# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20ae8321-7458-58ee-8ef9-350352ad7644
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-12-19
**Language:** de
**Title:** 60%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als CFO einer Stiftung bei schwerer Neurasthenie nicht nachvollziehbar, in angepasster Tätigkeit besteht hingegen Teilarbeitsfähigkeit, IV-Grad-Berechnung (hängig)
**Docket/Reference:** IV.2023.00508
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00508.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00508
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
19. Dezember 2024
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Britta Keller
Fertig Keller Stark Rechtsanwälte
Lutherstrasse 2, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Pensionskasse Schaffhausen
Schwertstrasse 6, 8200 Schaffhausen
Beigeladene
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Elisabeth
Glättli
Probst Partner AG Rechtsanwälte
Bahnhofplatz 18, 8401 Winterthur
Sachverhalt:
1.
Der
1966
geborene
X.___
war zuletzt vom
1.
November 2018
bis
3
1.
Januar
20
20
als
Leiter Finanz- und Rechnungswesen
bei der
Y.___
angestellt. Am
2
3.
Juni 2020 ging bei der
Invalidenversicherung seine Anmeldung zum Leistungsbezug ein, wobei der Versicherte auf diverse gesundheitliche Beschwerden hinwies (Urk. 9/12
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere durch
das
Z.___
polydisziplinär begutachten (Expertise vom
1
8.
August 2022
;
Urk.
9/107
/1-73
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/
116
und
Urk.
9/
120
)
sprach
sie dem Versicherten mit Verfügung vom 2
8.
August 2023 ab
1.
Dezember 2020 eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2
8.
September 2023
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
ihm eine ganze, eventualiter eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen.
Subeventualiter
sei ein weiteres Gutachten einzuholen.
Am
6.
Dezember 2023
(Urk.
8
) beantragte die
IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen.
Mit Verfügung vom
2
0.
September 2024
wurde die Pensionskasse Schaffhausen zum Verfahren beigeladen (Urk.
12
)
.
Diese beantragte mit Eingabe vom 2
1.
November 2024 (
Urk.
18), die Beschwerde sei abzuweisen,
was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2
2.
November 2024
zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
20).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Juni
2020
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invaliden
versicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
Dezember
2020
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massge
bend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
2
8.
August 2023
(Urk. 2) damit, dass
der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Leiter Finanz- und Rechnungswesen zu 60
%
arbeitsfähig sei. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 40
%
. Der Berufswechsel im Jahr 2017
(richtig: 2018)
habe primär nichts mit den gesundheitlichen Einschränkungen zu tun gehabt
.
Ohnehin
würde auch ein höheres Invalideneinkommen
(gemeint wohl:
Valideneinkommen
)
nichts am Invaliditätsgrad ändern, da aufgrund des Alters des Beschwerdeführers ein Prozentvergleich gemacht werde. Ab Dezember 2020 bestehe Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung.
Im Laufe des Verfahrens ergänzte die Beschwerdegegnerin (
Urk.
8), auf das Gutachten könne abgestellt werden. Da dem Beschwerdeführer das Arbeiten in
der
angestammte
n
Tätigkeit noch zu 60
%
möglich sei, müsse kein Einkommens
vergleich gemacht werden, sondern es könne ein Prozentvergleich herangezogen werden.
Da bei einem Prozentvergleich die Arbeitsunfähigkeit dem Invaliditäts
grad entspreche, sei es irrelevant
,
in welcher Höhe das
Valideneinkommen
festgelegt werde.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
er leide an einer
myalgischen
Enzephalomyelitis
/
einem
C
hronischen Fatigue
Syndrom
;
die Diagnosekriterien für eine psychische Erkrankung seien nicht erfüllt
(S. 5).
Das eingeholte Gutachten sei - aus näher dargelegten Gründen -
hinsichtlich Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitseinschätzung zu kritisieren, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Die ihn behandelnden Fachärzte würden von einer Arbeitsfähigkeit von 20 - 30
%
ausgehen. Ein Prozentvergleich komme nur ausnahmsweise in Frage, die d
iesbezüglichen Voraussetzungen seien vorliegend nicht erfüllt. So habe er bereits vor Eintritt der Invalidität eine seinem Leiden angepasste berufliche Tätigkeit ausgeübt und einen entsprechend redu
zierten Lohn bezogen. Die vom Gutachter geschätzte Einschränkung von 40 % beziehe sich auf diese zuletzt innegehabte Tätigkeit und nicht auf die Tätigkeit, die er ohne gesundheitliche Einschränkung ausüben würde. Ein Prozentvergleich sei damit nicht zulässig (S. 6-7).
Beim Einkommensvergleich sei zu beachten, dass das
Valideneinkommen
bereits von November 2018 bis Januar 2020 krankheits
bedingt reduziert gewesen sei.
Bei korrekter Berechnung des Invalid
itätsgrades resultiere ein solcher von 90
%
, eventualiter von mindestens 61
%
, womit er Anspruch auf eine ganze Rente beziehungsweise mindestens auf eine
Dreivier
telsrente
habe
(
S.
8-
13).
2.3
Die Beigeladene brachte vor (
Urk.
18),
das Gutachten
des
Z.___
sei vollumfänglich beweiswertig
(S. 5)
.
Bei einer
mindestens 60%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit resultiere ein IV-Grad von 44
%
. Das vom Beschwerdeführer geltend gemachte angeblich höhere
Valideneinkommen
von
Fr.
152'207.09 sei unbegründet
, vielmehr sei von einem solchen von
Fr.
123'500.-- auszugehen. Das Invalideneinkommen belaufe sich - aus näher dargelegten Gründen - auf Fr. 67'932.--, ein Leidensabzug sei unzulässig. Daraus resultiere ein Invaliditäts
grad von 45
%
. Es ergäben sich damit praktisch identische I
nvaliditätsg
rade basierend auf den Arbeitsfähigkeiten in bisheriger und
angepasster
Arbeit (S. 5-7).
3.
3.1
Der behandelnde
Dr.
med.
A.___
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
stellte in seinem Bericht vom
8.
Dezember 2020 (
Urk.
9/20) folgende Diagnosen
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 3)
:
-
Chronic
Fatigue Syndrome seit Sommer 2019
-
somatoforme autonome Funktionsstörung seit 1999
Zudem hielt er folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 3):
-
arterielle Hypertonie
Dazu führte er aus, d
er Beschwerdeführer sei
als Betriebsökonom / Leiter Rechnungswesen seit dem
1.
Januar 2020 zu 80
%
arbeitsunfähig. Er stehe einmal monatlich für eine Stunde in seiner Behandlung
(psychosomatische und psycho
soziale Therapie)
, die Behandlung erfolge seit dem 1
6.
Dezember 2019 (S.
2
und S. 4
). Ausgelöst von einer Bronchitis im Sommer 2019 beständen körperliche Erschöpfungszustände, hervorgerufen durch
jedwelche
körperliche
n
oder geistige
n
Anstrengungen, diese seien nicht überwindbar und mit verminderter Konzentration und erhöhter Fehleranfälligkeit verbunden. Dazu bestehe ein nicht erholsamer Schlaf. Trotz des bei
Chronic
Fatigue wohl einzig hilfreichen aeroben Aufbautrainings, welches der Beschwerdeführer gewissenhaft durchführe, habe sich keine Verbesserung ergeben. Dazu sei über Monate eine Sauerstofftherapie durchgeführt worden, dies ebenfalls ohne Besserung. Vor 20 Jahre
n
seien
erstmalig Symptome wie Schwächegefühl, erhöhte Magentätigkeit
sowie Nahrungs
mittel-Unverträglichkeiten
aufgetreten
. Dadurch
seien
anfänglich, vor allem durch das Schwächegefühl,
teilweise Anfälle von Hyperventilation
ausgelöst worden, welche
bald durch gelernte Atemtechniken
beherrschbar geworden
seien
.
Die r
estliche
n
Symptome
würden
konstant Einschränkungen in der Lebens
führung
(
Reisetätigkeit)
verursachen
. Parallel zum Auftreten der
C
hronic
F
atigue
hätten
sich die Darmbeschwerden
eher gebessert.
Der Beschwerdeführer leide seit einer Bronchitis vor über einem Jahr an den chronischen Erschöpfungszuständen. Er habe sich daran so gut wie möglich adaptiert und seinen Lebensradius wie auch die beruflichen, sozialen und Freizeit-Aktivitäten deutlich einschränken müssen. Aufgrund der Chronizität der Erkrankung sowie des bisherigen Verlaufs werde die Arbeitsfähigkeit auf dem tiefen Niveau von 20
%
bestehen bleiben (S. 2-3).
3.2
Die behandelnde
Dr.
med.
B.___
, Oberärztin an der Klinik für
Konsiliar
psychiatrie
und Psychosomatik des Universitätsspitals
C.___
, stellte in ihrem Bericht vom
3.
August 2021 (
Urk.
9/39)
keine Diagnosen ohne und
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronisches Müdigkeitssyndrom (
Chronic
Fatigue Syndrome) DD Neurasthe
nie, Erstdiagnose Mai 2021
Dazu hielt sie fest,
der
55-jährige
Beschwerdeführer stehe seit dem 2
0.
Mai 2021 in ihrer Behandlung.
Bei ihm
würden
sich seit
zwei
Jahrzehnten
Erschöpfungs
zustände
feststellen
lassen
mit deutlicher Verschlechterung sowie zunehmenden Beeinträchtigungen im Alltags- und Berufsleben seit einer Bronchitis im August 201
9.
Für das chronische Müdigkeitssyndrom (nach ICD-10: G93.3) bzw. die Neurasthenie (nach ICD-10: F48.0) spr
ä
chen die substanzielle Beeinträchtigung in der Fähigkeit alltägliche, soziale, berufliche und private Angelegenheiten bzw.
Aktivitäten zu absolvieren aufgrund einer
zunehmenden Erschöpfungssympto
matik seit mehreren Jahren, mitunter der
unerholsame
Schlaf
sowie
die
postexer
tionelle
Malaise und kognitiven Einbussen. Hinweise für eine orthostatische Dysregulation erg
ä
ben sich derzeit nicht eindeutig. Dazu
lägen
mit somatischen Stressoren (rezidivierende Bronchitiden und Entzündungen im Magendarm
bereich seit Kindes- und Jugendalter, Extraktionen der Weisheitszähne 2017, Lungenentzündung 2018, Bronchitis
August
2019) und psychosozialen Stressoren (Nichtanerkennung der Erkrankung, berufliche Perspektivlosigkeit nach Kündigung durch den Arbeitgeber) prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren vor. Die Kriterien für das chronische Müdigkeits
syndrom
/ die
myalgische
Enzephalomyelitis
w
ü
rden gemäss IOM 2015 hinreichend erfüllt
(
S. 3-4).
Es bestehe ein
Hinweis für mittelschwere bis schwere Symptome in Ruhe
sowie
schwere Symptome bei jeglicher Belastung oder Aktivität,
d
er funktionelle Zustand
sei
auf 50
%
der Norm reduziert. Der
Beschwerdeführer sei
an das Haus gebunden: unfähig, anstrengende Arbeiten durchzuführen, aber in der Lage, leichte Arbeiten für
ein bis zwei
Stunden täglich durchzuführen, wobei Ruhepausen benötigt w
ü
rden. Die Prognose bei einem chronischen Müdigkeits
syndrom
gelte
derzeit als offen. Bei Bestehen der Beschwerdesymptomatik seit mehreren Jahren und
einer
Verschlechterung seit 2019
sei
von einer schlechteren Prognose auszugehen
(
S. 4-5).
In der angestammten Tätigkeit seien l
eichte Arbeiten für eine Stunde bis maximal zwei Stunden täglich möglich, wobei viele Ruhepausen und eine flexible Einteilung
gebraucht
würden
.
In einer angepassten Tätigkeit seien s
chätzungsweise
zwei
Stunden unter Einhaltung von flexiblen Arbeitszeiten, Homeoff
i
ce und
der
Möglichkeit zu vielen Ruhe- und Liegepausen
möglich (
S. 7).
3.
3
Dr.
D.___
,
FMH
Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
E.___
,
FMH
Neurologie, Dr.
F.___
,
FMH
Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
G.___
,
FMH
Derma
tologie
und Venerologie
,
und M. Sc.
H.___
, Fachpsychologin für Neuropsycholo
gie FSP, vom
Z.___
s
tellten in ihrem Gutachten vom
1
8.
August 2022
(
Urk.
9/107/1-73
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
8
):
-
Neurasthenie
-
gemäss Akten
Chronic
Fatigue Syndrom DD Neurasthenie DD postviral bei einer abgelaufenen Infektion mit dem Epstein Barr-Virus bei aktuell labor
diagnostischem Nachweis von EBNA-1
Ak
-
maximal leichte neuropsychologische Störung (nicht validiert)
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S.
8-9
):
-
episodische Kopfschmerzen vo
m
Spannungstyp
gemäss Akten keine Hinweise auf ein Schlafapnoe-Syndrom im Februar 2017
-
gemäss Akten vermehrte Infektanfälligkeit seit Kindheit mit möglicher verminderter T-Ze
ll-
Antwort auf virale Stimuli bei Ausschluss einer primären humoralen Immunschwäche
-
a
rterielle Hypertonie, gemäss Akten ohne Endorganschaden, kein Shunt-Vitium, seit
Jahren bekannt (Praxis
I.___
März
2017)
-
g
emäss Akten unklare seit Jahren bekannte
Polyglobulie
mit normalen
Epo
-Werten
n
ach Angaben des
Beschwerdeführers
keine Knochenmarksuntersuchung
a
ktuell: Hb 18,2 g/dl bei sonst normalem Blutbild
-
g
emäss Akten Reizdarm mit unauffälliger Gastroskopie und Koloskopie 2007 und 2017
g
emäss Akten unauffälliger H2-At
e
mtest i
m
März 2018
g
emäss Akten
l
eichte Splenomegalie, nicht abklärungsbedürftig (
C.___
April
2018)
-
g
emäss Akten chronische Urtikaria
-
Status nach
Cholezystektomie
, anamnestisch circa 2009
-
a
namnestisch Vasektomie 2006
-
a
namnestisch Tonsillektomie als Kind
Dazu führten sie aus, aktenkundig seien seit über 20 Jahren bestehende häufige Infekte, Erschöpfungszustände
;
dem Beschwerdeführer seien die letzten beiden Arbeitsstellen auch wegen langer Krankheitsdauer gekündigt worden. Nach seinen Angaben sei es zu einer deutlichen Akzentuierung des Leidens im Rahmen einer schweren Bronchitis gekommen, welche er sich im September 2018 (richtig: 2019) im Rahmen eines Afrika-Aufenthaltes zugezogen habe. Seither habe er seine berufliche Tätigkeit nicht mehr aufnehmen können
(S. 5-6)
.
Im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen
hätten
im somatischen Bereich (internistisch, dermatologisch, neurologisch) keine Befunde
erhoben werden können
, we
l
che die rasche Erschöpfbarkeit
und
die schwere Müdigkeit des
Beschwerdeführers
zu erklären vermochten. Rein aufgrund
seiner
subjektiven Angaben
erfülle er
die Kriterien eines chronischen Müdigkeitssyndroms, bekannt
lich
seien
solche aber nicht oder nur sehr schwer zu objektivieren. Der
Beschwer
deführer sei
diesbezüglich auch bereits intensiv abgeklärt
worden
, die Diagnose des chronischen Müdigkeitssyndroms
sei
im
C.___
gestellt
worden
. Bei gleichzeitig bestehender chronischer
Urticaria
hätten
sich in der immunologischen Abklärung bei vermehrter Infektanfälligkeit seit Kindheit eine mögliche verminderte B-Zell Antwort auf virale Stimuli
gefunden
. Anlässlich der
gutachterlich
durchgeführten somatischen und laborchemischen Abklärungen
hätten
sich bei minimaler Erhöhung des Hämoglobins (18.2) im Übrigen normale Befunde
gefunden
, die vom
Beschwerdeführer
beklagten Erschöpfungszustände
seien
hierdurch nicht zu erklären. Der Nachweis von EBA-1 Antikörpern bestätig
e
den Nachweis einer a
b
gelaufenen Epstein-Barr-Virus Infektion. Neurologisch,
dermatologisch und internistisch
beständen
darüber hinaus keine Befunde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung
hätten
sich in der Symptomvalidierung auffällige Befunde
gefunden
, sodass die objektivier
ten Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie die exekutiven Dysfunk
tionen in ihrer Validität fraglich
seien
. Die beiden Testverfahren zur
Performanzvalidierung
seien
im letzten Drittel der Untersuchung - nach einer Pause - durchgeführt
worden
, so dass ein Einfluss einer kognitiven Ermüdung - obschon zu keinem Zeitpunkt beobachtet
-
nicht gänzlich auszuschliessen
sei
. Diese allfällige Ermüdung
könne
die beiden sehr auffälligen Befunde (im Bereich von reinem Raten)
nicht vollumfänglich
erklären. Der
Beschwerdeführer sei
nach den beiden sehr einfachen
Performanzvalidierungsverfahren
in der Lage
gewesen
, normgerechte Leistungen in anderen, teilweise komplexen Aufgaben zu erreichen. Kurz zuvor
sei
es ihm gar möglich
gewesen
, überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen. In der klinischen Verhaltensbeobachtung
hätten
keinerlei Ermüdungsanzeichen festgestellt werden
können
, auch testspezifisch
gebe
es keine Hinweise für eine relevante Ermüdung. Aufgrund der eingeschränkten Validität der Testergebnisse
könne
eine Schweregradeinteilung nicht mit Sicherheit erfolgen. Die Befunde entspr
ä
chen insgesamt einer maximal leichten neuropsychologischen Störung, welche
bei
komplexen Anforderungen möglich
erweise limitierend
sei
. Auch psychiatrisch imponier
e
der
Beschwerdeführer
prima Vista unauffällig bei ganz erhebliche
m
Beschwerdeklagen. Aufgrund
seiner
Lebensgeschichte, den gemachten Angaben, auch der langen Vorgeschichte mit funktionellen Magen
-
Darmbeschwerden u.a.
werde
heute das Beschwerdebild als Ausdruck einer
ihm
wesentlich unbewussten Konflikthaftigkeit im Sinne der psychosomatischen Abwehr beurteilt, psychiatrisch die Diagnose einer Neuras
thenie deswegen auch gestellt. Diagnostisch -
aus somatischer Sicht
- entspr
e
ch
e
diese Diagnose auch dem chronischen Müdigkeitssyndrom G 93.3, ätiologisch
beständen
jedoch ganz erhebliche Unterschiede. Insgesamt
liege beim Beschwer
deführer
eine Neurasthenie
vor
, dies bei Prädisposition durch somatische Faktoren, psychodynamische Mechanismen
seien
für das heute bestehende psychosomatische Leiden jedoch entscheidend
(S. 6-7).
Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
ergebe
sich aufgrund der raschen Ermüdbarkeit / Erschöpfbarkeit
des
Beschwerdeführers
. Diese
könne
aus neuro
logischer oder psychiatrischer Perspektive beurteilt werden. Gesamtmedizinisch
sei
die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Leiter Finanzen und Rechnungswesen zu maximal 40
%
vermindert.
In einer angepassten Tätigkeit würden sich die Einschränkungen weniger auswirken. In einer intellektuell
weniger anspruchsvollen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 75
%
. Eine solche Tätigkeit umfasse wesentlich eine Arbeit ohne andauernde Notwendigkeit zu hoher Konzentration.
Die attestierte
Arbeitsunfähigkeit gelte
ab G
utachtensd
atum, mit Wahrscheinlichkeit
habe
sie jedoch bereits seit längerer Zeit
bestanden
(S. 10
-11
)
.
Theoretisch indiziert wäre eine regelmässige intensive psychotherapeutische Behandlung, wie sie bereits früher vorgeschlagen
worden sei
. Eine solche setz
e
jedoch Introspek
t
ionsfähigkeit und Motivation voraus, beides
sei
derzeit beim
Beschwerdeführer
nicht gegeben.
Er fühle
sich auch (psychiatrisch) durchaus unverstanden
und
lehn
e
eine psychosomatische Genese seines Leidens vehement zu Gunsten einer
s
omatischen ab, so dass eine solche Behandlung wenig erfolg
reich verlaufen
werde
. Es
würden
damit stützende Therapieverfahren
bleiben
, wie sie bereits etabliert
worden seien
. Somatische weitere Behandlungen
,
we
l
che mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer wesentlich höheren
Arbeitsfähigkeit
führen würden, könn
t
en nicht angeben
werden
. Die Prognose
sei
ernst (S. 11).
3.4
In seiner Stellungnahme zum Gutachten de
s
Z.___
vom 2
2.
Januar 2023 (Urk. 9/123)
begründete
der behandelnde
Dr.
A.___
ausführlich, weshalb
der Beschwerdeführer
seiner Einschätzung nach
nicht an einer Neurasthenie, sondern an einem
Chronic
Fatigue Syndrom leide.
3.5
Auf entsprechende Anfrage des Beschwerdeführers hin bestätigte
Dr.
B.___
am 1
1.
September 2023 (
Urk.
3), dass auf Grundlage der anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers beim Erstgespräch im Mai 2021 die geschilder
ten Zustände im Jahre 2018 auf das Krankheitsbild der
myalgischen
Enzephalo
myelitis
/
des Chronische
n
Fatigue
Syndroms hingedeutet
hätten
, aber dies zum damaligen Zeitpunkt nicht
diagnostiziert worden
sei
. Die damalige Erschöpfungs
symptomatik und damit einhergehenden
Beeinträchtigungen
hätten
zur Entlassung aus dem Arbeitsvertrag
geführt
. ME/CFS
sei
gekennzeichnet durch
einen fluktuierenden Verlauf, je nach Anforderungen und Flexibilität
i
n Hinblick auf die Arbeitsaufgaben
und -einteilung
könne
die Arbeitsfähigkeit variieren.
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten des
Z.___
vom 1
8.
August 2022 (vorstehend E. 3.3) beruht auf den erforderlichen allgemeininternistischen, neurologischen, psychiatrischen
, dermatologischen
und neuropsychologischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die
medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten de
s
Beschwerdeführer
s
auseinander.
Sie
begrün
deten ausführlich, weshalb sie beim Beschwerdeführer die Diagnose einer Neurasthenie, nicht aber eines
Chronic
Fatigue Syndroms stellten (vgl. etwa S. 55-60) und
zeigten auf, dass
der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Weiter wiesen sie darauf hin, dass der Beschwerdeführer seit mehreren Jahren an Erschöpfungszuständen litt, sich davon
jedoch
jeweils wieder erholen konnte, bis sich sein Leiden nach einer im August/September 2019 zugezogenen Bronchitis deutlich akzentuiert hat (S. 39 und S. 50).
Die Gutachter wiesen auf auffällige Befunde in der Symptomvalidie
rung anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung hin (S. 6-7), erachteten die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der raschen Ermüdbarkeit und Erschöpfbarkeit aber dennoch als deutlich eingeschränkt.
Die Gutachter gelangten sodann zur begründeten Ansicht, dass
beim Beschwerdeführer in der Tätigkeit als Leiter Finanzen und Rechnungswesen eine 40%ige und in einer intellektuell weniger anspruchsvollen Tätigkeit ohne andauernde Notwendigkeit zu hoher Konzentration eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit besteht (S. 10-11).
Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl.
vorstehend
E. 1.
5
).
4.2
Der Beschwerdeführer und die ihn behandelnden Fachärzte kritisierten am Gutachten insbesondere die Diagnose einer Neurasthenie, leide der Beschwerde
führer ihrer Ansicht nach doch an einem
Chronic
Fatigue Syndrom. Nachdem es invalidenversicherungsrechtlich
aber
nicht auf die Diagnose, sondern
einzig darauf ankommt, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1), ist darauf nicht weiter einzugehen. Jedenfalls vermag die unterschiedliche diagnostische Beurteilung der Beschwerden nichts an der Beweiskraft des Gutachtens zu ändern.
Soweit
der Beschwerdeführer
zudem die gemäss Gutachter 60%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit anzweifelte, ist ih
m
zwar zuzustimmen, dass eine solche trotz der gutachterlich mehrfach festgehaltenen schweren Fatigue (S. 37 und S.
56)
in einer Tätigkeit als
stellvertretender Geschäftsführer
und Leiter Finanzen
und Controlling
einer Stiftung
mit 480 Mitarbeitenden
nicht vorstellbar ist. Die Gutachter gingen jedoch fälschlicherweise davon aus, dass es sich bei der Tätigkeit des Beschwerdeführers als Leiter Finanzen und Rechnungswesen
bei der
Y.___
um seine angestammte Tätigkeit gehandelt hat, wovon - wie nachfolgend aufgezeigt wird - aber nicht auszugehen ist. Dies schmälert die Beweiskraft des Gutachtens jedoch nicht, ist doch vorliegend nicht von Belang, in welchem
Umfang der Beschwerdeführer in einer bereits seinen
damaligen
Beschwerden angepassten Tätigkeit als Leiter Finanzen und Rechnungswesen eingeschränkt
war
, zumal es sich bei einer opti
mal an seine
nunmehr bestehenden
Beschwerden angepassten Tätigkeit um eine intellektuell weniger anspruchsvolle Tätigkeit ohne andauernde Notwendigkeit zu hoher Konzentration, also ebenfalls nicht um diejenige als Leiter Finanzen und Rechnungswesen handelt.
Soweit der Beschwerdeführer hingegen die gutachter
liche Einschätzung
einer 75%igen
Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit kriti
sierte, kann ihm nicht gefolgt werden. So ist insbeson
dere nicht nachvollziehbar, weshalb die ihn behandelnden
Fachärzte
sowohl in der anspruchsvollen und fordernden Tätigkeit als stellvertretender Geschäfts
führer einer Stiftung von derselben
bis zu 80%igen
Arbeitsunfähigkeit
ausgingen
wie in einer optimal an die Beschwerden angepassten, geistig und belastungs
mässig weniger anspruchsvollen Tätigkeit
, und dies unverändert seit Januar 2020
(vgl. vorstehend E. 3.1-3.2), ebenso
wenig
kann nachvollzogen werden, weshalb trotz eines auf 50
%
der Norm reduzierten funktionellen Zustandes auch in einer den Beschwerden optimal angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von ledig
lich rund 20
%
verbleiben soll (vgl. vorstehend E. 3.2).
Zu den anlässlich der neuropsychologischen Begutachtung in der Symptomvalidierung festgestellten auffälligen Befunden (vgl. vorstehend E.
3.3) nahmen die Behandler überhaupt keine Stellung, obwohl diese die nach Angaben des Beschwerdeführers schwer ausgeprägte körperliche und kognitive Fatigue
und somit auch die von den Behandlern angenommene 80%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
in Frage stellen
.
Ob in einer angepassten Tätigkeit von einer - wie im psychiat
rischen Teilgutachten festgehaltenen - 72%igen oder - gemäss Konsensbeurtei
lung - 75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist, kann mit Blick auf den Verfahrensausgang
zudem
offenbleiben
(vgl. nach
folgend
E. 5.4)
, weshalb sich Weiterungen zu den Einwänden des Beschwerdeführers hierzu erübrigen.
Seine
Vorbringen
vermögen nach dem Gesagten nichts an der Beweiskraft des Gutachtens zu ändern und es ist auf dieses abzustellen
und
von einer seit
der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes im
August/
September 2019 bestehenden
maximal 75%igen
Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auszugehen
.
In der angestammten Tätigkeit als
stellvertre
tender Geschäftsführer und Leiter Finanzen und Controlling
besteht
hingegen k
eine
relevante
Arbeitsfähigkeit
mehr
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massgebende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
, also des Einkommens, welches die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Regel am zuletzt erzielten Verdienst angeknüpft.
Zu beachten ist vorliegend jedoch, dass
der Beschwerdeführer von Januar 2015 bis Mai 2018
als Leiter Finanzen und Controlling sowie stellvertretender Geschäftsführer mit Zeichnungsberechtigung bei der Stiftung
J.___
tätig war (vgl.
Urk.
9/17/3 sowie entsprechender Auszug aus dem Handelsregister).
Aus den Akten ergeben sich diverse Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahre 2018 an einer aufgrund der Erschöpfungssymptomatik beeinträchtigten Gesundheit litt und deswegen seine Stelle bei der Stiftung
J.___
verlor (vgl. etwa Urk. 9/18/8,
Urk.
9/26 S.
1-
2, Urk.
9/29 S. 2,
Urk.
9/107 S. 5,
Urk.
9/107 S.
50 und
Urk.
9/107 S. 65).
Dies bestätigte auch die ihn behandelnde
Dr.
B.___
(
Urk.
3).
Im November 2018 trat er eine weniger verantwortungs
volle Tätigkeit als Leiter Finanzen und Rechnungswesen bei der
Y.___
an, bei welcher er gemäss Auszug aus dem Handelsregister weder zur
Geschäftsleitung
gehörte noch zeichnungsberechtigt war.
Es ist davon auszugehen, dass er nicht aus freien Stücken auf eine Tätigkeit in der Geschäfts
leitung verzichtete, sondern dass dies aus gesundheitlichen Gründen
wegen der damit verbundenen Verantwortung und Belastung
geschah, zumal der
Stellen
wechsel mit einer Lohneinbusse von fast
Fr.
40'000.--
einherging (vgl. Urk.
9/17/3 und Urk. 9/30/12)
.
Entsprechend
ist ebenfalls davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
bei guter Gesundheit
seine
Tätigkeit
als
Leiter Finanzen und Controlling sowie stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung
J.___
weiterhin ausgeübt hätte, weshalb für das
Valideneinkommen
das dabei erzielte Einkommen heranzuziehen
ist
.
Da mit Blick auf das soeben Dargelegte nicht davon auszugehen ist, dass weitere Abklärungen zu einem tieferen
Valideneinkommen
führen würden, ist auf
den
von der Beigeladenen beantragten
Beizug des Pers
onaldossier
s des
Beschwerdeführers,
den Beizug der
Akten
der
Krankentaggeldversicherung sowie auf die Befragung der ehemaligen Arbeit
geberinnen des Beschwerdeführers
(vgl.
Urk.
18 S. 6)
in antizipierter Beweiswür
digung
(
vgl. BGE
146 V 240 E. 8.2,
122 V 157 E. 1d
je
m.w.H
.
)
zu verzichten.
Während seiner Anstellung bei der Stiftung
J.___
von Januar 2015 bis Mai 2018 erzielte der Beschwerdeführer ein auf das Jahr 2020 hochgerechnetes durchschnittliches Jahreseinkommen von
Fr.
169'021.20 (vgl.
Urk.
9/17/3
und
Bundesamt für Statistik, Nominallohnindex, Männer, Tabelle T1.1.10,
Ziff.
64-66 Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, 2015: 104.6, 2016: 106.0, 2017: 106.3, 2018: 107.8, 2020: 108.9
[Basis 100: 2010]). Es ist damit von einem
Valideneinkommen
in mindestens diesem Umfang auszugehen
, zumal sich das Einkommen des Beschwerdeführers bei der Stiftung
J.___
jährlich gesteigert hat
.
5.3
Das Invalideneinkommen ist gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) 20
20
festzulegen.
Der Beschwerdeführer ist in einer intellektuell weniger anspruchsvollen Tätigkeit ohne andauernde Notwendigkeit zu hoher Konzentra
tion zu höchstens 75
%
arbeitsfähig. Eine
Tätigkeit
im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen steht ihm
entsprechend
weiterhin
offen. Nachdem ihm k
omplexe praktische Tätigkeiten
nicht mehr zumutbar sind, ist d
er monat
liche Bruttolohn (Zentralwert)
im Kompetenzniveau 2 heranzuziehen. Dieser beläuft sich auf
Fr.
8'003.--
pro Monat (TA1,
Ziff.
64-66
, Männer).
Dies ergibt unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.
5
Stunden
(Bundesamt für Statistik, Tabelle T 03.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
Ziff.
64-66
)
bei der gutachterlich festgestellten
höchstens
75%igen Arbeitsfähig
keit ein Jahreseinkommen von Fr.
74’728
.
--
.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellen
lohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinde
rung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicher
weise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2
und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
anhand eines Prozentvergleichs festgelegt und dies mit seinem Alter begründet
(
Urk.
2
S. 6
), was offensichtlich nicht angehen kann.
Nachdem der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit
als Leiter Finanzen und Controlling sowie stellvertretender Geschäftsführer
einer Stiftung
nicht mehr arbeitsfähig ist, entfällt ein Prozentvergleich jedoch und es ist zu prüfen, ob sich ein leidens
bedingter Abzug vom Tabellenlohn vorliegend rechtfertigt. Diesbezüglich ist z
u berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer
gemäss
psychiatrischem
Gutachter lediglich 3 x 2 Stunden pro Tag arbeiten kann und dazwischen Pausen benötigt (vgl. Urk.
9/107/60)
. Mit einer solchen Einschränkung kann er die ihm
verbliebene Arbeitsfähigkeit
entgegen der Ansicht der Beigeladenen (
Urk.
18 S. 7)
auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Wird zusätzlich die
statistisch erwiesene
Lohn
einbusse aufgrund der erforderlichen Teilzeitarbeit berücksichtigt, rechtfertigt sich ein
leidensbedingter Abzug von 10
%
. Dies führt z
u einem Invalidenein
kommen von maximal
Fr.
67'255.20.
5
.4
Aus dem Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen ergibt sich ein
Invaliditätsgrad von
60
%
(bzw. von 62
%
,
wenn statt der gemäss
Konsensbeur
teilung 75%igen Arbeitsfähigkeit eine gemäss psychiatrischem Teilgutachten
lediglich 72%ige Arbeitsfähigkeit berücksichtigt würde).
Der Beschwerdeführer hat damit ab 1.
Dezember 2020 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invali
denversicherung
, was zur Gutheissung der Beschwerde führt.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG kostenpflichtig.
Nachdem
die Beigeladene
aktiv am Verfahren teilgenommen hat, besteht kein Dispens von der Kostenpflicht (
Volz, in:
GSVGer
-Kommentar
,
3.
Aufl
. 2024
,
N.
33 zu
§
14). Entsprechend
dem Ausgang des Verfahrens sind
die ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzenden Gerichtskosten
somit der Beschwerdegegnerin und der Beige
ladenen je hälftig aufzuerlegen.
6
.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von Rechtsan
wältin Britta Keller
mit Eingabe vom
2
8.
November
2024
geltend gemachte Aufwand von
1
5
:
10
Stunden (Urk.
24
) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass
sie
den Beschwerdeführer schon im
Vorbescheid
verfahren
vertrat und die Akten somit bekannt waren. Namentlich erscheint ein Aufwand von
10:35
Stunden für die Beschwerdeschrift
sowie das Studium des Schreibens von
Dr.
B.___
als überhöht.
Angesichts der zu studierenden Akten der Beschwerdegegnerin
und der Eingabe der Beigeladenen
, der etwa
13
seitigen
Beschwerdeschrift
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von
Rechtsanwältin Britta Keller
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
2
8
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'800.--
(inklusive Barauslagen und
MWST
) festzusetzen.
Unterliegende Beigeladene, die ihre Parteirechte aktiv ausgeübt haben, haben sich an den Parteikosten
der obsiegenden Partei zu beteiligen (
Volz
, a.a.O.,
N.
34a zu
§
14, vgl. auch
§
28
lit
. a
GSVGer
i.V.m
.
Art.
106
Abs.
3 der Zivilprozessordnung,
ZPO). Die Beschwerdegegnerin
und die Beigeladene haben den Beschwerdeführer demnach je mit
Fr.
1'400.-- zu entschädigen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
8.
August 2023 insoweit aufgehoben, als festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Dezember 2020 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung hat.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
9
00.-- werden
der Beschwerdegegnerin
und der Beigeladenen je zur Hälfte
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden de
n
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin
und die Beigeladene werden
verpflichtet, de
m
Beschwerde
führer
je
eine
Parteientschädigung
von Fr.
1
‘
4
00.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Britta Keller
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Rechtsanwältin Dr. Elisabeth
Glättli
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen
diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher