# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e705d32-4a52-5477-8f50-fb78f52f4252
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 16.09.2021 200 2021 566
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-566_2021-09-16.pdf

## Full Text

200 21 566 ALV
KOJ/FRN/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 16. September 2021

Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiberin Franzen

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern 
Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 14. Juli 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1965 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich am 30. Juli 2020 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum 
(RAV) Burgdorf zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 10. Januar 2021 
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (Akten der Arbeitslosenkasse 
B.________ [act. II] 104 f., 106 ff.). In der Folge richtete die C.________ 
mit Wirkung ab 1. Januar 2021 Arbeitslosenentschädigung aus (act. II 21 
ff.). 

Am 3. Mai 2021 stellte die Versicherte Antrag auf Leistungen bei Arbeitssu-
che im Ausland (Leistungsexport; Dossier RAV-Region Seeland-Berner 
Jura [act. IIA] 50), welchen das RAV Biel mit Verfügung vom 12. Mai 2021 
ablehnte (act. IIA 40 ff.). Mit Eingabe vom 22. Juni 2021, welche gleichen-
tags in ... der dortigen Post übergeben wurde, erhob die Versicherte Ein-
sprache (act. IIA 18 ff.). Darauf trat das Amt für Arbeitslosenversicherung 
des Kantons Bern (AVA bzw. Beschwerdegegner) mit Einspracheentscheid 
vom 14. Juli 2021 (act. IIA 12 ff.) mangels Einhaltung der Einsprachefrist 
nicht ein. 

B.

Mit E-Mail vom 15. August 2021 (inkl. Anhang: Kopie des Schreibens der 
Versicherten an das Verwaltungsgericht vom 14. August 2021) wandte sich 
die Versicherte an das AVA. Diese E-Mail wurde vom AVA am 16. August 
2021 an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern weitergeleitet. 

Am 23. August 2021 ging beim Verwaltungsgericht das Original des 
Schreibens der Versicherten vom 14. August 2021 ein, welches der Instruk-
tionsrichter mit prozessleitender Verfügung vom 24. August 2021 als Be-
schwerde entgegennahm. 

Mit Beschwerdeantwort vom 27. August 2021 schloss der Beschwerdegeg-
ner auf Abweisung der Beschwerde. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 3

Mit Eingabe vom 7. September 2021 machte die Beschwerdeführerin wei-
tere Ausführungen zum Leistungsexport. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die 
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 
[AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung vom 31. August 
1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven-
zentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmungen über Frist 
(Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 
des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein-
zutreten.   

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 14. Juli 
2021 (act. IIA 12 ff.), mit welchem der Beschwerdegegner zufolge unbe-
nutzten Ablaufs der Einsprachefrist auf die Einsprache vom 22. Juni 2021 
(act. IIA 18 ff.) nicht eintrat. Streitig und zu prüfen ist einzig die Rechtzeitig-
keit der Einsprache vom 22. Juni 2021 (act. IIA 18 ff.) gegen die Verfügung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 4

vom 12. Mai 2021 (act. IIA 40 ff.). Nicht Anfechtungs- und Streitgegenstand 
bildet demgegenüber die Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin 
auf Gewährung von Leistungen bei Arbeitssuche im Ausland; soweit in die-
sem Zusammenhang sinngemäss materielle Anträge gestellt werden, ist 
darauf nicht einzutreten. 

1.3 Die Mitglieder des Verwaltungsgerichts behandeln als Einzelrichte-
rin oder Einzelrichter Beschwerden gegen Nichteintretensverfügungen oder 
-entscheide (Art. 57 Abs. 2 lit. c GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind 
oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versi-
cherungsträger schriftlich Verfügungen zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 ATSG). 
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden 
Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- 
und verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). 

2.2 Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie 
der Mitteilung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung 
zu laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, 
ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht aner-
kannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag. Massgebend 
ist das Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihr Vertreter bezie-
hungsweise ihre Vertreterin Wohnsitz oder Sitz hat (Art. 38 Abs. 3 ATSG). 

Eine eingeschriebene Postsendung gilt grundsätzlich in dem Zeitpunkt als 
zugestellt, in welchem die angeschriebene Person sie tatsächlich in Emp-
fang nimmt. Wird die Person nicht angetroffen und wird daher eine Abho-
lungseinladung in ihren Briefkasten oder ihr Postfach gelegt, so gilt die 
Sendung in jenem Zeitpunkt als zugestellt, in welchem sie auf der Poststel-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 5

le abgeholt wird; geschieht das nicht innert der Abholfrist, die sieben Tage 
beträgt, so gilt die Sendung als am letzten Tag dieser Frist zugestellt, so-
fern der Adressat mit der Zustellung hatte rechnen müssen (sog. Zustellfik-
tion; Art. 38 Abs. 2bis ATSG; BGE 134 V 49 Regeste bzw. E. 4, 127 I 31 
E. 2a S. 34).

2.3 Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist 
dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Handen der Schwei-
zerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsulari-
schen Vertretung übergeben werden (Art. 39 Abs. 1 ATSG).

2.4 Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschulde-
terweise abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wie-
derhergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach 
Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshand-
lung nachholt (Art. 41 ATSG).

Nach der Rechtsprechung ist die Wiederherstellung nur bei klarer Schuld-
losigkeit der betroffenen Prozesspartei und ihrer Vertretung zu gewähren, 
es darf also auch keine bloss leichte Fahrlässigkeit vorliegen. In Frage 
kommt objektive Unmöglichkeit zeitgerechten Handelns wie beispielsweise 
bei Naturkatastrophen, Militärdienst oder schwerwiegender Erkrankung, 
oder subjektive Unmöglichkeit, wenn zwar die Vornahme einer Handlung, 
objektiv betrachtet, möglich gewesen wäre, die betroffene Person aber 
durch besondere Umstände, die sie nicht zu vertreten hat, am Handeln 
gehindert worden ist. In Betracht kommen insbesondere unverschuldete 
Irrtumsfälle. Es ist indes ein strenger Massstab anzuwenden. Insbesondere 
stellt ein auf Unachtsamkeit zurückzuführendes Versehen kein unverschul-
detes Hindernis dar (SVR 2017 IV Nr. 24 S. 68 E. 2.2).

2.5 Das Einspracheverfahren wird mit einem Nichteintretensentscheid 
abgeschlossen, wenn die Eintretensvoraussetzungen nicht erfüllt sind 
(BGE 142 V 152 E. 2.2 S. 155).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 6

3.

3.1 Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Beschwerdegegner die mit 
Einschreiben versandte Verfügung vom 12. Mai 2021 (act. IIA 40 ff.) glei-
chentags der Post übergeben und diese das Einschreiben der Beschwer-
deführerin (mangels Antreffen) am 14. Mai 2021 mit Einladung zur Abho-
lung gemeldet hat. Am 15. Mai 2021 ging das Einschreiben bei der Post-
stelle am Ort der Beschwerdeführerin ein. Nach unbenutztem Ablauf der 
siebentägigen Abholfrist wurde das Einschreiben am 22. Mai 2021 an den 
Beschwerdegegner zurückgesandt (act. IIA 15). 

3.1.1 Die Beschwerdeführerin musste infolge ihres Antrages auf Leis-
tungsexport vom 3. Mai 2021 (act. IIA 50) damit rechnen, dass ihr ein Ent-
scheid oder anderweitige diesbezügliche Korrespondenz zugestellt werden 
könnte, weshalb die sog. Zustellfiktion vorliegend zur Anwendung gelangt. 
Folglich begann die 30-tägige Einsprachefrist am Tag nach dem Ablauf der 
Abholungsfrist am 21. Mai 2021, das heisst am 22. Mai 2021, zu laufen und 
endete am 20. Juni 2021 (Sonntag) bzw. am darauffolgenden Montag, 
21. Juni 2021. Mit der erst am 22. Juni 2021 der ... Post per Einschreiben 
übergebenen respektive am 28. Juni 2021 bei der Grenzstelle der Schwei-
zerischen Post zugegangenen Einsprache wurde die Einsprachefrist somit 
nicht gewahrt (act. IIA 16, vgl. E. 2.3 hiervor). Der Beschwerdegegner weist 
im Übrigen zu Recht darauf hin, dass die 30-tägige Einsprachefrist selbst 
dann nicht eingehalten worden wäre, wenn auf die Übergabe der Sendung 
zu Handen der ... Post vom 22. Juni 2021 abgestellt würde (act. IIA 13). 

3.1.2 Gründe, welche zur Wiederherstellung der Frist führen könnten (vgl. 
E. 2.4 hiervor), sind nicht ersichtlich. Vielmehr weist die Beschwerdeführe-
rin in der Beschwerde ausdrücklich auf ein Missverständnis zwischen ihr 
und ihrer Tochter hin, was indessen keinen Grund für die Wiederherstel-
lung der Frist darstellt. Dass die Beschwerdeführerin mit ihren Ansprech-
partnern des RAV jeweils mittels E-Mail und Telefon kommuniziert hat, än-
dert nichts am Umstand, dass der Versicherungsträger Verfügungen 
schriftlich zu erlassen hat (Art. 49 Abs. 1 ATSG, vgl. E. 2.1 hiervor). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 7

3.2 Nach dem Dargelegten ist der Beschwerdegegner mit Einspra-
cheentscheid vom 14. Juli 2021 (act. IIA 12 ff.) zu Recht auf die verspätet 
eingereichte Einsprache vom 22. Juni 2021 (act. IIA 18 ff.) nicht eingetre-
ten. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

4.

4.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG 
(Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben. 

4.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin gemäss 
Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) keinen An-
spruch auf eine Parteientschädigung.

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien-
tschädigung zugesprochen.

3. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst 

(samt Doppel der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 7. Septem-
ber 2021)

- Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2021, ALV/21/566, Seite 8

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.