# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9456d50a-0eda-5eb2-88a6-8fb237ad82ef
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-08-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.08.2018 E-2280/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2280-2018_2018-08-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2280/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  A u g u s t  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Mia Fuchs, Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiberin Denise Eschler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Lea Hungerbühler, AsyLex,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 19. März 2018 / N (…). 

 

 

 

E-2280/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Hazara schiitischen Glaubens aus 

B._______ (phonetisch; Distrikt Jaghatu, Provinz Ghazni) – verliess seinen 

Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im (…) 2015 (30. Mizan 1394) auf 

legalem Weg. Am 15. Juni 2017 wurde der Beschwerdeführer im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ angehört.  

Sein Asylgesuch begründete der Beschwerdeführer im Wesentlichen da-

mit, er habe nach einem Jahr Arbeitslosigkeit eine Stelle bei [einer der Si-

cherheitsbehörden des Staates (in der Folge D._______)] angeboten er-

halten und angenommen (A27 F50). Nach einer Grundausbildung in Kabul 

ab dem (…) Februar 2013 habe er ab dem (…) April 2013 an einem Stütz-

punkt in der Stadt Ghazni in der (...)abteilung zu arbeiten begonnen (A27 

F49 ff. und 74 ff.). Noch im selben Jahr hätten die Taliban erfahren, dass 

er bei der D._______ arbeite (A27 F47 und 112). Er und andere Mitarbeiter 

hätten eine Bestätigung unterschreiben müssen, mit welcher der Arbeitge-

ber jegliche Verantwortung bezüglich Gefahren auf den Heimwegen der 

Unterschreibenden von sich weise (A27 F47 und 119 f.). Ende März 2015 

sei seine Familie schliesslich aus Sicherheitsgründen aus dem Dorf in die 

Stadt Ghazni gezogen (A27 F106). Am 14. September 2015 hätten die Ta-

liban ein Gefängnis in Ghazni angegriffen, wobei 450 Taliban-Mitglieder be-

freit worden seien (A27 F46). Der Beschwerdeführer sei ab dem Folgetag 

jeweils zwei bis drei Tage wöchentlich auf Aussenoperationen geschickt 

worden, wo er unter anderem in Checkpoints gedient und Hausdurchsu-

chungen durchgeführt habe (A27 F46, 92 und 96 ff.). Am ersten Tag der 

Aussenoperationen habe er beschlossen, Afghanistan zu verlassen (A27 

F100). Zuerst habe er einen Pass und anschliessend heimlich ein Visum 

beantragt, bevor er für 24 Stunden frei genommen habe und ausgereist sei 

(A27 F125). Sein Vater sei danach vorgeladen und befragt worden (A27 

F48 und 126 f.). Er selbst habe keine direkten Begegnungen mit den Tali-

ban gehabt (A27 F124). 

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit für 

den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. 

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer verschiedene Zeugnisse 

(Maturazeugnis, Universitätsdiplom, Computerkurszeugnis, Kursbestäti-

gung "Intelligence Course", Kursbestätigung Personalwesen), arbeitsbezo-

gene Dokumente (Referenz D._______, Arbeitsausweis, Karte Dienstmo-

torrad, zwei "Weapon Access Card" und einen Arbeitsausweis/-Badge), 

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Seite 3 

Identitätsdokumente (Passkopie und eine Originaltazkira), diverse persön-

liche Notizen und Unterlagen europäischer Staaten zu den Akten. 

B.  

Das SEM lehnte mit Verfügung vom 19. März 2018 das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers vom 11. November 2015 ab und ordnete die Wegwei-

sung sowie den Vollzug der Wegweisung an. Es begründete seinen Ent-

scheid damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforde-

rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) 

nicht standhalten. 

C.  

Mit Eingabe vom 18. April 2018 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen 

Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, 

der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, die Angelegenheit sei zur ver-

tieften Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers anzuerkennen und ihm sei 

Asyl sowie subeventualiter die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Kostenbe-

freiung (recte: unentgeltliche Prozessführung) und um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. 

Der Beschwerdeführer reichte verschiedene Beweismittel (eine Kopie sei-

ner D._______ Weapon Access Card, einen Zeitungsartikel zum Angriff der 

Taliban auf ein Gefängnis in Ghazni, einen Zeitungsartikel zur Exekution 

von elf Geiseln in Ghazni, das Privatgutachten eines afghanischen Anwalts 

und Menschenrechtsspezialisten, das Gutachten des Instituts für Rechts-

medizin der Universität E._______ vom 20. Oktober 2016 [zur erlittenen 

Verletzung des am 27. Mai 2016 Verletzten], diverse Referenzschreiben 

[darunter auch jenes des Verletzten] und ein Bestätigungsschreiben der 

Universität E._______ für das Schnuppersemester) ein. 

D.  

Mit Verfügung vom 2. Mai 2018 wurde das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und es wurde auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses verzichtet. Zudem wurde die Vorinstanz 

zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. 

E.  

Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 9. Mai 2018 an ihrer Ver-

fügung fest. 

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Seite 4 

F.  

In seiner Replik vom 31. Mai 2018 hielt der Beschwerdeführer seinerseits 

vollumfänglich an seinen Beschwerdevorbringen fest und reichte verschie-

dene Beweismittel nach (zwei Artikel betreffend die Lage in Ghazni, zwei 

nicht übersetzte Bildschirmfotos von Veröffentlichungen auf Facebook [an-

geblich eines bezüglich der unsicheren Lage in Ghazni und eines bezüglich 

der Todesanzeige der Tante] und eine Erweiterung zum Privatgutachten 

des afghanischen Anwalts und Menschenrechtsspezialisten). 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

  

E-2280/2018 

Seite 5 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel auf dem Weg 

der Aktenzirkulation (Art. 41 Abs. 1 VGG). Eine mündliche Beratung ge-

mäss Art. 41 Abs. 2 VGG ist vorliegend nicht notwendig, sind doch weder 

aus rechtlicher noch sachlicher Sicht weitere Erörterungen erforderlich. 

Der Antrag auf eine mündliche Verhandlung ist folglich abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Bei den in Art. 3 Abs. 2 AsylG genannten Massnahmen, welche eine 

Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit bewirken, gilt die gesetzliche 

Vermutung, dass diese einen weiteren Verbleib der betroffenen Person im 

Heimat- oder Herkunftsstaat unzumutbar machen. Diese Vermutung gilt je-

doch nur, wenn der Zusammenhang zwischen Verfolgung und Verlassen 

des Landes in zeitlicher und sachlicher Hinsicht genügend eng ist und der 

erlittene Eingriff eine bestimmte Intensität aufweist. Lediglich geringe 

Beeinträchtigungen genügen dazu nicht, da das Asylrecht nicht Opfer 

jeglichen Unrechts schützen will. Wo die Zumutbarkeitsschwelle liegt, ist 

im Einzelfall festzulegen, wobei nach den verschiedenen Eingriffsarten zu 

unterscheiden ist (vgl. ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN,  

Handbuch des Asylrechts, 2. vollständig überarbeitete Auflage, 

Bern/Stuttgart 1991, S. 77). Eingriffe in andere menschenrechtlich 

geschützte Rechtsgüter als Leib, Leben oder Freiheit, unter Umständen 

auch wiederholte, zu wenig intensive Eingriffe in Leib und Freiheit, gelten 

nach Art. 3 Abs. 2 AsylG dann als Verfolgung, wenn daraus ein 

unerträglicher psychischer Druck entsteht, der einen weiteren Verbleib im 

Heimatstaat für die betroffene Person unzumutbar macht. Der durch den 

Eingriff entstandene unerträgliche psychische Druck ist gemäss der 

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Seite 6 

schweizerischen Asylpraxis dann beachtlich, wenn die Massnahmen und 

deren Auswirkungen den weiteren Verbleib im Heimatstaat als objektiv 

unzumutbar erscheinen lassen. Dabei muss Ausgangspunkt immer ein 

konkreter Eingriff sein, der stattgefunden hat oder mit solcher 

Wahrscheinlichkeit droht, dass die Furcht vor ihm als begründet erscheint, 

wobei der Eingriff auch hier aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten 

Motive erfolgen muss (vgl. a.a.O., S. 79). Beruht der psychische Druck 

demnach einzig auf den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder ähnlichen 

Gegebenheiten in einem Staat, ist er selbst dann nicht flüchtlingsrechtlich 

relevant, wenn die Angehörigen bestimmter politischer, religiöser oder 

ähnlicher Gruppen besonders darunter leiden.  

4.3 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung 

oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete 

Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-

tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

4.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforde-

rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhal-

ten, sodass auf eine Würdigung allfälliger Unglaubhaftigkeitselemente ver-

zichtet werden könne. Zumal bedürfe es für die Zuerkennung der Flücht-

lingseigenschaft eines realen Risikos, d.h. konkreter, deutlicher Anzeichen, 

dass sich eine asylrelevante Verfolgung mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit in absehbarer Zeit verwirklichen wird. Der Beschwerdeführer habe 

hingegen trotz angeblicher Unterwanderung und auch nach dem vagen 

Hinweis seines Arbeitgebers auf das Risiko bei ihm tätig zu sein noch zwei 

Jahre weitergearbeitet und sei in dieser Zeit nie in konkrete, gegen ihn ge-

richtete Schwierigkeiten geraten, obwohl er mehrmals den Stützpunkt ver-

lassen habe. Weiter sei unverständlich, dass er sich – sollte allgemein be-

kannt gewesen sein, dass die Belegschaft auf dem Stützpunkt durch die 

Taliban unterwandert worden sei – in grösserer Gefahr befunden habe als 

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Seite 7 

hunderte Mitarbeiter. Vielmehr sei anzunehmen, die unterschriebene Ver-

antwortlichkeitserklärung sei dafür verwendet worden, die Verantwortlich-

keit des Arbeitgebers für den allgemein gefährlichen Weg des Beschwer-

deführers auszuschliessen. Ausserdem sei nicht nachvollziehbar, weshalb 

seine Familie einer erhöhten Gefahr ausgesetzt gewesen sein solle, wo sie 

doch keine über die vorherrschenden Verhältnisse hinausgehenden, per-

sönlichen Probleme gehabt habe. Ferner habe der Beschwerdeführer sel-

ber angegeben, dass er seine Ausreise am ersten Tag seiner Aussenope-

rationen beschlossen habe, weil er eine allgemeine Verschärfung der Si-

cherheitslage bemerkt habe. Schliesslich bestehe seitens seines ehemali-

gen Arbeitgebers kein konkreter Anlass zur Annahme einer künftigen asyl-

relevanten Verfolgung, welche über legitime staatliche Massnahmen hin-

ausgehen würden. Eine Substantiierung der Bedrohungslage sei dem Be-

schwerdeführer an keiner Stelle möglich gewesen. 

Die Prüfung der Frage, ob der Vollzug der Wegweisung im Sinne von 

Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) unzumutbar sei, führte das SEM weiter 

aus, erübrige sich, wenn die weggewiesene Person zu einer längerfristigen 

Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt oder wenn gegen sie eine 

strafrechtliche Massnahme im Sinne von Art. 61 oder 64 StGB angeordnet 

worden sei (Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG). Vorliegend sei der Beschwerdefüh-

rer zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Angesichts der Tat, wie 

auch des gänzlich unbehelflichen Einwands, dass er "neu" in der Schweiz 

gewesen sei und "die Regeln nicht gekannt" habe, erscheine es als ange-

bracht Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG zur Anwendung zu bringen und den Be-

schwerdeführer von einer vorläufigen Aufnahme auszuschliessen und die 

Öffentlichkeit in der Schweiz so vor weiteren Taten zu schützen. Trotzdem 

analysierte das SEM den Vollzug der Wegweisung zusätzlich im Lichte der 

Rechtspraxis des Bundesverwaltungsgerichts. Es sieht eine innerstaatli-

che Aufenthaltsalternative in Kabul als gegeben, zumal der Beschwerde-

führer ein junger, gesunder Mann mit einem abgeschlossenen Universitäts-

studium sei, welcher sich rasch ins Arbeitsleben integrieren könne und in 

ansprechender Position gearbeitet habe. Von (…) bis (…) habe er in Kabul 

gelebt und verfüge dort mit einem Bruder, einer Tante und diversen Onkeln 

über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz. Eine wirtschaftliche und 

soziale Wiedereingliederung sei nicht anzuzweifeln, sodass sich der Voll-

zug der Wegweisung auch ohne Ausschluss nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG 

als zumutbar erweisen würde. 

5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe hielt der Beschwerdeführer der Verfü-

gung der Vorinstanz insbesondere entgegen, dass die Sicherheitslage in 

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Seite 8 

Afghanistan allgemein sehr instabil sei und die Taliban in Ghazni die Si-

cherheitskräfte regelmässig als Hauptziel für extremistische Angriffe neh-

men würden. Weiter verkörpere er als Akademiker, Hazara und für den 

D._______ arbeitende Person das Feindbild der Taliban in vielfacher Hin-

sicht, sodass er zu einer Risikogruppe gehöre. Der afghanische Staat sei, 

wie bereits im Urteil des BVGer E-2802/2014 vom 15. Januar 2015 richtig-

erweise festgehalten wurde, nicht in der Lage, für die besonders exponier-

ten Risikogruppen einen genügenden Schutz bereitzustellen. Der Stellen-

antritt bei der D._______ habe indes dazu geführt, dass er nur noch auf 

eigenes Risiko in sein Heimatdorf hätte gehen können, zumal Spitzel der 

Taliban sich in den D._______ infiltriert hätten. Ausserdem sei nachvoll-

ziehbar, dass der Beschwerdeführer nach der Warnung des Arbeitgebers 

noch einige Zeit in Afghanistan geblieben sei. In dieser Zeit habe er nämlich 

im Büro gearbeitet und mit anderen Massnahmen für seine Sicherheit sor-

gen können. Die Ausseneinsätze hätten ihn vom (…) September bis (…) 

Oktober 2015 an eine exponierte Stellung platziert, sodass er keine andere 

Möglichkeit gesehen habe, als die Flucht zu ergreifen. Hinzu käme, dass 

das Verlassen des D._______ eine strafbare Handlung darstelle und die 

zu erwartenden Sanktionen offensichtlich über legitime staatliche Mass-

nahmen hinausgehen würden (wie das eingereichte Gutachten ausführe).  

Ausserdem sei eine Wegweisung nach Afghanistan unzulässig, weil dem 

Beschwerdeführer bei Rückkehr eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe 

drohe. Auch erweise sich der Vollzug der Wegweisung nach Kabul als un-

zumutbar. Im vorliegenden Fall seien nämlich die besonders günstigen Vo-

raussetzungen nicht gegeben. Mit seiner Ausbildung im (…) könne eine 

rasche Integration ins Arbeitsleben nicht erwartet werden, zumal solche 

Dienste in der Stadt nicht gefragt seien. Ferner habe er kein Beziehungs-

netz in Kabul.  

5.3 Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung an der Verfügung fest und 

bemerkte, dass es bei einer Referenz auf Art. 3 EMRK eines realen Risikos 

("real risk") bedürfe, welches eine verbotene Strafe bzw. Behandlung über-

wiegend wahrscheinlich erscheinen liesse. Dies sei vorliegend, mit Verweis 

auf das Anhörungsprotokoll, klar zu verneinen. Zudem hätten die afghani-

schen Sicherheitsbehörden ein generelles Interesse daran, von Bestrafun-

gen aufgrund von Desertion abzusehen, um künftige Rekruten nicht abzu-

schrecken. So sei weder allgemein noch individuell davon auszugehen, 

dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers aufgrund seiner 

Desertion aus dem afghanischen Sicherheitsapparat unzulässig wäre. 

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Seite 9 

5.4 Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Replik im Wesentlichen ent-

gegen, dass er gemäss den (eingereichten) Gutachten sehr wohl einer re-

alen Gefahr einer verbotenen Strafe und Behandlung ausgesetzt sei. Im 

Protokoll der Anhörung habe er zwar zugegeben, dass er nicht wisse, wel-

che Strafe er zu erwarten habe. Allerdings habe er klar zu verstehen gege-

ben, dass er bestraft würde. Auch hätten die afghanischen Behörden be-

reits ihren Willen zum drastischen Sanktionieren dadurch zum Ausdruck 

gebracht, dass sie das Elternhaus des Beschwerdeführers kurz nach des-

sen Flucht aufgesucht, durchsucht und den Vater des Beschwerdeführers 

während Stunden festgehalten und befragt hätten. Weiter seien die Quel-

len, welche das SEM zur Abschätzung einer realen Gefahr herangezogen 

habe, bloss auf die Afghan National Army (ANA) bezogen und könnten auf-

grund der unterschiedlichen Aufgaben der Organisationen nicht auf den 

D._______ angewendet werden. Hinzu fügte der Beschwerdeführer, dass 

er einen weiteren Straftatbestand erfülle, weil er seine Waffen vor der 

Flucht im Elternhaus deponiert habe und diese nun bei der Hausdurchsu-

chung gefunden und beschlagnahmt worden seien. Dafür könne unter Um-

ständen sogar die Todesstrafe verhängt werden. Ferner sei eine Tante, 

welche in Kabul gelebt habe, gestorben, worauf  deren Familie in den Iran 

geflüchtet sei. Folglich habe der Beschwerdeführer keine Verwandten 

mehr in Kabul. 

6.  

Vorab ist auf die in der Beschwerdeschrift formulierte Rüge der unvollstän-

digen Sachverhaltsabklärung einzugehen. 

6.1 Im Asylverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht 

zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG). "Unrichtig" ist die 

Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein ak-

tenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt 

wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde 

trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Am-

tes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen 

Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, Art. 

49, in: Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler, VwVG, Kom-

mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gal-

len 2008, Rz. 28, S. 676 f.). Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneinge-

schränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht der asylsuchen-

den Person (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). 

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Seite 10 

6.2 Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass der rechtserhebli-

che Sachverhalt nicht genügend erstellt wurde und weitere Abklärungen 

der Vorinstanz nötig wären. Dass das SEM die Lage nicht im Sinne des 

Beschwerdeführers eingeschätzt hat, ist eine Frage der materiellen Wür-

digung. Damit ist weder ein Verfahrensmangel noch Willkür erkennbar. 

Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist demnach 

abzuweisen.  

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

Recht abgelehnt hat. Die Entgegnungen in der Beschwerdeschrift und der 

Replik vermögen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Zur Ver-

meidung von Wiederholungen kann vorab auf die entsprechenden Erwä-

gungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 

7.2  

7.2.1 Bezüglich der geltend gemachten Verfolgung durch die Taliban ver-

mag der Beschwerdeführer mit dem sinngemässen Wiederholen des ak-

tenkundigen Sachverhalts und dem Nachreichen von Zeitungsartikeln zur 

Belegung der aktuellen Bedrohungssituation der Sicherheitskräfte in 

Ghazni durch die Taliban nicht darzutun, inwiefern die Vorinstanz zu Un-

recht auf eine nicht asylrelevante Verfolgung geschlossen hat.  

7.2.2 Insbesondere hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass es kon-

kreter und deutlicher Anzeichen dafür bedarf, dass sich eine asylrelevante 

Verfolgung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit ver-

wirklichen wird, um die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen. Eine solche 

Verfolgung ist trotz der angeblichen Unterwanderung der Belegschaft des 

D._______ durch die Taliban, des Hinweises des Arbeitgebers und des Un-

terzeichnens einer Verantwortlichkeitserklärung nicht überwiegend wahr-

scheinlich. Diese Einschätzung wird dadurch bestärkt, dass der Beschwer-

deführer noch etwa zwei Jahre nach der Warnung seines Arbeitgebers wei-

tergearbeitet hat, ohne dabei in konkrete, direkt gegen ihn gerichtete 

Schwierigkeiten geraten zu sein, obwohl er den Stützpunkt mehrmals ver-

lassen habe und ab September 2015 im erhöht exponierten Aussendienst 

tätig war. Weiter konnte auch seine Familie nach der mutmasslichen Iden-

tifizierung des Beschwerdeführers durch die Taliban noch etwa zwei Jahre 

im Dorf bleiben (A27 F107), ohne dabei grösseren Problemen mit den Ta-

liban begegnet zu sein (A27 F113).  

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Seite 11 

7.2.3 Seine eigene Erklärung, er habe die Ausreise am ersten Tag seiner 

Aussenoperationen beschlossen, weil er eine allgemeine Verschärfung der 

Sicherheitslage bemerkt habe, ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Be-

schwerdeführer nicht individuell und persönlich verfolgt wurde. Eine allge-

mein verschärfte Sicherheitslage ist zwar bedauernswert, erfüllt jedoch 

nicht den Tatbestand von Art. 3 AsylG, auch nicht hinsichtlich eines uner-

träglichen psychischen Drucks. 

7.3  

7.3.1 Zur Substantiierung seiner geltend gemachten Angst vor Konsequen-

zen seitens seines ehemaligen Arbeitgebers reichte der Beschwerdeführer 

zwei Privatgutachten ein. Beide Gutachten wurden von Herrn F._______ 

geschrieben, der eigenen Angaben zufolge afghanischer Anwalt und Men-

schenrechtspezialist ist. 

7.3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG). Expertisen, die von 

einer Partei eingeholt und in das Verfahren als Beweismittel eingebracht 

werden, darf der Beweiswert nicht schon deshalb abgesprochen werden, 

weil sie von einer Partei stammen. Ihr Beweiswert wird jedoch verglichen 

mit einem behördlich angeordneten Gutachten regelmässig herabgesetzt, 

weil sie nicht nach den Vorgaben des VwVG erstellt worden sind (BVGE 

2013/9 E. 3.8.1 m.w.H.). 

7.3.3 In seinen Gutachten zeigt Herr F._______ die möglichen Straffolgen 

auf, welche der Beschwerdeführer für das unentschuldigte Fernbleiben 

vom D._______ zu erwarten habe. Im ersten Gutachten (vom 8. April 2018) 

erläutert er, dass auf Mitglieder des D._______ der Military Crimes Act 

(MCA) von 2014 zur Anwendung gelange. Weiter unterscheidet er die Be-

strafungen für unentschuldigtes Fernbleiben nach Dauer und Umständen 

des Fernbleibens. Die möglichen Strafen beständen in einer Busse oder 

einer ein- bis 15-jährigen Freiheitsstrafe. Das zweite Gutachten (vom 31. 

Mai 2018) beschreibt die Situation in afghanischen Gefängnissen. Ergän-

zend werden die Strafen für Hochverrat und "Unterstützung des Feindes" 

(im Gutachten: "assisting the enemy") erläutert. Hierzu bezieht sich der 

Gutachter auf den Military Penal Code (MPC) von 2008. Für beide Strafta-

ten seien Freiheitsstrafen von 15 bis 20 Jahren oder die Todesstrafe vor-

gesehen. 

7.3.4 Sollte das unangekündigte Verlassen des D._______ einer Desertion 

gleichkommen, so ist es nach Lehre und Praxis in aller Regel nicht geeig-

net, für sich zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft zu führen (vgl. BVGE 

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Seite 12 

2015/3 vom 18. Februar 2015). Eine wegen Missachtung der Dienstpflicht 

drohende Strafe kann nur ausnahmsweise eine asylrelevante Verfolgung 

darstellen, wenn der Wehrpflichtige wegen seines Verhaltens mit einer 

Strafe zu rechnen hat, welche entweder aus Gründen nach Art. 3 AsylG 

diskriminierend höher ausfällt oder an sich unverhältnismässig hoch ist (so-

genannter relativer und absoluter Malus). 

7.3.5 Aus den Erläuterungen der Privatgutachten geht zwar hervor, dass 

dem Beschwerdeführer gemäss Gesetz eine Strafe droht, sollten ihm  

bestimmte Straftaten nach Militärstrafrecht angelastet werden. Allerdings 

gibt es in den Akten keine konkreten Anzeichen dafür, dass gegen ihn ein 

Strafverfahren läuft, beziehungsweise er ein solches zu befürchten hat. 

Weiter hat das SEM zurecht festgehalten, dass die Strafen im Zusammen-

hang mit der Desertion aus dem Sicherheitsapparat des Staates  

Afghanistan kaum vollzogen werden (vgl. Staatssekretariat für Migration 

(SEM), Désertion: provisions légales et application, 31.03.2017, 

<https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaen-

der/asien-nahost/afg/AFG-desertion-f.pdf>, abgerufen am 04.07.2018.). 

Die Entgegnung des Beschwerdeführers, dass sich diese Erkenntnis nicht 

auf den D._______ anwenden lassen könne, weil Mitarbeiter des 

D._______ über viel spezifischere Informationen in sensiblen Bereichen 

verfügten als simple Militärangehörige und eine Desertation eines 

D._______ Mitarbeiters demgemäss ein gefürchtetes Informationsleck der 

Behörden zur Folge habe, vermag im Fall des Beschwerdeführers nicht zu 

überzeugen. Er selbst arbeitete im Mitarbeitercontrolling (A27 F74) und 

verfügt, soweit das Gericht dies aus den Akten abzuleiten vermag, über 

keine spezifischen Informationen, welche eine härtere Strafe erwarten las-

sen würden. Ausserdem scheint kein grösseres Interesse der Behörden 

am Beschwerdeführer zu existieren. Das Aufsuchen und Befragen des Va-

ters zum Verbleib eines plötzlich verschwundenen Mitarbeiters (A27 F48 

und 126 f.) ist denn auch – entgegen der Meinung des Beschwerdeführers 

– nicht als zum Ausdruckbringen eines "Willens zum (drastischen) Sankti-

onieren" zu qualifizieren. 

7.3.6 Betreffend das Vorbringen der zurückgelassenen Waffen – welche 

bei einer Durchsuchung des Elternhauses gefunden und beschlagnahmt 

worden seien – stellt das Gericht fest, dass der Beschwerdeführer entspre-

chenden Sachverhalt erst im Zeitpunkt der Replik erwähnte. Es sind keine 

Gründe ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht möglich ge-

wesen sein sollte, dies bereits früher geltend zu machen. Folglich ist das 

Vorbringen verspätet vorgebracht und als nachgeschoben zu qualifizieren. 

E-2280/2018 

Seite 13 

7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver-

folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vorinstanz zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. Es 

kann daher darauf verzichtet werden, auf die übrigen Erwägungen der Vo-

rinstanz sowie auf die weiteren Darlegungen auf Beschwerdeebene einzu-

gehen. 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). 

E-2280/2018 

Seite 14 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen eine solche 

glaubhaft zu machen (vgl. vorstehende E. 8.3.5). Auch die allgemeine Men-

schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum 

heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

E-2280/2018 

Seite 15 

9.5 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass sich 

eine Prüfung der Frage, ob der Vollzug einer Wegweisung als unzumutbar 

zu erachten ist, eigentlich erübrige, weil das öffentliche Interesse der 

Schweiz am Wegweisungsvollzug gegenüber den privaten Interessen des 

Beschwerdeführers überwiege (Art. 83 Abs. 7 AuG). Trotzdem analysierte 

es die Frage und kam zum Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung 

nach Kabul, selbst bei Nichtanwendung des Art. 83 Abs. 7 AuG, zumutbar 

sei. Dem hielt der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene im Wesentli-

chen entgegen, dass die besonders günstigen Voraussetzungen, welche 

beim Vollzug der Wegweisung nach Kabul gegeben sein müssen, in sei-

nem Falle nicht erfüllt seien. 

9.6 Die vorläufige Aufnahme wird nicht verfügt, wenn die weggewiesene 

Person einerseits zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde 

oder andererseits erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicher-

heit und Ordnung der Schweiz verstossen hat oder diese gefährdet oder 

die innere oder äussere Sicherheit gefährdet (Art. 83 Abs. 7 AuG).  

9.6.1 Der Ausschlussgrund von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG setzt voraus, 

dass eine Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe im In- oder Aus-

land verurteilt wurde. Das Bundesgericht hat den Begriff der "längerfristi-

gen Freiheitsstrafe" im Sinne von Art. 62 Abs. 1 Bst. b AuG dahingehend 

konkretisiert, dass darunter im Sinne eines festen Grenzwertes eine Frei-

heitsstrafe von mehr als einem Jahr zu verstehen ist, wobei mehrere un-

terjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen. Keine 

Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgespro-

chen wurde (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.1 m.w.H.). Dieser Praxis folgt das Bun-

desverwaltungsgericht im Bereich seiner endgültigen Entscheidkompetenz 

(vgl. u.a. Urteil des BVGer E-750/2013 vom 11. März 2014 E. 5.1 m.w.H.). 

Aufgrund der rechtskräftigen Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer 

teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren ist vorliegend der Ausschluss-

grund von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG grundsätzlich als erfüllt zu erachten. 

Der Einwand des Beschwerdeführers, eine solch drastische Sanktion 

könne "nur auf einem Fehlurteil" basieren, ist unbehelflich. Das Bundes-

verwaltungsgericht ist nicht für die Beurteilung rechtskräftiger Strafge-

richtsurteile zuständig. 

9.6.2 Allerdings muss der Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme res-

pektive deren Aufhebung verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV und 

Art. 96 Abs. 1 AuG; vgl. BVGE 2007/32 E. 3.7). Dabei haben die für die 

E-2280/2018 

Seite 16 

Anordnung einer ausländerrechtlichen Massnahme zuständigen Behörden 

bei ihrer Ermessensausübung insbesondere das Interesse der Schweiz, 

den Beschwerdeführer zur Verhinderung von zukünftigen kriminellen 

Handlungen aus der Schweiz fernzuhalten, dessen privaten Interessen an 

einem Verbleib in der Schweiz gegenüber zu stellen. Zu berücksichtigen 

sind dabei namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens, die 

seit der Tat vergangene Zeit und das Verhalten des Betroffenen in dieser 

Periode, der Grad seiner Integration, die Dauer seiner Anwesenheit in der 

Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile. Es ist nicht 

von einer schematischen Betrachtungsweise auszugehen, sondern auf die 

gesamten Umstände des Einzelfalls abzustellen (vgl. BGE 135 II 377 E. 2.1 

und 4.3 m.w.H. sowie Urteil des BVGer E-750/2013 vom 11. März 2014 

E. 5.2). 

9.6.3 Das Bezirksgericht G._______ verurteilte den Beschwerdeführer mit 

Urteil vom 9. März 2017 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jah-

ren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Es steht dem Bundes-

verwaltungsgericht nicht an, dieses Urteil in Zweifel zu ziehen. Dafür hätte 

es eines strafrechtlichen Weiterzugs bedurft. Zum Tathergang gab der Be-

schwerdeführer im Anhörungsprotokoll an, vor Strafgericht nicht die Wahr-

heit gesagt zu haben (A27 F158). Er habe – entgegen seiner Behauptung 

in der Rechtsmitteleingabe, die Tat sei unabsichtlich geschehen – seinem 

Zimmergenossen in der Asylunterkunft in H._______ am (…) 2016 mit ei-

nem rund zehn Zentimeter langen Messer in den Bauch gestochen, weil 

dieser entgegen den Regeln nach 22 Uhr den Fernseher angeschaltet 

habe und sich deshalb ein Streit entfachte. Als Erklärung gab er ebenfalls 

zu Protokoll, dass er damals "neu" in der Schweiz gewesen sei und "die 

Regeln nicht gekannt" habe (A27 F161). Dieser gänzlich unbehelfliche Ein-

wand anlässlich des schweren Delikts deutet darauf hin, dass der Be-

schwerdeführer gewillt ist, grundlegende Regeln des menschlichen Zu-

sammenlebens, die wohl auch in Afghanistan bestehen dürften, mit der Er-

klärung, er habe sie nicht gekannt, zu missachten. Sein Verschulden wiegt 

daher schwer. 

Insgesamt ist der Beschwerdeführer seit weniger als drei Jahren in der 

Schweiz. Er hat seine unbedingt zu vollziehende Freiheitsstrafe bereits ver-

büsst. Zwar hat er seither Deutschkurse belegt und konnte während des 

Frühlingssemesters 2018 am Schnuppersemester für Flüchtlinge an der 

Universität E._______ teilnehmen (vgl. diverse Schreiben in den Akten), 

was einen gewissen Willen zur Integration erkennen lässt. Allerdings zeich-

net sich kein erhebliches privates Interesse am Verbleib in der Schweiz ab, 

E-2280/2018 

Seite 17 

welches das öffentliche Interesse am Vollzug der Wegweisung überwiegen 

würde. Die Anwendung von Art. 83 Abs. 7 AuG ist im vorliegenden Fall 

verhältnismässig.  

9.6.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar, sodass sich eine weitere Analyse, beispielsweise betreffend 

allfälliger Beziehungen und Chancen der beruflichen Eingliederung in Ka-

bul sowie besonders exponierter Bevölkerungsgruppen im Sinne des Re-

ferenzurteiles des Bundesverwaltungsgerichts D-5800/2016 vom 13. Ok-

tober 2017, erübrigt. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser 

Betracht, da Art. 83 Abs. 7 AuG erfüllt ist. 

9.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

9.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der mit 

Zwischenverfügung vom 2. Mai 2018 gewährten unentgeltlichen Prozess-

führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist auf deren Erhebung jedoch zu 

verzichten, da nicht davon auszugehen ist, die finanziellen Verhältnisse 

des Beschwerdeführers hätten sich verändert.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2280/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Denise Eschler