# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 89eab361-5528-5ffb-a53a-bec6945c8926
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 14.11.2025 SST.2024.277
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-277_2025-11-14.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.277 
(NA.2024.9; StA.2023.2471) 

 

 

Urteil vom 14. November 2025 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiber Fehlmann  

 

 
   

Gesuchsteller   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt B._____,  

[…] 

 

 
    

Gesuchs-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

  

 
 

Gegenstand  Haftentschädigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Das Bezirksgericht Aarau sprach den Gesuchsteller mit Urteil ST.2017.227 

vom 14. März 2018 der mehrfachen Pornografie schuldig, verurteilte ihn zu 

einer unbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten, rechnete die 

ausgestandene Untersuchungshaft von 84 Tagen an, ordnete eine 

stationäre Massnahme sowie ein Tätigkeitsverbot von 10 Jahren an und 

entschied über die beschlagnahmten Gegenstände. 

 

1.2. 

Das Obergericht rechnete auf Berufung des Gesuchstellers hin – nach 

teilweise erfolgtem Rückzug – mit Urteil SST.2018.165 vom 15. August 

2018 die Untersuchungshaft sowie den vorzeitigen Massnahmenvollzug 

von insgesamt 590 Tagen an die Freiheitsstrafe an und stellte in den 

Übrigen Punkten die Rechtskraft fest. 

 

1.3. 

Das Bezirksgericht Aarau verlängerte in einem selbständigen nachträg-

lichen Verfahren mit Beschluss NA.2023.3 vom 31. August 2023 die 

stationäre Massnahme um zwei Jahre und ordnete den Verbleib des 

Gesuchstellers in der mit Verfügung vom 2. August 2023 angeordneten 

Sicherheitshaft an. 

 

1.4. 

Die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts wies auf 

Beschwerde des Gesuchstellers hin mit Entscheid SBK.2023.277 vom 

19. Dezember 2023 den Antrag um Verlängerung der stationären 

Massnahme ab und ordnete die umgehende Haftentlassung an. 

 

2. 

2.1. 

Mit beim Bezirksgericht Aarau eingereichten Gesuch vom 17. Juni 2024 

beantragte der Gesuchsteller eine Genugtuung für Überhaft vom 22. Mai 

2022 bis 19. Dezember 2023 à Fr. 200.00 pro Tag, insgesamt 

Fr. 115'200.00, nebst Zins zu 5 % ab mittlerem Verfall. 

 

2.2. 

Mit Stellungnahme vom 24. Juni 2024 führte die Staatsanwaltschaft aus, 

dass einzig Überhaft hinsichtlich der strafprozessualen Sicherheitshaft vom 

2. August 2023 bis 19. Dezember 2023 vorliege, wofür Fr. 50.00 pro Tag 

als Genugtuung angemessen sei. 

 

 - 3 - 

 

 

2.3. 

Das Bezirksgericht Aarau sprach in einem selbständigen nachträglichen 

Verfahren mit Beschluss NA.2024.9 vom 21. November 2024 dem 

Gesuchsteller eine Genugtuung für Überhaft vom 15. August 2023 bis 

19. Dezember 2023 [à Fr. 30.00 pro Tag] von Fr. 3'810.00 nebst Zins zu 

5 % ab dem mittleren Verfall zu. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 12. Dezember 2024 beantragte der 

Gesuchsteller, ihm sei eine Genugtuung für Überhaft vom 22. Mai 2022 bis 

19. Dezember 2023 à Fr. 200.00 pro Tag von Fr. 115'200.00 nebst Zins zu 

5 % ab mittlerem Verfall zuzusprechen, die Kosten des Verfahrens seien 

auf die Staatskasse zu nehmen und er sei gemäss einzureichender 

Honorarnote für die Aufwendungen der Verteidigung zu entschädigen. 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 20. Dezember 2024 wurde gestützt auf Art. 406 Abs. 1 

lit. d StPO die Durchführung des schriftlichen Verfahrens angeordnet. 

 

3.3. 

Der Gesuchsteller reichte am 28. Februar 2025 die schriftliche Berufungs-

begründung ein. 

 

3.4. 

Mit Berufungsantwort vom 7. März 2025 beantragte die Staatsanwaltschaft 

die Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Ein Anspruch auf Genugtuung kann bei ungerechtfertigter (Art. 429 StPO), 

rechtswidriger (Art. 431 Abs. 1 StPO) oder Überhaft (Art. 431 Abs. 2 StPO) 

bestehen. Im Fall von Untersuchungs- und Sicherheitshaft besteht der 

Anspruch, wenn die zulässige Haftdauer überschritten ist und der 

übermässige Freiheitsentzug nicht an die wegen anderer Straftaten 

ausgesprochenen Sanktionen angerechnet werden kann (Art. 431 Abs. 2 

StPO; «überlange Haft», vgl. BGE 141 IV 236 E. 3.2). Untersuchungs- und 

Sicherheitshaft sowie der vorzeitige Straf- und Massnahmenantritt sind an 

freiheitsentziehende Massnahmen gemäss Art. 56 ff. StGB – wie 

vorliegend eine stationäre therapeutische Massnahme – grundsätzlich 

anzurechnen (BGE 141 IV 236 Regeste). Die Strafbehörde prüft den 

Anspruch auf Entschädigung gemäss Art. 429 ff. StPO von Amtes wegen. 

Sie kann den Beschuldigten auffordern, seine Ansprüche zu beziffern und 

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zu belegen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_632/2017 vom 22. Februar 

20218 E. 2.3 sowie 7B_190/2022 vom 23. Oktober 2023 E. 3.2). Auch 

wenn Art. 429 ff. StPO nach dem Wortlaut primär auf eine beschuldigte 

Person zugeschnitten sind, gelten diese auch für andere Personen mit 

beschuldigtenähnlicher Stellung in besonderen Verfahrensarten. Es sind 

dies insbesondere etwa Personen, gegen die sich ein Verfahren bezüglich 

eines nachträglichen richterlichen Entscheids (Art. 363 f. StPO) richtet (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 7B_190/2022 vom 23. Oktober 2023 E. 3.1). 

 

1.2. 

Als allgemeine Regel hat im Einklang mit der Schweizerischen 

Strafprozessordnung zu gelten, dass die Strafbehörde im Endentscheid – 

und nicht in einem Verfahren bei selbstständigen nachträglichen 

Entscheiden des Gerichts gemäss Art. 363 ff. StPO – über die 

Entschädigung der beschuldigten Person zu befinden hat (Art. 421 Abs. 1 

StPO; Art. 429 Abs. 2 Satz 1 StPO). Unterlässt sie dies, so hat sich der 

Beschuldigte dagegen auf dem Rechtsmittelweg zu wehren (vgl. BGE 

144 IV 207 E. 1.3.2 sowie E. 1.7). 

 

1.3. 

Allerspätestens mit Prüfung des Entscheids der Beschwerdekammer in 

Strafsachen SBK.2023.277 vom 19. Dezember 2023 hätte dem bereits 

damals durch den gleichen Anwalt vertretenen Gesuchsteller auffallen 

müssen, dass trotz Nichtverlängerung der stationären Massnahme nach 

Ablauf der angeordneten Dauer keine Genugtuung zugesprochen worden 

war. Dem anwaltlich vertretenen Gesuchsteller wäre der Rechtsmittelweg 

offen gestanden, um sich zur Wehr zu setzen. Die Rechtskraft des 

Entscheids der Beschwerdekammer in Strafsachen als (End-)Entscheid 

umfasst auch die Frage der Entschädigung. Hätte der Gesuchsteller aber 

auf dem Rechtsmittelweg geltend machen können, dass ihm für die 

Überhaft keine Genugtuung zugesprochen wurde (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 7B_190/2022 vom 23. Oktober 2023 E. 2.3), hätte er dies 

auch tun müssen, während ein (neues) Verfahren bei selbstständigen 

nachträglichen Entscheiden für solche Fälle nicht vorgesehen ist (vgl. zum 

Ganzen: BGE 144 IV 207 E. 1.8 f.). Nicht vergleichbar ist die vorliegende 

Konstellation betreffend eine stationäre Massnahme mit dem vom 

Gesuchsteller angeführten Fall, der dem Entscheid der Beschwerde-

kammer in Strafsachen SBK.2022.232 vom 27. Oktober 2022 zugrunde 

gelegen ist. In jenem Fall handelte es sich um eine ambulante Massnahme, 

wo die Frage eines infolge Überhaft zustehenden Entschädigungs- bzw. 

Genugtuungsanspruchs erst abhängig von dem mit der Behandlung 

einhergehenden Freiheitsentzug ex post beurteilt werden konnte (BGE 

145 IV 359), und zwar im Rahmen eines selbstständigen nachträglichen 

Verfahrens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_375/2018 vom 12. August 

2019 E. 2.9, nicht publ. in: BGE 145 IV 359). 

 

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Mithin hätte die Vorinstanz die Zulässigkeit eines (weiteren) 

selbstständigen nachträglichen Verfahrens prüfen und verneinen müssen. 

Ist die (separate) Geltendmachung einer Genugtuung in einem (weiteren) 

selbständigen nachträglichen Verfahren nicht zulässig, so fehlt es an einer 

Prozessvoraussetzung und dem Gesuchsteller hinsichtlich einer Erhöhung 

der Genugtuung am erforderlichen rechtlich geschützten Interesse an der 

Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids (Art. 382 Abs. 1 

StPO). Es ist nicht von Nichtigkeit auszugehen (vgl. statt vieler; BGE 

145 IV 197 E. 1.3.2; BGE 144 IV 362 E. 1.4.3), da das Bezirksgericht Aarau 

als Gericht, welches das erstinstanzliche Urteil gefällt hat, grundsätzlich für 

selbstständige nachträgliche Entscheide (vgl. Art. 363 Abs. 1 StPO) 

zuständig gewesen wäre. Nachdem nur der Gesuchsteller Berufung erklärt 

und die Staatsanwaltschaft auf ein Rechtsmittel verzichtet hat, darf der 

Entscheid der Vorinstanz nicht zu dessen Nachteil abgeändert werden 

(Art. 391 Abs. 2 StPO), so dass es bei der von der Vorinstanz 

zugesprochenen Genugtuung sein Bewenden hat. 

 

2. 

2.1. 

Im Übrigen wäre die Berufung abzuweisen, wenn darauf einzutreten wäre: 

 

Die Fünfjahresfrist für eine gerichtliche Überprüfung der Massnahme 

(Art. 59 Abs. 4 Satz 1 StGB) begann vorliegend mit dem in Rechtskraft 

erwachsenen Urteil des Obergerichts vom 15. August 2018 (Art. 408 

[Abs. 1] StPO i.V.m. Art. 437 Abs. 2 StPO) und endete am 14. August 2023 

(vgl. statt vieler: BGE 145 IV 65 E. 2.7.1; Urteil des Bundesgerichts 

7B_137/2024 vom 3. April 2024 E. 3.1). Aus der grundsätzlichen Anrech-

nung von Untersuchungs- und Sicherheitshaft auf stationäre Massnahmen 

können keine Rückschlüsse für die Dauer einer Massnahme gezogen 

werden (BGE 141 IV 236 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 6B_375/2018 

vom 12. August 2019 E. 2.6, nicht publ. in: BGE 145 IV 359). «Anrech-

nung» ist nicht rechnerisch im Sinne einer Verkürzung der freiheitsent-

ziehenden Massnahme um die Dauer des anzurechnenden Freiheits-

entzugs, sondern im Zusammenhang mit einer allfälligen Entschädigung zu 

verstehen (BGE 145 IV 65 E. 2.3.4). Genauso wenig können Rückschlüsse 

aus einer Anrechnung eines vorzeitigen Massnahmenvollzugs für die 

Dauer einer Massnahme gezogen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

7B_137/2024 vom 3. April 2024 E. 4.2). 

 

Es lag somit ab dem 15. August 2023 bis zur Entlassung aus der 

Sicherheitshaft per 15. Dezember 2023 zwar formell ein strafprozessualer 

Hafttitel vor. Da die stationäre Massnahme nicht verlängert wurde und auch 

sonst keine Anrechnung an eine andere Sanktion erfolgen kann, besteht 

für diese Überhaft von 127 Tagen grundsätzlich ein Anspruch auf 

Genugtuung gemäss Art. 431 Abs. 2 StPO. 

 

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2.2. 

Der Gesuchsteller befand sich vom 3. Januar 2017 bis 15. Dezember 2023 

gesamthaft samt vorgängiger Untersuchungshaft sowie vorzeitigem Mass-

nahmenvollzug während 2'538 Tagen in Haft. Die Haft war bis und mit dem 

14. August 2023 und damit während 2'415 Tagen bzw. 6 ½ Jahren der 

besonders erschwerend ins Gewicht fallenden, ersten Haftzeit gerecht-

fertigt sowie nicht übermässig. Wenn auch jeder Freiheitsentzug eine 

schwere Einschränkung der persönlichen Freiheit darstellt und das 

Bundesgericht bei kürzeren Freiheitsentzügen – und selbst da ausserge-

wöhnliche Umstände vorbehalten – von Fr. 200.00 pro Tag als ange-

messene Genugtuung ausgeht, entsprechen degressive Tagessätze der 

konstanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Oktober 2020 E. 5.2 f.). 

Angesichts der sehr langen, gerechtfertigten sowie nicht übermässigen 

Haftdauer, der damit einhergehenden erheblichen Haftgewöhnung und der 

mit zunehmender Haftdauer abnehmenden Unbill erscheint auch im 

Vergleich zur anfänglichen strengen Untersuchungshaft für die letzten 

127 Tage ein Tagessatz von Fr. 50.00 als angemessen. 

 

In einem zweiten Schritt sind die Besonderheiten des Einzelfalles zu 

würdigen, die eine Verminderung oder Erhöhung der zuzusprechenden 

Summe nahelegen. Der Gesuchsteller bringt im Wesentlichen Umstände 

wie Beschränkungen betreffend Kommunikation, Besuche sowie Urlaub 

vor, was den Aufbau einer Beziehung verunmöglicht habe. Der Gesuch-

steller übersieht, dass diese Beschränkungen hauptsächlich Ausfluss 

seiner Delinquenz bzw. der damit zusammenhängenden rechtmässigen 

stationären Massnahme als solches sowie gesetzlich vorgesehen sind (vgl. 

§ 65 ff. SMV), und nicht auf die letztlich als übermässig zu qualifizierende 

Haft von 127 Tagen zurückzuführen sind. Der Gesuchsteller belässt es 

denn auch weitgehend bei Behauptungen, die sich so aus den 

eingereichten Beilagen nicht ergeben. Dass entsprechender Kontakt zwar 

beschränkt, aber nicht verunmöglicht wurde, zeigt sich anhand der vom 

Gesuchsteller eingereichten «Vereinbarung zur Online-Partnersuche» 

(Beilage 2). Daraus ergibt sich, dass die Beschränkungen im Hinblick auf 

eine Analyse einer möglichen Deliktsrelevanz erfolgt sind. Dass dem nicht 

so gewesen wäre, behauptet weder der Gesuchsteller noch wäre dies 

ersichtlich. Diese geltend gemachten Beschränkungen datieren denn auch 

alle vor dem 14. August 2023. Mithin ist weder behauptet noch ohne 

weiteres davon auszugehen, dass der Gesuchsteller überhaupt aussichts-

reiche Kontakte gehabt hätte und wenn, ob sich diese wegen den letzten 

127 Tagen Überhaft nicht für ihn positiv weiterentwickelt haben, zumal 

mögliche Gründe für Fehlschläge zahlreich sind. Schliesslich belässt es der 

Gesuchsteller auch hinsichtlich der angeblichen Behinderung der 

beruflichen Integration bei blossen Behauptungen. Zunächst ist festzu-

halten, dass der Gesuchsteller während der stationären Massnahme eine 

Ausbildung zum Gärtner absolvieren und im Sommer 2024 abschliessen 

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konnte, wo er denn auch bis zur Entlassung arbeiten konnte. Überdies zeigt 

der Gesuchsteller mit der generellen Abnahme der Berufschancen im Alter 

und der Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt aufgrund der langjährigen 

rechtmässigen stationären Massnahme selber allgemein mögliche und bei 

ihm vorliegende Gründe für eine eingeschränkte Aussicht bei Stellen-

bewerbungen auf. Dass er die im Schreiben ans Amt für Justizvollzug vom 

9. September 2023 (Beilage 4) erwähnte Stelle aufgrund der Überhaft von 

127 Tagen nicht habe antreten können, ergibt sich aus diesem Schreiben 

jedenfalls nicht, zumal auch hier mögliche Gründe für Absagen – erst recht 

bei Kenntnis um die strafrechtliche Vorbelastung – zahlreich sind. Im 

Gegenteil lässt sich daraus vielmehr entnehmen, dass sich der 

Gesuchsteller gerade noch nicht beworben habe (nur «Kontakt 

aufgenommen»). Vor diesem Hintergrund kann keine Rede davon sein, 

dass er diese Stelle in Aussicht gehabt hätte. Dass er sich nach der 

Entlassung bei diesem Gartencenter tatsächlich noch beworben und eine 

Absage [sowie überdies aufgrund der 127 Tage Überhaft] bekommen 

hätte, behauptet der Gesuchsteller nicht. 

 

Nachdem gemäss Gesuchsteller der Sachverhalt – unter Vorbehalt 

abweichender Ausführungen – unbestritten und von der Vorinstanz richtig 

festgestellt worden sei, ist weiter von Folgendem auszugehen. Er hat seit 

dem Jahr 2022 einen freien Internetzugang, wobei ihm auch der Zugang 

zu erotischen Chats ermöglicht wurde. Er verfügte über grosse Freiheiten 

für soziale Kontakte. Er hatte pro Monat 64 Stunden für unbegleiteten 

Urlaub zur Verfügung. Er hat Anschluss an eine «Männergruppe» gefunden 

und ging mit Freunden wandern. 

 

Zusammenfassend sind die wesentlichen Einschränkungen sowohl in 

sozialer als auch beruflicher Hinsicht auf die Delinquenz des Gesuch-

stellers zurückzuführen. Das trifft insbesondere auch die vom Gesuch-

steller vorgebrachten Umstände, soweit diese überhaupt vorliegen. Die 

Einschränkungen für die letzten 127 Tage erweisen sich angesichts der 

verhältnismässig weitreichenden Freiheiten als vergleichsweise gering 

bzw. die immateriellen Auswirkungen der relevanten Überhaft sind als 

unterdurchschnittlich zu werten. Es erscheint daher mit der Vorinstanz 

angemessen, den Tagessatz auf Fr. 30.00 zu reduzieren. Dies ergibt für 

die 127 Tage Überhaft eine Genugtuung von Fr. 3'810.00 nebst Zins zu 

5 % ab mittlerem Verfall (vgl. zur Verzinsung statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_676/2024 vom 13. Januar 2025 E. 3.1.1). 

 

Der Vollständigkeit halber ist die Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass 

selbstständige nachträgliche Entscheide in Form eines Urteils ergehen (vgl. 

Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO). Da die Vorinstanz auf das korrekte 

Rechtsmittel der Berufung (vgl. Art. 365 Abs. 3 StPO) hingewiesen hat und 

der Gesuchsteller die Berufung erklärt hat, ist ihm durch die unrichtige 

Bezeichnung kein Nachteil erwachsen. 

 - 8 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 12. Dezember 2024 beantragte der Gesuch-

steller «im Berufungsverfahren» – neben einer Erhöhung der Genugtuung 

–, die Kosten auf die Staatskasse zu nehmen sowie dem Gesuchsteller die 

Aufwendungen der Verteidigung gemäss einzureichender Kostennote zu 

ersetzen. Soweit er erst in der Berufungsbegründung vom 28. Februar 

2025 ausführt, dass er eine neue Beurteilung der Kosten- und 

Entschädigungsfolgen beider Instanzen und damit auch derjenigen vor 

Vorinstanz beantrage, ist darauf – neben der mangelnden Legitimation 

(siehe vorstehend) – auch aus folgendem Grund nicht einzutreten. Eine 

nach der Berufungserklärung erfolgte Ausdehnung der Berufung ist 

ausgeschlossen (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2018 vom 

13. November 2018 E. 2.3). Nicht angefochtene Punkte wie die 

vorinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen sind nur zu 

entscheiden, wenn sich dies aufgrund der Gutheissung der Berufung 

sachlich aufdrängt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019 E. 2.3), was vorliegend nicht der Fall ist. 

 

3.2. 

Im Übrigen wäre die Berufung hinsichtlich der erstinstanzlichen Kosten- 

und Entschädigungsfolgen abzuweisen, wenn darauf einzutreten wäre: 

 

Die Verlegung der Kosten richtet sich nach dem Grundsatz, wonach Kosten 

zu tragen hat, wer sie verursacht (BGE 138 IV 248 E. 4.4.1). Die 

Bestimmungen über die Verfahrenskosten sind für alle nach Massgabe der 

StPO geführten Strafverfahren anwendbar (Art. 416 StPO), mithin auch für 

Verfahren bei selbstständigen nachträglichen Entscheiden des Gerichts 

gemäss Art. 363 ff. StPO. 

 

Der Gesuchsteller macht weder Ausführungen zur Quote noch allgemein 

zur Kostentragung. Mithin wäre auch unter Berücksichtigung der 

Berufungsbegründung von einer Anfechtung der Kostenfolge einzig für den 

Fall der Gutheissung der Berufung auszugehen. Er beantragte vor 

Vorinstanz eine Genugtuung für 576 Tage von Fr. 115'200.00, während er 

eine solche für 127 Tage von Fr. 3'810.00 zugesprochen erhalten hat. Er 

ist mithin in einem Verfahren, bei welchem es einzig um einen 

Genugtuungsanspruch gegangen ist, nicht nur hinsichtlich der Höhe des 

Tagessatzes mit 85 %, sondern auch der Anzahl der Tage mit 78 % sowie 

gesamthaft mit 97 % massiv unterlegen. Es rechtfertigt sich daher die 

Kosten dem Gesuchsteller, der diese somit in weitem Umfang verursacht 

hat, mit der Vorinstanz ermessensweise zu 9/10 mit Fr. 900.00 

aufzuerlegen. 

 

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Hinsichtlich der Höhe der Entschädigung übersieht der anwaltlich 

vertretene Gesuchsteller, dass diese auf sein massives Unterliegen 

zurückzuführen ist, da der Kostenentscheid die Entschädigungsfrage 

präjudiziert (vgl. BGE 147 IV 47 E. 4.1). Er bringt denn auch – zu Recht – 

nicht vor, dass der Entscheid der Vorinstanz nicht vorhersehbar gewesen 

sei, zumal ihm mit prozessleitender Verfügung vom 26. Juni 2024 die 

Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zugestellt sowie die Urteilsfällung 

angekündigt wurde, worauf er innert antragsgemäss angesetzter sowie 

erstreckter Frist repliziert hat. Mithin war dem Gesuchsteller bzw. seinem 

erfahrenen Rechtsvertreter der Abschluss des Schriftenwechsels bzw. die 

bevorstehende Urteilsfällung angekündigt worden (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 7B_240/2024 vom 20. Mai 2025 E. 3.2.2 sowie E. 3.3). Es 

wäre ihm ohne weiteres möglich gewesen, seine Aufwendungen mittels 

Einreichung einer Honorarnote in der von ihm als angemessen erachteten 

Höhe geltend zu machen, was er im Übrigen im Berufungsverfahren 

zusammen mit dem Verzicht auf eine Replik getan hat. Jedenfalls liegt im 

Umstand allein, dass der Gesuchsteller die absolute Höhe der 

zugesprochenen Entschädigung als willkürlich [tief] empfindet, keine 

Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern es ist das Ergebnis bzw. die 

Folge seines massiven Unterliegens (siehe vorstehend). Dass die von der 

Vorinstanz ermessensweise festgesetzte, volle Entschädigung von 

Fr. 1'903.95 (Aufwand von 7.125 Stunden, praxisgemäss auf 3 % zu 

veranschlagende Auslagen sowie gesetzliche Mehrwertsteuer von 8.1 %) 

unangemessen tief festgesetzt worden wäre, macht der Gesuchsteller nicht 

geltend und dies ist auch nicht ersichtlich, zumal der Verfahrensgegen-

stand bloss auf die Frage eines Genugtuungsanspruchs für Überhaft 

beschränkt war und sich auch die materiellen Ausführungen weitgehend 

auf die Ansicht des Gesuchstellers zur Berechnung der zu 

entschädigenden Überhaft sowie den Hinweis auf das Fehlen von 

besonderen Umständen für eine Abweichung von einem Tagessatz von 

Fr. 200.00 beschränkt haben. 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.1). Der Gesuchsteller unterliegt mit seiner 

Berufung vollständig. Bei diesem Verfahrensausgang sind die oberge-

richtlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'000.00 (§ 15 GebührD) vollum-

fänglich dem Gesuchsteller aufzuerlegen. 

 

 - 10 - 

 

 

4.2. 

Der Gesuchsteller trägt ausgangsgemäss seine Parteikosten für seinen 

privat mandatierten Vertreter selber und hat keinen Anspruch auf eine 

Entschädigung (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Die Berufung des Gesuchstellers wird abgewiesen, soweit darauf einge-

treten wird. 

 

2. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'000.00 werden dem 

Gesuchsteller auferlegt. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

  

 - 11 - 

 

 

   

Aarau, 14. November 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six Fehlmann