# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fdc853f4-d348-596e-8fd4-3acc661b3590
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.08.2020 E-4444/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4444-2018_2020-08-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4444/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  A u g u s t  2 0 2 0   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen,    

Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), 

Kongo (Brazzaville),   

vertreten durch MLaw Nora Maria Riss,  

Freiplatzaktion (…), Rechtshilfe Asyl und Migration,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 29. Juni 2018 / N (…). 

 

 

 

E-4444/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin hat ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge 

am 25. November 2017 verlassen. Mit einem Schlepper und durch ihn or-

ganisierten Reisepapieren sei sie über Marokko nach Frankreich geflogen. 

Nach einem zweitägigen Aufenthalt in Frankreich sei sie am 27. November 

2017 in die Schweiz gefahren. Am 29. November 2017 stellte sie im dama-

ligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._______ ein Asylge-

such. In Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die Durchfüh-

rung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich 

vom  

4. September 2013 (TestV; SR 142.318.1) wurde sie dem damaligen Ver-

fahrenszentrum in Zürich zugewiesen. 

B.  

Am 5. Dezember 2017 fand eine Personalienaufnahme und am 8. Dezem-

ber 2017 ein Dublingespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 

604/2013 statt, bei welchen sie summarisch zu ihrer Person, ihrem Reise-

weg und ihrem Gesundheitszustand befragt wurde. 

C.  

Die Rechtsvertretung reichte zwischen dem 3. Januar 2018 und 23. März 

2018 diverse Formulare mit medizinischen Informationen des Ambulatori-

ums Kanonengasse, in welchem die Beschwerdeführerin zwischen dem 

13. Dezember 2017 und dem 14. März 2018 elf Konsultationen hatte, ein. 

Aus den Formularen geht im Wesentlichen hervor, dass die Beschwerde-

führerin an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach 

mehrmaliger Vergewaltigung leide. 

D.  

Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin an-

lässlich der Erstbefragung nach Art. 16 Abs. 3 TestV vom 12. April 2018 

und der Anhörung nach Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV vom 25. April 2018 im 

Wesentlichen folgenden Sachverhalt vor: 

Sie sei in C._______ geboren und aufgewachsen und habe im Jahr (…) 

das Gymnasium abgeschlossen. Danach habe sie an der Universität drei 

Jahre lang (…) und (…) studiert und habe ein Diplom erlangt. Später habe 

sie noch während einem weiteren Jahr (…) studiert und im Jahr (…) ein 

weiteres Diplom erhalten. Anschliessend habe sie Mühe gehabt, eine 

Stelle zu finden und habe im Jahr (…) begonnen, in einem Ort namens 

E-4444/2018 

Seite 3 

D._______ Handel zu betreiben. Zunächst habe sie bei einer Freundin ge-

wohnt, habe dann aber einen Mann kennengelernt und von Februar bis 

Dezember 2016 mit ihm zusammengelebt. Der Mann sei ein ehemaliger 

Kämpfer, welche man Ninja-Kämpfer nenne, im Krieg von 1998 gewesen. 

Im April 2016 hätten die Ninja Brazzaville angegriffen, weshalb es zu poli-

tischen Unruhen und vermehrter Militärpräsenz, insbesondere auch in 

D._______, gekommen sei. Im Dezember 2016 sei ihr Freund deswegen 

in die Wälder geflohen. Nach seiner Flucht habe sie zunächst alleine in 

seinem Haus gelebt und sie habe ihm regelmässig Lebensmittel in den 

Wald gebracht. Nach einer Weile sei das Gerücht aufgekommen, Freun-

dinnen der Ninjas würden diesen Lebensmittel in den Wald bringen und 

man solle sie verhaften, um die Ninjas im Wald aushungern zu lassen. Sie 

habe Angst bekommen, alleine im Haus ihres Freundes zu bleiben, und sei 

deswegen wieder zu ihrer Freundin gezogen. Am 1. Juli 2017 habe es früh 

morgens an der Türe geklopft und Personen des Militärs hätten nach ihr 

gesucht. Man habe sie auf ein Kommissariat gebracht und sie sei nach 

ihrem Freund gefragt worden. Man habe sie daraufhin in einem Raum mit 

anderen Frauen festgehalten. Am folgenden Tag seien sie zum Wald ge-

bracht worden und man habe sie aufgefordert anzugeben, wo im Wald sich 

die Ninjas verstecken würden. Da sie die Frage nicht habe beantworten 

können, sei sie vergewaltigt und mit dem Tode bedroht worden. Dies sei 

während sechs Tagen, bis zum 6. Juli 2017, wiederholt worden, bis eine 

Person vom Militär ihr gegen Bezahlung geholfen habe, zu fliehen. Er habe 

sie zunächst zu ihrer Freundin gefahren, wo sie ihr Geld geholt habe und 

sie dann an einem anderen Ort abgesetzt. Sie habe dort einen Mann ge-

troffen, welcher ihr über den Fluss in die Demokratische Republik Kongo 

geholfen habe, und habe sich bis September 2017 bei seiner Familie in 

E._______ aufgehalten. Danach habe der Mann sie zu seiner Schwester 

nach F._______ gebracht und habe ihr geholfen, die Ausreise zu organi-

sieren. 

Zum Nachweis ihrer Identität reichte sie ihre Identitätskarte von Kongo 

Brazzaville zu den Akten. 

E.  

Mit Verfügung vom 2. Mai 2018 teilte das SEM der Beschwerdeführerin mit, 

dass weitere Abklärungen nötig seien und ihr Asylgesuch gemäss Art. 19 

TestV im erweiterten Verfahren behandelt werde. Gleichzeitig wurde sie 

dem Kanton G._______ zugewiesen. 

E-4444/2018 

Seite 4 

F.  

Mit Verfügung vom 29. Juni 2018, eröffnet am 4. Juli 2018, verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, schob den Voll-

zug der Wegweisung infolge Unzumutbarkeit indessen auf und ordnete 

eine vorläufige Aufnahme an.  

Es begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass ihre Vorbrin-

gen, sie habe mit einem Ninja-Kämpfer eine Liebschaft gehabt und sei auf-

grund dessen im Juli 2017 vom Militär während einigen Tagen festgehalten 

und dabei mehrfach vergewaltigt worden, nicht glaubhaft seien. Sie habe 

sich widersprüchlich zu den angeblichen Hintergründen der Festnahme ge-

äussert. Sie habe einerseits zu Protokoll gegeben, sie sei von den Soldaten 

aufgefordert worden, den Aufenthaltsort des Ninjas, mit welchem sie eine 

Liebschaft gehabt habe, zu verraten. Demgegenüber habe sie gesagt, das 

Ziel der Soldaten sei es nicht gewesen, den Ort des Verstecks der Ninjas 

in Erfahrung zu bringen, sondern sie zu misshandeln und ihre Wut an ihr 

auszulassen. Ausserdem habe sie zu zentralen Punkten lediglich unsub-

stantiierte Angaben gemacht. Zum Ablauf der Tage während der Inhaftie-

rung habe sie stereotype und pauschale Aussagen gemacht. Sie habe le-

diglich angegeben, man habe ihr ein Stück Brot und Ingwer sowie eine 

Flasche Wasser gebracht und es sei in dem Raum erstickend gewesen. 

Ihre Schilderungen würden kein Bild ermitteln, wie ein durchschnittlicher 

Tag während der Inhaftierung ausgesehen habe. Auch auf die Frage, ob 

sie jeweils von der gleichen oder von verschiedenen Personen vergewaltigt 

worden sei, habe sie ausweichend zur Antwort gegeben, es sei schwierig 

dies zu beantworten, da es jeweils in der Nacht geschehen sei und sie nicht 

gewagt habe, die Soldaten anzuschauen. Sie wisse nur noch, dass diese 

bewaffnet und in Militärkleidung gewesen seien. Diese Antwort sei als 

Schutzbehauptung zu qualifizieren, da man sich bei einem solchen Über-

griff nahe komme und erwartet werden könne, dass sie konkrete Angaben 

hätte machen können. Des Weiteren habe sie auch keine Angaben zu den 

Frauen, welche mit ihr während der mehrtätigen Haft im gleichen Raum 

festgehalten worden seien, machen können. Sie habe weder deren Namen 

noch die Hintergründe deren Inhaftierung gekannt. Sie habe diesbezüglich 

angegeben, sie habe sich nie mit den Frauen unterhalten, da es sich nicht 

gehöre, in einer solchen Situation Fragen zu stellen. Diese Aussagen seien 

realitätsfremd und es wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich mit den 

anderen beiden Frauen, welche ihr Schicksal geteilt hätten, ausgetauscht 

hätte. Schliesslich habe sie auch keine ungefähren Angaben zur Höhe der 

Geldsumme, welche sie einem Soldaten für ihre Freilassung bezahlt habe, 

E-4444/2018 

Seite 5 

machen können. Nicht nachvollziehbar sei in diesem Zusammenhang ihre 

Aussage, dass der sie freilassende Soldat mit ihr nicht über eine konkrete 

Geldsumme als Gegenleistung für die Freilassung diskutiert oder verhan-

delt habe, zumal es für diesen von grundlegendem Interesse hätte sein 

müssen zu wissen, für welche Summe er ihretwegen seine Anstellung und 

auch allfällige strafrechtliche Konsequenzen und Sanktionen riskiert hätte. 

Hinzukommend liessen ihre Schilderungen über die mehrtägige Haft und 

die massiven Übergriffe auf ihre Integrität gänzlich die Wiedergabe von 

Emotionen und inneren psychischen Vorgängen vermissen, was im Fall 

von effektiven Erlebnissen der angeführten Art jedoch zwingend wäre. Auf-

grund dessen seien die mehrtägige Inhaftierung und die Vergewaltigungen 

nicht glaubhaft. 

Des Weiteren sei ihr Vorbringen, die allgemeine Situation in Kongo Braz-

zaville sei instabil und unsicher, nicht asylrelevant. Die schwierige Sicher-

heitslage in ihrem Heimatstaat sei die Folge der allgemeinen politischen 

und sozialen Verhältnisse, wie sie sich für einen Grossteil der Bevölkerung 

präsentiere, und stelle keine gezielte asylbeachtliche Verfolgung im Sinne 

des Art. 3 AsylG dar. 

Ihr Vorbringen würden insgesamt weder den Anforderungen an die Glaub-

haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch den Anforderungen an die Flüchtlings-

eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. 

G.  

Die Beschwerdeführerin liess diese Verfügung mit Beschwerde vom         

31. Juli 2018 durch ihre Rechtsvertreterin anfechten und beantragte, die 

angefochtene Verfügung sei in den Ziffern 1 bis 3 aufzuheben, es sei ihre 

Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren, eventuali-

ter sei die Beschwerdeführerin als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, sub-

eventualiter sei die Sache zur erneuten Feststellung des Sachverhalts und 

zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und 

die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen.  

Sie begründete die Rechtsmitteleingabe dahingehend, dass ihre Aussagen 

trotz ihrer traumatischen Erlebnisse und der Tatsache, dass die erste An-

hörung nicht in einem Frauenteam durchgeführt worden sei, nachvollzieh-

bar und detailliert ausgefallen seien. Die Beschwerdeführerin habe mehr-

fach angegeben, dass sie den Soldaten alles, was sie über die Ninjas ge-

wusst habe, gesagt hätte, dennoch hätten diese nicht aufgehört, sie zu 

E-4444/2018 

Seite 6 

misshandeln. Sie sei deswegen davon ausgegangen, dass die Soldaten 

sie quälen wollten und gar nicht an den Informationen interessiert gewesen 

seien. Es handle sich dabei jedoch um eine Annahme ihrerseits, sie könne 

nicht wissen, warum die Soldaten sie so lange festgehalten und misshan-

delt hätten und es sei in ihren Aussagen kein Widerspruch zu erkennen. 

Ob sie noch weitere Informationen über die Ninjas gehabt habe, habe die 

Soldaten anscheinend nicht interessiert. Der Soldat, welcher sie freigelas-

sen habe, habe ihr zudem gesagt, dass die Personen im Normalfall nicht 

länger als eine Woche in Haft überleben würden. 

In der Beschwerde wird weiter ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin 

detaillierte Angaben zu ihrer Verhaftung, zum Polizeikommissariat und zum 

Ablauf, wie sie in die Zelle gebracht worden sei, wie auch zum Aussehen 

der Zelle gemacht habe. Sie habe auch erklärt, wie sie die Notdurft verrich-

tet habe, sich nicht habe waschen können und Stimmen gehört habe. Da-

neben habe sie auch die Abläufe der Vergewaltigungen und den Transport 

sehr detailliert geschildert. Es würden sich in beiden Anhörungsprotokollen 

keine pauschalen und stereotypen Aussagen befinden und sie habe auch 

glaubhaft geschildert, wie sie sich in Haft gefühlt habe. Ausserdem sei an-

zumerken, dass die Ansicht der Vorinstanz, man komme sich bei einer Ver-

gewaltigung sehr nahe und müsse daher Eindrücke über die Umrisse, Sta-

tur, Körpergerüche und die individuelle Verhaltens- und Vorgehensweise 

des Täters bekommen, eine sehr plakative und vereinfachte Vorstellung 

einer Vergewaltigung darstelle und nicht der Realität entspreche. 

Die Vorinstanz habe sich überdies in keiner Weise mit der psychischen 

Verfassung der Beschwerdeführerin und dem Aussageverhalten von Op-

fern von sexueller Gewalt im Allgemeinen auseinandergesetzt. Gemäss 

dem Istanbul-Protokoll könnten Personen, welche an einer PTBS leiden, 

unfähig sein, gewisse Details der Folterung in Erinnerung zu rufen und sie 

würden sich nur noch an die wichtigsten Ereignisse dieses Erlebnisses er-

innern. Die Unfähigkeit der Beschwerdeführerin, sich an gewisse Details 

erinnern zu können, bestärke somit vielmehr ihre Glaubhaftigkeit. Des Wei-

teren sei eine vom Bundesverwaltungsgericht anerkannte Theorie der wis-

senschaftlichen Traumaforschung zu berücksichtigen, welche besage, 

dass traumatisierte Asylsuchende häufig nicht in der Lage seien, präzise, 

vollständige und widerspruchsfreie Angaben zu erlittenen Misshandlungen 

zu machen. Sie würden dazu neigen, Gedanken, Gefühle und Gespräche 

die sich auf traumatische Ereignisse beziehen würden, zu vermeiden. Die 

damalige Asylrekurskommission (ARK) habe im Urteil EMARK 2003 Nr. 17 

E-4444/2018 

Seite 7 

E.4b festgehalten, dass jenen Selbstschutz- und Verdrängungsmechanis-

men im Rahmen der Beurteilung von Aussagen potentieller Traumaopfer 

hinreichend Rechnung zu tragen sei. 

In Bezug auf die anderen beiden Frauen, welche mit der Beschwerdefüh-

rerin im selben Raum festgehalten worden seien, habe sie gesagt, die bei-

den Frauen seien bereits im Raum gewesen, als sie gekommen sei. So wie 

sie sich verhalten hätten, habe jede auf ihre Weise Angst gehabt. Sie seien 

jeweils zusammen abgeholt und wieder zurückgebracht worden. Es sei al-

les sehr beschämend gewesen und sie habe nicht sprechen können, da es 

so schlimm gewesen sei. Sie hätten alle geweint und man habe nicht ein-

fach fragen können, was los sei, da man ja nicht wisse, was der anderen 

Person passiert sei. Es wäre für sie etwas anderes gewesen, wenn die 

Frauen sie zuerst angesprochen hätten, sie habe aber nicht von sich aus 

Fragen stellen wollen. Es sei im Übrigen herabwürdigend, von solchen Er-

eignissen zu erzählen, auch wenn die andere Person dasselbe erlebt habe. 

Es sei zudem anzumerken, dass sie nicht erst auf Nachfrage des SEM er-

wähnt habe, dass sie nicht mit den anderen beiden Frauen gesprochen 

habe. Es sei nicht möglich anzugeben, welches Verhalten in einer solchen 

Situation mit fremden Personen zu erwarten wäre, wenn man so etwas 

nicht selber erlebt habe. Sie und die beiden anderen Frauen hätten sich 

zutiefst dafür geschämt, was ihnen angetan worden sei, und es sei absolut 

verständlich, dass sich die Frauen untereinander geschämt und nicht ge-

sprochen hätten.  

Des Weiteren habe die Beschwerdeführerin ausführlich erklärt, weshalb 

der Soldat nicht mit ihr über den Geldbetrag verhandelt habe und sie habe 

in der Eile auch nicht nachgeschaut, wie viel sie ihm konkret gegeben 

habe. Sie habe erklärt, die Soldaten würden bis zu ihrem 30. Lebensjahr 

kein Gehalt erhalten, weshalb sie gewusst habe, dass er das Geld anneh-

men würde. Bereits mit kleinsten Beträgen könne man in ihrer Heimat je-

manden bestechen.  

In der Beschwerde wird zudem moniert, dass die Argumentation des SEM, 

ihre Aussagen hätten die Wiedergabe von Emotionen und inneren psychi-

schen Vorgängen vermissen lassen, in keiner Weise zutreffend sei. Sie 

habe in der ersten Anhörung sehr ausführlich ihre Verhaftung und die ers-

ten Übergriffe geschildert und habe so fest weinen müssen, dass die Dol-

metscherin sie nicht mehr richtig habe verstehen können. Auch bei der 

zweiten Anhörung habe sie geweint, als sie von der Vergewaltigung erzählt 

habe und sie habe geschildert, wie sie sich aufgrund des Geschehenen 

E-4444/2018 

Seite 8 

fühle. Sie habe auch gesagt, dass sie keinerlei Bedürfnis mehr habe, mit 

einem Mann zusammen zu sein, und sie nichts mehr empfinde. Es sei für 

sie schwierig, immer wieder darüber sprechen zu müssen und sie könne 

jeweils danach nicht schlafen, da es sie sehr bewege. In einer Anhörungs-

pause habe sie ausserdem einen heftigen Weinkrampf gehabt. Sie habe 

auch mehrfach angegeben, dass sie sich vorgenommen habe, sich an der 

Anhörung zu beherrschen. Die Argumentation des SEM sei nicht nachvoll-

ziehbar.  

Insgesamt habe es die Vorinstanz unterlassen, eine Gesamtbetrachtung 

der Aussagen vorzunehmen und keine Abwägung aller Elemente, welche 

für oder gegen die Richtigkeit ihrer Aussagen sprechen würden, vorgenom-

men. Auch die zahlreichen Hinweise auf ihre gesundheitlichen Beeinträch-

tigungen seien nicht berücksichtigt worden. Die Vorinstanz habe dadurch 

den Untersuchungsgrundsatz und das rechtliche Gehör verletzt, weshalb 

die Sache eventualiter an die Vorinstanz zur erneuten Abklärung zurückzu-

weisen sei. 

H.  

Am 6. August 2018 reichte die Rechtsvertretung eine Vollmacht der Be-

schwerdeführerin im Original zu den Akten. 

I.  

Mit Instruktionsverfügung vom 9. August 2018 bestätigte die Instruktions-

richterin den Eingang der Beschwerde und hielt fest, die Beschwerdefüh-

rerin dürfe den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten, zumal 

sie vorläufig in der Schweiz aufgenommen worden sei. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. August 2018 stufte die Instruktionsrichterin 

die Beschwerde als aussichtslos ein, wies das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen 

Rechtsbeistands ab und forderte die Beschwerdeführerin auf, einen Kos-

tenvorschuss zu bezahlen. 

K.  

Am 29. August 2018 bezahlte die Beschwerdeführerin fristgerecht den ver-

langten Kostenvorschuss ein. 

L.  

Mit Eingabe vom 29. August 2018 wies die Beschwerdeführerin darauf hin, 

E-4444/2018 

Seite 9 

dass sie beabsichtige, in Kürze eine Beschwerdeergänzung einzureichen 

und bat das Gericht mit dem Erlass eines Urteils zuzuwarten. 

M.  

Am 5. September 2018 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie beim 

Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des psychiatrischen Universitäts-

spitals G._______ einen Termin mit einer spezialisierten Psychiaterin habe 

und beabsichtige, einen detaillierten Arztbericht einzureichen, welcher je-

doch noch nicht fertig gestellt worden sei, weshalb sie erneut das Gericht 

bat, mit dem Erlass des Urteils zuzuwarten.  

N.  

Am 10. September 2018 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben der 

Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik des Universitätsspitals 

G._______ ein, gemäss welchem sie am 13. September 2018 ein erstes 

Gespräch in der Klinik habe. 

O.  

Mit Instruktionsverfügung vom 11. September 2018 wurde der Beschwer-

deführerin Gelegenheit geboten, innert Frist den in Aussicht gestellten de-

taillierten Arztbericht einzureichen. 

P.  

Am 8. Oktober 2018 reichte die Beschwerdeführerin fristgerecht einen Be-

richt des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer, datierend vom 3. Ok-

tober 2018, ein. Aus dem Bericht geht im Wesentlichen hervor, dass die 

Beschwerdeführerin nach wiederholter Vergewaltigung Depersonalisati-

onssymptome und eine Bewusstseinseinengung, hinweisend auf eine 

akute Belastungsreaktion mit peri-traumatischer Dissoziation (unwillkürli-

che Abspaltung des Bewusstseins und Verminderung der Aufmerksamkeit 

gegenüber der Umwelt als Reaktion auf Stressüberflutung) beschreibe. Sie 

habe nachfolgend eine PTBS entwickelt mit den Kernsymptomen in Form 

von belastendem Wiedererleben, negativen Veränderungen von Stimmung 

und Kognitionen, vegetativer Überregung und Vermeidungssymptomen. Im 

Bericht wird ferner darauf hingewiesen, dass – ohne die beschriebenen 

Erfahrungen hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts überprüfen zu können – 

sich die subjektiven Angaben und objektiven Beobachtungen klinisch wi-

derspruchsfrei mit den geltend gemachten traumatischen Erfahrungen ver-

einbaren liessen. Des Weiteren wird festgehalten, dass sie sich als Folge 

E-4444/2018 

Seite 10 

einer Panikattacke im Rahmen der PTBS und der psychosozialen Belas-

tung durch Wohnortswechsel vom (…) 2018 bis (…) 2018 in einer statio-

nären Krisenintervention aufgehalten habe. 

Im Begleitschreiben wies die Rechtvertreterin darauf hin, dass die Diag-

nose auch zu den Aussagen der Beschwerdeführerin während der Anhö-

rung passe. Sie habe beispielsweise gesagt, sie habe ihren ganzen Körper 

nicht mehr gefühlt, sie habe die Kontrolle verloren und habe nicht mehr 

gewusst, wer sie sei und was ihr passiere. Sie habe auch gesagt, sie sei 

dort nicht mehr sich selbst gewesen und habe ihren Kopf nicht an der rich-

tigen Stelle gehabt. Die Diagnose erkläre das Aussageverhalten und die 

teilweise vorhandenen Lücken in ihrer Erinnerung. Es sei zudem auch ein 

Hinweis auf die Ursache, weshalb sie nicht mit den Mitinsassinnen gespro-

chen habe. 

Q.  

In seiner Vernehmlassung vom 15. November 2018 hielt das SEM fest, die 

Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könn-

ten. Das SEM halte an seiner Einschätzung fest, dass die geltend ge-

machte Verfolgung im Heimatstaat nicht glaubhaft geworden sei. Das SEM 

verkenne dabei nicht, dass die Beschwerdeführerin offenkundig an psychi-

schen Problemen leide, rechne diese jedoch einem anderen Kontext zu. In 

Bezug auf den eingereichten Arztbericht sei festzuhalten, dass das medi-

zinische Fachpersonal nicht verpflichtet sei, die Angaben eines Patienten 

auf deren Glaubhaftigkeit zu prüfen. Ausserdem falle auf, dass in dem Arzt-

bericht vermerkt sei, die Beschwerdeführerin habe bis anhin keine Partner-

schaft gehabt, was ihren Angaben im Asylverfahren, sie habe eine Bezie-

hung mit einem Ninja-Kämpfer geführt, widerspreche. 

R.  

Mit Replik vom 3. Dezember 2018 monierte die Beschwerdeführerin, dass 

das SEM den psychischen Zustand im Hinblick auf dessen Einfluss auf ihr 

Aussageverhalten und bei der Glaubhaftigkeitsprüfung in seiner Verfügung 

nicht berücksichtigt habe. Es lasse sich überdies nicht erklären, warum die 

Vorinstanz zunächst in der Verfügung die sexuellen Übergriffe an sich für 

unglaubhaft gehalten habe, in der Vernehmlassung dann nur den Kontext 

der Übergriffe als nicht glaubwürdig eingestuft habe. Die im eingereichten 

Arztbericht gestellte Diagnose erkläre die vermeintlichen Widersprüche in 

den Aussagen beziehungsweise die Tatsache, dass sie sich an gewisse 

Dinge nicht habe erinnern können. Im Weiteren sei es natürlich korrekt, 

E-4444/2018 

Seite 11 

dass das medizinische Personal nicht verpflichtet sei, die Angaben einer 

Patientin auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen. Das Ambulatorium 

habe aber festgehalten, dass sich die subjektiven Angaben der Beschwer-

deführerin und die objektiven Beobachtungen klinisch widerspruchsfrei mit 

den geltend gemachten traumatischen Erfahrungen vereinbaren liessen. 

Der eingereichte Arztbericht sei als Parteigutachten im Sinne von Art. 12 

Bst. c VwVG zu betrachten. Zudem sei auf das Urteil BVGE 2015/11 zu 

verweisen, in welchem das Bundesverwaltungsgericht festgehalten habe, 

dass sich zwar aus der Diagnose einer PTBS nicht auf die Ursache einer 

Traumatisierung schliessen lasse, aber gleichwohl die Einschätzung eines 

Facharztes in Bezug auf die Plausibilität von Vorkommnissen oder Ereig-

nissen, welche als Ursache für die PTBS in Betracht kommen, ein Indiz 

bilde, welches bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Verfolgungsvor-

bringen zu berücksichtigen sei. Abschliessend sei darauf hinzuweisen, 

dass eine Partnerschaft umgangssprachlich mehr als nur eine Liebesbe-

ziehung sei und auf eine lange und gefestigte Beziehung hinweise. Bei der 

kurzen Beziehung mit dem Ninja-Kämpfer habe es sich nicht um eine Part-

nerschaft gehandelt, weshalb hier kein Widerspruch auszumachen sei. 

S.  

Mit Instruktionsverfügung vom 28. Mai 2020 informierte die Instruktions-

richterin die Beschwerdeführerin, dass das Gericht beabsichtige, das vor-

liegende Verfahren in Kürze abzuschliessen und bot der Beschwerdefüh-

rerin Gelegenheit, allfällige letzte ergänzende Ausführungen einzureichen. 

Gleichzeitig wurde sie aufgefordert, einen aktuellen ärztlichen Bericht zu 

den Akten zu reichen. 

T.  

Am 22. Juni 2020 wurde ein ärztlicher Bericht, datiert auf den 18. Juni 

2020, sowie eine Erklärung betreffend Entbindung von der ärztlichen 

Schweigepflicht zu den Akten gereicht. Aus dem Bericht der behandelnden 

Therapeutin Dr. phil. H._______ geht hervor, dass die Beschwerdeführerin 

nach wie vor an einer PTBS leide. Sie habe sogenannte flash backs, 

Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten und leide an häufigen 

Kopfschmerzen. Die Psychotherapie werde in Abständen von drei bis vier 

Wochen weitergeführt.    

 

  

E-4444/2018 

Seite 12 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren 

gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-

derung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

E-4444/2018 

Seite 13 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft 

gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftma-

chung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweis-

mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den 

Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das 

Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend 

für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht 

es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, 

die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch-

lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge-

fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 

AsylG). 

3.3 Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im 

Rahmen eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Real-

kennzeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Dif-

ferenzierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive ver-

fälschten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, 

desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem 

Erleben beruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Per-

son und die Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichti-

gen. Zu den Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsis-

tenz, die ungeordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der 

quantitative Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfungen, die Wieder-

gabe von Gesprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserun-

E-4444/2018 

Seite 14 

gen der eigenen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken so-

wie die Schilderung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkei-

ten, unverstandenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vor-

gängen (vgl. ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft 

sind ihre Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL 

LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-

sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: 

AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3 

E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.). 

4.  

In Beachtung dieser Grundsätze und nach Durchsicht der Akten kommt 

das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass es sich den vorinstanz-

lichen Erwägungen in Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Vorbringen aus 

folgenden Überlegungen nicht anschliessen kann: 

4.1 Das SEM führt in seiner Verfügung zunächst aus, die Beschwerdefüh-

rerin habe sich zu den angeblichen Hintergründen ihrer Verhaftung durch 

die Soldaten widersprüchlich geäussert. Sie habe einerseits angegeben, 

die Soldaten hätten von ihr den Aufenthaltsort der Ninjas wissen wollen. 

Andererseits habe sie gesagt, dass Ziel der Soldaten sei es nicht gewesen, 

den Aufenthaltsort der Ninjas zu erfahren, zumal sie diesbezüglich bereits 

alle Informationen gehabt hätten, sondern sie hätten sie misshandeln und 

die Wut an ihr auslassen wollen (Verfügung vom 29. Juni 2018 E.II.1.). 

In Anbetracht der an beiden Befragungen übereinstimmenden umfangrei-

chen Ausführungen der Beschwerdeführerin fällt dieser vom SEM hervor-

gehobene Widerspruch einerseits nicht derart ins Gewicht, dass man dar-

aus die Unglaubhaftigkeit der Inhaftierung ableiten könnte. Andererseits 

fällt nach Durchsicht der Protokolle auf, dass es sich dabei nicht um einen 

erheblichen Widerspruch handelt. Die Beschwerdeführerin hat an beiden 

Befragungen angegeben, die Soldaten hätten den Aufenthaltsort der Nin-

jas wissen wollen und sie hätten die inhaftierten Frauen der Ninjas zerstö-

ren wollen (SEM Akten A28, F80; A31, F21, F41). Sie hat auch an beiden 

Befragungen übereinstimmend ausgeführt, dass sie zugegeben habe, 

dass ein Ninja ihr Freund gewesen sei und sie ihm Essen in den Wald ge-

bracht habe (SEM Akten A28, F80; A31, F21). Die übereinstimmenden 

Aussagen hat das SEM in seiner Glaubhaftigkeitsprüfung nicht erwähnt, 

sondern lediglich hervorgehoben, dass die Beschwerdeführerin zu einem 

späteren Zeitpunkt angegeben habe, das Ziel sei es nicht gewesen, den 

Ort zu erfahren, sondern sie zu misshandeln (SEM Akte A31, F110). Die 

E-4444/2018 

Seite 15 

Beschwerdeführerin hat sich bei dieser Aussage darauf bezogen, dass sie 

bereit gewesen wäre, den Soldaten anzugeben, wo sie die Nahurngsmittel 

für die Ninjas jeweils deponiert habe, dieser Ort habe die Soldaten indes 

nicht interessiert (a.a.O.). Darin einen entscheidenden Widerspruch zu se-

hen, erscheint zu überspitzt. Vielmehr lassen ihre Aussagen darauf schlies-

sen, dass die Soldaten die Frauen der Ninjas festgenommen haben, um 

einerseits den Aufenthaltsort der Männer zu erfahren, aber andererseits 

auch, um sie zu misshandeln und einzuschüchtern. Die Beschwerdeführe-

rin führte aus, man habe ihr gesagt, man werde die Frauen der Ninjas tö-

ten. Man bleibe nur eine Woche dort (in Haft), danach werde man getötet 

(SEM Akten A28, F80; A31, F75). Da die Soldaten die Ninjas nicht hätten 

finden können, hätten sie es an den Frauen ausgelassen (SEM Akte A31, 

F44). Der vom SEM ausgemachte Widerspruch vermag somit insgesamt 

nicht zu überzeugen. 

4.2 Des Weiteren führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdeführerin habe 

zu den zentralen Punkten der Vorbringen durchwegs stereotype und pau-

schale Aussagen gemacht, insbesondere zum Ablauf der Tage während 

der Inhaftierung und zu den Personen, welche sie vergewaltigt hätten. In 

Bezug auf den Tagesablauf der Inhaftierung hat die Beschwerdeführerin 

tatsächlich eher knappe Aussagen gemacht, sie wurde jedoch zum Tages-

ablauf auch nicht ausführlich befragt (SEM Akte A31, F36). Immerhin be-

schrieb sie jedoch den Raum, in welchem sie festgehalten worden sei, und 

hat angegeben, es sei erstickend gewesen. Sie habe jeweils nur Brot und 

Ingwer und manchmal auch nur eine Flasche Wasser für den gesamten 

Tag erhalten (SEM Akte A31, F29ff.). Inwiefern es sich dabei um stereotype 

Aussagen handeln sollte, erschliesst sich nicht. 

Daneben hat das SEM nicht erwähnt, dass sich in den übrigen Aussagen 

der Beschwerdeführerin mehrere Realkennzeichen und insbesondere ein 

quantitativer Detailreichtum befinden. In der Beschwerde wurde zu Recht 

darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin zum Ablauf der Inhaftie-

rung an beiden Befragungen detaillierte Angaben gemacht hat. Sie gab an, 

dass der Mann der Freundin, bei welcher sie zu jener Zeit wieder gewohnt 

habe, die Tür geöffnet habe und sie selbst sich im Wohnzimmer befunden 

habe, da sie dort geschlafen habe (SEM Akten A28, F80; A31, F21-F26). 

Sie erwähnte auch weitere Nebensächlichkeiten, wie, dass sie bei der Ver-

haftung lediglich ihr Telefon mitgenommen habe (SEM Akte A31, F21). 

Später bezog sie sich nochmals darauf und gab an, dass sie bei der An-

kunft im Kommissariat einer Leibesvisitation unterzogen worden sei und 

man ihr dabei das Telefon abgenommen habe (a.a.O., F27, F40). Bereits 

E-4444/2018 

Seite 16 

an der Erstbefragung gab sie an, dass man ihr das Telefon abgenommen 

habe (SEM Akte A28, F80). Sie beschrieb auch an einigen Stellen ihre Ge-

fühle und gab an, sie sei während der Autofahrt ins Kommissariat nicht in 

der Lage gewesen, mit den Soldaten zu sprechen, da sie am ganzen Kör-

per gezittert und Angst gehabt habe. Sie habe sich zum ersten Mal in einem 

Polizeiauto befunden (SEM Akte A31, F25). Das Gericht teilt die Einschät-

zung nicht, dass sie durchwegs stereotype und pauschale Aussagen ge-

macht hat, auch wenn einzelne Abläufe vage geblieben sein mögen. 

4.3 Das SEM hält der Beschwerdeführerin ferner vor, dass sie nicht habe 

angeben können, ob sie immer von derselben Person oder von verschie-

denen Personen vergewaltigt worden sei. Sie habe ausweichende und 

pauschale Antworten gegeben und es wäre zu erwarten gewesen, dass sie 

konkrete Angaben zu den Vergewaltigungen hätte machen können. Die 

Beschwerdeführerin moniert zu Recht, dass sich das SEM diesbezüglich 

nicht mit ihrem psychischen Zustand und der bereits aus den Berichten des 

Ambulatoriums feststellbaren PTBS auseinandergesetzt hat. Aus den dem 

SEM zu Beginn des Asylverfahrens vorgelegen Berichten geht hervor, dass 

die Beschwerdeführerin beim Erzählen der traumatischen Ereignisse (ge-

genüber dem Arzt) eine deutliche affektive Beteiligung, Intrusionen und 

eine Tendenz zur Dissoziation zeige (SEM Akte A19). Die Ausführungen 

des SEM, es wäre zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin im 

Zusammenhang mit den Vergewaltigungen Angaben zu Umrissen der Sta-

tur, zu Körpergerüchen und der individuellen Verhaltens- und Vorgehens-

weise des Täters hätte machen können, da man sich bei solchen Übergrif-

fen sehr nahe komme, sind vor diesem Hintergrund umso mehr unange-

messen. 

Bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen ist der von fachlich qua-

lifizierter Seite festgestellten Traumatisierung angemessen Rechnung zu 

tragen. Aus dem auf Beschwerdestufe eingereichten Bericht des Ambula-

toriums für Folter- und Kriegsopfer vom 3. Oktober 2018 geht hervor, dass 

die Beschwerdeführerin an einer PTBS (ICD-10: F43.1) leide und ihr ein 

Antidepressivum verschrieben worden sei. Sie leide an einem Trauma 

nach wiederholter Vergewaltigung. Des Weiteren wird in dem Bericht fest-

gehalten, dass sie Depersonalisationssymptome und eine Bewusstseinsei-

nengung, hinweisend auf eine akute Belastungsreaktion mit peritraumati-

scher Dissoziation (unwillkürliche Abspaltung des Bewusstseins und Ver-

minderung der Aufmerksamkeit gegenüber der Umwelt als Reaktion auf 

Stressüberflutung) beschreibe. Im Bericht wird ferner darauf hingewiesen, 

E-4444/2018 

Seite 17 

dass ohne die beschriebenen Erfahrungen hinsichtlich ihres Wahrheitsge-

halts überprüfen zu können, sich die subjektiven Angaben und objektiven 

Beobachtungen klinisch widerspruchsfrei mit den geltend gemachten trau-

matischen Erfahrungen vereinbaren liessen. Gegenüber den Ärzten hat die 

Beschwerdeführerin die Hintergründe der traumatischen Erlebnisse bezie-

hungsweise der Vergewaltigungen ausführlich und mit den Angaben im 

Asylverfahren übereinstimmend beschrieben, was ein gewichtiges Ele-

ment für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen darstellt. Der Bericht des Am-

bulatoriums für Folter- und Kriegsopfer wurde basierend auf fünf Gesprä-

chen mit der Beschwerdeführerin verfasst. Mit dem SEM ist zwar festzu-

halten, dass ärztliches Personal von seinem Auftrag her nicht verpflichtet 

ist, Aussagen auf seine Glaubhaftigkeit zu prüfen. Ein Arztbericht gibt le-

diglich über einen Befund Auskunft, kann jedoch keinen Beweis für das 

geltend gemachte traumatisierende Ereignis bilden (vgl. BVGE 2015/11 

E. 7.2.1 und 7.2.2). Die ärztlichen Unterlagen und die Aussagen gegenüber 

einem Arzt können jedoch als Indiz für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

beigezogen werden. In dem Bericht wird einerseits festgehalten, dass sich 

die subjektiven Angaben und objektiven Beobachtungen mit den geltend 

gemachten traumatischen Ereignissen aus klinischer Sicht vereinbaren 

lassen. Andererseits wird beschrieben, dass die Beschwerdeführerin eine 

peritraumatische Dissoziation aufweist, was vorliegend die vom SEM vor-

gehaltenen unkonkreten Angaben zu den Vergewaltigungen erklären kann. 

Die Beschwerdeführerin hat diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen, 

dass das SEM die psychischen Probleme in seiner Verfügung nicht gewür-

digt beziehungsweise bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

nicht berücksichtigt hat. Gemäss dem aktuellen Arztbericht vom 18. Juni 

2020 leide die Beschwerdeführerin auch heute noch an den Folgen des 

traumatischen Erlebnisses und an einer PTBS und sie ist nach wie vor in 

psychotherapeutischer Behandlung. Es kann anhand der Aktenlage somit 

durchaus angenommen werden, dass die Traumatisierung der Beschwer-

deführerin Einfluss auf ihr Aussageverhalten gehabt hat. Es ist bekannt, 

dass Opfer von sexueller Gewalt in der Regel Mühe haben, umfassend 

über das Erlebte zu sprechen. Der Grund dafür liegt im oft vorkommenden 

Vermeidungsverhalten hinsichtlich Gedanken, Gefühlen und Gesprächen 

mit Bezug auf die traumatischen Erlebnisse. Dies kann dazu führen, dass 

man sich an wesentliche Aspekte nicht zu erinnern vermag (vgl. EMARK 

2003 Nr. 17, E. 4b). Aus den Befragungsprotokollen geht an diversen Stel-

len hervor, dass es für die Beschwerdeführerin schwierig war, über das 

Erlebte zu sprechen (bspw. SEM Akten A31, Anmerkung der Rechtsver-

tretung auf S. 4 und F77f., 81; A28, F10, F81, F97f.). Nach dem Gesagten 

E-4444/2018 

Seite 18 

lassen sich aus den Äusserungen der Beschwerdeführerin zu dem sexuel-

len Missbrauch keine Unglaubhaftigkeitselemente ableiten. 

4.4 Andererseits ergeben sich aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

auch einige Ungereimtheiten. So überrascht die Angabe, dass sie sich in 

Haft nicht mit den anderen Frauen ausgetauscht habe (SEM Akte A31, 

F46f., F72-F74). Das SEM hat diesbezüglich in der Verfügung zu Recht 

aufgeführt, dass zu erwarten gewesen wäre, dass sich die inhaftierten 

Frauen, welche dasselbe Schicksal geteilt haben, ausgetauscht hätten. Es 

erstaunt, dass die drei Frauen während den sechs Tagen in Haft zu keinem 

Zeitpunkt miteinander gesprochen haben sollen und sich beispielsweise 

Trost zugesprochen oder die Hintergründe der jeweils anderen Frauen zu 

erfahren versucht hätten. Die Ausführungen in der Beschwerde, dass es 

eine schambehaftete Situation gewesen sei und die Beschwerdeführerin 

nicht von sich aus die anderen beiden Frauen habe ansprechen wollen, 

kann als mögliche Erklärung dienen, auch wenn sie nicht restlos überzeugt.  

4.5  

4.5.1 Des Weiteren erscheint es tatsächlich seltsam, dass – wie vom SEM 

in der angefochtenen Verfügung ausgeführt – die Beschwerdeführerin 

keine ungefähre Angabe der Geldsumme, welche sie dem Soldaten gege-

ben habe, der ihr zur Flucht verholfen habe, hat machen können (SEM Akte 

A31, F59ff.). Die Begründung der Beschwerdeführerin, dass die Soldaten 

nicht von Beginn an einen Sold erhalten würden und sie darum gewusst 

habe, dass er das Geld annehmen werde, leuchtet nicht gänzlich ein. Es 

wäre nichtsdestotrotz zu erwarten gewesen, dass der Soldat zumindest 

eine ungefähre Angabe der in Aussicht gestellten Geldsumme hätte haben 

wollen angesichts der Risiken, welche er mit der Freilassung einer Gefan-

genen auf sich genommen hat. 

4.5.2 Ihre übrigen Aussagen zur Flucht lassen ihre Darstellung indes nicht 

gesamthaft unglaubhaft erscheinen. In den Ausführungen der Beschwer-

deführerin sind zahlreiche Realkennzeichen ersichtlich. Beispielsweise hat 

sie wiederholt angegeben, sie habe den Soldaten gebeten, sie zum Markt 

zu fahren, da sie sich dort habe orientieren und das Haus der Freundin 

finden könne (SEM Akte A31, F48, F53). Daneben berichtet sie auch wei-

tere Nebensächlichkeiten, wie, dass sie den Soldaten an den Kleidern ge-

zogen habe (SEM Akten A31, F48; A28, F80). Daneben gab sie wiederholt 

an, sie habe sich an jenem Tag schmutzig gefühlt und habe schlecht gero-

chen (SEM Akten A31, F48; A28, F80). Auch in ihren darauffolgenden Er-

zählungen bezieht sie sich darauf, dass sie gestunken habe (SEM Akte 

E-4444/2018 

Seite 19 

A28, F80, A31, F61) und gibt an, wann sie sich das erste Mal wieder habe 

waschen können (SEM Akte A31, F62). 

4.5.3 Die darauffolgende Flucht von Kongo Brazzaville über den Fluss 

nach Kongo Kinshasa konnte die Beschwerdeführerin äusserst detailliert 

und erlebnisgeprägt wiedergeben. Dabei gab sie ausgefallene Einzelheiten 

an, wie, dass sie bei der Überfahrt über den Fluss Blutungen gehabt habe 

und die Frau des Fluchthelfers ihr traditionelle Bäder gemacht habe (SEM 

Akte A31, F62f.). Bereits an der Erstbefragung führte sie aus, die Frau des 

Mannes, welcher sie über den Fluss gebracht und zu sich nach Hause ge-

nommen habe, habe eine traditionelle Behandlung für sie gemacht mit tra-

ditionellen Massagen. Die Frau habe Bananenpflanzen erwärmt und sie 

damit eingerieben, danach habe diese ihren Körper damit abgeklopft. Sie 

habe ihr auch Kräuter-Tees gemacht und habe versucht, sie mit Singen 

und anderen Dingen abzulenken. Sie habe dabei jedoch immer Tränen in 

den Augen gehabt, da sie die Stimme ihrer Mutter gehört habe (SEM Akte 

A28, F80). Insgesamt ergibt sich aus ihren Erzählungen ein erlebnisge-

prägtes Bild ihrer Flucht.  

4.5.4 Einzig die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe ihre Schwester 

nicht mehr kontaktieren können, leuchtet nicht ein. Zunächst gab sie an, 

sie habe – als sie sich in F._______ bei der Schwester des Fluchthelfers 

befunden habe – ihre Schwester kontaktiert (SEM Akte A31, F91). Später 

führte sie hingegen aus, sie habe nach ihrer Ankunft in Europa ihre 

Schwester nicht kontaktieren können, da sie keine Telefonnummer der 

Schwester gehabt habe (a.a.O., F93, F100ff.). Demgegenüber gab sie je-

doch auch Einzelheiten in Bezug auf die Kontaktaufnahme mit der Schwes-

ter an, welche wiederum für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sprechen. 

Sie erklärte bereits an der Erstbefragung, dass sie mehrmals die Nummer 

der Schwester habe wählen müssen, bis sie die richtige Nummer eingege-

ben habe (SEM Akte A28, F80). Sie habe eigentlich die Nummer der 

Schwester gekannt, aber angesichts des Erlebten habe sie mehrere Ver-

suche benötigt, bis sie die richtige Nummer eingetippt habe (a.a.O., F104). 

In der Anhörung wiederholte sie diesen Sachverhalt (SEM Akte A31, F91). 

Des Weiteren gab sie auch an beiden Befragungen übereinstimmend an, 

dass sie zum Zeitpunkt des Anrufs sehr emotional gewesen sei und ge-

weint habe, weshalb sie sich nicht in der Lage gesehen habe, mit ihrer 

Schwester persönlich zu sprechen und ihr das Erlebte zu schildern (SEM 

Akten A28, F80; A31, F99f.) 

E-4444/2018 

Seite 20 

4.6 Nach den obigen Erwägungen kann festgestellt werden, dass die Aus-

sagen der Beschwerdeführerin mehrheitlich substantiiert ausgefallen sind, 

einige ihrer Aussagen jedoch unplausibel erscheinen. Bei einer Gesamtbe-

trachtung des Aussageverhaltens der Beschwerdeführerin fällt gleichwohl 

grundsätzlich auf, dass kein Bruch in ihrem Erzählstil erfolgte. Beispiels-

weise berichtet sie über ihr anfängliches Leben in D._______ und über die 

dortigen Unruhen ab April 2016 in einer ähnlichen Erzähldichte wie über 

die Inhaftierung und die Flucht nach Kongo Kinshasa (SEM Akte A28, F80). 

Der Strukturvergleich kann somit als ein weiteres Element, welches für die 

Glaubhaftigkeit der Vorbringen spricht, herangezogen werden. 

4.7 Hinzukommend erscheinen die Aussagen der Beschwerdeführerin 

auch im länderspezifischen Kontext nachvollziehbar. Im Zuge der Präsi-

dentschaftswahlen vom März 2016 ist es in der Pool-Region ab April 2016 

zu Konflikten zwischen dem Staat und den sogenannten Ninja-Rebellen 

gekommen. Es habe militärische Operationen in der Region gegeben, da 

die Ninja-Rebellen sich in den Wäldern von Pool versteckt hätten. Es wird 

auch von Gewalt gegen Frauen und durch die UNO dokumentierte Verge-

waltigungen im Zeitraum zwischen April und September 2017 berichtet 

(The new humanitarian, Updated: Congo-Brazzaville’s hidden war, 18. Juni 

2018, https://www.thenewhumanitarian.org/special-report/2018/06/18/up-

dated-congo-brazzaville-s-hidden-war, abgerufen am 8. Juli 2020). Die 

Vorbringen der Beschwerdeführerin betten sich somit in die damalige Kon-

fliktsituation in D._______ plausibel ein. 

4.8 Insgesamt ist festzustellen, dass die Vorinstanz in ihrer Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit keine sorgfältige Abwägung aller Elemente, welche für oder 

gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin spre-

chen, vorgenommen hat. Das Gericht kommt nach den obigen Erwägun-

gen zum Schluss, dass – insbesondere auch unter Berücksichtigung des 

Arztberichtes des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer – insgesamt 

die positiven Elemente überwiegen, auch wenn einige der Aussagen mit 

Zweifeln behaftet bleiben und wenig nachvollziehbar erscheinen. Im Rah-

men einer Gesamtwürdigung ist jedoch mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin von kongolesischen 

Soldaten inhaftiert und vergewaltigt worden ist und sie in der Folge Kongo 

Brazzaville verlassen hat. 

5.  

Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die als überwiegend glaubhaft befunde-

nen Vorbringen, namentlich die sexuellen Übergriffe durch die Soldaten 

E-4444/2018 

Seite 21 

und die Inhaftierung, flüchtlingsrechtlich relevant im Sinne des Asylgeset-

zes sind. 

5.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-

gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 

BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37).  

Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-

gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation 

im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück-

sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6.1, 2011/50 E. 3.1.1 und 

3.1.2, jeweils m.w.H.).  

5.2 Die Beschwerdeführerin hat glaubhaft gemacht, dass sie vom Militär 

ihres Heimatstaates inhaftiert und mehrfach von Soldaten vergewaltigt 

worden ist, bevor ihr die Flucht gelang; danach habe sie das Heimatland 

unmittelbar verlassen. Ihr wurden somit von staatlichen Organen erhebli-

che Nachteile im Sinne des Art. 3 AsylG zugefügt. Ein sachlicher und zeit-

licher Kausalzusammenhang zwischen der erlittenen Verfolgung und der 

Flucht ist gegeben. Die erlittenen Benachteiligungen weisen ausserdem 

ein asylrelevantes Motiv auf. Die Übergriffe waren politisch motiviert und 

hatten im Sinne einer Reflexverfolgung zum Zweck, Informationen über die 

Ninja-Kämpfer zu erhalten beziehungsweise diese zu einer Rückkehr aus 

dem Wald durch Nahrungsentzug zu zwingen. Schliesslich bestand ange-

sichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin Verfolgung seitens staat-

licher Kräfte erlebt hat, auch keine innerstaatliche Fluchtalternative. Dem-

nach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ih-

rer Ausreise einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war. 

5.3 Praxisgemäss besteht die Regelvermutung, dass von erlittener, mit der 

Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung ohne weiteres 

E-4444/2018 

Seite 22 

auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger Ver-

folgung zu schliessen ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Vorliegend 

besteht kein Grund, von dieser Regelvermutung abzuweichen, zumal sich 

die Situation im Heimatland der Beschwerdeführerin seit ihrer Ausreise 

nicht in einem entscheidrelevanten Ausmass verändert respektive verbes-

sert hat. 

5.4 Zusammenfassend erfüllt die Beschwerdeführerin die Voraussetzun-

gen der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG. Aus den Akten ergeben 

sich keine Anhaltspunkte für eine Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 

AsylG. Der Beschwerdeführerin ist somit Asyl zu gewähren. 

6.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die angefochtene Verfü-

gung vom 29. Juni 2018 ist aufzuheben. Die Beschwerdeführerin ist ge-

stützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und das SEM ist anzu-

weisen, ihr Asyl zu gewähren. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 29. August 2018 geleistet Kostenvor-

schuss in der Höhe von Fr. 750. – ist der Beschwerdeführerin zurückzuer-

statten. 

7.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Es wurde keine Kostennote eingereicht. Der notwendige Vertretungsauf-

wand lässt sich aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb 

auf die Einholung einer Honorarnote verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 

in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfak-

toren sowie der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen (Art. 9–13 

VGKE) ist der Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine Parteient-

schädigung von insgesamt Fr. 1900.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen. Das 

SEM ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-4444/2018 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 29. Juni 2018 wird aufgehoben Die Beschwerdeführe-

rin wird als Flüchtling anerkannt und das SEM ist anzuweisen, ihr Asyl zu 

gewähren  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Der am 29. August 2018 geleistet Kostenvorschuss in der Höhe von            

Fr. 750.– wird der Beschwerdeführerin rückerstattet. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1900.– auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Tina Zumbühl 

 

Versand: