# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8351c65f-ec59-59b3-b025-55064d338e46
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.04.2025 D-3783/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3783-2022_2025-04-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3783/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter Gérald Bovier, 

Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), alias 

A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch MLaw Mato Nujic, (…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug;  

beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 9. August 2022 / N (…). 

 

 

 

 

D-3783/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 2. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. Dabei gab er an, er sei am (…) geboren. 

A.b Im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung beziehungsweise Ver-

trauensperson fand am 6. Juli 2022 die sogenannte Erstbefragung für un-

begleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) statt. Am 29. Juli 2022 

wurde der Beschwerdeführer ebenfalls in Anwesenheit der Rechtsvertre-

tung zu seinen Fluchtgründen angehört. 

Dabei brachte er vor, er sei afghanischer Staatsangehöriger, ethnischer 

Hazara aus B._______ (Distrikt C._______, Provinz D._______) und habe 

bis kurz vor seiner Ausreise die Schule besucht. Sein Vater habe beim na-

tionalen Sicherheitsdienst gearbeitet und sei dabei für die Überwachungs-

kameras in Gefängnissen sowie für die Reparatur von Funkgeräten zustän-

dig gewesen. Für seine Arbeit sei er in den verschiedenen Distrikten der 

Provinz D._______ unterwegs gewesen und habe dabei Informationen 

über die Gefangenen gesammelt. Im Jahr 2018 habe er im Auftrag des 

Sicherheitschefs ein Video über eine Operation der Sicherheitskräfte in 

D._______ gedreht. Darin seien sowohl die Opfer auf der eigenen Seite 

als auch getötete Taliban gezeigt worden; ausserdem sei im Abspann des 

Films der Name des Vaters vermerkt worden. Nach der Veröffentlichung 

des Videos habe sein Vater Anrufe erhalten, in welchen ihm und der gan-

zen Familie mit dem Tod gedroht worden sei. Weitere Gründe für die Dro-

hungen seien seine Ethnie und sein schiitischer Glaube gewesen. 

Nach der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 seien alle 

(früheren) Regierungsmitarbeiter aufgefordert worden, sich zu stellen, an-

sonsten ihre Söhne mitgenommen würden. Als die Taliban in die Provinz 

D._______ vorgedrungen seien, habe sich die Familie zur Ausreise ent-

schlossen. Sie hätten sich nach E._______ begeben, wo sie von der Suche 

der Taliban in ihrem Dorf erfahren hätten, und seien dann zwei Tage später 

via F._______ nach Pakistan gereist. Nach ihrer Ankunft hätten sie ver-

nommen, dass in der Heimat elf Arbeitskollegen des Vaters getötet worden 

seien und weiterhin nach dem Vater beziehungsweise nach der ganzen 

Familie gesucht werde. Während seine Eltern und seine drei jüngeren Ge-

schwister zunächst in Pakistan geblieben seien, sei er (der Beschwerde-

führer) via Iran, Türkei, Griechenland und Italien in die Schweiz gereist. 

Mittlerweile lebten seine Familie sowie auch ein Onkel väterlicherseits, wel-

cher in Afghanistan bei der militärischen Spezialeinheit (…) gedient habe 

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Seite 3 

und dessen Leben in der Heimat ebenfalls in Gefahr sei, illegal im Iran. Ein 

weiterer Onkel väterlicherseits befinde sich in der Schweiz; über dessen 

Ausreisegründe wisse er nichts. Er selber befürchte, bei einer allfälligen 

Rückkehr nach Afghanistan enthauptet zu werden. 

A.c Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens gab der Beschwerdeführer 

– jeweils in Kopie – verschiedene Dokumente im Zusammenhang mit den 

Arbeitstätigkeiten seines Vaters und seines Onkels sowie – im Original – 

Kurs- und Ausbildungszertifikate und eine berufliche Auszeichnung für sei-

nen Vater zu den Akten. Ausserdem nannte er den Link zum von seinem 

Vater erstellten, auf "Youtube" veröffentlichten Video; das Video wurde an-

lässlich der Anhörung vom 29. Juli 2022 gesichtet und es wurde dazu eine 

Aktennotiz erstellt. 

A.d Am 5. August 2022 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer be-

ziehungsweise seiner damaligen Rechtsvertreterin den Entwurf des Asyl-

entscheids und liess ihm die entscheidwesentlichen Akten zukommen. 

A.e Der Beschwerdeführer nahm dazu noch am gleichen Tag Stellung. 

B.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 9. August 2022 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, 

schob den Vollzug der Wegweisung jedoch wegen Unzumutbarkeit zu-

gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

C.  

Mit Eingabe vom 31. August 2022 erhob der Beschwerdeführer durch 

seine damalige Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde. In dieser wurde beantragt, die Dispositivziffern 1–3 der Verfü-

gung des SEM vom 9. August 2022 seien aufzuheben, es sei die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu ge-

währen; eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 

Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche Pro-

zessführung zu gewähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses 

abzusehen. 

D.  

Am 1. September 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

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Seite 4 

E.  

Die Instruktionsrichterin hielt mit Verfügung vom 9. September 2022 fest, 

der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz 

abwarten, wobei die Vorinstanz ohnehin die vorläufige Aufnahme verfügt 

habe. Sodann teilte sie ihm mit, über das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung werde zu einem späteren Zeitpunkt befun-

den; auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werde indes einstweilen 

verzichtet. 

F.  

F.a Am 16. Februar 2024 beantwortete die Instruktionsrichterin eine An-

frage betreffend den Erledigungszeitpunkt des Beschwerdeverfahrens und 

forderte den Beschwerdeführer gleichzeitig auf, dem Bundesverwaltungs-

gericht bis zum 4. März 2024 seine aktuellen finanziellen Verhältnisse dar-

zulegen und zu belegen; bei ungenutzter Frist werde davon ausgegangen, 

dass aktuell keine prozessuale Bedürftigkeit des Beschwerdeführers vor-

liege. 

F.b Mit Eingabe vom 6. März 2024 reichte der Beschwerdeführer verschie-

dene Unterlagen betreffend seine finanziellen Verhältnisse sowie Ausbil-

dungssituation (neben einem Unterstützungsbudget von (…) eine Bestäti-

gung des (…) über den Besuch des Integrationsjahrs für fremdsprachige 

Jugendliche und junge Erwachsene mit entsprechender Praktikumsverein-

barung sowie eine Meldung der Aufnahme und Beendigung einer Erwerbs-

tätigkeit) ein. Aufgrund dieser Unterlagen ging die Instruktionsrichterin – 

wie sie mit Schreiben vom 8. März 2024 festhielt – von der nach wie vor 

bestehenden prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers aus. 

G.  

G.a Am 26. Januar 2025 übermittelte die Instruktionsrichterin die Akten an 

das SEM und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. 

G.b Mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2025 nahm das SEM zur der Be-

schwerde Stellung, wobei es sich insbesondere auch zu den darin enthal-

tenen formellen Rügen äusserte, und verwies im Übrigen auf seine Erwä-

gungen in der angefochtenen Verfügung, an denen es vollumfänglich fest-

halte. 

G.c In der Replik vom 24. Februar 2025 nahm der Beschwerdeführer zur 

Vernehmlassung des SEM Stellung und teilte dem Bundesverwal-

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Seite 5 

tungsgericht gleichzeitig einen Wechsel in der Rechtsvertretung (Entzug 

des Mandats von […] und Mandatierung von […]) mit. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen 

im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verord-

nung Asyl, SR 142.318; aufgehoben per 15. Dezember 2023]; Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. 

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Seite 6 

3.1.1 Vorab weist das SEM darauf hin, gemäss den Aussagen des Be-

schwerdeführers habe sein Vater das Video über einen Einsatz der Sicher-

heitskräfte bereits im Jahr 2018 erstellt. In welchem Zeitraum der Vater 

dann aber bedroht worden sei, erschliesse sich aus den Angaben des Be-

schwerdeführers jedoch nicht. Der Beschwerdeführer habe lediglich wie-

derholt gesagt, die Drohungen hätten nach der Veröffentlichung des Videos 

begonnen, wobei er aber deren Zeitpunkt nicht kennen würde. Auf die 

Frage, wieviel Zeit bis zur Ausreise vergangen sei, nachdem er persönlich 

von den Drohungen erfahren habe, habe er erklärt, sich nicht daran erin-

nern zu können, da es schon länger her sei. Er wisse auch nicht, ob die 

Familie nach Erhalt der Anrufe Sicherheitsmassnahmen ergriffen habe. 

Durch diese Aussagen erschliesse sich nicht, ob die angeblichen Drohan-

rufe zum Zeitpunkt der Ausreise noch aktuell gewesen seien, und es lasse 

sich auch kein Bild über die Intensität der geschilderten Bedrohungslage 

machen, zumal nicht bekannt sei, wie lange der Vater die geschilderte Be-

drohungslage habe ertrage müssen. Konkret danach gefragt, was er nach 

der Veröffentlichung des Videos persönlich mitbekommen habe, habe der 

Beschwerdeführer zunächst lediglich angegeben, dass sein Vater nichts 

davon erzählt habe, weil er (der Beschwerdeführer) noch jung gewesen 

sei, was wiederum keinen Aufschluss über die angeblichen Umstände 

gebe. Betreffend den Moment, an dem er von den Drohanrufen erfahre 

habe, habe er ein Gespräch zwischen seinen Eltern erwähnt; er sei aus 

dem Zimmer geschickt worden und habe dieses Gespräch nur belauschen 

können. Nach dem Anruf habe sich aber die Gesichtsfarbe des Vaters ver-

ändert und der Vater habe der Mutter gesagt, dass er seit Veröffentlichung 

des Videos telefonische Drohungen erhalte; weitere Details habe er (der 

Beschwerdeführer) nicht nennen können, und er habe auch keine Angaben 

zur Reaktion der Mutter machen können. Anhand dieser sich lediglich wie-

derholenden Aussagen könne indes noch nicht auf eine erlebnisbasierte 

Schilderung geschlossen werden. Im Übrigen habe der Beschwerdeführer 

angegeben, erst in Schweiz mehr über die damaligen Drohungen erfahren 

zu haben, dabei aber auf entsprechende Nachfrage hin auch keine weite-

ren Informationen zu diesen Drohungen und dem konkreten Adressaten-

kreis derselben preisgeben können. 

Die Vorinstanz befindet im Weiteren, die Aussagen des Beschwerdeführers 

zum Tag der Ausreise aus Afghanistan (der Vater habe ein Auto organisiert 

und es sei plötzlich passiert; alle Menschen, die für die Behörden gearbei-

tet hätten, seien in Gefahr gewesen) wirkten pauschal und zeugten nicht 

davon, dass die Familie nebst der Machtübernahme durch die Taliban und 

der geltend gemachten Tätigkeit des Vaters weitere Gründe für das 

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Verlassen des Landes (wie etwa eine bereits vorbestehende Bedrohungs-

lage) gehabt hätte. Danach gefragt, was ihm bei der plötzlichen Ausreise 

durch den Kopf gegangen sei, habe der Beschwerdeführer bloss erklärt, 

keine speziellen Gedanken gehabt zu haben, beziehungsweise – auf noch-

malige Nachfrage hin – er habe gedacht, sein Vater arbeite ja für die Si-

cherheit, also sei auch das Leben der Familie nicht in Gefahr. Diese Schil-

derung zeuge ebenfalls nicht davon, dass der Beschwerdeführer zuvor be-

reits etwas von einer konkreten Bedrohungssituation miterlebt hätte, was 

den Eindruck, die erwähnten Drohanrufe seien insgesamt nicht glaubhaft, 

verstärke. 

3.1.2 Sodann erachtet das SEM weitere Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers als nicht flüchtlingsrechtlich relevant. Vorliegend könne weder davon 

ausgegangen werden, dass er persönlich bereits schwerwiegende Nach-

teile erlitten habe, noch dass ihm solche drohen könnten. Dass die Taliban 

einst gedroht hätten, das Blut der ganzen Familie zu vergiessen, könne mit 

Verweis auf die vorstehenden Ausführungen aufgrund der diesbezüglich 

unsubstanziierten Angaben des Beschwerdeführers nicht geglaubt wer-

den. Weiter lägen auch keine Hinweise dafür vor, dass man ihm persönlich 

ein oppositionelles Profil unterstellen könnte oder dass er bereits in einen 

spezifischen Fokus der Taliban gelangt wäre. Zwar habe er angegeben, ein 

Nachbar habe berichtet, dass nach der Familie gesucht worden sei; mehr 

wisse er darüber nicht. Gleichzeitig habe er gesagt, dass die Taliban auch 

nach ihrer Ausreise aus Afghanistan mehrfach bei ihrem Haus aufgetaucht 

seien; weitere Angaben habe er indes auch dazu nicht machen können, 

weshalb nicht erstellt sei, dass die Taliban überhaupt je konkret nach dem 

Vater gesucht hätten. Im Übrigen sollten sich die Grosseltern sowie zwei 

Tanten väterlicherseits nach wie vor im Heimatort des Beschwerdeführers 

befinden, was ebenfalls nicht für eine massgebliches Verfolgungs- bezie-

hungsweise Reflexverfolgungsinteresse spreche. 

Danach gefragt, wieso er annehme, dass die Söhne aller Personen, wel-

che für die Regierung gearbeitet hätten und sich nicht den Taliban stellten, 

mitgenommen würden, habe der Beschwerdeführer auf das Beispiel eines 

Arbeitskollegen seines Vaters verwiesen, dessen 12-jähriger Sohn nach 

der Flucht des Vaters von den Taliban mitgenommen und gefoltert worden 

sei. Allein gestützt auf diese Angaben und ohne weitere Hintergrund-infor-

mationen (etwa zum Rang dieses Arbeitskollegen) könne ebenfalls kein 

Risikoprofil abgeleitet werden. An dieser Einschätzung ändere auch das 

Vorbringen, es seien elf Personen, welche am selben Ort wie sein Vater 

gearbeitet hätten, getötet worden, nichts, zumal der Beschwerdeführer 

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über diesen Vorfall auch nichts Genaueres habe berichten können. Anhand 

seiner Angaben könne nicht auf ein ausgeprägtes Risikoprofil seines Va-

ters geschlossen werden. Sein Vater habe den Dienstgrad eines "Thoran" 

gehabt und für die Aufklärung gearbeitet, was allein noch kein Verfolgungs-

interesse zu begründen vermöge. Auch der Umstand, dass es zu seinem 

Aufgabenbereich gehört habe, Videos aufzunehmen und Funkgeräte zu 

reparieren, weise noch nicht auf ein eindeutig verschärftes Risikoprofil hin. 

In Bezug auf die eingereichten Beweismittel (Unterlagen betreffend die 

Ausbildung und den Beruf des Vaters sowie des angeblich noch im Iran 

lebenden Onkels [G._______]) hält das SEM fest, diese vermöchten eben-

falls keine persönliche Bedrohungssituation des Beschwerdeführers zu be-

legen, zumal er auch keine näheren Angaben zu den Ausreisegründen des 

Onkels habe machen können. Zum anlässlich der Anhörung gesichteten 

Video führt es aus, die Filmaufnahmen zeigten militärische Fahrzeuge, 

zahlreiche Personen und Leichen, wobei der Film gemäss den Angaben 

des Beschwerdeführers mit einem Lied unterlegt werde, welches zur Ver-

einigung aller Ethnien für ein Afghanistan aufrufe, und im Abspann der 

Name des Vaters ersichtlich sei. Der Umstand, dass sein Vater für die Film-

aufnahmen aus dem Jahr 2018 verantwortlich gewesen sei, vermöge indes 

die Einschätzung, es könne nicht von einer persönlichen Verfolgungsfurcht 

ausgegangen werden, nicht zu verändern. Im Übrigen sei das Dossier des 

in der Schweiz ansässigen Onkels (H._______; vorinstanzliche Akten 

N […]) konsultiert worden, wobei sich daraus ebenfalls keine Anhalts-

punkte für eine Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers ergeben wür-

den. 

Schliesslich stellt die Vorinstanz in Bezug auf die ethnische Zugehörigkeit 

des Beschwerdeführers fest, gemäss gefestigter Rechtssprechung seien 

die hohen Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung für 

schiitische Hazara in Afghanistan nicht gegeben. 

3.1.3 Zum Inhalt der Stellungnahme zum Entscheidentwurf (im Wesentli-

chen wurde darin – mit der Bemerkung, aufgrund der kurzen Frist für die 

Stellungnahme sei es nicht möglich, auf alle Unglaubhaftigkeitselemente 

einzugehen – an den gemachten Aussagen, insbesondere auch an der be-

fürchteten Reflexverfolgung, festgehalten und im Weiteren darauf hinge-

wiesen, das vom Vater des Beschwerdeführers produzierte und auf 

"YouTube" veröffentlichte Video könne durchaus als Unterstützungshand-

lung für die Gegner der Taliban gewertet werden, zudem habe die Vor- 

instanz weder das jugendliche Alter des Beschwerdeführers angemessen 

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berücksichtigt noch genau abgeklärt, inwiefern dieser aufgrund seiner eth-

nischen Zugehörigkeit sehr wohl Nachteile erlitten habe) erwägt das SEM, 

der Beschwerdeführer hätte sehr wohl seinem Alter entsprechend über 

Drohungen und die daraus resultierende Furcht vor Verfolgung berichten 

können. Seine Angaben erschienen jedoch zu pauschal, als dass sie etwas 

an der Einschätzung des SEM zu ändern vermöchten. Nachdem der Stel-

lungnahme gar keine Auseinandersetzung mit der Glaubhaftigkeitsprüfung 

entnommen werden könne, werde auf die vorstehenden Ausführungen ver-

wiesen. Sodann würden die Angaben, wonach der Vater ein Video veröf-

fentlicht und schon vor vier Jahren Drohungen durch die Taliban erhalten 

habe, weder für eine Reflexverfolgung noch für ein aktuelles Verfolgungs-

interesse sprechen. Schliesslich bemerkt die Vorinstanz zu den Rügen, die 

Annahme einer Kollektivverfolgung sei zu Unrecht verneint worden und es 

sei nicht auf die Äusserung, die Taliban hätten ihn auch als Hazara töten 

wollen, eingegangen worden, es hätten sich weitere Fragen zu allfälligen 

Erlebnissen aufgrund der Ethnie des Beschwerdeführers erübrigt, nach-

dem bereits die Angaben zu den Drohungen der Taliban als nicht glaubhaft 

erachtet worden seien. Darüber hinaus wäre es die Aufgabe des Be-

schwerdeführers gewesen, von sich aus einen Zusammenhang zwischen 

seiner Ethnie und einer Verfolgungsfurcht darzulegen. 

3.2 In der Beschwerdeschrift wird der anlässlich der Anhörung geschilderte 

Sachverhalt wiederholt und an dessen Wahrheitsgehalt festgehalten. Des 

Weiteren wird gerügt, die angebliche Unglaubhaftigkeit der die Drohungen 

durch die Taliban betreffenden Vorbringen sei unzureichend begründet 

worden; insbesondere erhelle aufgrund der Ausführungen der Vorinstanz 

nicht, inwiefern die Aussagen des Beschwerdeführers unsubstanziiert ge-

wesen sein sollen. Auch sei das SEM etwa nicht näher auf die Tätigkeit des 

Onkels bei der Spezialeinheit eingegangen. Das jugendliche Alter des Be-

schwerdeführers sei nicht berücksichtigt, die Kriterien zur Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit starr angewendet und seine Vorbringen einseitig zu seinen 

Ungunsten beurteilt worden. Da die Vorinstanz zu Unrecht von der Un-

glaubhaftigkeit der Aussagen betreffend die erhaltenen Drohungen aus-

gehe, könnte die Rüge des rechtlichen Gehörs angesichts des zugunsten 

des Beschwerdeführers anfallenden Ergebnisses geheilt werden. Sodann 

wird geltend gemacht, aus den Aussagen des Beschwerdeführers gehe 

klar hervor, dass die Drohanrufe, welche sein Vater nach der Veröffentli-

chung des Videos im Jahr 2018 erhalten habe, regelmässig bis zur Aus-

reise im August 2021 erfolgt seien. Bei der Beurteilung der Aussagen 

müsse berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer damals noch 

sehr jung gewesen sei und der Vater seine Familie nicht habe beunruhigen 

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wollen. Gestützt auf allgemeine Darlegungen zum Begriff der Asylrelevanz, 

zur Frage einer möglichen Reflexverfolgung und zum Risikoprofil von für 

afghanische Sicherheitsbehörden tätigen Personen wird weiter dargelegt, 

durch die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel sei er-

stellt, dass der Vater und der Onkel des Beschwerdeführers für die Sicher-

heitskräfte der afghanischen Regierung gearbeitet hätten, wobei der Onkel 

bei einer der elitärsten und am besten ausgebildeten Einheiten im Kampf 

gegen die Taliban gewesen sei. Nachdem der Vater überdies ein Video 

über eine Operation gegen die Taliban veröffentlicht habe, weise die ge-

samte Familie ein politisches Profil auf und falle unter die Gruppe mit er-

höhtem Risikoprofil. Dies gelte umso mehr, als die Taliban auch nach dem 

Verlassen ihres Heimatdorfes in ihrem Haus nach ihnen gesucht habe. 

3.3 In seiner Vernehmlassung führt das SEM vorab aus, die Tatsache, dass 

die Rechtsvertretung bezüglich der Glaubhaftigkeit relevanter Vorbringen 

zu einer anderen Einschätzung gelange als das SEM, bedeute noch keine 

Gehörsverletzung. Eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung sei offen-

sichtlich ebenfalls möglich gewesen, weshalb auch keine Verletzung der 

Begründungspflicht vorliegen dürfte. Im Weiteren verweist das SEM so-

wohl in Bezug auf die Frage der Glaubhaftigkeit als auch auf diejenige der 

Asylrelevanz auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung; die 

vorliegende Beschwerdeschrift vermöge an der dort gemachten Einschät-

zung nichts zu ändern. 

3.4 Der Beschwerdeführer hält in der Replik an den in der Beschwerde-

schrift geäusserten Rügen und Ausführungen (insbesondere an den Vor-

bringen, er sei aufgrund der Tätigkeiten seines Vaters und seines Onkels 

in asylrechtlich relevanter Weise [reflex-]verfolgt) fest. Im Weiteren wird der 

Standpunkt vertreten, die beanstandete Verletzung des rechtlichen Gehörs 

habe sich – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – nicht auf Meinungs-

unterschiede betreffend die Glaubhaftigkeit der Vorbringen bezogen, son-

dern auf den Umstand, dass das SEM bei der Beurteilung der Glaubhaf-

tigkeit auf wesentliche Punkte nicht eingegangen sei und somit eine sach-

gerechte Anfechtung nicht ermöglicht habe. Ausserdem sei anzumerken, 

dass der Beschwerdeführer zwei geflüchtete Onkel habe, wobei sich einer 

im Iran und der andere in der Schweiz aufhalte, das SEM es aber nach wie 

vor versäumt habe, ihn zum ersten Onkel, der sich im Iran befinde, zu be-

fragen. 

 

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Seite 11 

4.  

4.1 Soweit in der Beschwerde formelle Rügen erhoben werden, sind diese 

vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorin-

stanzlichen Verfügung zu bewirken. 

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der 

Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in 

ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich 

ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-

einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt 

(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

4.3 Dem Beschwerdeführer wurde in der Anhörung vom 29. Juli 2022 ein-

gehend Gelegenheit zur Darlegung seiner Fluchtgründe gegeben; dabei 

wurden korrekterweise immer wieder vertiefende Fragen gestellt (so etwa 

auch zu seinem im Iran wohnhaften Onkel [vgl. SEM-Akten {…}-22 zu F83 

f.]) sowie auch allfällige Unklarheiten beseitigt. Sodann wurde ihm mit der 

Zustellung des Entscheidentwurfs die Möglichkeit gegeben, ergänzende 

Angaben zu machen. In der Folge hat die Vorinstanz in ihrer angefochte-

nen Verfügung in nachvollziehbarer und differenzierter Art und Weise auf-

gezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess. Sie hat sich mit 

sämtlichen wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers (insbeson-

dere auch mit denjenigen in der Stellungnahme vom 5. August 2022) und 

auch mit den eingereichten Beweismitteln auseinandergesetzt; eine sach-

gerechte Anfechtung war dadurch ohne Weiteres möglich. Wie die Vorin-

stanz in ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 2025 ausführt, lässt allein 

der Umstand, dass sie die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht so be-

urteilt wie von ihm gewünscht, weder auf eine Verletzung des Untersu-

chungsgrundsatzes noch auf eine unrichtige oder unvollständige Sachver-

haltsfeststellung noch auf eine Verletzung der Begründungspflicht schlies-

sen. Vielmehr handelt es sich dabei um eine materielle Frage, welche 

nachfolgend zu prüfen ist. 

4.4 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfü-

gung aufzuheben. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz (Rechtsbegehren Ziff. 2) ist abzuweisen. 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

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Seite 12 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum 

Schluss, dass das SEM in seiner Verfügung im Ergebnis zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und dessen Asyl-

gesuch abgelehnt hat. 

6.2  

6.2.1 Vorab ist allerdings festzuhalten, dass sich das Bundesverwaltungs-

gericht nur bedingt der Auffassung der Vorinstanz anschliessen kann, die 

Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit nicht stand. Zwar sind seine anlässlich der Anhörung ge-

machten Ausführungen – wie in der angefochtenen Verfügung eingehend 

dargelegt – in der Tat in verschiedener Hinsicht vage, unsubstanziiert und 

pauschal ausgefallen. Dabei ist aber darauf hinzuweisen, dass der Be-

schwerdeführer – was auch von der Vorinstanz (trotz des Umstands, dass 

auf einer Meldung der Grenzwache vom 29. März 2022 der […] als sein 

Geburtsdatum vermerkt wurde) nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen 

D-3783/2022 

Seite 13 

wurde – zum Zeitpunkt der Stellung des Asylgesuchs noch minderjährig 

war und er zudem gemäss seiner Darstellung nur einen Anruf selber miter-

lebt hatte. Es scheint deshalb durchaus nachvollziehbar, dass er zwar im 

Nachhinein Kenntnis von allfälligen Drohanrufen erlangte, nicht jedoch von 

deren genauerem Inhalt und Zeitpunkt. Aus den Angaben des Beschwer-

deführers ergibt sich aber, dass sich der Vater – bis zu der sich abzeich-

nenden Machtübernahme durch die Taliban – offenbar zu keinerlei für den 

Beschwerdeführer erkennbaren Sicherheitsmassnahmen veranlasst sah 

(vgl. SEM-Akten […]-22 zu F55). Ob die – auch auf entsprechende Nach-

frage hin noch – dürftigen Angaben allein mit dem jungen Alter des Be-

schwerdeführers erklärt und damit auch die Zweifel an der geltend ge-

machten Verfolgungssituation beseitigt werden können, kann vorliegend 

jedoch offen bleiben. Für den Beschwerdeentscheid ist nämlich die im Zeit-

punkt seiner Ausfällung bestehende Aktenlage massgeblich (vgl. BVGE 

2012/21 E. 5.1 sowie zum Ganzen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LO-

RENZ KNEUBÜHLER/MARTIN KAYSER, Prozessierung vor dem Bundesverwal-

tungsgericht, Basel 2022, Rz. 2.204 ff.). Selbst wenn man seiner Familie 

und insbesondere seinem Vater für den Zeitpunkt der Ausreise eine sub-

jektive Verfolgungsfurcht zuerkennen wollte, genügten – wie nachstehend 

(E. 6.2.2) ausgeführt – seine Vorbringen heute selbst unter der Annahme 

ihrer Glaubhaftigkeit den Anforderungen an die flüchtlingsrechtliche Rele-

vanz nicht. 

6.2.2 In Bezug auf die Frage der asylrechtlichen Relevanz kann – zur Ver-

meidung von Wiederholungen – mit den nachfolgenden Bemerkungen be-

ziehungsweise Ergänzungen auf die sehr ausführlichen Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Zusammenfassung der entsprechenden 

Erwägungen in E. 3.1.2 des vorliegenden Urteils), da es dem Beschwerde-

führer nicht gelingt, diesen etwas Stichhaltiges entgegenzusetzen. 

Vorab ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer bis zur Ausreise ge-

mäss eigenen Angaben nie persönlich von den Taliban angegangen wor-

den ist (vgl. SEM-Akten […]-22 F29). Zur Frage des Vorliegens begründe-

ter Furcht vor künftiger Verfolgung angesichts eines Risikoprofils bei afgha-

nischen Staatsangehörigen kann sodann auf die zutreffenden Ausführun-

gen des SEM und die diesbezügliche Rechtsprechung verwiesen werden 

(vgl. statt vieler etwa das Urteil des BVGer E-4255/2023 vom 10. Januar 

2025 E. 8.3).  

Weiter ergibt sich aus den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Un-

terlagen, dass sowohl der Vater als auch der im Iran lebende Onkel 

D-3783/2022 

Seite 14 

(G._______) des Beschwerdeführers für die frühere afghanische Regie-

rung beziehungsweise für deren Sicherheitskräfte tätig waren. Während 

G._______ gemäss dem in Kopie eingereichten Polizeiausweis den Rang 

eines "Non-commissioned Officer" (NCO) beziehungsweise eines Unterof-

fizieres bekleidet hat (wobei aber nicht erkennbar wäre, dass er in einer 

Spezialeinheit gedient haben könnte [vgl. SEM-Akten {…}-22 zu F84]), ist 

aus den den Vater des Beschwerdeführers (Dur Mohammad) betreffenden 

Dokumenten lediglich ersichtlich, dass dieser im Dienst des afghanischen 

Staates beziehungsweise des National Directorate of Security (NDS) ge-

standen, ab dem Jahr 2011 Ausbildungen absolviert sowie Auszeichnun-

gen (für einen besuchten Computerkurs sowie allgemein für seine Arbeit) 

erhalten hat und zum Tragen einer Waffe befugt war. Eine konkrete Tätig-

keit oder ein militärischer/polizeilicher Rang sind nicht ersichtlich; insbe-

sondere ist durch die eingereichten Dokumente auch nicht erstellt, dass 

der Vater des Beschwerdeführers im Rang eines "Thoran" (beziehungs-

weise "Turan", was dem Rang eines Hauptmanns entspricht) gestanden 

wäre. Ebenso wenig ist aus den zu den Akten gegebenen Unterlagen er-

sichtlich, dass sich die aufgrund ihrer Tätigkeiten für die damalige afghani-

sche Regierung beim Vater oder beim im Iran lebenden Onkel des Be-

schwerdeführers bestehende abstrakte Gefährdung aufgrund eines erhöh-

ten Risikoprofils individuell konkretisiert hätte (vgl. das Urteil des BVGer 

D-2118/2022 vom 2. September 2022 E. 4.3.2). Daran vermag auch der 

Umstand nichts zu ändern, dass im Abspann des im Jahr 2018 produzier-

ten Videos der Name des Vaters ersichtlich ist. Zwar soll der Vater bezie-

hungsweise die Familie nach dem Weggang im Heimatdorf mehrmals ge-

sucht worden sein, Hinweise auf eine intensive und nachhaltige Suche lie-

gen jedoch nicht vor. Das SEM hat denn auch zutreffend darauf hingewie-

sen, dass nach wie vor Familienangehörige im Heimatdorf wohnhaft sind 

(vgl. auch SEM-Akten […]-22 F10 ff.). Demnach ist das Vorliegen einer per-

sönlichen begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor einer Reflexver-

folgung aus heutiger Sicht zu verneinen. Im Übrigen kann der Beschwer-

deführer auch aus dem Umstand, dass sich ein weiterer Onkel väterlicher-

seits in der Schweiz aufhält, nichts zu seinen Gunsten ableiten; H._______ 

ist bereits im Jahr 2015, mithin sechs Jahre vor der Machtübernahme der 

Taliban, in die Schweiz eingereist; sein Asylgesuch wurde ebenfalls abge-

lehnt, wobei am 5. Februar 2020 der Vollzug der Wegweisung wegen Un-

zumutbarkeit angeordnet wurde. 

Schliesslich ist – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung, 

der Beschwerdeführer werde auch aufgrund seiner Ethnie von den Taliban 

verfolgt – trotz ihrer schwierigen Situation seit der Machtübernahme der 

D-3783/2022 

Seite 15 

Taliban nach wie vor nicht von einer Kollektivverfolgung von Hazara in Af-

ghanistan auszugehen (vgl. etwa Urteil des BVGer D-1904/2021 vom 

27. November 2024 E. 6.3 m.w.H.). Nachdem den Akten kein konkretes 

Verfolgungsinteresse der Taliban an seiner Person entnommen werden 

kann, vermag auch die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Ethnie 

der Hazara keine zusätzliche Gefährdung im Sinne des Asylgesetzes zu 

begründen. 

6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor-

bringen des Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine asyl- bezie-

hungsweise flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung beziehungsweise – 

für den (hypothetischen) Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat – eine ent-

sprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Die Vorinstanz hat deshalb 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abge-

lehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.2 Da das SEM in seiner Verfügung vom 9. August 2022 die vorläufige 

Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss 

Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

D-3783/2022 

Seite 16 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Das bisher nicht behan-

delte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist gut-

zuheissen, da die Begehren nicht von vornherein aussichtslos waren und 

aufgrund der Akten – trotz zeitweiser Erwerbstätigkeit und Praktikumsein-

satz – weiterhin von der (zumindest teilweisen) Bedürftigkeit des Be-

schwerdeführers auszugehen ist. Es sind ihm deshalb keine Verfahrens-

kosten aufzuerlegen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3783/2022 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Kathrin Mangold Horni 

 

 

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