# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 00b5bcc8-cca9-54a1-9c44-ec20e6a5fcc1
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.11.2022 SK 2021 621
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-621_2022-11-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 621

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. November 2022 

Besetzung Oberrichter Horisberger (Präsident i.V.),
Oberrichterin Friederich Hörr, Oberrichter Zuber
Gerichtsschreiberin Hebeisen

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________
privat v.d. C.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

D.________
v.d. Rechtsanwältin E.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Vergewaltigung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 29. Oktober 2021 (PEN 20 332)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 29. Oktober 2021 wurde der Beschuldigte und Berufungsführer 
A.________ (nachfolgend Beschuldigter) durch das Regionalgericht Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht, nachfolgend Vorinstanz) der Vergewaltigung, begangen 
ca. Ende November oder im Dezember 2012 (vor Weihnachten), in einer Nacht von 
Freitag auf Samstag, an der ________ (Strasse) in F.________ z.N. der Straf- und 
Zivilklägerin D.________ (nachfolgend Straf- und Zivilklägerin) schuldig gespro-
chen. In Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen verurteilte die Vor-
instanz den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, wobei der Voll-
zug aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt wurde. Weiter ver-
urteilte sie ihn zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten in der Höhe 
von CHF 8'850.00 sowie zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 12'939.00 
an die Straf- und Zivilklägerin und bestimmte die Entschädigung für die amtliche 
Verteidigung des Beschuldigten durch Fürsprecher B.________ (pag. 392 f., 
Ziff. I.1.-3. und Ziff. II des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Im Zivilpunkt verur-
teilte die Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung von CHF 1'830.00 Scha-
denersatz zzgl. 5% Zins seit dem 11. Mai 2021 sowie zur Bezahlung einer Genug-
tuung in der Höhe von CHF 4'000.00 zzgl. 5% Zins seit dem 24. Dezember 2012 
an die Straf- und Zivilklägerin. Soweit weitergehend wurde die Zivilklage abgewie-
sen und auf die Ausscheidung von separaten Kosten für deren Beurteilung verzich-
tet (pag. 393, Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Schliesslich erteilte 
die Vorinstanz dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst die vorzeitige Zu-
stimmung zur Löschung der vom Beschuldigten erhobenen biometrischen erken-
nungsdienstlichen Daten (pag. 393, Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Fürsprecher B.________ namens und im Auftrag des 
Beschuldigten mit Eingabe vom 4. November 2021 innert Frist Berufung an 
(pag. 396). Die Berufungserklärung datiert vom 7. Januar 2022 und langte frist- und 
formgerecht am 10. Januar 2022 beim Obergericht des Kantons Bern ein 
(pag. 446 f.).

Rechtsanwältin E.________ teilte mit Eingabe vom 13. Januar 2022 mit, auf die 
Erklärung einer Anschlussberufung zu verzichten und auch keine Nichteintretens-
gründe in Bezug auf die Berufung des Beschuldigten geltend zu machen 
(pag. 458 f.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 20. Januar 2022 auf 
die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 464 f.).

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3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurde über den Beschuldigten 
ein aktueller Strafregisterauszug, datierend vom 10. November 2022, eingeholt 
(pag. 342). Zudem wurden sowohl der Beschuldigte als auch die Straf- und 
Zivilklägerin oberinstanzlich nochmals zur Person und zur Sache befragt 
(pag. 552 ff.). Anlässlich dieser Befragungen legte Rechtsanwältin C.________ 
einen Auszug aus dem gemeinsamen Chatverlauf des Beschuldigten und der Straf- 
und Zivilklägerin vor und befragte beide dazu. Der Auszug wurde im Anschluss von 
der Kammer zu den Akten erkannt (vgl. pag. 557).

4. Opferschutzmassnahmen
Rechtsanwältin E.________ beantragte für die Straf- und Zivilklägerin mit Eingabe 
vom 13. Januar 2022, es sei eine Konfrontation der Straf- und Zivilklägerin mit dem 
Beschuldigten zu vermeiden. Überdies sei die Straf- und Zivilklägerin vorbehältlich 
ihrer eigenen Einvernahme von der Anwesenheitspflicht an der Verhandlung zu be-
freien und es sei ihr zuzugestehen, sich zur Verhandlung/Einvernahme von einer 
Vertrauensperson begleiten zu lassen (pag. 459).

Der Antrag wurde mit Verfügung vom 4. Februar 2022 gutgeheissen und im Hin-
blick auf die oberinstanzliche Verhandlung die zur Vermeidung einer Konfrontation 
zwischen dem Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin nötigen organisatori-
schen Vorkehrungen getroffen (pag. 476 f. und pag. 551).

5. Gesuch um Entlassung aus dem amtlichen Mandat

Mit Schreiben vom 15. September 2022 ersuchte Fürsprecher B.________ darum, 
ihn mit sofortiger Wirkung aus dem amtlichen Mandat zu entlassen. Zur Begrün-
dung führte er im Wesentlichen aus, der Beschuldigte habe das Vertrauen in ihn 
als seinen Verteidiger verloren (pag. 493 f.). 

Rechtsanwältin C.________ teilte mit Eingabe vom 19. September 2022 mit, der 
Beschuldigte habe sie mit der anwaltlichen Interessenwahrung betraut und reichte 
in der Beilage eine unterschriebene Anwaltsvollmacht bei. Bezugnehmend auf das 
obgenannte Schreiben von Fürsprecher B.________ stellte sie den Antrag, sie sei 
mit sofortiger Wirkung als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten einzusetzen 
(pag. 499 ff.). Mit (ergänzender) Eingabe vom 28. September 2022 reichte Rechts-
anwältin C.________ zudem eine Kopie des E-Mail-Verkehrs des Beschuldigten 
mit Fürsprecher B.________ zur Objektivierung des zerrütteten Vertrauensverhält-
nisses ein und führte aus, aus diesem gehe hervor, dass aufgrund der Vorkomm-
nisse die Basis für eine effektive und wirksame Zusammenarbeit zwischen dem 
Beschuldigten und Fürsprecher B.________ nicht mehr vorhanden sei. Ferner stell-
te sie den Antrag, die Berufungsverhandlung aufgrund einer Terminkollision abzu-
setzen und in Absprache mit den Parteien neu anzusetzen (pag. 509).

Mit Verfügung vom 7. Oktober 2022 wurde das Gesuch des Beschuldigten um 
Übertragung der amtlichen Verteidigung an Rechtsanwältin C.________ sowie um 
Verschiebung der oberinstanzlichen Verhandlung abgewiesen und die Kosten für 
die Beurteilung dieses Gesuchs, ausmachend CHF 400.00, zur Hauptsache ge-

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schlagen. Zur Begründung der Abweisung der Anträge wird auf die Ausführungen 
in der Verfügung verwiesen (pag. 527 ff.).

Mit Eingabe vom 12. Oktober 2022 teilte Rechtsanwältin C.________ mit, den Be-
schuldigten privat zu verteidigen (pag. 535), was mit Verfügung desselben Tages 
zur Kenntnis genommen und das amtliche Mandat von Fürsprecher B.________ 
sistiert wurde (pag. 540 f.).

6. Anträge der Parteien

Rechtsanwältin C.________ beantragte oberinstanzlich namens und im Auftrag 
des Beschuldigten Folgendes (pag. 576 f. bzw. pag. 586):

1. A.________ sei freizusprechen von der Anschuldigung der Vergewaltigung und der sexuellen 
Nötigung, evtl. der versuchten sexuellen Nötigung, angeblich begangen ca. Ende November oder 
im Dezember 2012 (vor Weihnachten), in einer Nacht von Freitag auf Samstag, in F.________, 
________(Strasse), zum Nachteil von D.________.

2. A.________ seien die gesamten oberinstanzlichen Verteidigungskosten (inkl. Auslagen und 
MWST) gemäss der separat eingereichten Honorarnote zu ersetzen und es sei auf eine Rückfor-
derung der erstinstanzlichen Verteidigerkosten gegenüber A.________ zu verzichten.

3. A.________ sei eine Genugtuung in Höhe von CHF 1500.00 auszurichten.

4. Die Zivilklage sei abzuweisen, unter Kosten und Entschädigungsfolgen.

5. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich an den Kanton Bern, evtl. 
an die Privatklägerschaft aufzuerlegen.

6. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

Entgegen der schriftlichen Anträge beantragte sie im Rahmen des oberinstanzli-
chen Plädoyers zudem, dass auch die Kosten von Fürsprecher B.________ 
gemäss Honorarnote zu ersetzen seien (pag. 576).

Rechtsanwältin E.________ stellte demgegenüber für die Straf- und Zivilklägerin 
folgende Anträge (pag. 581 bzw. pag. 589; Hervorhebungen im Original):

I. A.________ sei in Bestätigung des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
29.10.2021 schuldig zu erklären der Vergewaltigung, begangen ca. Ende November oder im 
Dezember 2012 (vor Weihnachten), in einer Nacht von Freitag auf Samstag, in F.________, 
________(Strasse), ehemalige WG-Wohnung von D.________, zum Nachteil von D.________;

II. A.________ sei in Bestätigung des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
29.10.2021 in Anwendung der einschlägigen Gesetzesartikel zu einer angemessenen Strafe zu 
verurteilen;

III. A.________ seien die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten zur Bezahlung aufzuerle-
gen;

IV. A.________ sei in Bestätigung des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
29.10.2021 zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 1830.- zzgl. Zins zu 5% seit dem 
11.05.2021 an die Straf- und Zivilklägerin D.________ zu verurteilen;

5

V. A.________ sei in Bestätigung des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
29.10.2021 zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 4'000.- zzgl. Zins zu 5% seit dem 
24.12.2012 an die Straf- und Zivilklägerin D.________ zu verurteilen;

VI. A.________ sei zur Bezahlung der Anwaltskosten der Straf- und Zivilklägerin D.________ (erst-
instanzlich gemäss Ziffer I., 3. des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
29.10.2021; oberinstanzlich gemäss eingereichter Honorarnote) zu verurteilen;

VII.Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil mit Berufungserklärung vom 7. Ja-
nuar 2022 vollumfänglich angefochten. Dieses ist von der Kammer daher gesamt-
haft zu überprüfen.

Die Kammer verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Mangels 
Anschlussberufung oder eigenständiger Berufung seitens der Generalstaatsan-
waltschaft oder durch die Straf- und Zivilklägerin darf das erstinstanzliche Urteil 
nicht zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden; es gilt das Verschlechte-
rungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift vom 2. Dezember 2020

Dem Beschuldigten wird mit Anklageschrift vom 2. Dezember 2020 folgendes Ver-
halten vorgeworfen (pag. 310 f., Hervorhebungen im Original):

Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB) und sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB), evtl. ver-
suchte sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) 

begangen ca. Ende November oder im Dezember 2012 (vor Weihnachten), in einer Nacht von Freitag 
auf Samstag, in F.________, ________(Strasse), ehemalige WG-Wohnung von D.________, zum 
Nachteil von D.________, durch folgendes Tatvorgehen:

A.________ fragte, nachdem er wie vereinbart in der Nacht die WG-Wohnung seiner damaligen 
Freundin D.________ aufgesucht hatte, sie (mehrmals) nach Sex. D.________ verneinte (mehrmals) 
und äusserte, sie wolle weiterschlafen. Sie lag in ihrem WG-Zimmer bäuchlings auf dem Bett (mit dem 
Kopf von A.________ abgewandt) und er neben ihr. In der Folge packte er sie mit den Händen kraft-
voll an den Hüften, drehte sie auf den Rücken, zog ihre Hosen aus, legte sich bzw. ging mit seinen 
Beinen zwischen ihre Beine und drang in Missionarsstellung - ohne Kondom - vaginal in sie ein. 
D.________ war «erstarrt» und wehrte sich körperlich nicht. Ihr liefen Tränen herunter und 
A.________ fragte, ob es ihr nicht gefalle. D.________ äusserte, dass es ihr nicht gefalle und er auf-
hören solle. Er machte jedoch weiter bzw. drang weiterhin vaginal in sie ein. Danach versuchte 
A.________ mit dem Penis anal in die immer noch auf dem Rücken liegende D.________ einzudrin-
gen, was ihm vermutlich ein wenig (mit der Penisspitze) gelang. D.________ verspürte Schmerzen 
und konnte sich in diesem Moment aus ihrer «Starre» lösen. Sie stiess ihn mit den Füssen von sich 
weg und er liess von ihr ab.

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9. Sachverhalt

9.1 Unbestrittener Sachverhalt

Die Vorinstanz hielt zum unbestrittenen Sachverhalt Folgendes fest (pag. 410, S. 9 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Beziehungsgeschichte der Parteien ist weitestgehend unbestritten. Klar ist, dass die Parteien im 
November / Dezember 2012 bereits seit längerer Zeit, ca. seit zwei Jahren, ein Paar waren (p. 13 
Z. 41 f., p. 47 Z. 62 f.), aber noch nicht gemeinsam wohnten (p. 47 Z. 65 ff.). Weiter ist unbestritten, 
dass es der Privatklägerin in den ersten Jahren der Beziehung punkto Sexualität oftmals schwerfiel, 
dem Beschuldigten mitzuteilen, was sie will bzw. was ihr gefällt und was nicht (p. 75 Z. 383 ff., p. 78 
Z. 491, p. 365 Z. 39 ff., p. 373 Z. 1 ff.). Oft gelang es ihr erst auf mehrfaches Nachfragen seitens des 
Beschuldigten zu sagen, wenn ihr etwas ein bisschen wehtat bzw. nicht so gefiel (p. 19 Z. 344 ff., 
p. 31 Z. 206 ff., p. 76 Z. 397 ff., Z. 412 ff., p. 365 Z. 40 f.). Daraufhin hörte der Beschuldigte jeweils 
auf (p. 75 Z. 387, p. 78 Z. 492). Der Beschuldigte bestärkte die Privatklägerin stets auch darin, sich zu 
äussern und ihm mitzuteilen, wenn ihr etwas nicht gefällt (p. 30 Z. 187 ff., p. 75 Z. 387 f., p. 76 Z. 401, 
Z. 419 f.). Ebenfalls unbestritten ist, dass der Beschuldigte während mehreren Jahren und insbeson-
dere auch im Herbst / Winter 2012 regelmässig Alkohol und Drogen (Speed, Amphetamine, Kokain) 
konsumierte (p. 17 Z. 225 ff., Z. 232 f., p. 49 Z. 124 ff., p. 71 Z. 238 ff., p. 373 Z. 10 f., Z. 18 ff., Z. 24 
ff.). Wegen diversen psychischen Problemen begab sich der Beschuldigte seit 2012 wiederholt in am-
bulante oder stationäre Therapie (p. 9, p. 17 Z. 225 ff., Z. 239 f., p. 20 Z. 409, p. 27 ff. Z. 84 ff.). Im 
Jahr 2014 trennte sich die Privatklägerin zeitweilig vom Beschuldigten (p. 13 Z. 42 ff., p. 27 Z. 55, 
p. 47 Z. 70 f.). Im September 2014 zogen die Parteien sodann in eine gemeinsame Wohnung (p. 47 
Z. 67). Von circa Januar 2018 bis Januar 2019 gingen die Parteien zur Paartherapie (p. 13 Z. 50 f., 
Z. 59 ff.). Im Juni 2019, d.h. rund drei Monate vor Anzeigeerstattung (vgl. Ziff. I. hiervor), beendete die 
Privatklägerin schliesslich erneut die Beziehung mit dem Beschuldigten (p. 13 Z. 41 ff., p. 47 Z. 62 f., 
Z. 69 ff., p. 68 Z. 101 ff.). 

Zwischen den Parteien ist weiter unbestritten, dass es in der Beziehung zu einem Vorfall kam (p. 369 
Z. 30 ff.) und dass dieser während den nachfolgenden Beziehungsjahren nie angesprochen wurde 
(p. 14 Z. 107 f., p. 51 Z. 231 f., p. 53 Z. 356 f., p. 68 Z. 106 f., p. 76 Z. 426 ff., p. 373 Z. 39 ff.). Hin-
sichtlich des Rahmengeschehens sowie des Vorfalls an sich stimmen die Aussagen der Parteien in-
soweit überein, als dass der Beschuldigte in der fraglichen Nacht in die WG-Wohnung der Privatklä-
gerin kam als diese schon im Bett war, er ihr die Hosen herunterzog, vaginal in sie eindrang und sich 
unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr ins Bad zurückzog, die WG-Wohnung der Privatklägerin 
verliess, mit einem Taxi nach Hause fuhr und danach die Beziehung beendete (p. 48 Z. 81 ff., Z. 94 
ff., p. 69 Z. 155 ff., p. 70 Z. 173 ff., p. 369 Z. 40 ff., p. 370 Z. 4 ff., Z. 9 ff., Z. 29 ff.).

Zu diesen grundsätzlich zutreffenden Ausführungen ist einzig anzumerken, dass 
der Beschuldigte sich zwar wiederholt in ambulante oder stationäre Therapie be-
gab, diesbezüglich jedoch unklar ist, ob dies vor oder nach dem Vorfall geschah. 
Sodann ist zur Feststellung der Vorinstanz, wonach ebenfalls unbestritten sei, dass 
der Beschuldigte in der fraglichen Nacht vaginal in die Straf- und Zivilklägerin ein-
gedrungen sei und sich unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr ins Bad zurück-
gezogen habe, präzisierend festzuhalten, dass es sich vorliegend unbestrittener-
massen nicht um einen voll- bzw. beendeten Geschlechtsverkehr handelte, da die-
ser vorzeitig wieder abgebrochen wurde. Zudem ist unklar, von wem die Beziehung 
im Anschluss an den Vorfall beendet wurde (vgl. bspw. die Aussage der Straf- und 

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Zivilklägerin anlässlich der oberinstanzlichen Einvernahme, wonach sie einer ge-
meinsamen Kollegin geschrieben habe, sie hätten sich gerade getrennt, pag. 553 
Z. 30 und pag. 556 Z. 38 ff., wonach es wie unausgesprochen und für beide klar 
gewesen sei, sie aber nicht sagen könne, ob sie oder er gesagt habe, dass die Be-
ziehung jetzt beendet sei; vgl. aber auch pag. 561 Z. 41 ff. und pag. 568 Z. 31 ff., 
wonach der Beschuldigte meinte, er habe Schluss gemacht).

9.2 Bestrittener Sachverhalt

Auch für den bestrittenen Sachverhalt kann auf die zutreffenden Ausführungen der 
Vorinstanz verwiesen werden (pag. 411, S. 10 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung):

Bestritten und daher im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung (vgl. Ziff. II. 2.5. hiernach) zu 
prüfen ist der genaue Ablauf des Vorfalls bzw. was sich in der fraglichen Nacht exakt zugetragen hat. 
Namentlich gibt der Beschuldigte an, sich nicht an Diskussionen auf dem Weg zum Bett bzw. den 
Weg zum Bett an sich erinnern zu können (p. 370 Z. 1 f., Z. 4 ff.). Weiter habe er den Vorfall so in Er-
innerung, dass die Privatklägerin während der ganzen Zeit auf dem Bauch gelegen habe (p. 370 
Z. 9 ff.) und bestreitet damit, sie auf den Rücken gedreht zu haben. Das angebliche Weinen der Pri-
vatklägerin habe er nicht bemerkt (p. 370 Z. 14 ff.). Er könne sich auch nicht daran erinnern, sie ge-
fragt zu haben, ob es ihr nicht gefallen würde (p. 370 Z. 14 ff.). Sodann könne er sich nicht daran er-
innern, dass er bewusst versucht habe die Privatklägerin anal zu penetrieren und sie ihn weggestos-
sen habe (p. 370 Z. 23 ff.). Er könne sich einfach wirklich nicht vorstellen, dass er die Privatklägerin 
gefragt haben soll, ob sie Sex wolle und dann das «Nein» nicht akzeptiert haben soll, dass er sie wei-
nen gesehen und dann nicht aufgehört haben soll, dass er sie gefragt haben soll, ob es ihr nicht gefal-
le und dann einfach weitergefahren haben soll (p. 371 Z. 7 ff., p. 372 Z. 25 ff.).

Präzisierend zu diesen Ausführungen ist einzig festzuhalten, dass der Beschuldigte 
nicht nur nicht bemerkt habe, dass die Straf- und Zivilklägerin am Weinen war, als 
er in sie eindrang, sondern diesen Umstand ebenfalls bestreitet, da sie auf dem 
Bauch gelegen habe (pag. 564 Z. 36 ff.).

10. Beweiswürdigung

10.1 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung, insbesondere zur Aussa-
genanalyse, kann auf die korrekten Ausführungen in der erstinstanzlichen Urteils-
begründung verwiesen werden (pag. 406 ff., S. 5 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung).

10.2 Beweismittel

Die Vorinstanz hat die vorhandenen objektiven und subjektiven Beweismittel zutref-
fend aufgelistet. Sie verzichtete in der Folge auf eine Wiedergabe der Aussagen 
der Beteiligten und ging bei der konkreten Beweiswürdigung direkt auf diese ein 
(pag. 411 f., S. 10 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Auch die Kammer 
verzichtet an dieser Stelle auf die Wiedergabe der vorhandenen Aussagen und 
Chatnachrichten; auf diese wird ebenfalls direkt im Rahmen der konkreten Würdi-
gung hiernach eingegangen.

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10.3 Beweiswürdigung der Kammer

10.3.1 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Vorab kann festgehalten werden, dass die vorinstanzliche Würdigung der Aussa-
gen der Straf- und Zivilklägerin nach Ansicht der Kammer korrekt ausgefallen ist; 
darauf kann grundsätzlich verwiesen werden (pag. 412 ff., S. 11 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung). Korrigierend ist einzig darauf hinzuweisen, dass der 
Umstand, wonach sich die von der Straf- und Zivilklägerin beschriebene Version 
des Vorfalls mit dem angeklagten Sachverhalt deckt, in der Natur der Sache liegt, 
zumal die Anklageschrift gestützt auf die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ver-
fasst und im Rahmen der Frist gemäss Art. 318 StPO durch ihre Rechtsvertreterin 
noch ergänzt wurde. Dass sich die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin mit dem 
angeklagten Sachverhalt decken, spricht folglich nicht per se für ihre Glaubwürdig-
keit.

Hingegen gelangt auch die Kammer zur Überzeugung, dass es sich bei den Aus-
sagen der Straf- und Zivilklägerin um detaillierte Schilderungen handelt. Die Straf- 
und Zivilklägerin erläuterte von Beginn weg, wie sie am fraglichen Abend ihr Mobil-
telefon auf laut geschaltet habe, damit der Beschuldigte bei seiner Ankunft habe 
anrufen können und nicht an der Haustür habe klingeln müssen, da die Mitbewoh-
ner der Wohngemeinschaft ansonsten geweckt worden wären. Normalerweise ha-
be sie ihr Mobiltelefon aber nicht auf laut eingestellt (pag. 48 Z. 117 ff.). Die Straf- 
und Zivilklägerin konnte sich auch daran erinnern, dass sie an diesem Tag eine 
kurze Pyjamahose getragen habe (pag. 48 Z. 89, pag. 69 Z. 167). Diesbezüglich 
monierte die Verteidigung oberinstanzlich, dabei handle es sich nicht um eine be-
sondere Nebensächlichkeit, die für die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin spre-
che, zumal diese sehr oft eine (grüne) kurze Pyjamahose getragen habe 
(pag. 571). Dies trifft zwar zu. Anzumerken ist jedoch, dass die Straf- und Zivilklä-
gerin gemäss Chatnachrichten (vgl. pag. 183) während der Beziehung offenbar 
auch schon ohne Pyjamahose im Bett lag. Dass sie sich daran erinnern konnte, an 
diesem Tag eine kurze Hose getragen zu haben, kann somit durchaus als Detail 
gewertet werden. Gleich verhält es sich mit ihrer Aussage, sie habe sich auf die lin-
ke Seite des Betts gelegt. Die Verteidigung machte auch dazu geltend, diese Aus-
sage sei zu Unrecht als Detail bezeichnet worden, zumal die Straf- und Zivilklägerin 
immer auf dieser Seite geschlafen habe (pag. 571). Nach Ansicht der Kammer er-
weist sich jedoch auch diese Aussage als Realkennzeichen. Beide Angaben zeu-
gen zudem davon, dass die Straf- und Zivilklägerin sichtlich darum bemüht war, 
möglichst detailliert von diesem Vorfall zu berichten. 

Die Straf- und Zivilklägerin vermochte auch konstant und detailliert auszusagen, 
wie es weiterging, nachdem sie dem Beschuldigten die Tür geöffnet hatte und er in 
die Wohnung gekommen war. So führte sie anlässlich der polizeilichen Einvernah-
me aus, sie seien in ihr Zimmer gegangen und er habe sie gefragt, ob sie Sex ha-
ben wollten. Sie habe daraufhin mit «nein» geantwortet und gesagt, sie wolle 
weiterschlafen. Der Beschuldigte habe gesagt «doch komm, wenn wir anfangen, 
gefällt es dir dann sicher, woraufhin sie erneut gesagt habe, sie wolle nicht, sie wol-
le weiterschlafen (pag. 48 Z. 85 ff.). Auch bei der Staatsanwaltschaft schilderte die 
Straf- und Zivilklägerin, der Beschuldigte habe schon auf dem Weg ins Bett gefragt, 

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ob sie Sex haben wollten, was sie mit «nein» beantwortet und ergänzt habe, sie 
wolle weiterschlafen. Er habe nochmals «nachgehakt» und gesagt, dass wenn sie 
anfangen würden, es ihr dann schon gefallen würde. Sie habe nochmals verneint 
und nochmals gesagt, dass sie weiterschlafen möchte (pag. 69 Z. 162 ff.). Erst- 
und oberinstanzlich bestätigte bzw. wiederholte die Straf- und Zivilklägerin diese 
Angaben (pag. 364 Z. 39 ff. und pag. 552 Z. 37 ff.). Nach Auffassung der Kammer 
und mit der Vorinstanz erscheinen diese Aussagen nicht nur deshalb glaubhaft, 
weil sie nachvollziehbar und logisch sind, sondern insbesondere auch, weil die 
Straf- und Zivilklägerin in der Lage war, die (wenigen) Dialoge zwischen dem Be-
schuldigten und ihr konstant wiederzugeben.

Als authentisch, nachvollziehbar und detailreich erweist sich sodann, was die Straf- 
und Zivilklägerin zum konkreten Vorfall – mithin zum Ablauf des Geschlechtsver-
kehrs – schildern konnte. So gab sie bei der polizeilichen Einvernahme zu Proto-
koll, sie habe auf dem Bauch auf dem Bett gelegen und der Beschuldigte neben 
ihr. Er habe sie mit Kraft auf den Rücken gedreht. Sie habe kurze Hosen getragen, 
welche er ihr dann ausgezogen habe. Er sei vaginal in sie eingedrungen und habe 
sie penetriert. Sie sei wie im Schock gewesen und habe sich nicht bewegt. Ihr sei-
en die Tränen heruntergelaufen, was er irgendeinmal gesehen habe und sie ge-
fragt habe, «gefällt es dir nicht?». Sie habe verneint und gesagt, er solle aufhören. 
Er habe aber nicht aufgehört und weitergemacht. Danach habe er sie auch noch 
anal penetrieren wollen. Als er gerade anal in sie habe eindringen wollen, sei sie 
vor lauter Schmerz aus der Starre herausgekommen (pag. 48 Z. 88 ff.). Auf weitere 
Fragen hin konkretisierte die Straf- und Zivilklägerin, der Beschuldigte habe sie an 
den Hüften gepackt und sie auf den Rücken gedreht. Er habe sie mit seiner Kraft 
gedreht, gegen sich zur Mitte des Betts. Er habe nicht mega viel Kraft aufwenden 
müssen, um ihre Beine auseinanderzudrücken, da sie schon wie im Schock gewe-
sen sei. Er sei wohl einfach zwischen ihre Beine gekommen. Der Beschuldigte sei 
einmal vaginal in sie eingedrungen und habe sie dann penetriert. Andere sexuelle 
Handlungen an ihr habe er davor nicht vorgenommen, er sei direkt in sie einge-
drungen. Schmerzen habe sie vaginal eigentlich nicht gehabt, als er in sie einge-
drungen sei, erst als er anal habe eindringen wollen (pag. 49 Z. 135 ff.). Auf Frage, 
ob der Beschuldigte sexuell erregt gewesen sei, als er sie auf den Rücken gedreht 
habe, und ob während des Vorfalls gesprochen worden sei, schilderte die Straf- 
und Zivilklägerin, sie gehe davon aus, dass er sexuell erregt gewesen sei, denn er 
sei mega schnell in sie eingedrungen, nachdem er sie auf den Rücken gedreht ge-
habt habe. Sie gehe davon aus, dass sein Penis bereits steif gewesen sei, gese-
hen habe sie es aber nicht. Als er sie vaginal penetriert und dabei gemerkt habe, 
dass ihr Tränen übers Gesicht laufen, habe er sie gefragt, ob es ihr nicht gefalle. 
Sie habe «nein» gesagt, er solle aufhören (pag. 50 Z. 182 ff.). Ohne jegliche Über-
treibungen schilderte die Straf- und Zivilklägerin auch, dass der Beschuldigte nicht 
Gewalt im Sinne von «Schlagen» habe anwenden müssen, um den Beischlaf zu 
nötigen, aber dass es sich wie Gewalt angefühlt habe, als er sie gekehrt habe. Das 
sei aber wohl nicht Gewalt im allgemeinen Sinne. Während des Geschlechtsver-
kehrs habe er sie zudem nicht festhalten müssen, weil sie sich nicht gewehrt habe, 
da sie in dieser Starre gewesen sei (pag. 50 Z. 214 ff.). 

10

Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme wurde die Straf- und Zivil-
klägerin nochmals aufgefordert, zu schildern, was im Jahr 2012 vorgefallen sei. Sie 
führte daraufhin aus, sie habe auf dem Bauch im Bett gelegen und habe sich vom 
Beschuldigten weggedreht gehabt. Er habe sie an den Hüften gepackt und sie auf 
den Rücken gekehrt. Danach habe er ihr die kurze Hose ausgezogen, sei vaginal 
in sie eingedrungen und habe sie penetriert. Ihr seien die Tränen heruntergelaufen. 
Irgendwann habe er das wohl gesehen und sie gefragt, ob es ihr nicht gefalle. Sie 
habe ihm gesagt, dass es ihr nicht gefalle und er aufhören solle. Er habe nicht dar-
auf reagiert und weitergemacht. Er sei dann aus ihr raus und habe anal eindringen 
wollen. Sie sei vorher wie in einer Starre gewesen, sei jedoch in diesem Moment, 
als der Körper geschmerzt habe, wie zu sich gekommen. Sie habe die Beine an 
sich gezogen und den Beschuldigten mit den Füssen weggestossen (pag. 69 f. 
Z. 165 ff.). Diese Schilderungen decken sich mit dem, was die Straf- und Zivilkläge-
rin bereits gegenüber der Polizei ausgesagt hatte und auch später an der erst- und 
oberinstanzlichen Verhandlung nochmals zu Protokoll gab (vgl. pag. 364 f. Z. 39 ff. 
und pag. 552 Z. 37 ff.). Anders als der Beschuldigte meint (pag. 560 Z. 33 ff.), las-
sen diese Aussagen jegliche Anzeichen vermissen, wonach die Straf- und Zivilklä-
gerin gelogen hätte. Insbesondere im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme stellte sie sich zahlreichen kritischen (Nach)Fragen, konnte aber – wie 
bereits erwähnt – ohne weiteres detaillierte und schlüssige Antworten geben. Sie 
konnte insbesondere auch eigene (damalige) Gedanken, Überlegungen und Ge-
fühle wiedergeben, was von erlebnisbasierten Schilderungen zeugt. So führte die 
Straf- und Zivilklägerin auf Frage, ob der Beschuldigte ihrer Meinung nach gewusst 
habe, was er mache, beispielsweise aus, er sei sicher nicht so betrunken gewesen 
und habe sich nicht benommen, als wenn er sich nicht im Griff gehabt hätte. Er ha-
be zum Beispiel nicht getorkelt. Gleichzeitig sei es für sie nicht nachvollziehbar ge-
wesen, dass er es nicht «geschnallt» und realisiert habe, als er sie habe weinen 
sehen (pag. 72 Z. 247 ff.). Auf Frage, ob er gemerkt habe, dass sie mit dem Ge-
schlechtsverkehr nicht einverstanden sei, erklärte die Straf- und Zivilklägerin, wenn 
sie logisch denke, müsse er es eigentlich gemerkt haben. Sie habe zweimal «nein» 
gesagt und habe geweint. Es sei nicht so gewesen, wie sie Sex gehabt hätten, al-
so, dass sie «nein» sage, sie weine und er dann trotzdem weitermache. Auf der 
anderen Seite denke [recte: frage] sie sich, warum er denn nicht aufgehört habe, 
als er es gemerkt habe. Auf Frage, ob sie sich noch mehr gewehrt habe, gab sie 
sodann an, in diesem Moment, als er mit seiner Kraft, seiner Gewalt, sie auf den 
Rücken gedreht gehabt habe, sei sie wie in eine Starre gekommen. Es sei für sie in 
diesem Moment krass gewesen, es sei die Person, die sie liebe, sie seien in einer 
Beziehung, sie habe es ihm gesagt und er dringe in sie ein, gegen ihren Willen. Sie 
sei wie nicht anwesend gewesen, so dass sie ihn schon früher hätte wegstossen 
können. Sie sei von dem Moment an, als er sie umgedreht habe, überwältigt gewe-
sen, dass das passiere (pag. 73 Z. 299 ff.). Für die Erlebnisbasiertheit der Aussa-
gen der Straf- und Zivilklägerin spricht auch, dass sie sowohl während der Einver-
nahme bei der Staatsanwaltschaft als auch an der erst- und oberinstanzlichen Ver-
handlung mit den Tränen rang und zeitweise Mühe hatte, über das Vorgefallene zu 
sprechen (vgl. pag. 86 Z. 118, pag. 365 Z. 17 sowie pag. 556 Z. 20 und 557 Z. 23). 
Hätte die Straf- und Zivilklägerin konstant gelogen, wären derartige Emotionen mit 

11

Sicherheit nicht vorhanden gewesen. Die Straf- und Zivilklägerin war ferner in der 
Lage, konkret zu schildern, wie der Beschuldigte sie auf den Rücken gedreht hatte, 
indem sie zu Protokoll gab, sie wisse, dass er beide Hände gebraucht habe. Sie sei 
auch nicht nur 40kg und nicht einfach zu drehen. Sie wisse, dass er mit beiden 
Händen ihre Hüften an beiden Seiten gepackt habe, sie umgedreht und zu sich ge-
zogen habe (pag. 74 Z. 326 ff.). Die diesbezüglichen Aussagen stimmen gar mit 
dem Einwand der Verteidigung, wonach ein einfacher Griff nicht gereicht habe, um 
die Straf- und Zivilklägerin auf den Rücken zu drehen (pag. 572), überein, zumal 
eben auch Letztere schildert, dass der Beschuldigte sie mit beiden Händen und 
somit nicht mit einem einfachen Griff gekehrt habe. Dass der Beschuldigte – zu-
mindest damals – nur unwesentlich schwerer und grösser als die Straf- und Zivil-
klägerin war (vgl. pag. 74 Z. 330 und pag. 78 Z. 477 ff.), bedeutet zudem mitnich-
ten, dass es für ihn unmöglich gewesen wäre, die Straf- und Zivilklägerin auf den 
Rücken zu drehen. 

Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin spricht nebst dem, 
dass ihre Schilderungen erlebnisbasiert und individuell durchzeichnet sind, dass sie 
auch konkret zu beschreiben vermochte, inwiefern dieser Vorfall anders war, als 
wenn sie sonst mit dem Beschuldigten Geschlechtsverkehr bzw. eben keinen ge-
habt hatte. Auf Frage, wie der Geschlechtsverkehr normalerweise abgelaufen sei, 
führte die Straf- und Zivilklägerin gegenüber der befragenden Staatsanwältin aus, 
das habe sich in den Jahren sehr verändert. Als sie zusammengekommen seien, 
sei sie noch sehr jung gewesen. In den ersten Jahren habe sie oft Schwierigkeiten 
gehabt zu sagen, wenn ihr etwas nicht gefallen habe. Es sei für sie klar gewesen, 
dass es ihr halt manchmal nicht so gefalle. Wenn sie ihm gesagt habe, dass es ihr 
nicht gefalle, habe er immer aufgehört. Er habe sie auch immer bestärkt, sich zu 
äussern, wenn ihr etwas nicht gefalle (pag. 75 Z. 383 ff.). Weiter ergänzte sie, der 
Beschuldigte habe manchmal auch gesehen, dass es ihr nicht so gefalle und habe 
nachgefragt. Sie habe ihm sagen können, dass es ihr nicht gefalle und dass sie 
dies nicht bevorzuge. Er habe sie auch bestärken können zu sagen, wenn ihr et-
was nicht gefalle (pag. 76 Z. 399 ff.). An der erstinstanzlichen Verhandlung führte 
sie sodann aus, der Beschuldigte habe nie Gewalt in dem Sinne angewendet, dass 
er sie gekehrt oder genommen habe, oder sie in eine Position genommen habe, die 
sie nicht gewollt habe. Er habe sie sonst nur verbal gedrängt und versucht, sie zu 
überzeugen, was der Unterschied sei (pag. 365 Z. 23 ff.). Auf Vorhalt, wonach sie 
gegenüber der Staatsanwaltschaft angegeben habe, der Beschuldigte habe immer 
aufgehört, wenn sie ihm gesagt habe, wenn ihr etwas nicht gefalle und auf Frage, 
ob sie das Verhalten des Beschuldigten beim Vorfall als atypisch bezeichnen wür-
de, führte die Straf- und Zivilklägerin aus, sie würde es als atypisch bezeichnen, vor 
allem, weil er gesehen habe, dass sie geweint habe und sie sich mehrmals geäus-
sert habe, dass sie nicht wolle. Daher sei es nicht normal gewesen, dass er nicht 
aufgehört habe. Auf weitere Frage bzw. auf weiteren Vorhalt hin gab sie zudem zu 
Protokoll, es habe sicher viele Situationen gegeben, wo es so gewesen sei, in de-
nen sie sich nicht getraut habe zu sagen, dass sie es nicht wolle oder es ihr wehge-
tan habe. Er habe sie auch ermutigt, dies zu äussern. Deshalb sei die Erfahrung 
umso krasser gewesen, dass selbst wenn sie sich geäussert habe, er trotzdem 
weitergemacht habe (pag. 365 Z. 32 ff.). 

12

Die Tatsache, dass die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten zu keiner Zeit 
übermässig belastete, spricht ebenfalls für ihre Glaubwürdigkeit. Auch die Vor-
instanz gelangte zu dieser Erkenntnis und veranschaulichte dies anhand konkreter 
Beispiele; darauf kann verwiesen werden (pag. 413, S. 12 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Ergänzend kann festgehalten werden, dass die Straf- und Zivil-
klägerin nie behauptete, sie hätte beim Beschuldigten sexuelle Handlungen vor-
nehmen müssen (pag. 49 Z. 163). Zur Frage, ob er beim Geschlechtsverkehr Ge-
walt angewendet habe, führte sie zudem nur aus, er habe nicht Gewalt im Sinne 
von «Schlagen» angewendet, aber es habe sich für sie wie Gewalt angefühlt, als er 
sie gekehrt habe. Das sei aber wohl nicht Gewalt im allgemeinen Sinne (pag. 50 
Z. 213 f.). Die Straf- und Zivilklägerin mochte sich auch nicht daran erinnern, dass 
der Beschuldigte sie irgendwo festgehalten hätte, zum Beispiel an den Händen 
(pag. 74 Z. 345 f.; vgl. auch pag. 50 Z. 217 ff., wonach er sie während des Ge-
schlechtsverkehrs nicht festgehalten habe, was er aber auch nicht habe machen 
müssen, weil sie wie in dieser Starre gewesen sei), oder dass sie beim Vorfall ver-
letzt worden wäre, so dass sie sich in ärztliche Behandlung hätte begeben müssen 
(pag. 52 Z. 295 f.). Oberinstanzlich gab sie sodann an, der Beschuldigte habe im-
mer akzeptiert, wenn sie keinen Verkehr habe haben wollen (pag. 554 Z. 2 f.). Hät-
te die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten mit dem Vorwurf zu Unrecht belas-
ten wollen, wäre zu erwarten gewesen, dass sie den Vorfall wesentlich dramati-
scher dargestellt und ausgeschmückt hätte; insbesondere in Bezug auf die Dre-
hung auf den Rücken hätte die Straf- und Zivilklägerin bei freiem Erfinden kaum nur 
ausgesagt, es habe sich «wie Gewalt angefühlt», sondern diesen Umstand gra-
vierender dargestellt. Ferner belastete die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldig-
ten nicht nur hinsichtlich des Vorfalls nicht unnötig, sondern auch in Bezug auf die 
Beziehung im Allgemeinen. Zwar gab sie im Rahmen der polizeilichen Einvernah-
me auf Frage, wie sich der Beschuldigte ihr gegenüber verhalten habe, wenn er Al-
kohol konsumiert gehabt habe, an, er habe einmal eine Weinflasche in ihre Rich-
tung geworfen. Sie führte aber ebenso aus, der Beschuldigte sei unter Drogenein-
fluss eigentlich sehr nett zu ihr gewesen, und dass er erst die Tage nach dem Kon-
sum sehr abweisend und kalt gewesen sei. Er vertrage nicht viel Alkohol, aber er 
sei ihr gegenüber nicht gewalttätig geworden und es sei zu keinen weiteren sol-
chen Vorfällen gekommen (pag. 53 Z. 362 ff.; vgl. auch pag. 366 Z. 18 f.). Bei der 
Staatsanwaltschaft gab sie an, sich nicht an eine Situation erinnern zu können, wo 
er eine Grenzverletzung gemacht habe, weil er gewusst habe, dass es ihr manch-
mal schwerfalle zu sagen, wenn ihr etwas nicht gefalle. Und wenn sie gesagt habe, 
dass es ihr nicht gefalle, habe er immer aufgehört (pag. 78 Z. 490 ff.).

Die ganze Beziehungsproblematik schilderte die Straf- und Zivilklägerin ebenfalls 
sehr nüchtern und sachlich. Dabei rückte sie den Beschuldigten in keiner Weise in 
ein schlechtes Licht, sondern reflektierte vielmehr auch ihr eigenes Verhalten kri-
tisch, was als weiteres Realkennzeichen zu werten ist. An der polizeilichen Einver-
nahme führte sie beispielsweise aus, sie hätten beide einander nicht gutgetan, bei-
de hätten weder miteinander noch ohne einander gekonnt (pag. 47 Z. 59 f.). Bei 
der Staatsanwaltschaft konkretisierte sie in Bezug auf diese Aussage, es habe ein 
Abhängigkeitsverhältnis bestanden, weil sie so lange zusammen gewesen seien, 
es habe sich dazu entwickelt. Sie hätten viel zusammen durchgemacht, auch durch 

13

seinen Drogenkonsum. Sie seien zusammen gewachsen und hätten sich neu ori-
entiert. In einem gewissen Sinne habe auch ein finanzielles Abhängigkeitsverhält-
nis bestanden. Er habe mehr Miete bezahlt, ohne ihn hätte sie nicht so wohnen 
können. Auch die Ferien habe er häufig zu einem grossen Teil bezahlt, was sie so 
nicht gekonnt hätte. Für sie sei es auch ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis 
gewesen (pag. 67 Z. 80 ff.). 

Die in den Akten vorhandenen Chatnachrichten zwischen dem Beschuldigten und 
der Straf- und Zivilklägerin stützten – wie von der Vorinstanz treffend erwogen – die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ungemein. Nach Überzeugung der Kammer 
sprechen sie zudem eine deutliche Sprache. Hervorzuheben ist dabei vorab eine 
Konversation zwischen dem Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin vom 
7. Oktober 2012 (pag. 183):

Beschuldigter: aber i wott buuumse

Beschuldigter: bisch huere gemein gsi geschter :(

Straf- und Zivilklägerin: Ja i hätt fröid wett chunsch. Och gsehsch du bisch nume uf bumse us ;) u i 
ha nid wöue wöui ha gschlafe u nid wöu mr stritt hei :) […]

Beschuldigter: stimmt nid aber i hät scho gärn da

Beschuldigter: ja du hesch vorhär no gseit i söu di de eifach

Beschuldigter: när liesch no fräch halbnackt näbe mi

Beschuldigter: und irgendwänn no fasch uf mi

Beschuldigter: mit dim arsch

Beschuldigter: isch nid grad so toll we när ja glich ke luscht hesch

Beschuldigter: häbe dir ja o nid mis schnäbi iz gsicht und säge längs de bitte nid a

Straf- und Zivilklägerin: Oh nei ha gmeint söusch itt [wohl itz] auso denn woni ha gseit wett wosch, 
ha nid gmeint eifach irgendwenn. […]

Dieser Ausschnitt zeigt, dass die Straf- und Zivilklägerin dem Beschuldigten nur 
knapp zwei Monate vor dem Vorfall klar mitteilte, sie habe ihm nicht die generelle 
Erlaubnis erteilt, einfach mit sexuellen Aktivitäten beginnen zu dürfen, sondern 
dass dies auf den damaligen Moment bezogen gewesen sei. Dass man somit ein-
fach loslegte, war – wie im Übrigen auch vom Beschuldigten selber bestätigt 
(pag. 562 Z. 23 f.) – unüblich. Generell zeigen die in den Akten vorhandenen Nach-
richten zudem, wie die Beziehung zwischen der Straf- und Zivilklägerin sowie dem 
Beschuldigten funktionierte. Insbesondere wird daraus ersichtlich, dass der Be-
schuldigte teilweise ein sehr dominantes Verhalten an den Tag legte und die Straf- 
und Zivilklägerin auch oft einfach verbal überfuhr (vgl. pag. 109 bis pag. 136). Zu-
dem wird anhand der Nachrichten ersichtlich, dass der Vorfall bereits damals zwi-
schendurch thematisiert worden war, jedoch ohne, dass die Straf- und Zivilklägerin 
irgendwelche Vorwürfe gegen den Beschuldigten erhoben hätte («du versteisch 
nid, was dä sexuell missbruch für mi bedütet (het). U das wirsch äuä o nie verstah, 
wöu du uf dr angere site steisch. […] i ha dir für das vergä, aber trage das glich mit 
mir ume u wirdes o immer umetrage. U du weisch nid wases für mi bedütet het, das 

14

überhoupt gägenüber dir mau chönne azsprächä. Das muess niemer u wärdä äuä 
nid viu lüt verstah, ussert vilech lüt wo so öbis säuber erläbt hei. Mis tattoo 
________ chunnt nid vo nienä», pag. 112). Die Straf- und Zivilklägerin entschuldig-
te sich vielmehr immer wieder dafür, dass sie die Beziehung beendet hatte. Der 
Beschuldigte demgegenüber erhob diverse Vorwürfe gegenüber ihr (dies insbe-
sondere im Zusammenhang mit den gemeinsamen Tieren sowie ihrem neuen 
Partner), da er durch die plötzliche Trennung sichtlich verletzt war. In Bezug auf 
den Vorfall verhielt er sich zudem sehr ambivalent, indem er der Straf- und Zivilklä-
gerin Folgendes schrieb: «[…] I ha mi immer für das gschämt wo ig gmacht ha ir 
vergangeheit D.________. Aber es isch definitiv nid mini absicht gsi dir weh ztue, 
das isches o i däre nacht nid gsi – i ha denn gmeint du fändsches vilich geil und ha 
trurigerwies zspät gschnallt was los isch. Du hesch denn so viel mit dir la machä 
und i ha das völlig usgnützt – das duet mir mega leid! aber das iz wo ig mi i eim 
jahr öpe einisch richtig ufgregt ha und bös bi wurdä zum nächschte springsch wo di 
de gli wird scheisse behandlä duet eifach numä weh. mer chönt scho fasch meine 
du suechsches das scheisse behandlet wirsch. […]» (pag. 124). 

Die Tatsache, dass die Straf- und Zivilklägerin den Vorfall zeitlich nicht konkret ein-
betten konnte, vermag an ihren glaubhaften Aussagen nichts zu ändern. Immerhin 
konnte sich die Straf- und Zivilklägerin daran erinnern, dass sie am nächsten Mor-
gen Zutaten für «Weihnachtsgüetzi» einkaufen ging, was entgegen der Ansicht der 
Verteidigung (pag. 572) durchaus ein Indiz für ihre Glaubwürdigkeit darstellt. Für 
die Kammer ist erstellt, dass sich der Vorfall in der Nacht vom 23. auf den 24. No-
vember 2012 ereignete, was sich einerseits aus einer Nachricht des Beschuldigten 
an eine Freundin der Straf- und Zivilklägerin vom Samstag, 1. Dezember 2012      
(« […] i ha ja scho letscht friti irgendwie schluss gmacht […]», pag. 216), anderer-
seits aber auch aus den Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin anlässlich der 
polizeilichen Einvernahme ergibt («Die nächsten zwei bis drei Tage hatten wir kei-
nen Kontakt mehr. Ich weiss nicht genau, wie lange. Danach schrieben wir wieder 
zusammen. Ich glaube, ich schrieb ihm als erste. In der Woche darauf sahen wir 
uns bei ihm zuhause wieder. Wir kamen danach wieder zusammen. […], pag. 51 
Z. 226 ff.). Wie die Rechtsvertreterin der Straf- und Zivilklägerin oberinstanzlich zu 
Recht ausführte (pag. 577), spielt die exakte zeitliche Einordnung letztlich aber kei-
ne wesentliche Rolle, zumal der Beschuldigte den Vorfall nie in Abrede stellte und 
beiden Parteien von Beginn weg bewusst war, welches Ereignis vorliegend zur Be-
urteilung steht. Somit lag auch zu keinem Zeitpunkt eine Verletzung des Anklage-
grundsatzes vor, was korrekterweise auch von keiner Partei behauptet wurde. 

Ebenso wenig ändert der Umstand, dass die Anzeige erst zu einem viel späteren 
Zeitpunkt erstattet wurde, etwas an der Glaubwürdigkeit der Straf- und Zivilklägerin. 
Die Verteidigung brachte dazu im Rahmen des oberinstanzlichen Plädoyers vor, es 
sei fraglich, warum die Straf- und Zivilklägerin nicht bereits damals Anzeige erstat-
tet habe, und dass die Umstände der Trennung (die Straf- und Zivilklägerin sei ein-
fach nicht nach Hause gekommen, habe eine Telegramm-Nachricht geschickt und 
wegen einer anderen Person Schluss gemacht, dies alles einen Tag vor den Prü-
fungen des Beschuldigten) eher dafürsprechen würden, dass die Straf- und Zivil-
klägerin Anzeige gemacht habe, um nicht schlecht dazustehen (pag. 573 f.). Auch 
der Beschuldigte konfrontierte die Straf- und Zivilklägerin im Juni 2019 damit, die 

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Anzeige lediglich deshalb erstattet zu haben, um die Trennung besser begründen 
zu können («I fragä mi chli, öb du die gschicht iz ufbracht hesch, dases eifacher 
isch, dini entscheidigä zbegründe, wüu e grund isches ja uf jede fall und we du mit 
däm und däre entscheidig zu mir cho wärsch de hätti das ziemlich sicher eifach ak-
zeptiert, mi i grund u bodä gschämt und mi äue nie meh la blickä […], pag. 112). 
Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass die Straf- und Zivilklägerin nachvoll-
ziehbar erklären konnte, warum die Anzeige erst später erfolgte, indem sie ausführ-
te, sie habe sich nach dem Vorfall immer gesagt, dass es nicht er gewesen sei, 
sondern weil er konsumiert gehabt habe. Sie habe es sich immer wieder gut gere-
det oder zurechtgelegt, dass es nicht er gewesen sei. Sie habe ihm auch die Be-
dingung gestellt, in Therapie zu gehen. Das sei die Spitze des Eisbergs und ein 
Zeichen gewesen, in Therapie zu gehen. Gleichzeitig habe sie ihn geliebt und habe 
weiterhin mit ihm zusammen sein wollen. Sie habe nicht daran gedacht, ihn anzu-
zeigen, zumal für sie klar gewesen sei, dass sie nicht ihren Freund habe anzeigen 
können (pag. 68 Z. 115 ff.; vgl. auch bereits pag. 51 Z. 229 ff.). Warum die Straf- 
und Zivilklägerin den Vorfall dann doch zur Anzeige brachte, ist letztlich auch nicht 
entscheidend, wurde von ihr anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 
aber ebenfalls einleuchtend begründet. Dabei fällt auf, dass sie nicht sich selbst, 
sondern den Beschuldigten in den Vordergrund stellte, indem sie ausführte, der 
Beweggrund [für die Anzeige] sei gewesen, dass er ihr immer gesagt habe, sein 
Konsum betreffe nur ihn und dass dies alleine sein Ding sei, sie aber wolle, dass er 
merke, dass es auch Auswirkungen auf sein Umfeld und andere habe, und dass er 
sich – auch wenn es so lange her sei – trotzdem damit auseinandersetzen müsse 
(pag. 77 Z. 468 ff.). Mit Blick auf diese nachvollziehbaren Ausführungen ist nach 
Ansicht der Kammer auszuschliessen, dass die Anzeige nur deshalb erfolgte, weil 
die Straf- und Zivilklägerin ihr Verhalten rechtfertigen oder die Trennung besser 
begründen können wollte. Gleich verhält es sich mit der Vermutung der Verteidi-
gung, wonach der neue Partner der Straf- und Zivilklägerin diese zur Anzeige moti-
viert habe (pag. 574). Den Chatnachrichten lässt sich deutlich entnehmen, dass der 
Beschuldigte mit dem neuen Partner der Straf- und Zivilklägerin ein Problem hatte 
(vgl. bspw. pag. 120, pag. 123, pag. 127). Anlässlich der oberinstanzlichen Ver-
handlung gab er auf konkrete Nachfrage hin jedoch zu Protokoll, dass es zu keiner 
Anzeige seinerseits gegen den neuen Partner der Straf- und Zivilklägerin gekom-
men sei (pag. 567 Z. 39). Eine Anzeigeerstattung aus Rachegründen kann damit 
ebenfalls ausgeschlossen werden. In globo vermag die späte Anzeige die Aussa-
gen der Straf- und Zivilklägerin somit nicht in Zweifel zu ziehen.

Mit Blick auf die voranstehenden Ausführungen kann insgesamt festgehalten wer-
den, dass sich die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin als nachvollziehbar, detail-
liert, authentisch und in sich stimmig erweisen. Sie enthalten zahlreiche Realkenn-
zeichen und lassen gleichzeitig relevante Widersprüche vermissen. Konkrete Hin-
weise für eine Falschbeschuldigung sind zudem nicht ersichtlich. Im Ergebnis er-
weisen sich die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin somit als glaubhaft, auf ihre 
Schilderungen zum Vorfall kann abgestellt werden. 

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10.3.2 Aussagen des Beschuldigten

Was die Aussagen des Beschuldigten in Bezug auf das Rahmengeschehen anbe-
langt, hielt die Vorinstanz vorab zutreffend fest, dass diese ebenfalls glaubhaft sei-
en, zumal der Beschuldigte zum Verhältnis bzw. zur Beziehung mit der Straf- und 
Zivilklägerin ebenso detailliert habe aussagen können, eigene Fehler oder Un-
zulänglichkeiten eingestanden habe und seine Angaben mit den Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin übereinstimmen würden. An der Richtigkeit der Aussagen 
des Beschuldigten zum Kernsachverhalt zweifelte die Vorinstanz dagegen, einer-
seits, weil der Beschuldigte bis zur erstinstanzlichen Verhandlung keine Angaben 
machen wollte, aufgrund der vorgehaltenen Chatnachrichten und trotz seines Aus-
sageverweigerungsrechts aber eine Erklärung zu erwarten gewesen wäre, und an-
dererseits, weil die Aussagen zum Vorfall auch inhaltlich zahlreiche Fragen aufwer-
fen würden (pag. 416 ff., S. 15 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung erklärte der Beschuldigte, er hätte 
gerne mehr ausgesagt bei der Polizei bzw. der Staatsanwaltschaft, habe es jedoch 
auf Rat seiner Verteidigung sein lassen. Er habe sich damals nicht im Stande ge-
fühlt, den Rat seines Anwalts zu hinterfragen und habe auch nicht das Gefühl ge-
habt, er [der Beschuldigte] wüsste es besser (pag. 560 Z. 4 ff.). Nach Ansicht der 
Kammer sind diese Ausführungen grundsätzlich nachvollziehbar. Dass der Be-
schuldigte zu Beginn keine Aussagen machte, kann ihm – nicht zuletzt auch, weil 
es sein Recht ist, die Aussage zu verweigern – nicht entgegengehalten werden.

Obwohl sich der Beschuldigte im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung nun 
zum Vorfall äussern und seine Sicht der Dinge darlegen konnte, vermögen seine 
Aussagen zum Kerngeschehen nur wenig beizutragen. Im Wesentlichen bestritt er 
die Richtigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin. So gab der Beschuldigte 
auf Frage, ob er ihre Version nicht nachvollziehen könne, an, er könne es nicht 
nachvollziehen, weil er gewisse Bilder im Kopf habe, wo er wisse, dass dies so ge-
wesen sei, und dies stimme nicht mit dem überein, was sie sage. Auf Nachfrage 
konkretisierte der Beschuldigte, er wisse, dass sie nicht zusammen ins Bett gegan-
gen seien und er wisse, dass er zuerst noch am Computer gewesen sei. Weiter 
wisse er, dass das Pult in der Ecke gestanden habe und sie bereits im Bett gelegen 
habe, als er sich zu ihr gelegt habe. Das «nei bitte nid», wo sie sich zu ihm nach 
hinten umgedreht habe und ihm das gesagt habe, das habe er ebenfalls noch im 
Kopf. Das sei ihm mega geblieben und habe sich sehr eingebrannt. Er wisse, dass 
sie vor ihm auf dem Bauch gelegen habe und nicht auf dem Rücken. Er habe wirk-
lich das Bild im Kopf, wie er ihr die Hose runterziehe und er hinter ihr gewesen sei, 
und nicht, dass er sie angeschaut hätte, wie das der Fall gewesen wäre, wenn sie 
auf dem Rücken gelegen hätte (pag. 560 f. Z. 41 ff.). Wie alles angefangen habe 
und wie der Akt selber abgelaufen sei, wisse er nicht mehr (pag. 562 Z. 6 ff.). Zum 
Kernsachverhalt bzw. konkret zum Geschlechtsverkehr hatte der Beschuldigte so-
mit keine Erinnerungen mehr und vermochte damit nicht aufzuzeigen, inwiefern die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin nicht zutreffen, was angesichts dessen, dass 
er wie erwähnt Berufung gegen das Urteil erhoben hat, weil der Vorfall nicht wie 
von der Straf- und Zivilklägerin beschrieben abgelaufen sei (pag. 559), wenig 
nachvollziehbar ist. Entgegen der Ansicht der Rechtsvertretung der Straf- und Zivil-

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klägerin handelt es sich bei den Aussagen des Beschuldigten zwar nicht um klassi-
sche Schutzbehauptungen, zumal er auch sehr nachvollziehbare Erklärungen ge-
ben konnte und sein eigenes Verhalten – wie die Straf- und Zivilklägerin auch – 
teilweise kritisch reflektierte (bspw. pag. 562 Z. 23 ff. oder pag. 564 Z. 21 ff.). Nach 
Überzeugung der Kammer vermögen seine Aussagen jedoch nicht dieselbe Qua-
lität wie jene der Straf- und Zivilklägerin aufzuweisen: 

In Bezug auf das Kerngeschehen müssen die Aussagen des Beschuldigten als de-
tailarm und teilweise widersprüchlich bezeichnet werden, zudem enthalten sie di-
verse Ungereimtheiten. So konnte sich der Beschuldigte an der oberinstanzlichen 
Verhandlung beispielsweise genau daran erinnern, zuerst noch Zeit am Computer 
verbracht zu haben, bevor er sich anschliessend zur Straf- und Zivilklägerin ins Bett 
gelegt habe. Er habe wohl noch lustige Memes oder Ähnliches angeschaut 
(pag. 561 Z. 20 ff.). Im Rahmen der erstinstanzlichen Verhandlung erwähnte er da-
von allerdings nichts. Auf Frage, ob er sich an den Weg ins Bett erinnern könne, 
gab er damals lediglich an, er habe nicht das Gefühl, dass sie schon zusammen im 
Bett gelegen hätten, er habe das Gefühl, dass er dazugekommen sei. Er habe 
nämlich sehr wohl immer akzeptiert, wenn sie gesagt habe, dass sie etwas nicht 
wolle (pag. 370 Z. 5 ff.). Die Kammer verkennt keineswegs, dass der Beschuldigte 
zu diesem Zeitpunkt den Rat seines Anwalts befolgte und sich nur auf das Wesent-
liche konzentrieren sollte. Da der Beschuldigte in Bezug auf diese Frage aber of-
fenbar zur Aussage bereit war, wäre auch zu erwarten gewesen, dass er schon da 
angegeben hätte, sich erst noch an den Computer gesetzt zu haben. Nebensäch-
lichkeiten, die ein stimmiges Gesamtbild zum Kerngeschehen ergeben hätten, 
schilderte der Beschuldigte ebenso wenig. So führte er beispielsweise zu keinem 
Zeitpunkt aus, wann konkret er an diesem Abend Lust auf Geschlechtsverkehr mit 
der Straf- und Zivilklägerin bekommen hatte. Er gab (oberinstanzlich) lediglich an, 
er habe irgendwann das Gefühl gehabt, «es wäre mega geil, irgendetwas anzufan-
gen» und er habe irgendwie den Eindruck gehabt, dass es ihr wohl auch Spass 
machen werde (pag. 561 Z. 26 ff.). Dieser Gedankengang erweist sich zudem nicht 
nur als schwer nachvollziehbar, sondern steht auch gänzlich im Widerspruch zu 
seinen Aussagen, immer Rücksicht darauf genommen zu haben, was die Straf- 
und Zivilklägerin wollte oder eben nicht wollte (vgl. pag. 563 Z. 26 ff.). Zu berück-
sichtigen ist – abgesehen von den klaren Äusserungen der Straf- und Zivilklägerin 
an diesem Abend, keinen Sex haben zu wollen – nämlich, dass diese sich wie üb-
lich, wenn sie ins Bett ging, mit einem Bein angewinkelt auf den Bauch gelegt hatte 
(pag. 569 Z. 40 ff. und pag. 569 Z. 40 f.) und gemäss eigenen Aussagen des Be-
schuldigten sicher habe schlafen wollen (pag. 562 Z. 20). Wie der Beschuldigte 
somit annehmen konnte, die Straf- und Zivilklägerin «fände es vielleicht geil», ist für 
die Kammer nicht nachvollziehbar. Der Beschuldigte schilderte auch nie, ob eine 
allfällige Interaktion zwischen ihm und der im Bett liegenden Straf- und Zivilklägerin 
stattfand, zu welchem Zeitpunkt er sich entkleidet hatte und ob er bereits erigiert 
war, als er sich zur Straf- und Zivilklägerin ins Bett begab. Er führte zum weiteren 
Verlauf, mithin, nachdem er vom Computer weg und zur Straf- und Zivilklägerin ge-
gangen sei, oberinstanzlich nur aus, er wisse nicht mehr, ob die Decke über ihr 
gewesen sei oder nicht. Er erinnerte sich aber daran, dass er ihr die kurze Hose 
runtergezogen habe, wobei er sich nicht sicher war, ob er sie ausgezogen oder le-

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diglich runtergezogen hatte (pag. 561 Z. 30 ff.). Diesbezüglich ist für die Kammer 
jedoch kaum erklärbar, wie der Beschuldigte es geschafft haben will, die Hose der 
Straf- und Zivilklägerin herunterzuziehen, wenn diese gemäss seiner Erinnerung 
auf dem Bauch mit einem Bein angewinkelt dagelegen haben soll. Später gab er 
dann zwar an, er habe ihr einfach die Hose runtergezogen, sie habe die Beine ge-
gen unten gehabt (pag. 562 Z. 37 ff.), was aber wiederum seinen vorherigen Schil-
derungen widerspricht. Weiter führte der Beschuldigte aus, er sei kniend über die 
Straf- und Zivilklägerin und habe einfach angefangen, ohne sie zu fragen, bis sie 
sich flehend zu ihm umgedreht und ihn angeschaut habe und gesagt habe, «bitte 
nid» (pag. 561 Z. 32 ff.). Diese Schilderung, mithin, wonach sich die Straf- und Zi-
vilklägerin auf einmal zu ihm umgedreht und «nei bitte nid» gesagt habe, erfolgte – 
wie die Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklägerin zutreffend darauf hinwies 
(pag. 581) – oberinstanzlich zum ersten Mal. Zwar trifft zu, dass der Beschuldigte 
auch erstinstanzlich bereits ausführte, er könne sich an ein «nein bitte nicht» erin-
nern und dass er deshalb mega erschrocken sei (pag. 369 Z. 41 f.; vgl. auch 
pag. 370 Z. 18 ff. und Z. 25 ff.). Von einem Bild, wonach sich die Straf- und Zivil-
klägerin zu ihm umgedreht bzw. zu ihm zurückgeschaut habe, sprach er hingegen 
nie, was trotz seiner zurückhaltenden Aussagen in den vorherigen Einvernahmen 
bzw. zumindest an der Einvernahme im erstinstanzlichen Verfahren zu erwarten 
gewesen wäre, wenn es gemäss seinen späteren Aussagen genau das war, was 
sich bei ihm eingebrannt habe.

Insgesamt vermögen die wenig detaillierten und teilweise widersprüchlichen Dar-
stellungen des Beschuldigten die Version der Straf- und Zivilklägerin, was sich an 
diesem Abend zugetragen hatte, nicht in Zweifel zu ziehen. Der Beschuldigte be-
zeichnete den Vorfall als das schlimmste Ereignis seines Lebens (pag. 112, vgl. 
aber auch 564 Z. 27 ff.), wusste aber in Bezug auf das Kerngeschehen, mithin den 
Geschlechtsverkehr, praktisch nichts mehr. Er sprach stets nur von einem Bild, 
welches er vor seinen Augen habe. Ansonsten waren seine Aussagen geprägt von 
einem «ich kann mich nicht erinnern» (pag. 370 Z. 2, Z. 11, Z. 17 f., Z. 25 f.), einem 
«ich kann mir nicht vorstellen» (pag. 370 Z. 17, pag. 371 Z. 3 ff. und Z. 8 ff.) oder 
einem «ich habe nicht das Gefühl» (pag. 370 Z. 5), was die nachvollziehbaren 
Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin indes keineswegs als unzutreffend quali-
fiziert. Mit Blick auf die Aussagen des Beschuldigten wäre schliesslich auch nur 
schwer nachvollziehbar, weshalb die Straf- und Zivilklägerin mit einem Bein ange-
winkelt im Bett liegen, sich die Hose runterziehen, den Beschuldigten von hinten 
vaginal in sie eindringen und – notabene gänzlich ohne Reaktion – mit dem Ge-
schlechtsverkehr beginnen lassen sollte, sich dann aber plötzlich mit Tränen in den 
Augen umdrehen und ihn anflehen sollte, damit aufzuhören. In Bezug auf den kon-
kreten Ablauf des Vorfalls erweisen sich die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin 
als wesentlich detaillierter und nachvollziehbarer und damit insgesamt als glaubhaf-
ter. Auf die wenigen Aussagen des Beschuldigten zum Kernsachverhalt kann somit 
im Ergebnis nicht abgestellt werden.

10.3.3 Zur Frage der analen Penetration

Dem Beschuldigten wird mit Anklageschrift vom 2. Dezember 2020 und demselben 
Sachverhalt auch vorgeworfen, versucht zu haben, mit dem Penis anal in die im-

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mer noch auf dem Rücken liegende Straf- und Zivilklägerin einzudringen, was ihm 
vermutlich ein wenig gelungen sei.

Anlässlich der polizeilichen Einvernahme gab die Straf- und Zivilklägerin diesbe-
züglich an, der Beschuldigte habe sie anal penetrieren wollen. Als er gerade anal in 
sie habe eindringen wollen, sei sie vor lauter Schmerz aus der Starre herausge-
kommen und habe ihn mit den Füssen weggestossen (pag. 48 Z. 92 ff.). Auf Frage, 
wie er anal in sie habe einzudringen versucht, führte die Straf- und Zivilklägerin 
aus, er sei noch in derselben Position gewesen, er habe seinen Penis anal ein-
führen wollen. Sie sei auch noch in derselben Position gewesen und sie wisse ein-
fach noch, dass sie vom Schmerz ihre Beine an seinen Körper, seinen Bauch, ge-
stossen habe. Sie habe ihn also mit seinen Beinen von ihrem Körper weggestos-
sen (pag. 49 Z. 170 ff.). Auf entsprechende Frage hin führte die Straf- und Zivilklä-
gerin sodann aus, er habe nicht wirklich eindringen können, vielleicht mit der Pe-
nisspitze ein wenig, sie habe dann den Schmerz empfunden (pag. 50 Z. 176). Bei 
der Staatsanwaltschaft gab die Straf- und Zivilklägerin zu Protokoll, der Beschuldig-
te sei aus ihr raus [vaginal] und habe anal in sie eindringen wollen. Sie sei vorher 
wie in einer Starre gewesen, aber in diesem Moment, als der Körper geschmerzt 
habe, sei sie wie zu sich gekommen. Sie habe die Beine an sich herangezogen 
und den Beschuldigten mit den Füssen weggestossen (pag. 70 Z. 170 ff.). Etwas 
später führte sie aus, als er [der Beschuldigte] anal habe eindringen wollen, habe 
das einen grossen körperlichen Schmerz ausgelöst und sich wie Gewalt angefühlt. 
Sie habe einen grossen körperlichen Schmerz gefühlt (pag. 73 f. Z. 320 ff.). Auf 
Frage der Staatsanwältin, wie beim Analverkehr ihre Positionen gewesen seien, 
führte die Straf- und Zivilklägerin aus, sie sei in der gleichen Position gewesen, als 
er [der Beschuldigte] versucht habe, anal in sie einzudringen. Sie habe erst dann 
ihre Beine angezogen. Auf Vorhalt, wonach schwierig vorzustellen sei, dass der 
Beschuldigte in sie eindringe, wenn sie auf dem Rücken liege, äusserte die Straf- 
und Zivilklägerin, er habe nicht in sie eindringen können, weil sie die Beine ange-
zogen habe. Er habe es auf jeden Fall versucht. Sie wisse nicht mehr genau, wie 
die Position gewesen sei. Vielleicht habe er die Beine gehoben. Sie könne sich ein-
fach an den Schmerz erinnern. Auf konkrete Frage, ob es zu einem analen Ein-
dringen gekommen sei, gab die Straf- und Zivilklägerin schliesslich an, sie denke, 
mit der Penisspitze, aber sicher nicht weit, da sie den Schmerz gespürt und dann 
gleich reagiert habe (pag. 75 Z. 363 ff.). Der Beschuldigte gab in Bezug auf den 
ihm vorgeworfenen Analverkehr anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung an, 
er könne sich nicht daran erinnern, bewusst versucht zu haben, anal in die Straf- 
und Zivilklägerin einzudringen (pag. 370 Z. 25 f.). Oberinstanzlich führte er eben-
falls aus, er wisse nicht genau, wie der Akt selber abgelaufen sei. Er könne sich 
einfach an den Moment erinnern, als sie sich umgedreht habe. Es könne gut sein, 
dass er abgerutscht sei. Ihr Blick habe schon sehr flehend gewirkt, als hätte er ihr 
Schmerzen hinzugefügt, von dem her mache es für ihn schon Sinn, dass das ir-
gendwie passiert sei. Aber er habe das nicht bewusst gemacht (pag. 562 Z. 12 ff.). 

Aufgrund der in diesem Punkt übereinstimmenden Aussagen der Straf- und Zivil-
klägerin und des Beschuldigten geht die Kammer davon aus, dass der Beschuldig-
te nach dem vaginalen Penetrieren abrutschte und mit seiner Penisspitze in den 
Anus der Straf- und Zivilklägerin eindrang. Da die Straf- und Zivilklägerin selbst zu 

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Protokoll gab, der Beschuldigte habe nicht vollständig in sie eindringen können, ist 
für die Kammer auch erstellt, dass er nur ein wenig bzw. lediglich mit seiner Pe-
nisspitze anal eindringen konnte, was bei der Straf- und Zivilklägerin einen 
Schmerz auslöste und sie aus der von ihr beschriebenen Starre holte. Die Kammer 
geht mit Blick darauf, dass der Beschuldigte lediglich ein wenig anal eindringen 
konnte, indes nicht davon aus, dass es sich um einen wie von der Straf- und Zivil-
klägerin geschilderten grossen [recte: starken] Schmerz handelte. Dass die Straf- 
und Zivilklägerin einen gewissen Schmerz verspürte, kann jedoch als erwiesen er-
achtet werden. Aufgrund der darauffolgenden Reaktion der Straf- und Zivilklägerin 
– mithin dem Wegstossen des Beschuldigten mit ihren Beinen – löste dieser sich 
von ihr und wurde sich unmittelbar darauf seines Verhaltens bewusst, was die von 
ihm beschriebene heftige Reaktion seinerseits – Rückzug in das Badezimmer so-
wie Bestellen eines Taxis (pag. 369 Z. 41 ff.) – auslöste.

10.4 Erstellter Sachverhalt

Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Straf- und Zivilklägerin erweist sich der 
Sachverhalt gemäss Anklageschrift vom 2. Dezember 2020 grundsätzlich als er-
stellt. Mit der Vorinstanz geht auch die Kammer jedoch abweichend davon aus, 
dass der Beschuldigte beim vaginalen Penetrieren abrutschte und (nur) mit seiner 
Penisspitze ein wenig anal in die Straf- und Zivilklägerin eindrang.

III. Rechtliche Würdigung

11. Vergewaltigung

11.1 Theoretische Grundlagen zu Art. 190 StGB

Für die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der Vergewaltigung kann auf die 
zutreffenden Ausführungen in der Begründung der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 419 f., S. 18 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

11.2 Subsumtion

Auch für die Subsumtion kann vorab auf die korrekten und sorgfältigen Erwägun-
gen in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung verwiesen werden (pag. 420 ff., 
S. 19 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Der Beschuldigte drang mit seinem Penis vaginal in die Straf- und Zivilklägerin ein, 
womit das Tatbestandselement des Beischlafs erfüllt ist. Die Vorinstanz wies in der 
Folge zu Recht darauf hin, wonach vorliegend das Vorhandensein eines Nöti-
gungsmittels, konkret in Form von Gewalt, die zentrale Frage darstelle (pag. 420, 
S. 19 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Nach Ansicht der Kammer handelt 
es sich beim vorliegenden Fall um einen Grenzfall. Wie die Straf- und Zivilklägerin 
selbst zu Protokoll gab, würde die Handlung des Beschuldigten – mithin das auf 
den Rücken drehen – bei isolierter Betrachtung wohl kaum als Gewalt im engeren 
Sinne bezeichnet werden. Zu berücksichtigen ist indes, dass die Straf- und Zivilklä-
gerin dem Beschuldigten unzweideutig zu verstehen gab, wonach sie keinen Ge-
schlechtsverkehr wolle, und er aufgrund dessen nicht davon ausgehen durfte, dass 
sie den Akt begrüssen wird. Mithin gab es keinerlei Anzeichen ihrerseits, die ihm 

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bestätigt hätten, dass er mit seiner Vermutung, wonach es «mega geil wäre, jetzt 
etwas anzufangen», für beide Beteiligten richtiglag. Die Straf- und Zivilklägerin lag 
mit einem Bein angewinkelt auf dem Bauch, was der Beschuldigte selbst als Zei-
chen deutete, dass sie schlafen wolle. Entgegen der Auffassung der Verteidigung 
(pag. 571 f.) hatte diese Position somit sehr wohl eine Signalwirkung. Zudem ver-
neinte die Straf- und Zivilklägerin mehrmals seine Frage, ob sie mit ihm Ge-
schlechtsverkehr haben wolle. Indem der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin 
dennoch auf den Rücken drehte und in sie eindrang, wurde nach Überzeugung der 
Kammer das gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grössere Mass an kör-
perlicher Kraft aufgewendet, als zum blossen Vollzug des Akts notwendig war (vgl. 
Urteil 6B_643/2021 vom 21. September 2021 E. 3.3.3.). Das Tatbestandselement 
des Nötigungsmittels ist damit erfüllt. Die Drehung auf den Rücken war zudem 
kausal dafür, dass der Beschuldigte zum Beischlaf schreiten konnte, zumal die 
Straf- und Zivilklägerin dadurch in eine Schockstarre fiel. Damit war sie entgegen 
der Auffassung der Verteidigung zu diesem Zeitpunkt weder in der Lage, sich ver-
bal zu wehren, noch hätte sie «aufstehen, das Zimmer verlassen oder einen Mit-
bewohner rufen» können (vgl. pag. 576).

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte über den Willen 
der Straf- und Zivilklägerin hinwegsetzte, um den Geschlechtsverkehr zu vollzie-
hen. Die Straf- und Zivilklägerin äusserte ihm gegenüber unzweideutig ihre Mei-
nung, was dieser schlicht ignorierte. Hinzu kommt, dass er die Tränen der Straf- 
und Zivilklägerin sah (pag. 564 Z. 40 f.) und diese sich auch nicht so bewegte, wie 
sie es tat, wenn sie einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hatten (pag. 78  Z. 484 
f.). Der Beschuldigte handelte damit zumindest eventualvorsätzlich. Daran vermag 
die von der Verteidigung oberinstanzlich eingereichte Nachricht (pag. 584 f.), aus 
welcher hervorgeht, dass die Straf- und Zivilklägerin dem Beschuldigten im Mai 
2011 unter anderem sinngemäss mitteilte, er dürfe mit Aktivitäten in sexueller Hin-
sicht mal beginnen, sie werde danach aber wohl erwachen und verwirrt sein, nichts 
zu ändern. Wie die Straf- und Zivilklägerin oberinstanzlich zu Recht antönte, ver-
leiht eine solche Nachricht bei eindeutiger Ablehnung des Gegenübers keine Be-
rechtigung zur Penetration (pag. 557 Z. 19 ff.). Der Vorinstanz ist auch beizupflich-
ten, wenn sie festhält, die Handlungen des Beschuldigten würden über ein mögli-
cherweise legitimes «Gluschtigmachen» hinausgehen, zumal der Beschuldigte 
gemäss eigenen Angaben ohne Annäherungsversuche unmittelbar in die Straf- und 
Zivilklägerin eindrang (pag. 562 Z. 7 ff.). Der subjektive Tatbestand ist ebenfalls er-
füllt.

Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich. Dass 
der vorgängige Alkohol- und Drogenkonsum den Beschuldigten in seiner Steue-
rungsfähigkeit eingeschränkt hätte, wurde zu keiner Zeit geltend gemacht und ist 
auch nicht anzunehmen.

Der Beschuldigte hat sich damit der Vergewaltigung, begangen in der Nacht vom 
23. auf den 24. November 2012 in F.________, schuldig gemacht. 

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12. Sexuelle Nötigung

12.1 Theoretische Grundlagen zu Art. 189 StGB

Für die theoretischen Grundlagen zum Tatbestand der sexuellen Nötigung kann auf 
die korrekten Ausführungen in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung verwiesen 
werden (pag. 422 f., S. 21 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

12.2 Subsumtion

Auch betreffend Subsumtion verweist die Kammer vollumfänglich auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz (pag. 423, S. 22 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung):

Gemäss erstelltem Sachverhalt drang der Beschuldigte mit seiner Penisspitze anal in die Privatkläge-
rin ein, nachdem er sie unvermittelt und kraftvoll mit den Händen an den Hüften gepackt und auf den 
Rücken gedreht hatte, wodurch die Privatklägerin in eine Starre verfallen ist (vgl. Ziff. II. 2.1. und 2.6. 
hiervor). Beim Eindringen der Penisspitze in den Anus handelt es sich klarerweise um eine vollendete 
sexuelle Handlung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 aStGB. Zumal sich die übrigen Tatbestandsmerkmale 
der angeklagten sexuellen Nötigung und Vergewaltigung decken, kann hinsichtlich des Nötigungsmit-
tels, der Kausalität und des Vorsatzes auf die Ausführungen zur Vergewaltigung verwiesen werden 
(vgl. Ziff. III. 1.2. hiervor). Im Ergebnis erfüllte der Beschuldigte somit auch sämtliche objektiven und 
subjektiven Tatbestandselemente der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 aStGB. Rechtferti-
gungs- bzw. Schuldausschlussgründe sind sodann ebenfalls keine ersichtlich, wobei – wie unter 
Ziff. III. 1.2. hiervor erwähnt – die eingeschränkte Vermeidbarkeit der Tat aufgrund des Alkohol- und 
Drogenkonsums des Beschuldigten bei der Strafzumessung zu berücksichtigen sein wird (vgl. Ziff. IV. 
4.2. hiernach).

Der Beschuldigte ist auch der sexuellen Nötigung, begangen in der Nacht vom 
23. auf den 24. November 2012 in F.________, schuldig zu erklären.

13. Konkurrenzen

Die Vorinstanz hielt in Bezug auf die Konkurrenz zwischen den beiden erfüllten 
Tatbeständen fest, die anale Penetration weise mit Blick darauf, dass der ganze 
Akt im Zimmer der Straf- und Zivilklägerin stattgefunden, nur zwei Minuten gedau-
ert und es weder einen Unterbruch noch einen Positionswechsel gegeben habe, 
einen derart engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang zur vaginalen Pene-
tration auf, so dass von einem einzigen sexuellen Akt ohne selbständigen Willens-
entschluss hinsichtlich der analen Penetration auszugehen sei. Der sexuellen Nöti-
gung komme somit keine selbständige Bedeutung zu, sondern sei als einheitliches 
Tatgeschehen, nämlich der Vergewaltigung, zu sehen. Damit liege eine Hand-
lungseinheit vor, womit eine zusätzliche Verurteilung wegen sexueller Nötigung 
ausser Betracht falle (pag. 424, S. 23 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Die Kammer ist, wie eingangs unter Ziff. 7 erwähnt, zufolge der alleinigen Berufung 
des Beschuldigten an das Verschlechterungsverbot gebunden. Infolgedessen erüb-
rigen sich weitere Ausführungen zur Frage der Tateinheit oder Tatmehrheit bzw. 
zur Konkurrenz zwischen Art. 189 und Art. 190 StGB, zumal ein oberinstanzlicher 
Schuldspruch wegen sexueller Nötigung dem Verschlechterungsverbot zuwiderlau-
fen würde. Es hat einzig ein Schuldspruch wegen Vergewaltigung zu ergehen.

23

IV. Strafzumessung

14. Anwendbares Recht

Das hier zu beurteilende Delikt wurde Ende November 2012 und damit weit vor In-
krafttreten der revidierten Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Strafgesetz-
buchs am 1. Januar 2018 begangen. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erwei-
sen sich die neuen Bestimmungen des Sanktionenrechts für den Beschuldigten 
nicht als milder, so dass altes Recht anzuwenden ist.

15. Theoretische Grundlagen der Strafzumessung

Für die theoretischen Grundlagen der Strafzumessung wird integral auf die zutref-
fenden Ausführungen in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung verwiesen 
(pag. 425 f., S. 24 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

16. Konkrete Strafzumessung

16.1 Strafrahmen und Strafart

Der Strafrahmen reicht gemäss Art. 190 aStGB von einem Jahr bis zu zehn Jahren 
Freiheitsstrafe. Von Gesetzes wegen kommt lediglich eine Freiheitsstrafe als Straf-
art in Betracht. 

16.2 Tatkomponenten

16.2.1 Objektives Tatverschulden

Die Vorinstanz hielt zum objektiven Tatverschulden Folgendes fest (pag. 426 f., 
S. 25 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Hinsichtlich des Ausmasses des verschuldeten Erfolgs bzw. der verschuldeten Gefährdung gilt es 
festzuhalten, dass es sich um einen einmaligen, verhältnismässig kurz andauernden Vorfall handelte. 
Der Beschuldigte drang in Missionarsstellung vaginal in die Privatklägerin ein und penetrierte sie 
während rund zwei Minuten. Danach versuchte er in derselben Position anal in die Privatklägerin 
einzudringen, was ihm mit der Penisspitze ein wenig gelang (vgl. Ziff. II. 2.1. und 2.6. hiervor). Beim 
analen Verkehr empfand die Privatklägerin grossen körperlichen Schmerz (p. 49 Z. 166 f., p. 50 
Z. 176, p. 73 f. Z. 320 ff., p. 75 Z. 360 f., Z. 371, Z. 374, p. 365 Z. 5 f.). Ansonsten erlitt die 
Privatklägerin keine Schmerzen (p. 49 Z. 166 f.) und keine körperlichen Verletzungen (p. 52 Z. 295 f.). 
Sie begab sich bezüglich des Vorfalls in keine ärztliche Behandlung (p. 52 Z. 298 f.). Zu 
berücksichtigen gilt es weiter, dass der sexuelle Übergriff in den eigenen vier Wänden unter 
Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses begangen wurde. Der Umstand hingegen, dass die 
Vergewaltigung ohne Kondom erfolgte, erscheint dem Gericht angesichts dessen, dass die Parteien 
schon ein Jahr vor dem Vorfall nicht mehr mit Kondomen verhütet haben (p. 52 Z. 307 ff.), nicht als 
verschuldenserhöhend. Ebenso die Tatsache, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte seit rund 
zwei Jahren ein Paar waren und im Rahmen ihrer Beziehung Geschlechtsverkehr hatten. Zur Auf- 
und Verarbeitung der erlittenen Vergewaltigung begab sich die Privatklägerin sodann im Oktober 
2019 in psychologisch-psychotherapeutische Behandlung (p. 353 f.). Ob die Privatklägerin langfristig 
unter der Vergewaltigung leiden wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt kaum beurteilt werden. Im Rahmen 
der Therapie bei G.________ konnten aber glücklicherweise Fortschritte erzielt werden (p. 354). Die 
Privatklägerin gab anlässlich der Hauptverhandlung sodann an, die Therapie im Mai 2021 vorläufig 
abgeschlossen zu haben (p. 364 Z. 22 ff.). Ohne die Tat zu bagatellisieren, bewegt sich das Ausmass 

24

des verschuldeten Erfolgs bzw. der verschuldeten Gefährdung, insbesondere im Vergleich mit 
anderen Fällen von Vergewaltigungen, vorliegend im untersten Bereich des weiten ordentlichen 
Strafrahmens und ist damit als leicht zu werten. 

Betreffend die Art und Weise des Vorgehens ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Tat nicht 
plante, sich diese viel eher aus der Situation heraus ergab. Er bedrohte die Privatklägerin nicht (p. 50 
Z. 210 f.), wendete keine rohe Gewalt an (p. 50 Z. 213 ff.), hielt die Privatklägerin nicht fest (p. 50 
Z. 217 ff.) und verwendete keine gefährliche Waffe oder anderen gefährlichen Gegenstände (p. 50 
Z. 221 ff.), um die Privatklägerin zur Duldung des Beischlafs zu nötigen. Der Beschuldigte fügte der 
Privatklägerin auch nicht mehr Schmerzen zu, als zur Begehung der Tat notwendig war. Sobald sich 
die Privatklägerin aus ihrer Starre lösen konnte und den Beschuldigten mit den Füssen von sich 
wegstiess, liess er sodann auch sofort von ihr ab.

Insgesamt ist von einem leichten Tatverschulden des Beschuldigten auszugehen. Mit Ausnahme des 
analen Verkehrs liegen keine weiteren Elemente vor, welche über das dem Grundtatbestand der 
Vergewaltigung immanente Verschulden hinausgehen. Angesichts dessen, dass der Analverkehr 
wohl nur wenige Sekunden dauerte und ein Eindringen bloss ein wenig mit der Penisspitze erfolgte, 
erachtet das Gericht eine Strafe von 14 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.

Die Kammer schliesst sich diesen Ausführungen grundsätzlich an. In Abweichung 
zur Vorinstanz und gestützt auf die Erwägungen unter Ziff. 10.3. hiervor geht die 
Kammer jedoch davon aus, dass die Straf- und Zivilklägerin zufolge der analen 
Penetration zwar Schmerzen erlitt, diese jedoch aufgrund des Eindringens nur mit 
der Penisspitze nicht stark gewesen sein dürften. Hingegen ist der Vorinstanz 
beizupflichten, dass der Vorfall in den eigenen vier Wänden der Straf- und 
Zivilklägerin stattfand und damit seitens des Beschuldigten ein besonderes 
Vertrauen ausgenutzt wurde. Im Übrigen ist das objektive Tatverschulden des 
Beschuldigten jedoch als leicht zu bezeichnen. Insbesondere sind in Bezug auf das 
Ausmass des verschuldeten Erfolgs keine Umstände ersichtlich, die über die dem 
Tatbestand immanenten Elemente hinausgehen und damit verschuldenserhöhend 
zu berücksichtigen wären. Der Umstand, dass sich die Straf- und Zivilklägerin ab 
Oktober 2019 in psychologisch-psychotherapeutische Behandlung begeben 
musste, wirkt sich vorliegend nicht erhöhend aus. Wie unter Ziff. V. nachfolgend zu 
zeigen wird, ist für die Kammer nicht ohne weiteres erstellt, dass die therapeutische 
Behandlung aufgrund des Vorfalls, sondern vielmehr aufgrund der allgemein 
schwierigen Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Straf- und 
Zivilklägerin notwendig war. Hinsichtlich der Art und Weise des Vorgehens sind 
ebenfalls keine Umstände ersichtlich, die sich auf das objektive Tatverschulden des 
Beschuldigten erhöhend oder mindernd auswirken würden. Insgesamt ist dieses 
somit als leicht zu bezeichnen. Die Kammer erachtet mit der Vorinstanz eine 
Einsatzstrafe von 14 Monaten als angemessen.

16.2.2 Subjektives Tatverschulden

Hinsichtlich des subjektiven Tatverschuldens ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte lediglich eventualvorsätzlich handelte, was verschuldensmindernd zu 
berücksichtigen ist. Zutreffend ist sodann, dass sich der Vorfall an einem Abend 
ereignete, wo der Beschuldigte unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand. Wenn 
auch darauf hinzuweisen ist, dass die Tatsache, wonach der Beschuldigte Alkohol 

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und Drogen konsumiert hatte, ansonsten – und soweit ersichtlich – nie zu einer 
derartigen Grenzüberschreitung führte, gelangt die Kammer mit der Vorinstanz zur 
Überzeugung, dass sich dieser Umstand im Rahmen der Strafzumessung leicht 
verschuldensmindernd auszuwirken hat. Immerhin sprach die Straf- und Zivilkläge-
rin selbst während des ganzen Verfahrens davon, dass sie den Vorfall nicht dem 
Beschuldigten, sondern seinem «Konsum-Ich» zugeschrieben habe. Aufgrund der 
lediglich eventualvorsätzlichen Begehungsweise sowie der Begehung unter Alko-
hol- und Drogeneinfluss erscheint der Kammer eine Reduktion der Einsatzstrafe 
von 14 Monaten um zwei auf 12 Monate als angemessen.

16.2.3 Fakultativer Strafmilderungsgrund Art. 48 lit. e aStGB

Gemäss Art. 48 lit. e aStGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbedürfnis 
in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der 
Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Gesetzlich wohlverhalten hat sich, wer 
keine strafbare Handlung begangen hat (vgl. HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumes-
sung, 2. Aufl. 2019, S. 129; TRECHSEL/THOMMEN, in: Schweizerisches Strafgesetz-
buch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 25 zu Art. 48 StGB). 

Das erstinstanzliche Urteil erging am 29. Oktober 2021, das vorliegende Urteil wur-
de am 23. November 2022 gefällt. Seit der Tatbegehung in der Nacht vom 23. auf 
den 24. November 2012 bis zum erstinstanzlichen bzw. bis zum oberinstanzlichen 
Urteil sind fast neun bzw. genau zehn Jahre vergangen, was einer langen Zeitdau-
er entspricht. Zudem hat sich der Beschuldigte seither wohlverhalten: Aus dem 
oberinstanzlich eingeholten Strafregisterauszug sind nebst dem hiesigen Verfahren 
keine weiteren Urteile oder hängigen Strafverfahren ersichtlich (pag. 342). Die 
Kammer erachtet es zufolge des langen Zeitablaufs sowie des Wohlverhaltens des 
Beschuldigten als angemessen, die Strafe gestützt auf Art. 48 lit. e aStGB um wei-
tere zwei Monate zu reduzieren.

16.2.4 Gesamtverschulden

Gestützt auf die objektiven und subjektiven Tatkomponenten sowie unter Berück-
sichtigung des langen Zeitablaufs seit der Tatbegehung resultiert für den Schuld-
spruch wegen Vergewaltigung vorerst – das heisst noch ohne Berücksichtigung der 
Täterkomponenten – eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

16.3 Täterkomponenten

Für die Täterkomponenten kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen in der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung verwiesen werden (pag. 428 f., S. 27 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Seit der erstinstanzlichen Verhandlung hat sich hinsichtlich des Vorlebens sowie 
der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten nichts geändert, das sich strafer-
höhend oder –mindernd auswirken würde. Gemäss aktuellstem Strafregisterauszug 
sind über ihn nebst dem hiesigen Strafverfahren keine weiteren Einträge verzeich-
net (pag. 342). Gesundheitlich geht es dem Beschuldigten gemäss eigenen Anga-
ben an der oberinstanzlichen Verhandlung nicht gut, da er nach wie vor an Depres-
sionen leide und in Bezug auf die Trennung von der Straf- und Zivilklägerin alles 
wieder hochgekommen sei. Er führte jedoch ebenfalls aus, er habe mittlerweile 

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sein Studium abschliessen können, wodurch viel Stress weggefallen sei. Weiter 
gab er zu Protokoll, dass er wieder Vollzeit bei der H.________ bzw. mittlerweile 
bei der I.________ (Tochtergesellschaft) arbeite (pag. 558 Z. 29 ff.). Der Beschul-
digte lebt seit dem Auszug der Straf- und Zivilklägerin alleine. Seit der erstinstanzli-
chen Verhandlung gab es keine Klinikaufenthalte mehr, er befindet sich aber nach 
wie vor in ambulanter (therapeutischer) Behandlung (pag. 559 Z. 16 ff.). Das Vorle-
ben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind mit Blick auf diese 
Ausführungen nach wie vor als neutral zu bezeichnen.

Auch das Verhalten des Beschuldigten nach der Tat und während des Strafverfah-
rens wirken sich weder erhöhend noch mindernd auf die Strafe aus. Der Beschul-
digte hat sich während des ganzen Strafverfahrens korrekt und anständig verhal-
ten, was von ihm erwartet werden darf. Eine besondere Strafempfindlichkeit ist 
nicht auszumachen. Diese Komponenten sind somit ebenfalls neutral zu werten.

16.4 Fazit

Insgesamt wirken sich die Täterkomponenten weder straferhöhend noch strafmin-
dernd aus. Es bleibt damit für den Schuldspruch wegen Vergewaltigung bei einer 
Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

16.5 Vollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von 
mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn ei-
ne unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung 
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 aStGB). Schiebt es 
den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt es gestützt auf 
Art. 44 Abs. 1 aStGB dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren.

Für die Frage des Vollzugs kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 439 f., S. 28 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). Aufgrund des zu berücksichtigenden Verschlechterungsverbots (vgl. 
Ziff. 7 hiervor) erübrigen sich weitere Ausführungen der Kammer zum Vollzug. Die-
ser ist aufzuschieben und die Probezeit wie von der Vorinstanz bestimmt auf zwei 
Jahre festzusetzen. Auf eine Verbindungsbusse (Art. 42 Abs. 4 aStGB) ist zufolge 
des Verschlechterungsverbots oberinstanzlich ebenfalls zu verzichten.

V. Zivilpunkt

17. Schadenersatz

17.1 Rechtliche Grundlagen

Für die rechtlichen Grundlagen des Schadenersatzes verweist die Kammer auf die 
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (pag. 430, S. 29 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung):

Gemäss Art. 41 Abs. 1 OR hat derjenige, der einem andern – absichtlich oder fahrlässig – widerrecht-
lich Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Eine Haftung nach dieser Gesetzesbestimmung setzt kumu-
lativ einen Schaden, einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem schädi-

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genden Verhalten und dem Schaden, Widerrechtlichkeit der Schädigung sowie ein Verschulden des 
Schädigers voraus. Schaden ist eine ungewollte Vermögensverminderung, d.h. eine Differenz zwi-
schen dem aktuellen Vermögensstand des Geschädigten infolge des schädigenden Ereignisses und 
dem hypothetischen Vermögensstand ohne dieses Ereignis. Wenn ein Verhalten unabdingbare Vor-
aussetzung (conditio sine qua non) für ein Schadensereignis ist, ist der natürliche Kausalzusammen-
hang gegeben. Der adäquate Kausalzusammenhang setzt voraus, dass eine Ursache nach dem ge-
wöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, einen Erfolg wie den 
eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Eine Schadenszufügung ist dann wi-
derrechtlich, wenn sie gegen eine allgemeine gesetzliche Pflicht verstösst, indem entweder ein abso-
lutes Recht der geschädigten Person verletzt wird oder die schädigende Person eine reine Vermö-
gensschädigung durch Verstoss gegen eine einschlägige Schutznorm bewirkt. Leichte Fahrlässigkeit 
genügt bereits für die Haftungsauslösung (vgl. statt vieler BSK OR I-KESSLER, 7. Aufl. 2020, Art. 41 
N 2c f., N 14 ff., N 30 ff., N 45 ff., m.w.H.).

17.2 Schadenersatzforderung der Straf- und Zivilklägerin

Fürsprecherin E.________ beantragte für die Straf- und Zivilklägerin oberinstanz-
lich, der Beschuldigte sei in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils zur Bezah-
lung von CHF 1'830.00 Schadenersatz zzgl. Zins zu 5% seit dem 11. Mai 2021 an 
die Straf- und Zivilklägerin zu verurteilen (pag. 581). Zur Begründung verwies sie 
im Wesentlichen auf die Erwägungen der Vorinstanz und führte aus, die Straf- und 
Zivilklägerin habe über eineinhalb Jahre verteilt insgesamt 24 Therapiesitzungen 
wahrgenommen. Ein Teil der Kosten sei von der Zusatzversicherung bezahlt wor-
den, für einen Teil, mithin CHF 1'830.00, habe sie selber aufkommen müssen. Oh-
ne den Vorfall wäre die Straf- und Zivilklägerin nicht therapiebedürftig gewesen, 
was sich aus dem Therapiebericht von G.________ ergebe (pag. 580).

Die Vorinstanz begründete die Höhe des gesprochenen Schadenersatzbetrages 
von CHF 1'830.00 zzgl. 5% Zins seit dem 11. Mai 2021 wie folgt (pag. 431 f., S. 30 
f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Den zu den Akten gereichten Bestätigungen von Psychotherapie-Kosten bzw. der Rechnung inkl. 
Zahlungsdetails kann entnommen werden, dass der Privatklägerin im Zusammenhang mit den in der 
Zeit vom 28.10.2019 bis 11.05.2021 in Anspruch genommenen Psychotherapiesitzungen bei 
G.________ Kosten im Umfang von insgesamt CHF 1'830.00 entstanden sind (p. 342, p. 355, p. 382). 
Aus dem «Bericht psychologisch-psychotherapeutische Behandlung» von G.________ vom 
09.03.2021 geht sodann hervor, dass die Vergewaltigung, derer der Beschuldigte schuldig gespro-
chen wird (vgl. Ziff. III. 3.4. hiervor), und der damit zusammenhängende Gerichtsprozess Themen in 
den Psychotherapiesitzungen waren (p. 353 f.). Damit sind die Voraussetzungen der Schadenersatz-
haftung vorliegend allesamt erfüllt. Hinsichtlich des Schadenszinses gilt es anzumerken, dass dieser 
vom Zeitpunkt an zu zahlen ist, in welchem das schädigende Ereignis sich finanziell auswirkt (vgl. 
BSK OR I-KESSLER, 7. Aufl. 2020, Art. 42 N 5), vorliegend mithin ab Beginn der Psychotherapiesit-
zungen im Herbst 2019 bzw. Zahlung der hierfür ausgestellten Rechnungen. Gemäss der allgemeinen 
Beweislastregel nach Art. 8 ZGB wäre es an der Privatklägerin gewesen, genau zu belegen, welche 
Zahlung sie wann vorgenommen hat. Zumal sie dies nicht getan hat, wird ihr ein Schadenszins ab 
Beendigung der Psychotherapie am 11.05.2021 zugesprochen, spätestens zu diesem Zeitpunkt ist 
der finanzielle Schaden eingetreten.

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Die Straf- und Zivilklägerin bedurfte unbestrittenermassen psychologischer Hilfe 
und fand diese im Rahmen von Therapiesitzungen bei G.________. Ob der Besuch 
dieser Sitzungen auf den Vorfall der Nacht vom 23. auf den 24. November 2012 
zurückzuführen ist, lässt sich nach Ansicht der Kammer indes nicht mit Bestimmt-
heit sagen. 

Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 14. Oktober 2019 gab die Straf- und 
Zivilklägerin auf konkrete Frage hin zu Protokoll, sie sei nie in (psychologischer) 
Behandlung gewesen und man habe auch nie bei der Paartherapie darüber ge-
sprochen. Sie glaube auch nicht, dass sie sich deshalb noch in Behandlung bege-
ben werde (pag. 53 Z. 356 ff.). Entgegen dieser Aussagen begab sich die Straf- 
und Zivilklägerin kurz daraufhin aber offenbar trotzdem in Behandlung, führte sie 
bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme doch aus, sie habe erst jetzt im 
Rahmen des Strafverfahrens mit einer Therapie begonnen und besuche seit Ende 
Oktober 2019 Sitzungen (pag. 76 Z. 428 ff.). Anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung führte die Straf- und Zivilklägerin sodann aus, sie habe im Mai 
die letzte Therapiesitzung gehabt und diese vorläufig abgeschlossen, jedoch mit 
dem Angebot, dass sie im Vorfeld dieser [gemeint: die erstinstanzliche] Verhand-
lung oder auch sonst wieder zurückkehren könne (pag. 364 Z. 23 ff.). Oberinstanz-
lich erklärte die Straf- und Zivilklägerin auf Vorhalt, wonach sie bei der Polizei an-
gegeben habe, sie werde sich nicht in Behandlung begeben, und auf Frage, warum 
sie kurz daraufhin trotzdem in Therapie gegangen sei, aus, es sei «wie so der erste 
Grund gewesen», weil es immer wieder eskaliert sei über Whatsapp und so. Sie sei 
damals auch mit ihrem neuen Partner zusammengekommen und der Beschuldigte 
habe immer so komische Drohungen ausgesprochen. Sie sei sich unsicher gewe-
sen, wohin das führen könnte. Dadurch habe sie mit G.________ Kontakt aufge-
nommen und sie hätten Grenzüberschreitungen allgemein thematisiert. Sie habe 
gemerkt, dass da viel mehr dahinterstecke, als sie gedacht habe. Die Frage, ob sie 
nach der erstinstanzlichen Verhandlung nochmals wegen dieses Vorfalls in Thera-
pie gegangen sei, verneinte die Straf- und Zivilklägerin (pag. 554 f. Z. 41 ff.).

Diesen Ausführungen der Straf- und Zivilklägerin lässt sich nicht entnehmen, ob sie 
sich nach der polizeilichen Einvernahme aufgrund des Vorfalls oder generell auf-
grund der schwierigen Beziehung mit dem Beschuldigten bzw. der Trennung vom 
Beschuldigten in Therapie begeben musste. Ihre Aussage anlässlich der oberin-
stanzlichen Verhandlung spricht eher dafür, dass die psychologische Unterstützung 
aufgrund der schwierigen Beziehung bzw. Trennung in Anspruch genommen wer-
den musste. Zutreffend ist zwar, dass aus dem «Bericht psychologisch-
psychotherapeutische Behandlung» von G.________ vom 9. März 2021 hervor-
geht, die Vergewaltigung und der damit zusammenhängende Gerichtsprozess sei-
en Thema in den Therapiesitzungen gewesen (pag. 353 f.). Anlässlich der oberin-
stanzlichen Verhandlung gab die Straf- und Zivilklägerin jedoch wie bereits erwähnt 
die Aufarbeitung der (schwierigen) Trennung vom Beschuldigten als Hauptgrund 
an. Auch dem erwähnten Therapiebericht lässt sich entnehmen, dass die Straf- und 
Zivilklägerin wegen Beziehungsanliegen zu einem Erstgespräch gekommen sei 
(pag. 353). Dabei wurde, wie G.________ ausführt, zweifelsohne über den besag-
ten Vorfall gesprochen, jedoch gemäss Aussagen der Straf- und Zivilklägerin auch 
und vor allem noch weitere Beziehungsanliegen diskutiert. Insgesamt bleibt unklar, 

29

welche Ausgaben in Bezug auf die Therapie letztlich auf den Vorfall vom 
23./24. November 2012 zurückzuführen sind. Der vom Gesetz geforderte Kausal-
zusammenhang zwischen dem schädigenden Vorfall – mithin der Vergewaltigung – 
sowie der Notwendigkeit der Therapiesitzungen bei G.________, kann nicht ohne 
weiteres bejaht werden. Die Zivilklage ist aus diesem Grund auf den Zivilweg zu 
verweisen.  

18. Genugtuung

18.1 Rechtliche Grundlagen

Für die Anspruchsgrundlagen der Genugtuung kann auf die zutreffenden Aus-
führungen in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung verwiesen werden (pag. 432 
f., S. 31 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

18.2 Genugtuungsforderung der Straf- und Zivilklägerin

Rechtsanwältin E.________ beantragte oberinstanzlich in Bestätigung des erstin-
stanzlichen Urteils die Verurteilung des Beschuldigten zur Bezahlung einer Genug-
tuung in der Höhe von CHF 4'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 24. Dezember 2012 
an die Straf- und Zivilklägerin (pag. 581). Zur Begründung führte sie aus, der Vorfall 
sitze bei der Straf- und Zivilklägerin immer noch tief und Emotionen würden nach 
wie vor hochkommen, wenn sie darüber sprechen müsse. Die Straf- und Zivilkläge-
rin sei unmittelbar in ihrer sexuellen Integrität verletzt worden und habe damit An-
spruch auf eine Genugtuung. Die von der Vorinstanz zugestandene Summe ent-
spreche zwar nicht dem erstinstanzlich beantragten Betrag, jedoch sei das Urteil 
für die Straf- und Zivilklägerin trotz tiefer Summe nachvollziehbar (pag. 580). 

Der Beschuldigte gab im Rahmen der oberinstanzlichen Einvernahme zur bean-
tragten Genugtuung demgegenüber an, er finde, man hätte anders an das Thema 
rangehen können. Dass er jetzt noch eine Genugtuung zahlen müsse, finde er 
«recht schräg», zumal es nicht stimme, was die Straf- und Zivilklägerin ausgesagt 
habe (pag. 588 Z. 1 ff.).

Die Vorinstanz sprach der Straf- und Zivilklägerin eine Genugtuung in der Höhe 
von CHF 4'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 24. Dezember 2012 zu und führte be-
gründend Folgendes aus (pag. 433 f., S. 32 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung):

Der Beschuldigte wird der Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin schuldig gesprochen (vgl. 
Ziff. III. 4. hiervor). Insofern hat er widerrechtlich und schuldhaft in die psychische, physische und se-
xuelle Integrität der Privatklägerin eingegriffen, sie dadurch in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt 
und ihr weitere seelische Unbill zugefügt. Die Anspruchsvoraussetzungen für die Zusprechung einer 
Genugtuung sind somit vorliegend zweifelsohne erfüllt. Wenngleich es nicht darum geht, Vorgefalle-
nes zu bagatellisieren, ist bei der Bemessung der Höhe der Genugtuung – anders als bei der Frage 
nach der grundsätzlichen Strafbarkeit – den besonderen Umständen des Einzelfalls Rechnung zu tra-
gen. Zwar ereignete sich die Tat nach rund zwei Jahren andauernder Beziehung und führte damit 
nachvollziehbar zu einem Vertrauensbruch. Demgegenüber gilt es zu berücksichtigen, dass es sich 
bei der Privatklägerin um eine erwachsene Person handelte, der sexuelle Übergriff einmalig, kurz so-
wie ohne rohe Gewaltanwendung erfolgte und zu keiner bleibenden Schädigung im Sinne einer 
Krankheit oder Schwangerschaft führte. Die im Oktober 2019 aufgenommene psychotherapeutische 

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Behandlung wurde im Mai 2021 sogar vorläufig abgeschlossen (vgl. p. 353, p. 364 Z. 22 ff., p. 382). 
Zu beachten ist zudem auch die Schwere des Verschuldens des Beschuldigten, welche sich – 
gemäss den Ausführungen zur Strafzumessung (vgl. Ziff. IV. 4. hiervor) – im Vergleich zu anderen 
Vergewaltigungen im untersten Bereich befindet. Das Gericht qualifiziert denn auch nicht als genug-
tuungserhöhend, dass die Vergewaltigung ohne Kondom erfolgte. Dies zumal nach den Aussagen der 
Privatklägerin der Beschuldigte und sie schon ein Jahr vor dem Vorfall nicht mehr mit Kondomen ver-
hütet haben (p. 52 Z. 307 ff.). Schliesslich gilt es im Zusammenhang mit der Genugtuungshöhe dem 
Umstand Rechnung zu tragen, dass der sexuelle Übergriff für die Privatklägerin offensichtlich keinen 
Trennungsgrund darstellte. Immerhin blieb sie nach dem Vorfall noch knapp sieben Jahre mit dem 
Beschuldigten zusammen, weil sie ihn noch immer liebte (vgl. p. 75 Z. 377 ff.). Finanzielle, familiäre 
oder sonstige Abhängigkeiten lagen keine vor, weshalb schlicht kein anderer Grund dafür ersichtlich 
ist, dass sie mit ihm zusammenblieb, als dass der Vorfall nichts Grundsätzliches an ihren Gefühlen für 
den Beschuldigten änderte. Wenngleich der Umstand des Zusammenbleibens keinen Einfluss auf die 
Strafbarkeit ausübt (vgl. Ziff. III. 1.2. hiervor), lässt dieser einen Rückschluss auf das Empfinden der 
Privatklägerin zu, weshalb sie sich diesen bei der Beurteilung der immateriellen Unbill bzw. der Be-
messung der Genugtuungshöhe entgegenhalten lassen muss. Insgesamt und mit Blick auf Ver-
gleichsfälle erachtet das Gericht daher eine Genugtuung in der Höhe von CHF 4'000.00 als ange-
messen.

Die Kammer kann sich den Erwägungen der Vorinstanz zur beantragten Genugtu-
ungsforderung der Straf- und Zivilklägerin sowohl hinsichtlich der Genugtuungsvor-
aussetzungen als auch in Bezug auf die Genugtuungshöhe vollumfänglich ansch-
liessen. Die Überzeugung des Beschuldigten, wonach man den Vorfall anders hät-
te aufarbeiten können, vermag an den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 
nichts zu ändern. 

Der Beschuldigte ist zur Bezahlung einer Genugtuung in der Höhe von 
CHF 4'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 24. Dezember 2012 an die Straf- und Zi-
vilklägerin zu verurteilen.

VI. Kosten und Entschädigung

19. Verfahrenskosten

19.1 Erstinstanzliches Verfahren

Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so 
befindet sie auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 
Abs. 3 StPO).

Die Kosten für das erstinstanzliche Verfahren setzen sich zusammen aus 
Gebühren von insgesamt CHF 8'650.00 (Kosten der Untersuchung von 
CHF 4'150.00, Kosten der Staatsanwaltschaft von CHF 1'000.00 sowie Kosten des 
Gerichts [inkl. schriftliche Begründung] von CHF 3'500.00) und Auslagen von 
CHF 200.00 (bzw. pag. 311 und pag. 313, pag. 392). Sie belaufen sich damit 
gesamthaft auf CHF 8'850.00. Zufolge Schuldspruchs werden die erstinstanzlichen 
Verfahrenskosten vollumfänglich dem Beschuldigten zur Bezahlung auferlegt.

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19.2 Oberinstanzliches Verfahren

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr 
von CHF 3'500.00 (Art. 5 i.V.m. Art. 24 lit. a des Verfahrenskostendekrets [VKD; 
BSG 161.12]). Darin enthalten ist auch die Gebühr von CHF 400.00 für die 
Beurteilung des Gesuchs um Wechsel der amtlichen Verteidigung bzw. um 
Verschiebung der oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. Verfügung vom 7. Oktober 
2022, pag. 527 ff.). Da der Beschuldigte im oberinstanzlichen Verfahren 
vollumfänglich unterliegt, hat er die gesamten oberinstanzlichen Verfahrenskosten 
zu tragen.

19.3 Kosten für die Beurteilung der Zivilklage

Für die Beurteilung der Zivilklage werden erst- und oberinstanzlich keine Kosten 
ausgeschieden.

20. Entschädigungen

20.1 (Amtliche) Verteidigung des Beschuldigten

20.1.1 Erstinstanzliches Verfahren

Die Entschädigung des (ehemaligen) amtlichen Verteidigers des Beschuldigten, 
Fürsprecher B.________, wird für das erstinstanzliche Verfahren gemäss der für 
angemessen erachteten Honorarnote vom 27. Oktober 2021 (pag. 390) auf 
insgesamt CHF 9'043.55 festgesetzt. Der Beschuldigte hat dem Kanton Bern die 
für das erstinstanz