# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2fc61a76-cf41-5dfd-bf43-0cecdbe667a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.10.2010 D-7609/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7609-2010_2010-10-29.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7609/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Martin Zoller, 
mit Zustimmung von Richterin Jenny de Coulon Scuntaro;
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

A._______, geboren (...),
Ägypten,
vertreten durch (...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Kantonszuweisung; 
Verfügung des BFM vom 19. Oktober 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7609/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die Beschwerdeführerin am 11. Oktober 2010 in der Schweiz um 
Asyl  nachsuchte,  wobei  sie den Wunsch äusserte,  dem Wohnkanton 
ihres  Partners  und  Vaters  ihres  ungeborenen  Kindes  (Kanton 
B._______) zugeteilt zu werden, 

dass das BFM die Beschwerdeführerin mit Entscheid vom 19.  Oktober 
2010  –  eröffnet  am 21. Oktober  2010  –  für  die  Dauer  des  Asylver-
fahrens dem Kanton C._______ zuteilte,

dass  das  BFM  ausführte,  dem  Kantonszuteilungswunsch  der  Be-
schwerdeführerin könne nicht nachgekommen werden; sie könne sich 
nicht auf den Grundsatz der Einheit der Familie berufen, da sie ihren 
Partner erst vor einigen Monaten in Ägypten kennengelernt habe und 
nicht mit ihm verheiratet sei, 

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 25. Oktober 2010 beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob,  worin  um  Aufhebung 
des  vorinstanzlichen  Verfügung  und  um  Zuweisung  an  den  Kanton 
B._______ ersucht wurde, 

dass zudem in formeller Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2  des Bundesgesetzes 
vom 20. Dezember  1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 
172.021) ersucht wurde, 

dass die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend machte, sie sei 
im (...) Monat schwanger, und sie habe eine intakte Beziehung zu dem 
in D._______ wohnhaften Vater des ungeborenen Kindes, mit dem sie 
zusammenleben wolle, 

dass die Lebensumstände in E._______ – sie müsse ein Zimmer mit 
sieben  Frauen  teilen,  die  übermässigen  Lärm  verursachen  würden, 
und sie ertrage die dortigen Gerüche nicht – eine enorme psychische 
Belastung darstellen würden, 

dass  sie  auf  eine  intensive  Betreuung  angewiesen  sei,  die  nur  ihr 
Partner  gewährleisten  könne,  der  seinerseits  den  Wohnsitz  in 
D._______ aufgrund einer Anstellung vor Ort nicht verlassen könne, 

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dass  auf  die  weitere  Begründung  der  Beschwerde  –  soweit  ent-
scheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, 

und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Bereich  des  Asyls  endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen (Art. 5  VwVG) des  BFM ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR 
142.31] i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden 
Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selb-
ständig  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechtbare  Zwischenver-
fügung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), 

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Zwischenver-
fügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung 
der Beschwerde legitimiert ist, weshalb auf die frist- und formgerecht 
eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie 
Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52 
VwVG), 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  kann  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),  wobei  vorliegend  gemäss  Art. 106  Abs. 2  AsylG  die  lex 
specialis von Art. 27 Abs. 3 AsylG vorbehalten bleibt  (vgl. hierzu die 
nachstehenden Ausführungen), 

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachstehend aufgezeigt, um 
eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde, 

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dass das BFM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den 
Kantonen  zuweist  und  dabei  den  schützenswerten  Interessen  der 
Kantone und der Asylsuchenden Rechnung trägt, 

dass  die  Verteilung nach einem Schlüssel  gemäss Art.  21  der  Asyl-
verordnung 1  vom 11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, 
SR 142.311) erfolgt, wobei das BFM bei der Verteilung bereits in der 
Schweiz  lebende  Familienangehörige,  die  Staatsangehörigkeit  der 
Asylsuchenden  und  besonders  betreuungsintensive  Fälle  berück-
sichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1), 

dass  ein  Zuweisungsentscheid  des  Bundesamts  gemäss  Art. 27 
Abs. 3 letzter Satz AsylG – der als lex specialis der allgemeinen Regel 
von  Art. 106  Abs. 1  AsylG  vorgeht  (vgl.  Art. 106  Abs. 2  AsylG)  –  in 
materieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden kann, 
er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie, 

dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art.  27 Abs. 3 AsylG 
grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne 
von Art. 1  Bst. e  AsylV 1 orientiert,  und mithin die  Kernfamilie  (Ehe-
gatten und deren minderjährige Kinder) umfasst, 

dass  der  über  die  Kernfamilie  hinausgehende  Familienbegriff  von 
Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  auch  die 
Beziehungen zwischen allen nahen Verwandten (Grosseltern und ihre 
Enkel/Enkelinnen,  Onkel/Tanten  und  ihre  Nichten/Neffen, 
Geschwister),  die  in  der  Familie  eine  wesentliche  Rolle  spielen 
können, erfasst, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Be-
ziehung zwischen den betreffenden Angehörigen besteht, und darüber 
hinaus  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis  besteht  (vgl.  Ent-
scheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 
2008/47 E. 4.1 S. 677 ff.), 

dass  sich  die  Beschwerdeführerin  auf  den  Schutz  der  Einheit  der 
Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG beruft, 

dass die Beschwerdeführerin und ihr Partner jedoch keine Kernfamilie 
bilden,  und  es  sich  beim  Partner  auch  nicht  um  einen  nahen  Ver-
wandten  ausserhalb  der  Kernfamilie  handelt,  weshalb  sich  die  Be-
schwerdeführerin nicht auf den  Grundsatz der Einheit der Familie im 
Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG berufen kann,

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dass im Übrigen angesichts der Angaben der Beschwerdeführerin im 
Rahmen  der  Erstbefragung  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum 
F._______  vom 12. Oktober  2010,  wonach  sie  den  Partner  erst  vor 
einigen  Monaten  anlässlich  dessen  Ferienreise  in  Ägypten  kennen-
gelernt habe, und sie nicht wisse, was er arbeite, oder in welcher Stadt 
er lebe, und er erst auch nicht gewollt habe, dass sie in die Schweiz 
komme (vgl. A1 S. 5),  von vornherein nicht  von einer nahen, bereits 
vor  der  Einreise  tatsächlich  gelebten,  engen  Beziehung  gesprochen 
werden könnte, 

dass  es  der  Beschwerdeführerin  zudem auch  ohne  Kantonswechsel 
möglich  ist,  weiterhin  per  Telefon oder  mittels  Besuchen  Kontakt  zu 
ihrem  Partner  zu  pflegen  und  in  dieser  Form  Unterstützung  zu  er-
halten, 

dass es überdies auch dem Partner, der über eine C-Bewilligung ver -
fügt, unbenommen ist, sich in den Kanton C._______ zu begeben, zu-
mal ein Arbeitsweg von rund einer Stunde zumutbar erscheint, 

dass sich die Beschwerdeführerin mit Beanstandungen hinsichtlich der 
Unterbringung an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden hat, 

dass  mithin  festzustellen  ist,  dass  die  Kantonszuweisung  der  Be-
schwerdeführerin den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von 
Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt und die Beschwerde demnach ab-
zuweisen ist,

dass  die  Beschwerde  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  als  aus-
sichtslos  zu  qualifizieren  und  daher  das  Gesuch  um  unentgeltliche 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG – ungeachtet 
der allfälligen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin – abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  nach  Versand  des  vor-
liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Bei-
lage: Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand:

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