# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5ab3b796-f229-5dd6-aee5-7be34d06180e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2010 D-7201/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7201-2006_2010-09-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7201/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richter Bendicht Tellenbach, Richter Gérard Scherrer; 
Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger.

A._______, geboren [...], Kosovo,
vertreten durch [...],
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Flüchtlingseigenschaft; 
Verfügung des BFF vom 3. August 2001 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7201/2006

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin, eine ethnische Albanerin mit  letztem Wohn-
sitz im Dorf Z. (Gemeinde Y._______, damalige Provinz Kosovo, Bun-
desrepublik  Jugoslawien),  verliess  ihre  Heimat  zusammen  mit  ihren 
[...]  Kindern im [...] 1998 und gelangte nach einem [...]monatigen Auf-
enthalt in Montenegro über Albanien und Italien am [...] 1999 illegal in 
die Schweiz, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchten. Die [voll jäh-
rigen Kinder] stellten je individuelle Asylgesuche, während die [...] min-
derjährigen Kinder [...] ins Asylgesuch der Mutter eingeschlossen wur-
den. Am [...] 1999 erfolgten separate Kurzbefragungen der Mutter und 
der  damals  [...]-jährigen  Tochter  B._______ in  der  Empfangsstelle 
Chiasso; die [...] [volljährigen Kinder] wurden am [...]  1999 in Chiasso 
befragt. Die zuständige Behörde des Kantons X. führte am  [...] 1999 
die Anhörungen zu den Asylgründen durch. Am [...] 2001 befragte das 
BFF die Beschwerdeführerin sowie ihre [volljährigen Kinder] über ihre 
Familien-  und  Wohnverhältnisse  in  Kosovo  und  gewährte  ihnen  das 
rechtliche Gehör bezüglich einer allfälligen Wegweisung. 

B.
Mit Verfügung vom 4. Mai 1999 wurden die Beschwerdeführerin und ih-
re [...] Kinder dem Kanton X._______ zugewiesen. [Anschliessend er-
folgte die Bewilligung des Gesuchs um Kantonswechsel in den Kanton 
W._______ für die Dauer des Asylverfahrens]. 

C.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 
Wesentlichen geltend,  sie  habe  ihre  Heimat  "wegen  dem Krieg  und 
wegen den Serben" verlassen (act. A5 S. 5). Ihr Dorf sei wiederholt mit 
Granaten und Bomben angegriffen worden, weshalb die Bevölkerung 
jeweils in den Wald oder auf die Felder geflüchtet und später wieder in  
ihre Häuser zurückgekehrt sei. Im [...] 1998 seien die Serben mit Pan-
zern und anderen Waffen ins Dorf gekommen und hätten alle Häuser 
in  Brand  gesetzt.  Die  Dorfbewohner  seien geflüchtet  und eineinhalb 
Wochen auf  den Feldern  und im Wald geblieben. Die  Männer  seien 
dann ins Dorf zurückgegangen und hätten festgestellt,  dass es nicht 
mehr  bewohnbar  sei.  Die  Polizei  habe  sie  gesehen  und  sie  von 
Y._______ aus beschossen; sie seien nirgends mehr sicher gewesen 
und deshalb  zu  Fuss nach  Montenegro  geflüchtet.  Nach  drei  Tagen 
und Nächten ohne Essen und Trinken seien sie in V._______  ange-

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kommen. Bis  Anfang  [...]  1999  hätten  sie  bei  [...]  in  U._______  ge-
wohnt. Als die NATO mit den Bombardierungen begann, habe sich die 
Situation in Montenegro für die albanische Bevölkerung verschlechtert. 
Das serbische Militär habe begonnen, "die junge Generation zu mal-
trätieren – zu schlagen" (act. A5 S. 6). Deshalb seien sie mit dem Taxi 
und zu Fuss nach Albanien geflohen, wo ein Mann in T._______ sie 
aufgenommen  habe. Ende  [...]  1999  hätten  sie  Albanien  mit  einem 
Boot Richtung Italien verlassen. 

Eine persönliche Konfrontation mit dem serbischen Militär oder mit Pa-
ramilitärs habe es nicht gegeben. Als sie gesehen habe, wie die Ser-
ben in die Häuser gegangen seien, sei sie mit ihren Kindern geflüchtet. 
Sieben-  bis  15-jährige Knaben seien vor  den Augen ihrer  Eltern  er-
schossen worden. Von den Menschen, die im Zentrum des Dorfes ge-
wohnt hätten, seien alle gestorben, während sie und ihre Kinder Glück 
gehabt hätten, weil sie etwas ausserhalb des Dorfes wohnten. 

[Schilderung  von  Verfolgungshandlungen  gegen  Familienangehörige 
der Beschwerdeführerin]. 

Die im Zeitpunkt der Flucht [...]-jährige Tochter der Beschwerdeführe-
rin,  B._______,  verneinte  anlässlich  der  Befragungen ebenfalls  eine 
persönliche Konfrontation mit serbischen Militärs oder Paramilitärs und 
gab an, sie seien wegen des Kriegs beziehungsweise der Beschies-
sung mit Granaten geflohen und weil ihr Haus abgebrannt sei.

Anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  reichte  die  Beschwerdeführerin 
einen Geburtsregisterauszug zu den Akten; [Angaben zu weiteren, an-
lässlich der Bundesanhörung eingereichten Beweismitteln mit  Todes-
meldungen von Verwandten]. 

D.
Mit separaten Verfügungen vom 3. August 2001  stellte das BFF fest, 
die Beschwerdeführerin und ihre [...] minderjährigen Kinder einerseits 
sowie ihre [volljährigen Kinder] andererseits erfüllten die Flüchtlingsei-
genschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte 
es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. 

Das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihrer [...] minderjährigen 
Kinder  lehnte  die Vorinstanz mit  der  Begründung ab, die  Vorbringen 
hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss 
Art. 3  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht 

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stand. Das BFM führte im Wesentlichen aus, die geltend gemachten 
Nachteile,  insbesondere der  tragische Tod einiger  Verwandter,  seien 
nicht  auf  eine  persönliche  Verfolgung  zurückzuführen,  sondern  eine 
Folge des damals in Kosovo herrschenden Krieges. Aufgrund der im 
Entscheidzeitpunkt veränderten Lage – Einmarsch der Kosovo Force 
(KFOR) am 12. Juni 1999 und Abzug der letzten serbischen Truppen 
aus der damaligen Provinz Kosovo am 20. Juni 1999, Verlust der Kon-
trolle  und  Machtbefugnisse  der  jugoslawischen  Regierung  über  die 
Provinz  –  bestünde  keine  begründete  Furcht  vor  staatlichen  Verfol-
gungsmassnahmen  mehr.  Bezüglich  der  Zulässigkeit  des  Wegwei-
sungsvollzugs führte die Vorinstanz unter anderem aus, die Beschwer-
deführenden könnten sich nicht auf Art. 8  der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101) berufen,  weil  [Angaben  zur  familiären  Situation]. 
Die Zumutbarkeit einer Rückführung bejahte die Vorinstanz sowohl un-
ter  Berücksichtigung  der  allgemeinen  Lage  in  Serbien  (Kosovo)  als 
auch der individuellen Situation der Familie.

E.
Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführerin und ihre [...] 
minderjährigen Kinder mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 7. Sep-
tember  2001  Beschwerde  bei  der  damals  zuständigen  Schweizeri-
schen  Asylrekurskommission  (ARK).  Sie  beantragten  die  Aufhebung 
der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung der  Flüchtlingseigen-
schaft und die Asylgewährung. Eventualiter seien die Unzumutbarkeit 
des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme 
anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten die Beschwer-
deführenden um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sowie um die Ausrichtung einer ange-
messenen Parteientschädigung. 

Zur  Begründung  der  Rechtsmitteleingabe  im  Asylpunkt  führt  die 
Rechtsvertretung  die  wiederholten  Bombardierungen  des  Wohnortes 
der Beschwerdeführenden in Kosovo, die Ermordung naher Familien-
angehöriger sowie Demütigungen des serbischen Militärs in Montene-
gro an. Die Beschwerdeführenden hätten sich mehrmals in unmittelba-
rer Lebensgefahr befunden und es sei Zufall, dass nicht sie, sondern 
nahe Angehörige ermordet worden seien. Zudem weise der  katastro-
phale psychische Gesundheitszustand insbesondere der Beschwerde-

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führerin und ihrer Tochter B._______ darauf hin, dass sie auch persön-
lich Opfer von Gewalttaten geworden seien. Daher hätten sie triftige, 
zwingende Gründe, eine Rückkehr nach Kosovo abzulehnen. 

Mit der Beschwerde reichte die Rechtsvertretung unter anderem einen 
ans BFF gerichteten Bericht des Schulpsychologischen Dienstes [...] 
W._______ vom 5. September 2001 über die [...] minderjährigen Kin-
der  sowie  ein  psychiatrisches  Zeugnis  vom 5.  September  2001  die 
Mutter betreffend zu den Akten. Im Bericht des Schulpsychologischen 
Dienstes heisst es, die Mädchen seien "dauernd sexuellen Belästigun-
gen ausgesetzt" gewesen und "vermutlich auch Zeuginnen von Verge-
waltigungen" geworden. Sowohl für die Psychotherapeutin als auch für 
die Mediatorin sei der Eindruck entstanden, dass zumindest das Mäd-
chen B._______ vergewaltigt worden sei. Bei zwei Töchtern (geboren 
[...]  beziehungsweise  [...])  diagnostizierte  die  Fachpsychologin  eine 
ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung, die der dringenden 
Behandlung bedürfe. Der Mutter attestierte das Zeugnis von Dr. med. 
[...],  Fachärztin  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie,  dissoziative 
Krampfanfälle sowie eine posttraumatische Belastungsstörung. Ihr Ge-
sundheitszustand verunmögliche ihr die Bewältigung des Alltags, und 
sie sei auf eine wöchentliche psychotherapeutische sowie medikamen-
töse Behandlung angewiesen. Sie berichte, dass alle Familienmitglie-
der  sie  meiden  würden  und  befürchte,  alle  seien  davon  überzeugt, 
dass sie schlecht sei. 

Ferner  fanden folgende Unterlagen  Eingang in  die  Akten: Ein  ärztli-
ches Zeugnis einer allgemein praktizierenden Ärztin vom 30. August 
2001, welche die Beschwerdeführerin aufgrund von Panikattacken an 
die obgenannte Psychiaterin überwies; ein Schreiben der Lehrerin des 
[Kindes] C._______. (geboren [...]) vom 26. August 2001; [Angaben zu 
einem weiteren Dokument]; ein Beschrieb des Projektes "Gruppenbe-
treuung für kriegstraumatisierte Kinder und Jugendliche" vom Septem-
ber 2008; ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zur 
medizinischen  Versorgungslage  in  Kosovo vom Juni  2001  sowie  die 
Kopie der Honorarrechnung der Rechtsvertretung. 

Bezüglich der Wegweisung argumentierte die Rechtsvertretung in der 
Beschwerdeschrift, aufgrund der Traumatisierung der Mutter und [zwei 
minderjähriger Töchter]  sei  der Wegweisungsvollzug unzumutbar. Sie 
bedürften  dringend  einer  intensiven  therapeutischen  und  die  Mutter 
auch einer medikamentösen Behandlung, welche in Kosovo nicht  ge-

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währleistet sei. Den [volljährigen Kindern], welche noch sehr jung und 
selber psychisch angeschlagen seien, könne nicht zugemutet werden, 
ihre schwer kranke Mutter und die [...] minderjährigen Geschwister zu 
betreuen. 

F.  
Mit  Zwischenverfügung  vom 13.  September  2001  hiess  die  vormals 
zuständige Instruktionsrichterin der ARK  das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege unter Vorbehalt des Nachreichens ei-
ner Fürsorgebestätigung und einer nachträglichen Veränderung der fi-
nanziellen  Verhältnisse  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses.  Weiter  forderte  die  Instruktionsrichterin  die  Be-
schwerdeführerin auf, die ARK stets und unverzüglich über den Verlauf 
der eingeleiteten Therapiemassnahmen auf dem Laufenden zu halten. 

G.
Mit Eingabe vom 20. September 2001 liess die Beschwerdeführerin ei -
ne  Fürsorgebestätigung der  [...] W._______ vom 17. September 2001 
nachreichen. 

H.
Mit  Eingabe vom 29. Oktober  2001 informierte  die  Rechtsvertretung 
die ARK über den Verlauf  der psychiatrischen Therapiemassnahmen 
bei der Beschwerdeführerin und ihren Kindern sowie darüber, dass sie 
für  die  [volljährigen  Kinder]  –  welche  die  negativen  Asylentscheide 
nicht  angefochten  hatten  –  am  26.  Oktober  2001  ein  Wiedererwä-
gungsgesuch und ein Gesuch um Koordination der Verfahren mit dem 
Verfahren der Mutter beziehungsweise Beschwerdeführerin gestellt ha-
be. Mit Hinweis auf Art. 8 EMRK und Art. 44 Abs. 1 AsylG ersuchte sie 
um Aussetzung des Wegweisungsvollzugs der  [erwachsenen Kinder] 
bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens der Mutter und der min-
derjährigen Geschwister;  eventualiter  beantragte  sie  die Erstreckung 
der  Ausreisefrist  der  [erwachsenen  Kinder],  bis  die  gesundheitliche 
Verfassung der Mutter dies zulasse. Die Mutter und die [...] minderjäh-
rigen  Kinder  seien  ohne  die  Unterstützung  der  [voll jährigen  Kinder] 
nicht lebensfähig und der Vater der Kinder leiste keine Unterstützung. 
Mit der drohenden Wegweisung der volljährigen Kinder sei die Mutter 
völlig zusammengebrochen. 

I.
Mit Verfügung vom 7. November 2001 sistierte das BFF angesichts der 
besonderen  familiären  Situation  und  der  gesundheitlichen  Lage  der 

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Beschwerdeführerin den Vollzug der Wegweisung der [volljährigen Kin-
der] bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens der Mutter und der 
[...] minderjährigen Geschwister. 

J.
Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2002 forderte die Instruktions-
richterin  die  Rechtsvertretung  auf,  aktuelle  Arztberichte  zum  physi-
schen und psychischen Gesundheitszustand  – insbesondere zur gel-
tend gemachten Traumatisierung  – der Beschwerdeführerin und ihrer 
Kinder  und  zu  den  erforderlichen  Behandlungs-  und  Therapiemass-
nahmen sowie eine Stellungnahme dazu einzureichen. 

K.
Mit Eingabe vom 27. September 2002 reichte die Rechtsvertretung di-
verse ärztliche Berichte sowie eine Erklärung über die Entbindung von 
der ärztlichen Schweigepflicht vom 29. August 2002 ein. Im fachärzt li-
chen Bericht vom 7. September 2002 diagnostizierte die behandelnde 
Psychiaterin  der  Beschwerdeführerin  eine  posttraumatische  Belas-
tungsstörung  mit  mittelgradig  bis  schwer  depressiven  Symptomen 
(ICD 10 F. 43.1) sowie eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD 10 
F. 44.4). Die Beschwerdeführerin sei  in  medikamentöser  Behandlung 
sowie  einmal  wöchentlich in  einer  Psychotherapie. Im Bericht  heisst 
es, die Scham der Beschwerdeführerin erschwere es ihr, über das Ge-
schehene zu berichten; alle Familienmitglieder würden sie meiden und 
sie befürchte, alle seien davon überzeugt, dass sie "schlecht sei". Die 
Traumatisierung während des Krieges im Herkunftsland sei die Ursa-
che  der  posttraumatischen  Belastungsstörung.  Eine  Rückkehr  in  die 
Heimat würde zu einer Retraumatisierung mit Auftreten akuter Suizid-
gedanken führen und es sei zu befürchten, dass sie sich vor oder nach 
der Rückkehr suizidieren würde. 

Im  Bericht  des  Schulpsychologischen  Dienstes  [...]  W._______  vom 
19. September 2002 heisst es, die Tochter B._______ werde seit Okto-
ber 2001 in Einzelpsychotherapie und seit August 2002 zusätzlich in 
Gruppentherapie im Projekt "Gruppenbetreuung für kriegstraumatisier-
te Kinder und Jugendliche" behandelt und berichte mittlerweile "recht 
bewusst  über ihre zum Teil schrecklichen Erfahrungen". Die Psycho-
therapeutin beschreibt B._______ als "gefangen in sich selbst, leblos 
und traurig"; sie verlasse ihre Wohnung aus Angst nach wie vor kaum. 
Ihre [...] Schwester D._______ besuche seit August 2001 die Gruppen-
therapie. Sie  kapsle sich wie  ihre  [...] Schwester  stark  ab und gehe 

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kaum aus dem Haus. Sie öffne sich gegenüber der Psychotherapeutin 
nur ab und zu, meist nach schweren Alpträumen oder Angstzuständen. 
[Das Kind] C._______, das seit August 2001 in der Gruppentherapie 
sei, habe sich positiv entwickelt, leide aber noch unter Flashbacks und 
könne abends nicht einschlafen, weil es Bilder eines miterlebten Mas-
sakers überfielen. Bei der  [...] Tochter E. sei gemäss dem allgemein-
ärztlichen Bericht für das BFF vom 10. September 2002 eine leichte 
posttraumatische  Belastungsstörung  nicht  ausgeschlossen. Sie  leide 
unter Alpträumen und Migräne. Direkte Gewalt an sich selber habe sie 
nicht erfahren, weil sie immer rechtzeitig habe flüchten können. Sie ha-
be sich die Augen zugehalten, damit sie nicht habe zusehen müssen,  
wie im Heimatdorf und im Wald Familienangehörige und Dorfbewohner 
– auch Kinder  – erschossen wurden. [Schilderungen eines Zwischen-
falls auf der Reise in die Schweiz]. 

In ihrer Stellungnahme zu den ärztlichen Berichten gab die Rechtsver-
tretung an, die Psychotherapeutin habe auf ihre telefonische Nachfra-
ge  bezüglich  einer  allfälligen  Vergewaltigung  von B._______  erklärt, 
das Mädchen sei bis heute nicht in der Lage, über dieses Thema zu 
sprechen. Da  es  entsprechende  Symptome zeige,  bestehe  der  Ver-
dacht weiterhin, doch könne sie eine Vergewaltigung nicht mit Sicher-
heit bestätigen. Die Rechtsvertretung hielt fest, die Beschwerdeführe-
rin und mehrere ihrer Kinder benötigten weiterhin intensive therapeuti-
sche Behandlung, welche die volljährigen, selbst psychisch angeschla-
genen Kinder beziehungsweise Geschwister nicht zu leisten vermöch-
ten. 

L.
Am 1. Oktober 2002 lud die Instruktionsrichterin der ARK das BFF zur 
Vernehmlassung ein, welche dieses nach einer Fristverlängerung und 
einer Erinnerung am 27. Februar 2003 einreichte. Die Vorinstanz hielt  
an  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  vollumfänglich 
fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt 
bezeichnete es als erstaunlich, dass die Beschwerdeführerin erst auf 
Vernehmlassungsstufe psychische Leiden bei sich und ihren Kindern 
geltend mache. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, die in der Schweiz  
begonnene Behandlung in den neuropsychiatrischen Abteilungen der 
Regionalspitäler  der  beiden  Nachbargemeinden  von  Y._______, 
Q._______  und  R._______,  fortzusetzen.  Zudem  könnten  die  Be-
schwerdeführerin  und  ihre  Kinder  durch  spezifische  medikamentöse 
Behandlung auf die Rückkehr vorbereitet werden. Die vorinstanzliche 

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Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 4. März 2003 
zur Replik zugestellt. 

M.
In ihrer Stellungnahme vom 12. März 2003 hielt die Rechtsvertretung 
fest, die Beschwerdeführerin habe ihre schweren psychischen Leiden 
und diejenigen ihrer  Kinder nicht erst auf Vernehmlassungsstufe gel-
tend gemacht, sondern bereits in der Beschwerdeeingabe vom 7.  Sep-
tember 2001 durch medizinische, psychiatrische und schulpsychologi-
sche Zeugnisse belegt. Die Beschwerdeführenden benötigten weiter-
hin eine intensive psychotherapeutische und medikamentöse Behand-
lung in  einem sicheren Umfeld,  welche angesichts der  wenigen und 
voll  ausgelasteten Angebote in Kosovo nicht erhältlich sei. Die ärztli -
chen Berichte prognostizierten bei der Beschwerdeführerin für den Fall 
einer Rückkehr wiederum eine Retraumatisierung bis hin zum Suizid. 
Im  Weiteren  verwies  die  Rechtsvertretung  auf  ihre  Ausführungen  in 
der  Beschwerde  vom  7. September  2001  und  in  der  Eingabe  vom 
27. September 2002. 

N.
Am 17. Februar  2005  lud  der  neu  zuständige Instruktionsrichter  die 
Vorinstanz im Hinblick auf das Vorliegen einer schweren persönlichen 
Notlage  im  Sinne  von  Art  44  Abs.  3-5  aAsylG  zu  einem  weiteren 
Schriftenwechsel (Art. 57 VwVG) ein. 

O.
Mit Verfügung vom 25. April 2005 zog das BFM seinen Entscheid vom 
3. August 2001 im Vollzugspunkt in Wiedererwägung und nahm – auf 
Antrag der vormaligen Fremdenpolizei des Kantons W._______ –  die 
Beschwerdeführerin sowie die [im Asylgesuch der Mutter eingeschlos-
senen] Kinder gestützt auf Art. 44 Abs. 3 AsylG (schwerwiegende per-
sönliche Notlage) vorläufig in der Schweiz auf. 

P.
Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2005 stellte der Instruktionsrich-
ter fest, dass die Beschwerde vom 7. September 2001 gegen die vorin-
stanzliche  Verfügung  vom  3.  August  2001  hinsichtlich  des  Wegwei-
sungsvollzugs gegenstandslos geworden sei und setzte der Beschwer-
deführerin und ihren Kindern Frist zur Stellungnahme an, ob sie an der 
Beschwerde im Asyl- und im Wegweisungspunkt festzuhalten oder die-
se zurückzuziehen gedächten. 

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Q.
Die Rechtsvertretung teilte in ihrer Eingabe vom 10. Mai 2005 mit, die 
Beschwerdeführenden hielten an der Beschwerde fest, weil es der Be-
schwerdeführerin aufgrund ihrer  Langzeittraumatisierung voraussicht-
lich nie möglich sein werde, die Fürsorgeunabhängigkeit zu er langen 
und deshalb die Umwandlung der vorläufigen Aufnahme in eine Jah-
resaufenthaltsbewilligung  unrealistisch  erscheine.  Mit  Hinweis  auf 
EMARK 2001 Nr. 3 hielt die Rechtsvertretung fest, die Beschwerde sei 
zudem nicht  aussichtslos. Eine erlittene  Vorverfolgung  –  wie  sie  bei 
der Beschwerdeführerin vorliege – sei auch nach Wegfall einer zukünf-
tig  drohenden  Verfolgungsgefahr  asylrechtlich  relevant,  wenn  eine 
Rückkehr  in  den  früheren  Verfolgerstaat  aus  zwingenden,  auf  diese 
Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht zumutbar sei. Gemäss der 
publizierten Praxis der ARK seien als "zwingende Gründe" vorab trau-
matisierende Erlebnisse zu betrachten, die es den Betroffenen ange-
sichts erlebter schwerwiegender Verfolgungen, insbesondere Folterun-
gen, im Sinne einer Langzeittraumatisierung psychologisch verunmög-
lichen würden, ins Heimatland zurückzukehren. Die behandelnde Psy-
chiaterin  habe sowohl  im der  Stellungnahme beiliegenden ärztlichen 
Bericht  vom 9.  April  2005  als  auch  in  einem  Telefongespräch  vom 
10. Mai  2005  das  Vorliegen  einer  Langzeittraumatisierung  bestätigt, 
welche die Beschwerdeführerin nicht überwinden könne, wenn sie in 
ihr Heimatland zurückkehren müsste. Die Langzeittraumatisierung ver-
unmögliche ihr somit psychologisch eine Rückkehr nach Kosovo. 

Der fachärztliche Bericht vom 9. April 2005 hält in der Anamnese fest, 
die Patientin leide zunehmend unter körperlichen Symptomen [Schil-
derung der Symptome], was den bereits seit langem bestehenden Ver-
dacht auf ein bisher verschwiegenes sexuelles Gewaltereignis auf der 
Flucht erhärte. Der Bericht hält erstmals fest, die Beschwerdeführerin 
sei "auf der Flucht Opfer von sexueller und physischer Misshandlung 
durch  Soldaten  geworden".  Dies  habe  sie  der  Therapeutin  erst  auf 
mehrmaliges  Nachfragen  hin  erzählt  und  im  Vertrauen  darauf,  dass 
diese schweigen würde. Es sei der Patientin kaum möglich, darüber zu 
berichten. Sie äussere "zum Teil wahnhaft Schuld- sowie Schamgefüh-
le", berichte von sich "als verstorben" und leide weiter unter dissoziati-
ven und mutistischen Zuständen. Vor allem muslimische Frauen wür-
den aus Angst, bei Bekanntwerden von ihren Familien verstossen zu 
werden, über solche Gewaltereignisse schweigen. Die Fachärztin dia-
gnostiziert  der  Beschwerdeführerin  nach  wie  vor  eine  posttraumati-
sche Belastungsstörung (ICD 10 F. 43.1) und eine dissoziative Bewe-

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gungsstörung (ICD 10 F. 44.4)  sowie  eine rezidivierende depressive 
Störung gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD 10 F. 33.1). Die Be-
handlung besteht laut dem Bericht unter anderem in der Abgabe von 
Antidepressiva  sowie  in  einer  wöchentlichen  psychotherapeutischen, 
traumazentrierten  Behandlung  im  Beisein  einer  Dolmetscherin.  Laut 
der behandelnden Psychiaterin gestalte sich die im August 2001 be-
gonnene Behandlung unter anderem auch deshalb als langwierig, weil 
sie in keinem sicheren Rahmen stattfinde, da die Patientin immer be-
fürchten müsse,  "an den Ort  des Schreckens zurückkehren zu müs-
sen" – "eine erneute Traumatisierung verbunden mit dem Gefühl der 
Ohnmacht und der Bestätigung, dass sie Schuld an dem Vorgefallenen 
trägt". Die Traumatisierung während des Krieges im Herkunftsland sei 
Ursache der posttraumatischen Belastungsstörung. Für den Fall einer 
Rückkehr  prognostiziert  die  Fachärztin  weiterhin  eine Retraumatisie-
rung der Beschwerdeführerin sowie eine hohe Suizidgefahr. 

R.
In seiner Vernehmlassung vom 25. Mai  2005 zur Stellungnahme der 
Beschwerdeführerin  vom  10.  Mai  2005  schreibt  das  BFM,  EMARK 
2001 Nr. 3 beziehe sich auf eine konkrete, von der betroffenen Person 
erlebte Verfolgung (Vergewaltigung) durch die Serben in Kosovo. Zwar 
leide die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren ohne Zweifel 
ebenfalls an einer Langzeittraumatisierung, doch sei der Ursprung die-
ses Leidens nicht auf Vorkommnisse zurückzuführen, welche sie per-
sönlich an Leib und Leben betroffen hätten, habe sie doch als Flucht-
motive die damaligen Kriegsereignisse in Kosovo, die Zerstörung ihres 
Hauses und den Verlust von mehreren Verwandten angegeben. Ihr Fall 
sei deshalb nicht vergleichbar mit dem EMARK 2001 Nr. 3 zugrunde 
liegenden. Zudem sei das festgestellte Langzeittrauma der Beschwer-
deführerinnen nicht  ausschliesslich auf  die Ereignisse in  Kosovo zu-
rückzuführen, da [Bezugnahme auf den Zwischenfall auf der Reise in 
die Schweiz]. Im Übrigen habe das BFM die vorläufige Aufnahme der 
Beschwerdeführenden angeordnet und trage deren psychischem Trau-
ma insofern Rechnung, als dass bis auf Weiteres kein Wegweisungs-
vollzug angeordnet werde. 

In ihrer Replik vom 8. Juni 2005 entgegnet die Rechtsvertretung der 
Vorinstanz, der ausführliche ärztliche Bericht vom 9. April 2005 halte 
ausdrücklich  fest,  dass  die  Beschwerdeführerin  Opfer  von  sexueller 
und physischer Misshandlung durch Soldaten geworden sei. Sie habe 
aus den von der behandelnden Ärztin aufgeführten, nachvollziehbaren 

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Gründen nicht offen über die erlittenen Misshandlungen berichten kön-
nen. Die Ärztin zweifle jedoch nicht daran, dass sich diese zugetragen 
hätten. Ihre Beschwerde habe die Beschwerdeführerin nicht zurückzie-
hen wollen, weil diese gemäss der Praxis der ARK nicht aussichtslos 
sei und sie als vorläufig Aufgenommene auf Dauer mit gewissen Ein-
schränkungen leben müsste. 

S.
Mit Eingabe vom 13. Juni 2005 reichte die Rechtsvertretung einen er-
gänzenden ärztlichen Bericht  von Dr. med. [...]  vom 9. Juni  2005 zu 
den Akten. Darin hält die behandelnde Ärztin fest, dass die Beschwer-
deführerin anlässlich der Flucht aus ihrer Heimat Opfer einer Verge-
waltigung  geworden  sei  und  die  Langzeittraumatisierung  zentral  auf 
dieses Vorkommnis zurückzuführen sei, welches sie persönlich an Leib 
und Leben betroffen habe. 

T.
Per 1. Januar 2007 übernahm das Bundesverwaltungsgericht das hän-
gige Beschwerdeverfahren. 

U.
Mit Verfügung vom 3. Mai 2007 wies das BFM das Wiedererwägungs-
gesuch [einer]  Tochter  der  Beschwerdeführerin gegen die  Verfügung 
vom 3. August  2001 ab und forderte  diese auf,  die  Schweiz bis  am 
31. Juli 2007 zu verlassen. Mit dem Gesuch um Erstreckung der Aus-
reisefrist zwecks [Angabe des Gesuchszwecks] reichte die Rechtsver-
tretung einen fachärztlichen Bericht von Dr. med. [...] vom 28. Mai 2007 
zu den Akten. Darin schreibt die Fachärztin, welche seit August 2001 
auch  die  Beschwerdeführerin  psychotherapeutisch  behandelt,  alle 
Frauen der Familie seien auf der Suche nach Lebensmitteln während 
der Flucht  "Opfer der  Gewalt  durch die damalige Armee" geworden. 
Die  Mutter  sei  mit  Sicherheit  "Opfer  eines  sexuellen  Missbrauchs 
durch mehrere Soldaten einer Massenvergewaltigung" geworden. Ob 
die Töchter  ebenfalls  vergewaltigt  wurden,  sei  bis  heute  unklar,  weil 
keine darüber sprechen dürfe. Solange es nicht ausgesprochen werde, 
sei es nach aussen nicht geschehen und hätten die Frauen damit kei-
ne Schande über sich gebracht. Alle Frauen der Familie seien schwer 
traumatisiert. Eine Rückkehr der [...] Tochter nach Kosovo auch nur für 
kurze Zeit (bis [...]) würde bei dieser – [Angaben zum Gesundheitszu-
stand] – eine massivste Retraumatisierung bedeuten und zu einer voll-
ständigen psychischen Dekompensation derselben wie auch der Mut-

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ter und damit zum Zusammenbruch der Familie führen. [Angaben zur 
Situation von Verwandten der Beschwerdeführerin].

V.
Mit Abschreibungsentscheid vom 5. Juli  2007 schrieb der zuständige 
Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts die Beschwerde [ei-
nes Kindes] der Beschwerdeführerin  infolge Einbürgerung als gegen-
standslos geworden ab. 

W.
Mit  Instruktionsverfügung  vom 5. März  2008  stellte  der  Instruktions-
richter  fest,  nach  der  Anerkennung  der  Unabhängigkeit  von  Kosovo 
durch den Bundesrat am 27. Februar 2008 behalte sich das Gericht 
vor,  die  Beschwerde  unter  dem Aspekt  der  Schutzgewährung  durch 
den neuen Staat  zu prüfen. Er gab den Beschwerdeführenden unter 
Fristansetzung Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Angabe, ob sie 
ihre Beschwerde allenfalls zurückzuziehen gedächten. Bei ungenutzter 
Frist werde davon ausgegangen, sie hielten an ihren Rechtsbegehren 
hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung fest. 

X.
In ihrer Eingabe vom 25. März 2008 erklärte die Rechtsvertretung, die 
Beschwerdeführenden hielten an ihren Rechtsbegehren fest. Zur Be-
gründung  führte  sie  aus,  es  treffe  zwar  zu,  dass  Kosovo  von  der 
Schweiz und anderen Staaten anerkannt worden sei. Doch habe Ser-
bien – unterstützt von Russland – gegenüber der Internationalen Ge-
meinschaft  unmissverständlich  zum Ausdruck  gebracht,  dass  es  die 
Unabhängigkeit  Kosovos niemals anerkennen werde. Deshalb könne 
die weitere Entwicklung im heutigen Zeitpunkt  noch nicht  verlässlich 
abgeschätzt werden. Solange diese Unsicherheit fortbestehe und Ko-
sovo praktisch noch nicht die "vollumfängliche Unabhängigkeit" erlangt 
habe, könne sich die Beschwerdeführerin nicht mit Sicherheit auf den 
Schutz ihres Landes verlassen. Deshalb könne nicht gesagt werden, 
dass sie es nicht mehr ablehnen könne, den Schutz des Heimatlandes 
in Anspruch zu nehmen (Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2  des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]) 

Y.
Mit Abschreibungsentscheiden vom 22. Oktober 2008 und vom 25. Ju-
ni 2009 schrieb der Instruktionsrichter die Beschwerden der weiteren 
[Kinder]  der  Beschwerdeführerin  infolge  Einbürgerung  als  gegen-

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standslos  geworden  ab.  In  allen  die  Kinder  betreffenden  Abschrei-
bungsentscheiden wurde der Entscheid über die Frage der Zusprache 
einer Parteientschädigung mit dem Entscheid im Beschwerdeverfahren 
der Mutter in Aussicht gestellt. 

Z.
Mit Eingabe vom 2. September 2010 reichte die Rechtsvertretung auf 
Aufforderung des Gerichts hin eine Kostennote ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das Bundesamt für 
Migration  (BFM)  beziehungsweise  das  vormalige  Bundesamt  für 
Flüchtlinge (BFF) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach-
gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der vorliegenden Beschwerde und entscheidet  im Bereich des Asyls 
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  die  Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und hat ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  
(Art. 105  AsylG  i.V.m  Art.  37  VGG und  Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und 
Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichti-
ge  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachver-

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halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu letzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei -
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach-
teile von bestimmter Intensität erlitten hat bzw. mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten 
muss, welche ihr gezielt  und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 
durch  Organe des Heimatstaates  oder  durch nichtstaatliche  Akteure 
zugefügt worden sind bzw. zugefügt zu werden drohen (vgl. Entschei-
de  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/4 
E. 5.2  S. 37;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 18  E. 7  und  8  S. 190 ff.; 
EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft  ausserdem voraus,  dass  die  betroffene Person in  ihrem 
Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE 
2008/4  E. 5.2  S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.;  EMARK 
2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die 
Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeit -
punkt  der  Ausreise  vorhandenen  Verfolgung  oder  der  begründeten 
Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentschei-
des ist jedoch im Rahmen der Prüfung der Aktualität der Verfolgungs-
furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im 
Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zu-
gunsten und zulasten der  das Asylgesuch stellenden Person zu be-
rücksichtigen  (vgl.  BVGE 2008/4  E. 5.4  S. 38  f.; EMARK 2000  Nr. 2 
E. 8a S. 20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 

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[Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17  und 
11.18;  WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt 
a.M. 1990, S. 135 ff.). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.
4.1 Die Vorinstanz verneinte die Asylrelevanz der Vorbringen der Be-
schwerdeführerin mit  der Begründung, die geltend gemachten Nach-
teile,  insbesondere  der  Tod einiger  Verwandter,  seien  nicht  auf  eine 
persönliche  Verfolgung  zurückzuführen,  sondern  eine  Folge  des  da-
mals in Kosovo herrschenden Krieges. Aufgrund der im Entscheidzeit-
punkt veränderten Lage bestehe keine begründete Furcht vor staatli-
chen Verfolgungsmassnahmen mehr. Anlässlich  der  Vernehmlassung 
vom 27. Februar 2003 schrieb das Bundesamt, die Beschwerdeführe-
rin  habe  erst  auf  Vernehmlassungsstufe  psychische  Leiden  bei  sich 
und ihren Kindern  geltend gemacht,  welche  jedoch ohnehin  in  ihrer 
Herkunftsregion  behandelt  werden  könnten.  In  einer  weiteren  Ver-
nehmlassung vom 25. Mai 2005 anerkannte das BFM zwar eine Lang-
zeittraumatisierung der Beschwerdeführerin, bestritt  aber, dass diese 
auf  (flüchtlingsrechtlich relevante) Vorkommnisse zurückzuführen sei,  
welche sie persönlich an Leib und Leben betroffen hätten. Ihre Vorbrin-
gen seien daher mit den EMARK 2001 Nr. 3 zugrunde liegenden nicht 
vergleichbar. Die bei ihr und ihren Kindern festgestellten Langzeittrau-
mata seien nicht  ausschliesslich auf  Ereignisse in  Kosovo zurückzu-
führen,  da  [Bezugnahme auf  den  Zwischenfall  auf  der  Reise  in  die 
Schweiz].  Der  Langzeittraumatisierung  trage  man  überdies  dadurch 
Rechnung, dass bis auf Weiteres kein Wegweisungsvollzug angeord-
net werde.

4.2 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss, dass es sich der Einschätzung der Vorinstanz nicht an-
zuschliessen vermag. Auf dem Hintergrund der damaligen Situation in 
Kosovo sind keine Gründe ersichtlich, weshalb die Vorbringen der Be-

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schwerdeführerin nicht asylrelevant und glaubhaft sein sollten. Die al-
banische Zivilbevölkerung war in  der  Heimatregion der Beschwerde-
führerin in der ersten Jahreshälfte 1998 einer gezielten Vertreibungs-
politik der serbischen Armee- und Polizeikräfte sowie von paramilitäri-
schen Einheiten ausgesetzt, welche zahlreiche Dörfer belagerten und 
beschossen,  die  Häuser  zerstörten  und  die  flüchtenden  Menschen 
massakrierten sowie albanische Frauen entführten und individuell oder 
kollektiv vergewaltigten (vgl. die Dokumentationen "Kosovo: Krieg, Ver-
treibung, Massaker" vom August 1998 sowie "Genozid im Kosovo" vom 
Juli 1999 der Gesellschaft für bedrohte Völker). 

Die Beschwerdeführerin schilderte in den Anhörungen sowohl die Ver-
folgungshandlungen durch serbische Sicherheitskräfte gegen sich und 
ihre [...] Kinder vor der Flucht nach Montenegro (wiederholte Bombar-
dierungen des Dorfes, Zerstörung des Hauses, direkte Beschiessung 
von Mutter und Kindern) sowie auch die – nach ihrer Flucht er folgten – 
Verfolgungshandlungen gegen [nahe Verwandte; Schilderung der Ver-
folgungshandlungen gegen die Familienangehörigen der Beschwerde-
führerin] glaubhaft. Der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen Ver-
folgung und Flucht  ist  erfüllt,  flüchtete  die  Beschwerdeführerin  doch 
unmittelbar  während  den  Verfolgungshandlungen  nach  Montenegro, 
wobei sie auf der Flucht vergewaltigt und auch mehrere ihrer [...] Töch-
ter Opfer von sexuellen Übergriffen wurden. 

Vergewaltigungen  von  Kosovo-Albanerinnen  durch  serbische  Sicher-
heitskräfte und Paramilitärs waren in Kosovo in der massgeblichen Zeit 
ein  gängiges  Mittel  der  Kriegsführung  und  der  serbischen  Vertrei-
bungspolitik, womit der nationalistische Hintergrund und damit der Ver-
folgungscharakter  der  geltend  gemachten  Vergewaltigungen  festste-
hen (vgl. Institute of War and Peace Reporting,  Kosovo Rape Victims 
Suffer  Twice, 16.03.2010,  http://www.iwpr.net/report-news/  kosovo-
rape-victims-suffer-twice, abgerufen  am  30.06.2010  sowie  BVGE 
2009/51 E. 4.2.4 S. 743; zum Verfolgungscharakter von Vergewaltigun-
gen siehe auch EMARK 1996 Nr. 16 E. 4c). 

Zwar verneinten sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihre Tochter 
B._______ anlässlich  der  Anhörungen eine direkte Konfrontation mit 
serbischen Militärs  oder  Paramilitärs. Aufgrund der  auf  Beschwerde-
ebene  eingereichten  objektiven,  in  sich  schlüssigen  und  inhaltlich 
überzeugenden fachärztlichen und schulpsychologischen Berichte so-
wie der beigezogenen Akten der separaten Asylverfahren der [voll jäh-

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rigen  Kinder]  ist  für  das  Bundesverwaltungsgericht  jedoch  erstellt, 
dass  die  Beschwerdeführerin  auf  der  Suche  nach  Nahrungsmitteln 
während der Flucht von serbischen Soldaten vergewaltigt  wurde und 
ihre Töchter ebenfalls Opfer von sexueller Gewalt wurden, wobei min-
destens eine Tochter höchstwahrscheinlich ebenfalls eine Vergewalti-
gung  erlitt.  Die  Argumentation  des  Bundesamtes  auf  Vernehmlas-
sungsstufe,  die  Langzeittraumatisierung der  Beschwerdeführerin  und 
ihrer Töchter sei nicht auf persönlich erlebte (flüchtlingsrechtlich rele-
vante) Vorkommnisse zurückzuführen, ist für das Bundesverwaltungs-
gericht  daher  nicht  nachvollziehbar. Zwar  wurden  die  Vergewaltigun-
gen  der  Beschwerdeführerin  und  die  sexuellen  Übergriffe  auf  ihre 
Töchter nicht im erstinstanzlichen Asylverfahren vorgebracht, sondern 
erst auf Beschwerdestufe in den zwischen August 2001 und Juni 2005 
sowie Mai 2007 ([...]) verfassten Arztberichten thematisiert und zu Be-
ginn nur als Verdacht geäussert,  der sich im Laufe der Jahre jedoch 
zunehmend erhärtete. Die Arztberichte benennen die Gründe, aus de-
nen einige Töchter  bis  heute  nicht  und die  Beschwerdeführerin  erst 
nach Jahren vertrauensbildender Therapie gegenüber der behandeln-
den Ärztin über die erlittenen Misshandlungen sprechen konnten, und 
dies nur im Vertrauen darauf, dass nichts gegen aussen dringen wür-
de: Zum Teil wahnhafte Schuld- und Schamgefühle, die Hoffnung, mit 
Schweigen  das  Geschehene  ungeschehen  zu  machen  und  keine 
Schande über sich und die Familie zu bringen sowie die Angst,  von 
der  Familie  beziehungsweise  vom  Ehemann  verstossen  zu  werden 
(vgl.  Sachverhaltsdarstellung  Bst.  E,  K,  Q  und  V).  Diese  plausiblen 
Gründe decken sich weitgehend mit den in EMARK 2003 Nr. 17 aufge-
zeigten  möglichen  Ursachen  für  verspätete  Vergewaltigungsvorbrin-
gen, wie kulturell bedingten Schuld- und Schamgefühlen sowie Selbst -
schutzmechanismen  (E.  4a-c  S. 105 ff.).  Das  Bundesverwaltungsge-
richt hat diese Rechtsprechung der ARK in einem kürzlich publizierten 
Urteil bestätigt (BVGE 2009/51 E. 4.2.3 S. 743). 

4.3 Aufgrund dieser Erwägungen gelangt  das Bundesverwaltungsge-
richt zum Ergebnis, dass auch die erst auf Beschwerdeebene und ge-
gen aussen nur von der behandelnden Ärztin  und der  Rechtsvertre-
tung geltend gemachte Vergewaltigung der Beschwerdeführerin durch 
serbische Armeeangehörige im Jahre 1998 sowie die sexuellen Über-
griffe auf mehrere Töchter glaubhaft sind. Die von der Beschwerdefüh-
rerin (und ihren Kindern) erlittenen Verfolgungshandlungen erfüllen die 
Anforderungen der Rechtsprechung an die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 AsylG. Die Bombardierungen des Dorfes, die Zerstörung 

Seite 18

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des Hauses und die direkte Beschiessung der Familie einerseits und 
die Vergewaltigung der Beschwerdeführerin sowie die sexuelle Gewalt 
gegen mehrere Töchter andererseits stellen erhebliche Nachteile dar, 
welche den Betroffenen gezielt aus einem beziehungsweise mehreren 
Motiven im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG (ethnische beziehungsweise 
religiöse Zugehörigkeit  sowie geschlechtsspezifische Verfolgung) von 
Repräsentanten des serbischen Staates zugefügt  wurden. Der  zeit li-
che Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht ist erfüllt, 
flüchtete die Beschwerdeführerin doch unmittelbar während den Ver-
folgungshandlungen.  Aufgrund dieser  Erlebnisse im Jahre  1998,  der 
damaligen kriegerischen Situation sowie der Tötung [naher Verwand-
ter]  und der Übergriffe auf  [nahe Verwandte]  im April  1999 hat te die 
Beschwerdeführerin sodann begründete Furcht vor weiteren asylrecht-
lich relevanten Nachteilen. Schliesslich stand der Beschwerdeführerin 
im Zeitpunkt ihrer Ausreise auch keine valable innerstaatliche Fluchtal-
ternative offen; eine solche ist  gemäss Praxis der ARK (vgl. EMARK 
2001  Nr. 3),  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Recht-
sprechung  fortführt,  frühestens  nach  dem Abzug der  serbischen Si-
cherheitskräfte  aus  Kosovo  im  Juni  1999  anzunehmen  (vgl.  BVGE 
2007/31 E. 5.2 S. 18 f.). 

4.4 Als Zwischenfazit ist demnach festzuhalten, dass die Beschwerde-
führerin in gezielter Weise von den ethnischen Vertreibungsmassnah-
men der serbischen Kräfte, welche in ihrer Gesamtheit dem damaligen 
jugoslawischen Staat  zuzurechnen sind,  betroffen war  und daher  im 
Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat im [...] 1998 die Flücht-
lingseigenschaft erfüllte. 

4.5 Letztlich ist indessen der Zeitpunkt des Asylentscheides massgeb-
lich, das heisst, es ist zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren 
Verfolgung (noch) begründet ist. Dabei sind Veränderungen der objek-
tiven Situation im Heimatstaat  zwischen Ausreise  und Asylentscheid 
zugunsten  und  zulasten  der  Beschwerdeführerin  zu  berücksichtigen 
(vgl. EMARK 2005 Nr. 18 E. 5.7.1 S. 164). 

Mit  dem Einmarsch der  KFOR am 12. Juni  1999, dem Rückzug der 
letzten serbischen Truppen am 20. Juni 1999 und der Übergabe der 
polizeilichen und militärischen Funktionen an die internationalen Be-
hörden UNMIK (United Nations Interim Administration Mission in Koso-
vo) und KFOR hat sich die Situation in Kosovo seit der Ausreise der 
Beschwerdeführerin  im [...]  1998 massgeblich  und nachhaltig  verän-

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dert (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3 S. 380). Am 17. Februar 2008 hat Ko-
sovo einseitig die Unabhängigkeit von Serbien erklärt, und am 15. Juni 
2008 ist  die kosovarische Verfassung in Kraft  getreten.  In  dieser  ist  

weiterhin eine internationale zivile und militärische Präsenz vorgese-
hen.  Derzeit  bestehen mit  der UNO-Verwaltung (UNMIK), welche  nur 
noch im serbisch dominierten Norden relevant  ist,  und der seit  dem 

9. Dezember 2008 unter Führung der Europäischen Union (EU) opera-

tiven Rechtsstaatlichkeitsmission "European Union Rule  of  Law Mis-
sion in Kosovo" (EULEX) sowie der KFOR drei internationale Missio-
nen. Die EULEX soll die kosovarischen Institutionen in den Bereichen 
Polizei, Gerichtsbarkeit und Zoll unterstützen (vgl. dazu Vedran Dzihic, 
Helmut Kramer, Der unabhängige Kosovo im Herbst  2009: Kann die 
EULEX-Mission ihre Aufgabe erfüllen?, Friedrich Ebert Stiftung, Okto-
ber 2009 S. 17 ff.). Für die Sicherheit sind die KFOR-Truppen und in -
ternationale Polizeikräfte zusammen mit der kosovarischen Polizei "Ko-
sovo Police Service" (KPS) und der kleinen kosovarischen Armee "Ko-
sovo Security Force" (KSF) zuständig. 

Von den  192  Mitgliedstaaten  der  UNO haben  bisher  69  Staaten  im 
Nachgang  der  kosovarischen  Unabhängigkeitserklärung,  darunter 
auch 22 der 27 Staaten der EU, Kosovo als von Serbien unabhängigen 
Staat  anerkannt  (vgl. Neue Zürcher  Zeitung vom 23. Juli  2010). Die 
Anerkennung durch die Schweizer Regierung erfolgte am 27. Februar 
2008. In einem zur Publikation vorgesehenen Urteil (D-7561/2008 vom 
15. April  2010) hat das Bundesverwaltungsgericht festgehalten, dass 
die  Anerkennung  der  Unabhängigkeitserklärung  Kosovos  durch  den 
Bundesrat sich einer gerichtlichen Überprüfung entzieht. Nach Schwei-
zer  Recht  ist  Kosovo  heute  somit  ein  unabhängiger  Staat.  Von  der 
UNO ist die Unabhängigkeit Kosovos allerdings nach wie vor nicht an-
erkannt. 

Am 22. Juli 2010 hat der Internationale Gerichtshof (IGH) der UNO in 
Den Haag in einem Rechtsgutachten zur Frage der Vereinbarkeit der 
einseitigen Unabhängigkeitserklärung Kosovos vom 17. Februar 2008 
mit  dem Völkerrecht  Stellung  bezogen,  welche  ihm  auf  Antrag  Ser-
biens  von der  UNO-Generalversammlung vorgelegt  worden war. Der 
IGH stellte fest, die einseitige Unabhängigkeitserklärung Kosovos ha-
be weder  gegen das allgemeine Völkerrecht  verstossen noch gegen 
die Resolution 1244 des Sicherheitsrates vom 10. Juni 1999 – gemäss 
welcher Kosovo ein Teil Jugoslawiens ist – noch gegen die gestützt auf 
die Resolution unter der Schirmherrschaft von UNMIK erlassenen Vor-

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schriften zur provisorischen Selbstverwaltung Kosovos ("Constitutional 
Framework  for  Provisional  Self-Government").  Diese  Rechtsmeinung 
der höchsten Rechtsinstanz der UNO ist zwar nicht bindend und be-
zieht sich gemäss der eingeschränkten Fragestellung lediglich auf die 
Rechtmässigkeit  der  Unabhängigkeitserklärung  Kosovos.  Die  Staat-
lichkeit  Kosovos  als  Folge  der  Unabhängigkeitserklärung  sowie  die 
Frage  eines  allfälligen  Selbstbestimmungsrechts  der  kosovarischen 
Bevölkerung und die  Rechtmässigkeit der Sezession Kosovos lagen 
ausserhalb der Kognition des Gerichtshofs.

Der ehemalige so genannte Verfolgerstaat ist heute in Kosovo faktisch 
nicht mehr vorhanden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin würde 
so gesehen nicht bedeuten, dass sie sich unter den Schutz des ehe-
maligen Verfolgerstaates stellen würde, da sie zu den Angehörigen ih-
rer  eigenen,  albanischen  Ethnie  zurückkehren  und  sich  unter  den 
Schutz der kosovarischen Sicherheitskräfte und Behörden stellen wür-
de. Bei dieser Sachlage stünde der Beschwerdeführerin demnach heu-
te möglicherweise eine unter dem Sicherheitsaspekt valable Rückkehr-
möglichkeit  nach  Kosovo  offen,  wo  künftige  asylrechtlich  relevante 
Übergriffe ausgeschlossen werden können. 

4.6 Mit der Unabhängigkeit  Kosovos und der Tatsache, dass Kosovo 
gestützt  auf  die Verfassung und das Staatsangehörigkeitsgesetz den 
Erwerb  der  kosovarischen  Staatsangehörigkeit  regelt,  stellt  sich  die 
Frage,  ob der Beendigungsgrund "Erwerb einer neuen Staatsangehö-
rigkeit" von Art. 1C Ziff. 3 FK im vorliegenden Fall anwendbar ist. Diese 
Bestimmung sieht  vor,  dass  die  Rechtsstellung als  Flüchtling  endet, 
wenn  dieser  eine  neue  Staatsangehörigkeit  erwirbt  und  den  Schutz 
des Landes, dessen Staatsangehörigkeit er erworben hat, geniesst. 

4.6.1 Aus der Entstehungsgeschichte der UNO-Flüchtlingskonvention 
geht  hervor, dass die  Beendigungsklausel  von Art. 1C Ziff. 3  FK für 
den Fall konzipiert wurde, dass ein Flüchtling aus eigener Initiative ei-
ne neue  Staatsangehörigkeit eines Drittstaates – nicht des Verfolger- 
oder  Heimatstaates  –  erwirbt.  In  den  Beratungen  zu  dieser  Bestim-
mung wurde der Fall erwähnt, dass der Aufnahmestaat eines Flücht -
lings sich mit der Situation konfrontiert sieht, dass der von ihm aner-
kannte Flüchtling die Staatsangehörigkeit eines Drittstaates erworben 
hat und daher eventuell nicht mehr des Schutzes des Aufnahmestaa-
tes bedarf  (ALEX TAKKENBERG/CHRISTOPHER C. TAHBAZ,  The Collected Tra-
vaux  Préparatoires  of  the  1951  Geneva  Convention  Relating  to  the 

Seite 21

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Status  of  Refugees,  Vol.  III,  Amsterdam  1989,  S.  423,  U.N. 
Doc. A/CONF.2/SR.23 S. 19 vom 16. Juli 1951; JAMES C. HATHAWAY, The 
Law of Refugee Status, Toronto and Vancouver 1991, S. 210). In den 
Beratungen bestand Konsens darüber, dass niemand gezwungen wer-
de könne, eine neue Staatsangehörigkeit anzunehmen, weshalb diese 
Bestimmung  ausschliesslich  den  freiwilligen  Erwerb  einer  neuen 
Staatsangehörigkeit  erfassen sollte (TAKKENBERG/TAHBAZ,  a.a.O. S. 422, 
U.N. Doc. A/CONF.2/SR.23 S. 17 vom 16. Juli 1951; HATHAWAY,  a.a.O., 
S. 210, Fn 126). Die Beendigungsklausel von Art. 1C Ziff. 3 FK sollte 
demnach nicht  bezwecken,  einem Flüchtling  die  Staatsangehörigkeit 
des Herkunfts- oder Verfolgerstaates gegen seinen Willen aufzudrän-
gen. Vielmehr  wollte  man eine Entlastung der  Aufnahmestaaten von 
Flüchtlingen ermöglichen, wenn letztere mit dem Erwerb der Staatsan-
gehörigkeit  eines  Drittstaates  dort  tatsächlich  Schutz  erhielten 
(HATHAWAY, a.a.O., S. 210). 

Art. 1C Ziff. 3  FK soll  demnach nur in denjenigen Fällen zur Beendi-
gung des Flüchtlingsstatus führen, in welchen der Erwerb einer neuen 
Staatsangehörigkeit  auch  tatsächlich  den  Schutz  des  betreffenden 
Staates mit sich bringt. Die neu erworbene Staatsangehörigkeit muss 
nach internationalem Recht wirksam sein, und die betroffene Person 
muss die Fähigkeit und den Willen haben, den Schutz des Staates ih-
rer neuen Nationalität in Anspruch zu nehmen (ATLE GRAHL-MADSEN, The 
Status of Refugees in International Law, Leyden 1966, S. 396; Office of 
the United Nations High Commissioner for Refuges Geneva, The Ces-
sation  Clauses:  Guidelines  on  their  Application,  UNHCR Genf,  April  
1999 Ziff. 17). Zur Effektivität  der neuen Staatsangehörigkeit wird  mit 
Bezugnahme  auf  den  Fall  Nottebohm  (Urteil  des  IGH  vom  6.  April 
1955 i.S. Liechtenstein gegen Guatemala) bisweilen  auch eine echte, 
tatsächliche Bindung ("a genuine link") zwischen dem Individuum und 
dem Staat, dessen Staatsangehörigkeit dieses erwirbt, vorausgesetzt 
(HATHAWAY, a.a.O., S. 527; UNHCR Genf, a.a.O., Ziff. 17). 

Als konkrete Anwendungsfälle, in denen der Genuss des Schutzes und 
damit auch die Anwendbarkeit von Art. 1C Ziff. 3 FK zu bejahen sind, 
werden  in  der  Lehre  einerseits  die  Einbürgerung  eines  Flüchtlings 
durch  den  Aufnahme-  beziehungsweise Wohnsitzstaat  genannt,  wel-
che den sofortigen Genuss aller mit der Staatsangehörigkeit verbunde-
nen Rechte und Vorteile zur Folge hat,  und andererseits der Erwerb 
der Staatsangehörigkeit eines  Drittstaates – also nicht des Verfolger- 
oder  Herkunftsstaates  –  durch  Heirat  oder  durch  Einbürgerung  auf-

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grund besonderer Verdienste, sofern der Flüchtling dort  keine Verfol-
gung zu befürchten hat (GRAHL-MADSEN, a.a.O., S. 396 f.). 

Im vorliegend zu beurteilenden Fall würde die Beschwerdeführerin mit 
der kosovarischen Staatsangehörigkeit die Nationalität des Teilnachfol-
gestaates (Kosovo) auf einem Teilgebiet des vormaligen Verfolgerstaa-
tes (Serbien) erwerben, was eine Konstellation darstellt, für welche – 
wie vorstehend ausgeführt – Art. 1C Ziff. 3 FK ursprünglich nicht konzi-
piert  war. Ist  der neue Staat, dessen Staatsangehörigkeit der Flücht-
ling (allenfalls ex lege) erwirbt,  der Nachfolgestaat  seines Herkunfts-
staates, muss sorgfältig geprüft werden, ob der Flüchtling dort Schutz 
wird geniessen können, um zu vermeiden, dass die Aberkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  zu  Verfolgung  im  Nachfolgestaat  führt 
(HATHAWAY, a.a.O., S. 527 f., der auch auf die Verpflichtung der Konven-
tionsstaaten gemäss Art. 34 FK hinweist, soweit wie möglich die Ein-
gliederung und Einbürgerung von Flüchtlingen im Aufnahmestaat  zu 
erleichtern, und festhält, im Zweifelsfall sollte in dubio pro refugio ent-
schieden werden).  Die ARK hat in EMARK 1998 Nr. 15 in Änderung 
der Rechtsprechung entschieden, die Aberkennung der Flüchtlingsei-
genschaft  infolge einer neu erworbenen Staatsangehörigkeit  gemäss 
Art. 1C Ziff. 3 FK setze keinen freiwilligen Erwerb voraus, wenn dem 
Flüchtling im Rahmen einer Staatennachfolge und in Übereinstimmung 
mit  dem internationalen Recht von einem neu gebildeten Staat  kraft 
Gesetz und ohne Mitwirkung der betroffenen Person dessen Staatsan-
gehörigkeit verliehen wird (EMARK 1998 Nr. 15 E. 8 und 9a S. 123 ff.).

Diesem Entscheid  lag  indessen  eine  andere  Konstellation  zugrunde 
als die hier  zu beurteilende: Es handelte sich um einen Serben aus 
Bosnien-Herzegowina, welchem im Jahr 1995 Asyl in der Schweiz ge-
währt worden war. Da er in der Folge einen Reisepass der Bundesre-
publik Jugoslawien (Restjugoslawien) erwarb, wurde ihm im Jahr 1997 
die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen. Zur Be-
gründung wurde angeführt,  dem Beschwerdeführer  sei  Asyl  gewährt 
worden,  weil  er  auf  dem  damaligen  Gebiet  Jugoslawiens,  welches 
1992 als Bosnien und Herzegowina unabhängig wurde, verfolgt wor-
den war. In Restjugoslawien, dessen Staatsangehörigkeit er später er-
worben hatte und in welches er in der Folge auch gereist war, hatte er 
keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten.

Die  Konstellation,  welche  dem  genannten  Entscheid  EMARK  1998 
Nr. 15 zugrunde lag, unterscheidet sich demnach von der hier zu beur-

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teilenden insofern in zwei wesentlichen Punkten: Zum einen hat dort 
der Betroffene nicht nur die Staatsangehörigkeit eines Nachfolgestaa-
tes von Ex-Jugoslawien erhalten, sondern (durch Ausstellung und Ver-
wendung eines Passes) auch dessen Schutz in Anspruch genommen, 
und zum anderen umfasste der Nachfolgestaat der damaligen Bundes-
republik Jugoslawien (bestehend aus Serbien und Montenegro) nicht 
das  Gebiet,  wo  es  zu  Verfolgungshandlungen  gekommen  war  (Bos-
nien-Herzegowina).

Aus EMARK 1998 Nr. 15 kann deshalb nicht abgeleitet werden, dass 
der von Gesetzes wegen erfolgte Erwerb der kosovarischen Staatsan-
gehörigkeit durch die Beschwerdeführerin bereits zur Beendigung ihrer 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 1C Ziff. 3 FK führt. Ist auf dem Ge-
biet, wo ehemals die Verfolgung stattfand, ein neuer Staat entstanden, 
dessen Staatsangehörigkeit  der Flüchtling ex lege erworben hat,  ge-
nügt  dies  allein noch nicht,  um die  Beendigungsklausel  von Art. 1C 
Ziff. 3 FK anzuwenden; vielmehr ist dazu, wie vorstehend ausgeführt,  
ebenfalls die freiwillige Inanspruchnahme und der effektive Erhalt des 
Schutzes dieses neuen Staates durch den Flüchtling erforderlich. Ist 
dies nicht der Fall, stellt sich andererseits die Frage, ob es dem be trof-
fenen Flüchtling allenfalls zumutbar ist, sich unter den Schutz des neu 
entstandenen Staates zu stellen. Diese Frage ist indessen kein Kriteri-
um der Ziff. 3 der Beendigungsklauseln von Art. 1C FK, sondern unter 
dem Titel von Ziff. 5 zu prüfen: Es stellt sich danach die Frage, ob es 
die betroffene Person nach Wegfall der Umstände, auf Grund derer sie 
zum Flüchtling  wurde,  nicht  mehr  ablehnen  kann,  den  Schutz  ihres 
Heimatlandes in Anspruch zu nehmen.

4.7
4.7.1 Gemäss der Beendigungsklausel von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 1 FK 
endet die Rechtsstellung als Flüchtling, wenn die betreffende Person 
nach Wegfall der Umstände, auf Grund derer sie als Flüchtling aner-
kannt worden ist, es nicht mehr ablehnen kann, den Schutz ihres Hei-
matstaates  in  Anspruch  zu  nehmen.  Diese  "Wegfall-der-Umstände-
Klausel" ist nicht anwendbar auf diejenigen Flüchtlinge, welche diesen 
Schutz aus zwingenden, auf frühere Verfolgung zurückgehenden Grün-
den weiterhin ablehnen können (Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 FK). 

Eine erlittene Vorverfolgung ist  nämlich auch nach Wegfall  einer zu-
künftig  drohenden  Verfolgungsgefahr  weiterhin  als  asylrechtlich  rele-
vant zu betrachten, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat 

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aus zwingenden, auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht 
zumutbar ist. Bei dieser Auslegung von Art. 3 AsylG zieht das Bundes-
verwaltungsgericht in Weiterführung der Praxis der ARK (vgl. EMARK 
1993 Nr. 31 S. 220 ff.; bestätigt in 1995 Nr. 16 S. 166 ff.; 1996 Nr. 10 
S. 74  ff.;  1996  Nr. 42  S. 371  ff.;  1997  Nr. 14  S. 121  ff.;  2001  Nr. 3 
S. 12 ff.)  die entsprechende Formulierung der Ausnahmebestimmung 
von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 FK bei (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.4 S. 380 f.). 

4.7.2 "Zwingende  Gründe"  im  Sinne  der  Rechtsprechung  liegen  zu-
nächst einmal vor, wenn der Flüchtling unter einem Langzeittrauma lei-
det,  weil  er  oder seine nahen Angehörigen schwerwiegenden Verfol-
gungen  (insbesondere  Folterungen)  ausgesetzt  waren  (vgl.  EMARK 
1995  Nr.  16  E.  6d  S.  166  ff.;  1996  Nr.  10  S.  74  ff.;  1996  Nr.  42 
S. 371 ff.). Als weitere Kategorie "zwingender Gründe" gilt sodann eine 
trotz Änderung des Regimes andauernde feindselige Haltung (insbe-
sondere Diskriminierung) weiter Teile der einheimischen Bevölkerung 
gegenüber  Staatsangehörigen,  welche  dieselbe  politische  Anschau-
ung, Religion etc. haben wie der betreffende Flüchtling (vgl. EMARK 
1995 Nr. 16 E. 6d S. 166 ff.). 

Der  Begriff  der  "zwingenden Gründe" bezieht  sich somit  auf  psychi-
sche Blockaden des Flüchtlings, welche der Rückkehr in den Heimat-
staat entgegenstehen und ihn aufgrund der in der Vergangenheit erlit-
tenen Verfolgung daran hindern, sich als Mitglied seines Heimatstaa-
tes zu betrachten (vgl. EMARK 1995 Nr. 16 E. 6d S. 167; 1996 Nr. 10 
S. 74). Derartige Gründe sind nicht erst bei einem Asylwiderruf zu be-
achten, sondern bereits im Zeitpunkt der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft (vgl. EMARK 1993 Nr. 31 E. 10 S. 223).

4.7.3 Wie bereits erwähnt, hat die ARK in EMARK 2001 Nr. 3 S. 10 ff. 
die grundsätzliche analoge Anwendbarkeit  von Art. 1C Ziff. 5 FK bei 
der  Frage der  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  in  Bezug auf 
Kosovo bejaht.  Liegen "zwingende Gründe" im Sinne der Ausnahme-
bestimmung  von  Art.  1C  Ziff.  5  Abs.  2  der  FK  vor,  ist  gemäss  in 
EMARK 2001 Nr. 3 publizierter  Praxis (siehe oben E. 4.7.1),  welche 
vom Bundesverwaltungsgericht mit BVGE 2007/31 weitergeführt wird, 
Asyl suchenden Personen aus Kosovo Asyl zu gewähren, auch wenn 
die Umstände, die zur erlittenen Verfolgung von serbischer Seite führ-
ten,  weggefallen  sind,  sofern  die  Ausreise  vor  dem  Einmarsch  der 
KFOR-Truppen am 12. Juni 1999 erfolgte und im Zeitpunkt der Ausrei-

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se  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  war  (vgl.  BVGE  2007/31  a.a.O. 
E. 5.4 S. 380). 

Dass die Ausreise der Beschwerdeführerin und ihrer [...] Kinder im [...] 
1998,  mithin [...] vor Einmarsch der KFOR-Truppen erfolgte, ist unbe-
stritten. Wie vorstehend dargelegt, erfüllte die Beschwerdeführerin da-
her im Zeitpunkt der Ausreise die Flüchtlingseigenschaft. 

Die eingereichten ärztlichen Berichte vom 5. September 2001, 7. Sep-
tember 2002, 9. April 2005 und 9. Juni 2005 sowie vom 28. Mai 2007 
wurden alle  von derselben Psychiaterin  erstellt,  bei  welcher  die  Be-
schwerdeführerin seit August 2001 in regelmässiger psychotherapeuti-
scher und medikamentöser Behandlung ist. Die Berichte diagnostizie-
ren der Beschwerdeführerin konstant eine auf die erlittenen Vergewal-
tigungen  zurückzuführende  posttraumatische  Belastungsstörung  mit 
mittelgradig bis schwer depressiven Symptomen (ICD 10 F. 43.1). Auf-
grund dieser von fachlich kompetenter Seite erstellten Arztberichte er-
achtet es das Bundesverwaltungsgericht als erstellt, dass bei der Be-
schwerdeführerin  vom  Bestehen  einer  schweren  posttraumatischen 
Belastungsstörung  und  daher  von  einer  Langzeittraumatisierung  im 
Sinne der zitierten Rechtsprechung (vgl. insbesondere EMARK 2001 
Nr. 3) auszugehen ist, welche auf die während der Flucht erfolgte Ver-
gewaltigung durch serbische Soldaten zurückzuführen ist. Dass sie zu-
dem als Mutter  die gegen mehrere ihrer Töchter ausgeübte sexuelle 
Gewalt miterleben musste und diese nicht verhindern konnte, dürfte ei-
ne weitere Ursache für die Langzeittraumatisierung sein. 

4.8 Nach Kenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  wird  sexuelle 
Gewalt in der kosovo-albanischen Gesellschaft stark tabuisiert. Verge-
waltigungen und weitere  Formen sexueller  sowie  geschlechtsspezifi-
scher Gewalt werden aufgrund der kulturellen Stigmatisierung der Op-
fer und ihrer Familien sowie der Tatsache, dass sich die Opfer nicht im-
mer auf effektiven staatlichen Schutz verlassen können, den Behörden 
oft nicht gemeldet (U.S. Department of State, 2009 Human Rights Re-
port:  Kosovo,  11.03.2010,  http://www.state.gov/g/drl/rls/hrrpt/ 
2009/eur/136039.htm,  abgerufen  am 30.06.2010; UNHCR,  UNHCR's 
Eligibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs 
of Individuals from Kosovo, 09.11.2009, S. 20, http://www.ecoi.net/file_ 
upload/ 90_1257857081_ kos20091109unhcr.pdf, abgerufen am 01.04. 
2010). Eine "Tradition  des Schweigens bezüglich  häuslicher  Gewalt, 
sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung" behindert  eine wirksame 

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Unterstützung der Frauen (U.S. Department of State, 2009, a.a.O.). Da 
die Ehre der Frau als Bestandteil der Ehre des Mannes erachtet wird 
beziehungsweise die Ehre des Mannes vom Verhalten seiner weibli-
chen  Familienangehörigen  (Virginität,  Treue,  Schamhaftigkeit)  ab-
hängt, bedeuten Übergriffe auf die Frauen für den Mann, dem sie "an-
vertraut" sind, eine schwere Ehrverletzung.  Wird eine Vergewaltigung 
publik, kann es insbesondere in kleinen Dorfgemeinschaften vorkom-
men, dass vom Opfer ein Suizid erwartet wird, um die Schande von 
der Familie abzuwenden (vgl. Institute of  War and Peace Reporting, 
a.a.O E. 4.2). Die Opfer können vom Ehemann und der eigenen Fami-
lie verstossen werden; unverheiratete Vergewaltigungsopfer sowie ihre 
Schwestern  können unter Umständen nie heiraten. Manche Familien 
von Opfern  verlassen die Heimat,  um der  Stigmatisierung zu entge-
hen. 

Laut dem Institute of War and Peace Reporting wählten serbische Pa-
ramilitärs während des Kosovo-Krieges im Wissen um die verheeren-
den Auswirkungen von Vergewaltigungen auf die betroffenen Gemein-
schaften  gezielt  weibliche  Familienangehörige  von  UÇK-Kämpfern 
oder von Männern aus, welche der Unterstützung der kosovarischen 
Befreiungsarmee verdächtigt wurden. Wie viele albanische Frauen und 
Mädchen  im  Laufe  des  Kosovo-Krieges  Opfer  von  sexueller  Gewalt 
serbischer Sicherheitskräfte und Paramilitärs wurden, ist nicht zuletzt 
aufgrund der  Tabuisierung des Themas und der  Stigmatisierung der 
Opfer bis heute unklar. Viele Frauen leugnen erlittene Vergewaltigun-
gen sogar in denjenigen Fällen, in welchen diese offensichtlich stattge-
funden haben und es dafür Zeugen gibt. Die wenigen Opfer, die bereit 
sind, diese "Solidarität im Schweigen" zu brechen und öffentlich über 
die Vergewaltigungen zu sprechen wagen, riskieren eine soziale Äch-
tung (vgl. Institute of War and Peace Reporting, a.a.O.). 

Aufgrund  dieser  im  kosovarischen  Kulturkreis  verbreiteten  Tabuisie-
rung der Vergewaltigung im Allgemeinen und der als Kriegswaffe ein-
gesetzten  Vergewaltigungen  von  albanischen  Frauen  und  Mädchen 
durch serbische Sicherheitskräfte während des Kosovo-Krieges im Be-
sonderen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Ko-
sovo unter der ablehnenden Haltung durch den wohl überwiegenden 
Teil der kosovarischen Bevölkerung in unzumutbarer Art und Weise zu 
leiden hätte. 

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4.9 Gestützt auf diese Erwägungen gelangt das Bundesverwaltungs-
gericht  zum Ergebnis,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Inanspruch-
nahme des Schutzes ihres Heimatstaates Kosovo aus zwingenden, auf 
früherer Verfolgung beruhenden Gründen im Sinne von Art. 1C Ziff. 5 
Abs. 2 FK weiterhin ablehnen kann. Die Erinnerung an die erlittenen 
schweren  Verfolgungshandlungen,  insbesondere  an  die  Vergewalti-
gung, manifestiert sich bei der Beschwerdeführerin bis heute in einer 
Langzeittraumatisierung. Als von serbischen Soldaten vergewaltigte al-
banische Frau müsste sie in Kosovo zudem mit hoher Wahrscheinlich-
keit  unter  der  ablehnenden  Haltung  und  der  Stigmatisierung  leiden, 
welche der überwiegende Teil der kosovarischen Bevölkerung verge-
waltigten Frauen entgegenbringt. Im vorliegenden Fall sind somit die in 
der zitierten Rechtsprechung herausgearbeiteten Hauptkategorien von 
zwingenden, auf früherer Verfolgung beruhenden Gründen einschlägig 
– Langzeittraumatisierung aufgrund von Vergewaltigung sowie andau-
ernde diskriminierende Haltung eines überwiegenden Teils der Bevöl-
kerung – erfüllt. Diese Gründe verunmöglichen es der Beschwerdefüh-
rerin psychisch, sich als Mitglied ihres Heimatstaates Kosovo zu be-
trachten und dessen Schutz in Anspruch zu nehmen. Die Frage, ob die 
Beschwerdeführerin  – wie von der  Vorinstanz auf  Vernehmlassungs-
stufe  angenommen  –  die  psychischen  Beeinträchtigungen  in  ihrem 
Heimatland adäquat behandeln lassen könnte, ist daher nicht von Be-
lang. 

5.
Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die von der Beschwerdefüh-
rerin glaubhaft gemachte Vorverfolgung unter Berücksichtigung "zwin-
gender Gründe" im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 
FK flüchtlingsrechtlich erheblich  ist,  weshalb die Beschwerdeführerin 
die Flüchtlingseigenschaft  nach Art. 3 AsylG erfüllt.  Da  aufgrund der 
Akten keinerlei Hinweise auf das Vorliegen allfälliger Asylausschluss-
gründe im Sinne von Art. 53 AsylG bestehen, ist  ihr  in der Schweiz 
Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 

6.
Aufgrund der  vorstehenden Erwägungen ergibt  sich,  dass  die  ange-
fochtene Verfügung der Vorinstanz vom 3. August  2001 Bundesrecht 
verletzt. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene 
Verfügung aufzuheben und das BFM anzuweisen, der Beschwerdefüh-
rerin Asyl zu gewähren. 

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7.  
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung wird daher gegenstandslos. 

7.2 Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteientschädi-
gung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (vgl. Art.  64 Abs. 
1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE]).  Der  aktuelle  Vertreter  der  Be-
schwerdeführerin hat  am 2. September 2010 eine Kostennote in der 
Höhe von Fr. 2'030.– zu den Akten gereicht, in welcher er einen zeitli-
chen  Aufwand  von  19  Stunden  (bei  einem  Stundenansatz  von 
Fr. 100.– bis 31. Dezember 2006 und von Fr. 150.– ab 1. Januar 2007) 
sowie eine Spesenpauschale von Fr. 55.– ausweist. Der zeitliche Auf-
wand erscheint  als  angemessen. In  diesem Betrag ist  die Parteient-
schädigung für die bis zur Einbürgerung im Beschwerdeverfahren der 
Mutter eingeschlossenen [...] Kinder mit enthalten. In Anwendung von 
Art.  8,  9  und  11  VGKE  ist  die  Parteientschädigung  somit  auf  total 
Fr. 2'030.– festzusetzen und das  Bundesamt anzuweisen, diesen Be-
trag der Beschwerdeführerin auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die angefochtene Verfügung vom 3. August 2001 wird aufgehoben und 
das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren. 

3.
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens werden keine Verfahrenskosten 
erhoben. 

4.
Das BFM hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von ins-
gesamt Fr. 2030.– auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N [...]   (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Jacqueline Augsburger

Versand: 

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