# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 45045b1e-899d-55fd-b76f-6f449f29eb37
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.05.2010 A-310/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-310-2009_2010-05-07.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-310/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  M a i  2 0 1 0

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richter Daniel Riedo, 
Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall.

X._______, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (Steuerpflicht Homöopathie, Art. 18 
Ziff. 3 aMWSTG; 1. Semester 2006 bis 2. Se-
mester 2007).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-310/2009

Sachverhalt:

A.
Die  X._______  ist  eine  Gesellschaft  mit  beschränkter  Haftung  im 
Sinne von Art. 772 ff. des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, 
SR 220)  mit  Sitz in ... . Der Zweck der Gesellschaft  besteht  gemäss 
Eintrag im Handelsregister insbesondere in der Erbringung von Dienst-
leistungen auf dem Gebiet der Naturheilkunde und der Homöopathie. 
Leiterin der X._______ ist A._______.

B.
Per 1. Januar 2006 wurde die X._______ in das Register  der  Mehr-
wertsteuerpflichtigen  eingetragen.  Mit  Wirkung  ab  demselben  Zeit-
punkt wurde ihr die Abrechnung zu den Saldosteuersätzen von 6 % für 
die Tätigkeit "Homöopathin" sowie von 0,6 % für die Abgabe bzw. den 
Verkauf von Medikamenten bewilligt.

Mit  Schreiben  vom  5. September  2006  bestritt  die  X._______  ihre 
Steuerpflicht  und  ersuchte  für  den  Fall,  dass  die  Eidgenössische 
Steuerverwaltung  (ESTV)  an  der  Steuerpflicht  festhalten  sollte,  um 
Erlass eines einsprachefähigen Entscheids.

Zur Abklärung der Steuerpflicht ersuchte die ESTV die X._______ mit 
Schreiben vom 31. Januar 2008 um Angabe der Umsatzzahlen für die 
Jahre  2005,  2006  und  2007.  Die  X._______  erklärte  der  ESTV 
gegenüber, einen Umsatz von über Fr. 75'000.-- pro Jahr zu erzielen. 
Unter Hinweis auf  ihre Tätigkeit  auf  dem Gebiet  der Heilbehandlung 
stellte sie sich jedoch auf den Standpunkt, dass die entsprechenden 
Entgelte  steuerbefreit  seien,  und ersuchte  die  ESTV um den Erlass 
eines einsprachefähigen Entscheids.

Mit Entscheid vom 16. Juni 2008 bestätigte die ESTV die Steuerpflicht 
der X._______. Mangels Angaben seitens der Steuerpflichtigen setzte 
die ESTV die für die Steuerperioden 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 
2007  nachzufordernde  Steuer  ermessensweise  auf  Fr. 18'000.-- 
zuzüglich  Verzugszins  fest.  Mit  Ergänzungsabrechnung  (EA)  Nr. ... 
vom 16. Juni 2008 machte die ESTV ihre Steuerforderung in Höhe von 
Fr. 18'000.-- geltend.

C.
Mit Schreiben vom 15. Juli 2008 reichte die X._______ zwei Abrech-

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nungen  betreffend  die  Steuerperioden  1. Semester  2006  bis  2. Se-
mester  2007  nach  und  wies  dabei  eine  Mehrwertsteuerschuld  von 
insgesamt Fr. ... aus. Gleichzeitig erhob die X._______ mit Schreiben 
vom 16. Juli  2008  Einsprache  gegen  den  Entscheid  der  ESTV vom 
16. Juni 2008. Sie beantragte, der angefochtene Entscheid sowie die 
EA  Nr. ...  vom  16. Juni  2008  seien  aufzuheben  und  es  sei 
festzustellen, dass die X._______ nicht mehrwertsteuerpflichtig sei.

Mit  Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2008 hiess die ESTV die 
Einsprache  teilweise  gut.  Sie  bestätigte  die  Steuerpflicht  der 
X._______ bewilligte ihr lediglich den Saldosteuersatz von 6 % für die 
Tätigkeit  "Naturheilarztpraxis"  mit  Wirkung  per  1. Januar  2006  und 
setzte  die  für  die  Steuerperioden  1. Januar  2006  bis  31. Dezember 
2007 nachzufordernde Steuer auf Fr. ... zuzüglich Verzugszins von 5 % 
seit dem 1. Juni 2007 fest.

D.
Gegen diesen Einspracheentscheid der ESTV vom 2. Dezember 2008 
erhob die  X._______ (Beschwerdeführerin)  mit  Eingabe vom 16. Ja-
nuar  2009  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  be-
antragte, der angefochtene Entscheid sowie die EA Nr. ... seien unter 
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Des Weiteren stellte sie 
den  Antrag,  es  sei  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht 
mehrwertsteuerpflichtig sei; eventualiter sei diese Feststellung auf den 
streitigen  Abrechnungszeitraum zu  beschränken  und  für  die  Zukunft 
offen zu lassen. 

In  ihrer  Vernehmlassung  schloss  die  Vorinstanz  auf  Abweisung  der 
Beschwerde unter Kostenfolge.

Auf die Begründung der Anträge wird – soweit entscheidwesentlich – 
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art.  5 des 
Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021). Als anfechtbare Verfügungen gelten auch 
Einspracheentscheide der  Departemente  und der  ihnen unterstellten 

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oder  administrativ  zugeordneten Dienststellen  der  Bundesverwaltung 
(Art. 5  Abs. 2  VwVG  i.V.m.  Art. 33  Bst. d  VGG).  Das  Verfahren  vor 
Bundesverwaltungsgericht  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das 
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 2 Abs. 4 VwVG; Art. 37 VGG).

1.2 Das  Beschwerdeverfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  wird 
grundsätzlich  von  der  Dispositionsmaxime  beherrscht.  Die  Bestim-
mung des  Streitgegenstands obliegt  demnach  regelmässig  den Par-
teien (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor 
dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, N. 1.56, 3.198). 

Anfechtungsobjekt  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
bildet  einzig  der  vorinstanzliche  Entscheid.  Er  bildet  den  Rahmen, 
welcher  den  möglichen  Umfang  des  Streitgegenstands  begrenzt. 
Streitgegenstand  in  der  nachträglichen  Verwaltungsrechtspflege  ist 
demnach  das  in  der  angefochtenen  Verfügung  geregelte  Rechtsver-
hältnis, soweit es im Streit liegt (BGE 135 V 141 E. 1.4.2, 125 V 413 
E. 2a; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 2.7 f.).

1.3 Grundsätzlich  können  mit  der  Beschwerde  an  das  Bundesver-
waltungsgericht  auch  Feststellungsbegehren  gestellt  werden,  sofern 
an der konkreten Feststellung – welche eine Rechtsfrage zu betreffen 
hat  – ein schutzwürdiges Interesse besteht. Zu beachten bleibt  aber 
die Subsidiarität von Feststellungsentscheiden; sie sind nicht zulässig, 
wenn Leistungs- oder Gestaltungsentscheide möglich sind (BGE 119 V 
13; anstatt  vieler  Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  A-2999/2007 
vom 12. Februar 2010 E. 1.3).

1.4 Im  Rechtsmittelverfahren  kommt  –  wenn  auch  in  sehr  abge-
schwächter Form (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 1.55) – das Rü-
geprinzip mit Begründungserfordernis in dem Sinn zu tragen, dass der 
Beschwerdeführer die seine Rügen stützenden Tatsachen darzulegen 
und  allfällige  Beweismittel  einzureichen  hat  (Art  52  Abs. 1  VwVG; 
CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Zürich/St. Gallen 
2008,  N. 9  und  12  zu  Art. 12).  Hingegen  ist  es  grundsätzlich  nicht 
Sache der Rechtsmittelbehörden, den für  den Entscheid erheblichen 
Sachverhalt  von  Grund  auf  zu  ermitteln  und  über  die  tatsächlichen 
Vorbringen der  Parteien hinaus den Sachverhalt  vollkommen neu zu 
erforschen  (BVGE 2007/27  E. 3.3;  Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts  A-5550/2008  vom  21. Oktober  2009  E. 1.5;  MOSER/BEUSCH/ 
KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 1.52). Vielmehr geht es in diesem Verfahren da-

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rum, den von den Vorinstanzen ermittelten Sachverhalt zu überprüfen 
und allenfalls zu berichtigen oder zu ergänzen.

1.5 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde kann nach 
dem Gesagten  insoweit  eingetreten  werden,  als  die  Aufhebung  des 
angefochtenen  Entscheids  der  ESTV  vom  2. Dezember  2008  (vgl. 
oben, C und D) anbegehrt wird. Insoweit hingegen mit der Beschwerde 
die Aufhebung der EA Nr. ... beantragt  wird,  ist  folglich auf  sie nicht 
einzutreten  (anstatt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
1605/2006 vom 4. März 2010 E. 1.3).

2.
2.1
2.1.1 Am 1. Januar  2010 ist  das  (neue)  Bundesgesetz  vom 12. Juni 
2009  über  die  Mehrwertsteuer  (Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG], 
SR 641.20)  in  Kraft  getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Bestim-
mungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen  Vorschriften  bleiben 
grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während  ihrer  Geltungsdauer  ein-
getretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwend-
bar  (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Anwendbar  auf  hängige Verfahren ist 
jedoch – unter Vorbehalt von Art. 91 MWSTG – das neue Verfahrens-
recht (Art. 113 Abs. 3 MWSTG); diese Bestimmung ist jedoch in dem 
Sinn  restriktiv  auszulegen,  als strikte  nur  Verfahrensnormen  sofort 
anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von neuem 
materiellem Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1113/2009  vom  23. Februar  2010 
E. 1.3). 

Der  vorliegende  Rechtsstreit  betrifft  die  Steuerperioden  1. Januar 
2006 bis 31. Dezember 2007 (oben, C und E. 1.2). Er untersteht des-
halb  in  materieller  Hinsicht  dem  Mehrwertsteuergesetz  vom 2. Sep-
tember  1999  (aMWSTG,  AS 2000  1300)  und  der  Verordnung  vom 
29. März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer 
(aMWSTGV, AS 2000 1347).

2.1.2 Mangels  ausdrücklicher  intertemporaler  Regelungen  sind  in 
erstinstanzlichen Verfahren diejenigen Rechtssätze massgebend,  die 
bei  der  Erfüllung  des  rechtlich  zu  ordnenden  oder  zu  Rechtsfolgen 
führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 107 Ib 133 E. 2a). Für 
Rechtsmittelverfahren  gilt  –  ebenfalls  mangels  ausdrücklicher  inter-
temporaler  Regelungen  –  der  Grundsatz,  dass  die  Rechtmässigkeit 

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einer Verfügung in aller Regel nach der Rechtslage zur Zeit ihres Er-
lasses zu beurteilen ist (BGE 135 II 313 E. 2.2.2).

2.2 Subjektiv  steuerpflichtig  ist,  wer  eine mit  der  Erzielung von Ein-
nahmen  verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit  selbst-
ständig ausübt, auch wenn dabei die Gewinnabsicht fehlt, sofern seine 
Lieferungen,  seine  Dienstleistungen  und  sein  Eigenverbrauch  im  In-
land  jährlich  gesamthaft  Fr. 75'000.--  übersteigen  (Art. 21  Abs. 1 
aMWSTG). Von der Mehrwertsteuerpflicht ausgenommen sind Unter-
nehmer  mit  einem  Jahresumsatz  zwischen  Fr. 75'000.--  und 
Fr. 250'000.--,  sofern  der  nach  Abzug  der  Vorsteuer  verbleibende 
Mehrwertsteuerbetrag  (sogenannte  Steuerzahllast)  regelmässig  nicht 
mehr als Fr. 4'000.-- betragen würde (Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG).

In zeitlicher Hinsicht beginnt die Mehrwertsteuerpflicht gemäss Art.  21 
Abs. 1  aMWSTG  in  aller  Regel  nach  Ablauf  desjenigen  Kalender-
jahres,  in  dem der  massgebende Umsatz  erzielt  worden ist  (Art.  28 
Abs. 1 aMWSTG; vgl. dazu  PASCAL MOLLARD/XAVIER OBERSON/ANNE TISSOT 
BENEDETTO, Traité TVA, Basel 2009, S. 445 N. 89, S. 449 N. 103). Eine 
mit  Erfüllung  der  Voraussetzungen  von  Art. 21  aMWSTG  zeitgleich 
einsetzende  Steuerpflicht  wird  hingegen  in  den  Konstellationen  von 
Art. 28  Abs. 2  aMWSTG  statuiert  (MOLLARD/OBERSON/TISSOT-BENEDETTO, 
a.a.O., S. 445 N. 90 ff.). 

Wird  den  aus  dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art. 46  aMWSTG) 
fliessenden  Mitwirkungspflichten  nicht  nachgekommen,  so  trägt  die 
ESTV die betreffende Person rückwirkend in das Register der Steuer-
pflichtigen ein. Die rückwirkende Eintragung erfolgt auf das Datum hin, 
an  welchem die  Voraussetzungen  für  die  Steuerpflicht  erfüllt  waren 
(MOLLARD/OBERSON/TISSOT-BENEDETTO,  a.a.O.,  S. 451  N. 120,  unter  Ver-
weis  auf  das  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.591/2003  vom  11. Juni 
2004  E. 4.1  und  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1513/2006 
vom 24. April 2009).

2.3 Steuerobjekt der schweizerischen Mehrwertsteuer ist der Umsatz 
(ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER,  Handbuch  zum 
Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003,  2. Aufl.,  S. 71  ff.). Der 
Steuer  unterliegen  gemäss  Art. 5  aMWSTG  folgende  im  Inland  ge-
tätigte Umsätze, sofern diese nicht ausdrücklich von der Besteuerung 
ausgenommen sind (Art. 17 und Art. 18 aMWSTG): im Inland gegen 
Entgelt  erbrachte  Lieferungen  (Bst. a)  und  Dienstleistungen  (Bst. b); 

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der  Eigenverbrauch  im  Inland  (Bst. c)  sowie  Dienstleistungsbezüge 
aus dem Ausland (Bst. d). 

Die Steuerausnahmen bewirken zudem eine faktische Ausnahme von 
der  Steuerpflicht  (oben,  E. 2.2).  Die  Erzielung  von ausgenommenen 
Umsätzen  allein  zieht  die  Steuerpflicht  nicht  nach  sich  (MOLLARD/ 
OBERSON/TISSOT-BENEDETTO, a.a.O., S. 242 N. 276).

3.
3.1
3.1.1 Von der Besteuerung ausgenommen und damit ohne Recht zum 
Vorsteuerabzug  sind  unter  anderem die  Leistungen  im  Bereich  des 
Gesundheitswesens (Art. 17 i.V.m. Art. 18 Ziff. 2 bis Ziff. 8 aMWSTG). 
Zu diesen zählen neben den Spitalbehandlungen und ärztlichen Heil-
behandlungen  in  Spitälern  (Art. 18  Ziff. 2  aMWSTG)  auch  die  Leis-
tungen der Humanmedizin (Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG). Als solche gelten 
die von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Chiropraktoren, Phy-
siotherapeuten,  Naturärzten,  Hebammen,  Krankenschwestern  oder 
Angehörigen ähnlicher Heil- und Pflegeberufe erbrachten Heilbehand-
lungen,  soweit  die  Leistungserbringer  über  eine  Berufsausübungs-
bewilligung verfügen.

3.1.2 Ambulante  Behandlungszentren,  welche  lediglich  ambulant 
Heilbehandlungen  durchführen  und  keine  Patienten  hospitalisieren 
bzw. beherbergen, fallen unter Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG (Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-2999/2007 vom 12. Februar 2010 E. 3.2).

3.2
3.2.1 Nach der  Verwaltungspraxis  (Branchenbroschüre  ESTV Nr. 20, 
Gesundheitswesen, Ziff. 5.1.2,  gültig vom 1. Januar 2001 bis 31. De-
zember 2007 [nachfolgend BB Nr. 20]) gelten ambulante Behandlungs-
zentren als Leistungserbringer für Heilbehandlungen,

- deren  Leiter  oder  Leiterin  im  Sinne  der  Mehrwertsteuer  als 
Leistungserbringer/in  für  Heilbehandlungen  nach  Ziff. 2  BB 
Nr. 20 gilt; oder

- bei denen alle im Zentrum Behandlungen ausführenden Teil-
haber einer juristischen Person oder Personengesellschaften 
im Sinne der Mehrwertsteuer als Leistungserbringer für Heil-
behandlungen nach Ziff. 2 BB Nr. 20 gelten, und

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- die  eine  kantonale  Institutsbewilligung,  soweit  eine  solche 
nach kantonalem Recht erforderlich ist, vorweisen können.

Unter  Aufsicht  der  Leitung  durch  Angestellte  durchgeführte  und  im 
Namen des Behandlungszentrums fakturierte Heilbehandlungen, wel-
che der Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und anderen Stö-
rungen der körperlichen und seelischen Gesundheit dienen, sind von 
der Steuer ausgenommen (BB Nr. 20, Ziff. 5.2.1).

3.2.2 Der  Bundesrat  hat  den  Begriff  der  Heilbehandlung  in  der 
aMWSTGV im Detail  umschrieben: Als  Heilbehandlungen gelten  die 
Feststellung  und  Behandlung  von  Krankheiten,  Verletzungen  und 
anderen Störungen der körperlichen und seelischen Gesundheit  des 
Menschen sowie Tätigkeiten, die der Vorbeugung von Krankheiten und 
Gesundheitsstörungen  des  Menschen  dienen  (Art. 2  Abs. 1 
aMWSTGV).  Heilbehandlungen  sind  nur  dann  von  der  Besteuerung 
ausgenommen, wenn der Leistungserbringer im Besitz der nach kanto-
nalem  Recht  erforderlichen  Bewilligung  zur  selbstständigen  Berufs-
ausübung ist oder wenn er zur Ausübung der Heilbehandlung nach der 
kantonalen Gesetzgebung zugelassen ist (Art. 3 Abs. 1 aMWSTGV).

Aufgrund der  dargestellten Regelung in Gesetz und Verordnung und 
der damit  verbundenen Steuerpraxis sind Heilbehandlungen von Ho-
möopathen im Sinn von Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG von der Besteuerung 
demnach  dann  (unecht)  befreit,  wenn  die  folgenden  drei  Voraus-
setzungen erfüllt sind: 

a)  Die  Tätigkeit  muss  von  einem  unter  jene  Bestimmung  fallenden 
Leistungserbringer  ausgeführt  werden  (Naturarzt,  Heilpraktiker  oder 
Naturheilpraktiker); 

b) es muss eine Heilbehandlung im Sinn der Gesetzgebung ausgeführt 
werden; 

c) der Leistungserbringer muss im Besitz der nach kantonalem Recht 
erforderlichen  Bewilligung  zur  selbstständigen  Berufsausübung  sein 
oder zur Ausübung der Heilbehandlung nach der kantonalen Gesetz-
gebung zugelassen sein.

3.2.3 Nach der Zielsetzung des Gesetzgebers sollen somit nur solche 
Leistungserbringer  von der  Ausnahmeregelung  profitieren,  die  einen 
staatlich anerkannten Heilberuf ausüben. Wenn der Verordnungsgeber 

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seinerseits  in  Art. 3  Abs. 1  aMWSTGV  neben  einer  kantonalen  Be-
willigung  auch  eine  generelle  Zulassung  aufgrund  der  kantonalen 
Gesetzgebung genügen lässt, so kann darunter nur eine positive Ge-
nehmigung verstanden werden, nicht  aber ein blosses Dulden; auch 
ein  bewusster  Verzicht  des  kantonalen  Gesetzgebers  auf  eine  ent-
sprechende  Regelung  genügt  nicht  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.331/2005  vom  9. Mai  2006  E. 3.1,  veröffentlicht  in  Archiv  für 
Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 76 S. 323 ff.; Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-5113/2009  vom  16. Dezember  2009  E. 4.3.2; 
Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission [SRK] 2003-
126 vom 19. April  2005,  E. 5/bb). Entscheidend ist,  ob eine formelle 
Zulassungsbewilligung  vorliegt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.331/ 
2005 vom 9. Mai 2006 E. 3.3 am Ende, veröffentlicht in ASA 76 S. 323 
ff.). Das Bundesgericht hat bereits in BGE 124 II 193 E. 7c festgehal-
ten, dass nichts dagegen einzuwenden sei, wenn von der Steuer aus-
genommene Umsätze danach definiert  würden,  ob die  Leistung von 
einer nach dem massgeblichen Recht zur Berufsausübung zugelasse-
nen Person erbracht werde. Dass bei einem Anknüpfen an kantonale 
Regelungen  je  nach  Kanton  unterschiedliche  Ergebnisse  resultieren 
können,  liegt  im  Wesen  der  Sache  (Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-5113/2009 vom 16. Dezember 2009 E. 4.3.1).

3.3
3.3.1 Da  das  Erfordernis  der  Berufsausübungsbewilligung  in  einem 
Bundesgesetz  selber  vorgesehen  ist  (Art. 18  Ziff. 3  aMWSTG; siehe 
dazu oben, E. 3.1.1 am Ende) und damit eine (potentielle) Ungleichbe-
handlung  vom Gesetzgeber  beabsichtigt  oder  zumindest  bewusst  in 
Kauf genommen wurde (vgl. Entscheid der SRK 2003-126 vom 19. Ap-
ril 2005 E. 3b/bb mit Hinweis), hat das Bundesverwaltungsgericht kei-
ne Möglichkeit, dieser Norm die Anwendung zu versagen (Art.  190 der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999 [BV, SR 101]; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-
1618/2006 vom 27. August 2008 E. 3.1). Ebenso bliebe eine allfällige 
Verfassungswidrigkeit  von  Art. 3  Abs. 1  aMWSTGV (vgl.  dazu  oben, 
E. 3.2.2)  folgenlos,  da  diese  Verfassungswidrigkeit  durch  das  Bun-
desgesetz gedeckt ist, auf welches sich diese Verordnung stützt (Urteil  
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2999/2007  vom  12. Februar  2010 
E. 2.5;  PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  S. 141,  unter  Verweis  auf  die 
bundesgerichtliche Rechtsprechung).

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3.3.2 Verwaltungsverordnungen (siehe dazu oben, E. 3.2.1) hingegen 
sollen  eine  einheitliche,  gleichmässige  und  sachrichtige  Praxis  des 
Gesetzesvollzugs sicherstellen und sind lediglich für die als eigentliche 
Adressaten  figurierenden  Verwaltungsbehörden,  nicht  jedoch  für  die 
Justizbehörden verbindlich. Sie dürfen aufgrund des Legalitätsprinzips 
keine  vom  höherrangigen  Recht  abweichenden  Bestimmungen  ent-
halten  (BGE 123  II  16  E. 7;  BVGE  2007/41  E. 3.3,  7.4.2)  und  die 
gesetzlichen Vorschriften bloss konkretisieren (BGE 109 Ib 205 E. 2). 
Im Fall  der Anfechtung einer Verfügung prüft  das Gericht  im Prinzip 
nur, ob die Verfügung mit dem übergeordneten Recht übereinstimmt. 
Allerdings  soll  es  auch  eine  Verwaltungsverordnung  bei  seiner  Ent-
scheidung  mitberücksichtigen,  sofern  sie  eine  dem  Einzelfall  an-
gepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetz-
lichen  Bestimmungen  zulässt  und  nicht  über  eine  blosse  Konkreti -
sierung des übergeordneten Rechts hinausgeht. Hingegen ist es nicht 
Aufgabe des Gerichts, eigene Zweckmässigkeitsüberlegungen an die 
Stelle  des  Vollzugskonzepts  der  zuständigen  Behörde  zu  setzen 
(BGE 121  II  473  E. 2b;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
2999/2007 vom 12. Februar  2010 E. 2.6;  MICHAEL BEUSCH,  in: Zweifel/ 
Athanas [Hrsg.],  Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,  I/2b, 
Bundesgesetz  über  die  direkte  Bundessteuer  [DBG],  2. Aufl.  Basel 
2008,  N. 15 ff. zu  Art. 102). Die richterliche Überprüfung beschränkt 
sich  damit  auf  eine  vorfrageweise  Prüfung  der  Verfassungs-  und 
Gesetzmässigkeit. Die Beurteilung von Verwaltungsverordnungen und 
von  Rechtsverordnungen  unterscheidet  sich  insofern  nicht  (BEUSCH, 
a.a.O., N. 17 zu Art. 102).

4.
4.1 Die Lieferung von Medikamenten ist grundsätzlich eine steuerbare 
Leistung, wenn auch zu einem reduzierten Satz (Art.  36 Abs. 1 Bst. a 
Ziff. 8 aMWSTG). 

4.2 Die  Behandlung  von  Leistungskomplexen  –  Leistungen  mit  ver-
schiedenen Komponenten – ist in Art. 36 Abs. 4 aMWSTG ausdrück-
lich  geregelt.  Diese  Bestimmung  unterscheidet  zwischen  Gesamt-
leistungen (Art. 36 Abs. 4 Satz 1 aMWSTG) und Leistungen, die aus 
Haupt-  und  Nebenleistungen  bestehen  (Art. 36  Abs. 4  Satz  2 
aMWSTG).

Eine  einheitliche  Leistung  (Gesamtleistung),  welche  als  einheitlicher 
wirtschaftlicher Vorgang behandelt wird, liegt vor, wenn die Leistungen 

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sachlich,  zeitlich und vom wirtschaftlichen Gehalt  her in einer derart  
engen Verbundenheit stehen, dass sie ein unteilbares Ganzes bilden. 
Im  Sinn  der  zweiten  Konstellation  einheitlicher  Behandlung  teilen 
Nebenleistungen  mehrwertsteuerrechtlich  das  Schicksal  der  Haupt-
leistung, wenn sie a) im Verhältnis zu dieser nebensächlich sind, b) mit  
dieser in einem engen Zusammenhang stehen, c) diese wirtschaftlich 
ergänzen, verbessern und abrunden und d) mit  dieser üblicherweise 
vorkommen. Liegt  weder  eine  Gesamtleistung  noch  eine  Haupt-  mit 
Nebenleistung  vor,  so  handelt  es  sich  um  mehrere  selbständige 
Leistungen,  die  mehrwertsteuerrechtlich  getrennt  zu  behandeln  sind 
(ausführlich  und  statt  vieler:  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.40/2007 
vom 14. November 2007 E. 2.1, 2A.452/2003 vom 4. März 2004 E. 3.1 
f., veröffentlicht in ASA 75 S. 401 ff.; BVGE 2007/14 E. 2.3; Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts A-2999/2007 vom 12. Februar 2010 E. 2.3 
mit weiteren Hinweisen).

Die dargestellte Regelung zur Behandlung von Leistungskomplexen ist 
insbesondere bedeutsam für die Bestimmung des Umfangs einer von 
der Steuer befreiten Leistung (Urteil des Bundesgerichts 2A.756/2006 
vom 22. Oktober 2007 E. 2.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-
2999/2007 vom 12. Februar 2010 E. 2.3).

4.3 In  Präzisierung  von  Art. 18  Ziff. 3  aMWSTG  hält  Art. 2  Abs. 3 
Bst. c aMWSTGV fest, dass die Abgabe von Medikamenten oder von 
medizinischen  Hilfsmitteln  nicht  als  Heilbehandlung  im  Sinne  dieser 
Bestimmung gilt,  es  sei  denn,  diese  werden  von  der  behandelnden 
Person im Rahmen einer Heilbehandlung verwendet.

Entsprechend gilt,  dass die dem Patienten direkt  vom Arzt  oder von 
einem  anderen  Angehörigen  von  Heilberufen  während  der  Heilbe-
handlung verabreichten Medikamente von der  Steuer  ausgenommen 
sind (BGE 124 II 193 E. 7a/aa; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-2999/2007 vom 12. Februar 2010 E. 3.4.2; Entscheid der SRK vom 
28. November  2002,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundes-
behörden  [VPB]  67.78  E. 3c/cc,  4a/aa).  Dies  wird  damit  begründet, 
dass  die  Medikamentenabgabe  in  diesem  Fall  zusammen  mit  der 
durch  den  Arzt  vorgenommenen  Heilbehandlung  als  eine  Gesamt-
leistung oder allenfalls als zur Heilbehandlung akzessorische Neben-
leistung erscheint (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2999/2007 
vom 12. Februar 2010 E. 3.4.2; Entscheid der SRK vom 28. November 

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2002,  veröffentlicht  in  VPB 67.78  E. 3c/bb  und  cc;  MOLLARD/OBERSON/ 
TISSOT BENEDETTO, a.a.O., S. 275 N. 389).

Werden  hingegen  im  Rahmen  einer  Heilbehandlung  dem  Patienten 
Medikamente oder medizinische Hilfsmittel zur Verwendung zu Hause 
abgegeben, so liegt kein ausgenommener, sondern ein steuerpflichti-
ger  Umsatz  vor  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2999/2007 
vom 12. Februar 2010 E. 3.4.2 und E. 3.5). Auch diese steuerliche Be-
handlung  wird  aus  dem  Grundsatz  der  Einheitlichkeit  der  Leistung 
abgeleitet (Entscheid der SRK vom 28. November 2002, veröffentlicht 
in VPB 67.78 E. 3c/bb und 3c/cc, je am Ende).

5.
Die Beschwerdeführerin ist – auch nach ihren eigenen Angaben – als 
ambulantes  Behandlungszentrum  zu  qualifizieren.  Die  vorliegend 
strittige  Frage,  ob  ihre  Leistungen  als  Leistungen  im  Bereich  des 
Gesundheitswesens von der Steuer ausgenommen sind, beurteilt sich 
demnach nach Art. 18 Abs. 3 aMWSTG (oben, E. 3.1.2).

5.1 Gemäss Art. 18 Abs. 3 aMWSTG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 aMWSTGV 
(oben, E. 3.2.2) sind Heilbehandlungen nur dann von der Steuer aus-
genommen, wenn der Leistungserbringer im Besitz der nach kantona-
lem  Recht  erforderlichen  Bewilligung  zur  selbständigen  Berufsaus-
übung ist  oder  wenn er zur  Ausübung der Heilbehandlung nach der 
kantonalen Gesetzgebung zugelassen  ist. Auch die  generelle  Zulas-
sung aufgrund der kantonalen Gesetzgebung im Sinne dieser Bestim-
mung setzt nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung eine positive 
Genehmigung  voraus  (oben,  E. 3.2.3).  Diese  Vorgaben  sind  für  das 
Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  des  Anwendungsgebots  von 
Art. 190 BV verbindlich (oben, E. 3.3.1).

Festzuhalten  ist  somit,  dass  die  Ausnahme von der  Steuer  gemäss 
Art. 18  Ziff. 3  aMWSTG  i.V.m.  Art. 3  Abs. 1  aMWSTGV  durchwegs 
eine  positive  Genehmigung  voraussetzt.  In  Präzisierung  (vgl.  dazu 
oben, E. 3.3.2) der für die vorliegend streitigen Steuerperioden (oben, 
C und E. 1.5) massgeblichen Verwaltungspraxis (oben, E. 3.2.1) erfüllt 
ein ambulantes Behandlungszentrum dieses Erfordernis, wenn

- die  Leiterin  oder  der  Leiter  des  ambulanten  Behandlungs-
zentrums über eine positive Genehmigung im Sinne der Recht-
sprechung (oben, E. 3.2.3) verfügt; oder

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- alle  im  Zentrum  Behandlungen  ausführenden  Teilhaber  einer 
juristischen Person oder Personengesellschaft über eine positive 
Genehmigung  im  Sinne  der  Rechtsprechung  (oben,  E. 3.2.3) 
verfügen; oder

- eine kantonale Institutsbewilligung vorgewiesen werden kann.

5.2
5.2.1 A._______ – die Leiterin der Beschwerdeführerin, vgl. oben, A – 
erhielt  letztmals  am  ...  2000  eine  unbefristet  erteilte  kantonale 
Bewilligung zur  Ausübung der  Homöopathie. Am 1. Januar  2006 trat 
das Gesundheitsgesetz vom 13. September 2005 des Kantons Luzern 
(SRL 800)  in  Kraft.  Die  Komplementärmedizin  –  worunter  auch  die 
Homöopathie fällt  –  ist  gemäss § 16 des Gesundheitsgesetzes nicht 
mehr bewilligungspflichtig. Nach § 64 Abs. 1 des Gesundheitsgesetzes 
erlöschen  mit  Inkrafttreten  des  Gesetzes  die  erteilten  Bewilligungen 
für  Berufe,  die  nach  diesem Gesetz  nicht  mehr  bewilligungspflichtig 
sind.

5.2.2 Festzuhalten  ist  somit,  dass  die  der  Leiterin  der  Beschwerde-
führerin am ... 2000 erteilte kantonale Bewilligung zur Ausübung der 
Homoöpathie am 1. Januar 2006 erloschen ist. Entsprechend kann sie 
ab diesem Zeitpunkt  nicht  mehr  als  positive Genehmigung im Sinne 
von  Art. 18  Ziff. 3  aMWSTG  i.V.m.  Art. 3  Abs. 1  aMWSTGV  (oben, 
E. 3.2.2 und E. 3.2.3) qualifiziert werden. Was die Beschwerdeführerin 
dagegen  verbringt,  vermag  nicht  zu  überzeugen.  Insbesondere  ist 
nicht ersichtlich, inwiefern vorliegend aus sachverhaltsmässigen Grün-
den vom Erfordernis einer positiven Genehmigung abgesehen werden 
sollte.  Dass  für  den  massgeblichen  Zeitpunkt  des  Erlöschens  der 
Bewilligung  auf  den  Erlass  einer  Ausführungsverordnung  abgestellt 
werden  müsste,  steht  in  offenem  Widerspruch  zu  § 64  Abs. 1  des 
Gesundheitsgesetzes. 

Des Weiteren war die ESTV nicht gehalten abzuwarten, ob allenfalls in 
einer  künftig  zu  erlassenden  Ausführungsverordnung  eine  Bewilli-
gungspflicht eingeführt  wird und die Beschwerdeführerin gegebenen-
falls gestützt darauf eine neue positive Genehmigung erhält. Während 
die  Art. 112  f. MWSTG intertemporale  Regeln  für  die  jeweiligen  An-
wendungsbereiche des MWSTG bzw. des aMWSTG enthalten (oben, 
E. 2.1.1),  richtet  sich die Frage nach den massgeblichen kantonalen 
Vorschriften für die Bewilligungspflicht nach den allgemeinen Regeln. 
Massgeblich sind diejenigen Rechtssätze, die bei der Erfüllung des zu 

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Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (oben, E. 2.1.2). 
Steuerobjekt  der  Mehrwertsteuer  ist  der  Umsatz  (oben,  E. 2.3);  es 
bestimmt sich somit nach den zu diesem Zeitpunkt geltenden Regeln 
(und nicht  nach allfällig  künftig  zu erlassenden Normen),  ob es sich 
jeweils um einen steuerbaren,  nicht  steuerbaren oder  ausgenomme-
nen Umsatz handelt. Die der  Leiterin  der Beschwerdeführerin am ... 
2000  erteilte  kantonale  Bewilligung  zur  Ausübung  der  Homoöpathie 
erlosch am 1. Januar 2006, weshalb unter diesem Gesichtspunkt die 
in  der  vorliegend  strittigen  Periode  (oben,  B  am  Ende)  erzielten 
Umsätze  mangels  Erfüllung  der  Voraussetzungen  von  Art. 18  Ziff. 3 
aMWSTG  i.V.m.  Art. 3  Abs. 1  aMWSTGV  nicht  als  ausgenommene 
Umsätze qualifiziert werden können.

Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführerin sodann 
aus den Schreiben von Regierungsrat B._______ vom 21. April  2005 
bzw. vom 10. März 2006. Aus diesen Schreiben ergibt sich vielmehr, 
dass das bisherige kantonale Bewilligungssystem zu einer  Scheinsi-
cherheit  geführt  hatte und der Kanton neu bewusst auf  eine Berufs-
ausübungsbewilligung  für  Heilpraktikerinnen  und  Heilpraktiker  –  mit 
Ausnahme der Akupunktur – verzichtet. Nach der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung vermag ein  bewusster  Verzicht  des  kantonalen  Ge-
setzgebers  auf  eine  entsprechende  Regelung  das  Erfordernis  einer 
positiven Genehmigung nicht zu erfüllen (oben, E. 3.2.3).

5.2.3 Keine Bewilligung im Sinne von Art. 18 Ziff. 3  aMWSTG i.V.m. 
Art. 3 Abs. 1 aMWSTGV stellt sodann die der Leiterin der Beschwer-
deführerin letztmals am ... 2006 erteilte Bewilligung zur Führung einer 
Privatapotheke  für  homöopathische  Arzneimittel  in  einer  Naturheil-
praxis dar.

Die Abgabe von Medikamenten zusammen mit einer Heilbehandlung 
gilt im Sinne des Mehrwertsteuerrechts als eine Gesamtleistung oder 
allenfalls  als  zur  Heilbehandlung  akzessorische  Nebenleistung.  Im 
ersten Fall (Gesamtleistung) wird die Heilbehandlung mit Medikamen-
tenabgabe als einheitlicher wirtschaftlicher Vorgang behandelt und un-
tersteht  insgesamt der für  Heilbehandlungen geltenden Ordnung; als 
solche  ist  sie  auch  von der  Steuer  ausgenommen. Die  zweite  Kon-
stellation führt zu demselben Ergebnis, da Nebenleistungen mehrwert-
steuerlich das Schicksal der Hauptleistung teilen. Es ergibt sich somit 
in  beiden  Fällen,  dass  mehrwertsteuerlich  die  Komponente  Heilbe-
handlung  im  Vordergrund  steht  und  sich  somit  die  entsprechende 

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Steuerausnahme  nach  Art. 18  Ziff. 3  aMWSTG  i.V.m.  Art. 3  Abs. 1 
aMWSTGV richtet; diese Bestimmungen setzen jedoch eine positive 
Genehmigung der Berufsausübung und nicht eine solche der Medika-
mentenabgabe voraus.

Die Lieferung von Medikamenten an sich ist grundsätzlich jedoch eine 
steuerpflichtige  Leistung  (oben,  E. 4.1).  Werden  Medikamente  nicht 
zusammen  mit  einer  Heilbehandlung,  sondern  zur  Verwendung  zu 
Hause abgegeben, so gelangen die Regeln über die Behandlung von 
Leistungskomplexen nicht zur Anwendung und es liegt kein ausgenom-
mener, sondern ein steuerpflichtiger  Umsatz vor. Auch unter  diesem 
Gesichtspunkt kann die Beschwerdeführerin aus der ihrer Leiterin er-
teilten  Bewilligung zur  Führung einer  Privatapotheke nichts  zu  ihren 
Gunsten ableiten.

5.2.4 Nicht  erstellt  hat  die  Beschwerdeführerin  in  tatsächlicher  Hin-
sicht  (vgl.  dazu  die  Anforderungen  oben,  E. 1.4),  dass  im  Kanton 
Luzern  namentlich  genannte  Ärzte  ausschliesslich  Homöopathie  be-
treiben  würden,  im  Unterschied  zu  ihr  jedoch  gestützt  auf  ihre  Zu-
lassung als Ärzte generell keine Mehrwertsteuer zu entrichten hätten. 
Entsprechend braucht auf eine allfällige Gleichbehandlung im Unrecht 
(vgl. dazu statt  vieler BGE 135 IV 191 E. 3.3) in diesem Zusammen-
hang von vornherein nicht weiter eingegangen zu werden.

Mit  Hinblick  auf  das  ins  Recht  gelegte  Schreiben  der  Vorinstanz  an 
C._______ vom 27. Mai 2006 ist festzuhalten, dass die Vorinstanz in 
ihrer Vernehmlassung ausführt,  keinesfalls eine gesetzwidrige Praxis 
aufrecht zu erhalten bzw. einführen zu wollen. Eine falsche Rechtsan-
wendung  in  einem  Fall  begründet  grundsätzlich  keinen  Anspruch, 
seinerseits ebenfalls abweichend von der Norm behandelt zu werden 
(BGE 135 IV 191 E. 3.3, 124 IV 44 E. 2c mit Hinweis). Ein Anspruch 
auf  Gleichbehandlung  im  Unrecht  besteht  somit  für  die  Beschwer-
deführerin auch in dieser Konstellation nicht.

5.2.5 Des  Weiteren  hat  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid 
betreffend der Rüge einer Verletzung von Art. 8 und 27 BV zu Recht 
auf Art. 190 BV verwiesen. Da das Erfordernis der Berufsausübungs-
bewilligung  in  Art. 18  Ziff. 3  aMWSTG und  damit  in  einem Bundes-
gesetz  verankert  ist  und  Art. 3  Abs. 1  aMWSTGV  in  diesem  Zu-
sammenhang durch ein Bundesgesetz gedeckt ist, kann das Bundes-
verwaltungsgericht diesen Normen selbst für den Fall, dass sie gegen 

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die  Verfassung verstossen,  gestützt  auf  Art. 190 BV die  Anwendung 
nicht versagen (vgl. dazu oben, E. 3.3.1).

5.3 Es ergibt sich somit, dass die von der Beschwerdeführerin ab dem 
1. Januar  2006  erzielten  Umsätze  mangels  Erfüllung  der  Voraus-
setzungen von Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG nicht als steuerausgenomme-
ne, sondern als steuerpflichtige Umsätze zu gelten haben. Nachdem 
die Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt die Voraussetzungen der 
subjektiven Steuerpflicht gemäss Art. 21 Abs. 1 aMWSTG erfüllt, wäre 
sie in zeitlicher Hinsicht – da die Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 2 
aMWSTG nicht vorliegen – nach Ablauf desjenigen Kalenderjahres, in 
dem  der  massgebende  Umsatz  erzielt  worden  ist,  steuerpflichtig 
geworden (oben,E. 2.2 und 2.3). Die mangels Erfüllung der aus dem 
Selbstveranlagungsprinzip fliessenden Mitwirkungspflichten vorzuneh-
mende rückwirkende Eintragung erfolgt jedoch auf das Datum hin, an 
welchem die Voraussetzungen für die Steuerpflicht erfüllt waren (oben, 
E. 2.2 am Ende). Entsprechend ist  festzuhalten,  dass die Vorinstanz 
die Beschwerdeführerin zu Recht ab dem 1. Januar 2006 als steuer-
pflichtig qualifiziert hat. Ebenso ist die auf nachträglichen Angaben der 
Beschwerdeführerin  beruhende  und  von  ihr  in  der  Höhe  von  Fr. ... 
rechnerisch anerkannte  Steuernachforderung  zu  bestätigen. Die  Be-
schwerde  ist  mithin  in  allen  Punkten  unbegründet  und  daher  abzu-
weisen.

6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin nach 
Art. 63 Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten zu tragen. Sie werden nach 
Art. 4  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) auf Fr. 2'500.-- angesetzt und mit dem geleisteten Kos-
tenvorschuss in  gleicher  Höhe verrechnet.  Eine Parteientschädigung 
ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt  und mit  dem geleisteten Kostenvorschuss in  gleicher Höhe 
verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Nadine Mayhall

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der 
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent-
scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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