# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8ece1dc-3a10-52d8-8d20-d876be5e5470
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.08.2009 E-6167/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6167-2006_2009-08-24.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6167/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  A u g u s t  2 0 0 9

Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 
Richter Robert Galliker, Richter Bruno Huber,
Gerichtsschreiber Marco Abbühl.

A._______, Sri Lanka,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreisebewilligung und Asyl; Verfügung des BFM vom 
5. Oktober 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6167/2006

Sachverhalt:

A.
In seinem in englischer Sprache verfassten Schreiben an die Schwei-
zer Botschaft in Colombo (Eingang am 9. Mai 2006) ersuchte der Be-
schwerdeführer um Erteilung eines „Flüchtlingsvisums“ zwecks Einrei-
se in die Schweiz.

Zur Begründung machte der Beschwerdeführer geltend, er arbeite seit 
dem 27. Oktober 2002 für  die Polizei. Nach Abschluss seiner Ausbil-
dung  sei  er  zunächst  der  Kriminalabteilung  der  Polizeistation  in 
B._______  zugeteilt  worden,  bevor  er  zur  Polizeistation  C._______ 
versetzt worden sei, wo er einige Jahre gearbeitet habe. Schliesslich 
habe  man  ihn  auf  D._______,  (...),  versetzt.  Als  einer  der  wenigen 
tamilischen Offiziere habe er während seines Dienstes in B._______ 
und C._______ wichtige  Informationen  über  die  Liberation  Tigers  of 
Tamil  Eelam  (LTTE)  sammeln  können,  weshalb  er  seither  mittels 
anonymen  Schreiben  und  Telefonaten  bedroht  werde.  Nach  der 
Spaltung der LTTE sei er – wegen seiner Herkunft aus E._______ – 
von der  Karuna-Gruppe  aufgefordert  worden,  ihr  Informationen  über 
die übrigen Splittergruppen der LTTE zukommen zu lassen. Sein Onkel 
väterlicherseits sei  ein Mitglied der F._______ gewesen. Seit  dessen 
Verhaftung  durch  die  Special  Trained  Force  (S.T.F.)  im  Jahre  1986 
habe  die  Familie  kein  Lebenszeichen  mehr  von  ihm  erhalten.  Sein 
älterer Bruder sei im Jahre 1990 von den Sicherheitskräften inhaftiert 
worden und seither nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Sein Vater 
habe als Mechaniker in G._______ in E._______ gearbeitet, als er im 
Jahre  1995  in  H._______,  I._______,  verschwunden  sei.  Sein 
Schwager,  P. V.,  habe  für  den  Nachrichtendienst  der  Armee  im  (...) 
Camp  in  E._______  gearbeitet,  als  er  am  18. Januar  2000  von 
Mitgliedern  der  LTTE  niedergeschossen  und  mit  schweren 
Verletzungen  in  E._______  hospitalisiert  worden  sei.  Aus  diesem 
Grund habe P. V. Sri Lanka verlassen und arbeite nun in Doha, Qatar. 
Auch  sein  Onkel,  R.  M.,  habe  zwischen  1997  und  1999  für  den 
Nachrichtendienst  der  Armee  gearbeitet.  Im  Jahre  2005  sei  dieser 
ebenfalls  von  Mitgliedern  der  LTTE  angeschossen  und  so  schwer 
verletzt  worden,  dass  er  seither  gelähmt  sei.  Der  Verlust  von  drei 
Familienmitgliedern habe ihnen viele Probleme und Schmerz bereitet 
und  die  Hinterbliebenen  seien  entweder  psychisch  oder  physisch 
beeinträchtigt. Infolge des Tsunamis vom Dezember  2004 hätten sie 
zudem ihr Heim verloren, und er selbst sei seit seinem Dienstantritt bei 

Seite 2

E-6167/2006

der  Polizei  wiederholt  bedroht  worden,  insbesondere,  weil  er  seinen 
Dienst in einem von der LTTE kontrollierten Gebiet verrichtet habe und 
diese  die  Aktivitäten  der  Polizei  und  der  Armee  genau  beobachten 
würde. Aufgrund der Drohungen habe er sich für den höchst riskanten 
Dienst auf Delft entschieden, sei nun jedoch nicht mehr in der Lage, 
seine Familie und insbesondere seine Mutter zu unterstützen. Wegen 
der  sich  verschlechternden  Lage  sei  er  innerhalb  Sri  Lankas 
nirgendwo mehr  sicher,  weshalb er  und seine Mutter  als Flüchtlinge 
anzuerkennen und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren sei.

B.
Mittels  Schreiben  der  Schweizer  Botschaft  in  Colombo  vom 
2. Juni 2006 wurde der Beschwerdeführer unter Fristansetzung aufge-
fordert, seine Fluchtgründe unter Beilage allfälliger Beweismittel detail-
liert  darzulegen,  sämtliche in  Tamil  oder  Sinhala  abgefassten  Doku-
mente   von  einem  amtlichen  Übersetzer  in  die  englische  Sprache 
übersetzen zu lassen und Kopien allfällig vorhandener Identitätspapie-
re einzureichen.

C.
Mit Eingabe vom 29. Juni 2006 (Eingang bei der Botschaft) reichte der 
Beschwerdeführer  fristgerecht  weitere  Unterlagen  zu  den  Akten.  In 
seinem Begleitschreiben führte er aus, dass er sich zur Polizeischule 
in J._______ habe versetzen lassen, um sein Leben zu schützen und 
um sich den Drohungen der LTTE zu entziehen. Bei den in der Beilage 
eingereichten Kopien handelt es sich um eine Arbeitsbestätigung der 
C._______  Polizeistation  vom  28.  Februar  2006  (inklusive 
Übersetzung), zwei Drohschreiben der LTTE samt Übersetzung, einen 
Polizeirapport vom 11. Januar 2005 bezüglich der durch den Tsunami 
erlittenen  Sachschäden  und  Verluste  an  Vermögenswerten,  diverse 
Identitätsdokumente  (Identitätskarte,  Reisepass,  Geburtsregis-
terauszug) des Beschwerdeführers mit  den entsprechenden Überset-
zungen, eine Bestätigung des IKRK vom 13. Februar 2006 sowie zwei 
weitere Schreiben vom 29. Juni 1994 und vom 24. November 1994 be-
treffend das Verschwinden des Bruders des Beschwerdeführers (inklu-
sive Übersetzungen), einen „post-mortem-Report“ vom 19. März 2003 
betreffend den Vater des Beschwerdeführers samt Übersetzung sowie 
einen  Auszug  aus  dem  Informationsbuch  der  Polizeistation  in 
E._______ vom 30. Oktober  2004 betreffend eine Anzeige über das 
Verschwinden des Vaters des Beschwerdeführers. Für den Fall  einer 
Anhörung stellte er die Originale der Dokumente in Aussicht. 

Seite 3

E-6167/2006

D.
Am 15. August 2006 wurde der Beschwerdeführer durch die Schweizer 
Botschaft in Colombo zu seinen Asylgründen angehört. Dabei machte 
er im Wesentlichen geltend, er habe am 14. Juni 2005 einen Brief der 
LTTE erhalten mit der Aufforderung, am 23. Juni 2005 an einem Tref-
fen in E._______ teilzunehmen. Der Brief stehe vermutlich im Zusam-
menhang mit dem Attentat auf seinen Onkel vom 24. April 2005, da er 
sich in der Folge um diesen gekümmert habe. Im Februar 2006 habe 
er  aus  D._______  ein  Schreiben  der  Pongi  Elum  People  Army  er-
halten, in welchem er – wegen seiner angeblichen Unterstützung der 
Karuna-Gruppe  –  aufgefordert  worden sei,  B._______ zu verlassen. 
Als  er  im  April  2006  seine  Mutter  besucht  habe,  habe  diese  ihm 
mitgeteilt,  dass sie von der LTTE per Telefon eine Drohung erhalten 
habe. Seit er im Juni 2006 seinen Arbeitsplatz nach J._______ verlegt 
habe, habe er keinerlei Probleme mehr gehabt. Er habe weder Proble-
me mit den Sri Lanka Security Forces (SLSF) gehabt noch sich jemals 
vor Gericht verantworten müssen.

E.
Mit  Verfügung  vom 5. Oktober  2006  verweigerte  das  BFM dem Be-
schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylge-
such ab. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, 
Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt 
zu sein,  seien nur dann asylrelevant,  wenn der Staat seiner Schutz-
pflicht nicht nachkomme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu gewäh-
ren.  Generell  sei  Schutz  gewährleistet,  wenn  der  Staat  geeignete 
Massnahmen treffe, um die Verfolgung zu verhindern, beispielsweise 
durch wirksame Polizei-  und Justizorgane zur Ermittlung,  Strafverfol-
gung und Ahndung von Verfolgungshandlungen, und wenn Antragstel-
ler Zugang zu diesem Schutz hätten. Die vom Beschwerdeführer gel-
tend  gemachten  Übergriffe  würden  weder  von  staatlichen  Organen 
ausgehen noch diesen zugerechnet werden können. Der Beschwerde-
führer  werde  sodann  als  Polizeioffizier  vom  Staat  geschützt,  indem 
nach  den  erhaltenen  Drohungen  seine  Versetzung  nach  J._______ 
habe  organisiert  werden  können.  Gemäss  seinen  Ausführungen 
bestehe eine Bedrohung in den durch die LTTE verwalteten Regionen, 
insbesondere  in  E._______  und  in  B._______.  In  der  Region 
J._______ lebe der Beschwerdeführer hingegen in relativer Sicherheit. 
Durch den Wegzug in einen anderen Teil seines Heimatstaates habe 
er  sich  den  Verfolgungsmassnahmen  der  LTTE  entziehen  können, 

Seite 4

E-6167/2006

weshalb eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe und er nicht auf 
den Schutz der Schweiz angewiesen sei.

F.
Mit Schreiben vom 21. November 2006 leitete die Schweizer Botschaft 
in  Colombo  eine  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  20. Novem-
ber 2006  (Eingang  bei  der  Botschaft)  im  Sinne  einer  möglichen 
Beschwerde  an  die  vormals  zuständige  Schweizerische  Asylre-
kurskommission  (ARK)  weiter. In  materieller  Hinsicht  beantragte  der 
Beschwerdeführer darin sinngemäss die Erteilung der Einreisebewilli-
gung sowie die Asylgewährung in der Schweiz. Zur Begründung führte 
er im Wesentlichen aus, dass es in sämtlichen Provinzen Sri Lankas 
Probleme mit Gewalt und Terrorismus gebe. Davon betroffen seien vor 
allem Angehörige der tamilischen Bevölkerung. Tamilischen Polizeibe-
amten würde innerhalb des Departements viel  Misstrauen entgegen-
gebracht  und diese würden häufig  von ihren Posten suspendiert. Er 
selbst  sei  zur  Polizeistation  (...)  in  I._______  versetzt  worden. 
Aufgrund der zahlreichen Anschläge gebe es für ihn keine Sicherheit 
während der  Arbeit. Es sei  allgemein bekannt,  dass viele tamilische 
Polizisten entführt und auf brutale Weise getötet würden. Tag für Tag 
würden  sich  die  brutalen  Anschläge  häufen.  Aus  diesem  Grund 
begebe er  sich  nicht  an  seinen Geburtsort  E._______ und verlasse 
das  Polizeiareal  ausserhalb  seines  Dienstes  nicht.  Seine 
Familienangehörigen – insbesondere seine kranke Mutter  – müssten 
deshalb den langen Weg nach I._______ auf sich nehmen, um ihn zu 
besuchen. Er habe am 30. August und am 19. September 2006 erneut 
Drohschreiben  der  LTTE  erhalten,  nachdem  er  auf  der  Schweizer 
Botschaft in Colombo um Asyl nachgesucht habe. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 

Seite 5

E-6167/2006

nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die  am 
31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen 
und  wendet  dabei  das  neue  Verfahrensrecht  an  (vgl.  Art.  53 
Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  und 
52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet auf die Durchführung eines 
Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

4.  

4.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei 
einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem 
Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die  Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die Vertre-
tung überweist dem Bundesamt in der Folge das Befragungsprotokoll 
oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unter-
lagen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asyl-
gesuchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 

Seite 6

E-6167/2006

4.2 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ableh-
nen,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaft 
machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemu-
tet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss 
Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Ein-
reise zur Abklärung des Sachverhaltes,  wenn ihnen nicht  zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu bleiben oder  in 
ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann 
das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweize-
rische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu be-
willigen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib 
und  Leben  oder  für  die  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3 
Abs. 1 AsylG bestehe. 

5.  

5.1

5.1.1 Gemäss Art. 3  Abs. 1  AsylG werden Personen als  Flüchtlinge 
anerkannt, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete 
Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  (vgl  Art.  3 
Abs. 1 AsylG). Die Aufzählung der asylrelevanten Verfolgungsmotive ist 
abschliessend.

5.1.2 Den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nachstellungen 
durch  die  LTTE  und  deren  Untergruppierungen  liegt  keines  der  in 
Art. 3 AsylG genannten Verfolgungsmotive zu Grunde, sondern diese 
sind in erster Linie bedingt durch dessen Tätigkeit als Polizeibeamter 
(vgl. Akten BFM A1/3 S. 3 sowie Schreiben des Rechtsanwalts  vom 
30. Oktober  2006). An dieser  Betrachtungsweise vermögen auch die 
allgemeinen  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  bezüglich  der 
schlechten  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka,  der  systematischen  Be-
nachteiligung der tamilischen Bevölkerung sowie der Gefährdung von 
Polizeibeamten tamilischer Ethnie nichts zu ändern.

5.2

5.2.1 Besteht die Gefahr vor Verfolgung sodann nur in bestimmten, lo-
kal begrenzten Teilen eines Staates, in anderen jedoch nicht, und ist in 

Seite 7

E-6167/2006

diesen wirksamer Schutz vor Verfolgung gewährleistet,  so kann dem 
Asylsuchenden das Vorliegen einer  innerstaatlichen Fluchtalternative 
vorgehalten werden,  wobei die Anforderungen an die Effektivität  des 
gewährten Schutzes hoch anzusetzen sind. Dabei steht das Vorliegen 
ungünstiger Lebensbedingungen (namentlich Integrationserschwernis-
se,  Arbeitsmarktsituation)  am Zufluchtsort  der  Bejahung einer  inner-
staatlichen Fluchtalternative nicht entgegen. Findet der Betroffene am 
Zufluchtsort wirksamen Schutz vor Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG, so 
ist  die Frage der Zumutbarkeit  seines Verbleibs an diesem Ort  nicht 
mehr unter dem Aspekt der Flüchtlingseigenschaft, sondern allein un-
ter  demjenigen  des  Wegweisungshindernisses  gemäss  Artikel  14a 
Abs. 4  des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt  und 
Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  (neu  Art.  83  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]) zu prüfen (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1996 Nr. 1 S. 11).

5.2.2 Wie aus den Aussagen des Beschwerdeführers hervorgeht, be-
schränkt sich die Bedrohung durch die LTTE auf das vormals von ihr 
kontrollierte  Gebiet. So gab er  beispielsweise an,  in  E._______ und 
D._______,  nicht  jedoch  in  J._______  –  wo  er  sich  ab  Juni  2006 
aufhielt  –  bedroht  worden  zu  sein  (vgl.  A5/9  S.  5  f.).  In  der 
Rechtsmitteleingabe führt der Beschwerdeführer aus, er habe am 30. 
August 2006 und am 19. September 2006 erneut Drohschreiben der 
LTTE erhalten, nachdem er zuvor bei der Schweizer Botschaft um Asyl 
nachgesucht  habe.  Inzwischen  sei  er  zum  Polizeiposten  (...)  in 
I._______  versetzt  worden,  wo  er  sich  so  wenig  wie  möglich 
ausserhalb  des  Polizeiareals  bewege. Betreffend  die  in  der  Beilage 
eingereichten Kopien der Drohschreiben der LTTE ist zunächst einmal 
festzuhalten,  dass diesen nur geringer Beweiswert  zukommt. Zudem 
lässt sich dem Schreiben vom 17. September 2009 entnehmen, dass 
dieses  die  Adresse  des  Beschwerdeführers  in  E._______  trägt,  die 
LTTE  somit  den  neuen  Aufenthaltsort  des  Beschwerdeführers 
offensichtlich  nicht  kennt.  Zwischenzeitlich  hat  sich  sodann  die 
allgemeine  Lage  in  Sri  Lanka  grundlegend  geändert.  Bei  ihrer  zu 
Beginn des laufenden Jahres gestarteten Grossoffensive drängte die 
sri-lankische Armee die LTTE immer weiter ins nördliche Vanni zurück. 
Im Januar 2009 verloren die LTTE dort die Kontrolle über ihre letzten 
wichtigen strategischen Einrichtungen. Am 2. Januar 2009 nahm das 
sri-lankische  Militär  die  Stadt  Kilinochchi,  das  politische  und 

Seite 8

E-6167/2006

administrative  Zentrum  der  LTTE,  ein.  Nur  eine  Woche  nach  der 
Einnahme  von  Kilinochchi  gelang  der  sri-lankischen  Armee  ein 
weiterer  strategischer  Erfolg,  die  Eroberung  des  «Elephant  Pass», 
jener Landenge, die Jaffna mit dem Rest der Insel verbindet. Am 25. 
Januar 2009 marschierten die sri-lankischen Streitkräfte schliesslich in 
der Stadt Mullaitivu ein, dem letzten Rückzugsort der tamilischen Re-
bellen und militärischen Zentrum der LTTE. Gemäss Angaben der Ar-
mee wurden Anfang April 2009 sämtliche Rebellen auf das Gebiet der 
„no-fire-zone“ um Putumattalam zurückgedrängt. Am 24. Mai 2009 be-
stätigte die LTTE den Tod von Rebellenführer Vellupillai Prabhakaran. 
War  es  der  LTTE  bis  April  noch  gelungen,  Selbstmordattentate 
ausserhalb der eigentlichen Kampfgebiete zu verüben, bedeutete das 
Ende der Kampfhandlungen zugleich auch das Ende der Anschläge. 
Trotzdem hat die Regierung gerade auch in Colombo die Sicherheits-
massnahmen verstärkt (vgl. dazu SFH-Update „Sri Lanka: Aktuelle Si-
tuation“  vom  7.  Juli  2009).  Angesichts  dieser  veränderten  Lage  er-
scheint  es  unwahrscheinlich,  dass  der  Beschwerdeführer  in  abseh-
barer  Zukunft  asylrelevanten  Verfolgungsmassnahmen  seitens  der 
LTTE  ausgesetzt  sein  wird.  Seine  diesbezüglichen  Vorbringen  sind 
unter diesen Umständen als nicht asylrelevant zu bezeichnen.

5.3
Im Übrigen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im 
angefochtenen Entscheid verwiesen werden, ohne diese im Einzelnen 
zu wiederholen. 

5.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 
asylrelevante Verfolgung nachweisen oder glaubhaft  machen konnte. 
Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf seine weiteren Vorbrin-
gen in seiner Rechtsmitteleingabe einzugehen, weil  sie am Ergebnis 
nichts ändern können. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Ertei-
lung der Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgewie-
sen.

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

Seite 9

E-6167/2006

7.
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG). Aus verwaltungsökonomischen Gründen ist  indessen auf  die 
Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten (Art. 16 Abs. 1 Bst. a 
VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

E-6167/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  sowie  die 
Schweizer Botschaft in Colombo.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Marco Abbühl

Versand: 

Seite 11