# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 454845be-4b4c-5a34-b881-a27204dc1e32
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 20.02.2024 SK 2023 105
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-105_2024-02-20.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 105

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. Februar 2024 

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr, 
Oberrichter Knecht
Gerichtsschreiberin Imboden

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
a.v.d. Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand sexuelle Handlungen mit einem Kind, sexuelle Nötigung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 10. November 2022 
(PEN 22 11)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Kollegialgericht; nachfolgend Vor-
instanz) fällte am 10. November 2022 folgendes Urteil (pag. 383 ff.; Hervorhebun-
gen im Original:

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der sexuellen Handlungen mit einem Kind, begangen am 12.09.2020 in J.________, z.N. von 
C.________

2. der sexuellen Nötigung, begangen am 12.09.2020 in J.________, z.N. von C.________

und in Anwendung der Art. 40, 42, 44, 47, 49, 66a Bst. h, 67 Abs. 3 Bst. b und c, 187 Ziff. 1, 189 
StGB, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Landesverweisung von 7 Jahren.

3. Zu einem lebenslänglichen Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 Bst. b und c StGB.

A.________ wird jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen re-
gelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, lebenslänglich verboten.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 12'800.00 und Aus-
lagen von CHF 1'000.00 insgesamt bestimmt auf CHF 13'800.00 (ohne Auslagen für die amtli-
che Verteidigung und die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin sowie ohne Kosten 
für die Übersetzungen, die durch die Fremdsprachigkeit der beschuldigten Person nötig wur-
den). […]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1’000.00. Die 
reduzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 12'800.00.

5. A.________ hat der Straf- und Zivilklägerin C.________ eine Entschädigung von 
CHF 13'739.45 für ihre Aufwendungen im Verfahren (Anwaltskosten) zu bezahlen. 

Zufolge der Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung entschädigt der Kanton Bern 
Rechtsanwältin D.________ vorerst mit CHF 11'358.45 für die Rechtsvertretung von 
C.________.

Vorbehalten bleiben die spätere Rückforderung durch den Kanton sowie die Nachforderung der 
Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar durch C.________ 
zuhanden Rechtsanwältin D.________, beides gemäss Art. 426 Abs. 4 StPO (vgl. Ziff. II.2 nach-
folgend). 

II.

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1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt E.________ werden wie folgt bestimmt: […]

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 9'983.25. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt E.________ die Differenz von CHF 2'338.15 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Rechtsanwältin D.________ werden wie folgt bestimmt: […]

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin D.________ für die unentgeltliche Rechtsvertre-
tung von C.________ mit CHF 11'358.45.

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

A.________ wird verpflichtet, C.________ zuhanden von Rechtsanwältin D.________ als Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen 
Honorar CHF 2'381.00 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwältin D.________ hat in 
diesem Umfang gegenüber ihrer Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

III.

A.________ wird in Anwendung von Art. 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 5'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 12.09.2020 an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________.

2. Die Forderung der Straf- und Zivilklägerin C.________ wird soweit weitergehend abgewiesen.

3. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden. 

IV.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

2. [Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Erstinstanzliche Urteilsberichtigung

Am 23. Februar 2023 berichtigte die Vorinstanz das Urteil vom 10. November 2022 
dahingehend, dass die unter Ziff. IV.1 angeordnete Ausschreibung der Landesver-
weisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener Informationssys-
tem (SIS) gestrichten wurde. Dies, weil die rumänische Staatsangehörigkeit des 
Beschuldigten keine solche Ausschreibung zulässt.

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3. Berufung

Gegen das erstinstanzliche Urteil meldete A.________ (nachfolgend Beschuldig-
ter), amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt E.________, am 10. November 2022 
Berufung an (pag. 390). Daraufhin stellte die Vorinstanz den Parteien das begrün-
dete Urteil, datierend vom 23. Februar 2023, zu (pag. 400 ff.).

Am 6. März 2023 erklärte der Beschuldigte vollumfänglich Berufung (pag. 469 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte am 15. März 2023 mit, sie beantrage kein 
Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten und erkläre Anschlussberufung 
betreffend die Strafzumessung (pag. 480 f.). 

Die Straf- und Zivilklägerin C.________ (nachfolgend Privatklägerin), vertreten 
durch ihre unentgeltliche Rechtsvertreterin Rechtsanwältin D.________, liess sich 
weder zur Berufung noch zur Anschlussberufung vernehmen (siehe pag. 483).

4. Oberinstanzliche Beweisanträge und -ergänzungen

Von Amtes wegen wurden oberinstanzlich ein Strafregisterauszug (datierend vom 
24. Januar 2024, pag. 541) und ein Leumundsbericht samt Bericht über die wirt-
schaftlichen Verhältnisse (datierend vom 16. Januar 2024, pag. 537 ff.) über den 
Beschuldigten eingeholt. Sodann wurde beim Amt für Migration des Kantons 
K.________ ein aktualisierter Bericht hinsichtlich der Prüfung einer strafrechtlichen 
Landesverweisung eingefordert. Das Amt teilte am 9. Januar 2024 mit, abgesehen 
vom erstinstanzlichen Urteil seien keine neuen Unterlagen eingegangen, weshalb 
auf den aktenkundigen Bericht vom 3. August 2021 verwiesen werde (pag. 527).

Ferner wurden der Beschuldigte und die Privatklägerin oberinstanzlich erneut ein-
vernommen (pag. 567 ff.).

5. Oberinstanzliche Opferschutzmassnahmen

Am 19. Juni 2023 beantragte die Privatklägerin den Ausschluss der Öffentlichkeit 
von der Verhandlung und eine Vermeidung der Konfrontation mit dem Beschuldig-
ten (pag. 518). Mit Verfügung vom 30. Juni 2023 hiess der Verfahrensleiter den An-
trag auf Konfrontationsvermeidung gut. Gleichzeitig teilte er mit, über den Antrag 
auf Ausschluss der Öffentlichkeit werde an der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung entschieden (pag. 519 f.). 

An der Berufungsverhandlung beschloss die Kammer, die Öffentlichkeit in Anwen-
dung von Art. 70 Abs. 1 Bst. a der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; 
SR 312.0) während der Einvernahme der Privatklägerin von der Verhandlung aus-
zuschliessen (pag. 565). Zudem dispensierte sie die Privatklägerin mit Ausnahme 
der eigenen Einvernahme von der Hauptverhandlung (pag. 574).

6. Gesuch um Entlassung aus dem amtlichen Mandat

Am 23. Januar 2024 ersuchte Rechtsanwalt E.________ um Entlassung aus dem 
amtlichen Mandat und Einsetzung von Rechtsanwältin B.________ als amtliche 
Verteidigerin. Zur Begründung führte er aus, sein Arbeitspensum per 1. Janu-
ar 2024 altershalber reduziert zu haben und nicht mehr forensisch als Anwalt tätig 

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zu sein. Die interne Mandatsübergabe an Rechtsanwältin B.________ sei aufge-
gleist und der Beschuldigte sei mit dem Anwaltswechsel einverstanden 
(pag. 529 f.).

Mit Verfügung vom 24. Januar 2024 entliess der Verfahrensleiter Rechtsanwalt 
E.________ aus dem amtlichen Mandat. Er setzte Rechtsanwältin B.________ mit 
sofortiger Wirkung als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten ein (pag. 542 ff.).

7. Oberinstanzliche Anträge der Parteien

7.1 Beschuldigter

Rechtsanwältin B.________ stellte und begründete für den Beschuldigten an der 
Berufungsverhandlung folgende Anträge (pag. 581; Hervorhebungen im Original):

1. In Abänderung des erstinstanzlichen Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
10. November 2022 sei A.________ freizusprechen 

a. von der Anschuldigung der sexuellen Handlungen mit einem Kind sowie 

b. von der Anschuldigung der sexuellen Nötigung

beides angeblich begangen am 12. September 2020 in J.________ z.N. von C.________. 

2. Die Zivilklage sei infolge Freispruchs abzuweisen. 

3. A.________ sei in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung von CHF 500.00 
zzgl. 5 % Zins seit 13. Oktober 2020 zuzusprechen. 

4. Die übrigen Verfügungen sind von Amtes wegen zu treffen. 

5. Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sind dem Verfahrensausgang entsprechend 
dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

6. Die Honorarnote der amtlichen Verteidigerin sei zu genehmigen.

7.2 Generalstaatsanwaltschaft

Für die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete Staatsanwältin 
F.________ folgendes (pag. 583; Hervorhebungen im Original):

I.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der sexuellen Nötigung, begangen am 12. September 2020 in J.________, z.N. von 
C.________; 

2. der sexuellen Handlungen mit Kindern, begangen am 12. September 2020 in J.________, z.N. 
von C.________; 

und er sei in Anwendung von Art. 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 66a Bst. h, 67 Abs. 3 Bst. b und c, 187 Ziff. 1, 
189 Abs. 1 StGB; Art. 426 ff. StPO 

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. 

Davon seien 6 Monate zu vollziehen. Für eine Teilstrafe von 24 Monaten sei der Vollzug auf-
zuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen; 

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2. zu einer Landesverweisung von 7 Jahren; 

3. zu einem lebenslänglichen Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b und c StGB; 

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

II.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

Die Honorare der amtlichen Verteidigerin und der amtlichen Rechtsbeiständin seien gerichtlich zu be-
stimmen (Art. 135 StPO).

7.3 Privatklägerin

Rechtsanwältin D.________ stellte und begründete für die Privatklägerin was folgt 
(pag. 585):

Das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 10. November 2020 sei vollumfänglich zu 
bestätigen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten. 

8. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Ur-
teil vollumfänglich angefochten. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Anschluss-
berufung auf die Bemessung der Freiheitsstrafe beschränkt. Die Privatklägerin hat 
keine (Anschluss-)Berufung erhoben. Folglich hat die Kammer das gesamte erstin-
stanzliche Urteil zu überprüfen, ausgenommen der Höhe der amtlichen Entschädi-
gung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten und der Höhe der amtlichen 
Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin; diese bei-
den Punkte sind unangefochten in Rechtskraft erwachsen.

In Bezug auf die angefochtenen resp. zu überprüfenden Punkte verfügt die Kam-
mer über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Weil die Generalstaatsanwalt-
schaft Anschlussberufung betreffend die Bemessung der Freiheitsstrafe erhoben 
hat, darf die Kammer das erstinstanzliche Urteil in diesem Punkt auch zum Nachteil 
des Beschuldigten abändern. Im Übrigen ist sie an das Verschlechterungsverbot 
gebunden (Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Vorwurf gemäss Anklageschrift

In der Anklageschrift vom 17. Januar 2022 (pag. 272 ff.) wird dem Beschuldigten 
vorgeworfen, sich der sexuellen Handlungen mit einem Kind, eventuell fahrlässig 
begangen, und der sexuellen Nötigung, beides begangen am 12. September 2020 
an der L.________ (Strasse) in J.________ (damaliges Domizil der Familie 
I.________) zum Nachteil der Privatklägerin schuldig gemacht zu haben. Die An-
klageschrift umschreibt den Sachverhalt wie folgt (pag. 272 f.; Hervorhebungen im 
Original): 

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Der Beschuldigte packte die zur Tatzeit 14½-jährige C.________ in gewaltsamer resp. schmerzhafter 
Art und Weise am Handgelenk und zog sie entgegen ihres zuvor mündlich geäusserten Willens unter 
Gewaltanwendung ins Badezimmer. Im Badezimmer berührte/«begrabschte» der Beschuldigte 
C.________ gegen ihren Willen (unter ihrer Kleidung) in sexueller Weise an ihren Brüsten und ihrem 
Gesäss. Zudem küsste er sie auf dem Mund (evtl. teilweise mit Zunge) und führte zwei seiner Finger 
in ihre Vagina ein, was C.________ Schmerzen. bereitete. Dies alles tat der Beschuldigte, ohne dass 
C.________ hierzu ihr Einverständnis kundtat resp. gegen deren mündlich geäusserten Willen.

Nachdem sich C.________ befreien und sich ins Wohnzimmer auf das Sofa begeben konnte, folgte 
ihr der Beschuldigte. Er stand breitbeinig vor die auf dem Sofa sitzende C.________ hin, öffnete sich 
selber den Reissverschluss der Hose, zog sich seine Hose herunter und nahm seinen erigierten Penis 
hervor. Der Beschuldigte packte daraufhin C.________ mit einer Hand grob an den Haaren, zog sie 
gegen ihren Willen an sich heran und führte sie durch Festhalten ihres Kopfes resp. Zerren an ihren 
Haaren zu seinem Penis. Der Beschuldigte packte C.________ mit einer Hand an ihrem Mund/Kiefer, 
sodass sie ihren Mund aufgrund der Gewaltanwendung resp. des Schmerzes öffnete, und führte sei-
nen erigierten Penis (ohne Kondom) in ihren Mund ein. Anschliessend packte er C.________ mit bei-
den Händen fest am Kopf/an den Haaren (resp. zog bei ihrer Gegenwehr immer stärker daran) und 
bewegte ihren Kopf (hin und her), bis er im Mund von C.________ zum Samenerguss kam. Der Be-
schuldigte forderte C.________ auf, das Sperma zu schlucken, was diese tat. Der Beschuldigte wuss-
te oder nahm zumindest eventualvorsätzlich in Kauf, dass C.________ noch nicht 16 Jahre alt und 
damit noch minderjährig war.

Eventualiter: Der Beschuldigte handelte in der irrigen Vorstellung, dass C.________ bereits 16 Jahre 
alt gewesen sei, obwohl er diesen Irrtum bei pflichtgemässer Sorgfalt/Vorsicht ohne weiteres hätte 
vermeiden können, da er sich aufgrund des Aussehens von C.________ und der Gesamtumstände 
bewusst sein musste, dass C.________ minderjährig sein könnte und sich entsprechend hätte infor-
mieren/absichern müssen.

10. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 411 ff.). 

11. Beweismittel

Auf eine vorgängige Zusammenfassung der Beweismittel wird verzichtet. Soweit für 
das vorliegende Verfahren notwendig, wird direkt im Rahmen der konkreten Würdi-
gung darauf eingegangen. Im Übrigen wird vollumfänglich auf die Zusammenfas-
sung der Vorinstanz (pag. 415 ff.) und die amtlichen Akten verwiesen.

12. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt, Beweisfragen

Der Beschuldigte bestreitet den angeklagten Sachverhalt vollumfänglich. Er streitet 
ab, dass es am 12. September 2020 zwischen ihm und der Privatklägerin zu sexu-
ellen Handlungen im Badezimmer und/oder im Wohnzimmer der Familie 
I.________ gekommen sein soll. Auch will er nicht gewusst haben, dass die Privat-
klägerin zum vorgeworfenen Tatzeitpunkt 14½ Jahre alt war.

Vor diesem Hintergrund hat die Kammer beweismässig zu klären, ob und gegebe-
nenfalls zu welchen sexuellen Handlungen es zwischen dem Beschuldigten und 
der Privatklägerin am 12. September 2020 gekommen ist. Bejahendenfalls hat sie 

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zudem zu prüfen, ob der Beschuldigte wusste, dass die Privatklägerin zu diesem 
Zeitpunkt (erst) 14½-jährig war.

13. Beweiswürdigung der Kammer

Weil ein typisches Vieraugendelikt zu beurteilen ist, bei welchem keine objektiven 
Beweismittel vorliegen und über welches Dritte nur vom Hörensagen berichten 
können, kommt den Aussagen der Privatklägerin zentrale Bedeutung zu. Diese 
lassen sich wie folgt zusammenfassen:

̶ Polizeiliche Einvernahme vom 18. Oktober 2020 in K.________

Die Privatklägerin wurde am 18. Oktober 2020 erstmals polizeilich befragt. Die 2¼-
stündige Einvernahme wurde audiovisuell aufgezeichnet und fand in Anwesenheit 
einer rumänischen Übersetzerin statt (pag. 34). Die Privatklägerin führte aus, sie 
habe sich mit dem zehnjährigen G.________ im Zimmer aufgehalten, als der Be-
schuldigte ebenfalls ins Zimmer gekommen sei (pag. 5, Zeitstempel 3:54:00). Der 
Beschuldigte habe ihr dann geschrieben: «Komm ins Badezimmer, dass ich dich 
küsse». Sie habe ihn ignoriert, weil sie nicht mit ihm ins Badezimmer habe gehen 
wollen. Der Beschuldigte habe daraufhin nach ihrer Hand gegriffen und sie «ge-
zwungen» (pag. 5, Zeitstempel 3:55:00). Im Badezimmer habe er sie auf den Mund 
und «französisch» mit der Zunge geküsst und ihr dabei auf den «Popo» gedrückt. 
Auch habe er versucht, ihre Brüste anzufassen (pag. 5, Zeitstempel 4:15:00). Er 
habe sie an die Wand gestossen und ihre Hände «hinten so» und sie geküsst 
(pag. 5, Zeitstempel 4:13:00). Sie habe das Badezimmer dann verlassen können 
und sich auf das Sofa gesetzt (pag. 5, Zeitstempel 3:55:00) resp. der Beschuldigte 
habe sie auf das Sofa geworfen. Sie sei so gesessen wie jetzt während der Einver-
nahme, vielleicht etwas tiefer. Der Beschuldigte habe vor ihr gestanden und mit 
beiden Händen ihre Haare gegriffen und sie gezwungen, «oral zu machen». Er ha-
be ihren Kopf «hin und her gemacht» und dabei selbst die gleiche Bewegung ge-
macht (pag. 5, Zeitstempel 3:55:00 und 4:05:00). Sie könne nicht genau sagen, wie 
lange der Oralverkehr gedauert habe. Es sei ihr sehr lang erschienen. Als sie auf 
die Uhr geschaut habe, habe sie festgestellt, dass es 15 bis 20 Minuten gedauert 
habe, bis er in ihrem Mund gekommen sei (pag. 5, Zeitstempel 4:07:30). Sie habe 
schreien wollen, aber er habe ihr «irgendwie» den Mund zugemacht (pag. 5, Zeit-
stempel 3:56:00). Dann sei ihre Grossmutter [gemeint ist H.________, die damali-
ge Freundin ihres Grossvaters] nach oben gekommen und der Beschuldigte habe 
sich im Badezimmer versteckt (pag. 5, Zeitstempel 3:57:00). Sie vermute, dass er 
noch habe weitermachen wollen (pag. 5, Zeitstempel 4:20:20). Aber dann sei ihre 
Grossmutter gekommen. Sie wisse nicht klar, ob er weitermachen wollte. Das sei 
nur ihre Vermutung, weil er mit ihr eine sexuelle Beziehung habe führen wollen 
(pag. 5, Zeitstempel 4:21:40).

̶ Polizeiliche Einvernahme vom 28. April 2021 in Bern

Die zweite Einvernahme der Privatklägerin fand am 18. April 2021 statt. Sie dauer-
te 3½ Stunden und wurde ebenfalls audiovisuell aufgezeichnet und in Anwesenheit 
einer rumänischen Übersetzerin durchgeführt (pag. 45 ff.). Die Privatklägerin be-
richtete, der Beschuldigte sei ins Zimmer von G.________ gekommen und habe 
sich neben sie auf das Bett gesetzt. Er habe ihr ins Ohr geflüstert, dass sie zu-

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sammen ins Badezimmer gehen sollen, um miteinander zu sprechen. Sie habe 
nicht gewollt, weshalb er sie fest am Arm gepackt und ins Badezimmer gezogen 
habe (pag. 41, Zeitstempel 16:44:12). G.________ habe das nicht gesehen. Aber 
er habe alles gehört, weil sie laut gesprochen hätten (pag. 41, Zeitstempel 
17:12:10). Im Badezimmer habe der Beschuldigte sie küssen wollen (pag. 41, Zeit-
stempel 16:45:15). Sie habe das Badezimmer dann verlassen, weil ihre Grossmut-
ter [gemeint ist H.________, die damalige Freundin ihres Grossvaters] nach oben 
gekommen sei (pag. 41, Zeitstempel 16:45:20). Ihr sei schwindlig gewesen und sie 
habe sich auf das Sofa gesetzt (pag. 41, Zeitstempel 17:18:30). Als ihre Grossmut-
ter wieder nach unten gegangen sei, habe auch G.________ nach unten gehen 
wollen (pag. 41, Zeitstempel 16:45:40). Sie habe versucht, G.________ bei sich zu 
behalten, weil sie gewusst habe, dass es ihre einzige Chance sei, «dass es mir 
nicht passiert» (pag. 41, Zeitstempel 16:46:50). Der Beschuldigte sei auch wieder 
ins Zimmer gekommen (pag. 41, Zeitstempel 16:47:10). Zufälligerweise habe die 
Mutter von G.________ angerufen und G.________ gebeten, nach unten zu kom-
men (pag. 41, Zeitstempel 16:47:30). Sie sei allein mit dem Beschuldigten zurück-
geblieben. Dieser habe sie erneut am Arm gepackt und ins Badezimmer gezogen. 
Sie habe sich nicht wehren können, weil er sogleich begonnen habe, sie zu küssen 
und zu betatschen (pag. 41, Zeitstempel 16:47:10). Sie habe ihn vergeblich gebe-
ten, damit aufzuhören (pag. 41, Zeitstempel 16:48:30). Der Beschuldigte habe sei-
ne Hand unter ihre Kleider «gesteckt» und sie «so» am Po angefasst. Dann habe 
er ihre Vagina mit seinen Fingern penetriert. Das habe ihr Schmerzen bereitet. Sie 
glaube nicht, dass «etwas Anderes» passiert sei, weil sie danach keine Blutung 
gehabt habe (pag. 41, Zeitstempel 17:20:00). Ihre Unterwäsche habe Flecken ge-
habt, nur ein paar Tropfen. Es sei nicht helles Blut gewesen, sondern dunkelfarbi-
ges (pag. 41, Zeitstempel 17:21:55). An der Einvernahme in K.________ habe sie 
vergessen, über den Vorfall mit den Fingern zu sprechen (pag. 41, Zeitstempel 
17:23:30). Der Beschuldigte habe zwei Finger benutzt, vermutlich den Mittel- und 
den Ringfinger (pag. 41, Zeitstempel 17:24:20). Er sei weder besonders grob noch 
besonders fein vorgegangen (pag. 41, Zeitstempel 17:26:00). Es habe ihr sehr weh 
getan. Bis zu diesem Zeitpunkt sei sie Jungfrau gewesen und habe sie noch keine 
sexuellen Erfahrungen gemacht. Sie sei auch heute noch Jungfrau und wolle nicht 
glauben, dass er ihr die Jungfräulichkeit mit zwei Fingern genommen habe 
(pag. 41, Zeitstempel 17:27:20). Der Beschuldigte habe auch ihre Brüste betatscht 
(pag. 41, Zeitstempel 17:22:20). Er habe mit seiner linken Hand ihre Hand gehalten 
und sie mit der rechten Hand überall berührt (pag. 41, Zeitstempel 17:20:00). Es 
sei ihr dann gelungen, das Badezimmer zu verlassen und sich auf das Sofa zu set-
zen. Sie sei durcheinander gewesen (pag. 41, Zeitstempel 16:49:10). Der Beschul-
digte sei zu ihr gekommen und mit gespreizten Beinen vor sie gestanden. Sie habe 
auf dem Sofa gesessen, so wie die Übersetzerin während der Einvernahme, nur 
etwas tiefer (pag. 41, Zeitstempel 17:31:55). Der Beschuldigte habe sie an den 
Haaren gepackt und sich die Hose nach unten gezogen (pag. 41, Zeitstempel 
16:51:00). Er habe den Reisverschluss seiner Hose geöffnet, seine Hose leicht 
nach unten gezogen, sein «Ding» herausgeholt und seine Hose hinten wieder 
leicht nach oben gezogen (pag. 41, Videoeinvernahme 17:33:55). Er habe sie mit 
beiden Händen festgehalten, so dass sie ihm einen habe blasen müssen und sich 

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nicht befreien konnte (pag. 41, Zeitstempel 16:49:35). Als er sein «Ding» heraus-
genommen habe, habe er sie unter dem Kiefer so stark gedrückt, dass es ihr sehr 
weh getan und sie ihren Mund geöffnet habe (pag. 41, 
Videoeinvernahme 17:36:00). Sie habe nicht schreien können, weil sie sein «Ding» 
im Mund gehabt habe (pag. 41, Videoeinvernahme 17:37:15). Nach zehn bis 
15 Minuten sei er gekommen (pag. 41, Zeitstempel 16:51:00). Der Beschuldigte 
habe dieselben Bewegungen gemacht wie beim vaginalen Geschlechtsverkehr, 
aber nicht in der Vagina, sondern im Mund (pag. 41, Videoeinvernahme 17:38:25). 
Er habe seinen Penis nie vollständig aus ihrem Mund gezogen, aber für wenige 
Sekunden angehalten, so dass sie habe Luft holen können (pag. 41, Videoeinver-
nahme 17:39:15). Sie schäme sich. Er habe sie gezwungen, ihren Mund zu öffnen, 
so dass er in ihrem Mund kommen konnte. Sie habe «es» schlucken müssen 
(pag. 41, Zeitstempel 16:51:35). Der Beschuldigte habe ihr gesagt, dass sie es 
niemandem erzählen soll, andernfalls ihr etwas Schlimmes/Böses passieren könne. 
Aus Angst habe sie niemandem davon erzählt (pag. 41, Zeitstempel 16:52:00). 
G.________ habe jedoch alles gehört und es seiner Mutter erzählt, die es wieder-
um ihrer Mutter erzählt habe. Deshalb habe sie ihrer Mutter alles erzählen müssen 
(pag. 41, Zeitstempel 16:52:35). Sie habe sich geschämt, dass sie «das» schon mit 
14 Jahren gemacht habe. Es sei nicht gemacht worden, weil sie es sich gewünscht 
habe (pag. 41, Zeitstempel 16:54:00). Im Nachhinein finde sie es nicht dem Alter 
entsprechend. Ihre Kolleginnen seien teils der Ansicht, es sei etwas Gutes und sie 
seien nach dem Oral- oder Vaginalverkehr fast Frauen. Sie finde es jedoch nicht 
passend, fast schlampig (pag. 41, Zeitstempel 16:56:25).

̶ Erstinstanzliche Einvernahme vom 11. November 2022

An der erstinstanzlichen Einvernahme berichtete die Privatklägerin, sie sei nicht 
freiwillig ins Badezimmer gegangen. Sie habe sich im Badezimmer aufgehalten, 
weil sie ihre Not habe verrichten müssen. Der Beschuldigte sei zu ihr ins Bade-
zimmer gekommen und habe die Tür zugemacht (pag. 356 Z. 41 f.). G.________ 
habe gesehen, was passiert sei. Er sei ihr gefolgt und habe es gehört (pag. 354 
Z. 38). G.________ sei nicht dabei gewesen, als es zu den sexuellen Handlungen 
gekommen sei. Er sei im Wohnzimmer gewesen und habe es gehört (pag. 354 
Z. 42 ff.). Wo sich G.________ aufgehalten habe, als der Vorfall im Wohnzimmer 
passiert sei, wisse sie nicht. Es könne sein, dass er hinuntergegangen sei, um mit 
den anderen Kindern zu spielen (pag. 355 Z. 3 ff.). Auf Frage, wie es dazu gekom-
men sei, dass zwischen dem angeblichen Tatzeitpunkt und der Anzeige bei der 
rund ein Monat vergangen sei, erklärte die Privatklägerin, sie habe es aus Angst 
und Scham niemandem gesagt. Aber G.________ habe irgendetwas gesagt. Die 
Familie I.________ habe es dann ihrer Mutter erzählt und ihre Mutter habe sie so 
lange ausgefragt, bis sie ihr alles erzählt habe. Ihre Mutter habe ihr erklärt, was 
passiert sei und dass das nicht hätte passieren dürfen. Ihre Mutter habe ihr Kraft 
gegeben. Von alleine hätte sie wahrscheinlich keine Anzeige gemacht (pag. 355 
Z. 12 ff.).

̶ Oberinstanzliche Einvernahme vom 20. Februar 2024

An der Berufungsverhandlung verkündete die Privatklägerin, das «Schlimmste» sei 
im Badezimmer passiert (pag. 570 Z. 167). Im Wohnzimmer sei nichts passiert. 

11

Dort habe der Beschuldigte sie nur über den Kleidern berührt (pag. 570 Z. 166 und 
pag. 571 Z. 195 ff.). Der Beschuldigte sei ihr draussen ständig gefolgt. Sie sei dann 
in die Wohnung und ins Badezimmer gegangen. Fünf Minuten später sei der Be-
schuldigte ins Badezimmer gekommen und habe sie mit beiden Händen gepackt. 
Er habe ihre Hände auf dem Rücken zusammengehalten, an ihren Kleidern gezo-
gen und sie auf den Boden gedrückt. Er habe Körperkraft eingesetzt und es sei 
zum Geschlechtsverkehr gekommen, oral und vaginal (pag. 570 Z. 170 ff. und 
pag. 571 Z. 218 ff.). Er habe so fest an ihren Haaren gezogen, dass sie sich nicht 
habe befreien können. Danach, sie wisse nicht mehr wie lange es gedauerte habe, 
habe er sie mit dem Gesicht an die Wand gedrückt und Geschlechtsverkehr mit ihr 
gehabt, bis er ejakuliert habe (pag. 572 Z. 222 ff.). Während des Oralverkehrs habe 
sie nicht am Boden gelegen, sondern habe der Beschuldigte sie auf die Knie ge-
drückt (pag. 572 Z. 248 f.). Nachdem das Ganze im Badezimmer passiert sei, habe 
sie sich auf das Sofa gesetzt. Dort habe er nochmals versucht, Oralverkehr mit ihr 
zu haben (pag. 572 Z. 260 ff.). Sie habe ihn jedoch mit den Händen wegstossen 
können und ihm gesagt, dass sie weggehen möchte. Sie habe ihm auch gedroht, 
dass sie allen erzähle, was passiert sei und dass sie viel Lärm mache (pag. 573 
Z. 268 ff.). G.________ habe sich in der Wohnung befunden, als sie im Badezim-
mer gewesen sei. Er habe gesehen, dass sie das Badezimmer habe verlassen wol-
len und vom Beschuldigten zurückgezogen worden sei. Er habe auch den Lärm 
gehört. Dann habe die Mutter von G.________ angerufen, damit er ihr helfe. Am 
nächsten Tage habe G.________ es seiner Mutter erzählt (pag. 569 Z. 111 ff.).

̶ Würdigung

Es fällt auf, dass die Sachverhaltsdarstellungen der Privatklägerin an den vier Ein-
vernahmen erheblich voneinander abweichen. Insbesondere machte die Privatklä-
gerin divergierende Aussagen zum Kerngeschehen, d.h. den ihr angeblich wider-
fahrenen sexuellen Handlungen und den Örtlichkeiten des angeblichen Tatgesche-
hens. So sprach sie betreffend das Badezimmer an der ersten Einvernahme von 
einem Vorfall mit Küssen auf den Mund, «französischen Küssen» mit der Zunge, 
Drücken auf den «Popo» und versuchtem Anfassen der Brüste. An der zweiten 
Einvernahme erwähnte sie in Abweichung davon zwei Vorfällen im Badezimmer; 
einen ersten Vorfall mit versuchtem Küssen und einen zweiten Vorfall mit Küssen, 
«Begrapschen» und digitaler Penetration. An der Berufungsverhandlung schliess-
lich führte sie entgegen ihren vorherigen Aussagen aus, «das Schlimmste» sei im 
Badezimmer passiert, wo sie den Beschuldigten oral habe befriedigen müssen und 
es zu vaginalem Geschlechtsverkehr gekommen sei. Betreffend das Wohnzimmer 
führte die Privatklägerin an den ersten zwei Einvernahmen übereinstimmend aus, 
der Beschuldigte habe sie zum Oralverkehr gezwungen, als sie auf dem Sofa ge-
sessen habe. Davon abweichend meinte sie an der Berufungsverhandlung, im 
Wohnzimmer sei nichts passiert resp. dort sei sie vom Beschuldigten über den 
Kleidern berührt worden und habe der Beschuldigte versucht, Oralverkehr mit ihr 
zu haben. Diese massiven Aggravierungen/Weiterungen und nicht auflösbaren Wi-
dersprüche hinsichtlich des Kerngeschehens lassen die Aussagen der Privatkläge-
rin wenig glaubhaft erscheinen. 

12

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Privatklägerin zum 
angeblichen Tatzeitpunkt gemäss ihren eigenen Ausführungen sexuell unerfahren, 
aber aufgeklärt war (pag. 40, Zeitstempel 15:12:00). Sie bestätigte an der zweiten 
Einvernahme zu wissen, wie der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau 
funktioniert (pag. 40, Zeitstempel 15:14:00), sowie den Unterschied zwischen Oral-
verkehr und vaginalem Geschlechtsverkehr zu kennen (pag. 40, Zeitstempel 
15:16:00). Auch konnte sie das männliche Geschlechtsorgan mit «Penis oder so» 
und das weibliche Geschlechtsorgan mit «Vagina» benennen (pag. 40, Zeitstempel 
15:14:250). Insofern verfügte sie nach Ansicht der Kammer über die erforderlichen 
sexualbezogenen Kenntnisse und den notwendigen Wortschatz, um einen ihr allen-
falls widerfahrenen sexuellen Übergriff akkurat in eigenen Worten wiederzugeben. 
Die Unstimmigkeiten in ihren Aussagen lassen sich daher nicht damit erklären, 
dass sie den Unterschied zwischen Oralverkehr, vaginaler digitaler Penetration und 
vaginalem Geschlechtsverkehr nicht gekannt hätte. Ferner liegen keine Hinweise 
dafür vor, dass die in rumänischer Sprache getätigten Aussagen der Privatklägerin 
falsch übersetzt worden wären. Auch mit üblichen Erinnerungsverlusten lassen sich 
die Divergenzen in den privatklägerischen Aussagen nicht erklären. Eine gewisse 
Ausdünnung der Sachverhaltsdarstellung über die vier Einvernahmen hinweg wäre 
mit dem Zeitablauf erklärbar gewesen, nicht aber die vorliegenden Inkonsistenzen 
betreffend das Kerngeschehen und die zunehmenden Belastungen des Beschul-
digten. 

Mit dem eigenen Aussageverhalten konfrontiert, antwortete die Privatklägerin an 
der Berufungsverhandlung auf die Frage, warum sie an der ersten Einvernahme 
nicht erwähnt habe, dass es im Badezimmer zu mehr als Küssen und Berührungen 
gekommen sei, mit: «Weil ich Angst vor dem Beschuldigten hatte. Er wusste ge-
nau, wo ich wohne und er befand sich in der Region. Im Nachhinein habe ich es 
mir anders überlegt. Vor allem auch, weil meine Mutter mich unterstützt hat, die 
Wahrheit zu sagen. Darum habe ich meine Aussagen ergänzt» (pag. 570 
Z. 134 ff.). Diese Erklärung überzeugt die Kammer nicht. So sprach die Mutter der 
Privatklägerin sowohl gegenüber der Polizei (pag. 81 Z. 141) als auch der «Gross-
mutter» H.________ (pag. 97 Z. 253 ff.) stets von Oralverkehr. Daher ist anzuzwei-
feln, dass die Privatklägerin ihrer Mutter von der angeblichen digitalen vaginalen 
Penetration im Badezimmer erzählt hat, ansonsten die Mutter dies aller Voraussicht 
nach auch erzählt hätte. Weiter sagte die Privatklägerin an der zweiten Einvernah-
me (und anders als vor der Kammer) aus, sie habe an der ersten Einvernahme 
vergessen, über den Vorfall mit den Fingern zu sprechen (pag. 41, Zeitstempel 
17:23:30). Dass die Privatklägerin die vaginale Penetration zu erwähnen vergass, 
ist nach Ansicht der Kammer angesichts der Intensität eines solchen Übergriffs 
sehr unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass die Jungfräulichkeit für die Privatkläge-
rin gemäss ihren eigenen Aussagen sehr bedeutsam ist, führte sie an der zweiten 
Einvernahme doch aus, sie wolle nicht glauben, dass der Beschuldigte ihr die 
Jungfräulichkeit mit zwei Fingern genommen habe (pag. 41, Zeitstempel 17:27:20). 
Naheliegender als ein Vergessen der vaginalen digitalen Penetration erschiene der 
Kammer daher ein anfängliches Verdrängen des traumatischen Ereignisses (sofern 
es den stattfand) oder ein Nichterwähnen aus Scham. Beides wurde von der Pri-
vatklägerin jedoch zu keiner Zeit geltend gemacht. Auch nicht an der Berufungs-

13

verhandlung, als sie damit konfrontiert wurde, den vaginalen Geschlechtsverkehr 
bis anhin noch nie erwähnt zu haben. Vielmehr behauptete sie tatsachenwidrig, be-
reits vor erster Instanz gesagt zu haben, es habe «beides» gegeben (pag. 571 
Z. 179 ff.). Diese falsche Behauptung zeugt von einer gewissen Dreistigkeit und ist 
der Glaubhaftigkeit der privatklägerischen Aussagen nicht zuträglich. Der Kammer 
ist bekannt, dass es kein typisches Opferverhalten gibt und es für Opfer von Sexu-
aldelikten oftmals belastend ist, über das Erlebte zu berichten. Gleichwohl gibt es 
Umstände, welche die Aussagen eines Opfers als unglaubhaft erscheinen lassen.

Wie aus den eingangs zusammengefassten Aussagen erhellt, weisen die privatklä-
gerischen Schilderungen aber auch bezüglich des Rahmengeschehens zahlreiche 
Ungereimtheiten auf. Beispielsweise sind die von der Privatklägerin an den ersten 
beiden Einvernahmen gemachten Ausführungen, der Beschuldigte habe sich zu ihr 
und G.________ auf das Bett gesetzt und sie per Textnachricht resp. mündlich 
(durch Flüstern ins Ohr) aufgefordert, mit ihm ins Badezimmer zu kommen, und sie 
anschliessend ins Badezimmer gezogen, unvereinbar mit ihrer an der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung getätigten Aussage, sie habe sich zwecks Toilettengangs 
ins Badezimmer begeben und der Beschuldigte sei ihr gefolgt. Die Kammer teilt die 
vorinstanzliche Erwägung nicht, wonach «solche chronologischen Abfolgen im 
Nachhinein gedanklich schwierig einzuordnen sind» und der Widerspruch in Bezug 
auf das Aufsuchen des Badezimmers nicht als Lügensignal gewertet werden darf, 
weil die Privatklägerin die Wohnung mehrmals verlassen und betreten und dabei 
naheleigenderweise auch die Toilette im Badezimmer aufgesucht habe (pag. 423). 
Nach Ansicht der Kammer macht es doch einen entscheidenden Unterschied, ob 
der Beschuldigte die Privatklägerin an den Händen/Armen packte und ins Bade-
zimmer zog oder ob er sie während ihres Toilettengangs im Badezimmer aufsuch-
te. Prinzipiell darf erwartet werden, dass auch Monate/Jahre später noch erinnert 
wird, wie es zum gemeinsamen Aufenthalt im Badezimmer gekommen ist. Dies 
namentlich auch im Verbund zu G.________, der gesehen, wie der Beschuldigte 
die Privatklägerin ins Badezimmer gezogen und seinen Eltern davon berichtet ha-
be, womit das vorliegende Strafverfahren überhaupt erst ins Rollen gekommen sei. 
Die Privatklägerin selbst erklärte den Widerspruch betreffend das Aufsuchen des 
Badezimmers an der Berufungsverhandlung mit: «Ich war bereits im Badezimmer 
[…]. Vielleich war das ein sprachliches Missverständnis, weil ich nicht so gut 
Rumänisch spreche. Das Kind hat gesehen, dass ich aus dem Badezimmer gehen 
wollte und A.________ mich zurück ins Badezimmer gezogen hat» (pag. 569 
Z. 104 ff.). Diese Erklärung überzeugt nach Ansicht der Kammer nicht. Es ist doch 
sehr unwahrscheinlich, dass es an der ersten und der zweiten Einvernahme ein 
dahingehendes übersetzerisches Missverständnis gab, das die Privatklägerin ver-
anlasste, auszusagen, der Beschuldigte habe sich zu ihr und G.________ auf das 
Bett gesetzt und sie anschliessend ins Badezimmer gezogen, weil sie seiner Auf-
forderung nicht habe folgen wollen. G.________ hat im Übrigen zu Protokoll gege-
ben, nichts gesehen oder wahrgenommen zu haben (pag. 60 ff.). Eine weitere Dis-
krepanz in den privatklägerischen Aussagen betrifft den Zeitpunkt, zu dem die 
«Grossmutter» H.________ in die Wohnung gekommen sei. So steht die privatklä-
gerische Aussage an der ersten Einvernahme, der Beschuldigte habe nach dem 
Vorfall im Badezimmer und dem Oralverkehr im Wohnzimmer vermutlich noch wei-

14

termachen wollen, sei jedoch gestört worden und habe sich im Badezimmer ver-
steckt, weil die «Grossmutter» in die Wohnung gekommen sei, in Widerspruch zu 
ihrer sechs Monate später gemachten Aussage, wonach sie das Badezimmer nach 
dem ersten Vorfall habe verlassen können, weil ihre «Grossmutter» nach oben ge-
kommen sei. An der oberinstanzlichen Einvernahme sodann erwähnte die Privat-
klägerin die «Grossmutter» mit keinem Wort. Die aufgezeigten Diskrepanzen be-
treffend das Rahmengeschehen betreffen nicht unbedeutende Details, die mit zu-
nehmendem Zeitablauf in Vergessenheit geraten können. Vielmehr tangieren sie 
zentrale Aspekte des Handlungsablaufs, bei welchen auch über längere Zeiträume 
hinweg bei Erlebnisbasiertheit eine grossmehrheitliche Konstanz erwartet werden 
kann.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Anschuldigungen der Privatklägerin 
über die vier Einvernahmen hinweg stark voneinander abweichen. Insbesondere 
die an der Berufungsverhandlung gemachten Äusserungen betreffend den angeb-
lich im Badezimmer vorgefallenen vaginalen Geschlechtsverkehr weichen massiv 
von den zuvor gemachten Aussagen ab und sind mit diesen nicht in Einklang zu 
bringen. Dabei kann nicht gesagt werden, ob die Privatklägerin an der Berufungs-
verhandlung erstmals die Wahrheit sagte und sich der Sachverhalt nicht wie ange-
klagt zugetragen hat oder ob die Privatklägerin an der Berufungsverhandlung log. 
Es bestehen erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der privatklägerischen Aus-
sagen, weshalb auf dies nicht abgestellt werden kann. Es mag sein, dass am 
12. September 2020 in sexueller Hinsicht etwas zwischen der Privatklägerin und 
dem Beschuldigten war. Wenn etwas gewesen sein sollte, ist völlig unklar, was. 
Von einem als erwiesen erachteten Sachverhalt kann keine Rede sein. Die Ankla-
geschrift ist nicht erwahrt, weswegen sich weitere Ausführungen erübrigen und der 
Beschuldigte freizusprechen ist.

III. Zivilpunkt

Zufolge Freispruchs des Beschuldigten vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und 
der sexuellen Handlungen mit einem Kind, angeblich begangen zum Nachteil der 
Privatklägerin, sind die zivilrechtlichen Haftungsvoraussetzungen für eine Genug-
tuung wegen widerrechtlicher Verletzung der Persönlichkeit nach Art. 49 Abs. 1 OR 
offenkundig nicht erfüllt. Die Zivilklage ist abzuweisen.

Für die Beurteilung der Zivilklage werden erst- und oberinstanzlich keine separaten 
Verfahrenskosten ausgeschieden.

IV. Kosten und Entschädigung

14. Verfahrenskosten

14.1 Erstinstanzliche Verfahrenskosten

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, befindet sie darin auch 
über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Die 

15

Verfahrenskosten nach Art. 422 Abs. 1 StPO werden grundsätzlich vom Kanton ge-
tragen (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

Zufolge Freispruchs sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf 
CHF 13'800.00, vom Kanton Bern zu tragen. 

14.2 Oberinstanzliche Verfahrenskosten

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

Zufolge Obsiegens des Beschuldigten und Unterliegens der Generalstaatsanwalt-
schaft sind die oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 5'000.00 (Art. 424 
Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 24 Bst. b des Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]) 
vom Kanton Bern zu tragen.

15. Amtliche Entschädigungen

15.1 Rechtliche Grundlagen

Zu den Verfahrenskosten gehören auch die Kosten der amtlichen Verteidigung und 
unentgeltlichen Verbeiständung (Art. 422 Abs. 2 Bst. a StPO). Diese werden von 
der Kammer jedoch praxisgemäss separat ausgewiesen. 

Der Kanton bezahlt den amtlich bestellten Anwälten eine angemessene Entschädi-
gung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Ho-
norar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Fest-
setzung des gebotenen Zeitaufwands sind die Bedeutung der Streitsache und die 
Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwertsteuer 
werden zusätzlich entschädigt (Art. 42 Abs. 1 des Kantonalen Anwaltsgesetzes 
[KAG; BSG 168.11]). Der Stundenansatz für die Entschädigung der amtlich bestell-
ten Anwälte beträgt CHF 200.00 (Art. 1 der Verordnung über die Entschädigung 
der amtlichen Anwältinnen und Anwälte [EAV; BSG 168.711]).

Der Tarifrahmen in Verfahren vor dem Kollegialgericht des Regionalgerichts beträgt 
CHF 2'000.00 bis CHF 50'000.00 (Art. 17 Abs. 1 Bst. b der Parteikostenverordnung 
[PKV; BSG 168.811]). Im Rechtsmittelverfahren beträgt das Honorar 10 bis 50 Pro-
zent des Honorars in erster Instanz (Art. 17 Bst. f PKV).

15.2 Entschädigung von Rechtsanwalt E.________ in oberer Instanz

Oberinstanzlich machte Rechtsanwalt E.________ für die Zeit vom 10. Novem-
ber 2022 bis 25. Januar 2024 mit Honorarnote vom 25. Januar 2024 eine amtliche 
Entschädigung von CHF 887.45 geltend (amtliches Honorar von CHF 800.00 + 
Auslagenpauschale von CHF 24.00 + Mehrwertsteuer von CHF 63.45; 
pag. 545 ff.). Diese bewegt sich innerhalb des gesetzlichen Tarifrahmens und er-
scheint der Kammer angemessen.

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten im oberinstanzlichen Verfahren mit CHF 888.70; für die 
Berechnung wird auf das Dispositiv verwiesen.

16

15.3 Entschädigung von Rechtsanwältin B.________ in oberer Instanz

Rechtsanwältin B.________ machte für den Zeitraum vom 24. Januar 2024 bis 
21. Februar 2024 mit Honorarnote vom 20. Februar 2024 eine amtliche Entschädi-
gung von CHF 5'597.15 geltend (amtliches Honorar von CHF 4'900.00 + Wegpau-
schale von CHF 150.00 + Auslagenpauschale von CHF 147.00 + Mehrwertsteuer 
von CHF 400.15; pag. 592 ff.). Das beantragte Honorar bewegt sich innerhalb des 
gesetzlichen Tarifrahmens. Nachfolgende Positionen sind jedoch zur kürzen:

– 20. Februar 2024, Berufungsverhandlung: Die Berufungsverhandlung dauerte 
nicht 5, sondern 4 Stunden.

– 21. Februar 2024, Urteilseröffnung: Die Urteilseröffnung dauerte nicht 1, son-
dern ½ Stunde.

Nach dem Gesagten wird der geltend gemachte Aufwand von 24½ Stunden um 
1½ Stunden auf 23 Stunden gekürzt. Entsprechend ist auch die Auslagenpauscha-
le zu kürzen. Darüber hinaus gibt die Honorarnote zu keinen Bemerkungen Anlass.

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten im oberinstanzlichen Verfahren mit CHF 5'288.80; für die 
Berechnung wird auf das Dispositiv verwiesen.

15.4 Entschädigung von Rechtsanwältin D.________ in oberer Instanz

Oberinstanzlich machte Rechtsanwältin D.________ gemäss Honorarnote vom 
20. Februar 2024 eine amtliche Entschädigung von CHF 2'753.95 geltend (amtli-
ches Honorar von CHF 2'139.40 + Auslagen von CHF 408.20 + Mehrwertsteuer 
von CHF 206.35; pag. 598 f.). Das beantragte Honorar bewegt sich innerhalb des 
gesetzlichen Tarifrahmens. Die eingereichte Honorarnote lässt jedoch unberück-
sichtigt, dass die vor dem 1. Januar 2024 gemachten Aufwände einem Mehrwert-
steuersatz von 7.7 % unterstanden und nicht von 8.1 %. 

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin D.________ für die unentgeltliche 
Verbeiständung der Privatklägerin im oberinstanzlichen Verfahren mit 
CHF 2'774.00; für die Berechnung wird auf das Dispositiv verwiesen.

16. Genugtuung

16.1 Rechtliche Grundlagen 

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, hat sie Anspruch 
auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhält-
nisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 Bst. c StPO). 

Anspruchsvoraussetzung ist, dass eine besonders schwere Verletzung der persön-
lichen Verhältnisse im Sinne von Art. 28 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetz-
buchs (ZGB; SR 210) oder Art. 49 OR vorliegt. Mithin muss eine gewisse Intensität 
der Verletzung gegeben sein, damit eine Genugtuung zugesprochen wird. Neben 
ungerechtfertigter Untersuchungs- und Sicherheitshaft ist etwa an eine publik ge-
wordene Hausdurchsuchung, eine sehr lange Verfahrensdauer resp. Verletzung 
des Beschleunigungsgebots, eine breite Darlegung in den Medien sowie Probleme 
im Familien- und Beziehungsleben durch die Strafuntersuchung oder persönlich-

17

keitsverletzende Äusserungen von Strafbehörden zu denken. Nicht genugtuungs-
würdig sind die mit jedem Strafverfahren in grösserem oder kleineren Ausmass 
einhergehenden psychischen Belastungen, Demütigungen und Blossstellungen 
nach aussen (WEHRENBERG/FRANK, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung/
Jugendstrafprozessordnung, 3. Auflage 2023, N. 27 und 27b zu Art. 429 StPO). 

Zur Bestimmung der Höhe der Genugtuung können die allgemeinen Bestimmun-
gen von Art. 41 ff. OR herangezogen werden. Massgebend sind die Dauer und 
Umstände der Persönlichkeitsverletzung. Zu berücksichtigen sind ferner die 
Schwere des vorgeworfenen Delikts und die Auswirkungen auf die persönliche Si-
tuation der beschuldigten Person und die Belastung durch das Verfahren 
(WEHRENBERG/FRANK, a.a.O., N. 28 zu Art. 429 StPO).

16.2 Erwägungen der Kammer

Rechtsanwältin B.________ beantragte für den Beschuldigten oberinstanzlich eine 
Genugtuung von CHF 500.00 zzgl. 5 % Zins seit dem 13. Oktober 2020 (Tag der 
Strafanzeige). Zur Begründung führte sie aus, in der rumänischen Diaspora sei viel 
über den erfundenen Übergriff geredet worden. Der Ruf und die Ehre ihres Man-
danten und von dessen Familie seien verletzt worden (pag. 583). 

Es ist offenkundig, dass der fragliche Sachverhalt in der Diaspora des jungen Be-
schuldigten die Runde gemacht hat und dieser insbesondere nach dem erstin-
stanzlichen Schuldspruch mit einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe und einer 
Landesverweisung von sieben Jahren erheblich psychisch belastet gewesen sein 
muss, weswegen sich die Zusprechung der beantragten Genugtuung rechtfertigt. 
Ein Zins wird bei einer Genugtuung nach Art. 429 StPO praxisgemäss nicht ge-
sprochen.

V. Verfügungen

Für die weiteren Verfügungen wird auf das Dispositiv verwiesen.

18

VI. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
10. November 2022 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als

1. die Entschädigung des amtlichen Verteidigers von A.________, Rechtsanwalt 
E.________, für das erstinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt wurde:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 43.42 200.00 CHF 8’684.00
Reisezuschlag CHF 325.00

CHF 260.50
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 9’269.50 CHF 713.75

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 9’983.25

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die amtliche Verteidi-
gung von A.________ mit CHF 9'983.25. 

2. die amtliche Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertreterin von C.________, 
Rechtsanwältin D.________, für das erstinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt 
wurde:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 44.22 200.00 CHF 8’843.00
Reisezuschlag CHF 1’237.50

CHF 465.90
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 10’546.40 CHF 812.05
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 11’358.45

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin D.________ für die unentgeltliche 
Rechtsvertretung von C.________ mit CHF 11'358.45.

II.

A.________ wird unter Ausrichtung einer Genugtuung von CHF 500.00 freigesprochen 
von den Anschuldigungen der sexuellen Nötigung und der sexuellen Handlungen mit ei-
nem Kind, angeblich begangen am 12. September 2020 in J.________ z.N. von 
C.________, unter Auferlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von 
CHF 13'800.00 und der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 5'000.00 an den 
Kanton Bern.

19

III.

1. Die Zivilklage von C.________ wird abgewiesen.

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

IV.

1. Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers von A.________, Rechtsanwalt 
E.________, für das oberinstanzliche Verfahren (Zeitraum vom 10. November 2022 
bis 25. Januar 2024) wird wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 1.1.2018 bis 31.12.2023
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 2.50 200.00 CHF 500.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 15.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 515.00 CHF 39.65

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 554.65

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Leistungen ab 1.1.2024
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 1.50 200.00 CHF 300.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 9.00
Mehrwertsteuer 8.1% auf CHF 309.00 CHF 25.05

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 334.05

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die amtliche Verteidigung 
von A.________ im oberinstanzlichen Verfahren mit CHF 888.70.

2. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin von A.________, Rechtsanwältin 
B.________, für das oberinstanzliche Verfahren (Zeitraum vom 24. Januar 2024 bis 
20. Februar 2024) wird wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 1.1.2024
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 23.00 200.00 CHF 4’600.00
Reisezuschlag CHF 150.00

CHF 142.50
Mehrwertsteuer 8.1% auf CHF 4’892.50 CHF 396.30

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 5’288.80

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidi-
gung von A.________ im oberinstanzlichen Verfahren mit CHF 5'288.80.

20

V.

1. Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Straf- und Zivilklägerin 
C.________, Rechtsanwältin D.________, für das oberinstanzliche Verfahren wird wie 
folgt bestimmt:

Leistungen ab 1.1.2018 bis 31.12.2023
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 2.93 200.00 CHF 586.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 17.60
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 603.60 CHF 46.50

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 650.10

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Leistungen ab 1.1.2024
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 7.84 200.00 CHF 1’568.00
Reisezuschlag CHF 300.00

CHF 56.05
Mehrwertsteuer 8.1% auf CHF 1’924.05 CHF 155.85

CHF 44.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 2’123.90

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin D.________ für die unentgeltliche 
Rechtsvertretung von C.________ im oberinstanzlichen Verfahren mit CHF 2'774.00.

Mündlich eröffnet und begründet:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, a.v.d. Rechtsanwältin B.________
- der Straf- und Zivilklägerin, a.v.d. Rechtsanwältin D.________, substituiert durch 

MLaw M.________
- der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern/Anschlussberufungsführerin

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, a.v.d. Rechtsanwältin B.________ 
- der Straf- und Zivilklägerin, a.v.d. Rechtsanwältin D.________
- der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern/Anschlussberufungsführerin

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- Rechtsanwalt E.________

21

Bern, 20. Februar 2024
(Ausfertigung: 5. Juli 2024)

Im Namen der 2. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Schmid

Die Gerichtsschreiberin:

Imboden

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.