# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c90af4c8-acf3-5659-9675-8ad3639586fa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.11.2009 C-995/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-995-2008_2009-11-12.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-995/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, 
Richter Antonio Imoberdorf, 
Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer.

A.X._______,
vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Jüsi,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf 
B.Y._______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-995/2008

Sachverhalt:

A.
A.a Am  25.  Januar  1999  ersuchten  A.X._______  (geboren  1969; 
nachfolgend  Beschwerdeführer  oder  Gastgeber)  und  seine  Ehefrau 
B.X._______,  geborene  B.Y._______  (geboren  1971;  nachfolgend 
Gesuchstellerin), in der Schweiz um Asyl. Die beiden 1991 bzw. 1992 
geborenen gemeinsamen Kinder C._______ und D._______ waren im 
Heimatland  geblieben.  Nach  Abweisung  der  Asylgesuche  am  1. 
September 1999 verliess die Gesuchstellerin die Schweiz, um in den 
Kosovo zurückzukehren. Der Beschwerdeführer reiste erst am 23. Mai 
2000 in seine Heimat Kosovo zurück.

A.b Mit  Urteil  vom  9.  April  2003  wurde  die  Ehe  des  Beschwerde-
führers und der Gesuchstellerin geschieden. Laut diesem Urteil wurde 
die elterliche Sorge für die beiden Kinder dem Beschwerdeführer über-
tragen. Nachdem dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz 
zur Vorbereitung der Eheschliessung bewilligt worden war, heiratete er 
am 19. Juli 2003 in Zürich eine Schweizer Bürgerin. Daraufhin wurde 
ihm  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt.  Am  7.  Juni  2006  stellte  der 
Beschwerdeführer  ein Gesuch um Familiennachzug für  seine beiden 
Kinder, welche seit seiner Einreise in die Schweiz von seiner Mutter, 
E.X._______, betreut worden waren. In der Folge reisten die beiden 
Kinder am 26. Oktober 2006 im Familiennachzug in die Schweiz ein. 
Anfang Oktober  2007 zog die Schweizer  Ehefrau aus  der  ehelichen 
Wohnung aus.

B.
Am 15. November 2007 ersuchte die Gesuchstellerin bei der schwei-
zerischen Vertretung in Pristina/Kosovo um Erteilung eines Besucher-
visums, um ihren Ex-Ehemann und die beiden gemeinsamen Kinder 
während dreier Monate besuchen zu können. Nach formloser Verwei-
gerung des Visums überwies die Auslandvertretung das Gesuch zur 
Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz.

C.
Nachdem das Migrationsamt beim Gastgeber weitere Auskünfte ein-
geholt  hatte,  wies  die  Vorinstanz  das  Visumsgesuch  mit  Verfügung 
vom 17. Januar 2008 ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen 
aus, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerin aufgrund der politi-
schen  und  sozioökonomischen  Verhältnisse  im  Herkunftsland  sowie 

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wegen ihrer persönlichen Verhältnisse nicht als gesichert  angesehen 
werden könne.

D.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. Februar 2008, die mit Schreiben vom 
21. Februar 2008 ergänzt wurde, beantragt der Beschwerdeführer, es 
sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und der Gesuchstellerin 
die  Einreise  zu  Besuchszwecken  für  einen  Aufenthalt  von  drei 
Monaten zu bewilligen. Als Begründung bringt er im Wesentlichen vor, 
die  Gesuchstellerin  habe  ihre  Kinder  seit  ihrer  Ausreise  aus  der 
Schweiz 1998 (recte: 1999) nicht mehr besucht. Der persönliche Kon-
takt  habe  nur  durch  kurze  Besuche  der  Kinder  während  der  Ferien 
gepflegt  werden können. Die  Gesuchstellerin  und ihre Kinder  hätten 
ein Recht auf angemessenen Verkehr im Sinne von Art. 8 der Konven-
tion  vom 4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). Die Vorinstanz sei in der Begrün-
dung  der  Verfügung  mit  keinem  Wort  auf  die  Beziehung  zwischen 
Mutter und Kindern eingegangen. Ebenso wenig sei beachtet worden, 
dass gemäss dem Übereinkommen vom 20. November 1989 über die 
Rechte  des  Kindes  (SR  0.107;  nachfolgend  Kinderrechtekonvention 
bzw.  KRK)  die  Interessen  der  betroffenen  Kinder  zugunsten  des 
Kindeswohls vorrangig zu berücksichtigen seien.

E.
Mit Vernehmlassung vom 30. April  2008 beantragt die Vorinstanz die 
Abweisung der Beschwerde.

F.
Am 9. Juni 2008 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung der 
Vorinstanz Stellung.

G.
Mit Verfügung vom 17. September 2009 wurde dem Beschwerdeführer 
mitgeteilt,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  beabsichtige,  neben 
den  Asylakten,  die  den  Beschwerdeführer  und  die  Gesuchstellerin 
betreffen, auch die Akten des Migrationsamtes Zürich betreffend den 
Beschwerdeführer  und  seine  Kinder  bei  der  Beurteilung  zu  berück-
sichtigen. Ihm wurde Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äussern. Von 
dieser  Möglichkeit  machte  er  mit  Eingabe  vom  19.  Oktober  2009 
Gebrauch.

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H.
Auf den weiteren Akteninhalt  wird,  soweit  entscheiderheblich,  in  den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung  der  Ein-
reisebewilligung.  In  diesem  Bereich  entscheidet  das  Bundesverwal-
tungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach 
dem VwVG (Art. 37 VGG).

1.3 Der Beschwerdeführer  ist  gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  Be-
schwerde  berechtigt.  Auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte 
Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 - 52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

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3.
Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf 
Erteilung  eines  Visums.  Die  Schweiz  ist  daher  –  wie  alle  anderen 
Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Aus-
ländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver-
pflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid 
(vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).

4.
Verfahren, die bei Inkrafttreten der Verordnung vom 22. Oktober 2008 
über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  (VEV,  SR  142.204)  am 
12. Dezember 2008 (dem Datum auch des Inkrafttretens des Abkom-
mens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft,  der  Europäischen  Union  und  der  Europäischen  Gemein-
schaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, An-
wendung  und  Entwicklung  des  Schengen-Besitzstands  [SAA,  SR 
0.360.268.1])  hängig sind,  werden gemäss Art. 57 VEV nach neuem 
Recht fortgeführt (und damit insbesondere nach dem übergeordneten 
Schengen-Recht).

5.  
5.1 Zur  Einreise  in  den  Schengen-Raum  für  einen  Aufenthalt  von 
höchstens drei Monaten benötigen sogenannte Drittstaatsangehörige, 
d.h. Bürger  eines nicht  zu diesem Raum gehörigen Staates (vgl. zu 
den Schengen-Assoziierungsabkommen Anhang 1  Ziffer  1  des  Bun-
desgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.2]), gültige Reisedokumente, die zum Grenz-
übertritt berechtigen, und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. 
Art. 2 Abs. 1 VEV i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] 
Nr. 562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom 
15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten 
der  Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener  Grenzkodex 
bzw. SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32]; vgl. auch Art. 5 Abs. 1 
Bst. a AuG). Im Weiteren müssen sie den Zweck und die Umstände ih-
res beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende 
finanzielle  Mittel  verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK; vgl. auch Art. 5 
Abs. 1 Bst. b AuG). Sie dürfen zudem nicht im Schengener Informati-
onssystem (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und 
keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öf-

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fentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mit-
gliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK; vgl. auch Art. 5 
Abs. 1 Bst. c AuG). 

5.2 Ist nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen, verlangt Art. 5 
Abs. 2 AuG, dass die Wiederausreise gesichert  ist. Damit wird keine 
zusätzliche,  lediglich  im  nationalen  Recht  verankerte  Einreisevo-
raussetzung aufgestellt. Vielmehr handelt  es sich dabei  um dieselbe 
Fragestellung wie bei der nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderlichen 
Überprüfung des Aufenthaltszwecks. Die  Angabe des vorübergehen-
den Aufenthaltszwecks stellt  nämlich zugleich eine Absichtserklärung 
dar,  nach  Erfüllung  dieses  Zwecks  wieder  auszureisen.  So  verlangt 
insbesondere die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplo-
matischen  Missionen  und  die  konsularischen  Vertretungen,  die  von 
Berufskonsularbeamten  geleitet  werden  (GKI,  ABl.  C  326  vom 
22.12.2005,  S. 1–149),  im  Zusammenhang  mit  dem  Entscheid  über 
den Visumsantrag eine Einschätzung des Migrationsrisikos (vgl. ABl. 
C 326,  S. 10).  Im  Zusammenhang  mit  der  Überprüfung  des  Aufent-
haltszwecks kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung 
bezüglich  des Merkmals  der  gesicherten Wiederausreise  angeknüpft 
werden  (vgl.  hierzu  auch  die  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
C-1509/2008 vom 13. Februar 2009 sowie C-3013/2008 vom 14. Fe-
bruar 2009 jeweils E. 5.2 und E. 5.3).

6.
Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi-
sumspflicht  von  Drittstaatsangehörigen  vor.  Die  Verordnung  (EG) 
Nr. 539/2001  des  Rates  vom  15. März  2001  (ABl.  L 81  vom 
21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I 
und  II,  welche  jeweils  eine  Liste  von  Drittländern  enthalten.  In  An-
hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige 
beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten 
im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni-
gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be-
freit sind. Die junge, von der Schweiz anerkannte Republik Kosovo ist 
zwar weder in Anhang I  noch in Anhang II  aufgeführt. Als Drittstaat, 
der nicht in Anhang II aufgeführt ist, unterliegen seine Staatsangehöri-
gen jedoch der Visumspflicht.

7.
Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung eines Visums an die Gesuch-

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stellerin mit der Begründung, die fristgerechte Wiederausreise erschei-
ne nicht gesichert. 

7.1 Zur Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss 
das  Verhalten  des  Gesuchstellers  oder  der  Gesuchstellerin  im  Falle 
einer  Einreise  in  die  Schweiz  beurteilt  werden.  Da  es  sich  um  ein 
zukünftiges  Verhalten  handelt,  lassen  sich  dazu  in  der  Regel  keine 
gesicherten  Feststellungen,  sondern  lediglich  Voraussagen  machen. 
Dabei sind sämtliche Umstände des Einzelfalles zu würdigen.

7.2 Anhaltspunkte  zur  Beurteilung der  fristgerechten Wiederausreise 
können sich aus der allgemeinen Lage im Herkunftsland der Gesuch-
stellerin  oder des Gesuchstellers  ergeben. Dabei  rechtfertigt  es sich 
durchaus, Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten 
bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungün-
stigen Verhältnissen von vornherein mit  Zurückhaltung zu begegnen, 
da die  persönliche Interessenlage in  solchen Fällen  häufig  nicht  mit 
dem Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich  befristeten  Einreisebewilligung  in 
Einklang steht.

7.2.1 Die  Gesuchstellerin  lebt  in  der  inzwischen  unabhängigen  und 
von der Schweiz als Staat anerkannten Republik Kosovo. Die Sicher-
heitslage in dieser Region konnte zwar im Verlaufe der letzten Jahre 
weitgehend stabilisiert werden und der Wiederaufbau von Administra-
tion  und  Infrastruktur  ist  unter  Beteiligung  internationaler  Organisa-
tionen und Staatengemeinschaften in Gang gekommen. In wirtschaft-
licher Hinsicht  ist  das Land jedoch eines der ärmsten in  Europa; es 
herrscht wirtschaftliche Stagnation und die Arbeitslosigkeit bleibt hart-
näckig  hoch.  So  sind  mehr  als  die  Hälfte  der  Erwerbsfähigen  ohne 
oder  zumindest  ohne  regelmässiges  Einkommen.  Zudem  stellt  die 
Armut  ein  weitverbreitetes  Phänomen  dar:  Der  Anteil  der  in  Armut 
lebenden Bevölkerung lag im Jahr 2008 bei hohen rund 45 %, wobei 
15 % der Einwohner gar von extremer Armut betroffen waren (Quelle: 
Weltbank,  www.worldbank.org  >  Countries  >  Kosovo  >  Overview  > 
Kosovo Brief 2009, Stand: April  2009, besucht am 8. Oktober 2009). 
Vor diesem Hintergrund  besteht  bei  vielen  Bürgern  des  Kosovo der 
Wunsch, ins Ausland zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebens-
bedingungen eine bessere Existenz zu schaffen. Der Trend zeigt sich 
erfahrungsgemäss  dort  besonders  stark,  wo  durch  die  Anwesenheit 
von Verwandten oder Freunden bereits ein minimales soziales Bezie-
hungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schweiz führt dies ange-

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sichts  der  restriktiven  ausländerrechtlichen  Zulassungsregelungen 
nicht selten zur Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmungen. Dabei 
geht  es  nicht  allein  um  die  Einreichung  von  Asylgesuchen  nach 
erfolgter Einreise, sondern auch um andere Versuche, den Aufenthalt 
zu verlängern und auf eine migrationsrechtliche Grundlage zu stellen, 
wie  beispielsweise  durch  die  Aufnahme  einer  Ausbildung  oder  eine 
Heirat.

7.2.2 Angesichts der schwierigen Lage im Herkunftsland der Gesuch-
stellerin ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Risiko einer 
nicht fristgerechten Wiederausreise allgemein als hoch einschätzte. 

7.3 Bei  der Risikoanalyse sind allerdings nicht  nur solch allgemeine 
Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte 
des  konkreten Einzelfalles  zu  berücksichtigen. Obliegt  dem Gesuch-
steller oder der Gesuchstellerin beispielsweise eine besondere beruf-
liche,  gesellschaftliche oder  familiäre  Verantwortung,  so  kann dieser 
Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederaus-
reise begünstigen. Umgekehrt muss bei Gesuchstellern und Gesuch-
stellerinnen,  die  in  ihrer  Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen 
haben, das Risiko, dass sie sich nach einer bewilligten Einreise nicht 
gemäss  den  fremdenpolizeilichen  Regeln  verhalten,  als  hoch  einge-
schätzt werden.

7.4 Bei  der  Gesuchstellerin  handelt  es  sich  um eine  38jährige,  ge-
schiedene Frau. Als berufliche Tätigkeit gab sie Hausfrau an. Aus den 
Angaben, die der Beschwerdeführer gegenüber der kantonalen Migra-
tionsbehörde  gemacht  hat,  geht  zudem  hervor,  dass  sie  bei  ihren 
Eltern lebt. Weitere Angaben zur Situation der Gesuchstellerin in ihrem 
Heimatland sind den Akten nicht zu entnehmen. Es sind damit keine 
beruflichen, gesellschaftlichen oder familiären Verpflichtungen ersicht-
lich, welche die Gesuchstellerin nachhaltig von einer Emigration abhal-
ten könnten.

7.5
7.5.1 Im  vorliegenden  Fall  ist  im  Weiteren  die  Vorgeschichte  der 
betroffenen Familie zu berücksichtigen. Ein erstes Asylgesuch des Be-
schwerdeführers  ist  aus  dem  Jahr  1996  aktenkundig.  Anfang  1999 
stellten  die  Gesuchstellerin  und  ihr  damaliger  Ehemann,  der  Be-
schwerdeführer, Asylgesuche in der Schweiz, welche am 1. September 
1999  abgelehnt  wurden.  Die  Gesuchstellerin  verliess  die  Schweiz 
kurze Zeit später, der Beschwerdeführer erst nach neun Monaten. Wie 

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im  Sachverhalt  erwähnt  (Buchstaben  A.b  und  B.) liess  sich  der 
Beschwerdeführer am 9. April 2003 von der Gesuchstellerin scheiden 
und  reiste  in  die  Schweiz,  um  am  19.  Juli  2003  eine  Schweizer 
Bürgerin  zu  heiraten.  Ende  Oktober  2006  reisten  die  gemeinsamen 
Kinder des Beschwerdeführers und der Gesuchstellerin, die durch das 
Scheidungsurteil unter die elterliche Sorge des Vaters gestellt worden 
waren, im Familiennachzug in die Schweiz ein. Anfang Oktober 2007 
zog die Schweizer Ehefrau aus der ehelichen Wohnung aus. Nur kurze 
Zeit später reichte die Gesuchstellerin das Einreisegesuch ein.

7.5.2 Für  den  Beschwerdeführer,  der  nachweislich  zwei  Asylge-
suche – 1996 und 1999 – gestellt hatte, bevor er sich im Jahre 2003 
von  der  Gesuchstellerin  scheiden  liess  und  kurze  Zeit  später  eine 
Schweizer Bürgerin heiratete, war offenbar die Erlangung des Aufent-
haltsrechts für sich und die später nachgezogenen Kinder ein vorrangi-
ges Ziel. Es stellt  sich deshalb die Frage, ob die Interessenlage der 
Gesuchstellerin  (angeblich  Besuch  der  Kinder)  mit  einem  zeitlich 
begrenzten  Besuchervisum  in  Einklang  steht.  Hierbei  ist  neben  der 
bereits  erwähnten  zeitlichen  Abfolge  zu  berücksichtigen,  dass  die 
Gesuchstellerin  ihr  Einreisegesuch  nur  gut  einen  Monat  nach  dem 
Auszug der Schweizer Ehefrau aus der gemeinsamen Wohnung stellte. 
Es  kann  –  nicht  zuletzt  aufgrund  von  Erfahrungen  in  ähnlich  gela-
gerten  Fällen  –  vorliegend  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  die 
Gesuchstellerin und der Gastgeber auf dem Weg über ein Besucher-
visum die Wiederaufnahme des Zusammenlebens in der Schweiz an-
streben.  Bestärkt  werden  diese  Zweifel  am  Aufenthaltszweck  auch 
durch Schreiben der  Schweizer  Ehefrau,  die  sich  in  den kantonalen 
Akten befinden. Darin legt diese ihre Überzeugung dar, der Beschwer-
deführer  habe sie  nur  geheiratet,  um für  sich  und seine Kinder  den 
Aufenthalt  in der Schweiz zu sichern. Diese Schreiben mögen – wie 
der Beschwerdeführer hervorhebt – einseitig die Sicht der Ehefrau dar-
stellen; sie sind jedoch nicht dazu geeignet,  die Zweifel am angege-
benen Zweck der Einreise der Gesuchstellerin zu zerstreuen. 

7.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die fristgerechte Wiederaus-
reise der Gesuchstellerin nicht gesichert  erscheint. Dabei handelt  es 
sich  nicht  um  eine  sichere  Erkenntnis,  sondern  um  eine  Prognose 
betreffend das zukünftige Verhalten der Gesuchstellerin im Falle ihrer 
Einreise  in  die  Schweiz. Praxisgemäss  genügt  jedoch  eine  negative 
Prognose, um den Antrag auf Erteilung einer Einreisebewilligung, wor-
auf wie erwähnt ohnehin kein Anspruch besteht, abzulehnen.

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8.
Dem öffentlichen Interesse an der Einhaltung der Einreisevorschriften 
steht  das  Interesse  der  Gesuchstellerin  und  ihrer  in  der  Schweiz 
lebenden  Kinder  an  einem  von  staatlichen  Eingriffen  ungestörten 
Familienleben gegenüber, welches in allgemeiner Weise durch Art. 13 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999 (BV, SR 101) und Art. 8 EMRK geschützt wird.

8.1 In der Beschwerdeschrift wird diesbezüglich geltend gemacht, die 
Gesuchstellerin  habe  seit  ihrer  Ausreise  aus  der  Schweiz  im  Jahre 
1998 (recte: 1999)  ihre  Kinder  nicht  mehr  besuchen können. Mutter 
und  Kinder  hätten  aufgrund  von  Art.  8  EMRK,  der  das  Privat-  und 
Familienleben  schütze,  das  Recht  auf  angemessen  Kontakt.  Der 
Rechtsvertreter  weist  auf  die  Praxis  des  Bundesgerichts  im Zusam-
menhang  mit  Aufenthaltsbewilligungen  hin,  wonach  ein  dauernder 
Aufenthalt  nicht  erforderlich sei,  dass Art. 8  EMRK vielmehr  genüge 
getan  sei,  wenn  die  Beziehung  mittels  Besuchsaufenthalte  gepflegt 
werden  könne.  Es  wird  geltend  gemacht,  aus  der  angefochtenen 
Verfügung gehe kein erhöhtes öffentliches Interesse hervor, welches 
einen  Eingriff  in  den  Schutzbereich  von  Art. 8  EMRK  rechtfertigen 
könnte. Zudem verpflichte  die  Kinderrechtekonvention  die  Schweizer 
Behörden, das Kindeswohl bei ihren Entscheiden zu berücksichtigen.

8.2 Der  Schutzbereich  des  Familienlebens  im  Sinne  der  genannten 
Bestimmungen umfasst einerseits Konstellationen, in denen es um die 
Anwesenheitsregelung  bzw.  den  Aufenthaltsanspruch  von  Familien-
mitgliedern geht. Andererseits werden aber auch Konstellationen ab-
gedeckt, die keinen Zusammenhang mit einem Anwesenheitsanspruch 
haben  (dazu  MARTIN BERTSCHI/THOMAS GÄCHTER,  Der  Anwesenheits-
anspruch  aufgrund  der  Garantie  des  Privat-  und  Familienlebens, 
Schweizerisches  Zentralblatt  für  Staats-  und  Verwaltungsrecht  [ZBl] 
2003 S. 241; BGE 131 II 265 E. 5). Im vorliegenden Fall geht es um 
den  persönlichen  Kontakt  zwischen  der  Gesuchstellerin  und  ihren 
beim Vater in der Schweiz lebenden Kindern, von denen eines noch 
minderjährig ist. Die Pflege eines solchen Kontaktes im Rahmen von 
Besuchsaufenthalten  kann  in  den  Schutzbereich  von  Art.  8  EMRK 
fallen  (vgl.  das  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.10/2001  vom  11.  Mai 
2001 E. 2b). Die EMRK bzw. die Bundesverfassung garantieren jedoch 
kein Recht auf Einreise oder auf Verwirklichung von Familienleben an 
einem  bestimmten  Ort  (vgl. BGE  135  I  153  E.  2.1 mit  Hinweisen; 
STEPHAN BREITENMOSER in:  Bernhard  Ehrenzeller/Philippe  Mastronardi/ 

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Rainer  J. Schweizer/Klaus A. Vallender,  Die schweizerische Bundes-
verfassung, Zürich 2002, N. 25 zu Art. 13, JENS MEYER-LADEWIG, Europä-
ische Menschenrechtskonvention, Handkommentar, 2. Auflage, Baden-
Baden 2006, N. 25b zu Art. 8). Ein Eingriff in den Schutzbereich von 
Art. 8 EMRK läge allenfalls dann vor, wenn der persönliche Kontakt nur 
in der Schweiz möglich wäre. Dies trifft  vorliegend nicht zu und wird 
vom  Beschwerdeführer  zu  Recht  auch  nicht  geltend  gemacht.  Die 
Beziehung  zwischen  der  Gesuchstellerin  und  ihren  in  der  Schweiz 
lebenden  Kindern  wird  gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers 
mittels  Besuchen  der  Kinder  im  Heimatland  der  Gesuchstellerin 
gepflegt.  Aus  Art.  8  EMRK  kann  im  vorliegenden  Fall  somit  nichts 
zugunsten einer Einreise der Gesuchstellerin in die Schweiz abgeleitet 
werden. Zudem ist anzumerken, dass die Behauptung des Beschwer-
deführers,  die  Gesuchstellerin  habe  seit  ihrer  Ausreise  aus  der 
Schweiz  im  Jahre  1999  die  Kinder  nicht  mehr  in  der  Schweiz 
besuchen  können,  eine  unzutreffende  Verknüpfung  macht:  Zwar  hat 
die  Gesuchstellerin,  soweit  ersichtlich,  seit  1999  die  Schweiz  nicht 
mehr besucht. Allerdings geht aus den Akten hervor, dass die Kinder 
erst  am  26.  Oktober  2006,  also  vor  drei  Jahren,  in  die  Schweiz 
einreisten. Vorher  wäre  ein  Besuch  in  der  Schweiz  mit  der  Begrün-
dung, die Kinder sehen zu wollen, gar nicht möglich gewesen.

8.3 Gemäss  Kinderrechtekonvention  verpflichten  sich  die  Vertrags-
staaten insbesondere, das Kindeswohl bei allen Massnahmen, die (un-
mündige) Kinder (Art. 1 KRK) betreffen, vorrangig zu berücksichtigen 
(Art. 3 KRK) und die Kinder dazu anzuhören (Art. 12 KRK). Vorliegend 
ist  zunächst  fraglich,  ob  es sich  bei  der  Verweigerung der  Einreise-
bewilligung für  die Mutter  überhaupt  um eine die Kinder betreffende 
Massnahme im Sinne der  Konvention handelt,  die  eine Prüfung des 
Kindeswohls  und  gegebenenfalls  eine  Anhörung  der  betroffenen 
Minderjährigen erfordern würde. Diese Frage kann jedoch offen blei-
ben, da aus den Akten hervorgeht, dass die im Scheidungsurteil ange-
ordnete Sorgerechts- und Besuchsregelung einerseits auf Antrag der 
Eltern  und  andererseits  im  Lichte  des  Kindeswohls  ("weil  so  eine 
Entscheidung am besten für  die  Kinder  wäre."  Vgl. die  Übersetzung 
des  Scheidungsurteils  in  den  kantonalen  Akten)  getroffen  wurde. 
Diese Regelung sieht vor, dass die Kinder bei ihrem Vater leben und 
der  Mutter  ein  Besuchsrecht  an  jedem  ersten  Wochenende  des 
Monats eingeräumt wird. Die heutige Situation – die Kinder leben beim 
Vater  und  besuchen  die  Mutter  in  deren  Heimat  –  entspricht  somit, 
auch unter Berücksichtigung des vom sorgeberechtigten Beschwerde-

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führer getroffenen Entscheides, in der Schweiz zu leben, der gericht-
lich unter dem Blickwinkel des Kindeswohls angeordneten und von den 
Eltern offenbar damals gewünschten Regelung. Auch mit Blick auf das 
Kindeswohl  ergibt  sich  keine  Notwendigkeit,  der  Gesuchstellerin  die 
Einreise in die Schweiz zu ermöglichen.

9.
Aus diesen Gründen ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz 
der Gesuchstellerin die Einreise verweigerte. Das öffentliche Interesse 
an der Beachtung der geltenden ausländerrechtlichen Bestimmungen 
überwiegt das private Interesse der Gesuchstellerin, in die Schweiz zu 
reisen. Die angefochtene Verfügung ist daher rechtmässig (vgl. Art. 49 
VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m Art. 1 und Art. 3 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv S. 13)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Sie sind durch den am 19. März 2008 einbezahlten Kosten-
vorschuss gedeckt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. [...] und [...] zurück)
- das Migrationsamt des Kantons Zürich (Ref-Nr. [...])

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Barbara Kradolfer

Versand:

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