# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c4bca71-3286-5443-a0b4-08877599db20
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2018 F-3344/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3344-2018_2018-06-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3344/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Martin Kayser (Vorsitz), 

mit Zustimmung der Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiber Jonas Weinhold. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren (…) 1992, 

2. B._______, geboren (…) 2015, 

3. C._______, geboren (…) 2018, 

Eritrea,  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren);  

Verfügung des SEM vom 24. Mai 2018 / N (…). 

 

F-3344/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Gemäss eigenen Angaben reiste die Beschwerdeführerin 1 am 6. März 

2018 zusammen mit ihrer Tochter (der Beschwerdeführerin 2) in die 

Schweiz ein. In der Folge ersuchte sie um Asyl (Akten der Vorinstanz [SEM 

act.] A8/12). 

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank („Eurodac“) 

ergab, dass die Beschwerdeführerin 1 zuvor illegal nach Italien eingereist 

war und dort einen Asylantrag gestellt hatte (SEM act. A6/1). 

C.  

Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 14. März 2018 gab die 

Beschwerdeführerin 1 unter anderem an, im achten Monat schwanger zu 

sein, wobei sie den Kindsvater im Sudan kennengelernt habe. Nach zwi-

schenzeitlicher Trennung sei sie mit diesem von Libyen nach Italien wei-

tergereist, bis dieser an der italienisch-schweizerischen Grenze zurück-

geschickt worden sei (vgl. SEM act. A8/12).  

D.  

Hierauf ersuchte das SEM die italienischen Behörden am 21. März 2018 

um Rückübernahme der Beschwerdeführerinnen 1 und 2 gemäss Art. 18 

Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neu-

fassung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-VO). Zu-

gleich wurden die italienischen Behörden über die Schwangerschaft der 

Beschwerdeführerin 1 sowie die Identität des Vaters des ungeborenen 

Kinds in Kenntnis gesetzt (vgl. SEM act. A12/5). 

E.  

Die italienischen Behörden nahmen innerhalb der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-

III-VO vorgesehenen Frist keine Stellung (SEM act. A23/1). 

F.  

Am 13. März 2018 brachte die Beschwerdeführerin 1 in der Schweiz ihre 

zweite Tochter (die Beschwerdeführerin 3) zur Welt (SEM act. 21/3). 

  

F-3344/2018 

Seite 3 

G.  

Die italienischen Behörden stimmten der Rückübernahme der Beschwer-

deführerinnen am 24. Mai 2018 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-

VO zu, unter der Zusicherung, die Familie gemäss ihrem Kreisschreiben 

vom 8. Juni 2015 unterzubringen (SEM act. A20/1). 

H.  

Mit Verfügung vom 24. Mai 2018 (eröffnet am 5. Juni 2018) trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes (AsylG, 

SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen 1 und 2 nicht 

ein und verfügte deren Überstellung nach Italien, das gemäss Dublin-III-

VO für die Behandlung ihres Asylgesuche zuständig sei. Gleichzeitig ver-

fügte es den Vollzug der Wegweisung nach Italien und stellte fest, dass 

einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende 

Wirkung zukomme (SEM act. A25/9). 

I.  

Mit Beschwerde vom 7. Juni 2018 beantragen die Beschwerdeführerinnen 

beim Bundesverwaltungsgericht, die Verfügung vom 24. Mai 2018 aufzu-

heben und auf ihre Asylgesuche einzutreten. In prozessualer Hinsicht 

beantragen sie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie der un-

entgeltlichen Prozessführung. 

Zur Begründung bringen die Beschwerdeführerinnen im Wesentlichen vor, 

die Beschwerdeführerin 3 habe gemäss Kinderrechtskonvention und Art. 8 

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 

und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) einen Anspruch auf eine Bezie-

hung zu ihrem Vater, wobei sich dieser an einem unbekannten Ort in der 

Schweiz aufhalte. Den italienischen Behörden könne ausserdem die 

Existenz der erst am 13. Mai 2018 geborenen Beschwerdeführerin 3 nicht 

bekannt sein. Angesichts dessen sei nicht sichergestellt, dass die gesamte 

Familie bzw. alle Beschwerdeführerinnen in Italien in einem speziellen 

SPRAR-Zentrum für Familien untergebracht würden. Eine Rückschaffung 

der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 sei daher nicht zumutbar (Akten des 

Bundesverwaltungsgericht [BVGer act.] 1). 

J.  

Mit Telefax vom 8. Juni 2018 ordnete der Instruktionsrichter einen super-

provisorischen Vollzugsstopp an (BVGer act. 2). 

F-3344/2018 

Seite 4 

K.  

Die vorinstanzlichen Akten trafen am 12. Juni 2018 beim Bundesver-

waltungsgericht ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet 

sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts 

anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerdeführerinnen sind zur Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG; vgl. auch hinten E. 4.2). Auf die frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 108 Abs. 2 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.3 Bei offensichtlich unbegründeten Beschwerden ist die Zuständigkeit 

des Einzelrichters mit Zustimmung einer Zweitrichterin gegeben (Art. 111 

Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich hier um 

eine solch offensichtlich unbegründete Beschwerde, weshalb zudem auf 

einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeentscheid nur 

summarisch zu begründen und ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

2.  

2.1. Mit Beschwerde am Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er-

messens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

F-3344/2018 

Seite 5 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist und die Wegweisung in 

einen Drittstaat angeordnet hat (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, 

je m.w.H.). 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl-

suchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich 

zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss 

Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mit-

gliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, 

nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküber-

stellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 

VI/5 E. 6.2). 

3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-

genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel 

III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).  

3.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem 

anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheits-

gebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach 

Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 

Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO). Der zuständige Mitgliedstaat ist auch zur 

Wiederaufnahme eines Drittstaatsangehörigen verpflichtet, wenn er 

dessen Antrag (mittlerweile) abgelehnt hat (vgl. Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dub-

lin-III-VO). 

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Seite 6 

4.  

4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin 1 mit der 

"Eurodac"-Datenbank ergab, dass diese am 1. Februar 2018 in Italien ein 

Asylgesuch eingereicht hat (SEM act. A6/1). Das SEM ersuchte deshalb 

die italienischen Behörden am 21. März 2018 um Wiederaufnahme der 

Beschwerdeführerinnen 1 und 2 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-

III-VO (SEM act. A12/5). Die Zuständigkeit für die Übernahme der Be-

schwerdeführerin 2 ergab sich dabei aus Art. 20 Abs. 3 Dublin-III-VO, 

wonach Minderjährige in das Asylgesuch antragsstellender Familienange-

höriger eigebunden sind. 

4.2. Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen innert 

der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, 

womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-

VO). Für die am 13. Mai 2018 geborene Beschwerdeführerin 3 ist die 

Zuständigkeit Italiens ebenfalls gegeben, da für nach Ankunft des Antrags-

stellers im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten geborene Kinder kein neues 

Zuständigkeitsverfahren eingeleitet werden muss (vgl. Art. 20 Abs. 3 Dub-

lin-III-VO). 

Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben.  

 

5.  

Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwach-

stellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdi-

genden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit 

sich bringen würden. 

5.1. Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder 

erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat an-

erkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den 

Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

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Seite 7 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

5.2. Hinsichtlich der Überstellung von Familien nach Italien bedarf es einer 

Garantieerklärung. Diese Zustimmungserklärung ist im Zusammenhang 

mit vom italienischen Staat abgegebenen allgemeinen Garantien und 

diversen Rundschreiben (z.B. Rundschreiben vom 8. Juni 2015) zu sehen. 

Darin haben die italienischen Behörden die Rückübernahme unter expli-

ziter Namensnennung und Altersangaben als Familiengemeinschaft zu 

garantieren. Mit Blick auf die Rechtsprechung des EGMR weist Italien 

ausserdem bezüglich der Lebensbedingungen von asylsuchenden Perso-

nen keine systematischen Mängel auf. Mithin stellen die Struktur und der 

allgemeine Zustand der Aufnahmebedingungen kein grundsätzliches 

Hindernis für Asylsuchende dar (vgl. BVGE 2016/2 E. 5.2 ff. m.H.; Urteil 

des BVGer F-831/2018 vom 29. März 2018 E. 4.3 f. m.H.). 

5.3. Die Garantieerklärung der italienischen Behörden vom 24. Mai 2018 

genügt den genannten Voraussetzungen (vgl. SEM act. A20/1). Mit Blick 

auf die gemäss vorinstanzlicher Verfügung zuletzt erhaltene aktualisierte 

Liste der SPRAR-Unterkünfte vom 24. Juli 2017 ist auch das Aktualitäts-

erfordernis erfüllt (vgl. Urteil des BVGer F-831/2018 vom 29. März 2018 

E. 4.5 m.H.). Die diesbezüglich in der Beschwerdeschrift vorgebrachten 

Rügen sind daher unbehelflich. 

5.4. Die Beschwerdeführerinnen haben im Weiteren kein konkretes und 

ernsthaftes Risiko dargetan, die italienischen Behörden würden sich wei-

gern, sie wieder aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz 

unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten 

sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde 

in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur 

Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 

aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 

Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu 

werden. Ausserdem haben die Beschwerdeführerinnen nicht dargetan, die 

sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart 

schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-

rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (vgl. BzP vom 

14. März 2018 Rz. 8 [SEM act. A8/12]).  

5.5. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt.  

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Seite 8 

6.  

6.1. Die Beschwerdeführerinnen fordern mit ihrem Vorbringen implizit die 

Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, 

respektive der das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden 

Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 

1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss welcher das SEM das Asylgesuch 

"aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. 

6.2. Bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

verfügt das SEM gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.; Urteil des BVGer 

F-831/2018 vom 29. März 2018 E. 5.2).  

6.3. Die Rügen betreffend Verletzung der Kinderrechtskonvention bzw. des 

konventionsrechtlich geschützten Familienlebens im Sinne von Art. 8 

EMRK vermögen nicht zu überzeugen. So setzt die Inanspruchnahme der 

Garantie von Art. 8 EMRK unter anderem das Bestehen einer familiären 

Beziehung voraus, wobei primär an ein tatsächlich gelebtes Familienleben 

angeknüpft wird (ausführlicher zum konventionsrechtlich geschützten 

Familienleben Urteil des BVGer F-3088/2018 vom 5. Juni 2018 S. 6 f. 

m.H.). Mutter und Töchter würden gemeinsam überstellt. Sodann machen 

weder die Beschwerdeführerinnen eine tatsächlich gelebte Beziehung zu 

einer in der Schweiz lebenden Person geltend, noch ergibt sich eine solche 

aus den Akten. Der Schutzbereich von Art. 8 EMRK ist somit nicht tangiert. 

Inwiefern unter diesen Umständen die Kinderrechtskonvention verletzt ist, 

ist sodann nicht ersichtlich, zumal die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 we-

gen ihres Alters noch vollständig an ihre Mutter gebunden sind (vgl. Urteil 

des BVGer E-4375/2017 vom 7. September 2017 E. 5.5). Im Übrigen sei 

erwähnt, dass die schweizerischen Behörden Italien über die mutmass-

liche Identität des Kindsvaters informiert und um eine gemeinsame Be-

handlung der Ersuchen gebeten haben (vgl. SEM act. A12/5).  

6.4. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der 

Ermessenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist 

festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3). 

6.5. Somit bleibt Italien der für die Behandlung der Asylgesuche der 

Beschwerdeführerinnen zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 

F-3344/2018 

Seite 9 

Italien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 

wieder aufzunehmen. 

7.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerinnen nicht eingetreten. 

Da die Beschwerdeführerinnen nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- 

oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Italien 

in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 

Bst. a AsylV 1). 

8.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG 

(SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 

2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 

9.  

9.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfü-

gung des SEM zu bestätigen.  

9.2. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, 

weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als 

gegenstandslos erweist. 

9.3. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren als aussichts-

los zu bezeichnen waren (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-

führerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-3344/2018 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.− werden den Beschwerdeführerinnen 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu-

gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Martin Kayser Jonas Weinhold 

 

 

Versand: