# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ee20be5c-8cd2-5b1b-b36c-0f7c85456310
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.09.2010 C-6567/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-6567-2009_2010-09-17.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-6567/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Beat Weber (Vorsitz), Richterin Elena Avenati-
Carpani, Richterin Franziska Schneider, 
Gerichtsschreiber Daniel Golta.

A._______, (wohnhaft in Deutschland)
vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Gerspacher,
Beschwerdeführerin,

gegen

Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
Vorinstanz.

Einstellung Waisenrente; Einspracheentscheid der SAK 
vom 24. September 2009.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Gegenstand

Parteien

C-6567/2009

Sachverhalt:

A.  
Die  Schweizerische  Ausgleichskasse  (im  Folgenden:  SAK)  sprach 
A._______ (deutsche und schweizerische Staatsangehörige, geboren 
1988;  im  Folgenden:  Beschwerdeführerin)  ab  1.  Oktober  1994  eine 
ordentliche  einfache  Waisenrente  zu  (SAK/2,  4,  6A,  7).  Am 10. Juli  
2009 verfügte die SAK die Einstellung der Waisenrente per 30. April  
2009.  Die  dagegen  eingelegte  Einsprache  wies  die  SAK  mit 
Einspracheentscheid vom 24. September 2009 ab (vgl. SAK/92, 100). 

B.  
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Beschwerdeführerin 
mit  Eingabe  vom  9.  Oktober  2009  Beschwerde  an  das  Bundes-
verwaltungsgericht  (Postaufgabe:  19.  Oktober  2009).  Sie  beantragte 
die Aufhebung der Verfügung vom 10. Juli 2009 und des Einsprache-
entscheids vom 24. September 2009 und die weitere Ausrichtung einer 
Waisenrente  mit  Wirkung  ab  30.  April  2009.  Ausserdem  sei 
festzustellen,  dass  die  Hinzuziehung des Verfahrensbevollmächtigten 
im Vorverfahren notwendig gewesen sei (vgl. Akten des Beschwerde-
verfahrens act. 1). Die Kosten des Verfahrens und des Vorverfahrens 
habe  die  SAK  zu  tragen  (vgl.  act.  1  und  die  diesen  Antrag 
präzisierende Stellungnahme vom 22. Oktober  2010 [recte: 22. April 
2010] , act. 14).

B.b Mit Vernehmlassung vom 27. November 2009 beantragte die SAK 
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochte-
nen Verfügung (act. 3).

B.c Mit  Replik  vom 12. Januar  2010  und  Replikergänzung  vom 12. 
Februar  2010  hielt  die  Beschwerdeführerin  sinngemäss  an  ihren 
Beschwerdebegehren fest (vgl. act. 6, 8, 10).

B.d Mit  Duplik  vom  9.  März  2010  beantragte  die  SAK  erneut  die 
Abweisung  der  Beschwerde  und  die  Bestätigung  der  angefochtenen 
Verfügung (act. 12).

B.e Mit  Zwischenverfügung  vom  17.  März  2010  brachte  das 
Bundesverwaltungsgericht  der  Beschwerdeführerin  die  Duplik  zur 
Kenntnis und schloss den Schriftenwechsel (act. 13). 

Seite 2

C-6567/2009

B.f Mit  Telefax  vom  26.  Juli  2010  (adressiert  an  die  SAK  und  von 
dieser  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet),  Schreiben 
vom 26. August 2010 und Telefax vom 10. September 2010 ergänzte 
die Beschwerdeführerin  ihre Ausführungen, reichte  neue Dokumente 
betreffend Ausbildung ein und beantragte die Aus- und Nachzahlung 
der Waisenrente (act. 17, 17.1-3, 18-20). 

C.
Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  und  die  eingereichten 
Unterlagen wird - soweit erforderlich - in den nachfolgenden Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  in  Verbindung  mit  Art. 33  lit. d  VGG  und 
Art. 85bis Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1946  über 
die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10)  beur-
teilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  von  Personen  im 
Ausland gegen Verfügungen der Schweizerischen Ausgleichskasse. Es 
liegt keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.

1.2 Aufgrund von Art. 3 lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet 
das VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungsrechtssachen, so-
weit  das  Bundesgesetz  vom 6. Oktober  2000  über  den Allgemeinen 
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar  ist. 
Gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die 
im  ersten  Teil  geregelte  Alters-  und  Hinterlassenenversicherung  an-
wendbar, soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom 
ATSG vorsieht.

1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtenen Einsprache-
entscheid  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen 
Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG be-
schwerdelegitimiert ist.

Seite 3

C-6567/2009

1.4 Da  die  Beschwerde  im  Übrigen  frist-  und  formgerecht  (Art.  60 
Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde, ist auf die 
Beschwerde einzutreten.

2.  
2.1 Die  Verfügung  als  Anfechtungsgegenstand  bildet  nicht  nur  den 
Ausgangspunkt,  sondern  zugleich den Rahmen und die  Begrenzung 
des  Streitgegenstandes  im  Beschwerdeverfahren.  Streitgegenstand 
kann mithin - im Rahmen der Parteianträge - nur das in der Verfügung 
geregelte Rechtsverhältnis sein. Rechtsbegehren, die ausserhalb der 
in der Verfügung geregelten Rechtsverhältnisse liegen, sind grundsätz-
lich  unzulässig  (vgl.  u.a.  FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 
2. Aufl.,  Bern  1983,  S. 46,  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungs-
verfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2. Aufl.,  Zürich 
1998, Rz. 404 und 611 ff.).

2.2 Weil  in  zeitlicher  Hinsicht  grundsätzlich  diejenigen  materiell -
rechtlichen Rechtssätze massgebend sind,  die bei  der Erfüllung des 
zu  Rechtsfolgen  führenden  Tatbestandes  Geltung  haben,  und  weil 
ferner  die  Gerichte  im  Bereiche  der  Sozialversicherung  bei  der 
Beurteilung  eines  Falles  grundsätzlich  auf  den  im  Zeitpunkt  des 
Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes,  hier  des  Einsprache-
entscheids  vom 26. März  2007,  eingetretenen Sachverhalt  abstellen 
(vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen), sind die Bestimmungen des 
AHVG anwendbar, die am 24. September 2009 Geltung hatten und in 
diesem Entscheid zitiert werden. 

2.3 Die  Beschwerdeführerin  ist  deutsche  und  schweizerische 
Staatsangehörige  und  wohnt  in  Deutschland.  Daher  sind  vorliegend 
die folgenden Erlasse anwendbar: das am 1. Juni 2002 in Kraft getre-
tene  Abkommen  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitglied-
staaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  vom  21. Juni  1999 
(Freizügigkeitsabkommen, nachfolgend FZA, SR 0.142.112.681), sein 
Anhang II,  die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 sowie die Verordnung 
(EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die Durchfüh-
rung  der  Verordnung  (EWG)  Nr. 1408/71  (nachfolgend:  Verordnung 
[EWG]  Nr. 574/72;  SR 0.831.109.268.11)  (vgl.  Art.  153a AHVG). 
Soweit  das  FZA  -  wie  hier  -  keine  abweichenden  Bestimmungen 
vorsieht,  erfolgt  mangels  einer  einschlägigen  gemeinschafts-  bzw. 
abkommensrechtlicher  Regelung  die  Ausgestaltung  des  Verfahrens 

Seite 4

C-6567/2009

sowie  die  Prüfung  der  Zulässigkeit  der  Einstellung  der  Waisenrente 
nach schweizerischem Recht.

3.
Da  die  SAK  mit  dem  angefochtenen  Einspracheentscheid  vom  24. 
September 2009 die Einsprache abgewiesen und die Einstellung der 
Waisenrente per 30. April 2009 bestätigt hat, bildet diese Einstellung 
den Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren (vgl. oben 
E.  2.1).  Nicht  zum  Streitgegenstand  gehören  hingegen  die  in  den 
Beschwerdeanträgen  aufgeführten  Schreiben  der  SAK  vom 14.  und 
20.  Mai  2009,  welche  den  allfälligen  Anspruch  der  Mutter der 
Beschwerdeführerin  auf  Ausrichtung  einer  Kinderrente  betreffen 
(SAK/80, 84). Ebenfalls nicht zum Streitgegenstand gehört das in den 
Beschwerdeanträgen erwähnte Schreiben der SAK vom 11. Juni 2009 
(act.  1.4.3),  welches  den  allfälligen  Anspruch  der  Mutter der 
Beschwerdeführerin auf ein Hilfsmittel betrifft. Auf die entsprechenden 
Begehren um Aufhebung ist daher nicht einzutreten.

4.
4.1 Unbestritten  ist  vorliegend,  dass  die  Beschwerdeführerin  An-
spruch auf  eine weitere Ausrichtung der Waisenrente hat,  sofern sie 
sich im massgebenden Zeitpunkt noch in Ausbildung befand und sich 
dieser  Ausbildung mit  dem notwendigen und ihr  zumutbaren Einsatz 
und Willen widmete. 

4.2 Bei  der  Beurteilung  eines  Falles  stellt  das  Sozialversicherungs-
gericht  grundsätzlich  auf  den  bis  zum  Zeitpunkt  des  Erlasses  der 
streitigen  Verfügung  (hier  des  Einspracheentscheids  vom  24. 
September  2009)  eingetretenen Sachverhalt  ab (BGE 131 V 243 E. 
2.1).  Veränderungen  des  Sachverhalts  nach  dem  Erlass  der 
Verfügungen können nur Gegenstand eines neuen Rentenverfahrens 
sein. 

4.3 Kinder, deren Vater oder Mutter gestorben ist, haben Anspruch auf 
eine  Waisenrente  (Art. 25  Abs. 1,  erster  Satz  AHVG). Der  Anspruch 
auf die Waisenrente entsteht am ersten Tag des dem Tode des Vaters 
oder der Mutter folgenden Monats. Er erlischt mit der Vollendung des 
18. Altersjahres oder mit  dem Tod der Waise (Art. 25 Abs. 4 AHVG). 
Für Kinder, die noch in Ausbildung sind, dauert  der Rentenanspruch 
bis zu deren Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 25.  Alters-
jahr. Der  Bundesrat  kann festlegen,  was als  Ausbildung gilt  (Art.  25 
Abs. 5  AHVG);  er  hat  von  dieser  Befugnis  jedoch  keinen  Gebrauch 

Seite 5

C-6567/2009

gemacht  (vgl. Urteil  des  Bundesgerichts  [I  546/01]  vom 27. Februar 
2002 E. 1b).

Der  gesetzliche  Begriff  der  Ausbildung  kann  verstanden  werden  im 
Sinne der beruflichen Ausbildung; andererseits geht es um Ausbildung 
aber auch dort, wo entweder zum vornherein kein spezieller Berufsab-
schluss beabsichtigt und nur die Ausübung des betreffenden Berufes 
angestrebt  wird  oder  wo  es  sich  um  eine  Ausbildung  handelt,  die  
vorerst nicht einem speziellen Beruf dient. Unter allen Umständen ist 
eine  systematische  Vorbereitung  auf  eines  der  genannten  Ziele  hin 
erforderlich,  und  zwar  auf  der  Grundlage  eines  ordnungsgemässen, 
rechtlich oder zumindest faktisch anerkannten (üblichen) Lehrganges. 
In allen Fällen muss sich sodann die strittige Vorkehr in dem von der 
Rechtsprechung  umschriebenen  Masse  auf  die  Erwerbseinkünfte 
auswirken.  Eine  systematische  Ausbildung  verlangt,  dass  die 
betreffende  Person  die  Ausbildung  mit  dem ihr  objektiv  zumutbaren 
Einsatz betreibt, um sie innert nützlicher Frist erfolgreich hinter sich zu 
bringen.  Dabei  setzt  die  Ausbildung  den  Willen  voraus,  einem  im 
Voraus festgelegten Programm zu folgen, und die Absicht,  dieses zu 
Ende  zu  führen  (vgl.  UELI KIESER,  Alter-  und  Hinterlassenenversiche-
rung,  Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungs-
recht,  Erwin  Murer/Hans-Ulrich  Stauffer  [Hrsg.],  Zürich/Basel/Genf 
2005, 2. Aufl., Art. 25 Rz. 6 mit Hinweisen).

5.  
5.1 Zum Sachverhalt ist vorweg Folgendes festzuhalten:

a)  Ab  9.  Dezember  2005  war  die  Beschwerdeführerin  für  einen 
Fernlehrgang als "Web-Designerin SGD Gesamtlehrgang" (im Folgen-
den:  Lehrgang  Web-Design)  angemeldet.  Dessen  Vertragsdauer 
lautete auf 18 Monate - welche also ungefähr im Juni 2007 abgelaufen 
wäre - und 27 Monate Betreuungszeit (vgl. SAK 56 f.). Der Kurs könne 
berufsbegleitend  absolviert  werden  und  unterliege  keiner 
Regelstudienzeit.  Gemäss  Teilnahmebescheinigungen  vom  27. 
Februar 2006, 8. Januar 2008 und 1. Juli 2009 wurde die Betreuungs-
zeit - nicht aber die Vertragsdauer - konsekutiv (je ab Dezember 2005 
gerechnet)  auf  27 Monate  (bis  März  2008),  auf  41 Monate  (bis  30. 
April  2009) und auf 53 Monate (bis 30. April  2010) ausgedehnt (vgl. 
SAK/57, 71 bzw. 76, 88 bzw. 97).

b) Für den Zeitraum vom 30. April 2009 bis 30. Januar 2010 war die 
Beschwerdeführerin  für  einen  Fernlehrgang  "Englisch  schnell  und 

Seite 6

C-6567/2009

sicher"  der  Hamburger  Akademie  für  Fernstudien  (im  Folgenden: 
Englischkurs)  eingeschrieben. Dieser  umfasste  24 Lehrhefte  und  24 
Einsendeaufgaben,  deren  regelmässige  monatliche  Einsendung  zur 
Einhaltung  der  Regelstudienzeit  von  ungefähr  9  Monaten  -  bei 
durchschnittlicher Leistungsfähigkeit und nebenberuflicher Lehrgangs-
absolvierung  -  empfohlen  wurde  (vgl.  SAK/78  bzw.  95  bzw.  und 
SAK/82).

c)  Vom 1. Juni  2009  bis  31. Mai  2010  absolvierte  die  Beschwerde-
führerin  ein  Berufspraktikum  bei  der  Immobilien  Hausverwaltungen 
B._______ (im Folgenden: Berufspraktikum), wobei ihre Aufgaben den 
Telefondienst,  die  gesamte  Ablage  der  Geschäftspost  und  die 
Erstellung von "Kunden-Ecpose's" umfasste (vgl. SAK/88 bzw. 95 bzw. 
96).

d)  Für  den  Zeitraum  vom  5.  Oktober  2009  bis  Juli  2010  war  die 
Beschwerdeführerin bei der Volkshochschule Freiburg für die "Abend-
schule  Hauptschulabschluss"  (im  Folgenden  Abendschule)  einge-
schrieben, welchen sie im Jahr 2010 erfolgreich absolviert haben will  
(vgl. act. 1.1.2, 18).

e) Für den Zeitraum vom 1. September 2010 bis 31. August 2011 legte 
die Beschwerdeführerin einen Ausbildungsvertrag für ein "Freiwilliges 
Soziales Jahr" in der Klinik C._______ (im Folgenden: Sozialjahr) zu 
den Akten und erklärte am 26. August 2010, an der Klinik C._______ 
im Rahmen einer Ausbildung tätig zu sein (act. 17.2, 17.3, 18).

5.2 Die Beschwerdeführerin machte in  ihrer  Beschwerde und Replik 
geltend,  dass  der  Lehrgang  Web-Design  für  den  Waisenrenten-
anspruch als Ausbildung, welche bis 30. April 2010 absolviert werde, 
anzuerkennen  sei.  Der  Englischkurs  und  das  studienbegleitende 
Berufspraktikum  seien  für  das  Studium  erforderlich  und  daher 
zusammen  mit  diesem zu  berücksichtigen.  Ausserdem hole  sie  den 
Hauptschulabschluss  nach,  was  in  Bezug  auf  den  Waisenrenten-
anspruch ebenfalls als Ausbildung zu werten sei. Mit Eingabe vom 26. 
Juli  2010 berief sich die Beschwerdeführerin für ihren Waisenrenten-
anspruch (zusätzlich) auf das vertraglich vereinbarte Sozialjahr.

5.3 Die SAK führte  hingegen aus,  dass die Beschwerdeführerin  der 
Ausbildung als Web-Designerin nicht mit dem ihr zumutbaren Einsatz 
nachgehe, um sie in nützlicher Frist  zu beenden. Der Englischunter-
richt sei separat zu betrachten und umfasse nur wenige Wochenstun-

Seite 7

C-6567/2009

den,  weshalb  er  keine  Weiterzahlung  der  Waisenrente  rechtfertige. 
Das  Berufspraktikum stelle  keinen  ordnungsgemässen,  anerkannten 
bzw. systematisch strukturierten Lehrgang dar. Insgesamt könne von 
einer systematischen Vorbereitung auf einen künftigen Beruf nicht die 
Rede sein. 

5.4 Da der Beginn des Besuchs der Abendschule (5. Oktober 2009) 
und  der  Beginn  des  Sozialjahres  (1.  September  2010)  auf  einen 
Zeitpunkt  nach Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids (24. 
September 2009) fallen, gehören sie in zeitlicher Hinsicht nicht zum für 
dieses Beschwerdeverfahren massgebenden Sachverhalt (vgl. oben E. 
4.2).  Auf  die  diesbezüglichen  Ausführungen  der  Parteien  ist  daher 
nicht weiter einzugehen.

5.5 Unter  Berücksichtigung  der  höchstrichterlichen  extensiven 
Auslegung des Ausbildungsbegriffs (vgl. oben E. 4.3) ist der Lehrgang 
Web-Design,  welcher  immerhin  von  der  deutschen  "Staatlichen 
Zentralstelle  für  Fernunterricht"  zugelassen  wurde,  grundsätzlich  als 
Ausbildung im Sinne von Art. 25  AHVG zu betrachten,  was von der 
SAK auch nicht bestritten wurde.

5.6
5.6.1 Zu  prüfen  ist  allerdings,  ob  die  Beschwerdeführerin  diese 
Ausbildung mit dem notwendigen und ihr objektiv zumutbaren Einsatz 
betrieb,  um  sie  innert  nützlicher  Frist  erfolgreich  abzuschliessen. 
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt es insbesondere 
nicht,  dass  eine  Person  rein  formell die  für  die  Berufsvorbereitung 
notwendigen  Schulen  und  Praktika  absolviert.  Vielmehr  verlangt  die 
systematische  Berufsvorbereitung  darüber  hinaus,  dass  die 
betreffende Person diese Ausbildung mit dem ihr objektiv zumutbaren 
Einsatz betreibt, um sie innert nützlicher Frist erfolgreich hinter sich zu 
bringen (vgl. BGE 104 V 64 E. 3, auch publiziert als ZAK 1978 S. 548 
bzw. RCC 1978 S. 561). 

5.6.2 Gemäss Studienbescheinigung betrug die Vertragsdauer für den 
Lehrgang  Web-Design  18  Monate.  Das  Studium  unterliege  (zwar) 
keiner Regelstudienzeit, könne allerdings erfolgreich  berufsbegleitend 
absolviert  werden. Obwohl die Beschwerdeführerin sich vom Dezem-
ber  2005  bis  29.  April  2009  -  also  während  rund  40  Monaten - 
vollzeitlich dem  Lehrgang  Web-Design  widmen  konnte,  hat  sie  den 
Kurs per  Ende April  2009 (Endzeitpunkt  der  Betreuungszeit  gemäss 
Bestätigung vom 8. Januar 2008 [vgl. oben E. 5.1.a])  nicht  beendet. 

Seite 8

C-6567/2009

Diese  Diskrepanz  zwischen  dem  von  der  Anbieterin  für  die 
Absolvierung  des  Lehrganges  vorgesehenen  zeitlichen  Aufwand  (18 
Monate berufsbegleitend) und dem von der Beschwerdeführerin dafür 
in  Anspruch  genommenen  Zeitraum  (rund  40  Monate  im 
Vollzeitstudium),  lässt  -  soweit  keine  ausserordentlichen  Umstände 
vorliegen  -  darauf  schliessen,  dass  die  Beschwerdeführerin  den 
Lehrgang  Web-Design  nicht  mit  dem  notwendigen  und  ihr  objektiv 
zumutbaren Einsatz betrieb, um ihn innert  nützlicher Frist  erfolgreich 
abzuschliessen.  Dass  deutsche  Studien  häufig  nicht  innerhalb  der 
Regelstudienzeit  absolviert  würden,  wie  die  Beschwerdeführerin 
behauptet, ist diesbezüglich nicht relevant.

Es  ist  aus  den  Akten  auch  nicht  ersichtlich,  dass  die  Beschwerde-
führerin für den Lehrgang Web-Design mehr Beträge geleistet  hätte, 
als  für  eine 18-monatige Vertragsdauer  (vgl.  SAK/56  f.).  Aus  der 
kostenlosen  Erstreckung  der  Betreuungszeit  muss  geschlossen 
werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  nur  einen  kleineren  Teil  des 
Lehrganges absolviert hat. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin im 
Beschwerdeverfahren auch keine Unterlagen eingereicht, aus welchen 
ersichtlich  ist,  welche  Teilschritte  im  Lehrgang  Web-Design  sie 
erfolgreich  absolviert  hat,  obwohl  die  SAK  dies  in  ihrer 
Vernehmlassung  vom 27. November  2009  ausdrücklich  moniert  hat. 
Ausserdem  hat  die  Beschwerdeführerin  den  Lehrgang  Web-Design 
auch  nicht  innerhalb  jener  zusätzlichen  Studienzeit  erfolgreich 
absolviert  (bis  Ende  April  2010),  um deren  Einräumung sie  ersucht 
hatte  und  die  auf  der  letzten  Teilnahmebescheinigung  ausgewiesen 
war  (vgl.  oben  E.  5.1.a).  Sie  ist  auch  nicht  im  Bereich  Web-Design 
berufstätig geworden. Stattdessen hat sie sich parallel zum Lehrgang 
für den Besuch der Abendschule eingetragen, welche sie erfolgreich 
absolviert haben will, und ist am 1. September 2010 zur Absolvierung 
eines  Sozialjahres  angetreten,  welches  keinen  Zusammenhang  mit 
dem Lehrgang Web-Design aufweist (vgl. act. 18 f.).

5.6.3 Die  Beschwerdeführerin  machte  gesundheitliche  Probleme 
geltend, welche als ausserordentliche Umstände zu einer Verzögerung 
des Lehrgangsabschlusses geführt hätten und damit eine weitere Aus-
richtung  der  Waisenrente  rechtfertigten.  Allerdings  attestierte  keines 
der beiden eingereichten ärztlichen Atteste vom 7. Mai 2003 und 16. 
Januar  2010  (act.  8.1  und  10.1)  eine  Einschränkung  der 
Studienfähigkeit  der  Beschwerdeführerin.  Erwähnt  wurden  lediglich 
physische Beschwerden  sowie  Limitationen  im  physischen 

Seite 9

C-6567/2009

Leistungsbild,  welche  (gelegentlich)  zu  therapieren  seien.  Die 
Beschwerdeführerin  konnte  somit  nicht  nachweisen,  dass 
gesundheitliche Einschränkungen zur ausserordentlichen Verzögerung 
des Lehrgangsabschlusses geführt  hätten. Weitere  konkrete  persön-
liche Umstände, welche diese Verzögerung erklären würden, werden 
von der Beschwerdeführerin nicht erwähnt. Der pauschale Verweis auf 
ihre  persönlichen  Verhältnisse  ist  diesbezüglich  unbehelflich. 
Ausserdem räumte  die  SAK der  Beschwerdeführerin  bis  Ende  April 
2009  (Zeitpunkt  des  Ablaufs  der  Betreuungszeit  gemäss  Teilnahme-
bescheinigung vom 8. Januar 2008 [vgl. oben E. 5.1.a]) Zeit  ein, um 
den Lehrgang abzuschliessen. Damit  liess sie bereits  einen grossen 
Raum  für  allfällige  besondere  persönliche  Verhältnisse  der 
Beschwerdeführerin (vgl. oben E. 5.6.2). Somit ist davon auszugehen, 
dass keine ausserordentlichen Umstände die überlange Studiendauer 
der Beschwerdeführer rechtfertigen (vgl. oben E. 5.6.2). 

5.7 Unter  diesen  Umständen  ist  davon  auszugehen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  den  Lehrgang  Web-Design  nicht  mit  dem 
notwendigen  und  ihr  objektiv  zumutbaren  Einsatz  betrieb,  um  ihn 
innert nützlicher Frist erfolgreich abzuschliessen.

5.8 Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Englischkurs und das 
Berufspraktikum  seien  systematisch  zusammen  mit  dem  Lehrgang 
Web-Design  zu  betrachten.  Gegen  eine  solche  Gesamtkonzeption 
spricht die Tatsache, dass der Englischkurs und das Berufspraktikum 
erst  rund  40  Monate  nach  Beginn  des  Lehrganges  Web-Design  in 
Angriff  genommen  und  keine  Belege  für  einen  solchen  Zusammen-
hang  eingereicht  wurden.  Auch  die  sich  mit  Englischkurs  und 
Berufspraktikum  überschneidende  Einschreibung  zur  Abendschule 
und  die  spätere  vertragliche  Verpflichtung  für  das  Sozialjahr 
widersprechen  einer  solchen  Gesamtkonzeption.  Soweit  aus  der 
eingereichten  Bestätigung  ersichtlich  (act.  1.3),  beinhaltete  das 
Berufspraktikum keine bestimmte Form von Lehrplan und schulischer 
Infrastruktur. Es diente auch nicht primär der praktischen Umsetzung 
von  theoretischen  Kenntnissen,  welche  zuvor  im  Rahmen  eines 
Ausbildungsganges erworben worden waren, zumal die Erstellung von 
Kundenexposés  gemäss  Bestätigung  nicht  Praktikumsschwerpunkt, 
sondern nur die dritte von drei  Tätigkeiten darstellte. Somit mag das 
Berufspraktikum,  welches  im  Übrigen  zu  Gunsten  des  Sozialjahres 
abgebrochen wurde, zwar teilweise mit dem Lehrgang in Zusammen-

Seite 10

C-6567/2009

hang stehen, ist jedoch kaum als Bestandteil  der Studienplanung zu 
betrachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_223/2008 E. 1.2). 

Sollte  doch  eine  entsprechende  Gesamtkonzeption  von  Lehrgang, 
Englischkurs  und  Berufspraktikum  bestehen,  würde  das  zusätzlich 
bestätigen,  dass  die  Beschwerdeführerin  sich  nicht  ausreichend  um 
einen erfolgreichen Abschluss des Lehrganges in Web-Design innert 
nützlicher Frist bemühte. 

Aus dem geltend gemachten Zusammenhang kann die Beschwerde-
führerin somit nichts zu ihren Gunsten ableiten.

5.9 Daraus, dass der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung nur bei 
Weiterbezahlung  der  Waisenrente  möglich  ist,  wie  dies  die 
Beschwerdeführerin  geltend  machte,  ergibt  sich  im  Übrigen  kein 
eigenständiger Anspruch auf Weiterbezahlung der Waisenrente.

5.10 Die  Beschwerdeführerin  bietet  zum Beweis  ihrer  Ausführungen 
eine "Parteivernahme [...] in Person" sowie Zeugeneinvernahmen und 
Sachverständigengutachten  an.  Im  Sinne  einer  antizipierten 
Beweiswürdigung  verzichtet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  das 
Einholen weiterer Beweismittel (vgl. BGE 122 V 162 E. 1d). Ausserdem 
käme das mündliche Einholen von Parteiauskünften nur in Ausnahme-
fällen in Betracht  (vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 158 
Rz. 3.124 und S. 161 Rz. 3.131 m.w.H.), wofür vorliegend kein Anlass 
ersichtlich ist.

5.11 Entgegen der gegenteiligen Behauptung der Beschwerdeführerin 
(vgl. act. 1 S. 7) hat die SAK in der angefochtenen Verfügung (auf S. 2 
oben  der  Verfügung)  auf  den  Englischkurs  Bezug  genommen.  Eine 
weitergehende  Auseinandersetzung  damit  erübrigte  sich,  zumal  die 
Beschwerdeführerin  sich  auf  diesen  als  Ergänzung  zum  Lehrgang 
Web-Design  berief,  mit  welchem  sich  die  SAK  ausdrücklich 
auseinandersetzte.  Selbst  wenn  eine  ungenügende  Begründung 
vorläge und als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu würdigen wäre, 
wäre diese mit Durchführung des doppelten Schriftenwechsels geheilt  
worden (vgl. die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-5466/2008 
vom 3. Juni 2009 E. 2.1.4 und C-7730/2007 vom 18. Mai 2009 E. 3.4 
sowie BERNHARD WALDMANN/JÖRG BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, Art. 
29 N. 118, je mit weiteren Hinweisen).

Seite 11

C-6567/2009

5.12 Der  vorinstanzliche  Beschwerdeentscheid  ist  somit  vollumfäng-
lich  zu  bestätigen  und  die  Beschwerde  abzuweisen,  soweit  darauf 
einzutreten ist.

5.13 Die  Akten  sind  an  die  SAK  zu  überweisen,  damit  diese  die 
Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  betreffend  den  Besuch  der 
Abendschule und die Absolvierung des Sozialjahres als sinngemässe 
Begehren  um  Wiederausrichtung  einer  Waisenrente  behandelt  und 
einen allfälligen Anspruch prüft  (vgl. act. 1  und 1.1.2 sowie 17.1 bis 
17.3, 18-20).

6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist für die Parteien kostenlos (Art.  85bis 

Abs. 2 AHVG), so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.

6.2 Die  in  der  Sache  unterliegende  Beschwerdeführerin  und  die 
obsiegende  Vorinstanz  haben  keinen  Anspruch  auf  eine  Partei-
entschädigung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 3 
des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten-  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

6.3 Das  vorinstanzliche  Einspracheverfahren  ist  kostenlos.  Partei-
entschädigungen werden in der Regel nicht ausgerichtet (vgl. Art. 52 
Abs. 3  ATSG),  weshalb  auf  den entsprechenden Antrag nicht  weiter 
einzugehen ist. Angesichts des Unterliegens der Beschwerdeführerin 
fällt die Ausrichtung einer Parteientschädigung ausser Betracht, zumal 
auch  keine  unentgeltliche  Verbeiständung  beantragt  bzw. genehmigt 
wurde. 

6.4 Dem  Antrag  der  Beschwerdeführerin  festzustellen,  dass  der 
Beizug  eines  Verfahrensbevollmächtigten  im  Vorverfahren  notwendig 
gewesen sei, kommt (darüber hinaus) keine eigenständige Bedeutung 
zu.  Eine  Verbeiständung  des  Beschwerdeführers  war  auch  nicht 
Gegenstand  der  angefochtenen  Verfügung.  Auf  diesen  Antrag  ist 
deshalb nicht einzutreten. 

Seite 12

C-6567/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die  Akten  werden  im  Sinne  der  Erwägung  5.13  an  die  Vorinstanz 
überwiesen,  damit  sie  die  notwendigen  Abklärungen  vornimmt  und 
über  die  sinngemässen  Begehren  um  Wiederausrichtung  einer 
Waisenrente befindet. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. [...]; Beilage: Doppel der Schreiben vom 26. 

August und 10. September 2010 [act. 18-20])
- das Bundesamt für Sozialversicherungen

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Beat Weber Daniel Golta

Seite 13

C-6567/2009

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. 
und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 
173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit  
Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 
angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die 
beschwerdeführende  Partei  in  Händen  hat,  beizulegen  (vgl.  Art.  42 
BGG).

Versand:

Seite 14