# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eeabd9f7-da28-5464-9c0f-410404067309
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.09.2010 D-6502/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6502-2010_2010-09-16.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6502/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Russland,
vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, 
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Zuweisung Transit;
Zwischenverfügung des BFM vom 9. September 2010.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6502/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  der  Beschwerdeführer,  ein  russischer  Staatsangehöriger  aus 
A._______, eigenen Angaben zufolge – die auf  Rückfrage des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 14. September 2010 seitens der Flugha-
fenpolizei Zürich-Kloten bestätigt wurden – am 9. September 2010 im 
Shoppingbereich  des  Flughafens  Zürich-Kloten  polizeilich  kontrolliert 
und,  nachdem  er  sich  nicht  ausweisen  konnte,  auf  den  Posten  der 
Flughafenpolizei verbracht wurde, wo er um Asyl nachsuchte,

dass das BFM dem Beschwerdeführer mit gleichentags eröffneter Zwi-
schenverfügung vom 9. September  2010 gestützt  auf  Art.  22  Abs. 2 
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) die Einreise 
in die Schweiz vorläufig verweigerte und ihm für die Dauer von maxi-
mal 60 Tagen den Transitbereich des Flughafens Zürich-Kloten als Auf-
enthaltsort zuwies,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  –  vorab  per  Telefax  eingereichter  – 
Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 13. September 2010 gegen die-
se  Zwischenverfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
erhob und die Aufhebung der angefochtenen Zwischenverfügung so-
wie die Bewilligung der Wiedereinreise in die Schweiz und die Zufüh-
rung zu einem Empfangs- und Verfahrenszentrum beantragte,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Zwischenverfü-
gung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1 
VwVG),

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dass  die  Überpüfung  der  Rechtmässigkeit  und  Angemessenheit  der 
Zuweisung eines Aufenthaltsortes am Flughafen oder an einem ande-
ren geeigneten Ort nach Art. 22 Abs. 3 und 4 AsylG jederzeit mittels 
Beschwerde beantragt werden kann (Art. 108 Abs. 4 AsylG),

dass die Verweigerung der Einreise nach Art. 22 Abs. 2 AsylG bis zum 
Zeitpunkt der Eröffnung einer Verfügung nach Art. 23 Abs. 1 AsylG an-
gefochten werden kann (Art. 108 Abs. 3 AsylG) und letztere im vorlie-
genden Verfahren noch nicht ergangen ist,

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  über  Beschwerden  gegen  Ent-
scheide nach Art. 22 Abs. 2-4 unverzüglich und in der Regel auf Grund 
der Akten entscheidet (Art. 109 Abs. 3 AsylG),

dass über Beschwerden gegen Entscheide über die vorläufige Verwei-
gerung der Einreise am Flughafen und die Zuweisung eines Aufent-
haltsortes am Flughafen in einzelrichterlicher Zuständigkeit  entschie-
den wird (Art. 111 Bst. c AsylG) und Beschwerdeentscheide nach 111 
AsylG nur summarisch zu begründen sind (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass der Beschwerdeführer in der Beschwerdeeingabe vom 13. Sep-
tember 2010 vorbringt, er habe seinen Heimatstaat am 5. September 
2010 verlassen und sei am 8. September 2010 in einem Lastwagen il -
legal in die Schweiz gelangt,

dass er sich am 9. September 2010 in den Shoppingbereich des Flug-
hafens Zürich-Kloten begeben habe, um in den dortigen Läden Ein-
käufe zu tätigen,

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dass er in der Shoppingzone – mithin auf Schweizer Boden – von der 
Flughafenpolizei  festgenommen und unrechtmässig in  den Transitbe-
reich verbracht worden sei, wo er sich gezwungen gesehen habe, ein 
Asylgesuch zu stellen,

dass er nicht mit dem Flugzeug in die Schweiz gereist sei und sich we -
der in der Transit-  noch in der Schengenzone des Flughafens aufge-
halten habe, weshalb die Voraussetzungen für ein Flughafenverfahren 
nicht gegeben seien und ihm die Wiedereinreise in die Schweiz zu be-
willigen  und  er  für  das  Asylverfahren  einem Empfangs-  und  Verfah-
renszentrum zuzuweisen sei,

dass das Bundesverwaltungsgericht  nach Prüfung der Akten die Zu-
weisung des Transitbereiches des Flughafens Zürich-Kloten als Aufent-
haltsort des Beschwerdeführers für rechtmässig erachtet,

dass  nämlich  die  vom Beschwerdeführer  vorgebrachte  Version,  wo-
nach er von Russland herkommend am 8. September 2010 auf dem 
Landweg in einem Lastwagen in die Schweiz gelangt sei, angesichts 
der am 9. September 2010 erfolgten Aufgreifung im Flughafen Zürich-
Kloten wenig plausibel erscheint, da ein Einkaufsbummel in den dorti -
gen Geschäften am Tage nach der angeblichen Einreise in keiner Wei-
se naheliegt,

dass ferner eine Abfrage der Flughafenpolizei vom 9. September 2010 
im Eurodac-Register ergab, dass der Beschwerdeführer am 10. Febru-
ar 2010 in Frankreich daktyloskopisch erfasst wurde,

dass sich der  Beschwerdeführer  mithin  im Jahre  2010 in Frankreich 
aufgehalten hat, was es unter Berücksichtigung der gesamten Aktenla-
ge als sehr wahrscheinlich erscheinen lässt, dass er auf dem Luftweg 
nach Zürich-Kloten gelangte und mutmasslich die Schweizer Grenze 
eben erst in der Schengenzone des Flughafens passiert hatte, als ihn 
die  Flughafenpolizei  noch  auf  dem Flughafengelände  –  demnach  in 
unmittelbarem  zeitlichem  Zusammenhang  mit  der  mutmasslichen 
Grenzüberschreitung – anhielt,

dass bei dieser Sachlage im vorliegenden Fall nicht von einer erfolgten 
Einreise in die Schweiz auszugehen ist, weshalb – nachdem der Be-
schwerdeführer am Flughafen ein Asylgesuch gestellt hat – die Zuwei-
sung  des  Transitbereiches  als  vorläufiger  Aufenthaltsort  durch  das 
BFM nicht zu beanstanden ist,

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dass die Zuweisung des Beschwerdeführers in den Transitbereich des 
Flughafens  Zürich-Kloten  und  die  damit  verbundene  Freiheitsbe-
schränkung im Rahmen der gesetzlichen Maximaldauer und entspre-
chend den von der Praxis definierten Bedingungen (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK]  1998  Nr. 7) keine  unrechtmässige  Freiheitsentziehung  im 
Sinne von Art. 5  Ziff. 1  der  Konvention vom 4. November  1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
darstellt  (WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.188),

dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Beschwerdeeingabe  schliesslich 
auch keine in  seiner Person liegenden Gründe vorbringt,  welche die 
Unterbringung als unangemessen erscheinen liessen,

dass es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht gelungen ist 
darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, 
den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  fest-
stellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwer-
de abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  (vorab  per  Telefax; 
Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)

- das BFM, Dienst Flughafenverfahren (per Telefax zu den Akten)
- die Flughafenpolizei, Grenzpolizeiliche Massnahmen / Asyl (per Te-

lefax)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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