# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33eed629-2881-565e-b7d1-81c27f145230
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.06.2008 E-3616/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3616-2008_2008-06-06.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3616/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  J u n i  2 0 0 8

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richter François Badoud, 
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

A._______ geboren (...),
Nigeria,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz,

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Ver-
fügung des BFM vom 29. Mai 2008 / N _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3616/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-
folge  am 4. April  2008 verliess  und am 28. April  2008  illegal  in  die 
Schweiz gelangte, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  am  8.  Mai 
2008 die summarische Befragung und am 14. Mai 2008 die Anhörung 
zu den Asylgründen durch das BFM stattfand,

dass der Beschwerdeführer dabei im Wesentlichen angab, nach dem 
Tod seines  Vaters  habe ihn  der  Politiker  B._______i  unterstützt  und 
ihm auch eine Anstellung als sein "C._______" beschafft,

dass B._______ am (...) bei einen Attentat getötet und er beschuldigt 
worden sei, den Attentätern geholfen zu haben,

dass sein Bruder ebenfalls der Mitwirkung am Attentat beschuldigt und 
erschossen worden sei,

dass der Beschwerdeführer am Tag nach dem Attentat von der Polizei 
festgenommen und  verhört  und  zwei  Tage später  in  den  Busch  ge-
bracht worden sei, wo man ihn zusammen mit langhaarigen Leuten in 
ein Erdloch gesperrt und misshandelt habe,

dass es ihm im März 2008 gelungen sei, einem Bewacher ein Messer 
zu entreissen und ihn damit zu verletzen, worauf ihm die Flucht in ein 
Dorf gelungen sei, wo man ihn gepflegt und für ihn Geld gesammelt 
habe,

dass er später unter anderem erfahren habe, dass sein Haus nieder-
gebrannt worden sei,

dass er  aus Furcht  vor weiteren Nachteilen ausser Landes geflohen 
sei,

dass der Beschwerdeführer beim BFM Kopien einer Geburtsurkunde, 
eines  D._______  und  eines  Diploms  des  E._______  zu  den  Akten 
reichte,

dass das BFM mit Verfügung vom 29. Mai 2008 – eröffnet am gleichen 
Tag –  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 

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26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und 
die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den 
Vollzug anordnete,

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, es würden 
keine entschuldbaren Gründe vorliegen, die es dem Beschwerdeführer 
verunmöglicht  hätten,  rechtsgenügliche Reise-  oder  Identitätspapiere 
beizubringen,

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers unsubstanziiert,  lebens-
fremd, unlogisch sowie teilweise widersprüchlich und daher als offen-
sichtlich unglaubhaft zu qualifizieren seien,

dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  offensichtlich 
nicht erfülle und aufgrund der Akten auch keine zusätzlichen Abklärun-
gen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegwei-
sungsvollzugshindernisses erforderlich seien,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Juni 2008 gegen diese 
Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und die 
vollumfängliche  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Rück-
weisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  materiellen  Prüfung  des 
Asylgesuchs sowie die  Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
und die Befreiung von der Vorschusspflicht beantragte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 4. Juni 2008 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 52 
VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentschei-
de grundsätzlich auf die Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

dass  in  der  Frage der  Wegweisung und deren  Vollzugs die  Beurtei-
lungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  beschränkt 
ist, weil das BFM sich diesbezüglich gemäss Art. 44 AsylG in Verbin-
dung mit Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) auch mate-
riell zur Sache zu äussern hatte,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten wird,  wenn Asylsuchende 
den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des 
Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG),

dass diese Bestimmung jedoch keine Anwendung findet, wenn Asylsu-
chende glaubhaft machen können, sie seien dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn auf 
Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flücht-
lingseigenschaft  festgestellt  wird  (Art.  32  Abs. 3  Bst.  b  AsylG)  oder 

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wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit zusätzlicher Ab-
klärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Voll-
zugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

dass Kopien einer Geburtsurkunde, eines D._______ und des Diploms 
eines E._______ offensichtlich kein Reise- oder Identitätspapieren im 
Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 Bst. a AsylG darstellen,

dass im Rechtsmittel diesbezüglich im Wesentlichen vorgebracht wird, 
der  Beschwerdeführer  habe  eine äusserst  beschwerliche  Flucht  aus 
seinem  Herkunftsland  hinter  sich,  welche  naturgemäss  nicht  ohne 
Heimlichkeit und nur auf illegalem Weg möglich gewesen sei, 

dass  das BFM in der angefochtenen Verfügung mit ausführlicher und 
überzeugender Begründung auf die klaren Unglaubhaftigkeitselemente 
und auf viele Unstimmigkeiten in den protokollierten Angaben des Be-
schwerdeführers hingewiesen hat und die vielen Unglaubhaftigkeitsar-
gumente der Vorinstanz in der  Beschwerde inhaltlich nicht  bestritten 
werden,

dass  auch  nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  sowohl 
die Schilderungen der Reiseumstände als auch die Darlegung der an-
geblichen  Asylgründe  als  völlig  unsubstanziiert,  lebensfremd  und 
konstruiert,  mithin  als  offensichtlich  unglaubhaft  qualifiziert  werden 
müssen,

dass die Vorinstanz das Vorliegen entschuldbarer Gründe, die es dem 
Beschwerdeführer verunmöglicht hätten, den Behörden innerhalb von 
48 Stunden nach Einreichung des Asylgesuches Dokumente einzurei-
chen, zutreffend und mit überzeugender Begründung verneint hat und 
an dieser Feststellung auch die wenig substanziierten Ausführungen in 
der Beschwerde nichts zu ändern vermögen,

dass  bei der am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Modifikation des 
Nichteintretenstatbestands  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  (und  Abs.  3) 
AsylG,  auf  welchen sich  die  hier  angefochtene Verfügung stützt,  die 
Besonderheit besteht, dass das BFM im Rahmen einer summarischen 
Prüfung das  offenkundige Nichterfüllen der  Flüchtlingseigenschaft im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  und  das  offenkundige  Fehlen  von  Wegwei-
sungsvollzugshindernissen  zu  beurteilen  hat  (vgl.  Art.  32  Abs. 3 
Bstn. b  und c  AsylG),  weshalb  insoweit  bei  dagegen erhobenen  Be-

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schwerden auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet 
(vgl. Urteil BVGE 2007/8 E. 5),

dass die Vorinstanz die Asylvorbringen, wie erwähnt, zu Recht als of-
fenkundig unglaubhaft qualifiziert hat,

dass  das  BFM  bei  der  vorliegenden  klaren  Aktenlage  offensichtlich 
auch keine weiteren Abklärungen im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. c 
AsylG vornehmen musste,

dass das BFM somit zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers  nicht  eingetreten 
ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer 
weder eine Aufenthaltsbewilligung besitzt noch einen Anspruch auf die 
Erteilung einer solchen hat, weshalb auch die verfügte Wegweisung im 
Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen 
ist  (Art.  44  Abs. 1  AsylG,  Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung  1  vom 
11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]; 
vgl. auch EMARK 2001 Nr. 21),

dass zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegenstehen,  da im Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren 
oder unmöglichen Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den Be-
stimmungen des AuG zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 83 Abs. 1 
AuG),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen 
völker-  und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  weil  ange-
sichts der offensichtlich unglaubhaften Vorbringen keine Anhaltspunkte 
für eine menschenrechtswidrige Behandlung ersichtlich sind, die dem 
Beschwerdeführer in seinem Heimat- oder Herkunftsstaat drohen wür-
de (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass weder die allgemeine Lage im Heimatland noch konkrete indivi-
duelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges des 
jungen, und – soweit aus den Akten ersichtlich – gesunden Beschwer-
deführers sprechen (Art. 83 Abs. 4 AuG),

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dass sich aus den Akten keine Hinweise für die Annahme ergeben, der 
Beschwerdeführer geriete im Falle der Rückkehr in die Heimat aus in-
dividuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher 
Natur in eine existenzbedrohende Situation,  weshalb der Vollzug der 
Wegweisung zumutbar ist (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass sich aufgrund der Akten schliesslich keine Hinweise auf das Vor-
liegen rechtlicher oder technischer Vollzugshindernisse ergeben, wes-
halb der Vollzug auch als möglich erscheint (Art. 83 Abs. 2 AuG),

dass der Wegweisungsvollzug somit als zulässig, zumutbar und mög-
lich im Sinne von Art. 83 Abs. 1-4 AuG zu qualifizieren ist,

dass es demnach dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (vgl. Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG schon wegen der Aussichtslosigkeit der Be-
schwerdebegehren abzuweisen und das Begehren um Befreiung von 
der Vorschusspflicht  mit  dem vorliegenden direkten Entscheid in  der 
Sache gegenstandslos geworden ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten in der Höhe von 
Fr. 600.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 16 Abs. 1 Bst. 
a VGG, Art. 2 und 3  des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2], Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer durch Vermittlung des Empfangs-  und Ver-
fahrenszentrum  Kreuzlingen  (Einschreiben; Beilage:  Einzahlungs-
schein)

- das  BFM,  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  (vorab 
per  Telefax,  zu den Akten (Ref.-Nr. N _______),  mit  der Bitte  um 
Eröffnung des Urteils an den Beschwerdeführer und um Zustellung 
der  beiliegenden  Empfangsbestätigung  an  das 
Bundesverwaltungsgericht)

- F._______

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

Versand:

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