# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cfa50a04-dfa6-5f04-be3f-7fb07f9a35e1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-08-30
**Language:** de
**Title:** Gutachten beweiskräftig, Hilfsarbeitertätigkeit nach Abschluss Matura ist nicht als angestammte Tätigkeit anzusehen
**Docket/Reference:** IV.2015.01163
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.01163.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.01163
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil vom 30. August 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene
X.___
schloss 1988 die Matura ab, erlitt anschliessend einen Zusammenbruch und war nach Abbruch des Studiums ab August 1991 in einem zunächst 40-50 %-Pensum als Aushilfschauffeur tätig (Urk. 8/2/3). Ihm wurde ab April 1989 eine ausserordentliche ganze Rente der Invalidenversicherung zugesprochen (Urk. 8/4), welche im Laufe des Jahres 2003 infolge einer erwerblichen Verbesserung wieder aufgehoben wurde (vgl. Urk. 8/23).
Seit dem
4.
April 2013 ist der Versicherte in einem ungefähr 20
%
-Pensum als
Zusteller für die Y.___ AG tätig (Urk. 8/33/6 f.). Am 13. August 2013
mel
dete
er
sich unter Hinweis auf
Schizophrenie /
Borderline
, systemischen Lupus erythematodes,
Poliarthrose
, Tinnitus und UV-Allergie
erneut
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/34
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärun
gen
und
liess
den
Versicherte
n
insbesondere
polydisziplinär (allgemeininter
nistisch, neurologisch, neuropsychologisch,
psychiatrisch und rheumatologisch)
begutachten (Expertise
der MEDAS Z.___
vom
20. Oktober 2014
;
Urk. 8/64
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/65, Urk. 8/68, Urk. 8/78
) wies
sie das Rentenbegehren mit Verfügung vom
8.
Oktober 2015 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte am
9. November 2015
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom
8. Oktober 2015 sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente zuzusprechen. Eventualiter seien vom Gericht weitere medizinische Abklärungen anzuordnen.
Am
14. Dezember 2015
(Urk.
7
) beantragte die IV
Stelle
die
Abweisung der Beschwerde
, was dem
Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom
15. Dezember 2015
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs. 3 IVV
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität
d
er versi
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderun
g des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch
BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad
i
n
der
rechtskräfti
gen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät
zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die glei
che materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfü
gung vom 8. Oktober 2015 (Urk. 2) damit, dass bisher keine durchschnitt
liche Arbeitsunfähigkeit von 40 % während eines Jahres ausgewiesen sei, wes
halb kein Anspruch auf eine IV-Rente bestehe (S. 2). Der Beschwerdeführer könne nicht als frühinvalid gelten. Er habe im Alter von 23 Jahren die Matura abgeschlossen und sich auf Druck seines Vaters für ein Studium eingeschrieben. Prüfungen habe er jedoch keine absolviert. Ohnehin hätte er eine praktische Berufsausbildung bevorzugt. Aus der Berufsanamnese lasse nichts darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer eine akademische Karriere angestrebt hätte. Vielmehr würde er ohne die somatischen Beeinträchtigungen weiterhin als Chauffeur tätig gewesen sein. Eine solche Tätigkeit sei ihm nach wie vor zu 70 % zumutbar (S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
er sei seit seiner Kindheit psychisch beeinträchtigt. Nach der Matura habe er einen Zusammenbruch erlitten, weshalb ihm ab April 1989 eine ausserordentliche ganze Rente als Frühinvalider zugesprochen worden sei. Aufgrund seiner schweren psychischen Erkrankung habe er daraufhin keine Ausbildung abschliessen können. Nachdem sich sein Gesundheitszustand etwas verbessert habe, sei er ab 1990 als Chauffeur für einen Delikatessenladen tätig gewesen. In der Folge sei seine Rente aufgehoben worden. Per Januar 2002 sei der Delika
tessenladen aufgegeben worden, woraufhin er die Stelle verloren habe (S. 3 und S. 5 f.). 2013 habe sich sein Gesundheitszustand massiv verschlechtert. Es sei zusätzlich ein Lupus Erythematodes aufgetreten. Vor allem leide er aber unter einer schweren
Photosensitivität
und ertrage absolut kein Sonnenlicht mehr, weder mit starkem Sonnenschutz noch durch ein Fenster. Dies führe dazu, dass er nur noch ganz früh morgens und abends das Haus verlassen und eine Arbeitstätigkeit ausüben könne. Eine Tätigkeit als Chauffeur sei ihm entspre
chend nicht mehr zumutbar (S. 4 und S. 9).
Das Wartejahr sei im April 1989 abgelaufen, seither habe er bei korrekter Berech
nung immer einen relevanten Invaliditätsgrad ausgewiesen. Es sei gerichtsnotorisch, dass er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nach Abschluss der Matura nicht einer Arbeit als Hilfskraft nachgegangen wäre, son
dern eine qualifizierte Ausbildung gemacht hätte. Sein
Valideneinkommen
sei deshalb gestützt auf Art. 26 Abs. 2 IVV zu berechnen; beim Invalideneinkom
men sei ein behinderungsbedingter Abzug von mindestens 20 % zu berücksich
tigen. Ein Rentenanspruch sei ausgewiesen (S. 7 und S. 9). Das eingeholte
Gut
achten sei im Übrigen - aus näher dargelegten Gründen - nicht verwertbar (S.
7
f.).
3.
3.1
Der leitende Arzt
Dr.
med.
A.___
sowie Assistenzärztin
Dr.
med.
B.___
von der psychiatrischen Poliklinik des
C.___
führten in ihrem Bericht vom
9.
Dezember 1993 (
Urk.
8/2/3 f.) aus, der Beschwerdeführer sei nach einer glücklichen Zeit als Primarschüler auf Wunsch des Vaters ans Gymnasium übergetreten. Dies sei der Beginn einer langen Schulodyssee mit vielen Schulwechseln, ständig ungenügenden Leistungen und einem massiven Druck des Vaters, die Matura auf irgendeine Art und Weise zu schaffen, gewe
sen. In dieser Zeit seien immer wieder Krisen aufgetreten. Mit viel Glück habe er mit 23 Jahren ganz knapp die Matura geschafft. Wiederum auf Druck der Eltern habe er sich an der Uni für Psychologie eingeschrieben, aber nie eine Vorlesung besucht. Nach der Matura 1988 habe er einen völligen Einbruch erlitten, sich antriebslos gefühlt und sei zu nichts motivierbar gewesen. Er habe sich dem völligen Nichtstun hingegeben und massiv Alkohol konsumiert. Seit Aug
ust 1991 arbeite er in einem 40
-50
%
-Pensum als Aushilfschauffeur.
Diagnostisch handle es sich um eine
schizotype
Persönlichkeit. Als Chauffeur sei er zu 50
%
arbeitsfähig.
Der damals behandelnde Psychiater Dr. D.___ erachtete den Beschwer
de
führer im Bericht vom 12. Juli 1993 ausser Stande, eine adäquate Arbeit auszuführen. Diagnostisch sprach er von einem
Borderlinefall
; eine Ein
ordnung sei schwierig, am besten passe die Diagnose
Schizophrenia
simplex
(Urk. 8/46).
3
.2
Oberarzt
Dr.
med.
E.___
und Neuropsychologin
Dr.
phil.
F.___
von der Klinik für Neurologie des
USZ
hielten in ihrem Bericht vom 2
1.
Februar 2013 (Urk. 8/52/6-9) fest, beim Beschwerdeführer
sei
ein
grössten
teils unauffälliger
Mentalstatus mit mehrheitlich durchschnittlichen bis verein
zelt sogar überdurchschnittlichen Leistungen sowie punktuellen
Minderleistun
gen zu finden. Die Prüfung der Motorik ergebe weitgehend normgerechte Befunde. Die Ätiologie der subjektiven und heute neuropsychologisch nicht objektivierbaren Gedächtnisstörungen bleibe somit offen. Inwiefern diese sowie die hier gefundenen diskreten und isolierten Minderleistungen im Bereich der Exekutivfunktionen mit dem systemischen Lupus erythematodes, der Fatigue- und Depressionssymptomatik oder einer Wechselwirkung dieser Faktoren in Zusammenhang ständen, lasse sich auf der Grundlage dieser Untersuchung nicht beurteilen. Insgesamt ergäben sich jedoch keine Hinweise auf lokalisier
bare zerebrale Funktionsbeeinträchtigungen (S. 4).
3.3
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
P.___
, Psychiatrie und Psychothera
pie FMH, stellte in seinem Bericht vom
7.
November 2013 (Urk. 8/43
/
3-8) fol
gende Diagnosen:
-
Dysthymie seit Kindheit
-
Rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig mittelgradig
-
Seit 1995 kombinierte Persönlichkeitsstörung mit Anteilen der zwanghaften, ängstlich-vermeidenden und abhängigen Persönlichkeitsstörung
-
Seit 1995 nicht spezifizierte anhaltende wahnhafte Störung (Beziehungs
wahn)
Dazu führte er aus, der Beschwerdeführer habe sich 1995 bei ihm in Behand
lung befunden und werde seit
5.
September 2012 erneut von ihm betreut. Es fänden 14-tägliche Gespräche statt. Der Versuch mit mehreren Antidepressiva sei ohne Erfolg gewesen, der Beschwerdeführer habe schon bei kleinen Dosierungen unter Nebenwirkungen gelitten. Seit 2008 sei er als Chauffeur zu 100
%
arbeitsunfähig, spätestens ab 2010 auf unbestimmte Zeit generell zu 100
%
bei progredienter somatischer Erkrankung
(S. 3)
. Es sei ihm höchstens ein kleiner Zusatzverdienst als
Verträger
möglich, wie er dies aktuell tue. Er wende dafür unverhältnismässig viel Zeit auf
(S. 5)
.
3.4
Dr.
med.
Q.___
, Spezialarzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, stellte in seinem Bericht vom 2
2.
November 2013 (
Urk.
8/48/5 f.) folgende Diagnosen:
-
Systemischer Lupus erythematodes bei/mit
-
Polyarthralgien
-
depressiver Entwicklung mit Erschöpfung
-
Fotosensitivität
-
antinukleäre
Antikörper 1:2560
-
Anti-SSA 1856E/mml
-
leichter
Lympho
- und
Thrombozytopenie
-
histologisch Verdacht auf Lupus Dermatitis (Biopsie
9.
August 2012)
-
Basistherapie mit
Plaquenil
200mg 2x1
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom beidseits bei/mit
-
Leichtgradiger Segmentdegeneration L5/S1 (1
4.
Januar 2013,
Rx
)
-
Leichter
Fehlform
der Wirbelsäule (Skoliose)
-
Migräne mit Aura seit Jahren
Dazu führte er aus,
der systemische Lupus erythematodes sei im November 2012 im G.___ diagnostiziert worden (vgl. dazu Bericht der Klinik für Rheumatologie des G.___ vom 18. Oktober 2012, Urk. 8/48/7-17 und E. 3.5 nachstehend). Vom 1. August 2013 (richtig: 2012)
bis
3.
April 2013 habe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit vorgelegen
;
seit
der Aufnahme der
Verträgertätigkeit
zu 20 % am
4.
April 2013
bestehe
eine solche von 80
%
. Aus rheumatologischer Sicht liege längerfristig wohl eine etwas höhere Arbeitsfähigkeit vor, in Anbetracht der Gesamtsituation lasse sich diese aber kaum umsetzen.
3.
5
Oberarzt
Dr. H.___
von der Klinik für Rheumatologie des
G.___
führte in seinem Bericht vom
2.
Dezember 2013 (
Urk.
8/31) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen systemischen Lupus erythematodes sowie ein chro
nisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom auf. Dazu hielt er fest, dass der Beschwerdeführer aus
muskuloskelettaler
Sicht für eine leichte bis mittel
schwere Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei. Im Vordergrund stünden potentielle neuropsychologische
Einschränkungen, für die er keine konkrete Einschätzung vornehmen könne.
3.
6
PD
Dr.
med.
I.___
, FMH Neurologie,
lic
. phil.
J.___
, Fachpsychologe für Neu
ropsychologie FSP,
Dr.
med.
K.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med. univ.
L.___
, Praktischer Arzt und Assistenzarzt Klinik Rheumatologie,
Dr.
med.
M.___
, FMH Innere Medizin und FMH Rheumatologie, und
Dr.
med.
N.___
, FMH Allgemeine Innere Medizin und FMH Pneumologie, von der
Z.___
stellten in ihrem Gutachten vom 2
0.
Oktober 2014 (
Urk.
8/64
/1-112
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
26
):
-
Systemischer Lupus erythematodes
-
Migräne mit Aura
-
Lumbovertebralsyndrom
mit intermittierend
lumbospondylogener
Aus
strahlung
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, unreifen und neuroti
schen Anteilen
(ICD-10 F61.0)
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (S.
26
):
-
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
-
Tinnitus
-
Verdacht auf Farbsinn-Störung
-
Status nach
Periarthropathia
humeroscapularis
links 2006
-
Minimale neurokognitive Störung bei
Lumbovertebralsyndrom
, systemi
schem Lupus
erythematosus
und Migräne
-
Status nach
Epikondylopathia
humeroradial
i
s 2006
Dazu führten sie aus,
der
Beschwerdeführer
leide an chronischen Polyarthral
gien ohne Gelenks
chwellungen und einer ausgepräg
ten Fotosensibilität im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes, welcher bereits 2002 als Sonnen-
und Lichtempfindlichkeit bemerkbar
gewesen sei
, jedoch keine weite
ren Einschränkungen bedingt
hab
e als Sonnenschutz. Die eigentliche Diagnose
sei
dann zwischen Juni und August 2012 erstmals
gestellt worden
. Diese
nehme
Einfluss auf die Belastbarkeit. Ferner besteh
e
ein mechanisches
Lumbover
te
bralsyndrom
bei
Osteochondrose
des Segments LWK5/SWK1, wobei die
Schmerzsymptomatik der unteren Wirbelsäule von Gelenkschmerzen im Rahmen der Grunderkrankung zu differenzieren
sei
. Durch die dege
nerativen Veränderungen im unte
ren Rücken besteh
e eine Belastungslimitierung (S. 26 f.).
Aus neurologischer Sicht besteh
e
gemäss der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen eine Migräne mit Aura
,
z
udem gelegentlich eine typische Aura ohne Kopfschmerzen. Hinsichtlich der Funktions- und Fähig
keitseinschränkung durch die Migräne
gelte
F
olgendes
:
Der
Beschwerdeführer
berichte, dass er seit
2012
an 2-3 Tagen/Woche Migränekopfschmerzen
habe
. Diese
würden
gelegentlich auch
für
2-3 Tage an
halten
. Dokumentiert in einem Arztbericht aus dem
G.___
von 2013
seien
2-4 Kopfschmerztage pro Woche. Aufgrund der anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers
und der in den Arzt
briefen dokumentierten Sachlage
sei
davon ausz
ugehen, dass an mindestens 2 Ta
gen/
Woche
aufgrund der Migräne ein Arbeiten nicht möglich
sei
. Ressour
cen zur Bewältigung
seien
bei derart ausgeprägter Migräne n
aturgemäss einge
schränkt (S. 27).
Aus neuropsychologischer Sicht
werde
eine minimale neurokognitive Störung, wahrscheinlich multifaktorieller Ätiologie, diagnostiziert. Weitere mögliche U
rsache sei die Lichtüberempfind
lichkeit, die insbesondere bei visuellen Anfor
derungen Einfluss auf das Leistungsvermögen haben
könne
. Die im neurologi
schen Gutachten erwähnte Migräne mit Aura
könne
insbesondere in einer akuten Phase Einfluss auf die Kognition haben. Eine direkte durch den Lupus erythematodes mitver
ur
sachte neuropsychologische Ursache oder
ein entspre
chendes
Defizit
lasse sich nicht festhalten (S. 27).
Aus psychiatrischer Sicht
könne
eine chronisch depressive
Verstimmung diagnosti
ziert wer
den (Dysthymie). Das Grundproblem lieg
e
beim
Beschwerde
führer
auch in den Per
sönlichkeits
merkmale
n
, die ein überdauerndes Muster seiner Verhaltensweisen widerspiegel
n würden
und unter denen sich die depressiven sowie ängstlichen, teilwei
se vielleicht auch die zwanghaf
ten Anteile im Verhalten des
Beschwerdeführers
subsumieren lassen
würden
. Auch die sozialphobischen Anteile
würden
sehr gut zum schizoiden Aspekt passen und bedürf
t
en keiner gesonderten Diagnose. Dem
Beschwerdeführer
sei
in der Ver
gangenheit eine schwere psychische Erkrankung
aus dem
schizophrenen For
menkreis attestiert
worden. D
iese Diagnose
sei
h
eute nicht mehr nachvollzieh
bar und
mit einer beruflichen Täti
g
keit,
wie er sie von 19
99-2008 ausgeübt
habe,
kaum vereinbar
(S. 27 f.).
Die Diagnose des
s
ystemischen Lupus erythematodes
sei
zwischen Juni und August 2012 gestellt
worden
. Ab diesem Zeitpunkt besteh
e
eine nachweisbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Der Verl
auf der Persönlichkeitsstörung, mit Beginn im frühen Erwachsenenalter, ha
be
gezeigt, dass es dem
Beschwerde
führer
trotz der bestehenden Einschränkungen möglich
gewesen sei
, eine volle Arbeitsfähigke
it
zu erlangen. Deshalb
falle
es schwer, retros
pektiv den Verlauf abzuschätzen.
Der behandelnde Psychiater
habe dem Beschwerdeführer
eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit ab 2008
attes
tiert
,
diesen
jedoch erst ab 2012 selber betreut. Deshalb
sei
von der aktuellen psychischen Situation
auszugehen
, wonach kaum Einschränkungen aus psychiat
ri
scher Sicht nachweisbar
seien (S. 28).
Auf psychisch-geistiger Ebene
besteh
e
eine kombinierte Persönlichkeitsstö
ru
ng mit schizoiden, unreifen und neurotis
ch
en Anteilen. Zudem eine Dysthymie. Die Reduktion der Arbe
i
tsfähigkeit
sei
durch den Rückgang der
vorhandenen
Ressourcen aufgrund der Einschränkungen der komplexeren
lchfunktionen
bedingt.
Der Beschwerdeführer habe nicht
mehr die Flexibilität, sich auf neue Situationen unbefangen einzulassen, seine Kontaktgesta
l
tung
sei
durch auffäl
lige Interaktionen
geprägt, was zu einer weitgehend selbständigen Tätigkeit zwing
e
. Zudem besteh
e
ein erhöhter Pausenbedarf.
Aus psychiatrischer Sicht
könne
die bisherige Tätigkeit als Chauffeur, bedingt durch den erhöhten ind
i
vi
duellen und über den Tag verteilten Pausenbedarf, nach wie vor in einem Pen
sum von rund 70
%
(5 Tage
à
6 Stunden) ausgeübt werden. Diese Tätigkeit
sei
insofern sinnvoll, als dass der
Beschwerdeführer
sie weitgehend selbständig ausüben
könne (S. 29).
Aus somatischer Sicht besteh
e
ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
. Diese bezieh
e
sich auf die Polyarthralgien im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes und das
Lumbovertebralsyndrom
sowie
auf die Migräne mit Aura
bei 2 Migränetagen pro
Woche
. Diese Arbeitsfähigkeit besteh
e
für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten. Für schwere körperliche Arbeiten
werde
dem
Beschwerdeführer
aufgrund der Gelenkbeschwerden im Rahmen seiner Grund
erkrankung und der lumbalen Rückenbeschwerden eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % attestiert.
Des Weiteren
sei
aufgrund der Lichtempfindlichkeit ein Arbeitsplatz mit direkter Sonnenlichtexposition nicht geeignet. Zudem
sei
auf
grund der
lumbovertebrale
n
Beschwerden die Möglichkeit eines rege
l
mässigen Positionswechsels
erforderlich
.
Gesamtmedizini
s
ch besteh
e
eine 70%
ige
Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte, dem Leiden angepasste leichte bis mittel
schwere Tätigkeit
(S. 29 f.).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten der
Z.___
vom 2
0.
Oktober 2014 (E. 3.6
hievor
) beruht auf den erforderlichen allgemeininternistischen, neurologischen,
neuropsychologisch
en
,
psychiatrischen und rheumatologischen
Untersuchungen und wurde in Kenntnis der fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem
Verhalten de
s
Beschwerdeführer
s
auseinander.
So zeigten sie auf, dass der Beschwerdeführer aufgrund des systemischen Lupus erythematodes sowie des
Lumbovertebralsyndroms
für körperlich schwere Arbeiten nicht mehr und auch in einer angepassten Tätigkeit lediglich noch zu 70 % arbeitsfähig ist. Ebenso legten sie dar, inwiefern die Migräne mit Aura die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigt. Sie begründeten nach
vollziehbar, dass die ursprünglich diagnostizierte
schwere psychische Erkran
kung
aus dem
schizophrenen Formenkreis
mit der beruflichen Tätigkeit von 1999-2008 kaum vereinbar ist und dass sich die
depressiven, ängstlichen,
zwanghaf
ten
und sozialphobischen
Anteile
unter die Persönlichkeitsmerkmale des Beschwerdeführers subsumieren lassen und keiner gesonderten Diagnose bedürfen. Zudem legten sie dar, weshalb es schwer falle, den Verlauf der psychischen Einschränkungen retrospektiv abzuschätzen, von den Einschrän
kungen aus somatischer Sicht jedoch spätestens ab August 2012 auszugehen ist. Unter Berücksichtigung der bislang unterschiedlich bewerteten Einschränkun
gen der Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/64 S. 30 f.) gelangten sie sodann zum für das Gericht nachvollziehbaren Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine 70%ige Arbeit in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne direkte Sonnenlicht
exposition und mit der Möglichkeit eines regelmässigen Positionswechsels zumutbar ist.
Das Gutachten entspricht damit
den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.5
hievor
).
4
.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer monierte, obwohl der neurologische Gutachter zum Schluss komme, dass die Migräne ihn an zwei Tagen pro Woche in der Arbeits
fähigkeit einschränke, berechne er lediglich eine Einschränkung von 30 %. Zwei Tage pro Woche entsprächen jedoch einer Einschränkung von 40 %. Dazu ist
festzuhalten, dass im Gutachten nicht von zwei Arbeitstagen pro Woche die Rede war. Migränen treten auch am Wochenende auf, so dass ohne Weiteres nachvollziehbar ist, dass der neurologische Gutachter bei zwei Migränetagen pro sieben Wochentage von einer 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgeht (vgl. dazu auch Urk. 8/64 S. 58).
4.2.2
Der Beschwerdeführer wurde auf Veranlassung der Sozialhilfebehörde zwischen dem 22. März und 13. Juni 2012 an vier Terminen von den Fachärzten der O.___ abgeklärt (vgl. Bericht vom 12. Juli 2012; Urk. 8/33/3). Der Beschwerdeführer bemängelte, dass die Gutachter der Z.___ bei der O.___ keinen ausführlicheren Bericht eingeholt haben. Nach
dem jedoch die Fachärzte der O.___ im Unterschied zum behandelnden Psychiater Dr. P.___ sowie zu Z.___-Gutachter Dr. K.___ der Ansicht waren, dass keine Arbeitsunfähigkeit bestehe und sie auch eine IV
Anmeldung nicht als notwendig erachteten, ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Erkenntnisse zu Gunsten des Beschwerdeführers aus einem ausführlicheren Bericht hätten gewonnen werden können. Dass die Gutachter keinen solchen einholten, ist damit nicht zu beanstanden. Der Umstand, dass im Bericht des O.___ ohne wei
tere Begründung von einer
schizotypen
Störung (ICD
10 F21) die Rede war, führt zu keinem anderen Ergebnis. Die Gutachter legten schlüssig dar, weshalb sie keine entsprechende Diagnose stellten und das psychische Krankheitsbild als kombinierte Persönlichkeitsstörung fassten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine
psychiatrische Exploration
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte leg
e
artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_839/2012 vom 13. März 2014 E. 4.2.2.1).
In Bezug auf die psychiatrische Begutachtung bestehen im Übrigen keine Anhalts
punkte für eine zu kurz bemessene Explorationsdauer, liegt diese doch grundsätzlich im Ermessen des medizinischen Experten (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_246/2010 vom 11. Mai 2010 E. 2.2.2). Der vom psychiatrischen Gutachter gewählte Zeitrahmen spricht somit entgegen der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht per se gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens. Dr. K.___ setzte sich sodann hinreichend mit dem Bericht von Dr. P.___ (vgl. E. 3.3
hievor
) auseinander und wies zu Recht darauf hin, dass die von diesem postulierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ab 2008 nicht überzeugt, nachdem der Beschwerdeführer erst
seit
5.
September 2012
wieder
bei ihm in Behandlung steht (Urk. 8/64 S. 101). Dr. P.___ begründete auch nicht, weshalb es dem Beschwerdeführer trotz der von ihm diagnostizierten r
ezidi
vierende
n
depressive
n
Störung
, der
kombinierte
n
Persönlichkeitsstörung
und der seit 1995 bestehenden
wahnhafte
n
Störung
möglich war, bis 2008 während mehreren Jahren zu 100 % arbeitstätig zu sein, seither aufgrund dieser Diag
nosen jedoch zu 100 % arbeitsunfähig sein soll. Auch wird aus seinem Bericht nicht klar, inwiefern die somatischen Erkrankungen in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit einflossen. Dr. K.___ begründete schliesslich nachvollziehbar, weshalb er andere Diagnosen als Dr. P.___ gestellt hatte.
4.2.3
Weiter kritisierte der Beschwerdeführer, dass seine Schmerzen vom Rheumatolo
gen nicht berücksichtigt worden seien. Der rheumatologische Gut
achter ging aufgrund der
chronischen Polyarthralgien
sowie des
Lumbover
tebralsyndroms
von einer 100%igen Einschränkung in einer schweren und einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit aus. Die rheumatologischen Beschwerden wurden somit ausreichend berücksichtigt, weshalb der - ohnehin lediglich pauschal geäusserten - Kritik nicht gefolgt werden kann.
4.2.4
Schliesslich brachte der Beschwerdeführer vor, dass ihm die Tätigkeit als Chauffeur nicht mehr zumutbar sei.
Nachdem
jedoch
die Arbeit als Chauffeur
ohnehin
nicht der angestammten Tätigkeit des Beschwerdeführers entspricht (vgl. dazu E. 5.2
hienach
), braucht nicht
weiter erörtert zu werden, ob sie ihm überhaupt noch zumutbar wäre.
4.2.5
Die Einwendungen des Beschwerdeführers vermögen damit nichts an der Beweis
kraft des Z.___-Gutachtens und damit an der Zumutbarkeit einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit in einem 70 %-Pensum zu ändern.
Aufgrund der dargelegten Aktenlage ist damit erstellt, dass der im Jahr 2012 diagnostizierte systemische Lupus erythematodes zu einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers geführt hat. Damit ist ein Revisionsgrund gegeben, weshalb
der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts
im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung
neu
und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln
ist
(Urteil
des Bundesgerichts 9C_508/2016 vom 21. November 2016 E. 4).
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen
in erwerbli
cher Hinsicht auswirken.
5.2
5.2.1
Der Beschwerdeführer bestand im Juni 1988 im Alter von über 23 Jahren mit einer Durchschnittsnote von 4.0 die Maturitätsprüfung (Urk. 8/33/10). Gemäss den Berichten seines ihn ab 1990 behandelnden Psychiaters (Urk. 8/1 und Urk. 8/46) sowie der Fachärzte der Psychiatrischen Poliklinik des C.___ (E. 3.1
hievor
) leidet der Beschwerdeführer seit frühester Jugendzeit unter psychischen Problemen. Nach der Primarschule erfolgte auf Wunsch des Vaters der Übertritt ans
Gymnasium. Der Schulbesuch sei bis zum 2. Gymnasium normal gewesen. Dann sei die Schularbeit immer unmöglicher geworden. Es folgten mehrere Schulwechsel, ständig ungenügende Leistungen und massiver Druck durch den Vater, die Matura irgendwie zu schaffen. Wiederum auf Druck der Eltern schrieb er sich an der Universität ein, wobei den Akten verschiedene Studienrichtungen (Psychologie, Philosophie, Astrophysik und Astronomie; Urk.
8/2/3
, Urk. 8/52/7 und Urk. 8/64/82) zu entnehmen sind, ebenso ist von einer Ausbildung als Heil
praktiker sowie von belletristischen Versuchen (Urk. 8/46) die Rede. Nach Angaben des Beschwerdeführers hätte er eine praktische Berufsausbildung bevorzugt, doch habe sein Vater auf einem Studium bestanden (Urk. 8/64/82). Nach einem psychischen Zusammenbruch begab er sich ab Mai 1990 in psych
iatrische Behandlung und brach das Studium ab, ohne eine Prüfung abgelegt zu haben. Sein Gesundheitszustand besserte sich in der Folge, sodass er ab August 1991 eine Tätigkeit als Aushilfschauffeur zunächst in einem 40
50 %-Pensum aufnehmen konnte.
5.2.2
Nach der Rechtsprechung kann eine hypothetische berufliche Weiterentwick
lung nur berücksichtigt werden, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich ohne Eintritt der Invalidität ein beruflicher Aufstieg tatsächlich reali
siert hätte. Auch bei jungen Versicherten müssen grundsätzlich solche Indizien vorliegen, damit von einem späteren Abschluss der Ausbildung und einem entsprechenden Einkommen ausgegangen werden kann (Urteil des Bundesge
richts 9C_795/2012 vom 9. Juli 2013 E. 2.1.1 mit Hinweisen).
5.2.3
Mit Blick auf den beruflichen Werdegang des Beschwerdeführers ist entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer bei guter Gesundheit nach Abschluss einer Maturität mit einer Tätigkeit als (Aushilfs-)Chauffeur begnügt hätte. Ebenso wenig ist jedoch mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass er im Gesundheitsfall ein
Hochschulstudium abgeschlossen hätte, ist doch der Ver
zicht auf ein Hochschulstudium nach der Maturität nicht unüblich. Ohnehin hätte der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben eine praktische Berufsaus
bildung bevorzugt. Es ist damit davon auszugehen, dass er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nach der Matura eine höhere Berufsausbildung in Angriff genommen hätte und eine qualifizierte Arbeit verrichten würde, zumal der Mit
telschulabschluss allein noch keine abschliessenden Berufskenntnisse vermittelt (vgl. dazu auch vorerwähntes Urteil 9C_795/2012 E. 2.1.2). Nachdem völlig offen ist, welche berufliche Stellung (mit oder ohne Kaderfunktion) der Beschwerdeführer bei guter Gesundheit eingenommen hätte, rechtfertigt es sich, diesbezüglich vom Total aller beruflichen Stellungen auszugehen. Nach der Tabelle T11 (LSE 2012, Monatlicher Bruttolohn nach Ausbildung, beruflicher Stellung und Geschlecht, Privater und öffentlicher Sektor zusammen, Total; vgl. dazu vorerwähntes Urteil 9C_795/2012 E. 2.1.2 und E. 2.1.4) hätte der Beschwer
deführer somit mit Matura und Höherer Berufsausbildung/Fachschule im Jahr 2012 monatlich Fr. 8‘749.-- (Median) verdient, was ein Jahresein
kommen von Fr. 104‘988.-- per 2012 ergeben hätte.
5.3
5.3.1
Nachdem der Beschwerdeführer mit seinem 20 %-Pensum als Zusteller die ihm zumutbare Arbeitstätigkeit von 70 % nicht ausschöpft, sind f
ür die Bestimmung des Invalideneinkommens
die
Tabellenlöhne
gemäss der
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
heranzu
ziehen. Dabei ist auf den Zentralwert der Löhne von Männern mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art (TA1)
,
Kompetenzn
iveau 1
,
Durchschnitt über alle Branchen
abzustellen,
steh
t
dem Beschwerdeführer doch - im Rahmen der Zumutbarkeit -
der gesamte Stellenmarkt offen. Nach der LSE 2012 betrug dieser Lohn Fr. 5‘210.--, was einen Jahreslohn von Fr. 62‘520.-- beziehungs
weise bei einer
Arbeitsfähigkeit von 70 % einen solchen von Fr. 43‘764.-- ergibt.
Die Aufrechnung der (In)
Validene
inkommen
per 201
4 (Rentenbeginn) sowie auf
die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden kann - da propor
tional
- unterbleiben.
5.3.2
Der Beschwerdeführer machte mit Verweis auf seine gesundheitlichen Beschwer
den geltend, es sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20 % zu berücksichtigen.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellen
lohn) um maximal 25 % zu kürzen, wenn persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität respektive Aufenthaltskategorie oder Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben und die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeits
fähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc).
Der Beschwerdeführer ist aufgrund seiner erheblichen
Photosensitivität
, welche nicht nur jegliche Tätigkeiten im Freien, sondern auch eine Arbeit hinter Glas
scheiben - wie beispielsweise Autofahren - nicht zulässt (vgl. dazu unter ande
rem die Berichte der Klinik für Neurologie sowie Rheumatologie des G.___ Urk. 8/48/18, Urk. 8/32/1 und Urk. 8/32/5:
Photosensitivität
bei persistierender Sonnenexposition auch hinter Glas [UV-A]), sowie der Erforderlichkeit einer
weitgehend selbständigen Tätigkeit
auch für leichtere Arbeiten
nur noch beschränkt einsatzfähig. Dies rechtfertigt einen
Leidensabzug. Nachdem jedoch die Bedeutung der Anzahl Dienstjahre abnimmt, je niedriger das Anforderungs
profil ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013
vom 4. Oktober 2013 E. 4.1 mit Hinweisen), weder
Nationalität respektive Aufenthaltskategorie noch Lebensalter für einen zusätzlichen
Tabellenlohnabzug sprechen und auch
ein Beschäftigungsgrad von
7
0
%
bei Männern auf der untersten Stufe der berufli
chen Stellung (ohne Kaderfunktion) keinen Tabellenlohnabzug
rechtfertigt
(vgl. dazu
LSE 2012
,
monatlicher Bruttolohn [Zentralwert]
nach Beschäf
tigungs
grad, beruflicher Stellung
und Geschlecht, Privater und öffentliche Sektor zusammen: Bruttolohn bei Teilzeitpensum von 70 % proportional bezogen auf ein 100 %-Pensum Fr. 6‘080.--, Bruttolohn bei Vollzeitpensum Fr. 6‘085.--; vgl. dazu auch
Urteil
des Bundesgerichts
8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.1 mit Hinwei
sen
), ist ein
maximaler Leidensabzug von 25 % nicht angezeigt. Die exakte Höhe des Leidensabzuges kann jedoch offen bleiben, nachdem die Invaliditäts
grade ausgehend von einem Einkommen von Fr. 43‘764.-- (vor dem Abzug) bei Berücksichtigung eines solchen zwischen 63 % (10%iger Abzug; Erwerbsein
busse Fr. 65‘601.--) und 67 % (20%iger Abzug; Erwerbseinbusse Fr. 69‘977.--) variieren, der Beschwerdeführer mithin in jedem Fall Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
der Invalidenversicherung hat.
6.
Nachdem sich der Beschwerdeführer am 13. August 2013 erneut zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet hatte und zu diesem Zeitpunkt - in Anbetracht der seit Jahren bestehenden Arbeitsunfähigkeit in einem Beruf mit höherer Berufs
ausbildung (vgl. E. 5.2.3
hievor
) und der im Jahr 2012 mit dem Lupus
erythe
matodes
eingetretenen Verschlechterung (vgl. E. 3.4 und E. 3.6
hievor
) - das Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG bereits abgelaufen war, ist ihm sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG), mithin ab 1. Februar 2014, eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen. Die Beschwerde ist damit gutzuheissen.
7.
7
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 1‘000
.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihm - nach Einsicht in die Kostennote vom 5. Januar 2016 (
Urk.
10) - eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘488.10 (inkl.
Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
8. Oktober 2015
aufgehoben und es wird festgestellt,
dass der Beschwerdeführer ab
1.
Februar 2014 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der
Invalidenversicherung
hat.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
1‘000
.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der
Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet, de
m
Beschwerdeführer eine
Prozessent
schädigung von Fr. 2‘488.10 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage einer Kopie von Urk. 10
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht
Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher