# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 940fb0fe-a93a-5729-8d1c-6972114ca880
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.10.2011 D-2532/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2532-2010_2011-10-27.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­2532/2010

U r t e i l   v om   2 7 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Daniele Cattaneo und Hans Schürch;
Gerichtsschreiber Daniel Merkli

Parteien A._______ geboren am (…)
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, 
(…)
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägungsentscheid);
Verfügung des BFM vom 12. März 2010 / N________

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  28.  April  2006  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers  vom  24.  Dezember  2004  ablehnte  und  dessen 
Wegweisung sowie den Vollzug derselben anordnete,

dass  eine  gegen  diese  Verfügung  gerichtete  Beschwerde mit  Urteil  der 
damaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  6. 
Dezember 2006 abgewiesen wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  am  10.  Dezember  2008  beim  BFM  ein 
Wiedererwägungsgesuch betreffend Vollzug der Wegweisung einreichte, 
im  wesentlichen  mit  der  Begründung,  er  könne  den  Beweis  erbringen, 
dass  er  –  entgegen der Annahme  im Urteil  der ARK vom 6. Dezember 
2006  –  in  Kabul  über  kein  familiäres  Beziehungsnetz  mehr  verfüge, 
weshalb die Rückkehr als unzumutbar zu erachten sei, 

dass  die  Eingabe  16.  Dezember  2008  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Prüfung  als  Revisionsgesuch 
weitergeleitet wurde, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  23. 
Dezember  2008  feststellte,  dass  es  sich  bei  der  Eingabe  vom  10. 
Dezember  2008  tatsächlich  um  ein  in  der  Zuständigkeit  des 
Bundesverwaltungsgerichts  liegendes  Revisionsgesuch  handelte,  das 
Revisionsgesuch  indessen  als  zum  vornherein  aussichtslos  erachtete, 
das  gleichzeitig  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege daher abwies und einen Kostenvorschuss in der Höhe von 
Fr. 1'200.­­ erhob,

dass  der  Kostenvorschuss  in  der  Folge  innert  der  gesetzten  Frist  nicht 
geleistet  wurde,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom 
15.  Januar  2009  androhungsgemäss  auf  das  Revisionsgesuch  nicht 
eintrat,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  1.  März  2010  erneut  mit 
einem  Wiedererwägungsgesuch  an  das  BFM  gelangte  mit  dem 
Begehren,  die  rechtskräftige  Verfügung  sei  im  Vollzugspunkt  in 
Wiedererwägung zu ziehen und der Beschwerdeführer  sei  aufgrund der 
veränderten  Sicherheitslage  in  Afghanistan  –  insbesondere  Kabul – 
wegen  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig 
aufzunehmen,

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dass das BFM mit Verfügung vom 12. März 2010 – dem Rechtsvertreter 
am  15.  März  2010  eröffnet  ­  das Wiedererwägungsgesuch  abwies,  die 
ursprüngliche  Verfügung  vom  28.  April  2008  als  rechtskräftig  und 
vollstreckbar  erklärte,  eine  Gebühr  von  Fr.  600.­­  erhob,  und  überdies 
feststellte,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid 
keine aufschiebende Wirkung zukomme,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom 
14. April  2010  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  erhob  mit  den 
Anträgen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  der 
Beschwerdeführer sei wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
vorläufig  aufzunehmen,  die  aufschiebende  Wirkung  sei 
wiederherzustellen  und  das  kantonale  Migrationsamt  sei 
superprovisorisch  anzuweisen,  bis  zum  Entscheid  über  die 
aufschiebende Wirkung von Vollzugsmassnahmen abzusehen, auf einen 
Kostenvorschuss sei zu verzichten und es sei dem Beschwerdeführer die 
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren,

dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts 
mit Zwischenverfügung vom 19. April 2010 die – bereits mit Telefax vom 
15. April  2010  von  der Kammerpräsidentin  als  vorsorgliche Massnahme 
einstweilen  verfügte  –  Aussetzung  des  Vollzugs  anordnete,  auf  einen 
Kostenvorschuss  verzichtete  und  das  Gesuch  um  unentgeltliche 
Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt des Verfahrens verwies,

dass die zur Vernehmlassung eingeladene Vorinstanz mit Stellungnahme 
vom  3.  Mai  2010  an  ihrer  Verfügung  festhielt  und  die  Abweisung  der 
Beschwerde beantragte, 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens 
des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i. V. m. 
Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass  gemäss  ständiger  Praxis  auch  Verfügungen,  in  denen  das 
Bundesamt  es  ablehnt,  einen  früheren  Entscheid  auf  Gesuch  hin  in 
Wiedererwägung  zu  ziehen,  gleichermassen  der  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht unterliegen,

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  der  Prüfungsgegenstand  des  vorliegenden 
Wiedererwägungsverfahrens sich auf die Frage beschränkt, ob in Bezug 
auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  seit  der  letztmaligen,  in  Rechtskraft 
erwachsenen  Beurteilung  vom  6.  Dezember  2006  eine  wesentliche 
Veränderung  der  Sachlage  eingetreten  ist,  welche  eine  neue 
Entscheidung  über  die  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
erfordert,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), 

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dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

dass  die  damalige  ARK  in  ihrem  Urteil  vom  6.  Dezember  2006  in 
sachverhaltsmässiger Hinsicht  feststellte,  dass  der Beschwerdeführer  in 
Kabul  geboren wurde  und  bis  zu  seiner Ausreise  dort  lebte  und  dass – 
entgegen  seinen  Behauptungen  –  dort  vom  Bestehen  eines 
ausreichenden  Beziehungsnetzes  auszugehen  sei,  weshalb  sie  den 
Vollzug der Wegweisung nach den Kriterien der damals geltenden Praxis 
gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 9 sowie 2003 Nr. 10 und 30 als 
zumutbar erachtete,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  Praxis  im  Hinblick  auf  die 
Verschlechterung  der  Situation  in  Afghanistan  einer  Überprüfung 
unterzog,  welche  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  der  vorliegenden 
Beschwerde  andauerte,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung 
einstweilen auszusetzen war,

dass  das  Ergebnis  dieser  Überprüfung  nunmehr  im  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011–  welches 
zur Publikation vorgesehenen ist – festgehalten ist,

dass  gemäss  dieser  aktuellen  Einschätzung  in  weiten  Teilen  von 
Afghanistan – ausser allenfalls in den Grossstädten – eine derart prekäre 
Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen 
bestehen, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 
Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist,

dass  es  von  dieser  allgemeinen  Feststellung  die  Situation  in  der 
Hauptstadt  Kabul  ausdrücklich  unterschied  und  den  Vollzug  der 
Wegweisung dorthin unter Umständen als zumutbar erachtete,

dass es dabei  festhielt, angesichts der konstanten Verschlechterung der 
Lage  über  die  vergangenen  Jahre  hinweg  und  der  auch  in  Kabul 
schwierigen  Situation  verstehe  es  sich  von  selbst,  dass  die  bereits  in 

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EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen  Bedingungen  in  jedem 
Einzelfall sorgfältig geprüft und erfüllt sein müssten, 

dass  es  für  die  Bejahung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
insbesondere  das  Vorhandensein  eines  sozialen  Netzes,  das  sich  im 
Hinblick  auf  die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des  Rückkehrers 
oder  der  Rückkehrer  als  tragfähig  erweist,  als  unabdingbare 
Voraussetzung erachtete,

dass das Bundesverwaltungsgericht somit in Bezug auf die Kriterien einer 
Rückkehr nach Kabul die vormalige Praxis der ARK bestätigte,

dass  sich  deshalb  gegenüber  der  im  Dezember  2006  vorgenommenen 
Beurteilung,  welche  sich  auf  die  genannte  Praxis  stützte,  aufgrund  er 
aktuellen  Lageeinschätzung  keine  erhebliche  Veränderung  des 
Sachverhalts ergeben hat, welche zu einem Rückkommen auf die frühere 
Beurteilung führen müsste,

dass  daher  das  Bundesamt  das  Wiedererwägungsgesuch  zu  Recht 
abgewiesen hat, 

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom 
19.  April  2010  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtete mit dem Hinweis, über das Gesuch um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 VwVG werde im Endentscheid befunden,

dass die auf den Vollzug der Wegweisung beschränkte Beschwerde im 
Zeitpunkt  der  Einreichung  nicht  aussichtslos  erschien  und  der 
Beschwerdeführer  mit  Bestätigung  des  kantonalen  Sozialamtes  vom 
26.  März  2010  seine  Bedürftigkeit,  von  welcher  nach  wie  vor 
auszugehen  ist,  nachgewiesen  hat,  weshalb  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 VwVG gutzuheissen ist,

dass somit keine Verfahrenskosten erhoben werden.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

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