# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 86b8b0ad-3dd3-5537-91b0-48bbc880efe9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.07.2009 D-4518/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4518-2009_2009-07-17.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4518/2009
law/bah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren (...),
Mauretanien,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 7. Juli 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4518/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer Mauretanien eigenen Angaben zufolge im 
Jahr 1991 verliess,  danach bis  zum 31. Dezember  2008 in  Marokko 
lebte und am 6. Januar 2009 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass er bei der Kurzbefragung, die am 15. Januar 2009 im Empfangs- 
und  Verfahrenszentrum  Basel  stattfand,  und  der  Anhörung  zu  den 
Asylgründen vom 7. Juli 2009 im Wesentlichen geltend machte, im Ap-
ril 1989 seien seine Mutter, sein Neffe und seine Schwestern von wei-
ssen Mauretaniern (Mauren) umgebracht worden,

dass man ihm die Zähne herausgeschlagen habe und er sich hernach 
zwei Jahre lang in Mauretanien in Spitalpflege befunden habe,

dass man ihn nach Marokko transferiert habe, wo er noch neun Mona-
te im Spital gewesen sei,

dass er, nachdem er sich eigenmächtig aus dem Spital entfernt habe, 
in Marokko geblieben sei, wo er sich illegal aufgehalten habe,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7.  Juli  2009  in  Anwendung  von 
Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, 
die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und ihn - unter Androhung 
von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  -  aufforderte,  die  Schweiz 
nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen, 

dass es die dem Protokoll der Anhörung vom 7. Juli 2009 beigefügte 
Verfügung dem Beschwerdeführer im Anschluss an die Anhörung so-
gleich mündlich eröffnete,

dass  das  BFM zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  aufgrund 
der widersprüchlichen, wenig detaillierten und realitätsfremden Aussa-
gen des Beschwerdeführers sei davon auszugehen, dass er über au-
thentische Reise-  und Identitätspapiere  verfüge,  die er  in  Verletzung 
seiner gesetzlichen Mitwirkungspflicht den schweizerischen Asylbehör-
den vorenthalte,

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dass seine Angaben über den tätlichen Angriff auf seine Familienange-
hörigen und ihn widersprüchlich und wenig detailliert ausgefallen sei-
en,

dass er  die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 7  AsylG nicht  erfülle 
und  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  derselben  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses aufgrund der Aktenlage nicht erfor-
derlich seien,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. Juli 2009 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 
dabei beantragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich auf-
zuheben, die Sache sei  zur  Prüfung des Asylgesuchs (Eintreten) an 
das BFM zurückzuweisen, es sei  auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu be-
willigen,

dass die vorinstanzlichen Akten am 16. Juli 2009 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 31-34 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene, ihm gestützt auf 
Art. 13  Abs.  1  AsylG  mündlich  eröffnete  Verfügung  des  BFM  vom 
7. Juli  2009  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an 
deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 52 VwVG),

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dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM   ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz - sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  -  einer  selbständigen  materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  indessen  im  Falle  des  Nichteintretens  auf  ein  Asylgesuch  ge-
mäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbestehen 
der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, 
soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. 
Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 
2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.),

dass dementsprechend in einem diesbezüglichen Beschwerdeverfah-
ren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen 
Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozess-
gegenstand ist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt, 

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

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dass auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten wird,  wenn Asylsuchende 
den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des 
Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG),

dass diese Bestimmung jedoch keine Anwendung findet, wenn Asylsu-
chende glaubhaft machen können, sie seien dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), auf Grund der 
Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigen-
schaft  festgestellt  wird  (Art. 32  Abs. 3  Bst. b  AsylG)  oder  sich  auf 
Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft  oder eines Wegweisungsvollzugs-
hindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

dass das Bundesamt, lehnt es das Asylgesuch ab oder tritt es darauf 
nicht ein, in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz verfügt und 
den Vollzug der Wegweisung anordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG), und das 
Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über 
die vorläufige Aufnahme nach dem Bundesgesetz vom 16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) regelt, 
wenn der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder 
nicht zumutbar ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass in Art. 35 Abs. 1 VwVG für das Verwaltungs- bzw. Asylverfahren 
(vgl. Art. 6 AsylG) festgehalten wird, schriftliche Verfügungen seien zu 
begründen,

dass diese Bestimmung den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher 
umschreibt,  die  Begründung  eines  Entscheides  jedoch  so abgefasst 
sein  muss,  dass  der  Betroffene  ihn  gegebenenfalls  sachgerecht  an-
fechten kann (vgl.  LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar  zum Bundesge-
setz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Auer/Müller/Schindler 
[Hrsg.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6),

dass die Behörde wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen hat, 
von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt, 
wobei sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann 
(vgl. EMARK 1994 Nr. 3 E. 4a-b S. 25).

dass das BFM in der angefochtenen Verfügung nicht erklärt, weshalb 
die Wegweisung aus der Schweiz verfügt wird, und sich insbesondere 
nicht  ansatzweise  mit  der  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und 

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Möglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers 
auseinandersetzt (vgl. Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG),

dass dies eine Verletzung der sich aus dem Anspruch auf rechtliches 
Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] und Art. 6 AsylG 
i.V.m. Art. 35 Abs. 1 VwVG) ergebenden Begründungspflicht darstellt, 

dass in diesem Zusammenhang zudem nicht nachvollziehbar ist,  wie 
das BFM zum Schluss gelangen konnte, es seien keine zusätzlichen 
Abklärungen zur Feststellung eines Wegweisungsvollzugshindernisses 
(vgl. Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG) erforderlich, welche Feststellung Vor-
aussetzung zur Fällung eines Nichteintretensentscheids nach Art. 32 
Abs. 2 Bst. a AsylG ist,

dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 7. Juli 2009 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung 
an das BFM zurückzuweisen ist,

dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses durch den direkten Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos 
geworden ist,

dass angesichts des Ausgangs des Verfahrens keine Kosten zu erhe-
ben sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 - 3 VwVG), womit das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos wird,

dass nicht davon auszugehen ist, dem im Beschwerdeverfahren nicht 
anwaltlich  vertretenen  Beschwerdeführer  seien  notwendige  und  ver-
hältnismässig hohe Kosten entstanden, weshalb keine Parteientschä-
digung auszurichten ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 
und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 7. Juli 2009 wird aufgehoben und die Sa-
che wird zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilagen: angefochtene Ver-
fügung im Original, Eröffnungs- und Empfangsbestätigung im Origi-
nal)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- die kantonale Behörde (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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