# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecbfef28-a43a-5209-924f-8ceac4d4768a
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 26.03.2012 BG.2012.8
**Docket/Reference:** BG.2012.8
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2012-8_2012-03-26

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).

Beschluss vom 26. März 2012  
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 
Emanuel Hochstrasser und Cornelia Cova, 
Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 
Parteien 

  
KANTON BASEL-STADT, Staatsanwaltschaft 
Basel-Stadt,  

 
Gesuchsteller 

 
 gegen 
   

1. KANTON LUZERN, Oberstaatsanwaltschaft,  
 
2. KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft, 

Untersuchungsamt Gossau,  
 

Gesuchsgegner 
  
 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2012.8 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Am 9. Januar 2012 ist A. in Z. (Kanton Basel-Stadt) festgenommen worden, 
nachdem er – zusammen mit einem nicht ermittelten Mittäter – erfolglos 
versucht hatte, die Schaufensterscheibe eines Edelmetallhandelsgeschäf-
tes einzuschlagen. Er wird diesbezüglich beschuldigt, einen versuchten 
Einbruchdiebstahl begangen zu haben. Die polizeilichen Ermittlungen ha-
ben keinen weiteren Bezug zu im Kanton Basel-Stadt verübten Delikten er-
geben. Hingegen ergaben sich aus der erkennungsdienstlichen Behand-
lung von A. Hinweise auf weitere Delikte in anderen Kantonen: einen ver-
suchten Einbruchdiebstahl im Kanton St. Gallen vom 3. Mai 2004, einen im 
Kanton Luzern begangenen vollendeten Einbruchdiebstahl vom 12. Mai 
2004, einen im Kanton Solothurn begangenen vollendeten Einbruchdieb-
stahl vom 28./29. Juli 2004 sowie einen im Kanton Thurgau begangenen 
vollendeten Einbruchdiebstahl vom 1./2. Dezember 2011 (vgl. zum Ganzen 
act. 1, S. 1 und 2).  
 
 

B. Mit Schreiben vom 6. Februar 2012 gelangte die Staatsanwaltschaft Basel-
Stadt an das Untersuchungsamt Gossau und ersuchte dieses um Über-
nahme des gegen A. hängigen Verfahrens. Das Untersuchungsamt Gos-
sau verneinte mit Schreiben vom 10. Februar 2012 seine örtliche Zustän-
digkeit. Die nachfolgend von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt am  
13. Februar 2012 an die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern ge-
richtete Anfrage auf Übernahme des gegen A. geführten Verfahrens wurde 
am 17. Februar 2012 von der Abteilung 1 der Staatsanwaltschaft des Kan-
tons Luzern abgelehnt. Das daraufhin von der Staatsanwaltschaft Basel-
Stadt am 20. Februar 2012 an den Ersten Staatsanwalt des Kantons  
St. Gallen gerichtete Ersuchen um Übernahme des Verfahrens wurde mit 
Schreiben vom 28. Februar 2012 vom Untersuchungsamt Gossau erneut 
abschlägig beantwortet (siehe hierzu Akten BS V120109 021, Rubrik All-
gemeiner Teil). 

 
 
C. Hierauf gelangte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit Gesuch vom 

2. März 2012 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und be-
antragt, es seien die Strafverfolgungsbehörden des Kantons St. Gallen,  
eventualiter die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Luzern, zur Straf-
verfolgung des Beschuldigten A. für zuständig zu erklären (act. 1). 
 

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In ihrer Gesuchsantwort vom 12. März 2012 schliesst die Oberstaatsan-
waltschaft des Kantons Luzern auf Gutheissung des Hauptantrages bzw. 
auf Abweisung des Eventualantrages der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt 
(act. 4). Das Untersuchungsamt Gossau beantragt demgegenüber in seiner 
Gesuchsantwort vom 13. März 2012, es seien die Strafbehörden des Kan-
tons Luzern zur Strafverfolgung von A. für zuständig zu erklären (act. 5). 
Die eingegangenen Gesuchsantworten wurden den Parteien am 14. März 
2012 wechselseitig zur Kenntnis gebracht (act. 6). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.  
 
 
 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten 

einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 
Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren 
sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentli-
chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Ei-
nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden 
verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbrei-
tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst 
war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der 
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 
Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb 
welcher die ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, hielt die Be-
schwerdekammer fest, dass im Normalfall auf die Frist von zehn Tagen 
gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO, welche auch im Beschwerdeverfahren nach 
den Bestimmungen der Art. 393 ff. StPO Anwendung findet, verwiesen 
werden kann, wobei ein Abweichen von dieser Frist nur unter besonderen, 
vom jeweiligen Gesuchsteller zu spezifizierenden Umständen möglich ist 
(vgl. hierzu u. a. die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2011.17 vom 
15. Juli 2011, E. 2.1, und BG.2011.7 vom 17. Juni 2011, E. 2.2). Die Be-
hörden, welche berechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und 
im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich 
nach dem jeweiligen kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu 
KUHN, Basler Kommentar, Basel 2011, Art. 39 StPO N. 9 sowie Art. 40 
StPO N. 10; SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 

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Zürich/St. Gallen 2009, N. 488; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di 
procedura penale [CPP] – Commentario, Zurigo/San Gallo 2010, n. 5 ad 
art. 40 CPP). 

 
1.2 Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ist berechtigt, den Gesuchsteller bei in-

terkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerdekammer zu ver-
treten (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. § 49 Abs. 2 des Gesetzes betreffend 
Wahl und Organisation der Gerichte sowie der Arbeitsverhältnisse des Ge-
richtspersonals und der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 
27. Juni 1895 [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG/BS; SG 154.100]). Be-
züglich der Gesuchsgegner steht diese Befugnis der Oberstaatsanwalt-
schaft des Kantons Luzern (vgl. § 4 der Verordnung über die Staatsanwalt-
schaft des Kantons Luzern vom 14. Dezember 2010 [SRL Nr. 275]) bzw. 
dem Leitenden Staatsanwalt des Untersuchungsamts Gossau zu (Art. 24 
des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafpro-
zessordnung des Kantons St. Gallen vom 3. August 2010 [sGS 962.1]). Die 
übrigen Eintretensvoraussetzungen geben vorliegend zu keinen weiteren 
Bemerkungen Anlass, weshalb auf das Gesuch einzutreten ist. 

 
 
2.  
2.1 Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten 

verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-
hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedroh-
te Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden 
des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen 
worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). Die schwerste Tat im gerichtsstands-
rechtlichen Sinn ist diejenige mit der höchsten abstrakten, gesetzlichen 
Strafdrohung, wobei Qualifizierungs- und Privilegierungselemente des be-
sonderen Teils des StGB, welche den Strafrahmen verändern, zu berück-
sichtigen sind. Bei Vorliegen von zwei oder mehreren mit gleichen Höchst- 
und Mindeststrafen bedrohten Delikten, welche teilweise versucht began-
gen wurden, ist der Privilegierungsgrund des Versuchs grundsätzlich zu 
beachten (vgl. hierzu den Entscheid des Bundesstrafgerichts BK_G 031/04 
vom 12. Mai 2004, E. 1.2 in fine). Versuchte Einzeltaten eines gewerbs-
mässigen Delikts wiegen demgegenüber gleich schwer wie die vollendeten 
(siehe im Ergebnis den Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2009.36 
vom 12. Februar 2010, E. 4; MOSER, Basler Kommentar, Basel 2011, 
Art. 34 StPO N. 4; FINGERHUTH/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 34 StPO N. 7). 
Im Zweifelsfalle ist auf den für die beschuldigte Person schlechteren Fall 
abzustellen (siehe u. a. den Beschluss des Bundesstrafgerichts 

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BG.2011.41 vom 23. Dezember 2011, E. 2.1 in fine; vgl. zum Ganzen MO-
SER, a.a.O., Art. 34 StPO N. 10). 

 
2.2 Vorliegend entscheidend ist die Frage, ob die drei untersuchten Delikte aus 

dem Jahre 2004 Teil einer gewerbsmässigen Einbruchdiebstahlserie dar-
stellen. 
 
Nach der Rechtsprechung liegt im Begriff des berufsmässigen Handelns 
der Ansatzpunkt für die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit. Der Täter 
handelt berufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die 
deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb 
eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und den erzielten 
Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Be-
rufs ausübt. Diese abstrakte Umschreibung kann nur Richtlinienfunktion 
haben. Eine quasi „nebenberufliche“ deliktische Tätigkeit kann genügen. 
Wesentlich ist, dass sich der Täter, wie aus den gesamten Umständen ge-
schlossen werden muss, darauf eingerichtet hat, durch deliktische Hand-
lungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten 
seiner Lebensgestaltung darstellen; dann ist die erforderliche soziale Ge-
fährlichkeit gegeben. Es ist nach wie vor notwendig, dass der Täter die Tat 
bereits mehrfach begangen hat, dass er in der Absicht handelte, ein Er-
werbseinkommen zu erlangen, und dass aufgrund seiner Taten geschlos-
sen werden muss, er sei zu einer Vielzahl von unter die fraglichen Tatbe-
stände fallenden Taten bereit gewesen (BGE 123 IV 113 E. 2c S. 116 mit 
Hinweis auf BGE 119 IV 129 E. 3a S. 132 f. und BGE 116 IV 319).  

 
2.3 Die vorliegend interessierende Diebstahlserie aus dem Jahr 2004 kann un-

ter Berücksichtigung des Grundsatzes „in dubio pro duriore“ im Lichte die-
ser Umschreibung als gewerbsmässig angesehen werden. Der Beschuldig-
te A. hat in der Zeitspanne vom 3. Mai bis 28./29. Juli 2004 mutmasslich 
mehrfach Einbruchdiebstähle begangen bzw. zu begehen versucht. Zwar 
kann relativierend festgehalten werden, dass es sich bei diesen über einen 
Zeitraum von knapp drei Monaten verübten Delikten nicht um eine Vielzahl 
an Einbruchdiebstählen handelt. Immerhin aber liegen die ersten beiden 
Delikte keine zehn Tage auseinander. Vorliegend entscheidend sind jedoch 
Art und Umfang der mittels der deliktischen Tätigkeit erzielten bzw. beab-
sichtigten Einkünfte: so betrug der Deliktsbetrag des vollendeten Einbruch-
diebstahls vom 12. Mai 2004 zum Nachteil eines Fotogeschäfts 
Fr. 13'509.20 (act. 4.1), derjenige des vollendeten Einbruchdiebstahls vom 
28./29. Juli 2004 zum Nachteil eines Brillengeschäfts rund Fr. 40'000.-- 
(vgl. act. 1.1). Der versuchte Einbruchdiebstahl vom 3. Mai 2004 richtete 
sich zudem gegen eine Bijouterie, wo die Täterschaft versuchte, mit einem 

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Vorschlaghammer das Schaufenster einzuschlagen. Anhand dieser Tatum-
stände und dem offenbar angestrebten Deliktsgut (Uhren und Schmuckstü-
cke), kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass auch mit die-
sem Delikt ein erheblicher Deliktsbetrag angestrebt wurde (vgl. zum Vorfall 
den Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 6. Mai 2004). Angesichts 
der erzielten bzw. der angestrebten Deliktssummen sowie anhand der bis-
herigen (Hilfsarbeiter) und aktuellen (Chauffeur und Bauarbeiter) Anstel-
lungen des Beschuldigten A. in Bulgarien und der Höhe des hieraus erziel-
ten Verdienstes (siehe hierzu das Einvernahmeprotokoll der Staatsanwalt-
schaft Basel-Stadt vom 9. Januar 2012), muss davon ausgegangen wer-
den, dass A. mit den zumindest nach Art eines „Nebenberufes“ verübten 
Delikten Einkünfte anstrebte, die einen namhaften Beitrag an die Kosten 
seiner Lebensgestaltung darstellten. In Berücksichtigung des bei der Ge-
richtsstandsbestimmung anzuwendenden Grundsatzes „in dubio pro durio-
re“ ist somit auch der in Y. (Kanton St. Gallen) lediglich versuchte Ein-
bruchdiebstahl vom 3. Mai 2004 als Teil einer Serie gewerbsmässiger 
Diebstähle anzusehen. Das für die Bestimmung des Gerichtsstandes ent-
scheidende forum praeventionis im Sinne von Art. 34 Abs. 1 Satz 2 StPO 
liegt damit im Kanton St. Gallen. 

 
2.4 Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch als begründet und es sind 

die Strafverfolgungsbehörden des Gesuchsgegners 2 für berechtigt und 
verpflichtet zu erklären, die A. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu 
beurteilen. 

 
 
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 423 Abs. 1 StPO).  
 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons St. Gallen sind berechtigt und 

verpflichtet, die A. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen. 
 
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.  

 
 

Bellinzona, 26. März 2012 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Staatsanwaltschaft Basel-Stadt 
- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern 
- Staatsanwaltschaft, Untersuchungsamt Gossau 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.