# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2c3185c-82ae-5d7c-b849-29ea18874683
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-09-15
**Language:** de
**Title:** Kein langdauernder Gesundheitsschaden und keine AUF ausgewiesen. Keine Invalidität, deshalb kein Anspruch auf berufliche Massnahmen. Abweisung
**Docket/Reference:** IV.2022.00232
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00232.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00232
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
15. September 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1996, ist gelernter Montageelektriker EFZ und war vom 15. Oktober 2021 bis zum 1. April 2022 an der Universität
Y.___
befristet in einem Praktikum als Informatiker tätig (Urk. 6/4 Ziff. 5.3-5.4; vgl. Urk. 6/8/3). Am 23. Januar 2015
war er ge
stürzt und
hatte
sich den rechten Daumen
gebro
chen
(Urk. 6/9/30). Am 28. Oktober 2021 meldete
er sich wegen d
e
s
gebrochenen Daumen
s
und Knieschmerzen bei der Invalidenversicherung an (Urk. 6/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte Abklärungen und zog die Akten der Unfallversicherung bei (Ur
k. 6/9). Mit Vorbescheid vom 2.
Februar 2022 (Urk. 6/13) stellte sie die Verneinung eines Anspruchs des Versi
cherten auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente in Aussicht und ver
fügte am 14. März 2022 im angekündigte
n
Sinne (Urk. 6/14 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 13. April 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. März 2022 (Urk. 2) und beantragte sinngemäss deren Aufhebung sowie die
Zusprache
beruflicher Massnahmen in Form einer Umschulung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2022 (Urk. 5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 9. Juni 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022
, weshalb vorlie
gend
die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechtsvorschriften anwendbar sind
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
IVG
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhal
ten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
Drohende Inva
lidität liegt gemäss Art.
1
novies
IVV
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist unerheblich.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Dem Beschwerdeführer sei gemäss medizinischer Aktenlage die bisherige Tätigkeit als Montage-Elektriker weiterhin zumutbar. Auch in jeder anderen Tätigkeit bestehe keine Einschränkung. Somit bestehe kein Anspruch auf beruf
liche Massnahmen (S. 1). Auch die Voraussetzungen für die
Zusprache
einer Rente seien nicht erfüllt (S. 2). Die medizinischen Akten zeigten auf, dass der Heilungs
verlauf nach der Daumenoperation komplikationslos verlaufen sei. So habe auch der Beschwerdeführer selbst angegeben, dass er
ab 27. April 2015 wieder zu 100
% arbeitsfähig und die ärztliche Behandlung abgeschlossen sei. Die erlittene Kniedistorsion verursache keine Arbeitsunfähigkeit als Bauelektriker. Da keine
gesundheitlichen Einschränkungen bestünden, fehle es an der Voraussetzung einer (drohenden) Invalidität (Urk. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (Urk. 1), seine bisherige Tätigkeit als Mon
tage-Elektriker sei nicht mehr zumutbar. Seit er seinen rechten Daumen gebro
chen habe, habe er immer Mühe auf der Baustelle gehabt, da er den Daumen nicht mehr so wie früher belasten könne. Er könne nicht den ganzen Tag Kabel einzie
hen, mit Schraubenzieher arbeiten und bohren, weil dies mit der Zeit Schmerzen verursache. Er habe den Beruf wechseln wollen
,
aber es sei ohne Ausbildung nicht möglich
,
eine gute Position und einen guten Lohn zu bekommen. Es sei in seinem Alter nicht optimal, eine neue Lehre anzufangen, da ein Lehrlingslohn nicht in Frage komme. Dies seien seine Beweggründe für eine Umschulung als Informati
ker (Urk. 1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf berufliche Mas
snahmen, insbesondere eine Umschulung, hat.
3.
3.1
Anlässlich der Erstbehandlung im Stadtspital
Z.___
vom 24. Januar 2015
wurde eine intraartikuläre dislozierte Fraktur der Basis
des Os
metacarpale I rechts diagnostiziert (Urk. 6/9/21).
3.2
Am 3. Februar 2015 wurde die Verletzung operativ versorgt und der Heilungs
verlauf
war
gut (vgl. Urk. 6/9/13). Am 18. März 2015 erfolgte die
Entfernung des Spickdrahts
(Urk. 6/9/8). Eine volle Arbeitsu
nfähigkeit wurde vom 24. Januar
2015 (Urk. 6/9/2
5
) bis zum 27. April 20
15 (Urk. 6/9/10; vgl. auch Urk.
6/9/2
4
) attestiert. Am 8. Juni 2015 bestätigte der Beschwerdeführer mit eigenhändiger Unterschrift, dass er ab 27. April 2015 wieder zu 100 % arbeits
fähig und die ärztliche Behandlung abgeschlossen sei (Urk. 6/9/4).
3.3
Dr. med.
A.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt mit Bericht vom 20. Januar 2022 (Urk. 6/11) fest, der Beschwerdeführer sei unregel
mässig in seiner Behandlung (Ziff. 1.2)
; die
letzte Konsultation sei am 17.
Dezember 2021 erfolgt (Ziff. 1.1)
. Die längst
e Arbeitsunfähigkeit sei vom 4.
bis 17. Oktober 2021 attestiert worden (Ziff. 1.3). Der Beschwerdeführer berichte subjektiv über Knieschmerzen links
und Handschmerzen rechts (Ziff.
2.1).
Be
funde erwähnte Dr.
A.___
nicht (Ziff. 2.4), ebenso keine
Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.
5
). Als Diagnose ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
A.___
eine 2019 erlittene Knie
distorsion links mit anhaltenden Restbeschwerden (Ziff. 2.6). Der Beschwer
deführer absolviere bereits eine Umschulung (Ziff. 2.8).
4.
4.1
Den medizinischen Akten sind keinerlei Anhaltspunkte für eine die Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers
anhaltend
beeinträchtigende Krankheit zu entneh
me
n
. Die Daumenverletzung wurde nach Lage der Akten
lege
artis
operiert und heilte folgenlos ab. Der Beschwerdeführer selbst bestätigte, dass nach
dem 27.
April 2015
deswegen
keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestand (vgl. vorstehend E. 3.2).
Weitere Diagnosen, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden, beste
hen nicht. Insbesondere nannte Dr.
A.___
die Knieschmerzen - die er als subjek
tiv beschrieb und durch keinerlei Befunde untermauerte - nicht als Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
4.2
Eine
gesundheitliche
Beeinträchtigung, die eine
Erwerbsunfähigkeit
zur
Folge
hat oder überwiegend wahrscheinlich zur Folge haben könnte, ist nach dem Gesagten nicht ausgewiesen.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu beurtei
len war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind ermessensweise auf Fr. 200.-- anzusetzen und ausgangsgemäss
dem
unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
200
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensLienhard