# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22d981d1-bcc2-518d-97ed-9c54d0e8bda2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.05.2010 A-5312/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-5312-2008_2010-05-19.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-5312/2008 und A-5321/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  M a i  2 0 1 0

Richter Daniel de Vries Reilingh (Vorsitz), 
Richter Pascal Mollard, Richter Lorenz Kneubühler, 
Gerichtsschreiber Keita Mutombo.

A._______, Landmaschinen, ...,
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (1. Quartal 2000 bis 1. Quartal 2005); 
Eintauschgeschäfte.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-5312/2008 und A-5321/2008

Sachverhalt:

A.
A._______, Landmaschinen,  betreibt in ... u.a. den Handel mit Land- 
Forst-  und  Kommunalmaschinen. Er  ist  seit  dem 1. Januar  1995  im 
Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  bei  der  Eidgenössischen 
Steuerverwaltung (ESTV) eingetragen. 

B.
An diversen Tagen im August  2005 führte  die  ESTV bei  A._______ 
eine Mehrwertsteuerkontrolle durch. Aufgrund dieser Prüfung forderte 
die ESTV mit  Ergänzungsabrechnungen (EA) Nr. ...71  bzw. Nr. ...72, 
beide vom 6. September 2005, Fr. 3'419.-- (für die Zeit vom 1. Januar 
2000  bis  31.  Dezember  2000)  bzw.  Fr. 26'644.--  (für  die  Zeit  vom 
1. Januar 2001 bis 31. März 2005) zuzüglich Verzugszins zu 5 % nach. 
Die Nachforderung resultierte  insbesondere aus – gemäss Sicht  der 
ESTV  –  weder  verbuchten  noch  deklarierten  Eintauschen,  woraus 
Steuerforderungen  von  Fr. 727.95  (Ziff.  2  der  EA  Nr. ...71)  bzw. 
Fr. 25'002.45 (Ziff. 2 der EA Nr. ...72) resultierten.

C.
Mit  zwei  Entscheiden  vom  28. Juli  2006  hielt  die  ESTV  an  ihren 
Steuerforderungen fest. A._______ erhob am 23. August 2006 gegen 
diese  beiden  Entscheide  Einsprache.  Er  bestritt  lediglich  die  Mehr-
wertsteuernachforderungen  auf  Eintauschgeschäften  im  Betrag  von 
Fr. 727.95 gemäss Ziff. 2 der EA Nr. ...71 bzw. von Fr. 25'002.45 ge-
mäss  Ziff. 2  der  EA  Nr. ...72.  Mit  zwei  separaten  Einspracheent-
scheiden  vom  7. August  2008  erkannte  die  ESTV,  dass  ihre  Ent-
scheide vom 28. Juli  2006 im Umfang der nicht  bestrittenen Beträge 
(Steuerforderungen  von  Fr. 2'691.05  bzw.  von  Fr. 7'786.80  und 
Steuerguthaben von Fr. 6'145.--) in Rechtskraft erwachsen seien und 
wies die Einsprachen betreffend die Nachforderungen auf Eintausch-
geschäften ab. Zur  Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass 
A._______  beim  Handel  mit  landwirtschaftlichen  Maschinen  ge-
brauchte  Maschinen  (Traktoren  und  sonstige  landwirtschaftliche 
Maschinen) als Leistung an Zahlungs statt entgegengenommen habe. 
Er  berechnete,  fakturierte  und  deklarierte  dabei  die  Mehrwertsteuer 
nur  auf  dem  Aufpreis,  d.h.  auf  der  Geldleistung  des  Käufers.  Ein 
solches Vorgehen sei formell und materiell nicht korrekt und trage all -
fälligen  Verlusten  beim  Wiederverkauf  nicht  Rechnung.  Indem 
A._______ auf den an Zahlungs statt  entgegengenommenen Gegen-

Seite 2

A-5312/2008 und A-5321/2008

ständen  die  Mehrwertsteuer  nicht  deklariert,  und  damit  seine 
Leistungen (Lieferungen gegen Entgelt in Form von Eintauschgegen-
ständen und Geldleistungen) an die (nicht mehrwertsteuerpflichtigen) 
Endverbraucher  nicht  korrekt  versteuert  habe,  sei  dem  Bund  ein 
Steuerausfall  entstanden. A._______  habe im Übrigen  bei  gewissen 
Transaktionen die Margenbesteuerung richtig angewandt.

D.
A._______  führte  am  15. August  2008  (Postaufgabe  am 18. August 
2008) gegen die beiden Einspracheentscheide vom 7. August 2008 je 
separat Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit dem Antrag, 
seine Einsprachen vom 23. August  2006 seien zu schützen und die 
beiden angefochtenen Entscheide seien aufzuheben. Er machte unter 
Verweis  auf  Art. 45  der  Verordnung  vom  29. März  2000  zum 
Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer  (aMWSTGV, AS 2000  1347) 
sinngemäss  geltend,  aufgrund  der  ihm  vorgeworfenen  Verletzungen 
von  Formvorschriften  sei  dem  Bund  kein  Steuerausfall,  sondern 
höchstens  ein  Zinsverlust,  entstanden.  Er  habe  die  verkauften  Ein-
tauschfahrzeuge  als  mehrwertsteuerpflichtigen  Umsatz  deklariert, 
weshalb  die  Bezeichnung  "weder  verbuchte  noch  deklarierte  Ein-
tausche"  falsch  sei.  Weiter  habe  er  die  Mehrwertsteuer  immer  dem 
Endverbraucher belastet, denn seine Kunden seien durchwegs Land-
wirte,  die  nicht  mehrwertsteuerpflichtig  und  somit  auch  nicht  vor-
steuerabzugsberechtigt seien. Dem Bund sei deshalb auch kein Steu-
erausfall entstanden.

Die  ESTV  schloss  in  ihren  Vernehmlassungen  vom  10. November 
2008 auf kostenfällige Abweisung der Beschwerden.

Auf die weiteren Eingaben und Vorbringen der  Parteien wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. 

Seite 3

A-5312/2008 und A-5321/2008

Eine solche liegt nicht vor und die ESTV ist eine Behörde im Sinn von 
Art. 33  VGG. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  für  die  Beur-
teilung  der  vorliegenden  Beschwerden  zuständig.  Soweit  das  VGG 
nichts anderes bestimmt, richtet sich gemäss dessen Art.  37 das Ver-
fahren  nach  dem VwVG. Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  ange-
fochtenen  Entscheide  beschwert  und  zur  Anfechtung  berechtigt 
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichten Beschwer-
den ist deshalb einzutreten (Art. 50 sowie Art. 52 VwVG).

1.2 Grundsätzlich  bildet  jeder  vorinstanzliche  Entscheid  ein  selb-
ständiges Anfechtungsobjekt und ist deshalb einzeln anzufechten. Es 
ist  gerechtfertigt,  von  diesem  Grundsatz  abzuweichen  und  die  An-
fechtung in einem gemeinsamen Verfahren mit  einem einzigen Urteil 
zuzulassen, wenn die einzelnen Sachverhalte in einem engen inhalt -
lichen  Zusammenhang stehen  und  sich  in  allen  Fällen  gleiche  oder 
ähnliche Rechtsfragen stellen (vgl. BGE 123 V 214 E. 1; Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 1.3, A-
1435/2006 vom 8. Februar 2007 E. 1.2 und A-1536/2006 vom 16. Juni 
2008 E. 1.3). Unter  den gleichen Voraussetzungen können auch ge-
trennt eingereichte Beschwerden in einem Verfahren vereinigt werden. 
Ein  solches  Vorgehen  dient  der  Verfahrensökonomie  und  liegt  im 
Interesse aller Beteiligten (BGE 131 V 222 E. 1, 128 V 124 E. 1; ANDRÉ 
MOSER/  MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.17). 

Diese Voraussetzungen sind in den vorliegenden Verfahren zweifelsfrei 
erfüllt. In beiden Fällen ist  dasselbe Steuersubjekt,  der Beschwerde-
führer, betroffen. Die den Einspracheentscheiden zugrunde liegenden 
Sachverhalte  sind  identisch  und  es  stellen  sich  dieselben  Rechts-
fragen  (Erhebung  der  Mehrwertsteuer  bei  Eintauschgeschäften). 
Dementsprechend  hat  der  Beschwerdeführer  die  besagten  Ein-
spracheentscheide auch mit identischen Argumenten angefochten. Die 
Verfahren A-5312/2008 und A-5321/2008 sind deshalb zusammenzu-
legen.

1.3 Am  1. Januar  2010  ist  das  Mehrwertsteuergesetz  vom  12. Juni 
2009 (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetz-
lichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen  Vor-
schriften  bleiben  grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während  ihrer 
Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechts-
verhältnisse anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Die materielle Be-

Seite 4

A-5312/2008 und A-5321/2008

urteilung des vorliegenden Sachverhalts  richtet  sich deshalb für  den 
Zeitraum  vom  1. Januar  2001  bis  31. März  2005  nach  dem  (alten) 
Bundesgesetz  vom  2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer 
(aMWSTG,  AS  2000  1300)  sowie  der  zugehörigen  Verordnung  vom 
29. März 2000 (aMWSTGV, AS 2000 1347). Für die Zeit vom 1. Januar 
bis 31. Dezember 2000 finden hingegen die Bestimmungen der (alten) 
Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (aMWSTV, AS 
1994 1464) Anwendung (Art. 93 und 94 aMWSTG). 

Demgegenüber ist  das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht  im 
Sinn von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des In-
krafttretens  hängige  Verfahren  anwendbar.  Allerdings  ist  Art. 113 
Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  auszulegen,  als  gemäss  höchst-
richterlicher Rechtsprechung nur eigentliche Verfahrensnormen sofort 
auf hängige Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer 
Anwendung von neuem materiellen  Recht  auf  altrechtliche Sachver-
halte kommen darf (ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1113/2009  vom 23. Februar  2010  E. 1.3).  Kein  Verfahrensrecht  in 
diesem  engen  Sinn  stellen  im  vorliegenden  Fall  etwa  die  Buch-
führungspflicht  und  das  Selbstveranlagungsprinzip  dar,  so  dass  vor-
liegend  diesbezüglich  noch  altes  Recht  anwendbar  ist.  Keine  An-
wendung finden deshalb beispielsweise Art. 70, 71 oder 72 MWSTG, 
obwohl  sie  unter  dem Titel  "Verfahrensrecht  für  die  Inland-  und  die 
Bezugsteuer"  stehen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
4360/2008 vom 4. März 2010 E. 1.2, A-4146/2009 vom 9. März 2010 
E. 1.3).

2.
Nach  dem  im  Mehrwertsteuerrecht  geltenden  Selbstveranlagungs-
prinzip  (Art. 37  f.  aMWSTV  bzw.  Art. 46  f.  aMWSTG;  vgl.  ERNST 
BLUMENSTEIN/PETER  LOCHER,  System des schweizerischen Steuerrechts, 
6.  Aufl.,  Zürich  2002,  S.  421  ff.)  trägt  die  mehrwertsteuerpflichtige 
Person nach konstanter Rechtsprechung und Lehre die Verantwortung 
für  die richtige und vollständige Versteuerung ihrer  Umsätze (Urteile 
des  Bundesgerichts  2C_356/2008  vom  21. November  2008  E. 3.2, 
vom 31. Mai  2002,  publiziert  in  Archiv  für  Schweizerisches Abgabe-
recht [ASA] 72 S. 727 ff. E. 1; Entscheid der Eidgenössischen Steuer-
rekurskommission  [SRK]  vom  5. Januar  2000,  publiziert  in  Ver-
waltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  64.83  E. 2  mit  weiteren 
Hinweisen;  DIETER  METZGER,  Kurzkommentar  zum  Mehrwertsteuer-
gesetz, Muri/Bern 2000, N 1 zu Art. 46 aMWSTG). Die aMWSTV und 

Seite 5

A-5312/2008 und A-5321/2008

das aMWSTG stellen  hohe Anforderungen an den Steuerpflichtigen, 
indem  sie  ihm  wesentliche,  in  anderen  Veranlagungsverfahren  der 
Steuerbehörde  obliegende  Vorkehren  übertragen.  Er  hat  nicht  nur 
selber zu bestimmen, ob er die Voraussetzungen für die Steuerpflicht 
erfüllt, sondern ist auch für die korrekte (vollständige und rechtzeitige) 
Deklaration  und die  Ablieferung der  Steuer  verantwortlich  (Art. 34 ff. 
aMWSTV  bzw.  Art. 43 ff.  aMWSTG)  (vgl.  zum  Ganzen:  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-48/2007 vom 17. November 2009 E. 2.1, 
A-1475/2006 vom 20. November 2008 E. 2.2 sowie A-6612/2007 vom 
11. Dezember  2009 E. 2.5).  Gemäss  bundesgerichtlicher  Recht-
sprechung  kann  der  Steuerpflichtige  aufgrund  des  Selbstver-
anlagungsprinzips  insbesondere  nicht  vorbringen,  dass  er  die  Ver-
waltungspraxis  der  ESTV nicht  gekannt  habe (Urteil  des  Bundesge-
richts 2A.320/2002 vom 2. Juni 2003 E. 4.2.2; Urteil  des Bundesver-
waltungsgerichts A-1377/2006 vom 20. März 2007 E. 3.3).

3.

3.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen u.a. die durch Steuerpflichtige im 
Inland gegen Entgelt  erbrachten Lieferungen von Gegenständen und 
Dienstleistungen (Art. 4 Bst. a und b aMWSTV bzw. Art. 5 Bst. a und b 
aMWSTG).

3.2 Verwendet  ein  Steuerpflichtiger  Gegenstände  oder  Dienstleis-
tungen  für  steuerbare  Ausgangsleistungen,  so  kann  er  in  seiner 
Steuerabrechnung  Vorsteuern  für  Lieferungen  und  Dienstleistungen 
gemäss  Art. 29  Abs. 1  und  2  aMWSTV  bzw.  Art. 38  Abs. 1  und  2 
aMWSTG abziehen. Vorsteuerabzugsberechtigt ist der steuerpflichtige 
Leistungsempfänger  einer  Leistung,  auf  welcher  die  Vorsteuern  ab-
gezogen  werden  sollen  (siehe  DANIEL  RIEDO,  Vom Wesen  der  Mehr-
wertsteuer  als  allgemeine  Verbrauchsteuer  und  von  den  ent-
sprechenden  Wirkungen  auf  das  schweizerische  Recht,  Bern  1999, 
S. 247,  251,  253; IVO  P. BAUMGARTNER,  in: mwst.com, Kommentar zum 
Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel 2000, N 13 zu Art. 38 
aMWSTG). Das Recht zum Vorsteuerabzug kann der Steuerpflichtige 
grundsätzlich  nur  bezüglich  der  ihm  selbst  durch  einen  anderen 
Steuerpflichtigen  in  Rechnung  gestellten  Mehrwertsteuer  be-
anspruchen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1555/2006 vom 
27. Juni  2008  E. 2.3.1,  A-1394/2006  vom  3. Juni  2008  E. 2.1,  A-
1538/2006 vom 28. Mai 2008 E. 2.2 sowie A-6612/2007 vom 11. De-
zember 2009 E. 2.61).

Seite 6

A-5312/2008 und A-5321/2008

4.

4.1 Das Entgelt ist nicht nur Tatbestandsmerkmal der mehrwertsteuer-
rechtlich  relevanten  Leistung,  sondern  bildet  auch die  Bemessungs-
grundlage,  d.h. die Steuer  wird vom Entgelt  berechnet. Dazu gehört 
alles, was der Leistungsempfänger oder ein Dritter für ihn als Gegen-
leistung für die Leistung aufwendet. Die Gegenleistung umfasst auch 
den  Ersatz  aller  Kosten,  selbst  wenn  diese  gesondert  in  Rechnung 
gestellt werden (Art. 26 Abs. 1 und 2 aMWSTV bzw. Art. 33 Abs. 1 und 
2 aMWSTG). Nur  jene Zuwendungen des Abnehmers gehören nicht 
zum steuerbaren Entgelt, die keinen ursächlichen Zusammenhang mit 
der steuerbaren Leistung aufweisen und ihren Rechtsgrund in einem 
selbständigen,  von  der  Leistung  unabhängigen  Leistungsaustausch-
verhältnis  haben. Entsprechend dem Wesen der  Mehrwertsteuer  als 
Verbrauchsteuer ist auch hier die Sicht des Verbrauchers massgeblich. 
So sieht denn das anwendbare Recht vor, zum Entgelt gehöre alles, 
was der Verbraucher für die Leistung aufwendet, und nicht etwa, was 
der Erbringer dafür erhält (Art. 26 Abs. 2 aMWSTV bzw. Art. 33 Abs. 2 
aMWSTG). Begriff und Umfang des Entgelts definiert sich folglich aus 
der Optik des Abnehmers: Berechnungsgrundlage ist letztlich, was der 
Verbraucher (Abnehmer) bereit oder verpflichtet ist, für die erhaltene 
Leistung aufzuwenden bzw. um die Leistung zu erhalten (statt vieler:  
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1567/2006  vom 
28. Dezember 2007 E. 2.5, A-1386/2006 vom 3. April 2007 E. 2.3, mit 
Hinweisen auf die Rechtsprechung, A-4072/2007 vom 11. März 2009 
E. 4.1; RIEDO, a.a.O., S. 96, 228; METZGER, a.a.O., S. 110 Rz. 3).

4.2 Beim Tausch von Gegenständen oder tauschähnlichen Umsätzen 
gilt der Wert jeder Leistung als Entgelt für die andere Leistung; bei der 
Leistung  an  Zahlungs  statt  gilt  als  Entgelt  der  Betrag,  der  dadurch 
ausgeglichen  wird  (Art. 26  Abs. 4  aMWSTV  bzw.  Art. 33  Abs. 4 
aMWSTG;  vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1593/2006 
vom 25. Januar 2008 E. 2.3, A-4072/2007 vom 11. März 2009 E. 4.1; 
Entscheid  der  SRK  vom 20. Februar  2001,  publiziert  in  VPB  66.57 
E. 6b).  Bei  der  Veräusserung  eines neuen  Fahrzeuges gegen  Rück-
nahme eines gebrauchten Fahrzeuges plus Zahlung eines Aufpreises 
stellt  daher für den Verkäufer sowohl die entgegengenommene Ware 
als auch das Aufgeld das zu versteuernde (Gesamt-)Entgelt dar (vgl. 
Entscheid der SRK vom 13. Februar 1998 [SRK 1997-041] E. 3a noch 
zur  Warenumsatzsteuer).  Bei  der  Bewertung  des  an  Zahlungs  statt 
hingegebenen gebrauchten Gegenstandes gilt als Entgelt der Betrag, 
den  die  Parteien  nach  ihrer  Vereinbarung  auf  den  festgesetzten 

Seite 7

A-5312/2008 und A-5321/2008

Lieferpreis anrechnen wollen. Nicht massgebend für die Steuer ist ein 
allfälliger "innerer" Wert oder ein allfälliger späterer Verkaufserlös des 
hingegebenen  Gegenstandes  (Wegleitung  1997  für  Mehrwertsteuer-
pflichtige,  ESTV,  Frühling  1997,  Rz. 305;  Branchenbroschüre  Motor-
fahrzeuggewerbe,  ESTV, November  1995,  Ziff. 3.2;  Wegleitung  2001 
zur  Mehrwertsteuer,  ESTV,  Rz. 219  ff.;  Branchenbroschüre  Motor-
fahrzeuggewerbe,  ESTV, September  2000,  Ziff. 3.2;  METZGER,  a.a.O., 
S. 113  Rz. 11;  ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER, 
Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], Bern 2003, 2. Aufl., 
Rz. 1179). Soll  dem Käufer  mit  einem hohen Eintauschwert  ein ver-
deckter Rabatt  gewährt  werden, so kann dieser bei  der Berechnung 
der Steuer nicht berücksichtigt werden. Rabatte werden nur anerkannt, 
soweit sie in der Rechnung als solche ausgewiesen sind (vgl. noch zur 
Warenumsatzsteuer:  Urteile  des  Bundesgerichts  vom 30. September 
1986, publiziert in ASA 59 S. 425, vom 16. Dezember 1982, publiziert 
in  ASA 54 S. 59 mit  weiteren  Hinweisen; zum aMWSTG: Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-4072/2007 vom 11. März 2009 E. 4.2).

4.3

4.3.1 Für den Handel mit gebrauchten Fahrzeugen bzw. mit gebrauch-
ten individualisierbaren beweglichen Gegenständen enthalten Art.  26 
Abs. 7  aMWSTV bzw. Art. 35 Abs. 1 aMWSTG eine Sonderregelung. 
Hat  die  steuerpflichtige  Person  ein  gebrauchtes  Motorfahrzeug  bzw. 
einen  gebrauchten  individualisierbaren  beweglichen  Gegenstand  für 
den Verkauf bezogen, so kann sie für die Berechnung der Steuer auf  
dem Verkauf den Ankaufspreis vom Verkaufspreis abziehen, sofern sie 
auf dem Ankaufspreis keine Vorsteuer abziehen durfte oder den mög-
lichen  Vorsteuerabzug  nicht  geltend  gemacht  hat  (Art. 26  Abs. 7 
aMWSTV bzw. Art. 35 Abs. 1 aMWSTG). Mit dieser Bestimmung wird 
die sogenannte Differenz- oder Margenbesteuerung geregelt. Bemes-
sungsgrundlage für die Steuer auf dem Verkauf ist die Marge zwischen 
Verkaufs- und Einkaufspreis. In Abweichung von Art. 29 aMWSTV bzw. 
Art. 38 aMWSTG tritt hierbei der Abzug des Ankaufspreises, der sog. 
Vorumsatzabzug, an die Stelle des Vorsteuerabzugs. Dadurch wird der 
Steuerpflichtige  im  Ergebnis  so  gestellt,  als  hätte  er  auf  der  Ein-
gangsleistung die  Vorsteuer  abziehen können  (vgl.  Urteile  des Bun-
desverwaltungsgerichts  A-3358/2008 vom 27. April  2010 E. 3.3.1,  A-
1560/2007 vom 20. Oktober 2009 E. 5.1, A-4072/2007 vom 11. März 
2009  E. 4.3.1,  A-6612/2007  vom 11. Dezember  2009  E. 2.1).  Insbe-
sondere für Fälle, wo kein Vorsteuerabzug möglich ist – wie etwa beim 
Erwerb von einem Nicht-Steuerpflichtigen – erweist sich die Differenz-

Seite 8

A-5312/2008 und A-5321/2008

besteuerung für die Beteiligten im Allgemeinen günstiger, als wenn die 
Mehrwertsteuer,  mit  Recht  auf  Vorsteuerabzug,  auf  dem vollen  Ver-
kaufspreis  berechnet  wird,  zumal  sich  bei  voller  Überwälzung  der 
Steuer  auch  ein  höherer  Verkaufspreis  ergeben  würde  (Urteile  des 
Bundesgerichts 2A.156/2003 vom 1. September 2003 E. 2.2, 2A.416/ 
1999 vom 22. Februar  2001 E. 4a; Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-48/2007 vom 17. November 2009 E. 3.1). Der Steuerpflichtige 
kann  aber  nach  seiner  Wahl  auch  die  Regelbesteuerung  anwenden 
(Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-3358/2008  vom  27. April 
2010  E. 3.3.1,  A-6612/2007  vom  11. Dezember  2009  E. 2.1,  A-
1560/2007 vom 20. Oktober 2009 E. 5.1).

4.3.2 Gemäss Art. 26 Abs. 7 aMWSTV bzw. Art. 35 Abs. 1 aMWSTG 
kann die Margenbesteuerung nur angewendet werden, wenn die ge-
brauchten  Motorfahrzeuge  bzw. die  gebrauchten  individualisierbaren 
beweglichen  Gegenstände  (wozu  u.a.  auch  land-  und  forstwirt-
schaftliche Motorfahrzeuge gehören) zum Zweck des Wiederverkaufs 
bezogen  worden  sind.  Damit  es  bei  der  Differenzbesteuerung  zu 
keiner  ungerechtfertigten  Steuerrückerstattung  kommt,  darf  der  Ver-
käufer  gegenüber  dem Käufer  keine Steuer  ausweisen. Deshalb  be-
stimmen Art. 28 Abs. 4 aMWSTV bzw. Art. 37 Abs. 4 aMWSTG, dass 
der Steuerpflichtige, wenn er die Steuer auf dem Verkauf gebrauchter 
Motorfahrzeuge nach Art. 26 Abs. 7 aMWSTV bzw. aus dem Wieder-
verkauf von Gegenständen nach Art. 35 aMWSTG berechnet, weder in 
Preisanschriften,  Preislisten  oder  sonstigen  Angeboten  noch  in 
Rechnungen  auf  die  Steuer  hinweisen  darf.  Das  gilt  namentlich  für 
Rechnungsstellungen. Denn mit dem Steuerausweis in der Rechnung 
erklärt  der  Aussteller  dem  Empfänger,  dass  er  die  ausgewiesene 
Mehrwertsteuer der ESTV abgeliefert hat oder noch abliefern wird. Die 
Rechnung  dient  dem Empfänger  überdies  dazu,  die  bezahlte  Mehr-
wertsteuer  als  Vorsteuer  geltend  zu  machen 
(CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1312; siehe auch Urteil des 
Bundesgerichts 2C_285/2008 vom 29. August 2008 E. 3.3 sowie BGE 
131 II 185 E. 5 zum Grundsatz "fakturierte MWST gleich geschuldete 
MWST", der selbst dann gilt, wenn es sich beim Leistungsempfänger 
nicht  um einen Steuerpflichtigen handelt). Laut  Rechtsprechung des 
Bundesgerichts  bzw.  des  Bundesverwaltungsgerichts  bilden  Art. 28 
Abs. 4 aMWSTV bzw. Art. 37 Abs. 4 aMWSTG nicht blosse Ordnungs-
vorschriften,  sondern  die  notwendige  Ergänzung  zu  Art. 26  Abs. 7 
aMWSTV bzw. Art. 35 Abs. 1 aMWSTG und regeln mit diesen Bestim-
mungen  die  Voraussetzungen  für  die  Differenzbesteuerung.  Art.  28 

Seite 9

A-5312/2008 und A-5321/2008

Abs. 4 aMWSTV bzw. Art. 37 Abs. 4 aMWSTG wollen bei den nach der 
Differenzmethode  abgerechneten  Geschäften  einen  Vorsteuerabzug 
wirksam verhindern (vgl. noch zur aMWSTV: Urteil des Bundesgerichts 
2A.416/1999  vom 22. Februar  2001  E. 6).  Mit  anderen  Worten  aus-
gedrückt, bilden Art. 28 Abs. 4 aMWSTV bzw. Art. 37 Abs. 4 aMWSTG 
grundsätzlich  Gültigkeitsvorschrift  für  die  Anwendung  der  Differenz-
besteuerung  (zur  aMWSTV: Urteil  des  Bundesgerichts  2A.546/2000 
vom  31. Mai  2002  E. 2;  zum  aMWSTG:  Urteil  des  Bundes-
verwaltungsgerichts A-6612/2007 vom 19. Dezember 2009 E. 2.2).

4.3.3 Hat  der  Wiederverkäufer  Art. 28  Abs. 4  aMWSTV bzw. Art. 37 
Abs. 4 aMWSTG nicht befolgt und namentlich in der Kundenrechnung 
einen Hinweis auf die Mehrwertsteuer angebracht, so ist die Dif ferenz-
besteuerung ausgeschlossen und es greift die Regelbesteuerung ein. 
Dieser  strenge  Formalismus  rechtfertigt  sich  insbesondere,  um 
Fehlern bei der Steuerabrechnung vorzubeugen (Urteil des Bundesge-
richts 2A.546/2000 vom 31. Mai 2002 E. 2; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts  A-4072/2007  vom  11. März  2009  E. 4.3.3,  A-48/2007 
vom 17. November 2009 E. 3.2 und A-6612/2007 vom 19. Dezember 
2009 E. 2.2).

4.4
4.4.1 Nach neuem Verordnungsrecht ist nun ein gleichzeitiger Hinweis 
auf  die  MWST  und  die  Margenbesteuerung  nicht  mehr  unbedingt 
schädlich. Gemäss Art. 14 Abs. 2 Satz 2  aMWSTGV (nur Satz  2 ist 
neu)  wird  die  Margenbesteuerung  in  solchen  Fällen  trotzdem zuge-
lassen, wenn erkennbar ist oder die steuerpflichtige Person nachweist, 
dass für den Bund kein Steuerausfall auf Grund dieses Mangels ent-
standen  ist.  Dieser  Nachweis  ist  grundsätzlich  von der  steuerpflich-
tigen  Person  in  schriftlicher  Form zu  erbringen,  indem sie  sich  bei -
spielsweise  von  ihren  Abnehmern  schriftlich  bestätigen  lässt,  dass 
diese keine Vorsteuern geltend gemacht haben bzw. machen werden. 
Von einem Nachweis der steuerpflichtigen Person kann nur dann ab-
gesehen werden, wenn ohne weiteres erkennbar ist, dass kein Steuer-
ausfall  entstanden  ist  (Praxismitteilung  der  ESTV  vom  31. Oktober 
2006 zur Behandlung von Formmängeln, S. 14).

4.4.2 Art. 14  Abs. 2  Satz  2  aMWSTGV  ist  wie  Art. 15a  und  45a 
aMWSTGV am 1. Juli 2006 in Kraft getreten und soll gleichermassen 
dem  Formalismus  in  der  Mehrwertsteuer  entgegenwirken  (siehe 
Praxismitteilung der ESTV vom 27. Oktober 2006, S. 14). Das Bundes-

Seite 10

A-5312/2008 und A-5321/2008

verwaltungsgericht hat die Rückwirkung dieser neuen "Pragmatismus-
bestimmungen"  auf  (zum  Zeitpunkt  ihrer  Inkraftsetzung)  bereits 
hängige  Fälle  (selbst  unter  dem  Geltungsbereich  der  aMWSTV)  in 
grundsätzlicher  Weise  bejaht.  Für  den  Anwendungsbereich  der 
Margenbesteuerung  bildet  Art. 14  Abs.  2  aMWSTGV  in  Bezug  auf 
Art. 45a aMWSTGV lex specialis (vgl. Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1483/2006 vom 16. Oktober 2007 E. 4.3.4.1, A-1466/2006 
vom 10. September 2007 E. 4.5 in fine mit Hinweis auf BGE 133 II 153 
E. 6.1, A-1352/2006 vom 25. April 2007 E. 4.1 und 4.2).

4.5 Zusammenfassend hat  der  Steuerpflichtige,  der  mit  gebrauchten 
Motorfahrzeugen  handelt,  somit  die  Möglichkeit,  entweder  den  Vor-
steuerabzug auf dem Ankaufspreis geltend zu machen und anschlies-
send den gesamten Wiederverkaufspreis als  steuerbaren Umsatz zu 
deklarieren  oder  in  Anwendung  von  Art. 26  Abs. 7  aMWSTV  bzw. 
Art. 35 Abs. 1 aMWSTG auf einen Vorsteuerabzug auf dem Ankaufs-
preis zu verzichten und nur die Differenz zwischen Verkaufs- und An-
kaufspreis  der  Umsatzsteuer  zu  unterwerfen  (CAMENZIND/HONAUER/-
VALLENDER, a.a.O., Rz. 1429). Bei Anwendung der Margenbesteuerung 
ist  jedoch  (neben  dem  Vorsteuerabzugsverzicht  als  Grundvoraus-
setzung) auch jeglicher spätere Vorsteuerabzug ausgeschlossen, da in 
der Rechnung ein Hinweis auf die Mehrwertsteuer unzulässig ist (vgl. 
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-48/2007 vom 17. November 
2009  E. 3.3.2,  A-1475/2006  vom  20. November  2008  E. 4.6,  A-
1466/2006  vom  10. September  2007  E. 4.5  in  fine  mit  Hinweis  auf 
BGE 133 II 153 E. 6.1).

5.
5.1 Im  vorliegenden  Fall  nahm  der  Beschwerdeführer  beim  Verkauf 
eines  neuen  Motorfahrzeuges  wiederholt  das  gebrauchte  Motor-
fahrzeug des Kunden unter Anrechnung an den Verkaufspreis als Ein-
tauschmotorfahrzeug entgegen. Bei solchen Eintauschgeschäften de-
klarierte er jeweils nur die Mehrwertsteuer auf dem Aufpreis, d.h. auf 
dem Preis des neuen Motorfahrzeuges abzüglich des angerechneten 
Wertes des Eintauschmotorfahrzeuges. Vorweg ist  festzuhalten,  dass 
dieses Vorgehen nicht  korrekt  war. Gemäss Art. 26 Abs. 4 aMWSTV 
bzw.  Art. 33  Abs. 4  aMWSTG  hätte  der  Beschwerdeführer  das 
Gesamtentgelt,  bestehend  aus  dem  angerechneten  Wert  des  Ein-
tauschwagens und dem Aufpreis, versteuern müssen (vgl. E. 4.2). Die 
ESTV nahm in der Folge deshalb zu Recht mit den EA Nr.  ...71 und 

Seite 11

A-5312/2008 und A-5321/2008

Nr. ...72,  beide  vom  6. September  2005,  eine  entsprechende  Auf-
rechnung vor.

5.1.1 Der  Beschwerdeführer  macht  nun  unter  Verweis  auf  Art. 45 
aMWSTGV geltend,  aufgrund  der  ihm  vorgeworfenen  Verletzungen 
von Formvorschriften,  im Besonderen seine Methode der Margenbe-
steuerung – die darin bestand "die Eintausche im Sinne der Margen-
besteuerung  beim  Eintausch  direkt  am  Verkaufspreis  des  neuen 
Fahrzeuges" abzuziehen –, sei dem Bund kein Steuerausfall, sondern 
höchstens  ein  Zinsverlust,  entstanden.  Er  habe  die  verkauften  Ein-
tauschfahrzeuge  als  mehrwertsteuerpflichtigen  Umsatz  deklariert, 
weshalb  die  Bezeichnung  "weder  verbuchte  noch  deklarierte  Ein-
tausche" in den betreffenden EA falsch sei.

5.1.2 Unbestrittenermassen  hat  der  Beschwerdeführer  die  Verkäufe 
der Eintauschfahrzeuge vollständig (nach der Regelbesteuerung) ver-
steuert.  Damit  hat  er  von  der  ihm  grundsätzlich offen  stehenden 
Möglichkeit der Margenbesteuerung gemäss Art. 26 Abs. 7 aMWSTV 
bzw. Art. 35 Abs. 1 aMWSTG offensichtlich keinen Gebrauch gemacht. 
Bereits  gestützt  auf  das Selbstveranlagungsprinzip  (s. dazu E. 2)  ist 
ihm daher nicht zu folgen, wenn er nun im Nachhinein die Anwendung 
der  Margenbesteuerung  verlangt.  Abgesehen  davon,  kann  dem Be-
gehren auch deshalb nicht stattgegeben werden, weil  er – wie oben 
aufgezeigt – in den Rechnungen auf die Mehrwertsteuer hingewiesen 
hat.  Damit  hat  er  die  Voraussetzungen  gemäss  Art. 28  Abs. 4 
aMWSTV bzw. Art. 37 Abs. 4 aMWSTG verletzt (vgl. E. 4.3.3). An die-
sem Resultat vermag auch Art. 14 Abs. 2 aMWSTGV nichts zu ändern. 
Die  im  Anhang  II  der  EA  Nr. ...71  bzw.  Nr. ...72  angebrachte 
Bezeichnung "weder verbuchte noch deklarierte Eintausche" ist dem-
nach  auch  richtig,  denn  der  Beschwerdeführer  hat  zugegebener-
massen die an Zahlungs statt entgegengenommen Gegenstände zum 
Zeitpunkt  der  Entgegennahme nicht  als  Teil  des der  Mehrwertsteuer 
unterliegenden Entgelts deklariert und somit auch nicht entsprechend 
verbucht und der Mehrwertsteuer unterworfen.

Demgegenüber  bezieht  sich  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
auf  den  Zeitpunkt  des  Weiterverkaufs  der  Gebrauchtfahrzeuge.  Die 
mehrwertsteuerliche Beurteilung der  Entgegennahme der  Eintausch-
gegenstände  ist  jedoch,  wie  die  Vorinstanz  in  der  Vernehmlassung 
ausführt,  bei  deren späteren Wiederverkauf  nicht  beachtlich und ge-
trennt zu beurteilen.

Seite 12

A-5312/2008 und A-5321/2008

5.2 Nicht stichhaltig ist der Einwand des Beschwerdeführers, dass es 
sich  bei  den  meisten  Leistungsempfängern  um Nichtsteuerpflichtige 
gehandelt  habe, die keine Vorsteuer geltend machen konnten, womit 
dem Bund kein Steuerausfall  entstanden sei. Ein  Verkäufer  weiss  in 
vielen Fällen nicht zum Voraus, ob der Gegenstand an einen Steuer-
pflichtigen  oder  an  eine  Privatperson  verkauft  wird  (CAMENZIND/-
HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1285). Zudem ist nicht ausgeschlossen, 
dass  ein  "privater  Käufer"  später  doch  steuerpflichtig  wird  und  im 
Rahmen  der  Einlageentsteuerung  gemäss  Art. 33  aMWSTV  bzw. 
Art. 42  aMWSTG die  Vorsteuer  nachträglich  in  Abzug  bringen  kann 
(vgl. Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A-1418/2006 vom 14. Mai 
2008 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen). Zudem hat im vorliegenden Fall 
der  Beschwerdeführer,  der  die  Margenbesteuerung nachträglich  rein 
rechnerisch sinngemäss anwenden will, auch Exporte getätigt, die die 
ESTV  in  den  EA  Nr. ...71  bzw.  Nr. ...72  unter dem  Titel 
"Umsatzdifferenzen"  geltend  machte  und  die  vom Beschwerdeführer 
nicht  bestritten wurden. Weil  Lieferungen ins Ausland von der Mehr-
wertsteuer  befreit  sind  (Art. 15  Abs. 2  Bst. a  aMWSTV  bzw. Art. 19 
Abs. 2 Ziff. 1 aMWSTG), kann der Beschwerdeführer den Wiederver-
kauf der Eintauschobjekte nicht mit Mehrwertsteuer fakturieren. Damit 
ist  dem  Bund  klarerweise  ein  Steuerausfall  entstanden,  da  der  Be-
schwerdeführer zu Unrecht bei der Entgegennahme an Zahlungs statt 
zu wenig Mehrwertsteuer fakturierte und andererseits bei der Ausfuhr 
eines  solchen  Gegenstandes  zu  Recht  keine  Mehrwertsteuer  faktu-
rierte. Im Weiteren hat der Beschwerdeführer die Margenbesteuerung 
zum Teil korrekt vorgenommen, womit ihm die Verwaltungspraxis sehr 
wohl bekannt war. Wie erwähnt kann er aufgrund des Selbstveranla-
gungsprinzips ohnehin nicht vorbringen, diese Praxis nicht gekannt zu 
haben  (E. 2  in  fine).  Fehl  geht  schliesslich  auch  sein  sinngemässer 
Einwand, dass die mehrwertsteuerrechtliche Würdigung des Sachver-
halts vorliegend dem Resultat entsprechen müsse, das sich bei einer 
korrekten  Rechnungsstellung  ergeben  würde.  Massgebend  für  die 
rechtliche  Würdigung  ist  selbstredend  der  tatsächliche  Sachverhalt. 
Der  Beschwerdeführer  muss  sich  auf  die  von  ihm  vorgenommene 
Rechnungsstellung  und  die  Art  der  Abrechnung  der  Mehrwertsteuer 
behaften lassen.

6.
Dem Gesagten zufolge sind die Beschwerden abzuweisen. Bei diesem 
Verfahrensausgang  sind  dem  Beschwerdeführer  als  unterliegender 
Partei  sämtliche  Kosten  für  das  Beschwerdeverfahren  vor  dem 

Seite 13

A-5312/2008 und A-5321/2008

Bundesverwaltungsgericht  aufzuerlegen  (vgl.  Art. 63  Abs. 1  VwVG). 
Die  Verfahrenskosten  werden  auf Fr. 3'000.--  festgesetzt  (Art. 4  des 
Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  und  dem  Beschwerdeführer  zur  Zahlung  auferlegt. 
Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG 
e contrario).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerdeverfahren A-5312/2008 und A-5321/2008 werden ver-
einigt.

2.
Die Beschwerden werden abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von Fr. 3'000.-  werden  dem Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  den  geleisteten  Kostenvorschüssen  von 
Fr. 3'000.- verrechnet.

4.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)
-

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Seite 14

A-5312/2008 und A-5321/2008

Daniel de Vries Reilingh Keita Mutombo

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Be-
weismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen 
hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 15