# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f8d94730-d1a0-51e6-8291-444fd3a52775
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 09.06.2016 BRGE IV Nr. 0077/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-IV-Nr--0077-201_2016-06-09.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

4. Abteilung 

 

 

 
 
 
 
G.-Nr. R4.2015.00169 
BRGE IV Nr. 0077/2016  

 
 
 
  Entscheid vom 9. Juni 2016 
 
 

 

Mitwirkende Abteilungspräsident Reto Philipp, Ersatzrichter Daniel Dittli, Baurichter Béla 
Berke, Gerichtsschreiber Daniel Schweikert     

 
 
 

in Sachen Rekurrent 

Zürcher Heimatschutz ZVH, Eichstrasse 29, 8045 Zürich  

 

gegen Rekursgegnerin 

1. Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 
8090 Zürich  

Mitbeteiligte 

2. Politische Gemeinde Zell, 8486 Rikon  
3. Verein Chrischona-Gemeinden Schweiz, Chrischonarain 200, 

4126 Bettingen  

 

 

 
betreffend Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich ARE 15-1499 vom 11. No-

vember 2015; Nichtunterschutzstellung Kapelle der Chrischona-Gemeinde, 
Zell-Rämismühle 
_______________________________________________________ 

 

 

R4.2015.00169 Seite 2 

hat sich ergeben: 

A. 

Mit Verfügung vom 11. November 2015 erklärte die Baudirektion des Kan-

tons Zürich, dass das Gebäude Vers.-Nr. 0005 (Kapelle der Chrischona-

Gemeinde) auf dem Grundstück Kat.-Nr. 4801 an der Mühle-Strasse 10 in 

Zell-Rämismühle nicht unter Schutz gestellt werde. 

B. 

Der Zürcher Heimatschutz (ZVH) wandte sich mit Rekurs vom 21. De-

zember 2015 an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte 

sinngemäss, es sei die Verfügung vom 11. November 2015 aufzuheben 

und es sei die Baudirektion einzuladen, die Kapelle entsprechend dem in 

einer Verfügung der Baudirektion vom 16. Februar 2015 umschriebenen 

Umfang unter Schutz zu stellen, unter den entsprechenden Kosten- und 

Entschädigungsfolgen. 

C. 

Vom Rekurseingang wurde mit Verfügung vom 5. Januar 2016 Vormerk 

genommen, die Politische Gemeinde Zell als Mitbeteiligte 2 und der Verein 

Chrischona-Gemeinden Schweiz als Mitbeteiligter 3 in das Verfahren auf-

genommen und zur Vernehmlassung eingeladen. 

D. 

Die Baudirektion verzichtete in der Vernehmlassung vom 26. Januar 2016 

auf Anträge. 

E. 

Die Mitbeteiligte 2 und der Mitbeteiligte 3 schlossen in ihren Eingaben vom 

21. Januar 2016 und vom 7. März 2016 auf Abweisung des Rekurses. Der 

Mitbeteiligte 3 beantragte überdies, dass dies unter Kosten- und Entschä-

digungsfolgen zulasten des Rekurrenten geschehe. 

F. 

In den Replik- und Duplikschriften vom 31. März 2016 und vom 25. April 

2016 hielten der Rekurrent und der Mitbeteiligte 3 an ihren Anträgen fest. 

 

 

R4.2015.00169 Seite 3 

G. 

Am 11. Mai 2016 führte die 4. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein 

der Parteien einen Augenschein vor Ort durch. 

H. 

Auf die Ausführungen der Parteien und die Erkenntnisse des Augenscheins 

ist nachfolgend insoweit einzugehen, als dies für die Begründung des Ent-

scheids erforderlich ist. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Der Rekurrent ist gemäss § 338b Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugeset-

zes (PBG) zur Erhebung des vorliegenden Rekurses legitimiert (vgl. auch 

BGr 1C_68/2009 vom 17. Juli 2009, E. 3.2 f.; www.bger.ch). Weil auch die 

übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutre-

ten. 

2. 

Die rekurrentischen Anträge sind auslegungsbedürftig. Antragsziffern 1 

und 2 der Rekursschrift zielen auf (blosse) Beibehaltung der Kapelle im In-

ventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte und der archäologi-

schen Denkmäler von überkommunaler Bedeutung ab. Hingegen verlangt 

der Rekurrent in Antragsziffer 3 die detaillierte Umschreibung des Schutz-

umfangs der Kapelle und damit eine materiellrechtliche Prüfung ihrer 

Schutzwürdigkeit. 

Im Lichte der Ziffern 8 und namentlich 9 der Rekursschrift wird klar, dass 

mit dem Rekurs der materiellrechtliche Schutz der Kapelle angestrebt wird 

und nicht bloss ihre Beibehaltung im Inventar. Ausgelöst wurde das Verfah-

ren denn auch durch das Provokationsbegehren des Mitbeteiligten 3 vom 

22. Mai 2012. Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich um einen 

negativen Schutzentscheid (respektive die Fingierung eines solchen zufol-

ge Fristversäumnisses). Aufgrund der zusammen mit den Erwägungen in-

 

 

R4.2015.00169 Seite 4 

terpretierten Anträge in der Rekursschrift stellt im vorliegenden Rechtsmit-

telverfahren die materielle Schutzwürdigkeit der Kapelle den Streitgegen-

stand dar und nicht etwa die Frage ihrer Inventarisierung (zur Unterschei-

dung der beiden denkbaren Streitgegenstände vgl. VB.2009.00662 in 

BEZ 2010 Nr. 27 und BRGE IV Nr. 0084/2014 in BEZ 2014 Nr. 40, 

www.baurekursgericht-zh.ch, sowie BRGE IV Nr. 59/2016 vom 12. Mai 

2016). Auch die übrigen Parteien verstehen dies nicht anders, wie sich aus 

allen Rechtsschriften ergibt. 

3. 

Wie erwähnt stellte der Mitbeteiligte 3 am 22. Mai 2012 ein Provokations-

begehren im Sinne von § 213 PBG. Am 27. September 2012 beauftragte 

die Baudirektion die Denkmalpflegekommission des Kantons Zürich (nach-

folgend: KDK) mit der Abklärung der Schutzwürdigkeit der Kapelle. Am 

5. Februar 2013 erstattete die KDK ihr Gutachten, gemäss welchem die 

Kapelle ein Schutzobjekt von überkommunaler Bedeutung darstelle und 

demgemäss unter Denkmalschutz zu stellen sei. Mit Schreiben vom 

14. Mai 2013 wurde dem Mitbeteiligten 3 angezeigt, dass sich die Behand-

lungsdauer des Provokationsbegehrens um ein Jahr erstrecke. In der Folge 

versäumte es die Baudirektion, bis zum Ablauf der (zweijährigen) Frist am 

22. Mai 2014 einen Schutzentscheid zu treffen. Erst am 17. Februar 2015 

erging eine Schutzverfügung. Diese hob das Baurekursgericht zufolge 

Fristversäumnisses auf und lud die Baudirektion ein, die (verwirkungsbe-

dingte) Nichtunterschutzstellung der Kapelle nach Massgabe der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung aus Gründen des Drittrechtsschutzes zu pub-

lizieren (BRGE IV Nr. 0103/2015 vom 9. Juli 2015; www.baurekursgericht-

zh.ch). Dieser Aufforderung kam die Baudirektion mit der nunmehr hier an-

gefochtenen Verfügung vom 11. November 2015 nach. Deren Publikation 

erfolgte im Amtsblatt vom 20. November 2015. 

4.1. 

Streitbetroffen ist die seit 1989 im Inventar der kunst- und kulturhistorischen 

Schutzobjekte und der archäologischen Denkmäler von überkommunaler 

Bedeutung verzeichnete Kapelle der Freikirche Chrischona auf dem 

Grundstück Kat.-Nr. 4801 im Ortsteil Rämismühle. Das Grundstück grenzt 

südöstlich an die Mühle-Strasse an und wird im Übrigen vom weitläufigen 

 

 

R4.2015.00169 Seite 5 

Grundstück Kat.-Nr. 5837 umschlossen, welches mit den Gebäuden der 

Heimstätte Rämismühle, einem Alterswohn- und Pflegeheim, überstellt ist. 

Gemäss dem Inventarblatt wurde die Kapelle 1884 von der Evangelischen 

Gemeinde Rämismühle erstellt und ging 1887 in den Besitz der Pilgermis-

sion St. Chrischona, Basel, über, dem seit 1997 als Verein organisierten 

Mitbeteiligten 3. Bei der Kapelle handelt es sich um einen Satteldachbau 

über Rechteckgrundriss, der am Fuss von einem leicht vorragenden Sockel 

umschlossen wird. Die Kapelle ist durch Ecklisenen und Wandlisenen verti-

kal gegliedert, wobei ein Zahnschnittfries das Mauerwerk abschliesst. Je 

drei Spitzbogenfenster durchbrechen die Seitenfassaden. An der südseiti-

gen Giebelfassade wurde 1991 ein Eingangsfoyer mit einem aus fünf ho-

hen Spitzbogenfenstern bestehenden Fensterband unter einem Halbpyra-

midendach angebaut. Im Innern der Kapelle findet sich ein schmuckloser 

Saal mit einem um zwei Stufen erhöhten Chorbereich und einer gegenüber 

situierten Empore, welche auf zwei gusseisernen Säulen ruht und von einer 

plastischen, hölzernen Balustrade abgeschlossen wird. Die 1977 erneuerte 

Decke ist aus schlichtem, modernem Täferholz, die Wände sind weiss ge-

strichen und der Boden ist mit einem Spannteppich bezogen. Die farbigen 

Glaseinsätze in den Bogenfeldern der Fenster in den Seitenfassaden stel-

len den einzigen Schmuck dar. Insgesamt handelt es sich um eine schlich-

te, kleine Saalbau-Kapelle, welche inmitten der Gebäudegruppe der heuti-

gen Heimstätte Rämismühle situiert ist (vgl. Prot. S. 16, Foto 16). 

4.2. 

Die KDK beantragte in ihrem Gutachten vom 5. Februar 2013 die Unter-

schutzstellung der Kapelle einerseits als Baudenkmal mit wichtigem archi-

tektonischen, konfessions- und sozialgeschichtlichem Zeugenwert von 

überkommunaler Bedeutung. Die Kapelle sei ein ausgezeichnetes Beispiel 

für die Architektur der freikirchlichen Gemeinschaften im Tösstal gegen En-

de des 19. Jahrhunderts. In der Kapelle manifestiere sich eine aus dem 

protestantischen Pietismus des 18. Jahrhunderts herausgewachsene bibel-

gläubige, "positiv" genannte Glaubens- und Geisteshaltung einer konfessi-

onellen Minderheit. Zusammen mit Freikirchen wie jener der Methodisten, 

der Heilsarmee, der Baptisten und anderen habe diese zu jener Zeit ein 

selbstbewusstes Gegengewicht zum staatskirchlichen zürcherischen Pro-

testantismus der als liberal und freidenkerisch bezeichneten Richtung ge-

bildet. Lange vor dem modernen Sozialstaat hätten freikirchliche Organisa-

 

 

R4.2015.00169 Seite 6 

tionen wie die erwähnten soziale und karitative Aufgaben übernommen. Die 

Freikirchen hätten dabei keine staatliche Unterstützung erfahren. Die Ka-

pelle bezeuge daher zusammen mit der Heimstätte Rämismühle eine be-

deutende materielle Leistung einer evangelischen Minoritätsgemeinde. Es 

handle sich um ein wichtiges sozialgeschichtliches Beispiel aus einer Zeit, 

in welcher im Zürcher Oberland und im Tösstal die Industrie mit all ihren 

Sonnen- und Schattenseiten floriert habe. Die Kapelle stelle bis heute das 

Wahrzeichen und die Mitte der eindrücklichen, aus mehr als einem Dutzend 

unterschiedlicher Bauten bestehenden Heimstätte Rämismühle in der in-

dustriell geprägten Töss-Landschaft dar. Sie betone den religiös-karikativen 

Charakter der sukzessive ausgebauten, kurhausartigen Gesamtanlage, 

weshalb ihr auch eine hohe ortsbildprägende Funktion zukomme. 

5. 

Die Baudirektion begründet die Nichtunterschutzstellung einzig mit der ver-

säumten Frist zum Erlass eines Schutzentscheides. In inhaltlicher Hinsicht 

hält sie die Kapelle in Übereinstimmung mit der Argumentation des Rekur-

renten nach wie vor für schutzwürdig. 

6. 

Der Rekurrent beantragt die Unterschutzstellung der Kapelle in dem 

Schutzumfang, welcher in der mit BRGE IV Nr. 0103/2015 vom 9. Juli 2015 

aufgehobenen Schutzverfügung der Baudirektion vom 16. Februar 2015 

vorgesehen war. Dieser umfasst: 

–  das gesamte Gebäudeäussere ohne den südseitigen Windfang von 

1992, umfassend alle Fassaden mit ihrer architektonischen Gliederung 

durch Lisenen, Sockel, Spitzbogenfenster und Zahnschnittfries sowie die 

Fenster in ihrer Einteilung mit Brüstungen und Laibungen, die Putzflä-

chen und die traufseitigen Dachuntersichten sowie die geschlossenen 

Dachflächen in ihrer ursprünglichen Materialisierung. 

– Die innere Saalstruktur, die Empore mitsamt den gusseisernen Säulen 

und der Brüstung sowie der Emporen-Aufgang, wobei qualitativ hoch-

wertige Einbauten möglich sein sollen; sodann das originale Sparren-

dach mit liegendem Stuhl; schliesslich das gestemmte Hauptportal mit 

seiner Einteilung und den Beschlägen. 

– von der Umgebung die unversiegelten Streifen entlang der Längsseiten 

der Kapelle und die strassenseitige Einfriedung. 

 

 

R4.2015.00169 Seite 7 

7. 

Die Mitbeteiligte 2 hält dafür, in der Gemeinde Zell existierten insgesamt 

drei Kapellen freikirchlichen Ursprungs. Bereits die Kapelle der Freien Mis-

sionsgemeinde in Zell-Kollbrunn sei unter Schutz gestellt worden. Eine un-

ter Denkmalschutz gestellte Kapelle pro Gemeindegebiet sei mehr als aus-

reichend. Auch in Turbenthal existiere eine vergleichbare und noch heute 

genutzte Kapelle der Methodistenkirche. Verglichen mit diesen Kapellen sei 

die hier streitbetroffene von untergeordneter Bedeutung. Sie stehe leer und 

sei für eine Integration in den umgebenden Betrieb der Heimstätte Rämis-

mühle ungeeignet bzw. eine Behinderung. Auch die ortsbildprägende Funk-

tion werde durch die zwischenzeitlich erstellten Nachbarbauten in Frage 

gestellt. 

8. 

Der Mitbeteiligte 3 stellt die wichtige Zeugenschaft der Kapelle zusammen-

gefasst ebenso in Abrede wie ihre ortsbildprägende Funktion. Im Übrigen 

sei eine Unterschutzstellung auch nicht verhältnismässig, da die Kapelle im 

Laufe der Zeit viele Veränderungen erfahren habe, in schlechtem Zustand 

sei und dem denkmalpflegerischen Interesse – sofern überhaupt vorhan-

den – nicht nur die privaten Interessen des Mitbeteiligten 3, sondern auch 

ein überwiegendes öffentliches Interesse an den baulichen Entwicklungs-

möglichkeiten der Heimstätte Rämismühle entgegenstehe. 

9.1. 

Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-

ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die 

als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus der vom Gesetz alternativ zur landschafts- oder siedlungsprägenden 

Wirkung vorausgesetzten Zeugeneigenschaft ergibt sich das Erfordernis, 

dass ein Objekt, über welches Schutzmassnahmen verhängt werden sol-

len, namentlich auf Grund seiner ortsbaulichen, baulichen oder ausstat-

tungsmässigen Eigenschaften von einer Epoche Zeugnis abzulegen, d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

 

 

R4.2015.00169 Seite 8 

zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft noch nicht ausreichend. Zudem lässt das Gesetz auch die blosse 

Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-

denen, hier nicht abschliessend aufzuzählenden Gründen ergeben. Ein 

wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf 

Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-

tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. 

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-

siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im 

Allgemeinen kaum als "Epochen" zu bezeichnen wären. Namentlich mit 

Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die 

Übergänge zwischen solchen bezeugen, Schutzobjekte sein können. Zu 

verlangen ist allerdings stets, dass die betreffende politische, wirtschaftli-

che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann. 

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften 

oder Siedlungen wesentlich mitprägen, bezweckt § 203 Abs. 1 lit. c PBG 

anders als mit dem Schutz wichtiger Zeugen nicht die Dokumentation ge-

schichtlicher Epochen, sondern die Erhaltung qualifizierter Landschafts- 

und Siedlungsbilder. In der Praxis wird hierbei oftmals auch vom Situati-

onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-

zungen für eine Unterschutzstellung – Zeugeneigenschaft oder prägende 

Wirkung – alternativ aufzählt, lässt sich auch allein schon mit letzterer die 

Anordnung von Schutzmassnahmen an Gebäuden oder Gebäudegruppen 

begründen. Allerdings rechtfertigt nicht jede Optimierung von Siedlungs- 

oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-

tiv prägende Wirkung muss vielmehr objektiv ausgewiesen und begründet 

sein, was etwa bei für das geschützte Ortsbild sehr wichtigen Kernzonen-

bauten der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011). 

9.2. 

Bei sich auf § 203 PBG stützenden denkmalpflegerischen Anordnungen 

kommt den Denkmalpflegebehörden eine gewisse Entscheidungsfreiheit 

zu. Solche Anordnungen sind namentlich dann mit einer gewissen Zurück-

haltung zu überprüfen, wenn es um die Frage der Qualifikation eines Ob-

jekts als wichtiger Zeuge, um die Bestimmung des Umfangs einer Schutz-

 

 

R4.2015.00169 Seite 9 

massnahme oder um die Auswahl unter mehreren Schutzobjekten geht. 

Diesbezügliche Beurteilungen sind mit einem spezifisch denkmalpflegeri-

schen Fachwissen verbunden. Unerheblich ist, ob es um Anordnungen 

kommunaler oder kantonaler Denkmalpflegebehörden geht. 

Diese Zurückhaltung führt allerdings nicht etwa dazu, dass das Baurekurs-

gericht gleich wie das Verwaltungsgericht auf eine reine Rechtskontrolle 

beschränkt wäre (§ 20 Abs. 1 und § 50 des Verwaltungsrechtspflegegeset-

zes [VRG]). Konsequenz ist vielmehr, dass das Baurekursgericht den ange-

fochtenen Entscheid unter gebührender Berücksichtigung der Entscheid-

gründe der Denkmalpflegebehörde und in sorgfältiger, einlässlicher Ausei-

nandersetzung mit diesen zu überprüfen hat. Dergestalt ist zwischen der 

Entscheidungsfreiheit der Denkmalpflegebehörde einerseits und dem An-

spruch auf wirksamen Rechtsschutz andererseits (Art. 77 der Kantonsver-

fassung [KV] und Art. 29a der Bundesverfassung [BV]) praktische Konkor-

danz herzustellen (Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/ 

Basel/Genf 2014, § 20 Rz. 64 ff.). 

Im Übrigen kommt dem Baurekursgericht bei der Überprüfung von sich auf 

§ 203 PBG stützenden denkmalpflegerischen Anordnungen in der Regel 

volle Kognition zu (§ 20 Abs. 1 VRG). Die Frage, was unter einem Schutz-

objekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu verstehen ist, kann das Bau-

rekursgericht frei beantworten. Soweit ihm die örtlichen Verhältnisse hinrei-

chend bekannt sind, kann es diese in der Regel frei würdigen. Geht es um 

bautechnische Fragen, namentlich um solche der Erhaltungs- und Renova-

tionsfähigkeit von Schutzobjekten oder von Teilen hiervon, ist das Baure-

kursgericht als Fachgericht in Bausachen zu deren Beantwortung nicht we-

niger berufen als die Denkmalpflegebehörden, womit auch in dieser Hin-

sicht eine Kognitionseinschränkung nicht begründet wäre. 

Vorliegend besteht die Besonderheit, dass die Nichtunterschutzstellung 

einzig auf das Versäumnis der Baudirektion zum fristgemässen Abschluss 

des Provokationsverfahrens zurückzuführen ist. Dessen ungeachtet ist die 

Sache materiellrechtlich zu prüfen und zu entscheiden. Aus Ziff. 7 der Stel-

lungnahme der Baudirektion vom 26. Januar 2016 ergibt sich, dass diese 

die Kapelle in Übereinstimmung mit den Ausführungen des Rekurrenten 

weiterhin für schutzwürdig hält. Ob unter diesen besonderen Umständen 

noch von einem geschützten Beurteilungsspielraum der Baudirektion aus-

gegangen werden kann, kann offenbleiben, da die Nichtunterschutzstellung 

 

 

R4.2015.00169 Seite 10 

der Kapelle – wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt – sowohl 

bei freier wie bei eingeschränkter Kognition der Rekursinstanz materiell-

rechtlich klar unvertretbar erscheint. 

10.1. 

Bei der Kantonalen Denkmalpflegekommission handelt es sich um eine von 

drei vom Regierungsrat gestützt auf § 216 PBG eingesetzte Sachverstän-

digenkommissionen, deren Zusammensetzung, Aufgaben etc. in der Ver-

ordnung über die Sachverständigenkommissionen gemäss § 216 PBG 

(VSVK) festgelegt sind. Die Sachverständigenkommissionen nehmen unter 

anderem – wie vorliegend geschehen – Stellung zur Schutzwürdigkeit von 

überkommunalen Schutzobjekten; dies auf Grund von Gesuchen der Direk-

tionen, der Gemeinden oder Dritter (§§ 3 ff. VSVK). Formell kommt den Be-

richten der Sachverständigenkommissionen die Bedeutung eines Amtsbe-

richtes zu; inhaltlich kommen sie, da auf besonderer Sachkunde beruhend, 

einem Gutachten gleich. 

In Fachfragen darf die rechtsanwendende Behörde nicht ohne triftige Grün-

de von Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen (vgl. 

BGE 132 II 257, E. 4.4.1). Dies gilt insbesondere für die dem Gutachten zu 

Grunde liegenden tatsächlichen Feststellungen. Diese Bindung beruht dar-

auf, dass die Sachverständigenkommissionen die gesetzlich bestimmten 

kantonalen Experten in Fragen des Natur- und Heimatschutzes sind. Ein 

Abweichen ist zulässig, wenn die Glaubwürdigkeit des Gutachtens durch 

die Umstände ernsthaft erschüttert ist. 

10.2. 

Derartige Umstände sind vorliegend nicht ansatzweise auszumachen. 

In Bezug auf den Schutzwert der Kapelle als wichtiges Baudenkmal einer 

bestimmten Epoche ist mit dem Gutachten festzuhalten, dass die eher klei-

ne Kapelle gerade zufolge ihrer Schlichtheit und Einfachheit sichtbares, 

eindrückliches und noch heute gut ablesbares Zeugnis für die sozial-

karitative Tätigkeit der freikirchlichen Bewegungen im industrialisierten 

Tösstal gegen Ende des 19. Jahrhunderts ablegt. Wenngleich der Zeug-

niswert der Kapelle weniger architektonisch zu begründen sein mag – die 

aus der Zeit des Historismus stammende, mit einigen Elementen der Neu-

gotik (insbesondere den Spitzbogenfenstern) erstellte Kapelle mag insoweit 

 

 

R4.2015.00169 Seite 11 

eines von vielen aus jener Zeit noch erhaltenen Objekte sein –, ist doch der 

spezifisch sozial- und konfessionsgeschichtliche Zeugenwert der Kapelle 

gerade im oberen Tösstal offenkundig. Hieran ändert namentlich der Um-

stand nichts, dass noch einige (wenige) weitere, dieser klar definierbaren 

Epoche zuzurechnende Kapellen existieren wie namentlich die Methodis-

tenkirche in Turbenthal und die Chrischona-Kapelle in Zell-Kollbrunn. Das 

Tösstal war seinerzeit, wie das Gutachten der KDK mit Recht festhält, ein 

bedeutendes Zentrum freikirchlicher Bewegungen, welches ein konfessio-

nelles Gegengewicht zum namentlich in der Stadt Zürich vorherrschenden 

"liberalen" Protestantismus darstellte. Die noch bestehenden Kirchen und 

Kapellen im Tösstal zeugen nicht nur als Einzelobjekte, sondern gerade 

auch in ihrer erbauten Anzahl von der sozial- und konfessionsgeschichtli-

chen Bedeutung der Freikirchen zu jener Zeit. Es handelt sich um eine Art 

Perlenschnur an Kirchen und Kapellen, deren regionale Gesamtwirkung als 

historisch gewachsenes, gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufblühendes 

Freikirchenzentrum im oberen Tössstal ausser Frage steht und aus diesem 

Grund auch die überkommunale Schutzwürdigkeit begründet. Abbrüche 

einzelner Kapellen würden sukzessive zur Schmälerung und letztlich zum 

Verlust dieser sozial- und konfessionsgeschichtlichen Gesichtspunkte der 

Industrialisierung führen. 

Insgesamt bejaht das Gutachten der KDK mit Recht die wichtige Zeugen-

schaft der Kapelle im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c (erster Teil) PBG für die 

erwähnte sozial- und konfessionsgeschichtliche Epoche. 

10.3. 

Nicht anders verhält es sich mit der vom Gutachten weiter bejahten orts-

bildprägenden Wirkung der Kapelle. Diese stellt bis heute den Mittelpunkt 

der Bauten des Vereins "Heimstätte Rämismühle" (vormals: "Asyl Rämis-

mühle") dar. Der Kapelle kommt hier nachgerade wahrzeichenhafter Cha-

rakter zu. Sie unterstreicht den Charakter der gewachsenen kurhausartigen 

Anlage, welche bis heute ein Zentrum karitativer christlicher Gesinnung im 

Tösstal in der Funktion eines Wohn-, Pflege- und Altersheims darstellt, das 

seinerzeit besonders in den damaligen Tösstaler Fabriken tätig gewesene 

alte, arme und kranke Menschen aufnahm und betreute. Ziel der Gemein-

schaft war es, in Rämismühle "Jerusalem selbst zu bauen", weshalb die 

verschiedenen Bauten entsprechende Namen (Haus Silo, Haus Zion, Haus 

Salem, Haus Bethel, Waschhaus Suchot usw.) erhielten (Hans Martin 

 

 

R4.2015.00169 Seite 12 

Gubler, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Bd. VII, Basel 1986, 

S. 147 ff.). Der hohen ortsbildprägenden Wirkung der Kapelle tut es entge-

gen der Ansicht des Mitbeteiligten 3 keinen Abbruch, dass sich zwischen 

der Heimstätte und dem Mitbeteiligten 3 schon früh institutionelle Unab-

hängigkeit entwickelte – in baulicher Hinsicht bilden die Bauten der Heim-

stätte und die Kapelle bis heute klarerweise eine Einheit. Ebenso wenig 

ändert an der ortsbildprägenden Wirkung der Umstand etwas, dass an vie-

len der Bauten im Verlaufe der Jahrzehnte bauliche Änderungen vorge-

nommen wurden und das Gebäude Vers.-Nr. 4 westlich der Kapelle erst in 

den 1980er-Jahren erstellt wurde. Die – unbestrittenermassen vorhande-

nen – baulichen Änderungen an der Kapelle selbst sind sodann nachfol-

gend im Rahmen der Klärung ihres schützenswerten Umfangs zu behan-

deln. 

Zusammengefasst bejaht das Gutachten der KDK mit Recht auch die sied-

lungsprägende Wirkung der Kapelle im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c (zwei-

ter Teil) PBG. 

10.4. 

In Bezug auf den Schutzumfang ist festzuhalten, dass sich der schützens-

werte Eigenwert der Kapelle weitgehend auf das Äussere und ihre ortsbild-

prägende Wirkung im Wesentlichen auf die ursprünglich erstellte Volu-

metrie (insbesondere ohne das erst im Jahr 1991 angebaute südseitige Fo-

yer) beschränken, wie anlässlich des Augenscheins klar wurde. 

Hinsichtlich des Äussern des Gebäudes ist damit ohne Änderungen derje-

nige Schutzumfang angezeigt, welcher bereits in der Verfügung der Baudi-

rektion vom 16. Februar 2015 vorgesehen war (vgl. vorstehende Erwä-

gungsziffer 6, 1. Aufzählungsstrich). An der so definierten Schutzwürdigkeit 

ändert im Übrigen der Umstand nichts, dass an der von der Strasse her 

nicht sichtbaren Nordfassade zwei Fenster zugemauert wurden, als der 

unmittelbar angrenzende Verbindungsgang zwischen den Gebäuden der 

Heimstätte errichtet wurde (Prot. S. 11, Foto 7) und dass das Dach im 

Rahmen einer anderen Renovation über die Säulen hinaus gezogen wurde 

(zum ursprünglichen Zustand vgl. act. 18.2). Trotz dieser Veränderungen ist 

der aus der Erstellungszeit der Kapelle noch erhaltene Umfang des Äusse-

ren gross – mit Recht erklärt die KDK, abgesehen vom südseitigen Foyer 

sei das Äussere weitgehend im Originalzustand überliefert. Dass ein Ge-

bäude im Laufe seiner Geschichte Veränderungen erfährt, spricht nicht ge-

 

 

R4.2015.00169 Seite 13 

gen seine Schutzwürdigkeit; dies entspräche einem überholten Begriff 

denkmalpflegerischer Schutzwürdigkeit. 

In Bezug auf das Innere der Kapelle wurde anlässlich des Augenscheins 

insbesondere klar, dass die Ergebnisse der Renovationsarbeiten aus dem 

Jahr 1977 (Bodenheizung, Spannteppich, Holzdecke usw.) selbstredend 

nicht schutzwürdig sind. Die Schutzwürdigkeit im Innern beschränkt sich 

praktisch auf die innere Saalstruktur als solche (Prot. S. 15, Foto 15) sowie 

das original erhaltene Sparrendach mit dem liegendem Stuhl (Prot. S. 15, 

Foto 14) und das gestemmte Hauptportal mit seiner Einteilung und den Be-

schlägen. Hingegen ist die für die Saalstruktur nicht entscheidende Empore 

selbst ebenso wenig schutzwürdig wie der Aufgang zu ihr, die hölzernen 

Balustraden und die gusseisernen Säulen, auf denen sie angebracht wur-

de. Die Unterschutzstellung dieser nachträglichen Einbauten wäre im Übri-

gen auch unverhältnismässig, da namentlich die gusseisernen Säulen, auf 

denen die Empore steht, eine sinnvolle Andersnutzung der Saalstruktur 

massiv erschwerten und der bauliche Zustand der Empore im Unterschied 

zum Saal als solchem, wie anlässlich des Augenscheins klar wurde, 

schlecht ist. In diesem Sinne wird der Schutzumfang in Bezug auf das Inne-

re der Kapelle etwas enger zu fassen sein als in der Verfügung vom 

16. Februar 2015 ursprünglich vorgesehen. Hingegen scheint der anfäng-

lich beabsichtigte Schutzumfang in Bezug auf die Umgebung (die unversie-

gelten Streifen entlang der Längsseiten der Kapelle sowie die strassensei-

tige Einfriedung) weiterhin vernünftig. 

11.1. 

Zu überprüfen bleibt die Verhältnismässigkeit der Unterschutzstellung. 

Massnahmen des Natur- und Heimatschutzes müssen im öffentlichen Inte-

resse liegen und verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 2 und 3 BV). Mit der 

Anforderung der Verhältnismässigkeit wird zunächst verlangt, dass die 

Massnahme zwecktauglich und notwendig ist (Verhältnismässigkeit im wei-

teren Sinne). Notwendigkeit bedeutet, dass eine Massnahme in ihrer kon-

kreten Ausgestaltung über das zur Erreichung ihres Ziels Notwendige nicht 

hinausgehen darf. Das Verhältnismässigkeitsprinzip im engeren Sinne ver-

langt, dass eine Schutzmassnahme durch ein das private Interesse über-

wiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt ist. Nur so ist die Massnah-

me für den Rechtsunterworfenen zumutbar (Ulrich Häfelin/Georg Müller/ 

 

 

R4.2015.00169 Seite 14 

Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 

2010, Rz. 613 ff.).  

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Verhältnismässigkeit 

von Schutzmassnahmen im engeren Sinne vermag das finanzielle Interes-

se an einer gewinnbringenden oder gar höchstmöglichen Ausnützung einer 

Liegenschaft für sich allein das öffentliche Interesse an Denkmalschutz-

massnahmen grundsätzlich nicht zu überwiegen (BGE 120 Ia 270 ff., 

E. 6c). Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, dass den wirtschaftlichen 

Interessen privater Eigentümer bei der Interessenabwägung überhaupt kei-

ne Bedeutung zukommt. Sehr erhebliche finanzielle Interessen können der 

Verfolgung eines weniger gewichtigen öffentlichen Interesses durchaus im 

Wege stehen. Hingegen müssen unter Umständen auch sehr grosse finan-

zielle Interessen der Grundeigentümer öffentlichen Interessen weichen, 

weil das Gemeinwesen sonst kaum noch Bauten unter Schutz stellen könn-

te. Die Frage der Verhältnismässigkeit im engeren Sinne darf nicht isoliert 

nur anhand der zu erwartenden finanziellen Aufwendungen beurteilt wer-

den. Vielmehr ist im Rahmen der Interessenabwägung auch das Mass des 

öffentlichen Interesses an der Unterschutzstellung und damit der Grad der 

Schutzwürdigkeit zu berücksichtigen. Dabei gilt der Grundsatz, dass, je 

schutzwürdiger eine Baute ist, desto geringer die Rentabilitätsüberlegungen 

zu gewichten sind (BGr 1P_584/1995, E. 6b, in ZBl 1996 366 ff.). 

11.2. 

Das öffentliche Interesse an der Erhaltung einer der (wenigen) noch vor-

handenen freikirchlichen Kapellen aus der erwähnten sozial- und konfessi-

onsgeschichtlichen Epoche im Tösstal ist zweifelsohne hoch. Der Mitbetei-

ligte 3 weist indes auf den Renovierungsbedarf diverser Bauteile (z.B. der 

Heizung oder einzelner Fenster) hin und hält die Unterschutzstellung zu-

nächst aus diesem Grunde für unverhältnismässig. Anlässlich der Bege-

hung der Kapelle wurde klar, dass Unterhaltsbedarf vorhanden ist, wenn-

gleich dieser aber keineswegs übermässig erscheint. Insgesamt darf der 

Zustand der Kapelle als in gewissem Masse renovationsbedürftig bezeich-

net werden, wie dies bei einem mittlerweile über 130-jährigen Objekt indes 

nicht anders zu erwarten war. So wird beispielsweise die im Jahr 1977 ein-

gebaute Bodenheizung samt den aus demselben Jahr stammenden Innen-

isolationen wohl in Bälde zu ersetzen sein. Allein, in diesem Zusammen-

hang ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass Sanierungsmehraufwand, 

 

 

R4.2015.00169 Seite 15 

der auf mangelnden Gebäudeunterhalt seitens der Eigentümerschaft zu-

rückzuführen ist, bei der Prüfung der finanziellen Verhältnismässigkeit einer 

Unterschutzstellung nicht zu berücksichtigen ist (vgl. VB.96.00024 in BEZ 

1996 Nr. 23). Wenn also anlässlich des Augenscheins beispielsweise dar-

auf hingewiesen wurde, dass Fenster undicht geworden seien – und man 

hiervon seit dem Jahr 2007 Kenntnis habe – kann dies selbstverständlich 

nicht dazu führen, die Unterschutzstellung aus diesem Grund für unverhält-

nismässig zu erachten. Sie ist es angesichts des nicht übermässigen Re-

novierungsbedarfs aber auch im Übrigen nicht. Insbesondere waren an-

lässlich des Augenscheins keinerlei (in ihrer Behebung regelmässig kosten-

intensive) Feuchtigkeitsschäden zu erkennen; dies auch nicht im original 

erhaltenen Sparrendach. Im Übrigen ist der Erhalt der Kapelle entgegen 

den Ausführungen des Mitbeteiligten 3 auch nicht zwingend mit einer wei-

terhin freikirchlichen Nutzung verbunden, welche offenbar im Jahr 2012 

eingestellt respektive nach Wila verlegt wurde. Eine Andersnutzung, die ei-

nem dauerhaften Leerstand entgegenstünde, ist durchaus denkbar; gerade 

die offene Saalstruktur (ohne die nicht schützenswerte Empore, siehe 

oben) lässt einen grosszügigen Spielraum für verschiedene Nutzungsmög-

lichkeiten offen. In Bezug auf die befürchteten kostspieligen feuerpolizeili-

chen Anpassungen ist darauf hinzuweisen, dass bei einem bestehenden 

Gebäude, wie der Rekurrent mit Recht einwendet, das Verhältnismässig-

keitsprinzip zum Tragen kommt (Art. 2 Abs. 2 der Brandschutznorm [BSN]). 

Sofern der Mitbeteiligte 3 weiter auf entgegenstehende öffentliche Interes-

sen verweist (mögliche Erweiterung des Alters- und Pflegeheims Rämis-

mühle, falls die Kapelle abgebrochen werden könne), ist festzuhalten, dass 

eine bauliche Neunutzung des kleinen Grundstücks Kat.-Nr. 4801 nament-

lich im Lichte von Abstandsvorschriften wohl ohnehin nur in sehr einge-

schränktem Masse möglich wäre. Hinzu kommt, dass für das Alters- und 

Pflegeheim im Falle der – bis anhin mit nichts dokumentierten – Notwen-

digkeit baulicher Erweiterungen in der direkten Umgebung und auf dem 

weitläufigen Grundstück Kat.-Nr. 5837 durchaus Alternativen zu finden sein 

dürften. Ein Verzicht auf die Unterschutzstellung der Kapelle lässt sich folg-

lich auch nicht mit dem einigermassen pauschal behaupteten öffentlichen 

Interesse am dereinstigen Ausbau des Alters- und Pflegeheims begründen. 

Insgesamt ist die Unterschutzstellung der Kapelle im erwähnten (und ins-

besondere in Bezug auf das Innere der Kapelle doch geringfügigen) Masse 

durchaus verhältnismässig. 

 

 

R4.2015.00169 Seite 16 

12. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Rekurs unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 11. November 2015 gutzuheissen ist. Die 

Baudirektion ist einzuladen, eine Schutzanordnung zu erlassen. 

[.…]