# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2cc6cfa9-9adf-59f1-9d44-cff087f0dc20
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.07.2010 D-3403/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3403-2010_2010-07-08.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3403/2010
law/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  J u l i  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Robert Galliker; 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.__________, geboren (...),
Türkei,
(...)
Gesuchsteller,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung (Fristwiederherstellungsgesuch); 
Verfügung des BFM vom 18. März 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3403/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  18.  März  2010  feststellte,  der 
Gesuchsteller erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch 
vom 23. Februar 2010 ablehnte, die Wegweisung aus der Schweiz ver-
fügte und den Vollzug der Wegweisung anordnete, 

dass der Entscheid (versandt an die Adresse B.__________) von der 
Schweizerischen Post mit dem Vermerk "Nicht abgeholt" an das BFM 
retourniert wurde (Eingang BFM: 1. April 2010),

dass  das  BFM  dem  C.__________  am  3.  Mai  2010  mit teilte,  die 
Verfügung vom 18. März  2010 sei  am 27. April  2010 in  Rechtskraft 
erwachsen,

dass das C.__________ den Gesuchsteller mit Schreiben vom 4. Mai 
2010 aufforderte, die Schweiz bis zum 14. Mai 2010 zu verlassen,

dass der Gesuchsteller mit  Eingabe vom 11. Mai 2010 (Poststempel) 
beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  einreichte,  erklärte,  er 
habe die Verfügung des BFM vom 18. März 2010 nicht erhalten, und 
sinngemäss  um  Wiederherstellung  der  Frist  zur  Beschwerdever-
besserung ersuchte, 

dass  der  Instruktionsrichter  den  Vollzug  der  Wegweisung  mit 
Zwischenverfügung vom 18. Mai 2010 gestützt auf Art. 56 des Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) aussetzte,

dass  der  Instruktionsrichter  den  Gesuchsteller  mit  Verfügung  vom 
21. Mai 2010 aufforderte, bis zum 7. Juni 2010 eine Beschwerdever-
besserung nachzureichen, unter der Androhung, bei ungenutzter Frist 
werde auf Eingabe vom 11. Mai 2010 nicht eingetreten,

dass er gleichzeitig das BFM aufforderte, nachzuweisen, dass die Ver-
fügung vom 18. März 2010 dem Beschwerdeführer an seine aktuelle 
Wohnadresse zugestellt wurde,

dass  das  BFM am 31. Mai  2010  eine  Stellungnahme bezüglich  der 
ordnungsgemässen Zustellung des Entscheids vom 18. März 2010 ein-
reichte,

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dass  der  Gesuchsteller  am  4.  Juni  2010  eine  Beschwerdever-
besserung  einreichte,  in  welcher  er  beantragte,  die  Verfügung  des 
BFM vom 18. März 2010 sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewäh-
ren, eventualiter sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzu-
lässig oder  unzumutbar  sei,  weshalb  die  vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen sei,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgelt -
lichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ersuchte,

dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2010 
festhielt, der Gesuchsteller könne den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz abwarten, ihm die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik 
zur  vorinstanzlichen  Stellungnahme gewährte  (Frist:  25.  Juni  2010), 
die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und 
Verzicht  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses  abwies  und  ihn 
aufforderte,  bis  zum  25.  Juni  2010  einen  Kostenvorschuss  von 
Fr. 600.-- zu leisten, unter der Androhung, bei ungenutzter Frist werde 
auf die Beschwerde nicht eingetreten, 

dass der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- am 22. Juni 2010 eingezahlt  
wurde,

dass der Gesuchsteller am 30. Juni 2010 sinngemäss um Erstreckung 
der Frist zur Einreichung einer Replik ersuchte,

dass  der  Instruktionsrichter  dieses  Gesuch  mit  Zwischenverfügung 
vom 2. Juli 2010 abwies,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass das Bundesverwaltungsgericht auch für die Behandlung von Ge-
suchen um Wiederherstellung von Fristen gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG 
zuständig  ist,  bei  denen es  im Falle  der  Wiederherstellung über  die 
nachgeholte  Parteihandlung  beziehungsweise  Rechtsvorkehr  zu  be-
finden hat (vgl. URSINA BEERLI-BONORAND, Die ausserordentlichen Rechts-
mittel  in  der  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes  und  der  Kantone, 
Zürich 1985, S. 233),

dass nach Art. 24 Abs. 1 VwVG eine Frist wiederhergestellt wird, wenn 
der Gesuchsteller  oder dessen Vertreter  unverschuldeterweise abge-
halten worden ist, binnen Frist zu handeln, sofern er unter Angabe des 
Grundes  innert  30  Tagen  nach  Wegfall  des  Hindernisses  darum er-
sucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt,

dass die Verfügung des BFM vom 18. März 2010 am gleichen Tag per 
Post an den Gesuchsteller versandt wurde, 

dass  die  Sendung  von  der  Schweizerischen  Post  mit  dem Vermerk 
„Nicht abgeholt" an das BFM retourniert wurde, 

dass der Gesuchsteller am 11. Mai 2010 unter Angabe des Grundes 
um Wiederherstellung der abgelaufenen Beschwerdefrist ersuchte, in-
dem er  darlegte,  weshalb  er  nicht  rechtzeitig  Beschwerde  habe  er-
heben können,

dass  er  innerhalb  ihm  gesetzter  Frist  auch  die  versäumte  Rechts-
handlung  (Einreichung  der  Beschwerdeanträge  und  deren  Begrün-
dung) nachholte,

dass der Gesuchsteller demnach innert der gesetzlichen Frist sowohl 
ein begründetes Begehren um Wiederherstellung stellte als auch die 
versäumte  Rechtshandlung  nachholte,  weshalb  auf  das  Gesuch  um 
Wiederherstellung der Beschwerdefrist einzutreten ist, 

dass die Wiederherstellung von Fristen dazu dient, die Rechtsnachteile 
zu  beseitigen,  die  ein  Verfahrensbeteiligter  wegen  unverschuldeter 
Fristversäumnis  erleidet  (vgl.  STEFAN VOGEL in:  AUER/MÜLLER/SCHINDLER 
[HRSG.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungs-
verfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N 1 zu Art. 24 VwVG),

dass ein Fristversäumnis dann unverschuldet ist, wenn dafür objektive 
Gründe vorliegen und der säumigen Partei bzw. ihrem Vertreter keine 

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Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann wie etwa im Falle von Natur-
katastrophen, bei Militärdienst oder schwerwiegender Erkrankung,

dass  daneben  auch  subjektive  Gründe  eine  Fristwiederherstellung 
rechtfertigen können, welche dann vorliegen, wenn der – objektiv be-
trachtet – Handlungsfähige lediglich deshalb untätig bleibt, weil er die 
Situation zufolge eines Irrtums oder auf Grund mangelnder Kenntnisse 
nicht richtig einzuschätzen vermag, 

dass schliesslich auch eine Kumulation verschiedener Umstände, die 
je für sich betrachtet das Versäumnis nicht zu entschuldigen vermöch-
ten, die Voraussetzungen von Art. 24 VwVG erfüllen können (vgl. zum 
Ganzen STEFAN VOGEL, a.a.O. N 10 ff. zu Art. 24 VwVG),

dass  der  Gesuchsteller  gemäss  Eintrag  im  "Zentralen  Migrations-
informationssystem" (ZEMIS) des BFM vom 15. bis zum 30. März 2010 
in der B.__________ in (...) untergebracht war,

dass er gemäss Eintrag im selben System bis zum 30. März 2010 aber 
auch im Hotel D.__________ an der (...) in (...) gewohnt haben soll,

dass sich gemäss den Eintragungen im ZEMIS somit nicht zweifelsfrei  
feststellen lässt, an welcher Adresse der Gesuchsteller im interessie-
renden Zeitraum wohnte,

dass das BFM in seiner Stellungnahme ausführte, der Gesuchsteller 
sei im Vorfeld des Asylverfahrens im Hotel D.__________ wohnhaft ge-
wesen,

dass er den ersten Teil des Asylverfahrens (ab dem 23. Februar 2010) 
im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel verbracht habe,

dass er am 15. März 2010 für  den weiteren Aufenthalt  während des 
Asylverfahrens dem Kanton (...) zugeteilt worden sei, 

dass  er  ab  dem  15.  März  2010  unbestrittenermassen  im 
B.__________ wohnhaft gewesen sei,

dass  der  im  ZEMIS  enthaltene  zusätzliche  Adressvermerk  (Hotel 
D.__________)  sich  offenkundig  auf  seinen  früheren  Aufenthaltsort 
beziehe, der mit Stellung des Asylgesuchs obsolet geworden sei,

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dass der  Gesuchsteller  ab 30. März  2010 in  (...)  wohnhaft  gewesen 
sei,

dass das BFM davon ausgehe, der Asylentscheid vom 18. März 2010 
sei  ordnungsgemäss  an  die  tatsächliche  Adresse  des  Beschwerde-
führers zugestellt worden,

dass  der  Gesuchsteller  in  seiner  Eingabe  vom 11.  Mai  2010  (Post-
stempel)  einräumte,  er  habe  ab  dem  15.  März  2010  in  der 
B.__________ in (...) gewohnt,

dass er den Brief (Verfügung des BFM) indessen nicht erhalten habe,  
obwohl  Briefe  den  Asylsuchenden  normalerweise  von  einer  Be-
treuungsperson überreicht würden,

dass aufgrund der Aktenlage somit feststeht,  dass der Gesuchsteller 
sich zum Zeitpunkt,  als das BFM ihm die Verfügung zuzustellen ver-
suchte,  bzw. er  die  eingeschriebene Briefsendung auf  der  Poststelle 
hätte  abholen  können,  an  der  letzten  den  Behörden  bekannten 
Adresse aufhielt,

dass dies entgegen der Auffassung des BFM jedoch nicht offenkundig 
ist, zumal im ZEMIS ein Aufenthalt im Hotel D.__________ in (...) bis 
zum 30. März 2010 eingetragen wurde,

dass eine Zustellung an die  letzte  den  Behörden bekannte  Adresse 
von Asylsuchenden nach Ablauf der ordentlichen siebentägigen Abhol-
frist rechtsgültig ist, wenn die Sendung als unzustellbar zurückkommt 
(vgl. Art. 12 Abs. 1 AsylG),

dass die Beschwerdefrist von 30 Tagen (Art. 108 Abs. 1 AsylG) somit 
am 26. April 2010 ablief (Abholfrist: 26. März 2010),

dass  der  Gesuchsteller  in  seiner  Eingabe  sinngemäss  lediglich  be-
hauptet,  die  Abholungseinladung  für  die  eingeschriebene  Briefsen-
dung sei ihm nicht ausgehändigt worden,

dass  es  sich  dabei  um eine  durch  nichts  belegte  Parteibehauptung 
handelt,  die die gesetzliche Vermutung, die Verfügung vom 18. März 
2010 sei rechtsgenüglich zugestellt worden, nicht zu widerlegen verm-
ag,

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dass demzufolge das Fristwiederherstellungsgesuch vom 11. Mai 2010 
(Poststempel) abzuweisen und auf die Beschwerde zufolge verspäteter 
Einreichung nicht einzutreten ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 
VwVG) sind,

dass die  Verfahrenskosten durch den in  derselben Höhe geleisteten 
Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  Beschwerdefrist  wird 
abgewiesen.

2.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem Gesuchsteller  auf-
erlegt. Sie  sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt  und 
werden mit diesem verrechnet.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Gesuchsteller (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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