# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7fee4104-7c3c-5db4-9d1e-5c14cb2e8dd1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-07-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.07.2017 D-4821/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4821-2015_2017-07-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4821/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  J u l i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A.________, geboren am (…), 

Eritrea,   

(…)  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

Zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl) mit ihrer Tochter 

B._________, geboren am (…), Eritrea; 

Verfügung des SEM vom 29. Juni 2015 / N________ 

 

 

 

D-4821/2015 

Seite 2 

Sachverhalt:  

A.  

Am 18. April 2011 suchte die Beschwerdeführerin in der Schweiz um Asyl 

nach.  

Im Rahmen der Befragung zu ihrer Person vom 4. Mai 2011 gab sie unter 

anderem an, der Vater ihrer in Eritrea lebenden Tochter heisse C._____ 

und habe sie nicht mehr heiraten wollen, nachdem sie schwanger gewor-

den sei. Ihre Tochter B._______ lebe bei ihren Eltern und zwei ihrer 

Schwestern in D.______ bei E._______. Im Jahre 2007 habe sie einen an-

deren Mann nach Brauch geheiratet, den sie zuletzt im Jahre 2008 vor ihrer 

Flucht aus Eritrea gesehen habe. 

B.  

Mit Verfügung vom 9. September 2011 hiess das damals zuständige Bun-

desamt für Migration (BFM) das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 

18. April 2011 gut und gewährte ihr in der Schweiz Asyl.  

C.  

Mit Eingabe vom 17. April 2012 ersuchte die Beschwerdeführerin um Fa-

milienzusammenführung mit ihrer (bei den Grosseltern) in Eritrea lebenden 

Tochter B._______ 

D.  

Am 25. September 2012, 13. März 2013 und 26. April 2013 erkundigte sich 

die Beschwerdeführerin nach dem Verfahrensstand und reichte ergän-

zende Angaben zu den Lebensumständen der in Eritrea bei ihren Grossel-

tern lebenden Tochter B._______ ein. 

E.  

Mit Schreiben vom 8. Mai 2014 wies die Vorinstanz auf die grosse Arbeits-

last hin und entschuldigte sich für die daraus entstandene Verzögerung bei 

der Bearbeitung des Gesuches um Familienzusammenführung. Im Weite-

ren wies sie darauf hin, dass das Abstammungsverhältnis zwischen der 

Beschwerdeführerin und B.________ nicht eindeutig feststehe und schlug 

unter Angabe der konkreten Vorgehensweise die Vornahme eines diesbe-

züglichen DNA-Tests vor. Auch forderte die Vorinstanz die Beschwerdefüh-

rerin zur Einreichung von entsprechenden Dokumenten auf (u.a. Passfotos 

von B.________, Angaben zum biologischen Vater und dessen Einwilli-

gungserklärung zum Wegzug der Tochter). 

D-4821/2015 

Seite 3 

F.  

In ihrer Eingabe vom 27. Mai 2014 erkundigte sich die Beschwerdeführerin 

nach den Chancen ihrer Tochter, bei positivem DNA-Test eine Einreisebe-

willigung zu erhalten, da es sehr schwierig sei, diese zur Vornahme eines 

solchen Testes über die Grenze nach Äthiopien zu bringen. Zur Organisa-

tion einer solchen Reise benötige sie mehr Zeit, weshalb sie darum ersu-

che, auf die Einhaltung einer bestimmten Frist zur Einreichung eines DNA-

Tests zu verzichten. Im Weiteren gab die Beschwerdeführerin unter ande-

rem an, dass der Vater C.______., mit dem sie zusammen, aber nicht ver-

heiratet gewesen sei, auch Kontakt zur Tochter B.______ gehabt habe, in-

dessen ungefähr im Zeitpunkt ihrer Flucht aus Eritrea im Jahre 2008 ver-

storben sei. 

G.  

Mit Schreiben vom 2. Juni 2014 forderte das BFM die Einreichung von Be-

legen u.a. hinsichtlich Ableben des Vaters von B._______ und verlängerte 

die Frist zur Einreichung eines DNA-Tests bis zum 10. November 2014. 

H.  

Mit Eingabe vom 11. November 2014 machte die Beschwerdeführerin – 

ohne Einreichung entsprechender Dokumente – genauere Angaben zum 

Vater ihrer Tochter. Sie habe diesen im Jahre 2003 kennengelernt, sich 

aber nach acht Monaten Beziehung wieder von ihm getrennt, weil er ver-

heiratet gewesen sei, aber er habe sich trotzdem um die im Juni 2004 ge-

borene L. gekümmert, sie bei ihren Grosseltern besucht, wo B.______ auf-

gewachsen sei. Später habe sie erfahren, dass er 2008 im Krieg gefallen 

sei, er habe seine Ehefrau und sechs Kinder hinterlassen.  

I.  

Mit Schreiben vom 20. Mai 2015 wies das SEM die Beschwerdeführerin 

darauf hin, dass sie die erforderlichen Unterlagen noch nicht eingereicht 

habe und setzte hierzu nochmalige Frist bis zum 20. Juni 2015. 

J.  

Mit Eingabe vom 18. Juni 2015 reichte die Beschwerdeführerin einen Tauf-

schein im Original, Fotografien und Kopien (u.a. eine Verfügung eines Ge-

richts betreffend eine Erbschaft, ohne Übersetzung) ein. Im Weiteren gab 

sie an, sie habe erfahren, dass der Kindsvater zwischen 2008 und 2009 

bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. 

D-4821/2015 

Seite 4 

K.  

Mit – am 6. Juli 2015 eröffnetem – Entscheid vom 29. Juni 2015 verwei-

gerte das SEM die Einreise in die Schweiz und lehnte das Gesuch um Fa-

milienasyl ab. 

L.  

Mit Eingabe vom 5. August 2015 an das Bundesverwaltungsgericht erhob 

die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung Beschwerde. Sie bean-

tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihrer Tochter 

B._______ die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und ihre Flüchtlings-

eigenschaft festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter 

Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. 

M.  

Mit Eingabe vom 7. August 2015 wurde der Nachweis der Bedürftigkeit der 

Beschwerdeführerin erbracht. 

N.  

Am 12. August 2015 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

O.  

Mit Eingabe vom 25. August 2015 wurde die Übersetzung des im vor-

instanzlichen Verfahren bereits in Kopie eingereichten Gerichtsdokumen-

tes und im Weiteren ein ärztliches Zeugnis eingereicht, wonach die Be-

schwerdeführerin unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leide.  

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. September 2015 wurde das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 

Abs.  1  VwVG gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses verzichtet.  

Q.  

In ihrer Vernehmlassung vom 16. September 2015 beantragte die Vor-

instanz die Abweisung der Beschwerde. 

R.  

Nach gewährter Fristerstreckung nahm die Beschwerdeführerin in ihrer 

Replik vom 21. Oktober 2015 Stellung zur Argumentation der Vorinstanz. 

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Seite 5 

S.  

Mit Eingabe vom 17. Dezember 2015 reichte die Beschwerdeführerin die 

Todesurkunde des  Vaters von B._______ in Kopie samt Übersetzung ein. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden als 

Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Um-

stände dagegen sprechen (Art. 51 Abs. 1 AsylG). Diese Bestimmung zielt 

auf die Mitglieder der Kernfamilie ab, welche mit einem Flüchtling in die 

Schweiz eingereist sind, ihrerseits aber keine eigenen Asylgründe im Sinne 

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Seite 6 

von Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend machen können, sondern sich auf der Ba-

sis ihrer Familienbande ebenfalls auf die Gesuchsgründe des Flüchtlings 

abstützen.  

3.2 Von diesem Anspruch auf derivative Anerkennung als Flüchtling ist je-

ner auf Erteilung einer Einreisebewilligung für die genannten Familienmit-

glieder im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG zu unterscheiden. Diese Norm 

bestimmt, dass jenen Personen, welche aufgrund ihrer persönlichen Be-

ziehung (im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG) einen Anspruch auf Einbezug 

in die Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl haben, auf Ge-

such hin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist, wenn sie sich noch 

im Ausland befinden und sie durch die Flucht getrennt wurden. Diese Be-

stimmung zielt damit auf Mitglieder der Kernfamilie ab, welche aufgrund 

der Umstände der Flucht von der in der Schweiz als Flüchtling anerkannten 

Person getrennt wurden. Darunter fallen unter anderem die Ehegatten und 

Konkubinatspartner von Flüchtlingen, welche sich noch im Heimatstaat be-

finden oder erst einen Drittstaat erreicht haben. Diesen ist – im Sinne eines 

asylrechtlichen Familiennachzuges respektive der Familienzusammenfüh-

rung – die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, jedoch ebenfalls nur dann, 

wenn eine Trennung durch die Fluchtumstände stattgefunden hat. Als „con-

ditio sine qua non" muss zum Zeitpunkt der Flucht eine Familiengemein-

schaft bestanden haben. Zweck von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist somit alleine 

die Wiedervereinigung von vorbestandenen Familiengemeinschaften. 

Keine Einreisebewilligung erhalten hingegen Personen, die zum Zeitpunkt 

der Flucht mit dem Flüchtling noch keine effektiv gelebte familiäre Bezie-

hung lebten oder keine solche mehr unterhielten (BVGE 2012/32 E. 5). 

4.  

4.1 Das SEM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen 

damit, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, ihre Vorbringen 

glaubhaft zu machen. 

So habe die Beschwerdeführerin keinerlei Dokumente mit Beweiskraft ein-

gereicht, mit denen insbesondere die Elternschaft betreffend B.______ so-

wie die Identität und das Ableben des angeblichen Kindsvaters  belegt oder 

zumindest glaubhaft gemacht werden könnten (u.a. Zivilregisterauszug 

über die Geburt und die Eltern von B._______., Todesurkunde). Sie habe 

lediglich eine Geburtsurkunde und Fotos von B.______, ein kaum erkenn-

bares Foto des Kindsvaters und eine nicht leserliche Kopie eines beschä-

digten Ausweises von C._______ und eine Verfügung eines Gerichts be-

treffend einer Erbschaft eingereicht. Der Einwand der Beschwerdeführerin 

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Seite 7 

in der Stellungnahme vom 18. Juni 2015, wonach sie ohne Einzahlung ei-

ner Summe von 2% ihres Einkommens den Geburtsregisterauszug betref-

fend L. nicht erhalten würde, entspreche nicht den Tatsachen und sei als 

nachgeschobene Schutzbehauptung zu betrachten. Es sei weder ersicht-

lich noch von der Beschwerdeführerin näher erläutert worden, weshalb sie 

die Auszüge aus dem Zivilstandsregister nicht über ihre Kontakte zu den 

beiden Familien in Eritrea habe einholen und übermitteln lassen können. 

Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin in wesentlichen Punkten wider-

sprüchliche Angaben gemacht. So habe sie in ihrer Eingabe vom 11. No-

vember 2014 angegeben, C._______ sei ungefähr 2008 im Krieg gefallen, 

indessen in einer weiteren Stellungnahme vom 18. Juni 2015 geltend ge-

macht, C.______. sei zwischen 2008 und 2009 bei einem Autounfall ums 

Leben gekommen.  

Im Weiteren sei fraglich, ob überhaupt von einer schützenswerten Mutter-

Kind-Beziehung ausgegangen werden könne, welche bereits in Eritrea ge-

lebt und durch Flucht getrennt worden sei, welche auch nach der Flucht im 

Rahmen der Möglichkeiten aufrechterhalten worden sei und welche in ge-

genseitigem Einvernehmen hätte fortgeführt werden sollen. So sei nach 

den Angaben der Beschwerdeführerin B______. nicht bei der Beschwer-

deführerin in (…) , sondern von Geburt an bis heute  bei ihren Grosseltern 

in (…) aufgewachsen. Die Beschwerdeführerin habe ihr Vorbringen, trotz 

der räumlichen Distanz in den ersten vier Lebensjahren ihrer Tochter zwi-

schen 2004 bis zur Flucht im Jahre 2008 eine Beziehung zu ihr gepflegt zu 

haben, weder hinreichend geschildert noch in irgendeiner Weise, beispiels-

weise durch Fotografien, belegt. Im Weiteren sei zu bezweifeln, ob die Be-

schwerdeführerin wie geltend gemacht nach ihrer Flucht aus Eritrea im 

Jahre 2008 überhaupt noch Kontakt mit ihrer Tochter gehabt habe. Ge-

mäss dem Schreiben vom 11. November 2014 habe C.______, so lange 

er gelebt habe, B.______ bei ihren Grosseltern besucht und Geld für den 

Lebensunterhalt von B.______ gesendet. Somit hätten die Grosseltern von 

B._______ bereits 2009 vom Ableben von C.________ erfahren haben 

müssen. Indessen habe die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme 

vom 18. Juni 2015 angegeben, erst im Jahre 2012 über ihre Eltern von 

dessen Tod Kenntnis erlangt zu haben. Daraus könne geschlossen, dass 

die Beschwerdeführerin seit ihrer Flucht im Jahre 2008 bis 2012 überhaupt 

keinen Kontakt zu ihren Eltern und ihrer Tochter gehabt habe. Fraglich er-

scheine auch, ob das Gesuch um Familiennachzug für B.______ über-

haupt je dem Willen der Beschwerdeführerin beziehungsweise angesichts 

der Entwicklung ihrer Lebenssituation in der Schweiz immer noch ihrem 

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Seite 8 

Willen entspreche, habe diese doch die notwendigen Informationen und 

Belege nur schleppend und unvollständig oder gar nicht erbracht. 

4.2 Auf Beschwerdeebene entgegnete die Beschwerdeführerin, dass sie 

mit Eingabe vom 18. Juni 2015 den Taufschein ihrer Tochter B.______ – 

worin sie als Mutter und C._______ als Vater von B._______ aufgeführt 

seien – im Original nachgereicht habe, dieser indessen, wie auch die Kopie 

des eingereichten Gerichtsdokumentes, vom SEM in der angefochtenen 

Verfügung nicht gewürdigt worden seien. Der Notwendigkeit einer Überset-

zung der Dokumente sei sie sich nicht bewusst gewesen. Da sie selber 

kaum lesen könne, kenne sie den vollständigen Inhalt des Gerichtsdoku-

mentes nicht. Sie wisse nur, dass darin bestätigt werde, dass L. gleich wie 

die anderen, ehelichen Kinder von G.G. erbberechtigt seien, womit der Tod 

von C._______ feststehe. Ihre Angabe, wonach C._______ im Krieg ge-

storben sei, sei auf ein sprachliches Missverständnis zurückzuführen, sie 

habe gemeint, C._______ sei Militärangehöriger gewesen, als er gestor-

ben sei. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe sie auch nach ihrer 

Flucht den Kontakt zu ihren Eltern und zu  B.______ aufrechterhalten, sich 

jedoch nie nach C._______ erkundigt. Im Weiteren habe sie sehr wohl in 

den ersten vier Lebensjahren ihrer Tochter eine innige Beziehung mit die-

ser gehabt, sei jedoch aufgrund ihrer beruflichen Situation gezwungen ge-

wesen, B._______ bei ihren Eltern aufwachsen zu lassen. Auch habe sie 

entgegen der Vermutung der Vorinstanz stets ein Interesse an einer Ein-

reise ihrer Tochter in die Schweiz gehabt und habe dieses weiterhin, auch 

wenn sie sich als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern in der Schweiz 

in einer schwierigen Situation befinde. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, 

dass das SEM nur mit Verzögerung und nur unvollständig Einsicht in ihre 

Asylakten gewährt habe. Daher seien ihre Möglichkeiten, sich fachkundig 

beraten zu lassen und ihre Beschwerde hinreichend zu begründen, einge-

schränkt gewesen. Sie behalte sich daher vor, ihre Beschwerde zu ergän-

zen.  

4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt das SEM hinsichtlich der Rüge der ver-

zögerten und unvollständigen Akteneinsicht fest, die am 16. Juli 2015 beim 

SEM beantragte Akteneinsicht sei mit nur geringer zeitlicher Verzögerung 

am 23. Juli 2015 erfolgt. Die Zustellung weiterer Unterlagen am 3. August 

2015 per Telefax habe nur Aktenstücke betroffen, welche der Beschwerde-

führerin beziehungsweise der F._______ bereits bekannt gewesen seien 

und ohne Weiteres selbst und früher der G.______ hätten zugestellt wer-

den können beziehungsweise welche letztere bereits zwischen dem 

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Seite 9 

24. und 27. Juli 2015 und damit mindestens eine Woche früher erneut beim 

SEM hätte anfordern können.  

Im Weiteren hielt die Vorinstanz fest, dass Taufurkunden der eritreisch-or-

thodoxen Kirchen wie auch andere Dokumente aus Eritrea mangels Fäl-

schungssicherheit nur ein eingeschränkter Beweiswert zukomme. Die 

Feststellung in der angefochtenen Verfügung, wonach die Beschwerdefüh-

rerin betreffend Identität ihrer Tochter und des Kindsvaters und dessen Ab-

lebens keine Dokumente mit der nötigen Beweiskraft eingereicht hätten, 

impliziere, dass auch der Beweiswert der eingereichten Taufurkunde gering 

sei, zumal es sich mit Blick auf den offensichtlich gedruckten Stempel tat-

sächlich nicht um ein authentisches Dokument handle. Auch sei zu vermu-

ten, dass das Original des richterlichen Beschlusses nicht echt sei, da bei-

spielsweise zwar ID-Nummern der genannten Zeugen aufgeführt seien, je-

doch zum Erblasser jegliche Angaben fehlen würden und das Datum auf 

Seite 1 oben rechts auf „13. Februar 2009“ laute, obwohl der Beschluss 

gemäss Angabe auf Seite 2 am 24. Februar 2009 gefasst worden sei. Im 

Weiteren sei die Behauptung der Beschwerdeführerin in der Beschwerde, 

wonach trotz angeblich regelmässigen Kontakten zu ihren Eltern und ihrer 

Tochter zwischen 2008 und 2012 über den Kindsvater, der sich bis zu sei-

nem Tod in persönlicher und finanzieller Hinsicht um seine Tochter geküm-

mert habe, nie gesprochen worden sei, klar realitätsfremd. Ohnehin sei zu 

bezweifeln, dass ein Nachzug in die Schweiz mit den damit verbundenen 

Anpassungsschwierigkeiten nach einer Trennungsdauer von mindestens 

sieben Jahren und aufgrund der aktuellen Lebenssituation der Beschwer-

deführerin (alleinerziehende Mutter von zwei Kleinkindern, psychische und 

physische Schwierigkeiten, sozialhilfeabhängig) dem Wohl des heute elf-

jährigen Kindes zuträglich wäre. 

4.4 In ihrer Replik machte die Beschwerdeführerin geltend, dass die ver-

schiedenen Daten auf dem Gerichtsdokument wohl Ausdruck verschiede-

ner Verfahrensschritte seien. In der Zwischenzeit habe ihr Cousin von der 

Witwe von C.______. eine Kopie des Todesscheines erhalten, wobei diese 

das Original nicht herausgeben wolle. Sie telefoniere regelmässig mit ihrer 

Tochter und selbstverständlich wolle auch diese mit ihrer Mutter zusammen 

sein, daran ändere auch die lange unfreiwillige Trennung nichts. Schliess-

lich sei das Kriterium der besonderen Umstände, welche gegen das Fami-

lienasyl sprechen würden (Art. 51 Abs. 1 AsylG) und das von der Vorinstanz 

in diesem Zusammenhang zitierte Urteil E-7057/2015 auf ihren Fall nicht 

übertragbar, weil in ihrem Fall nicht beide anspruchsberechtigte Personen 

in der Schweiz leben würden. 

D-4821/2015 

Seite 10 

 

5.  

5.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht und mit zutref-

fender Begründung die Voraussetzungen für eine Familienzusammenfüh-

rung als nicht erfüllt erachtet. Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe 

vermögen zu keiner anderen Beurteilung zu führen. 

5.2 Als erstes ist festzuhalten, dass das SEM, wenn auch mit geringer Ver-

zögerung, der Beschwerdeführerin vollumfänglich Einsicht in ihre Asylak-

ten gewährt hat. Es ist nicht ersichtlich, dass aufgrund der geringen zeitli-

chen Verzögerung, wie in der Beschwerde behauptet, die Möglichkeit der 

Beschwerdeführerin, sich fachkundig beraten zu lassen und ihre Be-

schwerde hinreichend zu begründen, eingeschränkt gewesen sein sollten, 

zumal die fristgerecht eingereichte Beschwerde hinreichend und umfas-

send begründet ist und nach Ablauf der Beschwerdefrist keine inhaltliche 

Ergänzung der Beschwerde erfolgte.  

Im Weiteren hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung entgegen 

der Behauptung in der Beschwerde sowohl den Taufschein ihrer Tochter B. 

______– vom SEM als Geburtsurkunde bezeichnet – als auch das in Kopie 

eingereichte Gerichtsdokument erwähnt und insofern gewürdigt, als es 

zum Schluss kam, dass die eingereichten Dokumente nicht beweistauglich 

seien.  

5.3 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bis 

zum heutigen Zeitpunkt ohne plausiblen Grund keine beweistauglichen Do-

kumente eingereicht hat, welche das Abstammungsverhältnis mit 

B._______ und den Tod des Kindsvaters C._______ hinreichend belegen 

würden. Wie das SEM zutreffend erläutert hat, handelt es sich bei den ein-

gereichten Beweismitteln lediglich um Kopien von Dokumenten von teils 

fragwürdigem Inhalt (u.a. Gerichtsdokument). Dies trifft auch auf die im 

Verlauf des Beschwerdeverfahrens eingereichte Todesurkunde zu. Im Wei-

teren hat die Beschwerdeführerin widersprüchliche Angaben zu den Todes-

umständen von C._______ gemacht. So hat sie in ihrer Eingabe vom 11. 

November 2014 angegeben, C.______ sei ungefähr 2008 im Krieg gefal-

len, indessen in einer weiteren Stellungnahme vom 18. Juni 2015 geltend 

gemacht, C.______ sei zwischen 2008 und 2009 bei einem Autounfall ums 

Leben gekommen. Diesen offensichtlichen Widerspruch vermochte die Be-

schwerdeführerin auf Beschwerdeebene mit ihrem nicht überzeugenden 

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Seite 11 

Erklärungsversuch, wonach ihre Angabe, C.______. sei im Krieg gestor-

ben, auf ein sprachliches Missverständnis zurückzuführen sei, sie habe ge-

meint, C._______ sei Militärangehöriger gewesen, als er gestorben sei, 

nicht zu beseitigen. 

5.4 Im Weiteren ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen glaubhaft 

darzulegen, dass ihre Beziehung zu B.______ bereits in Eritrea gelebt, 

durch die Flucht getrennt und auch nach der Flucht ihm Rahmen der Mög-

lichkeiten aufrechterhalten wurde. Zwar gibt sie an, ihre Tochter habe we-

gen ihrem weit entfernten Arbeitsort bei ihren Eltern aufwachsen müssen 

und sie habe trotz der räumlichen Entfernung eine innige Beziehung mit 

B._______ gehabt, jedoch ohne diese Behauptung zu konkretisieren oder 

mit entsprechenden Fotografien zu belegen. Zudem ist mit der Vorinstanz 

zu bezweifeln, ob die Beschwerdeführerin wie geltend gemacht nach ihrer 

Flucht aus Eritrea im Jahre 2008 überhaupt noch Kontakt mit ihrer Tochter 

gehabt hat. Aufgrund der Angabe der Beschwerdeführerin im Schreiben 

vom 18. Juni 2015, wonach sie erst im Jahre 2012 über ihre Eltern – welche 

von C.________ wegen L. regelmässig besucht worden seien – Kenntnis 

vom Tod von C._______ erlangt habe, erscheint ein reger Kontakt mit ihren 

Eltern und ihrer Tochter zumindest wenig wahrscheinlich. Die Entgegnung 

der Beschwerdeführerin, wonach sie ihre Eltern nie nach C.______ gefragt 

habe, vermag nicht zu überzeugen.  

5.5 Aus diesen Erwägungen folgt, dass die Voraussetzungen einer Einrei-

sebewilligung zwecks Familienasyl im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG vor-

liegend nicht erfüllt sind. Ob der Beschwerdeführerin die Familienzusam-

menführung mit ihrer Tochter allenfalls nach Massgabe der ausländerrecht-

lichen Bestimmungen – und im Lichte von Art. 8 EMRK – bewilligt werden 

kann, ist nicht im Asylverfahren zu prüfen, sondern von der zuständigen 

kantonalen Migrationsbehörde (vgl. dazu EMARK 2006 Nr. 8 E. 3.2). 

6.  

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM zu Recht das Gesuch um 

Familienzusammenführung beziehungsweise um Bewilligung der Einreise 

in die Schweiz und Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 

Abs. 1 und 4 AsylG abgelehnt hat. Die angefochtene Verfügung ist daher 

zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen. 

7.  

Nach der Abweisung der Beschwerde wären der Beschwerdeführerin 

D-4821/2015 

Seite 12 

grundsätzlich Kosten aufzuerlegen (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da in-

dessen das mit der Beschwerde eingereichte Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenver-

fügung vom 1. September 2015 gutgeheissen wurde und von der weiterhin 

bestehenden Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen ist, sind 

keine Verfahrenskosten zu erheben.  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter:   Der Gerichtsschreiber: 

 

 

Bendicht Tellenbach   Daniel Merkli 

 

  

  

  

Versand: