# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f7594f27-39cc-5c17-8964-72f36fbe1350
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.08.2010 D-5591/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5591-2010_2010-08-19.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5591/2010
law/rep/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Markus König;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

A.__________, geboren (...),
dessen Ehefrau 
B._________, geboren (...), und die Kinder 
C._________, geboren (...), 
D._________, geboren (...), und 
E._________, geboren (...), Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotá,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 24. Juni 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5591/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer  –  ein  kolumbianischer  Staatsangehöriger  aus 
F.__________, Departement G._________ mit aktuellem Wohnsitz in 
Bogotá – stellte am 16. April 2008 bei der schweizerischen Vertretung 
in Bogotá für sich und seine Familie ein schriftliches Asylgesuch, das 
er  –  auf  entsprechende  Zusatzfragen  der  Schweizer  Botschaft  in 
Bogotá  vom  24. April  2008  hin  –  mit  Eingabe  vom  23. Mai  2008 
ergänzte.  Dabei  machte  der Beschwerdeführer  im  Wesentlichen 
geltend, am 11. Januar 2000 sei sein Neffe, J. M. Y., durch Angehörige 
der  paramilitärischen  Gruppierung  AUC  (Autodefensas  Unidas  de 
Colombia,  Vereinigte  Bürgerwehren  Kolumbiens)  ermordet  worden. 
Damals  habe  er  mit  seiner  Familie  in  F.__________  gelebt  und  sei 
politischer  Gemeindeführer  gewesen.  Am  11. Januar  2001  sei  ein 
weiterer  Neffe,  E.  M.  Y.,  von  Angehörigen  der  Rebellenorganisation 
FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, Revolutionäre 
Streitkräfte  Kolumbiens)  zum  Verschwinden  gebracht  worden.  Am 
29. November  2001  beziehungsweise  am  13. Mai  2002  seien  zwei 
seiner Brüder von der FARC ermordet worden. Am 5. August 2002 sei 
er  selbst  in  F.__________  durch  die  FARC  zum  militärischen  Ziel 
erklärt und bedroht worden. In der Folge habe er sich zusammen mit 
seiner Familie nach Bogotá begeben. Dort sei er in das Programm für 
Vertriebene  der  Organisation  „Red  de  Solidaridad  Social” 
aufgenommen  worden.  Im  Juni  2006  habe  ihn  das  IKRK  in 
H.__________, Departement I.__________, untergebracht, wo er etwa 
ein Jahr lang gelebt habe. Im Jahre 2007 sei er in der Hoffnung nach 
F.__________ zurückgekehrt,  dass er  dort  nunmehr in Frieden leben 
könne  und  keinen  weiteren  Behelligungen  seitens  der  FARC  mehr 
ausgesetzt  sei. Am 14. März 2008 sei  er  indessen von Angehörigen 
der FARC erneut vertrieben worden und deshalb erneut nach Bogotá 
gezogen.  Dort  habe  er  bei  der  Generalstaatsanwaltschaft  (Fiscalía 
General  de  la  Nación),  der  Ombudsstelle  (Defensoría  del  Pueblo), 
dem Büro für Menschenrechte des Innen- und Justizministeriums und 
dem IKRK um Schutzmassnahmen gebeten. Das Innen-  und  Justiz-
ministerium habe seinen Antrag aber abschlägig beschieden, weshalb 
er  die schweizerischen Asylbehörden um Schutzgewährung ersuche. 
Er und seine Familie hätten indessen keine verwandtschaftlichen Be-
ziehungen zur Schweiz.

Seite 2

D-5591/2010

B.
Mit  Begleitschreiben  vom  17. Juni  2008  übermittelte  die  schweize-
rische  Vertretung  in  Bogotá die  Akten  zuständigkeitshalber  an  das 
BFM,  wobei  sie  ergänzend  ausführte,  eine  Befragung  der  Be-
schwerdeführenden  sei  aus  Kapazitätsgründen  nicht  möglich  ge-
wesen.

C.
Mit  Zwischenverfügung  vom  22. März  2010  –  eröffnet  am  16. April 
2010 – teilte das BFM den Beschwerdeführenden mit, es erachte den 
entscheidrelevanten  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begrün-
dung der Asylgesuche und der eingereichten ausführlichen Dokumen-
tation als erstellt, weshalb eine Anhörung auf der Botschaft nicht not-
wendig  erscheine.  Im  Weiteren  erwäge  das  Bundesamt  –  unter 
Berücksichtigung der Akten, der zu beachtenden Aspekte und des ihm 
zukommenden weiten Ermessensspielraumes – die Asylgesuche der 
Beschwerdeführenden  abzuweisen  und  ihnen  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu verweigern. Insbesondere erachte es die Möglichkeit einer 
anderweitigen Schutzsuche als gegeben. Gleichzeitig räumte das BFM 
den  Beschwerdeführenden  die  Gelegenheit  ein,  sich  hierzu  innert 
30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung zu äussern, ansonsten auf-
grund der bestehenden Aktenlage entschieden werde.

D.
Die  Beschwerdeführenden  verzichteten  in  der  Folge  auf  die  Ein-
reichung einer entsprechenden Stellungnahme.

E.
Mit  via  Schweizer  Botschaft  in  Bogotá am  8. Juli  2010  an  die  Be-
schwerdeführenden versandter und ihnen am 13. Juli  2010 zugegan-
gener  Verfügung  vom 24. Juni  2010  verweigerte  das  BFM  den  Be-
schwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte ihre Asyl-
gesuche ab. Zur Begründung führte das Bundesamt zunächst  in for-
meller  Hinsicht  aus,  dass  in  den  vorliegenden  Fällen  die  Voraus-
setzungen  für  ein  Absehen  von  einer  Anhörung  der  Beschwerde-
führenden gegeben seien und sie die Möglichkeit erhalten hätten, sich 
dazu  zu  äussern.  In  materieller  Hinsicht  hielt  das  BFM im Wesent-
lichen  fest,  eine  landesweite  Gefährdung  der  Beschwerdeführenden 
sei  aus  den  Akten  nicht  ersichtlich,  da  sie  sich  nach  eigenem  Be-
kunden während vier Jahren in Bogotá und mehr als ein Jahr lang in 
H.__________ (Departement  I.__________)  aufgehalten  hätten  und 

Seite 3

D-5591/2010

dort  nicht  verfolgt worden  seien.  Da  es  sich  bei  den 
Beschwerdeführenden  nicht  um  landesweit  bekannte  Personen 
handle,  sei  somit  auszugehen,  dass  ihnen  innerstaatliche  Flucht-
alternativen offenstünden beziehungsweise sie sich in  einer anderen 
Region  innerhalb  von  Kolumbien  den  Übergriffen  seitens  der  FARC 
entziehen  könnten.  Darüber  hinaus  sei  von  der  grundsätzlichen 
Schutzfähigkeit des kolumbianischen Staates auszugehen, wobei es in 
der  Natur  der  Sache  liege,  dass  es  letztlich  faktisch  keinem  Staat 
gelinge,  die  absolute  Sicherheit  aller  seiner  Bürger  jederzeit  und 
überall  zu  garantieren.  Ferner  sei  es  den  Beschwerdeführenden 
möglich und zumutbar, gegebenenfalls in einem anderen Land als der 
Schweiz  um  Schutz  nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der 
Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30) als auch das entsprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 
1967 ratifiziert hätten; besonders nahe Beziehungen zur Schweiz hät-
ten die Beschwerdeführenden in ihren Asylgesuchen nicht geltend ge-
macht.

F.
Mit an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichteter, am 26. Juli 
2010 dort eingegangener Eingabe erhoben die Beschwerdeführenden 
gegen die Verfügung des BFM vom 24. Juni 2010 Beschwerde, welche 
in  der  Folge  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
weitergeleitet wurde (Posteingang beim Bundesverwaltungsgericht am 
6. August 2010). Dabei beantragten sie sinngemäss die Aufhebung der 
Verfügung des BFM vom 24. Juni 2010 und die Gewährung von Asyl 
beziehungsweise die Bewilligung der Einreise in die Schweiz. 

Zur Begründung brachten sie im Wesentlichen vor, sie müssten stän-
dig ihren Wohnort wechseln, um ihre physische Integrität zu wahren. 
Letztlich  wisse  man  nie,  was  einen  angesichts  des  gewalt tätigen 
Klimas  in  diesem Land  erwarte,  zumal  seitens  der  kolumbianischen 
Regierung, welche nur vermögende oder sonstwie bedeutende Leute 
schütze,  kein  Rückhalt  zu  erwarten  sei.  Angesichts  des  unsicheren 
Klimas  bestünde  auch  aller  Anlass  zur  Sorge  um die  Zukunft  ihres 
eben 17 Jahre alt gewordenen Sohnes.

Seite 4

D-5591/2010

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 
Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu ge-
hören Verfügungen des BFM auf dem Gebiet des Asyls; das Bundes-
verwaltungsgericht entscheidet  in diesem Bereich endgültig (Art.  105 
AsylG;  Art. 83  Bst. c  Ziff. 1  und  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde ist  nicht  in  einer  Amtssprache des Bundes ab-
gefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  entsprechenden  Be-
schwerdeverbesserung im Sinne von Art. 52 VwvG kann indessen aus 
prozessökonomischen  Gründen  verzichtet  werden,  da  die  spanisch-
sprachige Beschwerdeeingabe verständlich ist, so dass ohne Weiteres 
darüber befunden werden kann. Der vorliegende Entscheid ergeht in-
dessen  in  deutscher  Sprache  (Art. 33a  Abs. 2  VwVG  i.V.m.  Art. 6 
AsylG).

1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert. Auf die frist- und – vom sprachlichen Mangel ab-
gesehen – formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten 
(Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 und Art. 52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-

Seite 5

D-5591/2010

hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 
AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.
4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer 
schweizerischen Vertretung gestellt  werden, die es mit einem Bericht 
an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des 
Verfahrens  bei  der  schweizerischen  Vertretung  im  Ausland  sieht 
Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über  Verfahrens-
fragen (AsylV 1, SR 142.311)  vor, dass diese mit der asylsuchenden 
Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art.  10  Abs. 1 
AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person auf -
gefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2 
AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachver-
haltsabklärung  kann  sich  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits 
aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif  erstellt  er-
scheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls  im  Sinne  des 
rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem abzu-
sehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. 
Entscheide des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 
2007/30 E. 5.7). 

4.2 Vorliegend wurden die Beschwerdeführerenden von der schweize-
rischen Vertretung in  Bogotá nicht  zu ihrem Asylgesuch befragt. Sie 
haben ihre Vorbringen jedoch bereits  in  ihrem Asylgesuch schriftlich 
dargelegt  und  dokumentiert.  Ausserdem  wurde  ihnen  danach  mit 
Zwischenverfügung des BFM vom 22. März 2010 das rechtliche Gehör 
im  Hinblick  auf  die  in  Erwägung  gezogene  Abweisung  des  Asylge-
suchs  gewährt.  Sie  haben  von  ihrem  diesbezüglichen  Recht  auf 
Stellungnahme in der Folge keinen Gebrauch gemacht,  und der ent-
scheidwesentliche Sachverhalt erscheint – wie das BFM in der ange-
fochtenen Verfügung zu Recht ausführt – angesichts der schrift lichen 
Darlegung und Dokumentierung der  Asylgründe soweit  erstellt,  dass 
die  entscheidrelevanten  Elemente  vorliegen.  Das  BFM hat  den  ver-
fahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 

5.

Seite 6

D-5591/2010

5.1 Das Bundesamt  kann  ein  im Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ab-
lehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft 
machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden 
kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 
AsylG bewilligt  das BFM einem Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen. 

5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vor-
aussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt. Neben der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art.  3 
AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglich-
keit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungs-
nähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit 
zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Einglie-
derungs-  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl. 
die  weiterhin  zutreffende Praxis  gemäss Entscheidungen  und Mittei-
lungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 1997 
Nr. 15,  insbesondere  S. 131 ff.,  die  angesichts  bloss  redaktioneller 
Änderungen bei  der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie 
vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreise-
bewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit  der betreffenden Person 
(vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, 
ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird 
und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhalts-
abklärung zugemutet werden kann. 

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
die Beschwerdeführerenden hätten in ihrem Gesuch keine besonders 
nahen Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Gemäss den An-
gaben  des Beschwerdeführers  in  dessen ergänzender  Eingabe  vom 
23.  Mai  2008 verfügen  sie  im  Ausland  (beziehungsweise  in  der 
Schweiz) über keine direkten familiären Beziehungen. Im Weiteren hat 
das BFM zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführenden zu-
zumuten  sei,  in  einem  anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzu-
suchen  (Art. 52  Abs. 2  AsylG). So  sind  beispielsweise  die  Nachbar-
staaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl 
des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 

Seite 7

D-5591/2010

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als  auch des betreffenden Zusatzpro-
tokolls  vom 31. Januar 1967; Venezuela wiederum hat  zwar das Ab-
kommen selbst nicht ratifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder 
verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich 
geregeltes Verfahren zur Anerkennung von Flüchtlingen. Zudem halten 
sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts 
grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non-Refoulements  von  Art. 33  FK, 
auch  wenn als  Einschränkung  festgestellt  werden  muss,  dass  es  in 
den  Grenzgebieten  –  insbesondere  in  denjenigen  zu  Panama  und 
Venezuela – in den letzten Jahren zu unkontrollierten Rückschiebun-
gen durch die Grenzbehörden gekommen ist. Für die praktische Mög-
lichkeit  und die Zumutbarkeit  der  anderweitigen Schutzsuche spricht 
im Weiteren die Möglichkeit der visumsfreien Einreise nach Brasilien, 
Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jährlich mehrere tausend 
kolumbianische Staatsangehörige in den Nachbarländern – namentlich 
in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort  zu einem beträchtlichen 
Teil auch tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt werden. Insgesamt er-
geben sich keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, es sei 
den  Beschwerdeführenden  praktisch  unmöglich  oder  objektiv  unzu-
mutbar, sich in einen anderen Staat – insbesondere in einen der Nach-
barstaaten Kolumbiens – zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 und 
1997  Nr. 15).  Dies  gilt  umso  mehr,  als  dass  es  sich  bei  den  Be-
schwerdeführenden  nicht  um  landesweit  bekannte  Persönlichkeiten 
handelt, die aufgrund einer besonders exponierten Stellung auch bei 
einer Flucht ins nahe Ausland allenfalls befürchten müssten, verfolgt 
zu werden. Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe vermögen an 
dieser Einschätzung nichts zu ändern. 

6.2 Zudem steht den Beschwerdeführenden – wie die bereits erfolgte 
Wohnsitzverlegung  nach  Bogotá zeigt  –  eine  innerstaatliche  Flucht-
alternative  zur  Verfügung,  zumal  der  Beschwerdeführer  nie  geltend 
gemacht hat, er beziehungsweise seine Familie seien ausserhalb ihres 
früheren  Wohnortes  F.__________  und  trotz  den  leidvollen 
Geschehnissen  im  Kreise  ihrer  näheren  Verwandtschaft  jemals 
konkreten  Verfolgungshandlungen  seitens  der  FARC  oder  einer 
anderen Organisation ausgesetzt gewesen.

6.3 Zusammenfassend ist  damit  festzuhalten,  dass  die  Beschwerde-
führenden  aufgrund  der  Akten  über  keine  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz verfügen, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutz-
suche  haben.  Zudem  ist  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  ge-

Seite 8

D-5591/2010

geben. Das BFM hat den Beschwerdeführenden daher zu Recht die 
Einreise in die Schweiz verweigert und die Asylgesuche abgelehnt. 

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  im Er-
gebnis richtig und vollständig feststellt  und angemessen ist  (Art.  106 
Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich  der  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). 
Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  ist  indessen  in  Anwendung 
von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-5591/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführenden  durch  Vermittlung  der  schweizerischen 
Vertretung in Bogotá (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung 
des  Urteils  an  die  Beschwerdeführenden  und  um Zustellung  der 
beiliegenden  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungs-
gericht (per EDA-Kurier; in Kopie)

- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N (...) 
(per Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

Versand: 

Seite 10