# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6492d7a7-1b21-554b-9c5d-d91af0796e42
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-20
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 20.12.2018 VG.2018.00088 (VG.2018.735)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2018-00088_2018-12-20.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 20. Dezember 2018

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2018.00088

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______ AG

    	
    Beschwerdeführerin  

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Alters- und Pflegeheime
    Glarus Nord

    	
    Beschwerdegegnerin  

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwältin C.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  und

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    D.______
    AG

    	
    Beigeladene 

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt E.______ 

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Vergabe Lüftungsanlagen Alters- und Pflegeheim Letz

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die Alters- und Pflegeheime Glarus Nord (APGN)
  schrieben im Amtsblatt des Kantons Glarus vom 26. April 2018 und auf der
  Internetplattform simap die Vergabe von Lüftungsanlagen für den Umbau und die
  Erweiterung des Alters- und Pflegeheims "Letz" in Näfels im offenen
  Verfahren aus. 

  
	
   

  
	
  1.2 Mit
  Verfügung vom 11. Juli 2018 schloss die APGN die D.______ AG vom Verfahren
  aus, da diese die Grundvariante nicht offeriert habe. Gleichentags erteilte
  sie den Zuschlag an die A.______ AG. In der Folge wies die D.______ AG die
  APGN am 25. Juli 2018 darauf hin, die Grundvariante offeriert gehabt zu
  haben, weshalb sie um Wiedererwägung der Verfügung betreffend Ausschluss aus
  dem Verfahren ersuchte. Mit Schreiben vom 31. Juli 2018 bestätigte die
  D.______ AG, dass die
  offerierten Preise mit den ausgeschriebenen Leistungen in der Grundvariante
  gültig seien und sie im Rahmen einer Variante teilweise auch andere Geräte
  zum gleichen Preis liefern könne.

  
	
   

  
	
  1.3 Mit
  Verfügung vom 21. August 2018 nahm die APGN die D.______ AG wieder ins
  Verfahren auf und beurteilte alle eingereichten Angebote erneut. Gestützt
  darauf erteilte sie den Zuschlag an die D.______ AG. Den vorgängig verfügten
  Zuschlag an die A.______ AG widerrief die APGN in derselben Verfügung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1
  Dagegen gelangte die A.______ AG mit Beschwerde vom 3. September 2018 ans
  Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 21. August 2018
  und die Vergabe an sie. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu
  erteilen und ihr sei umfassende Akteneinsicht zu gewähren; alles unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der APGN sowie unter dem Vorbehalt
  sämtlicher weiterer Rechte.

  
	
   

  
	
  2.2 Die
  APGN beantragte am 14. September 2018, der Beschwerde sei die aufschiebende
  Wirkung nicht zu gewähren. Weiter machte sie ein Geheimhaltungsinteresse an
  verschiedenen Beilagen geltend; alles unter gesetzlichen Kosten- und
  Entschädigungsfolgen. Die ins Verfahren beigeladene D.______ AG liess sich
  innert Frist nicht vernehmen.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Mit
  Präsidialverfügung vom 19. September 2018 erteilte das Verwaltungsgericht der
  Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Überdies entschied es, der A.______ AG mit Ausnahme der Offertunterlagen der D.______ AG Einsicht in sämtliche Verfahrensakten, teilweise
  geschwärzt, zu gewähren. 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Am 4. Oktober 2018 nahm die APGN
  zur Beschwerde in der Hauptsache Stellung und beantragte deren Abweisung
  sowie die Bestätigung der Zuschlagsverfügung vom 21. August 2018;
  alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der A.______ AG. Die D.______ AG beantragte in ihrer
  Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2018 ebenfalls die Abweisung der
  Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der A.______ AG.

  
	
   

  
	
  4.2 Nach Übermittlung der
  eingegangenen Beschwerdeantworten an die A.______ AG sowie
  nach Gewährung der (eingeschränkten) Akteneinsicht replizierte diese am 25.
  Oktober 2018, wobei sie an ihren in der Beschwerdeschrift gestellten
  Rechtsbegehren festhielt. Die D.______
  AG reichte am 5. November
  2018 eine Duplik ein, während die APGN am 13. November 2018 duplizierte.
  Beide hielten an den in der jeweiligen Beschwerdeantwort gestellten
  Rechtsbegehren fest.

   

  
	
  II.

  1.

  1.1 Das Verwaltungsgericht ist nach
  Art. 35 f. des kantonalen Submissionsgesetzes vom 4. Mai 1997 (SubmG)
  i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
  vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
  Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
  Beschwerde einzutreten.

   

  
	
  1.2 Gemäss Art. 37 Abs. 1 SubmG können
  mit der Beschwerde Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und
  Missbrauch des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige
  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Dem
  Verwaltungsgericht bleibt hingegen eine Angemessenheitskontrolle verwehrt
  (Art. 37 Abs. 2 SubmG).

   

  
	
  2.

  2.1 Die Beschwerdeführerin macht im
  Wesentlichen geltend, es sei nicht nachvollziehbar, wie ein
  instruktionsgemässes Ausfüllen des Angebotsformulars missverstanden werden
  könne. Denn werde das Angebotsformular, wie in Ziff. 19.3 der
  Ausschreibungsunterlagen vorgeschrieben, ohne Änderungen und Streichungen
  ausgefüllt, werde eine Grundvariante offeriert, womit ein Irrtum
  ausgeschlossen sei. Werde das Formular hingegen nicht vorschriftsgemäss
  ausgefüllt, habe dies gemäss Ziff. 19.3 der Ausschreibungsunterlagen den
  Ausschluss aus dem Verfahren zur Folge. Weiter werde das Prinzip der
  Formstrenge verletzt, wenn einzig die Beigeladene als Offerstellerin
  ermächtigt sei, nachträgliche Erläuterungen im Rahmen von Bestätigungen
  betreffend die Frage der Offerierung der Grundvariante einzureichen. Alle
  Anbieter hätten ein Angebot für die ausgeschriebenen Leistungen einreichen
  müssen. Wenn die Beigeladene stattdessen einzig ein Alternativmodell
  einreiche und damit berücksichtigt werde, werde der Grundsatz der
  Gleichbehandlung verletzt. Das Vorgehen der Beigeladenen, mittels
  handschriftlicher Ergänzung zwei Apparateanbieter zu offerieren, ohne beim
  Alternativprodukt Preise anzugeben, könne einzig als Versuch, das Angebot bei
  einem Zuschlag unzulässigerweise zu ihren Gunsten abzuändern, verstanden
  werden. Daher stelle dies mitnichten einen kleinen Formfehler dar.
  Stattdessen stehe die handschriftliche Ergänzung klar im Widerspruch zu den
  Angebotsunterlagen, weshalb der ursprüngliche Ausschluss der Beigeladenen aus
  dem Verfahren zu Recht erfolgt sei. Überdies ergebe sich aus den edierten
  Akten, dass die Beigeladene bereits im Juni 2018 und damit nach Fristablauf
  aufgefordert worden sei, ihre Offerte zu vervollständigen, da weitere Angaben
  in der Offerte nicht enthalten gewesen seien. Dadurch erfahre die Beigeladene
  abermals eine ungerechtfertigte, erhebliche Besserstellung, obwohl die
  Ausschreibungsunterlagen ein solches Vorgehen ausdrücklich verbieten und
  stattdessen den Ausschluss aus dem Verfahren vorsehen würden.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin hält fest,
  die Beigeladene zwar auf fehlende Unterlagen hingewiesen zu haben, in diesem
  Zeitpunkt aber keine inhaltliche Prüfung vorgenommen gehabt zu haben. Weiter
  sei aufgrund des handschriftlichen Zusatzes eines anderen Fabrikats auf den
  Angebotsunterlagen fälschlicherweise der Eindruck entstanden, die Beigeladene
  habe die Grundvariante nicht offeriert. Dies sei dadurch verstärkt worden,
  dass die Beigeladene keine Mehr- und Minderpreise des Alternativangebots auf
  dem entsprechenden Formular angegeben habe, da Varianten in der Regel einen
  preislichen Vorteil gegenüber der Grundvariante aufwiesen. Daher sei die
  Beigeladene ursprünglich irrtümlicherweise aus dem Verfahren ausgeschlossen
  worden. Nach der Zuschlagserteilung habe die Beigeladene gestützt auf die
  einschlägigen Rechtsgrundlagen unter dem Hinweis darauf, dass die
  Grundvariante offeriert worden sei, um eine Wiedererwägung ersucht, welche
  gutgeheissen worden sei. Die Beigeladene habe die Ausschreibungsunterlagen
  nicht abgeändert, sondern lediglich ergänzt, womit ihr Vorgehen unter dem
  Gesichtspunkt der Formstrenge und der Gleichbehandlung der Anbieter nicht zu
  beanstanden sei. Denn anders zu entscheiden hiesse, das Verbot des
  überspitzten Formalismus sowie das Verhältnismässigkeitsprinzip zu
  missachten. Weiter sei der Irrtum beim Angebot der Beigeladenen zwar spät
  entdeckt worden, am Ergebnis hätte dies aber nichts geändert, da der
  Auftraggeber nach Art. 29 SubmG bei Unklarheiten in den Offerten
  Erläuterungen verlangen könne. Wäre der Irrtum anlässlich der Offertprüfung
  bemerkt worden, hätten Erläuterungen verlangt werden können, gestützt worauf
  der Zuschlag von Beginn weg der Beigeladenen erteilt worden wäre, da deren
  Offerte den gestellten Anforderungen am besten entsprochen habe. Schliesslich
  stehe dem Auftraggeber bei der Zuschlagserteilung nach Art. 37 SubmG ein
  gewisses Ermessen zu, welches vorliegend nicht überschritten worden sei.

   

  
	
  2.3 Die Beigeladene führt im
  Wesentlichen aus, die handschriftlich vorgenommenen Anmerkungen sollten
  lediglich dem Leser als Hinweis für die im Kapitel 10 der
  Ausschreibungsunterlagen offerierten Alternativvarianten dienen. Sie seien
  als Verweise und nicht als Änderungen der Grundvariante zu verstehen, was
  durch den handschriftlich vorgenommenen Schrägstrich offensichtlich sei. Der
  angebotene Preis habe sich jederzeit immer auch auf die Grundvariante
  bezogen, womit die Vergleichbarkeit der Offertunterlagen nicht beeinträchtigt
  gewesen sei. Sie sei zu Unrecht aus dem Verfahren ausgeschlossen worden, da
  keine wesentliche Änderung der Offertunterlagen vorgelegen habe und
  insbesondere die Grundvariante angeboten worden sei. Gestützt auf Art. 17
  Abs. 2 der
  Submissionsverordnung vom 17. Dezember 1997 (SubmV) seien Erläuterungen bei
  unklaren Angaben in den Offertunterlagen zulässig, womit sie in berechtigter
  Weise klar gestellt habe, dass sie die Grundvariante eingegeben habe. Denn
  mit ihrem Erläuterungsschreiben würde keine wesentliche Änderung des
  Angebotes vorgenommen, da aus den Offertunterlagen klar ersichtlich sei, dass
  der angegebene Preis für das Grundfabrikat gelte. Zusammen mit dem Abschnitt
  10 werde ausserdem klar, dass derselbe Preis auch für die angegebenen
  Varianten gelte. Ebenso habe sie in berechtigter Weise die in der Beilage 04
  fehlenden Angaben vervollständigen dürfen, da diese nicht als für das Angebot
  wesentliche Punkte zu qualifizieren seien. Ein darauf gestützt vorgenommener
  Ausschluss aus dem Verfahren hätte das Verhältnismässigkeitsprinzip wie auch
  das Verbot des überspitzten Formalismus verletzt. Daher sei ihre
  Wiederaufnahme ins Verfahren nicht willkürlich erfolgt. Schliesslich habe sie
  mit ihrem Erläuterungsschreiben ihre aufgrund des ungerechtfertigten
  Verfahrensausschlusses verletzten Rechte gewahrt, womit das Gebot der
  Gleichbehandlung der Submittenten nicht verletzt worden sei.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 SubmG reicht
  der Anbieter den Antrag auf Teilnahme und das Angebot schriftlich,
  vollständig und fristgerecht ein. Diesen Anforderungen nicht entsprechende
  Angebote sind zwingend von der weiteren Vergabe auszuschliessen; dies gilt
  nicht nur für verspätete, sondern auch für unvollständige Angebote. Diese
  können nicht im Rahmen der Offertbereinigung nachträglich vervollständigt
  werden. Einzig offensichtliche Versehen dürfen nach Ablauf der Eingabefrist
  noch behoben werden (Peter Galli et
  al., Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2013,
  Rz. 465).

  
	
   

  
	
  3.2 Vorliegend endete die Frist zur Offerteingabe am 5.
  Juni 2018, die Offertöffnung fand in der Folge am 11. Juni 2018 statt. Mit
  E-Mail vom 14. Juni 2018 forderte die Beschwerdegegnerin bzw. deren
  Beauftragte die Beigeladene auf, zum einen die im Angebot fehlenden Angaben
  betreffend Personenbestand auf der Baustelle und zum anderen den fehlenden
  Nachweis 11 nachzureichen. Folglich ist festzuhalten, dass die Beigeladene
  entgegen der Vorgabe von Art. 26 Abs. 1 SubmG innert der Eingabefrist kein
  vollständiges Angebot eingab. Stattdessen hat die Beigeladene auf
  Aufforderung der Beschwerdegegnerin hin ihr Angebot nach Ablauf der
  Eingabefrist vervollständigt. Da eine Vervollständigung des Angebots im
  Rahmen der Offertbereinigung ausgeschlossen ist, hat aufgrund des Eingebens
  eines unvollständigen Angebots grundsätzlich der Ausschluss der Beigeladenen
  aus dem Verfahren zu erfolgen. Von einem Ausschluss könnte einzig abgesehen
  werden, wenn die fehlenden Angaben der Beigeladenen in ihrem Angebot ein
  offensichtliches Versehen darstellen würden. Dies kann vorliegend jedoch
  offen gelassen werden, da der ursprünglich vorgenommene Ausschluss der
  Beigeladenen aufgrund der Frage der vorhandenen Grundvariante bzw.
  Alternativvariante rechtmässig erfolgte, was sich aus den nachfolgenden
  Ausführungen ergibt.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Nach Art. 12 Abs. 1 lit. g SubmG
  kann der Auftraggeber Anbieter vom Verfahren ausschliessen, aus dem
  Verzeichnis für geeignete Anbieter streichen oder den Zuschlag widerrufen,
  wenn der Anbieter wesentliche Formvorschriften verletzt.

  
	
   

  
	
  4.1.1 Den Formvorschriften im
  Submissionsrecht kommt – jedenfalls insofern, als sie im Dienste der
  Gewährleistung wichtiger Vergabeprinzipien (wie des Prinzips der
  Gleichbehandlung der Submittenten und ihrer Angebote) stehen – ein hoher
  Stellenwert zu. Die Entgegennahme eines Angebots, das den Vorschriften der
  Ausschreibung und der betreffenden Vergabeunterlagen nicht entspricht, würde
  das Gebot der Gleichbehandlung der Anbietenden verletzen. Ein solches Angebot
  ist daher grundsätzlich auszuschliessen. Vorbehalten bleibt das Verbot des
  überspitzten Formalismus (Galli, Rz. 456 f.). Wegen unbedeutender
  Mängel der Offerte darf ein Anbieter daher nicht vom Verfahren ausgeschlossen
  werden. Ein Ausschlussgrund muss eine gewisse Schwere aufweisen. Offerten,
  deren fehlende Angaben sich auf das Preis-/Leistungsverhältnis auswirken
  können, sind zwingend auszuschliessen (Galli, Rz. 444 ff.). Von
  Vornherein nicht zu akzeptieren sind Mängel im Angebot, die eine seriöse sachliche
  Beurteilung desselben ausschliessen (Galli, Rz. 482).

  
	
   

  
	
  4.1.2 Dem Anbietenden, der eine Variante
  einreicht, obliegt eine besondere Mitwirkungspflicht, indem er zusammen mit
  seiner Variante diejenigen zumutbaren Unterlagen einzureichen hat, welche die
  Gleichwertigkeit derselben mit den Anforderungen der Amtsvariante möglichst
  gut dokumentieren. Das Zürcher und das Aargauer Verwaltungsgericht verlangen
  vom Anbieter einer Variante, dass dieser in seinem Angebot die Vorzüge
  derselben deutlich darstellt; Kostenvorteile bzw. entstehende Mehrkosten
  müssen aus den Unterlagen des Variantenanbieters deutlich sichtbar sein. Es
  kann nicht Aufgabe der Vergabestelle sein, unvollständige Varianten selbst so
  weit entwickeln zu müssen, bis die Kostenvorteile bzw. -nachteile in
  Zahlenform zum Ausdruck kommen würden (Galli, Rz. 760, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Dass das von der Beigeladenen eingegebene
  Angebot unklar und damit mangelhaft war, ergibt sich bereits aus der
  unbestrittenen Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin als Vergabestelle im
  Rahmen der Offertprüfung davon ausging, dass die Beigeladene die
  Grundvariante nicht offeriert habe. Dies gründete offensichtlich darin, dass
  die Beigeladene das den Offertstellern überlassene Angebotsformular
  handschriftlich ergänzte, obwohl in den Ausschreibungsunterlagen festgehalten
  war, dass Veränderungen von Text und Ausmass nicht gestattet seien und das
  Formular vollständig auszufüllen sei (Ziff. 19.3 der Ausschreibungs-unterlagen). Ebenso wurde
  ausdrücklich und verständlich geregelt, dass allfällige Varianten als
  besondere Beilage einzureichen und klar zu umschreiben seien (Ziff. 19.4
  der Ausschreibungsunterlagen). Obwohl angeordnet worden war, dass Änderungen
  und/oder Streichungen nicht gestattet seien und den Ausschluss vom Verfahren
  zur Folge hätten, hatte sich die Beigeladene entschieden, das
  Angebotsformular handschriftlich zu ergänzen. Dabei ist die
  Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass auch handschriftliche Ergänzungen
  Veränderungen des Textes darstellen, da dadurch der Inhalt des
  Angebotsformulars verändert wird. Dass die Beschwerdegegnerin anlässlich der
  Offertprüfung ebenfalls dieser Meinung war, belegt der ursprünglich von der
  Beschwerdegegnerin vorgenommene Verfahrensausschluss der Beigeladenen. Denn
  dieser beruhte auf dem durch die handschriftlichen Ergänzungen entstandenen
  Verständnis, dass das Angebot verändert worden sei. Die Beschwerdegegnerin
  ging dabei davon aus, die Beigeladene habe nur eine Alternativvariante und
  eben keine Grundvariante offeriert gehabt. Dieses Verständnis des Angebots
  der Beigeladenen durch die Beschwerdegegnerin ist nachvollziehbar. Denn um
  entsprechende Missverständnisse zu verhindern, war den
  Ausschreibungsunterlagen ein separates Formular beigelegt mit dem Zweck,
  allfällige Alternativen darin aufzunehmen. Auch dieses Formular musste,
  entsprechend Ziff. 19.3 und 19.4 der Ausschreibungsunterlagen, vollständig
  ausgefüllt werden und Alternativen sollten klar umschrieben werden. Die
  Beigeladene ist dieser Anweisung ebenfalls nicht gefolgt, indem sie keine
  Preisangaben betreffend die Alternativvarianten machte. Aus den fehlenden
  Preisangaben kann, entgegen der Ansicht der Beigeladenen, nicht geschlossen
  werden, aus den Alternativvarianten würden keine Mehr- oder Minderpreise
  resultieren, denn dafür hätte der entsprechende Mehr- oder Minderpreis im
  Formular mit Fr. 0.- angegeben werden müssen. Nur bei einem solchen Vorgehen
  wäre das Formular mit den Alternativvarianten vollständig und klar ausgefüllt
  gewesen. Dies ist umso gewichtiger, als dass es der Beigeladenen obliegt,
  Alternativvarianten verständlich und für die Vergabestelle nachvollziehbar zu
  offerieren (vgl. E. II/4.1.2 vorne). Dazu gehört es, zum einen die
  Alternativvarianten klar von der Grundvariante getrennt zu offerieren und
  deren Vorteile und allenfalls auch Nachteile offenzulegen. Ebenso gehört
  dazu, die Kosten der Alternativvarianten zu beziffern, da der offerierte
  Preis ein wesentliches Zuschlagskriterium darstellt. Dass das Angebot der
  Beigeladenen diesen Anforderungen nicht genügte, zeigt der vorinstanzliche
  Verfahrensverlauf exemplarisch auf.

  
	
   

  
	
  4.2.2 Grundsätzlich richtig ist der Hinweis der
  Beschwerdegegnerin und der Beigeladenen darauf, dass Erläuterungen eines
  Anbieters zulässig sind, wenn die Angaben eines Angebots unklar sind (vgl.
  Art. 29 Abs. 2 SubmG; Art. 17 Abs. 2 SubmV; § 29 Abs. 1 der
  Vergaberichtlinien zur interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche
  Beschaffungswesen vom 25. November 1994 bzw. vom 15. März 2001 [VRöB]).
  Diesbezüglich ist jedoch zu entgegnen, dass sich aus dem Verhandlungsverbot
  das Prinzip der Unveränderlichbarkeit der Angebote nach deren Einreichung bei
  der Vergabebehörde ergibt. Daraus folgt, dass die Anbieter ihre Angebote auch
  gestützt auf ein Erläuterungsbegehren nicht abändern dürfen, sondern nur
  Klarstellungen und Präzisierungen von vorhandenen Offertinhalten im Hinblick
  auf die Offertbereinigung liefern dürfen (Galli, Rz. 684, 710 ff.).
  Denn Unklarheiten in der Offertstellung könnten sonst dazu missbraucht
  werden, bestimmte Leistungsinhalte absichtlich offen zu lassen, um das
  Angebot nachträglich, in Kenntnis der Konkurrenzofferten, zu verändern. Daher
  kommt eine nachträgliche Präzisierung eines Angebots nur in Frage, wenn es
  sich um untergeordnete Nebenpunkte handelt oder ein Missbrauch aufgrund der
  Umstände nicht denkbar ist (Galli, Rz. 714). Werden durch die Offenlassung
  von bestimmten Fragen in einem Angebot Ausschreibungsvorgaben missachtet, so
  darf dies nicht auf dem Wege der Präzisierung nachgebessert werden, vielmehr
  muss das diesfalls als unvollständig und ausschreibungswidrig zu betrachtende
  Angebot ausgeschlossen werden (Martin Beyeler, Der Geltungsanspruch des
  Vergaberechts, Zürich/Basel/Genf 2012, Rz. 2141).

  
	
   

  
	
  Die Beigeladene
  hat im Rahmen ihrer Offerstellung die Ausschreibungsunterlagen
  handschriftlich ergänzt und es dabei unterlassen, zu bezeichnen, auf welche
  Produkte (Grund- oder Alternativvariante) sich die offerierten Preise
  beziehen würden. Weiter hat sie die Preise der Alternativvarianten bzw. die
  durch die Alternativvarianten entstehenden Mehr- oder Minderkosten im dafür
  eigens vorgesehenen Formular nicht beziffert. Erst nach Vornahme der
  Offertöffnung und damit nach Ablauf der Offerteingabefrist hat sie
  ausgeführt, dass sich der offerierte Preis auf die Grundvariante wie auch auf
  die Alternativvarianten beziehe und entsprechend bei den Alternativvariante
  keine Mehr- oder Minderkosten entstünden. Folglich erfolgte die definitive
  und für die Vergabestelle klare Preisbestimmung der Grundvariante wie auch
  der Alternativangebote nach Beendigung der Eingabefrist. Damit offerierte die
  Beigeladene erstmals nach Ablauf der Offerteingabefrist in verständlicher und
  für die Beschwerdegegnerin als Vergabebehörde klarer Weise eine Grundvariante
  wie auch eine Alternativvariante mit den jeweiligen Preisangaben. Entgegen
  den Vorbringen der Beigeladenen und der Beschwerdegegnerin stellt die
  nachträgliche Preisbestimmung keine Erläuterung bzw. Präzisierung von
  unklaren Nebenpunkten dar, sondern eine nachträgliche Abänderung der
  ursprünglich eingereichten Offerte. Dies darum, weil eine klare
  Preisbestimmung der Grund- wie auch der Alternativvarianten in ursprünglichen
  Offerte nicht enthalten war. Ein solches Vorgehen widerspricht dem
  Verhandlungsverbot (Art. 15 Abs. 3 SubmV) und ist deshalb auch mit dem
  Grundsatz der Gleichbehandlung der Anbieter nicht vereinbar. Folglich ist das
  unvollständige und damit ausschreibungswidrige Angebot der Beigeladenen aus
  dem Vergabeverfahren nach Art. 12 Abs. 1 lit. g SubmG auszuschliessen.
  Dabei greift das Verwaltungsgericht nicht unzulässigerweise in das Ermessen
  der Beschwerdegegnerin ein, sondern korrigiert einen Rechtsfehler, wozu es
  berechtigt ist (vgl. Art. 37 Abs. 1
  SubmG).

   

  
	
  Folglich hat der
  Ausschluss der Beigeladenen aus dem Verfahren zwingend zu erfolgen. Die
  Beschwerdegegnerin hat entsprechend die Wiederaufnahme der Beigeladenen ins
  Submissionsverfahren und die Zuschlagserteilung an diese zu Unrecht
  vorgenommen, weshalb die beschwerdegegnerische Verfügung vom 21. August
  2018 vollumfänglich aufzuheben ist.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Zusammenfassend
  hat die Beschwerdegegnerin die Beigeladene ursprünglich zu Recht von der
  Teilnahme am Vergabeverfahren ausgeschlossen. Die wiedererwägungsweise
  Aufhebung des Verfahrensausschlusses und die nachträgliche Erteilung des
  Zuschlages an die Beigeladene unter Widerruf des Zuschlags an die
  Beschwerdeführerin widersprechen dem Verhandlungsverbot und dem
  Gleichbehandlungsgebot im Submissionsverfahren, weshalb die Verfügung der
  Beschwerdegegnerin vom 21. August 2018 vollumfänglich aufzuheben ist.
  Damit sind die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 11. Juli 2018 in Sachen
  Verfahrensausschluss der Beigeladenen sowie Zuschlagserteilung an die
  Beschwerdeführerin zu bestätigen.

  
	
   

  
	
  Dies
  führt zur Gutheissung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art.
  134 Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren
  unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin
  hat den bereits an die Beschwerdeführerin erteilten Zuschlag nachträglich in
  unzulässiger und ihren eigenen Ausschreibungsunterlagen widersprechenden
  Weise widerrufen, wobei es sich um eine offensichtliche Rechtsverletzung
  handelt. Ihr ist daher ein Teil der Gerichtskosten aufzuerlegen (Art. 135
  Abs. 3 VRG). Die Beigeladene hat sich am vorliegenden Verfahren beteiligt,
  weshalb auch sie einen Teil der Kostenfolgen zu tragen hat (Art. 16
  Abs. 3 VRG). Sind mehrere Parteien am Verfahren beteiligt, werden die
  Kosten in der Regel unter denjenigen angemessen aufgeteilt, die ganz oder
  teilweise unterliegen, unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Interessen am
  Verfahren und dem Entscheid über ihre Vorbringen (Art. 137 Abs. 1 VRG). Vorliegend erscheint es daher angemessen, die
  Gerichtskosten auf pauschal Fr. 6'000.- anzusetzen und diese je zur
  Hälfte der Beschwerdegegnerin und der Beigeladenen aufzuerlegen. Der
  geleistete Kostenvorschuss von Fr. 6'000.- ist der Beschwerdeführerin
  zurückzuerstatten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die
  Parteien erhalten nach Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG zu Lasten der
  Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung, wenn sie im
  Verwaltungsgerichts-beschwerdeverfahren obsiegen. Soweit an einem solchen
  Verfahren Parteien mit gegensätzlichen Interessen beteiligt sind, kann der
  obsiegenden Partei zu Lasten jener, die unterliegt, eine angemessene
  Parteientschädigung zugesprochen werden. Die Aufteilung unter mehreren
  entschädigungspflichtigen Parteien geschieht entsprechend Art. 137 VRG
  (Art. 138 Abs. 2 VRG; vgl. auch Art. 16 Abs. 3 VRG). Die
  Beschwerdegegnerin und die Beigeladene sind daher zu verpflichten, der
  Beschwerdeführerin innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine
  Parteientschädigung in der Höhe von je Fr. 2’000.- (inkl.
  Mehrwertsteuer), d.h. insgesamt Fr. 4'000.-, zu bezahlen.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Da das vorliegende Bauvorhaben den Schwellenwert
  gemäss Art. 1 lit. c der Verordnung des Departements Wirtschaft, Bildung und
  Forschung über die Anpassung der Schwellenwerte im öffentlichen
  Beschaffungswesen für die Jahre 2018 und 2019 vom 22. November 2017 nicht
  erreicht, steht gegen den vorliegenden Entscheid einzig die subsidiäre
  Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht
  vom 17. Juni 2005 [BGG]) ans Bundesgericht offen (Art. 83 lit. f BGG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird gutgeheissen.
    Die Verfügung vom 21. August 2018 wird aufgehoben und die Verfügungen vom
    11. Juli 2018 werden bestätigt, womit der Zuschlag für das Bauvorhaben an
    die Beschwerdeführerin erteilt wird. 

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten in der Höhe
    von Fr. 6'000.- werden je zur Hälfte der Beschwerdegegnerin und der
    Beigeladenen auferlegt. Der bereits geleistete Kostenvorschuss in der Höhe
    von Fr. 6'000.- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Beschwerdegegnerin und die
    Beigeladene werden verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert 30 Tagen
    nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung in der Höhe von
    je Fr. 2’000.- (inkl. Mehrwertsteuer), insgesamt
    Fr. 4'000.-, zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Eröffnung und
    Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]