# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 917ec473-4317-5a0a-8f8d-e80844a00e28
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.01.2024 E-174/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-174-2022_2024-01-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-174/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Gérald Bovier,  

Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

amtlich verbeiständet durch MLaw Daniela Candinas,  

Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2021 / N (…). 

 

 

 

E-174/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reiste am (…) März 2019 in die Schweiz ein und 

stellte am gleichen Tag ein Asylgesuch. Am 8. März 2019 fand im Bundes-

asylzentrum (BAZ) Region B._______ die Personalienaufnahme und am 

25. März 2019 eine Erstbefragung zu den Asylgründen gemäss Art. 26 

Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und Art. 29 Abs. 1 AsylG statt.  

B.  

B.a Die Beschwerdeführerin brachte zur Begründung ihres Asylgesuchs im 

Rahmen dieser Befragung vor, sie sei sri-lankische Staatsangehörige und 

habe von Geburt bis zu ihrem zwölften Lebensjahr in "C._______" (offen-

bar D._______, Distrikt Kilinochchi) gelebt. Nach Aufenthalten in einem In-

ternat in E._______ und in einem Flüchtlingslager in F._______ sei sie im 

Jahr 2015 nach "C._______" zurückgekehrt, wo sie bis zur Ausreise − zu-

letzt mit ihrem Vater und ihrer Schwester G._______ ‒ gelebt habe. Ein 

Bruder habe sich früher den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) ange-

schlossen und sei (…) verstorben. Eine Schwester, die ebenfalls für die 

LTTE aktiv gewesen sei, sei seit ihrer Festnahme bei einer Razzia im Jahr 

(…) verschollen. Ihr Bruder H._______ habe Sri Lanka verlassen um sich 

einer Rekrutierung durch die Armee zu entziehen; sie habe den Kontakt zu 

ihm verloren. In der Nähe des Hauses ihrer Familie befinde sich ein sri-

lankisches Armeecamp. Fast täglich seien Soldaten zu ihr nach Hause ge-

kommen um Kontrollen zu machen. Die Besuche seien teilweise damit be-

gründet worden, dass die Mutter ihre verschollene Schwester vermisst ge-

meldet habe. Während der Kontrollen hätten die Soldaten sie immer wieder 

angefasst und sexuell belästigt. Einmal seien zwei Soldaten gekommen, 

als sie alleine zu Hause gewesen sei. Wieder sei sie ungebührlich ange-

fasst worden; einer der Männer habe ihre Brust berührt. Dann hätten die 

Soldaten gesagt, sie würden die Zimmer kontrollieren, und hätten sie auf 

ihr Bett gestossen. Glücklicherweise sei ihre Mutter in jenem Moment nach 

Hause gekommen und auf ihr Schreien herbeigeeilt. Die Soldaten hätten 

auch die Mutter zu Boden gestossen, wobei diese derart verletzt worden 

sei, dass sie im Spital habe behandelt werden müssen. Bei einem gleich 

gelagerten Vorfall habe ihre Mutter einen Herzinfarkt erlitten. Als sie (Be-

schwerdeführerin) am (…) 2017 ein weiteres Mal zu Hause von den Sol-

daten behelligt worden sei, habe sie ihre Mutter angerufen. Diese sei sofort 

losgefahren und auf dem Heimweg bei einem Verkehrsunfall ums Leben 

gekommen; deswegen mache sie sich grosse Vorwürfe. Kurze Zeit nach 

dem Tod ihrer Mutter habe sie versucht, ein Visum für die Schweiz  

zu erhalten, jedoch sei das entsprechende Gesuch abgelehnt worden.  

E-174/2022 

Seite 3 

Es hätten auch später immer wieder Hauskontrollen durch die Soldaten 

stattgefunden und sie seien ständig beobachtet worden. Deshalb habe ihr 

Vater Anfang 2019 ihre Ausreise organisiert. Am (…) Februar 2019 sei sie 

nach I._______ und von dort weiter in die Schweiz gereist, wo sie am 

(…) März 2019 eingetroffen sei. Gegen Ende der Anhörung führte sie an, 

es habe weitere Übergriffe durch Soldaten gegeben. Einmal seien sie zum 

Brunnen ihrer Familie gekommen und hätten sie angefasst und einmal 

seien ihre Kleider zerrissen worden. Weil sie aufgeregt gewesen sei und 

aus Scham habe sie nicht alles erzählen können. 

B.b Anlässlich der Anhörung vom 15. Mai 2019 brachte die Beschwerde-

führerin ausserdem vor, nach einer Explosion, die sich ein paar Wochen 

zuvor ereignet gehabt habe, seien wiederholt Hauskontrollen bei ihrer  

Familie durchgeführt worden, wobei ihr Vater nach ihrem Verbleib und ihren 

Identitätsdokumenten befragt worden sei. Zudem seien auch ihre jüngere 

Schwester und ein Schwager belästigt worden. 

C.  

Am 17. April, 10. Mai, 15. Mai und 17. Mai 2019 wurden Berichte "Zuwei-

sung zur medizinischen Abklärung" zu den Akten gereicht, in welchen ver-

schiedene gesundheitliche Probleme der Beschwerdeführerin diagnosti-

ziert wurden. 

D.  

Zwei ergänzende Anhörungen mussten am 9. April und 15. Mai 2019  

jeweils aufgrund gesundheitlicher Probleme der Beschwerdeführerin ab-

gebrochen werden. 

E.  

Mit Entscheid des SEM vom 22. Mai 2019 wurde die Beschwerdeführerin 

in das erweiterte Verfahren zugeteilt.  

F.  

F.a Mit Schreiben vom 23. Juli 2019 ersuchte das SEM die Rechtsvertre-

tung um nähere Informationen über die gesundheitliche Situation der  

Beschwerdeführerin im Hinblick auf die Durchführung einer weiteren Anhö-

rung ersucht. 

F.b Mit Eingabe vom 8. August 2019 legte die Rechtsvertretung dar, die 

Beschwerdeführerin befinde sich derzeit in psychiatrischer Behandlung. Es 

würden noch keine Abklärungsergebnisse vorliegen und es werde darum 

ersucht, zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Anhörung zu verzichten. 

E-174/2022 

Seite 4 

F.c Mit Eingaben vom 3. September und 4. Oktober 2019 wurden Berichte 

des Universitätsspitals J._______, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psy-

chosomatik, vom 28. August 2019 respektive der Klinik für Neurologie vom 

23. September 2019 eingereicht. 

G.  

G.a Mit Schreiben vom 1. Oktober 2020 ersuchte das SEM die Rechtsver-

tretung der Beschwerdeführerin erneut um Informationen über ihren Ge-

sundheitszustand. 

G.b Mit Eingaben vom 1. Oktober 2020 wurden Berichte des Universitäts-

spitals J._______, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik, Am-

bulatorium für Folter- und Kriegsopfer, vom 31. August 2020 sowie der Kli-

nik für Neurologie, vom 6. Dezember 2019 zu den Akte gereicht. 

G.c Mit Eingabe vom 26. November 2020 ersuchte die Rechtsvertretung 

der Beschwerdeführerin unter Hinweis auf deren andauernde psychische 

Instabilität darum, noch drei Monate mit der Ansetzung einer weiteren An-

hörung zuzuwarten. 

H.  

H.a Mit Schreiben vom 8. September 2021 wurde die Rechtsvertretung 

wiederum zur Einreichung eines neuen Arztberichts aufgefordert. 

H.b Mit Eingabe vom 7. Oktober 2021 reichte die Rechtsvertretung der  

Beschwerdeführerin einen Bericht des Universitätsspitals J._______, Klinik 

für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik, vom 4. Oktober 2021 zu den  

Akten. Zudem wurde – unter Hinweis darauf, dass in absehbarer Zeit nicht 

mit einer wesentlichen Verbesserung des Zustands der Beschwerde- 

führerin gerechnet werden könne – beantragt, es sei auf eine weitere An-

hörung zu verzichten und ihr Asyl zu gewähren. 

I.  

Mit Verfügung vom 15. Dezember 2021 (am gleichen Tag eröffnet) stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, wies ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit 

zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob. 

  

E-174/2022 

Seite 5 

J.  

J.a Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 13. Januar 2022 an das Bun-

desverwaltungsgericht erhob die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung 

des SEM Beschwerde und beantragte, dieser Entscheid sei aufzuheben, 

sie sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu gewähren; even-

tualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sie als Flüchtling anzuerkennen und 

vorläufig aufzunehmen, subeventualiter sei die Sache zur vollständigen 

Feststellung des Sachverhalts und zur Neubegründung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwer-

deführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiord-

nung ihrer Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin sowie um 

den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

J.b Mit Eingabe vom 24. Januar 2022 wurde eine Sozialhilfebestätigung 

der K._______ vom 19. Januar 2022 nachgereicht. 

K.  

Der Instruktionsrichter hiess mit Zwischenverfügung vom 31. Januar 2022 

die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss Art. 102m AsylG 

gut, setzte antragsgemäss MLaw Daniela Candinas als unentgeltliche 

Rechtsbeiständin ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- 

vorschusses. Schliesslich wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver-

nehmlassung eingeladen.  

L.  

Innert erstreckter Frist hielt die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 

28. Februar 2022 vollumfänglich an ihren Erwägungen fest. 

M.  

Mit Eingabe vom 16. März 2022 machte die Beschwerdeführerin von dem 

ihr (mit Instruktionsverfügung vom 1. März 2022) eingeräumten Recht zur 

Replik Gebrauch, wobei sie ebenfalls vollumfänglich an den Argumenten 

in der Beschwerdeeingabe festhielt. 

N.  

Mit Eingabe vom 11. April 2022 reichte die amtliche Rechtsbeiständin eine 

Honorarnote ein. 

  

E-174/2022 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

E-174/2022 

Seite 7 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, die Beschwer-

deführerin habe in ihren Schilderungen anlässlich der Befragungen poten-

ziell asylrelevante Sachverhalte angesprochen. Eine vollständige Sachver-

haltsfeststellung sei jedoch im Rahmen der Anhörungen nicht möglich ge-

wesen, und es zeichne sich nicht ab, dass dies in absehbarer Zukunft mög-

lich sein werde. Den eingereichten ärztlichen Berichten zufolge leide die 

Beschwerdeführerin unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung auf-

grund diverser seit ihrer Kindheit erlittener Traumata. Die Hintergründe ih-

rer Traumatisierung könnten den Arztberichten jedoch nicht zweifelsfrei 

entnommen werden. Insbesondere könne nicht geprüft werden, ob diese 

Traumatisierungen auf Verfolgungshandlungen mit einem flüchtlingsrecht-

lich relevanten Motiv beruhen würden, beziehungsweise ob die Beschwer-

deführerin im heutigen Zeitpunkt solche Verfolgungsmassnahmen zu be-

fürchten habe. Eine ordnungsgemässe Prüfung der Vorbringen beinhalte 

in jedem Fall eine Anhörung zu den Asylgründen. Die Fälle, in welchen die 

Asylbehörden den Sachverhalt auf andere Weise feststellen dürften, seien 

in Art. 36 AsyIG abschliessend aufgezählt. Entsprechend sehe das Asyl-

gesetz in der vorliegenden Konstellation etwa die Durchführung eines 

schriftlichen Verfahrens nicht vor. Auch eine allfällige Asylgewährung auf-

grund der Akten – mithin aufgrund eines nicht vollständig festgestellten 

Sachverhalts – falle nicht in Betracht. Das SEM sei nach dem Gesagten 

nicht imstande zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin eine Verfolgung im 

Sinne von Art. 3 AsyIG drohe, und ob keine gesetzlichen Ausschluss-

gründe vorliegen würden. Somit fehle es an einer grundsätzlichen Voraus-

setzung für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Demnach würden 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsyIG nicht standhalten. 

  

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Seite 8 

4.2  

4.2.1 In der Beschwerdeschrift wurde ausgeführt, es gebe keinen Anlass 

an der persönlichen Glaubhaftigkeit der Beschwerdeführerin zu zweifeln. 

Sie sei ihrer Mitwirkungspflicht stets nachgekommen. In der Anhörung vom 

25. März 2019 habe sie ihre Asylgründe detailliert, plausibel und nachvoll-

ziehbar dargelegt. Namentlich habe sie ihre Gefühle im Allgemeinen ein-

drucksvoll geschildert und die bei einem Vorfall anwesenden Soldaten  

genau beschreiben können. Für ihre Glaubhaftigkeit spreche sodann, dass 

ihre Ausführungen im Asylverfahren mit ihren Aussagen gegenüber den  

unterschiedlichen behandelnden Ärztinnen und Ärzten übereinstimmen 

würden. Ferner gehe aus den ärztlichen Berichten klar hervor, dass Hinter-

grund ihrer Traumatisierung die sexuellen Übergriffe durch Militärangehö-

rige seien. Dem stehe nicht entgegen, dass auch weitere Erlebnisse zu 

ihrer Traumatisierung beigetragen hätten. Dass sie nicht in der Lage gewe-

sen sei, über sämtliche Vorfälle zu berichten, und die beiden ergänzenden 

Anhörungen hätten abgebrochen werden müssen unterstreiche ihre Trau-

matisierung. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sei eine be-

stehende Traumatisierung als Indiz für erlebte Misshandlungen zu würdi-

gen. Insgesamt seien ihre Aussagen widerspruchsfrei und lebensnah; sie 

würden viele Realkennzeichen enthalten, die von der Vorinstanz nicht ge-

würdigt worden seien. Ihre Aussagen seien demnach als überwiegend 

glaubhaft zu erachten. 

4.2.2 Die glaubhaft gemachten mehrfachen sexuellen Übergriffe durch Sol-

daten würden ernsthafte Nachteile gegen die körperliche und sexuelle In-

tegrität darstellen und seien daher als frauenspezifische Fluchtgründe im 

Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsyIG zu berücksichtigen. Diese Übergriffe seien 

erfolgt, weil zwei ihrer Geschwister bei den LTTE aktiv gewesen seien und 

ein Bruder sich seiner Rekrutierung durch Ausreise entzogen habe. Dies 

zeige sich auch darin, dass bei den Hausdurchsuchungen Fragen zu den 

Geschwistern gestellt worden seien und die Mutter der Beschwerdeführe-

rin aufgrund ihrer Teilnahme an Demonstrationen und wegen der von ihr 

aufgegebenen Vermisstenanzeigen mehrfach polizeilich vorgeladen wor-

den sei. Es handle sich somit um eine politisch motivierte, asylrelevante 

Reflexverfolgung. Die geschilderten Vorfälle sowie der unerträgliche  

psychische Druck, welcher aufgrund der anhaltenden Hausbesuche und 

der ständig drohenden sexuellen Übergriffe durch die in unmittelbarer 

Nähe ihres Hauses stationierten sri-lankischen Soldaten auf ihr gelastet 

habe, seien ursächlich für ihre Flucht aus dem Heimatstaat gewesen. Dem-

nach habe die Regelvermutung zur Anwendung zu kommen, dass von ei-

ner erlittenen, mit der Ausreise in Kausalzusammenhang stehenden Vor-

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verfolgung ohne weiteres auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor 

weiterer, zukünftiger Verfolgung zu schliessen sei. Die Wahrscheinlichkeit, 

dass sie im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka erneut Opfer sexueller 

Übergriffe würde, sei erheblich, namentlich weil die Soldaten sich seit ihrer 

Ausreise mehrmals nach ihrem Verbleib erkundigt hätten. Es sei nicht zu 

erwarten, dass sie in Sri Lanka vor diesen Übergriffen geschützt würde. 

Aus verschiedenen Berichten gehe hervor, dass der sri-lankische Staat 

nicht gewillt sei, tamilische Frauen vor sexueller Gewalt zu schützen. Im 

Übrigen sei gemäss Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK; 

SR 0.142.30) eine erlittene Vorverfolgung ausnahmsweise auch nach 

Wegfall einer drohenden Verfolgungsgefahr als asylrechtlich relevant zu 

betrachten, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat aus zwin-

genden, auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht zumutbar 

sei. Als solche zwingenden Gründe seien vorab traumatisierende Erleb-

nisse zu betrachten, die es der betroffenen Person angesichts erlebter 

schwerwiegender Verfolgungen psychologisch verunmöglichen würden, 

ins Heimatland zurückzukehren. Die Beschwerdeführerin leide gemäss 

den zahlreichen aktenkundigen Arztberichten unter einer Langzeittrauma-

tisierung, womit vom Erfordernis der Aktualität der Verfolgung abgesehen 

werden könne. Überdies würden in ihrem Fall Risikofaktoren im Sinne des 

Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 vorliegen. Sie müsste ohne 

einen Reisepass in Sri Lanka einreisen. Da sie ihren Heimatstaat illegal 

verlassen habe, bestünde ein erhöhtes Risiko einer genaueren Über- 

prüfung durch die sri-lankischen Behörden. Weitere Risikofaktoren seien 

ihr längerer Auslandsaufenthalt und der Umstand, dass sie (…) eine gut 

sichtbare Narbe habe. Bei ihrer Verbindung zu den LTTE handle es sich 

um ein stark risikobegründendes Element. In Kombination mit den anderen 

schwach risikobegründenden Elementen und der erlittenen Vorverfolgung 

müsse von einer begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne 

von Art. 3 AsyIG ausgegangen werden. Falls eine Vorverfolgung verneint 

werde, sei unter Verweis auf die vorgenannten Risikofaktoren davon aus-

zugehen, dass zumindest subjektive Nachfluchtgründe vorliegen würden. 

4.2.3 Schliesslich habe die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt. So 

habe sie die im Referenzurteil E-1866/2015 genannten Risikofaktoren nicht 

gewürdigt und sich nicht mit der Verbindung der Beschwerdeführerin und 

ihren Geschwistern zu den LTTE auseinandergesetzt. Zudem habe das 

SEM nicht berücksichtigt, dass die zahlreichen Arztberichte und die mehr-

fach bestätigte Posttraumatische Belastungsstörung ein klares Indiz für die 

Glaubhaftigkeit der geschilderten sexuellen Übergriffe und damit als 

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Realkennzeichen für ihre Schilderungen zu bewerten seien. Überdies sei 

nicht haltbar, dass die Vorinstanz trotz aller klaren Hinweise in Bezug auf 

die wiederholt erlebte sexuelle Gewalt an den Hintergründen der Trauma-

tisierung zweifle. Bei Zweifeln an der Glaubhaftigkeit wäre sie gehalten ge-

wesen, den relevanten Sachverhalt korrekt und vollständig abzuklären und 

ein Istanbul-Gutachten in Auftrag zu geben. 

4.3 In der Vernehmlassung vertrat die Vorinstanz die Auffassung, den von 

der Beschwerdeführerin eingereichten Arztzeugnissen könnten die Hinter-

gründe der bei ihr diagnostizierten Posttraumatischen Belastungsstörung 

nicht zweifelsfrei entnommen werden. Vielmehr werde das Krankheitsbild 

mit diversen, teilweise auf die Kindheit zurückgehenden Traumata in Ver-

bindung gebracht. Das SEM sehe sich ausserstande, zu prüfen, ob eine 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsyIG vorliege, womit es an einer grund-

legenden Voraussetzung für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

fehle. Diese lasse sich auch nicht aus den aufgeführten Risikofaktoren 

(Narbe, Auslandaufenthalt, fehlende Identitätspapiere) herleiten. Die Kom-

bination dieser Faktoren sei gemäss geltender Praxis nicht geeignet, eine 

flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdungssituation zu begründen. Sollte 

sich eine Anhörung zu einem späteren Zeitpunkt als durchführbar erwei-

sen, bestehe die Möglichkeit einer nachträglichen Prüfung der Asylgründe.  

4.4 In ihrer Replik führte die Beschwerdeführerin aus, das SEM habe mit 

seinem Verweis darauf, dass im vorliegenden Verfahren die Möglichkeit 

der Durchführung einer Anhörung nicht absehbar gewesen sei und die 

Asylgründe nicht hätten geprüft werden können, seine Untersuchungs-

pflicht verletzt. Es hätte die protokollierten Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin im Asylverfahren mit ihren Angaben bei verschiedenen Ärzten und 

Ärztinnen (Anamnese) abgleichen und aufgrund der verschiedenen Aussa-

gen, Indizien und Beweismittel über das Asylgesuch befinden können und 

sollen. Der Hinweis auf die Möglichkeit einer nachträglichen Prüfung der 

Asylgründe sei unbehelflich: Im Falle eines Mehrfachgesuchs sehe 

Art. 111c AsyIG gerade vom Prinzip einer grundsätzlich durchzuführenden 

Anhörung ab, weshalb ein solches keinen Ersatz für die fehlende Möglich-

keit der Durchführung einer Anhörung bei einem Erstgesuch bilde. Auch 

ein einfaches Wiedererwägungsgesuch wäre nicht angezeigt, da dieses 

auf die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung im Wegwei-

sungspunkt abziele, und es würden auch keine Gründe für ein qualifiziertes 

Wiedererwägungsgesuch oder ein Revisionsgesuch vorliegen. Somit sei 

nicht ersichtlich, inwiefern sie zu einem späteren Zeitpunkt befragt werden 

könnte. Es werde daran festgehalten, dass ihre komplexe Traumatisierung 

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Seite 11 

insbesondere in den mehrfachen sexuellen Übergriffen und Misshandlun-

gen durch die sri-lankischen Soldaten gründe, was ein klares Indiz für ihre 

Glaubwürdigkeit darstelle. Zu den zahlreichen weiteren in der Beschwerde 

aufgezeigten Realkennzeichen habe die Vorinstanz sich in der Vernehm-

lassung nicht geäussert. Im Übrigen sei in der Beschwerde dargelegt wor-

den, dass eine Vorverfolgung gemäss Art. 3 AsyIG vorliege, welche zumin-

dest in Kombination mit den Risikofaktoren asylrechtlich relevant sei. 

5.  

5.1 Im Verwaltungs- und namentlich im Asylverfahren gilt der Unter- 

suchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserheblichen 

Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl. 

Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Das SEM ist somit im erstinstanzliche Asyl-

verfahren zur richtigen und vollständigen Ermittlung und zur Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet und hat auch nach allen 

Elementen zu forschen, die zugunsten der asylsuchenden Person spre-

chen. Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sach-

verhaltsunterlagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklä-

ren und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 

VwVG). Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneingeschränkt, zumal er 

sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden findet (Art. 13 

VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler 

[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren 

[VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 Rz. 9; BVGE 2012/21 E. 5.1). Die entschei-

dende Behörde darf sich trotz des Untersuchungsgrundsatzes in der Regel 

darauf beschränken, die Vorbringen einer asylsuchenden Person zu wür-

digen und die von ihr angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere 

Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre und Praxis sind über die 

Befragung hinausgehende Abklärungen insbesondere dann notwendig, 

wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr 

eingereichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten 

am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von 

Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 

S. 734 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a). 

5.2 Die Vorinstanz stellte sich in ihrer Verfügung auf den Standpunkt, der 

relevante Sachverhalt habe in den Befragungen der Beschwerdeführerin 

nicht vollständig abgeklärt werden können. Dieser Einschätzung ist beizu-

pflichten. Die Beschwerdeführerin begründete ihre Ausreise damit, dass 

sie wiederholt körperliche Belästigungen durch Soldaten der sri-lankischen 

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Seite 12 

Armee erlitten habe. Insbesondere erwähnte sie mehrere Übergriffe, die 

sich im Jahr 2017 im Zusammenhang mit den Bemühungen ihrer Mutter 

um Aufklärung des Schicksals der im Jahr (…) verschollenen Schwester 

der Beschwerdeführerin ereignet hätten. Auf die Frage, ob es noch weitere 

Gegebenheiten gebe, über die sie nicht habe sprechen können, gab die 

Beschwerdeführerin in der Erstanhörung zu Protokoll, sie habe nicht alles 

schildern können, weil sie traurig und aufgeregt sei und sich geschämt 

habe (vgl. Akten SEM A15/25 F227 ff.). Überdies erwähnte sie in diesem 

Zusammenhang, dass sie "an den Kleidern gezogen" respektive diese zer-

rissen worden seien (vgl. Akten SEM A15/25 F228 f.). In der abgebroche-

nen Anhörung vom 15. Mai 2019 gab sie – angesprochen auf die Vorfälle, 

über die sie bei der ersten Befragung nicht sprechen konnte – zu Protokoll: 

"Diese Männer kamen rein. Ich musste mich ausziehen" (vgl. Akten SEM 

A24/7 F48). Diese Äusserungen der Beschwerdeführerin geben Anlass zu 

der Vermutung, dass sie weitere Übergriffe intensiveren Ausmasses erlebt 

haben könnte, die zu schildern sie bisher nicht in der Lage war. Im Weiteren 

sagte die Beschwerdeführerin bei der Anhörung vom 15. Mai 2019 aus,  

einige Wochen zuvor seien wiederholt Hauskontrollen bei ihrer Familie 

durchgeführt worden, wobei nach ihr gefragt worden sei. Zudem hätten die 

Soldaten ihre jüngere Schwester angefasst und sexuell belästigt sowie ei-

nen Schwager geschlagen (vgl. Akten SEM A24/7 F18 und F26 ff.). Dies 

deutet darauf hin, dass sie und ihre Familie auch nach ihrer Ausreise wei-

terhin im Fokus der sri-lankischen Sicherheitskräfte stehen könnten.  

Aufgrund dieser Aktenlage ist nicht hinreichend geklärt, ob die Beschwer-

deführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2019 von asyl-

relevanten Nachteilen betroffen war und ob unter Berücksichtigung ihres 

familiären Hintergrundes von einem nach wie vor bestehenden Verfol-

gungsinteresse der sri-lankischen Behörden auszugehen ist. 

5.3 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung kann der Be-

schwerdeführerin nicht schon aufgrund der bestehenden Aktenlage die 

Flüchtlingseigenschaft zuerkannt werden. Ungeachtet der Frage der 

Glaubhaftigkeit der von ihr geschilderten Übergriffe durch sri-lankische Sol-

daten und der Frage, ob diese für die Traumatisierung der Beschwerdefüh-

rerin ursächlich sind, kann aus diesen Vorkommnissen nicht ohne Weiteres 

auf eine aktuelle Verfolgungsgefahr geschlossen werden. Es ist daran zu 

erinnern, dass die Asylgewährung nicht den Ausgleich vergangenen erlit-

tenen Unrechts bezweckt, sondern Schutz vor aktueller oder künftiger Ver-

folgung bieten soll. Einer Asylgewährung alleine aufgrund des Vorliegens 

von im Leitentscheid E-1866/2015 des Bundesverwaltungsgerichts defi-

nierten Risikofaktoren steht entgegen, dass die von der Beschwerde-

E-174/2022 

Seite 13 

führerin geltend gemachten Faktoren (Narbe, illegale Ausreise, längerer 

Auslandsaufenthalt) praxisgemäss nur schwach risikobegründend sind. 

Die bestehende Aktenlage lässt auch die Annahme zwingender Gründe im 

Sinne von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 FK nicht zu, da sich auf diese nur berufen 

kann, wer im Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz die Flüchtlingseigen-

schaft erfüllte (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.7, EMARK 1999 Nr. 7). Ob diese 

Voraussetzung vorliegend erfüllt ist, steht aber gerade nicht fest.  

5.4 Der Argumentation der Vorinstanz, das Asylgesuch sei abzuweisen, 

weil eine vollständige Abklärung des relevanten Sachverhalts bis auf wei-

teres nicht möglich sei, kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Am 25. März 

2019 wurde eine Anhörung durchgeführt, in welcher der Beschwerdeführe-

rin Gelegenheit eingeräumt wurde, ihre Asylgründe darzulegen. Auch wenn 

Grund zur Annahme besteht, dass sie nicht in der Lage war, diese vollstän-

dig zu schildern, wurde damit den Vorgaben von Art. 29 Abs. 1 AsylG 

grundsätzlich Genüge getan. Die verfahrensrechtlichen Vorschriften zum 

Ablauf des Asylverfahrens stehen ergänzenden Ermittlungen zur Sachver-

haltsabklärung auf anderem Wege nicht entgegen. Zur Abklärung der offe-

nen Fragen im vorliegenden Verfahren ist eine ergänzende Anhörung der 

Beschwerdeführerin nicht unabdingbar. Der Vorinstanz stehen erfahrungs-

gemäss durchaus andere Möglichkeiten offen, um Informationen über die 

Gefährdungssituation der Beschwerdeführerin zu beschaffen. Im Übrigen 

rügte die Beschwerdeführerin zu Recht, der Hinweis des SEM, eine An-

hörung und Prüfung der Asylgründe könnte zu einem späteren Zeitpunkt 

nachgeholt werden, widerspreche der verfahrensrechtlichen Ordnung. 

Nach einem rechtskräftig abgeschlossenen Erstverfahren sind Vorflucht-

gründe nur unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten einer erneuten  

Prüfung zugänglich.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist (PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Ver-

waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S. 1264). Die 

in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar 

auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies 

im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint;  

sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1 m.w.H.). 

E-174/2022 

Seite 14 

6.2 Vorliegend wurde die Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt, was 

einen schwerwiegenden Mangel darstellt, der eine vernünftige Verfahrens-

behandlung der Rechtsmittelinstanz verunmöglicht. Eine Heilung der fest-

gestellten Mängel der angefochtenen Verfügung fällt nicht in Betracht (vgl. 

BVGE 2009/53 E. 7.3). Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt 

sich eine Auseinandersetzung mit den in reformatorischer Hinsicht gestell-

ten Rechtsbegehren.  

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als mit ihr 

die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt worden ist. Die 

Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2021 ist aufzuheben, und die  

Sache ist in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG zur vollständigen 

Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Der Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von 

Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

(VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise 

erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In der Kostennote der Rechts-

beiständin vom 11. April 2022 wird ein zeitlicher Vertretungsaufwand von 

insgesamt 13.5 Honorarstunden (à Fr. 150.–) ausgewiesen, was den kon-

kreten Verfahrensumständen nicht vollumfänglich angemessen erscheint. 

Unter Annahme eines notwendigen Vertretungsaufwands von insgesamt 

12 Honorarstunden wird die Parteientschädigung zulasten des SEM auf 

insgesamt Fr. 2000.− (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festge-

setzt.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-174/2022 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2021 wird aufgehoben und die 

Sache zur ordnungsgemässen Behandlung und anschliessenden Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2000.– auszurichten.  

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Markus König Nicholas Swain 

 

 

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