# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abf78db0-5711-506f-981f-4902326bbe94
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 21.08.2025 SR1 2021 94
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SR1-2021-94_2025-08-21.pdf

## Full Text

«I_NAM»
«I_ALI»
«I_BEM»

Urteil vom 21. August 2025
mitgeteilt am 27. August 2025

Referenz SR1 21 94

Instanz Erste strafrechtliche Kammer

Besetzung Richter-Baldassarre, Vorsitz
Michael Dürst und Nydegger
Casutt, Aktuarin

Parteien A._____
Beschuldigte
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. HSG Andrea Cantieni
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

Gegenstand versuchter Betrug (Einsprache Strafbefehl)

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 18. November 2021, mitgeteilt 
am 6. Dezember 2021 (Proz. Nr. 515-2021-21)

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Sachverhalt

A. Das Regionalgericht Plessur sprach A._____ (im Folgenden: die 
Beschuldigte) am 18. November 2021 des versuchten Betrugs (Art. 146 Abs. 1 
StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig. Es bestrafte sie mit einer Geldstrafe von 
180 Tagessätzen zu je CHF 80.00 und einer Busse von CHF 2'800.00. Der Vollzug 
der Geldstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren 
aufgeschoben. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die schuldhafte Nichtbezahlung der 
Busse wurde auf 35 Tage festgesetzt. Die Verfahrenskosten wurden der 
Beschuldigten auferlegt.

B. Gegen das Urteil meldete die Beschuldigte am 17. November 2021 Berufung 
an. Die Berufungserklärung erfolgte am 16. Dezember 2021. Die Beschuldigte 
beantragte einen Freispruch. Damit einhergehend seien die Kosten auf die 
Staatskasse zu nehmen und die Verteidigung sei zu entschädigen. Zusätzlich 
beantragte die Beschuldigte die Erstellung eines unabhängigen gerichtlichen 
psychiatrischen Gutachtens. Die Staatsanwaltschaft verzichtete am 22. Dezember 
2021 auf eine Stellungnahme, beantragte indes, den Beweisantrag auf Erstellung 
eines psychiatrischen Gutachtens abzuweisen.

C. Die Berufungsverhandlung fand am 11. Juli 2023 statt. Es erschienen die 
Beschuldigte und ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Andrea Cantieni.

D. Nach durchgeführter Verhandlung beschloss das Kantonsgericht, das 
Beweisverfahren wiederzueröffnen. Der Beweisantrag der Beschuldigten auf 
Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens wurde gutgeheissen (Beschluss vom 
17. Juli 2023). Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs wurde der Auftrag an 
Dr. med. B._____ vergeben.

E. Am 3. Februar 2025 wurde der Hausarzt der Beschuldigten auf Antrag des 
Gutachters sowie nach Gewährung des rechtlichen Gehörs aufgefordert, dem 
Obergericht (vormals Kantonsgericht) die vollständige Krankengeschichte 
betreffend die Beschuldigte zukommen zu lassen. Diese wurde dem Gutachter 
zugestellt.

F. Das psychiatrische Gutachten vom 10. März 2025 ging am 11. März 2025 
beim Obergericht ein und wurde den Parteien, samt der zusätzlich edierten 
Krankengeschichte, zugestellt.

G. Die Stellungnahme der Beschuldigten erfolgte am 2. April 2025. Die 
Beschuldigte wiederholt darin ihre mit Berufungserklärung gestellten Anträge. 

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Zusätzlich beantragt sie eine mündliche Verhandlung, sollte kein Freispruch 
erfolgen. Die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft vom 9. Mai 2025 wird der 
Beschuldigten mit dem Endentscheid zugestellt.

Erwägungen

1. Prozessuales

Die Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Das 
erstinstanzliche Urteil steht als Ganzes zur Disposition. Angesichts des vorliegend 
erfolgenden Freispruchs sowie des Umstandes, dass keine weiteren Beweise 
abzunehmen sind, kann auf eine weitere Verhandlung verzichtet werden.

2. Sachverhalt

2.1. Anklage

Folgender Sachverhalt gemäss Strafbefehl vom 13. Juli 2020 (welcher als 
Anklageschrift gilt [Art. 356 Abs. 1 StPO]) ist erstellt:

Die Beschuldigte meldete sich im Juni 2015 bei der IV-Stelle des Kantons 
Graubünden (Sozialversicherungsanstalt; SVA) an. Die SVA führte zur 
Sachverhaltsabklärung Gespräche mit der Beschuldigten, hat eine Evaluation der 
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt, ein Gutachten des Regionalen 
Ärztlichen Dienstes (F._____) erstellt und liess die Beschuldigte mehrmals 
observieren (Videoaufnahmen und Fotodokumentationen). Die SVA lehnte das 
Leistungsbegehren der Beschuldigten ab mit der Begründung, eine gesundheitliche 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht auszumachen. Es liege eine klare 
Aggravation oder Simulation vor. Der ablehnende Rentenentscheid wurde 
letztinstanzlich vom Bundesgericht bestätigt (Urteil des Bundesgerichts 
8C_54/2020 vom 26. Mai 2020). Die SVA reichte am 30. April 2018 Strafanzeige 
gegen die Beschuldigte ein.

Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sie habe nicht oder nicht im vorgetragenen 
Ausmass an Schmerzen und körperlichen Beeinträchtigungen gelitten. Sie habe die 
Mitarbeitenden der SVA und die Ärztinnen und Ärzte mit unwahren bzw. 
übertriebenen Angaben über ihren Gesundheitszustand getäuscht. Sie habe 
dadurch erwirken wollen, dass die SVA ihr Leistungen (IV-Rente) erbringt.

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2.2. Beweismittel und Verwertbarkeit

Nicht gefolgt werden kann der Staatsanwaltschaft, soweit diese geltend macht, dass 
sämtliche Akten der IV-Stelle auch im Strafverfahren berücksichtigt werden dürfen. 

Das Regionalgericht stellte in Nachachtung der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung und Literatur zutreffend fest, dass die Aussagen, die die 
Beschuldigte gegenüber der SVA machte, mangels Anwendung der 
strafprozessualen Standards resp. mangels gehöriger Rechtsbelehrung 
(mangelnder Hinweis auf ihr Mitwirkungs-/Aussageverweigerungsrecht) im 
Strafverfahren nicht verwertbar sind (act. E.1 E. 3.1 f. m.H.; StA-act. 3.2/06 
Evaluationsgespräch vom 13. Juli 2015 und damit Absatz 2 des Strafbefehls; 3.2/07 
Abklärungen vom 24. März 2017 und damit Absatz 8 [entgegen Vorinstanz nicht 
Absatz 6] des Strafbefehls; 3.2/08 rechtliches Gehör vom 28. September 2017 und 
damit Absatz 10 des Strafbefehls). Ebenso wenig darf das bidisziplinäre F._____-
Gutachten verwertet werden (act. E.1 E. 3.2; StA-act. 3.2/22 und damit Absatz 11 
des Strafbefehls). Entgegen der Ansicht des Regionalgerichts ist darüber hinaus 
auch die F._____-Stellungnahme vom 22. Januar 2018 unverwertbar, weil sich 
diese ebenfalls auf unverwertbare Aussagen/Abklärungen der Beschuldigten stützt 
(so zutreffend die Verteidigung, act. H.1 S. 2; StA-act. 3.2/26 und damit Absatz 9 
des Strafbefehls). Die Verweise der Staatsanwaltschaft auf den Beschluss des 
Bundesgerichts vom 7. April 2020 im Verfahren 1B_365/2019 sowie auf das Urteil 
vom 26. Mai 2020, 8C_54/2020 sind unbehelflich (vgl. act. A.8). Im ersten 
Erkenntnis 1B_365/2019, welches im Rahmen der strittigen Sistierung des 
vorliegenden Strafverfahrens erging, hielt das Bundesgericht einzig in theoretischer 
Hinsicht fest, dass die Beschuldigte nichts zu befürchten habe, da der nemo tenetur-
Grundsatz im Strafverfahren nicht durch ihre Mitwirkungspflicht im 
Verwaltungsverfahren ausgehebelt werden dürfe (ibid., E. 4.2). Was das Urteil 
8C_54/2020 (Ablehnung Rentenanspruch der Beschuldigten) anbelangt, so erklärte 
das Bundesgericht darin die Verwertung der IV-Akten im IV-Verfahren der 
Beschuldigten als verwertbar (ibid., E. 6.2). Zur Einhaltung der strafprozessualen 
Standards, namentlich dem Hinweis auf das Recht der Beschuldigten, jede 
Mitwirkung, insbesondere die Aussage zu verweigern, lässt sich aus dem 
sozialversicherungsrechtlichen Urteil nichts ableiten.

Zur Erstellung des Sachverhalts verbleiben als Beweismittel insbesondere die IV-
Anmeldungen der Beschuldigten (StA-act. 3.2/01 und 3.2/02), die Berichte der 
G._____ (StA-act. 1.49, 1.55 und 3.2/21), die Videoaufnahmen von den 
Observationen und die entsprechenden Fotodokumentationen samt Beschriebe 
(StA-act. 3.2/10, 3.2/11, 3.2/12), die EFL (StA-act. 3.2/21), diverse Arztberichte 

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(u.a. act. B.2-B.31) sowie die Aussagen der Beschuldigten vor Gericht (act. H.5). 
Alsdann liegt, wie eingangs erwähnt, das forensisch-psychiatrische Gutachten von 
Dr. B._____ über die Beschuldigte im Recht (act. J.1).

2.3. Grundsätze der Beweiswürdigung

Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach 
seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten geschöpften 
Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Gutachten unterliegen 
der freien richterlichen Beweiswürdigung. In Fachfragen darf das Gericht jedoch nur 
aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise abweichen (BGE 150 IV 1 
E. 2.3.3 m.w.H.). Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der 
tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der 
für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).

2.4. Wiedergabe der Beweismittel

2.4.1. IV-Anmeldungen

Die Beschuldigte arbeitete bei verschiedenen Arbeitgebern als Raumpflegerin. Sie 
wurde ab dem 18. Februar 2015 zu 50 % und ab dem 27. Februar 2015 zu 100 % 
arbeitsunfähig geschrieben und bezog Krankentaggelder (H._____ und I._____). 
Die erste IV-Anmeldung erfolgte am 24. Juni 2015 wegen Schmerzen am ganzen 
Körper bei entzündlicher Spondylarthropathie. Das Anmeldeformular ist von der 
Beschuldigten unterzeichnet und wurde in einem Kuvert der H._____ eingesandt 
(StA-act. 3.2/01). Eine zweite Anmeldung erfolgte am 2. Oktober 2015 wegen 
"Hüftgelenk sehr Schmerzen, ganzer Körper Schmerzen, kann kaum schlafen in der 
Nacht. Schmerzen sind unerträglich", unterzeichnet von der Beschuldigten, 
eingereicht in einem Kuvert der I._____ Versicherungen AG (StA-act. 3.2/02).

2.4.2. Austrittsbericht G._____ vom 11. Oktober 2016

Vom 8. August 2016 bis am 3. September 2016 hielt sich die Beschuldigte stationär 
in der G._____ (Klinik für Rheumatologie und internistische Rehabilitation) auf. Im 
Austrittsbericht wurden einleitend die (körperlichen) Diagnosen seronegative 
Spondylarthritis mit peripherem und axialem Befall sowie eine latente Tuberkulose 
beschrieben. Die Ärzte hielten fest, dass sich der Aufenthalt schwierig gestaltet 
habe und dass die Patientin schwer zu motivieren respektive zu aktivieren gewesen 
sei. Es liessen sich keine Hinweise auf eine derart einschränkende Aktivität der 
diagnostizierten seronegativen Spondylarthritis finden, die die Problematik hätten 
erklären können (StA-act. 1.55). Im separaten Austrittsbericht Psychosomatik 

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wurden als zusätzliche Austrittsdiagnosen eine schwere depressive Episode mit 
somatischem Syndrom (ICD-10 F32.2) ohne psychotische Symptome, eine 
somatoforme Schmerzstörung (Ganzkörperschmerz; ICD-10 F54.40) und eine 
Verbitterungsstörung (Anpassungsstörung; ICD-10 F43.8) erwähnt. Die Patientin 
zeige sich "sprachlich sehr eingeschränkt in ihrer Ausdrucksfähigkeit, was vielleicht 
auch die Verlagerung der Kommunikation auf die Körpersprache" erklären möge 
(StA-act. 1.49 S. 2). Weiter heisst es, "dass die organischen Befunde das Ausmass 
des beklagten Schmerzleidens nicht begründen und die Präsentation überwiegend 
psychisch ist" (StA-act. 1.49 S. 4).

2.4.3. EFL

Am 22. Juni 2017 wurde im Auftrag der IV in der G._____ eine EFL durchgeführt 
(StA-act. 3.2/21). Die Schlussfolgerung lautete, dass die Beschuldigte ein 
ausgeprägtes invalidisierendes Verhalten zeige mit ständigem Stöhnen und 
abnormen Bewegungsmustern bei den Tests. Die demonstrierten Einschränkungen 
seien mit den medizinischen Befunden nicht erklärbar. Die Verhaltensbeobachtung 
habe ergeben, dass von einer erheblichen Symptomausweitung ausgegangen 
werde. In vergleichbaren Fällen sei die Belastbarkeit für eine mindestens sitzende 
oder sehr leichte Tätigkeit erreicht worden. Weiter solle aufgrund der ausgeprägten 
Symptomausweitung die Arbeitsfähigkeit abschliessend medizinisch-theoretisch 
beurteilt werden (StA-act. 3.2/21 S. 2).

2.4.4. Videoaufnahmen und Fotodokumentationen

Die Beschuldigte wurde mehrmals observiert und es wurden Videoaufnahmen 
erstellt, so am 13., 14. Februar und 24. März, am 22. und 23. Mai 2017 und am 2., 
15., 21. und 22. Juni 2017. Zusammengefasst lässt sich diesen Aufnahmen 
entnehmen, dass sich die Beschuldigte zu Hause im Garten ohne erkennbare 
körperliche Einschränkungen frei bewegte, u.a. mit ihren Enkelkindern spielte, sich 
mit einem Kind auf das Trampolin begab, ein Kind auf den Arm nahm und es trug, 
in die Knie ging, sich bückte, Treppen stieg und einen Teppich ausschüttelte. Auf 
der anderen Seite bewegte sie sich auf dem Weg zum Spital und zur SVA sehr 
vorsichtig, sie hängt sich bei ihrem Mann ein und stützt sich auf ihn ab (StA-
act. 3.2/10, 3.2/11 und 3.2/12).

2.4.5. F._____ Beurteilung der Sachverhaltsabklärungen (Videos)

J._____ vom F._____ kommt in seinem Bericht vom 12. September 2017 zum 
Schluss, dass das Bewegungsverhalten der observierten Person an Tagen ohne 
offizielle Termine anders als an Tagen mit offiziellen Terminen gewesen sei. Für 

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den F._____ spreche dieses Verhalten eher für ein zielgerichtetes Verhalten zur 
Leidenspräsentation, um etwaige Beobachter in die Irre zu führen (StA-act. 3.2/19).

2.4.6. Weitere Arztberichte

In den Akten befinden sich diverse weitere Berichte von behandelnden Ärztinnen 
und Ärzten. Grob zusammengefasst lässt sich festhalten, dass der Beschuldigten 
sowohl körperliche (insb. die zuvor genannte Spondylarthropathie) als auch 
psychische Leiden (Depression und/oder Schmerzsyndrom), die auch nach 
abgelehnter IV-Rente andauerten, attestiert wurden. Am 16. Mai 2022 wurde die 
Beschuldigte im Kantonsspital Graubünden am Rücken operiert (TLIF 
Spondylodese LWK4-SWK1 links; act. B.7).

2.4.7. Aussagen Beschuldigte

Wie zuvor erwähnt, sind die Aussagen der Beschuldigten gegenüber der SVA im 
vorliegenden Verfahren nicht verwertbar. Anlässlich der polizeilichen und 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen und der Hauptverhandlung vor dem 
Regionalgericht Plessur machte die Beschuldigte keine Aussagen (StA-act. 4.5 und 
4.6; RG-act. 15). Dem Kantonsgericht gegenüber äusserte sie bei der 
Berufungsverhandlung, dass sie nicht versucht habe, die Ärzte zu täuschen. Sie sei 
wirklich krank gewesen. Niemand habe sie ernst genommen und niemand habe ihr 
geglaubt (act. H.5 F/A V.1). Es gehe ihr jetzt psychisch ein wenig besser, 
insbesondere nach der Operation am Rücken (act. H.5 F/A V.2). Vor der Operation 
habe sie an schlechten Tagen nicht laufen können und sei nur im Bett gewesen. An 
besseren Tagen habe sie normal laufen können, als wäre nichts gewesen. Dann 
habe sie nach drei bis vier Tagen wieder Schmerzen gehabt. Jetzt nach der 
Operation habe sie immer noch Schmerzen. Es gehe ihr jedoch immer gleich. Es 
sei ganz anders als vorher (act. H.5 F/A V.8). Auf die Frage, wie es zu den IV-
Anmeldungen gekommen sei, antwortete die Beschuldigte, die 
Krankentaggeldversicherungen hätten ihr gesagt, man müsse sie dort anmelden. 
Sie habe nicht IV-Rentnerin werden wollen (act. H.5 F/A V.11). Nachdem man ihr 
die Videoaufnahmen gezeigt habe, sei es ihr sehr schlecht gegangen und sie sei 
zwei Mal in der Psychiatrie gewesen, weil sie sich beobachtet gefühlt habe (act. H.5 
F/A V.20). Mit der Zeit habe sie gemerkt, dass sie wirklich ein psychisches Problem 
habe (act. H.5 F/A V.21). Die observierenden Personen hätten sie nur an guten 
Tagen gefilmt (act. H.5 F/A V.22). Sie sei alsdann nie allein für die Betreuung der 
Enkelin verantwortlich gewesen (act. H.5 F/A 23).

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2.4.6. Gutachten

Auf das forensisch-psychiatrische Gutachten ist gesondert einzugehen (E. 3.3). 
Bereits an dieser Stelle sei indes vermerkt, dass das Gutachten der Beschuldigten 
– auch im Zeitpunkt der Observationen – zum einen eine somatische 
Belastungsstörung mit überwiegendem Schmerz, andauernd und von mittlerem 
Schweregrad (DSM-5), und zum anderen eine mittelschwere depressive Episode 
gemäss ICD-10 F32.1 attestiert (act. J.1).

2.5. Sachverhalt

Anhand der vorhandenen, verwertbaren Beweismittel lässt sich erstellen, dass die 
Beschuldigte seit Februar 2015 wegen Schmerzen nicht mehr ihrer Arbeitstätigkeit 
als Raumpflegerin nachging. Die Krankentaggeldversicherungen erbrachten ihre 
Leistungen und unterstützten die Beschuldigte bei der IV-Anmeldung. Die SVA kam 
aufgrund ihrer Abklärungen zum Schluss, dass sich die geltend gemachte 
Arbeitsunfähigkeit anhand der bestehenden Diagnosen nicht nachweisen liesse, 
sondern diese auf eine übertriebene Darstellung der Beschuldigten zurückzuführen 
sei. Die in den Videoaufnahmen beobachtbare Diskrepanz zwischen den 
Bewegungsmustern zu Hause und denjenigen anlässlich von bzw. auf dem Weg zu 
Terminen und Abklärungen ist frappant. Dass die Mitarbeitenden der SVA daraus 
auf betrügerische Absichten der Beschuldigten schlossen, ist nachvollziehbar. 
Aufgrund der diversen Arztberichte (vor und nach dem IV-Verfahren) steht indes 
fest, dass die Beschuldigte an einer körperlichen Gesundheitsschädigung litt. So 
wurde sie am 16. Mai 2022 am Rücken operiert. Die Beschuldigte berichtete, seither 
gehe es ihr besser. Angesichts des Gutachtens (dazu E. 3.3) ist erstellt, dass die 
Beschuldigte auch im Zeitpunkt der Observationen unter somatischen und 
psychischen Beschwerden litt.

3. Rechtliches

3.1. Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB)

Des Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer in der Absicht, 
sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch 
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in 
einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, 
wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.

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Fest steht, dass die SVA der Beschuldigten keine Leistungen ausbezahlt hat, der 
objektive Tatbestand somit nicht erfüllt ist. Zu prüfen ist, ob sich die Beschuldigte 
des versuchten Betrugs schuldig gemacht hat (so auch die Anklage).

3.2. Versuch (Art. 22 StGB)

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt ein Versuch vor, wenn der 
Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt und seine 
Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven 
Tatbestandsmerkmale verwirklicht wären. Zum Versuch gehört folglich der 
Entschluss des Täters, eine Straftat zu begehen, und die Umsetzung dieses 
Tatentschlusses in eine Handlung. Das Vorliegen eines Versuchs ist danach zwar 
nach objektivem Massstab, aber auf subjektiver Beurteilungsgrundlage 
festzustellen (BGE 140 IV 150 E. 3.4 m.w.H.).

Mit anderen Worten ist der Beschuldigten nachzuweisen, dass sie ihre 
Beschwerden und Einschränkungen gegenüber den Mitarbeitenden der SVA und 
den untersuchenden Fachpersonen bewusst vorgespielt hat, um sich einen 
finanziellen Vorteil zu verschaffen, auf den sie keinen Anspruch hatte. Dabei ist zu 
beachten, dass von vornherein nicht von einer Simulation (Vortäuschen von 
Symptomen, die gar nicht vorhanden sind; act. B.5) auszugehen ist, da eine 
körperliche Gesundheitsschädigung aktenkundig ist. Klarzustellen ist an dieser 
Stelle, dass die IV die Leistungen nicht abgelehnt hat, weil gar keine körperliche 
Beeinträchtigung vorlag, sondern weil nicht eruiert werden konnte (und auch nicht 
musste; dazu nachstehend E. 3.3.2), inwiefern diese anspruchsbegründend war.

3.3. Gutachten

Um zu klären, ob der Beschuldigten eine bewusste Täuschung nachgewiesen 
werden kann, oder ob die verdeutlichte Darstellung der Schmerzen und 
Einschränkungen in der Persönlichkeit der Beschuldigten oder krankheitsimmanent 
waren, wurde das forensisch-psychiatrische Gutachten in Auftrag gegeben.

3.3.1. Dem Gutachter wurden die verwertbaren Strafakten zugestellt. Zusätzlich 
verfügte er über sämtliche Akten der behandelnden Ärzte (auch die, die nach dem 
Zeitpunkt der IV-Anmeldung erstellt wurden). Die Akten gibt der Gutachter eingangs 
zusammenfassend wieder. Es folgt die Wiedergabe der Anamnese. Im dritten Teil 
ist der psychopathologische Befund enthalten und im vierten Teil erläutert Dr. 
B._____ seine Beurteilung (act. J.1).

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3.3.2. Die Staatsanwaltschaft bringt vor, der Gutachter setze sich nicht mit den 
Feststellungen im IV-Verfahren und mit den Beurteilungen des F._____ 
auseinander. Das Ergebnis, wonach es sich bei der Verdeutlichung der 
Beschwerden um einen unbewussten psychodynamischen Prozess gehandelt 
habe, sei nicht nachvollziehbar (act. A.8 S. 2 Mitte). 

Dem kann nicht gefolgt werden. Zunächst ist zu berücksichtigen, dass insbesondere 
das bidisziplinäre F._____-Gutachten der Ärzte Dr. C._____ und Dr. D._____ vom 
20. Februar 2018, inkl. ergänzender Stellungnahme(n), auf welche im IV-Verfahren 
massgeblich abgestellt wurde, im Strafverfahren nicht verwertbar ist und deshalb 
dem Gutachter nicht zur Verfügung gestellt wurden, weshalb er sich damit inhaltlich 
gar nicht auseinandersetzen konnte. Dem Gutachter lagen u.a. das F._____ 
Leistungsprofil, die EFL, die F._____ Beurteilung der Sachverhaltsabklärungen und 
die Observationsergebnisse selbst vor. Der F._____ hatte festgestellt, dass das 
Bewegungsverhalten der Beschuldigten an Tagen mit offiziellen Terminen anders 
sei als an Tagen ohne solche Termine. Dies bestätigt auch der Gutachter. Anders 
als der Arzt des F._____ sieht letzterer darin aber keine bewusste Aggravation, 
sondern erklärt dies damit, dass das Schmerzerleben und der Umgang mit dem 
Schmerz stark kontextabhängig sei bzw. gewesen sei. Die Beschuldigte habe in 
Situationen, in denen sie ihren Fokus auf andere Themen als die Schmerzen gelegt 
habe, deutlich weniger Schmerzen und damit verbundene Einschränkungen 
verspürt, als in medizinischen Kontexten. Eine völlige Absenz von ihrer somatischen 
Belastungsstörung und der depressiven Episode lasse sich daraus aber nicht 
ableiten (act. J.1 S. 60, 65 oben). Davon gingen bereits die Ärzte des Medizinischen 
Zentrums E._____ aus, denen das Observationsmaterial vom damaligen 
Rechtsvertreter unterbreitet worden war (act. B.24). Darüber hinaus weist das 
Gutachten betreffend die Observationen zu Recht auch darauf hin, dass die 
Schwierigkeit bei Observationen diejenige sei, dass es sich, selbst wenn es mehrere 
Abschnitte gebe, schlussendlich immer um ein punktuelles Geschehen handle, 
sodass eventuell auch andere Erlebenszustände nicht wahrgenommen werden 
können, weil sich die Person zum Beispiel an Tagen, an denen das Schmerzerleben 
stärker gewesen sei, gar nicht in die Öffentlichkeit begebe. Aus gutachterlicher Sicht 
zeige sich an den Tagen, an denen die Explorandin Termine bei der SVA und den 
Ärzten gehabt habe, dass sie sich bereits beim Weggehen von zu Hause weniger 
flüssig bewegt habe, als das in anderen Situationen der Fall gewesen sei, und so 
auch bei der Ankunft beziehungsweise Wegfahrt von diesen Terminen. Die 
Beschuldigte sei offensichtlich nicht davon ausgegangen observiert zu werden, was 
auch ihre Reaktion bei Offenlegung des Materials verdeutliche. Wie bereits erwähnt, 
habe sie in Kontakten mit ihren Behandlern (hier auch Hausarzt, Psychiaterin, Ärzte 

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des Kantonsspitals Graubünden) ihre Symptome jeweils stark präsentiert, was mit 
ihrer somatischen Belastungsstörung und auch der zwischenzeitlichen 
Chronifizierung der Symptomatik erklärt werden könne, um das Hilfssystem zu 
aktivieren beziehungsweise ihre subjektive Not zu verdeutlichen (act. J.1, S. 61 f., 
66).

Der Schluss der Staatsanwaltschaft, wonach im IV-Verfahren festgestellt worden 
sei, dass die Beschuldigte ihr Leiden lediglich vorgetäuscht habe (vgl. act. A.8 mit 
Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_54/2020 vom 26. Mai 2020), stimmt 
so nicht bzw. greift zu kurz. Die F._____-Ärzte gelangten im IV-Verfahren zur 
Einsicht, dass aufgrund der ausgeprägten Selbstlimitierung die rheumatologische 
Beurteilung nur teilweise aussagekräftig sowie das psychiatrische Gutachten 
bezüglich Arbeitsfähigkeit gar nicht aussagekräftig sei. Aus dieser Aussage kann 
nicht ohne Weiteres auf eine bewusste Vortäuschung von Symptomen geschlossen 
werden. Die Frage nach dem bewussten/unbewussten Aggravieren von 
Symptomen ist im IV-Verfahren denn auch nicht im selben Umfang massgebend 
wie bei der Frage, ob der Beschuldigten im strafrechtlichen Verfahren ein 
vorsätzlicher Betrug nachgewiesen werden kann. Mit der Beschuldigten ist in dieser 
Hinsicht zudem das Folgende anzumerken (act. A.7; vgl. auch act. H.3): Das 
Bundesgericht befasste sich im Urteil 8C_54/2020 vom 26. Mai 2020 mit der 
Beschwerde der Beschuldigten im IV-Verfahren und gewährte ihr keine Rente. 
Indes ist zu berücksichtigen, dass das Bundesgericht eine beschränkte Kognition 
hat (Art. 97 BGG). Das Bundesgericht ist an den Sachverhalt der Vorinstanz 
gebunden. Da es im IV-Verfahren keine externe psychiatrische Begutachtung der 
Beschuldigten gab, wurden die komplexe Dynamik und die Auswirkungen der 
psychischen Beschwerden nicht erkannt (siehe dazu nachstehend E. 3.3.3 sowie 
das Gutachten act. J.1, S. 57, 63, 68) und das Verwaltungsgericht ging von 
Aggravation bzw. Simulation aus und verneinte deshalb gestützt auf die 
bundesgerichtliche Rechtsprechung jeden Anspruch. Denn gemäss letzterer liegt 
regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die 
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. 
Ob sich die Aggravation auf funktionelle oder auf psychische Einschränkungen 
bezieht, war im sozialversicherungsrechtlichen Bundesgerichtsverfahren somit 
unerheblich. Dies jedenfalls insoweit, als das aggravatorische Verhalten nicht auf 
eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre 
(vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_48/2024 vom 17. 
September 2024 E. 7.1; 8C 95/2019 vom 3. Juni 2019 E. 6.2 und E. 6.3.3; 
9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2.4). Diese Frage wurde im IV-Verfahren der 
Beschuldigten aber nicht untersucht. Der damalige Rechtsvertreter der 

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Beschuldigten fokussierte sich denn auch auf die Frage, ob die 
Observationsergebnisse trotz fehlender gesetzlicher Grundlage verwertet werden 
dürfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_54/2020 vom 26. Mai 2020 E. 3). Da das 
Bundesgericht die Verwendung bejahte, wurde der Anspruch der Beschuldigten 
aufgrund der gängigen Rechtsprechung abgewiesen.

Es kann festgehalten werden, dass das Gutachten von Dr. B._____ weder an 
Mängeln noch an Widersprüchen leidet. Es berücksichtigt die Akten und beruht auf 
einer eingehenden, eigenen Untersuchung der Beschuldigten. Der Gutachter erklärt 
seine Schlussfolgerungen nachvollziehbar und klar. Die ihm gestellten Fragen hat 
er umfassend beantwortet. Insgesamt erweist sich das Gutachten als schlüssig und 
es ist darauf abzustellen.

3.3.3. Dem Gutachten lässt sich zusammengefasst entnehmen, dass die 
Beschuldigte aufgrund ihres Selbstbildes eine psychische Erkrankung nicht habe 
annehmen können, weshalb sie die somatischen Beschwerden (Schmerzen) 
verdeutlicht dargestellt habe, damit man ihr glaube (act. J.1 S. 65; vgl. auch act. J.1 
S. 53 ff., 63 betreffend die Darbietung körperlicher Symptome als Ausdruck 
persönlichen Leidens, eingebunden im kulturellen und sozialen Kontext). Die 
Beschuldigte habe dementsprechend im Zeitraum der IV-Anmeldung und der 
Observationen unter einer somatischen Belastungsstörung, mit überwiegendem 
Schmerz, andauernd, von mittlerem Schweregrad (DSM-5 entsprechend ICD-10 
F45.1) und einer chronifizierten depressiven Störung von mittelgradigem Ausmass 
(ICD-10 F32.1) gelitten (act. J.1 S. 64).

Der gutachterliche Schluss, wonach von einem unbewussten psychodynamischen 
Prozess auszugehen ist, den die Beschuldigte dazu brachte, ihre körperlichen 
Symptome (Schmerzen und Bewegungseinschränkungen) verdeutlicht 
darzustellen, weil sie ihre Gegenüber davon überzeugen wollte, dass es ihr nicht 
gut gehe, widerspricht auch der übrigen Aktenlage nicht. Es gibt keine verwertbaren 
Beweise, die nahelegen, dass die Beschuldigte vorsätzlich die IV-Stelle und die 
untersuchenden Personen täuschen wollte. Daran ändern auch die 
Observationsergebnisse nichts. So lässt sich zwar anhand letzterer klarerweise ein 
unterschiedliches Bewegungsverhalten der Beschuldigten ausmachen. Angesichts 
der vom Gutachter angeführten nachvollziehbaren Relativierungen und Erklärungen 
auch in Bezug auf die Observationsergebnisse, lässt sich allein gestützt darauf der 
subjektive Tatbestand jedenfalls nicht mit dem erforderlichen Masse erstellen. 
Hinzu kommt, dass auch der Ablauf der Initiierung des vorliegenden IV-Verfahrens 
als solches nicht gänzlich ausser Acht gelassen werden darf. So ist nicht zweifellos 
erstellt, dass resp. inwiefern die Beschuldigte im Prozess um Erhalt einer IV-Rente 

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tatsächlich eine aktive Rolle hatte und dass sie die IV-Anmeldung mit dem Zweck 
unterzeichnete, eine IV-Rente zu erzielen, um nicht mehr arbeiten gehen zu 
müssen. Im Gegenteil: Sie sagte anlässlich der Berufungsverhandlung glaubhaft 
aus, sie habe nicht IV-Rentnerin werden wollen. Sie hätte arbeiten wollen. Aus 
mehreren Aktenstellen und auch aus dem Gutachten ist ersichtlich, dass die 
Beschuldigte stolz war auf ihre Arbeit und unbedingt habe arbeiten wollen. Sie 
konnte es aber aufgrund der Schmerzen nicht mehr und wurde krankgeschrieben. 
Dies wurde der Krankentaggeldversicherung gemeldet, welche Taggelder 
ausbezahlte und dafür sorgte, dass die Beschuldigte zeitnah bei der IV angemeldet 
wurde. Nach dem Gesagten und in Anbetracht der Gesamtumstände lässt sich aus 
der Tatsache, dass sie die Anmeldungen selbst unterzeichnet hat, nicht automatisch 
ableiten, ihr sei deren Ausmass vollumfänglich bewusst gewesen. Dass die 
Beschuldigte sich aus eigenem Antrieb bei der IV meldete, mit dem Ziel, Geld zu 
erhalten, von dem sie wusste oder annehmen musste, dass es ihr nicht zusteht, 
lässt sich somit nicht nachweisen.

3.4. Fazit

Zusammenfassend lässt sich anhand der Akten nicht erstellen, dass die 
Beschuldigte die SVA vorsätzlich täuschen wollte. 

Bestehen an der Verwirklichung des Tatbestands unüberwindbare Zweifel, ist die 
beschuldigte Person freizusprechen (in dubio pro reo, Art. 10 Abs. 3 StPO). Dies ist 
vorliegend der Fall. Insbesondere aufgrund der Erkenntnisse des psychiatrischen 
Gerichtsgutachtens ist es nicht möglich, der Beschuldigten zweifellos ein bewusstes 
Vortäuschen von körperlichen Einschränkungen nachzuweisen. Entfällt diese 
Täuschungsabsicht, ist aber der Tatbestand des versuchten Betrugs (Art. 146 StGB 
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) und – im Übrigen auch – derjenige des unrechtmässigen 
Bezugs von Leistungen einer Sozialversicherung (Art. 148a StGB i.V.m. Art. 22 
Abs. 1 StGB) nicht erfüllt. Die Beschuldigte ist von Schuld und Strafe 
freizusprechen.

4. Kosten

4.1. Untersuchung und erste Instanz

4.1.1. Verfahrenskosten

Die Verfahrenskosten setzen sich aus den Gebühren zur Deckung des Aufwands 
und den Auslagen im konkreten Straffall zusammen (Art. 422 Abs. 1 StPO). Fällt 
die Rechtsmittelinstanz, wie vorliegend, selbst einen Entscheid, so befindet sie auch 

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über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Wird 
die Beschuldigte freigesprochen, gehen die Kosten grundsätzlich zulasten des 
Staates (Art. 426 Abs. 1 StPO e contrario i.V.m. Art. 423 StPO). Es besteht 
vorliegend kein Anlass, von dieser Grundregel abzuweichen. Die 
Untersuchungskosten von CHF 2'715.00 und die Kosten des erstinstanzlichen 
Verfahrens von CHF 5'000.00 sind entsprechend vom Kanton Graubünden 
(Staatsanwaltschaft bzw. Regionalgericht Plessur) zu tragen (act. E.1 E. 9; RG-
act. 3).

4.1.2. Entschädigung

Die beschuldigte Person, die freigesprochen wird, hat Anspruch auf Entschädigung 
ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte 
(Art. 429 Abs. 1 lit a StPO).

Das Gericht geht bei der Festsetzung der Entschädigung grundsätzlich vom Betrag 
aus, welcher von der entschädigungsberechtigten Partei für die anwaltliche 
Vertretung in Rechnung gestellt wird, soweit namentlich die Aufwendungen 
angemessen sind und ein üblicher Stundenansatz vereinbart worden ist (Art. 2 Abs. 
2 Honorarverordnung [HV; BR 310.250]). Dabei gilt ein Stundenansatz zwischen 
CHF 210.00 und CHF 270.00 als üblich (Art. 3 Abs. 1 HV). Sofern keine 
Honorarvereinbarung nachgewiesen wird, ist die Entschädigung praxisgemäss auf 
Basis des mittleren Stundenansatzes von CHF 240.00 zu berechnen (vgl. statt vieler 
Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden SK1 16 21 vom 2. November 2016 
E. 6b). 

Rechtsanwalt K._____ hat für seine Bemühungen im Strafverfahren insgesamt 
17.01 Stunden zu einem Stundenansatz von CHF 300.00 und 2.50 Stunden zu 
einem Stundenansatz von CHF 100.00 in Rechnung gestellt (zzgl. Spesen von 
CHF 65.70 und 7.7 % Mehrwertsteuer; act. G.5). Der mit Rechnung Nr. 1717 vom 
10. Mai 2019 geltend gemacht Stundenaufwand von 6.59 Stunden für die 
Verteidigung im Untersuchungsverfahren ist nicht zu beanstanden. Der 
Stundenansatz ist nach oben genannter Praxis von CHF 300.00 auf CHF 240.00 zu 
kürzen, da keine Honorarvereinbarung vorgelegt wurde, wobei ohnehin lediglich ein 
maximaler Stundenansatz von CHF 270.00 vergütet werden könnte (Art. 3 Abs. 1 
HV [BR 310.250]). Die übrigen Honorarnoten (Rechnungen Nr. 1718, 1756 und 
1824) betreffen Aufwendungen für das strafrechtliche Beschwerdeverfahren (es 
wurde die Sistierungsverfügung der Staatsanwaltschaft erfolglos bis vor 
Bundesgericht angefochten). Dieser Aufwand ist nicht im vorliegenden Verfahren 
zu entschädigen. Insgesamt ist die Beschuldigte für den Aufwand des Verteidigers 

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K._____ somit mit CHF 1'734.80 (6.59 Stunden à CHF 240.00 zzgl. Spesen 
CHF 29.20 und Mehrwertsteuer 7.7 %) zulasten des Kantons Graubünden zu 
entschädigen. Der Betrag ist ihr auszurichten, da sie die Rechnungen von 
Rechtsanwalt K._____ zum grössten Teil bereits bezahlt hat (act. G.5).

Rechtsanwalt Andrea Cantieni, der die Beschuldigte ab dem 14. August 2020 im 
Strafverfahren verteidigte (act. G.1), macht für das erstinstanzliche Verfahren einen 
Aufwand von 62.74 Stunden geltend (act. G.4). Der Aufwand erscheint 
angemessen. Entsprechend ist Rechtsanwalt Andrea Cantieni mit CHF 16'703.55 
(62.74 Stunden zu CHF 240.00, zzgl. Spesenpauschale 3 % und MWST 7.7 %) 
zulasten des Kantons Graubünden zu entschädigen.

4.2. Berufungsverfahren

4.2.1. Kosten

Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte obsiegt mit 
ihrer Berufung vollumfänglich. Die Verfahrenskosten, die vorliegend CHF 4'000.00 
betragen (vgl. Art. 6 Abs. 1 VGS [BR 350.210]), hat der Kanton Graubünden zu 
tragen (Obergericht). Ebenfalls zulasten des Kantons Graubünden (Obergericht) 
gehen die Kosten für das psychiatrische Gerichtsgutachten im Umfang von 
CHF 9'150.00 (act. J.2).

4.2.2. Entschädigung

Rechtsanwalt Andrea Cantieni weist mit seiner Honorarnote vom 2. April 2025 einen 
Zeitaufwand von insgesamt 69.31 Stunden (davon 33 Stunden für Arbeiten am 
Plädoyer) für das Berufungsverfahren aus (act. G.3). Angesichts des beträchtlichen 
Aktenumfangs und der unklaren psychiatrischen Situation erscheint dies 
grundsätzlich noch als angemessen. Dieser Zeitaufwand multipliziert mit einem 
Stundenansatz von CHF 240.00 ergibt einen Honoraranspruch von CHF 16'634.40. 
Hinzu kommen Spesen von CHF 699.05 (darunter CHF 200.00 für einen 
eingeholten Arztbericht) und die Mehrwertsteuer von 7.7 % bzw. 8.1 %. Das ergibt 
eine Entschädigung zugunsten von Rechtsanwalt Andrea Cantieni im Umfang von 
CHF 18'668.60 zulasten des Kantons Graubünden (Obergericht).

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Es wird erkannt:

1. A._____ wird von Schuld und Strafe freigesprochen.

2. Die Untersuchungskosten von CHF 2'715.00 gehen zulasten des Kantons 
Graubünden (Staatsanwaltschaft).

3. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 5'000.00 gehen 
zulasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht Plessur).

4. A._____ wird für das erstinstanzliche Verfahren zulasten des Kantons 
Graubünden (Regionalgericht Plessur) mit CHF 1'734.80 (inkl. Spesen und 
MWST) entschädigt.

5. Rechtsanwalt Andrea Cantieni wird für das erstinstanzliche Verfahren 
zulasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht Plessur) mit 
CHF 16'703.55 (inkl. Spesen und MWST) entschädigt.

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 13'150.00 (Gerichtsgebühr 
von CHF 4'000.00; Auslagen psychiatrisches Gutachten CHF 9'150.00) 
gehen zulasten des Kantons Graubünden (Obergericht).

7. Rechtsanwalt Andrea Cantieni wird für das Berufungsverfahren zulasten des 
Kantons Graubünden (Obergericht) mit CHF 18'668.60 (inkl. Spesen und 
MWST) entschädigt.

8. [Rechtsmittelbelehrung] 

9. [Mitteilung an:]