# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c78babc3-2979-55b7-8dca-4f2fb103f39b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.01.2015 SB140454
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140454_2015-01-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer   
 

 

Geschäfts-Nr.: SB140454-O/U/hb 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, die Ersatzoberrichter lic. iur. 

Muheim und lic. iur. Ernst sowie Gerichtsschreiberin MLaw Mond-

genast 

Beschluss vom 15. Januar 2015 

 

in Sachen 

 

A._____,  

 

Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  

 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 
betreffend einfache Körperverletzung  

 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 7. Mai 2014 

(DG130077) 

 

- 2 - 

Anklage: 

Der Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person der 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. Dezember 2013 ist diesem Ur-

teil beigeheftet (Urk. 36). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte den Tatbestand der einfachen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i. V. m. Ziff. 2 Abs. 2 

und 3 StGB erfüllt hat. 

2. Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer 

Strafe abgesehen. 

3. Es wird eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB angeordnet. 

4. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

28. Juni 2013 (act. 27/2), 6. November 2013 (act. 27/3) und 18. Dezember 

2013 (act. 27/9) beschlagnahmten Gegenstände werden der Beschuldigten 

nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben. Davon 

ausgenommen ist das Duplikat des biometrischen, brasilianischen Reise-

passes Nr. …, welches nach Rechtskraft des Urteils an das Brasilianische 

Konsulat in Zürich übersandt wird. 

5. Die Anträge der Privatklägerschaft betreffend Genugtuung und grundsätzli-

cher Schadenersatzpflicht werden abgewiesen. 

- 3 - 

6. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 560.–   Kosten Kantonspolizei 

Fr. 5'000.–   Gebühr Anklagebehörde 

Fr.  11'525.00   Gutachten/Expertisen 

Fr. 6'746.70   Auslagen Untersuchung 

Fr.  7'317.–   bisherige amtliche Verteidigung (RA Y._____) 

Fr. 19'420.–   aktuelle amtliche Verteidigung (RA Y1._____) 

Fr.  50'568.70   Total 

 

7. Die Kosten, inklusive diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die 

Gerichtskasse genommen. 

Berufungsanträge:  

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 143) 

1. Ziff. 1 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Mai 

2014 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass sich die Beschuldigte 

der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schul-

dig gemacht hat.  

2. Ziff. 2 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Mai 

2014 sei aufzuheben. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe 

von 40 Tagessätzen zu bestrafen unter Anrechnung der bereits erstandenen 

Haft.  

3. Ziff. 3 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Mai 

2014 sei aufzuheben. Es sei von der Anordnung einer Massnahme abzuse-

hen.  

- 4 - 

4. Die Beschuldigte sei für die erlittene Überhaft angemessen zu entschädigen. 

5. Unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolgen.  

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:  

(Urk. 119, schriftlich) 

Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.  

c) Der Vertreterin des Privatklägers: 

(Urk. 138, sinngemäss) 

Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.  

 

_________________________ 

 

Erwägungen:  

I.  

 1.  Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Mai 2014 wurde fest-

gestellt, dass die Beschuldigte A._____ den Tatbestand der einfachen Körperver-

letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 2 und 3 StGB erfüllt 

hat. Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit der Beschuldigten 

wurde jedoch keine Strafe ausgefällt, sondern eine stationäre Massnahme im 

Sinne von Art. 59 StGB angeordnet. Weiter wurden die Anträge der Privatkläger-

schaft betreffend Genugtuung und grundsätzlicher Schadenersatzpflicht abgewie-

sen (Urk. 94). 

- 5 - 

 Mit Eingabe vom 19. Mai 2014 meldete der bisherige amtliche Verteidiger 

Berufung an (Urk. 78). Das begründete Urteil wurde den Parteien am 19. Sep-

tember 2014 zugestellt (Urk. 85). 

 Mit Eingabe vom 30. September 2014 reichte der neue amtliche Verteidiger 

der Beschuldigten die Berufungserklärung ein (Urk. 100). Die Staatsanwaltschaft 

beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 119). Mit Eingabe 

vom 15. Dezember 2014 verzichtete der Privatkläger auf Antragstellung und Teil-

nahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 138). 

 2. Anlässlich der Berufungsverhandlung liessen die Parteien die eingangs 

erwähnten Anträge stellen. 

II.   

 1.  Gemäss dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung einer  

Massnahme für eine schuldunfähige Person wird unter dem Titel der einfachen 

Körperverletzung festgehalten, dass die Beschuldigte am 26. Juni 2013, um 08.30 

Uhr, in C._____ den Privatkläger D._____, geb. am tt.mm.2007, mit einer Hand 

am Nacken gepackt, ein scharfes, spitziges Messer hervorgezogen und gegen 

das Gesicht des Privatklägers geführt haben soll. Dabei habe sie ihn auf der 

Oberlippe links auf ungefähr 6 Millimeter in die Haut geschnitten und diese auf 

ungefähr 3 Millimeter ganz durchgetrennt (Urk. 36). 

 2.1.  Die Beschuldigte bestritt diesen Vorwurf bzw. liess ihn bestreiten. Sie 

machte nach ihrer ersten Hafteinvernahme während der ganzen Untersuchung 

Gebrauch von ihrem prozessualen Recht auf Aussageverweigerung und tätigte 

auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung keine Aussagen. 

 Noch vor Erhalt des begründeten Urteils reichte die Beschuldigte mit Einga-

be vom 17. September 2014 dem hiesigen Gericht eine Beilage mit der Über-

schrift "Geständnis vom 8. August 2014" ein. Darin führt sie aus, es sei im Januar 

2013 das Besuchsrecht ihres Sohnes, E._____, geb. tt.mm.2007, eingestellt wor-

den und sie sei von der Migrationsbehörde aus der Schweiz ausgewiesen wor-

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den. Im Mai 2013 sei sie im Zusammenhang mit einem anderen Verfahren in die 

Schweiz zurückgekehrt. Sie habe dann den Fehler gemacht, ihren "Sohn auf dem 

Weg zum Kindergarten von Fehr (recte wohl "von fern") besucht zu haben bzw. 

wieder(ge)sehen zu haben". Beim dritten Mal habe sie ihn weinend von hinten 

gehalten, aber es sei nicht ihr Sohn gewesen. Sie habe versucht, ihn zu halten, 

aber er habe geschrien, und "ich sah, merkte es ist nicht E._____, der mit der 

schwarzen Kappe war." Sie habe gedacht, es sei ihr Sohn (Urk. 95). 

 Einem weiteren Geständnis, als Beilage zu einem nicht weitergeleiteten 

Brief vom 12. November 2014 an ihren geschiedenen Ehemann F._____ (Urk. 

129/1), lässt sich entnehmen, dass sie vermeintlich ihren Sohn von hinten gehal-

ten habe. Als sie ihn zu sich gedreht habe, habe er sich von ihr gelöst und ge-

schrien. Sie habe seinen Arm gehalten. Er habe eine Mütze und einen Rucksack 

gehabt. Sie habe gesehen, dass es nicht E._____ gewesen sei. Dies habe ca. 

drei bis fünf Sekunden gedauert. Sie habe eine Tasche, ein fünf Zentimeter gros-

ses Sackmesser (Marke: Schweizerarmee), ein Spielzeug und die Schachtel ge-

habt. Das kleine Sackmesser habe sie vorher aus der Tasche genommen, um 

das Spielzeug aus der Schachtel zu lösen. Sie habe es E._____ geben wollen. 

Das Kind D._____ sei sofort zum Kindergarten gerannt. Sie sei Richtung Bushal-

testelle gelaufen. Sie habe dieses Kind nicht verletzt, wenn ja, dann sei es ein Un-

fall gewesen und nicht absichtlich geschehen. Sie habe die Verletzung auf jeden 

Fall nicht bemerkt (Urk. 129/2 Beilage). Anlässlich der Berufungsverhandlung 

reichte die Beschuldigte dem hiesigen Gericht ein weiteres Geständnis ein, eben-

falls mit Datum vom 8. August 2014 und demselben Inhalt wie der Brief an 

F._____ (Urk. 140).  

 Erst anlässlich der Berufungsverhandlung führte sie aus, zur fraglichen Zeit 

in der Nähe des Kindergartens gewesen zu sein. Sie habe schon in den vorheri-

gen Tagen ihren Sohn von Weitem gesehen. Beim Kindergarten wollte sie den 

Jungen, von dem sie dachte, er sei ihr Sohn, ansprechen und ihn zu sich umdre-

hen. Nach drei bis fünf Sekunden habe sie gemerkt, dass es nicht ihr Sohn sei. 

Sie habe zuvor für ihren Sohn eine Figur eines Comic-Heldens gekauft und habe 

diese mittels eines Sackmessers aus der Plastikverpackung lösen wollen. Sie ha-

- 7 - 

be eine Tasche, eine Schachtel, ein Spielzeug und ein Sackmesser in der rechten 

Hand gehabt, als sie den Jungen gehalten habe (Prot. II S. 16 f.). Als sie ihren 

vermeintlichen Sohn zu sich umdrehen wollte, habe er nicht gewollt und habe sie 

weggestossen. Sie habe ihn dann losgelassen. Wie es zur Verletzung gekommen 

sei, wisse sie nicht; möglicherweise sei dies geschehen, als sie ihn gedreht habe 

(Prot. II S. 19). Auf Nachfrage gab sie an, aus Angst alle Sachen weggeworfen zu 

haben, nachdem sie in Zürich einen Anruf von der Polizei erhalten habe und ihr 

mitgeteilt worden sei, dass sich ein Kind verletzt habe (Prot. II S. 17 f.). 

 2.2.  Die Vorinstanz erstellte den Sachverhalt gestützt auf die dannzumal 

vorliegenden Beweismittel. Für das eigentliche Tatgeschehen stellte sie auf die 

Aussagen des Privatklägers D._____ ab; die Zeugenaussagen der Kindergärtne-

rinnen G._____ und H._____ sowie der Anwohnerin I._____ erhärteten sodann 

die Täterschaft der Beschuldigten. Als weitere Beweismittel liegen noch eine Fo-

todokumentation (Urk. 4) über die Örtlichkeiten des Vorfalls und der Verletzungen 

des Privatklägers sowie ein Arztzeugnis zu diesen Verletzungen vor (Urk. 14/3). 

Die Vorinstanz gelangte dabei zum Schluss, dass der Sachverhalt gemäss Antrag 

der Staatsanwaltschaft erstellt sei (Urk. 94 S. 7 ff.).  

 2.3.  Im vorliegenden Berufungsverfahren ist gemäss den drei schriftlich vor-

liegenden "Geständnissen" sowie den Aussagen der Beschuldigten anlässlich der 

Berufungsverhandlung ihre Anwesenheit am Tatort nicht mehr strittig. Von ihr und 

dem Privatkläger abweichend dargestellt wird insbesondere die eingesetzte Tat-

waffe und die Art der Begehung der Verletzung. Im Folgenden ist darauf näher 

einzugehen. 

 2.3.1. Vorab ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie die erste Hafteinver-

nahme der Beschuldigten für die Sachverhaltserstellung als unverwertbar be-

zeichnet (Urk. 94 S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Bereits zu Beginn der Befragung 

wünschte die Beschuldigte von sich aus eine "rechtliche Vertretung". Nachdem ihr 

eröffnet wurde, dass gegen sie eine Voruntersuchung wegen Freiheitsberaubung 

und Entführung eingeleitet worden sei, erklärte sie, dass sie sofort einen Rechts-

beistand wünsche. Auch wenn sie dann trotzdem bereit war, mit der Einvernahme 

zu beginnen, so hätte der Staatsanwalt aufgrund ihrer emotionalen Verfassung 

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(wiederholtes Weinen) und insbesondere nach erneutem, wiederholten Wunsch 

nach einem Verteidiger während der Befragung zur Sache (Urk. 13/1 S. 8, S. 10), 

die Befragung abbrechen müssen, da spätestens dann die Bereitschaft zur Ein-

vernahme ohne Verteidiger hinfällig wurde. Der Staatsanwalt selbst hatte offenbar 

die Zusicherung gegeben, die Einvernahme zwecks Kontaktaufnahme mit einem 

Anwalt jederzeit zu unterbrechen (Urk. 13/1 S. 10; Art. 159 Abs. 3 StPO, SCHMID, 

StPO Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, Art. 131 N 3); er reagierte indessen erst 

nach acht weiteren Fragen zur Sache auf ihren erneut geäusserten Wunsch 

(Urk. 13/1 S. 9). Auch nach dem telefonischen Kontakt der Beschuldigten mit dem 

Verteidiger RA Y._____ (Urk. 13/1 S. 10), wurde die Einvernahme noch über acht 

Seiten fortgeführt (Urk. 13/1 S. 10–18). Die diesbezüglichen Einwendungen der 

Staatsanwaltschaft (Urk. 70/1 S. 3) wurden von der Vorinstanz – unter Verweis 

auf die Erwägungen im Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 5. 

Februar 2014 (Urk. 70/6 S. 8 ff.) – zutreffend entkräftet, weshalb darauf verwiesen 

werden kann (Urk. 94 S. 8).  

 2.3.2. Der Verwertbarkeit der Geständnisse vom 8. August 2014, welche an 

das hiesige Gericht adressiert waren, steht nichts entgegen (Urk. 95 und 

Urk. 140). Was die Verwertbarkeit der "Kopie des Geständnis vom 8. August 

2014" angeht (Urk. 129/2 Beilage), welches an den ehemaligen Ehemann der Be-

schuldigten gerichtet war, so ist zu beachten, dass die Beschuldigte zwar einer-

seits bei der Hafteinvernahme durch den Staatsanwalt auf die Briefzensur hinge-

wiesen wurde (Urk. 13/1 S. 16), dass sie aber diesen (nicht weitergeleiteten) Brief 

nicht an das Gericht oder die Untersuchungsbehörde richtete. Ihre Ausführungen 

anlässlich der Berufungsverhandlung sowie das dritte Geständnis (Urk. 140) de-

cken sich jedoch inhaltlich mit diesem Schreiben, weshalb auch dieses Geständ-

nis in die Beweiswürdigung miteinbezogen werden kann.  

 2.3.3. Die wesentlichsten Beweismittel sind die Videoaufzeichnung der Aus-

sagen des Privatklägers (Urk. 6 und 7) und die Aussagen der Beschuldigten an-

lässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 16 ff.).  

 Der Privatkläger stand im Zeitpunkt des Vorfalls bzw. der gleichentags er-

folgten Einvernahme wenige Tage vor seinem sechsten Geburtstag. Er wurde un-

- 9 - 

ter Hinweis auf Art. 169 Abs. 1–4 StPO, Art. 180 Abs. 1 StPO und Art 181 StPO 

befragt. Der Privatkläger war trotz seines kindlichen Alters durchaus in der Lage, 

den Gegenstand der Einvernahme zu erfassen; diesbezüglich ist seine Urteilsfä-

higkeit zu bejahen. In prozessualer Hinsicht steht demnach der Verwertbarkeit der 

Aussagen des Privatklägers nichts entgegen. Mit der Vorinstanz ist sodann fest-

zuhalten, dass die Ereignisse vom Privatkläger sehr plastisch und im Ablauf 

nachvollziehbar geschildert wurden (Urk. 94 S. 11 ff.): Beim Vorbeigehen packt 

ihn die Beschuldigte mit der linken Hand am Nacken, um ihn festzuhalten, wobei 

sie gleichzeitig in der rechten Hand ein Messer hält; der Privatkläger versucht mit 

seiner rechten Hand den rechten Arm der Beschuldigten wegzudrücken, wobei es 

dennoch zu kleinen Stich- bzw. Schnittverletzungen im Mundbereich kommt. Ge-

mäss Privatkläger kam es nur zu einer Bewegung des Messers gegen sein Ge-

sicht. Diese Angabe zeigt, dass er trotz eines für ihn sehr singulären Ereignisses 

zurückhaltend aussagt und die Beschuldigte nicht übermässig belastet. Die Schil-

derung des Vorfalls stimmt auch mit dem fotografisch festgehaltenen Verlet-

zungsbild überein (Urk. 4/11–13). Dieses ist vereinbar mit der vom Privatkläger 

geschilderten Abwehrbewegung (Halten/Wegstossen des Armes mit der Folge 

kleiner Schnittverletzungen Lippe links und linker Backe). Gemäss Arztbericht 

(Urk. 14/3) ist die Verletzung mit einem scharfen Gegenstand (Messer, Fingerna-

gel, Schmuckstück etc.) erfolgt. Die Beschuldigte anerkennt, dass die Verletzung 

mit einem Sackmesser passiert sei. Der Privatkläger beschreibt das Messer zwar 

sehr präzis: ein Küchenmesser, ohne Zacken mit scharfer Spitze und Klinge mit 

Metallnieten im Griff. Letzteres ergab sich erst aus der Zeichnung anlässlich der 

Videobefragung (Urk. 8 S. 4). Dass es sich um ein Sackmesser gehandelt haben 

soll, verneint er. Die Zeichnung des Messers an sich entsprach aber nicht der Be-

schreibung, sondern war deutlich grösser. Die Aussage betreffend die Art des 

Messers ist mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen, zumal eine schreckensbe-

dingte Überzeichnung der Messergrösse nicht ausgeschlossen werden kann. 

Ähnliches zeigt sich bei der Beschreibung der Grösse der Täterin. So verglich er 

die Grösse der Beschuldigten mit derjenigen der einvernehmenden Polizistin, 

welche 175 cm misst. Er befand zuerst sogar, die Beschuldigte sei grösser als die 

Polizistin und korrigierte dann, sie sei etwa gleich gross; die Beschuldigte misst 

- 10 - 

jedoch nur ca. 162 cm (Urk. 26/19 Blatt 3). Dies deutet darauf hin, dass dem Pri-

vatkläger in der für ihn sehr belastenden Situation alles viel grösser erschien. Die 

Beschuldigte entsorgte das von ihr verwendete Messer noch gleichentags und 

dieses wurde nicht aufgefunden; wie gross das Messer effektiv war, kann somit 

nicht mehr rekonstruiert werden. Unbestritten ist jedoch, dass die Beschuldigte 

ein Messer in der Hand hatte und damit den Privatkläger verletzte. Auch der Um-

stand, dass der Privatkläger nicht gesehen hat, wie das Messer in die Hand der 

Beschuldigten kam, spricht nicht gegen den Messereinsatz, sondern zeigt, dass 

er sich nicht Mutmassungen hingibt, sondern nur das Beobachtete wiedergibt. 

 Die Beschuldigte machte anlässlich der Berufungsverhandlung wie auch in 

den verschiedenen Geständnissen ebenfalls konkrete Angaben über den Ablauf 

des Vorfalls und erwähnte stets, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. 

Detailliert gab sie an, dass es sich beim Spielzeug, welches sie E._____ mitbrin-

gen wollte, um eine Figur eines Comic-Helden gehandelt habe. Weiter führte sie 

aus, sowohl das Spielzeug als auch das Messer in Zürich weggeworfen zu haben, 

da sie nach dem Anruf der Polizei Angst bekommen habe. Die Beschuldigte konn-

te des Weiteren nachvollziehbar darlegen, weshalb sie diese Version erst im Be-

rufungsverfahren vorbrachte; ihr damaliger Anwalt habe ihr geraten, die Aussage 

konsequent zu verweigern (Prot. II S. 15; Urk. 129/2 Beilage und 140). Erst mit 

dem Anwaltswechsel machte sie nun Aussagen. Aufgrund des Grössenunter-

schieds der Beschuldigten und des Privatklägers erscheint es sodann auch mög-

lich, dass sie das Messer nicht aktiv gegen das Gesicht des Privatklägers geführt 

hat, sondern dass sein Gesicht auf Höhe der Hand der Beschuldigten war. Weiter 

kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschuldigte sowohl die Tasche, die 

Schachtel und das Spielzeug als auch das Messer zusammen in der rechten 

Hand hielt, wie sie dies geltend machte. Der Privatkläger führte sodann aus, den 

Arm der Beschuldigten weggeschoben zu haben; dies indiziert, dass die Beschul-

digte nicht mit grossem Kraftaufwand gehandelt hat. Die Ausführungen der Be-

schuldigten erscheinen insgesamt plausibel.  

 2.4.  Der Beschuldigten kann zusammenfassend nicht nachgewiesen wer-

den, dass sie den Privatkläger vorsätzlich verletzte oder diese Verletzung zumin-

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dest in Kauf genommen hat. Auch ist kein Motiv ersichtlich, weshalb sie einen ihr 

fremden Jungen verletzen wollte. Nachdem sie ihren Irrtum bemerkt hatte, liess 

sie den Jungen sogleich los; dies wird auch vom Privatkläger bestätigt. Es ver-

bleiben ernsthafte Zweifel, dass sich der Sachverhalt, so wie er dem Antrag der 

Staatsanwaltschaft zugrunde liegt, zugetragen hat. Zugunsten der Beschuldigten 

ist davon auszugehen, dass es sich bei der Verletzung des Privatklägers um ei-

nen Unfall gehandelt hat. Es ist somit festzustellen, dass die Beschuldigte den 

Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in 

Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 und 3 StGB nicht erfüllt hat. Die fahrlässige Bege-

hung der einfachen Körperverletzung wird jedoch durch das Anklageprinzip nicht 

gedeckt, weshalb die Sache zur allfälligen Weiterführung des Verfahrens betref-

fend den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 StGB an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland zurückzuweisen ist.  

 3. Bei dieser Ausgangslage erscheint eine stationäre Massnahme im Sin-

ne von Art. 59 StGB als unverhältnismässig, weshalb die Beschuldigte aus dem 

vorzeitigen Massnahmevollzug zu entlassen und dem Migrationsamt des Kantons 

Zürich zuzuführen ist.  

III. 

 Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenaufstellung (Ziffer 6) zu be-

stätigen. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-

rens sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.  

 Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die Entschädigung 

der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren wurde im Dispositiv des 

Beschlusses vom 15. Januar 2015 fälschlicherweise auf Fr. 15'000.– festgesetzt 

(Urk. 146), was mit Beschluss vom 19. Januar 2015 korrigiert wurde (Urk. 150). 

Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung für das Berufungsverfahren ist 

auf Fr. 16'000.– (inkl. 8 % MwSt) festzusetzen und auf die Gerichtskasse zu neh-

men. 

- 12 - 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte den Tatbestand der einfachen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit 

Ziff. 2 Abs. 2 und 3 StGB nicht erfüllt hat.  

2. Die Sache wird zur allfälligen Weiterführung des Verfahrens betreffend den 

Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 

StGB an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland zurückgewiesen.  

3. Die erstinstanzliche Kostenaufstellung (Dispositivziffer 6) wird bestätigt.  

4. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens 

werden auf die Gerichtskasse genommen.  

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die Entschädigung 

der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren wird auf Fr. 16'000.– 

festgesetzt und auf die Gerichtskasse genommen.  

6. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv (vorab per Fax) an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Be-
schuldigten  

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste   

− die Psychiatrische Klinik …  

− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des 

Privatklägers  
 
(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer 
eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur 
zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs 
verlangen.) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Be-
schuldigten  

- 13 - 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

− die Vertreterin des Privatklägers für sich und zuhanden des Privatklä-
gers 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich. 

7. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Sodann verfügt der Präsident:  

1. Die Beschuldigte wird aus dem vorzeitigen Massnahmevollzug entlassen 

und dem Migrationsamt des Kantons Zürich zugeführt.  

2. Schriftliche Mitteilung mit dem vorstehenden Urteilsdispositiv.  

3. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

- 14 - 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 15. Januar 2015 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Spiess 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw Mondgenast  
 

 
 
 

	Beschluss vom 15. Januar 2015
	 Anklage:
	Urteil der Vorinstanz:
	1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i. V. m. Ziff. 2 Abs. 2 und 3 StGB erfüllt hat.
	2. Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer Strafe abgesehen.
	3. Es wird eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB angeordnet.
	4. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Juni 2013 (act. 27/2), 6. November 2013 (act. 27/3) und 18. Dezember 2013 (act. 27/9) beschlagnahmten Gegenstände werden der Beschuldigten nach Rechtskraft des Urteils auf erst...
	5. Die Anträge der Privatklägerschaft betreffend Genugtuung und grundsätzlicher Schadenersatzpflicht werden abgewiesen.
	6. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:
	7. Die Kosten, inklusive diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen.
	Berufungsanträge:
	2. Ziff. 2 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Mai 2014 sei aufzuheben. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu bestrafen unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft.
	3. Ziff. 3 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Mai 2014 sei aufzuheben. Es sei von der Anordnung einer Massnahme abzusehen.
	4. Die Beschuldigte sei für die erlittene Überhaft angemessen zu entschädigen.
	5. Unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolgen.
	Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.
	Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.
	Erwägungen:
	I.
	II.
	III.

	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 und 3 StGB nicht erfüllt hat.
	2. Die Sache wird zur allfälligen Weiterführung des Verfahrens betreffend den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland zurückgewiesen.
	3. Die erstinstanzliche Kostenaufstellung (Dispositivziffer 6) wird bestätigt.
	4. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens werden auf die Gerichtskasse genommen.
	5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren wird auf Fr. 16'000.– festgesetzt und auf die Gerichtskasse genommen.
	6. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv (vorab per Fax) an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 die Psychiatrische Klinik …
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 die Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers   (Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies in...
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Vertreterin des Privatklägers für sich und zuhanden des Privatklägers
	 die Vorinstanz
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich.

	7. Rechtsmittel:
	Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Sodann verfügt der Präsident:
	1. Die Beschuldigte wird aus dem vorzeitigen Massnahmevollzug entlassen und dem Migrationsamt des Kantons Zürich zugeführt.
	2. Schriftliche Mitteilung mit dem vorstehenden Urteilsdispositiv.
	3. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes.