# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 37d35d01-eaee-5b31-8e06-20ca65729420
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-04
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 04.03.2022 200 2022 4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-4_2022-03-04.pdf

## Full Text

200 22 4 IV
JAP/BOC/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 4. März 2022

Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schütz, Verwaltungsrichter Furrer
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt und Notar B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 19. November 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 2001 geborenen A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Be-
schwerdeführerin) wurden aufgrund eines deutlichen Entwicklungsrück-
standes sowie im Zusammenhang mit den Geburtsgebrechen Ziffer 390 
(angeborene cerebrale Lähmungen) und Ziffer 395 (leichte cerebrale Be-
wegungsstörungen) des Anhangs der Verordnung vom 9. Dezember 1985 
über Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21; in Kraft bis 31. Dezember 
2021 [AS 2021 706]) seit 2002 verschiedene Leistungen der Invalidenver-
sicherung (insbesondere medizinische Massnahmen, heilpädagogische 
Früherziehung, Sonderschulmassnahmen im Externat sowie Hilflosenent-
schädigungen bei Hilflosigkeit leichten und mittleren Grades) zugesprochen 
(vgl. Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin; 
act. II] 3, 5, 8, 10 f., 13, 16 f., 26 f., 33, 43, 46, 53, 60, 74, 85, 105, 165).

Am 8. Juli 2019 gewährte die IVB eine erstmalige berufliche Ausbildung als 
Praktikerin ... INSOS (nationaler Branchenverband der Institutionen für 
Menschen mit Behinderung) bei der ... Ausbildungsstätte C.________ (act. 
II 182), welche die Versicherte im Sommer 2021 erfolgreich abschloss (act. 
II 207). Am 30. März 2021 hatte die IVB zudem Arbeitsvermittlung gewährt 
(act. II 199).

Nachdem die IVB eine Stellungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Diens-
tes (RAD) eingeholt hatte (act. II 210), stellte sie mit Vorbescheid vom 
27. September 2021 (act. II 213) bei einem Invaliditätsgrad von 69 % die 
Ausrichtung einer (ausserordentlichen) Dreiviertelsrente ab dem 1. August 
2021 in Aussicht. Sodann erfolgte am 11. Oktober 2021 der Abschluss der 
beruflichen Massnahmen (act. II 216). Schliesslich verfügte die IVB am 
19. November 2021 (act. II 219) wie vorbescheidweise angekündigt.

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B.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt und Notar 
B.________, am 3. Januar 2022 Beschwerde. Sie beantragt, die angefoch-
tene Verfügung sei insoweit aufzuheben, als ihr lediglich eine Dreiviertels-
rente zugesprochen worden sei und es sei ihr rückwirkend seit 1. August 
2021 bis auf weiteres eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Gleichzeitig 
stellt die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
unter Beiordnung von Rechtsanwalt und Notar B.________ als amtlicher 
Anwalt, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2022 beantragt die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-

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tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 19. November 2021 (act. II 219). 
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch und dabei insbesondere, ob 
die Beschwerdegegnerin zu Recht keine höhere als eine Dreiviertelsrente 
zusprach. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705, BBl 2017 2535) und die Änderung 
vom 3. November 2021 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die In-
validenversicherung (IVV; SR 831.201 [AS 2021 706]) in Kraft getreten. 
Weil in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher 
Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die 
bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 
210 E. 4.3.1 S. 213) und die angefochtene Verfügung vom 19. November 
2021 (act. II 219) vor dem Inkrafttreten der genannten Änderungen datiert, 
ist der vorliegende Fall nach den bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Be-
stimmungen zu prüfen.

Ergänzend ist Folgendes zu erwähnen: Wurde einer versicherten Person, 
die wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwer-
ben konnte (vgl. E. 2.5.2 hiernach), eine IV-Rente vor dem Inkrafttreten der 
Änderung vom 3. November 2021 zugesprochen und hat sie im Zeitpunkt 
des Inkrafttretens der Änderung vom 3. November 2021 das 30. Altersjahr 
noch nicht vollendet, so ist der IV-Rentenanspruch innerhalb eines Jahres 

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nach den neuen Bestimmungen (vgl. Art. 26 Abs. 6 IVV [in Kraft seit 1. Ja-
nuar 2022]; Rz. 3330 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialver-
sicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 
[KSIR]) zu revidieren. Davon ausgenommen sind Versicherte, die bereits 
eine ganze Rente erhalten. Eine allfällige Erhöhung der Rente erfolgt auf 
den Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung vom 3. November 2021 
(Übergangsbestimmung zur Änderung vom 3. November 2021 der IVV). 
Diesbezüglich hat die Beschwerdegegnerin in Aussicht gestellt, im Rahmen 
einer neuen Verfügung die laufende Dreiviertelsrente per 1. Januar 2022 
auf eine ganze Rente zu erhöhen (Beschwerdeantwort S. 3 lit. C Ziff. 11). 
Wie aufzuzeigen sein wird, erübrigt sich eine entsprechende Revision, da 
bereits vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen Anspruch auf eine ganze 
Rente besteht. 

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind-
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-

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lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dezember 2021 gültig 
gewesenen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn 
die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsren-
te, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von 
mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf 
von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach 
Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung 
des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Der Rentenanspruch entsteht nicht, so-
lange die versicherte Person ein Taggeld nach aArt. 22 IVG (in der bis 
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung) beanspruchen kann 
(Abs. 2).

2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

2.5

2.5.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

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2.5.2 Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zurei-
chenden beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbsein-
kommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den folgenden nach 
Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes 
gemäss der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik: 
Vor Vollendung des 21. Altersjahres 70 %, vor Vollendung des 25. Alters-
jahres 80 %, vor Vollendung des 30. Altersjahres 90 % und nach Vollen-
dung des 30. Altersjahres 100 % (aArt. 26 Abs. 1 IVV in der bis 
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung).

Geburts- und Frühinvalide im Sinne von aArt. 26 Abs. 1 IVV (in der bis 
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung) sind Versicherte, die seit 
ihrer Geburt oder Kindheit an einem Gesundheitsschaden leiden und des-
halb keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten. Darun-
ter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt keine 
Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso dazu gehören indes Versi-
cherte, die zwar eine Berufsausbildung abschliessen, zu deren Beginn je-
doch bereits invalid waren und die absolvierte Ausbildung wegen ihrer 
Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in gleicher Weise 
"ummünzen" können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentli-
chen) Ausbildung. Steht dagegen fest, dass nicht invaliditätsbedingte 
Gründe, sondern z.B. solche familiärer oder wirtschaftlicher Art den Erwerb 
genügender beruflicher Kenntnisse verunmöglichten, liegt keine Geburts- 
oder Frühinvalidität vor (SVR 2019 IV Nr. 82 S. 273 E. 1.2).

2.6

2.6.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296).

2.6.2 Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise 
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt 
zu ermitteln. Dieser theoretische und abstrakte Begriff dient dazu, den Leis-
tungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversi-
cherung abzugrenzen. Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet 
durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach 

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Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf und 
zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen 
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Er um-
fasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsan-
gebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von 
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Dabei ist nicht von realitätsfrem-
den Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt 
werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjekti-
ven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung 
von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtspre-
chungsgemäss keine übermässigen Anforderungen zu stellen (BGE 138 V 
457 E. 3.1 S. 459; SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2). Nach diesen Ge-
sichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Mög-
lichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein 
rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 
110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 320 E. 3b).

Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen 
ist, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen 
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene 
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Ar-
beitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (SVR 2016 
IV Nr. 2 S. 6 E. 4.4).

Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist anzunehmen, wenn die zu-
mutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der 
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter 
nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitge-
bers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von 
vornherein als ausgeschlossen erscheint (2021 IV Nr. 25 S. 78 E. 6.1).

3.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht sowie im Zusammenhang mit der 
Ausbildung in der ... Ausbildungsstätte C.________ im Wesentlichen das 
Folgende zu entnehmen:

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3.1 Im neuropsychologischen Gutachten des Spitals D.________ vom 
19. Januar 2018 (act. II 149.1) wurden die folgenden Diagnosen aufgeführt 
(act. II 149.1/15):

Dystone cerebrale Bewegungsstörung mit spastischen und ataktischen Anteilen 
unklarer Ätiologie mit
 allgemeiner Entwicklungsstörung mit IQ im Bereich einer Lernbehinderung (IQ 

72 [vgl. act. II 149.1/11])
 leichten Einschränkungen in schulischen Fertigkeiten (Rechnen, Lesen)
 leichten bis mittelschweren kognitiven Defiziten in Teilbereichen der Exekutiv-

funktionen, Sprache, Gedächtnis und reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit

In der aktuellen Testung zeigten sich bei der Beschwerdeführerin leichte 
bis mittelschwere kognitive Hirnfunktionsstörungen, wobei Teilbereiche des 
Gedächtnisses (verbale Merkspanne und Lernen nonverbaler Informatio-
nen), der exekutiven Funktionen (verbale Fluenz, der Handlungsplanung 
und Kontrolle sowie dem verbalen Abstraktionsvermögen) und die kognitive 
Verarbeitungsgeschwindigkeit betroffen seien. Das Sprachverständnis sei 
für komplexe Inhalte nicht sicher gegeben, die Sprachproduktion sei vom 
klinischen Eindruck eher bescheiden (Schwierigkeiten zeigten sich beim 
Formulieren komplexer Informationen), was mit einem kleinen Wortschatz 
und mit dem reduzierten Allgemeinwissen zusammenhänge. Zudem zeig-
ten sich Einschränkungen im Bereich schulischer Fertigkeiten, das heisst 
im Rechnen und Lesen. Die Befunde des IQ-Tests sprächen für eine kogni-
tive Leistungsfähigkeit im Bereich einer Lernbehinderung. Testpsycholo-
gisch unauffällig seien die Flexibilität und Impulskontrolle (letzteres sei vom 
klinischen Eindruck im Verhalten auffällig, indem z.B. Instruktionen nicht 
abgewartet würden). Im Aufmerksamkeitsbereich zeigten sich klinisch eine 
gute Ausdauer, testpsychologisch unauffällige Befunde in der Reaktionsbe-
reitschaft sowie normgerechte Leistungen bei der selektiven und geteilten 
Aufmerksamkeit. Im Bereich des Gedächtnisses gelängen das Lernen und 
Abrufen verbaler Informationen problemlos; die Lernleistung für nonverbale 
Informationen sei leicht reduziert, der Abruf jedoch unauffällig. Die Visuo-
konstruktion sei bis auf die bereits erwähnte mangelnde Planung und Kon-
trolle unauffällig. Weitere Stärken zeigten sich beim Schreiben nach Diktat. 
Insgesamt zeigten sich in der hiesigen Untersuchung bezüglich Art und 
Ausmass nachvollziehbare Einschränkungen in Bezug auf die gemäss Ak-
ten bestehenden Einschränkungen und Ressourcen.

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3.2 Im Bericht "Ausbildung in der Institution" der ... Ausbildungsstätte 
C.________ vom 15. Juli 2021 (act. II 208/1 - 11) wurde festgehalten, aktu-
ell könnten der Beschwerdeführerin einfache, gut geübte Arbeiten als Auf-
trag erteilt werden. Sie könne für deren Ausführung Verantwortung 
übernehmen. Entscheidend sei jedoch ihre Konzentrationsfähigkeit. 
Grundsätzlich bedürfe es einer Harmonie in ihrem privaten Umfeld, insbe-
sondere im Umgang mit Teamkolleginnen. Mit einer Disharmonie könne die 
Beschwerdeführerin nach wie vor nicht umgehen. Diese Unfähigkeit wirke 
sich direkt auf ihr Arbeitsverhalten aus. Sie erscheine unruhig und suche 
permanent klärende Gespräche mit den Personen, die die Unruhe aus ihrer 
Sicht hervorgerufen hätten, oder auch mit den Bezugspersonen. Zu einer 
Klärung komme es nur selten, da die Beschwerdeführerin nicht aus ihrer 
Sicht heraustreten zu können scheine. Der Auftrag der Arbeit werde in die-
sen Situationen als zweitrangig behandelt. Bis anhin sei es der Beschwer-
deführerin nicht gelungen, sich entsprechend abzugrenzen. Am Ende des 
Zeitraums der Berichterstattung betrage das stabil erreichte Pensum 
89.45 %. Die Leistungsfähigkeit betrage 30 - 40 % im Vergleich zu einer 
anerkannten Ausbildung mit identischem Ausbildungsniveau und identi-
scher Dauer im gleichen Berufsfeld in der offenen Wirtschaft. Grundsätzlich 
benötige die Beschwerdeführerin genügend Übungsmöglichkeiten, um ein-
fachere Arbeitsschritte zu verinnerlichen. Somit könnten einfache Aufträge 
grundsätzlich erteilt werden. Jedoch genüge sie bei mehrteiligen und kom-
plexen Aufträgen den geforderten Ansprüchen in Technik, Qualität und 
Tempo meist nicht. Sie erscheine alsdann unsicher, gehemmt und vielfach 
blockiert, insbesondere wenn die benötigte Konzentration nicht gegeben 
sei. In diesem Fall seien Erklärungen und/oder Begleitung unumgänglich. 
Hervorzuheben seien bei der Beschwerdeführerin die positive Arbeitsein-
stellung und ihr Durchhaltevermögen, welches als gut zu bewerten sei.

3.3 Im Bericht "Job Coaching" der ... Ausbildungsstätte C.________ 
vom Juli 2021 (act. II 208/12 - 18) wurde festgehalten, ab April 2021 sei die 
Stellensuche und das Bewerbungscoaching gelaufen. Die Beschwerdefüh-
rerin habe sich offen und interessiert gezeigt bei der Stellensuche, benötige 
jedoch viel Unterstützung, um den Lebenslauf und das Bewerbungsschrei-
ben zu verfassen und um Stellen zu suchen. Sie sei auf gänzliche Mithilfe 
einer Unterstützungsperson angewiesen. Der E.________ in ... sei interes-

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siert und würde gerne einen Nischenarbeitsplatz im Bereich … aufgleisen. 
Die Beschwerdeführerin habe sich an einem Gespräch dem Betrieb vorstel-
len können und als nächstes stünden drei Schnuppertage an. Diese fänden 
vom 8. - 10. Juni 2021 statt. Bei der Auswertung des Schnuppereinsatzes 
habe sich gezeigt, dass der Betreuungs- und Begleitaufwand für den Be-
trieb zu gross sei. Es komme zu keiner Anschlusslösung im E.________. 
Weiter wurde die Frage, ob mit dem an Ende der Ausbildung zu erreichen-
den Ausbildungsstand und der Leistungsfähigkeit eine Anstellung im ersten 
Arbeitsmarkt realistisch sei, verneint. Es wurde ergänzend ausgeführt, zur-
zeit sei eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt mit Leistungslohn nur denk-
bar, wenn einige Faktoren bei einem potenziellen Arbeitgeber stimmen 
würden. Die Beschwerdeführerin benötige eine wohlwollende Ansprech- 
bzw. Bezugsperson, welche sie zumindest in einer Anfangsphase eng be-
gleiten und Hilfestellung bieten könne. Einfache und wiederholende Aufga-
ben erleichterten einen Einstieg im ersten Arbeitsmarkt. Regelmässige 
Befindlichkeits- und Reflexionsgespräche seien unabdingbar. Um die 
Nachhaltigkeit einer Anstellung zu gewährleisten, sei der Übergang aus der 
Ausbildung, wenn möglich durch ein Coaching, für beide Vertragspartner 
zu begleiten. Die Ressourcen der Beschwerdeführerin im Bereich der Um-
gangsformen seien sicherlich förderlich für eine Anstellung im ersten Ar-
beitsmarkt. Diese vielen Punkte könnten im ersten Arbeitsmarkt kaum 
abgedeckt werden, weshalb empfohlen werde, dass die Beschwerdeführe-
rin sich zum jetzigen Zeitpunkt im zweiten Arbeitsmarkt orientiere. Der erste 
Arbeitsmarkt stelle eine zu grosse Herausforderung für sie dar. Damit die 
Beschwerdeführerin sich in ihren fachlichen, sozialen und persönlichen 
Kompetenzen stärken könne, sei das Umfeld des zweiten Arbeitsmarktes 
zur jetzigen Zeit sinnvoller, damit eine mögliche Stabilität erreicht werden 
könnte.

3.4 Die RAD-Ärztin Dr. med. F.________, Fachärztin für Neurologie, 
führte im Bericht vom 2. September 2021 (act. II 210) die folgenden Dia-
gnosen auf:

 Dyskinetische Cerebralparese mit spastischen und ataktischen Anteilen
 Skoliose
 Allgemeine Entwicklungsstörung (IQ 72) im Bereich einer Lernbehinderung

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 Leichte bis mittelschwere kognitive Defizite in Teilbereichen der Exekutivfunk-
tionen, Sprache, Gedächtnis und reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit

Bei der Beschwerdeführerin bestehe ein komplexer Gesundheitsschaden. 
Neben einer dyskinetischen Cerebralparese mit geringen motorischen De-
fiziten und einer Skoliose stünden die kognitiven Defizite im Vordergrund. 
Seit der frühen Kindheit sei ein kognitiver Entwicklungsrückstand beschrie-
ben, welcher zu heilpädagogischen Früherziehungsmassnahmen, Besuch 
des Sonderkindergartens am G.________ und Sonderschulmassnahmen 
an der heilpädagogischen Tagesschule in ... geführt hätten. Eine Abklärung 
der kognitiven Hirnfunktionen im 2010 habe eine unterdurchschnittliche 
Begabung im IQ-Bereich einer Lernbehinderung ergeben. Das Leistungs-
profil habe sich damals unausgeglichen gezeigt. Schwierigkeiten hätten 
sich im Bereich der Gestalterschliessung, des logischen schlussfolgernden 
Denkens (bzw. Erkennen von Prinzipien) und im Erkennen von Handlungs-
abläufen gezeigt. 2018 sei eine neuropsychologische Begutachtung erfolgt, 
die leichte bis mittelschwere kognitive Hirnfunktionsstörungen objektiviert 
habe. Diese beträfen besonders die Teilbereiche des Gedächtnisses (ver-
bale Merkspanne und Lernen nonverbaler Informationen), der exekutiven 
Funktionen (verbale Fluenz, der Handlungsplanung und Kontrolle sowie 
dem verbalen Abstraktionsvermögen) und die kognitive Verarbeitungsge-
schwindigkeit. Das Sprachverständnis für komplexe Inhalte sei als nicht 
sicher gegeben eingeschätzt worden und die Sprachproduktion sei eben-
falls als erheblich eingeschränkt beurteilt worden. Im Rahmen der INSOS-
Ausbildung sei klar geworden, dass die Beschwerdeführerin trotz intensiver 
Förderung in ihrer Leistungsfähigkeit auch bei praktischen Arbeiten erheb-
lich eingeschränkt sei. Sie sei lediglich in der Lage, einfachste Routineauf-
gaben zuverlässig und in guter Qualität zu erledigen. Sie benötige eine 
ständige Kontrolle, da sie sehr schnell unkonzentriert, abgelenkt und somit 
fehlerhaft arbeite. Auch das Arbeitstempo sei verlangsamt. Die vorliegen-
den Semesterberichte, Standortgespräche und der Abschlussbericht 
bestätigten dies konsistent. Diese Einschränkungen seien unter 
Berücksichtigung des bestehenden Gesundheitsschadens medizinisch 
plausibel und nachvollziehbar. Die Behandlung der spastischen cerebralen 
Parese (GG 390) sei lege artis erfolgt (regelmässige fachärztliche Betreu-
ung und Physiotherapie). Auch die Förderung der Beschwerdeführerin auf-

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grund der kognitiven Störungen sei optimal gewesen. Mit einer Verbesse-
rung des Gesundheitsschadens und einer damit verbundenen Erhöhung 
des Leistungsvermögens könne aus medizinischer Sicht nicht gerechnet 
werden. Das Zumutbarkeitsprofil ab 1. August 2021 für die Tätigkeit als ... 
laute wie folgt: Diese Tätigkeit sei als optimal angepasst zu werten. Die 
Beschwerdeführerin sei in der Lage, sieben Stunden an fünf Tagen in der 
Woche dieser Tätigkeit nachzugehen. Dabei sei von einer Leistungsfähig-
keit von 40 % auszugehen.

4.

4.1

4.1.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

4.1.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 14

4.1.3 Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein 
lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztli-
che Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts 
geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in 
den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte 
und Stellungnahmen Regionaler Ärztlicher Dienste (SVR 2020 IV Nr. 38 S. 
134 E. 4.3).

4.1.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

4.2 Vorliegend zu Recht unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin 
die versicherungsmässigen Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine 
ausserordentliche Rente erfüllt (vgl. Art. 39 Abs. 3 i.V.m. Art. 9 Abs. 3 IVG). 

Die Aktenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. F.________ vom 2. Sep-
tember 2021 (act. II 210) erfüllt die an den Beweiswert eines medizinischen 
Berichtes gestellten Anforderungen (vgl. E. 4.1.2 hiervor). Die Befundlage 
und die Diagnosestellung sind zu Recht unbestritten (Beschwerde S. 4 Ziff. 
IV. Ziff. 1). Sodann war eine klinische Exploration entbehrlich, ging es doch 
um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizini-
schen Sachverhalts (vgl. E. 4.1.3 hiervor). Desweitern korreliert die Beurtei-
lung der RAD-Neurologin mit den Angaben im neuropsychologischen 
Gutachten des Spitals D.________ vom 19. Januar 2018 (act. II 149.1) 
sowie den Berichten der ... Ausbildungsstätte C.________ (act. II 188, 193 
- 198, 208 f.); divergierende medizinische Einschätzungen bestehen keine.

Die Beschwerdeführerin absolvierte mittels erstmaliger beruflicher Ausbil-
dung (act. II 182) eine Praktische Ausbildung (PrA) nach INSOS im Bereich 
... (act. II 207/5). In dieser Tätigkeit besteht gestützt auf die voll beweiskräf-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 15

tige RAD-Aktenbeurteilung vom 2. September 2021 (act. II 210) eine Ar-
beitsfähigkeit von sieben Stunden an fünf Tagen in der Woche bei einer 
Leistungsfähigkeit von 40 % bzw. eine Restarbeitsfähigkeit von 33.6 % 
(35 h von 41.7 h wöchentlich = 84 % x 40 % Leistungsfähigkeit). Für das 
von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Zumutbarkeitsprofil von 
maximal zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche bei einer Leis-
tungsfähigkeit von 25 % (Beschwerde S. 6 Ziff. IV. Ziff. 2.3) besteht folglich 
keinerlei Grundlage.

5.

5.1 Hinsichtlich der Invaliditätsbemessung wird beschwerdeweise vor-
gebracht (Beschwerde S. 6 f. Ziff. IV. Ziff. 2.4), im vorliegenden Fall sei die 
Beschwerdeführerin mit ihrem Anforderungs- und Belastungsprofil bzw. mit 
einer – als zu tief bestrittenen – mindestens 60 %-igen Leistungsminderung 
sowie einer zusätzlich begrenzten Arbeitsfähigkeit nach der allgemeinen 
Lebenserfahrung in einem Masse eingeschränkt, dass von einer wirtschaft-
lich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit nicht mehr gesprochen werden 
könne. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin lediglich einfachste 
Routinearbeiten erledigen könne und selbst bei diesen eine ständigen Kon-
trolle erforderlich sei, würden einen durchschnittlichen Arbeitgeber – auch 
auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt – davon abhalten, die Beschwer-
deführerin anzustellen. Nachdem auch die Beschwerdegegnerin die Be-
schwerdeführerin an die H.________ für die Unterstützung bei der Suche 
nach einer Tätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt verwiesen habe, sei sie in der 
freien Marktwirtschaft als nicht arbeitsfähig anzusehen. 

5.2 Laut der RAD-Ärztin Dr. med. F.________ (act. II 210) ist die Be-
schwerdeführerin in der Lage, als ... sieben Stunden an fünf Tagen in der 
Woche mit einer Leistungsfähigkeit von 40 % zu arbeiten. Sie ist jedoch 
trotz intensiver Förderung in ihrer Leistungsfähigkeit auch bei praktischen 
Arbeiten erheblich eingeschränkt. Sie ist lediglich in der Lage, einfachste 
Routineaufgaben zuverlässig und in guter Qualität zu erledigen, wobei sie 
eine ständige Kontrolle benötigt, da sie sehr schnell unkonzentriert, abge-
lenkt und somit fehlerhaft arbeitet. Die Problematik mit der Konzentrations-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 16

fähigkeit wird in den Berichten der ... Ausbildungsstätte C.________ wie-
derholt erwähnt. Im abschliessenden Bericht "Ausbildung in der Institution" 
vom 15. Juli 2021 wurde festgehalten, dass Disharmonie im Umgang mit 
Teamkolleginnen die Beschwerdeführerin stark ablenke und der Auftrag 
der Arbeit in dieser Situation als zweitranging behandelt werde (act. II 
208/2). Im Bericht "Ausbildung" vom 14. Januar 2021 wurde ausgeführt, die 
Beschwerdeführerin lasse sich von äusseren Reizen wie Gruppendynamik, 
Konflikten oder anderen Angelegenheiten ablenken, sie könne nur schwer 
Konfliktsituationen selbstständig austragen und lösen (act. II 195/3; vgl. 
auch act. II 193/30). Im Bericht "Individueller Kompetenznachweis" vom 11. 
November 2020 wurde angegeben, die Beschwerdeführerin könne sich je 
nach Tagesverlauf mehr oder weniger von anderen Lernenden abgrenzen, 
was sich stark auf ihre Konzentration auswirke (act. II 193/20).

Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin nur einfachste Routineaufga-
ben zuverlässig und in guter Qualität sieben Stunden an fünf Tagen in der 
Woche mit einer Leistungsfähigkeit von 40 % erledigen kann, spricht nicht 
gegen die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit an einem Nischenarbeits-
platz. Die bei der Beschwerdeführerin bestehende Konzentrationsproble-
matik und die damit einhergehende ständige Notwendigkeit einer Kontrolle 
verlangt jedoch selbst im Bereich der … Berufe bzw. persönlichen Dienst-
leistungen (LSE 2018, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Monatlicher Brutto-
lohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und 
Geschlecht, Privater Sektor, Ziff. 96, Sonstige persönliche Dienstleistun-
gen; in der angefochtenen Verfügung wurde hingegen in nicht nachvoll-
ziehbarer Weise auf den gesamten Dienstleistungssektor abgestellt) ein 
nicht realistisches Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers, 
womit das finden einer entsprechenden Stelle als ausgeschlossen er-
scheint (vgl. E. 2.6.2 hiervor). Dies wird durch den Umstand untermauert, 
dass die Beschwerdeführerin vom 8. bis 10. Juni 2021 drei Schnuppertage 
im E.________ absolvieren konnte, wobei der Betrieb einen Nischenar-
beitsplatz im Bereich … bereitstellen wollte. Bei der Auswertung des 
Schnuppereinsatzes zeigte sich jedoch, dass der Betreuungs- und Beglei-
taufwand für den Betrieb zu gross war und es deshalb zu keiner Anschluss-
lösung gekommen war (act. II 208/13). Zudem wurde im Bericht "Job 
Coaching" der ... Ausbildungsstätte C.________ vom Juli 2021 mit dem am 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 17

Ende der Ausbildung zu erreichenden Ausbildungsstand und der Leistungs-
fähigkeit eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt als nicht realistisch beur-
teilt (act. II 208/17 f.) und von der Eingliederungsfachperson der Beschwer-
degegnerin wurde sie für Hilfe bei der Stellensuche auf dem zweiten 
Arbeitsmarkt an die H.________ verwiesen (Protokoll der Beschwerdegeg-
nerin per 31. Januar 2022 [im Gerichtsdossier], S. 12 f., Einträge vom 
30. September, 4. und 14. Oktober sowie 16. November 2021). 

Mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen fehlt es an der wirtschaftli-
chen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt, es bedarf eines geschützten Arbeitsplatzes. Folglich liegt eine 
vollständige Erwerbsunfähigkeit vor; die Vornahme eines Einkommensver-
gleichs erübrigt sich, es resultiert – unabhängig von der Höhe des Validen-
einkommens (vgl. aArt. 26 Abs. 1 IVV und IV-Rundschreiben Nr. 403 des 
BSV vom 17. November 2020 bzw. ab 1. Januar 2022: Art. 26 Abs. 6 IVV) 
– ein zu einer ganzen Rente berechtigender Invaliditätsgrad (vgl. Entscheid 
des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2016, 9C_321/2018, E. 5). 

Der Rentenbeginn ab 1. August 2021 ist in Anwendung von Art. 29 Abs. 2 
IVG (vgl. E. 2.3 hiervor) nicht zu beanstanden, da die Beschwerdeführerin 
bis zum Abschluss ihrer Ausbildung als ... per Ende Juli 2021 (act. II 207) 
ein Taggeld der Invalidenversicherung bezogen hat (act. II 183). 

5.3 Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 
19. November 2021 (act. II 219) in Gutheissung der Beschwerde dahinge-
hend abzuändern, als die Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2021 An-
spruch auf eine ganze Rente hat.

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 18

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4).

6.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Rechtsanwalt und Notar B.________ macht mit Kostennote vom 2. Februar 
2022 ein Honorar von Fr. 2'875.-- (11.5 h x Fr. 250.--) zuzüglich Auslagen 
von Fr. 12.-- sowie Mehrwertsteuer von Fr. 222.30 (7.7 % von Fr. 2'887.--), 
total Fr. 3'109.30 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Der Parteikosten-
ersatz wird demnach auf Fr. 3'109.30 (inkl. Auslagen und MWST) festge-
setzt; diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin 
zu ersetzen. 

6.3 Bei diesem Prozessausgang ist das Rechtsschutzinteresse an der 
Beurteilung des für das Beschwerdeverfahren gestellten Gesuchs um un-
entgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt und Notar 
B.________ als amtlicher Anwalt dahingefallen. Das entsprechende Ver-
fahren ist als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abzu-
schreiben (MICHEL DAUM in HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz 
über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl. 2020, Art. 39 N. 
1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/22/4, Seite 19

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 19. November 2021 dahingehend abgeändert, als 
die Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2021 Anspruch auf eine 
ganze Rente hat.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'109.30 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
und Beiordnung von Rechtsanwalt und Notar B.________ als amtlicher 
Anwalt wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt und Notar B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.