# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c13a40b9-99c6-550b-8ac6-5e4cea94475d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 15.06.2010 BB.2010.34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2010-34_2010-06-15.pdf

## Full Text

Entscheid vom 15. Juni 2010  
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, 
Emanuel Hochstrasser und Patrick Robert-
Nicoud,  
Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 
Parteien 

  
BUNDESANWALTSCHAFT,  
 

Beschwerdeführerin 
 

 gegen 
   

A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Georges 
Müller,  

 
Beschwerdegegner 

 
Vorinstanz  EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH-

TERAMT,  
 

Gegenstand  Ergänzung der Akten; Parteianträge 
(Art. 119 Abs. 1 BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BB.2010.34 
 
 
 

 

 

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Sachverhalt: 
 

A. Das Eidg. Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „Untersuchungs-
richteramt“) führt gegen A. eine Voruntersuchung wegen des Ver-
dachts der qualifizierten Widerhandlung gegen das Bundesgesetz 
vom 3. Oktober 1951 über die Betäubungsmittel und die psychotro-
pen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz, BetmG; SR 812.121). Nachdem 
das Untersuchungsrichteramt am 5. Februar 2010 gestützt auf 
Art. 119 Abs. 1 BStP den Parteien Frist ansetzte, eine Ergänzung der 
Akten zu beantragen, stellte die Bundesanwaltschaft am 26. März 
2010 u. a. den nachstehenden Antrag: 
 
„Der Beschuldigte sei unter Hinweis auf die bisherigen bundeskriminalpolizeilichen, 

bundesanwaltschaftlichen und untersuchungsrichterlichen Einvernahmen zur Sache 

danach zu fragen, ob er an seinen jeweiligen Aussagen, wonach er auf den ihm im 

Rahmen des gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens und der Voruntersuchung 

vorgehaltenen Gesprächsaufzeichnungen nicht selber am Sprechen sei und diese 

Gespräche nicht geführt habe, festhalte bzw. ob er anerkenne, die fraglichen Tele-

fongespräche geführt zu haben oder an ihnen beteiligt gewesen zu sein. 

 

Sofern der Beschuldigte an seinen bisherigen Aussagen festhält, sei ein Stimmgut-

achten einzuholen, wobei den Parteien zur Wahrung ihrer Parteirechte mindestens 

bezüglich der Person des Gutachters und der Formulierung der Fragestellungen an 

den Gutachter – insbesondere bezüglich der Auswahl der zu begutachtenden Ge-

sprächsaufzeichnungen – vorgängig das rechtliche Gehör zu gewähren sei.“ 

 
Mit Verfügung vom 7. Mai 2010 wies das Untersuchungsrichteramt 
diesen Antrag ab (act. 1.1). 
 
 

B. Hiergegen gelangt die Bundesanwaltschaft mit Beschwerde vom 
14. Mai 2010 an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 
und verlangt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung bezüglich 
Abweisung des Antrags auf Erstellung eines Stimmgutachtens sowie 
die Anweisung des Untersuchungsrichteramtes, umgehend die Er-
stellung eines Stimmgutachtens in gehöriger Form in Auftrag zu ge-
ben (act. 1). 
 
In seiner Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2001 schliesst A. auf voll-
umfängliche Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen (act. 3). Das Untersuchungsrichteramt beantragt 

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in seiner Beschwerdeantwort vom selben Tage ebenfalls die Abwei-
sung der Beschwerde (act. 4). Die Beschwerdeantworten wurden den 
Parteien am 14. Juni 2010 wechselseitig zur Kenntnis gebracht 
(act. 5, 6 und 7). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, 
soweit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug 
genommen. 
 
 
 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des Eidgenössischen 

Untersuchungsrichters ist die Beschwerde nach den Verfahrensvor-
schriften der Art. 214 ff. BStP an die I. Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts zulässig (Art. 214 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 
lit. a SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für 
das Bundesstrafgericht; SR 173.710). Die Beschwerde steht den Par-
teien und einem jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die 
Säumnis einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 Abs. 2 
BStP). Ist die Beschwerde gegen eine Amtshandlung gerichtet, so ist 
sie innert fünf Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von der Amts-
handlung Kenntnis erhalten hat, schriftlich der I. Beschwerdekammer 
einzureichen (Art. 216 und 217 BStP). 

 
1.2 Die Beschwerdeführerin ist im Rahmen der vorliegenden Voruntersu-

chung Partei (Art. 34 BStP). Ihre Beschwer bei Amtshandlungen des 
Untersuchungsrichters ergibt sich aus ihrer funktionalen Stellung, in-
dem ihr die Durchsetzung der materiellen Wahrheit und die Verwirkli-
chung des Rechts obliegt (Entscheid des Bundesstrafgerichts 
BK_B 016/04 vom 27. Mai 2004, E. 2.1 m.w.H.; vgl. auch 
BGE 130 I 234 E. 3.1). Auf ihre im Übrigen form- und fristgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 

 
 
2.  
2.1 Findet der Untersuchungsrichter, der Zweck der Voruntersuchung sei 

erreicht, so bestimmt er den Parteien eine Frist, in der sie eine Er-
gänzung der Akten beantragen können. Er entscheidet über die An-
träge (Art. 119 Abs. 1 BStP). Die Tragweite dieser Bestimmung beur-

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teilt sich einerseits aus der Konzeption des Bundesstrafprozesses 
heraus, welcher die unmittelbare Erhebung der Beweise an der 
Hauptverhandlung kennt (Unmittelbarkeitsprinzip; vgl. HAUSER/ 
SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., 
Basel 2005, S. 233 N. 17), andererseits im Verhältnis zu Art. 113 
BStP. Gemäss Art. 113 BStP hat der Untersuchungsrichter den 
Sachverhalt soweit festzustellen, dass der Bundesanwalt entscheiden 
kann, ob Anklage zu erheben oder die Untersuchung einzustellen ist. 
Er sammelt die Beweismittel für die Hauptverhandlung. Zu weiterge-
henden Beweiserhebungen ist er an sich nicht verpflichtet, besteht 
doch die Möglichkeit der Beweisabnahme in der Hauptverhandlung. 
Der Untersuchungsrichter hat nur solche Beweisbegehren zu berück-
sichtigen, die nach seiner Würdigung rechts- und entscheiderheblich 
sind (vgl. BGE 129 I 151 E. 3.1 S. 154). Dem Untersuchungsrichter 
steht deshalb bei seinem Entscheid über Beweiserhebungen dann 
ein besonders weites Ermessen zu, wenn Beweiserhebungen nicht 
zwingend für den Entscheid über die Anklageerhebung oder Einstel-
lung erforderlich sind und diese ohne weiteres auch noch im Vorver-
fahren zur Hauptverhandlung oder an der Hauptverhandlung abge-
nommen werden können (siehe zum Ganzen ausführlich die Ent-
scheide des Bundesstrafgerichts BB.2007.40 vom 12. Novem-
ber 2007, E. 4.1; BB.2007.20 vom 3. Mai 2007, E. 3.1; BB.2007.21 
vom 26. April 2007, E. 2.1; BK_B 190/04 vom 15. Dezember 2004, 
E. 2.2; MOREILLON/DUPUIS/MAZOU, La pratique judiciaire du Tribunal 
pénal fédéral, in: JdT 2008, S. 66 ff., 115 f. N. 147 f.). 

 
2.2 Vorliegend bestreitet der Beschwerdegegner die wesentlichen, ihm 

zur Last gelegten Delikte begangen zu haben. Insbesondere gibt er 
an, die ihm vorgehaltenen aufgezeichneten Telefonate nicht geführt 
zu haben bzw. an diesen nicht beteiligt gewesen zu sein. Um hin-
sichtlich der Identität zwischen dem Beschwerdegegner und der an 
den fraglichen Telefonaten beteiligten Person entsprechende Ge-
wissheit schaffen zu können, beantragte die Beschwerdeführerin 
demzufolge die Erstellung eines Stimmgutachtens. Nachdem der Be-
schwerdegegner nun aber – offenbar entgegen seinen eigenen frühe-
ren Äusserungen (vgl. diesbezüglich den Nachweis in act. 1, S. 5, 
Fn 26) – sich weigert, eine entsprechende Stimmprobe abzugeben 
bzw. an der Erstellung des beantragten Stimmgutachtens mitzuwir-
ken, stellt sich die Frage nach der Eignung der Anordnung einer sol-
chen Beweiserhebung. Währenddem beispielsweise bei einer körper-
lichen Untersuchung im Sinne von Art. 73ter BStP denkbar ist, dass 
eine solche auch unter Einsatz von Zwangsmitteln entgegen dem Wil-

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len des Beschuldigten durchgeführt werden kann, liegt die Sachlage 
bei der Erstellung eines Stimmgutachtens anders. Ohne Mitwirkung 
des Betroffenen sind von einer solchen Beweiserhebung keine (ver-
nünftigen) Resultate zu erwarten. Bei dieser Ausgangslage lässt sich 
durch eine Gutheissung der Beschwerde für das Verfahren keinerlei 
Fortschritt erzielen, weshalb sie abzuweisen ist. Es wird am Sachge-
richt liegen, bei der Beurteilung der dem Beschwerdegegner zur Last 
gelegten Straftaten das bereits jetzt vorhandene Beweismaterial zu 
würdigen und gestützt hierauf seinen Entscheid zu fällen. 

 
 
3.  
3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist auf die Erhebung von Ge-

richtskosten zu verzichten (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 4 
BGG). 

 
3.2 Rechtsanwalt Georges Müller wurde dem Beschwerdegegner mit 

Verfügung vom 27. Juni 2006 auf Grund dessen Inhaftierung als amt-
licher Verteidiger beigeordnet (vgl. bereits den Entscheid des Bun-
desstrafgerichts BH.2009.11 vom 25. Juni 2009, E. 5.2). Diesem ist 
für das vorliegende Verfahren daher von der Beschwerdegegnerin ei-
ne Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 750.-- auszurichten (inkl. 
Auslagen und 7,6 % MwSt.; Art. 3 des Reglements vom 26. Septem-
ber 2006 über die Entschädigung in Verfahren vor dem Bundesstraf-
gericht; SR 173.711.31). Obwohl es sich beim Beschwerdegegner in 
formeller Hinsicht um die obsiegende Partei handelt, hat er der Be-
schwerdegegnerin diese Entschädigung zurückzuerstatten, nachdem 
er mit seiner Kehrtwende bezüglich seiner Bereitschaft zur Abgabe 
eines Stimmgutachtens das vorliegende Verfahren quasi als unnütz 
erscheinen lässt (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 68 Abs. 1 und 4 
i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG und Art. 5 Abs. 2 desselben Reglements).  

 

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Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.  
 
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 
3. Die Beschwerdeführerin hat dem amtlichen Verteidiger des Beschwer-

degegners eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 750.-- (inkl. Ausla-
gen und 7,6 % MwSt.) zu bezahlen. Der Beschwerdegegner hat der 
Beschwerdeführerin diesen Betrag zurückzuerstatten. 

 
 

Bellinzona, 16. Juni 2010 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Bundesanwaltschaft  
- Rechtsanwalt Georges Müller  
- Eidg. Untersuchungsrichteramt 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.