# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e640e96-ec55-593e-9a8a-0e1d7f339c6e
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-11-21
**Language:** de
**Title:** Gebäudeversicherung. Schaden durch Schneedruck.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0169/2013
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_IV_0169_2013_372.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0169/2013 vom 21. November 2013 in BEZ 2014 Nr. 15 

4.4.1  Im  Gesetzesabschnitt  «Versicherte  Schäden»  erklärt  §  19  GebVG 
unter  dem  Randtitel  «Elementarschäden»  in  Ziffer  4  die  Gebäude  als  gegen 
Schäden  versichert,  die  durch  Schneedruck  entstanden  sind.  Unter 
Schneedruck  ist  die  Überlastung  durch  ruhende  Schneemassen  zu  verstehen. 
Gebäude müssen derart konstruiert sein, dass sie der Last einer ortsüblich als 
normal  geltenden  Schneemenge  standzuhalten  vermögen.  Was  als  ortsüblich 
normal gilt, ergibt sich aus den einschlägigen Normen der SIA, die als Ausdruck 
der  anerkannten  Regeln  der  Baukunde  zu  berücksichtigen  sind.  Gemäss  SIA-
Norm 261 ist bezogen auf das horizontale Gelände mit einer charakteristischen 
Schneelast sk von mindestens 0,9 kN/m2 zu rechnen, was einer Masse von ca.
90 kg/m2 entspricht. Für die Berechnung der charakteristischen Schneelast auf 
Dächern  qk,  bezogen  auf  die  überdeckte  Grundrissfläche,  wird  der  Wert  sk
multipliziert mit den Beiwerten für die Dachform (µi) und die Windexposition (Ce) 
sowie dem thermischen Beiwert (CT). Nur dort, wo die Schneelast den gemäss 
SIA-Norm  261  vorgegebenen  Grenzwert  übersteigt,  wird  die  durch  den 
Schneedruck  verursachte  Beschädigung  des  Dachs  als  Elementarschaden 
anerkannt  (Dieter Gerspach,  Kommentar Gebäudeversicherung,  hrsg.  von  Urs 
Glaus/Heinrich  Honsell,  2009,  2.  Kapitel,  Rz.  109).  Dies  ergibt  sich  auch 
daraus,  dass  es  nicht  Sinn  der  Elementarschadenversicherung  sein  kann,  für 
Schäden  aufkommen  zu  müssen,  die  darauf  zurückzuführen  sind,  dass  ein 
Gebäude nicht den Regeln der Baukunde entspricht. (…) 

4.4.3  Im  vorliegenden  Fall  (Lage  des  Gebäudes  auf  536  m.ü.M.)  beträgt 
der  charakteristische  Wert  sk  der  Schneelast  auf  horizontalem  Gelände  1,338 
kN/m2 (sk  = [1 + (536/350)2]  * 0,4 kN/m2), was einer Schneehöhe von ca. 1,34
m Neuschnee, ca. 67 cm Filzschnee (einige Stunden bis einige Tage nach dem 
Neuschneefall)  oder  ca.  34  cm  Nassschnee  entspricht  (zur  Raumlast  von 
Schnee  siehe  SIA-Norm  Nr.  261,  Ziff.  5.4).  Unter  Berücksichtigung  einer 
Dachneigung  des  Satteldachs  von  ca.  14°  (Dachformbeiwert  µi  =  0,8),  einer 
normalen Windexposition  (Expositionsbeiwert  Ce  =  1)  und  der  Annahme,  dass 
kein  grosser  Wärmedurchgang  an  der  Dachoberfläche  den  Schmelzprozess 
beschleunigt  (thermischen  Beiwert  CT  =  1),  ergibt  sich  ein  charakteristischer 
Wert  qk  der  Schneelast  auf  dem  Dach  (bezogen  auf  die  überdeckte 
Grundrissfläche) von 1,07 kN/m2. Dies entspricht ca. 54 cm Filzschnee oder 27 
cm  Nassschnee  (vgl.  Gutachten  der  Firma  I.).  Da  dieser  Wert  tiefer  liegt  als 
derjenige,  der  sich  aus  der  bei  Erstellung  des  Gebäudes  geltenden  SIA-Norm 
160 (1959) ergibt, ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz auf diesen nach 
der aktuell gültigen Norm SIA 261:2003 ermittelten Wert abzustellen.  

4.4.4  Die  Angaben  des  Rekurrenten  zur  Schneemenge  auf  dem 
beschädigten  Dach  beschränken  sich  auf  reine  Mutmassungen  und  nicht 

nachvollziehbare Schätzungen. Das eingereichte Klimabulletin Dezember 2012 
von  MeteoSchweiz,  welches  die  gesamte  Schweiz  umfasst,  macht  keine 
konkreten Angaben zur Schneehöhe oder zu den Niederschlägen in der Region 
von X. Das am 8. Dezember 2012 entstandene Foto zeigt eine ca. 30 bis 35 cm 
dicke  Neuschneedecke  auf  Gartenmöbeln.  Dass  die  Schneedecke  zwei  Tage 
später am 11. Dezember 2012 sogar 70 bis 100 cm betragen haben soll, wird 
nicht belegt und erscheint mit Blick auf die im Klimabulletin für den 11. bzw. 12. 
Dezember  2012  aufgeführten  Schneehöhen  einiger  Messstationen,  die 
Rekordwerte  verzeichneten,  eher  unwahrscheinlich  (z.B.  Glarus,  517  m.ü.M., 
70 cm; Langnau im Emmental, 745 m.ü.M., 65 cm; St. Gallen, 776 m.ü.M., 52 
cm). Wie  der  Rekurrent  zu  einer  geschätzten  Nassschneehöhe  auf  dem  Dach 
von  40  cm  im  Schadenszeitpunkt  gelangt,  bleibt  völlig  im  Dunkeln.  Immerhin 
fällt auf, dass dies einem Gewicht von 160 kg/m2 entspricht (vgl. SIA-Norm Nr. 
261,  Ziff.  5.4.2.) und  damit  just  dem  Grenzwert  bezüglich  Schneelast,  welcher 
die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid angeführt hatte.  

Soweit  vermag  der  Rekurrent  nicht  überzeugend  darzulegen,  dass  auf 
seinem  Gebäude  derart  viel  Schnee  lastete,  dass  hinsichtlich  des  Schnee-
drucks ein Elementarereignis im Sinne von § 19 Ziff. 4 GebVG eingetreten war. 
Vielmehr  lassen  die  mit  Wetterdaten  aus  der  Region  belegten  Ausführungen 
der  Vorinstanz  die  Behauptung  des  Rekurrenten  als  höchst  zweifelhaft 
erscheinen. Überzeugend ist insbesondere die Summe der Niederschläge vom 
1.  bis  17.  Dezember  2012  der  Messstation  Hinwil,  die  mit  117,9  mm  mit 
hinreichender  Gewissheit  darauf  schliessen  lässt,  dass  die  charakteristische 
Schneelast  gemäss  SIA-Norm  261:2003  nicht  überschritten  wurde.  Diesen 
Schluss  lassen  auch  die  Messwerte  der  Messstationen  Pfäffikon  ZH  und 
Grüningen  zu.  Die  von  der  Vorinstanz  eingereichten  Messwerte  der  drei 
Schneewaagen  der  Stadt  Zürich  zeigen  eine  maximale  Belastung  von  ca.  35 
kg/m2  am  12.  Dezember  2012  (Schulhaus  Im  Birch).  Vom  15.  auf  den  16. 
Dezember 2012 ging die Schneelast bei allen drei Waagen drastisch zurück, da 
in  diesen  Tagen  wieder  Tageshöchstwerte  von  mehr  als  5  Grad  gemessen 
wurden, so dass gemäss Klimabulletin der Schnee in den tiefen Lagen in kurzer 
Zeit verschwand. Die Messwerte der Waagen zeigen, dass der gleichzeitig mit 
der Erwärmung einsetzende Regen den Schneedruck offenbar nicht ansteigen 
liess. 

4.4.5 Im Gutachten von J. T. vom 21. September 2004 wurde festgestellt, 
dass  die  meisten  Binder  in  den  Obergurten  seitlich  stark  verbogen  seien,  was 
bei  der  Halle  2  (heute  vom  Dacheinsturz  betroffener  Gebäudeteil)  im  Winter 
sehr  gefährlich  sei.  Da  keine  Windverbände  oder  andere  aussteifende 
Elemente in der Dachebene vorhanden seien, müsse die Konstruktion als nicht 
fachgerecht  bezeichnet  werden.  Zur  Sanierung  seien  seitliche  Verstärkungen 
bei den gekrümmten Bindern anzubringen und Windverbände einzubauen. 

Im  Gutachten  der  I.  D.  GmbH  vom  8.  Dezember  2004  wurde  die  Durch-
biegung (Ausknicken) der Binder in der Dachfläche des vorliegend betroffenen 
Gebäudeteils mit 250 bis 350 mm angegeben. Die Obergurte seien zu schwach 
dimensioniert.  Es  seien  sofort  Massnahmen  zu  ergreifen,  um  die  Binder-
Obergurten  zu  entlasten.  Die  Binder  im  vorliegend  betroffenen  Gebäudeteil 
seien zu sanieren. 

 
 
Das  Gutachten  des  Ingenieurbüros  Z.  vom  24.  Februar  2005  kommt 
gestützt  auf  die  vorgenannten  beiden  Gutachten  und  eine  Besichtigung  des 
Objekts zum Schluss, dass unter Einwirkung der Normlasten der SIA-Norm Nr. 
160 (1956) die Tragsicherheit nicht gewährleistet sei. Das Gutachten D. weise 
nach, dass die Obergurte bereits beim Lastfall «Schnee» knicken würden. Die 
Deformation in der Dachebene (Knicken der Obergurte) müsse somit in einem 
schneereichen Winter früherer Jahre entstanden sein. 

Aus  den  vom  Rekurrenten  zu  den  Akten  gereichten  Rechnungen  geht 
hervor, dass im Frühjahr 2005 die Dachkonstruktion gerichtet, Traufe und First 
ausgesteift  und  Windverbände  mit  Dreischichtplatten  zwischen  die  Lattung 
Inwieweit  damit  die  gemäss  SIA-Norm  erforderliche 
eingebaut  wurden. 
Tragsicherheit hergestellt wurde, ist fraglich und nicht weiter belegt, obwohl die 
Vorinstanz  den  Rekurrenten  mit  Schreiben  vom  28.  März  2013  aufgefordert 
hatte,  die  nach  dem  Schadenfall  von  2004  ausgeführten,  die  Gebäudestatik 
betreffenden Sanierungsarbeiten zu belegen. Jedenfalls wird im Gutachten der 
Firma  I.  vom  5.  Februar  2013  ausgeführt,  dass  in  der  Längsrichtung  des 
Gebäudes  Aussteifungsfachwerke  zur  Windaussteifung  ersichtlich  seien, 
allerdings nur auf der Achse des Firsts und bei den ersten Knoten neben dem 
First.  Werde  bis  zum  Auflager  des  Fachwerkbinders  der  Obergurt  nicht  mehr 
gehalten  (oder  alterungsbedingt  nur  noch  reduziert),  könne  dies  zu  einer 
Erhöhung  der  Knicklast  führen.  Mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  habe  das 
Fehlen  bzw.  die  alterungsbedingte  Reduktion  dieser  Stabilisierungsmass-
nahmen zum Ausknicken und somit zum Bruch der Obergurte geführt.  

Nebst  dem  Umstand,  dass  der  Rekurrent  die  Schneelast  auf  dem  Dach 
nicht  überzeugend  darzulegen  vermag,  kommen  somit  erhebliche  Zweifel  an 
der ausreichenden Tragfähigkeit des Daches hinzu. 

4.4.6  Die  Würdigung  der  Parteivorbringen  führt  zum  Schluss,  dass  die 
Darstellung  des  Rekurrenten,  wonach  ein  versichertes  Elementarereignis  im 
Sinne von § 19 Ziff. 4 GebVG eingetreten wäre, nicht zu überzeugen vermag.