# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98c02b29-64dc-5dd1-8796-060e02586293
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 20.06.2024 SK 2023 224
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-224_2024-06-20.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 224

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. Juni 2024 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin), 
Oberrichter Wuillemin, Oberrichter Zbinden
Gerichtsschreiber Lüthi

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
a.v.d. Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand mehrfache sexuelle Nötigung, mehrfache sexuelle Belästigung 
sowie Tätlichkeiten

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 16. Februar 2023 (PEN 22 127)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend: Vor-
instanz) fällte am 16. Februar 2023 über A.________ das folgende Urteil (pag. 431 
ff.; Hervorhebungen im Original, Auslassungen in eckigen Klammern):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:
1. der sexuellen Nötigung, mehrfach begangen am 05.-06.03.2021, in E.________(Ort), z.N. 

C.________;

2. der sexuellen Belästigung, mehrfach, begangen

2.1 am 06.02.2021, in F.________(Ort), z.N. C.________;

2.2. am 05.03.2021, in E.________(Ort), z.N. C.________;

2.3. in der Nacht vom 05.03.2021 auf 06.03.2021, in E.________(Ort), z.N. C.________ 

2.4. am 06.03.2021, in G.________(Ort), z.N. C.________;

2.5. am 12.03.2021, in G.________(Ort), z.N. C.________;

3. der Tätlichkeit, begangen am 05.03.2021, in E.________(Ort), z.N. C.________;

und in Anwendung der 
Art. 44 Abs.1, 49 Abs. 1, 126, 189 Abs. 1, 198 StGB, 
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 4'550.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung wird auf 46 Tage festgesetzt.

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 10'532.00 (Kosten 
der Untersuchung: CHF 6’732.00, Gerichtsgebühren [inkl. schriftliche Begründung]: 
CHF 3'800.00) und Auslagen von CHF 344.00 (Entschädigung für Zeugin: CHF 44.00, Kosten 
der Staatsanwaltschaft: CHF 300.00), insgesamt bestimmt auf CHF 10'876.00.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1’200.00. Die 
reduzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 9'676.00.

3

II.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Fürsprecherin D.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 56.00 200.00 CHF 11’200.00
Reisezuschlag CHF 416.65

CHF 524.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 12’140.65 CHF 934.85

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 13’075.50

volles Honorar CHF 14’000.00
Reisezuschlag CHF 416.65

CHF 524.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 14’940.65 CHF 1’150.45

CHF 0.00
Total CHF 16’091.10

nachforderbarer Betrag CHF 3’015.60

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecherin D.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von C.________ mit CHF 13'075.50. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

A.________ wird verpflichtet, C.________ zuhanden von Fürsprecherin D.________ als Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen 
Honorar CHF 3’015.60 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Fürsprecherin D.________ hat in 
diesem Umfang gegenüber ihrer Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

III.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 2’326.45 Schadenersatz an die Straf- und Zivilklägerin C.________.

2. Zur Bezahlung von CHF 3'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 06.03.2021 an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________. Soweit weitergehend wird die Genugtuungsforderung ab-
gewiesen. 

3. Für die Beurteilung der Zivilpunkt (recte: Zivilpunkte) werden keine Kosten ausgeschieden. 

IV.

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) mit Schrei-
ben vom 18. Februar 2023 fristgerecht Berufung an und teilte zugleich mit, seinem 
bisherigen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt H.________, das Vertretungsmandat 

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entzogen zu haben (pag. 438). Mit Eingabe vom 24. Februar 2023 zeigte Rechts-
anwalt B.________ an, vom Beschuldigten mandatiert worden zu sein, und melde-
te in dessen Namen sicherheitshalber ebenfalls Berufung an (pag. 440).

Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 9. Mai 2023 und ist den Parteien mit 
Verfügung desselben Tages zugestellt worden (pag. 450 ff. und pag. 521).

In der frist- und formgerecht eingereichten Berufungserklärung vom 23. Mai 2023 
(pag. 531 f.) teilte Rechtsanwalt B.________ namens des Beschuldigten mit, das 
Urteil werde grundsätzlich vollumfänglich angefochten, d.h. soweit der Beschuldigte 
davon beschwert sei, was durch Ziff. I., Ziff. III. gänzlich sowie Ziff. II. des Urteils-
dispositivs bezüglich des nachforderbaren Betrages von CHF 3'015.60 durch Für-
sprecherin D.________ [sic] der Fall sei.

Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern erklärte mit Schreiben vom 
30. Mai 2023 ihren Verzicht auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren 
(pag. 537 f.). 

C.________ (nachfolgend: Straf- und Zivilklägerin), amtlich vertreten durch Für-
sprecherin D.________, machte mit Eingabe vom 9. Juni 2023 keine Gründe für 
ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten geltend und verzichtete
ihrerseits auf eine Anschlussberufung (pag. 540).

Die mündliche Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer fand, nachdem der 
erste Verhandlungstermin vom 30. April/1. Mai 2024 von Amtes wegen abgesetzt 
werden musste (pag. 618), am 19./20. Juni 2024 statt (pag. 651 ff.).

3. Unentgeltliche Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklägerin

Nach Einholen aktueller Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen der Straf- 
und Zivilklägerin (pag. 552.2 bzw. pag. 562 ff.) wurde dieser mit Verfügung vom 
22. September 2023 für das oberinstanzliche Verfahren weiterhin das Recht zur 
unentgeltlichen Rechtspflege gewährt, unter Beibehaltung von Fürsprecherin 
D.________ als amtliche Rechtsbeiständin (pag. 608).

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Schreiben vom 23. Mai 2023 stellte der Beschuldigte den Antrag, die Aussagen 
der Straf- und Zivilklägerin durch eine Fachperson auf dem Gebiet der Aussage-
psychologie auf ihren Wahrheitsgehalt beurteilen zu lassen (pag. 531 f.). Dieser 
Beweisergänzungsantrag wurde mit Beschluss vom 21. Juni 2023 begründet 
abgewiesen (pag. 543 ff.).

Fürsprecherin D.________ reichte am 11. Januar 2024 ein an die Straf- und 
Zivilklägerin adressiertes, handschriftliches Schreiben des Beschuldigten zu den 
Akten (pag. 610 ff.; nachfolgend: Entschuldigungsschreiben). Dieses datiert vom 
23. Dezember 2023 und ging bei der Straf- und Zivilklägerin am 28. Dezember 
2023 ein.

Von Amtes wegen wurden im oberinstanzlichen Verfahren sodann folgende Unter-
lagen über den Beschuldigten eingeholt:

- Strafregisterauszug vom 13. Juni 2024 (pag. 649);

5

- Leumundsbericht samt Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse vom 
24. April 2024 (pag. 632).

Weiter wurden anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung die Straf- und Zivil-
klägerin sowie der Beschuldigte einvernommen (pag. 654 ff.).

5. Konfrontationsvermeidung sowie Dispensation der Straf- und Zivilklägerin

Am 28. August 2023 stellte die Straf- und Zivilklägerin im Hinblick auf die Beru-
fungsverhandlung vom 30. April/1. Mai 2024 den Antrag auf Konfrontationsvermei-
dung mit dem Beschuldigten sowie – mit Ausnahme ihrer eigenen Einvernahme – 
auf Dispensation vom persönlichen Erscheinen (pag. 562). Das Gesuch wurde mit 
Beschluss vom 30. August 2023 gutgeheissen (pag. 600 f.); dieser hatte auch für 
die neu angesetzte Verhandlung Bestand (vgl. die Vorladung auf pag. 638).

6. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
namens des Beschuldigten die folgenden Anträge (pag. 680 f.; Hervorhebungen im 
Original):

1. Der Vorwurf der sexuellen Belästigung vom 6.2.2021 sei mangels Strafantrags einzustellen und 
dem Beschuldigten sei dafür eine Entschädigung in gerichtlich zu bestimmender Höhe auszurich-
ten.

2. Das Urteil des erstinstanzlichen Gerichts vom 16.2.2023 sei bezüglich der Ziffern I. und III. aufzu-
heben und der Beschuldigte sei von den Vorwürfen der mehrfachen sexuellen Nötigung sowie der 
mehrfachen sexuellen Belästigung und der Tätlichkeit von Schuld und Strafe freizusprechen.

3. Die Verfahrenskosten seien diesfalls dem Staat aufzuerlegen.

4. Eventualiter sei der Beschuldigte wegen sexueller Belästigung in mehreren Fällen sowie wegen 
Tätlichkeiten zu einer Gesamtbusse von CHF 4'000.00 zu verurteilen.

5. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verwei-
sen.

6. Die von der Verteidigung eingereichte Honorarnote sei zu genehmigen und zur Auszahlung wei-
terzuleiten.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

Die an der Berufungsverhandlung von Fürsprecherin D.________ für die Straf- und 
Zivilklägerin gestellten Anträge lauten wie folgt (pag. 687; Reihenfolge der besse-
ren Übersicht halber leicht angepasst):

Das Verfahren betr. sex. Belästigung, angebl. begangen am 6.2.21 z.N. H.M. sei einzustellen.

A.________ sei schuldig zu sprechen

1. Der sexuellen Belästigung, mehrfach begangen am 05.03.2021 in E.________(Ort), in der 
Nacht vom 05.03./06.03.2021 in E.________(Ort), am 06.03.2021 und 12.03.2021 in 
G.________(Ort), alles zum Nachteil der Privatklägerin C.________

2. Der Tätlichkeit, begangen am 05.03.2021 in E.________(Ort) zum Nachteil der Privatklägerin 
C.________

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und er sei zu verurteilen

1. zu einer angemessenen Sanktion

2. zu Schadenersatz von CHF 2'326.45

3. zu einer Genugtuung von mindestens CHF 3'000 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 06.03.2021

4. zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten und

5. zum Ersatz der erst- und oberinstanzlichen Parteikosten gemäss Honorarnoten 15.02.2023 
und 19.06.2024

Für den Fall der Nichterhältlichkeit der Parteientschädigung sei das amtliche Honorar der amtlichen 
Anwältin der Privatklägerin gemäss Honorarnoten festzusetzen.

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil «grundsätzlich vollumfänglich» an-
gefochten (vgl. pag. 531 und 680 f.). Die Kammer hat das Urteil der Vorinstanz so-
mit – mit nachfolgender Ausnahme – gesamthaft neu zu beurteilen und verfügt da-
bei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]). Einzige Ausnahme bildet die erstinstanzlich festgesetzte Höhe 
der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Straf- und 
Zivilklägerin durch Fürsprecherin D.________, die von keiner Partei angefochten 
wurde. Diese ist damit in Rechtskraft erwachsen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_1231/2022 vom 10. März 2023). 

Infolge Verzichts der Generalstaatsanwaltschaft auf Teilnahme am oberinstanzli-
chen Verfahren und somit mangels Anschlussberufung oder eigenständiger Beru-
fung von ihr und der Straf- und Zivilklägerin darf das erstinstanzliche Urteil nicht 
zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden (sog. Verschlechterungsver-
bot, Art. 391 Abs. 2 StPO).

8. Einstellung der sexuellen Belästigung vom 6. Februar 2021

Die Straf- und Zivilklägerin hat gegen den Beschuldigten am 20. April 2021 Strafan-
trag wegen sexueller Belästigung, Tätlichkeit und Drohung, begangen im Zeitraum 
von 5. bis 12. März 2021 an der I.________(Strasse) in E.________(Ort), gestellt 
(pag. 7).

In Ziff. I.2.1. der Anklageschrift (pag. 312) wird dem Beschuldigten demgegenüber 
eine angeblich am 6. Februar 2021 in F.________(Ort), J.________(Strasse) (da-
maliges Domizil K.________), begangene sexuelle Belästigung vorgeworfen 
(pag. 312). 

Bei der sexuellen Belästigung handelt es sich um eine Übertretung, die nur auf An-
trag verfolgt wird (Art. 186 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; 
SR 311.0). Bei Antragsdelikten stellt der Strafantrag eine Prozessvoraussetzung 
dar, deren Vorliegen von Amtes wegen zu prüfen ist. Fehlt es an einem rechtsgülti-
gen Strafantrag, kann der Fall materiell nicht beurteilt werden und es ist die Einstel-
lung des Verfahrens zu verfügen (RIEDO, in: Basler Kommentar zum StGB/JStG, 

7

4. Aufl. 2019, N 108 f. zu Art. 30 StGB). Die Frist zur Stellung eines gültigen Straf-
antrags beträgt 3 Monate (Art. 31 StGB). 

Der Vorwurf gemäss Ziff. I.2.1. der Anklageschrift ist weder in zeitlicher noch in ört-
licher Hinsicht vom innert der gesetzlichen Frist gestellten Strafantrag umfasst. 
Damit fehlt es diesen Vorwurf betreffend an einem gültigen Strafantrag und mithin 
an einer Prozessvoraussetzung. Das Verfahren ist in diesem Punkt einzustellen.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Theoretische Grundlagen zur Beweiswürdigung und Vorbemerkungen

Auf die von der Vorinstanz korrekt dargelegten theoretischen Grundlagen der Be-
weiswürdigung kann vorab verwiesen werden (pag. 455 ff.).

Ergänzend und bezugnehmend auf die Argumentation der Verteidigung ist darauf 
hinzuweisen, dass die beschuldigte Person selbstredend das Recht hat, die Aus-
sage und ihre Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern; auch muss sie sich nicht 
selbst belasten (Art. 113 StPO). Macht sie allerdings von ihren diesbezüglichen 
Rechten keinen Gebrauch und macht sie stattdessen selbstbelastende Aussagen, 
sind diese als Beweismittel vom Gericht frei zu würdigen (vgl. etwa Art. 10 Abs. 2 
sowie Art. 157 ff. StPO, insbesondere auch Art. 160 StPO). Dies entgegen der Ar-
gumentation der Verteidigung, wonach die Aussagen des Beschuldigten nicht ver-
wertbar seien, weil dieser im Strafverfahren weder mitwirkungs- bzw. aussage-
pflichtig sei noch die Wahrheit sagen müsse (pag. 673). Gleiches gilt für die Arztbe-
richte, die entgegen dem Dafürhalten der Verteidigung ohne Weiteres verwertbar 
sind. Schliesslich wurde auch das Entschuldigungsschreiben, welches der Be-
schuldigte notabene aus eigenem Antrieb der Straf- und Zivilklägerin zukommen 
liess, von dieser ordentlich ins Verfahren eingebracht. Der Eingang des Schreibens 
beim Obergericht wurde dem Beschuldigten in Gewährung seines rechtlichen 
Gehörs mit Verfügung vom 12. Januar 2024 angezeigt, wobei eine entsprechende 
Rüge seinerseits unterblieben ist. Es handelt sich folglich auch beim Entschuldi-
gungsschreiben um ein Beweismittel, das der freien Beweiswürdigung durch das 
Gericht unterliegt. Eine – folgerichtige – Entfernung der offenbar unverwertbaren 
Beweise aus den Akten (vgl. Art. 141 Abs. 5 StPO) hat die Verteidigung im Übrigen 
nicht beantragt. Auf die Frage der Beweisverwertbarkeit ist daher nicht weiter ein-
zugehen.

Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz die Ziff. I.1. der Anklageschrift 
im Sinne einer Handlungsmehrheit in sieben Teilsachverhalte gegliedert und diese 
rechtlich je einzeln gewürdigt hat. In sechs von sieben Fällen ergingen eigenstän-
dige Schuldsprüche wegen sexueller Nötigung oder sexueller Belästigung, die sich 
entsprechend im Urteilsdispositiv niederschlugen und vom Beschuldigten ange-
fochten wurden. In einem Fall (Vorfall am Morgen des 6. März 2021 unter der Du-
sche; vorinstanzlich Teilsachverhalt 4) erklärte die Vorinstanz den Beschuldigten 
hingegen auf rechtlicher Ebene für nicht schuldig. Damit sprach sie diesen in mate-
rieller Hinsicht frei, ohne dies jedoch im Urteilsdispositiv festzuhalten. Da einzig der 

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Beschuldigte Berufung erhoben hat, bildet dieser implizite Freispruch bzw. der Vor-
fall unter der Dusche oberinstanzlich nicht mehr Verfahrensgegenstand. 

Bezugnehmend auf Ziff. I.1. Anklageschrift ist schliesslich Folgendes anzumerken: 
Diese gliedert sich in drei zeitlich klar voneinander abgegrenzte, erkennbare Ab-
schnitte (Nachmittag des 5. März 2021; Nacht vom 5. auf den 6. März 2021; Vor-
mittag/Mittag des 6. März 2021). In diesen drei Zeiträumen werden diverse Hand-
lungen beschrieben, welche – gerade was die zeitliche Komponente betrifft – teil-
weise etwas unübersichtlich dargestellt bzw. unscharf voneinander abgetrennt 
wurden. Angesichts dessen, dass ausdrücklich eine Mehrfachbegehung angeklagt 
und verschiedene Lebensvorgänge beschrieben sind, war es der Vorinstanz unbe-
nommen, die Anklageziffer in mehrere Teilsachverhalte zu gliedern. Die einzelnen 
Sachverhalte sind denn auch genügend klar umschrieben. Der Beschuldigte war in 
seiner Verteidigung nicht eingeschränkt, was er im Übrigen auch nicht behauptete. 
Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt nicht vor. Die sich in diesem Kontext stel-
lende Frage der natürlichen Handlungseinheit/Handlungsmehrheit ist als Rechts-
frage zu einem späteren Zeitpunkt zu klären (vgl. einleitend zur rechtlichen Würdi-
gung; E. 14 hiernach).

10. Unbestrittenes Rahmengeschehen sowie bestrittenes Kerngeschehen

Die nachfolgenden Ausführungen haben für alle zu überprüfenden Vorwürfe 
gemäss Anklageschrift Geltung. Diese wirft dem Beschuldigten mehrere Delikte 
sexuellen Kontexts zum Nachteil der Straf- und Zivilklägerin vor, die sich innerhalb 
einer Woche (5. März 2021 – 12. März 2021) zugetragen haben sollen, dies teils in 
der Wohnung der Straf- und Zivilklägerin in E.________(Ort), teils im Elternhaus 
von L.________ in G.________(Ort). Namentlich soll der Beschuldigte die Straf- 
und Zivilklägerin mehrfach mit Gewalt zu sexuellen Handlungen genötigt bzw. sie 
mehrfach sexuell belästigt haben. Für die einzelnen Vorwürfe wird auf die konkrete 
Beweiswürdigung hiernach verwiesen (E. 12).

Die Umstände, die zu den angeklagten Vorwürfen führten, sind im Grossen und 
Ganzen unbestritten. Namentlich trafen sich die Parteien erstmals Anfang 2021 bei 
einem gemeinsamen Kollegen in G.________(Ort), absolvierten am 10. März 2021 
dieselbe Prüfung und gehörten demselben Kollegenkreis an.

Der erste Kontakt zwischen den beiden fand kurz nach ihrem Kennenlernen in 
G.________(Ort) am 2. Februar 2021 via Snapchat statt (wobei der Beschuldigte 
angab, die Straf- und Zivilklägerin sei ihm glaublich vorgeschlagen worden, er aber 
nicht wisse, ob er sich bei ihr oder sie sich bei ihm gemeldet habe [pag. 91 Z. 70; 
665 Z. 42 f.; es könne sein, dass er sie kontaktiert habe [pag. 91 Z. 85], wohinge-
gen die Straf- und Zivilklägerin konstant angab, er habe sich bei ihr gemeldet 
[pag. 44 Z. 43, pag. 56 Z. 76 ff.]). Nachdem der Beschuldigte der Straf- und Zivil-
klägerin geschrieben hatte, ihm falle die Decke auf den Kopf, ging dieser zur Straf- 
und Zivilklägerin nach Hause, wo er in deren Schlafzimmer auf der Gästematratze 
übernachtete. L.________, ein gemeinsamer Freund, der an diesem Tag ebenfalls 
bei der Straf- und Zivilklägerin übernachtete, schlief gemeinsam mit der Straf- und 
Zivilklägerin in deren Bett.

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Am 6. Februar 2021 fand ein Geburtstagsfest bei K.________ statt, an dem sowohl 
der Beschuldigte wie auch die Straf- und Zivilklägerin zugegen waren. An diesem 
Abend soll der zeitlich erste Vorfall, der als sexuelle Belästigung Eingang in die An-
klageschrift fand und oberinstanzlich mangels eines gültigen Strafantrags einge-
stellt wird, stattgefunden haben (Ziff. I.2.1. der Anklageschrift). 

Am 5. und 6. März 2021 verabredeten sich der Beschuldigte und die Straf- und Zi-
vilklägerin zum gemeinsamen Lernen für die Prüfung vom 10. März 2021 in der 
Wohnung der Straf- und Zivilklägerin. Unbestritten ist, dass sich der Beschuldigte 
an diesem Nachmittag in der Wohnung der Straf- und Zivilklägerin befand und dass 
L.________ später ebenfalls dazustiess. Zu dritt fuhren sie anschliessend nach 
F.________(Ort) zu einem gemeinsamen Kollegen, bevor der Beschuldigte und die 
Straf- und Zivilklägerin in die Wohnung der Straf- und Zivilklägerin zurückkehrten, 
wo sie gemeinsam im Bett der Straf- und Zivilklägerin übernachteten. Der Beschul-
digte verliess am nächsten Tag (6. März 2021) gegen 14:00 Uhr die Wohnung der 
Straf- und Zivilklägerin. In diesem Zeitraum sollen sich die Vorfälle gemäss Ziff. I.1. 
(sexuelle Nötigung, ev. versucht, subev. sexuelle Belästigung, mehrfach) und 
Ziff. I.3. (Tätlichkeiten) der Anklageschrift ereignet haben, die vom Beschuldigten 
fast vollständig bestritten werden.

Noch am selben Abend (6. März 2021) sind sich der Beschuldigte und die Straf- 
und Zivilklägerin im Elternhaus von L.________ erneut begegnet. Bei dieser Gele-
genheit soll es zum Vorfall gemäss Ziff. I.2.2. (sexuelle Belästigung) gekommen 
sein, der vom Beschuldigten ebenfalls bestritten wird. 

Eine Woche später, am 12. März 2021, fand eine weitere Begegnung im Eltern-
haus von L.________ statt, wobei es zum Vorfall gemäss Ziff. I.2.3. der Anklage-
schrift (sexuelle Belästigung) gekommen sein soll. Der Beschuldigte bestreitet dies 
ebenfalls.

Die konkret bestrittenen und unbestrittenen Handlungen werden unter der jeweili-
gen Anklageziffer hiernach im Detail erläutert. Unbestritten ist ganz allgemein der 
vom Beschuldigten über den gesamten angeklagten Zeitraum hinweg wiederholt 
gegenüber der Straf- und Zivilklägerin geäusserte Satz «ich nehme mir, was ich 
will» (pag. 666 Z. 11), wobei dessen sexualbezogene Bedeutung vom Beschuldig-
ten dementiert wird.

11. Beweismittel und generelle Aussagewürdigung der Beteiligten

Für die aktenkundigen Beweismittel wird auf die vorinstanzliche Urteilsbegründung 
verwiesen (pag. 458 f.; S. 9 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Mit der Verteidigung ist zu präzisieren, dass es sich bei den aktenkundigen hand-
schriftlichen Notizen der Straf- und Zivilklägerin (pag. 277 ff.) nicht um ein objekti-
ves, sondern um ein subjektives Beweismittel handelt. Ebenso ist der Verteidigung 
zuzustimmen, dass es sich hierbei nicht um ein eigentliches Tagebuch handelt, 
sondern um eine als Mittel zur psychischen Verarbeitung verfasste nachträgliche 
Niederschrift von Erinnerungen (vgl. die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin auf 
pag. 75 Z. 781 ff.). Entsprechend wird nachfolgend auf den Begriff ‘Tagebuch’ ver-
zichtet. 

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Der Kammer liegen zusätzlich zu den vorinstanzlich dargelegten Beweismittel das 
Entschuldigungsschreiben des Beschuldigten vom 23. Dezember 2023 (pag. 611 
ff.) sowie die oberinstanzlichen Aussagen des Beschuldigten und diejenigen der 
Straf- und Zivilklägerin vor (pag. 654 ff.). Auf eine Zusammenfassung der Beweis-
mittel wird verzichtet. Soweit für die Beweiswürdigung relevant, wird an den ent-
sprechenden Stellen auf einzelne Beweismittel eingegangen.

Wie hiervor dargelegt, sollen sich die dem Beschuldigten in der Anklageschrift zur 
Last gelegten Handlungen teilweise an unterschiedlichen Orten und Tagen zuge-
tragen haben. Gerade bei den Vorwürfen vom 5. und 6. März 2021 handelt es sich 
um klassische Vier-Augen-Delikte. Den Aussagen des Beschuldigten sowie der 
Straf- und Zivilklägerin kommt deshalb zentrale Bedeutung zu. Entsprechend wer-
den zunächst allgemeine Ausführungen zur Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen ge-
macht, bevor die Aussagen im Kontext des konkreten Vorwurfs näher gewürdigt 
werden.

11.1 Aussageverhalten/Verhalten der Straf- und Zivilklägerin

Die Erstaussagen der Straf- und Zivilklägerin (pag. 43 ff.), denen bei Vier-Augen-
Delikten besonderes Gewicht zukommt, zeichnen sich in erster Linie durch einen 
beeindruckenden Detailreichtum aus. So schilderte sie die Geschehnisse auf die 
erste offene und sachbezogene Frage über fünf Seiten hinweg in freier Erzählung, 
dies ohne Zwischen- oder Nachfragen seitens der Polizei (pag. 44 ff.). Dieser be-
merkenswerte Detailreichtum lässt sich zwar teilweise dadurch erklären, dass der 
Straf- und Zivilklägerin zumindest stichwortartig eigene handschriftliche Notizen 
vorlagen (pag. 75 Z. 797 f.). Daraus lässt sich indes nicht ableiten, die Vorfälle sei-
en nie geschehen. Die Erstellung der Notizen war den Angaben der Straf- und Zi-
vilklägerin zufolge nicht in der Schaffung eines Beweismittels resp. einer Vorlage 
für die Einvernahme begründet, sondern als ihr von M.________ empfohlene Stra-
tegie zur Verarbeitung der Geschehnisse angedacht (pag. 75 Z. 781 f.: «Ich hatte 
das Gefühl, dass, wenn ich es aufschreibe, dann ist es zu Boden geschrieben und 
ich kann es dann wegschmeissen/abschliessen. Deshalb habe ich es gemacht.»; 
pag. 75 Z. 785 f.: «M.________, sie hat mir gesagt, dass ich es aufschreiben soll, 
damit ich abschliessen kann»; pag. 75 Z. 793 f.: «Es war alles schon passiert. Ich 
habe zwei, drei Wochen geschrieben, bis ich fertig war. Es war für mich eine gros-
se Stresssituation, wieder damit konfrontiert zu sein.»). Die Kammer folgt dieser 
plausiblen und einleuchtenden Erklärung der Straf- und Zivilklägerin. Sie erachtet 
es im Übrigen als ausgeschlossen, dass die Straf- und Zivilklägerin über falsche 
Anschuldigungen hinaus antizipierend ein Beweismittel geschaffen hätte, um fal-
sche Behauptungen zusätzlich zu stützen. Während die handschriftlichen Notizen 
damit zwar den Detailreichtum der privatklägerischen Erstaussagen relativieren, 
handelt es sich dabei gleichzeitig um eine eindrückliche und tatzeitnahe Dokumen-
tation ihrer subjektiven Wahrnehmung der Geschehnisse.

Im Weiteren tun sie der generellen Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zi-
vilklägerin keinen Abbruch, zumal sie die Vorwürfe knapp zwei Jahre später anläss-
lich der erstinstanzlichen Einvernahme wiederum – diesmal ohne Notizen – äus-
serst detailreich über fast zwei Seiten hinweg im freien Bericht schilderte (pag. 388 
f.). Ihre Aussagen sind sodann über sämtliche Einvernahmen hinweg konstant; das 

11

Kerngeschehen schilderte sie jeweils gleichbleibend. Eine solch plastisch geschil-
derte Gefühls- und Gedankenwelt, gespickt mit derlei originellen und nebensächli-
chen Details (siehe nachfolgend) wäre bei einer schriftlich fabrizierten Falschbelas-
tung im Übrigen kaum so stimmig und sinnfällig ausgefallen. 

So konnte die Straf- und Zivilklägerin die Ereignisse sowohl im Rahmen- wie auch 
im Kerngeschehen zeitlich und örtlich klar einordnen und mit ihren Gedanken und 
Emotionen zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpfen (vgl. im Einzelnen die kon-
krete Würdigung hiernach). Besonders eindrücklich und authentisch wirkt ihr obe-
rinstanzlicher Rückblick auf die Geschehnisse, so etwa auf die Frage, was ihr als 
Erstes in den Sinn komme, wenn sie an die Ereignisse zurückdenke: «Das Angst-
gefühl. Das ‹i nime mir was i will› und… dass meine Aussage keinen Wert hat, das 
‹Nein›…Das Angstgefühl, dass mit mir gemacht wird, was man will. Das ‹rächt 
wüeschte Gfühl vom Alange›» (pag. 656 Z. 36). Oder sie könne nicht mehr sagen, 
zu welchem Zeitpunkt und in welcher Reihenfolge er sie angefasst habe, denn Ge-
fühle seien präsenter als die Reihenfolge (pag. 657 Z. 25 ff.). Diese doch sehr re-
flektierte, lebensnahe und nachvollziehbare Antwort zeugt von Selbsterlebtem. 

In ihren Aussagen finden sich sodann viele Nebensächlichkeiten und ausgefallene, 
in einer erfundenen Geschichte nicht zu erwartende Details. Demgegenüber fehlen 
Aggravationen weitestgehend; im Gegenteil belastet sie den Beschuldigten nicht 
über Gebühr, selbst wenn dies mitunter ein Einfaches gewesen wäre (bspw. 
pag. 50 Z. 314 f., pag. 64 Z. 378, pag. 68 Z. 523 f., pag. 73 Z. 715 oder pag. 391 
Z. 10 f. pag. 66 Z. 455 ff.). Einzig ihre Aussage, wonach er sie «jedes Mal», wenn 
sie ihn gesehen habe, angefasst habe (pag. 45 Z. 75 f.), könnte allenfalls als Ag-
gravation ausgelegt werden, doch ist durchaus möglich, dass sie ihn im Zeitraum 
nach dem 6. Februar 2021, auf den sich ihre Aussage zu beziehen schien, aussch-
liesslich in den Tatzeitpunkten gesehen hat und ihre Aussage somit zutreffend war. 
Weitere Treffen zwischen den beiden sind darüber hinaus nicht dokumentiert. So 
oder anders untergräbt diese Aussage die ansonsten hohe Glaubhaftigkeit ihrer 
Aussagen nicht. Dies umso mehr, als die Straf- und Zivilklägerin unmittelbar im An-
schluss an diese Aussage angab, sich mit dem Beschuldigten gut verstanden zu 
haben. Eine solche Aussage wäre unmittelbar nach einer im Hinblick auf eine 
Falschbelastung erfolgte Aggravation kaum zu erwarten gewesen.

Kommt hinzu, dass sich die Straf- und Zivilklägerin am 15. März 2021 und damit 
nur drei Tage nach dem gemäss Ziff. I.2.3. zu überprüfenden Vorwurf notfallmässig 
in psychologische Behandlung in N.________(Ort) begab. Es wurde die Diagnose 
einer akuten Belastungsreaktion nach ICD-10 gestellt und die Straf- und Zivilkläge-
rin nach drei Konsultationen an die Beratungsstelle der Opferhilfe verwiesen (pag. 
109 f.). In der Folge gelangte nicht die Straf- und Zivilklägerin, sondern 
O.________ von der Opferhilfe AE.________ (Kanton) am 6. April 2021 telefonisch 
an die Kantonspolizei Bern, da bei ihr eine Meldung zu einem Opfer von sexueller 
Gewalt eingegangen sei (vgl. pag. 4). Die Straf- und Zivilklägerin wurde anschlies-
send von O.________ über die anstehende Einvernahme bei der Polizei informiert 
und von dieser an die Einvernahme begleitet (pag. 43). Der Gang des Verfahrens 
spricht eindeutig gegen eine Falschbelastung. Eine Person, die jemanden falsch 
belasten will, wählt kaum den Weg über eine Psychologin, um sich nach vorgängi-

12

ger Verweisung an die Opferhilfe erst drei Wochen später zur Anzeige zu entsch-
liessen. Vielmehr ist zu erwarten, dass eine falsch belastende Person den falsch 
Belasteten direkt bei der Polizei anzeigt. Das Zwischenschalten und Instrumentali-
sieren der Psychologin sowie der Opferhilfe zur Erhöhung der eigenen Glaubwür-
digkeit resp. der Glaubhaftigkeit eigener Falschbelastungen würde eine erhebliche 
kriminelle Energie bedingen. Ein solch berechnendes und kriminelles Vorgehen 
traut die Kammer der Straf- und Zivilklägerin nicht zu. Das Vorgehen korreliert 
vielmehr mit ihrer plausiblen und nachvollziehbaren Erklärung, wonach sie nach 
den Vorfällen zunächst versucht habe, normal weiterzumachen (trotz Schlafstörun-
gen und Panikattacken), bevor sie das Vorgefallene selbständig bzw. mithilfe eines 
Journals und einer Psychologin zu verarbeiten versucht und die Behörden erst auf-
gesucht habe, nachdem ihr dies nicht gelungen sei resp. nachdem sie erfahren ha-
be, dass der Beschuldigte die Geschichte verdrehe und alles schöngeredet habe 
(pag. 391 Z. 24 ff.; vgl. auch den psychiatrisch-psychotherapeutischen Bericht der 
psychiatrischen Dienste AF.________ auf pag. 113, wonach sich solche Verläufe 
insbesondere bei sexuellen Übergriffen häufig zeigten). Das Vorgehen der Straf- 
und Zivilklägerin spricht eindeutig gegen eine falsche Anschuldigung. Dazu würde 
auch nicht passen, dass die Straf- und Zivilklägerin Ende April 2021 «aufgrund zu-
nehmender Stimmungstiefs und suizidalen Gedanken» die psychiatrischen Dienste 
AF.________ in F.________(Ort) für eine Notfallkonsultation aufsuchte und einem 
stationären Eintritt in die Psychiatrie einwilligte, wo sie letztlich knapp drei Wochen 
untergebracht war, bevor sie die Therapie ambulant weiterführte (vgl. pag. 113 f.). 
Der psychiatrisch-psychotherapeutische Bericht der psychiatrischen Dienste der 
AF.________ spricht für sich und stützt die Darstellungen der Straf- und Zivilkläge-
rin. Im Übrigen zeigen die Berichte – wie bereits die Vorinstanz zutreffend festge-
halten hat –, dass die Straf- und Zivilklägerin die Ereignisse nicht nur gegenüber 
der Polizei, sondern auch gegenüber medizinischem Personal geäussert hat, als es 
ihr nicht um die Strafverfolgung gegangen sein dürfte, sondern vielmehr darum, die 
durch die Vorfälle ausgelösten Symptome in den Griff zu bekommen. Die Berichte 
runden nach dem Gesagten das Gesamtbild ab. 

Die Vorwürfe scheinen schliesslich für eine falsche Anschuldigung zu komplex. So 
schilderte die Straf- und Zivilklägerin gesamthaft vier verschiedene, zeitlich und ört-
lich auseinanderliegende Vorfälle, die sie alle mit individuellen Details und unter-
schiedlichen Rahmengeschehen verknüpfte. Die Kammer traut der Straf- und Zivil-
klägerin das Aufbauen und anschliessende Aufrechterhalten eines solchen Lügen-
gebäudes über mehrere Jahre hinweg, zusätzlich bestärkend mit der Inanspruch-
nahme von Opfer- sowie psychologischer Hilfe und dem Erstellen eines passenden 
Notizbuchs, nicht zu. Hätte sie den Beschuldigten falsch belasten wollen, wären 
zum einen simplere, zum anderen aber auch gravierendere Vorfälle (etwa 
Berührungen an den Geschlechtsteilen unter den Kleidern, mehr körperliche Ge-
walt und Schmerzen, Versuch, in sie einzudringen, Zungenküsse o.ä.) und nicht 
das aktive Negieren solcher zu erwarten gewesen (bspw. pag. 50 Z. 314 f., pag. 64 
Z. 378, pag. 68 Z. 523 f., pag. 73 Z. 715 oder pag. 391 Z. 10 f.). 

Eine derlei hohe kriminelle Energie traut ihr die Kammer umso weniger zu, nach-
dem sie von der Straf- und Zivilklägerin anlässlich der Berufungsverhandlung einen 
persönlichen Eindruck erhalten hat. Diese wirkte bodenständig (vgl. auch bereits 

13

die damit übereinstimmende Bemerkung des einsatzleitenden Polizisten im Anzei-
gerapport auf pag. 6) und während ihrer Erzählung von den Vorfällen stark betrof-
fen. Ihr nonverbales und emotionales Verhalten (mitunter fing sie während ihrer Er-
zählung an zu weinen) wirkte echt und authentisch (vgl. pag. 655 Z. 17 und 42, 
pag. 656 Z. 18 und 40, pag. 657 Z. 20 f. und 37, pag. 658 Z. 19, pag. 660 Z. 7). 
Dasselbe gilt für die von ihr im Laufe des Verfahrens konstant geschilderten Folgen 
psychischer und sozialer Natur. So habe sie bereits im Deliktszeitraum nicht mehr 
richtig geschlafen, sei aufgewacht und habe Panikattacken gehabt (pag. 49 Z. 265 
ff. und pag. 72 Z. 684 f., wobei sie zuerst gedacht habe, es sei wegen der Prüfun-
gen). Sodann gab sie an, Angst vor Männern in ihrer Anwesenheit gehabt zu haben 
und nicht mehr zurück in ihre Wohnung gegangen zu sein, bevor sie sich am 
15. März 2021 psychologische Hilfe gesucht habe (pag. 49 Z. 265 ff.). Ferner schil-
derte sie glaubhaft eine Veränderung ihres Verhaltens, Angstgefühle sowie eine 
nachhaltige Erschütterung ihres Vertrauens Männern gegenüber und führte aus, 
abgesehen von ihrem Partner und ausserhalb ihrer Familie keinen Kontakt mehr zu 
Männern zu haben (pag. 655 Z. 20 ff. sowie pag. 656 Z. 36). Äusserst plastisch 
drückte sie dies gegenüber der Staatsanwaltschaft aus (pag. 76 Z. 822 ff.): «Ich 
habe seitdem Migräne. Mittlerweile ist es nicht mehr so schlimm und weniger. Die 
Migräne hatte ich nachts. Ich bin schockartig erwacht und [hatte] Panikattacken 
[…]. Ich weiss nicht, ich hatte extrem viel Schiss, wenn ich Männern begegnet bin. 
Ich bin Männern ausgewichen. Ich habe auch Probleme in einer Gesellschaft, die 
ich nicht kenne. Ich schaue, wie jeder steht, wie nah mir jemand kommen kann. 
Mich konnte auch länger ein Mann nicht mehr anfassen. Es kommen keine Emp-
findungen, keine Gefühle […]». Diese Schilderungen stimmen mit den bereits ge-
genüber der Polizei gemachten überein (pag. 51 Z. 387 ff.): «Ich habe lange aus-
wärts geschlafen, da ich Angst hatte in meine Wohnung zu gehen. Erst seit einer 
Woche schlafe ich wieder in meiner Wohnung. Ich dachte, wenn ich nach Hause 
ins P.________ gehe, so gehe es besser. Einmal erschrak ich aber trotzdem ab 
meiner Mutter, welche mich wecken wolle. Ich habe sie fast angegriffen. Ich habe 
die Nacht vom 13. auf den 14.03.2021 in Q.________(Ort) geschlafen. […]. [Ich] 
bin […] erwacht und hatte zum ersten Mal Migräne und war in einem Schockzu-
stand. Dort fing es richtig schlimm an mit dem schockartigen Erwachen, richtig Pa-
nik». Die gegenüber den Psychologen geäusserten Symptome stimmen damit übe-
rein und sprechen für sich (pag. 113 f.). 

Für die Kammer ist bereits aus all diesen Gründen die These der falschen An-
schuldigung ausgeschlossen. Dies umso mehr, als für eine solche kein plausibles 
Motiv auszumachen ist. Vielmehr lassen sich die dargelegten Elemente einwandfrei 
in ein Gesamtbild zusammenfügen, welches die Aussagen der Straf- und Zivilklä-
gerin als äusserst glaubhaft erscheinen lassen.

Bei dieser Ausgangslage sowie des aussagekräftigen Eindrucks, der die Kammer 
von der Straf- und Zivilklägerin gewinnen konnte, gibt es nach wie vor keinen 
Grund, ein aussagepsychologisches Gutachten einzuholen. Es kann diesbezüglich 
auf den Beschluss vom 21. Juni 2023 (pag. 543 ff.) verwiesen werden. 

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11.2 Aussageverhalten/Verhalten des Beschuldigten

Die äusserst glaubhaften Aussagen der Straf- und Zivilklägerin lassen die Aussa-
gen des Beschuldigten in den Hintergrund treten. Dieser wurde im Laufe des Ver-
fahrens viermal einvernommen (polizeilich, staatsanwaltschaftlich, erstinstanzlich, 
oberinstanzlich), wobei er anlässlich seiner tatnächsten (polizeilichen) Einvernah-
me vollständig von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat 
(pag. 81 ff.). Danach hatte er Akteneinsicht und kannte die Aussagen der Straf- und 
Zivilklägerin, was er gegenüber der Staatsanwaltschaft auch implizit bestätigt hat 
(pag. 99 Z. 389 f.). Für seine ersten inhaltlichen Aussagen konnte sich der Be-
schuldigte demnach vorbereiten, was auch erklären könnte, weshalb er weitgehend 
die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin gespiegelt bzw. die Rollen vertauscht hat 
(besonders illustrativ pag. 95 Z. 237, wonach er im Bett am Rand gelegen habe, 
weil sie immer nähergekommen sei. Die Straf- und Zivilklägerin hatte anlässlich ih-
rer ersten polizeilichen Befragung ebenfalls davon gesprochen, sie sei ganz an den 
Rand gerutscht, während er sie überall anzufassen versucht habe pag. 46 Z. 151 
f.). Dieses Aussageschema ist wiederholt zu beobachten. So sei er an der Straf- 
und Zivilklägerin nicht in sexueller Hinsicht interessiert gewesen, sondern sie an 
ihm (pag. 91 Z. 77 ff.) oder nicht er, sondern sie habe ständig seine Nähe gesucht, 
ihm das Bett angeboten, gewollt, dass er sie in den Arm nehme und nicht gewollt, 
dass er aus dem Bett aufstehe (zusammenfassend bestätigt auf pag. 668 Z. 41; 
vgl. für weitere Beispiele die konkrete Würdigung hiernach). 

Der Eindruck, den die Kammer an der Berufungsverhandlung vom Beschuldigten 
erhalten hat, stimmt sodann mit demjenigen des einsatzleitenden Polizisten übe-
rein. Dieser bestätigte grundsätzlich die von der Straf- und Zivilklägerin geschilder-
ten Charakterzüge des Beschuldigten, wonach dieser sehr von sich überzeugt und 
ein sogenannter «Blender» sei (pag. 6; so im Übrigen auch der Eindruck des 
Freundes des Beschuldigten, R.________, der in einer Nachricht an die Straf- und 
Zivilklägerin das uneinsichtige Verhalten des Beschuldigten auf dessen «zu hohes 
Selbstwertgefühl» zurückführte, vgl. CD auf pag. 11). Dieser Eindruck entsteht 
denn auch bei seinen Aussagen, insbesondere bezüglich Selbstcharakteristik und 
beruflichen Werdegangs (pag. 102 Z. 499 ff.; pag. 93 Z. 162 ff.; pag. 395 Z. 43 ff.; 
pag. 662 Z. 1 ff. bezugnehmend auf die mit dem Wort «dominant» erfolgte Selbst-
charakterisierung). Das Bild, das die Verteidigung vom Beschuldigten zeichnete 
(dieser sei nicht der «grosse Redner» und mache manchmal die Sätze nicht fertig), 
entspricht demgegenüber nicht dem Eindruck der Kammer. Der Beschuldigte ant-
wortete jeweils vorsichtig, bedacht und regelmässig erst, nachdem er sich die Fra-
ge wiederholen liess. Er vermochte sich gut und verständlich auszudrücken und – 
sofern opportun – den Fragen auszuweichen. Wäre Ersterem nicht so, hätte er in 
seinem Betrieb denn auch kaum eine Chefposition inne. 

Der Beschuldigte versuchte gelegentlich, die Straf- und Zivilklägerin zu verunglimp-
fen. In einer seiner ersten Aussagen im Verfahren beschrieb er die Straf- und Zivil-
klägerin wie folgt (pag. 90 Z. 45 ff.): «Kommt grundsätzlich als sehr offene Person 
rüber. Aber hat in vielen Kreisen, in denen sie sich aufgehalten hat, sehr negative 
Spuren hinterlassen und ist von einem Ort zum Anderen». Oberinstanzlich gab er 
auf Vorhalt dieser Aussage zunächst an, er wolle sie hier nicht «in die Pfanne hau-

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en», aber es gebe diverse Beispiele. Auf Nachfrage erzählte er, sie habe mit «prak-
tisch jedem» etwas gehabt, der um sie herum gewesen sei, «also irgendwie mit 6 
Leuten». Anschliessend schilderte der Beschuldigte, dass die Straf- und Zivilkläge-
rin kurz nach der Anzeige an einer Hauptfeuerwehrübung «frischfröhlich» im Tanga 
und BH in den «Hotpot» reingesprungen sei, vor allen, hautsächlich Männern 
(pag. 665 Z. 17 ff.). Weiteres Beispiel ist seine Antwort auf die Frage der Staatsan-
wältin, wie er sich erkläre, dass bei der Straf- und Zivilklägerin eine akute Belas-
tungsreaktion als Folge der Vorfälle diagnostiziert worden und sie in stationärer 
Behandlung gewesen sei. Er führte aus: «Sie hat sich beim Arbeiten oft übernom-
men. Eindeutig. AF: Da sie sich oftmals zu hoch eingeschätzt hat, hat sie das Limit 
sehr hoch gesetzt» (pag. 102 Z. 484 ff.). Auch gab er andernorts an: «Ja, ich habe 
gemerkt, dass sie manchmal Mühe mit der Wahrnehmung hat. Sie hat auch im 
Freundeskreis manche Sache falsch wahrgenommen und ist angeeckt. Dass sie es 
jetzt so aufgenommen hat… Ich möchte kein Urteil über sie machen. Aber ich er-
kläre es mir als Schwäche oder Wahrnehmungsschwierigkeit von ihrer Seite» 
(pag. 94 Z. 194 ff.). 

Im Übrigen ist zu betonen, dass der Beschuldigte bei mehreren Gelegenheiten die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin nicht grundsätzlich bestritten, stattdessen 
aber ausgesagt hat, die Aussagen würden «eigentlich» nicht stimmen (pag. 101 
Z. 459 f.) bzw. die Geschichte würde zum Teil stimmen, es sei aber einfach Vieles 
hinzugedichtet (pag. 664 Z. 23 ff.) oder aber die Rollen seien vertauscht worden 
(zusammengefasst bejaht auf pag. 668 Z. 36 ff.). Ferner führte er die Anschuldi-
gungen auf eine falsche Wahrnehmung ihrerseits zurück, erklärte sich die Falsch-
belastung mit Eifersucht resp. bei anderer Gelegenheit mit früheren Erlebnissen 
(pag. 101 Z. 451: «Meine Erklärung…das sie sowas schon mal erlebt hat»). Die 
Erklärungsversuche des Beschuldigten sind gleichermassen vielseitig wie unbelegt. 
Im Übrigen erscheint das Bestreiten sexueller Handlungen anhand des Arguments, 
das Gegenüber habe eine falsche Wahrnehmung, als sinnwidrig. Immerhin stehen 
physische und nicht verbale Tathandlungen zur Diskussion. Vor diesem Hinter-
grund erstaunt wenig, konnte der Beschuldigte die Ergänzungsfrage von Fürspre-
cherin D.________ anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, was die 
Straf- und Zivilklägerin bei ihren Vorwürfen hätte missverstehen können, «so nicht 
beantworten» (pag. 104 Z. 560). Die von ihm in diesem Zusammenhang geschil-
derten Beispiele (allen voran, sie habe Sticheleien unter Mitarbeitern von Konkur-
renzbetrieben falsch wahrgenommen, pag. 102 Z. 471 ff.) tun in Anbetracht ihrer 
konkreten Vorwürfe nichts zur Sache und untermauern, dass seine Wahrneh-
mungsthese einzig zum Ziel hat, die Straf- und Zivilklägerin zu diskreditieren und 
damit ihre Glaubwürdigkeit anzugreifen. 

Der Beschuldigte bestritt wie soeben dargelegt die Vorfälle auf eine wenig über-
zeugende, schwammige Art. So war regelmässig nicht eindeutig klar, ob und wel-
che Handlungen er überhaupt bestritt. Anschaulich in seiner oberinstanzlichen Ein-
vernahme: «Man sagt oder macht manchmal Sachen, die das Gegenüber komplett 
falsch versteht» (pag. 665 Z. 6 ff.), ähnlich bereits anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung: «Ich würde nie jemandem absichtlich Schaden zufügen. Unab-
sichtlich kann das passieren, weil ich manchmal eine sehr direkte Art habe» 
(pag. 396 Z. 8 f.). Soweit er damit die der Straf- und Zivilklägerin wiederholt unter-

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stellte Wahrnehmungsproblematik anspricht, kann auf das soeben Ausgeführte 
verwiesen werden. Es kann wiederholt werden: Das Argument der falschen Wahr-
nehmung impliziert die Korrektheit der geschilderten Handlungen, die aber von der 
Straf- und Zivilklägerin falsch aufgefasst worden sein sollen. Haben die Handlun-
gen hingegen nie stattgefunden, können sie nicht falsch wahrgenommen werden. 
Dieser Widerspruch wurde im Verfahren denn auch thematisiert, nachdem er sich 
bereits aus der ersten sachbezogenen Aussage im laufenden Verfahren ergab: «Es 
tut mir leid, dass es so aufgefasst wurde von der C.________ und ihr Zustand. Das 
bedaure ich sehr […]» (pag. 90 Z. 36 ff.). Auf Nachfrage der Staatsanwältin, wie 
das gemeint sei, fügte er an: «Ich sehe es komplett anders von meiner Seite. Ich 
bedaure, dass es ihr jetzt so geht». Auf Vorhalt dieser Aussage und entsprechende 
Frage seitens der erstinstanzlichen Gerichtspräsidentin, inwiefern man es komplett 
anders sehen könne, dass Berührungen am Körper stattgefunden hätten; diese 
hätten entweder stattgefunden oder nicht, antwortete der Beschuldigte, dass die 
Berührungen entweder stattgefunden hätten oder nicht. Aber sie könne es so er-
zählen und er könne es so erzählen und was genau sei, dass wüssten sie beide 
(pag. 397 Z. 17 ff.). Andernorts führte er die Anschuldigungen auf Eifersucht oder 
frühere Erlebnisse der Straf- und Zivilklägerin zurück, wiederum an anderer Stelle 
antwortete er auf die Frage, warum die Straf- und Zivilklägerin die Vorfälle erfinden 
sollte, mit einer Gegenfrage; weshalb sie nie etwas gesagt habe, wenn es so pas-
siert sei, obwohl sie weiterhin immer noch Kontakt gehabt hätten (pag. 102 
Z. 490 ff.). Der diesbezüglichen Subsumtion der Vorinstanz gibt es nichts weiter 
beizufügen (pag. 472 f., S. 23 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Diese Aussagen des Beschuldigten zeigen eine gewisse Zurückhaltung, die Vorwürfe der Privatkläge-
rin als falsch zu bezeichnen. Wenn der Darstellung des Beschuldigten gefolgt würde, dass sämtliche 
sexuellen Übergriffe durch die Privatklägerin erfunden worden seien, so wäre zu erwarten, dass er 
diese vehement abstreitet und nicht ausführt, dass er dies von seiner Seite komplett anders sehe oder 
dass die Vorwürfe eigentlich nicht stimmten. Ferner erscheint seine Aussage, dass nur er und die Pri-
vatklägerin wüssten, ob die Berührungen stattgefunden hätten, eine seltsame Art der Bestreitung. Der 
Beschuldigte vermag in jedem Fall nicht zu erklären, weshalb er ursprünglich aussagte, dass er dies 
von seiner Seite anders sehe. Vielmehr scheint der Beschuldigte auch hier darauf fokussiert zu sein, 
was ihm im Gerichtsverfahren nachweisbar ist und nicht darauf, dass die Darstellungen der Privatklä-
gerin unwahr sind. Schliesslich deuten die Gegenfragen des Beschuldigten auf die Frage, weshalb 
die Privatklägerin die Vorwürfe hätte erfinden sollen, darauf hin, dass es dem Beschuldigten bewusst 
ist, dass die beschriebenen Vorfälle stattgefunden haben, aber dass er diese in gravierender Weise 
relativierte, da die Privatklägerin den Kontakt zu ihm nicht sofort abgebrochen hat. Gleiches gilt für 
seine Aussage, dass er niemandem absichtlich Schaden zufügen würde, aber dies aufgrund seiner di-
rekten Art unabsichtlich geschehen könne. Auch dies deutet darauf hin, dass es dem Beschuldigten 
bewusst war, dass die Vorfälle stattgefunden haben, aber dass er nie beabsichtigt hatte, damit bei der 
Privatklägerin derart gravierende (psychische) Folgen zu verursachen. Insgesamt schränken diese 
Einzelaussagen des Beschuldigten die Glaubhaftigkeit seiner Darstellungen erheblich ein, da sie sich 
nicht stimmig in die restlichen Darstellungen des Beschuldigten einreihen.

Für die Korrektheit der Vorwürfe spricht ferner das Entschuldigungsschreiben, wel-
ches der Beschuldigte während des Berufungsverfahrens verfasst hat und dessen 
Inhalt ihre Vorwürfe ausnahmslos stützt. Das Schreiben beinhaltet unter anderem 
folgende Passagen (pag. 611 ff.): «Von ganzem Herzen tut es mir leid, was ich dir 

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angetan habe. Ich bin eindeutig zu weit gegangen bei dir. Das fängt an bei meinem 
oberblöden Geschwätz non-stop und geht weiter bei meinen Handlungen und Bli-
cken. Meine Handlungen, dir an die Wäsche an K.________ Geburtstag und auch 
damals bei dir zu Hause waren scheisse», «Ohne nur annähernd etwas zu ver-
harmlosen oder schön zu reden, möchte ich dir trotzdem und in aller Aufrichtigkeit 
sagen, dass ich dir niemals absichtlich Schaden hinzufügen wollte. Ich hatte nie 
böse Absichten», «Vielleicht doch noch eine Erklärung, wieso ich so dumm sein 
konnte […]. Mit meiner Ex S.________ hatte ich eine sehr spezielle Beziehung. Sie 
hatte es sehr gerne, wenn ich dominant war. Ich hatte nach dieser Beziehung sehr 
viele sehlische und psychische Verletzungen und habe die Grenze bei dir nicht ge-
sehen. Im Nachhinein kann ich mir nicht erklären, wie ich so dumm sein konnte und 
ich beräue aus tiefstem Herzen was ich dir angetan habe!», «Ich werde [Anmer-
kung der Kammer: bezugnehmend auf die Berufungsverhandlung] sagen, wie es 
war ohne etwas schön zu reden und dann die Strafe akzeptieren». 

Die zitierten Passagen sprechen für sich. Die Erklärungen, die der Beschuldigte 
oberinstanzlich auf Vorhalt einiger Textstellen abgegeben hat, überzeugen nicht. 
So will er im Schreiben vor allem Bezug genommen haben auf sein «Gschwätz»; 
sollte sie das wirklich so getroffen haben, wie sie es jetzt sage, sei er eindeutig zu 
weit gegangen. Auch das «Rumgeblödel», wenn sie das wirklich so aufgefasst ha-
be, wie sie es jetzt darstelle, dann sei das nie seine Absicht gewesen (pag. 664 
Z. 42 ff.). Für die Kammer bestehen keine Zweifel, dass sich das Schreiben des 
Beschuldigten nicht bloss auf das «Gschwätz», sondern auch auf physische Hand-
lungen bezieht. So entschuldigt sich der Beschuldigte bereits zu Beginn des 
Schreibens kumulativ für das «oberblöde Gschwätz» und «weiter» für seine Hand-
lungen und Blicke. Die Handlungen spezifiziert er denn auch mit «an die Wäsche 
[gehen]», was offensichtlich Handlungen sexueller Art meint. Auch sein Er-
klärungsversuch, wonach es seine Ex-Freundin sehr gerne gehabt habe, wenn er 
dominant gewesen sei, und er deshalb die Grenze bei der Straf- und Zivilklägerin 
nicht gesehen habe, bezieht sich offenkundig auf physische sexualbezogene Hand-
lungen seinerseits. Schliesslich konnte der Beschuldigte auf Vorhalt weiterer offen-
kundiger Widersprüche zwischen den Formulierungen im Brief und in seinen Aus-
sagen – etwa bezüglich «an die Wäsche gehen», «die Grenze bei dir nicht gese-
hen» oder «ich werde nun sagen, wie es war, ohne etwas schönzureden, und die 
Strafe akzeptieren» – keine (nachvollziehbare) Erklärung abgeben (pag. 668 ff.). 
Es ist evident, dass er selbst mit letzterer Aussage implizit seine im Verfahren ge-
machten Aussagen in Abrede stellte. Der Beschuldigte konnte im Ergebnis kein 
vernünftiges Argument vorbringen, das sein Entschuldigungsschreiben nicht als 
Eingeständnis erscheinen lässt.

Es bleibt festzuhalten, dass auch der vom Beschuldigten stets bestrittene Ursprung 
des Satzes «ich nehme mir, was ich will» offensichtlich sexueller Natur war. Seine 
diversen Erklärungsversuche sind als reine Schutzbehauptungen zu werten. So 
bezeichnete er den Satz als einen Spruch, den er eine Zeit lang benutzt, aber nicht 
explizit auf die Straf- und Zivilklägerin bezogen bzw. den sie anscheinend falsch 
aufgefasst habe (pag. 93 Z. 152 ff.). Geradezu unsinnig ist sein Erklärungsversuch, 
wonach dieser Satz einem beruflichen Kontext entspringe (pag. 93 Z. 158 ff.: Er 
habe sich im Leben sehr viel erarbeiten müssen. Vielleicht habe er den Satz auch 

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ein bisschen aus Stolz benutzt, weil er es schon irgendwo hingeschafft habe; wobei 
er gleich anschliessend den konkreten Zusammenhang, in welchem er den Satz 
gegenüber der Straf- und Zivilklägerin gesagt habe, nicht sagen konnte, aber schon 
in die Richtung, dass er es, nachdem er bei U.________ [gemeint ist sein früherer 
Arbeitgeber U.________] gegangen sei, zu etwas gebracht habe; sodann später 
bei der Vorinstanz pag. 395 Z. 30 und 34 f., wonach er das gesagt habe, um mehr 
Selbstbewusstsein auszustrahlen; auch bezeichnete er den Spruch mehrfach als 
«blödes Machogehabe», zuletzt oberinstanzlich, pag. 666 Z. 11).

Nach dem Gesagten sind die Aussagen des Beschuldigten für die Kammer 
grundsätzlich nicht glaubhaft und es ist für die zu prüfenden Sachverhalte nicht 
darauf abzustellen.

11.3 Weitere Beweismittel

Die Aussagen der Zeugen R.________ und L.________ zur angeblich falschen 
Wahrnehmung der Straf- und Zivilklägerin passen in dasselbe Schema wie diejeni-
gen des Beschuldigten und zielen ebenso an der Sache vorbei (R.________ gab 
etwa an, er kenne fast niemanden, der naiver sei, weshalb sie wohl ein Problem mit 
ihrer Wahrnehmung habe [pag. 24 Z. 36 und pag. 26 Z. 111 ff.] und L.________ 
behauptete anhand des vom Beschuldigten geschilderten Beispiels, die Straf- und 
Zivilklägerin mache aus einer Fliege einen Elefanten [pag. 19 Z. 156 f.]). Es fällt 
denn auch auf, dass beide Zeugen nach wie vor dem Beschuldigten verbunden 
sind und der Straf- und Zivilklägerin negative Charakterzüge zuschreiben, die im 
Freundeskreis zu Problemen geführt hätten. Dies, obgleich sie sachbezogene Aus-
sagen nur vom Hörensagen machen konnten, welche die Vorwürfe nicht zu entkräf-
ten vermochten. Vielmehr geht aus den Zeugenaussagen hervor, dass die Straf- 
und Zivilklägerin sämtlichen Zeugen von den Vorfällen erzählt hat (L.________: 
pag. 20 Z. 207 f.; R.________: pag. 27 Z. 123 ff., T.________: pag. 31 Z. 47 f.; 
U.________: pag. 35 Z. 75 f. und pag. 38 Z. Z. 99 f.; M.________: pag. 383 Z. 25 
ff.). Aus den Aussagen ihres damaligen Arbeitgebers (U.________) sowie dessen 
Ex-Frau (M.________) ergibt sich zudem, dass sich das Verhalten der Straf- und 
Zivilklägerin nach den Vorfällen abrupt und merklich veränderte (pag. 37 Z. 75 ff.; 
pag. 384 Z. 18 ff. und pag. 386 Z. 25 ff.). Gerade die Aussagen von M.________ zu 
den ihr von der Straf- und Zivilklägerin geschilderten Vorfällen sowie zu den Verhal-
tensänderungen der Straf- und Zivilklägerin sind eindrücklich und stimmen mit den 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin überein (pag. 383 f.). Diese lassen sich ein-
wandfrei ins Gesamtbild einfügen.

Gleichermassen der aktenkundige WhatsApp-Chat zwischen R.________ und der 
Straf- und Zivilklägerin vom 18. März 2021 00:48 Uhr (CD auf pag. 11), in welchem 
R.________ schrieb, «A.________» (damit muss der Beschuldigte gemeint sein) 
wolle mit der Straf- und Zivilklägerin reden und dass es ihm «extrem nicht recht» 
sei wegen ihr. Der Beschuldigte wolle das möglichst schnell geklärt haben wegen 
ihr, verstehe aber, wenn sie im Moment nicht mit ihm reden wolle. Er wolle ihr keine 
Angst machen oder etwas machen, was sie nicht wolle. Der Spruch sei nicht ernst 
gemeint gewesen. […] Es beschäftige ihn «wine more». Gleichentags um 19:30 
Uhr schrieb R.________ sodann, der Beschuldigte sehe nicht, dass er eine Grenze 
überschritten habe, seiner Meinung nach liege dies an dessen zu hohen Selbst-

19

wertgefühl. Daraufhin antwortete die Straf- und Zivilklägerin: «Was er gsehts nit? 
Wie sölli ihm denn das no meh bewusst macha? Wenn ers nit gseht, heisst das für 
mi, dasser gäng no alles abstritten und drolle vertuscht, wiener dier verzellt het. 
Mein gott, a frau wo schreit...sorry aber das sött ma ja direkt bewusst worde si. 
[…]». Dieser Nachrichten-Austausch reiht sich nahtlos in die Darstellungen der 
Straf- und Zivilklägerin ein.

12. Vorfälle in der Zeit vom 5. März 2021 bis 6. März 2021 in E.________(Ort) (Do-
mizil Straf- und Zivilklägerin; Ziff. I.1. und Ziff. I.3.)

12.1 Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in Ziff. I.1. vorgeworfen was folgt (pag. 310 f.; Hervorhe-
bungen im Original; Auslassungen in eckigen Klammern):

Begangen in der Zeit vom 05.03.2021, ca. 15.00 Uhr bis 06.03.2021, ca. 14.00 Uhr in 
E.________(Ort), I.________(Strasse) (Domizil C.________), z.N. C.________ durch folgendes Vor-
gehen:

Der Beschuldigte traf am 05.03.2021 zum Lernen auf eine Prüfung ca. um 15.00 Uhr in der Wohnung 
von C.________ ein. Als sich C.________ nach einer Rauchpause wieder in die Wohnung zurückbe-
gab, packte der Beschuldigte sie am Arm, «müpfte»/warf sie auf das Bett und legte sich auf die auf 
dem Rücken zum Liegen gekommene C.________ drauf und versuchte sie zu küssen. Obwohl 
C.________ ihm klar «Nein» sagte, versuchte es der Beschuldigte mehrfach. Er fixierte ihr dabei mit 
seinen Armen ihren Kopf, riss ihr an den Haaren und liess sie auch nach mehrmaligen Aufforderun-
gen nicht los. Dieses Vorgehen wiederholte er mehrfach, wobei C.________ versuchte, sich loszu-
reissen, was ihr aber aufgrund der körperlichen Unterlegenheit nicht gelang. Nachdem der Beschul-
digte von C.________ abgelassen hatte, machte sie ihm deutlich klar, dass sie keine sexuellen 
Annäherungen und insbesondere kein Geschlechtsverkehr mit ihm wolle. Dennoch hielt der Beschul-
digte sie mehrere Male fest und fasste ihr an die Brust und an das Gesäss sowie versuchte sie zu 
küssen, obwohl ihm C.________ mehrfach verbal zu verstehen gab, dass sie die Berührungen nicht 
möchte. 

Als der Beschuldigte am Abend des 05.03.2021 zusammen mit C.________ wiederum in der Woh-
nung von C.________ eintraf, begab er sich entgegen der Anweisung von C.________ anstatt auf die 
bereitgestellte Gästematratze in das 1.40 Meter grosse Bett von C.________ und legte sich zu ihr un-
ter die Decke. Der Beschuldigte fasste C.________ über die ganze Nacht hinweg mehrfach an ihrem 
Körper, insbesondere auch an den Brüsten (unter den Kleidern) sowie im Intimbereich (über den Klei-
dern), an, obwohl C.________ ihm wiederholt seine Hände wegstiess. 

[Duschvorfall]

Kurz darauf am Küchentisch versuchte der Beschuldigte C.________ erneut zu küssen und stiess sie 
etwas später auf das Bett, sass auf sie drauf, fixierte ihren Kopf, zog ihr das T-Shirt hoch, griff ihr an 
die Brüste und liess erst von ihr ab, als C.________ immer lauter wurde (indem sie zu schreien be-
gann sowie deutlich redete). Als der Beschuldigte und C.________ wieder am Küchentisch sassen, 
zog er sie erneut an sich heran, fasste ihr an die Brust, nahm ihre Hand um sie in seinen Schritt zu le-
gen. Er packte sie sodann und trug sie gegen ihren Willen auf das Bett und sagte zu ihr, er nehme 
sich was er wolle. Der Beschuldigte setzte sich auf C.________ (drauf), versuchte sie zu küssen, re-
sp. küsste sie auf den Bauch und versuchte ihr T-Shirt auszuziehen, was ihm aber nicht gelang, da 
C.________ das T-Shirt festhielt und dazu mehrmals «Nein» sagte. Dennoch zog der Beschuldigte ihr 

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an den Trainerhosen und versuchte diese runterzuziehen, was ihm aber nur bis unter das Gesäss von 
C.________ gelang, da sie die Hose festhielt. Nachdem C.________ anfing zu schreien und dem Be-
schuldigten sagte, dass er sie loslassen solle, liess er von ihr ab und stand auf. Als C.________ eben-
falls aufstand, packte er sie an den Schultern und fixierte sie mit seinen Armen gegen eine Wand, 
fasste ihr mit beiden Händen erneut an ihr Gesäss, drückte sie an sich und schubste sie wiederum auf 
das Bett, obwohl C.________ ihn mehrfach aufforderte, sie loszulassen. Er sass auf dem Bett auf die 
Hüfte/Oberschenkel von C.________, begann seine Hosen zu öffnen und versuchte ebenfalls die Ho-
sen von C.________ zu öffnen, obwohl sie ihm deutlich sagte, er solle aufhören/es sein lassen. Als 
der Beschuldigte dennoch weitermachte, begann C.________ zu schreien, woraufhin er losliess, sich 
anzog, seine Sachen packte und die Wohnung verliess. 

Durch sein ganzes Verhalten versuchte der Beschuldigte, C.________ dazu zu bewegen, sexuelle 
Handlungen (wahrscheinlich Geschlechtsverkehr) mit ihm zu vollziehen. Der Beschuldigte schüchterte 
C.________ durch seine wiederholte Kraft-/Gewaltanwendung in Kombination mit dem mehrmals 
(teils schon früher) geäusserten Satz «ich nehme mir was ich will» sowie den gegen ihren Willen voll-
zogenen sexuellen Berührungen ein. 

Der in Ziff. I.3. angeklagten Tätlichkeit liegt zudem der folgende, bereits in Ziff. I.1. 
enthaltene Sachverhalt zugrunde (pag. 312):
begangen in der Zeit vom 05.03.2021, ca. 15.00 Uhr bis 06.03.2021, ca. 14.00 Uhr in 
E.________(Ort), I.________(Strasse) (Domizil C.________), z.N. C.________

Der Beschuldigte warf C.________ mehrfach aufs Bett, fixierte sie mit den Armen und zog ihr an den 
Haaren, was C.________ Schmerzen verursacht. Er nahm die Verursachung von Schmerzen bei 
C.________ durch seine Handlungen zumindest in Kauf.

Wie hiervor bereits erwähnt, ist der Vorfall unter der Dusche nicht mehr Verfah-
rensgegenstand (vgl. E. 9 hiervor).

12.2 Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Für das unbestrittene Rahmengeschehen kann auf das hiervor unter E. 10 Ausge-
führte verwiesen werden.

Betreffend das Kerngeschehen ist unbestritten, dass es im Rahmen der Übernach-
tung im Bett der Straf- und Zivilklägerin zu körperlichem Kontakt, mitunter zu 
Berührungen am Gesäss der Straf- und Zivilklägerin, gekommen ist. Der Beschul-
digte behauptet indessen, dieser sei gegenseitig gewesen, von ihr aus gekommen 
und habe ihrem Wunsch entsprochen. Ferner macht er geltend, nie böse Absichten 
gehabt zu haben. 

Sämtliche weiteren in der Anklageschrift genannten Berührungen werden durch 
den Beschuldigten bestritten. 

Bestritten sind somit mit vorgenannter Ausnahme (Berührung am Gesäss in der 
Nacht) sämtliche (sexualbezogenen) Berührungen und die (verbalen und physi-
schen) Abwehrreaktionen seitens der Straf- und Zivilklägerin resp. der Einsatz von 
Gewalt auf Seiten des Beschuldigten. Bestritten ist sodann auch die Absicht des 
Beschuldigten.

Schliesslich ist wie bereits erwähnt der Satz «ich nehme mir, was ich will» unbe-
strittenermassen mehrfach in Richtung der Straf- und Zivilklägerin gefallen, wohin-
gegen dessen Bedeutung bestritten ist.

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12.3 Würdigung durch die Kammer

Nachfolgend werden einige konkrete, den Vorfall gemäss Ziff. I.1. und I.3. betref-
fende Beispiele genannt. Im Übrigen wird auf die allgemeinen Ausführungen in 
E. 11 hiervor verwiesen.

12.3.1 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ist zu entnehmen, dass sie sich mit dem 
Beschuldigten auf dessen ursprünglichen und von ihr gutgeheissenen Vorschlag, 
gemeinsam für die anstehende Prüfung vom 10. März 2021 zu lernen, auf den 
Nachmittag des 5. März 2021 und Vormittag des 6. März 2021 einigte. Dies, weil 
sie aufgrund der Distanz zwischen den beiden Wohnorten den ursprünglichen Vor-
schlag des Beschuldigten, jeden Abend 1-2 Stunden zu lernen, als unrealistisch 
erachtet habe (pag. 45 Z. 77 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin schilderte den Ablauf 
des Lernwochenendes äusserst detailliert und chronologisch sowie in den darauf-
folgenden Einvernahmen konstant. Sie wiederholte indes in der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme vom 22. Oktober 2021 nicht wortgetreu die gegenüber der Po-
lizei gemachten Aussagen, sondern erweiterte ihre Aussagen auch in Details und 
in Nebensächlichem, ohne dabei in Widersprüche zu verfallen. Dies spricht gegen 
ein Auswendiglernen und für tatsächlich Erlebtes. So sei etwa das Stossen auf das 
Bett für sie die deutliche Grenzüberschreitung gewesen (pag. 63 Z. 323 f.) oder 
aber erklärte sie nachvollziehbar und plastisch auf entsprechende Frage der 
Staatsanwältin hin, ob «aufs Bett werfen» heisse, er habe sie hochgehoben oder 
sie rückwärts geschubst (pag. 70 Z. 587 f.): «Er hat mich festgehalten, nicht 
gelüpft, sondern geschüpft und mit Kraft. Wenn man leicht müpft, dann sitzt man 
ab, wenn es hingegen etwas fester ist, dann liegt man gleich ab». Sie konnte auch 
auf entsprechende Nachfrage differenziert schildern, wie genau er sie angefasst 
habe, nämlich an den Brüsten unter den Kleidern, im Intimbereich zwischen den 
Beinen über den Kleidern (pag. 68 Z. 514 ff.). Ferner spezifizierte sie, sie habe kei-
nen Sex gewollt, weil sie in dieser Zeit ein «Gschleipf» mit einem Anderen gehabt 
habe, was der Beschuldigte auch gewusst habe (pag. 64 Z. 388 f.). Anlässlich der 
erst- wie auch oberinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Straf- und Zivil-
klägerin ihre Aussagen erneut (pag. 388 ff. und pag. 654 ff.), wobei weniger Details 
genannt wurden, was angesichts der seit den Vorwürfen verstrichenen Zeit ver-
ständlich ist.

Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu den Vorfällen vom 5. und 6. März 
2021 sind ganz allgemein gespickt mit vielen originellen, bei erfundenen Vorwürfen 
nicht zu erwartenden Details und Gesprächsinhalten. Ein illustratives Beispiel ist 
die von ihr beschriebene leichte Panik des Beschuldigten, als L.________ geklin-
gelt und sie habe schauen müssen, dass der Beschuldigte keine Haare von ihr an 
den Kleidern gehabt und sie das Bett habe frisch betten müssen, da man gesehen 
habe, dass dort jemand gelegen habe (pag. 46 Z. 126 ff.). Ein weiteres aufschluss-
reiches Detail ist die Diskussion um die «Sitzordnung» am Küchentisch. So seien 
sie sich am 5. März 2021 zunächst am Tisch gegenübergesessen, was dem Be-
schuldigten offenbar nicht passte, worauf er ihr gesagt habe, dass sie sich neben 
ihn setzen solle, da es so «dumm» und nicht praktisch sei. Um eine Diskussion zu 
vermeiden, habe sie sich neben ihn gesetzt (pag. 45 Z. 87 ff.). Gegenüber der 

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Staatsanwältin gab sie sodann ihr Unverständnis darüber kund, da dies fürs ge-
meinsame Lernen und Abfragen keinen Sinn ergebe, schliesslich schaue man ja 
nicht ins gleiche Buch (pag. 63 Z. 328 f.). Die für sie unverständliche Sitzordnung 
lässt sich indessen erklären mit den vom Beschuldigten beabsichtigten Annähe-
rungsversuchen. Entsprechend erstaunt wenig, schildert sie mehrere Berührungen 
und Kussversuche am Küchentisch, die bei einem Gegenübersitzen nicht möglich 
gewesen wären. Das von ihr gezeichnete Bild ist stimmig und lässt Rückschlüsse 
auf den bereits zu Beginn des Lernens gefassten Willen des Beschuldigten, sich 
der Straf- und Zivilklägerin körperlich anzunähern, zu. Der Beschuldigte tauschte 
seinerseits auch in diesem Punkt die Rollen und behauptete, es sei die Straf- und 
Zivilklägerin gewesen, welche während des Lernens neben ihn gesessen und den 
Kontakt gesucht habe (pag. 394 Z. 34 f.; zu den weiteren Aussagen des Beschul-
digten vgl. E. 12.3.2. hiernach). Auch in diesem Punkt erscheinen die Aussagen 
der Straf- und Zivilklägerin mit äusseren Umständen erklärbar und logisch konsis-
tent, während der Beschuldigte eine abwegige, nicht näher begründete Behaup-
tung in den Raum stellt. 

Auch im Kerngeschehen erwähnte sie wiederholt nebensächliche und logische 
Vorgänge wie auch Gesprächsinhalte, so etwa sei sie nach dem gemeinsamen 
Rauchen auf dem Balkon die Jacke am Ausziehen gewesen, als er sie festgehalten 
und auf das Bett geknallt habe (zeitlich erster Vorfall; Absatz 1 gemäss Anklage-
schrift). Sie sei auf dem Rücken gelegen und zu keiner Reaktion gekommen, da er 
schon auf ihr gelegen habe. Da habe er sie versucht zu küssen. Sie habe ihm 
«Nein» gesagt und dass sie das nicht machen wolle. Er habe es immer wieder ver-
sucht und sie habe es ihm immer wieder gesagt. Er habe mit seinen Armen ihren 
Kopf fixiert und ihr an den Haaren gerissen. Auch nach mehrmaliger Aufforderung, 
dass er von ihr ablassen solle, habe er nicht reagiert, sie habe ihm gesagt, er solle 
nicht an ihren Haaren zupfen, da es ihr wehtäte, da habe er losgelassen. Er habe 
das Ganze aber immer wieder wiederholt. Sie habe versucht sich loszureissen, 
aber sei körperlich unterlegen gewesen. Dort habe sie die ersten Angstgefühle ge-
habt. Nachdem er von ihr abgestiegen sei, habe sie ihm versucht klarzustellen, 
dass sie dies alles nicht wolle, worauf er zur Antwort gegeben habe, dass er dies 
verstehe, er dies aber trotzdem mache. Er nehme sich, was er wolle. Diesen Satz 
habe er immer wieder gesagt (pag. 45 Z. 92 ff.). 

Den Hergang der Übernachtung (zeitlich zweiter Vorfall; Absatz 2 gemäss Ankla-
geschrift) schilderte sie ebenfalls konstant und jeweils mit verschiedenen neben-
sächlichen Details dahingehend, dass sie aus dem Badezimmer zum Bett gekom-
men und der Beschuldigte auf dem Bett gesessen sei, sie bei sich das Licht 
gelöscht und ihm gesagt habe, die Gästematratze sei dort. Es habe wieder eine 
Diskussion gegeben (der Beschuldigte sei zu ihr ins Bett gekommen und habe ihr 
gesagt, dass er nicht auf der Gästematratze schlafe) und sie habe dann nachgege-
ben, da sie sich gedacht habe, dass man sich bei einem 1.40-Meter-Bett aus dem 
Weg gehen könne bzw. sie eine sehr grosse Bettdecke habe und einfach an den 
Rand gerutscht sei. Er habe versucht, sie überall anzufassen, sie habe einfach im-
mer seine Hände weggestossen. Er habe angefangen, sie am ganzen Gesicht und 
am Hals zu küssen. Er habe es die ganze Nacht immer und immer wieder versucht 
(pag. 46 Z. 148 ff.; pag. 67 Z. 480 ff.).

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Ihre Aussagen zu diesem Anklagesachverhalt beinhalten ebenso diverse nachvoll-
ziehbare Gefühlsäusserungen, die sie mit konkreten Situationen verknüpfte. So et-
wa das komische Gefühl, das sie gehabt habe, als er zu ihr in die Wohnung ge-
kommen sei und sie umarmt habe (pag. 45 Z. 84 f.), die ersten Angstgefühle, die 
sie gehabt habe, nachdem sie sich erstmals habe loszureissen versucht und reali-
sierte, dass sie dem Beschuldigten körperlich unterlegen war (pag. 45 Z. 100 f.). 
Diese Angst bezeichnete sie später als Angst, dass er mit ihr machen könnte, was 
er wolle und sie sich nicht wehren könnte (pag. 65 Z. 398). Gleichermassen die Er-
leichterung, als L.________ in die Wohnung gekommen sei, sie aber dennoch ei-
nen Moment im Badezimmer geblieben sei, um noch etwas Luft zu bekommen 
(pag. 46 Z. 129 f.), ferner das extreme Unwohlsein am Abend des 5. März 2021 in 
F.________(Ort), als sie lange nicht gewusst habe, ob der Beschuldigte bei ihr 
übernachten oder nach Hause fahren würde, also wie es weitergehen würde 
(pag. 46 Z. 136 f.), sowie schliesslich die Angst und Panik, die der Satz «ich nehme 
mir, was ich will» in ihr ausgelöst habe (pag. 74 Z. 751). Auch die echt wirkenden 
emotionalen Ausbrüche bei der Schilderung der Ereignisse sind genügend doku-
mentiert und wurden hiervor bereits erörtert.

Die verschiedenen Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin haben ferner in sich 
eine logische Konsistenz. Sie erklärte beispielsweise, der Beschuldigte sei am 
6. März 2021 immer gröber geworden, massiver vorgegangen und die Berührun-
gen hätten immer mehr geschmerzt. Sie führte dies auf den Umstand zurück, dass 
wohl der Druck immer grösser geworden sei, auch weil er gewusst habe, dass er 
um spätestens 14.00 Uhr gehen musste (pag. 47 Z. 187 ff.). Damit übereinstim-
mend gab sie mehrfach an, er sei ungeduldiger geworden (pag. 69 Z. 578; 
pag. 389 Z. 30 f.). Abgesehen davon, dass – wie die Vorinstanz treffend erwogen 
hat – der Vergleich mit den früheren Vorfällen ein weiteres Detail ist, das die ver-
schiedenen Vorfälle verknüpft, ist denn auch nachvollziehbar, dass der Druck erst-
mals am Morgen des 6. März 2021 grösser wurde (vgl. pag. 47 Z. 159), zumal der 
Beschuldigte am Vortag und in der Nacht nicht erhalten hatte, was er wollte, und 
lief ihm doch die Zeit davon. Die beschriebenen Handlungen vom 6. März 2021 
zeugen von einer gröberen Gangart des Beschuldigten. 

Die diesbezüglichen Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin waren wiederum 
eindrücklich und voller Realkennzeichen (detailreich, kohärent, strukturgleich, ört-
lich und zeitlich verknüpft, Wiedergabe von Emotionen und Gesprächsinhalten 
etc.). So beschrieb sie (betreffend Absatz 3 der Anklageschrift, Vorfall nach der 
«Duschgeschichte»), wie sie nach dem Rauchen auf dem Balkon den Küchentisch 
aufgeräumt und sich wieder zum Lernen hingesetzt habe. Der Beschuldigte habe 
sich ebenfalls wieder an den Küchentisch gesetzt, habe sie wieder zu sich heran-
gezogen und versucht, sie immer wieder zu küssen. Sie habe ihm erneut «nein» 
gesagt und auch, dass sie ihn nicht küssen werde. Sie habe ihm die Haustüre ge-
zeigt und zu ihm gesagt, dort sei der Ausgang. Der Beschuldigte habe angefangen 
zu lachen und gesagt, dass sie ja gar nicht wolle, dass er gehe, da sie ja auch 
«spitz» sei (pag. 47 Z. 178 ff.). Nach einer weiteren Zigarettenpause auf dem Bal-
kon habe der Beschuldigte sie auf das Bett gestossen und sei auf sie draufgeses-
sen. Er habe ihren Kopf fixiert und sie an den Haaren gezogen. Mit der einen Hand 
habe der Beschuldigte ihre Hände fixiert und mit der anderen Hand das T-Shirt 

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hochgezogen. Er sei wieder an die Brust gegangen, und zwar so, dass es ihr weh 
getan habe. Sie sei immer lauter geworden, irgendwann habe er ihr einen Kuss auf 
ihre Stirn gegeben und sie losgelassen, worauf sie aufgestanden, ins Badezimmer 
und dann wieder an den Küchentisch gegangen sei und für sich weiter gelernt ha-
be. 

Den letzten Teil des dritten Absatzes der Anklageschrift beschrieb die Straf- und 
Zivilklägerin hingegen wie folgt (pag. 47 Z. 194 ff.): Der Beschuldigte sei dann ir-
gendwann auch zurück an den Küchentisch gekommen und habe nach einem kur-
zen Gespräch über einen AG.________ (Betrieb) gemeint, lernen bringe sowieso 
nichts mehr, sie solle besser die verbleibende Zeit mit ihm nutzen. Sie habe ihm 
gesagt, sie werde es nicht machen und er wisse dies. Er habe daraufhin gesagt, 
dass sie wisse, dass er sich immer nehme, was er wolle. Er habe sie wieder zu 
sich herangezogen und erneut an ihre Brust gefasst. Er habe ihre Hand genommen 
und habe sie in seinen Schritt legen wollen. Sie habe ihre Hand zurückgezogen, 
worauf er sie gepackt und gegen ihren Willen in das Bett getragen habe. Da sei es 
ungefähr 13.40 Uhr gewesen. Er habe sie aufs Bett geworfen und sei wieder auf 
sie gesessen und habe erneut versucht, sie zu küssen. Wiederum habe er gesagt, 
er nehme sich, was er wolle. Sie sei mit ihrem Kopf ausgewichen. Er habe ver-
sucht, ihr T-Shirt auszuziehen, was ihm nicht gelungen sei, da sie das T-Shirt fest-
gehalten habe. Sie habe mehrmals und sehr laut «Nein» gesagt. Er habe angefan-
gen, sie auf den Bauch zu küssen; sie habe versucht, ihn wegzustossen. Sie habe 
keine Chance gehabt, da er auf ihren Hüften gesessen sei. Er habe versucht, ihre 
Trainerhose herunterzuziehen, was ihm bis unter ihr «Füdli» gelungen sei, sie habe 
die Hose aber festgehalten. Sie habe sehr laut geschrien und gesagt, dass sie es 
nicht machen werde und der Beschuldigte sie loslassen solle. Gegenüber der 
Staatsanwaltschaft spezifizierte sie, dass damit Sex gemeint sei (pag. 64 Z. 356; 
vgl. auch pag. 70 Z. 612, wonach er nach ihrer Empfindung Sex wollte). Zu dieser 
Annahme passt auch der wiederholt geäusserte Satz «ich nehme mir, was ich will», 
der nach Ansicht der Straf- und Zivilklägerin Sex bedeutet habe (pag. 72 Z. 659). 
Hiervon geht auch die Kammer aus; anders als sexualbezogen kann der Satz – ge-
rade im geäusserten Kontext – nicht verstanden werden (vgl. auch Ziff. 11.2 hier-
vor). Der Satz passt einwandfrei in das von der Straf- und Zivilklägerin geschilderte 
dominante und rücksichtslose Auftreten des Beschuldigten ihr gegenüber.

Dazu passt auch, dass ihr der Beschuldigte anschliessend gesagt habe, sie solle 
nicht so verklemmt sein und mit ihm kurz «den Spass geniessen», worauf sie ihm 
laut «Nein» gesagt habe und er solle sie jetzt einfach loslassen, was er dann ge-
macht habe. Anschliessend seien beide vom Bett aufgestanden. Der Beschuldigte 
habe sie wieder festgehalten und die Straf- und Zivilklägerin habe nicht weglaufen 
können. Der Beschuldigte habe sie mit seinen Armen über ihre Schulter fixiert und 
sie sei mit dem Rücken an der Wand gestanden und habe nicht weglaufen können. 
Er habe mit beiden Händen an ihr «Füdli» gefasst und habe sie extrem fest an sich 
gedrückt. Der Beschuldigte habe nicht losgelassen, obwohl sie ihn mehrfach dazu 
aufgefordert habe. Sie habe versucht, sich abzudrehen und sich zu lösen. Er habe 
sie festgehalten und sie erneut auf das Bett geschubst und sei wieder auf ihre Hüf-
ten/Oberschenkel gesessen. Er habe angefangen, seine Hose zu öffnen. Sie habe 
ihm gesagt, er könne aufhören und er solle es sein lassen. Er werde nicht das be-

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kommen, was er wolle. Er habe es ignoriert und erneut versucht, ihre Hosen herun-
terzuziehen. Sie habe ihre Hosen festgehalten. Er habe sie nicht mehr losgelassen 
und sie habe angefangen zu schreien. Dann habe er losgelassen, sei aufgestan-
den und habe sich angezogen. Er habe seine Sachen genommen und sie noch 
einmal kurz umarmt. Dabei habe er erneut an die Brust gefasst. Dann sei er ge-
gangen (zum Ganzen: pag. 47 f.).

Ihre detailreichen und konstanten Schilderungen stimmen nach dem Gesagten mit 
dem angeklagten Sachverhalt überein. 

Ebenfalls passen die spezifischen Vorwürfe und die fehlende Abwehrchance zu 
den körperlichen Kräfteverhältnissen. Der Beschuldigte ist gemäss eigenen Aussa-
gen 1.82 m gross und 80 kg schwer (pag. 92). Er bestätigte oberinstanzlich, dass 
er viel körperliche Kraft habe (pag. 665 Z. 33). Die Straf- und Zivilklägerin hingegen 
war gemäss eigenen Aussagen ca. 1.71 m gross und ca. 76 kg schwer (pag. 59). 
Die körperliche Überlegenheit des Beschuldigten war anlässlich der Berufungsver-
handlung augenscheinlich. Es ist realistisch, dass sich die Straf- und Zivilklägerin 
wie beschrieben nicht aus seiner Fixierung lösen konnte (etwa pag. 45 Z. 100; pag. 
47 Z. 188 ff. und 205 ff.; pag. 48 Z. 212 und 216 ff.; pag. 389 Z. 14). 

Die Straf- und Zivilklägerin hat es – wie bereits im allgemeinen Teil erwähnt – wie-
derholt vermieden, den Beschuldigten über Gebühr zu belasten. So führte sie etwa 
aus, der Beschuldigte habe aufgehört, ihr an den Haaren zu ziehen, als sie ihm ge-
sagt habe, dass es ihr wehtue (pag. 45 Z. 98 f.; pag. 389 Z. 34 f.), sie nicht wisse, 
ob ihre blauen Flecken vom Beschuldigten oder von der Arbeit stammten (pag. 50 
Z. 313 ff.), es bei einem Kussversuch geblieben und zu keinem erzwungenen Kuss 
gekommen sei (pag. 64 Z. 358 ff.; also auch kein Zungenkuss, pag. 391 Z. 9 ff.), 
der Beschuldigte sie im Intimbereich «nur» über den Kleidern berührt habe und 
dass nichts anal oder vaginal eingeführt worden sei (pag. 68 Z. 519 ff.), oder aber 
sie verneinte die Frage, ob der Beschuldigte sie in irgendeiner Weise ge-
drängt/gezwungen habe, dass er bei ihr schlafen könne (pag. 66 Z. 455 f.). Gerade 
bei den diversen Nachfragen der Staatsanwältin wäre es ihr ein Leichtes gewesen, 
den Beschuldigten mit gravierenderen Vorwürfen zu belasten.

Abschliessend ist auf den im ganzen Verfahren immer wieder unterschwellig 
geäusserten Vorwurf der Straf- und Zivilklägerin gegenüber, sie hätte den Beschul-
digten ja aus der Wohnung werfen können, statt ihn noch bei sich übernachten zu 
lassen, einzugehen. Vorab ist klarzustellen, dass die Straf- und Zivilklägerin den 
Beschuldigten nach dessen Kussversuch am 6. März 2021 aus der Wohnung wei-
sen wollte («ich zeigte auf die Haustüre und sagte zu ihm dort sei der Ausgang»), 
woraufhin er – in nach Ansicht der Kammer äusserst rücksichtsloser und überhebli-
cher Weise – zu lachen begonnen und gesagt habe, dass sie gar nicht wolle, dass 
er gehe, da sie auch «spitz» sei (pag. 47 Z. 181). Derweil die Entscheidung der 
Straf- und Zivilklägerin, den Beschuldigten nach den Ereignissen am 5. März 2021 
bei sich übernachten zu lassen, von aussen betrachtet nur wenig verständlich er-
scheinen mag, vermag dies weder der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen einen Ab-
bruch zu tun noch das Verhalten des Beschuldigten in irgendeiner Weise zu recht-
fertigen. Wird dem Beschuldigten erlaubt, die Nacht auf einer Gästematratze zu 
verbringen, oder wird er nicht mit letzter Vehemenz aus der Wohnung «befördert», 

26

so begründet dies noch lange keine Einladung zu sexuellen Handlungen (vgl. hier-
zu auch die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin auf zweifache Nachfrage der 
Staatsanwältin, ob es nicht sein könne, dass er die Einwilligung in die Übernach-
tung falsch verstanden haben könnte, pag. 67 Z. 467 ff.). 

Die Straf- und Zivilklägerin hat ihre Gründe, warum sie den Beschuldigten bei sich 
übernachten liess, stimmig und nachvollziehbar dargelegt. So sei der Beschuldigte 
betrunken gewesen und hätte nicht heimfahren können. Sie habe ein schlechtes 
Gewissen gehabt, jemanden in der Nacht aus der Wohnung zu werfen. Es sei März 
und nicht Sommer gewesen. Sie habe ihn viel zu lange als Kollegen angesehen 
und nicht als Fremden, der so etwas machen würde. Dass er im gleichen Kollegen-
kreis gewesen sei, habe es noch schwieriger gemacht; sie habe immer noch das 
Gefühl gehabt, dass er ja ein Kollege sei und sie hätten zusammen lernen wollen. 
Auch habe sie gedacht, dass es sie nicht so mitnehmen würde und dass sie damit 
«zSchlag» komme bzw. am Anfang nicht kapiert, dass es so viel in ihr kaputtma-
chen könnte. Sie habe auch noch nie jemanden aus ihrer Wohnung geworfen. Sie 
sei so aufgewachsen, dass jedermann bei ihr ein- und ausgehen konnte. Es hätten 
immer Leute bei ihr auf der Gästematratze übernachten können und es sei selbst-
verständlich und nie ein Problem gewesen. Auch der Beschuldigte habe einmal 
früher bei ihr übernachtet und dort sei es keine Diskussion gewesen; er habe da-
mals auch nichts gemacht (pag. 65 Z. 417 ff.; pag. 71 Z. 625 ff.; pag. 390 Z. 35 ff.). 
Die von der Straf- und Zivilklägerin abgegebene Erklärung korreliert denn auch mit 
ihrem sonstigen Verhalten und ihrer offenbar stark ausgeprägten sozialen Ader 
(authentisch wirkt etwa ihre Formulierung «ich kann ja nicht, nachdem er Alkohol 
getrunken hat, ihm sagen, dass er heimfahren muss», pag. 390 Z. 43 ff.). Diese 
zeigte sich bereits bei den Umständen des Kennenlernens. So habe sie der Be-
schuldigte bereits drei Tage nach dem ersten Kontakt via Snapchat-Nachricht ge-
fragt, ob er zu ihr kommen könne, da ihm die Decke auf den Kopf falle, was sie als 
relativ komisch empfunden habe, da sie ihn nicht wirklich gekannt und nicht wirklich 
mit ihm gesprochen habe (pag. 44 Z. 44 ff.). Auf die Frage, weshalb sie ihn trotz 
des komischen Gefühls zu sich nach Hause habe kommen lassen, gab sie an: 
«Weil ich das Gefühl hatte, dass ich auch froh wäre, wenn ich zu jemandem gehen 
kann und ich wusste auch nicht in welcher Situation er war. Er war ja trotzdem Teil 
dieser Gruppe, auch wenn ich ihn nicht so gut kannte» (pag. 58 Z. 140). Dies 
bestätigte sie anlässlich der Berufungsverhandlung (pag. 657 Z. 6 ff.: «Ich empfand 
es zumindest als recht komisch. Aber ich war und bin immer so der Mensch, der 
gerne anderen hilft, wenn sie Hilfe brauchen. Ich dachte mir, wenn ihm das Dach 
über dem Kopf zusammenfällt, dann hilft man ihm auch»); so auch bereits gegenü-
ber der Polizei: «Da ihm die Decke jedoch über dem Kopf zusammenbrechen woll-
te und ich selber froh wäre, wenn ich in einer solchen Situation auch zu jemandem 
gehen könnte, habe ich ja gesagt. [...] Ich habe daraufhin meinen Kollegen 
K.________, L.________ und V.________ geschrieben, ob sie auf ein Bier zu mir 
kommen können» (pag. 44 Z. 46 ff.). Ihr letzter Satz zeigt im Übrigen, dass die 
Straf- und Zivilklägerin durchaus Massnahmen getroffen hat, damit sie nicht mit 
dem Beschuldigten allein sein musste. Gleichermassen hatte sie sich erhofft, 
L.________ würde vom 5. auf den 6. März 2021 bei ihr übernachten (pag. 46 Z. 
136 f.; pag. 390 Z. 43; was letztlich wegen Bauchschmerzen von L.________ nicht 

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zustande kam, vgl. pag. 46 Z. 140). Bereits am 5. März 2021 hatte sie – um nicht 
alleine mit dem Beschuldigten zu sein – L.________ zu sich nach Hause eingela-
den (pag. 46 Z. 116 f.). Vor dessen Ankunft sei sie «zum Ausweichen» ins Bade-
zimmer gegangen, nachdem sie der Beschuldigte ständig über die Sitzbank zu sich 
herangezogen und sie berührt hatte, und habe dort ihre Haare geglättet und sich 
geschminkt, «einfach das ich Distanz zu A.________ hatte» (pag. 46 Z. 122 ff.). 
Auch die von der Straf- und Zivilklägerin getroffenen und geschilderten Vorkehrun-
gen passen zu ihren Vorwürfen.

12.3.2 Aussagen des Beschuldigten

Die Aussagen des Beschuldigten sind demgegenüber grundsätzlich karg. Wie in-
dessen von der Vorinstanz korrekt erwogen, beschrieb der Beschuldigte auffallend 
detailreich und gestisch, wie er und die Straf- und Zivilklägerin sich in der Nacht 
vom 5. auf den 6. März 2021 im Arm gehalten hätten. So sei ihr Körper gegen sei-
nen gedreht gewesen und umgekehrt. Sie habe sich an ihm gehalten und er habe 
sie im Arm gehabt. Ihr Kopf sei auf seinem Arm gewesen und der andere Arm um 
sie. Sie habe ihren Arm auf ihm gehabt (pag. 396 Z. 39 ff.). Die Vorinstanz erwog, 
dass eine solche Beschreibung grundsätzlich als Realkennzeichen zu werten, dies 
vorliegend aber zu relativieren sei, da der Beschuldigte diese Darstellung erst an 
der Hauptverhandlung gemacht habe, während seine Aussage bei der Staatsan-
waltschaft diesbezüglich sehr knapp und karg gewesen sei (pag. 95 Z. 238 f.). In 
der Regel gingen mit Zeitablauf Details vergessen und kämen nicht wieder neu in 
die Erinnerung (pag. 474, S. 25 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die 
Kammer schliesst sich dieser Erkenntnis an und hält ergänzend fest, dass der Be-
schuldigte oberinstanzlich angab, nicht mehr zu wissen, wann, wie und wo genau 
man sich berührt habe in dieser Nacht (pag. 667 Z. 22). Dies erscheint in Anbe-
tracht seiner erstinstanzlichen, äusserst anschaulichen Beschreibung der doch re-
lativ simplen Handlung (gewöhnliche Umarmung im Bett) durchaus erstaunlich.

Wie die Vorinstanz ebenfalls bereits festgehalten hat, lässt eine Aussage des Be-
schuldigten besonders aufhorchen. So gab er an, am Abend des 5. März 2021 ha-
be er Zähne geputzt und sie sei ins Bett gegangen «und dann habe ich sie gefragt, 
ob…nein, dann hat sie gesagt, dass ich zu ihr ins Bett solle, da auf der Matratze 
«amigs» der Kollege W.________ schlafen würde» (pag. 95 Z. 234 ff.). Abgesehen 
davon, dass eine solche Aussage der Straf- und Zivilklägerin wenig Sinn machen 
würde, zumal der Beschuldigte unbestrittenerweise bereits auf der Gästematratze 
geschlafen hatte (Beschuldigter: pag. 92 Z. 96 ff. und pag. 667 Z. 9 ff.; Straf- und 
Zivilklägerin: pag. 44 Z. 56 ff.; pag. 58 Z. 151 ff. und pag. 391 Z. 4 ff.), erkannte die 
Vorinstanz darin zutreffenderweise auch einen weiteren Widerspruch: Der Be-
schuldigte hatte zunächst auszusagen begonnen, dass er die Initiative, in ihrem 
Bett zu schlafen, ergriffen habe, um den Satz daraufhin abzubrechen und einfach 
die Rollen der beiden Parteien zu vertauschen. Diesen Widerspruch konnte der 
Beschuldigte oberinstanzlich nicht schlüssig erklären (pag. 667 Z. 16 ff.). Es dürfte 
sich um einen weiteren, misslungenen Versuch des Beschuldigten gehandelt ha-
ben, die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu spiegeln. 

Auf der subjektiven Ebene machte der Beschuldigte mehr oder minder konstant 
geltend, die Berührungen seien – soweit überhaupt vorhanden – gegenseitig ge-

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wesen bzw. auf Wunsch der Straf- und Zivilklägerin erfolgt. Ohne Weiteres erstellt 
ist nach dem bisher Gesagten, dass die Handlungen weder gegenseitig noch von 
der Straf- und Zivilklägerin gewollt waren. Ebenfalls erstellt sind die eindeutigen – 
verbalen und nonverbalen – Abwehrhandlungen der Straf- und Zivilklägerin (vgl. 
hierzu auch ihre oberinstanzlichen Aussagen, pag. 658 Z. 27 ff., wonach sie immer 
wieder «Nein», «Stopp» und dass sie es nicht wolle gesagt habe, sowie versucht 
habe, sich von seinen Griffen zu lösen und ihre Kleider zu halten). Dementspre-
chend stellt sich als Nächstes die Frage, ob dem Beschuldigten überhaupt bewusst 
war, dass das Vorgefallene nicht dem Willen der Straf- und Zivilklägerin entsprach. 
Dies zu belegen vermögen diverse Beispiele. Vorab ist indessen anzumerken, dass 
der (Wider-)Wille der Straf- und Zivilklägerin bereits aufgrund ihrer massiven Ab-
wehrreaktionen eindeutig erkennbar war. Daran ändert nichts, dass es die Ex-
Freundin des Beschuldigten gemäss Entschuldigungsschreiben offenbar mochte, 
wenn er dominant auftrat. Die Straf- und Zivilklägerin hat sich nebst physischer 
Abwehr auch verbal klar und verständlich geäussert. Der Beschuldigte hat denn 
auch wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass er den Widerwillen der Straf- und Zi-
vilklägerin erkannt hatte. So hat er mehrfach verbal seine Gleichgültigkeit ihrem 
Willen gegenüber kundgetan (Stichwort «ich nehme mir, was ich will»). Gleiches 
belegen seine Übergriffe nach anfänglicher Rückweisung am Küchentisch, als er 
jeweils – vom Balkon zurückkommend – das Überraschungsmoment ausnutzte, um 
die Straf- und Zivilklägerin auf das Bett zu stossen. Ein solches Vorgehen wäre 
nicht nötig gewesen, wenn er von einem Interesse der Straf- und Zivilklägerin aus-
gegangen wäre.

Im Ergebnis stellt die Kammer vollständig auf die Aussagen der Straf- und Zivilklä-
gerin ab.

12.4 Erstellte Sachverhalte/Beweisergebnis

Die Kammer erachtet die angeklagten Sachverhalte gemäss Ziff. I.1 und I.3. der 
Anklageschrift als erstellt. Wie bereits mehrfach ausgeführt, ist dabei der angebli-
che Vorfall in der Dusche ausgeklammert. Ebenfalls erstellt ist demnach sowohl die 
verbale wie auch physische Gegenwehr der Straf- und Zivilklägerin. Diese war für 
den Beschuldigten erkennbar; der Beschuldigte wusste, dass die Straf- und Zivil-
klägerin die sexuellen Handlungen des Beschuldigten nicht wollte. Ebenfalls erstellt 
sind die als Tätlichkeiten angeklagten, dem vorliegenden Sachverhaltskomplex in-
härenten Handlungen (mehrfacher Wurf aufs Bett, Fixation mit den Armen und Zie-
hen an den Haaren). Ob diese letztlich im Sinne eines Nötigungsmittels Teil der 
Anklageziffer I.1. oder aber als eigenständige Tätlichkeiten gemäss Anklageziffer 
I.3. zu qualifizieren sind, wird als Frage der Konkurrenzen im Rechtlichen geprüft 
(vgl. E. 18 hiernach).

13. Vorfälle vom 6. März 2021 und 12. März 2021 in G.________(Ort) (Elternhaus 
L.________; Ziff. I.2.2. und I.2.3. der Anklageschrift)

13.1 Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in Ziff. I.2.2. und I.2.3. der identische Tatvorwurf gemacht: 
Er soll sowohl am 6. wie auch am 12. März 2021 im Elternhaus von L.________ in 

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G.________(Ort) die Straf- und Zivilklägerin gegen ihren Willen berührt haben resp. 
ihr in sexueller Weise an deren Gesäss gefasst haben.

13.2 Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass sich der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin sowohl 
am 6. wie auch am 12. März 2021 im Elternhaus von L.________ in 
G.________(Ort) begegnet sind. Bestritten ist hingegen in beiden Fällen die 
Berührung des Beschuldigten am Gesäss der Straf- und Zivilklägerin.

13.3 Würdigung durch die Kammer

Für die grundsätzliche Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin, 
die die bestreitenden Aussagen des Beschuldigten in den Hintergrund treten las-
sen, wird auf das unter E. 11 hiervor Ausgeführte verwiesen. Die beiden Vorwürfe 
werden sodann nachfolgend der Einfachheit halber zusammen behandelt, zumal 
sie praktisch identisch sind und vom Beschuldigten bestritten werden. Wie bereits 
festgehalten, hat die Straf- und Zivilklägerin ausführlich und in freier Erzählung das 
Vorgefallene im Rahmen ihrer ersten polizeilichen Einvernahme geschildert. Es ist 
von vornherein lebensfremd, hätte die Straf- und Zivilklägerin nebst den schwere-
ren Vorwürfen gemäss Ziff. I.1. der Anklageschrift noch zwei wesentlich mildere 
Vorfälle erfunden, welche zusätzlich die Gefahr, an Glaubhaftigkeit einzubüssen, 
vergrössert hätte.

13.3.1 Vorfall vom 6. März 2021

Gemäss Aussagen der Straf- und Zivilklägerin wusste sie, dass der Beschuldigte 
am Abend des 6. März 2021 bei L.________ sein würde, weil er sie zuvor angeru-
fen habe. Sie sei aber wegen ihrer Kollegen hingegangen, nicht wegen ihm. Sie sei 
dort dem Beschuldigten bewusst aus dem Weg gegangen. Gleichwohl habe er sie 
ans «Füdli» angefasst. Sie habe das Gefühl gehabt, dass er sie den ganzen Abend 
über beobachtet habe (pag. 48 Z. 227 ff.). Wie die Vorinstanz erwog, fielen die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin eher knapp aus. Dieser Umstand ist insofern 
zu relativieren, als es sich im Vergleich zu den Vorfällen gemäss Ziff. I.1. der An-
klageschrift, welche sich noch am gleichen Tag ereignet hatten, um einen deutlich 
weniger gravierenden wie auch um einen deutlich weniger komplexen Vorfall han-
delte. Die Straf- und Zivilklägerin schilderte indessen wiederum eigene Gedanken-
gänge und Gefühle, nannte von ihr getroffene Massnahmen, um dem Beschuldig-
ten nicht alleine ausgesetzt zu sein (sie habe X.________ überredet mitzukommen 
und sei dem Beschuldigten aus dem Weg gegangen) und verknüpfte die Ereignisse 
wiederum zeitlich und örtlich. Die getroffenen Massnahmen und das beschriebene 
Gefühl, beobachtet zu werden, reihen sich einwandfrei in die Vorgeschichte vom 5. 
und 6. März 2021 ein und sind vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Oberin-
stanzlich schilderte sie zudem ihre innere Zerrissenheit im Vorfeld. Auf der einen 
Seite habe sie ihn nicht sehen wollen, aber andererseits habe sie nicht ihren gan-
zen Kollegenkreis aufgeben wollen, nur weil er plötzlich darin aufgetaucht sei. Des-
halb habe sie ja extra noch einen Kollegen gefragt, ob er mitkomme (pag. 659 
Z. 13 ff.). Bei der Staatsanwaltschaft konkretisierte sie im Kerngeschehen, dass er 
sie an diesem Abend nicht oft angefasst habe. Einmal sei sie mit einem anderen 
Kollegen am Whisky studieren gewesen, als sie nach hinten geschaut habe und er 

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hinter ihr vorbeigelaufen sei und sie am Gesäss angefasst habe. Mehr sei sicher 
nicht gewesen an diesem Abend, da sie sich zurückgezogen habe (pag. 72 
Z. 671 ff). Während sie die Berührung in eine sehr spezifische Situation einbettet, 
belastet sie den Beschuldigten nicht über Gebühr. 

Der Beschuldigte demgegenüber streitet den Vorwurf vollumfänglich ab und be-
schreibt die Situation erneut genau andersrum. So habe er sich durch die Straf- 
und Zivilklägerin beobachtet gefühlt (pag. 100 Z. 413 ff.). 

Die Kammer erachtet die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin – anders als dieje-
nigen des Beschuldigten – nicht nur ganz allgemein, sondern auch diesen konkre-
ten Vorwurf betreffend als glaubhaft. Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer I.2.2. 
ist erstellt.

13.3.2 Vorfall vom 12. März 2021

Betreffend den Vorfall vom 12. März 2021 gilt das soeben Gesagte: Es handelte 
sich um ein untergeordnetes und vergleichsweise simples Nebengeschehen, was 
die eher knappen Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu erklären vermag. Diese 
führte einzig aus, der Beschuldigte habe sie abermals am Gesäss angefasst, ob-
wohl sie ihm aus dem Weg gegangen sei. Sie habe dies aber ignoriert (pag. 48 
Z. 241 f.). Im Folgenden legte die Straf- und Zivilklägerin den Fokus auf das dieser 
Berührung nachgelagerte Geschehen auf dem Balkon, wo sie der Beschuldigte 
blockiert bzw. festgehalten und gegen die Wand gedrängt habe, woraufhin sie ihn 
weggestossen und mit ihrem Knie in den Schritt getreten habe, er wütend zu ihr 
gesagt habe, sie wisse haargenau, dass er sich nehme, was er wolle, worauf sie in 
Panik geraten sei und erwidert habe, dass er genau wisse, dass sie das nicht wolle 
(pag. 48 Z. 247 ff.). Sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung erwähnte die Straf- und Zivilklägerin das Anfassen 
am Gesäss nicht mehr (pag. 73 Z. 698; pag. 390 Z. 13 ff.), konzentrierte sich hin-
gegen vollständig auf den Vorfall auf dem Balkon, welchem sie – wohl auch ange-
sichts des Umstands, dass sie dieser in Panik versetzt hatte – mehr Gewicht bei-
mass. Die angeklagte Berührung am Gesäss stellte damit für sie an diesem Abend 
ein eher nebensächliches Geschehen dar, welches für sie – je länger der Vorfall 
her war – in den Hintergrund rückte. Dies erscheint unter den gegebenen Umstän-
den nachvollziehbar, zumal das auf dem Balkon ähnliche Vorgehen wie am 5. und 
6. März 2021 sowie der gewohnte Satz «ich nehme mir, was ich will» offensichtlich 
stärkere Gefühle und Panik in ihr auslösten. Wesentlich ist, dass sie die Gescheh-
nisse anlässlich ihrer tatnächsten Einvernahme glaubhaft schilderte.

Das Gericht stellt demnach auch diesen Vorwurf betreffend auf die Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin ab. Der Sachverhalt gemäss Ziff. I.2.3 der Anklageschrift ist 
erstellt.

Im Übrigen bestehen nicht zuletzt aufgrund der Vorgeschichte vom 5. und 6. März 
2021 keine Zweifel darüber, dass der Beschuldigte wusste, dass die Straf- und Zi-
vilklägerin die Berührungen am Gesäss (an beiden Daten) nicht goutierte.

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13.4 Erstellte Sachverhalte/Beweisergebnis

Nach dem Gesagten ist erwiesen, dass der Beschuldigte sowohl am 6. wie auch 
am 12. März 2021 die Straf- und Zivilklägerin gegen ihren Willen in sexueller Weise 
am Gesäss angefasst hat.

III. Rechtliche Würdigung

14. Natürliche Handlungseinheit/Handlungsmehrheit

14.1 Vorgehen der Vorinstanz

Wie unter E. 9 hiervor bereits ausgeführt, hat die Vorinstanz die Ziff. I.1. der Ankla-
geschrift in sieben separate Sachverhalte unterteilt. In ihrem Fazit zur Beweiswür-
digung (pag. 479; S. 30 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) wie auch bei der 
rechtlichen Würdigung unter dem Titel der Konkurrenzen (pag. 497 f.; S. 48 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung) begründete sie dies damit, dass der Beschul-
digte für jeden einzelnen Teilsachverhalt einen neuen Tatentschluss gefasst habe. 
Dies aufgrund der Tatsache, dass er nach den jeweiligen sexuellen Übergriffen 
wieder von der Straf- und Zivilklägerin abgelassen und jeweils eine klare zeitliche 
Pause zwischen den einzelnen Übergriffen bestanden habe. Infolgedessen beur-
teilte sie in rechtlicher Hinsicht sieben einzelne Delikte. In drei Fällen (Teilsachver-
halte 1, 3 und 4) erachtete sie die sexuelle Nötigung als nicht erfüllt und prüfte die-
se Teilsachverhalte unter dem Tatbestand der sexuellen Belästigung, wobei sie 
den Beschuldigten in zwei von drei Fällen schuldig sprach (Teilsachverhalte 1 und 
3). Oberinstanzlich stehen noch sechs dieser Teilsachverhalte zur Diskussion.

14.2 Rechtliches

Ob eine oder mehrere Handlungen vorliegen, ist eine Rechtsfrage (TRECH-
SEL/THOMMEN, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Pra-
xiskommentar, 4. Aufl. 2021, N. 3 zu Art. 49 StGB).

Von einer natürlichen Handlungseinheit wird namentlich ausgegangen, wenn meh-
rere Einzelhandlungen auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen des 
engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung noch 
als einheitliches Geschehen erscheinen (BGE 137 IV 1 E. 4.3.1; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_783/2018 vom 6. März 2019 E. 1.5). Eine natürliche Handlungsein-
heit ist gemäss Bundesgericht ausgeschlossen, wenn zwischen den einzelnen 
Handlungen - selbst wenn diese aufeinander bezogen sind - ein längerer Zeitraum 
liegt (BGE 131 IV 83 E. 2.4.5.).

Typische Beispiele einer natürlichen Handlungseinheit sind die Tötung durch meh-
rere Messerstiche, die Tracht Prügel, die Gesamtheit der sexuellen Handlungen, 
die ein Täter mit seinem Opfer ohne Unterbruch vornimmt oder der Diebstahl meh-
rerer Gegenstände in einem Selbstbedienungsladen. Hier wird der massgebende 
Tatbestand zwar schon durch jeden Einzelakt vollständig erfüllt. Da diese Einzelak-
te einander aber unmittelbar folgen und von einem einheitlichen Willensentschluss 
umfasst sind, liegt nur eine Verletzung des Tatbestands mit einem lediglich quanti-
tativ gesteigerten Unrecht vor. Keine tatbestandliche Handlungseinheit (sondern 

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mehrfache Tatbegehung) liegt nach Ansicht des Bundesgerichts dagegen bei der 
Beurteilung des sog. Stalking als Nötigung vor, wenn der Täter «während eines 
grösseren Z