hat das BFM mit der Evaluation des Alltagswissens, wel-

che von einer beauftragten, fachkundigen Person vorgenommen worden 

ist, in ausführlicher, nachvollziehbarer und inhaltlich überzeugender Weise 

die Zweifel an der behaupteten Herkunft des Beschwerdeführers begrün-

det. Die Qualifikation der fachkundigen Person ebenso wie die Nachvoll-

ziehbarkeit und Schlüssigkeit der Expertise geben zu keinen Zweifeln An-

lass, und der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was diesbezüglich über-

zeugend wäre. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass überwiegende Zwei-

fel an seiner geltend gemachten Herkunft bestehen. 

So sind namentlich die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinem 

angeblichen Herkunftsdorf (C._______ respektive J._______) wider-

sprüchlich und die Schilderungen der Umgebung dieses Dorfes (Bewal-

dung) tatsachenwidrig ausgefallen. Auch seine Angaben zum Alltags- oder 

zum Klosterleben in Tibet sind mit Unstimmigkeiten versehen ausgefallen. 

In seiner Rechtsmitteleingabe gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, 

diese Widersprüche und Ungereimtheiten in wesentlichen Punkten seiner 

Asylbegründung auf plausible Weise auszuräumen. Er setzt sich in der Be-

schwerdeschrift zwar teilweise mit den Argumenten der Vorinstanz ausei-

nander, indem er beispielsweise zur Bewaldung, zum verwendeten Brenn-

material und zum Grundnahrungsmittel "Tsampa" Erläuterungen abgibt, 

die er teilweise mit Internetauszügen zu belegen versucht. Wie das BFM 

jedoch festgestellt hat, erscheinen diese nachträglichen Erläuterungen als 

unbehelfliche Versuche, sein fehlendes Alltagswissen zu kaschieren. Sein 

pauschaler Hinweis auf Verständigungsprobleme mit der fachkundigen 

Person des Alltagswissenstests ist als blosse Schutzbehauptung zu wer-

ten, da er nicht angibt, inwiefern seine Antworten konkret von Verständi-

gungsproblemen betroffen sein sollen. Er hat im Rahmen der einlässlichen 

Anhörung vom 18. November 2013, anlässlich welcher er mit dem wesent-

lichen Inhalt der Evaluation des Alltagswissen konfrontiert worden ist, kei-

nerlei Umstände vorgetragen, die darauf schliessen liessen, dass es zu 

sprachlichen Missverständnissen gekommen sein könnte, namentlich auf-

grund des Dialekts der sachverständigen Person. Das entsprechende Vor-

bringen muss vielmehr als untauglicher Versuch gewertet werden, seine 

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Seite 15 

Angaben an nachträglich gewonnene Erkenntnisse des Alltagswissens an-

zupassen. Auch ist den Akten an keiner Stelle ein Hinweis dafür zu entneh-

men, dass der Beschwerdeführer so nervös und psychisch unsicher gewe-

sen wäre, dass er nicht in der Lage gewesen wäre, die ihm gestellten Fra-

gen substanziiert, stimmig und der Realität entsprechend zu beantworten. 

Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, die Unglaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen zu zentralen Punkten seiner Herkunft und seiner Fluchtgründe 

zu widerlegen. 

6.2 Im Weiteren hat das BFM in der angefochtenen Verfügung detailliert 

aufgezeigt, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem angebli-

chen Flucht- und Reiseweg realitätsfremd und mit Unstimmigkeiten ver-

setzt ausgefallen sind. Unter anderem erscheint die Schilderung, man 

habe die Strecke von I._______ nach P._______ – ein Weg von 750 km – 

angeblich in fünf Stunden Fahrzeit hinter sich gelegt (vgl. A9/12 S. 6), of-

fenkundig tatsachenwidrig. Sodann bleibt es angesichts der bekannten, 

strengen und EDV-unterstützten Kontrollen an den Grenzübergängen nicht 

nachvollziehbar, dass dem Beschwerdeführer eine Interkontinentalreise 

per Flugzeug gelungen sein soll, ohne eigene und echte Identitätspapiere 

dabei verwendet zu haben. Es bleibt auch realitätsfremd, dass der Be-

schwerdeführer nicht wissen will, in welche Länder er bei seiner Reise nach 

Europa geflogen ist.  

6.3 Hinzu kommt, dass das Personalienblatt des Empfangszentrums (vgl. 

A 1/2) sich mit tadelloser und offensichtlich geübter Schrift ausgefüllt in den 

Akten befindet. Darauf bestätigte der Beschwerdeführer, dass er dieses 

selbstständig ausgefüllt habe. Selbst wenn die allgemeine Schulpflicht in 

der Volksrepublik China noch nicht in jedem Dorf in Tibet durchgesetzt wor-

den wäre, ist in Anbetracht der Schriftkenntnisse des Beschwerdeführers 

ein Mangel an jeglicher schulischen Ausbildung, wie er dies gegenüber der 

sachverständigen Person angegeben und in der einlässlichen Anhörung 

vom 18. November 2013 bestätigt hat (vgl. A 19/13 S. 5), nicht glaubhaft.  

 

6.4 Aufgrund der schlüssig begründeten vorinstanzlichen Verfügung sowie 

der Evaluation des Alltagswissens ist mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in 

der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen 

Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibetische Gemeinschaften gibt es – 

nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Ver-

mutungsweise ist somit anzunehmen, dass er in Indien oder Nepal aufge-

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Seite 16 

wachsen ist respektive dort gelebt hat. Folglich wäre grundsätzlich zu prü-

fen, ob er über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prü-

fung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG mit sich 

bringen würde, oder ob er über die indische oder nepalesische Staatsan-

gehörigkeit verfügt, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen asylrelevanter 

Gefährdung hinsichtlich jenes Staates zu prüfen wäre. Das Gericht ist wie 

die Vorinstanz der Auffassung, dass der Beschwerdeführer die Mitwir-

kungspflicht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den 

Behörden nähere Abklärungen – die Abklärungspflicht der Asylbehörden 

findet, wie bereits festgehalten, ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der 

asylsuchenden Person – sowie eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen 

Heimatstaat verunmöglicht. Der Beschwerdeführer hat die Folgen dieses 

Verhaltens zu verantworten (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10).  

7.  

Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon auszuge-

hen ist, dass der Beschwerdeführer tibetischer Ethnie ist. Jedoch entbeh-

ren seine geltend gemachten Vorbringen hinsichtlich des Ortes seiner 

hauptsächlichen Sozialisation, der illegalen Ausreise aus Tibet und seiner 

Asylvorbringen insgesamt der Glaubhaftigkeit. Folglich ist es ihm nicht ge-

lungen, für den Zeitpunkt seiner Ausreise eine asylrechtlich relevante Ver-

folgung, die er in seiner Heimat vor seiner Ausreise erlitten hat oder in be-

gründeter Weise zukünftig befürchten müsste, aufzuzeigen oder glaubhaft 

zu machen. Der Beschwerdeführer vermag weder die Flüchtlingseigen-

schaft im Zeitpunkt seiner Ausreise noch subjektive Nachfluchtgründe 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat 

somit zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch 

abgelehnt. 

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei-

sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch 

ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über 

eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch 

auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht 

angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je 

m.w.H.).  

9.   

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

E-1197/2014 

Seite 17 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

9.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht 

findet, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht des Beschwerdeführers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei feh-

lenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hy-

pothetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Beschwerdeführer hat die 

Folgen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der 

Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge-

gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da er keine konkre-

ten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine entsprechende 

Rückkehr sprechen würden. Da der Beschwerdeführer mit seinem Verhal-

ten genaueren Abklärungen die erforderliche Grundlage entzieht und es 

nicht Sache des Gerichts sein kann, sich in Mutmassungen und Spekulati-

onen zu ergehen, können seine geltend gemachten gesundheitlichen Be-

schwerden keine weitere Berücksichtigung finden.  

In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung 

ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen und -Ti-

beter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 

Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls Verfol-

gung im flüchtlingsrechtlichen Sinn beziehungsweise eine menschenun-

würdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht (BVGE 2014/12 E. 

5.11).  

9.3 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allen-falls 

benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist.  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-

lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

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Seite 18 

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerde ge-

stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wurde 

indes mit Zwischenverfügung vom 18. März 2014 gutgeheissen, nachdem 

die Fürsorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers belegt worden war und 

die Begehren zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht als aussichts-

los zu taxieren waren (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Es sind somit keine Verfah-

renskosten zu sprechen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Sandra Bodenmann