# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6530caf6-94de-51da-aaa9-1fc87e53dd7e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 23.11.2023 BK 2023 372
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2023-372_2023-11-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 23 372

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. November 2023

Besetzung Oberrichter Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid, 
Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiberin Lienhard

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

B.________
gesetzlich v.d. C.________

Beschwerdeführerin

Gegenstand Akteneinsicht

Strafverfahren wegen Widerhandlungen gegen das Strassenver-
kehrsgesetz

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Berner Jura-Seeland vom 22. August 2023 (BJS 23 17418)

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Erwägungen:

1. Die Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Staatsanwalt-
schaft/Vorinstanz) führt in Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall vom 
18. Juni 2023 ein Strafverfahren gegen A.________ (nachfolgend: Beschuldigter). 
Mit Verfügung vom 22. August 2023 wies die Staatsanwaltschaft das von der gesetz-
lichen Vertreterin, C.________, zugunsten ihrer Tochter, B.________ (nachfolgend: 
Beschwerdeführerin), gestellte Akteneinsichtsgesuch ab. Dagegen erhob die Be-
schwerdeführerin, gesetzlich vertreten durch ihre Mutter, am 9. Juli 2023 Be-
schwerde bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons 
Bern (nachfolgend: Beschwerdekammer). In der Folge eröffnete die Verfahrenslei-
tung am 7. September 2023 ein Beschwerdeverfahren und gab den Parteien Gele-
genheit zur Stellungnahme. Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft als auch der Be-
schuldigte beantragten mit Eingaben vom 26. bzw. 29. September 2023 die kosten-
fällige Abweisung der Beschwerde.

2. Gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft kann bei der Beschwerdekammer innert 
zehn Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 
Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der Strafprozessordnung [StPO; SR 312], Art. 35 des 
Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft 
[GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Oberge-
richts [OrR OG; BSG 162.11]). Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene 
Verfügung unmittelbar in ihren rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit 
zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristge-
rechte Beschwerde ist einzutreten.

3. Den der Kammer vorliegenden Akten kann entnommen werden, dass C.________ 
im Strafverfahren gegen den Beschuldigten am 9. Juli 2023 zugunsten der Be-
schwerdeführerin ein Gesuch um Einsichtnahme in den Unfallrapport der Kantons-
polizei Bern stellte. Zur Begründung führte sie an, dass ihre beiden Kinder, die Be-
schwerdeführerin und D.________, mit dem Beschuldigten unterwegs gewesen 
seien, als sich der Unfall ereignet habe. Die Beschwerdeführerin reagiere seit dem 
Unfall auffällig und müsse psychologisch abgeklärt werden. Damit sich die Fachärzte 
ein besseres Bild machen könnten, beabsichtige C.________, ihnen den Unfallbe-
richt zukommen zu lassen. Mit Verfügung vom 8. August 2023 nahm und gab die 
Staatsanwaltschaft Kenntnis von besagtem Gesuch, stellte die Gutheissung dessel-
ben in Aussicht und gewährte dem Beschuldigten das rechtliche Gehör. Darauf 
machte der Beschuldigte in seiner Stellungnahme vom 18. August 2023 zusammen-
fassend geltend, dass kein Akteneinsichtsrecht bestehe. Ausserdem bestehe kein 
Zusammenhang zwischen dem Autounfall und der psychologischen Behandlung der 
Beschwerdeführerin. Für die Beschwerdeführerin bestehe zudem eine Beistand-
schaft, wobei der Beistand von den Geschehnissen Kenntnis habe. In der Folge wies 
die Staatsanwaltschaft das Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin ab.

4.

4.1 Gemäss Art. 101 Abs. 1 und Art. 107 Abs. 1 Bst. a StPO steht den Parteien ein 
Akteneinsichtsrecht zu. Zu den Parteien zählen gemäss Art. 104 Abs. 1 StPO die 

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beschuldigte Person (Bst. a), die Privatklägerschaft (Bst. b) und – im Haupt- und 
Rechtsmittelverfahren – die Staatsanwaltschaft (Bst. c). Parteistellung kommt über-
dies Behörden zu, denen der Bund oder die Kantone volle oder beschränkte Partei-
rechte einräumen (Art. 104 Abs. 2 StPO). Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte 
Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu 
beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Als geschädigte Person gilt die Person, die durch 
die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). 
Unmittelbar verletzt und damit in eigenen Rechten betroffen ist, wer Träger des durch 
die verletzte Strafnorm geschützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsguts ist 
(BGE 145 IV 491 E. 2.3; 141 IV 454 E. 2.3.1). Gemäss Art. 105 Abs. 2 StPO können 
auch andere in ihren Rechten unmittelbar betroffene Verfahrensbeteiligte, so insbe-
sondere die geschädigte Person, die nicht als Privatkläger am Verfahren teilnimmt, 
die zur Wahrung ihrer Interessen erforderlichen Parteirechte ausüben (vgl. Art. 105 
Abs. 1 Bst. a StPO).

4.2 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung der Abweisung des Akteneinsichtsge-
suchs zusammengefasst aus, dass der Beschuldigte wegen Verletzung diverser Ver-
kehrsregeln angezeigt worden sei. Mit Verweis auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung handle es sich dabei um abstrakte Gefährdungsdelikte, die in erster Linie 
die allgemeinen Interessen der Verkehrssicherheit schützten. Sach- oder Personen-
schäden als Folgen der Verkehrsregelverletzung stellten daher keine unmittelbare 
Verletzung eigener Rechte im Sinne von Art. 115 StPO dar. Vielmehr handle es sich 
dabei nur um mittelbare Folgen des Verstosses gegen die Verkehrsregeln. Unfallbe-
teiligte, die einen Personen- oder Sachschaden erlitten, seien daher keine durch die 
Verkehrsregelverletzung geschädigten Personen. Entsprechend könnten sie sich 
auch nicht als Privatklägerinnen oder Privatkläger gemäss Art. 118 StPO am Straf-
verfahren beteiligen. Mangels einer Geschädigtenstellung habe die in den Unfall in-
volvierte Beschwerdeführerin im Strafverfahren gegen den Beschuldigten somit kein 
Akteneinsichtsrecht.

4.3 Wie der Beschuldigte anführt, setzt sich die Beschwerdeführerin mit der Begründung 
der Staatsanwaltschaft nicht wirklich auseinander. Im Wesentlichen hält sie dieser 
lediglich entgegen, dass sie Insassin des verunfallten Fahrzeugs gewesen sei und 
nach dem Unfall grosse Ängste vor dem Autofahren, namentlich durch den Wald, 
entwickelt habe. Aufgrund der zusätzlichen psychischen Probleme, welche sie seit 
dem Unfall habe, müsse sie im Strafverfahren gegen den Beschuldigten als Geschä-
digte gelten. Den Unfallrapport benötige sie zur Aufarbeitung des Geschehenen im 
Rahmen ihrer psychologischen Behandlung bzw. zur Vermeidung von Spätfolgen.

4.4 Wie nach nachfolgend aufgezeigt wird, gelangt die Kammer mit der Generalstaats-
anwaltschaft und dem Beschuldigten zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin 
keine Parteistellung und damit auch kein Akteneinsichtsrecht zukommt:

4.4.1 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung anführt, wurde der Beschuldigte 
im Nachgang des Verkehrsunfalls vom 18. Juni 2023 wegen verschiedener Ver-
kehrsregelverletzungen (namentlich Art. 90 Abs. 1 und Art. 91 des Strassenverkehrs-
gesetzes [SVG; SR 741.01]) angezeigt (vgl. Anzeigerapport vom 22. Juli 2023). 
Dass es sich bei Art. 90 Abs. 1 und Art. 91 SVG um abstrakte Gefährdungsdelikte 
handelt, blieb zu Recht unbestritten (vgl. BGE 138 IV 258 E. 3.1.2 und 4.3; FIOLKA, 

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in Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 1. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 90 SVG 
und N. 1 zu Art. 91 SVG). Bei einfachen Verkehrsregelverletzungen (Art. 90 Abs. 1 
SVG) ist nach (umstrittener) bundesgerichtlicher Rechtsprechung unmittelbar der 
reibungslose Ablauf der Fortbewegung auf öffentlichen Strassen geschützt; Indivi-
dualinteressen wie Leib und Leben oder das Eigentum bzw. Vermögen werden da-
gegen nur mittelbar geschützt (LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung StPO, 3. Aufl. 2020, Rz. 3b zu Art. 115 StPO; MAZZUCCHELLI/POS-
TIZZI, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, 
N. 88 zu Art. 115 StPO; beide mit Verweis auf BGE 138 IV 258 E. 3.1, 3.2 und 4.1). 
Bei groben Verkehrsregelverletzungen (Art. 90 Abs. 2 SVG) steht demgegenüber die 
individuelle Sicherheit der Verkehrsteilnehmer im Vordergrund, wobei in der Lehre 
zwischen Fällen abstrakter und konkreter Gefährdung differenziert wird (LIEBER, 
a.a.O., Rz. 3b zu Art. 115 StPO; MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 88a zu 
Art. 115 StPO). Erleidet die betroffene Person aufgrund einer einfachen Verkehrsre-
gelverletzung eine Körperverletzung, so ergibt sich die Geschädigtenstellung 
gemäss der Lehre und Rechtsprechung nicht aus den strafrechtlichen Bestimmun-
gen des SVG, sondern aus Art. 125 des Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) (LIEBER, 
a.a.O., Rz. 3b zu Art. 115 StPO mit Verweis auf BGE 138 IV 258 E. 3-4; MAZZUC-
CHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 88 zu Art. 115 StPO). Die Frage, ob die Geschädigten-
stellung bei Vorliegen einer groben Verkehrsregelverletzung, bei der die Straftat-
bestände von Art. 125 StGB oder Art. 117 StGB verwirklicht wurden, zugleich auch 
gestützt auf Art. 90 Abs. 2 SVG begründet werden kann, liess das Bundesgericht im 
Leitentscheid BGE 138 IV 258 offen (vgl. dort E. 3.1.3). Es hielt jedoch fest, dass es 
in seiner bisherigen Rechtsprechung einzig die verwirklichten Tatbestände des Straf-
gesetzbuches als massgebend erachtet habe, nicht aber (auch) die vom anderen 
Verkehrsteilnehmer begangenen Straftaten der schweren Verkehrsregelverletzung 
und allenfalls des Fahrens in angetrunkenem Zustand (BGE 138 IV 258 E. 3.1.3 mit 
weiteren Hinweisen). 

4.4.2 Dass die Staatsanwaltschaft eine Geschädigtenstellung von Unfallbeteiligten – und 
damit auch der Beschwerdeführerin – sowohl mit Blick auf Art. 90 Abs. 1 SVG als 
auch Art. 91 SVG verneint hat, ist vor dem Hintergrund der voranstehenden Aus-
führungen (E. 4.4.1) nicht zu beanstanden. Darüber hinaus enthalten die der Kam-
mer vorliegenden Akten auch keinerlei Hinweise auf eine anderweitige Parteistel-
lung; namentlich wurde innert Frist auch kein Strafantrag wegen fahrlässiger Körper-
verletzung (Art. 125 StGB) zum Nachteil der Beschwerdeführerin gestellt. Nur am 
Rande ist festzuhalten, dass aufgrund der vorliegenden Unterlagen auch nicht deut-
lich würde, inwiefern die Beschwerdeführerin aufgrund des Autounfalls tatsächlich 
geschädigt worden sein soll. So wird in der Beschwerde lediglich die Vermutung 
geäussert, dass die Beschwerdeführerin seit dem Unfall wohl an einer posttraumati-
schen Belastungsstörung leide. Wie dem der Beschwerde beigelegten E-Mail-Ver-
kehr vom 2. September 2023 zwischen der Kindsmutter und der behandelnden Psy-
chologin, E.________, entnommen werden kann, ist nach der Einschätzung der The-
rapeutin bei der Beschwerdeführerin aktuell weder von einer spezifischen Phobie 

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(ICD-10 F40.2) noch von einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) 
auszugehen. 

4.5 Nach dem Gesagten hat die Staatsanwaltschaft die Geschädigten- und damit auch 
die Parteistellung der Beschwerdeführerin zu Recht verneint, womit ihr auch kein 
Akteneinsichtsrecht gemäss Art. 101 Abs. 1 und Art. 107 Abs. 1 Bst. a StPO zu 
kommt. 

5. Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet und ist abzuweisen.

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1’200.00, zu bezahlen (Art. 428 Abs. 1 
StPO). Zufolge ihres Unterliegens hat die anwaltlich nicht vertretene Beschwerde-
führerin von vornherein keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Auch der Beschul-
digte ist nicht anwaltlich vertreten. Die ihm entstandenen Aufwendungen sind daher 
als geringfügig zu bezeichnen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 430 Abs. 1 c StPO), wes-
halb ihm keine Entschädigung ausgerichtet wird.

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1'200.00, werden der Be-
schwerdeführerin auferlegt.

3. Entschädigungen werden keine ausgerichtet.

4. Zu eröffnen:
- der Beschwerdeführerin, gesetzlich v.d. C.________ (per Einschreiben)
- dem Beschuldigten (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Staatsanwältin 

F.________ (mit den Akten – per Einschreiben)

Bern, 23. November 2023 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Lienhard

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung ge-
stellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes 
(BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.