# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b7f8dfb-0809-5fc1-9a86-f250e24f8953
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-11-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 12.11.2009 UV 2009/78
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2009-78_2009-11-12.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2009/78

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 27.04.2020

Entscheiddatum: 12.11.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 12.11.2009
Art. 4 ATSG; Art. 9 Abs. 2 UVV: Voraussetzungen eines Unfalls im Rechtsinn 
und einer unfallähnlichen Körperschädigung. Verneinung der 
Ungewöhnlichkeit sowie des äusseren Faktors bei Anheben einer schweren 
Pfanne in einem Restaurantbetrieb (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom 12. November 2009, UV 2009/78).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichter Joachim Huber und 

Versicherungsrichterin Marie Löhrer ; a.o. Gerichtsschreiberin Natalie Morgenegg

Entscheid vom 12. November 2009

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

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A.       

A.a   Die 1964 geborene A.___ ist im Restaurant B.___ tätig und bei der Allianz Suisse 

gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung der Arbeitgeberin 

vom 13. März 2009 erlitt die Versicherte am 11. März 2009 beim Heben einer schweren 

Pfanne eine Muskelzerrung am rechten Oberarm (act. G 3.4). Im Frageblatt zur 

Verletzung vom 25. März 2009 gab die Versicherte an, beim Heben einer Stielpfanne 

mit der rechten Hand habe sie ein "Kläpfli" im Ellenbogen verspürt (act. G 5.1-26).

A.b   Mit Arztbericht vom 11. März 2009 hielt Dr. med. C.___ von der chirurgischen 

Klinik im Spital Herisau fest, die Versicherte habe mit ihrem rechten Arm eine schwere 

Pfanne gehoben und plötzlich einen Schmerz im Ellenbogen verspürt. Es bestehe eine 

akute Epikondylitis lateralis rechts sowie der Verdacht auf eine Muskelzerrung des 

rechten Oberarms. Ein Anhaltspunkt für eine frische Läsion sei mittels Röntgen nicht 

ermittelt worden (act. G 5.2-3). Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D.___, 

Allgemeinmedizin FMH, attestierte der Versicherten am 23. März 2009 eine 

Muskelläsion des rechten Oberarms (act. G 5.2-1).

A.c   Mit Verfügung vom 12. Mai 2009 lehnte die Allianz Suisse den Anspruch der 

Versicherten auf Versicherungsleistungen ab, da weder ein Unfall im Rechtssinn noch 

eine unfallähnliche Körperschädigung bestehe (act. G 3.6). Die dagegen erhobene 

Einsprache der Versicherten vom 20. Mai 2009 (act. G 3.7) wies die Allianz Suisse mit 

Einspracheentscheid vom 29. Juni 2009 (act. G 3.8) ab.

B.       

B.a   Gegen den Einspracheentscheid richtet sich die am 10. Juli 2009 eingereichte 

Beschwerde (act. G 3.9 und G 4). Die Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss, der 

Einspracheentscheid sei aufzuheben und das Vorliegen eines Unfalls neu zu 

überprüfen. Dies begründet sie damit, dass im Arztzeugnis von Dr. D.___ vom 23. März 

2009 nie eine nicht eindeutige Muskelzerrung erwähnt worden sei. Ausserdem sei auch 

Dr. C.___, welche die Diagnose einer Epikondylitis lateralis attestiert hatte, der 

Meinung, es habe ein plötzlich herbeigeführtes Ereignis stattgefunden.

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B.b   Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2009 (act. G 5) beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Anheben einer Pfanne stelle 

offensichtlich keinen Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG dar, da sich dabei nichts 

Besonderes oder Unvorhergesehenes ereignet habe. Auch eine unfallähnliche 

Körperschädigung sei auszuschliessen, denn das Anheben einer Pfanne sei kein 

sinnfälliges Ereignis mit gesteigertem Gefährdungspotenzial. Zudem sei auch das 

Vorliegen einer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorhandenen Listenverletzung im 

Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVV nicht ausgewiesen.

B.c   Auf die Einreichung einer Replik wurde in der Folge verzichtet (act. G 7).

Erwägungen:

1.        

Streitig ist vorliegend, ob das Ereignis vom 11. März 2009 als Unfall im Rechtssinn zu 

qualifizieren ist. Ist dies zu verneinen, wäre festzustellen, ob allenfalls eine 

unfallähnliche Körperschädigung vorliegt.

2.        

2.1    Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die 

Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten 

gewährt.

2.2    Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte 

schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den 

menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 

psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.

2.3    Dem Unfall gleichgestellt sind nach Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die 

Unfallversicherung (UVV; SR 832.202), sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung 

oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere 

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Einwirkung die folgenden Körperschädigungen: Knochenbrüche, Verrenkungen von 

Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen 

und Trommelfellverletzungen.

2.4    Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltung- und 

Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz 

beherrscht. Danach hat das Gericht von sich aus und ohne Bindung an die 

Parteibegehren für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, sondern 

wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien sowie durch die im Anspruch 

auf rechtliches Gehör mit enthaltenen Parteirechte auf Teilnahme am Verfahren und auf 

Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c 

ATSG; BGE 122 V 158 E. 1a). Das Gericht darf eine Tatsache nur dann als bewiesen 

annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt ist. Im Sozialversicherungsrecht 

hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes 

vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die 

blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen 

nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu 

folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste 

würdigen (BGE 126 V 360 E. 5b).

3.      

3.1    Die vorliegenden Sachverhaltsschilderungen ergeben ein konsistentes Bild. In der 

Unfallmeldung vom 13. März 2009 gab die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin an, 

beim Heben einer schweren Pfanne habe diese eine Muskelzerrung erlitten. Auf dem 

Frageblatt zur Verletzung beantwortete die Beschwerdeführerin am 25. März 2009 die 

Frage nach dem Hergang damit, dass sie sich die Beschwerden beim Heben einer 

Stielpfanne mit der rechten Hand zugezogen habe. Dabei habe sie als etwas 

Besonderes, Unvorhergesehenes ein "Kläpfli" im Ellenbogen verspürt. Im Folgenden 

sind deshalb die Voraussetzungen eines Unfalls im Rechtssinn zu prüfen.

3.2    Im Besonderen ist zuerst zu beantworten, ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor 

vorliegt. Nach der Definition des Unfalls bezieht sich die Ungewöhnlichkeit nicht auf die 

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Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf diesen selbst. Ohne Bedeutung für die 

Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls 

schwerwiegende Folgen nach sich zieht. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er 

den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. 

Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven 

Umstände in Betracht fallen (SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; BGE 122 V 233 E. 1 = 

Pra 1997 Nr. 82 S. 415 f.). Überdies kann das Merkmal eines ungewöhnlichen äusseren 

Faktors auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt 

dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann 

erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf 

einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat (Entscheid des 

Bundesgerichts vom 11. Februar 2009, 8C_500/2008 E. 3; BGE 130 V 118 E. 2.1).

3.3    Vorliegend stellt das Anheben einer Pfanne in einem Restaurant einen alltäglichen 

Bewegungsablauf dar. Darüberhinaus wurde in den Angaben zum Sachverhalt keine 

ungewöhnliche Einwirkung eines äusseren Faktors festgehalten. Damit ist die 

Bewegung der Beschwerdeführerin in den Rahmen des Alltäglichen oder Üblichen 

einzuordnen. Ein ungewöhnlicher äusserer Faktor könnte aber auch in alltäglichen 

Fällen vorliegen, in denen die körperliche Bewegung durch etwas "Programmwidriges" 

gestört wird, beispielsweise wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an 

einen Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine 

reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (vgl. Maurer, 

Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176f.). Da vorliegend gemäss den 

Schilderungen der Beschwerdeführerin das Anheben der schweren Stielpfanne nicht 

durch eine unkoordinierte Bewegung gestört wurde, ist ein ungewöhnlicher äusserer 

Faktor zu verneinen. Es kann deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als 

erstellt gelten, dass ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Ellenbogen der 

Beschwerdeführerin einwirkte. Damit kann kein Unfallereignis im Rechtssinn vorliegen.

4.        

4.1    Zu prüfen bleibt, ob eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt. Mit Arztbericht 

vom 11. März 2009 hielt Dr. C.___ als Diagnosen eine akute Epikondylitis lateralis des 

rechten Ellenbogens sowie den Verdacht auf eine Muskelzerrung des rechten 

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Oberarms fest. Anhaltspunkte für eine frische Läsion hätten dabei nicht erhoben 

werden können. Dr. D.___ gab im Arztbericht vom 23. März 2009 als Diagnose eine 

Muskelläsion des rechten Oberarms an. Aufgrund der nicht eindeutigen Diagnosen ist 

somit fraglich, ob die Schädigung der Beschwerdeführerin in die Aufzählung der 

unfallähnlichen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2. UVV fällt. Da dieser Aufzählung 

rechtsprechungsgemäss abschliessender Charakter zukommt (BGE 114 V 302 E. 3d; 

RKUV 1989 Nr. U 67 S. 165), könnte einzig eine Muskelzerrung des Oberarms eine 

unfallähnliche Körperschädigung darstellen. Den Arztberichten können jedoch keine 

frischen Läsionen oder eine eindeutige Muskelzerrung entnommen werden. Es bleibt 

daher ungewiss, ob die bestehende Schädigung nicht, durch die arbeitsmässige 

repetitive Beanspruchung des fraglichen Körperteils, degenerativ bedingt ist. Letztlich 

kann eine genaue Diagnose aber offen bleiben, da - wie im Folgenden dargelegt- auch 

das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung in jedem Fall zu verneinen ist.

4.2    Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung müssen bei einer unfallähnlichen 

Körperschädigung zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers nach 

Art. 9 Abs. 2 UVV mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit die übrigen 

Tatbestandsmerkmale des Unfalls erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt dabei der 

Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des Körpers 

liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles. Für die 

Bejahung eines äusseren, auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden 

Faktors wird deshalb ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes 

Gefährdungspotenzial innewohnt. Darüberhinaus ist der äussere Faktor mit 

erheblichem Schädigungspotenzial auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende 

Lebensverrichtung einer mehr als nur physisch normalen und psychologisch 

beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, 

gleichkommt (BGE 129 V 466 ff. E. 2.2 und E. 4.2.2). Vorliegend kann im Anheben einer 

schweren Pfanne in einem Restaurantbetrieb keine Tätigkeit im Rahmen einer 

allgemein gesteigerten Gefahrenlage erkannt werden. Die Beschwerdeführerin hob im 

Rahmen ihrer Arbeit als Aushilfe in einem Restaurant auf normale Weise eine 

Stielpfanne an und verspürte dabei ein "Kläpfli" im Ellenbogen. Diese 

Lebensverrichtung erfolgte damit auf gewohnte, in einem Restaurantbetrieb alltägliche 

Weise und kann deshalb das Erfordernis eines schädigenden äusseren Faktors nicht 

erfüllen. Indem die Beschwerdeführerin eine alltägliche Bewegung vollzogen hat, ohne 

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dass dabei eine gesteigerte Gefahr vorgelegen hätte oder es durch einen äusseren 

Faktor zu einer Unkontrollierbarkeit der Verrichtung gekommen wäre, ist auch das 

Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung zu verneinen.

5.        

Liegt somit weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor, fällt eine 

Haftung des Unfallversicherers im hier zu beurteilenden Fall ausser Betracht. Deshalb 

ist die Beschwerde im Sinn der vorstehenden Erwägungen abzuweisen. Gerichtskosten 

sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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