# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 402788d9-648b-5395-a222-4f110f7f31b2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-16
**Language:** de
**Title:** Das polydisziplinäre Gutachten überzeugt für die Zeit ab der Begutachtung, hingegen nicht retrospektiv, weshalb für die Zeit zwischen den beruflichen Massnahmen und der Begutachtung gestützt auf die echtzeitlich vorhandenen Dokumente eine befristete halbe Invalidenrente zuzusprechen ist.
**Docket/Reference:** IV.2021.00663
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00663.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00663
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Widmer
Urteil
vom
16. März 2023
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Medpension
vsao
asmac
Brunnhofweg 37, Postfach 319, 3000 Bern 14
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1966 geborene
X.___
ist gelernte Industrie
schneide
rin (
Urk.
8/201/29) und
verfügt über eine an der staatlichen Fachschule
Y.___
in
Z.___
erworbene Ausbildung als Entwurfs
direktrice (Urk. 8/2)
. Im Jahr 1991 liess sie sich in der Schweiz nieder (Urk. 8/4/1), wo sie 1992 eine Tochter gebar (Urk. 8/4/2, Urk. 8/5/3). Sie arbeitete zuletzt vom 1
5.
Oktober 2008 bis Ende September 2009 mit einem Pensum von 90
%
als Modeagenturangestellte (Office, Personal, Verkauf, Akquise und Administration)
beziehungsweise als Sekretärin/Verkaufshilfe
bei der
A.___
GmbH in
B.___
(Urk. 8/4/5-6
,
Urk.
8/12/2-3
).
Am 1
9.
August 2009 meldete sie sich unter Hinweis auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem
2.
März 2009 aufgrund einer psychischen Episode mit Somatisierung,
von
Rücken- und Band
scheibenproblemen sowie einer Spondylarthrose bei der Invalidenversicherung für Massnahmen für die berufliche Eingliederung an (Urk. 8/4).
Die
Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte medizinische
, berufliche
sowie erwerbliche Abklärungen
und sprach der Versicherten am 2
7.
Mai 2010 Arbeitsvermittlung zu (Urk. 8/36).
Am 15.
September 2011
hielt sie fest, die Ver
sicherte
habe per 2
7.
Juni 2011 eine Tätigkeit gefunden, welche ihrer gesundheit
lichen Situation angemessen sei
,
und die Unterstützung durch Job Coach
C.___
habe abgeschlossen werden können. Dementsprechend
teilte
sie
der Versi
cherten den erfolgreichen Abschluss der Arbeitsvermittlung mit und hielt zugleich fest, die Versicherte sei rentenausschliessend eingegliedert (Urk. 8/67).
Die besagte Anstellung hatte die Versicherte bis Ende 2011 inne, woraufhin
von
Januar 2012
bis August 2014
eine Anstellung
bei der
D.___
AG
folgte (
vgl. den Auszug aus dem individuellen Konto [IK-Auszug], Urk. 8/84
/3
).
1.2
Nachdem
die Versicherte
von
Juni
2014 bis Ende Mai 2017
- ab November 2016 in gekündigtem Verhältnis
mit Freistellung (Urk. 8/102/78-79)
-
vollzeitlich als Praxismanagerin
bei
der
E.___
AG
der Klinik
F.___
angestellt gewesen war
(Urk. 8/75/1
,
Urk. 8/84/3,
Urk.
8/102/78
), meldete
sie sich
am 3
0.
Juli 2017 unter Hinweis auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer psychischen Episode mit Somatis
ierung
bei der IV-Stelle
zur Früherfassung
(Urk. 8/75)
sowie am
8.
September 2017 zum
Bezug von beruflichen Massnahmen bzw. einer Rente an
(Urk. 8/80).
Da ein
stationärer
Klinikaufenthalt
der Versi
cherten
geplant
war
(vgl. auch U
rk.
8/
102/125 und Urk.
8/104
), teilte die IV-Stelle ihr am 2
7.
November 2017 mit, dass Eingliederungsmassnahmen zurzeit nicht möglic
h seien (
Urk.
8/103/1). Vom 11.
Dezember 2017 bis am
8.
Februar 2018 hielt sich die Versicherte stationär in der
Klinik G.___
auf (Urk. 8/107/2, Urk.
8/
176/10
).
Es folgte ein Belastbarkeitstraining bei der
H.___
vom
3.
Dezember 2018 bis zum 2. März 2019,
für welches die IV-S
telle am 26.
Novem
ber 2018 Kostengutsprache erteilte und ein grosses Taggeld zusprach (Urk. 8/121-122
,
Urk.
8/129
).
Hernach übernahm die IV-Stelle die Kosten für ein ebenfalls von der
H.___
durchgeführtes Aufbautraining vom
3.
März bis 2.
September 2019 samt Taggeld (Urk. 8/136-137, Urk. 8/139)
sowie für einen Arbeits
versuch im Schmuckgeschäft
I.___
v
om
3.
September 2019 bis zum 2.
März 2020 samt Taggeld (Urk. 8/155-157,
Urk.
8/159).
Am
6.
April 2020 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab
, da
die angestrebten Ein
g
liede
rungsziele nicht erreichbar waren
(Urk. 8/163).
Im Rahmen der
anschliessenden
Rentenprüfung holte sie Berichte der behandeln
den Ärzte ein (Urk. 8/
177, 8/179, 8/180, 8/182-183)
, zog die Akten des Kranken
taggeld
versicherers bei (Urk. 8/
176
)
und liess die Versicherte polydisziplinär durch das
J.___
begutachten, welches sein Gutachten am
7.
Juni 2021 erstattete (Urk. 8/199/2 ff.
=
Urk.
8/201
).
Nach Einholung der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 8.
Juni 2021 (Urk. 8/202/6-8)
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbe
scheid
vom
9.
Juni 2021 die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 8/203).
Dagegen erhob die Versicherte am 1
2.
Juli 2021
Einwand
(Urk. 8/212),
welchen sie
am
1
3.
September 2021
unter Beilage eines medizini
schen Berichts
ergänzte
(Urk. 8/215-21
8
).
Die IV-Stelle holte daraufhin die RAD-Stellungnahme vom
4.
Oktober 2021 ein (Urk. 8/219/2) und verfügte am
5.
Oktober 2021 im angekündigten Sinne (Urk. 8/221 =
Urk.
2).
2.
Gegen die leistungsabweisende Verfügung der IV-Stelle vom
5.
Oktober 2021 erhob die Versicherte am
5.
November 2021 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mindestens eine halbe Inva
lidenrente auszurichten. Eventualiter sei eine psychiatrische Oberexpertise in Auftrag zu geben (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerde
antwort vom 3
1.
Januar 2022 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin
a
m
7.
Februar 2022 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
Mit Gerichts
verfügung vom
3.
Januar 2023
wurde
die Pensionskasse
Medpension
vsao
asmac
zum Prozess
beigeladen, welche
mit Eingabe vom 2
0.
Januar 2023 auf das Ein
reichen einer Stellungnahme verzichtet
e
(
Urk.
11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen)
und da die angefochtene Verfügung vom
5.
Oktober 2021 datiert,
sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person
zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihrer Verfügung vom
5.
Oktober 2021 aus, zur Klärung des Leistungsanspruchs sei eine umfassende ärztliche Begutachtung veranlasst worden. Aus dem Gutachten der Ärzte des
J.___
sei ersichtlich,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Praxismanagerin noch zu 80
%
arbeitsfähig sei, was zu einem nicht renten
begründenden Invaliditätsgrad von 20
%
führe. Bei der gegenteiligen Beurteilung durch den behandelnden Facharzt handle es sich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts, wobei zu berücksichtigen sei, dass die behandelnden Ärzte im Zweifelsfalle eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen würden (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde vom
5.
November 2021 zusammengefasst vor,
auf das
J.___
-Gutachten könne nicht abgestellt werden. Der Gutachter habe nicht alle Berichte berücksichtigt und widersprüchliche bezie
hungsweise aktenwidrige Arbeitsfähigkeiten behauptet, wohingegen der behan
delnde Facharzt ihren Zustand schlüssig beurteilt habe (
Urk.
1 S. 2).
Demnach betrage ihre Arbeitsfähigkeit
aufgrund der persistierenden psychischen Beschwer
den
maximal 50
%
(
Urk.
1 S. 3).
Die Beschwerdegegnerin habe nach einem Erst
gespräch erkannt gehabt, dass sie im Herbst 2017 nicht im Stande gewesen sei, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Vom 1
1.
Dezember 2017 bis am
8.
Februar 2018 habe sie sich i
n der Klinik G.___
stationär behandeln lassen müssen, wo ihr eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei und lediglich prognostisch von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit für einen Arbeitsver
such ausgegangen worden sei.
Diese habe
nicht gesteigert werden können, was
ihr behandelnder Psychiater
Dr. med.
K.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
aufgrund der Inst
abi
lität ihres Gesundheitszustands bestätigt habe.
Sie habe laut dem Abschlussbericht der
H.___
vom
4.
September 2019 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreichen können, welche nicht auf 60
%
habe gesteigert werden können (
Urk.
1 S. 3-4).
Dr.
K.___
sei in seinem Bericht vom 1
4.
Juli 2020 von einer mittelgradigen depressi
ve
n Episode und einer Leistungs
fähigkeit von 50 bis 60
%
in
einer angepassten Tätigkeit ausgegangen, während
dem die
J.___
-Gutachter daraufhin eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit festgehalten hätten. Darin sei insofern ein Widerspruch ersichtlich, als der psy
chiatrische Gutachter
Dr.
med.
L.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, ab Januar 2018 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit postuliert habe, das
Konsil
der Gutachter hingegen zu einer
solchen
von 90
%
ab J
anuar 2018 gelangt sei
.
Des Weiteren
habe
sich
Dr.
L.___
auf den Bericht von
Dr.
med.
M.___
, Facharzt für Pharmazeutische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie,
gestützt, jedoch die von diesem berichtete Verschlechterung im Herbst 2017 übersehen. Sodann habe sich
Dr.
L.___
nicht zur stationären Begutachtung Ende 2017 geäussert und es sei nicht erklärbar, wie während eines stationären Aufenthalts eine 80%ige Arbeitsfähigkeit vorliegen könne
. Auch mit der Anamnese habe sich
Dr.
L.___
nicht befasst
(
Urk.
1 S. 5
f.
).
Dr.
K.___
sei am 3
1.
August 2021 wei
terhin von einer 50%igen Leistungs
fähigkeit bei guter Motivation ausgegangen. Die Beschwerdegegnerin habe die Ausführungen
von
Dr.
K.___
aufgrund seiner auftragsrechtlichen Stellung als irrelevant abgetan, wobei das
J.___
stark auftrags
hörig sei
(
Urk.
1 S. 6).
Das
J.___
-Gutachten erfülle die Voraussetzungen an ein beweiskräftiges Gutachten nicht, namentlich weil sich die Gutachter nicht mit dem Austrittsbericht de
r Klinik G.___
und den tatsächlichen Ergebnissen der beruflichen Wiedereingliederung auseinandergesetzt hätten
und die retro
spektive Beurteilung nicht nachvollzieh
bar sei
(
Urk.
1 S. 6 f.).
Hingegen stimme die durch
Dr.
N.___
erfolgte Beurteilung mit den Ergebnissen der Wiederein
gliederungsmassnahmen überein und er habe sie auch stets bei der Wiederein
gliederung unterstützt, weshalb darauf abzustellen sei (Urk. 1 S. 7).
Über die invalidenversicherungs
rechtliche Relevanz einer mittelgradigen depressiven Epi
sode sei im Einzelfall mittels
Indikatorenprüfung
zu entscheiden, welche vorlie
gend eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe (
Urk.
1 S. 7-8).
3.
Die Ausgangslage stellt sich so dar, dass der Beschwerdeführerin im Zusammen
hang mit ihrer ersten Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 1
5.
Septem
ber 2011, nachdem sie eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt gefunden hatte (Urk. 8/66/1), mitgeteilt wurde, dass sie rentenausschliessend eingegliedert sei (Urk. 8/67). Diese Stelle verlor die Beschwerdeführerin in der Folge wieder (vgl.
Urk.
8/84/3). Eine (befristete) Rente war ihr nie zugesprochen worden. Das erneute Leistungsgesuch, welches nun auf eine Invalidenrente abzielt, ist vor diesem Hin
tergrund gleich wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln.
Art.
87
Abs.
3 und 4 IVV finden nur auf gleichlautende Leistungsgesuche Anwendung, nicht jedoch bei Geltendmachung eines andersartigen Leistungsanspruchs (Urteile des Bundes
gerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 4.1, 9C_257/2009 vom 6. Juli 2009;
Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
4.
Auflage 2022,
Rz
130 zu
Art.
30 IVG
).
4.
4
.1
Nachdem der Beschwerdeführerin ihr Arbeitsverhältnis
vom Arbeitgeber
im November 2016 (
Urk.
8/78/4) per Ende Februar 2017 gekündigt worden war (Urk. 8/102/38
;
Urk.
8/102/78
), attestierte d
ie Hausärztin
Dr.
med.
O.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
ihr
eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
ab dem
4.
Januar
2017
bis zum 2
9.
Juli 2017
(Urk. 8/102/
7
-9
,
Urk.
8/102/
36-37
)
- anfangs wegen eines viralen Infekts, ab Februar 2017 auf
grund einer depressiven Entwicklung (Urk. 8/102/28)
beziehungsweise eines Rezidivs einer depressiven Erkrankung mit
Somatisierungstendenz
.
Die Symp
tome seien Gedankendrehen, Schlafstörungen, Verzweiflung, Antriebs
armut, Rückenschmerzen, Erschöpfbarkeit und ein rauschender Tinnitus gewesen (Bericht vom 2
3.
August 2017,
Urk.
8/102/66).
4
.2
Am 2
1.
August 2017 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Krankentag
geldversicherung von
Dr.
M.___
untersucht
, welcher sein psychiatrisches Gutach
ten am 1
6.
September 2017 erstattete
(Urk. 8/
102/80-83).
Dr.
M.___
erhob im psychopathologischen Befund eine noch leichte Verschiebung der Stimmungs
lage zum depressiven Pol mit leichter Einschränkung der affektiven Auslenkbar
keit. Er gab an, im Affekt habe die Beschwerdeführerin nach wie vor ganz erheblich gekränkt gewirkt mit Blick auf die im Herbst 2016 vom damaligen Arbeit
geber ausgesprochene Kündigung (Urk. 8/102/81). Die kognitiven Fähig
keiten seien intakt gewesen. Zusammenfassend liege mittlerweile ein teilweise rück
läufiger Befund vor. Das klinische Bild sei mit einer mittelgradigen Depres
sion vereinbar, welche inzwischen am Zurückgehen und jetzt noch leicht ausge
prägt sei.
Dr.
M.___
nannte als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), inzwischen teilremittiert und aktuell noch leicht ausgeprägt nach
weisbar. Hintergrund sei ganz offensichtlich ein Arbeitsplatzkonflikt. Angesichts eines bereits teilweise rückläufigen klinischen Befundes sei die Beschwerdeführe
rin noch längstens bis Ende Oktober 2017 arbeitsunfähig. Spätestens ab Anfang November 2017 sei wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Urk. 8/102/82-83).
4
.3
Am 2
1.
September 2017 berichteten die
seit dem
8.
Juni 2017
behandelnden
D
r.
K.___
sowie
P.___
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
die Beschwerdeführerin tue alles in ihren Möglichkeiten
Stehende, damit es ihr besser
gehe und sie ihren Alltag wieder meistern könne. Unter Medikation mit Mirtazapin habe sie zwar besser geschlafen, doch sei sie am Morgen noch weniger in die Gänge
gekommen, weshalb sie das Medikament wieder abgesetzt hätten. Auf die Psychotherapie spreche sie sehr gut an.
Inzwischen gelinge es der Beschwerdeführerin wieder, gut für sich zu sorgen mit Einkaufen, Kochen und täglichen Spaziergängen. Das morgendliche Ritual des Aufstehens und des sich Pflegens falle ihr immer noch schwer, aber mit Tendenz zur Besserung. Ein selbst
fürsorglicher Alltag gelinge ihr dann, wenn praktisch keine Belastung anfalle. Trotz der Schwere des Einbruchs im Energiehaushalt der Beschwerdeführerin sei nicht vom Risiko einer dauernden Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Sie fasse den Aufbau einer Teilzeitanstellung kombiniert mit einer selbständigen Tätigkeit ins Auge. Es sei realistisch, dass die Beschwerdeführerin im November 2017 mit einer 20%igen Belastungserprobung im angestellten Standbein beginne. Mit dem selb
ständigen Standbein wolle sie noch zuwarten, bis sie wieder mehr Energie ver
spüre und sich selber wieder genügen
d
strukturieren könne (Urk. 8/102/90).
Die Psychologin
P.___
bescheinigte der Beschwerdeführerin ab Juli 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/102/104
, Urk. 8/102/114
).
Infolge des Entscheids der Krankentaggeldversicherung vom
2
7.
September 2017
, ab November 2017 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Urk. 8/102/126),
nahmen
Dr.
N.___
und
die Psychologin
P.___
am 1
9.
Okto
ber 2017 erneut Stellung. Sie gaben an, die Beschwerdeführerin habe am
2.
Oktober 2017 e
i
nen erneuten heftigen Zusammenbruch erlitten, ausgelöst durch ein paar
administrative
Herausforderungen und eine Einladung für ein Erstgespräch bei der IV für den folgenden Tag
. Sie hätten die Beschwerdeführerin daher für einen Klinikaufenthalt der auf Burnout
s
spezialisierten
Klinik G.___
zugewiesen (Urk. 8/102/110). Sie seien nach wie vor der Überzeugung, dass die Beschwerdeführerin nicht auf eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit zusteu
ere, doch sei sie nach dem Zusammenbruch vom
2.
Oktober 2017 momentan weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig und eine arbeitsmässige Belastungserprobung von 20
%
sei erst für die Zeit nach ihrem stationären Aufenthalt sinnvoll und zulässig. Ausgeschlossen sei aus psychiatrischer und psychotherapeutischer Sicht ein abrupter Einstieg in ein Vollzeitpensum
. Aus fachlicher Sicht sei ein graduel
ler, niederprozentig beginnender und langsam aufbauender beruflicher Einstieg nach einer Erschöpfungsdepression die einzige Methode der beruflichen Integra
tion mit grossen Erfolgsaussichten. Dies gelte nachdrücklich auch für die Situa
tion der Beschwerdeführerin (Urk. 8/102/122).
4
.4
Dazu nahm
Dr.
M.___
am 1
3.
November 2017 dahingehend Stellung, dass es für ihn schwierig sei, knapp drei Monate nach dem Erstgespräch die Situation aktuell einzuschätzen. Er könne sich nur auf das Dokument des behandelnden Teams
verlassen. Er empfehle, den weiteren Verlauf abzuwarten und g
egebenenfalls den Austrittsberi
cht der
Klinik G.___
einzuholen (Urk. 8/102/124).
4
.5
Dem Austrittsbericht der
Klinik G.___
vom
9.
Februar 2018 ist zu entneh
men, dass sich die Beschwerdeführerin vom 1
1.
Dezem
ber 2017 bis am 8.
Februar 2018 dort in stationärer Behandlung befand. Als Diagnosen nannten die Ärzte der
Klinik G.___
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit
telgradige Episode (ICD-10 F33.1), Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73) sowie ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (ICD-10 G47.31
;
Urk.
8/176/10
).
Sie schilderten,
die Beschwerdeführe
rin habe beim Eintritt offen und lebendig gewirkt. Auffassung, Konzentration und Gedächtnis seien unauffällig gewesen, der affektive Rapport herstellbar. Im Antrieb sei sie gehemmt gewesen und habe über innere U
nruhe berichtet. Im Verlauf
des stationären Aufenthalts habe sie ihre Ziele erreichen können. Sie habe ein neues Leben erhalten. Was sich nicht verbessert habe
,
sei der Tinnitus (
Urk.
8/176/11). Aufgrund der durchgeführten respiratorischen Polygraphie
sei eine mittelschwere obstruktive Schlafapnoe zu diagnostizieren
(Urk. 8/176/
11 f
.)
. Die psychiatrisch-naturheilkundliche Komplexbehandlung (Neuraltherapie, Hypnotalks) habe insgesamt zur raschen Besserung des Allgemeinbefindens der Beschwerdeführerin beigetragen. Sie attestierten der Beschwerdeführerin noch bis zum
3.
März 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und hielten einen beruflichen Wiedereinstieg mit 20
%
ab März 2018 für denkbar. Sie empfahlen eine langsame und schrittweise Steigerung des Arbeitspensums in Absprache mit der
nachbe
handelnden Psychotherapeutin
P.___
(Urk. 8/176/12
; vgl. auch
Urk.
8/176/14
).
4
.6
Nach der Konsultation vom 1
2.
Februar
2018
berichtete
Dr.
K.___
, die Beschwerdeführerin komme wöchentlich in seine Praxis zur Behandlung. Für die Zeit von Juni 2017 bis Ende März 2018 liege für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor
(Urk. 8/107
/2
)
. Es seien folgende objektiven Befunde zu erheben gewesen: Traurigkeit, Energietief, Antriebsschwäche, Selbst
zweifel, Tinnitus, Schwindel, Überforderungsgefühle und andere. Es liege eine schwere Symptomatik vor. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannte
Dr.
K.___
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit
telgradig (ICD-10 F33.1), Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten und Lebens
bewältigung (Burnout; ICD-10 Z73) sowie ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (ICD-10 G47.31). Für März 2018 sei im Sinne einer Belastungserprobung die Auf
nahme einer Arbeit mit einem 20
%
-Pensum als Menüberaterin vorgesehen (Urk. 8/107/3-4). Ihre
vorherige Tätigkeit als Praxisleiterin sei ihr nicht mehr zu
mutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin ab März 2018 während maximal zwei Stunden pro Tag oder drei mal drei Stunden pro Woche zumutbar. Die Eingliederung werde
gelingen, wenn die Beschwerdeführe
rin achtsam ihrem eigenen Rhythmus des Belastungsaufbaus folgen dürfe. Zu grosser Druck von Versicherungen und Fachpersonen stünden demgegenüber eine
r
Eingliederung im Wege (Urk. 8/107/5).
Dem
Bericht de
r
psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelnden
Fach
personen
vom 2
8.
Mai 2018
ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin leide objektiv an erhöhter Verletzlichkeit und Stressempfindlichkeit, Energiemangel, rascher Ermüd
barkeit, rascher Überforderung und Konzentrationsschwierigkeiten.
Sie brauche mehr Zeit für alltägliche Handlungen, mehr Pausen, mehr Zeit zur Rege
neration nach einer Anstrengung oder sozialen Situation. Sie vermeide grössere Menschengruppen, auch
ihren
Bekanntenkreis
(Urk. 8/176/26-27)
.
Die Beschwer
deführerin sei aktuell zu 20
%
arbeitsfähig. Sie brauche mehr Zeit als vorher vermutet, um sich nach dem Klinikalltag wieder im Alltag zurec
h
tzufinden. Und trotz intensiver T
h
erapiephase sei ihre Energie
noch
nicht zurückgekehrt. Am Ostersamstag habe sie
zudem
einen Hörsturz erlitten, welcher ihr noch zu schaf
fen mache. Eine Zeit lang sei sie so erschöpft gewesen, dass sie nicht einmal ihre Yogaübungen habe praktizieren können (Urk. 8/176/27).
Wenn die Beschwerde
führerin bis Ende Mai einigermassen st
abi
l bleibe, könnte ihre Arbeitsfähigkeit im Juni auf 30
%
ausgebaut werden und bei einer weiterhin langsamen und guten Genesung rechne man mit einem monatlichen Aufbau von je 10
%
(Urk. 8/176/27).
Am 1
1.
März 2020 attestierte
Dr.
K.___
der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab
3.
März 2020, voraussichtlich bis Ende April 2020 (Urk. 8/176/58).
Am 1
4.
Juli 2020 gab
Dr.
N.___
an, der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin habe sich verschlechtert (Urk. 8/177/1). Er schilderte, die Beschwerde
führerin habe das Belastungs- sowie das Aufbautraining mit der
H.___
trotz Eingewöhnungsschwierigkeiten dank ihres starken Willens absolvieren können (Urk. 8/177/1-2).
Das Mobilisieren ihrer Energien während des anschliessenden Arbeitsversuchs habe zu psychischen und physischen Einbrüchen mit ausgepräg
ten körperlichen Schmerzen geführt. Sie neige weiterhin dazu, sich zu verausga
ben
,
und breche ein, wenn der Druck nachlasse. Sich aufzufangen und wieder handlungsfähig zu werden, bedürfe grosser Anstrengungen. Der anschliessend geplante Arbeitsversuch zu 50
%
habe aufgrund der Corona-Krise nicht stattfin
den können. Im Idealfall beginne die Beschwerdeführerin mit einem Arbeitspen
sum von zwei Stunden täglich und baue dieses langsam auf
vier und später sechs Stunden
aus
. Bei sechs Stunden an vier Tagen pro Woche liege das absolute Maximum von dem, was die Beschwerdeführerin bewältigen könne. Die Leis
tungsfähigkeit sei um 50 bis 60
%
reduziert (Urk. 8/177/2).
4
.7
Der ab September 2018 behandelnde
Dr.
med.
Q.___
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin,
nannte in seinem Bericht vom 2
6.
September 2020 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres
sive Störung, aktuell leichtgradig (ICD-10 F33.0), Erstdiagnose 2017, sowie eine Insomnie, Erstdiagnose 200
8.
Prognostisch
hielt er fest,
eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit
sei
auf längere Sicht
zu vermuten
(Urk. 8/182/3)
.
4
.8
Dr.
med.
R.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte im November 2020 aus, auf seinem Gebiet (muskuloskelettale Dekompensation) sei eine deutliche Verbesserung eingetreten und
es liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (Urk. 8/183/1).
4
.9
Die Experten des
J.___
untersuchten
die Beschwerdeführerin
allgemein
internis
tisch, psychiatrisch
,
rheumatologisch
sowie
otorhinolaryng
ol
ogisch
und erstatte
ten ihr poly
disziplinäres Gutachten am
7.
Juni 2021
(Urk.
8/201
). Aus interdis
ziplinärer Sicht stellten sie
die folgenden
, leicht verkürzt wiedergegebenen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/201/8-9
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.0)
-
chronisch rezidivierendes
lumbospondylogenes
bis
facettogenes
Schmerz
syndrom
-
chronische
Epicondylopathia
humeri
radialis
und
ulnaris
beidseits (ICD-10 M77.0, M77.1)
-
Tinnitus beidseits (ICD-10 H93.1), mittelgradig kompensiert
-
rezidivierende periphere vestibuläre Funktionsstörung (ICD-10 H81.3)
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen sie
dem Verdacht auf ein Fibro
myalgie-Syndrom (ICD-10 M54.5)
zu (Urk.
8/201/9
).
In der interdisziplinären Beurteilung hielten sie fest,
aufgrund der Depression bestehe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20
%
in den ange
stamm
ten Tätigkeiten al
s
Filialleiterin, Agentur- und Office-Mitarbeiterin und Praxis
managerin. In einer Tätigkeit ohne Leistungsfunktion sei
en
die Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit hingegen nicht eingeschränkt.
Aus
rheumatologischer Sicht hätten die gestellten Diagnosen der chronischen Schmerzsyndrome sowie der chronischen
Epicondylopathia
humer
i
radialis
und
ulnaris
beidseit
s in den angestammten Tätigkeiten sowie in anderen körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten einen
vermehrten Pausenbedarf zur Folge, woraus eine um 20
%
verminderte Leis
tungsfähigkeit resultiere
.
Aus
otorhinolaryngolog
ischer
Sicht
führten der Tinnitus beidseits sowie die rezidivierende periphere vestibuläre Funktionsstörung zu einer um 10
%
vermin
derten Leistungsfähigkeit in den angestammten Tätigkeiten und in anderen geeigneten Verweistätigkeiten.
Insgesamt
bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeits- respektive Leistungs
fähigkeit von 80
%
in den angestammten Tätigkeiten und in anderen geeigneten Verweistätigkeiten, dies aufgrund einer um 20
%
verminderten Leistungsfähig
keit bei vermehrtem Pausenbedarf
(Urk. 8/
201/9).
Zum zeitlichen Verlauf hielten die Gutachter fest,
nach vorher nicht einge
schränkter Arbeitsfähigkeit sei die Arbeitsfähigkeit von März bis September 2017 sowohl hinsichtlich der angestammten als auch bezüglich einer angepassten Tätigkeit aufgehoben gewesen und von Oktober bis Dezember 2017 um 50
%
reduziert. Ab Januar 2018 sei von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angestamm
ter Tätigkeit und einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auszu
gehen, ab Januar 2021 dann von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit sowohl in angestammter als auch in angepasster Tätigkeit.
Die Frage nach den Merkmalen einer optimal angepassten Tätigkeit beantworte
ten die Experten dahingehend, dass aus psychiatrischer Sicht eine Tätigkeit ohne Leitungsfunktion angepasst sei. Aus rheumatologischer Sicht seien monotone Arbeitsabläufe grundsätzlich ungünstig. Nicht geeignet seien in erster Linie ein längeres fixiertes Sitzen oder Stehen a
n
Ort oder Arbeiten mit stereotypen Rota
tionsbewegungen von
Halswirbelsäule
oder
Lendenwirbelsäule
, ebenso Arbeiten in anhaltender Oberkörpervorneige- oder Rückhalteposition. Aus
otorhinolaryn
gologischer
Sicht nicht mehr geeignet seien Tätigkeiten unter gesteigertem Umgebungsgeräuschpegel mit möglicher Zunahme des Tinnitus. Zusätzlich seien sturzgefährdende Tätigkeiten zu vermeiden
(Urk. 8/
201/10).
Der RAD empfahl in seiner Stellungnahme vom
8.
Juni 2021, auf das
J.___
-Gutachten abzustellen
(Urk. 8/
202/
6-8)
.
4
.10
Dem Bericht von
Dr.
K.___
sowie der nun behandelnden eidgenössisch diplo
mierten Psychotherapeutin
S.___
vom 3
1.
August 2021 ist zu ent
nehmen, es lägen aktuell eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1), sowie ein Status nach Burnout-Syndrom (ICD-10 Z73) vor. Sie hielten fest, aus ihrer Sicht sei ein maximales Arbeitspensum von 50
%
vorstellbar. Die Beschwerdeführerin wolle die ihr gestellten Aufgaben zur vollen Zufriedenheit aller
Beteiligten erledigen und überfordere sich wiederholt damit. Nach einer zu grossen Anstrengung müsse sie jeweils mit einem Einbruch ihrer Energie rechnen und benötige mehrere Tage, um sich wieder zurechtzufin
den, um den Alltag adäquat zu bewältigen. Die Symptomatik der Erschöpfungs
depression
manifestiere sich
bei solchen E
inbrüchen klar und deutlich. Es sei daher sinnvoller, in einem kleineren Pensum tätig zu sein, um weitere Einbrüche und allenfalls Hospitalisierungen zu vermeiden, wie sie mit einem grösseren Pensum wohl wieder vorkommen würden
(Urk. 8/
216/1).
In diesem Sinne habe die Beschwerdeführerin bessere und weniger gute Phasen und die beschriebene Dynamik sei nach aussen nur wenig sichtbar. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Ganze sehr schambesetzt sei. Gegen die gutachterliche Beurteilung der Arbeits
fähigkeit spreche auch, dass die Beschwerdeführerin 2019 bei einem Wiederein
gliederungsversuch den Anforderungen nur knapp habe entsprechen können. Sie sei überfordert gewesen mit dem Arbeitsweg, mit dem intensiven Zusammensein mit anderen Menschen und mit der Intensität der Massnahme insgesamt. Bei einer ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsstelle und einem wohlwollenden Um
feld sei eine 50%ige Anstellung möglich
(Urk. 8/
216/2).
4
.11
RAD-Arzt
Dr.
med.
T.___
, Facharzt für Chirurgie, äusserte sich dazu dahingehend, dass dem Bericht keine neuen medizinischen Aspekte zu entneh
men seien, sondern lediglich eine andere Beurteilung
durch die
behandelnden Ärzte
(Urk. 8/219/2)
.
5
.
5
.1
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinwei
sen).
5
.2
Das
J.___
-
Gutachten
vom
7.
Juni 2021 erfüllt die formalen An
forderungen an den Beweiswert einer Expertise (vgl. E. 1.
6
vorstehend) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen de
r
Beschwerdeführer
in
, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und
wurde
in Kenntnis und in
ausführlicher
Auseinander
setzung mit den
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben.
Namentlich hatten die Gutachter auch den Austrittsbericht der
Klinik G.___
vom
9.
Februar 2018 zur Kenntnis genommen (
Urk.
8/201/15,
Urk.
8/201/17 f.) und der Klinikaufenthalt wurde des Weiteren bei der Anam
neseerhebung (Urk. 8/201/28
) sowie der Herleitung der Diagnosen (Urk. 8/201/32) erwähnt
, auch
wenn anschliessend wohl aufgrund eines Kanzlei
versehens eine stationäre psychiatrische Behandlung verneint wurde
.
Die
von der Beschwerdeführerin mehrfach monierte
unzureichende Berücksichtigung des Klinikaufenthalts bei der retrospektiven Festlegung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3, S. 5 f.
Ziff.
5, S. 6 f.
Ziff.
7)
ist vor diesem Hintergrund erst im Zusam
menhang mit der materiellen Überzeugungskraft des Gutachtens zu überprüfen.
5
.
3
Die Gutachter legten einleuchtend dar,
dass sich die somatischen Beschwerden lediglich hinsichtlich des Profils der zumutbaren Tätigkeiten aus
wirken
sowie einen erhöhten Pausenbedarf bewirken (Urk. 8/201/9-10). Dies korreliert damit, dass der
seit September 2018
behandelnde
Allgemeinmediziner
Dr.
Q.___
unter den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lediglich die depressive Störung
sowie die Insomnie erwähnte (E.
4
.
7
vorstehend) und dass
der manual
therapeutisch behandelnde
Dr.
R.___
die Arbeitsfähigkeit aus der Sicht seines Fachgebiets
respektive aufgrund der muskuloskelettalen Dekompensation
als nicht eingeschränkt betrachtete (E.
4
.
8
vorstehend).
5
.
4
5
.4.1
Was die psychischen Belange betrifft, legte
Dr.
L.___
im psychiatrischen Teil
gutachten nachvollziehbar dar, weshalb er bei erhaltener Konzentration
s
fähig
keit
,
Merkfähigkeit und Gedächtnisleistungen,
lediglich
etwas herab
gesetzter Stimmung beziehungsweise gelegentlich
leicht
gradiger Depressivität und leicht
gradig depressiv eingeengtem Denken, hingegen lebhafter Psycho
motorik, nicht vermindertem Antrieb und gut herstellbarem affektivem Kontakt
(Urk. 8/201/31)
die depressive Störung für gegenwärtig nur leicht ausgeprägt hielt (Urk. 8/201/
32
).
5
.4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wie
gender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosig
keit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5
.4
.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5
.4
.4
Die Gutachter berücksichtigten bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die von der Rechtsprechung definierten massgeblichen Standardindikatoren. Namentlich
der psychiatrische Gutachter
würdigte in
seine
m Teilgutachten die psychische,
soziale und gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin (Urk. 8/
201/32
)
,
bis
herige Eingliederungs- und Therapieversuche (Urk. 8/
201/33-34
) sowie
die
Konsi
stenz
und
Plausibilität
mit Blick auf die Aktivitäten
im Alltag
(Urk. 8/
201/33
)
und beurteilte
Ressourcen und Belastungen
in einer Gesamtbetrachtung
(Urk. 8/
201/34
).
Zudem bezog er
Stellung zur Schwere der Gesund
heitsschädi
gung
und berücksichtigte eventuell relevante Persönlichkeits
aspekte (Urk. 8/
201/32)
. Folglich ist
die gutachterliche
Arbeitsunfähigkeitseinschätzung
für den Zeitpunkt der Begutachtung
auch unter
Beachtung der massgebenden Indikatoren
nachvollziehbar begrün
d
et.
Dass
die Beschwerdeführerin
lediglich um 20
%
beziehungsweise nur in einem
(sehr)
geringen Ausmass
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist (Urk. 8/
201/33-35)
, überzeugt vor dem Hintergrund
der wie geschildert nur leichtgradigen Befunde, welche die Beschwerdeführerin im Alltag nur wenig beeinträchtigen. Nebst erhöhter Ermüdbarkeit beziehungsweise vermindertem Antrieb und leichten depressiven Verstimmungen waren keine weiteren depres
siven Symptome feststellbar (Urk. 8/201/33).
Ihren eigenen Aussagen, dass sie regelmässig gymnastische und Yoga-Übungen absolviere, lese und stricke, mit Leidenschaft koche und gute soziale Kontakte pflege (
Urk.
8/201/30
; vgl. dazu auch
Urk.
8/102/9
), decken sich mit dieser Beurteilung.
Eine grössere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte
kann
im Übrigen
auch aus einer
Indik
atorenprüfung
durch die Rechtsanwender
nicht resultieren, d
enn mit einer
Indikatorenprüfung
wird
nur
eine im Rahmen einer psychiatri
schen Diagnose attestierte Arbeitsunfähigkeit validiert (vgl. etwa Urteil des Bun
desgerichts 8C_137/2019 vom 2
7.
Mai 2019 E. 6.7
).
5
.5
Zurückhaltender
beurteilte der behandelnde Psychiater
Dr.
K.___
indes die Arbeits
fähig
keit
der Beschwerdeführerin
.
So ging er im März 2020 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus, im Juli 2020 von einer 25%igen, welche er jedoch auf gut 50 % steigerbar hielt, und im August 2021 erneut von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehende E.
4
.6 und E.
4
.10).
Hinsichtlich der divergierenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist anzumerken, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medi
zinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn
die behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen (Urteil des
Bundesgerichts
8C_694/2008 vom 5. März 2009
E. 5.1 mit Hinweis). Anders ver
häl
t es sich nur, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichts
punkte vorbringen, welche im Rahmen der (psychiatrischen) Begutachtung uner
kannt geblieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteile des Bundesgerichts 8C_79/2008 vom 19. August 2008 E. 4.1 mit Hinweis und 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2 mit weiteren Hinweisen).
Solche Gesichtspunkte
brachte
der behandelnde Psychiater je
doch nicht vor und
Dr.
L.___
hatte berücksichtigt, dass der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin in dem Sinne gewissen Schwankungen unterliegt, als die Beschwerde
führerin viermal in ihrem Leben eine depressive Krise erlitten hatte
(Urk. 8/
201/32).
Dass vor diesem Hintergrund - wie
Dr.
K.___
dies beschreibt (
E.
4
.10 vorstehend) - eine gewisse erhöhte Rückfallgefahr besteht, ist zwar
nicht von der Hand zu weisen
, doch ist diese bei der Berücksichtigung einer um 20
%
verminderten Leistungsfähigkeit beziehungsweise bei der Annahme einer ledig
lich 80%igen Arbeitsfähigkeit nicht manifest. Anders
als etwa im Urteil des Bundesgerichts 8
C
_407/2020 vom
3.
März
2021 E. 6.1 bestehen aufgrund de
r Exper
tise
keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verwertung der Restarbeitsfähig
keit nur unter der Gefahr der Verschlimmerung ihres Gesundheitszustandes mög
lich ist. Die Experten haben
der erhöhten
Rückfall
s
gefahr
respektive der auch aus psy
chiatrischer Sicht verminderten Belastbarkeit
durch das Zugestehen eines erhöh
ten Pausenbedarfs
trotz nur leicht auffälliger psychischer Befunde
im
J.___
-Gutachten gebührend Rechnung getragen
.
In Abweichung zum besagten Bundes
gerichtsurteil
kann auch nicht gesagt werden, dass
die
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Praxismanagerin
ausserordentlich hohe
n
beruflichen
Anforderungen
ausgesetzt wäre,
die eine andere Einschätzung rechtfertigen könnte
n
.
Denn
nach
der von
Dr.
M.___
dargelegten Anamnese hatten eine un
günstige Situation
am Arbeitsplatz und die Kündigung zur ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit geführt (
Urk.
8/102/81)
.
5
.
6
Nach dem Gesagten überzeugt das
J.___
-Gutachten
vom
7.
Juni 2021 für die Zeit ab der Begutachtung vom April 2021 (vgl.
Urk.
8/201/2-3). Sodann fehlt es an Anhaltspunkten dafür, dass anschliessend eine Verschlechterung eingetreten wäre, sodass für den massgebenden Zeitraum bis zur angefochtenen Verfügung davon beziehungsweise von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit sowohl in ange
stammter als auch in angepasster Tätigkeit auszugehen ist.
5
.7
5
.7.1
Es bleibt zu prüfen, ob d
ie retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch die Experten des
J.___
nachvollziehbar ist.
5.7.2
Es ist generell und namentlich bei psychischen Störungen schwierig, rückwirkend und überdies für einen weit zurückliegenden Zeitraum die Arbeitsfähigkeit zuverlässig zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_167/2014 vom 8. August 2014 E. 6.2 mit Hinweis).
Obwohl eine retrospektive Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit naturgemäss mit Unsicherheiten behaftet ist, führt dies praxisgemäss nicht dazu, diesbezüglichen Aussagen von vornherein jegliche Beweiskraft abzu
sprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_371/2021 vom 30. Mai 2022 E. 2.2.3; vgl. auch Urteil 9C_452/2022 vom 10. Januar 2023 E. 4.1 mit Hinweis). Vielmehr liegt die Beurteilung eines vorangegangenen Zeitraumes in der Natur einer Begutach
tung und lässt sich aus rechtlicher Sicht nicht beanstanden. Praxisgemäss ist es auch nicht erforderlich, dass die Gutachterperson zu jedem Bericht der behan
delnden Arztpersonen Stellung nimmt, wenn darin ein von den Erkenntnissen des Gutachters abweichender Grad der Arbeitsunfähigkeit angegeben wird. Von einer bundesgerichtlichen Regel, wonach grundsätzlich auf echtzeitliche ärztliche Berichte abzustellen sei, kann somit nicht gesprochen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_419/2021 vom 16. Dezember 2021 E. 6 mit Hinweisen).
Aus der Möglichkeit einer retrospektiven diagnostischen Festlegung ergibt sich, dass nicht nur echtzeitlich getroffene ärztliche Feststellungen massgebend sind, sondern auch spätere, soweit sie Rückschlüsse auf eine rechtzeitige Erkennbarkeit der Störung zulassen. Allerdings ist eine nachträgliche Schilderung von Sympto
men mit zunehmender zeitlicher Distanz kritisch zu würdigen, weil sie oftmals von späteren Beobachtungen überlagert sein dürfte. Aus diesem Grund muss im Einzelfall schlüssig dargetan sein, dass die betreffende Anamnese nicht bloss aktuelle Feststellungen in die Vergangenheit projiziert (Urteil des Bundesgerichts 9C_37/2020 vom 19. Mai 2020 E. 2.3.3 mit Hinweisen).
5.7.3
Soweit
die
J.___
-Gutachter
von März bis September 2017 von einer vollumfängli
chen Erwerbsunfähigkeit ausgingen
(Urk. 8/
201/10), stimmt dies mit den echt
zeitlichen medizinischen Berichten überein. Die Beschwerdeführerin begab sich im März 2017 erstmals wegen der depressiven Störung in Behandlung
. Im Februar 2017 war sie demgegenüber noch arbeitsfähig
- wenn auch nicht arbeitstätig -
gewesen
(Urk. 8/
102/76
;
Urk.
8/75/1
,
Urk.
8/80/4
).
Dr.
M.___
, welcher die Beschwerdeführerin am 2
1.
August 2017 im Auftrag der Krankentaggeld
ver
sicherung begutachtet hatte, ging ebenfalls von einer 100%igen
Arbeitsunfähig
keit
aus. Da er bereits rückläufige Befunde erhoben hatte, welche noch einer leichtgradig ausgeprägten Depression entsprachen, ging er davon aus, dass spä
testens im November 2017 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben sei
(Urk. 8/
102/82).
Die Teilremission der Depression zu jenem Zeitpunkt deckt sich mit dem Bericht de
r
psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelnden
Fachleute
vom September 2017, wonach die Beschwerdeführerin sehr gut auf die im Juni 2017 begonnene Psychotherapie an
gesprochen hatte
(
E.
4
.3 vorstehend).
Allein vor diesem Hintergrund
vermag grundsätzlich einzuleuchten
, dass die
J.___
-Gutachter ab Oktober 2017 wieder von einer 50%igen und ab Januar 2018 von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ausgingen
(Urk. 8/
201/10)
.
Allerdings fällt ins Gewicht
, dass sich die Experten des
J.___
bei ihrer rückwirken
den Beurteilung weder zum
von den behandelnden Fachpersonen
angegebenen
(psychischen)
«
Zusammenbruch
»
vom
2.
Oktober 2017
im Zusammenhang mit der Einladung zum Erstgespräch bei der Beschwerdegegnerin
(Urk.
8/102/122
; vgl.
Urk.
8/86
)
noch zu den von
Dr.
M.___
am 1
3.
November 2017 geäusserten Unsicherheiten in Bezug auf die aktuelle
inhaltliche Beurteilung (
Urk.
8/102/124)
äusserten
und
in diesem Kontext
auch nicht
erwähnten, dass sich die Beschwer
deführerin vom 1
1.
Dezember 2017 bis am
8.
Februar 2018 in stationärer Behandlung befand. Es ist
daher
fraglich, ob
und inwiefern
diese Gegebenheiten bei der rückwirkenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Berücksichtigung gefun
den haben.
Von der
Klinik G.___
wurde für die Zeit des stationären Auf
enthalts
und bis am
3.
März 2018
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
attestiert (E.
4
.5 vorstehend).
Diesbezüglich fand keine ausreichende Auseinandersetzung mit den vorhandenen medizinischen A
kten statt, weshalb sich das
J.___
-Gutachten
für die Zeit von Oktober 2017 bis Februar 2018
nicht als beweiskräftig erweist.
Dies führt indes nicht dazu, dass automatisch auf die Berichte der behandelnden Ärzte abzustellen wäre (Urteil des Bundesgerichts
8C_77/2014
vom 1
2.
August 2014 E. 4.1 und 4.4).
Ebenso wenig führt ein stationärer Klinikaufenthalt bereits aus formalen Gründen zu einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit
(Urteil des Bun
desgerichts 9C_303/2018
vom 3
0.
August 2018
E. 4.2).
5
.7.
4
Zu beachten ist, dass
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG für einen Rentenanspruch voraus
setzt, dass die Erwerbsfähigkeit nicht mehr durch zumutbare Eingliederungsmass
nahmen wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden kann. Dies bedeutet
,
dass
in Fällen,
in welchen
die Erwerbsfähigkeit einer versicherten Person voraus
sichtlich durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederhergestellt,
erhal
ten oder verbessert werde
n
kann
, der Grundsatz
«
Eingliederung vor Rente
»
bezie
hungsweise
«
Eingliederung statt Rente
» greift
. Nur wenn keine entsprechenden Massnahmen (mehr) in Frage kommen, kann ein Rentenanspruch
entstehen
; andernfalls sind
vorab geeignete Eingliederungsmassnahmen anzuordnen
.
Nach der gesetzlichen Konzeption kann eine Rente vor der Durchführung von Einglie
derungsmassnahmen (allenfalls auch rückwirkend) nur zugesprochen werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes nicht oder noch nicht eingliederungsfähig war. Dass der Rentenanspruch grundsätzlich erst nach Beendigung der Eingliederungs
massnahmen entstehen kann, gilt dabei selbst im Fall, dass diese nur einen Teilerfolg brachten oder
scheiterten
(
BGE 148 V 397
E.
6.2.4
mit Hinweisen namentlich auf die diesbezüglich bereits
zuvor
ergangene bundesgerichtliche Rechtsprechung
)
.
5
.7.
5
Nach Ablauf des im M
ärz 2017 begonnenen Wartejahres
- was eine Vorausset
zung für das Entstehen eines Rentenanspruchs darstellt -
(vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
im März 2018,
war die Beschwerdeführerin selbst nach der Einschätzung ihres behandelndes Psychiaters
Dr.
K.___
vom 1
2.
Februar 2018 eingliede
rungsfähig
(Urk. 8/107/
3-5).
Namentlich hielt er fest, dass die Beschwerdeführe
rin ab März 2018 in einer leidensadaptierten Tätigkeit während zwei Stunden pro Tag (an fünf Tagen pro Woche) oder während drei Stunden pro Tag an drei Tagen pro Woche arbeitsfähig sei (Urk. 8/107/5).
Er zeigte sich sodann optimistisch bezüglich der Prognose zur Eingliederung (
Urk.
8/107/5), sodass es sich nicht bloss um eine Abklärungs
massnahme handelte, welche zeigen sollte, ob die ver
sicherte Person überhaupt eingliederungsfähig ist.
Überdies
versuchte die Beschwerdeführerin nach dem Spitalaufenthalt die Selbsteingliederung in einem Restaurant mit einem Pensum von zunächst 20
%
;
im März 2018
meldete sie sich
auch selber wieder
bei der Beschwerdegegnerin
bezüglich Eingliederungs
mass
nahmen (Urk.
8/109,
Urk.
8/123/2).
Laut dem Austrittsbericht der
Klinik G.___
vom
9.
Februar 2018 war es während des Aufenthalts zu einer Verbes
serung des Befindens der Beschwerdeführerin gekommen (Urk. 8/176/11-12) und die berichtenden Ärzte hielten einen beruflichen Wiedereinstieg zu 20
%
ab März 2018
ebenfalls
für denkbar (Urk. 8/176/12).
Da die Beschwerdeführerin von März 2018 bis zum Beginn der
seitens der Beschwerdegegnerin
eingeleiteten
Eingliederungs
massnahmen im Dezember 2018 nach dem Gesagten eingliederungsfähig war
und
derweil die geeigneten
Eingliederungsmassnahmen
vertieft evaluiert wurden (
Urk.
8/123/3-6)
, von wel
chen eine rentenbeeinflussende Änderung erwartet werden konnte
, kommt für diesen Zeitraum kein Rentenanspruch in Frage (
BGE 148 V 397
E.
6.2.4 mit Hin
weisen
beziehungsweise vorstehende E.
5
.7.
4
; vgl. zudem das bis Ende 2021 in Kraft gewesene
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV
[
KSIH
]
,
Rz
1045
).
5
.7.
6
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 IVG entstand sodann auch kein Rentenanspruch, solange Eingliederungsmassnahmen durchgeführt wurden und die Beschwerdeführerin
hier
für ein Taggeld nach
Art.
22 IVG bezog. Dies war vom
3.
Dezember 2018 bis am
2.
März 2020 der Fall
(vgl.
Urk.
8/121-122, 8/129, 8/136-137, 8/155-157, 8/159).
5
.7.
7
Folglich kommt
ab
1.
März 2020
- nach Abschluss der Eingliederungs
massnah
men sowie per Monatsbeginn (
Art.
29
Abs.
3 IVG) - ein Rentenanspruch
grund
sätzlich
in Frage.
Wie bereits dargelegt (vgl. vorstehende E.
5
.7.
3
) bestehen an der
rückwirkend
en Beurteilung durch die
J.___
-Gutachter gewisse Zweifel.
A
uch für den fraglichen Zeitraum
ab
1.
März 2020
sind diese
- wie die Beschwerdeführerin vorbringt (
Urk.
1 S. 5) -
deshalb
von Relevanz
,
weil
in der
Konsensb
eurteilung ab Januar 2018
(bis Ende 2020)
von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen wurde
(Urk. 8/201/10)
, obwohl der psychiatrische Teilgutachter eine
solche
von lediglich 80
%
angegeben hatte
(Urk. 8/201/35).
Eine Erklärung für diese Diskrepanz ist der Konsensbeurteilung nicht zu entnehmen.
Der
J.___
-Beurteilung entgegen steh
t
die Einschätzung des behandelnden Psychi
aters, welcher
ab März 2020
praktisch übereinstimmend
von einer rund 50%igen Arbeitsfähigkeit
in jeder Tätigkeit
ausging (
Urk.
8/176/58
,
Urk.
8/177/2,
Urk.
8/216/1
)
. Mit dieser
Beurteilung
in Übereinstimmung steht auch
jene der Eingliederungsfachpersonen, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin am
1
1.
März 2020 im Abschlussbericht Coaching
ebenfalls auf 50
%
einschätzten (Urk. 8/
161/1
).
Da sich die
J.___
-Beurteilung erst ab dem Zeitpunkt der Begutach
tung im April 2021 als verlässlich
erweist
und von zusätzlichen rückwirkenden Abklärungen kein weiterer Erkenntnisgewinn zu erwarten ist
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d)
,
ist
für die Zeit ab März 2020 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit (sowohl in angestammter als auch in leidensadaptierter Tätigkeit) auszugehen.
Da während der Eingliederungs
mass
nah
men mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit keine höhere
Arbeits
fähigkeit vorlag, war das Warte
jahr zu diesem Zeitpunkt bestanden und auch die Voraussetzung der durch
schnittlich mindestens 50%igen Arbeits
unfähigkeit im vorangegangenen Jahr
war
erfüllt (vgl.
U
rteil des Bundesgerichts 9C_996/2010 vom
5.
Mai 2011 E. 7.1 mit Hinweisen).
Es ist auch nicht zu erwarten, dass d
ie seitens der Gutachter
mit Wirkung ab April 2021 durch
ge
führte
Indikatorenprüfung
, mit welcher die medizinische Zumut
barkeitsbeurteilung
rechtsprechungsgemäss
plausib
ilisiert wurde, im März 2020 anders ausgefallen wäre, so dass der Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades nichts
entgegensteht
.
Folglich
besteht ab dem
1.
März 2020
bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
5
.7.
8
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1).
Spätestens anlässlich der Untersuchung durch die Experten des
J.___
im April 2021 lag eine 80%ige Arbeitsfähigkeit sowohl in angestammter als auch in angepasster Tätigkeit vor (E.
5
.6 vorstehend).
Die Beschwerdeführerin war demnach
in diesem Umfang
wieder in der Lage,
ihrer
zuletzt ausgeübten oder einer lohnmässig ver
gleichbaren Tätigkeit nachzugehen
, weshalb ihr Invaliditätsgrad nur noch 20 % betrug (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_364/2015 vom 1
8.
Dezember 2015 E.
3.1-3.2), womit kein Rentenanspruch mehr besteht.
Dass eine
gesundheitliche
Verbesserung stattgefunden hat, ist anhand dessen ersichtlich, dass
die Beschwerdeführerin im Mai 2018 noch
unter
Konzentra
tionsschwierigkeiten
litt
(Urk. 8/176/26), bei der Begutachtung hingegen eine gute Konzentrations
fähigkeit ohne Beeinträchtigungen von Merkfähigkeit oder Gedächtnisleistungen
zu beobachten war
(Urk. 8/201/31).
Die Beschwerdeführe
rin gab anlässlich der Begutachtung sodann selber an, sie habe nun gelernt, alles etwas langsamer anzugehen, sowie aktuell weniger unter Depressionen und Ängsten zu leiden (
Urk.
8/201/28-29).
Sodann spricht
auch
der Krankheitsverlauf dafür, zumal die Beschwerdeführerin grundsätzlich auf die psychotherapeutische Behandlung anspricht (Urk. 8/102/90).
Ferner wurde auch prognostisch von den Integrationsfachpersonen davon ausgegangen, dass die Arbeitsfähigkeit auf mehr als 50
%
gesteigert werden k
ö
nn
e
(Urk. 8/154/4).
Nach der Rechtsprechung ist bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente nebst der Revisionsbestimmung des
Art.
17 Abs. 1 ATSG die Bestimmung über die Änderung des Leistungsanspruchs bei einer Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit (
Art.
88a
Abs.
1 IVV) analog anzuwenden, weil noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Ände
rung eingetreten ist mit der Folge, dass diese mitberücksichtigt wird. Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berück
sichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird (
Art.
88
Abs.
1 Satz 1 IVV). Sie ist in jedem Fall zu berücksich
tigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (
Art.
88 Abs. 1 Satz 2 IVV). Das Bundesgericht wendet in solchen Fällen in der Regel den zweiten Satz dieser Vor
schrift an und gewährt oder bestätigt eine höhere Rente drei Monate über die Veränderung des Gesundheitszustandes hinaus. Ist aufgrund eines Gutachtens überwiegend wahrscheinlich, dass sich der Gesundheitszustand verbessert hat, nicht aber ersichtlich, in welchem Zeitpunkt diese Besserung stattgefunden hat, so kann es sich jedoch rechtfertigen, die Rente bereits auf den Zeitpunkt des Gut
achtens hin herabzusetzen oder aufzuheben
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_670/2011 vom 1
0.
Februar 2012 E. 5.1 mit Hinweisen).
D
a dies vorliegend der Fall ist,
ist die halbe Invalidenrente gestützt auf das
J.___
-Gutachten vom 7. Juni 2021 per Ende Juni 2021 zu befristen
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_810/2010 vom 1
6.
September 2011 E. 4 und
Dispositiv
).
5
.8
Zusammengefasst hat die Beschwerdeführerin für die Zeit vom
1.
März 2020 befristet bis zum 3
0.
Juni 2021 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde. Im Übrigen ist die Beschwerde abzu
weisen.
6
.
6
.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
9
00.
--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
zu zwei Dritteln der Beschwerdeführerin und zu einem Drittel der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nen
nen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]
sowie
§
7
der
Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht
[
GebV
SVGer
]
).
In An
wendung dieser Grundsätze ist die Prozessentschädigung
um zwei Drittel zu kürzen und
auf Fr.
1'000.--
(in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom
5.
Oktober 2021 insoweit abgeändert, als festgestellt wird
,
dass
die Beschwerdeführerin für die Zeit vo
m
1.
März 2020 bis
zum 3
0.
Juni 2021 befristet
Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente
hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdeführerin zu zwei Dritteln sowie der Beschwerdegegnerin zu einem Drittel
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungs
schein werden
den
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
reduzierte
Pro
zessentschädigung von
Fr.
1’000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
11
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
11
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
Medpension
vsao
asmac
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrWidmer