# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9da05d58-9ac3-5181-b4e2-e6694a59cc0b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-15
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 15.08.2019 SK 2018 211
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-211_2019-08-15.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil 
SK 18 211 + 212

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 15. August 2019 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Schwendener (Präsidentin i.V.), 
Oberrichter Guéra, Oberrichterin Falkner
Gerichtsschreiberin Volknandt

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
vertreten durch Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilklägerin 1

und

E.________
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. F.________

Straf- und Zivilklägerin 2

und

G.________

Zivilkläger

2

Gegenstand sexuelle Nötigung, versuchte Gefährdung des Lebens, einfache 
Körperverletzung, Diebstahl etc. sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 5. April 2018, berichtigt am 2. Mai 2018 
(PEN 17 889)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil
Mit Urteil vom 5. April 2018 sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht) 
A.________ (nachfolgend Beschuldigter) von den Anschuldigungen der Gefährdung des 
Lebens, angeblich begangen am 9. Juli 2016 in Bern zum Nachteil von C.________ (Straf- 
und Zivilklägerin 1) und der Hehlerei, angeblich begangen am 29. November 2016 in Biel 
an einem GPS-Gerät «TomTom» sowie im November 2016 in Bern an einem Samsung 
Galaxy S5 mini, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Ver-
fahrenskosten, frei (pag. 1584, Ziff. I. des angefochtenen Urteils). 

Hingegen erklärte das Regionalgericht Bern-Mittelland den Beschuldigten schuldig der 
sexuellen Nötigung, qualifiziert begangen am 9. Juli 2016 in Bern zum Nachteil von 
C.________, der versuchten Gefährdung des Lebens und der einfachen Körperverletzung, 
beides begangen am 28. August 2016 in Bern zum Nachteil von E.________ (Straf- und 
Zivilklägerin 2), des Diebstahls, teilweise geringfügig und mehrfach begangen, der Hehle-
rei, begangen Ende Juli/Anfang August 2016 in Bern, der Sachbeschädigung, begangen 
zwischen dem 19. November und 20. November 2016 in Bern zum Nachteil von 
I.________, des Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen, der Widerhandlungen gegen 
das Ausländergesetz, begangen in der Zeit zwischen dem 20. Oktober 2016 und dem 4. 
Februar 2017 in Bern und anderswo durch rechtswidrigen Aufenthalt, der Widerhandlun-
gen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen zwischen dem 9. und dem 
11. August 2019 in Bern sowie zwischen dem 20. und 23. August 2016 in Biel durch Ent-
wendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch zum Nachteil von J.________ und 
K.________ GmbH der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach 
begangen in der Zeit zwischen dem 5. Mai 2016 und dem 4. April 2017 in Bern oder an-
derswo durch Konsum von Kokain und Marihuana und der Widerhandlungen gegen das 
Personenbeförderungsgesetz, mehrfach begangen am 1. November und am 4. November 
2016 durch Fahren ohne gültigen Fahrausweis zum Nachteil der L.________ AG. Das 
Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den Beschuldigten in Anwendung der einschlä-
gigen Gesetzesbestimmungen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren, teilweise als 
Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 15. November 2016. 
Weiter verurteilte es den Beschuldigten zu einer Übertretungsbusse von CHF 2‘000.00. 
Des Weiteren auferlegte es ihm die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 
44‘767.20 (pag. 1584 f., Ziff. II. des angefochtenen Urteils). 

Weiter widerrief das Regionalgericht Bern-Mittelland den mit Urteil der Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland vom 19. August 2016 für eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 
30.00 gewährten bedingten Vollzug und auferlegte dem Beschuldigten die Verfahrenskos-
ten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 (pag. 1587, Ziff. III. des angefochtenen 
Urteils).

Im Zivilpunkt verurteilte das Regionalgericht Bern-Mittelland den Beschuldigten zur Bezah-
lung von CHF 12‘000.00 Genugtuung zuzüglich 5% Zins seit dem 9. Juli 2016 sowie zur 
Bezahlung von Schadenersatz von CHF 750.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 3. April 2018 
an C.________. Zudem verurteilte es ihn zur Bezahlung von CHF 4‘000.00 Genugtuung 

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zuzüglich 5% Zins seit dem 28. August 2016 an E.________ sowie zur Bezahlung von 
CHF 3‘845.60 zuzüglich 5% Zins seit dem 13. März 2018 an G.________ (pag. 1590, Ziff. 
V. des angefochtenen Urteils). 

Am 2. Mai 2018 berichtigte das Regionalgericht Bern-Mittelland sein Urteil betreffend die 
Höhe der amtlichen Entschädigung von Rechtsanwalt B.________ und der Verfahrenskos-
ten. Darüber hinaus verfügte es, dass das nicht beschlagnahmte Bussendepositum von 
CHF 75.00 dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zu überweisen sei 
(pag. 1702 f.). 

2. Berufung
Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt 
B.________, am 13. April 2018 fristgerecht Berufung an (pag. 1688) und erweiterte diese 
mit Eingabe vom 9. Mai 2018 sogleich auf die Urteilsberichtigung vom 2. Mai 2018 (pag. 
1705). Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung vom 29. Mai 
2018 (pag. 1708) reichte der Beschuldigte am 15. Juni 2018 form- und fristgerecht seine 
Berufungserklärung ein und teilte mit, dass er das Urteil nur in Teilen anfechte (pag. 1719 
ff.). Die Berufung beschränkte sich auf die Schuldsprüche wegen sexueller Nötigung, der 
versuchten Gefährdung des Lebens, der einfachen Körperverletzung, des Diebstahls (vom 
04.06.2016, 29.10.2016, 19./20.11.2016, 01.09.2016, 31.10.2016), der Sachbeschädi-
gung, des Hausfriedensbruchs (vom 01.09.2016 u. 07.10.2016), die Bemessung der Stra-
fe, den Widerruf, die Zivilklage und sämtliche damit einhergehenden Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen (pag. 1719 ff.). Mit Verfügung vom 18. Juni 2018 wurde der General-
staatsanwaltschaft und den Straf- und Zivilklägerinnen Gelegenheit eingeräumt, An-
schlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu bean-
tragen (pag. 1729 f.). Am 25. Juni 2018 teilte G.________ (Zivilklägerin) mit, dass auf die 
Erklärung der Anschlussberufung verzichtet werde und an der Zivilforderung im Umfang 
von CHF 3‘845.60 zuzüglich Zins von 5% seit dem 13. März 2018 festgehalten werde 
(pag. 1735). Mit Schreiben vom 3. Juli 2018 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass 
sie kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten beantrage und schloss sich der 
Berufung des Beschuldigten an. Ihre Anschlussberufung beschränkte sie auf den Frei-
spruch von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens, angeblich begangen am 9. 
Juli 2016 in Bern zum Nachteil von C.________ und die Strafzumessung (pag. 1737 f.). 
Die Straf- und Zivilklägerinnen teilten jeweils mit Schreiben vom 9. Juli 2018 und vom 11. 
Juli 2018 mit, dass aufgrund von Unsicherheiten betreffend Kostenfragen auf eine eigene 
Anschlussberufung verzichtet werde und keine Gründe für ein Nichteintreten auf die Beru-
fung des Beschuldigten vorliegen würden (pag. 1740; pag. 1742). Mit Verfügung vom 13. 
Juli 2018 wurde sämtlichen Parteien Gelegenheit eingeräumt, ein Nichteintreten auf die 
Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft zu beantragen (pag. 1444 f.). Der Be-
schuldigte und C.________ teilten jeweils mit, dass keine Gründe für ein allfälligen Nicht-
eintreten auf die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft vorliegen würden (pag. 
1750; pag. 1752). Die übrigen Parteien liessen sich nicht vernehmen. 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen und Berufungsverhandlungen 
Mit Berufungserklärung vom 15. Juni 2018 beantragte Rechtsanwalt B.________, es seien 
für die oberinstanzliche Hauptverhandlung sachverständige Personen vorzuladen, welche 
sich zu den bisherigen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (nachfolgend IRM) vom 

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9. Januar 2017 (Nr. 16-12624-Q), 10. Mai 2017 (Nr. 17-03784-Q) und 10. Juli 2017 (Nr. 
17-04890-Q u. 17-03784-Q) fachkundig, insbesondere auch aus mathemati-
scher/statistischer Sicht, äussern könnten. Weiter sei der Beschuldigte anlässlich der obe-
rinstanzlichen Hauptverhandlung zur Sache zu befragen und es sei ein – wenn möglich 
aus Marokko stammender Übersetzer – beizuziehen, welcher Marokkanisch-Arabisch 
spreche (pag. 1722 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft führte in ihrer Stellungnahme zu der 
beantragten Vorladung von sachverständigen Personen zusammengefasst aus, dass es 
sich bei den Gutachten des IRM nicht um die einzigen Beweismittel handle. Die Gutachten 
seien klar, vollständig und überzeugend. Der Beizug von sachverständigen Personen bzw. 
Mathematiker/Statistiker erweise sich als nicht notwendig, weshalb der Beweisantrag ab-
zuweisen sei. Hingegen sei der Beweisantrag auf Befragung des Beschuldigten anlässlich 
der Berufungsverhandlung gutzuheissen (pag. 1739). Die beiden Straf- und Zivilklägerin-
nen haben sich – soweit die Abweisung des Antrags auf Vorladung von sachverständigen 
Personen betreffend – den Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft angeschlossen 
(pag. 1740; pag. 1742). Mit Beschluss vom 31. August 2018 wies die Kammer den Bewei-
santrag des Beschuldigten auf Vorladung sachverständiger Personen ab. Dagegen hiess 
sie den Beweisantrag des Beschuldigten, dieser sei anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung zur Sache zu befragen, gut (pag. 1777 ff.). 

Von Amtes wegen wurden ein aktueller Strafregisterauszug und ein aktueller Führungsbe-
richt eingeholt (pag. 1820 f.; pag. 1845 f.). 

Die auf den 16. bis 18. Januar 2019 angesetzte oberinstanzliche Verhandlung wurde infol-
ge unfallbedingten Ausfalls eines Kammermitglieds und mangels kurzfristiger Ersatzmög-
lichkeit abgesetzt (pag. 1836 ff.).  

Auf Antrag der beiden Straf- und Zivilklägerinnen (pag. 1825 fff.; pag. 1832 ff.) und ohne 
Einwände der übrigen Parteien wurde mit Verfügung vom 14. Februar 2019 für die Dauer 
der Einvernahme eine Vermeidung der Konfrontation der Straf- und Zivilklägerinnen mit 
dem Beschuldigten angeordnet, im Übrigen die Möglichkeit der Dispensation eingeräumt 
und der Ausschluss der Öffentlichkeit (mit Ausnahme der Urteilseröffnung) in Aussicht 
gestellt. Gleichzeitig wurde zum neuen Verhandlungstermin geladen und die Zusammen-
setzung der Kammer bekannt gegeben (pag. 1893 ff.). 

Mit Eingabe vom 29. Mai 2019 reichte der Beschuldigte ein Schreiben von 
Dr. M.________ des Instituts für Forensische Genetik, D-48161 Münster, vom 6. Mai 2019 
ein und beantragte, dieses sei als Beweismittel zu den Strafakten zu nehmen (pag. 1907 
ff.). 

Am 18. Juni 2019 führte die Vorsitzende ein Telefongespräch mit Dr. phil. nat. 
N.________, .________ IRM, wovon sie ein Verbal verfasste, welches noch gleichentags 
den Parteien mittels Fax zugestellt wurde (pag. 1933 f.). 

Die Berufungsverhandlung fand am 19. Juni 2019 statt. Eingangs wurden die Anträge der 
Straf- und Zivilklägerinnen auf Ausschluss der Öffentlichkeit gutgeheissen. Weiter hiess 
die Kammer den Antrag des Beschuldigten, das Schreiben / Parteigutachten von Dr. 
M.________ des Instituts für Forensische Genetik, vom 6. Mai 2019 zu den Akten zu 
nehmen, gut. Dagegen wies die Kammer den Antrag des Beschuldigten auf Bestellung 
einer neuen Übersetzung ab (pag. 1943). Weiter wurden die beiden Straf- und Zivilkläge-
rinnen unter Gewährung der Konfrontationsvermeidung gegenüber dem Beschuldigten 

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sowie der Beschuldigte einvernommen. Im Anschluss an die Einvernahmen stellte 
Rechtsanwalt B.________ insgesamt vier weitere Beweisanträge. Diesbezüglich erging 
folgender Beschluss: Es wurde mit Bezug auf das Verbal vom 18. Juni 2019 und im Hin-
blick auf die Frage nach der Bedeutung des Dr. phil. nat. N.________ unterbreiteten Sat-
zes «Die beim Abgleich gefundenen Kandidaten wurden bewertet und unter der PCN .________ am 
22.12.2016 weitergeleitet» im Gutachten IRM-Nr. 16-11744-Q vom 22.12.2016, S. 3 oben 
(pag. 601) ein Ergänzungsgutachten bei Dr. phil. nat. N.________ eingeholt. Soweit wei-
tergehend wurde der Antrag des Verteidigers abgewiesen. Zudem wurden die Anträge auf 
Edition der Asylakten des Beschuldigten und auf Abklärungen im Regionalgefängnis Thun 
betreffend der Casquette des Beschuldigten gutgeheissen. Schliesslich hiess die Kammer 
in Anbetracht der neu anzusetzenden Fortsetzungsverhandlung den Antrag auf Einver-
nahme des Beschuldigten unter Beizug eines anderen marokkanisch-arabischen Überset-
zers gut (pag. 1965). 

Im Hinblick auf die Fortsetzungsverhandlung wurden die Asylakten des Beschuldigten 
beim Staatssekretariat für Migration (SEM) ediert (pag. 2006 ff.), ein aktueller Führungsbe-
richt (inkl. Beantwortung der Fragen betreffend die Casquette des Beschuldigten; pag. 
2063 ff.) sowie ein aktueller Strafregisterauszug (pag. 2070 f.) eingeholt. Das Ergänzungs-
gutachten des IRM vom 26. Juli 2019 ist am 31. Juli 2019 beim Obergericht eingelangt 
(pag. 2073 ff.). Mit Verfügung vom 31. Juli 2019 wurde den Parteien die Gelegenheit ein-
geräumt, allfällige weitere Ergänzungsfragen- und/oder Erläuterungsfragen zu dieser Ex-
pertisenergänzung zu stellen (pag. 2087 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft sowie die 
Straf- und Zivilklägerinnen teilten mit, dass sie weder Ergänzungsfragen zum Ergänzungs-
gutachten noch an die sachverständige Person Dr. ès. Sc. H.________, welcher als sach-
verständige Person zur Fortsetzungsverhandlung vorgeladen wurde, hätten (pag. 2094; 
pag. 2095; pag. 2097; pag. 2098; pag. 2105). Rechtsanwalt B.________ liess der Kammer 
seine Ergänzungsfragen an die sachverständige Person mit Eingabe vom 5. August 2019 
zukommen (pag. 2100 ff.); zum forensisch-molekularbiologischen Ergänzungsgutachten 
habe er derzeit keine Ergänzungs- und/oder Erläuterungsfragen (pag. 2107). 

Die Fortsetzungsverhandlung fand vom 13. bis zum 15. August 2019 statt, in Anwesenheit 
einer anderen Übersetzerin (marokkanisch-arabisch), gegen die keine Einwände vorge-
bracht wurden. 

Anlässlich der Fortsetzungverhandlung stellte Rechtsanwalt B.________ die Anträge, es 
sei ein Zeitungsartikel der neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 4. November 2011 mit dem 
Titel «Arabisch ist nicht Arabisch» zu den Akten zu erkennen und es sei ein Obergutach-
ten einzuholen, welches sich insbesondere zu den dem Sachverständigen im Rahmen der 
Fortsetzungsverhandlung gestellten Fragen äussere (pag. 2127). Zur Begründung des 
zweiten Beweisantrags führte Rechtsanwalt B.________ insbesondere aus, dass das IRM 
nicht die richtige Stelle sei, um sich mit Fragen des Tactical Search und der Y-STR-Profile 
zu befassen. Es könne nicht angehen, dass sich der Sachverständige bei Prof. 
O.________ habe erkundigen müssen, um Fachwissen abzuholen, über welches er selbst 
nicht verfüge. 

Die Kammer hat den Zeitungsartikel der NZZ zu den Akten erkannt und den Antrag auf 
Erstellung eines Obergutachtens abgewiesen. Ob ein Gericht die im Gutachten enthalte-
nen Erörterungen für überzeugend hält oder nicht und ob es dementsprechend den 
Schlussfolgerungen des Experten folgen oder ein Ergänzungsgutachten bzw. eine Ober-

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expertise einholen soll, ist eine Frage der Beweiswürdigung. Ursprüngliche wie auch allen-
falls durch eine andere sachverständige Person erstellte weitere Gutachten haben im 
Rahmen der freien Beweiswürdigung gleichen Stellenwert. Die Erstellung eines 
Obergutachtens kann dann gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserun-
gen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des 
Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen (BGE 125 V 351). In antizipierter Würdigung der 
vorhandenen Gutachten, der Ausführungen des Sachverständigen H.________ und der 
schriftlichen Ausführungen von Dr. M.________  drängt sich ein Obergutachten vorliegend 
nicht auf. Die gerichtlichen Gutachten entsprechen den Anforderungen an Vollständigkeit, 
Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit. Die Ausführungen von Dr. M.________ stehen bei 
genauer Betrachtung dazu nicht im Widerspruch. Insbesondere stellen sie keine der 
Schlussfolgerungen des IRM derart in Frage, dass diese als Grundlage der Beweiswürdi-
gung nicht mehr taugen würden. Der Sachverständige legte zudem anlässlich der Fortset-
zungsverhandlung offen, dass es das erste Mal gewesen sei, dass er und das IRM-Labor 
im Rahmen eines gerichtlichen Gutachtens einen Tactical Search erstellt und daraufhin 
mittels Y-STR-Profil den Spurengeber weiter recherchiert hätten. In diesem Zusammen-
hang habe er mit Prof. O.________, Kontakt aufgenommen. Der Sachverständige ver-
mochte nachvollziehbar darzulegen, wie wichtig es aus naturwissenschaftlicher Sicht sei, 
sich in einem solchen Fall mit anderen Fachspezialisten kurzuschliessen und auszutau-
schen. Teamarbeit und Wissensaustausch sei essentiell für sorgfältige Gutachtensarbeit. 
Dieser Austausch und die Rücksprache mit Prof. O.________ sprechen nach Auffassung 
der Kammer eben gerade für die hohe Qualität der Gutachten. Der Sachverständige ver-
mochte sodann nachvollziehbar zu erklären, dass der Tactical Search grundsätzlich wie 
eine normale Datenbankabfrage autosomaler DNA-Profile funktioniere und die Fehlerquel-
le aufgrund der verwendeten KIT minim sei. Es liegen mithin keine Anhaltspunkte dafür 
vor, dass die Gutachten contra legem artis erstellt worden wären.  

4. Anträge der Parteien
Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete an der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 13. August 2019 folgende Anträge (pag. 2129 ff.):

«I. Rechtskraft

Es sei festzustellen, dass die Ziffern I.2. (Freisprüche vom Vorwurf der Hehlerei), II.4.2, II.4.4, II.4.6, II.4.8, 
II.4.10 (Schuldsprüche wegen Diebstahls, teilweise als geringfügiges Vermögensdelikt), II.5 (Schuldspruch 
wegen Hehlerei), II.7.3 und II.7.4 (Schuldsprüche wegen Hausfriedensbruch), II.8 (Schuldspruch wegen Wi-
derhandlungen gegen das Ausländergesetz), II.9 (Schuldsprüche wegen Widerhandlungen gegen das Stras-
senverkehrsgesetz durch Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch), II.10 (Schuldspruch wegen 
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz), II.11 (Schuldspruch wegen Widerhandlungen gegen das 
Personenbeförderungsgesetz) sowie VI.2 und VI.3 (Verfügung über die beschlagnahmten Gegenstände) des 
Urteils vom 05.04.2018 (PEN 17 889 inkl. Ziffer 2 der Urteilsberichtigung vom 02.05.2018 in Rechtskraft er-
wachsen sind. 

II. Einstellung des Strafverfahrens

Das Strafverfahren gegen A.________ wegen Diebstahl, angeblich mehrfach geringfügig begangen

1. Am 01.09.2016 in Biel (P.________ (Strasse)) zum Nachteil Q.________ AG (Ziffer I.6.7 der 
Anklageschrift/Ziffer II.4.7 des Urteils) und

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2. Am 31.10.2016 in Biel (P.________ (Strasse) zum Nachteil der Q.________ AG (Ziffer I.6.9 der 
Anklageschrift/Ziffer II.4.9 des Urteils)

Sei ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten für das erstinstanz-
liche Verfahren einzustellen. 

III. Freisprüche

A.________ sei unter Ausscheidung der entsprechenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten im Umfang von 
mindestens 9/10 zulasten des Kantons Bern freizusprechen von den Vorwürfen

1. der sexuellen Nötigung, (angeblich) qualifiziert begangen (Art. 189 Abs. 3 StGB), evtl. sexuelle 
Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 09.07.2016 in Bern, R.________, zum 
Nachteil C.________ (Ziffer I.1. der Anklageschrift/Ziffer II.1 des Urteils)

2. der Gefährdung des Lebens, evtl. Versuch dazu (Art. 129, evtl. i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), an-
geblich begangen am 09.07.2016 in Bern, R.________, zum Nachteil C.________ (Ziffer I.2. der 
Anklageschrift/Ziffer I.1. des Urteils)

3. der Gefährdung des Lebens, evtl. Versuch dazu (Art. 129, evtl. i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, an-
geblich begangen am 28.08.2016 in Bern, S.________ (Strasse), zum Nachteil E.________ (Zif-
fer I.4. der Anklageschrift/Ziffer II.2. des Urteils)

4. der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 28.08.2016 in 
Bern, S.________ (Strasse), zum Nachteil E.________ (Ziffer I.4. der Anklageschrift/Ziffer II.3 
des Urteils)

5. des Diebstahls (Art. 139 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 04.06.2016 in Oberkirch (Zug-
strecke Emmenbrücke nach Sursee) zum Nachteil T.________ (Ziffer I.6.1 der Anklage-
schrift/Ziffer II.4.1 des Urteils)

6. des Diebstahls (Art. 139 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 29.10.2016 in Spiez (Bahnhof) 
zum Nachteil von U.________ (Ziffer I.6.3 der Anklageschrift/Ziffer II.4.3 des Urteils)

7. des Diebstahls (Art. 139 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 19.11.2016 und dem 20.11.2016 
in Bern zum Nachteil I.________ (Ziffer I.6.5 der Anklageschrift/Ziffer II.4.5 des Urteils)

8. der Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB), angeblich geringfügig (Art. 172ter abs. 1 StGB) 
begangen zwischen dem 19.11.2016 und dem 20.11.2016 in Bern zum Nachteil I.________ (Zif-
fer I.9 der Anklageschrift/Ziffer II.6 des Urteils)

9. des Hausfriedensbruchs (Art. 186 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 01.09.2016 in Biel 
(P.________ (Strasse)) zum Nachteil V.________ (Ziffer I.10.1 der Anklageschrift/Ziffer II.7.1 
des Urteils)

10. des Hausfriedensbruchs (Art. 186 Abs. 1 StGB), angeblich begangen am 07.10.2016 in Biel 
(W.________ (Strasse)) zum Nachteil X.________ AG (Ziffer I.10.1 [recte: I.10.2] der Anklage-
schrift/Ziffer II.7.2 des Urteils).

IV. Schuldsprüche/Verurteilung

Hingegen sei A.________ aufgrund der rechtskräftigen Schuldsprüche in Anwendung der entsprechenden 
Bestimmungen sowie teilweise als Zusatzstrafe zu den zwischenzeitlich ergangenen Urteilen der Staatsan-
waltschaft Bern-Mittelland vom 19.08.2016 (BM 16 33046) und der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 
09.08.2016 (3A 2016 4849) zu verurteilen:

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1. Zu einer bedingten Geldstrafe von 75 zu je CHF 10.00, unter Anrechnung der Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft im Umfang von 75 Tagen. 

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung sei auf 7 Tage festzusetzen, unter Anrechnung der Untersuchungs- und Sicherheitshaft 
im Umfang von 7 Tagen. 

3. Zu den auf die Schuldsprüche entfallenden anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
im Umfang von höchstens 1/10. 

V. Verfahrenskosten des Berufungsverfahrens

Die Verfahrenskosten des oberinstanzlichen (Berufungs-)Verfahrens seien vom Kanton Bern zu tragen. 

VI. Sicherheitshaft

Herr A.________ sei umgehend aus der Sicherheitshaft zu entlassen. 

VII. Entschädigungsforderung

A.________ sei eine Genugtuung für die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft im Umfang von 
mindestens 808 Tagen zu mindestens CHF 200.00 pro Tag, d.h. insgesamt mindestens CHF 161‘600.00, zzgl. 
Zins seit dem 7. März 2017, zuzusprechen. 

VIII. Zivilklagen

Die Zivilklagen

1. von Frau C.________ vom 12. März 2018 und

2. von Frau E.________ vom 23. März 2018 sowie

3. des G.________ vom 16. März 2018 resp. vom 20. Juni 2019 
seien ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung abzuweisen (Zif-
fer V. des Urteils). 

IX. Widerrufsverfahren

Die mit Urteil (Strafbefehl) der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 19.08.2016 (BM 16 33046) bedingt 
ausgesprochene Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00 sei ohne Ausrichtung einer Entschädigung und 
ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten nicht zu widerrufen (Ziffer III. des Urteils). 

X. Weitere Verfügungen

1. Die für das erstinstanzliche Verfahren in Ziffer IV.1.1 des erstinstanzlichen Urteils festgesetzte 
amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung sei im gleichen Verhältnis wie die Verfah-
renskostenausscheidung (mindestens 9/10) nicht der Rückzahlungspflicht von A.________ zu 
unterwerfen. 

2. Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ für das oberinstanzli-
che (Berufungs-)Verfahren sei gemäss Kostennote vom 13. August 2019 festzusetzen, ohne 
Rückzahlungspflicht von A.________. 

3. A.________ sei das am 22.03.2017 beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung (weiss) inkl. Lade-
gerät mit Kabel (Samsung) herauszugeben. 

4. Weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen.»
Staatsanwältin Y.________ stellte und begründete ihrerseits die folgenden Anträge 
(pag. 2136 ff.):

10

«I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht in 
Fünferbesetzung) vom 05.04.2018 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. des Freispruchs von der Anschuldigung der Hehlerei, angeblich begangen am 29. November 
2016 an einem GPS-Gerät TomTom und im November 2016 an einem Samsung Galaxy S5 mi-
ni;

2. der Schuldsprüche wegen mehrfachen Diebstahls, z.N. Z.________ (DB CHF 505.00), 
AA.________ (DB CHF 382.00) und AB.________ AG (DB CHF 699.00), V.________ (DB CHF 
182.75), X.________ AG (DB CHF 4.70) und X.________ AG (DB CHF 15.20), mehrfachen 
Hausfriedensbruchs, z.N. Z.________ und X.________ AG, Widerhandlungen gegen das Aus-
ländergesetz, Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, Widerhandlungen gegen 
das Betäubungsmittelgesetz und Widerhandlungen gegen das Personenförderungsgesetz;

3. der weiteren Verfügungen betreffend Einziehung zur Vernichtung bzw. Herausgabe der be-
schlagnahmten Gegenstände an C.________. 

II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der sexuellen Nötigung, qualifiziert begangen am 9. Juli 2016 in Bern z.N. von C.________;

2. der Gefährdung des Lebens, begangen am 9. Juli 2016 in Bern z.N. von C.________;

3. der versuchten Gefährdung des Lebens, begangen am 28. August 2016 in Bern z.N. von 
E.________;

4. der einfachen Körperverletzung, begangen am 28. August 2016 in Bern z.N. von E.________;

5. des Diebstahls, teilweise geringfügig und mehrfach begangen
5.1 am 4. Juni 2016 z.N. von T.________ (DB CHF 299.00),

5.2 am 29. Oktober 2016 z.N. von U.________ (DB CHF 1‘474.00),

5.3 zwischen dem 19. und dem 20. November 2016 z.N. von I.________ (DB CHF 220.00),

5.4 am 1. September 2016 z.N. von Q.________ AG (DB CHF 69.90),

5.5 am 31. Oktober 2016 z.N. Q.________ AG (DB CHF 59.90);

6. der Sachbeschädigung, begangen zwischen dem 19. und dem 20. November 2016 in Bern z.N. 
von I.________ (Schaden CHF 300.00);

7. des Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen

7.1 am 1. September 2016 z.N. V.________,

7.2 am 7. Oktober 2016 z.N. X.________ AG. 

III.

A.________ sei gestützt hierauf sowie gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche in Anwendung von Art. 2 
abs. 2, 22,40, aStGB, Art. 47, 49 Abs. 1 und 2, 51, 106, 123 Abs. 1, 129, 139 Ziff. 1 i.V.m. Art. 172ter, 144 abs. 
1 i.V.m. Art. 172ter, 160 Ziff. 1, 186, 189 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB; Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG; Art. 94 Abs. 1 lit. 
a SVG; Art. 19a Ziff. 1 BetmG; Art. 57 abs. 3 PBG; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

11

1. zu einer Freiheitsstrafe von 81 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 15. November 2016 und unter Anrechnung der ausge-
standenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft seit dem 7. März 2017;

2. zu einer Busse von CHF 2‘000.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 20 Tage), teilweise als zusatzstrafe zu 
den urteilen der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 19. August 2016 und vom 
15. November 2016;

3. zur Bezahlung der gesamten erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine ange-
messene Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

IV.

Der A.________ mit Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 19. August 2016 für eine Geldstrafe von 
25 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug sei kostenfällig zu widerrufen. 

V.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. A.________ sei in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 Abs. 1 Bst. a StPO).

2. Die Honorare der amtlichen Verteidiger seien gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. .________, .________, 
.________, .________) sei nach Ablauf der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen 
(Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG). 

4. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sei 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).»

MLaw AC.________ stellte und begründete als Substitutin von Fürsprecherin D.________ 
ihrerseits folgende Anträge (pag. 2142 f.):

«1. A.________ sei schuldig zu erklären

1.1 der sexuellen Nötigung, qualifiziert begangen am 09. Juli 2016 in Bern zN von C.________ 
gemäss Ziffer I.1. AKS;

1.2 der Gefährdung des Lebens, begangen am 09. Juli 2016 in Bern zN vin C.________ 
gemäss Ziffer I.2 AKS;

2. A.________ sei streng zu bestrafen. 

3. A.________ sei zu verurteilen

3.1 zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten;

3.2 zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 12‘000.00, nebst Zins zu 5% seit dem 09. Juli 
2016, an C.________;

3.3 zu den erst- und oberinstanzlichen Parteikosten von C.________ gemäss Kostennoten.

4. Die beschlagnahmten Kleider und Schuhe von C.________ seien ihrer amtlichen Anwältin nach 
Eintritt der Rechtskraft des Urteils herauszugeben. 

5. Das erst- und das oberinstanzliche amtliche Honorar der amtlichen Anwältin von C.________ sei 
gestützt auf die eingereichten Honorarnoten gerichtlich zu bestimmen.»

12

Rechtsanwalt F.________ stellte und begründete schliesslich seinerseits die folgenden 
Anträge (pag. 2145):

«A. Zum Strafpunkt

1. Der Beschuldigte A.________ sei durch das Obergericht schuldig zu sprechen wegen ver-
suchter Gefährdung des Lebens und wegen einfacher Körperverletzung zum Nachteil von 
E.________. 

2. Folglich ist der Beschuldigte durch das Obergericht angemessen hart zu bestrafen. 
B. Zum Zivilpunkt

1. Die Zivilklage vom 23. März 2018 sei unter Kosten- und entschädigungsfolgen vollumfäng-
lich gutzuheissen. 

2. Demgemäss ist der Beschuldigte durch das Obergericht zu verurteilen, dem Opfer eine 
Genugtuung in gerichtlich zu bestimmender Höhe, mindestens jedoch CHF 5‘000.00 zuzgl. 
Zins zu 5% seit dem angeklagten Vorfall zu bezahlen.»

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer
Das erstinstanzliche Urteil ist insofern in Rechtskraft erwachsen, als der Beschuldigte von 
der Anschuldigung der Hehlerei, angeblich mehrfach begangen am 29. November 2016 in 
Biel und im November 2016 in Bern, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne 
Ausscheidung von Verfahrenskosten, freigesprochen wurde. 

Infolge der Beschränkungen der Berufung durch Rechtsanwalt B.________ und der An-
schlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft sind die Schuldsprüche wegen Diebstahls, 
teilweise geringfügig und mehrfach begangen zwischen dem 15. und dem 16. September 
2016 in Tramelan, am 4. November 2016 auf der Zugstrecke von Spiez nach Zweisimmen, 
am 1. September 2016, am 7. Oktober 2016 und am 3. November 2016 jeweils in Biel, der 
Hehlerei, begangen Ende Juli/Anfang August 2016 in Bern, des Hausfriedensbruchs, 
mehrfach begangen zwischen dem 15. und dem 16. September 2016 in Tramelan und am 
3. November 2016 in Biel, der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, der Wider-
handlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen zwischen dem 9. 
und dem 11. August 2016 in Bern und zwischen dem 20. und dem 23. August 2016 in Biel, 
der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der Widerhandlungen 
gegen das Personenförderungsgesetz, in Rechtskraft erwachsen. 

Im Übrigen hat die Kammer das gesamte erstinstanzliche Urteil zu überprüfen. Sie verfügt 
dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]) und ist aufgrund der Anschlussberufung – mit Ausnahme des Zivil-
punkts – nicht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) gemäss 
Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil auch zu Ungunsten der beschul-
digten Person abändern. 

6. Gültigkeit der Strafanträge

6.1 Allgemeines
Mit Anklageschrift vom 25. Oktober 2017 wird dem Beschuldigten unter anderem mehrfa-
cher Diebstahl (geringfügig), zum Nachteil der Q.________ AG vorgeworfen. Zu prüfen ist 

13

der Tatbestand des geringfügigen Diebstahls nach Art. 139 Ziffer 1 i.V.m. Art. 172ter des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches in seiner bis zum 31. Dezember 2017 geltenden Fas-
sung (StGB, SR 311.0; zum anwendbaren Recht vgl. Ziff. 13 hiernach). Es handelt sich um 
eine Tat, die nur auf Antrag verfolgt wird. Das Vorliegen eines gültigen Strafantrages ist 
somit Prozessvoraussetzung für das vorliegende Verfahren (vgl. Art. 303 Abs. 1 StPO). 
Die Verfahrensleitung prüft von Amtes wegen, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind 
(Art. 329 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 379 StPO). Kann ein Urteil definitiv nicht ergehen, so 
stellt das Gericht das Verfahren ein, nachdem es den Parteien und weiteren durch die Ein-
stellung beschwerten Dritten das rechtliche Gehör gewährt hat (Art. 329 Abs. 4 Satz 1 
i.V.m. Art. 379 StPO).

Der Beschuldigte soll am 1. September 2016 und am 31. Oktober 2016 jeweils in Biel 
Schuhe im Wert von CHF 69.90 respektive CHF 59.90 an sich genommen und das Ge-
schäft ohne zu bezahlen, verlassen haben. Die Strafanträge datieren vom 1. September 
2016 (pag. 957 f.) und vom 31. Oktober 2016 (pag. 978 f.). Als Geschädigte wird jeweils 
«Q.________» aufgeführt. Den Strafantrag vom 1. September 2016 hat AD.________ und 
jener vom 31. Oktober 2016 AE.________, Filialleiterin, unterzeichnet. 

Vorab gilt es zu prüfen, ob die geschädigte Person korrekt erfasst wurde. Sodann gilt es 
zu prüfen, ob AD.________ und AE.________ berechtigt waren, die Strafanträge zu stel-
len und diese somit Gültigkeit haben.  

6.2 Prüfung im konkreten Fall 
Zu fragen ist einleitend, wer als verletzte Person im Sinne von Art. 30 StGB zu gelten hat. 
In den Strafantragsformularen wird als geschädigte Person je die «Q.________» und in 
der Anklageschrift die «Q.________ AG» genannt. Fest steht, dass «Q.________» eine 
von drei Verkaufskanälen der AF.________ AG darstellt (.________, zuletzt besucht am 
21.10.2019). Es handelt sich dabei um eine Marke und keine Firma, also auch keine juris-
tische Person. Auch wenn die betreffende Filiale vorliegend unter eben dieser Bezeich-
nung aufgeführt ist, so kann als verletzte Person im Sinne von Art. 30 aStGB nur die 
AF.________ AG gelten, welche sodann wegen geringfügigen Diebstahls antragsberech-
tigt gewesen wäre. Auch wenn es sich wie hier in der Hauptsache um eine Bagatelle han-
delt, sind die massgebenden gesetzlichen Formalitäten zu beachten. Bei Antragsdelikten 
ist die Frage nach dem Antragsteller von zentraler Bedeutung. Den ausgefüllten Strafan-
tragsformularen kann die tatsächlich geschädigte Person, vorliegend die AF.________ 
AG, nicht entnommen werden. 

Überdies ist zu prüfen, wer konkret befugt war, namens der verletzten juristischen Person 
Strafantrag einzureichen. Es sind nur jene Personen zur Antragsstellung befugt, die dazu 
berufen sind, die betroffenen Interessen der juristischen Person wahrzunehmen (RIEDO, in: 
Basler Kommentar, Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N. 11 zu Art. 31). Wurde eine juristi-
sche Person verletzt, so richtet sich die Zuständigkeit zur Antragstellung nach deren Or-
ganisation. Die jeweiligen Kompetenzen ergeben sich zunächst aus dem Handelsregister 
bzw. aus den Statuten. Bei einer AG ist der Verwaltungsrat antragsbefugt (RIEDO, a.a.O., 
N. 81 zu Art. 30). Zunächst können juristische Personen des Privatrechts naturgemäss 
nicht selbst, sondern nur durch natürliche Personen handeln. Genau gleich verhält es sich 
in Bezug auf die Kenntnisnahme von Tat und Täter. Entscheidend kann deshalb nur sein, 
in welchem Zeitpunkt eine für die juristische Person handelnde natürliche Person die ent-
sprechende Kenntnis erlangt (sog. Wissensvertretung; RIEDO, a.a.O., N. 10 zu Art. 31). 

14

Aus den Strafantragsformularen geht hervor, dass das eine von AD.________ und das 
andere von AE.________ unterschrieben worden ist. Bei ersterem handelt es sich um ei-
nen Mitarbeiter (pag. 944), wobei letztere als Filialleiterin aufgeführt worden ist. Über ihre 
Vertretungsbefugnisse wurden keine Abklärungen getätigt. Aus den Akten geht nicht her-
vor, dass sie zur alleinigen Unterschrift in Vertretung der AF.________ AG bei Stellung 
eines Strafantrags berechtigt gewesen wären. 

Es ist zu fordern, dass die Staatsanwaltschaft bei unklaren Fällen konkret nachfragt, wer 
als verletzte Person zu gelten hat und wer zur Vertretung sowie zur Stellung eines Strafan-
trags befugt gewesen wäre, bevor ohne weitere Abklärungen die Anklageschrift verfasst 
wird. 

6.3 Fazit 
Vorliegend ist in den Strafantragsformularen weder die verletzte Person korrekt aufgeführt 
worden, noch ist die Vertretungsbefugnis zur Stellung eines Strafantrags von 
AD.________ und AE.________ erwiesen. Die Strafanträge sind somit ungültig. Das 
Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen Diebstahls, angeblich begangen am 1. 
September 2016 und am 31. Oktober 2016 in Biel, ist daher einzustellen. 

II. Sachverhalt, Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung zu den Vorwürfen 
der sexuellen Nötigung (qualifiziert begangen) und der Gefährdung des Le-
bens (evtl. Versuch) zum Nachteil von C.________ sowie der Gefährdung des 
Lebens (evtl. Versuch) und der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von 
E.________

7. Zur Verwertbarkeit der Aussagen des Beschuldigten 
Rechtsanwalt B.________ macht namens des Beschuldigten – wie bereits vor erster In-
stanz – in seiner Berufungserklärung vom 15. Juni 2018 in Ziffer 1.6 geltend, dass sowohl 
die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten anlässlich dessen Befra-
gungen mehrfach suggeriert hätten, die an den Opfern bzw. deren Kleidern gefundenen 
Spuren würden von ihm stammen, obschon das IRM bereits damals in seinen Gutachten 
mehrfach darauf hingewiesen habe, dass die gefundenen Spuren (Y-STR-Profile) nicht 
individualisierend seien, d.h. eben keiner bestimmten Person zugeordnet werden könnten. 
Vorhalte, die auf nicht erwiesenen Tatsachen basieren, würden eine verbotene Täuschung 
darstellen, zumal sie bei der befragten Person einen Irrtum hervorrufen würden. Solche 
Vorhalte würden sowohl dem Fairnessverbot als auch dem Ziel der materiellen Wahrheits-
findung widersprechen und seien entsprechend unzulässig. Antworten auf solche Fragen 
seien absolut unverwertbar (pag. 1726). Diesen Antrag wiederholte Rechtsanwalt 
B.________ im Rahmen der Vorfragen anlässlich der Berufungsverhandlungen vom 
19. Juni 2019 und vom 15. August 2019 (pag. 1941; pag. 2133). 

Zwangsmittel, Gewaltanwendung, Drohungen, Versprechungen, Täuschungen und Mittel, 
welche die Denkfähigkeit oder die Willensfreiheit einer Person beeinträchtigen können, 
sind bei der Beweiserhebung untersagt (Art. 140 Abs. 1 StPO). Bei der Beweiserhebung 
ist eine Täuschung seitens der Strafbehörden unzulässig. Eine verbotene Täuschung be-
steht in einem durch die Strafbehörden hervorgerufenen Irrtum, also in einem Auseinan-
derfallen von Wahrheit und Vorstellung, über Rechtsfragen oder Tatsachen bei der betrof-

15

fenen Person. So dürfen die Strafbehörden das Vorliegen von belastenden Beweismitteln 
(etwa Aussagen von Zeugen oder Mitbeschuldigten, oder das Vorhandensein von DNA-
Spuren) ebenso wenig vorspiegeln, um ein Geständnis oder eine Aussage zu erlangen, 
wie eine Wahrheitspflicht (GLESS, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 2. Aufl. 
2014, N. 47 zu Art. 140). 

Anlässlich der ersten Einvernahme des Beschuldigten durch die Polizei vom 24. Februar 
2017 zu den Vorfällen zum Nachteil der beiden Privatklägerinnen wurde dem Beschuldig-
ten einleitend folgende Information gegeben: «Es ist gegen Sie ein Vorverfahren wegen sexueller 
Nötigung, einfacher Körperverletzung, begangen am 09.07.2016 und ein Vorverfahren wegen Körperverlet-
zung, evtl. versuchte sexuelle Nötigung bzw. evtl. versuchte Vergewaltigung, begangen am 28.08.2016 einge-
leitet worden. Sie werden als beschuldigte Person einvernommen. […].» (pag. 370, Z. 14-17). Der Be-
schuldigte hat daraufhin – ohne Vorhalte oder spurentechnische Erklärungen – auf die 
Frage «Wissen Sie noch, was Sie am Samstag, 09.07.2016 gemacht haben» ohne weiteres Einwirken 
der Polizei geantwortet «Das kann ich nicht sagen, ich kann mich nicht an dieses Datum erinnern. Ich 
weiss, dass ich in der AG.________ ein Problem hatte, aber das Datum kann ich nicht nennen.» und weiter 
«Das war letzten Sommer. Ich hatte ein Problem mit einer Frau.». Daraufhin umschrieb er als zu-
sammenhängendes Ereignis die genauen Umstände, wie sie sich seiner Meinung nach an 
besagtem Sommerabend beim Brunnen neben der AG.________ mit einer jungen Frau 
zugetragen haben sollen (pag. 373, Z. 151-172). Nachdem er dieses Geschehnis darge-
legt hatte, konfrontierte ihn die Polizei wie folgt: «Die Polizei hat diesbezüglich Ermittlungen getätigt 
und sämtliche sichergestellten Spurenträger ausgewertet. Auf einem der sichergestellten Kleidungsstücke 
konnte eine männliche Spur sichergestellt werden. Dieser männliche Spurenhinweis konnte Ihnen zugeordnet 
werden. Was sagen Sie dazu?» (pag. 374, Z. 239-242). Daraufhin sprach die Polizei bei den 
entsprechenden Vorhalten durchwegs von einem Spurenhinweis (pag. 375, Z. 245 u. Z. 
249). Zu keinem Zeitpunkt hat die Polizei dem Beschuldigten explizit oder implizit sugge-
riert, dass er mit diesem Spurenhinweis endgültig überführt werden könne. 

Bezüglich des zweiten Vorfalles vom 28. August 2016 zum Nachteil von E.________ ver-
hält es sich ähnlich. Nachdem dem Beschuldigten ein allgemeiner Vorhalt betreffend des 
Delikts gemacht wurde, wies die Polizei darauf hin, dass er sich gemäss Spurenabklärung 
in dieser Nacht in Bern aufgehalten habe (pag. 376, Z. 330-337). Schliesslich wird dem 
Beschuldigten folgender Vorhalt gemacht: «Die Polizei hat diesbezüglich Ermittlungen getätigt und 
sämtliche sichergestellten Spurenträger ausgewertet. Ab dem Opfer (Halsbereich) konnte der Kriminaltechni-
sche Dienst eine männliche Spur sicherstellen. Diese männlichen Spurenhinweise konnten Ihnen zugeordnet 
werden. Was sagen Sie dazu?» (pag. 377, Z. 352-355). Unmittelbar nach diesem Vorhalt schal-
tete sich der Verteidiger des Beschuldigten ein und wies darauf hin, dass von Spurenhin-
weisen und nicht von Spuren geredet werde. Durch die Polizei wurde bestätigt, dass dies 
so gemeint gewesen sei (Verbal, pag. 377, Z. 357 f.). In der Folge wurde auch hier durch-
wegs von Spurenhinweis gesprochen. Anlässlich der Einvernahme durch die Staatsan-
waltschaft vom 8. August 2017 wurde dem Beschuldigten folgender Vorhalt gemacht: 
«Aufgrund der glaubhaften Aussagen des Opfers und den Ihnen zuordbaren Spurenhinweisen – am BH Innen 
und Aussagen –, gehe ich von folgendem Sachverhalt aus: […].» (pag. 390, Z. 310 f.). Unmittelbar 
darauf wird in einem Verbal festgehalten «Anmerkung von RA B.________: er finde es nicht fair, 
wenn dem Beschuldigten der Vorhalt gemacht wird, da es für ihn so töne, als ob es erwiesenermassen seine 
Spuren wären, was nicht erstellt sei. Das sei bisher auch schon so gemacht worden.» (pag. 391, Z. 312-
314). Auch in der Folge ist stets von Spurenhinweisen die Rede. 

16

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bat Rechtsanwalt B.________ die Vor-
instanz in den Präliminarien darum, dass dem Beschuldigten keine Fragen oder Vorhalte 
gemacht würden, welche diesem suggerieren würden, dass seine Spur an den Opfern 
gefunden worden sei. Dies sei nicht erstellt. In der Spur seien Merkmale gefunden worden, 
die seinen Merkmalen entsprechen würden. Es seien aber nur Merkmale, welche nicht 
einer Person zugeordnet werden könnten. Solche Fragen seien nicht zuzulassen (pag. 
1508). Die mikrobiologischen Spurenhinweise waren bei der Befragung des Beschuldigten 
sodann kein Thema. 

Es kann festgehalten werden, dass die Strafverfolgungsbehörden von Anfang an durch-
wegs von Spurenhinweisen sprachen. Dabei wurde bei keiner Frage je suggeriert, dass es 
sich bei den Spurenfunden um eine zweifelsfrei identifizierende DNA-Spur gehandelt ha-
be. Es ist stets betont worden, dass eine männliche Spur habe sichergestellt werden kön-
nen und dass die sich daraus ergebenden Spurenhinweise dem Beschuldigten hätten zu-
geordnet werden können. Dieser Vorhalt entspricht den Auswertungen des IRM und so ist 
– entgegen den Ausführungen des Verteidigers – mit dieser Zuordnung zu keinem Zeit-
punkt «individualisierend» gemeint gewesen. Zudem wies Rechtsanwalt B.________ be-
reits in der ersten Einvernahme des Beschuldigten auf die Problematik der Spurenhinwei-
se hin und dass es sich dabei nicht um einschlägige, zweifellos identifizierbare Hits ge-
handelt habe. Spätestens nach dieser Intervention seines Verteidigers muss dies auch 
dem Beschuldigten bewusst gewesen sein. Dem Beschuldigten war mithin seit Beginn und 
danach in jeder weiteren Phase des Strafverfahrens klar, um welche Art von Spuren es 
sich handelte. Es gab seitens des Beschuldigten somit keine realistische Restmöglichkeit 
eines Irrtums mehr, aus der eine Täuschung hergeleitet werden könnte. Es sei nochmals 
darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte eingangs der Einvernahme vom 24. Februar 
2016 ohne jegliche Vorhalte von Spurenhinweisen oder ähnlichem spontan und frei ein 
durchgängiges Ereignis, welches sich im Sommer mit einer Frau bei der AG.________, 
genau an jenem Ort, an welchem sich der vorliegend zu beurteilende Vorfall zum Nachteil 
von C.________ ereignet hat, erzählt hat. Als ihm sodann die Spurenhinweise auf dem BH 
vorgehalten wurden, hat der Beschuldigte keine zusätzlichen inkriminierenden Aussagen 
gemacht. Er hat lediglich bereits gemachte Aussagen herangezogen, um die Spurenhin-
weise möglichst günstig zu erklären. Den zweiten Vorfall hat er durchwegs vehement be-
stritten. Die Vorhalte haben die Aussagen des Beschuldigten mithin sowieso zu keinem 
Zeitpunkt massgeblich beeinflusst. 

Insgesamt kann somit festgehalten werden, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht 
aufgrund täuschender Vorhalte zustande gekommen sind. Abschliessend ist zu erwähnen, 
dass der Beschuldigte anlässlich der Fortsetzungsverhandlung unter Beizug einer anderen 
Übersetzerin  sämtliche seiner bisherigen Aussagen bestätigte und inhaltlich keine Ergän-
zungen anbrachte (pag. 2123, Z. 10-21). Sämtliche Aussagen des Beschuldigten sind mit-
hin verwertbar. 

8. Sachverhalt und Beweiswürdigung 

8.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift
Gegenstand der Berufung des Beschuldigten und der Anschlussberufung der General-
staatsanwaltschaft sind unter anderem der Freispruch von der Anschuldigung der Gefähr-
dung des Lebens zum Nachteil von C.________ sowie die Schuldsprüche der qualifizier-

17

ten sexuellen Nötigung, ebenfalls zum Nachteil von C.________, und der versuchten Ge-
fährdung des Lebens sowie der einfachen Körperverletzung, beides zum Nachteil von 
E.________. 

Mit Anklageschrift vom 25. Oktober 2017 wird dem Beschuldigten zur sexuellen Nötigung, 
qualifiziert begangen, evtl. sexuelle Nötigung zum Nachteil von C.________ Folgendes 
vorgeworfen (Ziff. 1 der AKS; pag. 1325 f.):

«Nachdem der Beschuldigte die ihm unbekannte C.________ im Bereich des Brunnens, welcher sich seitlich 
der AG.________ an der AH.________ (Strasse) befindet, in Französischer Sprache ansprach und 
C.________ den Beschuldigten hierauf fragte, was er wolle und ihn aufforderte, sie alleine zu lassen, griff 
A.________ C.________ unvermittelt an und zerrte sie in den Wald hinunter, wo er sie zu Boden drückte, sich 
auf sie setzte, ihr den Mund zuhielt und anschliessend, als C.________ versuchte, zu schreien, sie mit beiden 
Händen zu würgen begann. C.________ versuchte, soweit es ihre Kräfte zuliessen, die Hände des Beschul-
digten von ihrem Hals zu entfernen und zu schreien. Aufgrund des andauernden Würgegriffes und der damit 
einhergegangenen fehlenden Luftzufuhr konnte C.________ jedoch teilweise nicht mehr sprechen. Der Wür-
gegriff verstärkte sich, sobald C.________ versuchte, etwas zu sagen/zu schreien oder sich zu wehren, und 
der Beschuldigte forderte das Opfer auf, ruhig zu sein („tranquille“). C.________ bat den Beschuldigten mehr-
mals in Französischer Sprache, sie in Ruhe zu lassen und von ihr abzulassen, und gab an, dass sie keine Luft 
bekomme und sterben werde. Sie log dem Beschuldigten aus Angst vor, dass sie Asthma habe, keine Luft 
bekomme und ihre Medikamente benötige, was der Beschuldigte jedoch nicht glaubte und ihr stattdessen 
einen Schlag ins Gesicht verpasste. Unter dieser Gewaltanwendung und Bedrohungssituation versuchte der 
Beschuldigte schliesslich, C.________ dazu zu bringen, ihn oral zu befriedigen, indem er ihren Kopf mit seinen 
Händen packte, in der Mitte fixierte und sich mit seinem Körper, insbesondere seinem entblössten Penis, dem 
Kopf des Opfers näherte und versuchte, seinen Penis in den Mund des Opfers einzuführen, was ihm nur des-
halb nicht gelang, weil C.________ den Mund und die Zähne zusammenpresste und mehrmals versuchte, den 
Kopf seitlich wegzudrehen, welchen der Beschuldigte jeweils wieder in die Mitte zu seinem Penis zog. 
C.________ äusserte immer wieder, dass sie keine Luft bekomme, und unterstrich diese Aussage mit einem 
Würgen, um den Beschuldigten zum Weggehen zu bewegen. C.________ versuchte schliesslich, dem Be-
schuldigten mit ihren Fingern in die Augen zu drücken, worauf A.________ C.________ mit der rechten Faust 
ins Gesicht schlug und sie weiterhin würgte. In der Folge zog der Beschuldigte das Opfer an den Beinen weiter 
in den Wald hinunter, wobei es dem Opfer nicht gelang, sich mit den freien Händen im Geäst des Waldbodens 
festzuhalten. Einige Meter weiter unten riss der Beschuldigte die Hose des Opfers im Bereich des Schrittes 
auf. C.________ versuchte, sich mit den Beinen zu wehren und die Hose anzubehalten. Dem Beschuldigten 
gelang es aber trotzdem, die Hose und die Unterhose auszuziehen. Während er das Opfer weiterhin auf den 
Boden drückte und würgte, so dass sich dieses nicht bewegen konnte, berührte A.________ C.________ mit 
den Fingern über, evtl. innen, an den Schamlippen. C.________ versuchte dabei, die Beine zusammenzu-
pressen und den Beschuldigten wegzustossen, was ihr aufgrund der überlegenen Körperkraft des Beschuldig-
ten jedoch nicht gelang. Zu einem unbekannten Zeitpunkt während des Geschehens zog der Beschuldigte 
dem Opfer zudem das T-Shirt und den BH aus, berührte es über und dann unter den Kleidern sowohl am 
Oberkörper als auch an den Brüsten sowie an den Armen, an den Beinen und am Kopf und versuchte, 
C.________ auf den Mund zu küssen. A.________ band C.________ zudem die eine Hälfte des durch den 
Vorfall beschädigten BHs so um den Hals, dass sich der BH-Träger-Versteller vorne am Hals und ein Knoten 
hinten im Nackenbereich des Opfers befand und diesem die Luftzufuhr abschnitt. Plötzlich, nach ungefähr 20 
bis 30 Minuten, liess der Beschuldigte vom Opfer ab, worauf sich C.________ auf die Seite drehte, nach Luft 
schnappte und aufgrund der fehlenden Luftzufuhr würgte. Der Beschuldigte entfernte sich in unbekannte Rich-
tung. Nach einiger Zeit gelang es dem Opfer, sich zu erheben und den Hang hinauf auf die Strasse zu bezwin-
gen, wo es ihm aufgrund der fehlenden Luftzufuhr nur mit Winken gelang, Drittpersonen auf sich aufmerksam 

18

zu machen, welche C.________ schliesslich völlig nackt am Geländer beim Brunnen vorfanden. C.________ 
trug diverse Verletzungen davon, insbesondere in Form von Hautabschürfungen, rötlichen Hautverfärbungen 
und Hämatomen, vorwiegend in der linken Hüftregion, an den Knien und Unterschenkeln, im Bereich des rech-
ten Ellenbogens, am linken Unterarm, an den Händen, am Rücken, am Bauch/Flanke linksseitig, am Hals, im 
Schläfenbereich und an der Lippe. An der Hand, am Rücken, am Ellenbogen und an den Beinen blieben zu-
dem Narben zurück. C.________ hatte nach dem Vorfall während ein bis zwei Wochen mit Schluckbeschwer-
den, Kopfschmerzen und Schmerzen am ganzen Körper zu kämpfen. Ausserdem litt sie ungefähr zwei Monate 
an Husten und war während zwei Wochen arbeitsunfähig. 

Indem A.________ C.________ während dieses Vorfalles minutenlang intermittierend würgte und sie zudem 
mit der einen Hälfte des durch den Vorfall beschädigten BH’s drosselte, so dass das Opfer unter Erstickungs- 
und Todesangst litt und schliesslich unter anderem Würgemale festgestellt werden konnten (vgl. Ziff. 2 nach-
folgend), fügte er C.________ wissentlich und willentlich besonderes physisches und psychisches Leiden zu, 
welches das Mass überschritt, welches notwendig gewesen wäre, den Widerstand des Opfers zu brechen und 
handelte damit grausam.»

Weiter wird dem Beschuldigten zur Gefährdung des Lebens, evtl. Versuch dazu, ebenfalls 
zum Nachteil von C.________, in der Anklageschrift Folgendes vorgeworfen (Ziff. 2 der 
AKS; pag. 1326 f.):

«Während des Geschehens gemäss Ziff. 1 würgte A.________ C.________ während längerer Zeit, respektive 
immer wieder, indem er den Hals von C.________ mit beiden Händen von vorne umfasste und so fest zu-
sammendrückte, respektive Druck ausübte, dass das Opfer teilweise keine Luft mehr bekam, nicht mehr spre-
chen und nicht mehr einatmen konnte. Der Beschuldigte hörte mit dem Würgen auch nicht auf, als das Opfer 
ihm mehrmals sagte, dass es keine Luft bekomme, nach Luft schnappte und mit den Händen, soweit es des-
sen Kräfte zuliessen, die Hände des Beschuldigten von ihrem Hals zu entfernen versuchte. Sobald 
C.________ versuchte, etwas zu sagen/zu schreien oder sich zu wehren, verstärkte der Beschuldigte den 
Würgegriff und forderte sie mit den Worten „tranquille“ auf, ruhig zu sein. Das seitens C.________ aus Angst 
erfundene Asthmaleiden und die dadurch benötigten Medikamente tat der Beschuldigte als Lüge ab. 
C.________ hatte aufgrund der fehlenden Luftzufuhr Erstickungs- und Todesangst. Als sie dem Beschuldigten 
gegenüber äusserte, dass sie sterben werde, meinte dieser, dass das Opfer nicht sterben werde und forderte 
es auf, ruhig zu sein und sich nicht so zu haben. Zu einem unbekannten Zeitpunkt während des Geschehens 
gemäss Ziff. 1 drosselte der Beschuldigte das Opfer zudem, indem er C.________ die eine Hälfte des durch 
den Vorfall beschädigten BHs um den Hals band, so dass sich der BH-Träger-Versteller vorne am Hals und 
ein Knoten hinten im Nackenbereich des Opfers befanden. Die Schnürung war dabei so stark, dass 
C.________ einerseits nicht in der Lage war, den umgebundenen BH selbst von ihrem Hals zu lösen, ohne 
sich dabei die Luftzufuhr noch mehr abzustellen und andererseits an der Halsvorderseite einen Schnitt vom 
BH-Träger-Versteller davontrug. Auch der nach dem Vorfall herbeigeeilten AI.________ gelang es nur mit 
Mühe, den Knoten im Nackenbereich des Opfers zu lösen. Als der Beschuldigte plötzlich von C.________ 
abliess, schnappte diese nach Luft und hatte mit Würgereflexen zu kämpfen, bevor sie sich nach einiger Zeit 
erheben konnte. Gegenüber AI.________ gab C.________ mehrmals an, dass sie keine Luft bekomme und 
Medikamente brauche und fasste sich gleichzeitig an den Hals, wo sich der um ihren Hals geschnürte BH 
befand. Durch dieses Vorgehen schuf der Beschuldigte in besonders rücksichtsloser und gewissenloser 
(=skrupellos) Weise eine für C.________ unmittelbar lebensgefährliche Situation, welche sich durch folgende 
relevanten Strangulationsfolgen begründet: 

- Atemnot und Erstickungs- und Todesangst des Opfers 

19

- Halsschmerzen, zwei Wochen andauernde Schluckbeschwerden sowie ca. zwei Monate andau-
ernder Husten 

- Druckschmerzen im Bereich des Schildknorpels 

- Würgemale (Hämatome, Schwellung an der linken Halsseite, Hautabschürfungen und 
wegdrückbare Hautrötungen sowie vom Opfer im Nachgang festgestellte Blutergüsse seitlich am 
Hals mit Zeichnung der Finger des Täters) 

- Signalveränderung im Bereich der linken Unterkieferspeicheldrüse 

- Erinnerungslücken 

- Allenfalls kurzzeitige Bewusstlosigkeit 

Bezüglich dieser unmittelbaren Lebensgefahr handelte A.________ mit direktem Vorsatz, wobei er darauf 
vertraute, diese werde sich nicht realisieren.»

Ferner wird dem Beschuldigten zur Gefährdung des Lebens, evtl. Versuch dazu, zum 
Nachteil von E.________ in der Anklageschrift Folgendes vorgeworfen (Ziff. 3, pag. 1328 
f.):

«A.________ steuerte zielstrebig auf die sich auf der Treppe vis à vis des AT.________-Gebäudes befindende 
E.________ zu, welche soeben im Wald unterhalb der Treppe uriniert hatte und im Begriff war, die Treppe 
wieder hochzusteigen. Er umfasste mit ausgestrecktem Arm von vorne deren Hals und drückte diesen mit der 
Hand und den Fingern während ungefähr einer bis zwei Minuten zu, so dass E.________ keine Luft mehr 
bekam und mit Atemnot und Todesangst kämpfte. Gleichzeitig versuchte der Beschuldigte, das Opfer den 
Abhang hinunter zu ziehen und zu Boden zu drücken, wobei er jedoch ausrutschte. Obwohl der Beschuldigte 
versuchte, das Opfer mitzureissen, gelang es diesem, sich an einem Ast festzuhalten und anschliessend, als 
sich der Würgegriff durch den Fall des Beschuldigten löste, um Hilfe zu schreien und auf die Strasse zu gelan-
gen. A.________ ergriff nach seinem Sturz und dem Hilferuf seitens E.________ die Flucht Richtung Aare. 
Durch dieses Vorgehen schuf der Beschuldigte in besonders rücksichtsloser und gewissenloser (=skrupellos) 
Weise eine für E.________ unmittelbar lebensgefährliche Situation, welche sich durch folgende relevanten 
Strangulationsfolgen begründet: 

- Atemnot, Erstickungs- und Todesangst beim Opfer 

- Einen Monat andauernde Schluckbeschwerden des Opfers 

- Oberflächlicher Hautdefekt im Bereich des Kehlkopfes, nicht wegdrückbare, rote Hautverfärbun-
gen, betont über dem linken Kopfwendemuskel.

Bezüglich dieser unmittelbaren Lebensgefahr handelte A.________ mit direktem Vorsatz, wobei er darauf 
vertraute, diese werde sich nicht realisieren.

Eventualiter: 

Durch sein Verhalten schuf der Beschuldigte in besonders rücksichtsloser und gewissenloser (=skrupellos) 
Weise eine für E.________ potentiell unmittelbar lebensgefährliche Situation, welche jedoch schliesslich nicht 
eintrat. Bezüglich dieser unmittelbaren Lebensgefahr handelte A.________ mit direktem Vorsatz, wobei er 
darauf vertraute, diese werde sich nicht realisieren.»

Schliesslich wird dem Beschuldigten in der Anklageschrift zur einfachen Körperverletzung 
zum Nachteil von E.________ Folgendes vorgeworfen (Ziff. 4; pag. 1329):

20

«Im Rahmen des Geschehens gemäss Ziff. 3. fügte der Beschuldigte dem Opfer vorsätzlich, evtl. eventualvor-
sätzlich, folgende Verletzungen zu: 

Oberflächlicher Hautdefekt im Bereich des Kehlkopfes 

Nicht wegdrückbare, rote Hautverfärbungen, betont über dem linken Kopfwendemuskel und am Rücken.»

8.2 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt
Die in der Anklageschrift umschriebenen Tatabläufe der Vorfälle vom 9. Juli 2016 zum 
Nachteil von C.________ und vom 28. August 2016 zum Nachteil von E.________ sind in 
ihren äusseren Abläufen grundsätzlich unbestritten. 

Bestritten ist praktisch ausschliesslich die Täterschaft des Beschuldigten. In beiden Fällen 
gilt es die Frage zu beantworten, ob dem Beschuldigten rechtsgenüglich nachgewiesen 
werden kann, die ihm vorgeworfenen Delikte zum Nachteil der Privatklägerinnen im Som-
mer 2016 begangen zu haben. 

8.3 Objektive und subjektive Beweismittel
Als Beweismittel liegen der Kammer neben den Anzeigerapporten vom 27. Januar 2017 
und vom 19. Dezember 2016 (pag. 420 ff.; pag. 689 ff.) der Bericht des Universitären Not-
fallzentrums des Inselspitals (pag. 450 f.), das Rechtsmedizinische Aktengutachten des 
IRM vom 7. September 2016 (pag. 459 ff.), das forensisch-molekularbiologische Gutach-
ten vom 24. Oktober 2016 (pag. 464 ff.), das forensisch-molekularbiologische Gutachten 
vom 23. November 2016 (pag. 473 ff.), das forensisch-molekularbiologische Gutachten 
vom 9. Januar 2017 (pag. 480 ff.), das forensisch-toxikologische Gutachten vom 1. Mai 
2017 (pag. 503 ff.), das forensisch-molekularbiologische Gutachten vom 10. Mai 2017 
(pag. 509 ff.), die Erklärung zum Gutachten vom 10. Mai 2017 (pag. 534 ff.), das foren-
sisch-molekularbiologische Gutachten vom 19. August 2016 (pag. 583 ff.), das forensisch-
molekularbiologische Gutachten vom 7. Dezember 2016 (pag. 594 ff.), das forensisch-
molekularbiologische Gutachten vom 22. Dezember 2016 (pag. 599 ff.), das forensisch-
molekularbiologische Gutachten vom 27. September 2016 (pag. 732 ff.), die Rapporte des 
Kriminaltechnischen Dienstes vom 20. Februar 2017, vom 16. September 2016 und vom 
19. Januar 2017 (KTD, inkl. Fotodokumentation; pag. 566 ff.; pag. 700 ff.; pag. 715 ff.), die 
Aussagen von C.________ (pag. 611 ff.; pag. 623 ff.; pag. 629 ff.; pag. 1509 ff.), die Aus-
sagen von E.________ (pag. 757 ff.; pag. 760 ff.; pag. 774 ff.; pag. 1515 ff.), die Aussagen 
von AI.________ (pag. 644 ff.), die Aussagen von AJ.________ (pag. 653 ff.), die Aussa-
gen des Beschuldigten (pag. 663 ff.; pag. 675 ff.; pag. 795 ff.; pag. 1137 ff.; pag. 1519 ff.) 
und die Gedächtnisprotokolle der Sanitätspolizei (pag. 660 f.; pag. 662) vor. 

Neu zieht die Kammer das Parteigutachten von Dr. M.________ vom 6. Mai 2019 (pag. 
1912 ff.), das Verbal vom 18. Juni 2019 (pag. 1933), das forensisch-molekularbiologische 
Gutachten vom 26. Juli 2019 (pag. 2073 ff.), die Aussagen des Sachverständigen Dr. ès 
Sc. H.________, die Aussagen der Privatklägerinnen (pag. 194 ff.; pag. 1950 ff.) und die 
Aussagen des Beschuldigten (pag. 1956 ff.; pag. 2122 ff.) in ihre Würdigung mit ein.  

8.4 Beweisergebnis der Vorinstanz 
Die Vorinstanz gelangte nach Würdigung der objektiven und subjektiven Beweis-
mittel zu folgendem Beweisergebnis (pag. 1636 ff., S. 34-39 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung):

«1. Objektive Beweismittel 

21

[…]

Dies eine kurze Zusammenfassung der Resultate aus den wichtigsten Gutachten. Diese gutachterlichen 
Schlussfolgerungen überzeugen das Gericht in allen Teilen. Es ist nicht nur so, dass eine Abfrage in der DNA-
Datenbank einen Hinweis auf den Beschuldigten ergeben hat, sondern auch sein Y-STR-Profil mit den Spuren 
an den Opfern resp. deren Kleidern vollständig übereinstimmt. Bezüglich der YHRD-Datenbank ist zu sagen, 
dass die Gutachter ausführlich darlegen, wie die Daten zufällig und repräsentativ gesammelt werden und wie 
sichergestellt wird, dass die jeweiligen Datensammlungen den tatsächlichen Populationen entsprechen. Es 
gibt auch diesbezüglich keine Zweifel an der Datenbank, da es gemäss Gutachten die weltweit grösste solche 
Datenbank ist. Inwiefern die Referenzpopulation „Western European“ nicht mit den aktuellen Daten überein-
stimmen soll – wie dies der Verteidiger ausführte – erschliesst sich dem Gericht nicht. Die Gutachter haben 
erklärt, warum es nicht zielführend ist, wenn von der Population „Afro-Asiatic-Berber“ ausgegangen worden 
wäre. Würde man diese tun, so würde der mögliche Täterkreis bereits vorab auf die ungefähre Anzahl der in 
der Schweiz lebenden Berber eingeschränkt. Die Gutachter haben sogar vorgerechnet, dass der Beweiswert 
des übereinstimmenden Y-Profils grösser wäre, wenn man vorab die Annahme treffen würde, dass es sich 
beim Täter um einen berberstämmigen Nordafrikaner handle. 

Im Gutachten wird weiter erläutert, weshalb auf eine Wahrscheinlichkeitsangabe in Prozenten verzichtet wor-
den ist. Zusammenfassend wurde festgehalten, dass hierfür eine Anfangswahrscheinlichkeit für die zwei sich 
gegenüberstehenden Hypothesen („beim Tatverdächtigen handelt es sich um den Verursacher der DNA-Spur“ 
vs. „ein unbekannter Dritter ist Verursacher der DNA-Spur“) festgelegt werden müsste. Eine solche lasse sich 
jedoch nicht exakt vornehmen bzw. sei schlicht spekulativ.  

Auch kann das Gericht keine Widersprüche innerhalb der Gutachten ausmachen. Die aus den Beweismitteln 
gewonnenen Hauptkomponente von 25 STR-Loci stimmen mit den Merkmalen des Y-STR-Profils des Be-
schuldigten komplett überein. Nur der Datenbankabgleich wurde aufgrund des geringen Datensatzes für 
vollständige YFiler-Plus-Profile mit einer reduzierten Anzahl Loci durchgeführt. Der Hinweis im Zusatzgutach-
ten vom 10.07.2017, wonach vorliegend die relativ grosse Anzahl von 25 STR-Markern untersucht worden sei, 
bezieht sich aber klar auf den Direktvergleich der Y-STR-Profile und nicht auf die Datenbankabfrage. Diese 
komplette Übereinstimmung der Merkmale des Y-STR-Profils des Beschuldigten mit den Merkmalen der 
Hauptkomponenten ist – wie im Gutachten dargelegt – ein weiteres gewichtiges Indiz für die Spurengeber-
schaft durch den Beschuldigten. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Resultate und Schlussfolgerungen in den Gutachten nach 
Ansicht des Gerichts in allen Teilen nachvollziehbar und schlüssig sind. Dabei handelt es sich nach Ansicht 
des Gerichts um konkrete und objektive Tatsachen, die keinen Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten 
aufkommen lassen. Das Gericht stützt sich deshalb auf die Gutachten.

2. Subjektive Beweismittel

Vorab sei zusammenfassend an dieser Stelle noch erwähnt, dass sich das Gericht bezüglich der subjektiven 
Beweismittel vollumfänglich auf die glaubhaften Aussagen von C.________ und E.________ stützt. Aus-
gangspunkt für den Tatverdacht des Beschuldigten bilden die Aussagen der beiden Opfer. Zwar konnte keines 
der beiden Opfer anlässlich des Vorhalts der Fotodokumentation den Beschuldigten als Täter des jeweiligen 
Vorfalls identifzieren. Dennoch konnte insbesondere C.________ eine präzise Täterbeschreibung abgeben: 
gross, schmal und dünn, kräftig, vom Akzent her Nordafrikaner, Tunesier oder Marokkaner (p. 615), auch 
wenn sie ihn danach auf der Fotokonfrontation nicht wiedererkannte. 

Auch E.________ hat – nachdem sie zuerst von einem Schwarzafrikaner sprach – den Täter als dunkel, also 
nicht weiss, sondern braun, gross mit kurzen Haaren (Millimeterschnitt) und sehr breitem Oberkörper be-
schrieben (p. 779, Z. 199 ff.). Dazu ist einerseits anzumerken, dass im Nachhinein nicht rekonstruiert werden 

22

kann, wie es zur Aussage „Schwarzafrikaner“ kam. Ob E.________ das wirklich so gesagt hat oder der Polizist 
es so interpretiert und protokolliert hat, muss offen bleiben. Bei der ersten Beschreibung hat sie aber erwähnt, 
dass sein Gesicht rein gewesen sei, rasiert und er keine Narben gehabt habe (p. 758, Z. 50 ff.). Sie hat anläss-
lich dieser Befragung aber auch gesagt, dass es sehr schwierig sei, jemanden den man nur im Dunkeln gese-
hen habe, zu beschreiben. In der Hauptverhandlung hat sie absolut nachvollziehbar erklärt, dass sich alles in 
sehr kurzer Zeit ereignete und sie sich sein Gesicht nicht merken konnte. Ausserdem habe sie die ganze Zeit 
zu Boden geschaut, da sie nach einem Fluchtweg Ausschau gehalten habe. Für sie sei er einfach dunkelhäu-
tig gewesen, wenn auch nicht „schwarz schwarz“, aber dunkler als wir Weissen (p. 1517, Z. 23 ff.).

Grundsätzlich konnte sich das Gericht davon überzeugen, dass der Beschuldigte tatsächlich gross und sehr 
schlank/schmal ist, eine sehr reine, glatte Gesichtshaut und einen Millimeterhaarschnitt hat. Auch wenn der 
Verteidiger den Beschuldigten noch Fragen liess, ob er Narben im Gesicht habe, was vom Beschuldigten be-
jaht wurde, konnte sich das Gericht davon überzeugen, dass man die Narben kaum sieht und das selbst im 
Tageslicht resp. unter dem Kunstlicht im Gerichtssaal. Somit kann also E.________ kein Strick aus ihrer Aus-
sage gedreht werden, der Täter habe keine Narben im Gesicht gehabt, denn in der Dunkelheit hätte man diese 
mit Sicherheit nicht sehen können.

Zur Aussage von E.________, dass der Täter einen sehr kräftigen Oberkörper gehabt habe sei angemerkt, 
dass der Beschuldigte zwar in der Tat sehr schmal ist, aber zu berücksichtigen ist, dass sich E.________ auf 
einer Treppe befand, von welcher der Beschuldigte von oben her auf sie zulief und ihr somit sicherlich noch 
viel grösser und breiter erschien als er ist, da er über ihr stand. Sie sagte selber in der Hauptverhandlung: „In 
dem Moment kommt einem ein Mensch sowieso gross vor wenn man gewürgt wird. Ich war einfach kleiner. 

Wenn man gewürgt wird, dann kommt einem der andere sowieso gross und mächtiger vor.“ (p. 1518, Z. 1 ff.). 

Grundsätzlich sei noch darauf hingewiesen, dass sich beide Frauen in einer absoluten Notlage befanden, eine 
Stresssituation, die man sich für eine Frau nicht schlimmer vorstellen kann. Man wird hinterrücks überfallen, 
gewürgt und zu Boden gezerrt und bangt um sein Leben. Dies in der Dunkelheit, in einem bewaldeten Gebiet, 
ohne Strassenlaternen. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass man deshalb den Täter nicht auf‘s Genauste 
beschreiben kann. Es ist dunkel, man kämpft um’s Überleben, wehrt sich und hat wohl kaum Zeit, den Täter 
genau zu betrachten. Und trotzdem, beide Frauen konnten den Täter recht genau beschreiben.

Weiter sei noch einmal erwähnt, dass der Beschuldigte von sich aus, ohne konkrete Frage von einem „Pro-
blem“ mit einer Frau beim Brunnen in der Nähe der AG.________ erzählte. Dies in absolut freier Rede, ohne 
dass ihm Zwischenfragen gestellt wurden. Wie erwähnt, erachtet das Gericht diese Aussagen zum besagten 
„Problem“ mit dieser Frau als absolut unglaubwürdig, resp. das Gericht geht davon aus, dass es sich dabei um 
den Vorfall mit C.________ handelte, da er diese Frau punkto Haarfarbe und Alter ähnlich beschrieb. Ausser-
dem fällt auf, dass das Ganze gemäss ihm am selben Ort stattgefunden haben soll, wo es tatsächlich gesche-
hen ist. Dies kann sicherlich kein Zufall sein und ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Beschuldigte eben der 
Täter ist.»

8.5 Beweiswürdigung der Kammer 

8.5.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung
Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse kann 
vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 1608 f., 
S. 8 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

23

8.5.2 Zu den gutachterlichen Einschätzungen 

8.5.2.1 Untersuchungen des KTD
Die Berichte des KTD betreffend C.________ datieren vom 20. Februar 2017 (pag. 566 ff.) 
und betreffend E.________ vom 16. September 2016 sowie vom 19. Januar 2017 (pag. 
700 ff.; pag. 715 ff.). 

Die jeweiligen Ausführungen des KTD sind sachlich, objektiv und neutral, weshalb auf die-
se Ausführungen abzustellen ist. Beweiswürdigend kann jedoch festgehalten werden, dass 
sich diesen Ausführungen, abgesehen von den Auswertungen des DNA-Abriebs – bei 
C.________ ab ihrem Büstenhalter Aussen- und Innenseite links und bei E.________ ab 
der Vorderseite ihres Halses – keine weiteren Erkenntnisse gewinnen lassen. Betreffend 
die Auswertung der DNA-Abriebe, der DNA-Mischprofile sowie der Y-STR-Profile wird 
deshalb auf die Gutachten des IRM verwiesen (vgl. Ziff. 8.5.2.2 hiernach). 

8.5.2.2 Gutachten des IRM
Das IRM hat sich mehrfach mit den biologischen Spuren auseinandergesetzt und zahlrei-
che Gutachten erstellt. Die forensisch-molekularbiologischen Gutachten vom 19. August 
2016, 23. November 2016 und vom 7. Dezember 2016 sowie das forensisch-
toxikologische Gutachten vom 1. Mai 2017 vermögen nicht weiter zur Beantwortung der 
eingangs gestellten Beweisfrage beitragen, weshalb an dieser Stelle nicht weiter auf die 
zitierten Gutachten eingegangen wird. Die Beschwerdekammer hat die bis zu diesem Zeit-
punkt in den Akten vorhandenen Gutachten im Beschluss vom 25. September 2017 aus-
führlich und zutreffend wiedergegeben (pag. 332 ff.). Darauf wird verwiesen. Soweit sich 
hierzu ergänzende und/oder präzisierende Ausführungen aufdrängen, erfolgen diese im 
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen. 

«Dem forensisch-molekularbiologischen Gutachten vom 24. Oktober 2016 (IRM-Nr. 16-10044-Q) kann Fol-
gendes entnommen werden: Aus dem Beweismittel «Büstenhalter des Opfers 1» (Aussenseite links und In-
nenseite links) sei DNA isoliert und ein Mischprofil mit einer sehr deutlichen weiblichen Hauptkomponente (die 
des Opfers 1) erstellt worden. In beiden erstellten Spurenprofilen sei die männliche Nebenkomponente sehr 
schwach ausgeprägt, inkomplett und nicht interpretierbar. Aus diesem Grund seien an den genannten Be-
weismitteln zusätzlich Y-STR-Analysen durchgeführt worden (Hinweis: Y-STR-Analysen seien nicht individuali-
sierend, da sie in der gesamten männlichen Abstammungslinie unverändert weitervererbt würden). Später 
seien dann die aus dem zweiten Vorfall zum Nachteil des Opfers 2 vorhandenen Beweismittel ebenfalls analy-
siert und die aus diesen Beweismitteln erhaltenen Y-Spurenprofile (stammend aus dem Beweismittel «Ab-
strichtupfer ab Hals Vorderseite Opfer 2») mit jenen vom ersten Vorfall zum Nachteil des Opfers 1 verglichen 
worden. Dabei habe nicht ausgeschlossen werden können, dass der Spurengeber des Y-Hauptprofils des 
Beweismittels «Abstrichtupfer ab Hals Vorderseite Opfer 2» oder ein Verwandter der gleichen männlichen 
Linie auch Mitspurengeber des Mischprofils sei, welches vom Beweismittel «Büstenhalter des Opfers 1» er-
stellt worden sei.» [pag. 464 ff.]. 

Ergänzend ist auf ein weiteres Gutachten des IRM vom 22. Dezember 2016 (IRM-Nr. 16-
11744-Q) zu verweisen (pag. 599 ff.). Vom Beweismittel «BH-Körbchen (1 Teil)» der Pri-
vatklägerin 1 sind zusätzliche Proben entnommen worden. Zum autosomalen DNA-Profil 
wurde im Ergebnis Folgendes festgehalten: Aus dem Beweismittel «BH-Körbchen (1 Teil)» 
sei ein inkomplettes Mischprofil erstellt worden (hauptsächlich weiblich). Die Nebenkom-
ponente sei gering ausgeprägt und stamme von mindestens einer Person. Da die Neben-
komponente sehr gering ausgeprägt sei und das Mischprofil die Mindestanforderungen (8 

24

Loci) für eine Übermittlung an EDNAIS nicht erfüllt habe, sei ein «Tactical Search» veran-
lasst worden. Die für den Suchlauf in Frage kommenden Allelwerte seien am 21. Dezem-
ber 2016 an die Koordinationsstelle übermittelt worden. Die beim Abgleich gefundenen 
Kandidaten seien bewertet und unter der PCN .________ am 12. Dezember 2016 weiter-
geleitet worden (pag. 601). 

«Gemäss dem forensisch-molekularbiologischen Gutachten vom 9. Januar 2017 (IRM-Nr. 16-12624-Q) wurde 
mit dem DNA-Mischprofil, welches aus dem Beweismittel «Büstenhalter des Opfers 1 aussen» erstellt wurde, 
ein «Tactical Search» durchgeführt. Dieser habe einen Hinweis auf die unter PCN .________ gespeicherte 
Person des Beschwerdeführers  als Mitspurengeber ergeben. Um eine mögliche Mitspurengeberschaft des 
Beschuldigten weiter zu prüfen, sei aus seinem DNA-Material ein Y-STR-Profil erstellt worden. Dieses sei dann 
mit den bereits aus den vorhandenen Beweismitteln (insbesondere «Büstenhalter des Opfers 1» und «Ab-
strichtupfer ab Hals Vorderseite Opfer 2») direkt verglichen worden. Dabei sei herausgekommen, dass die 
Merkmale des Y-STR-Profils des Beschwerdeführers mit den aus den Beweismitteln erstellten Profilen kom-
plett übereinstimmen würden. Der Beschwerdeführer könne somit als Verursacher dieser Spuren nicht ausge-
schlossen werden.» [pag. 480 ff.]. 

«Im forensisch-molekularbiologischen Gutachten des IRM vom 10. Mai 2017 (IRM-Nr. 17-03784-Q) ging es 
dann darum zu klären, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Beschwerdeführer der Spurengeber des 
Abstrichtupfers ab dem Hals des Opfers 2 und ab dem Büstenhalter des Opfers 1 ist. Dabei erklärten die Gut-
achter zum besseren Verständnis zunächst einmal den wissenschaftlichen Hintergrund und die angewandte 
Untersuchungsmethodik: Im vorliegenden Fall handle es sich nicht um herkömmliche autosomale DNA-Profile, 
sondern um DNA-Profile Y-chromosomalen Ursprungs. Im Unterschied zu einem «Standartprofil» würden bei 
einem Y-STR-Profil alle Marker auf demselben Chromosom liegen und gemeinsam weitervererbt werden. Die 
Marker seien vollständig gekoppelt und nicht frei kombinierbar. Es müsse also, um die Häufigkeit einer be-
stimmten Merkmalskombination eines Y-Profils zu schätzen, dieses gegen eine repräsentative Datenbank 
abgeglichen werden. Das Y-STR-Profil in seiner Gesamtheit werde als «Haplotyp» bezeichnet. Um die gestell-
te Frage zur Wahrscheinlichkeit beantworten zu können, seien daher verschiedene Abfragen in der weltweit 
grössten öffentlich zugänglichen Referenzdatenbank für Y-chromosomale Haplotypen, der YHRD, durchge-
führt worden. Die YHRD setze sich zusammen aus einer hohen Anzahl von Referenzprofilen, die weltweit 
stichprobenhaft gesammelt worden seien. Sie werde regelmässig um neue Stichprobensätze ergänzt. Der 
Beweiswert eines Y-Haplotypen werde durch seine relative Häufigkeit in einer bestimmten Population definiert. 
In einem ersten Schritt könne mittels einer Abfrage des gesuchten Haplotypen in der Referenzdatenbank ge-
prüft werden, ob der gesuchte Haplotyp in der Referenzdatenbank bereits erfasst worden sei und falls ja, wie 
oft. Ergebe sich keine Übereinstimmung mit dem in der Spur detektierten Haplotypen, so könnten verschiede-
ne Verfahren zu Anwendung kommen, um dennoch die Häufigkeit des Profils zu schätzen. Der in diesem Gut-
achten angegebene Schätzwert der Haplotypenhäufigkeit beruhe auf der «Discret Laplace» (DL) Methode. 
Diese berücksichtige die Allelkombination des Haplotyps und sei unabhängiger von der Datenbankgrösse als 
die Zählmethode (Anzahl der Profile in der Datenbank plus 1). Als wichtiger Hinweis bezeichnet, ist dem Gut-
achten weiter zu entnehmen, dass die nachfolgenden Berechnungen nur unter der Voraussetzung Gültigkeit 
haben, dass kein Verwandter derselben männlichen Linie wie der Beschwerdeführer als Spurengeber in Be-
tracht kommt. 

Wegen des geringeren Datensatzes für vollständige YFilerPlus-Profile sei die Datenbankabfrage mit einer 
reduzierten Anzahl Y-STR Loci durchgeführt worden (16 statt der insgesamt 25 Y-STR Loci). Das gesuchte Y-
STR-Hauptprofil aus dem Spurenmaterial «Abstrichtupfer ab Hals Vorderseite Opfer 2» und «BH-Körbchen (1 
Teil) aussen» sei in der gesamten Datenbank mit 131‘889 Vergleichsproben nicht vorhanden. Deshalb müsse 
seine Häufigkeit geschätzt werden. Dazu müsse zunächst die Referenzpopulation ausgewählt werden. Die 

25

Wahl der Referenzpopulation werde durch die Herkunft des alternativen Spurenverursachers der Gegenhypo-
these («das gefundene Y-STR-Profil stammt nicht vom Tatverdächtigen») begründet. Wenn angenommen 
werde, dass als alternativer Spurenverursacher eine beliebige Person der am Ort der Tat wohnhaften Bevölke-
rung in Frage komme, müsse diese Bevölkerung als Referenzpopulation verwendet werden. Vorliegend sei 
deshalb als Referenzpopulation «Western European» ausgewählt worden. Die mittels Discrete Laplace ge-
schätzte Häufigkeit des reduzierten Profils habe eine Häufigkeit von 1 in 138‘900 Haplotypen für diesen west-
europäischen Datensatz ergeben. Unter den genannten Voraussetzungen sei es also 138‘900 Mal wahr-
scheinlicher, den detektierten Y-Haplotypen zu beobachten, wenn es sich beim Verursacher der Spur um den 
Beschwerdeführer handle, als wenn der Verursacher der Spur ein anderer, unbekannter Mann aus der westeu-
ropäischen Bevölkerung wäre. Das vollständige Y-STR-Profil (mit 25 statt der hier verwendeten 16 Loci) dürfe 
tatsächlich noch deutlich seltener sein, so dass der hier angegebene Wert eine konservative Schätzung dar-
stelle. 

Für die vorhandenen Mischspuren an den Abstrichtupfern «Büstenhalter, Aussenseite links» und «Büstenhal-
ter, Innenseite links» sei die Berechnung anhand des Y-STR Mixture Calculation Tool durchgeführt worden, 
welche auf der YHRD verfügbar sei. Für die probabilistische Beurteilung von Y-STR-Mischspuren könne auf 
der YHRD keine bestimmte Population gewählt werden, weshalb mit dem gesamten Referenzdatensatz ge-
rechnet worden sei. Um eine Schätzung vornehmen zu können, habe der verwendete Datensatz soweit redu-
ziert werden müssen, dass die Einzelprofile der mutmasslichen Spurengeber je mindestens einen Treffer auf 
der YHRD ergeben hätten. Dies sei der Fall, wenn die Profile von ursprünglich 25 Loci auf 11 Loci reduziert 
würden. Für die verbleibenden 11 Loci hätten sich 3 Übereinstimmungen mit den 144‘587 Einträgen in der 
YHRD für das reduzierte Profil des Beschuldigten und 46 Übereinstimmungen für das reduzierte Profil des 
Mitspurengebers (Freund des Opfers 1) ergeben. Mit diesen Profilhäufigkeiten sei dann die Likelihood Ratio 
gebildet worden, wonach es 742 Mal wahrscheinlicher sei, das Mischprofil zu detektieren, wenn es sich bei 
den beiden Spurengebern um den Beschuldigten und den Freund des Opfers 1 handle, als wenn es sich um 
den Freund des Opfers 1 und einen unbekannten Mann handeln würde. 

Da die Berechnung mit einem reduzierten Datensatz erfolgt sei, könne davon ausgegangen werden, dass es 
sich bei der berechneten Wahrscheinlichkeit um einen konservativen Wert handle und die tatsächliche Wahr-
scheinlichkeit bei Berücksichtigung der gesamten 25 Loci deutlich über diesem Wert liegen würde.» [pag. 
510 ff.]. 

«Von Seiten der Parteien, insbesondere vom Beschwerdeführer, wurden gestützt auf dieses Gutachten diver-
se Fragen aufgeworfen. Zu diesen Fragen nahm das IRM in den «Erklärungen zum Gutachten IRM-Nr. 17-
03784-Q» vom 10. Juli 2017 Stellung. Dabei stand im Vordergrund, die angewandte Methodik detailliert zu 
beschreiben.

Die Gutachter erklärten zunächst, was unter einem «tactical search»  zu verstehen ist. Hierfür wurde einleitend 
dargelegt, wie die Schweizer DNA-Datenbank aufgebaut ist. In der Schweizer DNA-Datenbank würden aus-
schliesslich autosomale DNA-Profile («Standard-DNA-Profile») von Personen und Spuren gesichert. Y-
chromosomale DNA-Profile würden nicht gespeichert. Alle in der Schweizerischen DNA-Datenbank durchge-
führten Suchläufe würden sich daher immer auf autosomale DNA-Profile beziehen. Für eine Speicherung in 
der Datenbank müssten bei Einzel- bzw. Hauptprofilen mindestens 6 Loci typisiert (doppelbestimmt) sein. Bei 
Mischprofilen müssten mindestens 8 Loci typisiert sein, damit sie in die Datenbank aufgenommen würden. 
Werde diese Mindestanzahl von typisierten Loci nicht erreicht, könne das DNA-Profil nicht in der Datenbank 
gespeichert werden. Es gebe verschiedene Gründe, weshalb ein DNA-Profil nicht genügend typisierte Loci 
aufweise, beispielsweise bei Mischspuren oder wenn zu wenig DNA vorliege. Auch wenn eine Aufnahme in die 
DNA-Datenbank vorliegend (Mischspur mit weiblicher Hauptkomponente) nicht in Frage komme, enthalte das 
autosomale Mischprofil dennoch ausreichend Informationen um eine einmalige Kandidatensuche zu ermögli-

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chen. Diese einmalige Suche nenne sich dann «tactical search». Dabei handle es sich um eine Spezial-
Abfrage in der DNA-Datenbank. Eine normale 2-Personen-Mischspur werde in der Regel so gesucht, dass 
mindestens 7 Übereinstimmungen auftreten müssten. Beim «tactical search» würden diese Werte flexibel 
angepasst. Vorliegend seien für den einmaligen «tactical search» 15 von 16 Loci des Mischprofils an die Da-
tenbank übermittelt worden. Alle doppelbestimmten Merkmale des für den «tactical search» übermittelten 
Mischprofils würden entweder mit den Merkmalen der Geschädigten (Opfer 1, Hauptprofil) oder den Merkma-
len des Beschuldigten (Nebenprofil) übereinstimmen. Da das autosomale DNA-Mischprofil Merkmale von min-
destens 3 Personen aufweise, sei jedoch von einer Beweiswertberechnung für das autosomale Mischprofil 
Abstand genommen worden. 

Zur Frage, nach welchen Kriterien die in der YHRD erfassten Personen den jeweiligen Referenzpopulationen 
zugerechnet würden, führten die Gutachter aus, die Daten würden in der Regel von freiwilligen Studienteil-
nehmern im Rahmen von populationsgenetischen Forschungsprojekten stammen. Dabei werde darauf geach-
tet, dass die Proben zufällig und repräsentativ gesammelt würden. Die genauen Kriterien, unter welchen die 
Proben jeweils gesammelt worden seien, seien auch vom Ziel und Studiendesign der jeweiligen Studie abhän-
gig. Sämtliche Studien, die in die Metapopulation Western European eingeflossen seien, könnten auf der 
YHRD eingesehen werden. Metapopulationen hätten nur dann einen Sinn, wenn die zusammengefassten 
Populationen relativ ähnlich seien, was auf die verschiedenen Bevölkerungen Westeuropas zutreffe. Bei der 
YHRD handle es sich tatsächlich um DIE anerkannte Y-STR-Profildatenbank. Es sei weltweit keine andere frei 
zugängliche und wissenschaftlich so transparent geführte Datenbank verfügbar, die von einer forensischen 
Einrichtung betrieben werde und die extra mit dem Ziel der forensischen Anwendung errichtet worden sei. 

Der Verweis des Beschwerdeführers auf den Schätzwert bei einem Vergleich mit der Population «Afro-Asiatic-
Berber» ist nach Auffassung der Gutachter nicht zielführend: Solange davon ausgegangen werden müsse, 
dass als alternative Täterschaft jemand aus der lokalen Bevölkerung in Betracht komme, müsse die Häufigkeit 
des Profils auch relativ zu dieser Bevölkerung bestimmt werden. Sollte aufgrund der Fallumstände feststehen, 
dass der Täter aus einem Berbervolk stamme, so könne man auch, wie vom Beschwerdeführer vorgebracht, 
den Referenzpopulationssatz der «Afro-Asiatic-Berber» verwenden. In diesem Zusammenhang würde dann 
allerdings der mögliche Täterkreis bereits vorab auf die ungefähre Anzahl der in der Schweiz lebenden Berber 
eingeschränkt werden. Die Gutachter rechnen daraufhin vor, dass im vorliegenden Fall der Beweiswert des 
übereinstimmenden Y-Profils sogar grösser wäre, wenn man vorab die Annahme treffen würde, dass es sich 
beim Täter um einen berberstämmigen Nordafrikaner handle. So sei zu erwarten, dass das relevante Y-STR-
Profil höchstens einmal innerhalb der Gruppe der sich in der Schweiz befindlichen berberstämmigen Nordafri-
kaner auftrete. Werde also keine vorgängige Einschränkung des möglichen Täterkreises aufgrund der Herkunft 
gemacht, so sei es für den DNA-Gutachter der logischste Ansatz, bei der Beurteilung einer DNA-
Übereinstimmung die gesamte lokale Bevölkerung als möglichen alternativen Täterkreis zu berücksichtigen.

Bei der Discrete Laplace Methode handle es sich um ein probabilistisches Verfahren. Es werde ausgehend 
von einer Stichprobe (Populationsdaten) eine Vorhersage für die Häufigkeit eines bis dato nicht beobachteten 
Profils getroffen. Die Fehler der Häufigkeitsvorhersage könnten nur anhand von Simulationen geschätzt wer-
den. Simulationen mit bekannten Datensätzen hätten dabei gezeigt, dass die Methode ab einer Grösse des 
Referenzdatensatzes von mindestens 1000 Personen, unter den für die Simulationen getroffenen Annahmen, 
nahezu abweichungsfrei rechne. Von den bekannten verfügbaren Methoden zeige die Discrete Laplace Me-
thode die geringsten Abweichungen der berechneten von den erwarteten Werten. 

Die Gutachter erklären weiter kurz das Prinzip der Discrete Laplace Methode: Das interessierende Spurenpro-
fil werde mit allen in der Referenzpopulation vorhandenen Y-Profilen auf seine Ähnlichkeit hin verglichen. Dies 
geschehe vereinfacht gesprochen dadurch, dass berechnet werde, wie viele Mutationsschritte notwendig 
wären, um von jedem einzelnen Profil im Referenzdatensatz auf das Spurenprofil zu kommen. Dies werde als 

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Mass für die Ähnlichkeit des Profils zum Referenzdatensatz genommen. Je ähnlicher das Spurenprofil den 
gespeicherten Referenzprofilen sei, desto häufiger werde sein tatsächliches Vorkommen in dieser Population 
sein, auch wenn das interessierende Profil selbst noch nicht im Referenzdatensatz erfasst sei. Da bei grossen 
Datensätzen der oben beschriebene Vergleich des Spurenprofils mit allen in der Referenzpopulation vorhan-
denen Y-Profilen selbst die Rechenleistung eines Computers übersteige, werde der Rechenprozess durch eine 
theoretische Wahrscheinlichkeitsverteilung vereinfacht. «Discrete Laplace» sei letztlich der Name dieser ver-
wendeten Wahrscheinlichkeitsrechnung. 

Die angegebenen Wahrscheinlichkeitswerte würden also auf kontrollierten Populationsdaten sowie einer vali-
dierten und publizierten Berechnungsmethode, die einer wissenschaftlichen Überprüfung frei zugänglich sei, 
basieren. 

Im Gutachten wird weiter erläutert, weshalb auf eine Wahrscheinlichkeitsangabe in Prozentwerten verzichtet 
wurde. Zusammenfassend lässt sich diesbezüglich festhalten, dass hierfür eine Anfangswahrscheinlichkeit für 
die zwei sich gegenüberstehenden Hypothesen («beim Tatverdächtigen handelt es sich um den Verursacher 
der DNA-Spur» vs. «ein unbekannter Dritter ist Verursacher der DNA-Spur») festgelegt werden müsste. Eine 
solche lasse sich jedoch nicht exakt vornehmen bzw. sei schlicht spekulativ (Beispiel der Gutachter: Definiere 
man die Anfangswahrscheinlichkeit auf 1 zu 46‘000, was der gesamten männlichen Bevölkerung der Stadt 
Bern zwischen 15 und 64 Jahren entspreche, so ergebe sich vom LR 138‘900 nach dem Satz von Bayes eine 
Wahrscheinlichkeit von 75% für die Spurengeberschaft des Beschwerdeführers). Sollten dennoch Anfangs-
wahrscheinlichkeiten definiert werden, um auf einen Wahrscheinlichkeitswert in Prozent umrechnen zu kön-
nen, so liege dies in der Zuständigkeit des Gerichts. 

Zur Frage, welchen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit die Umstände haben, dass die Y-STR-Profile in der 
gesamten männlichen Abstammungslinie meist unverändert weitervererbt würden und dass die entsprechen-
den Personen als Spurengeber nicht ausgeschlossen werden könnten, hielt das Gutachten Folgendes fest: 

Bei Y-Chromosomen würden, wie überall auf dem Genom, bei der Vererbung Mutationen auftreten, die dafür 
sorgen würden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Y-Profile noch exakt gleich sind, mit abnehmendem 
Grad der Verwandtschaft weiter sinke. Da jeder Ort auf dem Genom (=Locus, Mehrzahl: Loci) mutieren könne, 
werde mit zunehmender Anzahl getesteter Marker (also Loci) somit die Wahrscheinlichkeit immer grösser, 
einen Unterschied im Y-Profil, selbst von nahen Verwandten, zu finden. Im Gutachten sind weiter verschiede-
ne Studien aufgeführt, welche zeigen würden, dass auch Brüder sowie Väter und Söhne teilweise unterschied-
liche Marker aufweisen und dass dies auch bei Tests mit kleineren Sets von nur 17 Markern bereits feststellbar 
sei. Bei Cousins 1. Grades lägen sogar schon vier Vererbungsschritte vor, bei denen es jeweils zu einer Muta-
tion gekommen sein könne. Der Verweis im Gutachten auf dieselbe männliche Linie gelte also nur einge-
schränkt. Er habe vor allem auch dazu dienen sollen, darauf hinzuweisen, dass, sollte ein genau bezeichneter 
Verwandter als möglicher Tatverdächtiger in Frage kommen, weitere Abklärungen hätten veranlasst werden 
müssen. 

Einer möglichen Profilübereinstimmung durch Verwandtschaft werde letztlich auch durch die Häufigkeitsschät-
zung des Haplotypen (=Y-Profil) Rechnung getragen. Da die Merkmalwerte auf nur einem Chromosom ja nicht 
frei rekombinierbar seien, werde quasi immer ein gewisser Grad von Verwandtschaft mit berücksichtigt.» 
[pag. 534 ff.]

Am 18. Juni 2019 wurden vorerst telefonisch Abklärung hinsichtlich der Bedeutung des 
Satzes «Die beim Abgleich gefundenen Kandidaten wurden bewertet und unter der PCN .________ am 
22.12.2016 weitergeleitet.» getätigt. Dabei konnte in Erfahrung gebracht werden, dass mit 
«Abgleich» der Tactical Search gemeint sei. Aus diesem Tactical Search vom 21. Dezem-
ber 2016 habe es neben dem Beschuldigten nur noch einen weiteren möglichen Kandida-

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ten gegeben. Die autosomalen DNA-Profile beider Kandidaten seien daraufhin im IRM in 
ihren Zahlenwerten/Signalhöhenverteilungen je mit der autosomalen DNA-Mischspur aus 
der Probe IRM-Nr. 16-11744-Q.1.1 (BH-Körbchen (1 Teil) aussen) verglichen worden. Das 
autosomale DNA-Profil des Beschuldigten habe bei diesem Vergleich widerspruchsfrei in 
die autosomale DNA-Mischspur aus dem BH-Körbchen (1 Teil) aussen gepasst. Das auto-
somale DNA-Profil des anderen Kandidaten habe dagegen bei diesem Vergleich bezüglich 
des Bildes der Merkmalsverteilung nicht stimmig in die autosomale DNA-Mischspur des 
BH-Körbchens (1 Teil) aussen gepasst. Aufgrund des Gesamtbildes aus beiden Verglei-
chen habe deshalb von einer Weiterverfolgung des anderen Kandidaten abgesehen wer-
den können (pag. 1933). 

Von Seiten des Beschuldigten wurden gestützt auf die telefonischen Abklärungen vom 18. 
Juni 2019 diverse Fragen aufgeworfen. Zu diesen Fragen nahm das IRM in seinem Er-
gänzungsgutachten vom 26. Juli 2019 (IRM-Nr. 19-060017-Q) Stellung. Dabei stand das 
im Verbal vom 18. Juni 2019 aufgeworfene Thema im Vordergrund. 

Einleitend sind dem Gutachten Bemerkungen zu entnehmen. Darin wird erklärt, dass die 
Bezeichnungen «Locus» und «DNA-Marker» synonym seien. Es handle sich dabei um 
einen spezifischen Ort auf dem Genom, der zur Erstellung des DNA-Profils analysiert wer-
de. Ferner seien die Bezeichnungen «Allelwert» und «Merkmal» synonym und würden die 
Zahlenwerte des DNA-Profils bezeichnen. Die nachfolgend im Gutachten beantworteten 
Fragen bezogen sich erneut auf den Satz «Die beim Abgleich gefundenen Kandidaten wurden be-
wertet und unter der PCN .________ am 22.12.2016 weitergeleitet.», welcher im Gutachten vom 22. 
Dezember 2016 (IRM-Nr. 16-11744-Q) verfasst wurde. Das Gutachten bestätigte die be-
reits telefonisch erteilte Information, wonach mit Abgleich der «Tactical Search» gemeint 
sei. Dabei seien insgesamt zwei Kandidaten gefunden worden: Die Person mit der PCN 
.________ (der Beschuldigte) und eine weitere Person mit der PCN .________ (pag. 
2074). Erklärend führte das Gutachten aus, dass das Vorgehen bei der Beurteilung von 
möglichen Treffern, die sich bei einem Abgleich eines Spurenprofils mit der Schweizeri-
schen DNA-Datenbank ergeben würden, grundsätzlich immer dasselbe sei. Dabei sei es 
unerheblich, ob es sich um einen Tactical Search oder um einen Standardsuchlauf handle. 
Der Datenbanksuchlauf finde nur anhand der Zahlenwerte (Allelwerte) statt. Zusammen-
fassend hielt das Gutachten fest, dass sich keine stimmige Signalhöhenverteilung für das 
Mischprofil ab BH ergeben habe, wenn die Person mit der PCN .________ als Nebenspu-
rengeber des Mischprofils ab BH angenommen worden sei. Aus diesem Grund sei der 
Hinweis auf diese Person nicht weiterverfolgt worden. Im Gegensatz zum Personenprofil 
mit der PCN .________ passe das Profil des Beschuldigten (PCN .________) in allen 16 
Loci zu den erwarteten Allelwerten der Nebenkomponente. Fast alle reproduzierbaren, 
also mindestens doppelt bestimmten, Merkmale der Nebenkomponente des Mischprofils 
ab BH würden mit dem DNA-Profil des Beschuldigten übereinstimmen. Es gebe zwei an-
derweitige Ausnahmen von nicht zugeordneten, reproduzierbaren Merkmalen, die sich 
aber anderweitig erklären lassen würden (pag. 2076). Anlässlich der Fortsetzungsverhand-
lung vom 13. August 2019 machte der Sachverständige hierzu weitere erklärende Aus-
führungen (vgl. hierzu Ziff. 8.5.2.4 hiernach). 

8.5.2.3 Gutachten von Dr. M.________

Bei dem vom Beschuldigten eingereichten Gutachten handelt es sich um ein Privat- oder 
Parteigutachten, das nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht den glei-

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chen Stellenwert – auch wenn durch eine anerkannte Fachperson erstellt – wie ein Gut-
achten hat, das von der Untersuchungsbehörde oder von einem Gericht eingeholt wurde. 
Den Ergebnissen eines im Auftrag des Beschuldigten erstellten Privatgutachtens kommt 
lediglich die Bedeutung einer der freien Beweiswürdigung unterliegenden Parteibehaup-
tung bzw. eines Bestandteils der Parteivorbringen zu, nicht die Qualität eines Beweismit-
tels (vgl. BGE 141 IV 369 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 
6B_922/2015 vom 27. Mai 2016 E. 2.5). Eine privat beauftragte sachverständige Person 
steht in einem Auftragsverhältnis zu einer Partei, und äussert ihre Meinung, ohne von den 
juristischen Entscheidungsträgern in die Pflicht genommen worden zu sein. Ihre Befunde 
können nicht beweisbildend sein (HEER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 189). Allerdings sind solche Gutachten nicht un-
beachtlich (HEER, a.a.o., N. 10 zu Art. 182). Sehr wohl in die Beweiswürdigung einzube-
ziehen sind daher Parteigutachten, die als Antwort auf ein gerichtliches Gutachten einge-
reicht werden und den Zweck haben, dessen Unrichtigkeit oder Fehlerhaftigkeit darzule-
gen (HEER, a.a.o., N. 7 zu Art. 189). 

Der Verteidiger unterbreitete Dr. M.________ die folgenden Fragen: «Sind in der (in der YHRD-
Datenbank erfassten) Referenzpopulation „Western European“ überhaupt Daten von Personen mit genetischer 
Abstammung aus anderen Populationen enthalten. Wenn ja: Nach welchen Kriterien wurden die Personen 
ausgewählt bzw. diese Daten erfasst und entsprechend die erfassten Daten dieser Personen dem Verhältnis 
solcher (populationsfremden) Personen in der effektiven Bevölkerung der Referenzpopulation „Western Euro-
pean“? Wie ist insbesondere eine geschätzt Häufigkeit von 1 zu 138‘000 Haplotypen im Hinblick auf die Frage, 
mit welcher Wahrscheinlichkeit der gefundene Haplotyp einer bestimmen Person zugeordnet werden kann, 
aus mathematischer Sicht zu interpretieren? Kann ohne Kenntnis der nötigen Grundlagen (bspw. der An-
fangswahrscheinlichkeit und/oder der in Frage kommenden Personen) überhaupt eine statistische Aussage 
darüber gemacht werden, wie wahrscheinlich es ist, dass der Haplotyp von einer bestimmten Person stammt? 
Sind die vorerwähnten Fragen in den Gutachten bereits schlüssig beantwortet?» 

Die erste Frage beantwortete Dr. M.________ dahingehend, dass er einleitend die Vorge-
hensweise der Datensammlung erläuterte. Sodann hielt er fest, dass derartige populati-
onsgenetische Studien nicht die in einer Region lebenden bzw. die sich zu einem be-
stimmten Zeitpunkt dort aufhaltenden Männer (z.B. Touristen, Geflüchtete, Einwanderer) 
repräsentierten würden; dies ganz bewusst, um wissenschaftlich «saubere» Daten für eine 
bestimmte Metapopulation erheben zu können. Typisch sei ferner, dass nur nicht mitein-
ander verwandte Probanden inkludiert seien (pag. 1913). Zur zweiten Frage stellte Dr. 
M.________ zwei Hypothesen auf («Hypothese A: Die DNA-Merkmale stammen von Per-
son Y oder einer mit ihr in väterlicher Linie eng verwandten Person» und «Hypothese B: 
Die DNA-Merkmale stammen von einer mit Person Y in väterlicher Linie nicht verwandten 
Person aus der westeuropäischen Metapopulation»). Erklärend fügte er hinzu, dass die in 
der Spur nachgewiesenen Merkmale bei Zutreffen der Hypothese A x-mal wahrscheinli-
cher zu beobachten seien, als bei Zutreffen der Hypothese B. Personen die eng in direkter 
väterlicher Linie miteinander verwandt seien (z.B. Brüder, Väter und Söhne) würden in der 
Regel identische Y-chromosomale STR-Haplotypen aufweisen. Aber auch weiter entfernte 
Verwandte aus der paternalen Linie (z.B. Cousin, Onkel, Grossonkel etc.) könnten identi-
sche YHT aufweisen. Theoretisch könnten aber auch unverwandte Individuen identische 
YHT aufweisen. Der Zahlenwert der LR von 138‘000 falle in die zweithöchste Stufe nach 
einer ENFSI-Empfehlung und solle als «strong support for the first proposition rather than 

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the alternative» verbalisiert werden. Ab einem LQ von 1‘000‘000 empfehle die ENFSI die 
Verbalisierung als «provide extremely strong support» (pag. 1914). 

Schliesslich beantwortete Dr. M.________ die dritte Frage dahingehend, dass die in der 
BRD primär als Berechnungsgrundlage empfohlene westeuropäische Metapopulation po-
pulationsfremde Personen definitionsgemäss ausschliesse und somit im konkreten Fall 
keine adäquate Referenzpopulation darstelle (pag. 1914). Dr. M.________ wies darauf 
hin, dass die YHRD von der Konzeption her ein wichtiges Hilfsmittel für die Grundlagenfor-
schung sei und dem forensischen Praktiker bei der Identifikation der YHT-Häufigkeit und 
der Auswahl der relevanten Metapopulation helfe. Abschliessend wies Dr. M.________ auf 
den – unterdessen durch das Ergänzungsgutachten ausfü