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**Case Identifier:** f1a7b259-9c4c-564d-afc7-8361343ae601
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.10.2022 SBK.2022.181
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2022-181_2022-10-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2022.181 / va  
(STA.2022.976)  

Art. 341 

 

 

Entscheid vom 24. Oktober 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari  

Oberrichterin Schär 

Gerichtsschreiber Gasser 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,   

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Suter,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach,  

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

 

Beschuldigter   B._____, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwältin Sarah Brunner,  

[…]   

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

6. Mai 2022 

 

in der Strafsache gegen B._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Strafanzeige vom 2. März 2022 beantragte A. die Eröffnung einer Stra-

funtersuchung gegen B. (fortan: Beschuldigter) wegen des Verdachts der 

Veruntreuung, eventualiter anderer Vermögensdelikte, und konstituierte 

sich als Strafklägerin.  

 

2. 

Am 6. Mai 2022 erliess die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach folgende 

Nichtanhandnahmeverfügung: 

 

" 1. 
Die Strafsache (Strafanzeige, Strafklage) wird nicht an die Hand genom-
men (Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). 
 
2. 
Die Kosten gehen zu Lasten des Staates (Art. 423 StPO). 
 
3. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen (Art. 430 Abs. 1 StPO)." 

 

Die Nichtanhandnahmeverfügung wurde am 12. Mai 2022 von der Ober-

staatsanwaltschaft des Kantons Aargau genehmigt. 

 

3. 

3.1. 

Gegen die ihr am 23. Mai 2022 zugestellte Nichtanhandnahmeverfügung 

erhob A. (fortan: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 2. Juni 2022 Be-

schwerde mit folgenden Anträgen: 

 

" 1. 
Die angefochtene Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft 
Brugg-Zurzach vom 6. Mai 2022 sei in Gutheissung der Beschwerde auf-
zuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ein Untersuchungs-
verfahren betreffend den Beschuldigten anzuheben beziehungsweise 
durchzuführen.  
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg-
nerin beziehungsweise der Staatskasse des Kantons Aargau." 

 

3.2. 

Die mit Verfügung der Verfahrensleiterin vom 20. Juni 2022 innert zehntä-

giger Frist eingeforderte Sicherheit von Fr. 1'000.00 leistete die Beschwer-

deführerin am 1. Juli 2022. 

 

 - 3 - 

 

 

3.3. 

Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juli 2022 beantragte die Staatsanwalt-

schaft Brugg-Zurzach die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.  

 

3.4. 

Mit Datum vom 14. Juli 2022 reichte der Beschuldigte eine Beschwerdean-

twort ein und beantragte die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, so-

weit darauf einzutreten sei. 

 

3.5. 

Am 3. August 2022 reichte die Beschwerdeführerin unaufgefordert eine 

Stellungnahme ein.  

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft sind gemäss 

Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO mit 

Beschwerde anfechtbar. Nachdem vorliegend keine Beschwerdeaus-

schlussgründe im Sinne von Art. 394 StPO bestehen, ist die Beschwerde 

zulässig. 

 

Die weiteren Voraussetzungen für ein Eintreten auf die Beschwerde sind 

erfüllt und geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass (vgl. Art. 396 

Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO). Auf die Beschwerde ist somit einzutre-

ten. 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach kam in der angefochtenen Nichtan-

handnahmeverfügung zum Schluss, dass sowohl der Tatbestand der Ver-

untreuung wie auch die weiteren in Frage kommenden Tatbestände der 

unrechtmässigen Aneignung oder der ungetreuen Geschäftsbesorgung ei-

nen fristgerechten Strafantrag voraussetzen würden, soweit sie zum Nach-

teil einer angehörigen Person begangen worden seien. Im vorliegenden 

Fall sei die Strafantragsfrist durch die Beschwerdeführerin nicht eingehal-

ten worden, womit bereits deshalb das Verfahren nicht anhand zu nehmen 

sei.  

 

Ferner sei im beanzeigten Vorgehen des Beschuldigten kein Straftatbe-

stand ersichtlich. Der Beschuldigte sei verpflichtet gewesen, die gemeinsa-

men Liegenschaften zu verwalten. Hingegen sei er nicht verpflichtet gewe-

sen, die Bankkonten (dauerhaft) der Beschwerdeführerin zur Verfügung zu 

halten. Die Mietzinszahlungen der Liegenschaftsmieter seien zudem durch 

 - 4 - 

 

 

diese einbezahlt worden und nicht durch die Beschwerdeführerin. Insofern 

würden diese Zahlungen keine durch die Beschwerdeführerin anvertraute 

Vermögenswerte i.S.v. Art. 138 Ziff. 1 StGB darstellen. Der Tatbestand der 

ungetreuen Geschäftsbesorgung i.S.v. Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei man-

gels Schaden nicht einschlägig. Ob der Beschuldigte ab einem eigenen 

Konto oder ab einem der gemeinsamen Konten Bezüge getätigt habe, sei 

güterrechtlich irrelevant. Alleine der Entzug des Zugriffs auf die Vermö-

genswerte der relevanten Konten stelle keinen Schaden dar, zumal die Ver-

waltung der Liegenschaften und damit der einschlägigen Konten alleine 

dem Beschuldigten zugewiesen sei.  

 

2.1.2. 

Die Beschwerdeführerin macht mit Beschwerde geltend, dass es sich bei 

den in Frage kommenden Delikten um Dauerdelikte handle, womit die 

Strafantragsfrist mit der Strafanzeige vom 2. März 2022 gewahrt worden 

sei.  

 

Weiter stehe zum aktuellen Zeitpunkt nicht fest, dass sich der Beschuldigte 

– entgegen der Wertung in der angefochtenen Verfügung – eindeutig nicht 

strafbar gemacht habe, zumal durch die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

noch gar nicht eruiert worden sei, zu welchem Zeitpunkt und von welchen 

Konten der Beschuldigte Geld transferiert habe. An den Geldern, welche 

sich vor den "Umbuchungen" des Beschuldigten auf den gemeinsamen 

Konten befunden hätten, sei die Beschwerdeführerin mit einer Quote von 

50% berechtigt. Gleiches habe für die Mietzinszahlungen zu gelten, welche 

die Mieter ab dem 1. März 2021 weiter einbezahlt hätten und der Beschul-

digte dann auf ein oder mehrere Fremdkonten transferiert habe. Diese Gel-

der, welche der Beschuldigte hätte verwalten müssen, würden als dem Be-

schuldigten anvertraut gelten.  

 

2.2. 

Massgebend für das Vorliegen der privilegierten Beziehung ist der Zeit-

punkt der Tat (vgl. NIGGLI/RIEDO, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 

4. Aufl. 2019, Art. 138 N 148). Die Parteien waren zum Zeitpunkt der vor-

geworfenen Tat verheiratet und somit Angehörige im Sinne des Gesetzes 

(vgl. Art. 110 Abs. 1 StGB), womit für die im Raum stehenden Tatbestände 

(vgl. Art. 138 Ziff. 1 Abs. 4 StGB; Art. 146 Abs. 3 StGB; Art. 151 StGB; 

Art. 158 Ziff. 3 StGB) ein rechtzeitiger Strafantrag vorausgesetzt ist, was 

von der Beschwerdeführerin nicht bestritten wird. Die Rechtzeitigkeit des 

Strafantrags kann im vorliegenden Fall in der Tat davon abhängen, ob es 

sich bei den in Frage kommenden Delikten um sog. Zustands- oder Dauer-

delikte handelt. Für die Beantwortung dieser Frage ist in einem ersten 

Schritt zu prüfen, welche Tatbestände vorliegend erfüllt sein könnten bzw. 

eindeutig nicht erfüllt sind, wobei im letzteren Fall die Nichtanhandnahme 

des Verfahrens ohnehin zu Recht erfolgt wäre.  

 

 - 5 - 

 

 

3. 

3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht kann den Akten entnommen werden, dass die ge-

trenntlebenden Ehegatten seit längerer Zeit Konflikte austragen, woraus 

sowohl Strafverfahren wie auch familienrechtliche Verfahren resultierten 

(vgl. Beschwerdeantwort, S. 3; Entscheid des Obergerichts des Kantons 

Aargau vom 14. Februar 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 3], Aktenzu-

sammenzug; Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

vom 6. April 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 2]). Vier Liegenschaften ste-

hen im Gesamteigentum der Ehegatten, wobei der Beschuldigte gemäss 

dem Eheschutzurteil des Bezirksgerichts Brugg vom 28. November 2016 

für die Verwaltung der Liegenschaften zuständig ist (Beschwerde, S. 7; Be-

schwerdeantwort, S. 4; Strafanzeige vom 2. März 2022, S. 2). Die Verwal-

tung durch den Beschuldigten beinhaltet(e) die Aufgaben, die Liegen-

schaftserträge zu verwalten und sicherzustellen, dass finanzielle Verpflich-

tungen im Zusammenhang mit den Liegenschaften eingehalten werden 

(Beschwerdeantwort, S. 4; Strafanzeige, S. 3). Hierfür eröffneten die Par-

teien bereits vor Jahren fünf Bankkonten (vier Privatkonten bei der E. sowie 

ein Hypothekarzinskonto bei der F.), wobei sowohl die Beschwerdeführerin 

wie auch der Beschuldigte Verfügungsmacht über die Konten innehatten 

(vgl. Strafanzeige, S. 2; Beschwerdeantwort, S. 4). Zu Beginn des Jahres 

2021 soll die Beschwerdeführerin eigenmächtig Bezüge vom Liegen-

schaftskonto getätigt haben, worauf der Beschuldigte Strafanzeige gegen 

sie erstattete (Beschwerdeantwort, S. 4). Das Strafverfahren gegen die Be-

schwerdeführerin wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurz-

ach vom 6. April 2022 eingestellt (vgl. Einstellungsverfügung der Staatsan-

waltschaft Brugg-Zurzach vom 6. April 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 

2]). Mit Gesuch vom 4. März 2021 beantragte der Beschuldigte beim Be-

zirksgericht Brugg die Aufhebung der Zugriffsberechtigung der Beschuldig-

ten für die vier Privatkonten bei der E. sowie das Hypothekarzinskonto bei 

der F.. Den Anträgen wurde mit Entscheid des Bezirksgerichts Brugg am 

1. November 2021 entsprochen (vgl. Entscheid des Obergerichts des Kan-

tons Aargau vom 14. Februar 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 3], Akten-

zusammenzug), welcher durch das Obergericht des Kantons Aargau je-

doch mit Entscheid vom 14. Februar 2022 – unter Abweisung des Gesuchs 

vom 4. März 2021 – aufgehoben wurde.  

 

3.2. 

Bezüglich der Tatvorwürfe gesteht der Beschuldigte mit Beschwerdeant-

wort ein, die noch auf den Liegenschaftskonten verbliebenen Mieteinnah-

men auf ein Bankkonto überwiesen zu haben, auf welches die Beschwer-

deführerin nicht habe zugreifen können, da sie bereits mehrere unberech-

tigte Bezüge von den gemeinsamen Konten getätigt haben soll. Diesen 

Schritt habe er der Beschwerdeführerin vorher angekündigt. Die Mietein-

nahmen seien fortan weiterhin auf die gemeinsamen Konten geflossen. 

 - 6 - 

 

 

Nach Eingang der Mietzinsen habe der Beschuldigte diese Einnahmen je-

weils auf das neu errichtete Zahlungskonto übertragen und Rechnungen 

für die Liegenschaften von diesem neuen Zahlungskonto bezahlt. Die Hy-

pothekarzinsen und die Amortisationsbeiträge seien weiterhin von den auf 

beide Parteien lautenden Liegenschaftskonten abgebucht worden, so dass 

der Beschuldigte die erforderlichen Mittel zum Fälligkeitszeitpunkt rechtzei-

tig wieder auf das jeweilige gemeinsame Liegenschaftskonto habe über-

weisen müssen. Die Beschwerdeführerin habe während dieser Zeit weiter-

hin Einsicht in die Bewegungen der gemeinsamen Liegenschaftskonten ge-

habt. Vom neu eingerichteten Zahlungskonto habe die Beschwerdeführerin 

jeden Monat einen Kontoauszug erhalten, so dass sie die Ein- und Aus-

gänge auch auf diesem Konto lückenlos habe verfolgen und nachvollziehen 

können (Beschwerdeantwort, S. 5). 

 

3.3. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Beschuldigte berechtigt 

gewesen sei, Zahlungen ab den gemeinsamen Konten vorzunehmen, so-

weit diese die Liegenschaftsunterhaltskosten betroffen hätten. Er sei je-

doch nicht berechtigt gewesen, Privatbezüge zu tätigen (Strafanzeige, 

S. 3). Am 1. März 2021 habe der Beschuldigte sämtliche der fünf gemein-

samen Konten leergeräumt und veranlasst, dass auf diesen Konten ab 

1. März 2021 eingehende Mietzinszahlungen jeweils sofort wieder abge-

bucht und auf Konten des Beschuldigten übertragen würden. Diese Konten 

hätten nur auf den Namen des Beschuldigten gelautet und auch nur er 

habe darauf zugreifen können. Somit habe er der Beschwerdeführerin für 

die gemeinsamen Vermögenswerte dauerhaft und vorsätzlich die Verfü-

gungsmacht entzogen (Strafanzeige, S. 3; Beschwerde, S. 6).  

 

4. 

Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf die Eröffnung einer Untersuchung, 

wenn sie sofort eine Nichtanhandnahmeverfügung oder einen Strafbefehl 

erlässt (Art. 309 Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt sie 

die Nichtanhandnahme der Untersuchung, sobald aufgrund der Strafan-

zeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbe-

stände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a) 

oder wenn Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b). Die Frage, ob die Straf-

verfolgungsbehörde ein Strafverfahren durch Nichtanhandnahme erledigen 

kann, beurteilt sich nach dem aus dem strafprozessualen Legalitätsprinzip 

abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro duriore" (Art. 5 Abs. 1 BV und Art. 2 

Abs. 1 i.V.m. Art. 319 Abs. 1 und Art. 324 Abs. 1 StPO). Danach darf die 

Nichtanhandnahme gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nur in sachver-

haltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen, so bei offensichtlicher 

Straflosigkeit, wenn der Sachverhalt mit Sicherheit nicht unter einen Straf-

tatbestand fällt, oder bei eindeutig fehlenden Prozessvoraussetzungen. Im 

 - 7 - 

 

 

Zweifelsfall, wenn die Nichtanhandnahmegründe nicht mit absoluter Si-

cherheit gegeben sind, muss das Verfahren eröffnet werden (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_151/2019 vom 17. April 2019 E. 3.1 m.w.H.). 

 

5. 

5.1. 

Wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines 

anderen Nutzen verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

Geldstrafe bestraft (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Die Tathandlung besteht 

in einem Verhalten des Täters, durch welches er eindeutig seinen Willen 

bekundet, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_701/2020 vom 11. Juni 2021 E. 3.1). Das 

Tatobjekt ist für den Täter nicht rechtlich, sondern nur wirtschaftlich fremd. 

Wirtschaftliche Fremdheit bedeutet nichts anderes, als dass gegenüber 

dem Täter ein obligatorischer Anspruch besteht. Entsprechend erscheinen 

Vermögenswerte nur dann als fremd, wenn der Täter verpflichtet ist, sie 

ständig zur Verfügung des Treugebers zu halten (vgl. NIGGLI/RIEDO, a.a.O., 

Art. 138 N 110). Der Täter muss in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht 

handeln (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 138 N 113). An unrechtmässiger Berei-

cherungsabsicht kann es fehlen, wenn der Täter sog. Ersatzbereitschaft 

aufweist, d.h. Ersatzwillen und Ersatzfähigkeit. Der Täter muss mithin zum 

Zeitpunkt der Tat den Willen haben, fristgerecht Ersatz zu leisten, und dar-

über hinaus fähig sein, dies zu tun (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 138 N 116).  

 

5.2. 

Im vorliegenden Fall war es unbestrittenermassen die Aufgabe des Be-

schuldigten, die im Gesamteigentum der Ehegatten stehenden vier Liegen-

schaften zu bewirtschaften, was mit Vereinbarung vom 3. November 2016 

bzw. den Zusatzvereinbarungen vom 18. und 21. November 2016 im Rah-

men des Eheschutzverfahrens vor dem Bezirksgericht Brugg (SF.2016.42) 

schriftlich festgehalten wurde (vgl. Entscheid des Obergerichts des Kan-

tons Aargau vom 14. Februar 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 3], Akten-

zusammenzug E. 1.2.). Der Beschuldigte war folglich dazu verpflichtet, 

sämtliche Kreditoren im Zusammenhang mit den vier Liegenschaften jeder-

zeit fristgerecht zu befriedigen, andernfalls sowohl ihm wie auch der Be-

schwerdeführerin vollstreckungsrechtliche Massnahmen gedroht hätten 

(vgl. auch Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau vom 14. Feb-

ruar 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 3], E. 4.3.3.). Bereits daraus ergibt 

sich, dass der Beschuldigte nicht verpflichtet war, die Vermögenswerte zur 

ständigen Verfügung der Beschwerdeführerin zu halten und ihn im vorlie-

genden Fall auch keine Werterhaltungspflicht traf. Aufgrund der stetig an-

fallenden und teils variablen Kosten der vier Liegenschaften wäre ihm dies 

gar nicht möglich gewesen, was sich zweifellos auch im Hinblick auf die 

unvorhersehbaren Kosten (bspw. defekte Heizung, Wasserschaden etc.) 

ergibt, für welche möglicherweise gar Rückstellungen zu tätigen waren. Mit 

Entscheid vom 1. November 2021 wies das Bezirksgericht Brugg – auf 

 - 8 - 

 

 

Klage des Beschuldigten hin – die E. und die F. an, der Beschwerdeführerin 

die Zugriffsberechtigung für die fünf Bankkonten zu sperren, was wiederum 

belegt, dass die Vermögenswerte gerade nicht zur ständigen Verfügbarkeit 

der Beschwerdeführerin gehalten werden mussten, sondern der Beschul-

digte zur Erfüllung seiner Verwaltungsaufgaben vielmehr darauf angewie-

sen war, dass die Beschwerdeführerin kein Geld von den Konten abziehen 

konnte. Dass der Entscheid des Bezirksgerichts Brugg schliesslich durch 

das Obergericht des Kantons Aargau aufgehoben wurde, vermag am Ge-

sagten nichts zu ändern, zumal das Obergericht lediglich zum Schluss kam, 

dass dem Verhalten der Beschwerdeführerin nicht mit Massnahmen des 

Familienrechts begegnet werden könne (vgl. Entscheid des Obergerichts 

des Kantons Aargau vom 14. Februar 2022 [Beschwerdeantwortbeilage 3], 

E. 4.3.1.).   

 

Gemäss Beschwerdeführerin haben die Parteien im Eheschutzurteil ver-

einbart, die Liegenschaftskonten erst im Rahmen der güterrechtlichen Aus-

einandersetzung zu "klären" (vgl. Entscheid des Obergerichts des Kantons 

Aargau vom 14. Februar 2022 [ZSU.2021.249], E. 3, S. 8). Mit Beschwer-

deantwort (S. 5 und S. 7) führt der Beschuldigte aus, dass er, nachdem im 

Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen (SF.2021.11) eine Konten-

zugriffsbeschränkung für die Beschwerdeführerin verfügt worden sei, das 

Konto, welches nur auf seinen Namen laute und worauf er seit anfangs 

2021 die Mieteinnahmen vom gemeinsamen Konto überwiesen habe, per 

Ende November 2021 saldiert und den Saldo wieder auf das gemeinsame 

Liegenschaftskonto übertragen habe. Dabei sei es geblieben, obwohl das 

Obergericht des Kantons Aargau die Zugriffsberechtigung [recte wohl: Zu-

griffsbeschränkung] später wieder aufgehoben habe.  

 

Dem Auszug des Kontos [IBAN] (Beschwerdeantwortbeilage 4) lässt sich 

dieser Vorgang (Überweisung von Fr. 17'470.90 auf ein gemeinsames 

Konto) ohne Weiteres entnehmen. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies 

nicht, bringt aber in ihrer Stellungnahme vom 3. August 2022 vor, dass sich 

aus diesem Kontoauszug ergebe, dass der Beschuldigte die gemeinsamen 

Konti ohne ihre Zustimmung leergeräumt habe. Mit Beschwerdeantwortbei-

lage 4 sei mitnichten geklärt, ob der Beschuldigte alle Mietzinseinnahmen 

einzig effektiv auf dieses Konto transferiert oder ob er diese nicht doch für 

sich verwendet habe. Dies mag zutreffen, allerdings bedarf es für die Klä-

rung dieser Frage und damit zur Schaffung eines ausreichenden Tatver-

dachts keiner staatsanwaltlicher Untersuchung. Die Beschwerdeführerin 

hat Zugriff auf die gemeinsamen Konti, womit sie selber in der Lage ist, die 

jeweiligen Umbuchungen nachzuverfolgen, insbesondere nachdem sie nun 

in Besitz von Beschwerdeantwortbeilage 4 ist. Dasselbe gilt im Übrigen hin-

sichtlich ihres Verdachts, wonach der Beschuldigte die Gelder vom Konto 

[IBAN] auch einzig zu seinen Gunsten verwendet haben könnte, lässt sich 

Beschwerdeantwortbeilage 4 doch jeweils der Empfänger der Zahlungen 

entnehmen. Abgesehen davon soll der Beschuldigte sie jeweils monatlich 

 - 9 - 

 

 

mit einem Auszug von diesem privaten Konto bedient haben (Beschwerde-

antwort, S. 5). Diese Behauptung blieb von ihr unbestritten. Damit war es 

ihr von Beginn an möglich, die Umbuchungen und die Abgänge auf das 

bzw. vom Privatkonto des Beschuldigten zu verfolgen und etwaige Unstim-

migkeiten in ihrer Strafanzeige konkret zu benennen. Dass sie dies nicht 

getan hat, lässt den Schluss zu, dass es keine unbegründeten Zahlungen 

gibt.  

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschuldigte während knapp 

eines Jahres die auf gemeinsame Konti geflossenen Einnahmen auf ein 

anderes, einzig auf ihn lautendes Konto überwiesen hatte. Gestützt auf 

seine Sachverhaltsdarstellung, welche mit Beschwerdeantwortbeilage 4 

plausibilisiert wird und welcher die Beschwerdeführerin nichts Substanziel-

les entgegen zu halten vermag, besteht keinerlei Verdacht dafür, dass der 

Beschuldigte damit den Willen hatte, güterrechtliche Ansprüche der Be-

schwerdeführerin zu vereiteln. Vielmehr ist von stetiger Ersatzbereitschaft 

(für die vom gemeinsamen Konto abgezogenen Beträge) auszugehen. 

Dies zeigt sich auch daran, dass der Beschuldigte die überwiesenen Be-

träge im Dezember 2021 wieder auf ein gemeinsames Konto überwiesen 

hatte. Abgesehen davon verfügen die Parteien über namhaftes Vermögen 

(vier Liegenschaften), mit welchen der Beschuldigte im Rahmen der güter-

rechtlichen Auseinandersetzung allfällig unbegründete Bezüge auszuglei-

chen hätte. Dies war ihm mit Sicherheit bekannt, womit ihm auch aus die-

sem Grund Ersatzbereitschaft zu attestieren ist.  

 

Im Ergebnis ist betreffend den Vorwurf der Veruntreuung weder der objek-

tive noch der subjektive Tatbestand erfüllt, womit die Nichtanhandnahme 

des Verfahrens in diesem Punkt zu Recht erfolgte. 

 

6. 

6.1. 

Wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines 

Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten 

oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter 

Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Ver-

mögen geschädigt wird, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft (Art. 158 Ziff. 1 StGB). Als Folge der pflichtwidrigen 

Handlung muss es zu einem Vermögensschaden kommen (BGE 122 IV 

279 E. 2a). 

 

6.2. 

Wie oben ausgeführt (E. 5.2.), ist weder ersichtlich, dass die Beschwerde-

führerin durch die zeitweilige Umbuchung der Einnahmen auf ein Konto des 

Beschuldigten in ihren güterrechtlichen Ansprüchen geschädigt wurde 

noch dass der Beschuldigte dies auch nur versucht hätte. Der Tatbestand 

der ungetreuen Geschäftsbesorgung entfällt damit von vornherein.  

 - 10 - 

 

 

7. 

Weitere in Frage kommende Tatbestände werden durch die Beschwerde-

führerin nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. So scheitern 

die Tatbestände des Betrugs (Art. 146 StGB) und der arglistigen Vermö-

gensschädigung (Art. 151 StGB) ebenfalls am nicht vorhandenen Vermö-

gensschaden. Damit ist keinerlei strafbares Verhalten des Beschuldigten 

ersichtlich, womit die Nichtanhandnahme des Verfahrens zu Recht erfolgt 

ist und folglich auch offenbleiben kann, ob die Strafantragsfrist durch die 

Beschwerdeführerin gewahrt wurde. Im Ergebnis ist die Beschwerde abzu-

weisen.  

 

8. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss der mit ihrer 

Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 428 

Abs. 1 StPO) und mit der von ihr geleisteten Kostensicherheit zu verrech-

nen. Entschädigung ist ihr keine auszurichten.  

 

9. 

9.1. 

Die Entschädigung der beschuldigten Person für die angemessene Aus-

übung ihrer Verfahrensrechte geht bei einer Einstellung des Strafverfah-

rens oder bei einem Freispruch zulasten des Staates, wenn es sich um ein 

Offizialdelikt handelt (Art. 429 Abs. 1 StPO), und zulasten der Privatkläger-

schaft, wenn es um ein Antragsdelikt geht (Art. 432 Abs. 2 StPO). Dies gilt 

aufgrund von Art. 310 Abs. 2 StPO auch im Falle einer Nichtanhandnahme. 

Im Berufungsverfahren betreffend Offizialdelikte wird die unterliegende Pri-

vatklägerschaft entschädigungspflichtig, im Beschwerdeverfahren hinge-

gen der Staat. Geht es um ein Antragsdelikt, wird sowohl im Berufungs- als 

auch im Beschwerdeverfahren die Privatklägerschaft entschädigungs-

pflichtig (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 Abs. 2 StPO; vgl. BGE 147 IV 47 

E. 4.2.6).  

 

Bei sämtlichen Tatbeständen handelt es sich um Antragsdelikte (vgl. E. 2.2. 

hiervor). Demgemäss hat die Beschwerdeführerin den Beschuldigten für 

das vorliegende Beschwerdeverfahren zu entschädigen. 

 

9.2. 

Gemäss § 9 Abs. 1 AnwT bemisst sich die Entschädigung in Strafsachen 

nach dem angemessenen Zeitaufwand des Anwalts. Der Stundenansatz 

beträgt in der Regel Fr. 220.00 und kann in einfachen Fällen bis auf 

Fr. 180.00 reduziert und in schwierigen Fällen bis auf Fr. 250.00 erhöht 

werden. Auslagen und Mehrwertsteuer werden separat entschädigt (§ 9 

Abs. 2bis AnwT). 

 

 - 11 - 

 

 

Die Verteidigerin des Beschuldigten hat keine Kostennote eingereicht. Die 

Entschädigung ist von der Beschwerdekammer in Strafsachen daher er-

messensweise festzulegen. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, dass die 

Verteidigerin die Beschwerde (9 Seiten) sowie die Stellungnahme (2 Sei-

ten) zu studieren und eine Beschwerdeantwort (8 Seiten) verfassen 

musste. Bei dieser Sachlage erscheint ein Aufwand von sechs Stunden als 

angemessen. Ein Abweichen vom Regelstundenansatz ist nicht angezeigt. 

Entsprechend ergibt sich ein Honorar von Fr. 1'320.00. Zusätzlich sind pau-

schale Auslagen (§ 13 Abs. 1 Satz 2 AnwT) von Fr. 50.00 und 7,7 % MwSt. 

zu berücksichtigen, womit sich eine Entschädigung von gerundet 

Fr. 1'475.50 ergibt.  

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 93.00, zusammen 

Fr. 1'093.00, werden der Beschwerdeführerin auferlegt und mit der geleis-

teten Kostensicherheit von Fr. 1'000.00 verrechnet. 

 

3. 

Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, dem Beschuldigten eine Ent-

schädigung in Höhe von Fr. 1'475.50 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu bezah-

len. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

 - 12 - 

 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 
   

Aarau, 24. Oktober 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Richli Gasser