# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9aadfb43-47c8-5675-95ef-9803dae8a011
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-02-01
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 01.02.2005 BK 2004 62
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2004-62_2005-02-01.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 01. Februar 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 04 62

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli und Sutter-Ambühl 
Aktuarin ad hoc Thöny

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In der strafrechtlichen Beschwerde

der X., Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Chris-
tian Thöny, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,

gegen

die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten Sur Tasna vom 22. November 
2004, in Sachen gegen Y., Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt lic. 
iur. Diego F. Schwarzenbach, Postfach 342, Via Stredas 4, 7500 St. Moritz, 

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am Nachmittag des 20. Mai 2004 um ca. 13.40 Uhr fuhr Y. mit sei-
nem Motorrad der Marke Triumph mit dem Kontrollschild G. auf der A.-Strasse 
von B. kommend in Richtung C.. Nach der langen, geraden Strecke „D.“ auf dem 
Gebiet der Gemeinde B. führt die Strasse über eine Kuppe. Als Y. über diese 
Kuppe gefahren war, bemerkte er eine ältere Frau, welche von dem an die rechte 
Strassenseite angrenzenden Parkplatz Nr. 9 kommend, die Strasse von rechts 
nach links überquerte. Laut eigenen Aussagen versuchte Y. durch eine Vollbrem-
sung anzuhalten und anschliessend nach links auszuweichen. Trotzdem kolli-
dierte er mit der Fussgängerin X.. Durch die Kollision wurde sie an den rechten 
Fahrbahnrand geschleudert, wo sie verletzt liegen blieb. Der Motorradfahrer Y. 
kam durch die Kollision zu Fall und erlitt eine Verstauchung des linken Sprung-
gelenks. Am Motorrad entstand leichter Sachschaden. Zum Zeitpunkt des Unfalls 
war die asphaltierte Strasse trocken und die Sicht- und Witterungsverhältnisse 
waren gut. 

B. Mit Kompetenzentscheid vom 25. August 2004 stellte die Staatsan-
waltschaft Graubünden fest, dass für Y. der Übertretungstatbestand im Sinne von 
Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 1 VRV (angemessene Geschwindigkeit) in 
Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG und für X. derjenige des Art. 49 Abs. 2 SVG 
und Art. 47 Abs. 5 VRV (Überschreiten der Fahrbahn) in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 1 SVG in Betracht fällt. Mit der Verfolgung im Strafmandatsverfahren wurde 
der Kreispräsident Sur Tasna betraut.

C. Mit Verfügung vom 22. November 2004 sprach der Kreispräsident 
Sur Tasna X. der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 49 Abs. 2 SVG und 
Art. 47 Abs. 5 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig und auferlegte 
ihre eine Busse von Fr. 80.-- sowie die Kosten des Verfahrens von total Fr. 
646.70. Gleichentags wurde das Strafverfahren gegen Y. betreffend Verletzung 
von Verkehrsregeln eingestellt. 

D. Gegen diese Einstellungsverfügung in Sachen gegen Y. liess X. am 
3. Dezember 2004 bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:

„1. Die angefochtene Einstellungsverfügung sei aufzuheben und die An-
gelegenheit zur Ergänzung der Strafuntersuchung an die Vorinstanz 
zurückzuweisen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerde-
gegners.“

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E. Der Kreispräsident Sur Tasna verzichtete mit Schreiben vom 7. De-
zember 2004 mit Verweis auf die Strafuntersuchungsakten und die Begründung 
in der angefochtenen Einstellungsverfügung auf die Einreichung einer Stellung-
nahme. Mit Beschwerdeantwort vom 26. Januar 2005 beantragte Y. die vollum-
fängliche Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher Kosten- und Entschädi-
gungsfolge zulasten der Beschwerdeführerin.

Auf die Begründung der Anträge und die Ausführungen im angefochtenen 
Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen einge-
gangen. 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 176a StPO kann gegen Untersuchungshandlungen 
und gegen Ablehnungs- und Einstellungsverfügungen des Kreispräsidenten und 
des Bezirksgerichtspräsidenten bei der Beschwerdekammer des Kantonsge-
richts Beschwerde im Sinne von Art. 138 und 139 StPO geführt werden. Dabei 
ist nach Art. 139 Abs. 1 StPO zur Beschwerdeführung berechtigt, wer durch den 
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner 
Aufhebung oder Änderung geltend machen kann. Insbesondere kann sich der 
Geschädigte gegen Ablehnungs- und Einstellungsverfügungen beschweren (Art. 
139 Abs. 1 StPO).

Die Beschwerdeführerin X. wurde bei dem fraglichen Unfall verletzt und 
hat dadurch einen unmittelbaren Schaden erlitten. Somit ist sie Geschädigte im 
Sinne des Art. 139 Abs. 1 StPO und hat ein schutzwürdiges Interesse an der 
Aufhebung der Einstellungsverfügung in Sachen gegen Y.. Aus diesen Gründen 
ist sie zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die rechtzeitig und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist daher einzutreten.

2. Gemäss Art. 82 Abs. 1 StPO ist eine Untersuchung dann einzustel-
len, wenn aufgrund der Erhebungen darauf zu schliessen ist, dass das Vorliegen 
eines Straftatbestandes nicht genügend dargetan ist. Dies ist der Fall, wenn eine 
Gesamtwürdigung der Beweise zur nachvollziehbaren Schlussfolgerung führt, 
dass eine Verurteilung unwahrscheinlich ist, somit ein Freispruch erwartet wer-
den müsste, und wenn keine konkret zu erhebenden Beweismittel mehr erkenn-
bar sind, die das Resultat im gegenteiligen Sinn beeinflussen könnten. Bei der 
Überprüfung der Angemessenheit eines Entscheides soll aber die Beschwerde-

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kammer ihr Ermessen nur dort an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen, 
wo sich deren Verfügung nicht mit triftigen Gründen vertreten lässt. Eine Einstel-
lungsverfügung ist dann angemessen und hält der umschriebenen Prüfung 
stand, wenn aufgrund des Untersuchungsergebnisses objektiv und subjektiv 
nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und verfolgbaren 
Handlung gegeben sind und somit ein Freispruch erwartet werden müsste, und 
wenn keine neuen Beweismittel ersichtlich sind, die das Beweisergebnis zu be-
einflussen vermöchten (PKG 1997 Nr. 36). Gegenstand des vorliegenden Ver-
fahrens bildet somit in erster Linie die Frage, ob es konkrete Anhaltspunkte dafür 
gibt, dass Y. am 20. Mai 2004 mit einer im rechtskritischen Bereich liegenden 
Geschwindigkeit auf der A.-Strasse in Richtung Tschierv gefahren ist. Ob auch 
X. durch ihr Verhalten gegen Verkehrsnormen verstossen hat, ist Gegenstand 
eines anderen Verfahrens. Da das Strafrecht keine Schuldkompensation kennt, 
vermag ein allfälliges Mitverschulden von X. am strafrechtlich relevanten Verhal-
ten von Y. ohnehin nichts zu ändern.

3.  Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Sachverhalt sei von 
der Vorinstanz zwar grundsätzlich richtig dargelegt worden, es seien jedoch ei-
nige Korrekturen und Ergänzungen anzubringen.

a)  Zunächst weist die Beschwerdeführerin darauf hin, Y. sei entgegen 
der Sachverhaltsdarstellung der Vorinstanz nicht an letzter Stelle einer Motorrad-
gruppe gefahren, sondern er habe den Kontakt zu dieser verloren und sei in ei-
nem Abstand von wahrscheinlich mehr als 200 m gefolgt. Die Zeugin E., die un-
mittelbar nach dem Unfall von der Kantonspolizei Graubünden einvernommen 
wurde (act. 9), sagte demgegenüber aus, dass Y. hinter einer Motorradkolonne 
hergefahren sei. Auch der als Auskunftsperson einvernommene Ehemann der 
Beschwerdeführerin gab zu Protokoll (act. 11), seine Frau habe ihm gesagt, dass 
sie zwei Motorräder habe vorbeifahren lassen, bevor sie die Fahrbahn betreten 
habe. Die Beschwerdeführerin selbst führte im Beiblatt zur Stellungnahme vom 
4. Oktober 2004 (act. 32) Folgendes aus: „Ich fasste den Feldstecher und Spa-
zierstock und lief dem Parkplatz entlang zu jener Stelle, wo ich auf dem kürzesten 
Weg zur gegenüberliegenden Infotafel gelangen konnte. Nun liess ich zwei Mo-
torradfahrer passieren und als die Strasse ganz frei war, wollte ich diese über-
queren.“ Da es wenige Sekunden, nachdem die Beschwerdeführerin die Strasse 
betreten hatte, bereits zur Kollision kam, erscheint die von ihr behauptete Sach-
verhaltsdarstellung als unwahrscheinlich; jedenfalls liegen hierfür - insbesondere 
auch aufgrund der Zeugendeposition - keine genügenden Anhaltspunkte vor. So-

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mit ist in diesem Punkt auf die Sachverhaltsdarstellung in der Einstellungsverfü-
gung abzustellen. 

b) Des Weiteren wendet die Beschwerdeführerin ein, Y. habe zwar voll 
abgebremst, allerdings nicht wie im angefochtenen Entscheid dargelegt unmittel-
bar vor der Kollision, sondern in einem Abstand von ca. 30 m zur nachmaligen 
Kollisionsstelle. Anschliessend habe er sein Bremsmanöver aber nicht fortge-
setzt, vielmehr habe er versucht, die Beschwerdeführerin links, das heisst auf der 
Gegenfahrbahn, zu umfahren. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin 
geht aus der Einstellungsverfügung vom 22. November 2004 nicht hervor, dass 
Y. „unmittelbar vor der Kollision“ abgebremst haben soll. Vielmehr wird ausge-
führt, dass er laut eigenen Angaben versucht habe, durch eine Vollbremsung an-
zuhalten und anschliessend nach links auszuweichen. Auch in den Erwägungen 
wird mit Verweis auf die Unfallskizze der Kantonspolizei (act. 4) ausgeführt, dass 
das Motorrad von Y. ca. 30 m vor der mutmasslichen Kollisionsstelle mit der 
Fussgängerin eine 5.6 m lange Bremsspur hinterlassen habe. Inwiefern diese 
Darstellung unzutreffend sein sollte, wird von der Beschwerdeführerin nicht dar-
gelegt und ist auch nicht ersichtlich. 

c) Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass die Kollision nicht auf der 
Strassenmitte, sondern bereits auf der Gegenfahrbahn erfolgt sei. Im angefoch-
tenen Entscheid wird ausgeführt, dass die Kollision „ungefähr in der Strassen-
mitte“ stattfand. Auch aus dem Polizeirapport (act. 3) und der Unfallskizze der 
Kantonspolizei (act. 4) lässt sich entnehmen, dass sich die mutmassliche Kollisi-
onsstelle ungefähr in der Strassenmitte befand. Die Beschwerdeführerin selbst 
schilderte im Beiblatt zum Unfallhergang (act. 32), sie sei vom Motorradfahrer 
angefahren worden, als sie knapp über der Mittellinie gewesen sei. Y. gab zu 
Protokoll (act. 6), er habe versucht links an der Frau, welche sich bereits mitten 
auf der rechten Fahrspur befand, vorbeizufahren. Demgegenüber sagte F. aus, 
seine Frau habe sich bereits auf der anderen Seite der Leitlinie befunden (act. 
11). Die Aussagen der am Unfall beteiligten Personen weichen in diesem Punkt 
voneinander ab. Fest steht jedoch, dass sich die Beschwerdeführerin noch vor 
der Mittellinie befand, als Y. sein Bremsmanöver einleitete und dass sich die Kol-
lision in unmittelbarer Nähe der Mittellinie ereignete. Ob dies nun genau auf der 
Mittellinie oder wenige Zentimeter dahinter waren hat, ist daher für die Beurtei-
lung des Falles nicht von Bedeutung. 

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d) Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass sie bei diesem Unfall 
erhebliche Verletzungen, unter anderem eine Gehirnerschütterung mit Prellung 
und Blutung der Augehöhle, Schürfwunden, beidseitige Quetschungen des 
Brustkorbes, mehrere Armbrüche, einen dreifachen Beckenbruch, eine Schulter-
blattfraktur und eine offene Fraktur des Schein- und Wadenbeinkopfes erlitten 
habe. Sie habe sich während rund zwei Monaten stationär im Kantonsspital Chur 
behandeln lassen müssen und bleibende Nachteile seien nicht auszuschliessen. 
Die Beschwerdeführerin führt jedoch nicht aus, welche Konsequenzen aus dieser 
Präzisierung des Sachverhaltes gezogen werden müssten. In den Akten findet 
sich ein Arztbericht vom 21. Mai 2004 (act. 15), aus welchem hervorgeht, welche 
Verletzungen sich die Beschwerdeführerin bei dem Unfall zuzog. Auch geht dar-
aus hervor, dass die Verletzungen nicht lebensgefährlich waren und auch keine 
schwere Schädigung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 122 
StGB vorlag. Dies ergibt sich ebenfalls aus dem von der Beschwerdeführerin bei-
gelegten Austrittsbericht vom 15. Juli 2004. Auch ergeben sich aus der darin ge-
machte Aussage des Arztes, X. sei von einem Motorrad mit hoher Geschwindig-
keit erfasst und weggeschleudert worden, entgegen der Ansicht der Beschwer-
deführerin keine Hinweise auf ein sorgfaltswidriges Verhalten des Beschwerde-
gegners. Zum einen ist im vorliegenden Fall die Höhe der Aufprallgeschwindig-
keit nicht massgebend, sondern vielmehr die Frage, ob bei einer gesamthaften 
Beurteilung des Unfallherganges dem Beschwerdegegner eine Verletzung von 
Verkehrsregeln vorgeworfen werden kann. Zum andern lassen sich aus der Auf-
prallgeschwindigkeit keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die Fahrgeschwin-
digkeit ziehen. Somit ist nicht ersichtlich, inwieweit diese Präzisierung des Sach-
verhalts das Beweisergebnis im vorliegenden Fall beeinflussen könnte.

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass der Sachverhalt unter Li-
tera A der angefochtenen Einstellungsverfügung vom 22. November 2004 richtig 
dargelegt wurde und auch dem vorliegenden Entscheid zugrunde gelegt werden 
kann. 

4. Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung eines Augen-
scheins sowie die Erstellung eines unfallanalytischen Gutachtens, das über die 
mutmassliche Geschwindigkeit des Beschwerdegegners Aufschluss geben 
sollte. Als Begründung macht sie geltend, der Sachverhalt sei offensichtlich un-
zureichend abgeklärt worden.

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a) Es ist Aufgabe des Gerichts, die materielle Wahrheit bezüglich des 
den Gegenstand des Verfahrens bildenden Sachverhalts zu ermitteln. Bei der 
Beurteilung eines Sachverhaltes hat das Gericht die vorhandenen Beweismittel 
frei zu würdigen (Art. 146 Abs. 1 und Art. 125 Abs. 2 StPO). Den Verfahrensbe-
teiligten steht es als Ausfluss des rechtlichen Gehörs frei, Beweisanträge zu stel-
len. Dabei besteht aber kein uneingeschränktes Recht auf Beweisabnahme. Viel-
mehr kann auf die Erhebung weiterer Beweise dann verzichtet werden, wenn die 
für die Beurteilung der Sache erforderlichen Tatsachen bereits aufgrund der vor-
handenen Beweismittel feststehen und nicht zu erwarten ist, dass neue Beweis-
mittel das Ergebnis der freien Würdigung der vorhandenen Beweismittel zu er-
schüttern vermögen. Vorweggenommene oder antizipierte Beweiswürdigung ist 
also in einem beschränkten Umfange zulässig; insbesondere kann der Richter 
das Beweisverfahren schliessen, wenn er aufgrund bereits abgenommener Be-
weise seine Überzeugung gebildet hat und er ohne Willkür in vorweggenomme-
ner Beweiswürdigung annehmen kann, dass diese seine Überzeugung durch 
weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (Hauser/Schweri/Hartmann, 
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, § 54 N 1 ff., § 55 N 
7 ff. mit Hinweisen; Schmid, Strafprozessrecht, 3. Auflage, Zürich, 1997, N 291 
mit Hinweisen; unveröffentlichtes Urteil 1P.245/2000 E. 3a des Schweizerischen 
Bundesgerichts vom 21. Juni 2000; PKG 1993 Nr. 27).

b) Im vorliegenden Fall ist zunächst umstritten, ob das herannahende 
Motorrad des Beschwerdegegners für die Beschwerdeführerin bereits sichtbar 
gewesen war, als diese die Fahrbahn betrat. Hierfür müsste jedoch die genaue 
Geschwindigkeit des Beschwerdegegners sowie auch die Geschwindigkeit, mit 
welcher X. die Fahrbahn überquerte bekannt sein, was aber vorliegend nicht der 
Fall ist. Somit lässt sich zum einen eine genaue Rekonstruktion der damaligen 
Sachlage mangels der hierfür erforderlichen feststehenden Tatsachen nicht vor-
nehmen. Es müsste auch hier wiederum von Annahmen ausgegangen werden. 
Zum andern ist - wie die nachstehenden Erwägungen zeigen - aufgrund der Ak-
ten, der Aussagen der Zeugin E., der Auskunftsperson F. sowie der Beschwer-
deführerin und des Beschwerdegegners nicht ersichtlich, weshalb es nicht mög-
lich gewesen sein soll, dass sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie sie die 
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid darlegte. Auch ein verkehrsanalytisches 
Gutachten, das sich ausschliesslich auf technische Fragen zu beschränken 
hätte, würde keine neuen Erkenntnisse hervorbringen. Es wurde zwar eine 
Bremsspur vorgefunden, daraus lassen sich aber keine zuverlässigen Rück-
schlüsse auf die Fahrgeschwindigkeit des Motorrades ziehen, zumal auch die 

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Aufprallgeschwindigkeit und die Geschwindigkeit der Beschwerdeführerin nicht 
bekannt sind und daher wiederum nur auf ungefähre Annahmen abgestellt wer-
den könnte. Ein Augenschein sowie ein verkehrsanalytisches Gutachten würden 
damit keine neuen Anhaltspunkte liefern, die geeignet wären, das Ergebnis der 
freien Würdigung der vorhandenen Beweismittel zu erschüttern, weshalb die Be-
weisanträge abzuweisen sind.

5.a) Der Kreispräsident Sur Tasna führte im angefochtenen Entscheid 
aus, es sei gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin, sie sei zügig über 
die Strasse gelaufen, realistischerweise davon auszugehen, dass sie mit einer 
Geschwindigkeit von mindestens 3-4 km/h beziehungsweise 1 m/s die Strasse 
überquerte. Demnach benötigte sie für gut die Hälfte der 5.90 m breiten Fahrbahn 
ca. 3 Sekunden. Diese Annahme wird vom Rechtsvertreter der Beschwerdefüh-
rerin in Frage gestellt. Da es sich bei seiner Mandantin immerhin um eine 80-
jährige Frau handle, die zwar noch rüstig sei, aber sicher nur noch kurze Schritte 
mache, sei die Geschwindigkeit zu hoch angesetzt. Zudem habe die Wegstrecke 
nicht 3 m, sondern mindestens 4 m betragen. X. habe zudem zuerst noch nach 
links und rechts geschaut und sei erst dann losmarschiert. Aus diesen Gründen 
habe die Zeitspanne nicht nur 3 Sekunden, sondern eher 5 Sekunden betragen. 

In ihrer polizeilichen Einvernahme vom 9. Juni 2004 (act. 7) gab die Be-
schwerdeführerin zu Protokoll, sie sei „zügig“ über die Strasse gelaufen. Auf eine 
entsprechende Frage hin führte sie zudem aus, sie habe sich vor dem Unfall fit 
gefühlt und sei auch sonst in „hervorragender Verfassung“ gewesen. Sie habe 
vorgehabt, mit ihrem Mann wandern zu gehen. Auch F. bestätigte gegenüber der 
Polizei (act. 11), seine Frau sei in guter Verfassung gewesen. Sie habe zwar 
etwas Arthrose, konnte jedoch vor dem Unfall ohne grosse Behinderung gehen. 
Von diesen Aussagen ausgehend erscheint die Annahme der Vorinstanz, dass 
die Beschwerdeführerin die Strasse mit einer Geschwindigkeit von ca. 3-4 km/h 
beziehungsweise etwa 1 m/s überquerte, als realistisch. Dies entspricht in etwa 
zwei mittelgrossen Schritten pro Sekunde, was auch für eine ältere Fussgängerin 
bei guter Gesundheit wie im Falle von X. zu bewältigen sein dürfte. Da - wie be-
reits ausgeführt wurde - davon ausgegangen werden muss, dass sich die Kolli-
sion zwischen der Beschwerdeführerin und dem Motorradfahrer Y. ungefähr in 
der Strassenmitte ereignete, dürften vom Zeitpunkt an, als die Beschwerdefüh-
rerin die Strasse betrat bis zur Kollision rund 3 Sekunden vergangen sein. 

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b) Die Beschwerdeführerin wendet ein, die genaue Distanz zwischen 
der Kuppe und der ersten Brems- bzw. Kollisionsstelle sei nicht bekannt. Gehe 
man aber von den Angaben im Polizeirapport aus, wonach die Sichtdistanz zwi-
schen Kuppe und Kollisionsstelle 110 m betrage, so liege die Bremsstelle ca. 80 
m von der Kuppe entfernt. Wenn der Beschwerdegegner tatsächlich mit 80 km/h 
gefahren wäre, so hätte er bis zur Bremsstelle 3,6 s und bis zur Kollisionsstelle 
4,95 s benötigt. Somit hätte ihn die Beschwerdeführerin im Moment, als sie die 
Strasse betrat, nicht sehen können. Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt wer-
den. Zunächst ist festzuhalten, dass aus dem Polizeirapport vom 5. Juni 2004 
(act. 3) und der Unfallskizze (act. 4), zweifellos hervorgeht, dass die Sichtdistanz 
von der Kuppe bis zur Kollisionsstelle ca. 110 Meter betrage. Die Bremsstelle 
konnte anhand von Bremsspuren auf der Fahrbahn genau ermittelt werden und 
liegt 32,1 m von der Kollisionsstelle entfernt. Es trifft zwar zu, dass Y. bei einer 
Geschwindigkeit von 80 km/h bis zur Bremsstelle rund 3,6 s benötigt hat. Jedoch 
ist unbestritten, dass er danach während mindestens 5,6 m (Länge Bremsspur) 
heftig abbremste und deshalb die verbleibenden 26,5 m bis zur Kollisionsstelle 
mit verminderter Geschwindigkeit zurücklegte. Die Behauptung der Beschwerde-
führerin, Y. habe für die Strecke von der Kuppe bis zur Kollisionsstelle lediglich 
4.95 s benötigt, ist damit nachweislich falsch. Vielmehr muss davon ausgegan-
gen werden, dass er aufgrund des heftigen Bremsmanövers sogar noch mehr 
Zeit benötigte, um diese Strecke zurückzulegen. Wie die Vorinstanz damit zu 
Recht feststellte, kann aus diesen Berechnungen der Schluss gezogen werden, 
dass das mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h herannahende Motorrad für die 
Beschwerdeführerin bereits seit mindestens zwei Sekunden sichtbar gewesen 
sein muss, als sie die Fahrbahn betrat. 

c) Bezüglich der Frage, ob Y. vor der Kollision noch ein Warnsignal 
abgegeben hat, liegen widersprüchlich Aussagen vor. Die Beschwerdeführerin 
führt aus, weder sie, noch ihr Ehemann, noch die Zeugin E. hätten ein Hupsignal 
gehört. Der Beschwerdegegner wendet dagegen ein, er habe gebremst und 
gleichzeitig ein Hupsignal abgegeben. Möglicherweise sei das Hupen im Lärm 
des Bremsquietschens untergegangen. Die Frage, ob Y. vor dem Zusammen-
stoss tatsächlich gehupt hat, kann indessen offen gelassen werden. Das Abge-
ben von Warnsignalen gemäss Art. 29 Abs. 2 VRV ist nur dann ausdrücklich vor-
geschrieben, wenn Kinder im Bereich der Strasse nicht auf den Verkehr achten 
und vor unübersichtlichen, engen Kurven ausserorts. Ist das Warnen nicht aus-
drücklich vorgeschrieben, steht dem Motorfahrzeugführer in der Beurteilung der 
Lage im Hinblick auf die Notwendigkeit des Warnens ein gewisses Ermessen zu 

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(Giger, a.a.O., S. 136). Selbst wenn Y. kein Warnsignal abgegeben hätte, wäre 
zu prüfen, ob dafür beachtliche Gründe, im vorliegenden Fall beispielsweise die 
unmittelbare Ausführung einer Vollbremsung oder eines Ausweichmanövers, 
vorlagen, welche eine Unterlassung der Warnung rechtfertigten. 

d) Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, Y. sei mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu schnell gefahren. Hierfür spräche erstens 
der Umstand, dass er die Strecke zwischen Kuppe und Kollisionspunkt auf ledig-
lich 40 m statt ca. 110 m schätzte, und dass er trotz Vollbremsung und einer 
Bremsspur von 5.6 m noch 30 m weiter gefahren und dann mit noch recht hohem 
Tempo mit der Beschwerdeführerin kollidiert sei. Die Tatsache, dass Y. die Di-
stanz zwischen Kuppe und Kollisionsstelle nicht genau angeben konnte, kann 
nicht als Hinweis auf eine überhöhte Geschwindigkeit gedeutet werden, sondern 
ist vielmehr damit zu erklären, dass er als deutscher Staatsangehöriger mit 
Wohnsitz in Deutschland die Örtlichkeit nicht kannte. Zudem muss berücksichtigt 
werden, dass er bei dem Unfall ebenfalls verletzt wurde und sich vorübergehend 
in ärztliche Behandlung begeben musste. Bezüglich der Geschwindigkeit gab Y. 
zu Protokoll (act. 6), dass er unmittelbar vor dem Unfall mit ca. 80 km/h gefahren 
sei. Die Zeugin E. sagte aus, der Motorradfahrer sei nicht gerast (act. 9). Auch 
aus dem Umstand, dass Y. zunächst voll abbremste, dann aber sein Brems-
manöver nicht fortsetzte, sondern versuchte, die Fussgängerin links zu umfah-
ren, kann nicht abgeleitet werden, Y. sei zu schnell gefahren. Vielmehr ist zu 
berücksichtigen, dass der Ausweichweg im vorliegenden Fall wesentlich kürzer 
war als der Bremsweg. Der Bremsweg ist der Teil des Anhalteweges, den das 
Fahrzeug vom Betätigen der Bremse bis zum Stillstand (ohne Berücksichtigung 
der Reaktionszeit) zurücklegt. Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h beträgt der 
Bremsweg bei ausreichenden 2-Rad Bremsen zwischen 70 und 90 m, bei sehr 
guten Bremsen zwischen 49,5 und 55 m (vgl. Hans Giger, Kommentar zum 
Strassverkehrsgesetz, 6. Auflage 2002, S. 94 f.). Damit hatte Y. im vorliegenden 
Fall keine Möglichkeit, nach Einleitung des Bremsmanövers sein Fahrzeug noch 
vor der Beschwerdeführerin zum Stillstand zu bringen. Auch droht bei einer Voll-
bremsung die Gefahr, dass die Räder blockieren, das Motorrad dadurch instabil 
wird und damit für den Motorradlenker eine hohe Sturzgefahr entsteht. Dem Be-
schwerdegegner blieb nur noch die Durchführung eines Ausweichmanövers. 
Dass er dabei versuchte, der Fussgängerin nach links und nicht nach rechts aus-
zuweichen, kann ihm ebenfalls nicht zum Vorwurf gemacht werden. Für ihn war 
nicht vorhersehbar, wie X. reagieren würde und ob sie stehen bleiben oder wei-
tergehen würde.

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Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Y. aufgrund der Akten 
weder objektiv noch subjektiv ein fehlbares Verhalten vorgeworfen werden kann. 
Da er mit einer den Verhältnissen angepassten Geschwindigkeit unterwegs und 
zudem vortrittsberechtigt war, musste er nicht damit rechnen, dass eine Fuss-
gängerin unvermittelt vor ihm die Fahrbahn betreten würde. Die Frage, ob die 
Beschwerdeführerin vorgängig noch nach links und rechts schaute, ist für die 
Beurteilung des Verhaltens von Y. nicht von Bedeutung und kann daher offen 
gelassen werden. Der Kreispräsident Sur Tasna hat in der angefochtenen Ein-
stellungsverfügung vom 22. November 2004 die vorhandenen Aussagen und Be-
weismittel eingehend gewürdigt und die Strafverfolgung gegen Walter Wurf zu 
Recht eingestellt. Weitere Beweismittel, die dieses Beweisergebnis beeinflussen 
könnten, sind nicht erkennbar. Die Beschwerde ist daher vollumfänglich abzu-
weisen.

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens gestützt auf Art. 160 Abs. 1 StPO zu Lasten der Beschwer-
deführerin.

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.-- gehen zu Lasten der 
Beschwerdeführerin.

3. Mitteilung an:

__________

Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin ad hoc: