# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6dd0205b-f68c-5dda-be35-d1426f5fbdca
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-08-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 22.08.2013 IV 2011/330
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-330_2013-08-22.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/330

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 22.08.2013

Entscheiddatum: 22.08.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 22.08.2013
Art. 28 IVG. Würdigung eines Gutachtens. Anspruch auf eine ganze Rente 
bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. 
August 2013, IV 2011/330). Teilweise aufgehoben durch Urteil des 
Bundesgerichts 8C_669/2013.

Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Christiane Gallati 

Schneider,Versicherungsrichter Ralph Jöhl; Gerichtsschreiberin Annina Baltisser

 

Entscheid vom 22. August 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2, 

Postfach, 9410 Heiden,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

 

 

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 3. März 2010 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 2). Der 

Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B.___, Facharzt FMH für Allgemeine Innere 

Medizin, gab anlässlich eines Frühinterventions-Gesprächs mit dem Regionalen 

Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) an, bei der Versicherten bestehe der dringende 

Verdacht auf Schizophrenie (ohne produktive Symptomatik). Sie leide ausserdem an 

Epilepsie, sei allerdings derzeit unter Antiepileptika anfallsfrei. Die Arbeitsfähigkeit 

werde durch Nervosität, Unruhe und Getriebenheit eingeschränkt; aus rein somatischer 

Sicht bestehe keine Einschränkung (vgl. das FI-Gesprächsprotokoll vom 25. März 

2010, von Dr. B.___ unterzeichnet am 30. März 2012, IV-act. 11-1 f.; vgl. ferner den 

Bericht von Dr. med. C.___, Facharzt FMH für Neurologie sowie Psychiatrie und 

Psychotherapie, vom 23. September 2008, IV-act. 11-4 f.).

A.b  Gemäss einer Aktennotiz des RAD gab Dr. med. D.___, Fachärztin FMH für 

Psychiatrie und Psychotherapie, im Telefongespräch vom 29. März 2010 an, die 

Versicherte sei bei ihr erstmals im Februar 2001 in Behandlung gewesen. Es habe eine 

hochpsychotische Symptomatik bestanden, die erstaunlicherweise nach medizinischer 

Behandlung schlagartig abgeklungen sei. In den folgenden Jahren seien öfters 

Angstzustände aufgetreten, wobei die Versicherte auf die Medikamente gut 

angesprochen habe. Letztmals habe sie sich im Juli 2008 telefonisch gemeldet. Die 

Versicherte selbst gab auf telefonische Nachfrage des RAD an, sie sei aktuell nicht in 

psychiatrischer Behandlung (IV-act. 8).

A.c  Dr. med. E.___, Fachärztin FMH für Neurologie, führte im Schreiben vom 4. Juni 

2010 aus, die Versicherte sei seit Anfang 2007 anfallsfrei. An einem adaptierten 

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Arbeitsplatz (keine Selbst- oder Fremdgefährdung an laufenden Maschinen, keine 

Arbeiten in der Höhe sowie Gewährleistung eines einigermassen regelmässigen Schlaf-

Wach-Rhythmus) sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus neurologischer Sicht 

nicht eingeschränkt (IV-act. 14).

A.d  Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die 

Versicherte am 11. Juni 2010 an, sie sei aus gesundheitlichen Gründen nicht 

erwerbstätig. Ihre letzte Erwerbstätigkeit habe sie im April 1999 ausgeübt. Ohne 

Behinderung wäre sie zurzeit wegen der Kinder zu 60% im Verkauf tätig, später würde 

sie eine 100%ige Erwerbstätigkeit ausüben. Sie könne die Planung und Organisation 

des Haushaltes selbst durchführen und es würden keine Haushalttätigkeiten durch 

fremde Hilfe erledigt (IV-act. 15).

A.e  Im Bericht vom 23. September 2010 gab Dr. D.___ an, die Versicherte sei seit April 

2010 wieder bei ihr in ambulanter Behandlung, und stellte folgende Diagnosen ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Psychotische Episoden 2001 und 2002, 

rezidivierende Angstzustände sowie partielle Epilepsie, anfallsfrei seit Jahren. In der 

Tätigkeit als Hausfrau und Mutter bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Die Versicherte 

habe während der Ehe nie gearbeitet; ihr Beruf sei Hausfrau und später Mutter 

gewesen. Ob sie der zu ledigen Zeiten ausgeführten Tätigkeit als Bijouterie-Verkäuferin 

nachgehen könnte, sei fraglich. Eine mögliche Erwerbsarbeit sollte ein Pensum im 

Umfang von ca. 40% nicht überschreiten; wünschenswert wäre eine geregelte 

Arbeitszeit. Eine Tätigkeit im Verkauf sei aufgrund einer möglichen Reizüberflutung 

nicht geeignet, geeigneter seien monotone Arbeiten, z.B. Verpackung und Versand (IV-

act. 21).

A.f   Mit Schreiben vom 26. November 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die 

Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen (IV-act. 27). Im Arztbericht vom 5. Dezember 

2010 äusserte Dr. med. F.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, den 

Verdacht auf eine schizoaffektive Störung, gegenwärtig weder manisch, depressiv 

noch psychotisch, nach ICD-10 F25.8. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

diagnostizierte er psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, 

Abhängigkeitssyndrom, nach ICD-10 F13.2. Die Versicherte sei seit Oktober 2010 bei 

ihm in Behandlung. Die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin sei nicht mehr zumutbar, 

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da eine geringe psychische Belastbarkeit bestehe. Es sei nur noch eine Arbeit im ca. 

50%-Pensum im geschützten Rahmen möglich. Durch manisch-depressive oder 

psychotische Episoden könne die Arbeitsfähigkeit bis zu 100% eingeschränkt sein (IV-

act. 28).

A.g  Nachdem in einem Triage-Protokoll am 12. Januar 2011 festgehalten worden war, 

medizinisch sei nicht nachvollziehbar, dass eine zumutbare Tätigkeit im geschützten 

Rahmen erfolgen müsse, veranlasste die IV-Stelle in der Folge eine monodisziplinäre 

psychiatrische Begutachtung bei Dr. med. G.___, Facharzt FMH für Neurologie sowie 

Psychiatrie und Psychotherapie (IV-act. 30, 31). Im entsprechenden Gutachten vom 15. 

Februar 2011 wurden eine Persönlichkeitsänderung nach lang dauernder psychischer 

Erkrankung (ICD-10 F62.1), eine Angsterkrankung (ICD-10 F41.0), ein chronischer 

Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.1) sowie eine kryptogene Epilepsie mit 

fokal beginnenden, sekundär generalisierten Anfällen (ICD-10 G40.4) diagnostiziert. In 

der angestammten Tätigkeit sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. In einer 

angepassten Tätigkeit bestehe eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Beurteilung der 

gesundheitlichen Situation und Leistungsfähigkeit der Versicherten könne nicht auf 

Dauer und unbefristet erfolgen, weshalb eine Nachuntersuchung und Überprüfung in 

etwa 3 Jahren vorgeschlagen werde (IV-act. 35). In einer internen Stellungnahme hielt 

RAD-Arzt Dr. med. H.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, das 

Gutachten von Dr. G.___ sei verwertbar und für die versicherungsmedizinischen 

Anforderungen ausreichend (IV-act. 36).

A.h  Mit Vorbescheid vom 25. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in 

Aussicht, einen Rentenanspruch gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 20% 

(Teilinvaliditätsgrad Erwerbstätigkeit 20% und Teilinvaliditätsgrad Haushalt 0%) zu 

verneinen (IV-act. 39). Im Schreiben vom 9. März 2011 brachte Dr. F.___ im Sinne eines 

Einwandes gegen den Vorbescheid vor, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei stärker 

eingeschränkt als es das Gutachten darlege. Die möglichen depressiven, 

hypomanischen oder manischen Symptome bei einer psychischen Belastung seien 

nicht berücksichtigt worden. Die Versicherte könne aufgrund ihrer psychischen 

Erkrankung keine Arbeiten im ersten Arbeitsmarkt mehr durchführen, weshalb die 

Arbeitsfähigkeit in diesem Bereich zu 100% und nicht nur zu 60% eingeschränkt sei. 

Da sich die Versicherte aufgrund ihrer schizoaffektiven Erkrankung gesünder 

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einschätze, als sie es sei, seien auch mögliche Einschränkungen im Haushalt zu 

erwarten. Deshalb sei die Durchführung einer Haushaltabklärung angezeigt (IV-act. 44). 

Am 4. April 2011 erhob die Rechtsschutzversicherung der Versicherten, die CAP 

Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG, Einwand und beantragte im Wesentlichen 

die Vornahme einer Haushaltabklärung (IV-act. 48). In dieser am 16. August 2011 

erfolgten Abklärung ermittelte die zuständige Abklärungsperson eine Einschränkung in 

der Haushaltstätigkeit von 41.6%, welche sich durch die Berücksichtigung einer 

gewissen Schadenminderung durch den Exmann der Versicherten auf 34.9% 

reduziere. In Bezug auf die Erwerbstätigkeit wurde festgehalten, ein wahrscheinliches 

Erwerbspensum von 60% sei in der jetzigen Situation und bei den bestehenden 

Rahmenbedingungen realistisch (IV-act. 54).

A.i   Nachdem RAD-Arzt Dr. H.___ am 26. September 2011 an der Beurteilung von Dr. 

G.___ festgehalten und die in der Haushaltabklärung ermittelte Einschränkung von 35% 

als nicht plausibel bezeichnet hatte (IV-act. 55, 56), wies die IV-Stelle das 

Leistungsbegehren mit Verfügung vom 27. September 2011 gemäss Vorbescheid ab 

(IV-act. 57).

B.    

B.a  Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 20. Oktober 

2011. Die neu durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Heiden, vertretene 

Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer 

IV-Rente. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizinischer und/

oder administrativer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur 

Begründung wird im Wesentlichen angeführt, es sei von einer 100%igen 

Einschränkung im freien Arbeitsmarkt und von einer Einschränkung von 50%, ev. 60%, 

im geschützten Rahmen auszugehen. Darüber hinaus müsse der Einkommensvergleich 

im Erwerb auf ein 100%-Pensum hochgerechnet werden. Im Aufgabenbereich bestehe 

eine Einschränkung von 42%, da den Exmann der Beschwerdeführerin weder eine 

Schadenminderungs- noch eine weitergehende Unterhaltspflicht treffe. Somit läge, 

selbst wenn die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit von 40% im freien 

Arbeitsmarkt verwerten könnte, ein

rentenbegründender IV-Grad von 53% vor (act. G 1). 

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B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2011 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei die 

Angelegenheit für eine erneute Begutachtung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur 

Begründung führt sie im Wesentlichen an, der IV-Grad sei korrekt ermittelt worden und 

den Akten seien keine Hinweise auf eine Einschränkung in der Haushalttätigkeit zu 

entnehmen. Fraglich sei im Weiteren, ob die Angaben bezüglich der hypothetischen 

60%igen Erwerbstätigkeit zutreffend seien. Man könne eventuell auch zur Ansicht 

gelangen, dass der Sachverhalt zu wenig abgeklärt worden sei (act. G 4).

B.c  Mit Replik vom 23. Januar 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen 

fest (act. G 6). Mit Ergänzung vom 24. Januar 2012 reicht sie zudem eine 

Stellungnahme von Dr. F.___ vom 19. Januar 2012 sowie einen Bericht der 

Psychiatrischen Klinik I.___ über eine ambulante Behandlung vom 20. November 2000 

ein (act. G 7).

B.d  Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

 

Erwägungen:

1.   

Streitig und im vorliegenden Fall zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das 

Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat.

1.1  Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht 

zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt 

gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

als Invalidität. Die Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen 

Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der 

konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht 

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geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). Es ist darauf abzustellen, in welchem Mass die 

betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als 

Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche 

Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische 

Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).). 

Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die so genannte gemischte Methode 

der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im 

Aufgabenbereich tätig sind. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der 

Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist 

entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.

1.2  Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.   

2.1  Vorab ist zu klären, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.

2.2  Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad 

bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf 

Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur 

Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes respektive der Ärztin ist es, den 

Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang 

und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 

261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und 

demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung 

des strittigen Leistungsanspruchs gestatten.

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2.3  Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der Verfügung vom 27. September 2011 

(IV-act. 57) auf das psychiatrische und neurologische Gutachten von Dr. G.___ vom 15. 

Februar 2011 (IV-act. 35). Darin stellt Dr. G.___ die Diagnosen Persönlichkeitsänderung 

nach lang dauernder psychischer Erkrankung (ICD-10 F62.1), Angsterkrankung (ICD-10 

F41.0), chronischer Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.1) sowie kryptogene 

Epilepsie mit fokal beginnenden, sekundär generalisierten Anfällen (ICD-10 G40.4). Dr. 

G.___ geht aufgrund der für diese Arbeit ungenügenden Fähigkeit zur feinen affektiven 

Resonanz im interpersonellen Kontakt mit den Kunden von einer Arbeitsfähigkeit von 

0% in der angestammten Tätigkeit als Schmuckverkäuferin und von einer 40%igen 

Arbeitsfähigkeit in einer medizintheoretisch denkbaren angepassten Tätigkeit (einfache 

Reparaturarbeiten an Schmuckgegenständen sowie einfache Hilfstätigkeiten anderer 

Art) aus. Der Gutachter setzt sich ausführlich mit der Biografie der Beschwerdeführerin 

auseinander und erhebt eine detaillierte allgemeine Anamnese. Die medizinischen 

Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin geklagten 

Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die entsprechenden gutachterlichen 

Ausführungen erscheinen medizinisch fundiert, umfassend und die diesbezüglichen 

Schlussfolgerungen nachvollziehbar. Insbesondere weist das Gutachten keine 

formellen Mängel auf, die erhebliche Zweifel am Beweiswert zu begründen vermögen. 

Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht 

berücksichtigt worden wären. Insgesamt leuchtet die Bescheinigung einer 60%igen 

Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten in der Darlegung der 

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. 

Es besteht keine Veranlassung, von der gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit 

abzuweichen.

2.4  Fraglich ist, ob die Beschwerdeführerin in der Lage ist, die im Gutachten vom 15. 

Februar 2011 attestierte Restarbeitsfähigkeit zu verwerten. Dr. G.___ führt 

diesbezüglich aus, die Verweistätigkeit (einfache Reparaturarbeiten an 

Schmuckgegenständen, einfache Hilfstätigkeiten anderer Art) stelle ein 

medizintheoretisch entworfenes Konstrukt dar. Lebenspraktisch und real würde bei 

tatsächlichem Zwang zur Erwerbsarbeit ausser Haus bei unverändert fortbestehender 

Verpflichtung zur Arbeit und Präsenz im Haushalt und für die Kinder wahrscheinlich 

ohne grössere zeitliche Latenz eine erhebliche Überforderung der Versicherten mit 

wahrscheinlicher Dekompensation der psychischen Gesundheit resultieren (vgl. IV-act. 

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35-11). Diese Einschätzung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin des Gutachters erscheint aufgrund der vorliegenden Aktenlage 

und der von den behandelnden Ärzten und dem Gutachter im Wesentlichen 

übereinstimmenden Diagnosen nachvollziehbar. Sie stimmt auch mit der Einschätzung 

des behandelnden Psychiaters Dr. F.___, gemäss welchem nur noch eine Arbeit im 

geschützten Rahmen möglich sei und die Arbeitsfähigkeit durch manische, depressive 

oder psychotische Episoden bis zu 100% eingeschränkt sein könne, überein (vgl. IV-

act. 28-6). Entsprechend ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführerin aus 

ärztlicher Sicht nicht mehr möglich ist, die im Erwerbsalltag geforderte Leistung zu 

erbringen, und ihre Einsatzfähigkeit auf den geschützten Bereich beschränkt ist. Somit 

ist aus medizintheoretischer Sicht zwar von einer Restarbeitsfähigkeit auszugehen, 

deren Verwertung ist der Beschwerdeführerin aber aufgrund der Gefahr einer real 

drohenden Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes innert kürzester Zeit 

unzumutbar.

2.5  Gesamthaft ist aufgrund der nachvollziehbaren Beurteilung Dr. B.___s sowie 

gestützt auf die im Wesentlichen übereinstimmenden medizinischen Einschätzungen 

davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin zufolge ihrer gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen nicht mehr möglich ist, eine wirtschaftlich verwertbare Leistung zu 

erbringen.

3.   

3.1  Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als 

nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen 

unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung 

bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei (teilweise) im Haushalt tätigen Versicherten sind 

nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen 

Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber 

Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die 

persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt 

sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung 

entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall 

ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad 

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der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117 

V 194 f. E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit 

Hinweisen).

3.2  Die zuständige Abklärungsperson ging anlässlich der Haushaltabklärung vom 16. 

August 2011 aufgrund der Lebensumstände der Beschwerdeführerin davon von einer 

hypothetischen Erwerbstätigkeit von 60% aus (IV-act. 55). Dass die 

Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu mindestens 60% erwerbstätig wäre, ist 

insbesondere vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Beschwerdeführerin 

(vgl. IV-act. 3, 54-4) sowie aufgrund der Tatsache, dass nur noch reduzierte 

Betreuungspflichten bestehen, da die Kinder der Beschwerdeführerin (Jahrgänge 2001 

und 2003, vgl. IV-act. 2-1) bereits schulpflichtig sind, als überwiegend wahrscheinlich 

zu erachten. Damit ergibt sich eine Aufteilung Erwerbstätigkeit/Haushalt von 60%/40%.

3.3  Hinsichtlich der Invalidität im Aufgabenbereich hat die zuständige 

Abklärungsperson eine Einschränkung in der Haushalttätigkeit von 41.6% ermittelt (vgl. 

IV-act. 54-11). Die in den verschiedenen Aufgabenbereichen aufgeführten 

Einschränkungen sind vor dem Hintergrund der medizinischen Aktenlage 

nachvollziehbar. Insbesondere fehlen konkrete Anhaltspunkte für eine Nicht- bzw. 

Falschberücksichtigung der Angaben der Beschwerdeführerin durch den 

Abklärungsverantwortlichen. Aus den Akten ergeben sich sodann keine Hinweise, die 

gegen die von der Abklärungsperson ermittelte Einschränkung von 41.6% sprechen 

würden. Durch die berücksichtigten Einschränkungen wird insbesondere deutlich, dass 

sich die Beschwerdeführerin, wie von Dr. F.___ vorgebracht (vgl. IV-act. 44), aufgrund 

ihrer schizoaffektiven Erkrankung gesünder einschätzt als sie es ist, zumal sie im 

Fragebogen vom 11. Juni 2010 angegeben hatte, sie könne den Haushalt wie vor 

Eintritt des Gesundheitsschaden erledigen (vgl. IV-act. 15-9). Da diese 

Selbstüberschätzung der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

auch in die Beurteilung der ehemaligen Psychiaterin Dr. D.___ Eingang gefunden hat, 

ist deren abweichende Einschätzung (keine Arbeitsunfähigkeit als Hausfrau und Mutter; 

vgl. IV-act. 21-2), somit nicht geeignet, die in der Haushaltabklärung ermittelte 

Einschränkung in Zweifel zu ziehen.

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3.4  Damit ist von einer Einschränkung von 41.6% im Haushalt auszugehen. Was die 

Anrechnung einer Schadenminderungspflicht des Ex-Ehemannes der 

Beschwerdeführerin und damit die Reduktion der Einschränkung auf 34.9% betrifft, gilt 

es anzumerken, dass der geschiedene Ex-Ehemann lediglich in der Nähe, jedoch nicht 

in häuslicher Gemeinschaft mit der Beschwerdeführerin lebt (vgl. IV-act. 54-2). 

Entsprechend ist seine Hilfe bei der Kinderbetreuung für die Invaliditätsbemessung 

irrelevant und wurde zu Unrecht invaliditätsmindernd berücksichtigt (vgl. zur 

Schadenminderungspflicht nicht in einer Hausgemeinschaft mit der versicherten 

Person lebender Angehöriger den Entscheid des Versicherungsgerichtes des Kantons 

St. Gallen vom 25. Oktober 2012, IV 2010/152, E. 2.3.2).

4.   

4.1  Nach dem Gesagten ergibt sich angesichts der fehlenden Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit für den Erwerbsbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 60% (60% x 

100%). Im Haushaltbereich beträgt der Teilinvaliditätsgrad 16.64% (40% x 41.6%). 

Insgesamt resultiert ein Invaliditätsgrad von 76.64% und somit ein Anspruch auf eine 

ganze Rente.

4.2  Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 28 Abs. 1 IVG geregelt. Nach Art. 28 

Abs. 1 lit. b IVG hat der Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn er während eines 

Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig 

(Art. 6 ATSG) gewesen ist. Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine 

Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Der 

Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach 

Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 ATSG, jedoch 

frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt. Die Rente wird 

vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Art. 29 

Abs. 1 und 3 IVG).

4.3  Aufgrund der vorliegenden medizinischen Berichte ist davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin bereits seit einigen Jahren erheblich in ihrer Leistungsfähigkeit 

eingeschränkt ist (vgl. insb. IV-act. 11-1, 11-4, 28). Gemäss Dr. G.___ kann der Beginn 

der psychischen Störung auf das Jahr 2006 festgelegt werden, wobei von einem 

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stabilen Gesundheitsschaden auszugehen ist (vgl. IV-act. 35-10). Nachdem das 

Wartejahr im Jahr 2006 begonnen hat (vgl. auch die Verfügung vom 27. September 

2011, IV-act. 57) und den Akten darüber hinaus keine Hinweise zu entnehmen sind, 

dass die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich durchschnittlich unter 40% 

arbeitsunfähig gewesen ist, entstand der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin 

sechs Monate nach verspätet erfolgter Anmeldung vom 3. März 2010 (IV-act. 1). Somit 

ist der Rentenbeginn auf den 1. September 2010 festzusetzen.

5.   

5.1  Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 27. September 2011 

aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. September 2010 eine 

ganze Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung des Rentenbetrages sowie 

zur Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen. Eine raschmögliche Überprüfung der gesundheitlichen Situation und 

Leistungsfähigkeit der Versicherten, wie sie vom Gutachter vorgeschlagen wurde (vgl. 

IV-act. 35-10), erscheint in der vorliegenden Angelegenheit als sinnvoll, dies auch unter 

Berücksichtigung der Tatsache, dass Dr. G.___ die der Beschwerdeführerin nicht 

zumutbare Gefahr der Dekompensation unter Berücksichtigung der bei Begutachtung 

aktuellen Belastung durch Familie und Haushalt erkenne.

5.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte 

Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 

600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.

5.3  Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und 

ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechts­

pflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO 

(sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Bedeutung und Komplexität 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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der vorliegenden Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von 

pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).

 

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.      Der Beschwerdeführerin wird mit Wirkung ab 1.September 2010 eine ganze 

Rente zugesprochen; die Sache wird zur Festsetzung des Rentenbetrages an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit Fr. 3'500.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 22.08.2013
	Art. 28 IVG. Würdigung eines Gutachtens. Anspruch auf eine ganze Rente bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. August 2013, IV 2011/330). Teilweise aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2013.

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		2025-07-19T10:30:47+0200
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