# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08067c04-2686-5a82-b37d-6ee06330e09c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-10-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.10.2015 E-6245/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6245-2015_2015-10-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6245/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  O k t o b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;   

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______,  

Irak,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;  

Verfügung des SEM vom 22. September 2015 / N (…). 

 

 

 

E-6245/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 7. September 2015 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 17. September 2015 fand im Empfangs- und Verfahrens-

zentrum (EVZ) A._______ die Befragung (BzP) zur Person statt. Dabei gab 

er auf die Frage nach verwandtschaftlichen Beziehungen in der Schweiz 

an, seine Tante lebe im Kanton B._______ und verfüge über eine Nieder-

lassungsbewilligung. Weiteres führte er diesbezüglich nicht an. 

B.  

Mit Verfügung vom 22. September 2015 wies das SEM den Beschwerde-

führer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zu und 

entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. 

C.  

Mit Eingabe vom 2. Oktober 2015 (Poststempel) reichte der Beschwerde-

führer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde ein und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

Beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an einen 

Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG handelt es sich um eine selbständig 

beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbare Zwischenverfügung (Art. 107 

Abs. 1 AsylG), 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Zwischenverfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

E-6245/2015 

Seite 3 

2.  

2.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann Verfügungen in Asylverfahren im 

Allgemeinen nur auf Verletzung von Bundesrecht oder unrichtige und un-

vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes überprüfen 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Gesetz schränkt die Beurteilungskompetenz 

des Bundesverwaltungsgerichts nochmals ein, wenn eine Zwischenverfü-

gung betreffend Kantonszuteilung angefochten wird. Einzig den Grundsatz 

der Einheit der Familie darf es hier im Beschwerdeverfahren prüfen (Art. 

27 Abs. 3 letzter Satz AsylG). 

2.2 Über offensichtlich unbegründete Beschwerde wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zwei-

ten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufge-

zeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch 

zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 

AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG – welcher als lex specialis der 

allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (Art. 106 Abs. 2 

AsylG) – kann der Zuweisungsentscheid nur mit der Begründung ange-

fochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie.  

3.2 Nach Art. 8 EMRK hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Privat- 

und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz (Ziff. 1). Eine 

Behörde darf in die Ausübung dieses Rechts nur eingreifen, soweit der Ein-

griff gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft not-

wendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftli-

che Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung 

von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral  oder zum 

Schutz der Rechte und Freiheiten anderer (Ziff. 2). 

Den Schutz des Familienlebens können grundsätzlich nur die Mitglieder 

einer Kernfamilie, Ehegatten und ihre minderjährigen Kinder, anrufen. Über 

diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande fallen nur 

dann unter den Schutz der Einheit der Familie, sofern eine nahe, echte und 

tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den Angehörigen besteht. Ge-

mäss Rechtsprechung setzt eine solche verwandtschaftliche Beziehung 

zudem voraus, dass zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängig-

keitsverhältnis besteht. Ein solches wird beispielsweise angenommen, 

wenn Angehörige behindert sind oder aus einem anderen Grund auf die 

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Seite 4 

Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind 

(BVGE 2008/47, E. 4.1). 

3.3 Der Beschwerdeführer ersucht in der Eingabe zwecks Unterbringung 

bei seiner Tante, dem Kanton B._______ zugeteilt zu werden. Zudem wird 

von der Tante bestätigt, dass sie dazu bereit sei, den Beschwerdeführer in 

ihrer Wohnung aufzunehmen. 

Gemäss der vorstehend zitierten Rechtsprechung gehört die Tante des Be-

schwerdeführers nicht zur Kernfamilie. Sodann hat der Beschwerdeführer 

weder anlässlich der Befragung im EVZ noch in der Beschwerdeeingabe 

ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Tante geltend gemacht. 

Ein solches ist aus den Akten auch sonst nicht ersichtlich. Der blosse 

Wunsch, bei seiner Tante – der Schwester seiner Mutter – wohnen zu dür-

fen, ist zwar verständlich, stellt aber keinen gesetzlichen Grund für eine 

bestimmte Kantonszuteilung des Beschwerdeführers dar. Die Zuteilung 

des Beschwerdeführers in den Kanton C._______ verletzt demnach den 

Grundsatz der Einheit der Familien nicht.  

4.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 

106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.  

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 

– 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-

digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 5 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von  Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener 

 

 

Versand: