# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d5c48e4-d258-5961-816e-c1345de4d4ff
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.05.2007 D-2516/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2516-2007_2007-05-18.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2516/2007
{T 0/2}

Urteil vom 18. Mai 2007

Mitwirkung: Richterin Spälti Giannakitsas, Richter Huber, Wespi
                   Gerichtsschreiber Weber

X._______, geboren _______, Afghanistan, 
wohnhaft _______,

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,

Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 8. März 2007 i.S. Asyl und Wegweisung / _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat nach eigenen Angaben im No-
vember  oder  Dezember  2001  und  lebte  fortan  bei  einem  Onkel  in 
_______/Pakistan. Von Pakistan, Iran, der Türkei und ihm unbekannten Ländern 
her kommend, gelangte er am 30. April 2005 in die Schweiz, wo er gleichentags 
um  Asyl  nachsuchte.  Am  13.  Mai  2005  wurde  er  im  Transitzentrum  _______ 
summarisch  befragt.  Für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  er  dem  Kanton 
_______  zugewiesen.  Am  14.  Juni  2005  führte  die  kantonale  Behörde  eine 
Anhörung durch. 

B. Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  -  ein  Paschtune  aus 
_______ - im Wesentlichen geltend, seine beiden Brüder hätten die Taliban unter-
stützt.  Nach  dem  Sturz  des  Taliban-Regimes  im  Jahre  2001  sei  einer  seiner 
Brüder getötet worden, der andere sei seither verschollen.  Aus Angst,  durch die 
Feinde seiner Brüder, welche ihn kennen würden und in Afghanistan problemlos 
ausfindig  machen  könnten,  umgebracht  zu  werden,  und  wegen  der  generellen 
Situation  vor  Ort  sei  er  zusammen  mit  seiner  Mutter  wenig  später 
(November/Dezember 2001) nach Pakistan geflohen. 

C. Mit Verfügung vom 8. März 2007 - eröffnet am 14. März 2007 - stellte das Bundes-
amt fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte 
das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Es begründete 
seinen ablehnenden Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines 
Persönlichkeitsprofils  und  in  Anbetracht  des  politischen  Umschwungs  sowie  der 
Stabilisierung der Situation vor Ort keine asylrelevanten Nachteile seitens der neu-
en  Machthaber  wegen  der  Taliban-Unterstützung  durch  seine  Brüder  zu 
befürchten  habe.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete  die  Vorinstanz  für 
zulässig, zumutbar und möglich. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers lebten 
Verwandte  von  ihm  in  _______,  weshalb  von  einem  sozialen  Beziehungsnetz 
auszugehen  sei.  Der  Umstand,  wonach  er  in  Afghanistan  und  in  Pakistan  als 
Schneider und Teppichknüpfer gearbeitet habe, lasse darauf schliessen, dass er 
sich in schwierigen Lebenssituationen zu behaupten wisse. 

D. Mit Beschwerde vom 6. April 2007 (Datum des Poststempels) beantragte der Be-
schwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung  des  angefochte-
nen Entscheids und die Asylgewährung. Eventualiter sei die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen; subeventualiter sei die Unzulässigkeit  und die Unzumutbarkeit  des Weg-
weisungsvollzugs  festzustellen  und die vorläufige  Aufnahme anzuordnen.  Es sei 
auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche 
Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  zu  gewähren.  Zur  Begründung 
wurde  vorgebracht,  es  sei  in  _______  allgemein  bekannt,  dass  die  Brüder  des 
Beschwerdeführers  für  die  Taliban  gearbeitet  hätten.  Im  Falle  seiner  Rückkehr 
nach _______ würde er erkannt und als Mitglied einer vormals talibanfreundlichen 

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Familie  entsprechend  behelligt  werden.  Es  sei  landesweit  mit  drastischen 
Massnahmen seitens der staatlichen Behörden zu rechnen. Ein allfälliger Vollzug 
der Wegweisung würde sodann gegen die relevanten gesetzlichen Bestimmungen 
verstossen.  Er  verfüge  weder  über  einen  Schulabschluss  noch  eine 
Berufsausbildung.  Die  Arbeitslosigkeit  in  _______  sei  sehr  gross.  Ein  familiäres 
Netz  bestehe  nicht.  Seine  einzige  Verwandte  vor  Ort  -  eine  Tante  -  sei  vor 
ungefähr  einem  Jahr  aus  _______  nach  Pakistan  geflohen.  Somit  wäre  er  in 
_______ auf sich alleine gestellt und würde kaum eine Unterkunft finden. 

E. Mit  Zwischenverfügung vom 13.  April  2007 hiess  das Bundesverwaltungsgericht 
das  Gesuch  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gut  und  verzichtete  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F. Mit Vernehmlassung vom 18. April 2007 hielt das Bundesamt an seiner Verfügung 
vollumfänglich  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Stel-
lungnahme der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer  am 19.  April  2007 zur 
Kenntnisnahme übermittelt. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art.  31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 
173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen 
nach  Art.  5  VwVG,  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als 
Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehö-
ren Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, 
SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; der Beschwerdeführer ist le-
gitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist mit-
hin einzutreten.

3.

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. 
Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimat-
staat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät,  Zugehörigkeit  zu einer  bestimmten sozialen Gruppe oder  wegen ihrer  politi-
schen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gel-
ten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, 
die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumin-

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dest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht,  wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  für gegeben hält.  Unglaubhaft 
sind insbesondere  Vorbringen,  die in  wesentlichen Punkten zu wenig  begründet 
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeb-
lich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

4.

4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Bundesamt gehe zu Unrecht von der fehlenden 
Asylrelevanz  der  Vorbringen aus  und verkenne  die  prekäre  Situation  in  seinem 
Heimatland. 

4.2 Dieser Einschätzung kann nicht gefolgt werden. Unbesehen der Frage, ob die Dar-
legungen des Beschwerdeführers im Asylpunkt den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  überhaupt  zu  genügen  vermögen,  weist  die 
Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass sich der Beschwerdeführer eigenen Angaben 
zufolge nie politisch betätigt hat. Auch den Akten kann jedenfalls nicht entnommen 
werden, dass er sich durch Aktivitäten zugunsten der Taliban persönlich exponiert 
hätte; demzufolge weist er schon aus diesem Grund kein Persönlichkeitsprofil auf, 
welches auf eine mögliche Gefährdung durch staatliche Behörden in Afghanistan 
hindeuten  würde  (vgl.  dazu  auch  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission/EMARK  2003  Nr.  10  E.  8c  S.  64).  Vor 
diesem Hintergrund erscheint auch die Furcht des Beschwerdeführers vor privaten 
Racheakten  nicht  als  objektiv  begründet,  zumal  er  diesbezüglich  nur  sehr  vage 
bleibt.  Nicht  alle,  die die Taliban unterstützten,  haben Racheakte zu befürchten. 
Die begründete Furcht des Beschwerdeführers vor asylrelevanter Verfolgung ist in 
Anbetracht der Fallumstände zu verneinen. 

4.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausfüh-
rungen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts 
ändern  können.  Unter  Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt,  dass der 
Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft ma-
chen konnte.  Das Bundesamt hat  sein Asylgesuch zu Recht  abgelehnt,  und die 
eventualiter beantragte, aber nicht näher begründete Rückweisung der Sache an 
die Vorinstanz kommt nicht in Betracht. 

5.

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; da-
bei  ist  der Grundsatz der Einheit  der Familie  zu berücksichtigen (Art.  44 Abs.  1 
AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zu-
mutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli-
chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art.  14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt 
und Niederlassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20]). 

5.2 Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in 
den Heimatstaat noch in einen Drittstaat verbracht werden kann. Er ist nicht zuläs-
sig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Aus-
länders in seinen Heimat-,  Herkunfts-  oder einen Drittstaat  entgegenstehen.  Der 
Vollzug kann insbesondere nicht zumutbar sein, wenn er für den Ausländer eine 

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konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 ANAG).

5.3 Niemand darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in 
dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 
AsylG gefährdet ist oder in dem die Gefahr besteht,  dass er zur Ausreise in ein 
solches Land gezwungen wird (Art. 5 Abs. 1 AsylG).

5.4 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember  1984 gegen Folter  und andere  grausame,  unmenschliche oder  erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon-
vention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 
1950 (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder ernied-
rigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.5 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-
sung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: So-
bald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar 
zu betrachten und die weitere Anwesenheit  in der Schweiz gemäss den Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl.  EMARK 2001 Nr. 1 E. 6a 
S. 2, 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f.).

6. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine fremdenpolizeiliche Aufenthaltsbe-
willigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde 
demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.

7.1 Aus  humanitären  Gründen,  nicht  in  Erfüllung  völkerrechtlicher  Pflichten  der 
Schweiz, wird auf den Vollzug der Wegweisung verzichtet, wenn die Rückkehr in 
den Heimatstaat für den Betroffenen eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine sol-
che  kann  angesichts  der  im  Heimatland  herrschenden  allgemeinen  politischen 
Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Ge-
walt  kennzeichnet,  oder aufgrund anderer Gefahrenmomente,  wie beispielsweise 
des Fehlens einer notwendigen medizinischen Behandlung, angenommen werden 
(vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, 
BBl 1990 II 668).

7.2 In ihrem unter EMARK 2006 Nr. 9 publizierten Urteil nahm die ARK aufgrund der 
politischen Entwicklung seit  dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahre 2001 eine 
differenzierte Lagebeurteilung vor und prüfte nach EMARK 2003 Nr. 10 und 30 er-
neut  die Zumutbarkeit  des Vollzugs  der  Wegweisung  nach Afghanistan.  Zusam-
menfassend kam sie dabei zum Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung nur in 
Regionen als zumutbar zu bezeichnen sei, in denen seit 2004 keine bedeutenden 
militärischen  Aktivitäten  mehr  zu  verzeichnen  seien  oder  keine  dauernde 
Instabilität  bestehe.  Darunter  fallen die Provinz Kabul  (vgl.  bereits EMARK 2003 
Nr.  10),  die  nördlich  der  Hauptstadt  gelegenen  Provinzen  Parwan,  Baghlan, 
Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  die  Gebiete  um Samangan,  die 
nicht  zum  Hazarajat  gehörten  (traditionelles  Siedlungsgebiet  der  Hazara,  vgl. 
EMARK 2003 Nr. 30 E. 7a S. 193) sowie die Provinz Herat im Westen des Landes. 
Der Vollzug der Wegweisung sei nur für Personen als zumutbar zu erachten, die 
aus  diesen  Regionen  stammten  oder  dort  über  ein  tragfähiges  Familien-  oder 

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Beziehungsnetz  verfügten  und  das  Existenzminimum  und  die  Wohnsituation 
gesichert seien (vgl. dazu EMARK 2003 Nr. 10 E. 10b.cc S. 68, Nr. 30 E. 7b S. 
193 f.). Die entsprechende Lagebeurteilung behält auch heute ihre Gültigkeit. Die 
Situation  insbesondere  in  _______  ist,  geprägt  durch  den  Zustrom  interner 
Flüchtlinge,  nach  wie  vor  sehr  angespannt.  Es  mangelt  an  Wohnraum, 
Arbeitsplätzen und medizinischer Versorgung;  staatliche oder internationale Hilfe 
kann nur sehr eingeschränkt erteilt werden. Wer nicht über familiäre oder andere 
soziale  Schutzmechanismen  verfügt,  dem  ist  die  erfolgreiche  Reintegration 
praktisch  verwehrt.  Die  generelle  Sicherheitslage  in  Afghanistan  kann  sodann 
aktuell  nicht  als  wesentlich  verbessert  bezeichnet  werden.  So  haben  die  Nato-
Truppen am 6. März 2007 eine breit angelegte Frühlingsoffensive eingeleitet; das 
unmittelbare  Ziel  sei  die  Verbesserung  der  Sicherheitslage.  Es soll  sich  um die 
grösste Aktion der Truppen seit dem Jahr 2002 handeln (NZZ vom 7. März 2007). 
Es  kommt  jedoch  auch  weiterhin  regelmässig  zu  gewaltsamen  Zwischenfällen, 
denen  zahlreiche  Zivilisten  zum  Opfer  fallen.  Ende  April  2007  ereigneten  sich 
zudem im bisher ruhigen Westen des Landes heftige Kämpfe (NZZ vom 14. März 
und 2. Mai 2007). 

7.3 Der  Beschwerdeführer  hat  eigenen  Angaben  zufolge  seit  seiner  Kindheit  in 
_______  gelebt,  wohin  der  Wegweisungsvollzug  gemäss  oben  stehenden 
Ausführungen  grundsätzlich  in  Betracht  kommt.  Er  gab  indes  an,  seine  Eltern 
seien verstorben  (A 1/9, S. 1). Seine einzige Verwandte im Heimatland sei eine in 
Kabul  wohnhafte  Tante  (A  1/9,  S.  1;  A  8/19,  S.  5).  Die  Erwägung  des 
Bundesamtes  im  angefochtenen  Entscheid,  der  Beschwerdeführer  verfüge  in 
_______  nach wie  vor  über  ein  tragfähiges  soziales Netz,  ist  entsprechend  nur 
sehr  bedingt  nachvollziehbar.  Dies  umso  weniger,  als  allein  die  Herkunft  aus 
_______ angesichts der langjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen, die zur 
Zersplitterung zahlreicher  Clans und Sippschaften geführt  haben,  noch nicht  auf 
effektive familiäre Strukturen schliessen lässt. Der Beschwerdeführer hat _______ 
bereits  vor  sechs  Jahren  verlassen.  Besagte  Tante  sei  gemäss 
Beschwerdevorbringen mittlerweile ausser Landes geflohen. Insgesamt lässt sich 
aus den Akten nicht  erkennen,  dass der Beschwerdeführer in _______ über ein 
tragfähiges  familiäres  oder  soziales  Netz  verfügt.  Im  Weiteren  verfügt  der 
Beschwerdeführer offenbar lediglich über eine sehr bescheidene Schulbildung und 
keine  Berufsausbildung.  Bisher  habe  er  als  Schneider  und  Teppichknüpfer 
gearbeitet (A 1/9, S. 2; A 8/19, S. 5). Letzteres mag zwar darauf hindeuten, dass 
er  sich  gemäss  vorinstanzlicher  Einschätzung  in  „schwierigen  Situationen  zu 
behaupten weiss“. Die gemäss Praxis der ARK bezüglich Afghanistan hohen An-
forderungen  an  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  -  konkrete  Möglich-
keiten der Sicherung des Existenzminimums sowie der Wohnsituation - sind damit 
aber  insgesamt  nicht  erfüllt.  Dass  diese Praxis  der  ARK aufgrund  der  aktuellen 
Situation vor Ort nach wie vor als gerechtfertigt erscheint, wurde bereits unter Ziff. 
7.2.  in  fine  dargelegt.  Das  erforderliche  tragfähige  und  effektiv  vorhandene 
Beziehungsnetz  ist  nach  dem  Gesagten  für  den  Beschwerdeführer  in  _______ 
nicht  gegeben,  und  eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  besteht 
offensichtlich nicht. 

7.4 Insgesamt ist nach dem Gesagten die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung 
zu  bestätigen.  Die  angefochtene  Verfügung  erscheint  indessen  als  unangemes-

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sen, soweit  darin die Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs bejaht wird. Nach-
dem sich aus den Akten keinerlei  Hinweise auf Ausschlussgründe im Sinne von 
Art. 14a Abs. 6 ANAG ergeben, ist das BFM anzuweisen, den Beschwerdeführer 
vorläufig aufzunehmen.

8. Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  bezüglich  der  Nichtanerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft und der Verweigerung des Asyls sowie der Anordnung der 
Wegweisung abzuweisen; soweit die Anordnung des Wegweisungsvollzugs betref-
fend, ist die Beschwerde demgegenüber gutzuheissen. 

9.

9.1 Bei  diesem  Verfahrensausgang  wären  die  reduzierten  Verfahrenskosten  in  der 
Höhe von Fr. 300.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da dessen Gesuch um 
Kostenerlass mit Zwischenverfügung vom 13. April 2007 gutgeheissen worden ist, 
ist von der Kostenauferlegung abzusehen. 

9.2 Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer stünde in Anwendung von Art.  64 
Abs. 1 VwVG grundsätzlich eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise er-
wachsenen  und  verhältnismässig  hohen  Parteikosten  zu.  Da  er  im 
Beschwerdeverfahren  keine  Rechtsvertretung  mandatierte,  dürften  ihm  keine 
solchen  Kosten  entstanden  sein,  weshalb  die  Entrichtung  einer 
Parteientschädigung vorliegend nicht in Betracht kommt.  

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen,  indem  festgestellt  wird,  dass  der 
Wegweisungsvollzug unzumutbar ist.  Soweit  weitergehend, wird die Beschwerde 
abgewiesen.

2. Die Vorinstanz wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.

3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4. Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5. Dieses Urteil geht an:

- den Beschwerdeführer (eingeschrieben)

- das  Bundesamt,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 
vorinstanzlichen Akten (Kopie; Ref.-Nr. _______)

- _______

Die Instruktionsrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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