# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2ad203e-d511-52fe-b327-467277840a34
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-09
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 09.09.2021 SK 2021 31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-31_2021-09-09.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 31

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 9. September 2021 

Besetzung Oberrichter Guéra (Vorsitz) 
Oberrichter Vicari und Oberrichter Zuber
Gerichtsschreiberin López

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung, 
Drohung etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-See-
land (Kollegialgericht) vom 6. November 2020 (PEN 19 802)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung) fällte 
am 6. November 2020 gegen A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) folgendes 
Urteil (pag. 1292 ff.; Hervorhebungen im Original):

Das Gericht erkennt:

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Tätlichkeiten, angeblich wiederholt begangen zu nicht genauer bestimmbaren Zeitpunk-
ten zwischen ca. Silvester 2015/Neujahr 2016 und dem 19.01.2016 an der E.________ (strasse) 
in F.________ zum Nachteil seiner damaligen Ehefrau C.________ (Ziff. 4 AKS);

2. wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, angeblich mehrfach begangen
2.1. in der Zeit zwischen dem 16.01.2016 und dem 17.01.2016 in F.________ 

2.1.1. durch Nichtbeherrschen des Fahrzeuges (Ziff. 8.1.2 AKS)
2.1.2. durch pflichtwidriges Verhalten bei Unfall (Sachschaden) (Ziff. 8.1.3 AKS)
2.1.3. durch Führen eines nicht betriebssicheren Motorfahrzeuges (Ziff. 8.1.5 

AKS)
2.2. am 24.01.2017 in G.________, Autobahn A5, Fahrtrichtung Q.________, durch Nichtbe-

herrschen des Fahrzeuges (Ziff. 8.2.2 AKS)

wird infolge Verjährung eingestellt,

ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung.

II.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der Drohung, angeblich begangen am 19.01.2016 an der 
E.________(strasse) in F.________ zum Nachteil seiner damaligen Ehefrau C.________ (Ziff. 
5.2.1 AKS);

2. von der Anschuldigung der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten, angeblich begangen in 
der Zeit vom 01.01.2015 – 30.06.2015 und vom 01.01.2016 – 31.12.2016 in F.________ und 
anderswo z.N. der Stadt F.________, Erwachsenen- und Jugendschutz (EJS), Alimentenvermitt-
lung (Ziff. 7 AKS);

3. von der Anschuldigung der einfachen Verkehrsregelverletzung, angeblich begangen am 
05.06.2019 in F.________ durch Nichtbeachten von Haltezeichen der Polizei (Ziff. 8.7.3 AKS);

4. von der Anschuldigung der Übernahme, Besitz und Anstalten treffen zur Veräusserung von 
4.6 Gramm Heroingemisch (Reinheitsgrad von 42 %, ausmachend 1.9 Gramm Heroinbase), an-
geblich begangen von ca. 17.01.2016 bis 19.01.2016 in F.________ (Ziff. 9 AKS)

ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung.

3

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 14.11.2017 in der Strafvollzugsan-
stalt M.________, zum Nachteil von D.________ (Ziff. 1 AKS);

2. der einfachen Körperverletzung, wiederholt begangen 

2.1. am 17.01.2016 an der E.________(strasse) in F.________, zum Nachteil seiner damaligen 
Ehefrau C.________ (Ziff. 2.1 AKS)

2.2. am 19.01.2016 an der E.________(strasse) in F.________, zum Nachteil seiner damaligen 
Ehefrau C.________ (Ziff. 2.2, 3.1, 3.2, 3.3 AKS)

3. der Drohung, wiederholt begangen 

3.1. in der Nacht von Silvester 2015/Neujahr 2016 an der E.________(strasse) in F.________ 
zum Nachteil seiner damaligen Ehefrau C.________ (Ziff. 5.1 AKS)

3.2. am 19.01.2016 an der E.________(strasse) in F.________ zum Nachteil seiner damaligen 
Ehefrau C.________ (Ziff. 5.2.2, 5.2.3 AKS)

3.3. ca. anfangs Oktober 2017 in F.________ oder anderswo, zum Nachteil seiner damaligen 
Ehefrau C.________ (Ziff. 5.3 AKS)

4. der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, begangen vor Silvester 2015/Neujahr 2016 in 
F.________ und anderswo durch Erwerb, Besitz und Tragen einer Pistole als albanischer Staats-
bürger (Ziff. 6 AKS);

5. der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten, begangen in der Zeit vom 01.07.2015 bis am 
31.12.2015 in F.________, zum Nachteil der Stadt F.________, Erwachsenen- und Jugendschutz 
(EJS), Alimentenvermittlung (Ziff. 7 AKS);

6. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen

6.1. durch Fahren ohne Berechtigung

6.1.1. zwischen dem 16.01.2016 und dem 17.01.2016 in F.________ (Ziff. 8.1.1 AKS)

6.1.2. am 24.01.2017 in G.________ (Ziff. 8.2.1 AKS)

6.1.3. am 15.06.2018 in F.________ (Ziff. 8.3.2 AKS)

6.1.4. am 24.01.2019 in H.________ (Ziff. 8.4 AKS)

6.1.5. am 02.02.2019 an einem unbekannten Ort in der Schweiz (Ziff. 8.6.1 AKS) 

6.1.6. am 17.02.2019 in F.________ (Ziff. 8.5 AKS)

6.1.7. am 27.03.2019 an einem unbekannten Ort in der Schweiz (Ziff. 8.6.2 AKS)

6.1.8. am 11.04.2019 an einem unbekannten Ort in der Schweiz (Ziff. 8.6.3 AKS)

6.1.9. am 13.04.2019 in F.________ (Ziff. 8.6.4 AKS)

6.1.10. am 24.04.2019 in I.________ (Ziff. 8.6.5 AKS)

6.1.11. am 02.05.2019 in J.________ (Ziff. 8.6.6 AKS)

6.1.12. am 05.06.2019 in F.________ (Ziff. 8.6.7 AKS)

4

6.1.13. am 28.08.2019 in F.________ (Ziff. 8.6.8 AKS)

6.2. durch Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit mit Motor-
fahrzeug zwischen dem 16.01.2016 und dem 17.01.2016 in F.________ und am 
05.06.2019 in F.________ (Ziff. 8.1.4, 8.7.2 AKS)

6.3. durch Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch am 15.06.2018 an der 
K.________ (strasse) in F.________ (Ziff. 8.3.1 AKS)

6.4. durch Führen eines Motorfahrzeugs in qualifiziert angetrunkenem Zustand (0.41 mg/l) 
am 15.06.2018 an der K.________(strasse) in F.________ (Ziff. 8.3.3 AKS)

6.5. durch pflichtwidriges Verhalten nach Unfall (Sachschaden) begangen am 05.06.2019 
in F.________ (Ziff. 8.7.1 AKS)

6.6. durch Führen eines Motorfahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand (medizinische 
Gründe) begangen am 05.06.2019 in F.________ (Ziff. 8.7.4 AKS)

6.7. durch einfache Verkehrsregelverletzung infolge Nichtbeachtung von Signalen (Über-
schreiten Parkzeit) begangen am 05.06.2019 in F.________ (Ziff. 8.7.5 AKS)

6.8. durch einfache Verkehrsregelverletzungen 

6.8.1. infolge Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h 
um 4 km/h am 13.04.2019 auf der Strecke A5 F.________ Richtung N.________ 
(Ziff. 8.8 AKS)

6.8.2. infolge Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h 
um 4 km/h am 24.04.2019 auf der Strecke A6 I.________ Richtung O.________ 
(Ziff. 8.9 AKS)

6.8.3. infolge Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h 
um 7 km/h am 02.05.2019 auf der Strecke A12 J.________ Richtung P.________ 
(Ziff. 8.10 AKS)

und in Anwendung der 

Art. 22 Abs. 1, 40, 47, 49 Abs. 1 und 2, 51, 66a Abs. 1 lit. b, 106, 122, 123 Ziff. 2, 180 Abs. 2 lit. a, 217 
StGB;
Art. 4 Abs. 1 lit. a, 7 Abs. 1, 33 Abs. 1 lit. a WG;
Art. 12 Abs. 1 lit. j WV;
Art. 10 Abs. 2, 27 Abs. 1, 31 Abs. 2 und 2ter, 32 Abs. 2, 37 Abs. 2, 51 Abs. 3, 55, 90 Abs. 1, 91 Abs. 2 
lit. a und b, 91a Abs. 1, 92 Abs. 1, 94 Abs. 1 lit. a, 95 Abs. 1 lit. a SVG; 
Art. 2 Abs. 1, 4a, 19 VRV;
Art. 48 Abs. 8 SSV;
Art. 12 SKV;
Art. 2 lit. a BAGV (Verordnung der Bundesversammlung über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr);
Art. 20 N-SIS-Verordnung
Art. 426 Abs. 1 StPO

5

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 56 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Moutier, vom 14.12.2015 und zum Urteil der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 29.11.2016. 

Die Untersuchungshaft von 135 Tagen (19.01.2016 bis 02.06.2016), die Polizeihaft von 1 Tag 
(30.06.2018) sowie die Ersatzmassnahmen (02.06.2016 bis 31.01.2017) im Umfang von 34 Ta-
gen, total 170 Tage, werden auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Busse von CHF 580.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird 
auf 6 Tage festgesetzt.

3. Zu einer Landesverweisung von 7 Jahren.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 29’400.00 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtlichen Verteidigungen) von CHF 36'389.30, insgesamt bestimmt auf 
CHF 65'789.30 (ohne Kosten für die amtlichen Verteidigungen auf CHF 11'357.90).

[Kostentabelle]

IV.

1. [Amtliche Entschädigung Rechtsanwalt B.________]

2. [Amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung für C.________ Rechtsanwalt 
Z.________]

3. [Amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung für C.________ Rechtsanwältin 
AA.________]

4. [Amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung für C.________ Rechtsanwältin 
AB.________] 

V.

Im Zivilpunkt wird verfügt:

1. Die zwischen den Parteien abgeschlossene Vereinbarung vom 30.10.2020 bzw. vom 02.11.2020 
wird gerichtlich genehmigt.

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

VI.

Weiter wird verfügt:

1. Die folgenden Drogen bzw. Drogenutensilien werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):
- 1 Fallschirm mit 0.63 g Kokaingemisch
- 1 Minigrip mit 4.6 g Heroingemisch

2. Folgender Gegenstand wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- 1 Metallkette mit Karabiner

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3. Die beschlagnahmte Munition (1 Patrone, 9 mm) wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 31 Abs. 3 
lit. a WG)

4. Folgende Gegenstände werden C.________ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückgege-
ben:

- 1 BH, Marke HM, grau
- 1 Top schwarz
- 1 Kopfkissen weiss-braun-grau mit Blumenmotiven

5. Folgende Gegenstände werden im Einverständnis der beschuldigten Person nach Eintritt der 
Rechtskraft des vorliegenden Urteils vernichtet:

- Mobiltelefon Samsung, IMEI Nr. 359521067843914 
- Mobiltelefon Samsung, IMEI Nr. 356141069512095
- SIM-Karte Lebara, 89410222651101126941
- SIM-Karte Yallo, 89410225651200040966

6. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. L.________) nach Ablauf der 
gesetzlichen Frist wird dem zuständigen Bundesamt erteilt (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

7. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 
17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienst-
licher Daten).

8. [Eröffnungsformel] 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Vorin-
stanz) meldete die amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt B.________, im Namen und 
im Auftrag von A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) am 13. November 2020 
fristgerecht Berufung an (pag. 1314). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 
14. Januar 2021 (pag. 1323 ff.).

Am 15. Januar 2021 reichte die amtliche Verteidigung des Beschuldigten, Rechts-
anwalt B.________, form- und fristgerecht gegen das vorgenannte Urteil die Beru-
fungserklärung ein (pag. 1439 f.). Sie focht Ziff. 1 der Anklageschrift (entspricht Ziff. 
III. 1 des erstinstanzlichen Urteils) sowie die Strafzumessung (Ziff. III, zweiter Teil, 1 
– 2); und die Anordnung der obligatorischen Landesverweisung (Ziff. III, zweiter Teil, 
3) an. Damit einhergeht auch eine Neubeurteilung der Kosten- und Entschädigungs-
folgen (Ziff. III, zweiter Teil, 4 und Ziff. IV). Der Rechtskraft nicht zugänglich sind 
sodann die weiteren Verfügungen gemäss Ziff. VI. 6 und 7.

Dementsprechend sind folgende Ziffern des erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft 
erwachsen: Ziff. I (Einstellungen); Ziff. II (Freisprüche); Ziff. III. 2 (Schuldsprüche ein-
fache Körperverletzung, wiederholt); Ziff. III. 3 (Schuldsprüche Drohung, wiederholt); 
Ziff. III. 4 (Schuldspruch Widerhandlung gegen das Waffengesetz); Ziff. III. 5 (Schuld-
spruch wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten); Ziff. III. 6 (Schuldsprüche 
wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen); 
Ziff. V (Zivilpunkt) und Ziff. VI. 1-5 (weitere Verfügungen).

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Gestützt auf die Berufungserklärung war unklar, ob die Verteidigung im Sanktionen-
punkt auch die Übertretungsbusse mitanfocht (Ziff. III, zweiter Teil, 2), zumal betref-
fend die gesamte Strafzumessung die Berufung erklärt wurde (pag. 1439, 1286, 
1296). Mangels diesbezüglich weiterer Ausführungen der Verteidigung an der Beru-
fungsverhandlung erachtet die Kammer – mit Blick auf die nicht angefochtenen Über-
tretungen und gemäss dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft – auch die Über-
tretungsbusse als nicht mitangefochten und damit als rechtskräftig. Auf weitere Aus-
führungen hierzu wird demzufolge verzichtet.

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Berufungsverhandlung wurden von Amtes we-
gen ein aktueller Strafregisterauszug vom 17. August 2021 (pag. 1495 ff.), ein aktu-
eller Auszug über Administrativmassnahmen vom 17. August 2021 (pag. 1490 ff.) 
und ein aktueller Leumundsbericht vom 12. August 2021 (pag. 1484 ff.) über den 
Beschuldigten eingeholt. Im Weiteren ersuchte die Verfahrensleitung den Migrati-
onsdienst der Stadt F.________ mit Schreiben vom 11. März 2021 um einen ergän-
zenden Bericht (pag. 1466). Der Migrationsdienst der Stadt F.________ stellte die-
sen mit Schreiben vom 31. März 2021 zu (pag. 1472 f.).

Schliesslich wurde der Beschuldigte anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsver-
handlung ergänzend zur Person und zur Sache befragt (pag. 1511 ff.).

4. Anträge der Parteien

4.1. Anträge der Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ stellte anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsver-
handlung namens des Beschuldigten/Berufungsführers folgende Anträge (pag. 1534 
ff.; Hervorhebungen im Original):

I. Rechtskraft 

1. Es sei festzustellen, dass die Ziffern I, II und sämtliche Ziffern Ill, ausgenommen Ziffer Ill / 1. des 
Urteils des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 06.11.2020 in Rechtskraft erwachsen 
sind. 

II. Freispruch 

2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung, evtl. einfache 
Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand gemäss Ziffer 1. der Anklageschrift der 
Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland freizusprechen. 

III. Strafmass des Urteils des Regionalgerichts Berner Jura Seeland 

3. Der Beschuldigte sei, in Abänderung der Ziffer Ill des Urteils vom Regionalgericht Berner Jura-
Seeland vom 06.11.2020, zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten zu verurteilen, teilweise als 
Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Moutier, vom 
14.12.2015 und zum Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, vom 
29.11.2016. 

4. Die Untersuchungshaft von 135 Tagen, die Polizeihaft von einem Tag und die Ersatzmassnah-
men von 34 Tagen, d.h. total 170 Tage, seien an die Freiheitsstrafe anzurechnen. 

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IV. Landesverweisung 

5. Von einer Landesverweisung sowie der Ausschreibung im Schengener Informationssystem sei 
abzusehen. 

V. Eventuell 

6. Der Beschuldigte sei eventuell schuldig zu erklären der einfachen Körperverletzung gemäss Arti-
kel 123 Abs 2 StGB begangen am 14.11.2017 zum Nachteil von Hr. D.________. 

VI. Weitere Anträge 

7. Die erkennungsdienstlichen Daten meines Mandanten mit der PCN-Nr. L.________ seien in An-
wendung von Art. 261 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 16 Abs. 1 lit, e des DNA-Profilgesetzes zu löschen. 

8. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ für das erst- und auch für das 
zweitinstanzliche Verfahren durch Rechtsanwalt B.________ sei gemäss Honorarnoten zu ge-
nehmigen. 

9. Die Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren seien dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

10. Alles unter Kosten und Entschädigungsfolgen.

4.2. Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte anlässlich der oberinstanzlichen Berufungs-
verhandlung folgende Anträge (pag. 1529 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.
Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura — Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 6. November 2020 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Einstellung des Verfahrens infolge Verjährung wegen
1.1. Tätlichkeiten, angeblich wiederholt begangen zu nicht genauer bestimmbaren Zeitpunk-

ten zwischen ca. Silvester 2015/Neujahr 2016 und dem 19.01.2016 an der 
E.________(strasse) in F.________ zum Nachteil seiner damaligen Ehefrau 
C.________;

1.2. wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, angeblich mehrfach be-
gangen
1.2.1. in der Zeit zwischen dem 16.01.2016 und dem 17.01.2016 in F.________

1.2.1.1. durch Nichtbeherrschen des Fahrzeuges;
1.2.1.2. durch pflichtwidriges Verhalten bei Unfall (Sachschaden);
1.2.1.3. durch Führen eines nicht betriebssicheren Motorfahrzeuges

1.2.2. am 24.01.2017 in G.________, Autobahn AS, Fahrtrichtung Q.________, 
durch Nichtbeherrschen des Fahrzeuges

2. des Freispruchs von der Anschuldigung 
2.1. der Drohung, angeblich begangen am 19.01.2016 an der E.________(strasse) in 

F.________ zum Nachteil seiner damaligen Ehefrau C.________; 
2.2. der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten, angeblich begangen in der Zeit vom 

01.01.2015 — 30.06.2015 und vom 01.01.2016 — 31.12.016 in F.________ und an-
derswo z.N. der Stadt F.________, Erwachsenen- und Jugendschutz (EJS), Alimen-
tenvermittlung; 

2.3. von der Anschuldigung der einfachen Verkehrsregelverletzung, angeblich begangen 
am 05.06.2019 in F.________ durch Nichtbeachten von Haltezeichen der Polizei; 

9

2.4. von der Anschuldigung der Übernahme, Besitz und Anstalten treffen zur Veräusse-
rung von 4.6 Gramm Heroingemisch (Reinheitsgrad von 42 %, ausmachend 1.9 
Gramm Heroinbase), angeblich begangen von ca. 17.01.2016 bis 19.01.2016 in 
F.________; 

3. der Schuldsprüche wegen 
3.1. einfacher Körperverletzung, wiederholt begangen 

3.1.1. am 17.01.2016 an der E.________(strasse) in F.________, zum Nachteil 
seiner damaligen Ehefrau C.________; 

3.1.2. am 19.01.2016 an der E.________(strasse) in F.________, zum Nachteil 
seiner damaligen Ehefrau C.________; 

3.2. Drohung, wiederholt begangen 
3.2.1. in der Nacht von Silvester 2015/Neujahr 2016 an der E.________(strasse) 

in F.________ zum Nachteil seiner damaligen Ehefrau C.________; 
3.2.2. am 19.01.2016 an der E.________(strasse) in F.________ zum Nachteil 

seiner damaligen Ehefrau C.________; 
3.2.3. ca. anfangs Oktober 2017 in F.________ oder anderswo, zum Nachteil sei-

ner damaligen Ehefrau C.________; 
3.3. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, begangen vor Silvester 2015/Neujahr 

2016 in F.________ und anderswo durch Erwerb, Besitz und Tragen einer Pistole als 
albanischer Staatsbürger; 

3.4. Vernachlässigung von Unterhaltspflichten, begangen in der Zeit vom 01.07.2015 bis 
am 31.12.2015 in F.________, zum Nachteil der Stadt F.________, Erwachsenen- 
und Jugendschutz (EJS), Alimentenvermittlung;

3.5. Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen 
3.5.1. durch Fahren ohne Berechtigung 

3.5.1.1. zwischen dem 16.01.2016 und dem 17.01.2016 in F.________; 
3.5.1.2. am 24.01.2017 in G.________; 
3.5.1.3. am 15.06.2018 in F.________; 
3.5.1.4. am 24.01.2019 in H.________; 
3.5.1.5. am 02.02.2019 an einem unbekannten Ort in der Schweiz; 
3.5.1.6. am 17.02.2019 in F.________; 
3.5.1.7. am 27.03.2019 an einem unbekannten Ort in der Schweiz; 
3.5.1.8. am 11.04.2019 an einem unbekannten Ort in der Schweiz; 
3.5.1.9. am 13.04.2019 in F.________; 
3.5.1.10.am 24.04.2019 in I.________; 
3.5.1.11.am 02.05.2019 in J.________; 
3.5.1.12.am 05.06.2019 in F.________; 
3.5.1.13.am 28.08.2019 in F.________; 

3.5.2. durch Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit 
mit Motorfahrzeug zwischen dem 16.01.2016 und dem 17.01.2016 in 
F.________ und am 05.06.2019 in F.________; 

3.5.3. durch Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch am 15.06.2018 
an der K.________(strasse) in F.________; 

3.5.4. durch Führen eines Motorfahrzeugs in qualifiziert angetrunkenem Zustand 
(0.41 mg/I) am 15.06.2018 an der K.________(strasse) in F.________; 

3.5.5. durch pflichtwidriges Verhalten nach Unfall (Sachschaden) begangen am 
05.06.2019 in F.________; 

3.5.6. durch Führen eines Motorfahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand (medizi-
nische Gründe) begangen am 05.06.2019 in F.________; 

10

3.5.7. durch einfache Verkehrsregelverletzung infolge Nichtbeachtung von Signa-
len (Überschreiten Parkzeit) begangen am 05.06.2019 in F.________; 

3.5.8. durch einfache Verkehrsregelverletzungen 
3.5.8.1. infolge Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit 

von 120 km/h um 4 km/h am 13.04.2019 auf der Strecke AS 
F.________ Richtung N.________;

3.5.8.2. infolge Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit 
von 120 km/h um 4 km/h am 24.04.2019 auf der Strecke A6 
I.________ Richtung O.________; 

3.5.8.3. infolge Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit 
von 100 km/h um 7 km/h am 02.05.2019 auf der Strecke Al2 
J.________ Richtung P.________;

4. der Verurteilung zu einer Busse von CHF 580.00 unter Festsetzung der Ersatzfreiheitsstrafe 
auf 6 Tage.

II.

A.________ sei zusätzlich schuldig zu erklären der versuchten schweren Körperverletzung, be-
gangen am 14.11.2017 in der Strafvollzugsanstalt M.________, zum Nachteil von D.________; 

und er sei in Anwendung von 

Art. 22 Abs. 1, 40, 47, 49 Abs. 1 und 2, 51, 66a Abs. 1 lit. b, 106, 122, 123 Ziff. 2, 180 Abs. 2 lit. a, 217 
StGB; 
Art. 4 Abs. 1 lit. a, 7 Abs. 1, 33 Abs. 1 lit. a WG; 
Art. 12 Abs. 1 lit. j WV; 
Art. 10 Abs. 2, 27 Abs. 1, 31 Abs. 2 und 2ter, 32 Abs. 2, 37 Abs. 2, 51 Abs. 3, 55, 90 Abs. 1,91 Abs. 2 
lit. a und b, 91a Abs. 1,92 Abs. 1, 94 Abs. 1 lit. a, 95 Abs. 1 lit. a SVG; 
Art. 2 Abs. 1,4a, 19 VRV; 
Art. 48 Abs. 8 SSV; 
Art. 12 SKV; 
Art. 2 lit. a BAGV; 
Art. 428 Abs. 1 StPO 

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 56 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Berner Jura — Seeland vom 29.11.2016 und zum Urteil der Regionalen Staats-
anwaltschaft Berner Jura — Seeland vom 1. Juli 2021 unter Anrechnung der ausgestandenen Un-
tersuchungshaft von 135 Tagen, der Polizeihaft von 1 Tag sowie der Ersatzmassnahmen im Um-
fang von 34 Tagen; 

2. zu einer Landesverweisung von 7 Jahren; 

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl, eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

III.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzu-
ordnen. 

2. Die folgenden Gegenstände seien zur Vernichtung einzuziehen: 

- 1 Fallschirm mir 0.63 g Kokaingemisch; 

- 1 Minigrip mit 4.6 g Heroingemisch; 

- 1 Metallkette mit Karabiner 

11

- 1 Patrone Munition, 9 mm 

- Mobiltelefon Samsung, IMEI Nr. 359521067843914 

- Mobiltelefon Samsung, IMEI Nr. 356141069512095 

- SIM-Karte Lebara, 89410222651101126941 

- SIM-Karte Yallo, 89410225651200040966 

3. Die folgenden Gegenstände seien C.________ nach Rechtskraft des Urteils zurückzugeben: 

- 1 BH, Marke H&M, grau; 

- 1 Top Schwarz 

- 1 Kopfkissen weiss-braun-grau mit Blumenmotiven; 

4. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA Profils (PCN-Nr. L.________) nach Ablauf der 
gesetzlichen Frist sei vorzeitig zu erteilen (Art. 16 Abs. 4 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 DNA-Profil-Gesetz).

5. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach 
Ablauf der gesetzlichen Frist sei vorzeitig zu erteilen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 Abs. 1 Verordnung 
über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

6. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO)

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Vorliegend focht die amtliche Verteidigung im Namen und im Auftrag des Beschul-
digten das erstinstanzliche Urteil bloss teilweise an (Ziff. I. 2 dieser Urteilsbegrün-
dung). Dementsprechend überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil 
nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafpro-
zessordnung (StPO; SR 312.0). Die Kammer verfügt hierbei über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 StPO). 

Aufgrund der ausschliesslichen Berufung des Beschuldigten darf das erstinstanzli-
che Urteil nicht zu dessen Nachteil abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Allgemeine Grundlagen zur Beweiswürdigung

Da die Vorinstanz auf die Aufführung der Theorie zu den allgemeinen Grundlagen 
der Beweiswürdigung verzichtete, macht die Kammer an dieser Stelle folgende Aus-
führungen:

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach sei-
ner freien, aus der Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass 
jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpften Über-
zeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen soll. Die 
freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logi-
schen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse Ver-
mutung stützen (BSK StPO-HOFER, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 58 ff.). Bestehen unüber-

12

windliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklag-
ten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sach-
lage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).

Der Grundsatz «in dubio pro reo» als Beweiswürdigungsregel besagt, dass sich das 
Gericht nicht von einem für die angeklagte Person ungünstigen Sachverhalt über-
zeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der 
Sachverhalt so verwirklicht hat. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel 
nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht 
verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende 
Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen. 
Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis zulässig. Beim In-
dizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, 
aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche 
Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur mit 
einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen und 
einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, können einen An-
fangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objek-
tiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirk-
licht hat (Urteil des Bundesgericht 6B_781/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 3.2; Ur-
teil des Bundesgericht 6B_300/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 3.2.2; Urteil des Bun-
desgericht 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8).

Steht Aussage gegen Aussage, so bedeutet das nicht zwingend, dass die beschul-
digte Person in Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» freizusprechen ist. 
Vielmehr hat das Gericht die Darstellung der Verfahrensbeteiligten auf ihren inneren 
Gehalt und ihre Überzeugungskraft hin zu werten (WOHLERS, in: Donatsch/Hansja-
kob/Lieber [Hrgs.], Kommentar zur Schweizerischen StPO, 2. A., 2014, N 12 und 25 
f. zu Art. 10, m.w.H.).

Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der 
modernen Aussagepsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder Wahr-
haftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle Glaubhaf-
tigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aussage von Bedeutung 
(NACK, in: Kriminalistik 4/95, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, in Kriminalistik 
4/95, S. 257 ff. mit Hinweisen; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Ge-
richt, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. A., München 2014, 
N 219 ff.). Die Aussageanalyse stellt die konkrete Aussage in den Mittelpunkt ihrer 
Untersuchung. Dabei wird der Inhalt der Aussage anhand bestimmter Kriterien ana-
lysiert. Dahinter steht die Überlegung, dass jemand, der ein reales Erlebnis schildert, 
dies quantitativ und qualitativ anders tut, als jemand, der eine Phantasiegeschichte 
erzählt. Eine Aussage hat umso mehr die Vermutung für sich, dass ein «realitätsbe-
gründetes Ereignis» geschildert wird, umso weniger der Auskunftsperson/dem Zeu-
gen zuzutrauen ist, dass sie/er die Geschehensabläufe, so wie von ihr/ihm darge-
stellt, aus eigener Kraft erfinden könnte (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 288 ff).

Die Analyse des Aussageinhaltes erfolgt anhand spezieller Textmerkmale oder in-
haltlicher Qualitäten, den so genannten Realkennzeichen oder Glaubwürdigkeitskri-

13

terien. Diese Kriterien beschreiben inhaltliche Qualitäten einer Aussage, die hinrei-
chend trennscharf zwischen realitätsbegründeten und phantasierten Aussagen dif-
ferenzieren sollen. Eine Gruppe der Realkennzeichen basiert auf der Annahme, dass 
sie in einer phantasierten Aussage nur selten vorkommen, weil ein/e Auskunftsper-
son/Zeuge nicht in der Lage wäre, eine Aussage mit den in den Realkennzeichen 
beschriebenen Qualitäten ohne eigene Erlebnisgrundlage zu erfinden. Eine zweite 
Gruppe, die so genannten motivationsbezogenen Realkennzeichen, gehen dagegen 
von der Annahme aus, dass ein/e Auskunftsperson/ Zeuge derartige Äusserungen 
vermeiden würde, um ihre/seine Glaubwürdigkeit nicht zu schädigen. Die Realkenn-
zeichenanalyse kann aber nicht im Sinne einer Checkliste abgearbeitet werden, wo-
bei einfach aufgezählt wird, wie viele Realkennzeichen in einer Aussage festgestellt 
wurden. Die inhaltlichen Merkmale erhalten ihre diagnostische Bedeutung vielmehr 
erst durch ein In-Beziehung-Setzen zu anderen diagnostischen Befunden (KÖHNKEN, 
Referat am Lehrgang richterlicher Tätigkeit, Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von 
Kinderaussagen). 

Zu den allgemeinen Realkennzeichen gehören etwa die Konstanz der Aussage im 
m zentralen Handlungsablauf, die Strukturgleichheit, die logische Konsistenz, Ho-
mogenität und Folgerichtigkeit der Aussagen, deren Anschaulichkeit und Wirklich-
keitsnähe, die Freiheit von Widersprüchen, die Detailgenauigkeit der Angaben, de-
ren qualitativer Detailreichtum sowie das Fehlen von Phantasiesignalen wie Verle-
genheit oder Übertreibungen. Zu den inhalts-spezifischen Realkennzeichen gehören 
weiter die räumliche-zeitliche Verknüpfung der Aussagen, die Interaktionsschilde-
rung und die Wiedergabe von Gesprächen, die Schilderung von Komplikationen im 
Handlungsablauf und von ausgefallenen nebensächlichen Einzelheiten, die Schilde-
rung eigener psychischer Vorgänge und von psychologischen Vorgängen beim Be-
schuldigten. Auch die spontane Verbesserung der eigenen Aussage, das Einge-
ständnis von Erinnerungslücken, Selbstbelastungen und Entlastungen des Beschul-
digten sind Realkennzeichen. Demgegenüber stellen Widersprüchlichkeiten, Struk-
turbrüche, Kargheit und Verarmung der Aussagen, die Aussagenverweigerung, die 
Abstraktheit und Zielgerichtetheit der Aussagen sowie deren Stereotypie Lügensi-
gnale dar. Zu beachten sind schliesslich immer auch die Tatnähe der Aussagen und 
eine allfällige reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit (z.B. wegen Alkohol- oder Droge-
neinflusses etc.).

7. Vorbemerkung

Die Verteidigung beschränkte ihre Berufung – hinsichtlich der Schuldsprüche – auf 
den Vorfall vom 14. November 2017 in der Justizvollzugsanstalt M.________ (Ziff. 
I.1 der Anklageschrift, pag. 1439; nachfolgend: Ziff. 1 der Anklageschrift). 

14

Betreffend die weiteren unangefochtenen und damit rechtskräftigen Schuldsprüche 
(Ziff. 2 - 6 des erstinstanzlichen Urteils, pag. 1294 f.) – welche für die auch ange-
fochtene Strafzumessung relevant bleiben – wird auf die Ausführungen der Vorin-
stanz in der Urteilsbegründung verwiesen (pag. 1338 ff., 1375 ff.).

8. Vorwurf gemäss Ziff. 1 der Anklageschrift

A.________ wird vorgeworfen am 14.11.2017 um ca. 19.20 Uhr in der Strafvollzugsanstalt M.________ 
einen Mitinsassen, D.________, anlässlich eines Streits mit einer ca. 110 cm langen Eisenkette, beste-
hend aus ca. 1.5 cm breiten Gliedern, ein Mal auf den Rücken und wenige Minuten später mehrmals 
auf den Kopf geschlagen zu haben, wobei er beim ersten Schlag die Kette halbiert in seiner Hand 
gehalten habe und bei den nachfolgenden Schlägen die Kette in ihrer ganzen Länge gebraucht habe.

D.________ habe danach Prellmarken mit jeweils leichter Hämatombildung am linken Unterarm mit 
einer Schwellung des Handgelenks, am rechten Handgelenk, auf der linken Seite der Stirn, am Hinter-
kopf links und am Rücken rechts im Bereich des Schulterblatts gehabt. D.________ habe auch drei 
Tage nach dem Vorfall noch Schmerzen am Rücken und am Kopf gehabt, habe einen Tag später spon-
tanes Nasenbluten aufgewiesen und habe deswegen während mehreren Tagen Schmerzmittel einneh-
men müssen.

A.________ habe mit seiner Handlung zumindest in Kauf genommen beim Opfer eine schwere Schä-
digung des Körpers zu verursachen, insbesondere habe eine lebensgefährliche Kopfverletzung resul-
tieren können, welche zudem zu bleibenden Schäden, namentlich einer Schädigung des Gehirns, hätte 
führen können. Ferner hätte die Handlung auch eine Entstellung des Gesichts bewirken können. 

9. Beweisergebnis der Vorinstanz zum Vorwurf gemäss Ziff. 1 der Anklageschrift

Die Vorinstanz gelangte zu folgendem Beweisergebnis (S. 15 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 1337 f.):

Gestützt auf die glaubhaften Aussagen des Opfers und der Auskunftspersonen geht das Gericht geht 
deshalb von folgendem Sachverhalt aus: Die Auseinandersetzung am Abend des 14.11.2017 war die 
Folge des Vorfalls vom Mittag, als D.________ auf dem Weg zur Arbeit beim Kreuzen mit A.________ 
diesem nicht hat aus dem Weg gehen wollen und A.________ D.________ deshalb angerempelt hat. 
Der von A.________ geschilderte Faustschlag seitens D.________ oder den Schlag mit dem Kopf ge-
gen seine Nase konnten hingegen nicht erstellt werden. Nach der Arbeit am Abend begab sich 
D.________ zum Gefängniskiosk und wurde dort von R.________ und anschliessend auch von 
A.________ aufgesucht. Als er weggehen wollte und sich umdrehte, schlug der Beschuldigte 
D.________ mit der geschlossenen Kette einmal auf den Rücken, wodurch dieser ein Hämatom auf 
dem rechten Schulterblatt erlitt. D.________ ist daraufhin in seine Zelle gegangen. Kurz danach hat er 
A.________ im Bereich der Zellen im ersten Stock aufgesucht, um nachzufragen, wo das Problem ist. 
Als D.________ vor A.________ stand, behändigte dieser erneut die geschlossene Eisenkette und 
schlug ca. 4 bis 6 Mal frontal auf D.________ ein, wobei er ihm die dokumentierten Verletzungen am 
Kopf und den Unterarmen zufügte. Um diesen Schlägen zu entgehen, rannte D.________ die Treppe 
vom ersten Stock herunter in den Essbereich, behändigte einen Stuhl, um sich zu verteidigen und als 
er diesen verloren hatte, warf er den Geschirrkorb der Abwaschmaschine mit Geschirr nach 
A.________. A.________ versuchte im Essbereich erneut mit der geschlossenen und als dies aufgrund 
der Distanz nicht klappte mit der offenen Kette auf D.________ einzuschlagen. Der Abstand zwischen 
den beiden war allerdings nach wie vor zu gross, sodass A.________ D.________ nicht traf. Im Ess-
bereich wollte D.________ zum Gegenangriff übergehen. Dieser wurde aber durch R.________, den 

15

Freund von A.________, gestoppt. Anschliessend ist die Vollzugsverantwortliche U.________ gekom-
men und die Auseinandersetzung hat sich aufgelöst. Drei Tage nach dem Vorfall hatte D.________ 
immer noch Schmerzen am Rücken und am Kopf und einen Tag später spontanes Nasenbluten und 
musste deswegen während mehreren Tagen Schmerzmittel einnehmen.

10. Unbestrittener/Bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist hinsichtlich Ziff. 1 der Anklageschrift, dass es zwischen dem Beschul-
digten und D.________ am 14. November 2017 in der Strafvollzugsanstalt 
M.________ zu einer Auseinandersetzung gekommen ist. 

Bestritten ist hingegen der konkrete Ablauf dieser Auseinandersetzung sowie wer 
der Initiant des Geschehens war bzw. ob der Beschuldigte aus Selbstverteidigung 
handelte oder nicht.

11. Beweismittel

Die vorliegenden Beweismittel werden – der guten Ordnung halber – nachfolgend 
kurz aufgelistet.

Als objektive Beweismittel liegen der Kammer der Anzeigerapport vom 25. Novem-
ber 2017 (pag. 430 ff.) sowie der Arztbericht vom 23. November 2017 (pag. 450) vor.

Als subjektive Beweismittel liegen der Kammer die Aussagen des Beschuldigten an-
lässlich der polizeilichen Einvernahme vom 17. November 2017 (pag. 477 ff.), der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2018 (pag. 482 ff.), der Einver-
nahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. November 2020 
(pag. 1258 ff.) sowie der Einvernahme im Rahmen der oberinstanzlichen Hauptver-
handlung vom 9. September 2021 (pag. 1511 ff.) vor.

Im Weiteren liegen als subjektive Beweismittel die Aussagen von D.________ an-
lässlich der polizeilichen Einvernahme vom 17. November 2017 (pag. 452 ff.) und 
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2018 (pag. 457 ff.) vor.

Weiter verfassten S.________ und T.________ je einen Wahrnehmungsbericht da-
tiert vom 15. November 2017 (pag. 446 ff.) und vom 21. November 2017 (pag. 449). 
Beide wurden sodann am 12. Juni 2018 von der Polizei delegiert einvernommen 
(pag. 464 ff.; 469 ff.).

12. Objektive Beweismittel

Vorweg ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die objektiven Beweismittel ausführlich 
wiedergegeben hat, sodass hierfür auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen 
werden kann (S. 7 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1329 ff.). 

Ergänzend und präzisierend ist hinsichtlich des Anzeigerapports vom 25. November 
2017 (pag. 430 ff.) auszuführen, dass die Regionalpolizei Berner Jura-Seeland eine 
Meldung aus der Justizvollzugsanstalt erhalten habe, gemäss welcher es zwischen 
den Insassen D.________ und dem Beschuldigten zu einer Auseinandersetzung ge-
kommen sei. Der Erstgenannte mache geltend, dass ihn der Beschuldigte mit einer 
Eisenkette geschlagen habe, was dieser bestreite. Dem Anzeigerapport beigelegt 

16

wurde ein Foto der Eisenkette (pag. 432) sowie Fotos der Verletzungen von 
D.________ (pag. 433 f.).

Als weiteres objektives Beweismittel liegt der Arztbericht vom 23. November 2017 
(pag. 450) vor. Diesem lässt sich entnehmen, dass bei D.________ Prellmarken mit 
jeweils leichter Hämatomausbildung am Unterarm links mit Schwellung des Hand-
gelenkes, am Handgelenk rechts, an der Stirn frontal links, am Kopf okzipital links 
und am Rücken/Schulterblatt rechts festgestellt worden sind. Hirnhautentzündun-
gen, ein eingeschränktes Blickfeld und Verletzungen der Halswirbelsäule sind nicht 
diagnostiziert worden. D.________ habe zudem über starke Kopfschmerzen und ei-
nen Müdigkeitszustand geklagt. Im Weiteren sei es am Tag nach dem Vorfall zu 
spontanem Nasenbluten gekommen. Erbrechen habe er nicht müssen und bewusst-
los sei er auch nicht gewesen.

Hierbei kann bereits vorweggenommen werden, dass der Arztbericht lege artis er-
stellt worden ist, sodass auf dessen Erkenntnisse beweismässig abgestellt werden 
kann.

13. Subjektive Beweismittel
Die Vorinstanz fasste die Einvernahmen des Beschuldigten, des Geschädigten und 
der Auskunftspersonen umfassend zusammen, so dass vorab darauf verwiesen wer-
den kann (S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1330 ff.). Dennoch 
erachtet es die Kammer – im Sinne einer Ergänzung und Präzisierung – als ange-
zeigt, die Einvernahmen nochmals zusammenfassend darzustellen.

13.1. Aussagen des Beschuldigten
In der polizeilichen Einvernahme vom 17. November 2017 antwortete der Beschul-
digte auf Frage, was sich am 14. November 2017 zugetragen habe, dass es zwi-
schen ihm und D.________ wegen eines «Müpfers» auf dem Gang am Mittag einen 
Konflikt gegeben habe (pag. 477 Z. 33). Er sei dann zu D.________ gegangen, um 
mit ihm zu reden, wobei sie sich gegenseitig den Weg nicht freigemacht hätten und 
D.________ deshalb mit dem Kopf gegen seine Nase geschlagen habe (pag. 477 Z. 
36 ff.). Er sei während des ganzen Tages krank gewesen und habe nicht gearbeitet, 
weshalb er nach dem Vorfall wieder in seine Zelle zurückgegangen sei (pag. 477 Z. 
38 f.). Deshalb habe er dann am Abend seinen Kollegen R.________ bei 
D.________ vorbeigeschickt, um zu fragen, was sein Problem sei (pag. 477 Z. 40). 
Nach weniger als 20 Minuten sei dann D.________ mit einer Eisenkette in seiner 
Hand in seine WG gekommen, wobei dieser sofort begonnen habe auf ihn einzu-
schlagen (pag. 477 Z. 43 ff.). Er habe D.________ in der Folge die Kette weggenom-
men und auf diesen selbst mit der Kette eingeschlagen. Er wisse nicht, ob er ihn 
getroffen habe, er habe sich einfach vor ihm schützen wollen (pag. 477 Z. 45 ff.). Auf 
Vorhalt, dass D.________ hingegen ausgesagt habe, dass er (der Beschuldigte) mit 
der Kette auf ihn losgegangen sei und nicht umgekehrt, antwortete der Beschuldigte, 
dass dessen Version keinen Sinn ergebe, denn weshalb hätte D.________ ihn sonst 
in seiner Zelle aufsuchen sollen. Wenn er ihn hätte angreifen wollen, wäre er zu ihm 
gegangen (pag. 477 Z. 49 ff.). Auf Frage, ob er Verletzungen erlitten habe, antwor-
tete er, dass er etwas an der linken Hand habe, aber diesbezüglich keinen Arzt auf-
gesucht habe (pag. 477 Z. 56 f.). Als Grund für die Auseinandersetzung gab er den 

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«Müpfer» vom Mittag an. Auf Frage, ob er wisse woher die Kette stamme, sagte er 
aus, dass man D.________ fragen solle (pag. 478 Z. 71 f.). Er führte auf Nachfrage 
weiter aus, dass D.________ – nachdem er ihm die Kette weggenommen habe – ein 
Tablett behändigt habe, um ihn damit zu schlagen (pag. 478 Z. 74 ff.). Auf Vorhalt, 
dass D.________ demgegenüber ausgeführt habe, dass die Kette ihm (dem Be-
schuldigten) gehöre, führte er aus, dass er seine Sachen sage und sie (die Polizei) 
jetzt herausfinden könne, was der Wahrheit entspreche (pag. 478 Z. 79 ff.).

Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2018 führte der 
Beschuldigte aus, dass D.________ ihn mit der Kette angegriffen und er ihm diese 
in der Folge aus der Hand genommen habe, um sich zu verteidigen (pag. 481 Z. 45 
ff.). Auf Frage, was er anschliessend gemacht habe, gab er an, ihn geschlagen zu 
haben (pag. 482 Z. 48 f.). Daran wie oft er D.________ geschlagen habe, habe er 
sich aber nicht mehr erinnern können (pag. 482 Z. 51 f.). Auf erneute Frage, wie er 
genau reagiert habe, führte er aus, dass er ihm die Kette aus der Hand genommen 
und ihn mit den Händen und Füssen geschlagen habe (pag. 482 Z. 54 ff.). Er sei an 
einem Tisch gesessen und sei am Essen gewesen, als D.________ auf ihn zuge-
kommen sei und ihn angegriffen habe. Er sei aufgestanden und habe sich verteidigt 
(pag. 482 Z. 67 ff.). Er stritt ab, dass diese Kette ihm gehöre (pag. 482 Z. 75). Auf 
Vorhalt der Aussagen von D.________, welcher angab, dass er (der Beschuldigte) 
ihn ein erstes Mal mit der Kette gegen den Rücken geschlagen habe und er (der 
Beschuldigte) nach einer kurzen Pause ihn erneut, dann jedoch mehrmals, u.a. ge-
gen den Kopf geschlagen habe, antwortete er, dass dies nicht stimme (pag. 483 Z. 
86 ff.). Auf Vorhalt, dass er vorgängig ja bereits selbst bejaht habe, D.________ mit 
der Kette geschlagen zu haben, führte er aus, dass er nicht genau wisse, ob er ihn 
geschlagen habe; er habe sich einfach verteidigt (pag. 483 Z. 91 ff.). Er könne sich 
einfach nicht mehr daran erinnern, ob er ihn mit der Kette geschlagen habe (pag. 
483 Z. 97 f.). Auf mehrmalige Nachfrage, ob er nun D.________ doch mit der Kette 
geschlagen habe, antwortet er stets, dass er sich nicht erinnern könne (pag. 483 Z. 
104 ff.). Auf Frage, wieso es nötig gewesen sei, dass er D.________ noch geschla-
gen habe, nachdem er ihm die Kette weggenommen habe, sagte er aus, was er denn 
hätte machen sollen; D.________ habe ihn nicht nur mit der Kette, sondern auch mit 
den Fäusten geschlagen (pag. 483 Z. 110 ff.). Auf Vorhalt, dass er Faustschläge 
seitens von D.________ bisher nicht erwähnt habe, gab er an, dass er ihm keine 
Schwierigkeiten habe bereiten wollen (pag. 483 Z. 119 ff.).

Anlässlich der Einvernahme an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. No-
vember 2020 führte der Beschuldigte aus, dass er aus Selbstverteidigung gehandelt 
habe (pag. 1258 Z. 14 ff.). Die Frage, ob er demnach zugebe, D.________ aus 
Selbstverteidigung geschlagen zu haben, bejahte er (pag. 1258 Z. 18 f.). Er führte 
aus, dass er nicht mehr sagen könne, wie oft und wohin er ihn geschlagen habe. 
D.________ sei mit der Kette in der Hand zu ihm gekommen und dort habe er ihm 
einen Faustschlag verpasst und ihm die Kette weggenommen. Er habe sodann zwei, 
drei Mal mit der Kette auf seinen Rücken geschlagen (pag. 1258 Z. 23 ff.). 
D.________ habe ihn zuerst geschlagen, wobei dieser ihm seine Hand verletzt habe 
(pag. 1258 Z. 28 ff.). Auf Frage, wie viele Male ihn D.________ geschlagen habe, 
sagte er aus, dass dieser einmal auf ihn eingeschlagen und er danach die Kette 
gepackt habe (pag. 1258 Z. 32 ff.). Ob er wisse, woher D.________ die Kette gehabt 

18

habe, führte er aus, dass er dies nicht wisse, aber, dass D.________ ausserhalb des 
Gefängnisses gearbeitet habe. Im Moment des Angriffs sei er in seinem Zimmer ge-
wesen, deshalb habe er nicht gesehen, woher D.________ die Kette behändigt habe 
(pag. 1258 Z. 35 ff.). Auf Frage, ob es nicht genügt hätte, wenn er diesem die Kette 
lediglich abgenommen hätte, gab er an, dass wenn er darüber nachdenke, eigentlich 
schon (pag. 1259 Z. 21 f.). Auf weitere Frage, ob er nicht das Gefühl gehabt habe, 
dass es gefährlich gewesen sei, mit der Kette auf D.________ einzuschlagen, sagte 
er aus, dass er in diesem Moment, als D.________ ihn als Erster geschlagen habe, 
er sich keine Gedanken darüber gemacht habe. Es sei aber auch nicht so gefährlich, 
er sei ja nicht zu Boden gefallen oder dergleichen (pag. 1259 Z. 43 ff.). Im Weiteren 
stritt der Beschuldigte ab, D.________ am Kopf getroffen zu haben (pag. 1260 Z. 2 
ff.).

Im Rahmen der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung vom 9. September 2021 
führte der Beschuldigte auf Frage, welche Folgen ein Schlag mit einer Eisenkette 
gegen den Kopf eines Menschen haben kann, aus, dass er dies nicht wisse, es 
könne eine Platzwunde geben; die Kette habe ihn selbst am Arm getroffen und es 
habe geschmerzt (pag. 1517 Z. 37 ff.). Rückblickend führte der Beschuldigte aus, 
dass er aus Selbstverteidigung gehandelt habe, als ihn D.________ in seinem Zim-
mer angegriffen habe (pag. 1518 Z. 1 ff.). Zudem gab er auf Vorhalt der Kette an, 
dass es nicht seine gewesen sei (pag. 1518 Z. 10 ff.). Auf Frage der Verteidigung, 
ob er noch wisse, wie viele Male er D.________ mit der Kette getroffen habe, sagte 
er aus, zwei bis drei Mal. Er habe die Kette rumgeschwungen, um ihn von sich fern-
zuhalten und nicht, um ihn zu treffen (pag. 1518 Z. 20 ff.). Das erste Mal als 
D.________ auf ihn zugekommen sei, habe er mit seinem Kopf gegen dessen Kopf 
geschlagen, um ihm die Kette wegzunehmen. Danach habe er die Kette geschwun-
gen (pag. 1518 Z. 27 ff.).

13.2. Aussagen D.________ 

An der polizeilichen Einvernahme vom 17. November 2017 führte D.________ aus, 
dass er immer noch Schmerzen am Rücken und am Kopf habe. Er habe sich auch 
noch immer nicht beruhigen können (pag. 452 Z. 43 ff.). Hinsichtlich des Vorfalls gab 
er an, dass er am 14. November 2017 nach dem Mittagessen zur Arbeit habe gehen 
wollen und dass ihm auf dem Weg von der Wohngruppe zum Arbeitsplatz der Be-
schuldigte entgegengekommen sei und ihm gesagt habe, er solle ihm aus dem Weg 
gehen (pag. 452 Z. 51 f.). Beim Kreuzen habe ihn der Beschuldigte mit dem Ellbogen 
gegen seinen linken Ellbogen gestossen, er sei aber weitergegangen (pag. 452 Z. 
53 f.). Der Beschuldigte habe ihn daraufhin angeschrien, wieso er ihm im Weg stehe 
und habe ihn mit der Brust gegen den Körper geschubst und ihm den Weg versperrt 
(pag. 452 Z. 55 f.). Er habe lediglich zur Arbeit gehen wollen und andere Insassen 
hätten den Beschuldigten weggezogen (pag. 452 Z. 56 ff.). Am Abend habe ihn dann 
R.________ in seiner Zelle aufgesucht und ihm gesagt, dass er damit aufhören solle. 
Er habe ihm geantwortet, dass er keine Probleme wolle (pag. 453 Z. 62 ff.). Ansch-
liessend habe er sich zum Kiosk begeben, wobei R.________ beim Raucherplatz in 
der Nähe der Wohngruppe 6 erneut auf ihn zugekommen sei und ihm mitgeteilt habe, 
dass das Problem weitergehe und nicht aufhöre. Der Beschuldigte sei dann dazu 

19

gekommen und habe dabei eine Kette in der rechten Hand gehalten, welche er ge-
schwungen habe. Er sei dann auf den Beschuldigten zugegangen und habe ihn ge-
fragt, was für ein Problem er mit ihm habe (pag. 453 Z. 66 ff.). Daraufhin habe der 
Beschuldigte ihm geantwortet, dass er ihm jetzt zeigen werde, was für Probleme er 
mit ihm habe. Er (D.________) habe sich umgedreht und habe zurückgehen wollen, 
als der Beschuldigte mit der Kette einmal auf ihn eingeschlagen habe (pag. 453 Z. 
70 f.). Er sei danach für fünf Minuten ins Zimmer gegangen und habe anschliessend 
den Essraum aufgesucht. Der Beschuldigte habe sich im Essraum befunden und er 
habe diesen gefragt, wieso er das gemacht habe. Darauf habe der Beschuldigte ge-
antwortet, dass er ihm dies jetzt erklären werde. Der Beschuldigte sei danach zurück 
in sein Zimmer gegangen und habe vermutlich die Kette geholt (pag. 453 Z. 75 ff.). 
Der Beschuldigte habe sofort wieder angefangen mit der Kette auf ihn einzuschla-
gen. Er habe deshalb einen Stuhl behändigt um sich zu verteidigen. Es seien sodann 
andere Mitglieder der Wohngruppe dazugekommen, jedoch hätten sie sich dann 
selbständig getrennt (pag. 453 Z. 77 ff.). Auf Frage, wie oft ihn der Beschuldigte mit 
der Kette getroffen habe, antworte er, dass er dies nicht wisse, er denke aber min-
destens vier bis fünf Mal (pag. 453 Z. 82 ff.). Er habe zwei Verletzungen bzw. Häma-
tome am Kopf, am Rücken, an der linken Schulter und an der linken Hand davonge-
tragen (pag. 453 Z. 88 f.). Er führte auch aus, dass er zur Verteidigung ein Tablett 
genommen habe, auf welchem sich Gläser befunden hätten. Er habe aber keine Glä-
ser genommen, um sich gegen den Beschuldigten zu schützen (pag. 453 Z. 91 ff.).

Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2018 führte 
D.________ aus, dass er sich auf dem Weg zur Arbeit befunden und er dabei den 
Beschuldigten gekreuzt habe, welcher ihn mit seinem Arm gestossen habe. Nach 
ungefähr zehn Metern habe sich der Beschuldigte umgedreht und ihm gesagt, dass 
er ihm den Weg freimachen müsse, wenn er ihn kreuze. Sie seien dann aufeinander 
«zu» und Leute hätten sie getrennt, es sei nichts weiter geschehen (pag. 457 Z. 76 
ff.). Nach der Arbeit habe er sich beim Laden befunden und habe zurück ins Zimmer 
gewollt. Der Beschuldigte habe eine Kette in seiner Jackentasche gehabt, mit wel-
cher er einmal auf ihn eingeschlagen habe (pag. 457 f. Z. 85 ff.). Er habe sich danach 
entfernt. Nach einigen Minuten hätten sie sich wieder getroffen und er habe den Be-
schuldigten gefragt, was sein Problem sei. Daraufhin habe ihm der Beschuldigte ge-
sagt, er werde ihm zeigen, was das Problem sei und habe die Kette rausgeholt. Er 
habe begonnen, wieder mit der Kette auf ihn einzuschlagen (pag. 458 Z. 91 ff.). Er 
habe versucht sich zu verteidigen. Nachdem ihm der Stuhl aus der Hand gefallen 
sei, habe er eine Harasse genommen, um sich vor ihm zu schützen (pag. 458 Z. 94 
ff.). In der Harasse sei Geschirr drin gewesen, welches zu Boden gefallen sei (pag. 
458 Z. 100). Anschliessend sei eine Betreuerin hinausgekommen und habe begon-
nen zu schreien, wodurch die Auseinandersetzung beendet worden sei; sie seien 
danach zurück in ihr Zimmer gegangen (pag. 458 Z. 103 ff.). Als der Beschuldigte 
die Kette das zweite Mal hervorgenommen habe, habe er von vorne geschlagen, da 
sie sich gegenübergestanden seien (pag. 458 Z. 112 ff.). Auf Vorhalt der Kette gab 
er an, dass er nicht mehr wisse, ob es genau diese Kette gewesen sei, es sei aber 
eine Kette gewesen (pag. 458 Z. 118 f.). Der Beschuldigte habe sodann die Kette 
einmal offen und einmal geschlossen gehalten (pag. 458 Z. 122 f.). D.________ gab 
sodann an, sich nicht mehr erinnern zu können, ob – als der Beschuldigte mit der 

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offenen Kette geschlagen habe – der Karabiner vorne oder in seiner Hand gewesen 
sei (pag. 459 Z. 129 ff.). Beim ersten Schlag sei die Kette geschlossen gewesen und 
bei den weiteren Schlägen offen (pag. 459 Z. 133 ff.). Auf Frage, in welchem Raum 
dieser Vorfall stattgefunden habe, gab er an, in der Küche, im Essbereich (pag. 459 
Z. 151 ff.). Auf Vorhalt der Aussagen von Mitinsasse S.________, dass der Beschul-
digte ihn nicht getroffen habe, sondern dies nur versuchte, sagte er aus, dass er ihn 
getroffen habe, man habe ja die Spuren feststellen können (pag. 460 Z. 175 ff.). 
Woher der Beschuldigte die Kette gehabt habe, konnte er nicht beantworten (pag. 
460 Z. 179 f.). Auf Frage, welche Folgen er davongetragen habe, antwortete er, dass 
er einige Tage danach Kopfschmerzen gehabt habe, dann sei alles wieder gut ge-
wesen (pag. 460 Z. 195 ff.). Auf Frage, weshalb er sich nicht als Privatkläger konsti-
tuiert habe, gab er an, dass er sich nicht mit so etwas beschäftigen wolle, er wolle 
einfach nach Hause zu seiner Familie gehen (pag. 461 Z. 203 ff.).

13.3. Aussagen S.________ 
Mitinsasse S.________ führte in seinem Wahrnehmungsbericht vom 15. November 
2017 (pag. 446 ff.) aus, dass er am Tisch mit dem Rücken zur Treppe gesessen sei, 
wo sich oberhalb davon die Zelle des Beschuldigten befinden würde. Plötzlich habe 
er es «räbeln» gehört, es habe sich wie ein Ringkampf angehört. Urplötzlich sei es 
heftig und laut geworden, wobei er sich umgedreht habe und er habe sehen können, 
dass der eine «Albaner» wie vom Blitz geschossen die Treppe «hinuntergerauscht» 
sei, wobei ihn der Beschuldigte mit einer ca. 1.5 m langen Eisenkette in der Hand 
verfolgt habe. Der Beschuldigte habe versucht, den fliehenden Albaner damit zu 
schlagen, was ihm, soweit er dies habe sehen können, aber nicht gelungen sei. Der 
Abstand sei zu gross gewesen. Der Verfolgte habe Panik gehabt und nach allem 
gegriffen, was ihm in die Hände gekommen sei. Zuerst habe er einen Stuhl und an-
schliessend das mit Gläsern befüllte «Kunst…stoffteil» der Abwaschmaschine 
behändigt. Die Gläser seien in tausend Teile zersplittert und auf den Boden gefallen. 
Er müsse klar sagen, dass es dem Verfolgten möglich gewesen wäre zu fliehen. Er 
habe sich aber für den Weg des Gegenangriffs entschieden. Anschliessend sei 
U.________ gekommen und habe laut gerufen «geits no, fertig jetzt», was die Aus-
einandersetzung gestoppt habe. Er führte auch aus, dass der Beschuldigte wegen 
seines asozialen Verhaltens schon mehrmals negativ aufgefallen sei.

Anlässlich der delegierten Einvernahme als Auskunftsperson vom 12. Juni 2018 
bestätigte S.________ seinen Bericht vom 15. November 2017 (pag. 470 Z. 15). 
Hinsichtlich des Vorfalls führte er aus, dass zuerst eine Diskussion vor der Zelle des 
Beschuldigten stattgefunden habe. Plötzlich habe er ein massives Geräusch gehört 
und D.________ sei an ihm vorbeigerannt. Der Beschuldigte habe sich in einem Ab-
stand von ungefähr drei Metern zu D.________ befunden und habe mit der Kette in 
seine Richtung geschlagen. Der Abstand sei zu gross gewesen, um ihn zu treffen. 
D.________ habe den Geschirrkorb mit den Gläsern genommen und diesen in Rich-
tung des Beschuldigten geworfen, um ihn abzuwehren (pag. 470 Z. 34 ff.). Ansch-
liessend sei D.________ auf ihn zu gerannt, was jedoch nicht funktioniert habe, da 
ihn R.________ weggeschubst habe. In diesem Moment seien dann die Vollzugs-
verantwortlichen gekommen und hätten den Streit gestoppt (pag. 471 Z. 41 ff.). Auf 
Frage, ob er gesehen habe, wie der Beschuldigte gegen D.________ geschlagen 

21

habe, antwortete er, dass er einmal gegen ihn geschlagen, diesen aber nicht getrof-
fen habe (pag. 471 Z. 48 ff.). Er habe angenommen, dass sich die Kette im Besitz 
des Beschuldigten befunden habe (pag. 471 Z. 55 f.).

13.4. Aussagen T.________ 

Mitinsasse T.________ verfasste den Wahrnehmungsbericht vom 21. November 
2017 (pag. 449). Wegen seines eingeschränkten Blickfeldes habe er den Beginn der 
Auseinandersetzung nicht sehen können. Er habe aber gesehen, wie der Beschul-
digte D.________ mit der doppelten Kette geschlagen habe. D.________ habe nach 
einem Geschirrspülmaschinen-Tablet gegriffen und dieses mit sämtlichem Inhalt 
nach dem Beschuldigten geworfen. Danach habe der Beschuldigte die doppelte 
Kette geöffnet, damit er noch einmal auf grössere Distanz habe zuschlagen können, 
wobei er D.________ jedoch verfehlt habe. 

An der delegierten Einvernahme vom 12. Juni 2018 bestätigte T.________ seinen 
Bericht (pag. 465 Z. 15). Er führte aus, dass er zusammen mit S.________ im Ess-
bereich der Wohngruppe 9 Schach gespielt habe (pag. 465 Z. 30 f.). Er habe gese-
hen, dass D.________ aus der Wohngruppe habe rennen wollen, sich umentschie-
den habe und zur Küche gerannt sei (pag. 465 Z. 33 f.). Der Beschuldigte sei ihm 
mit der Kette hinterhergerannt (pag. 465 Z. 34). Er könne nicht mehr genau sagen, 
wie es abgelaufen sei, aber der Beschuldigte habe die Kette zuerst doppelt und dann 
offen gehalten (pag. 465 Z 35 f.). Beim zweiten Schlag habe D.________ dem Be-
schuldigten den Geschirrkorb mit den Gläsern entgegengeworfen, vermutlich um ihn 
auf Distanz zu halten (pag. 465 Z. 38). Auf Frage, ob er gesehen habe, dass der 
Beschuldigte auf D.________ eingeschlagen habe, gab er an, sich nicht mehr sicher 
zu sein, ob er ihn beim ersten Schlag getroffen habe, beim zweiten habe er ihn we-
gen der Distanz jedenfalls nicht getroffen. Dies sei vermutlich der Grund gewesen, 
weshalb er dann mit der offenen Kette zu schlagen versucht habe (pag. 466 Z. 44 
ff.).

14. Konkrete Beweiswürdigung durch die Kammer und erstellter Sachverhalt

Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass sich die Kammer der erstinstanzlichen Beweis-
würdigung im Wesentlichen anschliessen kann. Die erstinstanzliche Urteilsbegrün-
dung ist sorgfältig verfasst und die Vorinstanz hat alles Wesentliche erfasst und die 
verschiedenen (allenfalls möglichen) Varianten eingehend beleuchtet. In diesem 
Sinne kann vorweg auf die Beweiswürdigung der Vorinstanz verwiesen werden (S. 
13 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1335 ff.). Ergänzungen, Präzi-
sierungen oder allenfalls Abweichungen vom erstinstanzlichen Urteil werden im Rah-
men der nachfolgenden konkreten Würdigung dargestellt.

Beweismässig erstellt ist, dass es sich bei der Tatwaffe um die von der Polizei si-
chergestellte Eisenkette handelt, welche eine Länge von 110 cm (inkl. Karabiner) 
aufweist und 314 g wiegt (pag. 432).

Hinsichtlich der Würdigung der subjektiven Beweismittel stellt die Kammer vorab 
fest, dass die durch den Beschuldigten erfolgten Aussagen betreffend den Ablauf 
der Auseinandersetzungen weder logisch, stimmig noch konsistent sind. So gab der 
Beschuldigte in der polizeilichen Einvernahme zu Protokoll, dass D.________ ihn in 

22

seiner Zelle mit einer Eisenkette angegriffen und geschlagen habe. Die Eisenkette 
habe er D.________ in der Folge jedoch wegnehmen können und habe diesen damit 
ebenfalls geschlagen, wobei er allerdings nicht wisse, ob er ihn auch getroffen habe, 
da er sich einfach habe schützen wollen (pag. 477 Z. 45 ff.). Anlässlich der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme sagte er dann aber aus, dass er D.________ nur 
mit Händen und Füssen geschlagen habe (pag. 482 Z. 54 ff.). Daran, ob er ihn auch 
mit der Kette geschlagen habe, konnte er sich plötzlich nicht mehr erinnern (pag. 483 
Z. 97 f.). Im Weiteren führte er erstmals aus, dass ihn D.________ auch mit den 
Fäusten geschlagen habe (pag. 483 Z. 110 ff.). In der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung schilderte er eine weitere Version, gemäss welcher er D.________ einen 
Faustschlag verpasst habe, damit er ihm die Kette habe wegnehmen können. So-
dann vermochte er sich überraschenderweise doch daran erinnern, dass er 
D.________ drei Mal mit der Kette auf den Rücken geschlagen habe (pag. 1258 Z. 
23 ff.). Eine weitere Sachverhaltsvariante schilderte er im Rahmen der Berufungs-
verhandlung, wonach er angab, D.________ mit seinem Kopf gegen dessen Kopf 
geschlagen zu haben, um ihm die Kette wegzunehmen (pag. 1518 Z. 27 ff.). Danach 
habe er die Kette in der Luft geschwungen. Auch oberinstanzlich vermochte er sich 
wieder daran erinnern, dass er D.________ in der Folge doch zwei bis drei Mal mit 
der Kette getroffen hatte (pag. 1518 Z. 20 ff.). Seine Aussagen sind hinsichtlich des 
Kerngeschehens entgegen der Auffassung der Verteidigung (pag. 1520) – wie ein-
leitend bereits erwähnt – widersprüchlich und ergeben kein stimmiges Bild. Es fällt 
zudem auf, dass der Beschuldigte den vermeintlichen Angriff durch D.________ in 
jeder Einvernahme aggravierend schilderte. So sagte er zuerst aus, dass 
D.________ ihn lediglich mit der Eisenkette geschlagen habe, in der darauffolgen-
den Einvernahme gab er hingegen an, durch D.________ zudem mit den Fäusten 
geschlagen geworden zu sein. Sodann antwortete er anfänglich auf die Frage, woher 
D.________ die Kette gehabt habe, dass er dies nicht wisse (pag. 460 Z. 179 f.), 
führte demgegenüber im Rahmen der Hauptverhandlung aus, dass D.________ 
diese Kette vermutlich von ausserhalb des Gefängnisses beschafft habe, da dieser 
ausserhalb gearbeitet habe (pag. 1258 Z. 35 ff.). Sich selbst versuchte er stets in die 
Opferrolle zu rücken. So führte er auch aus, dass er Schmerzen an der Hand gehabt 
habe von den Schlägen, welche er durch D.________ erlitten habe. Eine ärztliche 
Untersuchung fand jedoch nicht statt, so dass objektiv keine diesbezüglichen Verlet-
zungen nachgewiesen wurden. Im Weiteren erscheint realitätsfremd, dass sich der 
Beschuldigte zwar fast ein Jahr nach dem Vorfall im Rahmen der Befragungen der 
Staatsanwaltschaft nicht mehr daran erinnern konnte, ob er D.________ geschlagen 
hat, dies jedoch mit stetig grösser werdendem Zeitabstand zum Vorfall – sowohl an 
der erstinstanzlichen und als auch an der oberinstanzlichen Verhandlung – plötzlich 
mit einer scharfen Genauigkeit, sogar unter Angabe der genauen Anzahl Schläge, 
wiedergeben konnte. Auffällig ist weiter, dass der Beschuldigte erst nach Vorliegen 
des Arztberichts vom 23. November 2017 – entgegen seiner bisherigen Aussagen – 
aussagte, D.________ doch mit der Kette geschlagen und ihn dabei konkret am Rü-
cken getroffen zu haben. Schläge mit der Eisenkette gegen den Kopf des Vorge-
nannten verneinte er jedoch durchgehend, trotzdem versuchte er seine Aussagen 
mit den objektiv erstellen Kopfverletzungen insofern in Einklang zu bringen, als dass 
er an der Berufungsverhandlung erstmals angab, seinen Kopf gegen denjenigen von 

23

D.________ geschlagen zu haben. Seine Aussagen ergeben bezüglich des gesam-
ten Handlungsablaufs kein stimmiges Bild und wirken teilweise äusserst konstruiert 
und ergebnisorientiert.

Im Weiteren lassen sich die Versionen des Beschuldigten, wonach er Opfer der Aus-
einandersetzung gewesen sei und sich lediglich zur Wehr gesetzt habe, mit denjeni-
gen der glaubhaften Auskunftspersonen nicht in Einklang bringen. Die Auskunftsper-
sonen gaben nämlich übereinstimmend und nachvollziehbar an, dass der Beschul-
digte als Aggressor auftrat, D.________ in den Essbereich verfolgte, wo er ihn mit 
der Eisenkette zu schlagen versuchte. Ein solches Verhalten widerspricht jedoch dia-
metral einem Selbstverteidigungsszenario seitens des Beschuldigten.

Zudem sind die Aussagen des Beschuldigten auch hinsichtlich der Örtlichkeit der 
Auseinandersetzung widersprüchlich. So gab er an der polizeilichen Einvernahme 
zu Protokoll, er habe sich in seiner Zelle befunden, als ihn D.________ mit der Kette 
aufgesucht habe (pag. 477 Z. 38 f.). Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 
sagte er demgegenüber aus, dass er an seinem Tisch im Essraum am Essen gewe-
sen sei, als D.________ ihn angegriffen habe (pag. 42 Z. 67 ff.). An der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung führte er dann wieder aus, dass er sich im Moment des 
Angriffs in seinem Zimmer befunden habe (pag. 1258 Z. 35 ff.).

Im Weiteren tendiert der Beschuldigte dazu, seine Handlungen zu verharmlosen. So 
antwortete er auf Frage, ob er das Gefühl habe, dass es gefährlich gewesen sei mit 
der Kette auf D.________ zu schlagen, dass er sich keine Gedanken gemacht habe 
und dass D.________ ja nicht zu Boden gefallen sei, deshalb sei es nicht so gefähr-
lich gewesen (pag. 1259 Z. 43 ff.). 
Die Auskunftspersonen S.________ und T.________ beschrieben den Beschuldig-
ten zudem allgemein als aufmüpfigen und arroganten Mitinsassen, der schnell ag-
gressiv werde und sich nicht im Griff gehabt habe (pag. 449, pag. 447, pag. 471 Z. 
65 f.). Demgegenüber hätten sie D.________ bisher als angenehmen und ruhigen 
Mitinsassen wahrgenommen (pag. 471 Z. 63 f.). 

Die Vorinstanz hat demnach zutreffend festgehalten, dass die vom Beschuldigten 
geltend gemachte Selbstverteidigung als reine Schutzbehauptung zu werten sei (S. 
13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1335). Die Aussagen des Beschul-
digten wirken gesamthaft betrachtet konstruiert, nicht logisch, weisen Widersprüche 
auf und erscheinen teilweise wirklichkeitsfremd, sodass auf diese mangels Glaub-
haftigkeit für die Erstellung des rechtserheblichen Sacherhalts nicht abgestützt wer-
den kann. 

D.________ konnte den Vorfall vom 14. November 2017 hingegen konstant und lo-
gisch schildern. So führte er in allen Einvernahmen übereinstimmend aus, dass der 
Grund für die Auseinandersetzung ein am Mittag erfolgter «Schubser» seitens des 
Beschuldigten gewesen sei, da er ihm dessen Ansicht nach beim Kreuzen im Gang 
hätte Platz machen sollen (pag. 452 Z. 55 ff., pag. 457 Z. 78 ff.). Am Abend sei 
R.________ zu ihm in die Zelle gekommen und habe ihn gewarnt, er solle damit 
aufhören, wenn er keine Probleme haben wolle (pag. 453 Z. 62 ff.; pag. 457 f. Z. 85 
ff.). Sodann habe er sich am Abend auf den Weg zum Kiosk gemacht, nahe der 
Wohngruppe 6, wobei R.________ und der Beschuldigte dazu gestossen seien (pag. 

24

453 Z. 66 ff., pag. 457 f. Z. 85 ff.). Gleichbleibend sagte D.________ weiter aus, dass 
der Beschuldigte eine Eisenkette dabei gehabt habe und dieser ihm, als er sich von 
ihm habe abwenden und entfernen wollen, mit der Kette auf den Rücken geschlagen 
habe (pag. 457 Z. 85 ff.; pag. 453 Z. 70 f.). Entsprechende Verletzungen wurden 
denn auch im Arztbericht vom 23. November 2017 (pag. 450) dokumentiert. Nach 
diesem Schlag habe er sich zurück in seine Zelle begeben und sich nach kurzer Zeit 
entschlossen, den Beschuldigten aufzusuchen und ihn zu fragen, was sein Problem 
sei (pag. 458 Z. 92 ff.; pag. 453 Z. 75 ff.). Entgegen der Auffassung der Verteidigung 
hatte D.________ einen triftigen und nachvollziehbaren Grund, den Beschuldigten 
aufzusuchen (pag. 1519), denn er suchte bei diesem nach einer Erklärung für dessen 
gewaltsames Verhalten. Dass D.________ hingegen beabsichtigte, dem Vorge-
nannten eine Abreibung zu verpassen und damit selbst Initiator des zweiten Gesche-
hensablaufs sei, erscheint – in Übereinstimmung mit der Auffassung der General-
staatsanwaltschaft (pag. 1523) – als realitätsfremd. Unklar ist diesbezüglich, ob 
D.________ den Beschuldigten im Essraum – wie von ihm selbst ausgeführt (pag. 
453 Z. 75 ff.) – oder in dessen Zelle – wie teilweise vom Beschuldigten geltend ge-
macht (pag. 477 Z. 38 f.) – aufgesucht hat, wobei es anschliessend zur zweiten Aus-
einandersetzung gekommen ist. Den übereinstimmenden Aussagen der Auskunfts-
personen S.________ und T.________ – die sich zu diesem Zeitpunkt im Essbereich 
aufgehalten haben – lässt sich entnehmen, dass der Beginn der Auseinanderset-
zung ausserhalb ihrer Sichtweite im ersten Stock im Bereich der Zellen stattgefunden 
habe (pag. 446, pag. 449, pag. 465 Z.  30, pag. 470 Z. 31). Beide sagten aus, dass 
sie die Auseinandersetzung zunächst nur gehört hätten (pag. 446, pag. 449, pag. 
465 Z. 31, pag. 470 Z. 32). S.________ schilderte sodann eindrücklich, dass 
D.________ die Treppe herunter in den Essbereich gerannt und der Beschuldigte 
ihm mit der Eisenkette in der Hand gefolgt sei (pag. 470 Z. 35 ff.). Da die Auskunfts-
personen keinen ersichtlichen Grund zu einer Falschbezichtigung haben und ihre 
Schilderungen unabhängig voneinander konsistent und widerspruchsfrei erfolgt sind, 
sind sie als glaubwürdig zu bewerten, so dass auf ihre Aussagen abgestützt werden 
kann. Erstellt ist demnach – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (14 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1336 f.) sowie mit den Ausführungen der Gene-
ralstaatsanwaltschaft (pag. 1523) – dass sich der Beschuldigte in seiner Zelle be-
fand, als D.________ ihn aufsuchte. Hinsichtlich des demzufolge vorliegenden Wi-
derspruchs in den Aussagen von D.________ hielt die Vorinstanz zutreffend fest, 
dass denkbar ist, dass D.________ die örtliche Verlagerung vom ersten Stock bei 
den Zellen zum Essbereich in den Einvernahmen unerwähnt gelassen hat. Im Wei-
teren erachtet die Kammer diese Ungenauigkeit, soweit relevant, auch als nachvoll-
ziehbar, da sich D.________ während des ganzen Geschehens in einer enormen 
Stresssituation befand, so dass glaubhaft erscheint, dass er den exakten Ablauf nicht 
mehr detailliert wiedergeben konnte. Dieser Widerspruch in den Aussagen von 
D.________ tut der Glaubhaftigkeit seiner übrigen Aussagen demnach keinen Ab-
bruch.
Hinsichtlich des weiteren Geschehensablaufs führte D.________ schliesslich wie-
derum konstant aus, dass der Beschuldigte erneut angefangen habe, auf ihn einzu-
schlagen (pag. 458 Z. 91 ff.; pag. 453 Z. 82 ff.). Anschaulich konnte er darlegen, 
dass der Beschuldigte, als dieser die Kette das zweite Mal behändigt habe, ihn von 

25

vorne getroffen habe, da sie sich frontal gegenübergestanden seien (pag. 458 Z. 114 
f.), wobei die an der Stirne und im Kopfbereich als auch die an den Unterarmen do-
kumentierten Verletzungen entstanden sind (pag. 450). Übereinstimmend mit den 
Aussagen der vorgenannten Auskunftspersonen gab D.________ auch an, dass der 
Beschuldigte in der Folge die Kette sowohl offen und als auch geschlossen gehalten 
habe (pag. 458 Z. 122 f., 465 Z. 35 f., pag. 466 Z. 46). Wie viele Male ihn der Be-
schuldigte tatsächlich getroffen habe, konnte D.________ nicht abschliessend sa-
gen, er denke aber mindestens vier bis fünf Mal (pag. 453 Z. 82 ff.). 
Das im ärztlichen Bericht vom 23. November 2017 (pag. 450) dokumentierte Verlet-
zungsbild – Prellmarken mit leichter Hämatomausbildung an der Stirne, am Kopf, am 
Rücken und an den Armen – stimmt demnach mit den von D.________ geschilderten 
erlittenen Schlägen durch den Beschuldigten, sowohl in deren Anzahl als auch be-
züglich deren Lage, überein (pag. 453 Z. 82 ff.). Sodann führte D.________ – in 
keiner Weise übertreibend – aus, dass er lediglich einige Tage nach dem Vorfall an 
Kopfschmerzen gelitten habe (pag. 460 Z. 195 ff.). Auch seinen Gefühlszustand und 
seine Emotionen gab er diesbezüglich wieder und führte aus, dass er sich an der 
Einvernahme vom 17. November 2017 noch immer nicht beruhigt habe und an Kopf-
schmerzen leide (pag. 452 Z. 43 ff.).
Im Weiteren gestand sich D.________ mehrfach Erinnerungslücken ein, so konnte 
er sich – wie bereits erwähnt – nicht mehr an die genaue Schlaganzahl des Beschul-
digten erinnern oder (pag. 453 Z. 82 ff.) daran, ob – als der Beschuldigte mit der 
offenen Eisenkette geschlagen habe – der Karabiner vorne oder in seiner Hand ge-
wesen sei (pag. 459 Z. 129 ff.). Sodann konnte er auch nicht abschliessend beant-
worten, ob es sich bei der ihm vorgehaltenen Eisenkette um die Tatwaffe handelte 
(pag. 458 Z. 118 f.). In Anbetracht der hektischen Situation als auch in Anbetracht 
des Zeitablaufs zwischen den Einvernahmen erscheinen diese Lücken im Erinne-
rungsvermögen des Vorgenannten nachvollziehbar. Im Weiteren lässt sich feststel-
len, dass D.________ das Geschehen nicht übertrieben darzustellen und damit den 
Beschuldigten nicht übermässig zu belasten versuchte.

Wie bereits erwähnt, gaben die Auskunftspersonen nachvollziehbar und detailliert 
an, wie D.________ vom Beschuldigten davongerannt und von diesem verfolgt wor-
den sei. Entgegen der Auffassung der Verteidigung führte die Generalstaatsanwalt-
schaft korrekt aus (pag. 1523), dass deshalb klar sei, dass nicht D.________ der 
Angreifer, sondern der Beschuldigte der Initiator dieser Auseinandersetzung war. 
Wäre der Beschuldigte tatsächlich das Opfer der Auseinandersetzung gewesen – so 
wie er mehrfach geltend machte – spricht sein Verhalten – die Verfolgungsjagd auf 
D.________ – gegen jegliche Lebenserfahrung.

Hinsichtlich seiner Verteidigung vor dem Angriff, führte D.________ in beiden Ein-
vernahmen widerspruchsfrei aus, dass er zuerst einen Stuhl behändigte, als ihm die-
ser aber aus der Hand gefallen sei, er ein Tablett (recte: Geschirrbehälter für die 
Abwaschmaschine), welches mit Gläsern gefüllt war, genommen und gegen den Be-
schuldigten geworfen habe, wobei die Gläser am Boden zerbrochen seien (pag. 453 
Z. 91 ff.; pag. 458 Z. 94 ff.). Diese Aussagen decken sich mit denjenigen von 
S.________ und T.________, welche ebenfalls zu Protokoll gaben, dass sich das 
Opfer mit einem Stuhl und dem Geschirrkorb verteidigt habe (pag. 446, pag. 449, 

26

pag 465 Z. 36 ff., pag. 470 Z. 39 f.). Festgestellt werden kann, dass D.________ 
auch seinen Tatbeitrag nicht herunterspielte; vielmehr gab er zu, sich mit dem ver-
teidigt zu haben, was gerade greifbar war (pag. 458 Z. 94 ff., pag. 453 Z. 93 ff.). 
Übereinstimmend gaben D.________, der Beschuldigte und die Auskunftspersonen 
schliesslich an, dass die Auseinandersetzung durch U.________ getrennt worden 
sei (pag. 471 Z. 41 ff.; pag. 449; pag. 447).

D.________ wurde im Weiteren vorgehalten, dass S.________ und T.________ 
nicht hätten beobachten können, dass der Beschuldigte ihn mit der Eisenkette 
tatsächlich getroffen habe (pag. 470 Z. 34 ff.). Da jedoch die objektiv dokumentierten 
Verletzungen im Arztbericht vom 23. November 2017 – auf welche beweismässig 
abzustellen ist – mit den Aussagen von D.________ übereinstimmen, ist davon aus-
zugehen, dass die Schläge auf dessen Körper erfolgt sind, bevor dies die Auskunfts-
personen selbst haben beobachten können. Demnach ist in Übereinstimmung mit 
der Vorinstanz davon auszugehen, dass D.________ im Essbereich von der Eisen-
kette nicht mehr getroffen wurde (S. 14 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 1336). 

Es ist auch festzuhalten, dass aus dem Verzicht der Konstituierung des Geschädig-
ten als Privatkläger im Verfahren, nichts zu seinen Ungunsten abgeleitet werden 
kann.

D.________ hat zum Vorfall vom 14. November 2017 konstante und logische Aus-
sagen gemacht, ohne das Geschehen schematisch wiederzugeben. Im zentralen 
Handlungsablauf blieben seine Aussagen logisch konsistent, lebensnah detailreich 
und ohne Aggravationstendenzen. Den Aussagen lassen sich insbesondere keine 
übermässigen Belastungen zuungunsten des Beschuldigten oder eine übermässige 
Dramatisierung des Geschehens entnehmen. Im Weiteren liegen weder Gründe für 
eine Falschbezichtigung vor, noch sind solche ersichtlich. Der Widerspruch hinsicht-
lich der Örtlichkeit des Geschehens erscheint aufgrund der Stresssituation des Ge-
schädigten und des Zeitablaufs zwischen den Einvernahmen erklärbar. Die Aussa-
gen von D.________ korrespondieren zudem im Kernpunkt mit den Aussagen der 
Auskunftspersonen T.________ und S.________ sowie mit den objektiven Beweis-
mitteln bzw. mit dem Arztbericht vom 27. November 2017. Die Aussagen von 
D.________ sind demnach als glaubhaft zu bezeichnen und die Kammer stützt für 
die Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts auf diese ab.

Die Kammer geht somit von folgendem erstellten Sachverhalt aus, welcher weitge-
hend mit demjenigen der Vorinstanz übereinstimmt (S. 15 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 1337):

Nach der Arbeit begab sich D.________ zum Gefängniskiosk und wurde dort von 
R.________ und vom Beschuldigten aufgesucht. Als er weggehen wollte und sich 
umdrehte, schlug ihn der Beschuldigte mit der Eisenkette einmal auf den Rücken, 
wodurch dieser ein Hämatom auf dem rechten Schulterblatt erlitt. D.________ ist 
daraufhin in seine Zelle gegangen. Kurz danach suchte er den Beschuldigten im Be-
reich der Zellen im ersten Stock auf, um nachzufragen, wo das Problem ist. Als 
D.________ vor dem Beschuldigten stand, behändigte dieser erneut die Eisenkette, 

27

schwang diese und schlug frontal auf D.________ ein, wobei er ihm die ärztlich do-
kumentierten Verletzungen an Kopf und Unterarmen zufügte. Um diesen Schlägen 
zu entgehen, rannte D.________ vom ersten Stock die Treppe hinunter in den Ess-
bereich, behändigte einen Stuhl, um sich zu verteidigen und als er diesen verloren 
hatte, warf er den Geschirrkorb der Abwaschmaschine samt dem Geschirr nach dem 
Beschuldigten. Der Vorgenannte versuchte im Essbereich erneut mit der Eisenkette 
auf D.________ einzuschlagen. Der Abstand zwischen den beiden war allerdings 
nach wie vor zu gross, sodass der Beschuldigte D.________ nicht traf. Festzuhalten 
ist auch, dass die Eisenkette vom Beschuldigten sowohl halbiert als auch in ihrer 
vollen Länge gegen D.________ eingesetzt wurde. Entgegen der Auffassung der 
Vorinstanz bedarf es hierfür keiner exakten Aufschlüsselung, wann genau die Eisen-
kette offen und wann geschlossen zum Einsatz gebracht wurde. Schliesslich wurde 
die Auseinandersetzung durch die Vollzugsverantwortliche U.________ beendet. 
Drei Tage nach dem Vorfall hatte D.________ immer noch Schmerzen am Rücken 
und am Kopf und einen Tag später spontanes Nasenbluten und musste während 
mehreren Tagen Schmerzmittel einnehmen.

III. Rechtliche Würdigung

15. Versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverletzung mit ge-
fährlichem Gegenstand (Ziff. 1 der Anklageschrift)

15.1. Theorie/abstrakte Ausführungen 

15.1.1. Objektiver und subjektiver Tatbestand der schweren Körperverletzung

Für die theoretischen Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatbestand der 
schweren Körperverletzung wird vollumfänglich – unter Vorbehalt der nachstehen-
den Ergänzungen durch die Kammer – auf die erstinstanzliche Urteilsbegründung 
verwiesen (S. 50 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1372 ff.):

Den Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB erfüllt, wer vorsätzlich einen 
Menschen lebensgefährlich verletzt, den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen ver-
stümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeits-
unfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt 
oder eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit 
eines Menschen verursacht. 

Die schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB unterscheidet sich von der einfachen Körperver-
letzung nach Art. 123 StGB durch die Schwere des herbeigeführten Erfolgs. Die Abgrenzung von der 
einfachen Körperverletzung geschieht in der Weise, dass das Gesetz vorab lebensgefährliche Verlet-
zungen als schwere Körperverletzungen bezeichnet (Abs. 1), sodann eine Reihe von Beispielfällen 
bzw. –gruppen auflistet (Abs. 2), die als schwere Verletzungen zu gelten haben, und schliesslich eine 
Generalklausel (Abs. 3) anführt. Letztere hebt insbesondere hervor, dass es nicht nur um die eigentliche 
körperliche Schädigung geht, sondern ebenso um die Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen 
Gesundheit (BSK StGB II-ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl. 2019, Art. 122 N 1 ff.). Zu berücksichtigen sind 
unter der Generalklausel insbesondere eine lange Dauer des Spitalaufenthalts und der (vollen oder 
teilweisen) Arbeitsunfähigkeit, weiter der Grad und die Dauer der Invalidität sowie nicht zuletzt auch die 
erlittenen Schmerzen. Beispielsweise ist in BGE 101 IV 381 ein Schädelbruch, verbunden mit 

28

teilweisem Gehörverlust und Ohrensausen sowie verschiedenen Schnittwunden im Gesicht, deren 
Heilung nicht gesichert war, unter die Generalklausel von Art. 122 StGB subsumiert worden.

Auf der subjektiven Seite ist Vorsatz gefordert, wobei Eventualdolus genügt. Der Vorsatz muss sich auf 
die schwere Schädigung selbst beziehen, wobei nicht gefordert ist, dass sich der Täter gerade die 
tatsächlich eingetretene Folge vorgestellt hat. Da die Abgrenzung des Willensinhaltes gegenüber einem 
blossen Vorsatz auf einfache Körperverletzung schwierig sein kann, müssen nicht selten vom Tatvor-
gehen aus Rückschlüsse auf den Willensinhalt des Täters gezogen werden (BSK StGB II-ROTH/BERKE-
MEIER, a.a.O., Art. 123 N 35). 

Ergänzend und präzisierend stellt die Kammer hinsichtlich des subjektiven 
Tatbestandes fest, dass eine Tathandlung, die abstrakt geeignet ist, eine schwere 
Körperverletzung i.S.v. Art. 122 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 
311.0) herbeizuführen, für sich alleine noch nicht genügt, um den (Eventual-)Vorsatz 
des Täters hinsichtlich einer der in Art. 122 beschriebenen Folgen anzunehmen 
(BSK-StGB II-ROTH/BERKEMEIER, a.a.O., Art. 122 N 25).

Hinsichtlich der Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit 
wird in der Lehre Folgendes ausgeführt (BSK-StGB I-NIGGLI/MADER, 4. Aufl. 2019, 
Art. 12 N 53 ff.):
Die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung will vom Wissen auf den Willen schliessen, was zwar 
«nicht unbesehen» erfolgen könne (BGE 135 IV 12, 17; BGer, StrA, 1. 10. 2010, 6B_432/2010, E. 4), 
aber doch möglich sein soll, wenn neben dem Ausmass des dem Täter bekannten bzw. von ihm ange-
nommenen Risikos auch die «Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung» sowie «die Beweggründe […] 
und die Art der Tathandlung» berücksichtigt werden (BGE 125 IV 242, 252; 130 IV 58, 62; 133 IV 1, 4 
und 7; 133 IV 9, 16; 133 IV 222, 226; 134 IV 26, 29; 135 IV 12, 17 f.; i. E. auch BGE 134 IV 26, 33 f.; 
vgl. schon BGE 119 IV 1, 3; 121 IV 249, 256).
[…]
Als Faustregel formuliert: dass der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt 
grundsätzlich umso näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je weni-
ger er sie innerlich ablehnte, und umgekehrt.
[…]
Erst recht schwierig wird es, wenn der Täter die Mitwirkung verweigert, die Tat oder auch nur die In-
kaufnahme des Erfolgs bestreitet oder bewusst falsch aussagt. Spätestens dann bleibt als Ausweg oft 
nur die Möglichkeit, mit Hilfe von Erfahrungsregeln, Durchschnittsurteilen und Alltagstheorien aus den 
äusseren Umständen, insb. dem Hergang der Tat, Rückschlüsse auf die innere Einstellung zu ziehen 
(statt vieler BGE 134 IV 26, 28 f.; illustrativ die Kasuistik bei MAIER/SCHOENING, ZStrR 2000, 278 ff.) – 
ein Verfahren, das wiederum für Fehlleistungen anfällig ist, so schon bei der Frage, ob das tatsächliche 
(objektiv festgestellte) Ausmass einer Gefahr dem Täter wirklich bewusst war, und erst recht bei der 
andern des vorhandenen oder fehlenden inneren Einverständnisses bzw. der Gleichgültigkeit.

15.1.2. Versuch

Betreffend die theoretischen Ausführungen zum Versuch wird vollumfänglich auf die 
erstinstanzliche Urteilsbegründung verwiesen (S. 51 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung, pag. 1373 ff.):

Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt und seine 
Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht 

29

wären (TRECHSEL/GETH in: Trechsel/Pieth, StGB Praxiskommentar, N 1 vor Art. 22). Dabei muss der 
Täter mit der Ausführung der Tat begonnen haben (vgl. Art. 22 Abs. 1 StGB). 
Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts gehört zur Ausführung schon jede Tätigkeit, die nach dem 
Plan, den sich der Täter gemacht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entscheidenden Schritt 
darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusserer Umstände, die 
eine Weiterverfolgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (Trechsel/Geth in: Trechsel/Pieth, 
StGB Praxiskommentar, N 3 zu Art. 22 StGB).

15.2. Subsumtion

Die Kammer verweist auch hier vorab auf die zutreffenden vorinstanzlichen 
Ausführungen zur Subsumtion (S. 51 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1373 ff.).

Ergänzend und präzisierend hält die Kammer fest, dass sich gemäss Arztbericht vom 
23. November 2017 bei D.________ Prellmarken mit jeweils leichter 
Hämatomausbildung feststellen liessen; dies am Unterarm links mit Schwellung des 
Handgelenks, am Handgelenk rechts, an der Stirne frontal links, am Kopf okzipital 
links sowie am Rücken bzw. am Schulterblatt rechts. Entgegen den Ausführungen 
der Vorinstanz liegt vorliegend allerdings kein Bericht des IRM vor, welcher sich 
darüber aussprechen würde, ob die Verletzungen lebensbedrohlich waren oder ob 
diese folgenlos abheilen würden (S. 51 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 1373). Es kann jedoch festgehalten werden, dass die Verletzungen keine 
schwer entstellenden Narben oder bleibende, einschneidende Störungen 
hinterliessen. Es wurde auch kein Organ unbrauchbar gemacht. Die verschiedenen 
Verletzungen, welche D.________ zugefügt wurden, waren zwar schmerzhaft, die 
Beeinträchtigungen erforderten aber weder eine Hospitalisierung noch eine lange 
Behandlungs- oder Heilungszeit. Die Kammer stellt demnach in Übereinstimmung 
mit der Vorinstanz fest, dass der objektive Tatbestand von Art. 122 StGB nicht erfüllt 
ist. Dementsprechend ist nachfolgend zu prüfen, ob sich der Beschuldigte allenfalls 
der versuchten Tatbegehung strafbar gemacht hat. Zentral ist deshalb die Frage 
nach dem Willensinhalt des Beschuldigten, mit anderen Worten, ob er eine schwere 
Körperverletzung wollte (direkter Vorsatz) oder eine solche zumindest in Kauf nahm 
(Eventualvorsatz).

Der Beschuldigte wurde dazu befragt, ob er wisse sei, welche Folgen ein Schlag mit 
einer Eisenkette gegen den Kopf eines Menschen haben kann. Darauf antwortete er 
einerseits, dass er es nicht wisse und andererseits, dass es nicht so gefährlich sein 
könne, da D.________ ja nicht zu Boden gefallen sei. Oberinstanzlich gab er sodann 
zu Protokoll, dass eine solche Einwirkung auf den menschlichen Körper eine Platz-
wunde zur Folge haben könnte. Vom Wissen des Beschuldigten lässt sich demnach 
mangels Vorliegens von konkret stringenten Aussagen nicht unbedacht auf seinen 
Willen schliessen. Deshalb muss gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ins-
besondere auf die äusseren Umstände resp. den Tathergang abgestützt werden. 

Hierbei gilt vorab zu bemerken, dass nachfolgend die Schläge auf den Rücken (erste 
Auseinandersetzung) und diejenigen gegen den Kopf sowie gegen weitere Körper-
regionen als auch die damit verbundene Verfolgungsjagd (zweite Auseinanderset-

30

zung) – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (S. 52 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 1374 f.) – gesamthaft als dynamisches Geschehen zu be-
trachten ist und damit eine eigentliche Tateinheit bilden. Zur Bestimmung des sub-
jektiven Tatbestandes bzw. der Willens- und Wissenskomponenten des Beschuldig-
ten werden die beiden Phasen des Geschehens jedoch nachfolgend auch separat 
beleuchtet. 

Hinsichtlich des Schlages auf den Rücken von D.________ kann dem Beschuldigten 
– in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – keine besondere gefährliche Vorgehens-
weise vorgeworfen werden; dies, weil der Beschuldigte aus einer maximalen Distanz 
von 50 cm gezielt auf den Rücken des Beschuldigten schlug. Es wäre ihm ohne 
weiteres möglich gewesen auf den Hinterkopf zu schlagen, wenn er dies tatsächlich 
gewollt hätte. Würde man die Einwirkung auf den Rücken isoliert von den nachfol-
genden Schlägen für sich allein beurteilen, so würde dies kaum ausreichen für die 
Annahme eines Eventualvorsatzes bzw. einer Inkaufnahme von schweren Körper-
verletzungen. Diese Schläge sind jedoch mit den nachfolgenden, welche unter an-
derem gegen den Kopf erfolgt sind, gesamtheitlich zu betrachten. 

Beweismässig erstellt ist, dass der Beschuldigte im Rahmen der zweiten Phase der 
Auseinandersetzung mehrfach mit einer 110 cm langen und 314 g schweren Eisen-
kette auf D.________ einschlug, als dieser ihm im Bereich der Zellen gegenüber-
stand. Dabei traf er das Opfer und fügte ihm Verletzungen am Kopf und der Stirn 
(sowie auch an den Händen) zu. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann 
festgehalten werden, dass es sich bei der Kopfregion um einen besonders sensiblen 
Bereich des menschlichen Körpers handelt und eine gewaltsame Einwirkung darauf 
ohne Weiteres zu bleibenden Entstellungen oder dauerhaften Schädigungen führen 
kann (vgl. Urteil 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 4.1 mit Hinweisen). Da sich der 
Beschuldigte und D.________ bei dieser zweiten Auseinandersetzung frontal 
gegenüberstanden, ist davon auszugehen, dass der Letztgenannte auf den auf ihn 
erfolgten Angriff reagierte bzw. versuchte den Schlägen auszuweichen, was sich 
unter anderem auch aus den Verletzungen an den Armen folgern lässt. Demnach 
kam zum Geschehen eine gewisse Hektik und Bewegung hinzu, so dass der 
Beschuldigte kaum voraussehen konnte, wie sich D.________ verhalten wird resp. 
wo er diesen treffen würde. Im Weiteren gab der Beschuldigte an, dass er die Eisen-
kette geschwungen habe, wodurch diese mehr kinetische Energie gewann, womit 
sich auch die mögliche Krafteinwirkung auf den Körper des Gegenübers verstärkte. 
Schläge gegen den Kopf eines Menschen können – wie bereits erwähnt – gemäss 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne Weiteres zu schweren Verletzungen wie 
Entstellungen des Auges oder bleibenden Verletzungen des Gesichts und sogar 
Hirnschäden führen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft zutreffend ausführte (pag. 
1524), war die beschriebene Verwendung der 314 g schweren Eisenkette geeignet, 
um genau solche schweren Verletzungen herbeizuführen. Sogar die 
Auskunftsperson T.________ gab an, dass er zur Seite springen musste, damit er 
von der herumwirbelnden Eisenkette nicht getroffen wurde. Gestützt auf diesen 
Tathergang bzw. die äusseren Umstände, hätte es dem Beschuldigten bewusst sein 
müssen, dass sein Verhalten sehr gefährlich gewesen war. Er durfte demnach nicht 
darauf vertrauen, dass er D.________ nur leicht verletzt würde. Demzufolge kann 
festgehalten werden, dass aus dem beschriebenen Tatvorgehen des Beschuldigten 

31

auf seinen inneren Willen geschlossen werden kann. Er hat durch sein Verhalten 
eine schwere Körperverletzung z.N. von D.________ in Kauf nehmen müssen (vgl. 
Urteil 6B_526/2021 vom 24. Juli 2021 E. 1.2.1). 

Dem weiteren Geschehensablauf ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte 
D.________ in den Essraum verfolgte und er diesen aus einer gewissen Distanz zu 
treffen versuchte. Der Beschuldigte hat D.________ gemäss dem im Arztbericht vom 
27. November 2017 dokumentierten Verletzungsbild mehrfach in der Kopfregion 
getroffen. Im Rahmen der dynamischen Verfolgungsjagd schwang der Beschuldigte 
die Eisenkette unkontrolliert in der Luft. Er musste zwingend auch damit rechnen, mit 
einem Treffer ein wichtiges Organ wie bspw. das Auge zu verletzen oder gar eine 
andere (lebens-)gefährliche Verletzung zu verursachen. Der Beschuldigte hat 
demnach auch diesbezüglich eine schwere Körperverletzung in Kauf genommen.

Es ist zusammenfassend festzuhalten, dass der Beschuldigte im Sinne 
Schwellentheorie Handlungen ausgeführt hat, welche auf dem Weg zum Erfolg resp. 
zur Erfüllung des Tatbestandes der schweren Körperverletzung den letzten 
entscheidenden Schritt dargestellt haben. Es ist vorab dem Zufall zu verdanken, 
dass D.________ keine schwereren Verletzungen davongetragen hat. 

Die Verteidigung verlangte – wie bereits erstinstanzlich – auch oberinstanzlich einen 
Freispruch wegen Vorliegens einer Notwehrsituation (pag. 1529). Sie führte aus, 
dass der Beschuldigte lediglich den Angriff von D.________ abgewehrt habe. Die 
Notwehr sei subsidiär und verhältnismässig erfolgt. Da er ihn zudem bei der Verfol-
gung nicht getroffen habe, liege auch kein Notwehrexzess vor. Dieser Argumentation 
kann nicht gefolgt werden, da gestützt auf das vorliegende Beweisergebnis der An-
griff klar vom Beschuldigten ausging und in keiner Weise von einem ihm unmittelbar 
drohenden Angriff und dessen verhältnismässiger Abwehr ausgegangen werden 
kann. Es lag somit eindeutig keine Notwehrlage vor.

Der Beschuldigte hat durch sein Verhalten im Rahmen der angeklagten dynami-
schen Auseinandersetzung den Tatbestand der (eventualvorsätzlichen) versuchten 
schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 122 StGB erfüllt und ist 
entsprechend schuldig zu erklären.

Damit erübrigt sich eine Prüfung der Eventualanklage der einfachen Körperverlet-
zung mit gefährlichem Gegenstand. 

IV. Strafzumessung

16. Allgemeines

Was die theoretischen Ausführungen zur Strafzumessung betrifft, wird auf die vorin-
stanzliche Urteilsbegründung verwiesen (S. 74 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 1396 ff.).

Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zur teilweisen retrospektiven Konkur-
renz, erachtet es die Kammer demgegenüber als angezeigt diese an dieser Stelle 

32

kurz wiederzugegeben (S. 75 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1397 
f.):

Gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB ist eine Zusatzstrafe auszusprechen, wenn das Gericht eine Tat zu beur-
teilen hat, die der Täter begangen hat, bevor er wegen einer anderen Tat verurteilt worden ist (sog. 
retrospektive Konkurrenz). Durch Ausfällung der Zusatzstrafe soll der Täter insgesamt nicht schwerer 
bestraft werden, als wenn alle strafbaren Handlungen (die neuen und die bereits abgeurteilten) gleich-
zeitig beurteilt worden wären. Damit ist das Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz ge-
währleistet (Hans Mathys, Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 542 ff.).

Hat das Gericht mehrere Straftaten zu beurteilen, wovon mindestens eine Tat vor der Verurteilung we-
gen anderer Taten begangen wurde (sog. teilweise retrospektive Konkurrenz), ist für die neuen Taten 
– das heisst diejenigen, welche nach Rechtskraft der ersten Verurteilung begangen wurden – eine un-
abhängige Strafe festzulegen. Deshalb ist zwischen Taten, die vor, und solchen, die nach dem Ersturteil 
begangen wurden, zu unterscheiden. Gemäss der neuesten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist 
in zwei (bzw. drei) Schritten vorzugehen: In einem ersten Schritt sind die Straftaten zu sanktionieren, 
die vor dem rechtskräftigen Ersturteil begangen wurden. Kommt dafür eine gleichartige Strafart wie 
beim Ersturteil in Betracht, hat das Gericht in Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB eine Zusatzstrafe 
zur Grundstrafe (Ersturteil) auszufällen (BGE 145 IV 1 E. 1.3 S. 8 und Hans Mathys, a.a.O. N 550). Es 
ist demnach eine hypothetische Zusatzstrafe aus der Grundstrafe und der auszusprechenden Strafe 
für die vor dem Ersturteil begangenen Delikte zu bilden. Um bei der Zusatzstrafenbildung dem Prinzip 
der Strafschärfung gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB Rechnung zu tragen, hat das Zweitgericht die rechts-
kräftige Grundstrafe und die von ihm für die neu zu beurteilenden Taten auszusprechenden Strafen 
nach den Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB zu schärfen. Die Einsatzstrafe bildet die Strafe der 
(abstrakt) schwersten Straftat sämtlicher Delikte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und 
herrschender Lehre ist die schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB die mit der schwersten 
Strafe bedrohte und nicht die nach den Umständen des konkreten Falles verschuldensmässig am 
schwersten wiegende Tat (BGE 142 IV 265 E. 2.4.4.). Ist das bereits abgeurteilte Delikt das schwerere, 
bestimmt das Gericht die Einsatzstrafe ausgehend von diesem Delikt und erhöht die Strafe gestützt auf 
die neu zu beurteilenden Delikte. Wenn hingegen ein neu zu beurteilendes Delikt schwerer ist, dient 
dieses zur Festsetzung der Einsatzstrafe, welche gestützt auf die alten, bereits abgeurteilten Delikte 
erhöht werden muss. Von der so gebildeten hypothetischen Zusatzstrafe ist die bereits ausgesprochene 
Strafe (Grundstrafe) abzuziehen. Daraus resultiert die auszusprechende Gesamt- bzw. Zusatzstrafe 
(BGer Urteil 6B_384/2009 E. 3.5.3 vom 05.11.2009 mit Hinweisen).

In einem zweiten Schritt ist die Strafe für die Delikte nach dem Ersturteil festzusetzen. Bei mehreren 
Delikten kann es für die Taten, die mit der gleichen Strafart zu ahnden sind, zu einer Gesamtstrafe 
führen. Neu ist, dass diese Strafe unabhängig von der bereits ermittelten Zusatzstrafe ist, also dass 
eine eigenständige Strafe, gegebenenfalls unter Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB, zu bilden ist 
(BGE 145 IV 1 E. 1.3 S. 8 und Hans Mathys, a.a.O. N 551).

Anschliessend sind in einem dritten Schritt gemäss neuester Rechtsprechung des Bundesgerichts 
(BGE 145 IV 1 E. 1.3 S. 8) die ermittelten Strafen mit der eigenständigen Strafe zu kumulieren (Addition) 
und es ist nicht mehr wie bisher (BGE 116 IV 14 E. 2b S. 17) eine Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 
StGB zu bilden (Hans Mathys, a.a.O. N 552).

17. Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des Allgemeinen Teils des 
Strafgesetzbuchs in Kraft getreten. Hat der Täter vor diesem Datum ein Verbrechen 

33

oder Vergehen begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, so sind die 
neuen Bestimmungen anzuwenden, wenn sie für ihn milder sind (Art. 2 Abs. 2 StGB). 
Ob das neue Gesetz im Vergleich zum alten milder ist, beurteilt sich nicht nach einer 
abstrakten Betrachtungsweise, sondern in Bezug auf den konkreten Fall (Grundsatz 
der konkreten Vergleichsmethode; BGE 134 IV 82 E. 6.2.1). Ausschlaggebend ist, 
nach welchem Recht der Täter für die zu beurteilende Tat besser wegkommt (BGE 
126 IV 5 E. 2c, m.w.H.). Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur ent-
weder das alte oder das neue Recht (Grundsatz der Alternativität). Eine kombinierte 
Anwendung der beiden Rechte ist ausgeschlossen (BGE 134 IV 82 E. 6.2.3, 
m.w.H.). 

Ein Teil der vorliegend zu beurteilenden Straftaten (Ziff. 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8.1, 8.2 der 
Anklageschrift) sind vor dem 1. Januar 2018 begangen worden und deren Beurtei-
lung (9. September 2021) erfolgte erst nachher. Die Kammer erachtet – was nach-
folgend begründen wird – bezüglich sämtlicher Delikte die Freiheitsstrafe als ange-
messene Strafart. Da betreffend die nachfolgend anzuordnende Dauer der Freiheits-
strafe das alte und das neue Recht gleichwertig sind (Art. 40 aStGB, Art. 40 Abs. 1 
StGB), finden diesbezüglich die altrechtlichen Bestimmungen Anwendung. Betref-
fend die nach dem 1. Januar 2018 begangenen Straftaten finden hingegen die gel-
tenden Bestimmungen Anwendung. 

18. Strafart

Hinsichtlich der Wahl der Strafart kann auf das durch die Vorinstanz zutreffend Aus-
geführte verwiesen werden, dem sich die Kammer anschliesst (S. 77 der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung, pag. 1399):

Das Gericht erachtet für sämtliche zu beurteilenden Delikte (bis auf die zwingend mit Busse zu sank-
tionierenden Delikte, d.h. das pflichtwidrige Verhalten bei Unfall, die Überschreitungen der Höchstge-
schwindigkeit und das Überschreiten der Parkzeit) jeweils eine Freiheitsstrafe als angemessene Sank-
tion. Der Beschuldigte hat in einem relativ kurzen Zeitraum mehrfach delinquiert und ist mehrfach sowie 
einschlägig vorbestraft. Ihm wurden Geldstrafe