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**Case Identifier:** 445babeb-1084-5675-8c58-753c60269563
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-28
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2017 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2017
**Docket/Reference:** DB.2019.71
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2019.71--1-st.2019.94.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2019.71 
1 ST.2019.94 

Entscheid 

 28. August 2019 

Mitwirkend: 

Einzelrichterin Christina Hefti und Gerichtsschreiberin Vivienne Blunschi 

A ,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Nord,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2017 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2017 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend der Pflichtige), geb. am …1952, war bis … 2017 als Ingeni-

eur bei B tätig. Nach seiner Pensionierung begann er am … 2017 ein Studium an der 

Universität  C  mit  Hauptfach  Geschichte.  Die  dadurch  entstandenen  Ausgaben  von 

Fr. 2'943.- machte er als berufsorientierte Aus- und Weiterbildungskosten in der Steu-

ererklärung 2017 geltend.  

Im Veranlagungs- bzw. Einschätzungsentscheid vom 19. Februar 2019 strich 

das  kantonale  Steueramt  den  geltend  gemachten  Abzug  und  gewährte  stattdessen 

lediglich die Pauschale von Fr. 500.-. Begründet wurde dies damit, dass der Pflichtige 

bereits  Renten  beziehe  und  gleichzeitig  weiterhin  beim  ehemaligen  Arbeitgeber  tätig 

sei, weswegen es unwahrscheinlich erscheine, dass er künftig seinen Lebensunterhalt 

mit einem Bachelor in Geschichte bestreiten werde. Aus diesem Grund seien die gel-

tend gemachten Auslagen als nicht abzugsfähige Lebenshaltungskosten zu würdigen.  

B. Hiergegen erhob der Pflichtige am 7. März 2019 Einsprache und beantrag-

te die volle Gewährung des Abzugs.  

Mit Auflage vom 13. März 2019 forderte das kantonale Steueramt den Pflichti-

gen zur Einreichung folgender Unterlagen ein:  

 

Nachweis,  dass  der  Pflichtige  sämtliche  Stufen  bis  zum  Erlangen  des  Ab-

schlusses  als  Bachelor  Geschichte  zu  absolvieren  beabsichtige  bzw.  inzwi-

 

 

schen bereits absolviert habe; 

Kopien der Stundenpläne der Vorlesungen; 

Belegsmässiger  Nachweis  der  während  des  Studiums  erlangten  ECTS  Cre-

dits; 

 

Substanziierte Sachdarstellung und belegsmässiger Nachweis der beruflichen 

Tätigkeit nach Erlangen des Abschlusses Bachelor Geschichte.  

Die Auflage wurde am 8. April 2019 beantwortet.  

Am 29. April 2019 wies das kantonale Steueramt die Einsprachen ab.  

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C.  Am  20.  Mai  2019  erhob  der  Pflichtige  Beschwerde  bzw.  Rekurs  und  wie-

derholte den Einspracheantrag. Das kantonale Steueramt schloss in der Beschwerde- 

und Rekursantwort vom 4. Juni 2019 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössi-

sche Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.  

Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird,  sofern rechtserheblich,  in  den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung: 

1.  Ab  Steuerperiode  2016  können  die  Kosten  der  berufsorientierten  Aus- 

und Weiterbildung bis zum Gesamtbetrag von Fr. 12'000.- abgezogen werden (Art. 33 

Abs. 1  lit.  j  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14. Dezem- 

ber 1990 [DBG], Art. 9 Abs. 2 lit. o des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der 

direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden  vom  14.  Dezember  1990  [StHG],  § 31 

Abs. 1 lit. k des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]), sofern ein erster Abschluss 

auf der Sekundarstufe II vorliegt oder das 20. Lebensjahr vollendet ist und es sich nicht 

um die Ausbildungskosten bis zum ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II handelt. 

Abzugsfähig sind nur die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten. Der Lehr-

gang, für den die Aus- und Weiterbildungskosten aufgewendet werden, muss demnach 

einer aktuellen oder künftigen beruflichen Tätigkeit dienen (Hunziker/Mayer-Knobel, in: 

Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die  direkte  Bun-

dessteuer, 3. A., 2017, Art. 33 N 36b DBG; Reich/von Ah/Brawand, in: Kommentar zum 

Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die  Harmonisierung  der  direkten 

Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden,  3.  A.,  2017,  Art.  9  N  56j  StHG,  auch  zum  Fol-

gen). Dies ist dann der Fall, wenn der absolvierte Bildungslehrgang nach der allgemei-

nen Lebenserfahrung und dem allgemeinen Lauf der Dinge für die berufliche Tätigkeit 

nützlich  und die gewonnenen  Erkenntnisse  somit  im konkreten  Fall  bei  der  Arbeit  an-

gewendet werden können. Es spielt keine Rolle, ob die Aus- oder Weiterbildung in di-

rekten  Zusammenhang  mit  der  Erzielung  des  gegenwärtigen  Erwerbseinkommens 

steht.  Die  berufsorientierten  Aus-  und  Weiterbildungskosten  berechtigen  auch  dann 

zum Abzug, wenn nach Abschluss der Aus- oder Weiterbildung nicht im erlernten Be-

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rufsfeld  gearbeitet  wird.  Alle  Bildungskosten,  die  nicht  berufsorientiert  sind,  werden 

nicht  zum  Abzug  zugelassen.  Dies  ist  insbesondere  dann  der  Fall,  wenn  es  sich  um 

eine Weiterbildung im Bereich der Freizeitgestaltung (Liebhaberei, Hobby) handelt. Als 

berufsorientiert gelten Bildungslehrgänge, die zu einer beruflichen Qualifikation führen, 

auch wenn der Nachweis, dass die steuerpflichtige Person den neuen Beruf tatsächlich 

ausübt, nicht erbracht wird. Ein Bildungslehrgang wird demnach als Liebhaberei ange-

sehen, wenn er zu keiner beruflichen Qualifikation führt und auch nicht berufsorientiert 

ist.  Eine  berufliche  Qualifikation  liegt  vor,  wenn  die  steuerpflichtige  Person  aufgrund 

des  absolvierten  Bildungslehrgangs  dazu  befähigt  wird,  unter  Einsetzung  des  durch 

diesen Lehrgang erworbenen Wissens bei einer 100% Anstellung die finanzielle Unab-

hängigkeit  zu  erlangen.  Die  steuerpflichtige  Person  hat  den  Nachweis  zu  erbringen. 

Der  Abzug  ist  bei  Altersrentnern  nur  möglich,  falls  sie  eine  aktuelle  oder  künftige  Er-

werbstätigkeit  glaubhaft  machen  (Kreisschreiben  Nr.  42  der  Eidgenössischen  Steuer-

verwaltung über die steuerliche Behandlung der berufsorientierten Aus- und Weiterbil-

dungskosten vom 30. November 2017, Ziff. 4.1, nachfolgend Kreisschreiben). 

2.  a)  Der  Pflichtige  absolviert  ein  Bachelor  an  der  Universität  C  mit  dem 

Hauptfach  Geschichte.  Nach  eigener  Aussage  strebt  er  eine  selbstständige  Tätigkeit 

als  Berufsgenealoge an.  Die Fähigkeit  zum  Lesen  alter  Handschriften  habe  er  in  den 

vergangenen  15  Jahren  als  Amateur  erworben.  Nun  fehle  ihm  die  historische  Grund-

ausbildung.  Ein  Netzwerk  potentieller  Kunden  habe  er  im  Verlaufe  der  vergangenen 

15 Jahren bereits erworben. Er habe über sein Hobby Kontakte aufgebaut zu mehreren 

Hundert  Personen  in  Übersee,  deren  Vorfahren  aus  dem  deutschsprachigen  Raum 

ausgewandert seien. 

b) Es ist unstreitig, dass der vom Pflichtigen besuchte Lehrgang grundsätzlich 

die  Anforderungen  des  Gesetzes  für  eine  Abzugsfähigkeit  erfüllt.  Nachgewiesen  ist 

zudem,  dass  der  Pflichtige  den  Lehrgang  seriös  angeht,  hat  er  doch  per  Ende  des 

Herbstsemesters 2018 bereits 78 ECTS Credits erlangt. Das kantonale Steueramt be-

gründet die Abweisung damit, dass der Pflichtige bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt 

seine Dienstleistungen anbieten könne, habe er sich doch bereits die Fähigkeiten zum 

Lesen  alter  Handschriften  angeeignet.  Dies  sowie  die  Tatsache,  dass  er  seinen  Le-

bensunterhalt  dank  seiner  Renten  bestreiten  könne,  sprächen  dafür,  dass  ihm  eine 

Gewinnerzielungsabsicht fehle.  

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Dabei  übersieht  das  kantonale  Steueramt,  dass  grundsätzlich  ein  Bildungs-

lehrgang nur dann als Liebhaberei angesehen wird, wenn er zu keiner beruflichen Qua-

lifikation führt,  was  vorliegend  von  der  Vorinstanz  nicht  behauptet  wird.  Der  Pflichtige 

soll dadurch befähigt werden, bei einer 100% Anstellung finanzielle Unabhängigkeit zu 

erlangen,  jedoch  ist  weder  erforderlich,  dass  tatsächlich  nach  Abschluss  der  Ausbil-

dung  eine  solche  angetreten  wird,  noch,  dass  der  Pflichtige  für  den  Lebensunterhalt 

auf diesen Verdienst angewiesen ist. Selbst wenn man gestützt auf das Kreisschreiben 

an  Rentnern  erhöhte  Anforderungen  stellt,  verlangt  dieses  keinen  Beweis,  sondern 

lediglich Glaubhaftmachung einer künftigen Erwerbstätigkeit. Naturgemäss können die 

Anforderung an die Glaubhaftmachung eines künftigen Ereignisses nicht allzu hochge-

stellt  werden,  weswegen  eine  nachvollziehbare  Schilderung  der  Berufspläne  grund-

sätzlich als hinreichend zu erachten ist.  

Auch das Argument, der Pflichtige habe sich die nötigen beruflichen Qualifika-

tionen bereits angeeignet, läuft ins Leere. Zum einen behauptet das der Pflichtige kei-

nesfalls,  zum  anderen  ist  historisches  Grundwissen  für  die Ausübung  des  Berufs Ge-

nealoge  notwendig,  ist  doch  wichtig,  dass  man  die  zur  Verfügung  stehenden 

Dokumente  historisch  einordnen  kann  (so  auch  der  Verband  der  Deutschen  Berufs-

genealogen, Verbindliche Berufsgrundsätze, Ziff. 2.14). 

3. a) Die Beschwerde und der Rekurs sind damit gutzuheissen und der Pflich-

tige  ist  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr.  111'000.-  (direkte  Bundessteuer) 

bzw.  Fr.  98'800.-  (satzbestimmend  Fr.  110'100.-,  Staats-  und  Gemeindesteuern)  und 

einem steuerbaren Vermögen von Fr. 1'966'000.- (satzbestimmend Fr. 2'232'000.-) zu 

veranlagen/einzuschätzen.  

b)  Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  vorliegenden  Verfahrens  der  

Beschwerdegegnerin/dem  Rekursgegner  aufzuerlegen  (Art. 144  Abs. 1  DBG,  § 151 

Abs. 1 StG).  

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Demgemäss erkennt die Einzelrichterin: 

1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Beschwerdeführer wird für die Steuerperi-

ode 2017 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 111'000.- veranlagt (Tarif ge-

mäss Art. 36 Abs. 1 DBG; Grundtarif).  

2.  Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Der  Rekurrent  wird  für  die  Steuerperiode  2017 

mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 98'800.- (satzbestimmend Fr. 110'100.-) 

und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr.  1'966'000.- 

(satzbestimmend 

Fr. 2'232'000.-)  eingeschätzt  (Tarif  gemäss  §  35  Abs.  1  bzw.  §  47  Abs. 1  StG; 

Grundtarif).  

[…] 

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Die Gerichtsschreiberin gibt folgende abweichende Meinung zu Protokoll: 

2.  a) Gemäss  der seit  1.  Januar  2016  geltenden  Regelungen sind  alle Kosten 

der  berufsorientierten  Aus-  und  Weiterbildung,  einschliesslich  der  Umschulung  nach 

dem ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II oder nach der Vollendung des 20. Le-

bensjahrs,  sofern  es  sich  nicht  um  Ausbildungskosten  bis  zum  ersten  Abschluss  auf 

der Sekundarstufe II handelt, bis zum einem Gesamtbetrag von Fr. 12'000.- abziehbar. 

Zuvor konnten nur die Kosten für die mit dem gegenwärtigen Beruf zusammenhängen-

de Weiterbildung, für  die durch  äussere Umstände  bedingte Umschulung und für  den 

beruflichen Wiedereinstieg vom Einkommen abgezogen werden.  

b) Die Neuregelung der Bildungskosten fand vor dem Hintergrund statt, die kan-

tonal unterschiedliche Auslegung der verschiedenen Bildungskostenbegriffe, die Nicht-

abzugsfähigkeit  bestimmter  Bildungskosten  und  die  damit  zusammenhängenden  Ab-

grenzungsschwierigkeiten  zu  beseitigen.  Die  Vorlage  zur  Gesetzänderung  sollte  u.a. 

Folgendes vorsehen (BBl 2011 2611):  

"1. Beruflich veranlasste und vom Steuerpflichtigen getragene Aus- und Weiter-

bildungskosten  sind  abzugsfähig.  Beruflich  veranlasst  sind  Bildungskosten,  die  dem 

Erhalt oder der Erweiterung der bisher ausgeübten unselbstständigen Erwerbstätigkeit 

dienen  (Berufsaufstieg) oder  die  zu  einer  neuen  oder wieder  aufgenommenen  selbst-

ständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit qualifizieren (Umschulung, Wieder-

einstieg)." 

2. […] 

3. […]" 

b) Ferner wird vorausgesetzt, dass der Bildungslehrgang entweder einen direk-

ten  Bezug  zur  aktuellen  Berufsausübung  hat  oder  im  Hinblick  auf  eine  beabsichtigte 

zukünftige Berufsausübung besucht wird (Kreisschreiben, Ziff. 4.4). Beruf ist der Kreis 

von  Tätigkeiten  mit  zugehörigen  Pflichten  und  Rechten,  den  der  Mensch  im  Rahmen 

der Sozialordnung als dauernde Aufgabe erfüllt und der ihm zumeist zum Erwerb des 

Lebensunterhalts  dient  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  Zürcher 

Steuergesetz, 3. A., 2013, § 26 N 56 StG, auch zum Folgenden). Mit dem "Beruf" muss 

aber  keine  Tätigkeit  angestrebt  werden,  die während  des  ganzen  Lebens  (bis  zur  Al-

tersgrenze) währen soll. Beruf ist aber nicht eine Tätigkeit, die persönliche Neigungen 

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befriedigen  soll.  An  der  Berufsorientierung  fehlt  es  somit,  wenn  der  Kurs  oder  Bil-

dungsgang nicht auf die aktuelle oder eine zukünftige berufliche Tätigkeit ausgerichtet 

ist, sondern der persönlichen Selbstentfaltung oder der Liebhaberei dient.  

Nach dem bis 31. Dezember 2015 geltenden System waren die abzugsfähigen 

Kosten  für  die Weiterbildung  und  Umschulung Gewinnungskosten.  Neu  ist  dieser  Ab-

zug  als  allgemeiner  Abzug  ausgestaltet  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkom-

mentar  zum  DBG,  3.  A.,  2016,  Art.  33  N  205  DBG).  Allgemeine  Abzüge  gewährt  der 

Gesetzgeber  aus  sozialpolitischen  und  Billigkeitsgründen,  ja  sogar  als  Anreize  zu  ei-

nem  gesellschaftspolitisch  erwünschten  Verhalten.  Nichtsdestotrotz  sind  steuerliche 

Privilegien, wonach Lebenshaltungskosten von den steuerbaren Einkünften abgezogen 

werden  können,  einschränkend  auszulegen  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art. 25 

N 16 DBG).  

c) Wie allgemein bei geltend gemachten Abzügen ist die steuerpflichtige Person 

beweisbelastet  für  die  Berufsorientierung  der  Kosten  verursachenden  Bildungsmass-

nahme. Dies vor allem dann, wenn die Kosten im Zusammenhang mit einer Bildungs-

massnahme stehen, die nur zu einer beruflichen Qualifikation führen, welche die steu-

erpflichtige Person nicht in naher Zukunft zu ihrem Beruf machen will. In letzterem Fall 

muss  der  Steuerpflichtige  nachweisen,  dass  er  gestützt  auf  die  erlangte  berufliche 

Qualifikation  in  der  Lage  wäre,  seinen  Lebensunterhalt  selbst  zu  verdienen  (Richner/ 

Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 33 N 232 DBG).  

3. a) Mit der Voraussetzung "berufsorientiert" schuf der Gesetzgeber ein Kriteri-

um für die Abgrenzung der abzugsfähigen Bildungskosten von jenen, die der Liebhabe-

rei  oder  der  persönlichen  Selbstentfaltung  dienen.  Denn  die  abzugsfähigen  Bildungs-

kosten  müssen  weiterhin  einen  Bezug  zum  Beruf  haben.  Zuvor  lautete  der  Wortlaut 

von  Art.  26  Abs.  1  lit.  d  aDBG  "die  mit  dem  Beruf  zusammenhängenden  Weiterbil-

dungs-  und Umschulungskosten"  bzw.  §  26  Abs.  1  lit.  d aStG "die mit dem  Beruf  zu-

sammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskosten mit Einschluss der Wie-

dereinstiegskosten".  Gemäss  den  Ausführungen  in  E.  1.  erfüllt  das  vom  Pflichtigen 

geltend gemachte Geschichtsstudium grundsätzlich die Voraussetzungen gemäss der 

neuen  Gesetzgebung.  Aufgrund  der  nachfolgenden  Erwägungen  wird  jedoch  bezwei-

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felt,  dass  aufgrund  des  zugrunde  liegenden  Sachverhalts  die  geltend  gemachten  Bil-

dungskosten zum Abzug berechtigen:  

b)  Dass  der  Pflichtige  sein  Studium  pflichtbewusst  und  ernsthaft  betreibt,  wird 

nicht bezweifelt. Indes geht aus den historischen Grundlagen hervor, dass die Geset-

zesrevision  in  erster  Linie  aus  Praktikabilitätsgründen  erfolgte  und  um  die  beruflich 

veranlassten  Bildungskosten  nach  dem  Verfassungsgrundsatz  der  Besteuerung  nach 

der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu behandeln (BBl 2011 2611). Ferner sind die 

abzugsberechtigten Kosten darauf gerichtet, dem Steuerpflichtigen eine bessere beruf-

liche Situation zu ermöglichen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Denn es soll 

die  berufliche  Flexibilität  unterstützt  werden  (Kreisschreiben,  Ziff.  4.4).  Denn 

vor  Erreichen  des  Pensionsalters  hat  jeder  Steuerpflichtige,  ob  selbständig  oder 

unselbstständig erwerbstätig, für seinen Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Erst mit 

Erreichen des Rentenalters tritt die Altersrente an die Stelle des Erwerbseinkommens. 

Daher  rührt  wohl  auch  der  Hinweis  im  Kreisschreiben  (Ziff.  4.1),  wonach  der  Abzug 

bei Altersrentnern nur möglich ist, falls sie eine aktuelle oder künftige Erwerbstätigkeit 

glaubhaft machen. Wie bereits erwähnt, sind allgemeine Abzüge eng auszulegen. Inso-

fern  darf  jedoch  nicht  grundsätzlich  gesagt  werden,  dass  einem  Rentner  keine  Bil-

dungskosten gewährt werden dürfen. Indes hat vorliegend der Pflichtige bloss behaup-

tet, dass er sich in den letzten 15 Jahren ein Netzwerk potentieller Kunden aufgebaut 

hat. Obwohl er mehrere hundert Personen in Übersee (Nord- und Südamerika, Austra-

lien) dazu  zählt, bleibt er einen entsprechenden Nachweis schuldig. Ebenso für seine 

Aussage,  dass  gemäss  seiner  Erfahrung  das  Lesen  alter  Handschriften  als  alleinige 

Dienstleistung  nicht  gefragt  sei.  Auch  erklärt  der  Pflichtige  selbst  noch,  dass  er  über 

sein  Hobby  Kontakte  aufgebaut  habe.  Dass  ein  potentieller  Kunde  jedoch  20  Jahre 

auf  den  Pflichtigen  wartet  –  ausgehend  von  einer  Studienzeit  (Bachelor/Master)  von 

fünf  Jahren  –,  bis  er  über  das  notwendige  Fachwissen  verfügt,  um  seine  Familienge-

schichte  zu  erforschen,  erscheint  fraglich.  Hierzu  auch  der  Hinweis  des  Kantons 

Solothurn,  wonach  es  nicht  nur  an  der  Berufsorientierung  fehle,  wenn  der  Kurs  oder 

Bildungsgang nicht auf die aktuelle oder eine zukünftige berufliche Tätigkeit ausgerich-

tet  sei,  sondern der  persönlichen  Selbstentfaltung  oder  der  Liebhaberei  diene.  Davon 

sei auch auszugehen, wenn Personen im Rentenalter Lehrveranstaltungen besuchten, 

ausser  sie  stünden  in  direktem  Zusammenhang  mit  einer  aktuell  noch  ausgeübten 

beruflichen  Tätigkeit.  Macht  eine  Person  im  Rentenalter  eine  zukünftige  berufliche 

Tätigkeit  geltend,  so  sei  zu  prüfen,  ob  sie  diese  dann  tatsächlich  aufnehme 

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(www.steuerbuch.so.ch/steuern/einkommenssteuer/allgemeine-abzuege-und-

sozialabzuege/41-nr-11/).  

Kommt  hinzu,  dass  der  Pflichtige  frühestens  in  fünf  Jahren  seine  Tätigkeit  als 

selbständiger  Berufsgenealoge  aufnehmen  kann  und  dann  bereits  das  70. Altersjahr 

erreicht  hat.  Allerdings  werden  gemäss  den  verbindlichen  Berufsgrundsätzen  neben 

dem historischen Grundwissen noch weitere Fachkenntnisse vorausgesetzt. Somit wird 

es u.U. noch länger dauern, da der Pflichtige noch zusätzliche Kurse in anderen Berei-

chen  zu absolvieren hat. Wann konkret  der  Pflichtige seine  Erwerbstätigkeit  wird auf-

nehmen  können,  ist  ungewiss.  Insbesondere  auch  deshalb,  da  es  für  den  Beruf  als 

Genealoge weder eine anerkannte Ausbildung noch einen geschützten Titel gibt (NZZ 

vom  16.  Januar  2012,  "Manche  Leute  sammeln  Ahnen  wie  andere  Briefmarken"). 

Demgemäss  erscheint  es  aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  als  wenig  glaubhaft, 

dass der Pflichtige eine Erwerbstätigkeit aufnehmen wird. Vielmehr ist davon auszuge-

hen, dass der Pflichtige sein Hobby weiter vertiefen möchte und da er nun pensioniert 

ist, auch endlich mehr Zeit dafür hat. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass er 

über ein beachtliches Vermögen verfügt, das ihm genügend Sicherheit dazu bietet, die 

anfallenden  Bildungskosten  zu  tragen,  selbst  wenn  er  während  mehrerer  Jahre  kein 

zusätzliches Einkommen erzielt.  

Nach  alledem  qualifizieren  die  geltend  gemachten  Studienkosten  des  Pflichti-

gen nicht als berufsorientierte Ausbildungs- bzw. Weiterbildungskosten. Vielmehr dient 

die  Ausbildung  der  Liebhaberei  bzw.  persönlichen  Selbstentfaltung  des  Pflichtigen. 

Demzufolge ist der Abzug dem Pflichtigen nicht zu gewähren.  

4.  Gestützt  auf  diese  Erwägungen  sind  Beschwerde  und  Rekurs  abzuweisen. 

Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem  Pflichtigen  aufzuerlegen 

(Art. 144 Abs. 1 DBG bzw. § 151 Abs. 1 StG).   

Für den richtigen Protokollauszug: 

V. Blunschi 

Gerichtsschreiberin 

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