# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7ca35c2-825d-5ee0-a1b2-4208a5fd29e0
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2022 PVG 2022 7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2022-7_2022-12-31.pdf

## Full Text

4/7  Sozialversicherung  PVG 2022

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Unfallversicherung. Anfechtbarkeit der Anordnung eines 
Gutachtens.
– Rekapitulation der Rechtsprechung des Bundesgerichts 

zur Anfechtbarkeit der Anordnung eines Gutachtens im 
Bereich der Invaliden- und Unfallversicherung als selb- 
ständig anfechtbaren Zwischenentscheid infolge eines 
nicht wiedergutzumachenden Nachteils (E.1.3).

– Aus dem am 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Art. 43 
Abs. 1bis ATSG ergibt sich kein hinreichend klarer gesetz- 
geberischer Wille, wonach die Anordnung eines Gut- 
achtens durch den Unfallversicherungsträger nun keine 
selbständig anfechtbare Zwischenverfügung gemäss 
Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 4 VRG mehr 
dar- stellen soll, wenn dagegen die materielle 
Einwendung einer nicht notwendigen Begutachtung bzw. 
einer unzu- lässigen «second opinion» vorgebracht wird 
(E.1.4-1.6).

Assicurazione contro gli infortuni. Impugnabilità dell’ordi- 
ne di eseguire una perizia.
– Ricapitolazione della giurisprudenza del Tribunale fede- 

rale circa l’impugnabilità dell’ordine di eseguire una pe- 
rizia nell’ambito dell’assicurazione per invalidità e con- 
tro gli infortuni come decisione incidentale impugnabile a 
titolo indipendente in seguito a un pregiudizio irrepa- 
rabile (consid. 1.3).

– L’art. 43 cpv. 1bis LPGA, entrato in vigore il 1° gennaio 2022, 
non esprime una volontà legislativa sufficientemente 
chiara, secondo cui, l’ordine di eseguire una perizia da 
parte dell’istituto di assicurazione contro gli infortuni 
non dovrebbe più costituire una decisione incidentale 
impugnabile a titolo indipendente, ai sensi dell’art. 61 in- 
gresso LPGA i.c.c. l’art. 49 cpv. 4 LGA, se contro l’ordine 
viene sollevata l’obiezione di merito di una perizia non 
necessaria o di un inammissibile »seconda opinione” 
(consid. 1.4-1.6).

Erwägungen:
1.3. Die Anordnung eines Gutachtens im Bereich der In-

validen- und Unfallversicherung stellt eine Zwischenverfügung 
im Sinne von Art. 55 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 VwVG 
dar (siehe BGE 138 V 318 E.6.1.4, 138 V 271 E.1.2.1 und 137 V 210
E.3.4.2.7; Urteil des Bundesgerichts 9C_174/2020 vom 2. November

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2020 E.6.2.1, nicht publ. Erwägung in: BGE 147 V 79). Sie stellt also 
lediglich einen Zwischenschritt auf dem Weg zum Endentscheid 
bzw. zur Verfahrenserledigung dar (vgl. BGE 136 V 131 E.1.1.2 und 
131 V 42 E.2.4 sowie Urteile des Bundesgerichts 8C_770/2020 vom
21. September 2021 E.2.2 und 1C_573/2019 vom 29. September 
2020 E.1.3). Gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG ist gegen prozess- und 
verfahrensleitende Verfügungen – entgegen der Rechtsmittelbe- 
lehrung in der angefochtenen Verfügung – die Einsprache gemäss 
Art. 52 ATSG ausgeschlossen. Solche Verfügungen können ge- 
stützt auf Art. 56 Abs. 1 ATSG innert 30 Tagen (siehe Art. 60 ATSG) 
allenfalls direkt beim örtlich zuständigen Versicherungsgericht 
im Sinne von Art. 57 ATSG bzw. dem Bundesverwaltungsgericht 
angefochten werden (siehe Forster, in: stauFFer/Cardinaux [Hrsg.], 
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ATSG, Zürich/Basel/Genf 
2021, Art. 56 Rz. 5 ff. sowie Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zü-
rich/Basel/Genf 2020, Art. 52 Rz. 56 ff., Art. 56 Rz. 17 ff. und Art. 60 
Rz. 5 ff.). Massgebend für die Zulässigkeit der Beschwerde gegen 
eine Zwischenverfügung ist – kraft Verweises auf das kantonale 
Recht in Art. 61 Ingress ATSG – in erster Linie Art. 49 Abs. 4 VRG. 
Danach sind verfahrensleitende Anordnungen und vorsorgliche 
Massnahmen sowie andere Zwischenentscheide nur anfechtbar, 
wenn sie für die betroffene Partei einen Nachteil zur Folge haben, 
der sich später voraussichtlich nicht mehr beheben lässt (lit. a), 
oder ausdrücklich als selbstständig anfechtbar erlassen werden, 
wenn sich das Verfahren dadurch möglicherweise vereinfachen 
lässt (lit. b). Für die Prüfung, ob hier ein nicht wieder gutzumachen- 
der Nachteil vorliegt, ist zwar nicht direkt, aber doch ergänzend 
auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (bzw. des 
Bundesgerichts) bezüglich der Anfechtbarkeit von Zwischenverfü- 
gungen nach Art. 45 f. VwVG abzustellen (vgl. BGE 139 V 492 E.4.1, 
138 V 271 E.1.2.1 ff. und 3.2 sowie 137 V 210 E.3.4.2.7; EVGE H 111/06
vom 22. November 2006 E.3.4 ff.; VGU S 20 124 vom 14. Dezember
2021 E.1.4 f., S 20 121 vom 22. Dezember 2020 E.2, U 20 71 vom
21. September 2020 E.1, S 17 106 vom 31. Oktober 2017 E.1b, S 17
119 vom 31. Oktober 2017 E.1b, S 17 66 vom 13. September 2017
E.1c, S 15 150 vom 10. Mai 2016 E.2c und S 13 8 vom 5. Novem- 
ber 2013 E.1a; Kieser, a.a.O., Art. 56 Rz. 20 ff.). Für die Annahme 
eines nicht wiedergutzumachenden Nachteils im Sinne von Art. 46 
Abs. 1 lit. a VwVG genügt – vorbehältlich einzig der Verhinderung 
der Verlängerung oder Verteuerung des Hauptverfahrens – ein tat- 
sächliches, insbesondere auch ein wirtschaftliches Interesse (sie- 
he BGE 130 II 149 E.1.1, 127 II 132 E.2a, 125 II 613 E.2a und 120 Ib

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97 E.1c; Urteil des Bundesgerichts 2C_86/2008 vom 23. April 2008
E.3.2; EVGE H 111/06 vom 22. November 2006 E.4.1; Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts B-3099/2020 vom 4. November 2021 
E.1.2.5, A-2764/2020 vom 29. September 2020 E.1.4.2, B-6595/2017 
vom 24. Mai 2018 E.1.2.1, E-3276/2014 vom 13. Februar 2015 E.4.1,
C-4224/2014 vom 12. Februar 2015 E.3.2 und C-4163/2013 vom
2. Juni 2014 E.2.1.1; Kieser, a.a.O., Art. 56 Rz. 20 sowie Kayser/Pa- 
PadoPoulos/altmann, in: auer/müller/sChindler [Hrsg.]. VwVG-Kom- 
mentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2019, Art. 46 Rz. 10 und 25). Das 
Bundesgericht hat im Kontext von Gutachtensanordnungen die 
Anfechtbarkeitsvoraussetzung des nicht wiedergutzumachenden 
Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in Ange- 
legenheiten der Invalidenversicherung (IV) bejaht, zumal die nicht 
sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und 
nicht nur tatsächlichen Nachteil bewirkt. Damit trug es nament- 
lich dem Umstand Rechnung, dass das Sachverständigengutach- 
ten im Rechtsmittelverfahren mit Blick auf die fachfremde Materie 
faktisch nur beschränkt überprüfbar ist: Der Rechtsanwender sehe 
sich mangels ausreichender Fachkenntnisse kaum in der Lage, in 
formal korrekt abgefassten Gutachten objektiv fachliche Mängel 
zu erkennen. Zugleich stehe die faktisch vorentscheidende Bedeu- 
tung der medizinischen Gutachten für den Leistungsentscheid in 
einem Spannungsverhältnis zur grossen Streubreite der Möglich- 
keiten, einen Fall medizinisch zu beurteilen, und zur entsprechend 
geringen Vorbestimmtheit der Ergebnisse. Hinzu kommt, dass die 
mit medizinischen Untersuchungen einhergehenden Belastungen 
zuweilen einen erheblichen Eingriff in die physische oder psychi- 
sche Integrität bedeuten (siehe BGE 138 V 271 E.1.2 sowie 137 V 
210 E.3.4.2.7 und E.2.5; siehe hürzeler/usinger-egger, Einführung in 
das schweizerische Unfallversicherungsrecht, Bern 2021, Rz. 761). 
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können dabei – neben 
formellen Ausstandsgründen – auch materielle Einwendungen ge- 
gen die Begutachtung an sich, wie etwa die in Aussicht genomme- 
ne Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie – mit Blick auf einen 
bereits umfassend abgeklärten Sachverhalt – bloss einer «second 
opinion» entspräche (siehe BGE 138 V 271 E.1.1 und 1.2.3 sowie 
137 V 210 E.3.4.2.7; noch anders: BGE 136 V 156; vgl. auch Kreis- 
schreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über das Ver- 
fahren in der Invalidenversicherung [KSVI; Stand: 1. Januar 2018], 
Rz. 2076.4, sechster Spiegelstrich). Für den Bereich der Unfallver- 
sicherung kann nichts Anderes gelten (vgl. BGE 138 V 318 E.6.1.1 
ff.; Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern 200 21 618

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UV vom 1. April 2022 E.1.1 und 2.3, 200 20 701 UV vom 30. No-
vember 2020 E.1.1 und 2.3 sowie 200 19 778 UV vom 20. Januar 
2020 Sachverhaltsziffer B und E.1.1; Urteile des Versicherungsge- 
richts des Kantons Zürich UV.2020.00026 vom 11. Dezember 2020
E.1.1 f. und 3, UV.2019.00056 vom 27. September 2019 E.1.2 und 3.1, 
UV.2017.00087 vom 6. September 2017 E.1.1 f. sowie UV.2014.00146 
vom 27. Mai 2015 E.1.1). Die Beschwerdegegnerin verkennt mit ih- 
ren Verweisen auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_699/2009 vom
22. April 2010, auszugsweise publiziert in BGE 136 V 156, sowie
BGE 132 V 93, dass diese Rechtsprechung seit BGE 137 V 210, 138 V 
271 und 138 V 318 überholt ist. Dass es sich gemäss Schreiben der 
Beschwerdegegnerin vom 21. Dezember 2021 um ein reines Akten- 
gutachten einschliesslich radiologischer Zweitbeurteilung handeln 
soll und sich die Beschwerdeführerin – soweit ersichtlich – keiner 
weiteren Exploration unterziehen müsste, vermag – in Anbetracht 
der vorstehend dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
und den darin der Bejahung eines nicht wiedergutzumachenden 
Nachteils im Rahmen einer Gutachtensanordnung weiter zugrun- 
de gelegten Gesichtspunkte (vgl. insbesondere BGE 137 V 210 
E.3.4.2.7) – nichts zu ändern.

1.4. Art. 43 Abs. 1bis ATSG sieht seit dem 1. Januar 2022 
vor, dass der Versicherungsträger die Art und den Umfang der not- 
wendigen Abklärungen bestimmt. Spezifische Übergangsbestim- 
mungen zu dieser Änderung vom 19. Juni 2020 enthält das ATSG 
nicht. In der Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über 
die Invalidenversicherung (Weiterentwicklung der IV) wird dazu 
ausgeführt, dass auf der Grundlage des in Art. 43 Abs. 1 ATSG 
verankerten Untersuchungsprinzips der Versicherer entscheide, 
welche Abklärungsmassnahmen nötig seien, um zu bestimmen, 
ob die Voraussetzungen für den Leistungsanspruch erfüllt seien. 
Damit die IV die notwendigen und massgebenden Abklärungen 
möglichst rasch und ohne Verzögerungen anordnen könne, solle 
ihr die ausschliessliche Entscheidkompetenz zukommen. Damit 
solle verhindert werden, dass das Verfahren in die Länge gezogen 
werde. Der versicherten Person stünden mit der Gewährung des 
rechtlichen Gehörs und den Beschwerdemöglichkeiten genügend 
Mittel zur Verfügung, gegen den von der IV getroffenen Entscheid 
vorzugehen (siehe BBl 2017 2535 2682). Diese Bestimmung gab an- 
lässlich der parlamentarischen Beratung keinen Anlass zur Diskus- 
sion (siehe AB 2019 N 137 und AB 2019 S 805). FlüCKiger hält dafür, 
dass der Gesetzgeber damit wohl den praktisch wichtigsten der 
durch die Rechtsprechung anerkannten Beschwerdegründe (gegen

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die Anordnung einer Begutachtung mittels Zwischenverfügung), 
nämlich die Behauptung, die Begutachtung sei gar nicht notwendig 
(«second opinion»), habe ausschliessen wollen. Die Sache sei aber 
nicht ganz klar. Denn ein Gegenargument bilde insbesondere der 
Umstand, dass das IVG bereits seit dem Inkrafttreten der 5. IV-Re- 
vision am 1. Januar 2008 eine sehr ähnlich lautende Bestimmung 
enthalte. Denn gemäss Art. 57 Abs. 3 IVG entscheide bis zum Er- 
lass der Verfügung die IV-Stelle, welche Abklärungen notwendig 
und massgebend seien. Der Botschaft zur 5. IV-Revision lasse sich 
zu dieser Norm Folgendes entnehmen: «Die Abklärungen, ob An- 
spruch auf Leistungen der IV bestehen, erfolgen von Amtes wegen. 
Damit die IV jedoch die notwendigen und massgebenden Abklä- 
rungen möglichst rasch und ohne Verzögerungen anordnen kann, 
soll ihr die ausschliessliche Entscheidkompetenz zukommen. Damit 
soll verhindert werden, dass von Seiten der Versicherten immer 
wieder zusätzliche Abklärungsmassnahmen oder Begutachtun- 
gen verlangt werden können und das Verfahren in die Länge gezo- 
gen wird. Der versicherten Person stehen mit der Gewährung des 
rechtlichen Gehörs und den Beschwerdemöglichkeiten genügend 
Mittel zur Verfügung, gegen den von der IV getroffen Entscheid 
vorzugehen.» FlüCKiger kommt dabei zum Schluss, dass sowohl der 
(Gesetzes-)Text als auch die Materialien zu dem seit dem 1. Janu- 
ar 2008 geltenden Art. 57 Abs. 3 IVG sehr ähnlich lauten und teil- 
weise identisch mit dem (Gesetzes-)Text und den Materialen zum 
neuen Art. 43 Abs. 1bis ATSG sind. Die Existenz von Art. 57 Abs. 3 
IVG habe das Bundesgericht aber nicht daran gehindert, die Be- 
schwerdemöglichkeiten mit BGE 137 V 210 gegen die Anordnung 
einer Begutachtung auszubauen, wobei Art. 57 Abs. 3 IVG – soweit 
ersichtlich – im erwähnten Urteil überhaupt nicht erwähnt werde 
(siehe zum Ganzen FlüCKiger, Rechtsschutz im Sozialversicherungs- 
recht – Entwicklungen und Grenzen, in: Kieser [Hrsg.], Sozialversi- 
cherungsrechtstagung 2021, Zürich/St. Gallen 2022, S. 55 ff. 68 ff.).

1.5. Interessanterweise wurde Art. 57 Abs. 3 IVG, trotz In- 
krafttreten von Art. 43 Abs. 1bis ATSG per 1. Januar 2022, beibehal- 
ten (vgl. dazu AS 2021 705 S. 16 und 22 sowie BBl 2017 2535 2682, 
wobei bei letzterem aber spezifisch auf die Abklärungsaufgaben 
seitens der IV Bezug genommen wird). Die Botschaft zur Änderung 
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Weiterent- 
wicklung der IV) äussert sich aber nicht spezifisch zum Verhältnis 
von Art. 57 Abs. 3 IVG und Art. 43 Abs. 1bis ATSG. Das per 1. Januar 
2022 revidierte KSVI enthält ebenfalls keine Hinweise zum Verhält- 
nis dieser Bestimmungen zueinander bzw. den Auswirkungen des

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neuen Art. 43 Abs. 1bis ATSG. Betreffend die Einholung von (mo- 
nodisziplinären) versicherungsexternen Gutachten wird im ab dem
1. Januar 2022 gültigen KSVI – im Gegensatz zur vorangegangenen 
Version des KSVI (Rz. 2076.4, sechster Spiegelstrich; Stand: 1. Ja- 
nuar 2018) – im Hinblick auf das Prozedere zur Anordnung eines 
solchen Gutachtens der mögliche materielle Einwand, dass die 
Einholung eines neuen Gutachtens infolge bereits genügender Ab- 
klärung des Sachverhalts nicht notwendig sei, nicht mehr explizit 
erwähnt (siehe KSVI, Rz. 3076 ff.; Stand: 1. Januar 2022). Dabei ist 
anzumerken, dass bereits das seit dem 1. Januar 2018 gültige KSVI 
bei erhobenen formellen oder materiellen Einwendungen einen 
Einigungsversuch betreffend die Auswahl und Anordnung eines 
solchen Gutachtens vorsah und im Falle einer fehlenden Einigung 
(infolge von BGE 137 V 210) eine Zwischenverfügung zu erlassen 
war (KSVI, Rz. 2076.8 ff.; Stand: 1. Januar 2018; vgl. nunmehr KSVI, 
Rz. 3082 ff.; Stand: 1. Januar 2022). In der Botschaft zur 5. IV-Revisi- 
on wurde im Gegensatz zu derjenigen der Weiterentwicklung der IV 
betreffend die Vermeidung einer Verfahrensverzögerung noch prä- 
zisiert, dass verhindert werden solle, dass vom Versicherten immer 
wieder zusätzliche Abklärungsmassnahmen oder Begutachtungen 
verlangt werden könnten (und somit das Verfahren in die Länge ge- 
zogen werde). Dieser erste Satzteil fehlt in der Botschaft zu Art. 43 
Abs. 1bis ATSG. Der letzte Satz, womit den versicherten Personen 
mit der Gewährung des rechtlichen Gehörs und den Beschwerde- 
möglichkeiten genügend Mittel zu Verfügung stünden gegen einen 
von der IV getroffenen Entscheid vorzugehen, ist aber wieder iden- 
tisch (siehe BBl 2005 4459 4571 und BBl 2017 2535 2682). Bei diesem 
Verweis auf die bestehenden Beschwerdemöglichkeiten muss 
davon ausgegangen werden, dass der Bundesrat als Verfasser der 
Botschaft dies in Kenntnis der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
betreffend die Anfechtbarkeit von Zwischenentscheiden betreffend 
die Anordnung einer Begutachtung formuliert hat. Es ergeben sich 
daraus hingegen keine hinreichend klaren Anhaltspunkte, dass 
mit dieser Gesetzesbestimmung die erwähnte bundesgerichtliche 
Rechtsprechung (in Bezug auf die Rüge einer unzulässigen «second 
opinion» im Rahmen der Anfechtung einer Zwischenverfügung) 
hätte korrigiert werden sollen. Auch aus der parlamentarischen 
Beratung zu Art. 57 Abs. 3 IVG lässt sich nichts für die Unzuläs- 
sigkeit der Rüge einer unzulässigen «second opinion» im Rahmen 
der Anfechtung einer Zwischenverfügung ableiten (siehe AB 2006 
N 397 und AB 2006 S 610). Aus der Botschaft zur Weiterentwick- 
lung der IV betreffend Art. 43 Abs. 1bis ATSG lässt sich nach Ansicht

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des streitberufenen Gerichts somit auch vor dem Hintergrund der 
verfassungs- und konventionsrechtlichen Überlegungen des Bun- 
desgerichts in BGE 137 V 210 (siehe BGE 137 V 210 E.3.4.2.7) kein 
hinreichend klarer gesetzgeberischer Wille herauslesen, wonach 
die Möglichkeit zur Erwirkung eines anfechtbaren Zwischenent- 
scheides bzw. deren Anfechtung vor dem kantonalen Versiche- 
rungsgericht betreffend eine in Aussicht stehende Begutachtung 
weitestgehend, namentlich betreffend materieller Einwendungen 
wie etwa der Einwand einer unzulässigen «second opinion», hätte 
eingeschränkt werden sollen.

1.6. Nach dem Gesagten stellt die von der Beschwerdegeg- 
nerin erlassene Zwischenverfügung vom 7. Januar 2022 ein taugli- 
ches Anfechtungsobjekt im Sinne von Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. 
Art. 49 Abs. 4 VRG dar (vgl. auch Art. 49 Abs. 4 lit. b VRG).
S 22 5 Urteil vom 15. Juni 2022