# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac3f5e2d-a68d-5228-904c-2aeff861354e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-30
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 30.05.2024 200 2022 508
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-508_2024-05-30.pdf

## Full Text

200 22 508 IV
KNB/SCC/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 30. Mai 2024

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
vertreten durch B.________, Rechtsanwältin C.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 11. Juli 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1984 in … geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdefüh-
rer) reiste am ... Oktober 2011 in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl, 
was ihm mit Entscheid vom ... März 2012 gewährt wurde (Akten der Invali-
denversicherung [act. II] 1, 62/24). Er meldete sich am 17. März 2021 bei 
der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leis-
tungen der Invalidenversicherung an (act. II 1). Die IVB veranlasste eine 
bidisziplinäre (internistische und psychiatrische) Begutachtung durch die 
MEDAS D.________ (MEDAS-Gutachten vom 24. November 2021 [act. II 
53.1]). Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
reichte den Bericht vom 21. Dezember 2021 ein (act. II 58/2 f.). Weiter hol-
te die IVB im Rahmen der Amtshilfe die Akten zum Asylverfahren ein (act. 
II 63, 65). Mit Vorbescheid vom 18. Februar 2022 stellte die IVB die Ableh-
nung des Leistungsbegehrens in Aussicht mit der Begründung, die Ab-
klärungen hätten ergeben, dass gestützt auf die gutachterliche Beurteilung 
der "Eintritt Versicherungsfall Rente" spätestens im Januar 2014 eingetre-
ten und zu diesem Zeitpunkt die dreijährige Beitragszeit nicht erfüllt gewe-
sen sei (act. II 66). Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch 
B.________, am 21. März 2022 Einwand (act. II 71, 74) und reichte den 
Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. E.________ vom 11. März 
2022 (act. II 71) ein. In der Folge holte die IVB eine Stellungnahme der 
MEDAS D.________-Gutachter vom 13. Juni 2022 (act. II 81) ein. Der Ver-
sicherte nahm am 4. Juli 2022 nochmals Stellung, zusammen mit dem Be-
richt des behandelnden Psychiaters Dr. med. E.________ vom 1. Juli 2022 
(act. II 86). Mit Verfügung vom 11. Juli 2022 lehnte die IVB den Anspruch 
auf eine Rente ab (act. II 87).

B.

Mit Eingabe vom 1. September 2022 (Postaufgabe: 2. September 2022) 
erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin C.________, 
B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde. Er 

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beantragt, die Verfügung vom 11. Juli 2022 sei aufzuheben. Nach Vornah-
me der notwendigen Abklärungen seien dem Beschwerdeführer die gesetz-
lichen Leistungen auszurichten. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege 
zu gewähren.

Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2022 beantragt die IVB die Ab-
weisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 11. Juli 2022 (act. 
II 87). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf 

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eine Invalidenrente; umstritten ist insbesondere, ob er die versicherungs-
mässigen Voraussetzungen erfüllt.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des 
IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des 
ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vor-
behältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich 
diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu 
ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben 
(BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die 
angefochtene Verfügung vom 11. Juli 2022 (act. II 87), womit sie nach dem 
Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indessen liegt 
der frühestmögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Rentenan-
spruchs – unter Berücksichtigung der Anmeldung im März 2021 (act. II 1) 
und des Art. 29 Abs. 1 IVG – vor dem 1. Januar 2022, weshalb die Be-
stimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 17. Januar 1961 
über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) in der bis 31. Dezember 
2021 gültigen Fassung massgebend sind (vgl. auch Rz. 9100 f. des Kreiss-
schreibens des Bundesamts für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität 
und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]; zur Bedeutung von Verwal-
tungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 
S. 228), wobei sich hinsichtlich der hier im Zentrum stehenden Frage der 
versicherungsmässigen Voraussetzungen nichts geändert hat. 

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 

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oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem 
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 
ATSG).

2.3 Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald 
sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erfor-
derliche Art und Schwere erreicht hat. Das IVG beruht somit auf dem Kon-
zept des leistungsspezifischen Invaliditätsfalles (BGE 137 V 417 E. 2.2.3 
S. 422, 126 V 461 E. 1 S. 461). Nach der Gerichtspraxis ist dieser Zeit-
punkt objektiv aufgrund des Gesundheitszustandes der versicherten Per-
son festzustellen; zufällige externe Faktoren, wie insbesondere die subjek-
tive Kenntnis des Leistungsansprechers oder der Leistungsansprecherin, 
sind unerheblich (BGE 112 V 275 E. 1b S. 277; ZAK 1987 S. 46 E. 3a; AHI 
2003 S. 209 E. 2a). Der Zeitpunkt des Invaliditätseintritts richtet sich insbe-
sondere nicht danach, wann eine Anmeldung eingereicht oder von wann an 
eine Leistung gefordert wird. Er braucht auch nicht mit jenem Zeitpunkt 
identisch zu sein, in welchem die versicherte Person erstmals erfährt, dass 
ihr Gesundheitsschaden einen Leistungsanspruch zu begründen vermag 
(BGE 118 V 79 E. 3a S. 82). Ein Gesundheitsschaden kann somit bezüg-
lich verschiedener Leistungsarten der Invalidenversicherung mehrere Inva-
liditätseintritte auslösen, weshalb der Versicherungsfall im Rahmen jeder 
gesetzlichen Leistungsnorm autonom bestimmt werden muss (SVR 2007 
IV Nr. 7 S. 24 E. 1.1). Dies bedeutet, dass die Ablehnung eines bestimmten 
Anspruches wegen damaliger fehlender Erfüllung der versicherungsmässi-
gen Voraussetzungen später in Betracht fallende andersartige Ansprüche 
nicht präjudiziert (SVR 2008 IV Nr. 14 S. 42 E. 4).

2.4 Nach den allgemeinen versicherungsmässigen Voraussetzungen 
(Art. 4 ff. IVG) sind ausländische Staatsangehörige, vorbehältlich Art. 9 
Abs. 3 IVG, nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und ge-
wöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben und sofern sie 

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bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge 
geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz 
aufgehalten haben (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 IVG). Die besonderen Vorausset-
zungen des Anspruchs auf eine ordentliche Rente setzen unter anderem 
voraus, dass die versicherte Person bei Eintritt der Invalidität während min-
destens drei Jahren Beiträge geleistet hat (Art. 36 Abs. 1 IVG; vgl. Ent-
scheid des Bundesgerichts [BGer] vom 23. Juli 2020, 8C_237/2020, 
E. 5.1).

2.5 Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als einge-
treten, in dem der Anspruch nach Art. 8 Abs. 1 ATSG und Art. 4 Abs. 2 
i.V.m. Art. 28 ff. IVG entsteht, das heisst frühestens, wenn die versicherte 
Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnitt-
lich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen und nach Ab-
lauf dieses Jahres zu mindestens 40 % bleibend oder für längere Zeit er-
werbsunfähig (Art. 7 und 8 ATSG) ist (BGE 137 V 417; BGer 8C_237/2020, 
E. 5.2, Entscheid des BGer vom 22. Mai 2019, 8C_58/2019, E. 2.3 und 
vom 8. August 2014, 8C_167/2014, E. 4; vgl. Entscheid des BGer vom 
21. März 2016, 9C_711/2015, E. 6.3.2 in fine).

2.6 Die drei Mindestbeitragsjahre müssen vor Eintritt der Invalidität 
geleistet sein (MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die Invalidenversi-
cherung [IVG], 4. Aufl. 2022, S. 471, Rz. 2). Verlangt sind drei volle 
Beitragsjahre im Sinne von Art. 50 der Verordnung vom 31. Oktober 1947 
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101; 
MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Rz. 3): Danach liegt ein volles Beitragsjahr vor, 
wenn eine Person insgesamt länger als elf Monate im Sinne von Art. 1a 
oder 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und 
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) versichert war und 
während dieser Zeit den Mindestbeitrag bezahlt hat oder Beitragszeiten im 
Sinne von Art. 29ter Abs. 2 lit. b und c AHVG aufweist. 

2.7 Flüchtlinge mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der 
Schweiz haben unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger 
Anspruch auf ordentliche Renten der Alters- und 
Hinterlassenenversicherung sowie auf ordentliche Renten und 
Hilflosenentschädigungen der Invalidenversicherung. Das Erfordernis des 

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Wohnsitzes und des gewöhnlichen Aufenthalts ist von jeder Person, für die 
eine Rente ausgerichtet wird, einzeln zu erfüllen (Art. 59 des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31] i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des 
Bundesbeschlusses über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und 
Staatenlosen in der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung vom 
4. Oktober 1962 [FlüB; SR 831.131.11]). Es ist von einem einheitlichen 
Flüchtlingsbegriff auszugehen, der auch für die Organe der AHV/IV mass-
gebend ist (vgl. THOMAS ACKERMANN, Versicherungsmässige 
Voraussetzungen des Leistungsanspruchs in der Invalidenversicherung, in 
KIESER/LENDFERS [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2011, St. 
Gallen 2012, S. 41). Die Gleichbehandlung gilt ab dem Zeitpunkt der 
Anerkennung als Flüchtling (BGE 135 V 97 E. 4).

2.8 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 

3.

3.1 Der Beschwerdeführer reiste am … Oktober 2011 in die Schweiz 
ein, ersuchte um Asyl und wurde mit Entscheid vom ... März 2012 als 
Flüchtling anerkannt (act. II 62/24). Ab dem Zeitpunkt der Anerkennung ist 
er somit in Bezug auf die soziale Sicherheit grundsätzlich wie ein Schwei-
zer Bürger zu behandeln (E. 2.7 hiervor). Umstritten ist der Anspruch auf 
eine Rente, weshalb der Zeitpunkt des Eintritts der leistungsspezifischen 
Invalidität zu prüfen ist und ob der Beschwerdeführer die nach Gesetz not-
wendige Beitragszeit erfüllt, d.h. ob er vor Eintritt der Invalidität während 
mindestens drei Jahren Beiträge entrichtet hat (vgl. E. 2.4 hiervor).

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3.2 Den medizinischen Akten ist im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

3.2.1 Im Bericht vom 4. März 2013 diagnostizierten die Ärzte des Spitals 
F.________ das Folgende (act. II 16/29):

1. 46, XV Disorder of sexual development 
2. Panikattacken und soziale Rückzugstendenz bei Diagnose 1 
3. Arterielle Hypertonie

Die Ärzte hielten fest, der Beschwerdeführer habe über traumatisierende 
Erfahrungen in seinem Heimatland … berichtet. In einem kleinen Dorf 
aufgewachsen, sei er von der Gesellschaft aufgrund der Intersexualität 
stark stigmatisiert und diskriminiert worden. Auch innerhalb seiner Familie 
sei er Gewalt ausgesetzt gewesen. Aufgrund massiver Gewaltandrohungen 
sowie erlebter verbaler und physischer Gewalt habe er sich zur Flucht 
entschieden und sei im Oktober 2011 in der Schweiz angekommen. Hier 
habe er wegen der geschilderten Erlebnisse zuerst Asylantenstatus und im 
weiteren Verlauf einen B-Ausweis erhalten. Er leide unter gehäuften 
Panikattacken mit Herzrasen, Schweissausbrüchen und Hypertonie. 
Wegen dieser Symptome habe er sich im Dezember 2012 bei seiner 
Hausärztin vorgestellt, hier sei bei Verdacht auf Intersexualität die 
Zuweisung zum Spital F.________ erfolgt (act. II 16/30). Aufgrund der 
schweren Traumatisierung infolge erlebter Gewalt, Identitätsverlust 
aufgrund oben genannter Diagnose sowie zusätzlich durch das Trauma der 
Migration sei beim Beschwerdeführer eine psychiatrische Betreuung und 
Begleitung sicherlich dringend notwendig. Gemäss telefonischer 
Rücksprache werde die Hausärztin eine psychiatrische Betreuung in die 
Wege leiten (act. II 16/31).

3.2.2 Im Bericht vom 22. Oktober 2020 diagnostizierten Dr. med. 
G.________, Leitender Arzt Klinik H.________, und lic. phil. I.________, 
Psychologe, nach einem stationären Aufenthalt vom 1. bis 15. Oktober 
2020, das Folgende:

• Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive 
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)

• Panikstörung (ICD-10 F41.0) und soziale Ängste mit/bei 
Traumafolgestörung mit dissoziativen Symptomen

Nebendiagnose

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• 46, XY Disorder of sex development mit klarer männlicher Identität

Der Beschwerdeführer sei auf eigenen Wunsch bei teilweiser Stabilisierung 
seines Zustandsbildes und fehlender Selbst- und Fremdgefährdung aus der 
Klinik ausgetreten. Die 100 %ige Arbeitsunfähigkeit gelte noch bis 30. 
Oktober 2020 (act. II 15/16 f.).

3.2.3 Im Bericht vom 23. April 2021 diagnostizierte der seit 2014 
behandelnde Psychiater Dr. med. E.________ mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 
leichte Episode, eine komplexe Traumafolgestörung mit Symptomtrias 
(Wiedererleben, Vermeidung und persistierende Wahrnehmung erhöhter 
gegenwärtiger Gefahr), anhaltendem negativem Selbstkonzept und 
andauernden Schwierigkeiten im Gefühl der Nähe zu anderen, sowie 
dissoziativen Symptomen, eine Panikstörung (ICD F41.0) und soziale 
Ängste. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er 46, XY 
Disorder of sex development DSD mit klarer männlicher Identität (act. II 
15/8). Zur medizinischen Situation führte er u.a. aus, der Patient sei im 
Oktober 2011 in die Schweiz eingereist und sei als Flüchtling anerkannt. In 
der Schweiz sei die 46, XY Disorder of sexual development bei einer 5-
alpha Reduktase-2-Defizienz diagnostiziert worden, was ihm ermöglicht 
habe, auch offiziell eine männliche Identität anzunehmen. Dies habe zu 
einer Auseinandersetzung um eine geschlechtsangleichende Operation 
geführt. Eine erste Operation sei 2015 in … durchgeführt worden, sie habe 
zu einer Enttäuschung und Beschwerden (leichte Inkontinenz) geführt bei 
weiterhin uneindeutigen sekundären Geschlechtsmerkmalen (act. II 15/4). 
Der Patient sei sehr motiviert, eine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt zu finden 
und kontinuierlich am Suchen und Bewerbungen schreiben. In den letzten 
Jahren habe sich seine gesundheitliche Situation verschlechtert. Es habe 
sich nun gezeigt, dass er trotz intensiver Suche seit Jahren nach einer 
Arbeit im ersten Arbeitsmarkt keine Stelle finde (act. II 15/8). Er habe die 
Arbeit bei J.________ mit vier Stunden täglich begonnen. Es habe sich 
gezeigt, dass die Grundarbeitsfähigkeiten wechselhaft eingeschränkt seien. 
Aktuell werde ein Pensum von 50 % angestrebt und eine bessere 
Leistungsfähigkeit. Von der geplanten Steigerung auf 80 % werde noch 
abgesehen (act. II 15/11).

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3.2.4 Die Beschwerdegegnerin stellte auf das MEDAS-Gutachten vom 
24. November 2021 (act. II 53.1), das psychiatrische Teilgutachten von Dr. 
med. K.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt 
für Neurologie, vom 20. Oktober 2021 (act. II 53.3) und das internistische 
Teilgutachten von Dr. med. L.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin, vom 6. Oktober 2021 [act. II 53.4]) ab. Im internistischen 
Teilgutachten vom 6. Oktober 2021 stellte Dr. med. L.________ keine 
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer 
könne alle seiner Erfahrung entsprechenden beruflichen Tätigkeiten aus-
üben (act. II 53.4/9 f.). Im psychiatrischen Teilgutachten vom 20. Oktober 
2021 diagnostizierte Dr. med. K.________ mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; 
act. II 53.3/10). Es müsse darauf hingewiesen werden, dass der 
Beschwerdeführer seit 2014 in regelmässiger psychiatrischer und 
psychotherapeutischer Behandlung sei, es habe auch eine einmalige 
stationär-/psychiatrische Behandlung gegeben. Er erhalte ein 
Antidepressivum, welches er einnehme. Bisher sei es allerdings nicht 
gelungen, seinen Zustand richtungsweisend zu verbessern (act. II 53.3/11). 
Beim Beschwerdeführer liege ein schweres psychiatrisches Krankheitsbild 
vor, das im Wesentlichen aus einer komplexen posttraumatischen 
Belastungsstörung bestehe. Aufgrund dieser Erkrankung sei er 
gegenwärtig auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht einzusetzen 
(act. II 53.3/12).

In der bidisziplinären Beurteilung diagnostizierten die Experten mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit das Folgende (act. II 53.1/8):

1. Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie das 
Folgende:

1. 46, XY Disorder of Sex Developement DSD m/b 5-Alpha-Reduktase-2 
Deffizienz, Mikropenis, ausgeprägter Hypospadie, erfolgtem Penisaufbau 
und Rekonstruktion der proximalen Urethra 10/2015, normalen Testes, 
unauffälligem Spermiogramm, aktuell Urininkontinenz 

2. Übergewicht BMI 27.8 kg/m2 
3. Dyslipidämie, ED 05/2013, aktuell schwere Hypertriglyceridämie 
4. Polyglobulie, Eisenmangel, ED 05/2013, aktuell Blutbild und Ferritin normal
5. Vitamin B12-Mangel, ED 10/2021 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 11

6. Moderater Vitamin D, 25-Hydroxymangel, ED 10/2021 
7. Arterielle Hypertonie, ED 2013, aktuell ohne medikamentöse Therapie, 

normale Blutdruckwerte 

In der Konsensbeurteilung führten die Experten aus, aus psychiatrischer 
Sicht liege eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung vor, wobei 
als traumatisierendes Element die Erlebnisse in Kindheit und Jugend 
aufgrund der Intersexualität zu nennen seien. Sowohl die depressive als 
auch die ängstliche Symptomatik gehe in der posttraumatischen 
Belastungsstörung auf, weshalb hier keine eigene Diagnose vergeben 
werde (act. II 53.1/5). Aufgrund der Erkrankung sei der Beschwerdeführer 
gegenwärtig im ersten Arbeitsmarkt nicht einzusetzen. Die Prognose sei 
ungünstig, eine traumaspezifische Behandlung sollte erfolgen. Im 
allgemein-/internistischen Fachbereich bestünden keine Erkrankungen mit 
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (act. II 53.1/8). Die Aufhebung der 
Arbeitsfähigkeit bestehe seit dem 1. Oktober 2022, damals sei es zu einer 
schweren Dekompensation mit der Notwendigkeit eines stationären 
Aufenthalts gekommen. Die Aufhebung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich 
ausschliesslich aufgrund der psychiatrischen Problematik (act. II 53.1/10). 

3.2.5 Im Bericht vom 21. Dezember 2021 – auf Fragen der 
Beschwerdegegnerin zum Behandlungsbeginn und Verlauf – hielt der 
behandelnde Psychiater Dr. med. E.________ fest, der Beschwerdeführer 
habe sich am 24. Januar 2013 auf Zuweisung der Hausärztin für eine erste 
psychiatrische Abklärung bei ihm vorgestellt. Allerdings habe sich im Jahr 
2014 die psychiatrische Behandlung nach zwei bis drei Erstgesprächen 
nicht etablieren können. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Panikattacken und 
die sozialphobischen Ängste sowie eine Einengung auf eine 
geschlechtsanpassende Operation im Vordergrund gestanden. Letztere sei 
am 29. September 2015 durchgeführt worden. Der Gesundheitszustand sei 
seit 2014 eher stationär gewesen, wobei es mit Beginn der 
Covidmassnahmen noch einmal zu einer Verschlechterung gekommen sei. 
Eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt habe der Beschwerdeführer bislang 
nicht erreichen können, abgesehen von einem dreimonatigen Einsatz als 
… über ein … im Jahr 2019 (act. II 58/2).

3.2.6 Dr. med. E.________ führte im Bericht vom 11. März 2022 
zuhanden der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aus, er kenne den 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 12

Beschwerdeführer seit 2012; damals habe sich der Gesundheitszustand 
noch deutlich besser als heute gezeigt, insbesondere sei die depressive 
und dissoziative Symptomatik nicht vorherrschend bzw. nicht vorhanden 
gewesen. Zentral sei die Diagnose der 46, XY Disorder of sex development 
gewesen. Der Beschwerdeführer habe soziale Ängste, Panikattacken mit 
vegetativer Begleitreaktion und nachfolgender Erschöpfung gezeigt (act. 
II 71). Eine massive Dekompensation sei mit Beginn der Massnahmen zur 
Eindämmung der Coronapandemie erfolgt. Seither sei der Gesundheitszu-
stand massiv verschlechtert und habe bis heute nicht mehr wesentlich sta-
bilisiert werden können. In weiterer Folge sei neu eine schwere depressive 
Episode aufgetreten, wie sie beispielsweise im Austrittsbericht der Klinik 
H.________ auch psychopathologisch beschrieben worden sei (act. II 
71/2).

3.2.7 In der Ergänzung vom 13. Juni 2022 führten die MEDAS-
Gutachter aus, dass die posttraumatische Belastungsstörung bereits in … 
vorhanden gewesen sei. Dies liege darin begründet, dass das schadenstif-
tende Ereignis zweifelsohne dort stattgefunden habe und es eher unwahr-
scheinlich wäre, wenn sich eine entsprechende Erkrankung erst im Verlauf 
entwickeln würde. Es müsse darauf hingewiesen werden, dass sich der 
Beschwerdeführer bereits am 24. Januar 2013 mit einer entsprechenden 
Symptomatik in einer traumaspezifischen Ambulanz vorgestellt habe, eine 
dort empfohlene Behandlung allerdings nicht wahrgenommen habe, was 
bei Menschen, die an einer Traumafolgestörung leiden würden, durchaus 
nicht überrasche (act. II 81/1). Der Beschwerdeführer sei durchgehend 
nicht in der Lage gewesen, eine Anstellung beziehungsweise Tätigkeit im 
ersten Arbeitsmarkt zu verwirklichen; selbst einen Autofahrausweis habe er 
nicht erwerben können. Daran änderten die kurzzeitigen Tätigkeiten im 
Jahr 2019 und 2020 nichts. Betrachte man den geschilderten Verlauf, so 
könne nicht festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer jemals mehr 
als 60 % arbeitsfähig gewesen sei (act. II 81/2).

3.2.8 Im Bericht vom 1. Juli 2022 führte Dr. med. E.________ aus, es 
sei richtig, dass der Beschwerdeführer sich am 24. Januar 2013 in einer 
traumspezifischen Ambulanz vorgestellt habe. Zu dieser Zeit seien Identi-
tätsfragen und Fragen zu einer geschlechtsanpassenden Operation sehr 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 13

stark im Vordergrund gestanden. Die Überweisung an eine spezialisierte 
Psychotherapeutin habe nicht durchgeführt werden können. Seither befinde 
sich der Beschwerdeführer bei ihm in einer kontinuierlich durchgeführten 
Behandlung mit unterschiedlicher Intensität. Der Gesundheitsverlauf sei 
nicht nur von der posttraumatischen Belastungsstörung und der traumati-
schen Situation in … bestimmt gewesen. Es sei mit Beginn der Corona-
pandemie zu einer depressiven Dekompensation gekommen; der Be-
schwerdeführer habe das zuvor bestehende Funktionsniveau nicht mehr 
erreichen können. Die gesundheitliche Verschlechterung sei als neue Dia-
gnose zu werten (act. II 86/4 f.).

3.3

3.3.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

3.3.3 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 14

chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; 
SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). Eine von anderen mit der versicherten 
Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die Objektivität 
des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten 
eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen 
und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung 
letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Ge-
richtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 
E. 7.2.2 S. 110).

3.4 Das von der Invalidenversicherung eingeholte MEDAS-Gutachten 
vom 24. November 2021 (act. II 53.1), das psychiatrische und das internis-
tischen Teilgutachten (act. II 53.3, 53.4) sowie die Ergänzung vom 13. Juni 
2022 (act. II 81) erfüllen die Voraussetzungen der Rechtsprechung an Ex-
pertisen (E. 3.3.2 hiervor). Die darin enthaltenen Ausführungen und Fest-
stellungen beruhen auf eingehenden fachärztlichen Abklärungen und sind 
in Kenntnis der Vorakten geprüft worden. Die Begründung der Diagnosen 
ist einleuchtend dargestellt und die Beschreibungen der funktionellen Aus-
wirkungen überzeugen. Sodann ist die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 
schlüssig (act. II 53.1/10, 81). Desgleichen haben sich die Experten nach-
vollziehbar mit dem Zeitpunkt des Beginns der posttraumatischen Belas-
tungsstörung sowie deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auseinan-
dergesetzt (act. II 53.1/4, 81). Damit erbringen das MEDAS-Gutachten, die 
Teilgutachten sowie die Ergänzung vollen Beweis (vgl. E. 3.3.3 hiervor). 
Die Aussage, die posttraumatische Belastungsstörung sei bereits in … vor-
handen gewesen und der Beschwerdeführer sei "durchgehend nicht in der 
Lage gewesen, eine Anstellung beziehungsweise Tätigkeit auf dem ersten 
Arbeitsmarkt zu verwirklichen" (act. II 81/2), überzeugt auch mit Blick auf 
die Asylakten (act. II 62/4 ff., 65/11 f.), die Angaben des behandelnden 
Psychiaters (act. II 15/4, 58) sowie den Bericht des Spitals F.________ 
vom 4. März 2013 (act. II 16/31 f.). Sowohl die behandelnden Ärzte des 
Spitals F.________ wie auch der behandelnde Psychiater erklärten, dass 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 15

wegen der entsprechenden Symptomatik bzw. schweren Traumatisierung 
eine psychiatrische Behandlung in die Wege geleitet wurde. Dr. med. 
E.________ bestätigte in den Berichten vom 21. Januar 2021 (act. II 58) 
und 1. Juli 2022 (act. 86) denn auch, der Beschwerdeführer habe sich am 
24. Januar 2013 auf Zuweisung der Hausärztin zu einer ersten psychiatri-
schen Abklärung vorgestellt und sei dann kontinuierlich, mit unterschiedli-
cher Intensität behandelt worden. 

3.5 Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen das schlüssige 
MEDAS-Gutachten vom 24. November 2021 (act. II 53.1) und die Ergän-
zung vom 13. Juni 2022 (act. II 81) nicht in Zweifel zu ziehen. Mit Verweis 
auf die Angaben des behandelnden Psychiaters moniert der Beschwerde-
führer, es werde auf seinen verschlechterten Gesundheitszustand nicht 
eingegangen (Beschwerde S. 4). Es steht fest, dass der behandelnde 
Psychiater auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin im Bericht vom 21. De-
zember 2021 von einem unveränderten Gesundheitszustand seit 2014 be-
richtete (act. II 58/2). Der behandelnde Facharzt hielt auch fest, dass im 
Januar 2013 die Panikattacken und sozialphobischen Ängste sehr im Vor-
dergrund gestanden hätten (act. II 58/2). Damit bestätigt er implizit, dass 
die psychischen Beschwerden schon damals bestanden haben. Nicht 
überzeugend ist deshalb seine Relativierung im Bericht vom 11. März 
2022, wonach sich der Gesundheitszustand damals noch deutlich besser 
als heute gezeigt habe (act. II 71/1) und neu eine schwere depressive Epi-
sode aufgetreten sei (act. II 71/2), denn eine Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes steht der Nichterfüllung der versicherungsmässigen 
Voraussetzungen dann nicht entgegen, falls die leistungsspezifische Invali-
dität bereits bei der Einreise bestand; eine vollständige Invalidität, d.h. ein 
Invaliditätsgrad von 100 %, ist nicht vorausgesetzt. Der psychiatrische Gut-
achter setzte sich mit dem Verlauf auseinander (act. II 53.1/4), er hatte 
Kenntnis der stationär-/psychiatrischen Behandlung in der Klinik 
H.________ (vgl. act. II 53.3/11). Eine allfällige Verschlechterung stünde im 
Übrigen klarerweise mit der seit spätestens im Januar 2013 – bzw. seit der 
Einreise durchgehend bestehenden – zumindest 40 %igen Arbeitsunfähig-
keit in Zusammenhang. Der psychiatrische Gutachter ging nachvollziehbar 
davon aus, dass sowohl die depressive als auch die ängstliche Symptoma-
tik in der posttraumatischen Belastungsstörung aufgehen, weshalb er keine 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 16

eigene Diagnose vergab (act. II 53.1/5). Soweit der behandelnde Psychia-
ter nunmehr zu begründen versucht, dass ein zweiter Versicherungsfall 
eingetreten ist, kann ihm nicht gefolgt werden. Die im Rahmen des statio-
nären Aufenthalts vom 1. bis 15. Oktober 2020 in der Klinik H.________ 
diagnostizierte schwere depressive Episode (act. II 15/16 f.) stellt kein neu-
es unabhängiges Leiden dar. Eine Verschlechterung ist gemäss der Recht-
sprechung kein neuer Versicherungsfall. Vielmehr müsste es sich um neue 
vom ersten Leiden unabhängige Beschwerden handeln.

3.6 Entscheidend ist, dass der Beschwerdeführer bereits bei der Einrei-
se in die Schweiz (respektive spätestens seit Januar 2013) aufgrund seiner 
psychischen Beschwerden durchgehend mindestens zu 40 % arbeitsun-
fähig und damit – auch ohne Berücksichtigung eines Abzugs – 40 % invalid 
war sowie das Wartejahr (vgl. E. 2.5 hiervor) bei der Einreise bereits erfüllt 
war. Denn die Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens hat je 
gestützt auf den gleichen LSE-Tabellenlohn zu erfolgten. Wäre stattdessen 
von einer Frühinvalidität (vgl. aArt. 26 IVV) auszugehen – was hier offen-
bleiben kann –, wäre der Invaliditätsgrad sogar höher. Dem echtzeitlichen 
Bericht des Spitals F.________ ist zwar keine explizite Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt zu entnehmen. Dass der Beschwerde-
führer wegen der posttraumatischen Belastungsstörung jedoch spätestens 
ab Januar 2013 zu mindestens 40 % (bzw. 100 %) arbeitsunfähig war, ist 
namentlich auch dem Bericht des behandelnden Dr. med. E.________ vom 
21. Dezember 2021 zu entnehmen, wonach eine Anstellung im ersten Ar-
beitsmarkt bisher nicht habe erreicht werden können (act. II 58/2). Obwohl 
es nicht an der Motivation fehlte (act. II 53.3/7), hatte der Beschwerdeführer 
gesundheitsbedingt keine längerdauernde Arbeit im ersten Arbeitsmarkt 
ausüben können, worauf auch in der gutachterlichen Stellungnahme vom 
13. Juni 2022 nochmals hingewiesen wurde (act. II 81/2). Dass der Be-
schwerdeführer keine längere Festanstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt 
hatte, lässt sich auch dem IK-Auszug entnehmen (act. II 8/2). Daran ändert 
die Ende 2019 über ein … gefundene dreimonatige Anstellung als … 
nichts. Der Beschwerdeführer übte zwar Tätigkeiten im Rahmen der beruf-
lichen Integrationsmassnahmen (Zentrum M.________ etc.) aus, jedoch 
nicht in einem hohen Pensum (vgl. act. II 9/2 f.). Bei der von Dr. med. 
E.________ genannten Tätigkeit vom 10. Juli 2018 bis 9. Januar 2019 für 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 17

das N.________ handelte es sich sodann um ein blosses Praktikum (act. II 
86). Zuletzt arbeitete der Beschwerdeführer, organisiert durch B.________, 
in einem Beschäftigungsprogramm bei J.________ in einem Pensum von 
50 % (act. II 9/2 ff., 58/2). Es ist somit mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit erstellt, dass die leistungsspezifische Invalidität hinsichtlich der stritti-
gen IV-Rente bereits bei der Einreise bestanden hat bzw. spätestens im 
Januar 2014, d.h. ein Jahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) nach der ersten psych-
iatrischen Abklärung eingetreten ist. Mit Blick auf die klare Feststellung der 
Gutachter in der Stellungnahme vom 13. Juni 2022, dass der Beschwerde-
führer durchgehend nicht in der Lage gewesen sei, eine Anstellung bezie-
hungsweise Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu verwirklichen (act. II 81/2) 
und die in diesem Zusammenhang gestellte Frage nach dem Eintritt einer 
mindestens 40 %igen Arbeitsunfähigkeit – wobei die Anschlussfrage («oder 
anders gefragt») unpräzis gestellt wurde -, ist die Antwort der Gutachter 
objektiv nur so zu verstehen, dass nicht festgestellt werden könne, dass 
der Versicherte jemals 60 % oder mehr arbeitsfähig gewesen sei. Dies er-
gibt sich auch aus dem Schlusssatz der erwähnten gutachterlichen Stel-
lungnahme, bzw. dem letzten Teil des Satzes - bezogen auf das Jahr 2012 
-, wonach dem Versicherten (damals) eine berufliche Tätigkeit tatsächlich 
nicht möglich gewesen sei.

3.7 Nach dem Dargelegten steht fest, dass der Beschwerdeführer auf-
grund psychischer Beschwerden im Sinne einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung (bzw. depressiven Episoden/Panikattacken und sozialphobi-
schen Ängsten im Zusammenhang mit seiner Intersexualität und deren 
Folgen) bereits bei der Einreise in die Schweiz bzw. spätestens seit Januar 
2013 zu mindestens 40 % (bzw. 100 %) in seiner Arbeitsfähigkeit einge-
schränkt war. Der seit dem ... März 2012 als Flüchtling anerkannte Be-
schwerdeführer (act. II 62/24) erfüllte bereits bei Einreise und auch im Ja-
nuar 2014 – spätester Eintritt der leistungsspezifischen Invalidität – die 
dreijährige Beitragszeit jedoch noch nicht. Die Beschwerdegegnerin hat 
somit zu Recht die versicherungsmässigen Voraussetzungen für den An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine Rente als nicht gegeben erachtet. 
Damit ist die angefochtene Verfügung vom 11. Juli 2022 nicht zu bean-
standen und die Beschwerde ist abzuweisen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 18

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah-
lung auferlegt. Zu prüfen bleibt jedoch das Gesuch um unentgeltliche 
Rechtspflege hinsichtlich der Verfahrenskosten.

4.2 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 
Abs. 1 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Prozessarmut des Beschwerdeführers ist gestützt auf die Angaben im 
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 1. September 2022 und auf 
das Sozialbudget des B.________ ausgewiesen (act. I 3, 4). Weiter ist das 
Beschwerdeverfahren nicht als von vornherein aussichtslos zu betrachten. 
Das Gesuch um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege hinsichtlich der 
Verfahrenskosten ist demnach gutzuheissen.

Der Beschwerdeführer ist damit – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 
gemäss Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozess-
ordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig von der Be-
zahlung der Verfahrenskosten zu befreien.

4.3 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 19

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege betreffend die Verfah-
renskosten wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):
- B.________, Rechtsanwältin C.________ z.H. des Beschwerdefüh-

rers
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Mai 2024, IV/22/508, Seite 20

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.