# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a8905d7-ba8b-574f-9792-7438d8d984f3
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-08-30
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 30.08.2017 BK 2017 295
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2017-295_2017-08-30.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 17 295

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 30. August 2017

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Stucki, Oberrich-
ter J. Bähler
Gerichtsschreiberin Kurt

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

B.________

Straf- und Zivilkläger/Beschwerdeführer

Gegenstand Nichtanhandnahme

Strafverfahren wegen Prozessbetrug, Urkundenfälschung, Fahren 
ohne Bewilligung, Irreführung der Rechtspflege

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Berner Jura-Seeland vom 10. Juli 2017 (BJS 17 13730)

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Erwägungen:

1. Am 10. Juli 2017 nahm die Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland 
(nachfolgend: Staatsanwaltschaft) das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen 
Prozessbetrugs, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Bewilligung sowie Irreführung 
der Rechtspflege nicht an die Hand. Dagegen reichte der Straf- und Zivilkläger 
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 23. Juli 2017 Beschwerde ein. Er beantragte 
die Aufhebung der Verfügung, eine ausserordentliche, unabhängige Strafuntersu-
chung oder die Weiterführung gegen den Beschuldigten von einem ausserkantona-
len gesetzestreuen Staatsanwalt sowie eine Parteientschädigung. Am 27. Juli 2017 
wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert zehn Tagen eine Sicherheit von 
CHF 600.00 zu leisten. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer nach.

Mit Blick auf das Folgende wird auf die Durchführung eines Schriftenwechsels (Art. 
390 Abs. 5 der Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]) verzichtet. 

2.

2.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei 
der Beschwerdekammer in Strafsachen innert 10 Tagen schriftlich und begründet 
Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 StPO, 
Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des 
Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Zur Be-
schwerdeführung legitimiert ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse 
an der Abänderung oder Aufhebung des Entscheides hat (Art. 382 StPO). Partei ist 
die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 Bst. b StPO). Als Privatkläger gilt die ge-
schädigte Person, die ausdrücklich erklärt hat, sich am Verfahren als Straf- oder 
Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO; GUIDON, Die Beschwerde gemäss 
Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 261 ff.). Als geschädigt wiederum 
gilt diejenige Person, die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt 
worden ist (Art. 115 StPO). Die Voraussetzung der unmittelbaren Rechtsverletzung 
knüpft an den Rechtsgutbegriff an. Unmittelbar verletzt ist nach herrschender Auf-
fassung der Träger des durch die verletzte Strafnorm geschützten Rechtsgutes, 
wer also unter den Schutzbereich der verletzten Strafnorm fällt (BGE 129 IV 95 
E. 3.1). 

2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Beschuldigte habe mehrere Herzinfarkte 
erlitten und weise andere chronische Gesundheitsbeschwerden auf, weshalb er 
nicht fahrtauglich und nicht berechtigt gewesen sei, ein Fahrzeug zu lenken. Hin-
sichtlich dieser Fragen ist der Beschwerdeführer nicht unmittelbar in seinen recht-
lich geschützten Interessen betroffen. Selbst wenn er damit auch ein Fahren in 
fahrunfähigem Zustand geltend machen wollte, wäre er nicht unmittelbar in seinen 
rechtlich geschützten Interessen betroffen. Art. 91 SVG schützt primär das Rechts-
gut der Verkehrssicherheit. Die Pönalisierung des Fahrens in fahrunfähigem Zu-
stand dient dem Schutz der «Verkehrsordnung als solche». Sekundär, d.h. mittel-
bar, werden Leib und Leben der übrigen Strassenbenützer sowie deren Eigentum 
geschützt (FAHRNI/HEIMGARTNER, in. Basler Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 
1. Auflage 2014, N. 6 zu Art. 91 SVG). Betreffend die geltend gemachten Wider-

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handlungen gegen das SVG ist der Beschwerdeführer damit nicht zur Beschwerde 
legitimiert. 

2.3 Gleiches gilt betreffend den Tatbestand der Irreführung der Rechtspflege. Dieser 
schützt das unbeeinträchtigte und unverfälschte Funktionieren der Strafjustiz im In-
teresse eines objektiv korrekten staatlichen Handelns. Da nur das staatliche Jus-
tizwesen betroffen ist, gibt es keine geschädigte Partei; die Konstituierung einer 
von fehlgeleiteten staatlichen Handlungen betroffenen Person als Zivilpartei im 
Strafverfahren betreffend Irreführung der Rechtspflege scheidet daher aus (DEL-
NON/RÜDY, in: Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II, 3. Aufl. 2013, N. 5 zu Art. 
304 StGB). Insofern ist auf die Beschwerde nicht einzutreten (vgl. auch bereits Be-
schluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 17 98 vom 10. Mai 2017 E. 2). 

2.4 Die Vorwürfe gegen den Beschuldigten stehen im Zusammenhang mit dem Ver-
kehrsunfall vom 27. Juli 2006. Der Beschuldigte fuhr mit einem LKW der 
C.________ AG in den parkierten LKW der D.________ GmbH, deren Geschäfts-
führer und einziger Gesellschafter der Beschwerdeführer war. Der Beschuldigte un-
terzeichnete vor Ort eine vom Beschwerdeführer handschriftlich aufgesetzte 
Schuldanerkennung. In der Folge zahlte die Haftpflichtversicherung der 
C.________ AG dem Beschwerdeführer die Reparaturrechnung für den LKW sowie 
die Kosten für das Ersatzfahrzeug in der Höhe von CHF 7'929.95 und leistete eine 
Zahlung von CHF 560.00 für Umtriebe und Spesen. In der Folge machte die 
D.________ GmbH beim Beschuldigten zusätzliche Forderungen in der Höhe von 
CHF 7'744.60 und am 18. Mai 2007 resp. 10. Juli 2007 bei der Haftpflichtversiche-
rung CHF 24'329.70 geltend. Anschliessend betrieb er die Haftpflichtversicherung 
auf CHF 38'000.00, den Beschuldigten betrieb er auf CHF 48'000.00. Um seine 
Forderungen zu belegen, liess der Beschwerdeführer der Haftpflichtversicherung 
mehrere Dokumente zukommen, u.a. Auftragsbestätigungen und Rechnungen. 
Weil die Haftpflichtversicherung Zweifel an deren Richtigkeit hatte, reichte sie am 
17. Oktober 2007 Strafanzeige gegen den Beschwerdeführer ein. Dieser wurde mit 
Beschluss vom 21./24. September 2009 dem Strafeinzelgericht IV Aarwangen-
Wangen wegen versuchten Betrugs, Urkundenfälschung sowie versuchter Nöti-
gung zur Beurteilung überwiesen. Am 17. Oktober 2008 bzw. 2. Mai 2009 erstattete 
der Beschwerdeführer ebenfalls Anzeige u.a. gegen den Beschuldigten wegen 
Fahrens ohne Bewilligung, Irreführung der Rechtspflege, Drohung und Nötigung. 
Das Verfahren wurde am 2. Juni 2010 eröffnet und bis zum Ausgang des Verfah-
rens gegen den Beschwerdeführer eingestellt. Nachdem das Obergericht des Kan-
tons Bern am 26. November 2015 im Verfahren gegen den Beschwerdeführer 
geurteilt hatte (SK 13 335), nahm die Staatsanwaltschaft das Verfahren u.a. gegen 
den Beschuldigten wieder an die Hand und stellte es mit Verfügung vom 14. Fe-
bruar 2017 ein. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies die Beschwerdekammer 
ab, soweit sie darauf eintrat (vgl. Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 
17 98 vom 10. Mai 2017). 

2.5 Der Beschwerdeführer wirft dem Beschuldigten neu, offenbar im Zusammenhang 
mit einem Arztzeugnis vom 7. März 2017, auch Urkundenfälschung sowie Pro-
zessbetrug vor. Seiner Anzeige lassen sich diesbezüglich trotz Nachfragens der 
Staatsanwaltschaft keine konkreten Angaben entnehmen. Allenfalls will der Be-

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schwerdeführer aus dem Arztzeugnis vom 7. März 2017 den Beweis dafür ableiten, 
dass der Beschuldigte fahruntauglich gewesen sei und er die Behörden hinsichtlich 
seiner Fahreignung getäuscht habe. Mit Blick auf die Ausführungen unter Ziffer 2.2 
war die Fahrfähigkeit des Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Strafverfah-
ren gegen den Beschwerdeführer kein Thema und beeinflusste dessen Ausgang 
nicht. Überhaupt bestritt der Beschuldigte nicht, am Unfall schuld gewesen zu sein. 
Der Beschwerdeführer wurde denn auch entsprechend von der Haftpflichtversiche-
rung des Arbeitgebers des Beschuldigten entschädigt. Es ist daher auch nicht er-
sichtlich, inwiefern eine bzw. ein im Zusammenhang mit der Frage der Fahrfähig-
keit des Beschuldigten ergangene Urkundenfälschung bzw. ergangener Prozess-
betrug sich unmittelbar auf die rechtlich geschützten Interessen des Beschwerde-
führers in einem anderen Verfahren auswirken könnten, weshalb es auch betref-
fend die Tatbestände der Urkundenfälschung und des Prozessbetrugs an der Be-
schwerdelegitimation fehlt. Letztlich kann dies aber offen bleiben. Das Arztzeugnis 
vom 7. März 2017 sagt nichts über die Fahrtauglichkeit am Tag des Unfalls vom 
27. Juli 2006 aus. Jedenfalls geht daraus, entgegen den Ausführungen in der Be-
schwerde, nicht hervor, dass die chronischen Krankheiten seit mindestens 10 Jah-
ren oder länger bestehen. Zudem ergibt sich weder aus der Anzeige noch aus der 
Beschwerde, wann, wie und wo der Beschuldigte gefälschte Arztzeugnisse einge-
reicht haben soll, um die Behörden zu täuschen. Es fehlt damit ohnehin an einem 
Anfangsverdacht. 

Sofern überhaupt auf die Beschwerde eingetreten werden kann, ist diese als offen-
sichtlich unbegründet abzuweisen. Es gibt damit auch keinen Grund, die Parteien 
einzuvernehmen. Eine Gehörsverletzung liegt ebenfalls nicht vor. 

3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig 
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Dem Beschuldigten sind im Beschwerdeverfahren keine 
entschädigungswürdigen Nachteile entstanden, weshalb auf die Ausrichtung einer 
Entschädigung verzichtet wird (Art. 430 Abs. 1 Bst. c StPO). 

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 600.00, werden dem Be-
schwerdeführer auferlegt und mit der geleisteten Sicherheit von CHF 600.00 verrech-
net.

3. Dem Beschuldigten wird keine Entschädigung ausgerichtet. 

4. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten
- dem Straf- und Zivilkläger/Beschwerdeführer
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Leitender Staatsanwalt 

E.________ (mit den Akten)

Bern, 30. August 2017 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell

Die Gerichtsschreiberin:

Kurt
i.V. Gerichtsschreiberin Beldi

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt resp. mit der geleisteten Sicherheit verrechnet.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be-
schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.