# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 43773dce-89cb-5899-ae5e-fbc012c7c04a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Kausalabgaben und Enteignungen 02.02.2021 4-SV.2019.1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_001_4-SV-2019-1_2021-02-02.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Kausalabgaben und Enteignungen 

 

4-SV.2019.1 

 
 

 
 

Urteil vom 2. Februar 2021 
 
 
 

Besetzung  Präsident E. Hauller  

Richter P. Hohn  

Richter B. Stöckli  

Gerichtsschreiberin R. Gehrig 

 

 
 

   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____  

 

vertreten durch Emanuel Suter, Rechtsanwalt, Unterer Rainweg 33A, 

5070 Frick    

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Aargauische Gebäudeversicherung  

 

 

 
 

Gegenstand  Schadensschätzung Gebäude Nr. 96 in Q._____ 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

A.1. 

Die Kirche C der A. in Q. ist bei der Aargauischen Gebäudeversicherung 

(AGV) gegen Feuer- und Elementarschäden versichert (Police Nr. 111640; 

Vorakten [VA] 10). Am 5. März 2019 teilte die Aktuarin und Gebäudever-

antwortliche der Kirchenpflege der AGV telefonisch mit, infolge eines tech-

nischen Defekts an der Heizanlage sei der Kirchenraum auf 38 ° aufgeheizt 

worden, was zu Schäden an den Holzteilen geführt habe (VA 2).  

 

A.2. 

Die AGV lehnte eine Schadenübernahme ab (Schreiben vom 7. März 2019 

[VA 13]). Dagegen wehrte sich die A. mit Eingabe vom 20. März 2019 (VA 

15 f.). Die AGV hielt mit Verfügung vom 25. März 2019 am Abweisungsbe-

scheid fest (VA 18 ff.). Dagegen erhob die A. am 19. April 2019 Einsprache 

(VA 20 f.). Die AGV wies diese mit Entscheid vom 4. November 2019 ab 

(VA 24 ff.). 

 

B.1. 

Gegen den negativen Einspracheentscheid liess die A. mit Eingabe vom 6. 

Dezember 2019 beim Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Kausalabga-

ben und Enteignungen (SKE), Beschwerde erheben. Die Anträge lauten: 

 
"1. Der Einspracheentscheid vom 4. November 2019 sei aufzuheben. 
 
2, Die Beschwerdegegnerin sei zur Übernahme der durch das Schadens-

ereignis Nr. 201902241 vom 26. Februar 2019 am Gebäude und an der 
versicherten Einrichtung gemäss Police Nr. 111640 verursachten Kos-
ten zu verpflichten. 

 
Eventualiter sei die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung 
und zum Neuentscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz 
zurückzuweisen. 

 
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-

gegnerin." 

 

B.2. 

Das SKE forderte die A. (nachfolgend: Beschwerdeführerin) vorab zur Be-

zahlung des Kostenvorschusses auf (Schreiben von 9. Dezember 2019). 

Nach Eingang der Zahlung lud es die AGV (nachfolgend Beschwerdegeg-

nerin) zur Vernehmlassung ein (Schreiben vom 6. Januar 2020). Dem kam 

diese mit Eingabe vom 29. Januar 2020 nach. Sie beantragte, die Be-

schwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen. Die Be-

schwerdeführerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (Schreiben 

SKE vom 30. Januar 2020; Schreiben Beschwerdeführerin vom 24. Feb-

ruar 2020). 

 

 - 3 - 

 

 

Damit war der Schriftenwechsel abgeschlossen. 

 

C.1. 

Nach der schwierigen Terminsuche für einen allseitig passenden Verhand-

lungstermin lud das Gericht die Parteien am 10. Juli 2020 zu einer Ver-

handlung auf den 11. November 2020 ein. Die Teilnahme wurde freigestellt.  

 

C.2. 

Die AGV antwortete mit Schreiben vom 13. Juli 2020, dass sie auf eine 

mündliche Verhandlung verzichte, sofern die Gegenseite ebenfalls ver-

zichte. Diese hielt mit Schreiben vom 17. August 2020 an der Verhandlung 

fest und stellte gleichzeitig Beweisanträge (Einholung von Gutachten, Be-

fragung der vorgeschlagenen Gutachter). Das Schreiben wurde der AGV 

am 18. August 2020 zur Kenntnis gebracht. 

 

C.3. 

Ebenfalls am 18. August 2020 teilte der Präsident des SKE dem Vertreter 

der Beschwerdeführerin mit, dass die angebotenen Beweise für die Ver-

handlung voraussichtlich nicht benötigt würden. Über Beweisanträge und 

allfällige Beweisergänzungen könne an der Verhandlung noch entschieden 

werden. 

 

D. 

Am 21. September 2020 teilte das Gericht den Parteien mit, dass der aus 

gesundheitlichen Gründen zurückgetretene Fachrichter D. durch Bernhard 

Stöckli, Frick, ersetzt werde. 

 

E. 

Mit Schreiben vom 13. Oktober 2020 informierte das Gericht die Parteien 

über die an der Verhandlung einzuhaltenden Sicherheitsvorschriften betref-

fend Covid-19. 

 

F.1. 

Das Gericht führte am 11. November 2020 eine Verhandlung durch (Prä-

senz siehe Protokoll I S. 1). Die Rechts- und die Sachlage wurden bespro-

chen (Protokoll I passim). Das Gericht sah sich noch nicht in der Lage, ein 

abschliessendes Urteil zu fällen. Es wurde mit den Parteien vereinbart, 

dass ein Gutachten zu den technischen Fragen eingeholt werde (Protokoll I 

S. 11 ff.). 

 

Der Vertreter der Beschwerdeführerin reichte an der Verhandlung drei 

Fachberichte zu den Schäden in der Kirche ein. 

 

F.2. 

Mit E-Mail vom 16. November 2020 wurden die Parteien angefragt, ob sie 

mit Günter Grossmann, stv. Leiter des Zentrums für Industrieelektronik und 

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Zuverlässigkeitstechnik bei der Empa in Dübendorf als Gutachter einver-

standen seien. Thema des Gutachtens werde sein: Klärung der Ursache, 

die zum Defekt am Schützen geführt habe, sowie der Folgen, welche der 

defekte Schütz auf die Steuerung der Infrarotheizung gehabt habe.  

 

Weiter wurden Ausführungen zu den Kosten sowie zum weiteren Vorgehen 

gemacht. 

 

Beide Parteien stimmten dem Vorschlag wie auch dem skizzierten weiteren 

Vorgehen zu (je mit Eingaben vom 20. November 2020). 

 

F.3. 

Am 17. November 2020 wurden dem Gericht die an der Verhandlung vom 

11. November 2020 verlangten Unterlagen und ausgebauten Schützen 

persönlich vorbeigebracht (gemäss Lieferschein). 

 

F.4. 

Am 2. Dezember 2020 reichte die Empa eine Offerte zum Gutachterauftrag 

unter Beilage des Merkblatts "Regelung gutachterliche Tätigkeit" ein. Das 

Gericht erteilte mit E-Mail vom 8. November 2020 den Auftrag, was von der 

Empa mit Schreiben vom 10. Dezember 2020 bestätigt wurde. Daraufhin 

wurden Parteien und Gutachter auf den 2. Februar 2021 zu einer Instrukti-

onsverhandlung mit Augenschein und Inpflichtnahme des Gutachters ein-

geladen (Einschreiben vom 17. Dezember 2020). 

 

F.5. 

Am 2. Februar 2021 fand die Augenscheinverhandlung in der Kirche C in 

Q. statt (Präsenz siehe Protokoll II S. 1).  

 

Die Ursachenproblematik wurde diskutiert. Die Experten beantworteten 

Fragen des Gerichts und der Parteien, soweit sie dazu nach einem ersten 

Blick auf die Schützen und der Besichtigung des Schalttableaus in der Lage 

waren (Protokoll II S. 4 ff.). Da sie ein Hitzeereignis im Bereich des Tab-

leaus bzw. bei den Schützen mangels entsprechender Spuren ausschlies-

sen konnten, wurde in Übereinstimmung mit den Parteien auf eine weitere 

Ursachenabklärung verzichtet (Protokoll II S. 7 ff.). 

 

Im Anschluss an die Verhandlung hat das Gericht den Fall abschliessend 

beraten und entschieden. 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

 - 5 - 

 

 

1. 

1.1. 

Gegen Verfügungen der Gebäudeversicherung kann innert 30 Tagen seit 

Zustellung Einsprache erhoben werden (§ 50 Abs. 1 des Gesetzes über die 

Gebäudeversicherung [GebVG; SAR 673.100] vom 19. September 2006). 

Der Einspracheentscheid kann, wiederum innert 30 Tagen nach Zustellung, 

beim Spezialverwaltungsgericht angefochten werden (§ 51 Abs. 1 GebVG). 

Für das Verfahren sind die für das Verwaltungsgericht geltenden Vorschrif-

ten anwendbar (§ 51 Abs. 2 GebVG). 

 

1.2. 

Der Einspracheentscheid der AGV vom 4. November 2019 fällt in die Zu-

ständigkeit des SKE (Art. 51 Abs. 1 GebVG).  

 

1.3. 

Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des Einspracheentscheids ohne 

weiteres zur Beschwerdeführung legitimiert (§ 42 lit. a des Gesetzes über 

die Verwaltungsrechtspflege [Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 

271.200] vom 4. Dezember 2007). Der Vertreter wurde ordnungsgemäss 

bevollmächtigt (Vollmacht vom 3. Dezember 2019 [Beschwerdebeilage 1]). 

 

1.4. 

Auf die im Übrigen frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten. 

 

2. 

Strittig ist im vorliegenden Verfahren, ob die von der Beschwerdeführerin 

gemeldeten Schäden an den Holzteilen, der Decke und den Leinwandbil-

dern der Kirche C von der Versicherung gedeckt sind. 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Die Beschwerdeführerin führt aus (Beschwerde S. 5 f.), ein [nach Verständ-

nis des Gerichts aufgrund von Hitzeeinwirkung] verklebter Schütz im Siche-

rungskasten habe dazu geführt, dass die Heizung den Kirchenraum auf 

38°C aufgeheizt habe; das sei von der Elektrofirma B. AG bestätigt worden 

(vgl. Beschwerdebeilage 10). Die übermässige Hitze habe Schäden an den 

Holzteilen verursacht, insbesondere Risse im Holz des Hochaltars, der Sei-

tenaltäre, der Kanzel, aber auch Schäden am Verputz und der Stuckatur 

des Gebäudes sowie an den Leinwandbildern. 

 

Alte Kirchen seien äusserst sensibel bezüglich rascher und starker Tempe-

raturschwankungen. Sie enthielten grosse Holzelemente, welche einer 

starken thermischen Ausdehnung unterlägen. Deshalb dürften sie nicht 

über 16°C aufgeheizt werden. Ein Temperaturanstieg von 16°C auf 38°C 

innert kurzer Zeit führe zu Schäden an Holz- und Deckenelementen.  

 - 6 - 

 

 

 

Die in der Kirche C angetroffenen Schäden seien nicht vorbestehend ge-

wesen. Das werde von der Kantonalen Denkmalpflege bestätigt. Sie seien 

zweifellos auf die grosse Hitze mit anschliessendem Rückgang auf Normal-

temperatur zurückzuführen. Die Denkmalpflege sei daran, einen Bericht 

über die entstandenen Schäden zu verfassen. Dieser sei beizuziehen. 

 

Die Beschwerdegegnerin bezweifle die Kausalität zwischen Hitze und 

Schaden. Dennoch habe sie es unterlassen, eine Besichtigung des Gebäu-

des vorzunehmen, wie vom Schätzungsreglement vorgesehen. Das dürfe 

jedenfalls nicht zu Lasten der Beschwerdeführerin gehen. 

 

Sollten Zweifel am Vorliegen eines Schadens oder an der Kausalität zwi-

schen Hitze und Schaden bestehen, sei zunächst ein Augenschein durch-

zuführen und, falls notwendig, ein Gutachten einzuholen. 

 

3.1.2. 

Voraussetzung für eine Schadenübernahme durch die AGV sei, dass der 

Schaden auf einer technischen Ursache beruhe und als Unfall durch Hitze 

entstanden sei (Beschwerde S. 7 ff.). Die Schäden und die technische Ur-

sache (verklebter Schütz im Sicherungskasten) seien gegeben. Es handle 

sich nicht etwa um Abnützungs- oder Betriebsschäden. Der Kirchenraum 

sei nicht bestimmungsgemäss grosser Hitze ausgesetzt worden. Nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung sei 

eine derart starke Beheizung der Kirche geeignet, insbesondere die gros-

sen Holzelemente zu beschädigen. Empfohlene Belegtemperatur seien 

12°C. Höhere Temperaturen führten zu thermischen Spannungen und Aus-

trocknung von Bauteilen. Der angetroffene Schaden sei adäquat kausal zur 

Erhitzung des Kirchenraums auf 38°C. 

 

3.1.3. 

Die Beschwerdegegnerin bestreite, dass der Schaden unfallmässig einge-

treten sei (Beschwerde S. 8 ff.). Sie gehe fälschlicherweise vom sozialver-

sicherungsrechtlichen Unfallbegriff aus. Dort gehe es jedoch um Personen, 

welche sich – anders als ein Gebäude – aus einer Gefahrensituation ent-

fernen könnten. Es sei nicht sachgerecht, im Gebäudeversicherungsrecht 

denselben Unfallbegriff anzuwenden. Der Unfallbegriff gemäss § 11 Abs. 1 

GebV sei nach den üblichen Methoden auszulegen. Gemäss Botschaft des 

Regierungsrats seien damit unerwartete, nicht dem normalen Ablauf ent-

sprechende Ereignisse gemeint. Es werde, entgegen der Annahme der Be-

schwerdegegnerin, kein Schadeneintritt innert weniger Minuten verlangt, 

auch werde nicht auf den sozialversicherungsrechtlichen Unfallbegriff ver-

wiesen. Sinn und Zweck der Norm sei es, die versicherten Schäden einzu-

schränken. Es könnten damit aber nicht Schadenereignisse von der De-

ckung ausgeschlossen werden, deren Entstehung etwas mehr Zeit in An-

spruch nähmen als ein paar Minuten. Das Erfordernis der Plötzlichkeit im 

 - 7 - 

 

 

Sinne von wenigen Minuten sei von Sinn und Zweck der Norm nicht ge-

deckt. Der Begriff sei so auszulegen, wie er vom Rechtsunterworfenen ver-

standen werden dürfe (Treu und Glauben). Dieser müsse nicht damit rech-

nen, dass ein Schadenereignis von der Versicherungsdeckung ausge-

schlossen werde, weil bis zum Schadeneintritt naturgemäss etwas mehr 

Zeit verstreiche. Auch die bekannten Hitzeschäden wie Schäden an einer 

Wand durch Hitzeabstrahlung eines Ofens oder Überhitzung eines Heiz-

strahlers oder die Beschädigung einer Küchenkombination durch eine 

überhitzte Herdplatte erfolgten nicht innert Minuten. Diese Fälle seien 

durchaus vergleichbar mit dem vorliegenden Schadenfall. Einzig daure es 

bei der Kirche länger, bis der Raum so aufgeheizt sei, dass Schäden ent-

stehen könnten. In der Botschaft des Regierungsrats werde das Versagen 

eines Thermostats im Übrigen als Beispiel für einen technischen Defekt, 

der zu einem Hitzeschaden führen könne, aufgeführt. Es sei typisch für Hit-

zeschäden, dass sie sich langsam manifestierten. 

 

Die Erhitzung des Kirchenraums auf 38°C sei nicht vorgesehen gewesen, 

sondern Folge eines technischen Defekts der Heizung. Damit habe nicht 

gerechnet werden müssen. Das Ereignis und die dadurch entstandenen 

Schäden seien als Unfall im Sinne von § 11 Abs. 1 GebVG zu verstehen. 

 

3.1.4. 

Die Beschwerdeführerin argumentiert weiter, der Hitzebegriff sei im Gesetz 

nicht definiert. Hitze liege vor, wenn an der versicherten Sache durch über-

mässige Erwärmung ein Schaden entstehe. Eine Temperaturschwelle sei 

nicht vorgegeben, eine thermische Zersetzung nicht verlangt. Hitze sei re-

lativ. Es sei daher zu prüfen, ob die Erwärmung eines Kirchenraums auf 

38°C in Bezug auf das versicherte Gebäude bereits Schäden verursache 

und daher als Hitze zu verstehen sei. Kirchen würden auf maximal 16°C 

aufgeheizt, weil höhere Temperaturen, insbesondere bei raschen Tempe-

raturänderungen, an den versicherten Objekten Schäden, wie die vorge-

fundenen, verursachen könnten. In Bezug auf Kirchenräume sei daher im 

vorliegenden Fall von Hitze im Sinne von § 11 Abs. 1 lit. a GebVG auszu-

gehen. 

 

Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend (Beschwerde S. 12), es 

bestehe auch ein öffentliches Interesse an der Behebung der Schäden. 

Das Gebäude stehe sei 1963 unter kantonalem Denkmalschutz. Die Be-

schwerdeführerin könne sich eine Restaurierung nicht leisten. 

 

3.2. 

Die Gesuchgegnerin hält dem entgegen (Vernehmlassung S. 1 ff.), es sei 

unklar, weshalb die Heizung auf 38°C aufgeheizt habe, da der Thermostat 

gemäss Schadenmeldung einwandfrei funktioniert habe. Die AGV habe 

keine Schadenaufnahme gemacht, weil 38°C keine Hitze im versicherungs-

 - 8 - 

 

 

rechtlichen Sinne darstelle und weil ein grosser, in der Regel kalter Kirchen-

raum nicht unfallmässig auf diese Temperatur aufgeheizt werden könne. 

Es sei nicht möglich, dass die Kirche unbemerkt innert kürzester Zeit auf 

eine so hohe Temperatur komme, dass von Hitzeschaden gesprochen wer-

den könne. 

 

Holz sei ein Naturprodukt, das sich Temperaturschwankungen anpasse. Es 

reagiere auch auf Feuchtigkeit und Trockenheit. Eine Temperatur von 38°C 

schädige Holz nicht (mit Verweis auf den Einspracheentscheid Ziff. 2.2.2. 

[VA 25/26]). Dort wird ausgeführt, dass das Schwinden und Quellen von 

Holz ein biologischer Prozess sei, bei welchem das Holz Feuchtigkeit an 

die Umgebung abgebe bzw. von dort aufnehme. Hohe Temperaturen, auch 

über längere Zeiträume, würden keine thermische Zersetzung bewirken. 

Chemische Veränderungsprozesse fänden erst bei über 60°-80°C statt, 

weshalb im vorliegenden Fall nicht von Hitze im Sinne des Gesetzes ge-

sprochen werden könne.  

 

Gemäss Merkblatt zum richtigen Heizen und Lüften von Kirchenräumen 

(Beschwerdebeilage 11) seien nicht nur das geregelte Aufheizen und Ab-

kühlen, sondern es sei auch die Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren. In Bezug 

auf Holzeinbauten werde ausdrücklich auf Rissbildung durch Trocknungs-

schäden und auf Schimmelbildung durch Kondenswasser hingewiesen. 

Temperatur und Luftfeuchtigkeit seien zu überwachen; es werde ein Hyg-

rostatschalter empfohlen. Problematisch seien für die Holzeinbauten eher 

Feuchtigkeit bzw. Trockenheit als die Temperatur. Feuchtigkeit und Tro-

ckenheit seien keine versicherten Elemente. 

 

Langsam sich manifestierende Schadenseintritte seien grundsätzlich nicht 

versichert. Deshalb verlange das Gesetz, dass ein Hitzeschaden als Unfall 

entstehe. Es sei unverständlich, weshalb die Raumtemperatur nicht über-

wacht bzw. weshalb eine überdimensionierte Heizung eingebaut worden 

sei. Temperaturschwankungen im geltend gemachten Umfang wären bei 

periodischen Kontrollen und Aufenthalten in der Kirche bemerkt worden. 

Eine elementare Sorgfaltspflicht im Sinne einer Kontrolle habe demnach 

nicht stattgefunden. 

 

Den von der Beschwerdeführerin zum Vergleich herangezogenen Hitze-

schäden sei gemeinsam, dass sie direkt auf den beschädigten Gegenstand 

einwirkten. Vorliegend richte die Heizung keinen Schaden an, sie wärme 

lediglich zweckentsprechend und allmählich den Kirchenraum. Die Tempe-

ratur von 38°C könne Holz nicht schädigen. 

 

Der Begriff Hitze sei unter der Marginalie Feuerschäden im Zusammen-

hang mit Feuer und Rauch aufgeführt. Das impliziere eine aussergewöhn-

lich hohe Erwärmung. Holz entflamme bei ca. 230°C, es brenne ab 260°C 

 - 9 - 

 

 

auch ohne äussere Wärmequelle und ab 400°C entzündeten sich die Holz-

gase selber etc. In diesem Kontext könne bei der behaupteten Temperatur 

von 38°C versicherungsrechtlich nicht von Hitze ausgegangen werden; das 

sei nicht sachgerecht. Auch Temperaturschwankungen seien keine Hitze 

im versicherungsrechtlichen Sinn. 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien sind sich uneins, ob der geltend gemachte Schaden durch ein 

von der AGV versichertes Ereignis (Hitze), verursacht worden ist (Erw. 3.). 

 

4.2. 

Der Nachweis, dass ein versichertes Ereignis eingetreten ist, obliegt nach 

der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 des Schweizerischen Zivilge-

setzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) der Beschwerdefüh-

rerin. Die Beschwerdegegnerin hat demgegenüber Tatsachen zu bewei-

sen, welche die Leistungspflicht ausschliessen oder herabsetzen. Die all-

gemeine Beweislastregel gilt auch im öffentlichen Gebäudeversicherungs-

recht (Flavio Lardelli/Meinrad Vetter in: Basler Kommentar, Zivilgesetz-

buch I, Art. 1-456 ZGB, 6. Auflage, Basel 2018, N 27; Entscheid des Ver-

waltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2010/222 vom 26. Januar 2011 

Erw. 3.2. mit Hinweisen; Aargauische Gerichts- und Verwaltungsent-

scheide [AGVE] 2008 S. 380 mit Hinweisen). 

 

4.3. 

Das Beweismass bestimmt, ob der Richter für das Vorhandensein einer 

bestimmten Tatsache einen strikten Beweis verlangt, oder ob er sich mit 

einem minderen Grad an Sicherheit begnügt. In Versicherungsfällen kann 

oft nicht ein absoluter, strikter Beweis verlangt werden. Immer dann, wenn 

nach der Natur der Sache ein solcher nicht möglich ist, etwa beim Nach-

weis eines bestimmten Kausalzusammenhangs, darf der Richter seine 

Überzeugung mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit oder, 

wo auch dies objektiv nicht möglich ist, mit einer auf der Lebenserfahrung 

beruhenden überwiegenden Wahrscheinlichkeit begründen (vgl. Alfred 

Maurer, Schweizerisches Privatversicherungsrecht, 3. Auflage, Bern 1995, 

S. 333 f.; Pierre Widmer, in: Peter Münch/Thomas Geiser [Hrsg.], Scha-

den - Haftung - Versicherung, Basel 1999, S. 60). Überwiegend wahr-

scheinlich ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn für die Verwirklichung an-

derer Sachverhaltsversionen kein ernst zu nehmender Raum verbleibt und 

das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit einer 

Sachbehauptung überzeugt ist (BGE 130 III 324). Nach der Literatur hat 

der Beweisgrad der überwiegenden oder hohen Wahrscheinlichkeit in Zah-

len ausgedrückt einen Schwellenwert von 75 % zu erreichen (Isabelle Ber-

ger-Steiner, Beweismass und Privatrecht, in: Zeitschrift des Bernischen Ju-

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ristenvereins [ZBJV] 2008, S. 293 ff.), woran sich das SKE auch schon ori-

entiert hat (vgl. z.B. SKEE 6-SV.2007.4 vom 16. September 2008, Erw. 

3.2.). 

 

4.4. 

4.4.1. 

Die AGV ersetzt u.a. Schäden an versicherten Gebäuden, die als Unfall 

durch Feuer, Rauch und Hitze entstanden sind (§ 11 Abs. 1 lit. a GebVG). 

Nicht gedeckt sind Abnützungs- und Betriebsschäden sowie diejenigen Hit-

zeschäden, die nicht auf einer technischen Ursache beruhen (§ 11 Abs. 2 

GebVG). 

 

Die Ausrichtung einer Versicherungsleistung setzt demnach voraus (kumu-

lativ): 

• Vorliegen eines versicherten Ereignisses – hier Hitze. 

• technische Ursache 

• unfallmässige Einwirkung 

 

4.4.2. 

Gemäss Darstellung der Beschwerdeführerin führte ein technischer Defekt, 

eine "Schütz-Verbrennung", dazu, dass der Stromkreis der Heizung nicht 

mehr unterbrochen wurde und diese den Kirchenraum von C auf 38°C auf-

heizte. Das wird von der B. AG mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 be-

stätigt (Beschwerdebeilage 10).  

 

Der Thermostat war nicht betroffen; er funktionierte gemäss Beschwerde-

führerin einwandfrei (Schadenmeldung, VA 2). Hinterher wurden an den 

Holzteilen, dem Verputz, der Stuckdecke und den Leinwandbildern Risse 

festgestellt. Diese waren nicht vorbestehend, was von der Denkmalpflege, 

welche die Kirche letztmals am 18. April 2018 besichtigt hatte, bestätigt 

wurde (E-Mail der Stv. Denkmalpflegerin der Kantonalen Denkmalpflege 

vom 4. Dezember 2019 [Beschwerdebeilage 12]). Das Schadenereignis 

soll im Laufe des 25. und 26. Februar 2019 stattgefunden haben. Am 25. 

Februar 2019 machte die Gebäudeverantwortliche den letzten Kontrollbe-

such, bevor sie am 26. Februar 2019 die überheizte Kirche vorfand (Proto-

koll I S. 8 und 10). Der Schaden wurde der Versicherung am 5. März 2019 

gemeldet. 

 

4.4.3. 

Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin liegt kein Hitzeschaden vor, weil 

keine Hitze im versicherungsrechtlichen Sinn vorgelegen habe und der 

Schaden nicht unfallmässig eingetreten sei. 

 

 - 11 - 

 

 

4.4.4. 

Im Gesetz wird der Hitzeschaden nicht weiter umschrieben. Insbesondere 

ist auch keine Temperatur, ab welcher von einem Hitzeschaden auszuge-

hen wäre, festgeschrieben (vgl. dagegen §§ 4 und 4a GebVV zu Sturm- 

und Hagelereignissen). Aus der systematischen Einordnung der Norm er-

geben sich keine weiteren Erkenntnisse.  

 

Hitzeschäden können als Folge eines Feuers (Hauptereignis) auftreten, 

aber auch Folge eines selbstständigen Ereignisses sein. Darunter fallen 

v.a. Sengschäden infolge eines technischen Defekts (Botschaft des Regie-

rungsrats der Kantons Aargau zum GebVG vom 26. Oktober 2005 [nach-

folgend: Botschaft], S. 20).  

 

Hitze wird in allen kantonalen Gebäudeversicherungen als selbstständiges 

Ereignis versichert. Die meisten Kantone schränken die Deckung ein, in-

dem sie Schäden als Folge der ordentlichen bzw. bestimmungsgemässen 

Hitzeeinwirkung ausschliessen. Andere Kantone, so auch der Kanton Aar-

gau, schliessen stattdessen Abnützungs- und Betriebsschäden aus (§ 11 

Abs. 2 GebVG). Das bedeutet, dass Hitzeschäden an allen dem Feuer bzw. 

der Hitze bestimmungsgemäss ausgesetzten Gebäudeteilen ausgeschlos-

sen sind. Gedeckt ist hingegen grundsätzlich der Schaden an der versi-

cherten Umgebung, sofern er auf einer technischen Ursache beruht (Bsp.: 

Beschädigt ein wegen eines [technischen] Betriebsschadens überhitzter 

Ofen die ihn umgebenden Wände, ist der Schaden versichert. Wird ein 

Heizstrahler zu nahe an die Wand gestellt und schädigt diese, ist der Scha-

den nicht gedeckt. Beruht der Schaden aber auf einem technischen Defekt 

wie dem Versagen eines Thermostats, ist er gedeckt; Urs Glaus/Heinrich 

Honsell [Hrsg.], Gebäudeversicherung, Systematischer Kommentar [nach-

folgend: KommGeV], Basel 2009, S. 72 f. N 46, 48 und 50). Gedeckt sind 

Schäden aufgrund von Hitzeeinwirkung, die an und für sich gewollt ist, je-

doch wegen eines technischen Defekts zu intensiv erfolgt (Kantonale Ge-

bäudeversicherung Freiburg, Erläuterung zu den Begriffen Hitze, Rauch 

und Elektrizität vom 29. Juli 2019 [nachfolgend: Erläuterungen FR], S. 2). 

 

Betriebsschaden ist der Schaden am bestimmungsgemäss dem Nutzfeuer 

ausgesetzten Gebäudeteil infolge zu intensiver Hitzeeinwirkung, welche 

durch einen Bedienungsfehler oder einen technischen Defekt verursacht 

wurde (KommGebV, S. 73 N 49). 

 

Die Vertreter der AGV erklärten an der Verhandlung vom 11. November 

2020, dass sie aus der Praxis, ausser den genannten Sengschäden, keine 

anderen Hitzeschäden kennen würden (Protokoll I S. 6). 

 

 - 12 - 

 

 

4.4.5. 

Der Begriff Hitze wird in den gesetzlichen Grundlagen – auch anderer Kan-

tone – nicht definiert. Gemeint ist eine übermässige Erwärmung versicher-

ter Sachen, so dass diese beschädigt werden. Unerheblich ist grundsätz-

lich, worauf die starke Erwärmung zurückgeht (Verbrennungsvorgang, an-

dere Umwandlung von Energie in Wärme; KommGebV, a.a.O., S. 72 N 46 

f.; Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen, Versicherte Gefahren, 

Ausgabe 2016, S. 10 f.; Erläuterungen FR, S. 2).  

 

Nach dem aufgehobenen GebVG (aGebVG) vom 15. Januar 1934 (AGS 

Bd. 2 S. 509) waren u.a. Schäden an versicherten Gebäuden, die durch 

Brand oder Rauch entstanden waren, gedeckt (§ 2 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 und 

2 aGebVG). Bei der Revision des GebVG wurde die Schadenursache 

Brand ersetzt durch Feuer und Hitze (§ 11 Abs. 1 lit. a GebVG). Unter Brand 

wird ein Schadenfeuer verstanden, das im Gegensatz zum Nutzfeuer den 

Herd verlassen hat (KommGebV, a.a.O., S. 69 N 33 und N 39). Versiche-

rungen, die den Brand versichern, decken Hitzeschäden nur als direkte 

Wirkung eines Schadenfeuers (KommGebV, a.a.O, S. 73 N 51). Indem die 

Schadenursachen Feuer und Hitze separat aufgelistet werden, können 

auch Hitzeschäden, die nicht auf ein Feuer zurückgehen, gedeckt werden 

(vgl. Botschaft S. 20). In diesem Sinne wurde die Versicherungsdeckung 

bei der Revision also ausgedehnt. Dass damit auch eine Ausweitung der 

Deckung auf Fälle beabsichtigt war, bei denen keine vergleichbar hohe 

Temperatur wie bei einem Feuer zum Schaden geführt hat, lässt sich den 

Materialien aber nicht entnehmen. Als Beispiele für Hitzeschäden werden 

regelmässig sog. Sengschäden aufgeführt. Denkbar wäre wohl auch ein 

Verbiegen oder Schmelzen von Metallteilen. 

 

Die Gebäudeversicherung deckt, wie es der Name besagt, Schäden an Ge-

bäuden sowie an dauernd und fest damit verbundenen Bestandteilen (vgl. 

§ 1 der Verordnung über die Abgrenzung zwischen Gebäude- und Fahrha-

beversicherung [AbgrenzungsVo; SAR 673.131] vom 15. Oktober 1997, 

insbesondere auch Abs. 3 lit. b AbgrenzungsVo). Für den Hausbau werden 

aus Sicherheitsgründen nur Materialien verwendet, die widerstandsfähig 

gegenüber äusseren Einflüssen (Hitze, Kälte Nässe, Trockenheit) sind. Nur 

gravierende Ereignisse vermögen an diesen überhaupt Schäden anzurich-

ten und nur für solche bietet die Gebäudeversicherung Deckung. Es ist da-

her davon auszugehen, dass unter dem Titel Feuerschäden Schäden ge-

meint sind, die durch ein Ereignis mit einer gewissen Gewalt bzw. Intensität 

entstanden sind. Darauf lassen auch die weiteren Ursachen (Blitzschlag, 

Explosion, Sprengung; § 11 Abs. 1 lit. b-d GebVG) schliessen.  

 

4.4.6. 

Der Begriff Hitze ist im Gesetz, wie gesagt (Erw. 4.4.5.), nicht umschrieben. 

Es gibt jedoch keine Hinweise, dass der Begriff im Versicherungsrecht ab-

weichend von der umgangssprachlichen Bedeutung zu verstehen wäre. 

 - 13 - 

 

 

Hitze ist daher im Rahmen des allgemeinen Sprachgebrauchs und im Hin-

blick auf das gefährdete Gut – hier Gebäude – auszulegen. Ginge es um 

Personen, könnte bei dem knapp über der üblichen Körpertemperatur von 

36°C liegenden Wert von 38°C allenfalls von Hitze gesprochen werden 

(Sommerhitze, Hautschutz etc.). Geht es beim gefährdeten Gut aber um 

alle Arten von Gebäuden, die es vor Feuer- oder eben "Hitzeschäden" zu 

schützen gilt, ist von Temperaturen auszugehen, die an Baumaterialien 

Schäden anzurichten vermögen (verbrennen, versengen, verbiegen, 

schmelzen). Unter Hitze ist in diesem Zusammenhang daher eine wesent-

lich höhere Temperatur als 38°C zu verstehen. 

 

4.4.7. 

Holz wird seit jeher im Hausbau eingesetzt und zwar sowohl im Aussenbe-

reich, dem Wetter ausgesetzt, wie im Innenausbau. Es eignet sich auch für 

"wärmelastige" Nutzungen wie die Innenauskleidung einer Sauna. Es hält 

einer Temperatur von 38°C ohne weiteres stand, sonst würde es beim Bau 

nicht so vielfältig eingesetzt.  

 

4.4.8. 

Die Beschwerdeführerin argumentiert, unter Hitze sei jene Erwärmung zu 

verstehen, die bei einem bestimmten versicherten Gebäude zu Schäden 

führe; in Bezug auf die Inneneinrichtung einer Kirche sei bereits bei einer 

Temperatur von 38°C von Hitze auszugehen (Beschwerde S. 11). 

 

Diese Auslegung von Hitzeschaden findet im Gesetz keine Grundlage. Die 

Gebäudeversicherung gilt grundsätzlich für alle Bauten gleich. Es gibt we-

der eine risikoabhängige Abstufung der Prämien, noch die Möglichkeit, für 

besonders empfindliche Einbauten, wie sie sich in der Kirche C finden, bei 

der AGV eine freiwillige Zusatzversicherung abzuschliessen (Protokoll I S. 

7). Einzig bei der Elementarschadenversicherung kann der (nur) dort gel-

tende Selbstbehalt bei erhöhter Schadengefahr angepasst werden (vgl. 

§ 23 Abs. 2 und 3 GebVG). Die Gebäudeversicherung ist auf den Normal-

fall ausgerichtet, Spezialfällen wird nicht Rechnung getragen (Protokoll I S. 

9 f.). Es gibt keine automatische Ausdehnung des Versicherungsschutzes 

auf besondere Bedürfnisse einer Baute über den gesetzlichen Schutzum-

fang hinaus. Hitze ist einheitlich und unabhängig von der Art einer Baute 

auszulegen. Empfindliche Gebäudeteile sind daher in erster Line beson-

ders gut zu schützen – versicherungsmässig über den Rahmen der öffent-

lichen Gebäudeversicherung hinaus oder dann technisch. 

 

Schutzvorkehren gab es auch in der Kirche C (Thermostate, Hygrostate), 

nur waren diese nicht mit einem Alarm verbunden. Das soll im Nachgang 

zum Schadenereignis geändert werden (Protokoll I S. 7 f.). Das Gebäude 

wurde zudem regelmässig kontrolliert, so auch am 25. und 26. Februar 

 - 14 - 

 

 

2019. Da die festgestellte Störung der Heizung keine automatische Mel-

dung auslöste, konnte es dennoch zu den angetroffenen Schäden kom-

men. 

 

4.4.9. 

Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass eine Temperatur von 

38°C nach Überzeugung des Gerichts keine Hitze im Sinne des GebVG ist; 

Ein Hitzeereignis im Sinne des GebVG liegt diesbezüglich nicht vor. 

 

4.5. 

4.5.1. 

Nach der Darstellung der Beschwerdeführerin hat ein "durchgebrannter 

Schütz" zum Versagen der Heizungssteuerung geführt (Erw. 4.4.2.). Dem 

Gericht stellte sich daher weitergehend die Frage, ob im Schalttableau ein 

"Hitzeereignis" stattgefunden haben könnte. Um darauf Antwort zu erhal-

ten, hat das Gericht mit Zustimmung der Parteien (Sachverhalt F.2.) Günter 

Grossmann vom Zentrum für Industrieelektronik und Zuverlässigkeitstech-

nik der Empa, Dübendorf, als Experte aufgeboten.  

 

4.5.2. 

An der Augenscheinverhandlung vom 2. Februar 2021 erklärte dieser, dass 

die Heizung über sieben Schützen gesteuert werde. Diese würden von den 

Thermostaten Signale empfangen und den Stromfluss dann je nach Bedarf 

ein- oder ausschalten. Wenn ein Schütz "hänge", fliesse trotz Signal weiter 

Strom. Bei allen sieben ausgebauten Schützen seien die Kontakte jedoch 

offen. Es gebe auch keinen auf den ersten Blick erkennbaren Hinweis auf 

ein "Durchbrennen". Hinzu komme, dass von einem Schützen – vereinfacht 

gesagt – nur ein Siebtel der potentiellen Heizleistung hätte aktiviert werden 

können, was den festgestellten Temperaturanstieg von über 20°C in 24 

Stunden faktisch ausschliesse. Brand- oder sonstige Hitzespure seien auch 

am Schalttableau insgesamt nicht festzustellen (Protokoll II S. 4 ff.).  

 

Was dazu geführt hatte, dass der Strom am Schadentag unkontrolliert 

floss, konnte der Experte ohne vertiefte Untersuchungen nicht sagen. Ein 

Hitzeereignis im Bereich des Schalttableaus oder ein Übersteuern der An-

lage durch einen einzelnen Schützen schloss er als Ursache aber aus (Pro-

tokoll II S. 7 f.). 

 

4.5.3. 

Als Ergebnis der Augenscheinverhandlung vom 2. Februar 2021 steht fest, 

dass das Versagen der Heizungssteuerung im Februar 2019 auch nicht aus 

einem Hitzeereignis im Bereich des Schalttableaus, einschliesslich der 

Schützen, abzuleiten ist. Ein anderes versichertes Ereignis wird weder von 

der beweispflichtigen (Erw. 4.2.) Beschwerdeführerin geltend gemacht, 

noch ist es für das Gericht, seine Fachrichter oder die beigezogenen Ex-

perten ersichtlich. Es ist von einem nicht versicherten Betriebsschaden 

 - 15 - 

 

 

auszugehen, dessen Ursache nicht geklärt ist (Erw. 4.5.2.). Die Beschwer-

deführerin hat die Folgen der Beweislosigkeit und damit das Betriebsrisiko 

bzw. dessen Wirkungen auf das Gebäude selbst zu tragen. Die Versiche-

rung hat mangels einer Grundlage nicht für die unstrittig entstandenen 

Schäden aufzukommen.  

 

4.6. 

Unter den gegebenen Umständen erübrigt es sich, den weiteren Voraus-

setzungen (technische Ursache, Unfallmässigkeit; Erw. 4.4.1.) für die Aus-

richtung einer Versicherungsleistung weiter nachzugehen. 

 

5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin argumentiert schliesslich, es bestehe ein öffentli-

ches Interesse an der Instandstellung des denkmalgeschützten Innenaus-

baus der Kirche C. Sie selber sei nicht in der Lage, die Restaurationskosten 

zu tragen. Auch aus diesem Grund habe die AGV den Schaden zu über-

nehmen (Erw. 3.4.1.). 

 

5.2. 

Die Einnahmen der AGV (Versicherungsprämien) sind zweckgebunden 

einzusetzen, d.h. für die Deckung von Schäden aus versicherten Ereignis-

sen. Kulanzzahlungen sind bei einem Monopolisten und in einem Kanton 

mit Versicherungspflicht unerwünscht (§ 7 GebVG). Eine Übernahme der 

Restaurationskosten aus anderen als den im Gesetz genannten Gründen 

fällt daher ausser Betracht. 

 

6. 

Zusammenfassend bleibt demnach festzuhalten, dass eine Raumtempera-

tur von 38°C keine Hitze im Sinne des GebVG sind (Erw. 4.4.9), dass das 

Versagen der Heizungssteuerung im Februar 2019 nicht aus einem Hitze-

ereignis im Bereich des Schalttableaus, einschliesslich der Schützen, ab-

zuleiten und auch kein anderes versichertes Ereignis geltend gemacht oder 

ersichtlich ist (Erw. 4.5.3.), dass keine Kulanzzahlungen zu leisten sind 

(Erw. 5.2.).  

 

Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

 

7. 

7.1. 

Die Verfahrenskosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang zu ver-

legen (§ 31 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [Ver-

waltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200] vom 4. Dezember 

2007). Die Beschwerdeführerin unterliegt, weshalb sie die Kosten, inklusive 

Expertenkosten, zu übernehmen hat. Der von ihr geleistete Kostenvor-

schuss wird angerechnet.  

 - 16 - 

 

 

 

Der Streitwert beträgt Fr. 157'000.00 (Protokoll I S. 3), wofür eine Staats-

gebühr von Fr. 8'500.00 zu erheben wäre. Ursprünglich ging die Beschwer-

deführerin von einem Streitwert von rund Fr. 100'000.00 aus, der Kosten-

vorschuss (voraussichtliche Staatsgebühr) wurde dementsprechend auf 

Fr. 6'000.00 festgelegt. Auf eine nachträgliche Erhöhung der Staatsgebühr 

wird mit Rücksicht auf die von der Beschwerdeführerin zu tragenden Kos-

ten für den Gutachter von Fr. 4'308.00 (inkl. MWSt) ausnahmsweise ver-

zichtet. 

 

7.2. 

Die Parteikosten wären nach demselben Schlüssel zu verlegen (§ 32 

Abs. 2 VRPG). Mangels anwaltlicher Vertretung der Beschwerdegegnerin 

sind aber keine Parteikosten zu ersetzen (vgl. § 29 VRPG). 

 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus einer Staatsgebühr von 

Fr. 6'000.00, der Kanzleigebühr von Fr. 200.00 und den Auslagen (inklu-

sive Expertenkosten) von Fr. 4'563.25, zusammen Fr. 10'763.25, sind von 

der Beschwerdeführerin zu bezahlen.  

 

Nach Anrechnung des Kostenvorschusses von Fr. 6'000.00 hat sie noch 

Fr. 4'763.25 zu bezahlen. 

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 

   

Zustellung 

- Vertreter der Beschwerdeführerin (2; für sich und seine Klientin) 

- Beschwerdegegnerin (1) 

 

Mitteilung 

- mitwirkende Fachrichter 

- Herr Günther Grossmann, Zentrum für Elektronik & Zuverlässigkeits-

technik Empa, Überlandstrasse 129, 8600 Dübendorf (unter Beilage des 

Protokolls der Instruktionsverhandlung vom 2. Februar 2021) 

- Gerichtskasse (intern) 

 - 17 - 

 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung Verwaltungsgerichtsbeschwerde 

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau, obere Vorstadt 40, 5001 

Aarau, angefochten werden. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 

dem 7. Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August und vom 

18. Dezember bis und mit dem 2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerde-

schrift muss einen Antrag, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Be-

gründung enthalten. Beweismittel sind anzugeben. Der angefochtene Ent-

scheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (§§ 28 

und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; 

SAR 271.200] vom 4. Dezember 2007] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 

der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] vom 19. Dezem-

ber 2008). 

 

 
   

Aarau, 2. Februar 2021 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Kausalabgaben und Enteignungen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

E. Hauller R. Gehrig