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**Case Identifier:** c63028db-a81d-5879-9547-a86265d8a580
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2020 E-2990/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2990-2020_2020-07-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2990/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch;   

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

angegebene Herkunft China (Volksrepublik),   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. Mai 2020 / N (…). 

 

 

 

E-2990/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge am 20. August 2019 und gelangte über Nepal und Frankreich am 

6. November 2019 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nach-

suchte. Am 12. November 2019 wurde sie im Rahmen der Personalienauf-

nahme (PA) summarisch und im Rahmen der Anhörung am 19. Dezember 

2019 einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie im Wesentlichen vor, chi-

nesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie zu sein und aus dem Dorf 

B._______, in der Gemeinde C._______, Kreis D._______, Provinzbezirk 

E._______, Volksrepublik China zu stammen. Sie habe die Schule lediglich 

während zweier Jahre besucht und habe sich danach, weil ihr Vater er-

krankt sei, um ihn gekümmert und in der Landwirtschaft gearbeitet. Im Jahr 

2016 habe sie ein Bildnis vom Dalai Lama in ihrem Schlafzimmer aufge-

stellt gehabt, weswegen sie bei einer Hauskontrolle durch chinesische Sol-

daten geschlagen worden sei. Am (…) August 2019 sei sie mit ihrer Freun-

din und Nachbarin zu einem Kloster gegangen, wo sie mit Touristen über 

Tibet gesprochen hätten. Auf dem Rückweg seien sie von der Polizei an-

gehalten worden, wobei ihre Freundin nach ihrer Adresse gefragt worden 

sei. Zuhause angekommen sei bei ihrer Freundin bereits ein Polizeiauto 

gewesen. Sie selbst sei nach Hause gegangen, habe sich versteckt und 

habe beobachtet, wie ihre Freundin überprüft worden sei, weshalb sie am 

selben Tag von zu Hause weggelaufen sei. Zu Fuss habe sie die Grenze 

zu Nepal überquert, habe dort bei einem Bekannten ihres Onkels gelebt 

und sei am (…) November 2019 über ein ihr unbekanntes Transitland nach 

Frankreich geflogen.  

B.  

Mit Entscheid des SEM vom 27. Dezember 2019 wurde die Beschwerde-

führerin dem erweiterten Verfahren sowie dem Kanton F._______ zugewie-

sen.  

C.  

Am 8. Januar 2020 führte die Fachstelle Lingua im Auftrag des SEM im 

Hinblick auf eine Analyse der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse der 

Beschwerdeführerin und ihres linguistischen Profils ein Telefoninterview 

durch. Der Experte der Fachstelle kam aufgrund dieses Interviews in sei-

nem Gutachten vom 29. Januar 2020 zum Schluss, dass die Beschwerde-

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Seite 3 

führerin eindeutig nicht wie von ihr angegeben im Kreis D._______ sozia-

lisiert worden sei, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft aus-

serhalb der Volksrepublik China. 

D.  

Mit Schreiben vom 4. Februar 2020 gewährte die Vorinstanz der Beschwer-

deführerin das rechtliche Gehör und informierte sie unter Beilage der Qua-

lifikation der sachverständigen Person über den wesentlichen Inhalt des 

sie betreffenden Lingua-Gutachtens. 

E.  

In ihrer Stellungnahme vom 30. März 2020 hielt die Beschwerdeführerin an 

ihren Herkunftsangaben und dem angegebenen Ausreisezeitpunkt fest. 

Soweit für den Entscheid relevant, wird später näher auf den Inhalt der 

Stellungnahme eingegangen. 

F.  

Die Fachstelle Lingua liess die in der Stellungnahme der Beschwerdefüh-

rerin gerügten Punkte durch den Experten sowie durch einen weiteren Ti-

bet-Experten überprüfen. 

G.  

Mit Verfügung vom 13. Mai 2020 – eröffnet am 14. Mai 2020 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und wies ihr 

Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz 

sowie den Vollzug der Wegweisung an, wobei ein Wegweisungsvollzug in 

die Volksrepublik China ausdrücklich ausgeschlossen wurde.  

H.  

Mit Beschwerde vom 9. Juni 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be-

antragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-

gung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung 

von Asyl. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. Subeventualiter sei festzustellen, dass 

der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, 

und die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. (Sub-)subsubeventualiter sei 

die Sache unter Aufhebung der Verfügung zur Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG unter Verzicht auf 

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Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um die Einsetzung eines amtli-

chen Rechtsbeistands im Sinne von Art. 102m Abs. 1 AsylG (SR 142.31). 

Der Beschwerde legte sie eine Fürsorgebestätigung des Amts für Migration 

und Zivilrecht F._______ vom 9. Juni 2020 bei.  

I.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 11. Juni 2020 den Eingang 

der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

4.3 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken. Sie müssen ihre Identität offenlegen sowie Reisepapiere und 

Identitätsausweise abgeben. Der Untersuchungsgrundsatz findet unter an-

derem seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person 

(Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.).  

5.  

5.1 Zur Begründung ihres Entscheids führte die Vorinstanz aus, dass die 

Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaft-

machung gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden.  

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Zunächst verwies es detailliert auf die Ergebnisse der Lingua-Analyse, aus 

welcher sich ergebe, dass die Beschwerdeführerin unerwartet falsche An-

gaben in Bezug auf ihre Gemeinde, den Provinzbezirk und Nachbardörfer 

gemacht habe. Auch habe sie Orte als Gemeinden ihres Heimatkreises ge-

nannt, die diesen Status gar nicht besitzen würden. Zwar habe sie fünf wei-

tere Kreise von E._______ richtig aufzählen können; der Umstand, dass 

sie keine weiteren Nachbardörfer ihres Heimatdorfes C._______ habe 

nennen können, deute aber eher darauf hin, dass sie die Namen der Kreise 

von sekundären Quellen kenne. Zudem habe sie nicht gewusst, wie der 

Name der Hauptstadt ihres Provinzbezirks laute, was zu erwarten gewesen 

wäre, zumal es sich um das Verwaltungszentrum ihres Heimatgebiets 

handle. Zu den Distanzen zwischen den verschiedenen Orten habe sie teils 

richtige, teils falsche Angaben gemacht. Nach der landwirtschaftlichen Be-

schaffenheit ihrer Heimat befragt, habe sie den Fluss (…) genannt – ein 

sehr bekannter Fluss, der jedoch in grosser Entfernung zu D._______ 

liege. Es sei erstaunlich, dass sie nicht den wichtigsten Fluss der Region, 

der zwischen C._______ und der Kreishauptstadt verlaufe, genannt habe. 

Im Verlaufe des Gesprächs habe sie den Berg (…) erwähnt und ausgeführt, 

dass die bevorzugte Zeit für eine Pilgerschaft nach der Ernte im Dezember 

sei. Diese Angabe sei jedoch nicht zutreffend, selbst unter Berücksichti-

gung des traditionellen Kalenders. Es wäre zu erwarten gewesen, dass die 

Beschwerdeführerin, deren Bruder in der Tourismusbranche tätig sei, dies 

wisse. Weiter habe sie auch die Grösse ihrer Felder nicht angeben können, 

obschon sie seit mehreren Jahren in der Landwirtschaft tätig sei. Unge-

wöhnlich sei in diesem Zusammenhang auch, dass ihre Familie ihren An-

gaben zufolge nur Gerste anpflanze. Die von ihr genannten Feldfrüchte, 

die auch im Dorf angepflanzt würden, seien auch in vielen anderen Gebie-

ten inner- und ausserhalb Tibets verbreitet. Die Frage, wann Gerste geern-

tet und gesät würde, habe sie nur vage beantworten können, was in Anbe-

tracht des Umstandes, dass sie und ihre Familie in der Landwirtschaft tätig 

seien und nur Gerste anpflanzen würden, ungewöhnlich sei.  

In Bezug auf die behördlichen Dokumente habe sie zunächst korrekt aus-

geführt, wie sie ihren Personalausweis erhalten habe. Im Verlauf des Ge-

sprächs habe sie aber widersprüchliche Angaben bezüglich des persönli-

chen Kontakts mit dem Amt gemacht. Richtig sei die Aussage gewesen, 

dass der Personalausweis (…). Falsch sei jedoch ihre Antwort hinsichtlich 

des Materials des Ausweises gewesen. Zum Schulwesen habe sie zu-

nächst einige korrekte Angaben gemacht. In Bezug auf ihren Schuleintritt 

habe sie aber, im Widerspruch zu ihrer Ausführung an der Anhörung, aus-

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geführt, mit dreizehn Jahren eingeschult worden zu sein, was ohnehin un-

gewöhnlich sei. Insgesamt habe sie somit zwar einige landeskundlich-kul-

turelle Kenntnisse zur angegebenen Heimatregion machen können; es 

seien aber einige Lücken und Unstimmigkeiten auszumachen, die vor dem 

Hintergrund der geltend gemachten Biografie nicht erklärbar seien. Ausser-

dem habe eine Reduktion von Kasus festgestellt werden können, was für 

die exiltibetische Koine kennzeichnend sei. In Bezug auf das Lexikon hät-

ten überwiegend Lexeme des Lhasa-Tibetischen und zwei Lexeme des 

Exiltibetischen identifiziert werden können, wohingegen Lexeme des 

D._______-Dialekts nicht hätten gefunden werden können. Im Verlauf des 

Gesprächs habe sie von sich aus nur wenige chinesische Lehnwörter ver-

wendet und einige kurze Sätze auf Chinesisch sagen können. Hingegen 

sei sie nicht in der Lage gewesen, die im Tibet allgemein häufig verwende-

ten chinesischen Wörter ins Tibetische zu übersetzen. Daraus würde fol-

gen, dass ihre Chinesisch-Kenntnisse nicht die auf ihrer Biografie basie-

renden Erwartungen erfüllen würden. Vielmehr würden die gezeigten Chi-

nesisch-Kenntnisse darauf hindeuten, dass sie die Sprache von sekundä-

ren Quellen und nicht im Alltag erlernt habe. Mithin seien die Erwartungen 

im landeskundlich-kulturellen Teil nur teilweise erfüllt worden.  

Hinsichtlich der Sprech- und Sprachkompetenz der Beschwerdeführerin 

sei in der Lingua-Analyse zunächst festgestellt worden, dass in Tibet wohn-

hafte Tibeter als Erstsprache ihren lokalen tibetischen Dialekt benutzen 

würden. Der Kreis D._______, der hier von Belang sei, habe mithin seinen 

eigenen Dialekt. Ausserdem liege im Kreis D._______ eine tibetisch-chine-

sische Bilingualität vor. Es sei grundsätzlich anzunehmen, dass gerade jün-

gere Leute mindestens über Grundkenntnisse des Chinesischen verfügen 

würden. Tibeter, die ausserhalb Tibets sozialisiert worden seien, würden 

ausserdem anders sprechen als Personen, die in Tibet sozialisiert worden 

seien. Im Exil habe sich eine Varietät herausgebildet, die als «exiltibetische 

Koine» bezeichnet werde. Aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin 

sei davon auszugehen, dass sie muttersprachlich den tibetischen Dialekt 

von D._______ spreche. Insbesondere habe sie vor ihrer Ausreise nur in 

diesem Kreis gelebt; der zweimonatige Aufenthalt in Nepal und ihr bisheri-

ger Aufenthalt in der Schweiz könne aufgrund der kurzen Dauer vernach-

lässigt werden. Zudem sei zu erwarten gewesen, dass sie Kenntnisse ein-

facher chinesischer Wörter und Redewendungen habe. Sowohl auf der 

Ebene der Phonetik/Phonologie als auch der Morphologie habe sich aber 

gezeigt, dass die Sprache der Beschwerdeführerin, dort wo sich der Dialekt 

von D._______ von demjenigen Lhasas unterscheide, überwiegend Ge-

meinsamkeiten mit dem Dialekt von Lhasa zeige.  

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Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin auf-

grund der landeskundlich-kulturellen Evaluation sowie der linguistischen 

Analyse eindeutig nicht wie vorgebracht im Kreis D._______, Gebiet 

E._______, Autonomes Gebiet Tibet sozialisiert worden sei. Ihre Sozialisa-

tion habe eindeutig in der exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der 

Volksrepublik China stattgefunden.  

Weiter erwog das SEM, in der Stellungnahme im Rahmen der Gewährung 

des rechtlichen Gehörs habe die Beschwerdeführerin ausgeführt, dass ei-

nige ihrer Antworten in der Lingua-Analyse fehlerhaft wiedergegeben wor-

den seien und wichtige Details fehlen würden. Die Lingua-Analyse und die 

daraus gezogenen Schlüsse seien höchst fraglich. Aufgrund dessen sei die 

Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 30. März 2020 zur Beurtei-

lung an die Fachstelle Lingua weitergeleitet worden, welche die von der 

Beschwerdeführerin bemängelten Punkte von der sachverständigen Per-

son, welche den Bericht verfasst habe, habe überprüfen lassen. Ausser-

dem sei bezüglich der Stellen, in denen die Beschwerdeführerin etwas An-

deres gehört haben solle als die sachverständige Person, ein weiterer Ti-

bet-Experte hinzugezogen worden. Soweit die Beschwerdeführerin ihr 

mangelndes Wissen im Bereich der administrativen Einteilung mit der ge-

ringen Schulbildung erklärt habe, sei auszuführen, dass es sich dabei um 

Wissen des alltäglichen Lebens in Tibet handelt und entsprechend relevant 

sei, so dass ihre Erklärung nicht überzeugend sei. In Bezug auf die Un-

stimmigkeiten die Beschaffenheit des Personalausweises betreffend habe 

sie in der Stellungnahme ausgeführt, nicht nach dem Material gefragt wor-

den zu sein. Beide Experten hätten diese Aussage jedoch nicht bestätigen 

können, sei sie doch explizit nach dem Material des Personalausweises 

gefragt worden und habe die Frage falsch beantwortet. Zur Distanzangabe 

zwischen den Dörfern C._______ und G._______ habe sie in der Stellung-

nahme festgehalten, dass sie im Interview gesagt habe, dass G._______ 

10 Minuten mit dem Auto und 30 Minuten zu Fuss von C._______ entfernt 

sei. Auch dies treffe gemäss der Beurteilung beider Experten nicht zu. Ihre 

Erklärung, sie habe den Grenzmarkt von D._______ nicht gekannt, sei auf 

ein Problem der Benennung zurückzuführen, sei ausserdem nicht plausi-

bel, da es sich dabei um eine verständliche Abkürzung der offiziellen Be-

zeichnung handle. Des Weiteren habe sie bemängelt, dass ihre Aussage 

bezüglich der Pilgerzeit in der Lingua-Analyse falsch wiedergegeben wor-

den sei. Tatsächlich treffe es zwar zu, dass die Interviewerin nicht den ex-

pliziten Begriff der Pilgerschaft verwendet habe. Die von der Beschwerde-

führerin angegebene Zeit für Touristenbesuche des betreffenden Berges 

sei aber ungeachtet der Frage der Pilgerschaft nicht zutreffend. Auch der 

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Vorwurf, die Daten bezüglich des Gerstenanbaus seien in der Analyse 

falsch wiedergegeben worden, sei zurückzuweisen, zumal nicht nach der 

westlichen Zeitrechnung gefragt worden sei. Die Erklärung, ihre Eltern 

seien in das D._______-Gebiet zugezogen und würden daher nur den 

Lhasa-Dialekt sprechen, vermag ebenso wenig zu überzeugen, da die Be-

schwerdeführerin anlässlich des Lingua-Gesprächs gegenteilige Angaben 

zur Herkunft ihrer Eltern gemacht habe. Schliesslich sei auch dem Vorwurf, 

sie habe sehr wohl Alltagsgegenstände im D._______-Dialekt benennen 

können, nicht zu folgen, da bei ihrer Sprache keinerlei Übereinstimmungen 

auf der lexikalischen Ebene mit dem D._______-Dialekt hätten festgestellt 

werden können. Auch nach Abwägung der von der Beschwerdeführerin in 

der Stellungnahme vorgebrachten Punkte sei festzuhalten, dass sie der 

Feststellung der sachverständigen Personen nichts Essentielles habe ent-

gegenbringen können. Vor diesem Hintergrund sei festzuhalten, dass die 

Beschwerdeführerin zwar tibetischer Ethnie sei, aufgrund der Lingua-Ana-

lyse aber die Sozialisation eindeutig in der exiltibetischen Gemeinschaft 

ausserhalb der Volksrepublik Chinas stattgefunden habe.  

Da davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin nicht in der von 

ihr vorgebrachten Region sozialisiert worden sei, würden auch den von ihr 

geltend gemachten Asylgründen die Grundlage entzogen. Dies werde 

durch ihre substanzarmen und nicht nachvollziehbaren Ausführungen, de-

nen jegliche Realkennzeichen fehlen würden, untermauert. 

5.2 Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber in der Beschwerde 

geltend, dass sie seit ihrer Geburt bis zur Ausreise 2019 im Autonomen 

Gebiet Tibets gelebt habe und dort sozialisiert worden sei. In Tibet sei es 

verboten, Bilder des Dalai-Lama zu besitzen und aufzustellen, weswegen 

sie im Jahre 2016 von zwei chinesischen Soldaten brutal geschlagen und 

mit heissem Wasser verbrüht worden sei. Am (…) August 2019 habe sie 

mit einer Freundin beim Kloster H._______ Touristen angetroffen und 

ihnen erzählt, dass sie in Tibet keine Freiheit hätten und dass es verboten 

sei, ein Bild des Dalai-Lama aufzustellen. In der Folge sei ihre Freundin bei 

sich zu Hause von der Polizei überprüft worden, während die Beschwerde-

führerin selbst zu ihrem Onkel gegangen sei. Ihre Freundin habe den Poli-

zisten erzählt, dass sie, die Beschwerdeführerin, beim Gespräch mit den 

Touristen ebenfalls zugegen gewesen sei, weswegen die Polizei auch bei 

ihrer Mutter nach ihrem Aufenthaltsort gefragt habe. Man bringe sich in Ti-

bet in Gefahr, könne deswegen verhaftet, gefoltert und getötet werden, 

wenn man sich gegenüber dem chinesischen Regime kritisch äussere. 

Ausserdem seien die Haftbedingungen in den chinesischen Gefängnissen 

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Seite 10 

äusserst prekär. Aus diesen Gründen sei sie geflüchtet. In Bezug auf die 

angebrachten Zweifel an der Lingua-Analyse sei auf die Stellungnahme 

vom 30. März 2020 zu verweisen. Zudem seien ihre Asylgründe inhaltlich 

logisch. Sie habe gezielt gelernt, ihre Geschichte auf Englisch zu erzählen, 

während ihre Freundin besser Englisch spreche als sie, weswegen wohl 

auch nur sie von der Polizei verhaftet worden sei. Nachdem ihre Freundin 

den Beamten wohl erzählt habe, was sie, die Beschwerdeführerin, zu den 

Touristen gesagt habe, hätte die Polizei auch sie verhaften wollen. Ausser-

dem habe sie, entgegen der Ansicht der Vorinstanz, ihre Flucht in Einzel-

heiten schildern können, beispielsweise wie sie einen Fluss überquert 

habe, dass sie nachts unterwegs gewesen sei und wie lange die Reise 

gedauert habe. Insgesamt seien ihre Vorbringen daher glaubhaft und sub-

stantiiert und sie würde die Voraussetzungen einer Verfolgung beziehungs-

weise einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung erfüllen. Even-

tualiter sei anzuerkennen, dass eine Rückkehr unzulässig sei, da sie das 

Land illegal verlassen habe. Laut unabhängigen Experten würden illegal 

ausreisende Tibeter, die im Ausland ein Asylgesuch gestellt hätten, zu den 

Risikogruppen zählen. Die Beschwerdeführerin rügt überdies eine Verlet-

zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör. 

6.  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei ihr die Einsicht in die Stel-

lungnahme der Lingua-Experten verwehrt worden, welche diese zu ihrer 

Eingabe vom 30. März 2020 verfasst hätten; es sei mithin nicht möglich, 

nachzuvollziehen, in wieweit auf ihre Einwände eingegangen worden sei. 

Das SEM habe sich mit ihren Einwänden zur Lingua-Analyse nicht ausrei-

chend auseinandergesetzt und damit die Begründungspflicht verletzt.  

Diese formelle Rüge erweist sich als unbegründet. Die Vorinstanz hat im 

angefochtenen Entscheid sämtliche Akten, namentlich die Anhörungspro-

tokolle, das LINGUA-Gutachten und die Stellungnahme hierzu berücksich-

tigt und ausführlich dargelegt, aus welchen Gründen sie zur Einschätzung 

gelangt, dass die Beschwerdeführerin nicht wie angegeben sozialisiert 

wurde. Dabei hat sie alle wesentlichen Aspekte in ihrer sehr ausführlichen 

Verfügung angeführt und sich mit dem Vorbringen der Beschwerdeführerin 

in ihrer Stellungnahme einlässlich auseinandergesetzt. Für eine Rückwei-

sung des Verfahrens besteht kein Raum.    

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Seite 11 

7.  

7.1 Im unter BVGE 2014/12 publizierten Urteil vom 20. Mai 2014 präzisierte 

das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 

dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Her-

kunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszuge-

hen ist, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe ge-

gen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen; denn die 

Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze an der Mitwirkungs-

pflicht der asylsuchenden Person. Für asylsuchende Personen tibetischer 

Ethnie, welche unglaubhafte Angaben über ihren angeblichen Sozialisie-

rungsraum in China machen und vermutungsweise im Exil, vorab in Indien 

oder Nepal, gelebt haben, bestehen grundsätzlich folgende mögliche 

Konstellationen bezüglich der Staatsangehörigkeit: 

a. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit ohne Aufenthaltsbewilli-

gung in Nepal oder Indien (blosse Duldung im betreffenden Drittstaat); 

b. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit mit entsprechender Auf-

enthaltsbewilligung im Drittstaat Nepal oder Indien; 

c. Besitz der Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien (mit dem damit 

einhergehenden Verlust der chinesischen Staatsangehörigkeit). 

7.2 Daraus ergibt sich folgendes Prüfschema: Besitzt die betreffende Per-

son die chinesische Staatsangehörigkeit und verfügt sie gleichzeitig über 

eine Aufenthaltsberechtigung im Drittstaat Nepal oder Indien (Konstella-

tion b) oder wird die Person im betreffenden Drittstaat zumindest gelduldet 

(Konstellation a), wäre eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG durch die Asylbehörden möglich, vorausge-

setzt die asylsuchende Person legt den schweizerischen Behörden alle 

Fakten im Verfahren dar. Bei der Konstellation b dürften im Regelfall die 

Voraussetzungen der Drittstaatenregelung gegeben sein. Hat die asylsu-

chende Person die Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien erlangt 

(Konstellation c), besitzt sie die chinesische Staatsangehörigkeit nicht, res-

pektive nicht mehr, da sie gemäss chinesischer Rechtslage durch den Er-

werb einer anderen Staatsbürgerschaft die chinesische Nationalität ver-

liert. Diesfalls wäre die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal bezie-

hungsweise Indien zu prüfen. Vermutungsweise gilt, dass die asylsu-

chende Person im Land ihrer (neu erlangten) Staatsangehörigkeit keine 

asylrelevante Gefährdung zu befürchten hat, wenn sie keine entsprechen-

den Vorbringen glaubhaft vorträgt (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.8). Zusammen-

fassend wurde demnach festgestellt, dass für Angehörige der tibetischen 

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Seite 12 

Ethnie sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit besteht, unter 

gewissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten bezie-

hungsweise dass es unter engen Voraussetzungen auch möglich ist, die 

entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwerben, womit infolge Erwerbs 

einer neuen die chinesische Staatsangehörigkeit untergeht. Allerdings 

muss davon ausgegangen werden, dass die in Nepal und Indien lebenden 

Exil-Tibeterinnen und -Tibeter grösstenteils keine neue Staatsangehörig-

keit erworben haben und nach wie vor chinesische Staatsangehörige sind.  

7.3 Verunmöglicht eine tibetische asylsuchende Person durch die Verlet-

zung ihrer Mitwirkungspflicht allerdings die Abklärung, welchen effektiven 

Status sie in Nepal respektive in Indien innehat, kann keine Drittstaatenab-

klärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Im Übrigen 

wird durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft 

auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in 

Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 

E. 5.9 f.).  

8.  

Die Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen zu 

bestätigen sind.  

8.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt mit der Vorinstanz übereinstim-

mend zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin behauptete Her-

kunft aus dem Kreis D._______ nicht glaubhaft erscheint. Zur Vermeidung 

von Wiederholungen kann vorab auf die überzeugenden und ausführlichen 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (angefochtene Verfügung 

S. 3 ff., siehe auch oben E. 5.1).  

8.2 Vorweg ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführerin 

nicht feststeht. Sie hat sowohl im vorinstanzlichen Verfahren als auch im 

Beschwerdeverfahren weder Ausweispapiere noch Beweismittel einge-

reicht, die geeignet wären, etwas zur Klärung ihrer Identität und ihres Her-

kunftslandes beizutragen. 

8.3 Im Weiteren hat die Vorinstanz sich auch inhaltlich zu Recht auf die 

Ergebnisse des Lingua-Gutachtens abgestützt. Sofern bestimmte Anforde-

rungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität der sach-

verständigen Person wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nach-

vollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist einer Lingua-Analyse nach der 

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Seite 13 

Rechtsprechung erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 

E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34). 

8.3.1 Die fachliche Eignung der sachverständigen Person steht vorliegend 

ausser Frage. Inhaltlich erscheint der LINGUA-Bericht vom 29. Januar 

2020 ausgewogen. In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzu-

weisen, dass für die Einschätzung der landeskundlichen Kenntnisse sowie 

des sprachlichen Ausdrucks der Beschwerdeführerin dem von ihr behaup-

teten biografischen Hintergrund ausdrücklich Rechnung getragen wurde. 

Gestützt auf eine linguistische Analyse, welche vom soziolinguistischen 

Profil der angeblichen Herkunftsregion der Beschwerdeführerin ausging, 

wurden Phonetik/Phonologie, Morphologie und Lexikon ihres effektiven 

Sprachgebrauchs mit dem zu erwartenden sprachlichen Profil abgegli-

chen. Für die Aussagekraft des Ergebnisses des Lingua-Berichtes spricht 

auch die Tatsache, dass nicht nur Aspekte abgehandelt wurden, welche 

gegen eine Sozialisation in der angeblichen Heimatregion sprechen, son-

dern auch diejenigen, welche dafür sprechen.  

8.3.2 So trifft es zwar zu, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Be-

fragungen sowie im Lingua-Gespräch einige geografische und landes-

kundliche Gegebenheiten der von ihr angegebenen Herkunftsregion kor-

rekt zu benennen vermochte. Andererseits weisen ihre diesbezüglichen 

Angaben aber auch auffallende Lücken und Fehler auf. Weder den Aus-

führungen im Rahmen des rechtlichen Gehörs noch in der Beschwerde, 

die sich im Übrigen zum Lingua-Gespräch gar nicht äussert, lassen sich 

stichhaltige Argumente entnehmen, welche geeignet wären, die klaren 

Schlussfolgerungen des Lingua-Gutachters zu entkräften. Insbesondere 

wurden die von der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 

30. März 2020 aufgeführten Unstimmigkeiten einem zweiten Experten vor-

gelegt, der die Einschätzung des ersten Lingua-Gutachters teilte. Dem Fa-

zit der sachverständigen Person, die Beschwerdeführerin sei mit Sicherheit 

nicht im Kreis D._______, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft 

ausserhalb der Volksrepublik China sozialisiert worden, kommt vor diesem 

Hintergrund erhebliches Gewicht zu. 

8.4 Im Zusammenhang mit der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen 

sind aber nicht nur die Herkunftsangaben, sondern auch die Schilderungen 

der Fluchtursache. Diesbezüglich hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, 

dass es den Ausführungen der Beschwerdeführerin an Substanziiertheit 

und an Realkennzeichen fehlt (angefochtene Verfügung S. 7 f.). Die Be-

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Seite 14 

schwerdeführerin vermochte dem auch im vorliegenden Beschwerdever-

fahren nichts Substanziiertes entgegenzuhalten. Die Beschwerde er-

schöpft sich vielmehr in einer Wiederholung der bereits an der Anhörung 

getätigten Aussagen.  

8.5 Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz 

nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exil-tibetischen Diaspora 

gelebt hat. Namhafte exil-tibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der 

Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist somit im 

Sinne einer Vermutung anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin in den 

vergangenen Jahren in Indien oder Nepal gelebt hat. Folglich wäre grund-

sätzlich zu prüfen, ob sie über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, 

was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 

AsylG mit sich bringen würde, oder ob sie die indische oder nepalesische 

Staatsangehörigkeit erworben hat, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen 

einer asylrelevanten Gefährdung hinsichtlich eines jener Staaten zu prüfen 

wäre. Das Gericht ist indes wie das SEM der Auffassung, dass die Be-

schwerdeführerin ihre Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise ver-

letzt hat und dadurch den Behörden nähere Abklärungen – die Abklärungs-

pflicht der Asylbehörden findet, wie bereits festgehalten, ihre Grenze bei 

der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person – sowie eine Rückschaf-

fung in seinen tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Die Beschwerde-

führerin hat die Folgen dieses Verhaltens zu tragen (vgl. BVGE 2014/12 

E. 5.10). 

8.6 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon auszu-

gehen ist, dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie ist. Jedoch ent-

behren ihre Vorbringen hinsichtlich des Ortes ihrer hauptsächlichen Sozia-

lisation und ihre Asylvorbringen insgesamt der Glaubhaftigkeit. Folglich ist 

es ihr nicht gelungen, für den Zeitpunkt ihrer Ausreise eine asylrechtlich 

relevante Verfolgung, die sie in ihrer Heimat erlitten hat oder in begründeter 

Weise zukünftig befürchten müsste, aufzuzeigen oder glaubhaft zu ma-

chen. Die Beschwerdeführerin vermag weder die Flüchtlingseigenschaft im 

Zeitpunkt ihrer Ausreise noch subjektive Nachfluchtgründe (illegale Aus-

reise aus dem Heimatstaat) nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu 

machen. Das SEM hat somit zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint 

und ihr Asylgesuch abgelehnt.  

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Seite 15 

9.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge-

such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt we-

der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen 

Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegwei-

sung ist nicht zu beanstanden. 

10.  

In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hält die Vorinstanz vorab fest, 

die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Herkunft nicht glaub-

haft gemacht. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als 

auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen (vgl. ange-

fochtene Verfügung S. 5). Ihre Herkunft und Staatsangehörigkeit gilt des-

halb als unbekannt. 

11.  

11.1 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht fin-

det aber, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwir-

kungspflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei 

fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in 

hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat 

die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der 

Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge-

gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da dieser den Behör-

den unbekannt ist und die Beschwerdeführerin damit keine konkreten, 

glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine Rückkehr dorthin spre-

chen würden.  

11.2 In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Ver-

fügung ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen 

und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45 

Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls 

Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn beziehungsweise eine men-

schenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht (vgl. BVGE 

2014/12 E. 5.11).  

11.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allen-

falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

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Seite 16 

bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme aus-

ser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

12.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

13.  

13.1 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechts-

beistandes (vgl. Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 102m Abs. 1 AslyG) 

sind unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin ab-

zuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als 

aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Voraus-

setzung für deren Gewährung fehlt. 

13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

13.3 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um 

Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili