# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad795343-2b54-519c-9d53-799dfcbf7dd3
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-10-02
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 02.10.2014 VG.2014.00057 (VG.2014.126)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2014-00057_2014-10-02.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 2. Oktober 2014

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2014.00057

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    
	
     

    	
     

    
	
    vertreten durch
    Rechtsanwältin B.______

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1. 

    	
    Abteilung Migration des
    Kantons Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    
	
     

    2.

    	
     

    Departement Sicherheit
    und Justiz des Kantons Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Aufenthaltsbewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Die im Jahr 1990 geborene A.______, Staatsangehörige
  von Kosovo, heiratete am 2. August 2012 im Kosovo ihren Landsmann
  C.______, welcher in der Schweiz eine Niederlassungsbewilligung C hat.
  Gestützt auf Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen
  und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (AuG) erhielt sie daraufhin eine bis
  am 15. November 2013 gültige Aufenthaltsbewilligung B. Am 16. November
  2012 reiste sie in die Schweiz ein und nahm bei ihrem Ehemann in […]
  Wohnsitz. Seit dem 12. April 2013 leben die Eheleute getrennt.

  
	
   

  
	
  1.2 Die Abteilung Migration widerrief am 20. September
  2013 die Aufenthaltsbewilligung von A.______ und wies sie an, innert 30 Tagen
  nach Rechtskraft der Verfügung die Schweiz zu verlassen. Damit verweigerte
  die Abteilung Migration implizit auch eine Verlängerung der am 15. November
  2013 ablaufenden Bewilligung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Dagegen erhob A.______ am
  23. Oktober 2013 Beschwerde beim Departement Sicherheit und Justiz (DSJ) und
  beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 20. September 2013 sowie die
  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Das DSJ wies die Beschwerde am 22. Mai
  2014 ab.

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1 In der Folge gelangte A.______ mit Beschwerde vom
  26. Juni 2014 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der
  Verfügung der Abteilung Migration vom 20. September 2013 sowie des
  Beschwerdeentscheids des DSJ vom 22. Mai 2014. Es sei ihr die Aufenthaltsbewilligung
  zu verlängern; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich 8 %
  Mehrwertsteuer, zu Lasten der Abteilung Migration. 

  
	
   

  
	
  3.2 Die Abteilung Migration beantragte am 25. August
  2014 die Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge zu Lasten von A.______.
  Das DSJ schloss am 28. August 2014 ebenfalls auf Abweisung der
  Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 16 des
  Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
  und zum Asylgesetz vom 4. Mai 2008 (EG AuG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des
  Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 

  
	
   

  
	
  1.2 Die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin
  ist am 15. November 2013 abgelaufen, weshalb der Widerruf derselben sowie der
  Antrag auf Aufhebung des Widerrufs gegenstandslos sind. Gegenstand der
  Beschwerde kann somit nur die Verlängerung bzw. Nichtverlängerung der
  Aufenthaltsbewilligung sein. Soweit in der Beschwerde der Verzicht auf den
  Widerruf der Bewilligung beantragt wird, ist darauf nicht einzutreten
  (vgl. BGer-Urteil 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 1.1). 

  
	
   

  
	
  1.3 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die
  unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
  Sachverhalts sowie die unrichtige Rechtsanwendung einschliesslich eines
  Missbrauchs des Ermessens geltend gemacht werden (Art. 107 Abs. 1 VRG).
  Die Unangemessenheit eines Entscheids kann nur ausnahmsweise geltend gemacht
  werden (vgl. die abschliessende Aufzählung in Art. 107 Abs. 2 VRG).
  Ein solcher Ausnahmetatbestand liegt nicht vor.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18
  Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung haben gemäss Art. 43 Abs. 1
  AuG Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn
  sie mit diesen zusammenwohnen. Gemäss Art. 50 Abs. 1 AuG besteht nach Auflösung
  der Ehe oder der Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der
  Kinder auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42
  f. AuG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat
  und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a) oder wichtige persönliche
  Gründe einen Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Wichtige
  persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können gemäss Art. 50
  Abs. 2 AuG namentlich dann vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte
  Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freien Willen geschlossen
  hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet
  erscheint (sog. nachehelicher Härtefall). 

  
	
   

  
	
  2.2 Bei der Beurteilung, ob wichtige persönliche Gründe
  vorliegen, sind sämtliche Umstände des Einzelfalls mit zu berücksichtigen.
  Massgebend ist allein, wie sich die Pflicht des Ausländers die Schweiz
  verlassen zu müssen, nach der gescheiterten Ehe auf seine persönliche Situation
  auswirkt (BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Jede Form ehelicher bzw. häuslicher
  Gewalt, sei sie körperlicher oder physischer Natur, ist dabei ernst zu
  nehmen. Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel,
  Macht und Kontrolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine
  verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits. Die physische
  oder psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen müssen vielmehr von
  einer gewissen Konstanz bzw. Intensität sein. Auch psychische bzw. sozio-ökonomische
  Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und Einsperren
  kann einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an
  unzulässiger Oppression erreichen. Dies ist der Fall, wenn die psychische
  Integrität des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft
  schwer beeinträchtigt würde. Nicht jede unglückliche, belastende und nicht
  den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung begründet
  indessen bereits einen nachehelichen Härtefall und ein weiteres Anwesenheitsrecht
  in der Schweiz. Die anhaltende erniedrigende Behandlung muss derart schwer
  wiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlicher
  Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus
  bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre
  Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt (BGE 138 II 229 E. 3.2.1
  f., mit Hinweisen). Als Hinweise für eheliche Gewalt gelten gemäss
  Art. 77 Abs. 6 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
  vom 24. Oktober 2007 (VZAE) Arztzeugnisse (lit. a), Polizeirapporte
  (lit. b), Strafanzeigen (lit. c), Massnahmen im Sinne von Art. 28b des
  Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB) sowie
  entsprechende strafrechtliche Verurteilungen (lit. e). Bei der Prüfung der
  wichtigen persönlichen Gründe werden die Auskünfte und Hinweise von
  spezialisierten Fachstellen mit berücksichtigt (Art. 77 Abs. 6bis
  AuG).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin und
  ihr Ehemann ab dem 16. November 2012 in […] zusammenlebten. Am 12. April 2013
  flog die Beschwerdeführerin in den Kosovo. Seit ihrer Rückkehr in die Schweiz
  lebt sie bei einem Cousin in […]. 

  
	
   

  
	
  3.2 Da die Beschwerdeführerin nicht mehr mit ihrem
  Ehemann zusammenwohnt, fällt eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
  gestützt auf Art. 43 Abs. 1 AuG ausser Betracht. Da die Ehegemeinschaft nur
  knapp fünf Monate gedauert hat, ergibt sich auch aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG
  kein Anspruch auf die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Sodann stützt
  sich die Beschwerdeführerin zu Recht nicht auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen
  Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950 (EMRK) oder Art. 13 Abs. 1 der
  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April
  1999 (BV). Bereits aufgrund der verhältnismässig kurzen Aufenthaltsdauer in
  der Schweiz lässt sich nämlich erkennen, dass keine besonders intensive
  private Bindungen bzw. soziale Beziehungen bestehen, die einen Anspruch auf
  Aufenthalt ergeben könnten (vgl. dazu BGE 130 II 281 E. 3.2.1)

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Die Beschwerdeführerin
  sieht ihren Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung in Art. 50
  Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AuG begründet, wobei sie im Wesentlichen geltend
  macht, Opfer häuslicher Gewalt zu sein. Sie sei von ihrem Ehemann über
  mehrere Monate psychisch und physisch misshandelt worden. Begonnen habe alles
  im Januar 2013, als er angefangen habe, sie krankhaft zu kontrollieren mit
  dem Ziel, sie von der Aussenwelt zu isolieren und gefügig zu machen.
  Beispielsweise habe er immer bestimmt, was sie anzuziehen habe. Immer wenn
  sie sich schön und attraktiv gemacht habe, sei er wütend geworden und habe
  ihr befohlen, etwas anderes anzuziehen. Auch habe er ihr verboten, eine Anstellung
  im F.______ anzunehmen oder einen Deutschkurs zu besuchen. Für die gynäkologische
  Untersuchung habe er verlangt, dass sie ausschliesslich von einer Frau untersucht
  werde. Faktisch habe er ihr verboten, die eheliche Wohnung ohne seine Erlaubnis
  zu verlassen. Einmal habe er sie eine Woche lang in der Wohnung eingesperrt.
  Daneben habe sich sein Kontrollverhalten auch durch massive Gewaltanwendung
  gezeigt. Er habe sie wiederholt mit der offenen Hand ins Gesicht, auf den Arm
  und den Rücken geschlagen. Auch habe er sie gewürgt, sodass sie keine Luft
  mehr bekommen habe. Zudem habe er sie an den Haaren durch die Wohnung
  geschleift. Daneben habe sie sich mehrmals gegen ihren Willen auf Geschlechtsverkehr
  mit ihrem Ehemann einlassen müssen. Da sie so stark unter Druck gestanden
  habe, habe sie im Februar 2013 eine Fehlgeburt erlitten und so ihr erstes
  Kind verloren. Auch nach der Fehlgeburt habe ihr Ehemann sie weiter
  misshandelt, weshalb sie im April 2013 einen Nervenzusammenbruch erlitten
  habe und ins Spital habe eingeliefert werden müssen. Dabei sei sie gegen den
  Rat des Arztes von ihrem Ehemann noch am gleichen Tag wieder aus dem Spital
  geholt worden. Am gleichen Abend sei von der Familie des Ehemanns ein
  Flugticket gekauft worden, damit sie am Folgetag in den Kosovo reise. Dies
  zeige deutlich, dass der Ehemann Angst bekommen habe, seine Taten kämen ans
  Licht. Gleichzeitig sei sein Verhalten als unmenschlich zu qualifizieren. Ihr
  sei versprochen worden, dass der Ehemann ihr in einigen Tagen in den Kosovo
  nachreisen werde. Sie habe nicht geahnt, dass er sie loswerden möchte. Als
  ihr dies klargeworden sei, sei sie zurück in die Schweiz gekommen, um ihn für
  seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen. Sie habe Mut gefasst und gegen ihn
  eine Strafanzeige erhoben. Neben der Tatsache, dass sie Opfer ehelicher
  Gewalt sei, wäre ihre Rückkehr in ihre Heimat mit grossen Schwierigkeiten
  verbunden, da ihr als geschiedene Frau eine soziale und familiäre Ausgrenzung
  drohe. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Aus den Akten ergibt sich
  Folgendes:

  
	
   

  
	
  5.1 In der Integrationsvereinbarung zwischen der
  Beschwerdeführerin und der Abteilung Migration vom 5. Februar 2013 wurde die
  Beschwerdeführerin verpflichtet, einen Deutsch- und einen Integrationskurs zu
  absolvieren. Die Vereinbarung wurde von beiden Ehegatten unterzeichnet. Am 6.
  Februar 2013 bestätigte die Frauenzentrale des Kantons Glarus der Beschwerdeführerin,
  dass sie sich für den Deutschkurs angemeldet habe und auf der Warteliste sei.

  
	
   

  
	
  5.2 Am 15. April 2013 berichtete D.______, Leitender
  Arzt Psychiatrie, über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 10.
  April 2013 (recte wohl: 11. April 2013) im Spital E.______. Es bestehe
  der Verdacht auf eine dissoziative Verhaltensstörung im Rahmen einer
  psychosozialen Belastungssituation. Die körperliche Untersuchung und die
  Laborwerte seien unauffällig. Die Beschwerdeführerin habe bei der Aufnahme
  berichtet, dass sie im Februar einen Abort erlitten habe und sich ihr Ehemann
  jetzt von ihr trennen wolle. Sie habe die ganze Zeit, die sie in der Schweiz
  sei, das Haus kaum je verlassen dürfen. Von der Familie ihres Mannes sei sie
  schlecht behandelt worden. Einige Stunden nach dem Eintritt in das Spital
  seien der Ehemann und weitere Verwandte erschienen und hätten die Beschwerdeführerin
  überzeugt, die Klinik zu verlassen und mit ihnen nach Hause zu kommen. Bei
  fehlender Eigen- und Fremdgefährdung und freiwilligem Aufenthalt sei dem
  Wunsch der Beschwerdeführerin entsprochen worden. Sie sei am frühen Abend des
  Eintrittstages ohne weitere Behandlung wieder ausgetreten.

  
	
   

  
	
  5.3 Am 12. April 2013 reiste die Beschwerdeführerin in
  den Kosovo aus. Am 10. Mai 2013 reiste sie wieder in die Schweiz ein und
  wohnt seitdem bei Verwandten in Zürich.

  
	
   

  
	
  5.4 Am 14. Mai 2013 meldete sich die Beschwerdeführerin
  bei der Opferberatungsstelle des Kantons Glarus. Diese telefonierte am 15.
  Mai 2013 der Abteilung Migration und teilte mit, dass die Beschwerdeführerin
  angeblich durch ihren Ehemann mehrfach vergewaltigt worden sei. Sie sei
  eingeschlossen worden, habe nicht Deutsch lernen dürfen und wolle Strafanzeige
  einreichen.

  
	
   

  
	
  5.5 

  
	
  5.5.1 Am 22. Mai 2013 erstattete die Beschwerdeführerin
  beim Polizeistützpunkt […] Strafanzeige gegen C.______ wegen häuslicher
  Gewalt (Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 des Schweizerischen
  Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 [StGB], eventuell Gefährdung des
  Lebens im Sinne von Art. 129 StGB).

  
	
   

  
	
  5.5.2 In der gleichentags durchgeführten polizeilichen
  Einvernahme führte die Beschwerdeführerin aus, dass die ersten zwei Monate
  der Beziehung gut gewesen seien. Danach sei ihr Ehemann immer eifersüchtiger
  geworden. Er habe sie wenig beachtet und oft alleine zuhause gelassen. Sie
  hätte eine Stelle im F.______ erhalten, welche sie jedoch nicht habe annehmen
  können, da ihr Mann ihr dies verboten habe. Einmal habe er sie in der Wohnung
  gewürgt, an den Haaren gerissen und an die Wand geschleudert. Danach habe er
  sie um 02.00 Uhr aus der Wohnung geworfen. Erst nach einer halben Stunde habe
  er sie wieder reingelassen. Er habe eine Woche nicht mit ihr gesprochen.
  Durch den psychischen Druck habe sie eine Fehlgeburt erlitten. Ihr Ehemann
  habe ihr befohlen, dass sie sich nicht von einem männlichen Arzt untersuchen
  lasse. In der Folgezeit habe er sie in der Wohnung eingeschlossen, während
  dieser Zeit habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten. Ihr Mann sei um ca.
  11.00 Uhr nach Hause gekommen und habe sie danach ins Spital gebracht.
  Bereits um 19.00 Uhr habe er sie gegen den Willen des Arztes wieder abgeholt.
  Ihr Ehemann und die Schwiegereltern hätten für sie noch am selben Abend einen
  Flug in den Kosovo für den folgenden Morgen gebucht. Ihr Ehemann habe sie
  immer wieder mit der offenen Hand geschlagen. Sie habe Hämatome im Gesicht
  und an den Armen gehabt. Im Gesicht habe sie Fingerabdrücke gehabt und am
  Hals Abdrücke vom Würgen. Er habe sie auch gestossen und gezwickt. Zum Arzt
  sei sie jedoch nicht gegangen. Daneben habe er sie auch an den Haaren
  herumgezogen. Sie wisse nicht, weshalb sie in die psychiatrische Abteilung
  des Spitals E.______ eingeliefert worden sei. Der psychische Druck sei
  dadurch entstanden, dass sie immer kontrolliert worden sei, dass sie nicht
  nach draussen habe gehen dürfen, dass er ihr gesagt habe, was sie anziehen
  dürfe, und dass sie ständig ignoriert worden sei und nicht gewusst habe, wo
  sich ihr Ehemann aufhalte. In den Kosovo sei sie nicht freiwillig gegangen,
  sondern nur weil ihr versprochen worden sei, dass ihr Ehemann sie nach einer
  Woche abhole.

  
	
   

  
	
  5.5.3 C.______ wurde am 13. Juni 2013 einvernommen. Er
  bestritt, der Beschwerdeführerin mit psychischer oder physischer Gewalt
  begegnet zu sein. Beim ersten Streit habe er die Türen verschlossen, da er
  nicht gewollt habe, dass die Beschwerdeführerin nachts um 02.00 Uhr
  draussen sei. Grund für den Streit sei ein SMS gewesen, welches er erhalten habe.
  Die Beschwerdeführerin habe ihm vorgeworfen, dass er eine andere Frau habe.
  Zwei, drei Wochen später sei es erneut zu einem Streit gekommen. Die
  Beschwerdeführerin habe wiederum gesagt, dass sie gehen wolle. Sie habe ihm
  eine Ohrfeige gegeben. Am 10. April 2013 habe er ihr dann am Abend
  gesagt, dass er die Beziehung beenden wolle und sie in den Kosovo gehen
  solle. Am anderen Tag habe er sie von der Arbeit aus angerufen. Sie habe
  gesagt, dass es ihr nicht gut gehe und sie Tabletten genommen habe. Er sei
  dann sofort nach Hause gegangen und habe sie in das Spital E.______ gefahren.
  Auf der Notfallabteilung sei sie drei Stunden gewesen, wobei die Ärzte nichts
  hätten feststellen können. Danach sei sie auf die psychiatrische Abteilung
  verlegt worden. Am gleichen Abend habe er sie mit seinen Eltern besucht. Sie
  habe unbedingt nach Hause wollen, weshalb er sie mitgenommen habe. Daraufhin
  habe er mit dem Vater der Beschwerdeführerin telefoniert, welcher der
  Auffassung gewesen sei, dass sie in den Kosovo kommen solle. Folglich habe er
  ihr ein Flugticket für den nächsten Tag gebucht und sie am 12. April 2013 zum
  Flughafen gebracht. Er habe sie nie geschlagen und nicht in der Wohnung eingesperrt.
  Als sie aber aus dem Fenster springen wollte, habe er sie umklammert und
  festgehalten. Gewürgt oder an den Haaren gerissen habe er sie nicht. Er habe
  sie gezwickt, aber nur zum Spass. Sie habe dies auch gemacht. Es stimme, dass
  sie blaue Flecken gehabt habe, dies aber alleine wegen des Zwickens. 

  
	
   

  
	
  5.5.4 Die Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus stellte
  das Strafverfahren am 18. Juli 2013 aufgrund der Unschuldsvermutung ein,
  da die Widersprüche in den Aussagen nicht ausgeräumt werden konnten und keine
  weiteren Beweismittel bekannt seien.

  
	
   

  
	
  5.6 

  
	
  5.6.1 Die Abteilung Migration befragte am 5. August 2013
  C.______. Dieser sagte aus, die Trennung liege darin begründet, dass er und
  die Beschwerdeführerin ständig Streit gehabt hätten. Das Scheidungsverfahren
  sei eingeleitet. Er vermute, dass die Beschwerdeführerin ihn nur wegen der
  Aufenthaltsbewilligung gewollt habe. Sie habe ständig in den Kosovo zurückkehren
  wollen. Er sei bisher noch nie gewalttätig worden und habe sie nicht geschlagen.
  Die blauen Flecken am Arm habe sie, weil sie sich oft gezwickt hätten. Seine
  Frau habe nicht im Kantonsspital bleiben wollen, weil sie in den Kosovo zu
  ihren Eltern wollte. Sie hätte die Stelle im F.______ antreten dürfen. Er
  habe ihr lediglich gesagt, dass sie dort nicht genommen werde, weil sie kein
  Deutsch könne. Ihm sei es egal, ob sie von einem Arzt oder einer Ärztin
  untersucht werde. Sie habe keinen Arzt gewollt. Eifersüchtig sei er im
  Gegensatz zu ihr nicht. Als sie im Kosovo gewesen sei, habe sie sich in einem
  SMS bei ihm entschuldigt. Sie habe noch eine Chance gewollt.

  
	
   

  
	
  5.6.2 Die Beschwerdeführerin wurde durch die Abteilung
  Migration am 15. August 2013 befragt. Sie gab an, dass die Ehe seit März 2013
  nicht mehr gelebt worden sei. Im März 2013 habe es mit den Streitereien
  begonnen. Sie lebe jetzt bei einem Cousin. Sie habe sich nicht von ihrem
  Ehemann trennen wollen, obwohl er sie sehr schlecht behandelt habe. Er sei eifersüchtig
  gewesen. Sie habe anziehen müssen, was er gewollt habe. Seit Silvester 2012
  habe er ihr einen grossen Ausschnitt, Schminke, kurze Hosen und hohe Schuhe
  verboten. Sie habe nicht im F.______ arbeiten dürfen. Er habe sie eingeengt.
  Der Hauptgrund für die ehelichen Probleme sei seine Eifersucht gewesen. Er
  habe sie eingesperrt. Sie könne sich nicht erklären, weshalb es zu Streit
  gekommen sei. Seit sie ein Foto von einer anderen Frau gefunden habe, sei es
  nicht mehr gut gelaufen. Zuerst sei sie mit dem Foto zum Schwiegervater
  gegangen. Dieser habe sie beruhigt. Anschliessend habe sie ihren Ehemann zur
  Rede gestellt. Er habe gesagt, dass dies seine Ex-Freundin sei. Als er dann
  nicht mehr nach Hause gekommen sei, habe sie vermutet, dass er bei ihr sei. 

  
	
   

  
	
  Auf die Frage, wie sie von
  ihrem Ehemann psychisch unter Druck gesetzt worden sei, konnte die
  Beschwerdeführerin nicht sofort ein Beispiel nennen. Sie führte dann aber
  aus, sie habe seinen Eltern sagen müssen, dass er eine zweite Arbeitsstelle
  habe, obwohl dies nicht der Wahrheit entsprochen habe. Als er erfahren habe,
  dass sie schwanger sei, habe er verlangt, dass sie das Kind abtreibe. Weil
  sie sich geweigert habe, habe er ihr eine Ohrfeige gegeben. Das
  Eingesperrtsein habe sie nicht als Belastung empfunden, da sie ja bei ihren
  Schwiegereltern gewesen sei, mit welchen sie oft im F.______ einkaufen
  gegangen sei. Eine Vergewaltigung habe es nie gegeben; sie habe nie gegen
  ihren Willen mit ihrem Ehemann schlafen müssen. Ihr Ehemann habe sie aber
  immer wieder geschlagen und gezwickt. Das Zwicken habe sie nicht als Spiel
  empfunden, auch wenn ihr Mann dies anders gesehen habe. Einmal habe er sie an
  den Haaren gepackt und aus dem Badezimmer gezogen. An einem Abend sei er
  nicht daheim gewesen. Als er heimgekommen sei, habe er sie aus dem Bett
  gewiesen. Als sie nachgefragt habe, habe er sie mit dem Bein in den Bauch und
  in den Rücken getreten. Sie habe sich gewehrt und eine Ohrfeige erhalten.
  Dann sei sie für eine halbe Stunde draussen im Hausgang gewesen. 

  
	
   

  
	
  Das Spital E.______ habe
  sie zunächst nicht verlassen wollen. Ihr Ehemann habe ihr aber erzählt, dass
  sie in eine Anstalt ohne Fenster komme, wo sie eingeschlossen sei und Medikamente
  nehmen müsse. Danach habe sie das Spital verlassen wollen. Sie sei überrascht
  gewesen, als ihr gesagt worden sei, dass sie in den Kosovo gehen solle. Sie
  habe sich sehr schlecht behandelt gefühlt. Sie sei in die Schweiz
  zurückgekehrt, um alles zu klären. Sie habe ihre Sachen holen wollen, diese
  aber nicht erhalten. Ihr sei gesagt worden, sie solle im Kosovo bleiben und
  habe nichts in der Schweiz zu suchen. Nun könne sie aber bei ihrem Cousin
  wohnen. Sie habe im Kosovo besser gelebt als hier. Jetzt sehe sie aber die
  Möglichkeit, hier Deutsch zu lernen und eine Arbeit zu finden. Als
  geschiedene Frau schäme sie sich im Kosovo gegenüber ihren Eltern. Wenn sie
  zurückgehe, habe sie keinen Platz mehr dort, da sie schon einmal verheiratet
  gewesen sei. Im Kosovo könnte sie aber ihr Studium wieder aufnehmen. 

  
	
   

  
	
  5.7 In einem E-Mail vom 19. August 2013 schrieb D.______
  der Abteilung Migration, es sei vorstellbar, dass der Wunsch von A.______,
  aus dem Spital E.______ auszutreten, hintergründig von der Familie erzwungen
  worden sei. In der direkten Kommunikation habe sie es als ihren Wunsch
  präsentiert. Äusserlich beobachtbare Anzeichen eines Widerstands gegen die
  Familie, wie beispielsweise ausgeprägte Unruhe oder Schreien/Weinen in der Gegenwart,
  Klammern an das Bett oder die Türrahmen beim Verlassen der Station, hab es
  keine gegeben.

  
	
   

  
	
  5.8 Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
  Spitals G.______ diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin am 19. November
  2013 eine posttraumatische Belastungsstörung und eine mittelgradige depressive
  Episode. Das formale Denken sei eingeengt auf den Abort im Februar 2013. Es
  bestehe grosse Angst davor, dem getrennt lebenden Ehemann über den Weg zu
  laufen und vor erneuter Gewalterfahrung. Die Beschwerdeführerin gab in der
  Anamnese an, sehr kurz nach Beginn der Beziehung habe seitens des Ehemanns
  das Kontrollieren sowie Unterdrücken und Einschränken stattgefunden. Er sei
  sehr eifersüchtig gewesen, sodass sie das Haus kaum habe verlassen dürfen und
  teilweise eingesperrt worden sei. Mehrmals habe sie gegen ihren Willen
  Geschlechtsverkehr gehabt. Als sie schwanger gewesen sei, habe er sie zur
  Abtreibung gedrängt. Er habe ihr verboten, sich von einem männlichen
  Gynäkologen untersuchen zu lassen. Sie habe häusliche Gewalt im Sinne von
  massiven Schlägen erlebt. Als er sich im April 2013 von ihr habe trennen
  wollen, sei es bei ihr zu starken Depersonalisierungsgefühlen gekommen, was
  zur Einlieferung in das Spital E.______ geführt habe. Ihr Mann und dessen
  Familie hätten sie überredet, wieder mit nach Hause zu kommen. Am nächsten
  Morgen sei sie jedoch in den Kosovo zurückgeschickt worden. 

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Eheliche Gewalt ereignet sich ihrer Natur nach
  regelmässig in den eigenen vier Wänden und ohne Zeugen. Insofern dürfen an
  den Nachweis der Gewaltanwendung keine überhöhten Anforderungen gestellt
  werden. Damit bestehen erhebliche Unterschiede zum strafrechtlichen Verfahren
  mit seinem strengen Beweismass, weshalb aus dem Umstand, dass das gegen den
  Ehemann der Beschwerdeführerin eingeleitete Strafverfahren eingestellt worden
  ist, keine wesentliche Bedeutung zukommt. Dass die Beschwerdeführerin erst am
  22. Mai 2014 Strafanzeige gegen ihren Ehemann eingereicht hat, obwohl sie
  bereits am 10. Mai 2014 in die Schweiz eingereist war, vermag entgegen der
  Auffassung der Vorinstanz keine Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit zu erwecken.
  Massgebend ist, dass sie nach ihrer Rückkehr bei ihrem Cousin im Kanton
  Zürich wohnte und sich vier Tage nach der Wiedereinreise in die Schweiz bei
  der Opferberatungsstelle des Kantons Glarus meldete. Dies erscheint nicht
  ungewöhnlich spät, muss der mit den hiesigen Verhältnissen weitgehend nicht
  vertrauten Beschwerdeführerin doch eine gewisse Zeit zuerkannt werden, um
  ihre Vorgehensweise zu bestimmen.

  
	
   

  
	
  6.2 Von Bedeutung ist hingegen, dass der Zeitraum, in
  welchem es in der Ehe zu Konflikten kam, nur kurz ist. So begannen die
  Streitereien gemäss übereinstimmender Darstellung der Beschwerdeführerin und
  ihres Ehemanns im Januar 2013 und fanden ihren Abschluss mit der Trennung am
  12. April 2013. Bei einem kurzen Zeitraum, in welchem die Beschwerdeführerin
  angeblich der Gewalt ihres Mannes ausgesetzt war, kann nur dann angenommen
  werden, die Fortführung der Ehe sei ihr unzumutbar, wenn die geltend gemachte
  häusliche Gewalt ein besonders erhebliches Ausmass angenommen hat.

  
	
   

  
	
  6.3 Hinsichtlich der physischen Gewalt differieren die
  Aussagen der Beschwerdeführerin und ihres Ehemanns. Einigkeit besteht darin,
  dass der Ehemann die Beschwerdeführerin regelmässig gezwickt hatte, was zu
  blauen Flecken führte. Während der Ehemann dies als Spiel erachtete, empfand
  dies die Beschwerdeführerin als unangenehm. Weitere Gewaltanwendungen
  streitet der Ehemann ab.

  
	
   

  
	
  Die Beschwerdeführerin
  vermag nur einen Vorfall detailliert zu beschreiben. Danach kam es zwischen
  ihr und ihrem Ehemann zu einem Streit, nachdem dieser erst spät nach Hause gekommen
  war. Gemäss ihrer Aussage bei der Abteilung Migration habe er sie aus dem
  Bett gewiesen. Als sie nachgefragt habe, habe er sie mit dem Bein in den
  Bauch und in den Rücken getreten und ihr eine Ohrfeige gegeben. Danach sei
  sie um 02.00 Uhr eine halbe Stunde draussen im Hausgang gewesen, wobei sie
  ihre Schwiegereltern nachts nicht habe wecken wollen. Bei der Polizei gab sie
  hingegen an, dass ihr Ehmann sie in der Wohnung gewürgt, an den Haaren
  gerissen und gegen die Wand geschleudert habe. Sie sei dann um 02.00 Uhr im
  Treppenhaus gewesen, wobei er ihr verboten habe, zu den Schwiegereltern zu
  gehen. Auch vor der Abteilung Migration gab sie an, an den Haaren gerissen
  worden zu sein, wobei dies nur einmal passiert sei. Diese Aussage stellte sie
  dabei nicht in Zusammenhang mit dem Vorfall, in welchem sie nachts für eine
  halbe Stunde aus der Wohnung ausgesperrt war.

  
	
   

  
	
  Es ist aufgrund der
  Aussagen der Beschwerdeführerin naheliegend, dass es einmal zu einem heftigen
  Streit mit ihrem Ehemann kam, in welchem dieser handgreiflich wurde und sie
  um 02.00 Uhr für eine halbe Stunde aus der gemeinsamen Wohnung aussperrte. Indessen
  lässt sich aus den widersprüchlichen Schilderungen der Beschwerdeführerin der
  genaue Ablauf des Vorfalls und die Intensität der erlittenen physischen
  Gewalt nicht ableiten. 

  
	
   

  
	
  Konsistent ist die
  Beschwerdeführerin hingegen in ihren Aussagen, soweit sie vor der Abteilung
  Migration, vor der Polizei und im Spital G.______ ausführte, dass der
  Beschwerdeführer sie immer wieder geschlagen habe. Indessen gab sie dies bei
  ihrem Eintritt in das Spital E.______ nicht an. Im Spital wurden zudem auch
  keine äusserlichen Anzeichen erkannt, die darauf hätten schliessen lassen,
  die Beschwerdeführerin habe häusliche Gewalt erlitten.

  
	
   

  
	
  Zusammenfassend ergibt
  sich, dass es zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann zu einem
  Vorfall kam, den sie relativ detailliert, aber widersprüchlich beschreibt. Weitere
  Gewaltübergriffe durch den Beschwerdeführer sind zwar nicht ausgeschlossen,
  werden durch die Beschwerdeführerin aber nur oberflächlich beschrieben.
  Ärztliche Untersuchungen, durch welche die Gewaltübergriffe dokumentiert
  wurden, sind keine vorhanden.

  
	
   

  
	
  6.4 Den Vorwurf der Vergewaltigung äusserte die
  Beschwerdeführerin erstmals gegenüber der Opferberatungsstelle des Kantons
  Glarus. In der Strafanzeige und der polizeilichen Befragung wurde eine
  allfällige Vergewaltigung nicht thematisiert. Vor der Abteilung Migration
  sagte sie auf eine entsprechende Frage aus, dass es nie eine Vergewaltigung
  gegeben habe. Dies sei falsch verstanden worden. Sie habe nie gegen ihren
  Willen mit ihrem Mann schlafen müssen. Im Spital G.______ führte sie hingegen
  aus, dass sie mehrmals gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr gehabt habe.

   

  
	
  Dieser Widerspruch in den
  Aussagen lässt sich entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin weder mit
  mangelnden Deutschkenntnissen noch mit kulturellen Eigenheiten erklären.
  Massgebend ist, dass sie vor der Abteilung Migration im Beisein einer
  Dolmetscherin nicht nur das Vorliegen einer Vergewaltigung im
  strafrechtlichen Sinne verneinte, sondern auch ausdrücklich angab, nie gegen
  ihren Willen mit ihrem Ehemann Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Soweit die
  Beschwerdeführerin in anderen Befragungen angab, vergewaltigt worden zu sein,
  bleiben ihre diesbezüglichen Ausführungen oberflächlich. Insgesamt erscheint
  es daher nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin gegen ihren Willen zum
  Geschlechtsverkehr gezwungen wurde.

  
	
   

  
	
  6.5 Die Beschwerdeführerin macht geltend, durch ihren
  Ehemann psychisch unter Druck gesetzt worden zu sein. Dabei ergibt sich
  sowohl aus der Befragung der Polizei als auch aus derjenigen der Abteilung
  Migration, dass sie sich in erster Linie am angeblichen Verbot störte,
  anziehen zu dürfen, was sie wollte. Daneben führte sie aus, dass sie eine
  Stelle im F.______ nicht habe antreten dürfen und keinen Deutschkurs habe
  besuchen dürfen. Weiter beklagte sie, dass sie durch ihren Mann in der
  Wohnung eingesperrt worden sei, gab aber bei der Befragung durch die
  Abteilung Migration an, dass sie dies nicht als Belastung empfunden habe, da
  sie ja bei den Schwiegereltern gewesen sei. Differenzen habe es schliesslich
  hinsichtlich der Schwangerschaft gegeben, da sie durch ihren Ehemann zur
  Abtreibung gedrängt worden sei.

  
	
   

  
	
  Es fällt auf, dass die
  Beschwerdeführerin in den Befragungen häufig die Vorschriften ihres Ehemanns
  bezüglich der Kleiderwahl und das Verbot der Annahme einer Arbeitsstelle in […]
  und des Besuchs eines Deutschkurses in den Vordergrund gestellt hat. Aufgrund
  der diesbezüglich plausiblen Angaben der Beschwerdeführerin, ist durchaus
  anzunehmen, dass ihr Ehemann verschiedentlich Einfluss auf ihre
  Lebensgestaltung nahm und in der gemeinsamen Ehe eine beherrschende Stellung
  einnahm. Gerade wenn aber aufgrund des kurzen Zeitraums der Ehegemeinschaft
  eine unzulässige Oppression nicht leichthin angenommen werden kann (vgl. oben
  E. II/6.1), vermag die Beschwerdeführerin allein mit den genannten Beispielen
  eine systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben,
  nicht glaubhaft darzutun. Daran ändert auch nichts, dass sie angeblich zeitweise
  eingesperrt worden war, empfand sie dies doch gemäss eigenen Aussagen nicht
  als belastend.

  
	
   

  
	
  6.6 Keine wesentliche Bedeutung kommt den Umständen beim
  Austritt der Beschwerdeführerin aus dem Spital E.______ und ihrer tags darauf
  erfolgten Abreise in den Kosovo zu. Es erweist sich zwar gerade auch unter
  Berücksichtigung des Berichts des Spitals E.______ als wahrscheinlich, dass
  die Beschwerdeführerin durch ihren Ehemann und dessen Eltern dazu gedrängt
  worden war, das Spital zu verlassen. Auch erscheint es als durchaus möglich
  und naheliegend, dass sie gegen ihren Willen bzw. nur in der unzutreffenden
  Annahme, dass ihr Ehemann ihr nachreisen werde, in den Kosovo reiste. Diese
  Vorfälle ergaben sich aber erst, nachdem der Ehemann der Beschwerdeführerin
  mitgeteilt hatte, dass er sich von ihr trennen wolle. Dabei waren die
  Ehegatten faktisch seit dem Spitaleintritt der Beschwerdeführerin getrennt.
  Die Umstände des Spitalaustritts bzw. der Ausreise in den Kosovo sind für den
  Nachweis von häuslicher Gewalt während der Ehegemeinschaft untauglich.

  
	
   

  
	
  6.7 Soweit die Beschwerdeführerin ihre Fehlgeburt auf
  den angeblich erlebten psychischen Druck zurückführt, bestehen dafür keine
  überzeugenden Anzeichen. Gerade in den ersten Schwangerschaftswochen ist ein
  Abort nicht selten und kann mannigfaltige Ursachen haben. Der
  Nervenzusammenbruch, welcher zu einer Hospitalisation im Spital E.______ führte,
  ist aufgrund des zeitlichen Kontextes mit erheblicher Wahrscheinlichkeit auf
  den Trennungswunsch des Ehemanns der Beschwerdeführerin zurückzuführen.
  Dieser gab in der polizeilichen Befragung an, dass er der Beschwerdeführerin
  am Abend vor ihrer Einlieferung in das Spital E.______ gesagt habe, er wolle
  sich von ihr trennen und sie solle in den Kosovo zurückgehen. In der Anamnese
  beim Eintritt in das Spital E.______ gab die Beschwerdeführerin ebenfalls an,
  dass sich ihr Mann von ihr trennen wolle. In der Anamnese des Spitals
  G.______ wurde ausgeführt, als sich der Ehemann von der Beschwerdeführerin im
  April 2013 habe trennen wollen, sei es seitens der Beschwerdeführerin zu
  starken Depersonalisierungsgefühlen gekommen, woraufhin sie ins Spital
  E.______ gegangen sei. Damit lässt sich weder aus der Fehlgeburt noch aus dem
  erlittenen Nervenzusammenbruch auf das Vorliegen häuslicher Gewalt
  schliessen.

  
	
   

  
	
  6.8 Unter Würdigung der gesamten Umstände des
  vorliegenden Falls ist zunächst zu berücksichtigen, dass die Aussagen der
  Beschwerdeführerin oft undifferenziert und zu einem erheblichen Teil
  widersprüchlich sind. Dies schmälert ganz allgemein die Glaubwürdigkeit ihrer
  Sachverhaltsdarstellung. Arztzeugnisse oder Zeugenaussagen die den Wahrheitsgehalt
  der Aussagen der Beschwerdeführerin beweisen würden, fehlen zudem gänzlich. 

  
	
   

  
	
  Unbestritten ist, dass die
  Ehe seit Januar 2013 konfliktbelastet ist. Dabei kam es zu Meinungsverschiedenheiten,
  ob die Beschwerdeführerin das gemeinsame Kind abtreiben solle, und mit grosser
  Wahrscheinlichkeit zu einem Vorfall mit Gewaltübergriffen des Ehemanns und
  einem halbstündigen nächtlichen Aussperren der Beschwerdeführerin aus der
  ehelichen Wohnung, wobei das Ausmass der physischen angewandten Gewalt
  aufgrund der widersprüchlichen Angaben der Beschwerdeführerin kaum zu beurteilen
  ist. Dass es zu weiterer Gewaltanwendung kam, ist nicht erstellt. Sollte dies
  der Fall sein, scheint diese aber hinsichtlich ihres Ausmasses nicht
  erheblich gewesen zu sein, da die Beschwerdeführerin sie nicht konsistent und
  detailliert beschreiben kann. Anzunehmen ist sodann, dass der Ehemann in der
  Ehe eine starke Position hatte und der Beschwerdeführerin beispielsweise
  hinsichtlich Kleiderwahl oder der Annahme einer Arbeitsstelle Vorschriften
  machte, sie aber psychisch nicht derart unter Druck gesetzt hat, dass von
  einer häuslichen Oppression auszugehen ist. Hierfür fehlen nämlich wiederum
  eindrückliche und glaubwürdige Schilderungen der Beschwerdeführerin.

  
	
   

  
	
  Insgesamt ergibt sich das
  Bild einer Ehefrau, die unter einer Fehlgeburt litt und die in erster Linie
  der Trennungswunsch ihres Ehemanns verletzte. So wurde selbst im November
  2013 durch das Spital G.______ noch festgestellt, dass ihr formales Denken
  auf den Abort eingeschränkt sei. Die Beschwerdeführerin fühlte sich gemäss
  ihrer Aussage vor der Abteilung Migration wie ein Spielzeug, das einfach in
  den Kosovo zurückgeschickt wurde. Selber wünschte sie sich zu keinem
  Zeitpunkt die Trennung von ihrem Ehemann. Zusammenfassend lässt sich darauf
  schliessen, dass die Beschwerdeführerin zwar in einer unglücklichen Ehe
  lebte, die durch ihren Ehemann bereits nach wenigen Monaten aufgegeben wurde,
  aber nicht häusliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG erlitt.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1 Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend,
  dass ihr als geschiedene Frau die Rückkehr in den Kosovo nicht zumutbar sei.
  Ihr drohe die soziale und familiäre Ausgrenzung.

  
	
   

  
	
  7.2 Die "wichtigen persönlichen Gründe" nach
  Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG müssen den weiteren Aufenthalt "erforderlich"
  machen. Nach Art. 50 Abs. 2 AuG kann dies der Fall sein, wenn die soziale
  Wiedereingliederung einer Person im Herkunftsland stark gefährdet erscheint.
  Dabei ist etwa an geschiedene Frauen (mit Kindern) zu denken, welche in ein
  patriarchalisches Gesellschaftssystem zurückkehren und dort wegen ihres
  Status als Geschiedene mit Diskriminierungen und Ächtungen rechnen müssten
  (BGE 137 II 245 E. 3.2.2).

  
	
   

  
	
  7.3 Die Beschwerdeführerin gab in der Befragung durch
  die Abteilung Migration an, sich im Kosovo vor ihren Eltern schämen zu
  müssen. Ängste vor Diskriminierungen und Ächtungen nannte sie hingegen keine,
  was nachvollziehbar ist, da die Beschwerdeführerin nicht aus einem ländlichen
  Dorf, sondern einer Stadt mit ca. 100'000 Einwohnern stammt. Sodann führte
  sie an, dass sie im Kosovo das bessere Leben habe als in der Schweiz und das
  Studium wieder aufnehmen könnte. Sie sehe aber die Möglichkeit, in der
  Schweiz Deutsch zu lernen oder Arbeit zu finden.

  
	
   

  
	
  Aus diesen Aussagen ergibt
  sich unzweideutig, dass die Beschwerdeführerin in erster Linie aus
  wirtschaftlichen Gründen einen Aufenthalt in der Schweiz bevorzugt. Dass sie
  sich als geschiedene Frau vor ihren Eltern schämt, ist offensichtlich kein
  Grund, der im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG
  einen Aufenthalt in der Schweiz erforderlich macht.

  
	
   

  
	
  7.4 Damit ergibt sich zusammenfassend, dass die
  Beschwerdegegnerin 1 kein Recht verletzt hatte, indem sie die
  Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin nicht verlängerte. Dies führt
  zur Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  III. 

  
	
  Die Gerichtskosten von
  pauschal Fr. 1'500.- sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
  (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG) und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss
  in gleicher Höhe zu verrechnen. Ausgangsgemäss steht ihr keine Parteientschädigung
  zu (Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG e contrario).
  Eine solche ist mangels Vorliegens besonderer Umstände aber auch den
  Beschwerdegegnern nicht zuzusprechen (Art. 138 Abs. 4 VRG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

    
	
    2.

    	
    Der
    Beschwerdeführerin wird eine pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-
    auferlegt und mit dem von ihr bereits geleisteten Kostenvorschuss in
    gleicher Höhe verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]