# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 147ced8b-5f77-5950-ad23-ccc84b8a67e9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.11.2018 E-7447/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7447-2015_2018-11-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-7447/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokatur-

büro, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 16. Oktober 2015 / N (…). 

 

 

 

E-7447/2015 

  Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger Sri Lankas mit tamili-

scher Ethnie und letztem Wohnsitz in B._______ – verliess als Minderjäh-

riger seinen Heimatstaat am (…) und gelangte auf dem Flug- und Landweg 

gleichentags in die Schweiz. Am 2. Dezember 2013 ersuchte er im Emp-

fang- und Verfahrenszentrum C._______ um Asyl. Am selben Tag bevoll-

mächtigte er die Freiplatzaktion (…) und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterin-

nen zur Wahrung seiner Interessen.    

Das SEM lud den Beschwerdeführer und seine Rechtsvertretung am 9. De-

zember 2013 zur Befragung zur Person (BzP) ein, wobei der Rechtsvertre-

ter D._______ am darauffolgenden Tag seine Teilnahme bestätigte. Am 

12. Dezember 2013 fand die BzP – ohne Anwesenheit des Rechtsvertre-

ters; die Gründe dafür sind nicht aktenkundig – statt (Protokoll in den SEM-

Akten: A6/11). Dabei gab der Beschwerdeführer auf die Frage der SEM-

Mitbearbeiterin, weshalb er bei gewissen Antworten so lange überlegen 

müsse, zu Protokoll, aufgrund seiner Erfahrungen mit der sri-lankischen 

Regierungsarmee (Sri Lanka Artillery [SLA]) habe er Angst, wenn ihm sei-

tens der Behörden Fragen gestellt würden (A6 Ziff. 7.01 S. 8).  

Am 13. Dezember 2013 wurde der Beschwerdeführer dem Kanton 

E._______ zugewiesen und am selben Tag kündigte das SEM der zustän-

digen kantonalen Behörde die Ankunft des Beschwerdeführers als unbe-

gleitete minderjährige asylsuchende Person (UMA) an. 

A.b Am 5. März 2014 wurde durch die Kindes- und Erwachsenenschutz-

behörde (KESB) F._______ eine Beistandschaft gemäss Art. 306 Abs. 2 

ZGB angeordnet. Als Beiständin wurde G._______, (…) Rechtsberatungs-

stelle für Menschen in Not, ernannt.  

Mit Entscheid der KESB vom 11. März 2014 wurde der Entscheid vom 

5. März 2014 durch einen neuen ersetzt und H._______, (…) Rechtsbera-

tungsstelle für Menschen in Not, zur Beiständin ernannt. Die Beistand-

schaft enthielt unter anderem den Auftrag, den Beschwerdeführer im hän-

gigen asylrechtlichen Verfahren zu unterstützen.  

A.c Mit Schreiben vom 9. April 2014 zeigte I._______ von der (…) Rechts-

beratungsstelle für Menschen in Not dem SEM die Übernahme der Rechts-

vertretung an. 

E-7447/2015 

  Seite 3 

A.d Mit Schreiben an die (…) Rechtsberatungsstelle vom 14. Novem-

ber 2014 lud das SEM den Beschwerdeführer auf den 3. Dezember 2014 

zur Anhörung vor. 

Mit Schreiben vom 18. November 2014, dieses Mal direkt an den Be-

schwerdeführer gerichtet, annullierte das SEM die Anhörung. Mit Schrei-

ben vom selben Tag, erneut an die (…) Rechtsberatungsstelle, lud das 

SEM den Beschwerdeführer auf den 15. Dezember 2014 zur Anhörung vor.   

A.e Am 15. Dezember 2014 wurde der Beschwerdeführer – in Anwesen-

heit seiner Rechtsvertreterin I._______ – zu seinen Asylgründen angehört 

(Protokoll in den SEM-Akten: A20/16). Die an der Anhörung anwesende 

Person der Hilfswerkvertretung merkte am Ende des Protokolls unter an-

derem an, sie habe die Befragung als nicht altersgerecht und kühl empfun-

den. Sodann habe der Dolmetscher auf die Ausführungen des Beschwer-

deführers ihres Erachtens mindestens zweimal nonverbal (Augenrollen) 

wertend reagiert. 

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer im We-

sentlichen an, sein Vater habe die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) 

unterstützt, indem er Mitglieder (…) geboten habe. Vor der Geburt des Be-

schwerdeführers habe er eine Zeit lang in einem (…). (…), als er (Be-

schwerdeführer) rund (…) alt gewesen sei, sei der Vater von sri-lankischen 

Armeeangehörigen mitgenommen und verhört worden. Dabei sei er ge-

warnt worden, er solle die LTTE nicht mehr unterstützen. Als er (Vater), 

wieder zu Hause, sein Hemd gewechselt habe, habe er (Beschwerdefüh-

rer) Schlagspuren auf seinem Rücken gesehen. Obwohl die Familie den 

Vater gebeten habe, mit der Unterstützung der LTTE aufzuhören, habe die-

ser damit weiter gemacht.  

Im (…) hätten er (Beschwerdeführer) und seine Familienangehörigen in 

der Umgebung ihres Hauses Schüsse gehört. Sie hätten ihren Vater da-

raufhin überall gesucht; sein Aufenthaltsort sei seither jedoch unbekannt. 

Später an jenem Tag seien Soldaten bei ihnen zu Hause vorbeigekommen 

und hätten – anstelle seines Vaters – ihn (Beschwerdeführer) mit in ein 

Armeelager genommen. Dort sei er mehrfach geohrfeigt und mit Füssen 

getreten worden. Seine Mutter habe sich in der Folge am Eingang zum 

Armeelager auf den Boden gelegt, geschrien und die Soldaten gebeten, 

ihn freizulassen. Unter der Auflage einer wöchentlichen Meldepflicht sei er 

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  Seite 4 

freigelassen worden. In der Folge habe er sich wöchentlich im Lager ge-

meldet, wobei er immer wieder nach seinem Vater gefragt, eingeschüchtert 

und geschlagen worden sei. Aufgrund der Fusstritte habe er am (…) eine 

Nervenverletzung erlitten, weshalb er im (…) habe operiert werden müs-

sen. Noch heute leide er an der (…)verletzung.  

Nachdem er sich bis im (…) jede Woche im Lager gemeldet habe, sei er 

am (…) auf dem Weg zur Schule von vier beziehungsweise acht Soldaten 

angehalten und bedroht worden. Sie hätten ihm gesagt, wenn sich sein 

Vater nicht melde, werde er (Beschwerdeführer) entführt beziehungsweise 

sie hätten ihn aufgefordert, sich noch am selben Tag im Armeelager zu 

melden. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen. Am nächsten 

Tag hätten vier Soldaten ihn zu Hause gesucht, ihn aber in seinem Versteck 

nicht gefunden. Er sei noch rund zwei Tage lang zu Hause geblieben, bevor 

er nach Colombo gereist sei. Am (…) habe er Sri Lanka mit dem Flugzeug 

verlassen.  

Zu seinen persönlichen Lebensumständen gab der Beschwerdeführer an, 

(…) Jahre lang die Schule besucht zu haben. Seine Familie besitze Land. 

Seine Mutter, seine ältere Schwester und der jüngere Bruder lebten immer 

noch am Herkunftsort und lebten von (…). Bis heute leide er an Problemen 

mit seinem (…). Er habe deswegen und aufgrund des Erlebten nicht nur 

somatische, sondern auch psychische Beschwerden. 

C.  

Mit Entscheid der KESB vom 30. Dezember 2014 wurde die Vertretungs-

beiständin H._______ aus ihrem Amt entlassen und dieses J._______ 

übertragen. Zur Begründung wurde die Reorganisation der Fachstelle für 

UMA per 1. Januar 2015 angeführt. 

D.  

D.a Mit Eingabe vom 18. März 2015 reichte die Rechtsvertreterin 

I._______ einen zu Handen K._______, (…) Rechtsberatungsstelle für 

Menschen in Not, adressierten Bericht des den Beschwerdeführer behan-

delnden Psychologen des UMA Zentrums (…), vom 9. März 2015 zu den 

Akten und fragte das SEM nach dem Verfahrensstand an, wobei sie be-

tonte, dass die Ungewissheit betreffend den Asylentscheid den Beschwer-

deführer belaste.  

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  Seite 5 

In dem erwähnten Bericht wies der Psychologe unter anderem darauf hin, 

dass sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers seit der Anhö-

rung vom 15. Dezember 2014 deutlich verschlechtert habe. Die Zunahme 

der depressiven Symptome könne ziemlich eindeutig als reaktiv auf die 

Anhörung betrachtet werden.  

D.b Das SEM teilte der Rechtsvertreterin am 26. März 2015 mit, das Asyl-

gesuch sei noch nicht abschliessend instruiert. Zwar sei man bemüht, es 

so rasch wie möglich zu behandeln, ein fester Zeitpunkt für den Verfahrens-

abschluss könne aber nicht in Aussicht gestellt werden.  

E.  

Mit Eingabe vom 5. Oktober 2015 reichte die sich mit Substitutionsvoll-

macht vom 2. Oktober 2015 ausweisende Rechtsvertreterin L._______ ei-

nen weiteren Bericht des behandelnden Psychologen des UMA Zentrums 

(…) vom 1. Oktober 2015 ein.  

In diesem – wiederum an K._______, (…) Rechtsberatungsstelle für Men-

schen in Not, gerichteten – Schreiben führt der Psychologe aus, dass sich 

der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nochmals 

verschlechtert und die depressive Symptomatik verstärkt habe. Der Be-

schwerdeführer leide unter starker Schlaf- und Appetitlosigkeit sowie Ener-

gie- und Antriebslosigkeit, und er habe Konzentrationsschwierigkeiten, was 

sich alles auf den Alltag auswirke. Es zeige sich in den vielen Absenzen in 

der Schule, die seit der Anhörung deutlich zugenommen hätten. Zuvor sei 

der Beschwerdeführer in der Schule nicht auffällig gewesen. Nun drohe 

ihm ein Schulausschluss. Noch einmal wies er daraufhin, dass die Ver-

schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes und die Entste-

hung der depressiven Episode mit der Anhörung im Zusammenhang stün-

den. Die Situation habe sich so zugespitzt, dass der Beschwerdeführer 

eine psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung benötige. 

F.  

Mit Verfügung vom 16. Oktober 2015 – eröffnet am 19. Oktober 2015 – 

verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und 

lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus 

der Schweiz und deren Vollzug an.  

Zur Begründung des abweisenden Entscheids führte das SEM im Wesent-

lichen aus, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorfälle mit An-

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  Seite 6 

gehörigen der sri-lankischen Armee im (…) seien widersprüchlich ausge-

fallen, weshalb sie nicht glaubhaft seien. Auch dass der Beschwerdeführer 

über Jahre hinweg einer Meldepflicht habe nachkommen müssen, sei nicht 

plausibel. Die von ihm geltend gemachte Festnahme durch die sri-lanki-

sche Armee im Jahr (…) sei ebenfalls widersprüchlich ausgefallen bezie-

hungsweise seien die in diesem Zusammenhang erlebten Verfolgungs-

massnahmen bedauerlich. Auf eine Prüfung der Glaubhaftigkeit könne je-

doch verzichtet werden, da es den Ereignissen an einem genügend engen 

sachlichen und zeitlichen Kausalzusammenhang zur im (…) erfolgten Aus-

reise fehle; eine Verfolgung im Ausreisezeitpunkt habe nicht glaubhaft ge-

macht werden können. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich als zu-

lässig, zumutbar und möglich.  

G.  

Am 30. Oktober 2015 bevollmächtigte der Beschwerdeführer den rubrizier-

ten Rechtsvertreter zur Wahrnehmung seiner Interessen.  

H.  

Mit Eingabe vom 18. November 2015 liess der Beschwerdeführer durch 

seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe-

ben. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die 

Rückweisung der Sache an das SEM aufgrund einer Verletzung des recht-

lichen Gehörs, eventuell zur vollständigen und richtigen Abklärung und 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und Neubeurteilung o-

der  eventuell wegen einer Verletzung der Begründungspflicht. Eventuell 

sei die Verfügung aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft festzustellen 

und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren, eventuell sei sie betreffend 

die Dispositivziffern 3 und 4 aufzuheben, und es sei die Unzulässigkeit oder 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Mitteilung der Zusammensetzung 

des Spruchkörpers. Ferner sei die psychische Situation des Beschwerde-

führers abzuklären und eine entsprechende Behandlung von Amtes wegen 

einzuleiten beziehungsweise sei dem Beschwerdeführer die Möglichkeit 

zur Einreichung eines ärztlichen Berichts zu geben. 

Der Rechtsmitteleingabe legte er mehrere ärztliche Berichte sowie Be-

richte zur Situation in Sri Lanka bei. Aus den ärztlichen Berichten ergibt 

sich, dass der Beschwerdeführer am (…) aufgrund einer akuten Suizidalität 

notfallmässig hospitalisiert und für (…) in der Universitätsklinik für Psychi-

atrie und Psychotherapie stationär behandelt worden war (vgl. Arztbericht 

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  Seite 7 

von Prof. Dr. med. M._______ und Dr. med. N._______, Fachärztin des 

(…)spitals E._______, vom 28. Oktober 2015; Kurzaustrittsbericht von Dr. 

med. O._______ und Dr. med. P._______, Fachärzte der Universitätsklinik 

für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 29. Oktober 2015). 

I.  

I.a Mit Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2015 stellte das Bundesver-

waltungsgericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Ver-

fahrens in der Schweiz abwarten, gab ihm die Zusammensetzung des vo-

raussichtlichen Spruchgremiums bekannt, verzichtete vorläufig auf das Er-

heben eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Vernehmlas-

sung ein. 

I.b Am 16. Dezember 2015 liess sich das SEM mit ergänzenden Bemer-

kungen vernehmen und hielt an der angefochtenen Verfügung fest. 

I.c Mit Zwischenverfügung vom 30. Dezember 2015 wies das Bundesver-

waltungsgericht den Beweisantrag auf amtliche Abklärung der gesundheit-

lichen Situation des Beschwerdeführers – unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 

VwVG und seine Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG [SR 142.31]) – ab und 

räumte ihm die Möglichkeit zur Replik ein.  

I.d Mit Replik vom 14. Januar 2016 nahm der Beschwerdeführer zur vor-

instanzlichen Vernehmlassung Stellung. Der Eingabe legte er ein ärztliches 

Schreiben von Dr. med. Q._______, Oberarzt der Universitätsklinik für Psy-

chiatrie und Psychotherapie (UPD) E._______, vom 16. November 2015, 

sowie eine Kostennote des Rechtsvertreters bei.  

Im ärztlichen Schreiben wies der behandelnde Arzt darauf hin, dass sich 

der Beschwerdeführer aufgrund einer depressiven Symptomatik und Sui-

zidalität erneut in der UPD in ambulanter Behandlung befinde (vgl. Schrei-

ben von Dr. med. Q._______ und lic. phil. R._______, Facharzt und Psy-

chologin der UPD, vom 16. November 2015). 

J.  

Am 4. Februar 2016 beendete die KESB die Beistandschaft des Beschwer-

deführers infolge der inzwischen erreichten Volljährigkeit.   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

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  Seite 8 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht können entsprechend die Verletzung von 

Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermes-

sens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts gerügt werden. Soweit das Ausländerrecht anzu-

wenden ist, kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 

Abs. 1 AuG [SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG, Art. 96 AuG; vgl. auch BVGE 

2014/26 E. 5.4 f.). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

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  Seite 9 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Gegen-

satz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach-

verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob-

jektivierte Sichtweise abzustellen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung be-

züglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität 

der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit, usw.), die für oder gegen die 

Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, 

wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung 

reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 

E. 2.3). 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden in erster Linie formelle Rügen erhoben. 

Diese sind als erstes zu prüfen, da sie gegebenenfalls geeignet sind, die 

Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 

4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, das SEM habe das rechtliche 

Gehör verletzt und den Sachverhalt unvollständig abgeklärt.  

So sei der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Befragungen noch minder-

jährig gewesen. Aus den eingereichten Arztberichten ergebe sich sodann, 

dass er bereits damals an Depressionen und weiteren psychischen Beein-

trächtigungen gelitten habe. Obwohl die psychischen Probleme des Be-

schwerdeführers während der Befragungen augenfällig geworden seien, 

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  Seite 10 

habe es das SEM unterlassen, seinen psychischen Gesundheitszustand 

im Rahmen der Befragung und der Anhörung angemessen zu berücksich-

tigen. Die Anhörung des minderjährigen Beschwerdeführers sei ganz all-

gemein nicht altersgerecht erfolgt, was sich unter anderem aus den Be-

merkungen der Hilfswerkvertretung ergebe. Die betreffende Person habe 

festgehalten, dass die Stimmung anlässlich der Anhörung alles andere als 

ideal gewesen sei und sich auch weitere ungünstige Faktoren auf den Be-

schwerdeführer ausgewirkt hätten. Ebenfalls aus dem Anhörungsprotokoll 

ergebe sich, dass bereits anlässlich der BzP eine unvorteilhafte Stimmung 

geherrscht haben müsse. So habe der Beschwerdeführer etwa ausgeführt, 

der Dolmetscher habe ihn anlässlich der BzP unter Druck gesetzt und ihn 

angewiesen, sich möglichst kurz zu halten.  

Auffällig sei auch, dass an der Anhörung eine weitere Person des SEM, die 

weder in ihrer Funktion noch namentlich vorgestellt worden sei, anwesend 

gewesen sei. Angesichts der traumatischen Erlebnisse des Beschwerde-

führers sei klar, dass eine solche Situation ihn an die Verhörsituation mit 

den sri-lankischen Behörden erinnert, und er jede im Rahmen einer Inter-

view-Situation anwesende behördliche Person als potenzielle Bedrohung 

wahrgenommen habe, was ihn habe einschüchtern müssen. Schliesslich 

hätten weitere ungünstige Faktoren die Atmosphäre beeinträchtigt, na-

mentlich wiederholtes Telefonklingeln und nonverbale Wertungen des 

Sachbearbeiters (Belächeln).  

4.3 Das SEM folgte den Ausführungen des Rechtsvertreters in seiner Ver-

nehmlassung nicht. Der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt der Anhörung 

bereits (…) Jahre alt gewesen. In diesem Alter sei erfahrungsgemäss da-

von auszugehen, dass Gesuchsteller wie Erwachsene befragt werden 

könnten, ansonsten sie sich nicht ernst genommen fühlten. Es seien daher 

in der Regel auch keine Einleitungsfragen nötig, wie sie möglichweise für 

Kinder oder Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren angebracht seien. 

Dem Beschwerdeführer sei bereits im Zeitpunkt der BzP eine Rechtsver-

tretung zugeordnet gewesen. Diese sei über den Zeitpunkt der Durchfüh-

rung der BzP informiert gewesen, habe die Teilnahme daran zugesagt, sei 

an der Befragung dann aber nicht erschienen. Der Beschwerdeführer habe 

dort zwar angegeben, er habe Angst, wenn die Befragerin Fragen stelle, 

der Rechtsvertreter habe auf Beschwerdestufe aber nicht konkret darge-

legt, inwieweit sich dies zum Nachteil des Beschwerdeführers ausgewirkt 

habe oder er nicht in einer Lage gewesen sei, kohärente Aussagen zu ma-

chen. Dem Protokoll würden sich denn auch keine objektiven Anhalts-

punkte für die Vorhalte des Rechtsvertreters entnehmen lassen.  

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  Seite 11 

Zum Zeitpunkt der Anhörung habe es ferner keine Hinweise auf ein ge-

sundheitliches Problem gegeben, das den Beschwerdeführer in seiner 

Aussagefähigkeit eingeschränkt hätte. Dass die Hilfswerkvertretung die At-

mosphäre subjektiv als kühl empfunden habe, könne der Befrager des 

SEM aus seiner – wiederum subjektiven – Sicht nicht nachvollziehen. Die 

anwesende Rechtsvertretung habe offensichtlich die Anhörung als korrekt 

durchgeführt eingeschätzt, ansonsten sie sich dort entsprechend geäus-

sert hätte. Das SEM habe dem Beschwerdeführer sachliche, überwiegend 

offene Fragen gestellt und ihn auf unterschiedliche Aussagen hingewiesen. 

Er habe ausreichend die Möglichkeit erhalten, sich zu äussern und ab-

schliessend bestätigt, er habe nichts mehr beizufügen. Es würden sich im 

Anhörungsprotokoll keine Hinweise finden, dass der Beschwerdeführer in 

der Anhörung eingeschüchtert worden wäre oder er es gewesen sei. Viel-

mehr habe er erklärt, es seien ihm gezielt Fragen gestellt worden.  

Die Unterstellung, der Befrager des SEM habe in der Anhörung wiederholt 

nonverbal wertend (belächelnd) auf Aussagen des Beschwerdeführers re-

agiert, sei falsch. Auf dem Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung sei 

nämlich festgehalten worden, dass der Dolmetscher (und nicht der SEM-

Mitarbeiter) mindestens zweimal nonverbal wertend reagiert (Augenrollen) 

habe. Auch dies sei jedoch eine nicht nachvollziehbare subjektive Ein-

schätzung der Hilfswerkvertretung. Im Übrigen handle es sich um einen 

erfahrenen Dolmetscher, der seit Jahren für das SEM arbeite, weshalb der 

Bemerkung der Hilfswerkvertretung kein Gewicht beigemessen werden 

könne.  

Weder die zum Zeitpunkt des Entscheides noch die im Rahmen des Be-

schwerdeverfahrens eingereichten Arztschreiben lieferten Hinweise oder 

Belege dafür, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Befragung in 

irgendeiner Weise eingeschränkt gewesen wäre, konkrete und kohärente 

Angaben zu machen. Selbst als der Beschwerdeführer sich im Oktober 

2015 in den Notfall des (…)spitals begeben habe, sei ihm attestiert worden, 

dass er bewusstseinsklar gewesen sei und inhaltlich kohärent habe Aus-

kunft geben können. 

4.4 Mit Replik vom 14. Januar 2016 entgegnete der Beschwerdeführer, es 

sei sehr selten, dass eine Hilfswerkvertretung Kritik am Befragungsstil der 

befragenden Person des SEM anbringe. Der Hinweis, es sei das gute 

Recht der Hilfswerksvertretung, Bemerkungen zu machen, greife zu kurz, 

zumal die ärztlichen Berichte die Verschlechterung des gesundheitlichen 

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  Seite 12 

Zustands des Beschwerdeführers klar in Zusammenhang mit der Befra-

gung stellten. Dass die damalige Rechtsvertretung keine Einwände ange-

bracht habe, bedeute nicht, dass die Befragung problemlos abgelaufen sei. 

Auch habe das SEM in der Vernehmlassung noch nicht offengelegt, wer 

die vierte an der Anhörung anwesende Person gewesen sei. Es gäbe im 

Übrigen sehr wohl Hinweise in den Akten auf psychische Beeinträchtigun-

gen des Beschwerdeführers bereits bei der Befragung. Schliesslich wies 

er auf die seit dem negativen Entscheid des SEM akzentuierte Suizidalität 

des Beschwerdeführers hin. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die 

Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und 

aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch ge-

würdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid 

rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/ 

HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 

Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).  

5.2 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-

sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte 

Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, 

sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), 

sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-

findung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-

hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich 

die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-

fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung 

erkennen. Im Asylverfahren sind die Anforderungen an die Begründungs-

dichte regelmässig hoch, wiegen die rechtlich geschützten Interessen der 

Betroffenen im Asylentscheid doch allgemein schwer (PATRICK SUTTER, in: 

Kommentar VwVG, 2008, Art. 32 VwVG, Rz. 2). Insgesamt muss der Ent-

scheid so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene gegebenenfalls sachge-

recht anfechten kann, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene 

als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein 

Bild machen können. Dabei kann sich die Behörde in ihrer Argumentation 

zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken; 

E-7447/2015 

  Seite 13 

sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschweigend übergehen, die für 

den Entscheid erkennbarerweise unbehelflich sind. In diesem Sinne müs-

sen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich 

die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 

134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21 E. 10.2 m.w.H.; SUTTER, a.a.O., Kommentar 

VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2). 

5.3 Ist eine asylsuchende Person – wie dies der Beschwerdeführer wäh-

rend des vorinstanzlichen Verfahrens noch war – minderjährig und unbe-

gleitet, so haben die Behörden verfahrensrechtliche Garantien zu beach-

ten. Dies, um der besonderen Schutzbedürftigkeit der UMA Rechnung zu 

tragen und insbesondere sicherzustellen, dass sie hinreichend gehört wird. 

Was die Anhörung betrifft, so hat diese in der Regel in Anwesenheit des 

gesetzlichen Vertreters oder der Vertrauensperson zu erfolgen. Die anhö-

rende Person hat zudem dafür zu sorgen, dass den besonderen Aspekten 

der Minderjährigkeit Rechnung getragen wird (Art. 7 Abs. 5 AsylV). Dabei 

sind insbesondere das Alter und der Reifegrad und gegebenenfalls  beson-

dere Verletzlichkeiten der UMA zu berücksichtigen. Sollte dies für das 

Wohlbefinden der UMA während der Anhörung angezeigt sein, sind geeig-

nete Massnahmen zu treffen. Das SEM hat unter anderem in Bezug auf  

die Art und Weise der Befragung gewisse Regeln zu beachten. Ein grosses 

Augenmerk ist im Rahmen der Anhörung auf eine den UMA gerecht wer-

dende Atmosphäre ab Beginn der Anhörung und eine empathische Haltung 

der befragenden Person sowie insgesamt auf ein vertrauensvolles Klima 

zu richten, das es den UMA ermöglichen soll, vom Erlebten zu berichten. 

Zu diesem Zweck soll die Vorinstanz der UMA bereits zu Beginn der Anhö-

rung deren Ziel in einer altersgerechten Sprache sowie die darauf anwend-

baren Regeln erläutern. Ferner soll es ihr alle Personen, die an der Anhö-

rung mitwirken, vorstellen sowie deren Rolle erklären. Die UMA soll zu den 

sie im Verfahren unterstützenden Personen Vertrauen aufbauen können. 

Dazu ist es notwendig, dass die befragende Person das Verhalten der UMA 

während der Anhörung beobachtet und jede Form der nonverbalen Kom-

munikation vermerkt. Auch hat sie sich um eine wohlwollende und neutrale 

Haltung zu bemühen. Insbesondere in einer ersten Phase sollten die Fra-

gen sodann offen formuliert werden, um einen freien Bericht zu fördern 

(vgl. zum Ganzen und m.w.H. BVGE 2014/30 E. 2.3).  

6.  

6.1 Nach einer Würdigung sämtlicher Akten kommt das Bundesverwal-

tungsgericht zum Schluss, dass die formellen Rügen des Beschwerdefüh-

rers berechtigt sind, was in der Folge erläutert wird.  

E-7447/2015 

  Seite 14 

6.2 In direktem Zusammenhang mit den besonderen Verfahrensgarantien, 

die zu beachten sind, wenn es sich bei Asylsuchenden um unbegleitete 

minderjährige Personen handelt, ist zunächst auf die Frage der Schutzbe-

dürftigkeit/Verletzlichkeit des im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Verfahrens 

noch minderjährigen Beschwerdeführers einzugehen: 

6.2.1 Zwar hält das SEM in der Vernehmlassung zu Recht fest, das junge 

Alter des Beschwerdeführers für sich alleine falle nicht stark zu seinen 

Gunsten ins Gewicht, da er im Zeitpunkt der Anhörung bereits (…) Jahre 

alt gewesen sei, und kurz vor der Volljährigkeit gestanden habe. Die Fest-

stellung des SEM, wonach Personen in diesem Alter grundsätzlich wie Er-

wachsene zu befragen seien, da sie sich sonst nicht ernstgenommen fühl-

ten – und entsprechend etwa auch keine Einleitungsfragen nötig seien –, 

trifft in dieser Absolutheit aber nicht zu. Beim Umgang der Behörden mit 

UMA ist nämlich nicht nur das blosse Alter relevant, zu berücksichtigen ist 

vielmehr auch die Reife eines Minderjährigen und allfällige besondere Ver-

wundbarkeiten. 

6.2.2 Diesbezüglich fällt vorliegend auf, dass es deutliche Hinweise gibt, 

dass der Beschwerdeführer bereits im Kindesalter ([…]) traumatisierende 

Erfahrungen gemacht haben könnte. Er schilderte in diesem Zusammen-

hang, dass er nach dem Verschwinden seines Vaters – dessen LTTE-Mit-

gliedschaft vom SEM nicht angezweifelt wurde – von den sri-lankischen 

Militärbehörden festgenommen worden sei. Mehrmals sei er von ihnen ge-

schlagen worden. Aufgrund der Fusstritte, die ihm die Soldaten regelmäs-

sig zugefügt hätten, sei es zu Nervenverletzungen an seinem (…) gekom-

men; die Soldaten hätten sich über ihn lustig gemacht und bewusst immer 

wieder gegen das verletzte (…) getreten (vgl. A6/12 Ziff. 7.01; A20 F36 ff.). 

Das SEM stellte diese Vorbringen nicht per se in Frage beziehungsweise 

führte aus, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten Verfolgungs-

massnahmen im Jahr (…) im Zusammenhang mit seinem verschwunde-

nen Vater bedauerlich seien. Aus den Befragungsprotokollen wird dann im-

mer wieder deutlich, dass der Beschwerdeführer offenbar nicht nur phy-

sisch unter Einschränkungen leidet, sondern insbesondere auch psychisch 

stark belastet und gezeichnet war; dabei setzte er diese Belastung auch 

immer wieder in Zusammenhang zu den geltend gemachten Erlebnissen. 

Bereits anlässlich der BzP gab er an, aufgrund seiner Erlebnisse Angst vor 

Fragen zu haben (vgl. A6 F7.01 S. 11). Im Rahmen der Anhörung bezeich-

nete er die Beleidigungen und Schläge seitens der Soldaten spontan als 

schwarzen Flecken in seinem Leben und fragte unmittelbar, warum diese 

E-7447/2015 

  Seite 15 

ihn bestrafen sollten (vgl. A20 F16). Während er vom Moment des Ver-

schwindens seines Vaters und der darauffolgenden Festnahme erzählte, 

hatte er dann Tränen in den Augen (vgl. A20 F27). Wie ein roter Faden geht 

diese psychische Labilität dann weiter aus dem Anhörungsprotokoll hervor 

(vgl. u.a. A20 F31, F34, F36, F40, F43, F74).  

6.2.3 Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Personen, die eine 

UMA unterstützen, ist für die Wahrnehmung ihrer Rechte zentral. Im vorlie-

genden Gesamtkontext erscheint der Umstand, dass für den Beschwerde-

führer seit dem Einreichen des Asylgesuchs am 2. Dezember 2013 bis zu 

seiner Volljährigkeit eine Vielzahl von Personen in der einen oder anderen 

Weise im Asylverfahren tätig waren (so D._______ als Vertrauensperson, 

G._______, H._______ und J._______ als amtliche Rechtsbeistände, 

I._______ als bevollmächtigte Rechtsvertreterin, K._______ in unklarer 

Funktion), nicht günstig, wenn damit für sich alleine auch noch kein formel-

les Recht verletzt ist.   

6.3  

6.3.1 Die offensichtliche Verletzlichkeit des damals minderjährigen Be-

schwerdeführers hat das SEM zu Unrecht – insbesondere bei der Anhö-

rung – nicht berücksichtigt. Wie erwähnt bekundete der Beschwerdeführer 

bereits während der BzP Mühe, gewisse Fragen der SEM-Mitarbeiterin zu 

beantworten und sprach von seiner Angst, die das Interview auslöse im 

Zusammenhang mit dem sri-lankischen Militär, das ihn verhört und ge-

schlagen habe (vgl. A6 Ziff. F7.01 S. 8). Bereits dieser Hinweis hätte das 

SEM dazu veranlassen müssen, noch ein verstärktes Augenmerk auf eine 

angenehme Atmosphäre zu richten; dies umso mehr als es ja selbst nicht 

ausschloss, dass es zu solchen Übergriffen auf den (…)jährigen Beschwer-

deführer gekommen war. 

6.3.2 Eine Durchsicht des Anhörungsprotokolls ergibt jedoch, dass die An-

hörung wie jene eines erwachsenen Asylsuchenden geführt worden ist. 

Insbesondere sind keinerlei Bemühungen ersichtlich, die auf die Schaffung 

einer dem minderjährigen Beschwerdeführer in seiner Verletzlichkeit ange-

messenen Atmosphäre, gezielt hätten. Einleitende Fragen zur Förderung 

respektive Schaffung eines vertrauensvollen Klimas fehlen ganz; der Be-

schwerdeführer wurde nicht einmal nach seiner Befindlichkeit gefragt. Des 

Weiteren fällt auf, dass nebst dem Befrager, dem Dolmetscher, dem 

Rechtsvertreter und dem Vertreter des unabhängigen Hilfswerks noch eine 

weitere SEM-Mitarbeiterin anwesend war, deren Rolle dem Beschwerde-

führer, worauf der Rechtsvertreter zu Recht verweist, offenbar nicht erklärt 

E-7447/2015 

  Seite 16 

wurde, obwohl auch dies für ein Klima, indem eine UMA Vertrauen auf-

bauen kann, massgebend ist. Das SEM hat sich im Übrigen zur Funktion 

dieser Mitarbeiterin bis heute nicht geäussert.  

6.3.3 Die von der Hilfswerksvertretung anwesende Person vermerkte be-

treffend die Anhörungs-Atmosphäre, sie habe die Befragung als nicht al-

tersgerecht und kühl empfunden. Darüber hinaus habe das Telefon zwei-

mal geklingelt; einmal sei der Beschwerdeführer dadurch in seinen Erzäh-

lungen unterbrochen worden. Ihres Erachtens habe der Dolmetscher auf 

die Ausführungen des Beschwerdeführers mindestens zweimal nonverbal 

wertend reagiert. Schliesslich sei ihrer Ansicht nach der psychische Ge-

sundheitszustand des Beschwerdeführers abzuklären (vgl. Unterschriften-

blatt der Hilfswerkvertretung). Zwar ist grundsätzlich richtig, wenn das SEM 

in der Vernehmlassung festhält, Anmerkungen der Hilfswerksvertretung 

gäben deren subjektive Einschätzung wieder. Nichtsdestotrotz ist ihnen 

aber Beachtung zu schenken und können auf eine nicht ideale Befragung-

satmosphäre hindeuten (vgl. zur Rolle der Hilfswerksvertretung an der An-

hörung Art. 30 Abs. 4 AsylG).  

6.3.4 Schliesslich bestätigte auch der den Beschwerdeführer behandelnde 

Psychologe, dass die Anhörung auf den Beschwerdeführer eine traumati-

sierende Wirkung gehabt habe. So stellte er eine seit der Anhörung deutli-

che Verschlechterung des psychischen Zustands des Beschwerdeführers 

fest und merkte an, dass die Zunahme der depressiven Symptome als re-

aktiv in Bezug auf die Anhörung betrachtet werden könne (vgl. Berichte von 

S._______, Psychologe des UMA Zentrum (…), vom 9. März und 1. Okto-

ber 2015). Auch wenn vom Bundesverwaltungsgericht nicht verkannt wird, 

dass die Ungewissheit des noch offenen Asylverfahrens den gesundheitli-

chen Zustand des Beschwerdeführers ebenfalls beeinflusst haben könnte, 

ist insgesamt zu schliessen, dass die Anhörung der besonderen Verletz-

lichkeit des minderjährigen Beschwerdeführers, welche dem SEM bekannt 

war (beziehungsweise sein musste), nicht hinreichend Rechnung trug. 

6.3.5 Ungünstig fiel sodann die Frageweise des SEM-Mitarbeiters aus. 

Auch diesbezüglich wurde die Verletzlichkeit des Beschwerdeführers völlig 

ausser Acht gelassen, insbesondere auch der Umstand, dass sich wesent-

liche Kernelemente noch im Kindesalter des Beschwerdeführers abge-

spielt hätten. Der Beschwerdeführer bekundete dann auch immer wieder 

Mühe, die Fragen zu beantworten, ohne dass ihm dies anzulasten wäre. 

Als Beispiel kann die Frage 70 an der Anhörung genannt werden (vgl. A20 

F70). Diese ist auch für das Gericht völlig unverständlich. Auch die Antwort 

E-7447/2015 

  Seite 17 

des Beschwerdeführers bleibt es, wenn er antwortet, dies sei beim „zwei-

ten Mal“ so gewesen, ohne dass klar ist, welches Ereignis er mit diesem 

„zweiten Mal“ meinte. Diese Frage wurde vom SEM-Mitarbeiter aber dann 

nicht etwa geklärt, sondern dieser beharrte auf die Angabe eines präzisen 

zeitlichen Rahmens für dieses unbestimmte zweite Ereignis, worauf der 

Beschwerdeführer schliesslich ausführte, er verstehe die Fragen nicht, zu-

mal er viel gelitten habe, sich viele Gedanken zu seinem Vater und seiner 

Familie mache und vergesslich sei.  

Bei der Fragestruktur fallen sodann an mehreren Stellen Brüche auf; ins-

besondere wurde teilweise in zeitlicher und sachlicher Hinsicht unvermittelt 

von einem Ereignis zum nächsten gesprungen. So stellte der SEM-Mitar-

beiter dem Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung zur Sache Fragen 

zu seiner Ausreise (…) (vgl. A20 F58-66), um dann unmittelbar nach der 

Anzahl Personen, von denen er im November – nicht einmal das Jahr wird 

genannt – angehalten worden sei, zu fragen (vgl. A20 F67-69). In ähnlicher 

Weise war bereits an der BzP gefragt worden, wo es abwechslungsweise 

einmal um ein Ereignis von (…) und dann wieder von (…) ging (vgl. A6 Ziff. 

7.01). Auch dort kommt die Frage nach der Anzahl Personen, von denen 

der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise (…) bedroht worden sei, nach-

dem er von Ereignissen im Jahr (…) gesprochen hatte (vgl. A6 Ziff. 7.01). 

Ein weiterer solch sprunghafter Themenwechsel findet sich beispielsweise 

auch zwischen den Fragen 41 und 42 der Anhörung (vgl. A20 F41 f.).  

Ein weiteres Beispiel, das die Auswirkung der ungünstigen Frageweise ver-

deutlicht, findet sich im Zusammenhang mit der Frage, ob dem Beschwer-

deführer nach der Mitnahme ins Camp und der auferlegten Meldepflicht 

noch etwas passiert sei; diesbezüglich gab der Beschwerdeführer an, dass 

er an „einem Sonntag nicht hingegangen“ (gemeint ist wohl seiner Melde-

pflicht nicht nachgekommen) sei und Angehörige der SLA ihn daraufhin zu 

Hause gesucht hätten (vgl. A6 Ziff. 7.01 S. 8). Einen Anhaltspunkt, in was 

für einem zeitlichen Rahmen sich das Ereignis abgespielt haben soll, gibt 

es nicht. Die befragende Person wollte zwar einige Fragen später wissen, 

wann das gewesen sei, als er sich bei der Behörde nicht habe melden kön-

nen (vgl. ebd.). Aufgrund der zuvor sprunghaften Frageweise ist jedoch 

nicht klar, auf was für ein Ereignis sich der Beschwerdeführer bei seiner 

Antwort bezog. Vergleicht man diese Ausführungen bei der BzP sodann 

etwa mit den Schilderungen in der Anhörung (vgl. A20 F4) wird deutlich, 

dass sich insgesamt – weder in zeitlicher noch in tatsächlicher Hinsicht – 

ein vollständiges Bild der geltend gemachten Ereignisse ergibt. An der An-

hörung erwähnte der Beschwerdeführer neben der Mitnahme ins Camp 

E-7447/2015 

  Seite 18 

(…) und der Suche zu Hause (…) nämlich ebenfalls, dass er einmal die 

Meldepflicht nicht wahrgenommen habe, weshalb er einen Tag lang einge-

sperrt worden sei (vgl. ebd.). Ein solches, möglicherweise weiteres flücht-

lingsrechtlich relevantes Ereignis wurde vom SEM aber weder näher eru-

iert noch wurde es in der Verfügung in die Würdigung einbezogen.  

6.3.6 Das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers wurde nach dem Ge-

sagten bereits durch die mangelhafte Anhörung des minderjährigen Be-

schwerdeführers verletzt und das SEM hat den Sachverhalt entsprechend 

nicht vollständig und richtig abgeklärt und festgestellt. Die Rechtsverlet-

zung wiegt umso schwerer als es die Widersprüche, aus denen es die Un-

glaubhaftigkeit der Vorbringen ableitet, gerade in den oben erläuterten Ant-

worten des Beschwerdeführers findet. So erachtet es beispielsweise als 

wesentliche Ungereimtheit, dass der Beschwerdeführer in der BzP ange-

geben habe, es hätten ihn kurz vor der Ausreise im (…) auf dem Schulweg 

vier Soldaten angehalten, wohingegen er bei der Anhörung zu Protokoll 

gegeben habe, es seien acht Personen gewesen (vgl. Verfügung Abschnitt 

II, E. 1, S. 3). Nach dem oben Gesagten ist indessen nicht ausgeschlossen, 

dass sich der Beschwerdeführer aufgrund der ungünstigen Atmosphäre, 

insbesondere aber auch der sprunghaften Frageweise, auf ein falsches Er-

eignis bezog, beziehungsweise ist unklar geblieben, von welchem Ereignis 

der Beschwerdeführer sprach.  

6.4  

6.4.1 Ein weiterer Rechtsfehler ist darin zu sehen, dass das SEM Ele-

mente, die für die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers spre-

chen, nicht in seine Würdigung einbezogen hat. So sind seinen Ausführun-

gen diverse Realkennzeichen zu entnehmen, die vom SEM nicht hinrei-

chend in die Würdigung einbezogen worden sind. Beispielsweise relati-

vierte der Beschwerdeführer auch geltend gemachte Nachteile, etwa wenn 

er seiner Aussage, die SLA habe ihn zu Hause aufgesucht und bedroht, 

spontan anfügt, geschlagen hätten sie ihn nicht (vgl. A6 S. 8 F7.01). Auf-

fallend sind auch seine Verknüpfungen mit der (…). Darauf verwies der 

Beschwerdeführer immer wieder. Etwa wenn er ausführte, dass er diese, 

als die Soldaten ihn angehalten hätten, getragen habe (vgl. A20 F4), dass 

ihm von den Soldaten befohlen worden sei, sich ohne (…) im Camp zu 

melden (vgl. A20 F17, F49 f.), und dass er ein paar Mal in der (…) beim 

Camp erschienen sei (vgl. A20 F50). Aus seinen diesbezüglich Aussagen 

ergibt sich, dass das Tragen (…) offensichtlich einen gewissen Schutz vor 

den Übergriffen der Soldaten bedeutete („Wenn man keine […] trägt, dann 

E-7447/2015 

  Seite 19 

schlugen die Soldaten mich“ [vgl. A20 F16]). Diese Erzählweise wirkt – zu-

mal des jugendlichen Alters des Beschwerdeführers – authentisch und al-

les andere als konstruiert. Authentisch wirken auch die Hinweise auf seine 

Angst, bereits an der BzP und während der Anhörung immer wieder (vgl. 

u.a. A6 S. 8 F7.01; A20 F13 f., F16 f., F31, F52). Auch wo der Beschwer-

deführer frei erzählte, wirken seine Angaben real und gerade nicht auswen-

dig gelernt, dies auch, weil sie teilweise kindlich ausgefallen sind oder deut-

lich Emotionen erkennen lassen (vgl. u.a. A20 F4, F22, F27, F36, F52, 

F53). Diese Realkennzeichen liess das SEM bei seiner Würdigung unbe-

rücksichtigt, weshalb von einer bei der Einschätzung der Glaubhaftigkeit 

geforderten Abwägung aller für und gegen den Beschwerdeführer spre-

chenden Argumente nicht gesprochen werden kann.  

6.4.2 Auch den Ausführungen zur Festnahme (…) sowie den nachgehend 

wiederholten Befragungen im Militärcamp sind eine Vielzahl von Realkenn-

zeichen zu entnehmen. So wirkt etwa die Schilderung, wonach die Schreie 

der Mutter, als der Beschwerdeführer von Mitgliedern der Armee abgeholt 

worden sei, für ihn unerträglich gewesen seien, weshalb er versucht habe 

aufzustehen, der sich hinter ihm befindende Soldat ihn jedoch an seinen 

Schultern wieder heruntergedrückt habe, lebensnah (vgl. A20 F32). Auch 

wie die Soldaten ihm bei der wöchentlichen Meldepflicht direkt in die Augen 

geschaut hätten, sich oft über ihn lustig gemacht und ihm, wenn er auf-

grund der Drohungen angefangen habe zu weinen, jeweils ein Kleidungs-

stück in seinen Mund gesteckt sowie einmal Chilipulver mit Wasser ge-

mischt in seine Richtung geworfen und ihn dann davon gejagt hätten (vgl. 

A20 F36; A20 F53), wirken nicht wie erfundene Erzählungen, zumal er 

diese Erlebnisse unaufgefordert schilderte (weitere Realkennzeichen vgl. 

insb. A20 F4, F13, F27ff., F36, F88).  

Die Würdigung dieser Ereignisse durch das SEM fällt dann widersprüchlich 

aus. Zunächst hält es fest auch diesen Ausführungen seien Widersprüche 

zu entnehmen, die Frage der Glaubhaftigkeit könne allerdings offen bleiben 

(vgl. Verfügung Abschnitt II, E. 1, S. 4). Im Widerspruch dazu bedauert es 

dann in E. 2, S. 5 die wegen seinem Vater erfolgten Verfolgungsmassnah-

men im Frühjahr (…), spricht ihnen aber mangels genügend engem Kau-

salzusammenhang zur späteren Ausreise die Asylrelevanz ab, so dass im 

Ergebnis – abgesehen von der mangelhalften Abklärung – unklar bleibt, ob 

es die geltend gemachten Ereignisse nun glaubt oder nicht. Diese Frage 

ist aber schon deshalb zu klären, weil ein fehlender zeitlicher Zusammen-

hang zwischen Vorverfolgung und Ausreise (nur) die Regelvermutung zu-

E-7447/2015 

  Seite 20 

gunsten des Vorliegens begründeter Furcht vor künftiger Verfolgung zer-

stört, nicht aber ausschliesst, dass im konkreten Einzelfall die früher erlit-

tene Verfolgung einen der guten Gründe für die aktuelle Verfolgungsfurcht 

darstellen kann (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.H.). In diesem Zusammen-

hang ist daran zu erinnern, dass, wer bereits einmal Verfolgungsmassnah-

men ausgesetzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) 

Furcht hat (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). 

6.4.3 In auffälligem Gegensatz zum Verzicht auf den Einbezug zahlreicher 

zu Gunsten der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführer sprechen-

den Elemente hält das SEM ihm dann auch Ungereimtheiten entgegen, die 

sich als aktenwidrig erweisen beziehungsweise bei denen es sich offen-

sichtlich um blosse Ergänzungen handelt. So etwa, wenn es erwägt, er 

habe in der BzP nicht ansatzweise davon gesprochen, dass ihn Armeean-

gehörige, nachdem er nicht im Camp erschienen sei, auch zu Hause auf-

gesucht hätten (vgl. Verfügung Abschnitt II, E. 1, S. 3f.). Aus dem Protokoll 

der BzP ergibt sich allerdings sehr wohl ein Hinweis des Beschwerdefüh-

rers darauf, dass ihn Angehörige der SLA auch zu Hause gesucht hätten 

(vgl. A6 Ziff. 7.01 S. 8). Oder aber, wenn es ihm in Bezug auf das Ereignis 

vom (…) entgegenhält, er habe einmal (an der BzP) gesagt, er sei auf dem 

Weg zur Schule und später (an der Anhörung) er sei auf dem Weg zu einer 

Schulprüfung gewesen (vgl. Verfügung ebd.).    

6.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM die Verletzlichkeit 

des minderjährigen Beschwerdeführers im Rahmen der Befragungen, ins-

besondere der Anhörung nicht berücksichtigt hat. Dadurch hat es sein 

rechtliches Gehör verletzt. Gleichzeitig kann bereits deswegen nicht von 

einem hinreichend erstellten Sachverhalt ausgegangen werden. Gleiches 

gilt für die unausgewogene Würdigung aller zu berücksichtigenden Fakto-

ren im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung. Schliesslich hat das SEM 

seine Begründungspflicht verletzt, im Speziellen auch, weil unklar bleibt, 

ob es die für (…) geltend gemachten Ereignisse für glaubhaft hält oder 

nicht.  

7.  

7.1 Beschwerden gegen Verfügungen des SEM betreffend die Verweige-

rung des Asyls und die Anordnung der Wegweisung haben grundsätzlich 

reformatorischen und nur ausnahmsweise kassatorischen Charakter 

(Art. 105 AsylG sowie Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 61 Abs. 1 VwVG). Allerdings 

handelt es sich bei den aufgezeigten Rechtsfehlern um schwerwiegende, 

E-7447/2015 

  Seite 21 

weshalb eine Heilung ausser Betracht fällt. Des Weiteren würde eine refor-

matorische Entscheidung voraussetzen, dass die Sache entscheidreif ist; 

dazu müsste insbesondere der rechtserhebliche Sachverhalt richtig und 

vollständig festgestellt worden, respektive dies ohne erheblichen Aufwand 

für die Beschwerdeinstanz und weitere Einschränkung der Rechte des Be-

schwerdeführers – dabei ist insbesondere an den Verlust einer Instanz zu 

denken – nachholbar sein. Dies ist vorliegend offensichtlich nicht der Fall 

und die angefochtene Verfügung ist zu kassieren sowie zur vollumfängli-

chen Gewährung des rechtlichen Gehörs, zur richtigen und vollständigen 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zu neuem Entscheid 

an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

7.2 Der Beschwerdeführer ist erneut anzuhören. Zwar ist er inzwischen 

volljährig, dennoch hat die Anhörung den oben erläuterten Umständen an-

gemessen Rechnung zu tragen. Sorgfältig abzuklären sind sowohl das Er-

eignis von (…), die Ereignisse in den darauffolgenden Jahren und jene im 

Zeitraum unmittelbar vor und bis zur Ausreise Ende (…), insbesondere der 

geltend gemachte Ausreiseanlass. Abzuklären ist auch der aktuelle Ge-

sundheitszustand des Beschwerdeführers.  

In der neuen Verfügung hat das SEM deutlich zu machen, welchen Sach-

verhalt es einer Prüfung von Art. 3 AsylG zu Grunde legt, und zwar sowohl 

für den Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers als auch für den 

heutigen. Bei der Glaubhaftigkeitsprüfung wird das SEM dabei alle für und 

gegen den Beschwerdeführer sprechende Elemente – insbesondere auch 

die aus den bisherigen Aussagen erkennbaren Realkennzeichen – zu be-

rücksichtigen und sorgfältig abzuwägen haben. Der massgeblichen Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist Rechnung zu tragen; dies 

gilt insbesondere hinsichtlich einer möglichen Rückkehrgefährdung, sollte 

das SEM zur Auffassung gelangen, der Beschwerdeführer habe im Ausrei-

sezeitpunkt keine begründete Furcht vor Verfolgung gehabt. Diesbezüglich 

sind in erster Linie an die im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 

erwogenen Risikofaktoren zu denken.  

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Eingaben des Beschwer-

deführers auf Rechtsmittelstufe Bestandteil des wiederaufzunehmenden 

Verfahrens bilden, weshalb sich das SEM gegebenenfalls auch mit noch 

offen gebliebenen Anträgen in diesen Eingaben auseinanderzusetzen ha-

ben wird.  

 

E-7447/2015 

  Seite 22 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Der Rechtsvertreter reichte am 14. Januar 2016 eine Kostennote zu 

den Akten. Dabei wies er einen Vertretungsaufwand von mehr als 22 Ho-

norarstunden auf, was angesichts der konkreten Verfahrensverhältnisse 

nicht angemessen respektive als teilweise nicht notwendig im Sinn von 

Art. 64 Abs. 1 VwVG erscheint. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist zu Lasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer-

zuschlag) zuzusprechen ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

E-7447/2015 

  Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 16. Oktober 2015 wird aufgehoben und das 

SEM angewiesen, im Sinne der Erwägungen neu zu entscheiden.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2‘000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Sibylle Dischler 

 

 

Versand: