# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 24d5c81e-7cd4-5eba-b1c2-f4b584ff8475
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 19.09.2023 S 2023 55
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2023-55_2023-09-19.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 23 55

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterIn von Salis und Paganini

Aktuarin Hemmi

URTEIL

vom 19. September 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Marco Bivetti, 

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geb. 1975 in B._____, reiste im März 2010 in die Schweiz ein 

und war sodann als Raumpflegerin tätig. Nach drei Aufenthalten in der 

psychiatrischen Klinik C._____ seit Anfang des Jahres 2020 trat sie am 

20. November 2020 für eine rund zweimonatige stationäre Behandlung in 

die Klinik D._____ der E._____ ein. Mit Austrittsbericht vom 26. Februar 

2021 diagnostizierten Oberärztin F._____ und Psychologin G._____ eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, 

eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, eine 

posttraumatische Belastungsstörung sowie einen körperlichen 

Missbrauch.

2. Ende Februar 2021 meldete sich A._____ während einer weiteren 

stationären Behandlung in der Klinik C._____ bei der IV-Stelle des 

Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. 

Diese tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen. 

3. Am 20. Mai 2021 ernannte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

(KESB) H._____ I._____ von den J._____ zur Beiständin für A._____.

4. Mit Beurteilung vom 26. Mai 2021 schloss die Ärztin des Regionalen 

Ärztlichen Dienstes (RAD) Dr. med. K._____ einen IV-relevanten 

Gesundheitsschaden aus.

5. Nach durchgeführtem Einwandverfahren liess die IV-Stelle A._____ 

monodisziplinär im Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie durch 

med. pract. L._____ begutachten, welche ihre Expertise am 16. März 2022 

erstattete. Darin wies sie eine Anpassungsstörung, Angst und depressive 

Reaktion gemischt, sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit 

abhängigen Anteilen aus. Sie erachtete A._____ sowohl in der 

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angestammten Tätigkeit als auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 

100 % arbeitsfähig.

6. Mit Vorbescheid vom 9. November 2022 stellte die IV-Stelle A._____ die 

Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Zum Abklärungsergebnis 

hielt sie fest, aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht habe in der 

angestammten Tätigkeit als Reinigungsfachfrau eine andauernde oder 

länger dauernde Arbeitsunfähigkeit noch nie vorgelegen. In einer 

angepassten Tätigkeit bestehe somit ebenfalls eine uneingeschränkte 

Arbeitsfähigkeit. Dagegen liess A._____ am 12. Dezember 2022 bzw. 

27. Januar 2023 Einwand erheben. Mit Verfügung vom 9. März 2023 

entschied die IV-Stelle wie vorbeschieden und verneinte in Abweisung des 

Leistungsbegehrens einen Anspruch von A._____ auf Leistungen der 

Invalidenversicherung.

7. Am 27. April 2023 liess A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben 

und in Aufhebung der Verfügung vom 9. März 2023 beantragen, ihr sei 

eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die Angelegenheit 

zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und -verbeiständung. In ihrer Begründung übte die 

Beschwerdeführerin Kritik am Gutachten von med. pract. L._____ vom 

16. März 2022. Abgesehen davon, dass ihre körperlichen Beschwerden 

nicht näher exploriert worden seien, sei auch ihr 

Sozialisierungshintergrund vollkommen ausser Acht gelassen worden. Sie 

sei ungarische Roma und habe nur eine rudimentäre Schulbildung 

genossen. Auch ihre Ehe sei von grossen Schwierigkeiten, unter anderem 

auch von Gewalt, geprägt gewesen. Gerade die kulturellen Eigenheiten 

seien bei der Begutachtung unberücksichtigt geblieben, ebenso die 

Intelligenzminderung. Ihre Minderintelligenz schliesse eine raffinierte 

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Manipulation im gutachterlich festgehaltenen Ausmass aus. Die 

Gutachterin habe sich hinsichtlich des bisherigen Verlaufs, vor allem auch 

zu den Berichten anderer Fachärzte lediglich pauschalisierend und wenig 

nachvollziehbar geäussert. Zahlreiche weitere Diskrepanzen bestätigten 

das Bild einer unzulässigen Vorbefassung. Hinzu komme, dass sich ihr 

Gesundheitszustand in den letzten Monaten nochmals verschlechtert 

habe und neben der chronischen, aktuell mittelschweren Depression eine 

ergänzend abzuklärende Traumafolgestörung vorliegen könnte. 

8. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Mai 2023 schloss die IV-Stelle 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und 

nahm in ablehnender Weise zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin 

Stellung. Diese vermöchten das eingeholte externe fachärztliche 

Gutachten nicht zu erschüttern. So habe die Gutachterin eine ausführliche 

soziale Anamnese erhoben, weshalb ihr der Sozialisierungshintergrund 

genauso wie die grossen Schwierigkeiten in der Ehe sehr wohl bekannt 

gewesen seien. Die in einem Nebensatz geltend gemachte 

Intelligenzminderung sei soweit ersichtlich in keinem Arztbericht 

beschrieben. Auch habe sich die Gutachterin detailliert und schlüssig mit 

den vorliegenden Berichten der anderen Fachärzte auseinandergesetzt. 

Zudem sei davon auszugehen, dass sich die geltend gemachte (allfällige) 

Verschlechterung erst um den Verfügungszeitpunkt gezeigt habe, mithin 

bei Verfügungserlass noch keine drei Monate angedauert habe.

9. Die Beschwerdeführerin replizierte am 18. August 2023 bei unveränderten 

Rechtsbegehren und vertiefte ihren Standpunkt.

10. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 28. August 2023 und nahm in 

ablehnender Weise zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin Stellung.

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Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie die weiteren 

Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den 

nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 9. März 2023. Eine solche 

Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das 

Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als dem örtlich und 

sachlich zuständigen Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. 

Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; 

BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle 

Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen 

Verfügung unmittelbar betroffen und sie hat ein schutzwürdiges Interesse 

an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur 

Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). 

Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 

Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b 

ATSG). Darauf ist somit einzutreten.

2.1. Streitgegenstand bildet angesichts des beschwerdeführerischen 

Rechtsbegehrens vorliegend die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu 

Recht einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente 

verneint hat. Dieser entstünde angesichts der Anmeldung im Februar 2021 

gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. August 2021 (d.h. 

sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs), sofern bis 

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dahin das Wartejahr erfüllt gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und 

dannzumal ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % vorgelegen hat (vgl. 

Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).

2.2. Uneins sind sich die Verfahrensbeteiligten insbesondere hinsichtlich des 

Vorliegens eines invalidisierenden Gesundheitsschadens und der (Rest-) 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in ihrer angestammten als 

auch in einer dem Leiden adaptierten Tätigkeit.

3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der hier umstrittene 

Rentenanspruch seine Begründung jedoch noch vor dem 1. Januar 2022 

finden könnte, sind die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Bestimmungen massgebend (vgl. Übergangsbestimmungen des IVG zur 

Änderung vom 19. Juni 2020; Kreisschreiben über Invalidität und Rente in 

der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab dem 1. Januar 2022, Rz. 

9101). Dies ergibt sich aus den allgemeinen Grundsätzen des 

intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts 

(statt vieler: BGE 146 V 364 E.7.1, 144 V 210 E.4.3.1 und 129 V 354 E.1 

m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022 

E.2.2).

4. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass das Sozialversicherungsgericht nach 

ständiger Rechtsprechung die Gesetzmässigkeit der angefochtenen 

Verfügung in der Regel nach dem Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des 

Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die 

erst danach eintreten und jenen Sachverhalt verändern, sollen im 

Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (vgl. BGE 

144 V 224 E.6.1.1, 131 V 242 E.2.1 und 121 V 362 E.1b; Urteil des 

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Bundesgerichts 9C_442/2020 vom 23. Juni 2021 E.2.2). Nach Abschluss 

des Verwaltungsverfahrens erstellte Arztberichte sind aber insoweit in die 

Beurteilung miteinzubeziehen, als sie Rückschlüsse auf die in diesem 

Zeitpunkt gegebene Situation erlauben (vgl. BGE 121 V 362 E.1b in fine; 

Urteile des Bundesgerichts 9C_361/2020 vom 26. Februar 2021 E.3.3 und 

8C_414/2019 vom 25. September 2019 E.2.2.2). Gemäss dem von der 

Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerde beigebrachten Bericht ihres 

behandelnden Psychiaters Dr. med. M._____ vom 26. April 2023 habe 

sich ihr Zustand "in den letzten Monaten" deutlich verschlechtert. Sie leide 

immer wieder an ausgeprägten Ängsten, Antriebslosigkeit, Erschöpfung 

und Müdigkeit. Dr. med. M._____ habe sie daher wieder in der Tagesklinik 

angemeldet. Sie sei nicht in der Lage, eine leichte angepasste Tätigkeit 

aufzunehmen, sondern sei aktuell zu 100 % arbeitsunfähig (vgl. 

beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3). Angesichts des Datums des 

Berichts von Dr. med. M._____ (26. April 2023) und der darin gemachten 

zeitlichen Angabe einer Zustandsverschlechterung "in den letzten 

Monaten" lässt sich nicht genau eruieren, ob diese zum Zeitpunkt des 

Verfügungserlasses am 9. März 2023 bereits drei Monate angedauert hat 

und somit gegebenenfalls auch rentenrelevant wäre (vgl. Art. 88a Abs. 2 

IVV). Hierfür trägt die Beschwerdeführerin die materielle Beweislast bzw. 

die Folgen der Beweislosigkeit (vgl. BGE 143 V 409 E.4.5.2 und 141 V 281 

E.6). Angesichts des Ausgangs des vorliegenden Verfahrens erübrigen 

sich allerdings Weiterungen dazu.

5.1. Zunächst ist auf die formelle Kritik der Beschwerdeführerin am 

psychiatrischen Gutachten von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 

näher einzugehen:

5.2.1. Soweit die Beschwerdeführerin der psychiatrischen Gutachterin med. 

pract. L._____ aufgrund von Diskrepanzen in ihrer Expertise in der 

Beschwerde eine unzulässige Vorbefassung vorwirft und ausführt, die 

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Haltung der Gutachterin sei von Anfang an darauf ausgelegt gewesen, 

eine abschlägige Beurteilung zu erstellen, kann ihr nicht gefolgt werden. 

Im Allgemeinen gilt dabei, dass Personen, die Entscheidungen über 

Rechte und Pflichten zu treffen oder vorzubereiten haben, darunter auch 

Sachverständige, im Verwaltungsverfahren in den Ausstand treten 

müssen, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben oder aus 

anderen Gründen befangen sein könnten (Art. 29 Abs. 1 der 

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]; 

Art. 36 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 10 Abs. 1 des 

Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG; SR 172.021] und Art. 34 des 

Bundesgerichtsgesetzes [BGG; SR 173.110] i.V.m. Art. 19 VwVG und Art. 

58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess [BZP; SR 

273]; BGE 137 V 210 E.2.1.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2019 vom 

9. August 2019 E.5.1). Für Sachverständige gelten 

rechtsprechungsgemäss somit grundsätzlich die gleichen Ausstands- und 

Ablehnungsgründe, wie sie für Richterinnen und Richter vorgesehen sind. 

Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die 

geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der 

Beurteilung des Befangenheitsanscheins und der Gewichtung solcher 

Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei 

abgestellt werden, sondern das Misstrauen muss in objektiver Weise als 

begründet erscheinen. Angesichts der erheblichen Bedeutung, die den 

medizinischen Gutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die 

Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (zum 

Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_488/2022 vom 2. Mai 2023 

E.4.3.1 f. und 8C_296/2021 vom 22. Juni 2021 E.3 m.H.). So kann das 

Expertenverhalten während der Exploration objektiv den Anschein von 

Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die 

Glaubhaftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum 

Gesundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von 

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vornherein mehr oder weniger offen verneinen, abschätzige Bemerkungen 

persönlicher Natur oder unter Umständen die Art und Weise, wie die 

Untersuchung durchgeführt wird und in diesem Zusammenhang auch die 

Dauer der Massnahme. Die Objektivität der Beurteilung steht auch in 

Frage, wenn die begutachtende Person von weitgehend sachfremden 

Kriterien auf Aspekte des Gesundheitszustandes schliesst, welche für die 

zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind. Schliesslich kann die 

Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigendem Ton oder 

sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zweifel an der 

Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person wecken (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 9C_469/2016 vom 22. Dezember 2016 E.5.1, 

8C_665/2015 vom 21. Januar 2016 E.4.1 und 9C_893/2009 vom 22. 

Dezember 2009 E.1.2.2). 

Vorliegend lässt es die Beschwerdeführerin bei ihrem pauschalen Vorwurf 

bewenden, wonach aufgrund der Haltung der Gutachterin bzw. von 

Diskrepanzen in der Expertise eine unzulässige Vorbefassung bestehen 

soll, ohne konkret darzutun, welche Umstände genau den Anschein der 

Befangenheit erwecken sollen. Dass das psychiatrische Gutachten von 

med. pract. L._____ vom 16. März 2022 in unsachlichem Duktus verfasst 

worden wäre, wird weder geltend gemacht noch ist dies ersichtlich. 

Ebenso wenig wird ein Ablehnungsgrund benannt, der seinen Ursprung 

im Verhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und der Gutachterin hat 

und sich aus den konkreten Verhältnissen des Einzelfalls ergibt (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 8C_445/2018 vom 6. November 2018 E.3.2 

und 8C_896/2017 vom 27. April 2018 E.4.3), welcher zur Frage beitrüge, 

ob im vorliegenden Fall med. pract. L._____ bei objektiver 

Betrachtungsweise als befangen zu gelten hat. Andere spezifische 

personenbezogene Umstände, welche den Anschein der Befangenheit zu 

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begründen vermöchten, sind weder ersichtlich noch werden solche von 

der Beschwerdeführerin behauptet.

5.2.2. Letztere kritisiert in ihrer Replik ferner die Formulierung des 

Gutachtensauftrags an med. pract. L._____ und bringt vor, die 

Beschwerdegegnerin habe im Dokument mit dem Titel "Anlass und 

Umstände der Begutachtung" ausgeführt, dass bei ihr nur eine 

vorübergehende Erkrankung, d.h. kein IV-relevanter Gesundheitsschaden 

bestanden habe, weshalb Leistungen abgelehnt worden seien. Die 

Beschwerdegegnerin habe sodann auf die auf einem unvollständigen 

Aktenstudium beruhende Beurteilung des RAD hingewiesen, wonach im 

Krankheitsbild psychosoziale Belastungsfaktoren überwiegen würden. 

Ebenso habe die Beschwerdegegnerin ausgeführt, dass in keinem der 

eingereichten Berichte über die psychiatrischen Aufenthalte eine PTBS-

typische Symptomatik geschildert worden sei und sämtliche 

Hospitalisationen ausnahmslos in Form von Selbstzuweisung erfolgt 

seien. Die Beschwerdegegnerin habe mit dieser Formulierung des 

Auftrags nicht nur offenkundig unzulässigerweise festgehalten, welcher 

Schluss von der Gutachterin erwartet werde, sondern die erwarteten 

Schlüsse zusätzlich mit aktenwidrigen Behauptungen unterlegt (vgl. Replik 

vom 18. August 2023 Rz. 11 ff.; siehe ferner zu dem med. pract. L._____ 

zugestellten Dokument "Anlass und Umstände der Begutachtung" vom 

1. Dezember 2021 [beschwerdegegnerische Akten {Bg-act.} 63] sowie zur 

entsprechenden Wiedergabe im psychiatrischen Gutachten von med. 

pract. L._____ vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 2 f.]). Diese Kritik der 

Beschwerdeführerin ist angesichts der im Gutachtensauftrag gewählten 

Formulierung durchaus insoweit berechtigt, als darin Wertungen 

vorgenommen wurden: Solche Ausführungen sind in einem 

Gutachtensauftrag rechtsprechungsgemäss fehl am Platz (vgl. so schon 

Urteil des Bundesgerichts I 70/01 vom 19. Juli 2001 E.2b; siehe ferner 

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Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 494/00 vom 

4. Dezember 2001 E.4a; vgl. ferner zur Aktenwidrigkeit der behaupteten 

ausnahmslosen Selbstzuweisung zur stationären Behandlung: 

Austrittsbericht der Klinik C._____ vom 12. August 2020 mit Zuweisung 

durch Dr. med. M._____ [Bg-act. 21 S. 11], Austrittsbericht der E._____ 

vom 26. Februar 2021 mit Zuweisung durch die ambulante Behandlerin 

bei akuter Suizidalität [Bg-act. 56 S. 7] und Bericht von Dr. med. M._____ 

vom 18. Oktober 2021 mit Zuweisung per fürsorgerische Unterbringung 

[Bg-act. 54]; siehe ferner zur aktenkundigen Diagnose einer 

posttraumatischen Belastungsstörung und zu den psychosozialen 

Belastungsfaktoren nachfolgende E.7.7 und E.7.11.1). Ob aber die 

Formulierungen im Gutachtensauftrag auch objektiv geeignet waren, die 

Gutachterin in unzulässiger Weise zu beeinflussen bzw. med. pract. 

L._____ aufgrund dessen voreingenommen war, so dass die 

Begutachtung nicht mehr ergebnisoffen erschien, kann letztlich 

offenbleiben. Denn wie nachfolgend aufgezeigt wird, ist dem 

psychiatrischen Gutachten von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 

ohnehin der Beweiswert abzusprechen.

6.1. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt unter 

anderem voraus, dass die versicherte Person invalid oder von Invalidität 

unmittelbar bedroht ist. Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit (vgl. ferner Art. 4 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der 

durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und 

Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (siehe Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des 

Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 

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gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine 

Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht 

überwindbar ist (siehe Art. 7 Abs. 2 ATSG).

6.2. Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach diesen Bestimmungen ist die 

medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit 

kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer 

Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei 

diagnostiziert worden ist (siehe BGE 145 V 215 E.5.1, 143 V 418 E.6 und 

E.8.1, 143 V 409 E.4.5.2 sowie 141 V 281 E.2.1). Die Diagnose muss lege 

artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems 

abgestützt sein (siehe BGE 140 IV 49 E.2.4.1 mit Hinweis auf ICD 

[internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter 

Gesundheitsprobleme; von der Weltgesundheitsorganisation [WHO] 

herausgegeben und weltweit anerkannt] oder DSM [diagnostisches und 

statistisches Handbuch psychischer Störungen; Klassifikationssystem der 

Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung]; ferner BGE 136 V 279 

E.3.2.1, 131 V 49 E.1.2 sowie 130 V 396 E.6.6.2 und E.6.3; Urteile des 

Bundesgerichts 9C_813/2018 vom 13. Februar 2019 E.4.3.1, 

8C_909/2017 vom 26. Juni 2018 E.8 und 9C_393/2017 vom 20. 

September 2017 E.5.3.1). Die Annahme einer Invalidität bedingt 

rechtsprechungsgemäss in jedem Fall ein medizinisches Substrat, das 

(fach)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und 

nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich 

beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im 

Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild 

mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte 

psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, 

dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, 

welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, 

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bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde 

zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven 

Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im 

fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen 

Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu 

unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische 

Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind 

unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. 

Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche 

in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende 

Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender 

psychischer Gesundheitsschaden gegeben (siehe BGE 145 V 215 E.6.3, 

139 V 547 E.5.2, 136 V 279 E.3.2.1 und 127 V 294 E.5a m.H.; Urteile des 

Bundesgerichts 9C_468/2021 vom 13. Dezember 2021 E.2.2.2, 

8C_415/2021 vom 13. Oktober 2021 E.4.1 und 9C_311/2021 vom 23. 

September 2021 E.4.2; vgl. zum Ganzen KIESER, ATSG-Kommentar, 

4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 7 Rz. 22 ff.).

6.3. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der 

Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts‑ und Mitwirkungspflicht der 

Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde 

hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen 

abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl. 

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 13 ff. und Rz. 96 

ff.). Die Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie 

auch grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c 

ATSG). Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die 

Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen 

hinreichende Klarheit besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das 

kantonale Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, 

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sorgfältigen, objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur 

Überzeugung gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend 

wahrscheinlich sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht 

entgegen bzw. liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine 

Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. BGE 144 V 361 

E.6.5, 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3 und 124 V 90 E.4b). Bleiben jedoch 

erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der 

getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, 

soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche 

Erkenntnisse zu erwarten sind. Dies ist etwa der Fall, wenn der 

festgestellte Sachverhalt unauflösbare Widersprüche enthält oder eine 

entscheidwesentliche Tatfrage bislang auf einer unvollständigen 

Beweisgrundlage beantwortet wurde (vgl. BGE 146 V 240 E.8.1; Urteile 

des Bundesgerichts 8C_414/2022 vom 24. Januar 2023 E.4.1 f., 

9C_484/2022 vom 11. Januar 2023 E.4.2, 9C_58/2022 vom 7. Juni 2022 

E.4.1.1 f., 8C_521/2021 vom 22. März 2022 E.3.1.1 f., 9C_377/2021 vom 

22. Oktober 2021 E.5.3.1, 8C_641/2019 vom 8. April 2020 E.3.3.1, nicht 

publ. in: BGE 146 V 121, 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1 und 

8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 f. 

und Rz. 29 f.). Kommt die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht oder 

nicht genügend nach, kann die Sache aus diesem Grund an die 

Verwaltung zurückgewiesen werden (vgl. BGE 132 V 368 E.5). Der 

Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn der 

Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache der verfügenden 

Verwaltungsstelle (Art. 43 Abs. 1 ATSG) oder des 

Sozialversicherungsgerichts (Art. 61 lit. c ATSG) ist, für die 

Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Die Parteien 

tragen in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der 

Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus 

dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese 

- 15 -

Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich 

erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer 

Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die 

Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 144 

V 427 E.3.2 und 138 V 218 E.6).

6.4. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob 

dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, 

in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der 

Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1 und 

125 V 351 E.3a; anstatt vieler: Urteile des Bundesgerichts 9C_488/2022 

vom 13. März 2023 E.4.1, 9C_40/2022 vom 4. August 2022 E.4.1, 

9C_26/2022 vom 30. Mai 2022 E.4.1 und 9C_528/2021 vom 11. Februar 

2022 E.4.1). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens (nach Art. 44 

ATSG) eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche 

aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach 

Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde 

zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle 

Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die 

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 135 

V 465 E.4.4 und 125 V 351 E.3b/bb; siehe auch Urteile des 

Bundesgerichts 9C_290/2022 vom 11. Januar 2023 E.3, 8C_166/2022 

vom 13. Oktober 2022 E.4.1.1, 8C_213/2022 vom 4. August 2022 E.2.3, 

8C_84/2022 vom 19. Mai 2022 E.2.2 und 8C_33/2021 vom 31. August 

2021 E.2.2.2). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und 

soll der Richter auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass 

behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche 

- 16 -

Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten 

aussagen (BGE 135 V 465 4.5 und 125 V 351 E.3b/cc). Insbesondere lässt 

es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch 

tätigen (Fach-)Person einerseits und von Begutachtungsauftrag des 

amtlich bestellten fachmedizinischen Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 

E.4) andererseits nicht zu, ein Administrativ‑ oder Gerichtsgutachten stets 

in Frage zu stellen und zum Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, 

wenn die behandelnden Arztpersonen oder Therapiekräfte zu 

anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben 

immerhin die Fälle, in denen sich eine vom (amtlichen) Gutachten 

abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die Berichte der behandelnden 

Ärztinnen und Ärzte wichtige – nicht rein der subjektiven Interpretation 

entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt 

oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E.4.5 f.; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_502/2022 vom 17. April 2023 E.5.1, 8C_80/2022 vom 

4. Mai 2022 E.4, 8C_787/2021 vom 23. März 2022 E.11.2.2, 8C_736/2021 

vom 22. März 2022 E.5.2, 8C_764/2021 vom 3. März 2022 E.4.2 und 

8C_164/2021 vom 3. Mai 2021 E.3.2.1).

7.1.1. Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen 

Verfügung vom 9. März 2023 einen Leistungsanspruch namentlich mit der 

Begründung, bei der Beschwerdeführerin habe in der angestammten 

Tätigkeit als Reinigungsfachfrau noch nie eine andauernde oder länger 

dauernde Arbeitsunfähigkeit vorgelegen; auch sei eine angepasste 

Tätigkeit zu 100 % zumutbar. Dabei stützte sich die Beschwerdegegnerin 

neben den RAD-Beurteilungen vom 26. Mai 2021 und 28. Oktober 2022 

(vgl. Bg-act. 110 S. 10 ff.) insbesondere auf das psychiatrische Gutachten 

von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 ab (vgl. Bg-act. 111).

- 17 -

7.1.2. Zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das 

psychiatrische Gutachten von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 

abgestellt hat oder ob konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit 

sprechen bzw. dieses von den übrigen medizinischen Akten derart in 

Zweifel gezogen wird, dass von den gutachterlichen Einschätzungen 

abzuweichen wäre.

7.2. Die Feststellung einer invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigung 

erfolgt bei somatoformen Schmerzstörungen (BGE 141 V 281) wie auch 

bei sämtlichen psychischen Störungen (BGE 143 V 409 und 418) nach 

Vorliegen einer ärztlichen Diagnosestellung anhand eines strukturierten 

Beweisverfahrens anhand der sogenannten Standardindikatoren. Darin ist 

der Nachweis des funktionellen Schweregrades und der Konsistenz der 

Gesundheitsschädigung unter Verwendung sogenannter Indikatoren zu 

erbringen (vgl. Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der 

Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Januar 2021, Rz. 1006). Die 

Kategorie "funktioneller Schweregrad" umfasst den Komplex 

"Gesundheitsschädigung" (mit den Indikatoren "Ausprägung der 

diagnoserelevanten Befunde", "Behandlungserfolg oder -resistenz", 

"Eingliederungserfolg oder -resistenz" und "Komorbiditäten"), den 

Komplex "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche 

Ressourcen) und den Komplex "Sozialer Kontext". Die Kategorie 

"Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) umfasst die Komplexe 

"Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen 

vergleichbaren Lebensbereichen" und "Behandlungs- und 

eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck" (BGE 141 V 

281 E.4.1.3; KSIH, Rz. 1006). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann 

dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es 

nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist (BGE 145 V 215 E.7 und 143 

V 418 E.7.1; vgl. dazu auch Urteile des Bundesgerichts 9C_38/2022 vom 

- 18 -

24. Mai 2022 E.4.6, 9C_587/2021 vom 31. Januar 2022 E.4.1 und 

9C_197/2018 vom 5. Juni 2018 E.7). Die Frage der Notwendigkeit in 

diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkreten Beweisbedarf. Ein 

strukturiertes Beweisverfahren bleibt etwa dann entbehrlich, wenn für eine 

– länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) – Arbeitsunfähigkeit nach 

bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im 

Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar 

begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen 

Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen 

Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 145 V 215 E.7 

und 143 V 409 E.4.5.3).

7.3. Mit Blick auf die allgemeinen Beweisanforderungen (BGE 134 V 231 E.5.1, 

125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c m.H., vgl. auch E.6.4 hiervor; vgl. 

auch BGE 144 V 50 E.4.3 betreffend die ärztliche 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung im strukturierten Beweisverfahren gemäss 

BGE 141 V 281 für die Prüfung der funktionellen Auswirkungen einer 

psychischen Erkrankung) ist festzustellen, dass das psychiatrische 

Gutachten von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 in Kenntnis der 

Vorakten – auch jenen zu den stationären Behandlungen – ergangen ist 

(vgl. Bg-act. 80 S. 4 ff.). Auch flossen die von der Beschwerdeführerin 

gemachten Angaben zur Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden 

in die Gesamtbeurteilung zum Gesundheitszustand mit ein (vgl. Bg-act. 80 

S. 18 ff. und S. 44 ff.). Dabei erhob med. pract. L._____ eine ausführliche 

soziale Anamnese (vgl. Bg-act. 80 S. 25 ff.), wodurch ihr sowohl der 

Sozialisierungshintergrund der Beschwerdeführerin mit ihrer 

Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit in B._____ als auch die 

Konflikte und Gewalterfahrungen in früheren Paarbeziehungen bestätigt 

wurden, welche auch in ihrer Beurteilung Berücksichtigung fanden (vgl. 

Bg-act. 80 S. 44 ff.). Dass die Beschwerdeführerin – wie sie vorbringt – 

- 19 -

nur eine rudimentäre Schulbildung genossen haben soll, ist insoweit zu 

relativieren, als sie gemäss ihren eigenen Angaben anlässlich der 

gutachterlichen Exploration eine achtjährige obligatorische 

Schulausbildung und ab dem Jahr 1993 eine dreijährige Ausbildung zur 

Krankenschwester absolviert haben soll, womit sie als Einzige ihrer (13) 

Geschwister einen Beruf erlernt habe (vgl. Bg-act. 80 S. 25, S. 29 und 

S. 44; siehe auch Bericht der Klinik C._____ von Oberärztin N._____ und 

Assistenzärztin O._____ vom 26. März 2021 [Bg-act. 20 S. 3]). Ferner hat 

med. pract. L._____ ihre Schlussfolgerungen gestützt auf ihre eigenen 

klinischen sowie fremdanamnestischen Untersuchungen getroffen (vgl. 

Bg-act. 80 S. 35 ff.). Zwar setzte sie sich entgegen der Auffassung der 

Beschwerdeführerin durchaus mit den vorbefundlichen Diagnosen und 

Berichten der behandelnden (Fach-)Ärztinnen und Ärzte auseinander (vgl. 

Bg-act. 80 S. 41 ff.). Allerdings ist der Beschwerdeführerin im Ergebnis 

darin beizupflichten, dass die schwierige biographische und persönliche 

Anamnese der Beschwerdeführerin mit emotionaler Vernachlässigung in 

der Kindheit, sexuellem Missbrauch, dysfunktionalen Paarbeziehungen, 

häuslicher Gewalt, Depressivität, Ängsten und Suizidalität darin nur 

ungenügend aufgegriffen worden ist. Des Weiteren vermögen die 

gutachterlichen Ausführungen zur Beurteilung der medizinischen Situation 

und die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand – wie 

noch aufzuzeigen sein wird – nicht zu überzeugen. 

7.4. Die psychiatrische Gutachterin med. pract. L._____ wies in ihrer Expertise 

vom 16. März 2022 folgende Diagnosen aus:

- Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22)

DD: leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) als Teilremission einer 

mittelgradigen depressiven Episode und DD: andere gemischte Angststörungen 

(ICD-10: F41.3)

- Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit abhängigen Anteilen (ICD-10: Z73.1)

- 20 -

DD: abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7)

Dazu führte med. pract. L._____ namentlich aus, die gutachterliche 

Untersuchung sei deutlich erschwert gewesen, weil die Angaben der 

Beschwerdeführerin zu ihren Beschwerden und deren Verlauf bzw. ihre 

anamnestischen Angaben vielfach unklar, ungenau und auch inkonsistent 

gewesen seien. Im psychopathologischen Befund habe die 

Beschwerdeführerin vor allem mit einer labilen, teilweise oberflächlichen 

Emotionalität und einer Fokussierung des Denkens auf Belastungen der 

letzten Ehe imponiert. Zu Beginn der Untersuchung habe sie etwas 

psychomotorisch angespannt gewirkt. Sie habe sich rat- und hilflos 

präsentiert. An aktuellen Beschwerden habe die Beschwerdeführerin eine 

Angstproblematik samt innerer Unruhe und zeitweiliger Angstzunahme mit 

vegetativen Angstkorrelaten, massive Schlafstörungen, Vergesslichkeit 

sowie anhaltende Schmerzen im Bereich des gesamten 

Bewegungsapparats geltend gemacht. Ergänzend sei auch das 

Nachdenken über die schlechte Behandlung in der zweiten Ehe, das 

Gefühl der Einsamkeit und auch herabgesetzte Stimmung mit häufigem 

Weinen vorgebracht worden. Diese Beschwerden hätten nur zum Teil dem 

klinischen Eindruck entsprochen: Die ängstlich-depressiven 

Verstimmungen hätten sich bei der Beschwerdeführerin nachvollziehen 

lassen und seien zeitweilig auch in der gutachterlichen Untersuchung 

beobachtet worden. Bei der Beschwerdeführerin lasse sich seit Januar 

2020 eine psychische bzw. psychosoziale Problematik eruieren, welche 

auf die Zuspitzung der partnerschaftlichen Konflikte zurückzuführen sei. 

Bei dem offensichtlichen zeitlichen und kausalen Zusammenhang kämen 

in diagnostischer Hinsicht vor allem Störungen aus dem Bereich F43 der 

ICD-10 in Betracht, d.h. "Reaktionen auf schwere Belastungen und 

Anpassungsstörungen". Die entsprechende Beschreibung einer 

Anpassungsstörung treffe auf die von der Beschwerdeführerin 

angegebene Belastung bzw. ihre Beschwerden zu. Unter 

- 21 -

Berücksichtigung der anamnestischen Angaben sei am ehesten von einer 

Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: 

F43.22), auszugehen. Bei dieser Störung seien sowohl Angst als auch 

depressive Symptome vorhanden, jedoch nicht in grösserem Ausmass als 

bei Angst und depressiver Störung gemischt oder einer anderen 

gemischten Angststörung. Differenzialdiagnostisch kämen bei der 

Beschwerdeführerin eine depressive Episode (ICD-10: F32) und eine 

Angststörung (ICD-10: F41) in Betracht, falls das Ausmass der 

depressiven Symptome und der Angstsymptome grösser sein sollte als 

bei einer Anpassungsstörung. Retrospektiv sei die Frage nach dem 

tatsächlichen Ausmass der depressiven Symptome und der 

Angstsymptome anhand der Aktenlage schwierig zu beurteilen. Gegen 

das Vorliegen einer depressiven Episode spreche die jeweils rasche 

Symptomrückbildung während der bisherigen psychiatrischen 

Klinikaufenthalte. Falls bei der Beschwerdeführerin im Januar 2020 eine 

mittelgradige depressive Episode vorgelegen habe, habe sie im weiteren 

Verlauf Schwankungen unterlegen. Sie habe unter einer antidepressiven 

Behandlung zumindest teilweise remittieren können, so dass bei der 

Beschwerdeführerin aktuell allenfalls eine leichte depressive Episode 

(ICD-10: F32.0) differenzialdiagnostisch zu erwägen wäre. Für das 

Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33) 

liessen sich bei der Beschwerdeführerin anhand der Aktenlage und der 

anamnestischen Angaben keine hinreichenden Anhaltspunkte finden. 

Neben der depressiven Problematik sei bei der Beschwerdeführerin auch 

eine gewisse Angstproblematik festzustellen. Am ehesten sei diese auf die 

gravierenden Veränderungen der Lebenssituation bei einer 

persönlichkeitsstrukturellen Vulnerabilität zurückzuführen, d.h. im 

Rahmen der Anpassungsstörung zu verstehen. Falls die 

Angstbeschwerden und Symptome tatsächlich ausgeprägter gewesen 

seien als bei einer Anpassungsstörung, kämen differenzialdiagnostisch 

- 22 -

"andere gemischte Angststörungen" (ICD-10: F41.3) in Betracht. Die 

diagnostischen Schwierigkeiten ergäben sich zum einen aufgrund der 

vielfach unklaren und ungenauen Angaben der Beschwerdeführerin und 

zum anderen aufgrund der persönlichkeitsstrukturellen Besonderheiten 

und Defizite der Beschwerdeführerin, unter anderem mit einer 

mangelnden Selbstwahrnehmung (vgl. Bg-act. 80 S. 38 ff.). 

7.5. Diesen gutachterlichen Ausführungen ist entgegenzuhalten, dass die 

Diagnoseherleitung von med. pract. L._____ nicht derart nachvollziehbar 

ausgefallen ist, so dass sie den Rechtsanwendenden erlauben würde zu 

beurteilen, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten 

worden sind (vgl. dazu BGE 145 V 215 E.5.1, 143 V 418 E.8.1, 143 V 124 

E.2.2.2, 142 V 106 E.3.3, 141 V 281 E.2.1 ff., 130 V 396 E.5.2 ff.; Urteile 

des Bundesgerichts 9C_80/2020 vom 15. September 2020 E.3.2, 

8C_41/2019 vom 9. Mai 2019 E.7.2 und 8C_376/2018 vom 9. Oktober 

2018 E.3.2). Obgleich die Diagnosestellung aufgrund der anamnestischen 

Angaben und von in der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin liegenden 

Gründen erschwert gewesen sein mag, scheint med. pract. L._____ 

letztlich hinsichtlich der Ausprägung bzw. des Ausmasses der depressiven 

und Angstsymptomatik weder anhand der Aktenlage noch der Anamnese 

eine klare Einordnung möglich gewesen zu sein, was zu komplizierten 

differenzialdiagnostischen Erwägungen führte. Nicht einzuleuchten 

vermag dabei die Beurteilung von med. pract. L._____, wonach eine 

jeweils rasche Symptomrückbildung während der Klinikaufenthalte gegen 

das Vorliegen einer depressiven Episode spreche (vgl. Bg-act. 80 S. 39). 

Dies steht in einem Spannungsverhältnis zu der von ihr sogleich selbst 

gemachten Aussage, dass die im Januar 2020 festgestellte mittelgradige 

depressive Episode – falls sie tatsächlich in dem Ausmass vorgelegen 

habe – im weiteren Verlauf Schwankungen unterlegen habe (vgl. ebenda), 

was gerade für das Vorliegen einer (rezidivierenden) depressiven Störung 

- 23 -

spricht. Ebenso scheint med. pract. L._____ nur unzulänglich zu würdigen, 

dass sich die Beschwerdeführerin zwischen Januar 2020 und November 

2021 infolge ausgewiesener depressiver Symptomatik mit teilweiser 

akuter Suizidalität insgesamt sechs stationären Behandlungen in 

psychiatrischen Kliniken unterzog, welche grösstenteils mehrere Wochen 

bzw. sogar Monate dauerten und während welchen depressive Episoden 

schwereren Ausmasses diagnostiziert wurden (vgl. Berichte der Klinik 

C._____ vom 16. März 2020 [Bg-act. 21 S. 7 ff.], vom 12. August 2020 

[Bg-act. 21 S. 11 ff.], vom 2. Dezember 2020 [Bg-act. 21 S. 19 ff.], vom 

26. März 2021 [Bg-act. 20] und vom 8. Dezember 2021 [Bg-act. 79] sowie 

Bericht der E._____ vom 26. Februar 2021 [Bg-act. 56 S. 7 ff.]). Auch wenn 

med. pract. L._____ in ihrer retrospektiven Einschätzung hinsichtlich des 

Schweregrads der depressiven Symptomatik von den echtzeitlichen 

Beurteilungen abweicht und beispielsweise hinsichtlich des ersten 

Klinikaufenthalts vom 23. Januar 2020 bis zum 18. Februar 2020 aufgrund 

des psychopathologischen Befunds nicht von einer schweren, sondern 

einer mässig ausgeprägten Depressivität ausgeht (vgl. Bg-act. 80 S. 41 ff.; 

siehe dazu auch Austrittsbericht vom 16. März 2020 [Bg-act. 21 S. 7 ff.]), 

handelt es sich dabei trotzdem um eine depressive Episode. Insbesondere 

scheint sie jedoch in aktenwidriger Weise verkennt zu haben, dass sich 

anlässlich der vierten stationären Behandlung in der Klinik D._____ der 

E._____ vom 20. November 2020 bis zum 22. Januar 2021 keine 

Symptomrückbildung bzw. -remission eingestellt hat. Oberärztin F._____ 

und Psychologin G._____ diagnostizierten in ihrem Austrittsbericht 

namentlich eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 

mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1). Dazu hielten sie fest, dass sich die 

mittelgradige depressive Episode im Zusammenhang mit einer emotional 

instabilen Persönlichkeitsstruktur mit starken abhängigen und 

vermeidenden Anteilen, verstärkt aufgetretenen Symptomen einer 

posttraumatischen Belastungsstörung und bei bestehender 

- 24 -

Depressionsneigung entwickelt haben könne. Bei Austritt habe immer 

noch eine mittelgradige depressive Episode bestanden, bei stark 

rückläufiger Suizidalität (vgl. Bg-act. 56 S. 10). Weshalb sich die 

diagnostizierte mittelgradige depressive Episode nicht aus dem damaligen 

psychopathologischen Befund ableiten lassen soll, wie von med. pract. 

L._____ in ihrem Gutachten vom 16. März 2022 kritisiert (vgl. Bg-act. 80 

S. 42), vermag nicht einzuleuchten. Denn danach war die 

Beschwerdeführerin auch bei Klinikaustritt noch aufgewühlt und nicht 

kontaktfähig. Die Konzentration sei eingeschränkt gewesen. 

Formalgedanklich sei ein Grübeln berichtet worden. Die 

Beschwerdeführerin sei stark eingeengt gewesen auf ein für sie scheinbar 

unlösbares Problem. Im Affekt sei sie dysphorisch, gereizt und insgesamt 

stark affektlabil gewesen und es hätten Insuffizienzgefühle bestanden. Der 

Antrieb sei reduziert und es seien chronifizierte suizidale Gedanken 

vorhanden gewesen (vgl. Bg-act. 56 S. 8). Aus diesem 

psychopathologischen Befund lassen sich durchaus typische Symptome 

für eine Depression entnehmen (so z.B. gedrückte Stimmung, 

Verminderung des Antriebs und der Affektivität sowie Insuffizienzgefühle; 

vgl. hierzu DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation 

psychischer Störungen, ICD-10 Kapital V [F], Klinisch-diagnostische 

Leitlinien, 9. Aufl., 2014, S. 169 f.). Zwar berichteten Dr. med. P._____ und 

Assistenzärztin Q._____ in ihrem Bericht vom 17. März 2021 zu der am 

8. Februar 2021 stattgehabten Konsultation, dass die Beschwerdeführerin 

von einer gebesserten Stimmung ohne lebensmüde bzw. Suizidgedanken 

berichtet habe (vgl. Bg-act. 25 S. 3). Soweit damit überhaupt eine 

Zustandsbesserung beschrieben wird, ist dies jedoch insoweit zu 

relativieren, als die letzte Konsultation lediglich wenige Tage nach Austritt 

aus der Klinik D._____ am 22. Januar 2021 bei weiterhin bestehender 

mittelgradiger depressiver Episode stattgefunden hat (vgl. Austrittsbericht 

vom 26. Februar 2021 [Bg-act. 56 S. 7 ff.]), und die Beschwerdeführerin 

- 25 -

tags darauf am 9. Februar 2021 wegen einer akuten Verschlechterung der 

psychischen Verfassung wiederum in die Klinik C._____ zur stationären 

Behandlung eingetreten war (vgl. Bericht von Dr. med. N._____ und 

Assistenzärztin O._____ vom 26. März 2021 [Bg-act. 20]). Da nur schon 

diese beiden Klinikaufenthalte, während welchen die Beschwerdeführerin 

zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben war, mit nur einem kurzen 

Unterbruch zusammen insgesamt von Ende November 2020 bis Ende 

März 2021 dauerten (vgl. Bericht von Dr. med. N._____ und 

Assistenzärztin O._____ vom 26. März 2021 [Bg-act. 20] sowie 

Austrittsbericht von Oberärztin F._____ und Psychologin G._____ vom 

26. Februar 2021 [Bg-act. 56 S. 7 ff.]; siehe ferner Aktennotiz vom 

25. März 2021 [Bg-act. 18]), vermag nicht zu verfangen, wenn die 

Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 9. März 2023 

gestützt auf das psychiatrische Gutachten von med. pract. L._____ 

ausführte, bei der Beschwerdeführerin habe in der angestammten 

Tätigkeit als Reinigungsfachfrau (genauso wie in einer adaptierten 

Tätigkeit) noch nie eine andauernde oder länger dauernde 

Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (vgl. Bg-act. 111 S. 2 und 80 S. 51). 

Genauso wenig kann angesichts des soeben Ausgeführten die 

Beurteilung von med. pract. L._____ in ihrem Gutachten vom 16. März 

2022 nachvollzogen werden, wonach sich für das Vorliegen einer 

rezidivierenden depressiven Störung keine hinreichenden Anhaltspunkte 

in der Aktenlage und den anamnestischen Angaben finden liessen (vgl. 

Bg-act. 80 S. 40).

7.6. Des Weiteren leitete med. pract. L._____ die von ihr (hauptsächlich) 

ausgewiesene Anpassungsstörung nicht konkret her und sie gab auch 

nicht an, aus welchen (vorbefundlichen) Untersuchungsergebnissen bzw. 

(anamnestischen) Angaben sie diese ableitete. Vermutungsweise ist 

davon auszugehen, dass sie bei der Beschwerdeführerin aufgrund der 

- 26 -

erlebten häuslichen Gewalt während der (zweiten) Ehe auf eine 

Anpassungsstörung schloss (vgl. Bg-act. 80 S. 27). Dabei erscheint 

allerdings erklärungsbedürftig, weshalb die ausweislich der Akten in 

Zusammenhang mit der Beziehungsproblematik aufgetretene 

(rezidivierende) depressive Symptomatik schwereren Ausmasses mit 

teilweiser akuter Suizidalität nicht im Sinne einer verselbstständigten 

Erkrankung interpretiert werden kann (vgl. dazu Bericht von Dr. med. 

M._____ vom 26. April 2023 [Bf-act. 3]), sondern auf einen leichteren 

affektiven Zustand im Sinne einer Anpassungsstörung, Angst und 

depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22), zu schliessen ist. Dies 

erscheint auch insoweit fragwürdig, als die Beschwerdeführerin bereits im 

Januar 2020 wegen der während der (zweiten) Ehe erlebten emotionalen 

und physischen Gewalt erstmals stationär behandelt (vgl. Austrittsbericht 

vom 16. März 2020 [Bg-act. 21 S. 7 ff.]) und bereits im Austrittsbericht vom 

12. August 2020 zum im gleichen Monat stattgehabten Klinikaufenthalt 

eine Anpassungsstörung diagnostiziert worden ist (vgl. Bg-act. 21 S. 11 

ff.). Inwiefern nun rund anderthalb Jahre später bei inzwischen 

geschiedener Ehe und vier weiteren stationären Behandlungen immer 

noch von einer Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion 

gemischt, ausgegangen werden kann, wenn nach deren 

Klassifikationskriterien der (leichte) depressive Zustand als Reaktion auf 

eine Belastungssituation meist nicht länger als sechs Monate dauern kann 

(vgl. hierzu DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, a.a.O., S. 209), leuchtet nicht von 

vornherein ein. Dies umso weniger, als in den Berichten zu den weiteren 

stationären Behandlungen mitunter neben einer posttraumatischen 

Belastungsstörung und einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung 

namentlich eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 

mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.1), diagnostiziert wurde 

(vgl. Austrittsbericht von Oberärztin F._____ und Psychologin G._____ 

vom 26. Februar 2021 [Bg-act. 56 S. 7 ff.], Berichte von Oberärztin 

- 27 -

N._____ und Assistenzärztin O._____ vom 26. März 2021 [Bg-act. 20] und 

vom 2. Dezember 2020 [Bg-act. 21 S. 19 ff.] sowie Austrittsbericht von 

dipl. Arzt R._____ und Unterassistentin S._____ vom 8. Dezember 2021 

[Bg-act. 79]). Nach dem Gesagten mangelt es der Beurteilung von med. 

pract. L._____ in ihrem Gutachten vom 16. März 2022 also bereits an lege 

artis gestellten bzw. hergeleiteten Diagnosen, derer es bedarf, um 

invalidenversicherungsrechtlich relevante funktionelle Auswirkungen der 

ausgewiesenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen feststellen 

bzw. solche ausschliessen zu können (vgl. BGE 145 V 215 E.5.1, 143 V 

418 E.8.1, 143 V 409 E.4.5.2, 141 V 281 E.2.1 und 130 V 396 E.6.2 ff.; 

Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2022 vom 25. Mai 2023 E.5.2, 

8C_285/2021 vom 25. August 2021 E.5.2.3.2, 8C_407/2020 vom 3. März 

2021 E.4.2, 8C_175/2018 vom 27. September 2018 E.4 und 9C_262/2018 

vom 22. August 2018 E.4.2.1). 

7.7. Ebenso wenig erscheint von vornherein evident, dass die in den Akten 

aufgrund der Gewalterfahrungen in der Ehe diagnostizierte 

posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) gemäss der Beurteilung von 

med. pract. L._____ ausgeschlossen werden können soll. Zwar trifft 

durchaus zu, dass diese Diagnose während den ersten drei Aufenthalten 

in der Klinik C._____ nicht gestellt worden war (vgl. psychiatrisches 

Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 42]; siehe ferner 

Austrittsberichte vom 2. Dezember 2020 [Bg-act. 21 S. 19 ff.], vom 

12. August 2020 [Bg-act. 21 S. 11 ff.] und vom 16. März 2020 [Bg-act. 21 

S. 7 ff.]). Auch ist a priori nicht erklärlich, weshalb die Beschwerdeführerin 

auch nach der Scheidung ihren Ex-Ehemann weiterhin kontaktierte, so 

dass sie von ihrer Beiständin gebeten wurde, dies zu unterlassen (vgl. 

psychiatrisches Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 27 und 

S. 40]), wobei allerdings relativierend anzuführen ist, dass der Grund für 

diese Kontaktaufnahme nicht aktenkundig ist (vgl. hierzu auch die Angabe 

- 28 -

der Beiständin, wonach die Beschwerdeführerin mit ihrem Ex-Ehemann 

Schulden gemacht habe und betrieben werde [Bg-act. 80 S. 45]; ferner 

Austrittsbericht von Oberärztin N._____ und Assistenzärztin O._____ vom 

2. Dezember 2020 zum zuvor stattgehabten Klinikaufenthalt vom 

10. September 2020 bis zum 12. Oktober 2020, wonach damals 

Diskussionen wegen Geld, der Führung der Reinigungsfirma sowie 

Schwierigkeiten im Zusammenleben sehr oft zu Streitereien geführt 

hätten, auch mit körperlicher Gewalt [Bg-act. 21 S. 20]). Nicht gefolgt 

werden kann med. pract. L._____ indes, soweit sie ausführte, die 

behandelnden Ärzte hätten bisher noch nie Flashbacks beschrieben (vgl. 

Bg-act. 80 S. 40). Dabei scheint sie übersehen zu haben, dass der 

therapeutische Fokus während des vierten stationären Aufenthalts vom 

20. November 2020 bis zum 22. Januar 2021, während welchem 

namentlich eine PTBS diagnostiziert worden war, insbesondere auf dem 

Umgang mit der Angst und den Flashbacks lag (vgl. Austrittsbericht von 

Oberärztin F._____ und Psychologin G._____ vom 26. Februar 2021 [Bg-

act. 56 S. 9]). Im Übrigen merkte selbst med. pract. L._____ in ihren 

Untersuchungsbefunden an, die Beschwerdeführerin habe (stereotyp) auf 

die erlittenen Belastungen während der Ehe aufmerksam gemacht (vgl. 

Bg-act. 80 S. 35), was insoweit mit der Aktenlage übereinstimmt, als sie 

darin mitunter als auf die Beziehungsproblematik bzw. die damit 

einhergehende Belastungssituation eingeengt beschrieben worden war 

(vgl. Austrittsberichte vom 16. März 2020 [Bg-act. 21 S. 8] und vom 

12. August 2020 [Bg-act. 21 S. 12]). Ferner berichtete Dr. med. M._____ 

in seinem Schreiben vom 26. April 2023 im Zusammenhang mit der 

erlebten häuslichen Gewalt von immer wieder auftretenden Ängsten, 

Vermeidungsverhalten und auch einer flashbackartigen Symptomatik (vgl. 

Bf-act. 3). Zwar mag zutreffen, dass med. pract. L._____ während ihrer 

gutachterlichen Exploration am 28. Februar 2022 keine auf Flashbacks 

hindeutende Anzeichen feststellen konnte (vgl. psychiatrisches Gutachten 

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vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 36 und S. 40]). Allerdings ist hierzu 

relativierend anzuführen, dass sie das Vorliegen solcher während der 

Anamneseerhebung auch nicht ausdrücklich bei der Beschwerdeführerin 

erfragt hatte (vgl. Bg-act. 80 S. 18 ff., insbesondere S. 20, S. 22 und S. 25 

ff.). Soweit med. pract. L._____ ferner ausführte, bei der 

Beschwerdeführerin lasse sich kein Vermeiden von Umständen, welche 

der Belastung ähnelten oder mit ihr in Zusammenhang stünden, 

feststellen, kann dies in dieser Absolutheit nicht nachvollzogen werden. 

Denn so geht in anamnestischer Hinsicht aus dem psychiatrischen 

Gutachten vom 16. März 2022 hervor, dass die Beschwerdeführerin 

insbesondere von einer Angst vor (alkoholisierten) Männern berichtete 

und sie den Kontakt zu solchen Personen, insbesondere als sie noch in 

einem Hotel wohnte, vermied (vgl. Bg-act. 80 S. 21). Wohl liess sich die 

Beschwerdeführerin nach Beendigung ihrer (zweiten) Ehe wieder auf eine 

Partnerschaft ein (vgl. hierzu psychiatrisches Gutachten vom 16. März 

2022 [Bg-act. 80 S. 40]). Dabei ist allerdings zu beachten, dass selbst 

med. pract. L._____ differenzialdiagnostisch das Vorliegen einer 

abhängigen Persönlichkeitsstörung erwog und dies mit einer sehr 

auffälligen Beziehungsgestaltung der Beschwerdeführerin begründete. 

Med. pract. L._____ führte dazu namentlich aus, bei der 

Beschwerdeführerin lasse sich ein unbehagliches Gefühl oder der 

Hilflosigkeit feststellen, wenn sie alleine sei, aus übertriebener Angst, nicht 

für sich alleine sorgen zu können (vgl. Bg-act. 80 S. 41). Indem die 

Gutachterin eine PTBS zudem mit der Begründung verwarf, es liege keine 

erhöhte psychische Sensitivität und Erregung vor, scheint sie dem 

Umstand, dass die Beschwerdeführerin von massiven Schlafstörungen 

berichtete (vgl. psychiatrisches Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 

S. 18]) und Konzentrationsstörungen aktenanamnestisch bekannt sind 

(vgl. Austrittsberichte vom 26. März 2021 [Bg-act. 20 S. 2] und vom 26. 

Februar 2021 [Bg-act. 56 S. 8]), nur unzureichend Rechnung getragen zu 

- 30 -

haben (vgl. Bg-act. 80 S. 40). Zudem gestand med. pract. L._____ der 

Beschwerdeführerin eine persönlichkeitsstrukturelle Vulnerabilität zu (vgl. 

Bg-act. 80 S. 43). Insofern bedarf die Frage, ob die diagnostischen 

Kriterien einer PTBS bzw. einer Traumafolgestörung erfüllt sind oder nicht, 

einer vertieften Abklärung.

7.8. Dasselbe gilt auch mit Blick auf die Persönlichkeitsdiagnostik. Die 

Gutachterin med. pract. L._____ stellte in ihrer Expertise vom 16. März 

2022 bei der Beschwerdeführerin persönlichkeitsstrukturelle 

Besonderheiten fest. Dazu führte sie aus, im Längsschnitt liessen sich 

eine eingeschränkte Selbst- und Objektwahrnehmung, eine 

eingeschränkte Kommunikation (von Affekten) sowie auch 

Einschränkungen in der Bindungsfähigkeit feststellen. Unter 

Berücksichtigung der gesamten persönlichen, privaten und beruflichen 

Anamnese im Längsschnitt, d.h. seit der Jugend bzw. dem frühen 

Erwachsenenalter ergebe sich zumindest der Eindruck von akzentuierten 

Persönlichkeitszügen mit abhängigen Anteilen. Differenzialdiagnostisch 

sei das Vorliegen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung zu erwägen, 

wobei die Grenzen zwischen einer Persönlichkeitsakzentuierung und einer 

Persönlichkeitsstörung fliessend seien. Die Beziehungsgestaltung der 

Beschwerdeführerin sei sehr auffällig: Bei ihr lasse sich die Ermunterung 

oder Erlaubnis an Andere, die meisten wichtigen Entscheidungen für das 

eigene Leben zu treffen, feststellen. Auch bestehe eine Unterordnung der 

eigenen Bedürfnisse unter die von anderen Personen, zu denen eine 

Abhängigkeit bestehe. Zudem lasse sich ein unbehagliches Gefühl oder 

Hilflosigkeit eruieren, wenn die Beschwerdeführerin alleine sei, aus 

übertriebener Angst, nicht für sich alleine sorgen zu können (vgl. Bg-act. 

80 S. 41). Insgesamt schloss die Gutachterin eine schwere 

Persönlichkeitsstörung aus und nannte als Hauptbefund eine 

persönlichkeitsstrukturelle Vulnerabilität, wobei die Beschwerdeführerin 

- 31 -

mit deutlichen abhängigen Persönlichkeitszügen imponiere (vgl. 

psychiatrisches Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 43]). 

Weshalb med. pract. L._____ somit hauptsächlich auf eine Z-Kodierung 

(akzentuierte Persönlichkeitszüge = ICD-10: Z73.1) und damit nicht auf 

eine Erkrankung im Sinne des Klassifikationssystems bzw. einen 

invalidenversicherungsrechtlich erheblichen Gesundheitsschaden schloss 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_804/2021 vom 1. Juni 2022 E.4.1.3, 

9C_542/2019 vom 12. November 2019 E.3.2 und 8C_699/2018 vom 

28. August 2019 E.4.2.2), erscheint angesichts der eindrücklichen 

familiären und persönlichen Vita der Beschwerdeführerin 

erklärungsbedürftig. So anerkannte auch med. pract. L._____, dass die 

Beschwerdeführerin einer ethnischen Minderheit angehört und aufgrund 

der Verhältnisse in der 16-köpfigen Familie mit Alkoholsucht (des Vaters) 

von einer emotionalen Vernachlässigung in der Kindheit auszugehen sei. 

Zur weiteren Lebensgeschichte merkte med. pract. L._____ an, nach 

Angaben der Beschwerdeführerin sei sie im Alter von 15 Jahren von 

einem Schwager vergewaltigt worden. Trotzdem sei sie kurze Zeit später 

eine Paarbeziehung mit einem ehemaligen Schulkollegen eingegangen. 

Aus dieser Beziehung sei das einzige Kind der Beschwerdeführerin, eine 

1992 geborene Tochter, hervorgegangen. Nach Angaben der 

Beschwerdeführerin sei sie etwa zehn oder auch 12 Jahre mit dem Vater 

der Tochter verheiratet gewesen. Die Ehe sei nur zu Beginn gut gewesen. 

Später sei die Beschwerdeführerin nach ihren Angaben von ihrem 

alkoholkranken Ehemann schlecht behandelt, mitunter geschlagen 

worden. Zum Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und 2010 sei nichts 

bekannt. Nach den Angaben der Beschwerdeführerin habe sie im Jahr 

2010 einen 13 Jahre älteren Mann aus der Schweiz, einen IV-Rentner, 

geheiratet. Sie sei von ihrem Ehemann zur Erwerbstätigkeit angehalten 

und schlecht behandelt worden, in den letzten fünf bis sechs Jahren auch 

geschlagen worden. Die Angaben darüber, dass ihr Ehemann sie 

- 32 -

eingesperrt habe, seien hinsichtlich der effektiven Dauer des 

Eingesperrtseins wiederholt inkonsistent gewesen. Gemäss Aktenlage sei 

die Scheidung seit Juli 2021 rechtskräftig. Noch vor der Scheidung bzw. 

nach der Trennung von ihrem Ex-Ehemann sei die Beschwerdeführerin 

eine weitere Partnerschaft eingegangen, wobei sie von ihrem Partner nicht 

gut behandelt worden sei. Diese Beziehung sei nur von kurzer Dauer 

gewesen. Seit etwa März oder Mai 2021 habe die Beschwerdeführerin in 

einem Hotel gelebt. Sie sei mit ihrer Wohnsituation unzufrieden gewesen, 

zumal ihre Nachbaren wohl arbeitslose, alkoholtrinkende Männer 

gewesen seien (vgl. Bg-act. 80 S. 44 f.). Dass vor diesem Hintergrund das 

Vorliegen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung in Betracht gezogen 

wird, erscheint nachvollziehbar. Soweit die Gutachterin die aktenkundige 

Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeit als willkürlich abtut 

(vgl. psychiatrisches Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 42]), ist 

ihr zumindest entgegenzuhalten, dass sich solche emotional instabilen 

Anteile entgegen ihrer Ausführungen während der stationären Behandlung 

vom 20. November 2020 bis zum 22. Januar 2021 gemäss der 

behandelnden Oberärztin F._____ und Psychologin G._____ 

herauskristallisiert hätten (vgl. Austrittsbericht vom 26. Februar 2021 [Bg-

act. 56 S. 9]). Zudem war bereits aus früheren Klinikaufenthalten bekannt, 

dass die Beschwerdeführerin eher spontane, unreflektierte 

Entscheidungen treffe bzw. unüberlegt wirkende, impulshafte 

Handlungsweisen an den Tag lege, was im Behandlungsverlauf schon 

mehrfach beobachtet worden sei (vgl. Austrittsberichte vom 26. März 2021 

[Bg-act. 20 S. 2] und vom 2. Dezember 2020 [Bg-act. 21 S. 21]). Insgesamt 

drängt sich somit eine vertiefte Persönlichkeitsdiagnostik auf, was 

nachzuholen ist.

7.9. Zu den funktionellen Auswirkungen der ausgewiesenen Diagnosen hielt 

med. pract. L._____ im psychiatrischen Gutachten vom 16. März 2022 

- 33 -

fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin gesamthaft leichte qualitative 

Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit feststellen liessen. Bei einer nicht 

optimal angepassten Tätigkeit könnten durchaus geringgradige 

quantitative Einschränkungen resultieren. In der angestammten Tätigkeit 

als Reinigungsangestellte könne die Beschwerdeführerin acht Stunden 

täglich im Rahmen einer fünf-Tage-Woche anwesend sein. Allenfalls 

könnte aufgrund der schon länger bestehenden körperlichen und 

psychischen Dekonditionierung ein gestufter beruflicher Wiedereinstieg 

mit einem zu Beginn etwas geringeren Arbeitspensum zur Eingewöhnung 

über einen kurzen Zeitraum hilfreich sein. Als Reinigungsangestellte sei 

die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. 

Eine andauernde oder eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit habe noch 

nie vorgelegen (vgl. Bg-act. 80 S. 50 f.). Zur Arbeitsfähigkeit in 

angepasster Tätigkeit hielt med. pract. L._____ fest, Tätigkeiten mit 

deutlich erhöhten Anforderungen an die Stresstoleranz, an die emotionale 

Belastbarkeit sowie an die sozialen Kompetenzen seien aus gutachterlich-

psychiatrischer Sicht nicht angepasst. Tätigkeiten mit hohen 

Anforderungen an die Fähigkeit zur Selbststrukturierung 

(Selbstständigkeit) seien nicht zu empfehlen. Die Tätigkeit als 

Reinigungsangestellte sei als optimal angepasst einzustufen. Eine Arbeit 

in der freien Wirtschaft sei möglich. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe 

eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (vgl. Bg-act. 80 S. 51). 

7.10. Diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitseinschätzung vermag in 

Berücksichtigung von bei der Beschwerdeführerin vorliegenden 

leistungshindernder Belastungsfaktoren und Kompensationspotenzialen 

indes nicht vollends zu überzeugen. Abgesehen von der bereits 

festgestellten Aktenwidrigkeit hinsichtlich der Arbeits(un-)fähigkeit der 

Beschwerdeführerin während der beiden stationären Behandlungen von 

insgesamt Ende November 2020 bis Ende März 2021 mit einem nur 

- 34 -

kurzen, dazwischenliegenden Unterbruch (vgl. E.7.5 hiervor) kommt der 

Arztperson bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit denn auch keine 

abschliessende Beurteilungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E.3.1). 

Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie 

gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie 

möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige 

Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche 

Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (so die mit 

BGE 105 V 156 E.1 in fine begründete und in zahllosen Urteilen bestätigte 

Rechtsprechung, z.B. BGE 132 V 93 E.4). Dabei sind – wie dargelegt – 

die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten 

gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand von 

Standardindikatoren zu prüfen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_331/2022 vom 6. September 2022 E.4, 9C_568/2020 vom 25. März 

2021 E.2.1, 8C_71/2016 vom 1. Juli 2016 E.4.2 und 9C_539/2015 vom 

21. März 2016 E.2.2.1). Daran hat sich med. pract. L._____ – wie 

nachfolgend aufzuzeigen sein wird – im Gutachten vom 16. März 2022 nur 

unvollständig gehalten.

7.11.1. So hielt sie zum Indikator "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde" 

des Komplexes "Gesundheitsschädigung" in der ersten Kategorie 

"Funktioneller Schweregrad" fest, aus aktuell gutachterlich-psychiatrischer 

Sicht liege der Hauptbefund in der persönlichkeitsstrukturellen 

Vulnerabilität der Beschwerdeführerin. Diese imponiere mit deutlichen 

abhängigen Persönlichkeitszügen. Eine schwere Persönlichkeitsstörung 

liege bei ihr sicher nicht vor. Bei der Anpassungsstörung handle es sich 

aus psychiatrischer Sicht um eine leichte psychische Störung. Bei der 

differenzialdiagnostisch erwogenen leichten depressiven Episode und den 

anderen gemischten Störungen handle es sich ebenfalls um leichte 

- 35 -

psychische Problematiken (vgl. Bg-act. 80 S. 43). Wie bereits dargelegt, 

mangelt es diesen Ausführungen indes bereits an lege artis gestellten 

bzw. hergeleiteten Diagnosen bzw. an einer nachvollziehbaren 

Auseinandersetzung mit den vorbefundlichen bzw. aktenkundigen 

Diagnosen. Einer solchen Beurteilung bedürfte es jedoch, um überhaupt 

invalidenversicherungsrechtlich relevante funktionelle Auswirkungen der 

vorliegenden psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen feststellen 

bzw. gegebenenfalls solche ausschliessen zu können. Soweit sich für die 

gutachterlich als leicht eingestufte Ausprägung der diagnoserelevanten 

Befunde ferner die von med. pract. L._____ als im Vordergrund stehend 

eingestuften psychosozialen Belastungsfaktoren verantwortlich zeichnen 

sollten (vgl. hierzu psychiatrisches Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 

80 S. 46 f.]), kann ihrer Aussage, wonach solche IV-fremden 

Gegebenheiten nicht in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt 

werden könnten (vgl. Bg-act. 80 S. 49), in dieser Absolutheit nicht gefolgt 

werden. Zwar gilt auch im Rahmen von BGE 141 V 281 der Grundsatz, 

wonach das Invalidenversicherungsrecht soziale Faktoren so weit 

ausklammert, als es darum geht, die für die Einschätzung der 

Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren zu umschreiben. Die 

funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen werden hingegen 

auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren 

abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer 

Gesundheitsschädigung beeinflussen (BGE 141 V 281 E.3.4.2.1 m.H.). 

Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, 

bleiben sie nach wie vor ausgeklammert (BGE 141 V 281 E.4.3.3 m.H. auf 

BGE 127 V 294 E.5a; vgl. auch BGE 143 V 409 E.4.5.2). Psychosoziale 

Belastungsfaktoren können jedoch mittelbar zur Invalidität beitragen, 

wenn und soweit sie zu einer ausgewiesenen Beeinträchtigung der 

psychischen Integrität als solcher führen, welche ihrerseits eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, wenn sie einen 

- 36 -

verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den 

Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden 

Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 9C_311/2021 vom 23. September 2021 E.4.2, 

9C_10/2021 vom 15. Juni 2021 E.3.3.1 und 8C_559/2019 vom 20. Januar 

2020 E.3.2). Wenn med. pract. L._____ vorliegend in ihrem Gutachten 

vom 16. März 2022 ausführte, es sei anzunehmen, dass die vielen 

psychosozialen Belastungsfaktoren das Störungsbild – d.h. die 

psychischen und psychosomatischen Beschwerden (vgl. Bg-act. 80 S. 47) 

– ausgelöst oder zumindest mitbedingt und auch lange aufrechterhalten 

haben (vgl. Bg-act. 80 S. 43), ist dies angesichts der vorerwähnten 

Rechtsprechung invalidenversicherungsrechtlich beachtlich.

7.11.2. Zum Indikator "Behandlungserfolg oder -resistenz" merkte med. pract. 

L._____ zwar namentlich an, dass die Beschwerdeführerin seit mehreren 

Monaten ambulant psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt werde 

und an zwei Vormittagen pro Woche die psychiatrische Tagesklinik 

besuche, wobei sie eine Vereinfachung der psychopharmakologischen 

Medikation dringend empfahl (vgl. psychiatrisches Gutachten vom 

16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 47]). Die in der Vergangenheit jedoch in 

weniger als zwei Jahren von der Beschwerdeführerin durchgeführten, 

sechs stationären Behandlungen mit Rückfällen trotz der psychiatrischen 

Therapie bleiben dabei jedoch ungewürdigt (vgl. Bericht von Dr. med. 

M._____ vom 18. Oktober 2021 [Bg-act. 54]). Auch mit Blick auf den 

Indikator "Eingliederungserfolg oder -resistenz" lässt sich dem 

psychiatrischen Gutachten vom 16. März 2022 entnehmen, dass die 

Beschwerdeführerin trotz ihrer Beschwerden in der Lage gewesen sei, bei 

einer vorhandenen Arbeitsstelle in einem Vollzeitpensum zu arbeiten (vgl. 

Bg-act. 80 S. 46). Unerwähnt blieb dabei jedoch, dass die 

Beschwerdeführerin in dieser Zeit zahlreiche Ausfälle infolge stationärer 

- 37 -

Klinikaufenthalte zu gewärtigen hatte, während welchen sie jeweils zu 

100 % arbeitsunfähig geschrieben worden war (vgl. Arztbericht vom 26. 

März 2021 [Bg-act. 20 S. 1] sowie Austrittsberichte vom 16. März 2020 

[Bg-act. 21 S. 10], vom 12. August 2020 [Bg-act. 21 S. 13], vom 

2. Dezember 2020 [Bg-act. 21 S. 22], vom 26. Februar 2021 [Bg-act. 56 

S. 10] und vom 8. Dezember 2021 [Bg-act. 79]). Ferner äusserte sich med. 

pract. L._____ in ihrem Gutachten vom 16. März 2022 zum ebenfalls zum 

Komplex "Gesundheitsschädigung" gehörenden Indikator 

"Komorbiditäten" gar nicht, obwohl sie selbst verschiedene (Differenzial-

)Diagnosen stellte und den aktenkundigen bzw. vorbefundlichen 

(psychischen und somatischen) Diagnosen nicht von vornherein jede 

ressourcenhemmende Wirkung abgesprochen werden kann (vgl. BGE 

143 V 418 E.8.1).

7.11.3. Hinsichtlich des Komplexes "Persönlichkeit" kann auf die bereits hiervor 

festgestellte vertiefte Abklärungsbedürftigkeit hingewiesen werden (vgl. 

E.7.8). Mit Blick auf den Komplex "Sozialer Kontext" lässt sich dem 

psychiatrischen Gutachten vom 16. März 2022 entnehmen, dass die 

Beschwerdeführerin leicht eingeschränkte soziale Kompetenzen und 

hierbei vor allem eine eingeschränkte Abgrenzungsfähigkeit aufweise (vgl. 

Bg-act. 80 S. 49). Zudem berichtete die Beschwerdeführerin anlässlich der 

gutachterlichen Exploration von einer Vereinsamung, belastenden 

Gedanken bezüglich der vormaligen Ehe und Traurigkeit (vgl. 

psychiatrisches Gutachten vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 34 und S. 30 

f.]), was hier ebenfalls zu berücksichtigen wäre. Zum Indikator 

"Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen 

vergleichbaren Lebensbereichen" der Kategorie "Konsistenz" merkte med. 

pract. L._____ in ihrer gutachterlichen Beurteilung einzig an, eine solche 

liesse sich nicht sicher eruieren (vgl. Bg-act. 80 S. 48), ohne sich jedoch 

mit den entsprechenden anamnestischen Angaben der 

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Beschwerdeführerin näher auseinanderzusetzen. Ebenso wenig äusserte 

sich med. pract. L._____ zum Indikator "Behandlungs- und 

eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck", obwohl die 

insgesamt sechs aktenkundigen stationären Behandlungen sowie die 

Nachbehandlung in der psychiatrischen Tagesklinik neben der 

ambulanten psychiatrischen Therapie samt psychopharmakologischer 

Behandlung auf einen solchen hindeuten.

7.12. Insgesamt vermag das psychiatrische Gutachten von med. pract. L._____ 

vom 16. März 2022 somit keine beweiswertig genügende, insbesondere 

umfassende und betreffend die medizinischen Zusammenhänge und 

deren funktionelle Auswirkungen nachvollziehbare Expertise zu bilden. Da 

sich das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der 

Beschwerdeführerin mangels genügender Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhalts auch nicht gestützt auf die übrige 

Aktenlage zuverlässig und umfassend einschätzen lässt, erweist sich ein 

reformatorischer Entscheid im Sinne einer Zusprache von Leistungen der 

Invalidenversicherung, insbesondere einer Invalidenrente, wie dies von 

der Beschwerdeführerin im Hauptrechtsbegehren beantragt wird, als 

verfrüht. Erachtet das zuständige Sozialversicherungsgericht eine Sache 

in medizinischer Hinsicht noch nicht hinreichend abgeklärt und somit auch 

die seitens der Verwaltung vorgenommene Beweiswürdigung als 

unvollständig, verbleibt ihm auch nach der neueren bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung die Möglichkeit, die Sache an den zuständigen 

Versicherungsträger zurückzuweisen, anstatt ein gerichtliches Gutachten 

zur Klärung einer offenen Frage in Auftrag zu geben. Eine Rückweisung 

an den Versicherungsträger steht dem Versicherungsgericht 

insbesondere in den Fällen offen, wenn sie in der Erhebung einer bisher 

ungeklärten Frage begründet ist (vgl. BGE 139 V 99 E.1.1 und 137 V 210 

E.4.4.1.4; Urteile des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 

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2020 E.2.1 und 8C_503/2019 vom 19. Dezember 2019 E.2.1). Dieser 

Schluss drängt sich auch aus dem Umstand auf, als dass der behandelnde 

Psychiater Dr. med. M._____ in seinem Bericht vom 26. April 2023 auf 

bedeutende kognitive Einschränkungen bei der Beschwerdeführerin im 

mnestischen Bereich sowie hinsichtlich der Auffassung, der Konzentration 

sowie der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und ihre Zukunft zu 

planen, hinwies. Dazu merkte er an, dass diese Umstände bei der 

Begutachtung sehr wenig berücksichtigt worden seien (vgl. Bf-act. 3 S. 1). 

Dem ist insoweit beizupflichten, als sich auch aus dem psychiatrischen 

Gutachten von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 bei – gemäss 

klinischem Eindruck – intellektuellen Fähigkeiten im unteren Normbereich 

Hinweise auf wesentliche neuropsychologische Defizite ergaben. 

Insbesondere wies med. pract. L._____ in befundlicher Hinsicht darauf 

hin, das Auffallendste bei der Anamneseerhebung sei gewesen, dass die 

Beschwerdeführerin scheinbar nicht in der Lage sei, Fragen zum Zeitraum 

zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2010 zu beantworten, weder 

hinsichtlich der beruflichen noch der privaten Vita (vgl. Bg-act. 80 S. 34). 

Angesichts der unklaren bzw. ungenauen und teilweise inkonsistenten 

Angaben der Beschwerdeführerin – so med. pract. L._____ weiter – habe 

nicht geklärt werden können, ob tatsächlich früher dissoziative Amnesien 

vorgelegen hätten (vgl. Bg-act. 80 S. 36). Insgesamt konstatierte med. 

pract. L._____ aber, dass sich bei der Beschwerdeführerin eine 

Erinnerungslücke für den Zeitraum zwischen den Jahren 2000 bis 2010 

feststellen lasse (vgl. Bg-act. 80 S. 26, S. 34 f., S. 38 f. und S. 44 f.). Ferner 

wies med. pract. L._____ in Übereinstimmung mit Dr. med. M._____ auf 

eine mangelnde Fähigkeit zur Selbststrukturierung hin (vgl. Bg-act. 80 

S. 46 f.); ebenso konnte sie die geltend gemachte Vergesslichkeit 

teilweise verifizieren (vgl. Bg-act. 80 S. 39 f.). Gleichermassen konnten 

auch die stationär behandelnden Ärztinnen und Ärzte deutliche 

Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie eine reduzierte 

- 40 -

Auffassung und Konzentration feststellen (vgl. Bericht der Klinik C._____ 

von Oberärztin N._____ und Assistenzärztin O._____ vom 26. März 2021 

[Bg-act. 20 S. 2] und Bericht von Dr. med. P._____ und Assistenzärztin 

Q._____ vom 17. März 2021 [Bg-act. 25 S. 4]). Angesichts dieser 

beachtlichen kognitiven Defizite wäre eine fachspezifische Begutachtung 

angezeigt gewesen. Eine solche findet sich aber genauso wenig in den 

Akten wie eine entsprechende RAD-Beurteilung. Demnach ist eine 

entsprechende neuropsychologische Abklärung nachzuholen.

7.13. Des Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, ihre körperlichen 

Beschwerden hätten abgeklärt werden sollen. Zwar kann med. pract. 

L._____ diesbezüglich nicht zum Vorwurf gereichen, die somatischen 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin nicht näher exploriert zu haben, 

bestand hierfür – weil für ein psychiatrisches Gutachten fachfremd – denn 

auch keine Notwendigkeit. Allerdings prüfte med. pract. L._____ in ihrer 

Expertise vom 16. März 2022 die Kriterien einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung und verwarf eine solche Diagnose letztlich 

aufgrund der gutachterlichen Untersuchungsergebnisse (vgl. Bg-act. 80 

S. 40 f.). Auffällig ist dabei, dass – wie auch von med. pract. L._____ 

selber festgehalten (vgl. Bg-act. 80 S. 40) – sich Schmerzstörungen und 

vergleichbare Leiden gerade dadurch charakterisieren bzw. deren Wesen 

ist, dass für die geklagten Beschwerden kein ausreichendes organisches 

Korrelat gefunden werden kann (vgl. BGE 139 V 547 E.7.1.3; Urteil des 

Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E.4.2.1; siehe ferner 

DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, a.a.O., S. 224 ff.). Von dieser Ausgangslage 

ging med. pract. L._____ nun kurzerhand aus, ohne sich aber zu 

vergewissern, ob die Schmerzbekundungen der Beschwerdeführerin nicht 

auch einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Schädigung 

zugeschrieben werden könnten. Ebenso wenig wurde dies vom RAD 

fachärztlich beurteilt bzw. eine entsprechende sachverständige Expertise 

- 41 -

veranlasst. Vielmehr liess es RAD-Ärztin Dr. med. K._____ in ihrer 

Abschlussbeurteilung vom 28. Oktober 2022 bei der Würdigung des 

Gutachtens von med. pract. L._____ bewenden, ohne weiteren 

Abklärungsbedarf zu orten (vgl. Bg-act. 110 S. 13 f.). Hierfür ergeben sich 

allerdings konkrete Anhaltspunkte aus den Akten: So stellten bereits die 

Dres. med. T._____ und U._____ zum am 27. Oktober 2020 

durchgeführten MRI der Lendenwirbelsäule und des Beckens bzw. ISG 

eine Bandscheibenprotrusion L5/S1 median bis linksforaminal mit 

Verlagerung der Nervenwurzel S1 rezessal fest (vgl. Bericht vom 

28. Oktober 2020 [Bg-act. 21 S. 18]). Im Austrittsbericht vom 2. Dezember 

2020 zur stationären Behandlung der Beschwerdeführerin vom 

10. September 2020 bis zum 12. Oktober 2020 wurden namentlich 

Rückenschmerzen im Zervikal- und Lumbalbereich, Schmerzen in der 

Beckenregion sowie Schmerzen in den unteren Extremitäten (Ober- und 

Unterschenkel, Knöchel und Fuss) diagnostiziert (vgl. Bg-act. 21 S. 19 ff.). 

Mit Bericht vom 24. März 2021 wies Dr. med. V._____, Facharzt für 

Allgemeine Innere Medizin, neben Schmerzen im ISG links mehr als 

rechts zudem eine Hyp- und Anästhesie über dem Kniebereich sowie eine 

Gefühlsstörung im Hand- und Fussbereich links aus (vgl. Bg-act. 21 S. 2). 

Hausarzt Dr. med. W._____ stellte in seinem Bericht vom 27. Oktober 

2021 namentlich ein LWS-Syndrom und ein Asthma bronchiale fest und 

erachtete die Beschwerdeführerin zusammen mit ihren psychischen 

Leiden zu 100 % arbeitsunfähig, auch für leichte Tätigkeiten (vgl. Bg-act. 

56 S. 3 f.). Am 4. November 2021 erfolgte eine notfallmässige Zuweisung 

mit der Rettung in das Spital infolge Dyspnoe, wobei eine Asthma-

Exazerbation diagnostiziert wurde (vgl. Bg-act. 77). Auch fortan berichtete 

die Beschwerdeführerin insbesondere von chronisch rezidivierenden 

Rückenschmerzen und Asthma bronchiale (vgl. psychiatrisches 

Gutachten von med. pract. L._____ vom 16. März 2022 [Bg-act. 80 S. 18 

ff., S. 31, S. 34 und S. 38], Bericht der Klinik C._____ von Oberärztin 

- 42 -

N._____ und Assistenzärztin O._____ vom 26. März 2021 [Bg-act. 20 S. 2 

f.]). Da diesen Beschwerdebildern entgegen der Auffassung der 

Beschwerdegegnerin mitunter durchaus funktionelle Auswirkungen 

zugeschrieben worden sind (vgl. Bericht von Dr. med. V._____ vom 24. 

März 2021 [Bg-act. 21 S. 3] mit Schmerzen in der Beckenregion als 

Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, Bericht der Klinik 

C._____ von Oberärztin N._____ und Assistenzärztin O._____ vom 

26. März 2021 [Bg-act. 20 S. 3], wonach die Arbeitsfähigkeit gegenwärtig 

vor allem aufgrund der Rückenschmerzen eingeschränkt sei, und Bericht 

von Dr. med. W._____ vom 27. Oktober 2021 [Bg-act. 56 S. 4], wonach 

die Beschwerdeführerin insgesamt zu 100 % arbeitsunfähig sei, auch für 

leichte Tätigkeiten), präsentiert sich der rechtserhebliche Sachverhalt 

auch insoweit als unvollständig abgeklärt.

8. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde im 

Eventualbegehren gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 

9. März 2023 aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen 

im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzender 

sachverständiger bzw. fachärztlicher Abklärung des medizinischen 

Sachverhalts zumindest in psychiatrischer, neuropsychologischer, 

neurologischer, orthopädischer und pneumologischer Hinsicht (und unter 

Gewährung des rechtlichen Gehörs) gestützt auf die dannzumal 

vollständigen medizinischen Unterlagen über den Leistungsanspruch der 

Beschwerdeführerin neu entscheide.

9.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- 

- 43 -

festgelegt. Im konkreten Fall werden die Kosten angesichts der 

Komplexität der Angelegenheit auf CHF 1'000.-- festgelegt. Die 

Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als vollständiges 

Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der Verteilung der 

Gerichtskosten und der Zusprache einer Parteientschädigung (vgl. BGE 

141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1 und 132 V 215 E.6.2). Infolge des 

Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind die Gerichtskosten von 

CHF 1'000.-- demnach der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 

73 Abs. 1 VRG).

9.2.1. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die 

Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig 

von der Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird 

die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG 

nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 [in BGE 144 V 381 nicht 

publizierte] E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und 

9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG 

i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der 

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 

310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts 

festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend 

gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie 

(üblichen) Stundenansatz ausgeht.

9.2.2. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte in seiner Kostennote 

vom 4. September 2023 ein Honorar von total CHF 2'441.75 (10.9 Stunden 

à CHF 200.-- [CHF 2'180.--] zzgl. 4 % Auslagenpauschale [CHF 87.20] 

- 44 -

und 7.7 % MWST [CHF 174.55]) geltend. Dieses ist insoweit zu 

korrigieren, als rechtsprechungsgemäss eine Spesenpauschale von 3 % 

des Honorars anerkannt wird (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des 

Kantons Graubünden S 22 106 vom 1. November 2022 E.4, S 20 52 vom 

24. März 2022 E.11.3, S 21 117 vom 25. Januar 2022 E.9 und S 2020 67 

vom 8. Dezember 2020 E.7). Insgesamt erweist sich somit eine 

Entschädigung von CHF 2'418.30 (10.9 Stunden à CHF 200.-- 

[CHF 2'180.--] zzgl. 3 % Barauslagen [CHF 65.40] und 7.7 % MWST 

[CHF 172.90]) als angemessen. In diesem Umfang hat die 

Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin aussergerichtlich zu 

entschädigen.

9.3. Bei diesem Verfahrensausgang wird das beschwerdeführerische Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung 

gegenstandslos.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung vom 

9. März 2023 aufgehoben und die Angelegenheit im Sinne der 

Erwägungen zu weiteren Abklärungen sowie zu neuem Entscheid an die 

IV-Stelle des Kantons Graubünden zurückgewiesen. 

2. Die Kosten von CHF 1'000.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A._____ aussergerichtlich mit 

insgesamt CHF 2'418.30 (inkl. Spesen und MWST) zu entschädigen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilung]