# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 861f1c87-a201-527d-8669-22c648730707
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-5566/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5566-2009_2011-09-13.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­5566/2009/sed

U r t e i l   v om   1 3 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Nina Hadorn.

Parteien A._______,
geboren (…),
Kamerun,  
vertreten durch lic. iur. Alain Joset, Advokat,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 31. Juli 2009 / N _______.

D­5566/2009

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer,  ein  kamerunischer  Staatsangehöriger  aus 
Yaoundé,  eigenen  Angaben  zufolge  am  29.  August  2008  auf  dem 
Luftweg  in  die  Schweiz  einreiste  und  am  1.  September  2008  im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl 
nachsuchte,

dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  12. 
September 2008  im EVZ B._______ und der direkten Anhörung vom 7. 
April  2009  in  C._______  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen  geltend  machte,  bis  zum  Jahr  2004  Mitglied  der 
Regierungspartei Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais 
(RDPC)  gewesen  zu  sein,  sich  aber  im  Jahr  2006  der  oppositionellen 
Partei Social Democratic Front (SDF) angeschlossen zu haben,

dass  er  zwischen  2006  und  2008  seine  ehemalige  Partei  RDPC 
mehrmals öffentlich angeprangert habe,

dass er und weitere Personen im Dezember 2007 im Anschluss an einen 
solchen Auftritt bei der Radiostation D._______ von der Police Judiciaire 
verhaftet und während einer Woche festgehalten worden seien,

dass er danach zwar vom Staatsanwalt  freigesprochen worden sei, man 
ihm aber zur Kenntnis gebracht habe, das Ereignis und weitere dieser Art 
seien in seiner Akte vermerkt worden,

dass  junge  Kameruner  am  18.  Februar  2008  in  Yaoundé  einen  Streik 
gegen  die  steigenden  Lebenshaltungskosten  lanciert  hätten,  die 
Behörden das Ereignis aber als Unruhen mit dem Ziel der Absetzung des 
Präsidenten missinterpretiert hätten,

dass  der Streik  daher  in  gewaltsame Auseinandersetzungen  ausgeufert 
sei, wobei mindestens zwei Jugendliche durch die Behörden erschossen 
worden seien,

dass  er  selber  zwar  nicht  am Streik  beteiligt  gewesen  sei,  das  Treiben 
jedoch  vor  seinem  Laden  postiert  beobachtet  habe,  bis  er  vom 
Quartierchef  erblickt  worden  sei,  der  ihn  aufgrund  seiner  Mitgliedschaft 
bei  der  SDF  sofort  für  den  Streik  verantwortlich  gemacht  und  die 
Gendarmerie alarmiert habe,

D­5566/2009

Seite 3

dass diese ihn auf den Posten mitgenommen und nach der Identifizierung 
als SDF­Mitglied geschlagen und gefoltert habe,

dass  ihm ein  junger Wächter gleicher Stammessprache unverhofft seine 
Hilfe  angeboten  habe  und  dieser  ihn  nach  einer  Geldübergabe  durch 
einen Freund (des Beschwerdeführers) habe freikommen lassen,

dass  er  zu  Fuss  nach  Hause  gelangt  sei,  dort  einige  Habseligkeiten 
eingepackt und mit seinem Auto zu einem Freund gefahren sei,

dass er später von seiner Freundin erfahren habe, Gendarmen hätten im 
gemeinsamen  Haushalt  nach  ihm  gesucht  und  eine  Vorladung 
hinterlassen,

dass  die  Gendarmen  am  23.  Februar  2008  unter  Zurücklassung  einer 
zweiten Vorladung Dokumente und seinen Computer konfisziert hätten, 

dass  sein  Anwalt,  nachdem  dieser  von  ihm  wegen  der  beiden 
Vorladungen  konsultiert  worden  sei,  ihm  aufgrund  der  Gefährdung 
geraten habe, das Land zu verlassen,

dass  er  in  der  Folge  im  März  2008  in  einem  Auto  nach  E._______ 
(F._______)  gefahren  sei  und  sich  von  dort  aus  nach  einem 
mehrmonatigen  Aufenthalt  nach  G._______  (ebenfalls  F._______) 
begeben habe, von wo aus er am 28. August 2008 auf dem Luftweg mit 
einem Zwischenhalt in H._______ (Kamerun) nach I._______ gelangt sei,

dass  nach  Angaben  seines  Anwalts  zur  Zeit  in  Kamerun  ein  Verfahren 
gegen ihn hängig sei,

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  seine 
kamerunische  Identitätskarte,  eine  Mitgliederbestätigung  der  SDF  (…), 
zwei Anwaltsschreiben (…) beziehungsweise (…), ein Schreiben der SDF 
(…)  (Telefax),  sowie zwei Vorladungen der Gendarmerie  (…)  (in Kopie) 
zu den Akten reichte,

dass das BFM mit Verfügung vom 31. Juli 2009 – eröffnet am 4. August 
2009 – das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 1. September 2008 
abwies,  dessen  Wegweisung  anordnete  und  den  Vollzug  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtete,

D­5566/2009

Seite 4

dass das Bundesamt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen 
ausführte,  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  genügten  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art.  7  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht, weshalb das 
Asylgesuch abzulehnen sei,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtevertreters  vom 
3. September  2009  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die 
angefochtene Verfügung  des BFM sei  aufzuheben,  er  sei  als  Flüchtling 
anzuerkennen und es  sei  ihm daher Asyl  zu gewähren,  eventualiter  sei 
infolge  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen,

dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Gewährung  der 
aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021),  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses ersuchte,

dass  er  in  seiner  Beschwerde  im  Wesentlichen  zu  den  vom  BFM 
aufgeführten Unglaubhaftigkeitselementen Stellung bezog,

dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom 
15. September 2009 feststellte, dass der Beschwerdeführer den Ausgang 
des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne,  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs.  2  VwVG  ablehnte  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  einen 
Bedürftigkeitsnachweis  einzureichen  oder  einen  Kostenvorschuss  zu 
bezahlen, zumal die Begehren nicht als aussichtlos erschienen,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  9.  Oktober  2009  den 
erforderlichen  Bedürftigkeitsnachweis  nachreichte  und  als  weiteres 
Beweismittel einen Haftbefehl vom 28. März 2008 (gemäss Angaben des 
Beschwerdeführers im Original) zu den Akten reichte,

dass  das  BFM  im  Rahmen  seiner  Vernehmlassung  vom  3.  November 
2009  die  Ablehnung  der  Beschwerde  beantragte  und  unter  anderem 
festhielt, dass die Beschwerde keine neuen erheblichen Tatsachen oder 
Beweismittel  beinhalte,  zumal  die  Echtheit  des  ins  Recht  gelegten 

D­5566/2009

Seite 5

Beweismittels zweifelhaft sei und einem solchen Dokument aufgrund der 
leichten Käuflichkeit nur geringer Beweiswert zukomme,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Replik  vom  19.  November  2009  an 
seinen Anträgen und Ausführungen in der Beschwerde festhielt und zum 
Vorwurf  des  geringen  Beweiswerts  des  eingereichten  Beweismittels 
Stellung nahm,

dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  Mitteilung  des  J._______  vom 
22. November  2010  in  Folge Heirat  einer  Schweizer  Staatsangehörigen 
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung "B" erhalten hatte,

dass der zuständige Instruktionsrichter daher mit Zwischenverfügung vom 
3.  Februar  2011  feststellte,  die  Anordnung  der  Wegweisung  in  der 
angefochtenen  Verfügung  falle  dahin  und  den  Beschwerdeführer 
anfragte,  ob  er  an  den  restlichen  Anträgen  in  seiner  Beschwerde 
festhalte,

dass der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe 
vom  11.  März  2011  mitteilte,  er  halte  vollumfänglich  an  seiner 
Beschwerde fest,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­ 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),

D­5566/2009

Seite 6

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  1  AsylG  und Art.105  AsylG  i.V.m.  Art.  37 
VGG sowie Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 2 AsylG),

dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1 
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder 
im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Natio­
nalität,  Zugehörigkeit  zu einer  bestimmten  sozialen Gruppe oder wegen 
ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind 
oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden 
(Art. 3 Abs. 1 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft 
gemacht werden muss (Art. 7 Abs. 1 AsylG),

dass diese glaubhaft  gemacht  ist, wenn die Behörde  ihr Vorhandensein 
mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält  (Art. 7  Abs.  2 
AsylG),

dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  we­
sentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, 
den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder 
verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG),

dass  das BFM zur Begründung  seiner Verfügung  vom 31.  Juli  2009  im 
Wesentlichen  darlegte,  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers 
genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art.  7 
AsylG nicht,

dass  der  Beschwerdeführer  den  Sachverhalt  teilweise  widersprüchlich 
geschildert habe,

dass  er  insbesondere  anlässlich  der  Erstbefragung  geltend  gemacht 
habe,  der  Wächter  auf  dem  Gendarmerieposten  habe  200'000  CFA­
Francs  von  ihm  verlangt,  während  er  anlässlich  der  direkten  Anhörung 
diesbezüglich von 500'000 CFA­Francs gesprochen habe,

D­5566/2009

Seite 7

dass  er  in  der  summarischen  Befragung  ausgeführt  habe,  er  habe  im 
Gefängnis mit  seinem  Freund  telefoniert,  sei  später  geholt  worden  und 
habe  dort  mit  seinem  Freund  gesprochen,  während  er  an  der 
eingehenden  Anhörung  geschildert  habe,  er  habe  seinen  Freund  im 
Gefängnis  nicht  gesehen  und  habe  nicht  einmal  gewusst,  dass  dieser 
nach seinem Anruf im Gefängnis vorbeigekommen sei,

dass  ferner  etliche  Angaben  des  Beschwerdeführers  nicht  der 
allgemeinen Erfahrung entsprechen würden,

dass  etwa  nicht  ersichtlich  sei,  weshalb  ein  dem  Beschwerdeführer 
unbekannter Wächter das Risiko auf sich genommen haben sollte, ihn als 
Hauptverantwortlichen  eines  gewaltsamen  Aufstandes  einzig  aus 
Sympathie  und  Mitleid,  sowie  gegen  Bezahlung  eines  unbedeutenden 
Betrages, freizulassen,

dass  das  geschilderte  Verhalten  nach  der  Flucht,  wonach  er  zu  Fuss 
durch Yaoundé nach Hause gegangen sei, um danach mit dem Auto zu 
einem Freund  in Yaoundé  zu  fahren  und  sich  bei  diesem bis  zu  seiner 
Ausreise  Mitte  März  2008  aufzuhalten,  nicht  dem  Verhalten  eines 
tatsächlich Verfolgten entspreche, da sich der Beschwerdeführer dadurch 
bewusst dem erhöhten Risiko einer Festnahme ausgesetzt habe,

dass  der  Beschwerdeführer  einige  wesentliche  Vorbringen  erst  im 
Rahmen der direkten Anhörung in C._______ geltend gemacht habe,

dass  er  anlässlich  der  summarischen  Befragung  seine  vermeintliche 
Funktion als Jungpräsident nicht erwähnt habe und eine solche Position 
auch aus dem eingereichten Mitgliederausweis der SDF nicht ersichtlich 
werde,

dass  auch  die  Vorbringen,  wonach  ihn  die  Police  Judiciaire  bereits  im 
Dezember 2007 wegen seines Engagements für die SDF inhaftiert habe 
und nach Angaben seines Anwalts ein Verfahren gegen ihn hängig sei, in 
Anbetracht  ihrer  zentralen  Bedeutung  bereits  anlässlich  der 
Erstbefragung hätten geltend gemacht werden müssen,

dass  der  Beschwerdeführer  ausserdem  keine  Unterlagen  zum 
angeblichen Verfahren eingereicht habe,

D­5566/2009

Seite 8

dass  ferner  allgemein  zugänglichen  Quellen,  welche  über 
Tagesereignisse  in  Kamerun  berichten,  keine  Hinweise  auf  die  geltend 
gemachten Ereignisse vom 18. Februar 2008 zu entnehmen seien,

dass auch die zu den Akten gereichten Beweismittel nichts am Eindruck 
der Unglaubhaftigkeit  zu  ändern  vermöchten,  zumal  keine Hinweise  auf 
eine besondere politische Exponierung des Beschwerdeführers vorlägen 
und  die  Mitgliedschaft  bei  der  SDF  allein  nicht  grundsätzlich  zu  einer 
Verfolgung führe,

dass  Zweifel  an  der  Echtheit  der  eingereichten  Kopien  der  beiden 
Vorladungen  bestehen würden  und  solche Dokumente  im  afrikanischen 
Raum  leicht  käuflich  zu  erwerben  seien,  weshalb  deren  Beweiswert 
gering sei,

dass den beiden Vorladungen  im Übrigen auch keine Hinweise auf eine 
asylrelevante  Verfolgung  zu  entnehmen  seien,  weshalb  die 
Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen sei,

dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  31.  Juli  2009  die 
Angaben  des  Beschwerdeführers  –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden 
Erwägung  –  zu  Recht  zufolge  widersprüchlicher  und  realitätsferner 
Vorbringen als unglaubhaft erachtet hat,

dass vorab zu bemerken ist, dass allgemein zugänglichen Quellen – wie 
vom Beschwerdeführer  in seiner Rechtmitteleingabe zu Recht entgegnet 
wurde  –  sehr  wohl  Hinweise  auf  die  geltend  gemachten  Streiks  in 
Yaoundé  vom  Februar  2008  zu  entnehmen  sind  (vgl.  etwa  den  vom 
Beschwerdeführer  erwähnten  Bericht  von  Amnesty  International, 
Cameroon  –  Impunity  Underpins  Persistant  Abuse,  London  2009,  S.  2 
und 5, sowie Freedom House, Freedom in the World – Cameroon (2011), 
<http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=22&year=2011&count
ry=8010> [besucht am 29. August 2011], S. 1),

dass  indes  die  vom  BFM  festgestellten  Widersprüche  bezüglich  der 
Umstände  der  Freilassung  des  Beschwerdeführers  durch  die 
Ausführungen  in  der  Beschwerde,  er  habe  anlässlich  der  direkten 
Anhörung seine früheren Aussagen lediglich konkretisiert, nicht aufgelöst 
werden können,

D­5566/2009

Seite 9

dass das Bundesamt das Vorbringen, wonach der junge Wächter gleicher 
Stammessprache den Beschwerdeführer gegen Geld  freigelassen habe, 
zu Recht als realitätsfremd qualifiziert hat,

dass die Entgegnung in der Beschwerde, er habe die Situation anlässlich 
der Befragungen glaubhaft geschildert, zudem sei Korruption in Kamerun 
ein  gängiges  Mittel,  nicht  überzeugt,  da  das  durch  den  Wächter 
eingegangene  Risiko  in  keinem  Verhältnis  zur  Gegenleistung  und  der 
angeblichen Motivation steht,

dass der Beschwerdeführer die Inhaftierung im Dezember 2007 – wie von 
der  Vorinstanz  festgestellt  –  anlässlich  der  summarischen  Befragung 
nicht erwähnte, weshalb das Vorbringen als nachgeschoben erscheint,

dass der Einwand des Beschwerdeführers in seiner Rechtsmitteleingabe, 
wonach er an der Erstbefragung nur nach seinen Ausreisegründe gefragt 
worden sei und er daher ­ da die erste  Inhaftierung  im Jahre 2007 nicht 
unmittelbar Anlass  zur Ausreise  gewesen  sei  –  dieses Vorbringen nicht 
erwähnt habe, nicht zu überzeugen vermag,

dass  er  dieses  Vorkommnis  mit  Blick  auf  den  ihm  zugemessenen 
Stellenwert  anlässlich  der  Erstbefragung  zumindest  hätte  erwähnen 
müssen,

dass die geltend gemachte erlittene Verfolgung deshalb als unglaubhaft 
zu qualifizieren ist,

dass das BFM den Beweiswert der vom Beschwerdeführer zur Stützung 
seiner  Vorbringen  eingereichten  Beweismittel  (Kopien  zweier 
Vorladungen und einen Haftbefehl) zu Recht als gering erachtete,

dass  nämlich  die  Tatsache,  wonach  der  Beschwerdeführer  im  Besitz 
solcher  Dokumente  ist,  ungewöhnlich  ist,  zumal  Vorladungen  und 
Haftbefehle den Betroffenen gemäss Länderanalyse der Schweizerischen 
Flüchtlingshilfe  (SFH)  weder  im  Original  noch  als  Kopie  ausgehändigt, 
sondern  diesen  nur  vorgezeigt  werden  (vgl.  MICHAEL  KIRSCHNER, 
Kamerun:  Überprüfung  der  Echtheit  eines  Haftbefehls,  Gutachten  der 
SFH­Länderanalyse, Bern 2008, S. 2),

dass  solche  Dokumente  gemäss  eben  zitierter  Länderanalyse  nur  auf 
illegalem  Weg  beschafft  werden  können,  der  Beschwerdeführer  aber 

D­5566/2009

Seite 10

angab,  die  Vorladungen  seien  seiner  Freundin  ausgehändigt  worden 
(vgl. A 11/13 Q58 und Q60),

dass  die  vom  BFM  erwähnten  Auffälligkeiten  in  der  Beschaffenheit 
Zweifel an der Echtheit der Dokumente hervorrufen, 

dass  somit  der  Beweiswert  der  Vorladungen  und  des  Haftbefehls 
aufgrund der fraglichen Herkunft und Beschaffenheit vor dem Hintergrund 
der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen als herabgesetzt einzuschätzen  ist 
und  diese  Dokumente  daher  nichts  an  der  zu  bestätigenden 
Einschätzung des BFM zu ändern vermögen,

dass  ferner  nicht  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  verfüge 
über ein besonderes Gefährdungsprofil,

dass er zwar durchaus über ein gewisses politisches Verständnis verfügt 
(vgl.  etwa  A  11/13 Q42­45)  und  daher  eine Mitgliedschaft  bei  der  SDF 
auch mit Blick  auf  die  eingereichten Beweismittel  nicht  auszuschliessen 
ist,

dass  er  jedoch  –  wie  von  der  Vorinstanz  festgestellt  –  anlässlich  der 
ersten Befragung  seine  angebliche Funktion  als  "président  de  la  cellule 
de base du quartier"  (vgl. A 11/13 Q13) unerwähnt  liess, obwohl dieses 
Vorbringen von zentraler Bedeutung ist,

dass  überdies  die  verwendete  Bezeichnung  "cellule  de  base"  erstaunt, 
nennt  sich  doch  die  unterste  Einheit  der  SDF  lediglich  "la  cellule", 
während das Pendant bei der RDPC "comité de base" genannt wird und 
von einem Präsidenten durchaus die korrekte Benennung seiner Einheit 
erwartet werden kann,

dass  ihn  zudem  die  Mitgliederbestätigung  (…)  lediglich  als  Aktivisten 
("militant") bezeichnet, ohne auf eine besondere Position hinzuweisen,

dass  zwar  der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  wonach  allen  SDF­
Mitgliedern unabhängig ihrer Funktion derselbe Ausweis ausgestellt wird, 
berechtigt  ist  (vgl.  HELENA   LISIBACH,  Kamerun:  Mitgliedschaft  in  Social 
Democratic  Front  [SDF],  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  Bern  2007, 
S. 7­8),

dass jedoch der Ausstellungspreis Hinweise auf die Funktion liefern kann 
(vgl.  LISIBACH,  a.a.O.,  S.  8),  und  vorliegend  der  bezahlte  Betrag  von 

D­5566/2009

Seite 11

lediglich  200  CFA­Francs  eher  auf  eine  gewöhnliche  Mitgliedschaft  als 
auf eine Kaderfunktion schliessen lässt,

dass  deshalb  unter  Berücksichtigung  des  gesamten  Aussageverhaltens 
des  Beschwerdeführers  und  der  eingereichten  Beweismittel  nicht  mit 
überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  ausgegangen  werden  muss, 
der Beschwerdeführer habe sich als Jungpräsident besonders exponiert,

dass  SDF­Mitglieder  zwar  –  wie  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe geltend machte – Behelligungen durch die Behörden 
ausgesetzt sein können, sie aber allein aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit 
nicht  grundsätzlich  als  verfolgt  gelten  (vgl.  ALEXANDRA  GEISER, 
Mitgliedschaft  in der Social Democratic Front  (SDF), Auskunft  der SFH­
Länderanalyse, Bern 2008, S. 3),

dass  deshalb  und  mit  Blick  auf  die  unglaubhaften  Angaben  zur 
angeblichen  Verfolgung  davon  ausgegangen  werden  kann,  der 
Beschwerdeführer  verfüge  über  kein  besonderes  Gefährdungsprofil, 
welches Furcht vor Verfolgung in der Zukunft rechtfertigen würde,

dass folglich auch das Vorbringen  in der Beschwerdeschrift, wonach die 
Radiostation D._______ nach einer Berichterstattung über die erwähnten 
Proteste  vom  Februar  2008  geschlossen  worden  sei,  nichts  an  dieser 
Einschätzung  ändert,  da  bereits  die  geltend  gemachte Verhaftung  nach 
einem  Radiointerview  im  Dezember  2007  bei  dieser  Station  nicht  als 
glaubhaft erachtet wurde,

dass  auch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  nach  seiner  Ausreise 
gegen eine Gefährdung in Kamerun spricht, zumal das Risiko, welches er 
durch  seine  erneute  Einreise  nach  Kamerun  vom  28.  August  2008 
eingegangen  ist,  grundsätzlich  nicht  mit  der  Furcht  einer  tatsächlich 
gesuchten Person vereinbar ist,

dass der Beschwerdeführer somit die Voraussetzungen zur Anerkennung 
der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  weshalb  die  Vorinstanz  das 
Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus 
der Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44 Abs.  2 AsylG; Art.  83 Abs.  1 AuG), 
sofern  nicht  der  Kanton  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  kein 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheide  des 

D­5566/2009

Seite 12

Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2009/50  E.  9 
S. 733),

dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  eine  Schweizer  Staatsangehörige 
heiratete,  woraufhin  ihm  J._______  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung "B" erteilte,

dass die Beschwerde angesichts der Erteilung einer ausländerrechtlichen 
Aufenthaltsbewilligung  soweit  die  Frage  der  Wegweisung  und  deren 
Vollzug betreffend gegenstandslos geworden ist,

dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und 
angemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde – soweit nicht 
gegenstandslos geworden ­ abzuweisen ist,

dass  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  als 
unterliegender  Partei  –  da  er  mit  seinen  Rechtsbegehren  nicht 
durchgedrungen ist – aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG),

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen ist, da von der Bedürftigkeit 
des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist  und  die  Beschwerde  zum 
Zeitpunkt  der  Einreichung  nicht  als  aussichtslos  erschien,  weshalb  ihm 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind,

dass über die Frage der Parteientschädigung im Sinne von Art. 64 VwVG 
nach  den  Bestimmungen  der  Art.  5,  7  und  15  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu befinden ist, 

dass  für  die  Festsetzung  einer  Parteientschädigung  bei  (teilweise) 
gegenstandslosen  Verfahren  Art.  5  VGKE  sinngemäss  anzuwenden  ist 
(Art. 15 2. Satz VGKE),

dass  die  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  und  die  damit 
einhergehende  Gegenstandslosigkeit  des  vorliegenden  Verfahrens  im 
Wegweisungs­ und Vollzugspunkt auf einem nachträglich eingetretenen, 
ausserhalb  des  Asylverfahrens  liegenden  fremdenpolizeilichen 
Sachverhalt  beruht,  weshalb  betreffend  die  allfällige  Ausrichtung  einer 
Parteientschädigung  eine  Chancenabwägung  nach  mutmasslichem 

D­5566/2009

Seite 13

Verfahrensausgang  im  Wegweisungs­  und  Vollzugspunkt  vorzunehmen 
ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 15 VGKE i.V.m. Art. 5 VGKE),

dass nicht davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer wäre mit seinen 
Begehren  hinsichtlich Wegweisung  und Wegweisungsvollzug  –  hätte  er 
sich nicht mit einer Schweizer Bürgerin verheiratet – durchgedrungen,

dass  der  Antrag  auf  Aufhebung  der  Wegweisungsanordnung  aufgrund 
der Aktenlage, wie sie sich vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit am (…) 
(Erteilung  der  ausländerrechtlichen  Aufenthaltsbewilligung  "B") 
präsentierte,  voraussichtlich  abgewiesen  worden  wäre,  da  die 
Wegweisung regelmässig Folge der Ablehnung des Asylgesuchs (Art. 44 
Abs.  1  AsylG)  ist  und  sich  aus  den  Akten  nicht  ergibt,  dass  der 
Beschwerdeführer  im  damaligen  Zeitpunkt  Anspruch  auf  die  Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung gehabt hätte,

dass der Wegweisungsvollzug unter Berücksichtigung der massgeblichen 
völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  als  zulässig  erscheint, 
zumal  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  unglaubhaft  qualifiziert 
wurden,  weshalb  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­
Refoulements  (Art.  5  AsylG)  nicht  zur  Anwendung  kommt  und  keine 
Anhaltspunkte für eine  im Heimatstaat drohende menschenrechtswidrige 
Behandlung ersichtlich sind,

dass weder  die  allgemeine Lage  in Kamerun,  noch persönliche Gründe 
wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  gegen  den 
Wegweisungsvollzug  sprechen,  weshalb  dieser  voraussichtlich  als 
zumutbar zu erachten wäre,

dass  –  da  keine  Vollzugshindernisse  ersichtlich  sind  –  der 
Wegweisungsvollzug auch als möglich erscheint,

dass  die Verfügung  des BFM vom 31.  Juli  2009  im Wegweisungs­  und 
Vollzugspunkt  somit  voraussichtlich  zu  bestätigen  gewesen  wäre, 
weshalb von der Ausrichtung einer Parteientschädigung abzusehen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

D­5566/2009

Seite 14

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird,  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden, 
abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine 
Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bendicht Tellenbach Nina Hadorn

Versand: