# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b35aff2b-4fd5-5475-ab90-d0a5f9c084d9
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 03.02.2023 SB220117
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220117_2023-02-03.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB220117-O/U/cs 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Castrovilli 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. Sigrist-Tanner sowie Gerichtsschrei-

ber MLaw Andres 

 

Urteil vom 3. Februar 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatkläger 

 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____  

 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 
31. August 2021 (DG210011) 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 24. Februar 

2021 (Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der / des  

− versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie 

− vorsätzlichen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 
Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. e, Art. 5 Abs. 2 lit. c 
und Art. 7 WG sowie Art. 12 Abs. 1 lit. d WV 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe sowie mit ei-

ner Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.–. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe wird aufgeschoben, 

dies jeweils bei einer Probezeit von 2 Jahren.  

4. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a StGB für 7 Jahre des 

Landes verwiesen. 

5. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-

onssystem angeordnet. 

6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

12. Februar 2021 beschlagnahmte Elektroschocker "Police 50000" (Asservat 

Nr. A011'488'167) wird eingezogen und der Bezirksgerichtskasse zur Ver-

nichtung überlassen. 

7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte dem Grundsatze nach dem Pri-

vatkläger schadenersatzpflichtig ist. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung von 

Fr. 8'000.– zu bezahlen. 

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8. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 2'500.–   Gebühr für die Strafuntersuchung  

Fr. 24'000.–   amtl. Verteidigungskosten (inkl. Mehrwertsteuer) 

Fr.  9'200.–   Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertretung Privatkläger-schaft (inkl. Mehrwertsteuer) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Entscheidgebühr um einen Drittel. 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, 

einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der 

Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt; davon 

ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und der 

unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, welche einstweilen und 

unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse 

übernommen werden. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 85 S. 71) 

1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe voll umfänglich freizuspre-

chen.  

2. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. 

3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte nicht oppo-

niert gegen die Einziehung und Vernichtung der sichergestellten Ta-

schenlampe «Police 50000W». Andere beschlagnahmte Gegenstände 

seien ihm herauszugeben. 

4. Die Zivilklage sei auf den Zivilweg zu verweisen. 

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5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse 

und mit Verzicht auf eine Rückforderung der Kosten der amtlichen Ver-

teidigung vom freizusprechenden Beschuldigten (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer). 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:  

(Urk. 56, schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft: 

(Urk. 80 S. 1, schriftlich) 

 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

 

____________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Prozessverlauf 

1.  Mit eingangs wiedergegebenem Urteil vom 31. August 2021 (Urk. 50) 

sprach das Bezirksgericht Bülach den Beschuldigten der versuchten schweren 

Körperverletzung sowie der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig 

und bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie mit 30 

Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.–. Im Weiteren ordnete sie eine siebenjährige 

Landesverweisung an. Gegen dieses Urteil meldeten der Beschuldigte fristge-

recht Berufung an (Urk. 44). Am 15. Februar 2022 erstattete er sodann fristge-

recht seine Berufungserklärung, in welcher er unter anderem verschiedene Be-

weisanträge stellte (Urk. 51).  

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2.   Mit Präsidialverfügung vom 2. März 2022 wurde der Staatsanwaltschaft 

und dem Privatkläger Frist zur Anschlussberufung angesetzt (Urk. 54). Die 

Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 14. März 2022 auf eine An-

schlussberufung und ersuchte gleichzeitig um Dispensation von der Teilnahme an 

der Berufungsverhandlung (Urk. 56). Letzteres wurde mit Verfügung vom 29. April 

2022 bewilligt (vgl. Urk. 56 unten). Seitens der Privatklägerschaft wurde ebenfalls 

keine Anschlussberufung erhoben. Mit Präsidialverfügung vom 5. April 2022 wur-

den die vom Beschuldigten mit der Berufungserklärung gestellten Beweisanträge 

einstweilen abgewiesen (Urk. 58).  

3.   Die Vorladungen für die zunächst auf 15. November 2022 angesetzte Beru-

fungsverhandlung musste infolge Erkrankung eines Mitgliedes der Gerichtsbeset-

zung zunächst auf 20. Dezember 2022 verschoben werden (Urk. 60; Urk. 69). 

Nachdem auch dieser Termin aufgrund neuerlicher kurzfristiger Erkrankung eines 

Mitglieds der Gerichtsbesetzung kurzfristig abgesagt werden musste (Urk. 69 f.), 

fand die mündliche Berufungsverhandlung schliesslich am 3. Februar 2023 in 

Anwesenheit des Beschuldigten statt. Anlässlich der Verhandlung stellte die Ver-

teidigung die eingangs aufgeführten Anträge (Prot. II S. 4 f.). Die Privatklägerver-

treterin reichte unter Verzicht auf die Teilnahme an der Berufungsverhandlung in 

Absprache mit dem Gericht im Vorfeld der Verhandlung eine schriftliche Stellung-

nahme ein (vgl. Urk. 74 und Urk. 79), welche als Urk. 80 zu den Akten genommen 

wurde. Zuvor hatte auch die Staatsanwaltschaft bereits schriftlich die Bestätigung 

des  

vorinstanzlichen Urteils beantragt (Urk. 56). 

II. Prozessuales 

1.   Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das 

Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein 

insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche 

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Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2016 vom 29. November 2016, E. 4.2 mit Hin-

weisen). Der Beschuldigte hat das vorinstanzliche Urteil – mit Ausnahme der an-

geordneten Einziehung und Vernichtung des Elektroschockers (Dispositivziffer 6) 

sowie der unbeanstandet gebliebenen vorinstanzlichen Kostenaufstellung (Dispo-

sitivziffer 8) – vollumfänglich angefochten. Entsprechend ist der vorinstanzliche 

Entscheid nur hinsichtlich dieser Dispositivziffern 6 und 8 in Rechtskraft erwach-

sen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist. 

2.   Sodann ist auf die Frage der Verwertbarkeit der zahlreichen, im Zuge des 

rund dreieinhalb Jahre dauernden Vorverfahrens durchgeführten Einvernahmen 

einzugehen.  

2.1.   Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweis-

erhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und 

einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische Teilnahme- und 

Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1 

lit. b StPO). Es darf nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen eingeschränkt 

werden (Art. 101 Abs. 1, Art. 108, Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO; 

BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; 141 IV 220 E. 4.4; 139 IV 25 E. 4.2 mit Hinweis). Nach 

Art. 147 Abs. 4 StPO dürfen Beweise, die in Verletzung der Bestimmungen von 

Art. 147 StPO erhoben worden sind, nicht zulasten der Partei verwendet werden, 

die nicht anwesend war. Vor Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsan-

waltschaft besteht der Anspruch auf Parteiöffentlichkeit nicht. Bei Beweiserhe-

bungen durch die Polizei, etwa bei polizeilichen Einvernahmen von Auskunftsper-

sonen gestützt auf Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit anderen Wor-

ten nicht zur Teilnahme berechtigt (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario). Soweit die 

Polizei nach Eröffnung der Untersuchung Einvernahmen im Auftrag der Staats-

anwaltschaft durchführt, stehen den Verfahrensbeteiligten die Verfahrensrechte 

zu, die ihnen bei Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft zukommen (Art. 312 

Abs. 2 StPO). Daraus folgt, dass die Parteien das Recht haben, bei Einvernah-

men, welche die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft während deren Unter-

suchung durchführt, anwesend zu sein und Fragen zu stellen. Die Durchführung 

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einer Einvernahme ohne Teilnahme des Beschuldigten steht einer Wiederholung 

der Beweiserhebung im Grundsatz zwar nicht entgegen. Wird aber die Einver-

nahme wiederholt resp. zu einem späteren Zeitpunkt eine Konfrontationseinver-

nahme durchgeführt, darf die Strafbehörde nicht auf die Ergebnisse der voraus-

gegangenen Einvernahmen zurückgreifen, soweit diese einem Beweisverwer-

tungsverbot unterliegen. Aufzeichnungen über unverwertbare Beweise sind nach 

Art. 141 Abs. 5 StPO vielmehr aus den Strafakten zu entfernen, bis zum rechts-

kräftigen Abschluss des Verfahrens unter separatem Verschluss zu halten und 

danach zu vernichten (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_14/2021 vom 

28. Juli 2021, E. 1.3.1 - 1.3.3 mit zahlreichen Verweisen auf Rechtsprechung). 

2.2.   In ihrer Eingabe vom 29. September 2020 (Urk. 19/7) – mithin im Rahmen 

des laufenden Vorverfahrens – wandte sich die Verteidigung kurz nach ihrer Ein-

setzung an die Staatsanwaltschaft und rügte sämtliche bisher durchgeführten 

Beweiserhebungen (Hausdurchsuchung, polizeiliche und staatsanwaltschaftliche 

Einvernahmen) als unverwertbar und beantragte – entgegen ihrer späteren Dar-

stellung anlässlich des Plädoyers in der Berufungsverhandlung (Urk. 85 S. 10) – 

die Wiederholung der Beweisabnahmen unter Gewährung der Teilnahmerechte. 

Als Begründung fügte die Verteidigung an, es sei bereits ab der Stellung des 

Strafantrags des Privatklägers gegen den Beschuldigten am 10. November 2017 

klar gewesen, dass von einer versuchten schweren Körperverletzung auszugehen 

und aufgrund dieser – da eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a StGB – mit einer 

obligatorischen Landesverweisung zu rechnen gewesen sei, womit ein Fall not-

wendiger Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. b StPO vorgelegen habe. Nach-

dem bei den bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Einvernahmen des Beschul-

digten, der Privatklägerschaft und der Auskunftspersonen weder dem Beschuldig-

ten noch der (zu Unrecht nicht bestellten notwendigen) Verteidigung die ihnen zu-

stehenden Teilnahmerechte gewährt worden seien, dürften die erhobenen Bewei-

se nicht zum Nachteil des Beschuldigten verwertet werden (Urk. 19/7 S. 2 f.; vgl. 

sodann Urk. 85 S. 45 f.). 

2.3.   Die verschiedenen Einvernahmen, welche im vorliegenden Verfahren – 

mangels Verfügbarkeit anderer, objektiver Beweisgrundlagen – der klare Schwer-

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punkt der Strafuntersuchung bildeten, gliederten sich in mehrere Phasen. So wur-

de der Privatkläger noch am Tag der Stellung seines Strafantrags (vom 

10. November 2017; Urk. 5) gegen den Beschuldigten von der Kantonspolizei Zü-

rich erstmals einvernommen (Urk. 6/1). Wie sich aus dem Polizeirapport ergibt, 

hätten kurz darauf die polizeilichen Einvernahmen der beiden damaligen Begleiter 

des Privatklägers – C._____ und D._____ – erfolgen sollen, welche sich aber 

aufgrund anfänglichen Nichterscheinens der beiden an den vereinbarten Einver-

nahmeterminen etwas verzögerten (vgl. Urk. 1 S. 4). Am 2. Dezember 2017 

(D._____, Urk. 7/1) bzw. am 5. Dezember 2017 (C._____; Urk. 8/1) konnten die 

Einvernahmen durchgeführt werden. Wie sich aus den Akten ergibt, wurden diese 

Einvernahmen eigenständig durch die Kantonspolizei durchgeführt, wobei es vor-

derhand darum ging, mögliche Tatverdächtige zu ermitteln und die Umstände der 

angezeigten Tat genauer abzuklären. Diese Einvernahmen, in welchen die betref-

fenden Personen als (polizeiliche) Auskunftspersonen befragt wurden, erfolgten 

entsprechend im Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens im Sinne von 

Art. 306 StPO. Die Frage der Gewährung der Teilnahmerechte des Beschuldigten 

oder einer allfälligen Verteidigung stellte sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, 

war die Identifikation des Täters bzw. die Prüfung der Zuverlässigkeit der Anga-

ben der Auskunftspersonen zum Täter und späteren Beschuldigten gerade der 

Hauptgegenstand der Einvernahmen. Ein Tatverdacht gegen den Beschuldigten 

hatte sich mithin erst aus diesen Einvernahmen heraus ergeben bzw. erhärtet. 

Die drei Einvernahmen sind entsprechend – auch zum Nachteil des Beschuldig-

ten – verwertbar (zur Gewährung des Konfrontationsanspruchs vgl. nachfolgend).  

2.4.   Nachdem sich aufgrund der hiervor erwähnten Einvernahmen Hinweise auf 

die Benutzung eines Schlagringes durch die Täterschaft ergeben hatten, ordnete 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland am 1. März 2018 auf Antrag der Kan-

tonspolizei Zürich hin eine Hausdurchsuchung am Wohnort des Beschuldigten an 

(vgl. Urk. 1 S. 5; Urk. 13/1). Durch die Anordnung einer Zwangsmassnahme gilt 

die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO 

(materiell) als eröffnet, womit die Verfahrensherrschaft ab diesem Zeitpunkt auf 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland überging. Diese erteilte der Polizei 

am 19. Juni 2018 gestützt auf Art. 312 StPO einen Ermittlungsauftrag, "im Rah-

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men der bereits eröffneten Untersuchung ein polizeiliches Ermittlungsverfahren 

durchzuführen", um die Umstände des Vorfalls weiter zu klären, wobei auch die 

relevanten Auskunftspersonen zu befragen seien, zur Klärung, ob sie sachrele-

vante Angaben machen können (Urk. 21/1). Hinsichtlich Letzterem wurde zeit-

gleich auch eine Delegationsverfügung erlassen, in welcher ausdrücklich auf die 

Vorschriften von Art. 312 Abs. 2 StPO Bezug genommen und festgehalten wurde, 

dass den Verfahrensbeteiligten die Verfahrensrechte zu gewähren seien, wie 

wenn diese durch die Staatsanwaltschaft selber einvernommen würden 

(Urk. 21/2). Beide Verfügungen wurden schliesslich mit dem Hinweis versehen, 

dass die formellen Beweisabnahmen durch die Staatsanwaltschaft erfolgen wür-

den (Urk. 21/1 S. 2; Urk. 21/2 S. 1).  

2.5.   Im August 2018, mithin knapp ein Jahr nach dem Vorfall, führte die Kan-

tonspolizei Zürich gestützt auf den Ermittlungsauftrag weitere Einvernahmen 

durch. So wurden am 24. August 2018 D._____ (Urk. 7/2), am 28. August 2018 

C._____ (Urk. 8/2) und am 3. September 2018 der Privatkläger (Urk. 6/2) als 

Auskunftspersonen zur Sache befragt. Am 27. September bzw. am 3. Oktober 

2018 folgten sodann die Einvernahmen von E._____ (Urk. 9/1) und F._____ 

(Urk. 10/1) als Auskunftspersonen. Im Rahmen dieser Einvernahmen wurden 

zwecks Täteridentifikation jeweils auch Fotowahlkonfrontationen durchgeführt 

(vgl. Anhänge der jeweiligen Einvernahmen). Der Beschuldigte war an diesen 

Einvernahmen weder anwesend (vgl. Urk. 6/2, 7/2 und 8/2, jeweils S. 1 der Ein-

vernahmen) noch ist aus den Akten ersichtlich, dass diesem die Teilnahme an 

den Einvernahmen angeboten worden wäre und er darauf verzichtet hätte. Nach-

dem zu diesem Zeitpunkt weder seitens des Beschuldigten noch seitens der 

Staatsanwaltschaft eine Verteidigung bestellt worden war, war auch keine anwalt-

liche Vertretung an diesen Einvernahmen zugegen. Entsprechend wurden hin-

sichtlich dieser Einvernahmen der fünf Auskunftspersonen die Teilnahmerechte 

des Beschuldigten verletzt. In Anwendung von Art. 312 Abs. 2 i.V.m. Art. 147 

Abs. 4 StPO sind die Einvernahmen somit unverwertbar. 

2.6.   In ihrer bereits erwähnten Eingabe vom 29. September 2020 rügte der amt-

liche Verteidiger ferner die bis zu seiner Einsetzung am 20. August 2020 erfolgten 

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Einvernahmen des Beschuldigten – mithin die beiden polizeilichen Einvernahmen 

zur Person und zur Sache vom 29. März 2018 (Urk. 5/1 und 5/2) sowie die erste 

staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 3. Januar 2020 (Urk. 5/3) – und über-

dies die am 29. März 2018 am Wohnort des Beschuldigten durchgeführte Haus-

durchsuchung (vgl. Urk. 13/5 - 7) als unverwertbar, da dem Beschuldigten nach 

Ansicht der Verteidigung bereits seit Beginn der Strafuntersuchung eine (notwen-

dige) amtliche Verteidigung hätte bestellt werden müssen (Urk. 19/7 S. 1 ff.). 

2.6.1. Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss eine beschuldigte Person verteidigt wer-

den, wenn ihr eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, eine freiheitsentzie-

hende Massnahme oder eine Landesverweisung droht. Das Gesetz sieht als 

Rechtsfolge für die nicht rechtzeitig bestellte notwendige Verteidigung vor, dass in 

Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, vor der 

Bestellung der Verteidigung erfolgte Beweiserhebung nur gültig sind, wenn die 

beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 StPO). 

Hinsichtlich der beanstandeten Einvernahmen des Beschuldigten ist mit Blick auf 

den Hauptvorwurf der versuchten schweren Körperverletzung anzumerken, dass 

der Beschuldigte in diesen keinerlei Eingeständnisse machte, sondern vielmehr 

von Beginn weg konstant bestritt, überhaupt am Tatort gewesen zu sein (vgl. die 

zusammenfassende Darlegung seiner Aussagen im vorinstanzlichen Urteil, 

Urk. 50 S. 8 f.). Entsprechend liesse sich aus den ersten beiden Einvernahmen 

zum Hauptvorwurf ohnehin kaum etwas Belastendes ableiten, das sich nicht be-

reits aus den späteren, unbestrittenermassen verwertbaren staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahmen (Urk. 5/4 und 5/5) entnehmen liesse. Auch anlässlich der 

Hausdurchsuchung wurden keine belastenden Hinweise, insbesondere kein 

Schlagring gefunden, welche für den Hauptvorwurf von Relevanz wären. Viel eher 

von Bedeutung ist die Frage der Verwertbarkeit dieser Beweisabnahmen jedoch 

hinsichtlich der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, wurde der Elektroscho-

cker doch als Zufallsfund im Rahmen der Hausdurchsuchung entdeckt und der 

Beschuldigte hernach an der ersten polizeilichen Einvernahme bereits dazu be-

fragt, wobei er damals – anders als in den späteren Einvernahmen – noch sinn-

gemäss eingestand, sich bewusst zu sein, dass es sich beim fraglichen Gerät 

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nicht nur um eine harmlose Taschenlampe, sondern vielmehr um einen Elektro-

schocker handle (Urk. 5/1 S. 5 unten).   

2.6.2.  Mit Blick auf den Zeitpunkt der Bestellung der notwendigen Verteidigung 

sieht die Gesetzgebung in Art. 131 StPO vor, dass diese in Fällen, in welchen 

sich die Voraussetzungen im Sinne von Art. 130 StPO erst im Laufe der (bereits 

eröffneten) Strafuntersuchung als erfüllt erweisen, grundsätzlich unverzüglich, 

mithin sofort ab dem Zeitpunkt, in welchem erkennbar wird, dass dies der Fall ist 

(im Beispiel von Untersuchungshaft am 11. Tag seit der Festnahme; vgl. Art. 130 

lit. a StPO) zu erfolgen hat. In Fällen, in denen die Voraussetzungen der notwen-

digen Verteidigung bereits bei Einleitung des Vorverfahrens erfüllt sind, muss die 

Bestellung der notwendigen Verteidigung nach der ersten Einvernahme durch die 

Staatsanwaltschaft erfolgen. Während der Dauer des polizeilichen Ermittlungsver-

fahrens besteht mithin keine Pflicht zur Bestellung einer notwendigen Verteidi-

gung. An der bereits festgestellten Verwertbarkeit der ersten drei Einvernahmen 

(Privatkläger, C._____ und D._____, vgl. oben E. II.2.3) ändert sich mithin auch 

unter diesem Aspekt nichts. Gleichzeitig kann für den Zeitpunkt, ab dem die not-

wendige Verteidigung sicherzustellen ist, aber auch nicht unbesehen auf den 

Zeitpunkt der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme abgestellt werden, 

stellt Art. 131 Abs. 2 StPO doch klar, dass die notwendige Verteidigung "jeden-

falls aber vor der Eröffnung der Untersuchung" bestellt sein muss. Somit gilt die 

erste staatsanwaltschaftliche Einvernahme nur dann als relevanter Zeitpunkt, 

wenn die Untersuchung bis dahin nicht ohnehin schon eröffnet wurde, was – wie 

bereits dargelegt (oben E. II.2.4) – vorliegend mit der Anordnung der Hausdurch-

suchung am 1. März 2018 der Fall war.  

2.6.3. Entsprechend ist vorliegend relevant, ob zu diesem Zeitpunkt bereits er-

kennbar war, dass ein Fall notwendiger Verteidigung vorlag. Wie nachfolgend im 

Rahmen der Beweiswürdigung noch genauer zu zeigen sein wird, gaben der Pri-

vatkläger wie auch C._____ und D._____ in ihren ersten polizeilichen Einvernah-

men an, dass der Privatkläger vom Beschuldigten mit einem Gegenstand ähnlich 

einem Schlagring massiv ins Gesicht geschlagen und hernach, als er wehrlos am 

Boden lag, mit einem Fusstritt gegen den Kopf bzw. ins Gesicht gekickt worden 

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sei (vgl. Urk. 6/1 S. 2; Urk. 7/1 S. 1 f.; Urk. 8/1 S. 2). Mit Blick auf die seit länge-

rem etablierte Rechtsprechung, wonach bereits ein einigermassen kraftvoller 

Fusstritt ins Gesicht eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn sich dieses 

mit den Armen zu schützen versucht – als geeignet erachtet wird, schwere Verlet-

zungen im Sinne von Art. 122 StGB herbeizuführen, war bereits anhand der Er-

kenntnisse aus dem polizeilichen Untersuchungsverfahren erkennbar, dass gegen 

den von sämtlichen drei Auskunftspersonen als Täter bezeichneten Beschuldig-

ten, der aus dem Kosovo stammt, ein hinreichender Tatverdacht auf eine vollen-

dete (die Frage nach allfällig bleibenden Körperschäden war zu diesem Zeitpunkt 

noch offen) oder zumindest versuchte schwere Körperverletzung vorlag, hinsicht-

lich welcher bei gelungenem Nachweis der Tat eine überjährige Freiheitsstrafe 

sowie eine obligatorische Landesverweisung in Betracht kommen würde. Dass 

die Staatsanwaltschaft diesen Tatverdacht ebenfalls relativ früh im Verfahren – 

jedenfalls aber vor der von ihr am 20. August 2020 angeordneten Einsetzung ei-

ner notwendigen Verteidigung (Urk. 19/3) – hegte, ergibt sich denn auch aus dem 

Ermittlungsauftrag vom 19. Juni 2018, in welchem als mögliche Tatbestände – 

neben einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten – ausdrücklich eine schwere 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB erwähnt wird (Urk. 21/1 S. 2). Ent-

sprechend hätte die Staatsanwaltschaft ab der Anordnung der ersten Zwangs-

massnahme – mithin der Anordnung der Hausdurchsuchung am 1. März 2018 – 

darum besorgt sein müssen, dass der Beschuldigte eine Verteidigung ernennt 

oder ihm dann – gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO – eine amtliche Verteidi-

gung bestellen müssen. Vor diesem Hintergrund unterliegt die mit dem nicht ver-

teidigten Beschuldigten am 29. März 2018 durchgeführte polizeiliche (Urk. 5/1 

und 5/2) sowie die am 3. Januar 2020 erfolgte erste staatsanwaltschaftliche Ein-

vernahme (Urk. 5/3) der Beweisverwertungseinschränkung von Art. 131 Abs. 3 

StPO. 

2.6.4. Dass vor diesem Hintergrund auch die Ergebnisse der Hausdurchsuchung 

– mithin vorwiegend die Sicherstellung des Elektroschockers – nicht verwertbar 

wären, ergibt sich daraus allerdings dennoch nicht. Das Gesetz sieht die Beweis-

verwertungseinschränkung von Art. 131 Abs. 3 StPO für "Beweiserhebungen" vor 

(Art. 131 Abs. 3 StPO). Entsprechend lautet die zentrale Frage, ob es sich bei ei-

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ner Hausdurchsuchung um eine Beweiserhebung im Sinne des Art. 131 Abs. 3 

StPO handelt. Die Rechtsfolge der Ungültigkeit einer Beweiserhebung im Falle 

nicht bestellter Verteidigung erscheint nur dann sinnvoll und gerechtfertigt, wenn 

der beschuldigten Person und damit ihrem amtlichen Verteidiger Teilnahmerechte 

an dieser zustehen. Die Teilnahmerechte bei Beweiserhebungen regelt die Straf-

prozessordnung im 4. Titel "Beweismittel" in Art. 147 StPO. Bei der Hausdurchsu-

chung handelt es sich aber nicht um ein Beweismittel, was sich mit Blick auf die 

Gesetzessystematik bereits daraus ergibt, dass sie nicht im 4. Titel, sondern im 5. 

Titel "Zwangsmassnahmen" (Art. 196 - 298, konkret Art. 244 und Art. 245 StPO) 

geregelt ist. Sie ist vielmehr eine Verfahrenshandlung, die in die Grundrechte der 

betroffenen Person eingreift, mit dem Zweck, bereits vorhandene Beweise zu si-

chern. Ein allfälliger Beweis liegt mit anderen Worten zum Zeitpunkt von deren 

Vornahme bereits vor und die Durchsuchung dient entsprechend einzig dazu, den 

bestehenden Zustand zu dokumentieren und die Grundlage zu schaffen für die 

Beschlagnahmung von in den zu durchsuchenden Räumen bereits vorhandenen 

Gegenständen, die als Beweismittel relevant sein können. Die Hausdurchsuchung 

ist also nicht selber Beweismittel, sondern einzig ein Mittel, das zu einem beste-

henden Beweismittel führen kann. 

2.6.5. Das Wesen der Hausdurchsuchung als reine Beweissicherungsmassnah-

me ergibt sich so denn auch explizit aus den allgemeinen Bestimmungen zu den 

Zwangsmassnahmen des 5. Titels (Art. 196 lit. a StPO: "Verfahrenshandlung,  

[...], die dazu dient: a. Beweise zu sichern;"). Demgegenüber entsteht etwa bei ei-

ner Einvernahme, welche die Strafprozessordnung in Art. 142 ff. im 4. Titel "Be-

weismittel" regelt, der eigentliche Beweis bzw. dessen Beweisgehalt erst mit der 

Befragung bzw. entsprechenden Beantwortung durch einen Zeugen oder die be-

schuldigte Person an sich, wodurch sich insbesondere auch gewisse Möglichkei-

ten der Parteien ergeben, auf den Beweisgehalt des abzunehmenden Beweises 

Einfluss zu nehmen (etwa Reaktion der beschuldigten Person auf Fragen und 

Vorhalte, Aussageverweigerung, Ergänzungsfragen an Belastungszeugen etc.). 

Das Prozessrecht trägt dem durch die Gewährung von Teilnahmerechten in 

Art. 147 StPO Rechnung, gegebenenfalls unter notwendiger Beistellung eines 

Verteidigers gemäss Art. 131 Abs. 3 StPO. Bei einer Hausdurchsuchung als reine 

-   14   - 

Beweissicherungsmassnahmen hat jedoch weder die beschuldigte Person noch 

ihr Rechtsvertreter die Möglichkeit, durch ihre Anwesenheit auf legalem Weg auf 

die zu sichernden Beweise Einfluss zu nehmen oder deren Sicherung (insbeson-

dere Dokumentation mit Fotos, Beschlagnahme aufgefundener Gegenstände) zu 

verhindern (vgl. BGE 96 I 437 E. 3b). Dementsprechend sieht das Gesetz bei der 

Hausdurchsuchung denn auch kein eigentliches Teilnahmerecht der beschuldig-

ten Person vor, wie dies bei Beweiserhebungen im Sinne von Art. 147 StPO der 

Fall ist. Art. 245 Abs. 2 StPO sieht zwar vor, dass der Inhaber der zu durchsu-

chenden Räume, was zwar die beschuldigte Person sein kann, aber nicht muss, 

der Hausdurchsuchung beizuwohnen hat. Das Wesen dieser "Teilnahme" des In-

habers besteht nun aber einzig darin, den Eingriff in dessen Privatsphäre zu mil-

dern. Handelt es sich bei den zu durchsuchenden Räumen um solche eines Drit-

ten, ist eine Teilnahme des Beschuldigten und/oder seiner Verteidigung entspre-

chend nicht vorgesehen. Bereits daran ist erkennbar, dass bei einer Hausdurch-

suchung kein Teilnahmerecht der Parteien im Sinne von Art. 147 StPO besteht. 

Daran ändert sich auch nichts, wenn es sich – wie in casu – um Räumlichkeiten 

der beschuldigten Person handelt. Auch hier ist eine Teilnahme derselben nicht 

zwingend – und ebenso wenig jene ihres (gegebenenfalls notwendigen) Verteidi-

gers. Vielmehr kann die Hausdurchsuchung gemäss ausdrücklichem Gesetzes-

wortlaut auch in Abwesenheit der beschuldigten Person, die im konkreten Fall das 

Hausrecht inne hat, erfolgen. Art. 245 Abs. 2 StPO sieht entsprechend vor, dass 

bei Abwesenheit des Inhabers eine geeignete andere Person – etwa ein volljähri-

ges Familienmitglied oder eine Vertrauensperson – der Hausdurchsuchung bei-

wohnt. Und auch Letzteres hat gemäss entsprechendem Wortlaut nur "nach Mög-

lichkeit" zu erfolgen, womit selbst eine Hausdurchsuchung ohne Beizug einer sol-

chen Person nicht ausgeschlossen ist und gegebenenfalls zulässig sein kann. In 

diesem Sinne hat das Bundesgericht denn auch schon in einem früheren Urteil 

entschieden, dass es sich bei der Teilnahmebestimmung zur Hausdurchsuchung, 

welche die eidgenössische Strafprozessordnung heute in Art. 245 Abs. 2 StPO 

regelt, lediglich um eine Ordnungsvorschrift handelt (BGE 96 I 437 E. 3b).  

2.6.6. Aus dem Gesagten erhellt, dass es sich bei der Hausdurchsuchung nicht 

um eine "Beweiserhebung" im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StPO handelt, an wel-

-   15   - 

cher den Parteien und ihren Rechtsvertretern ein Teilnahmerecht zukäme. Sie 

wird mithin auch nicht von den in Art. 131 Abs. 3 StPO genannten Beweiserhe-

bungen erfasst, die – um gültig zu sein – erst nach Bestellung der notwendigen 

Verteidigung durchgeführt werden dürfen (so bereits im Urteil SB190364 des 

Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 5. Oktober 2020 E. 5.1. ff. 

; ferner Urteil des Obergerichts Solothurn, vom 13. September 2018 E. 6.4.2. ff., 

publiziert in SJZ 115/2019 S. 488 ff., bestätigt in Urteil des Bundesgerichts 

6B_75/2019 vom 15. März 2019, wobei die Unverwertbarkeit der Hausdurchsu-

chung nicht mehr geltend gemacht wurde; ferner Beschluss der Beschwerde-

kammer in Strafsachen des Obergerichts Bern BK 18 199 vom 10. August 2018 

E. 5.2.; LIEBER, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Aufl. 2020, N 8 zu Art. 131 

StPO). Entsprechend sind im vorliegenden Fall die Ergebnisse der Hausdurchsu-

chung, mithin der aufgefundene und sichergestellte Elektroschocker, verwertbar. 

2.7.  Zusammenfassend erweisen sind nach dem Gesagten folgende Beweis-

mittel im Sinne von Art. 141 Abs. 1 i.V.m. 147 Abs. 4 StPO (Verletzung Teilnah-

merechte) als nicht verwertbar:  

− Einvernahme von D._____ vom 24. August 2018 (Urk. 7/2), 
− Einvernahme von C._____ vom 28. August 2018 (Urk. 8/2) 
− Einvernahme des Privatklägers am 3. September 2018 (Urk. 6/2) 
− Einvernahme von E._____ vom 27. September 2018 (Urk. 9/1)  
− Einvernahme von F._____ vom 3. Oktober 2018  (Urk. 10/1) 

Das gleiche Schicksal teilen letztlich auch die Einvernahmen des Beschuldigten 

vom 29. März 2018 (Urk. 5/1 und 5/2) und vom 3. Januar 2020 (Urk. 5/3), nach-

dem diese der Beweisverwertungseinschränkung von Art. 131 Abs. 3 StPO unter-

liegen und die Verteidigung wie erwähnt am 29. September 2020 deren Wieder-

holung verlangte (Urk. 19/7 S. 3). Entgegen dem, was der Wortlaut im deutschen 

Gesetzestext suggeriert ("nur gültig", was auf eine nur bedingte Unverwertbarkeit 

im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO hindeutet) – ist gestützt auf den französischen 

Gesetzestext auch hier von Unverwertbarkeit im Sinne von Art. 141 Abs. 1 StPO 

-   16   - 

auszugehen (vgl. dazu LIEBER, a.a.O., N 8 zu Art. 131 StPO, Urteil des Bundesge-

richts 6B_883/2013 vom 17. Februar 2014, E. 2.3). 

2.8.  Dass die Verteidigung vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren  

nach eigenen Angaben "bewusst darauf verzichtet hat, die erwähnten Einver-

nahmen als unverwertbar anzugreifen" (vgl. Urk. 39 S. 3; Urk. 51 S. 6; Urk. 85 

S. 10), ändert an diesem Ergebnis nichts, zumal die Unverwertbarkeit zufolge 

Verletzung der Teilnahmerechte von Amtes wegen zu berücksichtigen ist. Hin-

sichtlich der der Beweisverwertungseinschränkung von Art. 131 Abs. 3 StPO un-

terliegenden Einvernahmen des Beschuldigten war wie dargelegt ursprünglich ei-

ne Wiederholung verlangt worden. Die nachträglich vom Verteidiger gewählte, 

geänderte Verteidigungsstrategie muss in diesem Fall zum Schutze des Beschul-

digten, der in den fraglichen Einvernahmen vor allem mit Blick auf den Vorwurf 

der Widerhandlung gegen das Waffengesetz selbstbelastende Aussagen machte 

(vgl. bereits oben, E. II.2.6.1.), die er später widerrief (Urk. 5/5 F/A 17 ff.), unbe-

achtlich bleiben.  

III. Sachverhalt 

1.   Grundsätze der Beweiswürdigung  

1.1.   Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundsätze der Beweiswürdigung sowie 

insbesondere der Aussagewürdigung in ihrem Urteil bereits zutreffend wiederge-

beben (Urk. 50 S. 5 ff.). Darauf kann vorab verwiesen werden.  

1.2.   Im Sinne einer Ergänzung der zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz  

ist zur Würdigung von Aussagen Folgendes anzufügen: Weitaus bedeutender für 

die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit 

der konkreten Aussagen, welche durch eine methodische Analyse ihres Inhaltes 

darauf zu überprüfen sind, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen An-

gaben einem tatsächlichen Erleben des Befragten entspringen. Damit eine Aus-

sage als zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vor-

handensein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasie-

signalen zu überprüfen. Zu diesen Realkennzeichen gehören beispielsweise die 

-   17   - 

logische Konsistenz, der quantitative Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfun-

gen, Interaktionsschilderungen, die Wiedergabe von Gesprächen oder die Schil-

derung von ausgefallenen Einzelheiten und Nebensächlichkeiten, von eigenen 

psychischen Vorgängen sowie psychischer Vorgänge des Täters, wie auch Ein-

geständnisse von Erinnerungslücken, Schilderungen von Komplikationen, Selbst-

belastungen sowie Entlastungen bzw. Absehen von zusätzlichen Belastungen des 

Täters (vgl. zu den Realkennzeichen im Einzelnen etwa DITTMANN, Zur Glaubhaf-

tigkeit von Zeugenaussagen, plädoyer 2/97, S. 33 ff.; FERRARI, Erkenntnisse aus 

der Aussagepsychologie, plädoyer 4/09, S. 35 f.; LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, Wie 

können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und An-

wälten helfen?, AJP 11/2011, S. 1425). Als Phantasie- oder Lügensignale gelten 

gemeinhin Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, 

Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren Einvernah-

men, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten sowie gleichför-

mig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen (vgl. dazu auch BEN-

DER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und 

Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Aufl. 2014, N. 336 ff.). Weiter kann es hilf-

reich und geboten sein, die Entwicklungsgeschichte der Aussage zu untersuchen 

sowie die Aussagen einem Strukturvergleich zu unterziehen. Im Rahmen des 

Strukturvergleichs wird die Qualität der Aussage zum Kerngeschehen der Qualität 

der Schilderungen zu nicht tatbezogenen Inhalten gegenübergestellt 

(LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, a.a.O., S. 1428 ff.). Weiter ist nach möglichen Fehler-

quellen zu forschen, die etwa darin bestehen können, dass die aussagende Per-

son über ein Motiv zur Falschaussage verfügt oder Umstände vorhanden sind, 

welche die Aussage beeinflusst haben könnten. Schliesslich ist zu untersuchen, 

ob es Übereinstimmungen oder Widersprüche zu anderen Beweisen gibt (externe 

Validierung). 

  

-   18   - 

2.   Anklagesachverhalt 1: Versuchte schwere Körperverletzung 

2.1.   Anklagevorwurf 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, am 

17. September 2017 auf dem Parkplatz des Rastplatzes "G._____" den Privatklä-

ger heftig und gezielt mindestens einmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen 

und anschliessend den nun wehrlos am Boden Liegenden wissentlich und willent-

lich heftig mit dem Fuss ins Gesicht gekickt zu haben. Durch diesen Angriff des 

Beschuldigten habe der Privatkläger die in der Anklageschrift näher umschriebe-

nen Verletzungen im Gesicht erlitten, welche operativ hätten behandelt werden 

müssen. Einerseits habe der Beschuldigte durch den Faustschlag und den Fuss-

kick ins Gesicht des Privatklägers die diesem zugefügten Verletzungen zumindest 

in Kauf genommen, andererseits habe er durch sein aggressives Vorgehen eben-

falls in Kauf genommen, dass der angetrunkene Privatkläger durch den für ihn 

unerwarteten heftigen Faustschlag und Fusskick ins Gesicht lebensgefährliche 

Verletzungen hätte davontragen können oder eine andere schwere Schädigung 

des Körpers oder der geistigen Gesundheit hätte erleiden können, namentlich 

schwere Augenverletzungen, schwere Schädel-Hirn-Verletzungen und/oder Hirn-

blutungen (Urk. 23). 

2.2.  Aussagen des Beschuldigten 

Der Beschuldigte bestritt von Beginn der Strafuntersuchung weg konsequent, sich 

am Tatabend überhaupt auf dem besagten Rastplatz "G._____" aufgehalten zu 

haben. Er könne sich zwar nicht genau erinnern, was er an diesem Datum ge-

macht habe, er sei aber bestimmt mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen 

gewesen. Es müsse sich entweder um eine Verwechslung handeln, oder dann 

wolle ihm jemand – vermutlich H._____, mit dem er schon früher Probleme ge-

habt habe – etwas anhängen. Überdies gibt er an, die Zeugin E._____, welche 

behauptet, eine Affäre mit dem Beschuldigten gehabt zu haben, überhaupt nicht 

zu kennen (Urk. 5/4 S. 3 ff.; Urk. 5/5 S. 2 f.; Prot. I S. 11 ff.). An diesem Stand-

punkt hielt er auch anlässlich der Befragung vor Obergericht fest (Prot. II S. 14 f.) 

-   19   - 

2.3.  Aussagen des Privatklägers 

2.3.1. Der Privatkläger äusserte sich anlässlich der (verwertbaren) polizeilichen 

Einvernahme vom 10. November 2017 – mithin knapp zwei Monate nach dem 

Vorfall – erstmals ausführlich zu den von ihm gegen den Beschuldigen erhobenen 

Vorwürfen. Im Rahmen einer zunächst freien Erzählung sowie anschliessender 

Detailfragen des einvernehmenden Polizisten gab er zu Protokoll, am frühen Mor-

gen des 17. September 2017 mit zwei Kollegen auf den Autobahnrastplatz 

G._____ gefahren zu sein, wobei sein Kollege das Auto auf einem dortigen Park-

platz abgestellt habe. Gerade hinter ihnen sei ein schwarzer Mercedes-Benz SUV 

gestanden. Seine beiden Kollegen seien auf die dortige Toilette gegangen. Er sei 

ebenfalls ausgestiegen, habe sich eine Zigarette angezündet und sei rauchend 

ebenfalls in Richtung der Toiletten gegangen. Er sei etwas betrunken gewesen. 

Dazu habe er am schwarzen Fahrzeug vorbeigehen müssen, bei welchem drei 

Personen, ein Mann und zwei Frauen, gestanden hätten. Er habe da irgendetwas 

gesungen, worauf ihn eine der beiden Frauen auf den Gesang angesprochen 

bzw. mitgesungen habe. Er habe sie darauf gefragt, was denn los sei, worauf sie 

geantwortet habe, es sei nichts los. Da habe sich der junge Mann in der Gruppe 

ebenfalls eingemischt und ihn etwas auf Albanisch gefragt, was er so halbwegs 

als Frage, ob er Albaner sei, verstanden habe. Er habe darauf auf Schweiz-

deutsch zurückgefragt, was er damit meine, worauf der junge Mann die Frage auf 

Deutsch wiederholt habe. Als er diesem "Nei, wieso?" geantwortet habe, sei von 

rechts ein anderer junger Mann – der Beschuldigte – hinzugekommen und habe 

ihn "Hesch es Problem?" gefragt. Er habe sich darauf zum Beschuldigten umge-

dreht und der Beschuldigte sei nahe, in ca. 10 cm Abstand zu seinem Kopf, her-

angetreten. Er (der Privatkläger) habe darauf gesagt, dass er kein Problem habe, 

ob denn der Beschuldigte eines habe. Darauf sei der Beschuldigte ausgerastet, 

zu seinem Auto zur Fahrerseite gegangen, habe seine Jacke ausgezogen und sei 

auf ihn zugekommen, wobei er etwas in der Hand gehabt habe. Er vermute, dass 

es sich dabei um einen Schlagring gehandelt habe, es sei ein dunkler Gegen-

stand gewesen, den er aber nicht genau erkannt habe. Seine Kollegen seien da 

ebenfalls von der Toilette zurückgekommen und alle Anwesenden hätten gerufen, 

dass sie aufhören sollten. Die Begleiter des Beschuldigten seien ca. 2 Meter von 

-   20   - 

ihnen entfernt gestanden. C._____ sei dicht neben ihm gestanden und D._____ 

habe sich zwischen ihn und den Beschuldigten positioniert und habe versucht, sie 

voneinander zu trennen. Der Beschuldigte sei aber um D._____ herumgegangen 

und habe ihm seine rechte Faust mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen, worauf 

er sofort zu Boden gefallen sei. Als er dort am Boden gelegen sei, habe der Be-

schuldigte ihm mit dem Fuss mit voller Kraft einen Kick ins Gesicht gegeben. Er 

sei hernach benommen und nicht mehr richtig bei sich gewesen. Die Autonummer 

hätten sie sich nicht merken können, er wisse nur, dass es sich um ein aargaui-

sches Kennzeichen gehandelt habe (Urk. 6/1 S. 2 ff.).  

2.3.2.  Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. Januar 2021 

schilderte der Privatkläger das Geschehen – zunächst erneut in einer längeren 

freien Erzählung – praktisch identisch (Urk. 6/4 S. 4 f.). Ergänzend gab er an, 

dass zum Zeitpunkt, als der Beschuldigte sich unmittelbar vor seinem Gesicht po-

sitioniert habe, die Stimmung etwas aggressiv geworden sei und der Beschuldigte 

auch aggressive Worte zu ihm gesagt habe, an deren genauen Wortlaut er sich 

aber nicht mehr erinnern könne (a.a.O. S. 5). Den Täter beschrieb er als ca. 190 

cm grosse männliche Person mit kräftiger Statur und schwarzen Haaren, worauf 

er den der Einvernahme beiwohnenden Beschuldigten als Täter identifizierte. Er 

sei sich zu 100% sicher, dass es sich dabei um den Täter handle, er könne sich 

gut an dessen Gesicht erinnern (a.a.O. S. 6). Der Faustschlag des Beschuldigten 

sei sehr intensiv gewesen, sodass er "weggeflogen" und auf dem Boden gelandet 

sei. Beim kurz darauf folgenden Fusstritt in sein Gesicht habe der Beschuldigte 

voll ausgeholt. Die Schläge seien derart hart gewesen, dass er hilflos gewesen 

sei und entsprechend – selbst wenn er gewollt hätte – nicht hätte zurückschlagen 

können. Er habe sich überhaupt nicht dagegen wehren können. Nach den Schlä-

gen sei er nicht mehr richtig bei sich gewesen. Es sei ihm schwarz vor den Augen 

geworden, ähnlich, wie wenn man ohnmächtig werde. Er habe entsprechend nicht 

mehr genau mitbekommen bzw. könne sich nicht mehr erinnern, was der Be-

schuldigte unmittelbar nach der Tat gemacht habe (a.a.O. S. 6 f.). 

  

-   21   - 

2.4.   Aussagen des Zeugen D._____ 

2.4.1. D._____ beschrieb den Vorfall in seiner tatnächsten Einvernahme als poli-

zeiliche Auskunftsperson am 2. Dezember 2017 zunächst in einer längeren freien 

Erzählung und hernach auf Nachfrage hin dahingehend, dass er mit seinen Kolle-

gen C._____ und dem Privatkläger zwecks Toilettengang auf dem Rastplatz an-

gehalten habe. Während C._____ und er zur Toilette geeilt seien, sei der Privat-

kläger etwas langsamer hinter ihnen gegangen. Beim Behindertenparkplatz sei 

ein dunkler SUV – allenfalls ein VW Touareg oder ein Mercedes-Benz – mit Aar-

gauer Kontrollschildern gestanden, bei dem ein Typ mit zwei Frauen gestanden 

sei. Der Privatkläger habe ein Lied gepfiffen und eine der Frauen habe dann mit-

gepfiffen. Der Privatkläger habe dann bei der Gruppe angehalten und angefan-

gen, irgendwas mit diesen zu diskutieren, während er und C._____ auf die Toilet-

te gegangen seien. Als er zurückgekommen sei, habe er gesehen, dass der Pri-

vatkläger und der Beschuldigte Kopf an Kopf gestanden seien. Er sei sofort da-

zwischengegangen und habe dem Privatkläger gesagt, er solle wieder ins Auto 

steigen. Zum Beschuldigten habe er gesagt, er solle keinen Stress machen, er 

solle es sein lassen und ebenfalls wieder in sein Auto steigen. Dieser habe aber 

aufgebracht herumgerufen, mitunter, dass er ihn (den Privatkläger) töten werde. 

Der Beschuldigte sei darauf zum SUV zurückgegangen und habe auf der Fahrer-

seite einen Gegenstand aus dem Fahrzeug entnommen, er könne aber nicht ge-

nau sagen, was es gewesen sei. Es sei etwas Schwarzes gewesen, das der Be-

schuldigte in seiner Innenhand gehabt habe. Er sei noch immer vor dem Privat-

kläger gestanden, als der Beschuldige wieder auf sie zugekommen sei und dem 

Privatkläger mit der rechten Faust genau ins Gesicht geschlagen habe. Der Pri-

vatkläger sei ob dem Schlag nach hinten gegen die dortigen Stelltische aus Plas-

tik gefallen. Als der Privatkläger wieder versucht habe sich aufzurappeln, sei der 

Beschuldigte hinter ihm durch gegangen und habe diesen – er habe dies nicht 

genau gesehen – mit dem Fuss wieder zu Boden gestossen. Als der Privatkläger 

am Boden gelegen sei, habe der Beschuldigte diesem mit dem Fuss – glaublich 

dem rechten Fuss – in den Kopf gekickt. Der Privatkläger habe weder selber ge-

schlagen noch habe er sich verteidigen können, weil alles so schnell gegangen 

sei. Er (D._____) habe den Beschuldigten darauf weggestossen und sich um den 

-   22   - 

Privatkläger gekümmert. In dieser Zeit sei der Beschuldigte zu seinem Fahrzeug 

gegangen und habe die Nummernschilder entfernt. Darauf sei der Wagen mit den 

anderen Personen aus der Gruppe des Beschuldigten davongefahren. Ergänzend 

fügte er schliesslich an, dass am Rückspiegel des Fahrzeugs des Beschuldigten 

ein Anhänger mit albanischem Adler darauf gehangen habe (Urk. 7/1 S. 1). 

2.4.2. Anlässlich der Zeugeneinvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 22. 

Januar 2021 (Urk. 7/4) schilderte D._____ den Vorfall erneut in freier Erzählung 

und im Wesentlichen praktisch identisch wie in der ersten Einvernahme. Bei die-

ser Gelegenheit vermochte er den der Einvernahme beiwohnenden Beschuldigten 

eindeutig als den Täter zu identifizieren. Er habe beim Vorfall ja auch kurz mit 

dem Täter gesprochen und sei ihm dabei genügend lange "face to face" gegen-

über gestanden, sodass er sich relativ gut an diesen erinnern könne (a.a.O. S. 4 

f.). Auf Nachfrage hin, wie die Schläge erfolgt seien, gab der Zeuge an, der 

Faustschlag sei auf den Kopf erfolgt, und zwar mit "Vollpower". Beim Kick sei er 

sich nicht ganz sicher, ob der Beschuldigte den Kopf des Privatklägers wirklich 

getroffen habe, da sich der Privatkläger allenfalls zusammengekrümmt haben 

könnte, aber der Kick sei jedenfalls gegen den Kopf gezielt gewesen (a.a.O. S. 5). 

Auch dieser Kick sei mit "voller Power" erfolgt. 

2.5.  Aussagen des Zeugen C._____ 

2.5.1. C._____ beschrieb den Vorfall erstmals anlässlich der polizeilichen Einver-

nahme vom 5. Dezember 2017 (Urk. 8/1). Er sei mit D._____ Richtung Toilette 

gegangen, während der Privatkläger etwas hinter ihnen gegangen sei und noch 

eine Zigarette geraucht habe. Als sie den dort parkierten schwarzen "Mercedes 

Jeep" SUV – vermutlich vom Modell "ML" oder ähnlich, bei welchem zwei Frauen, 

der Beschuldigte und ein Mann – wahrscheinlich dessen Bruder – gestanden hät-

ten, passiert hätten, habe eine der Frauen eine Bemerkung gemacht. Sie habe 

sich auf Schweizerdeutsch über sie lustig gemacht, er habe aber nicht richtig hin-

gehört. Als er vom Toilettengang zurückgekommen sei, habe er den Privatkläger 

und den Beschuldigten Kopf an Kopf vorgefunden. Es habe zwischen diesen eine 

verbale Auseinandersetzung gegeben. Der Beschuldigte habe zum Privatkläger 

etwas gesagt wie "Ich schlage dich ab und bringe dich um". Er habe versucht da-

-   23   - 

zwischenzugehen bzw. die Streitenden verbal zu beschwichtigen. Der Beschul-

digte sei dann aber voll ausgerastet, habe gesagt, dass nun "fertig" sei, habe sich 

zur Fahrerseite seines Fahrzeugs begeben und dort etwas herausgeholt. Es sei 

ein schwarzer Gegenstand gewesen, wobei er sich fast sicher sei, dass es sich 

um einen Schlagring gehandelt haben müsse, da er sich die schweren Verletzun-

gen des Privatklägers anders nicht erklären könne. Der Beschuldigte sei jeden-

falls vom Auto zurückgekommen und habe dem Privatkläger mit voller Wucht die 

Faust ins Gesicht geschlagen, sodass der Beschuldigte praktisch vom Boden 

"abgehoben" und nach hinten "geflogen" sei, wo er auf den Boden gefallen sei 

und sich dabei noch den Hinterkopf gestossen habe. Der Privatkläger sei be-

nommen gewesen und habe versucht aufzustehen, was ihm aber nicht gelungen 

sei. Darauf habe der Beschuldigte dem Privatkläger mit dem Fuss ins Gesicht ge-

kickt. Der Beschuldigte habe gar nochmals versucht, mit dem Fuss auf den Kopf 

des Privatklägers zu "stampfen", habe aber verfehlt und sei dann vom D._____ 

zur Seite gestossen worden. Schliesslich sei der Beschuldigte zu seinem Fahr-

zeug gegangen und habe die Nummernschilder abmontiert. Die Gruppe sei dann 

eingestiegen und weggefahren (Urk. 8/1 S. 1 ff.). 

2.5.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. Januar 2021  

schilderte der Zeuge die Geschehnisse in der Tatnacht wiederum zunächst in 

freier Erzählung und weitgehend identisch (Urk. 8/4 S. 4 ff.). Er brachte gar noch 

ergänzende Details zutage, etwa dass der Beschuldigte seiner Erinnerung nach 

mit der rechten Faust zugeschlagen bzw. mit dem rechten Fuss gekickt habe 

(a.a.O. S. 5 f.). Den Täter beschrieb er als gross, breit, "aufgepumpt", mit schwar-

zen, glaublich nach hinten gegelten Haaren. Schliesslich vermochte er den an der 

Einvernahme anwesenden Beschuldigten als den Täter zu identifizieren. Er erin-

nere sich an dessen Gesicht (a.a.O. S. 5, 7). Die Intensität des Faustschlages ins 

Gesicht des Privatklägers beschreibt er als mit voller Wucht ausgeführt bzw. als 

eine 10 auf einer Skala von 1 bis 10. Der Privatkläger sei schon ab diesem Schlag 

"weggetreten" gewesen. Darauf sei der Fusskick mit dem rechten Fuss ins Ge-

sicht des wehrlos am Boden liegenden Privatklägers erfolgt, welchen der Be-

schuldigte ebenfalls mit voller Wucht, Stärke 10, ausgeführt habe – mit Anlauf, 

wie ein Penalty beim Fussball (a.a.O. S. 6). Zwischen Faustschlag und Fusstritt 

-   24   - 

seien nur gerade etwa 10 Sekunden vergangen (a.a.O. S. 11). Das Vorgehen des 

Beschuldigten beschreibt er dabei als sehr aggressiv und zielgerichtet (a.a.O. 

S. 7). 

2.6.  Aussagen der Zeugin E._____ 

E._____ gab im Rahmen der (als einzige verwertbaren) Befragung durch die 

Staatsanwaltschaft am 26. Januar 2021 als Zeugin zu Protokoll, dass sie sich an 

den Vorfall erinnern könne, allerdings nur noch grob. In zunächst freier Erzählung 

schilderte sie, sie sei an diesem Abend mit ihrer Kollegin F._____ in einer 

Shishabar in Zürich I._____ gewesen, wo sie später vom Beschuldigten und des-

sen Bruder mit dem Auto abgeholt worden seien. Sie seien auf der Autobahn ge-

fahren und hätten auf einem Rastplatz angehalten, weil der Beschuldigte habe 

austreten müssen. Während er auf die Toilette gegangen sei, hätten sie, F._____ 

und der Bruder des Beschuldigten geraucht und geredet. Dann sei der Privatklä-

ger, der glaublich sehr betrunken gewesen sei, vorbeigekommen und es habe 

dann zwischen ihm und dem Bruder des Beschuldigten verbale Sticheleien gege-

ben. Diese hätten sich dann zum (verbalen) Streit entwickelt, wobei sie nicht mehr 

wisse, was der Grund dafür gewesen sei. Da sei der Beschuldigte von der Toilette 

zurückgekommen und habe, als er die vorgefundene Lage erfasst habe, mit dem 

Privatkläger ebenfalls zu streiten begonnen. Plötzlich sei alles sehr schnell ge-

gangen und der Beschuldigte habe den Privatkläger geschlagen (Urk. 9/5 S. 4). 

Auf Nachfrage der Staatsanwältin erklärte sie ferner, sich nicht mehr genau zu er-

innern, wie und wie oft der Beschuldigte den Privatkläger geschlagen habe, aber 

sicher mit der Faust, glaublich in dessen Gesicht. Die Intensität dieses Faust-

schlags beziffert sie auf einer Skala von 1 - 10 mit "8 oder 9". Der Beschuldigte 

sei damals ziemlich muskulös gewesen, vor allem am Oberkörper. Der Privatklä-

ger sei nach dem Schlag zwar nicht bewusstlos gewesen, aber er sei am Boden 

gelegen. Er sei in die dortigen Stehtische und dann auf den Boden gefallen. Ob 

der Beschuldigte auch mit dem Fuss getreten habe, wisse sie nicht mehr genau. 

Das Ganze sei sehr schnell gegangen und habe nur geschätzt 1 - 2 Minuten ge-

dauert. Sie sei ab dem aggressiven Auftreten des Beschuldigten sehr schockiert 

gewesen und habe nach dem Vorfall sogar gezittert vor Angst. Der Privatkläger 

-   25   - 

habe selber nicht geschlagen. Nach dem vom Beschuldigten gefahrenen Auto be-

fragt, gab die Zeugin an, es sei etwas Grösseres, "so Jeep-mässiges" gewesen, 

in dunkler Farbe. Nach dem Schlagen habe der Beschuldigte glaublich die Kenn-

zeichen vom Auto weggenommen (a.a.O. S. 4 ff.). Auf Vorhalt, dass der Beschul-

digte sich auf den Standpunkt stelle, überhaupt nicht am Tatort gewesen zu sein 

und sie (E._____) gar nicht zu kennen, wies die Zeugin dies mit Bestimmtheit zu-

rück. Sie habe den Beschuldigten bereits ein paar Monate vor dem Vorfall in einer 

Shisha-Bar in J._____ namens "K._____" kennengelernt. Sie seien Kollegen ge-

wesen, hätten aber auch "etwas zusammen gehabt", sprich sie hätten auch Ge-

schlechtsverkehr gehabt, seien quasi "Kollegen plus" gewesen (a.a.O. S. 4 ff.). 

2.7.  Aussagen der Zeugin F._____ 

F._____ wurde – wie die Zeugin E._____ – zwar zweimalig zur Sache befragt. 

Aus den bereits dargelegten Gründen sind allerdings nur ihre bei der Staatsan-

waltschaft am 26. Januar 2021 deponierten Aussagen verwertbar. An dieser Ein-

vernahme vermochte sie einzig zu bestätigen, dass am fraglichen Datum des 

17. September 2017 nachts ein "Vorfall" mit einer Schlägerei zwischen dem Be-

schuldigten und einem Dritten, den sie nicht kenne, auf einem Parkplatz stattge-

funden habe, bei welchem sie mit E._____, dem Beschuldigten und einer weite-

ren Person zugegen gewesen sei. Sie wisse allerdings nicht mehr, was genau 

passiert sei. Sie selber habe den Beschuldigten vorher nicht gekannt. Dieser sei 

ein Bekannter von E._____ gewesen (Urk. 10/4 S. 3 ff.).  

2.8.  Aussagen des Zeugen L._____ 

2.8.1.  L._____ wurde auf Beweisergänzungsantrag der Verteidigung hin am 

12. Februar 2021 durch die Staatsanwaltschaft befragt (Urk. 11/1). Wie die  

Vorinstanz zutreffend ausführte, wurde dem Zeugen fälschlicherweise ein falscher 

Tatzeitraum – konkret die Nacht von Sonntag, 17. September 2017 auf Montag – 

vorgehalten, worauf dieser angab, an diesem Abend mit seiner Familie, dem Be-

schuldigten und dessen Familie zu Hause beim gemeinsamen Nachtessen gewe-

sen zu sein.  

-   26   - 

2.8.2. Die Vorinstanz ging vor diesem Hintergrund nicht weiter auf die Aussagen 

des Zeugen ein und konstatierte, dessen Aussagen könnten aufgrund dieses Feh-

lers nicht zur Erstellung des angeklagten Sachverhaltes herangezogen werden 

(Urk. 50 S. 17). Dem kann in dieser Absolutheit nicht zugestimmt werden. Zwar 

lassen sich aus den spezifischen Fragen nach seinem Verbleiben am Sonntag-

abend des 17. Septembers 2017 keine sachdienlichen Informationen gewinnen. 

Die ungenaue Befragung in zeitlicher Sicht ändert allerdings nichts daran, dass 

dem Zeugen der seinem Bruder vorgeworfene Vorfall überdies auch inhaltlich um-

rissen und vorgehalten wurde (Urk. 11/1 F/A 41: "... auf dem Parkplatz des Rast-

platzes G._____ soll der Geschädigte von einer Person ins Gesicht geschlagen 

und getreten worden sein. Was sagen Sie dazu?"), worauf der Zeuge angab, da-

zu nichts sagen zu können, da ihm solches unbekannt sei. Auf Vorhalt, dass es 

sich beim Schläger um seinen Bruder handeln solle, gab er ferner an, nicht zu 

glauben, dass dies stimme. Er sei an einem solchen Vorfall nicht zugegen gewe-

sen. Auf Ergänzungsfrage des Verteidigers, ob er jemals dabei gewesen sei, als 

sein Bruder auf einer Autobahnraststätte jemanden geschlagen habe, antwortete 

der Zeuge "definitiv noch nie", sein Bruder habe überhaupt noch nie jemanden vor 

seinen Augen geschlagen. Damit enthalten die Aussagen des Zeugen L._____ 

also durchaus – vermeintlich entlastende – sachverhaltsbezogene Äusserungen, 

welche zu Gunsten des Beschuldigten in die Beweiswürdigung einzubeziehen 

sind. 

2.9.  Würdigung  

2.9.1. Der Beschuldigte wurde zunächst vom Privatkläger sowohl in der polizeili-
chen als auch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme belastet und von die-

sem im Rahmen letzterer eindeutig als Täter identifiziert. Seine Depositionen wei-

sen dabei aus aussagepsychologischer Perspektive eine sehr hohe Qualität auf: 

Obwohl zwischen den beiden (verwertbaren) Aussagen eine längere Zeitspanne 

von fast dreieinhalb Jahren verging, erweisen sich diese als sehr konstant, 

durchwegs als schlüssig und widerspruchsfrei, ohne aber eingeübt oder stereotyp 

zu wirken. Sie weisen sodann zahlreiche Realkennzeichen auf, welche dafür 

sprechen, dass seine Aussagen auf tatsächlich Erlebtem basieren. So vermag der 

-   27   - 

Privatkläger die Entstehung und den Ablauf des Angriffs auf ihn sehr plastisch 

und detailliert zu schildern und die jeweiligen Abschnitte der Auseinandersetzung 

auch relativ genau am Tatort zu verorten bzw. die verschiedenen Positionen der 

Anwesenden in Relation zueinander nachvollziehbar zu beschreiben. In seinen 

Aussagen sind Interaktionsschilderungen (mit der Zeugin E._____, mit dem Bru-

der des Beschuldigten und mit dem Beschuldigten) genauso vorhanden wie die 

Wiedergabe von Gesprächsteilen samt Wiedergabe des genauen Wortlautes. 

Teilweise finden sich in seinen Aussagen auch ausgefallene Details, wie etwa die 

für den eigentlichen Handlungsstrang belanglose Angabe, dass der Beschuldigte, 

als er zum Auto ging, seine Jacke ausgezogen hat. Der Privatkläger bleibt in sei-

nen Aussagen sodann differenziert, indem er offenlegt, wenn er sich an gewisse 

Einzelheiten nicht mehr erinnern kann oder diese nicht bzw. nicht genau beobach-

ten konnte (vgl. etwa die nur vage Beschreibung des "dunklen Gegenstands", den 

der Beschuldigte in der Hand hielt, oder das Geschehen nach den Schlägen). 

Überdies fällt auf, dass der Privatkläger von Übertreibungen und naheliegenden 

Mehrbelastungen absieht, was sich etwa am Beispiel zeigt, dass er die Anzahl der 

Faustschläge konstant mit einem einzelnen Faustschlag beziffert und selbst als er 

von der Staatsanwältin damit konfrontiert wird, dass seine Kollegen von einem 

weiteren Faustschlag berichtet hätten, sich nicht zu dieser an sich naheliegenden 

Mehrbelastung hinreissen lässt, sondern vielmehr differenziert und im Einklang 

mit seinen früheren Aussagen erwidert, er habe nur den einen Faustschlag mitbe-

kommen und könne sich nicht an einen weiteren erinnern (Urk. 6/4 S. 6). 

Schliesslich lässt sich seine Beschreibung des Fahrzeugs ("schwarzer Mercedes-

Benz SUV"), das der Beschuldigte und seine Begleiter gefahren hätten, mit den 

polizeilichen Abklärungen zum zwar auf dessen Bruder eingelösten Fahrzeug 

Mercedes-Benz GL420, welches nach eigenen Angaben des Beschuldigten je-

doch ausschliesslich von ihm benutzt werde (Fahrzeugauskunft des Strassenver-

kehrsamtes des Kantons Aargau vom 4. Dezember 2020 Urk. 14/3; Urk. 5/1 S. 3), 

in Einklang bringen und somit extern validieren. Lügensignale sind mithin keine 

ersichtlich. Mit Blick auf mögliche Fehlerquellen, die auf eine falsche Aussage 

hindeuten könnten, ist zu betonen, dass in keiner Weise ersichtlich ist, welchen 

Grund der Privatkläger haben könnte, den Beschuldigten falsch zu belasten und 

-   28   - 

zu diesem Zweck gar mit ihm bislang unbekannten Drittpersonen (Zeuginnen 

E._____ und F._____) zu konspirieren, hatten der Privatkläger und der Beschul-

digte – dies wird von beiden Seiten übereinstimmend beschrieben – doch weder 

vor noch nach dem Vorfall je in irgendeiner Weise miteinander zu tun. Nach dem 

Gesagten erweisen sich die Aussagen des Privatklägers als sehr glaubhaft. 

2.9.2. Die Aussagen des Privatklägers werden ferner vom Zeugen D._____, wel-
cher den Vorfall nach übereinstimmenden Aussagen als Begleitperson des Pri-

vatklägers miterlebt hat, gestützt. Die beiden (verwertbaren) Aussagen des Zeu-

gen D._____ erweisen sich im Wesentlichen als konstant, schlüssig und frei von 

Widersprüchen. Auch in seinen Aussagen finden sich zahlreiche Realkennzei-

chen. Der Zeuge vermag den sich über mehrere Phasen erstreckenden und mit-

hin relativ komplexen Handlungsverlauf und die stattfindenden Interaktionen mit 

und unter den verschiedenen Anwesenden plastisch und detailliert nachzuerzäh-

len. In seinen Schilderungen finden sind auch verschiedene ausgefallene Details, 

wie etwa die Beschreibung der Plastik-Stelltische, gegen welche der Beschuldigte 

nach dem Schlag "geflogen" sei, oder dass das Fahrzeug des Beschuldigten 

"beim Behindertenparkplatz" gestanden sei, oder auch das bereits vom Privatklä-

ger erwähnte, an sich nebensächliche Detail, wonach der Beschuldigte bei sei-

nem Auto seine Jacke ausgezogen habe, bevor er wieder auf diesen losgekom-

men sei (Urk. 7/4 S. 4). Dass seine Deposition bei der Staatsanwaltschaft hin-

sichtlich gewisser Einzelheiten leichte Abweichungen von den tatnächsten Aus-

sagen aufweist und er vereinzelt Erinnerungslücken geltend machte, lässt sich 

ohne Weiteres mit der relativ langen Zeitspanne von fast dreieinhalb Jahren erklä-

ren, die zwischen den Einvernahmen lag. Im Kerngeschehen sind seine Aussa-

gen jedenfalls konstant, massgebliche Widersprüche ergeben sich ebenfalls kei-

ne. Erwähnenswert sind diesbezüglich einzig seine teilweise etwas ungenauen 

Aussagen darüber, wie bzw. wie oft es genau zum Fusskick des Beschuldigten 

gekommen sei (Urk. 7/1 S. 3: "Anschliessend hat er B'._____ [= Privatkläger] ges-

tossen oder mit den Fäusten zu Boden geschlagen und als B'._____ am Boden 

lag, hat er mit seinem Fuss mindestens zweimal oder gar dreimal gegen den Kopf 

gekickt"). Allerdings relativierte er diesbezüglich bereits anlässlich der polizeili-

chen Einvernahme, dass er diese kurze Phase nach dem Faustschlag nicht ge-

-   29   - 

nau habe beobachten können (Urk. 7/1 S. 4). Auch an der Zeugeneinvernahme 

vom 22. Januar 2021 erklärt er, nicht genau gesehen zu haben, was der Beschul-

digte unmittelbar nach dem Faustschlag genau getan habe, mithin ob er den Pri-

vatkläger nochmals geschlagen oder geschubst habe. Jedenfalls habe er den Pri-

vatkläger aber getreten, als er am Boden lag (Urk. 7/4 S. 4 und S. 5, F/A 28 f.). Im 

Ergebnis erweisen sich auch die Aussagen des Zeugen D._____ mithin als 

glaubhaft. 

2.9.3. Die Sachverhaltsversion des Privatklägers und des Zeugen D._____ wird 

auch vom Zeugen C._____ bestätigt. Aussageanalytisch betrachtet erweisen sich 
auch dessen Aussagen als qualitativ hochwertig, sind sie doch über beide (ver-

wertbaren) Einvernahmen sehr konstant, frei von Widersprüchen und auch in sich 

logisch konsistent. Als in seinen Aussagen vorhandene Realkennzeichen sind der 

relativ hohe Detailreichtum sowie die raum-zeitlichen Verknüpfungen (insbeson-

dere die Schilderungen, wer sich wo aufhielt und wie die Personen den jeweiligen 

Phasen der Begegnung relativ zueinander positioniert waren) zu nennen. Seine 

plastischen Schilderungen wie auch die Nennung teilweise ausgefallener Einzel-

heiten (etwa, dass der Beschuldigte seinen Bruder beim Einsteigen ins Auto noch 

"zusammengeschissen" und ihm gesagt habe, er solle nun ins Auto steigen; 

Urk. 8/4 S. 7) vermitteln insgesamt klar den Eindruck, dass er von tatsächlich Er-

lebtem erzählte. Seine Aussagen zum Kerngeschehen, mithin zur eigentlichen 

Auseinandersetzung, unterscheiden sich von nicht direkt tatbezogenen Inhalten – 

wie beispielsweise die Schilderungen, wie es überhaupt zur Begegnung mit der 

Gruppe des Beschuldigten gekommen ist oder was sich im Nachgang zur tätli-

chen Auseinandersetzung ereignet hat (Abgang der Gruppe des Beschuldigten; 

sich um den verletzten Privatkläger kümmern) – von der Qualität her nicht we-

sentlich, womit seine Aussagen auch einem Strukturvergleich standhalten.  

2.9.4. Die einzige noch verwertbare Deposition der Zeugin E._____ stammt aus 
einer Einvernahme, welche fast dreieinhalb Jahre nach dem Vorfall vom 

17. September 2017 durchgeführt wurde. Zwar erweist sich der Detailreichtum ih-

rer Aussage als begrenzt, was in Anbetracht der langen Zeitspanne seit dem Vor-

fall allerdings nicht wesentlich gegen deren Glaubhaftigkeit spricht. Sie schreckt 

-   30   - 

entsprechend auch nicht davor zurück, Erinnerungslücken offenzulegen statt zu 

Mutmassungen, naheliegenden Mehrbelastungen oder dergleichen zu greifen. 

Zumindest vermag sich die Zeugin aber an die wesentlichen Handlungsstränge 

des Vorfalls zu erinnern, welche sie, je länger sie über den Vorfall sprach, 

schliesslich doch noch mit einigen Details zu versehen vermochte, an welche sie 

sich punktuell noch erinnern konnte. Zu nennen sind etwa die Beschreibung, dass 

der Privatkläger nach dem Schlag nach hinten in die Stelltische und hernach zu 

Boden gefallen sei, oder der Hinweis, dass der Beschuldigte nach dem Angriff auf 

den Privatkläger die Kennzeichen an seinem Auto entfernt hatte. Erwähnt werden 

auch vereinzelt eigene Gefühlsregungen ("schockiert", "vor Angst gezittert"). Wi-

dersprüche und wesentliche Ungereimtheiten finden sich in ihren Aussagen keine. 

Trotz gewisser Abstriche im Detailgrad erweisen sich ihre Schilderungen jener 

Teile des Vorfalls, an welche sie sich dreieinhalb Jahre danach noch zu erinnern 

vermochte, als durchaus glaubhaft. Dass sich die Zeugin E._____ – anders als in 

ihrer nicht zum Nachteil des Beschuldigten verwertbaren Aussage in der polizeili-

chen Einvernahme vom 27. September 2018 – in ihrer einzigen verwertbaren 

Aussage nicht mehr an einen Fusstritt zu erinnern vermochte, erscheint ange-

sichts der Zeitspanne zwischen Einvernahme und dem Vorfall, welche mit fast 

dreieinhalb Jahren sehr lang ausfiel, als nachvollziehbar und vermag die Glaub-

haftigkeit Ihrer Aussagen in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme insgesamt 

nicht wesentlich in Zweifel zu ziehen. 

2.9.5. Die Zeugin F._____, welche zusammen mit dem Beschuldigten und der 
Zeugin E._____ am Tatort gewesen sein soll, vermochte sich demgegenüber 

kaum mehr an den Vorfall erinnern. Dazu ist anzumerken, dass auch ihre (ver-

wertbare) Einvernahme fast dreieinhalb Jahre nach dem Vorfall stattfand. Zwar ist 

wie bereits erwähnt normal, dass Erinnerungen mit der Zeit verblassen. Bei der 

Zeugin F._____ entsteht aber unweigerlich der Eindruck, dass sie sich gar nicht 

mehr an den Vorfall erinnern wollte, was sie auch gleich zu Beginn der Aussage, 

wonach sie "mit dem Thema schon abgeschlossen habe" (Urk. 10/4 S. 4), deut-

lich zum Ausdruck brachte. Ihre (verwertbaren) Aussagen sind zu rudimentär, um 

sie einer eigentlichen Aussageanalyse zu unterziehen. Sie sind entsprechend mit 

Vorsicht zu würdigen. Immerhin bestätigte aber auch die Zeugin F._____, dass 

-   31   - 

sich am 17. September 2017 auf einem Parkplatz ein "Vorfall" ereignet hatte, bei 

welchem mindestens sie, der Beschuldigte und die Zeugin E._____ zugegen wa-

ren und im Rahmen dessen der Beschuldigte mit einer anderen Person in eine 

"Schlägerei" verwickelt war. Nachdem vorliegend – wie sogleich noch genauer zu 

betrachten sein wird – gar strittig ist, ob der Beschuldigte überhaupt je am Tatort 

war, erweist sich also selbst diese nur rudimentäre Aussage für die Sachverhalts-

feststellung in beschränktem Masse als relevant.  

2.9.6. Im Sinne eines Zwischenfazits lässt sich nach dem Gesagten somit festhal-

ten, dass der Beschuldigte von nicht weniger als fünf Personen eindeutig als jene 

Person identifiziert wurde, die den Privatkläger anlässlich des Zusammentreffens 

der beiden Gruppen angegriffen hat. Die wie dargelegt bereits für sich sehr 

glaubhaften Aussagen des Privatklägers sowie der Zeugen D._____, C._____ 

und E._____ weisen darüber hinaus eine sehr hohe Übereinstimmung auf, und 

zwar nicht nur, was die eigentliche tätliche Auseinandersetzung betrifft, sondern 

auch was das Verhalten der Beteiligten vor und nach dieser angeht. Mit Bezug 

auf das Kerngeschehen decken sich ihre Aussagen zunächst dahingehend, dass 

der Beschuldigte dem Privatkläger im Nachgang an einen verbalen Streit ohne 

ersichtlichen Anlass mit der rechten, geschlossenen Faust mindestens einen ziel-

gerichteten, massiven Faustschlag ins Gesicht verpasst hat. Im Weiteren stimmen 

die Aussagen des Privatklägers sowie jene der Zeugen D._____ und C._____ 

dahingehend überein, dass der Beschuldigte dem nach dem Faustschlag be-

nommen und wehrlos am Boden liegenden Privatkläger wuchtig in den Kopf ge-

kickt hat.  

2.9.7. Der Beschuldigte bringt zu seiner Verteidigung vor, er könne bereits des-
halb nicht der Täter sein, da er am besagten Abend gar nicht am Tatort anwesend 

gewesen sei. Seine Aussagen erweisen sich zwar insgesamt als spärlich, was in-

des nicht zu überraschen vermag, nachdem er eine Beteiligung am Vorfall gänz-

lich abstreitet. Sein Aussageverhalten erweist sich insofern über das gesamte 

Strafverfahren hinweg als konstant und widerspruchsfrei. Aus aussageanalyti-

scher Perspektive ist diesbezüglich jedoch anzumerken, dass das reine Abstrei-

ten von Vorwürfen keine besondere kognitive Leistung erfordert, sodass – sollte 

-   32   - 

es sich um eine Lüge handeln – auch über mehrere Einvernahmen hinweg keine 

wesentlichen Ungereimtheiten oder innere und äussere Widersprüche zu erwar-

ten wären. Sodann lässt sich eine eingehendere Untersuchung auf das Vorliegen 

von Realkennzeichen zur Überprüfung der Glaubhaftigkeit bei derart knappen 

Aussagen nicht sinnvoll vornehmen. Auffällig und erwähnenswert ist aber immer-

hin, dass der Beschuldigte, als er gefragt wurde, ob er einen D._____ oder einen 

C._____ kennen würde, dies verneinte, darauf aber zusätzlich von sich aus an-

gab, "aus der Region J._____" niemanden zu kennen (Urk. 5/4 S. 5). Ähnlich 

antwortete er auf die Frage, ob er jemanden namens E._____ und F._____ ken-

ne, wiederum damit, dass er niemanden "aus der Region" kenne (Urk. 5/4 S. 7). 

Wenngleich dem kein übermässiges Gewicht zugemessen werden darf, erwecken 

diese Antworten doch den Eindruck, dass der Beschuldigte mehr vom Vorfall und 

den involvierten Personen zu wissen scheint, als er zugibt, waren zumindest der 

Privatkläger, die Zeugen D._____ und C._____ und insbesondere auch die Zeu-

gin E._____, welche angab, eine kurze Affäre mit dem Beschuldigten gehabt zu 

haben, zum damaligen Zeitpunkt in J._____ wohnhaft (vgl. Angaben der Persona-

lien anlässlich der jeweiligen Einvernahmen). Schliesslich mutet seine Theorie, 

wonach die Belastungen mehrerer Zeugen das Resultat eines durch die ihm 

feindlich gesinnte Familie H._____ orchestrierten Komplottes sein müsse, aben-

teuerlich und damit wenig glaubhaft an. Wie die Vorinstanz ferner bereits zutref-

fend feststellte, ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte mit seiner Behaup-

tung, die Zeugin E._____ gar nicht zu kennen, offensichtlich gelogen hatte, wäre 

andernfalls doch nicht erklärbar, wie diese an die korrekte Handynummer des Be-

schuldigten gekommen ist (vgl. Urk. 50 S. 19, 12 S. 1 sowie 1 S. 4 unter "Täter-

schaft").   

2.9.8. Der Zeuge L._____, der Bruder des Beschuldigten, stützt zwar die Aussa-
gen des Beschuldigten dahingehend, dass entgegen den Behauptungen der übri-

gen Zeugen und des Privatklägers weder er selber noch – seines Wissens – der 

Beschuldigte überhaupt am Tatort gewesen seien. Auch die ihm vorgehaltenen 

Namen der vier Zeugen bzw. Zeuginnen und des Privatklägers würden ihm gar 

nichts sagen. Angesichts der mit diesen Bestreitungen einhergehenden knappen 

Aussagen gilt zwar auch bei ihm, dass sich eine eigentliche Glaubhaftigkeitsana-

-   33   - 

lyse derselben kaum sinnvoll vornehmen lässt. Auffällig und erwähnenswert er-

scheint allerdings dennoch, dass der Zeuge sehr darum bemüht scheint, seinen 

Bruder in gutem Licht dastehen zu lassen. Dabei sind – sowohl in der Formulie-

rung als auch betreffend den Inhalt seiner Aussagen – gewisse Übertreibungs-

tendenzen auszumachen. So gibt der Zeuge an, sein Bruder sei seiner Ehefrau 

"sicher treu", handle es sich doch dabei um die Zwillingsschwester seiner eigenen 

Gemahlin. Zudem sei er "definitiv noch nie" dabei gewesen, als sein Bruder je-

manden auf einer Raststätte geschlagen hatte. Sein Bruder habe "definitiv noch 

nie" jemanden vor seinen Augen geschlagen bzw. sein Bruder habe so etwas "si-

cher noch gar nie gemacht" (Urk. 11/1 S. 8).  

2.9.9. Nach dem Gesagten können die entlastenden Aussagen des Beschuldigten 

und seines Bruders – isoliert betrachtet – zwar nicht als von vornherein unglaub-

haft abgetan werden. Ihr wie beschrieben auffälliges Aussageverhalten weckt al-

lerdings bereits gewisse Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Den be-

grenzt glaubhaften Aussagen des Beschuldigten und seines Bruders stehen mit-

hin die sehr glaubhaften Aussagen des Privatklägers sowie der Zeugen D._____, 

C._____ und E._____ gegenüber. Hinzu kommt die Aussage der Zeugin F._____, 

welche die Anwesenheit des Beschuldigten und überdies einen tätlichen Vorfall, 

in den dieser involviert war, immerhin grob bestätigte.  

2.9.10. Entgegen der Theorie des Beschuldigten liegen sodann auch keine Hin-

weise auf Absprachen des Privatklägers und der Zeugen bzw. Zeuginnen vor, 

welche ernsthafte Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer übereinstimmenden Sach-

verhaltsversion zu erwecken vermöchten. Es trifft zwar zu, dass der Privatkläger 

erst rund zwei Monate nach dem Vorfall in Begleitung seiner beiden Kollegen und 

späterer Zeugen D._____ und C._____ bei der Polizei erschien, wo sie dieser die 

Angaben zur Identifikation des Beschuldigten (Name, Handynummer) als Täter 

übergaben und erstmals zur Sache befragt werden konnten (vgl. Polizeirapport 

Urk. 1 S. 4 "Täterschaft"). Die beiden Zeuginnen E._____ und F._____ konnten 

gar erst rund ein Jahr nach dem Vorfall ermittelt und befragt werden. Entspre-

chend hätte für die Belastungszeugen und den Privatkläger grundsätzlich durch-

aus die Gelegenheit bestanden, sich abzusprechen. Sodann steht anhand eines 

-   34   - 

aktenkundigen Chatverlaufs zwischen der Zeugin E._____ und einem der damali-

gen Begleiter des Beschuldigten (D._____ oder C._____) fest, dass vor den ers-

ten Einvernahmen der beiden Zeuginnen E._____ und F._____ im Hinblick auf 

den anklagegegenständlichen Vorfall ein Kontakt stattgefunden hatte (vgl. 

Urk. 12). Und schliesslich erscheint mit der Verteidigung zwar durchaus befrem-

dend, dass der Zeuge D._____ in der (nicht verwertbaren) Einvernahme vom 

24. August 2018 herzhaft gelacht haben soll, als er vom einvernehmenden Poli-

zisten gefragt wurde, ob er sich im Hinblick auf die Einvernahme mit anderen Per-

sonen über die zu machenden Aussagen abgesprochen habe (Urk. 7/2 F/A 58 

Protokollnotiz; Urk. 83 S. 13). Letzteres kann jedoch viele Gründe haben und 

spricht für sich noch nicht eindeutig für eine Absprache, handelt es sich bei dieser 

standardmässig gestellten Frage doch fast schon um eine rhetorische und ent-

sprechend – vor allem wenn sie derart suggestiv gestellt wird – in gewissem Mas-

se eher irritierende Frage, die wohl kaum eine unter Strafdrohung aussagende 

Person je bejahen würde. Wie nachfolgend darzulegen sein wird, sprechen aber 

auch sonst verschiedene Faktoren dagegen, dass die belastenden Depositionen 

der Zeugen und des Privatklägers in relevanter Weise durch vorgängige Kollusion 

beeinträchtigt worden wären:  

2.9.10.1. Vorderhand erfolgten sämtliche belastenden Aussagen unter Hinweis 

auf die Strafdrohung für falsches Zeugnis bzw. für falsche Anschuldigung. Es ist 

bereits vor diesem Hintergrund nicht leichthin davon auszugehen, dass sich nicht 

weniger als fünf Personen dazu entschlossen hätten, den Beschuldigten zu Un-

recht zu belasten. Dies gilt alsdann noch viel eher, als der Beschuldigte zumin-

dest drei der Befragten, insbesondere auch dem Privatkläger, bis zum Vorfall 

gänzlich unbekannt war. Die Zeugin F._____ war zwar in der Gruppe des Be-

schuldigten am Tatabend zugegen, gab jedoch an, dem Beschuldigten zuvor 

noch nie begegnet zu sein. Dieser sei einzig ein Bekannter ihrer Kollegin E._____ 

gewesen, die sie begleitet habe (Urk. 10/4 S. 5). Entsprechende Feindschaften 

dieser vier Befragten zum Beschuldigten können mithin ausgeschlossen werden. 

Letztlich sind jedenfalls nicht einmal ansatzweise Gründe ersichtlich, weshalb fünf 

Personen, welche sich teilweise untereinander nicht einmal kennen, gemeinsam 

-   35   - 

konspirieren und sich absprechen sollten, um eine ihnen weitestgehend unbe-

kannte Person zu Unrecht einer derart gravierenden Straftat zu bezichtigen.  

2.9.10.2.  Einzig die Zeugin E._____ gab an, den Beschuldigten mehrere Monate 

vor dem Vorfall kennengelernt und mit ihm auch eine "intime" Beziehung im Sinne 

einer losen Affäre ("Freundschaft plus") gehabt zu haben. Daraus ergibt sich aber 

jedenfalls noch kein Anlass für eine derart massive Falschbelastung. Auch berich-

tet keine der Parteien über irgendwelche Probleme oder Unstimmigkeiten im Zu-

sammenhang mit dieser Liaison, die zumindest einigermassen als Motiv für eine 

Falschbelastung hätten herhalten können. Der Bekanntschaft der Zeugin E._____ 

mit dem Beschuldigten sowie einer zufälligen Begegnung zwischen ihr und dem 

Privatkläger war es denn auch zu verdanken, dass der Beschuldigte vom Privat-

kläger und seinen beiden damaligen Begleitern als Täter angezeigt werden konn-

te. Dass die Zeugin E._____ jene Person, mit welcher sie ein intimes Verhältnis 

gehabt hatte und mit der sie auch am Tatabend unterwegs gewesen war, wobei 

sie bei diesem Anlass miterleben musste, wie dieser Mann den Privatkläger brutal 

angegriffen hatte, nachträglich irrtümlich für den Beschuldigten gehalten haben 

könnte, obwohl es sich dabei in Tat und Wahrheit um einen ganz anderen Be-

kannten gehandelt hätte, sie mithin gegenüber dem Privatkläger irrtümlich die fal-

sche Person als Täter genannt haben könnte, wie dies die Verteidigung in ihrem 

Plädoyer als durchaus denkbare Möglichkeit präsentiert (Urk. 85 S. 16), erscheint 

dabei geradezu als abwegig. Zwar ist auffällig, dass sowohl der Privatkläger als 

auch die Zeugen D._____ und C._____ zunächst nicht richtig damit herausrücken 

wollten, wie sie zu den Angaben des von ihnen als Täter angezeigten, heutigen 

Beschuldigten gelangt waren (vgl. Urk. 6/1 S. 3; Urk. 7/4 S. 8; Urk. 8/2 S. 8). Die 

Umstände der (privaten) Ermittlung des Beschuldigten konnten durch die Zeugin 

E._____ jedoch glaubhaft aufgeklärt werden. Sie sei dem Privatkläger in J._____ 

ein paar Tage oder Wochen nach dem Vorfall zufällig an einer Bushaltestelle be-

gegnet und sei von diesem angesprochen worden und aufgefordert worden, den 

Täter bei der Polizei anzuzeigen, was sie jedoch zunächst nicht gewollt habe. 1 - 

2 Tage später sei sie erneut von jemandem kontaktiert worden, vermutlich einem 

Kollegen des Privatklägers, welchem sie dann entsprechende Angaben zum Be-

schuldigten gegeben habe (Urk. 9/5 S. 7). Diese Angaben erscheinen plausibel 

-   36   - 

und decken sich mit dem aktenkundigen Messenger-Chat-Auszug der Zeugin 

E._____ (Urk. 12) sowie letztlich auch mit den diesbezüglichen Angaben der Zeu-

gen D._____ (Urk. 7/4 F/A 53) und C._____ (Urk. 8/4 F/A 60) sowie des Privat-

klägers (Urk. 6/4 S. 10). Daraus ergibt sich auch sinngemäss, dass die Zeugin 

E._____ ursprünglich davor Angst hatte, dass bekannt würde, dass sie die Anga-

ben zum Beschuldigten geliefert hatte (vgl. Urk. 12 S. 1 und 2). Nicht zuletzt stellt 

diese Chat-Konversation der Zeugin E._____ mit einem der damaligen Begleiter 

des Privatklägers sodann ein gewichtiges Indiz dar, dass sich die Belastungszeu-

gen gerade nicht inhaltlich abgesprochen hatten. So wird zwar seitens ihres Chat-

Partners der angeblich vom Beschuldigten verwendete Schlagring ins Spiel ge-

bracht, worauf die Zeugin E._____ jedoch erwiderte, beim Beschuldigten keinen 

Schlagring wahrgenommen zu haben. Der Umstand, dass die beiden Chat-

Teilnehmer im Rahmen der Einvernahmen in der Strafuntersuchung an ihrem je-

weiligen, in diesem Punkt divergierenden Standpunkt festhielten, zeigt, dass man 

sich – entgegen der Verteidigung – gerade nicht abgesprochen oder auf eine ge-

meinsame Version geeinigt hatte, um den Beschuldigten falsch oder übermässig 

zu belasten.  

2.9.10.3. An diesem Ergebnis vermag auch das vor allem vor Erstinstanz beson-

ders hervorgehobene Vorbringen der Verteidigung, wonach sich die Aussagen 

des Privatklägers und der Zeugen C._____ und D._____ über den Handlungs-

strang des Spitalaufenthaltes des Privatklägers bzw. zur Frage, ob bzw. wie lange 

dieser von seinen beiden Kollegen in die Notaufnahme begleitet worden sein soll, 

"eklatant voneinander abweichen" würden (Urk. 39 S. 15 ff.), nichts zu ändern. 

Wie sich bereits aus der Wiedergabe der entsprechenden Aussagen der Verteidi-

gung selber ergibt, stehen die von den Zeugen und dem Privatkläger gemachten 

Aussagen gar nicht erst in einem wesentlichen Widerspruch zueinander. Vielmehr 

stimmen sie insgesamt dahingehend überein, dass der Privatkläger nach dem 

Vorfall von C._____ und D._____ in die Notaufnahme begleitet wurde (Urk. 6/1 

S. 3 [Privatkläger]; Urk. 8/4 S. 9 f. [C._____]; Urk. 7/4 S. 9 [D._____]). Wann bzw. 

in welchem Stadium der ärztlichen Erstuntersuchung der Zeuge D._____ das Spi-

tal letztlich genau verlassen hat (Aussage D._____: "Ich habe ihn nur gebracht 

und bin dann gegangen", Urk. 7/4 F/A 57) und inwieweit die beiden Zeugen den 

-   37   - 

Ärzten für den Privatkläger Auskunft gegeben hatten (Aussage C._____: "Herr 

D._____ und ich mussten antworten, das haben die Ärzte nicht so cool gefunden" 

Urk. 8/4 S. 10), ist nicht mehr genau eruierbar, ist allerdings auch nicht von Rele-

vanz. Massgebliche Widersprüche und damit einhergehende relevante Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen – insbesondere an jenen zum Kerngeschehen 

– ergeben sich daraus jedenfalls nicht. 

2.9.10.4. Schliesslich kann die Verteidigung auch aus dem Umstand, dass der 

Zeuge C._____ nach eigenen Angaben bereits einmal in einem Strafverfahren als 

Zeuge ausgesagt und dabei belastende Aussagen gegen eine beschuldigte Per-

son gemacht hatte, diese dann aber freigesprochen wurde (Urk. 39 S. 22), nichts 

zugunsten des Beschuldigten ableiten. Aus den entsprechenden Aussagen des 

Zeugen C._____ ergibt sich vielmehr, dass der damalige Beschuldigte aufgrund 

der insgesamt ungenügenden Beweislage in dubio pro reo freigesprochen wurde 

(vgl. Urk. 8/4 S. 10). Aus diesen Umständen allein kann mithin nicht auf eine be-

wusste Falschaussage von C._____ geschlossen werden. Auch sonst ergeben 

sich keine Hinweise darauf, dass dieser aufgrund dessen der falschen Anschuldi-

gung von den Strafverfolgungsbehörden bezichtigt, geschweige denn schuldig 

gesprochen worden wäre. Dieses Vorbringen der Verteidigung ist mithin nicht ge-

eignet, Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen C._____  zu wecken. 

2.9.10.5. Die Verteidigung bringt weiter vor, die Identifikation des Beschuldigten 

als angeblichen Täter basiere auf einem Fehler bzw. Irrtum bei den privaten Er-

mittlungen des Privatklägers und seiner beiden Kollegen D._____ und C._____, in 

welche die Zeugin E._____ involviert worden sei (Urk. 85 S. 17 ff.). Durch den 

Austausch von über soziale Medien gefundenem Bildmaterial des Beschuldigten 

seien die Zeugen über das Aussehen des angeblichen Täters in Kenntnis gewe-

sen, was auch die spätere einstimmige visuelle Identifikation des Beschuldigten 

(Fotowahlkonfrontation, direkte Identifikation anlässlich der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahmen) erkläre (Urk. 51 S. 5; Urk. 39 S. 23 f). Mit dieser Theorie 

konfrontierte die Verteidigung die Belastungszeugen bereits im Vorverfahren im 

Rahmen von Ergänzungsfragen, worauf diese jedoch verneinten, im Vorfeld der 

polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen über Bilder des Beschul-

-   38   - 

digten verfügt zu haben (Urk. 7/4 S. 8; Urk. 8/4 S. 11; Urk. 85 S. 19). Auch die 

Zeugin E._____ gab an, dem Kollegen des Privatklägers im Rahmen der bereits 

erwähnten Kontaktaufnahme via Messenger zwar den Namen, jedoch kein Foto 

des Beschuldigten zugesandt zu haben. Allerdings meinte sie sich daran zu erin-

nern, ein Screenshot des Facebookprofils des Beschuldigten verschickt zu haben 

(Urk. 9/5 S. 10). Aus dem aktenkundigen Messenger-Chat-Auszug der Zeugin 

E._____ ergibt sich allerdings, dass E._____ ihrem Gegenüber nicht einen 

Screenshot des Profils des Beschuldigten, sondern vielmehr einen solchen des 

Profils seines Bruders (Profilname "M._____"; fotografiert ab einem Handy einer 

Drittperson) geschickt hatte. Als sie von ihrem Gegenüber nach dem Facebook-

Profilnamen des Täters gefragt wurde, konnte sie diesen zwar liefern ("N._____"), 

wies dann jedoch darauf hin, dass sie keinen Zugriff mehr auf das Facebook-

Profil des Beschuldigten habe und somit auch kein Foto von ihm senden könne 

(vgl. Urk. 12). Im Chat ist zwar auch ein Screenshot des Messenger-Profils von 

"N._____", das laut Verteidigung tatsächlich dem Beschuldigten zuzuordnen sei, 

ersichtlich. Das dortige Profilbild (vgl. Urk. 12 S. 2) – sofern es denn überhaupt 

den Beschuldigten zeigt – ist allerding derart klein und unscharf, dass gestützt da-

rauf sicher keine Personenidentifikation erfolgen könnte. Insgesamt spricht der 

aktenkundige Kontakt zwischen der Zeugin E._____ und einem der damaligen 

Begleiter des Privatklägers also letztlich nicht für, sondern vielmehr gegen die 

Theorie der Verteidigung. Anzufügen ist ferner, dass private Beweiserhebungen 

auch in einem Strafverfahren durchaus zulässig sind (Urteil des Bundesgerichts 

6B_301/2022 vom 22. August 2022, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Und selbst 

wenn – worauf es wie gesagt keine Anzeichen gibt – die Belastungszeugen im 

Vorfeld der Einvernahmen auf andere Weise an ein Bild des Beschuldigten ge-

langt wären, ist nicht davon auszugehen, dass fünf Zeugen bzw. Auskunftsperso-

nen eine Person, von der sie nur ein Foto gesehen hatten, bei den Strafbehörden 

unabhängig voneinander "mit Sicherheit" als Täter bezeichnen würden, wenn die-

se Person nicht auch mit ihrer tatsächlichen Erinnerung an die damalige Täter-

schaft übereinstimmen würde.  

-   39   - 

2.10.   Ergebnis 

Im Ergebnis erweisen sich die Theorien des Beschuldigten und der Verteidigung 

über ein Komplott oder eine Verwechslung zu seinem Nachteil als haltlos. Seine 

Aussagen sowie die Aussagen seines Bruders sind als Schutzbehauptungen zu 

qualifizieren. Gestützt auf die glaubhaften und im Wesentlichen übereinstimmen-

den Aussagen des Privatklägers sowie der vier Zeugen bzw. Zeuginnen ist der 

äussere Anklagesachverhalt mit der Vorinstanz als erstellt zu erachten, mit der 

Einschränkung, dass sich nicht mehr mit Sicherheit erstellen lässt, dass der Be-

schuldigte für den Faustschlag ins Gesicht des Privatklägers tatsächlich einen 

metallenen Gegenstand – mutmasslich einen Schlagring – als Schlaghilfe ver-

wendet hat. Hinsichtlich letzterem verbleiben aufgrund der Aussagen des Privat-

klägers, der Zeugen D._____ und C._____, welche einen solchen Gegenstand in 

der Hand des Beschuldigten zwar gesehen haben wollen, diesen aber nur unge-

nau beschreiben konnten, und der Aussagen der Zeuginnen E._____ und 

F._____, welche gar keine solche Beobachtung gemacht haben, insgesamt nicht 

unerhebliche Zweifel, sodass in dubio pro reo nicht davon auszugehen ist, dass 

der Beschuldigte tatsächlich mit einem Schlagring oder ähnlicher Schlaghilfe zu-

geschlagen hat. Als erstellt erweisen sich jedoch die in der Anklageschrift be-

schriebenen Verletzungen, welche der Beschuldigte durch den Faustschlag und 

den Fusstritt des Beschuldigten erlitten hat. Es kann diesbezüglich auf die zutref-

fenden Ausführungen der Vorinstanz mit entsprechenden Hinweisen auf die me-

dizinischen Akten verwiesen werden (Urk. 50 S. 17 f. und 21 f.). Den vor Bezirks-

gericht erhobenen Einwand der Verteidigung betreffend den im provisorischen 

ambulanten Bericht des Kantonsspitals Winterthur enthaltenen Vermerk, wonach 

die Verletzungen gemäss dem Patienten (Privatkläger) von einem Treppensturz 

stammen würden (Urk. 39 S. 15 f.; unter Bezugnahme auf Urk. 16/3 S. 1), hat die 

Vorinstanz bereits adressiert und mit überzeugender Begründung verworfen 

(Urk. 50 S. 22). Darauf kann ebenfalls verwiesen werden. Auf den inneren Sach-

verhalt wird schliesslich im Rahmen der rechtlichen Würdigung einzugehen sein.  

-   40   - 

3.    Anklagesachverhalt 2: Widerhandlung gegen das Waffengesetz 

3.1.   Dem Beschuldigten wird weiter der Besitz eines als Taschenlampe getarn-

ten Elektroschockers "Police 50000W" in der Zeitspanne zwischen Anfang 2017 

bis 29. März 2018 vorgeworfen, was ihm als kosovarischer Staatsbürger verboten 

sei. 

3.2.   Der Beschuldigte bestritt in objektiver Hinsicht nicht, dass die Taschenlam-

pe, welche gemäss Anklage über eine Elektroschock-Funktion verfüge, ihm gehö-

re. Der Beschuldigte stellte sich in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

26. Januar 2021 auf den Standpunkt, das Gerät von einem Kollegen "als Ta-

schenlampe" geschenkt erhalten zu haben, wofür er das Gerät denn auch gehal-

ten habe. Dass es ein Elektroschocker sei, habe er nicht gewusst (Urk. 5/5 S. 3 

f.). Die Verteidigung brachte vor Berufungsgericht diesbezüglich vor, es sei an-

hand der Aktenlage von vornherein nicht erwiesen, dass es sich bei der im Rah-

men der Hausdurchsuchung als Zufallsfund entdeckten Taschenlampe tatsächlich 

auch um einen Elektroschocker und damit um eine Waffe im Sinne des Waffen-

gesetzes handeln würde (Urk. 85 S. 50 f.).   

3.3.   Zwar legt insbesondere die Bezeichnung "50000W" (vgl. auch Bild 

Urk. 13/6 S. 6) nahe, dass es sich beim sichergestellten Gerät um mehr als nur 

um eine gewöhnliche Taschenlampe handelt. In den Akten wird das Gerät aller-

dings nicht genauer bezeichnet oder umschrieben. Vielmehr ist in den Akten ein-

zig die blosse Feststellung des rapportierenden Aargauer Kantonspolizisten 

O._____ enthalten, wonach es sich dabei um einen als Taschenlampe getarnten 

Elektroschocker Modell "Police 50000W" handeln würde (Urk. 13/6 S. 6; Urk. 13/7 

S. 2 ff.; Dossier 2 Urk. 1 S. 1). Auch auf dem den Akten beiliegenden, einzigen 

Foto der fraglichen Taschenlampe (Urk. 13/6 S. 6) lässt sich nichts Genaueres 

erkennen. Eine kurze Internetrecherche zeigt, dass unter dieser Bezeichnung 

zwar offenbar durchaus ein solches als Taschenlampe getarntes Elektroschock-

gerät hergestellt und vertrieben wird. Gleichzeitig scheinen allerdings auch unter 

selber Bezeichnung praktisch identisch aussehende Geräte – vermutungsweise 

als Billigimitate aus China – im Umlauf zu sein, welche über keine Elektroschock-

funktion zu verfügen scheinen, wie das Beispiel einer Produktvorstellung einer 

-   41   - 

solchen Taschenlampe "Police 50000W" auf dem Videoportal Youtube.com zeigt 

(vgl. Videotitel "Police 50000W - 5000 Lumens CREE LED Unboxing Review and 

Test", https://www.youtube.com/watch? v=5aYEWjwVPaA; zuletzt besucht am 

8. Februar 2023). Wie die Verteidigung zu Recht darauf hinweist (Urk. 85 S. 51), 

gelten gemäss Verordnung über Waffen, Waffenzubehör und Munition (WV, SR 

514.541) Elektroschockgeräte, die nicht den Bestimmungen der Verordnung vom 

9. April 1997 über elektrische Niederspannungserzeugnisse entsprechen, als 

Waffen, wobei in Zweifelsfällen die Zentralstelle Waffen entscheidet (Art. 2 WV). 

Genauere Abklärungen sind vorliegend – wie bereits erwähnt – allerdings unter-

blieben.  

3.4.   Vor diesem Hintergrund lässt sich anhand der Aktenlage nicht mit genü-

gender Sicherheit ausschliessen, dass es sich bei der sichergestellten Taschen-

lampe nicht doch um ein Gerät gehandelt haben könnte, das nicht unter das Waf-

fengesetz fällt, dies umso mehr, als die Elektroschockfunktion, welche den Kern 

des Anklagevorwurfs bildet, beim fraglichen Gerät gerade nicht funktioniert zu ha-

ben scheint (Urk. 5/5 S. 3). Entsprechend ist der Beschuldigte in diesem Anklage-

punkt in dubio pro reo freizusprechen.  

IV. Rechtliche Würdigung 

1.   Versuchte schwere Körperverletzung (Anklagesachverhalt 1): 

1.1.   Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Vorinstanz qualifizierten das 

Vorgehen des Beschuldigten gegen den Privatkläger rechtlich als versuchte 

schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Urk. 50 S. 24 ff.). 

1.2.   Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der schwe-

ren Körperverletzung – mit besonderem Fokus auf Schläge und Fusstritte gegen 

den Kopfbereich – sowie zum Vorsatz und Eventualvorsatz und schliesslich zum 

strafbaren Versuch unter Hinweisen auf die entsprechende Rechtsprechung in ih-

rem Urteil bereits ausführlich dargelegt. Auf diese zutreffenden Ausführungen 

kann verwiesen werden (Urk. 50 S. 24 ff.).  

-   42   - 

1.3.   Anhand des Beweisergebnisses ist wie dargelegt erstellt, dass der Be-

schuldigte dem Privatkläger zunächst mit der geschlossenen Faust einen heftigen 

Faustschlag ins Gesicht verpasst hat, wobei angesichts der übereinstimmenden 

Zeugenaussagen von einer hohen Intensität des Schlages auszugehen ist. Durch 

den Schlag wurde der Privatkläger regelrecht zurückgeschleudert und prallte auf 

dem Boden auf, worauf ihm der Beschuldigte, als der Privatkläger benommen und 

wehrlos am Boden lag, einen kraftvollen Fusstritt ins Gesicht verpasste.  

1.4.   Diese massiven Gewalteinwirkungen des Beschuldigten verursachten beim 

Privatkläger erhebliche Verletzungen im Gesicht – konkret eine komplexe Mittel-

gesichtsfraktur mit einer Einblutung und mehrfragmentärer Fraktur der lateralen 

und vorderen Wand der Kieferhöhle, einer mehrfragmentären Blowout-Fraktur des 

Orbitabodens, d.h. einem Durchbruch des Augenhöhlenbodens zur Kieferhöhle, 

sowie einer mehrfragmentären Fraktur der lateralen Augenhöhlenwand –, welche 

operativ behandelt werden mussten, wobei der Orbitaboden mit einer Orbitabo-

denplatte aus Titan-Mesh rekonstruiert werden musste. Gemäss den medizini-

schen Unterlagen des Kantonsspitals Winterthur (Urk. 16/3-8 sowie Auskunft von 

Dr. med P._____, Urk. 16/11) bestand weder Lebensgefahr, noch kam es zu Or-

ganverletzungen oder anderen wesentlichen Funktionseinschränkungen. Bleiben-

de Schäden im Sinne des Tatbestands von Art. 122 StGB resultierten entspre-

chend glücklicherweise nicht, nachdem die Operation samt der besagten Rekon-

struktion erfolgreich verlief und das vom Beschuldigten beschriebene leichte 

Taubheitsgefühl in der linken Gesichtshälfte (Urk. 6/4 S. 9) – wie die Vorinstanz 

zutreffend ausführte (vgl. Urk. 50 S. 27) – die Schwelle zur schweren Körperver-

letzung noch nicht überschreitet. Schliesslich ist auch hinsichtlich der von ihm be-

schriebenen drei Narben (unter dem Auge, in der Augenbraue und am Haaran-

satz; Urk. 6/4 S. 9) nicht von einer "argen Entstellung" im Sinne der Rechtspre-

chung auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_115/2009 vom 13. August 

2009, E. 4.1 f.), was vom Privatkläger denn auch nicht behauptet wird.  

1.5.   Damit ist der Taterfolg von Art. 122 StGB ausgeblieben und der objektive 

Tatbestand mithin nicht erfüllt. Zu prüfen ist jedoch, ob der Beschuldigte im Sinne 

eines Versuchs – wie in der Anklage umschrieben – lebensgefährliche Verletzun-

-   43   - 

gen oder bleibende Schädigungen des Körpers des Privatklägers zumindest in 

Kauf genommen hat.  

1.5.1.  Vorliegend schlug der Beschuldigte dem Privatkläger mit der Faust aus 

nichtigem Anlass zunächst heftig und gezielt ins Gesicht, nur um den aufgrund 

dieses Schlages bereits gestürzten und benommen am Boden liegenden Privat-

kläger – erneut gezielt gegen das Gesicht – mit einem wuchtigen Fusstritt weiter 

zu traktieren. Dieses zielgerichtete und brutale Verhalten gegen ein gänzlich pas-

sives Opfer kann nur dahingehend interpretiert werden, dass der Beschuldigte 

dem Privatkläger ernsthafte Schmerzen zufügen und ihn auch verletzen wollte. 

Dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten das direkte Ziel verfolgt hätte, den 

Privatkläger lebensgefährlich zu verletzen oder dauerhaft schwer zu schädigen 

(direkter Vorsatz ersten Grades), kann zwar nicht leichthin angenommen werden. 

Anhand der Umstände ist jedoch davon auszugehen, dass der Beschuldigte solch 

gravierende Verletzungen des Privatklägers zumindest in Kauf nahm, insbeson-

dere mit dem Fusstritt ins Gesicht des Privatklägers. Denn zum einen muss – wie 

die Vorinstanz bereits zutreffend ausführte (Urk. 50 S. 27) – einem durchschnitt-

lich intelligenten Erwachsenen nach der allgemeinen Lebenserfahrung grundsätz-

lich klar sein, dass tätliche Gewalteinwirkungen gegen den Kopf eines Menschen 

schwere Schädigungen hervorrufen können. Zum andern barg sein Verhalten 

auch angesichts der konkreten Umstände – mithin in Anbetracht der Heftigkeit 

seines Faustschlags und Fusstritts, seines gezielten Vorgehens gegen den Kopf 

als besonders verletzliches Körperteil sowie angesichts des Umstands, dass der 

sowieso schon körperlich unterlegene und überdies sichtlich angetrunkene Privat-

kläger bei beiden Schlägen keine Anstalten machte bzw. machen konnte, sich zu 

schützen oder die Schläge abzuwehren – ein für den Beschuldigten erkennbares 

erhebliches Risiko schwerer Körperschädigungen zum Nachteil des Privatklägers. 

Der Beschuldigte handelte hinsichtlich einer schweren Körperverletzung mithin 

eventualvorsätzlich.  

1.5.2.    Der subjektive Tatbestand von Art. 122 StGB ist somit erfüllt. Nachdem 

der Beschuldigte den Privatkläger bereits je einmal massiv ins Gesicht geschla-

gen und getreten hatte und erst auf Intervention von D._____ und C._____ vom 

-   44   - 

Privatkläger abliess, hatte er bereits alles getan, was zur Vollendung des Delikts 

nötig schien. Das Ausbleiben des tatbestandsmässigen Erfolgs ist mithin nicht 

ihm, sondern nicht in seiner Macht liegenden glücklichen Umständen zu verdan-

ken. Es ist mithin – wie bereits die Vorinstanz –  von einem vollendeten Versuch 

auszugehen.  

1.6.   Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe werden keine geltend ge-

macht und sind auch nicht ersichtlich. Der Beschuldigte ist entsprechend der ver-

suchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen, wofür er angemessen zu bestrafen ist.  

2. Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Anklagesachverhalt 2) 

Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 

lit. e, Art. 5 Abs. 2 lit. c und Art. 7 WG sowie Art. 12 Abs. 1 lit. d WV ist er – wie 

bereits im Rahmen der Sachverhaltserstellung festgehalten, dagegen freizuspre-

chen.  

V. Strafzumessung 

1.   Anwendbares Recht und Grundsätze der Strafzumessung  

1.1.   Seit dem 1. Januar 2018 ist das revidierte Sanktionenrecht in Kraft (AS 

2016 1249; BBI 2012 4721). Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird derjenige nach dem 

neuen Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Verge-

hen begeht. Wurde das Verbrechen oder Vergehen bereits vor Inkrafttreten des 

neuen Rechts begangen, so ist dieses nur anwendbar, wenn es für den Beschul-

digten das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Während nach altem Recht die Ausfäl-

lung einer Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessätzen mö