# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4167afbe-da79-5273-8e83-49d40ed23e24
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-24
**Language:** de
**Title:** Nach Rückweisung durch das Bundesgericht: Prüfung der Standardindikatoren ergibt keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der psychiatrischen Beeinträchtigungen, welche invalidenversicherungsrechtlich somit nicht massgebend sind, Abweisung
**Docket/Reference:** IV.2018.00985
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00985.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00985
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiber Hausammann
Urteil
vom
24. Dezember 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Holger Hügel
Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1970, absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium in seinem Heimatstaat und reiste am 15. August 2005 in die Schweiz ein, wo er ab 2008 selbständig erwerbstätig und ab März 2009 bei der von ihm selbst gegründeten
Y.___
AG als Geschäftsführer angestellt war (
Urk.
2/
6/8/2,
Urk.
2/
6/22/13-14,
Urk.
2/
6/33/203,
Urk.
2/
6/33/210 und
Urk.
2/
6/33/225). Am 14. März 2012 erlitt
X.___
einen Motorradunfall (Schadenmeldung UVG vom 15. März 2012,
Urk.
2/
6/33/203). Der Unfallversicherer richtete nach dem Unfall
geschehen die gesetzlichen Leistungen aus. Per 31. Mai 2013 erfolgte die Leistungseinstellung (Verfügung des Unfallversicherers vom 5. Februar 2014,
Urk.
2/
6/33/70-71), wo
ge
gen der Versicherte am 10. März 2013 Einsprache ein
legte (
Urk.
2/
6/33/59-66).
1.2
Der Versicherte meldete sich am 15. November 2013 (Eingangsdatum) – unter Hinweis auf eine seit 10. Juni 2013 fehlende körperliche und geistig-psychische Belastbarkeit durch eine Überlastung am Arbeitsplatz – bei der Sozialversi
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leis
tungs
bezug an (
Urk.
2/
6/3). D
ie
IV-Stelle
zog einen Auszug aus dem
individuellen Konto
von
X.___
(
Urk.
2/
6/12) und die Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
2/
6/15,
Urk.
2/
6/22)
sowie der Unfallversicherung (
Urk.
2/
6/16,
Urk.
2/
6/23,
Urk.
2/
6/33,
Urk.
2/
6/36)
bei
,
holte
einen
Be
richt de
s
behandelnden
Psychiaters
(
Urk.
2/
6/29
) ein
und liess zusammen mit dem Unfallversicherer ein polydisziplinäres Gutachten bei der Abklärungsstelle
Z.___
erstellen (Gutachten vom 11. September 2015 [
Urk.
2/
6/59])
.
Mit Schreiben vom 12. November 2015 wies die IV-Stelle den Versicherten auf seine Mitwirkungspflicht zur Erhaltung oder Ver
besserung des Gesundheitszustands hin (
Urk.
2/
6/64). Nach durchge
führ
tem
Vor
bescheidverfahren
(Vorbescheid vom 12. November 2015 [
Urk.
2/
6/65], Einwand vom 20. November 2015 resp. 16. Dezember 2015 [
Urk.
2/
6/66-67], begründeter Einwand vom 23. April 2016 [
Urk.
2/
6/74]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. September 2016 einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
2/
6/80 [=
Urk.
2/
2]).
1.3
Die hiergegen
vom Beschwerdeführer am 24. Oktober 2016 beim hiesigen G
ericht
erho
bene Beschwerde
, mit welcher beantragt wurde,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei dem
Beschwerdeführer
eine befristete Rente ab April 2014
bis Dezember 2015 zuzusprechen,
wies das hiesige Gericht mi
t Urteil IV.2016.01174
vom 9. November 2017 (
Urk.
2/
9) ab. Der
Beschwerdeführer
erhob dagegen mit Eingabe
vom
1.
Februar 2018 Beschwerde (
Urk.
2/
11), welche das Bundesgericht mit Urteil 8C_126/2018
vom 1
9.
Oktober 2018
teilweise guthiess. Das Urteil v
om 9.
November 2017
wurde aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an das Sozialver
siche
rungsgericht zurückgewiesen, im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen
(Urk. 1)
.
2.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die
massgebenden
Bestimmungen und Grundsätze über die Begriffe der Invali
di
tät (Art. 8 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG) und der Erwerbsunfähigkeit (Art.
7
Abs. 1 und 2 ATSG), den Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 28 Abs. 1 und 2 IVG) sowie zu den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärzt
lichen Bericht (BGE 134 V 231. E. 5.1, 125 V 351 E. 3a) wurden im Urteil IV.2016.01174 vom 9. November 2017 zitiert und erläutert. Darauf wird verwiesen.
2.
2.1
In E. 3.2 des Urteils 8C_126/2018 vom 19. Oktober 2018 in Sachen der Parteien betreffend die vom Beschwerdeführer erhobene Beschwerde gegen das besagte Urteil IV.2016.00174 erwog das Bundesgericht, dass nach der früheren Recht
spre
chung
bei leichten bis mittelschweren Störungen aus dem depressiven Formenkreis, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, angenommen
worden sei
, dass - aufgrund der nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung
regel
mässig
guten Therapierbarkeit - hieraus keine iv-rech
t
lich relevante Einschrän
kung
der Arbeitsfähigkeit resultiere
. Den leichten bis mittelschweren depressiven Erkrankungen fehle es, solange
sie therapeutisch
angehbar
seien
, an einem hin
reichenden Schweregrad der Störung, um diese als invalidisierend anzusehen (vgl.
BGE 140 V 193 E. 3.3
mit Hinweis)
. Nur in der - seltenen, gesetzlich ver
langten Konstellat
ion mit Therapieresistenz – sei
den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prü
fungsweise Genüge getan (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3
).
Mit BGE 143 V 418 (Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017) sowie BGE 143 V 409 (Urteil 8C_841/
2016 vom 30. November 2017) habe
das Bundesgericht seine
Recht
spre
chung geändert und festgestellt, dass die Therapierbarkeit allein keine
abschlies
sende
evidente Aussage über das
Gesamtmass
der Beeinträchtigung und deren Relevanz im iv-rechtlichen Kontex
t zu liefern vermöge. Weiter habe
es erkannt,
dass sämtliche psychischen Erkrankungen, namentlich auch depressive Stö
rungen
leicht- bis mittelgradiger Natur, grundsätzlich einem strukturierten Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, welches bislang bei Vorliegen somatoformer Schmerzstörungen anhand eines Kataloges v
on Indikatoren durch
geführt werde. Dieses bleibe
entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fach
ärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollzieh
bar
begründeter Weise verneint werde
und allfälligen gegenteiligen Einschät
z
ungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Be
weis
wert beigemessen werden könne (BGE 143 V 409).
Gemäss
früherem Verfahrensstan
dard eingeholte Gutachten verlö
ren nicht per s
e ihren Beweiswert. Vielmehr sei
im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Ein
zel
falls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent
scheidend, ob ein
abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun
d
lagen vor Bundesrecht standhalte
. In
sinngemässer
Anwendung auf die materiell-beweisrechtl
ich geänderten Anforderungen sei
in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachver
ständigen
gutachten - gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgebenden
Indikatoren erlaubte
n oder nicht. Je nach A
bklärungstiefe und -dichte könne
zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung ge
nügen (BGE 141 V 281 E. 8).
2.2
In E. 4 des besagten Urteils 8C_126/2018 vom 19. Oktober 2018 hielt das Bundes
gericht fest,
gemäss
Gutachten der M
EDAS vom 11. September 2015 sei
wegen
der psychischen Befunde (sonstige Reaktion auf schwere Belastung [ICD-10 F43.
8]; leichte depressive Episode [ICD-10 F33.0]; Zwangsgedanken) bis Ende 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in jeglicher Erwerbs
tätigkeit zu bejahen. Daher sei
im Lichte der Indikatoren zu prüfen, ob die von den medizinischen Sachver
ständigen bescheinigte Arbeitsunfähigkei
t auch rechtlich relevant sei.
Der Beschwerdeführer habe (vor Bundesgericht) geltend gemacht
, aufgrund des schlüssigen und beweiskräftigen Gutachtens der MEDAS sowie des Verlaufs der psychischen Erkrankung sei evident, dass eine schwerwiegende Störung vorliege, mithin der funktionelle Schweregrad bis Ende 2015 gegeben gewesen sei. Die
Angaben des Versicherten seien konsistent gewesen, Anhaltspunkte für eine Aggra
vation oder gar Simul
ation hätten nicht vorgelegen.
Aus den in E. 3.1.1 (Urk. 1 S. 3–5) zitierten Erwägungen des Urteils IV.2016.01174 ergebe sich, dass das Sozialversicherungsgericht eine
Arbeitsunfähigkeit verneint
habe
, weil die psychische Erkrankung beha
ndelbar gewesen sei. Wohl handle
es sich bei Verlauf und Ausgang von Therapien um wichtige Schweregrad
indika
toren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299), die bei deren Prüfung entscheidend in Anschlag gebracht werden dürf
t
en (BGE 143 V 409 E. 4.5.
2). Dies entbinde
die rechtsanwendende Behörde indessen nicht von der Pflicht, sämtliche Standard
indi
katoren
gemäss
B
GE 141 V 281 E. 4.1.3
zu prüfen und gestützt darauf ge
samthaft zu beurteilen, ob auch aus
rechtlicher Sicht eine
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
an
zunehmen sei
(vgl. BGE 14
3 V 418 E. 6). Mithin habe sie
im Rahmen der Be
weiswürdigung zu prüfen, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand
der Indikatoren schlüssig und widerspru
chsfrei festgestellt worden seien
und somit den normativen Vorga
ben Rechnung getragen worden sei
(BGE 141 V 281 E. 6
mit Hinweis). Diese Frage habe
das
Sozialversicherungsgericht
nicht geprüft, da der angefochtene Entscheid vor den beiden Grundsatzurteilen BGE 143
V 409 und 143 V 418 ergangen sei. Die Sache sei deshalb
zwecks Vornahme der
Indika
torenprüfung
an
es zurückzuweisen. Dabei werde
es auch zu prüfen haben, ob
das Gutachten der MEDAS vom 11.
September 2015 eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgebenden
Indizien erlaube (Urk. 11 S. 6–7).
2.3
Wie in E. 3 des Urteils IV.2016.01174 vom 7. November 2017 festgehalten (Urk. 9 S. 7 – 11), sind im Wesentlichen die folgenden ärztlichen Stellungnahmen akten
kundig:
3.
3.1
Dr.
A.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 13. August 2013 eine post
trau
matische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine „Betroffenheit Persön
lich
keitsveränderung“ (ICD-10 F60.8). Der Beschwerdeführer sei seit dem 10. Juni 2013
(Hausarzt) resp. seit dem 6. August 2013 (Dr.
A.___
) zu 100 % arbeitsunfähig (
Urk.
2/
6/29; vgl. auch Bericht von Dr.
A.___
an den Krankentag
geldversicherer,
Urk.
2/
6/10).
3.2
Im März 2014 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag des Krankentag
geldversi
cherers von Dr.
B.___
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, psy
chiatrisch begutachtet. Im betreffenden Gutachten vom 2. Juni
2014 (
Urk.
2/
6/22/4-20)
stellte
Dr.
B.___
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Zur Begrün
dung dieser Diag
nose führte Dr.
B.___
aus, der Beschwerdeführer habe im Mai 2013 eine erheb
liche psychosoziale Belastung erlitten, indem ihm seine eigene Firma seine Funk
tion als Geschäftsführer gekündigt habe. Es sei ein bisher ungelöster Recht
streit gefolgt. Inzwischen habe er zudem seinen Aktienanteil an der Firma verlo
ren und der Zugang zu seinen ehemaligen Mitarbeitern und Lieferanten sei ihm untersagt worden, so dass er sozial isoliert worden sei. Die berufliche Zukunft sei für den Beschwerdeführer ungewiss, er leide an Hilflosig
keit und Hoffnungs
losigkeit. Darü
ber hinaus hätten bei unauffälliger Konsistenz
prüfung Interesse- und Freud
verlust, Antriebsmangel, Verlust des Selbst
wertgefühls, wiederkehrende Suizid
gedanken, vermindertes Konzentra
tions
ver
mögen und Schlaf-/Appetit
stö
rungen fest
gestellt werden können. Damit seien die diagnostischen Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode erfüllt. Die depressive Episode habe sich aus einer Anpassungsstörung nach dem aus Sicht des Beschwerdeführers unge
rechten und hinterrücks eingefädelten Verlust seiner Firma entwickelt. Eine post
trauma
tische Belastungsstörung und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrem
belastung könnten nicht fest
gestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit für die angestammte Tätig
keit und eine 80%ige Arbeitsun
fähigkeit für eine angepasste Tätigkeit. Der Be
schwer
deführer werde seit etwa Juli 2013 psycho- und
pharmakotherapeutisch
(wöch
ent
liche Konsultation mit stützender und
psychoedukativer
Verhaltens
therapie, Johanniskrautpräparat) behandelt. Aus gutachterlicher Sicht sei nach mehr als sechs Monaten Behandlung ohne wesentliche Besserung der Sympto
matik ein Ausbau der anti
depressiven Medi
kation angezeigt. Sollte nach weiteren vier bis fünf Monaten keine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik erkennbar sein, wäre eine stationäre Behandlung zu erwägen (
Urk.
2/
6/22/15-18).
3.3
Dem polydisziplinären Gutachten der
Medas
C.___
vom 11. September 2015 (
Urk.
2/
6/59
) können folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit entnommen werden (
Urk.
2/
6/59/19):
-
sonstige Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8)
-
«
leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0), zus. Zwangsgedanken
»
Als Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter folgende (
Urk.
2/
6/59/19):
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
,
kleines Residuum eines Hämatoms lumbal
durch Unfall vom 14. März 2012,
anamnes
tisch
intertriginöses
Ekzem bei bekannter
Atopie
,
Rhinokonjunktivitis
pollinosa
und
allergica
,
i
nhalative
und Haut
-(
Rötungen, Juckreiz), Manifestationen durch Tierepithelien
,
beg
innende
Acne
rosacea
im Gesicht,
P
igmentnaevi
,
anamnes
tisch Herpes
labialis
.
Zur Arbeitsfähigkeit ist dem Gutachten zu entnehmen, diese betrage in der ange
stammten Tätigkeit als Geschäftsführer 50 %; bei 50 % Leistung und 8,5 Stunden Präsenzzeit. In einer Verweistätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit ebenfalls 50 % bei 50%iger Leistung und
8,5stündiger Präsenz
(
Urk.
2/
6/59/20)
. In dieser sollten jedoch
aus psychiatrischer Sicht
besondere emotionale Belas
tungsfaktoren und Arbeiten unter Zeitdruck vermieden werden. Auch ansonsten g
ä
lten die im Fähig
keitsprofil beschriebenen Einschränkungen (
Urk.
2/
6/59/19). Die Arbeitsfähigkeit sei psychiatrisch bedingt. Es sei zu erwarten, dass der Beschwerdefü
hrer ab 2016 sowohl in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit wieder
zu
100
%
arbeitsfähig sein werde. Bis auf die stationä
ren Aufenthalte wegen des Unfalls (nicht psychiatrisch bedingt) habe auch retrospektiv eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
seit März 2012 bestanden, zunächst aus orthopädischen, dann aus psy
chiatrischen Gründen. Der Beschwerdeführer sei bis August 2013 rein ortho
pä
disch von der Uniklinik
D.___
zu 20
%
krankgeschrieben gewesen. Anschlies
send hätten keine weiteren Kontrollen dort mehr stattgefunden. Rein ortho
pä
disc
h sei zu postulieren, dass der Beschwerde
führer ab September 2013 100
%
arbeits
fähig gewesen sei. Aus inter
nisti
scher, neurologischer und dermatologischer Sicht habe nie eine Arbeitsun
fähig
keit bestanden. Die berichteten Symptome auf der Grundlage des objektivierba
ren psychischen Gesundheitsleidens hätten gegen
wärtig einen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers, jedoch werde die weitere Therapie überwiegend wahrscheinlich helfen, die noch besteh
enden subjektiven Beein
trächtigungen zu lindern und dadurch einer
Chronifi
zierung
entgegenwirken. Spätestens nach Ablauf von sechs Monaten sei aus psyc
hiatrischer Sicht mit einer vollen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (
Urk.
2/
6/59/20).
Die Gutachter hielten
im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung
zudem fest,
aus orthopädischer Sicht bestehe ein Zustand nach Motorradunfall mit
Kontu
sion der Lendenwirbelsäule
und
beider Knie
vom März 2012
(
Urk.
2/
6/59/15).
Der Beschwerdeführer
berichte
über chronische Schmerzen über dem Steissbein, ab
hängig von Belastung, Position und Wetter. Auch ein Druck und die Position spiele eine Rolle. Auf einer Schmerzskala 0-10 habe
d
er
Beschwerdeführer jeweils
Schmerzen von Stärke 5 und
8.
Von Seiten der Kniekontusionen sei er beschwer
defrei. Die Behandlung im
D.___
sei seit zwei Monaten abge
schlossen. Klinisch finde sich ein
normaler orthopädischer Status bis auf eine lokale
Druckdolenz
im Bereiche des linken
Iliosakralgelenks
, wo auch eine ca. 5cm grosse kleine Schwellung bestehe. Die Lendenwirbelsäule sei normal beweglich und es fänden sich keine
radikulären
Zeichen. Daneben finde sich eine lokale
Druckdolenz
im Bereiche des medialen Gelenkspaltes links bei Status nach
Synovitis
des linken Knies vor vielen Jahren
(
Urk.
2/
6/59/16)
. Das Hämatom mit der Kapsel habe sich gegenüber der Voruntersuchung
(vgl.
Urk.
2/
6/59/5-6)
vollständig aufgelöst, res
p
ektive
sei nicht mehr nachweisbar. Die Diskusdege
neration L5/S1 sei stabil seit der Voruntersuchung. Das rechte Knie sei radiolo
gisch altersentsprechend mit leichten degenerativen Veränderungen. Die Beschwerden des Beschwerdeführers seien entsprechend schwer nachvollzieh
bar. Auf Grund der genannten Probleme bestehe folgendes Zumutbarkeitsprofi
l
: Arbeiten in gebückter Haltung seien nicht zumutbar, wie auch Arbeiten mit Zwangspositionen des Oberkörpers und aus
schliesslich sitzende Arbeit. Das Heben und Tragen von schweren Lasten über 25
kg sei nicht zumutbar. Entspre
chend bestehe zur angestammten Arbeit als Geschäftsführer mit überwiegend administrativer Arbeit wechselbelastend keine Inkongruenz
und somit
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Auch in einer Verweis
tätigkeit im Rahmen des Zumutbarkeit
sprofils bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2/
6/59/16). Versi
cherungsmedizinisch liege im
dermato-allergologischen
Bereich eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der
atopischen
Dia
these mit
allergisch-in
halativen
und
ekzematoiden
Symptomen vor. Arbeiten mit Kontakt zu
inhalati
ven
Allergenen sowie Arbeiten im feuchten, chemisch oder mechanisch
irritativen
Milieu sollten gemieden werden. Unter Berücksichtigung des Fähig
keitsprofils lägen keine absehbaren zukünftigen Einschränkungen vor (
Urk.
2/
6/59/16-17).
Der aktuelle neurologische Untersuchungsbefund sei im Wesentlichen unauffällig gewesen. Aus rein neurologischer Sicht fänd
en sich keine Einschränkungen, weder für die angestammte noch für eine mögliche Ver
weistätigkeit. Aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht ergebe sich aktuell kein als versicherungsmedizinisch relevant einzustufender Befund. Ins
gesamt ergebe sich zum jetzigen Zeitpunk
t aus allgemeinmedizinisch-internis
tischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2/
6/59/17).
Zur aktuellen psychiatrischen Beurteilung
hielten die Gutachter fest, es s
ei nach dem erlittenen Unfall beim Beschwerdeführer zu einer akuten Belastungs
reaktion gekommen, später sei wegen der Erkrankung und der gesundheitlichen Komplika
tionen mit psychosozialen Auswirkungen, speziell dem Verlust des Arbeitsplatzes in der eigenen Firma, eine Anpassungsstörung aufgetreten. Der neuere Begriff der
„genuinen Belastungsstörung
“
wäre für die Situation des Beschwerdeführers durchaus zutreffender. Dieser Begriff sei konzeptionell für die Neufassung der ICD-11 vorgesehen. Dabei handle es sich um Kernsymptome wie Fehlanpassung,
Intrusionen, unzureichende Erholungsfähigkeit, Konzentra
tionsprobleme und fer
ner Problem- und Personenvermeidung. Auch könnten Begleitsymptome wie Angst, depressive Stimmung und Impulskontrollprobleme bestehen. Die Zeitkri
terien lägen allerdings unverändert bei sechs Monaten bis zwei Jahren. Aktuell sei von der Diagnose einer sonstigen Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8) auszuge
h
en. Eine
posttraumatische Belastungsstörung
könne gemäss der ICD-Definition nicht diagnostiziert werden. Allerdings bestehe beim Beschwerde
führer eine leichte depressive Störung, jedoch ohne Anhalt für eine Persönlich
keitsänderung nach Extrembelastung, wie dies früher postuliert worden sei. Beim Beschwerdeführer sei von einer vorwiegend
anan
kastischen
Persönlichkeits
struktur auszuge
h
en, die im Rahmen des Unfallge
schehens und der danach eingetre
tenen psychosozialen Belastungen eine Akzen
tuierung erfahren habe. Diese ent
spreche allerdings nicht einer Persön
lichkeitsstörung per definitionem
(
Urk.
2/
6/59/17-18)
.
Dem Gutachten kann sodann
entnommen werden, orthopädisch sei er bereits seit einem Jahr nicht mehr in Behandlung. Die angegebenen Beschwerden hätten klinisch und radiologisch kein entsprechendes Substrat gefunden und hätten entsprechend nur teilweise nachvollzogen werden können. Ansonsten aber seien die Angaben zum Beschwerdebild und zum bisherigen Verlauf durchaus konsi
stent gewesen, es hätten sich keine Anhaltspunkte für das Vor
liegen einer Aggra
vation oder gar Simulation ergeben, wenn auch die aktuelle diagnostische Ein
schätzung nicht den früheren Hypothesen entspreche (
Urk.
2/
6/59/18).
Zum Fähigkeitsprofil hielten die Gutachter fest, stärkere
psychische Anfor
derun
gen unter Stressbedingungen könnten mit Leistungseinbussen ein
her
gehen, diese Fertigkeiten und die Resilienz müssten in der nahen Zukunft wieder eingeübt werden. Die Kommunikation erscheine beim Beschwerdeführer durch die leichte Reiz
barkeit und Ungeduld noch eingeschränkt. Hierzu würde sich eine Behand
lung mit stimmungsstabilisierenden Psychopharmaka anbieten, dieser stehe der Beschwerdeführer gegenwärtig aber noch kritisch gegenüber (
Urk.
2/
6/59/18).
P
rog
nostisch sei in therapeutischer Hinsicht zu erwarten, dass
im Rahmen einer psy
chia
trischen/
psychotherapeutischen Behandlung unter Einbe
zug von Psycho
pharmaka die traumatischen Erlebnisse, jedoch auch die negati
ven psychoso
zia
len Faktoren, entsprechend gezielt behandelt und dadurch suk
zessive rückläufig sein w
ü
rden. Unter
einer Intensivierung der Therapie, speziell der Gabe eines Psy
chopharmakons sei mit einer Verbesserung der Gesamtsitua
tion spätestens nach Ablauf von sechs Monaten zu rechnen. Die Modifizierung der Therapie würde zugleich auch einer
Chronifizierung
entgegenwirken. Dabei sei besonders zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner sehr umfassenden beruf
lichen Ausbildung und Erfahrung insgesamt über sehr gute Ressourcen verfüge, die jedoch gegenwärtig nicht zum Tragen kommen würden (
Urk.
2/
6/59/19).
4.
4.1
4.1.1
Gemäss E. 4.2.1 des Urteils IV.2017.01174 beruht das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
C.___
vom 11. September 2015 (Urk. 2/6/59) auf den erforderlichen
allseitigen Untersuchungen (orthopädisch, neurologisch, dermatologisch, allge
mein-
internistisch, psychiatrisch), wurde in Kenntnis der und Auseinander
setz
ung mit den
Vorakten
erstattet und berücksichtigt die geklagten Beschwerden.
4.1.2
Wie in E. 4.2.2 des Urteils IV.2016.01174 festgehalten, stellten die MEDAS-Gut
achter hinsichtlich des somatischen Gesundheitszustandes
weder in neurolo
gischer, noch in allgemein-internistischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit fest. Laut der Beurteilung des dermatologischen und des orthopädischen Experten führen in dermatologischer Hinsicht die
atopische
Diathese mit aller
gisch-
inhalativen
und
ekzemat
oi
den
Symptomen und in orthopädischer Hinsicht die Schmerzsituation lumbal nach dem Unfall vom 14. März 2012 zu einer Ein
schränkung im Zumutbarkeitsprofil: Dermatologisch müssen
Tätigkeiten mit Kontakt zu
inhalativen
Allergenen (Pollen, Pflanzen, Tierepithelien, Mehle, Haus
staubmilbe u.a.) sowie Arbeiten im feuchten Milieu bzw. mit Kontakt zu Chemi
kalien, sonstigen aggressiven Sub
stanzen oder solche mit mechanisch-
irritativer
Hautbelastung
ge
mi
e
den
werden. Aus orthopädischer Sicht sind
Arbeiten in gebückter Haltung wie auch Arbeiten mit Zwangspositionen des Oberkörpers und a
usschliesslich sitzende Arbeit sowie
auch das Heben und Tragen von schweren Lasten über 20kg,
nicht zumutbar. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht seit September 2013 in der bisherigen sowie in anderen ange
passten Tätigkeiten wieder zu 100 % arbeitsfähig sei. Diese Beurteilung erscheint aufgrund der erhobenen somatischen Befunde nachvoll
ziehbar und überzeugend. Sie wurde denn von ihm auch nicht in Frage gestellt.
Zur gutachterlichen Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes wurde in E. 4.4.1–2 des Urteils IV.2016.01174 Folgendes festgehalten:
«
Soweit die Gutachter der
Medas
C.___
dem Beschwerdeführer bereits seit dem Unfall
(März 2012) bis zur Kündigung (
Mai 2013
)
eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit (von 50
%
) attestierten, ist zu bemerken, dass sich der Be
schwerdeführer
gemäss
Aktenlage erstmals im Juni 2013 dazu veranlasst sah, aus psychischen Gründen seine Hausärztin resp.
Dr.
A.___
aufzusuchen, wobei ihm
diese erst ab dem 10. Juni 2013 (Hausärztin) resp. ab dem 6. August 2013 (Dr.
A.___
) aus psychischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit attestierten (
Urk.
2/
6/10 und 6/29).
Dr.
A.___
führte dabei in seinem Bericht an die Beschwer
degegnerin vom 13. August 2014 unter dem
Titel
«
Anamnese
»
lediglich
«
Verlust der ganzen Existenz durch Mobbing als CEO
»
an. Von vorbestehenden psychi
schen Problemen ist darin – wie auch im Bericht von Dr.
A.___
vom 1
7.
Oktober 2013 (
Urk.
2/
6/10) – nicht die Rede (
Urk.
2/
6/29). Auch der Beschwer
deführer selbst hat in der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 15. November 2013 (
Urk.
2/
6/5/3), ge
genüber der
E.___
AG (Assess
ment-Bericht vom 16. November 2013,
Urk.
2/
6/15/6-10, insbesondere
Urk.
2/
6/15/9) und gegenüber Dr.
B.___
(
Urk.
2/
6/22/11) nur auf die seit dem 10. Juni 2013 resp. die seit der Kündigung bestehenden psychischen Beeinträchtigungen hingewiesen.
Es deutet demnach nichts darauf hin, dass bereits vor der Kündigung Ende Mai 2013 eine erhebliche psychische Problematik bestanden haben könnte.
Laut der – einlässlich begründeten - Beurteilung von Dr.
B.___
in seinem psy
chiatri
schen Gutachten vom 2. Juni 2014 (vgl. E. 3.2) führte der aus Sicht des Beschwerdeführers
ungerechte und hinterrücks eingefädelte Verlust seiner Firma
(Kündigung Ende Mai 2013)
zu einer Anpassungsstö
rung (ICD-10 F43.2), aus welcher
sich unter der anhaltenden Belastung der rechtlichen Auseinan
der
setzung und dem weiteren Verlust von sozialen Kontakten und Vermögens
werten eine
mittelgradig
depressive Episode
mit somatischem Syndrom (
I
CD-10 F32.11, vgl.
Urk.
2/
6/22/15
) entwickelt
e
, als Ausdruck von anhaltender Resigna
tion und Ohnmachtserleben (
Urk.
2/
6/22/16)
. Eine posttraumatische Belastungs
störung (ICD-10
F43.1) sowie eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembe
lastung (UCD-10 F62.0) schloss Dr.
B.___
– ebenfalls mit einlässlicher Begrün
dung – aus (
Urk.
2/
6/22/17).
Auch gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr
.
F.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, von der
Medas
C.___
entwickelte der Beschwer
deführer (unter anderem) aufgrund des arbeitsplatzbezogenen Konflikts eine (von
ihm nicht kodierte) Anpassungsstörung, wobei Dr.
F.___
dazu bemerkte, dass der
Begriff
«
genuine
Belastungsstörung
»
(mit Kernsymptomen: wie Fehlan
passung, Intrusionen, unzureichender Erholungsfähigkeit und ferner Problem- und Perso
nen
vermeidung sowie Begleitsymptomen wie: Angst, depressive Stimmung und Impulskontrollstörung) gemäss der in Bearbeitung stehenden Neufassung der ICD-11 für die Situation des Beschwerdeführers zutreffender wäre. Unter Hinweis darauf, dass die Zeitkriterien bei der
«
genuinen Belas
tungsstörung
»
unverändert
(
vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Stö
rungen; ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnosti
sche Leit
linien, 10. Auflage 2015, S. 209-210
)
bei sechs Monaten bis zwei Jahren lägen, diagnostizierte er
«
aktuell
»
eine sonstige Reaktion auf schwere Belastung (ICD
10 F43.8). Zusätzlich bestand laut Dr.
F.___
im Zeitpunkt der Begutachtung eine leichte depressive Störung, jedoch keine posttraumatische Belastungsstörung und keine Persönlichkeits
ände
rung nach Extrembelastung (
Urk.
2/
6/59/50).
Im Weiteren ist dem Gutachten der
Medas
C.___
zwar zu entnehmen, dass die vom Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung angegebenen Defizite im Bereich der Mobilität aus somatischer Sicht nicht nachvollzogen werden können (
Urk.
2/
6/59/9,
Urk. 2/
6/59/16 und
Urk.
2/
6/59/50). Eine betreffende psychiatrische Diagnose (beispielsweise aus dem Formenkreis der somatoformen Schmerzstö
rungen [ICD-10 F45]) wurde jedoch nicht gestellt. Dies wurde vom Beschwer
deführer nicht bemängelt, weshalb sich weitere Ausführungen dazu
erübrigen.
»
4.1.3
Die vorstehend wiedergegebenen Erwägungen des Urteils IV.2016.01174 gaben im Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht zu keinen Bemerkungen Anlass (Urk. 11, Urk. 1 S. 3–4).
4.1.4
Gemäss Bundesgericht
ist – einzig – zu prüfen, ob
d
as von der Beschwerde
geg
nerin beigezogene Gutachten der MEDAS vom 11. September 2015
–
gegebenen
falls im Kontext mit
den vorliegenden
weiteren fachärztlichen Berichten
–
eine schlüssige Beurteilung aufgrund der Indikatoren erlaubt und gegebenenfalls, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Angaben anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.2; vgl. zur Beweiswürdigung auch BGE 144 V 50 E. 4.3).
4.2
4.2.1
Das Bundesgericht hat die
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psy
chischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143
V 418, 143 V 409, 1
41 V 281)
wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
4.2.2
Im MEDAS-Gutachten vom 11. September 2015 wurde (unter Verweis auf das in der Folge als BGE 141 V 281 publizierte Urteil des Bundesgerichts 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015) festgehalten, dass die im Fragenkatalog des RAD gewünschte Diskussion der Förster-Kriterien entfalle. Im Hinblick auf die
Indikatorenliste
sei zudem festzustellen, dass versicherungspsychiatrisch eine schwerwiegende psy
chische Störung vorliege, welche auch weiterer Behandlung bedürfe, darunter aber eine gute Prognose zu erwarten sei. Hinsichtlich der Persönlichkeit sei beim Beschwerdeführer von einer
anankastischen
Persönlichkeitsstruktur auszugehen, welche im Rahmen des Unfallgeschehens und der danach eingetretenen psycho
sozialen Belastungen eine Akzentuierung erfahren habe. Auch liege kein Anhalt für eine Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung vor, wie dies früher fest
gehalten worden sei. Relevante Inkonsistenzen bestünden nicht (Urk. 2/6/59/21).
D
ie MEDAS-Gutachter nahmen demnach
auf die
Indikatoren Bezug, allerdings im Sinne
einer Bestätigung des Ergebnisses und nicht zwecks dessen Herleitung.
Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen, finden sich im MEDAS Gutachten
verschiedene weitere Aussagen zu den
massgebenden
Standardindikatoren. Da
mit enthält dieses
Gutachten die für die Beurteilung erforderlichen Angaben, auch wenn es nicht in allen Teilen den
mit BGE 141 V 281
definierten Vorgaben an ein strukturiertes Beweisverfahren folgte
.
4.3
4.3.1
Hinsichtlich der Kategorie «funktioneller Schweregrad», Komplex «Gesundheits
schädigung», ist zum Aspekt der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
festzuhalten, dass die MEDAS-Gutachter "die psychische Störung" zwar als "schwe
r
wiegend" bezeichneten (Urk. 2/6/59/21). Der psychiatrische Gutachter beschrieb aber unter dem Titel "Psychischer Befund" nur eine leicht schwankende Aufmerksamkeit und Konzentration, abhängig von der jeweiligen Affektlage, eine leichte Affektlabilität, einen leicht reduzierten Antrieb,
anankastische
Ten
den
zen, eine gewisse Rigidität im Denken und Handeln sowie leichte Zwangs
gedanken, ansonsten aber unauffällige Befunde (Urk. 6/59/48). Im Rahmen der von ihm vorgenommenen "medizinischen und versicherungsmedizinischen Beur
teilung" (Urk. 2/6/59/49-50) machte er zum Schweregrad der sonstigen Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8) keine konkreten Angaben; er bemerkte aber, dass eine posttraumatische Belastungsstörung nicht diagnostiziert werden könne. Die von ihm zudem diagnostizierte depressive Episode stufte er als "leicht" ein; ein Anhalt für eine Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung besteht
gemäss
seinen Angaben nicht (Urk. 2/6/59/50). Zu beachten ist sodann, dass die MEDAS-Gutachter (wie zuvor auch Dr.
B.___
, vgl. E. 3.2) den arbeitsplatzbe
zogenen Konflikt und damit einen psychosozialen Belastungsfaktor als symptom
aus
lösend und –aufrechterhaltend bewerteten (vgl. E. 4.1.2; vgl. auch
Urk.
2/6/59/24 und Urk. 2/6/59/19 [Prognose]). Soweit soziale Belastungsfak
toren
direkt negative funktionellen Auswirkungen zeitigen, bleiben sie aber
gemäss
BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 und E. 4.3.3 bei der Beurteilung des funktionellen Schweregrades nach wie vor ausgeklammert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_628/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 4.5.2).
Es ist daher jedenfalls von einer eher geringen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde auszugehen.
Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
resi
stenz
» ist
vorab
darauf hinzuweisen
, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben seit 1. Januar 2016 wieder in der Lage war, eine volle Arbeits
fähigkeit zu verwerten (Urk. 1 S. 11). Zuvor hatte er sich
zwar seit August 2013 einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung bei Dr.
A.___
unterzogen
und einen
phytopharmakologischen
Behandlungsversuch
(Johanniskraut
prä
parat
)
unternommen (
Urk.
2/
6/59/22 und
Urk.
2/
6/22/18). Er nahm aber laut seinen eigenen Angaben nie Psychopharmaka ein (
Urk.
2/
6/59/47) und war auch nie in
(teil-)stationärer Behandlung (
Urk.
2/
6/59/20). Sowohl Dr.
B.___
(Ausbau der antidepressiven Medikation mit Psychopharmaka und allenfalls eine stationäre Behandlung
;
Urk.
2/
6/22/18-19)
als auch
die
Gutachter der
Medas
C.___
(
Urk.
2/
6/59/22)
erwarteten unter einer Intensivierung der Therapie, speziell unter
Gabe eines
Psychopharmakons, eine Verbesserung der Gesamtsituation.
Von einer
Ausschöpfung
der Therapieoptionen
sowie einer Therapieresistenz
kann vorlie
gend
deshalb
nicht die Rede
sein.
Die besagten Behandlungsbemühungen weisen zwar auf einen vorhandenen psychischen Leidensdruck hin, lassen diesen aber nicht als ausgeprägt erscheinen.
Zum Indikator
«Komorbiditäten»
ist zu bemerken, dass das strukturierte Beweis
verfahren auf einer ergebnisoffenen Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der Wechselwirkungen basiert. Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1 [Präzisierung der Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3]).
Vorliegend bestehen aufgrund des MEDAS-Gutachtens
keine beson
deren Hin
weise darauf, dass die sonstige Reaktion auf schwere Belastung durch die leichte depressive Episode akzentuiert worden sein könnte
.
Gleiches gilt für die weiteren von den Gutachtern gestellten (gemäss ihrer Beurteilung die Arbeitsfähigkeit [quantitativ] nicht beeinträchtigenden) Diagnosen
(
Urk. 2/6/59/19).
Zur diagnostizierten Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) ist festzu
halten
, dass Z-Diagnosen
nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheits
schadens
fallen
(vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_558/2015 vom 22.
Dezember 2015 E. 4.2.4). Allerdings kann ein solcher Faktor den Gesundheitszustand und das Leistungsvermögen ebenfalls beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 5.3 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E.
4.3.2).
Vorliegend hielt der psychiatrische Gutachter bezüglich der Persönlich
keit des Beschwerdeführers fest, dass die Primärpersönlichkeit durch
anankas
tische
Tendenzen gekennzeichnet sei. Er wirke jedoch auch empfindsam und ver
letzlich, aber auch zuverlässig, sorgfältig und diszipliniert. Er scheine irritiert, wenn sein etablierter Rhythmus gestört werde. Dies scheine sich wohl auf seine Flexibilität nachteilig auszuwirken (Urk. 2/6/59/48). Dies lässt darauf schliessen, dass sich die Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers zwar teilweise eher ressourcenhemmend auswirkt. Es sind aber auch Anteile vorhanden, welche als positive Ressourcen imponieren.
Hinsichtlich der Persönlichkeit gilt es
zudem
anzumerken, dass der psychiatrische Gutachter
feststellte, es bestünden
keine St
örung der Ich-Funktionen
und keine Persönlichkeitsstörung, Sucht oder wahnhafte Störungsbilder
(
Urk.
2/
6/59/48)
.
Beim «sozialen Kontext»
bleiben – wie dargelegt -
soziale Belastungen na
ch wie vor ausgeklammert
, sofern sie
– wie hier -
direkt negative funktionelle Folgen zeitigen. Andererseits sind positive Lebensumstände, welche (mobilisierende) Ressourcen darstellen, einzubeziehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.3).
Der Beschwer
deführer gab gegenüber dem psychiatrischen Gutachter zwar an, nach dem Unfall verschiedene Kontakte zu Freunden verloren zu haben, da er sich etwas zurück
gezogen habe (
Urk.
2/
6/59/46)
. Der Gutachter stellte jedoch auch fest, dass der Beschwerdeführer seit 2011 in erster Ehe verheiratet ist
und
mindestens einen guten Freund hat (
Urk.
2/
6/59/46-47)
. Zudem pflegt
er
diverse Hobbys respektive Alltagstätigkeiten (Singen
, Internetrecherchen, Lesen, Fernsehen
, Wochenend
akti
vitäten
).
Fitness betreibt der Beschwerdeführer nicht mehr, da die Versiche
rung diese nicht mehr bezahlt (
Urk.
2/
6/59/32).
Des Weiteren kocht der Be
schwer
deführer zusammen mit seiner Ehefrau
(
Urk.
2/
6/59/47)
.
Ausserdem hielt der psychiatrische Gutachter zu dessen Persönlichkeit, wie bereits erwähnt, fest, dass er zuverlässig, sorgfältig und diszipliniert sei (Urk. 2/6/59/48).
Beim Beschwerde
führer sind mithin
beträchtliche
Ressourcen im Bereich Persönlichkeit und sozialer Kont
ex
t vorhanden
(
zu den einzelnen Alltagsbeschäftigungen vgl.
auch
Urk.
2/
6/59/19
,
Urk.
2/
6/59/37
,
Urk.
2/
6/59/41
,
Urk.
2/
6/59/46
-47
)
.
4.3.2
Alsdann ist den Akten zur Kategorie «Konsistenz»
zwar
zu entnehmen, die An
gaben des Beschwerdeführers zum Beschwerdebild und zum bisherigen Verlauf seien konsistent gewesen und es hätten sich keine Anhaltspunkt
e
für das Vorlie
gen einer Aggravation oder gar Simulation ergeben (
Urk.
2/
6/59/50).
Klinisch und radiologisch konnten die angegebenen Beschwerden in orthopädischer Hin
sicht allerdings nur teilweise nachvollzogen werden
(
Urk.
2/
6/59/18)
.
Zu vermer
ken ist
zudem
, dass der Beschwerdeführer trotz geklagter erheblicher psychischer Beeinträchtigungen zu keinem Zeitpunkt Psychopharmaka zu sich nahm
. In psychotherapeutischer Hinsicht nahm er einzig eine
ambulante Behandlung in Anspruch
.
Dies, obwohl Dr.
B.___
im genannten Gutachten vom 2. Juni 2014 den Ausbau der antidepressiven Medikation mit Psychopharmaka und allenfalls eine stationäre Behandlung empfohlen hatte (
Urk.
2/
6/22/18-19).
D
ie nicht ausge
schöpften Therapieoptionen deuten nicht auf einen ausgeprägten Leidens
druck hin (
Urk. 2/
6/59/47,
Urk. 2/
6/22/18-19).
Angesichts der durch
die
Gutach
ter vorge
nom
me
ne
n
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von
immerhin
50
%
ergibt sich auch mit Blick auf die Alltagsgestaltung ein inkonsistentes Bild, da letztere
den Ein
druck
eines
überwiegend
unbeeinträchtigten Alltages vermittelt.
4.3.3
Demzufolge sind unter Berücksichtigung der massgeblichen Standardindikatoren (insbesondere
einer geringen Ausprägung
der diagnostizierten Gesundheits
schädigung bei Vorliegen
beträchtlich
er Ressourcen
,
deutliches
Optimierungspo
tential in therapeutischer Hinsicht und
vorhandene Inkonsistenzen
) mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der sonstigen Reak
tion auf schwere Belastung sowie der leichten depressiven Episode mit zusätz
li
chen Zwangsgedanken erstellt, weshalb
im relevanten Zeitraum (vgl. E. 4.1 des Urteils IV.2016.01174, Urk. 9 S. 11)
aus psychiatrischer Sicht
zu keiner Zeit
von einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden auszu
gehen ist.
5.
Zusammenfassend erweist es sich damit als rechtens, dass die Beschwerde
gegnerin
in der angefochtenen Verfügung
einen Rentenanspruch des Beschwer
de
führers verneint hat. Die Beschwerde ist daher unbegründet und abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Holger Hügel
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHausammann