# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7c41b6c5-ea5a-548d-91ce-e5b70e1fb02a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-06-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.06.2017 D-5151/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5151-2015_2017-06-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5151/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  J u n i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, 

mit Zustimmung von Richterin Sylvie Cossy;   

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Martina Culic, Rechtsanwältin,  

Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren; Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); 

Verfügung des SEM vom 28. Juli 2015 / N (…). 

 

 

 

D-5151/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die damals noch minderjährige Beschwerdeführerin suchte am 18. Juli 

2014 in der Schweiz um Asyl nach, nachdem ihr Vater bereits am 12. Juli 

2014 in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hatte. 

B.  

Mit Verfügung vom 24. September 2014 trat das vormalige BFM in Anwen-

dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der 

Beschwerdeführerin und ihres Vaters nicht ein, ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz nach Ungarn an und forderte die Beschwerdeführerin und 

ihren Vater auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist zu verlassen. 

Zur Begründung führte es aus, Abklärungen hätten ergeben, dass der Va-

ter der Beschwerdeführerin am 10. Juli 2014 in Ungarn ein Asylgesuch ein-

gereicht habe. Das BFM habe deshalb die ungarischen Behörden um 

Übernahme im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen  

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), ersucht und diese 

hätten das Ersuchen – unter Einschluss der Beschwerdeführerin – gutge-

heissen. Ungarn sei deshalb gemäss Dublin-III-VO für die Durchführung 

des Asylverfahrens zuständig. Ungarn sei Signatarstaat der EMRK und des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) und es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich 

das Land nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und kein 

korrektes Asylverfahren durchführen würde. 

C.  

Die dagegen von der Beschwerdeführerin und ihrem Vater erhobene Be-

schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-5811/2014 vom 

22. Oktober 2014 ab. 

D.  

Mit Eingabe vom 6. Juli 2015 (Schreiben fälschlicherweise datiert auf den 

6. Juli 2014) ersuchte die mittlerweile volljährige Beschwerdeführerin beim 

SEM um wiedererwägungsweise Aufhebung der Nichteintretensverfügung 

D-5151/2015 

Seite 3 

vom 24. September 2014 und um Feststellung, dass ihr ein nationales 

Asylverfahren in der Schweiz zu gewähren sei. 

Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, der Sachverhalt 

habe sich seit Erlass des Beschwerdeurteils vom 22. Oktober 2014 mass-

geblich verändert. Ihre Mutter, die am 29. September 2014 ebenfalls in der 

Schweiz ein Asylgesuch gestellt habe, durchlaufe hierzulande ein nationa-

les Asylverfahren und ihrem Vater gehe es gesundheitlich schlecht. Ange-

sichts des nationalen Asylverfahrens ihrer Mutter sei ihr in Anwendung von 

Art. 8 Dublin-III-VO (minderjährige Asylsuchende) beziehungsweise Art. 10 

oder Art. 11 Dublin-III-VO (Familienverfahren) ebenfalls ein nationales 

Asylverfahren zu gewähren. Ihre Mutter äussere im beiliegenden Schrei-

ben vom 17. Juni 2015 den Wunsch, mit der Familie in der Schweiz vereint 

zu bleiben. Sie sei von B._______ direkt in die Schweiz eingereist und es 

sei aus den Akten nicht ersichtlich, ob Ungarn, wo sie sich nie aufgehalten 

habe, die Zustimmung für ihre Übernahme auch gegeben hätte, wenn es 

sie ohne ihren Vater übernehmen müsste. Da eine Überstellung nach 

B._______ unzulässig sei, sei ihr ein nationales Asylverfahren zu gewäh-

ren. Die Überstellung nach Ungarn würde gegen Art. 3 EMRK verstossen. 

Die aktuelle Situation des ungarischen Asyl- und Aufnahmesystems sei de-

solat und die grundsätzliche Annahme, Ungarn halte sich an seine völker-

rechtlichen Verpflichtungen, könne nicht aufrechterhalten werden. Sie sei 

aufgrund ihres jungen Alters und ihres Geschlechts besonders verletzlich. 

Ihr – wie auch ihrem kranken Vater – drohe in Ungarn als Dublin-Rückkeh-

rer eine Inhaftierung unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne 

Schutz vor allfälligen Übergriffen durch Drittpersonen.  

E.  

Mit Verfügung vom 28. Juli 2015 – eröffnet am 3. August 2015 – wies das 

SEM das Wiedererwägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom 

24. September 2014 für rechtskräftig und vollstreckbar. Weiter erhob es 

eine Gebühr von Fr. 600.–, wies das Gesuch der Beschwerdeführerin um 

Ausrichtung einer Parteientschädigung ab und stellte fest, dass einer all-

fälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. 

Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Anwendbarkeit von 

Art. 10 und 11 Dublin-III-VO sei bereits im Beschwerdeurteil vom 22. Okto-

ber 2014 verneint worden. Aufgrund des Sachverhaltsversteinerungsprin-

zips (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO) sei einzig die Situation im Zeitpunkt der 

Asylgesuchstellung von Relevanz. Die von der Beschwerdeführerin gel-

D-5151/2015 

Seite 4 

tend gemachten Sachverhaltsveränderungen hätten deshalb keinen Ein-

fluss auf die Zuständigkeit Ungarns. Die Voraussetzungen von Art. 11 Dub-

lin-III-VO seien nie gegeben gewesen, da das Prüfverfahren der Beschwer-

deführerin bereits abgeschlossen gewesen sei, als ihre Mutter ein Asylge-

such eingereicht habe. Die Frage nach dem Reiseweg der Beschwerde-

führerin bleibe unerheblich, da sie als damals minderjährige Person in das 

Asyl- respektive Dublinverfahren ihres Vaters eingeschlossen worden sei. 

Auch Art. 8 Dublin-III-VO (unbegleitete minderjährige Asylsuchende) sei 

auf die Beschwerdeführerin nie anwendbar gewesen, da sie bei der Asyl-

gesucheinreichung in der Schweiz aufgrund der Anwesenheit ihres Vaters 

nicht unbegleitet gewesen sei. Eine Wegweisung der Beschwerdeführerin 

nach B._______ sei nie in Betracht gezogen worden. Bezüglich des Ein-

wands systemischer Mängel im ungarischen Asyl- und Aufnahmesystem 

sei festzustellen, dass weiterhin keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen 

würden, dass sich Ungarn – Signatarstaat der EMRK, FK und des Über-

einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (Folter Üb., 

SR 0.105) – nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und 

keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung gewähren würde. Es sei auch 

nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin riskiere, nach der 

Überstellung einer völkerrechtswidrigen Haft ausgesetzt zu sein. Die Be-

schwerdeführerin sei weder aufgrund ihres Alters noch ihres Geschlechts 

als speziell vulnerabel einzuschätzen. Zudem werde sie nicht allein, son-

dern zusammen mit ihrem Vater nach Ungarn überstellt. Bei allfälligen 

Problemen mit Drittpersonen könne sie bei den ungarischen Behörden um 

Schutz ersuchen. Ungarn verfüge über eine funktionierende Polizeibe-

hörde, die schutzwillig und -fähig sei. Der Migrationsdruck habe in den letz-

ten Monaten zwar auch auf Ungarn zugenommen, aber es lägen keine Hin-

weise auf eine relevante Verschlechterung der Aufnahmebedingungen vor 

und es bestehe kein Grund zur Annahme, die Beschwerdeführerin würde 

dort in eine existenzielle Notlage geraten. Sollten die von ihr in Ungarn vor-

gefundenen Bedingungen dennoch nicht ihren Bedürfnissen entsprechen, 

sei sie gehalten, ihre spezifische Situation bei den zuständigen Behörden 

vor Ort vorzubringen. Das Einholen zusätzlicher Informationen bei den un-

garischen Behörden sei nicht angezeigt. In Würdigung der Aktenlage und 

der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Umstände lägen keine 

Gründe für einen Selbsteintritt der Schweiz gestützt auf Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) in Verbin-

dung mit Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO vor. 

D-5151/2015 

Seite 5 

F.  

Mit Eingabe vom 25. August 2015 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und ersuchte um Aufhebung der 

vorinstanzlichen Verfügung vom 28. Juli 2015 respektive des Nichteintre-

tensentscheids vom 24. September 2014 und um Gewährung des nationa-

len Verfahrens. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Anwei-

sung an die Vollzugsbehörden, bis zum Entscheid über die Beschwerde 

von Vollzugshandlungen abzusehen, sowie – unter Verweis auf eine Für-

sorgeabhängigkeitsbestätigung vom 1. Juli 2015 – um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. 

Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, ihr sei angesichts 

des hängigen nationalen Asylverfahrens ihrer Mutter gestützt auf Art. 10 

Dublin-III-VO ebenfalls ein nationales Verfahren zu gewähren, zumal ihre 

Mutter im Schreiben vom 17. Juni 2015 den Wunsch geäussert habe, mit 

ihrer Familie in der Schweiz vereint zu sein. Eventualiter sei ihr mit Blick 

auf Art. 8 Dublin-III-VO das nationale Asylverfahren zu gewähren, da sie 

bei der Asylgesuchstellung noch minderjährig gewesen sei und sich ihre 

Mutter rechtmässig in der Schweiz aufhalte. Allenfalls sei auf ihr Asylge-

such einzutreten, da eine Rückweisung nach B._______, wo sie sich vor 

der Asylgesuchstellung in der Schweiz aufgehalten habe, unmöglich sei. 

Subeventualiter sei aufgrund systemischer Mängel des ungarischen Asyl-

verfahrens und angesichts ihrer besonderen Verletzlichkeit aufgrund ihres 

jungen Alters und ihres Geschlechts sowie der Gefahr einer Inhaftierung in 

Ungarn ein Selbsteintritt vorzunehmen. 

Auf die weitere Beschwerdebegründung ist – soweit entscheidwesentlich – 

in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. 

G.  

Am 26. August 2015 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Weg-

weisung einstweilen aus. 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. September 2015 hiess die Instruktionsrich-

terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung 

zur Beschwerde ein. 

D-5151/2015 

Seite 6 

I.  

Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 6. Oktober 2015 die 

Abweisung der Beschwerde. 

J.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 3. November 2015. 

K.  

Mit Eingabe vom 11. Juli 2016 teilte die Beschwerdeführerin mit, ihre Mut-

ter sei am 1. Juli 2016 in der Schweiz vorläufig aufgenommen worden. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Art. 111b AsylG regelt die Wiedererwägung. Im Übrigen richtet sich das 

Verfahren nach dem VwVG. 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Demnach kann mit 

D-5151/2015 

Seite 7 

Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht – einschliesslich Missbrauch 

und Überschreiten des Ermessens – sowie die unrichtige und unvollstän-

dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-

schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

4.  

4.1 Auf ein Wiedererwägungsgesuch ist einzutreten, wenn sich der rechts-

erhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungs-

weise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz 

in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche (fehler-

freie) Verfügung an die nachträglich eingetretenen Veränderungen der 

Sachlage anzupassen ist. 

4.2 Das SEM hat den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführerin 

auf Behandlung des Wiedererwägungsgesuchs vom 6. Juli 2015 nicht in 

Abrede gestellt. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist zu prüfen, ob 

das SEM zu Recht davon ausgegangen ist, dass die Vorbringen der Be-

schwerdeführerin die Sachlage nicht derart verändern, als dass die Voraus-

setzungen für die Überstellung nach Ungarn gestützt auf die Dublin-III-VO 

nicht mehr gegeben wären. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil D-7853/2015 vom 31. Mai 

2017 die Entwicklung der Situation für Asylsuchende in Ungarn eingehend 

analysiert; insbesondere für jene, die in Anwendung der Dublin-III-VO nach 

Ungarn überstellt werden. In diesem Urteil hat das Gericht das Vorhanden-

sein zahlreicher Unzulänglichkeiten im ungarischen System festgestellt, 

welche namentlich den Zugang zum Asylverfahren sowie die Unterbrin-

gung der Asylsuchenden in den Transitzonen betreffen. Das Gericht hat 

sich insbesondere mit dem am 28. März 2017 in Kraft getretenen ungari-

schen Rechtsakt T/13976 über „die Änderung mehrerer Gesetze zur Ver-

schärfung des Asylverfahrens in der Überwachungszone der ungarischen 

Grenze“ befasst und festgestellt, dass die Umsetzung dieses Aktes, wel-

cher rückwirkend auf sämtliche laufende Asylverfahren anwendbar ist und 

D-5151/2015 

Seite 8 

eine wesentliche Verschärfung der ungarischen Gesetzgebung mit sich 

bringe, zahlreiche Unsicherheiten und Fragen nach sich ziehe. Es könne 

daher namentlich nicht mit Sicherheit ermittelt werden, ob Asylsuchende, 

die nach Ungarn überstellt würden, als nicht aufenthaltsberechtigte Perso-

nen angesehen und deshalb in sogenannte „Prätransit“-Zonen abgescho-

ben würden, oder ob sie als asylsuchende Personen betrachtet würden, 

deren Gesuche in den Transitzonen zu behandeln seien. Angesichts der 

zahlreichen Unsicherheiten, die diese Gesetzesänderung hinsichtlich des 

Verfahrenszugangs und der Aufnahmebedingungen mit sich gebracht 

habe, sei es dem Bundesverwaltungsgericht gemäss dem derzeitigen 

Stand der Dinge nicht möglich, das Vorliegen systemischer Schwachstel-

len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 der Dublin-III-Verordnung sowie die Fragen 

im Zusammenhang mit tatsächlichen Gefahren („real risk“), denen Asylsu-

chende bei einer Überstellung nach Ungarn ausgesetzt sein könnten, ab-

schliessend zu beurteilen. Folglich hat es die angefochtene Verfügung auf-

gehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an das SEM zurückge-

wiesen. Es obliege der erstinstanzlichen Behörde, sämtliche Sachverhalts-

elemente zusammenzutragen, die zur Beurteilung dieser wesentlichen 

Fragen erforderlich seien. Es sei nicht die Aufgabe der Beschwerdeinstanz, 

komplexe ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Das Bundesverwal-

tungsgericht würde sonst mit einem Sachentscheid seine Zuständigkeit 

überschreiten und die betroffene Partei um den gesetzlich vorgesehenen 

Instanzenzug bringen (vgl. insbesondere Urteil D-7853/2015 vom 31. Mai 

2017 E. 13 [zur Publikation als Referenzurteil vorgesehen]). 

5.2 Aus denselben Gründen ist es dem Gericht auch vorliegend nicht mög-

lich, die sich im Zusammenhang mit einer Überstellung der Beschwerde-

führerin nach Ungarn stellenden Fragen zu beurteilen. Die angefochtene 

Verfügung ist folglich aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sach-

verhaltsfeststellung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. 

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird, und die Sache zur Neu-

beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Auf die weiteren Beschwerdevorbringen ist aufgrund der vorliegenden Kas-

sation zum heutigen Zeitpunkt nicht näher einzugehen. 

D-5151/2015 

Seite 9 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG).  

8.  

Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts seines Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechts-

vertreterin reichte mit der Rechtsmitteleingabe vom 25. August 2015 eine 

vom selben Tag datierende Honorarnote ein. Für den seither angefallenen 

Aufwand wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer 

solchen wird verzichtet, da sich der Aufwand für die weiteren Eingaben zu-

verlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Gestützt auf die in Be-

tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist der Be-

schwerdeführerin zulasten des SEM eine Parteientschädigung von insge-

samt Fr. 2900.– zuzusprechen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5151/2015 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 28. Juli 2015 wird aufgehoben und die Sache 

im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückge-

wiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2900.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

Versand: