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**Case Identifier:** 072774dd-48e2-5625-83a6-5e59acf88f67
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 29.08.2017 BB.2017.84
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2017-84_2017-08-29.pdf

## Full Text

Beschluss vom 29. August 2017 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Martin Eckner  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Alain Macaluso, 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

1. BUNDESANWALTSCHAFT,  

 

2. B. SA, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Lu-

cien Bühr,  

Beschwerdegegnerinnen 

 

Gegenstand  Verfahrenshandlung der Bundesanwaltschaft  

(Art. 20 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO) 

 
 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2017.84 

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 19. November 2015 zeigte sich die Gesellschaft B.SA bei der Bundes-

anwaltschaft (nachfolgend "BA") selbst an wegen Verdachts einer Straftat 

nach Art. 102 Abs. 2 i.V.m. Art. 322septies StGB (Vorliegens eines Organisati-

onsmangels des Unternehmens im Zusammenhang mit der Bestechung 

fremder Amtsträger). B. SA ergänzte ihre Selbstanzeige am 4. April 2016 um 

weitere konkrete Verdachtsmomente betreffend mögliche Bestechungs-

handlungen fremder Amtsträger. Beiden Selbstanzeigen lagen zwei der BA 

übergebene interne Untersuchungsberichte einer deutschen Anwaltskanzlei 

zugrunde (Verfahrensakten BA SV.15.0584 pag. 03.001-0002). 

Die BA eröffnete am 15. Dezember 2015 ein Strafverfahren gegen B. SA 

(Verfahren SV.15.0584) wegen Verdachts einer Straftat nach Art. 102 Abs. 2 

i.V.m. Art. 322septies StGB. Parallel zur Untersuchung der BA setzte B. SA die 

interne Untersuchung fort. Sie nahm Erkenntnisse der BA auf und leitete ihr 

eigene Erkenntnisse weiter. Die entsprechenden internen Untersuchungser-

gebnisse wurden durch die BA validiert und nachgeprüft (Verfahrensakten 

BA pag. 03.001-0002 Ziff. 7). 

Gestützt auf die gewonnenen Erkenntnisse und infolge der Anerkennung der 

organisatorischen Verantwortlichkeit i.S. von Art. 102 Abs. 2 StGB für die 

festgestellten Bestechungshandlungen nach Art. 322septies StGB, beantragte 

B. SA am 23. Dezember 2016 die Durchführung eines abgekürzten Verfah-

rens, was ihr die BA am 16. Januar 2017 genehmigte (Verfahrensakten BA 

pag. 03.001-0003 Ziff. 8). 

 

B. Am 25. Januar 2017 dehnte die BA das Verfahren auf A. aus. Es bestehe 

der Verdacht der Bestechung fremder Amtsträger nach Art. 322septies StGB, 

der ungetreuen Geschäftsbesorgung nach Art. 158 StGB, evtl. der Verun-

treuung nach Art. 138 StGB sowie der Geldwäscherei nach Art. 305bis StGB. 

Die BA wirft A. folgendes vor: 

 

A. sei von November 1997 bis November 2008 als CFO für die B. SA tätig 

gewesen. Anschliessend habe er verschiedene Geschäftsleitungsaufgaben 

als Berater resp. Advisor für die B. SA weitergeführt (act. 1.2 S. 2 Ziff. 2).  

 

A. wird von der BA vorgeworfen, während seiner Anstellung bei der B. SA 

aktiv an der Ausschleusung von Vermögenswerten aus dem Gesellschafts-

vermögen der B. SA zwecks/sowie der Bestechung fremder Amtsträger mit-

gewirkt zu haben. Ferner wird ihm von der BA vorgeworfen, nach dem Ende 

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seiner Anstellung bei der B. SA für selbige eine schwarze Kasse mit zur Be-

stechung fremder Amtsträger bestimmten Vermögenswerten geführt und 

auch Bestechungszahlungen ausgeführt zu haben (act. 1.2 S. 2 Ziff. 3).  

 

 

C. Mit Verfügung vom 23. Februar 2017 stellte die BA fest, dass sie aufgrund 

des bereits bestehenden abgekürzten Verfahrens eine getrennte Untersu-

chung hätte eröffnen müssen und dass die Ausdehnungsverfügung vom 

25. Januar 2017 daher "als Eröffnungsverfügung für das getrennte, vorlie-

gende Verfahren SV.17.0229 gilt und die gegen B. SA seither durchgeführ-

ten Verfahrenshandlungen diesem Verfahren zuzuordnen sind" (act. 1.1).  

 

D. Dagegen liess A.  am 9. März 2017 Beschwerde führen (act. 1; Beschwer-

deverfahren BB.2017.51). Er beantragt in diesem Verfahren im Wesentli-

chen die Vereinigung seines Strafverfahrens SV.17.0229 mit demjenigen ge-

gen B. SA (SV.15.0584).  

 

E. Die BA erliess gegen B. SA am 23. März 2017 Strafbefehl wegen Vorliegens 

eines Organisationsmangels des Unternehmens im Zusammenhang mit der 

Bestechung fremder Amtsträger (Art. 102 Abs. 2 i.V.m. Art. 322septies StGB; 

Verfahrensakten BA SV.15.0584 pag. 03.001-0002).  

Die BA teilte am 24. März 2017 mit, den Strafbefehl gegen B. SA eröffnet zu 

haben und dass B. SA zuhanden der BA auf eine Einsprache verzichtet hat 

(act. 7).  

 

 

F. Am 5. April 2017 erhob A. dagegen einerseits Einsprache bei der BA, wobei 

er beantragte, das Verfahren sei zu sistieren, bis über das hängige Be-

schwerdeverfahren entschieden sei. Andererseits erhob er gegen das 

Schreiben der BA vom 24. März 2017 resp. gegen den Erlass des Strafbe-

fehls am 5. April 2017 Beschwerde (Verfahren BB.2017.67). Überprüft wer-

den sollte die Angemessenheit dieser Entscheidung. Beantragt war unter an-

derem die Aufhebung des Strafbefehls. Das Gericht trat auf die Beschwerde 

mit Beschluss vom 12. April 2017 nicht ein, da gegen den Strafbefehl aus-

schliesslich der Rechtsbehelf der Einsprache zur Verfügung stand.  

 

 

G. Die BA trat am 25. April 2017 auf die Einsprache von A. vom 5. April 2017 

gegen den Strafbefehl vom 23. März 2017 in Sachen B. SA nicht ein. Der 

Nichteintretensentscheid ist im Wesentlichen damit begründet, dass A. durch 

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das Dispositiv des Strafbefehls nicht betroffen sei, sich eine solche Betrof-

fenheit auch nicht aus dem Kontext der Begründung des Strafbefehls ergebe 

und der Grundsatz der Verfahrenseinheit vorliegend hinter dem Beschleuni-

gungsgebot betreffend den Abschluss der Untersuchung gegen B. SA zu-

rückzutreten habe.  

 

H. Dagegen reicht A. am 5. Mai 2017 Beschwerde ein (act. 1), mit den Anträ-

gen: 

En la forme 

1. Recevoir le présent recours. 
 

Au fond 

Principalement 
 

2. Annuler la décision du Ministère public de la Confédération du 25 avril 2017, reçue 

le 26 avril 2017, refusant d'entrer en matière sur l'opposition formée par Monsieur A. 

le 6 avril 2017 (recte: le 5 avril 2017) à l'encontre de l'ordonnance pénale rendue à 

l'encontre de B. SA dans la procédure SV.15.0584. 
 

3. Cela fait, retourner la procédure au Ministère public de la Confédération pour qu'il 

procède à l'administration des autres preuves nécessaires au jugement de l'opposition, 

puis rende une nouvelle décision aux termes de l'art. 355 CPP. 
 

4. Dire et juger que le Ministère public de la Confédération ne devra procéder à l'ad-

ministration des autres preuves nécessaires au jugement de l'opposition et au pro-

noncé d'une nouvelle décision aux termes de l'art. 355 CPP qu'une fois rendues les 

décisions du Tribunal pénal fédéral dans le contexte du recours que B. a déposé contre 

la décision de disjonction de la procédure SV.15.0584 et des autres recours pendant 

tendant à la jonction de toutes les procédures connexes. 

 

I. B. SA reichte ihre Beschwerdeantwort am 26. Mai 2017 ein (act. 5). Sie be-

antragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei die Be-

schwerde abzuweisen. 

Die Beschwerdeantwort der BA vom 12. Juni 2017 beantragt ebenfalls, dass 

auf die Beschwerde nicht einzutreten sei und dass sie eventualiter abzuwei-

sen sei (act. 8). Subeventualiter sei die Sache an die Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts zur vorfrageweisen Feststellung zu überweisen, ob A. zur 

Einsprache betreffend den Strafbefehl gegen B. SA vom 23. März 2017 legi-

timiert sei.  

 

 

J. Die Beschwerdereplik vom 26. Juni 2017 hält an den gestellten Anträgen fest 

(act. 10). Sie wurde den Beschwerdegegnerinnen am 27. Juni 2017 zur 

Kenntnis zugestellt (act. 11). 

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K. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft 

kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde er-

hoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des 

Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG, SR 173.71]). Zur Be-

schwerde berechtigt ist, wer ein rechtlich geschütztes Interesse an der Auf-

hebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1 

i.V.m. Art. 105 Abs. 2 StPO). 

Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist in-

nert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 

StPO). Mit ihr können Rechtsverletzungen gerügt werden, einschliesslich 

Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und 

Rechtsverzögerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO), sowie die unvollständige 

oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (Art. 393 Abs. 2 lit. b StPO) 

und die Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 lit. c StPO). 

 

1.2 Gegen den Strafbefehl können nach Art. 354 Abs. 1 StPO namentlich Ein-

sprache erheben die beschuldigte Person (lit. a) sowie weitere Betroffene 

(lit. b). 

1.3 Der Beschwerdeführer sieht sich durch den Nichteintretensentscheid der BA 

seines gesetzmässigen Einspracheverfahrens vor der zuständigen Instanz 

vorenthalten (act. 10 S. 2 Ziff. 2). Dies sei einer Rechtsverweigerung nicht 

unähnlich. Es liege sehr wohl ein aktuelles rechtliches Interesse vor (act. 10 

S. 2 Ziff. 2, 6). 

1.4 Die BA führt bezüglich dem Eintreten aus, der Beschwerdeführer lege nicht 

dar, worin sein rechtlich geschütztes Interesse bestehen solle. Er zeige nicht 

auf, worin eine mögliche Besserstellung für ihn bestehen würde, wenn die 

Beschwerde gutgeheissen würde. Eine solche Besserstellung sei denn auch 

nicht ersichtlich. ln seinem eigenen Verfahren stünden ihm alle Rechte offen. 

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Dies gelte insbesondere auch für die angerufene Verletzung der Unschulds-

vermutung gegenüber dem Beschwerdeführer. Eine Beschwer liege deshalb 

nicht vor (act. 8 S. 2 f. Ziff. 2.2 f.).  

1.5 Es geht zu weit, für die Erhebung der Beschwerde gegen die Nichteintre-

tensverfügung der BA schon die Legitimation zur Einsprache selbst voraus-

zusetzen, denn diese ist ein Teil gerade des strittigen Gegenstandes selbst. 

Legitimiert zur Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid – mit ande-

ren Worten, im vorliegenden Verfahren legitimiert, eine allenfalls fehlende 

Zuständigkeit der BA zum Erlass des Nichteintretensentscheides geltend zu 

machen – ist schon, wer Anspruch auf das gesetzmässige Einsprachever-

fahren (Art. 354 bis 356 StPO) hat. Dazu gehört derjenige, welcher ursprüng-

lich gegen den Strafbefehl die Einsprache erhoben hatte. Zu entscheiden, 

ob er tatsächlich zur Einsprache legitimiert ist, bildet Gegenstand der Prü-

fung durch die zuständige Instanz.  

Auf die auch rechtzeitig erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 

 

 

2.  

2.1 Die BA entschied am 25. April 2017, auf die Einsprache von A. vom 5. Ap-

ril 2017 gegen den Strafbefehl vom 23. März 2017 in Sachen B. SA nicht 

einzutreten. Der Nichteintretensentscheid ist im Wesentlichen damit begrün-

det, dass C. durch das Dispositiv des Strafbefehls nicht betroffen sei, sich 

eine solche Betroffenheit auch nicht aus dem Kontext der Begründung des 

Strafbefehls ergebe und der Grundsatz der Verfahrenseinheit vorliegend hin-

ter dem Beschleunigungsgebot betreffend den Abschluss der Untersuchung 

gegen B. SA zurückzutreten habe. 

 

2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Staatsanwaltschaft sei nicht be-

fugt zu entscheiden, ob die Einsprache gegen einen Strafbefehl gültig sei 

oder nicht (act. 1 S. 5 f., act. 10 S. 2 Ziff. 7). 

 

2.3 Die BA bringt vor, das gesetzlich vorgesehene Vorgehen sei nach der ratio 

legis für Fälle gedacht, in denen die Einsprache von grundsätzlich legitimier-

ten Personen erhoben werde. Dies treffe, wie in der Nichteintretensverfü-

gung dargelegt, auf den Beschwerdeführer nicht zu. Es könne nicht sein, 

dass ein beliebiger Dritter beim Abschluss der Untersuchung gegen eine an-

dere Person in einem anderen Verfahren eine Einsprachen machen und auf 

diese Weise den Verfahrensabschluss verhindern resp. einen Fortgang des 

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Verfahrens gegen diese Person erzwingen könne, obwohl diese den Straf-

befehl anerkenne und das Verfahren gegen sie abschliessen wolle (act. 8 

S. 3 Ziff. 3.2). Der Beschwerdeführer sei weder Partei noch ein weiterer Be-

troffener gemäss Art. 354 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 105 Abs. 2 StPO. 

Dazu müsste er aus dem Dispositiv des Strafbefehls betroffen sein, ansons-

ten nur eine nicht zureichende mittelbare Betroffenheit vorliege. Die vom Be-

schwerdeführer angerufene Unschuldsvermutung begründe ihm keine Be-

schwerdelegitimation, sie könne von ihm jedoch im eigenen Strafverfahren 

geltend gemacht werden (act. 8 S. 4 Ziff. 3.6). 

 

2.4 B. SA führt aus, die Bundesanwaltschaft habe auf die Einsprache nicht ein-

treten dürfen, denn der Beschwerdeführer sei offensichtlich nicht zur Erhe-

bung der Einsprache legitimiert, mit der Folge, dass die Bestimmungen über 

das Einspracheverfahren nach Art. 355 f. StPO gar keine Anwendung finden 

würden. Diese Vorgehensweise der Bundesanwaltschaft müsse möglich 

sein, da ansonsten ein offener Kreis von Personen den Verfahrensabschluss 

per Strafbefehl verhindern könnten, wenn bei Einsprache jeder nicht legiti-

mierten Person zwingend weitere Beweise abzunehmen wären und das erst-

instanzliche Gericht miteinzubeziehen wäre. Die Entscheidkompetenz der 

Staatsanwaltschaft, auf eine Einsprache nicht einzutreten, sei daher aus pro-

zessökonomischer Sicht geboten (act. 5 S. 16 Ziff. 65, S. 17 Ziff. 69). 

Selbst wenn das Gericht zum Schluss kommen würde, die Einsprachelegiti-

mation hätte vom erstinstanzlichen Gericht beurteilt werden müssen, so 

könne der Beschwerdeführer daraus keinen Vorteil ableiten. Die Sache wäre 

an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen, welche die Sache nach Art. 355 

StPO an das erstinstanzliche Gericht überweisen würde. Dieses würde man-

gels Legitimation des Beschwerdeführers auf die Einsprache nicht eintreten. 

Diese Lösung führe letztlich nur zu einer unnötigen Verzögerung des Ver-

fahrens für alle Beteiligten, insbesondere aber für die B. SA, welche auf 

schnelle Rechtssicherheit angewiesen sei (act. 5 S. 10 Ziff. 32).  

 

2.5 Wird gegen einen Strafbefehl Einsprache erhoben, so nimmt die Staatsan-

waltschaft die weiteren Beweise ab, die zur Beurteilung der Einsprache er-

forderlich sind (Art. 355 Abs. 1 StPO). Nach Abnahme der Beweise entschei-

det die Staatsanwaltschaft, ob sie am Strafbefehl festhält, das Verfahren ein-

stellt, einen neuen Strafbefehl erlässt oder Anklage beim erstinstanzlichen 

Gericht erhebt (Art. 355 Abs. 3 StPO). Dieser Katalog an Möglichkeiten der 

Staatsanwaltschaft, auf eine Einsprache gegen ihren Strafbefehl zu reagie-

ren, ist abschliessend. Weitere Verfahrensalternativen sehen die Art. 355 f. 

StPO nicht vor. Entschliesst sich die Staatsanwaltschaft, am Strafbefehl fest-

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zuhalten, so überweist sie die Akten unverzüglich dem erstinstanzlichen Ge-

richt zur Durchführung des Hauptverfahrens. Der Strafbefehl gilt als Ankla-

geschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). Das erstinstanzliche Gericht entscheidet 

über die Gültigkeit des Strafbefehls und der Einsprache (Art. 356 Abs. 2 

StPO). 

 

2.6 Das Bundesgericht entschied in BGE 140 IV 192 E. 1.4, dass die Staatsan-

waltschaft nicht befugt war, über die Gültigkeit der Einsprache (gegen einen 

von einer Übertretungsstrafbehörde erlassenen Strafbefehl) zu entscheiden: 

Ist die Gültigkeit der Einsprache gegen den Strafbefehl umstritten, so ent-

scheidet darüber nicht die Staatsanwaltschaft, sondern das erstinstanzliche 

Gericht (BGE 142 IV 201 E. 2.2). Der Verfahrensgang nach erfolgter Ein-

sprache richtet sich ausschliesslich nach Art. 355 f. StPO (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_756/2014 vom 16. Dezember 2014, E. 2). Auch nach der 

Lehre sowie der Praxis der Strafkammer entscheidet das erstinstanzliche 

Gericht, ob auf eine Einsprache gegen einen Strafbefehl einzutreten ist (RI-

KLIN, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 356 StPO N. 2, Art. 354 

StPO N. 17; SCHMID, Praxiskommentar, Art. 355 StPO N. 2, Art. 356 StPO 

N. 3; SCHWARZENEGGER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 354 N. 6a, Art. 355 N. 1; Verfü-

gung des Bundesstrafgerichts SK.2012.45 vom 27. Februar 2013, E. 3.4). 

 

2.7 Nach geltender gesetzlicher Regelung und Praxis entscheidet wie dargelegt 

das erstinstanzliche Gericht über die Gültigkeit der Einsprache. Strafverfah-

ren (und somit auch Einspracheverfahren) können nur in den vom Gesetz 

vorgesehenen Formen durchgeführt und abgeschlossen werden (vgl. Art. 2 

Abs. 2 StPO; Art. 355 Abs. 3 StPO). Demnach hatte die BA einen Nichtein-

tretensentscheid erlassen, obwohl sie das Einspracheverfahren (Art. 354 bis 

356 StPO) hätte durchführen und den Entscheid über die Gültigkeit der Ein-

spräche dem erstinstanzlichen Gericht hätte unterbreiten müssen.  

2.8 Die Beschwerde ist somit berechtigt. Nach der Rechtsprechung ist eine Ver-

fügung ausnahmsweise nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders 

schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und die 

Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet 

wird. Als Nichtigkeitsgrund fallen hauptsächlich funktionelle und sachliche 

Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler in 

Betracht (BGE 139 II 243 E. 11.2; 132 II 21 E. 3.1; 129 I 361 E. 2.1; Urteil 

des Bundesgerichts 9C_923/2015 vom 9. Mai 2016, E. 4.1.2). Der Entscheid 

wurde in sachlich-funktioneller Unzuständigkeit erlassen. Dies ist ein Nich-

tigkeitsgrund, es sei denn, der verfügenden Behörde komme auf dem betref-

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fenden Gebiet allgemeine Entscheidungsgewalt zu (HÄFELIN/MÜLLER/UHL-

MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, 

N. 1105), was vorliegend gerade nicht der Fall war. Er erging auch entgegen 

dem Wortlaut von Art. 356 Abs. 2 StPO ("Gericht entscheidet über die Gül-

tigkeit … der Einsprache") sowie der amtlich publizierten bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung (BGE 142 IV 201 E. 2.2) und war für die BA erkenn-

bar. Gründe der Rechtssicherheit stehen im Strafverfahren vorliegend nicht 

entgegen. Der Nichteintretensentscheid ist nichtig, was im Dispositiv festzu-

stellen ist. 

 

 

3. Ist nach geltender gesetzlicher Regelung und Praxis das Einspracheverfah-

ren durchzuführen, so besteht keine gesetzliche Grundlage für eine direkte 

Überweisung an die Strafkammer (vgl. obige Erwägung 2.5). Der entspre-

chende Verfahrensantrag ist daher abzuweisen. 

 

4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit 

eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre gestellten Anträge gutgeheissen werden 

(BGE 138 IV 256 E. 5.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_1046/2013 vom 

14. Mai 2014, E. 3.3; 6B_586/2013 vom 1. Mai 2014, E. 3.2; 6B_438/2013 

vom 18. Juli 2013, E. 2.4). 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegnerin-

nen zu gleichen Teilen. Der Beschwerdegegnerin 1 (Bundesanwaltschaft) 

sind keine Kosten aufzuerlegen. Die auf Fr. 2'500.-- festzusetzende Ge-

richtsgebühr (vgl. Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements 

des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren 

und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]) ist 

demnach zur Hälfte (Fr. 1'250.--) der Beschwerdegegnerin 2 aufzuerlegen. 

 

5. Der obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Entschädigung. 

Es liegt keine Honorarnote in den Akten, weshalb das Honorar nach Ermes-

sen festzusetzen ist (vgl. Art. 12 Abs. 2 BStKR). Die Beschwerdegegnerin-

nen, unter anteilsmässiger Haftung je zur Hälfte, haben dem Beschwerde-

führer für seine Aufwendungen im vorliegenden Verfahren eine Parteient-

schädigung von insgesamt pauschal Fr. 2'000.-- zu entrichten (Art. 429 

Abs. 1 lit. a StPO; Art. 73 StBOG und Art. 10 und 12 Abs. 1 des Reglements 

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des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren 

und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).  

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Es wird festgestellt, dass die Nichteintre-

tensverfügung der Bundesanwaltschaft vom 25. April 2017 nichtig ist. 

 

2. Der Antrag der Bundesanwaltschaft auf Überweisung an die Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts zur vorfrageweisen Feststellung der Einsprachelegitima-

tion wird abgewiesen.  

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'250.-- wird B. SA auferlegt. 

 

4. Die Bundesanwaltschaft und B. SA werden verpflichtet, unter anteilsmässiger 

Haftung je zur Hälfte, A. eine Prozessentschädigung von Fr. 2'000.-- zu be-

zahlen.  

 

 

Bellinzona, 29. August 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Alain Macaluso 

- Bundesanwaltschaft 

- Rechtsanwalt Daniel Lucien Bühr 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Beschluss ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben (vgl. Art. 79 BGG).