# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2b37029f-46f2-50ca-8a5c-428d7cf3beda
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-09-15
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 15.09.2014 BB.2014.60
**Docket/Reference:** BB.2014.60
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2014-60_2014-09-15

## Full Text

Nichtanhandnahmeverfügung (Art. 310 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO).;;Nichtanhandnahmeverfügung (Art. 310 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO).;;Nichtanhandnahmeverfügung (Art. 310 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO).;;Nichtanhandnahmeverfügung (Art. 310 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO).

Beschluss vom 15. September 2014 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, 

Tito Ponti und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Martin Eckner  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwältin Eva Schmid,  

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT,  

Beschwerdegegnerin 

 

Gegenstand  Nichtanhandnahmeverfügung  

(Art. 310 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2014.60/BP.2014.13 

 

 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 3. Juli 2013 erstattete die Nichtregierungsorganisation Trial (Genf) bei 

der Bundesanwaltschaft (nachfolgend "BA") Strafanzeige wegen Kriegs-

verbrechen im Bosnienkrieg: 

 

Der in der Schweiz wohnende Bosnier B. habe die damals 14-jährige bos-

nische Zivilistin A. am 13. Dezember 1993 in Bosnien […] vergewaltigt, weil 

sie die Schwester eines Soldaten der staatlichen bosnischen Armee gewe-

sen sei (act. 1.3 S. 3; act. 1 S. 4–6 Rz. 1–33). B. sei Mitglied einer privaten 

Miliz gewesen. Bosnien habe A. als ein ziviles Kriegsopfer anerkannt 

(act. 1.5 Entscheid vom 11. Oktober 2007). 

 

 

B. Die BA entschied am 17. März 2014, es fehle an einer Prozess-

voraussetzung und erliess eine Nichtanhandnahmeverfügung (act. 1.3).  

 

 

C. Dagegen erhebt A. am 31. März 2014 Beschwerde (act. 1), womit sie bean-

tragt:  
 
 
 

"1. Die Nichtanhandnahmeverfügung vom 17. März 2014 der Bundesanwaltschaft 
im Verfahren SV.13.0861 sei aufzuheben.   

2. Die Bundesanwaltschaft sei anzuweisen, unverzüglich eine Strafuntersuchung 
gegen Herrn B. anzuordnen, namentlich aufgrund des Sachverhalts welcher 
am 3. Juli 2013 von der Beschwerdeführerin und der Nichtregierungsorganisa-
tion Trial bei der Bundesanwaltschaft angezeigt wurde.  

3. Die Adresse und sämtliche andere Kontaktinformationen des Opfers, Frau A., 
sowie die Namen, Adressen und sämtliche andere Kontaktinformationen der 
Mitglieder der Familie von Frau A. sowie den in den Strafanzeigen vom 
3. Juli 2013 genannten Zeugen seien geheim zu halten.   

4. Es sei der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor der Bundesanwaltschaft 
und für das vorliegende Verfahren vor dem Bundesstrafgericht unentgeltliche 
Rechtspflege zu gewähren.  

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

Die BA beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 7. April 2014, die Be-

schwerde sei abzuweisen (act. 3). Die Replik der Beschwerdeführerin da-

tiert vom 15. Mai 2014 (act. 7); diese wurde der BA am 16. Mai 2014 zur 

Kenntnis gebracht (act. 8).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-

weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-

nommen.   

 

 

 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Als Privatklägerschaft am Strafverfahren beteiligt sich diejenige geschädig-

te Person, die ausdrücklich die Absicht erklärt hat, als Straf- oder Zivilklä-

gerin teilzunehmen (Art. 118 Abs. 1 StPO; sog. Konstituierung). Geschädigt 

ist, wer durch die Straftat in seinen Rechten unmittelbar verletzt wurde 

(Art. 115 Abs. 1 StPO; BGE 138 IV 258 E. 2.1). An die Konstituierung der 

Privatklägerschaft sind in einem frühen Stadium des Verfahrens keine ho-

hen Anforderungen zu stellen (BGE 137 IV 246 E. 1.3.1). 

1.2 Die Beschwerdeführerin hat sich als Privatklägerin konstituiert (act. 1.10 

Strafanzeige vom 3. Juli 2013, S. 2). Die Eintretensvoraussetzungen 

für einen Sachentscheid (anfechtbarer Entscheid einer Vorinstanz; Legiti-

mation; Einhaltung der Frist- und Formerfordernisse; vgl. den Entscheid 

des Bundesstrafgerichts BB.2011.120 vom 20. April 2012, E. 1) sind nicht 

umstritten und liegen vor. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 

 

 

2.  

2.1 Nach Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft eine Unter-

suchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus 

der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender 

Tatverdacht ergibt. Sie verzichtet auf die Eröffnung, wenn sie sofort eine 

Nichtanhandnahmeverfügung oder einen Strafbefehl erlässt (Art. 309 

Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft 

dann die Nichtanhandnahme der Untersuchung, sobald aufgrund der Straf-

anzeige resp. des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbe-

stände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind 

(Art. 310 Abs. 1 lit. a) oder wenn Verfahrenshindernisse bestehen (Art. 310 

Abs. 1 lit. b; BGE 137 IV 285 E. 2.2).  

 

2.2 Die BA eröffnete kein Verfahren, da Prozessvoraussetzungen fehlen wür-

den. Sie sei zwar zuständige Behörde zur Verfolgung von im Ausland be-

gangenen Kriegsverbrechen (Art. 264m Abs. 1 StGB i. V. m. Art. 23 Abs. 1 

lit. g StPO). Jedoch sei insbesondere die Voraussetzung (des 

Art. 264m StGB) "wenn er sich in der Schweiz befindet und nicht an einen 

andern Staat ausgeliefert [wird]" nicht gegeben. Art. 264m StGB (Auslands-

taten) lautet: 

 

 

 

 

 

 

1 Strafbar ist auch der Täter, der im Ausland eine Tat nach dem zwölften 

Titel
bis

, dem zwölften Titel
ter

 oder nach Artikel 264k begangen hat, wenn er 

sich in der Schweiz befindet und nicht an einen andern Staat ausgeliefert oder 

an ein internationales Strafgericht, dessen Zuständigkeit die Schweiz aner-

kennt, überstellt wird. 
 
2 Wurde die Auslandtat nicht gegen einen Schweizer begangen und ist der 

Täter nicht Schweizer, so kann, unter Vorbehalt von Massnahmen zur Siche-

rung von Beweisen, die Strafverfolgung eingestellt oder von einer solchen ab-

gesehen werden, wenn: 

a. eine ausländische Behörde oder ein internationales Strafgericht, dessen 

Zuständigkeit die Schweiz anerkennt, die Straftat verfolgt und der Täter 

ausgeliefert oder überstellt wird; oder 

b. der Täter sich nicht mehr in der Schweiz befindet und seine Rückkehr 

nicht zu erwarten ist. 
 
3 Artikel 7 Absätze 4 und 5 ist anwendbar, es sei denn, der Freispruch, der 

Erlass oder die Verjährung der Strafe im Ausland hatte das Ziel, den Täter in 

ungerechtfertigter Weise vor Strafe zu verschonen. 

 

Die BA weist darauf hin, dass Bosnien Tatort-, Täter- und Opferstaat zu-

gleich sei. Die bosnischen Behörden seien willens und damit befasst, den 

Sachverhalt zu untersuchen. Die regionale Staatsanwaltschaft Z. in Y. 

(Bosnien) habe mit Rechtshilfeersuchen vom 10. Januar 2013 um Einver-

nahme von B. als Beschuldigen ersucht. Das Rechtshilfeersuchen sei mit 

Schreiben vom 19. November 2013 (der BA am 17. Februar 2014 zuge-

gangen) zurückgezogen worden, weil B. nach Z. gereist sei und dort am 

1. November 2013 habe einvernommen werden können.  

Dass die bosnischen Behörden zur Strafverfolgung auch fähig seien, habe 

sich aus Nachfragen der BA bei der ersuchenden Behörde sowie aus eige-

nen Abklärungen ergeben. Das Kantonsgericht Z. in Y. habe einen 

Mitbeschuldigten von B. mit Urteil vom 10. Mai 2013 für die von ihm am 

13. Dezember 1993 begangenen Kriegsverbrechen (darunter die Vergewal-

tigung von C.) zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Das Verfahren ge-

gen B. sei ausgesetzt worden, da dieser für die Strafverfolgungsbehörden 

nicht verfügbar gewesen sei.  

Die BA lehnt aus diesen Gründen ihre Zuständigkeit derzeit ab. 

2.3 Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach dem Strafgesetzbuch beurteilt, wer 

nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begeht. Eine 

rückwirkende Anwendung einer Gesetzesänderung ist unzulässig, wenn sie 

sich zu Lasten des Täters auswirken würde (Art. 2 Abs. 1 StGB).  

Damit ist grundsätzlich jenes Gesetz anwendbar, das im Zeitpunkt der ver-

übten Tat galt, es sei denn, dass das neue Gesetz das mildere ist 

(BGE 129 IV 49 E. 5.1). Die Rückwirkung des milderen Gesetzes (lex 

mitior) folgt dem Gedanken, dass nicht oder milder bestraft werden soll, 

wenn die Tat zufolge Änderung der Rechtsanschauung nicht mehr bzw. 

 

 

weniger strafwürdig erscheint (BGE 134 IV 82 E. 6.1; 134 IV 121 E. 3.2; 

89 IV 113 E. I/1a S. 116). Das Anknüpfungskriterium der lex mitior erfordert 

einen Vergleich der konkurrierenden Strafgesetze, der anhand der von der 

Rechtsprechung und Lehre entwickelten Grundsätze vorzunehmen ist 

(BGE 134 IV 82 E. 6.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_539/2013 vom 

1. Oktober 2013, E. 3.2). 

2.4 Nach BGE 117 IV 369 E. 4e gilt das Rückwirkungsverbot und damit die 

Rückwirkung des milderen Gesetzes (lex mitior) für die Feststellung der 

Schweizer Strafgewalt (ius puniendi; gl. M. POPP/BERKEMEIER, Basler 

Kommentar Strafrecht I, Basel 2013, Art. 2 StGB N. 15). Die Strafgewalt 

der Schweiz bei Verletzung des humanitären Völkerrechts ist im innerstaat-

lichen Recht in Art. 264m StGB (Auslandtaten) niedergelegt. Die Botschaft 

zu Art. 264m StGB schränkt das Prinzip des milderen Gesetzes (nur) inso-

weit in örtlicher Hinsicht ein, als ein allfällig milderes Recht im Tatortstaat 

ausser Betracht falle (BBl 2008 3863, 3956 Botschaft vom 23. April 2008 

über die Änderung von Bundesgesetzen zur Umsetzung des Römer Statuts 

des Internationalen Strafgerichtshofs). 

Art. 264m StGB ("Auslandstaten") ist erst seit 1. Januar 2011 in Kraft. 

Art. 6 StGB ("gemäss staatsvertraglicher Verpflichtungen verfolgte Aus-

landstaten") und Art. 7 StGB ("andere Auslandstaten") gelten seit 1. Ja-

nuar 2007. Art. 6
bis

 aStGB (in Kraft seit 1. Juli 1983) ist mit Art. 6 StGB im 

Wesentlichen identisch. Allerdings richtete sich die landesinterne Zustän-

digkeit der Schweiz zur Zeitpunkt der vorgeworfenen Taten (1993) nach 

dem Militärstrafgesetz (vom 13. Juni 1927). So bejahte das Tribunal Militai-

re D'Appel 1A am 26. Mai 2000 (vom Militärkassationsgericht am 

27. April 2001 bestätigt) seine Zuständigkeit und erklärte einen Ruander für 

schuldig, im Jahre 1994 während des Bürgerkrieges in Ruanda gegen die 

dortige Zivilbevölkerung Kriegsverbrechen begangen zu haben. Der Verur-

teilte hatte sich für Studien in die Schweiz begeben, wo er festgenommen 

worden war. 

Die Strafgewalt der Schweiz war nach dem Militärstrafgesetz vom 

13. Juni 1927 (Art. 218 aMstG) in persönlicher Hinsicht weit (Urteil des Tri-

bunal Militaire D'Appel 1A vom 26. Mai 2000, S. 30): "Dans ce contexte 

particulier, même si elle n'est pas en guerre ou en danger de guerre immi-

nent, [la Suisse] s'est engagée à poursuivre des personnes, indépendam-

ment de leur nationalité, qui se seraient rendues coupables à l'étranger 

d'infractions graves aux Conventions de Genève (cf. FF 1967 I 612 

et 613).". Nach dem im Zeitpunkt der vorgeworfenen Taten geltenden Mili-

tärstrafgesetzbuch war für die Strafgewalt der Schweiz somit ausreichend, 

wenn der Täter in der Schweiz weilte. 

 

 

Art. 264m StGB, das neue Recht, definiert die Strafgewalt der Schweiz re-

striktiver als das im Zeitpunkt der vorgeworfenen Taten geltende Militär-

strafgesetzbuch. Im Unterschied zum alten Recht übt die Schweiz nur bei 

Nicht-Auslieferung Strafgewalt aus. Verfolgt damit die Schweiz nach neuem 

Recht einen Täter nur in enger umschriebenen Fällen, ist das neue auch 

das für den Täter mildere Recht. Die Beurteilung der Strafgewalt der 

Schweiz bestimmt sich somit vorliegend nach Art. 264m StGB. 

2.5 Damit hat die BA zu Recht Art. 264m StGB angewandt. Es ist das für die 

Beurteilung der Strafgewalt der Schweiz mildere neue Recht und lex spe-

cialis zu den Art. 6 f. StGB.  

Anzumerken ist, dass eine Schweizer Zuständigkeit subsidiär auch nach 

Art. 6 StGB ("gemäss staatsvertraglicher Verpflichtungen") vorliegen könn-

te: Danach ist – unter gewissen Bedingungen, namentlich wiederum dass 

der Täter nicht an das Ausland ausgeliefert wird – auch dem Strafgesetz-

buch unterworfen, wer im Ausland ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

zu dessen Verfolgung sich die Schweiz durch ein internationales Überein-

kommen verpflichtet hat.  

Eine solche Verfolgungspflicht sieht Art. 7 Abs. 1 der Antifolterkonvention 

vor (Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

[SR 0.105]). Die Bedingung der Nicht-Auslieferung ist in der Konvention 

anders formuliert als bei den Art. 6 und 264m StGB, nämlich nicht mit dem 

Partizip 2 sondern in der Gegenwartsform (Antifolterkonvention: wenn [der 

Staat] den Betreffenden nicht ausliefert, s’il n’extrade pas ce dernier; StGB: 

nicht an einen andern Staat ausgeliefert [wird], qu’il n’est pas extradé ni 

remis, non è estradato). Allerdings ist die Antifolterkonvention nur dann 

anwendbar, wenn die Vergewaltigung durch staatlich (wohl auch nicht-

bosnisch) beherrschte Milizen erfolgt wäre (KÄLIN/KÜNZLI, Universeller 

Menschenrechtsschutz, 3. Aufl., Basel 2013, S. 368 N. 935 f.). Träfe dies 

zu, wäre die Schweizer Strafgewalt in völkerrechtskonformer Auslegung 

von Art. 6 StGB zu prüfen.  

2.6 Für das Kriterium des Art. 264m StGB der Nicht-Auslieferung des mut-

masslichen Täters ans Ausland (eine die Strafgewalt der Schweiz ein-

schränkende Voraussetzung) gilt folgendes: 

2.6.1 Die Schweiz übt nur dann Strafgewalt aus, "wenn [der Täter] sich in der 

Schweiz befindet und nicht an einen andern Staat ausgeliefert […] wird" 

(qu’il n’est pas extradé ni remis, non è estradato). Nach der Botschaft darf 

er nicht an das Ausland ausgeliefert werden können (BBl 2008 3863, 3953; 

kritisch dazu NOTO, Setzt Art. 264m Abs. 1 StGB einen Auslieferungsvor-

 

 

rang voraus?, AJP 2013 S. 66 ff.; zur gleichen Formulierung in Art. 19 

Abs. 4 BetmG [Voraussetzungen der Beurteilung der im Ausland begange-

nen Delikte durch den Schweizer Richter]: BGE 137 IV 33 E. 2.1.3, 118 IV 

416 E. 2a; 116 IV 244 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 1S.1/2004 vom 

9. Juli 2004, E. 5).  

"Den wesentlichen Gesichtspunkt bildet […] die fehlende Auslieferung aus 

rechtlichen Gründen, welche ausserhalb der Tat liegen" (POPP/KESHELAVA, 

Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage 2013, Art. 7 N. 8–10). Wäre eine 

Auslieferung normativ möglich, so kann sie aus faktischen Gründen unter-

bleiben, nämlich wenn kein Auslieferungsbegehren an die Schweiz vorliegt. 

Das Bundesgericht verlangt für inländische Strafgewalt daher den aus-

drücklichen oder konkludenten Verzicht auf ein Auslieferungsbegehren sei-

tens des Tatortstaates (BGE 121 IV 145 E. 2b). Als konkludenten Verzicht 

wertet man ausländisches Stillschweigen über drei Wochen (POPP/KESHE-

LAVA, a. a. O., Art. 7 N. 8–10; FIOLKA, Basler Kommentar Strafrecht I, 

3. Auflage 2013, Art. 264m N. 14, 16).  

Die Bundesanwaltschaft trägt aufgrund der landesinternen Zuständigkeits-

ordnung in Art. 23 Abs. 1 lit. g StPO die Last des staatlichen Strafverfol-

gungsanspruchs (zu letzterem: Urteil des Bundesgerichts 6B_479/2013 

vom 30. Januar 2014, E. 3.2.1). Sie ist verpflichtet abzuklären, ob der ihr 

unterbreitete Sachverhalt in der Schweiz strafbar ist. Die Bundesanwalt-

schaft darf ihre Zuständigkeit nicht im Ungewissen lassen, wenn eine Klä-

rung möglich ist.  

2.6.2 Angesichts des zurückgezogenen Rechtshilfeersuchens Bosniens und der 

Nicht-Verhaftung des Täters anlässlich seiner Einvernahme ist vorliegend 

im Sinne von Art. 264m StGB nicht sicher, ob der mutmassliche Täter an 

einen anderen Staat ausgeliefert wird. Die Zuständigkeit der Schweiz ist 

damit nicht ausgeschlossen. Diese Unsicherheit hat die BA aufzuklären, in-

dem sie Bosnien eine Auslieferung anbietet.  

2.6.3 Danach wird gegebenenfalls zu prüfen sein, ob Bosnien fähig und willens 

ist, die Straftat zu verfolgen. Die Begründung der Einstellungsverfügung 

vom 17. März 2014 (act. 1.3) äussert sich insbesondere nicht zur zeitlichen 

Dimension (die Tat geschah vor über 20 Jahren). Die Beschwerde legt da-

zu unter Verweis auf Feststellung von UN-Organisationen, der EU-Bosnien-

Kommission sowie von NGO dar (Beilagen 15–25 zur Beschwerde), dass 

in Bosnien-Herzegowina eine Verurteilung möglicherweise nie erfolgen 

werde ("rampant impunity"; act. 1 S. 11–14 Rz. 65 bis 84, S. 21 f. Ziff. 2; 

act. 7 S. 2 f.). Dies obwohl der Sachverhalt im Verfahren gegen den Mittä-

ter D. gerichtlich schon festgestellt sei ("während dieser Zeit blieb B. mit A. 

 

 

im Fahrzeug, welche er […] zu Geschlechtsverkehr zwang"; act. 1.7 S. 2 

der Übersetzung).  

2.7 Zusammenfassend ist vorliegend Art. 264m StGB für die Beurteilung der 

Schweizer Zuständigkeit anwendbar. Die erhobenen Rügen sind insoweit 

begründet, als die BA ihre Zuständigkeit verfrüht verneint hat.  

 

3. Die BA hat über den ihr unterbreiteten Antrag (act. 1.10 Strafanzeige vom 

3. Juli 2013, S. 2) auf unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft 

(Art. 136 StPO; dazu Urteil des Bundesgerichts 1B_173/2014 vom 

17. Juli 2014, E. 3.2) nicht entschieden (vgl. act. 1.3 Nichtanhandnahme-

verfügung). Eine unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft ist 

bei einer Nichtanhandnahme nicht a priori ausgeschlossen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_209/2014 vom 17. Juli 2014). Auch in diesem Punkt ist 

die Beschwerde gutzuheissen und zu neuem Entscheid zurückzuweisen.  

 

 

4. Insgesamt erweisen sich die Rügen als begründet, was zur Gutheissung 

der Beschwerde führt.  

 

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Gerichtsgebühren zu erhe-

ben (Art. 423 Abs. 1 StPO; Art. 428 Abs. 1 StPO).  

 

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin für ihre Aufwendun-

gen im vorliegenden Verfahren eine Parteientschädigung von pauschal 

Fr. 2'500.-- zu entrichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO; Art. 73 StBOG und 

Art. 5 und 12 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Damit wird der Antrag (Nr. 4) 

auf unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos. 

6. Der möglicherweise zukünftige Beschuldigte B. hat keinen Anspruch auf 

Stellungnahme zur Frage, ob gegen ihn ein Strafverfahren einzuleiten ist 

(Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2013.163 vom 20. Dezember 2013, 

E. 5; Urteil des Bundesgerichts 6B_1132/2013 vom 27. November 2013, 

E. 2.1 zum Bestehen eines Nachteils): Der vorliegende Entscheid ist nur 

den Parteien des Beschwerdeverfahrens zuzustellen. Damit erweist sich 

der Antrag Nr. 3 auf Geheimhaltung als gegenstandslos.  

 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Nichtanhandnahmeverfügung 

der Bundesanwaltschaft vom 17. März 2014 aufgehoben. 

 

2. Es werden keine Gerichtsgebühren erhoben. 

 

3. Die Anträge 3 (Geheimhaltung) und 4 (unentgeltliche Rechtspflege) werden 

als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.  

 

4. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesstrafgericht mit Fr. 2'500.-- zu entschädigen.  

 

 

Bellinzona, 16. September 2014 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Vorsitzende: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwältin Eva Schmid  

- Bundesanwaltschaft 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben (Art. 79 BGG).