# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b09666d0-8c3d-560f-a4e0-a195e0b73379
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-11-04
**Language:** de
**Title:** Persistierende Rückenbeschwerden nach Diskushernie bei ausgeschöpften Therapieoptionen mit potentieller zukünftiger Gefahr einer psychischen Überlagerung als Schmerzsyndrom gemäss orthopädisch-neurologischem Gutachten (Dr. Wallasch). IV hat Sachverhalt dennoch genügend abgeklärt. Befristete halbe Rente aufgrund anfänglicher Arbeitsfähigkeit von 50 %, teilweise Gutheissung. Beiladung Pensionskasse.
**Docket/Reference:** IV.2018.00932
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00932.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00932
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Spycher
Urteil
vom
4. November 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Pensionskasse
Y.___
c/o
Avadis
Vorsorge AG
Zollstrasse 42, Postfach
1077
, 8005 Zürich
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1966,
war
seit 2009 als Eisenleger
bei der
Y.___
AG
angestellt
(Urk. 7/14).
Am 17. März 2017 meldete er sich unter Hinweis auf
Fuss- und
Rückenbeschwerden sowie eine Operation an der Len
den
wirbelsäule (LWS)
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab
und zog die Akten der Kran
ken
taggeldversicherung Helsana bei (Urk.
7
/8). Nachdem der Versicherte im August 2017 ein zweites Mal
an der Wirbelsäule
operiert
worden war
(Urk.
7
/20 und
7
/24
/4
),
teilte
ihm
die IV-Stelle
am 29. September 2017 mit, dass Eingliede
rungs
massnahmen derzeit aufgrund des Gesundheitszustandes nicht möglich seien und der Rentenanspruch nach Ablauf des Wartejahres geprüft werde (Urk.
7
/23).
Anschliessend zog die IV-Stelle weitere Akten der Helsana bei (Urk. 7/27) und gab ein
bidisziplinäres
Gutachten in den Fachrichtungen Orthopädie und Neu
rologie in Auftrag (Urk. 7/38), welches
durch Dr. med.
Z.___
, Facharzt Ortho
pädische Chirurgie
und
Traumatologie des Bewegungsapparates, und Prof. Dr. med.
A.___
, Facharzt Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie,
am 20. Juli 2018 erstattet wurde (Urk. 7/41).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Urk.
7/44 und 7/45
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
26. September
2018 einen
Renten
anspruch (Urk.
7/51 = Urk.
2).
2.
X.___
erhob am
2
3.
Oktober
2018 Beschwerde gegen die rentenab
weisende Verfügung und beantragte, diese sei aufzuheben und
es sei die vorlie
gende Streitsache zu weiteren Abklärungen (insbesondere einer polydisziplinären Begutachtung) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die
Beschwerdegegnerin
ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
2
9
.
November 2018
um Abwei
sung der Beschwerde
(Urk.
6
)
, was dem Beschwerdeführer mit Ver
fü
gung vom 30. November 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8)
.
Mit Verfü
gung vom 20. August 2020 wurde die Pensionskasse
Y.___
zum Prozess bei
geladen und ihr
Gelegenheit eingeräumt
, um zur Beschwerdeschrift und zur Beschwerdeantwort Stellung zu nehmen und allfällige Beweismittel einzureichen
(Urk. 9).
Die
Pensionskasse liess sich innert Frist nicht vernehmen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 26. September 2018 erwog die Be
schwer
degegnerin, der Beschwerdeführer
sei
seit September 2016
in der bisherigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig, eine
dem Leiden
angepasste Tätigkeit
sei ihm
von September 2016 bis Oktober 2017 zu 50 % und
seit
her
zu 100
%
zumutbar. Der Einkommensvergleich
unter Erhebung seines Einkommens als Bauarbeiter sowie eines statistischen Wertes
als Invalideneinkommen
ergebe einen Invalidi
tätsgrad von
17
%
(Urk. 2).
2.2
Dagegen brachte
der Beschwerdeführer
– unter Beilage
von
Arztberichte
n
(Urk.
3/3-5) -
in seiner Beschwerdeschrift vom 23. Oktober 2018 vor, dass er auch an psychischen Beschwerden leide und das bidisziplinäre Gutachten den Anfor
derungen somit nicht genüge. Obwohl er anlässlich der Begutachtung ang
egeben h
ab
e
, in psychiatrischer Behandlung zu stehen, sei kein Bericht eingeholt worden. Die Beschwerdegegnerin habe demzufolge den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Aus somatischer Sicht bestehe überdies kein definitiver Zustand, so dass die Verfügung zu früh erlassen worden sei (Urk. 1 S. 2
und S. 5
)
.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. November 2018 führte die Beschwerde
gegnerin ergänzend aus, dass im Gutachten lediglich eine beginnende psychische Überlagerung und Gefahr der zukünftigen Entwicklung einer chronisc
hen Schmerzstörung erwähnt worden sei
. Eine depressive Stimmungslage
habe
nicht erkannt werden
können
und es sei eine medikamentöse Non-Compliance fest
gestellt worden, so dass
kein Hinweis auf e
in langandauerndes psychisches L
eiden von erheblicher Schwere im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn bestehe, welches weiter abgeklärt werden müsste (Urk. 6).
2.
4
Strittig und zu prüfen ist damit die rechtsgenügende Abklärung des Sachverhaltes durch die Besch
werdegegnerin
sowie der Rentenanspruch des Beschwerdeführers
.
3.
3.1
Beim Beschwerdeführer sind seit 2011 bestehende Rückenbeschwerden doku
mentiert (vgl. Bericht
e
seines Hausarztes Dr. med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin, vom
4. Januar 2012 und
26. Juni 2017
,
Urk.
7/21
/1
sowie Urk. 7/21/11
).
Am 9. Februar 2017 berichtete Dr. med.
C.___
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, über eine am 2. Februar 2017 beim Beschwerdeführer durchge
führte
epidurale
Infiltration L4/5 links
. Gestützt auf
die neurologische Abklärung durch Dr. med.
D.___
vom 3. Februar
2017
(Urk. 7/8/24-25) und
den
bildge
ben
den Befund
im
MRI vom August 2016
(
Urk. 7/8/26-27)
, das
eine
Spondylarthrose
der unteren LWS mit
rezessaler
Enge sowie Einengung der
Neuroforamina
LWK
4/5 beidseits und Irritation L4 beidseits sowie L5 rechts und Kompression L5 links, sowie einer
osteodiskalen
Enge
Neuroforamina
L5/S1 und Irritation L5 beidse
its, rechts
betont
,
zeigte, diagnostizierte er ein
lumboradikuläres
Syndrom mit sensomotorischem Ausfall
.
Gemäss
Dr.
C.___
sei
eine rein sitzende Tätigkeit mit wiederholten Möglichkeiten für kurzes Aufstehen und Durchbewegen in einem P
ensum von
maximal
50 % durchführ
bar
(Urk. 7/8/18-19).
Weitere Infiltrationen hatte Dr.
C.___
bereits im September 2016, im Oktober 2016 sowie im November 2016 durchgeführt, wodurch jedoch keine Besserung
ein
getreten
war
,
so
dass er den Beschwerdeführer
im Februar 2017
an die Wirbel
säulenchirurgie
der Universitätsklinik
E.___
überwies (Urk. 7/8/23).
3.2
Am 24. Februar 2017 stellte sich der Beschwerdeführer in der Wirbelsäulen
chi
rurgie der Universitätsklinik
E.___
vor
. D
em Bericht des Oberarztes Dr. med.
F.___
ist zu entnehmen, dass gemäss dem MRI vom 14. Februar 2017 eine breit
basige
Diskusprotrusion
L4/5 und
eine
recessale
Neurokompression L5 links bestehe und der Beschwerdeführer zunächst einen Nervenwurzelblock L5 links erhalte (Urk. 7/8/28-29
).
Gemäss Operationsbericht vom 27. Februar 2017 wurde
n
in der Universitätsklinik
E.___
eine mikrochirurgische Dekompression
L4/5 links, eine
Sequest
rektomie
und
Neurolyse
L5 links
durchgeführt
(Urk
. 7/27/13). Am
3. Mai 2017
berichtete
n
die
Orthopäden der Universitätsklinik
E.___
über eine deutliche Besserung
der Beschwerden
. Es sei vom 25. Februar bis 30. April 2017 eine 100%ige und vom 1. bis 31. Mai 2017 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit als Eisenleger ausgestellt worden. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar
(
Urk. 7/16
/7
).
Für zwei Monate postoperativ sei keine Belastung möglich. Eine angepasste Arbeit könne
ab
Februar 2017 zu 50 % aufgenommen werden (Urk. 7/16/8).
Einen anschliessenden Arbeitsversuch an seinem Arbeitsplatz musste der Be
schwerdeführer
wegen der Schmerzen
sogleich abbrechen (Urk. 7/12
-
13).
Ein weiteres MRI am 12. Mai 2017
zeigte eine Diskushernie L4/L5 mit Wurzelkom
pression
und es wurde eine Infiltration der Nervenwurzel L5 links geplant
. Der Facharzt
der Wirbelsäulenchirurgie der Universitätsklinik
E.___
attestierte am 17. Mai 2017 eine dreimonatige Arbeitsunfähigkeit im belastenden Beruf auf der Baustelle
(Urk. 7/21/6
-7
).
Am 21. Juni 2017 bescheinigte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 25. Februar bis 31. Juli 2017 und von 50 % ab 1. August 2017 (Urk. 7/27/3).
3.3
Am
25. September 2017
berichtete der
Wirbelsäulenchirurge
de
r Universi
täts
klinik
E.___
über den postoperativen Verlauf nach
erneuter
mikrochirurgischer De
k
ompression und
Sequestronukleotomie
am 21. August 2017
. T
rotz zwei
ma
liger Dekompression
würden
die Beschwerden gemäss den Schilderungen des Beschwerdeführers persistieren
. D
ieser
werde
an das Schmerzambulatorium des Universitätsspitals
G.___
überwiesen (Urk. 7/24/7-8
, vgl. auch Urk. 7/27/19
).
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin betreffend die Arbeitsfähigkeit ergänzten die Fachärzte a
m 27. Oktober 2017
, dass eine angepasste Tätigkeit ohne manuelle
Belastung der unteren Extremität in einem Pensum von 25-50 % gegebenenfalls möglich sei (Urk. 7/24/5).
Einem weiteren MRI-B
efund vom 1. November 2017 waren
nahezu
unveränderte vorbestehende degenerative Veränderungen zu entnehmen sowie umfangreiche postoperative Residuen mit ödematös narbigen Weichteilalterationen und eher progrediente
r
Einengung des linksseitigen
Recusses
unter fortbestehender Kom
pression der Wurzel L5 links (Urk. 7/27/42-43).
3.4
Am
31. Oktober und
27. November 2017 berichtete das Schmerzambulatorium des Universitätsspitals
G.___
über
die Konsultation
des Beschwerdeführers.
Ober
ar
zt Dr. med.
H.___
diagnostizierte tieflumbale Rückenschmerzen mit L5-Radi
ku
lopathie. Er
stufte d
i
e
Beschwerden als multifaktor
i
ell ein (
nozizeptiv
-neuropa
thisch,
bei
degenerative
n
Veränderungen und
myofasziale
n
Fehlbelastungen),
optimierte die medikamentöse Versorgung
und initiierte eine transkutane Nerve
n
stimulationsbehandlung
(
Urk. 7/27/37-38
sowie 7/27/44-4
7
;
weitere Verlaufsbe
richt
e
vom 9.
und 31
Januar 2018 in Urk. 7/28/6-7
sowie Urk. 7/30/6-8
mit Hinweis auf weiterhin unverän
derte Beschwerden bei
Abgabe von Tramadol
).
3.5
Am 20. Dezember 2017 erstatte
te
Dr. med.
I.___
, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
ihr vertrauensärztliches Gutachten zu
handen der Helsana (Urk. 7/27/25). Sie kam zum Schluss, dass die Untersuchung nur bedingt reproduzierbare Schmerzen ergeben habe und bei den Funktions
überprüfungen ohne Bezug zur Wirbelsäule keine Beschwerden der Wirbelsäule angegeben w
o
rden
seien
(Urk. 7/27/32). Für eine leidensangepasste Tätigkeit ergebe sich ab sofort eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, sofern es sich um körperlich leichte Tätigkeiten handle, die vorwiegend im Sitzen verrichtet werden könnten. Eine Steigerung auf 100 % sei per 1. Februar
oder März
2018 zu erwarten. Dringend notwendig sei der Übergang in aktive Massnahmen wie Physiotherapie und Medizinische Trainingstherapie
(MTT)
. Ab April 2018 bestehe
eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit als Eisenleger
(Urk. 7/27/3
3-3
4).
3.6.
Am 9. Februar 2018 verfasste Dr.
F.___
von der Universitätsklinik
E.___
unter Bezug auf ein neues MRI vom 1. Februar 2018
(Urk. 7/41/125)
einen Sprech
stundenbericht
. Er diagnostizierte eine persistierende
Wurzelclaudicatio
L5 links
seitig mit teilweise neuropathischem Charakter und
weiterhin ausgeprägten Schmerzen lumbal sowie im linken Bein
, wobei
bildgebend keine klare Nerven
kompression sichtbar sei
. Eine erneute Operation werde nicht empfohlen, da der Beschwerdeführer von der letzten Dekompression b
eziehungsweise
Neurolyse
und
der Infiltration der L5-Wurzel (als
jetzt
noch mögliche Therapieoption) nicht profitiert habe. Die Fortführung der Schmerztherapie werde empfohlen
, da die
Behandlung in der Wirbelsäulenchirurgie abgeschlossen worden sei
. Die Tätigkeit als Eisenleger sei nicht möglich, gegebenenfalls wäre aber eine angepasste, wechselbelastende Tätigkeit teilprozentig möglich
(Urk. 7/33/3
, vgl. auch Bericht vom 26. April 2018
,
Urk. 7/36/4-6
)
.
3.7
3.7
.1
Am 20. Juli 2018 wurde das bidisziplinäre Gutachten von
Prof.
Dr.
A.___
und Dr.
Z.___
erstellt (Urk. 7/41). In der interdisziplinären Konsensbeurteilung
nannten
die Gutachter
folgende Diagnosen mit Auswirkungen
auf die Arbeits
fähigkeit
(Urk. 7/41/10):
-
Alter Wurzelschaden L5 links und erneute
Rezidivhernie
mit Bezug zur Wurzel L5 links ohne sensomotorische radikuläre Ausfallsymptomatik, ohne neuropathisch radikulären Schmerz, jedoch bei lumbal lokalisierter
myofaszialer
Schmerzsymptomatik und einer funktionell zu interpre
tie
renden Sensibilitätsstörung im linken Bein bei beginnender Symptomaus
wei
tung mit/bei
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 links,
Seque
ste
rek
tomie
und
Neurolyse
L5 links am 27. Februar 2017 mit anfänglicher Besserung der Symptomatik und
-
Frührezidivhernie
L4/5 mit Kompression der L5-Wurzel
rezessal
links im Sommer 2017, welche zur mikrochirurgischen Re-Dekompres
sions
operation L4/5 links führte, mit
Sequestronukleotomie
vom 21. August 2017
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzs
yndrom ohne Radikulopathie (ICD-
10 M54.97) bei
-
Osteochondrosen und begleitende
n
Spondylarthrosen
der unteren tho
ra
kalen und insbesondere lumbalen Bewegungssegmente mit Nachweis anterior aktivierter
Osteochondrosen BWK12/LWK1 sowie LWK 3/2
-
linksbetonter
rezessaler
Enge und Einengung der
Neuroforamina
LWK 4/5 beidseits
-
ossär
diskaler
Einengung der
Neuroforamina
LWK5/SWK1 mit Beto
nung der rechten Seite
-
postoperativen Vernarbungen im Bereich L4/5 links ohne klare Nerven
kompression
-
Status nach im Februar und August 2017 erfolgter mikrochirurgischer Dekompression L4/5 mit
Sequesterektomie
und
Neurolyse
L5 links
3.7
.2
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine initiale, rechtsseitig betonte Coxarthrose mit einer Chondropathie Grad
Kellg
r
en
I
(
ICD-10 M16.01
;
Urk. 7/41/10).
3.7
.3
Die Gutachter hielten in der Konsensbeurteilung fest, dass sich die neurologische und orthopädische Einschätzung
nicht addieren, sondern
überschneide
n würden
(Urk. 7/41/16)
,
und gaben in der Gesamtbeurteilung je ihre eigene Einschätzung wi
e
der
(Urk. 7/41/1
4
, vgl. nachfolgend E. 3.7.4 und 3.7
.5
).
Einig waren sich die
Gutachter darüber, dass f
ür die angestammte Tätigkeit als Eisenleger auf dem Bau seit dem 1. September 2016 (Datum der ersten Krankschreibung)
eine
vollständig
e
A
rbeitsunfähig
keit bestehe
.
In einer Verweistätigkeit bescheinigte der begutach
tende Neurologe eine vollstän
d
ige Arbeitsunfähigkeit während der Operationen und einer jeweiligen
Rekonvaleszen
z
zeit
von sechs Wochen; im Übrigen hielt er eine Arbeitsfähigkeit
von
50 % ab September 2016 und eine solche von 100 % seit dem
bildgebenden Nachweis der fehlenden Wurzelkompression
im
Februar 2018
für zumutbar (Urk. 7/41/14). Der orthopädische Sachverständige erachtete in einer
rückenadaptierte
n
Tätigkeit mit intermittierend s
t
ehender, gehe
n
der und sitzender Körperposition eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 %
für gegeben
(Urk. 7/41/1
4
)
, dies spätestens seit 1. November 2017 (Urk. 7/41/15).
Dazu führten
die Experten
aus, b
eim Beschwerdeführer hätten sich keine Auf
fälligkeiten in der Persönlichkeit ergeben, ferner sei die Ressourcenlage mässig und multiple psychosoziale Belastungsfaktoren würden das Bild prägen. In der neurologischen körperlichen Untersuchung sei
d
er
Beschwerdeführer
zudem de
monstrativ verdeutlichend gewesen; eine Aggravation oder Simulation wurde hin
gegen verneint. Bezüglich der medikamentösen Behandlung bestehe eine Non-
Compliance, was den tatsächlichen Leidensdruck hinterfragen lasse (Urk. 7/41/12
).
3.7
.4
Der Beschwerdeführer schilderte gegenüber
Prof.
Dr.
A.___
, dass er seit drei Wochen auf Überweisung seines Hausarztes psychiatrisch behandelt werde, da er nach der Kündigung psychisch eingebrochen sei (Urk. 7/41/68).
Der Gutachter
vermochte
indes
k
eine depressive Stimmungslage bei guter Schwin
g
ungs
fähig
keit, erhaltener Freudfähigkeit und regelrechtem Antrieb – den drei Hauptsymp
tomen einer Depression –
zu erkennen (Urk. 7/41/75).
In d
er
neurophysiologischen Untersuchung
erhob Prof. Dr.
A.___
keine Hin
weis
e
auf einen Wurzelschaden L5 links, eine Wurzelkompression S1 beidseits
oder
eine proximale Nervenläsion
/
Plexopathie
.
Überdies bestünden keine Z
eichen einer Polyneuropathie und eine Sensibilitätsstörung
habe sich
nicht bestätigen lassen (Urk. 7/41/79).
Prof.
Dr.
A.___
setzte sich nach eigener Untersuchung des Beschwerdeführers
ausführlich
mit den ihm vorliegenden Berichte
n
der be
handelnden Ärzte auseinander
(Urk. 8/41/83-86)
.
Abweichend zu den Ärzten der Universitätsklinik
E.___
(vorstehend E.
3.
6) verneinte er
d
as
Vorliegen eines neuropathischen Schmerzes auf der Grundlage der Budapester Kriterien; es be
stünden weder eine
Hyperpathie
, noch eine
Allodynie
, noch vegetative Störungen (Urk. 7/41/86).
Aus den
MRI-Bilder
n
vom 1.
Februar
2018
(Urk. 7/41/
125
) ersah
Prof.
Dr.
A.___
eine chronisch neurogene Läsion der L5-Wurzel links (alter Wurzel
schaden) sowie
ein
Hernienrezidiv
mit neuerlicher Wurzelkompression L5 links
. Es
bestünden jedoch
keine
objektivierbare
n
sensomotorische
n
Ausfälle und
kein
neuropathisch
radikuläre
r
Schmerz,
indes eine
lumbal lokalisierte
myofasziale
Schmerzsymptomatik und eine funktionell zu interpretierende Sensibilitätsstö
rung im linken Bein, die im Sinne einer Symptomausweitung zu interpretieren sei (Urk. 7/41/
88-
90).
Nach der
Einschätzung
des begutachtenden Neurologen
habe
die Symptomatik im Verlauf nach der
Rezidivoperation
unter fehlender Besserung und vor allem der beruflichen Perspektivlosigkeit des Beschwerdeführers eine beginnende psy
ch
ische Überlagerung erfahren
, die sich mit der organisch nicht objektivierbaren Sensibilitätsstörung im linken Bein beginnend manifestiert habe.
Aktuell bestehe noch keine Selbstlimitierung; ebenso kein sekundärer Krankheitsgewinn. Jedoch sah
Prof.
Dr.
A.___
prognostisch eine deutliche Gefahr für die Entwicklung einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, da die Rückzugstendenzen eindeutig
dafür
sprechen würden
. Aus somatischer Sicht seien die prämo
r
biden Pers
önlichkeitsstrukturen intakt. Der Beschwerde
führer
habe eine soziale Teilhabe und es fänden sich keine Faktoren, die die Standardindikatoren nachhaltig einschränken würden
(Urk. 7/41/12).
Aus neuro
logischer Sicht sollte eine multimodale Schmerztherapie erfolgen (Urk. 7/41/16
). Diskrepant seien die Angaben
des Beschwerdeführers zur Einnahme von Schmerzmitteln
und schmerzdistanzierendem Antidepressivum
im Vergleich
zu den Ergebnissen der Blutserumspiegelkontrolle gewesen, wonach
keine der
ange
gebenen Analgetika und des
Duloxetin
nachweisbar gewesen seien, was den Leidensdruck in Frage stelle (Urk. 7/41/73-74)
. Psychosoziale Faktoren seien vor
handen, würden das Störungsbild aber (noch) nicht dominieren (Urk. 7/41/97). Der weitere Verlauf sei wesentlich davon abhängig, welche berufliche Perspektive der Beschwerde
führer für sich entwickeln könn
e (Urk. 7/41/94).
Aus neurologischer Sicht bestehe eine Diskrepanz der subjektiven Klagen zu den objektiven Befunden. Fähigkeitseinschränkungen seien aktuell nicht zu beschrei
ben, mit Ausnahme von Massnahmen zum Wurzelschutz (Urk. 7/41/11).
Gemäss
Prof.
Dr.
A.___
bestehe für eine leichte körperliche oder geistige, wechselbelastende Tätigkeit ohne besondere Anforderungen an die Funktionalität der Lendenwirbelsäule
eine Arbeitsfähigkeit von 100 %.
Diese Einschätzung gelte mindestens seit Februar 2018
(Nachweis der fehlenden Wurzelkompression)
.
Zu
vor habe infolge der radikulären Wurzelkompression mit sensomotorischen Defi
ziten ab September 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden. Während der stationären Aufenthalte
habe definitionsgemäss zuzüglich einer jeweilig
en post
operativen
Rekonvaleszenz
zeit
von sechs Wochen eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit vorgelegen
.
Die
angestammte
Tätigkeit als Eisenleger erachtete der Gut
achter aus neurologischer Sicht
seit September 201
6
für nicht mehr zumutbar
(Urk. 7/41/14
, Urk. 7/41/100
).
3.7
.5
Gegenüber Dr.
Z.___
beklagte der Beschwerdeführer einen permanent anhal
tenden
lumbospondylogenen
Schmerz ohne Schmerzfortleitung in die unteren Extremitäten und Schme
r
zen im Bereich des linken Beckens (Urk. 7/41/138-139). Weiter
gab
er
an, dass er etliche Schmerzmedikamente ausprobiert habe
,
seine Schmerzen sich aber allenfalls nur gering bessern würden und dies auch nur für kurze Zeit. Insbesondere in einer länger währenden
,
stehenden oder gehenden Körperposition würde er am meisten Schmerzen verspüren. In einer sitzenden Position könne er für 30 bis 60 Minuten verharren (Urk. 7/41/140).
P
sychisch
sei er
beschwerdefrei (Urk. 7/41/145).
Anlässlich de
r
orthopädischen
Untersuchung stellte Dr.
Z.___
eine durchgehende Konsistenz der Befunde
fest
. Im Hinblick auf die LWS-Schmerzen sei eine
end
gradige
Bewegungseinschränkung mit einem Finge
r
-Boden-Abstand von 28
cm und einer Verkürzung der
ischioc
r
uralen
Muskulatur feststellbar
gewesen
, dies ohne paravertebralen Hartspann oder segmentale Mikroinstabilität. Im Übrigen waren die Befunde unauffällig bzw. regelrecht (Urk. 7/41/176). Gemäss Dr.
Z.___
sei
der Beschwerdeführer in der biomechanischen Funktion seiner
Lenden
wirbel
säule limitiert
, mit einer hieraus unweigerlich erwachsenden Einschränkung der Geh- und Stehfähigkeit (Urk. 7/41/11).
Für eine rückenadaptierte Tätigkeit mit intermittierend stehende
r
, gehender und sitzender Körperposition sei aus ortho
pädischer Sicht eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % gegeben (Urk. 7/41/12).
Diese Einschätzung gelte spätestens seit November 2017, da nach einer monosegmentalen lumbalen
Sequeste
re
ktomie
eine postoperative Rekonva
leszenz von längstens zwei Monaten bestehe (Urk. 7/41/15).
D
er Beschwerde
führer
sei
hinsichtlich seiner analgetischen Therapie nicht adäquat versorgt
, dies aufgrund der Blutanalyse, welche keine Spuren der angegebenen Analgetika auf
ge
zeig
t
habe
.
Auch sollte ein regelmässig durchgeführtes physiothera
peuti
sches Training zur Kräftigung und Stärkung der Rückenmuskulatur etabliert werden (Urk. 7/41/16
und 7/41/178
).
In der angestammten schweren körperlichen Tätigkeit bescheinigte Dr.
Z.___
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Eine rückenadaptierte Tätigkeit mit inter
mittierend stehender, gehender und sitzender Körperposition erachtete er aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Pensum zu 100 % für zumutbar (Urk. 7/41/182).
3.8
Dr. med.
J.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) stufte das Gutachten in seiner Stellungnahme vom 31. Juli 2018 als beweiswertig ein und gab in
dessen
Zusammenfassung wi
e
der, dass der Beschwerdeführer seit September 2016 in einer angepassten Tätig
keit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % aufweise
und
seit November 2017 eine solche von 100 %
. Die bisherige
Tätigkeit
sei dauerhaft nicht mehr möglich
(Urk.
7/43/10).
3.9
Dem im Verfahren aufgelegten
Bericht des behandelnden Dr. med.
K.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Oktober 2018 (Urk. 3/3
)
ist als Diagnose
aus seinem Fachbereich
eine rezidivierende Depression, derzeit mittelgradige Episode
(
ICD-10 F33.1
)
,
zu entnehmen.
Gemäss Dr.
K.___
gestalte sich der Behandlungsverlauf schwierig, da der Beschwerdeführer aus
schliesslich somatisch auf seine Erkrankung eingehen könne. Zur Verbesserung der Schmerzsymptomatik werde derzeit weiter versucht, die neuropathischen Schmerzen mit Medikamenten und einem Reha-Aufenthalt zu verbessern. Erst anschliessend sollte eine Verbesserung der psychopharmakologischen Medikation erfolgen.
Im Befund sei der Beschwerdeführer antriebsarm, im Affekt ratlos, affek
tarm, deprimiert, hoffnungslos, ängstlich, dysphorisch, gereizt, innerlich un
ruhig und klagsam. Es bestün
den eine Störung im Sinne einer
Einengung auf die gesundheitliche und rechtliche Situation sowie Grübelneigung und Gedan
ken
kreisen.
3.10
Zwei weitere, der Beschwerde beigelegte Berichte geben über den Verlauf der somatischen Beschwerden Auskunft.
Gemäss dem Bericht
des Neurologen
der Universitätsklinik
E.___
vom 10. August 2018
sei der neurophysiologische Be
fund vereinbar mit einer chronischen radikulären Schädigung L4/5 links mit EMG-Zeichen einer zusätzlichen frischeren Schädigung (Urk. 3/5). Dr.
H.___
berichtete am
28. August 2018, dass bei bekannter Diagnose die Medikation an
gepasst werde
. Eine erneute Wurzelinfiltration als mögliches Prozedere sei derzeit nicht prioritär
(Urk. 3/4).
4.
4.1
Einigkeit herrscht
zwischen den Parteien
– was
im Einklang
mit der gut
ach
terlichen Konsensbeurteilung
wie auch den Einschätzungen des RAD-Arztes und der behandeln
d
en Ärzte
steht -
über den Umstand, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der somatischen Befunde
die angestammte,
körperlich schwere
Tätigkeit als
Eisenleger
seit September 2016 und
auf Dauer
nicht mehr zumutbar ist.
4.2
Zur Klärung der Frage,
in welchem Ausmass
Verweistätigkeiten dem Beschwer
deführer zumutbar sind, holte die Beschwerdegegnerin ein
bidisziplinäres
Gut
achten ein
. Die beiden
Sachverständigen
setzten sich mit den
vom Beschwer
de
führer
geklagten Beschwerden
im Rahmen einer vertieften Befragung
(Urk.
7/41/66-74 und 7/41/138-147)
ausführlich auseinander und nahmen diverse
fachspezifische
Untersuchungen und Erhebungen
(wie etwa eine labor
chemische Untersuchung und eine nativradiologische Bildgebung)
vor
(Urk. 7/41/76-82 und 7/41/148-170)
.
Die durch die orthopädische Untersuchung erhobenen Befunde sind von Dr.
Z.___
ausführlich dargestellt und
nachvollziehbar dargelegt
worden (Urk. 7/41/176).
Prof.
Dr.
A.___
führte neurophysiologische Testungen durch, welche er im Gutachten dokumentierte (Urk. 7/41/78
und 7/41/103-115
). D
ie
Gutachter
setzten sich auch differenziert mit den Vorakten auseinander und insbesondere
Prof.
Dr.
A.___
umschrieb und begründete seine abweichende
Ein
schätzung
aufgrund der bildgebenden Befunde ausführlich und nachvoll
ziehbar
(Urk. 7/41/83-89)
.
4.3
Prof.
Dr.
A.___
(welcher auch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist) ging
zusätzlich
auf die vom Beschwerdeführer
a
ufgenommene
psychiatrische Behandlung ein
und hielt
dazu
fest, dass er die wichtigsten Merkmale einer Depression nicht habe feststellen können. Er
erkannte die drohende Problematik der persistierenden Schmerzen
bei kontinuierlicher Minderung der Selbstwirk
samkeitserwartung
und
wies
deswegen
auf die Gefahr einer depressiven Über
lagerung
und der Entwicklung einer chronischen Schmerzstörung
hin, was vor dem Hintergrund der
erkennbaren
beruflichen Perspektivenlosigkeit sowie der ausgeschöpften
und bisher erfolglosen, operativen
Therapieoptionen nachvoll
ziehbar ist
(Urk. 7/41/95)
.
In Anbetracht dessen
, dass insbesondere Prof. Dr.
A.___
(mit der entspre
chen
den Facharztausbildung, wenngleich es sich
formell
nicht um ein psychia
trisches Fachgutachten handelt) keine Befunde erheben konnte, die auf
ein
de
pressive
s Krankheitsbild
hinwiesen, ist nicht zu beanstanden, dass die Be
schwer
degegnerin im Anschluss an die Begutachtung keinen Bericht beim Behandler eingeholt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt waren den umfangreichen medizinischen Vorakten auch keine Anhaltspunkte für ein psychiatrisches
Leiden
zu entnehmen. Ein solches wurde zudem weder in den jüngsten Schreiben des Hausarztes Dr.
B.___
vom 25./26. Januar 2018 (Urk. 7/28/1, Urk. 7/29) noch in den Berichten der Ärzte der behandelnden Kliniken aus dem Zeitraum von Anfang 2018 erwähnt (Urk. 7/30/6, Urk. 7/33-34
)
. Ferner steht es einem Gutachter frei, sich
mit anderen Ärzten in Verbindung setzen, liegt doch das Einholen fremdanamnestischer Auskünfte in
seinem Ermessensspielraum
(Urteil des Bundesgerichts 9C_65/2012 vom 28.
Febru
ar 2012 E. 4.3).
Der RAD-Arzt hat – entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers – den Hinweis der Gutachter auf eine potentielle psychische Überlagerung zur Kenntnis genommen (vgl. Urk. 7/43/9). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer in der Begutachtung angab, seit drei Wochen auf Veranlassung seines Hausarztes einen Psychiater aufzusuchen, verpflichtete die Beschwerdegegnerin
–
angesichts
der vom begutachten
d
en Facharzt erhobenen unauffälligen psychischen Befunde - nicht, einen Bericht einzufordern. Überdies wäre es auch dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen, entsprechende Vorbringen nach Erhalt des Vorbescheids vom 15. August 2018 einzuwenden; ein solcher Einwand blieb jedoch aus.
Der behandelnde
Dr.
K.___
diagnostizierte am 16. Oktober 2018 zwar eine rezidivierende depressive Episode (Urk. 3/3)
. Doch ist s
einen Ausführungen nicht zu entnehmen
, dass
die Episode
bereits im Begutachtungszeitpunkt oder bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 26. September 2018 vorgelegen hätte
. Sodann legte er nicht dar,
dass oder
inwiefern die
abweichende gutachterliche Beurteilung
unzutreffend wäre
.
Rechtsprechungsgemäss lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen
oder
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen
.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind, wofür hier keine Anhaltspunkte ersichtlich oder dargetan sind
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen). Schliesslich
geht aus dem
Bericht
von Dr.
K.___
auch nicht
hervor
, dass das depressive Bild die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde.
4.4
Die Einschätzung
der Gutachter
in somatischer Hinsicht
, wonach dem Beschwer
deführer eine wechselbelastende Tätigkeit in einem Vollzeitpensum zumutbar sein soll, ist unter dem Gesichtspunkt der erhobenen Befunde sowie der
Beur
teilung
durch
Dr.
I.___
(vgl. E. 3.5)
plausibel
. Hinsichtlich der Angaben der behandelnde
n
Ärzte, wonach eine adaptierte Tätigkeit nur in einem Teilzeit
pensum möglich sei, ist auf den Umstand hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte tendenziell zu Gunsten ihrer Patienten aussagen und ihre Einschätzung deswegen
als
ni
cht im
gleichen
Umfang objektiv einzustufen ist, wie dies bei einem unab
hängigen Gutachter der Fall ist (
Divergenz von medizinischem Beha
ndlungs- und
Abklärungsauftrag, vgl. etwa
BGE 124 I 170 E. 4
und
Urteil
des Bundesgerichts
I 701/05 vom 5. Januar 2007 E. 2 in f
ine, mit zahlreichen Hinweisen)
.
Gründe, wieso eine wechselbelastende, den Beschwerden des Beschwerdeführers optimal angepasst
e
Tätigkeit nicht in einem Vollzeitpensum möglich sein sollte, gehen aus den Berichten de
r
Universitätsklinik
E.___
und des
L.___
nicht hervor.
Die
Gutachter
betonten
auch den Umstand, dass der Leidensdruck
des Beschwerdeführers
b
eziehungsweise
dessen Ausmass vor dem Hintergrund der im Blut nicht nachweisbaren Medikamente
– trotz
der
Behauptung
, diese am Morgen eingenommen zu haben -
zumindest in Frage zu stellen sei
. Diesen Um
stand haben die behandelnden Fachleute
gänzlich
ausser Acht gelassen, was insbesondere den Beweiswert der Einschätzung durch
die Fachleute des
L.___
,
das
primär eine medikamentöse Therapie beim Beschwerdeführer vornimmt
(Urk. 7/33/5)
, erheblich schmälert
.
Es ist auch nicht ersichtlich, dass die
behandeln
d
en Ärzte im Rahmen ihrer Zumutbarkeitsbeurteilung der
von Prof. Dr.
A.___
beschriebene
n
Schmerzverdeutlichung
Rechnung getragen hätten.
Diskrepanzen bestehen in medizinischer
Hinsicht betreffend
das Vorliegen einer Radikulopathie. Prof. Dr.
A.___
stellte
eine
aktuelle
Wurzelbeteiligung
in Abrede
, während
Dr.
C.___
wie auch die Ärzte des
L.___
und der Universitätsklinik
E.___
eine solche postulierten und noch anlässlich der
Bildgebung vom 1.
November 2017 eine Wurzelkompression L5 beschrieben wurde
. Dagegen vermochte
Dr.
F.___
aufgrund
d
er jüngsten Bildgebung ke
ine klare Nervenkompression
mehr a
uszumachen
(vorstehend
E.
3.6
)
, weshalb
der
von den Gutachtern
gezogene Schluss, es liege
lediglich
ein alter Wurzelschade
n
vor, nicht zu beanstanden ist.
Nichts
anderes
gilt für
die
durch Prof. Dr.
A.___
verneinte neuropathische
Schmerzsymptomatik
, der eine
Läsion oder eine Dysfunktion des Nervensystems
zu Grunde liegen müsste. Prof. Dr.
A.___
führte
unter Hinweis auf die «Budapester-Kriterien»
einleuchtend aus, dass die Sensibilitätsstörung im linken Bein anatomisch nicht begrenzt und neurophysiologisch nicht zu objektivieren ist (Urk. 7/41/89-90), wovon im Wesentlichen auch die Neurologin Dr.
I.___
aus
ging.
Insoweit die Ärzte der Universitätsklinik
E.___
zu abweichenden Ein
schätzungen gelangten, vermögen diese das Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen, da es sich nicht um neurologische Fachärzte handelte.
4.
5
Der Beschwerdeführer brachte
vor, dass sein Gesundheitszustand nicht stabil und entsprechend zu früh über seinen Rentenanspruch verfügt w
o
rde
n sei
. Grund
sät
zlich wird der Rentenanspruch im Zeitpunkt nach Ablauf des Wartejahres
und
sechs Monate nach erfolgter Anmeldung geprüft
(vorstehend E. 1.2). In Anbe
tracht des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit im September 2016 und der Anmel
dun
g
zum Leistungsbezug im März 2017 (Urk. 7/4) ist die Beurteilung des
Ren
tenan
spruches
durch die Beschwerdegegnerin
- unabhängig vom Verlauf des Gesund
heits
zustandes
-
per
Ende September 2017
nicht zu beanstanden
(Urk. 7/43/11)
.
Vor dem Hintergrund stabiler Befunde und operativ ausgeschöpfter Therapie
optionen – was sich etwa aus den diversen MRI-Erhebungen und den Berichten der Universitätsklinik
E.___
(vgl. etwa Urk. 7/27/42-43 und E. 3.6) ergibt – bestand für die Beschwerdegegnerin nach Erstattung des Gutachtens kein Anlass, mit ihrer Anspruchsprüfung zuzuwarten.
4.6
Die
Beurteilung
der
Experten zum
Verlauf
der
Arbeitsfähigkeit in einer leidens
angepassten Tätigkeit
ist nicht ganz deckungsgleich
.
Prof. Dr.
A.___
sah eine abgestufte Arbeitsfähigkeit in dem Sinne, dass
seit September 2016
in einer Verweistätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
bestehe
, die sich mit dem Nach
weis der fehlenden Wurzelkompression
, mithin
seit mindestens Februar 2018 auf 100 % erhöht habe
.
Allerdings erscheint nicht plausibel, dass eine blosse Bildge
bung eine höhere Arbeitsfähigkeit nach sich ziehen sollte.
Laut
Dr.
Z.___
war die 100%ige Arbeitsfähigkeit
bereits
mit Ablauf der zweimonatigen Rekon
vales
zenz nach dem Eingriff vom 21. August 2017, das heisst
seit November 2017 möglich
(vorstehend E. 3.7.
3
),
welche Einschätzung d
er RAD-Arzt
bestätigte
.
Es ist nachvollziehbar, dass die Genesung vom Eingriff zu einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit führte und die Verbesserung mit überwiegender Wahrschein
lichkeit per
November 2017
eingetreten ist.
Es ist demnach davon
auszugehen
,
dass der Beschwerdeführer in einer
Verweis
tätigkeit bei Ablauf des Wartejahres im September 2017 zu 50 % arbeitsfähig
war
.
Die für den Zeitraum nach der Operation
am 21. August 2017
bis Ende Oktober 2017 ausgewiesene gänzliche Arbeitsunfähigkeit hat ausser Acht zu bleiben, da sie bloss vorübergehend war (Art. 88a Abs. 1 IVV). Nach Beendigung der
Rekon
valeszenz
, die
im Oktober 2017 abgeschlossen war, erhöhte sich die Arbeitsfähig
keit in einer Verweistätigkeit ab November 2017 auf 100 %, wovon die Be
schwerdegegnerin
zutreffend
ausging.
Diese gesundheitliche Verbesserung mit Erhö
hung der
Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit ist
spätesten
s
nach Ablauf von drei Monaten zu berücksichtigen
(
Art. 88a Abs. 1 IVV)
. D
er
Rente
nanspruch ist d
aher nach Ablauf von drei Monaten seit November 2017, also ab
Februar
2018
neu zu prüfen
.
4
.
7
In erwerblicher Hinsicht
ist zu bemerken
, dass die Beschwerdegegnerin das Valideneinkommen anhand des zuletzt im Jahr 2014 erzielten Einkommens
von Fr. 74’789.--
ermittelte.
Zur Bestimmung des
Invali
deneinkommen
s
zog sie
recht
sprechungsgemäss die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) heran (BGE 139 V
592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1)
, und zwar LSE 201
4, Dienst
leistungssektor und Kompetenzniveau 1
(Urk. 7/42)
, was dem vom RAD-Arzt zu
sammengefassten Belastungsprofil Rechnung trägt
(Urk. 7/43/9)
.
Der
vorgenom
mene
, vom Beschwerdeführer nicht bestrittene
Einkommensvergleich
ist nicht
zu
beanstanden.
Es ist davon auszugehen, dass nach dem Wiedererlangen der 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ein rentenaus
schliessender Invaliditätsgrad resultiert.
Im Zeitpunkt des Ablaufs des Wartejahres im September 2017 betrug das Inva
lideneinkommen indes in Anbetracht der bloss 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit Fr. 31'500.-- (Fr. 62'999.-- / 2).
Die Einkommens
einbusse beläuft sich demnach auf Fr. 44'265.-- (Fr. 75'765.
30 .
/. Fr. 31'500.--),
was einen
Invaliditätsgrad von 58 %
ergibt und den
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente begründet.
4.8
Zusammenfassend
hat der Beschwerdeführer befristet für die Zeit vom 1.
Septem
ber
2017
bis
31. Januar
2018
Anspruch auf eine
halbe
Invalidenrente. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
5
.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und angesichts des bloss geringen Obsiegens des Beschwerdeführers diesem zu drei Vierteln und der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel aufzuerlegen.
5.2
Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht eine im selben Umfang reduzierte Prozessentschädigung zu, welche ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen und auf Fr.
450
.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 26. September 2018 insoweit
abgeändert, als festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Septem
be
r 2017 bis zum
31. Januar
2018 Anspruch auf eine befristete
halbe
Rente der Invali
denversicherung hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zu drei Vierteln
(Fr. 600.--)
und der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel
(
Fr. 200.--)
auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden den Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 450.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Pensionskasse
Y.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrSpycher