# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c6ba90f-114e-5a8a-ab05-1393eb35e3a6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 08.11.2023 ZSU.2023.109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZSU-2023-109_2023-11-08.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 5. Kammer 

 

 

ZSU.2023.109 
(SF.2022.17)  

Art. 76 

 

Entscheid vom 8. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Brunner, Präsident  

Oberrichter Lindner  

Oberrichter Holliger 

Gerichtsschreiber Hess         

 

 
   

Klägerin   A._____, 

[...] 

vertreten durch lic. iur. Esther Küng, Rechtsanwältin, 

Bahnhofstrasse 24, Postfach 155, 5401 Baden    

 

 

     
   

Beklagter   B._____, 

[...] 

vertreten durch Dr. iur. Urs Oswald, Rechtsanwalt, 

Krähenbühlstrasse 31, Postfach, 5620 Bremgarten AG    

 

 
 

Gegenstand  Summarisches Verfahren betreffend Eheschutz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Klage vom 11. August 2022 ersuchte die Klägerin das Gerichtspräsi-

dium Q._____ um die Regelung des Getrenntlebens (u.a.) wie folgt: 

 

" 2. 
2.1 
[…] C._____ [geb. tt.mm. 2004] sei unter die Obhut des Gesuchsgegners 
und D._____ [geb. tt.mm. 2009] unter die Obhut der Gesuchstellerin zu 
stellen. 
 
2.2. 
2.2.1. [Besuchs- und Ferienrecht betreffend C._____] 
 
2.2.2. 
Der Gesuchsgegner sei berechtigt zu erklären, […] D._____ jedes zweite 
Wochenende, von Freitagabend, 18.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr, 
und wöchentlich an einem Abend (gemeinsames Nachtessen) zu sich auf 
Besuch zu nehmen. Überdies sei der Gesuchsgegner berechtigt zu erklä-
ren, fünf Wochen Ferien pro Jahr mit seiner Tochter zu verbringen. 
 
[Besuchsbeistandschaft] 
 
3. 
3.1. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, für [C._____] Unterhalt […] aufzu-
kommen. 
 
3.2. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an [D._____ 
Unterhalt] ab 01.04.2022, monatlich […] angemessene Unterhaltsbeiträge, 
mindestens aber CHF 1'730.00 pro Monat, zuzüglich […] Familienzulagen, 
zu bezahlen. 
 
Es sei festzuhalten, dass die Familienzulagen aktuell von der Gesuchstel-
lerin bezogen werden. 
 
[…] 
 
Ausserordentliche Kosten […]. 
 
4. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an ihren per-
sönlichen Unterhalt monatlich […] mindestens […] zu bezahlen: 
 
CHF 1'240.00 ab 01.04.2022 bis 14.11.2022 (Volljährigkeit C._____) 
CHF 1'420.00 ab 15.11.2022 bis 31.12.2023 (Abschluss Weiterbil-

dung) 
CHF 2'050.00 ab 01.01.2024 
 
Sofern das Gericht eine tiefere Kinderalimente zuspricht als von der Ge-
suchstellerin beantragt, werden die vorgenannten Anträge für einen per-
sönlichen Unterhalt um den entsprechenden Differenzbetrag erhöht." 

 - 3 - 

 

 

 

1.2. 

Mit Klageantwort vom 2. September 2022 beantragte der Beklagte u.a.: 

 

"2. 
Die Obhut über […] D._____ […] sei den Parteien je zur Hälfte, wöchentlich 
alternierend, zuzuweisen. 
 
3. 
3.1. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, die ordentlichen Unterhaltskosten 
für […] C._____ allein zu tragen. 
 
3.2. 
Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, die ordentlichen Unterhaltskosten 
für […] D._____, insbesondere die Krankenkassenprämien, Kommunikati-
onskosten, Kosten für Kleideranschaffungen sowie Schulkosten, allein zu 
tragen." 

 

1.3. 

Mit Verfügung vom 28. September 2022 wurde (u.a.) die Anhörung von 

D._____ durch eine Fachrichterin des Familiengerichts angeordnet. 

 

1.4. 

Mit Replik vom 10. November 2022 beantragte die Klägerin (u.a.): 

 

"2. 
2.1. 
[…] D._____ […] sei unter die Obhut der Gesuchstellerin zu stellen. 
 
2.2. 
Der Gesuchsgegner sei berechtigt zu erklären, […] D._____ jedes zweite 
Wochenende, von Freitagabend, 18.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr, 
und wöchentlich an einem Abend (gemeinsames Nachtessen) zu sich auf 
Besuch zu nehmen. Überdies sei der Gesuchsgegner berechtigt zu erklä-
ren, fünf Wochen Ferien pro Jahr mit seiner Tochter zu verbringen. 
 
[Besuchsbeistandschaft] 
 
3.1. 
Es sei festzustellen, dass der Gesuchsgegner im internen Verhältnis der 
Parteien für [C._____] Unterhalt […] aufkommt. 
 
3.3. 
Sollte der Unterhaltsbeitrag für […] D._____ vom Gericht […] tiefer festge-
setzt werden als in Ziffer 3.2. beantragt, so sei […] der persönliche Unter-
halt für die Gesuchstellerin gemäss Ziff. 4 nachfolgend im gleichen Um-
fang zu erhöhen." 

 

1.5. 

Am 21. November 2022 fand vor dem Gerichtspräsidium Q._____ die Ver-

handlung mit Parteibefragung statt. Der Beklagte hielt in seiner Duplik an 

seinen Anträgen fest.  

 

 - 4 - 

 

 

 

1.6. 

Mit Brief vom 6. Dezember 2022 wurde D._____ zur Kinderanhörung am 

12. Dezember 2022 vorgeladen. Mit Anruf vom 12. Dezember 2022 teilte 

die Klägerin dem Gericht mit, dass sich D._____ weigere, zur Kinderanhö-

rung zu erscheinen. Mit Brief vom 6. Januar 2023 ersuchte das Gericht die 

Vertreterin der Klägerin, bei ihrer Klientin darauf hinzuwirken, dass D._____ 

Anhörung am neuen Termin stattfinden könne. Mit Brief vom 16. Januar 

2023 wurde D._____ zur Kinderanhörung am 8. Februar 2023 vorgeladen. 

Am 6., 7. und 8. Februar 2023 fanden zahlreiche Telefongespräche zwi-

schen den Parteien und der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Kinder-

anhörung vom 8. Februar 2023 statt. Mit Anruf vom 8. Februar 2023 teilte 

die Klägerin mit, dass D._____ nicht zur Anhörung erscheinen werde. Mit 

Brief vom 24. März 2023 teilte die Vorinstanz den Parteien mit, dass die 

Urteilsfällung ohne Kinderanhörung ergehe. 

 

1.7. 

Mit Entscheid vom 3. Mai 2023 erkannte das Bezirksgericht Q._____, Prä-

sidium des Familiengerichts, u.a.: 

 

"2.2. 
[…] D._____ […] wird […] unter die alleinige Obhut der Gesuchstellerin 
gestellt. 
 
2.3. […] 
 
3. 
3.1. 
Der Gesuchsgegner wird berechtigt und verpflichtet erklärt, […] D._____ 
[…] auf eigene Kosten wie folgt zu sich oder mit sich auf Besuch bzw. in 
die Ferien zu nehmen: 
 
- jeden Donnerstagabend von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr (Abendessen); 
- jedes zweite Wochenende (gerade Kalenderwochen) von Freitag-

abend, 18.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr; 
- während fünf Wochen Ferien pro Jahr, wobei bei Uneinigkeit der Ge-

suchstellerin in den geraden Jahren und dem Gesuchsgegner in den 
ungeraden Jahren das Wahlrecht zusteht. 

 
3.2. 
Ein weitergehendes oder anderslautendes Besuchs- und Ferienrecht nach 
Absprache zwischen den Parteien und unter Berücksichtigung des Kindes-
wohls bleibt vorbehalten. 
 
4. […] 
 
5. 
5.1. 
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an [D._____] 
Unterhalt […] monatlich […] folgende Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) zu 
bezahlen (jeweils zuzüglich […] [Kinder- und Ausbildungszulagen]): 
 
 

 - 5 - 

 

 

 

CHF 1'280.00 ab 1. April 2022 bis 14. November 2022 (Phase 1) 
CHF 1'280.00  ab 15. November 2022   (Phase 2) 
 
5.2. [Unterhalt C._____] 
5.3. [kein Ehegattenunterhalt] 
 
6. [ausserordentliche Kinderkosten] 
7. [übrige Anträge] 
 
8. 
Die Entscheidgebühr in Höhe von CHF 8'000.00 wird den Parteien je zur 
Hälfte mit CHF 4'000.00 auferlegt. Der Anteil der Gesuchstellerin wird mit 
ihrem Kostenvorschuss in Höhe von CHF 1'500.00 verrechnet, sodass sie 
dem Gericht noch CHF 2'500.00 nachzuzahlen hat." 

 

2. 

2.1. 

Gegen den ihm am 16. Mai 2023 zugestellten Entscheid erhob der Be-

klagte am 26. Mai 2023 fristgerecht Berufung mit dem Begehren, die Disp.-

Ziff. 2.2, 3, 5.1 und 8 seien, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, auf-

zuheben und es sei wie folgt neu zu entscheiden: 

 

"Ziff. 2.2. 
Die Obhut über [D._____] sei den Parteien je zur Hälfte, wöchentlich alter-
nierend, zuzuweisen. 
 
Ziff. 3. 
Anstelle eines Besuchs- und Ferienrechts seien die Modalitäten der alter-
nierenden Obhut wie folgt festzulegen: D.____ wird jeweils wöchentlich 
alternierend von Vater und Mutter betreut. Der Wohnortswechsel wird je-
weils an jedem Montag und nach Schulschluss vollzogen. 
 
Ziff. 5.1. 
Die Gesuchstellerin […] sei zu verpflichten, die ordentlichen Unterhalts-
kosten für [D._____], insbesondere die Krankenkassenprämien, Kommu-
nikationskosten, Kosten für Kleideranschaffungen sowie Schulkosten und 
die Kosten des Unterhalts der Tochter während dem Aufenthalt der Toch-
ter bei ihrer Mutter allein zu tragen. 
 
Ziff. 8. 
Die Entscheidgebühr sei auf CHF 3'000.00, richterliches Ermessen vorbe-
halten, herabzusetzen." 

 

2.2. 

Mit Berufungsantwort vom 13. Juli 2023 beantragte die Klägerin, ausser 

bezüglich Begehren Ziff. 8, die kostenfällige Abweisung der Berufung. Falls 

die Kinderalimente reduziert würden, sei der Ehegattenunterhalt in der 

Höhe des Differenzbetrages zu erhöhen. 

 

2.3. 

In der Folge machten die Parteien weitere Eingaben (Klägerin: 18. Juli, 

14. August, 5. September 2023; Beklagter: 28. Juli, 22. August 2023). 

 

 - 6 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Gegen den angefochtenen Entscheid ist als Rechtsmittel die Berufung ge-

geben (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO), mit welcher beim Obergericht (§ 10 lit. c 

EG ZPO) die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige Feststellung 

des Sachverhalts geltend gemacht werden können (Art. 310 ZPO). Das 

Obergericht kann bei rechtsfehlerhafter Ermessensausübung eingreifen 

(REETZ/THEILER, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung 

[ZPO-Komm.], 3. Aufl., Zürich 2016, N. 34 f. zu Art. 310 ZPO). In der Beru-

fungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) hat sich der Berufungskläger mit 

der Begründung im erstinstanzlichen Entscheid im Einzelnen und sachbe-

zogen auseinander zu setzen (REETZ/THEILER, a.a.O., N. 36 zu Art. 311 

ZPO; vgl. auch BGE 147 III 179 Erw. 4.2.1). Das Obergericht beschränkt 

sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Be-

urteilung der in der Berufung und der Antwort auf diese gegen das erstin-

stanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen. Ein allfälliger zweiter Schrif-

tenwechsel oder die Ausübung des Replikrechts dienen nicht dazu, die bis-

herige Kritik zu vervollständigen oder gar neue vorzutragen (vgl. BGE 142 

III 417 Erw. 2.2.4). Im Übrigen gilt die Einschränkung, dass im Berufungs-

verfahren das Vorbringen neuer Tatsachen und Beweismittel nur im Rah-

men von Art. 317 Abs. 1 ZPO möglich ist (BGE 138 III 625 Erw. 2.2), bei 

den der Erforschungs- und der Offizialmaxime unterliegenden Kinderbelan-

gen (Art. 296 ZPO) nicht (BGE 144 III 349 Erw. 4.2.1). Die Untersuchungs- 

resp. Erforschungsmaxime befreien die Parteien weder von ihrer Behaup-

tungs- und Substantiierungslast noch von ihrer Mitwirkungspflicht, d.h. es 

liegt auch in diesem Fall an ihnen, die erforderlichen tatsächlichen Grund-

lagen für die geltend gemachten Ansprüche darzutun und die Beweise für 

die vorgebrachten Tatsachen vorzulegen resp. zu beantragen (BGE 140 III 

485 Erw. 3.3). Bleiben prozessrelevante Tatsachen beweislos, unterliegt 

diejenige Partei welche die Beweislast trägt (GEHRI, in: Schweizerische Zi-

vilprozessordnung, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2017, N. 17 zu 

Art. 55 ZPO). Im summarischen Eheschutzverfahren gilt das Beweismass 

der Glaubhaftmachung (BGE 5A_297/2016 Erw. 2.2), was mehr als Be-

haupten bedeutet (BGE 120 II 398).  

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz (Urteil, Erw. 4.3.2) unterstellte D._____ der Obhut der Klä-

gerin und verwarf die vom Beklagten beantragte alternierende Obhut mit 

wöchentlich wechselnder Betreuung. Die bei beiden Eltern vorhandene "Er-

ziehungsfähigkeit" sowie die "zeitliche Verfügbarkeit" und der Umstand, 

dass beide in R._____ wohnten, würden eher für eine alternierende Obhut 

sprechen. Die Kriterien "Beziehungen zu den Geschwistern" und 

"Einbettung in ein weiteres soziales Umfeld" wirkten sich neutral aus. Die 

 - 7 - 

 

 

 

"fehlende bzw. eingeschränkte Kommunikations- und Kooperationsfähig-

keit der Eltern" sowie das Kriterium der "Stabilität und Kontinuität der fami-

liären Verhältnisse und der Betreuungssituation" würden klar gegen eine 

alternierende Obhut bzw. klar für die Zuteilung der Obhut an die Klägerin 

sprechen. Da dem Kriterium der Kommunikations- und Kooperationsfähig-

keit der Eltern bei schulpflichtigen Kindern wie D._____ besondere Beach-

tung beizumessen sei und weil mit Blick auf D._____ konkreten Bedürf-

nisse eine stabile und kontinuierliche Betreuungssituation zentral er-

scheine, sei die Obhut der Klägerin zuzuteilen. 

 

2.2. 

2.2.1. 

Der Beklagte beharrt auf einer alternierenden Obhut mit wöchentlichem Be-

treuungswechsel. Das "gewichtige" Kriterium der "Beziehungen unter den 

Geschwistern" spreche "ganz klar" für die alternierende Obhut. Weiter ge-

nüge, wenn die Eltern für eine ausreichende Kooperation und Kommunika-

tion auf die Vermittlung einer Drittperson oder Hilfsmittel angewiesen seien. 

Zwischenzeitlich hätten sich die Wogen weitestgehend gelegt. Die Parteien 

würden von einem Sozialarbeiter der Jugend- und Familienberatungsstelle 

des Bezirks Q._____ unterstützt. Hinzu komme, dass sie Informationen 

über elektronische Hilfsmittel austauschten. Am 25. Mai 2023 habe eine 

Besprechung mit dem Sozialarbeiter stattgefunden; dabei hätten sich die 

Parteien über verschiedene Fragen "in gutem Eivernehmen" einigen kön-

nen. D._____ werde von der Klägerin massiv unter Druck gesetzt und habe 

deshalb eine Kinderanhörung verweigert (Berufung, S. 6 ff.). 

 

2.2.2. 

Die Klägerin wendete in ihrer Berufungsantwort im Wesentlichen ein, 

C._____ arbeite ab 1. August 2023 Schicht (E._____). Seine Freizeitge-

staltung unterscheide sich komplett von D._____. Er komme oft nur zum 

Schlafen nach Hause. Die Geschwister benötigten sich im Alltag nicht 

mehr, das Zusammenwohnen sei für den weiteren Beziehungsaufbau bzw. 

zur Verhinderung eines Beziehungsabbaus nicht notwendig. Einigungen 

unter den Parteien seien nur möglich, wenn es nach den Vorstellungen des 

Beklagten gehe. An der letzten Besprechung bei der Jugend- und Famili-

enberatung habe sich der Beklagte drohend vor ihr aufgebaut, so dass Herr 

F._____ (Sozialarbeiter) habe eingreifen müssen. So sei sie nicht bereit, 

freiwillige Gespräche fortzuführen. Geplant sei, dass der Beklagte mit 

D.____ Sommerferien verbringe. Zur Vermeidung eines Fiaskos hätten die 

Parteien versucht, D._____ mit zusätzlichen Aufenthalten beim Beklagten 

langsam an diese Ferien heranzuführen. D._____ halte aber an der 

bisherigen Regelung fest; sie möchte nicht hin und her pendeln. D._____ 

habe ihr am Tag nach dem Ausschluss der Klägerin aus der ehelichen 

Wohnung erklärt, sie wolle bei ihr wohnen. Die Behauptung, sie habe ihr 

bis Februar 2023 verboten, mit dem Beklagten näheren Kontakt zu pflegen, 

sei erstunken und erlogen. 

 - 8 - 

 

 

 

2.2.3. 

Mit Eingabe vom 18. Juli 2023 reichte die Klägerin den E-Mail-Verkehr mit 

F._____, JFEB R._____, ein. Die E-Mails belegten, dass keine tragfähige 

Kommunikation bestehe. Herr F._____ habe das Verhalten des Beklagten 

als "äusserst bedrohlich" bezeichnet und festgehalten, dass er im Moment 

keine weiteren Gespräche führen wolle. Der Beklagte habe Herrn F._____ 

kontaktiert, um mit den Parteien eine Art Familienmediation zu machen. 

Der Beklagte habe ihr aber ständig Vorwürfe gemacht, wenn es nicht 

seinen Vorstellungen entsprechend gelaufen sei; der "Mediator" habe wie-

derholt eingreifen müssen. Am 10. Mai 2023 habe Herr F._____ ein Ge-

spräch mit D._____ gehabt, in welchem er eine 50/50-Betreuung 

vorgeschlagen habe. Nach dem Gespräch habe sich D._____ in einem de-

solaten Zustand befunden. Mit dem Beklagten sei eine Kommunikation auf 

Augenhöhe nicht möglich; es arte aus, wenn er nicht bekomme, was er 

wolle. 

 

2.2.4. 

Mit Eingabe vom 28. Juli 2023 liess der Beklagte durch seinen Rechtsver-

treter ein von ihm persönlich verfasstes Schreiben einreichen. Darin führt 

er im Wesentlichen aus: Anfangs habe die Klägerin versucht, D._____ von 

ihm zu entfremden. Aktuell fänden noch Beeinflussungsversuche statt. Ab 

dem 10. Mai 2023 habe man auf Empfehlung des Familienbegleiters mit 

der Umsetzung einer alternierenden Obhut begonnen. Die letzten Monate 

"mit der alternierenden Obhut" hätten gezeigt, dass für D._____ Ruhe und 

Stabilität einkehre. Die gemeinsame Zeit mit ihm zeige eine positive Wir-

kung auf D._____ und fördere ihr Wohlbefinden. Die Klägerin habe sich 

dann geweigert, die alternierende Obhut weiterzuführen. Die "notwendige 

Kommunikation" funktioniere gut. Herr F._____ wolle keine weiteren 

Termine abmachen, weil die Klägerin betreffend Obhut "nicht kooperiere". 

Er habe ihr nicht gedroht (das habe nur so gewirkt), er sei bloss sehr emo-

tional gewesen. Es tue ihm leid; aber sie habe ihn wohl aus 

prozesstaktischen Gründen provoziert. D._____ habe ihm gesagt, dass sie 

bei beiden Eltern sein möchte. C._____ sei bei Schichtarbeit tagsüber mehr 

als früher zuhause und könne Zeit mit D._____ verbringen. Mit einem Be-

suchsrecht werde D._____ der Zugang zu ihrem samstags arbeitenden 

Grossvater verwehrt. Der Beklagte unterstellt in der von seinem 

Rechtsvertreter verfassten Eingabe der Klägerin, sie habe D._____ von 

einer Anhörung abgehalten resp. ihr die Teilnahme verboten.  

 

2.2.5. 

Mit Eingabe vom 14. August 2023 äusserte sich die Klägerin im Wesentli-

chen wie folgt: Der Beklagte setze D._____ massiv unter Druck und über-

gehe ihre Wünsche: D._____ habe mit dem Beklagten, seiner Freundin und 

deren zwei Kinder eine Woche auf einem Campingplatz in S._____ ver-

bracht. Sie habe eine Freundin mitgenommen, die aber nach der ersten 

Nacht wieder nach Hause gehen wollte. D._____ habe ebenfalls nach 

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Hause gehen wollen, was der Beklagte nicht zugelassen habe. Sie hätte 

noch eine Woche länger beim Beklagten zuhause Ferien verbringen sollen. 

D._____ habe ihm mehrmals gesagt, dass sie nach Hause wolle. Erst als 

die Situation komplett zu eskalieren gedroht habe, habe der Beklagte 

D._____ nach Hause gebracht. Sie habe eine Nacht bei ihr übernachten 

dürfen; am anderen Tag habe sie der Beklagte erneut abgeholt. Mit Kindes-

wohl habe eine solche Zwangsausübung nichts zu tun. Der Beklagte sende 

auch Herrn F._____ regelmässig E-Mails, obwohl dieser mit E-Mail vom 

13. Juli 2023 mitgeteilt habe, dass er vorläufig nicht mehr zur Verfügung 

stehe. 

 

2.2.6. 

In einer weitern von ihm persönlich verfassten Eingabe vom 22. August 

2023 beharrt der Beklagte auf 17 Seiten und unter Beilage diverser E-Mails 

darauf, dass a) mit der Klägerin die Kommunikation "in Bezug auf das Wohl 

des Kindes sehr wohl funktioniert", die Klägerin b) Michelle instrumentali-

siere, c) wieder damit beginne, D._____ von ihm zu entfremden, d) D.____ 

noch tiefer in den Loyalitätskonflikt reintreiben wolle, und e) versuche, die 

alleinige Obhut, die völlig gegen das Kindeswohl verstosse, zu "erschwin-

deln". Die Klägerin habe die weitere Kooperation mit Herrn F._____ ver-

weigert. D._____ habe ihm gesagt, dass sie bei ihm sein möchte und dass 

"eine Woche" kein Problem wäre. Mehrere Seiten der Eingabe beschlagen 

sodann seine Sicht der Dinge betreffend die Sommerferien (die Klägerin 

habe D._____ im Vorfeld angeboten, Ferien mit ihr in T._____ zu verbrin-

gen). Er übergehe den Kindeswillen nicht. Die Klägerin verweigere ihm und 

seinem Umfeld den Kontakt mit D._____. Sie weiche "keinesfalls" vom Ge-

richtsentscheid "betreffend Besuchsrecht" ab. 

 

2.2.7. 

Am 5. September 2023 erstattete die Klägerin eine weitere Eingabe. Der 

Beklagte könne es nicht lassen, die Kinder gegen sie aufzuhetzen. Er habe 

C._____ im August und September 2023 angehalten, ihr Fr. 500.00 als Un-

terhalt zu überweisen. Die aufgrund ihrer Rücküberweisungen fehlenden 

Fr. 1'000.00 habe der Beklagte ihr bis heute nicht bezahlt. Es sei ange-

bracht, dass C._____ dem Beklagten als Wohnbeitrag Fr. 500.00 gebe. 

Wieso hingegen C._____ einen Beitrag an die vom Beklagten 

geschuldeten Kinderalimente für D._____ leisten soll, wisse wohl nur der 

Beklagte selbst. 

 

2.3. 

Die Obhut nach Art. 298 Abs. 2 ZGB umfasst die Befugnis zur täglichen 

Betreuung des minderjährigen Kindes und damit das Recht, mit ihm in 

häuslicher Gemeinschaft zu leben und die Rechte und Pflichten im Zusam-

menhang mit seiner Pflege und laufenden Erziehung auszuüben (SCHWEN-

ZER/COTTIER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Aufl., Basel 2022, 

N. 4 zu Art. 298 ZGB; BGE 142 II 612 Erw. 4.1). Leitprinzip ist dabei 

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das Kindeswohl; die Interessen und Wünsche der Eltern (für oder gegen 

eine alternierende Obhut) haben in den Hintergrund zu treten 

(BGE 5A_488/2021 Erw. 3.4, 5A_794/2017 Erw. 3.1). Anders als dies bei 

der gemeinsamen elterlichen Sorge der Fall ist (Art. 296 Abs. 2, 298 Abs. 1, 

298b Abs. 2 ZGB), handelt es sich bei der alternierenden Obhut nicht um 

den vom Gesetz vorgegebenen Regelfall (vgl. BGE 5A_800/2022 

Erw. 5.4.2). Vielmehr verpflichtet das Gesetz das Gericht bloss dazu, die 

Möglichkeit dieser Form der Betreuung zu prüfen, wenn - wie vorliegend - 

ein Elternteil oder das Kind dies verlangt (Art. 298 Abs. 2ter ZGB). Das Bun-

desgericht hat sich in seiner jüngeren Praxis eingehend mit der Frage be-

fasst, nach welchen Kriterien zu entscheiden ist, ob die alternierende Obhut 

angeordnet werden kann (BGE 142 III 617 Erw. 3.2.3, 142 III 612 Erw. 4). 

Danach kommt die alternierende Obhut grundsätzlich nur in Frage, wenn 

beide Eltern erziehungsfähig sind. Weiter erfordert die alternierende Obhut 

organisatorische Massnahmen und gegenseitige Information. Insofern 

setzt die praktische Umsetzung der alternierenden Obhut bzw. Betreuung 

voraus, dass die Eltern fähig und bereit sind, in den Kinderbelangen mitei-

nander zu kommunizieren und zu kooperieren. Allein aus dem Umstand, 

dass ein Elternteil sich einer Regelung mit geteilter Betreuung widersetzt, 

kann nicht ohne weiteres geschlossen werden, die nötige Kooperation sei 

nicht gewährleistet. Weiter kommt es auf die geografische Situation an, na-

mentlich die Distanz zwischen den Wohnungen der beiden Eltern. Bedeut-

sam ist auch die Kindeswohlwirksamkeit der Stabilität, wie sie mit einer 

Weiterführung der bisherigen Regelung einhergeht. In diesem Sinne ist 

eine alternierende Obhut umso eher angezeigt, wenn die Eltern das Kind 

schon vor ihrer Trennung abwechselnd betreut haben. Andere Kriterien 

sind das Alter des Kindes, seine Beziehungen zu (tatsächlichen oder fakti-

schen) Geschwistern und seine Einbettung in das weitere soziale Umfeld. 

Die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, spielt haupt-

sächlich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse des Kindes eine 

persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn ein Eltern-

teil selbst in den Randzeiten (morgens, abends und an den Wochenenden) 

nicht bzw. kaum zur Verfügung steht; ansonsten ist von der Gleichwertig-

keit von Eigen- und Fremdbetreuung auszugehen. Die weiteren Beurtei-

lungskriterien sind oft voneinander abhängig; ihre jeweilige Bedeutsamkeit 

richtet sich nach den konkreten Umständen. Geht es um Jugendliche, 

kommt der Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu. 

Die Kooperationsfähigkeit der Eltern wiederum verdient besondere Beach-

tung, wenn das Kind schulpflichtig ist oder die Entfernung zwischen den 

Wohnorten der Eltern ein Mehr an Organisation erfordert 

(BGE 5A_312/2019 Erw. 2.1.2). Alleine die Tatsache, dass die Eltern zur 

gemeinsamen Entscheidfindung über die Kinderbelange auf die Vermitt-

lung einer Drittperson angewiesen sind, steht einer alternierenden Obhut 

nicht entgegen (BGE 5A_629/2019 Erw. 4.2, 5A_67/2021 Erw. 3.3.4). Bei 

der Ausgestaltung der Obhut ist auch der Wunsch des Kindes angemessen 

zu beachten (BÜCHLER/CLAUSEN, in: FamKommentar Scheidung, 4. Aufl., 

 - 11 - 

 

 

 

Bern 2022, N. 9j zu Art. 298 ZGB; BGE 5A_224/2022 Erw. 3.1, 

5A_222/2021 Erw. 3.1.1). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Vorliegend spricht keine der Parteien der anderen die Erziehungsfähigkeit 

als Grundvoraussetzung für eine alternierende Obhut grundsätzlich ab. Es 

steht auch ausser Frage, dass die zeitliche Verfügbarkeit der Parteien und 

die geographischen Begebenheiten (beide Parteien wohnen in R._____) 

nicht gegen eine alternierende Obhut sprechen. Die Vorinstanz hat im 

Weiteren zutreffend festgestellt, dass aufgrund desselben Wohnortes 

D._____ soziales Umfeld sowohl bei der alternierenden als auch bei einer 

alleinigen Obhut erhalten bleibt. Dagegen vermag der Beklagte mit seiner 

(ohnehin unbelegten) Behauptung, ohne alternierende Obhut sei der Kon-

takt zum Grossvater väterlicherseits nicht mehr gewährleistet, nicht anzu-

kommen. Bezüglich D._____ Obhut drängt sich auch keine mit der Wohn-

situation ihres volljährigen Bruders C._____ synchronisierte Regelung auf. 

Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass zwischen der noch schul-

pflichtigen D._____ und ihrem volljährigen Bruder ein doch erheblicher Al-

tersunterschied besteht, so dass - was ohne weiteres als plausibel er-

scheint - von unterschiedlichen Bedürfnissen und verschiedenen emotio-

nalen Bindungen und Wünschen auszugehen sei. Daran ändert auch 

nichts, dass C._____ heute angeblich zufolge Schichtarbeit tagsüber (theo-

retisch) mehr Zeit mit D._____ verbringen könnte als früher. 

 

2.4.2. 

Betreffend "Stabilität und Kontinuität der familiären Verhältnisse und der 

Betreuungssituation" führte die Vorinstanz aus: D._____ wohne seit der 

Trennung der Eltern bei der Mutter und habe seit Ende März 2022 nicht 

mehr beim Beklagten übernachtet und ihn auch an den Wochenenden nicht 

zu Hause besucht. Laut Klägerin sei D._____ ein Kind, welches sich mit 

Veränderungen schwertue (schulische Übertritte; Lehrerwechsel), was 

glaubhaft erscheine. Bei der pubertierenden D.____ bestehe ein Bedürfnis 

nach Ruhe und Stabilität, insb. auch hinsichtlich der Wohn- und Betreu-

ungssituation. Dieses Bedürfnis spreche gegen wöchentliche Betreuungs-

wechsel. Es sei davon auszugehen, dass solche für D._____ mit zusätzli-

cher Verunsicherung, zusätzlichem Stress und zusätzlicher Belastung ver-

bunden wären. Die aktuelle Situation sei im Sinne der Stabilität der Wohn- 

und Betreuungssituation von D._____ und des Kindeswohls gegenüber ei-

ner alternierenden Obhut zu bevorzugen. 

 

Inzwischen wohnt D._____ bereits seit über einem Jahr unstrittig (zur 

Hauptsache) bei der Klägerin. Anhaltspunkte dafür, dass es ihr dort nicht 

gefallen würde, ihr wohlverstandenes Kindeswohl in irgendeiner Art und 

Weise gefährdet wäre oder dass D._____ das Bedürfnis nach einer Ände-

rung der Situation resp. nach häufigeren Aufenthalten beim Beklagten 

 - 12 - 

 

 

 

hätte, sind nicht ersichtlich und dies wird auch vom Beklagten nicht sub-

stantiiert geltend gemacht. Die Ausführungen der Klägerin, wonach sich 

D._____ mit Veränderungen schwertue und dass bei D._____ ein Bedürf-

nis insbesondere hinsichtlich der Wohn- und Betreuungssituation bestehe, 

blieben in der Berufung grundsätzlich unwidersprochen. Der Beklagte 

stellte darin auch die diesbezügliche Schlussfolgerung der Vorinstanz 

- häufige Wechsel wären für D._____ mit zusätzlicher Verunsicherung, zu-

sätzlichem Stress und zusätzlicher Belastung verbunden - nicht substanti-

iert in Abrede (Erw. 2.2.1 oben). Auch in seinen weiteren Eingaben 

(Erw. 2.2.4 und 2.2.6 oben) vermochte der Beklagte keine Neuerungen vor-

zubringen, aufgrund welcher das Kriterium der "Stabilität und Kontinuität" 

abweichend zur Vorinstanz zu beurteilen wäre. Soweit der Beklagte vor-

bringt, die letzten Monate "mit der alternierenden Obhut" hätten gezeigt, 

dass für D._____ Ruhe und Stabilität einkehre und dass die gemeinsame 

Zeit mit ihm eine positive Wirkung auf D._____ zeige und ihr Wohlbefinden 

fördere, erschöpft sich dies in einer nicht verifizierbaren und von der Klä-

gerin bestrittenen Behauptung. 

 

2.4.3. 

Die "fehlende bzw. eingeschränkte Kommunikations- und Kooperationsfä-

higkeit" begründete die Vorinstanz wie folgt: Laut dem Beklagten sei die 

Kommunikation "unmöglich" bzw. verweigere diese die Klägerin "grundle-

gend". Aus den Akten ergäben sich zahlreiche illustrierende Beispiele. Die 

Episode mit dem auf das Handy der Klägerin verschickten Code von 

D._____ Krankenkasse zeige, dass die Parteien nicht willens bzw. nicht in 

der Lage seien, bezüglich einfachster gegenseitiger Absprachen miteinan-

der zu kooperieren und dass in der Kommunikation erhebliche Defizite vor-

lägen. Die Akten zeigten auch in Kinderbelangen ein Defizit: Der Beklagte 

habe geltend gemacht, dass er in schulischer und schulorganisatorischer 

Hinsicht nicht informiert werde. Auch in Bezug auf D._____ Freizeitaktivi-

täten schienen die Parteien nicht fähig, (rechtzeitig) die notwendigen Ab-

sprachen zu treffen (z.B. [...]-Kurs). Schliesslich sei hervorzuheben, dass 

ein nach der Darstellung des Beklagten zu Beginn für D._____ ausgearbei-

teter Übernachtungsplan offensichtlich nicht habe eingehalten werden kön-

nen, habe D._____ doch mittlerweile seit über einem Jahr nicht mehr beim 

Beklagten geschlafen. Es erscheine mehr als zweifelhaft, dass die Parteien 

in der Lage wären, sich über das Nötigste zum Wohl von D._____ abzu-

sprechen und deren Alltag gemeinsam zu organisieren, was bei einer alter-

nierenden Obhut erforderlich wäre. Gewisse alltägliche organisatorische 

Massnahmen und gegenseitige Informationen seien innert kürzester Zeit 

zu treffen und könnten daher z.B. nicht über einen Beistand erfolgen. Es 

sei also nicht anzunehmen, dass alltägliche Absprachen mehr oder weniger 

konfliktfrei im Interesse von D._____ getroffen und der gegenseitige Infor-

mationsaustausch (insb. hinsichtlich schulischer Belange und bezüglich 

 - 13 - 

 

 

 

Freizeitaktivitäten) gewährleistet werden könne. Vielmehr sei zu befürch-

ten, dass die im Rahmen der alternierenden Obhut vermehrt zu treffenden 

Absprachen zu zusätzlichem Konfliktpotential zwischen den Eltern führten. 

 

Vorliegend hat sich auch im Verlaufe des Berufungsverfahrens klar gezeigt 

und bestätigt, dass die Parteien - wie von der Vorinstanz anhand früher 

Vorkommnisse und gestützt auf die Akten nachvollziehbar erwogen – auch 

bei Unterstützung durch Dritte ausser Stande sind, in Sachen Kinderbe-

lange auch nur ansatzweise vernünftig und im Interesse des Kindeswohls 

miteinander zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen, was denn 

offensichtlich auch den Familienbegleiter veranlasst hat, resigniert das 

Handtuch zu werfen. Woraus der Beklagte schliesst, dass die "notwendige 

Kommunikation" zwischen den Parteien gut funktioniere, bleibt unerfindlich. 

Der von ihm mit Eingabe vom 22. August 2023 eingereichte E-Mail-Verkehr 

ist jedenfalls nicht geeignet, sein Vorbringen zu plausibilisieren.  

 

2.4.4. 

D._____ Weigerung, an einer gerichtlichen Kinderanhörung (Art. 298 

Abs. 1 ZPO) teilzunehmen, ist zu respektieren, da ihr beharrlicher Wider-

stand (Prozessgeschichte Ziff. 1.6 oben) ihrem tatsächlichen Willen zu ent-

sprechen scheint (die erstmals im Berufungsverfahren vorgebrachten Be-

hauptungen des Beklagten, die Klägerin habe D._____ die Teilnahme an 

einer Kinderanhörung verboten und D._____ habe ihm gegenüber den 

Wunsch einer alternierenden Obhut geäussert, finden in den Akten keine 

Stütze) und weil die Anhörung ein Recht und keine Pflicht des Kindes ist 

(SCHWEIGHAUSER, in: ZPO-Komm., a.a.O., N. 31 zu Art. 298 ZPO; SPY-

CHER, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bern 

2012, N. 9 zu Art. 298 ZPO). Betreffend Ausgestaltung der Obhut hat 

D._____ gegenüber dem Gericht somit zwar auf das ausdrückliche 

Äussern eines Wunsches verzichtet. Indessen deutet der Umstand, dass 

die mittlerweile fast 14-jährige D._____ seit nunmehr über einem Jahr bei 

ihrer Mutter wohnhaft ist und sich mit Übernachtungen bei ihrem Vater 

weiterhin schwertut, unübersehbar darauf hin, dass D._____ an ihren 

derzeitigen Wohnverhältnissen bzw. am Verbleib bei ihrer Mutter nichts 

ändern möchte. Anderweitige Bedürfnisse hätte D._____ ansonsten - wie 

es die Klägerin mit Berufungsantwort (S. 8) zu Recht vorbringt - mittels dem 

Schaffen von Fakten respektive damit umgesetzt, dass sie effektiv mehr 

Zeit bei ihrem Vater verbringt. Indem D._____ ihre Freizeit aber unbestrit-

tenermassen hauptsächlich bei ihrer Mutter verbringt und dort auch ganz 

überwiegend übernachtet, bringt D._____ ihren Willen gegen die Anord-

nung einer alternierenden Obhut klar zum Ausdruck. So ergibt sich auch 

aus dem von der Klägerin am 14. August 2023 eingereichten WhatsApp-

Protokoll, dass sich D._____ mit Übernachtungen beim Beklagten und ins-

besondere mit autoritativen Anordnungen hinsichtlich der Ausgestaltung ih-

rer Freizeit - egal ob diese vom Beklagten oder der Klägerin stammen - , 

 - 14 - 

 

 

 

weiterhin sehr schwertut und sie, einem Kind im Teenageralter entspre-

chend, über einen eigenen starken Willen verfügt.  

 

2.4.5. 

Die Parteien sind sich einig und aus den Akten ergibt sich auch ohne Wei-

teres, dass sich der derzeitige Konflikt zwischen den Kindseltern sehr be-

lastend auf D._____ auswirkt. Es ist nicht ersichtlich, dass sich an dieser 

Situation nach einer autoritativen Anordnung der alternierenden Obhut et-

was ändern würde. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass sich der el-

terliche Konflikt bei Anordnung der alternierenden Obhut vor dem Hinter-

grund des von D._____ (zumindest konkludent) klar hervorgebrachten 

Wunsches (vgl. oben) nach dem Verbleib bei ihrer Mutter nur noch weiter 

verschärfen würde und D._____ zunehmend in einen Loyalitätskonflikt ge-

riete. Eine alternierende Obhut scheint deshalb unter Würdigung aller Um-

stände, insbesondere der Stabilität und Kontinuität der Betreuungssitua-

tion, nicht im besten Interesse von D._____.  

 

2.5. 

Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von der 

Anordnung einer alternierenden Obhut über D._____ abgesehen und das 

Mädchen stattdessen unter die alleinige Obhut der Klägerin gestellt hat. 

Dies führt zur Abweisung der Berufung des Beklagten in diesem Punkt. 

 

3. 

Gemäss dem Beklagten erübrigt sich die Regelung eines Besuchsrechts 

bei alternierender Obhut. Hingegen sei das Ferienrecht bei alternierender 

Obhut so auszugestalten, dass D._____ je die Hälfte der Schulferien bei 

den Eltern verbringe (Berufung, S. 15). Da dem Begehren des Beklagten 

betreffend alternierender Obhut nicht zu entsprechen ist (vgl. oben), ist das 

im Übrigen nicht substantiiert angefochtene Besuchs- und Ferienrecht (Ur-

teil, Disp.-Ziff. 3) des Beklagten gemäss Vorinstanz zu bestätigen. 

 

4. 

Wie der Beklagte (Berufung, S. 14; "pragmatische Regelung") beanstandet 

auch die Klägerin den 34-seitigen Unterhaltsentscheid (Urteil, Erw. 9) nur 

für den Fall, dass die alternierende Obhut angeordnet wird. Da die darauf 

abzielende Berufung des Beklagten jedoch abgewiesen wird (vgl. oben), 

hat es bei der Unterhaltsregelung gemäss Vorinstanz sein Bewenden.   

 

5. 

Die Vorinstanz (Urteil, Erw. 13) bemass die Spruchgebühr auf Fr. 8'000.00. 

Der Beklagte rügt dies als unangemessen hoch. Praxisgemäss werde die 

Spruchgebühr auf höchstens Fr. 3'000.00 festgesetzt (Berufung, S. 15). 

Die Klägerin pflichtet dem Beklagten bei (Berufungsantwort, S. 14). 

 

 - 15 - 

 

 

 

Gerichtskosten sind Kausalabgaben, weshalb sie dem Kostendeckungs- 

und Äquivalenzprinzip genügen müssen (BGE 141 I 105 Erw. 3.3.2). Beide 

Grundsätze konkretisieren das Verhältnismässigkeitsprinzip und das Will-

kürverbot für den Bereich der Kausalabgaben (BGE 135 III 578 Erw. 6.1). 

Das Kostendeckungsprinzip besagt, dass der Gebührenertrag die gesam-

ten Kosten des betreffenden Verwaltungszweigs nicht oder nur geringfügig 

übersteigen soll (BGE 141 I 105 Erw. 3.3.2). Das Äquivalenzprinzip ver-

langt in Konkretisierung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes insbeson-

dere, dass eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum 

objektiven Wert der bezogenen Leistung stehen darf und sich in vernünfti-

gen Grenzen bewegen muss (Gerichtsgebühren: BGE 120 Ia 171 Erw. 2a). 

Insgesamt verfügt das Gericht bei der Festsetzung der Gerichtsgebühr 

über einen grossen Ermessensspielraum (BGE 139 III 334 Erw. 3.2.5). 

 

Nach Art. 96 ZPO setzen die Kantone die Tarife für die Prozesskosten fest. 

Im Kanton Aargau gelangt das Dekret über die Verfahrenskosten (VKD; 

SAR 221.150) zur Anwendung. Danach beträgt die Entscheidgebühr für die 

Durchführung des summarischen Verfahrens Fr. 500.00 bis Fr. 12'000.00 

(§ 8 VKD). Die in der Sache zuständige Instanz bemisst die Pauschale in-

nerhalb des vorgeschriebenen Rahmens nach dem Zeitaufwand und der 

Bedeutung der Sache. In ausserordentlich zeitraubenden Fällen oder bei 

mutwilligem oder trölerischem Verhalten einer Partei kann die Pauschale 

bis auf das Doppelte des vorgesehenen Höchstbetrages bemessen werden 

(§ 3 Abs. 1 und 2 VKD). Der innerhalb des vorgeschriebenen Rahmens zu 

berücksichtigende Zeitaufwand kann sich auch aus dem Gang des Verfah-

rens ergeben bzw. im Zusammenhang mit der Prozessleitung stehen (vgl. 

Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 18. Dezember 2017 

[ZSU.2017.211], Erw. 3.2.3.1). Unter Hinweis auf § 8 VKD legte die 

Vorinstanz die Spruchgebühr auf Fr. 8'000.00 fest. Das Kostendeckungs-

prinzip spielt im Allgemeinen für Gerichtsgebühren keine Rolle, decken 

doch erfahrungsgemäss die von den Gerichten eingenommenen Gebühren 

die entsprechenden Kosten bei Weitem nicht (BGE 141 I 105 Erw. 3.3.2). 

Der Beklagte zeigt jedenfalls nicht auf, dass Letzteres für die Aargauer Jus-

tiz nicht zutreffen soll. Selbst unter Berücksichtigung, dass die Vorinstanz 

noch während vier Monaten diverse (schriftliche und telefonische) Versu-

che unternommen hat, D._____ zur Teilnahme an einer Kinderanhörung zu 

bewegen (vgl. Prozessgeschichte Ziff. 1.6; act. 107 bis 133) und sie dann 

schlussendlich einen fast 70-seitigen Entscheid verfasst hat, erscheint aber 

die ohne weitere Begründung auf Fr. 8'000.00 festgesetzte Gerichtsgebühr 

als unangemessen hoch, so dass der Beklagte – was er jedenfalls implizit 

tut – zu Recht eine Verletzung des Äquivalenzprinzips rügt. Mit Blick auf 

vergleichbar komplexe Fälle ist die erstinstanzliche Gerichtsgebühr in dies-

bezüglicher Gutheissung der Berufung auf Fr. 3'000.00 festzusetzen und 

entsprechend (was unbeanstandet geblieben ist) je hälftig mit Fr. 1'500.00 

auf die Parteien aufzuteilen. 

 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=5A_923%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-I-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
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 - 16 - 

 

 

 

6. 

Die obergerichtliche Spruchgebühr von Fr. 2'000.00 (Art. 95 Abs. 1 lit. a 

ZPO, Art. 96 ZPO i.V.m. §§ 3 Abs. 1, 8 und 11 Abs. 1 VKD) wird dem ma-

teriellen Verfahrensausgang entsprechend (vgl. Erw. 2.5 oben; die Reduk-

tion der erstinstanzlichen Spruchgebühr wirkt sich zu Gunsten beider Par-

teien aus) dem Beklagten auferlegt (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Zudem hat er 

der Klägerin ihre zweitinstanzlichen Anwaltskosten zu ersetzen, welche ge-

richtlich auf (gerundet) Fr. 3'084.00 festgesetzt (Art. 105 Abs. 2 ZPO) wer-

den (durchschnittliches Eheschutzverfahren Fr. 3'350.00 [§ 3 Abs. 1 lit. b 

und Abs. 2 AnwT]; Verhandlungsabzug 20 % [§ 6 Abs. 1 und 2 AnwT], Ge-

samtzuschlag von 30 % für die Eingaben vom 18. Juli 2023, 14. August 

2023 und 5. September 2023; Rechtsmittelabzug 25 % [§ 8 AnwT]; Ausla-

gen pauschal Fr. 100.00 [§ 13 AnwT]; 7.7 % MwSt.). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

1.1. 

In teilweiser Gutheissung der Berufung des Beklagten wird Disp.-Ziff. 8 des 

Entscheids des Bezirksgerichts Q._____, Präsidium des Familiengerichts, 

vom 3. Mai 2023, aufgehoben und durch folgende Bestimmung ersetzt: 

 

Die Entscheidgebühr von CHF 3'000.00 wird den Parteien je zur Hälfte mit 
CHF 1'500.00 auferlegt. Der Anteil der Gesuchstellerin wird mit ihrem Kos-
tenvorschuss von CHF 1'500.00 verrechnet. 

 

1.2. 

Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen. 

 

2. 

Die obergerichtliche Spruchgebühr von Fr. 2'000.00 wird dem Beklagten 

auferlegt und mit dem von ihm in identischer Höhe geleisteten Kostenvor-

schuss verrechnet (Art. 111 Abs. 1 ZPO). 

 

3. 

Der Beklagte hat der Klägerin für das Berufungsverfahren ihre gerichtlich 

festgesetzten Anwaltskosten von Fr. 3'084.00 (inkl. Barauslagen und Mehr-

wertsteuern) zu bezahlen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

[...]  

  

  

 - 17 - 

 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. In vermögensrechtlichen 

Angelegenheiten ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Streitwert in arbeits- und miet-

rechtlichen Fällen mindestens Fr. 15'000.00 bzw. in allen übrigen Fällen mindestens 

Fr. 30'000.00 beträgt, es sei denn, es stelle sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung oder es handle sich um einen Entscheid des Konkurs- und Nachlassrichters (Art. 44 

Abs. 1, Art. 72, Art. 74, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Ist eine Beschwerde 

nur unter der Voraussetzung zulässig, dass sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung stellt, ist auszuführen, warum diese Voraussetzung erfüllt ist. Die Urkunden, auf die 

sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 8. November 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Zivilgericht, 5. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

 

Brunner     Hess