# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b42fece-7fb7-5a0b-83b4-a8ff10055fb1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-06-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.06.2019 E-2270/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2270-2019_2019-06-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2270/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  J u n i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richter David R. Wenger, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Derya Özgül, (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Rechtsverzögerung / N (…). 

 

 

 

E-2270/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der kurdische Beschwerdeführer suchte am 7. November 2016 in der 

Schweiz um Asyl nach. Am 15. November 2016 wurde er summarisch zu 

seiner Person befragt. Mit Entscheid des SEM vom 21. November 2016 

wurde er dem Kanton Tessin zugewiesen. 

B.  

Am 14. Dezember 2017 wurde der Beschwerdeführer ausführlich zu seiner 

Asylbegründung angehört. 

C.  

Mit Schreiben vom 8. November 2018 informierte der Beschwerdeführer, 

dass er hinsichtlich seiner Verurteilung in der Türkei zu einer Freiheitsstrafe 

alle Unterlagen eingereicht habe, und erkundigte sich über den Zeitpunkt 

einer Entscheidfindung durch das SEM. 

D.  

Das SEM antwortete mit Schreiben vom 5. Dezember 2018, dass es ihm 

zurzeit aufgrund der hohen Geschäftslast nicht möglich sei, das Verfahren 

schnellst möglichst zu beenden, und bat gleichzeitig um Geduld. 

E.  

Mit Schreiben vom 11. März 2019 informierte die bevollmächtigte Rechts-

vertreterin des Beschwerdeführers die Vorinstanz über die Mandatsüber-

nahme, erkundigte sich nach dem Verfahrensstand und forderte sie auf, 

baldmöglichst einen Entscheid zu fällen. Ausserdem wurde darauf hinge-

wiesen, dass sich diese unsichere Situation negativ auf seinen Gesund-

heitszustand auswirke. 

F.  

Die Vorinstanz bat mit Schreiben vom 22. März 2019 wegen der hohen An-

zahl Pendenzen um Geduld und Verständnis. 

G.  

Mit Eingabe vom 10. Mai 2019 erhob der Beschwerdeführer – handelnd 

durch seine Rechtsvertreterin – Rechtsverzögerungsbeschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die Vorinstanz sei anzuweisen, 

das Verfahren beförderlich abzuschliessen und zügig einen Entscheid zu 

fällen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung 

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Seite 3 

zu gewähren und die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu 

bestellen. 

H.  

Mit Verfügung vom 17. Mai 2019 hiess das Bundesverwaltungsgericht das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 

VwVG) gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, lehnte 

den Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 

VwVG ab und lud das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. 

I.  

Im Rahmen der Vernehmlassung vom 28. Mai 2019 liess das SEM verlau-

ten, dass es sich bewusst sei, dass die Verfahrensdauer bis zur Entscheid-

findung lang und belastend sei. Jedoch seien die aktuelle Situation – im 

März 2019 sei das neue Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten – 

und die weiterhin hohe Geschäftslast zu berücksichtigen. Nichtsdestotrotz 

sei das Verfahren in Bearbeitung und werde vermutungsweise bis Ende 

des diesjährigen Sommers abgeschlossen sein. 

J.  

Mit Replik vom 12. Juni 2019 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträ-

gen fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Gegen das 

unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtbaren Verfügung 

kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung einer Beschwerde 

gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zuständig wäre, Be-

schwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch MARKUS MÜL-

LER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über 

das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, Rz. 3 zu Art. 46a). Das Bundes-

verwaltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsver-

zögerungsbeschwerde zuständig. 

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Seite 4 

1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass 

einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, 

dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer 

Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist 

anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-

deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG 

Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.). 

Vorliegend ersuchte der Beschwerdeführer um Asyl. Über das Gesuch hat 

die Vorinstanz in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Der Be-

schwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert. 

1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern 

einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die 

zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine 

bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten 

Anlass für eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbe-

schwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die 

Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemes-

sen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der 

der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen, 

dass sie zur Zeit der Beschwerdeeinreichung ein schutzwürdiges – mithin 

aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten 

Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden Rechts-

verzögerung hat (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.23). 

Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-

den. Der Beschwerdeführer hat am 8. November 2018 und durch seine 

Rechtsvertreterin am 11. März 2019 nach dem Verfahrensstand gefragt 

und auf einen Erlass einer Verfügung gedrängt. Das schutzwürdige Inte-

resse des Beschwerdeführers an der Vornahme der allenfalls verzögerten 

Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass das SEM bis anhin in der 

Sache nicht entschieden hat. 

1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-

gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-

treten. 

1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

E-2270/2019 

Seite 5 

1.6 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft 

getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-

gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich 

vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot 

verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sa-

che mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 

VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern, 

wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sol-

len, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig 

gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug ver-

kürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden 

(vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.). 

3.  

3.1 Nach Durchsicht der vorinstanzlichen Akten kommt das Bundesverwal-

tungsgericht zum Schluss, dass die vorliegende Beschwerde aus den 

nachfolgenden Gründen gutzuheissen ist: 

3.2 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der 

allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede 

Person Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener 

Frist. Diese Verfassungsgarantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte 

der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). Von einer 

Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre und Praxis aus-

zugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei einer Rechtsver-

weigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde nicht innert der 

Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv noch als angemessen 

erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall 

unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu beurteilen. In Betracht 

zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der Sache, das Verhalten 

der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die Bedeutung des Verfah-

rens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifische Entscheidungsab-

läufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 f. m.w.H.). Ein Verschulden 

der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausgesetzt, weshalb sie das 

Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, wenn sie wegen Personal-

mangels oder Überlastung nicht innert angemessener Frist handelt (vgl. 

BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 E. 5c). Spezialgesetz-

liche Behandlungsfristen sind bei der Beurteilung der Angemessenheit der 

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Seite 6 

Verfahrensdauer zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen auch Urteil des 

BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 m.w.H.). 

3.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist in Kenntnis der Umstände, welche 

insbesondere die Einführung des neuen Asylgesetzes im März 2019 be-

treffen, ebenso der nach wie vor hohen Pendenzenzahl. Es ist unvermeid-

bar und auch nachvollziehbar, dass gewisse Verfahren nicht innerhalb der 

Behandlungsfristen von aArt. 37 Abs. 2 AsylG abgeschlossen werden kön-

nen, insbesondere dann, wenn sich noch Abklärungsmassnahmen auf-

drängen. Vorliegend kann von einer gerechtfertigten Verfahrensverzöge-

rung indes nicht ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer hat am 

7. November 2016 um Asyl nachgesucht und wurde am 15. November 

2016 summarisch sowie am 14. Dezember 2017 ausführlich befragt res-

pektive angehört. Mit Schreiben vom 8. November 2018 und vom 11. März 

2019 erkundigte er sich nach dem aktuellen Verfahrensstand, verbunden 

mit dem Ersuchen um Entscheiderledigung. Zwar beantwortete die Vor- 

instanz diese Schreiben jeweils und bat um Verständnis. Indes erschöpften 

sich ihre Erklärungen in allgemeinen Ausführungen über die grosse Ge-

schäftslast. Im Rahmen der Vernehmlassung bezüglich des vorliegenden 

Verfahrens hielt sie sodann fest, dass das Asylgesuch in Bearbeitung und 

bis Ende dieses Sommers mit einer Verfügung zu rechnen sei. Seit Einrei-

chung des Asylgesuchs sind jedoch zwischenzeitlich mehr als zweieinhalb 

Jahre vergangen, ohne dass der Beschwerdeführer einen Asylentscheid 

erhalten hat. Im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung war die Vorinstanz 

fast eineinhalb Jahre untätig geblieben. Ihre Zusicherung, bis Ende diesen 

Sommer einen Entscheid gefällt zu haben, ist nicht rechtsverbindlich und 

kann somit nicht als Garantie angesehen werden, dass die asylrechtliche 

Situation des Beschwerdeführers geklärt sein wird. Eine Nichtbehandlung 

des Asylgesuchs während einer solch langen Zeit ist unbesehen allfälliger 

anderer überzeitiger Verfahren grundsätzlich zu lange. Das Beschleuni-

gungsgebot von Art. 29 Abs. 1 BV ist somit verletzt. Die Rüge der Rechts-

verzögerung erweist sich als begründet. 

4.  

Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Akten gehen an die Vorinstanz zu-

rück, verbunden mit der Anweisung, das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers vom 7. November 2016 beförderlich zu behandeln und rasch einer 

Verfügung zuzuführen. 

  

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Seite 7 

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten auf-

zuerlegen (Art. 63 VwVG). 

5.2 Obsiegende oder teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf 

eine Parteientschädigung zulasten der Vorinstanz für die ihnen erwachse-

nen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote zu den Akten 

gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aufgrund der Ak-

ten zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen ver-

zichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Be-

tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist das SEM 

anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe 

von Fr. 300.– (inkl. Auslagen und allfälliger Mehrwertsteuerzuschlag) aus-

zurichten. 

5.3 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung so-

wie um Bestellung einer amtlichen Rechtsbeiständin (in der Person der 

Rechtsvertreterin) sind mit diesem Entscheid hinfällig geworden. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 300.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

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