# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c905f0d-088b-572d-9658-ff6c91c6179a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.09.2020 D-858/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-858-2020_2020-09-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-858/2020 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Mia Fuchs, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Rechtsanwalt Ozan Polatli,  

Advokatur Gysin + Roth,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 13. Januar 2020 / N (…). 

 

 

 

D-858/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Aufenthalt in B._______ 

(Nordprovinz), verliess sein Heimatland eigenen Angaben gemäss am 

19. Oktober 2015 und gelangte am 15. November 2015 in die Schweiz, wo 

er am 19. November 2015 um Asyl nachsuchte. 

A.b Am 25. November 2015 nahm das SEM im Rahmen der Befragung zur 

Person (BzP) die Personalien des Beschwerdeführers auf und befragte ihn 

zum Reiseweg. 

A.c Am 4. Mai 2017 und am 11. Juli 2017 hörte das SEM den 

Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen an. Dabei machte er im 

Wesentlichen geltend, zwei seiner Onkel seien Mitglieder der LTTE 

(Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen und hätten als Offiziere Dienst 

geleistet. Sein Grossvater sei von Leuten erschossen worden, die mit 

einem Hubschrauber gekommen seien. Nach dem Tod der beiden Onkel 

habe die Familie in den Zeitungen Todesanzeigen publiziert, woraufhin sie 

Probleme erhalten habe. Seine Grossmutter und die anderen Onkel, die 

auch «aktiv» gewesen seien, hätten Sri Lanka verlassen müssen; nur seine 

Mutter sei in der Heimat geblieben. Im Juni 2008 seien acht Personen auf 

vier Motorrädern zu ihnen gekommen; diese hätten zur «Field Bike Group» 

gehört und seien teilweise maskiert gewesen. Sie seien bewaffnet 

gewesen und hätten seinen Bruder und ihn zur Seite genommen; damals 

sei seine Mutter befragt worden. Die Leute hätten sich nach ihren Brüdern 

erkundigt, und seine Mutter habe gesagt, sie habe keinen Kontakt zu 

diesen. Daraufhin sei sie mit Füssen getreten worden; später habe sich an 

der Stelle, an der sie getreten worden sei, ein Tumor gebildet, der 2013 

operativ entfernt worden sei. Als er habe intervenieren wollen, sei er auf 

den Hinterkopf geschlagen worden und habe das Bewusstsein verloren. 

Als er zu sich gekommen sei, sei er im Spital gewesen. Sein Bruder sei 

oberhalb des rechten Auges verletzt worden und seine Mutter sei auf der 

Intensivstation gelegen. Seit diesem Ereignis gehe es seiner Mutter 

psychisch schlecht; er habe sich danach ständig gefürchtet. Angesichts 

dessen sei er zu einem Psychiater gegangen, der ihm empfohlen habe, 

Sport zu treiben, um auf andere Gedanken zu kommen. Er habe (…) und 

(…) trainiert und an Sportanlässen teilgenommen. Dabei habe er zwei 

Soldaten (C._______ und D._______) kennengelernt, die ihn zu 

rekrutieren versucht hätten. Er habe ihnen gesagt, dass er kein Interesse 

habe und befürchte, dass im Militärcamp Menschen gefoltert würden. Weil 

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er das Angebot abgelehnt habe, sei er von einem der Soldaten geschlagen 

worden. Nach diesem Vorfall sei er immer wieder telefonisch bedroht 

worden. 

Die beiden Soldaten seien am 12. Juli 2014 mit einem 

Geheimdienstbeamten (E._______) zu ihm gekommen und hätten ihn 

festgenommen. Sie hätten ihn zu einem Stadion gefahren und erneut 

versucht, ihn zu rekrutieren. Es seien noch andere junge Männer dort 

gewesen; einer von ihnen habe ihm gesagt, die Soldaten würden sie mit 

einem Jeep transportieren, und er werde zu entkommen versuchen. Er 

habe es mit einem anderen Jungen geschafft, aus dem Stadion zu 

entkommen. Sie hätten sich in einem Kleidergeschäft versteckt und mit 

dem Telefon des Ladenbesitzers ihre Familien kontaktiert. Seine Eltern 

hätten einen Anwalt beigezogen, der zum Polizeiposten von B._______ 

gegangen sei. Er habe mit E._______ gesprochen, die Leute hätten von 

seinem Vater Geld verlangt. 

Am 27. November 2014 sei der Heldentag gefeiert worden. Die Armee sei 

auf den Campus der Universität gegangen, wo die Studenten geschlagen 

worden seien. In seinem Dorf seien Lampen angezündet worden; 

E._______ und vier andere Personen seien zu ihm gekommen, weil sie ihn 

verdächtigt hätten, etwas damit zu tun zu haben. Sie hätten ihn derart auf 

sein Geschlechtsteil geschlagen, dass er noch tagelang Schmerzen 

gehabt habe. E._______ sei am 19. April 2015 zusammen mit anderen 

Männern wieder zu ihm gekommen und er sei festgenommen worden. Man 

habe ihn in ein nahe des Polizeipostens liegendes Gebäude gebracht und 

ihm vorgeworfen, er habe den Annai-Poopathi-Gedenktag gefeiert; man 

habe ihm unterstellt, er habe bei den Feierlichkeiten eine führende Rolle 

gespielt. Er habe auf einen Stuhl sitzen müssen, man habe ihn gefesselt 

und ein Tuch beziehungsweise eine Plastiktüte über seinen Kopf gelegt. 

Man habe Wasser über sein Gesicht gegossen, so dass er kaum mehr 

habe atmen können. Seine Familie habe wiederum den Anwalt kontaktiert, 

der zu dem Haus gekommen sei. Seine Eltern hätten erneut Geld bezahlen 

müssen und der Anwalt habe gesagt, für diese Summe werde man drei bis 

sechs Monate lang in Ruhe gelassen. Er habe des Weiteren gesagt, er (der 

Beschwerdeführer) müsse das Land verlassen. Bis zu seiner Ausreise 

habe er sich versteckt.  

Der Beschwerdeführer führte aus, dass Menschen mit einem 

Familienhintergrund wie dem seinigen in Sri Lanka immer noch Probleme 

hätten. Von solchen Familien werde immer wieder Geld verlangt. Als er im 

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Versteck gelebt habe, sei sein Vater (am 1. Oktober 2015) von 

Unbekannten geschlagen worden, als er mit dem Motorrad unterwegs 

gewesen sei. Die Männer hätten gefragt, wo er (der Beschwerdeführer) sei, 

und sein Vater habe geantwortet, er wisse es nicht. Sein Onkel F._______ 

sei am 21. August 2015 von den Behörden angegriffen und geschlagen 

worden. Sein Onkel G._______ habe auch Probleme mit den Behörden 

gehabt und sei mit seiner Familie nach H._______ gegangen. Seine im 

Ausland lebenden Onkel hätten versucht, seine Eltern nach Europa zu 

holen, diese wollten aber in Sri Lanka bleiben. Im Falle einer Rückkehr 

nach Sri Lanka befürchte er, dass man ihn verschwinden lassen werde. 

Bereits am Flughafen von Colombo würde er befragt werden; 

möglicherweise würde ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Falls er 

nach B._______ zurückkehren würde, hätte er wieder Probleme mit 

E._______ und dessen Leuten. Vor seiner Ausreise sei er wiederholt 

telefonisch bedroht worden. Man habe ihm viele Fragen gestellt und ihm 

unterstellt, er habe Kontakte zu den Bewegungsleuten und versuche, eine 

Gruppe zu gründen. Man habe ihm gesagt, man werde ihn ins (…)-

Gefängnis bringen; sollte er Anzeige erstatten, werde man ihn töten. 

Nachdem er die Anrufe nicht mehr entgegengenommen habe, seien (im 

Jahr 2014) Steine auf die Fenster ihres Hauses geworfen worden. Danach 

habe er die Anrufe wieder angenommen. Die Behörden hätten ihn 

mehrmals zu Befragungen mitgenommen und ihn nach zwei bis drei Tagen 

wieder freigelassen.  

A.d Der Beschwerdeführer gab beim SEM zahlreiche Beweismittel ab (vgl. 

SEM-act. A24 Ziff. 1 – 18 [Beweismittelumschlag)].  

B.  

Mit Verfügung vom 13. Januar 2020 – eröffnet am 15. Januar 2020 – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung 

an. 

C.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Februar 2020 erhob der 

Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde. In dieser wird beantragt, es sei die Verfügung des SEM 

aufzuheben und es sei die Vorinstanz anzuweisen, den Beschwerdeführer 

als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren. 

Eventualiter sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. 

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Seite 5 

Subeventualiter sei die Sache zur vollständigen und richtigen Feststellung 

des Sachverhalts und neuem Entscheid an das SEM zurückzuweisen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht wird beantragt, es seien keine Verfahrens-

kosten zu erheben und das SEM sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer 

für das Verfahren vor dem Bundeverwaltungsgericht eine Partei-

entschädigung auszurichten. Es sei dem Beschwerdeführer zu gestatten, 

sich für die Dauer des Verfahrens in der Schweiz aufzuhalten und die 

kantonale Migrationsbehörde sei anzuweisen, für die Dauer des 

Beschwerdeverfahrens von Vollzugsmassnahmen abzusehen. Es sei dem 

Beschwerdeführer gegenüber allfälligen Stellungnahmen des SEM das 

Replikrecht einzuräumen.  

Der Eingabe lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. S. 15 derselben). 

D.  

Der Instruktionsrichter forderte den Beschwerdeführer mit 

Zwischenverfügung vom 26. Februar 2020 auf, bis zum 12. März 2020 

einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– einzuzahlen, unter der Androhung, 

bei ungenutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. 

E.  

Am 2. März 2020 wurde zugunsten des Bundesverwaltungsgerichts ein 

Kostenvorschuss von Fr. 750.– eingezahlt. 

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 16. März 2020 hielt das SEM an seinem 

Standpunkt fest. Das Bundesverwaltungsgericht brachte dem Beschwer-

deführer die Vernehmlassung am 18. März 2020 zur Kenntnis.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines 

Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwer-

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deführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG liegt nicht vor. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 

legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

Nachdem der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, ist auf die frist- 

und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Ein Replikrecht zur vorinstanzlichen Vernehmlassung musste dem 

Beschwerdeführer nicht eingeräumt werden, da das SEM sich inhaltlich 

nicht zur Beschwerde äusserte, und es ihm offen gestanden wäre, sich im 

Rahmen von Art. 32 Abs. 2 VwVG einzubringen, falls er wesentliche 

Nachträge zu seiner Beschwerde gehabt hätte. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, 

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 

wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 

die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie 

Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 

Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in 

wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 

sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 

oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, in den 

Vorbringen des Beschwerdeführers würden sich chronologische, substanz- 

und kongruenzbezogene Mängel finden. Die von ihm geltend gemachte 

persönliche Verfolgung ab dem Jahr 2014 sei als widersprüchlich und 

unsubstanziiert dargelegt anzusehen. So habe er zwischen 2008 und 2014 

aufgrund der geleisteten Zahlungen einerseits keine persönlichen Probleme 

gehabt, anderseits hätten Hausdurchsuchungen stattgefunden, wobei 

auch Geld und Schmuck mitgenommen worden seien. Er habe nicht sagen 

können, wie oft und wann sein Vater Geld habe bezahlen müssen. Es wäre 

zu erwarten gewesen, dass er nach Kriegsende entsprechend nachgefragt 

hätte, als er persönlich in den Fokus der Verfolger geraten sei. An einer 

Stelle habe er angegeben, er habe bereits im Jahr 2013 Probleme gehabt, 

um sodann anzugeben, er könne sich an keine grossen Geschehnisse in 

diesem Jahr erinnern. Durch seine Weigerung, der sri-lankischen Armee 

zu dienen, sei er 2014 in den Fokus der Verfolger gelangt. Er habe aber 

auch gesagt, die Verweigerung stehe nicht im Zusammenhang mit der 

damit beginnenden Verfolgung. Die Verweigerung des Dienstes sei nach 

der angeblichen Geldzahlung kein Thema mehr gewesen. Da ihm 2014 

eine Identitätskarte (ID) und ein Reisepass ausgestellt worden seien und 

er seine Heimat 2015 verlassen habe, sei nicht davon auszugehen, dass 

ihm in diesem Zusammenhang bei einer Rückkehr asylrechtlich relevante 

Nachteile erwachsen würden. 

Der Beschwerdeführer habe in verschiedener Hinsicht widersprüchlich und 

unsubstanziiert geschildert, dass er in diesem Zeitraum massiv bedroht 

worden sei. Es sei unklar geblieben, wann die telefonischen Drohungen 

begonnen hätten. Einerseits habe er gesagt, diese hätten nach seiner 

«Dienstverweigerung» begonnen, anderseits habe er gesagt, er könne 

diesen Zeitpunkt kaum eingrenzen. Auf die Frage, wer ihn bedroht habe, 

habe er zuerst geantwortet, er wisse es nicht, auf Nachfrage habe er 

pauschal angegeben, es seien Geheimdienstleute, regierungsfreundliche 

Bewegungsleute und Leute vom Militär gewesen; anfänglich habe 

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E._______ ihn bedroht. Später habe er im Widerspruch dazu gesagt, er sei 

von C._______ und D._______ bedroht worden, letztmals eine Woche vor 

seiner Ausreise. Erneut darauf angesprochen, habe er gemeint, er habe 

E._______ Stimme wiedererkannt, die Namen der weiteren Drohenden 

seien ihm entfallen, und er sei nicht sicher, ob C._______ und D._______ 

ihn telefonisch bedroht hätten. Es sei nicht nachvollziehbar, dass man ihn 

teilweise mehrmals täglich bedroht haben solle, ohne etwas von ihm zu 

fordern. Bezüglich der Konsequenzen habe er sich dahingehend wider-

sprochen, dass er einmal gesagt habe, es seien Steine auf das Haus der 

Familie geworfen worden, während er an anderer Stelle gesagt habe, es 

sei ein Molotov-Cocktail gewesen. 

Der Beschwerdeführer habe nicht angeben können, von wann bis wann 

und wie oft er befragt worden sei. Pauschalisierend habe er gesagt, nach 

dem Vorfall mit C._______ und D._______ sei er «jeden zweiten Tag» für 

zwei bis drei Tage mitgenommen worden. An anderer Stelle habe er 

gesagt, er sei bis zu seiner Ausreise befragt worden, wogegen er auch 

behauptet habe, er habe sich von April bis Oktober 2015 versteckt. Bei der 

BzP habe er vorgebracht, er habe bis zur Ausreise in B._______ gewohnt. 

Es sei nicht nachvollziehbar, dass er sich während dieser Zeit zwar 

versteckt haben wolle, sich aber an der A-Level-Prüfung der Schule 

exponiert habe.  

Das vom Beschwerdeführer weitgehend pauschal Vorgebrachte sei nur mit 

wenigen Realkennzeichen versehen und enthalte spärlich persönliche 

Eindrücke. Seine Aussagen wiesen insgesamt nicht die Qualität auf, die zu 

erwarten wäre, hätte er das Geschilderte tatsächlich erlebt. An einer Stelle 

habe er gesagt, er sei zwei Stunden lang gefoltert worden, während er an 

anderer Stelle angegeben habe, er sei zirka drei Stunden lang gefoltert 

worden. Er habe den Tag einerseits so dargestellt, dass er bis eine Stunde 

vor seiner Freilassung gefoltert worden sei (also bis 16 oder 17 Uhr). Dies 

wären aber deutlich mehr als drei Stunden nach seiner Festnahme, die 

gegen 10 oder 11 Uhr am Vormittag erfolgt sei. Einmal habe er gesagt, sein 

Anwalt sei zwei Stunden nach seiner Festnahme an den Ort der 

Folterungen gekommen, ein anderes Mal habe er geltend gemacht, er 

wisse nicht, wann der Anwalt gekommen sei. Zunächst habe er geltend 

gemacht, am Ort der Mitnahme sei ihm vorgeworfen worden, er habe den 

Annai-Poopathi-Gedenktag gefeiert, an anderer Stelle habe er gesagt, die 

Frage nach dem Grund seiner Mitnahme sei ihm nicht beantwortet worden. 

Einerseits habe er erst später erfahren, dass an diesem Tag der Gedenktag 

gefeiert werde, der auch der Todestag seines Onkels sei, andererseits 

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wolle er dies schon zuvor gewusst haben. Schliesslich habe er angegeben, 

er habe von seinem Anwalt erfahren, weshalb er mitgenommen worden 

sei, er habe aber nicht sagen können, wie sein Anwalt zu dieser Information 

gekommen sei. Unerklärlich sei auch, weshalb man ihm Stunden lang hätte 

Fragen stellen sollen, die er nicht verstanden habe.  

Unverständlich sei auch sein mangelhafter Wissensstand in Bezug auf 

allfällige Ereignisse nach seiner Ausreise. Obwohl er mit seinem Onkel in 

Verbindung stehe, wolle er sich nicht nach dem Wohlergehen der Familie 

erkundigt haben. Die Frage, ob er über seinen Anwalt etwas Schriftliches 

beschaffen könne, habe er pauschal damit beantwortet, dass er nicht 

wisse, wie er mit ihm in Kontakt treten könne. 

Der Beschwerdeführer habe vorgebracht, Ziel der Drohenden sei es 

gewesen, Geld zu verdienen. Man habe ihm von Anfang an gesagt, er dürfe 

die Drohungen nicht bei den Behörden anzeigen, ansonsten man ihn töte. 

Demzufolge sei davon auszugehen, dass auch bei angenommener 

Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht von einer staatlich orchestrierten 

Verfolgung auszugehen sei. Vor diesem Hintergrund sei angesichts der 

Präsenz eines einflussreichen und gut vernetzten Anwalts nicht nachvoll-

ziehbar, dass er nicht versucht habe, seinen angeblichen Problemen auf 

dem Rechtsweg Einhalt zu gebieten. 

Da der Beschwerdeführer die geltend gemachte Verfolgung substanzarm 

und teilweise erfahrungswidrig geschildert habe, könne den von ihm 

eingereichten Beweismitteln, die Vorfälle in seiner Verwandtschaft, die sich 

zu Kriegszeiten zugetragen hätten, belegen sollten, kein gesonderter 

Beweiswert zuerkannt werden. Die seine Eltern und seinen Onkel betref-

fenden medizinischen Unterlagen enthielten keine Hinweise auf die von 

ihm geltend gemachten Übergriffe. In der Bestätigung, mit der ein 

Spitalaufenthalt seines Vaters belegt werden solle, sei von einem «Sturz» 

und nicht von einem Angriff die Rede.  

Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise 

aus Sri Lanka asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt 

gewesen zu sein. Er sei bis im Oktober 2015 dort wohnhaft gewesen und 

zu diesem Zeitpunkt bestehende Risikofaktoren hätten kein 

Verfolgungsinteresse der heimatlichen Behörden ausgelöst. Es sei nicht 

ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr in den Fokus der Behörden 

geraten und verfolgt werden sollte.  

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Seite 10 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe 

am 19. November 2015 um Asyl nachgesucht und die BzP habe am 

25. November 2015 stattgefunden, als seine Erinnerungen noch frisch 

gewesen seien. Da die BzP aufgrund einer internen Weisung verkürzt und 

gewisse Punkte nicht vertieft worden seien, sei sein Anspruch auf recht-

liches Gehör und ein faires Verfahren verletzt worden. Er habe sich erst-

mals eineinhalb Jahre nach seiner Einreise in die Schweiz zu seinen 

Fluchtgründen äussern dürfen. Es sei verfehlt, wenn ihm allfällige Erinne-

rungslücken oder Ungereimtheiten zur Last gelegt würden. 

Der Beschwerdeführer sei zudem noch minderjährig gewesen, als die 

Hausdurchsuchungen bei seiner Familie stattgefunden hätten und sein 

Vater habe Geld bezahlen müssen. Er habe gewusst, dass seine Familie 

die LTTE unterstützt habe und die Probleme damit zusammenhingen. Er 

habe seinen Vater nicht über die Hintergründe fragen dürfen; dieser habe 

ihm gesagt, er müsse bezahlen, um die Familie zu schützen. Nachdem er 

erwachsen geworden sei, habe er bei seinem Vater nachgefragt; so habe 

er bei der Anhörung Ausführungen dazu machen können. 

Der zweite Teil der Anhörung habe rund vier Jahre nach den telefonischen 

Drohungen stattgefunden. Während er in der Schweiz gewesen sei, habe 

er versucht, seinen Kopf zu befreien und nicht mehr an die Erlebnisse in 

der Heimat zu denken. Dieser Teil der Anhörung habe sechs Stunden ge-

dauert. Dass man sich nach so langer Zeit bei nachlassender Konzen-

tration nicht mehr an Einzelheiten von im Jahr 2013 Geschehenem 

erinnern könne, sei nicht aussergewöhnlich. Er habe zugegeben, dass er 

sich nicht mehr an ein spezielles Ereignis von damals erinnern könne. Man 

könne ihm nicht vorhalten, seine Vorbringen seien deshalb generell 

unglaubhaft. 

Die beabsichtigte Zwangsrekrutierung vom 12. Juli 2014 habe keinen 

Zusammenhang mit der am 19. April 2014 durchgeführten Hausdurch-

suchung. Er sei am 10. Juli 2014 volljährig geworden, vorher hätte man ihn 

nicht rekrutieren können. Als er während eines Turniers aufgrund seiner 

sportlichen Leistungen angesprochen worden sei, hätten die Militärs 

vermutlich nicht gewusst, dass er noch minderjährig gewesen sei. 

Ein Kollege habe ihm gesagt, wie er vorgehen müsse, um neue Identitäts- 

und Reisepapiere zu erhalten. Am Schalter des Passbüros habe er eine ID 

beantragt; er habe eine Fotografie, seinen Geburtsschein und eine Kopie 

der verlorenen ID einreichen sowie eine Gebühr bezahlen müssen. 

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Seite 11 

Innerhalb von drei Stunden habe er die ID erhalten, danach sei er zum 

Passbüro gegangen, wo er wiederum eine Gebühr habe bezahlen und 

Dokumente habe vorweisen müssen. Es treffe nicht zu, dass man vor 

Erhalt dieser Dokumente den Militärdienst absolvieren müsse. 

Die Familie sei 2013 bedroht worden, er habe damals noch kein eigenes 

Telefon gehabt. Nach der Verweigerung des Militärdienstes sei er persön-

lich am Telefon bedroht worden. An die exakten Daten der Drohanrufe 

könne er sich nicht mehr erinnern. Er besitze die damalige SIM-Karte heute 

noch und könne sie einreichen. Er vermute, dass E._______ ihn bedroht 

habe, da er glaube, ihn an der Stimme erkannt zu haben. Er habe ihn von 

den Hausdurchsuchungen her gekannt und er sei auch bei den Fest-

nahmen immer dabei gewesen. Im April 2015 habe man ihm vorgeworfen, 

eine Feier für seinen in den 90er-Jahren verstorbenen Onkel organisiert zu 

haben. Er wisse bis heute nicht, wer ihn wirklich angerufen habe. Am 

Telefon sei er gefragt worden, wo er sich aufhalte und was er mache. Da 

er nach Antworten für die ersten Fragen gesucht habe, habe er die weiteren 

Worte nicht mitbekommen. Er habe nicht gesehen, was man gegen das 

Haus der Familie geworfen habe. Tatsache sei, dass ein Teil des Hauses 

gebrannt habe. Da der Angriff von den Behörden ausgegangen sei, hätten 

sie keine Anzeige erstattet. Dass der Beschwerdeführer gesagt habe, er 

sei «jeden zweiten Tag» mitgenommen worden, sei als pauschaler Spruch 

zu deuten. Auf Tamilisch sage man dies, wenn man von ständigen 

Problemen spreche. Er sei ständig mitgenommen worden und könne sich 

an die genaue Anzahl nicht erinnern. In Sri Lanka würden Leute oft so 

lange schikaniert, bis sie «freiwillig» den Militärdienst leisteten. Während 

der Zeit, als er sich versteckt gehalten habe, sei er bei jedem Ortswechsel 

an den Checkpoints befragt worden; auch weitere Drohanrufe habe er 

während dieser Zeit erhalten. Erst bei der Anhörung habe er auch die Orte 

erwähnt, an denen er sich nur wenige Tage aufgehalten habe. Während 

der Zeit, als er untergetaucht sei, habe er für die Prüfungen an der Schule 

gelernt. Er sei zur Prüfungshalle gegangen und zur Prüfung zugelassen 

worden, da er nicht offiziell gesucht worden sei. Die Teilnehmenden seien 

nicht öffentlich erwähnt worden, so dass er sich nicht vor einer Verhaftung 

gefürchtet habe. 

Die Teilnehmenden am Annai-Poobathi-Gedenktag seien weggerannt, als 

die Sicherheitsleute erschienen seien. Die Behörden seien zu ihm ge-

kommen, weil sie vermutet hätten, er habe den Anlass organisiert, weil am 

gleichen Tag sein Onkel gestorben sei. Alle im Dorf hätten gewusst, dass 

seine Familie die LTTE unterstützt habe. Er sei nicht bei dieser Feier 

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gewesen und könne nicht sagen, wie lange er gefoltert worden sei. Er sei 

geschlagen worden und habe versucht, die Schläge abzuwehren, ohne 

damit zu provozieren, dass er noch härter geschlagen würde. Die Sicher-

heitsleute hätten das Haus vom Vor- bis zum Nachmittag durchsucht, er 

sei indessen nicht die ganze Zeit gefoltert worden. Er habe das Bewusst-

sein verloren und den Anwalt gesehen, als er wieder zu sich gekommen 

sei. Er habe bei der Anhörung gesagt, dass man ihm erst am Zielort gesagt 

habe, er habe angeblich an der Gedenkfeier teilgenommen. Er habe 

gewusst, dass diese an jenem Tag begangen worden sei, jedoch nicht, 

dass dies in seiner Gegend gewesen sei. Wie der Geldfluss verlaufen sei, 

habe er vom Anwalt nicht detailliert erfahren. 

E._______ sei Singhalese und habe den Beschwerdeführer ohne Über-

setzung befragt, was keine Seltenheit sei. Würde man ihn suchen, würde 

man ihn sicher zuerst bei seinem Onkel und seinem Bruder suchen, 

weshalb diese vom SEM in Betracht gezogenen innerstaatlichen Flucht-

alternativen ausschieden. Ausserdem würde er seine Verwandten in 

Gefahr bringen. Er habe seinen Onkel nicht gefragt, wie die Sicherheitslage 

zu Hause sei, sondern, wie es den Angehörigen gesundheitlich gehe. Als 

er den negativen Entscheid des SEM erhalten habe, habe er seinen sri-

lankischen Anwalt kontaktieren wollen; dieser sei aber verstorben. Sein 

Bruder sehe ihm sehr ähnlich und sei zurzeit ebenfalls untergetaucht. 

E._______ sei Beamter des CID und solche Leute könne man in Sri Lanka 

nicht anzeigen. Eine solche Anzeige würde nicht anhand genommen, und 

E._______ würde sofort informiert. Aufgrund eines fingierten Vorwurfs 

könne E._______ jedermann verhaften lassen, weshalb der Beschwerde-

führer im Falle einer Anzeigeerstattung noch mehr Schwierigkeiten gehabt 

hätte. 

Die Situation des Beschwerdeführers habe sich mit der Wahl von Gotabaya 

Rajapakse zum Präsidenten verschlimmert. Im Falle einer Rückkehr 

würden man ihn nicht nach einer kurzen Festnahme wieder freilassen. 

Selbst im Falle einer Freilassung müsste er sich ständig fürchten, da er 

vom sri-lankischen Militär mit dem Tod bedroht worden sei. 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das SEM habe den Anspruch 

des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, weil es am 

25. November 2015 nur eine verkürzte BzP durchgeführt habe. 

D-858/2020 

Seite 13 

5.2 Die Anhörung als wichtigste Konkretisierung des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör stellt nicht nur ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-

kungsrecht der Asylsuchenden dar, sondern dient gleichzeitig auch der 

materiellen Sachverhaltsabklärung, die im Asylverfahren grundsätzlich von 

Amtes wegen durchzuführen ist (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dem 

Beschwerdeführer wurde das diesbezügliche rechtliche Gehör vorliegend 

durch die einlässliche Anhörung zu seinen Asylgründen vom 4. Mai und 

11. Juli 2017 in ausreichendem Masse gewährt, gab er doch vor Abschluss 

der Anhörung an, es gebe keine noch nicht erwähnten Gründe, die gegen 

seine Rückkehr nach Sri Lanka sprächen (vgl. SEM-act. A27/27 S. 24). 

Gemäss dem zum Zeitpunkt der Einreichung des Asylgesuchs des 

Beschwerdeführers geltenden aArt. 26 Abs. 3 AsylG konnte das SEM die 

Asylsuchenden in der Vorbereitungsphase zu ihrer Identität, zum Reise-

weg und summarisch zu den Gründen befragen, warum sie ihr Land ver-

lassen haben, musste es aber nicht. Durch die Tatsache, dass das SEM 

vorliegend aufgrund der damals äusserst zahlreich gestellten Asylgesuche 

nur eine verkürzte BzP durchführte, wurde der Anspruch des Beschwerde-

führers auf rechtliches Gehör und ein faires Verfahren nicht verletzt. Der 

Tatsache, dass er erst rund eineinhalb Jahre nach dem Verlassen seines 

Heimatlandes zu seinen Asylgründen angehört wurde, ist indessen im 

Rahmen der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen Rechnung 

zu tragen. 

5.3 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung hat das SEM 

den rechtserheblichen Sachverhalt genügend festgestellt, weshalb der 

Subeventualantrag auf Rückweisung der Sache an das SEM zum 

Neuentscheid abzuweisen ist. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen 

Entscheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden 

(vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 

23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).  

6.2 Der Beschwerdeführer brachte bei der Anhörung vor, zwei Soldaten der 

sri-lankischen Armee hätten gesehen, dass er im Sport gut gewesen sei, 

weshalb das Militär versucht habe, ihn zwangsweise zu rekrutieren (vgl. 

SEM-act. A23/21 S. 4). Am 14. Juni 2014 habe er an einer Sportveran-

staltung teilgenommen, bei der er gut abgeschnitten habe. Eine Woche 

später hätten ihn die beiden Soldaten angerufen und ihm gesagt, er müsse 

D-858/2020 

Seite 14 

zur Schule kommen. Sie hätten gefragt, ob er «bei den Soldaten mit-

machen wolle». Als er geantwortet habe, er sei noch nicht 18-jährig und 

habe kein Interesse, habe C._______ ihn geschlagen. Am 12. Juli 2014 

seien die beiden Soldaten mit E._______ gekommen und hätten ihn 

festgenommen. Er sei zu einem Stadion gebracht worden, von wo aus ihm 

zusammen mit einem anderen Jungen die Flucht gelungen sei. Nachdem 

seine Familie einen Anwalt beigezogen und sein Vater Geld bezahlt habe, 

sei die Sache mit der Rekrutierung erledigt gewesen (vgl. SEM-act. A23/21 

S. 11 f.). Kurz vor Abschluss der Anhörung brachte der Beschwerdeführer 

erstmals vor, er hätte zwei bis drei Tage lang ein militärisches Training 

absolvieren sollen und habe durchgehend dortbleiben müssen; man habe 

ihn dazu von der Schule abgeholt (SEM-act. A27/27 S. 23). Dieses kurz 

vor Abschluss der Sachverhaltserstellung geltend gemachte Ereignis lässt 

sich mit den vorhergehenden Schilderungen nicht vereinbaren und erweckt 

Zweifel an den Vorbringen. 

6.3 Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers sei er immer wieder 

telefonisch bedroht worden, nachdem er den beiden Soldaten gesagt 

habe, er habe kein Interesse, der Armee beizutreten (vgl. SEM-act. A23/21 

S. 11). Die Frage, ob er sich an einem anderen Ort in Sri Lanka hätte 

niederlassen können, beantwortete er dahingehend, dass man ihm am 

Telefon gesagt habe, seine Eltern würden Probleme haben, falls er an 

einen anderen Ort ginge. Er wisse nicht, wer ihn angerufen habe, die 

Personen hätten Tamilisch mit einem starken Akzent gesprochen; später 

habe er Anrufe von Personen erhalten, die gut Tamilisch gesprochen hätten 

(vgl. SEM-act. A23/21 S. 13 f.). Im weiteren Verlauf der Anhörung sagte er 

indessen, er sei am Telefon von C._______ und D._______ bedroht 

worden (vgl. SEM-act. A27/27 S. 16). Auch die Stimme von E._______ 

habe er wiedererkennen können (vgl. SEM-act. A27/27 S. 20). In der 

Beschwerde wird hingegen angegeben, der Beschwerdeführer vermute 

nur, dass E._______ ihn bedroht habe, da er glaube, dessen Stimme 

erkannt zu haben. Diese nicht stimmigen Angaben zu den Urhebern der 

Drohungen bestätigen die Zweifel an seinen Vorbringen. Es erübrigt sich 

in diesem Zusammenhang sodann, die vom Beschwerdeführer zur Edition 

offerierte SIM-Karte aus dem Jahr 2014 anzufordern, da die Personen, die 

ihn damals angerufen haben sollen, nicht mehr eruiert werden können und, 

selbst wenn dies möglich wäre, nicht festgestellt werden könnte, was 

telefonisch besprochen wurde. 

  

D-858/2020 

Seite 15 

6.4  

6.4.1 Widersprüchlich sind auch die Aussagen zur mehrstündigen Fest-

haltung des Beschwerdeführers am Annai-Poobathi-Gedenktag (19. April 

2015). So gab er an, er habe bei der Festnahme mit E._______ sprechen 

können, die anderen Personen hätten mit ihm Singhalesisch gesprochen, 

weshalb er nichts habe verstehen können. Auf Nachfrage bestätigte er, er 

habe nichts verstanden (vgl. SEM-act. A27/27 S. 7 f.). Kurz danach brachte 

er vor, die Leute, die ihn festgenommen hätten, hätten den Todestag seines 

Onkels als Vorwand für seine Festnahme genommen; durch das, was sie 

während der Inhaftierung gesagt hätten, habe er das verstehen können. Er 

habe während der Inhaftierung Zweifel an deren Grund gehabt und Rück-

fragen gestellt. Bei seiner Festnahme hätten die Männer auch Tamilisch 

gesprochen, so dass er habe verstehen können, was sie gesagt hätten. 

Kurz danach sagte er indessen, nur E._______ habe auch Tamilisch 

sprechen können, die anderen vier Personen hätten nur Singhalesisch 

gesprochen (vgl. SEM-act. A27/27 S. 9 f.). Einerseits gab der Beschwerde-

führer an, er habe erst nachträglich erfahren, dass am Tag seiner Fest-

nahme der Gedenktag gewesen und dass dieser Tag auch der Todestag 

seines Onkels gewesen sei (vgl. SEM-act. A27/27 S. 5), anderseits machte 

er geltend, er habe dies bereits bei der Festnahme gewusst und ent-

sprechend kombiniert (vgl. SEM-act. A27/27 S. 10). Zudem verstrickte er 

sich hinsichtlich der Sprachkenntnisse der Personen, die ihn festge-

nommen haben sollen, in Widersprüche. 

6.4.2 Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers sei das Haus seiner 

Familie am 19. April 2015 durchsucht worden (vgl. SEM-act. A23/21 S. 18). 

Er sei zuhause gewesen, als die Behördenmitglieder zwischen 10 und 11 

Uhr morgens gekommen seien und ihn aufgefordert hätten, sie zur 

Polizeiwache zu begleiten. Er habe Rückfragen gestellt und sei geschlagen 

worden (vgl. SEM-act. A27/27 S. 4 f.). Die Leute, die ihn abgeholt hätten, 

seien sicherlich weniger als zehn Minuten lang im Haus gewesen. Auf 

Nachfrage, weshalb er von der bereits geltend gemachten Hausdurch-

suchung nichts (mehr) gesagt habe, erklärte er, er habe dies ja zuvor schon 

erwähnt (vgl. SEM-act. A27/27 S. 15). Es ist indessen nicht glaubhaft, dass 

die drei Männer, die ins Haus gekommen seien, sich einerseits mit ihm 

beschäftigt haben sollen, weil er sie zuerst nicht habe begleiten wollen, 

anderseits in den nicht einmal zehn Minuten auch noch das Haus 

durchsucht haben sollen. Die in der Beschwerde geschilderte Version der 

Vorkommnisse lässt sich ferner mit den Angaben des Beschwerdeführers 

bei der Anhörung nicht vereinbaren und bestärkt die Zweifel an deren 

Glaubhaftigkeit. Er erwähnte bei der Anhörung zu keinem Zeitpunkt, dass 

D-858/2020 

Seite 16 

die Sicherheitsleute alle Familienmitglieder (gemäss seinen Angaben bei 

der Anhörung sei nur seine Mutter zuhause gewesen [vgl. SEM-act. A27/27 

S. 13]) in ein Zimmer gesperrt und das Haus durchsucht hätten; sie hätten 

sogar Leute durchsucht, die am Haus vorbeigegangen seien. Die Sicher-

heitsleute seien mehrere Stunden lang in und vor dem Haus gewesen; 

während dieser Zeit sei er zwei bis drei Stunden lang gefoltert worden (bei 

der Anhörung sagte er, die Leute seien nicht einmal zehn Minuten im Haus 

gewesen [vgl. SEM-act. A27/27 S. 15]). Aufgrund der Schläge habe er das 

Bewusstsein verloren, als er wieder zu sich gekommen sei, habe er seinen 

Anwalt gesehen (bei der Anhörung erklärte er, er habe während der Folter 

beinahe das Bewusstsein verloren und seine Peiniger hätten zugewartet, 

bis sie ihn zu seinem Anwalt gebracht hätten [vgl. SEM-act. A27/27 S. 12]). 

Der in der Beschwerde dargelegte Ablauf der Geschehnisse steht somit in 

verschiedener Hinsicht im Widerspruch zu den Aussagen des Be-

schwerdeführers bei der Anhörung. 

6.4.3 Der Beschwerdeführer sagte schliesslich vorerst aus, sein Anwalt sei 

zwei Stunden nach seiner Festnahme zum Gebäude gekommen, in dem 

er festgehalten worden sei. Während diesen zwei Stunden sei er gefoltert 

worden (vgl. SEM-act. A23/21 S. 12). Zu einem späteren Zeitpunkt gab er 

jedoch an, er habe den Anwalt erst am Nachmittag getroffen und wisse 

nicht, seit wann dieser dort gewesen sei, wo er festgehalten worden sei. 

Im Widerspruch zu seiner vorhergehenden Angabe, er sei bis zum Ein-

treffen des Anwalts, der zwei Stunden nach der Inhaftierung gekommen 

sei, gefoltert worden, machte er später zudem geltend, man habe zirka eine 

Stunde vor seiner Freilassung mit der Folter aufgehört (vgl. SEM-act. 

A27/27 S. 7). Auch diese Angaben lassen sich nicht miteinander verein-

baren. 

6.4.4 Insgesamt betrachtet bestehen mithin überwiegende Zweifel an den 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorkommnissen des 19. April 

2015, weshalb das geschilderte Vorbringen als unglaubhaft zu werten ist.  

6.5 Der Beschwerdeführer brachte vor, dass man in Richtung seines 

Hauses Steine geworfen habe, welche die Fenster beschädigt hätten, weil 

er Telefonanrufe abgelehnt habe; danach habe er die Anrufe wieder ent-

gegengenommen (vgl. SEM-act. A23/21 S. 16). Später gab er an, Unbe-

kannte hätten einen Molotov-Cocktail geworfen, weshalb die Fenster des 

Hauses zerbrochen seien. Als er erneut angerufen worden sei, habe man 

ihm gesagt, das nächste Mal werde das Haus beschädigt werden (vgl. 

SEM-act. A27/27 S. 21). In der Beschwerde wird in Abweichung zu den 

D-858/2020 

Seite 17 

Angaben des Beschwerdeführers ausgeführt, ein Teil des Hauses habe 

gebrannt und er habe die enorme Hitze auf der Haut gespürt, als er sich 

der Feuerstelle genähert habe. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der 

Beschwerdeführer während der ausführlichen Anhörung ein derart be-

ängstigendes Ereignis wie einen Hausbrand nicht hätte erwähnen sollen. 

Auch dieses Vorkommnis erscheint demnach unglaubhaft. 

6.6 Nach seinen Wohnorten gefragt, sagte der Beschwerdeführer vorerst, 

er habe bis zu seiner Ausreise am 17. Oktober 2015 in B._______ gelebt 

(vgl. SEM-act. A23/21 S. 5). Im weiteren Verlauf der Anhörung sagte er 

hingegen, er habe sich nach dem 19. April 2015 bei Kollegen in B._______ 

und I._______ versteckt (vgl. SEM-act. A23/21 S. 12). Zu einem späteren 

Zeitpunkt führte er sodann aus, er habe sich auch bei seinen Verwandten 

in I._______ aufgehalten (vgl. SEM-act. A27/27 S. 18). Kurz vor Abschluss 

der Anhörung nannte er schliesslich weitere Orte, an denen er sich ver-

steckt haben will (vgl. SEM-act. A27/27 S. 26). Die in der Beschwerde ver-

tretene Auffassung, die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Aufent-

haltsorten seien nicht widersprüchlich, trifft mithin offensichtlich nicht zu. 

6.7 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei 

bei den Checkpoints befragt worden, als er seine Aufenthaltsorte vor seiner 

Ausreise gewechselt habe. Da er nicht sicher gewesen sei, ob C._______, 

D._______ oder E._______ seine Festnahme angeordnet hätten, habe er 

sich immer vor den Checkpoints gefürchtet. Angesichts dieser Ausführun-

gen befremdet das Verhalten des Beschwerdeführers, der sich zur Able-

gung eines Teils der A-Level-Prüfungen zur Schule begeben haben will, 

umso mehr, da er sich nicht darauf hätte verlassen können, dass sein 

Erscheinen zu den Prüfungen von den Behörden unbemerkt geblieben 

wäre. 

6.8 Nicht zu überzeugen vermögen auch die Ausführungen des Be-

schwerdeführers, wonach er mit seiner in Sri Lanka verbliebenen Kern-

familie keinen Kontakt pflege. Gemäss seinen Angaben habe er über 

seinen in J._______ lebenden Onkel eine Kopie seiner ID organisieren 

können, er will aber nicht wissen, ob sein Onkel mit seiner Familie in 

Kontakt steht. Er habe sich beim Onkel auch nicht über das Befinden seiner 

engsten Angehörigen erkundigt. Kurz danach gab er jedoch an, er habe 

seinen Onkel zwar danach gefragt, dieser habe ihm die entsprechenden 

Fragen jedoch nicht beantwortet. Ebenso sagte er, er wisse nicht, wie es 

D-858/2020 

Seite 18 

seinen Eltern gehe (vgl. SEM-act. A27/27 S. 2 f.). Angesichts der Be-

deutung der Familienbande in der tamilischen Gesellschaft können diese 

Angaben des Beschwerdeführers nicht als glaubhaft erachtet werden. 

6.9 Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer erst eineinhalb Jahre nach 

seiner Ausreise aus dem Heimatland und teilweise mehrere Jahre nach 

den geltend gemachten Ereignissen zu seinen Asylgründen angehört 

wurde, vermag die vorstehend nicht abschliessend aufgezeigten zahl-

reichen, gravierenden Unstimmigkeiten in seinen Aussagen ebenso wenig 

zu erklären, wie seine teilweise ausweichenden und den Fragen ange-

passten Ausführungen zu seinen Asylgründen. 

6.10 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer beim SEM eingereichten 

Beweismittel ist einleitend auf die zutreffenden Ausführungen in der ange-

fochtenen Verfügung zu verweisen. Den beiden Bestätigungen, wonach 

die Mutter und der Vater des Beschwerdeführers sich in den Jahren 2013 

beziehungsweise 2015 in ärztliche Behandlung begeben mussten, ist nicht 

zu entnehmen, dass dies auf erlittene Übergriffe zurückzuführen war. Mit 

der Todesurkunde des Grossvaters des Beschwerdeführers vom 

16. Januar 2004 kann belegt werden, dass dieser im April 1991 bei einem 

militärischen Angriff ums Leben kam, dessen Hintergründe können damit 

indessen nicht belegt werden. Mit den die Verwandten des Beschwerde-

führers betreffenden Dokumente kann aufgezeigt werden, dass sich diese 

seit langer Zeit in J._______ und K._______ aufhalten. Hinweise auf die 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten persönlich erlittenen Verfol-

gungsmassnahmen können den Dokumenten jedoch nicht entnommen 

werden. 

6.11 Dem Standpunkt des SEM, der Beschwerdeführer habe nicht 

aufzeigen können, weshalb die sri-lankischen Behörden ein gesteigertes 

Interesse an seiner Person haben sollten, ist beizupflichten. Er machte 

zwar geltend, man habe ihm am Telefon immer wieder vorgehalten, er 

beabsichtige eine Organisation aufzubauen, die dem Staat gefährlich 

werden könnte, was indessen nicht zu überzeugen vermag. Eigenen 

Angaben zufolge pflegte der Beschwerdeführer keinerlei Kontakte zu 

Personen, die Verbindungen zu den ehemaligen LTTE hatten, was bei den 

Behörden einen entsprechenden Verdacht hätte erwecken können. Seinen 

Angaben gemäss sollen die Sicherheitsbehörden ihn beobachtet be-

ziehungsweise überwacht haben, weshalb diesen – sollte die Angabe 

zutreffen – bewusst gewesen sein müsste, dass der Beschwerdeführer 

D-858/2020 

Seite 19 

politisch nicht aktiv war und am tatkräftigen Wiederaufbau der LTTE kein 

Interesse hatte. 

6.12 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, eine im Heimatland erlittene oder ihm dort in absehbarer 

Zeit drohende asylrechtlich relevante Verfolgung zu belegen oder glaubhaft 

zu machen. 

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 

2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri 

Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa 

respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht 

generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter 

ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der 

Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in 

Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risiko-

faktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen 

oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, 

Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen 

früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im 

Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu 

den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1 - 

8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, 

unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitäts-

papiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka 

zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für 

Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut 

sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., 

E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret 

glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefähr-

dung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass 

insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften 

Nachteilen im Sinn von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-

lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den 

tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).  

7.2 Wie bereits vorstehend festgehalten, ist es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen, ein zum Zeitpunkt der Ausreise bestehende behördliches 

Interesse an seiner Person glaubhaft zu machen. Der Umstand, dass zwei 

D-858/2020 

Seite 20 

seiner Onkel Mitglieder bei den LTTE gewesen seien, dürfte den heimat-

lichen Behörden ebenso bekannt sein, wie der Umstand, dass diese vor 

der Geburt des Beschwerdeführers ums Leben gekommen seien. Er selbst 

und seine Eltern sowie sein jüngerer Bruder waren nicht Mitglieder der 

LTTE und er konnte nicht glaubhaft machen, dass er von den sri-lankischen 

Behörden ernsthaft verdächtigt wurde, sich am Wiederaufbau dieser 

Organisation zu beteiligen. Der Beschwerdeführer brachte weder bei der 

Anhörung noch zu einem späteren Zeitpunkt glaubhaft vor, er sei in einer 

Art und Weise aktiv gewesen, die es nahelegen würde, dass ihm seitens 

der sri-lankischen Behörden ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der 

Wiederbelebung des tamilischen Separatismus zugeschrieben werden 

könnte. 

7.3 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer offenbar nicht im Besitz 

eines sri-lankischen Reisepasses ist und von der Schweiz aus nach Sri 

Lanka zurückkehren wird, führt nach konstanter Praxis für sich allein 

gesehen nicht zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Auch aus den 

Bombenanschlägen in Sri Lanka vom 21. April 2019 und dem ausge-

rufenen Notstand, der am 22. August 2019 wieder aufgehoben wurde, lässt 

sich in Bezug auf den hinduistischen Beschwerdeführer keine ihm drohende 

asylrechtlich relevante Verfolgung ableiten. Die im Beschwerdeverfahren 

eingereichten Berichte über die Lage in Sri Lanka, die keinen konkreten 

Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen, vermögen an dieser Ein-

schätzung nichts zu ändern. 

7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder 

Vor- noch Nachfluchtgründe nachgewiesen oder zumindest glaubhaft 

gemacht hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der 

Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, 

da sie an der Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 

Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das 

Asylgesuch abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

D-858/2020 

Seite 21 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.3  

9.3.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 

darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement 

nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche 

Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden 

D-858/2020 

Seite 22 

Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-

führers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig. 

9.3.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen 

weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine 

Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als 

unzulässig erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 

f. [als Referenzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für 

Menschenrechte (EGMR) hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – 

wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurück-

kehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. 

Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. 

Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 

10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten 

Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer Rückkehr nach 

Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu 

befürchten, die über einen sogenannten «Backgroundcheck» (Befragung 

und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden 

oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Nach neuesten Erkennt-

nissen des Bundesverwaltungsgerichts lässt auch der Vorfall rund um die 

Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka im vorliegenden 

Fall keine andere Einschätzung zu, da kein konkreter Grund zur Annahme 

besteht, die allgemeinen politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten 

sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken. Der 

Vollzug der Wegweisung erweist sich mithin als zulässig. 

9.4  

9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete 

Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

9.4.2 Das SEM hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht. 

Seine Schlussfolgerungen sind im Ergebnis nicht zu beanstanden. Der 

bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE 

ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder 

Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschätzung 

vermögen auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten Anschläge auf 

D-858/2020 

Seite 23 

Kirchen und Luxushotels nichts zu ändern. Auch unter Berücksichtigung 

des Vorfalls im Zusammenhang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen 

Botschaft und der aktuellen politischen Situation rund um Präsident 

Gotabaya Rajapaksa, dessen Auflösung des Parlaments sowie den beab-

sichtigten Neuwahlen sieht das Bundesverwaltungsgericht keine Veran-

lassung, den Wegweisungsvollzug sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-

scher Ethnie als generell unzumutbar einzustufen. 

9.4.3 Die Ausführungen in den eingereichten Beweismitteln zur allge-

meinen Lage der tamilischen Bevölkerung in Sri Lanka vermögen an der 

Einschätzung, wonach nicht von einer in Sri Lanka herrschenden Situation 

allgemeiner Gewalt auszugehen ist, nichts zu ändern. Es besteht kein 

Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen 

konkret auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Gemäss nach wie 

vor gültiger Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug zumutbar, wenn 

das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere 

Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes 

sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) 

bejaht werden kann. 

Der Beschwerdeführer, der über eine langjährige Schulbildung sowie über 

erste Berufserfahrung als (…) (Heimatland) beziehungsweise (…) (Schweiz) 

verfügt, lebte von Geburt bis zur Ausreise in der Nordprovinz (zuletzt im 

Distrikt I._______). Gemäss seinen Angaben leben seine Eltern, sein 

Bruder sowie noch mindestens ein Onkel im selben Distrikt (vgl. SEM-act. 

A23/21 S. 7 und A27/27 S. 3 f.). Sein Vater und auch der Onkel (dieser in 

L._______) verfügen über eigene Geschäfte (vgl. SEM-act. A23/21 S. 6), mit 

denen sie sich den Lebensunterhalt offenbar gut sichern konnten. Damit 

verfügt der Beschwerdeführer in seiner Heimat über ein Beziehungsnetz, auf 

dessen Unterstützung er nach einer Rückkehr – sofern notwendig – bei der 

Suche nach einem Arbeitsplatz und der Reintegration zurückgreifen kann. 

Seinen Angaben gemäss lebe seine Familie in relativ guten Verhältnissen, 

sodass er nicht befürchten muss, in eine existenzielle Notlage zu geraten. 

Der in der Beschwerde geltend gemachte Umstand, wonach der Be-

schwerdeführer in der Schweiz gut integriert und arbeitstätig sei, ist bei 

volljährigen abgewiesenen Asylsuchenden im Rahmen der Beurteilung der 

Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs von untergeordneter 

Bedeutung und vermag vorliegend den Vollzug nicht als unzumutbar 

erscheinen zu lassen. 

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9.4.4 Bezüglich der sich derzeit in zahlreichen Ländern ausbreitenden 

Corona-Pandemie ist festzuhalten, dass in Sri Lanka gemäss öffentlich 

zugänglichen Quellen der erste Fall einer Covid-19-Erkrankung Ende 

Januar 2020 und somit rund einen Monat bevor in der Schweiz der erste 

Fall gemeldet wurde, diagnostiziert wurde. Die Krankheit hat sich in Sri 

Lanka weit weniger als in der Schweiz ausgebreitet, wobei unter Hinweis 

auf die Dunkelziffer in beiden Ländern nicht alle Fälle bekannt sein dürften. 

Jedenfalls führt die Tatsache, dass auch Sri Lanka von Covid-19-

Erkrankungen betroffen ist, nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs. 

9.4.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit sowohl in genereller 

als auch in individueller Hinsicht nicht als unzumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies-

bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss wird 

zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 

12.  

Angesichts des Ausgangs des Verfahrens wird der Antrag, das SEM sei 

D-858/2020 

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anzuweisen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundes-

verwaltungsgericht eine Parteientschädigung auszurichten, gegenstands-

los. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur 

Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler