# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** edc4cfdf-efea-5bb4-9ba1-78e64ce61bbf
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-18
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 18.08.2023 RR.2022.189
**Docket/Reference:** RR.2022.189
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2022-189_2023-08-18

## Full Text

Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich; Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG)
;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich; Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG)
;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich; Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG)
;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich; Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG)

Entscheid vom 18. August 2023 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Giorgio Bomio-Giovanascini und Felix Ulrich, 

Gerichtsschreiber Martin Eckner 

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Advokat Oliver Borer 

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

STAATSANWALTSCHAFT BASEL-LANDSCHAFT 

 

Beschwerdegegnerin 

 

 

 

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich 

 

Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2022.189 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Das Tribunal Judiciaire Belfort (Frankreich) führte ein Ermittlungsverfahren 

gegen A. wegen Betrugs gemäss Art. 313-1, 313-7, 313-8 und 131-26-2 des 

französischen Strafgesetzbuchs. Es ging dabei im Wesentlichen darum, 

dass A. das Familiengericht Belfort im Scheidungsverfahren irregeführt 

habe, insbesondere durch falsche Angaben in einer eidesstattlichen Erklä-

rung zu ihrem Vermögen. Das Gericht habe mit Urteil vom 28. September 

2017 B. verpflichtet, seiner Ex-Frau A. einen Unterhaltsbeitrag für die beiden 

Kinder von monatlich EUR 2'000.-- zu bezahlen und seinen Antrag auf Aus-

gleichszahlungen abgewiesen. 

 

 

B. Die französische Ermittlungsrichterin gelangte mit Rechtshilfeersuchen vom 

2. November 2020 an die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft 

(nachfolgend «StA BL») und ersuchte um verschiedene Rechtshilfehandlun-

gen: den Wert der Güter von A. in der Schweiz zu ermitteln und Steuererklä-

rungen zu erhalten. 

 

 

C. Mit Eintretensverfügung vom 2. Februar 2021 holte die StA BL bei der Steu-

erverwaltung des Kantons die Steuerunterlagen von A. für die Jahre 2013 

bis 2018 und die Stände ihrer Bankkonten in der Schweiz der Jahre 2013 bis 

2018. Am 4. Oktober 2021 liess sich A. zum französischen Rechtshilfeersu-

chen vernehmen. 

 

 

D. Mit Schlussverfügung vom 2. September 2022 ordnete die StA BL die Her-

ausgabe der Steuerunterlagen von A. an (act. 1.1). 

 

 

E. Dagegen gelangt A., vertreten durch Advokat Oliver Borer, mit Beschwerde 

vom 5. Oktober 2022 (Postaufgabe: 6. Oktober 2022) an die Beschwerde-

kammer des Bundesstrafgerichts und beantragt (act. 1): 
 

1. Es sei in Gutheissung der vorliegenden Beschwerde der Antrag des Tribunal Judiciaire 

de Belfort vom 16. November 2020 auf Einholen der Steuerunterlagen der Beschwerde-

führerin für die Jahre 2013–2018 und das Einholen der Kontostände der von der Be-

schwerdeführerin in der Schweiz geführten Bankkonten für die Jahre 2013 bis 2018 ab-

zuweisen und die Schlussverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 

2. September 2022 vollumfänglich aufzuheben. 
 

2. Eventualiter sei in Gutheissung der vorliegenden Beschwerde die Schlussverfügung der 

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 2. September 2022 vollumfänglich 

- 3 - 

 

 

aufzuheben und der Antrag des Tribunal Judiciaire Belfort vom 16. November 2020 zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 

3. Verfahrensantrag: Der Beschwerdeführerin sei ein Replikrecht zu allfälligen Beschwer-

deantworten und Stellungnahmen der Vorinstanz zur vorliegenden Beschwerde einzu-

räumen. 
 

4. Verfahrensantrag: Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 
 

5. Verfahrensantrag: Es seien sämtliche Akten des Verfahrens der Vorinstanz beizuziehen. 
 

6. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Staates. 

 

Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») beantragt am 16. November 

2022, die Beschwerde sei abzuweisen (act. 8). Mit Beschwerdeantwort vom 

16. November 2022 beantragt die StA BL ebenfalls, die Beschwerde sei ab-

zuweisen (act. 9). Sie reichte zugleich die Verfahrensakten ein. A. hält mit 

Beschwerdereplik vom 20. Dezember 2022 an ihren Anträgen fest (act. 15). 

Die StA BL wie auch das BJ verzichteten am 22. bzw. 23. Dezember 2022 

auf eine weitere Stellungnahme (act. 17 und 18), was A. mit Schreiben vom 

27. Dezember 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 19). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Frankreich und der Schweiz sind primär fol-

gende Rechtsgrundlagen massgebend: das Europäische Übereinkommen 

vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1), 

das hierzu ergangene zweite Zusatzprotokoll vom 8. November 2001 (ZP II 

EUeR; SR 0.351.12), der Vertrag vom 28. Oktober 1996 zwischen dem 

Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Französischen Republik 

zur Ergänzung des EUeR (SR 0.351.934.92) und die Bestimmungen der 

Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des 

Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchfüh-

rungsübereinkommen [SDÜ]; CELEX-Nr. 42000A0922(02); Abl. L 239 vom 

22. September 2000, S. 19–62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abruf-

bar auf der Website der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechts-

sammlung zu den sektoriellen Abkommen», 8.1 Anhang A; https://www.fed-

lex.admin.ch/de/sector-specific-agreements/EU-acts-register/8). 

 

- 4 - 

 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

ist das schweizerische Landesrecht anwendbar, namentlich das Bundesge-

setz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die Ver-

ordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsa-

chen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11; vgl. Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). 

Dasselbe gilt nach dem «Günstigkeitsprinzip», wenn das schweizerische 

Landesrecht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 148 IV 

314 E. 2.1; 147 II 432 E. 3.1). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschen-

rechte (BGE 145 IV 294 E. 2.1; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c). 

 

1.3 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 

sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 

lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (Art. 12 Abs. 1 

IRSG). 

 

 

2.  

2.1 Die Verfügung der ausführenden Behörde, mit der das Rechtshilfeverfahren 

abgeschlossen wird, unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwi-

schenverfügungen der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts (Art. 80e Abs. 1 IRSG). Die Beschwerdefrist beträgt 

30 Tage (Art. 80k IRSG).  

 

Die vorliegend angefochtene Schlussverfügung stellt ein zulässiges Anfech-

tungsobjekt dar. Die Beschwerdekammer ist für die Behandlung der Be-

schwerde zuständig. Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht erhoben. 

 

2.2  

2.2.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer 

Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an 

deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Personen, gegen 

die sich das ausländische Strafverfahren richtet, können Verfügungen nur 

anfechten, wenn eine Rechtshilfemassnahme sie persönlich und direkt be-

trifft und sie ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-

rung haben (Art. 21 Abs. 3 IRSG).  

Diese Bestimmung übernahm für den Bereich der internationalen Rechtshilfe 

in Strafsachen sinngemäss die frühere Regelung der Verwaltungsgerichts-

beschwerde an das Bundesgericht (Art. 103 lit. a OG; BGE 126 II 258 E. 2d 

S. 259). Danach war zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene 

Verfügung berührt war und ein schutzwürdiges Interesse an deren 

- 5 - 

 

 

Aufhebung oder Änderung hatte. Die beiden Kriterien mussten nicht kumu-

lativ vorliegen, da sie im Wesentlichen das Gleiche verlangten und letztlich 

ineinander aufgingen (BGE 133 V 188 E. 4.3.1 S. 192 mit Hinweisen; zum 

Ganzen BGE 137 IV 134 E. 5.1.1). Erforderlich ist eine vom einschlägigen 

Bundesrecht erfasste «spezifische Beziehungsnähe» des Rechtsuchenden 

zur angefochtenen Schlussverfügung. Eine blosse mittelbare Betroffenheit 

genügt hingegen nicht (BGE 137 IV 134 E. 5.2.1; 129 II 268 E. 2.3.3 S. 269; 

128 II 211 E. 2.2 S. 216 f.; 127 II 104 E. 3 S. 107 ff.; 198 E. 2d S. 205; 126 II 

258 E. 2d S. 259; 125 II 356 E. 3b/aa S. 361 f.; 123 II 153 E. 2b S. 156).  

 

2.2.2 Das Bundesgericht hat den Begriff des schutzwürdigen Interesses in seiner 

Rechtsprechung allgemein näher umschrieben. Diese Rechtsprechung 

stammt aus der Praxis zu aArt. 48 lit. a VwVG (vgl. BGE 121 II 176 E. 2a; 

der heutige Art. 48 Abs. 1 VwVG enthält das Kriterium in lit. c) resp. aus der 

Praxis zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Der Beschwerdeführer muss 

eine genügend enge Beziehung zum Streitgegenstand haben (BGE 123 II 

161 E. 1d/aa S. 164). Das Interesse kann rechtlicher oder tatsächlicher Na-

tur sein (während Art. 382 Abs. 1 StPO für das dortige Rechtsmittel der Par-

teien ein rechtlich geschütztes Interesse verlangt). Es muss nicht notwendi-

gerweise von der im Beschwerdeverfahren angerufenen Norm geschützt 

sein. Hingegen muss ein Beschwerdeführer mehr als andere und mehr als 

die Allgemeinheit in einem wichtigen Interesse betroffen sein, das aus seiner 

Beziehung zum Beschwerdegegenstand resultiert. Ein schutzwürdiges Inte-

resse besteht dann, wenn die rechtliche oder tatsächliche Situation des Be-

schwerdeführers vom Ausgang der Sache abhängt. Eine Gutheissung der 

Beschwerde muss ihm einen Vorteil wirtschaftlicher, materieller oder ideeller 

Natur verschaffen. Eine Popularbeschwerde, allein im Interesse des Rechts 

oder Dritter, ist demgegenüber ausgeschlossen (BGE 126 II 258 E. 2d 

S. 259 f.; 125 II 356 E. 3b/aa S. 361 f.; vgl. auch ZIMMERMANN, La coopéra-

tion judiciaire internationale en matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 524; 

TPF 2020 180 E. 4.5.1).  

 

2.2.3 Es geht vorliegend um die Herausgabe von Steuerunterlagen der Beschwer-

deführerin. Die Steuerunterlagen umfassen neben den Steuererklärungen 

insbesondere auch Bankkonto- und Depotauszüge. Die StA BL hat sämtli-

che Unterlagen, im Rechtshilfeverfahren, von der kantonalen Steuerverwal-

tung erhoben. Es liegt insoweit keine die Beschwerdeführerin oder Dritte be-

treffende Zwangsmassnahme vor. Jedoch stehen ihre Steuerunterlagen un-

ter dem Schutz des Steuergeheimnisses (vgl. § 11 Abs. 1 des Gesetzes des 

Kantons Basel-Landschaft vom 7. Februar 1974 über die Staats- und Ge-

meindesteuern, SGS 331; Art. 110 DBG; Art. 39 Abs. 1 StHG). Die Heraus-

gabe betrifft die Beschwerdeführerin damit mehr als die Allgemeinheit in 

- 6 - 

 

 

einem wichtigen Interesse. Es ist keine andere Person ersichtlich, die von 

der Herausgabe stärker betroffen wäre (vgl. TPF 2020 180 E. 4.4.1, 2. Ab-

satz). Damit ist die Beschwerdeführerin zur Beschwerde legitimiert.  

 

2.3 Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.  

 

 

3.  

3.1 Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der Gewäh-

rung der Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die 

aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 

E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009 E. 1.6; 

TPF 2011 97 E. 5). 

 

3.2 Ebenso wenig muss sich die urteilende Instanz mit allen Parteistandpunkten 

einlässlich auseinandersetzen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid we-

sentlichen Punkte beschränken, und es genügt, wenn die Behörde wenigs-

tens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf 

welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2; 

Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004 E. 5.2). 

 

 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtli-

ches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV im Verfahren vor der StA BL. Sie habe 

in ihrer Eingabe vom 4. Oktober 2021 diverse Einwendungen gegen die 

Rechtshilfe vorgebracht, auf welche die StA BL in ihrer Schlussverfügung 

vom 2. September 2022 in keiner Weise eingegangen sei (act. 1 S. 4; act. 15 

S. 3 Ziff. 4).  

 

4.2 Die Eintretensverfügung vom 2. Februar 2021 beurteilt den Sachverhalt des 

Rechtshilfeersuchens und hält namentlich fest, dass er den Erfordernissen 

entspreche. Sie gibt sodann wieder, um welche Rechtshilfemassnahmen er-

sucht wird und bejaht die beidseitige Strafbarkeit für den Tatbestand des Be-

truges. Die Schlussverfügung vom 2. September 2022 legt dar, es liege eine 

beidseitige Strafbarkeit vor, da die vorgeworfene Tat unter den Schweizer 

Tatbestand des Betruges (Art. 146 Abs. 1 StGB) subsumiert werden könne. 

Ausschlussgründe lägen keine vor (S. 2 Ziff. 2). Die StA BL stellt schliesslich 

fest, dass die herauszugebenden Unterlagen für die ausländische Strafun-

tersuchung potenziell erheblich seien (S. 4). 

- 7 - 

 

 

4.3 Die aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV) fliessende Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begrün-

den, verlangt nicht, dass diese sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt; viel-

mehr genügt es, wenn der Entscheid gegebenenfalls sachgerecht angefoch-

ten werden kann (BGE 136 I 184 E. 2.2.1; 134 I 83 E. 4.1; 133 III 439 E. 3.3). 

Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von de-

nen sich das Gericht oder Behörde hat leiten lassen und auf die sich der 

Entscheid stützt (BGE 141 III 28 E. 3.2.4; 139 V 496 E. 5.1; 138 I 232 E. 5.1). 

Die Begründung muss nicht zwingend in der Verfügung selbst enthalten sein. 

Die Rechtsprechung hat als genügende Begründung auch den Verweis auf 

separate Schriftstücke, auf frühere Entscheide oder klare Angaben der Ent-

scheidgründe in früheren oder späteren Schreiben an die Verfügungsadres-

satinnen oder -adressaten anerkannt (BGE 99 Ib 129 E. 2a). 

 

4.4 Die Schlussverfügung ist zwar sehr knapp, unter Einbezug der Eintretens-

verfügung aber noch zureichend begründet. Sie bejaht die beidseitige Straf-

barkeit nach Schweizer Recht gestützt auf den im Rechtshilfeersuchen ge-

schilderten Sachverhalt. Die StA BL bejaht auch die potenzielle Erheblichkeit 

der ersuchten Steuerunterlagen für das ausländische Strafverfahren und 

ordnet ihre Herausgabe an. Die StA BL verwirft damit auch die Auffassung 

der Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 4. Oktober 2021, wonach es 

sich um eine ausschliesslich zivilrechtliche Angelegenheit handle, für die 

keine Rechtshilfe in Strafsachen zulässig sei. Mit den in der Eingabe auch 

enthaltenen Darlegungen zur zivilrechtlichen Situation musste sich die 

StA BL im Rechtshilfeverfahren nicht näher auseinandersetzen, da sie für 

dessen Ausgang nicht ausschlaggebend sind. Sie hat bejaht, dass der ge-

schilderte Sachverhalt die Leistung von Rechtshilfe erlaube. Eine Gehörs-

verletzung in Form einer mangelnden Begründung ist damit nicht auszu-

machen. 

 

 

5.  

5.1 Der Sachverhalt des Rechtshilfeersuchens gibt zunächst den Inhalt der 

Strafanzeige wieder, die B. gegen A. am 18. April 2018 bei der Staatsanwalt-

schaft Belfort wegen Irreführung des Gerichts eingereicht habe. Der Anzeige 

zufolge heirateten B. und A. am 21. Dezember 1991 im ehelichen Güter-

stand der Gütertrennung. Aus der Ehe seien zwei Kinder hervorgegangen. 

Nach Meinungsverschiedenheiten habe B. am 13. April 2010 vor dem Fami-

liengericht Belfort ein Scheidungsverfahren eingeleitet. Am 13. Dezember 

2010 sei in einem Nichtversöhnungsbeschluss entschieden worden, dass B. 

zu Unterhalt und Erziehung der beiden Kinder einen Beitrag von monatlich 

- 8 - 

 

 

EUR 2'000.– an A. leisten müsse und dass A. die Wohnung der Familie kos-

tenlos nutzen könne. 

Am 4. November 2011 habe A. beantragt, dass die Scheidung wegen des 

alleinigen Verschuldens von B. ausgesprochen werde. Im Verlauf dieses 

Verfahrens habe sie dem Gericht mehrfach Angaben über ihre Einkommens-

verhältnisse gemacht. Der mit der Vorbereitung der mündlichen Verhandlung 

befasste Richter habe die vorläufigen, im Nichtversöhnungsbeschluss ge-

troffenen Massnahmen bestätigt. B. habe erklärt, dass sich seine wirtschaft-

liche Lage im Verlauf des Verfahrens zur Hauptsache auf Grund zweier auf-

einander erfolgten Entlassungen verschlechtert habe, sodass er eine Aus-

gleichszahlung zu seinen Gunsten in Form einer Kapitalabfindung von 

EUR 500'000.– beantragt habe, ersatzweise, dass A. auf ihr Miteigentum an 

der ehemaligen gemeinschaftlichen Familienwohnung in Höhe von 

EUR 500'000.– verzichte. A. habe ihrerseits von B. einen Beitrag zum Unter-

halt und der Erziehung der beiden Kinder von monatlich EUR 2'000.– bean-

tragt. B. habe in der Strafanzeige angegeben, dass A. eine auf den 31. Mai 

2017 datierte eidesstattliche Erklärung über ihr Vermögen vorgelegt hätte, 

wonach sie über ein Vermögen von EUR 3.86 Mio. verfügen würde.  

 

5.2 Am 28. September 2017 habe der Familienrichter ein Urteil verkündet, dem-

zufolge B. an A. einen Beitrag zum Unterhalt und der Erziehung der Kinder 

von monatlichen EUR 2'000.– bezahlen müsse. Auch habe der Richter den 

Antrag von B. auf eine Ausgleichszahlung abgewiesen. B. habe daraufhin 

Anzeige gegen A. erstattet, da sie nach seiner Einschätzung falsche Anga-

ben gemacht habe, was zu einer Unterbewertung ihrer Einkünfte und ihres 

Vermögens geführt habe. Am 31. Mai 2017 habe die Staatsanwaltschaft Bel-

fort ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Betrugs eröffnet. Am 

8. Oktober 2018 habe sich B. als Nebenkläger dem Strafverfahren ange-

schlossen. 

Am 19. November 2018 habe B. dem Ermittlungsrichter neue Unterlagen 

übergeben, die A. zuvor im Berufungsverfahren zur Ehescheidung vorgelegt 

habe. Eine Vermögenserklärung von A. aus dem Jahr 2016 für die Schwei-

zer Behörden zeige, dass der Wert des Besitzes von A. den Wert übersteige, 

den sie angegeben, in die eidesstattliche Erklärung vom 31. Mai 2017 über-

nommen und dem Familienrichter vorgelegt habe. Weiter habe B. angege-

ben, dass selbst die Vermögenserklärung aus dem Jahr 2016 fragwürdig sei, 

da nach seinem Dafürhalten das Vermögen von A. auf EUR 4'863'076.92 zu 

schätzen sei, anstatt des in der Erklärung von 2016 festgehaltenen Betrags 

von EUR 1'907'116.– (resp. EUR 1'700'000.– in der eidesstattlichen Erklä-

rung vom 31. Mai 2017). B. habe weitere, durch die Vorlage dieser neuen 

Unterlagen herausgestellte Verdachtsmomente vorgebracht. Insbesondere 

- 9 - 

 

 

sollen die in den verschiedenen Erklärungen angegebenen Werte bezüglich 

Anteilen von A. an einer Immobiliengesellschaft sowie bezüglich ihrer Gut-

haben und ihres unbeweglichen Vermögens schwanken.  

5.3 Im Jahr 2019 habe das Polizeikommissariat Belfort in Zusammenarbeit mit 

der Domänenverwaltung festgestellt, dass A. den Wert ihres gesamten Ver-

mögens zu niedrig eingeschätzt habe. A. habe den Wert ihres gesamten Im-

mobilienvermögens mit EUR 1'741'819.– angegeben, tatsächlich sei dieser 

im Jahr 2019 aber auf EUR 2'865'200.– geschätzt worden.  

 

 

6.  

6.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, es könne nicht ausgeschlossen werden, 

dass der dem Rechtshilfeersuchen zugrunde liegende Sachverhalt auf von 

B. manipulierten Auskünften basiere. Ohnehin sei die Schilderung des Sach-

verhalts im Rechtshilfeersuchen nicht genügend begründet und daher auch 

nicht nachvollziehbar (act. 1, S. 4 ff.; act. 15, S. 2 f.).  

 

6.2 Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-

hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Danach kann von den Behörden 

des ersuchenden Staates nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt, 

der Gegenstand der Strafuntersuchung bildet, lückenlos und völlig wider-

spruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des Rechtshilfe-

verfahrens unvereinbar, ersucht doch ein Staat einen anderen gerade des-

wegen um Mithilfe, damit er die bisher im Dunkeln gebliebenen Punkte auf-

grund von Unterlagen, die im Besitze des ersuchten Staates sind, klären 

kann (BGE 117 Ib 88 E. 5c). Die ersuchte Behörde hat sich beim Entscheid 

über ein Rechtshilfebegehren nicht dazu auszusprechen, ob die darin ange-

führten Tatsachen zutreffen oder nicht. Sie hat somit weder Tat- noch 

Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vor-

zunehmen. Sie ist vielmehr an die Darstellung des Sachverhaltes im Ersu-

chen und dessen allfälligen Ergänzungen gebunden, soweit diese nicht 

durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet 

wird (BGE 139 II 451 E. 2.2.1; 136 IV 4 E. 4.1; 133 IV 76 E 2.2; TPF 2011 194 

E. 2.1). Einwände, die sich auf die Richtigkeit der Darstellung beziehen, Ge-

genbehauptungen, Beweiseingaben oder -offerten, die nur das ausländische 

Sachurteil betreffen, sind vom Rechtshilfegericht nicht zu hören 

(BGE 132 II 81 E. 2.1). 

 

6.3 Die französische Strafbehörde untersucht ein Delikt des allgemeinen Straf-

rechts, wofür sie um Rechtshilfe ersucht. Der Schilderung des Sachverhalts 

muss kein Beweisdossier beigelegt werden. Aufgrund des zwischenstaatli-

chen Vertrauensprinzips (BGE 146 II 150 E. 7.1) ist von der Richtigkeit des 

- 10 - 

 

 

geschilderten Sachverhalts auszugehen. Die obige Schilderung (vgl. Erwä-

gung 5) ist nachvollziehbar und enthält keine offensichtlichen Fehler, Lücken 

oder Widersprüche. Er schildert prima facie Handlungen, die in der Schweiz 

strafbar sind als Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB), Falschbeurkundung (Art. 251 

Ziff. 1 StGB) oder als Falsche Beweisaussage der Partei (Art. 306 

Abs. 1 StGB; siehe aber Erwägung 6.4 unten).  

 

Daran ändert auch nichts, dass strafbare Handlungen untersucht werden, 

die in einem gerichtlichen Scheidungsverfahren begangen und vom Ex-

Mann der Beschwerdeführerin angezeigt worden sind. Auch die Sichtweise 

der Beschwerdeführerin zu den massgeblichen formellen und materiellen 

Fragen im französischen Scheidungsverfahren, wie kurz vorgebracht in ihrer 

Eingabe vom 4. Oktober 2021 an die StA BL, können die Sachverhaltsschil-

derung nicht entkräften. Ebenso wenig, wenn sie pauschal vorbringt (act. 1 

S. 4 Ziff. 8), ein strafrechtlich relevantes Handeln von ihr könne in keiner 

Weise angenommen werden, jedoch habe sich ihr Ex-Mann strafbar ge-

macht.  

 

6.4 Zur beidseitigen Strafbarkeit nach Schweizer Recht bringt die Beschwerde-

führerin weder in der Beschwerde noch in der Replik Rügen vor. Dies ist 

insofern folgerichtig, als vorliegend keine Zwangsmassnahme angeordnet 

wurde: Die Staatsanwaltschaft erhob die Unterlagen rechtshilfeweise bei den 

Steuerbehörden, welche über die Herausgabe an sie entschieden (vgl. auch 

E. 2.2.3 oben). Ohne Zwangsmassnahme ist eine Strafbarkeit nach Schwei-

zer Recht auch nicht Voraussetzung für die Herausgabe der Unterlagen 

(vgl. Art. 64 Abs. 1 i.V.m. Art. 63 Abs. 2 lit. c IRSG).  

 

6.5 Insgesamt sind die Rügen der Beschwerdeführerin unbegründet. Weitere 

Rechtshilfehindernisse sind nicht ersichtlich. Die Beschwerde ist daher ab-

zuweisen.  

 

 

7. Die drei Verfahrensanträge der Beschwerdeführerin sind gegenstandslos: 

Der Beschwerde kommt schon von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung 

zu (Art. 80l Abs. 1 IRSG), die Beschwerdeführerin konnte eine Replik einrei-

chen und das Gericht zog die Akten der Vorinstanz bei.  

 

 

8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten-

pflichtig (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Für die 

Berechnung der Gerichtsgebühren gelangt das Reglement des Bundesstraf-

gerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und 

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Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) zur An-

wendung (Art. 53 Abs. 2 lit. a, Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 65 Abs. 5 VwVG 

sowie Art. 22 Abs. 3 BStKR). Die Gerichtsgebühr ist vorliegend auf 

Fr. 5'000.– festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG so-

wie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR) und der Beschwerdeführerin aufzuerle-

gen, unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von 

Fr. 5'000.– (act. 3 und 6). 

 

 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.– wird der Beschwerdeführerin auferlegt, 

unter Anrechnung des entsprechenden Betrages aus dem geleisteten Kosten-

vorschuss in der Höhe von Fr. 5'000.–. 

 

 

Bellinzona, 18. August 2023 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Advokat Oliver Borer 

- Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe II 

 

 

 
  

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Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Eingaben müssen spätestens am letzten Tag 
der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder 
einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 48 
Abs. 1 BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für die Wahrung einer Frist der Zeitpunkt 
massgebend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die bestätigt, dass alle Schritte abgeschlossen 
sind, die auf der Seite der Partei für die Übermittlung notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 BGG). 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).