# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 775c95fa-fed5-59cb-ba05-84bee285c9e5
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 07.06.2024 OG.2023.00075 (OGS.2024.170)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2023-00075_2024-06-07.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtsvizepräsidentin MLaw Sarina Dreyer,
  Oberrichterin 

  Monika Trümpi, Oberrichterin Brigitte Müller, Oberrichterin Ruth Hefti und
  Oberrichter Martin Ilg sowie Gerichtsschreiberin
  MLaw Jennifer Zbinden. 

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 7. Juni 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2023.00075

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter
  und

  
	
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch lic. iur. Thomas
  Reich, Rechtsanwalt

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats-
  und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Anklägerin und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch lic. iur. Patrick Fluri, Staatsanwalt

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Gegenstand

  
	
   

  
	
   

  
	
  Grobe
  Verletzung der Verkehrsregeln

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschuldigten (gemäss Eingabe vom 13. Dezember 2023,
  act. 29, sowie gestellt anlässlich der Berufungsverhandlung vom 22. März
  2024, act. 47):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei das Urteil des
    Kantonsgerichts Glarus vom 21. November 2023 vollumfänglich aufzuheben.

    
	
    2.

    	
    Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf
    der groben Verkehrsregelverletzung freizusprechen und der einfachen
    Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m.
    Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5 VRV
    sowie Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig zu sprechen und mit einer Busse
    von CHF 500.— zu bestrafen.

    
	
    3.

    	
    Es seien die vorinstanzlichen
    Gerichtskosten auf die Staatskasse zu nehmen und es seien dem Beschuldigten
    die Kosten der Strafuntersuchung im Umfang von maximal einem Viertel
    aufzuerlegen.

    
	
    4.

    	
    Unter ausgangsgemässer Regelung der
    Kosten.

    

  

  
	
  Anträge
  der
  Staatsanwaltschaft (gemäss
  Eingabe vom 13. März 2024, act. 42):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei der Beschuldigte in
    Abweisung der Berufung und in Bestätigung des angefochtenen Urteils der
    groben Verletzung der Verkehrsregeln durch Überschreiten der signalisierten
    Höchstgeschwindigkeit gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m.
    Art. 27 Abs. 1 SVG, Ar. 4a Abs. 1 und Abs. 5 VRV
    sowie Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig zu sprechen.

    
	
    2.

    	
    Der Beschuldigte sei zu einer
    Geldstrafe von 24 Tagessätzen zu CHF 480.—, bedingt aufgeschoben bei
    einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 2'880.—, bei
    schuldhafter Nichtbezahlung umgewandelt in eine unbedingt vollziehbare
    Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen, zu verurteilen.

    
	
    3.

    	
    Die Kosten des erstinstanzlichen
    Verfahrens, bestehend aus Gebühren in der Höhe von CHF 3'400.—, seien
    dem Beschuldigten vollumfänglich aufzuerlegen und von ihm zu beziehen.

    
	
    4.

    	
    Die Kosten des Berufungsverfahrens
    seien dem Beschuldigten vollumfänglich aufzuerlegen und von ihm zu
    beziehen.

    

  ____________________

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1.  

  
	
  1.1.
  Am 19. Mai 2022 erliess die Staats- und Jugendanwaltschaft des
  Kantons 

  Glarus (nachfolgend Staatsanwaltschaft) einen Strafbefehl gegen A.______
  (nachfolgend Beschuldigter) wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln im
  Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG,
  Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1
  SSV. Sie verurteilte den Beschuldigten hierfür zu einer bedingten Geldstrafe
  von 20 Tagessätzen zu je CHF 260.— (entsprechend CHF 5'200.—), bei
  einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 1'300.—.
  Konkret lastete die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten an, am Freitag, 11.
  März 2022, um ca. 11.52 Uhr, den Personenwagen [...] in Filzbach auf der
  Autobahn A3, Fahrtrichtung Chur, Kilometer 163.300, gelenkt zu haben und dabei
  die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 35 km/h überschritten
  zu haben (vgl. zum Ganzen act. 3).

  
	
   

  
	
  1.2.
  Nachdem der Beschuldigte am 25. Mai 2022 fristgerecht Einsprache
  gegen diesen Strafbefehl erhoben hatte (act. 2/14.1.03), ergänzte die Staatsanwaltschaft
  die Untersuchung (act. 2/8.1.04-2/8.1.05; act. 2/9.1.01-2/9.1.02;
  act. 2/10.1.01) und überwies die Angelegenheit zur gerichtlichen
  Beurteilung an das Kantonsgericht Glarus (act. 1).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Mit Urteil vom 21. November 2023 bestätigte das Kantonsgericht
  Glarus den Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln durch
  Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit (act. 26
  S. 18 Dispositivziffer 1). Im Vergleich zum Strafbefehl verurteilte es
  den Beschuldigten hierfür zu einer etwas höheren Geldstrafe von 24
  Tagessätzen zu CHF 480.—, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von
  zwei Jahren, sowie zu einer etwas höheren Busse von CHF 2'880.— (act. 26
  S. 18 Dispositivziffer 2). Die Gerichtsgebühr setzte das Kantonsgericht
  auf CHF 2'600.— fest und auferlegte diese zusammen mit den
  Strafuntersuchungskosten von CHF 800.— dem Beschuldigten (act. 26
  S. 18 Dispositivziffern 3-4). Die vom Beschuldigten gestellten
  Beweisanträge wies das Kantonsgericht ab (act. 26 S. 3
  E. I.2.).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  3.1.
  Gegen dieses Urteil des Kantonsgerichts erhob der Beschuldigte am 

  13. Dezember 2023 fristgerecht Berufung beim Obergericht des Kantons Glarus
  mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen. Zudem stellte der Beschuldigte
  zwei Beweisanträge (act. 29). Die Staatsanwaltschaft erhob weder
  Berufung noch Anschlussberufung (act. 32). 

  
	
   

  
	
  3.2.
  Mit Schreiben vom 7. März 2024 teilte das Obergericht den Parteien
  mit, dass es im Hinblick auf die gestellten Beweisanträge die Akten ergänzt
  habe (act. 39). Am 13. März 2024 nahm die Staatsanwaltschaft schriftlich zur
  Berufung des Beschuldigten Stellung (act. 42), nachdem sie von der
  Teilnahme an der Berufungsverhandlung dispensiert wurde (act. 34).

  
	
   

  
	
  3.3.
  Die Berufungsverhandlung fand am 22. März 2024 statt
  (act. 44-45). Am 7. Juni 2024 fällte das Obergericht seinen
  Entscheid (act. 49). Der Entscheid wird schriftlich eröffnet, nachdem die
  Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung ausdrücklich verzichtet haben
  (Art. 84 Abs. 3 StPO; act. 44 S. 5).

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Prozessuales

  
	
  1.  

  
	
  Das hier angefochtene Strafurteil
  der Vorinstanz (act. 26) ist der Berufung zugänglich (Art. 398 Abs. 1
  StPO). Der Beschuldigte ist zur Berufung legitimiert
  (Art. 382 Abs. 1 StPO), hat die Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt
  zulässige Rügen (Art. 398 Abs. 3 StPO und Art. 399 Abs. 3 StPO;
  vgl. act. 28-29). Das Obergericht ist als Rechtsmittelinstanz in Strafsachen
  für die Behandlung der Berufung zuständig (Art. 17 Abs. 1 lit. a
  GOG [GS III A/2]). Auf die Berufung ist einzutreten (Art. 398 ff.
  StPO). 

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  2.1.
  Mit Berufung kann gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO geltend gemacht
  werden, die Vorinstanz habe das Recht verletzt, habe den Sachverhalt
  unvollständig oder unrichtig festgestellt und/oder habe unangemessen
  entschieden.

  
	
   

  
	
  2.2.
  Im vorliegenden Fall macht der Beschuldigte geltend, die
  Vorinstanz habe sowohl das Recht falsch angewendet als auch den Sachverhalt
  unrichtig bzw. unvollständig festgestellt (vgl. act. 47 S. 4 f.)

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Berufung hat im
  Umfang der Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils aufschiebende Wirkung
  (Art. 402 StPO). Vorliegend wendet sich der Beschuldigte
  vollumfänglich gegen das Urteil des Kantonsgerichts Glarus (vgl. act. 47
  S. 1). Somit hat das Obergericht die erstinstanzlich erfolgte
  Verurteilung (Schuld- und Strafpunkt) sowie die vorinstanzliche
  Kostenregelung zu überprüfen (Art. 428 Abs. 3 StPO), wobei es am
  Ende ein neues Urteil fällt (Art. 408 StPO).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  4.1.
  Der Beschuldigte hat in seiner Berufung zwei Beweisanträge
  gestellt. Konkret beantragt er zum einen, dass ein technisches Gutachten zu
  erstellen und anhand der Baupläne / Katasterpläne der Autobahn A3,
  Fahrtrichtung Chur, Kilometer 163.300, eine Planvermessung über die Distanz
  von total 500 Metern (250 Meter vor und 250 Meter nach Kilometer 163.300)
  vorzunehmen sei. Dabei sei abzuklären, in welchem Umfang eine in Fahrtrichtung
  Chur vorliegende Biegung der Fahrbahn bestehe und was für eine Auswirkung
  eine allfällige Biegung auf die Geschwindigkeitsmessung habe (act. 29
  S. 2). Zum anderen beantragte er, dass ein technisches Gutachten zu
  erstellen und zu errechnen sei, ob und in welchem Umfang der Spurwechsel des
  Beschuldigten im Zeitpunkt der Geschwindigkeitsmessung das Messresultat
  beeinflusst habe (act. 29 S. 3).

  
	
   

  
	
  4.2.
  Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, den Strafbehörden
  bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Beweis geführt
  (Art. 139 Abs. 2 StPO). Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts
  können Beweisanträge deshalb in zulässiger antizipierter Beweiswürdigung
  abgewiesen werden, wenn die zu beweisende Tatsache als unerheblich, offenkundig,
  der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen anzusehen ist
  (Urteil des Bundesgerichts 6B_986/2020 vom 6. Januar 2021 E. 2, m.w.H.;
  Urteil des Bundesgerichts 6B_900/2017 vom 14. Februar 2018 E. 1.4.3, m.w.H.).
  Das Gericht kann somit, 

  ohne den Anspruch auf rechtliches Gehör zu verletzen, einen Beweisantrag
  ablehnen, wenn es in willkürfreier Würdigung der bereits abgenommenen Beweise
  zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche Sachverhalt sei genügend
  abgeklärt und es überdies in willkürfreier antizipierter Würdigung der
  zusätzlich beantragten Beweise annehmen kann, seine Überzeugung werde dadurch
  nicht mehr geändert (vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteil des Bundesgerichts
  6B_655/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.3, m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts
  6B_242/2018 vom 20. April 2018 E. 2.5, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  4.3.
  Wie im Folgenden aufgezeigt wird (vgl. E. III.), ist der
  Sachverhalt auch ohne Einholung des beantragen Gutachten hinreichend
  abgeklärt. Das beantragte Gutachten ist zur Erstellung des Sachverhaltes
  somit nicht notwendig. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein Gutachten
  etwas an dieser Einschätzung ändern würde. In antizipierter Würdigung der
  gestellten Beweisanträge kann deshalb angenommen werden, dass das Obergericht
  seine Überzeugung durch die Einholung eines Gutachtens nicht mehr ändern
  würde. Die vom Beschuldigten gestellten Beweisanträge sind deshalb
  abzuweisen.

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  Die Akten des vorinstanzlichen
  Verfahrens SG.2022.00093 (act. 1-28) wurden beigezogen. Die
  Strafuntersuchungsakten (Verfahren SA.2022.00306) bilden integrierender
  Bestandteil dieser Akten (act. 2/1.1.01 ff.). Die Akten des
  Berufungsverfahrens werden im vorinstanzlichen Dossier geführt (ab act. 29).

  
	
   

  
	
   

  
	
  III. Sachverhalt

  
	
  1.  

  
	
  1.1.
  Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am Freitag, 11. März 2022, um
  ca. 11.52 Uhr, den Personenwagen [...] in Filzbach auf der Autobahn A3,
  Fahrtrichtung Chur, Kilometer 163.300, gelenkt zu haben und dabei die
  signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 35 km/h überschritten zu
  haben (act. 3). 

  
	
   

  
	
  1.2.
  Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat (act. 26 S. 6
  E. III.2.), ist dabei unstrittig, dass der Beschuldigte den
  Personenwagen im Moment der Geschwindigkeitsmessung selbst gelenkt hatte
  (vgl. act. 47 S. 4; act. 46 Frage 20; act. 15 Frage 10;
  act. 2/8.1.03 Fragen 1-6). Er sei auf dem Weg nach Arosa gewesen, um
  dort die Skiausrüstung seiner Tochter abzuholen (act. 2/10.1.01
  N. 39 f.; act. 15 Frage 9; act. 46 Frage 20). Die Strecke
  war dem Beschuldigten dabei nach eigener Aussage sehr gut bekannt, da er seit
  Jahren nach Arosa fahre, vornehmlich in der Winterzeit (act. 2/8.1.03
  Frage 3; 2/10.1.01 N. 69 f.). 

  
	
   

  
	
  1.3.
  Unstrittig ist auch, dass am Ort der Geschwindigkeitsmessung
  aufgrund einer Baustelle die Geschwindigkeit von 120 km/h stufenweise zuerst
  auf 100 km/h und anschliessend auf 80 km/h herabgesetzt war
  (act. 2/8.1.03 Frage 2; act. 2/10.1.01 73 f.; act. 15 Fragen 9
  und 12; act. 46 Frage 20). Der Beschuldigte hat diese Temporeduktion
  gemäss eigenen Aussagen erst spät wahrgenommen und deshalb zu spät gebremst
  (act. 2/8.1.03 Frage 2; act. 2/10.1.01 N. 73 f.; act. 15 Frage 9; act. 46
  Frage 20). Die Baustelle war dem Beschuldigten aus Radiomeldungen bekannt. So
  hatte er im Vorfeld mehrfach im Radio gehört, dass es aufgrund dieser zu
  Staubildungen gekommen ist (act. 2/8.1.03 Frage 7; act. 2/10.1.01
  N. 41 f.; act. 15 Frage 9; act. 46 Frage 20). Vor Ort war
  die Baustelle für den Beschuldigten jedoch nicht ersichtlich, d.h. die
  Autobahn war normal zweispurig geführt und die Spuren nicht verengt (act. 2/8.1.03
  Frage 7; act. 2/10.1.01 N. 42 ff. und N. 76 f.;
  act. 15 Frage 9). Das Wetter war sonnig, die Strasse trocken und die
  Sicht gut (act. 2/8.1.01; act. 2/8.1.03 Frage 4;
  act. 2/10.1.01 N. 43 f.; act. 15 Frage 9; act. 46
  Frage 20). 

  
	
   

  
	
  1.4. Strittig im vorliegenden Berufungsverfahren ist, um
  wie viele Stundenkilometer der Beschuldigte die signalisierte
  Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h überschritten hat und wie hoch das
  Verkehrsaufkommen damals war (vgl. act. 47 S. 5, S. 7 ff.;
  act. 26 S. 6 E. III.2.). 

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Die Vorinstanz ging in ihrem Entscheid davon aus, dass
  keine Zweifel an der Richtigkeit des Messergebnisses bestünden. So sei das
  Messgerät zum Messzeitpunkt am 11. März 2022 ordnungsgemäss geeicht gewesen
  und habe die Geschwindigkeit zuverlässig ermitteln können (act. 26 S. 7
  E. III.3.2.1.). Auch sei nicht davon auszugehen, dass die leichte
  Krümmung des betreffenden Streckenabschnittes bzw. der Spurwechsel des
  Beschuldigten einen Einfluss auf die Messung gehabt habe (act. 26
  S. 7 f. E. III.3.2.2.-III.3.2.3.). Mögliche geringfügige
  Messfehler würden zudem ohnehin mit dem gesetzlichen Sicherheitsabzug
  aufgefangen, weshalb ausgeschlossen werden könne, dass eine zu hohe
  Geschwindigkeit geahndet würde (act. 26 S. 9 E. III.3.4.).
  Zudem nahm die Vorinstanz an, dass die Geschwindigkeitsüberschreitung bei
  mittlerem Verkehrsaufkommen stattgefunden habe (act. 26
  S. 8 f. E. III.3.3.-III.3.4.). 

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Der Beschuldigte argumentiert im Berufungsverfahren
  dagegen, dass die sehr leichte Krümmung der Fahrbahn, die zeitliche Distanz
  zur letzten Eichung des Messgerätes sowie sein Überholmanöver sehr wohl einen
  Einfluss auf die Geschwindigkeitsmessung gehabt hätten und die konkret von
  ihm gefahrene Geschwindigkeit zu seinen Ungunsten nicht genau ermittelt
  worden sei (act. 47 S. 5). Werde die gemessene Geschwindigkeit um
  die vorhandenen Messfehler korrigiert, ergebe sich nur noch eine
  Geschwindigkeitsüberschreitung von (maximal) 29 km/h und nicht von
  35 km/h (vgl. act. 47 S. 11). Zudem brachte er vor, dass die
  vorliegend zu beurteilende Geschwindigkeitsüberschreitung bei geringem
  Verkehrsaufkommen erfolgt sei (act. 47 S. 7).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Die Staatsanwaltschaft verwies in ihrer Stellungnahme auf
  die ihrer Ansicht nach zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil
  sowie auf die Akten (vgl. zum Ganzen act. 42 S. 2).

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  5.1.
  Gemäss dem in den Akten liegenden Polizeirapport sowie den
  vorhandenen Radaraufnahmen wurde beim Beschuldigten am Freitag, 11. März 2022
  um 11.52 Uhr in Filzbach auf der Autobahn A3, bei Kilometer 163.300 eine
  Geschwindigkeit von 121 km/h gemessen. Von dieser Geschwindigkeit wurde
  entsprechend Art. 8 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 der Verordnung
  des ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung (VSKV-ASTRA) ein
  Sicherheitsabzug von 6 km/h abgezogen. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit betrug
  80 km/h. Im Ergebnis wurde dem Beschuldigten somit eine Geschwindigkeit von
  115 km/h bzw. eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 35 km/h zur Last gelegt
  (vgl. zum Ganzen act. 2/8.1.01).

  
	
   

  
	
  5.2.
  Entsprechend den Vorbringen der Parteien ist im Folgenden zu
  klären, ob diese dem Beschuldigten zu Last gelegte Geschwindigkeit von 115
  km/h korrekt ermittelt wurde oder es zu einem Messfehler kam und die
  tatsächliche Geschwindigkeit des Beschuldigten tiefer war. Hierfür wird auf
  die Biegung der Fahrbahn (E. III.6.), auf das Überholmanöver des
  Beschuldigten (E. III.7.) und anschliessend auf die 

  Eichung des Messgerätes eingegangen (E. III.8.). Schliesslich wird in
  E. III.10. geklärt, von welchem Verkehrsaufkommen auszugehen ist. 

  
	
   

  
	
  6. Einfluss der Biegung der Fahrbahn auf die
  Geschwindigkeitsmessung

  
	
   

  
	
  6.1.
  Der Beschuldigte argumentiert, dass die leichte Krümmung der
  Fahrbahn das Messresultat zu seinen Ungunsten verfälscht habe (act. 47
  S. 5). Die Krümmung sei auf dem vom Obergericht neu zu den Akten
  genommenen Aufnahmen sowie auf den Rasterbildern zu sehen. Zur Bestimmung, ob
  die Fahrbahn leicht gekrümmt sei, sei nicht nur ein Abschnitt von 25 Metern,
  sondern der gesamte Ausschnitt von 134.44 Metern massgebend. Dies sei die
  Strecke, welche das Fahrzeug des Beschuldigten bei einer gemessenen Geschwindigkeit
  von 121 km/h in vier Sekunden zurücklege. Auch eine noch so kleine
  Krümmung könne zu einer leichten Verfälschung des Resultats führen. Die
  Verteidigung könne diese Verfälschung vorliegend mangels Kenntnis des Radius
  nicht ausrechnen. Es sei jedoch nicht die Aufgabe des Beschuldigten seine
  Unschuld zu beweisen. Die Untersuchungsbehörde habe die
  Sachverhaltsabklärungen zu treffen und allenfalls mittels Gutachten zu
  beweisen, dass die minimale Krümmung keinen Einfluss auf das Messresultat
  habe (vgl. zum Ganzen act. 47 S. 9).

  
	
   

  
	
  6.2.
  Dem Beschuldigten ist insofern zuzustimmen, dass eine Krümmung der
  Fahrbahn einen Einfluss auf die Geschwindigkeitsmessung haben kann, da sich
  dann der Winkel zwischen dem Fahrzeug und dem Radargerät verändern kann.
  Entsprechend ist in den Weisungen des ASTRA über polizeiliche
  Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung im Strassenverkehr vom 22.
  Mai 2008 (nachfolgend Weisungen ASTRA) auch festgehalten, dass Messungen mit
  Radargeräten, welche die Geschwindigkeit von Fahrzeugen unter einem
  gerätespezifischen Messwinkel messen, in Kurven nur bei wichtigen
  sicherheitsrelevanten Aspekten vorzunehmen sind (Weisungen ASTRA, S. 3). In
  Art. 8 Abs. 1 lit. c Ziff. 2 VSKV-ASTRA ist zudem
  festgehalten, dass bei stationären Messungen in Kurven ein höherer
  Sicherheitsabzug von 14 km/h vorzunehmen ist.

  
	
   

  
	
  6.3.
  Zur Bestimmung, ob eine Krümmung der Fahrbahn vorliegt, welche das
  Messresultat beeinflussen könnte, ist jedoch entgegen den Ausführungen des
  Beschuldigten nicht die Strecke von 134.44 Metern massgebend. Vielmehr wird
  die Geschwindigkeit des Fahrzeuges bei einer Radarmessung nur in einem
  bestimmten Moment mittels Dopplereffekt gemessen, indem die Radarantenne
  einen eng gebündelten Radarstrahl in Lichtgeschwindigkeit in einem festen
  Winkel zur Fahrbahnrichtung ausstrahlt. Dieser Radarstrahl wird am Fahrzeug
  reflektiert und anschliessend von der Antenne wieder empfangen (vgl.
  Bundesamt für Metrologie METAS, Verkehrsmesstechnik, Bern 2010, S. 8).
  Ein allfälliger Geschwindigkeitsverstoss wird entsprechend mittels
  Einzelbildkamera festgehalten (vgl. act. 2/8.1.04-1 und
  act. 2/8.1.01). Als zusätzlicher Fotobeweis erstellt die Radaranlage
  zudem 16 Sequenzbilder, vor und nach dem Zeitpunkt der Auslösung des
  Einzelbildes (vgl. act. 2/8.1.04-1). Dies bedeutet aber nicht, dass die
  Geschwindigkeit über die gesamte in dieser Zeit zurückgelegte Strecke
  gemessen worden wäre.

  
	
   

  
	
  6.4.
  Der Beschuldigte führt in seiner Stellungnahme später selbst aus,
  dass sein Fahrzeug in den 0.75 Sekunden, in welchen es auf den Radarbildern
  zu sehen sei, nur eine Distanz von 25.21 Meter zurückgelegt habe
  (act. 47 S. 10). Weshalb für die Berechnung der Krümmung der
  Fahrbahn auf eine mehr als fünf Mal so lange Strecke abgestellt werden sollte
  als überhaupt auf den Radarbildern zu sehen, ergibt sich nicht.

  
	
   

  
	
  6.5.
  Auch die Weisungen des ASTRA stellen zur Bestimmung des
  Krümmungsradius eines Strassenstücks nur auf eine 25 Meter lange Strecke ab
  (Weisungen ASTRA, S. 3). Konkret geben sie vor, dass zur Bestimmung des
  Krümmungsradiuses die Abweichung einer geeigneten Bezugslinie (z.B.
  Strassenrand, Mittellinie der Strasse) von der Geraden in der Mitte einer 25
  Meter langen Strecke zu messen sei (Weisungen ASTRA, S. 3). Ab einem
  Krümmungsradius von weniger als 260 Meter gelte ein Strassenstück als Kurve
  (Weisungen ASTRA, S. 3). 

  
	
   

  
	
  6.6.
  Wird gemäss diesen Weisungen des ASTRA vorliegend am Ort der
  Geschwindigkeitsmessung eine Bezugslinie von 25 Metern eingezeichnet (vgl.
  act. 38), ergibt sich keine messbare Abweichung von dieser. Es kann
  somit nicht nur eindeutig ausgeschlossen werden, dass es sich vorliegend um
  eine Kurve handelt. Vielmehr muss festgehalten werden, dass keine messbare
  Krümmung der Strecke am Ort der Geschwindigkeitsmessung ersichtlich ist (vgl.
  act. 38). Es handelt sich somit lokal um eine gerade Strecke (vgl.
  act. 38). Von dem ging zu Recht auch die Vorinstanz aus (act. 26
  S. 7 E. III.3.2.2.). Entsprechend kann vorliegend unabhängig von
  der Einholung eines Gutachtens ausgeschlossen werden, dass die vom
  Beschuldigten vorgebrachte Biegung der Fahrbahn einen Einfluss auf die
  Geschwindigkeitsmessung hatte.

  
	
   

  
	
  7. Einfluss des Überholvorgangs auf die
  Geschwindigkeitsmessung

  
	
   

  
	
  7.1.
  Der Beschuldigte bringt vor, dass das Messergebnis aufgrund seines
  Spurwechsels verfälscht worden sei (act. 47 S. 9 f.). So müsse
  das Radarmessgerät zu Beginn der Messung parallel zur Fahrbahn ausgerichtet
  werden, damit die Messwerte stimmen würden (act. 47 S. 9). Beim
  Radargerät Multanova, mit welchem vorliegend die Messung vorgenommen worden
  sei, erfolge die Messung mit einem einprogrammierten Messwinkel von 22 Grad
  (act. 47 S. 9 f.). Sei der Radarwinkel kleiner, werde eine
  höhere Geschwindigkeit angezeigt als effektiv gefahren (act. 47
  S. 10). Konkret führe dies pro Grad der Abweichung zu einem Fehler von
  0.7 % des Messresultates (act. 47 S. 10). Betrachte man die
  Rasteraufnahmen der vier Sekunden der Messung, sehe man das Fahrzeug zunächst
  auf der Normalspur. Vier Bilder, d.h. 0.75 Sekunden, später sei das Fahrzeug
  voll auf der Überholspur. Die Autobahn habe eine normale Spurbreite von 3.5
  Metern (act. 47 S. 10). In 0.75 Sekunden lege das Fahrzeug bei
  einer Geschwindigkeit von 121 km/h eine Distanz von 25.21 Metern zurück
  (33.61 Meter pro Sekunde). Der Spurwechsel betrage 3.5 Meter
  (act. 47 S. 10). Es entstehe so ein rechteckiges Dreieck mit einem
  Winkel bei der Radarkamera von 7.98 Grad. Die Ungenauigkeit aufgrund des
  Spurwechsels zulasten des Beschuldigten belaufe sich somit auf ca. 5.5% der
  gemessenen Geschwindigkeit (7.98 Grad * 0.7 %). Bei einer Geschwindigkeit
  nach Toleranzabzug von 115 km/h ergebe sich ein Fehler von rund 6.3 km/h,
  womit die relevante Geschwindigkeitsüberschreitung gerundet nur 29 km/h
  betrage (act. 47 S. 11).

  
	
   

  
	
  7.2.
  Der Beschuldigte weist zu Recht darauf hin, dass das Radargerät
  bei Geschwindigkeitsmessungen in einem bestimmten Winkel (ca. 20 Grad) neben
  der Fahrbahn aufgestellt wird (vgl. act. 2/8.1.04; act. 48/2 S. 1;
  vgl. auch <https://unfallanalyse.hamburg/?page_id=430>). Handelt es
  sich um eine gerade Strecke und fährt das Auto parallel auf dieser, beträgt
  somit auch der Winkel zwischen dem gemessenen Fahrzeug und dem Radargerät 20
  Grad. Befindet sich das Fahrzeug dagegen aufgrund eines Überholmanövers oder
  eines Schwenkers in Schrägstellung zur Fahrbahn, kann dies zu einer
  Verfälschung des Messresultates führen (vgl. act. 26 S. 7 f.
  E. III.3.2.3.).

  
	
   

  
	
  7.3.
  Der Winkel, in welchem das Fahrzeug im Moment der
  Geschwindigkeitsmessung allenfalls schräg auf der Fahrbahn steht, berechnet
  sich allerdings anders als vom Beschuldigten vorgebracht (vgl. act. 47
  S. 10 f.). So fusst seine Berechnungsmethode auf der falschen
  Annahme, dass das Fahrzeug während einem Überholmanöver immer exakt mit dem
  gleichen Winkel schräg zur Fahrbahn fährt. Dem ist allerdings nicht so.
  Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich der Winkel auch während dem
  Überholmanöver ändert. Zudem enthält die vom Beschuldigten vorgeschlagene
  Berechnungsmethode einen Zirkelschluss, indem sie bereits eine Annahme zur
  gefahrenen Geschwindigkeit trifft (vgl. act. 47 S. 10).
  Entsprechend kann nicht auf die vom Beschuldigten berechnete Geschwindigkeit
  abgestellt werden.

  
	
   

  
	
  7.4.
  Zur Abschätzung, ob sich das Fahrzeug des Beschuldigten aufgrund
  eines Überholvorgangs in Schrägstellung zur Fahrbahn befunden hat, ist
  vielmehr das vergrösserte Radarbild zu Hilfe zu nehmen (vgl. act. 37). Darauf
  ist ersichtlich, dass der Beschuldigte seinen Spurwechsel im Moment der
  Geschwindigkeitsmessung bereits abgeschlossen hat (vgl. act. 37;
  act. 2/8.1.01). Wird nämlich die auf der Radaraufnahme ersichtliche
  Mittellinie gedanklich verlängert, ergibt sich, dass sich das Fahrzeug des
  Beschuldigten mit allen vier Rädern auf der Überholspur befindet (vgl.
  act. 37). Dass sich das Fahrzeug des Beschuldigten im Moment der
  Geschwindigkeitsmessung bereits ganz auf der Überholspur befand, ergibt sich
  auch aus der Informationsleiste auf der Radaraufnahme selbst. So ist auf
  dieser vermerkt, dass sich der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt vollständig
  auf der «lane 1», d.h. der Überholspur befand (vgl. act. 2/8.1.01).
  Hätte sich das Fahrzeug des Beschuldigten im Moment der
  Geschwindigkeitsmessung tatsächlich noch in einem Überholvorgang befunden,
  hätte auch die Radaraufnahme das Fahrzeug nicht eindeutig der «lane 1»
  zuordnen können, sondern hätte «lane1-2» angezeigt. 

  
	
   

  
	
  7.5.
  Aus der vergrösserten Radaraufnahme ergibt sich, dass sowohl das
  rechte Vorder- als auch das rechte Hinterrad des Fahrzeuges die gedanklich
  verlängerte Mittellinie noch knapp touchieren (vgl. act. 37). Daraus
  lässt sich ableiten, dass das Fahrzeug im Moment der Geschwindigkeitsmessung
  höchstens minimal schräg auf der Fahrbahn gefahren ist. Mit anderen Worten
  war das Fahrzeug des Beschuldigten beinahe parallel zur Fahrbahn unterwegs.
  Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht festgehalten (act. 26 S. 8
  E. III.3.2.3.), dass sich der Winkel nur leicht verändert habe.

  
	
   

  
	
  7.6.
  Der durch diese minimale Schrägstellung entstandene Winkel lässt
  sich berechnen, indem die Position des Hinter- und des Vorderrades verglichen
  werden (vgl. hierzu act. 37). Unter der Annahme, dass der Radstand
  zwischen dem Vorder- und Hinterrad 2.895 Meter und die Abweichung der Räder
  von einer parallelen Bezugslinie (hier der Mittellinie) ca. 10 Zentimeter
  beträgt, ergibt sich so ein Winkel von 2 Grad (arc tan [0.1/2.895] = 1.98).
  Gemäss der in den Akten liegenden Fachzeitschrift wird das Messresultat pro
  Grad der Abweichung zum parallel zur Fahrbahn aufgestellten Radargerät um 0.7
  % verfälscht (vgl. act. 48/2 S. 136; genau berechnet, wäre es
  vorliegend sogar nur eine Verfälschung von 1.2 % [1-cos20°/cos18° = 1.2
  %]). Der durch die minimale Schrägstellung der Räder entstandene Messfehler
  beträgt somit ca. 1.7 km/h (2 Grad * 0.7 % * 121 km/h) .

  
	
   

  
	
  7.7.
  Vorliegend wurde beim Beschuldigten eine Geschwindigkeit von 121
  km/h gemessen (act. 2/8.1.01). Entsprechend Art. 8 Abs. 1 lit. a
  Ziff. 2 VSKV-ASTRA wurde von dieser gemessenen Geschwindigkeit ein
  Sicherheitsabzug von 6 km/h abgezogen und dem Beschuldigten somit nur eine
  Geschwindigkeit von 115 km/h zur Last gelegt (act. 2/8.1.01). 

  
	
   

  
	
  7.8.
  Gemäss Geschwindigkeitsmessmittel-Verordnung darf das Messmittel
  eine maximale Fehlergrenze von 3 % bei Geschwindigkeiten von über 100
  km/h aufweisen, um in Verkehr gesetzt zu werden (Anhang zu Art. 4). Bei der
  beim Beschuldigten gemessenen Geschwindigkeit von 121 km/h läge ein
  Unterschied von 3 % bei rund 3.6 km/h. Mithin beträgt der vorgenommene
  Sicherheitsabzug bereits rund 2.4 km/h mehr als die Fehlergrenze der in
  Verkehr gesetzten Messgeräte. Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat
  (act. 26 S. 8 f. E. III.3.2.3.-III.3.4.), würde ein allfälliger
  leichter Messfehler aufgrund der minimalen Schrägstellung der Räder des
  Fahrzeuges durch den vorgenommenen Sicherheitsabzug von 6 km/h somit
  klar aufgefangen bzw. wäre die effektiv gefahrene Geschwindigkeit des
  Beschuldigten sogar höher als die zu seinen Gunsten angenommenen 115 km/h. 

  
	
   

  
	
  7.9.
  Auch unter Berücksichtigung des Überholvorgangs des Beschuldigten
  ergibt sich somit, dass der Beschuldigte mindestens 115 km/h gefahren ist.
  Dass er mit 

  einer tieferen Geschwindigkeit gefahren ist, kann auch ohne Einholung eines
  Gutachtens zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

  
	
   

  
	
  8. Eichung des Radarmessgerätes

  
	
   

  
	
  8.1.
  In den Akten befindet sich das Eichzertifikat für die eingesetzte
  Radaranlage. Darauf ist ersichtlich, dass die Radaranlage am 4. August 2021
  zuletzt geeicht worden ist. Zudem ist darauf vermerkt, dass die Eichung bis
  am 31. August 2022 gültig ist, solange das Messmittel den rechtlichen
  Anforderungen entspricht und keine Sicherungsmechanismen verletzt sind oder
  messrelevante Teile repariert wurden (act. 2/8.1.04-2). 

  
	
   

  
	
  8.2.
  Der Beschuldigte zweifelt die Korrektheit des Messgerätes trotz
  dieses Eichzertifikates an. So erfolge die Veränderung der Eichung nicht
  plötzlich, sondern ergehe über einen gewissen Zeitraum. Aus diesem Grund
  müsse das Gerät alle 12 Monate neu geeicht werden. Seit der Eichung vom 4.
  August 2021 habe sich die Messgenauigkeit bereits verändert. Vorliegend
  betrage die Grenze zwischen einer groben und einer einfachen
  Verkehrsregelverletzung 1 km/h. Es sei deshalb diejenige Version zu
  Gunsten des Beschuldigten anzunehmen (vgl. zum Ganzen act. 47
  S. 11).

  
	
   

  
	
  8.3.
  Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bieten die vom METAS
  ausgestellten Eichzertifikate grundsätzlich Gewähr dafür, dass das Messgerät
  während der massgeblichen Periode gesetzeskonform funktioniert und die Geschwindigkeit
  zuverlässig misst (Urteil des Bundesgerichts 6B_933/2022 vom 8. Mai 2023
  E. 2.4, m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 6B_592/2018 vom
  13. August 2018 E. 1.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_197/2016 vom
  7. Juli 2016 E. 1.2). 

  
	
   

  
	
  8.4.
  Vorliegend fand die Geschwindigkeitsmessung am 11. März 2022
  statt. Es ist nachgewiesen, dass die Radaranlage zu diesem Zeitpunkt
  vorschriftsgemäss geeicht war. Hinweise, dass Sicherungsmechanismen verletzt
  oder nach der Eichung messrelevante Teile des Geräts repariert wurden, liegen
  nicht vor (vgl. act. 2/8.1.04; act. 2/8.1.04-2). Aus dem
  nachträglich eingeholten Polizeibericht vom 20. Juni 2022 geht vielmehr
  hervor, dass das Radargerät keine Störungen hatte und während der ganzen
  Messzeitspanne einwandfrei funktionierte (act. 2/8.1.04-2). Entsprechend
  liegen entgegen dem Beschuldigten keine konkreten Anhaltspunkte vor, welche
  die Zuverlässigkeit des Messgerätes in Frage stellen würden (vgl.
  act. 2/8.1.04; act. 2/8.1.04-2). Es ist gerade Zweck der Eichung,
  dass dadurch für eine gewisse Zeitspanne die Korrektheit der Messung
  ausgewiesen werden kann und nicht in jedem Einzelfall das Gerät neu überprüft
  werden muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_933/2022 vom 8. Mai 2023
  E. 2.4). Entsprechend ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass das
  Messgerät zum Messzeitpunkt die Geschwindigkeit zuverlässig messen konnte
  (act. 26 S. 7 E. III.3.2.1.).

  
	
   

  
	
  9. Fazit zur Geschwindigkeitsmessung

  
	
   

  
	
  9.1.
  Es ist somit erstellt, dass die Geschwindigkeitsmessung weder
  durch die vom Beschuldigten behauptete Biegung der Fahrbahn noch dadurch
  beeinträchtigt wurde, dass die Eichung des Messgerätes 7 Monate her war (vgl.
  oben E. III.6. und E. III.8.). Die leichte Schrägstellung der Räder
  des Fahrzeuges kann zwar dazu geführt haben, dass die beim Beschuldigten gemessene
  Geschwindigkeit minimal zu hoch war. Zu beachten ist allerdings, dass genau
  solchen minimalen Abweichungen bei Geschwindigkeitsmessungen durch den Abzug
  von Sicherheitsmargen Rechnung getragen wird. So kann verhindert werden, dass
  eine zu hohe Geschwindigkeit geahndet wird, ohne dass in jedem Einzelfall
  konkret mögliche minimale Abweichungen vom Messresultat ausgerechnet werden
  müssen (vgl. oben E. III.7.).

  
	
   

  
	
  9.2.
  Vorliegend wurde beim Beschuldigten eine Geschwindigkeit von 121
  km/h gemessen (act. 2/8.1.01). Entsprechend Art. 8 Abs. 1 lit. a
  Ziff. 2 VSKV-ASTRA wurde von dieser gemessenen Geschwindigkeit ein
  Sicherheitsabzug von 6 km/h abgezogen und dem Beschuldigten somit nur eine
  Geschwindigkeit von 115 km/h zur Last gelegt (act. 2/8.1.01). Eine allenfalls
  minime Abweichung der gemessenen Geschwindigkeit wurde damit bereits
  berücksichtigt. Auch unter Berücksichtigung des Überholvorgangs des
  Beschuldigten ist somit erstellt, dass der Beschuldigte mindestens 115 km/h
  gefahren ist.

  
	
   

  
	
  9.3.
  Dass die Geschwindigkeit des Beschuldigten korrekt gemessen wurde
  und die ihm zur Last gelegten 115 km/h bereits eine Annahme zu seinen Gunsten
  sind, ergibt sich auch aus den Aussagen des Beschuldigten selbst. So sagte
  der Beschuldigte an der polizeilichen Einvernahme aus, dass er die gemessene
  Geschwindigkeit von 121 km/h anerkenne (act. 2/8.1.03 Frage 1). Er sei
  im normalen Autobahntempo gefahren und habe offensichtlich die
  Geschwindigkeitsbegrenzung nicht rechtzeitig wahrgenommen (act. 2/8.1.03
  Frage 2). Ansonsten hätte er das Tempo bzw. den Tempomaten reduziert
  (act. 2/8.1.03 Frage 7). Er habe sich noch gewundert, dass es beim
  Kerenzerberg keinen Stau gehabt habe. Er sei froh um diesen Umstand gewesen
  (act. 2/8.1.03 Frage 7). Er habe nämlich zuvor gehört, dass es im Moment
  aufgrund der Baustelle immer Stau habe (act. 2/8.1.03 Frage 7). Die
  Strecke habe aber keinen Baustellencharakter gehabt, d.h. sie sei zweispurig
  geführt gewesen und eine Baustelle oder ein Spurversatz sei nicht ersichtlich
  gewesen. Dies sei vermutlich auch der Grund, weshalb ihm die Signalisation
  nicht sofort aufgefallen sei (act. 2/8.1.03 Frage 7). Ähnlich
  führte der Beschuldigte an der Einvernahme durch das Obergericht aus, dass er
  den Tempomaten auf 120 km/h eingestellt habe. So sei er wahrscheinlich auch in
  die Geschwindigkeitsmessung hinein gefahren (act. 46 Frage 21). 

  
	
   

  
	
  9.4.
  An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme brachte der
  Beschuldigte zwar vor, dass er die Geschwindigkeit von 121 km/h fast nicht
  anerkennen könne, um zu einem besseren Recht zu kommen (act. 2/10.1.01
  N. 108 f.). Auch an dieser Einvernahme führte er jedoch aus, dass
  seine Aussage an der polizeilichen Einvernahme, die gemessene Geschwindigkeit
  von 121 km/h anzuerkennen, sich mit seinen Gedanken und seinen Aussagen decke
  (act. 2/10.1.01 N. 97 ff.).

  
	
   

  
	
  9.5.
  Aus all dem ergibt sich, dass auch
  ohne Einholung eines Gutachtens zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann, dass
  der Beschuldigten mit einer tieferen Geschwindigkeit als 115 km/h gefahren
  ist. Dies hat auch die Vorinstanz zu Recht so festgehalten (act. 26
  S. 7 ff. E. III.3.2. und E. III.3.4.). Es ist somit erstellt,
  dass der Beschuldigte mit mindestens 115 km/h in die Geschwindigkeitsmessung
  gefahren ist und die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um mindestens 35 km/h
  überschritten hat (vgl. act. 3).

  
	
   

  
	
  10. Verkehrsverhältnisse

  
	
   

  
	
  10.1.
  Strittig ist schliesslich, wie viel Verkehr es zur Zeit der
  Geschwindigkeitsmessung auf der Autobahn A3 hatte. So ist im nachträglich
  eingeholten Polizeibericht vom 20. Juni 2022 festgehalten, dass das
  Verkehrsaufkommen stark gewesen sei (act. 2/8.1.04). Der Beschuldigte
  hatte dagegen mehrfach ausgesagt, dass es wenig Verkehr gehabt habe
  (act. 2/10.1.01 N. 43 f.; act. 2/8.1.03 Frage 4;
  act. 15 Frage 9; act. 46 Fragen 20 und 22). Die Strasse sei frei
  gewesen und er sei ziemlich alleine unterwegs gewesen (act. 2/10.1.01
  N. 91 f.). Es seien sicher 100 Meter oder mehr Abstand
  zwischen den Verkehrsteilnehmern gewesen, also ein schwaches
  Verkehrsaufkommen (act. 2/10.1.01 N. 92 f.). In den Akten würde stehen,
  dass es ein starkes Verkehrsaufkommen gehabt habe. Dies bestreite er
  (act. 2/10.1.01 N. 44 f.). Das sehe man auch auf dem
  Blitzerfoto (act. 2/10.1.01 N. 45). 

  
	
   

  
	
  10.2.
  Der Beschuldigte hatte in seinen Einvernahmen wiederholt
  geschildert, dass er mit Stau vor dem Kerenzerbergtunnel gerechnet habe und
  deshalb überrascht gewesen sei, wie wenig Verkehr, dass es tatsächlich gehabt
  habe (act. 2/8.1.03 Frage 7; act. 2/10.1.01 N. 40 ff.; act. 15
  Frage 9; act. 46 Frage 20). Seine Aussage, welche seine damals erlebten
  Emotionen wiedergibt, erscheint als glaubhaft. Zudem deckt sie sich mit den
  vorhandenen Radaraufnahmen, auf welchen nebst dem Beschuldigten nur zwei
  weitere Fahrzeuge zu sehen sind (act. 2/8.1.01). 

  
	
   

  
	
  10.3.
  Im ursprünglich erstellten Rapport der Polizei vom 6. April 2022
  wurde nicht erwähnt, wie stark das Verkehrsaufkommen gewesen ist (vgl.
  act. 2/8.1.01). Erst im nachträglich erstellten Polizeibericht vom 20.
  Juni 2022 wurde erwähnt, das Verkehrsaufkommen sei stark gewesen (vgl.
  act. 2/8.1.04). Dabei fällt auf, dass dieser Bericht eigentlich nur
  Fragen über das Messgerät, dessen Überwachung und Eichung beantworten sollte
  (vgl. act. 2/8.1.04 sowie act. 2/9.1.01). Es ist somit unklar,
  weshalb sich dieser nachträglich eingeholte Polizeibericht überhaupt zum
  Verkehrsaufkommen äusserte. Jedenfalls ist zu beachten, dass sich dieser
  Polizeibericht nicht spezifisch auf die Geschwindigkeitsmessung vom
  Beschuldigten bezog, sondern allgemeine Aussagen zur erfolgten Radarmessung
  enthält. Es erscheint deshalb denkbar, dass sich diese Aussage im Polizeibericht
  auf die gesamte Messzeitspanne an diesem Tag bezog und nicht spezifisch auf
  die Verkehrssituation, wie sie der Beschuldigte angetroffen hat (vgl.
  act. 2/8.1.04). Dies würde sich mit der Feststellung der Vorinstanz
  decken, dass normalerweise freitags bei schönem Wetter ein reger Verkehr auf
  der Autobahn A3 herrsche (act. 26 S. 8 E. 3.3.).

  
	
   

  
	
  10.4.
  Unter diesen Umständen kommt der Aussage im Polizeibericht zum
  Verkehrsaufkommen nicht dieselbe Beweiskraft zu, wie den glaubhaften Aussagen
  des Beschuldigten, welchen sich mit den vorhandenen Akten decken.
  Entsprechend ist entgegen den Ausführungen der Vorinstanz (act. 26 S. 9
  E. III.3.4.) und mit dem Beschuldigten (act. 47 S. 7 f.) davon
  auszugehen, dass das Verkehrsaufkommen im Zeitpunkt der Geschwindigkeitsmessung
  schwach war. 

  
	
   

  
	
  10.5.
  Dennoch ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht der einzige
  Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn A3 war. Auf den vorhandenen
  Radaraufnahmen sind nämlich zwei weitere Fahrzeuge ersichtlich. Aufgrund der
  vorhandenen Sequenzbilder und der Aussagen des Beschuldigten muss dabei davon
  ausgegangen werden, dass der Beschuldigte schneller als diese beiden
  Fahrzeuge unterwegs gewesen ist und zunächst einen Lastwagen und
  anschliessend einen Personenwagen überholte (act. 2/8.1.01). Wenn man die
  Sequenzbilder 11-16 miteinander vergleicht, fällt zudem auf, dass der
  Beschuldigte ein viel höheres Tempo als der von ihm überholte Lastwagen
  gehabt haben muss, so kam dieser in der gleichen Zeit viel weniger weit
  vorwärts als der Beschuldigte selbst (vgl. act. 2/8.1.01).

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV. Rechtliche Würdigung

  
	
  1.  

  
	
  1.1.
  Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten aufgrund des ihm
  angelasteten Sachverhaltes der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
  von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a
  Abs. 1 und Abs. 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig
  (act. 26 S. 18 Dispositivziffer 1). Dies mit der Begründung, dass nach
  bundesgerichtlicher Rechtsprechung die objektiven und grundsätzlich auch die
  subjektiven Voraussetzungen der groben Verkehrsregelverletzung ungeachtet der
  konkreten Umstände zu bejahen seien, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit
  ausserhalb von Ortschaften um 30 km/h und auf Autobahnen um 35 km/h oder
  mehr überschritten werde (act. 26 S. 9 E. IV.1.1.). Bei
  Autobahnabschnitten, auf denen die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen,
  beispielsweise aufgrund einer Baustelle auf 80 km/h begrenzt sei, seien in
  der Regel die von der Rechtsprechung für Ausserortsstrecken entwickelten
  Grundsätze anzuwenden (act. 26 S. 10 E. IV.1.1.). Entsprechend
  sei in einem solchen Fall in der Regel bereits ab einer
  Geschwindigkeitsüberschreitung von 30 km/h von einer groben
  Verkehrsregelverletzung auszugehen (act. 26 S. 10
  E. IV.1.1.-IV.1.2.).

  
	
   

  
	
  1.2.
  Vorliegend habe die an der betreffenden Stelle signalisierte
  Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn 80 km/h betragen (act. 26
  S. 10 E. IV.1.2.). Die Geschwindigkeitsbegrenzung habe dabei
  aufgrund einer Baustellenein- und Ausfahrt der Verkehrssicherheit gedient,
  weshalb vorliegend grundsätzlich bereits ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung
  von 30 km/h eine grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen sei. Der
  Beschuldigte habe die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 35 km/h
  überschritten. Entsprechend sei die Geschwindigkeitsüberschreitung objektiv
  als schwerwiegend einzustufen (act. 26 S. 10 E. IV.1.2.). Der
  Beschuldigte habe nicht davon ausgehen dürfen, dass er keine besondere Gefahr
  darstelle, weil die Anwesenheit der Baustelle, von Arbeitern oder anderen
  Verkehrsteilnehmern nicht offensichtlich war. Durch sein Verhalten habe er
  vielmehr ein unmittelbares Gefahrenpotenzial für andere Verkehrsteilnehmer
  geschaffen und den objektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung
  erfüllt (act. 26 S. 10 f. E. IV.1.2.-IV.1.3.). Bei einer
  um 35 km/h übersetzten Geschwindigkeit auf einer 80er-Strecke könne nicht von
  einer Berücksichtigung von der Gefährdung von Fremdinteressen gesprochen
  werden. In Anbetracht dessen und im Hinblick darauf, dass der Beschuldigte
  die Strecke gut kenne und er vor der 80er-Beschränkung bereits eine
  Beschränkung von 100 km/h einzuhalten gehabt habe, könne von einem mindestens
  grob fahrlässigen Handeln ausgegangen werden, womit auch der subjektive
  Tatbestand erfüllt sei (act. 26 S. 12 E. IV.2.1.).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Der Beschuldigte argumentierte im Berufungsverfahren
  dagegen, dass es sich aufgrund ausserordentlicher Umstände vorliegend nicht
  rechtfertige, auf der Autobahn die für die Strecken ausserorts entwickelte
  bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Bestimmung einer groben
  Verkehrsregelverletzung anzuwenden (act. 47 S. 4). So weise der
  Streckenabschnitt keine Spurverengung auf, die Baustellenein- und Ausfahrt
  sei breit, für alle Verkehrsteilnehmer gut einsehbar und sehr übersichtlich
  (act. 47 S. 7). Zudem brachte er vor, dass in objektiver Hinsicht
  keine erhöhte abstrakte Gefährdung von Drittpersonen durch das Fehlverhalten
  des Beschuldigten entstanden sei (act. 47 S. 5 und S. 13). In
  subjektiver Hinsicht habe beim Beschuldigten keine grobe Fahrlässigkeit
  vorgelegen (act. 47 S. 5). 

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Staatsanwaltschaft geht auch
  im Berufungsverfahren davon aus, dass der Beschuldigte sowohl den objektiven
  als auch den subjektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung
  erfüllt. Entsprechend verweist sie in ihrer Stellungnahme auf die ihrer
  Ansicht nach zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil. In
  Übereinstimmung mit dem Beschuldigten weist die Staatsanwaltschaft jedoch
  darauf hin, dass sie für den in Frage stehenden Autobahnabschnitt bislang
  bewusst nicht die für Ausserortsstrecken entwickelten Grundsätze übernommen
  habe. So würden die beiden Fahrspuren auch während der Bauphase ohne
  Spurverengung in dieselbe Fahrtrichtung geführt. Gegenüber einer
  grundsätzlich im Gegenverkehr betriebenen Ausserortsstrasse behalte der
  Abschnitt trotz des provisorischen Baustellenanschlusses mehrheitlich den
  typischen Charakter einer Autobahnstrecke (vgl. zum Ganzen act. 42).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Im Folgenden ist entsprechend diesen Vorbringen zunächst zu
  klären, ob der Beschuldigte mit seiner Geschwindigkeitsüberschreitung von
  35 km/h den objektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung
  erfüllt hat (E. IV.5.). Anschliessend ist zu prüfen, ob auch in subjektiver
  Hinsicht von einer groben Verkehrsregelverletzung auszugehen ist (E. IV.6.).

  
	
   

  
	
  5. Objektiver Tatbestand

  
	
   

  
	
  5.1.
  Der Beschuldigte argumentiert, dass in objektiver Hinsicht keine
  erhöhte abstrakte Gefährdung von Drittpersonen entstanden sei. Gemäss
  bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei bei der Überschreitung der für
  Geschwindigkeitsüberschreitungen entwickelten Grenzwerte nicht zwingend eine
  grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen. Vorliegend habe sich die
  Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn vor der Baustelle für die
  Sanierung des Kerenzerbergtunnels befunden. Es habe keine Spurverengung oder
  Spurverlegung gehabt. Der Baustellenbetrieb sei nicht sichtbar gewesen. Die
  Baustellenein- und Ausfahrt sei wie jede normale Autobahnein- und Ausfahrt
  gebaut, mit Ausnahme des fehlenden Pannenstreifens in den Ein- und
  Ausfahrtstrecken. Es bestehe eine längere Ausfahrt und eine lange
  Einfahrstrecke. Bei normalen Aus- und Einfahrten auf die Autobahnen finde
  keine Geschwindigkeitsreduktion statt. Es sei aus optischen Gründen deshalb
  nicht ersichtlich, weshalb vorliegend eine Geschwindigkeitsreduktion erfolgt
  sei. Zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsmessung habe es kaum Verkehr gehabt,
  die Fahrbahn sei trocken, das Wetter gut und die Sicht optimal gewesen. Der
  Beschuldigte hätte allfällige Gefahren frühzeitig erkennen und reagieren
  können (vgl. zum Ganzen act. 47 S. 12 f.). 

  
	
   

  
	
  5.2.
  Nach Art. 4a Abs. 1 VRV beträgt die allgemeine
  Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge unter günstigen Strassen-, Verkehrs- und
  Sichtverhältnissen 120 km/h auf Autobahnen. Abweichende signalisierte
  Höchstgeschwindigkeiten gehen den allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten jedoch
  vor (Art. 4a Abs. 5 VRV). Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit
  ist einzuhalten (Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV).

  
	
   

  
	
  5.3.
  Nach Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe
  Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
  anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Der objektive Tatbestand verlangt nach
  der Rechtsprechung, dass der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in
  objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich
  gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist bereits bei
  einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Diese setzt die naheliegende
  Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus. Eine konkrete
  Gefahr oder Verletzung ist nicht verlangt (vgl. zum Ganzen BGE 143 IV 508 E. 1.3;
  BGE 142 IV 93 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2022 vom
  9. September 2022 E. 2.3.1).

  
	
   

  
	
  5.4.
  Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die
  objektiven und grundsätzlich auch die subjektiven Voraussetzungen einer
  groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 SVG ungeachtet der
  konkreten Umstände zu bejahen, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit
  ausserorts um mindestens 30 km/h bzw. auf Autobahnen um mindestens 35 km/h überschritten
  wird. Diese Vermutung ist anhand aussergewöhnlicher Umstände widerlegbar
  (vgl. zum Ganzen BGE 143 IV 508 E. 1.3, m.w.H.; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_1439/2019 vom 2. Dezember 2020 E. 1.1., m.w.H.).

  
	
   

  
	
  5.5.
  Der Schwellenwert von 35 km/h für die Bejahung einer groben
  Verkehrsregelverletzung auf einer Autobahn gilt in den Fällen, in welchen die
  zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn 120 km/h beträgt. Bei
  Autobahnabschnitten, auf welchen die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen
  reduziert wurde, kann dieser Schwellenwert nicht ohne Weiteres übertragen
  werden. In bestimmten Situationen ist ein Autobahnabschnitt, auf welchem die
  Geschwindigkeit auf weniger als 120 km/h begrenzt wurde, in Bezug auf das
  Gefahrenpotential nämlich mit einer ausserorts Strecke vergleichbar. In
  diesem Fall ist in der Regel eine grobe Verkehrsregelverletzung bereits ab
  einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 30 km/h zu bejahen (Urteil des
  Bundesgerichts 6B_973/2020 vom 25. Februar 2021 E. 2.1, m.w.H.;
  Urteil des Bundesgerichts 6B_444/2016 vom 3. April 2017 E. 1.3.1).

  
	
   

  
	
  5.6.
  Vorliegend war auf der Autobahn A3 die zulässige
  Höchstgeschwindigkeit aufgrund einer Baustelle auf 80 km/h reduziert. Wie die
  Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte jedoch zu Recht vorbringen
  (act. 42 S. 2; act. 47 S. 12), waren trotz der Baustelle beide
  Fahrspuren ohne Spurverengung und ohne Spurverlegung befahrbar (vgl.
  act. 2/8.1.01). Es herrschte kein Gegenverkehr und es war kein
  Baustellenmaterial direkt neben der Fahrspur deponiert. Die Sicht war gut und
  die Strecke lokal gerade (act. 2/8.1.01; act. 38). Insgesamt ist
  deshalb erstellt, dass der betreffende Autobahnabschnitt mehrheitlich den
  typischen Charakter einer Autobahnstrecke beibehalten hat und nicht mit dem
  Gefahrenpotential einer ausserorts Strecke vergleichbar war. Entsprechend ist
  entgegen der Vorinstanz (act. 26 S. 10 E. IV.1.2.) auf diesem
  Streckenabschnitt eine grobe Verkehrsregelverletzung grundsätzlich erst ab
  einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 35 km/h zu bejahen.

  
	
   

  
	
  5.7.
  Dennoch ist mit der Vorinstanz und der Staatsanwaltschaft davon
  auszugehen (vgl. act. 26 S. 11 E. IV.1.3.; act. 42), dass der
  Beschuldigte den objektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung
  erfüllte. So überschritt der Beschuldigte die zulässige Höchstgeschwindigkeit
  von 80 km/h nach Sicherheitsabzug um genau diese 35 km/h. Durch diese stark
  übersetzte Geschwindigkeit schuf er eine erhöhte abstrakte Gefahr für die
  weiteren Verkehrsteilnehmer. So durften diese aufgrund des
  Vertrauensgrundsatzes davon ausgehen, dass die signalisierte
  Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h von allen Verkehrsteilnehmern eingehalten
  wird (vgl. Art. 26 Abs. 1 SVG; Urteil des Bundesgerichts
  6B_1294/2017 vom 19. September 2018 E. 1.4). Aufgrund der stark
  übersetzten Geschwindigkeit des Beschuldigten verlängerte sich sein Bremsweg
  massiv, womit sich die Gefahr von Auffahrtkollisionen erhöhte. Wie viel
  schneller der Beschuldigte unterwegs war als die anderen Verkehrsteilnehmer
  ergibt sich nur schon aus den Radaraufnahmen. Darauf ist ersichtlich, dass
  der Beschuldigte in der gleichen Zeit viel weiter vorwärts kam als der von
  ihm überholte Lastwagen (vgl. act. 2/8.1.01).

  
	
   

  
	
  5.8.
  Eine erhöhte Gefahr bestand auch für die Baustellenfahrzeuge,
  welche die Autobahn als Zu- bzw. Wegfahrt zur Baustelle nutzten und nicht
  damit rechnen mussten, dass hinter ihnen ein Fahrzeug mit so stark
  übersetzter Geschwindigkeit herannaht (vgl. Art. 26 SVG).
  Baustellenfahrzeuge können aufgrund ihrer teils schweren und sperrigen Lasten
  sowie der teilweise eingeschränkten Sicht nicht mit Personenwagen und
  Lastwagen auf einer normalen Autobahnzufahrt verglichen werden. Der
  Beschuldigte bringt zwar zu Recht vor, dass ihnen beim Einbiegen auf die
  Autobahn ein Beschleunigungsstreifen zur Verfügung stand (vgl.
  act. 48/4). Zu beachten ist jedoch, dass kurz nach dem Ende dieses
  Beschleunigungsstreifens der Kerenzerbergtunnel beginnt und somit auch der
  Pannenstreifen endet. Insgesamt ist deshalb aufgrund der stark übersetzten
  Geschwindigkeit des Beschuldigten auch für Baustellenfahrzeuge eine erhöhte
  abstrakte Gefahr von Auffahrunfällen zu bejahen.

  
	
   

  
	
  5.9.
  Entgegen dem Beschuldigten ändert an der Qualifikation als grobe
  Verkehrsregelverletzung auch nichts, dass die Sicht im Tatzeitpunkt gut war
  und es nur wenig Verkehr hatte. So ist in Art. 22 Abs. 1 SSV
  explizit festgehalten, dass die signalisierte Höchstgeschwindigkeit auch bei
  günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen nicht überschritten
  werden darf. Vielmehr wäre die Geschwindigkeit im Falle schlechter
  Sichtverhältnisse bzw. starkem Verkehrsaufkommen den entsprechenden Umständen
  anzupassen, d.h. zu reduzieren (vgl. Art. 32 Abs. 1 SVG).

  
	
   

  
	
  5.10.
  Entgegen dem Beschuldigten lagen vorliegend somit keine
  aussergewöhnlichen Umstände vor, aufgrund derer trotz Überschreitung des
  Grenzwertes von der Bejahung einer groben Verkehrsregelverletzung abgesehen
  werden könnte (vgl. auch nachfolgend E. IV.6.5.-IV.6.6.). Die Vorinstanz
  ist deshalb zu Recht davon ausgegangen, dass der Beschuldigte durch sein
  Verhalten ein unmittelbares Gefahrenpotential für andere Verkehrsteilnehmer
  geschaffen und insofern den objektiven Tatbestand der groben
  Verkehrsregelverletzung erfüllt hat (act. 26 S. 10 f.
  E. IV.1.2.-IV.1.3.).

  
	
   

  
	
  6. Subjektiver Tatbestand

  
	
   

  
	
  6.1.
  Der Beschuldigte bestreitet, dass bei ihm in subjektiver Hinsicht
  grobe Fahrlässigkeit vorgelegen habe (act. 47 S. 5). Eine Straftat
  erfülle nur, wer auch schuldhaft handle (act. 47 S. 13). Die
  entsprechende Straftat müsse dem Täter persönlich vorgeworfen werden können
  (act. 47 S. 13). Es sei nicht zwingend, dass bei einer
  vordefinierten Geschwindigkeitsüberschreitung immer auch der subjektive
  Tatbestand erfüllt sei, d.h. ein schweres Verschulden des Fahrers vorliege
  (act. 47 S. 14). Der Beschuldigte habe ausgeführt, dass er die
  Strecke gut kenne, da er sie im Jahr mehrmals fahre (act. 47 S. 14). Er
  habe aber auch zu Protokoll gegeben, dass er die Geschwindigkeitsreduktion
  nicht bewusst wahrgenommen habe (act. 47 S. 14). Er habe keine
  Baustelle gesehen und sei überrascht gewesen, wie wenig Verkehr es hatte
  (act. 47 S. 14). Aufgrund der guten Strassenverhältnisse und der
  guten Sicht, die es dem Beschuldigten ermöglichte, weit vorauszusehen und dem
  schwachen Verkehrsaufkommen, habe sich der Beschuldigte aus nachvollziehbaren
  Gründen nicht in einem Bereich der Autobahn wahrgenommen, der zusätzlich mit
  einer Geschwindigkeitsbegrenzung versehen war (act. 47 S. 14). Es liege
  somit kein rücksichtsloses Verhalten des Beschuldigten vor, sondern ein
  entschuldbares, pflichtwidrig unvorsichtiges Versehen, welches der
  Beschuldigte bedaure (act. 47 S. 14). Der damals 58-jährige
  Beschuldigte, welcher seit vielen Jahren Auto fahre, sei im ADMAS nicht
  verzeichnet und besitze somit einen einwandfreien automobilistischen Leumund
  (act. 47 S. 14). Dies sei ein klarer Hinweis, auf ein vorsichtiges
  und korrektes Verhalten im Strassenverkehr (act. 47 S. 15).

  
	
   

  
	
  6.2.
  Art. 90 Abs. 2 SVG erfasst sowohl ein vorsätzliches als
  auch ein eventualvorsätzliches Verhalten. Gestützt auf Art. 100 Ziff. 1 Abs.
  1 SVG ist der Tatbestand nach konstanter Rechtsprechung indes auch bei
  fahrlässiger Begehung anwendbar. Subjektiv erfordert Art. 90 Abs. 2 SVG ein
  rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrsregelwidriges Verhalten,
  d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung mindestens grobe
  Fahrlässigkeit. Diese ist zu bejahen, wenn sich der Täter der allgemeinen Gefährlichkeit
  seiner Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kommt aber auch in
  Betracht, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
  pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt.
  Die Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall voraus,
  dass das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf
  Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses
  Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen
  (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen. Je
  schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird
  Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine besonderen
  Gegenindizien vorliegen (vgl. zum Ganzen BGE 142 IV 93 E. 3.1; Urteil
  des Bundesgerichts 6B_884/2021 vom 10. Januar 2022 E. 3.2; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_466/2022 vom 9. September 2022 E. 2.3.1; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_1235/2021 vom 23. Mai 2022 E. 1.4.2, m.w.H.).

  

  

  
	
  6.3.
  Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, sind die objektiven und
  grundsätzlich auch die subjektiven Voraussetzungen einer groben
  Verkehrsregelverletzung nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts
  ungeachtet der konkreten Umstände zu bejahen, wenn die zulässige
  Höchstgeschwindigkeit auf Autostrassen um 30 km/h oder mehr respektive
  auf Autobahnen um 35 km/h oder mehr überschritten wird. Diese Vermutung ist
  ausnahmsweise widerlegbar, wenn besondere Umstände vorliegen, die das
  Verhalten subjektiv in einem milderen Licht erscheinen lassen (vgl. zum
  Ganzen BGE 143 IV 508 E. 1.3, m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 6B_884/2021
  vom 10. Januar 2022 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1439/2019 vom
  2. Dezember 2020 E. 1.1., m.w.H.). Das Bundesgericht hat solche besonderen
  Umstände beispielsweise bejaht, wenn die Geschwindigkeit auf einem
  Autobahnabschnitt aus ökologischen Gründen vorübergehend reduziert war oder
  wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung der Verkehrsberuhigung diente (BGE 143 IV
  508 E. 1.3, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  6.4.
  Der Beschuldigte hat vorliegend die zulässige
  Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 35 km/h überschritten (vgl.
  act. 2/8.1.01). Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt
  deshalb vorliegend die Vermutung, dass der Beschuldigte mindestens grobfahrlässig
  gehandelt hat (vgl. oben E. IV.6.3.). Diese Vermutung wird durch die weiteren
  Tatumstände bestätigt. So kannte der Beschuldigte die Strecke gut (vgl.
  act. 2/8.1.03 Frage 3; 2/10.1.01 N. 69 f.). Auch wusste er aus
  dem Radio, dass es momentan eine Baustelle auf dieser Strecke hatte
  (act. 2/8.1.03 Frage 7; act. 2/10.1.01 N. 41 f.;
  act. 15 Frage 9). Vor der Reduktion des Tempos auf 80 km/h war bereits
  eine Temporeduktion von 100 km/h einzuhalten (act. 15 Frage 12). Aus den
  Aussagen des Beschuldigten ergibt sich zudem, dass er die Signalisation
  gesehen, jedoch zu spät reagiert habe (act. 2/8.1.03 Frage 2;
  act. 2/10.1.01 N. 73 f.; act. 15 Frage 9; act. 46
  Frage 20). An der obergerichtlichen Einvernahme konnte der Beschuldigte sogar
  beschreiben, wie die Signalisationstafel ausgesehen hat (act. 46 Frage
  20). 

  
	
   

  
	
  6.5.
  Nichts weiter ableiten kann der Beschuldigte daraus, dass er seine
  Fahrweise nicht als gefährlich einstufte (vgl. z.B. act. 47 S. 14;
  act. 44 S. 5; act. 46 Frage 20; act. 15 Fragen 10-11). So
  liegt eine grobe Verkehrsregelverletzung nicht nur vor, wenn der Täter sich
  der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise bewusst ist, sondern auch,
  wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar
  nicht in Betracht zieht (vgl. oben E. IV.6.2.). Für die Beurteilung des
  subjektiven Tatbestandes nicht relevant ist zudem die Tatsache, dass gegen
  den Beschuldigten bis anhin keine Administrativmassnahmen im
  Strassenverkehr angeordnet wurden (vgl. act. 47 S. 14 f.). 

  
	
   

  
	
  6.6.
  Entgegen der Argumentation des Beschuldigten (act.
  47 S. 13 ff.) bestehen vorliegend keine besonderen Umstände, welche sein
  Verhalten in einem milderen Licht erscheinen lassen würden. So wurde die
  Geschwindigkeit auf der Autobahn A3 aufgrund der Baustelle am
  Kerenzerbergtunnel bzw. aufgrund der Baustellenzufahrt, d.h. aus
  Sicherheitsgründen reduziert (vgl. act. 48/4). Unerheblich ist dabei,
  dass die Baustelle an sich nicht sichtbar gewesen ist für den Beschuldigten
  und der Beschuldigte grundsätzlich eine gute Sicht hatte (vgl. act. 47
  S. 14). Aufgrund der nahe gelegenen Baustellenzufahrt war jederzeit mit
  Baustellenverkehr zu rechnen. Zudem begann nicht unweit von der Baustelle der
  Kerenzerbergtunnel ohne Pannenstreifen. Der Beschuldigte wusste zudem aus
  Radiomeldungen von der Baustelle und dass es aufgrund dieser in den letzten
  Tagen immer wieder zu Staubildungen gekommen ist (act. 2/8.1.03
  Frage 7; act. 2/10.1.01 N. 41 f.; act. 15 Frage 9). Der Beschuldigte konnte nicht davon ausgehen, dass seine
  übersetzte Geschwindigkeit vor diesem Hintergrund keine besondere Gefahr
  darstellte. 

  
	
   

  
	
  6.7.
  Der vorliegende Fall ist daher nicht mit jenen
  Ausnahmefällen vergleichbar, in welchen das Bundesgericht das Vorliegen einer
  groben Verkehrsregelverletzung ausnahmsweise ausgeschlossen hat, obwohl der
  massgebende Schwellenwert überschritten war (vgl. hierzu auch Urteil des
  Bundesgericht 6B_973/2020 vom 25. Februar 2021 E. 2.4). Die
  Vorinstanz hat deshalb zu Recht festgehalten, dass der Beschuldigte auch den
  subjektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt hat (vgl.
  act. 26 S. 12 E. IV.2.1.-IV.2.2.). Die übersetzte Geschwindigkeit
  ist ihm persönlich anzulasten.

  
	
   

  
	
  7. Fazit

  
	
   

  
	
  Der Beschuldigte erfüllt mit dem ihm angelasteten
  Sachverhalt sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand der
  groben Verkehrsregelverletzung. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten deshalb
  zu Recht der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90
  Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1
  und 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig gesprochen
  (act. 26 S. 12 E. IV.2.2).

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  V. Strafzumessung und Vollzug

  
	
  1.  

  
	
  1.1.
  Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten für die grobe
  Verkehrsregelverletzung zu einer Geldstrafe von 24 Tagessätzen zu je
  CHF 480.— sowie zu einer Busse von CHF 2'880.— (act. 26
  S. 18 Dispositivziffer 2). 

  
	
   

  
	
  1.2.
  Der Beschuldigte argumentierte im Berufungsverfahren, dass er
  nicht mit einer Geldstrafe, sondern nur mit einer Busse von CHF 500.— zu
  bestrafen sei (act. 47 S. 15). Ansonsten äusserte sich der
  Beschuldigte zur Strafzumessung nicht konkret.

  
	
   

  
	
  1.3.
  Die Staatsanwaltschaft argumentierte in ihrer Stellungnahme, dass
  sie die von der Vorinstanz festgelegte Sanktion als angemessen erachte, zumal
  es dem Beschuldigten offensichtlich an der Einsicht in das Ausmass seines
  verkehrsregelwidrigen Verhaltens fehle (act. 42).

  
	
   

  
	
  1.4.
  Da der Sachverhalt im vorliegenden Urteil teilweise anders als von
  der Vorinstanz festgestellt und teilweise auch rechtlich anders gewürdigt
  wird (vgl. E. III und E. IV.), ist im Folgenden auch die Strafzumessung
  zu überprüfen. Dabei ist zu beachten, dass das Obergericht nicht über das von
  der Vorinstanz festgelegte Strafmass hinausgehen kann, weil vorliegend einzig
  der Beschuldigte Berufung erhoben hat (Art. 391 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  2.1.
  Nach Art. 90 Abs. 2 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei
  Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer durch grobe Verletzung der
  Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
  oder in Kauf nimmt. Eine Busse kommt als Sanktion nicht in Frage (vgl.
  Art. 90 Abs. 2 SVG). Entsprechend der unangefochtenen Feststellung
  der Vorinstanz (act. 26 S. 13 E. V.1.2.) ist der Beschuldigte
  deshalb mit einer Geldstrafe zu sanktionieren.

  
	
   

  
	
  2.2.
  Die Festlegung einer Geldstrafe erfolgt dabei in zwei Schritten:
  Zunächst ist die dem Verschulden des Täters angemessene Anzahl Tagessätze zu
  bestimmen (Art. 34 Abs. 1 StGB). Anschliessend ist die Höhe des
  Tagessatzes entsprechend den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen
  des Beschuldigten im Zeitpunkt des Urteils festzulegen (Art. 34 Abs. 2
  StGB). 

  
	
   

  
	
  2.3.
  Das Verschulden des Täters bestimmt sich dabei einerseits nach der
  objektiven Tatschwere, d.h. nach der Schwere bzw. dem Ausmass der Verletzung
  und der Gefährdung des Rechtsguts, der Verwerflichkeit der Tat sowie der Art
  und Weise des Tatvorgehens. Andererseits ist zu berücksichtigen, wie dem
  Täter die objektive Tatschwere subjektiv anzurechnen ist, d.h. welche
  Beweggründe und Ziele der Täter mit der Tat verfolgte (sog. subjektive
  Tatschwere). Schliesslich sind die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben,
  die Strafempfindlichkeit sowie das Verhalten des Täters nach der Tat und
  während des Strafverfahrens miteinzubeziehen (sog. Täterkomponenten; vgl. zum
  Ganzen BGE 141 IV 61 E. 6.1.1, m.w.H.; Hans
  Wiprächtiger/ Stefan Keller, in Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl.,
  Basel 2019, N. 85 zu Art. 47 StGB).

  
	
   

  
	
  3. Festlegung der Anzahl Tagessätze

  
	
   

  
	
  3.1.
  Der Beschuldigte überschritt am Freitag, 11. März 2022, um ca.
  11.52 Uhr, in Filzbach auf der Autobahn A3, Fahrtrichtung Chur,
  Kilometer 163.300 die auf dem dortigen Streckenabschnitt erlaubte
  Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um mindestens 35 km/h (vgl. E. III.1.1. und
  E. III.9.). D.h. er fuhr fast 1.5 Mal so schnell, wie eigentlich
  erlaubt. Die Strassen- und Sichtverhältnisse waren im Tatzeitpunkt gut, das
  Verkehrsaufkommen gering (vgl. E. III.1.3. und E. III.10.). Neben der
  Autobahn befand sich eine Baustelle, weshalb mit Baustellenverkehr zu rechnen
  war (vgl. E. III.1.3.). Die Autobahnspuren waren jedoch nicht verengt
  und weiterhin richtungsgetrennt geführt (vgl. E. III.1.3.). 

  
	
   

  
	
  3.2.
  Der Strafrahmen vom Art. 90 Abs. 2 SVG reicht bis zu
  einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Gemessen an diesem Strafrahmen ist die
  Tat des Beschuldigten klar im untersten Bereich zu verordnen. So sind
  erheblich schwerere Tatvarianten, etwa bei einer höheren gefahrenen
  Geschwindigkeit, einem höheren Verkehrsaufkommen sowie schlechten Strassen-
  und/oder Sichtverhältnissen, denkbar. Von dem ging im Ergebnis auch die
  Vorinstanz aus (vgl. act. 26 S. 14 f. E. V.2.1.1. und
  E. V.2.1.3.). Konkret erscheint es aufgrund der objektiven Tatumstände
  als angemessen, von einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen auszugehen. Dies
  entspricht auch der Empfehlung der Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz
  (vgl. <https://www.ssk-cmp.ch/de/dienstleistungen/empfehlungen>).

  
	
   

  
	
  3.3.
  Aus den Aussagen des Beschuldigten kann abgeleitet werden, dass er
  im normalen Autobahntempo gefahren ist und sich darüber freute, dass es
  entgegen seiner Befürchtung nur wenig Verkehr hatte (act. 2/8.1.03 Frage
  7). Die Geschwindigkeitsreduktion auf zunächst 100 km/h und später auf 80
  km/h hat der Beschuldigte zwar gesehen aber nach seiner Aussage zu spät
  reagiert (vgl. act. 2/8.1.03 Fragen 2 und 7; act. 2/10.1.01
  N. 73 f.; act. 15 Fragen 9 und 12; act. 46 Frage 20).
  Dies einerseits deshalb, da er sich über den wenigen Verkehr freute und
  andererseits, weil er überrascht von der Temporeduktion war (vgl.
  act. 2/8.1.03 Frage 7; act. 2/10.1.01 N. 76 f.;
  act. 15 Fragen 11-12). Diese Beweggründe des Beschuldigten fallen weder
  erschwerend noch erleichternd ins Gewicht (vgl. Hans Mathys, Leitfaden
  Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 2019, N. 147). Leicht
  verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist dagegen, dass der Beschuldigte die
  Gefährdung der weiteren Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig nicht bedacht, d.h.
  unbewusst fahrlässig gehandelt hat (vgl. Hans Mathys, a.a.O., N. 256). Insgesamt
  ist die Geldstrafe aufgrund der subjektiven Tatkomponenten auf 18 Tagessätze
  zu senken.

  
	
   

  
	
  3.4.
  Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und gegen ihn wurden bis
  anhin keine Administrativmassnahmen im Strassenverkehr verfügt (vgl. act. 36;
  act. 2/1.1.02). Dies ist neutral zu gewichten (vgl. Hans Mathys, a.a.O.,
  N. 328). Die Staatsanwaltschaft weist zu Recht
  darauf hin (act. 42), dass der Beschuldigte nicht einsieht, die weiteren
  Verkehrsteilnehmer gefährdet zu haben (vgl. act. 2/8.1.03 Frage 1;
  act. 2/10.1.01 N. 90; act. 15 Frage 10; act. 46 Frage 20).
  Dass er einen Fehler gemacht habe, anerkennt der Beschuldigte jedoch
  (act. 14 S. 3). Entgegen den Vorbringen der Staatsanwaltschaft (act.
  42) ist die Strafe deshalb nicht zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
  6S.199/2004 vom 27. April 2005 E. 3.4; Hans Mathys, a.a.O., N. 315 ff.; vgl. auch
  act. 14 S. 3). Leicht strafmindernd ist dagegen zu
  berücksichtigen, dass der Beschuldigte von Anfang an geständig war und sich im
  Strafverfahren kooperativ verhielt (vgl. Hans Mathys, a.a.O., N. 363 und
  N. 365). Entsprechend ist die schuldangemessene Strafe aufgrund der
  Täterkomponenten auf 16 Tagessätze zu senken.

  
	
   

  
	
  3.5.
  Insgesamt erscheint somit eine Geldstrafe von 16 Tagessätzen dem
  Verschulden des Beschuldigten angemessen.

  
	
   

  
	
  4. Festlegung der Tagessatzhöhe

  
	
   

  
	
  4.1.
  Ein Tagessatz beträgt in der Regel mindestens CHF 30.— und
  höchstens CHF 3'000.—. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes
  nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im
  Zeitpunkt des Urteils, 

  namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien-
  und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2
  StGB).

  
	
   

  
	
  4.2.
  Der Beschuldigte ist verheiratet und hat zwei Kinder, welche er
  beide finanziell unterstützt (act. 46 Frage 9; act. 15 Frage 5).
  Nach seinen eigenen Angaben erzielt der Beschuldigte ein jährliches Einkommen
  aus selbständiger Erwerbstätigkeit im Umfang von CHF 300'000.— bis
  CHF 500'000.— (vgl. act. 46 Frage 13; act. 15 Frage 6). Der
  Beschuldigte besitzt zudem mehrere Liegenschaften (vgl. act. 2/1.1.04). 

  
	
   

  
	
  4.3.
  Die Vorinstanz hat basierend auf diesen Angaben und unter Abzug
  von pauschal 20 % für die Steuern und Krankenkassenprämien sowie 27.5 %
  für seine zwei Kinder den Tagessatz auf CHF 480.— festgelegt
  (act. 26 S. 15 E. V.2.2.). Dies erscheint nach wie vor als
  angemessen.

  
	
   

  
	
  4.4.
  Insgesamt resultiert somit eine Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu
  CHF 480.— (entsprechend CHF 7'680.—). Die Geldstrafe ist dabei, wie
  von der Vorinstanz festgehalten (act. 26 S. 16 E. V.3.) und
  von der Staatsanwaltschaft nicht angefochten, bedingt auszusprechen bei einer
  Probezeit von zwei Jahren (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_1309/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.3.3).

  
	
   

  
	
  5. Festlegung der Verbindungsbusse

  
	
   

  
	
  5.1.
  Vorliegend rechtfertigt es sich
  aufgrund der zu beurteilenden Tat und im Hinblick auf spezialpräventive
  Gesichtspunkte den Beschuldigten nebst der bedingten Geldstrafe mit einer
  unbedingten Verbindungsbusse zu bestrafen (vgl. Art. 42 Abs. 4
  StGB). Dabei darf die
  Verbindungsbusse maximal 20 % der bedingten Geldstrafe betragen (vgl. BGE 146 IV 145 E. 2.2, m.w.H.). Entsprechend ist vorliegend die
  oben erwähnte Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu CHF 480.—
  (entsprechend CHF 7'680.—) mit einer Busse von CHF 1‘440.— (entspricht etwas weniger als 20 % der
  Geldstrafe; CHF 7'680.— : 5 = CHF 1‘536.—) zu verbinden. 

  
	
   

  
	
  5.2.
  Da die Strafe in ihrer Gesamtheit schuldangemessen zu sein hat und
  demzufolge ein Teil der Sanktion mit einer Verbindungsbusse abzugelten ist,
  rechtfertigt es sich, die Geldstrafe des Beschuldigten in einem der
  Bussenhöhe gleichkommenden Umfang zu reduzieren. Die oben festgelegte
  Geldstrafe ist entsprechend um 3 Tagessätze (entspricht dem Umfang der
  Bussenhöhe von CHF 1‘440.— [3 x CHF 480.—]) zu reduzieren. 

  
	
   

  
	
  5.3.
  Die
  Verbindungsbusse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für
  den Fall, dass der Beschuldigte diese Busse schuldhaft nicht bezahlt, ist
  eine Ersatzfreiheitsstrafe festzulegen (Art. 106 Abs. 2 StGB). Als
  Umrechnungsschlüssel für die Bemessung der Ersatzfreiheitsstrafe ist die Höhe
  des Tagessatzes einer parallel ausgefällten Geldstrafe heranzuziehen, indem
  die Busse durch den betreffenden Tagessatz zu dividieren ist (BGE 134 IV
  60 E. 7.3.3, m.w.H.). Dies ergibt vorliegend eine Ersatzfreiheitsstrafe
  von 3 Tagen (CHF 1‘440.— : 480).

  
	
   

  
	
  6. Fazit

  
	
   

  
	
  Der Beschuldigte ist somit für die grobe Verletzung der
  Verkehrsregeln mit einer bedingten Geldstrafe von 13 Tagessätzen zu je
  CHF 480.— (entsprechend CHF 6‘240.—) und einer Verbindungsbusse von
  CHF 1‘440.— zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben
  und die Probezeit wird auf zwei Jahre festgesetzt. Die Verbindungsbusse von
  CHF 1‘440.— ist dagegen zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse
  nicht, tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
  1.  

  
	
  1.1.
  Aus alldem folgt, dass die Berufung des Beschuldigten
  grösstenteils abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen ist. So
  wird insbesondere der Schuldspruch des Beschuldigten wegen grober Verletzung
  der Verkehrsregeln bestätigt. Im Vergleich zum vorinstanzlichen Urteil wird
  der Beschuldigte jedoch etwas milder bestraft (bedingte Geldstrafe von 13
  Tagessätzen zu CHF 480.— anstatt bedingte Geldstrafe von 24 Tagessätzen
  zu CHF 480.—). Insgesamt unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen
  somit ca. zu 90 %.

  
	
   

  
	
  1.2.
  Das Berufungsverfahren hat sich aufgrund der vorzunehmenden
  Abklärungen und Berechnungen als eher aufwendig erwiesen. Die Gerichtsgebühr
  für das Berufungsverfahren ist deshalb auf CHF 4'000.— festzusetzen
  (Art. 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung; GS III A/5). Dem Verfahrensausgang
  entsprechend ist die Gerichtsgebühr von CHF 4'000.— für das
  Berufungsverfahren im Umfang von CHF 3'600.— dem Beschuldigten
  aufzuerlegen (entsprechend neun Zehnteln) und im Umfang von CHF 400.—
  auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Eine
  Parteientschädigung ist dem Beschuldigten keine zuzusprechen (vgl. Art. 429
  Abs. 1 StPO e contrario).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Zusätzlich ist über
  die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden (Art. 428
  Abs. 3 StPO). Erstinstanzlich sind dem Beschuldigten dem
  Verfahrensausgang entsprechend Verfahrenskosten von insgesamt
  CHF 3'400.— (vorinstanzliche Gerichtsgebühr von CHF 2'600.— plus
  Strafuntersuchungskosten von CHF 800.—) überbunden worden (act. 26
  S. 18 Dispositivziffern 3-4). Es ist im Lichte von Art. 426 Abs. 1
  StPO und Art. 6 Abs. 1, Art. 7 Abs. 1 lit. b
  Ziff. 2 sowie Art. 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der
  kantonalen Zivil- und Strafprozesskostenverordnung kein sachlicher Grund
  ersichtlich, welcher eine Änderung an dieser Kostenregelung nahelegen würde.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______ ist
    schuldig der groben
    Verletzung der Verkehrsregeln durch Überschreiten der signalisierten
    Höchstgeschwindigkeit im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m.
    Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5 VRV
    sowie Art. 22 Abs. 1 SSV.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    A.______ wird
    bestraft mit einer bedingten Gelstrafe von 13 Tagessätzen zu je
    CHF 480.— (entsprechend CHF 6‘240.—) sowie mit einer Busse von
    CHF 1‘440.—.

    
	
     

    	
    Der Vollzug der
    Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

    
	
     

    	
    Die Busse von
    CHF 1‘440.— ist zu bezahlen. Bezahlt A.______ die Busse nicht, so
    tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitstrafe von drei Tagen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die
    Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Verfahren SG.2022.00093 wird auf
    CHF 2‘600.— festgesetzt. Die Kosten der Untersuchung betragen CHF 800.—.
    Diese Kosten werden A.______ vollumfänglich auferlegt und von ihm bezogen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die
    Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren wird festgesetzt auf
    CHF 4‘000.—. Diese Gebühr wird A.______ im Umfang von CHF 3‘600.—
    auferlegt und von ihm bezogen. Im restlichen Umfang wird die Gebühr für das
    Berufungsverfahren auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Es werden keine
    Parteientschädigungen zugesprochen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]