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**Case Identifier:** 653611a7-7146-51d1-b7da-593e78c8bccb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.10.2023 VBE.2023.79
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-79_2023-10-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2023.79 / pm / fi  
Art. 125 

 

 

Urteil vom 17. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Meier  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____,  

vertreten durch lic. iur. Urs Hochstrasser, Rechtsanwalt, Rain 41,  

Postfach, 5001 Aarau 1 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Groupe Mutuel Versicherungen GMA AG, Rechtsdienst, 

Rue des Cèdres 5, Postfach, 1920 Martigny  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 9. Januar 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1985 geborene Beschwerdeführer ist bei der Aargauischen Gebäude-

versicherung (AGV), bzw. seit 1. Januar 2022 bei deren Rechtsnachfolge-

rin, der Groupe Mutuel GMA AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin), ob-

ligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Mit Unfallmeldung vom 12. Au-

gust 2021 meldete er der Beschwerdegegnerin, er habe sich am 10. August 

2021 (ohne Dritteinwirkung) während eines Fussballtrainings am rechten 

Knie verletzt. Die Beschwerdegegnerin erbrachte in der Folge die gesetz-

lichen Leistungen. Mit Verfügung vom 27. Oktober 2021 verneinte die Be-

schwerdegegnerin eine weitere Leistungspflicht mit der Begründung, der 

Unfallbegriff sei nicht erfüllt und die fragliche Körperschädigung sei mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit vorwiegend auf Abnützung zurückzu-

führen. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheent-

scheid vom 9. Januar 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. Februar 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Dem Beschwerdeführer seien seitens der Beschwerdegegnerin die ge-
setzlichen Leistungen zu erbringen. 

 
 2. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen. 
 
 3. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen. 
 
 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwer-

degegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 31. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Replik vom 19. Juni 2023 hielt der Beschwerdeführer an den in seiner 

Beschwerde gestellten Anträgen fest und beantragte zudem eventualiter 

die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zwecks Durchfüh-

rung einer versicherungsexternen Begutachtung. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid 

vom 9. Januar 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 62) im Wesentlichen 

davon aus, das Ereignis vom 10. August 2021 erfülle die Voraussetzungen 

des Unfallbegriffs gemäss Art. 4 ATSG nicht. Des Weiteren sei der rechts-

seitige Meniskusriss vorwiegend auf Abnützung zurückzuführen, weshalb 

auch eine Leistungspflicht im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG entfalle. Dage-

gen bringt der Beschwerdeführer vor, das fragliche Ereignis sei als Unfall 

zu qualifizieren, welcher wiederum in einem Kausalzusammenhang zu den 

geltend gemachten Beschwerden stehe. Die Beschwerdegegnerin habe 

ferner den Nachweis nicht erbracht, dass der Meniskusriss vorwiegend auf 

Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen seien, weshalb auch eine 

Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG bestehe. 

 

1.2. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht 

im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 10. August 2021 bzw. für die ihr 

diesbezüglich gemeldete Knieverletzung mit Einspracheentscheid vom 

9. Januar 2023 (VB 62) zu Recht verneint hat. 

 

2. 

Soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, werden die Versicherungs-

leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten 

gewährt (Art. 6 Abs. 1 UVG).  

 

3. 

3.1. 

Zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 

10. August 2021 zu Recht nicht als Unfallereignis i.S.v. Art. 4 ATSG quali-

fiziert hat. 

 

3.2. 

Betreffend den Hergang des Ereignisses vom 10. August 2021 gab der Be-

schwerdeführer anlässlich der gleichentags erfolgten notfallmässigen Kon-

sultation in der Klinik B._____ an, er wisse nicht, was genau passiert sei 

(VB 14 S. 1). In der Unfallmeldung vom 12. August 2021 findet sich sodann 

die Angabe, er sei während des Fussballtrainings (ohne Einwirkung von 

Dritten) "im Rasen hängen geblieben" und das Knie habe blockiert (VB 1). 

Im Fragebogen zum Sachverhalt vom 19. August 2021 beschrieb der 

Beschwerdeführer, beim Training mit "Senioren 30+" habe er ein Zuspiel 

erhalten und sich abgedreht, um den Ball auf die andere Seite zu spielen. 

Als er den Pass habe spielen wollen, habe das Knie im Standbein blockiert 

und es seien plötzlich Schmerzen aufgetreten, so dass er den Platz nicht 

 - 4 - 

 

 

 

mehr alleine (sondern "gestützt durch Teamkollegen") habe verlassen 

können (VB 8).  

 

3.3. 

Die Beweismaxime der "Aussagen der ersten Stunde" besagt, dass die ers-

ten Aussagen in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spä-

tere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Über-

legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein kön-

nen. Wenn der Versicherte seine Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, 

kommt den Angaben, die er kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens 

grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung 

des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47 mit Hinweis). Dabei soll es 

sich indes nicht um eine förmliche Beweisregel, sondern um eine Entschei-

dungshilfe handeln, welche im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu be-

rücksichtigen ist (ANDRÉ NABOLD, in Hürzeler/Kieser, Kommentar zum 

schweizerischen Sozialversicherungsrecht [UVG], 2018, N. 11 zu 

Art. 6 UVG). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent-

scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse 

Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderun-

gen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol-

gen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein-

lichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2). 

 

Vorliegend divergieren die während der Notfallkonsultation vom 10. August 

2021 gemachten Angaben sowie die Angaben in der Unfallmeldung vom 

12. August 2021 und im Fragebogen vom 19. August 2021. Im Bericht über 

die Notfallkonsultation, wurde angegeben, dass der Beschwerdeführer 

nicht wisse, was genau geschehen sei. In der Unfallmeldung wurde ein 

Hängenbleiben im Rasen beschrieben, während der Beschwerdeführer 

dies im Fragebogen nicht angab. Diesbezüglich ist zu beachten, dass die 

ersten Schilderungen des Geschehensablaufs in der Regel nicht von der 

versicherten Person selber, sondern von den erstbehandelnden Ärzten und 

vom Arbeitgeber (so bei der Unfallmeldung) stammen. Damit ist nicht si-

chergestellt, dass diese Dokumente tatsächlich das Ereignis so wiederge-

ben, wie es die versicherte Person spontan schilderte (NABOLD, a.a.O., 

N. 12 zu Art. 6 UVG). Daher ist es auch üblich, dass Unfallversicherer den 

genauen Sachverhalt mittels solcher Fragebogen detailliert von den Ver-

sicherten persönlich erfragen. Der Beschwerdeführer hat im Fragebogen 

vom 19. August 2021 den gesamten Bewegungsablauf vom Empfangen 

des Zuspiels mit Abdrehen bis zum Versuch den Ball weiterzuspielen, aus-

führlich beschrieben. Ein Hängenbleiben im Rasen gab er nicht an. Vor 

dem Hintergrund des oben Dargelegten ist davon auszugehen, dass mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit vom im Fragebogen vom 19. August 

2021 geschilderten Sachverhalt auszugehen ist, denn es sind keine nach-

 - 5 - 

 

 

 

vollziehbaren Gründe ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer im Frage-

bogen nicht mit Bestimmtheit ein Hängenbleiben hätte angeben sollen, 

wenn dies tatsächlich passiert wäre (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ver-

sicherungsgerichts U 71/07 vom 15. Juni 2007 E. 5.2.1). 

  

3.4. 

3.4.1. 

Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines 

ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 

 

3.4.2. 

Nach der Rechtsprechung ist der äussere Faktor ungewöhnlich, wenn er  

– nach einem objektiven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen liegt, 

was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 142 

V 219 E. 4.3.1 S. 221; SVR 2022 UV Nr. 13 S. 55, 8C_430/2021 E. 2.3). 

Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann unter anderem 

in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt 

dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung ledig-

lich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den 

natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" be-

einflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der unge-

wöhnliche äussere Faktor zu bejahen, denn der äussere Faktor – Verän-

derung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Pro-

grammwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 

E. 2.1 S. 118; SVR 2021 UV Nr. 21 S. 101, 8C_586/2020 E. 3.3; zum Gan-

zen: Urteil des Bundesgerichts 8C_24/2022 vom 20. September 2022 

E. 3.2). 

 

3.4.3. 

Das Merkmal der Ungewöhnlichkeit, und damit das Vorliegen eines Unfalls, 

ist bei einer Sportverletzung ohne besonderes Vorkommnis rechtspre-

chungsgemäss zu verneinen (vgl. BGE 130 V 117 E. 2.2 S. 118; SVR 2014 

UV Nr. 21 S. 67, 8C_835/2013 E. 5.1; Urteil des Bundesge-

richts 8C_24/2022 vom 20. September 2022 E. 5.2). Der äussere Faktor ist 

nicht gegeben, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der 

Bewegungsmuster des betreffenden Sports fällt (SVR 2014 UV Nr. 21 

S. 67, 8C_835/2013 E. 5.2; SVR 2011 UV Nr. 11 S. 39, 8C_693/2010 E. 5; 

Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 199/03 vom 10. Mai 

2004 E. 4.2 [nicht publiziert in BGE 130 V 380]). 

 

3.5. 

Für die Annahme einer Ungewöhnlichkeit reicht es nicht aus, wenn die 

Übung nicht ideal verläuft, solange sich die Art der Ausführung noch in der 

Spannweite des Üblichen des betreffenden Sportes bewegt (Urteil des 

 - 6 - 

 

 

 

Bundesgerichts 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 E. 5.2; Urteil des Eidgenös-

sischen Versicherungsgerichts U 322/02 vom 7. Oktober 2003 E. 4.4). Der 

vom Beschwerdeführer geschilderte Ereignishergang, nämlich die An-

nahme eines Passes ("Ich habe ein Zuspiel erhalten") sowie das Abdrehen 

und die Weitergabe des erhaltenen Balles bewegen sich zweifellos in der 

gewöhnlichen Bandbreite von während eines Fussballspieles ausgeführten 

Bewegungsmustern (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_267/2019 

vom 30. Oktober 2019 E. 5.2, wonach es sich bei einem Sprung in die Luft, 

um einen Ball zu fangen, nach welchem es beim Landen auf dem linken 

Bein im Knie geknackt habe, nicht um ein Unfallereignis handelt). Das Er-

eignis vom 10. August 2021 ist nach dem Gesagten nicht als Unfall i.S.v. 

Art. 4 ATSG zu qualifizieren. 

 

4. 

4.1. 

Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Unfallversicherung ihre Leistungen 

auch für Knochenbrüche, Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse, 

Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen und Trommel-

fellverletzungen, sofern diese Körperschädigungen nicht vorwiegend auf 

Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind.  

 

Den medizinischen Unterlagen ist betreffend das Ereignis vom 10. August 

2021 im Wesentlichen Folgendes zu entnehmen: 

 

4.2. 

Der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin Dr. med. C._____, Facharzt 

für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

führte seiner Stellungnahme vom 8. Oktober 2021 aus, das Ereignis vom 

10. August 2021 habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines 

Vorzustandes ("Status n. vKB-Plastik, Vernarbung der hinteren Kreuzban-

des, eine Korbhenkelläsion des medialen Meniskus, degenerative Verän-

derungen des Gelenkknorpels") geführt. Der Meniskusriss sei aufgrund der 

Befundung einer Korbhenkelläsion ohne Zeichen einer traumatischen Ver-

ursachung zu über 50 % auf Abnützung zurückzuführen. Die vKB-Plastik 

sei intakt und reizlos. Die mögliche Grad I-Läsion des medialen Collateral-

bandes (Zerrung) sei "nach Art. 6 Abs. 2 UVG nicht gelistet" (VB 22). 

 

4.3. 

Dr. med. D._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato-

logie des Bewegungsapparates, führte in seinem Bericht vom 21. Oktober 

2021 im Wesentlichen aus, pathophysiologisch sei der Meniskusriss auf 

eine minimale Instabilität zurückzuführen, welche während einem belaste-

ten Rotationstrauma ein "giving way produziert" habe. Diese minimale In-

stabilität habe mit Sicherheit einen Zusammenhang mit der ursprünglichen 

Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Eine nicht unfallbedingte Genese 

dieser Verletzung könne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 

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ausgeschlossen werden. Ob man dies auf das ursprüngliche Ereignis von 

2009, "oder hier bei adäquater Traumatisierung einen neuen Unfall macht", 

sei letztendlich von akademischem Interesse (VB 31 S. 1). 

 

4.4. 

Dr. med. C._____ nahm am 25. Oktober 2021 erneut Stellung, wobei er 

zusammengefasst ausführte, nach einer vKB-Ruptur (hier von 2009) sei 

gemäss wissenschaftlicher Lehrmeinung von einer konsekutiven 

degenerativen Entwicklung als Folge der Ruptur auszugehen. Daran 

ändere eine vKB-Plastik relativ wenig. Eine solche könne diese 

Entwicklung nicht aufhalten. Das Ereignis vom 10. August 2021 sei nicht 

geeignet gewesen, eine traumatische Meniskusläsion auch nur 

ansatzweise auslösen zu können. Das MRI habe keine Zeichen einer 

traumatischen Ursache gezeigt. Darüber hinaus stelle der Korbhenkel eine 

typische degenerative Meniskusläsion dar (VB 32). 

 

4.5. 

Dr. med. E._____, Facharzt für Chirurgie, ging in seinem Bericht vom 

25. Januar 2022 zusammengefasst davon aus, dass es sich vorliegend um 

ein ausgeprägtes Trauma handle, zeige unter anderem die MRT-Unter-

suchung des Kniegelenkes vom 13. August 2021, in welcher ein grosser 

Gelenkserguss mit annähernd zirkulärem Kapselödem und daneben ein 

Ödem des medialen Seitenbandes mit möglicher Grad I-Läsion des me-

dialen Seitenbandes beschrieben worden seien. Der Nachweis, dass die 

vorliegende Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit 

zurückzuführen sei, habe von Dr. med. C._____ nicht erbracht werden 

können. Die Aussage, wonach die Listenverletzung zu mehr als 50 % auf 

Abnützung zurückzuführen sei, sei eine reine Behauptung und könne nicht 

bewiesen werden. In der Stellungnahme vom 25. Oktober 2021 sei 

Dr. med. C._____ von fehlenden Zeichen einer traumatischen 

Verursachung ausgegangen. Diese Aussage sei falsch (VB 48). 

 

4.6. 

Am 1. Juni 2022 führte Dr. med. C._____ sodann unter anderem aus, das 

MRI bestätige kein relevantes Trauma, sondern nur eine Korbhenkelläsion 

bei Status n. vKB-Plastik von 2009. Zeichen einer traumatischen Verur-

sachung, wie ein Knochenmarködem oder Signalalterationen, würden feh-

len. Ödeme seien nicht zwingend auf ein Trauma zurückzuführen und sie 

würden in diesem Fall offensichtlich mit Signalalterationen verwechselt. Die 

Tatsache, dass seit 2009 eine vKB-Plastik bestehe, impliziere eine Kniege-

lenksinstabilität, die laut wissenschaftlicher Literatur eine degenerative Ent-

wicklung der Gelenkoberfläche und der Menisken in Gang setze. Eine trau-

matische Genese der Meniskusläsion sei nicht denkbar (VB 53 S. 3). 

 

 - 8 - 

 

 

 

4.7. 

Dr. med. E._____ nahm am 1. November 2022 erneut Stellung und führte 

im Wesentlichen aus, im MRI-Befund vom 13. August 2021 werde eindeu-

tig ein Ödem des medialen Seitenbandes und der medialen Gelenkkapsel 

mit einem annähernd zirkumferenten Kapselödem beschrieben. Hier zeige 

sich eine Zerrung des medialen Seitenbandes und das Kapselödem müsse 

als Traumaeinwirkung angesehen werden. Zudem seien Ödeme zwar nicht 

immer auf ein Trauma zurückzuführen. Wenn jedoch nach einer wie vom 

Beschwerdeführer geschilderten Situation ein Ödem des medialen Seiten-

bandes und der gesamten medialen Gelenkkapsel vorhanden sei, müsse 

dies als Zeichen eines Traumas gewertet werden (VB 54 S. 6). 

 

4.8. 

In seiner Stellungnahme vom 19. Dezember 2022 hielt Dr. med. C._____ 

an seiner Einschätzung fest. Im MRI vom 13. August 2021 seien ein Korb-

henkel mit bereits nachweisbarer Volumenminderung der medialen Menis-

kusanteile vom Hinterhorn bis zum Vorderhorn, eine unauffällige vKB-Plas-

tik, unauffällige Seitenbänder sowie eine Chondropathie femorotibial Grad 

II bis IV beschrieben worden. Kernspintomographisch habe weder eine li-

gamentäre Begleitverletzung noch ein Knochenmarködem belegt werden 

können. Insofern könne davon ausgegangen werden, dass die Krafteinwir-

kung auf das Knie nicht hoch gewesen sein könne, zumal Meniskusver-

letzungen deutlich nachrangiger als ligamentäre und ossäre Verletzungen 

auftreten würden. Gerade die fehlenden Hinweise auf eine Begleitver-

letzung und das nicht vorhandene Knochenmarködem würden eine derart 

massive Meniskusverletzung (vom Hinterhorn bis zum Vorderhorn) "völlig" 

ausschliessen. Darüber hinaus könne aufgrund der zweimaligen vKB-Lä-

sion mit nachfolgender vKB-Plastik von einer anteromedialen Rotationsin-

stabilität ausgegangen werden, die wesentlich zur Degeneration des Me-

niskus beigetragen habe (VB 59 S. 2).  

 

5. 

5.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

5.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder 

einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

 - 9 - 

 

 

 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-

stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 

V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

5.3. 

Eine reine Aktenbeurteilung ist nicht an sich schon unzuverlässig. Entschei-

dend ist, ob genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Untersu-

chungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und 

gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige muss 

sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild 

machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2008 vom 9. April 

2009 E. 3.3.1 und U 224/06 1. November 2007 E. 3.5; je mit Hinweisen). 

 

6. 

Beim Vorliegen einer Listenverletzung ist der Unfallversicherer grundsätz-

lich leistungspflichtig, solange er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass 

die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachen-

spektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzufüh-

ren ist (BGE 146 V 51). 

 

Gemäss Dr. med. C._____ ist die vorliegende Listenverletzung 

(Meniskusriss, Art. 6 Abs. 2 lit. c UVG) vorwiegend auf Abnützung oder 

Erkrankung zurückzuführen. Dies begründete er im Wesentlichen mit der 

"Befundung einer Korbhenkelläsion" (die "typischerweise degenerativer 

Natur" sei [VB 53 S. 3 f.]) und dem Fehlen von Zeichen einer traumatischen 

Verursachung (VB 22 S. 3) resp. dem Fehlen von Begleitverletzungen 

(VB 59 S. 2). Demgegenüber ging Dr. med. E._____ in seinen Berichten 

vom 25. Januar und vom 1. November 2022 davon aus, es sei Dr. med. 

C._____ nicht gelungen, nachzuweisen, dass der vorliegende Korb-

henkelriss des Innenmeniskus vorwiegend auf Abnutzung oder Erkrankung 

zurückzuführen sei (VB 54 S. 7). Dr. med. D._____ schloss in seiner 

Stellungnahme vom 21. Oktober 2021 eine "nicht Unfallbedingte Genese" 

der Verletzung mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" aus 

(VB 31 S. 1), was von Dr. med. E._____ in seinem Bericht vom 25. Januar 

2022 als absolut plausibel gewertet wurde (VB 48). Letzterer wies 

insbesondere auf einen im MRI dargestellten grossen Gelenkserguss, ein 

Kapselödem sowie ein Ödem und eine mögliche Grad I-Läsion des 

medialen Seitenbandes hin (VB 48; 54 S. 6). Dagegen ging 

Dr. med. C._____ in seiner Stellungnahme vom 19. Dezember 2022 von 

 - 10 - 

 

 

 

unauffälligen Seitenbändern aus (VB 59 S. 2), obwohl im MRI-Bericht vom 

13. August 2021 ein Ödem des medialen Seitenbandes und der medialen 

Gelenkkapsel sowie auch eine mögliche Grad I-Läsion des medialen 

Seitenbandes beschrieben wurden (VB 18 S. 3). Zu dem bildgebend 

festgestellten grossen Gelenkserguss (VB 18 S. 3) äusserte sich 

Dr. med. C._____ in seinen Stellungnahmen nicht. Betreffend die von 

Dr. med. E._____ erwähnten Ödeme führte Dr. med. C._____ zwar aus, 

solche seien nicht zwingend auf ein Trauma zurückzuführen und sie 

würden in diesem Fall offensichtlich mit Signalalterationen verwechselt 

(VB 53 S. 3). Diesbezüglich äusserte sich Dr. med. F._____ am 

1. November 2022, wobei er ausführte, wenn ein Ödem des medialen 

Seitenbandes und der gesamten medialen Gelenkkapsel nach einer 

Situation, wie sie vom Beschwerdeführer geschildert worden sei, vorliege, 

müsse dies als Zeichen eines Traumas gewertet werden (VB 54 S. 6). Des 

Weiteren ist die Aussage von Dr. med. C._____, vorliegend würden Signal-

alterationen mit Ödemen verwechselt, nicht ohne Weiteres nachvoll-

ziehbar, wurden die in Frage stehenden Ödeme im MRI-Bericht vom 

13. August 2021 vom Facharzt für Radiologie Dr. med. G._____ doch als 

Ödeme und nicht als Signalalterationen bezeichnet (VB 18 S. 3). 

 

Mit den Einschätzungen der Dres. med. D._____ und E._____ liegen von 

der versicherungsmedizinischen Beurteilung von Dr. med. C._____ abwei-

chende, durchaus begründete fachärztliche Einschätzungen vor. An den 

Ausführungen von Dr. med. C._____ bestehen damit (zumindest geringe) 

Zweifel, weshalb auf dessen Berichte nicht abgestellt werden kann (vgl. 

E. 5.2. hiervor). Somit liegt eine Verletzung des Untersuchungsgrund-

satzes vor (Art. 43 Abs. 1 ATSG), weshalb die Sache an die Beschwerde-

gegnerin zurückzuweisen ist, damit diese weitere Abklärungen tätige und 

im Anschluss über eine Leistungspflicht betreffend die ihr am 12. August 

2021 gemeldete rechtsseitige Knieverletzung neu befinde.  

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 9. Januar 2023 aufzuhe-

ben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.  

 

7.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

7.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

 - 11 - 

 

 

 

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid 

vom 9. Januar 2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'450.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 - 12 - 

 

 

 

   

Aarau, 17. Oktober 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Meier