# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4fe0fd2f-73f3-5af1-be23-68bdacfbf32f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.01.2023 E-5128/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5128-2022_2023-01-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5128/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

mit Zustimmung von Richter William Waeber,  

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Stephanie Arévalo Menchaca,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 1. November 2022 / N (…). 

 

 

 

E-5128/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger, suchte am 

24. März 2022 in der Schweiz um Asyl nach, wobei er seinen afghanischen 

Reisepass, ausgestellt am (…) von der afghanischen Botschaft in 

B._______, einreichte. 

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit Eurodac) beziehungsweise CS-VIS Datenbank ergab, dass diesem 

von der ungarischen Vertretung in B._______ am 2. Februar 2022 ein 

Schengenvisum, gültig vom 12. März 2022 bis am 6. April 2022, mit Staats-

angehörigkeit Russland, ausgestellt worden sei. 

C.  

Am 8. April 2022 fand das persönliche Gespräch (nachfolgend: Dublin-Ge-

spräch) gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), statt. 

Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er habe nach Ablauf seines 

Visums in Russland in der afghanischen Botschaft in B._______ am 18. 

August 2021 einen neuen Reisepass erhalten und sich in der Folge ohne 

Visum illegal in Russland aufgehalten. Nach Erhalt des neuen Reisepasses 

sei er nach C._______ gegangen, wo er zwischen 2010 und 2020 Medizin 

studiert und mit Unterstützung von Freunden gegen Bezahlung von 8000 

Euro einen russischen Pass mit einem Visum für Ungarn besorgt habe, mit 

dem er am 13. März 2022 (ohne Einreichung eines Asylgesuches) in Un-

garn eingereist sei. Nach einem viertägigen Aufenthalt in einem Hotel sei 

er von den Organisatoren seiner Reise mit dem Zug und Auto nach 

D._______ gebracht worden und diese hätten ihm den russischen Reise-

pass abgenommen und den afghanischen zurückgegeben. Es gehe ihm 

gesundheitlich gut, befinde sich aber aufgrund der jahrelangen Trennung 

von seiner Familie in einem Stresszustand. In der Schweiz lebten zwei sei-

ner Brüder. 

D.  

Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur allfälligen Zuständigkeit nach Un-

garn zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens und zu einer 

E-5128/2022 

Seite 3 

Überstellung dorthin erklärte der Beschwerdeführer, er sei mit einem ge-

fälschten Visum nach Ungarn gereist, um schliesslich in der Schweiz bei 

seinen Brüdern zu leben, da er weder in Afghanistan noch in Russland als 

Arzt arbeiten könne. 

E.  

Auf Anfrage des SEM vom 11. April 2022 teilten die ungarischen Behörden 

mit Antwortschreiben per Mail vom 10. Mai 2022 mit, dass dem Beschwer-

deführer in der ungarischen Botschaft in B._______ am 2. Februar 2022 

ein Touristenvisum für einen Aufenthalt von elf Tagen, gültig im Zeitraum 

vom 12. März 2022 bis 6. April 2022, ausgestellt worden sei.  

F.  

Am 23. Mai 2022 hiessen die ungarischen Behörden das Übernahmeersu-

chen des SEM vom 11. Mai 2022 am 23. Mai 2022 in Anwendung von 

Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO gut. 

G.  

Mit Verfügung vom 8. August 2022 (Eröffnung am 10. August 2022) trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes (SR 

142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 24. März 2022 

nicht ein und wies ihn in Anwendung der Dublin-III-Verordnung nach Un-

garn weg, wobei es festhielt, einer Beschwerde gegen diese Verfügung 

komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

H.  

Mit Urteil E-3556/2022 vom 23. August 2022 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde gut, hob 

die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur vollständigen 

Sachverhaltsfeststellung und gegebenenfalls zur neuen Entscheidung an 

die Vorinstanz zurück. 

I.  

Mit Entscheid vom 1. November 2022 trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers 

vom 24. März 2022 erneut nicht ein und wies ihn in Anwendung der Dublin-

III-Verordnung nach Ungarn weg, wobei es festhielt, einer Beschwerde ge-

gen diese Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

J.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner 

Rechtsvertretung vom 10. November 2022 Beschwerde. Er beantragte, die 

E-5128/2022 

Seite 4 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben und auf die Asylgesuche sei ein-

zutreten, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter Verzicht auf 

das Erheben eines Kostenvorschusses um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung sowie um aufschiebende Wirkung der Beschwerde und 

um vorsorgliche Aussetzung des Vollzugs der Überstellung ersucht. 

K.  

Am 11. November 2022 setzte der zuständige Instruktionsrichter gestützt 

auf Art. 56 VwVG als vorsorgliche Massnahme den Vollzug der Überstel-

lung per sofort einstweilen aus. 

L.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

11. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

M.  

Mit Schreiben vom 3. Januar 2023 reichte der Beschwerdeführer einen Be-

richt der Psychiatrischen Dienste des Spitals Thurgau vom 23. Dezember 

2022 zu seiner gesundheitlichen Situation ein und verwies in seiner Ein-

gabe darauf, dass eine mittelgradige depressive Episode und eine post-

traumatische Belastungsstörung festgestellt worden seien.  

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls über 

Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM in der Regel – 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

2.  

Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 

1 VwVG).  

E-5128/2022 

Seite 5 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG), weshalb das Urteil 

nur summarisch zu begründen ist und auf einen Schriftenwechsel verzich-

tet wurde (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

4.  

Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vo-

rinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprü-

fen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-

schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz 

zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 

m.w.H.). 

5.  

5.1 Auf Asygesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig 

ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird.  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) wie 

dem vorliegenden sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten 

Kriterien anzuwenden (Art. 7 Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO; vgl. BVGE 2017 

VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Erweist es sich als unmöglich, einen Antrag-

steller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es 

wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die 

Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemi-

sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen o-

der entwürdigenden Behandlung im Sinn von Artikel 4 der Charta der 

Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-

Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kri-

terien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. 

6.  

6.1 Mit Urteil E-3556/2022 vom 23. August 2022 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht eine gegen den Nichteintretensentscheid des SEM vom 

E-5128/2022 

Seite 6 

8. August 2022 erhobene Beschwerde gut, hob die angefochtene Verfü-

gung auf und wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung 

und gegebenenfalls zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. 

Es hielt unter anderem fest, dass es angesichts der einschlägigen Rechts-

praxis nicht nachvollziehbar erscheine, dass sich das SEM in seiner Ver-

fügung vom 8. August 2022 ohne jeglichen konkreten Bezug zur konkreten 

länderspezifischen Situation (und der nachfolgend beschriebenen Praxis 

des Gerichts) damit begnügt habe, textbausteinartig darauf hinzuweisen, 

es gebe keine Hinweise auf systemische Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 

2 Dublin-III-VO oder darauf, dass sich dieser Staat bei der Behandlung von 

Asylverfahren nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halte.  

Es führte weiter aus, dass das Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil 

D-7853/2015 vom 31. Mai 2017 vielmehr das Vorhandensein zahlreicher 

Unzulänglichkeiten im ungarischen System festgestellt habe, welche na-

mentlich den Zugang zum Asylverfahren sowie die Unterbringung der Asyl-

suchenden (in den sogenannten Transitzonen) betreffen würden. Es sei 

zum Schluss gelangt, dass die ungarische Gesetzgebung beziehungs-

weise deren Anwendung im Rechtsalltag – zahlreiche Unsicherheiten und 

Fragen nach sich ziehe und insbesondere der Zugang zu einem korrekten 

Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen nicht mit Sicherheit ermittelt 

werden könne. Unter diesen Umständen sei es nicht möglich, das Vorlie-

gen systemischer Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-Ver-

ordnung sowie die Fragen im Zusammenhang mit der Gefahr einer Verlet-

zung von Art. 3 EMRK abschliessend zu beurteilen (vgl. a.a.O. E. 9.2 und 

10). Aus diesen Gründen sei in jenem Verfahren die angefochtene Verfü-

gung aufgehoben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsermittlung 

und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen worden. 

Im später ergangenen Urteil BVGer E-1018/2019 vom 8. April 2021 habe 

sich das Bundesverwaltungsgericht mit den Aufnahmebedingungen, wel-

chen Personen, die in Ungarn einen subsidiären Schutzstatus zugespro-

chen erhalten hätten, bei einer Rückkehr in dieses Land ausgesetzt seien. 

Es habe dabei die asylrechtlichen und -politischen Entwicklungen in Un-

garn im allgemeinen analysiert – namentlich auch seit Erlass des Referen-

zurteils aus dem Jahr 2017 – und sei zum Schluss gelangt, es stehe nicht 

fest, ob der Beschwerdeführer in Ungarn die europarechtlich vorgegebe-

nen Garantien für Schutzberechtigte (namentlich gemäss der Richtlinie 

2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezem-

ber 2011; sog. Qualifikationsrichtlinie) in Anspruch werde nehmen können 

(vgl. a.a.O. E. 3.4 ff. und 4.2). 

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Seite 7 

Angesichts dieser Sachlage wies das SEM an, die Vorbringen des Be-

schwerdeführers einer Gesamtbeurteilung zu unterziehen und dabei ins-

besondere bei seiner erneuten Entscheidung die genannte einschlägige 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hinsichtlich der Situation 

für Dublin-Rückkehrende in Ungarn zu berücksichtigen. 

6.2 In der nachfolgenden, nun angefochtenen Verfügung vom 1. November 

2022 führte das SEM – ausgehend von der grundsätzlichen Zuständigkeit 

Ungarns aufgrund der erfolgten Gutheissung des Übernahmeersuchens 

des SEM gemäss Art. 12 Abs. Dublin-III-VO – wiederholt aus, es gebe 

keine wesentlichen Gründe für eine Annahme gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende 

in Ungarn wiesen Schwachstellen auf, die eine Gefahr einer unmenschli-

chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinn von Art. 4 EU-Grund-

rechtecharta oder Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Ungarn habe die 

einschlägigen EU-Richtlinien (Verfahrens-, Qualifikations- und Aufnahme-

richtlinie) ohne Beanstandungen von Seiten der Europäischen Kommission 

umgesetzt und nach Erkenntnissen des SEM hätten Dublin-Rückkehrer in 

Ungarn Zugang zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfah-

ren, unabhängig davon, ob zuvor in Ungarn bereits ein Asylgesuch einge-

reicht worden sei.  

Im Weiteren hielt das SEM fest, es lägen keine systemischen Mängel in 

Ungarns Asyl- und Aufnahmesystem vor und begründete diese Einschät-

zung unter anderem damit, dass Ungarn die anderen Dublin-Staaten zu 

keinem Zeitpunkt über Transfereinschränkungen aufgrund des Zustroms 

ukrainischer Flüchtlinge aus der Ukraine informiert habe. Die Aufnahmeka-

pazitäten Ungarns seien nicht erschöpft und die meisten Kriegsflüchtlinge 

hätten Ungarn bereits wieder verlassen. Ungarn melde der EU regelmässig 

einen Auslastungsgrad von weniger als 50% der Aufnahmekapazitäten.  

Im Referenzurteil D-7853/2015 vom 31. Mai 2017 habe das Bundesverwal-

tungsgericht festgehalten, dass die Asylsuchenden in Ungarn aus den vor-

mals bestehenden Asylzentren in eines der beiden Zentren in die Transit-

zonen verlegt worden seien und keine Gelegenheit mehr erhalten hätten, 

Asylanträge zu stellen. Hinsichtlich aufgrund der Dublin-III-VO nach Un-

garn zurückkehrenden Asylsuchenden bestünden erhebliche Unsicherhei-

ten sowohl bezüglich den Ort ihrer Unterbringung als auch die Bedingun-

gen, unter weIchen sie Zugang zum Asylverfahren erhalten könnten. Bei 

der Ankunft in Ungarn sei ihr Status unklar, da selbst für diejenigen, die in 

Ungarn bereits einen Asylantrag gestellt hätten, davon auszugehen sei, 

E-5128/2022 

Seite 8 

dass deren Verfahren nach einer Landesabwesenheit von mehr als 48 

Stunden eingestellt worden seien. Die Zuweisung zu einer dieser Einrich-

tungen in der Transitzone erfolge, wenn keine Entscheidung der ungari-

schen Behörden vorliege und diese könne nicht angefochten werden. So-

mit komme die Unterbringung in den Transitzonen einer de-facto-Haft 

gleich. Umgekehrt hätten Asylsuchende während ihres Aufenthalts in der 

Transitzone keine Erlaubnis, das ungarische Hoheitsgebiet zu betreten, so-

lange kein positiver Entscheid vorliege. Ebenso hätten sie auch keine Er-

laubnis, in den Transitzonen zu arbeiten. Bis zum Inkrafttreten des Rechts-

akts T/13976 am 28. März 2017 hätten genaue Bestimmungen die Bear-

beitung von Asylanträge von Personen, die Ungarn verlassen hatten, ge-

regelt. Nach dem Inkrafttreten des Rechtsakts T/1 3976 seien die Bestim-

mungen, die diese Art von Verfahren regelten, aufgehoben und nicht neu 

geregelt worden. Somit sei für Asylsuchende, die sich in der Schweiz auf-

halten würden und die über Ungarn in den Dublin-Raum eingereist seien 

und dort einen Asylantrag gestellt hätten, davon auszugehen, dass ihr Ver-

fahren in Ungarn mittlerweile eingestellt worden sei. Dementsprechend 

würden alle Personen, die nach Ungarn überstellt würden, verpflichtet sein, 

dort entweder einen neuen Antrag oder einen Folgeantrag auf Asyl zu stel-

len. In Anbetracht des derzeit geltenden ungarischen Gesetzes könne nicht 

mit Sicherheit festgestellt werden, ob nach einer Überstellung nach Ungarn 

Asylbewerber als illegale Einwanderer oder als Asylsuchende betrachtet 

und ausserhalb der Transitzonen untergebracht würden beziehungsweise 

deren Antrag in den Transitzonen geprüft werde. Angesichts der rechtli-

chen und tatsächlichen Umstände, die sich in Ungarn erheblich geändert 

hätten, sei eine weitere Prüfung seitens der erstinstanzlichen Behörde im 

vorliegenden Fall unerlässlich. Das SEM habe insbesondere die Frage zu 

untersuchen, ob es derzeit systemische Mängel im Asylverfahren und im 

ungarischen Aufnahmesystem im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin der Dublin-

III-Verordnung gebe. Sollte es zu dem Schluss kommen, dass dies nicht 

der Fall ist, müsse es sich zu den Risiken ("real risk") bei seiner Überstel-

lung nach Ungarn äussern, denen der Asylsuchende ausgesetzt sein 

könnte.  

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe seinerseits in den Fällen C-

924/19 und C-925/10 vom 14. Mai 2020 festgestellt, dass die Inhaftierung 

von abgelehnten Asylbewerbern und Drittstaatsangehörigen in der Transit-

zone von Röszke eine Inhaftierung darstelle, ohne dass die entsprechen-

den Bedingungen für eine Inhaftierung erfüllt gewesen seien. Diese seien 

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Seite 9 

mehrere Monate in der Transitzone festgehalten worden, ohne die Mög-

lichkeit zu haben, diese zu verlassen und hätten in Ungarn erfolglos gegen 

die Entscheide und die Inhaftierung in der Transitzone geklagt.  

Hierzu sein sei indes festzuhalten, dass am 21. Mai 2020 Ungarn bekannt 

gegeben habe, aufgrund dieses Urteils des Europäischen Gerichtshofs die 

beiden Transitzentren an der ungarisch-serbischen Grenze zu schliessen.  

Bei dieser Sachlage werde durch die ausdrücklich erfolgte Zustimmung der 

Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-

VO vom 23. Mai 2022 bestätigt, dass dessen Einreise in das ungarische 

Hoheitsgebiet erlaubt sei und sein Asylgesuch in Ungarn geprüft werde. 

Nach der Einreise habe der Beschwerdeführer die Pflicht, bei den Grenz-

polizeibehörden sofort einen Asylantrag zu stellen beziehungsweise an 

dem in der Schweiz gestellten Asylantrag festzuhalten. Der Beschwerde-

führer habe nicht angegeben, in Ungarn bereits (möglicherweise erfolglos) 

ein Asylgesuch gestellt zu haben. Nachdem die Transitzentren in Ungarn 

geschlossen worden seien, sei nicht davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer bei einer Überstellung nach Ungarn gravierenden Men-

schenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 

3 EMRK ausgesetzt wäre. Das Einholen allfälliger Garantien sei aus den 

genannten Gründen nicht erforderlich.  

Der Umstand, dass zwei Brüder des Beschwerdeführers in der Schweiz 

lebten, falle nicht unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK. Zudem handle 

es sich beim Beschwerdeführer um einen jungen, gesunden, gebildeten 

Mann. Bei dieser Sachlage gebe es auch keine Veranlassung, aus huma-

nitären Gründen die Souveränitätsklausel anwenden. 

7.  

7.1  

In der Beschwerde wurde in formeller Hinsicht geltend gemacht, das SEM 

habe den medizinischen Sachverhalt ungenügend festgestellt.  

Nach Ergehen des Kassationsurteils des BVGer E-3556/2022 vom 23. Au-

gust 2022 habe sich die gesundheitliche Situation für den Beschwerdefüh-

rer massgeblich verändert. Gemäss dem Bericht des (…) vom 22. Septem-

ber 2022 (recte 11. Oktober 2022) sei im Rahmen einer Krisenintervention 

eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtiger mittelgradiger 

Episode (F33.1 nach ICD-10) diagnostiziert und mit Escitalopram 10 mg 

behandelt worden. Im ärztlichen Bericht vom 17. Oktober 2022 habe man 

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Seite 10 

dem Beschwerdeführer neben der bereits erwähnten mittelgradigen De-

pression auch eine PTBS (F43.1 nach ICD-10) attestiert. Er erhalte nun 

neben Escitalopram auch ein zusätzliches Antidepressivum namens Val-

doxan. In seinem Rückübernahmeersuchen an die ungarischen Behörden 

sei das SEM auf die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers 

nicht eingegangen. Vielmehr sei die Vorinstanz in seiner Anfrage davon 

ausgegangen, dass keine gesundheitlichen Probleme des Beschwerdefüh-

rers bekannt seien. 

7.2 Gemäss einer Anfrage der Rechtsvertretung an die SFH vom 3. No-

vember 2022 könnten nach dem derzeitigen ungarischen Asylrecht nur 

Personen in Ungarn Asyl beantragen, denen subsidiären Schutz gewährt 

worden sei und sich in Ungarn aufhielten, Familienangehörige von Flücht-

lingen und Personen mit subsidiärem Schutzstatus, die sich in Ungarn auf-

hielten, und Personen, die Zwangsmassnahmen oder Strafen unterworfen 

seien, die ihre persönliche Freiheit beeinträchtigten, es sei denn, sie hätten 

Ungarn illegal durchquert. Für alle anderen, einschliesslich der sich legal 

in Ungarn aufhaltenden Ausländern, sei es nicht mehr möglich, in Ungarn 

oder an der Grenze Asyl zu beantragen. Dublin-Rückkehrerende wie der 

Beschwerdeführer gehörten nicht zu einer dieser Kategorien. Diese müss-

ten zunächst persönlich eine "Absichtserklärung zur Stellung eines Asylan-

trags" bei der ungarischen Botschaft in E._______ oder F._______ abge-

ben.  

8.  

8.1 Nach der klaren Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts in sei-

nem Urteil E-3556/22 vom 8. August 2022 an das SEM, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers einer vertieften Gesamtbeurteilung zu unterziehen und 

dabei insbesondere bei seiner erneuten Entscheidung die einschlägige 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hinsichtlich der Situation 

für Dublin-Rückkehrende in Ungarn zu berücksichtigen, hielt das SEM in 

der angefochtenen Verfügung unter anderem  fest, dass sich das Bundes-

verwaltungsgericht in seinem Referenzurteil D-7853/2015 vom 31. Mai 

2015 insbesondere mit der problematischen Situation für Asylsuchende in 

den beiden Zentren der Transitzonen auseinandergesetzt habe und gab 

den diesbezüglichen massgeblichen Inhalt wieder (vgl. E. 6.3). Im Weiteren 

wies es auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in den Fällen 

C-924/19 und C-925/10 vom 14. Mai 2020 hin, in denen unter anderem 

festgestellt worden war, dass die Inhaftierung von abgelehnten Asylbewer-

E-5128/2022 

Seite 11 

bern und Drittstaatsangehörigen in der Transitzone von Röszke eine Inhaf-

tierung darstelle, ohne dass die entsprechenden Bedingungen für eine In-

haftierung erfüllt gewesen seien.  

8.2 Anschliessend wies die Vorinstanz darauf hin, dass Ungarn am 21. Mai 

2020 bekannt gegeben habe, aufgrund dieses Urteils des Europäischen 

Gerichtshofs die beiden Transitzentren an der ungarisch-serbischen 

Grenze zu schliessen, und in der Folge seien 300 Personen in Aufnahme-

zentren verlegt worden. Aufgrund dieser veränderten Sachlage ging das 

SEM in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass durch die ausdrück-

lich erfolgte Zustimmung der Rückübernahme des Beschwerdeführers ge-

mäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO vom 23. Mai 2022 bestätigt werde, dass 

dessen Einreise in das ungarische Hoheitsgebiet erlaubt sei und sein Asyl-

gesuch in Ungarn geprüft werde. Nach der Einreise habe der Beschwerde-

führer die Pflicht, bei den Grenzpolizeibehörden sofort einen Asylantrag zu 

stellen beziehungsweise an dem in der Schweiz gestellten Asylantrag fest-

zuhalten. Der Beschwerdeführer habe nicht angegeben, in Ungarn bereits 

(möglicherweise erfolglos) ein Asylgesuch gestellt zu haben. Nachdem die 

Transitzentren in Ungarn geschlossen worden seien, sei nicht davon aus-

zugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Ungarn 

gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre. Das Einholen allfälliger 

Garantien sei aus den genannten Gründen nicht erforderlich. Im Weiteren 

hielt das SEM fest, es lägen keine systemischen Mängel in Ungarns Asyl- 

und Aufnahmesystem vor und begründete diese Einschätzung unter ande-

rem damit, dass Ungarn die anderen Dublin-Staaten zu keinem Zeitpunkt 

über Transfereinschränkungen aufgrund des Zustroms ukrainischer Flücht-

linge aus der Ukraine informiert habe. Die Aufnahmekapazitäten Ungarns 

seien nicht erschöpft und die meisten Kriegsflüchtlinge hätten Ungarn be-

reits wieder verlassen. Ungarn melde der EU regelmässig einen Auslas-

tungsgrad von weniger als 50% der Aufnahmekapazitäten.  

8.3 Mit dieser Argumentation hat sich das SEM erneut klar unvollständig 

mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und den weiteren 

Aspekten der Situation für Dublin-Rückkehrende auseinandergesetzt. Im 

Ergebnis hat sich die Vorinstanz einfach damit begnügt, den massgebli-

chen Inhalt des Referenzurteils D-7853/ 2015 vom 31. Mai 2015 wiederzu-

geben und festzustellen, dass die darin aufgeführten Vorbehalte bezüglich 

der Situation von Dublin-Rückkehrenden nach Ungarn nach Schliessung 

der Transitzentren überholt seien. Dabei hat die Vorinstanz, obwohl das 

E-5128/2022 

Seite 12 

Bundesverwaltungsgericht in seinem Kassationsurteil dieses explizit er-

wähnt hatte, überhaupt nicht mit dem nach dem genannten Referenzurteil 

ergangenen Urteil BVGer E-1018/2019 vom 8. April 2021 auseinanderge-

setzt, ja dieses nicht einmal erwähnt. In diesem hat das Bundesverwal-

tungsgericht  die asylrechtlichen und -politischen Entwicklungen in Ungarn 

– namentlich auch seit Erlass des Referenzurteils aus dem Jahr 2017 – 

analysiert und gelangte zum Schluss, es stehe nicht fest, ob der Beschwer-

deführer in Ungarn die europarechtlich vorgegebenen Garantien für 

Schutzberechtigte (namentlich gemäss der Richtlinie 2011/95/EU des Eu-

ropäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011; sog. Qua-

lifikationsrichtlinie) in Anspruch werde nehmen können (vgl. a.a.O. E. 3.4 ff. 

und 4.2). Unter anderem hat es festgestellt, dass Ungarn nach dem Urteil 

vom 14. Mai 2020 in Sachen C-924/19 und C-925/19 die umstrittenen Tran-

sitzonen zwar geschlossen habe. Seitdem könnten schutzsuchende Per-

sonen jedoch nur noch in ungarischen Botschaften von Nicht-EU-Mitglieds-

ländern um Asyl nachsuchen, in erster Linie in Serbien und in der Ukraine. 

Im Weiteren ist – wie bereits im Urteil E-3556/2022 vom 23. August 2022 

festgehalten – darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht 

erst vor wenigen Monaten mit Urteil E-750/2022 vom 22. Mai 2022 eine 

gegen den Nichteintretensentscheid des SEM 7. Februar 2022 erhobene 

Beschwerde unter Berücksichtigung der genannten Rechtspraxis des Bun-

desverwaltungsgerichts (und der erstinstanzlichen Praxis des SEM) wegen 

Verletzung des rechtlichen Gehörs aufhob und zur vollständigen Sachver-

haltsfeststellung an die Vorinstanz zurückwies. 

8.4 Zusätzlich kommt hinzu, dass sich auch die Rüge in der Beschwerde, 

wonach das SEM den medizinischen Sachverhalt unvollständig festgestellt 

habe, als zutreffend erweist.  

Wie in der Beschwerde festgehalten, hat sich nach Ergehen des Kassati-

onsurteils des BVGer E-3556/2022 vom 23. August 2022 die gesundheitli-

che Situation für den Beschwerdeführer verändert. Zur Vermeidung von 

Wiederholungen kann auf die zutreffenden Feststellungen in der Be-

schwerde (vgl. ärztliche Berichte des Spitals Thurgau vom 22. September 

2022 (recte 11. Oktober 2022) und vom 17. Oktober 2022) verwiesen wer-

den. Das SEM ist darauf im angefochtenen Entscheid nicht eingegangen.  

8.5 Somit hat sich das SEM im angefochtenen Entscheid trotz klaren Vor-

gaben nur unvollständig mit der Situation in Ungarn und der Praxis des 

Gerichts auseinandergesetzt. Zudem hat es den medizinischen Sachver-

halt ungenügend festgestellt. Damit hat das SEM seine Begründungs- und 

E-5128/2022 

Seite 13 

Untersuchungspflicht erneut in grober Weise verletzt. Es ist nicht Aufgabe 

des Bundesverwaltungsgerichts, offensichtliche Versäumnisse des SEM 

auf Beschwerdeebene zu beheben und damit die Vorinstanz gleichsam 

von einer sorgfältigen Verfahrensführung zu entbinden, zumal dem Be-

schwerdeführer durch ein solches Vorgehen eine Instanz verloren ginge, 

weshalb eine Heilung der festgestellten Mängel in der angefochtenen Ver-

fügung nicht in Betracht kommt (vgl. zum Ganzen BVGE 2009/53 E. 7.3). 

8.6 Bei dieser Sachlage ist die angefochtene Verfügung aus formellen 

Gründen aufzuheben und die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 

VwVG an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese ist anzuweisen, die Vor-

bringen des Beschwerdeführers (so auch seine gesundheitlichen Schwie-

rigkeiten) zu berücksichtigen und dessen Situation einer Gesamtbeurtei-

lung zu unterziehen. 

9.  

Die Beschwerde ist gutzuheissen, die vorinstanzliche Verfügung vom 

1. November 2022 aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

10.  

Die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde 

und auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht werden mit dem Ent-

scheid in der Sache gegenstandslos. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erhe-

ben sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), womit sich auch das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos gewor-

den erweist. 

12.  

Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten, weil 

es sich bei dessen Rechtsvertretung um einen zugewiesenen unentgeltli-

chen Rechtsbeistand im Sinn von Art. 102h AsylG handelt, dessen Leistun-

gen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden 

(vgl. auch Art. 111ater AsylG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-5128/2022 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt worden ist. 

2.  

Die Nichteintretensverfügung des SEM vom 1. November 2022 wird auf-

gehoben. Die Sache wird zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und 

gegebenenfalls zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewie-

sen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli