# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69676245-5dcb-5a78-ba52-8b73cd5716aa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.11.2018 D-4563/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4563-2017_2018-11-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4563/2017 
lan 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), 

China (Volksrepublik),   

bisher vertreten durch Frau MLaw Gnanagowry Somas-

kanthan, substituiert durch lic. iur. Isabelle Müller, 

Caritas Schweiz,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 14. Juli 2017 / N (…). 

 

 

 

D-4563/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat nach eigenen Angaben 

am 3. April 2012 und gelangte nach Nepal. Von dort reiste sie nach mehr-

monatigem Aufenthalt auf dem Luftweg in die Schweiz, wo sie am 24. Ok-

tober 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._______ ein Asylge-

such stellte. Dort fand am 13. Dezember 2012 auch die Befragung zur Per-

son statt. Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin am 5. Juni 2014 ver-

tieft zu den Gründen ihres Asylgesuchs angehört. 

Im Rahmen der Befragung zur Person brachte die Beschwerdeführerin vor, 

chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie zu sein. Sie habe im Dorf 

C._______ (Gemeinde D._______, Bezirk E._______, Präfektur 

F._______) in Tibet gelebt und sei seit 2009 verheiratet. Sie habe nie eine 

Schule besucht, stattdessen in der Landwirtschaft gearbeitet und Alkohol 

verkauft. Zu ihren Gesuchsgründen befragt, gab die Beschwerdeführerin 

an, dass ihr Leben in Gefahr gewesen sei. Ein Verwandter aus Indien hätte 

anlässlich seines Besuches im Jahr (…) eine DVD des Dalai Lamas mitge-

bracht, die sie angeschaut und den Nachbarn ausgeliehen habe. Die Chi-

nesen hätten das erfahren, die Beschwerdeführerin festgenommen und 

nach D._______ gebracht, ihre ID konfisziert und ihr schliesslich für den 

Wiederholungsfall mit Gefängnis gedroht. Im Jahr (…) habe sie im nahe-

gelegenen Ort G._______ Mönche kennengelernt, die nach Nepal hätten 

ausreisen wollen und sie nach dem Weg fragten. Sie habe diese Mönche 

ein Stück weit begleitet und anschliessend die Nacht in einem Ort namens 

H._______ verbracht. Zurück in ihrem Heimatdorf hätten die Behörden be-

reits gewusst, dass sie die Mönche begleitet hatte. Daraufhin organisierte 

ihre Mutter einen Schlepper, mit welchem die Beschwerdeführerin dann die 

Ausreise antrat. 

Anlässlich der Anhörung machte die Beschwerdeführerin wiederum die 

zwei Vorfälle aus dem Jahr (…) und (…) als Fluchtgründe geltend. Im Un-

terschied zur Befragung brachte sie zum Ersteren allerdings vor, sie habe 

im Restaurant eines Verwandten in G._______ geholfen Reiswein zu ver-

kaufen, als ein älterer Reisender in seinem Zimmer im Restaurant die CDs 

des Dalai Lamas verteilte. Zudem habe die Polizei sie angehalten, Infor-

mationen über solche Vorfälle in Zukunft weiterzugeben. Seither habe sie 

sich monatlich auf dem Polizeiposten melden müssen. Zum Vorfall von (…) 

(dem zweiten Vorfall) führte sie aus, die Mönche seien ebenfalls in das 

Restaurant des Verwandten in G._______ gekommen und hätten um Hilfe 

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zur Flucht gebeten. Sie habe die Mönche dann in der Nacht weitergeführt, 

und sei sehr spät nach Hause gekommen. Dort habe ihr die Mutter gesagt, 

es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei kommen und die Beschwer-

deführerin festnehmen würde. Daraufhin sei sie mit dem von der Mutter 

organisierten Schlepper ausgereist. 

Die Beschwerdeführerin reichte keine Reise- oder Identitätsdokumente zu 

den Akten. 

B.  

Am 11. Juni 2014 gab das SEM (damals Bundesamt für Migration BFM) 

bei der Lingua-Sektion eine Herkunftsabklärung in Auftrag, woraufhin am 

16. Dezember 2014 mit der Beschwerdeführerin ein Lingua-Interview (von 

60 Minuten Dauer) durchgeführt wurde. In seinem Bericht vom 22. Dezem-

ber 2014 (nachfolgend: „Lingua-Evaluation“) kam der Lingua-Experte unter 

dem Titel „Evaluation des Alltagswissens“ zum Schluss, die Wahrschein-

lichkeit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geographischen 

Raum – also Tibet – gelebt haben könnte, sei klein. 

C.  

Mit Schreiben vom 12. Januar 2015 wurde der Beschwerdeführerin das 

rechtliche Gehör zur Lingua-Evaluation gewährt, wobei ihr – unter Verweis 

auf öffentliche Geheimhaltungsinteressen und Art. 27 f. VwVG – lediglich 

der zusammengefasste Inhalt des Berichts zur Kenntnis gebracht wurde. 

D.  

In Ihrer Antwort vom 22. Januar 2015 nahm die Beschwerdeführerin zur 

Lingua-Evaluation Stellung, wobei sie an der geltend gemachten Herkunft 

aus Tibet festhielt. 

E.  

Mit Verfügung vom 8. April 2015 (eröffnet am 15. April 2015) lehnte das 

SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Weg-

weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, unter aus-

drücklichem Ausschluss des Wegweisungsvollzuges in die Volksrepublik 

China. 

F.  

Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mittels Eingaben 

vom 11. Mai 2015 (gerichtet ans SEM) und vom 13. Mai 2015 (gerichtet 

ans dafür zuständige Bundesverwaltungsgericht) Beschwerde. Unter an-

derem rügte die Beschwerdeführerin eine Gehörsverletzung, weil ihr der 

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wesentliche Inhalt der Lingua-Evaluation nur ungenügend zur Kenntnis ge-

bracht worden sei. 

G.  

Mit Urteil D-3084/2015 vom 17. Januar 2017 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht die Beschwerde gut, hob die angefochtene Verfügung vom  

8. April 2015 auf, und wies die Sache zur Neubeurteilung ans SEM zurück. 

Namentlich habe das SEM seine Verpflichtung zur Gewährung des rechtli-

chen Gehörs verletzt, indem es den wesentlichen Inhalt der Lingua-Evalu-

ation nur ungenügend offengelegt, mithin der Beschwerdeführerin eine 

diesbezügliche Auseinandersetzung verunmöglicht habe. 

H.  

Mit Schreiben vom 24. Februar 2017 gewährte das SEM der Beschwerde-

führerin erneut das rechtliche Gehör zur Lingua-Evaluation. Diesmal wurde 

ihr – wiederum unter Verweis auf öffentliche Geheimhaltungsinteressen 

und Art. 27 f. VwVG – der wesentliche Inhalt der Herkunftsabklärung de-

tailliert zur Kenntnis gebracht. 

I.  

Am 13. März 2017 nahm die Beschwerdeführerin ausführlich Stellung, wo-

bei sie auf die verschiedenen Elemente der Lingua-Evaluation einging.  

J.  

Mit Verfügung vom 14. Juli 2017 (eröffnet am 18. Juli 2017) wurde das 

Asylgesuch der Beschwerdeführerin erneut abgewiesen und die Wegwei-

sung sowie ihr Vollzug – unter ausdrücklichem Ausschluss des Vollzugs in 

die Volksrepublik China – angeordnet.  

K.  

Mit Eingabe vom 16. August 2017 (Datum Poststempel) focht die Be-

schwerdeführerin – handelnd durch ihre Rechtsvertretung – den vorin-

stanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte 

die Aufhebung der Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 

sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit respek-

tive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und der Be-

schwerdeführerin die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In formeller Hin-

sicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates, mithin um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

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VwVG, um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und um Ver-

beiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG [SR 142.31]).  

Mit der Eingabe legte die Beschwerdeführerin neun Beilagen zu den Akten, 

unter anderem die schwarz-weiss Kopie einer vom Dorfvorsteher ihres Hei-

matdorfes verfassten Herkunftsbestätigung. Das Nachreichen einer Über-

setzung des Schreibens wurde in Aussicht gestellt. 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2017 (eröffnet am 29. August 

2017) stellte die Instruktionsrichterin die aufschiebende Wirkung der Be-

schwerde fest, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und 

setzte dem Rechtsvertreter eine Frist zum Nachweis der Anforderungen für 

die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) 

sowie der Verbeiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) an. Weiterhin sei die 

von der Beschwerdeführerin zu den Akten gereichte Kopie der Herkunfts-

bestätigung im Original und mit Übersetzung nachzureichen. 

M.  

Am 26. September 2017 (Datum Poststempel) reichte die Beschwerdefüh-

rerin das Formular „Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege“ mit neun Bei-

lagen zu den Akten. Zusätzlich legte sie eine Farbkopie der Herkunftsbe-

stätigung – nicht aber das Original – und eine amtlich beglaubigte Überset-

zung, sowie ein Unterstützungsschreiben des ‚Tibet Bureau‘ in Genf vom 

25. November 2016 bei. 

N.  

Hiernach hiess das Bundesverwaltungsgericht am 17. Oktober 2017 das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 

VwVG) und um Gewährung der amtlichen Verbeiständung (Art. 110a Abs. 

1 AsylG) gut, wobei Frau MLaw Gnanagowry Somaskanthan als amtliche 

Rechtsbeiständin beigeordnet wurde. Gleichzeitig wurde das SEM einge-

laden, sich zur eingereichten Beschwerde vernehmen zu lassen. 

O.  

Mit Schreiben vom 20. Oktober 2017 reichte das SEM seine Vernehmlas-

sung zu den Akten und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

P.  

Nach gewährter Fristerstreckung replizierte die Beschwerdeführerin am 

7. November 2017 (Datum Poststempel), wobei sie vollumfänglich an den 

Vorbringen der Beschwerde vom 16. August 2017 festhielt. 

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Seite 6 

Q.  

Am 22. Januar 2018 bat die amtlich beigeordnete Rechtsvertretung –  Frau 

MLaw Gnanagowry Somaskanthan – das Bundesverwaltungsgericht sie 

von ihrem Mandat als amtliche Rechtsbeiständin zu entbinden. An ihrer 

statt wurde Frau lic. iur. Isabelle Müller als neue Mandatsträgerin ab dem 

1. Februar 2018 vorgeschlagen und es wurde eine entsprechende Substi-

tutionsvollmacht beigelegt. Sowohl Frau MLaw Gnanagowry Somas-

kanthan als auch Frau lic. iur Isabelle Müller waren respektive sind bei der-

selben Rechtsvertretungsorganisation – der Abteilung Anwaltschaft der 

Caritas Schweiz – tätig. 

R.  

Mit Schreiben vom 31. Januar 2018 reichte die Beschwerdeführerin – im-

mer noch handelnd durch ihre bisherige Rechtsvertreterin – drei weitere 

Beweismittel in der Form eines eingeschriebenen Briefes aus Tibet (von 

der Mutter der Beschwerdeführerin verfasst), des entsprechenden Origi-

nalumschlags der chinesischen Post, sowie eines Auszugs der Sendungs-

verfolgung des Schreibens zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht 

zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-

chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

1.4 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und ihre 

Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 

Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 

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Seite 7 

2.  

2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.  

Im Folgenden ist zunächst zu prüfen ob sich das Bundesverwaltungsge-

richt den vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit der 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Herkunft aus und 

Hauptsozialisation in Tibet sowie der angeführten Asylvorbringen an-

schliessen kann. 

3.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM im Wesentlichen aus, 

es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen eine Verfolgung im Sinne 

von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die 

Beschwerdeführerin sei zwar unbestrittenermassen tibetischer Ethnie, je-

doch legten ihre mangelhaften Länder- bzw. Regionalkenntnisse, ihre feh-

lenden Kenntnisse der chinesischen Sprache, die fehlenden Identitätspa-

piere sowie die unglaubhaft vorgetragenen Asylgründe nahe, dass sie nicht 

in der von ihr angegebenen Region – der Autonomen Region Tibet in der 

Volksrepublik China – sozialisiert worden sei. Vielmehr sei mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 

vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern 

in der chinesischen Diaspora gelebt habe. 

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Zur Begründung stützte sich das Staatssekretariat auf die Lingua-Evalua-

tion, in welcher die sachverständige Person das Alltagswissen der Be-

schwerdeführerin in Bezug auf den von ihr geltend gemachten Heimatort 

in Tibet auswertete. Das SEM führte in seiner Verfügung nochmals spezi-

fisch die von der sachverständigen Person festgestellten Widersprüche 

und Fehlangaben auf, sowie die entsprechenden Stellungnahmen der Be-

schwerdeführerin im Rahmen der Gehörsgewährung. Insbesondere wur-

den dabei die Kenntnisse der Beschwerdeführerin hinsichtlich Geografie, 

Topografie und natürliche Umgebung des Dorfes, nahegelegene Ortschaf-

ten und Klöster, Landwirtschaft und Herstellung des traditionellen Getränks 

Chang, Tätigkeit der Beschwerdeführerin im Restaurant, Preise und Ein-

kaufsgewohnheiten, Schulsystem, Ausstellung von Personalausweisen, 

sowie chinesische Sprache thematisiert. Das SEM stellte fest, dass der Ex-

perte zusammenfassend zum Schluss gekommen sei, die Wahrscheinlich-

keit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geografischen Raum 

gelebt habe, sei klein. Das Staatssekretariat selber beurteilte insbesondere 

die Erklärungen der Beschwerdeführerin zu ihren fehlerhaften Angaben in 

Bezug auf die nahegelegenen Ortschaften und Klöster als nicht überzeu-

gend. Auch seien die falschen Angaben der Beschwerdeführerin zur Her-

stellung von Chang unerklärlich. Dies insbesondere wegen der Aussage 

der Beschwerdeführerin, im Rahmen ihrer Tätigkeit im Restaurant Chang 

verkauft zu haben. Ferner stellte das SEM fest, dass – obwohl Essensan-

gebote und Preise in Restaurants variieren könnten,  die Beschwerdefüh-

rerin nicht den Anschein mache, mit den spezifisch in der Region üblichen 

Essgewohnheiten vertraut zu sein. Zu den chinesischen Sprachkenntnis-

sen der Beschwerdeführerin bemerkte das Staatssekretariat, es sei sehr 

ungewöhnlich für eine Einheimische (von) I._______ (Region Tibets) im Al-

ter der Beschwerdeführerin, derart wenig zu verstehen und sogar Grund-

begriffe wie Reis und Nudeln nicht übersetzen zu können. Zuletzt wider-

spreche die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme diversen Feststel-

lungen der sachverständigen Person ohne dies weiter zu begründen oder 

zu belegen. Mithin vermöge sie der Analyse des Experten nichts entgegen-

zusetzen, was dessen Einschätzung in Frage stellen könnte. Aufgrund der 

Herkunftsanalyse des Experten sowie mangels Aussagen seitens der Be-

schwerdeführerin, welche deren offensichtliche Unkenntnis der dortigen 

Gegebenheiten plausibel erklären könnten, sei davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin nicht – wie geltend gemacht – in Tibet gelebt habe.  

Zudem seien die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin widersprüchlich, 

unsubstantiiert und nicht nachvollziehbar. So habe die Beschwerdeführerin 

im Rahmen der Erstbefragung und der Bundesanhörung widersprüchliche 

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Aussagen gemacht. Namentlich habe sie in der Erstbefragung angegeben, 

die CD des Dalai Lama zu Hause von einem Verwandten erhalten zu ha-

ben, in der Bundesanhörung jedoch erzählt, ein älterer ihr unbekannter 

Mann habe ihr die CD im Restaurant ihres Verwandten gegeben. Sie habe 

diese widersprüchlichen Angaben nicht plausibel erklären können. Zudem 

habe sie weder über den vorgenannten Mann, noch über die Mönche, die 

sie später begleitet haben sollen, genauere Angaben machen können. Fer-

ner seien ihre Aussagen zur illegalen Ausreise vage und stereotyp geblie-

ben. Es sei zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin zu dieser 

Reise – die ein prägendes Ereignis in ihrem Leben darstellen müsste – 

individuelle Ereignisse und Eindrücke schildern könne.  Dennoch seien die 

Erzählungen hierzu eindimensional geblieben. Die Beschwerdeführerin 

könne nicht glaubhaft darlegen, illegal aus Tibet ausgereist zu sein. Folg-

lich hielten die Schilderungen der Beschwerdeführerin den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Entsprechend 

könne – unter ausdrücklichem Vorbehalt späterer Geltendmachung – da-

rauf verzichtet werden, auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente in den Vor-

bringen einzugehen. 

Mithin sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volks-

republik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie 

aber keine konkreten und glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufent-

halt in einem Drittstaat geliefert habe, sei im Sinne der Praxis davon aus-

zugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe 

gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden.  

3.2 In ihrer Beschwerde erörterte die Beschwerdeführerin zunächst noch 

einmal die Prozessgeschichte und den – aus ihrer Sicht – rechtserhebli-

chen Sachverhalt, wobei sie im Wesentlichen ihre Angaben aus der vertief-

ten Anhörung wiederholte und punktuell etwas detaillierter ausführte. 

In rechtlicher Hinsicht machte die Beschwerdeführerin geltend, ihre Vor-

bringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 

7 AsylG in einer Gesamtwürdigung durchaus stand. Zur Frage der Glaub-

haftmachung ihrer tibetischen Herkunft ging sie – wie schon die Vorinstanz 

in ihrer Verfügung – detailliert auf die verschiedenen Elemente der Lingua-

Evaluation und ihre diesbezügliche Stellungnahme ein. Insbesondere kriti-

sierte sie sinngemäss und unter Berufung auf das Protokoll der Anhörung, 

dass verschiedentlich korrekte Aussagen oder Detailwissen der Beschwer-

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Seite 10 

deführerin vom SEM nicht gewürdigt worden seien. Zudem bestritt sie, ge-

wisse Aussagen im Rahmen des Lingua-Interviews überhaupt oder zumin-

dest in der von der sachverständigen Person wiedergegebenen Form ge-

macht zu haben. Insgesamt würden die Aussagen der Beschwerdeführerin 

zeigen, dass sie sich in der Umgebung ihres Dorfes sehr gut auskenne, 

mithin über umfassendes Wissen über ihre Herkunftsregion verfüge. Wei-

terhin seien Unterschiede in Bezug auf gewisse Aspekte des Alltagswis-

sens zwischen dem Experten und der Beschwerdeführerin durchaus er-

klärbar, könne sich doch der Alltag der tibetischen Bevölkerung in unter-

schiedlichen Teilen Tibets – manchmal gar von Dorf zu Dorf – unterschei-

den. Entsprechend seien allgemein gültige Aussagen nicht immer möglich. 

Auch werfe der Entscheid der Vorinstanz ihr nicht vor, einen exiltibetischen 

Dialekt zu sprechen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass ein exil-

tibetischer Dialekt vom Experten auf Anhieb bemerkt und zum Nachteil der 

Beschwerdeführerin in der Analyse aufgeführt worden wäre. Dies sei als 

Indiz dafür zu werten, dass sie keinen exiltibetischen Dialekt spreche, mit-

hin in der Region C._______ sozialisiert worden sei. Zusammenfassend 

sei in Anbetracht einer Gesamtwürdigung aller Tatsachen die Wahrschein-

lichkeit, dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise im Autonomen 

Gebiet Tibet sozialisiert worden sei, enorm hoch. 

Die Beschwerdeführerin zitierte zudem verschiedentlich Dokumente und 

Berichte von Drittorganisationen – so zum Beispiel das Themenpapier der 

SFH-Länderanalyse China/Tibet – zur Stützung ihrer Vorbringen bezüglich 

Lingua-Evaluation und Stellungnahme. 

Zur Glaubhaftmachung der Asylgründe verwies die Beschwerdeführerin 

zunächst auf die Praxis der vormaligen Asylrekurskommission, wonach 

den Aussagen im Rahmen der Befragung zur Person aufgrund deren sum-

marischen Charakters lediglich beschränkter Beweiswert zugesprochen 

werde. Widersprüche zwischen Befragung und Anhörung dürften nur dann 

zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit herangezogen werden, wenn sie in 

wesentlichen Punkten diametral voneinander abwichen, oder wenn Ereig-

nisse und Befürchtungen, die als zentrale Asylgründe zu werten seien, 

nicht zumindest im Ansatz während der Befragung erwähnt wurden. Lü-

ckenhafte Aussagen anlässlich der Befragung oder Widersprüche in se-

kundären Punkten sollten grundsätzlich keinen Einfluss auf die Beurteilung 

der Glaubwürdigkeit haben. Im vorliegenden Fall habe die Befragung le-

diglich 60 Minuten gedauert und es sei – gemäss Aussagen der Beschwer-

deführerin in der Anhörung – zu Unstimmigkeiten mit der Dolmetscherin 

gekommen. Insbesondere sei dadurch erklärbar, weshalb die Angaben zu 

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Person und Ort der CD-Übergabe voneinander abwichen. Im Übrigen 

könne diese Abweichung auch keineswegs als diametral bewertet werden. 

In Bezug auf die vom SEM monierten vagen und stereotypen Aussagen 

zur illegalen Ausreise könne der Vorinstanz weiter nicht gefolgt werden. 

Vielmehr habe die Beschwerdeführerin beteiligte Personen, durchreiste 

Ortschaften und erlebte Fluchtumstände schildern können, wobei ihre Aus-

sagen den Eindruck des Selbsterlebten erweckten. Insgesamt habe die 

Beschwerdeführerin sowohl Herkunft als auch Asylgründe glaubhaft darle-

gen können. 

Zur Flüchtlingseigenschaft brachte die Beschwerdeführerin vor, dass ihr 

bereits bei der Verhaftung im Jahr (…) ein politisches Motiv unterstellt wor-

den sei. Durch die Unterstützung der Mönche im Jahr (…) (zweiter Vorfall) 

und die anschliessende Flucht habe sie die ihr von der chinesischen Polizei 

auferlegten Pflichten nicht befolgt, weshalb die chinesischen Behörden 

wohl auch ihre Flucht als politisch motiviert beurteilen würden. Sie habe 

deshalb begründete Furcht bei einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen im 

Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Sie erfülle somit die Flücht-

lingseigenschaft. Auf jeden Fall seien aufgrund ihrer illegalen Ausreise und 

ihres langen Aufenthalts in der Schweiz subjektive Nachfluchtgründe zu 

bejahen. 

Bezüglich einer Drittstaatenwegweisung seien sehr hohe Anforderungen 

zu stellen. Nach einer ausführlichen Darlegung der Möglichkeiten für Tibe-

ter, in Indien oder Nepal die Staatsangehörigkeit oder ein legales Aufent-

haltsrecht zu erhalten, kam die Rechtsvertreterin zum Schluss, dass im 

vorliegenden Fall davon ausgegangen werden müsse, dass die Beschwer-

deführerin weder über die nepalesische noch über die indische Staatsan-

gehörigkeit noch über einen legalen Aufenthaltstitel in einem dieser Länder 

verfüge.  

3.3 In seiner Vernehmlassung stellte das SEM zunächst fest, die Be-

schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-

mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen würden. 

Trotzdem bemerkte das Staatssekretariat in Bezug auf die von der Be-

schwerdeführerin auf Beschwerdeebene in Kopie zu den Akten gereichte 

Herkunftsbestätigung, dass diese – trotz entsprechender Aufforderung des 

Bundesverwaltungsgerichts – von der Beschwerdeführerin nicht im Origi-

nal eingereicht wurde. Ohnehin komme diesem Dokument auch im Original 

aufgrund von Fälschungsanfälligkeit lediglich ein geringer Beweiswert zu, 

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und sowohl Stempel als auch Unterschrift auf dem Dokument seien unle-

serlich. Zudem entfalte es lediglich beschränkte inhaltliche Aussagekraft, 

da daraus gemäss Übersetzung lediglich hervorgehe, dass die Beschwer-

deführerin seit einigen Jahren im Ausland lebe und aus C._______ 

stamme. Weiterhin lägen keine Informationen zur Beschaffung des einge-

reichten Beweismittels vor, und insbesondere fehlten Angaben, von wem 

das eingescannte Dokument geschickt wurde, und wo es sich zurzeit be-

finde. Gleiches gelte für das von der Beschwerdeführerin – ebenfalls auf 

Beschwerdeebene – zu den Akten gelegte Schreiben des ‚Tibet Bureau‘, 

welches als Gefälligkeitsschreiben keinen Beweiswert aufweise. Insge-

samt seien deshalb die auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente 

ungeeignet, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Be-

schwerdeführerin zu beseitigen. 

3.4 In der Replik nahm die Beschwerdeführerin Stellung zu den vom SEM 

vorgebrachten Bedenken hinsichtlich der auf Beschwerdeebene einge-

reichten Beweismittel. Zur Herkunftsbestätigung aus C._______ erläuterte 

die Beschwerdeführerin, sie habe im Asylverfahren keine Identitätspapiere 

beibringen können, weil letztere von der Polizei beschlagnahmt worden 

seien. Zudem habe sie sich nicht mit ihrer Familie in Verbindung setzen 

können, ohne diese zu gefährden. Deshalb habe sie versucht, ein Schrei-

ben von der Gemeinde zu erhalten. Dafür sei es ihr gelungen, über 

‚WeChat‘ den Kontakt zu einem ihr bekannten Mönch – J._______ – wie-

derherzustellen. Dieser sei im Restaurant, wo die Beschwerdeführerin 

Chang verkaufte, ein- und ausgegangen. Diesem Mönch habe sie mitge-

teilt, dass sie dringend ein Beweismittel benötige, ein Dokument der Ver-

waltung, welches ihre Herkunft bestätige. Daraufhin habe der Mönch mit 

einer ihm bekannten Nonne Kontakt aufgenommen, da er wusste, dass 

diese sich bald nach C._______ begeben würde. Die Nonne hätte darauf-

hin das Nachweisschreiben bei der Mutter der Beschwerdeführerin abge-

holt und J._______ überbracht. Der Beschwerdeführerin sei aber nicht be-

kannt, wie die Mutter zu diesem Schreiben gelangte. Die Beschwerdefüh-

rerin habe J._______ gleich um Postsendung des Originalschreibens ge-

beten. Dieser habe aber entgegnet, dass sie sich gedulden solle, und dass 

er ihr das Original zukommen lassen werde, der Postversand zurzeit aber 

für ihn als Mönch zu gefährlich sei. Aufgrund der Dringlichkeit habe sie aber 

sein Angebot, ihr eine Kopie per E-Mail zuzusenden, angenommen. Diese 

Kopie habe sie nun dem Gericht eingereicht. Daraufhin habe J._______ ihr 

verboten, ihn weiter per WeChat auf das Schreiben anzusprechen, da es 

sich um ein chinesisches Unternehmen handle, und es entsprechend ge-

D-4563/2017 

Seite 13 

fährlich für ihn sei, immer wieder auf das Schreiben angesprochen zu wer-

den. Die Beschwerdeführerin habe angenommen, die Kopie des Schrei-

bens genüge. Erst von der Rechtsvertreterin darauf angesprochen, habe 

sie J._______ wieder anzusprechen begonnen. Sie frage ihn nun täglich 

nach dem Dokument. Er antworte allerdings immer wieder, sie müsse sich 

gedulden, da es für ihn zu gefährlich sei. Das Original befinde sich gegen-

wärtig bei J._______ – der über keinen festen Wohnsitz verfüge und wie 

ein Nomade lebe – an dessen derzeitigem Aufenthaltsort in K._______. 

Bezüglich des Schreibens des ‚Tibet Bureau‘ sei anzumerken, dass es der 

Beschwerdeführerin nicht zugemutet werden könne, mit den chinesischen 

Behörden zwecks Erhalt rechtsgenüglicher Ausweisschriften in Kontakt zu 

treten. Im Übrigen sei den Akten zu entnehmen, dass ihre Identitätskarte 

von der Polizei eingezogen wurde. Entsprechend habe die Beschwerde-

führerin ihr Möglichstes versucht, ihrer Mitwirkungspflicht nachzukommen 

und Dokumente zu beschaffen. In Bezug auf die Glaubhaftmachung ihrer 

Herkunft aus und Sozialisierung in C._______ verweise sie auf die Ausfüh-

rungen der Beschwerdeschrift, an welchen sie vollumfänglich festhalte. Im 

Übrigen habe die Beschwerdeführerin angegeben, nach ihrer illegalen 

Ausreise aus China noch (…) Monate in Nepal gelebt zu haben, mithin 

könne ihr keine Verschleierung der Herkunft oder Geheimhaltung des Auf-

enthalts in einem Drittstaat vorgeworfen werden. Ferner halte sich die Be-

schwerdeführerin bereits seit (…) Jahren in der Schweiz auf; entsprechend 

sei sie – gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts – gefährdet, bei 

einer allfälligen Rückkehr in ihren Heimatstaat China aufgrund einer oppo-

sitionellen Haltung flüchtlingsrelevante Verfolgung zu erleiden. Im Übrigen 

halte sie an den Vorbringen der Beschwerde vollumfänglich fest. 

3.5 Nach einlässlicher Analyse der damaligen Quellenlage gelangte die 

vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) in ihrer publizier-

ten Praxis zum Schluss, dass im Falle einer Person, bei welcher die tibeti-

sche Ethnie erstellt ist, vorab auf eine chinesische Staatsangehörigkeit zu 

schliessen sei, und zwar auch dann, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, 

die betreffende Person habe vor ihrer Einreise in die Schweiz in der exilti-

betischen Gemeinde in Nepal oder Indien gelebt (vgl. Entscheidungen und 

Mitteilungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 1 E. 4.3.). Im Länderurteil BVGE 

2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht diese Praxis einer eingehen-

den Prüfung unterzogen, wobei das Gericht zum folgendem Schluss ge-

langt ist: Für Angehörige der tibetischen Ethnie besteht sowohl in Nepal als 

auch in Indien die Möglichkeit, unter gewissen Bedingungen eine Aufent-

D-4563/2017 

Seite 14 

haltsbewilligung zu erhalten, beziehungsweise unter engen Voraussetzun-

gen ist es auch möglich, die entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwer-

ben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit – durch den Erwerb einer 

neuen Staatsangehörigkeit – wegfällt. Daneben muss aber (weiterhin) da-

von ausgegangen werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien 

lebenden Exil-Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit 

erworben haben und nach wie vor die chinesische Staatsangehörigkeit be-

sitzen (vgl. E. 5.8 [erster Absatz; Zwischenergebnis nach E. 5.4 - 5.7]).  

3.6 In BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht zum einen die 

bisherige Praxis auf ihre Aktualität hin überprüft, zum andern hat das Ge-

richt – im Sinne einer Präzisierung – namentlich festgehalten, dass bei Per-

sonen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder ver-

heimlichen würden, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine 

flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr 

an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden, zumal die Abklärungspflicht 

der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden 

Person finde. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Ver-

letzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status 

er in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Dritt-

staatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. 

Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren 

Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Per-

son in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. a.a.O., 

E. 5.8 - 5.10).  

Im Lichte dieser Präzisierung kommt der Frage nach der Verlässlichkeit der 

Herkunftsangaben der Beschwerdeführerin zentrale Bedeutung zu. 

3.7 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

D-4563/2017 

Seite 15 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-

richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für 

wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; 2010/57 

E. 2.3 S. 826 f.). 

3.8 Das SEM hat seine Erkenntnis der Unglaubhaftigkeit der Herkunftsan-

gaben und mithin der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin sowohl auf 

deren Aussagen, als auch auf das Ergebnis der Lingua-Evaluation vom 

16. Dezember 2014 abgestützt (vgl. Verfügung sowie A15). Deren Verwert-

barkeit und Bedeutung ist vorab von Amtes wegen zu prüfen. 

3.8.1 Bei entscheidwesentlichen Zweifeln an der vorgetragenen Herkunft 

von Asylsuchenden hat das SEM in der Vergangenheit in der Regel eine 

von den Befragungen zur Person und zu den Asylgründen unabhängige 

Herkunftsanalyse (sog. Lingua-Analyse) durch einen amtsexternen, von 

der Fachstelle Lingua des SEM beauftragten und mit den entsprechenden 

Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten Sachverständigen durch-

führen lassen, bei der neben den landeskundlich-kulturellen Kenntnissen 

üblicherweise auch die sprachlichen Fähigkeiten der asylsuchenden Per-

son geprüft wurden. In jüngerer Zeit hat die Fachstelle Lingua unter dem 

Titel "Evaluation des Alltagswissens" vergleichbare Analysen ebenfalls 

durch amtsexterne Sachverständige aber beschränkt auf landeskundlich-

kulturelle Elemente (ohne linguistische Komponente) erstellen lassen. So-

wohl die Lingua-Analyse als auch die Evaluation des Alltagswissens haben 

zwar nicht den Stellenwert eines Sachverständigengutachtens; es kommt 

ihnen jedoch erhöhter Beweiswert zu, wenn die gebotenen Anforderungen 

an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten so-

wie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind (vgl. 

dazu BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.; Urteil des BVGer E-6850/2013 vom 

13. Ja-nuar 2015 E. 6.1). 

D-4563/2017 

Seite 16 

3.8.2 Vorliegend stützt sich das SEM auf eine auf landeskundlich-kulturelle 

Elemente beschränkte Lingua-Evaluation. Die Qualifikation von (…) – der 

mit der Evaluation betrauten Person – erscheint vorliegend nicht fraglich, 

zumal sie aus Ü-Tsang – Zentraltibet – stammt und bis im Jahr 2009 dort 

gelebt hat. Weiterhin bestehende Kontakte zur dortigen Familie ermögli-

chen zudem aktualisierte Informationen (vgl. A 16). Auch die Objektivität 

und Neutralität sind grundsätzlich nicht zu bezweifeln. So werden im Be-

richt wiederholt zutreffende Aussagen der Beschwerdeführerin zitiert.  

Gerade aber die Tatsache, dass die Beschwerdefühererin in der Lage war, 

gewisse Belange vor Ort richtig zu skizzieren, wirft Fragen zur inhaltlichen 

Schlüssigkeit des Berichts auf. Dies insbesondere, zumal nicht alle der Be-

schwerdeführerin von der sachverständigen Person vorgehaltenen Un-

stimmigkeiten vollends schlüssig und nachvollziehbar scheinen. Zunächst 

sind die Ausführungen der sachverständigen Person, die Beschreibungen 

der Umgebung des Heimatorts durch die Beschwerdeführerin entsprächen 

nicht denjenigen eines dort lebenden Tibeters, als eher spekulativ zu wer-

ten. Dies, zumal die sachverständige Person selber anscheinend nicht aus 

genau derselben Gegend stammt (so ergibt sich aus den Akten, dass sie 

selber Kartenmaterial zur Verifizierung der geographischen Angaben der 

Beschwerdeführerin konsultierte). Auch, dass sie ein von der Beschwerde-

führerin genanntes Nachbardorf nicht auf den konsultierten Karten finden 

konnte spricht – angesichts der variierenden Nomenklatur tibetischer Ort-

schaften (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), China/Tibet: Unter-

schiedliche Namen geographischer Orte und Kenntnisse der administrati-

ven Einheiten, 02.12.2015, S. 4 f.) – noch nicht gegen die Richtigkeit der 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Herkunft. Ferner können 

noch einige weitere der in der Lingua-Evaluation vorgenommene Bewer-

tungen der sachverständigen Person nicht zu Ungunsten der Beschwerde-

führerin gewürdigt werden, weil es sich um wenig schlüssige und – soweit 

durch öffentliche Informationen überprüfbar – teilweise unzutreffende Ver-

allgemeinerungen handelt (so zum Beispiel die Aussagen zum Verkauf von 

Trockennudeln, Brötchen und Momos in lokalen Restaurants und die Aus-

sagen zu den lokalen Preisen).  

Nichtsdestotrotz offenbart das Gutachten – wie vom BFM zu Recht erwo-

gen – durchaus auch schlüssig einige gravierende Wissenslücken der Be-

schwerdeführerin in Bezug auf den von ihr geltend gemachten Heimatort. 

So erstaunt, dass sie lediglich zwei (respektive drei) Nachbardörfer hat be-

zeichnen können. Auch kannte die Beschwerdeführerin ein nur wenige Ki-

D-4563/2017 

Seite 17 

lometer entfernt gelegenes Kloster nicht. Die sachverständige Person mo-

niert ferner zu Recht, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihren 

Besorgungen des täglichen Bedarfs im Dorfladen tatsächlich wenig stim-

mig sind. Ferner scheint es realitätsfern, dass die Beschwerdeführerin zu-

nächst angibt, dass von 25 Familien im Dorf die meisten Händler seien 

(lediglich sechs bis sieben würden Landwirtschaft betreiben), sie aber in 

der Folge nicht angeben kann, mit welchen Waren diese Familien handeln. 

Auch die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den Schuluniformen und 

den Kosten des Schulbesuchs sind nicht nachvollziehbar, ebenso wie die 

falschen Aussagen der Beschwerdeführerin zum Antrag und Erhalt von 

Ausweispapieren. Zuletzt beanstandet die sachverständige Person schlüs-

sigerweise, dass die Beschwerdeführerin – bis auf ein paar wenige Worte 

– überhaupt kein Chinesisch spricht, was wiederum gegen eine Hauptso-

zialisierung in der geltend gemachten Region spricht. Insgesamt überwie-

gen im vorliegenden Fall die – im Ergebnis – für die Schlüssigkeit des Ex-

pertenberichts und seiner Schlussfolgerung sprechenden Elemente und 

erscheint der Bericht vom 25. September 2014 als grundsätzlich verwert-

bar. Dies insbesondere, zumal es der Beschwerdeführerin weder im Rah-

men des bei der Anhörung gewährten rechtlichen Gehörs noch in der Be-

schwerdeschrift gelang, die oben erwähnten einzelnen Wissenslücken und 

die zusammenfassende Einschätzung des Experten argumentativ zu ent-

kräften.  

Ferner ist anzumerken, dass das BFM den Alltagswissenstest zwar als 

wichtige Stütze für die Entscheidfindung herangezogen und ihn auch als 

Hauptargument in der Begründung seiner Herkunftszweifel verwendet hat. 

Insgesamt ist die Auswertung des Alltagswissenstests zwar ein bedeuten-

des Element, keineswegs aber der einzige Dreh- und Angelpunkt der Ent-

scheidfindung, mit dem die flüchtlings- und wegweisungsrechtliche Beur-

teilung steht oder fällt. Vielmehr handelt es sich um einen Argumentations-

strang unter mehreren gleichwertigen. 

3.9 In diesem Sinne kommt auch den weiteren Unglaubhaftigkeitsaspekten 

betreffend Herkunft, Reiseumstände und Verfolgungsvorbringen hohes 

Gewicht zu. Insbesondere die widersprüchlichen Aussagen zu den Verfol-

gungsvorbringen (A4 F7.01; A12 F64 – F67) und die doch eher stereotypen 

Aussagen zur Ausreise (A12 F126 – F132) wecken weitere Zweifel an der 

Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Herkunft und auch an der persönli-

chen Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin. Zudem hat sie, wie von der 

Vorinstanz richtig vermerkt, keinerlei Reise- oder Identitätspapiere zu den 

Akten gelegt, welche die von ihr geltend gemachte Herkunft aus Tibet zu 

D-4563/2017 

Seite 18 

belegen vermöchten. Das auf Beschwerdeebene eingereichte Bestäti-

gungsschreiben des Dorfvorstehers liegt lediglich in Kopie vor, wobei auch 

die diesbezüglichen Erklärungen im Rahmen der Replik am geringen Be-

weiswert nichts zu ändern vermögen (vgl. Replik; namentlich sei der Ver-

sand zu gefährlich). Insbesondere erwachsen auch erhebliche Zweifel an 

diesen Erklärungsversuchen, als es – trotz der in der Replik als Grund für 

das nicht nachgereichte Original geltend gemachten Gefährdungslage – 

scheinbar trotzdem möglich war, am (…) in Lhasa einen eingeschriebenen 

Brief aufzugeben, der die Beschwerdeführerin am (…) in der Schweiz er-

reichte (vgl. Beweismitteleingabe vom 31. Januar 2018). Bei letzterem han-

delt es sich um ein handschriftliches Schreiben ohne jegliche Sicherheits-

merkmale, weshalb es kaum Beweiskraft zu entfalten vermag.  In Bezug 

auf das ebenfalls auf Beschwerdeebene zu den Akten gereichte Schreiben 

des ‚Tibet Bureaus‘ in Genf ist im Sinne der vorinstanzlichen Argumentation 

im Rahmen der Vernehmlassung von einem Gefälligkeitsschreiben auszu-

gehen, welches die Herkunft der Beschwerdeführerin nicht zu beweisen 

vermag. 

3.10 Gesamthaft muss damit auf Unglaubhaftigkeit der Herkunftsangaben 

der Beschwerdeführerin geschlossen werden, und ist von einer Verschlei-

erung der tatsächlichen Herkunft ihrerseits auszugehen.  

Bei dieser Sachlage ist zum einen den Asylvorbringen der Beschwerdefüh-

rerin die Grundlage entzogen, weshalb sich auch eine genauere Prüfung 

derselben erübrigt. Zum andern hat die Beschwerdeführerin – wie vom 

SEM im Ergebnis zu Recht erkannt und wie nachfolgend aufgezeigt – als 

unbekannter Herkunft zu gelten. Es muss davon ausgegangen werden, 

dass die Beschwerdeführerin in der exiltibetischen Diaspora hauptsoziali-

siert worden ist, und damit entweder nie am angeblichen Herkunftsort in 

Tibet gelebt, oder aber diesen deutlich früher als geltend gemacht verlas-

sen hat. 

4.  

4.1 Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte 

Angaben über ihre Herkunft machen, respektive unglaubhafte Angaben zu 

ihrem Aufenthalt während der letzten Jahre vor der Gesucheinreichung in 

der Schweiz, sind gemäss Länderurteil BVGE 2014/12 grundsätzlich ver-

schiedene Konstellationen bezüglich ihrer mutmasslichen tatsächlichen 

Herkunft (vorab aus Indien oder Nepal) wie auch ihrer Staatsangehörigkeit 

(tatsächlich weiterhin vorab China, aber auch Indien oder Nepal) möglich, 

D-4563/2017 

Seite 19 

wobei diese Konstellationen nach jeweils unterschiedlichen Prüfungsras-

tern zu beurteilen wären, so gerade auch im Lichte der Drittstaatenrege-

lung gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG (vgl. BVGE 2014/12, E. 5.8 [zwei-

ter Teil]). Vorliegend lässt sich aufgrund der Akten mit Bestimmtheit einzig 

sagen, dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie ist. Aufgrund ihrer 

unglaubhaften Angaben zu ihrer Sozialisierung und – daraus folgend – ih-

rem Aufenthaltsort vor ihrer Einreise in die Schweiz kann jedoch vonseiten 

der Asylbehörden nicht eruiert werden, nach welcher Fallkonstellation sie 

zu beurteilen wäre.  

4.2 In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass die Abklärungs-

pflicht der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsu-

chenden Person findet. Vorliegend verunmöglicht die Beschwerdeführerin 

durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht Abklärungen betreffend die 

Frage, welchen effektiven Status sie an ihrem bisherigen Aufenthaltsort 

mutmasslich in Nepal oder in Indien innehat, wie auch die Prüfung, welche 

Staatsangehörigkeit sie tatsächlich besitzt. Durch dieses Verhalten verun-

möglicht sie namentlich eine Prüfung der Drittstaatenregelung gemäss 

Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG, aber auch eine Prüfung ihrer allfälligen Flücht-

lingseigenschaft in Bezug auf Nepal oder Indien (BVGE 2014/12 E. 5.9).  

4.3 Vor diesem Hintergrund geht das Bundesverwaltungsgericht bei einer 

Konstellation wie vorliegend – wenn also eine Personen tibetischer Ethnie 

wie die Beschwerdeführerin ihre wahre Herkunft verschleiert oder verheim-

licht – vermutungsweise davon aus, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf-

enthaltsort bestehen (BVGE 2014/12 E. 5.10). 

5.  

Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Be-

schwerdeführerin weder die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Aus-

reise noch subjektive Nachfluchtgründe nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen vermag. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

D-4563/2017 

Seite 20 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

7.2 Die Frage nach der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs ist zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersu-

chungspflicht findet jedoch wie erwähnt ihre Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei feh-

lenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hy-

pothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat 

daher die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als vonsei-

ten der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche 

nichts gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort, zumal sie 

keine konkreten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine ent-

sprechende Rückkehr sprechen würden. 

7.3 Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist 

und von daher die Möglichkeit besteht, dass sie die chinesische Staatsan-

gehörigkeit besitzt, hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug nach 

China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen (vgl. dazu 

BVGE 2014/12 E. 6). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch am 17. Ok-

tober 2017 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG 

gewährt wurde, hat sie vorliegend keine Verfahrenskosten zu tragen. 

D-4563/2017 

Seite 21 

9.2 Der amtlichen Rechtsbeiständin ist ein Honorar auszurichten (vgl. für 

die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit der Zwischen-

verfügung vom 17. Oktober 2017 ordnete das Gericht der Beschwerdefüh-

rerin Frau MLaw Gnanagowry Somaskanthan als amtliche Rechtsbeistän-

din bei (vgl. Art. 110a Abs. 1 i.V.m. Art. 110a Abs. 3 AsylG). Mit Schreiben 

vom 19. Januar 2018 bat die beigeordnete Rechtsvertretern – aufgrund 

Niederlegung ihrer Tätigkeit bei Caritas Schweiz und als Juristin im Asyl-

wesen – um Entbindung vom amtlichen Mandat, wobei sie gleichzeitig be-

antragte, die ebenfalls bei der Rechtsberatungsstelle in Asylfragen der 

Caritas Schweiz tätige Frau lic. iur. Isabelle Müller an ihrer statt als neue 

amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. 

Bei dieser Konstellation ist die bisherige amtliche Rechtsbeiständin an-

tragsgemäss von ihrem Mandat zu entbinden, zumal sie ihr Gesuch ange-

messen begründet und eine Substitutionsvollmacht zu den Akten gereicht 

hat. Eine formelle Mandatierung einer neuen Rechtsvertretung erübrigt 

sich mit dem vorliegenden Endentscheid, zumal die Eröffnung des Urteils 

angesichts der Substitutionsvollmacht durch Frau lic. iur. Isabelle Müller 

erfolgen kann. Aufgrund der Aktenlage und mangels anderweitiger Indizien 

ist sodann davon auszugehen, dass MLaw Gnanagowry Somaskanthan 

ihren Honoraranspruch an die Rechtsvertretungsorganisation – die 

Rechtsberatungsstelle in Asylfragen der Caritas Schweiz – abgetreten hat. 

9.3 Die vormalige Rechtsvertretung hat mit Replik vom 7. November 2017 

eine erweiterte Kostennote vorgelegt, in welcher ein Aufwand von insge-

samt 8.5 Stunden geltend gemacht wird. Gleichzeitig wies die Rechtsver-

tretung in der Beschwerde einen vereinbarten Stundenansatz von 

Fr. 194.– aus, und machte zudem eine einmalige Pauschale von Fr. 54.– 

für Auslagenersatz geltend. Der damit geltend gemachte Aufwand ist in 

zeitlicher Hinsicht als angemessen zu erkennen. Der in der Beschwerde 

zur Anwendung gebrachte Stundenansatz ist hingegen im Rahmen des 

amtlichen Honorars zu kürzen, nachdem die Rechtsvertretung mit Zwi-

schenverfügung vom 17. Oktober 2017 darauf hingewiesen worden ist, 

dass bei amtlicher Rechtsvertretung nach Art. 110a AsylG praxisgemäss 

von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche 

Vertreterinnen und Vertreter ausgegangen wird. Auch werden – nach stän-

diger Praxis des Gerichts – keine pauschal geltend gemachten Spesen o-

der Barauslagen vergütet (Art. 11 Abs. 1 und Abs. 3 VGKE). Da die Rechts-

vertreterin nicht mehrwertsteuerpflichtig ist, umfasst das amtliche Honorar 

D-4563/2017 

Seite 22 

keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE. 

Nach dem Gesagten ist zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar 

von Fr. 1275.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. 

 

 (Dispositiv nächste Seite)  

  

D-4563/2017 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Kosten erhoben. 

3.  

MLaw Gnanagowry Somaskanthan wird von ihrem Mandat als amtliche 

Rechtsbeiständin entbunden. Der Rechtsvertretungsorganisation wird 

durch die Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1275.‒ ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer 

 

 

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