# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ffccd5a8-95e7-51fe-bab4-e0ad8cc377f8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-09-14
**Language:** de
**Title:** Natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem behauptetem Sturz auf den Hinterkopf und dem tetraspastischen Syndrom nicht überwiegend wahrscheinlich.
**Docket/Reference:** UV.2014.00257
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2014.00257.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2014.00257
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
14. September 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Y.___
Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1961, arbeitet
e
seit 2
9.
März 2011 bei der
Z.___
SA als Call Center Agent und
war
in dieser Eigenschaft bei der AXA Ver
sicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unfällen versichert (
Urk.
9/A1).
Am 2
8.
Januar
2013 konsultierte er seinen Hausarzt,
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, wegen
eines
virale
n
In
fekts
und erwähnte Nackenschmerzen mit Ausstrahlung bis in die Finger der rechten Hand und
Parästhesien
.
Dr.
A.___
stellte eine
Bewegungsein
schränkung
der Halswirbelsäule fest und
verordnete Physiotherapie
(Urk.
9/M11).
X.___
begab sich a
m
2.
September 2013
wiederum
zu
Dr.
A.___
,
wo er
an
gab, er sei am
1.
Juni 2013 auf einer Treppe auf den rechten Ellbogen ge
stürzt
.
Dr.
A.___
diagnostizierte
eine
Schleim
beu
tel
ent
zün
dung
rechts
, welche er
mit Punktion und Steroidinfiltration
be
handelte
(Urk. 9/M2).
Wegen einer zu
nehmenden Gangstörung fand am
7.
Oktober 2013
i
m
Spital
B.___
eine
am
bulante
Notfall
untersuchung
statt
(Urk. 9/M24). A
m
9.
Oktober 2013
wurde
d
er
Versicherte
in der Klinik für Neurologie des
C.___
untersucht,
wo eine
Tetraparese
ASIA D (Urk. 9/M4 S.
1
,
Urk.
9/M8
)
und in der
Folge eine
symptomatische Spinalkanalstenose C7/Th1
diagnostiziert wurde
n
(
Urk.
9/M
3 S.
1
, Urk. 9/M9
).
Auf
grund
d
es progredienten
tetraspastischen
Syn
droms
wurde
am 16. Oktober 2013
ei
n
operative
r
Ein
griff im
C.___
mit
ventrale
r
Stabilis
i
erung an der
Hals
wir
bel
säule
(HWS)
durchgeführt
(
Urk.
9/M5
-6
).
Mit Unfallmeldung vom 1
7.
Okto
ber 2013 liess der Versicherte der AXA mel
den, er sei am
1.
Juni 2013 auf der Treppe gestürzt und auf den Hinterkopf ge
fallen. Daraufhin seien
Muskelstörun
gen
aufgetreten
(
Urk.
9/A1).
Wegen eine
s
postoperativen Wun
d
infekts war eine weitere Behandlung im
C.___
nötig (Urk.
9/
M6-7).
Der
Aussendien
s
t
mitar
beiter
der AXA befragte
X.___
dort
am 2
9.
Oktober 2013 (
Urk.
9/A7).
Vom 15.
November 2013 bis 1
6.
Januar 2014 befand sich der Versicherte zur stationäre
n
Rehabilitation in der Rehaklinik
D.___
(
Urk.
9/M13).
Die AXA holte die Stellungnahme ihres be
ratenden Arztes,
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH Rheumatologie, Innere Medizin, vom 1
2.
Dezember 2013 ein (Urk.
9/M12).
Gestütz
t
auf diese Stellung
nahme lehnte
sie
m
it Verfügung vom 1
9.
Februar 2014
ihre Leistungspflicht
ab, d
a zwischen dem
Treppensturz
von Anfang Juni 2013
und den
Nackenbe
schwer
den
des Ver
sicherten kein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe (
Urk.
9/A16)
.
Da
gegen
erhob
der Krankenver
sicherer von
X.___
, die SWICA
Gesund
heits
organi
sation
, am
3.
März 2014 Einsprach
e
(
Urk.
9/A17, mit
Einsprachebe
gründung
vom
1
1.
März 2014 [Urk. 9/A19]).
Am 12. März 2014 erhob der Ver
sicherte ebenfalls
Ein
sprache (Urk. 9/A20, mit
Einsprache
be
grün
dung
vom 30. April 2014
[Urk. 9/A24]).
X.___
wurde
sodann
am 2
6.
März 2014 in der Kli
nik für Unfall
chirurgie des
C.___
untersucht (
Urk.
9/M20).
Deren Ärzte veran
lassten die
MRI-Untersuchung
der Halswirbelsäule (HWS)
vom
5.
Juni 2014 (Urk.
9/M21-22).
Der beratene Arzt der AXA,
Dr.
med.
F.___
, Physika
lische Medizin und
Rehabilitation, spez. Rheumaerkrankungen FMH, nahm am
9.
September 2014 eine Aktenbeurteilung vor (
Urk.
9/M25), worauf
d
ie AXA die Ein
sprachen m
it Entscheid vom 3
0.
September 2014 ab
wies
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 3
1.
Oktober 2014 Beschwerde und beantragte,
in Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
vom 3
0.
September 2014
sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die Leistungen aus UVG, insbe
sondere Heilungskosten und Taggeld, zu gewähren. Eventualiter sei die Sa
che zur Durchführung weiterer Abklärungen zum Unfall und den
Ver
letzungs
folgen
an die Beschwerdegegn
erin zurückzuweisen
.
In verfahrensrecht
licher
Hinsicht
be
antragte er die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
1 S. 2). Die
Beschwerdegegnerin beantragte m
it Beschwerdeantwort vom 2
3.
Februar 2015 Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8, unter Beilage ihrer Akten [
Urk.
9/A1-A34,
Urk.
9/M1-M25]).
Mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2015 wurde de
m
Begehren
des Beschwerde
füh
rers auf Ansetzung eines zweiten Schriftenwechsels
nicht stattgegeben
und ihm das Doppel der Beschwerdeantwort vom 2
3.
Februar 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungs
leistungen bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der
Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind
, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem einge
tretenen Schaden (Krankheit,
In
validität, Tod) ein natürlicher Kausalzusam
menhang besteht. Ursachen im Sinne
des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vor
handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
werden kann. Entsprechend dieser Umschrei
bung ist für die Bejahung des na
tür
lichen Kausalzusammenhangs nicht erfor
derlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigen
den Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung
ein natürlicher Kausalzusam
menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
wal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammen
hangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
an
spruches
nicht (BGE 129 V 177 E.
3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1
.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtser
hebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.4
1.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
1.4.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu
ver
lässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die be
fragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
tei
lichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick
auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungs
recht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
ach
terin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin e
ine
Leistungspflicht
für das
tetraspastischen
Syndrom
des Beschwerdeführers
zu Recht ver
neint hat
.
Betreffend d
i
e Schleimbeutelentzündung am rechten Ellbogen bean
tragt der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren keine Leistungen der
Be
schwerde
geg
ne
rin
mehr.
2.2
Mit angefochtenem
Einspracheentscheid
vom 3
0.
September 2014 erwog die
Be
schwerdegegnerin
, dass bezüglich
D
atum und
H
ergang
des Unfalls vom Juni 2013
divergierende Angaben vorliegen würden (
Urk.
2 S. 4-5).
Zudem habe
eine erstmalige Untersuchung
erst drei Monate nach dem Unfall stattgefunden.
Mit
hin sei das postulierte Ereignis bloss möglich, was
sowohl für die geltend ge
machte Ellbogenproblematik als auch für die HWS-Sympto
matik
gelte
(
Urk.
2 S.
7)
.
Weder aus den Berichten des behan
delnden Arztes,
Dr.
A.___
, noch aus denjenigen des
C.___
und der Reha
klinik
D.___
könne ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den ge
klagten Beschwerden und
dem geltend gemachten Treppensturz
abgeleitet wer
den.
Dr.
E.___
sei
sodann
zum Schluss
gekommen, dass die
vorbestehende
Nacken
problematik
durch diesen
Treppensturz nicht beeinflusst worden sei (
Urk.
2 S.
5). Ferner
habe
Dr.
F.___
festgehalten, dass
die Wahrscheinlichkeit
eine
r
strukturelle
n
Verletzung der
Hals
wirbelsäule
durch ein Ereignis von
Anfang Juni 2013 äusserst gering wäre. Durch
das geltend gemacht
e
Ereignis sei es weder anamnestisch noch aufgrund der Analyse der Struk
t
urveränderungen überwiegend wahrscheinlich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes gekommen (
Urk.
2 S. 6).
2.3
Der Beschwerdeführer
lässt
demgegenüber im Wesentlichen vorbringen, dass die Beschwerdegegnerin hinsichtlich des Unfallhergangs auf das Protokoll ihres Aussendie
nstmitarbeiters ab
stelle
, welches vom Beschwerdeführer nicht einge
sehen und
nicht
unterzeichnet worden sei. Die Beschwerdegegnerin gehe auf
grund
der Beurteilung ihres internen medizinischen Dienstes davon aus, dass keine Hinweise für frische traumatische Veränderungen erkennbar seien. Die Mei
nung ihrer internen Ärzte stehe
damit
diametral der Beurteilung der ope
rierenden Ärzte ge
genüber. Das Material im Dossier sei dürftig und beschränke sich auf wenige Beri
chte des
C.___
und des Hausarztes. Aus den internen Beur
teilungen sei zu
sätzlich unklar, ob die Unterlagen und das Bildmaterial voll
ständig vor
han
den gewesen sei
en
und inwieweit die Ärzte der
Beschwerde
geg
nerin
fach
lich in der Lage gewesen seien, die Beurteilungen der behandelnden Wirbelsäulen-Spezia
listen nachzuvollziehen
(
Urk.
1 S. 5).
Es seien die gesamten Krankenakten des
C.___
einzuholen, allenfalls vorab spezifische Fragen an die behandelnden Ärzte zu stellen und dann die Sache einem anerkannten Gutach
ter im Bereich
Wir
belsäulenchirurgie
zur Beurteilung vorzulegen (
Urk.
1 S. 5-6).
3.
3.1
Im Bericht
der Klinik für Neurologie
des
C.___
vom
9.
Oktober 2013
führten des
sen
Ärzte aus
, dass
sich
beim Beschwerdeführer klinisch-neurologisch ein
tet
ra
spas
tisches
Syndrom
und i
n den MRI
-
und CT-Bildern der HWS eine Frak
tur des
Hals
wirbel
körper
s
(
HWK
)
7
gezeigt habe
(
Urk.
9/M4 S. 3).
Im Austrittsbericht der Klinik für Unfallchirurgie des
C.___
vom 1
1.
Oktober 2013 w
u
rden als Diagnose
n
eine symptomatische Spinalkanalstenose C7/Th1 mit/bei traumatisch akzentuierter
Anterolisthesis
C7/Th1 und Status nach Treppensturz im Juni 2013, eine chronische 3-Gefässerkrankung bei Status nach
Vorwand
in
fark
ten
2006, 2007 sowie ein Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose 2006) an
geführt (
Urk.
9/M3 S. 1).
Gemäss der Beurteilung der Ärzte
der Klinik für Unfallchirurgie des
C.___
zeigte
die CT
-
und MRI-Untersuchung der HWS vom
9.
Oktober 2013 eine ventrale
Aufklappbarkeit des
Bandscheiben
fachs
HWK 7/Brustwirbelkörper (BWK) 1, eine
An
te
rolis
the
sis
von HWK
7 gegenüber BWK
1 und
einen
ossäre
n
Defekt am
Processus
spinosus
von HWK 7
(
differentialdiagnostisch
:
Status nach Flexions-Distrakti
ons-Ver
letzung auf dieser Höhe) sowie
ein
en
Verdacht auf Instabilität im Seg
ment HWK 7/BWK 1 bei deutlicher
Spondylarthrose
(
differential
diagnos
tisch
entzündliche Veränderungen
;
Urk.
9/M3 S. 2).
Dem Operationsbericht der Klinik für Unfallchirurgie des
C.___
vom 1
6.
Oktober 2013
ist die Diagnose progredientes
tetraspastisches
Syndrom bei mutmasslicher
älterer, instabiler
Hyperextionsverletzung
C7/Th1 mit
Prola
p
s und aktuell se
ques
triertem
Nucleus
Pulposus
Prolaps (
NPP
) sowie konsekutiver hochgradiger
Spinal
k
analstenose
C7/Th1 mit Myelomalazie sowie
foraminaler
Stenose C7/Th1 rechts
zu ent
nehmen (
Urk.
9/M5 S. 1).
3.2
Die neurologische
Konsiliaruntersuchung
in der Rehaklinik
D.___
vom 1
0.
Janu
ar 2014 ergab, dass sich das
tetraspastisch
-paretische Syndrom, wel
ches im Eintrittsresümee als Folge der zervikalen Myelomalazie dokumen
tiert worden sei, auf einen allgemein lebhaften Reflexstatus zurückgebildet habe
(vgl.
Aus
trittsbericht
der
Rehaklinik
D.___
vom 1
4.
Januar 2014
,
Urk.
9/M15 S. 2).
3.3
In seiner Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2013
führte
Dr.
E.___
aus, dass der Beschwerdeführer ab Januar 2013 unter einer
sich
sukzessive entwickelnden
Tetra
parese
bei Spinalstenose gelitten habe.
Vorbestehend sei eine degenerative
Spi
nalkanalstenose
HWK
7/BWK
1, welche bereits ab Januar 2013 symptoma
tisc
h gewesen sei.
Der
geltend gemachte
Treppensturz vom Juni 2013 habe die schon vorbestehende Nackenproblematik nicht beeinflusst. Auch könne zeitnah keine
raschere Ver
schlechterung der neurologischen Symptomatik in Erfahrung ge
bracht
werden. Die
Tetraspastik
habe sich somit unabhängig des rubrizierten Ereignisses weiter entwickelt
. Der Treppensturz habe keinen Einfluss auf das Wirbelsäulen
leiden gehabt
(Urk. 9/M12 S. 2).
3.4
Verglichen mit dem MRI-Befund vom 1
7.
Oktober 2013 zeigte sich bei der MRI-Untersuchung der HWS
im
C.___
vom
5.
Juni 2014 eine progrediente,
multi
seg
mentale
Diskopathie
mit
Punctum
maximum
HWK 3/4 mit
Spinal
kanal
stenose
und sta
tionärer Affektion der Nervenwurzel C4 rechts, jedoch keine Hinweise
auf eine Myelopathie und ansonsten ein postoperativer Status idem nach vent
ral
instru
mentierter
Spondylodese
HWK
6-BWK
1 mit
regredienten
Zeichen einer Mye
l
opathie
post
Hyperflexionstrauma (
Urk.
9/M22).
3.
5
Dr.
F.___
h
ie
lt in seiner Aktenbeurteilung
vom
9.
September 2014
fest, eine Flexions-/
Distorsionsver
letzung
, eine Hyperflexionsverletzung oder eine trau
ma
tisch akzentuierte
Ante
rolisthesis
– jeweils im Segment C7/Th1 – sowie eine Fraktur in dieser Region
hätten
zu
akuten heftigen Nackenschmerzen, an die
sich der Be
schwerdeführer zumindest erinnern
könnt
e
,
und
infolgedessen
zu eine
r ärztli
chen Akutuntersuchung ge
führt (
Urk.
9/M25 S. 3).
Eine Fraktur eines
Hals
wir
belkörpers
habe
sodann
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
ge
wiesen werden können.
Damit seien
Folgen älterer Verletzungen oder degene
rativer Veränderungen eher möglich, als solche,
die
durch ein
–
wie
berichtetes
–
Ereig
nis von Anfang Juni 2013 hätten verursacht werden können.
Demgegen
über
bestünden degenerative Veränderungen im Segment C7/Th1 und im Segment
C3/C
4.
All diese Veränderungen ent
sprä
chen mit überwiegender Wahr
scheinlich
keit einem Vorzustand. S
ie könnten die geltend gemachte
Symp
tomatik (zu
neh
mende
Tetraparese
, zervikale
Myleopa
thie
) einwandfrei erklären
. E
ndlich sei eine
Verschlimmerung des Vorzustandes durch das Ereignis von Anfang Juni 2013 weder anamnestisch n
o
ch auf
grund der Analyse der Strukturveränderungen ge
sichert beziehungsweise über
wiegend wahrscheinlich
(
Urk.
9/M25 S. 5).
4.
4.1
Hinsichtlich des
Hergangs des
geltend gemachten
Unfall
s
vom Anfang Juni 2013
bringt der Be
schwerdeführer vor, er sei
zuerst nach vorne auf die Ellbogen ge
stürzt
und habe erst beim Versuch, sich wieder auf
zu
richten
,
das Gleichgewicht verloren und
sei
rückwärts die Treppe herunter
ge
fallen und mit dem Hinterkopf aufgeschlagen (
Urk.
1 S. 5).
Laut Dr.
A.___
hat der Be
schwerdeführer ihn
am 2. September
2013 wegen der Schleim
beutelentzündung am rechten Ellbogen
konsultiert. Nackenbeschwerden seien damals nicht erwähnt worden (Urk.
9/M2,
Urk. 9/M11). Im Bericht zur Not
fallbe
hand
lung im Spital
B.___
vom
7.
Okto
ber 2013 wurde fest
gehalten, dass vor zwei Monaten – mithin anfangs August 2013 – Schmerzen im rechten Arm aufge
treten seien. Hausärztlich sei damals
ein
zervikobrachiales
Syndrom rechts diag
nostiziert worden und die Beschwer
den
hätten sich im Verlauf unter Analgesie gebessert (
Urk.
9/M24).
Am 2
9.
Okto
ber 2013 gab der Beschwerde
führer ferner an, er habe die Ende Ju
l
i aufgetretene Gangstörung des linken Fuss und die
strom
stossarti
gen
Schmerzen vom Rücken aus seinem Hausarzt gemeldet (
Urk.
9/A7 S. 1). Weil sich diese Beschwerden verschlimmert hätten, habe ihn dieser im Septem
ber 2013 für eine neuro
lo
gi
sche Untersuchung ins Spital
B.___
überwiesen (
Urk.
9/A7 S. 2).
Fest steht,
dass äussere Ver
letzungen wie
Hautschürfun
gen
und Hämatome, welche
für
einen Sturz auf den Hinterkopf anfangs Juni 2013
sprechen könnt
en
, sowie ärzt
liche Behandlung
en
in dieser Zeit nicht doku
mentiert sind. Auch hatte der Be
schwerdeführer – gemäss seinen Angaben vom 29. Oktober 2013 – nach dem Stur
z von Anfang Juni 2013 weder Kopf- noch Nackenschmerzen (Urk. 9/A7).
Gleiches gilt für die von
den
Ärzten des
C.___
–
als Differentialdiagnose – an
geführte
Flexion-/Distorsionsverletzung
der HWS
(
Urk.
9/M4 S. 3)
und die von ihnen diagnosti
zierte mutmasslich ältere, instabile Hyperextensionsverletzung C7/Th1
(Urk.
9/M5
)
.
Solche Verletzungen der HWS hätten
gemäss
Dr.
F.___
bereits
unmittelbar
nach
einem
Sturz
heftige
Na
ckenschmerzen
und eine
ärzt
liche Akutbe
handlung zur Folge
haben müsse
n
(E. 3.5).
Dies ist – wie festge
hal
ten – nicht dokumentiert.
A
uch durch die
Berichte des
C.___
zur CT und MRI-Un
tersuchung vom
9.
Oktober 2013 und den
Operati
onsbericht
vom 1
6.
Oktober 2013 (
Urk.
9/M5)
kann
der – seltene – Beweis für das Vor
liegen einer unge
wöhnlichen, äusseren Ein
wir
kung (vgl. RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51 mit Hinwei
sen)
und insbe
sondere einer solchen Einwirkung auf die HWS des Beschwerdeführers
durch einen
Treppensturz von Anfang Juni 2013
nicht erbracht
werden
(vgl. E.
4.
2 nachstehend)
.
4.2
Dr.
F.___
nahm
einlässlich zu den Struk
t
urveränderungen der HWS des Be
schwerdeführers, welche bei den Untersuchungen im
C.___
festgestellt worden
waren
, Stellung. Er w
ies
darauf hin, dass in den Berichten des
C.___
nicht von spontanen Nackenschmerzen die Rede sei. Es
seien
Bewegungseinschränkun
gen
mit Schmerzen erst unter Provokatio
n in Endphase der Bewegungstests
und von allen klinischen Untersuchern ein positives
Lhermittezeichen
festgehalten
wor
den
. Ein positives
Lhermittezeichen
sei sehr suggestiv für eine zentrale zervikale Spinalstenose mit zervikaler Myelopathie. Beides habe bestätigt werden
können. Der massgebende Befund
sei auch
im
CT und dem MRI der HWS vom
9.
Oktober 2013 zu finden
(
Urk.
9/M25 S. 3)
.
Dass ein Hämatom – ein Befund mit hoher
Sugge
stivität
für eine traumatische Einwirkung – im zervikalen
Spi
nalkanal
auf
Höhe C7/Th1 vorgelegen habe, sei als gering einzustufen.
So sei i
m
Ope
ra
tions
beri
cht
vom 1
6.
Oktober 2013
ein als zwar als bekannt bezeichnetes
Hämatom nicht erwähnt, hingegen ein grössere
s Nucleus
pulposus
Sequester
als überwie
gend wahrscheinliches Korrelat des beschriebe
nen Befundes
genannt
.
Die
Auf
klapp
barkeit
C7/Th1 und die
Spondylolisthesis
im glei
chen Segment könnten
zwar
vermuten lassen, dass hier eine traumatische De
stabi
lis
i
erung des Seg
ments stattgefunden habe. Hätte aber ein adäquates Ereignis anfangs Juni 2013 zu einer solchen Verletzung geführt, so wäre
n
auf Höhe des Segmentes noch die entsprechenden akuten Folgen mit Knochen- und
Weicht
eilödemzone
sichtbar, was aber nicht der Fall sei. Es sei keine eindeutige
Frak
turlinie
ab
grenzbar. Dagegen würden dorsale und ventrale
Spondylophyten
und
Sklero
sierungen
der Gelenksfortsätze als Zeichen eines seit längerer Zeit be
ste
henden Prozesses fest
gehalten. Ursache eines solchen Pro
zesse
s könne ein früheres Trauma und eben
so ein weitgehend
monosegmen
tales
, degeneratives Geschehen sein. Auffällig sei
der als ca. 6 mm grosse
r
,
os
säre
r
Defekt am
Pro
cessus
spinosus
C7 beschriebene Befund. Daraus sei offen
sichtlich
irrtümlich
das
V
orliegen
eine
r
akute
n
oder
subakute
n
Fraktur beziehungsweise ein frisches Flexionstrauma abgeleitet wor
den. Wäre es zu einem knöchernen Aus
riss des Ligamentum
in
terspinosum
ge
kommen, dann wäre das ausgerissene Fragment neben der
De
fekt
lücke
sichtbar. Der Befund halte indes lediglich eine Lücke fest. Damit sei ein Ausriss wenig wahrscheinlich und die Ursache bleibe damit unklar
. Zusammenfassend sei fest
zustellen, dass die vorliegenden Strukturveränderungen weder gestützt auf die anamnestischen Umstände noch aufgrund der Morphologie überwiegend wahr
scheinlich einer direkten Folge eines Ereignisses von Anfang Juni 2013 ent
spre
chen könnten
(
Urk.
9/M25 S.
5
). Diese Beurteilung von
Dr.
F.___
ist nachvoll
ziehbar begrün
det und einleuchtend, weshalb darauf abgestellt werden kann
. Mit
Dr.
F.___
ist davon auszugehen, dass eine Fraktur eines
Halswirbel
körpers
nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden konnte
und die degenera
tiven Veränderungen in der HWS die zunehmende
Tetraparese
und zervikale Myelopathie erklären können
(
E. 3.5,
Urk.
9/M25 S.
5).
4.3
Zu prüfen bleibt, ob es durch den
berichteten
Treppensturz vom
A
nfang Juni 2013 allen
falls zu einer Verschlimmerung eines Vorzustandes gekommen ist.
Im
Aus
tritts
bericht
des
C.___
wird die Diagnose
s
ymptomatische Spinalkanalstenose C7/Th1 bei traumatisch ak
zentuierter
Anterolisthesis
C7/T
h1 und Status nach
Treppen
sturz
im Juni 2013 angeführt (E. 3.1).
Laut
Dr.
F.___
entsprechen
die dege
nerativen Veränderungen in der HWS mit überwiegender Wahrschein
lich
keit einem Vor
zu
stand (E.
3.5).
So litt d
er Beschwer
deführer bereits
seit Januar
2013 an
N
ackenverspannung mit gelegent
lichem „Ameisen
laufen“ im linken Ar
m (
Urk.
9/M3 S.
1).
G
egenüber
Dr.
A.___
erwähnte er am
2
8.
Januar 2013
, dass schon seit
zwei Monaten
Nackenbeschwerden
be
stehen
würden
.
Da
mals
wurden b
ei der klinischen Untersuchung der HWS bei Bewegung Schmer
zen an
gegeben. Eine bildgebende Untersuchung fand nicht statt.
Ü
ber eine Ver
schlim
merung der Nackenbeschwerden nach dem Unfall von Anfang Juni 2013 w
u
rd
e
nicht berichtet. Am 2
9.
Oktober 2013 gab der Beschwerdeführer an, dass die
Nackenbeschwerden seit Januar 2013 un
verän
dert seien (
Urk.
9/A7
S.
2). Dr.
E.___
w
i
e
s
zu Recht
darauf hin, dass zeitnah keine rasche Ver
schlechterung der neurologischen Sympto
matik dokumentiert sei (E.
3.3).
Ge
mäss
Dr.
F.___
lag
sodann
beim Beschwerdeführer zweifellos eine
Spondylolisthesis
bezieh
ungs
weise eine
Anterolisthesis
vor. Er h
ie
lt
aber
dafür, dass sich eine Akzentu
ierung der
Anterolisthesis
nur im Vergleich zu früheren Aufnahmen und in der A
n
nahme eines entsprechenden Ereignisses postulieren l
ie
sse.
Da
we
der ein Ver
gleich zu früheren Aufnahmen noch ein Ereignis mit adäquater Einwirkung auf die HWS gesichert
sei, sei die Diagnose einer traumatisch akzentuierten
Antero
listhesis
– wie von den Ärzten des
C.___
(
Urk.
9/M3) postuliert – nicht begründet. Diese Einschätzung überzeugt
(
Urk.
9/M24 S.
4).
So gingen die
Ärzte des
C.___
zwar von eine
r
traumatisch akzentuierte
n
Anterolisthesis
C7/Th1 aus,
stütz
ten sich
hierbei aber
einzig
auf die Aussage des Beschwerdeführers, wonach es beim Sturz vom Anfang Juni 2013 auch zu einem Kopfanprall ge
kommen sei
(vgl.
nament
lich
Urk.
9/M3 S. 1)
.
Dies genügt
– wie dargelegt
–
nicht, um eine Ver
schlimmerung des
Vorzu
standes
durch
ein
en Sturz von Anfang Juni 2013 mit dem
Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen,
umso
weni
ger als
ein solcher Unfallhergang aufgrund der übrigen Akten nicht gesi
cher
t
ist
(E.
4
.1)
4.4
Auf weitere Abklärungen kann verzichtet werden, da von diesen keine zusätz
lichen Aufschlüsse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 124
V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
AXA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher