# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a9eb43e0-4806-5d91-a927-03373d34929b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-11
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 11.06.2020 SK 2020 93
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-93_2020-06-11.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 93

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 11. Juni 2020 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr, Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiber Neuenschwander

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 29. August 2019 (PEN 18 146)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 29. August 2019 erkannte das Regionalgericht Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) was folgt (pag. 251 ff.; Hervor-
hebungen im Original): 
I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der groben Verkehrsregelverletzung, mehrfach begangen als Lenker eines PW;

1.1. am 13.03.2018 in Lützelflüh-Goldbach durch Überholen ohne die Gewissheit, rechtzeitig 
und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu können und ungenügen-
den Abstand beim Wiedereinbiegen nach dem Überholen eines Lastwagens;

1.2. am 13.03.2018 in Hasle b. Burgdorf durch Überholen trotz Gegenverkehr und ohne die 
Gewissheit, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu 
können sowie ungenügenden Abstand beim Wiedereinbiegen nach dem Überholen eines 
Gesellschaftswagens;

2. der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen als Lenker eines PW am 13.03.2018 in 
Hasle b. Burgdorf durch Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit ausserorts;

und in Anwendung der Art. 4a Abs. 1 lit b, 10 Abs. 2 VRV; 32 Abs. 2, 34 Abs. 4, 35 Abs. 2 + 3, 90 
Abs. 1 + 2; Art. 34, 42 Abs. 1 + 4, 44 Abs. 1, 47, 49 Abs. 1, 106, 333 StGB, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 32 Tagessätzen zu CHF 50.00, ausmachend total CHF 1‘600.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 400.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 8 Tage festgesetzt.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 40.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung wird auf 1 Tag festgesetzt.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 3‘800.00 und Aus-
lagen von CHF 106.00, insgesamt bestimmt auf CHF 3‘906.00 

Kosten der Untersuchung CHF 800.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 3’000.00
Total CHF 3’800.00

Entschädigung für Zeugen CHF 106.00
Total CHF 106.00

Total Verfahrenskosten CHF 3’906.00

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

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Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1‘000.00. Die redu-
zierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 2‘906.00.

II.

Weiter wird verfügt:

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend Beschuldigter), nach wie 
vor verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingaben vom 9. bzw. 20. Sep-
tember 2019 fristgerecht die Berufung an (pag. 258 und 263). 

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 20. Februar 2020 (pag. 265 ff.). 

In seiner form- und fristgerecht eingereichten Berufungserklärung vom 13. März 
2020 beschränkte der Beschuldigte die Berufung auf den erstinstanzlichen Schuld-
spruch wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln (pag. 309 f.). Die 
Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 27. März 2020 auf eine 
Teilnahme am Berufungsverfahren (pag. 315 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen 

Bereits in seiner Berufungserklärung vom 13. März 2020 beantragte der Beschul-
digte die Durchführung eines mündlichen Berufungsverfahrens. Weiter stellte er 
den Beweisantrag, es sei auf dem gesamten fraglichen Streckenabschnitt ein Au-
genschein durch Befahren der Strecke durchzuführen (pag. 310). 

Mit begründetem Beschluss vom 27. März 2020 wies die Kammer den Beweisan-
trag des Beschuldigten ab und lud ihn ein zu prüfen, ob nicht doch ein schriftliches 
Verfahren in Frage kommen könnte (pag. 317 f.). Nachdem der Beschuldigte sei-
nen Wunsch nach einer mündlichen Verhandlung bestätigt hatte (Eingabe vom 
17. April 2020; pag. 323), setzte die Kammer den Termin zur oberinstanzlichen 
Verhandlung auf den 11. Juni 2020 fest (Verfügung vom 21. April 2020, pag. 325 
f.).

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung holte die Kammer von Amtes wegen ei-
nen Strafregisterauszug (datierend vom 8. Mai 2020, pag. 337) sowie einen Leu-
mundsbericht über den Beschuldigten samt Erhebungsformular wirtschaftliche Ver-
hältnisse ein (beides datierend vom 7. Mai 2020; pag. 330 ff.). Dem Bericht beige-
legt war zudem eine an den einvernehmenden Kantonspolizisten adressierte Stel-
lungnahme des Beschuldigten zum Vorfall bzw. zum erstinstanzlichen Urteil 
(pag. 335).

In der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte nochmals zur Person und zur 
Sache befragt (pag. 343 ff.). Zusätzlich zur schriftlichen Protokollierung wurde eine 
Tonaufnahme der Einvernahme erstellt. Anstelle eines Vorlesens erkannte die 
Kammer die elektronische Aufzeichnung zu den Akten (pag. 342).

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4. Anträge 

Während der Beschuldigte in seiner Berufungserklärung vom 13. März 2020 noch 
den Schuldspruch wegen mehrfacher grober Verkehrsregelverletzung beanstandet 
hatte, modifizierte er den Umfang seiner Berufung in der Berufungsverhandlung. 
Neu beantragte er, das erstinstanzliche Urteil sei nicht nur hinsichtlich des Schuld-
spruchs der einfachen Verkehrsregelverletzung (Geschwindigkeitsüberschreitung) 
zu bestätigten, sondern er sei zudem – soweit das zweite Überholmanöver betref-
fend (Ziff. I.1.2 des erstinstanzlichen Dispositivs) – der groben Verkehrsregelverlet-
zung schuldig zu erklären (pag. 355). 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Nach dem anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung erklärten Teilrück-
zug beschränkt sich die Berufung auf den für das erste Überholmanöver ausgefäll-
ten Schuldspruch wegen grober Verkehrsregelverletzung (Ziff. I.1.1. des erstin-
stanzlichen Dispositivs) und damit zusammenhängend die ausgesprochene Gelds-
trafe. Nicht (mehr) angefochten und in Rechtskraft erwachsen sind dagegen einer-
seits der erstinstanzliche Schuldspruch wegen einfacher Verkehrsregelverletzung 
(Ziff. I.2. des erstinstanzlichen Dispositivs) und die damit zusammenhängende 
Übertretungsbusse von CHF 40.00 sowie andererseits der Schuldspruch wegen 
grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Ziff. I.1.2. des erstinstanzlichen Dis-
positivs. 

Hinsichtlich der angefochtenen Punkte überprüft die Kammer das erstinstanzliche 
Urteil mit voller Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Aufgrund der alleinigen Berufung 
des Beschuldigten ist eine strengere Bestrafung ausgeschlossen (Verschlechte-
rungsverbot, Art. 391 Abs. 2 StPO). 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Nach Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO gilt vorliegend der Strafbefehl vom 26. April 2018 
als Anklageschrift. Darin wird dem Beschuldigten folgendes Verhalten vorgeworfen 
(pag. 33): 

Der Beschuldigte überholte als Lenker eines Personenwagens auf der Strecke Lützelflüh - Hasle bei 
Burgdorf einen Lastwagen und fügte sich anschliessend aufgrund Gegenverkehrs zwischen dem 
Lastwagen und einem vorausfahrenden Gesellschaftswagen (Bus) wieder auf die rechte Fahrbahn 
ein, wobei er den nachfolgenden Lastwagen aufgrund ungenügenden Abstandes behinderte. Der 
Lastwagenlenker bremste in der Folge massiv ab, um eine Kollision mit dem Beschuldigten zu ver-
meiden und den vorgeschriebenen Mindestabstand zu dessen Personenwagen wahren zu können. 
Anschliessend überholte der Beschuldigte den Gesellschaftswagen, wobei er die signalisierte 
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts überschritt. Zudem gefährdete er den Lenker des 
Busses, da er sich aufgrund Gegenverkehrs dicht vor dem Gesellschaftswagen auf die rechte Fahr-
bahn eingefügt hatte. Der Buschauffeur musste in der Folge massiv abbremsen, um eine Kollision mit 
dem Beschuldigten zu vermeiden. Mit seinem Verhalten schuf der Beschuldigte eine ernstliche Gefahr 
für andere Verkehrsteilnehmer und nahm diese auch in Kauf.

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Sowohl mit Verfügung vom 19. März 2019 (pag. 173) als auch anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung (pag. 217) behielt sich die Vorinstanz vor, beide 
dem Beschuldigten vorgeworfenen Überholmanöver auch unter dem rechtlichen 
Gesichtspunkt der (mehrfachen) groben Verkehrsregelverletzung zu würdigen. 
Dieser Würdigungsvorbehalt gilt auch für die oberinstanzliche Beurteilung. 

Wie bereits unter Ziff. 4 und 5 hiervor ausgeführt, bestreitet der Beschuldigte den 
Ablauf und die mit dem zweiten Überholmanöver (Überholen des Gesellschaftswa-
gens) geschaffene Gefahr nicht mehr. Die nachfolgende Beweiswürdigung be-
schränkt sich daher auf die für die Beurteilung des ersten Überholmanövers (Über-
holen des Lastwagens) massgebenden Elemente. Die Umstände des zweiten 
Überholmanövers bleiben indessen für die Zumessung der Strafe von Bedeutung 
und sind dort erneut aufzunehmen. 

7. Unbestrittenes Rahmengeschehen und bestrittener Sachverhalt

7.1 Unbestrittenes Rahmengeschehen

Wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten (S. 6 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 270 f.), ist hinsichtlich des Rahmengeschehens unbestritten, 
dass der Beschuldigte am Dienstag, 13.03.2018, mit seinem Personenwagen (Toyota ________) von 
Ramsei herkommend in Richtung Hasle bei Burgdorf unterwegs war. Zur gleichen Zeit waren vor ihm 
auf derselben Strecke C.________ als Lenker eines Lastwagens (Kontrollschild BE ________) sowie 
unmittelbar vor diesem D.________ als Lenker eines Gesellschaftsbusses [recte: -wagens] (Kontroll-
schild BE ________) unterwegs. Der Beschuldigte überholte unbestrittenermassen um ca. 09:52 Uhr 
kurz vor Lützelflüh den unmittelbar vor ihm fahrenden Lastwagen und fuhr anschliessend in die Lücke 
zwischen dem Lastwagen und dem Linienbus (pag. 15 Z. 27; 25 Z. 21). 

Der Ablauf dieses ersten Überholmanövers wird vom Lastwagenfahrer C.________ 
und dem Beschuldigten insofern übereinstimmend beschrieben, als beide angaben, 
die Lücke zwischen dem LKW und dem vor diesem fahrenden Bus habe sich 
während dem Überholmanöver des Beschuldigten verkleinert (Beschuldigter: 
pag. 25 Z. 22 f.; C.________: pag. 15 Z. 25). Hinsichtlich des weiteren Ablaufs be-
schreiben beide eine «heikle» (der Beschuldigte sprach sogar von einer «gefährli-
chen» [pag. 25 Z. 28-38]) Situation beim Wiedereinbiegen. Der Lastwagenfahrer 
C.________ beschrieb diesbezüglich konstant, es sei knapp geworden 
(pag. 15 Z. 26 f.; 61 Z. 135-138.; 220 Z. 2 f.). Auch der Beschuldigte selbst räumte 
ein, es sei «ziemlich» resp. «wirklich knapp» gewesen (pag. 25 Z 28 f.; 233 Z. 25), 
er habe sich in die Lücke «ichedrückt» (u.a. pag. 233 Z. 25). Nicht bestritten ist sei-
tens des Beschuldigten weiter, dass der Lastwagenfahrer als Folge seines Spur-
wechsels «stark» bremsen musste (pag. 25 Z. 69). C.________ qualifizierte das 
Bremsmanöver als «brüsk», nicht aber als Vollbremsung (pag. 16 Z. 65 f.; 61 
Z. 132 f.). Der vor C.________ und dem Beschuldigten fahrende Busfahrer 
D.________ sprach in diesem Zusammenhang gar von einer Notbremsung, die der 
Lastwagenfahrer eingeleitet habe (pag. 20 Z. 24 f.). Auf das Manöver des Beschul-
digten reagierte der Lastwagenfahrer mit Lichthupen und Hupsignalen 
(C.________: pag. 15 Z. 29 f.; D.________: 20 Z. 25 f.; Beschuldigter: 25 Z. 28; 
58 Z. 48). 

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7.2 Bestrittene Elemente im konkreten Ablauf des Überholmanövers

Neben dem genauen Abstand, den der Beschuldigte beim Wechsel zurück auf sei-
ne Fahrspur zu dem hinter ihm fahrenden Lastwagen hatte, sind insbesondere die 
Ursachen und Umstände bestritten, welche dazu führten, dass sich die vom Be-
schuldigten schlussendlich zum Wiedereinbiegen genutzte Lücke zwischen dem 
Lastwagen und dem Gesellschaftswagen verkleinerte, während der Beschuldigte 
den Lastwagen überholte. Der Lastwagenfahrer C.________ machte diesbezüglich 
sinngemäss geltend, er sei aufgrund einer Geschwindigkeitsreduzierung des vor 
ihm fahrenden Gesellschaftswagens näher an diesen herangefahren (z.B. pag. 61 
Z. 149-156). Der Beschuldigte sieht die Ursache dagegen im Fahrverhalten des 
Lastwagenfahrers. C.________ habe während des Überholmanövers (absichtlich) 
zu beschleunigen begonnen. Durch diese Beschleunigung des Lastwagens habe 
sich sein Manöver in die Länge gezogen und die Lücke zwischen dem Lastwagen 
und dem voranfahrenden Gesellschaftswagen sei kleiner geworden. Da ihm (dem 
Beschuldigten) plötzlich Gegenverkehr entgegengekommen sei, habe er keine an-
dere Wahl mehr gehabt, als sich in die Lücke zwischen dem Lastwagen und dem 
Bus zu drücken (z.B. pag. 25 Z. 25). Da das Verhalten der anderen Verkehrsteil-
nehmer für ihn nicht vorhersehbar gewesen sei, könne ihm kein Vorwurf gemacht 
werden.

8. Objektive Beweismittel

Mit dem Anzeigerapport (pag. 1 ff.), der Fotodokumentation (pag. 9 ff.) sowie den 
Ausdrucken von Google Maps und Google Street View (pag. 183 ff.) hat die Vorin-
stanz die zur Verfügung stehenden objektiven Beweismittel lückenlos aufgelistet. 
Für den Streckenabschnitt, auf dem sich das erste Überholmanöver ereignete, lei-
tete die Vorinstanz daraus zutreffend Folgendes ab (S. 8 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 272 f.):

- Die Hauptstrasse verläuft von Ramsei herkommend Richtung Hasle bei Burgdorf und ist ein-
gangs Lützelflüh-Goldbach durch eine gerade Streckenführung gekennzeichnet (pag. 10f.; 184). 
Vor der Ortschaft Lützelflüh-Goldbach ist zunächst eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 
60 km/h signalisiert, welche sich dann ausserorts [nach der Häusergruppe «Fuhren»] – noch vor 
der ersten Überholstelle – auf 80 km/h erhöht (pag. 10). 

- Das erste Überholmanöver fand auf der Hauptstrasse vor der Innerortszone Lützelflüh-Goldbach 
statt. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit wechselt (bei Ortsbeginn) von 80 km/h auf 50/km (mit 
entsprechender Signalisation, pag. 11). Durch die gerade Streckenführung sind sowohl allfälliger 
Gegenverkehr als auch der Ortsbeginn allgemein gut sichtbar, jedoch bestehen auf Höhe des 
Ortseingangs mehrere Einfahrts- und Nebenstrassen (pag. 10f.). Die Strecke von der signalisier-
ten Aufhebung der erlaubten Geschwindigkeit von 60 km/h auf 80 km/h bis zum Beginn der In-
nerortszone beträgt rund 390m (pag. 184). 

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9. Subjektive Beweismittel – Aussagen der Beteiligten

9.1 Allgemeines

Neben dem Beschuldigten selber wurden auch die von ihm überholten Verkehrs-
teilnehmer mehrfach persönlich zu den Überholmanövern befragt (Beschuldigter: 
am 16. März 2018 von der Polizei [pag. 24 ff.], am 6. Juli 2018 von der Staatsan-
waltschaft [pag. 73] sowie anlässlich der erst- und oberinstanzlichen Hauptver-
handlung [pag. 232 ff. und 343 ff.]; Auskunftspersonen D.________ und 
C.________: jeweils am 14. März 2018 von der Polizei [pag. 14 ff.], am 6. Juli 2020 
von der Staatsanwaltschaft [pag. 57 ff.] sowie anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung vom 28. August 2019 [pag. 218 ff.]). Die Vorinstanz hat die Aus-
sagen der beiden Auskunftspersonen und des Beschuldigten ausführlich und zu-
treffend zusammengefasst. Darauf kann verwiesen werden (S. 9-13 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 273-277).

Auch hinsichtlich der allgemeinen Grundlagen zur Beweiswürdigung – insbesonde-
re zur Würdigung von Aussagen – wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen (S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 277).

9.2 Würdigung der Aussagen der Auskunftspersonen

9.2.1 Entstehungsgeschichte der Aussagen

Sowohl der Lastwagenfahrer C.________ als auch der Busfahrer D.________ mel-
deten sich innert sehr kurzer Zeit (9:58 Uhr und 10:02 Uhr) telefonisch bei der Poli-
zei und schilderten je ein gefährliches Überholmanöver des Beschuldigten (pag. 3). 
Bei beiden handelt es sich um erfahrene Berufschauffeure, die viel Zeit auf 
Schweizer Strassen verbringen und sich dabei stetig mit dem Verhalten von ande-
ren Verkehrsteilnehmern auseinanderzusetzen haben. Dass sich beide – unabhän-
gig voneinander und innert weniger Minuten – durch das Verhalten des Beschuldig-
ten dazu veranlasst sahen, die Polizei einzuschalten, spricht nach Ansicht der 
Kammer bereits deutlich für die Ungewöhnlichkeit bzw. Gefährlichkeit seiner Manö-
ver. C.________ gab sodann unumwunden zu, er sei ob des Verhaltens des Be-
schuldigten «wütend und ausser sich» gewesen (pag. 58 Z. 47) und habe so unter 
Adrenalin gestanden, dass er keinen Gegenverkehr habe wahrnehmen können 
(pag. 15 Z. 28 f.). 

Wie bereits von der Vorinstanz zutreffend festgehalten (S. 14 der Urteilsbegrün-
dung, pag. 278), hatten die Auskunftspersonen vor dem 13. März 2018 weder be-
ruflich noch privat je mit dem Beschuldigten oder miteinander zu tun gehabt. Die 
Meldungen an die Polizei durch D.________ (via E.________ AG) und C.________ geschah[en] je-
weils unabhängig voneinander. Dem E-Mail-Verkehr zwischen C.________ und D.________ bzw. der 
E.________ AG lassen sich denn auch keine Anzeichen für eine allfällige Absprache zwischen den 
Auskunftspersonen entnehmen. Mit der Vorinstanz sind für die Kammer keine Gründe 
ersichtlich, welche die Auskunftspersonen zu einer verzerrten Wiedergabe der Ge-
schehnisse oder zu einer falschen Belastung des Beschuldigten hätten bewegen 
können. 

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Insgesamt ist die Entstehungsgeschichte der Aussagen damit unauffällig, was zu-
sammen mit den vorhandenen inhaltlichen Realitätskriterien (dazu sogleich) für ih-
ren Realitätsbezug spricht. 

9.2.2 Inhaltliche Realkennzeichen

Die Aussagen der beiden Auskunftspersonen entwickeln sich zunächst stimmig 
und nachvollziehbar über Nebensächlichkeiten, die sich vor dem besagten Manö-
ver abspielten. So führte der Busfahrer D.________ aus, er sei mit einem leeren 
Bus unterwegs gewesen, den er ins Depot nach Burgdorf habe bringen wollen, als 
ein Lastwagen an ein Stoppsignal gefahren sei und ihn habe durchfahren lassen. 
Dieser Lastwagen sei anschliessend hinter ihm hergefahren (pag. 20 Z. 16-19; 66 
Z. 38-41). Auch der damit angesprochene Lastwagenfahrer C.________ erinnerte 
sich daran, wie er am besagten Tag vor einer Bahnschranke hinter einem Linien-
bus zum Stillstand gekommen sei. Bezüglich der anschliessenden Fahrt im Aus-
serortsbereich führte er weiter originell und nachvollziehbar aus, er habe der Ver-
kehrskolonne gut folgen können, weil sein Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt leer ge-
wesen sei (pag. 15 Z. 17-21; 58 Z. 37-42). Die beiden Berufschauffeure schätzten 
ihre Geschwindigkeit übereinstimmend auf 70-80 km/h (D.________: pag. 68 
Z. 128; C.________: pag. 15 Z. 22), was mit Blick auf die im besagten Streckenab-
schnitt geltende Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h plausibel erscheint. 

Auch die überwiegend vom überholten Lastwagenfahrer C.________ stammenden 
Aussagen zum anschliessenden – vorliegend noch strittigen – ersten Überhol-
manöver des Beschuldigten, erscheinen der Kammer glaubhaft. Wie schon von der 
Vorinstanz – auf deren zutreffende Aussagenwürdigung ergänzend zu verweisen 
ist (S. 13 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 277 f.) – erwähnt, schil-
derte C.________ die Geschehnisse auf offene Fragen hin und über mehrere Ein-
vernahmen in sich stimmig, präzise und hinsichtlich der Kernpunkte widerspruchs-
frei. Er gab insbesondere konstant zu Protokoll, die Lücke zum vor ihm fahrenden 
Bus habe sich nicht als Folge einer Beschleunigung seinerseits, sondern wegen ei-
nes Abbremsens des Busfahrers verkleinert, auf welches er unter Umständen ver-
zögert reagiert habe (pag. 15 Z. 24 f., 58 Z. 44 f. 219 Z. 46 f.). Da sich das Über-
holmanöver kurz vor dem Ortseingang Lützelflüh abspielte, erscheint weiter nach-
vollziehbar, dass C.________ die Temporeduktion des Busses (nachträglich) auf 
die kurz darauf tatsächlich signalisierte Herabsetzung der zulässigen Höchstge-
schwindigkeit von 80 km/h auf 50 km/h zurückführte (pag.15 Z. 24, 58 Z. 42 ff., 219 
46 f.). D.________, der Busfahrer, bestätigte zwar das Bremsmanöver, nicht aber 
den vom Lastwagenfahrer C.________ antizipierten Grund. So führte er aus, er 
habe nicht wegen des bevorstehenden 50ers, sondern wegen des nahenden Ge-
genverkehrs gebremst. Er habe sich nämlich gedacht, der Beschuldigte werde ihn 
auch noch gleich mitüberholen (pag. 68 Z. 119-122). Dies bestätigte er anlässlich 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 227 Z. 12 ff.), wenngleich er sich zu 
diesem Zeitpunkt an Vieles nicht mehr erinnern konnte, was mit Blick auf die zwi-
schenzeitlich verstrichene Zeit nicht weiter erstaunt. 

Im Zusammenhang mit dem Wiedereinbiegen des Beschuldigten schilderte der 
Lastwagenfahrer C.________ ebenfalls gleichbleibend und detailliert, der Beschul-
digte habe auf der Höhe seiner Führerkabine den Blinker gesetzt und sich zwi-

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schen ihn und den vor ihm fahrenden Bus gedrängt bzw. nach rechts gezogen 
(pag. 15 Z. 25-27, pag. 58 Z. 45 f. und 46, 220 Z. 1 f.). Im ersten Moment habe 
zwischen den Fahrzeugen (Stossstange zu Stossstange) nur ein Abstand von 4-5 
Metern (also eine knappe Wagenlänge) bestanden (pag. 220 Z. 14 f.). Dass 
C.________ als Reaktion auf das Manöver des Beschuldigten ein starkes Brems-
manöver einleiten musste, wird nicht nur von diesem selber ausgeführt, sondern 
auch vom Beschuldigten und dem Busfahrer D.________ bestätigt. C.________ 
konkretisierte, er habe stark abbremsen müssen, um das Einbiegen des PWs zu 
ermöglichen (pag. 15 Z. 27 f., 58 Z. 46 f.) und dass es ohne ein Bremsmanöver 
seinerseits wohl nicht gereicht hätte (pag. 61 Z. 135-138). Indem er nachschiebt, er 
sei «wütend und ausser sich» gewesen (pag. 58 Z. 47), gewährt er Einblick in sei-
ne damalige Gefühlswelt und beschreibt Gemütsregungen, die zu seinen Schilde-
rungen einer unvorhersehbaren und heiklen Situation passen. Gleichzeitig räumte 
C.________ ein, er habe als Reaktion auf das Wiedereinbiegen des Beschuldigten 
nicht eine Vollbremsung einleiten müssen, sondern stufte die Intensität des 
Bremsmanövers auf einer Skala von 1-10 bei einer 7 mit «brüsk» ein (pag. 61 
Z. 131-133). Dies im Gegensatz zur Wahrnehmung des Busfahrers D.________, 
der im Zusammenhang mit dem Abbremsen des Lastwagens von einer «Notbrem-
sung» sprach (pag. 20 Z. 24 f.). Die von C.________ offenbarte Zurückhaltung 
deutet auf die Sachbezogenheit seiner Ausführungen hin. Auch sonst sah er bei 
seinen Schilderungen von Übertreibungen ab und belastete den Beschuldigten 
nicht übermässig. In diesem Zusammenhang gab er beispielsweise an, es wäre 
wahrscheinlich schon möglich gewesen, an der vom Beschuldigten gewählten Stel-
le gefahrlos zu überholen (pag. 61 Z. 145 f.). Er schloss auch eine Beschleunigung 
seinerseits, wie sie vom Beschuldigten behauptet wird, nicht kategorisch aus, son-
dern präzisierte lediglich, dass er ab dem Zeitpunkt, als er den Beschuldigten ge-
sehen habe – was relativ spät gewesen sei – nicht mehr beschleunigt habe bzw. 
für eine Beschleunigung gar keine Zeit mehr geblieben wäre (pag. 61 Z. 149-156). 
C.________ liess auch Umstände nicht aus, die potentiell auf ein Fehlverhalten 
seinerseits hätten schliessen lassen können. So gestand er ein, dem Beschuldigten 
gleich nach dessen Einbiegen nahe aufgefahren zu sein und Warnzeichen gege-
ben zu haben (pag. 63 Z. 212 ff.). 

Insgesamt wirken die Schilderungen des Lastwagenfahrers C.________ nachvoll-
ziehbar und wirklichkeitsnah. Stimmig ergänzt werden sie sowohl durch die örtli-
chen Gegebenheiten als auch durch die Aussagen des Busfahrers D.________. 
Auf sie ist mit der Vorinstanz abzustellen.

Soweit die Verteidigung von einer zunehmenden Dramatisierung der Aussagen 
ausging, ist eine solche für die Kammer nicht ersichtlich. C.________ schilderte 
das Geschehen vielmehr – wie soeben aufgezeigt – zurückhaltend und in den we-
sentlichen Punkten konstant. In den späteren Einvernahmen räumte er sodann ein, 
wenn er Einzelheiten nicht mehr rekapitulieren konnte (z.B. pag. 220 Z. 41 ff.). Die 
«leichten Widersprüche», welche die Verteidigung in den Aussagen C.________s 
erblickte (so habe er zunächst ausgeführt, der Beschuldigte habe ihn zaghaft zu 
überholen begonnen, um später zu behaupten, er habe ihn erst auf der Höhe der 
Fahrerkabine wahrgenommen), sind nach Ansicht der Kammer von untergeordne-

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ter Bedeutung und ändern nichts an der Glaubhaftigkeit der Aussagen 
C.________s.

9.3 Würdigung der Aussagen des Beschuldigten 

Auch die vorinstanzliche Würdigung der Aussagen des Beschuldigten ist überzeu-
gend. Sie führte insbesondere aus (S. 14 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 278 f.): 

Demgegenüber erweist sich das Aussageverhalten des Beschuldigten als ausflüchtend, bagatellisie-
rend und bei genauer Betrachtung auch als widersprüchlich. Insbesondere die Aussagen anlässlich 
der polizeilichen Einvernahme sind durch Ausflüchte (exemplarisch: pag. 25 Z. 17ff.) und Gegenan-
griffe (exemplarisch: pag. 25 Z. 23f.) gekennzeichnet. Seltsam mutet bereits das Telefonat zwischen 
der Polizeiwache Burgdorf und dem Beschuldigten an: Der Beschuldigte zeigte sich demnach 
zunächst äusserst erstaunt und gab spontan an, ["Was, das Postouto hüt am Morge?] Das isch ömu 
nid gfährlech gsi“. Jedoch räumte er bereits wenige Tage später während der polizeilichen Einver-
nahme ein, dass es „ziemlich knapp“ geworden und damit eben doch gefährlich geworden sei. Diese 
beiden Aussagen stehen ebenso in offensichtlichem Widerspruch zueinander, wie die Behauptung, 
Bus und Gegenverkehr hätten beim zweiten Überholmanöver kaum dergestalt bremsen müssen, ob-
wohl der Abstand zum Gegenverkehr nach eigener Einschätzung des Beschuldigten bloss noch 40m 
bzw. 1 Fahrsekunde betrug. Weitere Widersprüche bestehen wie bereits ausgeführt beispielsweise 
hinsichtlich der gefahrenen Geschwindigkeit beim ersten Überholmanöver. Diese doch sehr markante 
Abweichung in den Aussagen des Beschuldigten lässt sich nach Auffassung des Gerichts nicht alleine 
mit dem Zeitablauf erklären. Der Beschuldigte machte sodann bei der polizeilichen Einvernahme gel-
tend, dass „der Lastwagenfahrer immer wie schneller“ geworden sei und sich dadurch das Überhol-
manöver verzögert habe (pag. 25 Z. 26f.). Später räumte er jedoch in der staatsanwaltschaftlichen 
Einvernahme ein, dass „der LKW nicht viel, aber schon etwas Gas gegeben hat“ (pag. 75 Z. 61f.). Im 
Rahmen der Hauptverhandlung sprach der Beschuldigte noch von „ein wenig Gas“ gegeben 
(pag. 233 Z. 22). Auf die Aussagen des Beschuldigten kann – jedenfalls soweit sie von den überein-
stimmenden Aussagen der Auskunftspersonen abweichen – nicht abgestellt werden.

[…]

Um seinem Standpunkt Nachdruck zu verleihen, bediente sich der Beschuldigte generellen Pauscha-
lisierungen wie etwa, dass „es ist ja generell ein Problem [sei], dass Fahrzeuglenker Gas geben [wür-
den], wenn sie überholt werden“ (pag. 75 Z. 63). Auch die Verteidigung führte aus, es sei notorisch, 
dass Chauffeure „wie die Henker“ fahren würden (pag. 238). Solche Verallgemeinerungen entspre-
chen weder den Erfahrungen des Gerichts noch kann daraus in casu etwas zu Gunsten des Beschul-
digten abgeleitet werden. 

Notorisch ist, dass die Strassenverkehrsteilnehmer bei Aufhebung von Geschwindigkeitsbeschrän-
kungen beschleunigen resp. bei Reduktion der Höchstgeschwindigkeit verlangsamen. 

Ergänzend erscheinen die Aussagen des Beschuldigten der Kammer auch unter 
dem Gesichtspunkt der logischen Konsistenz wenig überzeugend. Nachdem er an-
fänglich noch behauptet hatte, er sei unmittelbar vor dem ersten Überholmanöver 
mit ca. 60 km/h hinter dem Lastwagen hergefahren (pag. 25 Z. 56), gab er bei sei-
ner zweiten Einvernahme an, die beiden Verkehrsteilnehmer vor ihm seien mit ei-
ner Geschwindigkeit von 75-80 km/h unterwegs gewesen (pag. 74 Z. 51-53). Ein 
der späteren Aussage entsprechendes Tempo liegt nicht nur mit Blick auf die im 
besagten Abschnitt geltende Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h nahe, sondern 

11

wird auch durch die Aussagen der Auskunftspersonen gestützt (vgl. dazu Ziff. 9.3 
hiervor). Bei dieser Ausgangslage erscheint der Standpunkt des Beschuldigten, er 
habe sich gedacht, «wenn die (gemeint die Verkehrsteilnehmer vor ihm) langsam 
fahren, kann ich den LKW problemlos überholen», wenig nachvollziehbar (pag. 76 
Z. 103 f.). 

Der Beschuldigte räumte sodann selber Umstände ein, die darauf hindeuten, dass 
nicht die vor ihm fahrenden Verkehrsteilnehmer langsam unterwegs waren, son-
dern vielmehr er das Bedürfnis hatte, besonders schnell voranzukommen. So gab 
er gegenüber der Polizei zu Protokoll, er habe den Lastwagen überholt, weil er ein 
bisschen unter Zeitdruck gestanden, kein Verkehr geherrscht und er flüssiger habe 
fahren wollen (pag. 25 Z. 48-50). Bei der Staatsanwaltschaft konkretisierte er, er 
habe um 10:15 Uhr einen Termin in Schönbühl gehabt und sei schon «es bizzeli 
pressiert» gewesen (pag. 76 Z. 96 f. und 103). In der oberinstanzlichen Hauptver-
handlung präzisierte der Beschuldigte, er habe einen Kollegen besuchen wollen, 
der im Bereich Urtenen-Schönbühl wohne (pag. 344 Z. 29-35). Es sei ihm bewusst 
gewesen, dass er seinen Termin nicht mehr zur vereinbarten Zeit erreichen würde; 
er habe die Zeitverzögerung aber möglichst klein halten wollen (pag. 350 Z. 22 ff.). 
Eine Berücksichtigung dieser Umstände verstärkt den Eindruck, dass die vor dem 
Beschuldigten fahrenden Verkehrsteilnehmer nicht objektiv (gemessen an der si-
gnalisierten Höchstgeschwindigkeit) langsam unterwegs waren, sondern es ledig-
lich dem Beschuldigten zu langsam voranging, weil er einen Zeitrückstand wettma-
chen wollte. 

Nach Ansicht der Kammer widersprüchlich äusserte sich der Beschuldigte weiter 
zum Vorhandensein von Gegenverkehr, bzw. dazu, wie der Gegenverkehr sein 
Verhalten während des Überholvorgangs beeinflusst habe. Er stellt sich nämlich 
einerseits auf den Standpunkt, die Strecke sei sehr übersichtlich und es habe kein 
Gegenverkehr geherrscht. In einer derartigen Situation hätte es für den Beschuldig-
ten keinen Grund gegeben, unvermittelt von der Gegenfahrbahn auf seine ange-
stammte Fahrbahn zurückzuziehen und so eine heikle Situation zu provozieren 
bzw. den Lastwagenfahrer C.________ zu einem starken Bremsmanöver zu zwin-
gen. Andererseits brachte der Beschuldigte vor, «es sei ja dann schon Gegenver-
kehr gekommen» (pag. 350 Z. 29 ff.). Sollte es der Gegenverkehr gewesen sein, 
der den Beschuldigten dazu bewegte, sich zwischen den Bus und den Lastwagen 
zurück auf seine Spur zu drängen, wäre dieser für ihn – aufgrund der nach seinen 
eigenen Angaben geraden und übersichtlichen Strecke – bereits von weitem sicht-
bar gewesen. Der Beschuldigte hätte sich somit nach Erblicken des Gegenverkehrs 
auf der Gegenfahrbahn problemlos hinter den Lastwagen zurückfallen lassen kön-
nen, um sich anschliessend hinter diesem auf seiner angestammten Fahrspur ein-
zureihen. Soweit der Beschuldigte mehrfach vorbrachte, ein Zurückfallenlassen sei 
nicht mehr möglich gewesen, weil er den «point of no return» bereits überschritten 
gehabt habe, blendet er aus, dass er relativ lange am Überholvorgang festgehalten 
haben muss. Der Gegenverkehr war für ihn bereits ersichtlich und er hätte darauf 
reagieren können. Er überschritt den «point of no return» mit anderen Worten nur 
deshalb, weil er trotz herannahendem Gegenverkehr an seinem Überholmanöver 
festhielt. 

12

Nach dem Gesagten erscheint es der Kammer plausibel, dass sich die Lücke zwi-
schen dem LKW und dem Bus verkleinerte, als der Beschuldigte zum Überholen 
ansetzte. Dies, weil der Busfahrer leicht abbremste und der hinter dem Bus fahren-
de Lastwagenfahrer leicht verzögert auf das Bremsmanöver reagierte. Hinweise 
auf ausserordentliche Umstände (wie beispielsweise ein starkes Beschleunigen 
des LKW-Fahrers), die dem Beschuldigten das Wiedereinbiegen erschwert hätten, 
sind für die Kammer indessen nicht ersichtlich. 

9.4 Erstellter Sachverhalt 

Hinsichtlich des ersten Überholmanövers geht die Kammer insbesondere gestützt 
auf die als glaubhaft erachteten Aussagen von C.________ davon aus, dass der 
Beschuldigte nach der Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung (60 km/h) bei 
der Häusergruppe «Fuhren» – gleich wie der vor ihm fahrende Lastwagen – in den 
Bereich der Höchstgeschwindigkeit ausserorts, also von 80 km/h, beschleunigte. In 
der Folge setzte er zaghaft zu einem Überholmanöver an. Der vor dem Beschuldig-
ten fahrende Lastwagenchauffeur C.________ fuhr während dieser Zeit – zumin-
dest ab dem Zeitpunkt, als er den Beschuldigten erblickt hatte (pag. 61 Z. 153 ff.) – 
mit einer konstanten Geschwindigkeit von 75-80 km/h weiter. Der Umstand, dass 
sich die Lücke zwischen dem Lastwagen und dem vor diesem fahrenden Bus an-
schliessend verkleinerte, war nicht, wie dies vom Beschuldigten geltend gemacht 
wird, auf eine (bewusste) Tempoerhöhung des LKW’s C.________ zurückzuführen. 
Vielmehr war es der vor diesem fahrende Buschauffeur D.________, der seine Ge-
schwindigkeit mit Blick auf die signalisierte Temporeduktion auf 50 km/h und/oder 
den von hinten herannahenden Beschuldigten reduzierte. Als der Beschuldigte sich 
auf der Höhe der Führerkabine des LKW’s befand, setzte er den Blinker und 
schwenkte unvermittelt zurück auf seine Fahrspur, um dem herannahenden Ge-
genverkehr auszuweichen. Der Lastwagenchauffeur C.________ reagierte auf das 
Verhalten des Beschuldigten und die damit einhergehende Kollisionsgefahr mit ei-
nem brüsken Bremsmanöver, so dass sich der Beschuldigte schliesslich mit einem 
Abstand von lediglich 4-5 Metern zum LKW vor diesen bzw. in die Lücke zwischen 
LKW und Bus schob. 

Soweit die Vorinstanz in der Folge weitere Überlegungen zum Überholweg anstell-
te, welcher dem Beschuldigten je nach Tempogestaltung der Beteiligten zur Verfü-
gung stand (S. 17 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 281 f.), sind die-
se zutreffend, für die Einschätzung der Situation und die vom Beschuldigten ge-
schaffene Gefährdung aber nicht entscheidend. Die von der Verteidigung vorge-
nommene Berechnung (pag. 177 ff.) basiert sodann auf einem von der Kammer 
verworfenen Geschehensablauf und beleuchtet daher bloss eine theoretische Mög-
lichkeit, wie ein Überholmanöver an der besagten Stelle hätte ablaufen können. 

13

III. Rechtliche Würdigung

10. Allgemeines zur groben Verkehrsregelverletzung

Nach Art. 90 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 (SVG; 
SR 741.01) wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer 
durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicher-
heit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. In objektiver Hinsicht setzt die Annahme 
einer groben Verkehrsregelverletzung eine ernsthafte Gefährdung der Verkehrssi-
cherheit voraus. Dabei genügt eine erhöhte abstrakte Gefährdung. Wesentliches 
Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der Ver-
wirklichung. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr genügt 
demnach nur zur Erfüllung des Tatbestands von Art. 90 Abs. 2 SVG, wenn in Anbe-
tracht der Umstände der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verlet-
zung naheliegt (BGE 142 IV 93 E. 3.1; 131 IV 133 E. 3.2 je mit Hinweisen).

Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ein rücksichtsloses oder 
sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, mithin ein schweres Verschul-
den, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit (BGE 131 IV 133 
E. 3.2 mit Hinweisen). Je schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, des-
to eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine besonderen 
Gegenindizien vorliegen (BGE 142 IV 93 E. 3.1 mit Hinweisen). Rücksichtslosigkeit 
im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG ist bloss mit Zurückhaltung anzunehmen. Insbe-
sondere darf nicht unbesehen von einer objektiven auf eine subjektiv schwere Ver-
kehrsregelverletzung geschlossen werden. Nicht jede Unaufmerksamkeit, die we-
gen der Schwere des Erfolgs objektiv als gravierende Verletzung der Vorsichts-
pflicht zu betrachten ist, wiegt auch subjektiv schwer (BGE 142 IV 93 E. 3.1 mit 
Hinweisen).

11. Pflichten beim Überholen

Die Ausführungen der Vorinstanz zu den einschlägigen Bestimmungen im Stras-
senverkehrsgesetz und in der Verkehrsregelverordnung sowie zur einschlägigen 
Lehre und Rechtsprechung sind ausführlich, vollständig und zutreffend, so dass 
darauf verwiesen werden kann (S. 21-24 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 285-288). Dies betrifft neben den Pflichten des Überholenden auch jene, die 
von überholten Verkehrsteilnehmern zu beachten sind. 

Das Überholen - vorab auf Strassen mit Gegenverkehr - gehört zu den gefährlichs-
ten Fahrmanövern. Ein solches Manöver ist deshalb nur gestattet bzw. darf nur 
durchgeführt werden, wenn es nicht überhaupt verboten ist, der nötige Raum über-
sichtlich und frei ist und andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet 
werden (BGE 129 IV 155 E. 3.2.1 mit Hinweisen). Der Überholende muss von An-
fang an die Gewissheit haben, sein Manöver sicher und ohne Gefährdung Dritter 
abschliessen zu können. Nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Strecke 
muss übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein entgegenkom-
mendes Fahrzeug bis zu jenem Zeitpunkt zurücklegt, wo der Überholende die linke 
Strassenseite freigegeben haben wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_1325/2018 
vom 5. März 2019 E. 2.1.2. mit Hinweisen). Überholt ein Fahrzeuglenker, obwohl er 

14

sich nicht sicher sein kann, ohne Behinderung oder Gefährdung wieder einbiegen 
zu können, geht das Bundesgericht in der Regel von einer groben Verkehrsregel-
verletzung aus (Urteil des Bundesgerichts 6B_104/2015 vom 20. August 2015 
E. 3.2 mit Hinweisen).

12. Einordnung des Verhaltens des Beschuldigten

Auch hinsichtlich der konkreten Subsumtion des vorliegend noch zu beurteilenden 
Überholmanövers schliesst sich die Kammer den als zutreffend erachteten Aus-
führungen der Vorinstanz an. Auf ihre Erwägungen ist ergänzend zu verweisen 
(S. 24-26 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 288-290).

Der Beschuldigte setzte ausserorts zum Überholen des Lastwagenfahrers 
C.________ an, der seinerseits bereits im Bereich der geltenden Höchstgeschwin-
digkeit unterwegs war. Der Beschuldigte musste daher entweder darauf hoffen, der 
Lastwagenfahrer werde seine Geschwindigkeit drosseln, um ihm so ein zügiges 
Überholen zu ermöglichen oder aber seinerseits kurzzeitig eine deutliche Ge-
schwindigkeitsüberschreitung in Kauf nehmen. Bereits damit offenbarte der Be-
schuldigte eine gewisse Risikobereitschaft. 

Hinzu kommt, dass die für den Überholvorgang benötigte Strecke nicht während 
des gesamten Manövers frei war. Angesichts der geraden und übersichtlichen 
Strecke muss sich der Beschuldigte schon relativ bald des Gegenverkehrs Gewahr 
geworden sein, der ihm, als er zum Überholen des Lastwagens ansetzte, auf der 
Gegenfahrbahn entgegenkam. Anstatt das Überholmanöver abzubrechen und sich 
erneut hinter dem Lastwagen einzureihen, setzte der Beschuldigte den Überhol-
vorgang fort, in der Hoffnung, den Lastwagen rechtzeitig hinter sich zu lassen. Als 
sich der Beschuldigte auf der Höhe der Führerkabine des Lastwagens befand, war 
der Gegenverkehr aber bereits derart nahe, dass er sich dazu veranlasst sah, den 
Blinker zu setzen und gegen rechts auf seine angestammte Fahrbahn bzw. in Rich-
tung Lastwagen zu ziehen. Auch wenn der Lastwagenfahrer mit einem brüsken 
Bremsmanöver eine Kollision verhindern konnte, verletzte der Beschuldigte mit 
seinem Verhalten die ihm beim Überholen obliegenden Pflichten und behinderte 
bzw. gefährdete den Lastwagenfahrer konkret. Ein Unfall, wie ihn der Beschuldigte 
mit seinem Manöver provozierte, hätte sodann nicht nur für ihn selber und den 
Lenker des Lastwagens potentiell einschneidende Konsequenzen gehabt, sondern 
unter Umständen auch die sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Verkehrsteil-
nehmer gefährdet. Dass der Beschuldigte den erforderlichen Abstand beim Wie-
dereinbiegen nicht einhielt, ergibt sich schon daraus, dass es ohne das Brems-
manöver des Lastwagens mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Kollision ge-
kommen wäre. Die vom Beschuldigten geschaffene erhöhte Gefahr war vor diesem 
Hintergrund nicht bloss abstrakter, sondern bereits konkreter Natur. Selbst nach 
dem Abbremsen betrug der Abstand sodann bloss 4-5 Meter (Stossstange zu Sto-
ssstange) und damit – wie von der Vorinstanz aufgezeigt (S. 24 Mitte der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 288) – weit weniger als es für ein sicheres 
Wiedereinbiegen vorausgesetzt ist. 

15

Soweit die Verteidigung oberinstanzlich gestützt auf Art. 10 Abs. 3 VRV vorbrachte, 
als Führer eines schweren Motorwagens hätte der Lastwagenfahrer die Pflicht ge-
habt, dem Beschuldigten das Überholen angemessen zu erleichtern, kann ihr nicht 
gefolgt werden. Sowohl der Lastwagen als auch der vor diesem zirkulierende Bus 
waren im Bereich der zulässigen Höchstgeschwindigkeit unterwegs und es ist nicht 
so, dass der LKW-Lenker die Geschwindigkeit bewusst erhöht hätte. Vom Anwen-
dungsbereich der eingangs erwähnten Bestimmung ist die vorliegende Konstellati-
on nicht erfasst. Die VRV-Bestimmung richtet sich vielmehr an Verkehrsteilnehmer, 
welche das Tempo der übrigen Verkehrsteilnehmer nicht halten können und so den 
Verkehrsfluss behindern. 

Auch das Vorbringen der Verteidigung, die gefährliche Situation beim Wiederein-
biegen sei bloss auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen, die 
allesamt nicht vom Beschuldigen zu verantworten seien, überzeugt nicht. Die 
Kammer geht – wie erwähnt – weder davon aus, dass der Lastwagenfahrer 
C.________ während dem Überholmanöver des Beschuldigten absichtlich sein 
Tempo erhöhte und so ein Wiedereinbiegen des Beschuldigten erschwerte, noch 
erachtet sie es als erstellt, dass er die geltende Höchstgeschwindigkeit überschritt. 
Vielmehr leitete er ein starkes Bremsmanöver ein, um dem Beschuldigten eine 
Rückkehr auf die rechte Fahrbahn zu ermöglichen und eine Kollision zu verhindern. 
Beim Abbremsen des Busfahrers, welches zu einer Verkleinerung der vom Be-
schuldigten angesteuerten Lücke zwischen dem Lastwagen und dem Bus führte, 
handelt es sich sodann nicht um einen ungewöhnlichen Umstand, der für den Be-
schuldigten schlichtweg nicht vorhersehbar gewesen wäre und der sein Manöver 
nachträglich in einem anderen Licht erscheinen liesse. 

Insgesamt missachtete der Beschuldigte mit seinem Verhalten die wichtigen Ver-
kehrsregeln nach Art. 34 Abs. 4 und Art. 35 Abs. 3 SVG i.V. mit Art. 10 Abs. 2 VRV 
sowie Art. 35 Abs. 2 SVG und schuf für andere Verkehrsteilnehmer – wie aufge-
zeigt – eine ernstliche Gefahr. Damit erfüllte er den objektiven Tatbestand von 
Art. 90 Abs. 2 SVG. 

Auch wenn das Ziel des Beschuldigten nicht in einer Gefährdung anderer Ver-
kehrsteilnehmer lag, war sein Verhalten doch schwerwiegend regelwidrig und ge-
genüber fremden Rechtsgütern bedenkenlos. Indem er sein Überholmanöver trotz 
des nahenden Gegenverkehrs nicht abbrach und sich so in eine Situation brachte, 
in welcher er den sicheren Abschluss des Überholvorgangs nicht mehr kontrollieren 
konnte, nahm er das Risiko einer Kollision, zumindest aber die Schaffung einer er-
höhten abstrakten Gefahr in Kauf. Seine Fahrweise war rücksichtslos und erfüllt 
den Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung auch in subjektiver Hinsicht. 

16

IV. Strafzumessung

13. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung 

Für die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung wird auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz (S. 30 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 294 f.) verwiesen. 

14. Konkrete Strafzumessung

Da der Beschuldigte beim zweiten Überholmanöver nicht nur den überholten Bus-
fahrer, sondern zusätzlich den Gegenverkehr konkret gefährdete, erachtete die 
Vorinstanz dieses Vergehen als schwerste Straftat und nahm es als Ausgangs-
punkt für die Strafzumessung. Sie ging auf die massgeblichen Tatkomponenten ein 
und setzte die Einsatzstrafe unter Berücksichtigung des Referenzsachverhalts in 
den Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältin-
nen und Staatsanwälte (VBRS-Richtlinien) auf 30 Tagessätze Geldstrafe fest. Dies 
ist nicht zu beanstanden und oberinstanzlich zu bestätigen (S. 31 f. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung, pag. 295 f.). Auch nach Ansicht der Kammer ist die 
Tatschwere nicht zu bagatellisieren. So gefährdete der Beschuldigte nicht nur den 
beim Manöver überholten Busfahrer, sondern zusätzlich den Gegenverkehr kon-
kret. Eine (Frontal)Kollision, wie sie vorliegend drohte, hätte für alle Beteiligten po-
tentiell gravierende Folgen gezeitigt. Dies nicht zuletzt aufgrund des vom Beschul-
digten gefahrenen hohen Tempos. Im Bereich des Tatverschuldens erschwerend 
zu gewichten ist sodann, dass sich der Beschuldigte unmittelbar nach der heiklen 
Situation beim ersten Überholmanöver nur Minuten später dazu entschloss, erneut 
an einem Überholvorgang festzuhalten, obwohl Gegenverkehr nahte. Angesichts 
des weiten Strafrahmens und der denkbaren schlimmeren Begehungsweisen bzw. 
potentiell einschneidenderen Folgen ist das Verschulden hinsichtlich des zweiten 
Überholmanövers noch als leicht zu bezeichnen.

Nur unwesentlich weniger schwer wiegt das Tatverschulden beim ersten Überhol-
manöver, welches die Vorinstanz mit 20 Strafeinheiten gewichtete und im Umfang 
von 10 Strafeinheiten zur Einsatzstrafe asperierte. Zwar ist diesbezüglich keine 
konkrete Gefährdung des Gegenverkehrs erstellt. Dennoch ist das Verhalten des 
Beschuldigten als verwerflich zu bezeichnen. Auch hier setzte er ein Überholmanö-
ver fort, obwohl ihm auf der Gegenfahrbahn ein Fahrzeug entgegenkam. Mit einem 
zwar geraden, aber unmittelbar vor einem Ortseingang liegenden Strassenab-
schnitt wählte der Beschuldigte sodann einen sehr ungünstigen Ort für ein Über-
holmanöver. 

Der Beschuldigte zeigte sich sodann bis zum Schluss uneinsichtig und suchte die 
Schuld für die heiklen Zwischenfälle durchwegs bei den anderen Verkehrsteilneh-
mern. Auch sonst sind die Täterkomponenten – wie von der Vorinstanz zutreffend 
aufgezeigt (S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 297) – neutral zu 
gewichten.

Insgesamt erscheint die Höhe der vorinstanzlich ausgefällten Strafe ohne weiteres 
angemessen. Einer höheren Strafe steht das Verschlechterungsverbot entgegen. 

17

Die Vorinstanz hat weiter zutreffend ausgeführt, weshalb die Geldstrafe grundsätz-
lich aufzuschieben, vorliegend aufgrund der Schnittstellenproblematik und der 
Denkzettelfunktion aber mit einer unbedingten Busse zu verbinden ist (S. 34 f. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 298 f.). Um sicherzustellen, dass der 
Verbindungsstrafe nicht eine lediglich symbolische Bedeutung zukommt, ist der 
unbedingt auszusprechende Teil der Strafe bei 8 Strafeinheiten und damit bei der 
regelmässig zur Anwendung gelangenden Obergrenze von 20% festzusetzen 
(BGE 135 IV 188 E. 3.4.4).

Während die Ehefrau des Beschuldigten zum Zeitpunkt des erstinstanzlichen Ur-
teils noch ein Einkommen von CHF 600.00 generierte, erwirtschaftete sie zum obe-
rinstanzlichen Urteilszeitpunkt monatlich CHF 2'000.00. Bei den dadurch verbes-
serten wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten handelt es sich um Tatsa-
chen im Sinne von Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO, welche der Vorinstanz nicht be-
kannt sein konnten und die auch unter dem geltenden Verschlechterungsverbot zu 
berücksichtigen sind (BGE 144 IV 198 E. 5.4.2). Der Tagessatz ist entsprechend 
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten von erstinstanzlich 
CHF 50.00 (pag. 30-32) auf oberinstanzlich CHF 60.00 (pag. 333 f. und 357/a) an-
zupassen. Die verbesserten wirtschaftlichen Verhältnisse wirken sich auch auf die 
Verbindungsbusse aus, welche entsprechend auf CHF 480.00 zu erhöhen ist.

Nach dem Gesagten wird der Beschuldigte zu einer Geldstrafe von 32 Tagessät-
zen à CHF 60.00 verurteilt. Diese Strafe ist aufzuschieben und mit einer Verbin-
dungsbusse von CHF 480.00 zu verbinden, wobei die Ersatzfreiheitsstrafe für ein 
schuldhaftes Nichtbezahlen auf 8 Tage festgesetzt wird.

V. Kosten und Entschädigungen

Die beschuldigte Person trägt die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn sie 
verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO haben die Par-
teien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder 
Unterliegens zu tragen. 

Der Beschuldigte unterliegt im oberinstanzlichen Verfahren, soweit die erstinstanz-
lichen Schuldsprüche nicht in Rechtskraft erwachsen sind. Folglich hat er sowohl 
die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 3‘906.00, als auch die 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 3‘000.00, zu tragen. 

Zufolge seiner Verurteilung ist dem Beschuldigten keine Entschädigung auszurich-
ten (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

18

VI. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau (Einzel-
gericht) vom 29. August 2019 in Rechtskraft erwachsen ist, soweit

A.________ schuldig erklärt wurde: 

1. der groben Verkehrsregelverletzung, begangen am 13. März 2018 in Hasle b. 
Burgdorf als Lenker eines Personenwagens durch Überholen eines Gesellschaftswa-
gens trotz Gegenverkehr und ohne die Gewissheit, rechtzeitig und ohne Behinderung 
anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu können sowie durch ungenügenden Abstand 
beim Wiedereinbiegen;

2. der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen als Lenker eines Personenwa-
gens am 13. März 2018 in Hasle b. Burgdorf durch Überschreiten der allgemeinen 
Höchstgeschwindigkeit ausserorts;

und für die einfache Verkehrsregelverletzung in Anwendung der Artikel 4a Abs. 1 lit. b 
VRV, 32 Abs. 2 SVG und 90 Abs. 1 SVG sowie 106 StGB zu einer Übertretungsbusse 
von CHF 40.00, unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag bei schuldhafter 
Nichtbezahlung, verurteilt wurde. 

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

der groben Verkehrsregelverletzung, begangen am 13. März 2018 in Lützelflüh-
Goldbach als Lenker eines Personenwagens durch Überholen eines Lastwagens ohne die 
Gewissheit, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu 
können und durch ungenügenden Abstand beim Wiedereinbiegen;

und in Anwendung der Art. 10 Abs. 2 VRV; Art. 34 Abs. 4, 35 Abs. 2 + 3, 90 Abs. 2 SVG; 
Art. 34, 42 Abs. 1 + 4, 44 Abs. 1, 47, 49 Abs. 1, 106, 333 StGB, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 32 Tagessätzen zu CHF 60.00, ausmachend total 
CHF 1‘920.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-
setzt.

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2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 480.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaf-
ter Nichtbezahlung wird auf 8 Tage festgesetzt.

3. Zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren 
von CHF 3‘800.00 und Auslagen von CHF 106.00, insgesamt bestimmt auf 
CHF 3‘906.00.

4. Zu den oberinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 3‘000.00.

III.

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (Dispositiv, nach unbenutztem Ablauf der 

Rechtsmittelfrist oder Entscheid der Rechtsmittelbehörde)
- dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern, Abteilung Administrati-

ve Verkehrssicherheit (nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist oder Entscheid 
der Rechtsmittelbehörde)

Bern, 11. Juni 2020
(Ausfertigung: 30. Juni 2020)

Im Namen der 2. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Aebi

Der Gerichtsschreiber:

Neuenschwander

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.