# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27856396-b94a-5297-8103-7b973f559d78
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 10.08.2023 WPR.2023.34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2023-34_2023-08-10.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

 

WPR.2023.34 / sp / we      
ZEMIS [***]; N [***]   

 

Urteil vom 10. August 2023 
 
 
   

Gesuchsteller   A._____, von Senegal 

unentgeltlich vertreten durch lic. iur. Matthias Stauffacher, AsyLex, 

Rechtsanwalt, Gotthardstrasse 52, 8002 Zürich    

 

gegen 

 
   

Gesuchsgegner   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau   

vertreten durch Bettina Attenberger, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 1    

 

 

 
   

Gegenstand  Überprüfung kurzfristige Festhaltung gemäss Art. 73 AIG 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration vom 14. März 2023 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsteller reiste am 18. Februar 2020 in die Schweiz ein und er-

suchte gleichentags um Asyl (Akten des Amts für Migration und Integration 

[MI-act] 5). Mit Entscheid vom 14. Mai 2020 trat das Staatssekretariat für 

Migration (SEM) auf das Gesuch mangels Zuständigkeit nicht ein, wies den 

Gesuchsteller aus der Schweiz in den für ihn zuständigen Dublin-Mitglied-

staat (Italien) weg, ordnete an, der Gesuchsteller habe die Schweiz nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und beauftragte den Kanton 

Basel-Landschaft mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-act. 10 ff., 18). Die 

dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit 

Urteil vom 3. Juni 2020 ab, soweit darauf einzutreten war (MI-act. 86 ff.). 

Die Frist zur Überstellung konnte indessen nicht eingehalten werden. In der 

Folge verfügte das SEM am 10. Dezember 2020 die Wideraufnahme des 

Asylverfahrens in der Schweiz (MI-act. 139). Mit Entscheid vom 18. März 

2021 lehnte das SEM das Asylgesuch ab, wies den Gesuchsteller aus der 

Schweiz weg, ordnete an, er habe die Schweiz bis 19. April 2021 zu ver-

lassen und beauftragte den Kanton Aargau mit dem Vollzug der Wegwei-

sung (MI-act. 138 ff., 146). 

 

Zwecks Abklärungen im Zusammenhang mit der Identität wurde der Ge-

suchsteller durch das Amt für Migration und Integration Kanton Aargau 

(MIKA) zu einem Gespräch (Telefoninterview zwecks Herkunftsbefragung) 

am 25. Mai 2021 vorgeladen (MI-act. 165). Am 2. September 2021 wurde 

dem Gesuchsteller nach Gewährung des rechtlichen Gehörs die Anord-

nung einer Eingrenzung auf das Gebiet des Kantons Aargau eröffnet (MI-

act. 169 ff.). Zwecks Besprechung der Ausreisemodalitäten wurde der Ge-

suchsteller am 7. September 2021 einer Vorladung folgend beim MIKA vor-

stellig (MI-act. 179, 184). Gemäss Schreiben des SEM vom 23. September 

2022 sollte am 12. Oktober 2022 eine zentrale Befragung mit einer Dele-

gation der Republik Senegal, dem mutmasslichen Heimatstaat des Ge-

suchstellers, stattfinden (MI-act. 187 f.), welche indessen vom SEM annul-

liert werden musste (MI-act. 193). Einer weiteren Vorladung des MIKA 

zwecks Besprechung der Ausreisemodalitäten folgend, erschien der Ge-

suchsteller am 23. Februar 2023 beim MIKA (MI-act. 200 f.). Die Anhörung 

durch Behördenvertreter des mutmasslichen Heimatstaates Senegal 

wurde neu für den 16. März 2023 vorgesehen (MI-act. 202 f.). Am 10. März 

2023 erteile das MIKA der Kantonspolizei Aargau den Auftrag zur Fest-

nahme des Gesuchstellers (MI-act. 204). Mit Verfügung vom 14. März 2023 

ordnete das MIKA gegen den Gesuchsteller eine kurzfristige Festhaltung 

für maximal 72 Stunden an (MI-act. 206 ff.). 

 

B. 

Dagegen liess der Gesuchsteller durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe 

vom 12. April 2023 ein Haftprüfungsgesuch einreichen (act. 1 ff.). Das 

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MIKA nahm dazu am 5. Mai 2023 Stellung und beantragte die Abweisung 

des Gesuchs (act. 33 ff.). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege des Gesuchstellers wurde nach Eingang der Vorakten mit 

Verfügung vom 8. Mai 2023 gutgeheissen (act. 71). Am 30. Mai 2023 liess 

der Gesuchsteller eine Replik zu den Akten reichen (act. 74 ff.). Hierzu 

nahm das MIKA am 20. Juni 2023 Stellung (act. 101). 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I. 

Verfügungen des MIKA betreffend kurzfristige Festhaltung, die gestützt auf 

Art. 73 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und 

über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrations-

gesetz, AIG; SR 142.20) angeordnet wurden, sind auf Gesuch hin durch 

das Verwaltungsgericht nachträglich auf ihre Rechtmässigkeit zu überprü-

fen (Art. 73 Abs. 5 AIG; § 5 f. des Einführungsgesetzes zum Ausländer-

recht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Da das Gesetz 

explizit eine nachträgliche richterliche Überprüfung vorsieht, bedarf es für 

das Eintreten keines aktuellen Rechtschutzinteresses. Die Überprüfung er-

folgt durch den Einzelrichter bzw. die Einzelrichterin des Verwaltungs-

gerichts (§ 6 Abs. 1 EGAR). 

 

Das vorliegende Haftprüfungsgesuch richtet sich gegen die durch das 

MIKA am 14. März 2023 verfügte kurzfristige Festhaltung. Die Zuständig-

keit ist somit gegeben und auf das Gesuch ist einzutreten. 

 

II. 

1. 

Die Freiheit darf einer Person nur in den vom Gesetz selbst vorgesehenen 

Fällen und nur auf die im Gesetz vorgeschriebene Weise entzogen werden 

(Art. 31 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-

schaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]). Da die kurzfristige Festhaltung 

einer Person in die verfassungsrechtlich geschützte Bewegungsfreiheit ein-

greift (Art. 10 Abs. 2 BV), bedarf sie einer gesetzlichen Grundlage und 

muss die Einschränkung verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 1 und 3 BV). 

Der Verhältnismässigkeitsgrundsatz verlangt, dass eine Massnahme für 

das Erreichen des im öffentlichen oder privaten Interesse liegenden Ziels 

geeignet und erforderlich ist und sich für betroffene Personen in Anbetracht 

der Schwere der Grundrechtseinschränkung als zumutbar bzw. verhältnis-

mässig im engeren Sinne erweist. Es muss eine vernünftige Zweck-Mittel-

Relation vorliegen. Eine Massnahme ist unverhältnismässig, wenn das an-

gestrebte Ziel mit einem weniger schweren Grundrechtseingriff erreicht 

werden kann (BGE 140 I 2, Erw. 9.2.2; 137 I 31, Erw. 7.5.2; 136 I 87, 

Erw. 3.2, 133 I 77 Erw. 4.1). Letzteres gilt sowohl für den Grundrechts-

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eingriff selbst als auch für die Dauer des Eingriffs. Damit sich eine Mass-

nahme als verhältnismässig im engeren Sinne erweist, bedarf es zudem 

eines überwiegenden öffentlichen Interesses an der Massnahme. 

 

Gemäss Art. 73 Abs. 1 AIG kann die zuständige Behörde des Bundes oder 

des Kantons Personen ohne Kurzaufenthalts-, Aufenthalts- oder Niederlas-

sungsbewilligung zur Eröffnung einer Verfügung im Zusammenhang mit 

ihrem Aufenthaltsstatus oder zur Feststellung ihrer Identität oder Staatsan-

gehörigkeit, soweit dazu ihre persönliche Mitwirkung erforderlich ist, fest-

halten. Die kurzfristige Festhaltung im Sinne von Art. 73 AIG darf maximal 

drei Tage dauern (Art. 73 Abs. 2 AIG), soll aber nur für die Dauer der not-

wendigen Abklärungen bzw. der Entscheideröffnung (inkl. Transport) an-

geordnet werden und darf sachlich wie zeitlich nicht über das hinausgehen, 

was hierzu erforderlich ist (THOMAS HUGI YAR, Zwangsmassnahmen im 

Ausländerrecht, in: PETER UEBERSAX/BEAT RUDIN/THOMAS HUGI 

YAR/THOMAS GEISER/LUZIA VETTERLI [Hrsg.], Ausländerrecht, 3. Aufl., 

Basel 2022, Rz. 12.60; vgl. auch ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ 

HANSPETER THÜR/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/ 

FANNY DE WECK, Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 3 zu 

Art. 73 AIG).  

 

2. 

Der Gesuchsteller macht zunächst geltend, die Verfügung des MIKA vom 

14. März 2023 betreffend kurzfristige Festhaltung sei nichtig, da diese 

keine Begründung enthalte. Es sei auch anlässlich der Gewährung des 

rechtlichen Gehörs nicht hinreichend begründet worden, weshalb der Ge-

suchsteller kurzfristig festgehalten werde. Im Übrigen fehle es vorliegend - 

bei einer kurzfristigen Festhaltung von mehr als vier Stunden - an der Zu-

stimmung einer hierfür berechtigten Person gemäss § 11 Abs. 2 EGAR. 

Dies stelle eine gravierende Verletzung des rechtlichen Gehörs dar (act. 7). 

 

Dem Gesuchsteller kann nicht gefolgt werden. So geht aus der Verfügung 

vom 14. März 2023 klar hervor, dass seine Festhaltung im Hinblick auf die 

geplante Anhörung durch Behördenvertreter seines mutmasslichen Hei-

matstaates Senegal vorgesehen war. Die kurzfristige Festhaltung diente 

somit der Feststellung seiner Identität (vgl. ANDREAS ZÜND, in: MARC 

SPESCHA/HANSPETER THÜR/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN 

HRUSCHKA/FANNY DE WECK, Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 

2019, N. 2 zu Art. 73 AIG). Dass hierzu seine persönliche Mitwirkung erfor-

derlich war, ist offenkundig. Weiter verkennt der Gesuchsteller, dass es 

sich vorliegend nicht um eine durch die Kantonspolizei angeordnete kurz-

fristige Festhaltung nach § 11 Abs. 2 EGAR handelte, sondern diese durch 

das MIKA angeordnet wurde und somit auch keine Zustimmung einzuholen 

war. Nach dem Gesagten sind keine Mängel von hinreichender Schwere 

zu erblicken, welche eine Nichtigkeit der Verfügung vom 14. März 2023 

nach sich ziehen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_242/2020 vom 

 - 5 - 

 

 

 

9. September 2020, Erw. 6.2) oder den Gehörsanspruch des Gesuchstel-

lers verletzt hätte. 

 

3. 

3.1. 

Es ist unbestritten, dass der Gesuchsteller rechtskräftig aus der Schweiz 

weggewiesen wurde und keine Kurzaufenthalts-, Aufenthalts- oder Nieder-

lassungsbewilligung besitzt. Die kurzfristige Festhaltung diente im vorlie-

genden Fall der Feststellung der Identität. Insoweit waren die Voraus-

setzungen von Art. 73 Abs. 1 lit. b AIG erfüllt. Strittig ist, ob die kurzfristige 

Festhaltung verhältnismässig war. 

 

3.2. 

Der Gesuchsteller bringt vor, die kurzfristige Festhaltung von mindestens 

48 Stunden sei weder erforderlich noch verhältnismässig gewesen. So sei 

er zuvor jeweils zu sämtlichen behördlichen Terminen erschienen und habe 

alle diesbezüglichen Empfangsbestätigungen unterzeichnet. Auch gegen 

die verfügte Eingrenzung habe er zu keinem Zeitpunkt verstossen. Wes-

halb es nicht möglich gewesen sei, die Zuführung des Gesuchstellers direkt 

ab seiner Unterkunft zur Anhörung nach Bern am selben Tag durchzufüh-

ren, werde nicht begründet. Überdies sei die psychische Vorbelastung des 

Gesuchstellers nicht berücksichtigt worden. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich die kurzfristige Festhaltung als verhält-

nismässig erweist. Zu klären ist insbesondere, ob die Massnahme geeignet 

und erforderlich war und sich als angemessen, bzw. als verhältnismässig 

im engeren Sinne, erweist, um die Identität bzw. insbesondere die Natio-

nalität des Gesuchstellers zu ermitteln. Verhältnismässig im engeren Sinne 

ist die kurzfristige Festhaltung nur dann, wenn ein überwiegendes öffent-

liches Interesse an ihr besteht. 

 

3.3.2. 

Ziel der kurzfristigen Festhaltung war die Zuführung des Gesuchstellers zur 

Anhörung durch Behördenvertreter seines mutmasslichen Heimatstaates 

Senegal zwecks Ermittlung seiner Nationalität. Dass die kurzfristige Fest-

haltung damit grundsätzlich geeignet war, seine Nationalität zu ermitteln, 

liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Ausführungen.  

 

3.3.3. 

Zu prüfen ist, ob die kurzfristige Festhaltung des Gesuchstellers erforder-

lich war, um ihn senegalesischen Behördenvertretern zwecks Ermittlung 

seiner Nationalität vorzuführen. Dies ist zu verneinen. Immerhin hat sich 

der Gesuchsteller – abgesehen von der Offenlegung seiner Nationalität – 

offenbar noch nie behördlichen Anordnungen widersetzt. Insofern war es 

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nicht notwendig, den Gesuchsteller zwecks Zuführung vor senegalesische 

Behördenvertreter zu inhaftieren. Vielmehr hätte es genügt, den Gesuch-

steller aufzufordern, bei den senegalesischen Behördenvertretern vorzu-

sprechen oder ihn rechtzeitig vorzuladen und ihn gegebenenfalls zur Vor-

führung vor die senegalesischen Behördenvertreter zu begleiten. 

 

3.3.4. 

Anzumerken bleibt, dass sich die Festhaltung des Gesuchstellers mit Blick 

auf die Dauer der Festhaltung ohnehin als unverhältnismässig im engeren 

Sinne erweist. 

 

Den Akten ist zu entnehmen, dass der Gesuchsteller am 14. März 2023 

kurz nach sieben Uhr in seiner Unterkunft durch die Kantonspolizei Aargau 

angehalten und dem MIKA zur Gewährung des rechtlichen Gehörs betref-

fend die Anordnung einer kurzfristigen Festhaltung gemäss Art. 73 AIG zu-

geführt wurde. Im Anschluss erfolgte die Verlegung des Gesuchstellers ins 

Zentralgefängnis Lenzburg (MI-act. 211, 220 f.). Weiter ist den Akten zu 

entnehmen, dass die zentrale Befragung des Gesuchstellers durch die De-

legation der Republik Senegal auf den 16. März 2023, 9.00 Uhr, geplant 

war (MI-act. 202). Wann diese Befragung tatsächlich stattfand, lässt sich 

den Akten nicht entnehmen. Auch geht aus den Akten nicht hervor, wann 

der Gesuchsteller zurück in seine Unterkunft gebracht wurde bzw. dort 

ankam. Lediglich das Resultat der zentralen Befragung, wonach der Ge-

suchsteller durch die Delegation der Republik Senegal verifiziert bzw. an-

erkannt wurde, findet sich in den Akten, wobei das Dokument (erst) am 

24. März 2023 erstellt wurde (MI-act. 231). Wie lange die kurzfristige Fest-

haltung dauerte, lässt sich nach dem Gesagten nicht abschliessend fest-

stellen. Mit dem Gesuchsteller ist davon auszugehen, dass diese jedenfalls 

mindestens bzw. klar länger als 48 Stunden gedauert hat. Angesichts der 

gesetzlichen Regelung von Art. 73 Abs. 2 AIG, welche die kurzfristige Fest-

haltung grundsätzlich auf die Dauer der Mitwirkung bzw. Befragung sowie 

des allenfalls notwendigen Transports beschränkt (siehe vorne Erw. II/1), 

erweist sich die Dauer der kurzfristigen Festhaltung vorliegend als unange-

messen. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Gesuchsteller bereits 

zwei Tage vor der geplanten Anhörung durch Behördenvertreter seines 

Heimatstaates verhaftet wurde. Auch wenn den kantonalen Behörden ein 

Ermessenspielraum in Bezug auf zeitliche Reserven für einen geordneten 

Ablauf zuzubilligen ist, lässt sich eine Reserve von weit über einem Tag 

nicht rechtfertigen. Dieser Zeitbedarf wurde durch das MIKA denn auch 

nicht substantiiert begründet. Anhand der durch das MIKA eingereichten 

letzten Verfügungen betreffend die Anordnung kurzfristiger Festhaltungen 

lässt sich zudem feststellen, dass das MIKA bereits mehrmals Festhal-

tungen am Tag vor der jeweiligen Anhörung durch Behördenvertreter des 

mutmasslichen Heimatstaates angeordnet hatte (vgl. act. 42 f., 46 f., 56 f., 

63 f.). Weshalb dies beim Gesuchsteller nicht möglich war, legt das MIKA 

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nicht dar. Es ist jedenfalls kein Grund ersichtlich, der einer Festnahme, so-

fern überhaupt notwendig, am Tag vor der Anhörung, am Nachmittag oder 

Abend, entgegengestanden hätte. Nachdem der Gesuchsteller den Vorla-

dungen des MIKA stets nachgekommen war, hätte er, sofern überhaupt 

notwendig, ohne Weiteres auf einen solchen Termin am Vortag vorgeladen 

werden können. Selbst wenn der Gesuchsteller einer solchen Vorladung 

keine Folge geleistet hätte, wäre für eine polizeiliche Vorführung noch ge-

nügend Zeit vorhanden gewesen. Nach dem Gesagten ist eine derart 

grosse Zeitreserve nicht gerechtfertigt. Damit erweist sich die kurzfristige 

Festhaltung vom 14. März 2023, 7.06 Uhr, bis wohl 16. Oktober 2023, Zeit 

unbekannt, als unangemessen und nicht gerechtfertigt und damit als un-

verhältnismässig im engeren Sinne. 

 

3.4. 

Nach dem Gesagten erweist sich die kurzfristige Festhaltung vom 14. bis 

16. März 2023 einerseits als nicht notwendig und als in zeitlicher Hinsicht 

nicht angemessen und damit als unverhältnismässiger Eingriff in die 

Rechte des Gesuchstellers. 

 

Unter diesen Umständen steht fest, dass die kurzfristige Festhaltung des 

Gesuchstellers rechtswidrig war. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 31 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200) 

werden die Verfahrenskosten in der Regel nach Massgabe des Unterlie-

gens und Obsiegens auf die Parteien verlegt. Gleiches gilt gemäss § 32 

Abs. 2 VRPG für die Pateikosten. 

 

2. 

Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt der Gesuchsteller. Nachdem ge-

mäss § 28 Abs. 1 EGAR erstinstanzliche Verfahren im Bereich der 

Zwangsmassnahmen, einschliesslich Haftüberprüfungen, unentgeltlich 

sind, werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

3.1. 

Mit Verfügung vom 8. Mai 2023 wurde das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt und sein Anwalt als unentgeltlicher Rechtsvertreter 

eingesetzt (act. 71). Dieser ist für das vorliegende Verfahren im Rahmen 

der bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege zu entschädigen (§ 34 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Ver-

waltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). Als unterliegende 

Partei hat das MIKA dem Gesuchsteller die Parteikosten für das Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht zu ersetzen (§ 32 Abs. 2 VRPG). 

 - 8 - 

 

 

 

 

3.2. 

Die Festsetzung der Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach dem 

Dekret über die Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (An-

waltstarif, AnwT; SAR 291.150). Migrationsrechtliche Verfahren sind soge-

nannte nicht vermögensrechtliche Streitigkeiten. Die Parteientschädigung 

setzt sich damit zusammen aus einer Grundentschädigung zwischen 

Fr. 1'210.00 und Fr. 14'740.00 (§ 8a Abs. 3 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT) 

sowie den Zu- und Abschlägen (§§ 6–8 AnwT). Innerhalb dieses Rahmens 

ist die Grundentschädigung nach dem mutmasslichen Aufwand des Anwal-

tes sowie nach der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falles festzu-

setzen (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Durch die tarifgemässe Entschädigung sind 

die in einem Verfahren notwendigen und entsprechend der Bedeutung der 

Sache üblichen Leistungen des Anwaltes einschliesslich der üblichen Ver-

gleichsbemühungen abgegolten (§ 2 Abs. 1 AnwT). Die Entschädigung ist 

als Gesamtbetrag festzusetzen. Auslagen und Mehrwertsteuer sind darin 

enthalten (§ 8c AnwT). 

 

3.3. 

Der Rechtsvertreter des Gesuchstellers reichte am 13. April 2023 seine 

Kostennote für das verwaltungsgerichtliche Verfahren ein (act. 25 f.). Der 

geltend gemachte Aufwand von 7.75 Stunden erscheint nachvollziehbar, 

umfasst allerdings den angefallenen Aufwand für die zweite Eingabe des 

Rechtsvertreters vom 30. Mai 2023 (act. 74 ff.) nicht, weshalb es sich recht-

fertigt, die geltend gemachte Entschädigung von insgesamt Fr. 1'017.50 

(inkl. Auslagen) entsprechend auf Fr. 1'500.00 (inkl. Auslagen) zu erhöhen. 

Das MIKA ist anzuweisen, dem Gesuchsteller die Parteikosten in der Höhe 

von Fr. 1'500.00 (inkl. Auslagen) nach Rechtskraft zu ersetzen. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung des Gesuchs wird die Verfügung des MIKA vom 14. März 

2023 aufgehoben. Es wird festgestellt, dass die kurzfristige Festhaltung 

vom 14. März 20214 rechtswidrig war. 

 

2. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

3. 

Das MIKA wird angewiesen, dem Gesuchsteller die vor Verwaltungsgericht 

entstandenen Parteikosten in Höhe von Fr. 1'500.00 (inkl. Auslagen) zu er-

setzen. 

 

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Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-recht-

lichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bun-

desgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 10. August 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: 

 

 

 

Busslinger