# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 43359512-ec06-5f38-9b5c-b7e4b01e1a66
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-10-31
**Language:** de
**Title:** Zeitpunkt des Fallabschlusses und Verneinung der weiteren Leistungspflicht mangels Adäquanz rechtens
**Docket/Reference:** UV.2013.00018
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00018.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00018
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
31. Oktober 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Massimo
Aliotta
Aliotta
Rechtsanwälte
Obergasse 20, Postfach 1508, 8401 Winterthur
gegen
SWICA Versicherungen AG
Römerstrasse 37, Postfach, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
,
geboren 1981,
arbeitete seit
1.
Juli 2010
bei der
Y.___
als Geschäftsführerin und war in dieser Eigenschaft bei der SWICA Versicherun
gen AG (nachfolgend: SWICA) gegen die Folgen von Unfällen versichert (Urk.
8/2). Am 2
9.
August 2010 war sie als Beifahrerin mit dem Auto
auf einer Schnellstrasse
in
Z.___
unterwegs.
Der Fahrer musste stark abbremsen, wodurch das Auto
ins Schleudern geriet
und
von der Strasse abkam (Urk.
8/2
, Urk. 8/12 S.
1
,
Urk.
8/29
).
X.___
begab sich
– nachdem sie mit der Eisenbahn in die Schweiz zurückgekehrt war
–
am 3
1.
August 2010 zur Unter
suchung in das
A.___
,
wo eine
commotio
c
erebri und ein
kraniozervikales
Dezelerationstrauma
Grad II diagnostiziert
und CT-Unter
suchungen des Schädels und der Wirbelsäule durchgeführt wurden
(Ur
k.
8/7-8,
Urk.
8/11 S. 1).
Die Ärzte des
A.___
empfahlen der Versicherten Schonung sowie eine bedarfsgerechte analgetische Therapie und phys
i
o
thera
peutische
Behand
lung und attestierten ihr vo
m
31. Au
gust bis 3.
September 2010
eine Arbeits
unfähigkeit
(
Urk.
8/11
,
Urk.
8/26
).
Wegen persistierenden Be
schwer
den wurde
die Versicherte
am 13.
Oktober 2010
erneut
im
A.___
vor
stellig (
Urk.
8/13).
Die Ärzte des
A.___
veranlassten i
m
B.___
die MRI-Unter
suchung des Schädels und der
Halswirbelsäule (
HWS
)
vom
18.
Oktober 2010
(
Urk.
8/3).
Die Versicherte
konsultierte die Ärzte des
A.___
am 19.
Oktober 2010
ein letztes Mal
(
Urk.
8/17) und begab sich a
b 3.
November 2010 zur Behandlung zu
Dr.
med.
C.___
,
FMH Allgemein
e
Medizin
, wel
cher
insbesondere
eine Osteopathie-
Behandlung und Psycho
therapie
verord
nete
(
Urk.
8/16,
Urk.
8/22,
Urk.
8/32
, Urk.
8/62
).
Die SWICA erbrachte
Heilbehand
lung
sleistungen
(Urk. 8/23).
Am
3.
August 2012 stellte die SWICA der Versicherten mit der Begründung, dass spätestens per 3
0.
April 2011 kein (adäquater) Kausalzusammenhang zwi
schen dem Unfall vom 2
9.
August 2010 und den geklagten Beschwerden
mehr
ge
geben sei, die rückwirkende Einstellung der Versicherungsleistungen per 30.
April 2011 in Aus
sicht (
Urk.
8/54)
.
X.___
befand sich
vom 14.
September bis
6.
Oktober 2012
zur stationären Rehabilitation
in der
Klinik
D.___
(
Urk. 8/62,
Urk.
8/64)
.
Am
17. September 2012
nahm die Ver
sicherte zum Schreiben der SWICA vom 3. August 2012
Stellung (Urk.
8/60).
Hernach stellte die SWICA ihre Leistungen mit Verfügung vom 2.
Oktober 2012 wie angekündigt rückwirkend per 3
0.
April 2011 ein (Urk.
8/61).
Dagegen erhob
X.___
am 3
1.
Oktober 2012 Ein
sprache (
Urk.
8/62, mit
Einsprache
er
gänzung
vom 1
3.
November 2012 [Urk. 8/64]
)
,
welche
die SWICA mit Ent
scheid vom 2
7.
No
vember 2012 abwies (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 1
4.
Januar 2013 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung des
Einspracheentscheids
vom 2
7.
November 2012 sei fest
zu
stel
len, dass die Beschwerdegegnerin auch ab dem
1.
Mai 2011 die der Be
schwer
deführerin zustehenden Versicherungsleistungen (Heilungskosten und
Unfall
taggelder
) auszurichten habe. Eventualiter sei vom Gericht ein
polydis
ziplinäres
medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben.
Subeventualiter
sei die
Sache an die Beschwerdegegnerin
zwecks Einholens eines
poly
disziplinären
medizini
schen Gutachtens
zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht bean
tragte sie die Durchführung
einer öffentlichen Verhandlung (
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Februar 2013 Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7, unter Beilage ihrer Akten
[
Urk.
8/1-67]).
Mit Schreiben vom 2
0.
Februar 2013 wurde der Beschwerde
-
führer
in
das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
9).
Die Beschwerdeführerin teilte dem Gericht mit Eingabe vom 2
6.
Mai 2014 mit, dass sie ihren Antrag auf Durchführung ei
ner öffentlichen Verhandlung zu
rück
ziehe (
Urk.
10), woraufhin mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2014 ein zweiter
Schrif
tenwechsel
ang
e
ordnet
wurde (
Urk.
11).
Mit Replik vom
4.
September 2014
hielt die Beschwerdeführerin an ihren An
trägen fest
(
Urk.
14 S. 2)
. Die Beschwerdegegnerin reichte innert angesetzter Frist keine Duplik ein, was der Beschwerdeführer
in
mit Schreiben vom
16
.
Oktober
2014
mitgeteilt wurde (
Urk.
17
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
[ATSG]
), so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1
UVG
). Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invaliden
versicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbe
handlung und die
Taggeldleistun
gen
dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusam
men
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um
schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesund
heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der ver
sicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adä
quater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhn
lichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V
177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtspre
chung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
Weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychi
schen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwer
den medizinisch eher als orga
nischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341
S.
409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.3.
3
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesge
richt sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammen
hangs zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 369 E. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin wegen der Folgen des Un
falls vom 29. August 2010 über den 30. April 2011 hinaus Leistungen zu er
bringen hat, mithin, ob die nach diesem Zeitpunkt geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem
Unfaller
eignis
vom 29. August 2010 stehen.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führt
e
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 27. November 2012
im Wesentlichen
aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem
4.
September 2010 zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
2 S. 4). Somit sei durch wei
tere medizinische Behandlungen keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich, mithin keine
namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes in Bezug auf ihre Arbeitsfähigkeit zu erwarten
, weshalb der Fallabschluss per Ende April 2011 habe erfolgen dürfen
(
Urk.
2 S.
4-
5).
2.3
Die Beschwerdeführerin
bringt dagegen
im Wesentlichen
vor
, dass die
Be
schwer
degegneri
n
zu Unrecht keine Begutachtung habe durchführen lassen (
Urk.
1 S.
9
).
Die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs hätte mittels eines medizinischen Gutachtens abgeklärt werden müssen (
Urk.
1
4
S. 3).
Sie habe
sich
bis zum Erlass der Verfügung
der Beschwerdegegnerin
vom
2.
Okto
ber 2012 nebst der Behandlung der somatischen Unfallfolgen auch ununter
bro
chen in
psychotherapeutischer Behandlung
befunden
(Urk. 1 S. 9)
.
Das
Un
faller
eignis
vom 29. August 2010 habe nicht nur somatische Beschwerden, son
dern auch psychische Probleme hervorgerufen (Urk. 14 S. 3).
Des Weiteren sei
sie
erst seit dem stationären Aufenthalt in der
Klinik
D.___
vom 1
4.
September bis zum
6.
Oktober 2012 praktisch beschwerdefrei betreffend die ab dem Unfalltag stets vorhanden
gewesenen
Kopfschmerzen. Aus diesem Grund sei sie zu Recht auch erst ab dem
7.
Oktober 2012 wieder zu 100
%
arbeitsfähig geschrie
ben worden. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sie we
gen den unfallbedingten Be
schwerde
n
lediglich in einem 80%-Pensum arbeiten können
(
Urk.
1 S. 9).
3.
3.1
3.1.1
Dem Bericht des
A.___
vom 3
1.
August 2010 sind die
Diagnosen
commotio
cerebri und
kraniozervikales
Dezelerationstrauma
Grad II zu entnehmen (
Urk.
8/11 S. 1). Die Ärzte des
A.___
attestierten der Beschwerdeführerin
von 31. August bis 3. September 2010
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
11 S. 2
,
Urk.
26
).
Dr.
E.___
,
Assistenzarzt
A.___
,
füllte am 3
1.
August 2010 einen „
Do
kumenta
tionsbogen
für Erstkonsul
tation nach
kranio
-zervikalem
Be
schleuni
gungstrauma
“ aus. Diesem ist zum Un
fallhergang zu entnehmen, dass es zu einem Kopfanprall gekommen sei. Die
Beschwerdeführerin sei auf die Kollision gefasst ge
wesen
. Die Kopfstellung sei gerade gewesen.
Die Beschwerdefüh
rerin sei für einige Sekunden bewusstlos gewesen. Für das Unfallereignis bestehe eine Ge
dächtnislücke
(Urk. 8/12 S. 1)
.
Sofort nach dem Er
eignis seien Kopf- und Nackenschmerzen mi
t einer Schmerzintensität von „4-5
“
, Schwindel, Übelkeit und Schlafstörungen
aufgetreten. Hingegen wurden Erbrechen
sowie Hör- und Sehstörungen
verneint (Urk. 8/12
S. 2
).
Bei der CT der Wirbelsäule
im
A.___
vom 3
1.
August 2010 konnten keine Anhalts
punkte für frische traumatische Läsionen an Hals- und Brustwirbelsäule (
Urk.
8/7) und bei der CT des
Neurocraniums
selben Datums
keine Blutung und keine Fraktur
gefunden
werden (
Urk.
8/8).
Am 13. Oktober 2010 diagnostizierten die Ärzte des
A.___
als Nebendiagnose zudem einen Tinnitus (Urk. 8/13 S. 1).
3.
1.
2
Die MRI-Untersuchung des Schädels und der HWS im
B.___
vom 1
8.
Oktober 2010 ergab ein normales
MRI des
Neurokraniums
unter Einschluss
des
vestibulo-cochleäre
n
Systems
,
ein
en
unauffällige
n
cranio
-zervikaler Übergang
und ein normales MRI
der HWS
ohne strukturelle Veränderungen
(
Urk.
8/3)
.
3.1.3
Bei der Untersuchung durch
Dr.
C.___
vom
3.
November 2010
gab die Beschwer
deführerin an, dass schon beim Aufstehen Kopfschmerzen diffus
occi
pital
über den Hinterkopf ziehend bestünden. Diese ohne Ausstrahlung über den Schultergürtel oder
thoracal
, hier sei sie absolut beschwerdefrei. Es be
stünden immer ein wenig Nausea, bei Kopfseitneigung ein leichter Schwindel sowie ein persistierender Tinnitus, peripher jedoch keine Auffälligkeiten (
Urk.
8/16 S. 1).
Dr.
C.___
diagnostizierte einen Status nach Verkehrsunfall vom 2
9.
August 2010 mit
commotio
cerebri und
kraniozervik
alem
De
zelera
tionstrauma
Grad I bis II sowie einen akuten aktivierten Tinnitus (
Urk.
8/16 S. 2).
Er
überwies die B
e
schwerdeführer
in
dem
Chi
ropraktor
Dr.
F.___
zur schonenden C1/C0
-
Mobili
s
at
ion und veranlasste eine Osteo
pathie-Behandlung (
Urk.
8/22 S. 2).
3.1.4
Die
Osteopathin
G.___
führte
zur Behandlung ab
8.
Dezember 2010
aus, dass die Beschwerdeführerin an starken Kopfschmerzen rechts
occipital
begleitet durch Schwindel mit Erbrechen, Nausea bei Kopfrotationen, olfak
tori
sche Dys
funktionen, Inappetenz und einem invalidisierenden Tin
nitus beid
seitig gelitten habe. Durch die Mobilisation der Halswirbelsäule insbe
sondere von C1 rechts, hätte
n
diese
Symptome deutlich abgenommen und seien nach drei Behandlungen gänzlich verschwunden. Der
occipitale
Schmerz sei aber immer noch permanent vorhanden gewesen und sei durch kleinste körperliche Be
las
tungen verstärkt worden. Der Tinnitus habe durch die Osteo
pathie nicht beein
flusst werde können. Durch
osteopathische
Behand
lungen habe jedoch die Schmerzsituation stabilisiert werden können. Die Belastbarkeit der Beschwerde
führerin habe stetig zugenommen
(
Bericht vom 11. November 2012,
Urk.
8/64).
3.1.5
Dem Kurzbericht der Psychotherapeutin
H.___
zur Therapie vom 15. Oktober 2010 bis 1
9.
Oktober 2012
ist zu entnehmen, dass
die Beschwerde
führer
in sich
an sie gewandt habe, da sie im Anschluss an einen Auto
unfall vom 2
9.
August 2010 über starke Kopfschmerzen, Tinnitus, Übelkeit, Ein- und Durchschlafstörungen sowie Appetitlosigkeit leide. Zusätzlich belastend sei der ungute Abgang an ihrer letzten Arbeitsstelle gewesen.
Die Beschwerdeführerin
habe
zuviel
Energie investiert und fühle sich – verstärkt durch die aktuelle Arbeitslosigkeit – erschöpft, antriebslos, dünnhäutig und orientierungslos. E
ine der Zielsetzungen der Psychotherapie
habe
darin bestanden, einen
heilungsför
dern
den
Um
gang mit den
Unfall-Symptomen zu finden
(
Bericht vom 2. November 2012,
Urk.
8/64).
3.1.6
Prof.
Dr.
med.
I.___
,
FMH Neurologie
, erhob bei der Unter
suchung der Beschwerdeführerin
vom 1
5.
Mai 2012
einen normalen
Neuro
sta
tus
(
Urk.
8/51).
3.1.7
PD
Dr.
J.___
diagnostizierte im Bericht vom 1
9.
Juni 2012 einen chr
onischen posttraumatischen Kopf
schmerz bei leichter Kopfverletzung
(
Urk.
8/52
S. 1
).
3.1.8
Im Austrittsbericht
vom 29. Oktober 2012
zum stationären Aufenthalt vom 1
4.
September bis 6. Okto
ber 2012 diagnostizierten die Ärzte der
Klinik
D.___
einen chronischen posttraumatischen Kopfschmerz bei leichter Kopf
verletzung bei Autounfall am 2
9.
Au
gust 2010 und führten aus, dass sich die Kopf
schmer
zen bei Austritt zurückgebildet hätten. Die Beschwerdeführerin sei in gutem Allgemeinzustand und bei objektiv gutem Rehabilitationsergebnis nach Hause entlassen worden. Ab dem
7.
Oktober 2012 bestehe eine 100%ige Arbeitsfähig
keit (
Urk.
8/64).
3.2
3.2.1
Zu prüfen ist vorab, ob die Beschwerdegegnerin mit der Leistungseinstellung per 3
0.
April 2011 den Fall zu Recht auf diesen Zeitpunkt hin abgeschlossen hat.
3.2.2
Zum Zeitpunkt des Fallabschlusses ist festzuhalten, dass ein Versicherer – so
fern allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abge
s
c
hlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur so lange zu gewäh
ren hat, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Was unter einer namhaften Besserung des Ge
sundheitszustandes der versicherten Person zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden
Steigerung oder Wieder
her
stel
lung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, zu bestimmen
.
Dabei muss die durch weitere Heilbehandlungen zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht
(BGE 134 V 109 E. 4.3
mit weiteren Hinweisen
).
Ein Anspruch auf weitere medizinische Be
handlung besteht nur, wenn damit eine erhebliche Besserung des Gesundheits
zustandes erreicht werden kann. Hingegen verleihen weder eine weit entfern
t
e Möglichkeit eines positiven Resulta
ts einer Fortsetzung der är
z
t
lichen Be
hand
lung noch ein von weiteren Massnahmen zu erwartender geringfügiger thera
peutischer Fortschritt Anspruch auf deren Durchführung (Urteile des Bun
desge
richts 8C_956/2009 vom
9.
März 2010 E. 4.1.2 und 8C_970/2012 vom 31.
Juli 2013 E. 2.3 mit Hinweis).
Der Fallabschluss durch die Unfallversiche
rung bedingt nicht, dass eine medi
zinische Behandlung nicht länger erforderlich ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2011 vom
3.
Februar 2012 E.
6
mit Hinweis
).
Nach
klinischen und CT-
Untersuchung
en
der Beschwerdeführerin
verordneten die
Ärzte des
A.___
Schonung sowie eine bedarfsgerechte analgetische Therapie
und phy
siotherapeutische Behandlung
und schrieben sie vom
3
1.
August bis 3. Septem
ber 2010
zu
100
%
a
rbeitsunfähig (Urk.
8/
11 S. 2).
Da die Beschwer
deführer
in
weiterhin über Beschwerden klagte,
veranlassten die Ärzte des
A.___
zusätzlich MRI-
Untersuchungen
des Schädels und der HWS im
B.___
(
Urk.
8/3)
, welche keine
frische traumatische Lä
sionen und
–
ausser einer Steilstellung der HWS
–
keine weiteren Auffällig
keiten
zeigten
(Urk. 8/17 S. 2). Unter Hinweis darauf hielten die Ärzte des
A.___
nach einer weiteren klinischen Untersuchung am 19. Oktober 2010
mit Bericht vom
selben Tag
fest, dass aus unfallchirurgischer Sicht keine weiteren Untersu
chungen in
diziert seien (Urk. 8/17 S.
2).
Eine weitere Arbeits
unfähigkeit wurde seitens der Ärzte des
A.___
nicht attestiert.
Ab dem
3.
November 2010 begab sich die Beschwerdeführerin in Behandlung zu
Dr.
C.___
,
welcher
sie indes eben
falls nicht a
rbeitsunfähig
schrieb
.
Er veranlasste die Behandlung beim
Chi
ro
praktor
Dr.
F.___
,
eine Osteopat
hie-Behandlung (
Urk.
8/22 S. 2) sowie eine Psychotherapie (
Urk.
8/62).
Auf Zuweisung durch
Dr.
C.___
wurde die Beschwerdeführerin am 1
5.
Mai 2012 durch den Neurologen Prof.
Dr.
I.___
untersucht, welcher im Bericht vom selben Tag zwar von einer unveränderten 100%igen Arbeitsunfähigkeit spricht
(Urk. 8/51 S. 1)
, sich dabei aber auf
keine Atteste von vorbehandelnden Ärzten bezieht
und
sich
insbeson
dere
auch
nicht auf die
von ihm erhobenen unauffälligen
neurologische Befunde stützt, denn der Neurostatus war gemäss diesem Bericht normal (Urk. 8/51
S. 3
).
Nachdem
der
Beschwerdeführer
in
seitens der behan
delnden Ärzte nach dem 3. September 2010
k
eine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert
worden war
, ist
im Lichte der eingangs zitierten bundesgerichtlichen Recht
spre
chung
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin davon ausging, dass durch die weiterhin
durchgeführte
Behandlung
keine namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes mehr
habe
erreicht werden können
(Urk.
2 S. 4-5)
. Entge
gen der Ansicht der Be
schwerdefüh
rerin (
Urk.
1 S. 9), ist es nicht ausschlagge
bend, ob sich durch die weitere medizinische Behandlung eine
Beschwerdefrei
heit
erreichen lässt.
Nicht entscheiden
d
ist mithin
,
dass sich die
geklagten
Symp
tome
wie Schwindel bei Kopfrotation
gemäss dem Bericht der
Osteo
pathin
G.___
vom 1
1.
November 2012 durch die ab
8.
Dezember 2010 durch
geführte Osteopathie-Behandlung gebessert haben (
Urk.
8/64) und be
züglich der Kopf
schmerzen gemäss Austrittsbericht der
Klinik
D.___
vom 29.
Oktober 2012 durch den dortigen stationäre
n
Aufenthalt vom 1
4.
September bis
6.
Oktober 2012
eine Besserung eingetreten ist
(Urk.
8/64). Schliesslich ist es unbeachtlich
,
dass
die
Beschwerde
gegnerin
ihr Arbeitspensum
von sich aus
auf 80
%
redu
zierte
(
Urk.
1 S. 10)
.
Da nach Lage der Akten auch keine Eingliederungs
mass
nahmen der Invaliden
versicherung pendent sind, ist der Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin
per 3
0.
April 2011 nicht zu beanstand
en (vgl. etwa Urteil des Bundes
gerichts
8C_527/2008
vom 27. Novem
ber 2008 E. 4.1). Weitere Tag
geld-
oder
Heilbe
handlungsleistungen
waren somit nicht geschuldet.
3.3
3.3.1
Zu prüfen bleibt der Anspruch auf Rente und Integritätsentschädigung.
Bei den von den Ärzten des
A.___
veranlassten CT- und MRI-Untersuchungen des Schä
dels und der Wirbelsäule fanden sich keine Anhaltspunkte für frische trau
ma
ti
sche Läsionen oder strukturelle Verän
derungen (
Urk.
8/3, Urk. 8/7-8).
Der Neu
rologe Prof.
Dr
.
I.___
(Urk. 8/51 S. 1) erhob
am 1
5.
Mai 2012 einen
normal
en Neurostatus
(Urk. 8/51 S. 1, S. 3).
Dr.
J.___
führt
in seiner
Be
ur
tei
lung vom 1
9.
Juni 2012
aus
, dass das Kopfschmerzsyndrom die Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft für einen chronischen Kopfschmerz bei Status nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma (
comm
otio
cerebri) erfülle.
Er wies aber
ebenfalls
darauf hin, dass differentialdiagnostisch ein mittelschweres oder schweres Schädel-Hirn-Trauma mit struktureller
Läsion des Zentralnervensys
tems (ZNS) durch die bildgebende Untersuchung habe ausgeschlossen werden können (Urk.
8/52 S. 3).
Aus den aktenkundigen medizinischen Unterlagen und den Berichten der behan
delnden
und untersuchenden
Ärzte geht somit hervor, dass den geklagten Beschwerden kein hinreichendes unfallbedingtes organisches Substrat mehr zugrunde liegt. Schmerzen,
Druckdolenzen
, klinisch feststellbare
Bewegungs
einschränkungen
,
Mus
kulaturverhärtungen
und Verspannungen ver
mögen
für sich allein kein klar fassbares organisches Korrelat eines Beschwerdebildes zu begründen (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts U 9/05 vom 3. August 2005 E. 4, U 354/06 vom 4. Juli 2007 E. 7.2, U 328/06 vom 25. Juli 2007 E. 5.2 sowie 8C_369/2007 vom 6. Mai 2008 E. 3).
3.3.2
Ob die noch geklagten Beeinträchtigungen, welchen nach den vorstehenden Ausführungen kein klar fassbares unfallbedingtes organisches Korrelat zu
grunde
liegt, in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum versicherten
Un
fallere
ignis
stehen (was mit Blick auf die Berichte des
A.___
vom 3
1.
August
2010
[
Urk.
8/11] sowie 1
3.
und 1
9.
Oktober 2010 [
Urk.
8/13,
Urk.
8/17]
wohl eher zu verneinen wäre), kann offen gelassen werden. Denn diesbezüglich ist – anders als bei Gesundheitsschädigungen mit einem klaren unfallbedingten organischen Substrat, bei welchen der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel mit dem natürlichen bejaht werden kann (BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
mit Hinweisen) – eine besondere
Adäquanz
prü
fung
vorzunehmen. Ob diese nach den in BGE 115 V 133 genannten Kriterien (Psycho-Praxis) oder nach den für die Folgen eines Schleudertraumas der HWS, eines Schädelhirntraumas oder einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung in BGE 117 V 359 ent
wickel
ten und in BGE 134 V 109 präzisierten Regeln zu erfolgen hat, kann offenblei
ben, da auch die Beurteilung nach letz
terer Praxis – wie im Folgenden zu zei
gen ist – zur Ver
neinung der Adäquanz führt.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2012 qualifizierte die Beschwerdegegnerin das Unfallereignis vom 2
9.
August 2010 als höchstens im mittleren Bereich der mittelschweren Unfälle liegend (Urk. 8/61 S. 2).
Im angefochtenen
Einsprache
e
ntscheid
vom
2
7.
November 2012
wurde
diese
Qualifikation des
Unfallereig
nisses
insofern bestätigt, als die Beschwerdegegnerin die Verneinung ihrer wei
teren Leistungspflicht über den 3
0.
April 2011 hinaus mangels Adäquanz bestä
tigte
(
Urk. 2 S.
5
). Die Bestimmung des Schweregrades ei
nes
Unfallereig
nisses
erfolgt aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwi
ckelnden Kräften, wobei eine objektivierte Betrach
tungs
weise anzu
wenden ist. Nicht massgebend sind die Folgen des Unfalles oder Be
gleitum
stände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden kön
nen. Der
artigen, dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden Fak
toren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die – ein eigenes Kriterium bildenden – Verletzungen, welche sich die versi
cherte Person zuzieht, aber auch für unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfenden äusseren Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im
Unfall
zeitpunkt
oder
Ver
letzungs
- respektive gar Todesfolgen, die der Unfall für an
dere Perso
nen nach sich zieht (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1).
Am Unfalltag war die Beschwerdeführerin als Beifahrerin mit dem Auto auf einer Schnellstrasse in
Z.___
unterwegs. Der Fahrer musste stark ab
brem
sen, wodurch das Auto ins Schleudern geriet und von der Strasse abkam (Urk. 8/2, Urk. 8/12 S. 1,
Urk.
8/29). Im vom Fahrzeuglenker ausgefüllten Ver
kehrsunfall-Bericht zum Unfall vom 29. August 2010 führte dieser aus, dass das vordere Fahrzeug wegen einer Spurverengung
stark
abgebremst habe. Sein Fahrzeug habe sich nach
seinem
starke
n
Bremsmanöver um
die eigene Achse gedreht.
A
ls sichtbare Schäden
wurde
eine Beschädigung der hintern Stoss
stange
und
Stossdämpfer sowie Lackschäden am Türrahmen angegeben (
Urk.
8/29).
Im Vergleich dazu qualifizierte d
as Bundesgericht etwa de
n
folgen
den Unfa
ll als mittels
chwere
n
Unfa
ll im engeren Sinn:
Bei einer signali
sierten Höchstge
schwindigkeit von 80 km/h geriet eine Personenwagenlenkerin mit Lernfahrausweis auf dem rechten Fahrstreifen der Autobahn ins Schleudern, als sie ihr Fahrzeug infolge des stockenden Kolonnenverkehrs auf Höhe
einer
Aus
fahrt abrupt abzubremsen versuchte. Dabei stellte sich ihr Personenwagen mit der vorderen Wagenhälfte quer in den linken Fahrstreifen, auf welchem
ein
Personenwagen gemäss
den
Angaben
des Lenkers
mit einer Geschwindigkeit von 70 bis 75 km/h herannahte. Trotz Einleitung einer Vollbremsung kam es zu einer heftigen Kollision. Weil der
Fahrer
des hinteren
Personenwagens
infolge seiner Verletzungen nicht aus seinem Fahrzeug geborgen werden konnte, wurde das Fahrzeugdach von der Feuerwehr abge
trennt
(Urteil des Bun
desgerichts 8C_359/2008 vom 1
8.
Dezember 2008 E.
5.2
, wobei die
Adäquanz
prüfung
dort nach den in
BGE 115 V 133
entwickelten Regeln [Psycho-Praxis] erfolgte
)
.
Der Unfall
der Beschwerde
führerin
vom 29.
August 2010 ist als weniger schwer ein
zustufen als dieser Unfall.
U
nter Berücksichtigung des Geschehensablaufes und der Kräfte, die beim Unfall vom 2
9.
August 2010 gewirkt haben, ist
das
Unfall
ereignis
als mittel
schwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereig
nissen liegend zu quali
fizieren.
Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre somit nur dann zu bejahen, wenn von den weiteren massgeblichen Kriterien (vgl. E. 1.3.
2
) entweder ein ein
zelnes in ausgeprägter Weise oder aber mindestens vier in gehäufter oder auf
fallender Weise gegeben wären (Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 5 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_421/2009).
3.
3.3
Bei der Prüfung dieser Kriterien
ist
zunächst festzuhalten, dass eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat,
vor
lie
gend
eindeutig
nicht gegeben ist. Hinsichtlich des
Kriteriums „
besonders drama
tische Begleitumstände oder beson
dere Eindrücklichkeit
“
des
Unfalls ist zu
beachten, dass
dieses Kriterium n
ach der Rechtsprechung objektiv
und nicht auf
grund des subjektiven Empfindens beziehungsweise Angstgefühls der ver
si
cherten Person zu be
urteilen ist, und
zudem
jedem mindestens mittel
schweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist (
statt vieler: Urteil des Bundes
gerichts 8C_910/2009 vom 1
3.
Januar 2010 E. 4.3
). Dieses Krite
rium ist vorlie
gend
nicht gegeben
.
Aufgrund der von den erstbehandelnden Ärzten des
A.___
er
ho
benen Befunden (
Urk.
8/11) ist auch das Kriterium „Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen“ zu verneinen.
Hier
bei fällt
überdies
ins Gewicht, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich
zu
be
handelnden Verletzung) für sic
h allein nicht genügt, um dieses
Kriterium zu bejahen (Urteil des Bundesgericht 8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 7.2.1).
Das Kriterium „
f
ortgesetzt spezifische, be
lastende ärztliche Behand
lung
“ bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässig
keit auf die Ver
besserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und
Ab
klä
rungsmassnahmen
sowie
manualtherapeutische
und medi
kamentöse Behand
lungen vermögen das Kriterium
nicht zu erfüllen (Urteil des Bundesgerichts 8C_686/2012 vom 28.
Mai 2013
E. 7.3).
Eine solche kontinuierliche Behandlung
ist vorliegend nicht gegeben und
das
Kriterium ist, selbst wenn der nach
Fall
abschluss
per 3
0.
April 2011 stattgefundene
stationäre Auf
enthalt in der Klinik
D.___
vom 14. September bis 6. Oktober 2012
(
Urk.
8/64)
be
rück
sichtigt würde
,
zu verneinen.
Beim Kriterium „
erhebliche
Beschwerden“ können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach
Art.
19
Abs.
1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch be
stehende erhebliche Beschwerden
adäquanz
relevant
sein, wobei sich die Erheblichkeit nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Be
einträchtigung beurteilt, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden in ihrem Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_768/2007 vom
4.
August 2008 E. 4.2).
Dieses Kriterium ist ebenfalls
nicht gegeben
, da die Beschwerdeführerin – auch wenn sie über Be
schwerden klagte –
namentlich
nach dem Unfall wieder
in der Lage war,
bei einem neuen Arbeitge
ber
einer Arbeit nach
zugehen
(
insbes. Urk.
8/
18, Urk. 8/20 S. 5
,
Urk.
8/25 S. 3
)
und gemäss ihrer eigenen Darstellung auch auf die Einnahme von
Schmerz
medikamenten
verzichtete (Urk. 8/31 S. 2).
Ebenso wenig kann das
Kriterium „schwieriger
Hei
lungs
verlauf
und erhebliche Komplikationen
“
bej
aht werden. Nach der Recht
spre
chung des Bundesgerichts bedarf es hierzu beson
dere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medika
mente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen ebenso wenig, wie der Um
stand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine
Beschwerde
freiheit
noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der ange
stamm
ten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E.
7.6).
Nachdem
die
Be
schwerdeführerin
, welcher
von ärztlicher Seite
her
nur vom 3
1.
August bis
3.
September 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde
(
Urk.
8/11 S. 2
, Urk. 8/26
)
, zwei Tage nach dem Unfall vom 29. August 2010
die Arbeit
wieder aufgenommen hat (
Urk.
8/25 S. 3) und ab 1.
Dezember 2010 für
einen
neuen Arbeitgeber tätig war (Urk. 8/20 S. 5)
, ist schliesslich auch das Kriterium „
er
hebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausge
wiese
ner Anstrengun
gen
“
nicht gegeben
.
3.
3.
4
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeg
egnerin für die geklagten
Gesund
heitsbe
einträchtigungen
mangels
adäquaten Kausalzusammenhangs
mit dem versicherten Unfallereignis
vom 2
9.
August 2010
nicht über den 30. April 2011 hinaus
leistungs
pflichtig
.
Bei diesem Ergebnis erübrigen sich weitere Abklärun
gen
.
Demnach
ist die Beschwerde abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Massimo
Aliotta
-
SWICA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher