# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b5bb52a-2b9b-5ca3-b64c-f38c21cd77fa
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-06-08
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 08.06.2005 SB 2005 7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2005-7_2005-06-08.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 08. Juni 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 05 7 (nicht/mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Vital und Möhr
Aktuarin ad hoc Nüssle

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In der strafrechtlichen Berufung

des A., Berufungskläger, 

gegen 

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Moesa vom 19. Januar 2005, mitgeteilt 
am 21. Januar 2005, in Sachen der Staatsanwaltschaft Graubünden, 
Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, gegen den Berufungskläger,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. A. wurde am 26. Februar 1923 in F. geboren. 

B. Am 22. Mai 2003, um ca. 18.00 Uhr, ereignete sich auf der 
Calancastrasse zwischen I. (E.) und der Abzweigung nach G., Fahrtrichtung H. eine 
Kollision zwischen den von A. und B. gelenkten Personenwagen.

C. Am 20. August 2003 erliess die Staatsanwaltschaft Graubünden einen 
Kompetenzentscheid gegen A., wonach für die Verfolgung dieser Angelegenheit die 
Kreispräsidentin Calanca im Strafmandatsverfahren zuständig sei. 

D. Mit Strafmandat vom 2. Januar 2004, mitgeteilt am 28. Januar 2004, 
verurteilte die Kreispräsidentin Calanca A. wegen Verletzung von 
Verkehrsvorschriften gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 1 VRV in 
Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG zu einer Busse von Fr. 200.-. 

E. Mit Eingabe vom 4. Februar 2004 liess A. gegen seine Verurteilung 
Einsprache bei der Kreispräsidentin erheben.

F. Nach ergänzter Untersuchung erliess das Bezirksgerichtspräsidium 
Moesa am 24. September 2004 die Anklageverfügung gegen A. und verfügte wie 
folgt:

„1. A. è messo in stato d’accusa per violazione alle norme sulla cirola-
zione stradale giusta l’art. 34 cpv. 1 LCStr., Art. 7 1 ONC in unione 
all’art. 90 cifra 1 LCStr. 

2.  Il caso è trasmesso per il giudizio alla Commissione del Tribunale 
distrettuale Moesa, Roveredo (Art. 346 CP e 48 LGP). 

3. (Rechtsmittelbelehrung)

4. (Mitteilung).“

G. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Moesa, an 
welcher A. teilnahm, fand am 19. Januar 2005 statt. Mit gleichentags ergangenem 
Urteil, mitgeteilt am 21. Januar 2005, entschied der Bezirksgerichtsausschuss 
Moesa wie folgt:

„1. A., 1923, E., è dichiarato colpevole di violazione delle norme sulla 
cirolazione stradale ai sensi degli art. 34 cpv. 1 LCS. e 7 cpv. 1 
ONC in unione all’art. 90 cifra 1 LCS.

2. A. è condannato ad una multa di fr. 200.- (duecento).

3. La tassa della Procura pubblica di fr. 50.-, la tassa e le spese 
dell’Ufficio del Circolo di Calanca di fr. 120.-, la tassa di giudizio 

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della Commissione del Tribunale distrettuale Moesa di fr. 1'200.-, 
per complessivi fr. 1'370.-, sono a carico di A. e vanno versate, 
unitamente alla multa (in totale fr. 1'570.-) alla Cassa del Tribunale 
distrettuale Moesa entro 30 giorni dalla crescita in giudicato della 
sentenza.

4. (Rechtmittelbelehrung)

5. (Mitteilung).“

H. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Moesa erhob A. 
mit Eingabe vom 10. Februar 2005 Berufung beim Kantonsgerichtsausschuss von 
Graubünden. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Urteils 
unter Freisprechung von Schuld und Strafe. Zur Begründung führte er sinngemäss 
an, dass dem angefochtenen Urteil eine falsche Sachverhaltsdarstellung und -be-
urteilung zugrunde liege. 

Mit Schreiben vom 22. beziehungsweise 21. Februar 2005 verzichteten so-
wohl die Staatsanwaltschaft Graubünden als auch die Vorinstanz auf eine Vernehm-
lassung, wobei letztere die Akten einreichte.

Am 8. Juni 2005 fand eine mündliche Berufungsverhandlung statt, an welcher 
A. teilnahm. 

Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen:

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. a) Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse, sowie gegen Verfügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten 
(ausgenommen Untersuchungshandlungen, prozessleitende Verfügungen und 
Strafmandate) können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichts-
ausschuss innert 20 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefochtenen Ent-
scheides Berufung einreichen. Diese ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder Gerichtsverfahrens gerügt werden 
und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 141 ff. 
StPO). 

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b) Diesen Anforderungen vermag die im übrigen form- sowie fristgerecht ein-
gereichte Berufung von A. vom 10. Februar 2005  zu genügen, weshalb auf sie 
einzutreten ist.

2. Der Kantonsgerichtspräsident kann von Amtes wegen oder auf Antrag 
eine mündliche Berufungsverhandlung durchführen, wenn die persönliche Befra-
gung des Angeklagten für die Beurteilung der Streitsache wesentlich ist (Art. 144 
Abs. 1 StPO). Findet keine mündliche Berufungsverhandlung statt, so trifft der 
Kantonsgerichtsausschuss seinen Entscheid ohne Parteivortritt auf Grund der 
Akten (Art. 144 Abs. 3 StPO). Der Angeschuldigte in einem Strafverfahren hat aber 
unabhängig von der kantonalen Verfahrensordnung gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK 
Anspruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise und öffentlich gehört wird. 
Dieser Anspruch ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein faires Verfahren. 
Das Gebot der Verfahrensöffentlichkeit gilt dem Grundsatz nach nicht nur für das 
erstinstanzliche Strafverfahren, sondern erstreckt sich auf die Gesamtheit eines 
korrekten Strafverfahrens inklusive des gesamten Rechtsmittelweges, somit auch 
auf das Berufungsverfahren gemäss Art. 141 ff. StPO. Die Art der Anwendung von 
Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf ein Verfahren vor einer Rechtsmittelinstanz hängt von deren 
Besonderheiten ab. Von einer mündlichen Verhandlung vor der Rechtsmittelinstanz 
kann etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz tatsächlich mündlich 
verhandelt hat, wenn nur Rechtsfragen oder Tatfragen zur Diskussion stehen, die 
sich leicht nach den Akten beurteilen lassen, ferner wenn eine reformatio in peius 
ausgeschlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist und sich keine Fragen 
zur Person und deren Charakter stellen (vgl. BGE 119 Ia 316 E. 2b; ZGRG 2/99, S. 
46). Zudem darf einem nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches 
Interesse entgegenstehen. Der Betroffene kann von sich aus auf eine mündliche 
Verhandlung verzichten. Voraussetzung eines wirksamen Verzichts ist, dass er 
ausdrücklich erklärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des Betroffenen 
eindeutig ergibt. Da der Berufungskläger eine mündliche Berufungsverhandlung 
verlangte und bezüglich des strittigen Sachverhaltes zusätzliche Aufschlüsse von 
einer mündlichen Verhandlung zu erwarten waren, wurde eine mündliche 
Berufungsverhandlung durchgeführt, an welcher A. persönlich anwesend war.

3. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognition zukommt (Art. 146 Abs. 1 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil 
grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft (W. 
Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., 

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Chur 1996, S. 375). Es gilt dabei aber zu berücksichtigen, dass der Kantonsge-
richtsausschuss auch weitere Urteilspunkte abändern oder ergänzen kann und 
muss, wenn sonst der Würdigung aller Umstände unzureichend Rechnung getragen 
würde beziehungsweise einzelne Fragen aus dem Sachzusammenhang gerissen 
würden und damit Bundesrecht verletzt würde (vgl. BGE 117 IV 104 ff.).

4. a) Die Vorinstanz stellte in ihren Erwägungen im Wesentlichen auf die 
Aussagen von B. und den Polizeibericht ab. A. sei zu weit links gefahren und hätte 
so dem Fahrzeug von B. nicht genügend Platz eingeräumt, um ihn überholen zu 
können. Wäre genügend Platz für das Überholmanöver vorhanden gewesen, hätte 
es keinen doppelten Zusammenstoss des Fahrzeugs von B. gegeben, das heisst 
mit der Mauer und dem Fahrzeug von A.. Vor allem bezeuge der Punkt, an welchem 
die beiden Fahrzeuge Spuren auf der Strasse hinterlassen haben, dass A. eher in 
der Mitte der Fahrbahn gefahren sei. Der Anfang der Schleuderspur des Fahrzeugs 
von A. befinde sich nämlich in einem Abstand von 2.20 Metern vom rechten Stras-
senrand entfernt. Der Bezirksgerichtsausschuss Moesa kam deshalb zur Überzeu-
gung, dass A. im Zeitpunkt der Kollision mit seinem Personenwagen zu weit links 
gefahren sei und sich infolgedessen einer Verletzung von Art. 34 Abs. 1 SVG und 
Art. 7 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig gemacht habe. 

b) Demgegenüber macht A. in seiner Berufungsschrift geltend, dass er 
korrekt am rechten Strassenrand gefahren sei, als das Fahrzeug von B. plötzlich in 
seinen Wagen geprallt sei. B. habe wahrscheinlich versucht, sein zu spät vor der 
Kurve vorgenommenes Überholmanöver abzubrechen und sei beim 
Wiedereinbiegen auf die rechte Fahrspur mit seinem Wagen touchiert. Daraufhin 
sei der Wagen des B. an die Mauer geschleudert worden und sein eigenes 
Fahrzeug habe sich linkswärts gedreht, sei quer über die Fahrbahn geschlittert und 
anschliessend mit der Mauer kollidiert. B. sei zuerst gegen sein Fahrzeug gefahren 
und dann erst gegen die Mauer. Es habe deshalb keinen zweiten Zusammenstoss 
gegeben. Es sei aufgrund des Schadensbildes nicht möglich, dass er den Wagen 
von B. an die Mauer gedrängt habe. Denn dann wären die beiden Fahrzeuge zum 
Kollisionszeitpunkt nebeneinander gefahren und die Schlagkraft des Fahrzeugs von 
B. hätte nicht ausgereicht, um seinen Wagen um 90 Grad zu drehen. Schliesslich 
weist A. daraufhin, dass der gemessene Abstand von 2.20 Metern vom rechten 
Strassenrand den Anfang der Schleuderspur zeige und nicht die Fahrspur seines 
Fahrzeuges. An der Berufungsverhandlung bekräftigte der Berufungskläger seine 
Sicht der Dinge und legte vier Fotos und eine Unfallhergangsskizze ins Recht.

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5. Gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG müssen Fahrzeuge rechts, auf breiten 
Strassen innerhalb der rechten Fahrbahnhälfte fahren. Sie haben sich möglichst an 
den rechten Strassenrand zu halten, namentlich bei langsamer Fahrt und auf unü-
bersichtlichen Strecken. In Art. 7 Abs. 1 VRV wird diese Regel bekräftigt und präzi-
siert, indem der Fahrzeugführer auf gewölbten oder sonst schwer zu befahrenden 
Strassen und in Linkskurven von dieser Regel abweichen kann, wenn die Strecke 
übersichtlich ist und weder der Gegenverkehr noch nachfolgende Fahrzeuge behin-
dert werden. Wer diese Verkehrsregeln missachtet, wird gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG 
mit Haft oder mit Busse bestraft.

6. a) Es gilt im Folgenden zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz zu 
Recht von der Sachverhaltsdarstellung gemäss Polizeibericht und den Aussagen 
von B. ausgegangen ist. Anlässlich dieser Prüfung ist eine Würdigung der Beweis-
mittel vorzunehmen. Gemäss Art. 125 Abs. 2 StPO entscheidet das Gericht bei der 
Würdigung der Beweismittel nach freier Überzeugung. Dieser Grundsatz der freien 
Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 des Bundesgesetzes über die 
Bundesstrafrechtspflege (BStP). Der Richter hat danach von Bundesrechts wegen 
frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung 
aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber zu 
entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 115 IV 268 
f.). Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle Wahrheit 
wegleitend, so kann für diese Beurteilung nur die freie Meinung des Richters 
massgebend sein (vgl. . R. Hauser/E. Schweri/K. Hartmann, Schweizerisches Straf-
prozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 2, S. 244). Allein auf diese Weise kann 
der Richter ein für jeden Einzelfall zutreffendes Urteil fällen. Neben der Würdigung 
der Beweise stellt sich dem Richter die Frage, wann er eine bestimmte Tatsache 
als erwiesen betrachten darf und wann nicht. Lehre und Rechtsprechung gehen 
zutreffend davon aus, blosse Wahrscheinlichkeit dürfe für eine Verurteilung nicht 
genügen, absolute Sicherheit sei für eine solche aber auch nicht erforderlich und 
eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein könnte, 
rechtfertige keinen Freispruch (vgl. Hauser/ Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 11, 
S. 247). 

Trotzdem sind an den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen 
zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein 
absoluter Beweis. Nach der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV) und Art. 
6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel “in dubio pro reo“ darf sich der 
Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen 

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Sachverhalts überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel 
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat, oder mit anderen Worten 
Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis 
bestehen (BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoretische Zweifel sind indessen nicht 
massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht 
verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu 
unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven 
Sachlage aufdrängen (BGE 120 la 37). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung 
an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit 
Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung 
der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des 
Beschuldigten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die 
vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 
1987 Nr. 12; Padrutt, a.a.O., S. 307). Diese allgemeine Regel kommt im übrigen 
nicht schon dann zur Anwendung, wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist 
vielmehr anhand sämtlicher sich aus den Akten ergebenden Umstände zu 
untersuchen, ob die Darstellungen der Anklage oder jene des Angeklagten den 
Richter zu überzeugen vermögen. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der 
einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz 
“in dubio pro reo“ der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen 
werden (PKG 1978 Nr. 31; Padrutt, a.a.O., S. 307).

Zu den verschiedenen Beweismitteln ist anzuführen, dass der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die 
Aussagen von Zeugen und Angeschuldigten voll gültige Beweismittel mit derselben 
Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist weniger die Form, sondern 
vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der Bekundung sowie 
die Überzeugungskraft massgebend. Entscheidend ist mit anderen Worten allein 
die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall (Hauser/Schweri/ 
Hartmann, a.a.O., § 54 N 5, S. 246).

Im Rahmen des Gerichtsverfahrens interessiert nicht in erster Linie die 
persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen, sondern vielmehr die sachliche 
Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage (vgl. R. Hauser, Der Zeugenbeweis im 
Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Als 
Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit 
und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete, 
detaillierte und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses zu werten. Die 

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Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von 
demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Indiz 
für die Richtigkeit der Deposition. Für die Korrektheit einer Aussage sprechen unter 
anderem die Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle und 
die Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befragungen. Bei 
wahrheitswidrigen Bekundungen fehlen diese Kennzeichen regelmässig. Indizien 
für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen sind Unstimmigkeiten oder grobe 
Widersprüche in den eigenen Aussagen, Zurücknahme, erhebliche 
Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe mehrerer Einvernahmen, 
unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten und gleichförmige, 
eingeübt wirkende Aussagen. Die Richtigkeit einer Deposition muss alsdann auf 
ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem Ergebnis der übrigen 
Beweiserhebungen geprüft werden (vgl. dazu auch F. Arntzen/E. 
Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, System der 
Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993, S. 15 ff.). 

b) A. führte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 23. Mai 
2003 (act. 02.2/1) aus, er sei mit seiner Frau von E. her kommend unterwegs 
gewesen. Er sei mit einer Geschwindigkeit von ca. 50-60 km/h gefahren, als er 
plötzlich einen heftigen Schlag an der linken hinteren Türe seines Fahrzeugs 
verspürt habe. Durch den Aufprall sei sein Fahrzeug nach links geschleudert 
worden, wo er mit der Front seines Wagens mit der dortigen Betonwand kollidiert 
sei. Kurz darauf sei sein Fahrzeug quer zur Fahrbahn zum Stillstand gekommen. 
Vor ihm seien keine Fahrzeuge gefahren und den Wagen hinter ihm habe er bis 
zum Unfall nicht bemerkt. Er sei ganz normal am rechten Strassenrand gefahren 
und es sei genügend Platz zum Überholen vorhanden gewesen. Er könne sich 
deshalb nicht erklären, wieso B. mit seinem Personenwagen kollidiert sei. Zur 
Geschwindigkeit des Fahrzeugs von B. konnte A. keine Angaben machen.

c) B. schilderte den Unfallhergang bei seiner polizeilichen Einvernahme 
am 23. Mai 2003 (act. 02.2/1) folgendermassen: Er sei zum fraglichen Zeitpunkt mit 
seinem Personenwagen in Richtung H. unterwegs gewesen, als er nach dem 
Restaurant I. in E. das Fahrzeug von A. erreicht habe. A. sei sehr langsam, mit 
maximal 45 km/h, in der Mitte der Fahrbahn gefahren und habe vorausgeschaut. 
Kurz nach einer Linkskurve sei das Fahrzeug von A. mehr rechts gefahren. Dann 
sei er zum Überholen des Fahrzeugs von A. nach links ausgeschert. Als er sich mit 
der Spitze seines Fahrzeugs auf der Höhe der vorderen Wagentüre des zu 
überholenden Fahrzeugs befunden habe, habe ihn dieses nach links in die Mauer 

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gedrückt. A. habe mit der linken Seite seines Fahrzeugs die vordere rechte Seite 
seines Personenwagens gestreift. Als Folge der Kollision mit dem Fahrzeug von A. 
habe er anschliessend mit seinem linken Vorderrad die Mauer gestreift, während 
sich das Fahrzeug von A. um die eigene Achse gedreht habe und die Fahrbahn 
hinunter geschlittert sei bis es zum Stillstand gekommen sei. Weiter führte B. aus, 
dass er mit maximal 60-65 km/h gefahren sei. Er habe sofort gebremst. Er vermute 
als Unfallursache, eine Unaufmerksamkeit von A., welcher zu weit nach links 
gefahren sei und ihm den Weg abgeschnitten habe. 

d) Gemäss den übereinstimmenden Aussagen von B. und A. hat sich der 
Unfall demnach folgendermassen zugetragen: Zunächst ist es zwischen den 
Fahrzeugen von B. und A. zur seitlichen Kollision gekommen. Daraufhin ist das 
Fahrzeug von B. in die Mauer geprallt, während der Personenwagen von A. durch 
den Aufprall in Rotation gesetzt worden ist, ebenfalls mit der Mauer kollidierte und 
quer zur Fahrbahn die Strasse hinunter geschlittert ist bis er zum Stillstand kam. 
Von diesem Unfallhergang gehen auch die Experten der J. aus (act. 02.1/3). 
Demgegenüber geht die Polizei davon aus, dass B. zuerst die Mauer touchiert habe 
und dann erst mit dem Fahrzeug von A. kollidiert sei (act. 02.2/1, S. 4 und Skizze 
S. 6). Auf den bei den Akten liegenden Fotos des Schadenplatzes ist eine deutliche 
Driftspur zu erkennen (act. 02.2/1, S. 6; act. 02.2/2). Diese Reifenspuren wurden 
unbestrittenermassen vom Fahrzeug von A. verursacht. Spuren dieser Art können 
nur entstehen, wenn ein Fahrzeug einen markanten Schwimmwinkel aufweist, sich 
also in einem Winkel zur Fahrzeuglängsachse seitlich bewegt. Somit wird klar, dass 
sich der Personenwagen von A. bei Beginn der Spurzeichnung bereits deutlich im 
Gegenuhrzeigersinn abgedreht haben musste, was nur möglich ist, wenn er bereits 
vorher vom Fahrzeug des B. angestossen worden ist. Diese Darstellung wird auch 
vom Schadensbild an den beiden involvierten Fahrzeugen bestätigt: der 
Personenwagen von A. ist hinten links beschädigt, während das Fahrzeug von B. 
vorne rechts einen Schaden aufweist (act. 02.2/1). Es kann deshalb festgehalten 
werden, dass die Aussagen von A. mit den Reifenspuren und dem sich daraus 
zwingend ergebenden Bewegungsablauf seines Fahrzeugs sowie dem 
Schadensbild an den beiden verunfallten Fahrzeugen übereinstimmen. Der 
Kantonsgerichtsausschuss gelangt deshalb als Zwischenergebnis zur 
Überzeugung, dass sich der Unfall nicht gemäss den Darstellungen im 
Polizeibericht zugetragen haben kann, das heisst, dass B. zuerst mit dem 
Personenwagen von A. kollidiert ist und erst in der Folge mit der linksseitigen 
Stützmauer. Dies ergibt sich zweifelsfrei auch aus der Skizze, ist doch der Kollisi-
onspunkt des Personenwagens von B. mit der Mauer nach dem Beginn der 

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Schleuderspuren des Personenwagens von A. markiert. Zu prüfen bleibt nun die 
vorliegend entscheidende Frage, ob der Berufungskläger zum Zeitpunkt des 
Zusammenstosses mit dem Fahrzeug von B. zu weit links gefahren ist.

e) Die Vorinstanzen gelangten bei ihrer Analyse gestützt auf den 
Polizeibericht und die polizeiliche Skizze zur Überzeugung, dass der 
Berufungskläger zu weit links gefahren sein müsse, denn die Driftspur des rechten 
Hinterrades des Fahrzeugs von A. beginne 2.20 Meter vom rechten Fahrbahnrand 
entfernt (vgl. act. 02.2/1, S. 6). Wie bereits dargelegt, muss sich der Personenwagen 
des Berufungsklägers bei Beginn der Spurzeichnung bereits gedreht haben, denn 
derartige Reifenspuren können erst entstehen, wenn die Räder quer zur Fahrbahn 
stehen und der Wagen rutscht. Unter diesen Umständen aus dem Anfangspunkt 
der Schleuderspur auf die Lage des Fahrzeugs des Berufungsklägers vor dem 
Zusammenstoss mit B. zu schliessen, geht nun aber nicht an. Denn anhand des 
Spurenbildes lassen sich keinerlei Angaben zur Lage des Fahrzeugs des 
Berufungsklägers vor dem Unfall beziehungsweise vor dem Zusammenprall der 
beiden Fahrzeuge gewinnen. Zumal aufgrund der vorhandenen Beweise nicht 
eruierbar ist, wo die Kollision zwischen den beiden involierten Fahrzeugen genau 
stattgefunden hat und wie viel Zeit zwischen der Kollision und dem Abschluss der 
Rotation des Fahrzeugs von A. vergangen ist beziehungsweise wie lange es 
dauerte, bis dieses quer zur Fahrbahn zu liegen kam und die Driftspur auf der 
Strasse auftragen konnte. Weiter ist es – wie der Berufungskläger zu Recht geltend 
macht - angesichts der Driftspur, der Endlage seines Fahrzeugs und des 
Schadensbildes nicht möglich, dass er den Wagen von B. abgedrängt hat, denn in 
diesem Fall hätte die Schlagkraft des Aufpralls kaum ausgereicht, um das Fahrzeug 
des Berufungsklägers um 90 Grad beziehungsweise im Gegenuhrzeigersinn zu 
drehen. In Würdigung der gesamten Sachlage bestehen demnach für den 
Kantonsgerichtsausschuss erhebliche Zweifel, dass sich der Sachverhalt nach der 
Darstellung der Vorinstanz zugetragen hat. Mit anderen Worten kann dem 
Berufungskläger anhand der ausgewerteten Spuren und dem daraus folgenden 
Bewegungsablauf seines Personenwagens weder rechtsgenüglich nachgewiesen 
werden, dass er vor dem Unfall zu weit in der Mitte der Fahrbahn beziehungsweise 
zu weit links gefahren ist, noch dass er das Fahrzeug von B. abgedrängt hat. Das 
führt dazu, dass der Berufungskläger nach dem Grundsatz “in dubio pro reo“ 
freizusprechen ist. 

7. Da die Berufung gutgeheissen und das angefochtene Urteil aufgeho-
ben wird, gehen die Kosten des Berufungsverfahrens zu Lasten des Kantons 

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Graubünden (Art. 160 StPO), die Kosten des Kreisamtes Calanca von Fr. 170.- ge-
hen zu Lasten des Kreises Calanca und die Kosten des Bezirksgerichtsausschus-
ses Moesa von Fr. 1’200.- gehen zu Lasten des Bezirkes Moesa, welcher A., wel-
cher vor der Vorinstanz anwaltlich vertreten war, mit Fr. 2'000.- zu entschädigen 
hat.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird gutgeheissen und das angefochtene Urteil wird aufgeho-
ben. 

2. A. wird von der Anklage der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 
Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG 
freigesprochen. 

3. a) Die Kosten des Kreisamtes Calanca von Fr. 170.- (Fr. 50.- und Fr. 120.-) 
gehen zu Lasten des Kreises Calanca.

b) Die Kosten des Bezirksgerichtsausschusses Moesa von Fr. 1’200.- gehen 
zu Lasten des Bezirkes Moesa, welcher A. mit Fr. 2'000.- zu entschädigen 
hat.

c) Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

4. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

5. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: