# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0359609f-b13a-5630-a293-6c0bde83fba3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.01.2012 A-1218/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1218-2011_2012-01-24.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung I
A­1218/2011

U r t e i l   v om   2 4 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz),
Richterin Salome Zimmermann, Richter Daniel Riedo,
Gerichtsschreiber Urban Broger.

Parteien A._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer,
Vorinstanz.

Gegenstand Mehrwertsteuer (1. Quartal 2009); Bemessungsgrundlage.

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Sachverhalt:

A. 
Am  15. Juni  2009  liess  die  Beschwerdeführerin  der  Eidgenössischen 
Steuerverwaltung  (ESTV)  einen  zwischen  ihr  und  dem  Bundesamt  für 
Veterinärwesen  (BVET)  mit  Datum  vom  13. Februar  2009 
abgeschlossenen  Vertrag  zukommen.  Vertragsgegenstand  war  die 
Sicherstellung  der  Diagnostik  von  transmissiblen  spongiformen 
Enzephalopathien,  die  Mitarbeit  bei  der  Überwachung  genannter 
Tierseuchen  sowie  die  Forschung  nach  Absprache mit  dem  BVET.  Als 
Aufgaben der Beschwerdeführerin wurden genannt:

1. Überwachung

 Mitarbeit beim Sammeln und Aufarbeiten der epidemiologischen Informationen.

 Beobachtung und Entwicklung im Ausland.

2. Forschung und Entwicklung

 Verbesserung der bestehenden Untersuchungsmethoden.

 Entwicklung und Validierung von neuen Methoden nach Absprache mit dem BVET.

 Betreiben von Forschung nach Absprache mit dem BVET.

3. Aus­ und Weiterbildung

 Teilnahme  an  Weiterbildungsveranstaltungen,  die  im  Zusammenhang  mit  der 

Referenztätigkeit stehen.

 Organisation  von  Aus­  und  Weiterbildungsveranstaltungen  nach  Absprache  mit 

dem BVET.

 Mitwirkung bei der Aus­ und Weiterbildung von Vollzugsorganen.

 Mitwirkung bei der Aus­ und Weiterbildung der anerkannten Laboratorien.

4. Standardisierung und Qualitätssicherung der Diagnostik

 Eigene Beteiligung an internationalen Vergleichstests.

 Verbesserung und Entwicklung von Untersuchungsmethoden.

 Beschaffung und Bereitstellung von Referenzmaterial.

 Charakterisierung,  Typisierung  und  Aufbewahrung  von  Seuchenerregern 

(Stammsammlung).

 Aufbewahrung und Sammlung von entsprechendem Material.

 Bestätigung von Befunden anerkannter Laboratorien.

 Durchführung  von  Vergleichstests  bei  den  anerkannten  oder  eine  Anerkennung 

beantragenden  Laboratorien  nach  Absprache  mit  dem  BVET.  Auswertung  der 

Ergebnisse zuhanden des BVET sowie nötigenfalls Beratung dieser Laboratorien.

5. Kontakt und Zusammenarbeit mit den zuständigen Gemeinschaftsreferenzlaboratorien 

in der Europäischen Union.

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6. Durchführung von Expertisen

 Z.B.  Erarbeitung  wissenschaftlicher  und  technischer  Stellungnahmen  bei  der 

behördlichen Zulassung von Diagnosetests.

B. 
Im  Weiteren  verpflichtete  sich  die  Beschwerdeführerin  zu 
wissenschaftlicher  und  technischer  Unterstützung  der  zuständigen 
Behörden in Fragen der Prophylaxe und Diagnostik von Tierseuchen und 
bei  der  Umsetzung  von  Überwachungs­  und  Bekämpfungsprogrammen 
sowie  zur  Mitarbeit  beim  Erstellen  von  technischen  Weisungen  und 
Checklisten.  Sie  verpflichtete  sich  weiter,  einen  Jahresbericht  zu 
erstellen,  der  die  wesentlichen  Ergebnisse  der  Tätigkeit  des 
Referenzlaboratoriums  sowie  die  daraus  zu  ziehenden  Folgerungen 
beinhaltet.  Im  Gegenzug  wurde  für  das  Jahr  2009  eine 
«Globalentschädigung  inkl. MwSt»  in  der  Höhe  von  Fr. 300'000.— 
vereinbart.  90%  des  Betrages  sollten  der  Beschwerdeführerin  anfangs 
Jahr,  10%  nach  Genehmigung  des  schriftlichen  Jahresberichts 
ausbezahlt  werden.  Schliesslich  hielten  die  Vertragsparteien  fest,  dass 
abweichend  von  den  «Allgemeinen  Geschäftsbedingungen  des  Bundes 
für Dienstleistungsaufträge»  in der Version vom 1. März 2001 alle durch 
Vertragserfüllung  entstehenden  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums 
den Vertragspartnern und nicht exklusiv dem Bund gehörten. Kosten und 
Nutzen  aus  der  Verwertung  von  Schutzrechten  und  aus  dem  Schutz 
dieser Rechte sollten geteilt werden.

C. 
Im  Rahmen  der  Prüfung  des  ihr  vorgelegten  Vertrages  kam  die  ESTV 
zum Schluss, dass zwischen der Beschwerdeführerin und dem BVET ein 
mehrwertsteuerlicher  Leistungsaustausch  vorliege.  Nach  verschiedenen 
Korrespondenzen verfügte sie mit Entscheid vom 4. September 2009, die 
Beschwerdeführerin  schulde  für  die  dem  BVET  im  1. Quartal  2009 
erbrachten  Leistungen  Fr. 13'770.—  Mehrwertsteuern  (=  Fr. 270'000.— 
[entsprechend  90%  der  Globalentschädigung  von  Fr. 300'000.—] 
multipliziert mit einem Pauschalsteuersatz von 5.1%) und Verzugszinsen 
ab 1. Juni 2009.

D. 
Gegen  den  Entscheid  der  ESTV  vom  4. September  2009  erhob  die 
Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 6. Oktober 2009 Einsprache bei der 
ESTV. Sie verlangte die Überweisung  ihrer Eingabe als Beschwerde an 
das  Bundesverwaltungsgericht  (Sprungbeschwerde)  und  alsdann  die 

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Gutheissung  der  Beschwerde  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolgen. 
In  der  Sache  selbst machte  sie  geltend,  sie werde  vom BVET  lediglich 
finanziell  unterstützt  bzw.  sie  erhalte  von  ihm  einen  Forschungsbeitrag. 
Gemäss  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  der  Verordnung  des  Schweizerischen 
Bundesrates  vom  29. März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die 
Mehrwertsteuer  (aMWSTGV,  AS 2000 1347)  liege  kein 
mehrwertsteuerlicher  Leistungsaustausch  vor,  wenn  –  wie  hier  –  dem 
Beitragszahler  kein  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der  Forschung 
zustünden.  Das  BVET  habe  ausdrücklich  auf  die  Schutzrechte  des 
geistigen  Eigentums  verzichtet,  weshalb  es  sich  bei  den  fraglichen 
Zahlungen nicht um steuerbare Entgelte handeln könne.

E. 
Die ESTV  überwies  die Eingabe  der Beschwerdeführerin mit  Schreiben 
vom  21. Februar  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht,  welches  die 
Eingabe  mit  Zwischenverfügung  vom  1. März  2011  als  Beschwerde 
entgegen nahm. In ihrer Vernehmlassung vom 19. April 2011 machte die 
ESTV  geltend,  im  Vertrag  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  dem 
BVET gehe es  in der Hauptsache um den Betrieb eines Laboratoriums; 
entsprechende Umsätze unterlägen der Mehrwertsteuer. Selbst wenn der 
Einschätzung  der  Beschwerdeführerin  zu  folgen  wäre,  wonach  die 
Forschungsleistung die Gesamtleistung darstelle, bleibe diese steuerbar, 
da  vorliegend  die  Forschung  und  Entwicklung  im  Auftrag  und  für  die 
Bedürfnisse des Beitragszahlers erbracht würden.

F. 
Mit  Eingabe  vom  12. Mai  2011  nahm  die  Beschwerdeführerin  zur 
Vernehmlassung  der  ESTV  unaufgefordert  Stellung.  Die  Argumentation 
der ESTV erstaune und sei nicht widerspruchsfrei, insbesondere, weil sie 
in  einer  schriftlichen  Auskunft  vom  21. Februar  2011  in  einem materiell 
vergleichbaren,  aber  unter  dem  neuen  Mehrwertsteuergesetz  zu 
beurteilenden  Fall,  eine  Subsumption  unter  Art. 13  (Bildungs­  und 
Forschungskooperationen)  der  Mehrwertsteuerverordnung  vom 
27. November  2009  (SR 641.201,  MWSTV)  vorgenommen  habe.  Das 
lasse nur den Schluss zu, dass – wenn überhaupt  im vorliegenden Fall 
ein Leistungsverhältnis vorliege – dieses allein der «Forschungstätigkeit» 
zuzuordnen sei.

G. 
Auf  weitere  Eingaben  und  Vorbringen  der  Parteien  wird  –  soweit 
entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Angefochten  ist ein Entscheid der ESTV und damit eine Verfügung 
nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Grundsätzlich  ist  das 
Bundesverwaltungsgericht hierfür zuständige Beschwerdeinstanz (Art. 31 
und  Art. 33  Bst. d  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht  [VGG,  SR 173.32]).  Hingegen  ist  gemäss 
Art. 32 Abs. 2 Bst. a VGG die Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht 
unzulässig  gegen Verfügungen,  die  nach  einem anderen Bundesgesetz 
durch  Einsprache  anfechtbar  sind,  was  bei  Entscheiden  der  ESTV  in 
Mehrwertsteuerbelangen  regelmässig  der  Fall  ist  (Art. 64  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer 
[aMWSTG,  AS 2000 1300]  und  Art. 83  Abs. 1  des 
Mehrwertsteuergesetzes  vom  12. Juni  2009  [MWSTG,  SR 641.20]). 
Hiervon  sehen  sowohl  das  alte  wie  auch  das  neue MWSTG wiederum 
eine  Abweichung  vor,  nämlich  die  Möglichkeit  der  Sprungbeschwerde. 
Über  deren  Zulässigkeit  im  vorliegenden  Fall  hat  das 
Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  1. März  2011 
rechtskräftig entschieden. Darauf ist nicht zurückzukommen. Auf die frist­ 
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.

1.2.  Am  1. Januar  2010  ist  das  (neue)  MWSTG  in  Kraft  getreten.  Die 
bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt 
erlassenen Vorschriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während 
ihrer  Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen 
Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art. 112  Abs. 1  MWSTG).  Der 
vorliegende Sachverhalt, er betrifft das 1. Quartal 2009, ist deshalb nach 
dem  für  die Zeit  vom 1. Januar  2001 bis  31. Dezember  2009 geltenden 
aMWSTG  zu  beurteilen  und  entgegen  der  offensichtlichen  Ansicht  der 
Beschwerdeführerin sind  (materielle) Bestimmungen der neuen MWSTV 
vorliegend  nicht  einschlägig.  Demgegenüber  ist  das  neue 
mehrwertsteuerliche  Verfahrensrecht  im  Sinne  von  Art. 113  Abs. 3 
MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängige Verfahren 
anwendbar,  wobei  Art. 113  Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  zu 
handhaben  ist,  als  gemäss  höchstrichterlicher  Rechtsprechung  nur 
eigentliche Verfahrensnormen sofort auf hängige Verfahren anzuwenden 
sind,  und  es  dabei  nicht  zu  einer  Anwendung  von  neuem  materiellen 
Recht  auf  altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf  (anstelle  zahlreicher: 

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Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23. Februar 
2010 E. 1.3).

1.3.  Gemäss  Art. 37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  VGG  nichts 
anderes  bestimmt.  Damit  ist  u.a.  Art. 32  Abs. 2  VwVG  zu  beachten, 
wonach  verspätete  Parteivorbringen,  die  ausschlaggebend  erscheinen, 
trotz  Verspätung  berücksichtigt  werden  können.  Der  Begriff  der 
Verspätung  ist  weit  zu  verstehen;  es  fallen  auch  verfrüht  oder 
unaufgefordert  eingereichte  Stellungnahmen  darunter  (BERNHARD 
WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in  Praxiskommentar  VwVG, 
Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Zürich  2009,  Art. 32  N 14).  Nun 
statuiert  Art. 2  Abs. 1  VwVG  für  das  Steuerverfahren  insofern  eine 
Ausnahme, als dass die genannte Regelung des Art. 32 Abs. 2 VwVG auf 
Steuerverfahren keine Anwendung findet. Das (neue) MWSTG macht von 
der Ausnahme wiederum eine Ausnahme und hält  in Art. 81 Abs. 1  fest, 
dass  Art. 2  Abs. 1  VwVG  auf  das  Mehrwertsteuerverfahren  keine 
Anwendung  finde.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  Art. 81  MWSTG 
ausdrücklich  und  wiederholt  unter  die  von  Art. 113  Abs. 3  MWSTG 
anvisierten,  sofort  anwendbaren  Verfahrensbestimmungen  subsumiert 
(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 
2010  E. 1.2  und  A­5078/2008  vom  26. Mai  2010  E. 2.1).  Damit  ist 
festzuhalten,  dass  Art. 32  Abs. 2  VwVG  im  vorliegenden 
Mehrwertsteuerverfahren  anwendbar  ist  und  folglich  schon  aus  diesem 
Grund  die  unaufgefordert  eingereichte  Stellungnahme  der 
Beschwerdeführerin grundsätzlich berücksichtigt werden kann (vgl. auch 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3409/2010  vom  4. April  2011 
E. 1.4).  Damit  erübrigen  sich  auch  Ausführungen  zur  Frage,  ob  die 
Stellungnahme  der  Beschwerdeführerin  als  unter  gehörsrechtlichen 
Gesichtspunkten  noch  rechtzeitig  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung  gelten  könnte  (BGE  133 I 98;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­5550/2008  vom  21. Oktober  2009 
E. 1.1.3).

2. 
2.1. Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchsteuer nach dem System 
der  Netto­Allphasensteuer  (Allphasensteuer  mit  Vorsteuerabzug 
[Mehrwertsteuer];  Art. 130  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR 101]). 
Mehrwertsteuerpflichtig wird, wer eine mit der Erzielung von Einnahmen 
verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit  selbständig  ausübt, 

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sofern  seine  Lieferungen,  seine  Dienstleistungen  und  sein 
Eigenverbrauch  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr. 75'000.­  übersteigen 
(Art. 21  Abs. 1  aMWSTG).  Steuerpflichtig  sind  namentlich  natürliche 
Personen,  Personengesellschaften,  juristische  Personen  des  privaten 
und  öffentlichen  Rechts,  unselbstständige  öffentliche  Anstalten  sowie 
Personengesamtheiten  ohne  Rechtsfähigkeit,  die  unter  gemeinsamer 
Firma Umsätze tätigen (Art. 21 Abs. 2 aMWSTG).

2.2. Damit eine steuerbare Leistung vorliegt, muss sie  im Austausch mit 
einer  Gegenleistung,  gegen  Entgelt,  erfolgen.  Die  Entgeltlichkeit  stellt – 
vom  Eigenverbrauch  abgesehen  –  ein  unabdingbares 
Tatbestandsmerkmal  einer  mehrwertsteuerlichen  Leistung  dar.  Die 
Annahme  eines  Leistungsaustauschs  setzt  voraus,  dass  zwischen 
Leistung  und  Gegenleistung  eine  innere  wirtschaftliche  Verknüpfung 
gegeben  ist  (BGE 126 II 443 E. 6a mit Hinweisen;  IVO P. BAUMGARTNER, 
in  mwst.com,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer, 
Basel/Genf/München  2000  [hiernach:  mwst.com],  N 6  und  8  zu  Art. 33 
Abs. 1  und  Abs. 2).  Die  Beantwortung  der  Frage  nach  der  inneren 
Verknüpfung  erfolgt  nicht  in  erster  Linie  nach  zivilrechtlichen,  sondern 
nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien.  Insbesondere  ist  für  die 
Annahme  eines  Leistungsaustauschs  das  Vorliegen  eines 
Vertragsverhältnisses nicht zwingend (BGE 126 II 249 E. 4a). Es genügt, 
dass Leistung und Gegenleistung innerlich derart verknüpft sind, dass die 
Leistung eine Gegenleistung auslöst. Ausreichend kann sein, wenn einer 
Leistung eine erwartete oder erwartbare Gegenleistung gegenübersteht, 
d.h. dass nach den Umständen davon auszugehen ist, die Leistung löse 
eine  Gegenleistung  aus.  Bei  der  Beurteilung  der  Frage  nach  dem 
wirtschaftlichen  Zusammenhang  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung 
ist  sodann  primär  auf  die  Sicht  des  Leistungsempfängers  abzustellen, 
was  der  Konzeption  der Mehrwertsteuer  als  Verbrauchsteuer  entspricht 
(anstelle  zahlreicher:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­5745/2008 vom 11. Juni 2010 E. 2.3 und A­8058/2008 vom 13. Januar 
2011  E. 3.2;  DANIEL  RIEDO,  Vom  Wesen  der  Mehrwertsteuer  als 
allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkungen auf 
das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 230 ff.).

2.3.  Besteht  zwischen  Leistungserbringer  und  ­empfänger  kein 
Austauschverhältnis  in  erwähntem  Sinne,  ist  die  Aktivität 
mehrwertsteuerlich  irrelevant  und  fällt  nicht  in  den  Geltungsbereich  der 
Mehrwertsteuer  (BGE 132 II 353  E. 4.3,  Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_59/2009  vom  3. September  2009  E. 5.1;  BVGE  2008/63  E. 2.3; 

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BVGE 2009/34  E. 2.2.1;  Entscheid  der  Eidgenössischen 
Steuerrekurskommission  vom  18. November  2002,  veröffentlicht  in 
Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  67.49  E. 2.a.cc;  ALOIS 
CAMENZIND/NIKLAUS  HONAUER/KLAUS  A.  VALLENDER,  Handbuch  zum 
Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  2. Aufl.,  Bern  2003,  S. 73 ff.; 
BAUMGARTNER,  mwst.com,  N 70  zu  Art. 38  Abs. 1­4  und  Abs. 5 
Grundsätzliches).  Es  handelt  sich  dann  aus  mehrwertsteuerlicher  Sicht 
um  einen  Nichtumsatz  und  es  fehlt  an  einem  Steuerobjekt  (vgl.  Art. 5 
aMWSTG;  RIEDO,  a.a.O.,  S. 225 f.;  SONJA  BOSSART,  Zum  Einfluss  von 
Nichtumsätzen  auf  den  Vorsteuerabzug  bzw.  die 
Vorsteuerabzugskürzung,  in Michael Beusch/ISIS  [Hrsg.], Entwicklungen 
im Steuerrecht 2009, Zürich 2009, S. 363 ff.).

2.4. Das Bundesgericht hat  im Zusammenhang mit der Abgrenzung von 
Spenden  (die  es  den  Nichtentgelten  zuwies)  und  Sponsorenleistungen 
(welche  regelmässig  zum  steuerbaren  Umsatz  gehören)  wiederholt 
festgehalten,  dass  bei  Vorliegen  von  Sponsorenleistungen  keine 
Aufteilung  in  ein  Leistungsentgelt  (für  die  Bekanntmachungs­  bzw. 
Werbeleistung) und in einen Spendenanteil (im Sinne eines Nichtentgelts) 
vorgenommen  wird  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.150/2001  vom 
13. Februar 2002 E. 6b;  vgl. auch Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts 
A­7712/2009  vom  21. Februar  2011  E. 5.2).  In  entsprechenden  Fällen 
kann  nicht  geltend  gemacht  werden,  derjenige  Teil  des  bezahlten 
Betrages, der über den Werbeaufwand hinausgehe, sei nicht Bestandteil 
des Entgelts (Urteile des Bundesgerichts 2A.43/2002 vom 8. Januar 2003 
E. 3.3.1,  2A.526/2003  vom  1. Juli  2004  E. 1.3  und  2C_442/2009  vom 
5. Februar  2010 E. 2.3.2).  Grund  dafür  ist,  dass Berechnungsgrundlage 
bildet, was der Verbraucher (Abnehmer) bereit oder verpflichtet ist, für die 
erhaltene Leistung aufzuwenden, also aus Sicht des Empfängers beurteilt 
wird,  was  zum  Entgelt  zu  zählen  ist  (oben  E. 2.2).  Zwischen  dem 
Vorliegen  eines  mehrwertsteuerlichen  Leistungsaustausches  und  eines 
Nichtumsatzes gibt es mit anderen Worten keine graduellen Abstufungen. 
Entweder  befinden  sich  Leistung  und  Gegenleistung  in  einem 
mehrwertsteuerlichen Synallagma, oder nicht.

2.5. 
2.5.1.  In  Art. 33  Abs. 6  aMWSTG  führte  der  Gesetzgeber  beispielhaft 
Tatbestände  auf,  die mehrwertsteuerlich  als  Nichtumsätze  gelten.  Nicht 
zum  Entgelt  gehören  u.a.  Subventionen  und  andere  Beiträge  der 
öffentlichen  Hand  (Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG).  Das  Bundesgericht 
hat sich verschiedentlich mit der Abgrenzung von Subventionen (im Sinne 

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mehrwertsteuerlicher  Nichtumsätze)  und  steuerbaren  Umsätzen 
auseinandergesetzt  und  dabei  u.a.  festgehalten,  nach  ökonomischem 
Verständnis  erfolge  eine  Subventionierung  ohne  entsprechende 
marktwirtschaftliche  Gegenleistung.  Da  der  Staat  grundsätzlich  nicht 
befugt  sei,  irgendetwas  zu  «verschenken»,  setze  die  Subvention 
begriffsnotwendig  voraus,  dass  der  Subventionsempfänger  bestimmte 
Aufgaben  erfülle,  die  dann  als  im  öffentlichen  Interesse  liegend 
bezeichnet würden (BGE 126 II 443 E. 6c mit Hinweisen; vgl. auch BVGE 
2010/6 E. 3.2.2).  Für  die Subvention  ist  demnach wesentlich,  dass  sich 
der Empfänger  in einer Weise verhält und Aufgaben erfüllt, die dem mit 
der Subventionierung verfolgten öffentlichen Zweck entsprechen und zur 
Verwirklichung  dieses  Zweckes  geeignet  scheinen.  Abgesehen  von 
dieser  Verhaltensbindung  steht  der  Subvention  keine  entsprechende, 
wirtschaftlich  gleichwertige  Gegenleistung  gegenüber,  wie  das  für  die 
Annahme einer steuerbaren Lieferung oder Dienstleistung  im Sinne von 
Art. 5 und Art. 33 Abs. 1 und 2 aMWSTG vorausgesetzt wird. Aus diesem 
Grund  fallen  Leistungen,  die  im  Rahmen  eines  Austauschverhältnisses 
erbracht  werden,  wie  z.B.  eines  Kaufvertrags,  Werkvertrags  oder 
Auftrags,  nicht  unter  den  Begriff  der  Subvention  (Urteil  des 
Bundesgerichts 2C_105/2008 vom 25. Juni 2008 E. 3.2).

2.5.2.  Der  Gesetzgeber  legte  in  Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG  weiter 
fest, Subventionen und andere Beiträge der  öffentlichen Hand gehörten 
auch  dann  nicht  zum  Entgelt,  «wenn  sie  gestützt  auf  einen 
Leistungsauftrag ausgerichtet werden». Der Begriff des Leistungsauftrags 
kann  jedoch  nicht  mit  demjenigen  des  Leistungsaustausches 
gleichgestellt  werden  (BGE  126 II 443 E. 6f).  Er  zeigt  lediglich  an,  dass 
die  Subvention  voraussetzt,  dass  der  Subventionsempfänger  eine  im 
öffentlichen Interesse liegende Aufgabe wahrnimmt und die Subvention in 
der  Regel  davon  abhängig  gemacht  wird,  dass  die  Aufgabe  fortgeführt 
wird. Insofern geht der Gesetzgeber auch hier von einer Bindungswirkung 
der  Subvention  aus  (BGE  126 II 443  E. 6f;  Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_105/2008  vom 25. Juni  2008 E. 3.3; BVGE 2010/6 E. 3.2.2). Anlass 
für den Gesetzgeber zur Ergänzung des Art. 33 Abs. 6 Bst. b aMWSTG 
gab  der  Umstand,  dass  Subventionen  zunehmend  aufgrund  sog. 
Leistungsaufträge  ausgerichtet  wurden.  Bei  den  Subventionen  muss 
namentlich  sichergestellt  sein,  dass  sie  im  vorgegebenen  öffentlichen 
Interesse  verwendet  werden  und  der  Empfänger  der  Subvention  nicht 
einseitig auf die Erfüllung der im öffentlichen Interesse liegenden Aufgabe 
verzichtet. Das erfolgt durch Verfügungen oder Subventionsverträge und 
die  Pflicht  zur  Berichterstattung.  Der  Leistungsauftrag  im  Sinne  von 

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Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG  muss  deshalb  Subventionscharakter 
haben, damit er keinen Leistungsaustausch bewirkt und in diesem Sinne 
unschädlich ist im Hinblick auf die Qualifikation des öffentlichen Beitrages 
als  Subvention  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.273/2004  vom 
1. September  2005  E. 2.4  und  2C_105/2008  vom  25. Juni  2008  E. 3.3; 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8437/2007  vom  14.  Dezember 
2009).

2.5.3.  Für  einen  Leistungsaustausch  (und  gegen  das  Vorliegen  einer 
Subvention  im  mehrwertsteuerlichen  Sinne)  spricht  in  der  Regel  die 
Tatsache,  dass  sich  das  Gemeinwesen  durch  die  Beitragsempfängerin 
Leistungen  erbringen  lässt,  die  es  selber  zu  erbringen  hätte  (vgl.  Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1442/2006  vom  11. Dezember  2007 
E. 3.3, bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 2C_105/2008 vom 25. Juni 
2008  [Aids­Hilfe  Schweiz]).  Der  Grund  liegt  darin,  dass  die 
Beitragsempfängerin,  die  vertraglich  zur  Bereitstellung  entsprechender 
Leistungen  verpflichtet  wurde,  in  einem  solchen  Fall  –  anders  als  bei 
Subventionen typisch – gerade nicht frei wählen kann, ob sie die Tätigkeit 
ausüben  will  oder  nicht  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.273/2004  vom 
1. September  2005  E. 3.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­6213/2007 vom 24. August 2009 E. 2.4.2).

2.5.4. Das Bundesverwaltungsgericht hat denn auch  in Fällen,  in denen 
der  Staat  eine  ihm  gesetzlich  zugewiesene Aufgabe  an Dritte  übertrug, 
das  Vorliegen  eines  Leistungsaustausches  zwischen  Staat  und 
beauftragter Organisation regelmässig bejaht. So lag beispielsweise dem 
Urteil  A­1346/2006  vom 4. Mai  2007  ein  Fall  zugrunde,  in welchem der 
Kanton Bern eine Stiftung mit der Führung einer Schule zur Ausbildung 
von Spitalpersonal beauftragte. Die Pflicht des Kantons zur Sicherstellung 
des  entsprechenden  schulischen  Angebotes  ergab  sich  aus  dem 
kantonalen  Spitalgesetz.  Die  Stiftung  wurde  vom  Kanton  u.a.  dazu 
angehalten, die Schule entsprechend seinen Vorgaben der Gesundheits­ 
und  Fürsorgeplanung  zu  organisieren.  Die  vertraglich  festgehaltenen 
Vorgaben  und Bedingungen waren  so  detailliert,  dass  die Stiftung  nicht 
autonom darüber  entscheiden  konnte, wie  sie  die  Lehrtätigkeit  ausüben 
und  welche  Bildungsinhalte  und  ­ziele  sie  vermitteln  wollte.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  erkannte  deshalb,  die  Stiftung  habe  eine 
individualisierte  und  konkretisierte  Aufgabe  übernommen  und  nicht 
lediglich  einen  –  wie  bei  Subventionen  üblich  –  allgemein  gehaltenen 
Leistungsauftrag zu erfüllen, den sie auf eine selbst gewählte Weise hätte 
ausführen können.

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Weiter  ist  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1626/2006 
vom 20. April  2009 hinzuweisen, dem  folgende Konstellation  zu Grunde 
lag: Versicherer  im Sinne des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über 
die  Krankenversicherung  (KVG,  SR 832.10)  sind  aufgrund  von  Art. 19 
Abs. 1  KVG  verpflichtet,  die  Verhütung  von  Krankheiten  zu  fördern. 
Gestützt  auf  Art. 19  Abs. 2  KVG  errichteten  verschiedene  Versicherer 
eine  Institution,  welcher  sie  alsdann  die  Erfüllung  dieses 
Förderungsauftrages  übertrugen.  Den  Vorgang  zwischen  Versicherern 
und  Institution  qualifizierte  das  Bundesverwaltungsgericht  ebenfalls  als 
mehrwertsteuerlichen  Leistungsaustausch,  denn die Versicherer  kauften 
bei der betroffenen Institution lediglich Leistungen ein, die geeignet seien, 
ihre  eigene  gesetzliche  Leistungspflicht  (Förderung  der  Verhütung  von 
Krankheiten)  zu  erfüllen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­1626/2006 vom 20. April 2009 E. 4.2.2).

2.6.  Neben  den  Subventionen  im  Sinne  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. b 
aMWSTG gehören gemäss Art. 33 Abs. 6 Bst. c aMWSTG auch Beiträge 
zur  Unterstützung  der  wissenschaftlichen  Forschung  und  Entwicklung, 
namentlich an Hochschulen und ähnlichen Forschungsinstitutionen, nicht 
zum  Entgelt.  Jedoch  nur,  soweit  der  Beitragsempfänger  die  Forschung 
oder  Entwicklung  nicht  im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des 
Beitragszahlers betreibt. Das bedeutet, dass Beiträge für Forschung und 
Entwicklung, die  im Auftrag und  für die Bedürfnisse des Beitragszahlers 
erfolgt, zum steuerbaren Entgelt gehören (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
2C_105/2008  vom  25. Juni  2008  E. 3.4  in  fine  [betreffend  der  gleichen 
Formulierung bei den Subventionen]), was systemgerecht und folgerichtig 
ist,  denn  sie  werden  regelmässig  im  mehrwertsteuerlichen 
Leistungsaustausch stehen. Allerdings spricht einiges dafür, dass mit der 
Formulierung «Subventionen und andere Beiträge der öffentlichen Hand» 
alle  staatlichen Beiträge  bereits  abschliessend  von Art. 33 Abs. 6 Bst. b 
aMWSTG  erfasst  sind  und  diese  Formulierung,  auf  die  abzustellen  ist 
(vgl. BGE 131 II 697 E. 4.1), für die Anwendung von Art. 33 Abs. 6 Bst. c 
aMWSTG  auf  staatliche  Beiträge  keinen  Raum  belässt.  Nach  dieser 
Ansicht  regelt  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  einzig  die 
mehrwertsteuerliche  Behandlung  von  Beiträgen  Privater  (vgl.  THOMAS 
J. KAUFMANN,  in  mwst.com,  N 19  zu  Art. 33  Bst. c,  der  von  «privaten 
Subventionen»  spricht  und  auf  die  Spenden  verweist).  Die  Frage,  ob 
Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  auch  staatliche  Beiträge  erfasst,  kann 
vorliegend jedoch offen bleiben.

2.7. 

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2.7.1.  Die  im  Sinne  von  Art. 33  Abs. 6  aMWSTG  nicht  zum  Entgelt 
gehörenden  Beiträge  werden  auf  Verordnungsstufe  erläutert.  Kein 
Leistungsaustausch  liegt  gemäss  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV 
namentlich  dann  vor,  wenn  im  Bereich  von  Forschungsbeiträgen  dem 
Beitragszahler  kein  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der  Forschung 
zusteht.

2.7.2.  Bei  der  erwähnten  Bestimmung  von  Art. 8  Abs. 2  aMWSTGV 
handelt  es  sich  materiell  um  eine  Vollziehungsverordnung. 
Vollziehungsverordnungen  haben  den  Gedanken  des  Gesetzgebers 
durch  Detailvorschriften  näher  auszuführen  und  auf  diese  Weise  die 
Anwendbarkeit  der  Gesetze  zu  ermöglichen.  Sie  dürfen  das 
auszuführende  Gesetz  –  wie  auch  alle  anderen  Gesetze  –  weder 
aufheben  noch  abändern;  sie  müssen  der  Zielsetzung  des  Gesetzes 
folgen  und  dürfen  dabei  lediglich  die  Regelung,  die  in  grundsätzlicher 
Weise bereits im Gesetz Gestalt angenommen hat, aus­ und weiterführen 
(BGE 136 I 29 E. 3.3 mit Hinweisen). Die Kompetenz der Exekutive zum 
Erlass  solcher  Vollziehungsverordnungen  ergibt  sich  aus  der 
allgemeinen,  ihr  von  der  Verfassung  eingeräumten  Vollzugskompetenz 
(Art. 182  Abs. 2  BV;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN, 
Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N 139).

2.7.3.  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  vermag  demnach  die  in  Art. 33 
Abs. 6 Bst. c aMWSTG statuierten Voraussetzungen  für die Behandlung 
von  Beiträgen  für  Forschung  und  Entwicklung  –  seien  es  nun 
ausschliesslich  private  oder  auch  staatliche  –  als  Nichtentgelt  näher 
auszuführen,  aber  nicht  abzuändern.  Wenn  Art. 8  Abs. 2  Bst. c 
aMWSTGV  das  Vorliegen  eines  Leistungsaustauschs  für  den  Fall 
verneint,  dass  der  Beitragszahler  keinen  Exklusivanspruch  auf  die 
Resultate  der  Forschung  hat,  geschieht  dies  grundsätzlich  im  Rahmen 
von  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  und  damit  zur  Beurteilung,  ob  im 
Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des  Beitragszahlers  geforscht  und 
entwickelt wurde. Die Grundregel von Art. 33 Abs. 6 Bst. c aMWSTG zur 
Abgrenzung  von Entgelt  und Nichtentgelt  im Bereich  von Beiträgen  zur 
Unterstützung  der  wissenschaftlichen  Forschung  und  Entwicklung  wird 
nicht berührt.

3. 
3.1. Streitgegenstand bildet  vorliegend die  von der ESTV mit Entscheid 
vom  4. September  2009  verfügte Mehrwertsteuerbelastung  in  der  Höhe 
von Fr. 13'770.— für das 1. Quartal 2009. Im Kern ist strittig, ob aufgrund 

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des zwischen der Beschwerdeführerin und dem BVET abgeschlossenen 
Vertrages  ein  mehrwertsteuerlicher  Leistungsaustausch  stattfand.  Nicht 
strittig sind die von der ESTV vorgenommene rechnerische Ermittlung der 
allenfalls  geschuldeten  Mehrwertsteuer  und  die  Anwendung  eines 
Pauschalsteuersatzes von 5.1%. Die Beschwerdeführerin macht sodann 
nicht geltend, dem  im Sachverhalt  (oben A und B) dargestellten Vertrag 
sei  in Wirklichkeit nicht bzw. anders als nachgelebt worden, als dies der 
Wortlaut  vermuten  lässt.  Entsprechend  kann  für  die  nachfolgende 
Beurteilung auf den Vertrag abgestellt werden.

3.2.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  der  vom  BVET  an  die 
Beschwerdeführerin  ausbezahlte  Betrag  nicht  als  solcher  im  Sinne  von 
Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  (Beiträge  zur  Unterstützung  der 
wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung) gelten kann. Abgesehen 
davon,  dass  die  Anwendung  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  auf 
staatliche  Beiträge  ohnehin  fraglich  ist  (oben  E. 2.6),  könnte  selbst  bei 
einer  Anwendung  dieser  Bestimmung  nichts  zu  Gunsten  der 
Beschwerdeführerin  abgeleitet  werden.  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG 
nennt  nämlich  als  Kriterien  für  das  Vorliegen  eines  nicht  entgeltlichen 
Vorganges,  dass  die  Beitragsempfängerin  die  Forschung  bzw. 
Entwicklung nicht im Auftrag und für die Bedürfnisse des Beitragszahlers 
durchführt.  Vorliegend wurde  jedoch  im Auftrag  und  für  die Bedürfnisse 
des  BVET  geforscht,  was  sich  insbesondere  darin  zeigt,  dass  Art. 42 
Abs. 1 des Tierseuchengesetzes vom 1. Juli 1966 (TSG, SR 916.40), auf 
den sich der Vertrag ausdrücklich stützt, den Bund zur Erforschung und 
Beschaffung  der  für  die  Anwendung  des  TSG  erforderlichen 
wissenschaftlichen  Grundlagen  verpflichtet.  Der  Tatbestand  von  Art. 33 
Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  ist  demnach  schon  aus  diesem  Grund  nicht 
erfüllt.

3.3. Nichts zu  ihren Gunsten abzuleiten vermag die Beschwerdeführerin 
sodann  aus  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV,  wonach  kein 
Leistungsaustausch vorliege, wenn  im Bereich von Forschungsbeiträgen 
dem  Beitragszahler  kein  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der 
Forschung  zusteht.  Davon  abgesehen,  dass  sich  diese 
Verordnungsbestimmung  auf  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  bezieht, 
dessen Anwendbarkeit wie erwähnt  fraglich  ist, vermag die Bestimmung 
die  im  Gesetz  verankerten  Voraussetzungen  für  das  Vorliegen  eines 
Leistungsaustausches  («im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des 
Beitragszahlers»)  nicht  abzuändern  (oben  E. 2.7.3).  Im  Übrigen  besagt 
Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  lediglich,  dass  dann  kein 

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Leistungsaustausch  vorliege,  wenn  im  Bereich  von  Forschungsarbeiten 
dem Beitragszahler kein Exklusivrecht «auf die Resultate der Forschung» 
zustehe. Vorliegend aber haben die Beschwerdeführerin und das BVET 
lediglich  bezüglich  den  Schutzrechten  des  geistigen  Eigentums  eine 
spezielle  Regelung  getroffen  und  nicht  generell  bezüglich  sämtlicher 
«Resultate  der  Forschung»,  wie  dies  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV 
verlangte.  Schliesslich  ist  es  entgegen  der  in  Ziff. 2.9  der  Beschwerde 
geäusserten  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  nicht  so,  dass  das 
BVET  ausdrücklich  auf  die  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums 
verzichtet  hätte.  Vielmehr  hielten  die  Vertragsparteien  fest,  alle  durch 
Vertragserfüllung  entstehenden  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums 
gehörten  den  Vertragspartnern  –  also  ihnen  gemeinsam  –  und  nicht 
exklusiv  dem  Bund.  Das  Argument  der  Beschwerdeführerin,  die  ESTV 
versuche  den  vorliegenden  Fall  lediglich  als  «Einkauf  einer  Leistung» 
durch den Bund bzw. als «Outsourcing» darzustellen und vermeide eine 
weiterführende  Würdigung,  insbesondere  unter  dem  Aspekt  der 
wissenschaftlichen  Forschung  und  Entwicklung  gemäss  Art. 33  Abs. 6 
Bst. c aMWSTG  in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 Bst. c aMWSTGV, geht 
demnach fehl.

3.4.  Hingegen  erweist  sich  der  Hinweis  der  Beschwerdeführerin  als 
korrekt, die ESTV selber habe bezüglich Art. 33 Abs. 6 Bst. c aMWSTG 
(Forschung  und  Entwicklung)  in  ihrer  Branchenbroschüre  Nr. 19 
(«Bildung und Forschung», gültig ab 1. Januar 2008, abrufbar im Internet 
unter 
http://www.estv.admin.ch/mwst/dokumentation/00130/00221/index.html?l
ang=de [zuletzt besucht am 25. Januar 2012]) unter Ziff. 9.2, 9.3 und 11 
Beispiele aufgelistet,  in welchen die öffentliche Hand als Unterstützende 
oder Geldgeberin auftrete. Unter Ziff. 9.1 der genannten Broschüre wird 
Folgendes  ausgeführt:  «Bei  der  mehrwertsteuerlichen  Beurteilung  von 
Forschungs­, Entwicklungs­ und Analysearbeiten spielt es keine Rolle, ob 
die  Beiträge  von  der  öffentlichen  Hand  oder  von  der  Privatwirtschaft 
ausgerichtet werden. Ebenfalls nicht von Bedeutung ist, ob das Ergebnis 
einer  solchen  Leistung  vom  Auftraggeber  in  der  Folge  genutzt  werden 
kann oder nicht». Unter Ziff. 9.2 der Broschüre wird als Beispiel  für eine 
«Forschung als wissenschaftliche Dienstleistung» u.a. folgendes Beispiel 
genannt: «Eine Universität erhält von einem Bundesamt den Auftrag, die 
Auswirkungen  des  Ozonlochs  auf  die  Gesundheit  der  Bevölkerung  zu 
untersuchen  (erforschen)».  Davon  abgesehen,  dass  eine 
Branchenbroschüre  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  zu  binden 
vermag  (BVGE  2010/33  E. 3.3.1),  bleibt  aber  nochmals  darauf  hin 

http://www.estv.admin.ch/mwst/dokumentation/00130/00221/index.html?lang=de
http://www.estv.admin.ch/mwst/dokumentation/00130/00221/index.html?lang=de

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zuweisen,  dass  selbst  dann, wenn Art. 33 Abs. 6 Bst. c  aMWSTG auch 
staatliche Beiträge zu erfassen vermöchte, die übrigen  in der nämlichen 
Bestimmung aufgestellten Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt  sind, 
denn die Beschwerdeführerin wurde – wie oben gezeigt – im Auftrag und 
für die Bedürfnisse des BVET tätig. In der erwähnten Branchenbroschüre 
wird  denn  auch  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  es  müsse  abgeklärt 
oder  überprüft  werden,  ob  im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des 
Beitragszahlers  geforscht  wurde.  Die  Beschwerdeführerin  vermag 
demnach aus der erwähnten Branchenbroschüre nichts zu ihren Gunsten 
abzuleiten.

3.5.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  die  fraglichen,  vom  BVET  an  die 
Beschwerdeführerin  geleisteten  Beiträge  unter  die  Bestimmung  von 
Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG  (Subventionen  und  andere  Beiträge  der 
öffentlichen Hand) fallen. Diesbezüglich ist erneut zu beachten, dass sich 
der  zwischen  BVET  und  Beschwerdeführerin  abgeschlossene  Vertrag 
ausdrücklich  auf  Art. 42  TSG  stützte.  Ähnlich  wie  in  vom 
Bundesverwaltungsgericht  früher  beurteilten  Fällen  (oben  E. 2.5.4), 
waren  dabei  die  vertraglich  festgehaltenen  Vorgaben  und  Bedingungen 
so  detailliert,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  eigentlich  autonom 
darüber  entscheiden  konnte,  wie  sie  das  vom  BVET  bezahlte  Geld 
einsetzte. Sie übernahm eine individualisierte und konkretisierte Aufgabe 
und  musste  nicht  lediglich  einen  –  wie  bei  Subventionen  –  allgemein 
gehaltenen  Leistungsauftrag  erfüllen,  den  sie  zudem  auf  eine  selbst 
gewählte Weise  hätte  ausführen  können.  Das  BVET  verlangte  von  der 
Beschwerdeführerin eine ganz bestimmte Gegenleistung und richtete die 
Beiträge nicht lediglich zum Zwecke aus, bei ihr ein bestimmtes Verhalten 
zu  veranlassen.  Es  ging  auch  nicht  bloss  darum,  die  Tätigkeit  der 
Beschwerdeführerin zu unterstützten, zu  fördern oder zu  ihrer Erhaltung 
beizutragen oder bloss die finanziellen Lasten der Beschwerdeführerin zu 
mildern  oder  auszugleichen. Das Vorliegen  von Subventionen  im Sinne 
mehrwertsteuerlicher Nichtumsätze  ist demnach zu verneinen. Zwischen 
der  Beschwerdeführerin  und  dem  BVET  lag  gesamthaft  ein 
mehrwertsteuerlicher Leistungsaustausch vor, den die ESTV zu Recht als 
Auftrag  zum Betrieb  eines  Labors  qualifizierte  und mit Mehrwertsteuern 
belastete.

4. 
Demzufolge  ist  die  Beschwerde  vollumfänglich  abzuweisen. 
Ausgangsgemäss  hat  die  unterliegende  Beschwerdeführerin  die 
Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Diese  sind  auf  Fr. 

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2'500.—  festzulegen  (vgl.  Art. 2  Abs. 1  in  Verbindung  mit  Art. 4  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem 
in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. 
Parteientschädigungen  sind  bei  diesem  Verfahrensausgang  nicht 
zuzusprechen  (vgl.  Art. 64  Abs. 1  VwVG  e  contrario  und  Art. 7  Abs. 1 
VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  2'500.—  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschuss verrechnet.

3. 
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Michael Beusch Urban Broger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art.  82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 
deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 
enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 
sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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