# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc24b08c-89aa-5dbf-a5af-9e70093edee2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-22
**Language:** de
**Title:** Somatoforme Schmerzstörung. Rückweisung an die Beschwerdegegnerin, damit sie unter anderem ergänzende psychiatrische Abklärungen im Hinblick auf die neuen Standardindikatoren gemäss der geänderten Rechtsprechung durchführe.
**Docket/Reference:** IV.2014.00906
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00906.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00906
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Kobel
Urteil
vom
22. März 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1957, arbeitete ab September 2007 in einem 80%
Pen
sum im
Y.___
im Reinigungsdienst
; ausserdem erzielte sie einen Nebenverdienst in einer Drogerie
(Angaben vom 1
9.
Juli 2011 im Frage
bogen für
Arbeitgebende
mit Beilagen,
Urk.
7/10; Auszug aus dem Indi
viduellen Konto vom 1
5.
Juli 2011,
Urk.
7/6).
Im Herbst 2010
über
wies die Hausärztin
Dr.
med.
Z.___
, Spezialärztin für Innere Medizin,
X.___
wegen nackenbetonte
r
Beschwerden am Bewegungsapparat
an
den Rheumatologen
Dr.
med.
A.___
, Spezialarzt für Innere Medizin und Rheumatologie (Bericht von
Dr.
A.___
vom 1
9.
Dezember 2010,
Urk.
7/9/13), und auf dessen Zuweisung hin (Überweisungsschreiben vom 2
5.
Januar 2011,
Urk.
7/9/12) durchlief
X.___
im März 2011 in der
Klinik B.___
eine dreiwöchige stationäre Rehabilitation (Austrittsbericht vom 2
8.
März 2011,
Urk.
7/9/8-11). Da der Zustand sich nicht verbesserte, wies
Dr.
A.___
X.___
Ende März 2011 der psychiatrischen Poliklinik der
C.___
am
D.___
zur Beurteilung
zu
(Schreiben vom 2
9.
März 2011,
Urk.
7/9/14-15).
Am 1
2.
Juni 2011 meldete sich
X.___
bei der Invalidenversicherun
g an (
Urk.
7/1). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle,
holte
die
Bericht
e
von
Dr.
Z.___
vo
m 2
0.
Juli 2011
und von
Dr.
A.___
vom 2
6.
Juli 2011 ein (
Urk
7/9/1-7 und
Urk.
7/11)
und
liess durch die
C.___
, wo die Versicherte seit Ende April 2011 in Beha
ndlung war, den Bericht vom 17.
November 2011 erstellen (
Dr.
med.
E.___
;
Urk.
7/18)
. Ausserdem zog sie die Gutachten bei, welche die Beamtenversicherungskasse BVK in Auftrag gegeben hatte, nämlich das rheumatologi
sche Gutachten von
Dr.
med.
F.___
, Spezialarzt für Rheumatol
ogie und Innere Medizin, vom 9.
Sep
tember 2011 (
U
ntersuchung
vom 2
2.
Juli 2011;
Urk.
7/13) und das
psy
chiatri
sche
Gutachten von
Dr.
med.
G.___
, Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
7.
Juli 2012
(
Un
tersuchung
vom
4.
November 2011;
Urk.
7/22).
1.2
Die BVK sprach der Versicherten gestützt auf die beiden veranlassten Gutachten per
1.
Oktober 2012 eine Rente aufgrund einer 100%igen Berufsinvalidität zu
,
und das
Y.___
entliess die Versicherte
auf diesen Zeitpunkt hin aus dem Arbeitsverhältnis (
Urk.
7/
25,
Urk.
7/26
und
Urk.
7/36
).
D
ie IV-Stelle holte
zu den beiden Gutachten
der BVK
die Stellungnahme
des RAD-Arztes
pract
. med.
H.___
, Facharzt für Arbeitsmedizin
,
vom 28.
August 2012 ein (
Urk.
7/29/4-5) und teilte der Versicherten anschliessend mit Vorbescheid vom 1
4.
September 2012 mit, dass die
versicherungsmedizini
schen
Voraussetzungen für eine Invalidenrente nicht erfüllt seien und sie den Rentenanspruch d
aher zu verneinen gedenke (Urk.
7/30).
Die Versicherte, ver
treten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg, liess mit
den
Eingabe
n
vom
8.
Oktober
und vom 2
3.
November
2012 Einwendungen erheben (
Urk.
7/38
und
Urk.
7/47
) und den Bericht der
C.___
vom 2
3.
März 2012 über die Behandlung in der
Tages
klinik
in der Zeit von Mitte Dezember 2011 bis Mitte März 2012 beibringen (
Urk.
7/37).
In Ergänzung dazu ersuchte
Dr.
A.___
die IV-Stelle mit Brie
f vom
7.
November 2012
um weitere Informationen (Urk.
7/46)
.
Ausserdem erhob mit Schreiben vom 2
1.
Dezember 2012 auch die BVK Einwendungen
und stellte den Antrag, der Versicherten sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
(
Urk.
7/50).
1.3
Die IV-Stelle holte
daraufhin
den Bericht d
er
Klinik I.___
vom 30.
Januar 2013 ein (
Urk.
7/51/1-3), wo die Versicherte sich von Ende Novem
ber bis Ende Dezember 201
2
zur stationären Rehabilitation aufgehalten hatte (Austrittsbericht vom 1
5.
Januar 2013,
Urk.
7/51/4-12)
. Auf die Empfehlung dieser Klinik hin (vgl.
Urk.
7/51/5) fanden sodann im Juni/Juli 2013 in der Memory-Klinik der
C.___
Abklärungen wegen geklagter Gedächtnisaussetzer
statt (Abschlussbericht vom
4.
Juli 2013,
Urk.
7/62; Bericht des
D.___
über eine Magnetresonanztomographie des Schädels vom
2.
Juli 2013,
Urk.
7/66). Am 1
5.
Mai 2014 erstellte das
J.___
im Auftrag der IV-Stelle
(vgl. die Empfehlung von
pract
. med.
H.___
vom 1
9.
Oktober 2013,
Urk.
7/83/3-4)
ein polydisziplinäres Gutachten (
Untersu
chungen vom 3
1.
März und
vom 2.
April 2014;
Fallführung von
Dr.
med.
K.___
, Spezialarzt für Allgemeine Innere Medizin, mit den
Teilgutachten von
Dr.
med.
L.___
, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie, von
Dr.
med.
M.___
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und von
lic
. phil.
N.___
, Psychologie
und Neuropsychologie,
Urk.
7/76
).
1.4
Mit Eingabe vom 2
6.
Juni 2014 liess die Versicherte zum Gutachten des
J.___
Stellung nehmen und dieses als mangelhaft rügen
(
Urk.
7/81
). Ausserdem liess sie den Austrittsbericht der Klinik für Erwach
senenpsychiatrie der
C.___
vom 5.
Mai 2014 nachreichen, wo
sie von November 2013 bis Mit
t
e März 2014
teil
stationär
behandelt worden war (
Urk.
7/80).
Am 1
5.
Juli 2014 verfügte die IV-Stelle
, unter anderem gestützt auf die Beurtei
lung von
pract
. med.
H.___
vom 2
0.
Mai 2014 (
Urk.
7/83/4-5)
,
im Sinne ihres Vorbescheids und
verneinte den Anspruch der Versicherten auf eine Inva
lidenrente (
Urk.
2 =
Urk.
7/84
; vgl. auch
das Feststellungsblatt in Urk.
7/83).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
5.
Juli 2014 liess
X.___
durch Rechtsanwäl
tin Lotti Sigg mit Eingabe vom 1
2.
September 2014 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und ihr sei eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
5.
Oktober 2014 unter Hinweis auf die Akten auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Die
s wurde der Versicherten am 16.
Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8). Mit Eingabe vom 2
0.
Oktober 2014 (
Urk.
9) liess die Versi
cherte
einen Bericht von med.
pract
.
O.___
der
P.___
, Praxis für Psychiat
rie und Psychotherapie, vom 14.
Oktober 2014 einreichen, worin auf einen bevorstehenden weiteren Aufenthalt in der Tagesklinik der
C.___
hin
gewiesen wurde (
Urk.
10).
Mit Verfügung vom 2
1.
Januar 2016 gab das Gericht den Parteien Gelegenheit, unter dem Blickwinkel der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den Auswirkungen der sogenannten
path
ogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndro
male
n
Beschwerdebild
ern
ohne nachweisbare organische Grundlage
Stellung zu nehmen, und wies darauf hin, dass im Hinblick auf diese neue Rechtsprechung ergänzende Abklärungen in Betracht fielen (
Urk.
12). Die Versicherte liess sich mit Eingabe vom 2
6.
Januar 2016 als einverstanden mit ergänzenden Abklä
rungen erklären (
Urk.
13). Demgegenüber hielt die IV-Stelle in ihrer Stellung
nahme vom 1
1.
Februar 2016 keine weiteren Abklärungen für notwendig (
Urk.
15).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG])
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arb
eitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(
Art.
7
Abs.
2 Satz 1 ATSG)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG).
1.2
Im Hinblick auf das Erfordernis in
Art.
7
Abs.
2 Satz 2 ATSG hatte das Bundesge
richt die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden seit dem Jahr 2004 nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage
zusammengefasst und festgestellt, es seien dies Störungen,
die sich hinsichtlich ihrer invalidisierenden Wirkung einer objektiven Beurteilung weit
gehend entzögen
, weil sie
in erster Linie
auf den Angaben der Patienten basier
t
en
(BGE 139 V 547 E. 5.9). Das Bundesgericht war weiter zum Schluss gelangt, dass solche Störungen keinen
direkten Nach
weis einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit erlaubten und der Nach
weis daher indirekt, gestützt auf Indizien, zu erbringen sei, wobei bei
Beweislo
sigkeit
vermutet werde, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirke (
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Für diesen Nachweis hatte das Bundesgericht in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen, SZS 1996 S. 486 ff.) besondere Kriterien aufgestellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E. 4.1). Als
Hauptkri
terium
hatte das Bundesgericht
eine psychische Komorbidität
genannt
, also die Diagnose einer weiteren, von der
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren Störung
zu unterscheidenden psychischen Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprä
gung und Dau
er. Für den Fall des Fehlens einer
psychischen Komorbidität
hatte das Bundesgericht
weitere Faktoren
bezeichnet
, die bei entsprechender Intensi
tät auf eine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit hatten hinweisen können
, nämlich chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein
en mehrjährigen
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dau
ernde Rückbildung, ein
en ausgewiesenen sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
en verfestigten
, the
rapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (sogenannter primärer Krankheitsgewinn, "Flucht in die Krankheit") sowie unbefriedigende Ergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter oder stationärer Behandlungs- oder Rehabilitationsbemühungen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versic
herten Person (BGE 139 V 547 E. 9.1.1, 137 V 64
E. 4.1, 131 V
49 E. 1.2, 130 V 352 E.
2.2.3).
Ursprünglich hatte das Bundesgericht diese Kriterien für die Diagnose der
anhal
tenden
somatoformen
Sch
merzstörung
(Code F45.4 der Internationalen
Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
entwickelt, später hatte es sie auf alle p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Beschwerdebilder im dargelegten Sinne ausgedehnt (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2). Das
Bundesgericht hatte den Kriterien normativen Charakter zugeschrieben und dazu festgehalten, der ursprüngliche Katalog fachpsychologischer Prognosekriterien habe sich zu einem rechtlichen Anforderungsprofil verselbständigt (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
1.3
Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage nicht länger festzuhalten und die sogenannte
Überwindbarkeitsver
mutung
aufzugeben. Stattdessen hat das Bundesgericht unter Aufstellung von Standardindikatoren einen neuen Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschwerdebilder zu ermitteln sind. Er präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie „fu
nktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche Res
sourcen
)
-
Kompl
ex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener
Lei
dens
druck
Dieser Raster verzichtet insbesondere auf den
Begriff des primären
Krank
heitsge
winnes
und
auf die Bedeutung
der psychiatrische
n Komorbidität als Hauptkriterium (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Hingegen schreibt das Bundesge
richt dem neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fachpersonen sei, innerhalb der einschlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E. 5.2). Des Weiteren müssen d
ie
funktionellen Einschränkun
gen nach wie vor m
it überwiegender Wahrsc
heinlichkeit nachgewiesen sein
nunmehr anhand der neuen Standardindikatoren -, und es ist die versicherte Person, welche die Beweislast dafür trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
Was die Beweismittel betrifft, so verlieren Gutachten, die vor der dargelegten Rechtsprechungsänderung eingeholt worden sind, gemäss den Ausführungen
der Bundesgerichts nicht zwangsläufig ihren Beweiswert. Vielmehr soll im ein
zelnen Fall geprüft werden, ob diese Gutachten, allenfalls zusammen mit
weiteren fachärztlichen Berichten
,
eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen In
dikatoren erlauben. Dabei weist das Bundesgericht auch auf die Möglichkeit hin,
punktuelle Ergänzung
en einzuholen
(
vgl. BGE 141 V 281 E.
8).
H
insichtlich des Beweiswertes ist nach höchstrichterlicher Praxis entschei
dend, ob
ein Arztbericht oder
ein
Gutachten
für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
St
rittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführer
in
entgegen der angefochte
nen Verfügung vom 1
5.
Juli 2014 (
Urk.
2) Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.2
2.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre rentenablehnende Verfügung auf das Gut
achten des
J.___
vom 1
5.
Mai 2014 (
Urk.
7/76), das
pract
. med.
H.___
in seiner Stellungnahme vom 2
0.
Mai 2014 als taugliche Grundlage für die Beur
teilung des Anspruchs erachtet hatte (
Urk.
7/83/4-5).
2.2.2
Dr.
K.___
des
J.___
stellte aus allgemeinmedizinischer Sicht
(Untersuchung vom
2.
April 2014)
die Diagnosen einer Adipositas und einer leichten
Stressinkonti
nenz
und hielt fest, es lägen von Seiten seines Fachgebietes keine Befunde und Diagnosen vor, die sich auf die Ar
beitsfähigkeit auswirkten (Urk.
7/76/11).
Dr.
L.___
stellte
hinsichtlich
des Fachgebietes der Orthopädie
(Untersuchung
vom
2.
April 2014)
ebenfalls keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit
;
a
ls Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
er
zum einen chronische Nacken-Schulterbeschwerden unter Betonung der rechten Seite ohne
radikuläre
Symptomatik, bei radiologisch geringer
Spondylarthrose
im Bereich der Halswirbelkörper 4-7 und klinisch unauffälligem Befund an der
Halswir
belsäule
sowie radiologisch und klinisch unauffälligen Befunden an den Schul
tern, und zum andern ein chronisches
lumbosakrales
und
gluteales
Schmerz
syndrom
beidseits ohne fassbare
radikuläre
Symptomatik mit klinisch bis
au
f eine deutliche Fehlhaltung im Sinne eines Hohl-Rundrückens mit ver
mehrter
Becken
kippung
unauffälligem Befund (
Urk.
7/76/20).
Der Neuropsychologe
lic
. phil.
N.___
konnte
nach der Durchführung verschiede
ner Testverfahren (Untersuchung vom
2.
April 2014) keine neuropsychologi
schen Diagnosen
stellen
und hielt dazu fest, ein valides neuropsychologisches Testprofil könne bei der relativ bildungsungewohnten Explorandin nicht erho
ben werden, abgesehen davon, dass eine sehr deutliche Defizit-Orientierung
zu beobachten
sei
(
Urk.
7/76/25-26).
Der Psychiater
Dr.
M.___
schliesslich (Untersuchung vom 3
1.
März 2014) führte als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichter Episode
auf (ICD-10 Code F33.0), und als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine chroni
sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 Code F45.41;
Urk.
7/76/14).
2.2.3
Was die Arbeitsfähigkeit betrifft, so riet
Dr.
L.___
aus organischer Sicht auf
grund
der allgemeinen körperlichen Konstitution von körperlich andau
ernd schweren Tätigkeiten ab, beurteilte dagegen die Reinigungsarbeit und jede andere körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ohne wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 15 kg
als zumutbar
(
Urk.
7/76/21). Demgegenüber
nahm
Dr.
M.___
aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
an, die er mit der leichten depressiven Episode bei rezidivierender
depressiver Störung begrün
dete
.
In Bezug auf die
Schmerzstörung mutete
Dr.
M.___
es der Beschwerde
führerin hingegen zu, trotz der geklagten Beschwerden einer den körperlichen Einschränkungen
angepassten
Tätigkeit
ganztags und ohne
Leistungsein
schränkung
nachzugehen
. Einschränkungen in de
r Arbeit im Haushalt nahm
Dr.
M.___
keine
an
(
Urk.
7/76/14
-15
)
.
In der Gesamtbeurteilung folgten die Gutachter d
e
r
Einschätzung
der Teilgutachter und hielten fest,
f
ür leichte bi
s intermittierend mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, so auch für die angestammte Arbeit in der Reinigung, bestehe eine 80%ige Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit, die mit vollschichtigem Pensum und leicht erhöhtem
Pausenbe
darf
beziehungsweise leicht reduziertem Rendement umgesetzt werden könne (
Urk.
7/76/27).
2.
2.4
Die Beschwerdeführerin
erachtete das Gutachten des
J.___
in der Stellungnahme vom 2
6.
Juni 2014 und in der Beschwerdeschrift
als mangelhaft und beanstan
dete namentlich,
dass die Gutachter
sich nicht über den Verlauf der
teilsta
tionären
Behandlung in der
C.___
von November 2013 bis M
itte März 2014 informiert
und die Diagnosen der
C.___
nicht einbezogen hätten und dass der neuropsychologische Teilgutachter sich in der
Klinik I.___
nicht nach den Resultaten der dortigen Testung erkundigt habe (
Urk.
7/81,
Urk.
1 S. 4 ff.). Des
Weiteren
liess sie geltend machen, die Beschwerdegegnerin habe die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Arbeitsfähigkeit bei Schmerzstörungen unrichtig angewendet (
Urk.
1 S. 6 f.), und liess
aufgrund des Gutachtens von Dr.
G.___
vom 1
7.
Juli 2012 (
Urk.
7/22) bezweifeln, dass überhaupt eine Störung vorliege, auf welche diese Rechtsprechung anwendbar sei (
Urk.
1 S. 7 f.).
2.3
2.3.1
Dr.
G.___
gab in ihrem Gutachten den Grundsatz wieder, dass im Falle von körperlichen Beschwerden zunächst nach der organischen Erklärbarkeit gefragt werden müsse, bevor eine Beurteilung aus psychiatrischer Sicht erfolgen könne (
Urk.
7/22/20). Dies
er Grundsatz entsprich
t der Diagnostik des ICD-10 (9.
Auf
lage, 2014), wo als
Charakteristikum der
somatoformen
Störungen, die unter dem Code F45 zusammengefasst sind,
die wiederholte Darbietung körper
licher Symptome trotz wiederholter negativer Ergebnisse genannt wird.
In ihren weiteren
Ausführungen
stellte
Dr.
G.___
in Frage, dass
allfälligen körperlichen Ursachen der geklagten Schmerzen ausreichend nachgegangen worden sei
.
Sie führte aus, es bestünden im Gegensatz
zur Feststellung von Dr.
F.___
(vgl.
Urk.
7/13/17) sehr wohl
Anhaltspunkte
für eine Erkrankung des entzündlich rheumatischen Formenkreises, und nannte als solche zum einen Veränderungen der Wirbelkörper, die eine Magnetresonanzuntersuchung
der Hals- und der Lendenwirbelsäule
vom 2
7.
Oktober 2010 zeige
(
Urk.
7/22/20-21
), und zum andern die Angaben von
Dr.
A.___
, mit dem sie am 1
3.
Juli 2012 ein Telefongespräch geführt hatte (
Urk.
7/22/14
-15
).
Dr.
A.___
hatte den MRI-Be
fund vom Oktober 2010 im Bericht vom 2
6.
Juli 2011 allerdings diskutiert und war zum Schluss gelangt, bei fehlenden anderweitigen Hinweisen einer
serone
gativen
Spondylarthropathie
werde eine solche Diagnose als unwahrscheinlich erachtet (
Urk.
7/11/2).
Es ist d
aher ist nicht abwegig, dass
Dr.
F.___
dieser Beurteilung
ge
folgt
war
und keinen Anlass für weiterführende
Abklärungen gesehen hatte
. Ge
mäss der Wiedergabe von
Dr.
G.___
führte
Dr.
A.___
ihr gegenüber
dann aber mündlich aus, es sei theoretisch denkbar, dass eine zwi
schenzeitlich aufgetretene neue Symptomatik von entzündeten Augen sowie die Harninkontinenz und die früheren wiederholten gastrointestinalen Probleme
doch Be
g
leiterscheinungen einer allfälligen entzündlichen rheumatischen Erkrankung seien
,
und er wäre grundsätzlich bereit, eine Überweisung zu einer erweiterten rheumatologischen Abklärung vorzunehmen,
falls eine nähere Spe
zifizierung des zweifelsohne vorliegenden rheumatisch-entzünd
l
ichen Leidens psychiatrisch im Hinblick auf eine organische psychische Störung von Vorteil sein sollte (
Urk.
7/22/14-15).
Diese Aussage hätte zumindest
einer Diskussio
n im
Gutachten des
J.___
bedurft.
In diesem Zusammenhang leuchtet es auch nicht ein, dass die Beschwerdeführerin im
J.___
nicht durch einen Facharzt der Rheu
matologie,
wie es
pract
. med.
H.___
empfohlen hatte (
Urk.
7/83/3),
sondern durch einen Facharzt der orthopädischen Chirurgie untersucht worden war
.
Es ist daher angezeigt, eine rheumatologische (Teil-)Begutachtung der Beschwer
deführerin noch nachzuholen, auch wenn die bisher mit der Beschwer
deführerin befasst gewesenen Rheumatologen
Dr.
A.___
und
Dr.
F.___
darin übereinstimmten, dass das geklagte Sch
m
erzbild allein durch körperliche Faktoren nicht erklärt werden könne (
Urk.
7/11,
Urk.
7/13/17
), und die Ärzte der
Klinik B.___
und der
Klinik I.___
ebenfalls von einer psychischen Komponente der körperlic
hen Beschwer
den ausgingen (Urk.
7/9/9 und
Urk.
7/51/4).
2.3.2
Zu Recht machte die Beschwerdeführerin sodann
auch
Unvollständigkeiten im psychiatrischen
Teilgutachten des
J.___
geltend.
Eine psychische Komponente des geklagten Schmerzbildes ist zwar nach dem schon Dargelegten (E. 2.3.1) durchaus wahrscheinlich, ungeachtet der noch nicht vollständig geklärten Rolle einer rheumatologischen Erkrankung. Soweit die Beschwerdeführerin daher unter Ber
ufung auf das Gutachten von Dr.
G.___
die Diagnose einer teilweise psychisch bedingten
Schmerzstö
rung
anzweifeln liess (
Urk.
1 S. 8), so kann ihr nicht gefolgt werden. Hingegen liess die Beschwerdeführerin zu Recht rügen (
Urk.
1 S. 4 ff.),
dass
im psychi
atrischen Teilgutachten des
J.___
die Bezugnahme auf den Verlauf der aktuellsten teilstationären Behandlung in der
C.___
von November 2013 bis Mitte März 2014
fehlt
- im Austrittsbericht vom
5.
Mai 2014
wurden neben der Diag
nose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 Code F45.40) die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mit
telgradiger Episode (ICD-10 Code F33.1) und einer generalisierten Angststörung (ICD-10 Code F41.1) gestellt (
Urk.
7/80/1) und die
De
pressionssymptomatik sowie frei flottierende Ängste
wurden
als
gegenüber den Schmerzen
im
Vorder
grund stehend beschrieben (
Urk.
7/80/2)
.
Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 2)
vermag d
er Umstand, dass die Begutachtung im
J.___
erst nach Abschluss dieser Behandlung stattfand und somit aktueller ist,
de
n Mangel
der Einholung aktueller Informationen bei der
C.___
nicht zu
behe
ben.
D
enn die Wiedergabe der eigenen Wahrnehmungen am Untersuchungstag ist nur ein Element einer umfassenden Begutachtung und macht die vollstän
dige Kenntnis
, Darstellung und Diskussion
des Krankheitsverlaufs und der Fest
stellungen und Beobachtungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen
nicht
entbehrlich.
Bei der genannten Unvollständigkeit
ist
die Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung
im psychiatrischen Teilgutachten des
J.___
schon deswegen
nicht zuverlässig.
Hinzu kommt, dass
die
Beurteilung der Auswirkungen der
Schmerzstörung
auf die Arbeitsfähigkeit
in wesentlichem Mass auf den Kriterien der früheren Recht
sprechung
basiert
, die das Bundesgericht
mit dem erwähnten
Grundsatzent
scheid
geän
dert hat.
D
r.
M.___
begründete nämlich die uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit mit dem Fehlen der Kriterien einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, eines primären Krankheitsgewinns und eines umfas
senden sozialen Rüc
kzugs
(
Urk.
7/76/14-15). Im neuen Prüfungsraster kommt jedoch der psychischen Komorbidität nicht mehr die Rolle eines
Hauptkrite
riums
zu, und d
er B
e
g
riff des primären Krankheitsgewinns wird nicht mehr verwendet. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin in der Stellung
nahme vom 1
1.
Februar 2016 (
Urk.
15)
machen aber gewisse beobachtete Inkonsistenzen eine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nach dem neuen Raster nicht überflüssig
. Denn
diese Inkonsistenzen - geringere Einschränkungen bei ent
sprechender Ablenkung bei der orthopädischen Untersuchung (
Urk.
7/76/20-21) und Symptomverdeutlichung bei der neuropsy
chologischen Untersuchung (Urk.
7/76
/25) - wurden auch von
Dr.
M.___
nicht derart gewichtet, dass sie die Diagnose einer psychisch bedingten Schmerzstörung als solche in Frage stellten und damit gegen eine versicherte Gesundheitsschädigung
überhaupt
sprächen (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1)
. Die psychiatrische Beurteilung muss daher ergänzt werden um die Punkte, die für die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nach dem neuen Prüfungsraster relevant sind
. Hier fehlt insbesondere eine Aus
einandersetzung mit der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin und deren per
sönlichen Ressourcen, wie sie
der
Komplex „
Persönlichkeit“ erfordert
;
Dr.
M.___
nahm auf die Persönlichkeit nur insoweit Bezug, als er das Vor
liegen einer
Per
sönlichkeitsstörung
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ver
neinte (
Urk.
7/76
/15). Des Weiteren erwähnte Dr.
M.___
zwar
eine
Behand
l
ungs
resistenz
(
Urk.
7/76/14-15); auch hier fehlt jedoch ein
e Diskussion im Hinblick auf den
K
omplex „Gesundheitsschädigung“
im neu massgebenden Raster.
Die Rolle
der
massgeblichen Standardindikatoren lässt sich
sodann
auch aus dem Gutachten von
Dr.
G.___
nicht eindeutig
herauslesen, weshalb
entge
gen der Beschwerdef
ührerin (
Urk.
1 S. 7 f.) nicht a
uf die 100%ige
Berufsunfä
higkeit beziehungsweise die höchstens 20%ige Arbeitsfähigkeit in geschütztem Rahmen g
emäss der Bescheinigung durch
Dr.
G.___
(Urk.
7/22/37)
abge
stellt werden
kann. Ohnehin ist
die Beurteilung von Dr.
G.___
angesichts des von ihr postulierten weiteren Abklärungsbedarfs zur organischen Kompo
nente des Beschwerdebildes nicht
a
bschliessend
, denn
Dr.
G.___
legte
sich in ihrer Diagnostik noch nicht fe
st
, sondern
nannte
als psychiatrische Diagno
sen eine
organische affektive Störung und ein pseudoneurasthenisches Syndrom im Rahmen der nicht näher spezifizierten chronisch entzündlichen
Systemer
krankung
und/oder
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syn
drom im Rahmen einer depressiven St
örung
(
Urk.
7/22/29+38).
Ausserdem figuriert
die Unterscheidung der Diagnosen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung und einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, wie sie
Dr.
G.___
als relevant erachtete (
Urk.
7/22/19) und wie
Dr.
M.___
sie ebenfalls traf (
Urk.
7/76/14), in der aktuellsten Au
flage des ICD-10 nicht
, sondern die beiden Diagnosen
sind
unter dem Begriff anhaltenden Schm
erzstörung zusammengefasst
, dies mit der Bemerkung, sie erschienen als zu wenig abgrenzbar untereinander
(ICD-10 F45.4)
.
2.3.3
Demgegenüber erscheint die neuropsychologische Teilbegutachtung im
J.___
ent
ge
gen
den Vorbringen
der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 4 f.
,
Urk.
7/81/2
) nicht als unvollständig. Denn
lic
. phil.
N.___
führte umfassende Testungen durch, und wen
n
er schliesslich ausführte, ein valides neuropsychologisches Testprofil h
abe nicht erhoben werden können (
Urk.
7/76/25), so schrieb er dies dem Bildungs
niveau zu und wies bei den einzelnen Testergebnissen auch auf Umstände der Kooperation und der Verdeutlichung hin (
Urk.
7/76/23-25). Wei
ter
e
neuro
psycho
logische Abklärungen versprechen
daher keine neuen Erkennt
nisse, zumal die
C.___
anlässlich der ambulanten Untersuchungen von Juni/Juli 2013
ein
schliesslich einer Magnetresonanzuntersuchung des Schädels (
Urk.
7/66)
ein
e
neurodegenerative Erkrankung als unwahrscheinlich erachtet hatte und von einer formalisierten neuropsychologischen Testung wegen mut
masslich geringer Aussagekraft abgesehen hatte (vgl.
Urk.
7/62/2). Ebenfalls keine neuen Erkenntnisse sind unter diesen Umständen vom
beantragten
Beizug
des Berichts über die Testung in der
Klinik I.___
zu erwarten
, denn wie
lic
. phil.
N.___
ausführte (
Urk.
7/76/26), hatte es sich dabei lediglich um zwei singuläre Screening-Tests gehandelt (Uhren
test und Mini-Mental-Status
)
, bei denen die Beschwerdeführerin unterdurchschnittlich
abgeschnitten hatte (vgl.
Urk.
7/51/7).
2
.
4
Zusammengefasst
bedarf es
damit
in rheumatologischer
und
in psychiatrischer Hinsicht ergänzender Abklärungen
.
Zu diesem Zweck ist die Sache, auch unter der Herrschaft
der neu
er
en
bundesgerichtlichen Praxis
(BGE 137 V 210
E.
4.4.1.4
)
, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Denn zum einen ist eine rheumatologische Abklärung erforderlich, die bis anhin noch nicht erfolgt ist, und zum andern sind in psychiatrischer Hinsicht Ergänzungen der bereits bestehenden Beurteilung vorzunehmen. Diese Rückweisung schliesst
auch die Berücksichtigung de
s
im vorliegenden Verfahren eingereichten
Berichts von med.
pract
.
O.___
vom 1
4.
Oktober 2014 ein (
Urk.
10).
Ausserdem wird die Beschwerdegegnerin bei der Invaliditätsbemessung noch Abklärungen zur
Arbeitsstelle zu treffen haben, mit der die Beschwerdeführerin die Einkünfte von jährlich rund
Fr.
5‘000.--
gemäss dem Eintrag im
Individuellen Konto vom 15.
Ju
li 2011
(
Urk.
7/6)
erzielte
.
Es stellt sich dabei auch die Frage, ob an der ursprünglich
angenommenen
Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 80
%
im Beruf und zu 20
%
im Haushalt tätig (vgl.
Urk.
7/29/5
;
Art.
28a
Abs.
3 IVG
) festgehalten werden kann.
Damit ist die Beschwerde in
dem Sinne gutzuheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 1
5.
Juli 2014 aufzuheben
und die Sache an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen ist, damit diese die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen tätige und hernach über
den Rentenanspruch neu befinde
.
3.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
4.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere
Bemessungskrite
rien
nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Ge
büh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, der Beschwerde-
führe
rin
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gut
ge
heissen, dass die angefochtene
Verfügung vom 1
5.
Juli 2014 aufgeho
ben
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle,
zurück
gewiesen wird
, damit diese die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen tätige und hernach über den Rent
enanspruch neu befinde
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2'000
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
hal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigKobel