# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd8f2e58-5c94-5e74-8fb5-2938e0826a2c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-02
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 02.12.2014 S 2013 122
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2013-122_2014-12-02.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT
DES KANTONS GRAUBÜNDEN

S 13 122

3. Kammer als Versicherungsgericht

bestehend aus

Verwaltungsrichterin Moser als Vorsitzende, Verwaltungsrichter 

Stecher und Audétat, Aktuarin Baumann-Maissen

URTEIL
vom 2. Dezember 2014

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Simon Näscher, 

Beschwerdeführerin

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. A._____ reiste am 5. Februar 1992 aus dem vormaligen Jugoslawien 

(Mazedonien) in die Schweiz ein. Anschliessend war sie vollzeitlich bei 

vier verschiedenen Arbeitgebern tätig, zuletzt von September 2001 bis 

Februar 2003 als Betriebsangestellte (für Dekoration) bei der B._____ 

Dieses Arbeitsverhältnis wurde nach der Geburt der Tochter von A._____ 

aufgelöst. In der Folge bezog A._____ während zweier Jahre Arbeitslo-

sentaggelder. Wegen anhaltender Schmerzen im Steissbein, im Rücken 

sowie fortwährenden Kopfschmerzen meldete sie sich am 18. März 2005 

bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum 

Bezug von Versicherungsleistungen (berufliche Massnahmen und Rente) 

an. Die IV-Stelle traf daraufhin Abklärungen bezüglich der erwerblichen 

und medizinischen Situation von A._____ und lehnte in der Folge gestützt 

auf das Gutachten des Zentrums für Medizinische Begutachtung (ZMB) 

vom 10. Mai 2007 das Leistungsbegehren von A._____ mit Verfügung 

vom 27. September 2007 ab.

2. Mit Anmeldeformular vom 18. April 2009, eingegangen am 21. April 2009, 

wandte sich A._____ erneut an die IV-Stelle und ersuchte diese um Aus-

richtung von Versicherungsleistungen. Mit Verfügung vom 27. Januar 

2010 trat die IV-Stelle auf diese Neuanmeldung nicht ein mit der Begrün-

dung, A._____ habe eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes 

mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht glaubhaft gemacht.

3. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2010 meldete sich A._____ abermals 

bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an, worauf die IV-Stelle das ZMB 

beauftragte, ein Verlaufsgutachten zu erstellen. Am 8. November 2011 er-

litt A._____ einen Autounfall, bei welchem sie sich eine HWS-Distorsion 

zuzog. Am 18. September 2012 reichte das ZMB das von der IV-Stelle in 

Auftrag gegebene Gutachten ein. Auf dessen Grundlage und weiterer Ab-

klärungen stellte die IV-Stelle in der Folge mit Vorbescheid vom 9. Juli 

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2012 die Ablehnung des Leistungsbegehrens von A._____ in Aussicht. 

Der dagegen erhobene Einwand vermochte an dieser Überzeugung 

nichts zu ändern, weshalb die IV-Stelle das Leistungsbegehren von 

A._____ mit Verfügung vom 30. August 2013 ablehnte.

4. Gegen diesen Entscheid gelangte A._____ (nachfolgend: Beschwerde-

führerin) am 3. Oktober 2013 mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht 

des Kantons Graubünden und beantragte, die Verfügung der IV-Stelle 

vom 30. August 2013 sei aufzuheben und es sei ihr spätestens ab dem 

4. Juni 2013 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ein 

psychiatrisches Obergutachten, mindestens seien jedoch ein ergänzen-

des psychiatrisches Gutachten sowie ein neurologisches und rheumato-

logisches Ergänzungsgutachten einzuholen. Zur Begründung dieser An-

träge führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, spätestens seit 

dem 4. Juni 2012 zumindest zu 40 % arbeitsunfähig gewesen zu sein, da 

ihr eine Überwindung der somatoformen Schmerzstörung spätestens ab 

diesem Zeitpunkt nicht (mehr) zumutbar gewesen sei. Die sich aus dieser 

Krankheit ergebende Einschränkung ihrer Leistungsfähigkeit sei weder 

auf ein aggravatorisches Verhalten noch auf soziokulturelle oder psycho-

soziale Umstände zurückzuführen. Ausserdem liege vorliegend ein ver-

selbständigter (krankheitswertiger) psychischer Gesundheitsschaden mit 

Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vor. Demzufolge würde 

die somatoforme Schmerzstörung, an welcher sie leide, eine derartige 

Schwere aufweisen, dass sie diese trotz zumutbarer Willensanstrengung 

nicht zu überwinden vermöge. Bei dieser Ausgangslage hätte die IV-

Stelle ihr Leistungsbegehren gutheissen und ihr spätestens ab dem 

4. Juni 2013 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Invaliden-

rente zusprechen müssen. Folge das Verwaltungsgericht dieser Auffas-

sung nicht, sei zu beachten, dass sich die gesundheitliche Verfassung der 

Beschwerdeführerin seit dem ZMB-Gutachten vom 18. September 2012 

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massgeblich verschlechtert habe, würden doch die behandelnden Psych-

iater nunmehr von einer mittelgradig bis schweren Depression ausgehen, 

welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erheblich beeinträch-

tige. Die IV-Stelle wäre deshalb gehalten gewesen, weitere Sachverhalts-

abklärungen vorzunehmen. Indem sie davon abgesehen habe, habe sie 

den Sachverhalt unzureichend ermittelt und den ihr zustehenden Ermes-

sensspielraum überschritten.

5. In der Vernehmlassung vom 31. Oktober 2013 beantragte die IV-Stelle 

die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesent-

lichen vor, Gegenstand der rechtlichen Auseinandersetzung bilde in An-

betracht der Neuanmeldung vom 17. Dezember 2010 und der angefoch-

tenen Verfügung vom 30. August 2013 die Frage, ob die Beschwerdefüh-

rerin ab Juni 2011 einen Rentenanspruch habe. Diese Frage sei unter 

Zugrundelegung des Sachverhalts zu beurteilen, der sich bis zum 30. Au-

gust 2013 verwirklicht habe. Der mit der Beschwerde eingereichte Arztbe-

richt der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) vom 27. Septem-

ber 2013, der sich nicht auf den am 30. August 2013 bestehenden Sach-

verhalt bezöge, dürfe daher im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine 

Beachtung finden, weshalb darauf nicht einzugehen sei. Bezüglich der 

von der Beschwerdeführerin für die geltend gemachte Verschlechterung 

im Übrigen angeführten Arztberichte sei festzuhalten, dass aus der von 

Dr. med. C._____ erhobenen Anamnese keine Verschlechterung des 

psychischen Gesundheitszustands hervorgehe. Überdies habe der zu-

weisende Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. D._____, die Be-

schwerdeführerin seit Februar 2012 als vollständig arbeitsunfähig einge-

stuft. Auf diese Einschätzung sei er zwischenzeitlich offenbar zurückge-

kommen und habe der Beschwerdeführerin im Schreiben vom 17. Sep-

tember 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30 % und damit eine Ver-

besserung ihrer gesundheitlichen Verfassung attestiert. Sodann hätten 

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die behandelnden Ärzte der Beschwerdeführerin bereits vor der Begut-

achtung durch das ZMB eine ambulante psychiatrische Behandlung emp-

fohlen. Weder die vorgebrachten Rügen noch die eingereichten Beweis-

mittel vermöchten somit Zweifel an der Richtigkeit des ZMB-Gutachtens 

vom 18. September 2012 zu wecken.

6. In der Replik vom 21. November 2013 hielt die Beschwerdeführerin an 

ihren Anträgen fest und reichte überdies ein Schreiben von Dr. med. 

E._____ vom 2. Juli 2013 ein. Der Argumentation der IV-Stelle hielt sie im 

Wesentlichen entgegen, es treffe nicht zu, dass die von Dr. med. C._____ 

erhobenen Befunde im Wesentlichen jenen des ZMB-Gutachtens ent-

sprechen würden. Dr. med. E._____ halte in ihrem zuhanden der F._____ 

Versicherungsgesellschaft AG erstellten Arztbericht vom 2. Juli 2013 ei-

nerseits fest, die Beschwerdeführerin sei seit dem 8. Januar 2013 alle 14 

Tage in der Sprechstunde gewesen. Andererseits würden darin etliche für 

eine Depression typische Symptome aufgezählt. Allein gestützt auf diesen 

Bericht sei eine wesentliche Verschlechterung der gesundheitlichen Ver-

fassung der Beschwerdeführerin seit dem 1. Januar 2013 bereits ausge-

wiesen. Im Übrigen sei der Bericht von Dr. med. C._____ vom 27. Sep-

tember 2013 für das vorliegende Verfahren sehr wohl von Bedeutung, 

schildere er doch den bereits seit längerem bestehenden Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin und sei insofern als Präzisierung des Be-

richts vom 16. Januar 2013 anzusehen.

7. Die IV-Stelle erneuerte in der Duplik vom 2. Dezember 2012 ihre Anträge. 

Erläuternd führte sie aus, die während des Beschwerdeverfahrens einge-

reichten Beurteilungen der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) 

würden sich nahtlos in die Beurteilung früherer, behandelnder Kliniken, 

wie dem Schmerzzentrum Nottwil, der Klinik 1 und der Zürcher Höhenkli-

nik Davos, einreihen. Bereits in diesen Berichten würden jeweils eine mit-

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telgradig depressive Episode sowie eine somatoforme Schmerzstörung 

diagnostiziert. In Bezug auf die neuen Berichte gelte daher das bereits zu 

den Berichten behandelnder Ärzte in der angefochtenen Verfügung Aus-

geführte. Zwischen den behandelnden Ärzten und dem ZMB bestünde 

hinsichtlich der Diagnosen (weitgehend) Übereinstimmung. Im Gegensatz 

zu den Berichten der behandelnden Kliniken habe der psychiatrische 

Teilgutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh-

rerin jedoch die invaliditätsfremden Gesichtspunkte (insbesondere die 

psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren) ausser Acht ge-

lassen. Vor allem aber habe er die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe-

rin nach Massgabe der von der Rechtsprechung zur Überwindung einer 

somatoformen Schmerzstörung entwickelten Kriterien beurteilt. Dem 

ZMB-Gutachten vom 18. September 2012 komme voller Beweiswert zu. 

Die Gutachter würden darin nachvollziehbar begründen, dass keine mit-

wirkende, psychisch ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwe-

re, Intensität, Ausprägung und Dauer vorläge. Indes seien teilweise ande-

re, qualifizierte Kriterien mit einer gewissen Intensität und Konstanz erfüllt, 

die es der Beschwerdeführerin unzumutbar machen würden, ihre 

Schmerzen vollständig zu überwinden. Diese Beurteilung vermöge zu 

überzeugen, weshalb es der Beschwerdeführerin, wie von den Gutach-

tern angenommen, zuzumuten sei, trotz ihrer Schmerzen im Umfang von 

70 % einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die angefochtene Verfügung 

erweise sich somit als rechtmässig, weshalb die dagegen erhobene Be-

schwerde abzuweisen sei.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Be-

weismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen 

eingegangen.

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Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 30. August 2013. Eine solche An-

ordnung, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das Versiche-

rungsgericht am Ort der IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsge-

richt des Kantons Graubünden angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 

lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] 

i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche-

rung [IVG; SR 831.20]). Damit fällt die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Als formelle und 

materielle Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der an-

gefochtenen Verfügung ausserdem unmittelbar betroffen und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, womit 

sie zur Beschwerdeführung berechtigt ist (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 

des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teils des Sozialversiche-

rungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Schliesslich hat die Beschwerdeführerin 

ihre Beschwerde frist- und formgerecht beim Verwaltungsgericht einge-

reicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG). Demzufol-

ge ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten.

2. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die IV-Stelle der Beschwerdefüh-

rerin ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 100 % seit dem 1. Juni 

2011, spätestens jedoch seit dem 4. Juni 2013 eine ganze Invalidenrente 

auszurichten hat.

3. a) Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid 

ist. Bei erwerbstätigen Versicherten, wie der Beschwerdeführerin, gilt als 

Invalidität, die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Ge-

sundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere 

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Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG), 

welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann 

(Art. 4 Abs. 1 IVG). Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für 

die Begründung des Anspruchs erforderliche Art und Schwere erreicht hat 

(Art. 4 Abs. 2 IVG). Der rentenbegründende Invaliditätsgrad ist in diesem 

Fall aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1 

IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen 

durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage 

erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt 

zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der Einkommensver-

gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe-

tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und 

einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdif-

ferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Ein-

kommensvergleichs; BGE 130 V 343 E.3.4.2, 128 V 29 E.1). Ein renten-

begründender Invaliditätsgrad liegt vor, wenn eine versicherte Person ihre 

Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wie-

derherstellen, erhalten oder verbessern kann, während mindestens eines 

Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 

40 % im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen 

ist und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28 

Abs. 1 IVG). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten 

Person nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des An-

spruchs, frühestens im Monat der Vollendung des 18. Altersjahrs (Art. 29 

Abs. 1 IVG), bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Vier-

telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe 

Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertels-

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rente und bei einem Invaliditätsgrad von 70 % eine ganze Rente zu 

(Art. 28 Abs. 2 IVG). 

b) Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads in der Ver-

gangenheit verweigert, so wird ein abermaliges Gesuch zum Bezug von 

Versicherungsleistungen (sog. Neuanmeldung) nur geprüft, wenn die ver-

sicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in ei-

ner für den Anspruch erheblichen Weise verändert hat (Art. 87 Abs. 3 

i.V.m. Art. 87 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV, 

SR 831.201]; vgl. BGE 133 V 108 E.5.2, 130 V 343 E. 3.5). Bei der Prü-

fung dieser Frage ist der IV-Stelle ein gewisser Beurteilungsspielraum zu-

zubilligen, den das im Beschwerdefall angerufene Versicherungsgericht 

zu respektieren hat. Dieses hat daher die Behandlung der Eintretensfrage 

nur zu prüfen, wenn das Eintreten streitig ist, d.h. wenn die IV-Stelle ge-

stützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV auf die Neuanmeldung nicht eingetreten ist. 

Ansonsten unterliegt lediglich die anschliessende materielle Prüfung der 

gerichtlichen Überprüfung (BGE 109 V 108 E.2b). 

c) Im Rahmen dieser materiellen Prüfung ist zunächst abzuklären, ob die 

von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung der mass-

geblichen Verhältnisse tatsächlich eingetreten ist. Diese Änderung kann 

zurückzuführen sein auf eine wesentliche Verschlechterung des Gesund-

heitszustandes mit entsprechender Beeinflussung der Erwerbsfähigkeit, 

auf eine wesentliche Veränderung der erwerblichen Auswirkungen eines 

an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes oder eine andere Art 

der Bemessung der Invalidität als die bei der ursprünglichen Invaliditäts-

bemessung zur Anwendung gebrachten (vgl. BGE 134 V 131 E.3, 130 V 

343 E. 3.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 

E.3.1.1, 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E.1.2), wobei eine anspruchser-

hebliche Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich erst zu be-

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achten ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ge-

dauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV). Als Vergleichsbasis für die Beurteilung 

der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens 

eine solche anspruchserhebliche Änderung eingetreten ist, dient die letzte 

rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-

tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-

gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk-

ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund-

heitszustandes) beruht (BGE 133 V 108 E.5.4, 130 V 71 E.3.1; Urteil des 

Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.2). Wird bei dieser 

Gegenüberstellung festgestellt, dass der Invaliditätsgrad im zur Beurtei-

lung sehenden Zeitraum keine rechtserhebliche Änderung erfahren hat, 

bleibt es beim bisherigen Rechtszustand und das abermalige Leistungs-

begehren ist abzuweisen (Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 

25. Juli 2013 E.3.1.3). Andernfalls ist das Vorliegen eines Revisions-

grunds zu bejahen und die zugesprochene Rente entsprechend der fest-

gestellten Sachverhaltsveränderung abzuändern (vgl. MEYER/REICHMUTH, 

in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts 

zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversiche-

rung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 30-31 N. 13). Die zur Beant-

wortung dieser Fragen erforderlichen Abklärungen hat die IV-Stelle 

gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen vorzunehmen. Dabei hat 

sie den Sachverhalt soweit abzuklären, dass über den strittigen Anspruch 

zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

entschieden werden kann (URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der 

Invalidenversicherung, Bern 2010, Rz. 962). 

4. Im vorliegenden Fall kann den Akten entnommen werden, dass die Be-

schwerdeführerin die IV-Stelle am 17. Dezember 2010 zum dritten Mal 

um die Ausrichtung von Versicherungsleistungen ersucht hat. Die IV-

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Stelle legte diese Neuanmeldung in der Folge dem Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD) vor und liess die Beschwerdeführerin aufgrund dessen 

Empfehlung polydisziplinär durch das ZMB begutachten. Auf der Grund-

lage dieses, am 18. September 2012 erstatteten Gutachtens lehnte sie 

daraufhin das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin nach Durch-

führung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 30. August 2013 

ab (vgl. IV-act. 60-94). Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens, das ge-

gen diese materielle Verfügung gerichtet ist, hat das Verwaltungsgericht 

nach dem vorangehend Ausgeführten zu untersuchen, ob sich der Grad 

der Invalidität der Beschwerdeführerin in einer für den Rentenanspruch 

erheblichen Weise geändert hat. Dabei sind sich die Verfahrensbeteiligten 

in Bezug auf die massgebliche Vergleichsbasis einig und ist aufgrund der 

Akten erstellt, dass vor Erlass der angefochtenen Verfügung eine umfas-

sende materielle Rentenanspruchsprüfung einzig im Rahmen des Verfah-

rens stattfand, das mit der ablehnenden Rentenverfügung der IV-Stelle 

vom 24. September 2007 seinen Abschluss fand (IV-act. 2-35). Folglich 

ist durch Gegenüberstellung des dieser Verfügung zugrundeliegenden 

Sachverhalts mit jenem, der sich bis zum Erlass der angefochtenen Ver-

fügung am 30. August 2013 verwirklicht hat, zu prüfen, ob sich der 

rechtserhebliche Sachverhalt zwischenzeitlich in einer Weise verändert 

hat, die den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin erhöht und damit ei-

nen Rentenanspruch begründet hat.

5. In der Verfügung vom 24. September 2007 führte die IV-Stelle aus, die 

Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin in der ange-

stammten Tätigkeit als Betriebsangestellte für Dekoration wie auch in je-

der anderen leidensadaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Deshalb 

habe die IV-Stelle weder berufliche Massnahmen noch Rentenleistungen 

zu gewähren (IV-act. 34 S. 1). Diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin beruhte auf dem ZMB-Gutachten vom 8. Mai 2007 

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(IV-act. 22). Darin diagnostizierten Dr. med. G._____ und Dr. med. 

H._____ ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom, Status nach 

HWS-Distorsion am 2. März 2007 und die Ausweitung eines Schmerzer-

lebnisses im Sinne einer nicht näher bezeichneten somatoformen 

Schmerzstörung (F 45.9). In Bezug auf die daraus resultierende funktio-

nelle Beeinträchtigung des Leistungsvermögens führten die Gutachter 

hauptsächlich aus, es liesse sich kein pathologisch anatomisches Sub-

strat für die seit dem Jahr 2000 bestehenden, therapieresistenten 

Schmerzen im Bereich der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule finden. 

Lediglich im Bereich des OS coccygis (Steissbein) sei eine leichte Sublu-

xationsstellung feststellbar, die bereits auf den Röntgenbildern im Jahr 

2000 dokumentiert sei und seither nicht zugenommen habe. Auffallend 

sei, dass die Beschwerdeführerin auf Druck überall gleich starke Schmer-

zen angebe, sei es im Bereich der Halswirbelsäule, der Lendenwirbelsäu-

le, des Sacrums (Kreuzbein) oder des Os coccygis. Ausserdem seien die 

Schmerzen der Beschwerdeführerin laut ihren Angaben immer gleich 

stark, unabhängig davon, ob sie sitze, stehe oder laufe. Deshalb müsse 

es aus orthopädischer Sicht als höchst fraglich angesehen werden, dass 

die Schmerzen tatsächlich von dem inkriminierten Os coccygis ausgingen 

(IV-act. 22 S. 17). Soweit die am 2. März 2007 infolge eines Autounfalles 

erlittene HWS-Distorsion zu einer Verschlechterung des Gesundheitszu-

standes der Beschwerdeführerin geführt habe, sei längst wieder der Aus-

gangszustand (status quo sine) eingetreten (IV-act. 22 S. 18). Aus or-

thopädischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus 

den genannten Gründen nicht eingeschränkt. Psychiatrisch lägen nur un-

spezifische Symptome einer Somatisierungsneigung vor, welche das 

funktionelle Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin nicht beeinträch-

tigten. Dass die Beschwerdeführerin gegenwärtig keiner Erwerbstätigkeit 

nachgehe, sei auch durch invaliditätsfremde Faktoren bedingt. Aus den 

vorgenannten Überlegungen sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh-

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rerin aus gesamtmedizinischer Sicht nicht beeinträchtigt (IV-act. 22 

S. 18).

6. a) Um beurteilen zu können, ob sich die gesundheitliche Verfassung der 

Beschwerdeführerin seither in einer anspruchsbegründenden Weise ver-

ändert hat, gab die IV-Stelle ein Verlaufsgutachten beim ZMB in Auftrag. 

Im Rahmen dieser Begutachtung haben die ZMB-Gutachter, Dr. med. 

I._____, Facharzt für Innere Medizin, Dr. med. K._____, Facharzt für or-

thopädische Chirurgie, und Dr. med. L._____, Facharzt für Psychiatrie, 

die Beschwerdeführerin einlässlich untersucht, als sie sich vom 29. Mai 

2012 bis zum 1. Juni 2012 stationär im ZMB aufhielt. Ausserdem haben 

sie im Gutachten vom 18. September 2012 den Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin und dessen Entwicklung im relevanten Zeitraum auf-

grund der durchgeführten fachärztlichen Untersuchungen überzeugend 

beschrieben. Dabei haben sie die geklagten Beschwerden berücksichtigt 

und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin aus-

einandergesetzt. So ist Dr. med. L._____ insbesondere ein erhebliches 

Verdeutlichungsverhalten (IV-act. 81 S. 22) aufgefallen sowie eine gewis-

se Diskrepanz zwischen dem Verhalten der Beschwerdeführerin anläss-

lich der psychiatrischen Untersuchung und dem von ihr geschilderten All-

tagsverhalten sowie ihrem Benehmen anlässlich der Verabschiedung im 

Sekretariat, wo die Beschwerdeführerin gänzlich unauffällig, wenn auch 

affektiv reduziert gewirkt habe (IV-act. 81 S. 23, S. 25). Die ZMB-

Gutachter haben ferner die medizinischen Vorakten gekannt und darauf in 

ihren Ausführungen Bezug genommen, wobei sie in ihrer Beurteilung 

berücksichtigt haben, dass im Rahmen der sozialversicherungsrechtli-

chen Leistungsprüfung verlangt wird, dass sich die Schmerzangaben in 

fachärztlich schlüssige Befunden widerspiegeln (BGE 130 V 396 E.5.3.2). 

Das eingeholte ZMB-Gutachten entspricht nach dem Gesagten den pra-

xisgemässen Anforderungen an den Beweiswert eines ärztlichen Gutach-

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tens (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 134 V 231 E.5.1, 125 V 352 E.3a), wes-

halb ihm voller Beweiswert zuzuerkennen ist.

b) Bezüglich der von der Beschwerdeführerin beklagten somatischen Beein-

trächtigungen hielt Dr. med. I._____ im Gutachten vom 18. September 

2012 aus internistischer Sicht fest, die Beschwerdeführerin leide an einer 

Adipositias, einer leichtgradigen Steatosis hepatis und Pankreaslipomato-

se, leichten Refluxbeschwerden, leichter Dyspepsie sowie an einem kon-

trollbedürftigen Lungenrundherd von 4 mm im anterioren Oberlappen-

segment links. Hierdurch werde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh-

rerin nicht beeinträchtigt (vgl. IV-act. 81 S. 15, S. 21). Zu demselben 

Schluss gelangte Dr. med. K._____ hinsichtlich der von der Beschwerde-

führerin beklagten, orthopädischen Einschränkungen (IV-act. 81 S. 18 ff.). 

Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, bezugnehmend auf die 

orthopädische Anamnese des ZMB-Gutachtens aus dem Jahr 2007 stelle 

sich heraus, dass die Beschwerdeführerin seit einer Schwangerschaft im 

Jahr 2000 mit Zwillingen, die intrauterin oder kurz postpartum verstorben 

seien, an chronischen Schmerzen entlang der Wirbelsäule und in den Ex-

tremitäten leide. Objektivierbare Veränderungen hätten weder im or-

thopädischen ZMB-Teilgutachten 2007 noch aktuell festgestellt werden 

können. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirke die Beschwerdeführerin sehr 

leidend. Es bestehe eine diffuse myofasciale Druck- und Schmerzhaftig-

keit. Typische fibromyalgische Veränderungen hätten jedoch nicht erho-

ben werden können. Es würden sich auch keine klinischen Funktions-

störungen finden und die schriftlichen, radiologischen Befundberichte 

würden ebenfalls keine pathologischen Veränderungen ergeben. Es wer-

de zwar bildgebend eine Hüftarthrose beschrieben. Diese liesse sich aber 

klinisch nicht bestätigen. Schliesslich sei in der Vergangenheit eine 

Steissbeinläsion vermutet worden. Eine gewisse Coccygodynie bestehe 

auch anlässlich der heutigen Untersuchung. Die gefundenen Verände-

- 15 -

rungen würden auf eine anatomische Abweichung von unwesentlicher 

Bedeutung hinweisen (IV-act. 81 S. 19). Aus orthopädischer Sicht sei aus 

den genannten Gründen von einem unveränderten Gesundheitszustand 

auszugehen und die Beschwerdeführerin aus orthopädischer Sicht wei-

terhin als voll arbeitsfähig anzusehen. Soweit sich die Beschwerdeführe-

rin sodann beim Autounfall vom 8. November 2011 körperliche Verletzun-

gen zugezogen haben sollte, sind diese zwischenzeitlich sowohl nach der 

Auffassung von Dr. med. I._____ als auch Dr. med. K._____ abgeklungen 

und der ursprüngliche Gesundheitszustand wiederhergestellt worden (vgl. 

IV-act. 81 S. 18 f.).

c) Die vorangehend auszugsweise wiedergegebenen Ausführungen der 

ZMB-Gutachter, Dr. med. I._____ und Dr. med. K._____, leuchten in der 

Schilderung der massgeblichen medizinischen Zustände sowie Zusam-

menhänge ein und vermögen hinsichtlich der daraus gezogenen Schluss-

folgerungen zu überzeugen. Aus somatischer Sicht ist somit von einer im 

Vergleich zum 24. September 2007 unveränderten Sachlage auszugehen 

ist. Diese Einschätzung stimmt im Übrigen mit jener im Bericht des Zen-

trums für Schmerzmedizin vom 6. September 2009 überein, in welchem 

Dr. med. M._____, Dr. med. N._____, O._____, Dipl. Physiotherapeut, 

und P._____, dipl. Psychologie und Neurologie, die Auffassung vertreten 

haben, die Beschwerden der Beschwerdeführerin fänden keine bzw. kei-

ne hinreichende Erklärung in der bestehenden organpathologischen, neu-

rologischen Situation. Die beschriebenen sensiblen Störungen im Bereich 

der unteren Extremitäten linksseitig seien nicht dermatomal und ohne mo-

torische Ausfälle (IV-act. 57 S. 9, vgl. auch IV-act. 57 S. 13 f. [im Anhang 

wiedergegebene körperliche Untersuchungsbefunde]). Eine ähnliche Be-

schreibung der körperlichen Verfassung der Beschwerdeführerin findet 

sich ausserdem im Austrittsbericht der Zürcher Höhenklinik vom 11. No-

vember 2010 (vgl. IV-act. 57 S. 16 ff.). Schliesslich zeichnet der vormalige 

- 16 -

Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. Q._____, im IV-

Verlaufsbericht vom 14. April 2011 kein grundlegend anderes Bild der 

körperlichen Verfassung der Beschwerdeführerin und der daraus resultie-

renden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 57 S. 1 ff.). Zwar 

führt er im Unterschied zu den ZMB-Gutachtern als Ursache der Arbeits-

unfähigkeit der Beschwerdeführerin unter anderem ein chronisches lum-

bospondylogenes Schmerzsyndrom, ausgehend von einer geburtstrau-

matischen Subluxatioon des Os coccys, sowie chronische zervikale Kopf-

schmerzen bei muskulöser Dysbalance bei Haltungsinsuffizienz auf. Die 

fraglichen Krankheiten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin bestehen jedoch nach Auffassung von Dr. med. 

Q._____ bereits seit 2000 (vgl. IV-act. 57 S. 1). Als Grund für die Neuan-

meldung wegen der geltend gemachten wesentlichen Verschlechterung 

der gesundheitlichen Verfassung der Beschwerdeführerin nennt er denn 

auch nicht diese Krankheiten, sondern die neu aufgetretene Depression 

und die Schlafstörungen sowie eine Intensivierung der somatoformen 

Schmerzstörung (vgl. IV-act. 57 S. 2). Damit dürfte wohl auch Dr. med. 

Q._____ bezüglich der somatischen Beschwerden von einer seit dem 

27. September 2007 im Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachlage 

ausgehen. Allein eine anderslautende Einschätzung von Dr. med. 

Q._____ vermöchte freilich ohnehin keine Zweifel an der Richtigkeit der 

Einschätzung der ZMB-Gutachter, die von den vorgenannten Ärzten, wel-

che die Beschwerdeführerin im relevanten Zeitraum behandelt haben, im 

Wesentlichen geteilt wird, zu wecken. Damit ist erstellt, dass sich der 

massgebliche Sachverhalt im interessierenden Zeitraum aus somatischer 

Sicht nicht verändert hat und die Beschwerdeführerin diesbezüglich wei-

terhin als zu 100 % arbeitsfähig einzustufen ist. 

d) Als im Vergleich zum 27. September 2007 wesentlich verschlechtert 

schildern die behandelnden Ärzte hingegen die psychische Verfassung 

- 17 -

der Beschwerdeführerin (vgl. z.B.: IV-Verlaufsbericht von Dr. med. 

Q._____ [IV-act. 59 S. 1 f.], Bericht des Zentrums für Schmerzmedizin 

vom 6. September 2009 [IV-act. 59 S. 9], Austrittsbericht der Zürcher 

Höhenklinik vom 11. November 2010 [S. 13 S. 2]). Der ZMB-Gutachter, 

Dr. med. L._____, hat sich mit diesen Einschätzungen im Gutachten vom 

18. September 2012 auseinandergesetzt und gestützt darauf sowie den 

von ihm vorgenommenen Untersuchungen bei der Beschwerdeführerin 

eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit Zeichen einer disso-

ziativen Störung und einer begleitenden, leicht depressiven Störung sowie 

Zeichen einer dissoziativen Störung diagnostiziert. Zur Begründung führte 

er im Wesentlichen aus, das von der Beschwerdeführerin beklagte erheb-

liche Schmerzsyndrom könne somatisch nicht oder nur sehr ungenügend 

erklärt werden. Dieses müsse somit entweder psychiatrisch / psychoso-

matisch oder durch andere Faktoren bedingt sein (IV-act. 81 S. 29). Im 

Untersuchungszeitpunkt bestehe ein ausgesprochenes Ausmass an So-

matisierung, indem sich die Beschwerdeführerin über multiple, seit dem 

Unfall vom November 2011 verstärkte Symptome beklage. Es bestehe ein 

multilokuläres Schmerzsyndrom, darüber hinaus nicht dermatombezoge-

ne Sensibilitätsstörungen, Symptome des depressiven Formenkreises, 

vegetative Symptome und eine erheblich verdeutlichte Selbstdarstellung 

(IV-act. 81 S. 25). In der Konsensbeurteilung gelangten die ZMB-

Gutachten hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sodann zum Schluss, subjektiv 

erachte sich die Beschwerdeführerin aufgrund dieser Leiden als vollstän-

dig arbeitsunfähig. Versicherungsmedizinisch müsse gesagt werden, dass 

neben der diagnostizierten anhaltenden somatoformen Schmerzstörung 

keine wesentliche, somatische oder psychiatrische Komorbidität bestehe, 

welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zusätzlich einschrän-

ke (IV-act. 81 S. 29). Freilich hätten die behandelnden Psychiater seit der 

Erstbegutachtung verschiedentlich eine (mittelgradig) depressive Störung 

diagnostiziert, wobei die erhobenen Befunde einen fluktuierenden Verlauf 

- 18 -

des affektiven Zustandsbildes der Beschwerdeführerin nahelegen wür-

den. Anlässlich der Untersuchung der Beschwerdeführerin habe die affek-

tive Beeinträchtigung aber nicht im Sinne einer mittelgradigen oder gar 

schweren Störung imponiert. Vielmehr habe eine leichte depressive Epi-

sode bestanden, die im Rahmen der andauernden somatoformen 

Schmerzstörung zu sehen sei und kein eigenständiges Leiden darstelle. 

Eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Dauer und Aus-

prägung sei folglich zu verneinen (IV-act. 81 S. 30). Aus psychiatrischer 

Sicht sei überdies darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin an 

einer komplexen, chronifizierten Störung leide, bei welcher sowohl medi-

zinische wie Kontextfaktoren miteinander verwoben seien (Migrationssi-

tuation, mangelnde Ausbildung, mangelnde Sprachkenntnisse, mangeln-

de Verbalisierung bei einfach strukturierter, beeindruckbarer Versicher-

ten). Unter Berücksichtigung der Foerster-Kriterien und unter Ausklamme-

rung der invaliditätsfremden Kontextfaktoren, auch unter Berücksichtigung 

gewisser Diskrepanzen, welche anlässlich der Untersuchung festgestellt 

worden seien, sei von einer teilweisen Überwindbarkeit des psychischen 

Leidens auszugehen, weshalb die Beschwerdeführerin als zu 70 % ar-

beitsfähig einzustufen sei. Insofern sei im Vergleich zur Erstbegutachtung 

von einer erheblichen Verschlechterung der psychischen Verfassung der 

Beschwerdeführerin auszugehen, die wohl seit dem abermaligen Autoun-

fall (November 2011), allenfalls schon früher bestünde (IV-act. 81 S. 32).

e) Aufgrund dieser Ausführungen der ZMB-Gutachter steht in tatsächlicher 

Hinsicht fest, dass die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin 

seit dem 24. September 2007 eine Verschlechterung erfahren hat. Die In-

validenversicherung bietet als Erwerbsausfallversicherung allerdings kei-

nen Versicherungsschutz für einen eingetretenen Gesundheitsschaden. 

Dieser erlangt für die Invalidenversicherung vielmehr nur und erst Bedeu-

tung, wenn er sich über die Arbeitsfähigkeit in andauernder und erhebli-

- 19 -

cher Weise auf die Erwerbsfähigkeit einer Versicherten auswirkt. Nur in 

diesem Fall begründet eine gesundheitliche Beeinträchtigung einen An-

spruch auf Versicherungsleistungen (vgl. statt vieler: ULRICH MEY-

ER/MARCO REICHMUTH, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.], Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über 

die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 4 

N. 2). In Bezug auf den vorliegenden Fall stellt sich vor diesem Hinter-

grund die Frage, ob und inwieweit die bei der Beschwerdeführerin dia-

gnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit einer beglei-

tenden depressiven Störung sowie Zeichen einer dissoziativen Störung 

deren Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. 

7. a) Für die anhaltend somatoforme Schmerzstörung ist nach der Internationa-

len Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsstörungen 

(ICD-10) ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz bezeich-

nend, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche 

Störung nicht oder nicht vollständig erklärt werden kann. Der Schmerz tritt 

in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastun-

gen auf, die schwerwiegend genug sein sollten, um als auslösender Fak-

tor gelten zu können (http://www.icd-code.de/ > somatoforme Schmerz-

störung, besucht am 2. Dezember 2014). Bei der anhaltend somatofor-

men Schmerzstörung ist der Mechanismus, welcher Ursache ([versicher-

te] emotionale Konflikte oder [nicht versicherte] psychosoziale Belastun-

gen) und Symptome verbindet, oft nur hypothetisch, die (möglicherweise 

funktionell erheblichen) Beschwerden sind zwangsläufig unspezifisch. Pa-

thologisch begründete Faktoren können zum gleichen Beschwerdebild 

beitragen, wie (nicht versicherte) soziale Umstände (BGE 139 V 547 

E.7.1.1). Bei dieser Ausgangslage ist es zuweilen nicht zu vermeiden, 

dass soziale Faktoren über das rechtlich vorgesehene Mass hinaus zu ei-

nem Befund beitragen, aufgrund dessen die Arbeitsfähigkeit bestimmt 

- 20 -

wird. Denn sowohl die Diagnose der anhaltend somatoformen Schmerz-

störung als auch die hieraus resultierende Beeinträchtigung des funktio-

nellen Leistungsvermögens beruhen notgedrungen weitgehend auf den 

subjektiven Symptomen der erkrankten Person. Eine fachärztliche Stel-

lungnahme, welche auf dieser Grundlage eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung diagnostiziert und eine daraus resultierende Beeinträch-

tigung des funktionellen Leistungsvermögens feststellt, vermag deshalb 

nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung einen invalidisierender 

Gesundheitsschaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu be-

weisen (BGE 139 V 547 E.7.1 f.). 

b) Diese Defizite in der Beweisbarkeit, die in der Eigenart der anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung angelegt sind, lassen sich nach bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung durch Hilfstatsachen (sog. Foerster- oder 

Morbiditätskriterien) ausgleichen, welche die Möglichkeit eröffnen, die 

notgedrungen subjektiven Symptome einer objektivierten Konsistenzprü-

fung zu unterziehen und auf diese Weise einen invalidisierenden Ge-

sundheitsschaden nachzuweisen. Im Vordergrund steht dabei das Vorlie-

gen einer mitwirkenden psychisch ausgewiesenen Komorbidität von er-

heblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein 

können aber auch andere Faktoren, die mit einer gewissen Intensität und 

Konstanz erfüllt sind, wie etwa chronische körperliche Begleiterkrankun-

gen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredi-

enter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener so-

zialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeu-

tisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss-

glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer 

Krankheitsgewinn ["Flucht in die Krankheit]), ein unbefriedigendes Be-

handlungsergebnis trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder 

stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem thera-

- 21 -

peutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei 

vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person 

(BGE 139 V 547 E.9.1, 135 V 215 E.6.1.3, 131 V 49 E.1.2, 130 352 

E.2.2.3). Wird das Vorliegen dieser Kriterien in der erforderlichen Inten-

sität und Ausprägung im zur Beurteilung stehenden Einzelfall bejaht, so 

ist die versicherte Person infolge der anhaltenden somatoformen 

Schmerzstörungen ganz oder teilweise arbeitsunfähig (vgl. SVR 2013 IV 

Nr. 6 = Urteil des Bundesgerichts 9C_148/2012 vom 17. September 2012 

E.2). Sind die fraglichen Kriterien nicht bzw. nicht in der erforderlichen 

Schwere, Ausprägung und Dauer erfüllt, ist der mittels der Foerster-

Kriterien zu führende, indirekte Beweis misslungen (MEYER/REICHMUTH, 

a.a.O., Art. 4 N. 43). Dabei kann diese Beweisführung nach der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung nicht in einen Bereich aufgeteilt werden, wo 

sie als gelungen anzusehen ist und in einen solchen, wo sie als geschei-

tert gilt. Ein Teilbeweis ist mit anderen Worten ausgeschlossen (vgl. Urtei-

le des Bundesgerichts 8C_3/2013 vom 24. Juli 2013 E.7, 9C_710/2011 

vom 20. März 2011 E.4.4).

c) Um beurteilen zu können, ob eine anhaltende somatoforme Schmerz-

störung im zur Beurteilung stehenden Einzelfall das funktionelle Leis-

tungsvermögen einer versicherten Person mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit ganz oder teilweise beeinträchtigt, ist die IV-Stelle und das 

im Beschwerdefall angerufene Gericht auf ein fachärztliches Gutachten 

angewiesen. Darin hat der Psychiater zunächst festzustellen, ob eine an-

haltend somatoforme Schmerzstörung vorliegt und bejahendenfalls, ob 

eine psychische Komorbidität oder weitere Umstände gegeben sind 

(sog.Foerster-Kriterien), welche es ausnahmsweise als überwiegend 

wahrscheinlich erscheinen lassen, dass die versicherte Person infolge ih-

rer psychischen Beeinträchtigung aus objektiver Sicht in ihrem funktionel-

len Leistungsvermögen und damit in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt 

- 22 -

ist. Der Gutachter hat dabei die Aufgabe aufzuzeigen, ob eine versicherte 

Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, mit ihren 

Schmerzen umzugehen. Entscheidend ist mithin, ob die versicherte Per-

son von ihrer psychischen Verfassung her objektiv besehen in der Lage 

ist, trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen. 

Die Beurteilung dieser Frage hat der Gutachter anhand der Foerster-

Kriterien vorzunehmen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass er zu jedem 

einzelnen Kriterium Stellung nimmt. Massgebend ist eine Gesamtwürdi-

gung der Situation. Einem psychiatrischen Gutachten, welches sich nur 

zu einem Teil der fraglichen Kriterien ausspricht, fehlt deshalb nicht von 

vornherein jede Beweiskraft. Vielmehr müssen die Kriterien nur dann ei-

ner psychiatrischen Gesamtbeurteilung unterzogen werden, wenn nach 

der jeweils im Einzelfall gegebenen Aktenlage starke Hinweise für eine 

invalidisierende Wirkung der anhaltend somatoformen Schmerzstörung 

sprechen (Urteile des Bundesgerichts I 783/01 vom 8. August 2002 E.3b, 

8C_793/2008 vom 13. März 2009 E.4.3.2; URS MÜLLER, Das Verwaltungs-

verfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, N. 1686 ff. S. 324 f.). 

Als Rechtsfrage frei überprüfbar ist, ob eine festgestellte psychische Ko-

morbidität hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der 

festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz 

vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine invalidisierende Gesund-

heitsschädigung zuzulassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 683/06 vom 

29. August 2007 E.2.2 = SVR 2008 IV Nr. 23 E.2.2; MÜLLER, a.a.O., 

N. 947 S. 171). 

d) Im Sinne der vorangehenden Ausführungen ist nachfolgend demnach auf 

der Grundlage des ZMB-Gutachtens vom 18. September 2012 (IV-act. 81, 

vgl. E.7d/e hiervor) zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin neben der an-

haltenden somatoformen Schmerzstörung an einer mitwirkenden psy-

chisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, 

- 23 -

Ausprägung und Dauer leidet oder aber das Vorhandensein anderer Mor-

biditätskriterien mit der erforderlichen Intensität, Ausprägung und Dauer 

erstellt ist. Trifft weder das eine noch das andere zu, ist nicht mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin 

wegen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung in ihrer Arbeits-

fähigkeit beeinträchtigt ist, womit die massgebliche Sachlage seit dem 

24. September 2007 keine rechtserhebliche Änderung erfahren hat.

8. a) Die ZMB-Gutachter haben bei der Beschwerdeführerin zusätzlich zur an-

haltenden somatoformen Schmerzstörung weitere Krankheiten diagnosti-

ziert. Soweit es sich dabei um Störungen handelt, deren Nachweis an-

hand klinischer Untersuchungen klar erbracht werden kann, ist die Ar-

beitsunfähigkeit nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung durch die 

Ärztin oder den Arzt aufgrund der betreffenden Diagnose ohne Berück-

sichtigung der vom Bundesgericht entwickelten Rechtsprechung zur an-

haltenden somatoformen Schmerzstörung zu schätzen (BGE 136 V 279 

E.3.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_217/2012 vom 15. Januar 2013 

E.5.3.1, 8C_302/2011 vom 18. Dezember 2011 E.4). Denn in einer sol-

chen Konstellation ergibt sich die Arbeitsunfähigkeit aus den Folgen einer 

zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung hinzugetretenen, ei-

genständigen psychischen Krankheit und nicht aus dem Vorliegen einer 

Komorbidität (BGE 139 V 547 E.9.1.2). Ob einer Krankheit ein solch ei-

genständiger Stellenwert zukommt, kann nicht allgemein beantwortet 

werden, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Erforder-

lich ist hierfür in jedem Fall, dass sich die zugleich bestehende Krankheit 

von der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und den belasten-

den Lebensumständen verselbständigt hat und ein davon unterscheidba-

res Leiden bildet (BGE 127 V 294 E.4). Es darf sich mit anderen Worten 

hierbei nicht um eine (reaktive) Begleiterscheinungen der anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung handeln, die für die Aufrechterhaltung des 

- 24 -

Schmerzzustandes von erheblicher Bedeutung ist (BGE 130 V 352 

E.3.3.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_709/2009 vom 14. Dezember 

2009 E.4.1, 9C_111/2008 vom 21. Januar 2009, 9C_578/2007 vom 

13. Februar 2008, vgl. zum Ganzen: ULRICH MEYER-BLASER, Arbeitsun-

fähigkeit [Art. 6 ATSG], in: SCHAFFHAUSER/SCHLAURI [Hrsg.], Schmerz und 

Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 80 ff.). 

b) Im Hinblick auf die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierten somati-

schen Krankheiten wurde bereits festgehalten, dass diese die Arbeits-

fähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beeinträchtigen (vgl. E.5b/c hier-

vor) und damit als mitwirkende Komorbidität ausser Betracht fallen. Im 

Übrigen haben die behandelnden Ärzte wie auch die ZMB-Gutachter bei 

der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit eine leichte bzw. mittelgra-

dig depressive Episode, eine Angststörung sowie Zeichen einer dissozia-

tiven Störung diagnostiziert (vgl. E.6d/e hiervor). Diese psychischen 

Krankheiten werden im ZMB-Gutachten vom 18. September 2012, soweit 

sie als ausgewiesen angesehen werden, sowohl bei der Diagnosestellung 

als auch im psychiatrischen Teilgutachten und der Konsensbeurteilung 

als (reaktive) Begleiterscheinung der anhaltenden somatoformen 

Schmerzstörung aufgeführt und deren Charakter als eigenständige, psy-

chische Krankheiten, die zur somatoformen Schmerzstörung hinzutreten, 

verneint (vgl. E.6d hiervor). Die von der Beschwerdeführerin für ihren ge-

genteiligen Standpunkt angeführten Arztberichte der Zürcher Höhenklinik 

Davos vom 11. November 2011 (Beilagen der Beschwerdeführerin [Bf-

act.] 4), des Kantonspitals Graubünden vom 10. Oktober 2011 (Bf-act. 5 + 

6) sowie der psychiatrischen Klinik 1 vom 16. Juli 2012 (Bf-act. 10) äus-

sern sich zum eigenständigen Charakter der von ihnen zusätzlich zur an-

haltenden somatoformen Schmerzstörung diagnostizierten psychischen 

Krankheiten nicht. Einzig im Austrittsbericht des Zentrums für Schmerz-

medizin vom 6. September 2010 ist die Rede von einer vermutlich vorlie-

- 25 -

genden psychischen Komorbidität (Bf-act. 3 S. 1). Mit dieser Aussage 

nehmen die behandelnden Ärzte jedoch nicht auf die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung Bezug, 

sondern führen die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin als 

einen (weiteren) negativen Prognosefaktor für eine erfolgreiche Schmerz-

therapie an. Ob dieser in einem ganz anderen Kontext verwendete Begriff 

der Komorbidität mit jenem der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

übereinstimmt, erscheint fraglich. Selbst wenn dies jedoch zu bejahen wä-

re, vermag die entsprechende Aussage im Austrittsbericht des Zentrums 

für Schmerzmedizin vom 6. September 2010 keine begründeten Zweifel 

an der Richtigkeit der gutachterlichen Feststellungen zu wecken. Denn 

bei deren Würdigung hat das angerufene Gericht nach der bundesgericht-

lichen Rechtsprechung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass 

behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver-

trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussa-

gen (vgl. BGE 125 V 353 E.3b/cc; URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfah-

ren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, N. 1741). Demgegenüber 

hat die IV-Stelle die ZMB-Gutachter eigens mit der Begutachtung der Be-

schwerdeführerin beauftragt und ihnen zu diesem Zweck sämtliche Vor-

akten zur Verfügung gestellt. Dadurch verfügten sie über eine weitaus 

umfassendere Beurteilungsgrundlage als die behandelnden Ärzte des 

Zentrums für Schmerzmedizin. Letztere äussern sich zur Frage der Ko-

morbidität ausserdem nur in einem Halbsatz, während die ZMB-Gutachter 

diese Frage an mehreren Stellen aufgreifen und unter Bezugnahme auf 

die massgebliche bundesgerichtliche Rechtsprechung überzeugend be-

gründen, weshalb die Depression sowie die dissoziative Störung als reak-

tive Begleiterscheinungen der anhaltend somatoformen Schmerzstörung 

anzusehen sind und deshalb keinen eigenständigen Charakter besitzen 

(IV-act. 81 S. 26, 28, 30). Damit ist das Vorliegen einer (psychischen) 

- 26 -

Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer 

nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.

9. a) Um die invalidisierende Wirkung der anhaltenden somatoformen 

Schmerzstörung unter diesen Umständen zu belegen, müssen die ande-

ren Morbiditätskriterien nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

besonders ausgeprägt vorliegen (Urteile des Bundesgerichts 

8C_337/2012 vom 5. April 2013 E.5.2, I 759/01 vom 20. September 2002 

E.3). 

b) Hinsichtlich des erstgenannten Kriteriums der körperlichen Begleiterkran-

kung und des mehrjährigen Krankheitsverlaufs bei unveränderter oder 

progredienter Symptomatik kann dies vorliegend ohne weiteres verneint 

werden, da die Beschwerdeführerin, wie bereits mehrfach festgehalten, 

an keiner körperlichen Begleiterkrankung leidet, welche sie in ihrem funk-

tionellen Leistungsvermögen beeinträchtigt (vgl. E.6b/c hiervor).

c) Dem sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens als weiteres zu prü-

fendes Morbiditätskriterium kommt, obwohl an sich invaliditätsfremder Na-

tur, eine wichtige Kontrollfunktion bei der Prüfung des Schweregrads der 

Symptomatik der anhaltend somatoformen Schmerzstörung. Dabei geht 

es im Wesentlichen um die Überprüfung des Sachverhalts auf Inkonsis-

tenzen. Denn die Anerkennung einer rentenbegründenden Invalidität 

scheidet aus, wenn die anhaltend somatoforme Schmerzstörung die ver-

sicherte Person in erster Linie am (Wieder-)Eintritt in die Arbeitswelt, nicht 

aber daran hindert, persönliche, familiäre sowie gesellschaftliche Bezie-

hungen im normalen Rahmen zu pflegen, Freizeit sowie Ferien in der üb-

lichen Weise zu verbringen und Hobbies zu pflegen. Zieht sich die versi-

cherte Person wegen ihrer Krankheit hingegen sozial zurück, vereinsamt, 

gibt Dinge, die ihr an sich lieb sind, auf, nimmt es hin, dass ihr Leben sich 

- 27 -

in allen Belangen praktisch auf das Schmerzerlebnis reduziert, so handelt 

es sich hierbei um ein gewichtiges Indiz für das Vorliegen eines invalidi-

sierenden Gesundheitsschadens. Deshalb ist in einem solchen Fall das 

zweite Morbiditätskriterium als erfüllt anzusehen (MEYER-BLASER, a.a.O., 

S. 84; vgl. zur Umschreibung des sozialen Rückzugs auch BGE 130 V 

352 E.3.3.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2012 vom 5. April 2013 

E.5.2).

aa) Dem ZMB-Gutachten vom 18. September 2012 lässt sich hinsichtlich des 

Tagesablaufs der Beschwerdeführerin entnehmen, dass diese im Allge-

meinen um 7.00 Uhr aufsteht, gemeinsam mit ihrer zehnjährigen Tochter 

frühstückt, anschliessend etwas spazieren geht oder sich wieder ins Bett 

legt, am Mittag das Essen zubereitet, sich nachmittags wieder hinlegt, 

Hausarbeiten verrichtet, wenn dies möglich ist, und das Abendessen für 

ihre Familie zubereitet. Später unterhält sie sich mit ihrem Ehemann, liest 

oder sieht fern. Befragt nach ihren sozialen Kontakten hielt die Beschwer-

deführerin gegenüber dem ZMB-Gutachter, Dr. med. L._____, fest, es 

bestünden nach wie vor regelmässig Familienkontakte, insgesamt aber in 

einem etwas reduzierten Umfang. Sie empfange auch weniger Besuch. 

Wegen ihrer Schmerzen seien sie häufiger eingeladen (IV-act. 81 S. 22). 

Diese Angaben stimmen grundsätzlich mit jenen überein, welche die Be-

schwerdeführerin gegenüber den Ärzten im Zentrum für Schmerzmedizin 

im Jahr 2010 gemacht hat. Laut denselben wurde sie bei dem damals 

ausgeübten 20%igen Arbeitspensum von einer Freundin unterstützt, wel-

che auf die bestehende, schmerzbedingte Beeinträchtigung Rücksicht 

nehme. Ihren Freundes- und Bekanntenkreis könne sie kaum mehr pfle-

gen, weil sie sich wegen der Schmerzen nicht auf die Gespräche zu kon-

zentrieren vermöge. Nach Freizeitaktivitäten befragt, gab sie gegenüber 

den behandelnden Ärzten an, sie mache Spaziergänge oder lese. Früher 

- 28 -

habe sie gerne gekocht, diese Aktivität jedoch zwischenzeitlich wegen der 

anhaltenden Schmerzen aufgeben müssen (IV-act. 57 S. 12). 

bb) Diese auf den Angaben der Beschwerdeführerin beruhenden Schilderun-

gen lassen zwar erkennen, dass deren Tagesablauf durch die anhalten-

den Schmerzen geprägt ist, die sie bei der Erledigung der Hausarbeit, der 

Ausübung ihrer Hobbies sowie der Pflege familiärer und freundschaftli-

cher Beziehungen beeinträchtigen. Von einem umfassenden sozialen 

Rückzug in allen Belangen des Lebens kann aber nicht die Rede sein, 

womit dieses Morbiditätskriterium im vorliegenden Fall nicht erfüllt ist. 

d) Demgegenüber erachten die ZMB-Gutachter die beiden weiteren Morbi-

ditätskriterien (primärer Krankheitsgewinn und ein unbefriedigendes Be-

handlungsergebnis trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder 

stationärer Behandlung) teilweise als erfüllt. Zur Begründung dieser Auf-

fassung führten sie im Gutachten vom 18. September 2012 im Wesentli-

chen aus, bei der Beschwerdeführerin stehe ein ausgeprägter sekundärer 

Krankheitsgewinn gegenüber dem primären Krankheitsgewinn im Hinter-

grund. Allerdings bestünde eine gewisse Diskrepanz zwischen dem 

während der Untersuchung gezeigten Verhalten und dem im Sekretariat 

beobachteten und den geschilderten Alltagssituationen, welches mindes-

tens im Sinne einer erheblichen Verdeutlichungstendenz zu interpretieren 

sei (IV-act. 81 S. 25 f.). Überdies würden psychosoziale und soziokulturel-

le Belastungsfaktoren die Krankheit der Beschwerdeführerin mitunterhal-

ten (IV-act. 81 S. 30, 26). Die Beschwerdeführerin zeige auch Ressour-

cen, sowohl im familiären Bereich als auch im Sinne der heute noch aus-

geübten Selbständigkeit und sei durchaus motiviert, ihre Situation zu ver-

bessern (IV-act. 81 S. 26). Trotz des langjährigen und schwer chronifizier-

ten Krankheitsverlaufs biete sich durch eine stationäre Behandlung mit 

anschliessender ambulanter psychiatrischer Weiterbehandlung eine ge-

- 29 -

wisse Chance, die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin 

innert eines Jahres zu verbessern (IV-act. 81 S. 26, 31). 

Daraus ist zu folgern, dass die Therapieoptionen der Beschwerdeführerin 

nach Auffassung der ZMB-Gutachter noch nicht vollständig ausgeschöpft 

sind. Davon scheint im Übrigen auch die Beschwerdeführerin auszuge-

hen, die diese Empfehlung zwischenzeitlich umgesetzt hat und sich vom 

2. Juni 2012 bis zum 29. Juni 2012 stationär in Klinik 1 behandeln liess 

(Bericht der Klinik 1 vom 16. Juli 2012 [Bf-act. 10]) und sich seit dem 

13. Januar 2013 alle zwei bis vier Wochen einer ambulanten psychiatri-

schen Behandlung unterzieht (vgl. Berichte der Psychiatrischen Dienste 

Graubünden, Klinik 2, vom 16. Januar 2013 [Bf-act. 12] und der Psychia-

trischen Dienste Graubünden, Klinik 3, vom 27. September 2013 [Bf-

act. 13]). Demzufolge war das vierte Morbiditätskriterium jedenfalls im 

Zeitpunkt, als das vorinstanzliche Verfahren mit dem Erlass der angefoch-

tenen Verfügung seinen Abschluss fand, noch nicht erfüllt. Ob das dritte 

Morbiditätskriterium (primärer Krankheitsgewinn) in Übereinstimmung mit 

den ZMB-Gutachtern trotz der festgestellten erheblichen Verdeutlichungs-

tendenzen als teilweise erfüllt angesehen werden kann, erscheint fraglich, 

kann jedoch offengelassen werden.

e) Selbst wenn dies nämlich der Fall wäre, würde es nicht mit einer solchen 

Schwere, Intensität, Ausprägung und Konstanz vorliegen, dass allein 

deswegen eine durch die anhaltend somatoforme Schmerzstörung be-

dingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit als überwiegend wahrschein-

lich erschiene. Dies umso weniger, als nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung der mittels der Foerster-Kriterien zu führende indirekte 

Beweis für eine solche Beeinträchtigung des funktionellen Leistungsver-

mögens entgegen der Auffassung der ZMB-Gutachter nicht in einen Be-

reich aufgeteilt werden, wo er als gelungen zu betrachten ist und in einen 

- 30 -

solchen, wo er als gescheitert gilt. Ein Teilbeweis ist mit anderen Worten 

Rechtsprechung ausgeschlossen (vgl. E.7b hiervor). Insgesamt kann 

demnach festgehalten werden, dass im vorliegenden Fall aufgrund des 

ZMB-Gutachtens vom 18. September 2012 weder eine erhebliche (psy-

chische) Komorbidität ausgewiesen ist noch andere, qualifizierte Kriterien, 

die eine aus der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung resultieren-

de Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausnahmsweise als überwiegend 

wahrscheinlich erscheinen lassen. Unter diesen Umständen ist nicht er-

stellt, dass die Beschwerdeführerin infolge der anhaltend somatoformen 

Schmerzstörung und der hiermit verbundenen depressiven Episode sowie 

den von den ZMB-Gutachtern diagnostizierten Zeichen einer dissoziativen 

Störung in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist.

10. a) Für diesen Fall macht die Beschwerdeführerin geltend, ihre gesundheitli-

che Verfassung habe sich seit der Begutachtung durch das ZMB im Juni 

2012 erheblich verschlechtert, weshalb die IV-Stelle gehalten gewesen 

wäre, ein psychiatrisches, neurologisches und rheumatologisches Ergän-

zungsgutachten einzuholen. Zur Begründung dieser Auffassung stützt 

sich die Beschwerdeführerin auf die Arztberichte ihrer behandelnden 

Psychiaterinnen, Dr. med. E._____ sowie Dr. med. C._____, in deren Be-

handlung sich die Beschwerdeführerin anfangs Januar 2013 begeben hat. 

Dr. med. E._____ führte im Arztbericht vom 16. Januar 2013 aus (Bf-

act. 12), es zeige sich eine schmerzgeplagte Patientin in leicht adipösem 

Ernährungszustand und leicht ungepflegtem Allgemeinzustand. Konzen-

tration, Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit seien am ehesten schmerzbe-

dingt leichtgradig eingeschränkt. Formal-gedanklich zeige sich die Be-

schwerdeführerin geordnet. Eine Wahnsymptomatik, Ich-Störungen oder 

Halluzinationen lägen nicht vor. In der Grundstimmung sei die Beschwer-

deführerin depressiv, im Affekt traurig. Sie schildere eine leicht bis mittel-

gradige Verminderung ihres Antriebs sowie einen sozialen Rückzug. Sui-

- 31 -

zidalität werde glaubhaft verneint. Die Beschwerdeführerin leide an einer 

mittelgradig depressiven Episode. Überdies bestehe der Verdacht auf ei-

ne somatoforme Schmerzstörung. Zur Behandlung der depressiven Sym-

ptomatik werde das Cymbala auf 90 bis 120 mg erhöht. Zusätzlich werde 

eine Psychotherapie mit kognitiv verhaltenstherapeutischem Schwerpunkt 

durchgeführt, in welchem der Beschwerdeführerin ein ganzheitliches 

Krankheitsmodell vermittelt werde und dieser Schmerzbewältigungsstra-

tegien beigebracht würden. Im Verlaufe der Therapie werde der Besuch 

der Schmerztherapie empfohlen (Bf-act. 12). Diese Angaben bestätigte 

Dr. med. E._____ im zuhanden der F._____ Versicherungsgesellschaften 

AG erstellten Arztbericht vom 2. Juli 2013 (Bf-act. 14). Ergänzend hielt sie 

im Weiteren fest, der Beginn der depressiven Symptomatik hätte nicht 

genau eruiert werden können. Aufgrund der seit mindestens zwei Jahren 

(Autounfall im November 2011) bestehenden, multiplen körperlichen 

Symptome, für die keine hinreichende somatische Erklärung gefunden 

worden sei, sowie des Zusammenhanges mit konflikthaften Ereignissen 

(Fehlgeburt/Autounfall) sei von einer Somatisierungsstörung auszugehen. 

Seit Beginn der ambulanten Behandlung im Januar 2013 bestehe eine 

100 % Arbeitsunfähigkeit. Aktuell erfolge eine kombinierte medikamentö-

se und psychotherapeutische Behandlung. Die Prognose sei derzeit auf-

grund des langjährigen Verlaufs, der nur geringen Krankheitseinsicht in 

die Zusammenhänge zwischen psychischen Konflikten und körperlichen 

Beschwerden, welche typisch für eine Somatisierungsstörung sei, sowie 

aufgrund der nun zusätzlich aufgetretenen, ausgeprägten depressiven 

Symptomatik ungünstig. Dr. med. C._____ gelangte im Arztbericht vom 

27. September 2013 grundsätzlich zu denselben Schlussfolgerungen, in-

dem sie neben einer mittelgradig depressiven Episode eine somatoforme 

Schmerzstörung diagnostizierte (Bf-act. 13). Soweit sich ihre Ausführun-

gen unter der Überschrift "Jetziges Leiden" und "psychopathologischem 

Befund" im Übrigen auf die gesundheitliche Verfassung der Beschwerde-

- 32 -

führerin anlässlich der Untersuchung im September 2013 beziehen, ist 

der IV-Stelle darin beizupflichten, dass diese im vorliegenden Verfahren 

nicht zu berücksichtigen sind, da diesem der Sachverhalt zugrunde zu le-

gen ist, der sich bis zum Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens mit 

Verfügung der IV-Stelle vom 30. August 2013 zugetragen hat (vgl. E.3c 

und E.5 hiervor). Die übrigen Ausführungen lassen keine Verschlechte-

rung gegenüber dem im Arztbericht vom 2. Juli 2013 geschilderten Zu-

standsbild erkennen, zumal Dr. med. C._____ in Anlehnung an die ent-

sprechende Einschätzung des behandelnden Hausarztes der Beschwer-

deführerin, Dr. med. D._____, von einer 70-80% Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin ausgeht (IV-act. 13 S. 3 f.). 

b) Werden die vorangehend auszugsweise wiedergegebenen Ausführungen 

in den Arztberichten vom 16. Januar, 2. Juli sowie 27. September 2013 

den aktenkündigen Beurteilungen der psychischen Verfassung durch die 

behandelnden Ärzte gegenübergestellt (vgl. IV-act. 81 S. 5 f., IV-act. 57 

S. 9, Bf-act. 4, IV-act. 81 S. 37 ff., IV-act. 81 S. 51, IV-act. 57 S. 9, IV-

act. 81 S. 51, IV-act. 90 S. 2), so ist mit der IV-Stelle festzuhalten, dass 

daraus keine erhebliche Verschlechterung der gesundheitlichen Verfas-

sung der Beschwerdeführerin hervorgeht: So hielt der damalige Hausarzt 

der Beschwerdeführerin, Dr. med. Q._____, im Arztbericht vom 25. April 

2009 fest (IV-act. 81 S. 5), die Beschwerdeführerin habe seit der Begut-

achtung im ZMB (2007) versucht, mit minimalen Putzarbeiten im Umfang 

von ein bis zwei Stunden täglich ein wenig zum Lebensunterhalt beizutra-

gen. Sie klage über andauernde Schmerzen. Wegen schweren 

Schlafstörungen und einer erheblichen depressiven Entwicklung seien 

mehrmals Phasen psychotherapeutischer Behandlung initiiert worden. 

Angesichts der Verschlechterung über Jahre mit Chronifizierung der Si-

tuation sei der Beschwerdeführerin keine höhergradige Erwerbstätigkeit 

mehr zumutbar. Selbst bei der jetzigen Tätigkeit komme es zu kurzzeiti-

- 33 -

gen Ausfällen. Rund vier Monate später führte Dr. med. Q._____ im Arzt-

bericht vom 28. August 2009 sodann aus (vgl. IV-act. 81 S. 5), es bestehe 

ein chronisches panvertrebrales und cervicooccipitales Schmerzsyndrom 

ausgehend von einem peripartal subluxierten Os coccyigis und eine de-

pressive Entwicklung, aktuell leichtgradigen Charakters, unter medika-

mentöser Dauerbehandlung. Diese Einschätzung bestätigt Dr. med. 

Q._____ überdies im IV-Verlaufsbericht vom 14. April 2011 (IV-act. 57). 

Im Ein- und Austrittsbericht des Zentrums für Schmerzmedizin wird neben 

einem generalisierten Schmerzsyndrom und einer anhaltenden somato-

formen Schmerzstörung ebenfalls eine mittelgradig depressive Episode 

diagnostiziert (IV-act. 57 S. 9). Dasselbe gilt für die Eintritts- sowie Aus-

trittsbericht der Zürcher Höhenklinik Davos vom 4. bzw. 11. November 

2010 (Bf-act. 4; IV-act. 81 S. 37 ff.). Im Bericht der Klinik 1 vom 8. März 

2012 (IV-act. 81 S. 51) wird eine Schmerzexazerbation eines vorbekann-

ten chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms, anamnestisch 

anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine depressive Störung 

diagnostiziert. Die Diagnose einer anhaltend somatoformen Schmerz-

störung sei naheliegend, könne jedoch anhand der getätigten Untersu-

chung weder bestätigt noch widerlegt werden. Der neue Hausarzt der Be-

schwerdeführerin, Dr. med. D._____, stufte die Beschwerdeführerin so-

dann mit Arztzeugnis vom 14. November 2012 seit dem 1. Februar 2012 

bis zum 30. November 2012 als zu 100 % arbeitsunfähig ein (IV-act. 90 S. 

2). Die ZMB-Gutachter haben vor diesem Hintergrund im Gutachten vom 

18. September 2012 von einem fluktuierenden Verlauf des depressiven 

Zustandsbildes der Beschwerdeführerin gesprochen, um den unterschied-

lichen Grad der Depressivität der Beschwerdeführerin zum Ausdruck zu 

bringen. Die Arztberichte von Dr. med. E._____ vom 16. Januar 2013 und 

vom 2. Juli 2013 sowie jener von Dr. med. C._____ vom 27. September 

2013 reihen sich somit nahtlos an die früheren Beurteilungen behandeln-

der Ärzte an und vermögen keine Verschlechterung der gesundheitlichen 

- 34 -

Verfassung der Beschwerdeführerin glaubhaft zu machen. Dies umso 

mehr, als sowohl Dr. med. C._____ als auch der aktuelle Hausarzt der 

Beschwerdeführerin, Dr. med. D._____, der Beschwerdeführerin im Sep-

tember 2013 eine 20-30 % Arbeitsfähigkeit attestiert haben, während Dr. 

med. D._____ und die vormalige Psychiaterin der Beschwerdeführerin, 

Dr. med. E._____, in der Vergangenheit stets von einer vollständigen Ar-

beitsunfähigkeit ausgegangen sind (vgl. IV-act. 90). Unter diesen Um-

ständen ist davon auszugehen, dass weitere Beweisvorkehren am bishe-

rigen Beweisergebnis nichts mehr zu ändern vermögen, weshalb auf de-

ren Abnahme in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (BGE 122 

II 464 E.4a). Der Eventualantrag der Beschwerdeführerin, ein ergänzen-

des psychiatrische Gutachten sowie ein neurologisches und rheumatolo-

gisches Ergänzungsgutachten einzuholen, ist deshalb abzuweisen.

11. Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass die Beschwer-

deführerin an keiner somatischen Krankheit leidet, welche ihre Arbeits-

fähigkeit beeinträchtigt. Ausserdem erscheint es nicht als überwiegend 

wahrscheinlich, dass die somatoforme Schmerzstörung und die als reak-

tive Begleiterscheinung derselben auftretende Depression mit fluktuieren-

dem Verlauf verbunden mit Zeichen einer dissoziativen Störung die Ar-

beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigen. Bei dieser Sachla-

ge hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Ver-

fügung der IV-Stelle vom 24. September 2007 weder in somatischer noch 

psychiatrischer Hinsicht in einer Weise verschlechtert, welche zu einer In-

validität führt und damit einen Rentenanspruch begründet. Demzufolge 

hat die IV-Stelle in der Verfügung vom 30. August 2013 das Leistungsbe-

gehren der Beschwerdeführerin vom 17. Dezember 2010 zu Recht abge-

wiesen. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich folglich als un-

begründet, weshalb sie abzuweisen ist.

- 35 -

12. Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung 

von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kosten-

pflichtig. Die Gerichtskosten sind gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen. Im vor-

liegenden Fall werden sie ermessensweise auf Fr. 700.-- festgelegt und 

entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdeführerin als unter-

liegender Partei zur Bezahlung auferlegt (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die obsie-

gende IV-Stelle hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung 

(Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 

Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]