# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c2f7c69-e195-5fa0-a476-e3176cb6106d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.11.2011 E-2881/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2881-2011_2011-11-04.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­2881/2011

U r t e i l   v om   4 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Walter Lang, Richter Markus König,   
Gerichtsschreiberin Anna Poschung.

Parteien A._______,
Pakistan,
vertreten durch lic. iur. (…),
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, 

Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Wegweisung Dublin (Ausländerrecht); Verfügung des BFM 
vom 6. Mai 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Gemäss Akten gelangte der Beschwerdeführer am 9. März 2011 auf dem 
Luftweg  von  Athen  kommend  mit  einem  ihm  nicht  zustehenden 
Reisepass nach Zürich.

B. 
Am  7.  April  2011  teilte  die  Kantonspolizei  Zürich  dem  BFM  mit,  der 
Beschwerdeführer halte sich illegal  in der Schweiz auf, und ersuchte um 
Prüfung der Durchführung eines Dublin­Verfahrens. Gleichentags wurde 
dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen 
Zuständigkeit  Griechenlands  zur  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens sowie zu einer Überstellung nach Griechenland 
gewährt.  Anlässlich  dieser  Einvernahme  führte  er  im  Wesentlichen 
Folgendes aus: 

Er sei im Juli 2009 mit Hilfe eines Schleppers auf dem Landweg via Iran 
und die Türkei nach Griechenland gelangt, wo er ungefähr ein Jahr später 
um Asyl ersucht habe. Es seien ihm Fingerabdrücke genommen worden 
und er habe einen provisorischen Ausweis  für allfällige Polizeikontrollen, 
jedoch keinen eigentlichen Asylausweis, erhalten. Er habe sich ungefähr 
eineinhalb  Jahre  in  Griechenland  aufgehalten  und  anschliessend 
beabsichtigt,  zwecks Arbeitssuche  nach Spanien  zu  fliegen,  sei  aber  in 
Zürich  während  des  Transfers  kontrolliert  und  verhaftet  worden. 
Bezüglich  einer  möglichen  Zuständigkeit  Griechenlands  und  einer 
Überstellung  dorthin  gab  er  zu  Protokoll,  es  gebe  keinen  Grund,  nicht 
nach Griechenland zurückzukehren; mit einer Rückschaffung dorthin sei 
er einverstanden und er wisse, dass er sich ohne Aufenthaltsregelung in 
der  Schweiz  aufhalte.  Ergänzend  fügte  er  an,  er  habe  sich  in 
Griechenland  verschuldet  und  es  gebe  dort  keine  Arbeit.  Er  habe  zu 
Hause zwei Kinder und sei Alleinverdiener, was auch der Grund gewesen 
sei, wieso  er  nach Spanien  habe  fliegen wollen. Er würde  gerne  in  der 
Schweiz bleiben oder noch besser nach Spanien weiterreisen. 

C. 
Am 15. April 2011 stellte das BFM gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der 
Verordnung  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur 
Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 

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zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  ein  Gesuch  um  Übernahme  des 
Beschwerdeführers an die griechischen Behörden. 

Mit  elektronischer  Nachricht  vom  5.  Mai  2011  teilte  das  BFM  den 
griechischen Behörden mit,  es  erachte  die  Frist  gemäss Art.  20 Abs.  1 
Bst.  c  Dublin­II­VO  als  abgelaufen,  weshalb  es  von  der  Zuständigkeit 
Griechenlands für die Durchführung des Asylgesuches ausgehe. 

Am 13. Mai 2011 benachrichtigten die griechischen Behörden das BFM, 
dem Übernahmeersuchen werde gestützt auf die Artikel 20 Abs. 1 Bst. c 
sowie  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  der  Dublin­II­VO  stattgegeben  und  führten 
aus,  der  Beschwerdeführer  sei  bei  ihnen  registriert  und  habe  eine 
Beschwerde  gegen  den  erstinstanzlichen  ablehnenden  Entscheid 
eingereicht, deren Überprüfung noch hängig sei.

D. 
Mit Verfügung  vom 6. Mai  2011  –  eröffnet  am 16. Mai  2011  –  verfügte 
das  BFM  gestützt  auf  Art. 64a   Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
16. Dezem­ber  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG, 
SR 142.20)  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Gleichzeitig  forderte  es 
den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf 
der  Beschwerdefrist  zu  verlassen  und  stellte  fest,  einer  allfälligen 
Beschwerde  komme  keine  aufschiebende  Wirkung  zu.  Auf  die 
Begründung wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

E. 
Mit Eingabe vom 20. Mai 2011 erhob der Beschwerdeführer durch seine 
Rechtsvertreterin  Beschwerde  bei  Bundesverwaltungsgericht  und 
beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  und  es  sei  ein 
Asylgesuch  entgegenzunehmen.  Zudem  sei  der  Beschwerde  im  Sinne 
vorsorglicher  Massnahmen  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und 
die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  bis  zum  Entscheid  über  die 
vorliegende Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht von einer 
Überstellung  nach  Griechenland  abzusehen.  Im  Falle  einer  bereits 
erfolgten Überstellung dorthin sei das BFM anzuweisen, die Rückführung 
in die Schweiz zu veranlassen. In formeller Hinsicht wird Verzicht auf die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  unentgeltliche 
Prozessführung beantragt. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in 
den Erwägungen eingegangen.

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F. 
Mit Telefax vom 23. Mai 2011 setzte das Bundesverwaltungsgericht den 
Vollzug  der Wegweisung  gestützt  auf Art.  56  des Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
einstweilen aus. 

G. 
Mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 25. Mai 2011 wurde 
das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde 
gutgeheissen  und  festgehalten,  der  Beschwerdeführer  könne  den 
Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Zudem  wurde  die 
unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt 
und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.

H. 
Am  19.  Juli  2011  wurde  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer 
Vernehmlassung innert Frist eingeladen.

Mit  Vernehmlassung  vom  2.  August  2011  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung der Beschwerde.

Mit  Replik  vom  22.  August  2011  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seinen 
Anträgen fest.

I. 
Auf  den  Inhalt  des  Schriftenwechsels  wird,  soweit  wesentlich,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen; im Übrigen wird auf die Akten 
verwiesen.

J. 
Mit  Schreiben  vom  10.  Oktober  2011  erkundigte  sich  der 
Beschwerdeführer nach dem Verfahrensstand.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen des BFM nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den 

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Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  betreffend  Wegweisungen  aufgrund  der  Dublin­
Assoziierungsabkommen  endgültig  (Art.  64a  AuG  i.V.m.  Art.  112  AuG 
sowie Art. 33 VGG und Art. 83 Bst. c Ziff. 4 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht;  der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 
64 a Abs. 2 und Art. 112 AuG i.V.m Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 und 
Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG).

2. 
Eine  Wegweisungsverfügung  gemäss  Art.  64a  Abs.  1  AuG  setzt  den 
illegalen  Aufenthalt  der  betroffenen  Person  in  der  Schweiz  und  die 
Zuständigkeit  eines  anderen,  an  das  Dublin­Assoziierungsabkommen 
gebundenen  Staats  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  voraus. 
Dieser  Artikel  wurde  ins  AuG  eingeführt,  um  die  Zuständigkeit  für  den 
Erlass  einer  Wegweisungsverfügung  betreffend  illegal  anwesende 
Personen  festzulegen,  welche  zwar  in  der  Schweiz  kein  Asylgesuch 
gestellt, aber bereits zu einem früheren Zeitpunkt in einem anderen Staat, 
der  durch  ein  Dublin­Assoziierungsabkommen  gebunden  ist,  ein 
Asylgesuch eingereicht haben (vgl. hierzu die Botschaft des Bundesrates 
zur  Genehmigung  und  Umsetzung  des  Notenaustauschs  zwischen  der 
Schweiz  und  der  Europäischen  Union  betreffend  die  Übernahme  des 
Schengener Grenzkodex [Weiterentwicklung des Schengen­Besitzstands] 
und  zu  den  Änderungen  im  Ausländer­  und  Asylrecht  zur  vollständigen 
Umsetzung  des  bereits  übernommenen  Schengen­  und  Dublin­
Besitzstands [Ergänzungen] vom 24. Oktober 2007, BBl 2007 7954). 

3. 

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3.1. Das  BFM  führte  zur  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  im 
Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer  befinde  sich  ohne 
Aufenthaltsregelung  in  der  Schweiz  und  habe  demnach  das  Land 
grundsätzlich zu verlassen. Ein Eurodac­Abgleich habe ergeben, dass er 
in  Griechenland  ein  Asylgesuch  eingereicht  habe,  weshalb  das  BFM 
Griechenland um seine Wiederaufnahme ersucht habe. Die griechischen 
Behörden  hätten  innert  Frist  keine  Stellung  zum  Übernahmeersuchen 
genommen, womit die Zuständigkeit  für die Durchführung des Asyl­ und 
Wegweisungsverfahrens  am  30.  April  2011  an  Griechenland 
übergegangen sei. Der Beschwerdeführer habe die Möglichkeit erhalten, 
sich zur Zuständigkeit Griechenlands für die Durchführung des Asyl­ und 
Wegweisungsverfahrens  sowie  zur Wegweisung  dorthin  zu  äussern.  Er 
habe  keine  Einwände  gegen  die  Wegweisung  vorgebracht,  womit  sich 
keine  Hinweise  ergeben  würden,  dass  die  Überstellung  unzulässig, 
unzumutbar oder nicht möglich wäre.

3.2.  Der  Beschwerdeführer  entgegnet  auf  Rechtsmittelebene  der 
Argumentation der Vorinstanz, keine Einwände gegen eine Wegweisung 
nach  Griechenland  vorgebracht  zu  haben,  dem  Roten  Kreuz  Zürich 
gegenüber habe er angegeben, auf keinen Fall nach Griechenland zurück 
zu  wollen  und  nach  Pakistan  zu  gehen  mache  ihm  ebenfalls  grosse 
Angst. Weiter  macht  er  unter  Hinweis  auf  das  Urteil  des  Europäischen 
Gerichtshof  für Menschenrechte  (EGMR) vom 21.  Januar 2011 geltend, 
in Griechenland werde den Asylsuchenden oftmals der Zugang zu einem 
Asylverfahren  gänzlich  verwehrt  und  das  Asylverfahren  selber  weise 
erhebliche  Mängel  auf.  Er  habe  in  Griechenland  mit  grösster 
Wahrscheinlichkeit keinen Zugang zu einem fairen Asylverfahren. Zudem 
bestehe ein grosses Risiko, dass er ohne Überprüfung seiner Asylgründe 
nach  Pakistan  zurückgeschafft  werde.  Gemäss  dem  Amt  des  Hohen 
Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  hätten 
Asylsuchende, für welche gemäss Dublin Griechenland zuständig sei, mit 
der  Rückführung  in  ihre  Heimat  ohne  Prüfung  ihres  Asylgesuches  zu 
rechnen,  womit  Griechenland  die  Konvention  vom  4. November  1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 
0.101)  verletze.  Die  prekären  Aufnahmebedingungen  in  Griechenland 
würden  zudem  die  Gefahr  unmenschlicher  Behandlung  bergen.  Unter 
Berücksichtigung der Situation in Griechenland könne der Vollzug dorthin 
nicht  als  zumutbar  bezeichnet  werden.  Die  Asylverfahren  und  die 
Asylrechtspraxen  in  den  verschiedenen  Mitgliedstaaten  seien  sehr 
uneinheitlich,  weshalb  es  für  Asylsuchende  entscheidend  sei,  wo  ihr 
Gesuch behandelt werde. Die griechische Regierung habe eingestanden, 

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mit  der Behandlung  der Asylgesuche  überfordert  zu  sein.  In  casu  habe 
Griechenland  einer  Rückübernahme  nicht  explizit  zugestimmt,  sondern 
sei  durch  Verfristung  zuständig  geworden.  Griechenland  scheine  sogar 
schon damit überfordert zu sein, sich für Asylfälle zuständig zu erklären.

3.3. Mit  Vernehmlassung  vom  2.  August  2011  hielt  die  Vorinstanz  fest, 
die  Beschwerdeschrift  enthalte  nichts,  was  zu  einer  Änderung  ihres 
Standpunktes  führen  könnte.  Der  Beschwerdeführer  deute  an,  die 
Schweiz hätte selber ein Asylverfahren durchführen müssen, statt ihn für 
die Prüfung des Asylgesuchs den griechischen Behörden zu überstellen, 
sich  mithin  unter  Anwendung  von  Art.  3  der  Dublin­II­VO  selber  für 
zuständig erklären müssen. Er  verkenne dabei,  dass das BFM gar  kein 
Asylverfahren habe durchführen können, da er  in der Schweiz nicht um 
Schutz vor Verfolgung ersucht habe.

3.4. Mit  Replik  vom  22.  August  2011  entgegnet  der  Beschwerdeführer 
betreffend den Vorhalt der Vorinstanz, er habe  in der Schweiz nicht um 
Schutz vor Verfolgung ersucht, es sei zu prüfen, ob er nicht sinngemäss 
zum Ausdruck gebracht habe, in der Schweiz um Schutz nachzusuchen. 
Er habe auf dem Luftweg von Athen über Zürich nach Barcelona  reisen 
wollen.  In Griechenland  habe  er  vor  über  einem  Jahr  um Asyl  ersucht, 
jedoch nur ein Papier und die Anordnung zu warten erhalten. Nachdem er 
ein  Jahr  gewartet  habe,  ohne  dass  etwas  geschehen  sei,  und  seine 
Situation  in Griechenland sehr schwierig gewesen sei, habe er  in einem 
anderen  europäischen  Land  um  Schutz  ersuchen  wollen.  Während 
seines Aufenthaltes im Flughafen Zürich sei er von der Polizei kontrolliert 
und am Weiterflug nach Barcelona gehindert worden. Er habe versucht – 
er spreche nur sehr schlecht Englisch – der Polizei zu erklären, dass er 
auf keinen Fall nach Griechenland oder Pakistan zurückgeschickt werden 
wolle, sei  jedoch angeblich nicht verstanden und ins Flughafengefängnis 
überführt worden. Gegenüber der Rechtsberatung im Flughafengefängnis 
habe  er  erstmals  äussern  können,  dass  er  grosse  Angst  habe,  wieder 
nach Pakistan oder Griechenland zurückgeschickt zu werden. Er komme 
aus  dem  Punjab  und  habe  dort  politische  Probleme.  Im 
Flughafengefängnis  sei  ihm  nur  der  Entscheid  der  Vorinstanz  eröffnet 
worden  und  er  habe  die  Akten  nicht  erhalten,  weshalb  der 
Rechtsvertretung  die Notizen  zum  rechtlichen Gehör  vom  7.  April  2011 
nicht bekannt seien. Die Vorinstanz und die Flughafenpolizei hätten aber 
aufgrund seiner Weigerung, zurück nach Griechenland oder Pakistan zu 
gehen, schliessen müssen, dass er ein Asylgesuch in der Schweiz habe 
stellen wollen.

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4. 
Hinsichtlich  des Antrags,  es  sei  ein Asylgesuch des Beschwerdeführers 
entgegenzunehmen,  ist vorab Folgendes festzuhalten: Die angefochtene 
Verfügung,  mit  welcher  das  BFM  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers und den Vollzug anordnet, stützt sich aufgrund seiner 
Ausführungen  im  Rahmen  der  Einvernahme  /  des  rechtlichen  Gehörs 
vom  7.  April  2011  zutreffend  ausschliesslich  auf  Art.  64a  AuG 
(Wegweisung  aufgrund  der  Dublin­Assoziierungsabkommen).  Die  Frage 
der Asylgewährung durch die schweizerischen Behörden ist folglich nicht 
Gegenstand  der  angefochtenen  Verfügung.  Auf  den  Antrag  des 
Beschwerdeführers, es sei ein Asylgesuch entgegenzunehmen, ist daher 
nicht einzutreten, zumal das Bundesverwaltungsgericht ohnehin nicht für 
die Prüfung des Asylgesuchs als erste  Instanz zuständig  ist  (vgl. Art. 6a 
Abs.1 AsylG). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist demnach nur die 
Frage  zu  klären,  ob  die  Vorinstanz  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers  und  deren  Vollzug  zu  Recht  verfügte  oder  nicht. 
Gleichzeitig  ist  die  Vorinstanz  anzuweisen  zu  prüfen,  ob  seitens  des 
Beschwerdeführers  ein  Asylgesuch  vorliegt,  wobei  ihr  hierzu  die 
Beschwerdeakten zu überweisen sind.

5. 

5.1.  Im  Verwaltungsverfahren  gilt  der  Untersuchungsgrundsatz,  das 
heisst,  die  Behörde  hat  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  vor  ihrem 
Entscheid  von  Amtes  wegen  vollständig  und  richtig  abzuklären  (Art.  12 
VwVG).  Dabei  muss  sie  die  für  das  Verfahren  erforderlichen 
Sachverhaltsunterlagen  beschaffen,  die  relevanten  Umstände  abklären 
und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Demgegenüber haben die 
Parteien  aufgrund  ihrer  Mitwirkungspflicht  zur  Feststellung  des 
Sachverhalts  beizutragen  (Art.  13  Abs.  1  Bst.  c  VwVG  i.V.m.  Art.  90 
AuG).

5.2. Mit Urteil in der Sache M.S.S. gegen Belgien und Griechenland vom 
21.  Januar  2011  hat  sich  der  EGMR  in  grundsätzlicher  Weise  zu 
Überstellungen  von Asylsuchenden  nach Griechenland  im Rahmen  des 
Dublin­Verfahrens  geäussert.  In  seinem Urteil  gelangt  der  EGMR  unter 
anderem  zu  dem  Schluss,  Rückführungen  nach  Griechenland  stellten 
aufgrund  der  dortigen  Mängel  des  Asylverfahrens  eine  offensichtliche 
Verletzung der EMRK dar. Dem Urteil des Gerichts zufolge verstösst ein 
Mitgliedstaat  gegen  die  EMRK  −  unter  anderem  gegen  deren  Artikel  3 
(Verbot der Folter) und 13 (Recht auf wirksame Beschwerde) − wenn er 

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Asylbewerber einem Asylverfahren in Griechenland aussetzt. In der Folge 
hat  das  BFM  in  einer  Medienmitteilung  vom  26. Januar  2011 
bekanntgegeben,  die  aktuelle,  anhaltend  unbefriedigende  Situation  im 
Asylbereich in Griechenland führe zu einer Anpassung der Durchführung 
des Dublin­Verfahrens, und es verzichte bis auf Weiteres mehrheitlich auf 
Dublin­Verfahren  mit  Griechenland  und  prüfe  entsprechende 
Asylgesuche  selber.  Hingegen werde  bei  Personen,  denen  der  Zugang 
zum  Asylverfahren  in  Griechenland  möglich  war  und  die  über  eine 
Unterkunft  verfügten,  das  Dublin­Verfahren  weiterhin  durchgeführt  (vgl. 
Medienmitteilungen,  BFM,  26.01.2011:  Praxisanpassungen  im 
Asylverfahren;  abrufbar  unter 
http://www.bfm.admin.ch/content/bfm/de/home/dokumentation/medienmit 
teilungen/2011/2011­01­26.html). 

Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  mit  Urteil  vom  16.  August  2011  die 
Frage der Zulässigkeit von Rücküberstellungen nach Griechenland einer 
eingehenden  Prüfung  unterzogen,  wobei  es  ebenfalls  festgehalten  hat, 
dass Griechenland mit der Betreuung und Behandlung der grossen Zahl 
von  Asylsuchenden  im  Land  weitgehend  überfordert  ist  und  das 
griechische  Asylsystem  erhebliche  Mängel  aufweist  (vgl.  dazu  das  zur 
Publikation  vorgesehene  Urteil  D­2076/2010  vom  16.  August  2011). 
Namentlich hat das Gericht erkannt, dass  für Personen, welche gemäss 
den  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren  nach  Griechenland 
rücküberstellt werden, vorab das Risiko besteht, direkt nach ihrer Ankunft 
für  längere  Zeit  und  unter  teils  nicht  tragbaren  Bedingungen  in 
Administrativhaft  genommen  zu  werden,  was  sich  aufgrund  der 
unbestimmten  Haftdauer  und  der  Unterbringungsverhältnisse  häufig  als 
mit  Art. 3  EMRK  unvereinbar  erweisen  dürfte  (vgl.  a.a.O.  E. 4.1  und  E. 
4.8).  Wird  anderseits  rücküberstellten  Personen  die  Einreise  nach 
Griechenland bewilligt, so sind sie – wie praktisch alle Asylsuchenden in 
Griechenland  –  in  der  Regel  auf  sich  allein  gestellt,  da  die  von  den 
griechischen  Behörden  zur  Verfügung  gestellte  Infrastruktur  in  keinem 
Verhältnis zur Anzahl der Asylsuchenden steht. Griechenland ist damit im 
Regelfall  nicht  in  der  Lage,  hinreichende  Aufnahmebedingungen  zu 
schaffen.  Vielmehr  besteht  das  Risiko,  dass  grundlegende  Ansprüche 
von  Asylsuchenden  verletzt  werden  (vgl.  a.a.O.  E. 4.3,  E.  4.9  und  E. 
4.10). Weiter  weist  das  Asylverfahren  selbst  erhebliche Mängel  auf,  so 
dass  die  Rechtsweggarantien  nach  Art. 13  EMRK  sehr  oft  nicht  erfüllt 
werden  (vgl.  a.a.O.  E. 4.4  und  E.  4.7).  Schliesslich  droht  nicht 
registrierten  Asylsuchenden  –  unter  Umständen  aber  auch  bei  noch 
laufenden Asylverfahren – eine Abschiebung, namentlich in Richtung der 

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Türkei, gegebenenfalls aber auch direkt in den Heimatstaat (vgl. a.a.O. E. 
4.5).  Das  Gericht  ist  aufgrund  dieser  Umstände,  namentlich  der 
nachweislichen  Verletzung  internationaler  Verpflichtungen  durch  die 
griechischen  Behörden,  insbesondere  nach  Art. 3  und  13  EMRK  aber 
auch  nach  Art. 33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, SR  0.142.30)  zum Schluss  gelangt, 
dass  im  Falle  von  Griechenland  die  Vermutung  eines 
konventionsgemässen  Verhaltens  des  Dublin­Vertragsstaates,  welches 
im  Falle  von  Verfahren  nach  den  Bestimmungen  zur  Dublin­II­VO 
vorausgesetzt  wird,  nicht  mehr  aufrechterhalten  werden  kann. 
Gleichzeitig  wurde  festgestellt,  dass  aber  selbst  unter  Berücksichtigung 
der festgestellten Unzulänglichkeiten des griechischen Asylsystems nicht 
von  einer  generellen  Unzulässigkeit  von  Rückführungen  nach 
Griechenland  auszugehen  und  den  besonderen  Umständen  des 
Einzelfalles weiterhin Rechnung zu tragen ist, womit im Einzelfall – wenn 
günstige  Voraussetzungen  vorliegen  –  an  einer  Rückführung  nach 
Griechenland  festgehalten  werden  kann.  So  ist  ausnahmsweise  eine 
Rückführung  nach  Griechenland  möglich,  wenn  davon  ausgegangen 
werden  kann,  der  Asylsuchende  entgehe  den  unmenschlichen 
Bedingungen  einer  Haft  am  Flughafen  sowie  dem  Risiko  des  direkten 
oder  indirekten  Refoulements  und  einer  Verletzung  von  Art. 13  EMRK. 
Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person über ein 
dauerndes Aufenthaltsrecht verfügt  (vgl. a.a.O. E. 4.13).  Im Einklang mit 
dem  dargelegten Urteil  D­2076/2010  hat  das  Bundesverwaltungsgericht 
mit  Urteil  vom  17.  Oktober  2011  die  Rücküberstellung  eines 
Gesuchstellers  afghanischer  Staatsangehörigkeit  nach  Griechenland 
aufgrund  der  günstigen  Voraussetzungen  als  zulässig  erachtet  (vgl. 
Urteil E­5604/2011 vom 17. Oktober 2011 E.6.4. ff.).

5.3. Die  Vorinstanz  ist  unter  Berücksichtigung  obiger  Erwägungen  ihrer 
Untersuchungspflicht  gemäss  Art.  12  VwVG  im  vorliegenden  Fall 
ungenügend  nachgekommen.  Sie  hat  sich  im  angefochtenen  Entscheid 
im  Wesentlichen  auf  die  Argumentation  beschränkt,  der 
Beschwerdeführer  habe  keine Einwände  gegen  eine Wegweisung  nach 
Griechenland vorgebracht, weshalb sich keine Hinweise ergeben würden, 
wonach  die  Überstellung  unzulässig,  unzumutbar  oder  nicht  möglich 
wäre. Vor dem Hintergrund der − spätestens seit oben erwähntem Urteil 
des  EGMR  in  der  Sache  M.S.S.  offensichtlichen  −  Probleme  der 
griechischen Behörden bei der Behandlung von Asylgesuchen und seiner 
eigenen  Praxisanpassung  hinsichtlich  Durchführung  von  Dublin­
Verfahren mit Griechenland wäre  das  BFM  gehalten  gewesen,  sich mit 

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allfälligen  Vollzugshindernissen  eingehender  auseinanderzusetzen. 
Insbesondere  hätte  sich  vorliegend  aufgedrängt,  vor  Erlass  der 
Verfügung  ergänzende,  der  Sachverhaltsfeststellung  dienende 
Untersuchungshandlungen  hinsichtlich  Stand  des  Asylverfahrens  des 
Beschwerdeführers in Griechenland und dessen dortige Unterkunfts­ und 
Einkommenssituation  vorzunehmen.  Die  Vorinstanz  hat  somit  den 
entscheidwesentlichen Sachverhalt unvollständig festgestellt, und es fehlt 
der  angefochtenen Verfügung  an  der  erforderlichen Entscheidungsreife. 
Eine Heilung dieses verfahrensrechtlichen Mangels fällt ausser Betracht, 
da  es  nicht  Sinn  und  Zweck  des  Beschwerdeverfahrens  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  ist,  den  Sachverhalt  rechtsgenüglich 
festzustellen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 7). Ergänzend  ist darauf 
hinzuweisen,  dass  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  auch  den 
Anforderungen an die Begründungspflicht gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG 
nicht genügen (vgl. a.a.O. E. 6.3). 

6. 
Die  Beschwerde  ist  daher  im  Sinne  der  Erwägungen  gutzuheissen,  die 
angefochtene  Verfügung  ist  aufzuheben  und  die  Sache  zur 
Neubeurteilung  unter  Berücksichtigung  der  dargelegten  aktuellen 
Rechtsprechung an das BFM zurückzuweisen (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG).

7. 

7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

7.2. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden 
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr 
erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten 
zusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  7  Abs.  1  und  2  des 
Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung  liegt  keine Kostennote  vor, 
weshalb  die  Entschädi­gung  für  das  Beschwerdeverfahren  aufgrund 
der  Akten  zu  schätzen  ist  (Art.  14  Abs.  2  in  fine  VGKE).  Unter 
Berücksichtigung der massgeben­den Bemessungsfaktoren (Art. 9 ­ 13 
VGKE) und der Entschädigungs­praxis  ist das BFM anzuweisen, dem 
Beschwerdeführer  für  das  Rechtsmittelverfahren  eine 

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Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 800.−  (inkl. Auslagen) 
auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerdeakten  (…)  werden  dem  BFM  zur  Prüfung  allfälligen 
Vorliegens eines Asylgesuchs überwiesen.

2. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

3. 
Die Verfügung des BFM vom 6. Mai 2011 wird aufgehoben und die Akten 
werden  der  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen 
überwiesen.

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 800.– auszurichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Anna Poschung

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