# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53bf9ee9-76bd-5499-b7a5-53fc1e154219
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-21
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.2008 sowie Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2008 und 1.1. - 31.12.2009
**Docket/Reference:** DB.2012.238
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2012_238_lu.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2012.238 
1 ST.2012.263 + 264 

Entscheid 

21. Dezember 2012 

Mitwirkend: 

Abteilungsvizepräsident Walter Balsiger,  Steuerrichter Anton Tobler, Steuerrichter 
Michael Ochsner und Gerichtsschreiber Stefan Eichenberger 

In Sachen 

A   A G ,    
Steuergemeinde B,   

vertreten durch PricewaterhouseCoopers AG,  
Birchstrasse 160, 8050 Zürich,  

gegen 

Beschwerdeführerin/
Rekurrentin,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen, 
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.2008 sowie  
Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2008 und 1.1. - 31.12.2009 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  Die  1965  gegründete  C  SA  mit  Sitz  in  Schlieren  (nachfolgend  die  Pflichti-

ge), bezweckt verschiedene Tätigkeiten im Bereich der elektronischen Kommunikation. 

Am 19. Mai 2009 verlegte sie unter Reduktion der operativen Tätigkeiten ihren Sitz von 

Schlieren nach Zug.  Verbunden  mit  einer  Namensänderung  zu  A  AG  erfolgte am  25. 

Mai 2011 eine neuerliche Domizilverlegung nach Zürich.  

Im Veranlagungs- und Einschätzungsverfahren betreffend die Steuerperioden 

1.1.-31.12.2008 und 1.1.-31.12.2009 eröffnete der Steuerkommissär mit Auflagen vom 

6. Oktober 2010 bzw. 3. Februar 2011 eine Untersuchung betreffend die in der Folge 

nicht  streitige  Sitzverlegung  nach  Zug  sowie  in  Bezug  auf  die  marktgerechte  Verzin-

sung  von  bilanzierten  Darlehen  an  nahestehende  Gesellschaften  ("Loans  to  affiliated 

companies") unter dem Blickwinkel der Zinsvorgaben in den diesbezüglichen jährlichen 

Rundschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV).  

Mit  Eingabe  vom  17.  Februar  2011  liess  die  Pflichtige  geltend  machen,  die 

Verzinsung  der  in  Frage  stehenden  Darlehen  sei  nach  dem  "3  bzw.  6  Monate  Libor 

Satz für CHF abzüglich 25 Basispunkten" erfolgt. Die empfangende Gesellschaft habe 

die  Gelder  entweder  am  Kapitalmarkt  angelegt  oder  anderen  Gruppengesellschaften 

weiterverliehen. Damit liege eine marktkonforme Verzinsung vor.  

Letzterem  widersprach der  Steuerkommissär  im  Rahmen  von  Veranlagungs- 

bzw. Einschätzungsvorschlägen vom 27. Juni 2011, in welchen er davon ausging, dass 

die Mindestverzinsung gemäss Rundschreiben der ESTV von 3.25% (2008) bzw. 2.5% 

(2009)  einzuhalten  sei,  was  zur  gewinnseitigen  Aufrechnung  von  geldwerten  Leistun-

gen  im  Umfang  der  entsprechenden  Zinsdifferenzen  führe.  Dabei  wies  er  darauf  hin, 

dass  es  auf  die  Verwendung  der  Gelder  bei  den  Darlehensnehmern  nicht  ankomme. 

Das  Veranlagungsverfahren  betreffend  die  direkte  Bundessteuer  Steuerperiode  1.1.-

31.12.2009  stellte  er  mit  Blick  auf  den  mit  der  Sitzverlegung  in  den  Kanton  Zug  ver-

bundenen Wechsel der Veranlagungskompetenz ein. 

In  ihrer  Stellungnahme  vom  23.  August  2011  liess  die  Pflichtige  erneut  die 

Marktkonformität der streitigen Darlehensverzinsung verfechten und insbesondere gel-

tend machen, dass die von der ESTV festgelegten Zinssätze den  damaligen dramati-

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schen Abwärtstrend der Zinsmärkte nicht widerspiegeln würden. Der LIBOR sei Grund-

lage  für  eine  grosse  Anzahl  von  Finanzmarktgeschäften  und  stelle  als  Referenzsatz 

eine  angemessene  Verzinsung  der  Darlehen sicher.  Erhalten  habe  die Darlehen eine 

in Grossbritannien ansässige Konzernfinanzierungsgesellschaft. Diese habe dabei von 

der  britischen  Steuerbehörde  die  Zustimmung  erhalten,  für  die  Darlehensverzinsung 

den  LIBOR  als  Basiszinssatz  zu  verwenden,  weshalb  die  beabsichtigte  Korrektur  der 

Verzinsung in der Schweiz deshalb auf Konzernebene eine Doppelbesteuerung auslö-

sen würde.  

Mit  Veranlagungsverfügung  (Direkte  Bundessteuer  2008)  bzw.  Einschät-

zungsentscheiden (Staats- und Gemeindesteuer 2008 und 2009) hielt der Steuerkom-

missär  an  der  ungenügenden  Darlehensverzinsung  im  errechneten  Umfang  von 

Fr. 154'033.- (2008: 3.25% auf Darlehen von Fr. 18'050'000.- = Fr. 586'625.-, statt ver-

bucht Fr. 432'592.-) bzw. Fr. 413'155.- (2009: 2.5% auf Darlehen von Fr. 18'000'000.- = 

Fr. 450'000.-, statt verbucht Fr. 36'845.-) fest und setzte die Steuerfaktoren unter Vor-

nahme von entsprechenden Gewinnaufrechnungen wie folgt fest:  

Steuerperiode 1.1.-31.12.2008    Staats- und Gemeindesteuer      Direkte Bundessteuer 

Steuerbarer Reingewinn 

972'000.- 

972'000.- 

Gewinnsteuersatz                                                               8%                                        8.5% 

Fr. 

Fr. 

Steuerbares Eigenkapital 

 11'282'000.- 

Kapitalsteuersatz                                                              0.75‰  

Steuerperiode 1.1.-31.12.2009 

Staats- und Gemeindesteuer 

Steuerbarer Reingewinn Kanton Zürich 

Satzbestimmender Reingewinn 

Fr. 

272'300.- 

705'300.- 

Gewinnsteuersatz                                                                                               8%                                  

Steuerbares Eigenkapital 

Satzbestimmendes Eigenkapital 

4'469'000.- 

  11'575'000.-  

Kapitalsteuersatz                                                                                               0.75‰. 

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B. Die daraufhin am 23. November 2011 erhobenen Einsprachen, mit welchen 

sich die Pflichtige gegen die gewinnseitigen Zinsaufrechnungen wandte, wies das kan-

tonale Steueramt mit Entscheiden vom 9. August 2012 ab.  

C.  Mit Rekurs gegen die beiden die Staats- und Gemeindesteuern betreffen-

den Einspracheentscheide liess die Pflichtige Antrag auf Rücknahme der Zinsaufrech-

nungen bzw. auf Vornahme von deklarationsgemässen Einschätzungen stellen.  

Am 24. September 2012 folgte eine entsprechende Eingabe, welche sich auf 

den  Einspracheentscheid  betreffend  die  direkte  Bundessteuer  bezog;  bezeichnet  als 

"Rekurs" (recte: Beschwerde). 

Das  kantonale  Steueramt  stellte  mit  Vernehmlassung  vom  15.  Oktober  2012 

den Antrag, auf die Beschwerde sei  wegen Verspätung nicht einzutreten und die Re-

kurse seien abzuweisen. Die ESTV liess sich nicht vernehmen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. Die als Rekurs bezeichnete Eingabe der Pflichtige vom 7. September 2012, 

verfasst  von  einer  professionellen  Vertreterin  (PricewaterhouseCoopers  AG  [pwc]), 

richtete  sich  inhaltlich  allein  gegen  den  Einspracheentscheid  vom  9.  August  2012 

betreffend  die  Staats-  und  Gemeindesteuern  1.1.-31.12.2008  und  1.1.-31.12.2009. 

Weil  mit  den  Rekursbeilagen  aber  auch  bundessteuerbezogene  Dokumente  einge-

reicht  worden  waren  (insb.  Einspracheentscheid  betreffend  die  direkte  Bundessteuer 

1.1.-31.12.2008),  nahm  das  Rekursgericht  diese  Eingabe  auch  als  sinngemässe  Be-

schwerde entgegen und eröffnete mit Verfügung vom 18. September 2012 ein auf bei-

de Steuerarten bezogenes Vernehmlassungsverfahren.  Am 24. September 2012 liess 

die Pflichtige daraufhin eine sich inhaltlich nun  explizit gegen die Bundessteuerveran-

lagung  richtende  Eingabe  einreichen,  welche  statt  als  Beschwerde  wiederum  als  Re-

kurs  bezeichnet  war.  Dabei  machte  sie  geltend,  der  diesbezügliche  Einspracheent-

scheid  sei  ihr  nie  formell  korrekt  eröffnet  worden.  Erhalten  habe  sie  am  27.  August 

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2012 allein die entsprechende Steuerrechnung; erst diese habe demnach die 30tägige 

Rechtsmittelfrist ausgelöst.  

Entgegen  der  letzteren  Behauptung  wurde  der  die  direkte  Bundessteuer 

betreffende  Einspracheentscheid  der  Vertreterin  der  Pflichtigen  am  10.  August  2012 

zugestellt (vgl. Sendungsinformationen der Post). Dass in der empfangenen steuerbe-

hördlichen  Sendung  auch  der  bundessteuerbezogene  Einspracheentscheid  enthalten 

war,  ergibt  sich  daraus,  dass  dieser  dem  Rekurs  vom  7.  September 2012  beigelegt 

worden war. Unter diesen Umständen qualifiziert die nachträgliche ("Rekurs") Eingabe 

vom 24. September 2012 als verspätete Beschwerde und ist darauf nicht einzutreten. 

Indes hat nun aber das Rekursgericht bereits die innert der 30tägigen Rechtsmittelfrist 

eingegangene Rekurseingabe vom 7. September 2012 aufgrund der für beide Steuer-

arten  beigelegten  Einspracheentscheide  auch  als  sinngemässe  Beschwerde  entge-

gengenommen, was aufgrund der Tatsache, dass die Pflichtige durch die pwc vertreten 

ist,  wohlwollend  war  und  allenfalls  ein  Nachfragen  bei  der  Pflichtigen  nach  dem  Be-

schwerdewillen erheischt hätte. Dieser ersten Eingabe nun im Nachhinein aufgrund der 

nachträglich  eingereichten  separaten  Beschwerdeeingabe  die  Qualifikation  als  sinn-

gemässe Beschwerde wieder abzusprechen, um alsdann auf die nachträgliche Einga-

be  wegen  Verspätung  nicht  einzutreten,  wäre  überspitzt  formalistisch.  Kommt  hinzu, 

dass die Angelegenheit im Bereich der Staats- und Gemeindesteuern ohnehin materiell 

zu behandeln ist und der Pflichtigen – wie sich im Folgenden ergibt – auf diesem mate-

riellen Weg kein Erfolg beschieden  ist.  Unter  diesen Umständen  rechtfertigt  sich  eine 

formelle Beschwerdeerledigung auch mit Blick auf einen möglichen Weiterzug der Sa-

che an das Verwaltungsgericht nicht.  

2. a) Der steuerbare Reingewinn der juristischen Personen setzt sich gemäss 

Art.  58  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14.  Dezem-

ber 1990 (DBG) bzw. § 64 Abs. 1 Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) zusammen 

aus  dem  Saldo  der  Erfolgsrechnung  unter  Berücksichtigung  des  Saldovortrags  des 

Vorjahres  (lit.  a  bzw.  Ziff.  1)  sowie  allen  vor  Berechnung  des  Saldos  der  Erfolgsrech-

nung  ausgeschiedenen  Teilen  des  Geschäftsergebnisses,  die  nicht  zur  Deckung  von 

geschäftsmässig  begründetem  Aufwand  verwendet  werden  (lit.  b  bzw.  Ziff.  2).  Zum 

steuerbaren  Reingewinn  gehören  namentlich  offene  und  verdeckte  Gewinnausschüt-

tungen  an  die  Anteilsinhaber  oder  ihnen  nahestehende  Dritte,  die  einem  Aussen-

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stehenden  nicht  oder  zumindest  nicht  im  gleichen  Masse  gewährt  würden  (lit.  b  bzw. 

Ziff. 2 lit. e).  

b)  Verdeckte  Gewinnausschüttungen  sind  nach  der  Rechtsprechung  immer 

dann  anzunehmen,  wenn  (kumulativ)  die  Gesellschaft  keine  oder  keine  gleichwertige 

Gegenleistung  erhält,  der  Aktionär  direkt  oder  indirekt  (z.B.  über  eine  ihm  nahe  ste-

hende  Person  oder  Unternehmung)  einen  Vorteil  erhält,  der  einem  Dritten  unter  glei-

chen Bedingungen nicht zugebilligt worden wäre, die Leistung also insofern ungewöhn-

lich ist, und der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war 

(BGr,  1.  September  2009,  2C_265/2009;  BGE  131  II  593;  BGr,  22.  Juni  2007, 

2A.204/2006; 19. November 2003, 2A.204/2006, auch zum Folgenden). Als geldwerte 

Leistungen  gelten  insbesondere  Ertragsverzichte  zugunsten  des  Aktionärs  oder  einer 

ihm  nahe  stehenden  Person.  Diese  Form  der  geldwerten  Leistung  wird  als  "Gewinn-

vorwegnahme" bezeichnet und liegt vor, wenn die Gesellschaft auf ihr zustehende Ein-

nahmen  ganz  oder  teilweise  verzichtet  und  die  entsprechenden  Erträge  direkt  dem 

Aktionär oder diesem nahestehenden Personen zufliessen bzw. wenn diese nicht jene 

Gegenleistung erbringen, welche die Gesellschaft von einem unbeteiligten Dritten for-

dern würde (BGr, 13. Oktober 2008, 2C_335/2008). 

c) Ob eine Leistung der Gesellschaft an den Inhaber von Beteiligungsrechten 

gerade wegen seiner Eigenschaft als Beteiligter erfolgt ist und einem Dritten nicht er-

bracht worden wäre, sodass sie als eine für jenen steuerbare Zuwendung gelten muss, 

bestimmt  sich  anhand  eines  Drittvergleichs.  Dabei  sind  alle  konkreten  Umstände  des 

zwischen der  Gesellschaft  und  dem  Anteilseigner  abgeschlossenen  Geschäfts  zu be-

rücksichtigen,  und  es  muss  davon  ausgehend  bestimmt  werden,  ob  das  Geschäft  in 

gleicher  Weise  mit  einem  der  Gesellschaft  nicht  Verbundenen  auch  abgeschlossen 

worden wäre (BGr, 10. November 2000 = StE 2001 B 24.4 Nr. 58 sowie ASA 66, 554 

und  559).  Rechtsgeschäfte  zwischen  Gesellschafter  und  Gesellschaft  führen  in  der 

Regel  nur  dann  zu  einer  verdeckten  Gewinnausschüttung,  wenn  zwischen  Leistung 

und  Gegenleistung  ein  offenkundiges  Missverhältnis  zugunsten  des  Gesellschafters 

und  zulasten  der  Gesellschaft  besteht.  Bloss  ungeschickte  Dispositionen,  denen  das 

Merkmal  der  bewussten  Vorteilszuwendung  fehlt,  können zwar  für  die Unternehmung 

nachteilig sein, ja eine Entreicherung derselben darstellen. Sie sind indessen steuerlich 

nicht zu erfassen, denn die Gesellschaft darf nur für wirklich erzielte Gewinne und nicht 

für  geschäftliche  Ungeschicktheiten  ihrer  Leitung  besteuert  werden  (Reimann/Zup-

pinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, Band 3, 1969, § 45 N 75). Die 

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Gegenleistung  muss  der  Leistung  der  Gesellschaft  in  einem  solchen  Ausmass  nicht 

entsprechen, dass die Gesellschaft von unbeteiligten Dritten in jedem Fall eine höhere 

Gegenleistung verlangen würde und dies nach den Marktverhältnissen auch tun könnte 

(Brülisauer/Poltera, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 

2008,  Art.  58  N  99  DBG  mit  Hinweis  auf  BGr,  26.  November  1981  =  ASA  51,  538  = 

StR 1983, 285). 

d)  Eine  geldwerte  Leistung  im  vorstehenden  Sinn  liegt  nach  dem  Gesagten 

also auch vor, wenn die Pflichtige einer nahestehenden Gesellschaft ein Darlehen ge-

währt  hat,  ohne  dabei  eine  im  Drittvergleich übliche  und damit  marktgerechte Verzin-

sung zu verlangen.  

e)  Zur  Vereinfachung  des  Drittvergleichs  hat  die ESTV  in verschiedenen  Be-

reichen Richtlinien aufgestellt, so auch in Bezug auf Zinsen für Darlehen an Beteiligte 

und von Beteiligten. Diesbezüglich publiziert sie jährlich am 1. Februar ein Rundschrei-

ben  betreffend  steuerlich  anerkannter  Zinssätze  für  Darlehen  in  Schweizer  Franken 

und anfangs April auch ein solches für Darlehen in Fremdwährungen.  

aa) Beide Rundschreiben unterscheiden zwischen Darlehen an Beteiligte so-

wie  Darlehen  von  Beteiligten.  Während  das  Rundschreiben  betreffend  Zinssätze  für 

Darlehen  in  Schweizer  Franken  zwischen  Mindest-  und  Höchstzinssätzen  unterschei-

det,  verwendet  das  Rundschreiben  bei  den Zinssätzen  im  Zusammenhang  mit  Darle-

hen  in  Fremdwährungen  lediglich  die  Formulierung,  dass  die  publizierten  Zinssätze 

unter dem Aspekt einer "angemessenen Verzinsung" anzusehen seien. Weitere mate-

rielle  Unterschiede  zwischen  den  beiden  Rundschreiben  bestehen  darin,  dass  nur  im 

Rundschreiben  für  Darlehen  in  Fremdwährungen  explizit  darauf  hingewiesen  wird, 

dass  es  sich  bei  den  Zinssätzen  um  eine  "Safe  Haven"-Lösung  handle  und  der  ent-

sprechende  Nachweis  des  Drittvergleichs  durch  den  Steuerpflichtigen  vorbehalten 

bleibe.  

bb) Diese jährlichen Rundschreiben der ESTV haben keinen Gesetzescharak-

ter, sondern gelten als Verwaltungsverordnungen bzw. administrative Weisung an die 

kantonalen Steuerverwaltungen für die Veranlagung der direkten Bundessteuer. In der 

Einschätzungspraxis  betreffend  die  Staats-  und  Gemeindesteuern  stellen  die  Steuer-

behörden  ebenfalls  darauf  ab  (vgl.  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar 

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zum DBG, 2. A., 2009, Art.  58 N 124 DBG und Kommentar zum harmonisierten Zür-

cher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 64  N 153  StG).  

Für  die  im  vorliegenden Fall  betroffenen  Darlehen  an  Beteiligte in Schweizer 

Franken  schreiben  die  ESTV-Rundschreiben  2008  und  2009  einen  Mindestzins  von 

3.25%  bzw.  2.5%  vor,  soweit  die  darlehensgebende  Gesellschaft  die  Darlehen  aus 

Eigenkapital finanziert. Bei  aus  Fremdkapital finanzierten  Darlehen gelten diese  Zins-

sätze  als  Mindestansatz;  im  Übrigen  errechnen  sich  die  Mindestzinssätze  aus  den 

Selbstkosten  und  einem  Zuschlag  von  0.50%  (Darlehen  bis  Fr.  10  Mio.)  bzw.  0.25% 

(Darlehen über Fr. 10 Mio.).  

cc) Wird die von der ESTV vorgegebene Verzinsung von Darlehen an Beteilig-

te unterschritten, qualifiziert gemäss Rundschreiben die Differenz zwischen dem effek-

tiven Zinsertrag und dem höheren Minimalzinsertrag als geldwerte Leistung.  

Wie bereits erwähnt, lässt dabei lediglich das Rundschreiben zu den Darlehen 

in Fremdwährungen die Möglichkeit des Nachweises eines anders lautenden Drittver-

gleichs  explizit  zu;  gelingt  der  Nachweis,  sind  abweichende  Zinssätze  möglich.  Das 

Rundschreiben zu den Darlehen in Schweizer Franken äussert sich demgegenüber zur 

Möglichkeit  des  Drittvergleichs  bzw.  der  Abweichung  von  den  publizierten  Zinssätzen 

nicht.  Das  Verwaltungsgericht  des  Kantons  Graubünden  ging  jedoch  in  einem  Ent-

scheid vom 28. August 2002 (GRU A 02 38, publ. in ZGRG 22, 2003, H.1, 32-34) ge-

nerell  davon  aus,  dass  beide  Rundschreiben  nicht  schematisch  angewendet  werden 

dürfen,  sondern  dass  eine  einzelfallbezogene  Anwendung  der  Richtlinie  zu  erfolgen 

hat,  d.h.  dass  im  konkreten  Fall  ein  individueller  Drittvergleich  vorgenommen  werden 

soll, sofern sich eine zu überprüfende Leistung nicht innerhalb der Richtlinien bewege. 

Dabei  unterschied  das  Gericht  nicht  zwischen  Darlehen  in  Fremdwährungen  und  sol-

chen  in  Schweizer  Franken.  Ähnlich  argumentierte  das  Bundesgericht  in  einem  Ent-

scheid vom 20. Juni 2005 (2A.355/2004), in welchem es generell auf den Drittvergleich 

im Rahmen von Konzernverhältnissen pochte und dabei die Anwendung der publizier-

ten Zinssätze zwar keiner Würdigung unterzog, indes auch darauf hinwies, dass einer 

gewissen  Bandbreite  bei  der  Festlegung  der  Verzinsung  (allein  schon  aufgrund  des 

Spreads zwischen Aktiv- und Passivzinssätzen)  Rechnung zu tragen  sei. Auch in der 

Lehre wird unter Verweis auf die vorerwähnten Urteile die Ansicht vertreten, dass eine 

einzelfallbezogene  Anwendung  der  ESTV-Richtlinien  zu  erfolgen  hat;  wenn  sich  also 

eine  zu überprüfende  Leistung  nicht  innerhalb der  ESTV-Richtlinien  bewegt, muss im 

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konkreten Fall ein individueller Drittvergleich vorgenommen werden (vgl. zum Ganzen; 

Vock/Nef, Die Problematik der Bestimmungen von Zinssätzen im Konzernverhältnis  – 

national und international; StR 2008, 269; Brülisauer/Poltera, Art. 58 N 104).  

Insgesamt ist mithin davon auszugehen, dass der Nachweis eines marktmäs-

sigen Verhaltens auch im Fall von Darlehen an Beteiligte in Schweizer Franken zuläs-

sig ist; bei den diesbezüglich von der ESTV vorgegeben Mindest- bzw. Höchstzinssät-

zen handelt es sich dementsprechend ebenfalls um "Safe Haven"-Zinssätze.  

dd) Damit stellt sich die Frage, wie der  Nachweis des Steuerpflichtigen einer 

gegenüber  den  ESTV-Zinssätzen  abweichenden  Festlegung  der  Zinssätze  auszuse-

hen hat.  

Mit Blick auf das Fehlen von entsprechenden Hinweisen in den Gesetzesnor-

men  und  den  Verwaltungsanweisungen  der  ESTV  werden  in  der  Praxis  die  von  der 

OECD  aufgestellten  allgemeinen  Grundsätze  des  Drittvergleichs  entsprechend  ange-

wendet (Brülisauer/Poltera, Art. 58 N 98). Geht es dabei um Zinsen, kann der Drittver-

gleich  beispielsweise  mittels  einer  unabhängigen  und  konkreten  Bankofferte  erbracht 

werden  (Vock/Nef,  270f.  mit  Hinweisen,  auch  zum  Folgenden).  Beim  Nachweis  der 

Marktkonformität  der  angewandten  Zinssätze  kann  sodann  die  Höhe  der  Zinssätze 

nicht  losgelöst  bzw.  ohne  Einbezug  der  Darlehensgewährung  als  solche  betrachtet 

werden. Regelmässig stellt sich im Zeitpunkt der Darlehensgewährung zwischen betei-

ligten Gesellschaften eine ganze Reihe von Fragen - etwa ob die Darlehensgewährung 

durch  den  statutarischen  Zweck  abgedeckt  ist,  ob  die  Gesellschaft  ein  zu  grosses 

Klumpenrisiko eingeht oder ob die Darlehenshingabe im Zusammenhang mit der Ver-

wendung des Darlehens in einem weiteren Sinn im Interesse der Gesellschaft liegt, die 

Bonität des Schuldners wie auch die Rückzahlung (Liquidität, Laufzeit des Darlehens) 

gewährleistet  ist,  und  weitere  mehr.  Die  Beantwortung  dieser  Fragen  und  einherge-

hend  der  Darlehensentscheid  der  Gesellschaft  an sich stellt  aus  Sicht  der  gewähren-

den  Gesellschaft  immer  auch  einen  unternehmerischen  Entscheid  dar,  der  von  den 

Steuerbehörden  mit  Zurückhaltung  zu  überprüfen 

ist 

(VGr,  10.  Mai  2006, 

SB.2006.00008; Brülisauer/Poltera, Art 58 N 51).  

Sofern man im Drittvergleich auf die Prozesse der Kreditgewährung bei Ban-

ken zurückgreift, erfolgt eine erste Triage über die Laufzeit (kurzfristige Kredite zur Fi-

nanzierung des Umlaufvermögens/langfristige Investitionskredite zur Finanzierung des 

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Anlagevermögens),  was  sich  sodann  ebenfalls  in  der  Zinshöhe  der  Angebote  nieder-

schlägt  (BGr,  20.  Juni  2005,  2A.355/2004).  Die  Höhe  des  Zinssatzes  hängt  sodann 

vom zugrunde liegenden Marktzins zur Refinanzierung risikoarmer Kredite ab, so etwa 

von den LIBOR-Sätzen (LIBOR = London Interbank Offered Rate = Marktzinssatz, zu 

dem sich erstklassige Banken in London gegenseitig kurzfristige Gelder ausleihen) für 

Laufzeiten  unter  12  Monaten  oder  von  Swap-Sätzen  (Interbanken-Zinssatz)  für  Lauf-

zeiten von mehr als 1 Jahr (Vock/Nef, 272, auch zum Folgenden). Das Bundesgericht 

stellte im vorgenannten Entscheid vom 20. Juni 2005 bei der Festlegung des Zinssat-

zes für langfristige Darlehen in USD auf die Zinssätze von US-Obligationen ab. Für die 

Bestimmung des von ihr angewendeten Zinssatzes für die Berechnung der geldwerten 

Leistung im zu beurteilenden Fall stützte  es sich auf die im Wall Street Journal publi-

zierten  Zinssätze  zu  Beginn  des  Jahres.  Aus  letzterem  Entscheid leiten  Vock/Nef  ab, 

dass  einerseits  an  den Nachweis  des  Drittvergleichs  keine  allzu  grossen  Anforderun-

gen gestellt werden dürften und andererseits bei der Zinssatzbestimmung durchaus auf 

die  allgemein  publizierten  Finanzinformationen  von  renommierten  Fachzeitungen/-

zeitschriften  abgestellt  werden  dürfe;  mitunter  reichten  solche  Referenzierungen  für 

den Drittvergleich demnach bereits aus. 

Bekanntermassen kalkulieren Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen 

auf  den  Marktzinssatz  (LIBOR/Swap)  einen  Zuschlag  für  Risiko-,  Eigenkapital-  und 

Betriebskosten sowie die Gewinnmarge. Dieser Zuschlag wird in Basispunkten (1 Ba-

sispunkt = 0,01%) oder landläufig in Prozenten angegeben. Er hängt primär vom Risiko 

des  Schuldners  (Bonitätsrating),  der  Kredithöhe und von  den gebotenen  Sicherheiten 

ab.  Als  Basis  nehmen  die  Banken  dazu  finanzielle  und  nichtfinanzielle  Faktoren  des 

Unternehmens und stufen die Risiken danach mittels Rating ab (Vock/Nef, 272).  

3.  a)  Im  vorliegenden  Fall  gewährte  die  Pflichtige  ihrer  Beteiligten  per  2008 

aus Eigenkapital Darlehen von durchschnittlich Fr. 18'050'000.-; der diesbezüglich ver-

buchte  Zinsertrag  beläuft  sich  auf  Fr.  432'592.-,  was  einem  Zinssatz  von  rund  2.40% 

entspricht.  Per  2009  betrug  der  Zinsertrag  auf  den  annähernd gleich  hohen  Darlehen 

von  durchschnittlich  Fr.  18  Mio.  nur  noch  Fr.  36'845.-,  woraus  sich  ein  Zinssatz  von 

rund 0.20% errechnet. Die Referenz-Zinssätze der ESTV betrugen zu dieser Zeit dem-

gegenüber  3.25%  (2008)  bzw.  2.5%  (2009),  was  zu  Zinserträgen  von  Fr.  586'625.- 

(2008) bzw. Fr. 450'000.- (2009) geführt hätte. Im Umfang der entsprechenden Zinsdif-

ferenzen errechnen sich damit die von der Steuerbehörde aufgerechneten geldwerten 

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Leistungen in der Höhe von Fr. 154'033.- (2008) bzw. Fr. 413'155.- (2009). Insoweit ist 

die Ausgangslage in quantitativer Hinsicht unbestritten.  

Zu  prüfen  bleibt,  ob  die  Pflichtige  den  Nachweis  erbracht  hat,  dass  die  im 

streitbetroffenen  Beteiligungsverhältnis  angewandte  Darlehensverzinsung,  welche  die 

"Save Haven"-Verzinsung der ESTV unterschritten hat, im Rahmen einer Einzelfallbe-

trachtung gleichwohl einem Drittvergleich standhält.  

b)  aa)  Im  Veranlagungs-  und  Einschätzungsverfahren  wies  die  Pflichtige  im 

Schreiben  vom  17.  Februar  2011  zunächst  darauf  hin,  dass  es  sich  beim  fraglichen 

Darlehen  nicht  um  ein  festes  Darlehen  gehandelt  habe,  welches  über  das  gesamte 

Kalenderjahr unverändert geblieben sei. Per 2008 sei die Verzinsung von 2.32% nach 

dem "3 bzw. 6 Monate Libor Satz für CHF abzüglich 25 Basispunkten" erfolgt. Die Gel-

der seien von der empfangenden Gesellschaft entweder am Kapitalmarkt wieder ange-

legt oder anderen Gruppengesellschaften weiterverliehen worden.  

bb) In der weiteren Eingabe vom 23. August 2011 wurde alsdann die nachste-

hende Übersicht eingereicht:  

CHF LIBOR    LIBOR-Datum       Beginn 
  2.7933% 
  2.5400% 
  2.7200% 
  2.4750%   
  2.5950% 
  2.7800% 
  0.6833% 
  0.5050% 
  0.4017% 
  0.3383% 
  0.2517% 

12.12.2007  
19.03.2008 
17.04.2008 
18.06.2008 
17.07.2008 
25.09.2008 
18.12.2008 
26.02.2009 
28.05.2009 
27.08.2009 
27.11.2009 

20.12.2007  28.03.2008  18'100'000.00 
28.03.2008  24.04.2008  17'400'000.00 
24.04.2008  26.06.2008  16'900'000.00 
26.06.2008  24.07.2008  17'300'000.00 
24.07.2008  25.09.2008  17'700'000.00 
25.09.2008  18.12.2008  19'100'000.00 
18.12.2008  26.02.2009  19'200'000.00 
26.02.2009  28.05.2009  18'700'000.00 
28.05.2009  27.08.2009  18'800'000.00 
27.08.2009  27.11.2009  19'300'000.00 
27.11.2009  25.02.2010  18'800'000.00 

  Fälligkeit      Darlenssumme (CHF)  Dauer   vereinbarter Zins 
2.5433% 
2.2900% 
2.4717% 
2.2250% 
2.3458%   
2.5300%  
0.4333% 
0.2550% 
0.1517% 
0.0883%   
0.0033% 

    3 M 
    1 M 
    2 M 
    1 M 
    2 M 
    3 M 
    2 M 
    3 M 
    3 M 
    3 M 
    3 M 

Dieser detaillierten Übersicht  ist zu entnehmen, dass der Darlehensnehmerin 

– bezeichnet nunmehr als Konzernfinanzierungsgesellschaft – in den streitbetroffenen 

Geschäftsjahren  2008  und  2009  unter  dem  Jahr  leicht  variierende  Darlehenssummen 

jeweils für ein, zwei oder drei Monate zur Verfügung gestellt wurden. Nach Ablauf der 

kurzen  Laufzeiten  erfolgte  jeweils  umgehend  die  Erneuerung,  wobei  der  Zinssatz  je-

weils angepasst wurde; letzteres basierend auf dem CHF-LIBOR abzüglich eines Ein-

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schlags  von  25  Basispunkten  bzw.  0.25%,  welchen  die  Konzernfinanzierungsgesell-

schaft der Pflichtigen weitergereicht habe.  

Weiter wurde ausgeführt, dass die von der ESTV in den Rundschreiben vom 

Februar eines jeden Jahres festgelegten Zinssätze den dramatischen Abwärtstrend der 

Märkte  nicht  widerspiegelten.  Das  zeige  beispielhaft  auch  die  für  das  Kalenderjahr 

2010 vorgegebene Verzinsung von 2.25%, in welchem Jahr sich die Zinssätze für ein- 

bis dreimonatige Geldanlagen zwischen negativer Verzinsung und maximal 0.03% be-

wegt hätten. Letzteres belegten die damals von der der Treasury der A AG bei Banken 

per Email eingeholten Zinsofferten.  

cc) In  der  Einsprache  liess die  Pflichtige unter  Verweis  auf  die  vorstehenden 

Ausführungen  geltend  machen,  dass  die  Mindestzinssätze  der  ESTV  von  3.25%  

(2008) zw. 2.5% (2009) damals am Markt nicht realisierbar gewesen seien. Ihre Abklä-

rungen  bei  unabhängigen  Banken  hätten  ergeben,  dass  etwa  für  das  im  Septem-

ber 2008 gewährte zweimonatige (recte: dreimonatige) Darlehen ein Zins von ca. 2.4% 

und für das im Mai 2009 gewährte dreimonatige Darlehen ein solcher von 0.3% zu er-

zielen  gewesen  sei.  Die  zur  damaligen  Zeit  von  unabhängigen  Banken  gewährten 

Zinssätze für kurzfristige Kapitalanlagen hätten damit also wesentlich tiefer gelegen als 

die  Mindestzinssätze  der  ESTV.  Damit  sei  im  konkreten  Fall  der  Nachweis  erbracht, 

dass  die  von  der  Steuerbehörde  angewandten  ESTV-Zinssätze  dem  Drittvergleich 

nicht  standhielten.  Im  Übrigen  sei  bekannt,  dass  im  Zug  der  Finanzkrise  im 

Herbst 2008  die  Zinssätze  für  Kapitalanlagen  in  Schweizer  Franken  dramatisch  ein-

gebrochen seien. So sei der 3-Monats-LIBOR von  Mitte 2008 bis  März 2009 von fast 

3.0%  auf  ca.  0.5%  gefallen;  damit  sei  auch  das  gesamte  Zinsniveau  um  

ca. 2.5%-Punkte gesunken. 

dd) Die Vorinstanz erwog in den angefochtenen Einspracheentscheiden, dass 

es  für  ein  Abweichen  von  den  Mindestzinssätzen  der  ESTV  nicht  genüge,  darauf  zu 

verweisen,  dass  die  konkrete  Marktsituation  Änderungen  rechtfertige.  Die  Pflichtige 

habe  ihrer  Beteiligten  schon  seit  einigen  Jahren  Darlehen  in  der  hier  zur  Diskussion 

stehenden  Höhe  gewährt.  Dies  lasse  klarerweise  auf  eine  langfristige  Darlehensge-

währung  schliessen.  Aufgrund  der  allgemeinen  Anlagerichtlinien,  wonach  langfristige 

Anlagen auch langfristig finanziert werden müssten, erweise sich das Abstellen auf den 

äussert  kurzfristigen  Zinssatz  des  CH-LIBOR  –  und  dies  zudem  noch  mit  einem  Ein-

schlag  zugunsten  des  Darlehensnehmers  –  als  der  Sachlage  nicht  angemessen. 

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Ebensowenig angemessen sei es, wenn hier offenbar der Darlehensnehmer die Darle-

henskonditionen  bestimmt  und  das  Risiko  eines  kurzfristigen  Zinseinbruchs  an  den 

Darlehensgeber  weitergereicht  habe.  Erklärungen,  wo  und  wie  die  Konzernfinanzie-

rungsgesellschaft  die  Gelder  angelegt  habe,  seien  passenderweise  nicht  abgegeben 

worden. Die von der Pflichtigen angewandte LIBOR-Verzinsung sei aber auch aus an-

deren  Gründen  nicht  angemessen.  In  der  Zeit  der  Finanzkrise  sei  infolge  gegenseiti-

gem Vertrauensverlust diese von den Banken selbst bestimmte Grösse zum Angebot 

und zur Aufnahme von Geldern bei anderen Banken nämlich stark beeinflusst bzw. gar 

manipuliert worden. Die Pflichtige besitze im Übrigen keine Banklizenz, mit welcher sie 

aufgrund  der  zahlreichen  Sicherheiten  und  Gewährleistungen  als  solvent  einzustufen 

wäre  und  kurzfristig  Gelder  an  andere  Banken  oder  von  anderen  Banken  ausleihen 

könnte.  Der  LIBOR-Zinssatz  wäre  deshalb  –  wenn  überhaupt  –  nur  dann  ein  Ver-

gleichswert im Sinn des Steuerrechts, wenn sowohl der Darlehensgeber als auch der 

Darlehensnehmer  Banken  wären.  Im  Gegensatz  dazu  zeige  sich,  dass  insbesondere 

mittel-  bis  langfristige  Unternehmensanleihen  am  Markt  einen  sehr  hohen  Zins  erfor-

derten, damit unabhängige Dritte unter Inkaufnahme des Ausfalls- und Inflationsrisikos 

bereit seien, einem Unternehmen Geld zu leihen. Die führe zum Schluss, dass die an 

sich immer noch niedrigen Referenzzinssätze der ESTV mit Blick auf den Drittvergleich 

sehr wohl einen sachgerechten "Save Haven" darstellten. Anzufügen bleibe, dass auch 

bei kurzfristigen Zinsanstiegen an den Zinssätzen der ESTV festgehalten werde.  

ee)  Beschwerde-  und  rekursweise  lässt  die  Pflichtige  anführen,  wenn  eine 

Gruppengesellschaft einer anderen Gruppengesellschaft ein Darlehen gewähre, in der 

Regel  kein  direkter  Nachweis  einer  marktkonformen  Verzinsung  unter  unabhängigen 

Dritten möglich sei; ein solcher würde nämlich das Einholen einer nicht ernst gemein-

ten Anlageofferte bei einer unabhängigen Geschäftsbank bedingen, was nicht opportun 

erscheine. Der Nachweis müsse daher auch indirekt möglich sein. Eine wichtige Grös-

se  für  die  Festlegung  von  Zinssätzen  stelle  unter  diesen  Umständen  der  LIBOR  dar. 

Auch  wenn  dieser  in  erster  Linie  für  die  Geldausleihe  zwischen  Banken  massgebend 

sei, habe er doch entscheidenden Einfluss auf sämtliche Zinsen. So sei beispielsweise 

bekannt, dass Geschäftsbanken an den LIBOR geknöpfte Hypotheken gewährten. Die 

Kritik  der  Einsprachebehörde  am  LIBOR  sei  unberechtigt,  denn  die  Höhe  des  

CHF-LIBOR  sei  vorab  von  der  Geldpolitik  der  Nationalbank  abhängig.  Ob  vorliegend 

eine verdeckte Gewinnausschüttung infolge zu tiefer Verzinsung eines Aktivdarlehens 

vorliege, sei sodann allein aus Sicht des steuerpflichtigen Gläubigers zu beurteilen. Als 

Alternative  zur  Geldanlage  bei  einer  Gruppenfinanzierungsgesellschaft  komme  in  der 

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Praxis  nur  die  Geldanlage  bei  einer  solventen  Geschäftsbank  in  Frage.  Ein  höherer 

Zinssatz als bei einer solchen Anlage sei im Fall einer Anlage bei einer Gruppenfinan-

zierungsgesellschaft nur dann gerechtfertigt, wenn dort ein wesentlich höheres Ausfall-

risiko  bestünde.  Um  dies  beurteilen  zu  können,  müsste  eine  aufwändige  Transferpri-

cing-Studie in Auftrag gegeben werden, was bei den vorliegenden Darlehenssummen 

unverhältnismässig  wäre.  Die  Vorinstanz  mache  im  Übrigen  nicht  geltend,  dass  das 

Risikoprofil  der gruppeninternen  Finanzierungsgesellschaft  höher  gewesen  sei  als  bei 

einer Geschäftsbank. Damit erübrige sich ein Zinsaufschlag. Entgegen der Auffassung 

der Einsprachebehörde könne schliesslich nicht verlangt werden, dass sie, die Pflichti-

ge, das Geld langfristig hätte anlegen müssen. Wenn sie sich aus geschäftspolitischen 

Gründen  entschieden  habe,  Gelder kurzfristig  anzulegen,  so  sei  dies  von  der  Steuer-

behörde nicht zu hinterfragen. Mit dem Argument, dass es im Nachhinein noch bessere 

Geldanlagen  gegeben  hätte,  könnte  ansonsten  praktisch  jeder  Zinssatz  in  Frage  ge-

stellt werden. Im Kontext einer verdeckten Gewinnausschüttung könne es sodann nicht 

darum  gehen,  ob  am  Markt  auch  ein  um  ¼%  höher  Zins  zu  erzielen  gewesen  wäre; 

eine Gewinnausschüttung läge nämlich nur vor, wenn die tatsächlich festgelegten Zin-

sen offenkundig und für die Gesellschaftsorgane erkennbar unter den Marktzinsen ge-

legen  hätten,  was  hier  nicht  der  Fall  sei.  Dies  zeige  der  erstellte  Vergleich  zwischen 

den in concreto angewandten Zinssätzen und den LIBOR-Zinssätzen sowie auch den 

Depositenzinssätzen. Beim Depositenzinssatz handle es sich um denjenigen Zinssatz, 

welcher einem Unternehmen für Geld gewährt werde, welche es einer Geschäftsbank 

überwiegend  zum  Zweck  der  Gewährung  von  Betriebskrediten  an  andere  Unterneh-

men  zur  Verfügung  stellt;  veröffentlicht  würden diese  u.a.  von  Bloomberg.  Vorliegend 

habe die Pflichtige das Geld nicht einer Bank, sondern einer Gruppenfinanzierungsge-

sellschaft zur Verfügung gestellt, welche ihrerseits das Geld in Form von Betriebskredi-

ten  an  andere  Gruppengesellschaften  weitergereicht  habe.  Für  einen  Drittvergleich 

unter gleichen  Umständen,  wie  Laufzeit  und Verwendungszweck,  sei  mithin  auch  der 

Depositensatz eine relevante Vergleichsgrösse.  

c) Wie bereits ausgeführt, bilden im Rahmen des Drittvergleichs die Marktzin-

se  zur  Refinanzierung  risikoarmer  Kredite,  wie  etwa  der  LIBOR  für  Laufzeiten  unter  

12 Monaten oder der SWAP für Laufzeiten von mehr als 1 Jahr durchaus sachgerechte 

Referenzgrössen. So bilden diese Sätze bekanntermassen etwa auch Basis für kürzer- 

und  längerfristige  Hypotheken,  welche  mit  Blick  auf  die  Grundpfandverschreibung 

ebenfalls dem risikoarmen Anlagebereich zuzuordnen sind. 

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aa) Wählt  man  in  Bezug  kurzfristige  Referenz-Zinssätze  den  3-Monats-CHF-

LIBOR, zeigt sich, dass dieser anfangs 2008 noch bei 2.75% lag; anfangs 2009 betrug 

er nach dem Zinsabsturz per Ende 2008 gerade noch rund 0.65%: 

(Quelle: http://forexautomaton.com/resources/64-libor-charts/3911-chf-libor-historical-charts-all-terms)  

Beim  CHF-SWAP-Satz  betrugen  die  Zinssätze  für  beispielsweise  3-  bis 

5-jährigen Laufzeiten per Anfang 2008 zwischen 2.9% und 3.02% und per Anfang 2009 

zwischen 1.68% und 2.14%: 

Indicative average SWAP rates in CHF:  

Date 

1 Y 

2 Y 

3 Y 

4 Y 

5 Y 

6 Y 

7 Y 

8 Y 

9 Y 

10 Y 

  03.01.2008 

2.81 

2.87 

2.90 

2.96 

3.02 

3.08 

3.13 

3.18 

3.24 

3.29 

Date 

1 Y 

2 Y 

3 Y 

4 Y 

5 Y 

6 Y 

7 Y 

8 Y 

9 Y 

10 Y 

  05.01.2009 

1.19 

1.40 

1.68 

1.91 

2.14 

2.33 

2.47 

2.59 

2.69 

2.78 

 (Quelle: http://ubs.leasegate.com/swap_det.asp?offset=1240&ID_swap) 

Damit  zeigt  sich  zunächst,  dass  bei  den  längeren Laufzeiten  der  Zinsabsturz 

per Ende 2008 weniger dramatisch war.  

bb)  Lagen  die  Referenzsätze  der  ESTV  für  CHF-Darlehen  an  Beteiligte  per 

Anfang 2008 bei 3.25% und per Anfang 2009 bei 2.5%, so ergibt der Vergleich mit den 

vorerwähnten kurz- und langfristigen Marktzinsen  (LIBOR/Swap), dass sich die ESTV 

bei  der  Festlegung  der  Zinssätze  an  langfristigen  Geldanlagen  orientiert.  Im  Rund-

schreiben der ESTV betreffend die Zinssätze für Darlehen an Beteiligte in Fremdwäh-

rungen wird denn auch explizit darauf hingewiesen, dass die publizierten Zinssätze auf 

der Rendite von langfristigen Anlagen wie Industrieobligationen basierten. Im knapper 

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gefassten, auf die Darlehen in Schweizer Franken bezogenen Rundschreiben, welches 

im  vorliegenden  Fall  anwendbar  ist,  fehlt  ein  entsprechender  expliziter  Hinweis,  doch 

ist  evident,  dass  auch  diesbezüglich  die  Rendite  langfristiger  Anlagen  Basis  für  die 

publizierten Zinssätze bildet.  

cc) Bei dieser Lage der Dinge lässt sich zunächst sagen, dass, soweit es um 

den  längerfristigen  Geldverleih  unter  Beteiligten  geht,  die  Referenzsätze  der  ESTV 

jedenfalls  nicht  mit  dem  blossen  Verweis  auf  langfristig  ausgerichtete  Marktzinssätze 

wie dem CHF-SWAP umgestossen werden können. Denn der Zinsvergleich zeigt, dass 

die ESTV-Referenzsätze nur geringfügig über diesen im Geschäft unter Banken mass-

geblichen  Marktzinsen  liegen.  Der  Aufschlag  gegenüber  den  bankinternen  Marktzins-

sätzen  lässt  sich  sodann  schon  damit  erklären,  dass  im  Drittvergleich  die  Bank  das 

Geld  ihren  Kunden  nicht  zu  diesen  Marktzinsen  abgibt,  sondern  einen  Zuschlag  be-

rechnet  (Gewinnmarge,  Risiko;  vgl.  vorstehend  E.  2/e/dd).  Mit  anderen  Worten  hätte 

sich  die  der  Pflichtigen  nahestehende  Gruppenfinanzierungsgesellschaft  bei  einer 

Bank  Kredite  von  Fr.  18  Mio.  damals  nicht  zum  SWAP-Zinssatz  beschaffen  können. 

Wenn umgekehrt die Pflichtige die Rolle der Bank übernahm, hätte sie im Drittvergleich 

– sofern auf den Swap-Zinssatz abstellend – ebenfalls einen Aufschlag einkalkulieren 

müssen.  

d)  Die  Pflichtige  macht  nun  aber  zu  Recht  nicht  geltend,  dass  die  "Sa-

ve Haven"-Zinssätze  der  ESTV  im  Fall  von  langfristigen  Geldanlagen  dem  Vergleich 

mit dem langfristigen Marktzinsniveau nicht standhielten. Indes hält sie dafür, dass es 

in ihrem Fall eben um die kurzfristige Geldanlage gegangen sei und deshalb kurzfristi-

ge Marktzinssätze (wie der CHF-LIBOR oder der sich auf gleichem Level bewegende 

Depositensatz;  vgl.  Zinstabelle)  die  massgebliche  Referenzgrössen für  einen  Drittver-

gleich  bildeten  bzw.  die  Orientierung  am  auf  langfristige  Anlagen  ausgerichteten  Min-

destzinssatz der ESTV fehl am Platz sei.  

aa) Tatsächlich zeigt der vorstehende Zinsvergleich, dass die jeweils anfangs 

Jahr festgelegten Mindestzinssätze 2008 und 2009 der ESTV mit Blick auf kurzfristige 

Geldanlagen  kein  korrektes  Abbild  der  diesbezüglichen  Zinslandschaft  widergeben, 

wobei dies aber erst nach dem Absturz der kurzfristigen Zinsen per Ende 2008 augen-

fällig wird.  

bb)  Die  Pflichtige  hat  es  nun  aber  unterlassen,  substanziiert  darzutun,  wes-

halb in ihrem Fall in Bezug auf die Darlehen, welche sie ihrer nahestehenden Finanzie-

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rungsgesellschaft seit Jahren gewährte, die auf kurze Laufzeiten ausgerichteten Markt-

zinssätze die korrekte Referenzgrösse bilden sollten.  

Ein Blick in ihre Bilanzen zeigt auf, dass sich das streitbetroffene Darlehen per 

Ende  2004  noch  auf  Fr.  53.5  Mio.  belief.  Per  Ende  2005  betrug  es  noch  rund 

Fr. 16 Mio. und danach bis und mit Ende 2009 immer um die rund Fr. 18 Mio. Wie so-

dann die Übersicht der Darlehensentwicklung per 2008 und 2009 aufzeigt (vgl. vorste-

hend,  E.  3/b/bb),  wurden  die  Darlehenssumme  von  durchschnittlich  rund  Fr.  18  Mio. 

jedenfalls buchhalterisch immer kurzfristig für ein bis drei Monate gewährt, wobei nach 

Ablauf der kurzen Laufzeiten jeweils die umgehende Neuanlage unter Anpassung der 

Zinskonditionen  erfolgte.  Aus  welchen  Gründen die Pflichtige  über  Jahre  hinweg  eine 

solche Anlagestrategie mit kurzen Laufzeiten verfolgte, hat sie nicht bekannt gegeben. 

Weder  machte  sie  konkrete  Angaben  zur  Darlehensnehmerin  (bezeichnet  als  in 

Grossbritannien  ansässige  "Konzernfinanzierungsgesellschaft",  wobei  die  Zinsgut-

schriften unter dem Namen "E" verbucht wurden), noch legte sie die Darlehensverträge 

vor oder gab sie Erklärungen für das gewählte Vorgehen der Vergabe von sich nahtlos 

aneinanderreihenden  kurzfristigen  Darlehen  ab.  So  machte  sie  etwa  auch  nicht  gel-

tend, aus Gründen des eigenen Bedarfs an Liquidität auf die renditeträchtigere langfris-

tige Anlage der Gelder verzichtet zu haben, was mit Blick auf den Rückgang ihrer ope-

rativen Tätigkeiten in der Schweiz in diesen Jahren und dem nahtlosen Anschluss der 

einzelnen Kredite denn auch nicht naheliegend ist. Ob die Konzernfinanzierungsgesell-

schaft  das  ihr  von  der  Pflichtigen  über  Jahre hinweg  zur  Verfügung  gestellte  Geld im 

Rahmen der Weitergabe an andere Gruppengesellschaft im Rahmen von behaupteten 

"Betriebskrediten"  ihrerseits  nur  kurzfristig  anlegte,  ist  in  Bezug  auf  das  hier  in  Frage 

stehende Beteiligungsverhältnis unerheblich.   

Legt eine Gesellschaft nicht benötigte liquide Mittel über Jahre hinweg in Form 

eines Darlehens bei einer nahestehenden Konzerngesellschaft an, so sind die auf län-

gerfristige  Anlagen  ausgerichteten  "Save  Haven"-Zinssätze  der  ESTV  sehr  wohl  die 

geeignete  Referenzgrösse  für  den  Drittvergleich.  Will  die  Pflichtige  den  Nachweis 

erbringen,  dass  in  ihrem  konkreten  Einzelfall  im  Drittvergleich  auf  die  kurzfristigen 

Marktzinsen  abzustellen  sei,  genügt  es  deshalb  nicht,  lediglich  allgemein  auf  die  Ge-

schäfts- bzw. Anlagepolitik zu verweisen, welche von der Steuerbehörde nicht zu hin-

terfragen sei. Der Hintergrund der im Drittvergleich nicht üblichen langfristigen Geldan-

lage  mittels  Darlehen  im  kurzen  Laufzeitenbereich  hätte  offengelegt  werden  müssen, 

um ein Abweichen von den von der ESTV vorgegebenen Mindestzinssätzen zu recht-

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fertigen.  Schon  aus  diesem  Grund  bleiben  die  Letzteren  im  Sinn  des  vereinfachten 

Drittvergleichs  massgeblich,  womit  die  von  der  Steuerbehörde  ermittelten  geldwerten 

Leistungen im Umfang der Differenzen zwischen den vereinnahmten Darlehenszinsen 

und den gemäss ESTV-Mindestzinssätzen erzielbaren Darlehenszinsen zu bestätigen 

sind.  

cc) Anzufügen bleibt, dass selbst wenn (bei Vorliegen einer nachvollziehbaren 

Begründung) ein Abstellen auf kurzfristige Marktzinse angebracht wäre, dies der Pflich-

tigen  in  Bezug  auf  das  Geschäftsjahr  2008  nicht  weiterhelfen  könnte.  Wie  die  oben 

dargelegten Zins-Charts aufzeigen, bewegten sich in diesem Jahr die kurz- und lang-

fristigen  Zinsen  noch  sehr  nahe  beieinander;  so  hielt  sich  der  dreimonatige  

CHF-LIBOR  noch fast  bis  Ende  Jahr  auf  einem  Level  von  gegen  3%  (Ende  Septem-

ber 2008  betrug  er  beim  damals  gewährten  dreimonatigen  und  also  erst  gegen  Ende 

Jahr  auslaufende  Darlehen noch  2.78%). Weil  im  Drittvergleich bei  Abstellen  auf  den 

bankenspezifischen  CH-LIBOR-Zinssatz  wie  erwähnt  ein  Zuschlag  zu  kalkulieren  ist, 

vermag der Referenzzinssatz 2008 der ESTV von 3.25% in dieser Zinsphase auch im 

Kontext mit dem auf kurzfristige Laufzeiten ausgerichteten  CHF-LIBOR-Zinssatz noch 

durchaus zu bestehen; gleiches trifft auf die von der Pflichtigen per 2008 verrechneten 

Darlehenszinsen gerade nicht zu, weil bei der LIBOR-bezogenen Zinsfestlegung nicht 

einem  gebotenen  Aufschlag  Rechnung  getragen,  sondern  umgekehrt  und  ohne  jede 

Erklärung ein Einschlag von 0.25% vorgenommen wurde.  

Anders  sähe  es  demzufolge  lediglich  für  das  Geschäftsjahr  2009  aus,  nach-

dem der CHF-LIBOR Ende 2008 richtiggehend abstürzte und danach gegen Null ten-

dierte,  so  dass  der  Mindestzinssatz  2009  der  ESTV  von  2.5%  für  den  vereinfachten 

Drittvergleich bei Darlehen an Beteiligte mit kurzen Laufzeiten nicht mehr gerecht wird.  

e)  Schliesslich  bleibt  festzuhalten,  dass  der  Pflichtigen  die  Behauptung,  die 

britischen  Steuerbehörden  hätten  für  die  in  Grossbritannien  domizilierte  Finanzie-

rungsgesellschaft  der  gewählten  Zinssatzfestlegung  auf  Basis  des  CHF-LIBOR  zuge-

stimmt,  weshalb  eine  einseitige  Änderung  der  Zinssätze  durch  die  hiesige  Steuerbe-

hörde  einen  Doppelbesteuerungskonflikt  verursache,  nicht  weiterhelfen  kann. 

Abgesehen davon, dass die Pflichtige diesbezüglich keine Beweismittel vorgelegt hat, 

ist bei der Besteuerung der hierorts ansässigen Pflichtigen der Besteuerung von Grup-

pengesellschaften  im  Ausland  nicht  Rechnung  zu  tragen.  Im  Übrigen könnte die briti-

sche Gruppenfinanzierungsgesellschaft die damals eingesparten Zinsdifferenzen nach-

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träglich  ihrem  Finanzaufwand  belasten  und  steht  damit  eine  Doppelbesteuerung  auf 

internationaler Konzernebene noch keineswegs fest.  

4. a) Nach alledem sind die Beschwerde und der Rekurs abzuweisen.  

b)  Ausgangsgemäss  sind  die  Verfahrenskosten  den  Pflichtigen  aufzuerlegen 

(Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG).  

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

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