# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f3643e17-ed19-5517-b7d4-7a684ec46be9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.04.2024 D-2042/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2042-2024_2024-04-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2042/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richter William Waeber, Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Christopher Bühler,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 22. März 2024. 

 

 

 

D-2042/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie, suchte am 13. Januar 2024 in Schweiz um Asyl nach. Eige-

nen Angaben zufolge verliess er seinen Heimatstaat im August 2021 zu-

sammen mit seinem jüngeren Bruder B._______ (N […]) und gelangte über 

den Iran in die Türkei. Nachdem er dort eine Weile gearbeitet habe, um 

Geld für die Weiterreise zu verdienen, seien sie nach Serbien gegangen. 

Den Bruder habe er weiter in die Schweiz geschickt, während das Geld für 

ihn selbst nicht mehr gereicht habe. Später habe er sich Geld ausgeliehen, 

um seine eigene Reise in die Schweiz zu finanzieren.  

B.  

B.a Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 13. März 2024 zu seinen 

Asylgründen an. Dabei machte er geltend, er habe zusammen mit seinen 

Eltern, drei Brüdern und zwei Schwestern im Stadtteil C._______ in 

D._______ gelebt. Er habe zwölf Jahre die Schule besucht und diese im 

Jahr 2018 abgeschlossen. Danach habe er bei einer grösseren Firma als 

Fahrer von (…) gearbeitet. Er habe insbesondere (…) beliefert. Aus diesem 

Grund sei er von den Taliban bedroht und als Feind betrachtet worden, da 

er die (…) der Regierung unterstützt habe. Am (…) Juli 2021 sei er in der 

Provinz E._______ von Taliban angehalten worden. Sie hätten sein Fahr-

zeug angezündet und ihn festgenommen. Mit verbundenen Augen sei er 

zu einem Gefängnis gebracht und inhaftiert worden, wobei er befragt und 

geschlagen worden sei. Es habe dort weitere Gefangene, darunter auch 

Regierungssoldaten, gegeben. Nach einer Woche habe die Polizei eine 

Befreiungsaktion durchgeführt, woraufhin er freigekommen und nach 

D._______ zurückgekehrt sei. Sein Vater habe für eine Firma gearbeitet, 

welche (…) habe. Ausserdem sei einer seiner Brüder für die Amerikaner 

tätig gewesen. Als die Taliban etwa einen Monat nach seiner Freilassung 

die Regierung gestürzt hätten, sei die ganze Familie zum Flughafen ge-

gangen, um von dort evakuiert zu werden. Es sei jedoch zu einem Selbst-

mordanschlag gekommen und sie seien getrennt worden. Er sei daher mit 

seinem jüngeren Bruder nach Hause zurückgekehrt und später mit ihm zu-

sammen auf dem Landweg in den Iran gereist. Einer seiner Brüder lebe 

zwischenzeitlich in den USA und die übrigen Familienmitglieder hielten sich 

in Pakistan auf.  

D-2042/2024 

Seite 3 

B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag, 

eine Karte seines Arbeitgebers sowie mehrere Dokumente betreffend sei-

nen Bruder F._______ (alle in Kopie) zu den Akten.  

C.  

Das SEM übermittelte der zugewiesenen Rechtsvertretung einen Entwurf 

des Asylentscheids. Die Rechtsvertretung nahm mit Eingabe vom 21. März 

2024 dazu Stellung.  

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 22. März 2024 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

an. Den Vollzug der Wegweisung erachtete es als unzumutbar, weshalb 

eine vorläufige Aufnahme verfügt wurde.  

E.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 

4. April 2024 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen 

Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei in den Dis-

positivziffern 1-5 aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, seine Flücht-

lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei 

die Sache zur rechtsgenüglichen Begründung und richtigen Sachverhalts-

feststellung ans SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

beantragte er, eine öffentliche Verhandlung samt Befragung durchzufüh-

ren. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 5. April 2024 den Eingang 

der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

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Seite 4 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet.  

4.  

4.1 In der Beschwerde wird gerügt, dass die Vorinstanz das rechtliche Ge-

hör des Beschwerdeführers in mehrfacher Hinsicht verletzt habe. In der 

angefochtenen Verfügung werde Art. 3 AsylG bezüglich der Vorverfolgung 

überhaupt nicht geprüft, was eine Verletzung der Begründungspflicht dar-

stelle. Zudem stütze sich das SEM auf einen unvollständig oder falsch ab-

geklärten Sachverhalt. Insbesondere hätte es bei der Einschätzung des 

Risikoprofils jede Abweichung von den Erkenntnissen, die im SEM-Doku-

ment «Focus Afghanistan 2022» zusammengetragen seien, explizit und 

nachvollziehbar begründen müssen.  

Diese formelle Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet sein 

könnte, eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu bewirken.  

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge-

hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich 

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Seite 5 

zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu 

berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die be-

troffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten 

kann. Dabei darf sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit 

jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 

184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).  

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen 

Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-

haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-

verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; 

unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen 

Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver-

waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 

2013, Rz. 1043). 

4.3 Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass das SEM die Vor-

bringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der von ihm geltend gemach-

ten Vorverfolgung als nicht glaubhaft erachtete. Entsprechend war es nicht 

erforderlich, diese auf ihre Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG zu prüfen. Die 

Frage, ob die Glaubhaftigkeit der Asylgründe von der Vorinstanz zu Recht 

verneint wurde, wird im Rahmen der materiellen Beurteilung zu prüfen sein. 

Sodann stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, das SEM 

habe die risikoschärfenden Elemente, die es in seinem eigenen Dokument 

«Focus Afghanistan 2022» aufführe, nicht ausreichend berücksichtigt. In 

seinem Fall lägen solche Elemente vor und die Vorinstanz wäre gehalten 

gewesen, allfällige Abweichungen zu den Erkenntnissen in jenem Doku-

ment zu begründen. Er verkennt dabei erneut, dass das SEM seine Vor-

fluchtgründe als unglaubhaft einstufte und die von ihm vorgebrachten Risi-

kofaktoren (vgl. dazu Beschwerdeschrift S. 9) entsprechend nicht einbezog 

bei der Beurteilung der Frage, ob ihm in Afghanistan eine Verfolgung droht. 

Das Risikoprofil einer Person ergibt sich jeweils unter Berücksichtigung der 

von ihr glaubhaft gemachten Sachverhaltselemente. Insgesamt geht aus 

der Verfügung des SEM mit hinreichender Klarheit hervor, aus welchen 

Gründen das Asylgesuch abgelehnt wurde, und es war dem Beschwerde-

führer auch möglich, diese sachgerecht anzufechten. Es liegt weder eine 

Verletzung der Begründungspflicht noch eine unvollständige oder unrich-

tige Feststellung des Sachverhalts vor und es besteht keine Veranlassung, 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

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Seite 6 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer beantragt, es sei eine öffentliche Verhandlung 

durchzuführen, bei welcher er persönlich zu befragen sei. Dies ergebe sich 

aus Art. 6 EMRK und dem Unmittelbarkeitsgrundsatz gemäss Art. 40 

Abs. 2 VGG, welche ein Recht auf eine öffentliche Verhandlung vorsehen, 

wenn eine strafrechtliche Anklage oder eine zivilrechtliche Streitigkeit vor-

liege. Der Begriff «civil rights» gehe dabei weiter als der im schweizeri-

schen Recht verwendete Zivilrechtsbegriff; es gehörten auch Verwaltungs-

akte dazu. Vorliegend sei eine persönliche Anhörung nicht nur aufgrund 

von Art. 6 EMRK zwingend geboten, sondern auch deshalb, weil das Bun-

desverwaltungsgericht unter anderem über die vom SEM behauptete feh-

lende Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers entscheiden müsse. Dies 

sei allein gestützt auf die Aktenlage nicht möglich, da das Gericht neben 

dem gesprochenen Wort auch nonverbale Elemente zu berücksichtigen 

habe.  

5.2 Im Beschwerdeverfahren in Asylsachen besteht kein Anspruch auf eine 

öffentliche Parteiverhandlung, da weder das AsylG noch das VwVG einen 

solchen vorsehen. Es handelt sich auch nicht um eine zivil- oder strafrecht-

liche Angelegenheit, weshalb das vorliegende Verfahren nicht in den sach-

lichen Anwendungsbereich von Art. 6 EMRK fällt (vgl. dazu Urteil des 

BVGer D-3964/2021 vom 18. Oktober 2021 E. 6.2; siehe auch MEYER-LA-

DEWIG / NETTESHEIM / VON RAUMER [Hrsg.], EMRK, Europäische Men-

schenrechtskonvention, Handkommentar EMRK, 4. Aufl. 2017, Rz 22 zu 

Art. 6). Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung lässt sich 

die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen respektive die persönliche Glaub-

würdigkeit des Beschwerdeführers auch aufgrund der Akten und der pro-

tokollierten Aussagen beurteilen. Eine erneute Anhörung durch das Gericht 

erweist sich daher als nicht erforderlich. Der Antrag auf Durchführung einer 

öffentlichen Verhandlung samt Befragung ist abzuweisen.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2010/57 

E. 4.1.3).  

7.  

7.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, die Schilderun-

gen des Beschwerdeführers zu zentralen Elementen seiner Asylgründe 

seien insgesamt wenig substanziiert und enthielten keine Realkennzei-

chen. Er habe weder seine Zeit im Gefängnis der Taliban noch die Befrei-

ungsaktion ausführlich beschreiben können und vielmehr allgemeine Aus-

sagen gemacht, die auch eine Person machen könnte, welche diese Er-

eignisse nicht selbst erlebt habe. Zudem würden seine Aussagen in Bezug 

auf seine Arbeit teilweise den Informationen widersprechen, die sich dem 

als Beweismittel eingereichten Arbeitsvertrag entnehmen liessen. Er habe 

etwa ausgeführt, dass er keine bestimmten Arbeitszeiten oder Arbeitstage 

habe, während er gemäss Vertrag in der Regel zwischen Samstag und 

Donnerstag von 8 bis 17 Uhr hätte arbeiten müssen. Ferner habe er die 

Frage, wie viele Wochen Ferien er im Jahr gehabt habe, nicht klar beant-

worten können, obwohl der Vertrag festhalte, dass er vier Wochen frei ge-

habt hätte. Sodann sei nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdeführer 

wenige Tage vor der Anhörung den Arbeitsvertrag habe erhältlich machen 

können, obwohl es die betreffende Firma nach der Machtübernahme der 

Taliban nicht mehr gegeben habe. Warum der von ihm kontaktierte Firmen-

vertreter trotzdem heute noch Zugriff auf einen Computer habe, auf wel-

chem diese Dokumente zu finden seien, habe er nicht schlüssig erklären 

können. Weiter habe er angegeben, er besitze keine Schulzeugnisse, da 

diese in Afghanistan erst zwei, drei Jahre nach Schulabschluss aushändigt 

würden und es hierfür Kontakte brauche. Es erschliesse sich jedoch nicht, 

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weshalb in Afghanistan nach Schulabschluss keine Zeugnisse ausgestellt 

werden sollten, da diese zentral für die weitere berufliche Karriere respek-

tive den Bildungsweg seien. Der Beschwerdeführer mache schliesslich gel-

tend, er befürchte auch aufgrund der beruflichen Tätigkeiten seines Vaters 

und Bruders eine Verfolgung. Diese seien jedoch nicht in einer ausserge-

wöhnlich exponierten Stellung tätig gewesen und hätten auch keine oppo-

sitionelle Position eingenommen, welche eine flüchtlingsrechtlich relevante 

Verfolgung nach sich ziehen könnte. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, 

dass die Taliban ein grosses Interesse an Fahrern von ehemaligen ameri-

kanischen Unternehmen hätten. Eine objektiv begründete Furcht vor Re-

flexverfolgungsmassnahmen sei zu verneinen.  

7.2 In der Beschwerde wurde vorgebracht, dass der Beschwerdeführer 

seine Asylgründe ausreichend detailliert, plausibel und widerspruchsfrei 

dargelegt habe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM die Auffas-

sung vertrete, er habe seine Haftzeit nicht genau beschreiben können, da 

die betreffenden Aussagen teilweise mehrere Zeilen umfassten. Während 

der Befreiungsaktion habe er sich in einer Zelle befunden und die Gefechte 

ausserhalb des Gefängnisses lediglich über das Gehör wahrgenommen, 

weshalb seine Kenntnisse darüber begrenzt seien. Weiter habe er auf 

Nachfrage erklärt, weshalb seine Aussagen teilweise nicht im Einklang mit 

dem eingereichten Arbeitsvertrag stünden. Es sei durchaus möglich, dass 

die vertraglich festgelegten Arbeitszeiten nur gegolten hätten, wenn sich 

die Person auf dem Firmengelände befunden habe. Auch in der Schweiz 

stimmten die schriftlich vereinbarten Arbeitszeiten oftmals nicht mit der ge-

lebten Realität überein. Der Umstand, dass seine Aussagen nicht im Detail 

mit dem Arbeitsvertrag übereinstimmten, spreche überdies für seine 

Glaubwürdigkeit. Wäre der Vertrag eine Fälschung, so hätte der Beschwer-

deführer mit Sicherheit dessen Inhalt auswendig gelernt. Hinsichtlich der 

Urlaubstage habe er angegeben, dass er diese bei Bedarf genommen und 

sich darüber keine Gedanken gemacht habe, da ihm dies nicht wichtig ge-

wesen sei. Daraus lasse sich jedenfalls nicht auf eine mangelnde Glaub-

würdigkeit schliessen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei es auch 

plausibel, dass Unterlagen wie eine Kopie des Arbeitsvertrags noch erhält-

lich gemacht werden könnten, obwohl die Firma nicht mehr aktiv sei. Übli-

cherweise würden Firmenunterlagen nach der Schliessung eines Unter-

nehmens noch für eine gewisse Zeit aufbewahrt, oft aus rechtlichen oder 

administrativen Gründen. Hinsichtlich der fehlenden Schulzeugnisse über-

sehe das SEM, dass in Afghanistan andere kulturelle und gesellschaftliche 

Normen gelten würden. Zeugnisse würden anders bewertet als in westli-

chen Ländern und Aspekte wie praktische Fähigkeiten, familiäre 

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Verpflichtungen oder die unmittelbare Existenzsicherung seien meist be-

deutender als formale Bildungsnachweise. Überdies hingen die betreffen-

den Aussagen nicht mit den geltend gemachten Asylgründen zusammen 

und sollten somit keine Auswirkungen auf deren Glaubhaftigkeit haben. 

Insgesamt habe er seine Vorbringen konsistent, überzeugend und wider-

spruchsfrei dargelegt, wobei die Abwesenheit von Widersprüchen ein wich-

tiges Indiz dafür sei, dass er die Wahrheit erzähle. Er sei von den Taliban 

ernsthaft bedroht und inhaftiert worden, weil er als Fahrer gearbeitet und 

(…) habe, was die (…) der Regierung ermöglicht habe. Die Taliban be-

trachteten alle Personen, die in irgendeiner Weise die ehemalige Regie-

rung unterstützt hätten, als Feinde. Die Gefahr einer Verfolgung bestehe 

auch deswegen, weil sein Bruder und sein Vater für amerikanische Firmen 

gearbeitet hätten. Der Bruder habe Afghanistan damals im Rahmen einer 

Evakuierung mit den Amerikanern verlassen, der Vater sei mit dem Rest 

der Familie nach Pakistan geflüchtet. Dies zeige die Ernsthaftigkeit der Si-

tuation. Ausserdem hätten die Amerikaner nur stark bedrohte Personen 

ausgeflogen, woran sich die hervorgehobene Stellung des Bruders erken-

nen lasse. Der Beschwerdeführer weise somit sowohl aufgrund seiner ei-

genen Tätigkeit als auch aufgrund seines Vaters und Bruders ein erhebli-

ches Risikoprofil auf. Es bestehe die Gefahr, dass er bei einer Rückkehr 

nach Afghanistan Übergriffen seitens der Taliban ausgesetzt wäre, weshalb 

ihm Schutz zu gewähren sei. Das SEM habe die vorhandenen risikoerhö-

henden Elemente nicht angemessen berücksichtigt.  

8.  

8.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-

nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-

macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie 

aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-

nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-

krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung 

plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei 

wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung 

die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-

schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber 

reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-

bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände 

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Seite 10 

wesentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung 

sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1). 

8.2 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keinerlei Identitäts-

dokumente eingereicht hat. Zwar habe er eine Tazkira besessen, diese 

aber auf dem Weg nach Bulgarien verloren (vgl. SEM-Akte […]-15/17 

[nachfolgend Akte 15], F76 f.). Einen Reisepass oder andere Dokumente, 

welche seine Identität sowie seine Herkunft aus Afghanistan belegen könn-

ten, konnte er ebenfalls nicht vorlegen (vgl. Akte 15, F79). Sodann er-

scheint nicht nachvollziehbar, weshalb er – obwohl er zwölf Jahre die 

Schule besucht habe (vgl. Akte 15, F26) – über keinerlei Schulzeugnisse 

verfügt haben will. Selbst wenn es zutrifft, dass Zeugnissen in der afghani-

schen Kultur nicht dieselbe Bedeutung zukommt wie etwa in Europa, ist 

nicht ersichtlich, weshalb dem Beschwerdeführer weder während der 

Schulzeit noch beim Schulabschluss solche ausgestellt worden sein sollen. 

Seine Erklärungen, diese würden erst zwei, drei Jahre nach dem Abschluss 

ausgestellt und nur auf Nachfrage respektive wenn man entsprechende 

Kontakte habe (vgl. Akte 15, F80 ff.), erweisen sich als wenig überzeugend. 

Es erschliesst sich nicht, weshalb mehrere Jahre nach dem Schulab-

schluss überhaupt noch Zeugnisse ausgestellt werden sollten, zumal die 

Betroffenen zu diesem Zeitpunkt längst einer anderen Tätigkeit – sei es ein 

Beruf, eine Ausbildung oder Tätigkeiten innerhalb der Familie – nachgehen 

dürften. Die Antworten des Beschwerdeführers in diesem Zusammenhang 

wirken vielmehr ausweichend und lassen gewisse Zweifel an seinen Vor-

bringen aufkommen.  

8.3 Des Weiteren erweisen sich die Aussagen des Beschwerdeführers 

zum Vorfall vom (…) Juli 2021 – wie das SEM zu Recht ausgeführt hat – 

als unsubstanziiert und es fehlt ihnen an jeglichen Realkennzeichen. Er 

schildert lediglich in oberflächlicher Weise einen Handlungsablauf, wobei 

seine diesbezüglichen Angaben weder persönliche Gedankengänge, Emo-

tionen oder besondere Einzelheiten noch detaillierte Beschreibungen von 

Interaktionen enthalten (vgl. Akte 15, F103 ff.). Seine Darstellung des Ge-

fängnisses erschöpft sich im Wesentlichen darin, dass er in einem dunklen 

Raum mit vielen anderen Gefangenen untergebracht gewesen sei (vgl. 

Akte 15, F105). Auch die Festnahme selbst, welche als einschneidendes 

Erlebnis angesehen werden müsste, wird vom Beschwerdeführer in weni-

gen Sätzen dargelegt. Ohne spezifische Details zum Ablauf und emotions-

los schildert er, wie sein (…) mit einem Streichholz angezündet und er da-

raufhin mit dem Motorrad in ein Gefängnis gebracht worden sei (vgl. Akte 

15, F114 f.). Diese substanzarmen Ausführungen lassen darauf 

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Seite 11 

schliessen, dass er nicht von eigenen Erlebnissen berichtet. Auch die Dar-

legung der Befreiungsaktion beschränkt sich auf sehr knappe Angaben, die 

jegliche persönliche Betroffenheit vermissen lassen. Er führte lediglich aus, 

Soldaten hätten mit den Taliban gekämpft und letztere seien geflohen, wo-

raufhin die Gefangenen befreit worden seien (vgl. Akte 15, F119). Selbst 

wenn er sich in der Zelle befunden und die Gefechte ausserhalb nicht direkt 

wahrgenommen hätte, wäre zu erwarten gewesen, dass er ausführlichere 

Angaben zu diesem Ereignis machen kann. 

8.4 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist in Übereinstimmung mit dem 

SEM festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, glaubhaft 

zu machen, dass er von den Taliban festgenommen und für rund eine Wo-

che inhaftiert worden war. Die Abwesenheit von Widersprüchen allein 

reicht nicht aus, um von der Glaubhaftigkeit eines Vorbringens auszuge-

hen. Sodann ist anzumerken, dass es zwar nicht grundsätzlich gegen die 

Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers spricht, wenn seine Angaben zu 

den Arbeitszeiten und Urlaubstagen nicht genau denjenigen entsprechen, 

welche im Arbeitsvertrag festgehalten sind. Tatsächlich dürfte es vorkom-

men, dass die gelebte Realität im Arbeitsumfeld nicht immer mit den schrift-

lichen Vereinbarungen übereinstimmt. Es stellt sich indessen die Frage, 

weshalb in dem relativ ausführlichen und in englischer Sprache verfassten 

Arbeitsvertrag überhaupt Arbeitszeiten von 8 bis 5 Uhr abends festgehalten 

werden, wenn diese gemäss Angaben des Beschwerdeführers nur gelten 

sollen, solange er sich auf dem Gelände der Firma befunden habe (vgl. 

Akte 15, F132). Da er als Fahrer angestellt war, dürfte er sich während 

eines erheblichen Teils seiner Arbeitszeit nicht auf dem Firmengelände auf-

gehalten haben. Gewisse Angaben im Arbeitsvertrag sind zudem nicht ko-

härent. Der Vertrag wurde offenbar per 1. März 2019 ausgestellt, hält auf 

der ersten Seite indessen fest, die Anstellung beginne am 1. März 2015. In 

Ziffer 12 des Vertrags steht, dieser gelte für die Periode eines Jahres, wäh-

rend auf der letzten Seite von einer Vertragsdauer von drei Jahren und 

einem Monat gesprochen wird. Ausserdem trägt der Vertrag keine Unter-

schrift seitens des Beschwerdeführers. Auch wenn sich einzelne Fehler in 

schriftlichen Verträgen nie ausschliessen lassen, bestehen vorliegend ver-

schiedene Ungereimtheiten, welche insgesamt die Zweifel an der Glaub-

haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers verstärken.  

8.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelang, das zentrale Ereignis seiner Asylgründe – die angebliche 

Festnahme durch die Taliban, bei welcher er auch befragt und misshandelt 

worden sein soll – glaubhaft zu machen. Es bestehen angesichts der 

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Seite 12 

Ungereimtheiten hinsichtlich seines Arbeitsvertrags auch Zweifel an der 

von ihm ausgeübten Tätigkeit als Fahrer von (…). Selbst wenn aber davon 

ausgegangen wird, dass er dieser Arbeit nachgegangen ist, ist nicht anzu-

nehmen, dass er ein massgebliches Profil aufweist, welches ihn einer ob-

jektiv begründeten Furcht vor einer Verfolgung seitens der Taliban ausset-

zen könnte. Als Zulieferer von (…) unterstützte er die Regierung denn auch 

nicht direkt, zumal die (…) grundsätzlich der gesamten Bevölkerung – und 

somit auch den Taliban respektive deren Unterstützern – dienen kann. Aus-

gehend von seinen eigenen Angaben war er mehr als zwei Jahre lang als 

Fahrer tätig, ohne dass es zu konkreten Drohungen gegen seine Person 

gekommen sei. Vielmehr scheint seine Firma durch die Taliban bedroht 

worden zu sein, wobei die Firmenführung dies an ihre Angestellten weiter-

geleitet habe (vgl. Akte 15, F111). In derselben Situation befand sich offen-

bar auch sein Vater, dessen Firma ebenfalls bedroht worden sei (vgl. Akte 

15, F146). Diese geltend gemachten Drohungen richteten sich jedoch nicht 

direkt gegen die Person des Beschwerdeführers respektive des Vaters, 

sondern gegen ihre Arbeitgeber. Nachdem sich die vorgebrachte Fest-

nahme durch die Taliban als nicht glaubhaft erwies, gibt es keine Anhalts-

punkte dafür, dass der Beschwerdeführer selbst – sei es aufgrund seiner 

eigenen Tätigkeiten oder jener seiner Familienangehörigen – ins Visier der 

Taliban geraten war.  

8.6 An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand nichts, dass der Bru-

der F._______ offenbar für die Amerikaner respektive die Firma (…) tätig 

war, zwei Tage vor dem Sturz der Regierung evakuiert worden sei und zwi-

schenzeitlich in den USA lebe. Dessen Aufgabe bestand nach Angaben 

des Beschwerdeführers darin, (…) (vgl. Akte 15, F140). Allein daraus lässt 

sich indessen noch kein besonderes Profil ableiten, welches ihn in den Fo-

kus der Taliban gerückt und einer spezifischen Gefährdung ausgesetzt 

hätte. Der Beschwerdeführer beschrieb denn auch nur äusserst vage, in-

wiefern der Bruder respektive die Familie durch die Taliban bedroht gewe-

sen sei. Er beschränkt sich dabei auf die Angabe, die ganze Familie sei 

bedroht worden und deshalb geflohen, da verschiedene Familienangehö-

rige bei Firmen tätig gewesen seien, welche gegen die Taliban agiert hätten 

(vgl. Akte 15, F147 f.). Konkrete Drohungen, die sich gegen die Familien-

mitglieder selbst – und nicht allein gegen die jeweiligen Unternehmen – 

gerichtet hätten, wurden von ihm jedoch weder näher beschrieben noch 

überhaupt geltend gemacht. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass 

der Beschwerde-führer oder seine Angehörigen persönlich im Visier der 

Taliban gestanden hätten und entsprechend einem erhöhten Risiko ausge-

setzt wären, bei einer Rückkehr von diesen verfolgt zu werden.  

D-2042/2024 

Seite 13 

8.7 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass im Fall des Beschwerdefüh-

rers nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen wer-

den kann, dass er aufgrund seiner geltend gemachten beruflichen Aktivitä-

ten als Fahrer oder wegen der Tätigkeiten seines Vaters respektive Bru-

ders die Aufmerksamkeit der Taliban auf sich gezogen hätte und bereits 

deswegen eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung vorliegen würde. 

Es gelang ihm auch nicht, glaubhaft zu machen, dass er erhebliche Nach-

teile seitens der Taliban erlitt und dabei direkt und persönlich mit diesen in 

Kontakt gekommen wäre. Bei dieser Sachlage gibt es keine genügenden 

Anhaltspunkte dafür, dass eine objektiv begründete Furcht vor einer zu-

künftigen Verfolgung durch die Taliban vorliegt. Das SEM hat somit zu 

Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein 

Asylgesuch abgelehnt.  

9.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer 

verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch 

über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach 

ebenfalls zu Recht angeordnet. 

10.  

Nachdem das SEM den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt 

sich die Frage nach dem Vorliegen von anderen Vollzugshindernissen – 

Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit – nicht. Die Wegweisungsvollzugshin-

dernisse sind alternativer Natur; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Weg-

weisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz be-

steht keine Veranlassung. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–3 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

D-2042/2024 

Seite 14 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). In der Beschwerde wurde jedoch beantragt, es sei ihm die un-

entgeltliche Prozessführung zu gewähren. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG 

wird eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag 

von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht 

aussichtslos erscheint. Das Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde im 

beschleunigten Verfahren behandelt. Er hielt sich währenddessen in einem 

Bundesasylzentrum auf und war nicht berechtigt, einer Erwerbstätigkeit 

nachzugehen (Art. 43 Abs. 1 AsylG). Aufgrund der Akten ist von seiner pro-

zessualen Bedürftigkeit auszugehen. Die in der Beschwerde gestellten Be-

gehren sind nicht als zum Vornherein aussichtslos zu erachten, weshalb 

die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung erfüllt sind. Der betreffende Antrag ist folglich gutzuheissen und es 

sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Sodann wird das Gesuch um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit dem vorliegenden 

Entscheid in der Sache gegenstandslos.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2042/2024 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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