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**Case Identifier:** 5f5d4e70-e97d-590d-a5c6-7963c6e35ad5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.06.2021 A-4326/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4326-2019_2021-06-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-4326/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Sonja Bossart Meier (Vorsitz), 

Richterin Annie Rochat Pauchard, Richter Keita Mutombo, 

Gerichtsschreiberin Anna Strässle. 
 

 
 

Parteien 
 A._______ GmbH, 

(…), 

vertreten durch 

Hermann Bechtold, B&P tax and legal AG, 

(…), 

Beschwerdeführerin, 

 
 

 
gegen 

 
 

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, 

Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 

Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, 

Vorinstanz, 

 
 

 
 

Gegenstand 
 MWST (2011-2016); Nichtigkeit; Steuernachfolge aufgrund 

Steuerumgehung. 

 

 

 

A-4326/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die B._______ AG betrieb neben dem Club C._______ (seit dem 

1. Januar 2010) ab dem 1. Januar 2015 den Club D._______ in (Ort). Die 

B._______ AG war vom 1. Januar 2010 bis zum 23. Februar 2017 im Re-

gister der mehrwertsteuerpflichtigen Personen bei der Eidgenössischen 

Steuerverwaltung (ESTV) eingetragen und bezweckte unter anderem den 

(Betrieb von Clubs). Herr E._______ war vom 1. Mai 2015 bis 3. Juni 2016 

einziges Mitglied des Verwaltungsrats der obengenannten Gesellschaft 

und wurde in dieser Funktion von Herrn F._______ abgelöst, welcher vom 

3. Juni 2016 bis 10. Oktober 2016 amtete. Ab dem 10. Oktober 2016 ver-

fügte die B._______ AG über keine Organe mehr (Vernehmlassungsbei-

lage [VB] 12, Handelsregisterauszug des Kantons […], Blatt 1). 

A.b Vermieterin dieser beiden Clubs war die G._______ AG, in welcher 

Herr H._______ Mitglied des Verwaltungsrats ist und Herr E._______ bis 

am 27. Juli 2016 Präsident des Verwaltungsrats war und von Frau 

I._______ ersetzt wurde (VB 10, Mietvertrag; VB 12, Handelsregisteraus-

zug des Kantons […], Blatt 3). 

B.  

B.a Am 18. März 2016 wurde bei der B._______ AG (in den Räumlichkei-

ten des Treuhandbüros, der J._______ AG, nachfolgend: Treuhandbüro), 

eine Kontrolle der Steuerperioden 2011 bis 2014 (Zeitraum vom 1. Januar 

2011 bis 31. Dezember 2014) durchgeführt. Dabei stellte die ESTV unter 

anderem fest, dass aufgrund des Aussenauftritts die in den beiden Clubs 

der B._______ AG tätigen «Dienstleisterinnen» mehrwertsteuerlich als Un-

selbständige zu qualifizieren seien, deren Einnahmen aber nicht in der 

Buchhaltung der B._______ AG erfasst worden seien. Darüber wurde die 

Ansprechperson im Treuhandbüro, Herr H._______ informiert (VB 2, Kon-

trollbericht Nr. […] vom 22. August 2017). 

B.b Am 11. Mai 2016 – dem Tag der angesetzten Abschlussbesprechung 

– teilte Herr H._______ der ESTV mündlich mit, er habe sein Mandat auf-

grund offener Miet- und Treuhandschulden niedergelegt und könne der 

ESTV nicht mehr weiterhelfen (VB 2, Kontrollbericht Nr. […] vom 22. Au-

gust 2017). 

  

A-4326/2019 

Seite 3 

C.  

C.a Am 24. Mai 2016 übermittelte die A._______ GmbH, vertreten durch 

dasselbe Treuhandbüro, der ESTV den Fragebogen zur Abklärung der 

Mehrwertsteuerpflicht, in welchem sie den Beginn ihrer unternehmerischen 

Tätigkeit auf den 1. Juni 2016 ankündigte (VB 3, Fragebogen zur Abklä-

rung der Mehrwertsteuerpflicht). Die A._______ GmbH wurde am 14. De-

zember 2010 gegründet und am 30. Dezember 2010 im Handelsregister 

eingetragen. Auch in dieser Gesellschaft amtete Herr E._______ – mit Un-

terbrüchen – vom 11. Oktober 2012 bis 29. April 2016 als einziger Gesell-

schafter bzw. war einzelzeichnungsberechtigt. Wiederum wurde er in die-

ser Funktion von Herrn F._______ am 29. April 2016 abgelöst. Dieser war 

zuvor (in den Jahren 2010 bis zum 29. April 2016) Geschäftsführer und 

wurde in dieser Funktion am 29. April 2016 von Frau K._______ ersetzt 

(VB 12, Handelsregisterauszug des Kantons […], Blatt 2). 

C.b Mit Schreiben vom 22. Juni 2016 bestätigte die ESTV die Eintragung 

der A._______ GmbH auf den 1. Juni 2016 im Mehrwertsteuerregister 

(VB 4, Schreiben der ESTV vom 22. Juni 2016). 

C.c Am 25. April, 24. und 26. Mai 2017 wurde bei der A._______ GmbH 

(wiederum in den Räumlichkeiten des Treuhandbüros) eine Kontrolle 

durchgeführt. Laut ESTV liess das Treuhandbüro während dieser Kontrolle 

verlauten, die A._______ GmbH habe die beiden Clubs am 1. Juni 2016 

von der B._______ AG übernommen und habe hierfür nichts bezahlt. Das 

Inventar sei Bestandteil des Mietverhältnisses gewesen, und die offenen 

Mietzinsausstände der B._______ AG würden sich auf Fr. 140'000.-- be-

laufen. 

D.  

Mit Verfügung vom 23. Februar 2017 löste der Einzelrichter des Bezirksge-

richts (…) die B._______ AG auf und ordnete deren Liquidation nach den 

Vorschriften über den Konkurs an (VB 8, Auszug aus dem Betreibungsre-

gister vom 5. Juli 2017). Das konkursamtliche Liquidationsverfahren wurde 

mit Verfügung vom 10. März 2017 mangels Aktiven eingestellt. Am 19. Juni 

2017 wurde die Gesellschaft von Amtes wegen gelöscht (VB 12, Handels-

registerauszug des Kantons […], Blatt 1). 

E.  

Die ESTV weitete die bisherige Kontrollperiode auf die weiteren Steuerpe-

rioden 2015 und 2016 (bis April) – und somit bis zum Zeitpunkt der Ge-

schäftsaufgabe der B._______ AG in Liquidation – aus und erliess am 

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Seite 4 

31. August 2017 eine (Einschätzungsmitteilung in Form einer) Verfügung. 

Darin stellte sie fest, dass die A._______ GmbH als Steuernachfolgerin der 

B._______ AG in Liquidation in deren Rechte und Pflichten eingetreten sei 

(Ziff. 1), setzte die Steuer(nach)forderung gegenüber der A._______ 

GmbH gemäss den Erwägungen fest (Ziff. 2) und bezifferte diese für die 

Steuerperioden 2011 bis 2016 (Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 30. April 

2016) auf Fr. 212'984.-- zzgl. Verzugszins ab dem 31. August 2014 (Ziff. 3). 

F.  

Mit Schreiben vom 22. September 2017 erhob die mittlerweile vertretene 

A._______ GmbH Einsprache gegen die Verfügung vom 31. August 2017. 

Sie beantragte, es sei festzustellen, dass die von der ESTV erlassene Ver-

fügung nichtig und aus den Akten zu weisen sei (Ziff. 1). Weiter sei festzu-

stellen, dass sie nicht als Steuernachfolgerin der B._______ AG in Liqui-

dation in deren Rechte und Pflichten eingetreten sei (Ziff. 2). Sodann sei 

die Verfügung aufzuheben (Ziff. 3) und die von der ESTV nachgeforderten 

Mehrwertsteuern von Fr. 212'984.-- seien zzgl. Verzugszins wieder gutzu-

schreiben (Ziff. 4); alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.  

G.  

Mit Einspracheentscheid vom 29. Juli 2019 wies die ESTV die Einsprache 

ab (Ziff. 1), stellte fest, dass die A._______ GmbH als Steuernachfolgerin 

der B._______ AG in Liquidation in deren Rechte und Pflichten eingetreten 

sei (Ziff. 2), setzte die Steuer(nach)forderung gegenüber der A._______ 

GmbH gemäss den Erwägungen fest (Ziff. 3) und bezifferte diese für die 

Steuerperioden 2011 bis 2016 (Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 30. April 

2016) auf Fr. 212'984.-- zzgl. Verzugszins ab dem 31. August 2014 (Ziff. 4). 

Aufgrund der massiven Gefährdung des Steuerbezugs, sei sie nicht nur 

berechtigt, sondern verpflichtet gewesen, die Einschätzungsmitteilung in 

Form einer Verfügung zu erlassen. Was die Steuerumgehung betreffe, sei 

zu beachten, dass die B._______ AG im März 2016 mit erheblichen Steu-

ernachforderungen habe rechnen müssen. Laut Treuhänder seien die bei-

den Clubs noch bis April 2016 durch die B._______ AG betrieben worden; 

danach seien sie geschlossen gewesen und im Juni 2016 von der 

A._______ GmbH übernommen worden. Es könne aber nachgewiesen 

werden – so die ESTV –, dass die beiden Clubs bereits im Mai 2016 durch 

die A._______ GmbH betrieben worden seien. Gegen die B._______ AG 

seien sodann weder Miet- noch Treuhandschulden im Betreibungsregister 

vermerkt; diese sei vielmehr wirtschaftlich erfolgreich gewesen und hätte 

hohe Umsätze erzielt. Die zeitliche Nähe zwischen Kontrolle und Aufgabe 

des Betriebs zeige, dass die B._______ AG ausstehende Steuerschulden 

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Seite 5 

umgehen wollte. Gemeinsamkeiten der B._______ AG und der A._______ 

GmbH würden diesen Schluss noch untermauern: Beide Gesellschaften 

hätten den gleichen Geschäftszweck, identische Verwaltungsräte, dieselbe 

Vermieterin, dasselbe Treuhandbüro, (nahezu) die gleiche Internetseite, 

dieselben Mitarbeiter und übten die gleiche Tätigkeit am gleichen Domizil 

aus. Diese Rechtsgestaltung sie ungewöhnlich und aus wirtschaftlicher 

Sicht nicht nachvollziehbar. Bei allen involvierten Gesellschaften stünden 

dieselben natürlichen Personen in Verbindung zueinander. Die Einstellung 

der Tätigkeit der B._______ AG bzw. die Übernahme der Clubs durch die 

A._______ GmbH rund zwei Wochen nach der Information über die bevor-

stehende Steuernachforderung sei nur vollzogen worden, um diese zu um-

gehen. Hätte die B._______ AG weiterbestanden, hätte sie die Steuer-

nachforderung bezahlen müssen bzw. wäre die A._______ GmbH bei einer 

korrekten Geschäftsübernahme als Steuernachfolgerin erkannt worden. Es 

seien daher einfach Miet- und Beratungsschulden behauptet und eine Ver-

rechnung mit Mobiliar kreiert worden. Würde sie (die ESTV) dieses Kon-

strukt akzeptieren, müsste sie auf sämtliche Steuernachforderungen ver-

zichten. Insgesamt seien alle Voraussetzungen einer Steuerumgehung er-

füllt und die A._______ GmbH gelte als Steuernachfolgerin der B._______ 

AG. Für die mehrwertsteuerrechtliche Zuordnung der Einnahmen aus den 

erotischen Dienstleistungen sei das Handeln im eigenen Namen und der 

Auftritt nach aussen ausschlaggebend. Vorliegend sei für einen neutralen 

Dritten die B._______ AG als Leistungserbringerin in Erscheinung getre-

ten. Die «Dienstleisterinnen» seien in einer arbeitsorganisatorischen Ab-

hängigkeit gestanden. Deren erzielte Umsätze aus erotischen Dienstleis-

tungen seien der Clubbetreiberin zuzurechnen. 

H.  

Mit Beschwerde vom 26. August 2019 gelangt die A._______ GmbH 

(nachfolgend: Beschwerdeführerin) an das Bundesverwaltungsgericht und 

beantragt, der Einspracheentscheid vom 29. Juli 2019 sei aufzuheben 

(Ziff. 1 und 4) und die von der ESTV erlassene Verfügung vom 31. August 

2017 sei wegen Nichtigkeit aus den Akten zu weisen (Ziff. 2); eventualiter 

sei das Verfahren an die ESTV zum Erlass einer Einschätzungsmitteilung 

zurückzuweisen (Ziff. 3). Die von der ESTV nachgeforderten Mehrwert-

steuern von Fr. 212'984.-- seien zzgl. Verzugszins wieder gutzuschreiben 

(Ziff. 5); alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Beschwerde-

führerin rügt in prozessualer Hinsicht, die ESTV hätte ihre allfällige Forde-

rung mittels Einschätzungsmitteilung und nicht (sofort) in Form einer Ver-

fügung erlassen müssen. In materieller Hinsicht fehle es an den Voraus-

setzungen für die Annahme einer Steuerumgehung. Bei der B._______ AG 

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und ihr – der Beschwerdeführerin – handle es sich um zwei unabhängige 

Gesellschaften im Sinne des Mehrwertsteuerrechts. Es könne nicht ange-

hen, ein Nahestehendenverhältnis begründen zu wollen, da Freunde oder 

Bekannte sowie das Personal oder Mitglieder des Verwaltungsrats und 

weitere Organe einer Kapitalgesellschaft nicht als Nahestehende qualifi-

zierten. Der Gesetzgeber habe bewusst darauf verzichtet, liierte Personen 

als eng verbundene Personen anzusehen. Die Mietzins- und Treuhand-

schulden hätten klarerweise nicht gegenüber sich selber bestanden, wie 

die ESTV behaupte, da die B._______ AG und die G._______ AG als Ver-

mieterin zwei rechtlich unabhängige Gesellschaften seien. Zudem habe die 

Übernahme des Mobiliars durch Verrechnung mit den ausstehenden Miet-

zinsschulden zur Folge gehabt, dass sich eine Betreibung erübrigt habe. 

Es könne nicht aus der zeitlichen Nähe zwischen Kontrolle und Aufgabe 

des Betriebes sowie des Führens desselben Geschäftszweckes oder Do-

mizils auf eine Steuerumgehung geschlossen werden. In ihrer Branche sei 

ein Wechsel der Geschäftsräumlichkeiten nicht so einfach. Weiter sei nicht 

aussergewöhnlich, wenn zwei Unternehmen dieselbe Treuhänderin beauf-

tragen oder wenn Mitarbeiter einer konkursiten Unternehmung durch eine 

neue – in der gleichen Branche tätige – Unternehmung angestellt würden. 

Es liege in der Natur der Sache, dass die Räumlichkeiten und das Mobiliar 

durch die gleiche Vermieterin an die jeweilige Betreiberin des Unterneh-

mens vermietet würden. Sie – die Beschwerdeführerin – besitze keine Ak-

tiven, weil das Gross- und Kleinmobiliar der Vermieterin gehöre und Be-

standteil des Mietverhältnisses bilde. Im Juni 2016 sei eine Mutation im 

Verwaltungsrat der B._______ AG vollzogen worden, was zeige, dass eine 

Weiterführung beabsichtigt gewesen sei. Die ESTV habe nicht bewiesen, 

dass die Internetseite keine massgeblichen Veränderungen erfahren hätte. 

Dass sie das Aktienbuch der B._______ AG eingereicht habe, spreche 

nicht gegen eine vollständige Unabhängigkeit. Die B._______ AG habe im 

Eigentum des Alleinaktionärs gestanden; sie – die Beschwerdeführerin – 

habe keinen Einfluss auf dessen Entscheid gehabt, keine Organe mehr zu 

bestellen. Vorliegend fehle es somit an den Voraussetzungen für die An-

nahme einer Steuerumgehung, weshalb eine Steuernachfolge ausscheide. 

Zudem fehle es am Tatbestand der Übernahme eines Unternehmens und 

es liege keine Steuernachfolge nach Art. 16 Abs. 2 des Bundesgesetzes 

vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) vor. 

Schliesslich seien die «Dienstleisterinnen» beim zuständigen Arbeitsamt 

als Selbständigerwerbende geführt worden; es sei daher von einer selb-

ständigen Erwerbstätigkeit auszugehen. Hierbei spiele keine Rolle, dass 

die Dienstleistungen in den Räumlichkeiten der Beschwerdeführerin ange-

boten würden. 

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Seite 7 

I.  

Die ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz) beantragt in ihrer Vernehmlas-

sung vom 25. September 2019 die Abweisung der Beschwerde unter Kos-

tenfolge zulasten der Beschwerdeführerin. Sie halte vollumfänglich an den 

Erwägungen des Einspracheentscheides fest und verzichte auf eine um-

fassende Wiederholung ihrer bisherigen Ausführungen. 

J.  

Auf die einzelnen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die vorhande-

nen Akten wird – soweit entscheidrelevant – in den folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundes-

gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, 

SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-

setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, 

SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine 

solche liegt hier nicht vor. Der angefochtene Einspracheentscheid stellt 

eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Die Vorinstanz ist eine Be-

hörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht ist dem-

nach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sachlich zuständig. 

Auf die funktionelle Zuständigkeit ist im Folgenden (E. 2.1-2.1.4) einzuge-

hen, wobei zunächst die übrigen Eintretensvoraussetzungen sowie na-

mentlich das anwendbare Recht zu prüfen bzw. festzustellen sind. 

1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung 

und von dieser betroffen. Sie ist damit zur Beschwerdeerhebung berechtigt 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde 

(Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

1.5 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in 

vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-

letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder 

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Seite 8 

unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 

Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG). 

1.6 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach die 

entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus 

abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss (teilweise ein-

geschränkt durch Mitwirkungspflichten der Verfahrensbeteiligten). Die Be-

schwerdeinstanz nimmt jedoch nicht von sich aus zusätzliche Sachver-

haltsabklärungen vor oder untersucht weitere Rechtsstandpunkte, für die 

sich aus den vorgebrachten Rügen oder den Akten nicht zumindest An-

haltspunkte ergeben (BVGE 2010/64 E. 1.4.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-

LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, 

Rz. 1.49 ff., 1.54 f., 3.119 ff.). 

1.7 Ist ein Sachverhalt nicht erstellt bzw. bleibt ein Umstand unbewiesen, 

ist zu regeln, wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Im Steuerrecht gilt 

grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die (objektive) Beweislast für Tatsa-

chen trägt, welche die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuer-

forderung erhöhen (steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen). Dem-

gegenüber ist die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und 

steuermindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-

chen, welche eine Steuerbefreiung oder Steuerbegünstigung bewirken 

(anstelle vieler: Urteil des BGer 2C_715/2013 vom 13. Januar 2014 

E. 2.3.3; Urteil des BVGer A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. Septem-

ber 2017 E. 1.4 mit weiteren Hinweisen). 

1.8 Gestützt auf den Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen 

(vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), welcher im Beschwerdeverfahren gilt, ist das 

Bundesverwaltungsgericht verpflichtet, auf den unter Mitwirkung der Ver-

fahrensbeteiligen festgestellten Sachverhalt die richtigen Rechtsnormen 

anzuwenden (statt vieler: BGE 131 II 200 E. 4.2). Dies bedeutet, dass das 

Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde auch aus anderen als den 

geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Ent-

scheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen kann, die von jener 

der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitution; vgl. BVGE 2007/41 E. 2; 

Urteile des BVGer A-6966/2018 vom 24. Oktober 2019 E. 1.5 und 

A-3678/2016 vom 6. August 2018 E. 2.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, 

a.a.O., Rz. 1.54). 

  

A-4326/2019 

Seite 9 

1.9  

1.9.1 Der vorliegend umstrittene Sachverhalt betrifft die Steuerperioden 

2011 bis 2016. Damit kommen das MWSTG und die dazugehörige Mehr-

wertsteuerverordnung vom 27. November 2009 (MWSTV, SR 641.201) zur 

Anwendung (Art. 112 Abs. 1 MWSTG e contrario). Massgebend ist dabei 

die in den zu beurteilenden Steuerperioden geltende Fassung des 

MWSTG, auf die nachfolgend auch referenziert wird. Nicht zu berücksich-

tigen sind im vorliegenden Fall namentlich die per 1. Januar 2018 und 

1. Januar 2019 in Kraft getretenen Änderungen des MWSTG. 

1.9.2 Wird im Folgenden auch auf die Rechtsprechung zum früheren Bun-

desgesetz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (aMWSTG; 

AS 2000 1300) verwiesen, liegt der Grund darin, dass diese im vorliegen-

den Fall – da die gesetzlichen Vorschriften soweit hier interessierend in-

haltlich nicht geändert wurden – auch für das MWSTG übernommen wer-

den kann. 

2.  

2.1 Als erstes ist zu prüfen, ob es der Vorinstanz gestattet war, die Ein-

schätzungsmitteilung vom 31. August 2017 in Form einer Verfügung zu er-

lassen. 

2.1.1 Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich vor, keiner der in Art. 82 

MWSTG genannten Konstellationen sei vorliegend einschlägig. Eine Ge-

fährdung des Steuerbezugs sei auch nicht gegeben, da sie ins Recht ge-

fasst werde und nicht die B._______ AG; sie führe ja nach wie vor einen 

Geschäftsbetrieb und wolle diesen auch nicht aufgeben. Bezüglich der Ge-

fährdung könne sich die ESTV vorliegend auch nicht auf BGE 132 IV 40 

berufen, da jenem Verfahren ein Strafverfahren wegen Widerhandlungen 

gegen Art. 20 des Bundesgesetzes vom 19. Dezember 1997 über eine leis-

tungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (SVAG, SR 641.81) zugrunde 

lag. Die ESTV hätte ihre allfällige Forderung mittels einer Einschätzungs-

mitteilung und nicht in Form einer Verfügung erlassen müssen. Der Ein-

spracheentscheid und die Verfügung seien daher aufzuheben bzw. als 

nichtig zu erklären, da es sich um einen schwerwiegenden Formfehler und 

daher um einen krassen Verfahrensfehler handle. Sie sei nämlich gezwun-

gen gewesen, innert Rechtsmittelfrist zu handeln und Einsprache zu erhe-

ben, womit ihr verunmöglicht worden sei, sich zur Sache materiell zu äus-

sern, Beweismittel beizubringen und Anträge zu stellen. Eventualiter sei die 

Sache an die ESTV zum Erlass einer Einschätzungsmitteilung zurückzu-

weisen. 

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Seite 10 

Die Vorinstanz entgegnet, die B._______ AG bzw. die Beschwerdeführerin 

als deren Steuernachfolgerin und die tatsächlich für sie handelnden Perso-

nen hätten den ordentlichen Abschluss der Kontrolle verunmöglicht, un-

wahre Angaben gemacht und bewusst den Konkurs der B._______ AG 

herbeigeführt, um ausstehende Steuerschulden zu umgehen. Ausserdem 

sei die Beschwerdeführerin auch umgehend als neue Betreiberin der bei-

den Clubs eingesetzt worden. Es seien somit nicht nur Mitwirkungs- und 

Auskunftspflichten verletzt worden, sondern die Erhebung und die Veran-

lagung der Steuernachforderung seien massiv gefährdet gewesen. Sie – 

die Vorinstanz – sei folglich nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet gewe-

sen, die Einschätzungsmitteilung in Form einer Verfügung zu erlassen. Im 

Rahmen ihrer Vernehmlassung führt sie überdies aus, die eventual bean-

tragte Rückweisung zum Erlass einer Einschätzungsmitteilung gehe im An-

satz fehl, weil die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung, welche die 

Nachforderung festgesetzt habe, Einsprache habe erheben können und 

das rechtliche Gehör somit nicht verletzt worden sei. Sodann befasse sich 

das Bundesgericht in seinem Urteil BGE 132 IV 40 mit der allgemeinen 

Definition der konkreten Steuergefährdung; dieses sei – entgegen der Mei-

nung der Beschwerdeführerin – auch auf den vorliegenden Fall anwend-

bar. 

2.1.2  

2.1.2.1 Laut Art. 82 MWSTG trifft die ESTV von Amtes wegen oder auf Ver-

langen der steuerpflichtigen Person alle für die Steuererhebung erforderli-

chen Verfügungen. 

Nach Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesverwaltungs-

gerichts ist es grundsätzlich nicht zulässig, eine Einschätzungsmitteilung 

direkt als Verfügung im Sinn von Art. 5 VwVG auszugestalten (vgl. statt 

vieler: BGE 140 II 202 E. 5 f.; Urteil des BGer 2C_842/2014 vom 17. Feb-

ruar 2015 E. 5.2; Urteile des BVGer A-7176/2014 vom 12. März 2015 

E. 1.2.4.3 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_326/2015 vom 24. Novem-

ber 2016] und A-5384/2014 vom 3. März 2015 E. 1.3.2 mit weiterem Hin-

weis; MARTIN KOCHER, in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.], Kom-

mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehr-

wertsteuer, 2015 [nachfolgend: Kommentar MWSTG], Art. 82 N. 13). Ge-

mäss höchstrichterlicher Rechtsprechung darf eine Einschätzungsmittei-

lung, mit welcher eine Kontrolle abgeschlossen wird, jedoch dann in Form 

einer Verfügung erlassen werden, wenn die speziellen Umstände des Ein-

zelfalles es rechtfertigen. Dies ist laut Bundesgericht dann der Fall, wenn 

der Steuerpflichtige von vornherein mitteilt, dass er die Feststellungen der 

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Seite 11 

Steuerbehörde bestreiten werde, sich kategorisch weigert, am Ende der 

Kontrolle die Stellungnahme der Steuerbehörde anzuerkennen oder wenn 

die Erhebung der Steuer konkret gefährdet erscheint (BGE 140 II 202 

E. 6.3.5; Urteil des BVGer A-7176/2014 vom 12. März 2015 E. 2.1 [bestä-

tigt durch Urteil des BGer 2C_326/2015 vom 24. November 2016]; vgl. 

auch: KOCHER, Kommentar MWSTG, Art. 82 N. 14). 

2.1.2.2 Zunächst ist festzuhalten, dass eine Verfahrenspflichtverletzung 

gemäss Art. 98 MWSTG, welche lediglich eine abstrakte Steuergefährdung 

beinhaltet, noch nicht ausreicht, um eine konkrete Gefährdung der Steuer-

erhebung im Sinn der soeben zitierten Rechtsprechung zu bewirken (Urteil 

des BVGer A-7176/2014 vom 12. März 2015 E. 2.3.1 mit weiteren Hinwei-

sen). 

Mit der Vorinstanz hingegen einig zu gehen ist, dass sich das Bundesge-

richt in BGE 132 IV 40 mit der allgemeinen Definition der konkreten Steu-

ergefährdung befasst hat und dieses Urteil auch im vorliegenden Zusam-

menhang herangezogen werden kann (vgl. auch: Urteil des BVGer 

A-7176/2014 vom 12. März 2015 E. 2.3.1 [bestätigt durch Urteil des BGer 

2C_326/2015 vom 24. November 2016]). Danach liegt eine konkrete Ge-

fährdung vor, wenn die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit einer 

Verletzung des geschützten Rechtsgutes gegeben ist bzw. infolge der Ver-

letzung der Mitwirkungs- und Auskunftspflichten im Zusammenhang mit 

der Veranlagung und Erhebung von Steuern und Abgaben die Wahrschein-

lichkeit oder nahe Möglichkeit der Veranlagung einer zu niedrigen Steuer 

besteht (BGE 132 IV 40 E. 2.2.2). 

2.1.3 Vorliegend vermag die Vorinstanz mit ihrer Begründung sowie an-

hand der Akten eine konkrete Gefährdung aufzuzeigen: 

Am 18. März 2016 wurde hinsichtlich der B._______ AG eine Mehrwert-

steuerkontrolle durchgeführt. Die ESTV kam hierbei zum Ergebnis, dass 

die Umsätze unvollständig deklariert worden seien und informierte darüber 

den Treuhänder der B._______ AG. Am Tag der angesetzten Abschluss-

besprechung vom 11. Mai 2016 teilte besagter Treuhänder der ESTV 

mündlich mit, er habe sein Mandat aufgrund offener Miet- und Treuhand-

schulden niedergelegt und könne der ESTV nicht mehr weiterhelfen (Sach-

verhalt Bst. B). Am 23. Februar 2017 wurde die B._______ AG sodann auf-

gelöst und am 10. März 2017 wurde das konkursamtliche Verfahren man-

gels Aktiven eingestellt. Die Gesellschaft wurde schliesslich am 19. Juni 

A-4326/2019 

Seite 12 

2017 von Amtes wegen gelöscht (Sachverhalt Bst. D). Laut eigenen Anga-

ben der Beschwerdeführerin führt sie seit dem 1. Juni 2016 die beiden 

Clubs (Sachverhalt Bst. C.c). Aktenkundig ist jedoch, dass sie die Clubs 

tatsächlich bereits im Mai 2016 betrieben hat (vgl. hierzu: VB 9, Bericht der 

Kantonspolizei […] vom 9. Juli 2017; VB 5, Kontoblatt 5200 [Löhne, 1. Ja-

nuar 2016 bis 31. Dezember 2016] der Beschwerdeführerin [in welchem 

bereits im Mai 2016 Löhne verbucht wurden]; VB 7, Lohnbescheinigung 

2016 der Ausgleichskasse […] bzgl. der Beschwerdeführerin [Abrech-

nungsperiode Mai 2016 bis Dezember 2016]). Vorliegend wurde ein or-

dentlicher Abschluss der Mehrwertsteuerkontrolle erschwert und der ESTV 

gegenüber wurden nachweislich unwahre Angaben gemacht. Dadurch hat 

insbesondere die Beschwerdeführerin ihre Mitwirkungs- und Auskunfts-

pflichten im Zusammenhang mit der Veranlagung und Erhebung von Mehr-

wertsteuern verletzt.  

Durch die Auflösung der B._______ AG und die umgehende Weiterführung 

der beiden Betriebe durch die Beschwerdeführerin wurde zudem, wie 

nachstehend noch dargelegt werden wird, eine Steuerumgehung began-

gen (E. 3.3); dies in der Absicht, es der ESTV zu verunmöglichen, die Steu-

erforderung durchzusetzen.  

Durch dieses Verhalten der beteiligten Gesellschaften wurde, gesamthaft 

betrachtet, eine nahe Möglichkeit geschaffen, die Nachforderung der Mehr-

wertsteuer bezüglich der unvollständig deklarierten Umsätze zu vereiteln 

bzw. zu niedrige Mehrwertsteuern zu veranlagen.  

Unbehelflich ist schliesslich der Einwand der Beschwerdeführerin, eine Ge-

fährdung des Steuerbezugs sei nicht gegeben, da die Beschwerdeführerin 

– welche nach wie vor einen Geschäftsbetrieb betreibe – ins Recht gefasst 

werde und nicht die (bereits gelöschte) B._______ AG. Tatsache ist, dass 

durch das Zusammenspiel der beiden Gesellschaften eine Wahrscheinlich-

keit der Steuergefährdung geschaffen wurde. 

2.1.4 Insgesamt gelingt es der Vorinstanz somit aufzuzeigen, dass beson-

dere Umstände die Verkürzung des gesetzlich vorgesehenen Verfahren-

sablaufs und somit den Erlass der Einschätzungsmitteilung vom 31. Au-

gust 2017 in Form einer Verfügung gerechtfertigt haben. Weder die Verfü-

gung noch der Einspracheentscheid sind daher aufzuheben oder als nich-

tig zu erklären. An diesem Ergebnis nichts zu ändern vermag der Einwand 

der Beschwerdeführerin, es sei ihr verunmöglicht worden, sich zur Sache 

materiell zu äussern, Beweismittel beizubringen und Anträge zu stellen. In 

A-4326/2019 

Seite 13 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die Beschwer-

deführerin im Rahmen ihrer Einsprache gegen die Verfügung sowie im 

Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens die Möglichkeit hatte, 

sich zu äussern und Beweismittel beizubringen. Zwar war dies – anders 

als bei einer Einschätzungsmitteilung, welche den informellen Austausch 

ermöglichen soll – einzig innert Rechtsmittelfrist bzw. auf dreissig Tag be-

schränkt möglich. Da vorliegend aber gerade besondere Umstände den 

Erlass der Einschätzungsmitteilung in Form einer Verfügung begründet ha-

ben, ist dies nicht zu beanstanden. Die Sache ist demzufolge auch nicht 

an die ESTV zum Erlass einer Einschätzungsmitteilung zurückzuweisen. 

Das Bundesverwaltungsgericht ist damit auch funktional zur Behandlung 

der Sache zuständig. 

2.2  

2.2.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem Sys-

tem der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug (Mehrwertsteuer; 

Art. 130 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 

vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 1 Abs. 1 MWSTG). 

2.2.2 Der Mehrwertsteuer unterliegen unter anderem die im Inland von 

steuerpflichtigen Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen; sie sind 

steuerbar, soweit das MWSTG keine Ausnahme vorsieht (Inlandsteuer, 

Art. 18 Abs. 1 MWSTG). Als Leistung gilt die Einräumung eines ver-

brauchsfähigen wirtschaftlichen Wertes an eine Drittperson in Erwartung 

eines Entgelts (Art. 3 Bst. c MWSTG). Sie besteht in einer Lieferung oder 

einer Dienstleistung (vgl. Art. 3 Bst. d und e MWSTG). 

2.2.3 Mehrwertsteuerpflichtig und damit Steuersubjekt der Mehrwertsteuer 

ist, wer unabhängig von Rechtsform, Zweck und Gewinnabsicht ein Unter-

nehmen betreibt und nicht von der Steuerpflicht befreit ist. Ein Unterneh-

men betreibt, wer eine auf die nachhaltige Erzielung von Einnahmen aus 

Leistungen ausgerichtete berufliche oder gewerbliche Tätigkeit selbständig 

ausübt und unter eigenem Namen nach aussen auftritt (Art. 10 Abs. 1 

Bst. a und b MWSTG [in der bis 31. Dezember 2017 geltenden Fassung 

gemäss AS 2009 5203]). Befreit von der Steuerpflicht ist ein Steuerpflichti-

ger unter anderem, wenn er im Inland innerhalb eines Jahres weniger als 

Fr. 100'000.-- Umsatz aus steuerbaren Leistungen erzielt, sofern er nicht 

auf die Befreiung von der Steuerpflicht verzichtet (Art. 10 Abs. 2 Bst. a 

MWSTG [in der bis 31. Dezember 2017 geltenden Fassung gemäss AS 

2009 5203]). 

A-4326/2019 

Seite 14 

2.3  

2.3.1 Ob eine Tätigkeit in mehrwertsteuerlicher Hinsicht als selbständig 

oder unselbständig erbracht zu qualifizieren ist, bestimmt sich rechtspre-

chungsgemäss aufgrund einer umfassenden Würdigung sämtlicher ein-

schlägiger Faktoren (Urteile des BGer 2C_1001/2015 vom 5. Juli 2016 

E. 3.3 f., 2C_850/2014 und 2C_854/2014 vom 10. Juni 2016 [in BGE 142 

II 388 nicht, aber in der Revue de droit administratif et de droit fiscal {RDAF} 

2016 II 615 S. 619 publizierte] E. 8.1.1, 2C_554/2010 vom 21. September 

2011 E. 2.2). Dabei hat die Beurteilung der Tätigkeit in erster Linie nach 

wirtschaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen (sog. «wirtschaftliche 

Betrachtungsweise»). Die zivil- bzw. vertragsrechtliche Sicht ist nicht ent-

scheidend, hat aber immerhin Indizwirkung (statt vieler: Urteile des BVGer 

A-5345/2018 vom 3. Oktober 2019 E. 2.2.1 und A-1418/2018 vom 24. April 

2019 E. 2.4.1 mit weiteren Hinweisen). 

2.3.2 Wichtige Indizien für die selbständige Ausübung einer Tätigkeit sind 

insbesondere das Handeln und Auftreten in eigenem Namen gegenüber 

Dritten, das Tragen des unternehmerischen Risikos (Gewinn und Verlust), 

die Wahlfreiheit, eine Aufgabe anzunehmen oder nicht, und die Freiheit, 

die Erfüllung der Aufgaben selbständig organisieren zu können. Eine Rolle 

spielen kann ferner, ob jemand Personal beschäftigt, erhebliche Investitio-

nen tätigt, über eigene Geschäftsräumlichkeiten verfügt, verschiedene und 

wechselnde Auftraggeber hat sowie betriebswirtschaftlich und arbeitsorga-

nisatorisch unabhängig ist (Urteile des BGer 2C_1001/2015 vom 5. Juli 

2016 E. 3.4, 2C_850/2014 und 2C_854/2014 vom 10. Juni 2016 E. 8.1.1 

und 2C_554/2010 vom 21. September 2011 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen; 

Urteil des BVGer A-904/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 3.2; vgl. auch 

BGE 138 II 251 E. 2.4.2). 

2.3.3 Die Frage, ob ein Unternehmer im eigenen Namen auftritt oder nicht, 

ist nicht nur für den Tatbestand der Selbständigkeit massgeblich und nach 

dem neuen Recht ausdrückliches Erfordernis für die subjektive Steuer-

pflicht (Art. 10 Abs. 1 Bst. b MWSTG [in der bis 31. Dezember 2017 gelten-

den Fassung gemäss AS 2009 5203]). Das Auftreten in eigenem Namen 

im Aussenverhältnis ist auch für die Zurechnung der einzelnen Umsätze 

bzw. die Bestimmung des mehrwertsteuerlichen Leistungserbringers ent-

scheidend (vgl. Art. 20 Abs. 1 MWSTG). Das Handeln wird grundsätzlich 

demjenigen mehrwertsteuerlich zugerechnet, der nach aussen, gegenüber 

Dritten im eigenen Namen auftritt (zum Ganzen statt vieler: BVGE 2016/23 

E. 2.2.2; Urteile des BVGer A-5345/2018 vom 3. Oktober 2019 E. 2.2.3 und 

A-4326/2019 

Seite 15 

A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 2.2.2; RALF IMSTEPF, Der mehrwert-

steuerliche «Aussenauftritt», in: Archiv für schweizerisches Abgaberecht 

[ASA] 82 S. 451 ff.). 

2.3.4 Im Zusammenhang mit erotischen Dienstleistungen hat das Bundes-

verwaltungsgericht wiederholt festgehalten, dass bei der Beurteilung der 

mehrwertsteuerlichen Selbständigkeit bzw. des «Aussenauftritts» massge-

bend sei, wie das Angebot für die Allgemeinheit, für einen neutralen Dritten 

objektiv erkennbar in Erscheinung trete (Urteile des BVGer A-3050/2015 

vom 6. Oktober 2015 E. 3.1.1, A-589/2014 vom 27. August 2014 E. 3.1.1 

und A-6198/2012 vom 3. September 2013 E. 3.1.1 mit weiteren Hinwei-

sen). Ausgangspunkt für die Prüfung dieses objektiven Erscheinungsbildes 

bildete in den genannten Fällen regelmässig der Internetauftritt (E. 3.1.2 

der erwähnten Urteile; vgl. auch: Urteil des BVGer A-5345/2018 vom 3. Ok-

tober 2019 E. 2.2.4). 

2.4 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgen nach dem 

Selbstveranlagungsprinzip. Die steuerpflichtige Person hat eigenständig 

festzustellen, ob sie die Voraussetzungen der subjektiven Steuerpflicht 

(Art. 10 und 66 MWSTG) erfüllt (vgl. Art. 66 Abs. 1 MWSTG), die Steuer-

forderung selber zu ermitteln (vgl. Art. 71 MWSTG) und diese innerhalb 

von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode zu begleichen (Art. 86 

Abs. 1 MWSTG). Das Selbstveranlagungsprinzip wurde zwar leicht gelo-

ckert (Urteil des BGer 2C_678/2012 vom 17. Mai 2013 E. 2.1; Urteil des 

BVGer A-361/2017 vom 30. Oktober 2018 E. 4.2.2), bedeutet jedoch wei-

terhin, wie bereits nach dem altem Recht, dass der Leistungserbringer 

selbst für die Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht bzw. -forderung ver-

antwortlich ist (BGE 140 II 202 E. 5.4; Urteile des BVGer A-5892/2018 vom 

4. Juli 2019 E. 2.4.1 und A-3821/2017 vom 24. April 2019 E. 2.1). 

2.5 Art. 70 Abs. 1 MWSTG verpflichtet den Mehrwertsteuerpflichtigen zur 

ordnungsgemässen Buchführung nach handelsrechtlichen Grundsätzen. 

Die Buchführung ist das lückenlose und planmässige Aufzeichnen sämtli-

cher Geschäftsvorfälle einer Unternehmung auf der Grundlage von Bele-

gen. Sie schlägt sich in den Geschäftsbüchern und den zugehörigen Auf-

zeichnungen nieder (vgl. Urteile des BVGer A-6390/2016 und A-6393/2016 

vom 14. September 2017 E. 2.3.2, A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.4.2 

und A-3821/2017 vom 24. April 2019 E. 2.2.1; BEATRICE BLUM, in: Gei-

ger/Schluckebier [Hrsg.], MWSTG Kommentar, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: 

MWSTG Kommentar], Art. 70 MWSTG N. 4 ff.). 

A-4326/2019 

Seite 16 

2.6  

2.6.1 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor (Verstoss 

gegen die formellen Buchführungsvorschriften) oder stimmen die ausge-

wiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht 

überein (Verstoss gegen die materiellen Buchführungsregeln), nimmt die 

ESTV eine sogenannte Ermessenseinschätzung vor (Art. 79 MWSTG; vgl. 

zu diesen beiden Konstellationen ausführlich: Urteile des BVGer 

A-4544/2019 und A-4545/2019 vom 5. Mai 2020 E. 2.5.2 sowie 

A-6686/2018 und A-6691/2018 vom 30. August 2019 E. 2.5.2). 

2.6.2 Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist 

die ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach 

pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen (statt vieler: Urteil des BGer 

2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2). Hierbei hat sie diejenige Schät-

zungsmethode zu wählen, die den individuellen Verhältnissen im Betrieb 

der steuerpflichtigen Person soweit als möglich Rechnung trägt, auf plau-

siblen Annahmen beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation mög-

lichst nahe kommt (Urteile des BVGer A-4544/2019 und A-4545/2019 vom 

5. Mai 2020 E. 2.6.1 f. sowie A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.6.2, je mit 

weiteren Hinweisen). In Betracht kommen Schätzungsmethoden, die auf 

eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buchhaltung hin-

auslaufen, aber auch Umsatzschätzungen aufgrund unbestrittener Teil-

Rechnungsergebnisse in Verbindung mit Erfahrungssätzen. Die brauchba-

ren Teile der Buchhaltung und vorhandene Belege sind soweit als möglich 

bei der Schätzung zu berücksichtigen. Sie können durchaus als Basiswerte 

der Ermessenstaxation fungieren (Urteile des BVGer A-874/2017 vom 

23. August 2017 E. 2.6.4, A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 2.7.2 und 

A-665/2013 vom 10. Oktober 2013 E. 2.6.2; PASCAL MOLLARD, TVA et ta-

xation par estimation, ASA 69 S. 530 ff.). 

2.6.3 Im Rahmen einer Ermessenstaxation ist es nach der Rechtspre-

chung zulässig, dass die ESTV eine Prüfung der Verhältnisse während ei-

nes Teils der Kontrollperiode vornimmt und in der Folge das Ergebnis auf 

den gesamten kontrollierten Zeitraum umlegt bzw. hochrechnet (sog. Um-

lageverfahren), vorausgesetzt die massgebenden Verhältnisse im einge-

hend kontrollierten Zeitabschnitt seien ähnlich wie in der gesamten Kon-

trollperiode (vgl. statt vieler: Urteil des BGer 2C_657/2012 vom 9. Oktober 

2012 E. 3.1; Urteile des BVGer A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 

14. September 2017 E. 2.5.3 mit weiteren Hinweisen sowie A-5743/2015 

vom 7. November 2016 E. 3.3.6; JÜRG STEIGER, Kommentar MWSTG, 

Art. 79 N. 29). 

A-4326/2019 

Seite 17 

2.7  

2.7.1 Bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermessensveran-

lagungen auferlegt sich das Bundesverwaltungsgericht als ausserhalb der 

Verwaltungsorganisation und Behördenhierarchie stehendes, von der rich-

terlichen Unabhängigkeit bestimmtes Gericht trotz des möglichen Rüge-

grundes der Unangemessenheit (E. 1.5) eine gewisse Zurückhaltung und 

reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich setzt es nur dann 

sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn die-

ser bei der Schätzung erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind (statt 

vieler: Urteil des BVGer A-5175/2015 vom 1. März 2016 E. 2.8.2). Diese 

Praxis wurde vom Bundesgericht wiederholt bestätigt (Urteile des BGer 

2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.3 und 2C_426/2007 vom 22. Novem-

ber 2007 E. 4.3). 

2.7.2 Für das Vorliegen der Voraussetzungen zur Vornahme einer Ermes-

senseinschätzung ist nach der vorn genannten Beweislastregel (vgl. 

E. 1.7) die ESTV beweisbelastet. Sind die Voraussetzungen einer Ermes-

senseinschätzung erfüllt («erste Stufe») und erscheint die vorinstanzliche 

Schätzung nicht bereits im Rahmen der durch das Bundesverwaltungsge-

richt mit der gebotenen Zurückhaltung (E. 2.7.1) vorzunehmenden Prüfung 

als pflichtwidrig («zweite Stufe»), obliegt es – in Umkehr der allgemeinen 

Beweislast – der steuerpflichtigen Person, den Nachweis für die Unrichtig-

keit der Schätzung zu erbringen («dritte Stufe»; vgl. anstelle vieler: Urteile 

des BVGer A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.8.2 und A-5175/2015 vom 

1. März 2016 E. 2.8.3, je mit weiteren Hinweisen). Weil das Ergebnis der 

Ermessensveranlagung selbst auf einer Schätzung beruht, kann sich die 

steuerpflichtige Person gegen eine zulässigerweise durchgeführte Ermes-

senseinschätzung nicht mit allgemeiner Kritik zur Wehr setzen. Vielmehr 

hat sie darzulegen, dass die von der ESTV vorgenommene Schätzung of-

fensichtlich fehlerhaft ist, und hat sie auch den Beweis für ihre vorgebrach-

ten Behauptungen zu erbringen (Urteile des BVGer A-5892/2018 vom 

4. Juli 2019 E. 2.8.2, A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. September 

2017 E. 2.6.3 sowie A-3141/2015 und A-3144/2015 vom 18. Januar 2017 

E. 8.3.3). 

2.8  

2.8.1 Steuerpflichtige Personen können ihre wirtschaftlichen Verhältnisse 

grundsätzlich so gestalten, wie sie ihnen steuerlich am günstigsten erschei-

nen. Diese freie Gestaltungsmöglichkeit findet ihre Grenze in dem aus dem 

verfassungsrechtlichen Verbot des Rechtsmissbrauchs (Art. 5 Abs. 3 BV, 

A-4326/2019 

Seite 18 

vgl. auch Art. 2 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. De-

zember 1907 [ZGB, SR 210]) abgeleiteten Institut der Steuerumgehung 

(vgl. BGE 98 Ib 314 E. 3d; Urteile des BGer 2C_487/2011 vom 13. Februar 

2013 E. 2.7 f. und 2A.239/2005 vom 28. November 2005 E. 3.5.1; statt vie-

ler: Urteile des BVGer A-5200/2018 vom 28. August 2019 E. 2.5 und 

A-5578/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.1; MARKUS REICH, Steuerrecht, 

2. Aufl. 2012, Rz. 40 und 98). 

2.8.2 Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts in Bezug 

auf die direkten Steuern und die Verrechnungssteuer (statt vieler: BGE 131 

II 627 E. 5.2, 93 I 722 E. 1; vgl. zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

ferner MARLENE KOBIERSKI, Der Durchgriff im Gesellschafts- und Steuer-

recht, 2012, S. 87 ff.), welche auch für die Mehrwertsteuer übernommen 

wurde (BGE 138 II 239 E. 4.2; statt vieler: Urteil des BGer 2C_119/2017 

vom 5. Oktober 2018 E. 3.1) wird eine Steuerumgehung angenommen, 

wenn: 

 erstens eine von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als un-

gewöhnlich («insolite»), sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls 

den wirtschaftlichen Gegebenheiten völlig unangemessen er-

scheint. Für die Annahme einer Steuerumgehung muss mit ande-

ren Worten eine Sachverhaltsgestaltung vorliegen, die – wenn man 

von den steuerlichen Aspekten absieht – jenseits des wirtschaftlich 

Vernünftigen liegt (sog. «objektives» Element oder «Umwegstruk-

tur»); 

 zweitens angenommen werden muss, dass die gewählte Rechts-

gestaltung missbräuchlich lediglich deshalb getroffen wurde, um 

Steuern einzusparen, die bei sachgemässer Ordnung der Verhält-

nisse geschuldet wären. Dieses sog. «subjektive» Element (oder 

«Missbrauchsabsicht») spielt insofern eine entscheidende Rolle, 

als die Annahme einer Steuerumgehung ausgeschlossen ist, wenn 

andere als blosse Steuerersparnisgründe bei der Rechtsgestaltung 

eine relevante Rolle spielen; 

 drittens das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen 

Steuerersparnis führte, würde es von den Steuerbehörden hinge-

nommen (sog. «effektives» Element oder «Steuervorteil»). 

2.8.3 Was die Beurteilung der gewählten Rechtsgestaltung betrifft, ist das 

Gewicht auf die völlige Unangemessenheit zu legen. Das heisst, für die 

A-4326/2019 

Seite 19 

Annahme einer Steuerumgehung muss eine Sachverhaltsgestaltung vor-

liegen, die – wenn man von den steuerlichen Aspekten absieht – jenseits 

des wirtschaftlich Vernünftigen liegt (BGE 138 II 239 E. 4.1; Urteil des BGer 

2C_119/2017 vom 5. Oktober 2018 E. 3.1.1). 

2.8.4 Das sog. «subjektive» Element spielt insofern eine entscheidende 

Rolle, als die Annahme einer Steuerumgehung ausgeschlossen bleibt, 

wenn andere als blosse Steuerersparnisgründe bei der Rechtsgestaltung 

eine relevante Rolle spielen. Wie sich im Kontext der Mehrwertsteuer deut-

lich zeigt, kann eine Steuerersparnis aber bereits darin liegen, dass einer-

seits die Erhebung von Steuern vermieden wird, andererseits, dass zusätz-

liche Steuerrückvergütungen – beispielsweise mittels Vorsteuerabzug – 

bewirkt werden (vgl. Urteile des BGer 2C_119/2017 vom 5. Oktober 2018 

E. 3.1.2 und 2C_146/2010 vom 15. August 2012 E. 4.1.4). 

2.8.5 Das Bundesgericht will die Steuerumgehungsdoktrin – im Sinn einer 

rechtsmissbräuchlichen Anrufung des als massgeblich geltenden Sinns ei-

ner Norm – nur in ganz ausserordentlichen Situationen anwenden (vgl. 

hierzu ausführlich statt vieler: BGE 138 II 239 E. 4.1 und Urteil des BVGer 

A-5578/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.3, je mit weiteren Hinweisen). 

2.8.6 Das Vorliegen einer Steuerumgehung ist durch die Steuerbehörde 

nachzuweisen (BGE 138 II 239 E. 4.4). Wird eine Steuerumgehung bejaht, 

ist der Besteuerung die Rechtsgestaltung zugrunde zu legen, die sachge-

mäss gewesen wäre, um den erstrebten wirtschaftlichen Zweck zu errei-

chen (statt vieler: BGE 138 II 239 E. 4.1, 131 II 627 E. 5.2). Das kann na-

mentlich bedeuten, dass zur steuerlichen Beurteilung die formale zivilrecht-

liche Ausgestaltung eines Sachverhalts negiert und auf seine wirtschaftli-

chen Auswirkungen abgestellt wird (vgl. BGE 138 II 239 E. 4.1; statt vieler: 

Urteil des BVGer A-3502/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 2.6.4 mit weite-

ren Hinweisen). 

2.9  

2.9.1 Wer ein Unternehmen übernimmt, tritt in die steuerlichen Rechte und 

Pflichten des Rechtsvorgängers oder der Rechtsvorgängerin ein (Art. 16 

Abs. 2 MWSTG). Gemäss Rechtsprechung und Lehre zum alten Recht trat 

eine Steuernachfolge dann ein, wenn das bisherige Unternehmen wegfiel 

und eine Gesamt- oder Einzelnachfolge von Aktiven und Passiven einer 

Unternehmung erfolgte. Dabei genügte – ungeachtet der etwaigen Nicht-

erfüllung von Formvorschriften – das tatsächliche Zusammenführen zweier 

A-4326/2019 

Seite 20 

Unternehmungen, falls das Vorgehen im Ergebnis der Übernahme von Ak-

tiven und Verbindlichkeiten gleichkam (BGE 146 II 73 E. 2.2.3; Urteile des 

BGer 2A.349/2004 vom 1. Dezember 2004 E. 2 und 2A.351/2004 vom 

1. Dezember 2004 E. 2; Urteile des BVGer A-5649/2017 und A-5657/2017 

vom 6. September 2018 E. 2.6.1 f. sowie A-3141/2015 und A-3144/2015 

vom 18. Januar 2017 E. 7.1). Jedenfalls war stets von der Übernahme ei-

ner juristischen Person bzw. einer Unternehmung «mit Aktiven und Passi-

ven» die Rede, wobei laut bundesgerichtlicher Praxis sämtliche Aktiven 

und Verbindlichkeiten übertragen werden mussten (BGE 146 II 73 

E. 2.2.4). 

Im aktuell geltenden und hier anwendbaren Art. 16 Abs. 2 MWSTG ist das 

Erfordernis der Übernahme mit Aktiven und Passiven nicht mehr enthalten 

und es wird nur noch daran angeknüpft, dass die übernehmende steuer-

pflichtige Person ein «Unternehmen übernimmt» (vgl. zum Begriff des Un-

ternehmens: E. 2.9.2). Hierdurch wurde Art. 16 Abs. 2 MWSTG in Überein-

stimmung mit dem Bundesgesetz vom 3. Oktober 2003 über Fusion, Spal-

tung, Umwandlung und Vermögensübertragung (FusG, SR 221.301) ge-

bracht (zum Ganzen: BGE 146 II 73 E. 2.3.1 f.; Botschaft zur Vereinfa-

chung der Mehrwertsteuer vom 25. Juni 2008, BBl 2008 6885 ff. [nachfol-

gend: Botschaft zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer], 6957 f.; CLAUDIO 

FISCHER, Kommentar MWSTG, Art. 16 N. 12; vgl. Urteile des BVGer 

A-5649/2017 und A-5657/2017 vom 6. September 2018 E. 2.6.1 sowie 

A-3141/2015 und A-3144/2015 vom 18. Januar 2017 E. 7.1). 

2.9.2 Ob eine Unternehmensübernahme vorliegt, muss im Einzelfall beur-

teilt werden. Damit eine solche Übernahme vorliegt, müssen gemäss FusG 

insbesondere nicht sämtliche Aktiven und Passiven oder wesentliche Be-

standteile davon übernommen werden. Eine Fusion nach Art. 3 ff. FusG gilt 

in jedem Fall als Unternehmensübernahme. Demgegenüber stellen Um-

wandlungen im Sinne des Fusionsgesetzes keine Unternehmensüber-

nahme dar, da in diesem Fall kein Rechtsübergang stattfindet, mithin gar 

kein Unternehmen übertragen wird, sondern lediglich das Rechtskleid des 

Unternehmensträgers ändert (Botschaft zur Vereinfachung der Mehrwert-

steuer, 6957 f.; vgl. auch: FISCHER, Kommentar MWSTG, Art. 16 N. 16). 

Sofern ein Unternehmen als Einheit übertragen wird, ist die Art der Über-

tragung nicht relevant. Sie kann gestützt auf eine Singularsukzession 

(z.B. die Überführung einer Einzelfirma in eine Kapitalgesellschaft nach 

Obligationenrecht) oder durch eine Fusion, Spaltung oder Vermögensüber-

tragung nach Fusionsgesetz erfolgen (Botschaft zur Vereinfachung der 

Mehrwertsteuer, 6958; vgl. auch: FISCHER, Kommentar MWSTG, Art. 16 

A-4326/2019 

Seite 21 

N. 19). Unterschiede zeigen sich hingegen darin, dass der übertragende 

Unternehmensträger entweder fortbesteht (Singularsukzession) oder als 

Rechtssubjekt untergeht (Fusion; FISCHER, Kommentar MWSTG, Art. 16 

N. 19; vgl. zum ganzen Abschnitt auch: BGE 146 II 73 E. 2.3.2). 

Ausgehend davon – so das Bundesgericht in BGE 146 II 73 –, dass das 

Fusionsrecht insbesondere auch die Vermögensübertragung eines Teilver-

mögens (Art. 69 ff. FusG) zulasse und damit nicht zwangsläufig die gesam-

ten Aktiven und Passiven übertragen werden müssten, scheine die Mei-

nung des Bundesrats dahinzugehen, neurechtlich auch eine partielle Steu-

ernachfolge zuzulassen. Auch die Literatur befürworte teils die Möglichkeit 

der partiellen Steuernachfolge, womit die angestrebte Übereinstimmung 

zwischen Art. 16 Abs. 2 MWSTG und Art. 69 Abs. 1 FusG hergestellt wäre. 

Das Bundesgericht fährt fort, der Wortlaut von Art. 16 Abs. 2 MWSTG lasse 

diese Gleichstellung zu. Die Steuernachfolge könne unabhängig davon 

eintreten, ob der übertragende Unternehmensträger zivilrechtlich unter-

gehe (zum Ganzen ausführlich: BGE 146 II 73 E. 2.3.2 f. mit weiteren Hin-

weisen; BOSSART MEIER/CLAVADETSCHER, MWSTG Kommentar, Art. 16 

MWSTG N. 16 f. mit Verweis auf Art. 15 MWSTG N. 26 ff.; vgl. auch: SU-

TER/WARTMANN/BRUSA, Bundesgericht öffnet Tore für partielle Steuersuk-

zessionen, in: Expert Focus [EF] 8/20, S. 562 ff., S. 563; a.M.: FISCHER, 

Kommentar MWSTG, Art. 16 N. 13 und Urteile des BVGer A-5649/2017 

und A-5657/2017 vom 6. September 2018 E. 2.6.2 2. Abschnitt sowie 

A-3141/2015 und A-3144/2015 vom 18. Januar 2017 E. 7.2; vgl. ferner die 

[bisher nicht gerichtlich überprüfte] neuste Praxis der ESTV zur Über-

nahme eines Teilvermögens: Mehrwertsteuer-Branchen-Info Nr. 11 «Mel-

deverfahren» Ziff. 5.4, publiziert am 20. Mai 2021). 

Als «Unternehmen» nach Art. 16 Abs. 2 MWSTG ist jedoch nicht ein Un-

ternehmen i.S.v. Art. 10 MWSTG gemeint (BOSSART MEIER/CLAVADET-

SCHER, MWSTG Kommentar, Art. 15 MWSTG N. 34; IVO P. BAUMGARTNER 

et al., Vom alten zum neuen Mehrwertsteuergesetz, 2010, § 3 Rz. 104; 

MARC VOGELSANG, Ausweitung der Steuersukzession im Mehrwertsteuer-

recht, in: Steuer Revue [StR] 75/2020, S. 630 ff., S. 635 f.). Vielmehr ist 

wohl ein «organisch in sich geschlossene[r] Teil des Vermögens oder Ge-

schäftes» gemeint (Urteil des BGer 4A_256/2008 vom 29. Oktober 2008 

E. 4.1; vgl. auch: BOSSART MEIER/CLAVADETSCHER, MWSTG Kommentar, 

Art. 15 MWSTG N. 34, welche von einem betriebswirtschaftlichen Begriff 

ausgehen). 

A-4326/2019 

Seite 22 

Ein wichtiges Indiz dafür, dass eine Steuersukzession vorliegt, bildet die 

Tatsache, dass mit der Transaktion auch Geschäftsunterlagen, namentlich 

die Buchhaltung, auf den Übernehmenden übertragen werden (BAUM-

GARTNER et al., a.a.O., § 3 Rz. 107; a.M.: VOGELSANG, a.a.O., S. 630 ff., 

S. 637 [Fussnote 43]). 

2.9.3 Rechtsfolge der Steuersukzession ist der Eintritt des Nachfolgers in 

alle Rechte und Pflichten des bisherigen Steuerpflichtigen. Dazu gehören 

neben der Haftung für die Steuerschulden (sog. «Zahlungssukzession») 

sämtliche Verfahrens- und materiellen Rechte und Pflichten im Bereich der 

Mehrwertsteuer für die übernommene Unternehmung (sog. «Verfahrens-

sukzession»; zum Ganzen: Urteile des BGer 2A.349/2004 vom 1. Dezem-

ber 2004 E. 2.2 und 2A.351/2004 vom 1. Dezember 2004 E. 2.2, je mit wei-

terem Hinweis; BOSSART MEIER/CLAVADETSCHER, MWSTG Kommentar, 

Art. 16 MWSTG N. 1 mit weiteren Hinweisen; FISCHER, Kommentar 

MWSTG, Art. 16 N. 1; vgl. auch: VOGELSANG, a.a.O., S. 630 ff., insb. 

S. 633; SUTER/WARTMANN/BRUSA, a.a.O., S. 562 ff., S. 563 f.). 

3.  

Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Steuernachforderung der Vor- 

instanz gegenüber der Beschwerdeführerin in der Höhe von insgesamt 

Fr. 212'984.-- zzgl. Verzugszins rechtmässig ist. Diesbezüglich muss als 

erstes geklärt werden, ob die Beschwerdeführerin im Sinn von Art. 16 

Abs. 2 MWSTG Steuernachfolgerin der B._______ AG geworden ist, in-

dem sie deren Unternehmen übernommen hat (E. 3.2). Ist eine Übernahme 

eines Unternehmens im Sinn von Art. 16 Abs. 2 MWSTG zu verneinen, 

muss sodann geklärt werden, ob eine Steuerumgehung vorliegt (E. 3.3). 

Hat die Beschwerdeführerin für die Steuerforderung einzustehen, ist so-

dann der Frage nachzugehen, ob die Vorinstanz zu Recht die B._______ 

AG als Leistungserbringerin der in ihren beiden Clubs erbrachten sexuellen 

Dienstleistungen betrachtet und ihr die entsprechenden Umsätze zuge-

rechnet hat (E. 3.4) und ob die ermessensweise festgesetzte Steuernach-

forderung rechtens ist (E. 3.5). 

3.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, eine Steuerumgehung sei nicht ge-

geben, weshalb daraus auch keine Steuernachfolge begründet werden 

könne. Zudem fehle es am Tatbestand der Übernahme eines Unterneh-

mens. Eine solche könne nur gegeben sein, wenn mindestens einzelne 

Aktiven und Passiven auf eine andere Unternehmung übertragen würden. 

Vorliegend seien aber zu keiner Zeit irgendwelche Betriebsmittel – wie vor-

A-4326/2019 

Seite 23 

handene Getränke, die Büroeinrichtung und weiter vorhandene Gegen-

stände – oder Geschäftsunterlagen von der B._______ AG auf sie – die 

Beschwerdeführerin – übertragen worden. Da das Kleininventar der Clubs 

der Vermieterin gehört habe, sei sie nicht verpflichtet gewesen, der 

B._______ AG etwas für die Übernahme des Betriebs zu bezahlen. Sie 

habe lediglich in den gleichen Lokalitäten wie die B._______ AG nach de-

ren Wegfall einen gleichartigen Betrieb eröffnet. Dies sei nicht ungewöhn-

lich und es könne nicht sein, dass an diesen Umstand Steuerfolgen im Sinn 

einer Unternehmensübernahme geknüpft würden. Es sei nicht anzuneh-

men, dass die Beschwerdeführerin den Betrieb mit den seinerzeit durch die 

B._______ AG erteilten Bewilligungen führe. Diese sei gehalten gewesen, 

die notwendigen Bewilligungen in ihrem eigenen Namen einzuholen. Auch 

aus dem tatsächlichen Verhalten der beiden Gesellschaften könne nicht 

auf eine Steuernachfolge geschlossen werden. 

Die Vorinstanz entgegnet, die Beschwerdeführerin verkenne, dass sich im 

vorliegenden Fall die Steuernachfolge aus dem Vorliegen der Steuerum-

gehung ergebe. Dadurch, dass die Beschwerdeführerin den Betrieb der 

B._______ AG mit der gleichen Belegschaft, der gleichen Tätigkeit, am 

gleichen Domizil weitergeführt habe und die gleichen Verwaltungsräte, die 

gleiche Treuhandfirma und dieselbe Vermieterin bei beiden Gesellschaften 

in Erscheinung träten, greife das Argument nicht, es sei lediglich in den 

gleichen Lokalitäten nach Wegfall der B._______ AG ein gleichartiger Be-

trieb eröffnet worden. Die Beschwerdeführerin habe sodann mit Sicherheit 

die am 30. April 2016 noch vorhandenen Getränke, die Büroeinrichtung 

und die weiteren vorhandenen Gegenstände, welche klarerweise nicht 

zum Inventar gehörten, welches die B._______ AG an die Vermieterin 

übertragen haben soll, übernommen. Auch die auf die B._______ AG lau-

tende Bewilligung sei nahtlos übertragen worden – eine Übernahme von 

einzelnen Aktiven habe somit stattgefunden. 

3.2 Wie in Erwägung 2.9 erwähnt, wurde im geltendem Recht bei einer 

Steuerübernahme nach Art. 16 Abs. 2 MWSTG das Erfordernis der Über-

nahme mit Aktiven und Passiven gestrichten und nur noch daran ange-

knüpft, dass die übernehmende steuerpflichtige Person ein «Unternehmen 

übernimmt». Als Unternehmen gilt ein «organisch in sich geschlossene[r] 

Teil des Vermögens oder Geschäftes». Sodann knüpft Art. 16 Abs. 2 

MWSTG an das Fusionsrecht an, weshalb die Steuersukzession auch bei 

der Übertragung eines Teilvermögens eintreten kann. Es muss im Einzelfall 

beurteilt werden, ob eine Unternehmensübernahme vorliegt. Sofern ein 

Unternehmen als Einheit übertragen wird, ist – wie gezeigt – die Art der 

A-4326/2019 

Seite 24 

Übertragung nicht relevant. Das tatsächliche Zusammenführen zweier Un-

ternehmen genügt, wenn das Vorgehen im Ergebnis der Übernahme von 

Aktiven und Verbindlichkeiten gleichkommt. 

3.2.1 In Bezug auf den Sachverhalt kann vorab Folgendes erwähnt wer-

den:  

Es ist nicht bestritten, dass die B._______ AG ihren Betrieb aufgegeben 

hat und nicht mehr besteht (vgl. Sachverhalt Bst. C.c und D). 

Fest steht sodann, dass laut den vorliegenden Mietverträgen als Vermiete-

rin der beiden Clubs im massgeblichen Zeitpunkt die G._______ AG auf-

trat, welche im hier relevanten Zeitpunkt (Anfang Mai 2016) – so beide Par-

teien in Übereinstimmung – auch Eigentümerin des «vermieteten» Club-

Inventars war (vgl. Sachverhalt Bst. A.b; vgl. VB 10-12; Beschwerde, 

S. 14). Laut Vorinstanz gehörte das Kleininventar des Clubs D._______ 

der G._______ AG bereits seit 2014; dasjenige des Clubs C._______ habe 

ab Mai 2016 der G._______ AG gehört, es sei dieser durch Verrechnung 

mit angeblichen offenen Mietzinsschulden in Höhe von Fr. 140'000.-- zu-

gegangen (vgl. Einspracheentscheid, S. 20). Sowohl im Mietvertrag mit der 

B._______ AG als auch in demjenigen mit der Beschwerdeführerin ist ein 

jährlicher Basismietzins von jeweils Fr. 180'000.-- festgesetzt (vgl. VB 10 

und 11, Mietverträge, jeweils Ziff. 5.1). Die Jahresrechnung 2015 der 

G._______ AG wies laut Vorinstanz ein «Inventar Wellness» von 

Fr. 30'000.-- aus, wobei diejenige des Jahres 2016 im Anlagevermögen ein 

Kontokorrentkonto zu Lasten der Beschwerdeführerin im Umfang von 

Fr. 96'975.-- enthielt sowie neu auch ein Inventar «C._______» von 

Fr. 78'000.-- (vgl. Einspracheentscheid, S. 16, wobei auf S. 20 von 

Fr. 100'000.-- die Rede ist). 

Was die angeblichen offenen Mietzinsschulden der B._______ AG in Höhe 

von Fr. 140'000.-- anbelangt, sind laut den Ausführungen der Vor- 

instanz in der Bilanz 2015 der G._______ AG betreffend die massgebliche 

Liegenschaft Mieteinnahmen in Höhe von Fr. 188'750.-- und Debitoren ge-

genüber der B._______ AG im Betrag von Fr. 37'532.-- bilanziert. Die Bi-

lanz 2016 dokumentiere – so die Vorinstanz – Mieteinnahmen von 

Fr. 213'000.-- und Debitoren in Höhe von 0.-- (Einspracheentscheid, S. 21). 

Ein sich in den Akten befindlicher Betreibungsregisterauszug hinsichtlich 

der B._______ AG enthält keine Betreibungen für Mietzins- oder Treuhand-

schulden (VB 8, Betreibungsregisterauszug vom 5. Juli 2017). 

A-4326/2019 

Seite 25 

Laut Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin die auf die B._______ AG lau-

tenden Bewilligungen nahtlos übernommen (Einspracheentscheid, S. 22). 

Die Beschwerdeführerin entgegnet, es sei «nicht anzunehmen, dass die 

Beschwerdeführerin mit den seinerzeit der B._______ AG in Liquidation 

erteilten Bewilligungen den Betrieb [führe]. Vielmehr [sei] die Beschwerde-

führerin gehalten [gewesen], die notwendigen Bewilligungen in ihrem Na-

men einzuholen» (Beschwerde, S. 17). Die Beschwerdeführerin betreibe – 

so die Vorinstanz – die gleiche Internetseite (bzw. keine massgeblichen 

Veränderungen), was durch die Beschwerdeführerin bestritten wird («so-

weit bekannt, [sei] die Internetseite neu gestaltet worden»). 

Aus den Akten ergibt sich schliesslich, dass die Beschwerdeführerin die 

beiden Clubs mit denselben Mitarbeiterinnen wie die B._______ AG be-

trieb; insbesondere war bei beiden Gesellschaften dieselbe Geschäftsfüh-

rerin tätig (VB 5, Kontoblatt 5200 [Löhne, 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 

2016] der Beschwerdeführerin; VB 6, AHV-Lohnbescheinigungen [1. Ja-

nuar 2016 bis April 2016] der B._______ AG; VB 7, AHV-Lohnbescheini-

gungen [1. Mai 2016 bis Dezember 2016] der Beschwerdeführerin; vgl. 

auch VB 9, Bericht der Kantonspolizei […] vom 9. Juli 2017). 

3.2.2 Als Nächstes ist nun zu prüfen, ob die Voraussetzungen einer Steu-

ernachfolge im Sinn von Art. 16 Abs. 2 MWSTG erfüllt sind:  

Vorliegend wird weder geltend gemacht noch ergibt es sich aus den Akten, 

dass die B._______ AG und die Beschwerdeführerin einen Kaufvertrag o-

der dergleichen geschlossen hätten, mittels dessen Aktiven und Passiven 

übertragen wurden; schon gar nicht ist ein schriftlicher Übertragungsver-

trag (vgl. Art. 70 Abs. 1 FusG) auszumachen. Ein allfälliger Beschluss des 

Verwaltungsrats, als hierfür zuständiges oberstes Leitungs-  

oder Verwaltungsorgan (vgl. Art. 716 f. Bundesgesetz vom 30. März 1911 

betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter 

Teil: Obligationenrecht], OR, SR 220), dass Aktiven/Vermögen und Passi-

ven übertragen werden sollten, liegt ebenfalls nicht in den Verfahrensak-

ten. Da ausserdem die Bilanzen der B._______ AG und der Beschwerde-

führerin nicht vorliegen, kann eine faktische Zusammenlegung der Vermö-

gen (vgl. E. 2.9.1 bzw. Urteil des BGer 2A.349/2004 vom 1. Dezember 

2004 E. 2.3) auch nicht daraus abgelesen werden. Des Weiteren ist unklar, 

ob Geschäftsunterlagen übertragen wurden (immerhin hat die Beschwer-

deführerin das Aktienbuch der B._______ AG im vorinstanzlichen Verfah-

ren eingereicht und war somit in dessen Besitz).  

A-4326/2019 

Seite 26 

Laut übereinstimmenden Aussagen der Parteien besass die B._______ AG 

im hier entscheidenden Zeitpunkt (Ende April/Anfang Mai 2016) keine Ak-

tiven mehr, da das Gross- und Kleinmobiliar zuvor an die Vermieterin über-

tragen worden ist (vgl. E. 3.2.1). Das Mobiliar sei alsdann – so die Parteien 

– im Rahmen des Mietvertrages für Geschäftsräumlichkeiten durch die Ver-

mieterin an die Beschwerdeführerin «mitvermietet» worden (vgl. VB 11, 

Mietvertrag, Ziff. 2.1; der Jahresmietzins wurde hingegen nicht erhöht). 

Von einer Übernahme des Inventars durch die Beschwerdeführerin kann 

somit – angesichts der Aktenlage – nicht ausgegangen werden, auch die 

Vorinstanz behauptet dies im Übrigen nicht. Nicht bewiesen sind die blos-

sen Mutmassungen der Vorinstanz (Einspracheentscheid S. 22), dass die 

Beschwerdeführerin am 30. April 2016 «mit Sicherheit» die vorhandenen 

Getränke, die Büroeinrichtung und weitere vorhandene Gegenstände (wel-

che nicht zum Inventar gehörten) übernommen habe. 

Die sich in den Akten befindlichen Mietverträge zeigen des Weiteren auf, 

dass der Mietvertrag zwischen der Vermieterin und der B._______ AG nicht 

auf die Beschwerdeführerin übertragen worden ist; für die Beschwerdefüh-

rerin wurde ein neuer Mietvertrag mit der Vermieterin aufgesetzt (vgl. 

VB 10 und 11, Mietverträge).  

Hinsichtlich (Gewerbe-)Bewilligung bestehen – wie in Erwägung 3.2.1 ge-

zeigt – keine übereinstimmenden Ausführungen. Laut Vorinstanz sind die 

auf die B._______ AG lautenden Bewilligungen nahtlos übernommen wor-

den, während in der Beschwerde vermutet wird, die Beschwerdeführerin 

habe die notwendigen Bewilligungen wohl in ihrem Namen eingeholt. Die 

massgeblichen Bewilligungen liegen nicht bei den Akten. Als steuerbegrün-

dende bzw. -erhöhende Tatsache trägt die ESTV hierfür (grundsätzlich) die 

objektive Beweislast (E. 1.7). Gleiches gilt bezüglich des Internetauftrittes, 

auch diesbezüglich vermochte die ESTV nicht zu beweisen, dass dieser 

identisch geblieben ist.  

Was die Mitarbeiter anbelangt, ergibt sich zweifellos aus den Akten, dass 

die Beschwerdeführerin in beiden Clubs die gleichen Mitarbeiterinnen (inkl. 

Geschäftsführerin) wie die B._______ AG weiterbeschäftigte (E. 3.2.1). 

Laut Art. 333 OR geht das Arbeitsverhältnis mit allen Rechten und Pflichten 

mit dem Tage der Betriebsnachfolge auf den Erwerber über – sofern der 

Arbeitnehmer den Übergang nicht ablehnt –, wenn der Arbeitgeber den Be-

A-4326/2019 

Seite 27 

trieb oder einen Betriebsteil auf einen Dritten überträgt. Ob die Arbeitsver-

träge in diesem Sinn formell korrekt übertragen worden sind, ist nicht be-

legt.  

3.2.3 Insgesamt ist somit weder die Übernahme von Aktiven, noch die 

Übernahme von Passiven belegt. Eine Übernahme eines Unternehmens 

im Sinn von Art. 16 Abs. 2 MWSTG (wofür die Steuerbehörde beweisbe-

lastet wäre) kann aufgrund der Akten nicht als erwiesen angesehen wer-

den. Somit bleibt zu prüfen, ob eine Steuernachfolge infolge einer Steu-

erumgehung anzunehmen ist (nachfolgend: E. 3.3; vgl. zum Verhältnis 

Steuersukzession und Steuerumgehung: Urteil des BGer 2C_923/2018 

vom 21. Februar 2020 E. 3.3.1 [in BGE 146 II 73 nicht publizierte Erwä-

gung]; vgl. auch: SUTER/WARTMANN/BRUSA, a.a.O., S. 562 ff., S. 565). 

3.3  

3.3.1 Für die Annahme einer Steuerumgehung ist zunächst vorausgesetzt, 

dass die von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als ungewöhnlich, 

sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls den wirtschaftlichen Gegebenhei-

ten völlig unangemessen erscheint; die Sachverhaltsgestaltung liegt jen-

seits des wirtschaftlich Vernünftigen (sog. «objektives» Element oder «Um-

wegstruktur», E. 2.8.2). 

3.3.1.1 Am 18. März 2016 wurde bei der B._______ AG bzw. deren Treu-

handbüro eine Mehrwertsteuerkontrolle durchgeführt und Herr H._______ 

als Ansprechperson über die bevorstehende Steuernachforderung auf-

grund der unvollständig deklarierten Umsätze informiert. Am 11. Mai 2016 

– dem Tag der angesetzten Abschlussbesprechung – teilte Herr H._______ 

der ESTV mündlich mit, er habe sein Mandat aufgrund offener Miet- und 

Treuhandschulden niedergelegt und könne der ESTV nicht mehr weiterhel-

fen (Sachverhalt Bst. B). Die B._______ AG verfügte ab dem 10. Oktober 

2016 über keine Organe mehr, wurde am 23. Februar 2017 aufgelöst und 

kurz darauf von Amtes wegen gelöscht (Sachverhalt Bst. A.a und D). Aus 

den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin im Mai 2016 (vgl. 

E. 2.1.3) die beiden streitbetroffenen Clubs betrieb bzw. die B._______ AG 

den Betrieb aufgegeben hatte. Bereits diese zeitliche Nähe zwischen Kon-

trolle und tatsächlicher Aufgabe des Betriebs der beiden Clubs durch die 

B._______ AG bildet ein Indiz für eine Steuerumgehung (vgl. Urteil des 

BVGer A-3141/2015 und A-3144/2015 vom 18. Januar 2017 E. 11.5.2). 

Darüber hinaus lassen die im Folgenden dargelegten Gemeinsamkeiten 

A-4326/2019 

Seite 28 

und insbesondere die «personellen Verstrickungen» der involvierten Per-

sonen die vorliegende Rechtsgestaltung als ungewöhnlich bzw. jenseits 

des wirtschaftlich Vernünftigen erscheinen: 

Beide Gesellschaften betreiben – wie bereits festgestellt (E. 3.2.1) – die-

selben Clubs in derselben Räumlichkeit mit denselben Mitarbeiterinnen 

und insbesondere mit derselben Geschäftsführerin. Die Beschwerdeführe-

rin hat sogar die Namen der beiden Clubs übernommen. Unbestritten ist 

sodann, dass beide Gesellschaften eine identische Geschäftstätigkeit – 

nämlich das Betreiben der beiden Clubs – ausüben. Hierbei fällt auf, dass 

der Geschäftszweck im Handelsregister erst im Jahr 2020 dem effektiven 

Geschäftszweck angepasst worden ist (Online-Handelsregistereintrag 

[letztmals abgerufen am 5. Mai 2021], Tagesregister-Nr. […] vom 7. April 

2020, welche am 14. April 2020 veröffentlicht wurde). 

Dass beide Gesellschaften das gleiche Treuhandbüro, mit Herrn 

H._______ als Ansprechperson beauftragt haben, ist nicht bestritten. Hin-

sichtlich des Internetauftritts und der (Gewerbe-)Bewilligung kann auf das 

in Erwägung 3.2.2 Erwähnte verwiesen werden. 

Was die persönlichen Verflechtungen der involvierten Personen angeht, 

ergibt sich aus den Akten, dass die B._______ AG über dieselben Organe 

verfügte, wie die Beschwerdeführerin. Vor Übernahme der Clubs war Herr 

E._______ Mitglied des Verwaltungsrats bei der B._______ AG und (fast 

nahezu) gleichzeitig einziger Gesellschafter bei der Beschwerdeführerin, 

wobei er auch als Präsident des Verwaltungsrats der Vermieterin der Clubs 

auftrat. Er wurde alsdann in den beiden erstgenannten Gesellschaften 

durch Herr F._______ ersetzt. Herr H._______ amtete bei der Vermieterin 

und beim Treuhandbüro im Zeitpunkt der Betriebsübergabe als Mitglied 

des Verwaltungsrats. Frau I._______ amtete als Präsidentin des Verwal-

tungsrates im Treuhandbüro und übernahm diese Funktion per 27. Juli 

2016 auch bei der Vermieterin (vgl. hierzu: Sachverhalt Bst. A.a, A.b. und 

C.a). Weiter zeigen Belege in den Akten auf, dass Herr H._______ tatsäch-

lich, wie die Vorinstanz angibt, für die B._______ AG diverse Möbel und 

Inventar beschaffte (VB 1, Schreiben der L._______ AG vom 7. Mai 2010 

inkl. Beilagen), was üblicherweise nicht in den Aufgabenbereich eines 

Treuhänders gehört und somit ebenfalls für eine personelle Verstrickung 

spricht. Insgesamt sind also diverse personelle Verflechtungen zwischen 

den verschiedenen involvierten Gesellschaften und namentlich zwischen 

der früheren und der neuen Betreiberin der Clubs erstellt. Auch aus diesem 

Grund erscheint es als ungewöhnlich, dass die Geschäftstätigkeit nicht 

A-4326/2019 

Seite 29 

weiterhin über die B._______ AG lief, sondern von der Beschwerdeführerin 

(mit ähnlicher personeller Besetzung) übernommen wurde. Für eine enge 

Beziehung zwischen den beiden Gesellschaften spricht letztlich auch, dass 

die Beschwerdeführerin im Besitz des Aktienbuches der B._______ AG 

war (vgl. E. 3.2.2). 

3.3.1.2 Hierzu entgegnet die Beschwerdeführerin unter anderem (vgl. 

hierzu ausführlich: Sachverhalt Bst. H), Freunde oder Bekannte sowie das 

Personal oder Mitglieder des Verwaltungsrats oder weitere Organe einer 

Kapitalgesellschaft würden nicht als eng verbundene Person gemäss Art. 3 

Bst. h MWSTG qualifizieren. Tatsächlich gilt unter anderem der Verwal-

tungsrat, das Personal oder blosse «Bekanntschaften» nicht als eng ver-

bundene Person gemäss Art. 3 Bst. h Ziff. 1 MWSTG (BOSSART/CLAVADET-

SCHER, Kommentar MWSTG, Art. 3 N. 161, N. 180 und N. 183). Dies be-

hauptet die Vorinstanz jedoch auch nicht. Für die Frage der Steuerumge-

hung ist die Definition der eng verbundenen Person gemäss Art. 3 Bst. h 

MWSTG denn auch nicht von Relevanz. Sehr wohl von Relevanz sind aber 

die oben aufgezeigten «persönlichen Verstrickungen» der involvierten Per-

sonen, welche neben den weiteren Gemeinsamkeiten die vorliegende 

Rechtsgestaltung als ungewöhnlich erscheinen lassen.  

Auch die weiteren Einwendungen der Beschwerdeführerin (Sachverhalt 

Bst. H sowie E. 3.1) vermögen die festgestellte absonderliche Rechtsge-

staltung («objektives» Element der Steuerumgehung; E. 2.8.2) nicht zu wi-

derlegen. Sieht man von steuerlichen Aspekten ab, erscheint somit unge-

wöhnlich bzw. jenseits des wirtschaftlich Vernünftigen, dass die B._______ 

AG den Betrieb der beiden umsatzstarken Clubs (vgl. später: E. 3.5.2.1) so 

zeitnah nach der Ankündigung einer Mehrwertsteuerkontrolle aufgrund an-

geblicher Miet- und Treuhandschulden aufgab, schliesslich aufgelöst 

wurde und die Beschwerdeführerin als Nachfolgerin die beiden Clubs mit 

der genau gleichen Geschäftstätigkeit, mit denselben Clubnamen, in der-

selben Räumlichkeit und mit gleicher Belegschaft weiterführte. Hierbei 

spielen insbesondere die personellen Verstrickungen – gleicher Verwal-

tungsrat bzw. Gesellschafter, gleiche Vermieterin, in welcher wiederum 

derselbe Gesellschafter und derselbe Treuhänder amtete – eine aus-

schlaggebende Rolle. Eine absonderliche Rechtsgestaltung im Sinne der 

Judikatur und Doktrin zur Steuerumgehung ist somit gegeben. 

3.3.2 Für die Annahme einer Steuerumgehung ist weiter vorausgesetzt 

(vgl. E. 2.8.2, «subjektives» Element oder «Missbrauchsabsicht» und «ef-

A-4326/2019 

Seite 30 

fektives» Element oder «Steuervorteil»), dass die gewählte Rechtsgestal-

tung missbräuchlich lediglich deshalb getroffen wurde, um Steuern einzu-

sparen, die bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären 

und dass effektiv Steuern eingespart wurden. 

3.3.2.1 Hätte die B._______ AG ihr Unternehmen weitergeführt, hätte sie 

die Steuernachforderungen der Vorinstanz begleichen müssen. Hätte sie 

ihr Unternehmen direkt der Beschwerdeführerin übertragen (vgl. Art. 16 

Abs. 2 MWSTG), wäre die Beschwerdeführerin als Steuernachfolgerin im 

Sinn von Art. 16 Abs. 2 MWSTG in alle Rechte und Pflichten der B._______ 

AG eingetreten und hätte für die Steuernachforderungen der Vorinstanz 

geradestehen müssen. Würde das fragliche Konstrukt akzeptiert, müsste 

die Vorinstanz auf sämtliche Steuernachforderungen verzichten, da die 

B._______ AG mittlerweile im Handelsregister gelöscht ist und die Be-

schwerdeführerin nicht als deren Steuernachfolgerin angesehen werden 

kann (E. 3.2). Die Absicht der Steuerersparnis ist somit offensichtlich. 

3.3.2.2 Auch die letzte Voraussetzung der Steuerumgehung, die effektive 

Steuerersparnis, ist vorliegend evident, zumal die Beschwerdeführerin, 

würde die fragliche Rechtsgestaltung anerkannt, nicht für die offenen Steu-

erschulden in Höhe von Fr. 212'984.-- zzgl. Verzugszins ab dem 31. Au-

gust 2014 aufkommen müsste. Das subjektive und effektive Element einer 

Steuerumgehung sind damit ebenfalls erfüllt. 

3.3.3 Insgesamt sind vorliegend die Voraussetzungen einer Steuerumge-

hung erfüllt. Somit hat die ESTV die Beschwerdeführerin zu Recht für den 

hier interessierenden Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 30. April 2016 als 

Steuernachfolgerin der B._______ AG erklärt und die offenen Steuerschul-

den eingefordert. Somit bleibt nachfolgend zu prüfen, ob die B._______ AG 

als Leistungserbringerin der in ihren Clubs erbrachten sexuellen Dienst-

leistungen gilt und ihr die entsprechenden Umsätze zugerechnet werden 

können (E. 3.4) und ob die ermessensweise festgesetzte Steuernachfor-

derung rechtens ist (E. 3.5). 

3.4  

3.4.1 Im vorliegenden Fall ist aufgrund der Akten belegt und im Wesentli-

chen denn auch nicht oder zumindest nicht explizit bestritten, dass die 

B._______ AG im hier relevanten Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 30. Ap-

ril 2016 den Club C._______ (seit dem 1. Januar 2010) und ab dem 1. Ja-

nuar 2015 den Club D._______ betrieb, welche insbesondere als Sex- und 

A-4326/2019 

Seite 31 

Saunaclubs ausgestattet waren. Die B._______ AG vereinnahmte von ih-

ren Gästen eine Eintrittsgebühr für den jeweiligen Clubaufenthalt, welche 

insbesondere die Nutzung des Wellnessbereichs, weiterer Infrastruktur 

(unter anderem Billard), den Konsum von Softgetränken und die Inan-

spruchnahme erotischer Dienstleistungen in einem der insgesamt neun zur 

Verfügung stehenden Zimmern der beiden Clubs von einer der anwesen-

den Sexdienstleisterinnen (von der Beschwerdeführerin «Girls» genannt; 

nachfolgend: Sexdienstleisterinnen) beinhaltete. Die Sexdienstleisterinnen 

waren in der Regel in beiden Clubs tätig. 

3.4.2 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob die im Club tätigen Sexdienst-

leisterinnen selbst oder die Clubbetreiberin aus mehrwertsteuerlicher Sicht 

als Leistungserbringerinnen der Sexdienstleistungen zu betrachten sind. 

Entscheidend für die Beantwortung dieser Frage ist, ob die Sexdienstleis-

terinnen ihre Tätigkeit aus mehrwertsteuerlicher Sicht «selbständig» aus-

geübt haben und unter eigenem Namen nach aussen aufgetreten sind (vgl. 

E. 2.2.3). Massgebend ist dabei, wie ein Angebot für die Allgemeinheit, für 

einen neutralen Dritten objektiv erkennbar in Erscheinung tritt (sog. «Aus-

senauftritt»; vorne: E. 2.3.4). Sodann ist die besagte Selbständigkeit an-

hand weiterer Indizien zu prüfen (bereits: E. 2.3.2). 

3.4.2.1 Der Aussenauftritt lässt sich vorab anhand der Homepage der bei-

den Clubs (www.[....].ch und www.[...].ch) beurteilen. Aktenkundig sind di-

verse Auszüge der Homepage aus dem Webarchiv der Jahre 2014 bis 

2016 (VB 17, Einspracheentscheid vom 29. Juli 2019, Beilage I-VII). 

Auf der Homepage des Clubs C._______ war unter anderem Folgendes 

zu lesen: «Willkommen im (Name). Dieser Club zählt zu den schönsten 

Freizeitclubs im Kanton (…). Geniesse mit täglich bis 10 Top-Girls (…) 

Sauna und Bar. Besuche den Club C._______ in (Ort). Wir sind täglich ab 

15:00 für Dich da! (…) Club-Bar mit gemütlichen Sitzecken. (…) Top-Girls. 

(Fotos und Infos der Girls)». Weiter hiess es unter der Rubrik «Preise», 

«unsere Preise»: «Club Eintritt und Vergnügen 15 Minuten Zimmer  

Fr. 99.--; Club Eintritt und 2x Vergnügen à 15 Minuten Zimmer Fr. 160.--; 

Club Eintritt und Vergnügen 60 Minuten Zimmer Fr. 300.--; Aktion Montag, 

Dienstag und Mittwoch Einzelservice Vergnügen (1/2 h) für Fr. 150.-- statt 

Fr. 180.--». Unter «unsere Öffnungszeiten» waren die Öffnungszeiten von 

Montag bis Samstag von 15 Uhr bis 24 Uhr bzw. Sonntag von 15 Uhr bis 

23 Uhr [im Jahr 2014: bis 20 Uhr] abrufbar (VB 17, Einspracheentscheid 

vom 29. Juli 2019, Beilage I und III). 

A-4326/2019 

Seite 32 

Unter der Rubrik «Jobs», «offene Stellen» wurden unter anderem 

Sexdienstleisterinnen gesucht mit den Worten: «Wir suchen laufend (…) 

Girls (…)». Als Kontaktdaten wurde eine Handynummer mit dem Vermerk 

angegeben, «wir sprechen (…)» (VB 17, Einspracheentscheid vom 29. Juli 

2019, Beilage I). 

Unter der Rubrik «Girls» fand sich eine Präsentation (teilweise mit Bild) 

einer Auswahl der an einem bestimmten Tag anwesenden Sexdienstleiste-

rinnen mit weiteren Detailangaben. Gemäss Auszug aus dem Webarchiv 

vom 18. Februar 2014 waren unter dieser Rubrik 13 Frauen aufgelistet 

(VB 17, Einspracheentscheid vom 29. Juli 2019, Beilage III). 

Weiter warb die Beschwerdeführerin auf ihrer Homepage mit den Angebo-

ten: «Unser Hit: Eintritt + 15 Min. Vergnügen: Fr. 99.--» oder mit «Hit Ange-

bot: Eintritt – Wellness – Billard: Fr. 160.-- + 2x Sex inkl. Softgetränk» 

(VB 17, Einspracheentscheid vom 29. Juli 2019, Beilage II und III). 

Auf jeder Internetseite war die Adresse und Telefonnummer des Clubs ver-

merkt. 

Auf der Homepage des Clubs D._______ ist nahezu Identisches aufzufin-

den. Lediglich bezüglich Öffnungszeiten war vermerkt, dass sie ab 20:00 

für die Gäste da seien. Auch die Preise unterschieden sich leicht: «(…) 

Vergnügen ab 15 Minuten Fr. 95.--» (VB 17, Einspracheentscheid vom 

29. Juli 2019, Beilage IV-VII). 

3.4.2.2 Nach den erwähnten Auszügen aus dem Webarchiv erscheinen für 

einen neutralen Betrachter die Sexdienstleisterinnen klar als Teil des jewei-

ligen Clubangebots. So verwendete die Clubbetreiberin beispielsweise 

selbst immer wieder den Begriff «unsere Girls». Denselben Eindruck er-

weckt auch der Umstand, dass sich die «Girls» beim Club «bewerben» 

konnten. Soweit ersichtlich, hatte (zumindest eine erste) Kontaktnahme be-

treffend eine sexuelle Dienstleistung über einen der Clubs zu erfolgen. 

Dass die Möglichkeit einer direkten Kontaktnahme mit den Sexdienstleis-

terinnen gegebenenfalls möglich war, ist nach aussen jedenfalls nicht er-

kennbar. Es bestehen keine Hinweise, dass die Sexdienstleisterinnen im 

eigenen Namen in Erscheinung traten. Die Präsentation der «Girls» war 

standardisiert, was die Profilangaben betraf und durch das einheitliche 

Layout in das Gesamterscheinungsbild des jeweiligen Clubs eingepasst. 

Die Sexdienstleisterinnen mussten die Kunden nicht selber anwerben. Die 

A-4326/2019 

Seite 33 

fixen Öffnungszeiten, die Vorgabe von festgelegten Preisen für den Zim-

merservice, die Rubrik «Girls» und das In-Aussicht-Stellen einer Min-

destanzahl anwesender «Top-Girls» verstärken den Eindruck, dass die 

Sexdienstleisterinnen Teil des Clubangebots waren. Der Aussenauftritt 

spricht damit insgesamt gegen die mehrwertsteuerrechtliche Selbständig-

keit der Sexdienstleisterinnen und für die Qualifikation der B._______ AG 

als mehrwertsteuerliche Leistungserbringerin. 

Sodann waren die Sexdienstleisterinnen betriebswirtschaftlich von der 

B._______ AG weitgehend abhängig, da die Preise für den Zimmerservice 

(mit Aufenthalt in einem der Clubs) auf der Internetseite des jeweiligen 

Clubs bekannt gegeben wurden und damit für alle Sexdienstleisterinnen 

faktisch bindend waren. Es ist zwar möglich, dass die Sexdienstleisterin-

nen für besondere Zusatzwünsche der Gäste individuelle Preise verlang-

ten und sie insofern eine gewisse Angebots- und Preisgestaltungsfreiheit 

besassen. Dennoch war eine klare Preisbindung in Bezug auf ein «Grund-

angebot» gegeben. Es ist unrealistisch, dass eine Sexdienstleisterin dies-

bezüglich von ihren Kunden höhere Preise hätte verlangen können (vgl. 

mit ähnlichen Sachverhalten statt vieler: Urteile des BVGer A-5345/2018 

vom 3. Oktober 2019 E. 3.2.2 und A-589/2014 vom 27. August 2014 

E. 3.1.3 mit weiteren Hinweisen). 

Ebenfalls ins Gewicht fällt, dass die Sexdienstleisterinnen in einer arbeits-

organisatorischen Abhängigkeit zur Beschwerdeführerin standen. Sie wa-

ren nämlich an die Öffnungszeiten der beiden Clubs und gewisse betrieb-

liche Verhaltensregeln gebunden. Es waren jeweils mehrere Frauen, wel-

che die Infrastruktur (insbesondere die neun für den Zimmerservice zur 

Verfügung stehenden Zimmer) gleichzeitig oder nacheinander für sexuelle 

Dienstleistungen nutzten. Dementsprechend konnten die Sexdienstleiste-

rinnen Leistungsumfang und -zeit nur bedingt frei wählen, da sich diese 

vielmehr nach Massgabe der betrieblichen Möglichkeiten, welche weitge-

hend von der Beschwerdeführerin vorgegeben waren, richtete (vgl. zu ähn-

lichen Sachverhalten statt vieler: Urteile des BVGer A-5345/2018 vom 

3. Oktober 2019 E. 3.2.2 und A-589/2014 vom 27. August 2014 E. 3.1.3 mit 

weiteren Hinweisen). 

In Würdigung der obgenannten Indizien ist somit aus mehrwertsteuerlicher 

Sicht die Selbständigkeit der Sexdienstleisterinnen im massgeblichen Zeit-

raum zu verneinen. Nach dem Gesagten werden die sexuellen Dienstleis-

tungen von aussen als wesentlicher Teil des jeweiligen Clubangebots 

wahrgenommen, weshalb die Betreiberin der beiden Clubs und damit die 

A-4326/2019 

Seite 34 

B._______ AG als mehrwertsteuerliche Leistungserbringerin zu betrachten 

ist. 

3.4.3 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, vermag nicht zu 

überzeugen: 

Die Beschwerdeführerin macht im Rahmen ihrer Beschwerde geltend, die 

Sexdienstleisterinnen würden beim zuständigen Arbeitsamt als Selbstän-

digerwerbende geführt werden. Dieser Qualifikation sei zu folgen, seien es 

doch die Sexdienstleisterinnen, welche selbstbestimmt ihre Arbeitsein-

sätze festlegten und somit über den Umfang ihres Einkommens verfügen 

würden. 

Wie soeben gezeigt (E. 3.4.2.2), konnten die Sexdienstleisterinnen bezüg-

lich ihrer Arbeitseinsätze Leistungsumfang und -zeit nur bedingt frei wäh-

len, da sich diese vielmehr nach Massgabe der betrieblichen Möglichkeiten 

und weitgehend auch der Bedürfnisse bzw. des Willens der B._______ AG 

bestimmten. Überdies ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Qualifika-

tion einer Person als selbständig oder unselbständig im Zusammenhang 

mit anderen Rechtsgebieten (z.B. den direkten Steuern oder im Sozialver-

sicherungsrecht) zwar nicht unbedeutende, aber dennoch nicht allein aus-

schlaggebende Indizien für die mehrwertsteuerliche Behandlung bilden. Es 

können sich somit Abweichungen zwischen der Beurteilung nach mehr-

wertsteuerlichen Überlegungen und jener betreffend anderer Rechtsge-

biete ergeben. Insbesondere aufgrund der verschiedenen Zielsetzungen 

dieser Rechtsgebiete ist es durchaus möglich, dass ein und dieselbe Per-

son in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich eingestuft wird (vgl. 

statt vieler: Urteil des BVGer A-589/2014 vom 27. August 2014 E. 3.2 mit 

weiterem Hinweis). Somit vermag am Ausgang des vorliegenden Verfah-

rens eine allfällige Selbständigkeit der Sexdienstleisterinnen in anderen 

Rechtsgebieten nichts zu ändern, da ebenfalls zu viel auf die mehrwert-

steuerliche Zurechnung der fraglichen Dienstleistungen an die B._______ 

AG hindeutet (E. 3.4.2). Diesfalls kann in antizipierter Beweiswürdigung 

(vgl. dazu statt vieler: BGE 141 I 60 E. 3.3, 134 I 140 E. 5.3 und 131 I 153 

E. 3; Urteil des BVGer A-321/2019 vom 17. September 2019 E. 2.2) auf die 

beantragte Edition der Meldebestätigungen beim zuständigen Arbeitsamt 

verzichtet werden. 

A-4326/2019 

Seite 35 

3.4.4 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht 

die B._______ AG als Leistungserbringerin der in deren beiden Clubs er-

brachten sexuellen Dienstleistungen betrachtet und ihr die entsprechenden 

Umsätze zugerechnet hat. 

3.5 Unbestritten ist, dass die B._______ AG die von den Sexdienstleiste-

rinnen in ihrem Club erzielten Umsätze der massgeblichen Jahre 2011 bis 

30. April 2016 nirgends in ihrer Buchhaltung erfasst hat. Demzufolge ent-

sprechen die Buchhaltungsunterlagen nicht den gesetzlichen Anforderun-

gen; sie sind insofern nicht vollständig (E. 2.6.1). Unter diesen Umständen 

war die Vorinstanz verpflichtet, den fraglichen Umsatz ermessensweise zu 

ermitteln (E. 2.6.2). 

3.5.1 Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die Umsatzschätzung pflichtgemäss 

vorgenommen hat (sog. „zweite Stufe“ [E. 2.7.2]; dazu nachfolgend: 

E. 3.5.2). 

3.5.2 Eine pflichtgemässe Ermessenseinschätzung ist dadurch gekenn-

zeichnet, dass sie auf ausreichend abgestützten und plausiblen Schät-

zungshilfen beruht sowie in Anwendung einer vernünftigen sowie zweck-

mässigen Schätzungsmethode erfolgt, welche die Besonderheiten des 

Einzelfalles berücksichtigt (E. 2.6.2). Bei der Überprüfung von Ermes-

senseinschätzungen setzt das Bundesverwaltungsgericht nur dann sein ei-

genes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei 

der Schätzung erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind (E. 2.7.1). 

3.5.2.1 Für die Jahre 2011 bis 2014 schätzte die ESTV zunächst eine 

durchschnittliche Anzahl von drei sexuellen Dienstleistungen pro Tag und 

Sexdienstleisterin. Weiter schätzte sie den Durchschnittspreis einer sexu-

ellen Dienstleistung anhand der auf der Homepage publizierten Preise auf 

Fr. 103.-- (exkl. MWST), wobei sie davon ausging, dass von den Kunden 

sexueller Dienstleistungen 80 % eine Dienstleistung von 15 Min. à Fr. 99.-

- und 20 % eine Dienstleistung von 30 Min. à Fr. 160.-- wählten. Aufgrund 

ihrer Annahme, dass eine Sexdienstleisterin im Durchschnitt drei Einsätze 

pro Tag hatte, eruierte sie einen Umsatz pro Sexdienstleisterin und Tag von 

Fr. 309.-- (3 * Fr. 103.--). Schliesslich hatte sie noch zu bestimmen, wie 

viele Sexdienstleisterinnen pro Tag Umsätze erzielten. Dazu stützte sie 

sich auf die Auskunft des Treuhänders, gemäss welchem täglich fünf bis 

sieben Sexdienstleisterinnen in den Clubs anwesend und dort ihre Dienst-

leistungen anboten. Die geringere Anzahl in Höhe von fünf Sexdienstleis-

terinnen pro Tag multiplizierte sie mit den Fr. 309.-- und rechnete sie auf 

A-4326/2019 

Seite 36 

365 Tage hoch, was die geschätzten Jahresumsätze aus sexuellen Dienst-

leistungen ergab (zum Ganzen: VB 14, Verfügung vom 31. August 2017, 

Beilage II). 

Den Umsatz aus sexuellen Dienstleistungen für das Jahr 2015 und 2016 

errechnete die Vorinstanz sodann, indem sie eine Übersicht über die mo-

natlichen Einnahmen für das Jahr 2015 beizog, welche durch die Ge-

schäftsführerin der B._______ AG erstellt und der Vorinstanz durch den 

Treuhänder per E-Mail vom 11. April 2016 zugestellt worden war. Laut die-

ser Übersicht verzeichnete die B._______ AG Erträge aus sexuellen 

Dienstleistungen und Gastroeinnahmen in Höhe von rund Fr. 1'038'067.-- 

[recte: Fr. 1'038'087.--]. Für das Jahr 2016 errechnete die Vorinstanz auf 

der Basis des Jahres 2015 die zu versteuernden Einnahmen «pro rata» für 

vier Monate; das heisst Fr. 1'038'067.-- / 12 * 4, woraus Erträge aus sexu-

ellen Dienstleistungen und Gastroeinnahmen von Fr. 346'022.-- [recte: 

Fr. 346'029.--] resultierten (VB 14, Verfügung vom 31. August 2017, Bei-

lage III und IV). 

3.5.2.2 Die vorliegende Umsatzschätzung basiert einerseits auf den auf 

der Website der beiden Clubs publizierten Preisen, der Auskunft des Treu-

händers und der durch die Geschäftsführerin der B._______ AG erstellten 

Übersicht, und andererseits (in Bezug auf die Anzahl sexueller Dienstleis-

tungen pro Tag und Sexdienstleisterin) auf Sachverhaltsannahmen der 

ESTV. Was die erwähnten Schätzungshilfen (insbesondere Auszüge aus 

der archivierten Website) betrifft, ist anzumerken, dass die Angaben aus 

den hier relevanten Jahren stammen und nichts in den Akten darauf hin-

deutet, dass diese nicht der Wirklichkeit entsprachen bzw. nachträglich kor-

rigiert worden wären. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vor- 

instanz darauf abgestellt hat, zumal sie dadurch überdies den individuellen 

Verhältnissen in den beiden Clubs Rechnung getragen hat. 

Der geschätzte Durchschnittspreis einer sexuellen Dienstleistung von 

Fr. 103.-- (exkl. MWST) sowie die Annahme, dass eine Sexdienstleisterin 

pro Tag im Durchschnitt drei solcher Dienstleistungen, d.h. einen Tages-

umsatz von Fr. 309.-- erzielt hat, erscheint plausibel. Dies insbesondere 

mit Blick darauf, dass die ESTV in vergleichbaren Fällen von einem höhe-

ren Ansatz von Fr. 115.-- netto als Durchschnittswert pro Kunde ausging, 

was vom Bundesverwaltungsgericht im konkreten Fall als zulässig und so-

gar als «im unteren Rahmen» der Preise für erotische Dienstleistungen lie-

gend angesehen wurde (vgl. Urteile des BVGer A-3662/2014 vom 9. Juni 

2015 E. 4.3.3 und A-1562/2006 vom 26. September 2008 E. 4.2.2.2). 

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Seite 37 

Ebenfalls nicht zu beanstanden ist die von der Vorinstanz zugrunde gelegte 

Anzahl von fünf Sexdienstleisterinnen pro Tag. Diesbezüglich stützte sie 

sich – wie gezeigt – auf die Auskunft des Treuhänders und wählte weder 

den angegebenen Höchstwert von sieben Frauen noch den Durchschnitts-

wert, sondern orientierte sich am Mindestwert. Da die massgebenden Ver-

hältnisse im Jahr 2015 und 2016 wohl ähnlich waren, ist schliesslich auch 

nichts dagegen einzuwenden, dass die Ergebnisse des Jahrs 2015 auf das 

Jahr 2016 umgelegt wurden (E. 2.6.3). 

3.5.2.3 Nach dem Ausgeführten ist davon auszugehen, dass die ESTV ihr 

Ermessen pflichtgemäss ausgeübt und die Umsatzschätzung gesetzes-

konform vorgenommen hat. 

3.5.3 Unter den gegebenen Umständen obliegt es nun – in Umkehr der 

allgemeinen Beweislast – der Beschwerdeführerin nachzuweisen, in wel-

chen Punkten die Schätzung der Vorinstanz offensichtlich unrichtig ist 

(«dritte Stufe»). Sie darf sich dabei nicht mit allgemeiner Kritik begnügen, 

sondern hat darzulegen, dass die von der ESTV vorgenommene Schät-

zung offensichtlich fehlerhaft ist und den Beweis für ihre vorgebrachten Be-

hauptungen zu erbringen (E. 2.7.2). 

3.5.4 Hierzu lässt sich die Beschwerdeführerin jedoch nicht vernehmen. 

Dass sich die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren nicht einmal 

darum bemüht hat, die Unrichtigkeit der Schätzung nachzuweisen, ist im 

Ergebnis gleich zu werten, als ob es ihr insgesamt misslingt, die offensicht-

liche Unrichtigkeit der vorinstanzlichen Schätzung der Umsätze aus sexu-

ellen Dienstleistungen nachzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat die Fol-

gen der Beweislosigkeit zu tragen und es bleibt bei der bisherigen Schät-

zung. 

3.5.5 Was die weiteren in der – dem Einspracheentscheid zugrundeliegen-

den – Verfügung (inkl. Beilagen) behandelten Punkte, namentlich die Be-

triebsmittelverkäufe im Jahr 2011 und 2012, die Steuersatzdifferenzen be-

züglich Einnahmen Getränke und die «Zurückbelastung» der Vorsteuer be-

trifft, so hat sich die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Beschwerde 

dazu nicht geäussert. Diesbezüglich sind im vorinstanzlichen Vorgehen je-

doch keine offensichtlichen Mängel erkennbar. 

3.5.6 Infolge Überschreitens der relevanten Umsatzgrenze (E. 2.2.3) ist die 

Steuerpflicht der B._______ AG im massgeblichen Zeitraum gegeben. In 

rechnerischer Hinsicht gibt sodann die vorinstanzliche Festsetzung der 

A-4326/2019 

Seite 38 

Steuerforderung auf Fr. 212'984.-- ebenfalls zu keinen Beanstandungen 

Anlass; zumindest erweist sie sich als nicht zu hoch. Weil vorliegend keine 

rechtzeitige Zahlung der Steuerforderung erfolgte, hat die Vor- 

instanz zu Recht einen Verzugszins verlangt (vgl. Art. 87 MWSTG, Art. 108 

Bst. a MWSTG i.V.m. Art. 1 der Verordnung des EFD vom 11. Dezember 

2009 über die Verzugs- und Vergütungszinssätze [SR 641.207.1]). 

3.5.7 Somit erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid insgesamt 

als rechtmässig und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf Fr. 8'500.-- fest-

gesetzt werden, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist 

zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

4.2 Eine Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin ist nicht zuzu-

sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 8'500.-- werden der Beschwerdeführerin 

auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe wird zur 

Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 

  

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Seite 39 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) 

 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sonja Bossart Meier Anna Strässle 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-

legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist 

gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim 

Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 

Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver-

tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in 

einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung 

mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde-

führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

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