# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b793d953-4a3d-52eb-be0b-6a847727975f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.09.2021 D-3934/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3934-2021_2021-09-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3934/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz) 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richter Gérald Bovier  

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Chantay Schelivan,  

(…)  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 26. August 2021 / N (…). 

 

 

 

D-3934/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie, ersuchte am 14. April 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) in 

B._______ um Asyl. Dabei gab er auf dem Personalienblatt an, am 1. Ja-

nuar 2005 geboren und somit minderjährig zu sein. Gemäss der am 15. Ap-

ril 2021 eingereichten Tazkera sei er im Jahr 1399 (2020) fünfzehnjährig 

gewesen.  

B.  

Ein Abgleich mit der zentralen Fingerabdruckdatenbank der Europäischen 

Union in Asylangelegenheiten EURODAC ergab, dass der Beschwerdefüh-

rer bereits am 21. Oktober 2020 in Bulgarien und am 2. März 2021 in Ru-

mänien um Asyl ersucht hatte.  

C.  

C.a Am 5. Mai 2021 fand die Erstbefragung (EB UMA) statt. Dabei machte 

der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, 2005 geboren und somit 

minderjährig zu sein. Seine Mutter habe ihm sein Alter erzählt, als er ge-

meinsam mit ihr kurz vor seiner Ausreise (im Juni 2020) seine Tazkera 

habe ausstellen lassen. Sein genaues Geburtsdatum wisse er jedoch nicht. 

Sein Vater sei verstorben, als er noch sehr jung gewesen sei. Seine Mutter 

und drei jüngere Geschwister würden im Distrikt Tagab im Dorf C._______ 

leben. Ein älterer Bruder (N […]) lebe seit einigen Jahren als vorläufig Auf-

genommener in der Schweiz. Er selber sei Analphabet und habe die Schule 

nie besucht, sondern habe bereits in jungen Jahren zuerst als Gemüsever-

käufer und danach bis vor seiner Ausreise als Schneider gearbeitet und für 

den afghanischen Staat Uniformen abgeändert. Er sei ausgereist, weil die 

starke Präsenz der Taliban ein normales Leben in Afghanistan verunmög-

licht habe und, weil diese ihn, respektive seinen Onkel, wegen seiner Arbeit 

für den afghanischen Staat bedroht hätten.   

C.b Zum rechtlichen Gehör zu einer möglichen Zuständigkeit Rumäniens 

oder Bulgariens zur Durchführung des Asylverfahrens sowie einer allfälli-

gen Wegweisung in einen der beiden Staaten im Rahmen der EB UMA 

äusserte sich der Beschwerdeführer dahingehend, dass er in Rumänien 

und in Bulgarien nicht unterstützt, sondern von den Sicherheitsleuten im 

Flüchtlingslager geschlagen worden sei. Er habe dort die Schule jeweils 

nicht besuchen können. Hinsichtlich einer möglichen Wegweisung nach 

Deutschland erklärte er, er wolle mit seinem in der Schweiz wohnhaften 

Bruder zusammenleben.   

D-3934/2021 

Seite 3 

D.  

Das von der Vorinstanz veranlasste Altersgutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin in D._______ vom 19. Mai 2021 ergab im Ergebnis, dass 

der Beschwerdeführer das 17. Lebensjahr sicher vollendet habe und ein 

durchschnittliches Alter von 18 bis 22 Jahren aufweise. Das von ihm ange-

gebene Alter von fünfzehn Jahren und elf Monaten könne demnach nicht 

zutreffen.  

E.  

E.a Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 

21. Mai 2021 das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen des Instituts für 

Rechtsmedizin sowie zur Altersanpassung auf den (…).  

E.b Mit Eingabe vom 3. Juni 2021 nahm der Beschwerdeführer durch seine 

damalige Rechtsvertretung Stellung zur angeblichen Volljährigkeit. Dabei 

hielt er an seiner Minderjährigkeit fest und beantragte eine altersgerechte 

Unterbringung und Betreuung. Weiter ersuchte er das SEM, im zentralen 

Migrationsinformationssystem ZEMIS sei ein Bestreitungsvermerk zu sei-

nem Alter anzubringen und im Rahmen des Berichtigungsverfahrens eine 

anfechtbare ZEMIS-Verfügung nach Art. 19 Abs. ZEMIS-Verordnung i.V.m. 

Art. 5 VwVG auszustellen oder alternativ über die Änderung seiner Perso-

nendaten im Endentscheid als separaten Dispositivpunkt zu verfügen.   

E.c Gleichentags passte die Vorinstanz das Geburtsdatum des Beschwer-

deführers auf den (…) an und machte einen Bestreitungsvermerk.  

F.  

F.a Gestützt auf den im EURODAC registrierten Beschwerdeführer er-

suchte die Vorinstanz am 4. Juni 2021 die rumänischen Behörden um des-

sen Übernahme im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b VO Dublin, welche am 

17. Juni 2021 mit der Begründung abgelehnt wurde, dass Bulgarien zu-

ständig sei. Weiter teilten die rumänischen Behörden mit, dass der Be-

schwerdeführer am 2. März 2021 in Rumänien und unter dem Namen 

E._______, geboren am (…), registriert worden sei.  

F.b Am 17. Juni 2021 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behörden 

um die Übernahme des Beschwerdeführers, welche dem Ersuchen am 

25. Juni 2021 zustimmten. Weiter informierten sie, dass er in Bulgarien un-

ter dem Namen F._______, geb. (…) registriert sei. 

G.  

Mit Eingabe vom 15. Juli 2021 wurde ein Mandatswechsel angekündigt. 

D-3934/2021 

Seite 4 

Die Rechtsvertretung beantragte (erneut) eine anfechtbare ZEMIS-Verfü-

gung, um das Alter des Beschwerdeführers abändern lassen zu können, 

ansonsten ihm ein nichtwiedergutzumachender Nachteil entstehen könne. 

H.  

Am 21. Juli 2021 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör zu seinen in Rumänien und Bulgarien erfassten Persona-

lien respektive Geburtsdaten sowie zur beabsichtigten Wegweisung nach 

Bulgarien. Gleichzeitig wurde im selben Schreiben festgehalten, dass in 

Kürze ein anfechtbarer Asylentscheid ergehe und mit diesem die Volljäh-

rigkeit respektive der Eintrag im ZEMIS angefochten werden könne.  

I.  

Mit Eingabe vom 2. August 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung. 

J.  

Mit Anfragen vom 11. August 2021 und 26. August 2021 ersuchte das SEM 

um Einsicht in allfällige medizinischen Akten bei der Pflege in B._______ 

und G._______. Aus den beiden Antworten geht hervor, dass der Be-

schwerdeführer weder bei Medic-Help noch bei einem Arzt gewesen ist, 

keine medizinischen Akten entstanden seien und keine Arzttermine aus-

stehend sind.  

K.  

Mit Verfügung vom 26. August 2021 (eröffnet am 27. August 2021) trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz in den für ihn zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Bulgarien an und 

forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be-

schwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

Ferner beauftragte das SEM den zuständigen Kanton H._______ mit dem 

Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aushändigung der editionspflich-

tigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an. Das Geburtsdatum im ZEMIS 

wurde auf den (… mit Bestreitungsvermerk gesetzt.  

L.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer durch seine Rechts-

vertreterin mit Eingabe vom 3. September 2021 Beschwerde und bean-

tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung 

der Sache zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststellung. Als 

D-3934/2021 

Seite 5 

Eventualantrag wurde das Begehren gestellt, die Vorinstanz sei anzuwei-

sen, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers auf den (…) zu ändern, 

auf das Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylver-

fahren durchzuführen. Weiter sei eine Rechtsverweigerung betreffend feh-

lender ZEMIS-Verfügung festzustellen. Sodann wurde die aufschiebende 

Wirkung der Beschwerde beantragt und das Begehren gestellt, die Voll-

zugsbehörden im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Mass-

nahme unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung nach Bulgarien 

abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung entschieden habe. In prozessualer Hinsicht wurde 

die unentgeltliche Prozessführung und der Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses beantragt. 

M.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 7. September 2021 wurde der 

Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers nach Bulgarien gestützt 

auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen ausgesetzt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

D-3934/2021 

Seite 6 

1.4 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichtein-

tretensentscheid betreffend das Asylgesuch als auch gegen die ZEMIS-

Eintragung.  

Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG ver-

zichtet. 

2.  

2.1  

2.1.1 Der Beschwerdeführer machte eine Rechtsverweigerung geltend, da 

die Vorinstanz keine anfechtbare Zwischenverfügung gegen die ZEMIS-

Anpassung erlassen habe und ihm bei Annahme der Volljährigkeit ein nicht 

wiedergutzumachender Nachteil drohe. 

2.1.2 Rechtsverweigerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichter-

lass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt vor-

aus, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass ei-

ner Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch 

ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu 

handeln, und dem Rechtssuchenden nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 

VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.). 

2.1.3 Eine Rechtsverweigerung liegt dann vor, wenn sich die Behörde wei-

gert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu verpflichtet wäre. Vor-

liegend beantragte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Juni 2021 

an die Vorinstanz den Erlass einer anfechtbaren ZEMIS-Verfügung oder 

alternativ über die Änderung seiner Personendaten im ZEMIS im Endent-

scheid in einem separaten Dispositivpunkt zu verfügen. In der Eingabe vom 

15. Juli 2021 wurde erneut eine selbständig anfechtbare ZEMIS-Verfügung 

beantragt. Dazu war mit Antwort der Vorinstanz vom 21. Juli 2021 darauf 

hingewiesen worden, dass in absehbarer Zeit der Asylentscheid erfolge 

und mit diesem in einem eigenständigen Dispositivpunkt das Alter respek-

tive die Volljährigkeit des Beschwerdeführers anfechtbar sei (vgl. SEM-

Akte 37/2, S. 2). Die Vorgehensweise der Vorinstanz ist vorliegend nicht zu 

beanstanden und die separate Beschwerdefrist von dreissig Tagen ist kor-

rekt angeführt. Die in Aussicht gestellte Endverfügung ist zeitnah (innert 

fünf Wochen) ergangen und erscheint dem Gericht als angemessen, wobei 

dem Begehren des Beschwerdeführers vom 3. Juni 2021 entsprochen 

wurde, in der Verfügung vom 21. August 2021in Dispositivpunkt 6 über die 

Feststellung seines Geburtsdatums im ZEMIS auf den (…) mit Bestrei-

tungsvermerk zu verfügen. Eine Rechtsverweigerung ist demnach nicht zu 

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Seite 7 

erkennen. Ein nicht wiedergutzumachender Nachteil ist ihm nicht entstan-

den, zumal er im Rahmen der Verfügung des Asylentscheids die Möglich-

keit erhielt, Beschwerde gegen die Eintragung ins ZEMIS zu erheben.  

2.2  

2.2.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das 

ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- 

und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes 

über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom 

20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-

rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513; 

ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-

nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren  

Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Infor-

mationen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personen- 

daten, nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG. 

2.2.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu 

vergewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundes- 

organen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, 

dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. 

Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Ist die Unrichtigkeit erstellt, besteht ein unein-

geschränkter Anspruch auf Berichtigung (vgl. statt vieler Urteil des BVGer 

A-7615/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.2, m.w.H.).  

2.2.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person 

die Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-

streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-

daten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 

2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweis- 

regeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung 

sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen 

Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. 

2.2.4 Das Gericht äussert sich nachfolgend zur materiellen Frage der 

Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Minderjährigkeit respektive der 

Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausführlich (vgl. E. 7.3 bis 7.7) und 

kommt zum Schluss, dass er seine Minderjährigkeit nicht hat glaubhaft dar-

legen können.  

 

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Seite 8 

3.  

3.1 In der Beschwerde werden weiter formelle Rügen erhoben, welche vor-

gängig zu behandeln sind.  

 

3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän-

ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel-

che die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie entlastenden 

Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheidwesentli-

chen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-

tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa, weil die Rechtserheb-

lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent-

scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden,  

oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver-

haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-

relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig dann der 

Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien auf recht-

liches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10, E. 3.2 m.w.H.). 

3.3 Nach Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die 

Pflicht (und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von 

Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht) an der Feststellung 

des Sachverhaltes mitzuwirken. Sofern die gesetzlichen Mitwirkungs-

pflichten durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, muss 

die Behörde insbesondere dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, 

wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr 

eingereichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten 

am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von 

Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50, E. 10.2; 

2008/24, E. 7.2.; 2007/21, E. 11.1).  

3.4 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-

spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. 

VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der 

Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-

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zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-

hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 

tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 

berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss (a.a.O. E. 3.3 m.w.H.).  

3.5 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches 

Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent-

scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach-

gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmitte-

linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. 

BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die 

wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die 

Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf wel-

che sie ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). Nicht erforder-

lich jedoch ist, dass sich die Begründung mit allen Parteipunkten einläss-

lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-

legt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

3.6 Die geltend gemachte Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und 

der Begründungspflicht hinsichtlich der geltend gemachten Minderjährig-

keit des Beschwerdeführers erweisen sich als unbegründet, zumal sich die 

Vorinstanz nicht ausschliesslich auf die Resultate des Altersgutachtens 

stützte, sondern auch anhand der Aussagen des Beschwerdeführers dar-

gelegte, weshalb seinen Altersangaben nicht geglaubt werden könne. 

Überdies handelt es sich bei der vorliegenden Frage um keine formelle, 

sondern um die materielle Frage der Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 

AsylG. 

3.7 Dem Vorhalt des Beschwerdeführers, der medizinische Sachverhalt sei 

ungenügend abgeklärt worden und unberücksichtigt geblieben, kann eben-

falls nicht gefolgt werden, zumal gemäss Anfrage vom 11. August 2021 und 

26. August 2021 an die SEM-Pflege Medic Help weder Anzeichen auf ge-

sundheitliche Beschwerden vorlagen, noch Behandlungstermine offen wa-

ren. Die Vorinstanz erkundigte sich mit ihren Anfragen an die SEM-Pflege 

Medic Help explizit auch nach allfälligen vorhandenen Arztberichten oder 

Terminen. Gleichentags wurde per Mail bestätigt, dass der Beschwerde-

führer bei Medic Help nicht vorstellig geworden sei und weder medizinische 

Unterlagen vorhanden seien noch Arzttermine ausstehen würden, weshalb 

die Vorinstanz ihrer Pflicht nachgekommen ist und den medizinischen 

Sachverhalt genügend abgeklärt hat.  

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Seite 10 

3.8 Schliesslich kann sich der Beschwerdeführer nicht darauf berufen, die 

Anhörung sei trotz klarer Anzeichen in Bezug auf seine Minderjährigkeit 

nicht altersgerecht durchgeführt worden. Er war in jedem Zeitpunkt des 

Asylverfahrens rechtlich vertreten und es wäre der ihm zugewiesenen 

Rechtsvertretung oblegen, diesbezügliche Einwände zu erheben, insbe-

sondere, wenn die Fragen tatsächlich unklar oder nicht altersgerecht aus-

gefallen wären. Da aus den Akten keine Einwände oder Bemerkungen sei-

tens der an der Anhörung anwesenden Rechtsvertretung ersichtlich sind, 

erweist sich der Vorhalt einer nicht altersgerechten Anhörung auf Be-

schwerdeebene als verfehlt.  

3.9 Sofern der Beschwerdeführer beanstandet, das rechtliche Gehör sei 

verletzt worden, weil die Protokolle seines Bruders nicht offengelegt wor-

den seien, verkennt er, dass ihm der wesentliche Inhalt bereits im Schrei-

ben vom 21. Mai 2021 inklusive der Gewährung des rechtlichen Gehörs 

dazu gewährt worden war und er sich detailliert in der Stellungnahme vom 

3. Juni 2021 hat äussern können, weshalb auch davon auszugehen ist, 

dass die Akteneinsicht gewährt worden war.  

3.10 Angesichts der vorangehenden Erwägungen kommt das Bundesver-

waltungsgericht zum Schluss, dass keine formellen Verfahrensfehler fest-

zustellen sind und die Rügen als unbegründet zurückzuweisen sind. Der 

beantragten Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung 

ist demnach der Boden entzogen, weshalb das Gericht in der Sache selbst 

entscheidet (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 

4.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

 

5.  

Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM 

ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

 

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Seite 11 

6.  

6.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

6.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens findet grundsätzlich keine erneute 

Prüfung der Zuständigkeit nach Kapitel III der Dublin-VO statt (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2017/VI/5, E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).  

6.3 Im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) 

sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der 

dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri-

terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si-

tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei-

nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im 

Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet dem-

gegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Ka-

pitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

6.4 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die 

Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, 

ist dieser Staat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet ge-

mäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-

tritts. 

6.5 Erweist es sich als unmöglich, Antragstellende in den eigentlich zustän-

digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-

nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-

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Seite 12 

tragstellende in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

6.6 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

eine antragstellende Person, die in einem anderen Mitgliedstaat einen An-

trag gestellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO auf-

zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO).  

6.7 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und 

das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-

tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre. 

6.8 Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Per-

son zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we-

nigstens glaubhaft zu machen, da sie die Beweislast dafür trägt, auch wenn 

das SEM die entscheidrelevanten Sachverhaltsmomente von Amtes we-

gen festzustellen hat (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-

rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3; BVGE 

2018/VI/3 E. 4.2.3 m.w.H.). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine 

Abwägung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der be-

treffenden Altersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. BVGE 2009/54 

E. 4.1). 

 

7.  

7.1 Die Vorinstanz führte in ihrem Entscheid aus, der Beschwerdeführer 

habe seine geltend gemachte Minderjährigkeit nicht glaubhaft darlegen 

können. Die Angaben seiner im Original eingereichten Tazkera, gemäss 

welcher er im Mai 2020 fünfzehnjährig gewesen sein soll, stimmten nicht 

D-3934/2021 

Seite 13 

mit seinen Ausführungen der EB UMA vom Mai 2021 überein. Zum Zeit-

punkt, als seine Mutter ihm sein Alter genannt habe, wäre er gemäss An-

hörungsprotokoll demnach erst vierzehn und einige Monate alt gewesen. 

Darauf angesprochen, habe er sich in Widersprüche verstrickt und behaup-

tet, seine Mutter habe ihm diese Altersangabe erst drei oder vier Monate 

zuvor – und somit im Januar oder Februar 2021 – mitgeteilt. Weiter habe 

er vorgebracht, die Schule nie besucht zu haben und Analphabet zu sein. 

Hinsichtlich seines Werdegangs sei er nicht in der Lage gewesen, konkrete 

Zeitangaben zu machen, da er sich nicht erinnern könne und über kein 

Zeitgefühl verfüge. Dass er kurz darauf aber habe darlegen können, wäh-

rend zwei Jahren als Schneider gearbeitet zu haben, erscheine angesichts 

dieser Erklärungen als realitätsfremd. Weiter erstaune es, dass er weder 

gewusst habe, wann sein Vater verstorben sei, noch das Alter seiner Mutter 

oder Geschwister respektive die Altersdifferenz habe nennen können. So-

dann stünden die Angaben seines in der Schweiz lebenden Bruders in des-

sen Anhörungsprotokollen den seinen zu seinem Lebenslauf und den Fa-

milienverhältnissen entgegen und würden auch für seine Volljährigkeit 

sprechen. Die Zweifel an seinem geltend gemachten Alter von fünfzehn 

Jahren und elf Monaten würden durch die durchgeführte Altersabklärung 

untermauert. Das Gutachten habe ergeben, dass er – unter Berücksichti-

gung aller Befunde – ein Mindestalter von siebzehn Jahren aufweise und 

von einem durchschnittlichen Lebensalter von achtzehn bis zweiundzwan-

zig Jahren auszugehen sei. Basierend auf der radiologischen Untersu-

chung der Schlüsselbein-Brustbeingelenke liege sein wahrscheinliches Al-

ter bei einundzwanzig Jahren und daher müsse mit einer überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit von seiner Volljährigkeit ausgegangen werden. Die im 

Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs dargelegte Argumenta-

tion, das durchgeführte Altersgutachten sei unter den gegebenen Umstän-

den kein Indiz für seine Volljährigkeit, es müsse eine Gesamtwürdigung 

aller Umstände gemacht und von seiner Minderjährigkeit ausgegangen 

werden, überzeuge nicht. Die eingereichte Tazkera sei kein rechtsgenügli-

ches Dokument zur Bestimmung seines genauen Geburtsdatums und 

könne nicht als Beweis für seine Personalienangaben hinzugezogen wer-

den, zumal eine Tazkera leicht fälschbar und käuflich sei. Zudem habe er 

sich bei seinen Ausführungen hinsichtlich seines Alters auf die Angaben 

seiner Mutter und nicht auf diejenigen in der Tazkera gestützt. Seine Erklä-

rung, er habe erst nach der Ausstellung dieses Dokuments von seinem Al-

ter erfahren und sei im August oder September 2020 sechzehnjährig ge-

wesen, sei ebenso eine Schutzbehauptung, wie seine dargebrachte Unfä-

higkeit, wegen fehlender Schulbildung keine konkreteren Angaben machen 

D-3934/2021 

Seite 14 

zu können, zumal er als Schneider gearbeitet und die Reise nach Europa 

selber bewältigt habe.  

Hinsichtlich des Antrags, es sei innert einer angemessenen Frist eine an-

fechtbare ZEMIS-Verfügung auszustellen, ansonsten dem Beschwerde-

führer ein nicht wiedergutzumachender Nachteil entstünde, sei zu erwäh-

nen, dass sein Alter im ZEMIS bereits geändert worden sei und ein Gesuch 

um Änderung keinen Vorrang vor dem beschleunigten Verfahren oder dem 

Dublin-Verfahren habe, weshalb kein Anlass dazu bestanden habe, sein 

Alter vor dem Endentscheid zu verfügen. Ein nicht wiedergutzumachender 

Nachteil sei ihm nicht entstanden, zumal mit dem Endentscheid die Mög-

lichkeit bestünde, gegen den ZEMIS-Eintrag Beschwerde zu erheben.  

Bezüglich der Zuständigkeit Bulgariens sei festzuhalten, dass keine we-

sentlichen Gründe für systematische Schwachstellen im bulgarischen Asyl-

verfahren vorliegen würden. Daran ändere die Tatsache, dass ihm dort un-

ter Zwang die Fingerabdrücke genommen worden seien, er wissentlich gar 

kein Asylgesuch gestellt habe und während eines Monats in einem ge-

schlossenen Asylzentrum gelebt habe sowie geschlagen worden sei, 

nichts, zumal Bulgarien einer funktionierenden Rechtssaat sei und die 

Möglichkeit zur Beschwerdeerhebung bestehe. Auch habe er keine kon-

kreten Hinweise erörtert, wonach die bulgarischen Behörden ihm die ihm 

zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten würden. Auch 

könne er nicht zu seinen Gunsten ableiten, dass sein Bruder in der Schweiz 

lebe. Daran würde auch eine durchgeführte DNA-Analyse nichts ändern, 

da Art. 2 Bst. g VO-Dublin nicht anwendbar sei. Schliesslich sei im Zusam-

menhang mit den in der Stellungnahme hingewiesenen Gefahr von Ketten-

abschiebungen nach Afghanistan durch die bulgarischen Behörden festzu-

halten, dass keine genügend konkreten Hinweise darauf bestehen würden, 

dass er keinen Zugang zu einem rechtstaatlichen Verfahren im Sinne des 

Dublin-Systems hätte und Bulgarien die völkerrechtlichen Bestimmungen 

nicht respektieren würde.  

Auch sei der medizinische Sachverhalt genügend abgeklärt worden und es 

bestehe kein Anlass zur Annahme, dass bei einer (auch zwangsweisen) 

Überstellung nach Bulgarien Art. 3 EMRK verletzt sei, zumal seine geltend 

gemachten gesundheitlichen Probleme (Gedankenkreisen und Appetitlo-

sigkeit) in Bulgarien problemlos behandelt werden könnten.  

7.2 Der Beschwerdeführer monierte, dass er, entgegen der vorinstanzli-

chen Argumentation, unglaubhafte Aussagen zu seinem Alter gemacht zu 

D-3934/2021 

Seite 15 

haben, zweimal dieselbe Antwort zu seinem Alter gegeben und erst im spä-

teren Verlauf der Anhörung verwirrend geantwortet habe. Zudem sei er zu 

weiteren diesbezüglichen Antworten gedrängt worden, obwohl er offen-

sichtlich Analphabet sei und erklärt habe, keine genauen, sondern lediglich 

ungefähre Angaben zu seinem Alter sowie zum Zeitpunkt der Ausstellung 

seiner Tazkera machen zu können. Deshalb sei kein Widerspruch in seinen 

Ausführungen ersichtlich. Die Angaben auf dem Dokument würden zwar 

kein konkretes Geburtsdatum aufweisen, jedoch gehe daraus hervor, dass 

er im Jahr 2020 fünfzehnjährig gewesen sei, was sich mit seinen Altersan-

gaben decke. Die Tatsache, dass er den weiteren Lebenslauf sowie den 

Tod seines Vaters zeitlich nicht konkret habe situieren können, sei seinem 

Alter geschuldet, da Kinder nicht über ein ausgeprägtes Zeitgefühl verfüg-

ten und er ausserdem aus eine ländlichen Gegend stamme, wo Daten 

keine wesentliche Rolle spielten. Ausserdem sei seine Unsicherheit zu 

Zeitangaben mehrmals im Protokoll zum Ausdruck gekommen. Insgesamt 

sei dies keine kindsgerechte Anhörung gewesen. Ferner erstaune es, dass 

sein jugendliches Äusseres nicht als ein weiteres Indiz für seine Minder-

jährigkeit herangezogen worden sei. Hinsichtlich der Altersangaben aus 

Bulgarien und Rumänien sei festzuhalten, dass er in diesen beiden Staaten 

nicht aufgefordert worden sei, Identitätsdokumente einzureichen und er zu-

dem falsch registriert worden sei, zumal er bei einer Erstregistrierung zu 

Fehlern kommen könne. Ausserdem habe er seine Angaben nicht überprü-

fen können, weil er die Sprache nicht verstanden habe.  

Er sei seiner Mitwirkungspflicht nachgekommen und habe ohne Aufforde-

rung seine Tazkera abgegeben. Obwohl die Vorinstanz keine objektiven 

Fälschungsmerkmale habe erkennen können, sei sie nicht gewürdigt wor-

den. Indem deren Beweiswert abgesprochen worden sei und die Vor- 

instanz ihm ein falsches Geburtsdatum zugewiesen habe, sei sein Recht 

auf Identität gemäss Art. 8 des Übereinkommens vom 20. November 1989 

über die Rechte des Kindes (KRK; SR 0.107) verletzt worden.  

7.3 Gemäss Rechtsprechung sind von den in der Schweiz angewandten 

Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- res-

pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht je-

doch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu-

chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per-

son geeignet. Anhand der medizinischen Altersabklärung lässt sich keine 

Aussage zur Minder- respektive Volljährigkeit einer Person machen, wenn 

das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüssel-

bein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt (vgl. BVGE 

D-3934/2021 

Seite 16 

2018 VI/3 E. 4.2.1f.). Das beim Beschwerdeführer laut Gutachten vom 

19. Mai 2021 ermittelte Mindestalter liegt sowohl bei der zahnärztlichen Un-

tersuchung (Mindestalter: 17 .0 bis 17.4 Jahre) als auch bei der Schlüssel-

bein- respektive Skelettaltersanalyse (Mindestalter: 17.6 Jahre) unter 

18 Jahren. Laut dem Gutachten liegt das Mindestalter des Beschwerdefüh-

rers im Zeitpunkt der Untersuchung vom 14. Mai 2021 bei 17 Jahren und 

einem durchschnittlichen Lebensalter von achtzehn bis zweiundzwanzig 

Jahren. Gestützt auf dieses Gutachten kann gemäss Rechtsprechung we-

der auf die Volljährigkeit noch auf die Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-

rers im Zeitpunkt der Asylgesuchgestellung in der Schweiz geschlossen 

werden und es vermag somit auch kein Indiz für seine Minderjährigkeit dar-

zustellen. Die vorinstanzliche Argumentation, dass ausgehend von den 

medizinischen Befunden von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers 

ausgegangen werde, ist demnach verfehlt.  

7.4 Die im Original eingereichte Tazkera weist keine offensichtlichen Fäl-

schungsmerkmale auf, wobei daraus die Minderjährigkeit des Beschwer-

deführers hervorgeht. Jedoch ist hervorzuheben, dass es sich bei der ein-

gereichten Tazkera nicht um ein rechtsgenügliches Dokument handelt, wel-

che die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht abschliessend zu belegen 

respektive die dargelegten Unglaubhaftigkeitselemente aufzuwiegen ver-

mag, zumal Tazkeras über keine Sicherheitsmerkmale verfügen und leicht 

fälschbar sind (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2, BVGE 2013/30, E. 4.2.2). Unge-

achtet der Altersangabe auf der Tazkera ergeben sich erhebliche Zweifel 

an der Glaubhaftigkeit seiner geltend gemachten Minderjährigkeit. Seine 

ausweichenden Antworten zu den Alters- und Familienangaben überzeu-

gen insgesamt nicht, und es ist davon auszugehen, dass er – aus den 

nachfolgenden Gründen – nicht wie von ihm behauptet, ungefähr sech-

zehnjährig, also minderjährig ist. Wie bereits die Vorinstanz zu Recht fest-

stellte, ergeben sich verschiedene Widersprüche zu seinen Altersangaben. 

Einerseits legte er dar, im Zeitpunkt der EB UMA (5. Mai 2021) sechzehn-

jährig zu sein, anderseits erklärte er, ungefähr drei oder vier Monate vor 

der Ausstellung seiner Tazkera im Mai 2020 erfahren zu haben, dass er 

sechzehnjährig sei, womit er im Zeitpunkt der Anhörung bereits ein Jahr 

älter sein müsste. Wieso er zudem auf Vorhalt plötzlich dennoch Zeitanga-

ben in Monaten machen konnte, obwohl er angab, aufgrund seiner fehlen-

den Schulbildung dazu nicht fähig zu sein, erschliesst sich dem Gericht 

nicht und lässt erste ernsthafte Zweifel an seinen Ausführungen aufkom-

men (vgl. SEM-Akte 16/13, F1.06). Gemäss dieser Ausführung wäre er 

demnach im Zeitpunkt der Ausstellung der Tazkera erst vierzehn- und nicht 

bereits fünfzehnjährig gewesen. Angesichts dessen, dass er sich zwecks 

D-3934/2021 

Seite 17 

seiner Ausreise aus Afghanistan eine Tazkera hat ausstellen lassen und 

sich über sein Alter informierte, ist davon auszugehen, dass er sich über 

die Wichtigkeit bewusst gewesen sein musste und demensprechende kla-

rere Informationen wiedergegeben hätte. Zwar lässt sich nicht mit Sicher-

heit ausschliessen, dass seine registrierten Geburtsdaten aus Bulgarien 

und Rumänien nicht vollständig korrekt aufgenommen worden sind, jedoch 

sind diese Diskrepanzen als weiteres Indiz für fehlende Glaubhaftigkeit sei-

nes Alters zu werten. Ausserdem reichte er in der Schweiz anlässlich sei-

nes Asylverfahrens unaufgefordert seine Tazkera ein, was ihm auch in den 

beiden Dublin-Staaten möglich gewesen wäre, um damit seine Identität so-

wie seine Minderjährigkeit zu belegen. 

Auch die Ausführungen seines Bruders, gemäss welchen er demnach voll-

jährig respektive ungefähr im Jahr 1998 geboren wäre, stehen den Schil-

derungen des Beschwerdeführers entgegen. Sofern der Beschwerdeführer 

eine DNA-Analyse beantragt, um die familiären Verhältnisse zu seinem 

Bruder zu belegen, ist anzuführen, dass er daraus nichts zu seinen Guns-

ten würde ableiten können, da die verwandtschaftlichen Verhältnisse nicht 

bezweifelt werden und dessen Schilderungen seine Volljährigkeit bezeu-

gen würden.  

7.5 Wie die Vorinstanz bereits in ihrer Verfügung treffend darlegte, er-

scheint es realitätsfremd, dass der Beschwerdeführer nicht wenigstens 

eine ungefähre zeitliche Einordnung zu seinem Alter und demjenigen sei-

ner Geschwister hat angeben können. Auch von bildungsfernen Personen 

und unter Berücksichtigung der soziokulturellen Unterschiede kann von ei-

ner asylsuchenden Person erwartet werden, wenigstens im Ansatz ein un-

gefähres Alter respektive ungefähre Altersunterschiede zu seinen Ge-

schwistern angeben zu können (vgl. SEM-Akte 16/13, F3.01), zumal er mit 

diesen aufgewachsen ist. Hingegen erscheint es nicht abwegig, dass er 

das Alter seiner Eltern nicht gewusst hat. Weiter fallen die äusserst aus-

weichenden Angaben zur Dauer seiner Berufstätigkeiten auf. Auch auf (al-

ters- und bildungsgerechte) Nachfrage hin – wie viele Sommer oder Winter 

er im jeweiligen Beruf gearbeitet habe – konnte er diese nicht annährend 

beantworten. Das Argument, er sei bildungsfern und nicht zahlenaffin, er-

weist sich vor dem Hintergrund, dass die Frage nach den Jahresangaben 

umformuliert und entsprechend seiner Bildung gestellt worden war, in kei-

ner Weise als schlüssig. Auch aufgrund der Tatsache, dass er angab, wäh-

rend mehreren Jahren als Verkäufer und Alleinverdiener gearbeitet zu ha-

ben, ist ein gewisses Zahlenverständnis vorauszusetzen (vgl. SEM-Akte 

16/13, F1.17.04). Überdies wirkt seine plötzlich präzise Angabe, zwei Jahre 

D-3934/2021 

Seite 18 

als Schneider gearbeitet zu haben ebenso unverständlich, wie die konkrete 

Angabe der Summe, welche für seine Reise nach Europa bezahlt worden 

war (vgl. SEM-Akte 16/13, F1.17.04, F5.02).  

7.6 Bei der Einschätzung des Alters des Beschwerdeführers ist eine Ge-

samtwürdigung vorzunehmen. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist 

festzustellen, dass die Indizien, welche für seine Volljährigkeit sprechen, 

stark überwiegen und es kann ihm nicht geglaubt werden, dass er minder-

jährig ist, zumal er aufgrund seiner widersprüchlichen und äusserst vagen 

Aussagen anlässlich der EB UMA auch persönlich nicht glaubwürdig wirkt. 

Dazu trägt bei, dass er in verschiedenen Ländern diesbezüglich unter ver-

schiedenen Namen registriert worden ist und dafür keine nachvollziehbare 

Erklärung vorliegt. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass er aufgrund seiner 

ausweichenden Antworten seine Personalien respektive sein wahres Alter 

und seine familiäre Biographie nicht hat preisgeben wollen.  

7.7 Nach den vorangehenden Erwägungen kommt das Gericht kommt zum 

Schluss, dass die im ZEMIS erfasste Angabe zu seinem Geburtsdatum 

wahrscheinlicher ist als diejenige durch den Beschwerdeführer geltend ge-

machte. Demzufolge ist der Antrag in der Beschwerde auf Änderung des 

Eintrages im ZEMIS abzuweisen.  

Somit ist Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO (Minderjährige) nicht als Kriterium zur 

Bestimmung des für das Asylverfahren zuständigen Mitgliedstaats heran-

zuziehen. 

8.  

8.1 In seinem Referenzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 hat sich 

das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit dem bulgarischen Asylsys-

tem und der Situation asylsuchender Personen in Bulgarien auseinander-

gesetzt und dabei unter anderem festgehalten, dass das dortige Asylver-

fahren (v.a. Übersetzung, Rechtsverbeiständung, diskriminierende Asyl-

praxis gegenüber Angehörigen bestimmter Staaten) sowie die Aufnahme- 

und Haftbedingungen in Bulgarien zwar gewisse Mängel aufweisen wür-

den, jedoch zum Schluss gelangte, dass diese Mängel nicht systemischer 

Natur seien, weshalb von Überstellungen nach Bulgarien grundsätzlich 

nicht abzusehen sei. Insbesondere seien korrekte Asylverfahren in Bulga-

rien nicht systembedingt unmöglich. Die tiefen Anerkennungen der Flücht-

lingseigenschaft gegenüber Staatsangehörigen gewisser Länder rechtfer-

tige es für sich alleine genommen nicht, keine Überstellungen nach Bulga-

D-3934/2021 

Seite 19 

rien mehr vorzunehmen. Betroffene Personen könnten gegen einen nega-

tiven Asylentscheid ein wirksames Rechtsmittel einlegen. Zudem seien die 

Bedingungen in den Aufnahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten je-

doch nicht als unmenschlich oder entwürdigend qualifiziert werden 

(E. 6.6.1 und E. 6.6.7; vgl. auch Urteile des BVGer F-971/2021 vom 

10. März 2021 E. 4.2 und E. 4.3.1; D-818/2021 vom 25. Februar 2021 

S. 7–9). Demensprechend ist es dem Beschwerdeführer möglich, auch die 

geltend gemachte Befürchtung von Kettenabschiebungen im Rahmen ei-

nes Beschwerdeverfahrens in Bulgarien anzufechten.  

 

8.2 Bulgarien kommt somit seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus 

der EMRK, dem Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 

und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung  

oder Strafe (FoK, SR 0.105) und dem Abkommen vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie dem Zusatz-

protokoll der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) grundsätzlich nach. 

Im Weiteren darf davon ausgegangen werden, Bulgarien anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben 

(Urteile des BVGer F-7195/2018 E. 6.1; F-1738/2020 E. 6; E-569/2020). 

Auch wenn die Umstände der Unterbringung im bulgarischen Asylsystem 

nicht denjenigen in der Schweiz entsprechen und der Beschwerdeführer 

sich in der ihm zugewiesenen Unterkunft wie in einem «Gefängnis» gefühlt 

hat, vermögen diese Einwände die Vermutung der Einhaltung der völker-

rechtlichen Pflichten durch Bulgarien nicht umzustossen. Ernsthafte Hin-

weise für systemische Schwachstellen betreffend Asylverfahren und Auf-

nahmebedingungen in Bulgarien hat der Beschwerdeführer nicht darge-

legt. Ausserdem gab er an, sich über die gewalttätigen Sicherheitsleute bei 

einer Organisation beschwert zu haben (vgl. SEM-Akte 16/13, F8.01). Zu-

dem haben die bulgarischen Behörden grundsätzlich das Recht, Personen 

im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung und dem anwendbaren Völ-

kerrecht zu inhaftieren. Auch die genauen Umstände, weshalb er aus der 

Unterkunft in Bulgarien rausgeworfen worden sei, konnte er nicht näher 

darlegen. Schliesslich ergeben sich auch aus medizinischer Sicht keine 

Hindernisse, welche eine Überstellung nach Bulgarien nicht rechtfertigen 

würden. 

D-3934/2021 

Seite 20 

8.3 Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in 

Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht demnach keine Veranlassung. 

Eine Ermessensunterschreitung liegt nicht vor. Bulgarien bleibt somit zu-

ständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, den Be-

schwerdeführer wiederaufzunehmen. Der Vollständigkeit halber ist festzu-

halten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, 

den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 

2010/45 E. 8.3). 

8.4 Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-

sammenhang Coronavirus-Pandemie (COVID-19) stellen – gemäss aktu-

ellem Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und 

vermögen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. 

statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.). 

9.  

Das SEM ist nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein-

getreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-

sungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Bulgarien in Anwendung 

von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).  

10.  

Aus den obigen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bun-

desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie 

vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, so-

weit auf sie einzutreten ist. 

11.  

11.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist – ungeachtet der Tatsache, dass die Bedürf-

tigkeit des Beschwerdeführers durch keine entsprechende Bestätigung be-

legt wird – abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden 

Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen sind.  

11.2 Die Verfahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 

63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

                                                     (Dispositiv nächste Seite)  

D-3934/2021 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum (…) und der Bestreitungsver-

merk sind zu belassen. 

3.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

4.  

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– werden dem Beschwerde-

führer auferlegt. Dieser Betrag ist nach Eintritt der Rechtskraft des vorlie-

genden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Die Zah-

lungsfrist beträgt 30 Tage ab Rechnungsdatum. Die Zustellung des Einzah-

lungsscheins erfolgt mit separater Post.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, die zuständige kan-

tonale Behörde, das Generalsekretariat EJPD und den EDÖB. 

 

(Rechtsmittelbelehrung nächste Seite) 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

Contessina Theis Martina von Wattenwyl 

 

Versand:  

D-3934/2021 

Seite 22 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-

legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Rechts-

schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 

Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die be-

schwerdeführende Person in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).