# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0db2163d-0e3d-511c-a090-af8d94046348
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2018 E-5611/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5611-2017_2018-09-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5611/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  S e p t e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 

mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;   

Gerichtsschreiber Christoph Berger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia, wohnhaft in Addis Abeba, Äthiopien,  

handelnd durch B._______,  

vertreten durch MLaw Benedikt Homberger, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl);  

Verfügung des SEM vom 30. August 2017 / N (…). 

 

 

 

E-5611/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Mutter der Beschwerdeführerin, B._______ (nachfolgend: M.), reichte 

am 17. November 2008 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Sie machte im 

Wesentlichen geltend, ihr Ehemann sei am 10. August 2008 bei einem 

(…)unfall ums Leben gekommen und im gleichen Jahr sei auch ihr Vater 

von Unbekannten getötet worden. Wegen der Mittellosigkeit nach dem Tod 

des Ehegatten, der plötzlichen Verarmung der Familie und dem Krieg habe 

sie Somalia am 5. November 2008 verlassen, ihre beiden Kinder seien mit 

der Schwester und der Mutter im Heimatland verblieben. Nach ihrer Aus-

reise seien Mutter, Schwester und Kinder nach C._______ im Westen von 

Mogadischu geflohen. 

B.   

Mit Verfügung vom 25. Februar 2014 verneinte die Vorinstanz das Vorlie-

gen der Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz, deren Vollzug jedoch wegen Unzumutbar-

keit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben wurde. Auf An-

weisung gemäss Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1425/2014 vom 

6. August 2014 wurde M. mit Verfügung des SEM vom 20. August 2014 die 

Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und ihr Asyl gewährt. Ihre beiden in So-

malia geborenen und im Jahre 2015 in die Schweiz nachgereisten Kinder 

wurden mit Verfügung des SEM vom 8. Juni 2016 in ihre Flüchtlingseigen-

schaft einbezogen und erhielten Asyl. 

C.  

Mit Eingabe vom 26. April 2017 wurde beim SEM zugunsten der in Addis 

Abeba wohnhaften Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 und  

Abs. 4 AsylG (SR 142.31) um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft von 

M. und um Gewährung von Asyl sowie um deren Einreisebewilligung in die 

Schweiz ersucht. Im Wesentlichen machte M. geltend, nach dem tödlichen 

(…)unfall ihres Ehemannes (vom 10. August 2008) habe sie ihre jüngste 

Tochter (die Beschwerdeführerin) der Schwester ihres Ehemannes zur ih-

rer Einschätzung nach sichereren Versorgung anvertraut. Die Schwägerin 

habe damals zusammen mit der Beschwerdeführerin die Flucht nach Je-

men angetreten. Kurze Zeit danach habe M. von einem Schiffsunglück ver-

nommen, bei dem viele somalische Flüchtlinge ums Leben gekommen 

seien und sei davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin unter den 

Opfern sei, da sie lange Zeit nichts mehr von ihr gehört habe. Aufgrund der 

E-5611/2017 

Seite 3 

ausgebrochenen Konflikte seien die Schwägerin und die Beschwerdefüh-

rerin im Jahre 2016 aus Jemen nach Somalia zurückgekehrt und hätten 

sich auf die Suche nach M. gemacht. Der Schwägerin sei es in der Folge 

gelungen, mit der in Äthiopien lebenden Schwester von M. Kontakt aufzu-

nehmen. Die Beschwerdeführerin lebe aktuell bei einer Frau in Addis Ab-

eba, die auch die Schwester von M. beherbergt habe.   

D.  

Mit Verfügung vom 30. August 2017 bewilligte das SEM die Einreise der 

Beschwerdeführerin in die Schweiz nicht und lehnte das Asylgesuch ab. 

Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, M. habe die Verant-

wortung für Ihre Tochter ihrer Schwägerin übergeben, damit besser für jene 

gesorgt werden könne. Es sei festzustellen, dass die Trennung von M. und 

ihrer Tochter damit freiwillig und deshalb nicht aufgrund der Flucht erfolgt 

sei. Zudem bestünden erhebliche Zweifel an einer vorbestanden Familien-

gemeinschaft zwischen M. und der Beschwerdeführerin. M. und die Ge-

schwister der Beschwerdeführerin hätten diese bei den Anhörungen zu ih-

ren Asylgesuchen mit keinem Wort erwähnt, obwohl hätte erwartet werden 

können, dass M. bei gewissen Passagen der Anhörung auf ihre Tochter zu 

sprechen gekommen wäre. Dass M. jahrelang gedacht habe, ihre Tochter 

sei tot, vermöge an den Zweifeln der Glaubhaftigkeit einer vorbestandenen 

Familiengemeinschaft nichts zu ändern. Diesbezüglich sei zu erwähnen, 

dass M. gemäss eigenen Aussagen ihre Tochter der Schwägerin nach dem 

(…)unfall ihres Ehemannes am 10. Oktober 2008 übergeben habe. Die 

BzP habe am 2. Dezember 2008 und damit nur knapp zwei Monate – und 

nicht mehrere Jahre – nach diesem (…)unfall stattgefunden. M. sei deshalb 

zum Zeitpunkt der BzP nicht davon ausgegangen, dass ihre Tochter seit 

Jahren tot gewesen sei. 

E.  

Mit Beschwerdeeingabe vom 2. Oktober 2017 an das Bundesverwaltungs-

gericht wurde beantragt, der Entscheid des SEM vom 30. August 2017 sei 

aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, die Beschwerdeführerin in die 

Flüchtlingseigenschaft von M. einzubeziehen und ihr die Einreise in die 

Schweiz zu bewilligen. Eventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklä-

rung des rechtserheblichen Sachverhaltes beziehungsweise zur Neubeur-

teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde um unentgeltliche Rechtspflege, um Bestellung eines amtlichen An-

waltes in der Person des Rechtsvertreters und um Verzicht der Erhebung 

eines Kostenvorschusses ersucht.  

E-5611/2017 

Seite 4 

F.  

Am 5. Oktober 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2017 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung gut und verzichtete auf die Einforderung eines Kostenvorschusses. 

Das Gesuch um Beigabe eines amtlichen Anwaltes wurde abgewiesen. In 

der Verfügung wurde festgehalten, dass mit der Beschwerde als Beweis-

mittel bei Bedarf ein DNA-Gutachten offeriert werde, aus dieser Offerte je-

doch nicht zweifelsfrei hervorgehe, ob die Beschwerdeführerin selbst be-

reits ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben habe. Weiter 

wurde festgestellt, insbesondere der Antrag auf hinreichende Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhaltes im Zusammenhang mit der Verifizie-

rung, ob es sich bei der Beschwerdeführerin um die leibliche Tochter von 

M. handelt, erscheine begründet, da der betreffende Sachumstand von ent-

scheidrelevanter Bedeutung sein dürfte. Abgesehen davon dürfe das SEM 

gehalten gewesen sein, die im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens 

von der Beschwerdeführerin angebotene DNA-Analyse zur Erstellung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes durchführen zu lassen. Die Vorinstanz 

wurde ersucht, innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. 

H.  

Mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 2017 führte das SEM im Wesentli-

chen aus, es habe das Familienzusammenführungsgesuch abgelehnt, weil 

es Zweifel an einer vorbestandenen gelebten und intakten Familienge-

meinschaft zwischen der Beschwerdeführerin und M. gehabt habe und 

(demnach) keine Trennung durch Flucht vorgelegen habe. Als Indiz dafür 

sei zu werten, dass M. und die Geschwister der Beschwerdeführerin diese 

bei den Anhörungen zu ihren Asylgesuchen nicht erwähnt hätten. Das Ab-

stammungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin als Tochter zu M. 

werde nicht angezweifelt. 

I.  

Mit Verfügung vom 26. Oktober 2017 wurde der Beschwerdeführerin die 

Vernehmlassung des SEM zur Kenntnis gebracht. Zudem wurde sie ange-

halten, allenfalls bereits selbst getroffene Vorkehrungen im Zusammen-

hang mit einem DNA-Gutachten innert Frist offenzulegen. 

E-5611/2017 

Seite 5 

J.  

Mit Eingabe vom 9. November 2017 wurde vom Rechtsvertreter aktenkun-

dig gemacht, dass ein „Privatauftrag zur Abstammungsbegutachtung“ beim 

Kantonsspital St. Gallen in Auftrag gegeben wurde. Er ersuchte um Fristan-

setzung zur Einreichung des Abstammungsgutachtens, eventuell um Sis-

tierung des Verfahrens bis zur Fertigstellung der Begutachtung. Zudem 

wies er darauf hin, dass der Name der Beschwerdeführerin gemäss dem 

Familiennamen ihres verstorbenen Vaters anzupassen sei. 

K.  

Mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. November 2017 

wurde festgestellt, dass das Gesuch um Ansetzung einer angemessenen 

Frist zur Einreichung des Abstammungsgutachtens, eventualiter um Sistie-

rung des Verfahrens bis zur Fertigstellung der Begutachtung als hinfällig 

betrachtet werde. Zudem wurde mitgeteilt, dass der Name der Beschwer-

deführerin im vorliegenden Verfahren entsprechend angepasst werde. 

L.  

Mit Eingabe vom 15. Februar 2018 teilte der Rechtsvertreter mit, die Un-

terlagen zur DNA-Probenentnahme seien am 21. November 2017 an die 

Schweizer Vertretung in Addis Abeba geschickt worden, eine Einladung der 

Beschwerdeführerin durch die Botschaft sei jedoch noch nicht erfolgt. Zu-

dem wurde um eine zeitnahe Entscheidung im vorliegenden Verfahren er-

sucht. 

M.  

Mit Eingabe vom 17. Mai 2018 liess der Rechtsvertreter insbesondere be-

antragen, die Vorinstanz sei anzuweisen, ein Abstammungsgutachten be-

treffend M. und der Beschwerdeführerin anzuordnen, falls die vorliegende 

Beschwerde nicht ohnehin aufgrund des aktuell erstellten Sachverhaltes 

gutgeheissen werden könne. 

N.  

Mit Verfügung vom 7. Juni 2018 stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, 

aufgrund der Aktenlage sei zu schliessen, dass die beschwerdeführende 

Partei die ihr zumutbare Mitwirkungspflicht hinsichtlich der Einholung eines 

DNA-Profils nachgekommen sei und sie nach wie vor gewillt sei, den ent-

sprechenden Beweis anzubieten. Dem Gericht erscheine aufgrund der ak-

tuellen Aktenlage die Beweiserhebung eines DNA-Profils zur Erstellung 

des rechtserheblichen Sachverhaltes als zumindest tauglich. Entspre-

chend wurde das SEM angewiesen, innert Frist selbst die Massnahmen zu 

E-5611/2017 

Seite 6 

treffen oder der Beschwerdeführerin beziehungsweise dem Rechtsvertre-

ter alle notwendigen Unterlagen zuzustellen, um die Einholung der Erhe-

bung eines DNA-Profils der Beschwerdeführerin sicherzustellen. 

O.  

Mit Schreiben vom 14. Juni 2018 an den Rechtsvertreter kam das SEM der 

Anweisung in dem Sinne nach, als es ihm alle notwendigen Verfahrens-

schritte mitteilte, um die Einholung der Erhebung eines DNA-Profils der 

Beschwerdeführerin sicherstellen zu können. 

P.  

Mit Eingabe vom 2. August 2018 reichte der Rechtsvertreter die notwendi-

gen Unterlagen der Erstellung eines DNA-Profils der Beschwerdeführerin 

und einen darauf gestützten Untersuchungsbericht des Instituts für Rechts-

medizin St. Gallen vom 30. Juli 2018 zu den Akten. 

Q.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2018 stellte das Bundesverwal-

tungsgericht fest, die Auswertung des eingereichten Untersuchungsbe-

richts des Instituts für Rechtsmedizin komme zum Schluss, das Mutter-

schaftsverhältnis von M. zur Beschwerdeführerin habe als praktisch erwie-

sen zu gelten. Es dürfe nicht von der Hand zu weisen sein, dass der im 

vorliegenden Verfahren deutlich zum Ausdruck gekommene Wunsch von 

M., sich mit ihrer leiblichen minderjährigen Tochter familiär zu vereinigen, 

unter den Schutz des Instituts des Familienasyls zu fallen habe. Vor diesem 

Hintergrund erscheine es angezeigt, dem SEM die Beschwerdesache auch 

unter Hinweis auf Art. 58 VwVG in einem weiteren Schriftenwechsel zur 

Stellungnahme zu unterbreiten. 

R.  

Mit weiterer Vernehmlassung vom 21. August 2018 hielt das SEM daran 

fest, dass vorliegend keine Trennung von M. und der Beschwerdeführerin 

durch Flucht vorliege. M. und auch die Geschwister hätten ihre Tochter be-

ziehungsweise Schwester bei ihren Befragungen während ihres Asylver-

fahrens mit keinem Wort erwähnt. Dies überrasche insbesondere, als die 

Übergabe der Tochter an die Schwägerin nur zwei Monate vor der ersten 

Befragung geschehen sein solle. Das SEM gewichte diesen Umstand der-

art, als dass davon auszugehen sei, dass vor der Flucht keine schützens-

werte Beziehung zwischen M. und ihrer Tochter bestanden habe. Das Ab-

stammungsverhältnis lasse ebenfalls keine andere Einschätzung zu, zu-

mal es keine gelebte Beziehung zu begründen vermöge.  

E-5611/2017 

Seite 7 

S.  

Mit Schreiben vom 22. August 2018 gab das Bundesverwaltungsgericht 

dem Rechtsvertreter die Vernehmlassung zur Kenntnis. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

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Seite 8 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Dass eine Be-

schwerde in objektiver Hinsicht offensichtlich begründet erscheint, kann 

sich auch erst im Verlaufe eines Beschwerdeverfahrens nach erfolgten 

Schriftenwechseln erweisen. Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich 

vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur sum-

marisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

4.  

Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – Ehegat-

ten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge aner-

kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen spre-

chen. Mit dem sogenannten „Familienasyl“ erhalten die Angehörigen der 

Kernfamilie die gleiche Rechtsstellung und damit auch denselben flücht-

lingsrechtlichen Schutz wie der nachziehende anerkannte Flüchtling      

(vgl. SPESCHA et al., in: Migrationsrecht, Kommentar, 4. Aufl. 2015, N. 1 zu 

Art. 51 AsylG). Wurden die anspruchsberechtigten Personen durch die 

Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf 

Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). Die Bewilligung der Ein-

reise zwecks Gewährung von Familienasyl dient der Wiederherstellung 

von Familiengemeinschaften, die durch die Flucht getrennt wurden, hinge-

gen nicht der Aufnahme von neuen oder der Wiederaufnahme von been-

deten Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2). Sofern nicht schon be-

sondere Umstände im Sinn von Art. 51 Abs. 1 AsylG gegen eine Familien-

vereinigung in der Schweiz sprechen (vgl. dazu beispielsweise 

BVGE 2012/32   E. 5.2–5.4), ist die Einreise in die Schweiz gestützt auf 

Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nur zu bewilligen, wenn eine Familiengemein-

schaft bestanden hat, welche durch die Flucht getrennt wurde; vorbehalten 

bleibt der Familiennachzug gemäss den Vorschriften des AuG (SR 142.20) 

(vgl. BGE 139 I 330 E. 1.3.2–1.4.1). 

5.  

5.1 Das Gericht hielt es entgegen der Ansicht des SEM im vorliegenden 

Verfahren als notwendig und entscheidend, das Abstammungsverhältnis 

zwischen M. und der Beschwerdeführerin zu verifizieren. Zwar ist der An-

sicht des SEM insoweit zu folgen, als es schwer nachvollziehbar erschei-

nen muss, wenn M. und die Geschwister im Verlaufe ihrer Asylverfahren 

im Rahmen der Befragungen und der Anhörungen die Beschwerdeführerin 

nicht erwähnt haben und dies als Indiz gegen eine Familiengemeinschaft 

gewertet werden kann. Auf die einzelnen in der angefochtenen Verfügung 

angeführten entsprechenden Vorbehalte kann verwiesen werden. Auch 

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Seite 9 

vermag die Begründung, M. habe ihre Tochter aufgrund eines vermeintli-

chen Unfalltodes nicht erwähnt, das Gericht nicht vollends zu überzeugen. 

Die Gründe für das entsprechende Aussageverhalten müssen dem Gericht 

verborgen bleiben. Daraus jedoch, wie die Vorinstanz, den definitiven 

Schluss zu ziehen, es hätte zwischen M. und ihrer Tochter vor der Ausreise 

von M. keine gelebte Beziehung bestanden, ist offenkundig nicht statthaft. 

Aufgrund der Aktenlage sind keine gesicherten Anhaltspunkte gegeben, 

wonach die Beschwerdeführerin seit ihrer Geburt vom  20. Februar 2007 

bis kurz vor der Ausreise von M. aus Somalia vom 5. November 2008 und 

somit bis zu ihrem Lebensalter von einem Jahr und acht Monaten nicht mit 

M. zusammengelebt haben soll. Jedenfalls spricht allein von Natur aus die 

leibliche Mutter-Kind-Beziehung in diesem Lebensabschnitt des Kindes 

deutlich für eine gelebte Gemeinschaft. M. machte in ihrem Asylgesuch 

geltend, sich aufgrund der – durch den Todesfall ihres Ehemannes vom      

10. August 2008 bedingten – Mittellosigkeit, der plötzlichen Verarmung der 

Familie und der kriegerischen Ereignissen entschlossen zu haben, ihr Hei-

matland zu verlassen (Akten SEM A15/14, F46-F47). Im September 2008 

habe sie ihrem in Schweden wohnhaften Schwager, der ihre Ausreise fi-

nanziert habe, ihren Entschluss mitgeteilt (A15/14, F68). Am 20. Oktober 

2008 habe sie ihren Wohnort und am 5. November 2008 ihr Heimatland 

verlassen (A1/11, S.6). Die Trennung von der Beschwerdeführerin steht 

damit in hinreichender Zeitnähe mit der Flucht aus dem Heimatland. Die in 

der angefochtenen Verfügung vertretene Ansicht, die Trennung sei freiwillig 

und somit nicht aufgrund der Flucht erfolgt, kann nicht geschützt werden. 

Das rechtlich anzuerkennende und aufgrund faktischer Natur mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit vor der Flucht bestandene Mutter-Kind-Verhält-

nis wurde demnach durch die Flucht von M. aus ihrem Heimatland ge-

trennt. 

5.2 Bei dieser Sachlage sind die Voraussetzungen gemäss Art. 51 Abs. 1 

und Abs. 4 AsylG als erfüllt zu betrachten. Es sprechen keine besonderen 

Umstände dagegen. 

5.3 Somit ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht 

verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Ver-

fügung des SEM vom 30. August 2017 ist aufzuheben. Die Vorinstanz ist 

anzuweisen, die derivative Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin 

im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG anzuerkennen und ihr in der Schweiz 

Asyl zu gewähren, wozu ihre Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist     

(Art. 51 Abs. 4 AsylG). Bei dieser Sachlage ist auf den Eventualantrag, die 

E-5611/2017 

Seite 10 

Sache sei an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen, nicht ein-

zugehen. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

6.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der 

Honorarnote vom 2. August 2018 ausgewiesene Vertretungsaufwand von 

14.8 Stunden (versehentlich mit Total 30.95 Std. angegeben) erscheint als 

überhöht und ist deshalb auf das objektiv Notwendige zu kürzen. In Be-

rücksichtigung des gesamten Prozessverlaufes ist der Beschwerdeführerin 

zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 2240.– (inklusive 

Auslagen) zuzusprechen.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5611/2017 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, die Einreise der Beschwerdeführerin in 

die Schweiz zu bewilligen, ihre derivative Flüchtlingseigenschaft anzuer-

kennen und ihr Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr.  2240.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Christoph Berger 

 

 

 

 

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