# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d8643bc-4a62-5827-970d-ba22808b4016
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-27
**Language:** de
**Title:** Kreisarzt hat anhand des Stands der Wissenschaft nachvollziehbar eine Kausalität zwischen der unfallbedingten OSG-Distorsion und später festgestellten Charcot-Fuss verneint; die gegenteilige Meinung des Behandlers steht den wissenschaftlichen Haupttheorien bei wissenschaftlich immer noch weitgehend unklarer Pathogenese entgegen; Folgen der Beweislosigkeit trägt der Bf
**Docket/Reference:** UV.2017.00280
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2017.00280.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2017.00280
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Bonetti
Urteil
vom
2
7.
Juni 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
Dr.
iur
.
Y.___
, Kundenrechtsdienst Zürich
Postfach, 8010 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 196
4
, war als
Dreher
über seine Arbeitgeberin bei der
Suva
gegen Unfälle obligatorisch versichert, als er am
2
4.
Oktober 2016
mit dem linken Fuss von der Kante eines Holzrostes abrutsche und abk
ippte
(
Urk.
8/1
und 8/29/1
).
Sein Hausarzt diagnostizierte hierauf
eine Distorsion des oberen Sprung
g
elenks
(
Urk.
8/
21
)
.
Ab Anfang Dezember 2016 arbeitete
der Versicherte wieder
vollzeitlich (
Urk.
8/8/1
). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen
Leistungen
(
Urk.
8/2 und 8/4
).
In
einer
MRI-Untersuchung v
om 1
9.
Januar 2019
wurde beim Versicherten
ein Charcot-Fuss links mit fortgeschrittener Destruktion des
Chopart
-Gelenks
festge
stellt
(
Urk.
8/19)
, worauf seine Arbeitgeberin
der Suva einen Rückfall meldete (
Urk.
8/10)
.
Gestützt auf eine Stellungnahme ihres Kreisarztes (
Urk.
8/35) verneinte die Suva m
it Schreiben vom
4.
April 2017
eine
weitere
Leistungspflicht mangels
eines
Kausalzusammenhang
s
(
Urk.
8/37/1
). Daran hielt sie nach Ein
wand des Versicherten (
Urk.
8/44/1
) mit Verfügung vom
1
6.
Mai 2017
fest (
Urk.
8/45/1-2
). Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/4
6
) wies die
Suva
am
6.
November 2017
gestützt auf
eine weitere
kreisärztliche Beurteilung (
Urk.
8/52)
ab (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
erhob der Versicherte, vertreten durch seine Rechtsschutzversicherung (
Urk.
4), am
5.
Dezember 2017
Beschwerde (
Urk.
1). Darin beantragte er, den Entscheid aufzuheben und ihm ab
1.
Dezember
2016
weiterhin, eventualiter ab 2
0.
Januar 2017
erneut
die gesetzlichen Leistungen auszurichten
.
Subeventualiter
seien ergänzende medizinische Abklärungen unter Weiterausrichtung der Versicherungsleistungen vorzunehmen.
Alles unter Kos
ten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Suva
(
Urk.
1 S.
2
). Die
Suva
schloss in der Beschwerdeantwort vom
2
6.
Januar 2018
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7
). Es wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
9
). In der Replik vom
1
3.
Februar 2018
hielt der Versicherte an seinen Anträgen fest
(
Urk.
10
S. 2). Die Suva verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 bzw. am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten. Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sieht Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich – wie vorliegend – vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, nach bisherigem Recht gewährt werden. Es kommen deshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen zur Anwendung und werden in dieser Fassung zitiert.
1.2
Für die Bejahung der natürlichen Unfallkausalität eines Beschwerdebilds genügt eine Teilursächlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5), wobei sich die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers auch auf mittelbare bzw. indirekte Unfall
folgen erstreckt (nicht
publ
. E. 3a des Urteils BGE 127 V 491; SVR 2016 UV
Nr. 21 S. 66, Urteil des Bundesgerichts 8C_134/2015 vom 1
4.
September 2015
E. 5.2.2 mit Hinweis).
Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in recht
licher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungs
pflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adä
quate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (
status
quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (
status
quo si
ne), erreicht ist.
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Bis dahin hat der Unfallversicherer gestützt auf
Art.
36
Abs.
1 UVG in aller Regel den Taggeldleistungen auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungs
kosten nach
Art.
19 UVG fallen
.
Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbe
gründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Ver
sicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leis
tungsarten massgebend (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9,
Urteil des Bundesgerichts
8C_354/2007
4.
August 2008
E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts
8C_956/2011 vom 2
0.
Juni 2012 E. 4.
1-2
mit Hinweis
; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 8C_715/2016 vom
6.
März 2017 E. 4
).
Gemäss Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückfall um das Wiederauf
flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, sodass es zu ärztlicher Behand
lung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfol
gen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearte
ten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausal
zusammenhang besteht (BGE 118 V 296 f. E. 2c mit Hinweisen; RKUV 1994
Nr. U 206 S. 326 f. E. 2
; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 8C_934/2014 vom
8.
Januar 2016 E. 3.2
).
1.3
Bei Entscheiden gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Beurteilungen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozialversiche
rungsträger stammen, sind strenge Anforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen. Ihnen wird nach der Rechtsprechung Beweiswert zugemessen, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs
frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
mit Hinweis). Bestehen indes auch nur geringe Zweifel an der Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungs
externe medizinische Begutachtung
im Verfahren nach
Art.
44 des
Bundesge
setz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4).
Auf Aktenberichte kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil 8C_737/2011 des Bundesgerichts vom
2.
April 2012 E. 5.2; zum Ganzen auch Urteile des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 2
5.
Juni 2018 E. 3.2.2 und 8C_167/2018 vom 2
8.
Februar 2019 E. 4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte vollumfänglich auf
die kreisärztliche Beurteilung
ab
. Diese stehe im Einklang mit der
jenigen
von
Dr.
Z.___
und widerlege über
zeugend die unbegründete und durch die Vertrauensstellung beeinfluss
te Aussage von
Dr.
A.___
(
Urk.
2
E. 3.b).
Brückensymptome nach Erreichen des Status quo
seien nicht möglich
(
Urk.
7
Ziff.
11.2).
Andernfalls
trage m
angels ärztlich
er
Dokumentation derselben
während
eineinhalb Monaten der Beschwerdeführer
die Beweislast für
die natürliche Kausalität. Die Physiotherapie ändere daran nichts, weil davon
keine namhafte
gesundheitliche
Verbesserung
mit
Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten gewesen sei (
Urk.
2 E. 4.a).
Zudem
sei
eine
unfall
kausale Verletzung, wie
eine Fraktur,
ausgeschlossen worden
, während ein
singuläres Trauma
nicht genüge.
Es sei somit – unter Hinweis auf Wikipedia
–
nicht
denkbar,
dass
der Charcot-Fuss
Folge der
möglichen
Fussdistorsion sei. Dieser sei klar auf d
en
Diabetes zurückzuführen (
Urk.
7
Ziff.
9
und 11.4
).
Im Übrigen würden Suva-Ärzte
aufgrund
ihrer Tätigkeit über besonders ausgeprägte
traumatologische
Kenntnisse
und
Erfahrung verfügen (
Urk.
7
Ziff.
11.5).
2.2
Der Beschwerdeführer
hielt
indes
dafür
,
sein Fuss sei
allabendlich angeschwollen. Er habe
neben der Arbeit
weiter
hin
Physiotherapie
gemacht
und regelmässig den Arzt aufgesucht.
Die Arbeitsfähigkeit spiele keine Rolle, da
Brückensymptome
keinen Leistungsbezug voraussetzen würden
.
Der Kreisarzt
selbst
habe
konsta
tiert
, dass die Distorsion mit der Gipsanlegung im Januar 2017 adäquat behandelt
worden, d.h.
unfallbedingt gewesen sei
(
Urk.
1
Ziff.
2.1).
Zudem
gebe es Lehrmei
nungen, die einer Fraktur
/
Fragmentation
eine grosse Rolle bei der Entstehung eines Charcot-
F
usses beimessen würden.
Somit
könnte im Unfall eine richtungs
gebende Verschlechterung vorliegen
, weshalb die fachärztliche
, in
voller K
ennt
nis des Zustandes abgegebenen
Meinung
von
Dr.
A.___
nicht übergangen werden könne
(
Urk.
1
Ziff.
2.2
;
Urk.
10 S. 4
)
.
Darüber hinaus würden
auch traumatische Vorschädigungen die besondere Art der
Verletzung ausmachen, was bei der erforderlichen Unfallschwere zu berücksichtigten sei. Bei ihm habe ein dreiecki
ges Fragment zufolge einer unfallbedingten Fraktur am Os
naviculare
eher älteren Datums vorgelegen, weshalb die Distorsion genügt habe
. Soweit der Diabetes mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einen Einfluss habe, sei der Charcot-Fuss nicht per se durch diesen entstanden, sondern durch eine Kombination mit dem Trauma
und
wäre
ohne dieses womöglich gar nicht eingetreten. Es müsse genügen, dass nach der direkten Einwirkung durch das Abknicken plötzlich anhaltende Beschwerden aufgetreten seien
(
Urk.
10 S.
3 f.
)
.
Im Übrigen verfüge
der Kreisarzt
in der Schweiz über keine
Zulassung
(
Urk.
1
Ziff.
2.2).
3.
3.1
Der Kreisarzt
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Chirurgie, schlussfolgerte in seiner Stellungnahme vom
4.
April 2017, der Rückfall sei nicht überwiegend wahr
scheinlich auf den Unfall vom 2
4.
Oktober 2016 zurückzuführen. Der Beschwer
deführer leide an einem Charcot-Fuss bzw. einer Diabetischen-
Neuropatischen
-
Osteo-Arthro-Pathie
. Unfallbedingt sei keine strukturelle Läsion aufgetreten, lediglich eine Distorsion, welche spätestens mit Anlage eines Gipses ausreichend behandelt worden und abgeheilt sei. Die jetzige Symptomatik sei auf eine krank
heitsbedingte Ursache zurückzuführen (
Urk.
8/35).
3.2
In der
B
eurteilung v
om
6.
Juni 2017
erläuterte
Dr.
B.___
im Detail
,
d
ie Erst
behandlung habe am 2
8.
Oktober 2016 stattgefunden. Im Röntgen sei ein altes dreieckiges Fragment im Bereich des Os
naviculare
links festgestellt, eine Distor
sion
des oberen Sprunggelenks (OSG)
links diagnostiziert und eine volle Arbeits
unfähigkeit attestiert worden. Ab dem 1
7.
November 2016 habe die Arbeitsfähig
keit 50
%
betragen, ab dem
1.
Dezember 2016 habe d
er Beschwerdeführer
wieder voll gearbeitet.
Am 1
9.
Januar 2017
sei
im
C.___
ein MRI des linken OSG durchgeführt worden. Das Bild habe einen Ch
a
rcot-Fuss links mit for
t
ge
schrittener Destruktion des
Chopart
-Gelenkes gezeigt. Es sei eine Ruhigstellung im Gips
, s
päter im Total-
Contact
-Cast erfolgt. Bereits
Dr.
Z.___
habe am 2
8.
Februar 2017 beschrieben, dass es schwierig sei, dem Beschwerdeführer die Probl
ema
tik klar zu vermitteln, da dieser weiterhin von einer
traumatologischen
Genese ausgehe. In der
D.___
sei die Diagnose einer
Charcot-Arthro
pathie
bestätigt und geschrieben worden,
diese sei
am ehesten durch das OSG-Distorsionstrauma ausgelöst worden.
Die dortige
neurologische Untersuchung
habe
eine dis
tal symmetrische Polyneuropathie im Rahmen des Diabetes mellitus mit ausgefallenem Achillesseh
nen
reflex und sockenförmigen Sensibilitätsstörun
gen ergeben. Neurophysiologisch habe sich eine vorwiegend
demyelinisierende
Komponente
gefunden. Linksbetont habe sich in den motorischen Neurographien ebenfalls ein
axonaler
Schaden gezeigt. Die Befunde hätten sich elektromyogra
phisch bei deutlichen Hinweisen auf eine chronisch neurogene Schädigung bestätigt (
Urk.
8/52/
3 f.
).
B
ei der Charcot-
Arthropathie
handle es sich um eine Erkrankung
infolge n
euro
logische
r
Schädigungen. Unter anderem bestehe eine gestörte Schmerzwahr
nehmung, was zur Folge
h
abe, dass Schmerzen bei einer Gelenkbelastung und
-
überlastung nicht oder nur mange
l
haft wahrgenommen würden. Somit bestehe die Gefahr, dass ein Gelenk stark überlastet und entsprechend rasch zerstört werde. 95
%
der Patienten mit einem Charcot-Fuss seien Diabetiker. Es sei bekannt, dass bei Diabetikern die Schädigung der feinen Nerven an den Extremi
täten zu Empfindungsstörungen führten, so dass auch kleine Verletzungen nicht mehr wahrgenommen w
ür
den. Jedoch seien auch andere Nervenerkrankungen mit Sensibilitätsstörungen der Füsse als auslösende Ursachen möglich
.
Die Ursache der Charco
t
-
Arthrop
at
hie
(diabetische neuropathische
Osteoarthrop
ath
ie
)
sei nicht geklärt.
Nach heutigem Kenntnisstand seien
jedoch
zwei Mechanismen denkbar. Die sogenannte neurovaskuläre Theorie gehe von einer neurogenen Fehlsteuerung, hervorgerufen von verstärkter Durchblutung und verstärktem K
no
chenabbau aus
. D
ie sogenannte neurotraumatische Theorie gehe davon aus, dass es bei fehlender
Schmerzwahrnehmung durch Über
lastung zu widerholten minimalen Verletzungen der Gelenkflächen komme, die dann in eine zuneh
mende Zerstörung des Knochens übergehen würden. Jedoch auch Störungen im Knochenzellstoffwechsel selbst, die zur Auflösung von Knochensubstanz führen würden, könnten wegbereitend für die Entstehung sein. Ein singuläres Trauma reiche jedoch als Ursache für einen Charcot-Fuss nicht aus, es seien wiederholte Mikrotraumata im Rahmen einer Überlastung dazu notwendig (
Urk.
8/52/4).
Da die radiologische Diagnostik vom 2
8.
Oktober 2016 keine frische knöcherne Läsion gezeigt
habe
,
Dr.
E.___
auch
eine
n
Status nach OSG-Distorsion ohne weitere unfallbedingte knöcherne Läsion diagnostiziert habe
und sich die Beschwerden unter konservativer Therapie/Ruhigstellung gebessert hätten, so dass der Beschwerdeführer ab 1
7.
November 2016 wieder zu 50
%
und ab 1. Dezember 2016 zu 100
%
gearbeitet habe, sei davon auszugehen, dass er am 2
4.
Oktober 2016 eine Distorsion des linken OSG jedoch ohne unfallbedingte strukturelle Läsion erlitten habe. Damit sei eine richtung
s
gebende Verschlimme
rung nicht überwiegend wahrscheinlich. Die reinen Unfallfolgen seien mit Wiederaufnahme
des Vollzeitpensums
abgeheilt gewesen.
Die
Genese der Charcot-
Arthropathie
sei nicht
unfall-, sondern ausschliesslich krankheitsbe
dingt, weshalb d
ie Ansicht von
Dr.
A.___
erstaune
.
Dies gelte insbesondere, da eine Latenz von mehrere Wochen zwischen vollständiger Arbeitsaufnahme und Auf
treten der akuten
Symptomatik bestanden habe und ihm auch
bekannt gewesen sei, dass seit
dem Jahr 2001 ein Diabetes mellitus mit Polyneuropathie bestehe, welche die klassischen lehrbuchmässigen Voraussetzungen für eine Charcot-
Arthropathie
bildeten
(
Urk.
8/52/4 f.).
3.3
Vorab ist festzustellen, dass der die Beschwerdegegnerin beratende Kreisarzt
Dr.
B.___
keine bewilligungspflichtige privatwirtschaftliche Tätigkeit in eigener fachlicher Verantwortung ausübt (
Art.
34 des
Medizinalberufegesetzes
,
MedBG
). Seine fachliche Eignung wird vom Beschwerdeführer nicht
in Frage gestellt
.
Der Kreisarzt hat sodann
zur streitigen Kausalitätsfrage umfassend Stellung genommen, wobei er alle relevanten
medizinischen Unterlagen – insbesondere auch den vom Beschwerdeführer angeführten Bericht von
Dr.
A.___
–
würdigte.
Nachvollziehbar begründete er anhand der
Dokumentation der zeitnah zum Unfall durchgeführten Erstbehandlung beim Hausarzt
(vgl.
Urk.
8/21 und 8/23/1)
, dass der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit lediglich zu einer Distor
sion des linken OSG ohne strukturelle Läsion führte
,
und schloss infolgedessen eine richtungsgebende Verschlimmerung durch den Unfall aus. Insoweit geht die Argumentation des Beschwerdeführers, dass auch eine Fraktur Auslöser
des Charcot-Fusses
sein könne, von vor
n
herein fehl.
Dr.
B.___
gab sodann zutreffend die Haupttheorien zur Entstehung des Charcot-Fusses
nach heutigem Stand der Wissenschaft
wieder
und wies zu Recht darauf hin, dass mit dem erstmals im Jahr 2001 diagnostizierten Diabetes mellitus Typ 2 und der aktuell festgestellten distal-symmetrischen Polyneuropathie
(
Urk.
8/39/1)
letztlich ein Lehrbuchfall vorliegt.
Dem ist hinzuzu
fü
gen
, dass die Pathogenese
des
Charcotfusses
von der Wissen
schaft
bis heute nicht
hinreichend geklärt werden konnte und neben
der neuro
traumatischen und der neurovaskulären Theorie
auch
andere Ansätze verfolgt werden. Kontrovers wird
mitunter
diskutiert, ob
respektive
welche Bedeutung einer
Fraktur bzw. einer
im Röntgenbild
allenfalls
nicht feststellbaren
trauma
tischen Verletzung des Skeletts
oder Bandverletzungen
zukommt
(vgl.
insbeson
dere
Sandra Sommerey
,
Klassifikation des
Charcotfusses
anhand von klinischen und radiologischen Befunden,
Dissertation
München 2004
, S. 12
ff.
, abrufbar
unter
https://edoc.ub.uni-muenchen.de/2758/1/Sommerey_Sandra.pdf
; Eva Katharina
Modricker
, Behandlungsaussichten des Frühstadiums des
Charcot
fusses
, Dissertation München
2008, S. 8 ff., abrufbar
unter
https://core.ac.uk/
download
/
pdf
/11030330.pdf
;
ferner
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
/Klinik-
fuer
-Allgemeine-Unfall-und-Wiederherstellungschirurgie/
de/
fach
/
fuss/
krankheitsbilder
/
rueckfuss
/Charcot-rthropathie.html
;
https://www.aerzteblatt.de
/
archiv
/67780/Charcot-Fuss-Auf-die-
fruehe
-Diagnose-kommt-es-an
,
h
ttps://www.balgrist.ch
/veranstaltungen/
kongresse-und-
f
ortbildun
gen/kongressarchiv/4-balgrist-symposium-zum-diabetischen-fuss-der-charcot-fuss-88/
)
.
3.4
Die Beschwerdegegnerin
hat
gegenüber dem Beschwerdeführer
aufgrund der Schadenmeldung vom 1
4.
November 2016
keine Leistungspflicht
für
den Charcot-Fuss, sondern nur für eine
Prellung anerkannt (
Urk.
8/2 in Verbindung mit
Urk.
8/1
)
.
Der Charcot-Fuss stand erst aufgrund der zweiten Schadenmeldung vom 2
5.
Januar 2017 zur Diskussion (
Urk.
8/10). Einen diesbezüglichen Leis
tungsanspruch machte die Beschwerdegegnerin von Beginn an vom Ergebnis weiterer Abklärungen abhängig (
Urk.
8/12).
D
amit
liegt die Beweislast, ob es sich
beim
neuen Leiden eines
Charcot-Fuss
es
um eine zusätzliche Unfallfolge handelt
respektive
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusam
menhang
besteht, weiterhin beim Beschwerdeführer
(vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_855/2018 vom 1
4.
März 2019 E. 3.1).
Nach der Rechtsprechung gehören zu den im Sinne von
Art.
6
Abs.
1 UVG massgebenden Ursachen auch Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesund
heitliche Beeinträchtigung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadensauslösende traumatische Einwirkung wirkt also selbst dann leistungsbe
gründend, wenn der betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später wohl eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts
conditio
sine qua non war. Anders verhält es sich, wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wir
kung eigenständige Bedeutung anzunehmen.
Einem Ereignis kommt demzufolge der Charakter einer anspruchsbegründenden Teilursache zu, wenn
das
aus der potentiellen pathogenen Gesamtursache resul
tierende Risiko zuvor nicht dermassen gegenwärtig war, dass der auslösende Faktor gleichsam beliebig und austauschbar erschiene. Dagegen entspricht die unfallbedingte Einwirkung - bei erstelltem Auslösezusammenhang - einer (anspruchshindernden)
Gelegenheits- oder Zufallsursache, wenn sie auf einen derart labilen, prekären Vorzustand trifft, dass jederzeit mit einem Eintritt der (organischen) Schädigung zu rechnen gewesen wäre, sei es aus eigener Dynamik der pathogenen Schadensanlage oder wegen Ansprechens auf einen beliebigen anderen Zufallsanlass. Wenn ein alltäglicher alternativer Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit dieselbe Gesundheitsschädigung hätte bewirken können, erscheint der Unfall nicht als kausal signifikantes Ereignis, sondern als austausch
barer Anlass; es entsteht daher keine Leistungspflicht des obli
gatorischen Unfall
versicherers
(Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2016 vom
7.
Juli 2016 E. 4.1.1 und 4.1.2)
.
3.5
Nach dem in den Erwägungen
E. 3.3 und 3.4
zum medizinischen Wissensstand und den rechtlichen Voraussetzungen Ausgeführten lässt sich somit e
ntgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
aus
dem
B
ericht vom 17. März 2017, verfasst von
Dr.
med.
A.___
, Stellvertretender Leiter der Technischen Orthopädie an der
D.___
, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dieser schlussfol
gerte, es bestehe zweifelsfrei eine akute Ch
ar
cot-
Arthropathie
, am ehesten ausge
löst durch das OSG-Distorsionstrauma im vergangenen Oktober (
Urk.
8/32/2).
Ein
natürlicher Kausalzusammenhang
zwischen der OSG-Distorsion und dem Charcot-Fuss ist
aufgrund
des aktuellen Standes der Wissenschaft
indes
höchs
tens als möglich, nicht aber als überwiegend wahrscheinlich einzustufen
. Dies muss umso
mehr gelten, als
im Röntgenbild keine frischen
ossären
L
äsionen nachgewiesen wurden
. Über mikrotraumatische
Verletzungen des
Chopard
-Gelenks
infolge des in Frage stehenden Unfalls kann
im Nachhinein
indes
nur gemutmasst werden.
Aus juristischer Sicht ist zudem zu berücksichtigen, dass
grundsätzlich eine regelmässige
alltägliche
Inanspruchnahme zu einem Charcot-Fuss
führt
und davon ausschliesslich Personen mit einer
(fast immer durch einen Diabetes bedingte)
Neuropathie betroffen sind
. D
er Vorzustand
des Beschwerde
führers
schaffte
für dieses Beschwerdebild
somit
mehr als eine
bloss
latente Schadensneigung
(vgl. auch
Urk.
8/39/2 f. zur
deutlich pathologischen diabe
tischen
Stoffwechsellage
;
Urk.
8/23/1 zu den vorbestehenden
Arthrosezeichen
)
und di
e unfallbedingte OSG-Distorsion
stellt
höchstens eine
Gelegenheits- bzw. Zufalls
-Mit
ursache
für den
– im Übrigen erst
drei Monate
nach dem Unfall fest
gestellten
–
Charcot-Fuss
dar
.
6.
Zusammenfassend ist somit festzustellen,
dass die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Beurteilung von
Dr.
B.___
abgestellt hat, an welcher aufgrund der Aus
sage von
Dr.
A.___
keine Zweifel bestehen.
Die blosse Möglichkeit, dass
der Charcot-Fuss nach dem heutigen Stand der Wissenschaft
mit dem Unfall zusam
menhängen könnte,
führt
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
nicht zur Bejahung
d
es
natürlichen Kausalzusammenhangs
.
Weitere medizinischen Abklä
rungen erübrigen sich, zumal diese nichts am
Kenntniss
tand der Wissenschaft ändern würden. Die Folgen der heute
immer
noch
nicht restlos geklärten
Patho
genese
eines
Charcot-Fusses trägt der Beschwerdeführer
, zumal den Haupt
theorien kein singuläres Trauma als Auslöser zugrunde liegt
.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigBonetti