# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d611c5f2-cae2-54f7-84a6-20c3c5304422
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 23.02.2024 SST.2023.79
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-79_2024-02-23.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.79 
(ST.2022.60; StA.2021.2643) 

 

 

Urteil vom 23. Februar 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

 
    

Beschuldigte   A._____,  

geboren am tt.mm.1979, von Deutschland, 

[…]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Fabian Blum,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Raub; Landesverweisung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 16. August 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gegen 

die Beschuldigten Anklage wegen Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB. 

 

2. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Brugg fällte am 10. Januar 2023 

folgendes Urteil:  

 

1. 
Die Beschuldigte ist schuldig des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 
 
2. 
2.1. 
Die Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestimmung und gestützt 
auf Art. 40 und 47 StGB zu 12 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
2.2. 
Der Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB für die Freiheitsstrafe gemäss 
Ziffer [2.1.] der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird auf 2 Jahre festgesetzt. 
 
3. 
3.1. 
Die Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestimmung und gestützt 
auf Art. 42 Abs. 4 i.V.m. Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 2'000.00 verurteilt. 
 
3.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen 
vollzogen. 
 
4. 
Auf eine Landesverweisung wird verzichtet. 
 
5. 
Die nachfolgend erwähnten beschlagnahmten Gegenstände werden der Beschuldigten 
bzw. einer von ihr bezeichneten / bevollmächtigten Person nach Rechtskraft dieser 
Dispositivziffer auf erstes Verlangen herausgegeben und sind innert 30 Tagen seit 
Rechtskraft abzuholen, anderenfalls darüber verfügt werden wird: 
 
Portemonnaie, schwarz, 'Krokodilleder' 
Mobiltelefon Apple iPhone 13 Pro 
 
6. 
Die Anklagegebühr wird gemäss § 15 Abs. 1bis VKD auf Fr. 1'050.00 festgesetzt und der 
Beschuldigten auferlegt. 
 
7. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gebühr von  Fr.  800.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von  Fr.  3'859.50 
c) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von  Fr.  3'787.00 

Total  Fr.  8'446.50 
 

 - 3 - 

 

 

Der Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. c (vorbehältlich lit. b 
bzw. Ziffer 8) im Gesamtbetrag von Fr. 4'587.00 auferlegt. 
 
8. 
Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten eine 
Entschädigung in der Höhe von Fr. 3'859.50 (inkl. MwSt von Fr. 275.95) auszuzahlen.  
 
Die Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 
135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 17. März 2023 beantragte die Staatsanwalt-

schaft, die Ziff. 4 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs sei aufzuheben und 

die Beschuldigte für 10 Jahre des Landes zu verweisen.  

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 24. März 2023 beantragte die Beschuldigte, 

sie sei vom Vorwurf des Raubs freizusprechen, womit die Ziffern 1-3 des 

Urteilsdispositivs aufzuheben seien. Weiter seien die erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten und die Entschädigung der amtlichen Verteidigung auf 

die Staatskasse zu nehmen und auf eine Rückforderung der Kosten der 

amtlichen Verteidigung sei zu verzichten. 

 

3.3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 23. Februar 2024 statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Zu überprüfen sind infolge der Berufungen der Beschuldigten und der 

Staatsanwaltschaft der Vorwurf des Raubs, die Strafzumessung und die 

Landesverweisung sowie damit einhergehend die Verlegung der erst-

instanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen. Nicht zu überprüfen sind 

die Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände und die Höhe der 

Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das erstinstanzliche Ver-

fahren (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigten wird in der Anklage folgendes Verhalten vorgeworfen 

(GA act. 1): 

 

Die Beschuldigte hat die Geschädigte B._____ am 6. September 2021 um ca. 23.00 Uhr 
auf dem Trottoir an der Q-Strasse, Höhe Verzweigung R-Strasse, überraschend von hinten 
mit dem Arm um den Hals gepackt und zu Boden gerissen. Sodann hat die Beschuldigte 

 - 4 - 

 

 

der Geschädigten die Handtasche, welche diese über dem linken Arm trug, entrissen und 
ist geflüchtet. 
 
In der von der Beschuldigten entwendeten Handtasche befand sich neben diversen 
Effekten und einem privaten Portemonnaie mit ca. CHF 40.00 Bargeld insbesondere noch 
ein Serviceportemonnaie mit ca. CHF 1'400.00 Bargeld, was die Beschuldigte aufgrund 
ihrer früheren gemeinsamen Arbeitstätigkeit mit der Geschädigten wusste bzw. womit sie 
zumindest rechnete.  
 
Die Beschuldigte hatte die Absicht, der Geschädigten durch die überraschende 
Gewaltanwendung und die damit verbundene kurzzeitige Widerstandsunfähigkeit das 
Bargeld zu entwenden und sich damit in der Folge selbst bzw. ihre Familie unrechtmässig 
zu bereichern, was sie auch tat. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz hat die Beschuldigte des Raubs schuldig gesprochen. Sie 

ist in tatsächlicher Hinsicht von der Täterschaft der Beschuldigten aus-

gegangen (E. 4. S. 9 ff.). 

 

Die Beschuldigte wendet sich gegen diesen Schuldspruch und führt im 

Wesentlichen aus, dass B._____ einen männlichen Täter beschrieben 

habe, was sie als Täterin ausschliessen würde. Sie streitet ab, vor Ort 

gewesen zu sein und den Raub begangen zu haben. Stattdessen sei sie 

zu Hause gewesen, wie jeden Abend (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 

1 ff.). Die Staatsanwaltschaft beantragt entsprechend dem Urteil der 

Vorinstanz einen Schuldspruch der Beschuldigten.  

 

2.3. 

2.3.1. 

Den Tatbestand des Raubs erfüllt unter anderem, wer mit Gewalt gegen 

eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder 

Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht 

hat, einen Diebstahl begeht (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; vgl. statt vieler: 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1404/2020 vom 17. Januar 2022 E. 1.2 und 

1.5, nicht publ. in: BGE 148 IV 124 mit Hinweisen). 

 

2.3.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach einer objektiven 

Sachlage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Der Grundsatz 

«in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des 

urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 

worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante 

Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

 - 5 - 

 

 

Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu begründen 

vermag (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein 

indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten 

Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind 

(Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache 

geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet 

nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache 

oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, können in 

ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen 

rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt (statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_390/2021 vom 18. März 2022 E. 1.2.2 mit 

Hinweisen). 

 

2.4. 

Die Beschuldigte bestreitet vorliegend nicht die Tat bzw. den Raub an sich, 

sondern «lediglich» ihre diesbezügliche Täterschaft. Damit kann als erstellt 

gelten, dass B._____ am 6. September 2021 um ca. 23.00 Uhr auf dem 

Nachhausseweg von der Arbeit von hinten von einem Arm um den Hals 

gepackt worden ist und sie zu Boden gefallen ist, woraufhin ihr die 

Handtasche mitsamt des Serviceportemonnaies mit einem Inhalt von 

Fr. 1'400.00 und einem privaten Portemonnaie mit einem Inhalt von rund 

Fr. 40.00 entrissen worden ist. Ebenfalls können die entsprechenden 

Verletzungen von B._____, nämlich eine Schürfung am Ellenbogen rechts, 

eine Verletzung an der linken Hand sowie ein Hämatom in der linken 

Ellenbeuge, beugeseitig, als erstellt gelten (UA act. 28 und 89). Dieses 

Vorgehen erfüllt ohne Weiteres den objektiven Tatbestand des Raubs mit 

dem Tatmittel der Gewalt gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

 

Dem Obergericht verbleiben nach einer einlässlichen Würdigung der 

Beweismittel keinerlei Zweifel an der Täterschaft der Beschuldigten. Zu 

dieser Gewissheit gelangt das Obergericht bereits gestützt auf den Fund 

eines Fingerabdrucks und einer DNA-Spur der Beschuldigten. Am Ort des 

Überfalls wurde ein gelber Putzlappen auf dem Boden gefunden (vgl. 

Fotoaufnahmen des Tatorts UA act. 22 ff.), welcher gemäss den Angaben 

von B._____ vor dem Raub nicht dort gewesen sei (UA act.90). In einer 

Container-Nische in unmittelbarer Nähe zum genannten Tatort wurde 

sodann eine Plastiktüte gefunden, die weitere gleichartige Putzlappen, 

Einweghandschuhe und eine Flasche Brennsprit enthalten hat, mit 

letzterem der am Tatort sichergestellte Putzlappen mutmasslich getränkt 

worden war (UA act. 16 ff, 29 ff.). Auf dieser Plastiktüte konnten DNA-

Spuren und ein Fingerabdruck der Beschuldigten sichergestellt werden (UA 

act. 101 f. und 104 ff.). Die Beschuldigte konnte keine schlüssige Erklärung 

abgeben, wie ihre DNA sowie ihr Fingerabdruck auf diese Plastiktüte und 

diese Plastiktüte wiederum an den Tatort gelangt sind. In den ersten beiden 

 - 6 - 

 

 

Einvernahmen gab sie hierzu an, sie wisse davon nichts. Sie habe in der 

Containernische beim Tatort nichts entsorgt. Die Plastiktüte mit den 

entsprechenden Spuren könne jedoch von ihrem Balkon geflogen sein, da 

sie Plastiktüten dort aufbewahren würde (UA act. 39 f.). Anlässlich der 

weiteren Einvernahmen sowie auch der Berufungsverhandlung hat sie die 

Aussagen zur Sache verweigert (UA 81 ff., GA act. 29 ff. und Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 2). Beim Vorbringen, dass die betroffene 

Plastiktüte von ihrem Balkon geflogen sein könnte, handelt es sich 

offensichtlich um eine Schutzbehauptung. Es gibt denn auch keine 

schlüssige Erklärung dafür, wie die genannte Plastiktüte mit dem Inhalt des 

Brennsprits und der Putzlappen ohne ein Zutun der Beschuldigten an den 

Tatort hätte gelangen sollen. 

 

Dieses Beweisergebnis steht mit den zahlreichen weiteren Indizien im 

Einklang. Insbesondere konnte auf ihrem anlässlich der Hausdurch-

suchung vom 2. Dezember 2021 beschlagnahmten Mobiltelefon ihr 

Suchverlauf im Internetbrowser über das Google-Konto «A._____» 

sichergestellt werden. Die Suchbegriffe waren zwar auf dem Mobiltelefon 

vorgängig gelöscht worden, konnten aber über das Google-Konto 

wiederhergestellt werden. Die Beschuldigte hat nicht bestritten, dass es 

sich um ihr Mobiltelefon handelt und zunächst auch nicht, dass sie nach 

den Begriffen im Suchverlauf gesucht hat (UA act. 50 ff.). Erst anlässlich 

der Berufungsverhandlung liess sie vorbringen, dass sie ihr Mobiltelefon 

nicht alleine genutzt habe (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 5). Aufgrund 

ihrer früheren Aussagen ist hierbei von einer Schutzbehauptung 

auszugehen, zumal die Beschuldigte auch nicht näher erläutert hat, wer ihr 

Mobiltelefon mitbenutzt haben soll. Die Auswertung des Suchverlaufs hat 

ergeben, dass die Beschuldigte im Vorfeld zur Tat, nämlich am 4. und 

5. September 2021 in verschiedenen Varianten namentlich nach den 

Begriffen «Elektroschocker», «Chloroform», «K.O.-Tropfen», «GBL», 

«Schlagstock» sowie insbesondere auch «Brennsprit» bzw. «Brenn-

spiritus» gesucht hat (UA act. 116 ff.). Dabei interessierte sie sich gemäss 

ihren Suchanfragen dafür, wo sie diese Gegenstände bzw. Substanzen 

erwerben konnte. Weiter suchte sie gezielt nach der Wirkung der 

genannten Substanzen auf den Körper, wobei sie offenbar ein besonderes 

Interesse für narkotisierende Mittel hatte (namentlich «gbl wirkung bei 

frauen», «GBL Dosierung Körpergewicht», «GBL Langzeitfolgen», 

«brennspiritus wikung einatmung», «Brennspiritus Dämpfe giftig», 

«Brennspiritus Einatmen», «was bewirkt nakosierent», «welches 

reinigungsmittel bewirkt narkose art»). Insbesondere die Tatsache, dass 

die Beschuldigte online nach Brennsprit und dessen Wirkungen gesucht 

hat, belegt in Verbindung mit der gefundenen Plastiktüte, die Putzlappen 

und Brennspirit enthielt, dass es die Beschuldigte war, die diese 

Gegenstände an den Tatort gebracht hat. Zu den genannten Suchbegriffen 

machte sie wiederum keine schlüssigen Aussagen. Sie machte lediglich 

pauschale und zusammenhanglose Aussagen, wie namentlich, dass man 

 - 7 - 

 

 

mit Brennsprit Wandfarbe wegbekomme und dieser auf Kinder ätzend 

wirke und sie sich als Kosmetikerin für solche Mittel interessiere (UA act. 

50). Es fällt auch auf, dass die Beschuldigte explizit nach den Wirkungen 

namentlich von GBL bei Frauen gesucht hat. Es ist weiter ebenfalls 

ersichtlich, dass sie am 6. September 2021 um 18.53 Uhr, d.h. vier Stunden 

vor der Tat, online nach dem Restaurant C._____ gesucht hat, wo B._____ 

gearbeitet hat. Dies wohl, um den Zeitpunkt, in welchem sich diese auf den 

Nachhauseweg machen würde, einzugrenzen bzw. diesen auf Änderungen 

zu überprüfen. Es ist unbestrittenermassen so, dass B._____ und die 

Beschuldigte bis kurz vor dem Vorfall Arbeitskolleginnen im Restaurant 

C._____ waren. Die Beschuldigte kannte sie somit und wusste um deren 

Arbeitszeiten und Nachhauseweg und insbesondere um die Tatsache, 

dass sie jeweils ihr Serviceportemonnaie mit einem relativ hohen 

Bargeldstock mit nach Hause nahm. All dies spricht dafür, dass sich die 

Beschuldigte B._____ bewusst als Opfer ausgesucht hat und sich auf den 

Raub mit ihren Internetrecherchen und dem Erwerb des Brennsprits 

entsprechend vorbereitet hat.  

 

Auffällig ist weiter, dass die Beschuldigte auf ihrem Mobiltelefon bereits am 

Morgen des 7. September 2021 um 09.10 Uhr, also am Morgen nach der 

Tat, nach «Aktuelle nachrichten Gemeinde S._____» gesucht hat, was sie 

in der Folge mehrfach wiederholt hat. Es drängt sich hierbei der Schluss 

auf, dass sie über eine Nachricht betreffend den Raub gesucht hat bzw. 

sich über den Stand der Ermittlungen erkundigen wollte. Jedenfalls ist sie 

eine schlüssige Erklärung, warum sie diese Suchbegriffe eingegeben hat, 

schuldig geblieben. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie denn auch noch gar 

keine Kenntnis des Raubs gehabt haben, wenn sie nicht darin involviert 

gewesen wäre. Bei ihrer Erklärung, so etwas spreche sich in einem kleinen 

Dorf schnell herum (UA act. 51), handelt es sich um eine offensichtliche 

Schutzbehauptung, zumal sie nicht sagen konnte, von wem sie dies 

vernommen haben will. Die Beschuldigte hat sich gemäss Suchverlauf 

auch Gedanken zu einer «erkennungsdienstlichen Behandlung» gemacht 

und online danach gesucht, ob man eine solche in der Schweiz verweigern 

könne. Zudem hat sie am 8. September 2021 eingegeben, «Klebstoff auf 

fingerkuppen kann man da fingerabdruck machen». Es ist davon auszu-

gehen, dass der Beschuldigten bewusst wurde, dass die Plastiktüte – an 

der in der Folge tatsächlich ihr Fingerabdruck sichergestellt werden konnte 

– am Tatort zurückgeblieben ist. Ihr musste auch bewusst sein, dass ihre 

Fingerabdrücke rund einen Monat zuvor, im Nachgang zum von ihr 

begangenen Ladendiebstahl vom 4. August 2021 von der Polizei erfasst 

worden sind (siehe Strafbefehl vom 22. September 2021). 

 

Schliesslich passt ergänzend ebenfalls ins Bild, dass der Beschuldigten 

erst knapp eine Woche vor dem Vorfall gekündigt worden war und sie nach 

eigenen Angaben und den Aussagen ihres Exmanns zu diesem Zeitpunkt 

 - 8 - 

 

 

finanzielle Schwierigkeiten hatte (UA act. 38, 97). Mithin verfügte sie auch 

über ein mögliches Motiv. 

 

Da B._____ rund drei Wochen nach dem Raub (auf natürliche Weise) 

verstorben ist (UA act. 215), konnte sie nur einmal zum Vorfall befragt 

werden. Dies ist für das Beweisergebnis jedoch entgegen der Ansicht der 

Beschuldigten nicht von entscheidender Bedeutung. Es trifft zwar zu, dass 

B._____ in ihrer einzigen Einvernahme einen Mann als Täter beschrieben 

hat. So hatte sie ausgeführt, es sei ein Mann gewesen, sicher nicht 

dunkelhäutig, eher ein hellhäutiger Typ, er sei ziemlich flink gewesen. Vom 

Alter her könne sie sich nicht wirklich festlegen. Er sei zwischen 175 und 

180 cm gross gewesen, Statur schlank. Die Haare könne sie nicht 

beschreiben, ob er eine Kopfbedeckung getragen habe, wisse sie nicht. 

Der Täter habe einen schwarzen Schal ins Gesicht hochgezogen gehabt, 

auch seine restliche Bekleidung (lange Hose, langes T-Shirt) sei 

schwarz/dunkel und ohne irgendwelchen Aufdruck gewesen (UA act. 90). 

Bei diesen Aussagen führte sie jedoch auch explizit aus, dass sie den Täter 

nur Sekundenbruchteile aus einer Entfernung von rund sieben Metern bzw. 

nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen habe, als sie am Boden 

aufgesessen sei. Der Täter habe auch kein einziges Wort geredet oder mit 

Gesten irgendwelche Forderungen angedeutet. Sie würde den Typen 

deshalb nicht wiedererkennen (UA act. 89). Damit ist klar, dass der 

Beschreibung des Täters durch B._____ keine allzu hohe Bedeutung 

zuzumessen ist. B._____ befand sich zudem in einem Schockzustand, da 

sie im Dunkeln von hinten unvermittelt überwältigt worden war. Dabei ist 

nachvollziehbar, dass sie aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung bzw. 

der gemeinhin verbreiteten Annahme, dass Raubüberfälle ganz über-

wiegend durch Männer begangen werden, von einem männlichen Täter 

ausgegangen ist. Dieser Umstand ist deshalb vor dem gewonnenen 

Beweisergebnis und der im Übrigen ohnehin sehr vagen Täter-

beschreibung (schlank und hellhäutig, was beides auf die Beschuldigte 

zutrifft) nicht geeignet, die Annahme der Täterschaft der Beschuldigten 

entfallen zu lassen. Das gilt auch für den Umstand, dass der Unterschied 

zwischen der von B._____ geschätzten Grösse und der Beschuldigten rund 

12-17cm beträgt. Die Schätzung der Grösse einer sich allein vom Tatort 

entfernenden Person durch das Opfer ist per se mit Vorsicht zu geniessen. 

Hinzu kommt, dass B._____ am Boden sass, was die Täterschaft 

womöglich grösser erscheinen liess, zumal nichts Genaueres über das 

Schuhwerk oder eine Kopfbedeckung bekannt ist. Auch auffällige Haare 

bzw. künstliche Fingernägel der Beschuldigten müssen B._____ nicht 

zwangsläufig aufgefallen sein, zumal sie diese mit einer Kopfbedeckung 

bzw. mit Handschuhen verstecken konnte bzw. die Nägel entfernen konnte. 

Schliesslich konnte sich das Obergericht anlässlich der Berufungs-

verhandlung ein Bild von der Statur der Beschuldigten machen. Gestützt 

darauf und in Kenntnis des fotografisch dokumentierten Erscheinungsbilds 

von B._____ scheint keinesfalls ausgeschlossen, dass sie diese hat 

 - 9 - 

 

 

überwältigen können, dies umso mehr bei einem überraschend erfolgten 

Angriff. 

 

Zusammengefasst verbleiben für das Obergericht nach dem Ausgeführten 

keine Zweifel an der Täterschaft der Beschuldigten. Bei ihrem plan-

mässigen und gezielten Vorgehen zum Zweck des Diebstahls 

insbesondere des Serviceportemonnaies, hat sie beabsichtigt, den Wider-

stand von B._____ durch die ausgeübte Gewalt zu brechen und hat damit 

direktvorsätzlich gehandelt. Somit hat sie auch den subjektiven Tatbestand 

des Raubs erfüllt. Ihre Berufung erweist sich im Schuldpunkt somit als 

unbegründet. Sie ist des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

 

3.  

3.1. 

Die Beschuldigte hat sich des Raubs (Art. 140 Ziff. 1 StGB) schuldig 

gemacht und ist dafür angemessen zu bestrafen. 

 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden.  

 

Die Vorinstanz hat die Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 

12 Monaten, Probezeit 2 Jahre, sowie einer Verbindungsbusse von 

Fr. 2'000.00, ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. Die 

Beschuldigte beantragt mit ihrer Berufung das Absehen von einer 

(Freiheits-)Strafe, was sie mit dem beantragten Freispruch begründet. Für 

den – hier eingetretenen – Fall der Abweisung der Berufung im Schuld-

punkt macht sie keine Ausführungen betreffend die Strafzumessung 

(Berufungsbegründung S. 3).  

 

Die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 12 Monaten 

erscheint – auch unter Berücksichtigung der ausgesprochenen Ver-

bindungsbusse von Fr. 2'000.00 (siehe dazu unten) – in ihrer Gesamtheit 

als nicht mehr schuldangemessen mild und kann unter keinem Titel 

herabgesetzt werden. Der Tatbestand des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 

StGB schützt sowohl das Vermögen als auch die persönliche Freiheit bzw. 

die Willensfreiheit. In der Tatvariante der Anwendung von Gewalt wird auch 

die körperliche Unversehrtheit geschützt. Einerseits ist der monetäre 

Taterfolg – erbeutet wurden ca. Fr. 1'440.00 und nicht weiter wertvolle 

Gegenstände – vorliegend zwar nicht zu bagatellisieren, jedoch in 

Anbetracht aller denkbaren vom Tatbestand erfassten Deliktsbeträge auch 

nicht sehr hoch. Andererseits wurde durch die Gewaltanwendung neben 

der persönlichen Freiheit die körperliche Unversehrtheit von B._____ 

tangiert. Es handelt sich dabei um hochstehende Rechtsgüter. Die Gewalt-

 - 10 - 

 

 

anwendung der Beschuldigten ist zwar nicht massgeblich über die für die 

Erfüllung des Raubtatbestands bzw. das zur Verwirklichung des Taterfolgs 

Notwendige hinausgegangen. B._____ hat leichte Blessuren 

davongetragen und der Raub und die damit einhergehende Beein-

trächtigung der Willensfreiheit haben auch nicht sehr lange angedauert, 

was neutral zu werten ist. Allerdings hätten auch wesentlich schwerere 

Verletzungen resultieren können. Zudem war die Gewaltanwendung der 

Beschuldigten geeignet, das Sicherheitsgefühl von B._____ nachhaltig zu 

beeinträchtigen, was auch der Beschuldigten bewusst gewesen sein muss. 

Sie hat B._____ im Dunkeln von hinten gepackt und zu Boden geworfen 

und hat ihr die Handtasche entrissen. B._____ befand sich dabei auf dem 

täglichen Arbeitsweg, den sie auch weiterhin spätabends zurücklegen 

musste. Hinsichtlich der Vorgehensweise wirkt sich verschuldenserhöhend 

aus, dass sich die Beschuldigte das Opfer planmässig ausgesucht hat und 

dieses gezielt abgepasst hat und auch diverse Lappen und Brennsprit 

mitgebracht hat, worauf sie sich im Vorfeld vorbereitet hat. Der Angriff im 

Dunkeln und von hinten ist als hinterlistig zu bezeichnen. Die monetären 

Beweggründe zur Tat sind tatbestandsimmanent und dürfen nicht 

verschuldenserhöhend berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1327/2015 vom 16. März 2016 E. 4.2). Jedoch verfügte die 

Beschuldigte über ein sehr hohes Mass an Entscheidungsfreiheit. Auch 

wenn ihre finanzielle Lage nach der Kündigung angespannt gewesen sein 

dürfte, so hat sie schliesslich doch den aus ihrer Sicht einfachsten Weg 

gewählt, um an finanzielle Mittel zu kommen, anstatt sich um legale 

Möglichkeiten zu kümmern. Je leichter es aber für sie gewesen wäre, die 

B._____ anvertrauten Vermögenswerte, ihre Willensfreiheit und ihre 

körperliche Integrität zu respektieren, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden (BGE 

117 IV 112 E.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 

2023 E. 3.4.3).  

 

Die Strafe wäre entsprechend dem insgesamt nicht mehr leichten bis 

mittelschweren Verschulden innerhalb des ordentlichen Strafrahmens des 

Raubs von einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis 10 Jahren auf 

deutlich mehr als die von der Vorinstanz ausgesprochenen 12 Monate 

festzusetzen. Die Täterkomponente würde sich zudem – aufgrund der 

weiteren nachträglichen Verurteilungen [Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Baden vom 22. September 2021 wegen einfachen Diebstahls mit 

Verurteilung zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen und einer 

Busse von Fr. 500.00; Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

vom 29. August 2023 wegen gewerbsmässigen Diebstahls mit Verurteilung 

zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen und einer Busse von 

Fr. 900.00] bei gleichzeitig fehlender Einsicht und Reue sowie den neutral 

zu wertenden persönlichen Verhältnissen – leicht straferhöhend auswirken. 

Nach dem Gesagten wäre eine deutlich höhere Strafe auszufällen 

gewesen, um dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen der 

 - 11 - 

 

 

Beschuldigten angemessen Rechnung zu tragen. Eine Erhöhung des 

Strafmasses ist jedoch aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 

Abs. 2 StPO) ausgeschlossen, da sich die Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft einzig gegen den Verzicht auf eine Landesverweisung richtet 

und das Verschlechterungsverbot somit einzig in diesem Punkt aufgehoben 

wird (BGE 147 IV 167 E. 1.5.1-1.5.3). Somit hat es mit einer Freiheitsstrafe 

von 12 Monaten zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu sogleich) 

sein Bewenden. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Vorinstanz hat der Beschuldigten für die ausgesprochene Freiheits-

strafe den bedingten Vollzug gewährt und die Probezeit auf das gesetzliche 

Minimum von 2 Jahren festgesetzt, was im Berufungsverfahren unange-

fochten geblieben ist und womit es aufgrund des Verschlechterungsverbots 

sein Bewenden hat.  

 

3.2.2. 

Eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe kann mit einer Busse 

verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der 

bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um 

der Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

ihres Handelns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll sie gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung zu verantworten hat 

und dafür mit einer Busse bestraft wird, nicht bessergestellt werden (sog. 

Schnittstellenproblematik). 

 

Unter Berücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten 

Bedeutung der Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und 

des Verschuldens der Beschuldigten erscheint die von der Vorinstanz 

ausgesprochene Verbindungsbusse von Fr. 2'000.00 als mild und kann 

unter keinem Titel herabgesetzt werden (vgl. BGE 149 IV 321; BGE 135 IV 

188 E. 3.4.4). Aufgrund des Verschlechterungsverbots ist eine Erhöhung 

jedoch ausgeschlossen. 

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Verbindungs-

busse ist ausgehend von einem Umrechnungsschlüssel von Fr. 100.00 auf 

20 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB). 

 

4.  

4.1. 

Die Vorinstanz hat auf eine Landesverweisung verzichtet. Sie hat der 

Beschuldigten eine günstige Legalprognose gestellt und ist davon 

ausgegangen, dass die Delinquenz mit ihrer finanziellen Existenznot 

zusammenhing. Die Tat sei weiter nicht erheblich gewesen. Zudem sei auf-

grund des Wegzugs der Beschuldigten nach Deutschland die Gefährdung 

 - 12 - 

 

 

der Schweizer Rechtsordnung durch sie geringer. Insgesamt sei eine 

Landesverweisung nicht verhältnismässig, insbesondere mit Blick auf das 

Freizügigkeitsabkommen. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, es sei eine Landes-

verweisung von zehn Jahren auszusprechen. Die Beschuldigte lässt für 

den Fall eines Schulspruchs wegen Raubs ausführen, dass von einer 

Landesverweisung mangels Verhältnismässigkeit abzusehen sei. Dies, da 

die zwei jüngsten Töchter der Beschuldigten in der Schweiz leben würden 

und ansonsten der Kontakt verloren gehen würde (vgl. Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 2 ff.).  

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1193/2021 

vom 7. März 2023 E. 6). Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.3. 

Die Beschuldigte ist Staatsangehörige von Deutschland. Sie hat mit dem 

Raub eine Katalogstraftat für eine obligatorische Landesverweisung 

begangen und ist somit unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis 15 

Jahre aus der Schweiz zu verweisen (Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB). 

 

Von der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den kumu-

lativen Voraussetzungen abgesehen werden, wenn sie (1.) einen schweren 

persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interessen 

an der Landesverweisung die privaten Interessen des Ausländers am 

Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB). Diese 

Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt, da weder ein schwerer 

persönlicher Härtefall vorliegt, noch die privaten Interessen an einem 

Verbleib in der Schweiz bzw. von Besuchen in der Schweiz die öffentlichen 

Interessen an einer Wegweisung bzw. Fernhaltung überwiegen. 

 

4.4. 

4.4.1. 

Die Beschuldigte ist als deutsche Staatsangehörige in Deutschland 

aufgewachsen, war dort berufstätig und hat dort zunächst vier Töchter 

geboren. Sodann hat sie mit ihrem damaligen Partner D._____, der 

ebenfalls deutscher Staatsangehöriger ist, in Deutschland zusammen-

gelebt und zwei gemeinsame Töchter zur Welt gebracht. Sie hat einen ganz 

überwiegenden Teil ihres Lebens in Deutschland verbracht. Erst am 

15. März 2020 ist sie im Alter von 41 Jahren mit D._____ und den beiden 

gemeinsamen Töchtern in die Schweiz eingereist und sie haben sich in der 

 - 13 - 

 

 

Gemeinde S._____ (Schweiz) niedergelassen. Am 5. Mai 2020 hat das 

Paar in der Gemeinde T._____ (Schweiz) geheiratet (UA act. 236). 

D._____ ist in der Schweiz arbeitstätig und verfügt über eine 

Aufenthaltsbewilligung. Die Beschuldigte hat zeitweise ebenfalls über eine 

Aufenthaltsbewilligung (B-Ausweis) für die Schweiz verfügt, die bis zum 

31. Mai 2025 gültig gewesen wäre (UA act. 240). Sie hat ihren Wohnsitz in 

der Schweiz jedoch bereits am 30. November 2021 wieder definitiv 

aufgegeben (UA act. 258). Sie lebt heute in U._____ in Deutschland. Damit 

ist ihre Aufenthaltsbewilligung erloschen und sie verfügt heute über keinen 

Aufenthaltstitel mehr für die Schweiz. Die Beschuldigte hat insgesamt rund 

ein Jahr und acht Monate in der Schweiz gelebt, es handelt sich dabei um 

eine vergleichsweise kurze Zeit. 

 

Die Beschuldigte ist von D._____ seit dem 5. April 2022 rechtskräftig 

geschieden (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 und 5), die Ehegatten 

lebten bereits im Zeitpunkt des Raubs vom 6. September 2021 getrennt 

(UA act. 4). Sie weist im heutigen Zeitpunkt lediglich noch insofern einen 

Bezug zur Schweiz auf, als dass ihre beiden jüngsten Töchter – E._____ 

(geb. tt.mm.2016) und F._____ (geb. tt.mm.2017) – in der Gemeinde 

V._____ (Schweiz) bei ihrem Vater D._____ leben. Nachdem nach der 

Scheidung zunächst nur E._____ bei D._____ gelebt hat, lebt F._____ nun 

seit dem Jahr 2023 ebenfalls bei ihm. E._____ besucht in der Schweiz die 

Schule, F._____ den Kindergarten (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). 

Ansonsten weist die Beschuldigte keinen nennenswerten persönlichen 

Bezug zur Schweiz auf, was sie im Wesentlichen auch nicht geltend macht. 

So hat sie hier weder weitere Familienangehörige noch sonstige soziale 

Kontakte. Die vier weiteren Töchter der Beschuldigten (mit den Jahrgängen 

1997, 2000, 2001 und 2009) leben in Deutschland, wobei die drittjüngste 

Tochter G._____ (geb. tt.mm.2009) bei der Beschuldigten lebt. Die Eltern 

der Beschuldigten sind verstorben und vier ihrer fünf Geschwister leben in 

Deutschland, eines in Österreich. Auch eine besondere berufliche 

Vernetzung in der Schweiz ist nicht ersichtlich. Sie hat von Oktober 2020 

bis zum 31.08.2021 im Restaurant C._____ in der Gemeinde S._____ als 

Kellnerin gearbeitet, wobei ihr gekündet wurde und sie keine neue Stelle in 

der Schweiz gefunden hat. Diese kurze Arbeitstätigkeit vermag keinesfalls 

eine nachhaltige berufliche Integration in der Schweiz zu begründen. Auch 

sind keine Vereinstätigkeiten oder ähnliches ersichtlich. Weiter hat die 

Beschuldigte neben dem vorliegenden Strafverfahren in ihrer kurzen 

Anwesenheitsdauer in der Schweiz wie erwähnt zwei weitere Strafbefehle 

erhalten. Insgesamt ist keine Verwurzelung in der Schweiz zu erkennen. 

So hat die Beschuldigte auch ausgesagt, dass sie ihre Zukunft in 

Deutschland sehe und die Schweiz nicht möge (UA act. 7). Dass das 

Interesse der Beschuldigten an einem Aufenthalt in der Schweiz gering ist, 

hat sie mit dieser Aussage und ihrer freiwilligen Ausreise nach Deutschland 

selbst bestätigt. Ebenfalls wird dadurch klar, dass ihr Bezug zu ihrem 

Heimatland nach wie vor sehr stark ist und ihre Reintegration bereits 

 - 14 - 

 

 

geglückt ist, zumal sie dort lebt, dort zahlreiche familiäre Angehörige, 

insbesondere vier ihrer Töchter hat, wobei eine minderjährige Tochter bei 

ihr lebt, und sie ihre Zukunft dort sieht. Auch ist sie in Deutschland 

berufstätig. Seit dem 26. Februar 2022 hat sie bei der H._____ GmbH in 

W._____ bzw. U._____ gearbeitet und arbeitet seit dem 8. Februar 2024 

als Verkäuferin in einer Fleischerei, der I._____ GmbH. Ihren Gesundheits-

zustand beschreibt die Beschuldigte schliesslich als gut (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 2 ff.). 

 

Einziges Argument, welches die Beschuldigte gegen die Landes-

verweisung vorbringen kann, ist somit die Anwesenheit der Töchter 

E._____ und F._____ in der Schweiz. Aktuell besucht die Beschuldigte 

diese gemäss eigenen Angaben jeweils am Wochenende für 4-5 Stunden 

in der Gemeinde V._____ (Schweiz). Hierbei ist jedoch darauf hinzuweisen, 

dass gemäss dem Scheidungsurteil hinsichtlich des Besuchsrechts 

festgehalten worden ist, dass jeder Elternteil die Töchter einzeln oder 

zusammen in zweiwöchentlichen Abständen übers Wochenende zu sich 

nehme, dies jeweils mit Übernachtung in der jeweiligen Wohnung (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4 ff.). Somit fände die Ausübung des 

Besuchsrechts ohnehin am Wohnort der Beschuldigten in Deutschland 

statt. Es ist nicht ersichtlich, weshalb von dieser Regelung abgewichen 

werden sollte bzw. warum deren Durchsetzung bei einer Landes-

verweisung gefährdet sein sollte. Die Beschuldigte hat anlässlich der 

Berufungsverhandlung ausgeführt, zu ihrem Exmann einen guten Kontakt 

zu pflegen. Auch wenn sie Bedenken geäussert hat, dass dieser ihr die 

Töchter jeweils nach Deutschland bringen würde (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 3 ff.), ist nicht ersichtlich, weshalb dies nicht 

möglich sein sollte. Dies umso mehr sie unweit der Schweizer Grenze lebt. 

Zudem sind die Töchter im Alter von fast 7 und 8 Jahren auch in absehbarer 

Zeit in einem Alter, in dem sie eventuell selbst mit dem Zug in das 

grenznahe Deutschland reisen können, um die Besuche bei der Mutter 

wahrzunehmen. Letztlich erfordert die Durchsetzung des Kontakts zwar 

eine gewisse Organisation von der Beschuldigten, kann dann aber ohne 

Weiteres auch von Deutschland aus gewahrt werden. Dies auch umso 

mehr die Beschuldigte die Schweiz freiwillig verlassen hat und damit eine 

Erschwerung des Kontakts zu ihren Töchtern in Kauf genommen hat. 

Nichts daran zu ändern vermögen die Ausführung der Beschuldigten, 

Besuche mit Übernachtungen könnten nicht stattfinden, da ihre ältere 

Tochter G._____ und die beiden jüngeren Töchter E._____ und F._____ 

sich nicht verstehen würden. Auch hierbei handelt es sich um eine rein 

organisatorische Frage, die der Landesverweisung nicht entgegenstehen 

kann. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Kontakt auch zusätzlich 

über die modernen Kommunikationsmittel gepflegt werden kann. 

Zusammengefasst begründet die Anwesenheit der Töchter der 

Beschuldigten in der Schweiz kein hohes Interesse der Beschuldigten auf 

einen Verzicht auf eine Landesverweisung. 

 - 15 - 

 

 

4.4.2. 

Hinsichtlich der nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zumindest 

teilweise bereits bei der Frage des Härtefalles vorzunehmenden 

Interessenabwägung ergibt sich Folgendes: 

 

Die Beschuldigte hat hochstehende Rechtsgüter, insbesondere die 

körperliche Unversehrtheit und die persönliche Freiheit verletzt. Sie hat 

durch ihr planmässiges und hinterlistiges Vorgehen eine hohe kriminelle 

Energie an den Tag gelegt. Entsprechend wird sie zu einer Freiheitsstrafe 

von einem Jahr verurteilt, wobei das Obergericht ohne Geltung des 

Verschlechterungsverbots eine wesentlich höhere Freiheitsstrafe aus-

gefällt hätte. Die Beschuldigte hat eine Geringschätzung der Schweizer 

Rechts- und Werteordnung sowie ein hohes kriminelles Kalkül offenbart. 

Seit der Aufdeckung des Raubs hat sie sich soweit ersichtlich zwar wohl 

verhalten. Dennoch bestehen nicht unerhebliche Bedenken an ihrem 

künftigen Wohlverhalten. Dies insbesondere auch mit Blick auf ihre 

weiteren begangenen Straftaten (siehe oben). Unter diesen Umständen 

wiegen die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung insgesamt 

schwer und überwiegen das geringe private Interesse der Beschuldigten 

am Aufenthalt deutlich. Insgesamt vermag die Situation der Beschuldigten 

keinen Härtefall gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB zu rechtfertigen. Es ist somit 

eine obligatorische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB 

auszusprechen. Diese erweist sich auch – soweit überhaupt tangiert – 

unter dem Blickwinkel von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als verhältnismässig und 

rechtskonform. 

 

4.4.3. 

An diesem Ergebnis ändert das Freizügigkeitsabkommen (FZA), auf das 

sich die Beschuldigte als Angehörige eines EU-Staates unter gewissen 

Voraussetzungen berufen könnte, nichts. Es ist nämlich so, dass sich die 

Beschuldigte vorliegend gerade nicht auf ein Einreise- bzw. Aufenthalts-

recht nach dem FZA berufen kann. Es ist unbestritten, dass die 

Beschuldigte in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Das 

freizügigkeitsrechtliche Einreise- bzw. Verbleiberecht jener Personen, die 

keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, umfasst die Kategorien der Rentner, 

der Personen in Ausbildung (Studenten) sowie der übrigen Nichterwerbs-

tätigen (etwa Stellensuchenden). Die Beschuldigte fällt in keine dieser 

Kategorien, sie ist weder Rentnerin noch Studentin, ebenfalls ist sie in der 

Schweiz nicht stellensuchend. Stattdessen wünscht sie ein Einreise- bzw. 

Aufenthaltsrecht einzig im Hinblick auf die Besuche ihrer Töchter in der 

Schweiz und hat nicht die Absicht, hier erneut am Wirtschaftsleben 

teilzunehmen. Das FZA verfolgt jedoch nicht den Zweck, ein Besuchsrecht 

von Eltern zu ermöglichen. Zusammengefasst kann sich die Beschuldigte 

mangels Anwendbarkeit des Freizügigkeitsabkommens nicht auf dieses 

berufen, womit es – nachdem kein Härtefall vorliegt – bei der Landes-

verweisung bleibt. Aber selbst dann, wenn das FZA anwendbar wäre, 

 - 16 - 

 

 

stünde dieses einer Landesverweisung nicht entgegen. Das deliktische 

Verhalten der Beschuldigten hat gewichtige Rechtsgüter betroffen, 

namentlich die körperliche Unversehrtheit. Damit liegt eine schwere 

Gefährdung der öffentlichen Sicherheit im Sinne des FZA vor. Im Rahmen 

der Prüfung der Vereinbarkeit der Landesverweisung mit dem FZA sind bei 

Vorliegen eines bedrohten gewichtigen Rechtsguts keine allzu hohen 

Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Straffälligkeit zu 

stellen. Daran ändert auch nichts, dass die Beschuldigte nunmehr in 

Deutschland lebt. 

 

4.4.4. 

Die Beschuldigte hat eine Straftat von erheblicher Schwere begangen, 

wofür sie zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt wird, wobei 

diese Strafe ohne die Anwendung des Verschlechterungsverbots noch 

höher ausgefallen wäre. Sie hat hochstehende Rechtsgüter verletzt bzw. 

gefährdet. Zudem ist sie in der Schweiz daneben zweifach mit einem 

Strafbefehl bestraft worden, wobei ein Strafbefehl wegen gewerbs-

mässigen Diebstahls in 42 Fällen – also einer sehr hohen Anzahl Vorfälle 

– resultierte. Auch die Verletzung weniger gewichtigerer Rechtsgüter wie 

dem Vermögen sind nicht zu bagatellisieren. Entsprechend hoch ist 

insgesamt das öffentliche Interesse an einer Wegweisung der 

Beschuldigten zu veranschlagen. 

 

Bei einer Gesamtwürdigung aller relevanter Umstände und unter 

Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips ist die Landes-

verweisung für die Dauer von 10 Jahren auszusprechen. Eine Aus-

schreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem 

(SIS) kommt aufgrund der deutschen Staatsangehörigkeit der 

Beschuldigten nicht infrage. 

 

5.  

5.1. 

Die Beschuldigte unterliegt mit ihrer Berufung, mit der sie einen Freispruch 

vom Vorwurf des Raubs beantragt hat, vollumfänglich. Die Staatsanwalt-

schaft dringt mit ihrer Berufung, mit der sie eine Landesverweisung 

beantragt hat, vollumfänglich durch. Unter diesen Umständen sind der 

Beschuldigten die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 

(§ 18 VKD) vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren angemessen aus 

der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und 3bis AnwT; § 13 AnwT). Abzustellen ist grundsätzlich auf die vom 

amtlichen Verteidiger anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte 

Kostennote, hinsichtlich des zeitlichen Aufwands ergänzt um die effektive 

Dauer der Berufungsverhandlung.  

 - 17 - 

 

 

Der amtliche Verteidiger ist von einem anwendbaren Regelstundenansatz 

von Fr. 220.00 ausgegangen. Es ist allerdings zu differenzieren, ob die 

fraglichen Leistungen vor oder nach dem 1. Januar 2024 erbracht wurden, 

da der in § 9 Abs. 3bis AnwT vorgesehene Stundenansatz per diesem 

Datum von Fr. 200.00 auf Fr. 220.00 erhöht wurde. Entsprechend dem 

verwaltungsrechtlichen Grundsatz, wonach die rechtlichen Wirkungen 

eines Erlasses erst mit dessen Inkrafttreten einsetzen, sind sämtliche vor 

dem 1. Januar 2024 erbrachten Leistungen mit Fr. 200.00 zu vergüten, 

während der erhöhte Stundensatz von Fr. 220.00 nur auf nach Inkrafttreten 

der Revision erbrachte Leistungen Anwendung findet (vgl. 

HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich 

2020, Rz. 258; TSCHANNEN/MÜLLER/KERN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

5. Aufl., Bern 2022, Rz. 540 und 563). Eine Abweichung von diesem 

Grundsatz – welchem im Übrigen auch die zeitgleich in Kraft getretene 

Änderung des Mehrwertsteuersatzes folgt (vgl. Art. 115 Abs. 1 i.V.m. Art. 

112 Abs. 3 MWSTG) – würde einer zeitlichen Vorwirkung von § 9 Abs. 3bis 

AnwT gleichkommen, was einer entsprechenden gesetzlichen Grundlage 

bedürfte. Eine solche besteht vorliegend weder in Form einer eigens für die 

in Frage stehende Revision geschaffenen Übergangsbestimmung, noch 

lässt sich aus § 17 Abs. 1 AnwT darauf schliessen. Letztere Bestimmung, 

gemäss welcher «dieses Dekret» in seiner Gesamtheit auf alle hängigen 

Verfahren für das ganze Verfahren anwendbar ist, sollte sicherstellen, dass 

bei damals hängigen Verfahren der per 1. Januar 1988 zusammen mit der 

damaligen neuen Aargauischen Zivilprozessordnung und dem Verfahrens-

kostendekret in Kraft getretene Anwaltstarif integral zur Anwendung 

gelangt und nicht mehr (teilweise) der gemäss § 16 AnwT auf dieses Datum 

hin aufgehobene Tarif über die Entschädigung der Anwälte und Parteien in 

zivil-, verwaltungs-, versicherungs- und strafgerichtlichen Streitigkeiten 

vom 10. März 1949, das Dekret über die Gewährung eines Teuerungs-

zuschlages zum Anwaltstarif vom 7. März 1972 und die Verordnung über 

die Anpassung des Teuerungszuschlages zum Anwaltstarif vom 2. März 

1981. Der Wortlaut, die Entstehungsgeschichte, die Systematik und der 

Sinn und Zweck von § 17 Abs. 1 AnwT sprechen gegen eine gesetzliche 

Vorwirkung des per 1. Januar 2024 nur im Stundenansatz angepassten § 9 

des Anwaltstarifs, zumal der Grosse Rat eine vom Inkrafttreten per 1. 

Januar 2024 abweichende Vorwirkung nicht thematisiert hat und dies-

bezüglich somit auch nicht von einem qualifizierten Schweigen aus-

gegangen werden kann. Im Ergebnis lässt der Verzicht auf die Schaffung 

einer entsprechenden Übergangsbestimmung einzig den Schluss zu, dass 

hinsichtlich der zeitlichen Anwendbarkeit von § 9 Abs. 3bis AnwT die 

allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätze gelten. In der Konsequenz 

sind sämtliche bis zum 31. Dezember 2023 erbrachten Leistungen mit 

Fr. 200.00 und einem Mehrwertsteuersatz von 7.7 %, sämtliche ab dem 

1. Januar 2024 erbrachten Leistungen mit Fr. 220.00 und einem Mehrwert-

steuersatz von 8.1 % zu entschädigen, woraus zuzüglich der geltend 

gemachten Auslagen und angepasst an die effektive Dauer der 

 - 18 - 

 

 

Verhandlung von 1.75 Stunden eine Entschädigung von gerundet 

Fr. 3'155.00 resultiert ([Auslagen von Fr. 35.30 x 1.077] + [Auslagen von 

Fr. 49.40 x 1.081] + [3.17 Stunden x Fr. 200.00 x 1.077] + [10 Stunden x 

Fr. 220.00 x 1.081]). Ein – vom amtlichen Verteidiger geforderter – 

Nachzahlungsvorbehalt betreffend den erhöhten Stundenansatz erübrigt 

sich gestützt auf die gemachten Ausführungen. Ihm steht das Rechts-

mittelverfahren gegen den Entschädigungsentscheid offen. Es ist weiter 

darauf hinzuweisen, dass der Betrag von Fr. 3'155.00 an den amtlichen 

Verteidiger Rechtsanwalt Fabian Blum – und nicht, wie auf der Kostennote 

aufgeführt, an Rechtsanwalt Patrick Bürgi – auszubezahlen ist, da die 

Entschädigung des amtlichen Verteidigers höchstpersönlich ist und einem 

öffentlich-rechtlichen Verhältnis entstammt. 

 

Die dem amtlichen Verteidiger auszurichtende Entschädigung ist 

ausgangsgemäss von der Beschuldigten zurückzufordern, sobald es ihre 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5.3. 

Die erstinstanzliche Kostenregelung bedarf keiner Änderung (Art. 428 

Abs. 3 i.V.m. Art. 426 StPO). Die Beschuldigte wird verurteilt und hat somit 

die erstinstanzlichen Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 5'637.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 1'050.00) zu tragen. 

 

5.4. 

Die dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten für das erstinstanzliche 

Verfahren zugesprochene Entschädigung von Fr. 3'859.50 ist im 

Berufungsverfahren nicht angefochten worden, weshalb darauf im 

Berufungsverfahren nicht mehr zurückzukommen ist (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019).  

 

Diese Entschädigung ist ausgangsgemäss von der Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 

1 StPO, Art. 81 StPO). 

 

  

 - 19 - 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschuldigte ist des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB schuldig. 

 

2. 

Die Beschuldigte wird hierfür gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB sowie in 

Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und 4 StGB, Art. 

44 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten, Probezeit 2 Jahre, und 

einer Verbindungsbusse von Fr. 2'000.00, ersatzweise 20 Tage 

Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

3. 

Die Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes 

verwiesen.  

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die nachfolgend erwähnten beschlagnahmten Gegenstände werden der 

Beschuldigten bzw. einer von ihr bezeichneten / bevollmächtigten Person 

nach Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben und sind innert 

30 Tagen seit Rechtskraft abzuholen, anderenfalls darüber verfügt werden 

wird: 

 

- Portemonnaie, schwarz, «Krokodilleder» 

- Mobiltelefon Apple iPhone 13 Pro 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden der 

Beschuldigten auferlegt. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 3'155.00 

auszubezahlen. 

 

Diese Entschädigung wird von der Beschuldigten zurückgefordert, sobald 

es ihre finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 20 - 

 

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'637.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 1'050.00) werden der Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 3'859.50 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird von der Beschuldigten zurückgefordert, sobald 

es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 
 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 - 21 - 

 

 

   

Aarau, 23. Februar 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Gilgen