# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3607f488-0d17-5ac3-bce4-f75a98ba8ad2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.09.2010 D-5749/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5749-2010_2010-09-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5749/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richter Walter Lang;
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

A._______, und dessen Lebenspartnerin B._______, 
Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotá (CO),
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 27. Mai 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5749/2010

Sachverhalt:

A.
Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  Eingabe 
vom 19. Mai 2009 ersuchte der Beschwerdeführer – ein ursprünglich 
aus  C._______  (Departement  D._______)  stammender  kolumbiani-
scher Staatsangehöriger mit aktuellem Wohnsitz in Bogotá – für sich 
und die Beschwerdeführerin um Gewährung von Asyl in der Schweiz. 
Zur  Begründung  machte  er  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  ur-
sprünglich mit seinen Eltern und vier Geschwistern – zwei Brüder mit  
geistigen Behinderungen und zwei Schwestern – in C._______ gelebt. 
Im Jahr 1999 habe ein gewaltsamer Übergriff  auf ihr Dorf stattgefun-
den, bei welchem zahlreiche Bewohner umgekommen seien, darunter 
auch sein Vater und weitere Familienangehörige. Ferner sei seine Mut-
ter  bedroht  worden und er selber  habe befürchten müssen, von der 
FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) oder anderen 
Gruppierungen wie den Autodefensas del Magdalena medio rekrutiert 
oder umgebracht zu werden. Aus diesen Gründen seien sie am 26.  Au-
gust 2000 nach Bogotá gezogen, aber seither sei es für sie – mit den 
beiden behinderten Brüdern – sehr schwierig gewesen, ihren Lebens-
unterhalt  zu verdienen. Er sei  deshalb auf  verschiedenen Fincas als 
Landarbeiter  tätig  gewesen  und  habe  dabei  in  E._______  die  Be-
schwerdeführerin kennen gelernt. Nachdem sie während einer Weile in 
Ruhe hätten arbeiten können, seien das Dorf von der "Frente [...]" der 
FARC angegriffen und die Landarbeiter unter Todesdrohungen aufge-
fordert  worden,  sich entweder  der  Guerilla  anzuschliessen oder  den 
Ort zu verlassen. Aus Angst um ihr Leben seien sie in der Folge am 
9. Dezember  2008  nach  Bogotá  zurückgekehrt.  Zur  Stützung  seiner 
Vorbringen reichte  der  Beschwerdeführer  zahlreiche Beweismittel  zu 
den Akten, so unter anderem eine Bestätigung des Vorsitzenden des 
Vorstandes der "Acción Comunal [...]" der Gemeinde E._______ vom 
19. Dezember 2008, in welcher der Aussteller ausführt, er kenne den 
Beschwerdeführer und dieser habe vom 10. Juli 2008 bis zum 19. De-
zember 2008 auf der Finca von F._______ gearbeitet. Es handle sich 
bei  ihm um eine ehrliche, arbeitsame Person mit  tadellosem Beneh-
men. Weitere – inhaltlich identische – Bestätigungen derselben Person 
vom 17. Dezember 2008 reichte der Beschwerdeführer ferner in Bezug 
auf die Beschwerdeführerin und deren Bruder, die beide vom 6. Januar 
2008 bis zum 17. Dezember 2008 auf der Finca von G._______ gear-
beitet hätten, ein. Im Weiteren legte er ein Schreiben derselben Person 
vom 19. Dezember 2008 ins Recht, wonach die Bevölkerung aufgrund 

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des innerkolumbianischen Konfliktes und der ständigen Gewalt nicht in 
Ruhe auf den Feldern arbeiten könne und der Beschwerdeführer so-
wie dessen Lebenspartnerin und Schwager von bewaffneten Gruppie-
rungen bedroht worden seien.

B.
Mit Schreiben vom 6. Juli 2009 forderte die schweizische Vertretung in 
Bogotá den Beschwerdeführer für den Fall, dass er an seinem Asylge-
such  festzuhalten  gedenke,  auf,  innert  30  Tagen  sein  Asylbegehren 
gestützt auf einen beigelegten Fragenkatalog einlässlich zu begründen 
und allenfalls weitere vorhandene Beweismittel einzureichen.

C.
Mit undatierter, am 18. August 2009 bei der schweizerischen Botschaft 
eingegangener  Eingabe  kam der  Beschwerdeführer  dieser  Aufforde-
rung nach und gab im Wesentlichen an,  er  habe ausserhalb seines 
Heimatstaates keine verwandtschaftlichen Beziehungen. Im Jahr 1999 
seien  in  seinem  Heimatdorf  sein  Vater  und  zwei  Cousins  ermordet 
worden, worauf er mit dem Rest der Familie nach Bogotá gezogen sei. 
Auch dort sei es jedoch zu Bedrohungen gekommen. Er habe sich an 
die  Einwohnerkontrolle,  die  Generalstaatsanwaltschaft,  das  Innenmi-
nisterium und die GAULA (Grupos de Acción Unificada por La Libertad 
– Anti-Entführungs-Einheiten der kolumbianischen Armee) gewendet, 
aber in Kolumbien würden derzeit keine Einrichtungen bestehen, wel-
che Gewaltopfern Schutz bieten könnten; aus diesem Grund seien er 
und die Beschwerdeführerin auch in Bogotà nicht sicher vor Übergrif -
fen der praktisch landesweit operierenden FARC und paramilitärischen 
Gruppierungen. Auch hätten sie keine Möglichkeit, im lateinamerikani-
schen Ausland um Schutz nachzusuchen, weil diese Länder ebenfalls 
Probleme  mit  Guerilla-Organisationen  hätten.  Der  Beschwerdeführer 
reichte im Weiteren erneut Beweismittel zu den Akten, bei welchen es 
sich indessen im Wesentlichen um dieselben handelt, die bereits dem 
Asylgesuch  vom 19. Mai  2009  beigelegt  worden  waren.  Neu  beige-
bracht wurde das Protokoll einer vom Beschwerdeführer am 3. August 
2009 bei der kolumbianischen Generalstaatsanwaltschaft deponierten 
Anzeige, gemäss welchem er sich am 29. Juli 2009 im Gebäude der 
Acción Social befunden habe, als er von H._______ – einem Milizionär 
aus E._______ – erkannt und in vulgärer Weise aufgefordert worden 
sei, sich gut zu überlegen, was er der Behörde erzähle; er wisse mehr 
oder  weniger,  wo  sich  der  Beschwerdeführer  aufhalte  und  sei  über 
dessen Schritte im Bild. Im Weiteren legte der Beschwerdeführer ein 

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Schreiben von I._______ vom 10. Juli 2009 ins Recht. Die Verfasserin 
führt  aus,  sie sei  die Ehefrau von G._______, auf  dessen Finca die 
Beschwerdeführerin und ihr Bruder gearbeitet hätten. Ihr Ehemann sei 
vor sechs Monaten von einer paramilitärischen Gruppierung namens 
"[...]" verschleppt und ermordet worden. Diese Gruppierung würde De-
likte verüben und Landarbeiter  ermorden,  ohne behelligt  zu werden, 
weil  sie  mit  den  regulären  Armeeeinheiten  zusammenarbeite.  Aus 
Angst vor den möglichen Folgen wage niemand etwas zu sagen. Die 
Beschwerdeführerin habe zusammen mit ihrem Bruder vom 5. Januar 
2008 bis zum 17. Dezember 2008 auf ihrer Finca gearbeitet und sei ei -
ne ehrliche, arbeitsame Person mit tadellosem Benehmen. Die beiden 
seien von der "Frente [...]" der FARC und den Paramilitärs der "[...]" mit  
dem Tod bedroht worden für den Fall, dass sie den Ort nicht verlassen 
würden. Sie könnten nirgends in Kolumbien in Ruhe leben und bedürf-
ten daher den Schutz der Schweiz.

D.
Die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  übermittelte  die  Akten  am 
8. September 2009 zuständigkeitshalber an das BFM; sie führte dabei 
aus, dass eine persönliche Befragung der Beschwerdeführenden aus 
Kapazitätsgründen nicht möglich sei.

E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Februar 2010 teilte das BFM den Be-
schwerdeführenden mit, es erachte den entscheidrelevanten Sachver-
halt aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches und der 
eingereichten ausführlichen Dokumentation als erstellt,  weshalb eine 
Anhörung auf der Botschaft nicht notwendig erscheine. Im Weiteren er-
wäge das Bundesamt – unter Berücksichtigung der Akten, der zu be-
achtenden  Aspekte  und  des  ihm  zukommenden  weiten  Ermessens-
spielraumes – das Asylgesuch der Beschwerdeführenden abzuweisen 
und ihnen die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere er -
achte es die Möglichkeit  einer  anderweitigen Schutzsuche als  gege-
ben. Das BFM gab den Beschwerdeführenden Gelegenheit, sich innert 
30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung dazu zu äussern.

Die Beschwerdeführenden liessen sich in der Folge nicht vernehmen.

F.
Mit Verfügung vom 27. Mai 2010 wies das BFM das Asylgesuch der 
Beschwerdeführenden  ab  und  verweigerte  ihnen  die  Einreise  in  die 

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Schweiz. Zur Begründung führte das Bundesamt zunächst in formeller 
Hinsicht aus, dass in den vorliegenden Fällen die Voraussetzungen für 
ein Absehen von einer Anhörung der Beschwerdeführenden gegeben 
seien. In materieller Hinsicht hielt das BFM im Wesentlichen dafür, ei -
ne  landesweite  Gefährdung  der  Beschwerdeführenden  durch  die 
FARC und paramilitärische Gruppierungen sei aus den Akten nicht er-
sichtlich. Da es sich bei den Beschwerdeführenden nicht um landes-
weit  bekannte Personen handle und ihre Verfolger wohl kaum in der 
Lage wären,  sie an einem beliebigen Ort  in  Kolumbien ausfindig zu 
machen, sei  davon auszugehen, dass ihnen innerstaatliche Fluchtal-
ternativen  offenstünden.  Ferner  sei  es  den  Beschwerdeführenden 
möglich und zumutbar, gegebenenfalls in einem anderen Land als der 
Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise in einem der Nach-
barstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom 28. Juli 
1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als 
auch das entsprechende Zusatzprotokoll  vom 31. Juli  1967 ratifiziert 
hätten;  besonders  nahe  Beziehungen  zur  Schweiz  hätten  die  Be-
schwerdeführenden in ihren Asylgesuchen nicht geltend gemacht.

G.
Mit undatierter, an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichteter 
Eingabe (Posteingang bei der Botschaft am 2. August 2010) erhoben 
die Beschwerdeführenden gegen die Verfügung des BFM vom 27. Mai 
2010  Beschwerde,  welche  in  der  Folge  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  wurde  (Posteingang  beim 
Bundesverwaltungsgericht am 13. August 2010). Sie beantragten sinn-
gemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewäh-
rung  von  Asyl  beziehungsweise  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die 
Schweiz. Zur Begründung brachten sie – unter Wiederholung der im 
erstinstanzlichen Vorbringen – vor, sie seien von politisch motivierter  
Gewalt  betroffen  und  würden  an  psychischen  Traumata  und  physi-
schen Verletzungen leiden sowie unter der Verletzung der Menschen-
rechte. Sie fürchteten sich auch in Bogotá vor weiteren Übergriffen. Sie  
könnten sich ihren Schwierigkeiten nicht durch eine Ausreise in ein an-
deres lateinamerikanisches Land entziehen, da diese Länder ebenfalls 
ständige gewaltsame Konflikte kennen würden, zumal in der grossen 
Mehrheit dieser Staaten ebenfalls eine Guerilla oder bewaffnete Grup-
pierungen existieren würden. Sie würden daher Gefahr laufen, im Aus-
land erneut Opfer von Bedrohungen und Vertreibungen zu werden.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Ju-
ni 1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die Beschwerdeeingabe ist  nicht in einer Amtssprache des Bun-
des abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesse-
rung kann indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten 
Beschwerdeeingabe  genügend  klare,  sinngemässe  Rechtsbegehren 
und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber 
befunden werden kann.

1.4 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
aufgrund der nur unvollständigen Angaben auf  der Empfangsbestäti-
gung ("Julio del 2010") nicht fest. Angesichts der Tatsache, dass die 
Beweislast  für  die Zustellung an die Partei  der eröffnenden Behörde 
obliegt (vgl.  FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl.,  Bern 
1983,  S. 61),  ist  daher  zugunsten  der  Beschwerdeführer  von  der 
Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung auszugehen.

1.5 Die Beschwerde ist demnach frist- und – abgesehen vom sprachli-
chen  Mangel  –  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1  AsylG, 
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Die Beschwer-
deführenden  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  be-
rührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Be-

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schwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und  Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli -
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in 
BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung 
aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  bei  der  je-
weiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden Land 
oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Grün-
den ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung 
der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei 
gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mit-
wirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels konkreter 
Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein stan-
dardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller 
Regel nicht zu genügen (BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich ei-

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ne  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklä-
rung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereich-
ten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden 
Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die 
Gelegenheit  zu geben,  sich  zu einem abzusehenden negativen Ent-
scheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7). 
Schliesslich ist  das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen 
von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begrün-
den (BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

4.2 Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der 
schweizerischen  Vertretung  in  Bogotá  zu  ihrem  Asylgesuch  vom 
19. Mai  2009 nicht  befragt,  da  die  Botschaft  dazu gemäss Überwei-
sungsschreiben vom 8. September 2009 aus gerichtsnotorischen und 
mithin nachvollziehbaren Kapazitätsgründen nicht in der Lage war; den 
Beschwerdeführenden  wurde  indessen  mit  Zwischenverfügung  des 
BFM vom 10. Februar 2010 Gelegenheit zur weiteren Konkretisierung 
ihrer Asylgründe sowie das rechtliche Gehör im Hinblick auf die vom 
Bundesamt  in  Erwägung gezogene  Abweisung  der  Asylgesuche  ge-
währt;  die Beschwerdeführenden haben von dieser  Möglichkeit  zwar 
keinen Gebrauch gemacht, aber aufgrund der einlässlichen Ausführun-
gen der Beschwerdeführenden in ihrem schriftlichen Asylgesuch und 
den weiteren Eingaben sowie der zahlreichen von ihnen eingereichten 
Beweismittel  erscheint  der  entscheidwesentliche  Sachverhalt  –  wie 
das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht ausführt – als ge-
nüglich abgeklärt. Schliesslich hat das BFM in seiner Verfügung vom 
27. Mai  2010 das Absehen von persönlichen Anhörungen einlässlich 
begründet. Bei  dieser  Sachlage ist  festzuhalten,  dass  das BFM den 
verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan hat.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

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5.2 Die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung sind 
grundsätzlich  restriktiv,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessens-
spielraum zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne 
von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die 
Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Be-
ziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und ob-
jektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraus-
sichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht 
zu ziehen (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis gemäss Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK]  1997  Nr.  15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welche  angesichts 
bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asyl-
gesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Ertei-
lung der Einreisebewilligung ist  dabei die Schutzbedürftigkeit  der be-
troffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die 
Prüfung der  Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 
glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die 
Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem Gesuch  keine  besonders 
nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Im  Weiteren  hat 
das Bundesamt zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführen-
den zuzumuten sei, in einem anderen Land um Asylgewährung nach-
zusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nach-
barstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien so-
wohl der FK als auch des betreffenden Zusatzprotokolls vom 31. Janu-
ar 1967; Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht ra-
tifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme 
Venezuelas über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur An-
erkennung von Flüchtlingen. Zudem halten sie sich gemäss den Er-
kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich an das Ge-
bot des Non-Refoulement von Art. 33 FK, auch wenn als Einschrän-
kung festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbe-
sondere denjenigen zu Panama und Venezuela – in den letzten Jahren 
zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die  Grenzbehörden  ge-
kommen ist. Für die praktische Möglichkeit  und die Zumutbarkeit der 
anderweitigen Schutzsuche spricht im Weiteren die Möglichkeit der vi-
sumsfreien Einreise nach Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Um-

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stand, dass jährlich mehrere tausend kolumbianische Staatsangehöri-
ge in den Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsu-
chen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als Flücht-
linge anerkannt werden. Soweit die Beschwerdeführenden in ihrer Be-
schwerdeeingabe vorbringen, sie könnten nicht in anderen lateiname-
rikanischen  Ländern  um  Schutz  nachsuchen,  weil  in  der  grossen 
Mehrheit  dieser Staaten ebenfalls  eine Guerillaorganisation oder be-
waffnete Gruppierungen existieren und sie daher auch dort Gefahr lau-
fen würden, Opfer von Bedrohungen und Vertreibungen zu werden, ist 
festzuhalten, dass dieser pauschale Einwand nicht geeignet ist,  eine 
objektiv  nachvollziehbare Gefährdung in  allen  oben stehenden Dritt-
staaten  zu  begründen. Insgesamt  ergeben  sich  demnach  keine  An-
haltspunkte, die darauf schliessen liessen, es sei den Beschwerdefüh-
renden  praktisch unmöglich  oder  objektiv  unzumutbar,  sich  in  einen 
anderen Staat,  insbesondere einen der  Nachbarstaaten Kolumbiens, 
zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15 E. 2f S. 132). 
Dies gilt umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es sich bei  
den Beschwerdeführenden nicht um landesweit  bekannte Persönlich-
keiten  handelt,  die  aufgrund  ihrer  besonders  exponierten  Stellung 
auch bei einer Flucht ins nahe Ausland allenfalls befürchten müssten, 
weiterhin verfolgt zu werden.

6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich die Be-
schwerdeführenden den geltend gemachten Bedrohungen seitens der 
FARC oder paramilitärischen Gruppierungen allenfalls durch eine in-
nerstaatliche Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen könnten.

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die 
Beschwerdeführenden aufgrund der Akten über keine konkrete Bezie-
hungsnähe zur Schweiz verfügen, hingegen die Möglichkeit der ander-
weitigen Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat die Vorin-
stanz den Beschwerdeführenden zu Recht die Erteilung der Einreise-
bewilligung verweigert und das Asylgesuch abgewiesen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art.  106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich den Be-

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schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG); aus verwal-
tungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung von Art. 6 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor  dem Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, SR 173.320.2) 
auf das Erheben von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführenden  durch  Vermittlung  der  schweizerischen 
Vertretung in Bogotá (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung 
des  Urteils  an  die  Beschwerdeführenden  und  um Zustellung  der 
beiliegenden  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsge-
richt (per EDA-Kurier)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 
Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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