# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** faeb01e0-50c7-5ee5-aa9e-5e72d48df2af
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-11-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 09.11.2005 SB 2005 28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2005-28_2005-11-09.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 09. November 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 05 28 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Riesen-Bienz und Möhr
Aktuarin ad hoc Nüssle

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In der strafrechtlichen Berufung

der A., Adhäsionsklägerin und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwältin 
Karin Caviezel, Postfach 474, Reichsgasse 65, 7002 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtes Plessur vom 20. Juni 2005, mitgeteilt am 18. Juli 
2005, in Sachen der Staatsanwaltschaft Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 
Chur, gegen B., Berufungsbeklagter, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Guido 
Ranzi, Postfach 519, Quaderstrasse 5, 7001 Chur,

betreffend Ausnützung einer Notlage gemäss Art. 193 StGB,

hat sich ergeben:

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A. B. wuchs zusammen mit einer Schwester in geordneten Verhältnissen 
bei seinen Eltern in C. auf. Dort besuchte er während neun Jahren die Primar- und 
Sekundarschule. Nach der Schulentlassung absolvierte B. eine kaufmännische 
Lehre. In der Folge hatte er mehrere Stellen auf seinem angestammten Beruf inne; 
in dieser Zeit hielt er sich auch wiederholt im Ausland auf. In den Jahren 1980 bis 
1983 absolvierte B. die Hotelfachschule in J.. Er erwarb das Wirtepatent und war 
alsdann im Gastgewerbe tätig. Im Jahre 1984 zog er nach L., wo er während je zwei 
Jahren im Restaurant D. und im Café E. arbeitete. Danach war er weitere zwei Jahre 
bei der Firma F. als Marketingleiter angestellt. Von 1989 bis 1995 war er bei der 
Firma G. AG in H. als Aussendienst-Mitarbeiter tätig. Diese Arbeitsstelle kündigte 
B. per 31. Mai 1995. Alsdann war er arbeitslos, wobei er seinem im Oktober 1992 
am Alfred Alder Institut in J. begonnenen Studium als Individualpsychologe 
nachging und nebenbei noch Kurse besuchte. B. schloss sein Studium im 
September 1997 ab. Mitte Dezember 1995 gründete er zusammen mit seiner 
Ehefrau die Praxisgemeinschaft „I.“ mit Sitz in L., welche sie heute noch führen. 

Sein monatliches Einkommen schätzt B. auf Fr. 5'500.- netto. 

Im Jahre 1990 verehelichte sich B. mit K.. Aus dieser Verbindung gingen in 
den Jahren 1991 und 1994 zwei Söhne hervor.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist B. einmal verzeichnet: Am 8. 
November 2000 verurteilte ihn der Kantonsgerichtsausschuss Graubünden wegen 
Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische 
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung zu drei Monaten 
Gefängnis, Probezeit von 2 Jahren, und Fr. 2'000.- Busse. 

Laut Leumundsbericht der Stadtpolizei L. vom 9. Februar 2005 geniesst B. 
einen guten Ruf.

B. B. wurde von der Staatsanwaltschaft Graubünden am 3. März 2005 
wegen Ausnützung einer Notlage gemäss Art. 193 Abs. 1 StGB angeklagt. Gemäss 
Anklageschrift vom 3. März 2005 liegt dieser Anklage folgender Sachverhalt 
zugrunde:

„Der Angeklagte führt seit Dezember 1995 zusammen mit seiner 
Ehefrau in L. die Praxisgemeinschaft „I.“. Sein im Oktober 1992 am 
Alfred Alder Institut in J. begonnenes Studium als 
Individualpsychologe schloss er im September 1997 erfolgreich ab. 

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Der Angeklagte ist nicht im Besitze einer kantonalen 
Praxisbewilligung.

Im Oktober 2001 wandte sich A. auf Empfehlung einer Kollegin an den 
Angeklagten, um für ihre Probleme (Verlustängste, 
Beziehungsprobleme etc.) therapeutische Hilfe in Anspruch zu 
nehmen. Sie ging davon aus, vom Angeklagten professionelle 
psychologische Beratung zu erhalten und vereinbarte mit ihm die 
Durchführung einer Gesprächstherapie. In der Folge hatte sie in 
Abständen von ein bis zu drei Wochen Sitzungen beim Angeklagten. 
Sie vertraute dem Angeklagten und schilderte ihm ihre 
Beziehungsprobleme offen. Bald einmal empfahl der Angeklagte, die 
Gesprächstherapie mit einer ganzheitlichen naturärztlichen 
Behandlung zu ergänzen. Da die Geschädigte sich damals in einer 
Krise befand, willigte sie ein. Im Verlauf der Therapie kam es zu 
weiteren Krisen, in denen der Angeklagte der Geschädigten jeweils 
beistand. Zwischen ihnen entwickelte sich eine besondere 
Abhängigkeitsbeziehung. Mit Schreiben vom 25. Juni 2002 an M. in J. 
ersuchte der Angeklagte um Durchführung einer Supervision. Als 
Grund gab er an, er habe im Moment einen etwas speziellen Fall in 
seiner Praxis in Bearbeitung und möchte dazu ihre Meinung einholen. 
Die Distanz zwischen seiner Klientin und ihm stimme nicht mehr und 
er könne so seinen beraterischen und fachlichen Auftrag nicht mehr 
wahrnehmen. Wegen eines Spitalaufenthaltes des Angeklagten 
konnte jedoch die geplante Supervision im Juli 2002 nicht 
durchgeführt werden. Am 13. und 27. August sowie am 10. und 24. 
September 2002 fanden weitere Gesprächstherapien statt. Bereits 
Ende August 2002 war zudem ein neuer Termin für die Supervision 
auf den 27. September 2002 vereinbart worden. Mit Schreiben vom 6. 
September 2002 an M. bedankte sich der Angeklagte für die 
Rückbestätigung seines Terminvorschlages für die Supervision, zu 
welcher ihn seine Klientin, Frau A., begleiten werde. Sodann hielt der 
Angeklagte wörtlich fest: „Frau A. hat mich während meines 
Spitalaufenthaltes besucht und mir ist klar geworden, dass die Basis 
für ein normales Verhältnis Klientin/Therapeut nicht mehr gegeben ist. 
Mir geht es in erster Linie darum, ob die Entscheidung, mich aus der 
beraterisch-therapeutischen Rolle herauszunehmen, richtig war, 
obwohl die Klientin weiterhin gerne kommen wollte. Gleichzeitig geht 
es mir darum, fachtechnische Fragen in diesem Fall zu besprechen 
und das weitere Vorgehen. Die Klientin weiss von meiner Absicht, sie 
an dich oder eine andere Fachperson weiterzuweisen.“

Am 27. September 2002 fuhr A. mit dem Zug nach J., wo sie am 
Bahnhof vom Angeklagten abgeholt wurde. Im Verlaufe des späteren 
Nachmittags fand die Sitzung bei Frau M. statt, an welcher gemäss 
Angaben der Supervisorin auch das zwischen dem Angeklagten und 
seiner Klientin entstandene emotionale Verhältnis zur Sprache kam. 
Diese freundschaftliche und emotionale Beziehung widersprach 
klaren, therapeutischen Regeln und liess eine Weiterführung des 
Berater/Klienten-Verhältnisses nicht mehr zu, was sie auch 

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entsprechend kommuniziert habe. Im Anschluss an die Supervision, 
an welcher die Geschädigte sich auch noch über ihre 
Beziehungsprobleme zu ihrem Freund ausliess, kehrten der 
Angeklagte und seine Klientin ins Stadtzentrum zurück, wo sie in 
einem Restaurant das Nachtessen einnahmen. Der Angeklagte lud 
Frau A. anschliessend in das Musical „Deep“ ein. Nach der Vorstellung 
kehrten sie zum Bahnhof zurück, wo Frau A. den Zug nach L. nehmen 
wollte. Bis zur Abfahrt des Zuges verblieb noch einige Zeit, sodass der 
Angeklagte die Geschädigte noch zu einem Bier in ein Restaurant in 
Bahnhofsnähe einlud. Aus einem Bier wurden dann drei bis vier Bier. 
Der Angeklagte verwickelte Frau A. in heftige Diskussionen, wobei es 
vor allem um ihre Beziehungsprobleme ging. Am späten Abend teilte 
der Angeklagte Frau A. schliesslich mit, dass er im Hotel N. ein 
Zimmer reserviert habe und dass sie bei ihm übernachten könne. 
Dabei erwähnte er auch, sie solle nicht so kompliziert tun, es sei ja 
nichts dabei und er würde sie auch in Ruhe lassen. Die Geschädigte 
brachte es eigenen Angaben zufolge nicht fertig, ihm zu 
widersprechen oder aufzustehen und zu gehen, und sie begleitete den 
Angeklagten schliesslich in sein Hotelzimmer. Dem Angeklagten war 
aufgrund seines im Verlaufe der Therapie gewonnenen Wissens über 
die Beziehungsprobleme und Verlustängste der Geschädigten und 
über ihre emotionale Bindung zu ihm bewusst, dass sie sich seinem 
Vorschlag, bei ihm zu übernachten und mit ihm auch sexuell zu 
verkehren, nicht widersetzen würde. In der Folge kam es im 
Hotelzimmer auch zum Geschlechtsverkehr, wobei sich die 
Geschädigte eigenen Angaben zufolge völlig passiv verhielt, mit dem 
Vorgehen nicht einverstanden war, sich aber dagegen auch nicht 
wehren konnte. Am anderen Morgen verliess die Geschädigte das 
Hotel sehr früh und nahm den Siebenuhrzug nach L.. Den Vorschlag 
des Angeklagten, mit ihm noch gemeinsam zu frühstücken, lehnte sie 
ab.

Nach dem Vorfall vom 27. September 2002 kam es zu keinen 
Beratungsgesprächen mehr, obwohl nach Aussagen der 
Geschädigten noch zwei Therapiesitzungen vereinbart worden waren. 
Gemäss der Rechnung vom 25. Oktober 2002 gab der Angeklagte an 
Frau A. am 4. Oktober 2002 diverse Medikamente im Betrag von Fr. 
120.- ab.

Am 28. Juni 2004 reichte die Rechtsvertreterin der Geschädigten eine 
Adhäsionsklage über Fr. 6'900.90, zuzüglich 5 % Zins seit dem 9. Juni 
2004, ein.“

C. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur, an welcher der 
Angeklagte und sein Verteidiger, die Rechtsvertreterin der Adhäsionsklägerin sowie 
Untersuchungsrichter lic. iur. A. Fausch teilnahmen, fand am 20. Juni 2005 statt. Mit 
gleichentags ergangenem Urteil, mitgeteilt am 18. Juli 2005, entschied das 
Bezirksgericht Plessur wie folgt:

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„1. B. wird von der Anklage der Ausnützung einer Notlage nach Art. 
193 Abs. 1 StGB freigesprochen. 

2. Die Adhäsionsklage wird auf den Zivilweg verwiesen. 

3. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden 
von Fr. 2'914.- gehen zu Lasten des Kantons und die 
Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 4'000.- zu Lasten der 
Gerichtskasse.

B. wird zu Lasten der Gerichtskasse mit Fr. 8'589.05 (inkl. MWSt) 
ausseramtlich entschädigt.

4. (Rechtmittelbelehrung)

5. (Mitteilung).“

D. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Plessur erhob A. mit Eingabe 
vom 28. Juli 2005 Berufung beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden. Sie 
beantragte die Aufhebung der Ziffern 1-3 des angefochtenen Urteils. Der Fall sei 
zur neuen Beurteilung an das Bezirksgericht Plessur zurückzuweisen; unter gesetz-
licher Kosten- und Entschädigungsfolge.

In seiner Berufungsantwort vom 3. Oktober 2005 beantragte B. die vollum-
fängliche Abweisung der Berufung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Las-
ten der Berufungsklägerin.

Mit Schreiben vom 8. August 2005 beziehungsweise 18. August 2005 ver-
zichteten sowohl die Staatsanwaltschaft Graubünden als auch die Vorinstanz auf 
eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. a) Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse, sowie gegen Verfügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten 
(ausgenommen Untersuchungshandlungen, prozessleitende Verfügungen und 
Strafmandate) können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichts-
ausschuss innert 20 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefochtenen Ent-
scheides Berufung einreichen. Diese ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder Gerichtsverfahrens gerügt werden 

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und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 141 ff. 
StPO). 

b) Diesen Anforderungen vermag die im Übrigen form- sowie fristgerecht ein-
gereichte Berufung von A. vom 28. Juli 2005 zu genügen, weshalb auf sie einzutre-
ten ist.

2. a) Der Kantonsgerichtspräsident kann von Amtes wegen oder auf An-
trag eine mündliche Berufungsverhandlung durchführen, wenn die persönliche Be-
fragung der Angeklagten für die Beurteilung der Streitsache wesentlich ist (Art. 144 
Abs. 1 StPO). Findet keine mündliche Berufungsverhandlung statt, so trifft der 
Kantonsgerichtsausschuss seinen Entscheid ohne Parteivortritt auf Grund der 
Akten (Art. 144 Abs. 3 StPO). Der Angeschuldigte in einem Strafverfahren hat aber 
unabhängig von der kantonalen Verfahrensordnung gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK 
Anspruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise und öffentlich gehört wird. 
Dieser Anspruch ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein faires Verfahren. 
Das Gebot der Verfahrensöffentlichkeit gilt dem Grundsatz nach nicht nur für das 
erstinstanzliche Strafverfahren, sondern erstreckt sich auf die Gesamtheit eines 
korrekten Strafverfahrens inklusive des gesamten Rechtsmittelweges, somit auch 
auf das Berufungsverfahren gemäss Art. 141 ff. StPO. Die Art der Anwendung von 
Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf ein Verfahren vor einer Rechtsmittelinstanz hängt von deren 
Besonderheiten ab. Von einer mündlichen Verhandlung vor der Rechtsmittelinstanz 
kann etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz tatsächlich mündlich 
verhandelt hat, wenn nur Rechtsfragen oder Tatfragen zur Diskussion stehen, die 
sich leicht nach den Akten beurteilen lassen, ferner wenn eine reformatio in peius 
ausgeschlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist und sich keine Fragen 
zur Person und deren Charakter stellen (vgl. BGE 119 Ia 316 E. 2b; ZGRG 2/99, S. 
46). Zudem darf einem nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches 
Interesse entgegenstehen. Der Betroffene kann von sich aus auf eine mündliche 
Verhandlung verzichten. Voraussetzung eines wirksamen Verzichts ist, dass er 
ausdrücklich erklärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des Betroffenen 
eindeutig ergibt. 

b) Vorliegend haben die Berufungsklägerin und der Berufungsbeklagte 
telefonisch auf eine mündliche Berufungsverhandlung verzichtet. Das angefochtene 
Urteil des Bezirksgerichts Plessur wurde im Anschluss an eine mündliche 
Hauptverhandlung, an welcher die Vertreterin der Berufungsklägerin und der 
Berufungsbeklagte und sein Anwalt anwesend waren, erlassen. Es stellen sich 

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keinerlei Fragen zur Person und zum Charakter des Berufungsbeklagten, die sich 
nicht aufgrund der Akten beantworten lassen. Die Tat- und Rechtsfragen lassen 
sich ebenso nach den Akten beantworten. Im vorliegenden Fall steht einem 
nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches Interesse entgegen. Auch 
unter diesen Aspekten kann auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung 
verzichtet werden (vgl. BGE 119 Ia 318 f.; PKG 2001 Nr. 19). Somit kann die 
streitige Strafsache gestützt auf die vorliegenden Akten ohne mündliche 
Verhandlung sachgerecht entschieden werden. Ein persönliches Vortreten der 
Parteien vor Schranken ist nicht notwendig.

3. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognition zukommt (Art. 146 Abs. 1 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil 
grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft (W. 
Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., L. 
1996, S. 375). Wenn – wie im vorliegenden Verfahren – die Aktenlage die 
Beurteilung zulässt und keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt, oder der 
Mangel geheilt ist, erfolgt keine Rückweisung; diese ist denn auch die Ausnahme 
(W. Padrutt, a.a.O., S. 376). Im vorliegenden Fall sind keinerlei Gründe ersichtlich 
– und die Berufungsklägerin macht solche auch nicht namhaft –, welche eine 
Rückweisung an die Vorinstanz erforderlich machen würden. Der 
Kantonsgerichtsausschuss entscheidet daher in der Sache selbst. Es gilt dabei aber 
zu berücksichtigen, dass der Kantonsgerichtsausschuss auch weitere Urteilspunkte 
abändern oder ergänzen kann und muss, wenn sonst der Würdigung aller Um-
stände unzureichend Rechnung getragen würde beziehungsweise einzelne Fragen 
aus dem Sachzusammenhang gerissen würden und damit Bundesrecht verletzt 
würde (vgl. BGE 117 IV 104 ff.).

4. Gemäss Art. 193 Abs. 1 StGB wird mit Gefängnis bestraft, wer eine 
Person veranlasst, eine sexuelle Handlung vorzunehmen oder zu dulden, indem er 
eine Notlage oder eine durch ein Abhängigkeitsverhältnis oder eine in anderer 
Weise begründete Abhängigkeit ausnützt. Von Art. 193 StGB geschütztes Rechts-
gut ist die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung (S. Trechsel, Schweizerisches 
Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., J. 1997, N 1 zu Art. 193). Opfer kann nur 
sein, wer sich in einer Notlage oder im Verhältnis zum Täter in einer Abhängigkeit 
befindet.

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a) In objektiver Hinsicht setzt Art. 193 Abs. 1 StGB Zwang voraus, wel-
cher jedoch nicht tatsituativ auf das Opfer wirkt, sondern vorbestehend ist und be-
reits auf das Opfer einwirkt, wenn der Täter seinen Tatentschluss fasst, einen sexu-
ellen Übergriff auszuführen (P. Maier, Basler Kommentar zum StGB, Band II, Basel 
2003, N 4 zu Art. 194). Der Zwang kann unter anderem durch Abgängigkeit des 
Opfers vom Täter gegeben sein. Dass heisst, wenn eine Person (das Opfer) auf-
grund eines vorgegebenen strukturellen und/oder persönlichen Merkmals nicht un-
gebunden beziehungsweise frei ist und auf eine andere Person (Täter) angewiesen 
ist. Das Merkmal muss sich in einer persönlichen Beziehung zwischen Täter und 
Opfer manifestieren, wobei es sich um ein klassisches Machtgefälle oder um ein 
besonderes Vertrauensverhältnis handeln kann (Maier, a.a.O., N 5 zu Art. 193 
StGB). 

Das Ausmass der Abhängigkeit bestimmt sich nach einem objektiv-individu-
ellen Massstab. Es wird eine Zwangslage vorausgesetzt, die auch einen beson-
nenen Menschen in der Lage des Betroffenen gefügig gemacht hätte. Die betroffene 
Person muss in der konkreten Situation die ihr zur Verfügung stehenden Möglich-
keiten so eingeschätzt haben, dass ihr zur Abwendung der Zwangslage keine an-
dere als die vom Täter aufgezeigte Möglichkeit blieb (Maier, a.a.O., N 8 zu Art. 193 
StGB). 

Eine Ausnutzung der Notlage oder Abhängigkeit liegt dann vor, wenn zwi-
schen der Zwangssituation und der sexuellen Handlung ein Motivationszusammen-
hang besteht. Das Opfer steht dem Ansinnen des Täters zwar ablehnend gegenü-
ber, doch wagt es aufgrund seiner Unterlegenheit nicht zu widersprechen bezie-
hungsweise es entscheidet sich entgegen innerer Widerstände zur sexuellen Hand-
lung, weil es vor der Zwangssituation kapituliert (Maier, a.a.O., N 9 zu Art. 193 StGB; 
BGE 99 IV 163). Liegt ein Machtgefälle vor, befürchtet das Opfer ausbleibende Vor- 
oder entstehende Nachteile, wohingegen es beim besonderen Vertrauensverhältnis 
den Wegfall der spezifischen Täter-Opfer-Beziehung befürchtet. Aus dem Zustand 
der Abhängigkeit darf jedoch nicht ohne Weiteres auf deren Ausnützung geschlos-
sen werden. Letztere ist gesondert zu beweisen (BGE 125 IV 129). Entscheidend 
ist, ob die Abhängigkeit kausal war für die Duldung oder Vornahme der sexuellen 
Handlung, oder ob die betroffene Person unabhängig davon aus anderen Gründen 
freiverantwortlich darin eingewilligt oder selbst die Initiative entwickelt hat (BGE 99 
IV 93; BGE 131 IV 114).

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Tatbestandsmässig handelt, wer die Person veranlasst, eine sexuelle Hand-
lung vorzunehmen oder zu dulden. Dabei umfasst der Begriff der sexuellen Hand-
lung auch den Beischlaf und beischlafsähnliche Handlungen.

b) Subjektiv wird vorsätzliches Handeln verlangt, wobei Eventualvorsatz 
genügt. Der Täter muss zumindest in Kauf nehmen, dass die Abhängigkeit bezie-
hungsweise die Notlage des Opfers die Entscheidungsfreiheit des Opfers beein-
flusst und es zur Duldung beziehungsweise zur Vornahme von sexuellen Handlun-
gen motiviert hat (Maier, a.a.O., N 13 zu Art. 193 StGB).

c) In BGE 124 IV 13 bejahte das Bundesgericht in Übereinstimmung mit 
der herrschenden Lehre das Vorliegen einer Abhängigkeit bei einer klassischen 
Psychotherapie. Es führte aus, dass im Verlaufe der Therapie sich eine ausseror-
dentlich intime Situation entwickle, die zu einer hohen Verletzlichkeit des Patienten 
führe. Es handle sich beim Psychotherapeuten-Patienten-Verhältnis durchwegs um 
starke Bindungen, bei denen ein erhebliches Machtgefälle und ein ausgeprägtes 
Abhängigkeitsverhältnis charakteristisch seien. In BGE 131 IV 114 führte das Bun-
desgericht aus, dass bei Therapieverhältnissen jedoch in jedem Einzelfall zu prüfen 
und nachzuweisen sei, dass es zum vorausgesetzten Machtgefälle und zu therapi-
etypischen inneren Vorgängen führe, welche einen hinreichenden Kontroll- und Au-
tonomieverlust beim Patienten bewirken. In die Beurteilung seien sämtliche Um-
stände wie Dauer der Therapie, physischer und psychischer Zustand des Patienten, 
Gegenstand und Umfang der Behandlung, Behandlungsform sowie therapeutische 
Distanz zum Therapeuten in den Gesprächen mit dem Patienten einzubeziehen.

5. a) Die Vorinstanz bejahte in ihrem Urteil vom 20. Juni 2005 zwar das 
Vorliegen eines Vertrauensverhältnisses zwischen dem Berufungsbeklagten und 
der Berufungsklägerin. Sie kam jedoch zum Schluss, dass dieses 
Abhängigkeitsverhältnis nicht derart ausgeprägt gewesen sei, dass es zu einer 
wesentlichen Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der Berufungsklägerin 
beziehungsweise zu einem deutlichen Kontroll- und Autonomieverlust bei ihr führte. 
Zur Begründung erwog sie, dass die sexuelle Handlung weder in den 
Praxisräumlichkeiten noch im Zusammenhang mit einer Therapiesitzung stattfand. 
Vielmehr sei es nach einem gemeinsamen Nachtessen und anschliessendem 
Musical-Besuch zum Geschlechtsverkehr in einem Hotel in J. gekommen. A. hätte 
die Möglichkeit gehabt, den letzten Zug nach L. zu nehmen. Die Umstände, dass 
die Berufungsklägerin den Berufungsbeklagten in sein Hotelzimmer begleitet habe, 
um bei ihm zu übernachten, obwohl nur ein Einzelbett zur Verfügung gestanden 

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habe, und sie nur mit einem Slip und einem umgehängten Badetuch bekleidet aus 
dem Bad ins Zimmer zurückgekehrt sei, würden gemäss der Vorinstanz erhebliche 
Zweifel begründen, ob der gegenüber dem Berufungsbeklagten erhobene Vorwurf 
der Ausnützung als berechtigt gelten könne. Ausserdem habe die 
Berufungsklägerin aufgrund ihres Verhaltens vor dem 27. September 2002 durch 
den Entschluss zu einer mehrmonatigen P.-Reise sowie nach dem 27. September 
2002 durch das Versenden von Emails und Postkarten an den Berufungsbeklagten, 
mit denen sie bewiesen habe, dass sie ohne ihn zurecht komme und dass sie ihn 
eher als Freund denn als Therapeuten sah, dargelegt, dass sie über hinreichende 
Entscheidungsfreiheit verfügt habe. Das werde auch dadurch aufgezeigt, dass nach 
ihrer Rückkehr aus Q. keine weiteren Sitzungen mehr stattfanden. Es sei deshalb 
davon auszugehen, dass es der Berufungsklägerin nach relativ kurzer Zeit gelungen 
sei, sich vom Berufungsbeklagten zu lösen und zu ihm Distanz zu gewinnen. Zudem 
sei die Berufungsklägerin selber Sozialarbeiterin und aufgrund dieser Tätigkeit 
selbst beruflich mit ähnlich gearteten Beratungsverhältnissen konfrontiert. Ein 
Motivationszusammenhang zwischen dem Abhängigkeitsverhältnis und dem 
Beischlaf lasse sich demnach nicht in rechtsgenüglicher Art und Weise nachweisen, 
weshalb der Berufungsbeklagte in Anwendung des Grundsatzes „in dubio pro reo“ 
freizusprechen sei.

b) Die Berufungsklägerin macht geltend, sie habe sich gegenüber dem 
Berufungsbeklagten in der Gesprächstherapie vollständig geöffnet, was die Ge-
sprächsnotizen des Berufungsbeklagten zeigen würden. Der Berufungsbeklagte 
habe bereits vor dem 27. September 2002 seine Distanz zu ihr eingebüsst, indem 
er ihr das Du angeboten, ihr Komplimente gemacht wie: sie sei eine „Lässige“, eine 
„heisse Biene“ oder habe einen „knackigen Po“ sowie ihr an den Po gefasst habe 
und private Aspekte in die Gesprächstherapie habe einfliessen lassen und sie wie-
derholt privat zum Biertrinken getroffen habe. Auch habe er sie wiederholt zum Es-
sen eingeladen und ihr offenbart, dass er in sie verliebt sei. Dies beweise ein Email, 
welches der Berufungsbeklagte der Berufungsklägerin am 13. Mai 2003 geschickt 
habe. Die Berufungsklägerin habe trotz Unwohlsein nicht von ihm Abstand nehmen 
können, denn sie habe Angst gehabt, ihren Therapeuten und damit jegliche Unter-
stützung zu verlieren, wenn sie ihn abweisen würde. Was den 27. September 2002 
anbelangt, führt die Berufungsklägerin aus, dass der Berufungsbeklagte alles ge-
plant habe, denn die Karten für das Musical Deep habe er im Voraus besorgen 
müssen. Zudem habe er sie durch eine angeregte Diskussion davon abgehalten, 
den letzten Zug nach L. zu erreichen. Der Berufungsbeklagte habe die auch von der 
Vorinstanz bejahte Abhängigkeit der Berufungsklägerin ausgenützt, um sich sexuell 

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zu befriedigen. Er habe sich gezielt an sie herangemacht, weil er gewusst habe, 
dass ihre Widerstandskräfte aussergewöhnlich schwach seien. Er habe ihre Verhal-
tensmuster aus den zahlreichen Therapiesitzungen gekannt, insbesondere habe er 
von ihrem Problem mit den Aussenbeziehungen gewusst. Ihre Abhängigkeit sei 
gross gewesen, da sie sich ihm gegenüber völlig geöffnet habe und sie von seiner 
Hilfe abhängig gewesen sei. Sie sei der Auffassung gewesen, sie habe dem Beru-
fungsbeklagten viel zu verdanken und habe ihn nicht enttäuschen wollen.

Wie aus dem Email des Berufungsbeklagten zu entnehmen sei sowie sich 
aus dem Umstand ergebe, dass er sie nach der Sitzung bei der Supervisorin zum 
Essen und ins Musical eingeladen habe, sei er es gewesen, der in sie verliebt ge-
wesen sei und nicht umgekehrt. Der Berufungsbeklagte habe sein Verhalten durch 
die formelle Beendigung des Therapieverhältnisses durch die Supervisorin (was ab-
solut unüblich sei) legitimieren wollen, das heisse, das freundschaftliche und sexu-
elle Verhältnis zu der Berufungsklägerin als etwas ausserhalb des Therapieverhält-
nisses Stehendes darzustellen versucht. 

Nach dem Vorfall im Hotelzimmer habe die Berufungsklägerin dem Beru-
fungsbeklagten erklärt, dass er seine Grenzen überschritten habe und dass sein 
Verhalten unprofessionell sei. Sie habe das Hotelzimmer frühmorgens verlassen. 
Worauf der Berufungsbeklagte das Ganze verharmlost und ihr einen Gedichtband 
geschickt habe. Die Reise nach O. sei schon lange geplant gewesen. Später sei sie 
auf Distanz zu ihm gegangen und habe die Behandlung beim Berufungsbeklagten 
abgebrochen. Er habe ihr weiterhin Emails geschickt und sich mit ihr treffen wollen. 
Sie habe ihm aus O. nur geschrieben, weil er sie dazu aufgefordert habe. Dass sie 
seinem Wunsch nachgekommen sei, zeige entgegen der Ansicht der Vorinstanz 
nicht Entscheidungsfreiheit, sondern Abhängigkeit. Diese Umstände würden zudem 
aufzeigen, dass er in sie verliebt gewesen sei und nicht sie in ihn. Aber selbst wenn 
es umgekehrt gewesen wäre, hätte sich der Berufungsbeklagte strafbar gemacht.

c) Der Berufungsbeklagte betont in seiner Berufungsantwort wiederholt, 
dass es die Berufungsklägerin gewesen sei, welche die Distanz zum Berufungsbe-
klagten verloren habe und sich ihm angenähert habe. Er habe darauf professionell 
reagiert, indem er eine Supervision beantragt habe und die Berufungsklägerin nicht 
mehr in seinen Praxisräumen habe treffen wollen, sondern im Restaurant. Dass es 
im Anschluss an die Supervision zu einem angenehmen Abend und sexuellen Kon-
takten mit der Berufungsklägerin gekommen sei, sei deren freier Entscheid gewe-
sen. A. habe zahlreiche Möglichkeiten gehabt, den Geschlechtsverkehr mit dem Be-

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rufungsbeklagten zu vermeiden: sie hätte rechtzeitig abreisen, sich ein eigenes Ho-
telzimmer nehmen können oder sich, einmal im Hotelzimmer angekommen, nicht 
halbnackt zum Berufungsbeklagten ins Bett legen müssen. Die Berufungsklägerin 
sei eine Person von hoher Autonomie, welche mit den Facetten des Lebens vertraut 
sei und genau gewusst habe, worauf sie sich eingelassen habe. Zudem sei sie als 
Sozialarbeiterin dem Berufungsbeklagten nie untergeordnet gewesen. Vielmehr 
hätten sich zwischen beiden berufliche Interaktionen und Besprechungen sowie 
fachliche Berührungspunkte ergeben. Die Berufungsklägerin habe bewusst den 
letzten Zug verpasst, damit sie beim Berufungsbeklagten im Hotel übernachten 
könne. Es sei am 27. September 2002 zwischen zwei erwachsenen und autonomen 
Personen zum Geschlechtsverkehr gekommen, was nicht strafbar sei. Zu diesem 
Zeitpunkt sei das Therapieverhältnis materiell längst und formell nach der Supervi-
sion beendet gewesen. 

6. Unbestritten ist vorliegend, dass es zwischen der Berufungsklägerin 
und dem Berufungsbeklagten am 27. September 2002 zum Beischlaf kam. Zu prü-
fen ist vorliegend, ob die Berufungsklägerin dabei aufgrund eines Abhängigkeitsver-
hältnisses zum Berufungsbeklagten in ihrer Entscheidungsfreiheit derart einge-
schränkt war, dass sie keinen Widerstand hat leisten können und ob der Berufungs-
beklagte diese Situation ausgenutzt hat, um sich sexuell zu befriedigen. Anlässlich 
dieser Prüfung ist eine Würdigung der Beweismittel vorzunehmen. Gemäss Art. 125 
Abs. 2 StPO entscheidet das Gericht bei der Würdigung der Beweismittel nach freier 
Überzeugung. Dieser Grundsatz der freien Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus 
Art. 249 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP). Der Richter 
hat danach von Bundesrechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur 
nach seiner persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der 
vorliegenden Beweise darüber zu entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen 
hält oder nicht (vgl. BGE 115 IV 268 f.). Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden 
Fall die materielle Wahrheit wegleitend, so kann für diese Beurteilung nur die freie 
Meinung des Richters massgebend sein (vgl. R. Hauser/E. Schweri/K. Hartmann, 
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 2, S. 244). Lehre 
und Rechtsprechung gehen zutreffend davon aus, blosse Wahrscheinlichkeit dürfe 
für eine Verurteilung nicht genügen, absolute Sicherheit sei für eine solche aber 
auch nicht erforderlich und eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der 
Sachverhalt anders sein könnte, rechtfertige keinen Freispruch (vgl. 
Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 11, S. 247). 

13

Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden 
Beweiswürdigungsregel “in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter nicht von der 
Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären, 
wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so 
verwirklicht hat, oder mit anderen Worten Zweifel an den tatsächlichen 
Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 f.). 
Bloss theoretische Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich 
vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um 
solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 120 la 37). Aufgabe 
des Richters ist es, ohne Bindung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel 
zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu 
entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar 
sein muss. Die Schuld des Beschuldigten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise 
und Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu 
beseitigen vermag (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Padrutt, a.a.O., S. 307). Es ist anhand 
sämtlicher sich aus den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die 
Darstellung der Anklage oder jene des Angeklagten den Richter zu überzeugen 
vermag. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der 
anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz “in dubio pro reo“ 
der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen werden (PKG 1978 
Nr. 31; Padrutt, a.a.O., S. 307). 

Zulässig ist es, aus der Gesamtheit von verschiedenen Indizien, welche je 
für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine 
bestimmte Täterschaft oder Tat hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf 
den vollen rechtsgenüglichen Beweis von Täter bzw. Tat zu schliessen (vgl. Die 
Praxis 10/2002, Nr. 180).

Zu den verschiedenen Beweismitteln ist anzuführen, dass der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die 
Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeschuldigten voll gültige 
Beweismittel mit derselben Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist 
weniger die Form, sondern vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und 
Weise der Bekundung sowie die Überzeugungskraft massgebend. Entscheidend ist 
mit anderen Worten allein die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall 
(Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 5, S. 246).

14

Im Rahmen des Gerichtsverfahrens interessiert nicht in erster Linie die 
persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen, sondern vielmehr die sachliche 
Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage (vgl. R. Hauser, Der Zeugenbeweis im 
Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, J. 1974, S. 311 ff.). Als 
Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit 
und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete und 
anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses zu werten. Die Schilderung des Vorfalles 
in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den 
Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Indiz für die Richtigkeit der Deposition. Für 
die Korrektheit einer Aussage sprechen unter anderem die Selbstbelastung oder 
unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle und die Konstanz in der Aussage bei 
verschiedenen Befragungen. Bei wahrheitswidrigen Bekundungen fehlen diese 
Kennzeichen regelmässig. Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen 
sind Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, 
Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe 
mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten 
und gleichförmige, eingeübt wirkende Aussagen. Die Richtigkeit einer Deposition 
muss alsdann auf ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem 
Ergebnis der übrigen Beweiserhebungen geprüft werden. Auch im System der 
Glaubwürdigkeitskriterien von Arntzen (F. Arntzen/E. Michaelis-Arntzen, 
Psychologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., 
München 1993) steht an erster Stelle die Aussage selbst. Sie ist vor dem 
Hintergrund allgemein bekannter oder im Einzelfall zu erkundender psychischer 
Eigenarten zu betrachten. Unterschieden wird dabei zwischen 
Glaubwürdigkeitskriterien, die sich aus dem Aussageinhalt, der 
Aussageentwicklung, der Aussageweise sowie dem Motivationsumfeld der 
Aussage ergeben. Kriterien des glaubhaften Aussageinhalts sind der Grad der 
Detaillierung und der inhaltlichen Besonderheit sowie die Homogenität der 
Aussage. Die Glaubhaftigkeit aus dem Verlauf der Aussageentwicklung ergibt sich 
aus der relativen Konstanz einer Aussage in zeitlich auseinanderliegenden 
Befragungen sowie der Ergänzbarkeit der Deposition bei nachfolgenden 
Befragungen. Nacherlebende Gefühlsbeteiligung und ungesteuerte Aussageweise 
sprechen für einen hohen Wahrheitsgehalt. Der Grad der Objektivität ist schliesslich 
massgebend für den Grad der Glaubwürdigkeit, der sich aus dem Motivationsumfeld 
ergibt (vgl. Arntzen/Michaelis-Arntzen, a.a.O., S. 15 ff.).

7. a) Der Berufungsbeklagte hat vor dem Untersuchungsrichter am 30. 
September 2003 bestätigt (act. 3.5), dass es am 27. September 2002 zwischen ihm 

15

und A. zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Weiter hat er sinngemäss und im 
Wesentlichen anlässlich der Einvernahmen vom 30. September 2003 (act. 3.5) und 
vom 22. Oktober 2003 (act. 3.6) zu Protokoll gegeben, A. nicht sexuell belästigt (an 
den Po gefasst, Bemerkung wie „heisse Biene“, „knackiger Po“) zu haben. Zwischen 
ihnen habe ein freundschaftliches Verhältnis bestanden, da sie sich privat gekannt 
und auch in der Freizeit getroffen hätten. Die Berufungsklägerin kenne auch seine 
Frau. Zudem hätten sie als Berufskollegen miteinander zu tun gehabt, da die 
Berufungsklägerin ihm Klienten zugehalten habe und sie über gemeinsame Fälle 
diskutiert hätten. 

A. sei im Oktober 2001 zu ihm gekommen, um sich wegen ihres Aggressi-
onsverhaltens, wegen Orientierungslosigkeit im Bereich Beruf und Karriere sowie 
wegen Problemen in der Beziehung zu ihrem Freund beraten zu lassen. Aussenbe-
ziehungen seien, soweit er es verstanden habe, das Problem gewesen. A. habe 
sich von ihrem Freund nicht mehr verstanden gefühlt, was offenbar auf Gegensei-
tigkeit beruht habe. Er sei ihr gegenüber nicht als Psychotherapeut aufgetreten, son-
dern als Mentaltrainer. Durch Mentaltraining werde das Verhalten durch Erkennen 
und Training verändert. Er sei ausgebildeter Paar- und Familienberater und Media-
tor. Da A. an Energielosigkeit gelitten habe, habe er das Mentaltraining mit einer 
naturärztlichen Behandlung ergänzt.

Im Juni 2002 habe er A., als sie ihm die Hand auf sein Knie gelegt und ent-
sprechende Emotionen gezeigt habe, darauf aufmerksam machen müssen, dass 
das Verhältnis zwischen Berater und Klientin klar getrennt werden müsse vom Pri-
vaten. Er habe gespürt, dass sie für ihn eine gewisse Zuneigung entwickelt habe 
und deshalb vorgeschlagen, eine Supervision durchzuführen. Sie sei damit einver-
standen gewesen. Zwar habe er bei der Supervisorin um einen Termin ersucht, was 
mit dem Schreiben vom 25. Juni 2002 belegt ist (act. 4.29), diesen jedoch aufgrund 
eines Spitalaufenthaltes verschieben müssen. Anfangs Juli 2002 habe ihn die Be-
rufungsklägerin im Spital besucht und beschenkt, was ihm unangenehm gewesen 
sei. Danach sei sie bis zur Supervision weiter in die Beratung gekommen. Er habe 
die Therapie nicht abgebrochen, weil er sie nicht habe fallen lassen oder verletzen 
wollen. Bereits in der Sitzung vom 10. September 2002 habe er versucht, einen 
sauberen Schlussstrich unter die Angelegenheit zu ziehen und die Beziehung auf 
eine berufliche Zusammenarbeit zu beschränken. A. sei so weit gewesen, dies zu 
akzeptieren. Mit der Supervision habe er sicherstellen wollen, dass auch in der Ver-
gangenheit eine professionelle Vorgehensweise gewählt worden war, und dass der 

16

Entscheid, die Beratung zu beenden, von einer neutralen Fachperson als richtig 
eingestuft werde. 

An der Supervision vom 27. September 2002 habe die Supervisorin den Ent-
scheid, das Verhältnis Berater/Klientin aufzulösen, als richtig eingestuft. Er habe 
fünf Minuten alleine mit der Supervisorin geredet, um die Kommunikation des Ent-
scheides gegenüber A. mit ihr zu diskutieren. Der Entscheid sei von A. so mitgetra-
gen worden. In der Folge hätten sie gemeinsam das Nachtessen eingenommen und 
er habe sie in das Musical Deep eingeladen. Sie hätten am Bahnhof noch eine Bar 
aufgesucht. Obwohl er sie mehrfach darauf aufmerksam gemacht habe, dass ihr 
Zug abfahren würde, habe sie daran kein Interesse gezeigt und ihm schliesslich 
eröffnet, zu bleiben. Sie habe alles dabei. Er habe ihr mitgeteilt, im Hotel N. ein 
Zimmer zu haben, und dass sie bei ihm übernachten könne. Er habe keine Absich-
ten gehabt und sich keine Gedanken gemacht, dass im Hotelzimmer nur ein Bett 
vorhanden gewesen sei. Die Berufungsklägerin sei nur im Slip aus dem Bad ge-
kommen. Aus der Situation heraus hätten sie den Geschlechtsverkehr vollzogen, 
wobei die Initiative von ihr ausgegangen sei, sie ihn entkleidet habe und aktiv dabei 
gewesen sei. Am nächsten Morgen sei die Berufungsklägerin sehr früh gegangen 
und sie hätte sich zuvor bei ihm bedankt. Er habe ihr nie gesagt, in sie verliebt zu 
sein und seine Familie zu verlassen, wenn A. gleich empfinden würde wie er. Sie 
sei eine eigenständige und selbstbewusste 30-jährige Frau mit Lebenserfahrung 
und habe zu jenem Zeitpunkt gewusst, was sie gewollt habe. 

Bis zu ihrer Abreise nach P. hätten sie sich noch mehrmals gesehen. Termine 
für Gesprächstherapien seien nach dem 27. September 2002 keine vereinbart ge-
wesen. Nach ihrer Rückkehr habe er sie per Email kontaktiert, um ein Treffen zu 
vereinbaren. Um mehr sei es dabei nicht gegangen.

Anlässlich der Konfronteinvernahme mit A. vom 20. November 2003 (act. 3.7) 
bestätigte der Berufungsbeklagte die bereits gemachten Aussagen.

b) A. wurde am 12. September 2003 vom Untersuchungsrichter als Zeugin 
einvernommen (act. 3.3). Sie gab zusammenfassend und zur Hauptsache zu Pro-
tokoll, von Oktober 2001 bis September 2002 beim Berufungsbeklagten in psycho-
therapeutischer Behandlung gewesen zu sein, welche mit einer ganzheitlichen na-
turärztlichen Behandlung ergänzt worden sei. Der Grund habe in Beziehungspro-
blemen gelegen. Sie habe dem Berufungsbeklagten vertraut. Dieser habe sehr früh 
begonnen, ihr das Du anzutragen und ihr Komplimente zu machen. So habe er sie 

17

wiederholt an den Po gefasst, sie „heisse Biene“ genannt und umarmt. Sie habe in 
einer festen Beziehung gelebt, sich gegen die Annäherungen des Berufungsbeklag-
ten jedoch nicht wehren können. Er habe ihr auch von seinen Problemen erzählt. 
Im Frühjahr 2002 hätten sie sich auf seine Initiative hin im Restaurant R. getroffen, 
wo er ihr eröffnet habe, dass er in sie verliebt sei und spüre, dass dies auf Gegen-
seitigkeit beruhe. Später habe er ergänzt, er würde für sie seine Frau verlassen. Bei 
folgenden Treffen auf seine Initiative hin hätte er sich wiederholt über seine Gefühle 
zu ihr so geäussert. Da sie gerade wegen Problemen mit Aussenbeziehungen seine 
Hilfe gesucht habe, habe sie ihm nicht sagen können, dass sie nicht so empfinde. 
Weil sie grosses Vertrauen in ihn gehabt habe, ihre Probleme nicht gelöst gewesen 
seien und sie nicht bei einem neuen Therapeuten von vorne habe beginnen wollen, 
habe sie die Therapie bei ihm fortgesetzt.

Im September 2002 habe er ihr gesagt, mit ihr nicht weiter zu kommen und 
sie gerne nach J. in eine Intervision mitzunehmen. Normalerweise würde man Pati-
enten nicht mitnehmen, ihr als Sozialarbeiterin traue er dies jedoch zu. Sie habe 
sich geschmeichelt gefühlt. Die Intervision am 27. September 2002 in J. sei ihres 
Erachtens ohne Erfolg verlaufen und ihr sei nicht klar gewesen, was sie an der Sit-
zung zu tun gehabt habe, da diese mehr für den Berufungsbeklagten gewesen sei. 
Anschliessend habe der Berufungsbeklagte sie in das Musical Deep und daraufhin 
am Hauptbahnhof zu einem Bier in einem Restaurant eingeladen. Er habe sie in 
heftige Diskussionen verwickelt, vor allem im Zusammenhang mit ihren Bezie-
hungsproblemen. Ihr Freund habe ihr im Verlaufe dieses Abends mehrere SMS ge-
schickt und sie gefragt, wo sie sich befinde. Schliesslich habe der Berufungsbe-
klagte ihr angeboten, bei ihm im Hotelzimmer zu übernachten. Der letzte Zug sei 
dann abgefahren. Sie habe ihm nicht widersprechen können und ihn ins Hotel be-
gleitet. Er habe ihr mehrfach gesagt, sie solle nicht so kompliziert und umständlich 
tun, er werde sie in Ruhe lassen. Im Hotelzimmer habe der Berufungsbeklagte je-
doch begonnen, sie zu umarmen, zu küssen und zu entkleiden und er habe sie 
aufgefordert, ihn zu ficken. Sie habe ihm gesagt, sie könne das nicht, woraufhin der 
Berufungsbeklagte die Initiative ergriffen und den Geschlechtsverkehr vollzogen 
habe. Sie habe sich völlig passiv verhalten und es über sich ergehen lassen, habe 
sich jedoch nicht dagegen wehren können. Der Berufungsbeklagte habe aufgrund 
der Gesprächstherapie genau gewusst, wie sie reagieren würde und dies aus-
genützt. Sie habe Schuldgefühle gehabt, weil sie erneut eine Aussenbeziehung ein-
gegangen sei.

18

Nach dem 27. September 2002 hätten sie noch Termine für Gesprächsthe-
rapien vereinbart gehabt. Die Therapie habe aber nicht mehr funktioniert, woraufhin 
sie sich zweimal im Restaurant getroffen hätten. Vor ihrer Abreise habe der Beru-
fungsbeklagte ihr noch ein Büchlein mit einem selbstgereimten Liebesgedicht über-
geben. Von Dezember 2002 bis Ende Februar 2003 sei sie in O. gewesen. Nach 
ihrer Rückkehr habe der Berufungsbeklagte vermehrt versucht, mit ihr Kontakt auf-
zunehmen. Sie hätten sich dann auch zweimal getroffen. An weiteren Kontakten 
habe sie jedoch kein Interesse gehabt. Die Strafanzeige habe sie erst so viel später 
nach dem Ereignis eingereicht, weil sie sich geschämt habe und erst im Laufe der 
Zeit eine gewisse Distanz bekommen habe. 

Am 20. November 2003 wurde die Berufungsklägerin mit dem Berufungsbe-
klagten konfrontiert (act. 3.7). Sie bestätigte dabei ihre bereits gemachte Aussage 
und ergänzte, es treffe zu, dass sie den Berufungsbeklagten im Spital besucht habe, 
sowie, es habe sich in J. um eine Intervision und nicht um eine Supervision gehan-
delt. Der Grund habe nicht in der Beziehung zwischen ihr und dem Berufungsbe-
klagten gelegen, sondern darin, dass er nicht mehr gewusst habe, wie er in der 
Beratung weiterfahren sollte. Dass das Verhältnis Berater/Klientin aufgelöst werden 
sollte, sei kein Thema gewesen. Es entspreche der Wahrheit, dass sie im Hotelzim-
mer in J. nur mit einem Slip bekleidet gewesen sei und nur in einem umgehängten 
Badetuch aus dem Badezimmer gekommen sei. Sie habe die verrauchten Kleider 
nicht wieder anziehen wollen. Die Initiative zum Geschlechtsverkehr habe sie je-
doch nicht ergriffen. Sie habe dem Berufungsbeklagten im Nachgang an die Inter-
vision sowie während ihres Aufenthaltes in P. zwar Mails und eine Ansichtskarte 
geschrieben. Sie habe sich jedoch in einem Dilemma befunden, weil das Ereignis 
für sie nicht gestimmt habe und sie dennoch normal weiterleben wollte.

c) M., bei welcher am 27. September 2002 die Sitzung in J. stattfand, 
wurde am 7. Januar 2004 (act. 3.8) untersuchungsricherlich befragt. Sie gab im We-
sentlichen zu Protokoll, seit Jahren die Supervisorin des Berufungsbeklagten zu 
sein und ein gutes Verhältnis zu ihm zu haben. Es komme relativ häufig vor, dass 
ein Berater gemeinsam mit seiner Klientin zur Supervision komme. Bei einer Inter-
vision würden Fachleute eigene Fälle gemeinsam besprechen, während bei einer 
Supervision die Fälle des einen Beraters besprochen würden und die Supervisorin 
sowohl die psychologischen Zusammenhänge aufzeige als auch Vorgehensmög-
lichkeiten bespreche. Am 27. September 2002 habe eine Supervision stattgefun-
den. Die Sitzung sei mit dem Thema begonnen worden, dass das Verhältnis zwi-
schen dem Berufungsbeklagten und der Berufungsklägerin kein Therapieverhältnis 

19

mehr sei. Wenn zwischen Therapeut und Klient ein emotionales Verhältnis ent-
stehe, sei die therapeutische Beziehung zu beenden. Da zwischen dem Berufungs-
beklagten und A. eine freundschaftliche, d.h. emotionale Beziehung entstanden sei, 
habe sie geäussert, dass eine Weiterführung des Berater/Klienten-Verhältnisses 
nicht mehr möglich sei. In ihren handschriftlichen Aufzeichnungen habe sie dies 
nicht festgehalten, weil die Auflösung des Verhältnisses klar und selbstverständlich 
gewesen sei. A. habe im Anschluss aus eigenem Antrieb über ihre Probleme zu 
reden begonnen. Es seien im Verlauf der Sitzung die Gründe für die Probleme von 
A. in der Kindheit gesucht worden. Daran, dass A. während fünf Minuten habe 
draussen warten müssen, erinnere sie sich nicht. Am Schluss der Sitzung sei der 
Berufungsbeklagte jedoch ganz klar nicht mehr der Berater von A. gewesen.

d) aa) Es gilt aufgrund der Gesprächsprotokolle des Berufungsbeklagten, an 
deren Authentizität zu zweifeln der Kantonsgerichtsausschuss – aufgrund der Art 
und der inhaltlichen sowie chronologischen Abfolge der Aufzeichnungen – keine 
Verlassung hat, sowie seiner Aussage und derjenigen der Berufungsklägerin als 
erstellt, dass die Berufungsklägerin die Hilfe des Berufungsbeklagten in Anspruch 
genommen und sich in Zeitabständen von zwei bis drei Wochen vom 23. Oktober 
2001 bis und mit dem 24. September 2002 in seiner Praxis und in diversen Restau-
rants mit ihm getroffen hat (act. 4.4-4.23 und 4.28-4.31, 4.33-4.35). Die Behandlung 
wurde durch eine ganzheitliche naturärztliche Behandlung ergänzt. Insgesamt lie-
gen Protokolle von 21 Sitzungen über den Zeitraum von beinahe einem Jahr bei 
den Strafakten. Die Äusserungen der Berufungsklägerin hat der Berufungsbeklagte 
während den Sitzungen stichwortartig notiert. Den im Recht liegenden Gespräch-
sprotokollen zufolge wandte sie sich an ihn wegen ihrer Beziehungsprobleme mit 
ihrem damaligen Lebenspartner, insbesondere, weil sie sich auf Aussenbeziehun-
gen einliess (vgl. act. 4.4, 4.6, 4.12, 4.14). Ausserdem erzählte sie von ihren Panik-
attacken, den oft empfundenen Gefühlen von Trauer, Aggression, Unsicherheit, 
nicht anerkannt und ausgenutzt zu werden, fehlender Selbstsicherheit und Angst 
sowie ihren Verlustängsten und der damit verbundenen fehlenden Fähigkeit, loslas-
sen zu können (act. 4.4-4.7, 4.11-4.12, 4.19, 4.21-4.23, 4.28). Die Gründe für ihre 
Existenzangst und die Angst, allein zu sein, vermutete A. in ihrer frühen Jugend im 
Zusammenhang mit der Schule, Lehrern, Mitschülern, ihren Eltern oder Geschwis-
tern. Dieses Thema wurde mehrfach besprochen (act. 4.8-4.9, 4.15, 4.23). Daneben 
war auch die Frage der beruflichen Orientierung der Berufungsklägerin Gegenstand 
der Gespräche (act. 4.12, 4.20, 4.23).

20

Die Berufungsklägerin hat sich dem Berufungsbeklagten demzufolge mit ih-
ren vielfältigen Problemen, Sorgen und Schwächen anvertraut und ihre persönli-
chen Gefühle, Ängste und Wünsche offen gelegt. Am 28. Februar 2002 notierte der 
Berufungsbeklagte folgende Aussage der Berufungsklägerin: „Um mich zu verste-
hen, brauche ich deine Hilfe, egal wie lange das dauert“ (act. 4.16). Am 18. März 
2002 äusserte sie sich folgendermassen: „Fühle mich schlecht, brauche Support“ 
(act. 4.18). Diese Aussage sowie die Tatsache, dass die Berufungsklägerin dem 
Berufungsbeklagten ihr Inneres offen gelegt hat, vermögen darzulegen, dass sie 
sich subjektiv als auf seine Hilfestellung angewiesen betrachtete. Dass zwischen 
dem Berufungsbeklagten und der Berufungsklägerin durch die Sitzungen und seine 
Hilfestellung eine Vertrauensbeziehung entstanden war, erachtet der Kantonsge-
richtsausschuss von Graubünden somit als erwiesen. Dies wird vom Berufungsbe-
klagten auch nicht bestritten. Zum von Art. 193 StGB vorausgesetzten Machtgefälle 
ist auszuführen, dass die Berufungsklägerin sich in der Stellung einer Hilfesuchen-
den befand und sich mit vielfältigen Problemen sowohl in Bezug auf ihr Privat- als 
auch ihr Berufsleben konfrontiert sah, während der Berufungsbeklagte sich als Hil-
feleistender darbot, dem sie vertraute und auf dessen Hilfe sie sich angewiesen sah. 
Er war ihr somit entgegen der Ansicht des Berufungsbeklagten psychisch überlegen 
und hatte eine gewisse Machtstellung inne.

bb) Zu Recht führt die Vorinstanz aus, dass es auf die formelle Bezeichnung 
„Beratung“ oder „Psychotherapie“ bei der Beurteilung eines Abhängigkeitsverhält-
nisses nicht ankommt. Die mittels Gesprächen vermittelte Hilfestellung bei psychi-
schen Problemen durch einen ausgebildeten Individualpsychologen kann durchaus 
als Form einer psychotherapeutischen Behandlung betrachtet werden. Zudem ist 
vor allem entscheidend, ob die betreffende Person unter den gegebenen Umstän-
den und unabhängig von einer gesundheitsrechtlichen Befugnis hat annehmen 
müssen und dürfen, dass es sich dabei um ein Therapieverhältnis gehandelt habe. 
Davon durfte die Berufungsklägerin vorliegend ausgehen.

cc) Ebenfalls zutreffend hat die Vorinstanz erwogen, dass sich die aufgrund 
einer zwischenmenschlichen Beziehung bestehende, therapiebedingte Abhängig-
keit mit der formellen Beendigung des Therapieverhältnisses nicht auflöst (BGE 128 
IV 114). Es spielt deshalb für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit 
grundsätzlich keine Rolle, ob es sich bei der Sitzung vom 27. September 2002 bei 
M. um eine Supervision oder eine Intervision gehandelt hat, auch wenn aufgrund 
der Aktenlage (Schreiben vom 25. Juni 2002, act. 4.29, Zeugenaussage von M., 
act. 3.8) davon auszugehen ist, dass es sich um eine Supervision handelte. Ge-

21

nauso wenig ist massgebend, ob das Therapieverhältnis damit formell beendet 
wurde oder nicht.

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden besteht damit kein 
Zweifel, dass zwischen dem Berufungsbeklagten und der Berufungsklägerin 
grundsätzlich ein Abhängigkeitsverhältnis bestanden hat. Zu prüfen bleibt das Aus-
mass dieses Autonomieverlustes. 

e) Für die Beurteilung des Ausmasses des bestehenden Abhängigkeits-
verhältnisses zwischen dem Berufungsbeklagten und der Berufungsklägerin ist zu 
berücksichtigen, dass sie beinahe ein Jahr lang bei ihm in Behandlung war und 
Termine für 21 Sitzungen wahrgenommen hat. Sie hat sich ihm gegenüber umfas-
send geöffnet und ihre Probleme dargelegt. Den Gesprächsprotokollen zufolge 
hatte sie vielfältige Probleme und suchte Hilfe. In die Beurteilung einzufliessen hat 
weiter, dass die Berufungsklägerin zum damaligen Zeitpunkt als Sozialarbeiterin 
tätig war und sich aufgrund dieser Tätigkeit selbst beruflich mit ähnlich gelagerten 
Beratungsverhältnissen konfrontiert sah. Das Verhalten vor dem 27. September 
2002 ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass der Berufungsbeklagte im 
Gesprächsprotokoll vom 24. Juni 2002 (act. 4.28) aufzeichnete, er merke, dass die 
Berufungsklägerin die Grenze zu ihm überschreite und er mache sie darauf auf-
merksam; auch schlug er offenbar eine Supervision vor, um welche er dann auch 
mit Schreiben vom 25. Juni 2002 (act. 4.29) bei M. ersuchte. Auch ist aktenmässig 
erstellt, dass die Berufungsklägerin den Berufungsbeklagten im Spital besuchte. 
Aus diesen Vorgängen allein kann jedenfalls schon geschlossen werden, dass die 
Beziehung zwischen der Berufungsklägerin und dem Berufungsbeklagten eine über 
ein normales Therapeuten-Klientin-Verhältnis hinausgehende Nähe erreicht hatte. 
Der Berufungsbeklagte strebte offensichtlich danach, diese Situation durch die Su-
pervision zu bereinigen. Die Frage, wie sich die Beziehung in den von den Parteien 
gegenteilig geschilderten Einzelereignissen darstellte, kann jedoch, wie die nach-
stehenden Erwägungen zeigen, offen bleiben. Nun ist aber auch das Verhalten der 
Berufungsklägerin nach dem 27. September 2002 zu berücksichtigen, soweit es 
Rückschlüsse auf das Ausmass der Abhängigkeit zulässt. Diesbezüglich ist festzu-
halten, dass sie sich nach dem 27. September 2002 lediglich noch zweimal mit dem 
Berufungsbeklagten getroffen hat, bevor sie anfangs Dezember 2002 für ein Vier-
teljahr nach P. verreist ist. Die beiden Treffen fanden in Restaurants und nicht in 
den Praxisräumlichkeiten des Berufungsbeklagten statt. Indem die Berufungskläge-
rin für mehrere Monate nach P. reiste (diese Reise hatte sie lange vor dem Vorfall 
am 27. September 2002 geplant, act. 3.3 und 3.9) und demnach beabsichtigte, ihre 

22

Therapie für mehrere Monate zu unterbrechen, zeigte sie ein hohes Mass an Auto-
nomie und wenig Abhängigkeit vom Berufungsbeklagten. Auch ergibt sich aus zahl-
reichen Emails und Postkarten, die sie dem Berufungsbeklagten von ihrer Reise 
geschickt hat, dass sie sich befreit fühlte und dass es ihr trotz der Trennung vom 
Berufungsbeklagten gut ging (act. 4.41, 4.42, 4.43). Mit der Postkarte vom 31. Ja-
nuar 2003 (act. 4.43) gab sie aktiv zum Ausdruck, dass sie sich freue, dem Beru-
fungsbeklagten bald von ihren Erlebnissen zu erzählen. Dies deutet daraufhin, dass 
sie den Kontakt zum Berufungsbeklagten – auch für die Zeit nach ihrer Rückkehr – 
suchte. Damit wird aber ihr an den Berufungsbeklagten gerichtete Vorhalt, dieser 
habe nach ihrer Rückkehr vermehrt versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen, mehr 
als relativiert. Dass sie nach zwei Treffen an weiteren Kontakten kein Interesse 
mehr gehabt habe, mag – hier offen bleibende – Gründe haben. Nach ihrer Rück-
kehr fanden keine Sitzungen mehr statt. Diese Tatsachen beweisen, dass sich die 
Berufungsklägerin nach kurzer Zeit aus der therapeutischen Abhängigkeit vom Be-
rufungsbeklagten befreien konnte. Dies, ihre Abwesenheit und ihr dokumentiertes 
Verhalten zeigten aber auch, dass das Ausmass der Abhängigkeit nicht derart gross 
gewesen sein kann. Für den Kantonsgerichtsausschuss steht damit fest, dass die-
ses wohl bestehende, aber als nur leicht einzuschätzende Abhängigkeitsverhältnis 
nicht zu einer wesentlichen Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der Beru-
fungsklägerin geführt haben konnte. 

Zu einem anderen Schluss gelangt man auch nicht, wenn die Ereignisse vom 
27. September 2002 in die Beurteilung einbezogen werden. Es erscheint dem Ge-
richt nicht nachvollziehbar, wieso es der Berufungsklägerin nicht möglich gewesen 
sein soll, den letzten Zug nach L. zu erreichen, dies umso mehr, als ihr Freund 
mehrmals per SMS nach ihr fragte. Zudem haben die Berufungsklägerin und der 
Berufungsbeklagte sich in einer Bar in Bahnhofsnähe aufgehalten. Es wäre für die 
Berufungsklägerin ein Leichtes gewesen, den Zug nach L. zu nehmen. Die sexuel-
len Handlungen fanden sodann weder in der Praxis des Berufungsbeklagten noch 
im Zusammenhang mit einer Sitzung statt, sondern in einem Hotelzimmer in J.. Zu-
dem vermochte sich die Berufungsklägerin am nächsten Morgen dem Berufungs-
beklagten auch entgegen zu stellen, indem sie ein gemeinsames Frühstück ab-
lehnte und stattdessen sehr früh zum Bahnhof ging, um mit dem Zug nach L. zu 
fahren. Die Tatsache, dass die Berufungsklägerin den Berufungsbeklagten in das 
Hotelzimmer begleitete, bei ihm übernachten wollte, obwohl nur ein Einzelbett zur 
Verfügung stand, und nur mit einem Slip und einem umgehängten Badetuch beklei-
det aus dem Bad ins Zimmer zurückkam, vermögen bei objektiver Betrachtung ver-
nünftige Zweifel zu begründen, ob der gegenüber dem Berufungsbeklagten erho-

23

bene Vorwurf der Ausnützung eines Abhängigkeitsverhältnisses als berechtigt er-
scheint. Es liegen keine genügenden Beweise vor, dass die Berufungsklägerin vom 
Berufungsbeklagten derart abhängig gewesen war, dass sie ihm nicht widerspre-
chen konnte. Unter den gegebenen Umständen wäre es ihr zumutbar gewesen, Wi-
derstand zu leisten beziehungsweise dem Berufungsbeklagten nicht ins Hotelzim-
mer zu folgen. Sie hätte ein eigenes Hotelzimmer nehmen können. Die Tatsache, 
dass sie sich – obschon dazu keinerlei Veranlassung bestand – auch noch wenig 
bekleidet zum Berufungsbeklagten hin begab, lässt erst recht Zweifel an der Aus-
nützungsthese aufkommen. Vielmehr deutet ihre Verhaltensweise darauf hin, dass 
sie eine sexuelle Beziehung gar provoziert hat. So bestand ihr Problem auch im 
Eingehen von Aussenbeziehungen. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, 
dass sich der Täter nicht strafbar macht, wenn die Initiative vom Opfer ausgeht (vgl. 
BGE 131 IV 114 mit Hinweisen auf BGE 124 IV 13 und Urteil des Bundesgerichts 
6S.82/2003 vom 17. April 2003 E.2; Urteil des Bundesgerichtes 6S.219/2004 vom 
1. September 2004, E. 5). Der Kantonsgerichtsausschuss vermag aufgrund der ge-
samten Umstände nicht mit Überzeugung auf ein im strafrechtlichen Sinne relevan-
tes tatbestandsmässiges Verschulden der Berufungsbeklagten zu schliessen. Die 
Umstände deuten nicht daraufhin, dass die Berufungsklägerin durch die leichte Ab-
hängigkeit zur Duldung des Beischlafs bestimmt wurde. Vielmehr deutet letztlich 
gerade ihr nur mit einem Slip und einem umgehängten Badetuch bekleidetes Auf-
treten daraufhin, dass sie unabhängig davon aus eigenem Antrieb den Anstoss 
dazu gab. Ein deutlicher Kontroll- und Autonomieverlust lässt sich nicht rechts-
genüglich erkennen. Die Zweifel daran, dass ein Motivationszusammenhang zwi-
schen dem (leichten) Abhängigkeitsverhältnis und dem Beischlaf bestanden hat, 
beziehungsweise dass die Berufungsklägerin in ihrer Entscheidungsfreiheit derart 
eingeschränkt gewesen war, dass sie unter den gegebenen Umständen nicht nein 
sagen konnte, lassen sich nicht in rechtsgenüglicher Weise beheben, sodass der 
Berufungsbeklagte in dubio pro reo freizusprechen ist. Das vorinstanzliche Urteil ist 
damit zu bestätigen. Zwar hätte sich der Berufungsbeklagte als ihr Therapeut aus 
moralischen Gründen anders verhalten sollen; doch hat das Strafgericht keine mo-
ralische Wertung vorzunehmen. 

Zumal in der Berufungsschrift keine Ausführungen dazu enthalten sind, bleibt 
es auch beim vorinstanzlichen Erkenntnis, wonach die Adhäsionsklage auf den Zi-
vilweg verwiesen wird (vgl. dazu auch BGE 124 IV 20 f.).

8. Da die Berufung abgewiesen wird und das angefochtene Urteil 
bestätigt wird, gehen die Kosten des Berufungsverfahrens zu Lasten der Berufungs-

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klägerin (Art. 160 StPO), welche den Berufungsbeklagten mit Fr. 2'000.- zu entschä-
digen hat. Vorliegend rechtfertigt sich eine Kürzung der beantragten Entschädigung 
des Berufungsbeklagten auf die Hälfte, da sich sein Aufwand für das nur schriftlich 
durchgeführte Berufungsverfahren in Grenzen hielt.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen. 

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2’000.- gehen zu Lasten der 
Berufungsklägerin, welche den Berufungsbeklagten für das Berufungsver-
fahren mit Fr. 2'000.- zu entschädigen hat. 

3. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

4. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: