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**Case Identifier:** 21fb5dea-c470-511c-a472-c32abd38b4d2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 20.08.2025 ZOR.2024.42
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZOR-2024-42_2025-08-20.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 1. Kammer 

 

ZOR.2024.42 / TR       
(OF.2019.69)  

 

 

Entscheid vom 20. August 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Lindner, Präsident  

Oberrichter Holliger  

Oberrichterin Möckli    

Gerichtsschreiber Tognella      

 

 
   

Kläger   A._____,  

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Fürsprecher Gino Keller,  

[…] 

 

    
    

Beklagte   B._____,  

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt Franz Hollinger,  

[…]   

  

 

 
 

Gegenstand  Ehescheidung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Parteien heirateten am tt.mm. 2012 in Albanien. Aus ihrer Ehe ist die 

Tochter C._____, geboren am tt.mm. 2012, hervorgegangen. 

 

2. 

2.1. 

Mit unbegründeter Scheidungsklage vom 9. Dezember 2019 stellte der Klä-

ger beim Bezirksgericht Zurzach folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1. 
Die am 26.01.2012, in Albanien, Q._____, geschlossene und am 
tt.mm.2017 getrennte Ehe der Parteien sei im Sinne von Art. 114 ZGB 
(mehr als zweijährige Trennungszeit) zu scheiden. 
 
2. 
Das gemeinsame Kind der Parteien, C._____, geb. tt.mm.2012, sei unter 
der gemeinsamen elterlichen Sorge der Parteien (Kläger und Beklagte) zu 
belassen. 
 
3. 
Die Obhut über und damit der Hauptwohnsitz von C._____ sei beim Kläger 
festzulegen. Eventualiter: Der Hauptwohnsitz von C._____ sei beim Kläger 
festzulegen, die Obhut sei aber den Parteien je zu 50 % zuzuweisen mit 
entsprechendem Betreuungskonzept inklusive hälftiger Ferienregelung. 
 
4. 
Die AHV-Gutschriften seien im Sinne von Art. 52fbis (Abs. 2) AHVV von 
Amtes wegen zuzuweisen. 
 
5. 
Es sei ein angemessenes Kontaktrecht bezüglich des Kindes C._____ zu 
regeln, sofern kein Betreuungskonzept installiert werden kann. Genauere 
Anträge für die begründete Klage und Replik bleiben vorbehalten. 
 
6. 
Es sei ein angemessener Betrag an den Unterhalt des Kindes C._____ zu 
regeln zu Lasten derjenigen Partei, welche nicht mindestens 50 % die Be-
treuung des Kindes obliegt. 
 
Eventuell: Sollte der Beklagten wider erwarten ein persönlicher Unterhalts-
beitrag zugesprochen werden, sei dieser von einem allfälligen Betreuungs-
unterhalt in Abzug zu bringen. Sollte ein Betreuungsunterhalt festgelegt 
werden, sei dieser spätestens per Eintritt in die Oberstufe des jüngsten 
Kindes zu beenden. 
 
7. 
Es sei festzustellen, dass keine Partei der andern einen persönlichen 
nachehelichen Unterhaltsbeitrag im Sinne von Art. 125 ff ZGB bezahlen 
muss. 
 

 - 3 - 

 

 

Eventuell: Sollte der Beklagten ein persönlicher Unterhaltsbeitrag zuge-
sprochen werden, sei dieser auf jeden Fall per Ende Juni 2024 zu befristen 
(somit mit Eintritt in die Oberstufe des Kindes C._____). 
 
8. 
Es sei für die güterrechtliche Auseinandersetzung schweizerisches Recht 
anzuwenden. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung per Stichtag 
(Datum der Gütertrennung durch die vorliegende Klage) vorzunehmen. Es 
seien dazu alle Gegenstände, Bankkonti, Liegenschaften, Fahrzeuge, 
3. Säuleguthaben derjenigen Partei ins Alleineigentum zu weisen, in deren 
Besitz sie sind bzw. auf deren Namen sie lauten. Die Beklagte sei zu ver-
pflichten, dem Kläger aus Güterrecht Fr. 1000.00 (minimal beziffert mit Er-
höhungsvorbehalt nach Beweisergebnis) zu bezahlen sowie die Hälfte des 
Gerichtskostenvorschusses, sofern er diesen zahlen muss. Hernach seien 
die Parteien im übrigen bei ihrem gegenwärtigen Besitzstand als per Saldo 
auseinandergesetzt zu erklären. 
 
9. 
Es seien die beidseitigen während der Dauer der Ehe angesparten Alters-
guthaben und Freizügigkeitsleistungen der zweiten Säule gemäss Art. 122 
ZGB mit Stichtag des heutigen Klagedatums zu teilen. 
 
10. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Auslagen und 7.7 % 
Mwst zu Lasten der Beklagten, allenfalls seien die Verfahrenskosten den 
Parteien hälftig aufzuerlegen (mit Rückforderung der Hälfte des Kosten-
vorschusses an das Gericht durch den Kläger, sollte er dazu verpflichtet 
werden trotz des URP-Gesuchs) und die Parteikosten seien wettzuschla-
gen. 
 
11. 
Es sei richterlich von einer vorbehaltenen Klagebegründung sowie An-
tragsergänzung und Nachreichung von Unterlagen und Beweisanträgen 
nach richterlicher Fristansetzung Vormerk zu nehmen. 
 
12. 
[URP-Gesuch]" 

 

2.2. 

Nach einer Sistierung des Verfahrens (Verfügung des Gerichtspräsidenten 

vom 11. Mai 2020) hielt der Kläger mit begründeter Scheidungsklage vom 

16. November 2020 an den in der unbegründeten Scheidungsklage gestell-

ten Begehren fest, wobei er das Klagebegehren 6 ergänzte (Ergänzung in 

Kursivschrift): 

 
" 6. 

Es sei ein angemessener Betrag an den Unterhalt des Kindes C._____ zu 
regeln zu Lasten derjenigen Partei, welche nicht mindestens 50 % die Be-
treuung des Kindes obliegt. Sollte der Kläger unterhaltspflichtig sein, sei 
der Unterhalt auf Fr. 830.00 pro Monat zu begrenzen. 
 
Eventuell: Sollte der Beklagten wider erwarten ein persönlicher Unterhalts-
beitrag zugesprochen werden, sei dieser von einem allfälligen Betreuungs-
unterhalt in Abzug zu bringen. Sollte ein Betreuungsunterhalt festgelegt 

 - 4 - 

 

 

werden, sei dieser spätestens per Eintritt in die Oberstufe des jüngsten 
Kindes zu beenden." 
 

2.3. 

Mit Klageantwort vom 24. Februar 2021 stellte die Beklagte folgende Be-

gehren: 

 

" 1. 
Die Ehe der Parteien sei zu scheiden. 
 
2. 
Die Tochter C._____, geb. tt.mm.2012, sei unter die alleinige Sorge und 
Obhut der Beklagten zu stellen. 
 
3. 
Auf ein Kontaktrecht (Besuche, Ferien) sei vorderhand zu verzichten. 
 
4. 
Die AHV-Gutschriften seien der Beklagten zuzuweisen. 
 
5. 
Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten für den Unterhalt von 
C._____ monatlich vorschüssig folgende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen: 
 
a) Ab 1. Januar 2022 
Fr. 3'388.75 (inkl. Fr. 2'816.— Betreuungsunterhalt) 
 
b) Ab 1. Juli 2022 
Fr. 3'457.— (inkl. Fr. 2'816.— Betreuungsunterhalt) 
 
c) Ab 1. Januar 2026 
Fr. 4'041.— (inkl. Fr. 2'816.— Betreuungsunterhalt) 
 
d) Ab 1. Juli 2028 bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung, 
ausdrücklich auch über die Volljährigkeit hinaus 
Fr. 1'225.— (Kein Betreuungsunterhalt) 
 
Jeweils zuzüglich vertragliche oder gesetzliche Kinderzulagen. 
 
6. 
Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten monatlich vorschüssig fol-
gende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen: 
 
a) Ab 1. Januar 2026 
Fr. 1'500.— 
 
b) Ab 1. Juli 2028 
Fr. 4'000.— 
 

 
c) Ab Abschluss der ordentlichen Erstausbildung von C._____ 
Fr. 4'500.— 
 
7. 
Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten aus Güterrecht einen Betrag 
von mindestens Fr. 120'000.— zu bezahlen. 

 - 5 - 

 

 

 
Die D._____ AG, […],  R._____, sei anzuweisen, die Aktien nach Tilgung 
des Darlehens durch den Kläger direkt dem Gerichtspräsidiums Zurzach 
auszuhändigen, wo sie bis zur vollständigen Tilgung der güterrechtlichen 
Forderung der Beklagten in Verwahrung bleiben und anschliessend dem 
Kläger herausgegeben werden. 
 
Es sei vorzumerken, dass noch eine Unterhaltsschuld des Klägers aus 
Eheschutz (Wert Ende 2020: Fr. 36'611.20) besteht, weshalb die Parteien 
nach Bezahlung des Betrages von (mindestens) Fr. 120'000.— güterrecht-
lich noch nicht auseinandergesetzt sind. 
 
8. 
Es sei die Teilung der Freizügigkeitsleistungen gemäss Art. 122 ZGB vor-
zunehmen. 
 
9. 
Der Beklagten sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und der 
unterzeichnende Anwalt sei als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestel-
len. Dieser Antrag steht subsidiär hinter dem Antrag auf Leistung eines 
Prozesskostenvorschusses von mindestens Fr. 15'000.— durch den Klä-
ger an die Beklagte. 
 
10. 
Die Gerichtskosten seien zu halbieren und die Parteikosten wettzuschla-
gen." 

 

2.4. 

Mit Replik vom 12. April 2021 stellte der Kläger folgende Anträge: 

 

" 1. 
Festhalten an den Anträgen in der Klage mit folgenden Ergänzungen: 
 
6. Abs. 1 wird ergänzt: 
Ab 16. Altersjahr von C._____ und sofern sie eine Lehre macht, sei der 
Unterhaltsbeitrag auf Fr. 565.00 zu senken. Ab 18. Altersjahr sei er gene-
rell aufzuheben; Eventuell: ab 18. Altersjahr sei er auf Fr. 245.00 zu sen-
ken (kein Überschussanteil mehr). 
 
8. wird ergänzt: 
Eventualiter: Sollte der Kläger wider erwarten verpflichtet werden, der Klä-
gerin einen Prozesskostenvorschuss zu bezahlen, sei der zugesprochene 
Betrag von der Beklagten zurückzuvergüten. 
 
9. wird ergänzt: 
Der Betrag wird mit Fr. 26'037.00 abzüglich der Hälfte der Guthaben der 
Beklagten festgelegt (minimal beziffert bis zum Vorliegen des Beweiser-
gebnisses mit Fr. 1.00). 
 
2. 
Die abweichenden Anträge der Beklagten seien abzuweisen (somit unter 
anderem betreffend Obhut und elterliche Sorge über C._____, betreffend 
Kontaktrechten, Unterhalt des Kindes, persönlicher Unterhalt, Güterrecht 
inklusive der Forderung nach einer güterrechtlichen Sicherstellung, letzte-
res auch weil es keinen Anspruch aus Güterrecht gibt, betreffend Prozess-
kostenvorschuss und betreffend Unterhaltsausstände). 

 - 6 - 

 

 

3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mwst zu Lasten der 
Beklagten." 

 

2.5. 

Mit Duplik vom 12. Juli 2021 hielt die Beklagte am Klageantwortschluss 

fest, wobei sie Ziffer 7.1 wie folgt ergänzte: 

 

" 7.1.  
Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten den Betrag von Fr. 13'697.90 
zu bezahlen." 

 

2.6. 

Es folgten diverse Eingaben der Parteien (Kläger: 26. Juli 2021, 9. Septem-

ber 2021 sowie 4. und 20. August 2023; Beklagte: 26. August 2021, 

20. September 2021 und 10. August 2023).  

 

2.7. 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 22. August 2023 vor dem Gerichts-

präsidium wurden die Parteien befragt. Anschliessend gaben die Parteiver-

treter in je doppelten Vorträgen ihre Stellungnahmen zum Beweisergebnis 

ab. Dabei bezifferte die Beklagte ihren güterrechtlichen Anspruch neu auf 

Fr. 133'697.90. 

 

2.8. 

Nach einer weiteren Eingabe der Beklagten vom 7. Februar 2024 und Ab-

klärungen seitens des Gerichts zu den beklagtischen Austrittsleistungen 

bei der beruflichen Vorsorge erging am 4. Juni 2024 folgender Entscheid 

des Gerichtspräsidiums Zurzach: 

 

 

" 1. 
In Gutheissung des gemeinsamen Scheidungsbegehrens wird die am 
26. Januar 2012 vor dem Zivilstandsamt Q._____/Albanien geschlossene 
Ehe der Parteien in Anwendung von Art. 114 ZGB geschieden. 
 
2. 
2.1 
Die elterliche Sorge über die Tochter C._____, geb. tt.mm. 2012, wird den 
Parteien gemeinsam belassen. 
 
2.2 
Die Obhut über die Tochter C._____ wird der Beklagten zugeteilt. 
 
2.3. 
Es wird davon Vormerk genommen, dass C._____ ihren gesetzlichen 
Wohnsitz am Wohnsitz der Beklagten hat. 
 
 
 
 

 - 7 - 

 

 

3. 
3.1. 
Der Kläger wird berechtigt erklärt, die Tochter C._____ wie folgt zu sehen 
oder zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen: 
 
- In einer ersten Phase für die Dauer von sechs Monaten ab Rechtskraft 

des Entscheids während zwei begleiteter Kontakte pro Monat für vier 
Stunden am ersten und dritten Wochenende des Monats an einem 
Samstag oder Sonntag (je nach Verfügbarkeit der Begleiteten Be-
suchstage [BBT] S._____) in den Räumlichkeiten der BBT. Die Kosten 
der Begleitungsmassnahme werden von beiden Parteien hälftig getra-
gen.  

- In einer zweiten Phase (nach Ablauf der ersten sechs Monate) für die 
Dauer von drei Monaten am ersten und dritten Samstag des Monats 
für sechs Stunden von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr und auf eigene Kosten. 
Die Übergaben für die Besuche in dieser Phase sind einstweilen durch 
eine Fachperson zu begleiten. Die Kosten für die begleiteten Überga-
ben werden von beiden Parteien hälftig getragen.  

- In einer dritten Phase für die Dauer von weiteren drei Monaten am 
ersten und dritten Wochenende des Monats, jeweils ab Samstagmor-
gen, 10:00 Uhr, bis Sonntagabend, 18:00 Uhr (ohne Begleitung), auf 
eigene Kosten. 

- In einer vierten Phase am ersten und dritten Wochenende des Monats, 
jeweils ab Freitagabend, 18:00 Uhr, bis Sonntagabend, 18:00 Uhr, je-
weils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr 
sowie in Jahren mit gerader Jahreszahl von Karfreitag bis Ostermon-
tag und in Jahren mit ungerader Jahreszahl von Pfingstsamstag bis 
Pfingstmontag sowie während drei Wochen Ferien pro Jahr, jeweils 
auf eigene Kosten.  

- Die Parteien sprechen sich betreffend die Ausübung der Ferienbetreu-
ung des Klägers mindestens drei Monate im Voraus ab. Im Nichteini-
gungsfall entscheidet die Beistandsperson.  

- Kann der Kläger aus Gründen, die bei der Beklagten oder C._____ 
liegen, seine Besuchskontakte nicht wahrnehmen, so sind diese inner-
halb der nächsten drei Monate nachzuholen. Im Nichteinigungsfall ent-
scheidet auch hier die Beistandsperson.  

 
3.2. 
Weitergehende oder abweichende Wochenend-, Feiertags- oder Ferien-
kontakte nach gegenseitiger Absprache und unter Berücksichtigung der 
Wünsche der Tochter C._____ werden vorbehalten.  
 
4. 
4.1. 
Den Parteien wird i.S.v. Art. 307 Abs. 3 ZGB die Weisung erteilt, das Pro-
gramm "Kinder aus der Klemme" zu besuchen und sich hierfür innert vier 
Wochen seit Rechtskraft des Entscheids anzumelden. Die Wahl des Kur-
sorts (derzeit: Bern, Interlaken, Schaffhausen, Solothurn oder Winterthur) 
wird den Parteien überlassen. Teilen die Parteien ihre Wahl nicht innert 
vier Wochen seit Rechtskraft des Entscheids der Beistandsperson mit, be-
stimmt diese den Kursort (nach schnellstmöglicher Verfügbarkeit) und mel-
det die Parteien an. 
 
Die Kosten des Programms werden von beiden Parteien hälftig getragen. 
 
 
 

 - 8 - 

 

 

4.2. 
4.2.1. 
Ziele dieses Programms sind: 
 
- Das Kind aus der Klemme, in der es aufgrund des anhaltenden Eltern-

konflikts steckt, zu befreien und für das Kind ein Klima der Sicherheit 
zu schaffen; 

- den Streit zwischen den Eltern beizulegen, Konfliktmuster zu erkennen 
und die Situation zu verbessern; 

- Entwicklung von Kompetenzen zur Deeskalation und konstruktives Lö-
sen von Uneinigkeiten; 

- Wiederaufbau von Vertrauen und Kooperation der Eltern; 
- das Kind und seine Bedürfnisse besser kennenzulernen und zu erfah-

ren, wie darauf einzugehen ist. 
 
4.2.2. 
Den Parteien wird aufgetragen, 
 
- der Beistandsperson und dem Familiengericht Brugg nach erfolgter 

Anmeldung eine Anmeldebestätigung des Programms "Kinder aus der 
Klemme" einzureichen; 

- dem Familiengericht Brugg nach Abschluss des Programms "Kinder 
aus der Klemme" eine entsprechende Bestätigung einzureichen. 

 
4.3. 
Die für C._____ mit Eheschutzentscheid des Familiengerichtspräsidiums 
Brugg vom 23. März 2018 (SF.2018.13) errichtete Erziehungsbeistand-
schaft i.S.v. Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB wird mit geändertem Aufgabenka-
talog der Beistandsperson weitergeführt. 
 
4.4. 
Die Beistandschaft umfasst in Erweiterung der bereits bestehenden Auf-
gaben folgende Aufgabenbereiche (neu kursiv): 
 
- die Eltern in ihrer Sorge um C._____ mit Rat und Tat zu unterstützen 

und C._____ in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung zu be-
gleiten; 

- C._____ einen unbeschwerten Zugang zu beiden Elternteilen zu er-
möglichen und die Eltern darin zu unterstützen, die Tochter einver-
nehmlich und erzieherisch positiv zu begleiten; 

- die Ausübung des Besuchsrecht zu koordinieren und begleitend zu 
unterstützen; 

- falls aus Sicht der Beistandsperson geboten, eine psychologische Un-
terstützung für C._____ zu organisieren; 

- die Besuchsbegleitung in den BBT S._____ sowie die begleiteten 
Übergaben gemäss Dispositiv-Ziff. 3.1 (Abs. 1 und 2) hiervor zu orga-
nisieren, zu begleiten (die Mutter soll nicht für den Transport von 
C._____ zum Treffpunkt verantwortlich sein) sowie dem Familienge-
richt Brugg eine Empfehlung über die Fortsetzung oder Aufhebung der 
Besuchs- bzw. Übergabebegleitung zu erstatten; 

- die Eltern gegebenenfalls bei der Anmeldung zum Programm "Kinder 
aus der Klemme" zu unterstützen bzw. den Kursort für das Programm 
"Kinder aus der Klemme" zu bestimmen (nach schnellstmöglicher Ver-
fügbarkeit) und die Parteien anzumelden, sofern die Parteien der Bei-
standsperson innert vier Wochen nach Rechtskraft des Entscheids 
keine Anmeldebestätigung zukommen lassen (vgl. Dispositiv-Ziff. 4.1 
hiervor); 

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- die Einhaltung der Weisung gemäss Dispositiv-Ziff. 4.1 hiervor zu 
überwachen und bei deren Missachtung dem Familiengericht Brugg 
unverzüglich Bericht zu erstatten. 

 
4.5. 
Die Beistandsperson, Frau E._____, Berufsbeiständin des KESD Brugg, 
wird beibehalten und in ihrem Amt bestätigt. 
 
4.6. 
Die Beistandsperson wird aufgefordert, nötigenfalls unverzüglich Antrag 
auf Anpassung der behördlichen Massnahme an veränderte Verhältnisse 
oder auf Aufhebung der Beistandschaft zu stellen (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 414 ZGB). 
 
4.7. 
Die Beistandsperson wird ersucht, die alte Ernennungsurkunde innert 
20 Tagen seit Rechtskraft des Entscheids an das Familiengericht Brugg zu 
retournieren.  
 
4.8. 
Die Beistandsperson wird unter Aufrechterhaltung der ordentlichen Be-
richtsperiode aufgefordert, Bericht zu erstatten über die Beistandschaft 
und die Situation von C._____. 
 
4.9. 
Das Familiengericht Brugg wird nach Rechtskraft des Entscheids mit der 
Ausstellung der neuen Ernennungsurkunde und der Fristenkontrolle be-
auftragt.  
 
5. 
Die Erziehungsgutschriften nach Art. 52fbis AHVV werden der Beklagten 
angerechnet. 
 
6. 
6.1 
Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten an die Kosten des Unterhalts 
und der Erziehung von C._____ ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 
zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss der Erstausbildung monatlich im 
Voraus, jeweils auf den ersten eines jeden Monats, folgende Unterhalts-
beiträge zu bezahlen: 
 
CHF  1'729.00 ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 

31. Juli 2024 (inkl. Betreuungsunterhalt von 
CHF 929.00) 

CHF  1'086.00 ab 1. August 2024 bis 31. Dezember 2025 
CHF  1'574.00 ab 1. Januar 2026 bis 31. Mai 2028 
CHF 1'666.00 ab 1. Juni 2028  
CHF  1'426.00 für die Dauer der Ausbildung, sofern C._____ 

einer bezahlten Ausbildung nachgehen sollte 
 
jeweils zuzüglich allfällig bezogener Kinder- bzw. Ausbildungs- oder ähnli-
cher Zulagen. 
 
6.2. 
Es wird festgestellt, dass der Betreuungsunterhalt von C._____ in der ers-
ten Phase nicht gedeckt ist und ein Fehlbetrag von CHF 336.00 besteht. 
 

 - 10 - 

 

 

6.3. 
Die Unterhaltsbeiträge gemäss Dispositiv-Ziff. 6.1 hiervor basieren auf 
107.7 Punkten des Landesindexes der Konsumentenpreise des Bundes-
amtes für Statistik (Stand Mai 2024; Basis Dezember 2020 = 100 Punkte). 
Sie werden jährlich auf den 1. Januar, erstmals auf den 1. Januar 2025, 
gemäss dem Indexstand per November des Vorjahres nach folgender For-
mel der Teuerung angepasst: 
 

Neue Unterhaltsbeiträge = 
 

ursprüngliche Unterhaltsbeiträge x neuer Index vom Nov. des Vorjahres 
107.7 

 
Die Anpassung der Unterhaltsbeiträge findet nur statt, soweit der Kläger 
nicht mit Urkunden nachweist, dass das Einkommen nicht entsprechend 
der Teuerung gestiegen ist. 
 
7. 
Die Parteien schulden sich gegenseitig keinen nachehelichen Unterhalt. 
 
8. 
Die Parteien sind mit Ausnahme der noch offenen Unterhaltsschulden 
(Stand per Juli 2023: CHF 53'882.65 / Stand per Urteilsdatum: unbekannt) 
güterrechtlich auseinandergesetzt.  
 
9. 
Die Vorsorgeeinrichtung des Klägers (F._____ AG, […]) wird mit Rechts-
kraft des Scheidungsurteils gestützt auf Art. 281 ZPO angewiesen, den 
Betrag von CHF 24'202.00 auf das von der Beklagten noch zu bezeich-
nende Freizügigkeitskonto zu überweisen. 
 
10. 
10.1. 
Dem Kläger wird die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Herr lic. iur. 
Gino Keller, Fürsprecher, T._____, als sein unentgeltlicher Rechtsvertreter 
eingesetzt. 
 
10.2. 
Der Beklagten wird die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Herr lic. 
iur. Franz Hollinger, Rechtsanwalt, U._____, als ihr unentgeltlicher Rechts-
vertreter eingesetzt. 
 
11. 
Im Übrigen werden die Begehren der Parteien abgewiesen. 
 
12. 
Die Entscheidgebühr von CHF 9'000.00 wird den Parteien je zur Hälfte mit 
CHF 4'500.00 auferlegt. Sie geht infolge Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege für beide Parteien einstweilen zu Lasten des Kantons. Die 
Parteien sind zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage 
sind (Art. 123 ZPO). 
 
13. 
Die Parteikosten werden wettgeschlagen. 
 
Die nach Rechtskraft des vorliegenden Entscheids aufgrund separater 
Verfügung vorzunehmende Honorarauszahlung an die unentgeltlichen 

 - 11 - 

 

 

Rechtsvertreter der Parteien stehen unter dem Vorbehalt der späteren 
Rückforderung gemäss Art. 123 ZPO." 
 

3. 

3.1. 

Gegen diesen ihr am 11. Juni 2024 in motivierter Fassung zugestellten Ent-

scheid erhob die Beklagte am 10. Juli 2024 (Postaufgabe: 11. Juli 2024) 

fristgerecht Berufung mit folgenden Anträgen: 

 
" 1. 

Die Ziffern 2.1., 3., 4.1. bis 4.4., 6.1., 8. und 11 des angefochtenen Ent-
scheids vom 4. Juni 2024 seien aufzuheben. 
 
2. 
Es sei stattdessen wie folgt zu entscheiden: 
 
'2.1. 
Die Tochter C._____, geb. tt.mm. 2012 sei unter die alleinige elterliche 
Sorge der Beklagten zu stellen. 
 
3. 
Auf ein Kontaktrecht (Besuche, Ferien) sei zu verzichten. 
 
4.1. bis 4.4.  
Entfallen 
 
6.1. 
Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten an die Kosten des Unterhalts 
und der Erziehung von C._____ ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 
zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss der Erstausbildung monatlich im   
Voraus, jeweils auf den ersten eines jeden Monats, folgende Unterhalts-
beiträge zu bezahlen: 
 
Fr. 1'729.–  ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 31. Juli 2024  

(inkl. Betreuungsunterhalt von Fr. 929.–) 
Fr. 1'086.–  ab 1. August 2024 bis 31. Dezember 2025 
Fr. 1'874.–  ab 1. Januar 2026 bis 31. Mai 2028 
Fr. 1'966.–  ab 1. Juni 2028 
Fr. 1'666.–  für die Dauer der Ausbildung, sofern C._____  

einer bezahlten Ausbildung nachgehen sollte 
 
Jeweils zuzüglich allfällig bezogener Kinder- und Ausbildungs- oder ähnli-
cher Zulagen. 
 
8. 
Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten aus Güterrecht einen Betrag 
von Fr. 120'000.00 zu bezahlen. 
 
Nach Zahlung dieses Betrages sind die Parteien mit Ausnahme der noch 
offenen Unterhaltsschulden (Stand per Juli 2023: Fr. 53'882.65 / Stand per 
Urteilsdatum unbekannt) güterrechtlich auseinandergesetzt (materiell un-
verändert gegenüber Ziffer 8 des angefochtenen Entscheids). 
 
11. 
Entfällt.' 
 

 - 12 - 

 

 

3. 
Der Beklagten sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und der 
unterzeichnende Anwalt als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen, 
sofern nicht primär der Kläger zu einem Prozesskostenvorschuss von 
Fr. 7'000.— verpflichtet wird. 
 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

  

3.2. 

Mit Berufungsantwort vom 2. August 2024 stellte der Kläger folgende An-

träge: 

 

" 1. 
Die Berufung der Beklagten sei vollumfänglich abzuweisen – soweit darauf 
eingetreten werden kann – und der Entscheid des Präsidiums des Famili-
engerichts Zurzach vom 4.06.2024, Verfahren-Nr. OF.2019.69, sei damit 
vollumfänglich zu bestätigen. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzlicher Mehr-
wertsteuer zu Lasten der Berufungsführerin/Beklagten, Frau B._____, ge-
mäss – nachzureichender ergänzter oder vorliegender Kostennote (CHF 
5179.65 inklusive Auslagen und Mwst), sofern es keine Ergänzungen mehr 
brauchen sollte) oder von Amtes wegen. 
 
3. 
Dem Berufungsgegner/Kläger sei die unentgeltliche Rechtspflege zu be-
willigen unter Einsetzung des Unterzeichners als seinem unentgeltlichen 
Fürsprecher, soweit nicht die Beklagte zur Leistung eines angemessenen 
Prozesskostenvorschusses oder einer Anwaltskostenbeteiligung von 
Fr. 6'000.00 (bei Ansetzung einer Verhandlung oder sonst CHF 5'200.00) 
verpflichtet werden kann."   

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. Eintretensfrage 

Gegen den vorinstanzlichen Entscheid ist die Berufung zulässig (Art. 308 

ZPO). Nachdem die Beklagte durch diesen beschwert ist, soweit ihren Be-

gehren bzw. Anträgen nicht (vollkommen) entsprochen wurde und sie die 

für die Berufung statuierten Frist- und Formvorschriften (vgl. Art. 311 ZPO) 

beachtet hat, ist auf ihre Berufung einzutreten.  

 

2. Prozessuales 

Mit Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz geltend gemacht wer-

den (Art. 310 ZPO). Neue Tatsachen und Beweismittel werden im Beru-

fungsverfahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht 

werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorge-

bracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO), wofür die Partei, die solche 

Neuerungen geltend macht, die Substanziierungs- und Beweislast trägt 

 - 13 - 

 

 

(BGE 143 III 42 E. 4.1). Diese Novenschranke gilt allerdings nicht für Strei-

tigkeiten, die – wie Kinderbelange (vgl. Art. 296 Abs. 1 ZPO) – durch die 

uneingeschränkte Untersuchungsmaxime beherrscht sind (Art. 317 Abs. 

1bis ZPO). Ferner gilt für Kinderbelange die Offizialmaxime; das Gericht ent-

scheidet demnach ohne Bindung an die Parteianträge (Art. 296 Abs. 3 

ZPO). Das Obergericht kann ohne Verhandlung aufgrund der Akten ent-

scheiden (Art. 316 Abs. 1 ZPO). 

 

3. IPRG 

Die Parteien wie auch ihre Tochter C._____ haben ihren Wohnsitz in der 

Schweiz. Sie sind aber keine schweizerischen Staatsangehörigen. Da es 

sich bei einer Scheidungssache um eine Personenstandssache bzw. einen 

Statusprozess handelt (dessen Ergebnis wünschbarerweise auch im Hei-

matstaat bzw. den Heimatstaaten der geschiedenen Eheleute anerkannt 

werden sollte), lässt sich argumentieren, dass – nicht zuletzt mit Blick auf 

die güterrechtliche Auseinandersetzung (vgl. dazu das Klagebegehren 8, 

wo festgehalten wurde, dass diesbezüglich Schweizer Recht zur Anwen-

dung zu bringen sei) – ein internationaler Sachverhalt gegeben ist (vgl. 

MÜLLER-CHEN, in: Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2018, N. 9 zu Art. 1 IPRG). 

Bei Bejahung eines internationalen Sachverhalts ist die internationale Zu-

ständigkeit der Schweizer Gerichte für die vorliegende Scheidung sowie die 

Beurteilung ihrer Nebenfolgen gegeben (Art. 59 IPRG [Scheidung], Art. 63 

Abs. 1 IPRG [Güterrecht], Art. 85 IPRG in Verbindung mit Art. 5 HKsÜ [el-

terliche Sorge/Obhut und persönlicher Verkehr] sowie Art. 2 Abs. 1 und 

Art. 5 Ziffer 2 lit. b LugÜ [Unterhalt]). Anwendbar ist Schweizer Recht 

(Art. 63 Abs. 2 und Art. 85 IPRG in Verbindung mit Art. 15 HKsÜ [elterliche 

Sorge/Obhut und persönlicher Verkehr], Art. 63 Abs. 2 IPRG und 83 Abs. 1 

IPRG in Verbindung mit Art. 4 des Haager Übereinkommens über das auf 

Unterhaltspflichten anzuwendende Recht [Unterhalt] sowie Art. 63 Abs. 2 

in Verbindung mit Art. 54 Abs. 1 lit. a IPRG [Güterrecht]). 

 

4. Streitgegenstand der Berufung 

Streitig sind im vorliegenden Rechtsmittelverfahren – mit Ausnahme der 

Obhut – alle Kinderbelange (elterliche Sorge, persönlicher Verkehr und Kin-

derunterhalt) sowie das Güterrecht. Während der Kläger vor Vorinstanz die 

Alleinobhut über C._____ für sich verlangt hatte (bei gemeinsam belasse-

ner elterlicher Sorge), lauteten die Anträge der Beklagten auf Einräumung 

der alleinigen elterlichen Sorge (mit Obhut) an sich sowie auf (vorläufige) 

Verweigerung von persönlichem Verkehr zwischen dem Kläger und 

C._____. In den übrigen Punkten (Scheidungspunkt, Vorsorgeausgleich 

und nachehelicher Unterhalt) ist der vorinstanzliche Entscheid unangefoch-

ten geblieben und damit rechtskräftig geworden (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Zu 

ergänzen ist in diesem Zusammenhang, dass, solange die elterliche Sorge 

umstritten ist, die von der Vorinstanz zugunsten der Beklagten getroffene 

und vom Kläger unangefochten gebliebene Obhutsregelung als 

 - 14 - 

 

 

naturgemäss nachgeordneter Regelungsgegenstand nicht rechtskräftig 

werden kann. 

 

5. Elterliche Sorge  

5.1. Angefochtener Entscheid 

Die Vorinstanz hat die elterliche Sorge über C._____, wie von Art. 296 

Abs. 2 ZGB im Grundsatz vorgesehen, beiden Parteien belassen. Sie hielt 

dafür, mit Blick auf die Stabilität der Verhältnisse und die Kontinuität der 

Umgebung gelte es zu berücksichtigen, dass C._____ seit Oktober 2019 

(wieder) bei der Beklagten wohne und die Parteien gestützt auf Art. 296 

Abs. 2 ZGB die gemeinsame elterliche Sorge ausübten. Zwischen den Par-

teien finde keinerlei Kommunikation statt. Seit der Rückgabe der Obhut 

über C._____ an die Beklagte im Oktober 2019, somit seit über vier Jahren, 

habe kein Kontakt mehr zwischen dem Kläger und C._____ stattgefunden, 

wie er anlässlich der Hauptverhandlung ausgeführt habe. Informationen 

seien bekanntlich die Grundlage für Entscheidungen und daher für die Aus-

übung der elterlichen Sorge von zentraler Bedeutung. Dabei sei nicht ent-

scheidend, ob ein Elternteil eine Mitverantwortung an diesem Zustand 

treffe, sondern ob das Kindeswohl durch die gegenwärtige Sorgerechtsre-

gelung erheblich beeinträchtigt sei und ob eine Änderung eine Verbesse-

rung verspreche. Mittel- und längerfristig werde sich die Wahrnehmung der 

gemeinsamen elterlichen Sorge schwierig gestalten, wenn es dem Kläger 

nicht gelingen sollte, den persönlichen Kontakt zu C._____ wieder auf- und 

auszubauen. Kurzfristig spreche diese Wechselwirkung zwischen elterli-

cher Sorge und persönlichem Kontakt jedoch gegen die Aufhebung der ge-

meinsamen elterlichen Sorge, denn damit würde eine der letzten verblei-

benden Verbindungen zwischen dem Kläger und C._____ beseitigt, was 

dem Ziel des Wiederaufbaus des Kontaktrechts nicht förderlich wäre. Auch 

wenn der fehlende Kontakt zwischen den Parteien und zwischen C._____ 

und dem Kläger keine ideale Voraussetzung für die Ausübung der gemein-

samen elterlichen Sorge darstelle, bilde dies mit Blick auf den Ausnahme-

charakter einer solchen Entscheidung noch keinen genügenden Grund für 

eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge, solange sich dieser Zustand in 

der Vergangenheit nicht schädlich auf das Kindeswohl ausgewirkt habe 

und eine Alleinzuteilung keine Verbesserung bringen würde, wovon nach 

dem Gesagten nicht auszugehen sei (angefochtener Entscheid E. 3.2.4.2). 

 

5.2. Berufung 

Die Beklagte hält in ihrer Berufung daran fest, es sei ihr die alleinige elter-

liche Sorge einzuräumen. Eine vom Bundesgericht statuierte Ausnahme 

vom Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge (schwerwiegender 

Dauerkonflikt oder anhaltende Kommunikationsunfähigkeit) sei vorliegend 

klarerweise erfüllt. Hinzu träten weitere Umstände, die entweder als solche 

für eine Alleinzuteilung sprächen oder zu einer Entlastung der Situation 

führten: C._____ habe im Rahmen ihrer psychologischen Behandlung von 

traumatisierenden Erlebnissen in der Zeit, als sie sich in der Obhut des 

 - 15 - 

 

 

Klägers befunden habe (gemeint Zeit von Juli 2018 bis April 2019), berich-

tet; sie sei während der Obhut beim Kläger oft geschlagen worden und 

habe wegen der Beklagten (gemeint offenbar auf Anstiftung des Klägers zu 

deren Lasten) lügen müssen. Die notwendige Sicherheit für C._____ könne 

nur mittels Alleinzuteilung der elterlichen Sorge an die Beklagte gewähr-

leistet werden. Dies werde durch zwei (neu eingereichte) Beweismittel ein-

drücklich bestätigt: Einerseits durch einen Brief, den C._____ spontan und 

total enttäuscht geschrieben habe, nachdem ihr die Beklagte vom Eingang 

des vorinstanzlichen, noch immer ein Besuchsrecht des Beklagten vorse-

henden Entscheides erzählt habe. Die unglaubliche Brutalität, die aus dem 

Brief spreche (Beschreibung, dass sie geschlagen worden sei, wenn sie 

die Beklagte habe sehen wollen, dass sie im Badezimmer auf dem Boden 

habe essen müssen, wenn sie keinen Appetit mehr gehabt habe, und sogar 

ihr Erbrochenes habe essen müssen) mache betroffen und sprachlos. An-

derseits liege ein Buch vor, in dem C._____ das Erlebte im Rahmen der 

psychologischen Behandlung verarbeitet habe und aus dem sich auf ein-

drückliche Weise ergebe, dass ihre Angaben zuträfen und auf eigenen Er-

lebnissen beruhten. Auch wenn diese Umstände mehr als genügten, um 

C._____ unter die alleinige elterliche Sorge der Beklagten zu stellen, kä-

men noch zwei weitere gewichtige Gründe hinzu. Einerseits sei C._____ 

dem Kläger vollkommen egal; denn seitdem sie gemäss Entscheid des 

Obergerichts vom 23. September 2019 wieder unter der Obhut der Beklag-

ten stehe, habe er kein einziges Mal zu ihr Kontakt aufgenommen, ihr bei-

spielsweise einen Brief oder ein Geschenk zum Geburtstag geschickt. 

Hinzu komme die Bildung eines Tumors an C._____ Knie. Am 12. Januar 

2024 habe die Beklagte den Kläger per Brief und dann – bezüglich eines 

Arzttermins in Wien – noch per WhatsApp orientiert, zudem habe sie einen 

Spendenaufruf verfasst. Die Reaktion des Klägers sei absolut Null gewe-

sen. Anderseits bedinge die gemeinsame elterliche Sorge das Zusammen-

wirken der geschiedenen Ehegatten in gewissen Bereichen wie beispiels-

weise beim Ausstellen von Ausweispapieren. Die Verweigerung der Zu-

stimmung könne nach bundesgerichtlicher Auffassung Grund für das allei-

nige Sorgerecht eines Elternteils sein. Als C._____ einen neuen Pass be-

nötigt habe, habe der Kläger seine Zustimmung verweigert (Berufung S. 3 

ff.).      

 

5.3. Rechtliches 

5.3.1. 

In einem Scheidungs- (oder Eheschutz-) Verfahren überträgt das Gericht 

einem Elternteil die alleinige elterliche Sorge, wenn dies zur Wahrung des 

Kindeswohls nötig ist (Art. 298 Abs. 1 ZGB). Gemäss Bundesgericht muss 

die Zuteilung (oder Belassung) der Alleinsorge die eng begrenzte Aus-

nahme bleiben (BGE 142 III 197 E. 3.7). Auch wenn die elterliche Sorge 

dem Kindeswohl dient (Art. 296 Abs. 1 ZGB), darf die Alleinsorge nicht 

schon dann angeordnet werden, wenn sie – im Sinne einer positiven Kin-

deswohlprüfung – dem Kindeswohl am besten entspricht (vgl. wiederum 

 - 16 - 

 

 

BGE 142 III 197 E. 3.7). Vielmehr muss – im Sinne einer negativen Kindes-

wohlprüfung – erstellt werden, dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kin-

deswohl widerspricht (BÜCHLER/CLAUSEN, in: FamKommentar Scheidung, 

4. Aufl. 2022, N. 20 zu Art. 298 ZGB; vgl. nun auch BGE 150 III 97 E. 4.2).  

 

Die Anordnung einer Alleinsorge nach Art. 298 Abs. 1 ZGB ist zunächst 

dann geboten, wenn die Voraussetzungen für die Entziehung der elterli-

chen Gewalt als von Amtes wegen zu treffende Kindesschutzmassnahme 

(Art. 311 ZGB) erfüllt sind, d.h. wenn die Eltern wegen Unerfahrenheit, 

Krankheit, Gebrechen, Abwesenheit, Gewalttätigkeit oder ähnlichen Grün-

den ausserstande sind, die elterliche Sorge (d.h. im Blick auf das Wohl des 

Kindes seine Pflege und Erziehung zu leiten und unter Vorbehalt seiner 

eigenen Handlungsfähigkeit die nötigen Entscheidungen zu treffen; 

Art. 301 Abs. 1 ZGB) auszuüben (Art. 311 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) oder wenn 

sie sich um das Kind nicht ernstlich gekümmert oder ihre Pflichten ihm ge-

genüber gröblich verletzt haben (Art. 311 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB). Allerdings 

können weniger gravierende Gründe wie ein schwerwiegender elterlicher 

Dauerkonflikt oder fehlender Kooperationswille und fehlende  Kommunika-

tionsfähigkeit der Eltern für die Zuteilung einer alleinigen Sorge ausreichen 

(vgl. dazu ausführlich BÜCHLER/CLAUSEN, a.a.O., N. 17 ff. zu Art. 298 ZGB). 

Dabei wird, was unter Kausalitätsgesichtspunkten an sich eine Selbstver-

ständlichkeit darstellt, als zusätzliche Voraussetzung verlangt, dass sich 

diese Defizite negativ auf das Kindeswohl auswirken und von einer Allein-

sorge eine Verbesserung erwartet werden kann (BGE 142 III 197 E. 3.5). 

Dabei dürften jedenfalls mit Bezug auf die Frage einer Alleinzuteilung der 

Dauerkonflikt und die fehlende Kooperationswilligkeit bzw. -fähigkeit prak-

tisch kaum voneinander zu trennen sein. Denn nach einer Trennung von 

Eheleuten kommen Dauerkonflikte wohl vor allem im Zusammenhang mit 

den Belangen gemeinsamer Kinder vor. Durch die Anordnung einer Allein-

sorge wird dieses Problem entschärft (vgl. SCHWENZER/COTTIER, in: Basler 

Kommentar, 7. Aufl. 2022, N. 14 zu Art. 298 ZGB mit zahlreichen Hinweisen 

auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts und Lehre).  

 

5.3.2. 

Kommt das Scheidungsgericht zum Schluss, dass nur eine Alleinsorge eine 

Beruhigung des Elternkonflikts ermöglicht, stellt sich weiter die Frage, wel-

cher Elternteil besser für die Wahrnehmung der elterlichen Sorge geeignet 

ist. Sie ist in Anwendung der Offizialmaxime (Art. 296 Abs. 3 ZPO) sinnge-

mäss nach den für die Zuteilung der Obhut massgeblichen Kriterien zu be-

antworten (SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., N. 15 und 22 zu Art. 298 ZGB). 

Zu diesen zählt in erster Linie die Erziehungsfähigkeit (SCHWENZER/COT-

TIER, a.a.O., N. 5 zu Art. 298 ZGB). In Anbetracht des Umstands, dass Ge-

walttätigkeit zum Entzug der elterlichen Sorge führen kann (Art. 311 Abs. 1 

Ziff. 1 ZGB), versteht sich sodann von selbst, dass die Erziehungsfähigkeit 

bei Vorkommnissen physischer und/oder psychischer Gewaltanwendung 

gegenüber Kindern mehr oder weniger massiv eingeschränkt ist. Zu einer 

 - 17 - 

 

 

uneingeschränkten Erziehungsfähigkeit gehört aber auch die Bereitschaft 

zur Kooperation mit dem anderen Elternteil (gerade wenn die Eltern ge-

trennt leben) sowie die Bereitschaft, eine Beziehung des Kindes zu diesem 

zuzulassen (SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., N. 5 zu Art. 298 ZGB). 

 

5.4. gemeinsame elterliche Sorge 

Die Vorinstanz hat sich mit der von der Beklagten vorgebrachten angebli-

chen Gewalttätigkeit (Brutalität) des Klägers gegenüber C._____ nicht be-

reits in der Begründung ihres Entscheids, die elterliche Sorge bei beiden 

Parteien zu belassen (angefochtener Entscheid E. 3.2.4.2), sondern erst 

im Zusammenhang mit der Regelung des persönlichen Verkehrs auseinan-

dergesetzt (angefochtener Entscheid E. 3.2.5.3).  

 

Wie es sich mit der angeblichen Gewalttätigkeit der Parteien verhält, ver-

mag mit Bezug auf den Entscheid, ob im vorliegenden Scheidungsverfah-

ren bezüglich C._____ die Alleinsorge eines Elternteils oder die gemein-

same elterliche Sorge anzuordnen ist (zur Geltung der Offizialmaxime vgl. 

E. 2.1), keine entscheidende Bedeutung zu erlangen. Denn zwischen den 

Parteien ist in offenkundigster Weise ein überaus schwerwiegender Konflikt 

gegeben, der zum Erliegen jeglicher Kommunikation zwischen ihnen ge-

führt hat. Eine "Kommunikation" zwischen ihnen hinsichtlich der Belange 

von C._____ findet nicht (so ausdrücklich angefochtener Entscheid E. 

3.2.4.2) bzw. höchstens indirekt im Rahmen von Gerichtsverfahren statt 

(obwohl die gemeinsame elterliche Sorge nach Art. 296 Abs. 2 ZGB formell 

noch andauert). Beispielhaft sei erwähnt, dass die Beklagte die Zustim-

mung des Klägers für die Ausstellung eines Passes über ein Gerichtsver-

fahren erwirkte. Zu erwähnen ist auch das Schreiben der Beklagten vom 

12. Januar 2024 (Berufungsbeilage 7), worin die Beklagte den Kläger über 

eine Tumorerkrankung von C._____ (dazu E. 6.4.4.3) informierte und das 

sie, wie wenn sie bereits Alleininhaberin der elterlichen Sorge wäre (vgl. 

Art. 275a ZGB), mit folgendem Satz einleitete: "Ich sende Ihnen diesen 

Brief, da ich gesetzlich verpflichtet bin, Sie über den Zustand von C._____ 

zu informieren." Es fehlt jeder Grund zur Annahme, dass die Parteien jetzt, 

aber auch in Zukunft in der Lage sind/sein werden, für C._____ die in nicht 

alltäglichen Angelegenheiten erforderlichen Entscheidungen gemeinsam 

zu treffen, sodass ständig mit Gerichtsverfahren gerechnet werden müsste.  

Dies auch vor dem Hintergrund, dass keinerlei Hinweise vorliegen, wonach 

sich die Kommunikation zwischen den Parteien während der Dauer des 

vorliegenden Rechtmittelverfahrens gebessert hat bzw. eine solche über-

haupt stattfindet. 

 

5.5. Zuteilung der Alleinsorge 

5.5.1. 

Dagegen ist die Frage, ob es zu (physischer und/oder psychischer) Gewalt 

der Parteien gegenüber C._____ gekommen ist (wie sie von beiden Par-

teien geltend gemacht wurde/wird), von Bedeutung für die Frage, welchem 

 - 18 - 

 

 

von ihnen die Alleinsorge zuzuteilen ist, zumal bei vorhandener Gewalttä-

tigkeit eines Elternteils gegenüber einem Kind nicht von einer uneinge-

schränkten Erziehungsfähigkeit ausgegangen werden kann (vgl. E. 5.3.2).  

 

Nach der Trennung der Parteien im November 2017 standen zunächst zu-

folge einer von der Tochter der Beklagten aus früherer Ehe (G._____) am 

tt.mm. 2018 erstatteten Anzeige wegen häuslicher Gewalt nicht die Gewalt-

tätigkeit des Klägers, sondern Handgreiflichkeiten (Schläge) der Beklagten 

gegenüber G._____ und C._____ zur Debatte (vgl. dazu insbesondere das 

Protokoll der polizeilichen Einvernahme von G._____ vom tt.mm. 2018 

[KEKV.2018.46, act. 16 ff.]). Zwar wurde die Beklagte mit rechtskräftigem 

Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, 2. Strafgerichtskammer, vom 

22. Juni 2021 (SST.2021.9) wegen einfacher Körperverletzung und wegen 

Sachbeschädigung (begangen je zum Nachteil von G._____ am 2. Juni 

2018 bzw. 9. Juli 2018) verurteilt. Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend 

erfolgte indessen ein Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten 

zum Nachteil von G._____ und C._____. In E. 3 des ebenfalls rechtskräfti-

gen Entscheids vom 23. September 2019 im Verfahren XBE.2019.37 hielt 

die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz des Obergerichts des 

Kantons Aargau sodann fest, dass eine Gefährdung von C._____ durch 

angebliche Schläge ihrer Mutter nicht als glaubhaft gemacht vorausgesetzt 

werden dürfe, sondern – aufgrund der Zweifelhaftigkeit der Angaben von 

G._____ zumindest bezüglich C._____ – zu verneinen sei. Darauf kann 

verwiesen werden. Auch wenn der Beklagten in Anbetracht ihrer strafrecht-

lichen Verurteilung wegen begangener Gewaltausübung an einem Kind 

eine über blosses "Temperament" (so die Beklagte in deren polizeilichen 

Einvernahme, KEKV.2018.46, act. 5) hinausgehende Beeinträchtigung der 

Impulskontrolle nicht abgesprochen werden kann, fehlen Hinweise darauf, 

dass die Beklagte gegenüber C._____ im Sinne von Art. 311 Abs. 1 Ziff. 1 

ZGB gewalttätig war oder ist, insbesondere auch nicht seit C._____ im Ok-

tober 2018 nach der Fremdplatzierung wieder unter die Obhut der Beklag-

ten gelangte. So hat auch der Kläger nie Handgreiflichkeiten der Beklagten 

gegenüber C._____ geltend gemacht (seine Gefährdungsmeldung im Feb-

ruar 2018 erfolgte aus der Befürchtung heraus, dass wegen stundenlangen 

Ohnmachten und Abwesenheiten der Beklagten C._____ Betreuung nicht 

gewährleistet sei [vgl. KEMN.2018.49, act. 1 f.]). Ebenso wenig gibt es Hin-

weise darauf, dass die Beklagte C._____ vernachlässigt. Entsprechend ist 

von der Erziehungsfähigkeit der Beklagten auszugehen. 

 

5.5.2. 

Von massgeblicher Bedeutung für die Zuteilung der elterlichen Sorge ist 

vorliegend der Umstand, dass innert kürzester Zeit, nachdem C._____ im 

Oktober 2018 nach der Fremdplatzierung wieder unter die Obhut der Be-

klagten gelangte, eine tiefgreifende symbiotische Ablehnung des Klägers 

durch C._____ und die Beklagte eingesetzt hat (vgl. unten E. 6). Diese Ent-

wicklung schliesst eine (sofortige) Umteilung der Obhut (und somit auch 

 - 19 - 

 

 

eine Zuteilung der Alleinsorge) an den Kläger aus (damit scheint sich die-

ser, seinen im vorliegenden Rechtsmittelverfahren gestellten Anträgen 

nach zu urteilen, offenbar abgefunden zu haben), dies auch vor dem Hin-

tergrund, dass C._____ seit Jahren keinerlei Kontakt mehr mit dem Kläger 

hat und die Beklagte ihre Hauptbezugsperson ist (vgl. E. 6 unten). Da zu-

dem von der Beklagten keinerlei Kommunikationsbereitschaft zu erwarten 

ist und ohne solche eine gemeinsame elterliche Sorge, in deren Rahmen 

die über das Alltägliche (und Dringliche) hinausgehenden wichtigen Ent-

scheidungen in Kinderbelangen zu treffen sind, nicht wahrgenommen wer-

den kann (vgl. 5.4 oben), ist C._____ unter die Alleinsorge der Beklagten 

zu stellen. Die von der Beklagten zur Begründung ihres Antrags auf Zutei-

lung der Alleinsorge angeführten Argumente (unglaubliche Brutalität und 

Desinteresse des Klägers gegenüber C._____) brauchen im Zusammen-

hang mit der Frage der Sorgerechtszuteilung nicht geprüft zu werden. Viel-

mehr ist darauf im Zusammenhang mit der von der Beklagten verlangten 

Aufhebung des persönlichen Verkehrs zwischen dem Kläger und C._____ 

einzugehen (E. 6 unten).    

 

6. Persönlicher Verkehr 

6.1. Angefochtener Entscheid / Berufung 

Wie bereits erwähnt, hat wegen einer massiven Abwehrhaltung von 

C._____ gegenüber dem Kläger seit Jahren kein persönlicher Kontakt mehr 

zwischen den beiden stattgefunden. Aus diesem Grund hat die Vorinstanz 

ein in vier Phasen aufbauendes Besuchs- und Ferienrecht angeordnet. In 

der vierten, ein Jahr nach Eintritt der Rechtskraft einsetzenden Phase han-

delt es sich um ein "normales" Besuchsrecht am ersten und dritten Wo-

chenende eines Monats (Freitag 18:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr) zuzüg-

lich eines Ferienrechts von drei Wochen und Regelung von Feiertagen 

(Dispositiv-Ziffer 3.1). Darüber hinaus hat die Vorinstanz Kindeschutz-

massnahmen neu (Weisung an die Parteien, das Programm "Kinder aus 

der Klemme" zu besuchen) bzw. deren Weiterführung in erweitertem Um-

fang (Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB) angeordnet (Dispo-

sitiv-Ziffer 4.1-4.4).   

 

Der Kläger erklärt sich mit diesen Regelungen der Vorinstanz ausdrücklich 

einverstanden (Berufungsantwort S. 5). Von der Beklagten wird dagegen 

unter Hinweis auf angebliche "unglaubliche Brutalität" und Desinteresse 

des Klägers die ersatzlose Aufhebung aller Anordnungen (zuvorderst die 

Verweigerung bzw. Aufhebung des Rechts auf persönlichen Verkehr) ver-

langt. In Anbetracht der "schrecklichen Ereignisse" sei einerseits C._____ 

Weigerung, zum Kläger zu gehen, vollkommen verständlich und werde an-

derseits sämtlichen von der Vorinstanz gegenüber der Beklagten erhobe-

nen Vorwürfen der Boden entzogen. Sie (Beklagte) habe versucht, 

C._____ zur Kontaktaufnahme mit dem Kläger zu motivieren. Bei den "un-

vorstellbaren Erlebnissen", unter denen C._____ beim Kläger habe leiden 

müssen, stütze sich deren Weigerung zur Kontaktaufnahme unmittelbar auf 

 - 20 - 

 

 

diese Erfahrungen; einer Beeinflussung durch die Beklagte habe es unter 

diesen Umständen nicht mehr bedurft; auch ein siebenjähriges Kind wisse 

ganz genau, dass es Derartiges nicht mehr erleben wolle (Berufung S. 7 

ff.).    

 

6.2. Rechtliches 

Für die gesetzlichen Grundlagen des persönlichen Verkehrs kann zunächst 

auf E. 3.2.5.2 des angefochtenen Entscheids verwiesen werden. Die dorti-

gen Ausführungen (insbesondere der Verweis auf die bundesgerichtliche 

Grundaussage, dass es bei der Festsetzung des Besuchsrechts nicht da-

rum gehe, einen gerechten Interessenausgleich zwischen den Eltern zu fin-

den, sondern den elterlichen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu 

regeln, vgl. BGE 123 III 451 E. 3b) sind allerdings zu ergänzen. 

 

6.2.1. 

Vorab ist die Bedeutung des Kontakts eines Kindes zu beiden Elternteilen 

(auch nach deren Trennung) hervorzuheben (BGE 142 III 481 E. 2.8 sowie 

BGE 130 III 585 E. 2.2.2, wonach anerkannt sei, dass aufgrund des schick-

salhaften Eltern-Kind-Verhältnisses die Beziehung des Kindes zu beiden 

Elternteilen sehr wichtig sei und bei dessen Identitätsfindung eine entschei-

dende Rolle spielen könne). Art. 298 Abs. 2bis ZGB und Art. 298b Abs. 3bis 

ZGB sprechen denn auch von einem von den Scheidungsgerichten und 

Kindesschutzbehörden zu beachtenden Recht des Kindes, regelmässig 

persönliche Beziehungen zu beiden Elternteilen zu pflegen. Aus diesem 

Grund stellt das Recht eines Elternteils auf persönlichen Verkehr ein 

Pflichtrecht dar, das der Elternteil im Interesse des Kindes (Kindeswohl) 

auszuüben hat (vgl. anstelle vieler SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., N. 4 zu 

Art. 273 ZGB).  

 

Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs ist 

das Kindeswohl. Damit hat das Gericht in Beachtung aller konkreter Um-

stände nach der für das Kind bestmöglichen Lösung zu suchen. Die Inte-

ressen der Eltern haben hinter dem vorrangig massgebenden Kindeswohl 

zurückzustehen (Urteil des Bundesgerichts 5A_111/2019 vom 9. Juli 2019 

E. 2.3).  

 

6.2.2. 

6.2.2.1. 

Das Recht auf persönlichen Verkehr ist selbstredend nicht schrankenlos. 

Wird das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet, üben 

ihn die Eltern pflichtwidrig aus, haben sie sich nicht ernsthaft um das Kind 

gekümmert (vgl. auch Art. 311 Abs. 1 ZGB betreffend Entziehung der elter-

lichen Sorge) oder liegen andere wichtige Gründe vor, so kann ihnen das 

Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 

Abs. 2 ZGB). Eine Gefährdung des Kindeswohls liegt vor, wenn die unge-

störte körperliche, seelische oder sittliche Entfaltung des Kindes durch ein 

 - 21 - 

 

 

auch nur begrenztes Zusammensein mit dem nicht obhutsberechtigten El-

ternteil bedroht ist. Bei der Beschränkung des persönlichen Verkehrs ist 

stets das Gebot der Verhältnismässigkeit zu beachten. So darf dieser in der 

Regel nicht allein wegen elterlicher Konflikte dauerhaft eingeschränkt wer-

den, jedenfalls soweit das Verhältnis zwischen dem nicht hauptbetreuen-

den Elternteil und dem Kind gut ist (Urteil des Bundesgerichts 5A_111/2019 

vom 9. Juli 2019 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).  

 

6.2.2.2. 

Besondere Probleme stellen sich für den Fall, dass ein Kind den persönli-

chen Verkehr verweigert, dies erst recht dann, wenn die Weigerungshal-

tung auf manipulatives Verhalten des Inhabers der elterlichen Sorge oder 

der Obhut zurückzuführen ist, womit dieser gegen die in Art. 274 Abs. 1 

ZGB statuierte Loyalitätspflicht verstösst.  

 

Der Wille des urteilsfähigen Kindes ist eines von mehreren Kriterien beim 

Entscheid über den persönlichen Verkehr bzw. über die elterlichen Betreu-

ungsanteile. Dem Wunsch des Kindes ist Beachtung zu schenken, selbst 

wenn das Kind bezüglich der Betreuungsregelung noch nicht urteilsfähig 

ist. Berücksichtigen bedeutet freilich nicht, dass der Wille des Kindes einen 

besonderen Vorrang geniesst. Insbesondere steht es nicht im Belieben des 

Kindes, in Eigenregie zu bestimmen, ob und zu welchen Bedingungen per-

sönliche Kontakte zu einem Elternteil stattfinden sollen bzw. wo und bei 

wem es leben möchte; andernfalls würde der Kindeswille mit dem Kindes-

wohl gleichgesetzt, obwohl sich die beiden Elemente durchaus widerspre-

chen können; dies gilt namentlich für den Fall, dass die ablehnende Haltung 

wesentlich durch die Einstellung des anderen Elternteils geprägt ist (BGE 

127 III 295 E. 4a/b). Um zu beurteilen, welches Gewicht der Meinung des 

Kindes beizumessen ist, kommt es entscheidend auf das Alter des Kindes, 

auf die Konstanz des geäusserten Willens und auf seine Fähigkeit zu auto-

nomer Willensbildung an. Von dieser Fähigkeit ist nach der Rechtspre-

chung ungefähr ab dem zwölften Altersjahr auszugehen. Je konstanter die 

Willenskundgebungen vorgebracht werden und je mehr sie mit nachvoll-

ziehbaren und auf das Kindeswohl zielenden Argumenten unterlegt sind, 

desto stärker können sie bei der Urteilsfindung gewichtet werden (Urteil des 

Bundesgerichts 5A_13/2024 vom 22. November 2024 E. 4.3.3 mit weiteren 

Hinweisen). Nur wo das urteilsfähige (bzw. das zu autonomer Willensbil-

dung fähige) Kind den Umgang mit einem Elternteil aufgrund seiner Erfah-

rungen mit dem persönlichen Verkehr kategorisch verweigert, ist dieser 

Umgang aus Gründen des Kindeswohls auszuschliessen, weil ein gegen 

den starken Widerstand erzwungener Besuchskontakt mit dem Zweck des 

Umgangsrechts im Allgemeinen ebenso unvereinbar ist wie mit dem Per-

sönlichkeitsschutz des Kindes (Urteil des Bundesgerichts 5A_111/2019 

vom 9. Juli 2019 E. 2.3).  

 

 - 22 - 

 

 

6.3. Kinderanhörung 

Hinsichtlich der Thematik des persönlichen Verkehrs zwischen C._____ 

und dem Kläger beantragt die Beklagte eine Anhörung von C._____ im vor-

liegenden Berufungsverfahren (Berufung S. 5). C._____ wurde indessen 

vom Familiengericht Brugg als Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde in 

den Jahren 2018 und 2021 bereits zweimal (u.a.) zur Thematik des persön-

lichen Verkehrs mit dem Kläger angehört (Klagebeilage 41 und Berufungs-

beilage 4). Zudem war der persönliche Verkehr zwischen C._____ und dem 

Kläger auch Thema anlässlich der mit C._____ durchgeführten Therapie-

sitzungen bei den H._____ (vgl. Therapiebericht vom tt.mm. 2021 in Beru-

fungsbeilage 3). Dazu kommt, dass der letzten Kinderanhörung vor dem 

Familiengericht Brugg sowie dem Therapiebericht der H._____ vom tt.mm. 

2021 der unmissverständliche Wunsch von C._____, keinen Kontakt mit 

dem Kläger zu haben, ohne Weiteres zu entnehmen ist. Es ist nicht zu er-

warten, dass sich an diesem Wunsch von C._____ in der Zwischenzeit et-

was geändert haben könnte. Vielmehr macht die Beklagte weiter geltend, 

dass C._____ keinen Kontakt zum Kläger wünscht, was vom Kläger auch 

nicht in Abrede gestellt wird (Berufungsantwort S. 21). Vor diesem Hinter-

grund würde einer nochmaligen Anhörung von C._____ keinerlei Erkennt-

niswert zukommen, weshalb darauf zu verzichten ist (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 5A_960/2023 vom 3. Juli 2024 E. 2.3.1). Vielmehr bleibt nach-

folgend zu prüfen, ob die Verweigerungshaltung von C._____ gegenüber 

dem Kläger auf einer autonomen Willensbildung bzw. auf selbst erlebten 

Erfahrungen aus dem persönlichen Verkehr zwischen ihr und dem Kläger 

beruht.  

 

6.4. Subsumtion 

Hinsichtlich der Frage, ob aufgrund von Gewalttätigkeiten des Klägers 

C._____ gegenüber die Aufhebung des Rechts auf persönlichen Verkehr 

angezeigt ist, ergibt sich Folgendes:   

 

6.4.1. Chronologie 

Im Sommer 2017 kam die Tochter der Beklagten aus einer früheren Ehe 

(G._____), nachdem sie offenbar während ca. dreier Jahre bei ihrem Vater 

gelebt hatte, in den Haushalt der Parteien (Aussage von G._____ in der 

Befragung durch die Kantonspolizei, KEKV.2018.46, act. 18). Die Parteien 

trennten sich im November 2017 nach einem heftigen Streit. Bis Anfang 

Februar 2018 scheint der Kontakt zwischen dem Kläger, der die eheliche 

Wohnung verlassen hatte, und C._____ leidlich funktioniert zu haben. Am 

tt.mm. 2018 erstattete der Kläger bei der KESB Brugg eine Gefährdungs-

meldung; er gab an, sich um C._____ Sorgen zu machen, weil die Beklagte 

manchmal unter stundenlang anhaltenden Ohnmachtsanfällen (vermutlich 

wegen Epilepsie) leide und C._____ während des Ausgangs ihrer 17-jähri-

gen Tochter G._____ zur Betreuung überlasse, was vielleicht kein Problem 

wäre, hätte diese nicht vor rund einem Jahr einen Suizidversuch unternom-

men (KEMN.2018.49 act. 1 f.). Am tt.mm. 2018, dem Tag nach Eingang der 

 - 23 - 

 

 

Gefährdungsmeldung, erstattete die Beklagte gegen den Kläger eine Straf-

anzeige wegen Drohungen und Tätlichkeiten, was zur Inhaftierung des Klä-

gers führte (KEMN.2018.49, act. 18 f.). Mit Entscheid vom 23. März 2018 

wurde im damals vor dem Gerichtspräsidium Brugg hängigen Eheschutz-

verfahren SF.2018.13 C._____ – dem gemeinsamen Antrag der Parteien 

entsprechend – unter die Obhut der Beklagten gestellt. Am tt.mm. 2018 

meldete der Kläger bei der Kantonspolizei, dass G._____ von der Beklag-

ten mehrfach geschlagen worden sei. Daraufhin wurde mit vorsorglicher 

Verfügung vom 16. Juli 2018 der Fachrichterin des Familiengerichts Brugg 

(KESB) das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Beklagten für C._____ mit 

sofortiger Wirkung entzogen und diese bis auf Weiteres beim Kläger unter-

gebracht; ferner wurde der Beistand zur Erstattung eines Berichts über 

C._____ aktuelle Situation aufgefordert (KEKV.2018.46,  act. 24 f.).  

 

Nach weiteren Abklärungen entzog das Familiengericht Brugg (KESB) mit 

sofortiger Wirkung beiden Parteien das Aufenthaltsbestimmungsrecht (Ent-

scheid vom 4. April 2019 im Verfahren KEKV.2018.46) und C._____ wurde 

im AB._____ untergebracht. Mit Entscheid des Obergerichts, Kammer für 

Kindes- und Erwachsenenschutz, vom 23. September 2019 (im Verfahren 

XBE.2019.37), wurde C._____ Fremdplatzierung aufgehoben und diese 

wieder unter die Obhut der Beklagten gestellt. 

 

6.4.2. (Dritt-) Einschätzungen bis zur superprovisorischen Umplatzie-

rung von C._____ zum Kläger im Juli 2018 

Für die Zeit bis zu C._____ vorsorglicher Unterbringung beim Kläger im Juli 

2018 liegen folgende behördlichen Feststellungen vor:  

 

Bericht des Sozialdienstes V._____ vom 7. Mai 2018 (KEKV.2018.46, act. 

56 ff.): Darin wird erwähnt, dass C._____ viele starke Bindungen zu Be-

zugspersonen (insbesondere Mutter und Vater, d.h. die Parteien) habe und 

dass sie den Kläger nach der Trennung der Parteien von November 2017 

bis Februar 2018 regelmässig gesehen habe, allerdings nicht mehr bis April 

2018, weil die Beklagte Angst vor einer Entführung von C._____ durch den 

Kläger gehabt habe. Obwohl die Beklagte C._____ als vom Kläger "sehr 

eingeschüchtert" beschrieben hatte (KEKV.2018.46, act. 61), wurde im Be-

richt Folgendes festgehalten: 

 

" C._____ hat eine sehr enge Beziehung zum Vater. C._____ hat viele Fotos 
von ihm bei sich zu Hause: Sie schaut diese immer wieder an und zeigt 
diese auch gerne. Bei einer gemeinsamen Begegnung mit ihm und den 
AbklärerInnen, zeigt C._____ grosse Begeisterung, den Vater nach zwei 
Monaten wieder zu sehen. Es kommt während den 2 Stunden Besuchszeit 
zu sehr vielen Körperkontakten zwischen Vater und Tochter. Sie erzählt 
ihm sehr viel in ihrer Muttersprache. Die Beziehung ist sehr liebevoll und 
vertraut. Es ist klar ersichtlich, dass der Vater in der Vergangenheit eine 
Bindung zu C._____ aufbauen konnte." (KEKV.2018.46, act. 59) 

 

 - 24 - 

 

 

Der Beistand I._____ hielt in seinem Bericht vom 17. Juli 2018 Folgendes 

fest: 

 

" Gemäss Angaben der Kindsmutter hat sich die Situation seit rund zwei 
Monaten zu Gunsten von C._____ wesentlich verbessert. Das Kind durfte 
laut Aussagen von B._____ seinen Vater an 10 Tagen besuchen. Dem 
Kindesvater war es erlaubt seine Tochter in der Wohnung der Mutter zu 
besuchen. Gemäss Informationen von B._____ sei er regelmässig gekom-
men, wenn sie an die Treffen mit ihrem Verein gefahren ist. Das Mädchen 
sei von ihm durch den Abend hindurch betreut und anschliessend zu Bett 
gebracht worden." (KEKV.2018.46, act. 26) 

 

Es gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass bis zur Strafanzeige im Juli 2018 

die Beziehung zwischen C._____ und dem Kläger gestört war. In ihrer Be-

rufung (S. 7) gesteht nun auch die Beklagte ausdrücklich zu, dass bis Juli 

2018 sich der Kläger "nicht auffällig verhalten" habe.  

 

6.4.3. Dritteinschätzungen von Juli 2018 bis zur Wiederherstellung der 

Obhut der Beklagten (Ende 2019) 

6.4.3.1. Sozialdienst W._____ 

Nach C._____ (superprovisorischer) Unterbringung beim Kläger verfasste 

der Sozialdienst V._____ am 6. September 2018 einen Ergänzungsbericht 

mit folgenden Beobachtungen und Einschätzungen: 

 

" Der Kontakt zwischen C._____ und ihrem Vater ist bei den drei Kontakten 
[am 20. August 2018 {in der J._____} und 27. August 2018 {Hausbesuch} 
und 3. September 2018 {unangemeldeter Hausbesuch}, vgl. 
KEKV.2018.46, act. 82] sehr herzlich und vertraut. Eine enge Bindung ist 
klar ersichtlich. C._____ äussert, dass sie sich wohl fühle und glücklich sei. 
Der Vater kennt die Bedürfnisse seiner Tochter und geht auf diese ein. 
C._____ befolgte in den kurzen Sequenzen die Anweisungen des Vaters 
und lehnte sich nicht gegen diesen auf. Er war stets liebevoll und herzlich 
zu ihr. C._____ scheint während der Zeit seit dem tt.mm.jjjj bei ihrem Vater 
weder in der sozialen, emotionalen, gesundheitlichen noch geistigen Ent-
wicklung beeinträchtigt zu sein. Die Sichtweise des Vaters auf C._____, 
seine Haltung in Erziehungsfragen, sowie in der Versorgung und Entwick-
lungsförderung von C._____ ist altersadäquat. Er zeigt sich trotz mehrfa-
cher Belastung von Selbständigkeit, Unsicherheit im Verfahren, Stresssi-
tuation mit Frau B._____ und zwei Töchtern im Haushalt [neben C._____ 
deren Halbschwester G._____, die zusammen zum Kläger wechselten] 
sehr souverän und sicher in seiner Vaterrolle. Die Lebensumstände von 
C._____ und der Familiensituation beim Vater (Schule, ausserschulische 
Kinderbetreuung, Wohnverhältnisse, Nachbarschaft, materielle Absiche-
rung, soziale Integration) sind stabil und gesichert." (KEKV.2018.46, act. 
86) 
 
"Kinder, welche starke Konflikte oder häuslicher Gewalt zwischen den El-
tern miterleben, können äusserst schädigende und weitreichende Auswir-
kungen erfahren. In dieser Abklärung wurden keine gravierenden Schäden 
in der psychischen und physischen Gesundheit von C._____ beobachtet. 
Auch die soziale und kognitive Entwicklung scheint noch nicht stark tan-
giert. Sie ist jedoch im zweiten Teil der Abklärung merklich ruhiger und 
unsicherer. Trotz der Belastungen ist C._____ aber aktuell ein sehr 

 - 25 - 

 

 

aufgestelltes und fröhliches Kind, welches soziale Kontakte liebt." 
(KEKV.2018.46, act. 89)  
 
"C._____ befindet sich in einem grossen Loyalitätskonflikt. C._____ 
möchte weder von Vater noch Mutter getrennt sein. Bisher verstand sie 
nicht, warum sie plötzlich nicht mehr bei der Mutter ist. Sie vermisst ihre 
Mutter." (KEKV.2018.46, act. 90)        
 
"Aufgrund der Beobachtungen der Abklärerinnen erscheint die Lebenssi-
tuation von C._____ bei ihrem Vater kindsgerecht und stabil zu sein. Die 
Schilderungen von Herrn A._____ bezüglich der Betreuung von C._____ 
sowie seinem Erziehungsstil und den Strukturen erscheinen nachvollzieh-
bar. Die Aussagen liessen sich bei zwei Hausbesuchen; angemeldet und 
unangemeldet, bestätigen." (KEKV.2018.46, act. 90)  

 

Wiederum fehlt jeder Hinweis auf eine wie auch immer geartete Beeinträch-

tigung der Beziehung von Kläger und C._____. Allerdings scheint C._____ 

Trennung von der Beklagten als bisheriger Hauptbetreuungsperson auf-

grund der superprovisorischen Kindesschutzmassnahme (Platzierung 

beim Kläger, dazu vorerst ohne Besuchsrecht zwischen C._____ und der 

Beklagten), bei C._____ einen gewissen Zoll gefordert zu haben (Unsicher-

heit und Gefühl, die Beklagte zu vermissen).     

 

6.4.3.2. K._____ 

Ab Dezember 2018 kam es zu einer sozialpädagogischen Familienbeglei-

tung durch K._____. Es fällt auf, dass in deren Bericht eine fast spiegelbild-

liche Einschätzung der Parteien bezüglich ihrer Fähigkeit, C._____ Gren-

zen zu setzen, geäussert wird. Während der Kläger vom Sozialdienst 

W._____ als souverän in seiner Vaterrolle bezeichnet worden war, wurde 

er nun als überfordert beschrieben (es sei ihm schwergefallen, C._____ 

Grenzen zu setzen). Diese Einschätzungen sind allenfalls weniger diver-

gent, als es auf den ersten Blick erscheint. Der Unterschied liesse sich gut 

damit erklären, dass C._____ im ersten Beobachtungszeitpunkt (Sozial-

dienst W._____ im Mai 2018) unter der Obhut der Beklagten gestanden 

hatte, im Zeitpunkt der Beobachtung durch K._____ dagegen beim Kläger 

untergebracht war. Beide Male verhielt sich C._____ im Grunde genommen 

gleich, nämlich "normal" bzw. "ungezwungen" (und damit etwas weniger 

folgsam) beim jeweiligen Obhutsinhaber (im Mai 2018 noch die Beklagte, 

Ende 2018/Anfang 2019 der Kläger), während sie es dem besuchenden 

Elternteil (im Mai 2018 Kläger, Ende 2018/Anfang 2019 Beklagte) beson-

ders recht machen wollte und deshalb diesem gegenüber besonders auf-

merksam bzw. zugewandt (und deshalb folgsam) war. So oder anders 

wurde auch im Zwischenbericht K._____ vom 7. Februar 2019 ausdrücklich 

festgehalten, dass beide Elternteile eine gute Beziehung zu C._____ hätten 

und sich ihr gegenüber liebevoll zeigten (Bericht K._____ vom 7. Februar 

2019 [Klageantwortbeilage 9] S. 2).    

 

 - 26 - 

 

 

6.4.3.3. Zwischenfazit 

Zusammenfassend fehlen für den Zeitabschnitt Juli 2018 bis Dezember 

2019 Beobachtungen der involvierten Stellen, die auf eine gestörte Bezie-

hung zwischen dem Kläger und C._____ hindeuten, die bei der nun in der 

Berufung vorgebrachten "unglaublichen Brutalität" des Klägers den Fach-

leuten kaum verborgen geblieben wäre. Zu erwähnen sind in diesem Zu-

sammenhang noch zum einen vom Kläger mit Berufungsantwort (Beilagen 

5 f.) eingereichte Briefe von C._____ aus den Monaten Oktober und De-

zember 2019, also aus einer Zeit, als die Fremdplatzierung bereits aufge-

hoben worden war und C._____ wieder unter beklagtischer Obhut stand 

(zur novenrechtlichen Zulässigkeit dieser neuen Urkunden vgl. E. 2.1). In 

einem der Briefe schrieb C._____ dem Kläger, dass sie ihn "ser Lib" (sehr 

lieb) habe und er "Gans net" (ganz nett) sei. Zum andern ist der Bericht von 

Dr. med. L._____, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 

FMH, vom 20. November 2019 (bei Akten KEMN.2019.232) zu erwähnen, 

bei der C._____ während ihrer Heimplatzierung bis Ende September 

(2019) in Therapie gewesen war. Darin wurde vermerkt, dass C._____ im-

mer wieder stark damit beschäftigt gewesen sei, ihren Eltern einen absolut 

gleichen Stellenwert zu geben, z.B. bei der Anfertigung und Zuteilung von 

Geschenken, die in den Therapien entstanden waren, weil es sonst Streit 

unter den Eltern gebe (KEMN.2019.232).    

 

Was dagegen als durchaus (wenn auch einzig) erstellt erscheinen kann, 

ist, dass C._____ nach ihrer Umplatzierung zum Kläger mit dem superpro-

visorischen Entscheid vom 16. Juli 2018 die Beklagte (rasch und stark) zu 

vermissen begann. Dies vermag in Anbetracht des Umstandes, dass die 

Beklagte vorher wohl C._____ Hauptbezugsperson gewesen war, nicht zu 

erstaunen. Vor diesem Hintergrund vermag es auch nicht zu verwundern, 

wenn C._____ – trotz einer guten Beziehung zum Kläger – (zunehmend) 

den Wunsch entwickelte, wieder zur Beklagten zurückzukehren, und bei 

C._____ Schuldgefühle entstanden, weil sie mit ihrer Aussage, die Be-

klagte habe sie geschlagen, mit dazu "beigetragen" hatte, dass es zur Tren-

nung von der Beklagten bzw. zum Obhutsentzug gekommen war (so auch 

angefochtener Entscheid E. 3.2.5.4 S. 37 unter Hinweis auf den H._____-

Bericht vom 26. August 2022, S. 4). 

 

6.4.4. Angebliche Brutalität des Klägers 

Seit ihrer "Rückplatzierung" zur Beklagten nach dem Entscheid des Ober-

gerichts vom 23. September 2019 weigert sich C._____ offenbar, zum Klä-

ger zu gehen (vgl. Bericht der damaligen Beiständin M._____ vom 19. No-

vember 2019; vgl. auch der Kläger in der Parteibefragung, act. 234, wonach 

er C._____ das letzte Mal "gesehen" habe [im Sinne von Kontakt haben], 

als sie von ihm weggegangen sei). Von der Beklagten wird in der Berufung 

als Grund für diese Weigerungshaltung die "unglaubliche Brutalität" des 

Klägers, der C._____ vom Juli 2018 bis und mit April 2019 ausgesetzt ge-

wesen sei, sowie totales Desinteresse (zu letzterem E. 6.4.4.3 unten) 

 - 27 - 

 

 

vorgeworfen. Nicht nur wegen der Schwere dieser Vorwürfe, sondern auch 

in Anbetracht der vorstehenden Ausführungen (E. 6.4.3) sind diese Vor-

würfe einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. 

 

6.4.4.1. 

Gemäss dem in der beklagtischen Eingabe vom 6. Dezember 2018 im Ver-

fahren KEKV.2018.46 (act. 143 ff.  und 205 ff.) inkorporierten "Tagebuch" 

der Beklagten zu ihren wöchentlichen Kontaktzeiten mit C._____ zwischen 

17. Oktober und 28. November 2018 soll es während des von Frau 

N._____ von der Stiftung K._____ begleiteten Besuchsrechts vom 31. Ok-

tober 2018 auf C._____ Wunsch zu einem nicht sehr langen Gespräch zwi-

schen den beiden gekommen sein, in dem C._____ Frau N._____ – offen-

bar im Vertrauen ("ich [Beklagte] bemerkte, dass C._____ alleine mit Frau 

N._____ reden wollte") – erklärt haben soll, dass sie nicht mehr lügen 

möchte, dass die Beklagte sie geschlagen habe (KEKV.2018.46, act. 149). 

Anlässlich der Besuchszeit vom 14. November 2018 soll C._____ der Be-

klagten gemäss dem erwähnten Tagebuch zudem erzählt haben, sie habe 

gesehen, wie der Kläger mit einer Nachbarin gespielt und rumgeküsst 

habe, sowie, als sie nachts die Toilette aufgesucht habe, habe sehen müs-

sen, wie die beiden miteinander geschlafen hätten (KEKV.2018.46, 

act. 150). Anlässlich der Besuchszeit vom 24. November 2018 soll C._____ 

der Beklagten darüber hinaus erzählt haben, dass der Kläger sie jeweils im 

Badezimmer einsperre, wenn sie nicht alles esse, wobei er das Licht aus-

mache; das Gleiche erlebe sie beim Onkel (Bruder des Klägers); dort dürfe 

sie nicht einmal zusammen mit den anderen am Tisch essen, sondern 

müsse alleine auf dem Boden, auf einem Kissen sitzend, essen. Dies sei 

für sie (Beklagte) äusserst schockierend gewesen. Weiter soll C._____, die 

normalerweise ein Kind ohne Angst sei, ihr erzählt haben, dass G._____, 

O._____ und der Onkel ihr gesagt hätten, sie liessen auf Youtube Momo, 

einen Geist mit grossen Augen und einem spitzigen Mund, laufen, wenn 

sie nicht brav sei. Sie (Beklagte) habe C._____ zweimal gefragt, ob das 

Erzählte stimme, und habe es dann aufgeschrieben (KEKV.2018.46, 

act. 153 f.). 

 

6.4.4.2. 

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass C._____ schlechte Erfahrun-

gen (insbesondere bei ihrem Onkel) machen musste, die sie der Beklagten 

bereits im November 2018, als sie noch beim Kläger wohnte, geschildert 

haben soll. Dennoch ist das Tagebuch der Beklagten mit Vorsicht zu be-

handeln (selbst in der beklagtischen Eingabe vom 6. Dezember 2018 im 

Verfahren KEKV.2018.46 [act. 155] ist davon die Rede, dass die Schilde-

rungen subjektiv gefärbt seien).  

 

Vorab ist festzustellen, dass in den von C._____ angeblich gemachten 

Schilderungen – mit einer Ausnahme (Einschliessen, wenn sie nicht aufge-

gessen habe) – als Täter der Übergriffe nicht der Kläger, sondern 

 - 28 - 

 

 

Drittpersonen (vor allem Onkel, aber auch ihre Halbschwester G._____) 

genannt wurden. Demgegenüber werden nun im Berufungsverfahren alle 

"unglaublichen Brutalitäten" grundsätzlich dem Kläger zugeordnet und die 

Drittpersonen höchstens noch en passant erwähnt (Berufung S. 4: "Auch 

Fremde hätten sie geschlagen").  

 

Sodann ist gerade hinsichtlich des einzigen im beklagtischen Tagebuch 

(KEKV.2018.46, act. 147 ff, und 205 ff.) erwähnten "Übergriffs" des Klägers 

(Einschliessen) folgende zentrale Unstimmigkeit festzustellen: Gemäss ih-

rem Tagebuch will die Beklagte erst am 24. November 2018 von C._____ 

erfahren haben, dass sie vom Kläger eingeschlossen werde, wenn sie nicht 

aufesse, was sie (Beklagte) anfangs gar nicht verstanden habe 

(KEKV.2018.46 act. 153). Allerdings lässt sich schon vom 9. November 

2018 datierten Bericht der (damaligen) Beiständin, M._____, (Klagebeilage 

58) entnehmen, dass ihr die Beklagte am 18. Oktober 2018 und damit über 

einen Monat vorher erzählt hatte, C._____ habe ihr gesagt, dass der Kläger 

sie "ins Zimmer einschliesse", was sie (Beklagte) am Gerichtstermin vom 

1. November 2018 auszusagen gedenke. Damit kann die im Tagebuch ge-

gebene Sachdarstellung, wann und wie sie von C._____ über Vorfälle (an-

geblichen) Einschliessens erfahren hat, nicht stimmen. Dies wirft aber die 

weitere Frage auf, ob der Vorwurf als solcher von der Beklagten erfunden 

(und von C._____ nach der Rückkehr in die Obhut der Beklagten übernom-

men) wurde bzw. ob die Beklagte eine wohl nicht seltene elterliche Sank-

tion, ungehorsame Kinder auf ihr Zimmer zu schicken (wovon C._____ er-

zählt haben mag), zu einem Einsperren umgedeutet hat.   

 

Zu ergänzen ist im Zusammenhang mit dem angeblichen Einsperren von 

C._____ durch den Kläger Folgendes: Zwar hat C._____ im Rahmen der 

H._____-Therapie erstellten Therapiehefts (Berufungsbeilage 6) angege-

ben, sie sei "ein mahl" (eigenhändig mit mehreren Rechtschreibefehlern auf 

Post-it-Zettel) bzw. "mehrere Male" (offensichtlich von einer Drittperson 

fehlerfrei für C._____ verfasst) vom Kläger eingesperrt worden. Als Grund 

für das Einsperren wurde allerdings nicht erwähnt, dass C._____ nicht auf-

gegessen hatte, sondern, dass sie den Kläger nach der Beklagten gefragt 

habe.   

 

Insgesamt lesen sich die im Tagebuch der Beklagten erwähnten Vorfälle 

(davon eigentlich nur einer [Einsperren von C._____, weil sie nicht aufge-

gessen hatte] den Kläger betreffend) wie eine – noch etwas harmlos(er)e – 

Skizze für die nun im Berufungsverfahren vorgetragenen Vorwürfe (un-

glaubliche Brutalität). Diese gehen mittlerweile dahin, dass der Kläger 

C._____ geschlagen habe, bis sie blaue Flecken bekommen habe (vgl. 

Therapieheft [Berufungsbeilage 6] "immer wan Ich mame ver miste, slegte 

mich A._____ das Ich blaue fleken bekam") und er sie sogar gezwungen 

habe, ihr Erbrochenes zu essen (Berufung S. 4). Es fragt sich aber, wieso 

C._____ im November 2018 der Beklagten gegenüber lediglich das 

 - 29 - 

 

 

Einschliessen, nicht aber diese wesentlich gravierenderen Übergriffe er-

wähnt haben sollte. Noch erstaunlicher muss erscheinen, dass C._____ in 

den gleichzeitig oder sogar danach entstandenen Berichten der Kinder- 

und Jugendpsychiaterin Dr. med. L._____ vom 20. November 2018 [bei 

KEMN.2019.232] bzw. von K._____ C._____ trotz solcher Übergriffe als 

fröhliches und aufgestelltes Kind beurteilt bzw. festgehalten wurde, beide 

Elternteilen hätten eine gute Beziehung zu C._____.  

 

Im Übrigen kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass die 

Beklagte (aber auch C._____) weitestgehend Versatzstücke in beliebigen 

Kontextvarianten verwenden und abwandeln. Insbesondere werden diese 

Versatzstücke von C._____ in ihrem Therapieheft (Berufungsbeilage 6) in 

neue und nicht immer stimmige Kontexte gestellt:  

 

(1) Zunächst ist der bereits erwähnte – erstmals in der Berufung (S. 4) vor-

gebrachte – Vorfall zu erwähnen, der Kläger habe C._____ gezwungen, ihr 

Erbrochenes zu essen. Abgesehen davon, dass erklärungsbedürftig er-

scheint, wieso gerade dieser besonders gravierend zu taxierende Vorfall 

erst im Berufungsverfahren vorgebracht wurde, ist zu konstatieren, dass 

dieser im Therapieheft (Berufungsbeilage 6) zeitlich in der Zeit, als C._____ 

etwa vierjährig war (ca. 2016) und die Parteien noch zusammenlebten, ver-

ortet wurde:  

 

" Als Ich etwa 4 jare alt war, zwingte mich A._____ mich immer das gantze 
teller mit essen zu Essen manchmal muste Ich erbrechen und Ich muste 
Aless Essen. Am libsten hete ich gesagt go owai Dady!"  

 

(2) In C._____ Therapieheft (Berufungsbeilage 6) findet sich ein Post-it-

Zettel, wonach ihr der Kläger "mahl" gesagt habe, sie müsse lügen, dass 

die Beklagte sie geschlagen habe, andernfalls sie diese nicht sehen dürfe. 

Während eine klägerische Anstiftung von C._____ zur Lüge, sie sei von der 

Beklagten geschlagen worden, im Rahmen der ursprünglichen Variante der 

Geschichte (Erstattung einer Gefährdungsmeldung) durchaus einen Sinn 

ergibt, kann dies für die Post-it-Zettel-Variante kaum gesagt werden.    

 

(3) Gemäss Tagebuch der Beklagten (KEKV.2018.48, act.  150) hatte ihr 

C._____ erzählt, sie habe nachts, als sie zur Toilette gehen musste, sehen 

müssen, wie der Kläger und eine Nachbarin miteinander geschlafen hätten. 

In C._____ Therapiebuch ist demgegenüber davon die Rede, dass der Klä-

ger "jede Nacht" mit (ihrer Halbschwester) G._____ geschlafen habe (was 

für si [C._____] "so komisch" gewesen sei). Diese Behauptung hat ein Ge-

genstück in der von der Beklagten schon im Kindesschutzverfahren am 28. 

Juli 2018 schriftlich geäusserten Verdächtigung, G._____ könnte vom Klä-

ger schwanger sein (KEKV.2018.46, act. 37).   

 

(4) Wie bereits erwähnt, gibt C._____ für ihr Einsperren einen anderen 

Grund (Sanktion für ihren Wunsch, die Beklagte zu sehen; vgl. 

 - 30 - 

 

 

insbesondere den in Erwachsenenschrift Eintrag im Therapieheft [Beru-

fungsbeilage 6]: "Herr A._____ hat mich mehrere Male eingesperrt. Manch-

mal habe ich dann nicht mehr nach Mama gefragt, weil ich nicht eingesperrt 

werden wollte") an als die Beklagte (Nicht-Aufessen).   

 

Insgesamt sind die Schilderungen zu den dem Kläger zur Last gelegten 

Übergriffen gegenüber C._____ sowohl wegen innerer Widersprüche als 

auch wegen ihrer extremen Steigerung als nicht glaubhaft zu taxieren. Al-

lem Anschein nach wurde wohl ausgehend von gewissen Schilderungen 

von C._____ über "unangenehm erlebte Situationen" (insbesondere Be-

strafung für Nicht-Aufessen mit Einsperren und Aufs-Zimmer-Schicken), 

aber auch "unangenehme Erfahrungen" mit den Verwandten des Klägers 

(Erschrecken mit der Horrorfigur "Momo") nach und nach ein Narrativ ent-

wickelt, in dem die Vorwürfe an Schwere zunahmen und im Wesentlichen 

auf den Kläger verengt wurden. 
 

6.4.4.3. 

Das von der Beklagten im vorliegenden Scheidungsverfahren, aber auch 

in anderem behördlichem Kontext (Kindeschutzverfahren, polizeiliche Ein-

vernahme), an den Tag gelegte Verhalten ist wie folgt zu würdigen:    

 

Zunächst fällt auf, wie die Beklagte den Kläger in den verschiedenen Ver-

fahren geradezu hemmungslos aller möglichen Verfehlungen bezichtigte, 

ohne auch ansatzweise einen Beweis für ihre Behauptungen zu erbringen. 

Noch harmlos erscheint dabei ihre Unterstellung, sie habe, weil der Kläger 

die Trennung der Ehe verlangt habe, erkannt, dass dieser nur ein Kind von 

ihr gewollt und alles dafür getan habe, um in der Schweiz bleiben zu kön-

nen (KEKV.2018.46, act. 29). Schwerer wiegen die – durch nichts belegten 

– Behauptungen, der Kläger sei Drogendealer und habe allen möglichen 

Landsleuten zu illegalen Pässen verholfen; ausserdem sei er Alkoholiker 

(KEKV.2018.46, act. 63). Als besonders gravierend erweist sich die wiede-

rum durch nichts (insbesondere nicht durch Strafanzeigen) untermauerte 

Behauptung der Beklagten, der Kläger habe sie betrunken öfters zu verge-

waltigen versucht (KEKV.2018.46, act. 29; vgl. auch KEKV.2018.46, 

act. 88, wonach der Kläger nach der Trennung Sex von ihr verlangt habe). 

Die an den Kläger gerichteten Anwürfe der Beklagten gipfelten in ihrer Be-

hauptung, er habe ihre Tochter aus erster Ehe (G._____) vergewaltigt und 

diese auch geschwängert (KEKV.2018.46, act. 37).   

 

Die Gefährdungsmeldung des Klägers vom 30. Januar 2018 (Postaufgabe: 

tt.mm. 2018; Eingang beim Bezirksgericht Brugg als Kindesschutzbehörde: 

9. Februar 2018, KEMN.2018.49, act. 1 f.) quittierte die Beklagte postwen-

dend am 10. Februar 2018 mit einer Strafanzeige wegen Drohung und Tät-

lichkeiten (vgl. dazu auch die Stellungnahme der Beklagten vom 27. Juli 

2018 [KEKV. 2018.46, act. 28 ff.], wo die Beklagte ausführte, G._____ habe 

die Anzeige erstattet, und zusätzlich erwähnte, der Kläger habe mit der 

 - 31 - 

 

 

Entführung von C._____ nach Amerika gedroht). Der Kläger gelangte des-

halb in Untersuchungshaft (vgl. KEMN.2018.49, act. 18 f.). Dies gab der 

Beklagten die – in ihrer polizeilichen Einvernahme prompt genutzte – Mög-

lichkeit, darauf zu verweisen, der Kläger sei schon im Februar "im Knast" 

gewesen (Verfahren KEKV.2018.46, act. 5), d.h. zu suggerieren, er sei ein 

Krimineller.  

 

Ein ähnlich manipulatives Behauptungsverhalten zeigt die Beklagte auch 

im vorliegenden Berufungsverfahren. In der Berufung wird ein angebliches 

Desinteresse des Klägers an C._____ geltend gemacht; es wird seitens der 

Beklagten vorgebracht, der Kläger nehme an C._____ schwerem Schicksal 

(rezidivierende Tumorerkrankung am Knie) angeblich keinen Anteil; weder 

auf ihr Schreiben vom 12. Januar 2024 noch auf ihren Spendenaufruf  (Be-

rufungsbeilagen 7 ff.) habe er reagiert. Dabei wird durch die Bezeichnung 

einer geplanten Operation als "lebensrettend" (Spendenaufruf, Berufungs-

beilage 9) suggeriert, C._____ leide an einer bösartigen Krebserkrankung. 

Wie sich aber der vom Kläger mit der Berufungsantwort eingereichten um-

fangreichen medizinischen Dokumentation entnehmen lässt, verhält es 

sich so, dass bei C._____ wiederholt Lipome, d.h. gutartige Tumore ohne 

Malignitätsnachweis, am rechten Knie aufgetreten sind. Bereits zweimal, 

am 7. Oktober 2022 und am 20. September 2023 wurden solche im Kan-

tonsspital Aarau entfernt (Berufungsantwortsammelbeilagen 7 und 8). Ge-

mäss dem aktuellsten Bericht vom 21. Dezember 2023 (bei Berufungsant-

wortsammelbeilage 8) hatte eine am gleichen Tag durchgeführte Sonogra-

phie zudem den Verdacht auf ein erneutes Rezidiv ergeben. Dafür, dass 

"kurz vor Weihnachten 2023 ein noch schwerwiegenderer Tumor aufge-

deckt" worden sei (so Spendenaufruf zur Finanzierung einer "lebensretten-

den Operation" in Wien, Berufungsbeilage 9), fehlt ein Beweis, ebenso da-

für, dass C._____ Behandlung ausschliesslich durch einen in Wien prakti-

zierenden Spezialisten erbracht werden kann (vgl. auch angefochtener Ent-

scheid E. 4.5.2, S. 56 betreffend das – wiederum beweislos gebliebene – 

Vorbringen der Beklagten, sie habe im Mai 2021 einen Hirnschlag erlitten).  

 

Gemäss Bericht der früheren Beiständin P._____ vom 20. Juni 2022 (ein-

gegangen bei der Vorinstanz am 26. Juli 2022) versuchte der Kläger – über 

die Beistandsperson – C._____ Geburtstagsgeschenke zu überbringen, 

worüber sich diese – somit noch einige Monate nach der Rückkehr unter 

die Obhut der Beklagten – zu freuen schien; am anderen Tag habe die 

Beklagte dann aber die Geschenke auf den Dienst zurückgebracht mit der 

Erklärung, C._____ wolle keine Geschenke von "bösen Menschen". Von 

der Vorinstanz in der Parteibefragung darauf angesprochen, "sagte [ihr] die 

Bemerkung nichts"; sie habe das Geschenk zurückgebracht, weil C._____ 

es nicht gewollt habe. Auf Vorhalt, dass sich C._____ aber gemäss Bericht 

der Beiständin über das Geschenk gefreut habe, widersprach sie; C._____ 

habe "getobt" (act. 243). Anders nun die Berufung (S. 7): "In Tat und Wahr-

heit" habe es sich so verhalten, dass die Kleider zu klein gewesen seien, 

 - 32 - 

 

 

weshalb sie (Beklagte) mehr Sinn in einer Rückgabe als im Fortwerfen ge-

sehen habe. 

 

Ein weiteres Beispiel des widersprüchlichen Aussageverhaltens der Be-

klagten ist Folgendes: Im Strafverfahren gab sie sich vor der Polizei, nach-

dem sie dort zugestanden hatte, ihrer Tochter G._____ eine Ohrfeige ver-

abreicht zu haben, verwundert, dass eine solche – wie ihr von der Polizei 

erklärt wurde – eine Tätlichkeit darstelle (KEKV.2018.46, act. 7). Gegen-

über den H._____ gab sie später an, sie sei von der Anschuldigung häus-

licher Gewalt freigesprochen worden (Abklärungs-, Verlaufs- und Ab-

schlussbericht vom 26. August 2022 [Beilage 2 zur beklagtischen Eingabe 

vom 10. August 2023] S. 2), was in dieser Absolutheit nicht stimmt: Eine 

erstinstanzliche Verurteilung in den beiden Anklagepunkten einfache Kör-

perverletzung (gegenüber G._____ mit der flachen Hand [nicht Faust] ver-

setzter Schlag ins Gesicht, der zu Nasenbluten und einer Nasenkontusion 

führte) – und Sachbeschädigung – wurde zweitinstanzlich geschützt; auf-

gehoben wurde die erstinstanzlichen Verurteilungen wegen mehrfacher 

Tätlichkeiten sowie Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche (vgl. 

Urteil des Obergerichts, 2. Strafkammer, SST.2021.9 vom 22. Juni 2021). 

In der vorinstanzlichen Parteibefragung damit konfrontiert, sie sei wegen 

einfacher Körperverletzung bestraft, bestätigte sie dies erst auf drittes 

Nachfragen, hielt aber daran fest, dass sie ihre Tochter nie geschlagen 

habe, mit der Bemerkung, "die Wahrheit wird irgendwann rauskommen" 

(act. 240; vgl. demgegenüber KEKV.2018.46, act. 7, wo die Beklagte in der 

Einvernahme durch die Polizei von sich aus erzählte, dass sie G._____, als 

diese "voll bekifft" gewesen sei, "wirklich zum ersten Mal eine Ohrfeige ge-

geben" habe, und auf den Vorhalt, dass dies eine – bis dahin von der Be-

klagten bestrittene – Tätlichkeit darstelle antwortete: "Ja, das verstehe ich. 

Ich habe dies gemacht und stehe dazu").  

 

6.4.4.4. 

Zusammengefasst ergeben sich aus den Akten etliche Hinweise, wonach 

die Beklagte wegen ungenügender Impulskontrolle dazu tendiert, in einem 

über das Normale hinaus gehenden Ausmass auszuagieren, sei es, dass 

sie sich durch eine pubertierende Tochter zu einer Sachbeschädigung und 

einer einfachen Körperverletzung hinreissen lässt (vgl. E. 5.5.1 oben),  sei 

es, dass sie gegenüber Behörden ausfällig wird und sie bedroht (vgl. etwa 

Bericht der früheren Beiständin M._____ vom 9. November 2018 [Klage-

beilage 58], S. 1, wonach auf ihre Versuche, der Beklagten die Situation zu 

erklären, die Beklagte mit Schreien und Drohungen, sie werde alle zur Re-

chenschaft ziehen, reagierte), sei es, dass sie den Kläger mit massiven 

Anwürfen (ohne Beweis) eindeckt (vgl. E. 6.4.4.3 oben), sei es, dass sie 

manipulative Spendenaufrufe verfasst (vgl. 6.4.4.3 oben), sei es, dass sie 

in behördlichen Verfahren lügt (vgl. E. 6.4.4.3 oben). Unter diesen Umstän-

den kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beklagte hinsichtlich der 

Beziehung zwischen dem Kläger und C._____ Einfluss auf diese nimmt, 

 - 33 - 

 

 

insbesondere durch das allfällige Schüren ihrer Angst, es drohe eine er-

neute Trennung der beiden, wenn sie den Kläger nicht konsequent ab-

lehne.   

 

Vor diesem Hintergrund geht es auch nicht an, auf die im Berufungsverfah-

ren neu verurkundeten Beweismittel (Berufungsbeilagen 5 und 6) abzustel-

len, die gemäss Berufung die Gewalttätigkeit und Brutalität des Klägers be-

legen sollen.  

 

6.4.4.4.1. 

Mit Bezug auf C._____ Brief (Berufungsbeilage 5) ist zunächst der klägeri-

sche Einwand berechtigt, dass weder die Art noch der Zeitpunkt der Ent-

stehung bekannt ist. Es handelt sich um eine schlichte Behauptung, wenn 

in der Berufung (S. 4) geltend gemacht wird, C._____ habe ihn "spontan" 

(gemeint offenbar ohne Einwirkung der Beklagten) und "total enttäuscht" 

geschrieben. Dagegen spricht nicht zuletzt die Einleitung "An die Leute die 

das Lesen" (= to whom it may concern). Zu ergänzen ist in diesem Zusam-

menhang, dass hier die bis dahin gegen den Kläger geäusserten Vorwürfe 

erstmals noch um einen weiteren, besonders abstossenden angereichert 

werden ("ich das essen sogar alls ich das essen rausgekotzt habe, muste 

ich das erbrochene essen").  

 

6.4.4.4.2.  

Ebenso wenig vermag vor diesem Hintergrund das als Beilage 6 verurkun-

dete Therapieheft den Beweis zu erbringen, dass sich die dort beschriebe-

nen Vorkommnisse auch so zugetragen haben. Dabei handelt es sich of-

fensichtlich um ein Therapiemittel (vgl. die vielen Hinweise, welche Gefühle 

im Zeitpunkt des beschriebenen Vorkommnisses bzw. heute dazu empfun-

den werden). Dabei ist die Art und Weise des Zustandekommens dieses 

Buchs nicht bekannt. Insbesondere ist nicht klar, ob und wie die Beklagte 

darauf Einfluss nehmen konnte. Auffällig ist jedenfalls, dass es nur wenige 

direkte Einträge ins Heft gibt (bei diesen direkten Einträgen handelt es sich 

überwiegend um nicht von C._____ selber, sondern mutmasslich von den 

Therapeutinnen in fehlerfreiem Deutsch geschriebene Texte). Zum weit 

überwiegenden Teil wurden von C._____ selber beschriebene Post-it-Zet-

tel und von ihr angefertigte Zeichnungen ins Heft geklebt, dazu noch Fotos. 

Ob die Post-it-Zettel und Zeichnungen an den Therapiesitzungen selber 

entstanden oder von C._____ zusammen mit den Fotos zu den Therapie-

sitzungen mitgebracht wurden, ist nicht bekannt. Zudem fällt auf, dass auf 

den Post-it-Zetteln die versatzstückartigen Vorwürfe (vgl. dazu E. 6.4.4.2) 

praktisch ohne zeitlichen (und örtlichen) massgeblichen Kontext niederge-

schrieben sind, indem die Vorwürfe mit den unbestimmten Zeitadverbien 

"[ein] mahl", "mehrere Male" oder "imer" verbunden wurden.  

 

Es fehlt an einem erläuternden Bericht der Therapeuten, der sich damit 

auseinandersetzt, ob die (rudimentär) geschilderten Übergriffe des 

 - 34 - 

 

 

Beklagten tatsächlich stattgefunden haben. Zwar liegen Berichten der 

H._____ vom tt.mm. 2021 (Berufungsbeilage 3) und 26. August 2022 (Bei-

lage 2 zur beklagtischen Eingabe vom 10. August 2023) vor. Im ersten ist 

davon die Rede, dass C._____ ablehnende Haltung zu Kontakten mit dem 

Kläger auf "mutmasslich realen negativen Erfahrungen" beruhe, ohne dass 

auch nur eine einzige dieser angeblichen negativen Erfahrungen konkret 

genannt würde. Dem Abklärungs-, Verlaufs- und Abschlussbericht der 

H._____ vom 26. August 2022 ist sodann zu entnehmen, dass bei der 

Anamnese weitgehend auf die Angaben der Beklagten abgestellt wurde 

(Beilage 2 zur beklagtischen Eingabe vom 10. August 2023), während der 

Kläger praktisch aussen vorgelassen wurde (vgl. S. 5 des besagten Be-

richts). Eine Auseinandersetzung mit dem Wahrheitsgehalt der von der Be-

klagten (und C._____ auf den Post-it-Zetteln) gegenüber dem Kläger erho-

benen Vorwürfe erweist sich im Lichte der oben ausführlich beschriebenen 

Genese indessen als unentbehrlich.  

 

Hinzuweisen ist sodann auf den folgenden Passus im Bericht der H._____ 

vom tt.mm. 2021 (Berufungsbeilage 3 S. 2):   

 

" [….] zeigt sich bei C._____ eine ausgeprägte Weigerungshaltung gegen-
über allfälligen Kontakten mit dem Vater. Wir vermuten, dass durch einen 
gegen den Kindswillen durchgeführten Kontakt zum Vater, die Abwehr so-
gar noch verstärkt werden könnte. Zudem zu beachten gilt es unserer Mei-
nung nach, dass sich C._____ in einem massiven Loyalitätskonflikt zu be-
finden scheint. Dieser könnte sich durch einen solchen Kontakt zusätzlich 
noch verstärken. Aufgrund der im Folgenden erörterten Einflussfaktoren 
und der sehr komplexen Gesamtsituation gilt es unserer Meinung nach 
darauf zu achten, dass C._____ bzgl. Beziehungsgestaltung Selbstwirk-
samkeitserfahrungen machen kann, um ihre Tendenz zu einer misstraui-
schen Grundhaltung im Bereich der Beziehungsgestaltung zunehmend ab-
bauen zu können. Da die ablehnende Haltung von C._____ gegenüber 
Kontakten zum Vater auf mutmasslich realen negativen Erfahrungen be-
ruht, erachten wir es als wichtig, dass dem Kindeswillen, in der Beurteilung 
des weiteren Vorgehens, entsprechend Gewicht eingeräumt wird. Wir ver-
muten, dass diese stark ausgeprägte Weigerungshaltung durch den Ob-
hutsentzug und nachfolgenden dreimonatigen Kontaktabbruch von 
C._____ zur Km, durch die als traumatisierend beschriebenen Erlebnisse 
(psychische und physische Gewalt) als sie sich in der Obhut des Vaters 
befand, sowie aufgrund der mehreren Wechsel der primären Bezugsper-
sonen (Obhutswechsel), verursacht ist. In welchem Ausmass auch die 
komplexe Beziehungssituation zwischen den Eltern einen Einfluss auf die 
Weigerungshaltung von C._____ nimmt, ist unseres Erachtens schwierig 
einzuschätzen. Die Mutter zeigt sich bei uns, sowohl in Sitzungen mit wie 
ohne C._____, gegenüber Kontakten von C._____ zum Vater offen und 
motiviert C._____ grundsätzlich zur Kontaktaufnahme zum Vater." 

 

Wie oben erwähnt, werden die traumatisierenden Erfahrungen, die 

C._____ beim Kläger gemacht haben soll, an keiner einzigen Stelle kon-

kretisiert. Vielmehr werden sie mit viel "unserer Meinung nach", "mutmass-

lich", "wir vermuten" etc. relativiert. Sodann ist die Aufrichtigkeit der im Be-

richt vermerkten Aufgeschlossenheit der Beklagten gegenüber einer 

 - 35 - 

 

 

Kontaktaufnahme von C._____ und dem Kläger zweifelhaft, nachdem die 

Beklagte nun den vorinstanzlichen Entscheid auch insoweit angefochten 

hat, als darin eine Regelung des persönlichen Verkehrs mit behutsamer 

Wiederannäherung vorgesehen wird. Der H._____-Bericht krankt auch in-

soweit an einer neutralen Ausgangslage, als er auf regelmässigen Gesprä-

chen mit der Beklagten, aber nur vereinzelten mit dem Kläger basiert (vgl. 

Bericht vom tt.mm. 2021 [Berufungsbeilage 3] S. 1).  

 

6.5. Fazit 

Nach Ausgeführtem bestehen erhebliche Zweifel daran, dass C._____ ihre 

Verweigerungshaltung gegenüber dem Kläger autonom gebildet hat bzw. 

diese auf tatsächlich erlebten Erfahrungen aus dem persönlichen Verkehr 

zwischen ihr und dem Kläger beruht (vgl. E. 6.2.2.2 oben). Die von der Be-

klagten in ihrer Berufung vorgebrachten Rügen vermögen daher nichts an 

den von der Vorinstanz getroffenen Feststellungen zu ändern, die den Na-

gel auf den Kopf treffen: Danach wurde der Kontakt zwischen C._____ und 

dem Kläger erst abgebrochen, nachdem die Beklagte aufgrund des Ent-

scheids des Obergerichts vom September 2019 die Obhut über C._____ 

wiedererlangt habe, wobei ein ursächlicher Zusammenhang zwischen ei-

nem vom Kläger bis zu jenem Zeitpunkt (d.h. während der Besuchskon-

takte nach der Obhutszuteilung im Eheschutzverfahren bzw. im Rahmen 

von C._____ Heimaufenthalt, aber auch in der Zeit, als sie beim Kläger 

wohnte) an den Tag gelegten Verhaltens einerseits und der seitherigen 

konstanten Kontaktverweigerung von C._____ anderseits nicht ersichtlich 

sei (angefochtener Entscheid E. 3.2.5.4, S. 35). Es bestehe mittlerweile bei 

C._____ ein ausschliesslicher Loyalitätskonflikt dahingehend, dass sie es 

sich mit der Beklagten nicht mehr verderben wolle. C._____ habe gemäss 

Bericht der H._____ von massiven Schuldgefühlen gegenüber der Beklag-

ten berichtet, nachdem (weil) sie bei der Polizei ausgesagt habe, dass 

diese sie geschlagen habe; ausserdem habe sie von Ängsten berichtet, 

dass man sie von der Beklagten wegnehme und sie nicht mehr zurückge-

hen dürfe, wobei die Frage erlaubt sein müsse, ob es sich dabei um 

C._____ eigene Ängste oder solche der Beklagten gehe (angefochtener 

Entscheid E. 3.2.5.4 S. 37). C._____ Weigerung der Beziehungsaufnahme 

zum Kläger diene zu ihrem Selbstschutz. Der erlebte Konflikt sei für sie 

dermassen belastend und emotional nicht zu bewältigen, dass sie die ver-

meintliche Konfrontation der Eltern zu vermeiden suche. Ein Kind im Alter 

von C._____ befinde sich aufgrund der dysfunktionalen Elternschaft in ei-

ner Situation des "Sich-Entscheidenmüssens" für einen Elternteil und sei 

damit hochbelastet, wobei in der vorliegenden Situation hinzukomme, dass 

es aufgrund des Alters von C._____ von bald 12 Jahren und der sich (al-

tersbedingt und altersadäquat) abspielenden immer grösser werdenden 

Selbständigkeit und langsamen Abnabelung von den Eltern schwierig sein 

dürfte, ein viel längeres Zuwarten mit den Kontaktaufnahmen zum Vater 

hinzunehmen (angefochtener Entscheid E. 3.2.5.4 S. 39).  

 

 - 36 - 

 

 

Die vorinstanzliche Feststellung, dass C._____ Weigerung der Bezie-

hungsaufnahme zum Kläger ihrem Selbstschutz diene, ist dahingehend zu 

ergänzen, dass offenbar nach mehreren Jahren ohne Kontakt zwischen 

C._____ und dem Kläger "bzgl. der Schuldgefühle [….] eine deutliche Ab-

nahme wenn nicht gar Remission beobachtet werden" konnte (so H._____-

Bericht vom 26. August 2022 [Beilage 2 zur beklagtischen Eingabe vom 

10. August 2023], S. 5 unten). Unter diesen Umständen ist von der Beklag-

ten zu verlangen, dass sie dem von der Vorinstanz differenziert angeord-

neten Aufbau des Kontaktrechts keine Steine in den Weg legt, damit ein 

erneuter Loyalitätskonflikt gar nicht erst entstehen kann. Nach dem Ange-

führten ist die Berufung der Beklagten abzuweisen, soweit sie sich gegen 

die von der Vorinstanz getroffene, differenzierte und als solche nicht ge-

rügte Regelung des persönlichen Verkehrs inkl. dessen etappierten Wie-

deraufbau sowie der Weisung der Parteien, das Programm "Kinder aus der 

Klemme" zu besuchen (mit Erweiterung des Auftrags der bereits bestehen-

den Erziehungsbeistandschaft) richtet.  

 

7. AA._____ AG 

Für die beiden weiteren streitigen Scheidungsfolgen (Unterhalt C._____ 

und Güterrecht) ist der Umstand, dass der Kläger Alleininhaber der 

AA._____ AG, X._____, ist, von massgeblicher Bedeutung. Diesbezüglich 

ist folgender Sachverhalt unbestritten. Die 200 Aktien der besagten Gesell-

schaft erwarb der Kläger am 27. Juli 2016 zu einem Kaufpreis von 

Fr. 600'000.00 (Klagebeilage 16). Da er nicht über die für die Bezahlung 

des Kaufpreises nötigen Mittel verfügte, gewährte ihm die Verkäuferschaft 

ein Darlehen in der Höhe des Kaufpreises, das jährlich mit mindestens 

Fr. 60'000.00 zu amortisieren war (ebenfalls vom 7. Juli 2016 datierter Dar-

lehensvertrag, Klagebeilage 17). Diese Amortisationszahlungen werden 

unbestrittenermassen Ende 2025 enden. Bis zur vollständigen Rückzah-

lung des Darlehens bleiben die Aktien hinterlegt; ausserdem hat der Be-

klagte zur Absicherung der Kaufpreiszahlung eine Todesfall-Risikoversi-

cherung mit abnehmender Versicherungssumme abgeschlossen (vgl. an-

gefochtener Entscheid E. 4.5.2 S. 53; vgl. Ziffern 3.5 und 3.6 des Kaufver-

trags [Klagebeilage 16]). Die Vorinstanz hat bei der Berechnung des Not-

bedarfs des Klägers für die Rückzahlung des Darlehens sowie die Versi-

cherungsprämie bis Ende 2025 monatlich Fr. 5'119.00 (= [Fr. 60'000.00 + 

Fr. 1'425.10] : 12) eingesetzt (angefochtener Entscheid E. 4.5.2 S. 62 f.). 

 

8. Unterhalt  

8.1. 

Die Vorinstanz hat Ansprüche von C._____ und der Beklagten auf Unter-

halt geprüft. Einen Anspruch der Beklagten auf nachehelichen Unterhalt 

(Art. 125 ZGB) hat sie wegen fehlender Lebensprägung der Ehe verneint 

(angefochtener Entscheid E. 4.6). Hinsichtlich Kinderunterhalt hat sie vier 

Phasen unterschieden: 

 

 - 37 - 

 

 

- Phase 1 ab Rechtskraft Scheidungsurteil bis und mit Juli  

2024 (Unterhaltsbeitrag Fr. 1'729.00, davon 

Fr. 929.00 Betreuungsunterhalt),  

- Phase 2 August 2024 bis und mit Dezember 2025  

(Unterhaltsbeitrag Fr. 1'086.00 ohne  

Betreuungsunterhalt),  

- Phase 3 Januar 2026 bis und mit Mai 2028  

(Unterhaltsbeitrag Fr. 1'574.00),  

- Phase 4 ab Juni 2028 (Unterhaltbeitrag Fr. 1'666.00).   

 

Weiter hat die Vorinstanz zusätzlich für den Fall, dass C._____ einer Aus-

bildung nachgehen solle, für deren Dauer einen Unterhaltsbeitrag von 

Fr. 1'426.00 errechnet.  

 

8.2. 

8.2.1. 

Die Phase 1 ist zufolge Zeitablaufs hinfällig geworden. Denn da die Zuspra-

che von Unterhalt in einem Eheschutz- bzw. Massnahmeentscheid Rechts-

kraftwirkung entfaltet, kann im Scheidungsurteil Unterhalt nur für die Zu-

kunft zugesprochen werden (BGE 142 III 193 E. 5.3 und 141 III 376 

E. 3.3.4). Die Phase 2 wurde von keiner Partei angefochten, weshalb der 

vorinstanzliche Entscheid insoweit rechtskräftig geworden ist (Art. 315 

Abs. 1 ZPO).  

 

8.2.2. 

Die für das vorliegende Rechtsmittelverfahren noch relevanten Phasen ab 

Januar 2026 werden zwecks besserer Vergleichbarkeit mit dem vorinstanz-

lichen Entscheid auch im vorliegenden obergerichtlichen Urteil (ebenfalls) 

als Phasen 3 und 4 beibehalten. Die Vorinstanz stellte fest, dass die Be-

klagte ein Einkommen in der Höhe von Fr. 3'600.00 (aus einer 80 %-Tätig-

keit) in der Phase 3 und ein solches von Fr. 4'500.00 (aus einer 100 %-

Tätigkeit) in der Phase 4 erzielen könne. Da diese Einkommen die für die 

Beklagte ermittelten familienrechtlichen Existenzminima von Fr. 3'265.00 

(Phase 3) und Fr. 3'459.00 (Phase 4) überstiegen, wurde kein Betreuungs-

unterhalt zugesprochen (angefochtener Entscheid E. 4.5.2).  

 

Bei C._____ ging die Vorinstanz einkommensseitig von Fr. 200.00 in der 

Phase 3 (Kinderzulage) sowie Fr. 250.00 in der Phase 4 (Ausbildungszu-

lage) und ausgabenseitig von einem Bedarf von Fr. 1'150.00 in beiden Pha-

sen aus (Grundbetrag Fr. 600.00, Wohnkostenanteil Fr. 250.00, KVG-Prä-

mie Fr. 100.00, Diverses Fr. 200.00). 

 

Das (offenbar nach Abzug der Quellensteuer verbleibende) Einkommen 

des Klägers in den Phasen 3 und 4 ermittelte die Vorinstanz bei 

Fr. 6'500.00, dies bei einem familienrechtlichen Existenzminimum (wegen 

der Quellenbesteuerung ohne Steuern) von Fr. 2'763.00 in der Phase 3 

 - 38 - 

 

 

(Grundbetrag Fr. 1'200.00, Wohnkosten Fr. 1'010.00, KVG Fr. 233.00, aus-

wärtige Verpflegung Fr. 220.00, Kommunikations- und Versicherungspau-

scha