# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93aa798c-3fe0-53dd-9fc6-89d4fae48d7c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.09.2009 A-2725/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-2725-2008_2009-09-17.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-2725/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Markus Metz, 
Richter Pascal Mollard, 
Gerichtsschreiber Urban Broger.

A._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, 
Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, 3003 Bern,
Vorinstanz.

VST; Solidarhaftung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-2725/2008

Sachverhalt:

A.
Die X._______ AG («Gesellschaft») tätigt  laut  Eintrag im Handelsre-
gister  Finanz-  und  Treuhandgeschäfte  und  entsprechende  Beratung; 
sie  kann sich an  in- und ausländischen Unternehmen beteiligen und 
Liegenschaften erwerben, verwalten oder verkaufen. Ihr Aktienkapital 
beträgt Fr. 100'000.--, ist in Namenaktien zu Fr. 1'000.-- eingeteilt und 
vollständig liberiert. Als einziges Mitglied des Verwaltungsrates zeich-
nete von 1994 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2006 A._______.

B.
Im Jahr 1992 erbrachte die X._______ AG geschäftsmässig nicht be-
gründete Zahlungen im Betrag von Fr. 578'000.-- an eine ausländische 
Gesellschaft. Zudem kaufte sie für den Betrag von Fr. 130'000.-- Ak-
tien, die effektiv wertlos waren. Die Eidgenössische Steuerverwaltung 
(ESTV) qualifizierte die Vorgänge als Erbringen geldwerter Leistungen 
in Form verdeckter Gewinnausschüttungen an nahe stehende Perso-
nen. Entsprechend machte sie gegenüber der X._______ AG eine Ver-
rechnungssteuerforderung von Fr. 247'800.-- (= [35% x Fr. 578'000.--] 
+ [35% x Fr. 130'000.--]) geltend. Einen Teil der Forderung anerkannte 
die X._______ AG in der Folge als geschuldet; den anderen Teil be-
stritt  sie.  Doch  bestätigte  das  Bundesgericht  mit  Urteil  2A.457/2002 
vom 19. März 2003 letztinstanzlich auch diesen Teil als geschuldet.

Das daraufhin von der ESTV gegen die Gesellschaft angestrebte Be-
treibungsverfahren endete  mit  der  Ausstellung eines  Verlustscheines 
über den Betrag von Fr. 342'351.45; das pfändbare Vermögen der Ge-
sellschaft hatte per 17. März 2005 noch Fr. 30.-- betragen. Der Betrag 
von  Fr. 342'351.45  setzte  sich  im  Wesentlichen  zusammen  aus  der 
Verrechnungssteuerforderung von Fr. 247'800.--, Fr. 94'062.15 an Zin-
sen sowie Rechtsöffnungs- und Verlustscheinkosten.

C.
Am 13. Dezember 2005 teilte die ESTV dem A._______ – der einziger 
Verwaltungsrat der X._______ AG war – mit, dass sämtliche Inkasso-
bemühungen gegen die Gesellschaft ins Leere gelaufen seien. Die Ur-
sache liege darin, dass die Gesellschaft ihre Tätigkeiten eingestellt ha-
be und sämtliche Vermögenswerte  abgezogen worden seien. Hierfür 
erachtete  die  ESTV  A._______  als  persönlich  verantwortlich.  Nach 
weiteren  Korrespondenzen  verfügte  die  ESTV  mit  Entscheid  vom 

Seite 2

A-2725/2008

25. April  2007,  dass  A._______  der  Eidgenossenschaft  den  Betrag 
von Fr. 461'605.65 schulde, wobei sich die Forderung im Wesentlichen 
aus dem in der Betreibung gegen die X._______ AG ungedeckt geblie-
benen Betrag von Fr. 342'351.45 zusammensetzte.

D.
Auf Einsprache hin bestätigte die ESTV mit Einspracheentscheid vom 
19. März 2008 ihre gegen A._______ geltend gemachte Verrechnungs-
steuerforderung,  reduzierte  sie  jedoch  auf  Fr. 101'357.--. In  diesem 
Umfang beseitigte die ESTV auch den in der Betreibung Nr._______ 
des  Betreibungsamtes  G.________  erhobenen  Rechtsvorschlag.  Sie 
qualifizierte das Vorgehen bei der X._______ AG als faktische Liqui-
dation; als faktischer Liquidator habe A._______, das einzige Mitglied 
des Verwaltungsrates, gehandelt. Ein Liquidator hafte bis zum Betrag 
des Liquidationsergebnisses. Weil ein solches im Falle einer faktischen 
Liquidation regelmässig nicht vorliege, sei zur Berechnung eines mut-
masslichen  Liquidationsergebnisses  auf  die  letzte  Bilanz  vor  Beginn 
der Liquidationshandlungen abzustellen. Da die ESTV den Beginn der 
Liquidationshandlungen  im  Verlauf  des  Jahres  2002  erblickte,  stellte 
sie auf die Bilanz per 31. Dezember 2001 ab. Darin waren Aktiven von 
total Fr. 944'903.-- sowie Fremdkapital von Fr. 843'546.-- ausgewiesen, 
was ein mutmassliches Liquidationsergebnis von Fr. 101'357.-- ergab.

E.  
Gegen den Einspracheentscheid der ESTV vom 19. März 2008 erhob 
A._______  (ab  hier  auch  «Beschwerdeführer»)  mit  Eingabe  vom 
26. April 2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragt sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides und die 
Rückweisung der  Sache zur Neubeurteilung,  unter  Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen. Der Beschwerdeführer bestreitet den Beginn einer 
faktischen Liquidation im Jahr 2002 und hält fest, dass selbst im Fall, 
da die faktische Liquidation tatsächlich im Jahr 2002 begonnen hätte, 
sich das Liquidationsergebnis nicht auf Fr. 101'357.-- beliefe.

F.
Die ESTV hat mit Vernehmlassung vom 9. Juli  2008 zur Beschwerde 
Stellung genommen. Sie beantragt deren kostenfällige Abweisung.

G.
Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird,  soweit  entscheidwe-
sentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Seite 3

A-2725/2008

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Angefochten ist ein Einspracheentscheid der ESTV. Damit richtet 
sich  die  vorliegende  Beschwerde  gegen  eine  Verfügung  nach  Art. 5 
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021). Das Bundesverwaltungsgericht ist zu-
ständige  Beschwerdeinstanz  (vgl.  Art. 31,  Art. 32  e contrario  und 
Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]).

1.2 Enthält die Vernehmlassung der Vorinstanz mit Bezug auf die an-
gefochtene Verfügung neue, erhebliche Vorbringen tatsächlicher oder 
rechtlicher Art, so ist der beschwerdeführenden Partei Gelegenheit zu 
geben, im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels dazu Stellung zu 
nehmen (vgl. Art. 57 Abs. 2 VwVG; Urteile des Bundesverwaltungsge-
richts A-1380/2006 und A-1381/2006 vom 27. September 2007 E. 3.1 
mit  Hinweisen;  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Pro-
zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.47).

Der  Beschwerdeführer  hat  bereits  in  seiner  Eingabe  vom  26. April 
2008 beim Bundesverwaltungsgericht einen  zweiten Schriftenwechsel 
beantragt. Der Antrag wurde somit in einem Zeitpunkt gestellt, in dem 
die Vorinstanz noch nicht zur Vernehmlassung eingeladen worden war 
und der Beschwerdeführer – logischerweise – noch unmöglich Kennt-
nis vom Inhalt derselben haben konnte. Die von der Vorinstanz mit der 
Vernehmlassung vom 9. Juli 2008 vorgebrachten Argumente aber gin-
gen nicht über das hinaus, was bereits dem Einspracheentscheid der 
ESTV vom 19. März 2008 zugrunde gelegen hatte. Entsprechend er-
übrigte sich das förmliche Einladen des Beschwerdeführers zu einem 
zweiten  Schriftenwechsel.  Ohnehin  hat  der  Beschwerdeführer  am 
14. Juli 2008 – und damit umgehend nach Eintreffen beim Bundesver-
waltungsgericht  –  ein  Exemplar  der  Vernehmlassung  der  Vorinstanz 
zugestellt  erhalten,  so  dass er,  hätte tatsächlich  Bedarf  an  weiteren 
Ausführungen bestanden, sich an das Gericht hätte wenden können.

2.
Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweglichen 
Kapitalvermögens (Art. 132 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei-
zerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]  und 
Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 über die Ver-
rechnungssteuer [Verrechnungssteuergesetz, VStG, SR 642.21]). Die 

Seite 4

A-2725/2008

Verrechnungssteuer wird nach Massgabe des Verrechnungssteuerge-
setzes zurückerstattet (Art. 1 Abs. 2 VStG) und stellt in aller Regel nur 
für inländische Defraudanten eine endgültige Belastung dar. Weiter be-
lastet sie Ausländer endgültig. Hierbei ist sie einerseits Entgelt für die 
Vorteile, welche die Schweiz den ausländischen Kapitalanlagen durch 
ihre stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bietet, ande-
rerseits aber auch ein wichtiges Kompensationsobjekt bei Verhandlun-
gen über  zwischenstaatliche Abkommen zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung (vgl.  Botschaft  des  Bundesrates  vom  18. Oktober  1963 
betreffend  den  Entwurf  zu  einem  Bundesgesetz  über  die  Verrech-
nungssteuer, BBl 1963 II 953, 954).

3.
3.1 Steuerpflichtig ist an sich der Schuldner der steuerbaren Leistung 
(Art. 10 Abs. 1 VStG). Die steuerbare Leistung ist bei der Auszahlung, 
Überweisung, Gutschrift oder Verrechnung ohne Rücksicht auf die Per-
son des Gläubigers um den Steuerbetrag zu kürzen, bei  Kapitalerträ-
gen um 35% (Art. 13  Abs. 1  Bst. a  in  Verbindung  mit  Art. 14  Abs. 1 
VStG).

3.2 Nach Art. 15 Abs. 1 Bst. a VStG haften die mit der Liquidation be-
trauten Personen für die Steuer einer aufgelösten juristischen Person 
solidarisch mit  dieser  bis  zum Betrage des  Liquidationsergebnisses. 
Diese Personen haften nur für Steuer-, Zins- und Kostenforderungen, 
die während ihrer Geschäftsführung entstehen, geltend gemacht oder 
fällig werden. Ihre Haftung entfällt, soweit sie nachweisen, dass sie all-
es  ihnen Zumutbare  zur  Feststellung und Erfüllung der  Steuerforde-
rung getan haben (Art. 15 Abs. 2 VStG). Dabei  gilt  selbst  eine fakti-
sche Liquidation einer Gesellschaft als Auflösung im Sinne von Art. 15 
Abs. 1  Bst. a  VStG  (Urteile  des  Bundesgerichts  2C_502/2008  vom 
18. Dezember 2008 E. 5.1 und 2A.342/2005 vom 9. Mai 2006 E. 4.2).

3.3 Zu den  Personen,  die  mit  der  Liquidation  betraut  sind,  gehören 
vorab die gesetzlichen oder statutarisch bestellten Organe, welche – 
mangels eines Generalversammlungsbeschlusses über die Auflösung 
– die bloss faktische Liquidation durchführen (BGE 115 Ib 274 E. 14c; 
zuletzt  bestätigt  in:  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_502/2008  vom 
18. Dezember 2008 E. 5.1). Der einzige Verwaltungsrat  einer Gesell-
schaft ist Organ derselben und gilt damit im Falle einer faktischen Li-
quidation ohne Weiteres als solidarisch haftender Liquidator im Sinne 

Seite 5

A-2725/2008

von  Art. 15  Abs. 1  Bst. a  VStG  (vgl.  das  Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_502/2008 vom 18. Dezember 2008 E. 5.1 mit Hinweisen).

4.
4.1 Eine faktische Liquidation liegt vor, wenn die Gesellschaftsaktiven 
veräussert oder verwertet werden und der Erlös nicht reinvestiert, son-
dern an die Anteilsinhaber verteilt wird (BGE 115 Ib 274 E. 10a). Dabei 
ist nicht erforderlich, dass der Gesellschaft sämtliche Aktiven entzogen 
werden; es genügt, wenn die Gesellschaft ihrer wirtschaftlichen Sub-
stanz entleert wird (Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskom-
mission [SRK] vom 17. April  2001, veröffentlicht in  Verwaltungspraxis 
der Bundesbehörden [VPB] 65.113 E. 2b/aa; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1506/2006 vom 3. Juni 2008 E. 4.2, bestätigt mit Urteil 
des Bundesgerichts 2C_502/2008 vom 18. Dezember 2008).

Nach  der  –  nicht  unumstrittenen  –  Rechtsprechung  des  Bundesge-
richts ist zur Annahme einer faktischen Liquidation auch nicht notwen-
dig, dass ein Auflösungsbeschluss oder der Wille der Organe zur zivil-
rechtlichen  Liquidation  der  Gesellschaft  vorliegt  (BGE 115 Ib 274 
E. 10; Entscheid der SRK vom 17. April 2001, a.a.O., E. 2b/aa mit Hin-
weisen; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1506/2006 vom 3. Ju-
ni  2008 E. 4.2 mit  Hinweisen auch auf  die Kritik,  bestätigt  mit  Urteil 
des Bundesgerichts 2C_502/2008 vom 18. Dezember 2008).

4.2 Als Beginn der faktischen Liquidation ist nach der höchstrichterli-
chen  Rechtsprechung  der  Zeitpunkt  anzunehmen,  in  dem in  Würdi-
gung der gesamten Umstände eine Vermögensdisposition nicht mehr 
als  geschäftliche  Transaktion,  sondern  als  Aushöhlung  der  Gesell-
schaft bezeichnet werden muss (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1506/2006 vom 3. Juni 2008 E. 4.2, bestätigt mit Urteil des Bundes-
gerichts  2C_502/2008  vom 18. Dezember  2008;  Entscheid  der  SRK 
vom 17. April  2001, a.a.O., E. 2c [«il y a liquidation de fait quand un 
acte de disposition ne constitue pas une transaction commerciale ordi-
naire, mais vide la société»]).

Zur Berechnung des mutmasslichen Liquidationsergebnisses wird auf 
die letzte, vor Beginn der Liquidationshandlungen eingereichte Bilanz 
abgestellt  (vgl. Urteil  des  Bundesgerichts  2C_502/2008 vom 18. De-
zember 2008 E. 4.2). Es handelt sich dabei nämlich um die letzte Bi-
lanz, die noch nicht durch Liquidationshandlungen verfärbt worden ist.

Seite 6

A-2725/2008

5.
5.1 Die Haftung des Liquidators ist  begrenzt  auf  das Liquidationser-
gebnis, das heisst auf das Vermögen, das der Gesellschaft nach Til-
gung der Schulden und der Liquidationskosten verbleibt und worüber 
die Liquidatoren die Herrschaft ausüben. Die Rückzahlung der Anteile 
am einbezahlten Grund- oder Stammkapital der Gesellschaft ist zwar 
nicht als Ertrag steuerbar; der entsprechende Betrag bildet aber Be-
standteil des die Haftungssumme begrenzenden Liquidationsergebnis-
ses (W. ROBERT PFUND, Die Eidgenössische Verrechnungssteuer, I. Teil, 
Basel 1971, Rz. 7 zu Art. 15 VStG). Zur Berechnung des Liquidations-
ergebnisses sind die Aktiven zum Verkehrswert einzusetzen (Urteil des 
Bundesgerichts vom 17. Februar 1978 i.S. X. GmbH, Y. und Z., veröf-
fentlicht in: Archiv für schweizerisches Abgaberecht [ASA] 47 S. 541 ff. 
E. 9).

5.2 Ein nach Art. 15  VStG Mithaftendender  kann grundsätzlich nicht 
nur den Bestand seiner Mithaftung,  sondern auch den Steuerbetrag, 
welchen er an Stelle der Gesellschaft bezahlen soll, anfechten. Hatte 
der Mithaftende aber bereits als Organ des Steuersubjekts Gelegen-
heit, den Bestand dieser Steuerforderung anzufechten, kann er die in-
zwischen in Rechtskraft  erwachsene Steuerforderung nicht nochmals 
beurteilen  lassen  (THOMAS MEISTER,  in:  Martin  Zweifel/Peter  Athanas/ 
Maja Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuer-
recht II/2, Basel 2005, N. 40 zu Art. 15 VStG mit Hinweisen).

Allerdings entfällt die Mithaftung, wenn der ins Recht gefassten Person 
der  Nachweis  gelingt,  dass  sie  alles  ihr  Zumutbare  zur  Feststellung 
und  Erfüllung  der  Steuerforderung  getan  hat  (Art. 15  Abs. 2  VStG). 
Gemäss Rechtsprechung und Lehre sind an den Exkulpationsbeweis 
jedoch strenge Anforderungen zu stellen  (Urteile des Bundesgerichts 
vom 17. Februar 1978 i.S. X. GmbH, Y. und Z., a.a.O., S. 554 und vom 
19. Dezember 1980 i.S. X., veröffentlicht in: ASA 50 S. 435 ff. E. 2b/bb; 
THOMAS MEISTER, a.a.O., N. 26 zu Art. 15 VStG).

6.  
Im vorliegenden Fall ist die solidarische Mithaftung des A._______ für 
Verrechnungssteuerschulden der X._______ AG zu beurteilen. Zu klä-
ren ist auf Grund des eingangs Gesagten:

• der  Bestand  und  die  Höhe  der  Verrechnungssteuerschuld  der 
aufgelösten juristischen Person X._______ AG (Punkt 7.1);

Seite 7

A-2725/2008

• die Frage, ob die ins Recht  gefasste Person,  also A._______, 
tatsächlich mit der Liquidation betraut war (Punkt 7.2);

• die Höhe des Liquidationsergebnisses und für diese Zwecke der 
Zeitpunkt  des  Beginns  der  (faktischen)  Liquidation  (Punkt  7.3 
und 8);

• das Vorliegen von Exkulpationsgründen (Punkt 9).

7.
7.1 Über die Frage nach dem Bestand und der Höhe der vorliegend 
relevanten  Verrechnungssteuerschuld  der  Gesellschaft  hat  das  Bun-
desgericht mit  Urteil  2A.457/2002 vom 19. März 2003 letztinstanzlich 
entschieden. Fraglich ist einzig noch, ob das erwähnte Urteil auch ge-
genüber dem Beschwerdeführer die Wirkung einer res iudicata entfal-
ten kann, denn im Verfahren, das mit dem erwähnten, höchstrichterli-
chen Urteil endete, war der Beschwerdeführer nicht Partei. Als einziger 
Verwaltungsrat der X._______ AG aber konnte er das Verfahren jeder-
zeit überblicken und steuern. Insofern hatte er bereits als Organ des 
Steuersubjekts Gelegenheit,  den Bestand der Steuerforderung anzu-
fechten. Folglich kann der Beschwerdeführer die inzwischen in Rechts-
kraft  erwachsene Steuerforderung nicht nochmals gerichtlich beurtei-
len lassen. Auf die Frage nach dem Bestand und der Höhe der Ver-
rechnungssteuerforderung der X._______ AG ist damit nicht zurückzu-
kommen; dies wird vom Beschwerdeführer im Übrigen auch nicht ver-
langt.

7.2 Gemäss Eintrag im Handelsregister zeichnete der Beschwerdefüh-
rer  von 1994 bis  zu seinem Ausscheiden im Jahr 2006 als  einziges 
Mitglied des Verwaltungsrates der X._______ AG. Weder behauptet er 
noch ergibt sich aus den Akten, dass eine andere bzw. eine weitere 
Person mit der Liquidation der X._______ AG betraut gewesen wäre. 
Sofern  –  was noch  zu prüfen sein  wird  –  eine  faktische  Liquidation 
getätigt wurde, trägt der Beschwerdeführer die alleinige Verantwortung 
hierfür.

7.3
7.3.1 Erwiesen  ist  sodann,  dass  über  die  Auflösung  der  X._______ 
AG kein förmlicher Beschluss gefasst worden ist. Dennoch hat irgend-
wann zwischen den Jahren 2001 und 2005 die faktische Liquidation 
der  Gesellschaft  begonnen,  was bereits  eine Gegenüberstellung der 
Bilanzen dieser Jahre unzweifelhaft ergibt. So wurde in der Bilanz per 

Seite 8

A-2725/2008

31. Dezember 2001 noch ein Anlagevermögen von Fr. 263'500.-- (Total 
der  Aktiven: Fr. 944'902.84)  ausgewiesen. Zum Anlagevermögen ge-
hörten dannzumal zwei Beteiligungen, nämlich jene an der Y._______ 
AG  (eingebucht  zu  Fr. 150'000.--)  und  jene  an  der  Z._______  AG 
(eingebucht zu Fr. 100'000.--). Unter Berücksichtigung der Amortisati-
onen (Fr. 50'000.-- im Haben) und eines Goodwills auf den Beteiligun-
gen (Fr. 50'000 im Soll) sowie der weiteren Positionen  «Büro-Maschi-
nen  und  Mobiliar» (Buchwert  Fr. 10'500.--)  und  «Installationen  ins 
Mietobjekt» (Buchwert  Fr. 3'000.--)  belief  sich  der  Buchwert  des  ge-
samten Anlagevermögens per 31. Dezember 2001 auf die erwähnten 
Fr. 263'500.--.

In  der  Bilanz  des  Folgejahres  (per  31. Dezember  2002)  betrug  der 
Buchwert  der Position  «Büro-Maschinen und Mobiliar» auf Grund or-
dentlicher  Abschreibungen  noch  Fr. 7'000.--,  jener  der  Position  «In-
stallationen ins Mietobjekt» Fr. 2'000.--. Die beiden Beteiligungen wa-
ren in  der  Bilanz  per  31. Dezember  2002 zwar  noch vermerkt,  aber 
zum  Betrag  von  Fr. 0.--  aufgeführt.  Aus  einem  im  Recht  liegenden, 
öffentlich beurkundeten Vertrag ergibt sich, dass die Beteiligung an der 
Y._______ AG am 25. Juni 2001 rückwirkend per 1. Januar 2001 an 
die H._______ Holding verkauft worden ist. Durch den Verkauf der Be-
teiligung an der Y._______ AG sind der X._______ AG unbestrittener-
massen Fr. 206'500.--  an  Barmitteln  zugeflossen. Der  Buchwert  des 
gesamten  Anlagevermögens  betrug  per  31. Dezember  2002  noch 
Fr. 9'000.-- (Total der Aktiven: Fr. 492'190.29). Am 31. Dezember 2003 
hatte das gesamte Anlagevermögen bereits den Buchwert Fr. 0.-- (To-
tal der Aktiven: Fr. 85'352.87). 

Die Entwicklung bei den Honorarerträgen, mithin dem wichtigsten Er-
tragsposten der X._______ AG, verlief wie folgt: Betrugen die Honorar-
erträge  im  Jahr  2001  noch  Fr. 361'052.10  und  im  Jahr  2002 
Fr. 394'108.90,  beliefen sie sich im Jahr 2003 auf  Fr. 188'211.65,  im 
Jahr  2004  auf  Fr. 67'082.37  und  per  31. Dezember  2005  noch  auf 
Fr. 4'062.02.

7.3.2 Für die Annahme des Beginns der faktischen Liquidation bereits 
im Jahr 2002 spricht nebst der erwähnten Entwicklung beim Anlage-
vermögen (das sich im Verlaufe des Jahres 2002 von Fr. 263'500.-- auf 
Fr. 9'000.-- reduziert hat) auch die Tatsache, dass der Beschwerdefüh-
rer  gemäss  Eintrag  im Tagebuch  des  Handelsregisters  des  Kantons 
Zug  vom  20. Dezember  2002  Geschäftsführer  mit  Einzelunterschrift 

Seite 9

A-2725/2008

der I._______ GmbH (nunmehr ebenfalls in Liquidation) mit Sitz in Hü-
nenberg, Zug, wurde. Die I._______ GmbH hatte nicht nur das gleiche 
Domizil wie die X._______ AG, sondern im Wesentlichen und ab Ende 
des Jahres 2002 auch den gleichen Zweck. Kommt hinzu,  dass  ge-
mäss  unbestritten  gebliebenen Ausführungen der  ESTV im Einspra-
cheentscheid  das  restliche  Anlagevermögen  der  X._______  AG  im 
Jahr 2003 auf die I._______ GmbH übertragen worden ist.

7.3.3 Ein weiteres Indiz für die Annahme des Beginns der faktischen 
Liquidation im Jahr 2002 ist die Tatsache, dass sich dannzumal defini-
tiv  abzeichnete,  dass die X._______ AG gegenüber  der  ESTV hohe 
Verrechnungssteuerschulden  aufweist  (vgl.  den  Entscheid  der 
SRK 2001-068 vom 9. August 2002, bestätigt mit Urteil des Bundesge-
richts 2A.457/2002 vom 19. März 2003). Damit liegt sogar der Schluss 
nahe, der Beschwerdeführer habe die Inkassobemühungen der ESTV 
gegen die X._______ AG bewusst ins Leere laufen lassen.

7.3.4 In Würdigung der gesamten Umstände der Vermögensdispositi-
onen ergibt sich, dass die faktische Liquidation der X._______ AG im 
Jahr 2002 eingesetzt  hat. Konsequenterweise hat  die ESTV zur  Be-
rechnung  des  mutmasslichen  Liquidationsergebnisses  auf  die  letzte 
vor  Beginn  der  faktischen  Liquidation  erstellte  Bilanz,  also  jene  per 
31. Dezember 2001, abgestellt und das darin ausgewiesene Fremdka-
pital (Fr. 843'546.--) vom Total der Aktiven (Fr. 944'903.--) subtrahiert, 
was zu einem mutmasslichen Liquidationserlös von Fr. 101'357.-- ge-
führt hat. Die Mithaftung des Beschwerdeführers ist auf diesen Betrag 
begrenzt.

8.
8.1 Der  Beschwerdeführer  bestreitet  nicht  grundsätzlich,  dass  die 
X._______ AG faktisch liquidiert  worden ist; den Beginn will  er  aber 
nicht  im Jahr 2002,  sondern  zu einem späteren Zeitpunkt  angesetzt 
wissen. Die im Jahr 2002 erfolgte Absenkung des Anlagevermögens 
ist  nach seinen Aussagen das Resultat von Wertverminderungen bei 
den Beteiligungen. So sei etwa die Beteiligung an der Y._______ AG 
im Hinblick auf zu erwartende Werteinbussen an die niederländische 
H._______ Holding verkauft worden. Dieser Verkauf sei eine zukunfts-
orientierte Handlung im Interesse der X._______ AG gewesen. Ähnli-
ches wird bezüglich der Beteiligung an der Z._______ AG geltend ge-
macht. Bereits im Zeitpunkt der Konkurseröffnung über die Z._______ 
AG im Jahr 2002 sei nämlich voraussehbar gewesen, dass keine Divi-

Seite 10

A-2725/2008

denden bezahlt würden; die Gesellschaft habe de facto einen Wert von 
Fr. 0.--  gehabt. Sodann weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass 
die Honorareinnahmen im Jahr 2002 gegenüber dem Vorjahr sogar ge-
stiegen sind.

8.2 Zwar trifft es zu, dass die Erfolgsrechnung das Jahres 2002 höhe-
re Honorareinnahmen und auch generell einen höheren Ertrag als die 
Vorjahresrechnung  ausweist.  Der  Beschwerdeführer  verkennt  aber, 
dass  der  Ertragsentwicklung  bezüglich  der  hier  relevanten Frage,  in 
welchem Zeitpunkt  mit  der  definitiven Veräusserung von Aktiven be-
gonnen  worden  ist,  lediglich  ein  geringer  Erkenntniswert  zukommt. 
Ebenso plausibel wäre es, die im Vergleich zum Vorjahr um etwa 16% 
höheren  Honorareinnahmen  auf  vermehrte,  mit  Blick  auf  die  Ge-
schäftsaufgabe  getätigte  Inkassobemühungen  zurückzuführen.  Auch 
dem Argument, der Verkauf der Y._______ AG sei mit Blick auf eine zu 
erwartende  Werteinbusse  erfolgt,  kann  nichts  zu  Gunsten  des  Be-
schwerdeführers  abgewonnen  werden.  Hätte  das  Vorgehen  der 
X._______ AG nicht in einer – im Übrigen wie gesagt unbestrittenen – 
Aufgabe sämtlicher Geschäftstätigkeiten geendet,  käme dem Verkauf 
dieser  Beteiligung  zwar  tatsächlich  keine  Bedeutung  zu.  Nun  ergibt 
sich aber, dass die X._______ AG nicht nur die Beteiligungen, sondern 
auch das restliche Anlagevermögen abstiess und schliesslich die Ge-
schäftstätigkeit einstellte. Im Gesamtkontext – auf den es ankommt – 
erweist  sich  damit  die  Aussage,  der  Verkauf  der  Beteiligung  an  der 
Y._______ AG sei  nicht zwecks Liquidation der X._______ AG, son-
dern mit Blick auf die erfolgreiche Weiterführung derselben erfolgt, als 
nicht glaubwürdig. Vielmehr ist gerade in diesem Verkauf der Beginn 
der faktischen Liquidation zu erblicken. Bezeichnenderweise wurde die 
durch den Verkauf der Beteiligung an der Y._______ AG gelöste Sum-
me denn auch nicht reinvestiert.

8.3 Die übrigen Aussagen des Beschwerdeführers beziehen sich  im 
Wesentlichen auf die von der ESTV zur Berechnung des Liquidations-
ergebnisses  verwendeten  Werte  der  Beteiligungen.  Zusammen  mit 
dem Beschwerdeführer  ist  vorab  festzuhalten,  dass  zur  Berechnung 
des Liquidationsergebnisses  die Aktiven zum Verkehrswert  einzuset-
zen sind. Die ESTV durfte hierzu jedoch ohne Weiteres auf die vom 
Beschwerdeführer eingereichte Bilanz und die dort aufgeführten Werte 
abstellen. Es hätte nämlich, wie die ESTV richtigerweise ausführt, dem 
Beschwerdeführer offengestanden, auf der Beteiligung der Z._______ 
AG –  wäre  deren  Gefährdung  tatsächlich  bereits  per  31. Dezember 

Seite 11

A-2725/2008

2001  offenkundig  gewesen  –  entsprechende  Abschreibungen  vorzu-
nehmen und so diesen Bilanzposten der Gesellschaft per Bilanzstich-
tag anders zu bewerten.

8.4 Sodann verlangt der Beschwerdeführer, es seien Liquidationskos-
ten zu berücksichtigen, etwa Kosten für die Eintragung der Liquidation 
bzw. die Löschung der Gesellschaft im Handelsregister und für die Vor-
nahme  der  Liquidation  im  Allgemeinen.  Hierbei  übersieht  der  Be-
schwerdeführer,  dass  der  Gesellschaft  solche  Kosten  im  relevanten 
Zeitpunkt noch gar nicht entstanden sind, dies insbesondere deshalb, 
weil  bei  einer faktischen Liquidation typischerweise gerade kein Ein-
trag derselben im Handelsregister erfolgt.

9.
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer als faktischer Liquidator der 
X._______ AG alles ihm Zumutbare zur Feststellung und Erfüllung der 
Steuerforderung getan hat, ob ihm also der Exkulpationsbeweis gelingt 
(vgl. Punkt 5.2 hievor). Der Beschwerdeführer war als Treuhänder mit 
den Regeln der Buchführung vertraut. Als einziger Verwaltungsrat der 
X._______ AG war er über die gegen die Gesellschaft gerichteten Ver-
rechnungssteuerforderungen jederzeit im Bilde und hatte es als Allein-
zeichnungsberechtigter  in  der  Hand,  diese begleichen zu lassen. Im 
Übrigen macht der Beschwerdeführer selber keine Exkulpationsgründe 
geltend.

10.
Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  sowohl  den 
Beginn der Liquidationshandlungen wie auch den Umfang des Liquida-
tionsergebnisses  korrekt  ermittelt  hat.  Ausgangsgemäss  ist  die  Be-
schwerde  abzuweisen.  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von 
Fr. 5'000.--  sind  dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63  Abs. 1 
VwVG) und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu 
verrechnen. Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 
Abs. 1 VwVG e contrario).

Seite 12

A-2725/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 5'000.-- werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 5'000.- verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die  Vorinstanz  (Ref-Nr. S-494'509/2969/2522/WAS; Gerichtsurkun-

de)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Riedo Urban Broger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Seite 13

A-2725/2008

Versand: 

Seite 14