# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eab19ee9-abc4-5f0d-a953-9b6b1c2d6693
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-03-12
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 12.03.2005 UK040173
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_UK040173_2005-03-12.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich

§ 191 StPO in Verbindung mit § 43 StPO und § 347 StPO, § 6 Abs. 1 lit. a in
Verbindung mit § 9 AnwGebVo. Präzisierung der Rechtsprechung zur Be-
stimmung der Entschädigung des erbetenen Verteidigers bei Freispruch
des Angeklagten

Präzisierung der Rechtsprechung zur Bestimmung der Entschädigung des erbe-

tenen Verteidigers bei Freispruch des Angeklagten, Abgrenzung von sog. "einfa-

chen Fällen" bzw. "Bagatellfällen" von anderen anhand der Praxis der III. Straf-

kammer des Obergerichtes, konkrete Bestimmung des Anwalthonorars und der

persönlichen Entschädigung des Freigesprochenen

Zum Sacherhalt:

Die Kantonspolizei Zürich rapportierte gegen X, den Halter eines Motorrades Ya-

hama XJR 1200, wegen des Verdachts der Geschwindigkeitsüberschreitung. Eine

unbekannte Person hatte mit dem Motorrad von X am 10. Juli 2003 kurz vor Mit-

ternacht an der Bergstrasse in Meilen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von

50 km/Std. um 31 km/Std. überschritten und war dabei von einer Polizeikamera

von hinten erfasst bzw. geblitzt worden. Während des polizeilichen Ermittlungs-

verfahrens bestätigte X, dass es sich beim aufgenommenen Motorrad um sein

Fahrzeug handle. Während der Untersuchung sagte er zudem mehrfach aus,

dass er zum fraglichen Zeitpunkt nicht gefahren sei und auch keine Angaben zum

Lenker machen könne, denn er habe zu diesem Zeitpunkt sein Motorrad mit ei-

nem Unbekannten getauscht. Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Be-

zirksanwaltschaft Meilen Anklage gegen X wegen grober Verletzung von Ver-

kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1

SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV und verlangte eine Bestrafung mit einer Busse von

Fr. 5000.-. Gemäss Sachverhaltsdarstellung der Anklage soll X sein Motorrad am

10. Juli 2003 gegen Mitternacht eigenhändig gelenkt haben.

Anlässlich der Hauptverhandlung hielt X an seiner Sachverhaltsdarstellung

fest, wonach er zum fraglichen Zeitpunkt sein Motorrad nicht persönlich gelenkt

habe. Mit Urteil des Einzelrichters in Strafsachen des Bezirksgerichtes Meilen

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vom 25. Oktober 2004 wurde X vom Vorwurf der Verkehrsregelverletzung

vollumfänglich freigesprochen. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-

chen Verfahrens wurden auf die Staatskasse genommen. X wurde eine Prozes-

sentschädigung von Fr. 600.- (zuzüglich 7,6% Mehrwertsteuer) aus der Staats-

kasse zugesprochen.

Gegen diese Urteil liess X rechtzeitig Rekurs erheben und verlangte die Zu-

sprechung einer angemessenen Entschädigung für X persönlich sowie die Über-

nahme der Kosten anwaltlicher Vertretung durch die Staatskasse.

Aus dem Entscheid der III. Strafkammer des Obergerichtes:

«II.2. a) Der Rekurrent begründet seinen Rekurs damit, dass die Vorinstanz

in Verkennung der Situation davon ausgegangen sei, es handle sich vorliegend

um einen leichten Fall. Gemäss § 43 StPO sei der Rekurrent vorliegend zum Bei-

zug eines Anwalts berechtigt gewesen. Der Rekurrent habe erst einen Rechts-

vertreter beigezogen, als er nach Beendigung des Untersuchungsverfahrens er-

kannt habe, dass es zu einer Anklageerhebung kommen würde und er folglich mit

einer Verurteilung zu rechnen habe. Da es im vorliegenden Verfahren um eine

Busse in der Höhe von Fr. 5'000.- sowie um ein Vergehenstatbestand gegangen

sei, sei der Beizug eines anwaltlichen Beistandes bereits im Zeitpunkt des Unter-

suchungsverfahrens gerechtfertigt gewesen. Insgesamt hätten die Aufwendungen

des Rekurrenten für seinen Anwalt 14,7 Stunden à Fr. 250.- und somit insgesamt

über Fr. 4'000.- betragen (...).

b) Die Vorinstanz hatte in ihrem Entscheid aufgeführt, es handle sich vorlie-

gend um "einen einfachen Fall mit nur einem Sachverhalt", weshalb in Anwen-

dung von § 6 lit. a AnwGebVo eine Prozessentschädigung von Fr. 600.- (zuzügl.

MWSt) als angemessen erscheine (...).

In seiner Vernehmlassung vom 14. Dezember 2004 hat der Vorderrichter

zudem darauf hingewiesen, dass es sich beim vorliegenden Verfahren um "eine

einfache Sachverhaltsdarstellung" gehandelt, die vorinstanzliche Hauptverhand-

lung nur eine Stunde gedauert habe und die Beweiseingaben des Rechtsbeistan-

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des Rekurrenten "unnötig" gewesen seien. Aufgrund des geringen Umfangs der

Akten, der wenigen rechtlichen Fragen und der Einfachheit des Sachverhaltes

habe es sich gerechtfertigt, die Abgeltung bei einer Verdoppelung der Minimalge-

bühr anzusetzen (...) ... .

3. Zusammenfassend ist zunächst festzuhalten, dass vorliegend unbestritten

ist, dass dem freigesprochenen Rekurrenten eine Prozessentschädigung gemäss

§ 43 StPO zusteht; unter diesen Umständen müssen die Voraussetzungen der

vorgenannten Bestimmung nicht näher geprüft werden. Der Rekurrent hat, nach-

dem die Voraussetzungen gemäss § 43 StPO gegeben sind, grundsätzlich An-

spruch auf Ersatz der Aufwendungen, welche ihm infolge des polizeilichen Er-

mittlungsverfahrens, des Untersuchungsverfahrens und des erstinstanzlichen Ge-

richtsverfahrens angefallen sind (vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl.

Zürich 2004, N. 1218).

Vorliegend ist einzig zu klären, ob es sich beim vorliegenden Sachverhalt

bzw. Verfahren um einen "einfachen Fall" bzw. "Bagatellfall" handelt und wie sich

dieser Umstand auf die Entschädigung von Anwaltskosten auswirkt.

4. a) Gemäss § 191 StPO in Verbindung mit § 43 StPO, welche Bestimmun-

gen auch im Übertretungsstrafrecht anwendbar sind (§ 347 StPO), hat der Frei-

gesprochene, dem wesentliche Kosten und Umtriebe entstanden sind, Anspruch

auf Entschädigung, sofern er die Untersuchung nicht durch ein leichtfertiges oder

verwerfliches Benehmen verursacht oder ihre Durchführung erschwert hat. Nach

ständiger Rechtsprechung der zürcherischen Gerichte werden die Verteidigerko-

sten in Übertretungsstrafsachen nur unter bestimmten Voraussetzungen als we-

sentliche Kosten im Sinne von § 43 Abs. 2 StPO qualifiziert. Der Anspruch auf Er-

satz derselben setzt voraus, dass der Beizug eines Vertreters durch die Umstän-

de des Falles gerechtfertigt war, wobei in erster Linie zu prüfen ist, ob dem vorlie-

genden Fall Schwierigkeiten tatsächlicher oder rechtlicher Natur anhafteten, die

den Beizug eines Verteidigers objektiv rechtfertigten. Dabei dürfen nicht so hohe

Anforderungen gestellt werden wie bei der Frage, ob Schwierigkeiten vorliegen,

die gemäss § 11 Abs. 2 Ziff. 5 StPO eine notwendige Verteidigung erfordern. Ent-

gegen der früheren Rechtsprechung wird die Zusprechung einer Entschädigung

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für Verteidigungskosten im Übertretungsstrafverfahren kaum mehr von der Wich-

tigkeit des Falles abhängig gemacht (ZR 97 [1998] Nr. 3 mit Hinweisen). In der

Lehre wird sodann die Meinung vertreten, dass das Vorliegen von Schwierigkei-

ten, die den Beizug eines Verteidigers rechtfertigen, regelmässig zu bejahen sei,

wenn eine Übertretung durch Einsprache vor Gericht komme (Schmid, a.a.O., N

1221). Wie die Kammer verschiedentlich festgehalten hat, mag bezweifelt wer-

den, ob dieser Auffassung in ihrer pauschalen Form in jedem Falle gefolgt werden

kann. Zuzustimmen ist ihr jedenfalls insoweit, als damit zum Ausdruck gebracht

wird, ein juristischer Laie sehe sich Schwierigkeiten tatsächlicher oder rechtlicher

Natur gegenüber, wenn die kompetente Behörde an ihrer Strafverfügung festhalte

(ZR 97 [1998] Nr. 3 E.II.3 f. mit Hinweis).

b) Gemäss der Praxis der III. Strafkammer des Obergerichtes werden in der

Regel anwaltliche Bemühungen vor dem Polizeirichter nicht entschädigt (Be-

schluss III. Strafkammer vom 5. Dezember 2001, Proz.Nr. UN010045) und bei

Übertretungen, welche im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden oder im

Ordnungsbussenverfahren hätten erledigt werden können, handelt es sich um

Bagatelldelikte, selbst wenn sie mehrfach begangen werden (Beschluss III. Straf-

kammer vom 30. Oktober 2000, Proz.Nr. UG990061). Erweist sich die Durchfüh-

rung eines gerichtlichen Verfahrens als nicht erforderlich - zum Beispiel wenn der

Statthalter die Bussenverfügungen nach Durchführung der Untersuchung wegen

des Verdachts der Benützung von falschen Kehrichtsäcken wieder aufhebt - be-

steht kein Anspruch auf Entschädigung des beigezogenen Anwaltes; das Statt-

halteramt erlässt seine Strafverfügungen im Regelfall gestützt auf die polizeiliche

Sachverhaltsdarstellung und in Kenntnis der - in diesem Zeitpunkt schon vorhan-

denen - Angaben des Beschuldigten ohne weitere Untersuchung. Es lässt sich

mithin nicht sagen, dass der Laie sich allein schon durch den Erlass einer Straf-

verfügung bzw. die Bestätigung der polizeilichen Sicht der Dinge in der Untersu-

chung tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten gegenüber gestellt sieht

(Beschluss III. Strafkammer vom 19. April 2000, Proz.Nr. UN990167).

Als Bagatellfälle bezeichnet wurden insbesondere folgende Verfahren:

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•  Ein Taxifahrer, welcher einzig die Primarschule besucht hatte, hatte mehr-

fach die Ruhezeitverordnung für Taxifahrer nicht eingehalten. Dem Ver-

zeigten wurde zugemutet, eine ausgesprochene Busse anzufechten, an-

hand der einfach verständlichen Rechtsmittelbelehrung die gerichtliche

Beurteilung der Bussenverfügung zu verlangen und dieses Begehren ohne

anwaltlichen Beistand zu begründen (Beschluss III. Strafkammer vom 20.

Juni 2002, UK020055).

•  Einem Verzeigten war vorgeworfen worden, er hätte beim Einfahren in ein

Parkfeld die Richtungsanzeige nicht betätigt und habe zudem bei diesem

Manöver ein Telefon in den Händen gehabt, was die Bedienung des Fahr-

zeuges erschwert habe. Dabei sei es zur Kollision mit einem Personenwa-

gen gekommen, der aus einem Parkfeld habe herausfahren wollen. Da

keine grobe Verkehrsregelverletzung zur Diskussion stand und die Ermitt-

lung des Sachverhaltes keine speziellen Schwierigkeiten bot, beurteilte die

Kammer das Verfahren als Bagatellfall aus dem Strassenverkehrsrecht

(Beschluss III. Strafkammer vom 5. Dezember 2001, Proz.Nr. UN010045).

c) Hingegen ging das Obergericht bei nachfolgend aufgeführten Verfahren

von einem nicht mehr einfachen Fall aus:

•  Bei vorliegen von komplizierten tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnis-

sen wurde das Vorliegen eines Bagatellfalles regelmässig verneint. Im

konkreten Fall war umstritten, ob der Verzeigte - wie ihm in der Bussen-

verfügung zum Vorwurf gemacht worden war - ununterbrochene weissen

Linien am rechten Fahrbahnrand mehrfach, d.h. dreifach, oder - wie er

selbst vortrug - nur an einer Stelle überfahren hatte. Sodann war die

Rechtsnatur der fraglichen Strassenmarkierungen unklar und die Kammer

gelangte nach umfangreichen rechtlichen Erwägungen zum Schluss, dass

es sich weder um eine Sicherheitslinie im Sinne von Art. 73 Abs. 1 SSV

noch um eine Randlinie im Sinne von Art. 76 Abs. 1 SSV handle. Da eine

solche Abgrenzung von Radstreifen im Strassenverkehrsrecht nicht vorge-

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sehen sei, stellte die überfahrene Linie keine rechtsgültige Markierung dar

(Beschluss III. Strafkammer vom 16. April 2002, Proz.Nr. UN020026).

•  Der Betroffene wurde verzeigt, weil er beim Öffnen der Fahrertüre seines

Personenwagens in den Raum der Strasse ungenügend auf den Verkehr

von hinten achtete, so dass es mit einem herannahenden Personenwagen

zur Kollision kam, wobei dieser beschädigt wurde. Dieser Sachverhalt mu-

tete auf den ersten Blick zwar einfach an, doch bestritt der Betroffene die-

sen Vorwurf von allem Anfang an gab und eine anderslautende Version

des Ereignisses ab. Es galt demnach, den Sachverhalt zu erstellen, was

nebst den Einvernahmen der Kollisionsbeteiligten einen Augenschein vor

Ort erforderlich machte. Dabei wurde berücksichtigt, dass die in der Beur-

teilung von Verkehrsfragen erfahrene und spezialisierte Verwaltungsbe-

hörde auch nach durchgeführter Untersuchung am Vorwurf, den der Be-

troffene von allem Anfang an bestritt, festhielt und der Vorderrichter nach

eingehender Beweiswürdigung zum gegenteiligen Schluss gelangte und

den Betroffenen freisprach. Die Erforderlichkeit eines gerichtlichen Verfah-

rens war demzufolge durchaus angebracht und der Beizug eines Rechts-

anwaltes bereits für das Untersuchungsverfahren vertretbar (Beschluss III.

Strafkammer vom 11. Dezember 2002, Proz.Nr. UN010091).

•  Ein Bagatelldelikt verneint wurde bei verbalen Drohungen, welche auf dem

Gartensitzplatz gegenüber der sich auf dem benachbarten Sitzplatz hinter

der Hecke befindlichen Nachbarin ausgestossen wurden, auch wenn die

Untersuchungsakten lediglich einen bescheidenen Umfang angenommen

hatten. Es wurde berücksichtigt, dass einer nachbarlichen Streitigkeit auf-

grund der damit verbundenen Emotionen besondere Probleme persönli-

cher Art anhaften und die Parteien wegen ihres Streits bereits in andere

Gerichtsverfahren verwickelt waren (Beschluss III. Strafkammer vom 12.

September 2001, Proz.Nr. UK000078).

•  Vorliegend sah sich der Verdächtige mit der Beschuldigung konfrontiert, er

habe seinen Ausweis, der ihm als Angestelltem einer in der Personenkon-

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trolle tätigen Sicherheitsfirma freien Zutritt im Flughafen in Kloten gewähr-

te, missbraucht und zwei mit gefälschten Pässen versehenen Personen,

die sich im Transitbereich aufgehalten hätten, Zugang zu einem Flugzeug

nach Kanada verschafft. Ein Vorwurf von einer gewissen Schwere, konnte

er für den damals noch nicht in der Schweiz eingebürgerten Rekurrenten

fremder Muttersprache doch nicht nur eine strafrechtliche Sanktion in Form

einer (bedingten) Freiheitsstrafe nach sich ziehen, sondern Konsequenzen

in verschiedenen Lebensbereichen, wie Verlust der Arbeitsstelle, er-

schwerte Arbeitssuche und eventuelle Gefährdung des Aufenthalts in der

Schweiz, nach sich ziehen (Beschluss III. Strafkammer vom 3. Februar

2003, Proz.Nr. UK020058).

d) Vor dem Hintergrund der aufgeführten Rechtsprechung erweist sich der

vorliegende Sachverhalt entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht mehr als Ba-

gatellfall. Wie sich den Untersuchungsakten entnehmen lässt, wurde der Rekur-

rent einer groben Verkehrsregelverletzung und somit eines Vergehens beschul-

digt (Verletzung von Art. 90 Ziff. 2 SVG). Eine Verurteilung des Rekurrenten zu

einer Busse von Fr. 5'000.- hätte zudem zu einem Eintrag ins Strafregister geführt

und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine administrativrechtliche Massnahme

(zum Beispiel befristeter Führerausweisentzug) nach sich gezogen.

Während des Untersuchungsverfahrens wurde der Rekurrent insgesamt

viermal von der Polizei und dem Untersuchungsrichter befragt, wobei der Unter-

suchungsrichter den Ausführungen des Rekurrenten keinen Glauben schenkte

(...). Wie sich dem vorinstanzlichen Entscheid entnehmen lässt, wurde der Rekur-

rent aufgrund des Vorliegens von unüberwindbaren Zweifeln freigesprochen (...).

Es ist offensichtlich, dass die in der Beurteilung von Verkehrsfragen erfahrene

und spezialisierte Untersuchungsbehörde auch nach durchgeführter Untersu-

chung am Vorwurf, den der Rekurrent von allem Anfang an bestritt, festhielt und

der Vorderrichter erst nach eingehender Beweiswürdigung zum gegenteiligen

Schluss gelangte und den Rekurrenten freisprach. Vorliegend wäre der Beizug

eines Rechtsanwaltes bereits für das Untersuchungsverfahren vertretbar gewe-

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sen. In jedem Fall war der Beizug des Rechtsanwaltes für das gerichtliche Verfah-

ren gerechtfertigt. Somit ist der Rekurs in diesem Punkt gutzuheissen.

5. a) Die Vergütung an die Rechtsanwälte für die Parteivertretung vor den

Zivil- und Strafgerichten sowie vor den Untersuchungs- und Anklagebehörden des

Kantons Zürich richtet sich nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom

10. Juni 1987 (AnwGebVo; LS 215.3). Dazu ist zunächst festzuhalten, dass diese

Verordnung auf dem Konzept der Pauschalentschädigung beruht. Es kann somit

nicht darum gehen, die Entschädigung auf Grund einer minutiösen Berechnung

des Zeitaufwandes zu bestimmen, vielmehr ist auf Grund pflichtgemässen Er-

messens zu entscheiden. Massgebend sind ferner die der Sache anhaftenden

Schwierigkeiten, wobei indes der zu entschädigende Aufwand für die Verteidigung

und die Wichtigkeit der Sache in einem gewissen Verhältnis zueinander stehen

müssen und unter Umständen nicht kostendeckend ist (ZR 77 [1978] Nr. 16

E.III.2). Gemäss § 6 Abs. 1 lit. a AnwGebVo beträgt die Grundgebühr für die Füh-

rung eines Strafverfahrens vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes Fr. 300.--

bis Fr. 3'000.--. Für ausserordentliche Bemühungen bei der Vorbereitung eines

Prozesses, wie die Mitwirkung bei Verhören und Beweisabnahmen in der Stra-

funtersuchung, kann ausser der Anwaltsgebühr eine dem Zeitaufwand entspre-

chende besondere Entschädigung verrechnet werden. Sie beläuft sich in der Re-

gel auf Fr. 110.-- bis Fr. 250.-- für die Stunde (§ 9 AnwGebVo). Hinzu kommt der

Ersatz notwendiger Barauslagen (§ 11 Abs. 1 AnwGebVo).

Nach richtiger Auffassung ist die Anwaltsgebührenverordnung so auszule-

gen, dass die Kosten der Verteidigung - zumindest weitestgehend - gedeckt sind.

Für die Festsetzung der Entschädigung kann bei einfachen Standardverfahren

von den in der Anwaltsgebührenverordnung angeführten Ansätzen ausgegangen

werden, wobei gestützt auf eine objektiv geltungszeitliche Auslegung zu berück-

sichtigen ist, dass diese tendenziell eher tief sind. In Verfahren, welche nicht zu
den einfachen Standardfällen gezählt werden können, ist gestützt auf eine sach-

gerechte Auslegung der Anwaltsgebührenverordnung von der Honorarabrech-

nung auszugehen. Diese ist danach auf ihre Angemessenheit hin zu prüfen. Er-

gibt diese Überprüfung, dass die Aufwendungen für die Verteidigung im Lichte

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des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit und des Gebots der Schadenminde-

rung nicht unangemessen sind, ist dem Freigesprochenen der in Rechnung ge-

stellte Betrag zuzusprechen (ZR 102 Nr. 49).

Deutlich weniger als die ausgewiesenen Verteidigungskosten zu entschädi-

gen, ist nur unter diesen Voraussetzungen zulässig, und auch dies nur dann,

wenn die Aufwendungen des Verteidigers zur Bedeutung, zum Umfang und zu

den Schwierigkeiten des Falls nicht in einem angemessenen Verhältnis stehen

(ZR 101 Nr. 19). Steht dem Richter zur Ausübung seines pflichtgemässen Ermes-

sens bei der Festsetzung der Entschädigung eine detaillierte Aufstellung über den

tatsächlichen Aufwand der Verteidigung zur Verfügung, so kann diese als Grund-

lage der Ermessensausübung herangezogen werden (Beschlüsse der III. Straf-

kammer vom 4. Mai 2000, Proz.Nr. UK990155 und vom 28. Juni 2002, Proz.Nr.

UK010149; vgl. auch ZR 101 Nr. 19).

b) Zunächst ist festzuhalten, dass beim vorliegenden Verfahren nicht mehr

von einem einfachen Standardverfahren ausgegangen werden kann, weshalb

nach der eben dargelegten Rechtsprechung grundsätzlich von der Honorarrech-

nung des Verteidigers des Rekurrenten auszugehen ist (...). .... Der Rekurrent ist

deshalb für insgesamt 13.2 Anwaltsstunden zu entschädigen. Die mangelnde

Komplexität des vorliegenden Sachverhalts - es ging einzig um die Frage, ob der

Rekurrent sein Motorrad zu einem bestimmten Zeitpunkt gelenkt hat oder nicht -

rechtfertigt es nicht, vom höchsten Stundenansatz von Fr. 250.-- für die Stunde (§

9 AnwGebVo) auszugehen; ein Stundenansatz von Fr. 200.-, welcher einem amt-

lichen Verteidiger gewährt würde, erscheint den Umständen angemessen. ... .

Des weiteren kann aufgrund der Teilnahme des Rekurrenten an vier Befra-

gungen während des Untersuchungsverfahrens sowie seiner Teilnahme an der

Hauptverhandlung von einem Stundenaufwand von insgesamt vier Stunden aus-

gegangen werden (...), so dass unter Einbezug der notwendigen Fahrzeiten von

einer nicht mehr ganz unwesentlichen persönlichen Beanspruchung durch das

Verfahren gesprochen werden kann. Nachdem der Rekurrent ... ein monatliches

Nettoeinkommen von Fr. 15'000.- erzielt (...) und ein Verdienstaufall in der Re-

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kursschrift weder beziffert noch nachgewiesen wird, erscheint eine persönliche

Entschädigung von Fr. 500.- für den Rekurrenten als angemessen.

c) Unter Berücksichtigung des erwähnten Verhältnismässigkeitsgrundsatzes

sind dem Rekurrenten zusammengefasst seine Verteidigerkosten mit Fr. 2'750.--

..., und seine persönlichen Umtriebe mit Fr. 500.-- aus der Gerichtskasse zu er-

setzen»

Beschluss der III. Strafkammer des Obergerichtes vom 12. März 2005