# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8dcbc849-7203-5630-9214-ac5895e9ede9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-560/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-560-2012_2012-02-03.pdf

## Full Text

Seite 1

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­560/2012

U r t e i l   v om   3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Bruno Huber,
mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; 
Gerichtsschreiberin Sarah Straub.

Parteien A._____, geboren (…),
dessen Ehefrau B._____, geboren (…),
und deren Kinder
C._____, geboren (…),
D._____, geboren (…),
Syrien, 
(…),  
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin­Verfahren);
Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012 / N (…).

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­
fahren (VwVG, SR 172.021),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG, 
SR 173.110),

der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische 
Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]),

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105),

des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]),

des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten 
Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]),

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­
staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in 
einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin II­VO),

der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 
2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin II­VO (DVO Dublin),

des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä­
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

Seite 3

stellt fest,

dass die Beschwerdeführenden eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland 
am  10.  November  2011  verliessen  und  über  die  Türkei  und  Frankreich 
am  24.  November  2011  in  die  Schweiz  gelangten,  wo  sie  gleichentags 
um Asyl nachsuchten,

dass  sie  am  6.  Dezember  2011  summarisch  zu  ihren  Asylgesuchen 
befragt wurden,

dass  sich aufgrund einer Abfrage der Eurodac­Datenbank herausstellte, 
dass  sie  am  17.  November  2011  in  Frankreich  daktyloskopisch  erfasst 
worden waren,

dass  ihnen das BFM anlässlich der Kurzbefragung das rechtliche Gehör 
zur  möglichen  Zuständigkeit  Frankreichs  für  die  Asylverfahren  und  zu 
einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährte,

dass die Beschwerdeführenden darlegten, in Frankreich kein Asylgesuch 
gestellt zu haben und in der Schweiz bleiben zu wollen, 

dass die Beschwerdeführende B._____ ausserdem  ihre Angst äusserte, 
von den Franzosen nach Syrien ausgeschafft zu werden,

dass  das  Bundesamt  am  28.  November  2011  –  gestützt  auf  die 
Bestimmungen  der  Dublin II­VO  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  der 
Beschwerdeführenden an Frankreich richtete,

dass  die Beschwerdeführende B._____  am  (…)  den Sohn D._____  zur 
Welt  brachte  und  dieser  in  das  Verfahren  der  Beschwerdeführenden 
einbezogen wurde, 

dass  dem Übernahmeersuchen  von  französischer  Seite mit  schriftlicher 
Mitteilung vom 19. Januar 2012 entsprochen wurde, 

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  26.  Januar  2012  –  eröffnet  am  27. 
Januar  2012  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  die 
Asylgesuche  nicht  eintrat,  die Wegweisung  aus  der Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug  nach  Frankreich  anordnete  und  festhielt,  einer 
allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme  keine 
aufschiebende Wirkung zu,

Seite 4

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder 
Verlängerung  der  Frist  –  bis  spätestens  am  12.  Juli  2012  zu  erfolgen 
habe,

dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die 
Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  den  vorgängigen  Aufenthalt  der 
Beschwerdeführenden  in  Frankreich  und  das  an  Frankreich  gerichtete 
Gesuch um Übernahme beziehungsweise die ausdrückliche Zustimmung 
der  französischen Behörden  –  auf  die  Zuständigkeit  Frankreichs  für  die 
Behandlung der Asylgesuche verwies,

dass  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  diese  Zuständigkeit 
nicht zu widerlegen vermöchten,

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu 
bejahen seien,

dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 31. Januar 2012 gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben 
und  dabei  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung 
und das Eintreten auf ihre Asylgesuche beantragten,

dass  sie  vorbrachten,  sie  seien  fälschlicherweise  nach  Frankreich 
gelangt, ihr eigentliches Reiseziel sei die Schweiz,

dass sich die Geschwister und ein Schwager des beschwerdeführenden 
Familienvaters ebenfalls in der Schweiz befinden würden,

dass sie am (…) einen Sohn bekommen hätten, welcher noch über keine 
Papiere verfüge,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  2.  Februar  2012  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und erwägt,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der 
Regel  –  so  auch  vorliegend   –  endgültig  über  Beschwerden  gegen 
Verfügungen  des  BFM  entscheidet  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31 und 33   VGG sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

Seite 5

dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder 
das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. Art. 37 VGG sowie Art. 6 und 
105 AsylG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten 
Beschwerdeführenden einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 
VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  die  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  offensichtlich 
unbegründet  ist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit 
Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  eine  zweiten 
Richtern zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass  die  Beschwerdeführenden  gemäss  dem  dokumentierten  Eurodac­
Treffer  in  Frankreich  am  17.  November  2011  daktyloskopisch  erfasst 
wurden und von dort her kommend in die Schweiz einreisten, 

dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen 
Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer 
Wiederholung  zu  verweisen  ist  –  Frankreich  für  die  Prüfung  des 
Asylantrags der Beschwerdeführenden zuständig ist,

dass  Frankreich  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Übernahme  der 
Beschwerdeführenden (Art. 10 Abs. 1 Dublin II­VO) am 19. Januar 2012 
entsprochen  und  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner 
Verfahrensregelung akzeptiert hat, 

dass  der  Umstand,  dass  sich  die  Geschwister  und  ein  Schwager  des 
beschwerdeführenden Familienvaters ebenfalls  in der Schweiz aufhalten 

Seite 6

sollen,  offensichtlich  keine  andere  Sichtweise  rechtfertigt  (vgl.  zum 
Familienbegriff Art. 2 Bst. i Dublin II­VO), 

dass  sich  die  Beschwerdeführenden  demnach  im  Hinblick  auf  die 
Zuständigkeit  nicht  auf  im  Zusammenhang  mit  dem  Familienbegriff 
stehende Bestimmungen der Dublin II­VO berufen können, 

dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in 
Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist, 

dass Frankreich sowohl Signatarstaat der Flüchtlingskonvention als auch 
der  Europäischen  Menschenrechtskonvention  ist  und  im  vorliegenden 
Fall keine Hinweise darauf bestehen, Frankreich würde sich im Falle der 
Beschwerdeführenden  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen 
halten,

dass der von den Beschwerdeführenden geäusserte Wunsch nach einem 
Verbleib  in  der Schweiz  nicht  gegen eine Rückführung nach Frankreich 
spricht,

dass gemäss den  vorstehenden Erwägungen  für  das BFM keine Pflicht 
zu  einem  Selbsteintritt  aus  völkerrechtlichen  Gründen  nach  der 
Bestimmung  von  Art.  3  Abs.  2  Dublin II­VO  besteht  (vgl.  dazu  BVGE 
2011/9 E. 4 S. 115), 

dass  aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  auch  ein  Selbsteintritt  aus 
humanitären Gründen nach der Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 
ausgeschlossen bleibt (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 8 S. 121 f.), da keine 
besonderen  Sachverhaltsumstände  vorliegen,  welche  eine  Behandlung 
des  Asylgesuches  in  der  Schweiz  geradezu  aufdrängen  würden  (vgl. 
dazu  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4534/2011  vom  28. 
Dezember 2011 E. 8), 

dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  der  Nichteintretensentscheid 
in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist, 

dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Frankreich  der  Systematik 
des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der 
Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2),

dass  demnach das BFM den Vollzug  der Wegweisung nach Frankreich 
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte, 

Seite 7

dass  somit  die  angefochtene  Verfügung  zu  bestätigen  und  die 
eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist,

dass die Kosten des Verfahrens von Fr. 600.­ den Beschwerdeführenden 
aufzuerlegen sind (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1­3 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 8

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und (…).

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Sarah Straub

Versand: