# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 299deffd-aa7f-59ff-a2e5-0c5d5c658794
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-09-22
**Language:** de
**Title:** Vorbestehende dauernde psychische Erkrankung führt zur Einrechung eines tieferen Valideneinkommens gemäss Art. 28 Abs. 3 UVV.  (BGE 8C_847/2015)
**Docket/Reference:** UV.2013.00189
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00189.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00189
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiber Sonderegger
Urteil
vom
22. September 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Christoph
Erdös
Erdös
& Lehmann Rechtsanwälte
Kernstrasse 37, 8004 Zürich
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Fürsprecher Martin Bürkle
Stiffler
& Partner, Rechtsanwälte
Dufourstrasse
101, Postfach 1072, 8034 Zürich
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1957, war seit 1. August 1995 in ei
nem Pensum von 50 %
im Pflegedienst
bei der
Y.___
(
Z.___)
angestellt und damit bei der AXA Versicherungen AG gegen Unfälle versichert. Am 31. Mai 2008 erlitt er einen Verkehrsunfall, als er mit seinem Fahrzeug frontal in einen Baum fuhr (Unfallmeldung vom 18. Juni 2008,
Urk.
13/1). Dabei zog er sich eine
Acetabulum
-Luxationsfraktur recht
s
, eine
Ischiadikusparese
rechts mit
Fussheberschwäche
, eine
erstgradige
Patell
a
-Trümmerfraktur, eine mässig dislo
zierte laterale
Malleolarfraktur
Typ Weber A rechts, eine Prellung am Unterarm rechts sowie multiple Schürfwu
nden und Prellungen zu (
Urk.
14/
M
3). Die AXA trat auf den Schaden
sfall
ein und gewährte Heilbehandlung sowie Taggeld.
1.2
Nachdem der Versicherte im
A.___
mehrfach operiert worden war (
Débridement
und Wundversorgung Knie rechts,
Acetabulum
-Osteo
synthese rechts,
Zuggurtung
und
Rahmencerclage
Patella rechts
,
Schrau
benosteosynthese
lateraler
Malleolus
rechts,
Urk.
14/
M
4
und
Urk.
14/
M
21
), er
folgte vom 25. Juni bi
s
2
2.
Juli 2008 ein Rehabilitationsaufenthalt in der
B.___
(
Urk.
14/
M
8). Am 1
2.
und 19.
November 2009 erfolgte
n
Gelenkspunktion
en
im rechten Knie und am
13. November 2009 die Entfernung des
Osteosynthesematerials
Patella samt
Wunddébridement
(
Urk.
14/
M
16).
Am 23. November 2010 (
Urk.
14/
M
28) wurde sodann eine Exzision
präpatelläre
Hautläsion sowie eine Resektion
Patellavorderfläche
Knie rechts durchgeführt und am 8. März 2011 (
Urk.
14/
M
3
2
) eine Fistelexzision und
Wunddébridement
, Primärverschluss
präpatellär
rechts.
1.3
Mit Verfügung vom 27. April 2012 (
Urk.
13/141) stellte die AXA die Leistungen für Heilbehandlung und Taggeld per 31. Dezember 2011 ein und sprach dem Versicherten eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbseinbusse von 15 % sowie eine Entschädigung für eine Integritätseinbusse von 35 % zu. Die dage
gen erhobene Einsprache des Versicherten vom 4. Juni 2012 (
Urk.
13/142) wies sie mit Entscheid vom 20. Juni 2013 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 2
2.
August 2013 (
Urk.
1) Beschwerde mit den folgenden Anträgen (S. 1 f.):
1.
der Entscheid vom 20.06.2013 sei aufzuheben;
2.
es seien die gesetzlichen UVG Leistungen zu erbringen;
3.
eventualiter sei der Streitgegenstand an die VI zurückzuweisen, mit der Ver
pflichtung es sei ein rechtskonformer Einkommensvergleich vorzunehmen und anschliessend sei ein neuer Entscheid zu verfügen;
4.
dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen;
5.
dem Beschwerdeführer sei ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bewilligen;
- unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten der AXA Winterthur Versi
cherung.
Am 30. September 2013 (
Urk.
9) zog der Versicherte seine Anträge um unentgeltli
che Rechtspflege zurück und am 16. Dezember 2013 (
Urk.
12) schloss die AXA auf Abweisung der Beschwerde. Im Rahmen des zweiten
Schriften
wechsels
hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest (
Urk.
18 und
Urk.
25).
3.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem Be
schwerdeführer mit Verfügung vom 11.
Januar
2012 (
Urk.
31/75-80 und
Urk.
31/65) basierend auf einem Invaliditätsgrad von
86 %
mit Wirkung ab
1. Mai
2009 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, UVG). Invalidität ist die voraussicht
lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgra
des
wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeits
marktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfa
llversicherers gemäss UVG setzt
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des
natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihres Entscheides aus
(
Urk.
2)
, der Beschwerdeführer sei - in einer näher bezeichneten angepassten Tätigkeit - vollzeitlich arbeitsfähig
(S. 11).
Im Rahmen des Einkommensvergleichs schloss sie auf eine vorbestehende (psychische) Gesun
d
heitsschädigung, welche die Leistungsfähigkeit im Umfang von 50 % dauernd herabsetzt, und errechnete - ausgehend von identischen Löhnen für das Validen- und das
Invalideneinkom
men
(Tabellenlöhne für einfache und repetitive Tätigkeiten) basierend jeweils auf einem Pensum von 50 % sowie unter Ber
ücksichtigung eines Abzuges
von 15 %
-
einen Invaliditätsgrad von 15 % (S. 8 ff., namentlich S. 12).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dagegen,
im U
n
fallzeitpunkt habe keine dauernde Einschränkung der Leistungsfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit als Pflegefachmann bestanden, weshalb auf den versicherten Lohn von
Fr.
49‘521.50 als
Valideneinkommen
abzustellen sei (50 %-Pensum). Zur Höhe
des Invalideneinkommen
s
verwies er auf die Feststellungen der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, welche lediglich von einer 25%igen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen und ein Invalideneinkommen von
Fr.
13‘812.-- errechnet hatte (
Urk.
1 S. 9 f. und
Urk.
3/9).
2.3
Die Höhe der Integritätsentschädigung wurde seitens des
Beschwerdeführer
s nicht mehr
bemängelt
, weshalb es damit sein Bewenden hat. Im Folgenden ist demgemäss einzig die Höhe der dem
Beschwerdeführer
zustehenden Invaliden
rente zu prüfen.
3.
3.1
Die Parteien sind sich einig, dass dem
Beschwerdeführer
in organischer Hinsicht nur noch leichtere Tätigkeiten ganztags zumutbar sind. Die
Beschwerdegegnerin
ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
hiervon
aus, was der
Beschwerde
führer
beschwerdeweise nicht rügt. Die
s
ist denn auch nicht zu beanstanden und erweist sich als zutreffend:
3.2
Im interdisziplinären versicherungsmedizinischen Gutachten der MEDAS
C.___
vom 7. Januar 2011 (
Urk.
14/M26) stellten die Ärzte folgende Diag
nosen (S. 17 f.):
-
Multifragmentäre
Refraktur
Patella rechts mit/bei
-
Status nach Kniegelenkspunktionen am 1
2.
und 19. November 2009 sowie nach
Osteosynthesematerialentfernung
und Wund-
Débridement
am
13. November 2009 bei septischer Gonarthritis
-
Status nach
Débridement
mit Wundversorgung am 31. Mai 2008 sowie nach offener Reposition und Rahmen-
Cerclage
am 5. Juni 2008
-
Status nach
erstgradig
offener Patella-Trümmerfraktur nach Verkehrsun
fall vom 31. Mai 2008
-
Läsion des
Nervus
ischiadicus
rechts mit/bei
-
weitgehender Erholung des
tibialen
Anteils
-
praktisch vollständig fehlender Erholung des
peronealen
Anteils, hochgradi
gen Paresen und teilweise
Plegie
der
peroneusversorgten
Mus
kulatur und entsprechendem Sensibilitätsausfall
-
neuropathischen Missempfindungen im Versorgungsgebiet des
Nervus
pe
roneus
und
Nervus
tibialis
am rechten Unterschenkel und Fuss
-
Status nach offener
Reposition und Osteosynthese
Ac
etabulum
am 1. Juni 2008
-
Status nach dorsaler
Ac
etabulum
-Luxationsfraktur mit Interposition eines grossen dorsalen Pfeilerfragments nach Strassenverkehrsunfall vom
31. Mai 2008
-
Status nach konservativ behandelter lateraler
Malleolarfraktur
Typ A nach We
ber nach Strassenverkehrsunfall vom 31. Mai 2008 (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
Die Ärzte attestierten aufgrund der am 15. September 2010 akut aufgetretenen Problematik am rechten Knie (spontane Perforation der Haut über dem spitzen Knochenstück vor einer Woche, S. 22) aktuell eine vollumfängliche Arbeitsun
fähigkeit. Bis zum Auftreten der Problematik gingen sie von einer (dauernden) vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit als Tänzer und Tanzlehrer sowie Kranken
pfleger (sofern in einem Spital oder Altersheim ausgeübt und körperliche Pflege und Transfers von Patienten beinhaltend) aus. Für körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnden Positionen, jedoch mehrheitlich im Sitzen, ohne Überschreitung einer Steh- und
Gehdauer
von 60 min. am Stück sowie einer Hebe- und
Tragli
mite
von 5 kg auf ebenem Terrain ohne Treppensteigen, ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie ohne
knieende
Tätigkeiten oder solchen in Knie
beuge attestierten sie eine vollzeitliche Arbeitsfähigkeit (S. 24). Die längerfris
tige Festlegung der unfallbedingt zumutbaren Arbeitsfähigkeit konnten die Ärzte noch nicht vornehmen (S. 25).
3.3
Nach der operativen Sanierung der Hautperforation am 23. November 2010 (Exzi
sion
präpatelläre
Hautläsion, Resektion
Patellavorderfläche
;
Urk.
14/M27) sowie einer Fistelexzision am 20. Januar 2011 sowie einer solchen samt
Wund
débridement
und Primärverschluss
präpatellär
rechts am 8. März 2011 (
Urk.
14/M31) wurde der
Beschwerdeführer
am 5. Mai 2011 (
Urk.
14/M34) wie
der zu 50
%
arbeitsfähig geschrieben, worauf eine weitere Besserung eintrat (
Urk.
14/M35-36).
3.4
Am 14. Dezember 2011 (
Urk.
14/M39) nahm
Dr.
med.
D.___
, s
tellvertretender Leiter Medizinischer Dienst der
Beschwerdegegnerin
, Stellung und bestätigte das von den MEDAS-Ärzten formulierte Stellenprofil für die Periode bis 14. Sep
tember 2010. Dieses befand er – nach der verbesserten Situation im rechten Knie nach den erneuten Operationen - auch ab Mai 2011 für anwendbar (Ad 1) und
attestierte
eine vollzeitliche Arbeitsfähigkeit (Ad 3) unter dem Hinweis, dass ab August 2011 von einer guten Kniebeweglichkeit auszugehen sei (Ad. 4).
3.5
Am 26. Januar 2012 (
Urk.
14/M40) bestätigte
Dr.
E.___
,
Chiropraktor
SCG/ECU
,
eine ordentliche Besserung des Schmerzustandes und führte aus, das regelmässige Kraftaufbautraining habe wieder aufgenommen werden können, die Ruheschmerzen hätten sich verloren und es bestünden noch
belastungsab
hängige
Beschwerdemuster.
3.6
Dr.
D.___
nahm am
2.
März 2012 (
Urk.
14/M41) zur Kausalität von geklagten Rückenbeschwerde
n
Stellung und hielt fest, in den medizinischen Akten seien erstmals am 26. September 2011 – mithin dreieinhalb Jahre nach
dem Unfall - zunehmende rechts
lumbale Beschwerden beschrieben und die Diagnose eines
lumbospondylogenen
Syndroms bei isolierter Segmentdegeneration L5/S1 ge
stellt worden (
Urk.
14/M40). Die Segmentdegeneration könne nicht überwiegend wahrscheinlich als Unfallfolge bezeichnet werden, sie sei ebenso vereinbar mit einer primär degenerativen Veränderung.
3.7
Angesichts dieser medizinischen Aktenlage erweist sich das von der
Beschwerde
gegnerin
angenommene und vom
Beschwerdeführer
nicht bestrit
tene Stellenprofil (aus unfallkausaler organischer Sicht) als zutreffend.
4.
In psychiatrischer Hinsicht ergibt sich Folgendes:
4.
1
Im Bericht vom 23. Oktober 2008 (
Urk.
1
9
/4) über die vertrauensärztliche Untersu
chung zu
Handen
des Berufsvorsorgeversicherers verwies
Dr.
med. Dipl.-Psych.
F.___
, Leitender Arzt
G.___
auf die seit 1. Juli 2007 dauernde vollumfängliche Krankschreibung des zu 50
%
bei der Fachstelle
Z.___
beschäftigten
Beschwerdeführer
s. Der
Beschwerdeführer
habe angegeben, vor seinem Unfall schon den Wunsch gehabt zu haben, Tanz
unterricht zu geben, was nun aufgrund seiner Fusslähmung nicht mehr möglich sei. Im
Z.___
wieder zu beginnen, sei für ihn sehr weit entfernt. Wenn jedoch keine andere Möglichkeit bleibe, müsse er dort wieder arbeiten. Andere berufli
che Massnahmen seien für ihn unrealistisch, er habe ungenügende Deutsch-Kenntnisse. Seelisch gehe es ihm sehr gut, früher habe er nur zwei Stunden ge
schlafen und im April, Mai 2008, zurzeit des Unfalls, vermehrt Alkohol getrun
ken, was jetzt nicht mehr der Fall sei.
Dr.
F.___
diagnostizierte eine schwere depressive Episode, von der sich der
Beschwerdeführer
langsam erholt habe und momentan ein unauffälliges psy
chopathologisches Zustandsbild an den Tag lege. Er könnte leicht
hypoman
sein, es sei jedoch durchaus möglich, dass dieser aktuelle Zustand seinem
prä
morbiden
Dauerzustand entspreche. Verantwortlich für die depressive Reaktion
sei der Wechsel vom Tänzer zum Krankenpfleger gewesen. Die Stelle im
Z.___
sei sehr konfliktreich mit häufigen Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinen Vorgesetzten gewesen. Nach Angaben der Leitung des
Z.___
sei es auf
grund dieser konflikthaften Zeit kaum denkbar, dass der
Beschwerdeführer
dort wieder eine Arbeitsstelle annehmen könne. Die Praktikumstätigkeit in der
H.___
(kulturelle Einrichtung) in Synergie mit der antidepressiven Therapie habe eine psychische Stabilisierung gebracht. Er habe hier einen Kontakt zum Künstlermilieu gehabt, was seinen Neigungen und Vorstellungen mehr entspro
chen habe. Seit dem Unfall habe sich die psychische Situation – so paradox das erscheinen möge – weiterhin gebessert. Für den
Beschwerdeführer
sei klar, dass er nicht mehr zurück ins Tanzgeschäft könne, er habe den Wunsch sich umzu
orientieren, wisse jedoch noch nicht konkret in welche Richtung.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
F.___
fest, allein aus dem aktuellen psychopatho
logischen Befund hergeleitet würde beim
Beschwerdeführer
psy
chiatrischerseits
eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit bestehen, den Unfall
schaden nicht eingerechnet. Schaue man jedoch im Längsschnitt, so werde deutlich, dass der
Beschwerdeführer
nicht mehr an seinen früheren Arbeitsplatz zurückkehren könne,
denn
neue Konflikte wären damit vorprogrammiert. Zu
sammenfassend könne gesagt werden, dass der
Beschwerdeführer
an einem Ar
beitsplatz, der seinen Interessen und Neigungen weitgehend entspreche, ar
beitsfähig sei.
4.2
Am 27. Mai 2009 (
Urk.
31/16) berichtete der seit 2005 behandelnde
Dr.
med.
I.___
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zu
Handen
der Invalidenversiche
rung. Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung mit rezidivieren
den schweren depressiven Episoden ohne psychotische Symptome, aktuell mit
telgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, bestehend seit ca. 1991 (
Ziff.
1.1).
Der Psychiater verwies anamnestisch (S. 2 f.
Ziff.
1.4) auf das abgebrochene Medizinstudium und die Ausbildung als Krankenpfleger in
J.___
. 1980 habe der
Beschwerdeführer
den Tanz für sich entdeckt und sich 1982 entschieden, professioneller Tänzer zu werden, welche Ausbildung er an einer Tanzakademie in
K.___
absolviert habe. Hernach habe er Engagements in verschiedenen Ländern gehabt. 1987 habe er eine Schweizerin geheiratet, welche er an der Tanzakademie in
K.___
kennengelernt habe
,
und sei in die Schweiz eingereist. 1991 sei eine Schaffenskrise eingetreten mit grosser innere
r
Leere und erster depressiver Episode. Nach der Geburt seiner Kinder 1992 und 1994 habe er 1995 im
Z.___
zu arbeiten begonnen. Im Laufe der Jahre seien zunehmende Beziehungsprobleme aufgetreten mit Trennung 1998 und Scheidung 2001. Wieder seien rezidivierende depressive Episoden aufge
treten. Nach der
Scheidung sei er nur noch unter Aufbietung aller Kräfte mit äusserster Not arbeitsfähig gewesen und habe schon vor Behandlungsbeginn depressionsbedingte Arbeitsausfälle gehabt.
Seit Beginn der Behandlung im November 2005 seien rezidivierende depressive Störungen aufgetreten, welche sich trotz intensiver gesprächstherapeutischer (zwei Wochenstunden) und pharmakolog
ischer Behandlung bisher nicht n
ach
haltig hätten beeinflussen lassen. Mit
Sertralin
, schrittweise gesteigert bis 300 mg, habe die Arbeitsfähigkeit (50
%
Pensum) wieder hergestellt werden können. Der
Beschwerdeführer
sei jedoch weiterhin deutlich depressiv
gewesen
. Trotz ununterbrochener antidepressiver Behandlung sei es im Juli 2007 zu einer er
neuten depressiven Episode gekommen, weswegen er vollumfänglich arbeits
unfähig geworden sei. Die Bewältigung der einfachen alltäglichen Anforderun
gen habe dem
Beschwerdeführer
weiterhin grosse Mühe bereitet und er habe zunehmend unter der fehlenden Tagesstruktur gelitten. In leicht verbessertem Befinden habe er ab Frühling 2008 ein Praktikum in der „
H.___
“, einer kulturellen Einrichtung der Stadt
L.___
, absolvieren können mit dem Ziel, mit einer Tätigkeit im geschützten Rahmen ohne grosse Anforderungen und
Belastungen
eine Tagesstruktur aufzubauen. Der
Beschwerdeführer
habe sich in diesem Rahmen unter Kulturschaffenden und –interessierten wohl gefühlt. Die Aktivitäten und Notwendigkeiten ausserhalb dieses Bereiches seien jedoch weit
gehend brach gelegen: Die Erledigung der alltäglichen Notwendigkeiten im Haushalt seien problematisch geblieben. Mit dem schweren Autounfall am
31. Mai 2008 und den daraus folgenden Verletzungen und bleibenden körperlichen Einschränkungen sei die Hoffnung, sich in der
H.___
eine neue Existenz aufzubauen, durchkreuzt worden. Nach dem Unfall seien verständlicherweise die körperlichen Beschwerden im Vordergrund gestanden. Die depressive Symptomatik sei etwas zurückgegangen um sich ab Januar 2009 wieder zu verstärken, so da
ss
nun wieder ein mittelgradig depressives Zustandsbild vor
liege.
Dr.
I.___
attestierte von Oktober 2005 bis März 2006 wechselnde
Arbeitsunfähig
keitsgrade
und ab 1. Juli 2007 eine vollumfängliche Arbeitsunfä
higkeit (
Ziff.
1.6) und hielt fest, der
Beschwerdeführer
sei seit längere
r
Zeit und voraussichtlich auch während der nächsten Monate und Jahre zu 100
%
ar
beitsunfähig für jede Erwerbstätigkeit sowohl im angestammten wie auch in je
dem anderen Bereich. Es sei höchstens eine Tätigkeit im geschützten Rahmen möglich (S. 1).
4.3
Im psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
med.
M.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
N.___
vom 2
2.
August 2009 (
Urk.
31/28) zu
Handen
der Invalidenversicherung schil
derte dieser in sozial- und berufsanamnestischer Hinsicht eine Kindheit in
J.___
ohne Probleme. Der
Beschwerdeführer
habe 13 Jahre die Schule besucht bis zur Matura und habe nach zwei Jahren das Medizinstudium abgebrochen. Dann sei von 1979 bis 1982 die
Krankenpflegerausbildung
gefolgt und von 1982 bis 1986 die Ausbildung zum Tänzer. 1987 sei er in die Schweiz gekommen. Er habe selbständig in den Bereichen Unterricht und Choreographie gearbeitet. Von 1995 bis Dezember 2008 sei er für das Sozialamt der Stadt
L.___
tätig gewesen und arbeite seit Juli 2007 nicht mehr. Er sei von 1987 bis 2001 verheiratet gewesen und habe zwei Söhne, geboren 1992 und 1994. Er besitze 50
%
das Sorgerecht und die Kinder wohnten abwechselnd bei ihm. Er w
ohne in einer Mietwohnung. Hobbies
habe er keine. Er habe we
nige Kontakte und sei seit ca. zehn Jahren Einzelgänger. Finanziell bestünden keine Probleme
(
S. 6).
Zur psychischen Anamnese führte
Dr.
M.___
aus, der
Beschwerdeführer
gebe an, seit 1991 an psychischen Problemen zu leiden und damals im Zusammen
hang mit einer künstlerischen Krise eine depressive Episode durchgemacht zu haben, die sich mit der Geburt der Kinder gebessert habe. 1995 sei es im Zu
sammenhang mit Meinungsverschiedenheiten bei der Arbeit zu einer erneuten depressiven Episode mit ausgeprägten Schlafstörungen gekommen. 1998 seien mit der Trennung erneut depressive Verstimmungen mit Affektlabilität aufge
treten und diese depressiven Verstimmungen hätten über Jahre angehalten. 2005 sei es bis 2007 erneut zu einer starken depressiven Episode gekommen und er habe während dieser Zeit im
Z.___
gearbeitet. Nach dem Unfall am 31. Mai 2008 habe sich das psychische Zustandsbild vorüberge
hend gebessert und seit Januar 2009 bestehe erneut wieder eine verstärkt de
pressive Verstimmung. Inzwischen seien alle Illusionen bezüglich seiner frühe
ren Tätigkeit als Tänzer dahin. Er habe keinen Sinn mehr, keine Lust und keine Freude. Hinzu kämen
Libidoverlust
sowie Antriebslosigkeit und es fielen alltäg
liche Tätigkeiten schwer. Er habe wieder weg aus der Schweiz nach
J.___
ge
wollt, wisse nicht mehr, was er machen solle, habe Zukunfts- und Existenz
ängste. Er könne nicht mehr als Tänzer oder Choreograph arbeiten und auch nicht in einem Spital. Er sei bis vor zwei/drei Monaten überzeugt gewesen, wie
der beruflich tätig werden zu können. Inzwischen sehe er keinen Sinn mehr, keine Perspektive und es sei alles mühsam (S. 7).
Dr.
M.___
verwies auf die seit 2005 dauernde psychiatrische und psychothera
peutische Behandlung mit antidepressiver Medikation (
Efexor
) und führte mit Bezug auf die mittelgradigen depressiven Episoden mit somatischem Syndrom aus, diese seien gekennzeichnet durch niedergeschlagene Stimmungslage,
Af
fektstörungen
und der
Beschwerdeführer
wirke effektiv teils vermindert mit
schwingend bis affektlabil, weinerlich,
klagsam
und er erscheine psychomoto
risch unruhig und im Antrieb vermindert. Er wirke im Denken
negativistisch
auf seine Beschwerden eingeengt, äussere Insuffizienzgefühle, Zukunftsängste, Existenzängste mit mangelnden Zukunftsperspektiven. Er wirke beim Gespräch weitschweifig, teils sprunghaft, mitteilungsbedürftig und weiche wiederholt vom Thema ab. Er scheine bereits bei alltäglichen Tätigkeiten überfordert zu sein und ziehe sich seit Jahren zunehmend zurück mit we
nig sozialen Kontakten. Er fühl
e
sich freudlos, lustlos, ha
be
wenig Interessen,
Libidoverlust
und es bestün
den Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafstörungen. Hinzu kämen nach dem Unfallgeschehen am 31. Mai 2008 multiple Gelenkbeschwerden. Aufgrund dieser mittelgradigen depressiven Störung erschienen die emotionale Belastbar
keit, die geistige Flexibilität, Interessen, Motivation und Dauerbelastbarkeit deutlich reduziert. Hinzu kämen Kontaktschwierigkeiten mit sozialem Rückzug. Aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode liessen sich nur wenige Res
sourcen erkennen. Der
Beschwerdeführer
zeige nur wenig Restaktivitäten, ver
suche verschiedene Tätigkeiten zu beginnen und sei nicht imstande, sie zu voll
enden. Hinzu kämen mangelndes Interesse, mangelnde Motivation, mangelnde Perspektiven und Insuffizienzgefühle. Neben der Teilnahme an verschiedenen Therapien wie Physiotherapie und Psychotherapie liessen sich keine wesentli
chen Aktivitäten erkennen und er versuche - zumindest bei besserer psychischer Verfassung - einige Kontakte aufrecht zu erhalten. Auch bestünden keine fass
baren kognitiven Störungen  (S. 11 f.).
Der Gutachter attestierte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegebetreuer aus psychiatrischer Sicht (ohne Berücksichtigung der körperlich begründbaren Beschwerden) eine 30%ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum (Ar
beitsunfähigkeit 70
%
). Diese aus psychiatrischer Sicht festgestellte Arbeitsfä
higkeit sei seit Januar 2009 anzunehmen und seither konstant geblieben. Für den Zeitraum Mai 2008 bis Dezember 2008 sei aufgrund der zu erhebenden Besserung der depressiven Störung aus rein psychiatrischer Sicht ohne Berück
sichtigung der körperlichen Beschwerden eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei vol
lem Stundenpensum (Arbeitsunfähigkeit 50
%
) anzunehmen. In einer ange
passten Tätigkeit (ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne erhöhte Verantwortung, ohne ver
mehrte Kundenkontakte, ohne erforderliche überdurchschnittliche Konzentrati
onsfähigkeit und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung) könne aus psy
chiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum (Ar
beitsunfähigkeit 50
%
) seit Januar 2009 angenommen werden (S. 12 f.).
4.4
Im Rahmen eines Rentenrevisionsverfahrens der Invalidenversicherung berich
tete
Dr.
I.___
am 27. Februar 2014 (
Urk.
31/114 S. 1) von einem erfreulichen Behandlungsverlauf der depressiven Erkrankung und führte aus, das Jahr 2011 sei noch von der Belastung durch die Unfallfolgen und Komplikationen gekenn
zeichnet gewesen. Depressive Phasen seien aufgetreten, hätten jedoch weitge
hend psychotherapeutisch behandelt werden können. Ab 2012 sei die depressive Erkrankung fast vollständig remittiert. In Belastungssituationen könne eine leichte depressive Symptomatik auftreten, ohne dass der
Beschwerdeführer
je
doch dadurch in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. Der
Beschwerde
führer
besorge den Haushalt, koche und kümmere sich um seine beiden jugend
lichen Söhne, die nun bei ihm lebten. Daneben besorge er gerne den Garten. Vor allem die Ordnung des Nachlasses der Eltern in
J.___
und die damit ver
bundenen Auseinandersetzungen belasteten ihn immer wieder. Doch könne er nun die anstehenden Probleme selbständig lösen und die depressive Sympto
matik steige nicht mehr über ein leichtes Mass hinaus an. Seit 2012 fänden Konsultationen nur noch bei Bedarf statt, ein bis zwei Mal pro Jahr.
Im Rückblick stellte
Dr.
I.___
fest, dass den
Beschwerdeführer
doch wohl die Situation an seiner letzten Arbeitsstelle und die damalige Lebenssituation so stark belastet hätten, dass er in eine lange, schwere depressive Erkrankung ge
raten sei. Seit 2012 sei es ihm gelungen, das Leben neu zu ordnen, so dass nun bisher keine schweren depressiven Episoden mehr aufgetreten seien.
Dr.
I.___
befand den
Beschwerdeführer
als seit 2012 nicht mehr durch die psychische Er
krankung in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (
Ziff.
1.6).
5.
5.1
Zur Hauptsache strittig zwischen den Parteien ist, ob bei
m
Beschwerdeführer
ein psychischer Vorzustand im Sinne von Art. 28 Abs. 3 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vorliegt. Darnach ist, wenn die Leistungsfähigkeit des Versicherten aufgrund einer nicht versicherten Gesundheitsschädigung vor dem Unfall dauernd herabgesetzt war, für die Bestimmung des
Invaliditätsgra
des
der Lohn, den er aufgrund der vorbestehenden verminderten Leistungsfä
higkeit zu erzielen imstande wäre, dem Einkommen gegenüber zu stellen, das er trotz der Unfallfolgen und der vorbestehenden Beeinträchtigung erzielen könnte.
5.2
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
seit 1991 an psychischen Problemen leidet. Zu Beginn im Zusammenhang mit einer künstlerischen Krise und später wegen Meinungsverschiedenheiten bei der Ar
beit sowie im Rahmen der Trennung/Scheidung. Während längerer Dauer ar
beitsunfähig geschrieben wurde er ab Juli 2007. Im Frühling 2008 absolvierte er ein Praktikum, welches vom behandelnden Psychiater als „im geschützten Rah
men“ bezeichnet wurde und den Zweck hatte, eine Tagesstruktur zu bieten. Hieraus kann nicht auf eine Arbeitsfähigkeit geschlossen werden (
Urk.
1
Ziff.
16), wurde doch im erwähnten Praktikum gerade versucht, eine Wiederein
gliederung zu erzielen, war diese aber noch nicht erreicht und der
Beschwerde
führer
durch
Dr.
I.___
nach wie vor zu 100
%
krankgeschrieben. Damit ist er
stellt, dass der
Beschwerdeführer
im Zeitpunkt des Unfalls tatsächlich arbeits
unfähig war. Zu prüfen bleibt, ob diese Herabsetzung der Leistungsfähigkeit dauernd in Sinne der Rechtsprechung war.
5.3
Dr.
I.___
ging – ausser im letzten (E. 4.
4
) - in allen vorliegenden Berichten von einem dauerhaften Charakter der psychischen Leistungseinbusse aus. So verwies er gegenüber der Invalidenversicherung auf depressive Störungen seit
Behand
lungsbeginn
im November 2005 mit Arbeitsunfähigkeit sowie der Wiederher
stellung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit (entsprechend dem ausgeübten Pensum) und bestätigte eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit seit 1. Juli 2007 vor
aussichtlich auch für die nächsten Monate und Jahre für jede Erwerbstätigkeit (E. 4.2). In seiner Anmeldung bei der Invalidenversicherung vom 1
2.
Oktober 2008 nannte der
Beschwerdeführer
als gesundheitliche Beeinträchtigung eine Depression sowie die Folgen des Autounfalls (
Urk.
31/4
Ziff.
6.2). Sodann gab er anlässlich der Haushaltabklärung durch die Invalidenversicherung (Bericht vom 14. März 2011,
Urk.
31/48) zu Protokoll, dass er im Zeitpunkt der Scheidung (2001) freiwillig auf ein höheres Pensum (50
%
) verzichtet habe, vorwiegend wegen der Kinderbetreuung. Es sei auch eine Tatsache, dass er bereits damals psychisch angeschlagen gewesen sei und Antidepressiv
a
habe nehmen müssen. Die Gründe für den Verzicht auf ein höheres Einkommen lägen in seiner ange
schlagenen Psyche (wiederkehrende Depressionen seit mindestens 1998) und in der gemeinsamen elterlichen Sorge seit der Scheidung 2001 (S. 3 f.).
Diese Zusammenhänge bestätigte
Dr.
M.___
in seinem psychiatrischen Gutach
ten vom 2
2.
August 2009 und stellte diesbezüglich massgeblich auf die Vorberichte des behandelnden
Dr.
I.___
ab. Weiter bestätigte er eine Arbeitsun
fähigkeit schon vor dem Unfall, ging er doch für die Periode ab dem Unfall im Mai bis Dezember 2008 von der in den Akten erwähnten Besserung (aufgrund der Fixierung auf die körperlichen Beschwerden) aus und schloss für diese Zeit auf eine 50%ige statt der sonst vorliegenden 70%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Ab 1. Januar 2009 und auf Dauer attestierte er eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit (E. 4.3). Dass
Dr.
M.___
die
fachliche Einschätzung des
Dr.
I.___
als nicht überzeugend angesehen haben soll – wie der
Beschwerdeführer
gelten macht und daraus entgegen der Einschät
zung seines behandelnden Psychiaters sinngemäss auf eine volle Arbeitsfähig
keit in diesem Zeitpu
nkt schliesst (
Urk.
1
Ziff.
14) -
ist nicht zutreffend.
Dr.
M.___
schlos
s sich praktisch vollumfänglich
der Einschätzung von
Dr.
I.___
an, befand aber die Arbeitsfähigkeit als nur im Ausmass von 50
%
statt 100
%
eingeschränkt und begründete dies einleuchtend. Dass der
Beschwerde
führer
hingegen jederzeit gesund war und an keinerlei die Arbeitsfähigkeit ein
schränkenden Beschwerden litt, kann daraus nicht abgeleitet werden.
5.4
Umstände, die gegen den dauerhaften Charakter einer vorbestandenen Arbeitsun
fähigkeit aus psychischen Gründen sprechen, sind einmal darin zu er
blicken, dass die jahrelange teilzeitliche Arbeitstätigkeit mitunter darin begrün
det war, dass der
Beschwerdeführer
nach der Scheidung d
a
s gemeinsame Sor
gerecht über seine zwei Kinder inne hatte und sich entsprechend familiär enga
gierte.
Alles
alleine schliesst allerdings einen relevanten Vorzustand nicht aus. Weiter versuchte der letzte Arbeitgeber, die Stadt
L.___
, nach dem
krank
heitsbedingten
Ausfall eine Wiedereingliederung, was gewisse Ressourcen vor
aussetzt. Dies war indes Ausfluss der ärztlich attestierten vollumfänglichen Ar
beitsunfähigkeit des
Beschwerdeführer
s und begründet kein Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit. Schliesslich wurde die Arbeitsunfähigkeit mit einer depressiven Symptomatik begründet und die Ursache hierfür regelmässig in den einzelnen schwierigen Lebenssituationen des
Beschwerdeführer
s erblickt (Scheidung, Probleme am Arbeitsplatz). Dass eine entsprechende Therapie keinen Nutzen bringen sollte, war damals nicht ausgeschlossen.
Angesichts der Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 1
2.
Oktober 2008 (
Urk.
31/4) hätte der
Beschwerdeführer
-
bei Annahme einer Arbeitsunfähigkeit (aus psychischen Gründen) bereits ab
1.
Juli 2007
-
das Wartejahr Mitte 2008 erfüllt und in Anwendung von Art.
29 Abs. 1
IVG ab
1.
April 2009 Anrecht auf eine Invalidenrente gehabt. Die Leistungsausrichtung erfolgt indes erst ab
1.
Mai 2009 (
Urk.
31/75-80 und
Urk.
31/65). Die Invalidenversicherung ging vom Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit im Mai 2008 (Unfall) aus (
Urk.
31/56 S. 9), setzte sich dabei aber nicht mit den psychiatrischen Vorbe
richten auseinander, weshalb daraus nicht abgeleitet werden kann, der
Be
schwerdeführer
sei beim Unfall psychisch gesund gewesen.
Damit verbleibt als Hauptargument des
Beschwerdeführer
s der Verweis auf die neuste Einschätzung des
Dr.
I.___
, welcher eine vollständige Heilung der psy
chischen Krankheit ab 2012 bestätigte und die Ursache der Schwierigkeiten
nurmehr
in den belastend
en Lebensumständen sah (E. 4.4
).
5.5
Angesichts dieser geschilderten Umstände überwiegen die Anhaltspunkte, wel
che für die Annahme einer dauerhaften Einschränkung der psychischen Leis
tungsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s sprechen. Die Umstände, dass er seit Jahrzehnten an einer depressiven Symptomatik litt, im Zeitpunkt des Unfalls nach einer Exazerbation im Jahr 2007 seit neun Monaten vollumfänglich ar
beitsunfähig war, sich (unter anderem) deswegen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete und alle beteiligten Psychiater eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit ohne Hinweis auf eine anzunehmende rasche Bes
serung attestierten
,
sprechen allesamt für eine dauerhafte vorbestehende Er
krankung. Für den
Beschwerdeführer
spricht einzig der Umstand, dass bei einer psychischen Erkrankung nicht ohne weiteres gesagt werden kann, diese sei von Dauer. Bei der jahrzehntelangen Vorgeschichte und der sich immer mehr zuspit
zenden Problematik erscheint eine Dauerhaftigkeit indes als naheliegend.
Zur letzten Einschätzung von
Dr.
I.___
, welcher eine vollständige Heilung ab 2012 annahm (E. 4.
4
), ist festzuhalten, dass
d
er Erlass des angefochtenen Ent
scheids rechtsprechungsgemäss die Grenze der richterlichen
Überprüfungsbe
fugnis
bildet (vgl. etwa BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 und BGE 129 V 354 E. 1)
und dessen Richtigkeit aus damaliger Sicht zu beurteilen ist. Eine Heilung war da
mals nicht vorauszusehen und ob die
nun eingetretene
von Dauer ist, steht nicht fest.
Damit ist zusammenfassend festzuhalten, dass von einer im Unfallzeitpunkt vorbestandenen Einschränkung der Leistungsfähigkeit aus psychischen Gründen von 50
%
auszugehen ist.
6.
6.1
Bei diesem Ergebnis ist der von der
Beschwerdegegnerin
durchgeführte
Einkom
mensvergleich
zu bestätigen. Da dem
Beschwerdeführer
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Krankenpfleger in der
Z.___
aus psychischen Grün
den nicht mehr (bzw. nur noch zu einem geringen Pensum) und eine 50%ige Arbeitstätigkeit nur in angepasster Tätigkeit möglich war, hat die
Beschwerde
gegnerin
zur Ermittlung des
Valideneinkommens
zu Recht die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik beigezogen und hierbei – mangels Ausbildung in der Schweiz - auf das Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkei
ten) abgestellt.
Da nach dem erlittenen Unfall die selben Löhne erzielbar sind, stellte die
Be
schwerdegegnerin
auch für die Ermittlung des Invalideneinkommens zu Recht auf die identischen Löhne ab.
Der ermittelte Invaliditätsgrad von 15
%
entspricht dem wegen den organi
schen Einschränkungen bei der Arbeitsausübung gewährten Abzug vom
Tabel
lenlohn
, welcher – jedenfalls aus Sicht des
Beschwerdeführer
s – nicht zu bean
standen ist. Denkbar wäre gewesen, auch beim
Valideneinkommen
einen Abzug vorzunehmen, war doch der
Beschwerdeführer
schon vor dem Unfall nur noch in (in psychischer Hinsicht) angepasster Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig.
6.2
Der
Beschwerdeführer
wandte hierzu weiter (als die monierte Vorschädigung) ein, es sei zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf die Annahmen der In
validenversicherung abzustellen. Dies begründete er nicht weiter.
Da für die
Beschwerdegegnerin
keine Bindungswirkung an den Entscheid der Invalidenversicherung besteht (
Urteil
des Bundesgerichts 8C_543/2011 vom 25.
August 2011 E. 3 mit Hinweisen auf
BGE 133 V 549
E. 6,
119 V 468
E.
2b)
, ist die aufgeworfene
Frage
frei zu prüfen. Ein Blick in die Akten der Invaliden
versicherung erhellt, dass
zur Bemessung des Invalideneinkommens
auch diese (zu Recht) auf die statistischen Löhne für einfache und repetitive Tätigkeiten abgestellt, indes nur einen Abzug von Tabellenlohn von 10
%
gewährt hat (
Urk.
31/65). Der massive Unterschied ergibt sich aus dem Umstand, dass die In
validenversicherung
von einem
Valideneinkommen
als Pflegeangestellter aus
ging
und
von einer Restarbeitsfähigkeit von
lediglich
25
%
(statt 100
%
) in ei
ner angepassten Tätigkeit
.
Die Annahme
einer lediglich 25%igen Restarbeitsfähigkeit
ist aufgrund der medi
zinischen Aktenlage jedoch unhaltbar. Die Ärzte des
N.___
attestierten in ihrem in jeder Beziehung beweiskräftigen Gutachten aus organischer Sicht eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit und verwiesen einzig auf die kurzfristig eingetretene Hautperforation, deren Verlauf es abzuwarten gelte (E. 3.2). Der Heilverlauf war in der Folge erfolgreich, wurde der
Beschwer
deführer
doch bald wieder teilweise arbeitsfähig geschrieben (E. 3.3), worauf sich eine gute Kniebeweglichkeit einstellte (
Urk.
14/M35-36) und
nach kurzer Zeit
nur noch belastungsabhängige Beschwerdemuster (keine Ruheschmerzen mehr) geschildert wurden (E. 3.5).
Die
Beschwerdegegnerin
stützte sich dagegen (
Urk.
31/56 S. 7) auf den Bericht von
Dr.
med.
O.___
, Oberarzt Chirurgie am
A.___
, vom 1
8.
März 2011 (
Urk.
31/50). Dieser verwies vorweg auf die bekannten Fistelexzisionen im Januar und März 2011 (E. 3.3) und bestätigte das Fehlen von Nachweisen für
eine Infektion der Patella oder des darüber liegenden Weichgewebes und auch einer Malignität. Er attestierte eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit und verwies auf die erhebli
che Gehbehinderung aufgrund der
Acetabulumfraktur
rechts, der
Ischiadiku
sparese
mit
Fussheberschwäche
sowie d
er
Patellafraktur
. Er ging davon aus, dass der
Beschwerdeführer
lebenslang zu 100
%
arbeitsunfähig
sei
für Tätig
keiten, bei denen auch nur eine minimale Gehfähigkeit vorhanden sein müsse. Für rein sitzende Tätigkeiten bestehe eine maximal 25%ige Arbeitsfähigkeit, da dem
Beschwerdeführer
sitzende Tätigkeiten mit gebogenem Knie nach kürzester Zeit ebenfalls Schmerzen bereiteten.
Dr.
O.___
war offenbar die Einschätzung der
N.___
-Ärzte, welche auf den identi
schen Diagnosen basierte, unbekannt, erwähnte er sie doch mit keinem Wort und setzte sich auch nicht damit auseinander. Damit leidet die Einschätzung (im vorliegend relevanten versicherungsrechtlichen Zusammenhang) an einem un
überwindbaren Mangel. Eine derart massive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit – auch in angepasster Tätigkeit – ist nicht nachvollziehbar und widerspricht der übrigen medizinischen Aktenlage, namentlich der kurz später erfolgten Attes
tierung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
ebenfalls durch
Dr.
O.___
a
m
5.
Mai 2011 (
Urk.
14/M34). Nach der weiteren Besserung mit guter Beweglichkeit kann die Annahme der Invalidenversicherung keinen Einfluss auf das vorliegende Ver
fahren haben.
6.3
Zusammenfassend erweist sich der
Einspracheentscheid
der
Beschwerdegegnerin
vom 2
0.
Juni 2013 als in allen Teilen rechtens, weshalb die Beschwerde abzu
weisen ist.
6.4
Anzufügen bleibt, dass sich auch bei Annahme eine
r
vorbestandenen psychi
schen Gesundheit kein anderes Ergebnis ergäbe:
Diesfalls
fehlte von vornherein die Kausalität zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden, geht doch der Beschwerdeführer selber nicht davon aus, aufgrund des Unfalls psy
chisch erkrankt zu sein und ergibt sich solches auch nicht aus den Akten. Im Gegenteil war er stets der Meinung, lediglich vorübergehend krank gewesen zu sein. Damit aber entfällt die Haftung der Beschwerdegegnerin für die psychische Komponente und hat es
- da eine Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz als Pfleger aus unfallfremden Gründen nicht in Frage kommt -
mit dem erwähnten Einkommensvergleich sein
B
ewenden
,
mit dem einzigen Unterschied, dass auf der Validen- und der Invalidenseite von einem Vollzeitpensum auszugehen ist, was indes zum identischen Resultat führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Christoph
Erdös
-
Fürsprecher Martin Bürkle
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSonderegger