# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0aeda48-8f2f-5d42-a69d-ff997bdcb288
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-04-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.04.2022 D-1023/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1023-2022_2022-04-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1023/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  A p r i l  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kolumbien,   

vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, 

substituiert durch Felix Hartner, AsyLex, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); 

Verfügung des SEM vom 31. Januar 2022 / N (…). 

 

 

 

D-1023/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte – zusammen mit ihrer Mutter 

B._______ und ihrem minderjährigen Bruder C._______ (beide N […]) – 

am 24. Dezember 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region 

D._______ um Asyl nach. Nach der Personalienaufnahme (PA) vom 

30. Dezember 2021 wurde sie am 20. Januar 2022 zu den Asylgründen 

angehört. 

A.b Die Beschwerdeführerin brachte im Wesentlichen vor, ihre Eltern hät-

ten sich früh getrennt. Im Lauf ihres Lebens sei sie beziehungsweise ihre 

Familie immer wieder umgezogen. Im Jahr 2019 habe sie (…) Monate lang 

bei ihrer Tante mütterlicherseits namens E._______ (nachfolgend: 

E._______) in F._______ gelebt. Ende 2019 habe sich E._______ zur Aus-

reise entschieden, weil sie von den Männern, die ihren Vater im Jahr 1986 

ermordet hätten, verfolgt beziehungsweise bedroht worden sei. Die Be-

schwerdeführerin wisse nicht, wo sich ihre Tante momentan befinde. Weil 

E._______ ihr diese Männer einmal auf der Strasse gezeigt habe, sei ihr 

aufgefallen, dass dieselben Leute auch sie verfolgen würden. Sie habe 

diese im (…) 2020 an der Universität gesehen und sei deswegen dann 

nicht mehr zur Universität gegangen. Aufgrund der Corona-Pandemie habe 

sie die universitären Kurse online absolvieren können. Sie habe auch den 

Kontakt zu ihren Freunden abgebrochen und ihre Konten in den sozialen 

Medien gelöscht. Sie habe ihre Verfolger auch in der Nähe ihrer Wohnung 

und in der Nähe ihrer Arbeitsstelle gesehen. Ihre Mutter habe ihr erzählt, 

dass die Unterzeichnung des Friedensvertrags diese Lage ausgelöst habe. 

Die Opfer des Bürgerkriegs seien dadurch nämlich ermutigt worden, offizi-

ell auszusagen, um ihr Eigentum zurückzuerhalten. Die Regierung versu-

che nun, die verantwortlichen Personen ins Gefängnis zu bringen. Die Be-

schwerdeführerin habe sich an die Organisation G._______ gewandt, weil 

ihre Mutter, ihr Bruder und ihre Tante bereits dort registriert gewesen seien 

und entsprechende Opferhilfe erhalten hätten. Ihr Ziel sei es gewesen, 

ebenfalls in die Opferliste dieser Organisation aufgenommen zu werden 

und dadurch staatlichen Schutz und Unterstützung zu erhalten. Man habe 

ihr mitgeteilt, dass man sie nur auf die offizielle Opferliste nehmen könne, 

wenn sie persönlich aussagen würde. Sie habe daraufhin der Staatsan-

waltschaft eine E-Mail geschrieben. Jemand von der Staatsanwaltschaft 

habe sie daraufhin angerufen und den Erhalt ihrer Anzeige bestätigt. Auch 

ihre Mutter habe sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Ihrem Kennt-

nisstand nach seien die Ermittlungen noch im Gange. Von (…) 2020 bis 

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(…) 2021 habe sie sich zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in 

H._______ versteckt gehalten. Die letzten (…) Monate vor der Ausreise 

hätten sie alle gemeinsam in I._______ gewohnt. Am 23. Dezember 2021 

sei sie auf legale Weise und gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder 

von Kolumbien nach J._______ geflogen. Von dort seien sie weiter nach 

K._______ und am 24. Dezember 2021 nach L._______ gereist.  

A.c Die Beschwerdeführerin reichte zum Nachweis ihrer Identität ihren ko-

lumbianischen Reisepass und ihre Identitätskarte zu den Akten. Als Be-

weismittel reichte sie folgende Unterlagen ein: 

- Antrag per E-Mail an die Staatsanwaltschaft vom 12. Juni 2020; 

- Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom 24. Juni 2020 bezüglich Weiter-

leitung von Informationen im Rahmen der Ermittlungen; 

- Gerichtsurteil vom 26. Juni 2020 bezüglich Nichterfüllen der Voraus-

setzungen für die Aufnahme in die Opferliste; 

- Antwortschreiben der Staatsanwaltschaft vom 10. Juli 2020. 

A.d Am 27. Januar 2022 händigte das SEM der Rechtsvertretung der Be-

schwerdeführerin den Entscheidentwurf zur Stellungnahme aus. Diese da-

tiert vom selben Tag und ging am 28. Januar 2022 beim SEM ein. 

B.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 31. Januar 2022 stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Mit separater Ver-

fügung vom selben Tag wurde über das Asylgesuch der Mutter und des 

Bruders im gleichen Sinne entschieden. 

C.  

Mit Eingabe vom 2. März 2022 erhob die Beschwerdeführerin durch ihre 

Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie bean-

tragte die Aufhebung der SEM-Verfügung vom 31. Januar 2022, die Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventu-

aliter sei die Beschwerdeführerin vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 

Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses und um Vereinigung des vorliegenden 

Beschwerdeverfahrens mit dem gleichentags eingeleiteten Beschwerde-

verfahren von B._______ und C._______ ersucht. 

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Seite 4 

Auf die Begründung der Beschwerde sowie auf die eingereichten Beweis-

mittel wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegan-

gen. 

D.  

Mit Schreiben vom 3. März 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

E.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

3. März 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG i.V.m. mit Art. 10 Covid-19-Verordnung Asyl vom 20. April 

2020 [SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht koordiniert das vorliegende Verfahren 

mit der gleichzeitig vom Bundesverwaltungsgericht beurteilten Be-

schwerde der Mutter und des Bruders der Beschwerdeführerin 

(vgl. D-1026/2022). Die Akten beider Asylverfahren werden jeweils auch für 

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das konnexe Verfahren berücksichtigt. Zudem werden beide Fälle durch 

denselben Spruchkörper beurteilt und gleichzeitig entschieden. Eine Ver-

einigung der Beschwerdeverfahren erscheint unter diesen Umständen 

nicht erforderlich, weshalb der entsprechende Verfahrensantrag abzuwei-

sen ist.  

2.   

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel 

in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 

VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die 

Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

4.  

Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung 

besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. 

Die Beschwerdeführerin macht zwar eine unvollständige beziehungsweise 

unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend. Ihren 

Rückweisungsantrag begründet sie damit, dass sie im Unwissen über die 

(…)vorkommen auf dem Grundstück der Familie sei. Ihre Mutter habe sie 

und ihren Bruder, um sie beide zu schützen, im Unwissen über die Existenz 

der Grundstückpläne gelassen, weshalb die Beschwerdeführerin bei ihrer 

Anhörung nur habe mutmassen können, weshalb sie über all die Jahre hin-

weg verfolgt worden sei. Indes gab sie damals zu Protokoll, sie sei von 

denselben Männern verfolgt worden, welche im Jahr 1986 ihren Grossva-

ter ermordet hätten und ihre Tante habe ihr erzählt, dass die Verfolgung 

auch im Zusammenhang mit der Rückgabe von dessen Grundstück stehe 

(vgl. SEM-act. […]-20/14 F57f., F68). Mithin war der Beschwerdeführerin 

der Grund der geltend gemachten Verfolgung bekannt. Bei dieser Sach-

lage erweist sich ihre formelle Rüge als unbegründet, weshalb keine Ver-

anlassung besteht, den Entscheid aus formellen Gründen aufzuheben und 

die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Sub-

eventualbegehren ist somit abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Seite 6 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG) (Art. 3 Abs. 2 

AsylG). 

Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimatstaat keinen adäquaten Schutz finden 

kann, weil dort keine Infrastruktur besteht, die ihr Schutz bieten könnte 

(sog. Schutztheorie, vgl. BVGE 2011/51 E. 7, m.w.H.), oder weil der Staat 

ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre (vgl. BVGE 

2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.). Zudem besteht ein Schutz-

bedürfnis auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur der von 

Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren Inan-

spruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Über das Be-

stehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rahmen einer individuellen Einzel-

fallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu 

befinden, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes 

vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu begründen (vgl. BVGE 

2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im 

Heimatstaat ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betreffende Per-

son effektiv Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfra-

struktur hat, unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht oder 

Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit, und ihr die 

Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individu-

ell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.4 sowie statt vieler Urteil des 

BVGer E-3772/2020 vom 12. August 2020 E. 4.2). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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Seite 7 

6.  

6.1 Das SEM zweifelte in seiner Verfügung grundsätzlich nicht an, dass die 

Familie der Beschwerdeführerin im Zuge des Bürgerkriegs sehr viel Leid 

erfahren habe und sie damals ihr Heimatdorf habe verlassen müssen, weil 

sich die «Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia» (FARC) bezie-

hungsweise deren kriminelle Ableger mit Gewalt Grundstücke der Familie 

habe aneignen wollen. So gehe aus den eingereichten Unterlagen hervor, 

dass sowohl die Mutter als auch der Bruder der Beschwerdeführerin durch 

den Staat als Vertriebene anerkannt worden seien und ein Anrecht auf Op-

ferentschädigung erhalten hätten. Obschon im Jahr 2016 ein Friedensver-

trag zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung unterzeich-

net worden sei, scheine es durchaus möglich, dass in kriminelle Machen-

schaften verwickelte Personen weiterhin zu verhindern versuchten, für lang 

zurückliegende Verbrechen zur Rechenschaft gezogen zu werden und 

deshalb mögliche Zeugen einschüchtern wollten. Ob die involvierten Per-

sonen tatsächlich von der FARC stammten oder einfach unter deren Na-

men agierten, könne indes nicht mit abschliessender Sicherheit festgestellt 

werden, zumal die Mutter der Beschwerdeführerin darüber keine genaue-

ren Angaben habe machen können. Ihre Mutter habe einen gewissen 

M._______ als Auftraggeber am Mord an den besagten Familienangehöri-

gen erwähnt. Gemäss verschiedenen Onlinemedien habe M._______ den 

(…)handel in N._______ geleitet und sei im Jahr 2019 in O._______ wegen 

Drogenhandels zu (…) Jahren Gefängnis verurteilt worden. Darüber hin-

aus laufe in Kolumbien ein Verfahren gegen ihn wegen versuchten Mordes. 

Es sei davon auszugehen, dass er nach Verbüssung seiner Strafe in 

O._______ nach Kolumbien überstellt würde, wo weitere Verfahren gegen 

ihn hängig seien. Es liege offensichtlich im Interesse des kolumbianischen 

Staates, die Verbrechen aus dem Bürgerkrieg zur Aufklärung zu bringen 

und die Täter zu bestrafen. Der Staat habe dazu auch eine Sonderjustiz 

eingerichtet. Grundsätzlich verfüge der kolumbianische Staat über eine 

funktionierende Schutzinfrastruktur; Massnahmen gegen Leib und Leben 

könnten bei den Behörden zur Anzeige gebracht werden. Die Beschwer-

deführerin habe sich an die Staatsanwaltschaft gewandt und diese habe 

entsprechende Ermittlungen aufgenommen. Ausserdem hätte sie jederzeit 

die Möglichkeit, bei der Polizei Anzeige zu erstatten, wenn sie sich tatsäch-

lich bedroht fühlen sollte. Darüber hinaus habe sie offenbar rasche unbü-

rokratische Hilfe durch einen Politiker und Freund ihres verstorbenen 

Grossvaters erhalten, welcher für sie in H._______ eine Wohnung sowie 

einen Anwalt organsiert habe. Es gäbe keine objektiven Hinweise darauf, 

dass die staatlichen Organe nicht willens oder nicht fähig seien, ihr im Rah-

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men ihrer Möglichkeiten zu helfen. Allerdings könne vom Staat keine Ga-

rantie für langfristigen individuellen Schutz erwartet werden, weil es keinem 

Staat gelingen könne, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bür-

ger jederzeit und überall zu garantieren. Ihre Vorbringen hielten den Anfor-

derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

Die von ihr geltend gemachten Ausreisegründe stellten eine Bedrohung 

durch Drittpersonen dar und seien rein krimineller Natur. Es sei fraglich, 

inwiefern sie für solche Personenkreise überhaupt von Interesse wäre, 

stelle sie doch keine erkennbare Bedrohung dar. Im Übrigen könnte sie 

sich einer vermeintlichen und lokalen Bedrohungslage seitens privater 

Drittpersonen auch durch einen weiteren Umzug innerhalb Kolumbiens 

entziehen. Demzufolge erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft nicht. 

Die Stellungnahme der Rechtsvertretung, worin nochmals darauf hinge-

wiesen wird, dass die Beschwerdeführerin von Männern verfolgt werde, 

welche für den Tod ihres Grossvaters verantwortlich seien und sie trotzdem 

nie in das Opferregister eingetragen worden sei, vermöge keine Änderung 

des Standpunkts des SEM zu bewirken. 

6.2 In der Beschwerdeschrift werden die bisherigen Vorbringen sinnge-

mäss wiederholt und wird an der geltend gemachten Bedrohungssituation 

festgehalten. Die Tante der Beschwerdeführerin sei ähnlichen Bedrohun-

gen wie ihre Schwester B._______ ausgesetzt gewesen. Auch E._______ 

sei trotz mehrfachen Wechsels ihres Wohnortes von denselben Männern 

an den verschiedenen Orten aufgesucht worden. Deshalb habe E._______ 

ihren Heimatstaat verlassen und in P._______ um Asyl nachgesucht. Dies 

sei ihr gewährt worden. Diesbezüglich reicht die Beschwerdeführerin ein 

Dokument zu den Akten, bei dem es sich um eine Aufnahmebestätigung 

betreffend E._______ durch eine (…) Behörde für soziale Sicherheit 

handle (vgl. Beschwerdebeilage 6). Ihr Bruder C._______ habe bei seiner 

Anhörung erwähnt, einige Wochen vor dem Umzug nach I._______ eine 

Leiche direkt neben der Wohnung bemerkt zu haben. Es sei nicht auszu-

schliessen, dass jener Vorfall die Beschwerdeführerin und ihre Familie wei-

ter hätte einschüchtern sollen. Die Verfolger versuchten offenbar weiterhin, 

Kontakt mit der Familie aufzunehmen. Die in Kolumbien verbliebene 

Grossmutter der Beschwerdeführerin habe Y. berichtet, dass Personen, die 

sich als von der Staatsanwaltschaft kommend ausgegeben hätten, bei ihr 

zuhause vorbeigekommen seien und die Familie gesucht hätten. Diesbe-

züglich wird eine WhatsApp-Konversation vom 19. Januar 2022 zu den Ak-

ten gereicht (vgl. Beschwerdebeilage 11). Diesen Vorfall habe die Gross-

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Seite 9 

mutter daraufhin auch der Staatsanwaltschaft berichtet, weil sich heraus-

gestellt habe, dass jene Personen nicht von der Staatsanwaltschaft ge-

schickt worden seien (vgl. Beschwerdebeilage 12). Es sei davon auszuge-

hen, dass die Bedrohungen der Beschwerdeführerin, ihrer Mutter und ihres 

Bruders in den letzten Jahren ihren Grund darin hätten, dass detaillierte 

Grundstückpläne benötigt würden, um die noch nicht erschlossenen 

(…)vorkommen aufzuspüren und sich diese Dokumente im Besitz der in 

Kolumbien verbliebenen Familienmitglieder, darunter die Grossmutter der 

Beschwerdeführerin, befänden. Obwohl der Mutter der Beschwerdeführe-

rin Schutzmassnahmen versprochen worden seien, seien die Behörden ih-

ren Pflichten nicht nachgekommen. Daher sei die Mutter in der Folge juris-

tisch gegen jene Behörden vorgegangen. In diesem Zusammenhang wird 

ein Klageschreiben der Mutter an ein kolumbianisches Bezirksgericht ein-

gereicht (vgl. Beschwerdebeilage 7). Die anhaltende Untätigkeit habe letzt-

lich dazu geführt, dass das Bezirksgericht von H._______ auf Klage der 

Mutter hin die Q._______, die Staatsanwaltschaft und das Bürgeramt von 

H._______ dazu ermahnt habe, tätig zu werden. Eine erste solche Auffor-

derung sei bereits im Jahr 2010 ergangen und ihr seien zwei weitere ge-

folgt, wobei die dritte erst Ende (…) 2022 ausgestellt worden sei; selbst 

nach mehrfachen Aufforderungen würden sich die Behörden weigern, die 

Mutter und den Bruder der Beschwerdeführerin ausreichend zu schützen 

(vgl. Beschwerdebeilage 8). Es seien bis zum heutigen Tag keinerlei Mas-

snahmen zum Schutz der Familie ergriffen worden. Die Q._______ wei-

gere sich sogar, der Familie eine finanzielle Hilfe zuzusprechen, und er-

kläre dies mit einem Priorisierungssystem, in dem sie nicht als «genügend 

gefährdet» angesehen würde. Zusammenfassend verweigerten die staat-

lichen Behörden der Beschwerdeführerin den ihr zustehenden Schutz.  

 

6.3 Nach eingehender Prüfung der Akten ist festzuhalten, dass die geltend 

gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin den Anforde-

rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhal-

ten, wobei zur Vermeidung von Wiederholungen im Wesentlichen auf die 

Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann 

(vgl. auch vorstehend E. 6.1). 

 

6.3.1 Als flüchtlingsrechtlich relevante Motive einer Verfolgung werden in 

Art. 3 AsylG abschliessend Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 

einer bestimmten sozialen Gruppe und politische Anschauung genannt. 

Diese fünf Verfolgungsmotive sind so zu verstehen, dass die Verfolgung 

wegen äusserer oder innerer Merkmale erfolgt, die untrennbar mit der Per-

son oder der Persönlichkeit des Opfers verbunden sind. Verfolgung im 

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Sinne des Asylgesetzes erfolgt immer wegen des Seins, nicht wegen des 

Tuns (vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4.1 und Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2006 Nr. 32 

E. 8.7.1).  

6.3.2 Vorliegend ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die auf 

Beschwerdeebene als fluchtauslösend geltend gemachten Bedrohungen 

aus einem rein privaten Motiv erfolgten – dem Interesse des Mörders der 

Familienangehörigen beziehungsweise dessen Auftraggebers an den 

(…)vorkommen auf Grundstücken der Familie. Ein Verfolgungsmotiv im 

Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ist darin nicht auszumachen. Demgegenüber 

könnten die im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Motive für die 

Einschüchterungen, nämlich zu verhindern, dass die Mutter der Beschwer-

deführerin nach dem Friedensvertrag von 2016 die Täterschaft belastende 

Zeugenaussagen mache, unter Umständen als politisch motiviert qualifi-

ziert werden, sofern die Behelligungen von Personen aus dem Umfeld der 

FARC ausgegangen sein sollten. Selbst wenn es jedoch zu entsprechend 

motivierten Einschüchterungen gekommen sein sollte, kann daraus nicht 

leichthin auf eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung geschlos-

sen werden, zumal B._______ angab, sie habe sich bereits damals Orga-

nisationen gegenüber zu den Ereignissen im Jahr 1986 geäussert. An die-

ser Einschätzung vermag nichts zu ändern, dass B._______ bei ihren Aus-

sagen für die Registrierung als Opfer den Namen des ihr bekannten Täters 

anscheinend nicht genannt hat. 

6.3.3 Was die angeblich vom Mörder des Grossvaters der Beschwerdefüh-

rerin ausgehende Bedrohung anbelangt, erachtet das Gericht diese zudem 

in Übereinstimmung mit der Vorinstanz als unwahrscheinlich. Soweit in die-

sem Zusammenhang erstmals in der Beschwerde vorgebracht wird, der 

Tante E._______ der Beschwerdeführerin sei in P._______ Asyl gewährt 

worden, vermag diese daraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. So er-

staunt, dass diesbezüglich auf Beschwerdeebene überhaupt ein Dokument 

eingereicht wurde, zumal die Beschwerdeführerin angab, sie wisse nicht, 

wo sie sich befinde (vgl. SEM-act. […]-20/14 F57 ff.), und sie nach der Aus-

reise keinen Kontakt mehr gehabt habe (vgl. ebd. F54). Zudem ist dem 

undatierten Dokument der R._______ lediglich zu entnehmen, dass ein 

Schutzverfahren hängig sei, in welchem abgeklärt werde, ob E._______ 

schutzbedürftig sei (vgl. Beschwerdebeilage 6). Auch die Ausführungen 

bezüglich der Bedrohungen der Grossmutter der Beschwerdeführerin er-

staunen. So gab B._______ bei ihrer Anhörung zu Protokoll, die Grossmut-

ter wohne in H._______, sie habe selten mit ihr Kontakt und weder die 

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Grossmutter noch sonst jemand wisse, dass die Beschwerdeführenden in 

der Schweiz seien. Zudem handelt es sich bei dem in diesem Zusammen-

hang eingereichten Dokument entgegen den Ausführungen in der Be-

schwerde nicht um eine Stellungnahme der Grossmutter bei der Staatsan-

waltschaft, sondern um eine eidesstattliche Erklärung bei einem Notariat in 

H._______. Darin erklärt die Grossmutter, deren Domizil sich in F._______ 

befinde, dass ihre Töchter im Ausland um Asyl nachgesucht hätten und 

sich seit ein paar Tagen Personen, die im Zusammenhang mit den Morden 

an ihrem Ehemann und ihrem Sohn stünden, nach dem Aufenthaltsort ihrer 

Töchter und Enkel erkundigten (vgl. Beschwerdebeilage 12). Nach dem 

Gesagten vermag die Beschwerdeführerin aus ihren diesbezüglichen Aus-

führungen in der Beschwerdeschrift und den entsprechenden Beweismit-

teln nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. 

6.3.4 Das Motiv bei einer nichtstaatlichen Verfolgung kann sich nicht nur 

auf die eigentliche Verfolgung, sondern auch auf die fehlende Schutzwillig-

keit der Behörden beziehen. Die entsprechende Motivation kann somit 

– alternativ – sowohl die eigentliche Verfolgung als auch die Schutzunwil-

ligkeit bezüglich dieser Verfolgung betreffen (vgl. beispielsweise Urteil des 

BVGer D-4533/2017 vom 22. Februar 2021 E. 6.3).  

Ohne die auf Beschwerdeebene geltend gemachte, in verschiedenen Ge-

genden Kolumbiens bisweilen prekäre Sicherheitslage in Abrede stellen zu 

wollen, geht auch das Bundesverwaltungsgericht von der grundsätzlichen 

Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit der kolumbianischen Strafverfol-

gungs- und Justizbehörden aus. Zudem ist nicht ersichtlich, dass und wes-

halb der Beschwerdeführerin die bestehende Schutzinfrastruktur nicht zu-

gänglich oder ihr deren Inanspruchnahme aus individuellen Gründen nicht 

zuzumuten gewesen wäre. Auch diesbezüglich ist auf die entsprechenden 

Ausführungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen, welche nicht 

zu beanstanden sind (vgl. vorstehend E. 6.1). 

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde ist vorliegend kein man-

gelnder Schutzwille des kolumbianischen Staates auszumachen, der auf 

ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv zurückzuführen wäre. Gemäss ih-

ren Angaben fühlte sich die Beschwerdeführerin erst nach ihrer Rückkehr 

vom Austauschprogramm im Jahr 2019 verfolgt und bemühte sich um Auf-

nahme in die Opferliste, in der ihre Mutter und ihr Bruder bereits seit dem 

Jahr 2017 verzeichnet sind (vgl. SEM-act. […]-20/14 F85, Beschwerdebei-

lage 3). Die Aufnahme wurde ihr gemäss dem bei der Vorinstanz einge-

reichten Urteil vom 26. Juni 2020 verweigert, weil die Voraussetzungen 

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dazu – die Verfolger gehörten nicht den Gruppen an, vor denen durch die 

G._______ Schutz gewährt werde – nicht gegeben seien. Ob diese Be-

gründung, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, nicht schlüssig sei 

beziehungsweise in Widerspruch zur Aufnahme ihrer Mutter und ihres Bru-

ders in die Liste stehe, kann nicht abschliessend beurteilt werden. Aus den 

Akten geht nicht hervor, mit welcher Begründung die Beschwerdeführerin 

um Aufnahme in die Liste ersucht hat. In diesem Zusammenhang ergibt 

sich jedoch aus der von der Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz einge-

reichten Korrespondenz mit der Staatsanwaltschaft, dass sich diese inso-

fern als nicht zuständig erklärte, als die Beschwerdeführerin erklärt habe, 

ihre Familienangehörigen seien von Angehörigen einer paramilitärischen 

Gruppierung ermordet worden, diese indes im Jahr 1986 in der Region des 

Tatorts nicht präsent gewesen sei, und deshalb die Akten zur Ermittlung 

der Zuständigkeit an S._______ weitergeleitet würden (vgl. Antwortschrei-

ben der Staatsanwaltschaft vom 10. Juli 2020 und SEM-act. (…)-20/14 

F95). Bei dieser Sachlage erweist sich der Vorwurf, die kolumbianischen 

Behörden hätten der Beschwerdeführerin den ihr zustehenden Schutz ver-

weigert, als unbegründet. Im Übrigen hätte sich die Beschwerdeführerin, 

welche im Zusammenhang mit den geltend gemachten Bedrohungen bis-

lang offenbar darauf verzichtet hat, Anzeige zu erstatten, an die Behörden 

wenden können. Auch ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sich jene 

aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv geweigert hätten, behilflich 

zu sein. 

 

6.3.5 Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in ih-

rem Heimatstaat hinreichenden Schutz im Sinne der sogenannten Schutz-

theorie (vgl. oben E. 5.1) hätte erhalten können beziehungsweise dass ihr 

ein solcher – falls nötig – auch nach ihrer Rückkehr zugänglich sein wird. 

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin sich alter-

nativ auch in einer anderen Region Kolumbiens aufhalten könnte, falls sie 

sich an einem der bisherigen Aufenthaltsorte unsicher fühlen sollte.  

6.4 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der 

Beschwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

D-1023/2022 

Seite 13 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Hindernissen beim Wegweisungsvollzug gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

8.2.2 Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist 

das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG – wie in der angefochtenen Verfügung zu-

treffend bemerkt wurde – nicht anwendbar.  

 

8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-

rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder 

Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge-

richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-

ausschusses eine konkrete Gefahr ("real risk") müsste die Beschwerdefüh-

rerin nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschie-

bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 

D-1023/2022 

Seite 14 

37201/06, §§ 124127 m.w.H.). Das ist ihr jedoch – insbesondere auch mit 

dem Hinweis auf die politische und rechtsstaatliche Lage in Kolumbien und 

der geltend gemachten Überforderung der kolumbianischen Schutzinfra-

struktur (vgl. Beschwerde, S. 11 und 13) – nicht gelungen.  

8.2.4 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe 

wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur lassen auf eine kon-

krete Gefährdung der Beschwerdeführerin im Falle einer Rückkehr schlies-

sen.  

Die Vorinstanz hat diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen, dass die 

Beschwerdeführerin jung und – abgesehen von gelegentlichen (…) – bei 

guter Gesundheit ist. Diese habe sie gemäss ihren Angaben seit rund (…) 

Jahren, seit sie (…). Sie habe sich in Kolumbien ärztlich behandeln lassen 

und Medikamente bekommen. Es ist somit davon auszugehen, dass eine 

adäquate medizinische Behandlung der (…) auch bei einer Rückkehr nach 

Kolumbien wieder gewährleistet sein wird. Die Beschwerdeführerin verfügt 

zudem über einen universitären Abschluss in (…) und hat bereits während 

dem Studium in diesem Bereich Arbeitserfahrung gesammelt. Ausserdem 

verfügt sie über Arbeitserfahrung in (…). Es kann deshalb davon ausge-

gangen werden, dass sie sich bei einer Rückkehr nach Kolumbien rasch 

wieder ins Erwerbsleben integrieren kann, zumal sie ihr Heimatland erst 

vor einigen Wochen verlassen hat. Ihre Grossmutter und eine ihrer Tanten 

sowie weitere Verwandte, leben nach wie vor in Kolumbien. Sie kann die 

Rückreise in ihr Heimatland gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder 

antreten, deren Beschwerde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

gleichen Datums abgewiesen wird. 

8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

D-1023/2022 

Seite 15 

8.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls zusätz-

lich notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG 

und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei-

sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).  

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstands-

los geworden.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1023/2022 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Gesuch um Vereinigung der Beschwerdeverfahren D-1023/2022 und 

D-1026/2022 wird abgewiesen. 

2.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

Versand: