# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5340f10-07b7-5fb4-a214-f1c71d771aa3
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 00.00.0000 PVG 2010 7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2010-7_0000-00-00.pdf

## Full Text

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Behindertengesetz. Integrative Sonderschulung eines be- 
hinderten Kindes. Zuständigkeit für die Anordnung und 
Regelung.
– Die Sonderschulung nach Behindertengesetz kann auch an 

der Volksschule erfolgen; die Anordnung und Rege- lung 
der Durchführung der Sonderschulung obliegt dem 
kantonalen Amt (E.3).

– Massgebend für die konkrete Zuweisung ist das Wohl des 
behinderten Kindes, unter Abwägung allenfalls ent- 
gegenstehender Interessen der anderen Mitschüler (E.4).

Legge sulle persone andicappate. Istruzione speciale inte- 
grata di un bambino disabile. Competenza per ordinare la 
misura e per la regolamentazione.
– L’istruzione speciale giusta la legge sulle persone andi- 

cappate può essere impartita anche nella scuola popo- 
lare; l’attuazione e la regolamentazione dell’istruzione 
speciale spettano all’ufficio cantonale (cons. 3).

– Determinante per la concreta attribuzione è il bene del 
bambino disabile, in considerazione degli eventuali in- 
teressi contrapposti degli altri scolari (cons. 4).

Erwägungen:
3. a) Vorweg gilt es sich vor Augen zu halten, dass die Bun-

desverfassung in Art. 8 Abs. 4 BV den Gesetzgebern von Bund und 
Kantonen den Auftrag erteilt, Massnahmen zur Beseitigung von 
Benachteiligungen der Behinderten vorzusehen. Dabei sind vor al- 
lem behinderte Kinder und Jugendliche zu schützen und zu för- 
dern ( Art. 11 Abs. 1 BV; BGE 126 II 377 E. 5). Der Bund ist diesem 
Gesetzgebungsauftrag mit der Verabschiedung des BehiG und der 
BehiV nachgekommen. Beide sind am 1. Januar 2004 in Kraft ge- 
treten und sehen u.a. Massnahmen für die schulische Ausbildung 
(vgl. Art. 2 Abs. 5 und 20 BehiG) vor. Gemäss der letzterwähnten 
Bestimmung, in welcher das allgemeine verfassungsmässige Be- 
nachteiligungsverbot hinsichtlich der Grundschulung konkretisiert 
wird, sorgen die Kantone dafür, dass behinderte Kinder und Ju- 
gendliche eine Grundschulung erhalten, die ihren besonderen Be- 
dürfnissen angepasst ist ( Abs. 1). Zudem fördern sie, soweit dies 
möglich ist und dem Wohl des behinderten Kindes oder Jugendli- 
chen dient, mit entsprechenden Schulungsformen die Integration 
behinderter Kinder und Jugendlicher in die Regelschule (Abs. 2; 
vgl. BGE 130 I 356). Der Kanton Graubünden ist seinem Gesetzge-

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bungsauftrag mit dem Erlass eines eigenen Behindertengleich- 
stellungsgesetzes (KBehiG) nachgekommen.

b) Gemäss Art. 4 KBehiG erfolgt die Sonderschulung u.a. 
in Heimen, besonderen Schulabteilungen oder in der Volksschule. 
Mit der Erwähnung der Volksschule im KBehiG als möglicher 
Durchführungsort für eine Sonderschulung hat der Gesetzgeber 
Bezug auf das auch in Graubünden etablierte duale Schulsystem 
genommen, welches, nicht zuletzt wegen der von der IV ausge- 
richteten Sonderschulbeiträge, zwischen Sonder- und Regelschu- 
len unterscheidet. Zu Letzterer gehören, da mit der Regelschule 
eng verbunden, die von der Gemeinde geführten Kleinklassen 
bzw. die Einführungsklasse. In diesen werden Kinder geschult, 
welche den Anforderungen der Primar-, Real- oder Sekundar- 
schule nicht entsprechen, jedoch die Voraussetzungen zum Besuch 
einer Sonderschule im Sinne des Behindertengesetzes nicht erfül- 
len ( Art. 26 Abs. 2 SchulG). Demgegenüber haben Kinder, welche 
die vom Behindertengesetz vorgegebenen Voraussetzungen erfül- 
len, zwingend eine Sonderschule zu besuchen. Die Sonderschu- 
lung (nach Behindertengesetz) kann je nach Behinderungsgrad 
des behinderten Kindes oder Jugendlichen dann aber nicht nur in 
einem (Sonderschul-)Heim oder einer besonderen Schulabteilung 
(der Sonderschule), sondern auch an der Volksschule (Regel- 
schule) erfolgen, wobei dies grundsätzlich sowohl in einer Regel- 
klasse als auch in einer Klein- bzw. Einführungsklasse möglich ist.

c) Die Anordnung und Regelung der Durchführung einer 
Sonderschulung erfolgt nun von Gesetzes wegen auf Antrag der 
vom Kanton anerkannten Fachdienste und nach Anhören des zu- 
ständigen Schulrates durch das kantonale AVS. Die Sonderschul- 
massnahme kann für die Zeitspanne vor Beginn der Schulpflicht 
bis zum Erreichen des 20. Altersjahres angeordnet werden (Art. 12 
Abs. 1 und 2 KBehiG). Ob die Sonderschulung der konkreten Be- 
hinderung angepasst und weiterzuführen oder allenfalls aufzuhe- 
ben ist, wird durch das Amt periodisch überprüft (Art. 13 KBehiG). 
Die örtliche Schulorganisation, in welcher die Sonderschulung 
durchgeführt werden soll, spielt insofern eine untergeordnete  
Rolle, als Richtschnur einzig und allein das Wohl des Kindes mit 
Behinderung sein soll. Rechtsprechungsgemäss steht dem verfü- 
genden Amt bei seinem Entscheid über die Art der Durchführung 
der Sonderschulung ein relativ breiter Beurteilungs- und Er- 
messensspielraum zu. Dieser findet seine Grenze jedoch in den 
Grundsätzen der Angemessenheit der angeordneten Sonderschu- 
lung,  des  Willkürverbots  (Art.  9  BV)  sowie  des  Gleichbehand-

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lungsgebotes ( Art. 8 BV). Ein Verstoss gegen Letzteres liegt dann 
vor, wenn rechtliche Unterscheidungen getroffen werden, für die 
kein vernünftiger Grund ersichtlich ist, oder wenn Unterscheidun- 
gen unterlassen werden, die sich aufgrund der Verhältnisse gera- 
dezu aufdrängen würden, d.h. wenn Gleiches nicht nach Mass- 
gabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nicht nach Massgabe 
seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird. Vorausgesetzt wird, 
dass sich die ungerechtfertigte Gleich- bzw. Ungleichbehandlung 
auf eine wesentliche Tatsache bezieht (vgl. BGE 131 l 7 mit wei- 
teren Hinweisen). Bei der Prüfung einer gewählten Lösung wird 
Willkür sodann nicht schon dann bejaht, wenn eine andere Lösung 
ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern 
nur dann, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der 
tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht (BGE 127 I 41), 
eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass ver- 
letzt (BGE 129 III 419) oder in stossender Weise dem Gerechtig- 
keitsgedanken zuwiderläuft.

4. a) Unbestritten ist, dass X. die Voraussetzungen zum Be- 
such einer Sonderschule im Sinne des Behindertengesetzes er- 
füllt. E contrario bedeutet dies, dass ihm der (ordentliche) Besuch 
der Volksschule an sich verwehrt ist. Diese an sich vom dualen 
Schulsystem vorgegebene starre Schranke wird von Art. 4 KBhiG 
nun insofern durchbrochen, als dass die Sonderschulung auch an 
der Volksschule und dort sowohl in einer Regel- als auch einer 
Kleinklasse erfolgen kann. Die vom Gesetzgeber gewollte Durch- 
brechung des dualen Schulsystems zeitigt insofern Konsequen- 
zen, als dass von Gesetzes wegen das kantonale Amt (und nicht 
etwa der örtliche Schulrat) für die Anordnung und Regelung der 
Durchführung der streitigen Sonderschulung von X. zuständig ist. 
Unbestritten ist, dass es im Rahmen seiner alleinigen Zuständig- 
keit sowohl die Antragsberechtigung der anerkannten Fachdienste 
berücksichtigt als auch den örtlichen Schulrat angehört hat.

b) Hinsichtlich der streitigen Anordnung, wonach die inte- 
grative Sonderschulung in der Primarschule weiterzuführen sei, 
sind die von den beigezogenen Fachdiensten erstellten Berichte, 
auf die verwiesen werden kann, einschlägig. Übereinstimmend 
halten sie fest, dass sie die Lösung einer integrativen Sonder- 
schulung in der Primarschule ausdrücklich befürworten und unter- 
stützen würden, weil diese für die weitere Persönlichkeitsentwick- 
lung des Kindes deutliche Vorteile aufweise. Dieses habe sich im 
Kindergarten gut eingelebt, sei gut in der Gruppe integriert und 
würde von den bisherigen Beziehungen zu den gleichaltrigen Kin-

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dern, ebenso wie diese von seiner fürsorglichen Art und seinem 
Wesen profitieren. Um die erreichte Integrationsarbeit zu unter- 
stützen und für X. einen bestmöglichen Schuleintritt zu ermögli- 
chen, sei die Einschulung mit seinen «Kindergartengspänli» an- 
zustreben. Nachvollziehbar dargelegt wurde ferner, dass es sich 
dabei um die beste Form der Förderung für das Kind handle. Fer- 
ner gaben sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass damit die bisher 
erzielten Fortschritte, so u.a. auch im sozialen Bereich, konsolidiert 
bzw. um weitere Lernfortschritte ergänzt werden können. Einhellig 
vertreten sie sodann auch die Auffassung, dass aus einem Verzicht 
auf eine integrative Sonderschulung in der Regelklasse für X. letzt- 
lich ein Verlust in der sozialen Reifung und seiner Persönlichkeits- 
entwicklung bis hin zu einer Retardierung resultieren würde.

c) Was der Schulrat und nunmehr die Gemeinde dagegen 
vorbringen, zielt ins Leere. Insbesondere kann der gemeindein- 
ternen Schulorganisation im Lichte des oben zum dualen Schul- 
system Dargelegten keine massgebende Rolle zukommen. 
Ebenso wenig kommt es darauf an, dass Kinder mit Lernschwie- 
rigkeiten in D. generell in separativen Kleinklassen beschult wer- 
den. Dies bereits deshalb, weil es sich bei den Kindern mit leichten 
Lernbehinderungen, welche in D. traditionell den örtlichen Klein- 
klassen zugewiesen werden, um solche handelt, die die Voraus- 
setzungen für einen Besuch der Volksschule erfüllen und für die 
denn auch der Besuch dieser Klassen gemäss kantonalem Schul- 
gesetz vorgesehen ist. Bei X. handelt es sich dagegen um ein Kind, 
das die Voraussetzungen für einen ordentlichen Besuch der Volks- 
schule nicht erfüllt und der, wie erwähnt, unter den Anwendungs- 
bereich des KBehiG fällt. Seiner schweren Lernbehinderung soll 
entsprechend seinen kognitiven und körperlichen Fähigkeiten mit 
geeigneter, integrativer Sonderschulung gestützt auf das KBehiG 
im Rahmen einer Primarklasse angemessen begegnet werden. 
Der Einwand der rechtsungleichen Behandlung erweist sich be- 
reits daher als offensichtlich unbegründet.

d) Dass eine integrative Sonderschulung in der Primar- 
schule grundsätzlich nicht nur im Rahmen einer Regelklasse, son- 
dern auch im Rahmen einer Klein- bzw. Einführungsklasse erfol- 
gen könnte, wurde bereits ausgeführt. Massgebend für die 
konkrete Zuweisung in eine Regelklasse oder eine Kleinklasse 
darf, wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend 
erkannt hat, einzig das Wohl des behinderten Kindes, unter Abwä- 
gung der allenfalls entgegenstehenden Interessen der anderen 
Mitschüler, sein. Diese Interessenabwägung ist letztlich aufgrund

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der übereinstimmenden Wertungen der Fachdienste und unter 
Würdigung der Vor- und Nachteile der Sonderschulung für seine 
Mitschüler zugunsten von X. ausgefallen. Die Beschwerdeführerin 
bringt nichts vor, was das Ergebnis, dass die integrative Sonder- 
schulung in der Primarschule (i.c. in der Regelklasse) weiterzu- 
führen sei, als ermessensmissbräuchlich, rechtswidrig oder gar 
willkürlich erscheinen liesse. Insbesondere hat sie zu Recht auch 
selbst erkannt, dass eine integrierte Sonderschulung durchaus 
Sinn machen und den Jungen in seiner Entwicklung unterstützen 
könnte. – Die Beschwerde erweist sich entsprechend als unbe- 
gründet und ist daher abzuweisen.
U 10 82 Urteil vom 16. August 2010