# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3712f83-f2ba-55ca-a835-bae89e11b8a1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 E-812/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-812-2012_2012-02-24.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­812/2012

U r t e i l   v om     2 4 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Daniel Willisegger,
mit Zustimmung von Richter Markus König; 
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

Parteien A._______, geboren am (…),
angeblich ohne Nationalität (Herkunftsstaat Libanon),  
vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 3. Februar 2012 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a. Der Beschwerdeführer verliess seinen eigenen Angaben zufolge den 
Libanon  im April  2010  und  reiste  über  Syrien,  die  Türkei, Griechenland 
und   Italien  am  2.  September  2010  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  8. 
September 2010 um Asyl nachsuchte. Am 16. September 2010 wurde er 
im Empfangs­ und Verfahrenszentrum Kreuzlingen erstmals befragt. 

A.b. Das BFM  führte am 4. Oktober 2010 ein Telefongespräch mit dem 
Beschwerdeführer durch, welches aufgezeichnet und in der Folge einem 
Experten  der  Fachstelle  LINGUA  unterbreitet  wurde. Dieser  gelangte  in 
seinem  Gutachten  aufgrund  einer  landeskundlich­kulturellen  und 
linguistischen  Analyse  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers  (LINGUA­
Gut­achten) zum Schluss, die Hauptsozialisation des Beschwerdeführers 
habe  im Libanon,  sehr wahrscheinlich  im  libanesischen Milieu  und  sehr 
wahrscheinlich nicht im palästinensischen Milieu stattgefunden.

A.c. Das BFM hörte den Beschwerdeführer am 8. November 2011 zu den 
Asylgründen  an  und  gewährte  ihm  dabei  das  rechtliche  Gehör  zum 
Ergebnis  des  LINGUA­Gutachtens.  Zu  den  Asylgründen  machte  der 
Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, sein Vater, welcher als Kind 
in den Libanon geflüchtet sei, sei Palästinenser, seine Mutter Libanesin. 
Er  sei  in  unmittelbarer  Nähe  des  palästinensischen  Flüchtlingslagers 
B._______  aufgewachsen  und  habe  eine  palästinensische  Schule 
ausserhalb  des  Lagers  besucht.  Seit  seinem  16. Altersjahr  habe  er  in 
C._______  in  der  Nähe  seines  Wohnortes  gearbeitet.  Dort  sei  er  von 
Islamisten  aus  dem  Flüchtlingslager  um  Informationen  über  die 
libanesische Armee und den Geheimdienst angegangen worden. Ebenso 
sei er von Leuten des Geheimdienstes um Informationen aus dem Lager 
gebeten  worden.  Eines  Nachts  Mitte  2009  sei  er  überfallen  und 
bewusstlos  geschlagen  worden.  Er  vermute,  dass  dieser  Anschlag  im 
Auftrag  von D._______  erfolgt  sei, welcher  eine  hohe Persönlichkeit  im 
Lager  sei  und welchen er  regelmässig mit  Informationen  beliefert  habe. 
Den Anschlag auf seine Person werte er als Zeichen dafür, dass er von 
D._______  verdächtigt werde,  für  den  libanesischen Geheimdienst  tätig 
zu sein. Von Januar 2010 bis zur Ausreise habe er sich bei einer Tante in 
E._______ aufgehalten.

Zum Ergebnis des Lingua­Gutachtens und zunächst zu den mangelhaften 
Kenntnissen  über  die  Herkunft  seiner  Familie  erklärte  der 
Beschwerdeführer, es sei das erste Mal, dass er eine solche Befragung 

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erlebt  habe.  Sodann  stellte  er  in  Abrede,  keine  Kenntnisse  über  das 
Lager  B._______  zu  haben.  Weitergehend  bestritt  er  den  Vorhalt  oder 
wiederholte  seine  bisherigen  Aussagen.  Schliesslich  erklärte  er,  er  sei 
von  seiner Mutter  und  nicht  seinem Vater  erzogen worden,  weshalb  er 
vielmehr libanesisch geprägt sei.

B. 
Mit Verfügung vom 3. Februar 2012 – eröffnet am 6. Februar 2012 – trat 
das BFM auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der 
Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Dem Beschwerdeführer wurden 
die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt.

C. 
Mit  Eingabe  vom  13.  Februar  2012  (Poststempel)  reichte  der 
Beschwerdeführer  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  ein  und 
beantragte,  die Verfügung des BFM sei  aufzuheben. Die Vorinstanz  sei 
anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten.  In  prozessualer  Hinsicht 
beantragte  er,  es  sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren 
und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
(VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in der Regel – wie 
auch  vorliegend  –  endgültig  (vgl.  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 
des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]).  Der 
Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerdeführung 
legitimiert  (Art. 48  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte 
Beschwerde (Art. 52 VwVG und Art. 108 Abs. 2 AsylG) ist einzutreten.

2. 
2.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  die  angefochtene 
Verfügung  auf  Verletzung  von  Bundesrecht,  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und 
Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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2.2. Die  Beurteilungskompetenz  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  bei 
Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  die  in  Anwendung  von 
Art.  32 Abs. 2 Bst. a  i.V.m. Art. 32 Abs.  3 AsylG ergingen,  nicht  auf  die 
Frage beschränkt, ob die Vorinstanz auf das Asylgesuch zu Recht nicht 
eingetreten  ist.  Vielmehr  bildet  auch  die  Flüchtlingseigenschaft 
Streitgegenstand.  Im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  ist  das 
offenkundige  Fehlen  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers 
und von Wegweisungsvollzugshindernissen zu beurteilen  (BVGE 2007/8 
E. 2.1  und  5.6.5).  Bezüglich  der  Wegweisung  und  des 
Wegweisungsvollzuges  ist  die  Beurteilungskompetenz  nicht  beschränkt, 
da dies die Vorinstanz materiell geprüft hat (BVGE 2007/8 E. 2.1).

3. 
Die  Beschwerde  erweist  sich  als  offensichtlich  unbegründet  und  ist  im 
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer 
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).

4. 
4.1.  Der  Beschwerdeführer  rügt  zunächst  eine  Verletzung  von  Art.  37 
Abs. 1  AsylG.  Gemäss  dieser  Bestimmung  sind 
Nichteintretensentscheide  in der Regel  innerhalb  von zehn Arbeitstagen 
nach der Gesuchstellung zu treffen und summarisch zu begründen. 

4.2. Bereits  aus der  in Art.  37 Abs.  1 AsylG  verwendeten Formulierung 
("in  der  Regel")  ergibt  sich,  dass  die  angeführte  Verfahrensfrist  nicht 
absolut  gilt.  Sodann  ist  nach  konstanter  Rechtsprechung,  sofern  die 
Voraussetzungen  für  einen  Nichteintretensentscheid  gegeben  sind,  auf 
ein Asylgesuch  auch  dann  nicht  einzutreten, wenn  die  in Art.  37 AsylG 
statuierte  Entscheidungsfrist  längst  abgelaufen  ist  (vgl.  die  weiterhin 
zutreffende  und  geltende  Rechtsprechung  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [ARK  ]in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
ARK [EMARK] 2002 Nr. 15 E. 5d). Schliesslich ist festzuhalten, dass dem 
Beschwerdeführer  aus  der  langen  Verfahrensdauer  kein  konkreter 
Nachteil erwachsen ist; Entsprechendes macht er auch nicht geltend. Die 
erhobene Rüge erweist sich somit als unbegründet.  

5. 
5.1. Gemäss Art. 32 Abs.  2 Bst.  a AsylG wird  auf  ein Asylgesuch  nicht 
eingetreten, wenn die asylsuchende Person den Behörden nicht innert 48 
Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder  Identitätspapiere 

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abgibt.  Diese  Bestimmung  findet  nach  Art.  32  Abs.  3  AsylG  keine 
Anwendung,  wenn  die  asylsuchende  Person  glaubhaft  machen  kann, 
dass sie dazu aus entschuldbaren Gründen nicht in der Lage war (Bst. a), 
wenn aufgrund der Anhörung  sowie gestützt  auf Art. 3  und 7 AsylG die 
Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Bst. b) oder wenn sich auf Grund 
der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
nötig sind (Bst. c).

5.2.  Dass  der  Beschwerdeführer  innerhalb  von  48  Stunden  nach 
Einreichen des Asylgesuchs keine Ausweispapiere abgegeben hat,  liegt 
ausser Streit. Insoweit stützt sich die Vorinstanz zu Recht auf Art. 32 Abs. 
2  Bst. a  AsylG,  was  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  in  Frage  gestellt 
wird.

5.3.  Demgegenüber  macht  der  Beschwerdeführer  einerseits 
entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG geltend, 
andererseits  bringt  er  vor,  aufgrund der Anhörung und der  gesetzlichen 
Bestimmungen  erfülle  er  die  Flüchtlingseigenschaft  (Art.  32  Abs.  3  Bst. 
b). Er macht somit geltend, die Vorinstanz hätte gestützt auf Art. 32 Abs. 
3 Bst. a und b AsylG auf das Asylgesuch eintreten müssen.

6. 
6.1.  Gemäss  Art. 32  Abs. 3  Bst. a AsylG  ist  auf  Asylgesuche  trotz 
Papierlosigkeit  einzutreten,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen 
können,  dass  sie  aus  entschuldbaren  Gründen  nicht  in  der  Lage  sind, 
innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder 
Identitätspapiere abzugeben.  

6.2.  Die  Vorinstanz  stellt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  es  sei 
völlig unglaubhaft, dass eine Person, die sich auf eine illegale Reise nach 
Europa  begebe,  den  einzigen  amtlichen  Ausweis  den  sie  besitze,  dem 
Schlepper  überlasse  und  erst  nach  der  Aufforderung  durch  das 
Bundesamt die Familie damit beauftragen wolle, diesen beim Schlepper 
einzufordern.  Entgegen  den  Beteuerungen  des  Beschwerdeführers 
anlässlich der Anhörung im November 2011 sei bis zum Entscheid keine 
Dokumentenkopie  eingegangen. Es würden  somit  keine  entschuldbaren 
Gründe  im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG vorliegen.  Im Übrigen 
stehe  die  Identität  des  Beschwerdeführers  nicht  fest,  und  aufgrund  des 
LINGUA­Gutachtens würden ernsthafte Zweifel an der palästinensischen 
Ethnie  bestehen.  Es  möge  zutreffen,  dass  der  Beschwerdeführer  als 

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Sohn  einer  libanesischen Mutter  in  kultureller  und  sprachlicher  Hinsicht 
gewisse  Wissenslücken  haben  könne.  Er  bleibe  aber  eine 
nachvollziehbare Erklärung für die unkorrekte Wiedergabe der Dauer der 
Primarschule  schuldig.  Die  Frage  nach  der  Identität  könne  schliesslich 
offen  gelassen  werden,  da  ein  allfälliger  Wegweisungsvollzug  in  den 
Libanon zu erfolgen hätte.

Dem hält der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe entgegen, er 
habe  sich  seit  langem  bemüht,  zu  seinem  Flüchtlingsausweis  zu 
kommen.  Sein  Vater  sei  verängstigt,  habe  ihm  indes  per  E­Mail  eine 
Kopie des Ausweises zukommen lassen. Mit dieser blossen Kopie hat der 
Beschwerdeführer  aber  offensichtlich  kein  gültiges  Reise­  oder 
Identitätspapier im Sinne von Art. 32 AsylG sowie Art. 1a Bst. b und c der 
Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  (AsylV 1,  SR  142.311) 
eingereicht  (vgl.  dazu  BVGE  2007/7).  Zudem  behauptet  der 
Beschwerdeführer  lediglich,  sich  seit  langem  um  den  Erhalt  eines 
Ausweises  bemüht  zu  haben.  Namentlich  legt  er  mit  keinem Wort  dar, 
inwiefern er sich in den letzten rund eineinhalb Jahren seit seiner Einreise 
in  die  Schweiz  konkret  und  ernsthaft  darum  bemüht  hat,  seine  Reise­ 
oder  Identitätspapiere  innert  angemessener  Frist  zu  beschaffen 
beziehungsweise seine Bemühungen mit  entsprechenden Beweismitteln 
zu belegen  (vgl. BVGE 2010/2 E. 6.3). Schliesslich vermag er auch aus 
der  geltend  gemachten  Angst  seines  Vaters  nichts  zu  seinen  Gunsten 
abzuleiten. Für das Gericht besteht somit auch keine Veranlassung eine 
angemessene  Frist  abzuwarten,  bis  der  Vater  den  Ausweis  des 
Beschwerdeführers allenfalls auf der Schweizer Vertretung in E._______ 
abgegeben hat. Die Vorinstanz  hat  demnach  zu Recht  geschlossen,  es 
würden keine entschuldbaren Gründe vorliegen.

7. 
7.1. Gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. b und c AsylG  ist auf Asylgesuche trotz 
Papierlosigkeit einzutreten, wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt 
auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  wird  oder 
wenn  sich  erweist,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
nötig sind. 

7.2.  Die  Vorinstanz  gelangt  in  der  angefochtenen  Verfügung  zum 
Schluss,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht. 
Zur  Begründung  führt  sie  aus,  der  Beschwerdeführer  vermute  lediglich, 
dass  D._______  hinter  dem  Anschlag  auf  ihn  stehe.  Zudem  erkläre  er 

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das  Motiv  dafür  kontrovers.  Ferner  sei  es  nach  Darstellung  des 
Beschwerdeführers bei diesem einen Vorfall geblieben. Und selbst wenn 
die vermuteten Hintergründe des Anschlages zutreffen würden, so habe 
sich  der  Beschwerdeführer  problemlos  innerhalb  seines  Landes  in 
Sicherheit bringen können. 

In der Rechtsmitteleingabe nimmt der Beschwerdeführer zu den von der 
Vorinstanz  im  Einzelnen  aufgezeigten  widersprüchlichen  Aussagen 
betreffend  das  Motiv  des  Anschlags  auf  ihn  nicht  Stellung.  Vielmehr 
beschränkt er sich darauf, seine Angaben zu wiederholen und pauschal 
zu bekräftigen, diese seien korrekt, widerspruchsfrei, schlüssig und wahr. 
Damit  legt  er  aber  nicht  substantiiert  dar,  inwiefern  die  Vorinstanz  zu 
Unrecht  geschlossen  hat,  er  erfülle  die  Voraussetzungen  der 
Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Überdies  ist  festzustellen,  dass  der 
Beschwerdeführer  nach  dem  angeblichen  Überfall  auf  ihn  Mitte  2009 
noch rund ein halbes Jahr in F._______ lebte, bevor er sich anfangs 2010 
zu seiner Tante nach E._______ begab, wo er sich bis zur Ausreise  im 
April  2010  aufhielt.  Für  diese  Zeit  macht  der  Beschwerdeführer  keine 
einzige  Belästigung  geltend.  Hätten  die  geltend  gemachten  Personen 
indes  ein  tatsächliches  Interesse  an  der  Verfolgung  des 
Beschwerdeführers  gehabt,  hätte  er  kaum  knapp  ein  Jahr  unbehelligt 
weiter  im  Libanon  leben  können.  Insgesamt  ergibt  sich  somit,  dass  die 
Vorinstanz  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  Recht  verneint  und 
diesbezüglich weitere Abklärungen nicht für notwendig erachtet.  

7.3.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Vorinstanz  zu  Recht 
gestützt  auf  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers nicht eingetreten ist.

8. 
Gemäss  Art.  44  Abs. 1  AsylG  verfügt  das  Bundesamt  in  der  Regel  die 
Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das 
Asylgesuch  ablehnt  oder  darauf  nicht  eintritt.  Der  Beschwerdeführer 
verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch 
über  einen Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  (Art. 44 Abs.  1 AsylG; 
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt.

9. 
9.1. Der Beschwerdeführer  ist  der Sohn eines Palästinensers und einer 
Libanesin und hat gemäss seinen Angaben zeitlebens im Libanon gelebt. 
Es  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  er  dort  über  eine  gültige 

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Aufenthaltsbewilligung  verfügt.  Die  Vorinstanz  hat  somit  zu  Recht  den 
Vollzug der Wegweisung in den Libanon geprüft.

9.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]). 

9.3.  Nach  Art.  83  Abs.  3  AuG  ist  der  Vollzug  nicht  zulässig,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat  entgegenstehen.  Da  dem  Beschwerdeführer  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  zukommt,  ist  das  flüchtlingsrechtliche 
Rückschiebungsverbot  von Art. 33 Abs. 1  des Abkommens  vom 28. Juli 
1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  und 
Art. 5  AsylG  nicht  anwendbar.  Die  Zulässigkeit  des  Vollzuges  beurteilt 
sich  vielmehr  nach  den  allgemeinen  verfassungs­  und  völkerrechtlichen 
Bestimmungen  (Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]); 
Art.  3  des Übereinkommens  vom 10. Dezember  1984 gegen Folter  und 
andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder 
Strafe  [FoK,  SR  0.105];  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR 
0.101]. 

Die  Vorinstanz weist  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf 
hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt, 
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Dem Beschwerdeführer  ist es 
nicht  gelungen,  eine  asylrechtlich  erhebliche Gefährdung  nachzuweisen 
oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip 
des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung  findet.  Eine Rückkehr  des Beschwerdeführers  in  den 
Herkunftsstaat Libanon  ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 
rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussage  des 
Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  überzeugende  Anhaltspunkte 
dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Libanon  dort mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 
verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Nach  dem 

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Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als 
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

9.4. Nach Art. 83 Abs. 4 AuG  kann  der Vollzug  für Ausländerinnen  und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

Vorliegend  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Herkunftsstaat  des 
Beschwerdeführers  (Libanon)  zumutbar  im  Sinne  der  vorgenannten 
Bestimmung.  Die  allgemeine  Lage  im  Libanon  ist  heute  weder  durch 
Krieg,  Bürgerkrieg  noch  durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt 
gekennzeichnet,  aufgrund  derer  die  Zivilbevölkerung  allgemein  als 
konkret  gefährdet  bezeichnet  werden  müsste.  Sodann  sind  den  Akten 
keine  Hinweise  auf  individuelle,  in  der  Person  des  Beschwerdeführers 
liegende Vollzugshindernisse zu entnehmen. Soweit sich aus den Akten 
ergibt,  handelt  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  jungen, 
gesunden und alleinstehenden Mann, welcher bis kurz vor der Ausreise 
in  F._______  lebte  und  arbeitete.  Seine  Eltern  und  Geschwister  leben 
gemäss  seinen  Angaben  nach  wie  vor  dort,  ebenso  leben  weitere 
Verwandte  im Libanon. Damit  verfügt der Beschwerdeführer  im Libanon 
über  ein  bestehendes  familiäres  und  soziales  Beziehungsnetz,  auf 
welches  er  bei  einer  Rückkehr  zurückgreifen  kann.  Sodann  hat  er 
langjährige  berufliche  Erfahrungen  als  G._______.  Vor  diesem 
Hintergrund  ist  davon  auszugehen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  in  den 
Libanon eine neue eigene Existenz aufbauen kann, notfalls unter Mithilfe 
seiner  Familie  und  seiner  Bekannten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist 
daher insgesamt als zumutbar zu erachten.

9.5. Nach  Art.  83  Abs.  2  AuG  ist  der Wegweisungsvollzug  schliesslich 
auch als möglich zu bezeichnen. Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich 
bei  der  zuständigen  libanesischen  Vertretung  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art.  8  Abs.  4  AsylG 
und dazu BVGE 2008/34 E. 12). 

10. 
Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  Abs.  1  AsylG).  Die 
Beschwerde ist abzuweisen.

E­812/2012

Seite 10

11. 
11.1.  Der  Beschwerdeführer  beantragt  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG. Diese wird 
gewährt, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und 
ihre Begehren nicht aussichtslos erscheinen. 

11.2.  In  Anbetracht  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  das 
Beschwerdeverfahren als aussichtslos zu bezeichnen. Damit  ist eine der 
kumulativ  zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb dem 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtpflege  nicht 
stattgegeben werden kann. 

11.3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. –  
(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE],  SR 
173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 
Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden 
Urteil gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite)

E­812/2012

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.  –  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin

Daniel Willisegger Barbara Balmelli

Versand: