# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0543f26-f488-535e-902d-9b41d9132617
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-04-17
**Language:** de
**Title:** Kein Anspruch auf berufliche Massnahmen mangels invalidisierenden Gesundheitsschadens.
**Docket/Reference:** IV.2018.01023
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.01023.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.01023
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiber Würsch
Urteil
vom
17. April 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Gemeinde
Y.___
Sozialamt
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1971 geborene
X.___
hat keine berufliche Ausbildung absolviert
und ist Mutter zweier in den Jahren 1998 und 2009 geborener Kinder.
Seit ihrer Einreise in die Schweiz war sie
mehrheitlich nicht erwerbstätig. Zuletzt war sie von Februar bis März 2008 bei
Z.___
angestellt
(
Urk.
10/14, 10/19
). Unter Hinweis auf eine seit der Jugend bestehende psychische Erkrankung meldete sie sich am 2
6.
Juni 2017 bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/14).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
sowohl
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
10/19) als auch Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
10/18, 10/25, 10/29/6 f., 10/31 und 10/33). Nach Rücksprache mit dem Regio
nalen Ärztlichen Dienst (vgl.
Urk.
10/36/3) stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
4.
September 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 10/37).
Jene erhob dagegen am 1
6.
Oktober 2018 Einwand, wobei sie um nochmalige Überprüfung der Angelegenheit sowie um Zusprechung beruf
licher Eingliederungsmassnahmen ersuchte (
Urk.
10/41).
Nachdem sie erneut beim RAD eine Stellungnahme eingeholt hatte (
Urk.
10/36/3), wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 8. November 2018
wie angekündigt ab (
Urk.
10/44 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
, vertreten durch das Sozialamt der Gemeinde
Y.___
,
am 2
0.
November 2018 Beschwerde
mit dem sinngemässen Rechts
be
gehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr seien die gesetzli
chen
Leistungen zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1).
Mit Verfügung vom 28. November 2018 wurde der Versicherten eine zehntägige Frist angesetzt, um
eine schriftliche Ver
tretungsvollmacht einzureichen (
Urk.
4).
Dieser Auflage kam sie mit Eingabe
vom
4.
Dezember 2018 nach (
Urk.
6 f.). Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Januar 201
9 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), worüber die Ver
sicherte mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalide
nversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1
.3
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Inva
liden
versicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen
des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen
ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
run
gs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
8.
November 2018 (
Urk.
2) zog die Be
schwer
degegnerin zusammengefasst in Erwägung,
die medizinische Abklärung habe ergeben, dass die ausgewiesenen Diagnosen keine länger andauernden oder bleibenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten hätten. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei zwar nachvollziehbar; aus rechtlicher
Sicht handle es sich allerdings um eine vorübergehende, behandelbare Beein
trächtigung. Im Weiteren sei die ärztliche Empfehlung für die Durchführung von Massnahmen zur beruflichen Integration nicht alleine massgebend, um einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung zu generie
ren. Die rechtlichen Voraussetzungen seien nicht erfüllt, weshalb kein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen bestehe.
2.2
Die Versicherte machte in ihrer Beschwerdeschrift vom 2
0.
November 2018 (Urk. 1) im Wesentlichen geltend,
sie leide einerseits an einer rezidivierenden de
pressiven Störung mit paranoiden Zügen, Angstzuständen und Panikstörungen, gegenwärtig mittelgradige Episode. Andererseits bestehe eine soziale Phobie. Gemäss der ärztlichen Beurteilung sei sie zu höchstens 50
%
arbeitsfähig, jedoch vorerst nur in einem Beschäftigungsprogramm. Danach könne die Arbeits
fähig
keit mittels Arbeitstherapie beziehungsweise einem Belastbarkeitstraining, welche
s vom RAD empfohlen werde, bestimmt werden. In Anbetracht dieser Sachlage sei es Aufgabe der Invalidenversicherung, berufliche Eingliederungsmassnahmen zu prüfen und die entsprechenden Leistungen zuzusprechen. Es sei nicht Aufgabe des Sozialamts, solche Massnahmen zu finanzieren, zumal ein Gesundheits
schaden von mindestens 20
%
vorliege.
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Januar 2019 (
Urk.
9) wies die IV-Stelle insbe
sondere darauf hin, dass bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen sei, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert vorliege, der die ver
si
cherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindere, ein renten
ausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen.
Im aktuellsten Bericht der p
sy
ch
iatrischen K
linik
A.___
sei eine rezidivierende depressive Störung leichten Grades diagnostiziert worden. Eine Therapieresistenz sei nicht ausgewiesen, da die bislang durchgeführten Behandlungen nachweislich einen gewissen Erfolg gezeigt hätten. Das Beschwerdebild sei zudem weitgehend durch psychosoziale Faktoren mitgeprägt, die bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht ausgeklammert worden seien. Im Weiteren liege keine relevante psychische
Komorbidität vor. Die Tatsache, dass die Versicherte an fünf Halbtagen pro W
oche an einem Beschäftigungsprogramm habe teilnehmen können, lasse überdies auf positive Ressourcen schliessen. Insgesamt sei gestützt auf die Aktenlage nicht von einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden auszugehen.
3.
3.1
Die behandelnden Ärzte der
A.___
stellten in ihrem Bericht vom 1
1.
Juli 2017 die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome. Die Versicherte sei wach und bewusstseinsklar. Die
Orientierung sei zu allen Modalitäten erhalten. Im Kontakt sei die Beschwer
de
führerin freundlich zugewandt, kooperativ und schüchtern. Sowohl Aufmerksam
keit als auch Gedächtnis seien intakt; die Konzentration sei leicht reduziert.
Formalgedanklich lasse sich eine Kohärenz feststellen; inhaltliche Denkstörungen seien ebenfalls nicht vorhanden. Anhaltspunkte für Zwänge, Störungen der Psy
chomotorik, eine akute Suizidalität oder eine Fremdgefährdung seien nicht erkenn
bar. Im Affekt sei die Versicherte mitschwingend, labil,
klagsam
und deprimiert. Der Antrieb sei mässig-stark reduziert, der Appetit leicht. Die Versicherte leide unter kombinierten Schlafstörungen. Seit Beginn der teilstationären Therapie am 2
5.
April 2017 bestehe
aufgrund der reduzierten Belastbarkeit und Leistungs
fähig
keit
eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Verkäuferin.
Die Versicherte nehme seit dem genannten Datum an vier Halb
tagen pro Woche an einem Beschäftigungsprogramm teil.
Vorausgesetzt, die de
pressive Symptomatik bessere sich deutlich durch eine adäquate Therapie, sei im Verlauf allenfalls mit einer geringen Teilzeittätigkeit in einfacher Tätigk
eit zu rechnen (zum Ganzen Urk.
10/18/2 ff.).
3.2
B.___
, Psychotherapeutin ASPV,
stellte in
ihrem Bericht vom 4.
Okto
ber
2017 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/25/1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33
.1) mit paranoiden Zügen,
-
Angstzustände (ICD-10 F 41.1),
-
Panikattacken und soziale Phobie (ICD-10 F40.01).
Die Versicherte
klage
über depressive Zustände, Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Schlaf
losigkeit, soziale Isolation, Einsamkeit, Angstzustände, eine soziale Phobie und Verfolgungsängste. Ihr Partner habe sich von ihr getrennt und sei mit dem gemeinsamen Sohn ausgezogen. Sie leide sehr unter der Trennung, der Sehnsucht nach dem Sohn, der Einsamkeit und der Angst, ihr Leben nicht alleine bewältigen zu können. Sie könne nicht arbeiten und halte keinen Druck aus. Sie habe zudem Angst vor Leuten, fühle sich unterlegen und habe Angst, herabgesetzt, ausgelacht und «fertig» gemacht zu werden. Objektive Befunde hätten sich in Form von depressiven Zuständen, Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, einem ver
minderten Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühlen von Wertlosigkeit,
Angst
zuständen, Verfolgungsängsten und einer sozialen Isolation eruieren lassen.
Vor diesem Hintergrund könne die Beschwerdeführerin in einer geschützten Werk
statt einer angepassten Tätigkeit nachgehen. Die Prognose sei in dem Sinne positiv, dass sie gerne arbeiten und sich selbständig machen würde. Sie brauche jedoch Zeit, um die Trennung zu verarbeiten und sich neu zu orientieren. Zudem brauche die Versicherte einen Beistand, um ihre administrativen Angelegenheiten
zu erledigen
(
Urk.
10/25/2).
Mit Bericht vom 9. März 2018
bestätigte
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vollum
fänglich
die von
B.___
erhobenen Befunde
und Schlussfolgerungen (
Urk.
10/29/6 f.).
3.3
Vom 3
1.
Oktober 2017 bis 2
6.
Februar 2018
nahm die Beschwerdeführerin erneut bei der
A.___
eine teilstationäre Behandlung
in Form eines Basisbeschäfti
gungs
programms an fünf Halbtagen pro Woche
in Anspruch, wobei für diesen Zeitraum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde.
Gemäss
B
ericht
der
A.___
vom 2
6.
April 2018 habe
die Versicherte
in den letzten Monaten viele Probleme in
ihrer Familie lösen können und die teilstationäre Behandlung dazu nutzen w
ollen, um eine weitere Stabilisierung zu erreichen und den Aufbau von sozialen Kon
takten voran zu bringen. Sie habe grosse Mühe, sich unter Menschen aufzuhalten und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Dies sei eigentlich immer schon so gewesen; verstärkt habe sich dies durch die depressive Entwicklung, wobei sie seit vielen Jahren unter entsprechenden Symptomen leide (
Urk.
10/33/2 f.).
Anlässlich der Untersuchungen sei die Versicherte im Kontakt bewusstseinsklar, zu allen Modalitäten orientiert und schüchtern, aber freundlich zugewandt ge
wesen. Auffälligkeiten in Bezug auf das Gedächtnis oder die Aufmerksamkeit hätten sich nicht ergeben. Das formale Denken sei eingeengt gewesen. Die Be
schwerdeführerin habe zudem - eher in soziophobischem als in paranoidem Sinne - über Furcht und Misstrauen gegenüber anderen Menschen berichtet. Hinweise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen hätten sich nicht ergeben. Im Affekt sei die Versicherte labil, ratlos, deprimiert sowie teilweise ängstlich und
klagsam
erschienen. Der Antrieb sei vermindert
gewesen
und es
habe
ein sozialer Rückzug
vorgelegen. Lebensmüde Gedanken hätten
ebenfalls
bestanden
, aller
dings
ohne
Gefährdungsaspekte.
Diagnostisch liege eine rezidivierende depressive Störung, bei Austritt leichte Episode (ICD-10 F33.0), vor. Nach dem Austritt sei ein durch das Sozialamt organisiertes Beschäftigungsprogramm angedacht. Es sei von einer ungefähr 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
10/33/3 f
f
.).
3.4
Mit Stellungnahme vom 2
5.
Juni 2018 hielt med.
pract
.
D.___
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD fest, dass die vorliegenden Unterlagen für eine psychosoziale Belastungssituation im Rahmen eines Partnerschaftskonflikts mit einem verstärkten reaktiven ängstlich-depres
siven Erleben vor dem Hintergrund eines möglicherweise erhöhten Neurotizismus seit der Kindheit sprechen würden. Konkrete Belege für Letzteres würden aller
dings fehlen.
Die Beschwerdeführerin habe seit dem Austritt aus der
A.___
zu 50
%
in einem Beschäftigungsprogramm gearbeitet, was medizinisch-theoretisch weiter
gesteigert werden könne. Die längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt seit 2002 sowie der erhöhte Neurotizismus würden einen Unterstützungsbedarf
in
Bezug auf eine nachhaltige Integration
wahrscheinlich
machen. Die passagere Arbeits
unfähigkeit von Oktober 2017 bis Februar 2018 entspreche jedoch keinem andau
ernden und invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden (
Urk.
10/36/3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
stel
lt
sich im Wesentlichen auf den Standpunkt,
mit Blick auf die Aktenlage sei kein invalidisierender psychischer Gesundheits
scha
den ausgewiesen, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
ver
siche
rung bestehe. Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, ge
mäss der ärztlichen Beurteilung sei sie höchstens zu 50
%
arbeitsfähig, allerdings vorerst nur in einem Beschäftigungsprogramm.
Die Voraussetzungen für die Zu
sprechung von
berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen
seien erfüllt
(vgl. E. 2.1 ff.).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin legte die Berichte der behandelnden Ärzte
Dr.
D.___
vom RAD vor, welcher
als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
über die not
wendige fachliche Qualifikation verfügt und
letztmals am 2
5.
Juni 2018
Stel
lung bezog (Urk. 10/36/3
, E. 3.4 vorstehend
).
Dabei handelt es sich um eine Akten
beurteilung, da die Versicherte nicht untersucht wurde. Ihr kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesent
lichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2011 vom 2
2.
Dezember
2011 E.
3.2.2).
Anhand der Berichte der behandelnden Ärzte konnte sich Dr.
D.___
ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Krankheitsverlauf und den gegenwärtigen gesundheitlichen Status der Beschwerdeführerin verschaffen. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass er auf eine persönliche Untersuchung der Versicherten verzichtet hat. Näher zu prüfen bleibt, ob die RAD-Stellungnahme auch in der Beurteilung der medizinischen Situation und insbesondere in Bezug auf die Schlussfolgerung einleuchtet, wonach kein invali
den
versicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliege.
4.2.2
Vorab
ist
einerseits
darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich nur schwere psychi
sche Störungen invalidisierend sein können (BGE 143 V 418 E. 5.2.2).
E
ine fach
ärztlich festgestellte psychische Störung
von Krankheitswert muss andererseits umso ausgeprägter vorhanden sein, desto st
ärker psychosoziale und soziokul
tu
relle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen
.
Wo die
beteiligten Fachpersonen
dagegen im
Wesentlichen nur Befunde erheben
, welche in den psychosozialen und sozio
kul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen auf
gehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE
127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Gemäss Bericht der
A.___
vom 2
6.
April 2018 litt die Beschwerdeführerin nach Aus
tritt aus der teilstationären Behandlung am 2
6.
Februar 2018
noch
unter einer
rezidivierenden depressiven Störung mit leichter Episode (ICD-10 F33.0, Urk. 10
/33/4).
Eine schwere psychische Störung lag damit zumindest ab diesem Zeitpunkt bereits mit Blick auf die Schweregradbezogenheit der gestellten Diag
nose nicht mehr vor.
Unter weiterer Berücksichtigung dessen, dass die
A.___
nicht festlegen konnte, welche konkreten Funktionseinschränkungen in Bezug auf die
bisherige Tätigkeit
noch
bestehen
(
Urk.
10/33/5), erweist sich die attestierte Arbeits
unfähigkeit
von
ungefähr 50
%
als nicht
nachvollziehbar
.
Ergänzend ist anzumerken, dass auch die angeführte lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt (vgl.
Urk.
10/33/4, 10/33/6) nicht geeignet ist, eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit
und die Notwendigkeit von Eingliederungsmassnahmen
zu begründen, da dies einen invaliditätsfremden Faktor darstellt.
Ein invalidisierender Gesundheitsschaden ist aber auch in Anbetracht der Aus
führungen
der Psychotherapeutin
B.___
beziehungsweise Dr.
C.___
in
den
Berichten vom
4.
Oktober 2017
und 9.
März 2018 zu verneinen.
Es
fällt
zunächst
auf, dass keine kritische Würdigung der von der Versicherten geschil
derten subjektiven Beschwerden vor
genommen wurde
. Vielmehr
entsprechen die
objektiven Befunde weitestgehend den
angegebenen Beschwerden (vgl. Urk. 10/25
/2, 10/29/7).
Den Berichten mangelt es
zudem an
schlüssigen
Erläute
rungen
dazu,
weshalb
die diagnostizierten
psychischen
Erkrankungen nur noch die Ausübung einer angepassten Tätigkeit in einer geschützten Werkstatt zulassen
sollen
.
Im Weiteren
wird mit Blick auf die
übrigen
Ausführungen deutlich, dass der Krankheitsverlauf massgeblich vom Einfluss und der Entwicklung psycho
sozialer Faktoren geprägt war.
So nahm die Beschwerdeführerin die psycho
the
ra
peutische Behandlung in erster Linie in Anspruch
,
um intensiv an den mit der Trennung von ihrem langjährigen Partner verbundenen Gefühlen zu arbeiten.
Sie
litt
zudem
unter
Sehnsucht nach ihrem Sohn, der mit ihrem
ehemaligen
Partner ausgezogen
war,
unter Einsamkeit und der Angst, ihr Leben nicht alleine bewäl
tigen zu können (
Urk.
10/25/2, 10/29/7
).
Diese Umstände machen deutlich, dass das klinische Beschwerdebild im Wesent
lichen aus Beeinträchtigungen
bestand, welche von den belastenden
psychoso
zialen
Faktoren herrühren.
In Nachachtung der zuvor zitierten bundesgericht
lichen Praxis liegt
daher
kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden
vor, weshalb die
Beurteilung
von
Dr.
D.___
vom 25.
Juni 2018
zu überzeugen vermag
und kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung besteht
.
Zu Zweifeln an der Beurteilung des RAD gibt im Übrigen auch der im Beschwerde
verfahren eingereichte Bericht von
B.___
vom 1
5.
November 2018 (
Urk.
3/4) keinen Anlass. Einerseits ist darauf hinzuweisen, dass für die richter
liche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend sind (BGE 121 V 362 E. 1b, 99 V 98).
Andererseits sind Berichte eines Psychologen nicht geeignet, fachärztliche Feststellungen eines Psychiaters umzustossen (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_880/2015 vom 3
0.
März 2016 E. 4.2.4).
Davon abgesehen vermag der Bericht auch inhaltlich nicht zu überzeugen. Insbesondere bleibt unklar, weshalb der Versicherten bei unveränderten Diagnosen nun nicht einmal mehr eine ange
passte Tätigkeit in einer geschützten Werkstatt zumutbar sein soll.
Mit Blick auf die von der Versicherten geschilderten subjektiven Beschwerden wird ausserdem erneut deutlich, dass psychosoziale Faktoren wie die Trennungssituation und die damit verbundenen Zukunftsängste das Beschwerdebild dominieren.
Gesamthaft ergeben sich aus dem Bericht keine
entscheidrelevanten
Aspekte, welche von
Dr.
D.___
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind
, weshalb auf seine Beur
teilung
weiterhin
abgestellt werden kann.
Abschliessend
bleibt
anzumerken, dass
auf
die Durchführung des vom Bundes
gericht grundsätzlich für sämtliche psychischen Leiden statuierten
indikatorenge
leiteten
Beweisverfahrens aus Gründen der Verhältnismässigkeit
insbesondere dann
verzichtet werden kann
, wenn von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die ihrerseits nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht
(
BGE 143 V 409 E.
4.5.3
).
Diese Voraussetzungen sind
vorliegend
erfüllt.
5
.
Nach dem Gesagten
hat die Beschwerdegegnerin
den Leistungsanspruch
der Ver
sicherten in der angefochtenen Verfügung vom
8.
November 2018 (
Urk.
2) zu Recht
verneint
, weshalb
die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen
ist
.
6
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Gemeinde
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigWürsch