# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51761f9c-b2ba-5fb4-9e07-597eb638ca41
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** GG240247-L1
**Docket/Reference:** GG240247-L1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/GG240247-L1.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Zürich
9. Abteilung - Einzelgericht  

Geschäfts-Nr.: GG240247-L / U

Mitwirkend: Einzelrichterin MLaw J. Baechler

Gerichtsschreiberin M.A. HSG N. Beeler

Urteil vom 8. Mai 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, 

Anklägerin

gegen

A._____, 

Beschuldigter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, 

betreffend qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung etc.

- 2 -

Privatklägerschaft

1.

2.

3.

B._____,  

C._____ lnc. SA.,

D._____ Corporation, 

1, 2, 3 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____

- 3 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 30. Septem-
ber 2024 (act. 10104001 ff.) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:
(Prot. S. 7)

Der Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin 
M.A. HSG X2._____ in Vertretung von Rechtsanwalt lic. iur. X1._____;
Der Staatsanwalt Prof. Dr. iur. E._____ als Vertreter der Anklagebehörde;
Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ als Rechtsvertreter der Privatklägerschaft in Be-
gleitung von Rechtsanwältin MLaw Y2._____.

Anträge der Anklagebehörde:
(act. 10104016 f.; act. 38 S. 2; Prot. S. 13; sinngemäss)

-

-

-

-

-

-

Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift;

Bestrafung von A._____ mit einer Geldstrafe von 360 Tagessät-
zen à CHF 450, wobei die Tagessatzhöhe unter Berücksichtigung 
der anlässlich der Hauptverhandlung angegebenen finanziellen 
Situation anzupassen ist;

Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter Anset-
zung einer Probezeit von 2 Jahren;

Entscheid über die Rückgabe der einzig als Beweismittel be-
schlagnahmten Gegenstände;

Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft;

Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von 
CHF 12'000).

Anträge der Privatklägerschaft:
(act. 39 S. 1 ff.)

"1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklageschrift schuldig zu 

sprechen.

 2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger

a)

im Zusammenhang mit nicht erstatteten Retrozessionen den 
Betrag von gesamthaft CHF 186'130.82 zuzüglich Verzugs-
zinsen wie folgt zu bezahlen:

1. CHF 631.24 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2014

- 4 -

2. CHF 3'427.31 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2015

3. CHF 2'801.70 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2015

4. CHF 1'580.18 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2015

5. CHF 2'888.86 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2015

6. CHF 634.62 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2016

7. CHF 2'749.98 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2016

8. CHF 2'825.04 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2016

9. CHF 3'022.12 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2016

10. CHF 1'420.86 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2010

11. CHF 6'814.78 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2010

12. CHF 3'682.54 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2011

13. CHF 4'699.67 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2011

14. CHF 3'707.88 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2011

15. CHF 2'167.61 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2011

16. CHF 3'760.04 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2012

17. CHF 2'675.68 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2012

18. CHF 4'693.69 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2012

19. CHF 3'010.08 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2012

20. CHF 3'781.68 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2013

21. CHF 6'123.07 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2013

22. CHF 7'124.34 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2013

23. CHF 5'248.23 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2013

24. CHF 7'701.43 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2014

25. CHF 6'487.56 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2014

26. CHF 7'906.68 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2014

27. CHF 4'749.74 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2014

28. CHF 8'898.76 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2015

29. CHF 10'468.28 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2015

30. CHF 10'127.84 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2015

31. CHF 8'060.55 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2015

32. CHF 5'763.61 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2016

33. CHF 10'861.42 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2016

34. CHF 9'163.83 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2016

35. CHF 9'768.03 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2010

36. CHF 5'243.38 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2010

37. CHF 1'458.51 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2010.

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b)

im Zusammenhang mit den infolge unrechtmässiger Verwen-
dung von Lombardkrediten übermässigen und zulasten der 
Privatklägerschaft belasteten Kommissionen den Betrag von 
gesamthaft EUR 24'290.23 zuzüglich Verzugszinsen wie folgt 
zu bezahlen:

1. EUR 279.89 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2010

2. EUR 239.76 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2010

3. EUR 295.70 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2011

4. EUR 346.22 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2011

5. EUR 574.26 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2011

6. EUR 798.88 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2011

7. EUR 814.22 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2012

8. EUR 702.68 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2012

9. EUR 892.51 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2012

10. EUR 956.81 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2012

11. EUR 928.40 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2013

12. EUR 996.10 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2013

13. EUR 1'121.68 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2013

14. EUR 1'117.95 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2013

15. EUR 1'644.21 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2014

16. EUR 1'210.08 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2014

17. EUR 1'222.24 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2014

18. EUR 688.29 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2014

19. EUR 742.69 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2015

20. EUR 643.94 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2015

21. EUR 1'136.48 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2015

22. EUR 830.21 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2015

23. EUR 798.59 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2016

24. EUR 739.93 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2014

25. EUR 779.70 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2015

26. EUR 717.89 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2015

27. EUR 767.51 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2015

28. EUR 757.00 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2015

29. EUR 707.78 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2016

30. EUR 159.09 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2010

31. EUR 73.11 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2010

32. EUR 34.98 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2011

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33. EUR 112.27 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2011

34. EUR 248.51 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2011

35. EUR 267.91 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2012

36. EUR 155.53 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2012

37. EUR 229.25 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2012

38. EUR 278.04 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2013

39. EUR 509.38 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2013

40. EUR 625.10 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2013

41. EUR 589.10 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2013

42. EUR 671.29 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2014

43. EUR 898.38 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2014

44. EUR 875.19 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2014

45. EUR 941.05 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2014

46. EUR 1'129.82 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2015

47. EUR 1'158.47 nebst Zins zu 5% seit 1. April 2015

48. EUR 1'964.49 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2015

49. EUR 2'258.53 nebst Zins zu 5% seit 1. Oktober 2015

50. EUR 675.44 nebst Zins zu 5% seit 1. Januar 2016

51. EUR 811.54 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2016

52. EUR 136.11 nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2010.

c)

im Zusammenhang mit den erlittenen Performanceschäden 
was folgt zu bezahlen:

1. EUR 126'066.74 nebst Zins zu 5% seit 5. Juli 2016

2. EUR 171'053.70 nebst Zins zu 5% seit 5. Juli 2016

3. EUR 325'066.41 nebst Zins zu 5% seit 5. Juli 2016.

Eventualiter seien die in CHF geltend gemachten Beträge in EUR 
bzw. die in EUR geltend gemachten Beträge in CHF zu entrich-
ten.

 3. Die Kosten des Untersuchungs- und des Hauptverfahrens seien 

dem Beschuldigten aufzuerlegen.

 4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger für das Un-
tersuchungs- und das Hauptverfahren eine angemessene Ent-
schädigung zu entrichten."

- 7 -

Anträge der Verteidigung:
(act. 41 S. 2)

"1. Herr A._____ sei vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten un-

getreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 
3 StGB vollumfänglich freizusprechen.

 2. Herr A._____ sei vom Vorwurf der mehrfachen ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vollum-
fänglich freizusprechen.

 3. Herr A._____ sei vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs ge-

mäss Art. 146 Abs. 2 StGB vollumfänglich freizusprechen.

 4. Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerschaft seien vollum-

fänglich abzuweisen, eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu 
verweisen.

 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staa-

tes, eventualiter zu Lasten der Privatklägerschaft unter solidari-
scher Haftbarkeit."

- 8 -

Inhaltsverzeichnis:

II.

C.

Prozessuales...............................................................................................13
A.
Zuständigkeit........................................................................................13
B. Hausdurchsuchungen / Sicherstellungen / Beschlagnahmungen........13
Hausdurchsuchungen und Sicherstellungen ...............................13
1.
2.
Beschlagnahmungen ...................................................................14
Editionen / Aktenbeizug .......................................................................15
K._____ AG .................................................................................15
1.
L._____ AG..................................................................................15
2.
Ehemalige M._____ AG c/o N._____ AG bzw. N._____ (Schweiz) 
3.
AG................................................................................................16
4. O._____ AG.................................................................................16
P._____ AG .................................................................................17
5.
PolyReg Allgemeiner Selbstregulierungs-Verein.........................18
6.
Rechtshilfeersuchen an das Fürstentum Liechtenstein betr. 
7.
Q._____ AG.................................................................................18
D. Wirtschaftsprüfungs-Gutachten............................................................19
Verteidigung .........................................................................................19
E.
Privatklägerschaft.................................................................................20
F.
G. Anklageprinzip......................................................................................20
Verjährung............................................................................................21
H.
Beweisanträge .....................................................................................24
I.
III. Standpunkt des Beschuldigten .................................................................26
Staatsanwaltschaftliche Einvernahme .................................................26
A.
B.
Schriftliche Stellungnahme...................................................................26
C. Hauptverhandlung................................................................................27
Fazit .....................................................................................................27
D.
IV. Sachverhalt .................................................................................................27
Anklagevorwurf ....................................................................................27
A.
B. Grundlagen der Beweiswürdigung .......................................................32
Beweismittel .........................................................................................35
C.
D.
Verwertbarkeit von Beweismitteln ........................................................36
E. Glaubwürdigkeit ...................................................................................38
F.
Strafanzeige vom 15. Oktober 2018 inkl. Beilagen ..............................39
G. Wirtschaftsprüfungs-Gutachten vom 26. Februar 2024 .......................46
H. Nachtrag zum Wirtschaftsprüfungs-Gutachten vom 26. Juni 2024......54
Einvernahme des Privatklägers 1 ........................................................55
I.
Schriftliche Stellungnahme des Beschuldigten ....................................60
J.
Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung .........72
K.
Sachverhaltserstellung.........................................................................75
L.
Vertragsgrundlagen Vermögensverwaltungsverhältnis ...............75
1.
Anklagevorwurf Überschreitung des Aktienanteils von 30 % ......76
2.
Anklagevorwurf Überschreitung der Belehnungsgrenze von 30 %
3.
.....................................................................................................88
Anklagevorwurf Bereicherung durch Retrozessionen..................98

4.

- 9 -

V.

Zivilansprüche ..........................................................................................111
A. Grundzüge des Adhäsionsverfahrens................................................111
Schadenersatz ...................................................................................112
B.
Zins ....................................................................................................113
C.
Parteistandpunkte ..............................................................................113
D.
Beurteilung .........................................................................................117
E.
VI. Sicherstellungen, Einziehungen und Beschlagnahmungen ................118
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen .......................................................120
Verfahrenskosten ...............................................................................120
Entschädigungsfolgen........................................................................120
1.
Entschädigung des Beschuldigten.............................................120
Entschädigung der Privatklägerschaft................................................121

A.
B.

C.

- 10 -

Erwägungen:

I. Verfahrensgang

A.

1.

Untersuchungsverfahren

Strafanzeige

Am 15. Oktober 2018 liess B._____ (nachfolgend: Privatkläger 1) gegen den Be-

schuldigten bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich (nachfolgend: Staats-

anwaltschaft) Strafanzeige betreffend Verdacht der qualifizierten ungetreuen Ge-

schäftsbesorgung, des gewerbsmässigen Betrugs, der Urkundenfälschung und des 

gewerbsmässigen Wuchers etc. einreichen (act. 20101001 ff.). Der Anzeigeerstat-

ter machte hauptsächlich geltend, der Beschuldigte habe als berufsmässiger Ver-

mögensverwalter entgegen der getroffenen Vereinbarung einer konservativen An-

lagestrategie sein Vermögen in Lombardkredite investiert und damit seine Vermö-

gensfürsorgepflicht verletzt. Er habe den zulässigen Aktienanteil von 30 % des ge-

samten von ihm verwalteten Vermögens überschritten und damit sein Vermögen 

bewusst einem höheren Risiko ausgesetzt, als er gewollt habe. Weiter habe der 

Beschuldigte ihm keine Rechenschaft über die Retrozessionen abgelegt, die er von 

den Banken der investierten Vermögenswerte erhalten habe. 

2.

Eröffnungsverfügung / Delegation

2.1. Mit  Eröffnungsverfügung  vom  15. November 2022  eröffnete  die  Staatsan-

waltschaft  in  Anwendung  von  Art.  309  StPO  eine  Strafuntersuchung  gegen  den 

Beschuldigten wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und gewerbs-

mässigen Betrugs (act. 10101001). Das lange Zuwarten der Anhandnahme wurde 

seitens  der  Staatsanwaltschaft  damit  begründet,  dass  die  Bearbeitung  aus  Res-

sourcengründen nicht eher möglich gewesen sei (act. 70101001). 

2.2. Sodann  wurde  die  Kantonspolizei  Zürich  mit  Verfügung  vom  17. Fe-

bruar 2023 ersucht, einen Sachbearbeiter zu bestimmen, und es wurde ihr der Auf-

trag  erteilt,  im  Rahmen  der  bereits  eröffneten  Untersuchung  eine  Hausdurchsu-

chung  in  den  Wohn-  und  Geschäftsräumen  des  Beschuldigten  durchzuführen 

(act. 30101003 f.). 

- 11 -

3.

Bevorstehender Abschluss der Untersuchung

Am 27. Juni 2024 wurde dem Beschuldigten sowie den übrigen Parteien in 

Nachachtung von Art. 318 Abs. 1 StPO der bevorstehende Abschluss der Unter-

suchung angekündigt (act. 10103001).

B.

1.

Gerichtliches Verfahren

Nach  Abschluss  der  Untersuchung  erhob  die  Staatsanwaltschaft  am 

30. September 2024 beim Bezirksgericht Zürich Anklage gegen den Beschuldigten 

betreffend  qualifizierte  ungetreue  Geschäftsbesorgung  (act. 10104001 ff.  oder 

«Anklageschrift»). Am 10. Oktober 2024 trafen Anklage und Akten beim Bezirksge-

richt Zürich ein (vgl. Eingangsstempel auf der Anklageschrift).

2.

Mit Verfügung vom 2. Dezember 2024 wurde die Hauptverhandlung auf den 

28. Januar 2025 angesetzt, den Parteien die Gerichtsbesetzung sowie die in der 

Hauptverhandlung  vorgesehenen  Beweisabnahmen  (abgesehen  von  der  Befra-

gung des Beschuldigten keine seitens des Gerichtes) mitgeteilt, den Parteien Frist 

angesetzt,  Beweisanträge  zu  stellen  und  zu  begründen,  sowie  der  Privatkläger-

schaft Frist angesetzt, um ihre Zivilansprüche zu beziffern und detailliert zu begrün-

den (act. 4).

3.

Der  Beweisantrag  der  Privatklägerschaft  ging  am  20.  Dezember  2024  ein 

(act. 9), wozu die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 6. Januar 2025 und der Be-

schuldigte innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 23. Januar 2025 Stellung nah-

men  (act.  10;  act.  14;  act.  18;  act.  21).  Von  den  übrigen  Parteien  wurden  keine 

Beweisanträge gestellt. Mit Verfügung vom 24. Januar 2025 wurde der Beweisan-

trag der Privatklägerschaft einstweilen abgewiesen (act. 22).

4.

Mit Eingabe vom 31. Dezember 2024 reichte die Verteidigung des Beschul-

digten eine "Stellungnahme des Beschuldigten A._____ zu den Fragen anlässlich 

der Einvernahme vom 15. Februar 2023" samt Beilagen ein (act. 12/1-2; act. 13/1-

68).  Diese  wurde  der  Rechtsvertretung  der  Privatklägerschaft  und  der  Staatsan-

waltschaft gleichentags elektronisch und hernach per Post zugestellt (act. 15). Mit 

Eingabe  vom  8.  Januar  2025  beantragte  die  Rechtsvertretung  der  Privatkläger-

- 12 -

schaft, die am 9. Januar 2025 ablaufende Frist zur Begründung der Zivilansprüche 

sei abzunehmen, eventualiter sei die Frist um 30 Tage zu erstrecken, sowie die auf 

den 28. Januar 2025 anberaumte Hauptverhandlung sei abzunehmen unter Vor-

nahme  einer  neuen  Terminierung  der  Hauptverhandlung  (act. 16).  Nachdem  der 

Beschuldigte bisher von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht 

hatte (vgl. act. 50101001 ff.), nahm er mit seiner Eingabe vom 31. Dezember 2024 

erstmals Stellung zur Sache. Seine schriftliche Stellungnahme umfasste insgesamt 

38 Seiten und wurde mit mehreren hundert Seiten Beilagen ergänzt (act. 12/2; act. 

13/1-68).  Diese  Stellungnahme  ging  beim  Gericht  unaufgefordert  am  7. Januar 

2025 und damit lediglich zwei Tage vor Ablauf der letztmals erstreckten Frist der 

Privatklägerschaft  zur  Begründung  ihrer  Zivilansprüche  ein.  Da  diese  Stellung-

nahme auch die Zivilansprüche der Privatklägerschaft betraf, wurde ihr – zur Wah-

rung ihres rechtlichen Gehörs – Gelegenheit eingeräumt, diese zu überprüfen und 

in ihre Begründung der Zivilansprüche einarbeiten zu können. Folglich wurde die 

Frist der Privatklägerschaft zur  Bezifferung und Begründung ihrer  Zivilansprüche 

mit Verfügung vom 9. Januar 2025 erneut ein letztes Mal um 20 Tage erstreckt. Als 

Folge davon wurde auch das Gesuch der Privatklägerschaft um Verschiebung der 

Hauptverhandlung  gutgeheissen  (act.  17).  Die  Hauptverhandlung  wurde  neu  – 

nach  Absprache  mit  den  Parteien  –  auf  den  29. April  2025  angesetzt  (act. 24; 

act. 25).

5.

Mit Eingabe vom 4. Februar 2025 erfolgte seitens der Privatklägerschaft die 

Begründung der Zivilforderung samt Beilagen (act. 27; act. 28/1-8). 

6.

Anlässlich  der  Hauptverhandlung  vom  29. April  2025  wurde  der  Beschul-

digte  zur  Person  und  zur  Sache  befragt  (act. 37).  Die  Privatklägerschaft  hielt  an 

ihrem Beweisantrag vom 19. Dezember 2024 fest (Prot. S. 8). Es folgten die Par-

teivorträge (Prot. S. 9 ff.) und der Beschuldigte hatte die Gelegenheit, ein Schluss-

wort  zu  halten  (Prot.  S. 38 ff.).  Das  Urteil  wurde  am  8. Mai  2025  beraten  (Prot. 

S. 41) und den Parteien am 14. Mai 2025 mündlich eröffnet und im Dispositiv über-

geben (Prot. S. 44, act. 43).

- 13 -

II. Prozessuales

A.

Zuständigkeit

Die örtliche Zuständigkeit des hiesigen Bezirksgerichtes beruht auf Art. 31 StPO, 

da der Beschuldigte die angeklagten Taten an der Adresse der Büroräumlichkeiten 

der F._____ GmbH (seit 16. Juni 2014 in der Stadt Zürich an der G._____-strasse 

1 bzw. der H._____-strasse 2) verübt haben soll. Zuvor befand sich der Sitz der 

Gesellschaft in I._____ ZG (vgl. act. 20101014). Da es vorliegend folglich mehrere 

Ausführungsorte (Zürich und I._____) für die qualifizierte ungetreue Geschäftsbe-

sorgung gibt, kommt das forum praeventionis gemäss Art. 31 Abs. 2 StPO zur An-

wendung. Zum gleichen Ergebnis würde man gelangen, wenn man nach Art. 34 

Abs. 1 StPO  vorginge.  Für  die  Annahme  von  ersten  Verfolgungshandlungen  ge-

nügt jedes menschliche Tätigwerden, also auch die blosse Kenntnisnahme einer 

Strafanzeige  (SCHLEGEL  STEPHAN,  in:  Donatsch/Lieber/Summers  Sarah/Wohlers 

[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Aufl., Zü-

rich/Basel/Genf 2020, Art. 31 N 27). Am 15. Oktober 2018 reichte Rechtsanwalt lic. 

iur. Y1._____ namens und im Auftrag des Privatklägers 1 Strafanzeige gegen den 

Beschuldigten  bei  der  Staatsanwaltschaft III  des  Kantons  Zürich  ein.  Da  es  sich 

dabei nicht um einen örtlich unzuständigen, sondern einen Tatortkanton handelt, 

ist die Zuständigkeit vorliegend erfüllt. Die sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus 

§ 22 GOG i.V.m. § 27 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 GOG.

B.

1.

Hausdurchsuchungen / Sicherstellungen / Beschlagnahmungen

Hausdurchsuchungen und Sicherstellungen

1.1. Am 2. März 2023 fand am Sitz der F._____ GmbH an der H._____-strasse 2 

in … Zürich eine Hausdurchsuchung statt. Dabei wurden diverse Dateien vor Ort 

gesichert,  auf  optische  Datenträger  gebrannt  und  der  Polizei  zwecks  Siegelung 

übergeben  (act. 30102001)  sowie  sieben  Bundesordner,  eine  weisse  Karton-

schachtel mit diversen Sichtmappen und vier CD's gemäss Sicherstellungsliste si-

chergestellt (act. 40200013 f.). 

1.2. Die anlässlich der Hausdurchsuchung am Sitz der F._____ GmbH sicherge-

stellten Gegenstände wurden durch die Verteidigung des Beschuldigten gesiegelt 

- 14 -

(act. 40200004;  act. 70201033).  In  diesem  Zusammenhang  kam  es  seitens  der 

Staatsanwaltschaft zu einer Entsiegelungsverhandlung mit dem Beschuldigten und 

dessen amtlicher Verteidigung. In der Folge wurden in den digitalen Aufzeichnun-

gen diverse Ordner und Dateien unter anderem betreffend Anwaltskorrespondenz 

oder  Kundenlisten  gelöscht.  Aus  dem  Papierstapel  in  den  versiegelten  Karton-

schachteln  wurden  diverse  lose  Blätter  dem  Beschuldigten  herausgegeben.  Der 

Beschuldigte  überliess  sieben  Ordner  der  Staatsanwaltschaft  im  Originalzustand 

zur  Durchsuchung  und  übergab  ihr  zudem  fünf  weitere  weisse  respektive  grüne 

Ordner. Für Einzelheiten sei auf das Protokoll der Entsiegelungsverhandlung vom 

7. März 2023 verwiesen (act. 50102001 ff.). 

1.3. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft betreffend Augenschein, Editionsein-

ladung und Durchsuchung von Aufzeichnungen vom 1. März 2023 wurde die An-

waltskanzlei  J._____  zur  Herausgabe  sämtlicher  Unterlagen  des  Beschuldigten 

und/oder  der  F._____  GmbH  betreffend  B._____,  die  C._____  SA,  die  C._____ 

Group  und  die  D._____  Corporation  eingeladen.  Weiter  wurde  verfügt,  dass  die 

Staatsanwaltschaft und Polizei die Herausgabe der Aufzeichnungen in den Räu-

men der Anwaltskanzlei besichtigen sowie die Aufzeichnungen durchsucht würden 

(act. 40401001 ff.). Den Akten ist nicht zu entnehmen, ob und inwiefern seitens der 

Anwaltskanzlei  J._____  Unterlagen  betreffend  den  Beschuldigten  und/oder  die 

F._____  GmbH  hinsichtlich  B._____  bzw.  dessen  Unternehmen  herausgegeben 

wurden. 

2.

Beschlagnahmungen

Mit Beschlagnahme- und Akturierungsverfügung vom 21. Juni 2024 wurden die an-

lässlich der Hausdurchsuchung vom 2. März 2024 sichergestellten Gegenstände 

(sieben  grüne  Bundesordner  und  eine  Kartonschachtel  weiss)  beschlagnahmt 

(act. 80101001 ff.).

C.

1.

Editionen / Aktenbeizug

K._____ AG

1.1. Mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  vom  20.  Februar  2023  wurde  die 

K._____ AG  [Bank]  aufgefordert,  sämtliche  Aufzeichnungen  für  den  Zeitraum  ab 

- 15 -

1. Januar 2010  bis  20. Februar 2023  der  Geschäftsbeziehungen  lautend  auf 

B._____, die C._____ SA oder die C._____ Group und die D._____ Corporation 

sowie sämtliche Geschäftsbeziehungen, in Bezug auf die B._____ unterschriftsbe-

rechtigt und/oder wirtschaftlich beteiligt ist oder war und sämtliche Geschäftsbezie-

hungen,  in  Bezug  auf  die  ein  von  B._____  unterschriebener  Vermögensverwal-

tungsvertrag oder eine von B._____ unterschriebene Ermächtigung vorliegt, einzu-

reichen (act. 41001001 ff.). Die K._____ AG leistete diesem Ansinnen mit Zuschrift 

vom  16. März 2023  Folge  (act.  41001011 f.)  und  reichte  die  gewünschten  Doku-

mente  ein  (act. 41002001-41002621;  act.  41003001-41003328;  act.  41004001-

41004046;  act.  51005001-41006505;  act.  41007001-41007090;  act.  41008001-

41008068).

1.2. Mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  vom  10.  Oktober  2023  wurde  die 

K._____ AG um weitere Auskünfte im Zusammenhang mit den an den Beschuldig-

ten  geleisteten  Vergütungen/Retrozessionen  ersucht  (act.  41009001 f.).  Mit  Ein-

gabe vom 10. November 2023 nahm die K._____ AG zu den aufgeworfenen Fragen 

Stellung und reichte weitere Dokumente ein (act. 41009009-41009025).

2.

L._____ AG

Weiter  verlangte  die  Staatsanwaltschaft  mit  Editionsbegehren  vom  20.  Februar 

2023 bei der L._____ AG [Bank] sämtliche Unterlagen (vollständiges Kundendos-

sier, sämtliche Notizen der Bank, sämtliche Vereinbarungen und Abrechnungen mit 

dem  Beschuldigten  bzw.  der F._____  GmbH  betreffend  Vergütungen  und  Retro-

zessionen, sämtliche Unterlagen über Lombardkredite, sämtliche Portfolio Valuati-

ons,  vollständige  Konto-  und  Depotauszüge  sowie  sämtliche  Detailbelege  sowie 

Instruktionen der Kundschaft über Barbezüge oder Lastschriften zugunsten ande-

rer Geschäftsbeziehungen bei derselben Bank oder anderen Banken) für den Zeit-

raum von 1. Januar 2010 bis 20. Februar 2023 hinsichtlich sämtlichen Geschäfts-

beziehungen lautend auf B._____, die C._____ SA oder die C._____ Group und 

die D._____ Corporation oder an denen B._____ zumindest mitverfügungsberech-

tigt,  wirtschaftlich  berechtigt  war  oder  ist  oder  in  Bezug  auf  die  ein  von  B._____ 

unterschriebener  Vermögensverwaltungsvertrag  oder  Ermächtigung  vorliegt 

(act. 40601001 ff.). Die L._____ AG teilte mit Zuschrift vom 28. Februar 2023 mit, 

- 16 -

dass in ihren Registern, keine Kundenbeziehung lautend auf B._____, C._____ SA, 

C._____  Group  oder  D._____  Corporation  hätte  festgestellt  werden  können.  Im 

März/April  2014  hätte  eine  Bankbeziehung  lautend  auf  die  D._____  Corporation 

eröffnet werden sollen, die Kundenbeziehung mit der D._____ Corporation sei je-

doch letzten Endes nicht zustande gekommen (act. 40601007 f.).

3.

Ehemalige M._____ AG c/o N._____ AG bzw. N._____ (Schweiz) AG 

Auch die ehemalige M._____ AG [Bank] c/o N._____ AG [Bank] wurde mit Verfü-

gung der Staatsanwaltschaft vom 20. Februar 2023 aufgefordert, alle für den Zeit-

raum ab 1. Januar 2010 vorhandenen Aufzeichnungen der Geschäftsbeziehungen 

lautend auf B._____, die C._____ SA, die C._____ Group oder die D._____ Cor-

poration herauszugeben bzw. sämtliche Geschäftsbeziehungen, in Bezug auf die 

B._____ unterschriftsberechtigt war oder in Bezug auf die ein von B._____ unter-

schriebener  Vermögensverwaltungsvertrag  oder  eine  von  B._____  unterschrie-

bene Ermächtigung vorliegt, herauszugeben (act. 40701001 ff.). Mit Zuschrift vom 

2. März 2023 teilte sowohl die N._____ (Schweiz) AG als auch die N._____ AG mit, 

dass für den fraglichen Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 20. Februar 2023 keine in 

den Umfang der Verfügung fallenden Beziehungen festgestellt worden seien (act. 

40701012 f.). 

4.

O._____ AG

4.1. Mit Verfügung vom 20. Februar 2023 erliess die Staatsanwaltschaft gegen-

über der O._____ AG [Bank] die Verfügung, ebenfalls sämtliche Aufzeichnungen 

der  Geschäftsbeziehungen  für  den  Zeitraum  vom  1. Januar 2010  bis  20. Fe-

bruar 2023  herauszugeben,  die  auf  B._____,  die  C._____  SA  oder  die  C._____ 

Group oder die D._____ Corporation lauten sowie sämtliche Geschäftsbeziehun-

gen,  in  Bezug  auf  die  B._____  unterschriftsberechtigt  und/oder  wirtschaftlich  be-

rechtigt ist oder war bzw. in Bezug auf die ein von B._____ unterschriebener Ver-

mögensverwaltungsvertrag oder eine von B._____ unterschriebene Ermächtigung 

vorliegt (act. 40801001 ff.). Mit Zuschrift vom 28. Februar 2023 teilte die O._____ 

AG mit, dass zwei Geschäftsbeziehungen sowohl lautend auf B._____ als auch auf 

die  D._____  Corporation  hätten  identifiziert  werden  können  und  reichte  die  ge-

wünschten Dokumente ein (act. 40801007-40801790).

- 17 -

4.2. Mit  Schreiben  vom  10.  Oktober 2023  ersuchte  die  Staatsanwaltschaft  um 

weitere Auskunft und Belege betreffend Retrozessionen der Geschäftsbeziehung 

D._____ Corporation für die Jahre 2014 bis 2016 (act. 40802001 f.). Am 7. Novem-

ber 2023 leistete die O._____ AG dem Ersuchen Folge und reichte weitere Doku-

mente ein (act. 40802008-40802115).

5.

P._____ AG

Die P._____ AG [Bank] wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 20. Fe-

bruar 2023 ebenfalls aufgefordert, alle für den Zeitraum ab 1. Januar 2010 vorhan-

denen  Aufzeichnungen  der  Geschäftsbeziehungen  lautend  auf  B._____,  die 

C._____  SA,  die  C._____  Group  oder  die  D._____  Corporation  herauszugeben 

bzw. sämtliche Geschäftsbeziehungen, in Bezug auf die B._____ unterschriftsbe-

rechtigt ist oder war oder in Bezug auf die ein von B._____ unterschriebener Ver-

mögensverwaltungsvertrag oder eine von B._____ unterschriebene Ermächtigung 

vorliegt,  herauszugeben  (act. 40901001 ff.).  Am  28.  Februar 2023  teilte  die 

P._____ AG mit, dass für den fraglichen Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 20. Fe-

bruar 2023 keine geschäftlichen Beziehungen mit den in der Verfügung aufgeführ-

ten Personen oder Firmen festgestellt worden seien (act. 40901006). 

6.

PolyReg Allgemeiner Selbstregulierungs-Verein

Mit Editionsverfügung vom 2. September 2024 wurde der PolyReg Allg. Selbstre-

gulierungs-Verein  seitens  der  Staatsanwaltschaft  aufgefordert,  die  Prüfungsbe-

richte für die Prüfungen der F._____ GmbH bzw. des Beschuldigten in den Jahren 

2017,  2018  und  2019  herauszugeben  (act. 41201001 ff.).  Mit  Schreiben  vom 

12. September 2024 leistete der PolyReg Allg. Selbstregulierungs-Verein diesem 

Ansinnen Folge und stellte der Staatsanwaltschaft die Prüfberichte zu den PolyAs-

set-Standesregulierungsprüfungen 2017-2019 zu (act. 41201007-41201096). 

7.

Rechtshilfeersuchen an das Fürstentum Liechtenstein betr. Q._____ AG

Weiter  stellte  die  Staatsanwaltschaft  am  17.  Februar  2023  ein  internationales 

Rechtshilfeersuchen in Strafsachen an das Fürstliche Landgericht in Vaduz, Fürs-

tentum Liechtenstein (act. 40500001 ff.). Darin ersuchte sie das Fürstentum Liech-

tenstein, bei der Q._____ AG [Bank] die Aufzeichnungen betreffend sämtliche Ge-

- 18 -

schäftsbeziehungen lautend auf B._____, die C._____ SA oder die C._____ Group 

und die D._____ Corporation sowie sämtliche Geschäftsbeziehungen, in Bezug auf 

die B._____ unterschriftsberechtigt und/oder wirtschaftlich berechtigt ist oder war 

sowie in Bezug auf die ein von B._____ unterschriebener Vermögensverwaltungs-

vertrag oder eine von B._____ unterschriebene Ermächtigung vorliegt, zu erheben 

und  der  Staatsanwaltschaft  zur  Verfügung  zu  stellen.  Mit  Antwort  vom 

28. April 2023 kam das Fürstliche Landgericht des Fürstentums Liechtenstein die-

ser  Aufforderung  nach  (act. 40500008 f.)  und  überwies  die  bei  der  Q._____  AG 

beschlagnahmten  Unterlagen  samt  Begleitschreiben  der  Q._____  AG  vom 

22. März  2023 

(act. 40500010 f.;  act. 40501001-40501416;  act. 40502001-

40502347;  act. 40503001-40503403;  act. 40504001-40504404;  act. 40505001-

40505427;  act. 40506001-40506425;  act. 40507001-40507420;  act. 40508001-

40508405;  act. 40509001-40509404;  act. 40510001-40510434;  act. 40511001-

40511428;  act. 40512001-40512445;  act. 40513001-40513425;  act. 40514001-

40514417;  act. 40515001-40515438;  act. 40516001-40516496;  act. 40517001-

40517398;  act. 40518001-40518461;  act. 40519001-40519482;  act. 4052001-

40520476; act. 40521001-40521500).

D. Wirtschaftsprüfungs-Gutachten

Mit Verfügung vom 21. März 2023 wurde seitens der Staatsanwaltschaft im Sinne 

von Art. 184 Abs. 3 StPO vorgesehen, R._____, dipl. Wirtschaftsprüferin, Revisorin 

mbA bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich als sachverständige Person 

zu ernennen (act. 30201004 ff.). Nachdem den Parteien das rechtliche Gehör ge-

währt  worden  war,  erteilte  die  Staatsanwaltschaft  R._____  am  6. April 2023  den 

Auftrag, ein Wirtschaftsprüfungs-Gutachten gemäss Art. 182 ff. StPO zu erstatten 

(act. 30201018 ff.).  Im  Sinne  einer  Ergänzungsfrage  verfügte  die  Staatsanwalt-

schaft  am  19. Juni 2024  einen  Nachtrag  zum  Gutachten  vom  26. Februar 2024 

(act. 30201028). Das Wirtschaftsprüfungs-Gutachten samt Anlagen und Beilagen 

über die Vermögensverwaltung durch den Beschuldigten / die F._____ GmbH für 

den Kunden B._____ resp. die C._____ SA / die D._____ Corporation wurde am 

26. Februar 2024 sowie der Nachtrag dazu am 26. Juni 2024 von R._____, eidg. 

- 19 -

dipl. Wirtschaftsprüferin bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich erstattet 

(act. 30202001 ff.; act. 30202034 ff.; act. 30203001 ff.; act. 30204001 ff.).

E.

Verteidigung

Mit Schreiben vom 8. Dezember 2022 teilte Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ unter 

Beilage einer entsprechenden Vollmacht mit, dass der Beschuldigte ihn mit seiner 

Verteidigung betraut habe, und er stellte infolge eines Falls von notwendiger Ver-

teidigung ein Gesuch um amtliche Verteidigung (act. 70201004 ff.). Mit Antrag vom 

12. Dezember 2022 stellte die Staatsanwaltschaft bei der Oberstaatsanwaltschaft 

des Kantons Zürich, Staatsanwalt für amtliche Mandate, den Antrag auf Bestellung 

einer amtlichen Verteidigung für den Beschuldigten (act. 70201014 f.). Mit Verfü-

gung vom 13. Dezember 2022 wurde Rechtsanwalt X1._____ gestützt auf Art. 132 

Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 130 lit. b StPO mit Wirkung auf 8. Dezem-

ber 2022 als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten bestellt (act. 70201020 f.).

F.

Privatklägerschaft

B._____ bevollmächtigte am 15. Oktober 2018 Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ als 

Rechtsvertreter (act. 20101013). Mit Strafanzeige vom 15. Oktober 2018 erfolgte 

die  Konstituierung  als  Straf-  und  Zivilklägerschaft  im  Sinne  von  Art. 118  Abs. 1 

StPO, wobei die Zivilforderung noch nicht beziffert wurde (act. 20101001 ff.). Die 

Bezifferung und Begründung der Zivilansprüche der Privatklägerschaft erfolgte mit 

Eingabe vom 4. Februar 2025 (act. 27; act. 28/1-8).

G.

1.

Anklageprinzip

Die Anklageschrift bezeichnet gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO möglichst 

kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschrei-

bung  von  Ort,  Datum,  Zeit,  Art  und  Folgen  der  Tatausführung.  Nach  dem  aus 

Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK 

abgeleiteten  und  in  Art. 9  Abs. 1  und  Art. 325  StPO  festgeschriebenen  Anklage-

grundsatz  bestimmt  die  Anklageschrift  den  Gegenstand  des  Gerichtsverfahrens 

(Umgrenzungsfunktion).  Zugleich  bezweckt  das  Anklageprinzip  den  Schutz  der 

Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf 

rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 144 I 234 E. 5.6.1; BGE 143 IV 63 

- 20 -

E. 2.2; 141 IV 132 E. 3.4.1 je mit Hinweisen). Die beschuldigte Person muss aus 

der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Sie darf nicht Gefahr laufen, 

erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu wer-

den (BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen). Das Gericht ist an den in der Anklage 

wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an des-

sen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 Abs. 1 StPO). Das 

Anklageprinzip  ist  verletzt,  wenn  die  angeklagte  Person  für  Taten  verurteilt  wird, 

bezüglich welcher die Anklageschrift den inhaltlichen Anforderungen nicht genügt, 

oder wenn das Gericht mit seinem Schuldspruch über den angeklagten Sachverhalt 

hinausgeht  (Urteile  des  Bundesgerichtes  6B_1404/2020  vom  17. Januar  2022 

E. 1.3; 6B_760/2021 vom 8. Oktober 2021 E. 1.1; 6B_63/2020 vom 10. März 2021 

E. 2.2;  je  mit  Hinweisen;  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesgerichtes  6B_709/2021 

vom 12. Mai 2022 E. 1.2).

2.

Anlässlich  der  Hauptverhandlung  rügte  die  amtliche  Verteidigung  sinnge-

mäss eine Verletzung des Anklageprinzips, indem sie festhielt, dass der Staatsan-

walt im Rahmen seines Plädoyers anerkannt habe, dass die 30 %-Grenzen in Be-

zug auf den zulässigen Aktienanteil sowie die zulässige Belehnungshöhe als flexi-

ble Bandbreiten zu verstehen seien, sich dies aber gerade nicht in der Anklage-

schrift  niederschlage  und  nun  unklar  sei,  was  angeklagt  sei  (Prot.  S. 17 f.  und 

S. 34). Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist nicht ersichtlich. Die Ausfüh-

rungen der Staatsanwaltschaft anlässlich der Hauptverhandlung (Prot. S. 10 und 

12) vermögen nichts am angeklagten Sachverhalt zu ändern, der mit der Anklage-

schrift vom 30. September 2024 klar eingegrenzt und definiert wurde. Wie die Ver-

teidigung selbst anmerkte, fanden die entsprechenden Ausführungen des Staats-

anwalts, wobei er diese anlässlich der Replik teilweise relativierte und auf den an-

geklagten Sachverhalt verwies (Prot. S. 26), keinen Eingang in die Anklageschrift. 

Dem Beschuldigten und seiner amtlichen Verteidigung war aufgrund der dort genau 

umschriebenen Prozentwerte klar, gegen welche Vorwürfe sie sich zu verteidigen 

haben.

- 21 -

H.

1.

Verjährung

Die  dem  Beschuldigten  vorgeworfene  mehrfache  ungetreue  Geschäftsbe-

sorgung, ein Vergehen, das mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

bestraft wird (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), sowie die mehrfache qualifizierte unge-

treue  Geschäftsbesorgung,  welche  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  fünf  Jahren  oder 

Geldstrafe bestraft wird (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB), reichen teilweise zeitlich weit 

zurück. Es ist daher zu prüfen, ob diese, dem Beschuldigten vorgeworfenen Hand-

lungen verjährt sind. 

2.

Gemäss Art. 98 lit. a StGB beginnt die Verjährung mit dem Tag, an dem der 

Täter  die  strafbare  Tätigkeit  ausführt.  Die  ungetreue  Geschäftsbesorgung  ist  als 

Zustandsdelikt und nicht als Dauerdelikt ausgestaltet (vgl. Beschluss des Bundes-

strafgerichtes BB.2020.203 vom 21. Juli 2021 Erw. 4.3.2 f.). Das strafrechtliche Un-

recht erschöpft sich bei Zustandsdelikten in der Herbeiführung des rechtswidrigen 

Zustandes, unabhängig davon, ob dieser in der Folge fortdauert oder nicht. Dem-

entsprechend beginnt die Verjährung bei Zustandsdelikten grundsätzlich (spätes-

tens)  im  Zeitpunkt,  in  dem  das  letzte  objektive  Tatbestandselement  verwirklicht 

wird. Bei Vermögensdelikten ist dies in der Regel der Vermögensschaden, welcher 

bereits  in  einer  schadensgleichen  Vermögensgefährdung  bestehen  kann.  Lehre 

und  Praxis  haben  sich  allerdings  bis  anhin  nicht  einheitlich  darauf  festgelegt,  ob 

das letzte Tatbestandselement im Eintritt des Vermögensschadens oder mit Erlan-

gung des unrechtmässigen Vorteils liegt. Im Entscheid vom 23. November 2018, 

welcher explizit die Verjährung eines Zustandsdeliktes (im Zusammenhang mit ei-

ner  darauf  gestützten  Schadenersatzforderung)  betraf,  stellte  das  Bundesgericht 

für den Beginn der Verjährungsfrist letztlich auf die Vermögensdisposition der Ge-

schädigten und damit auf den endgültigen Schadenseintritt ab (vgl. Urteil des Bun-

desgerichtes 6B_64/2018 vom 23. November 2018 E. 4.2).

3.

Führt der Täter die strafbare Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten aus, beginnt 

die Verjährung mit dem Tag der letzten Tätigkeit (Art. 98 lit. b StGB). Es stellt sich 

die Frage, unter welchen Umständen mehrere tatsächliche Handlungen rechtlich 

als Einheit zu qualifizieren sind, was nur noch ausnahmsweise der Fall ist (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1200/2021 vom 15. September 2023 E. 3.2.). Eine tatbe-

- 22 -

standliche Handlungseinheit liegt dabei vor, wenn das tatbestandsmässige Verhal-

ten schon begrifflich, faktisch oder doch typischerweise mehrere Einzelhandlungen 

voraussetzt,  was  etwa  auf  die  Tatbestände  des  Raubes  oder  der  Misswirtschaft 

zutrifft.  Eine  natürliche  Handlungseinheit  ist  gemäss  bundesgerichtlicher  Recht-

sprechung anzunehmen, wenn mehrere Einzelhandlungen auf einem einheitlichen 

Willensakt beruhen und diese wegen des engen räumlichen und zeitlichen Zusam-

menhangs bei objektiver Betrachtung noch als ein einheitliches zusammengehöri-

ges Geschehen erscheinen. Eine natürliche Handlungseinheit fällt jedoch ausser 

Betracht, wenn zwischen den einzelnen Handlungen, auch wenn sie aufeinander 

bezogen sind, ein längerer Zeitraum liegt. Eine tatbestandliche Handlungseinheit 

ist vorliegend kein Thema. Vielmehr könnte im Einzelfall eine natürliche Handlungs-

einheit gegeben sein.

4.

Die Strafverfolgung von Vergehen wie der ungetreuen Geschäftsbesorgung 

verjährt  –  nach  dem  neuen,  ab  1. Januar  2014  geltenden  Verjährungsrecht  –  in 

10 Jahren  (Art. 97  Abs. 1  lit. c  StGB).  Unter  altem  Verjährungsrecht  –  mithin  vor 

dem 1. Januar 2014 (Revision des Verjährungsrechts) – verjährten solche Taten 

bereits nach 7 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. c i.V.m. lit. b aStGB [Fassung bis 31. De-

zember 2013]). Allfällige vor dem 1. Januar 2014 erfolgten pflichtwidrigen Verhal-

tensweisen im Zusammenhang mit der angeblichen Überschreitung des zulässigen 

Aktienanteils von 30 % sowie der angeblichen pflichtwidrigen Überbelehnung von 

mehr als 30 % wären damit verjährt. Die Anklage wirft dem Beschuldigten allerdings 

lediglich für den Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 eine Pflichtverletzung 

vor, welche zu einem Performance-Schaden infolge Überschreitens des angeblich 

zulässigen  Aktienanteils  von  30 %  und  der  angeblich  pflichtwidrigen  Überbeleh-

nung von mehr als 30 % geführt haben soll. Gemäss Anklagesachverhalt soll der 

Beschuldigte  den  zulässigen  Aktienanteil  sowie  die  zulässige  Belehnungsgrenze 

von jeweils 30 % im Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 an allen in der 

Anklageschrift aufgelisteten Quartalsstichtagen überschritten haben (vgl. act. 1010

4008 f. Rz 18 und 19). Die dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen erschei-

nen somit als einheitliches, zusammengehöriges Geschehen. Sie basieren auf dem 

mutmasslich einheitlichen Willensakt des Beschuldigten, sich nicht an die (angeb-

lichen) Vorgaben der Privatklägerschaft halten zu wollen. Zudem weisen die ange-

- 23 -

klagten  Tathandlungen  einen  engen  räumlichen  und  zeitlichen  Zusammenhang 

auf, da der Beschuldigte die angeblich mit der Privatklägerschaft abgesprochenen 

Grenzwerte konstant und fortdauernd überschritten haben soll. Sowohl mit Begrün-

dung einer natürlichen Handlungseinheit als auch unter Berücksichtigung des Zeit-

punkts des vollumfänglichen Schadenseintritts beginnt die Verjährung am 30. Juni 

2016 zu laufen. Im Ergebnis läuft 10-jährige Verjährungsfrist erst am 30. Juni 2026 

ab. Daraus ergibt sich, dass betreffend die eingeklagte mehrfache ungetreue Ge-

schäftsbesorgung die Verjährung noch nicht eingetreten ist.

5.

Die  qualifizierte  ungetreue  Geschäftsbesorgung  gemäss  Art. 158  Ziff. 1 

Abs. 3 StGB wird mit Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bestraft, womit die 

Strafverfolgung in 15 Jahren verjährt (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB), was bereits unter 

dem altem Verjährungsrecht – mithin vor dem 1. Januar 2014 (Revision des Ver-

jährungsrechts)  –  so  war.  Gemäss  Anklage  erhielt  der  Beschuldigte  von  der 

Q._____ AG, der O._____ AG und der K._____ AG in der Zeit vom 1. März 2010 

bis 30. Juni 2016 Management Fees in der Gesamthöhe von CHF 38'254.14 und 

von der O._____ AG sowie der K._____ AG in der Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 

30. September 

2016 

Retrozessionen 

in  der  Gesamthöhe  von  CHF 185'669.86  (vgl.  act. 10104006 f.  Rz 16 und 17; 

act. 10104011 f. Rz 21 und 22). Sowohl die fehlende Rechenschaftsablegung über 

die Retrozessionen als auch die Nichtherausgabe der eingenommenen Retrozes-

sionen und Management Fees werden dem Beschuldigten als strafbare Pflichtver-

letzungen vorgeworfen. Die letzte Management Fee sei per Quartalsende 30. Juni 

2016 angefallen,  die  letzten Retrozessionen  habe der Beschuldigte  per  30. Sep-

tember 2016 erhalten. Die letzten Vermögensdispositionen der jeweiligen Banken 

waren somit mutmasslich erst zu diesen Zeitpunkten abgeschlossen. Die 15-jährige 

Verjährungsfrist begann dementsprechend am 30. Juni 2016 (betreffend Manage-

ment  Fees)  bzw.  am  30. September  2016  (betreffend  Retrozessionen)  mit  der 

Überweisung der letzten Gelder in den Herrschaftsbereich des Beschuldigten und 

endet damit erst am 30. Juni 2031 respektive 30. September 2031. Nichts anderes 

ergibt sich unter Berücksichtigung, dass bei Unterlassungsdelikten die Verjährung 

an dem Tag beginnt, an dem der Garant hätte handeln sollen bzw. die Handlungs-

pflicht endet (Urteil des Bundesgerichts 6B_1026/2008 vom 1. Mai 2009 E. 2.2.1). 

- 24 -

Hinzu kommt, dass auch bei diesem angeklagten Sachverhaltskomplex klar ein ein-

heitliches Geschehen vorliegt, welches auf einem einheitlichen Willensakt des Be-

schuldigten  beruht.  Gemäss  Anklageschrift  soll  sich  der  Beschuldigte  zu  Beginn 

des  Auftragsverhältnisses  dazu  entschlossen  haben,  die  Privatklägerschaft  nicht 

über die ihr zustehenden Retrozessionen zu informieren und ihr diese, wie auch 

die zu hohen Management Fees, fortan nicht herauszugeben. Aus all diesen Grün-

den ergibt sich, dass betreffend die eingeklagte mehrfache qualifizierte ungetreue 

Geschäftsbesorgung die Verjährung auch noch nicht eingetreten ist.

I.

1.

Beweisanträge

Im Vorverfahren sowie teilweise auch im Vorfeld der Hauptverhandlung ha-

ben der Beschuldigte sowie die Privatklägerschaft von ihrem Recht auf Beweisan-

träge  Gebrauch  gemacht  und  Anträge  auf  Abnahme  von  weiteren  Beweismitteln 

gestellt. Dem Beweisantrag des Beschuldigten, die Prüfberichte der "PolyAsset - 

die Standesregulierung der SRO PolyReg" für die Prüfungen der F._____ GmbH in 

den Jahren 2017-2019 einzuholen, wurde seitens der Staatsanwaltschaft entspro-

chen  (act. 10103041 ff.;  act. 41201001 ff.).  Mit  Entscheid  der  Untersuchungsbe-

hörde vom 2. September 2024 respektive mit gerichtlicher Verfügung vom 24. Ja-

nuar  2025  wurde  der  Antrag  der  Privatklägerschaft  um  Einholung  eines  Ergän-

zungsgutachtens 

abgewiesen 

respektive 

einstweilen 

abgelehnt 

(vgl. 

act. 10103046 f.; act. 22). Anlässlich der Hauptverhandlung liess die Privatkläger-

schaft ihren zuvor (einstweilen) abgelehnten Beweisantrag wieder einbringen (Prot. 

S. 8), woraufhin die Einzelrichterin erklärte, dass über den Beweisantrag mit dem 

Endentscheid  entschieden  werde.  Der  Beweisantrag  ist  aus  den  nachfolgenden 

Gründen mit dem Endentscheid definitiv abzuweisen.

2.

Bereits  an  dieser  Stelle  ist  festzuhalten,  dass  Anträge  auf  beweiskräftige 

Feststellung einer bestimmten Beweistatsache im Sinne einer antizipierten Beweis-

würdigung  definitiv  abschlägig  beantwortet  werden  können,  wenn  die  entspre-

chende Tatsache unerheblich, offenkundig, bereits bekannt oder bereits rechtsge-

nügend  erwiesen  ist  (Art. 139  Abs. 2  StPO).  Beweisermittlungsanträge  dagegen 

aktualisieren die Amtsaufklärungspflicht der Strafverfolgungsorgane, das heisst, ih-

nen ist dann zu folgen, wenn das verfahrenstragende Organ dies im Rahmen seiner 

- 25 -

Pflicht, die relevanten Beweise zu ermitteln und zu erheben, für geboten erachtet 

(SK StPO-WOHLERS, Art. 139 N 7).

3.

Die Privatklägerschaft lässt ein Ergänzungsgutachten beantragen, das den 

angeblichen Schaden gestützt auf die Annahme berechnen soll, wonach die Ver-

wendung  jeglicher  Lombardkredite  (und  nicht  nur  die  Überschreitung  des  in  der 

Anklage erwähnten Grenzwertes von 30 %) unzulässig gewesen sei (vgl. act. 9). 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung unterliegt die Berechnung des Scha-

dens  bei  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  nicht  dem  Anklageprinzip  (Urteile  des 

Bundesgerichtes  6B_140/2020  vom  3.  Juni  2021  E. 3  und  6B_959/2017  vom 

29. März 2018 E. 3.4.1). Ein solcher ausschliesslich auf die Schadensberechnung 

gerichteter  Beweisantrag  betrifft  somit  eine  unerhebliche  Tatsache  im  Sine  von 

Art. 318 Abs. 2 StPO. Darüber hinaus basiert der Beweisantrag der Privatkläger-

schaft auf der Grundlage, dass keine Belehnung erlaubt gewesen wäre. Wie der 

Vertreter der Privatklägerschaft selbst konstatiert (Prot. S. 31), basiert die Anklage-

schrift der Staatsanwaltschaft auf der Tatsache, dass eine Belehnungsgrenze von 

30 % zulässig gewesen sei. Darauf ist abzustellen. Das Gericht ist an den in der 

Anklage umschriebenen Sachverhalt gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Das bean-

tragte Ergänzungsgutachten dient somit auch nicht der Klärung des Anklagesach-

verhalts und könnte das Beweisergebnis nicht ändern, sodass dem Beweisantrag 

keine Folge zu leisten ist.

III. Standpunkt des Beschuldigten

Staatsanwaltschaftliche Einvernahme

Der  Beschuldigte  machte  anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen  Einver-

A.

1.

nahme vom 15. Februar 2023 vollumfänglich von seinem Aussagenverweigerungs-

recht Gebrauch und zeigte sich hinsichtlich des ihm vorgehaltenen Anklagesach-

verhalts nicht geständig (act. 50101001-50101023).

2.

Mit Verfügung vom 27. Juni 2024 stellte die Staatsanwaltschaft der amtlichen 

Verteidigung den Anklagevorwurf zu, ersuchte um Mitteilung, ob der Beschuldigte 

anlässlich einer Schlusseinvernahme weiterhin die Aussage verweigern würde, und 

- 26 -

stellte in Aussicht, dass in diesem Falle auf die Durchführung der Schlusseinver-

nahme  verzichtet  werden  könne  (act. 10103001 ff.).  Die  amtliche  Verteidigung 

machte mit Eingabe vom 30. August 2024 geltend, dass seitens des Beschuldigten 

anlässlich  einer  Schlusseinvernahme  keine  Aussagen  erfolgen  würden 

(act. 10103041 ff.), womit ein Verzicht auf eine Schlusseinvernahme angenommen 

und eine solche nicht durchgeführt wurde (act. 10103048).

3.

Die amtliche Verteidigung stellte in derselben Eingabe vom 30. August 2024 

in  Aussicht,  dass  der  Beschuldigte  eine  schriftliche  Stellungnahme  einreichen 

werde (act. 10103042). 

B.

Schriftliche Stellungnahme 

Mit  Eingabe  vom  31. Dezember 2024  reichte  die  Verteidigung  dem  Gericht  eine 

"Stellungnahme des Beschuldigten A._____ vom 31. Dezember 2024 zu den Fra-

gen  anlässlich  der  Einvernahme  vom  15. Februar 2023"  ein  (act. 12/1).  Der  Be-

schuldigte anerkannte darin den ihm vorgeworfenen Sachverhalt nicht (act. 12/2). 

C.

Hauptverhandlung

Anlässlich der Hauptverhandlung machte der Beschuldigte erstmals in freier Rede 

Aussagen zu seiner Person und zur Sache (act. 37). Er bestritt dabei den ihm vor-

geworfenen Sachverhalt weiterhin.

D.

Fazit 

Der Beschuldigte anerkannte die ihm in der Anklage gemachten Vorwürfe nicht. Es 

ist daher zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt anhand der vorliegenden Be-

weismittel rechtsgenügend erstellen lässt oder nicht.

IV. Sachverhalt

A.

1.

Anklagevorwurf

Allgemeines zum Vertragsverhältnis

Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, in der Zeit vom 1. Okto-

ber 2009 bis 30. Juni 2016 im Rahmen der von ihm kontrollierten F._____ GmbH 

- 27 -

(nachfolgend:  F._____  GmbH)  als  berufsmässiger  Vermögensverwalter  seine 

Pflichten verletzt zu haben, sodass die Privatklägerschaft an ihrem Vermögen ge-

schädigt  worden  sei,  wobei  der  Beschuldigte  teilweise  in  der  Absicht  gehandelt 

habe, sich selbst unrechtmässig zu bereichern. Konkret habe der Beschuldigte das 

Vermögen des Privatklägers 1 und dessen Offshore-Gesellschaften C._____ S.A. 

(nachfolgend: C._____) und D._____ Corporation (nachfolgend: D._____) gestützt 

auf  die  Vermögensverwaltungsverträge  vom  20. Januar 2010  und  vom 

24. März 2014 verwaltet. Zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerschaft 

sei eine konservative Anlagestrategie mit einem Aktienanteil bis zu 30 % und ins-

besondere  keine  Aufnahme  von  Lombardkrediten  von  über  30  %  seiner  Aktiven 

vereinbart worden. Der Anklagesachverhalt lässt sich gestützt auf das Vermögens-

verwaltungsverhältnis in drei Teile gliedern:

2.

Vorwurf der pflichtwidrigen Überschreitung der Lombardkreditbelastung

Der Beschuldigte habe seine Vermögensfürsorgepflicht verletzt, indem er die zu-

lässige Lombardkreditbelastung von 30 % des gesamten von ihm verwalteten Net-

tovermögens der Privatklägerschaft bei konsolidierter Betrachtung aller Bankkon-

ten und Rechtssubjekte überschritten habe und damit dessen Vermögen bewusst 

einem höheren Risiko ausgesetzt habe, als die Privatklägerschaft habe eingehen 

wollen.  Durch  diese  pflichtwidrige  Überschreitung  des  Grenzwertes  für  die  Lom-

bardkreditbelastung habe der Beschuldigte auf unrechtmässige Art das Bruttover-

mögen erhöht, auf dessen Grundlage die ihm im Grundsatz rechtmässig zustehen-

den Kommissionen für seine Vermögensverwaltung berechnet worden seien. Ge-

mäss  den  Vermögensverwaltungsverträgen  vom  20. Januar 2010  und  24. März 

2014  habe  der  Beschuldigte  Anspruch  auf  eine  Management  Fee  von  1  %  des 

durchschnittlichen  Vermögens  aller  Depots  und  Konten  gehabt.  Derjenige  Anteil 

dieser monatlich berechneten Management Fee, welcher auf die durch pflichtwid-

rige  Überschreitung  der  Belehnungsgrenze  herbeigeführte  Erhöhung  des  Brutto-

vermögens entfallen sei, entspreche einem Schaden der Privatklägerschaft und ei-

ner  unrechtmässigen  Bereicherung  des  Beschuldigten.  Der  Beschuldigte  habe 

diese unrechtmässige Bereicherung bereits bei der Überschreitung des Grenzwer-

tes beabsichtigt. Der Privatklägerschaft sei durch das Verhalten des Beschuldigten 

- 28 -

ein Schaden in der Höhe von EUR 38'254.14 entstanden. Zudem habe die pflicht-

widrige Überbelehnung zu einem Performance-Schaden geführt. Der Wertverlust 

auf dem Portfolio D._____ bei der O._____ AG habe im Zeitraum vom 1. April 2015 

bis  30. Juni 2016  EUR 251'750.00  betragen,  wobei  ein  Teilbetrag  von 

CHF 97'879.67 dieser Wertminderung auf die pflichtwidrige Überbelehnung entfal-

len sei. Auf dem Portfolio D._____ bei der Q._____ AG habe der Wertverlust im 

Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 EUR 227'811.74 betragen, wobei ein 

Teilbetrag von CHF 80'366.42 auf die pflichtwidrige Überbelehnung entfallen sei. 

Letztlich habe der Wertverlust auf dem Portfolio C._____ bei der K._____ AG im 

Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 EUR 548'120.00 betragen. Dabei sei 

ein  Teilbetrag  von  EUR 242'223.12  dieser  Wertminderung  auf  die  pflichtwidrige 

Überbelehnung entfallen (act. 10104003 ff.).

3.

Vorwurf der pflichtwidrigen Überschreitung des Aktienanteils von 30 %

Weiter  sei  anfänglich  vereinbart  gewesen,  das  Vermögen  der  Privatklägerschaft 

nach der Formel "50 % Renten, 30 % Aktien, 20 % alternative Anlagen" anzulegen, 

und zwar innerhalb dieser Kategorien in banküblichen, verhältnismässig sicheren 

Titeln. Mit Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 seien die alternativen 

Anlagen ausgeschlossen worden, sodass die Formel in der Folge auf "70 % Renten 

und 30 % Aktien" gegangen sei. Das Nettovermögen der Privatklägerschaft habe 

am 31. März 2010 EUR 2'491'476.82 betragen. Bis am 31. März 2015 habe sich 

das Vermögen stets um diesen Wert bewegt, sodass die pflichtwidrigen Risikoüber-

schreitungen bis dahin nicht zu einem Performance-Schaden geführt hätten. In der 

Zeit nach dem 31. März 2015 habe sich das Nettovermögen bis am 30. Juni 2016 

auf EUR 1'197'366 vermindert, wobei diese Vermögensverminderung im Teilbetrag 

von  EUR  306'315.35  die  Folge  von  Mittelabflüssen  und  im  Teilbetrag  von 

EUR 1'057'489.67 auf Wertveränderungen beruht habe. Ein Teilbetrag dieser Wert-

minderung sei aufgrund der pflichtwidrigen Überbelehnung (Vorwurf der pflichtwid-

rigen Überschreitung der Lombardkreditbelastung), ein anderer Teil sei aufgrund 

des den erlaubten Anteil von 30 % durch den Beschuldigten pflichtwidrig überschrit-

tenen  Aktienanteils  entstanden.  Konkret  habe  der  Wertverlust,  welcher  auf  dem 

den erlaubten Anteil von 30 % durch den Beschuldigten pflichtwidrig überschritte-

- 29 -

nen Aktienanteil entstanden sei, im Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 

auf dem Portfolio D._____ bei der O._____ AG CHF 28'187.07, auf dem Portfolio 

D._____ bei der Q._____ AG EUR 90'687.28 und auf dem Portfolio C._____ bei 

der K._____ AG EUR 82'843.29 betragen (act. 10104003 ff.).

4.

Vorwurf der Bereicherung durch Retrozessionen

4.1. Die  Anklage  hält  ferner  fest,  der  Beschuldigte  habe  in  seiner  E-Mail  vom 

19. Oktober 2009 gegenüber der Privatklägerschaft die Frage der Retrozessionen 

im Einklang mit Art. 400 OR dahingehend thematisiert, dass er diese der Privatklä-

gerschaft konkret offenzulegen und zu erstatten habe. Tatsächlich sei der Beschul-

digte gegenüber der Privatklägerschaft dauernd dieser Vermögensfürsorgepflicht 

unterlegen, die er im Vermögensverwaltungsvertrag vom 20. Januar 2010 mit fol-

genden  Worten  bestätigt  habe:  "Die  F._____  kann  (je  nach  Vereinbarung)  dem 

Kunden umgehend alle Provisionen, Bestandszahlungen oder ähnliche Vergütun-

gen gutschreiben, die sie von Dritten im Zusammenhang mit dem Erwerb/Vertrieb 

von kollektiven Kapitalanlagen, Zertifikaten, Notes usw. erhält". Mit Vermögensver-

waltungsvertrag  vom  24. März  2014  sei  schliesslich  vereinbart  worden,  dass  die 

Privatklägerschaft die Retrozessionen dem Beschuldigten überlassen würde, na-

mentlich durch folgende Formulierung: "In the event that F._____ receives remu-

neration that may be covered by a legal obligation to deliver the same to the client, 

in the absence of an agreement to the contrary, the client waives any corresponding 

delivery." [Übersetzung: "Für den Fall, dass die F._____ eine Vergütung erhält, die 

von einer gesetzlichen Verpflichtung zur Ablieferung an den Kunden gedeckt sein 

könnte,  verzichtet  der  Kunde  ohne  gegenteilige  Vereinbarung  auf  eine  entspre-

chende Ablieferung."]. Diese Klausel sei jedoch nicht als Verzicht auf die Heraus-

gabe von Retrozessionen zu werten, da die Privatklägerschaft mangels hinreichen-

der  Information  bzw.  Aufklärung  die  Tragweite  eines  Verzichts  nicht  verstanden 

habe (act. 10104003 f.). Der Beschuldigte habe die Privatklägerschaft vor und wäh-

rend der Dauer des Vermögensverwaltungsauftrages in Verletzung seiner Rechen-

schaftspflicht  weder  in  dieser  Vertragsklausel  noch  in  irgendeiner  anderen  Form 

oder  bei  irgendeiner  anderen  Gelegenheit  darüber  aufgeklärt,  dass  er  bzw.  die 

F._____ GmbH konkret mit der O._____ AG und der K._____ AG zuvor Vereinba-

- 30 -

rungen geschlossen habe, wonach er respektive die F._____ GmbH von der jewei-

ligen Bank Retrozessionen erhalte, welche Eckwerte diese Retrozessionsvereinba-

rungen  gehabt  hätten,  in  welcher  Höhe  Retrozessionen  zu  erwarten  gewesen 

seien, ausgedrückt als Prozentbandbreite des verwalteten Vermögens der Privat-

klägerschaft und welche Retrozessionszahlungen konkret eingegangen seien. Der 

Beschuldigte  habe  die  Privatklägerschaft  in  dieser  Vertragsklausel  lediglich  über 

die abstrakte Möglichkeit informiert, dass er oder die F._____ GmbH von Drittban-

ken Retrozessionen erhalten könnte, und er habe die Höhe dieser möglichen Re-

trozessionen in Form einer maximalen prozentualen Belastung pro Transaktion in 

Bezug auf die verschiedenen Produkteklassen wie folgt angegeben (act. 10104004 

f.):

Product class

Shares

Fixed Income

Funds

Bandwidths/per transaction

up to 0.75 %

up to 0.60 %

up to 0.75 %

Derivatives/Structured Products

up to 1.5 %

4.2. Der Beschuldigte habe der Privatklägerschaft diese Klausel nicht erläutert. 

Dabei  habe  die  Privatklägerschaft  die  Höhe  der  zukünftigen  Transaktionswerte 

nicht zum Voraus gekannt, habe diesbezüglich über keine Erfahrungswerte verfügt 

und  habe  vom  Beschuldigten  diesbezüglich  auch  keinerlei  Indikationen  erhalten. 

Die Berechnung der zu erwartenden Retrozessionen habe eine Multiplikation vor-

ausgesetzt,  wobei  die  Privatklägerschaft  den  Multiplikanden  (Gesamtwert  aller 

durch den Beschuldigten getätigten bzw. beabsichtigten Transaktionen) nicht ge-

kannt habe und somit die Multiplikation nicht habe durchführen können. Weil der 

Beschuldigte die Höhe der zu erwartenden Retrozessionen pflichtwidrig verschwie-

gen habe, habe die Privatklägerschaft keinerlei Möglichkeit gehabt, deren Umfang 

verlässlich  abzuschätzen,  dem  vereinbarten  Vermögensverwaltungshonorar  ge-

genüberzustellen und gestützt darauf gültig auf deren Herausgabe zu verzichten. 

Unabhängig davon habe diese Klausel nicht die Wirkung eines gültigen Verzichts 

- 31 -

auf Retrozessionen gehabt, denn ein Verzicht könne nur in Bezug auf eine konkrete 

Abrechnung über angefallene Vergütungen wirksam sein, was der Beschuldigte ge-

wusst habe, zumindest aber ernsthaft für möglich gehalten und in Kauf genommen 

habe. Der Beschuldigte habe der Privatklägerschaft während des laufenden Ver-

mögensverwaltungsauftrages nie eine Abrechnung über angefallene Retrozessio-

nen oder sonstige Zahlungen von Dritte vorgelegt. Erst auf Ersuchen des vom Pri-

vatkläger 1 im Jahr 2016 im Umfeld der Kündigung vom 4. Juli 2016 beigezogenen 

Rechtsanwalts habe der Beschuldigte Aufstellungen über Retrozessionen mit fol-

genden  Titeln  und  über  folgende  Beträge  vorgelegt:  "Zuwendungen  D._____  & 

C._____  per  31.03.2016" 

im  Betrag  von  CHF/EUR 14'082.65  betreffend 

D._____/O._____ und CHF/EUR 139'955.90 betreffend C._____/K._____, "Com-

pensation  C._____  per  31.12.2014" 

im  Betrag 

von  EUR 19'434.21 

(= CHF 25'266.36)  und  "Compensation  D._____  Corporation  at  Q._____  -  per 

31.12.2014"  im  Betrag  von  EUR 22'528.57  (= CHF 29'284.51).  Die  Privatkläger-

schaft habe nie auf diese Zuwendungen verzichtet (act. 10104005 f.).

4.3. Der  Beschuldigte  habe  somit  seine  Vermögensfürsorgepflicht  gemäss 

Art. 400 OR verletzt, indem er der Privatklägerschaft bis Mitte 2016 keine Rechen-

schaft  über  folgende  Retrozessionen  abgelegt  habe,  die  er  von  den  Banken 

O._____ AG und der K._____ AG aufgrund von Umschichtungen des Vermögens 

der Privatklägerschaft erhalten habe und die, wie er gewusst habe, Vermögen der 

Privatklägerschaft dargestellt hätten: 

-

-

-

O._____, D._____, 01.07.2014 - 30.09.2016: CHF 20'100.09,

K._____, C._____, 01.04.2010 - 30.06.2016: CHF 149'099.85 und

K._____, B._____/S._____, 01.10.2009 - 30.06.2010: CHF 16'469.92.

Der  Privatklägerschaft  sei  dadurch  ein  Schaden  von  insgesamt  CHF 185'669.86 

entstanden (act. 10104006 ff.).

- 32 -

B.

1.

Grundlagen der Beweiswürdigung

Das  Gericht  legt  seinem  Urteil  denjenigen  Sachverhalt  zugrunde,  den  es 

nach  seiner  freien,  aus  der  Hauptverhandlung  und  den  Untersuchungsakten  ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO).

2.

Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die 

Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tat-

sächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich 

ist, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für 

den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die 

Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und 

auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7).

3.

Gemäss  dem  in  Art. 32  Abs. 1  BV  sowie  Art. 6  Ziff. 2  EMRK  und  Art. 10 

Abs. 1 StPO verankerten Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Ange-

klagten) ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der 

wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (BGE 138 V 74 E. 7; 

BGE 128 I 81 E. 2; BGE 127 I 38 E. 2a).

3.1. Als Beweislastregel bedeutet der Grundsatz, dass es Sache der Anklagebe-

hörde ist, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen, und dass nicht dieser seine 

Unschuld nachweisen muss. Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist verletzt, wenn das 

Strafgericht  einen  Beschuldigten  (einzig)  mit  der  Begründung  verurteilt,  er  habe 

seine Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38 E. 2a; bestätigt mit Urteil des 

Bundesgerichtes 6B_948/2019 vom 23. April 2020 E. 1.1).

3.2. Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz "in dubio pro reo", dass 

sich das Gericht nicht von der Existenz eines für die beschuldigte Person ungüns-

tigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erheb-

liche  und  nicht  zu  unterdrückende  Zweifel  bestehen,  ob  sich  der  Sachverhalt  so 

verwirklicht hat. Der Grundsatz ist verletzt, wenn das Gericht an der Schuld hätte 

zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht mass-

gebend,  weil  solche  immer  möglich  sind  und  absolute  Gewissheit  nicht  verlangt 

- 33 -

werden kann (BGE 138 V 74 E. 7; BGE 127 I 38 E. 2a). Die beschuldigte Person 

muss sich nicht selbst belasten (Grundsatz "nemo tenetur"). Sie hat namentlich das 

Recht, die Aussage und ihre Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern (Art. 113 

Abs. 1 StPO). Schweigen darf nicht als Indiz für die Schuld der beschuldigten Per-

son gewertet werden (BGE 142 IV 207 E. 8.2 f.; BGE 138 IV 47 E. 2.6.1). Hingegen 

darf  gewürdigt  werden,  wenn  der  Beschuldigte  von  seinem  Schweigerecht  nur 

punktuell Gebrauch macht (Urteil des Bundesgerichtes 6B_466/2012 vom 8. No-

vember 2012 E. 2.3; bestätigt mit Urteil des Bundesgerichtes 6B_1009/2017 vom 

26. April 2018 E. 1.4.2).

3.3. Nach  der  Rechtsprechung  ist  auch  ein  indirekter  Beweis  zulässig,  wenn 

keine direkten Beweise vorliegen. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tat-

sachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die 

zu  beweisende,  unmittelbar  rechtserhebliche  Tatsache  geschlossen.  Eine  Mehr-

zahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahr-

scheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und inso-

fern  Zweifel  offenlassen,  können  in  ihrer  Gesamtheit  ein  Bild  erzeugen,  das  den 

Schluss auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt (Urteil 

des Bundesgerichtes 6B_1301/2020 vom 12. Januar 2021 E. 1.2.3 m.w.H.). Straf-

urteile  ergehen  somit  häufig  auf  der  Grundlage  von  Indizien,  was  weder  die  Un-

schuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teilrechte verletzt. Dabei findet der 

Grundsatz "in dubio pro reo" nicht auf einzelne Indizien Anwendung, sondern ent-

faltet seine Wirkung bei der Beweiswürdigung als Ganzes. Massgebend ist nicht 

eine isolierte Betrachtung der einzelnen Beweise, welche für sich allein betrachtet 

nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit begründen und insofern Zweifel offenlassen, 

sondern deren gesamthafte Würdigung (Urteil des Bundesgerichtes 6B_527/2014 

vom  26. September  2014  E. 2.1;  bestätigt  mit  Urteil  des  Bundesgerichtes 

6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8).

4.

Muss sich die Beweisführung unter anderem auf die Aussagen von Beteilig-

ten abstützen, so ist anhand sämtlicher Umstände, die aus den Akten ersichtlich 

sind,  zu  untersuchen,  ob  die  beziehungsweise  welche  Sachdarstellung  überzeu-

gend ist. Dabei kommt es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen an, 

- 34 -

verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. In erster Linie mass-

gebend ist nicht die Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen – das heisst deren 

prozessuale  Stellung  sowie  die  Beziehungen  und  die  Bindungen  zu  den  übrigen 

Prozessbeteiligten – sondern der materielle Gehalt ihrer Aussagen. Zur Beurteilung 

der  Glaubhaftigkeit  ihrer  Aussagen  ist  zu  prüfen,  ob  diese  in  den  wesentlichen 

Punkten Widersprüche enthalten, ob sie in ihrem Kerngehalt stimmig und im sich 

aus ihnen ergebenden Ablauf logisch und schlüssig sind sowie ob sie (soweit das 

objektiv  möglich  ist)  anhand  erstellter  Sachverhalte  korrekt  verifizierbar  sind.  Zu 

achten ist insbesondere auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- und 

Untertreibungen,  auch auf Widersprüche,  vor  allem aber  auf  das  Vorhandensein 

hinreichender Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen (dazu BENDER, 

Die  häufigsten  Fehler  bei  der  Beurteilung  von  Zeugenaussagen,  SJZ  81  [1985], 

S. 53 ff.; DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, Plädoyer 2/97 S. 28 

ff., S. 33 ff.; DONATSCH, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar 

zur  StPO,  3. Aufl.,  Zürich 2020,  Art. 162  N 14 f.;  HAUSER,  Der  Zeugenbeweis  im 

Strafprozess  mit  Berücksichtigung  des  Zivilprozesses,  Zürich 1974,  S. 316;  vgl. 

auch BGE 133 I 33 E. 4.3, ferner BGE 139 III 305 E. 5.2.4).

5.

Das  Gericht  würdigt  Gutachten  grundsätzlich  frei  (Art. 10  Abs. 2  StGB).  In 

Fachfragen darf es davon indessen nicht ohne triftige Gründe abweichen, und Ab-

weichungen müssen begründet werden. Auf der anderen Seite kann das Abstellen 

auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzli-

chen Beweiserhebungen gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung (Art. 9 

BV) verstossen (BGE 146 IV 114 E. 2.1; BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; je mit Hinweisen). 

Erscheint dem Gericht die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten 

zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu 

erheben  (BGE  141  IV  369  E. 6.1;  vgl.  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesgerichtes 

6B_850/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 2.3.7). Ein Gutachten stellt namentlich dann 

keine rechtsgenügliche Grundlage dar, wenn gewichtige, zuverlässig begründete 

Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüt-

tern. Das trifft etwa zu, wenn der Sachverständige die an ihn gestellten Fragen nicht 

beantwortet,  seine  Erkenntnisse  und  Schlussfolgerungen  nicht  begründet  oder 

diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonst wie an Mängeln krankt, 

- 35 -

die derart offensichtlich sind, dass sie auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar 

sind (Urteil des Bundesgerichtes 6B_748/2019 vom 11. März 2020 E. 1.3 mit Ver-

weis auf BGE 142 IV 49 E. 2.1.3 und BGE 141 IV 369 E. 6.1).

C.

Beweismittel

Als  Beweismittel 

liegen 

insbesondere  die  Aussagen  des  Privatklägers 1 

(act. 50201001 ff.), die Strafanzeige des Privatklägers 1 vom 15. Oktober 2018 inkl. 

Beilagen (act. 20101001 ff.), die schriftliche Stellungnahme des Beschuldigten inkl. 

Beilagen (act. 12/2; act. 13/1-68), die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der 

Hauptverhandlung  (act. 37),  die  Vermögensverwaltungsverträge  vom  20. Ja-

nuar 2010  und  vom  24. März 2014  (act. 20101016  ff.,  mit  zwei  Anhängen; 

act. 20101020  ff.,  mit  zwei  Anhängen)  sowie  das  Wirtschaftsprüfungs-Gutachten 

samt Nachtrag und Beilagen (act. 30202001 ff.; act. 30202034 ff.; act. 30204001 ff.) 

im Recht. Daneben befinden sich unzählige Urkunden in den Akten (z.B. Bankdo-

kumente,  Korrespondenzen,  Belege,  Screenshots  etc.).  Auf  die  wesentlichen 

schriftlichen Dokumente wird, sofern sie von Relevanz sind, im Rahmen der Sach-

verhaltserstellung eingegangen.

D.

1.

Verwertbarkeit von Beweismitteln

Einvernahme des Privatklägers 1

1.1. Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO hat die beschuldigte Person das Recht, bei 

Beweiserhebungen  durch  die  Staatsanwaltschaft  und  die  Gerichte  anwesend  zu 

sein  und  einvernommenen  Personen  Fragen  zu  stellen.  Dieses  spezifische  Teil-

nahme-  und  Mitwirkungsrecht  fliesst  aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör 

(Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). Es darf nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen ein-

geschränkt werden (Art. 108, Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO; siehe 

auch Art. 101 Abs. 1 StPO; BGE 143 IV 397 E. 3.3.1.; Urteil des Bundesgerichts 

6B_92/2022 vom 5. Juni 2024 E. 1.6.3.1.). Nach Art. 147 Abs. 4 StPO dürfen Be-

weise,  die  in  Verletzung  der  Bestimmungen  von  Art. 147  StPO  erhoben  worden 

sind, nicht zulasten der Partei verwendet werden, die nicht anwesend war (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_92/2022 vom 5. Juni 2024 E. 1.6.3.1.). Nach den Verfah-

rensgarantien von Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 i.V.m. Art. 6 

- 36 -

Ziff. 3  lit. d  EMRK  hat  die  beschuldigte  Person  als  Teilgehalt  des  Rechts  auf  ein 

faires Verfahren Anspruch darauf, Belastungszeugen zu befragen. Eine belastende 

Aussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn die beschuldigte Person wenigs-

tens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit 

hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu 

stellen. Um ihr Fragerecht wirksam ausüben zu können, muss die beschuldigte Per-

son in die Lage versetzt werden, die persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen zu 

prüfen und den Beweiswert seiner Aussagen zu hinterfragen. Dem Konfrontations-

anspruch gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK kommt grundsätzlich absoluter Charak-

ter zu (Urteil des Bundesgerichtes 6B_173/2022 vom 27. April 2022 E. 1.3.1).

1.2. Der Privatkläger 1 wurde am 14. Februar 2023 von der Staatsanwaltschaft – 

in Anwesenheit seines Rechtsvertreters, des Beschuldigten und dessen amtlichen 

Verteidigers – befragt (act. 50201001). Der Verteidigung bzw. dem Beschuldigten 

wurde Gelegenheit eingeräumt, Ergänzungsfragen zu stellen (act. 50201028). Die 

Aussagen des Privatklägers 1 sind daher zu Lasten des Beschuldigten verwertbar.

2.

Wirtschaftsprüfungs-Gutachten

2.1.

Im Rahmen ihres Plädoyers rügte die amtliche Verteidigung das Wirtschafts-

prüfungs-Gutachten in verschiedenen Punkten, insbesondere fehle es an einer kla-

ren  quantitativen  und  qualitativen  Festlegung  des  Risikoprofils,  an  einer  Beurtei-

lung, ob die Überschreitung des Anlageprofils und ein damit einhergehender Ver-

lust  eine  pflichtwidrige  Handlung  im  strafrechtlichen  Sinn  darstelle  sowie  an  der 

nachgewiesenen Kausalität zwischen der Risikoprofilüberschreitung und den Ver-

lusten. Zuletzt bringt die amtliche Verteidigung vor, dass das Gutachten mangels 

Konfrontation mit der Sachverständigen gar nicht verwertet werden könne (act. 41 

S. 19 f.). 

2.2. Das Konfrontations- und Teilnahmerecht bezieht sich auf Einvernahmen und 

Augenscheine. In Bezug auf den Sachverständigenbeweis wird das Konfrontations- 

und Teilnahmerecht dadurch gewährt, dass den Parteien bei der Vorbereitung des 

Sachverständigengutachtens Gelegenheit zu geben ist, sich zu den Fragen zu äus-

sern und Anträge zu stellen (Art. 184 Abs. 3 StPO); zudem steht es den Parteien 

- 37 -

frei, nach Vorliegen des Gutachtens allfällige Beweis- und Ergänzungsanträge bzw. 

Ergänzungsfragen zu stellen (SCHLEIMINGER/SCHAFFNER, in: Niggli/Heer/Wiprächti-

ger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl., Ba-

sel 2023, Art. 147 N 6). Der Beschuldigte wurde mit Schreiben der Staatsanwalt-

schaft vom 21. März 2023 und 6. April 2023 über die Ernennung der sachverstän-

digen Person und den Auftrag für ein Wirtschaftsprüfungs-Gutachten mitsamt Fra-

genkatalog informiert, wobei ihm die Möglichkeit eingeräumt wurde, sich zur sach-

verständigen Person und zum Fragenkatalog zu äussern sowie eigene Anträge zu 

stellen  (act. 30201004 ff.;  act. 30201018 ff.).  Anlässlich  der  Hauptverhandlung 

hatte der Beschuldigte zudem Gelegenheit, zum Gutachten Stellung zu nehmen. 

Damit hatte der Beschuldigte mehrmals die Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu stel-

len, das Gutachten mit eigenen Aussagen in Zweifel zu ziehen oder eine Ergänzung 

bzw. Verbesserung des Gutachtens zu beantragen (vgl. Art. 187 Abs. 2 StPO), was 

er jedoch nicht tat. Das Wirtschaftsprüfungs-Gutachten ist damit verwertbar. 

2.3. Zu den übrigen vorgebrachten Rügen der amtlichen Verteidigung ist festzu-

halten, dass sich das Wirtschaftsprüfungs-Gutachten auf einen provisorischen An-

klagesachverhalt stützt, welcher in den wesentlichen Punkten inhaltlich mit der An-

klageschrift vom 30. September 2024 übereinstimmt (act. 30201004 ff.). Mit Schrei-

ben  zur  Ernennung  der  sachverständigen  Person  bat  die  Staatsanwaltschaft  die 

Parteien sodann um Mitteilung, sollten sie mit dem provisorischen Sachverhalt nicht 

einverstanden sein (vgl. act. 30201005). Davon wurde jedoch kein Gebrauch ge-

macht. Das Gutachten erging somit auf Basis eines klar definierten Anklagesach-

verhalts. Welche rechtlichen Schlussfolgerungen sich aus dem Gutachten ziehen 

lassen, insbesondere in Bezug auf die Kausalität oder die strafrechtlich relevanten 

Pflichtverletzungen,  steht  unter  der  freien  Würdigung  des  Gerichts.  Im  Ergebnis 

sind gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien, die die Überzeu-

gungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern, nicht auszumachen. Die Sachver-

ständige beantwortet die an sie gestellten Fragen, sie begründet ihre Erkenntnisse 

und Schlussfolgerungen und diese sind nicht in sich widersprüchlich. Offensichtli-

che Mängel sind nicht ersichtlich. Vielmehr sind das Gutachten und dessen Nach-

trag schlüssig und plausibel, und es ist kein Grund zu erkennen, weshalb nicht auf 

das Gutachten abgestellt werden könnte, zumal der Nachtrag nicht wegen Mängeln 

- 38 -

erforderlich  wurde,  sondern  weil  sich  eine  Ergänzungsfrage  aufdrängte  (vgl. 

act. 30201028).

E.

1.

Glaubwürdigkeit

Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er 

jeweils als beschuldigte Person einvernommen wurde, weshalb er nicht unter der 

Strafandrohung von Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet 

wurde (vgl. jeweils die Rechtsbelehrung in den Einvernahmen). Als Beschuldigter 

in einem Strafverfahren hat er grundsätzlich ein legitimes Interesse daran, die Ge-

schehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Es liegen aber keine An-

haltspunkte vor, die von vornherein gegen seine Glaubwürdigkeit sprechen würden.

2.

Betreffend die Glaubwürdigkeit des Privatklägers 1 ist festzuhalten, dass die-

ser  sowohl  Zivil-  als  auch  Strafklage  erhoben  hat  und  damit  dazu  geneigt  sein 

könnte, den Sachverhalt auf eine für ihn günstige Weise darzustellen, insbesondere 

da er auch ein finanzielles Interesse am Ausgang des vorliegenden Verfahrens hat 

(vgl. act. 27). Der Privatkläger 1 wurde als Privatkläger-Auskunftsperson im Sinne 

von  Art.  178  lit.  a  StPO  und  Art.  180  Abs. 2  StPO  einvernommen  (vgl. 

act. 50201001 ff.). Er wurde darauf hingewiesen, dass die Bestimmungen über die 

Zeuginnen und Zeugen sinngemäss anwendbar seien, sodass er unter Hinweis auf 

die  strenge  Strafandrohung  bei  falscher  Zeugenaussage  gemäss  Art.  307  StGB 

ausgesagt hat (vgl. act. 50201002 f., F/A 4). Seinen Aussagen ist angesichts der 

bestehenden  Interessenlage  mit  einer  gewissen  Zurückhaltung  zu  begegnen,  es 

besteht aber keine Veranlassung, an seiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln.

3.

Die persönliche Glaubwürdigkeit des Privatklägers 1 und des Beschuldigten 

ist bei der Würdigung ihrer Aussagen zwar zu berücksichtigen, ausschlaggebend 

ist letztlich aber die konkrete Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.

F.

1.

Strafanzeige vom 15. Oktober 2018 inkl. Beilagen

Strafanzeige

1.1. Der Strafanzeige ist zu entnehmen, dass der Privatkläger 1 den Beschuldig-

ten respektive dessen ihm allein gehörende Gesellschaft F._____ GmbH von 2010 

- 39 -

bis  Mitte  2016  mit  einem  Vermögensverwaltungsmandat  beauftragt  habe.  Die 

Grundlage dieses Auftrags seien die Vermögensverwaltungsverträge vom 20. Ja-

nuar 2010 und vom 24. März 2014. Gemäss den vertraglichen Grundlagen seien 

die Vermögenswerte des Privatklägers 1 zu verwalten gewesen, die bei verschie-

denen  Banken  deponiert  und  über  die  Gesellschaften  C._____  und  die  D._____ 

gehalten worden seien. In der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2009 habe der Pri-

vatkläger 1 den Beschuldigten mit einem substantiellen Teil seines Vermögens be-

auftragt. Da der Privatkläger 1 zuvor schlechte Erfahrungen mit der Vermögensver-

waltung  durch  eine  Bank  gemacht  habe,  was  in  grossen  Verlusten  resultiert  sei, 

habe er sich beim Beschuldigten für eine konservative Anlagestrategie entschie-

den. Es sei eine Entschädigung im Umfang von jährlich 1 % des durchschnittlichen 

Vermögens aller verwalteten Konten vereinbart gewesen (vgl. act. 20101003 f.). 

1.2. Der Privatkläger 1 habe dem Beschuldigten die Kontrolle über die Offshore-

Gesellschaften  C._____  und  D._____  gewährt,  indem  er  die  vom  Beschuldigten 

kontrollierte Gesellschaft "T._____ Holding" als Direktorin der beiden obengenann-

ten  Gesellschaften  eingesetzt  habe.  Somit  sei  es  dem  Beschuldigten  ermöglicht 

worden, vollständig über die Vermögenswerte des Privatklägers 1 zu disponieren. 

Dadurch sei es dem Privatkläger 1 auch verunmöglicht worden, über seine eigenen 

Vermögenswerte zu verfügen, weil ihm der Beschuldigte etwa keine Vollmacht für 

die über die F._____ GmbH verwalteten Konten von C._____ und D._____ gewährt 

habe. Dies sei dem Privatkläger 1 jedoch erst aufgefallen, als er dem Beschuldigten 

ankündigt  habe,  ihm  wegen  der  Nachricht  betreffend  die  schlechte  Performance 

einen Besuch abzustatten (vgl. act. 20101004). 

1.3. Den neuen Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 habe der Pri-

vatkläger 1, ohne sich um dessen Inhalt zu kümmern, unterzeichnet. Es habe sich 

gemäss dem Beschuldigten bloss um eine vorgeschriebene Aktualisierung der Ver-

tragsdokumentation gehandelt. Jedoch habe sich mit dieser Anpassung des Ver-

mögensverwaltungsmandates Wesentliches verändert: So sei das Vermögen neu-

erdings mit der Anlagestrategie "Balanced Model" bzw. "Ausgewogen" zu verwalten 

gewesen. Geändert worden seien mit dem neuen Vermögensverwaltungsvertrag 

samt Anhängen nicht nur die Anlagestrategie und die Aufklärung über die Retro-

- 40 -

zessionen,  welche  im  Vermögensverwaltungsvertrag  aus  dem  Jahr  2010  noch 

nicht erfolgt sei. Vielmehr habe der Beschuldigte dem Privatkläger 1 die neuen Ver-

tragsdokumente aus unerfindlichen Gründen auch in englischer Sprache vorgelegt, 

welcher dieser in nur beschränktem Mass mächtig sei, was der Beschuldigte ge-

wusst habe. Der Beschuldigte habe aus der Geschäftsbeziehung mit dem Privat-

kläger 1 von Oktober 2009 bis März 2014 Retrozessionen in der Höhe von insge-

samt EUR 89'568.93 vereinnahmt. Von April 2014 bis März 2016 seien es dagegen 

EUR  80'919.52  gewesen.  Der  Privatkläger 1 sei jedoch  zu keinem  Zeitpunkt  auf 

seinen gesetzlichen Informationsanspruch im Zusammenhang mit den Retrozessi-

onen hingewiesen worden (vgl. act. 20101004 ff.). 

1.4. Der  Beschuldigte  habe  den  neuen  Vermögensverwaltungsvertrag  vom 

24. März 2014 abschliessen müssen, zumal er gegenüber PolyReg in der Pflicht 

gestanden  sei,  mit  dem  Privatkläger  1  einen  zeitgemässen  Vermögensverwal-

tungsvertrag  abzuschliessen.  Der  Wechsel  der  festgelegten  Anlagestrategie  im 

neuen  Vermögensverwaltungsvertrag  vom  "konservativen"  zum  "balanced"  bzw. 

"ausgewogenen" Modell sei für den Privatkläger 1 mit wesentlich höheren Risiken 

verbunden gewesen. Der Privatkläger 1 habe den geänderten Vermögensverwal-

tungsvertrag nicht verstanden und sei vom Beschuldigten entsprechend falsch in-

struiert worden. Weiter sei sich der Privatkläger 1 nie bewusst gewesen, dass der 

Beschuldigte die vom ihm verwalteten Vermögenwerte als Sicherheit für Lombard-

kredite verpfändet habe. Dies sei vom Privatkläger 1 zu keinem Zeitpunkt autorisiert 

worden und habe zu einem grösseren Risiko des verwalteten Vermögens geführt 

als vereinbart (vgl. act. 20101005 f.). Durch die Vorgehensweise des Beschuldigten 

seien  die  verwalteten  Vermögenswerte  von  einem  Stand  in  der  Höhe  von 

EUR 2'495'670.86 per Ende März 2014 auf EUR 1'211'838.40 per 4. Juli 2016 ge-

sunken, was unter Beibehaltung der ursprünglichen konservativen Anlagestrategie 

nicht hätte geschehen können (vgl. act. 20101007).

- 41 -

2.

Vermögensverwaltungsvertrag vom 20. Januar 2010 mit Anhängen

2.1. Vermögensverwaltungsvertrag

2.1.1. Der  Vermögensverwaltungsvertrag  datierend  vom  20. Januar 2010  wurde 

zwischen der "C._____ Group - B._____ - D._____ Corporation" als Kunden und 

der F._____ GmbH geschlossen und unterzeichnet. Die Vertragsparteien bestäti-

gen  darin,  dass  die  bei  den  nachfolgenden  Banken  geführten  Konten  und  Wert-

schriftendepots  durch  den  Beschuldigten  verwaltet  würden:  "Bank  M._____  / 

K._____, P._____ / Q._____, U._____ [Ortschaft] und Q._____, U._____-Liechten-

stein" (act. 20101016).

2.1.2. In Ziffer B.4. ist statuiert, dass es "der F._____ GmbH untersagt ist, ohne 

ausdrückliche Genehmigung des Kunden die verwalteten Vermögenswerte zu ver-

pfänden oder sonst wie zu belasten. Sie darf ohne anders lautende Instruktion des 

Kunden zu dessen Lasten keine Kredite aufnehmen" (act. 20101017). Ziffer D.2. 

führt aus, dass die F._____ GmbH dem Kunden jährlich einen Bericht über Struktur 

und Entwicklung des von der F._____ GmbH verwalteten Kundenvermögens zur 

Verfügung  stellen  werde.  Wenn  das  verwaltete  Kundenvermögen  kreditfinanziert 

sei, insbesondere in Fällen, in denen die F._____ GmbH mit Zustimmung des Kun-

den zu dessen Lasten Kredite aufnehme, so erfolge diese Berichterstattung monat-

lich. Andere Wahlmöglichkeiten stünden dem Kunden im Anhang 1 zur Verfügung 

(act. 20101018). 

2.1.3. In Ziffer D.4. des Vertrags ist festgehalten, dass "die F._____ GmbH dem 

Kunden  (je  nach  Vereinbarung)  umgehend  alle  Provisionen,  Bestandszahlungen 

oder ähnliche Vergütungen gutschreiben kann, die sie von Dritten im Zusammen-

hang mit dem Erwerb/Vertrieb von kollektiven Kapitalanlagen, Zertifikaten, Notes 

usw.  erhält"  (act.  20101018).  Ziffer  D.7.  hält  fest:  "Der  Kunde  bestätigt,  die  An-

hänge 1 und 2 zu diesem Vermögensverwaltungsvertrag erhalten und genehmigt 

zu haben. Des Weiteren bestätigt der Kunde, über die Risiken der gewählten Port-

foliostruktur ausreichend aufgeklärt worden zu sein. Der Kunde kennt und akzep-

tiert die hohen bzw. die besonderen Risiken, die der Vermögensverwaltung bzw. 

der Effektenhandel mit sich bringen kann und bestätigt durch die Unterzeichnung 

- 42 -

dieser  Vereinbarung  den  Erhalt  der  Broschüre  'Risiken  im  Effektenhandel'  der 

Schweizerischen Bankiervereinigung. Der Kunde bestätigt dadurch, dass ihm ins-

besondere die Risiken infolge Währungsschwankungen, Zinssatzänderungen, Bör-

senschwankungen oder Insolvenz bekannt sind." (act. 20101018).

2.2. Anhang 1

Der  Anhang  1  des  Vermögensverwaltungsvertrages  ist  mit  Datum  vom  20. Ja-

nuar 2010 vom Beschuldigten und dem Privatkläger 1 eigenhändig unterzeichnet. 

Darin ist aufgeführt, dass das Anlageziel des ausgewählten Modells "Konservativ" 

die Erhaltung des Kapitals sowie die Ertragserzielung durch laufendes Einkommen 

sei. Die Risikobereitschaft sei gering und fokussiere moderate Vermögensschwan-

kungen. Die Vermögenswerte können auch in alternative Anlagen (Hedge Funds, 

Private  Equity  usw.)  investiert  werden,  was  vorliegend  durch  die  Vertragsunter-

zeichnenden angekreuzt worden ist. Beim Einsatz von alternativen Anlagen sei sich 

der Kunde bewusst, dass bei den alternativen Anlagen den Gewinnchancen höhere 

Verlustrisiken gegenüberstehen würden. Unter dem Übertitel "Reporting" ist fest-

gehalten,  dass  der  Kunde  eine  halbjährliche  Berichterstattung  wünsche 

(act. 20101024 f.).

2.3. Anhang 2

In Anhang 2 des Vermögensverwaltungsvertrages ist die Vergütungsregelung auf-

geführt. Auch dieses Dokument wurde mit Datum vom 20. Januar 2010 durch den 

Privatkläger 1 und den Beschuldigten jeweils eigenhändig unterzeichnet. Darin ist 

festgehalten, dass der Kunde der F._____ GmbH alle von Dritten in Rechnung ge-

stellten  Aufwendungen  vergüte,  die  durch  Verwaltung  von  Wertpapierdepots  bei 

Banken entstehen würden. Betreffend die Vergütung für die Vermögensverwaltung 

durch die F._____ GmbH sei jährlich 1.0 %, berechnet vom durchschnittlichen Ver-

mögen aller Konten und Depots, die Bestandteil des Vertrages seien, zu vergüten. 

Als  Ausgangsgrösse  für  die  Bestimmung  des  zu  einer  Vergütung  im  Jahre  2009 

führenden Wertzuwachses wird der Stand des verwalteten Vermögens zum 1. Ja-

nuar 2009 festgehalten (act. 20101026 f.).

- 43 -

3.

Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 mit Anhängen

3.1. Vermögensverwaltungsvertrag

3.1.1. Der Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 wurde zwischen der 

F._____ GmbH und "D._____ Corporation / C._____ " geschlossen und vom Be-

schuldigten und dem Privatkläger 1 persönlich unterzeichnet. Der Vertrag wurde in 

englischer Sprache verfasst. Die Vertragsparteien vereinbaren darin, dass die Kon-

ten bei der L._____ AG, der Q._____ AG, der O._____ AG und der K._____ AG zu 

verwalten seien (vgl. act. 20101020).

3.1.2. In Ziffer B.4. ist (auf Deutsch übersetzt) festgehalten, dass es der F._____ 

GmbH  untersagt  sei,  die  verwalteten  Vermögenswerte  zu  verpfänden  oder  ohne 

ausdrückliche  Genehmigung  des  Kunden  anderweitig  zu  belasten 

(vgl. 

act. 20101021). Ziffer D.2. statuiert, dass die F._____ GmbH dem Kunden jährlich 

einen Bericht vorlegen müsse. Sofern das verwaltete Kundenvermögen durch ei-

nen  Kredit  finanziert  werde,  insbesondere  in  den  Fällen,  in  denen  die  F._____ 

GmbH mit Zustimmung des Kunden einen Kredit zu dessen Lasten aufgenommen 

habe, sei dieser Bericht monatlich vorzulegen (vgl. act. 20101022).

3.1.3. In  Ziffer  D.5.  ist  (auf  Deutsch  übersetzt)  festgehalten,  dass  die  F._____ 

GmbH im Zusammenhang mit der Erbringung von Dienstleistungen, Vergütungen, 

Honorare,  Provisionen,  Rückvergütungen,  Rabatte  oder  andere  monetäre  oder 

nicht  monetäre  Vorteile  erhalten  könne.  Der  Anspruch  auf  diese  Vergütungen 

bleibe bei der F._____ GmbH. Der Auftraggeber erkläre mit Unterzeichnung des 

Vertrags  ausdrücklich  das  Einverständnis  und  verzichte  auf  entsprechende  Her-

ausgabe. Sofern die von Dritten erhaltenen Zuwendungen mit angemessenem Auf-

wand verfügbar seien und den verschiedenen Einzelverhältnissen zuordnet werden 

könnten, was nicht in jedem Falle möglich sei, könne die F._____ GmbH auf An-

frage des Klienten die Höhe dieser Zuwendungen offenlegen. Die Erbringung von 

Dienstleistungen  könne  für  den  Vermögensverwalter  dazu  führen,  dass  er  mög-

lichst  viele  Transaktionen  generiere  oder  Anlageprodukte  mit  höheren  Margen-

strukturen auswähle, um seine Vergütung von dritter Seite zu erhöhen. Dies könne 

zu exzessiven Transaktionen führen, die der externe Vermögensverwalter durch-

- 44 -

führe, was einen Verstoss gegen die Standesregeln für Vermögensverwalter dar-

stelle. Die F._____ GmbH müsse die Verantwortung in Bezug auf Geschäfte auf 

eigene Rechnung wahrnehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Für den Fall, 

dass die F._____ GmbH eine Vergütung erhalte, die von einer gesetzlichen Ver-

pflichtung zur Ablieferung an den Kunden gedeckt sein könnte, verzichte der Kunde 

ohne gegenteilige Vereinbarung auf eine entsprechende Herausgabe. Die Band-

breiten, die für solche Vergütungen gelten würden, seien in einer nachfolgenden 

Tabelle dargestellt. Allfällige Ausnahmen von diesen Bandbreiten oder Änderungen 

der Vergütungsstruktur würden entweder in den produktbezogenen Informationen 

oder in anderer geeigneter Weise kommuniziert. Für die Produktklasse der Aktien 

sei eine Bandbreite von bis zu 0.75 % pro Transaktion, für festverzinsliche Wertpa-

piere von bis zu 0.60 % pro Transaktion, für Fonds von bis zu 0.75 % pro Transak-

tion und für Derivate/Strukturierte Produkte von bis zu 1.5 % pro Transaktion vor-

gesehen. Die Bandbreiten würden den Maximalwerten der bestehenden Verträge 

entsprechen, wobei die Vergütung faktisch geringer ausfallen könne. Die Tatsache, 

dass die F._____ GmbH eine Vergütung für ihre Dienstleistungen erhalte, werde 

bei der Berechnung der Kundentarife berücksichtigt. Die F._____ GmbH berück-

sichtige diese Beiträge, um ihre Dienstleistungen im Sinne des Kunden zu verbes-

sern (vgl. act. 20101022 f.).

3.2. Anhang 1

Anhang 1 ist gemäss Ziffer D.1. des Vermögensverwaltungsvertrages integrieren-

der Bestandteil des Vertrages und ebenfalls in englischer Sprache verfasst. Auch 

dieses Dokument wurde mit Datum vom 24. März 2014 durch den Privatkläger 1 

und den Beschuldigten jeweils eigenhändig unterzeichnet. Die Überschrift des An-

hangs ist mit "Balanced Model" betitelt. Dabei sei das Anlageziel der Anlagestrate-

gie "Ausgewogen" der Erhalt und die langfristige Steigerung des Kapitals sowohl 

durch laufende Erträge als auch durch Kapital- und Währungsgewinne. Der Anleger 

nehme in Kauf, dass der Wert der betreffenden Anlagen stark schwanken könne. 

Investitionen  in  alternative  Anlagen  wurden  nicht  vereinbart  bzw.  diese  Option 

wurde nicht ausgewählt. Ebenso wenig wurden traditionelle Anlagen im Anhang 2 

ausgewählt. Es wurde indes festgehalten, dass im Fall, dass weder alternative noch 

- 45 -

traditionelle  Anlagen  ausgewählt  worden  seien,  nur  traditionelle  Anlagen  getätigt 

würden. Zudem ist festgehalten, dass der Kunde eine halbjährliche Berichterstat-

tung wünsche (vgl. act. 20101028 f.).

3.3. Anhang 2

Im Anhang 2 des Vermögensverwaltungsvertrages vom 24. März 2014 ist die Ver-

gütungsregelung  festgehalten,  welche  ebenfalls  in  englischer  Sprache  verfasst 

wurde. Der Kunde vergüte der F._____ GmbH alle von Dritten in Rechnung gestell-

ten Aufwendungen, die durch Verwaltung von Wertpapierdepots bei Banken ent-

stehen würden. Im Zusammenhang mit der Erbringung von Dienstleistungen könne 

die  F._____  GmbH  Vergütungen,  Gebühren,  Provisionen  Erstattungen,  Rabatte 

oder andere monetäre oder nicht monetäre Vorteile (sog. "Vergütungen") erhalten. 

Die Erbringung dieser Dienstleistungen erfolge auf der Grundlage eigenständiger 

Vereinbarungen.  Die  Vergütungen  seien  in  den  Standard-Produktpreisen  bereits 

enthalten und würden dem Kunden nicht gesondert in Rechnung gestellt, F._____ 

GmbH behalte den Anspruch auf diese Vergütungen. Der Kunde erkläre mit Unter-

zeichnung des Vertrages ausdrücklich sein Einverständnis und verzichte auf eine 

entsprechende Ablieferung. Weiter werde der F._____ GmbH für die Vermögens-

verwaltung eine jährliche Vergütung in der Höhe von 1 %, berechnet vom durch-

schnittlichen  Vermögen  aller  Konten  und  Depots,  die  Bestandteil  des  Vertrags 

seien, ausgerichtet. In dieser Vergütung seien Depotgebühren, Vermittlungsgebüh-

ren, Börsengebühren, Stempelgebühren, sowie andere von Dritten erhobene Ge-

bühren und Auslagen, die dem Kunden direkt oder gesondert in Rechnung gestellt 

würden, nicht enthalten. Die Ermittlung des Wertzuwachses basiere auf dem ver-

walteten Vermögen  zum  Ende  des  Vorjahres  und/oder  dem  Wert  zu  Beginn  des 

Vermögensverwaltungsmandates  und  der  Verwaltung  während  des  Jahres  (vgl. 

act. 20101030 f.). 

G. Wirtschaftsprüfungs-Gutachten vom 26. Februar 2024

1.

Allgemeines

F._____,  eidg.  dipl.  Wirtschaftsprüferin,  wurde  von  der  Staatsanwaltschaft  zur 

sachverständigen Person ernannt (act. 30201004 ff.) und ihr am 6. April 2023 der 

- 46 -

Gutachtensauftrag erteilt (act. 30201018 ff.). Am 26. Februar 2024 erstattete sie ihr 

Gutachten über die Vermögensverwaltung durch den Beschuldigten respektive die 

F._____  GmbH  für  den  Privatkläger  1  und  dessen  Offshore-Gesellschaften,  die 

C._____ und die D._____ (act. 30202001 ff.). Der Gutachterin wurden zur Erstel-

lung des Gutachtens folgende Unterlagen zur Verfügung gestellt: Verträge und Ge-

schäftskorrespondenz,  edierte  Konto-,  Depot-  und  Vermögensauszüge  der  rele-

vanten Bankbeziehungen, edierte Nachweise zu Retrozessionen sowie die Berech-

nungen über Management-Gebühren (act. 30202005). Im Fokus des Gutachtens 

stand das im Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2016 durch den Be-

schuldigten  verwaltete  Vermögen  der  Privatklägerschaft.  Die  Vermögensverwal-

tung  durch  den  Beschuldigten  sei  im  Rahmen  der  Geschäftsbeziehung  mit  der 

Q._____ AG [Geschäftsbeziehung D._____ Corporation, Konto-Nr. 3, Konto-Nr. 4, 

Konto-Nr. 5], der O._____ AG [Geschäftsbeziehung D._____ Corporation, Konto-

Nr.  6  und  Geschäftsbeziehung  B._____,  Konto-Nr. 7]  und  der  K._____  AG  [Ge-

schäftsbeziehung  C._____  SA,  Konto-Nr. 8  und  Geschäftsbeziehung  B._____, 

Konto-Nr. 9] erfolgt (act. 30202005 f.).

2.

Auftragsdurchführung

2.1.

Im Gutachten wird festgehalten, dass die drei Banken Q._____ AG, O._____ 

AG und K._____ AG die Anlagekategorien in den Vermögensdeklarationen jeweils 

unterschiedlich darstellen würden. Die K._____ AG zeige feste Vorschüsse als Kre-

dite  und  somit  als  Abzugspositionen  vom  Vermögen  und  die  Q._____  AG  weise 

sowohl  positive  wie  auch  negative  Geldanlagen  als  Geldmarktanlagen  aus.  Zur 

Vereinheitlichung für die Analysen seien die gemäss den Vermögensauszügen de-

klarierten  Geldmarktanlagen  folgendermassen  behandelt  worden:  Das  Bruttover-

mögen beinhalte die Kategorie Liquidität/Geldmarkt, Obligationen, Aktien sowie Al-

ternative Anlagen. Kreditpositionen wie Kontokorrentkredite und feste Vorschüsse 

würden vom Bruttovermögen in Abzug gebracht, woraus das Nettovermögen resul-

tiere. Im Rahmen der Analyse des Bruttovermögens nach Anlagekategorien wür-

den alle Geldmarkt-Positionen (Girokonto/Kontokorrentkonto etc.) als Vermögens-

positionen betrachtet, sofern der Saldo der gesamten Kategorie positiv sei. Falls 

- 47 -

der  Saldo  negativ  sei,  würde  die  Position  als  Verbindlichkeit  betrachtet 

(act. 30202006 f.). 

2.2. Bei der Erhebung der Belehnung des Nettovermögens durch Lombardkredite 

sei grundsätzlich analog vorgängiger Methodik vorgegangen worden, jedoch seien 

lediglich  Kontokorrentkredite  und  feste  Vorschüsse  als  Kreditpositionen  berück-

sichtigt und vom Bruttovermögen in Abzug gebracht worden. Alle weiteren Geld-

markt-Positionen  seien  als  Vermögenspositionen  betrachtet  worden,  unabhängig 

davon,  ob  der  Saldo  der  Kategorie  positiv  oder  negativ  gewesen  sei 

(act. 30202008). Hinsichtlich der Erhebung von Finanzinstrumenten mit erhöhtem 

Risiko bestehe grundsätzlich keine bankübliche direkte Zuordnung von Finanzin-

strumenten  in  die  Risikokategorien  "konservativ"  oder  "balanced".  Insbesondere 

liege die Ausgestaltung der Anlagestrategie mit ihren Bandbreiten im Ermessen der 

einzelnen  Bank  respektive  des  jeweiligen  Vermögensverwalters  und  könne  ent-

sprechend variieren (act. 30202008).

2.3. Die Erhebung der Vermögensentwicklung inklusive der Wertveränderungen 

auf den jeweiligen Geschäftsbeziehungen sei auf Basis der jeweiligen Bankdekla-

ration pro Quartal vorgenommen worden. Für die Erhebung, inwiefern ein Zusam-

menhang  zwischen  den  erwirtschafteten  Verlusten  und  den  Phasen,  in  welchen 

das Anlageprofil überschritten worden sei, bestehe, seien die prozentualen Über-

schreitungen den Wertveränderungen gegenübergestellt worden. Dabei seien die 

Verluste wie folgt zugeordnet worden: die prozentualen Überschreitungen der Ak-

tien sowie der alternativen Anlagen seien direkt der Wertveränderung der Periode 

zugeordnet worden. Die Überbelehnung sei den nicht zugeordneten Wertverände-

rungen alloziiert worden (act. 30202010).

2.4. Betreffend die Feststellung von Management Fees und weiterer Gebühren, 

die der Beschuldigte als Vermögensverwalter vereinnahmt habe, seien die Mittel-

abflüsse von den relevanten Bankverbindungen an den Vermögensverwalter erho-

ben worden (act. 30202011). 

- 48 -

3.

Verwaltetes Vermögen

Im  Gutachten  wird  festgehalten,  dass  der  Anteil  der  Obligationen  und  ähnlichen 

Anlagen am Bruttovermögen bis Mitte 2013 zwischen knapp 50 % und 60 % ge-

schwankt habe, in der Folge aber teilweise bis unter 40 % gesunken sei. Bei den 

Aktien lasse sich ab Mitte 2011 ein Anteil von über 30 % am Bruttovermögen und 

ab ca. Anfang 2013 eine stete Zunahme der Anteile bis zu über 50 % vom Brutto-

vermögen feststellen. Der Anteil der alternativen Anlagen sei zu Beginn der Ver-

mögensverwaltungstätigkeit noch bei teilweise über 20 % des Bruttovermögens ge-

legen. Mitte 2011 sei der Anteil dann auf knapp 15 % und bis Mitte 2016 auf 0 % 

gesunken (act. 30202012 f.). Die Anlagebandbreiten in % vom Bruttovermögen auf 

den einzelnen Banken würden sich wie folgt darstellen lassen:

Tabelle 1 (act. 30202013, Abbildung 10)

Anlagekategorie

Gesamtvermögen Q._____

O._____

K._____

Liquidität / Geldmarkt

0.0 %-10.6 %

0.0 %-12.2 %

0.0 %-16.5 %

0.0 %-12.1 %

Obligationen & ähnliche Anlagen

35.7 %-70.3 %

0.0 %-49.6 %

37.6 %-68.6 %

38.8 %-81.2 %

Aktien & ähnliche Anlagen

17.4 %-51.2 %

12.3 %-58.2 %

28.5 %-62.4 %

8.8 %-53.3 %

Alternative Anlagen

0.0 %-28.1 %

14.0 %-47.0 %

0 %

0.0 %-10.0 %

Bei allen Banken habe der Anteil der Aktien im Maximum bei über 50 % gelegen, 

was den Maximalanteil von 30 % übersteige. Die Q._____ AG weise gegenüber 

den anderen Banken einen verhältnismässig hohen Anteil an alternativen Anlagen 

auf (act. 30202013).

4.

Belehnung Nettovermögen durch Lombardkredite

Im Gutachten wird weiter festgehalten, dass sich das Nettovermögen im Zeitraum 

Januar 2010 bis Juni 2015 zwischen EUR 2.2 Mio. und EUR 2.6 Mio. bewegt habe. 

Ab dem 3. Quartal 2015 sei das Nettovermögen bis auf rund EUR 1.2 Mio. per Ende 

Juni  2016  gesunken.  Das  Bruttovermögen  sei  im  gleichen  Zeitraum  bedeutend 

stärker geschwankt, nämlich zwischen rund EUR 2.6 Mio. und über EUR 4.3 Mio. 

Diese Schwankungen seien auch in der Belehnung der Nettovermögen festzustel-

len, zumal auf den verwalteten Vermögen zwischen Januar 2010 und Dezember 

- 49 -

2015 Kredite von zwischen 15 % und 120 % des Nettovermögens gelastet hätten. 

Es sei ersichtlich, dass auf sämtlichen Banken die Nettovermögen mit Krediten be-

lehnt gewesen seien und die Belehnung – identisch mit der Entwicklung des Ge-

samtvermögens – ab Mitte 2012 stark zugenommen habe. Die Belehnung des Net-

tovermögens  für  das  Gesamtvermögen  durch  Kredite  sei  der  nachfolgenden  Ta-

belle zu entnehmen (act. 30202014 f.):

Tabelle 2: Belehnung auf Gesamtvermögen (act. 30202014, Abbildung 12)

5.

Risiko und Verlustbetrachtung

5.1.

Im Gutachten wird weiter festgehalten, dass das verwaltete Nettovermögen 

per 1. Januar 2010 rund EUR 2.4 Mio. und per Ende Juni 2016 EUR 1.2 Mio. be-

tragen habe. Einerseits sei die Minderung des Nettovermögens auf Netto-Abflüsse 

in der Höhe von EUR 731'735 (Kontosaldierungen, Titelein- und Auslieferungen, 

Zahlungen an Dritte und Vermögensverwaltungsgebühren) zurückzuführen, ande-

rerseits auf realisierte und unrealisierte Wertverluste auf den einzelnen Anlagen. 

Gesamthaft resultiere über den gesamten Anlagehorizont und sämtliche Bankbe-

ziehungen ein Wertverlust von EUR 448'982.06 (act. 30202018). 

5.2. Der Wertverlust auf dem Portfolio V._____ bei der Q._____ AG (Kontoinha-

berin  D._____  Corporation)  habe  EUR 50'853.65  betragen.  Auf  dem  Portfolio 

- 50 -

D._____  bei  der  O._____  AG  (Kontoinhaberin  D._____  Corporation)  habe  der 

Wertverlust  EUR 186'924  betragen.  Auf  diesem  Portfolio  seien  lediglich  im  Zeit-

raum Juli 2014 bis Juni 2016 Titel angelegt gewesen. Ein Teil der erwirtschafteten 

Verluste dürfe dadurch verursacht worden sein, dass das eingesetzte Nettovermö-

gen durch eine Überbelehnung von bis zu 85 % signifikant erhöht worden sei. Ein 

weitaus  geringfügiger  Teil  der  Verluste  sei  der  Überschreitung  des  Anlageprofils 

hinsichtlich Aktienanteil zuzuordnen. Der Wertverlust auf dem Portfolio C._____ bei 

der K._____ AG (Kontoinhaberin C._____ SA) habe EUR 302'300 betragen. Ana-

log zum Portfolio D._____ bei der O._____ AG sei die Anlagestrategie auf diesem 

Portfolio bis Mitte 2013 innerhalb der vorgesehenen Bandbreiten gewesen, ab die-

sem Zeitpunkt jedoch habe der Anteil der Aktien am Nettovermögen sowie die Be-

lehnung die definierten Grenzen überschritten. Ab Mitte 2014 sei insbesondere die 

Belehnung  bei  über  30  %  gelegen,  was  die  erwirtschafteten  Verluste  signifikant 

beeinflusst habe (act. 30202018 ff.). 

5.3. Gesamthaft  betrachtet  könnten  die  Verluste  auf  die  jeweiligen  Überschrei-

tungen des Anlageprofils wie folgt zugeordnet werden: 

Tabelle 3: Zuordnung Wertveränderungen, Abbildung 20 (act. 30202022)

Portfolio

Netto-Ergebnis 
Wertveränderung

Aktienanteil  am  Net-
tovermögen > 30 %

Anteil alternative An-
lagen  am  Nettover-
mögen

Überbelehnung

Portfolio V._____ 
(Q._____)

Portfolio D._____ 
(O._____)

Portfolio C._____ 
(K._____)

-50'853.65

-

-43'435.24

-

-186'924.00

-25'452.97

-302'300.00

-62'141.38

-

-

-59'299.93

-184'281.40

Gesamtverlust

-540'077.65

-87'594.35

-43'435.24

-243'581.33

6.

Vermögensverwaltungsgebühren

6.1.

Im  Gutachten  wird  ferner  festgehalten,  dass  der  Beschuldigte  bzw.  die 

F._____  GmbH  im  Rahmen  der  Vermögensverwaltung  des  Privatklägers  1  und 

dessen  Offshore-Gesellschaften  sowohl  Management  Fees,  als  auch  Directors 

Fees und Retrozessionen vereinnahmt habe. Die Management Fees seien gestützt 

- 51 -

auf die Anhänge 2 der Vermögensverwaltungsverträge vom 20. Januar 2010 und 

vom 24. März 2014 berechnet worden, wonach die F._____ GmbH für die Vermö-

gensverwaltung durch den Kunden mit 1 % des durchschnittlichen Vermögens aller 

Konten und Depots entschädigt werden sollte. Gemäss Berechnungsschema sei 

das monatlich verwaltete Vermögen mit 1 % belastet worden. In der Kalkulation sei 

das gesamte investierte Vermögen "Total Investments", mithin das Bruttovermögen 

inklusive allfälliger Kredite (Kontokorrentkredite, Feste Vorschüsse) als Grundlage 

für die Management Fees berücksichtigt worden (act. 30202023 f.). 

6.2. Es könne festgestellt werden, dass die jeweiligen Berechnungen bei der Ma-

nagement  Fee  grösstenteils  pro  Rechtssubjekt  erfolgt  seien,  nur  die  bei  der 

Q._____  AG  und  der  O._____  AG  angelegten  Vermögen  der  D._____  seien  bis 

Ende 2015 konsolidiert in die Berechnung einbezogen worden. Grundsätzlich seien 

die Berechnungen der Management Fees in den Dokumentationen nachvollziehbar 

gewesen.  In  den  einzelnen  Perioden  seien  jedoch  Abweichungen  zwischen  den 

durch die F._____ GmbH eingesetzten Vermögensdaten ("Total Investments") und 

den bei der Validierung berücksichtigten Vermögensdaten gemäss den Bankbele-

gen festgestellt worden. Gesamthaft sei aus diesen Abweichungen eine Differenz 

zwischen den in Rechnung gestellten Management Fees zu den im Rahmen der 

Validierung  kalkulierten  Gebühren  von  knapp  CHF 6'900  resultiert.  Mögliche 

Gründe dafür seien unter anderem, dass in den einzelnen Monaten das verwaltete 

Vermögen in der Berechnung der F._____ GmbH um Positionen ergänzt worden 

sei, deren Werte aus den Vermögensauszügen der Banken nicht hervorgegangen 

seien. Weiter seien in einzelnen Monaten bei den eingesetzten Vermögenswerten 

Rechenfehler festgestellt worden. Zudem seien bei der Berechnung des Bruttover-

mögens durch die F._____ GmbH sämtliche negativen Einzelpositionen (z.B. Kon-

tokorrentkonto in EUR) der Geldmarktmittel als Kreditpositionen berücksichtigt wor-

den, unabhängig davon, ob der Saldo der Gesamtposition (z.B. Kontokorrentkonto 

EUR, USD, CHF, etc.) positiv oder negativ gewesen sei (act. 30202024 f.). 

6.3. Die F._____ GmbH habe für die Vermögensverwaltung im Zeitraum 2010 bis 

2016  Management  Fees  in  der  Höhe  von  gesamthaft  EUR 236'128.33  und 

CHF 2'055.14 berechnet. Umgerechnet betrügen die abgerechneten Gebühren un-

- 52 -

gefähr EUR 237'840.95. Gemäss den festgestellten Mittelabflüssen von den Bank-

konten der D._____ und der C._____ seien der F._____ GmbH Management Fees 

in  der  Höhe  von  EUR 202'415.21  plus  CHF 14'805.11  vergütet  worden.  Weitere 

EUR 25'000 seien gemäss schriftlicher Dokumentation durch Übergabe von Bar-

mitteln beglichen worden. Die durch die F._____ GmbH gesamthaft vereinnahmten 

Management Fees betrügen umgerechnet rund EUR 239'752.80. Summiert seien 

etwa EUR 1'900 mehr durch die F._____ GmbH vereinnahmt worden als aus den 

vorgelegenen Fakturen angezeigt gewesen seien (act. 30202025 f.).

6.4. Die zu entschädigenden Management Fees seien auf Basis des verwalteten 

Bruttovermögens berechnet worden. Entsprechend wirke sich eine allfällige Beleh-

nung  des  Nettovermögens  indirekt  auf  die  berechneten  Management  Fees  aus; 

denn je höher die Belehnung, desto höher sei das Bruttovermögen und mithin die 

Berechnungsbasis. Aufgrund der festgestellten Überbelehnung, mithin der Beleh-

nung des Vermögens über 30 % des Nettovermögens, sei der Anteil der durch die 

F._____ GmbH auf dieser Überbelehnung vereinnahmten Management Fees be-

rechnet worden (act. 30202026):

Tabelle 4: Management Fees aus Überbelehnung, Abbildung 23 (act. 30202026)

Bank

Rechtssubjekt 
Portfolio

/ 

Periode

Kompensation  aus  Überbeleh-
nung in EUR

Q._____ U._____

D._____

1. März 2010 – 30. Juni 2016

18'981.80

O._____

D._____

30. September 2014 – 30. Juni 2016

4'469.81

K._____ 

C._____

31. März 2010 – 30. Juni 2016

14'666.43

B._____-S._____

31. März 2016 – 30. Juni 2016

136.11

Total

38'254.14

6.5.

Im  Rahmen  der  Vermögensverwaltung  für  die  Rechtssubjekte  "D._____, 

C._____ und B._____-S._____" habe die F._____ GmbH im Zeitraum vom 1. Ok-

tober  2009  bis  30. September 2016  Retrozessionen 

in  der  Höhe  von 

CHF 185'669.86 erhalten. Inwieweit die Retrozessionen an die Kunden weiterge-

geben  worden  seien,  gehe  aus  den  vorliegenden  Unterlagen  nicht  hervor 

(act. 30202028).

- 53 -

Tabelle 5: Darstellung der vereinnahmten Retrozessionen, Abbildung 25 (act. 30202028)

Rechtssubjekt / Portfolio

Periode

Retrozessionen in CHF

Bank

O._____

D._____ 

K._____

C._____

B._____ S._____

1. Juli 2014 –
30. September 2016

1. April 2010 –
30. Juni 2016

1. Oktober 2009 –
30. Juni 2010

20'100.09

149'099.85

16'469.92

Total 

       185'669.86

H.

1.

Nachtrag zum Wirtschaftsprüfungs-Gutachten vom 26. Juni 2024

Allgemeines

Mit Datum vom 19. Juni 2024 wurde seitens der Staatsanwaltschaft im Sinne einer 

Ergänzungsfrage bei der eidg. dipl. Wirtschaftsprüferin R._____ ein Nachtrag zum 

Gutachten vom 26. Februar 2024 in Auftrag gegeben (act. 30201028). Der Nach-

trag beinhaltet die Eingrenzung der Risiko- und Verlustbetrachtung gemäss Titel 4 

des Gutachtens auf den Zeitraum von Beginn des 2. Quartals 2015 bis zum Ende 

des 2. Quartals 2016 (act. 30202034 ff.).

2.

Risiko und Verlustbetrachtung

2.1. Das verwaltete Nettovermögen habe per 1. April 2015 rund EUR 2.56 Mio. 

betragen,  per  Ende  Juni  2016  sei  es  noch  bei  rund  EUR  1.2  Mio.  gelegen.  Die 

Minderung  des  Nettovermögens  sei  einerseits  auf  Netto-Abflüsse  (Konto-Saldie-

rungen, Titelein- und Auslieferungen, Zahlungen an Dritte und Vermögensverwal-

tungsgebühren)  in  der  Höhe  von  EUR 306'315.35  sowie  realisierte  und  unreali-

sierte  Wertverluste  auf  den  einzelnen  Anlagen  zurückzuführen.  Gesamthaft  sei 

über  den  Betrachtungszeitraum  vom  1. April 2015  bis  30. Juni 2016  hinsichtlich 

sämtlicher Bankbeziehungen ein Wertverlust von EUR 1.06 Mio. (netto allfälliger 

Vermögenserträge) resultiert (act. 30202037 f.). 

2.2. Der Wertverlust auf dem Portfolio D._____ bei der Q._____ AG habe im Zeit-

raum  vom  1. April 2015  bis  30. Juni 2016  EUR 227'811.74  betragen.  Auf  diesem 

Portfolio zeige sich über die gesamte Beobachtungsperiode eine Überschreitung 

- 54 -

der Anteile der Aktien am Nettovermögen > 30 % von bis zu 65 %. Auch die Über-

belehnung sei mehrheitlich bei über 65 % gelegen. Auf dem Portfolio D._____ bei 

der O._____ AG habe der Wertverlust im Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 

2016 EUR 251'750 betragen. Die Anlagestrategie habe auf diesem Portfolio mehr-

heitlich innerhalb der vorgesehenen Bandbreiten gelegen, eine Überschreitung des 

Anlageprofils sei insbesondere hinsichtlich der Belehnung sowie den Risikokatego-

rien der einzelnen Titel festzustellen. Ein Teil der erwirtschafteten Verluste im Jahr 

2015 dürfte dadurch verursacht worden sein, dass das eingesetzte Nettovermögen 

durch eine Überbelehnung von bis zu 85 % signifikant erhöht worden sei. Der Wert-

verlust auf dem Portfolio C._____ bei der K._____ AG habe EUR 548'120 betragen. 

Der Anteil der Aktien am Nettovermögen sowie die Belehnung habe die definierten 

Grenzen  (Lombardkredite  bis  30  %  sowie  Aktien  bis  30 %  des  Nettovermögens) 

überschritten. Insbesondere die Überbelehnung sei in einzelnen Perioden bei über 

100 % gelegen, was die erwirtschafteten Verluste entsprechend beeinflusst habe 

(act. 30202038 f.). 

2.3. Gesamthaft betrachtet zeige sich die Zuordnung der Verluste auf die jeweili-

gen Überschreitungen des Anlageprofils wie folgt:

Tabelle 6: Wertveränderungen im Zusammenhang mit Überschreitungen Anlageprofil, Abbildung 6 

(act. 30202040)

Portfolio

Netto-Ergeb-

Aktienanteil 

Anteil  Al-

Überbelehnung

Anlagen mit Risi-

Aktien mit Ri-

nis Wertverän-

am  Nettover-

ternative 

kokategorie 

> 

sikokategorie

derung

mögen > 30 %

Anlagen 

konservativ

> balanced

Portfolio D._____ (Q._____)

-227'811.74

-90'687.28

Portfolio D._____ (O._____)

-251'750.00

-28'187.07

Portfolio C._____ (K._____)

-548'120.00

-82'843.29

Gesamtverlust

-1'027'681.74

-201'717.64

I.

Einvernahme des Privatklägers 1

am NV

-

-

-

-

-80'366.42

-223'431.93

-16'080.89

-97'879.67

-221'636.49

-41'787.59

-242'223.12

-475'462.25

-78'142.12

-420'469.21

-920'530.67

-136'010.60

1.1. Der Privatkläger 1 wurde einmalig am 14. Februar 2023 staatsanwaltschaft-

lich einvernommen (act. 50201001 ff.). Zu seiner Person gab er an, er habe eine 

- 55 -

Lehre als KfZ Elektriker gemacht, danach Chef Betriebstechnik studiert und sich 

im  Jahr  1970  im  Bereich  der  Kältetechnik  selbständig  gemacht.  Er  habe  einige 

Jahre in diesem Gebiet in Saudi Arabien gearbeitet, bevor er nach Portugal gegan-

gen  sei,  um  ein  von  ihm  umgebautes  Flugzeug  als  Restaurant  zu  betreiben 

(act. 50201006). Später habe er in W._____ ein erfolgreiches Restaurant eröffnet. 

Im Jahr 2004 habe er alles verkauft und mit ein paar Freunden eine Firma für Wind-

kraft-Anlagen  gegründet  (act. 50201007).  Zu  seinen  Englisch-Kenntnissen  im 

Jahr 2014 befragt antwortete der Privatkläger 1, dass er sich habe verständig ma-

chen  können,  aber  eine  detaillierte  Unterhaltung  sei  so  nicht  möglich  gewesen. 

Seine Englisch-Kenntnisse hätten sich später natürlich durch den Aufenthalt in eng-

lischsprachigen Ländern verbessert. Auf Nachfrage erklärte er, dass er seit dem 

Jahr 2013  sein  Leben  zu  einem  grossen  Teil  auf  der  Jacht  verbringe 

(act. 50201019).

1.2. Zu seiner Beziehung mit dem Beschuldigten befragt gab der Privatkläger 1 

zusammengefasst zu Protokoll, er habe diesen im Jahr 2004 und 2005 über eine 

gemeinsame  Bekannte  in  AA._____  kennengelernt.  Es  sei  am  Anfang  eine  rein 

geschäftliche  Beziehung  gewesen,  die  sich  im  Laufe  der  Zeit  zu  einer  engeren 

Freundschaft entwickelt habe. Der letzte Kontakt sei im Jahr 2016 gewesen, wobei 

sich der Beschuldigte etwas später nochmals wegen einer Investition bei ihm ge-

meldet habe; dies habe er jedoch abgelehnt und ihm die Vollmacht für das Invest-

ment entzogen. Er sei vom Beschuldigten ausgenutzt worden und "gerupft wie ein 

Huhn" (act. 50201006). 

1.3. Der Beschuldigte habe zunächst nur einen Teil seines Vermögens verwaltet, 

der andere Teil sei noch bei einer Bank in Liechtenstein angelegt gewesen. Dieser 

habe ihm eines Tages erzählt, dass bei der Bank Gelder von ihm (des Privatklä-

gers 1) investiert worden seien, die nicht seinem Anlageprofil entsprächen und ihm 

geraten, dass er damit in Liechtenstein vor Gericht gehen solle. Nach dem Prozess 

in Liechtenstein habe der Beschuldigte ihm geraten, das Geld von der Bank abzu-

heben und mit ihm einen Verwaltungsauftrag zu machen, dass er sich darum küm-

mern könne. Er habe dies dann gemacht, weil der Beschuldigte ihm die ganze Zeit 

geholfen habe. Dieser habe ihm auch geraten, Offshore-Konten zu eröffnen und 

- 56 -

das Geld dorthin zu verschieben (act. 50201007 ff.). Hinsichtlich seiner beiden Off-

shore-Gesellschaften "D._____ Corporation" und "C._____ SA" habe der Beschul-

digte dazu geraten, da es für die Investitionen besser sei. Er selbst habe sich jedoch 

nie  darum  gekümmert,  es  sei  nie  Gegenstand  seiner  Arbeitswelt  gewesen 

(act. 50201009). Sie hätten dann die Verträge unterzeichnet, und es sei jahrelang 

in  Ordnung  gewesen.  Der  Beschuldigte  habe  ihn  oft  in  Portugal  besucht,  und  er 

habe ihn manchmal in der Schweiz besucht. Es sei gut gelaufen, bis er eines Tages 

nicht mehr auf das Konto habe zugreifen können (act. 50201008 f.). Bei der einen 

Bank, mutmasslich die O._____, sei das Online-Banking unzugänglich gewesen, 

bei der K._____ habe er noch Zugang gehabt (act. 50201015). Der Beschuldigte 

habe  ihn  vertröstet  und  mitgeteilt,  er  sei  auf  Geschäftsreise.  Nach  ungefähr  drei 

Monaten habe er ein schlechtes Gefühl bekommen und sei in die Schweiz geflogen, 

um Zugriff zur Bank zu erhalten. Es sei alles ziemlich schnell gegangen. Er sei dann 

mit einem Rechtsanwalt vorgegangen und habe aufgeklärt, was der Beschuldigte 

für Fehler gemacht habe. Sie hätten sofort alles gekündigt (act. 50201008 f.).

1.4. Den Vermögensverwaltungsvertrag vom 20. Januar 2010 habe er selbst un-

terzeichnet, er wisse jetzt jedoch nicht mehr, was genau der Inhalt des Vertrages 

gewesen  sei.  Der  Beschuldigte  habe  diesen  erstellt,  ihm  die  Unterlagen  gezeigt 

und mitgeteilt, dass alles in Ordnung sei und er nur unterzeichnen müsse, worauf-

hin er dies gemacht habe. Er wisse nicht, ob er die erste Seite des Vertrages über-

haupt einmal gesehen habe und weshalb teilweise handschriftlich geschrieben sei. 

Warum die Kundenbezeichnung handschriftlich mit "C._____ Group – B._____ – 

D._____ Corp." angegeben sei, könne er nicht beantworten. Er habe dem Beschul-

digten einfach vertraut und sei nicht auf die Idee gekommen, dass etwas nicht stim-

men könnte (act. 50201010 ff.). Er habe oft mit dem Beschuldigten telefoniert und 

habe diesen beim Skifahren in Österreich oder bei zwei bis drei Besuchen pro Jahr 

in Portugal gesehen. Er und der Beschuldigte hätten sich schon über Finanzfragen 

unterhalten, wenn etwas habe unterzeichnet werden müssen. Es sei aber nicht um 

Anlagen gegangen, da er nichts dazu habe sagen können. Der Beschuldigte habe 

gewusst, dass  er  (der  Privatkläger  1)  keine  Ahnung  von  Anlagen  gehabt  habe 

(act. 50201011 f.). Auf die Frage, ob es in der Phase bis zum neuen Agreement 

vom 24. März 2014 Lombardkredite gegeben habe, führte der Privatkläger 1 aus, 

- 57 -

zu  dem  Zeitpunkt  habe  er  gar  nicht  gewusst,  was  Lombardkredite  seien 

(act. 50201012 f., F/A 49). Es sei für ihn klar gewesen, dass sein Vermögen kon-

servativ anzulegen sei, damit seine Rente gesichert sei. Er habe keine Ahnung von 

Aktien und Anlagen gehabt (act. 50201013).

1.5. Er habe in einem Bank Statement gesehen, dass USD 500'000 oder mehr 

aufgenommen worden seien, vielleicht seien es auch Euro gewesen. Er habe dies 

als Risiko angesehen, Kredite aufzunehmen und habe dem Beschuldigten sofort 

mitgeteilt, dass er dies nicht wolle. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass er dafür 

einen höheren Zins erhalten werde, was ihm (dem Privatkläger 1) aber nicht ge-

passt habe. Er sei sein ganzes Leben lang gegen die Aufnahme von Krediten ge-

wesen. Er wisse nicht mehr genau, wann dies gewesen sei. Eher gegen Ende. Der 

Beschuldigte  habe  ihm  auch  zugesichert,  dass  er  damit  aufhöre.  Er  gehe  davon 

aus, dass es sich dabei um die Lombardkredite gehandelt habe. Dieses Wort habe 

er allerdings erst gelernt, als die Kundenbeziehung mit dem Beschuldigten bereits 

beendet worden sei (act. 50201013 f.). Ganz allgemein habe er die Unterlagen, die 

er jeweils von der Bank erhalten habe, überhaupt nicht studiert. Er habe nur geprüft, 

was er eingezahlt habe und was das Ergebnis gewesen sei. Er habe das Ergebnis 

auch mit dem Ergebnis des letzten Statements verglichen. Alles andere habe er 

nicht verstanden und auch nicht gekannt. Er habe nicht oft auf die Konten zugegrif-

fen, und es seien teilweise Monate vergangen, bis er dies wieder angeschaut habe 

(act. 50201014 f.). Er könne sich nicht daran erinnern, ob er jeweils Berichte vom 

Beschuldigten erhalten habe (act. 50201017). Die Entwicklung im Lauf der Jahre 

sei okay gewesen. Seiner Meinung nach sei es immer etwas aufwärts gegangen, 

daher sei auch sein Vertrauen mit der Zeit gewachsen. Der Beschuldigte habe ihm 

8 % Gewinn pro Jahr versprochen. Er habe ihm darauf erwidert, dass er auch mit 

4 % Gewinn zufrieden sei (act. 50201014, act. 50201016). 

1.6. Betreffend die Vergütung des Beschuldigten sei es für ihn in Ordnung gewe-

sen, dass dieser 1 % des Vermögens, das er angelegt habe, erhalte. Dem habe er 

auch zugestimmt, und es sei ihm auch auf diese Art und Weise erläutert worden. 

Weitere Vergütungsregelungen seien ihm nicht bewusst gewesen. Die Vergütungs-

regelung  habe  er  vielleicht  überflogen,  aber  verstanden  habe  er  diese  nicht.  Er 

- 58 -

habe verstanden, dass der Beschuldigte günstigere Gebühren als die Q._____ in 

Liechtenstein mache. Er habe damals nicht gewusst, ob da noch verklausuliert et-

was  hinzukomme  (act. 50201016 f.).  Hinsichtlich  des  Vermögensverwaltungsver-

trages vom 20. Januar 2010 habe er nicht wahrgenommen, was dessen Inhalt ge-

wesen  sei.  Es  sei  möglich,  dass  er  dies  gelesen  habe,  jedoch  sei  ihm  nicht  klar 

gewesen, was es bedeute. Der Beschuldigte habe ihm die Verträge gebracht und 

gesagt, schau mal hier, das ist so und so, unterschreibe hier und da. So habe er 

diese unterzeichnet. Der Beschuldigte habe ihm die Verträge nicht gegeben und 

gesagt, dass er diese zunächst in Ruhe durchlesen könne (act. 50201017).

1.7. Bezüglich  des  neuen  Vermögensverwaltungsvertrages  mit  Anhängen  vom 

24. März 2014 habe der Beschuldigte ihm mitgeteilt, dass es eine Kopie des ersten 

Vertrages sei, weil dies über eine andere Gesellschaft habe laufen können, die dies 

angeblich auf Englisch gefordert habe (act. 50201018). Die andere Gesellschaft sei 

eine englischsprachige Organisation gewesen, die die Offshore-Gesellschaften ge-

macht habe (act. 50201022). Der Beschuldigte habe ihm mitgeteilt, dass es sich 

um den gleichen Vertrag wie die deutsche Version handle und es eine Übersetzung 

sei. Er selbst habe in den neuen Vertrag zu wenig reingeguckt und diesen gar nicht 

ganz  durchgelesen.  Er  habe  den  Kopf  mit  vielen  Dingen  voll  gehabt  und  sei  auf 

dem Schiff gewesen. Soweit er sich erinnere, hätten sie den neuen Vertrag auf dem 

Schiff unterschrieben. Er habe durch die Unterzeichnung eines neuen Vertragsdo-

kumentes  nichts  an  der  Vertragsbeziehung  zum  Beschuldigten  ändern  wollen 

(act. 50201018 f.). Er habe nicht mit dem Beschuldigten darüber gesprochen, dass 

die  Anlagestrategie  mit  dem  neuen  Vertrag  zum  "Balanced  Model"  abgeändert 

werde.  Er  habe  nicht  einmal  eine  Kopie  des  neuen  Vertrages  gehabt.  Wäre  ihm 

dies bewusst gewesen, dass dadurch die Risikokategorie erhöht würde, hätte er 

nie  zugestimmt.  Er  habe  sein  Vermögen  immer  konservativ  anlegen  und  auf  Si-

cherheit gehen wollen. Im Gespräch mit dem Beschuldigten sei immer klar gewe-

sen, dass er (der Privatkläger 1) keine Risiken eingehen wolle und es sich um seine 

Rente  handle  (act. 50201021  ff.).  Auch  die  im  neuen  Vertrag  vorgesehene  neue 

Vergütungsregelung des Beschuldigten hinsichtlich Retrozessionen habe er nicht 

zur Kenntnis genommen. Wenn es ihm aufgefallen wäre und er dies verstanden 

hätte, hätte er es nicht unterzeichnet. Der Begriff "Retrozessionen" sei ihm nicht 

- 59 -

bekannt gewesen, als er die Verträge mit dem Beschuldigten unterzeichnet habe. 

Er habe sich auch keine Gedanken darüber gemacht, ob der Beschuldigte Zahlun-

gen  von  Dritten  erhalte.  Es  sei  ihm  absolut  unbekannt  gewesen.  Er  sei  durch 

Rechtsanwalt  lic.  iur.  Y1._____  auf  das  Stichwort  "Retrozessionen"  aufmerksam 

gemacht  worden,  als  sie  gemeinsam  den  Vertrag  aufgearbeitet  hätten 

(act. 50201026 ff.). 

1.8. Nach der Vertragsunterzeichnung des zweiten Vertrages sei es weiter ge-

gangen wie bisher. Etwa ein halbes Jahr vor der Kündigung habe er erst gemerkt, 

dass sich das Vermögen stark vermindert habe. Das sei ihm vorher gar nicht so 

stark  aufgefallen.  Betreffend  die  Anlagen,  die  der  Beschuldigte  für  ihn  angelegt 

habe, habe er keine Ahnung gehabt. Er habe von Zeit zu Zeit etwas vom Beschul-

digten zugeschickt erhalten, könne aber nicht mehr sagen, was das genau gewe-

sen sei (act. 50201019, act. 50201022 f.).

J.

1.

Schriftliche Stellungnahme des Beschuldigten

Mit Eingabe vom 31. Dezember 2024 stellte die amtliche Verteidigung dem 

hiesigen Bezirksgericht eine schriftliche Stellungnahme zu, in welcher der Beschul-

digte erstmals Stellung zum Anklagesachverhalt nahm (act. 12/1-2). Die schriftliche 

Stellungnahme stützt sich auf den Fragekatalog der staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahme vom 15. Februar 2023, anlässlich welcher der Beschuldigten von seinem 

Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte.

2.

Der Beschuldigte führte in seiner schriftlichen Stellungnahme zusammenge-

fasst aus, dass er den Privatkläger 1 circa im Jahr 2006 durch einen gemeinsamen 

Bekannten der P._____ in Zürich kennengelernt habe, bei der er seit Ende 2005 

angestellt  gewesen  sei.  Gegen  Ende  2008  habe  er  für  den  Privatkläger  1  eine 

Bankbeziehung eröffnet und ihm einen Anlagevorschlag, unter anderem mit Hin-

weis auf einen Lombardkredit, zukommen lassen. Im Anschluss habe er mit dem 

Privatkläger 1  wie  vorgeschlagen  zusammengearbeitet,  wobei  dieser  ihm  zuvor 

das Einverständnis durch die Unterzeichnung der notwendigen Dokumente habe 

erteilen müssen. Es sei banküblich, dass der wirtschaftlich Berechtigte einen Kre-

ditvertrag sowie die Pfandbestellung persönlich unterschreiben müsse. Ende 2009 

- 60 -

habe der Privatkläger 1 ihn mit der Analyse seines Portfolios bei der Q._____ in 

U._____ beauftragt (act. 12/2 S. 2). 

3.

Am  19. Oktober 2009  habe  er  für  den  Privatkläger  1  einen  Investmentvor-

schlag  erstellt,  wobei  er  ihn  schriftlich  über  die  Verwendung  und  den  Erhalt  von 

Retrozessionen/Zuwendungen im Umfang von 0.25 % informiert habe. Infolgedes-

sen  habe  er  mit  dem  Privatkläger  1  sowohl  den  Anlagevorschlag  der  Q._____ 

U._____ von Januar 2010 als auch seinen ausgearbeiteten Vorschlag besprochen. 

Es sei ein besonderes Augenmerk auf die Zusammensetzung der Preisstruktur so-

wie auf die erwähnten Zuwendungen gelegt worden und es sei nachweislich belegt, 

dass  er  seiner  Aufklärungspflicht  im  Zusammenhang  mit  Zuwendungen  vor  Ver-

tragsunterzeichnung nachgekommen sei und dies in transparenter Form mit dem 

Privatkläger 1 kommuniziert habe. Der Privatkläger 1 habe am 5. Januar 2010 die 

Kreditunterlagen der K._____ AG persönlich unterzeichnet. Am 28. Februar 2010 

habe der Privatkläger 1 der Q._____ U._____ den Auftrag erteilt, einen Betrag von 

EUR  250'000  auf  sein  Privatkonto  bei  der  K._____  AG  zu  transferieren.  Am 

2. Mai 2010  habe  dieser  die  K._____  AG  angewiesen,  seine  gesamten  Vermö-

genswerte einschliesslich eines bestehenden Kredits auf die Gesellschaftsstruktur 

"C._____" zu übertragen. Für dieses Konto habe er (der Privatkläger 1) einen E-

Banking Zugriff sowie ein Einzelzeichnungsrecht gehabt. Der Privatkläger 1 habe 

seine  Banken  mindestens  einmal  jährlich  besucht  und  sei  bei  Zahlungen  oder 

Transfers  regelmässig  telefonisch  in  Kontakt  gestanden.  Bei  der  Vertragsunter-

zeichnung vom 20. Januar 2010 sei nach dem ausführlichen Kundengespräch mit 

dem Privatkläger 1 dessen Anlageprofil  dokumentiert worden. Der Privatkläger 1 

habe jeweils eine Kopie des gesamten Vertragswerks sowie die Broschüre "Stan-

desregeln SRO Polyreg und Risikoaufklärung im Anlagegeschäft" erhalten. Die Be-

stätigung des Empfangs sei am 14. Dezember 2010 erfolgt (act. 12/2 S. 3). 

4.

Die Struktur der D._____ sei dem Privatkläger 1 von seiner Hausbank, der 

Q._____ in U._____, erstellt worden. Bei deren Gründung seien vor allem Gründe 

der Steueroptimierung im Vordergrund gestanden, wie auch der Schutz der Privat-

sphäre. Am 9. April 2010 sei ein Lombardkredit in Höhe von EUR 500'000 ausge-

setzt worden, wobei der Kreditantrag durch den Privatkläger 1 persönlich habe un-

- 61 -

terzeichnet  werden  müssen.  Dies  entspreche  der  üblichen  Praxis  und  Norm.  Mit 

der Unterzeichnung habe der Kunde sein ausdrückliches Einverständnis zu diesem 

Engagement  und  der  zugrundeliegenden  Strategie  zum  Ausdruck  gebracht.  Auf 

Anweisung des Privatklägers 1 sei die Gesellschaft "D._____" am 15. Juni 2016 

geschlossen und am 17. Januar 2017 liquidiert worden (act. 12/2 S. 4). 

5.

Vor Abschluss des Vermögensverwaltungsvertrages vom 20. Januar 2010 

habe er den Privatkläger 1 bei der P._____ kennengelernt. Dieser habe sehr viel 

gewusst, sei intelligent und im Umgang mit Wirtschaftsinformationen sehr erfahren. 

Dieser habe ihn (den Beschuldigten) mit seinem umfassenden Wissen, seiner In-

telligenz und seiner gewandten Art komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu 

analysieren und zu vermitteln, stets beeindruckt. Mit der Zeit sei eine langjährige 

Freundschaft und Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe entstanden (act. 12/2 S. 5). 

Der Privatkläger 1 habe im Zusammenhang mit seiner Gesellschaft D._____ einen 

Prozess im Fürstentum Liechtenstein gegen die Q._____ in U._____ geführt, wobei 

er den Privatkläger 1 unterstützt habe. Dieser habe den Prozess verloren. Das Ge-

richt in Liechtenstein habe das Anlegerprofil des Privatklägers 1 als "hohe bis sehr 

hohe Risikotoleranz, Fokus auf Vermögensgewinn statt Kapitalerträgen, langfristi-

ger  Anlagehorizont"  beschrieben.  Das  Gericht  habe  diesen  als  professionellen, 

qualifizierten Anleger eingestuft (act. 12/2 S. 5). 

6.

Bei der ersten Vertragsunterzeichnung habe er dem Privatkläger 1 den ge-

samten Vertrag und die wesentlichen Punkte erläutert. Das Renditeziel habe der 

Privatkläger 1 stets zwischen 5 % und 8 % angegeben und dies habe sich nie ver-

ändert. Ein Risikoprofil müsse immer im Zusammenhang mit einer möglichen Er-

tragserwartung betrachtet werden. Anlässlich der Vertragsunterzeichnung habe er 

den Privatkläger 1 ausführlich über die vertraglich geregelte Kompensation aufge-

klärt. Dieser habe ein klares Verständnis im Hinblick auf die möglichen Risiken der 

vereinbarten Strategie gezeigt. Er habe sich in der Regel zwei- bis viermal im Jahr 

mit dem Privatkläger 1 getroffen. Dies sei aus den Berichten betreffend Kundenbe-

suche aus den Jahren 2014 bis 2016 ersichtlich. Die persönlichen Treffen hätten 

es  ermöglicht,  dass  geschäftliche  Angelegenheiten  effizient  besprochen  und  die 

Beziehung laufend vertieft worden sei (act. 12/2 S. 6). Er habe das Vermögen des 

- 62 -

Privatklägers 1 gemäss dem Vermögensverwaltungsvertrag vom 20. Januar 2010 

nicht nur bei der O._____ AG und der K._____ AG verwaltet, sondern er habe auch 

frühere  Geschäftsbeziehungen  des  Privatklägers 1  betreut.  Bei  der  Q._____ 

U._____ sei das Risikoprofil des Privatklägers 1 zwischen 2005 und 2008 wachs-

tumsorientiert gewesen (act. 12/2 S. 7 f.). Auf die Frage, ob er sämtliche Transak-

tionen  mit  dem  Privatkläger  1  vorbesprochen  habe,  führte  der  Beschuldigte  aus, 

dass für gewisse Verwaltungshandlungen, einschliesslich der Bearbeitung von Kre-

diten, ausdrücklich das Einverständnis des Kunden vorgängig erforderlich sei. Die-

ses Einverständnis habe er immer vorgängig eingeholt. Weder ein Kredit noch ein 

Geldausgang  könne  ohne  die  persönliche  Unterschrift  des  Kunden  erfolgen 

(act. 12/2 S. 8). 

7.

Bei  der  Formulierung  von  Ziffer  B.4.  des  Vermögensverwaltungsvertrages 

vom 20. Januar 2010 handle es sich um einen Standardsatz, der wie folgt laute: 

"Es ist der F._____ untersagt, ohne ausdrückliche Genehmigung des Kunden die 

verwalteten Vermögenswerte zu verpfänden oder sonst wie zu belasten. Sie darf 

ohne anderslautende Instruktion des Kunden zu dessen Lasten keine Kredite auf-

nehmen.". Damit werde klargestellt, dass Kredite für den Eigengebrauch des Ver-

mögensverwalters  nicht  zulässig  seien  und  dass  der  Kunde  bei  der  Aussetzung 

eines Kredits im Voraus seine Zustimmung erteilen müsse, was der Privatkläger 1 

in diesem Fall auch gemacht habe. Der Kunde müsse die Vertragsdokumente bei 

der  Aussetzung  eines  Kredits  persönlich  unterzeichnen.  Diese  Verantwortung 

könne nicht an den Vermögensverwalter delegiert werden (act. 12/2 S. 9). Es habe 

bei der P._____ bereits im Jahr 2009 Kredite gegeben. Die Ausführungen des Pri-

vatklägers 1, wonach er (der Beschuldigte) "monatelang abwesend" gewesen sei, 

würden den Tatsachen widersprechen. Es sei während der gemeinsamen Zusam-

menarbeit nie vorgekommen, dass er länger als einen Monat keinen Kontakt zum 

Privatkläger 1 gehabt habe (act. 12/2 S. 10). 

8.

Betreffend das im Anhang 1 zum Vermögensverwaltungsvertrag vom 20. Ja-

nuar  2010  festgehaltene  "Model  Konservativ"  sprenge  keine  der  von  ihm  vorge-

nommenen Anlagen dieses Modell. Das Modell basiere auf einem vorformulierten 

strategischen Grundraster, das der Klassifizierung des Kunden nach seinem per-

- 63 -

sönlichen Risikograd dienen würde. Alternative Anlagen könnten grundsätzlich in 

jedes Portfolio integriert werden, auch in ein konservatives. Diese würden zur Di-

versifikation eines Portfolios beitragen und würden nicht zwangsläufig ein erhöhtes 

Risiko mit sich bringen. Gemäss seinem Schreiben vom 28. Juni 2016, worin die 

Risikomodelle detailliert beschrieben seien, erlaube das Modell "Konservativ" auch 

10 % bis 30 % alternative Anlagen. Sie seien fördernd für die Stabilität des Portfo-

lios. Die Auswahl des Modells "Konservativ" sei damals nach Absprache mit dem 

Privatkläger 1 unter Berücksichtigung dessen Renditeerwartung und der damaligen 

Marktsituation  erfolgt.  Die  Zinssätze  seien  damals  in  anderen  Anlageklassen  at-

traktiv genug gewesen, um das Renditeziel des Privatklägers 1 von 5 % auch mit 

einer geringeren Aktienquote zu erreichen (act. 12/2 S. 10 f.). 

9.

Hinsichtlich des Lombardkredits sei während der gesamten Laufzeit mit ei-

nem solchen gearbeitet worden, wie aus den Bankauszügen hervorgehe. Es habe 

vom  Privatkläger  1  zu  keinem  Zeitpunkt  eine  Beschwerde  zu  dieser  Vorgehens-

weise gegeben. Bei der Eröffnung eines Kontos bei der P._____ Schweiz AG sei 

unter anderem die Nutzung eines Lombardkredits transparent besprochen worden 

(act. 12/2 S. 11). Im Zusammenhang mit der vereinbarten Vergütungsregelung hält 

der Beschuldigte fest, es handle sich beim Anhang 2 zum Vermögensverwaltungs-

vertrag vom 20. Januar 2010 um von der SRO geprüfte und gut befundene Ver-

träge. Die Details der Regelung seien jeweils dem Kunden entsprechend kommu-

niziert  und  der  Vertrag  mit 

ihm  abgestimmt  und  unterzeichnet  worden 

(act. 12/2 S. 12). Auf die Frage, ob und wie häufig er dem Privatkläger 1 Berichte 

über  die  Struktur  und  Entwicklung  des  verwalteten  Kundenvermögens  erstattet 

habe, führte der Beschuldigte aus, dass der Privatkläger 1 immer Zugriff und Ein-

sicht in seine Bankkonten über das E-Banking gehabt habe. Daraus sei der Lom-

bardkredit und die Performance hervorgegangen. Er (der Beschuldigte) habe dem 

Privatkläger 1 jeweils per Ende Monat alle Positionen per E-Mail zukommen lassen 

und ihm die Totale in der Aufstellung zugestellt. Sie hätten die aktuellen Positionen 

und die Marktentwicklung gemeinsam an langen Telefon- oder Videokonferenzen 

besprochen (act. 12/2 S. 12). 

- 64 -

10. Hinsichtlich  der  in  Ziff.  D.4.  des  Vermögensverwaltungsvertrages  vom 

20. Januar  2010  festgehaltenen  Regelung  betreffend  Provisionen,  Bestandszah-

lungen oder ähnlichen Vergütungen sei der Privatkläger 1 vorgängig in schriftlicher 

und mündlicher Form aufgeklärt worden. Dies sei ausführlich besprochen worden. 

Die Fachkenntnisse des Privatklägers 1 im Bereich der Vermögensverwaltung und 

Finanzprodukte seien nachweislich gut gewesen. Es habe keine Anzeichen dafür 

gegeben, dass der Privatkläger 1 die vereinbarte Vorgehensweise oder die Struk-

turen nicht verstanden habe. Dieser sei hinsichtlich der Provisionen aufgeklärt wor-

den und habe den Zuwendungen an die Gesellschaft F._____ GmbH zugestimmt. 

Die Gutschriften von "Provisionen, Bestandszahlungen oder ähnlichen Vergütun-

gen" werde so gehandhabt, dass der Kunde vorgängig informiert werde und je nach 

Entscheidung über einen Rückbehalt oder eine Rückvergütung der Zuwendungen 

werde der Fixpreis entsprechend angepasst und um etwa 0.25 % erhöht. Er habe 

den Privatkläger 1 sowohl schriftlich als auch mündlich über die "Provisionen, Be-

standszahlungen oder ähnliche Vergütungen" informiert (act. 12/2 S. 13). Der Pri-

vatkläger 1 sei sich den besonderen Risiken, die mit der Vermögensverwaltung und 

dem Effektenhandel verbunden gewesen seien, vollständig bewusst gewesen. Die 

Thematik  der  Zuwendungen  sei  dem  Privatkläger  1  seit  dem  Jahr  2008  bekannt 

und bewusst gewesen. Die Übergabe von Unterlagen bezüglich Aufklärung über 

Risiken  und  Zuwendungen  sei  ein  Standardprozess  bei  Bankkontoeröffnungen 

(act. 12/2 S. 14 f.). 

11. Das  Vermögensverwaltungsmandat  sei  auf  Antraten  der  SRO  mit  Vertrag 

vom 24. März 2014 in wesentlichen Punkten erneuert und angepasst worden. Der 

Privatkläger 1 habe bereits früher wesentliche Verträge in englischer Sprache un-

terzeichnet. Er (der Beschuldigte) hätte den neuen Vertrag auch auf Deutsch un-

terbreiten können, habe diesen jedoch nur in englischer Sprache ausgedruckt. Der 

Privatkläger 1 habe sich damals nicht beschwert. Er habe bei der Unterzeichnung 

keinen Zeitdruck gehabt, und sie hätten viel Zeit gehabt, die Verträge zu bespre-

chen. Der Privatkläger 1 habe auch nie die Zustellung des Vertrages in deutscher 

Sprache verlangt. Daher sei er davon ausgegangen, dass dies für den Privatklä-

ger 1 in Ordnung sei (act. 12/2 S. 15). Es stimme nicht, dass die Verträge wegen 

der Organisation der Offshore-Firmen in Englisch hätten sein müssen. Es sei auch 

- 65 -

nicht korrekt, dass der Privatkläger 1 mit dem Vertrag in englischer Sprache über-

fordert gewesen sei. Dieser sei stets in der Lage gewesen, Inhalte präzise zu ver-

stehen  und  Fragen  zu  stellen.  Die  neuen  Verträge  seien  eingeführt  worden,  um 

mehr Transparenz gegenüber dem Kunden zu schaffen. Diese Änderungen habe 

er mit dem Privatkläger 1 ausführlich besprochen. Er sei bereits in den Jahren 2009 

und 2010 bezüglich der Zuwendungen vollständig transparent gewesen. Er habe 

diese Thematik schon damals klar kommuniziert und den Anpassungen, die von 

der SRO erst 2014 für alle externen Vermögensverwalter verbindlich vorgeschrie-

ben worden seien, vorgegriffen (act. 12/2 S. 16). 

12. Der Privatkläger 1 sei durch seine Erfahrungen mit den hohen Verlusten bei 

der Q._____ in Liechtenstein sensibler und bewusster im Umgang mit Investments 

geworden. Dieser sei sich den Risiken und Schwankungen, die Aktien mit sich brin-

gen würden, bewusst gewesen. Die Änderungen in den Verträgen seien mit dem 

Privatkläger 1 offen und verständlich besprochen worden. Dieser habe ein grosses 

Verständnis für die Anpassungen gezeigt und sei in der Lage gewesen, deren Re-

levanz im Kontext der Marktsituation nachzuvollziehen (act. 12/2 S. 17). 

13. Unter dem neuen Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 habe 

er aufgrund der Reise des Privatklägers 1 auf hoher See und Disponibilität etwas 

weniger persönlichen Kontakt mit diesem gehabt, dafür jedoch vermehrt Telefon- 

oder Skype-Konferenzen geführt. Unter dem neuen Vermögensverwaltungsvertrag 

vom 24. März 2014 habe es keine Änderungen hinsichtlich der Informationen an 

den Privatkläger 1 gegeben. Er habe diesen über alle wesentlichen Aspekte der 

Vermögensverwaltung mündlich und schriftlich informiert (act. 12/2 S. 17). Es sei 

nicht möglich, dass dem Privatkläger 1 "irgendwann" ein Kredit aufgefallen sei. Die-

ser habe seit jeher mit Lombardkrediten gearbeitet und sei in den gesamten Pro-

zess  der  Kreditvergabe  eingebunden  gewesen. Dieser  habe  vor  der  Aussetzung 

eines Kredits die entsprechenden Verträge persönlich unterzeichnen müssen. An-

lageprofile und Lombardkredite seien voneinander unabhängige Komponenten, die 

nicht unvereinbar seien. Die Nutzung von Lombardkrediten sei nicht abwegig, son-

dern werde entsprechend dem vereinbarten Anlagemodell eingesetzt. Der Privat-

kläger 1 sei sich dessen vollkommen bewusst gewesen und habe genau gewusst, 

- 66 -

dass die Lombardkredite im Einklang mit seinem Anlagemodell und seinen Zielen 

angelegt worden seien (act. 12/2 S. 17 und S. 19). 

14.

Betreffend das im Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 verän-

derte Risikoprofil von "gering" zu "durchschnittlich" habe sich an der taktischen Po-

sitionierung der Kundeninvestments durch die Erhöhung grundsätzlich nichts ge-

ändert. Die Anpassung sei lediglich eine Reaktion auf die veränderte Marktsituation 

gewesen, insbesondere die Entwicklungen der Zinskurve. Der Privatkläger 1 habe 

immer  hohe  Renditen  erzielen  wollen,  unabhängig  vom  Marktumfeld.  Eine  hohe 

Rendite  sei  nur  möglich,  wenn  man  bereit  sei,  ein  gewisses  Risiko  einzugehen. 

Diese grundlegende Tatsache sei dem Privatkläger 1 klar gewesen. Um die Rendi-

tevorstellungen des Privatklägers 1 realisieren zu können, sei es notwendig gewe-

sen, verstärkt in Aktienprodukte zu investieren. Da der Privatkläger 1 selbst erkannt 

habe, dass seine Renditeziele, die unverändert bei 5 % bis 8 % geblieben seien, 

mit einer geringen Risikokategorie nicht mehr erreichbar gewesen seien, habe er 

nachgefragt, welche Anpassungen in den Investments notwendig seien, um sein 

gewünschtes Renditeziel zu erreichen. Diese Anpassungen seien umgesetzt und 

mit ihm (dem Privatkläger 1) besprochen worden. Da seine Zielsetzung des Rendi-

teziels von 5 % bis 8 % ein höheres Risikoprofil erfordert habe, wie dies im betrof-

fenen Jahr der Fall gewesen sei, stimme es auch nicht, dass der Privatkläger 1 nie 

das Risikoprofil habe erhöhen wollen. Der Privatkläger 1 habe ihm am 29. Oktober 

2015  eine  E-Mail  geschrieben,  in  der  er  eine  Rendite  von  90  %  über  fünf  Jahre 

angestrebt habe. Weiter habe dieser ihm im November 2015 Kopien aus der Zeit-

schrift "Finanzinvest" gesandt, was zeige, dass dieser nicht nur ein hohes Interesse 

an Investmentthemen gehabt habe, sondern auch über ein solides Fachwissen ver-

fügt habe. Daraufhin hätten sie über die Vorschläge des Privatklägers 1 und ver-

schiedene Fonds ausführlich gesprochen, was weiter bestätige, dass der Privatklä-

ger 1 seine hohen Renditeziele mit einem entsprechenden Risikoanspruch verfolgt 

habe (act. 12/2 S. 20 f.). 

15. Hinsichtlich alternativen Anlagen sei der Privatkläger 1 schon immer risiko-

bereit gewesen. Dieser habe bereits vorher alternative Anlagen über Private Equity 

und  Real  Estate  gehabt;  dessen  Schiff  sei  auch  eine  alternative  Anlage.  Dieser 

- 67 -

habe bereits in den Jahren 2008 bis 2012 alternative Anlagen in seinem Depot bei 

der Q._____ in U._____ eingebucht. Es bestehe kein direkter Zusammenhang zwi-

schen  dem  Wechsel  des  Risikoprofils  von  "konservativ"  zu  "balanced"  und  dem 

Ausschluss von alternativen Anlagen im neuen Vermögensverwaltungsvertrag vom 

24. März 2014. Alternative Anlagen seien nicht zwangsläufig mit einem erhöhten 

Risiko verbunden, sondern trügen auch zur Diversifikation und Stabilisierung eines 

Portfolios bei. Der Ausschluss von alternativen Anlagen im neuen Vertrag beziehe 

sich auf den Zukauf von alternativen Anlagen und nicht auf die bestehenden Anla-

gen. Keine Art von Anlagen sprenge die Grenzen des "balanced model" mit Aus-

schluss von "alternativen Anlagen" (act. 12/2 S. 21 f.). 

16.

Betreffend die Performance, die er unter dem Vermögensverwaltungsvertrag 

vom 24. März 2014 für den Privatkläger 1 erwirtschaftet habe, habe der Brexit im 

Jahr 2015 zu einem erheblichen Marktrückgang von etwa 25 % bis 30 % geführt, 

sowohl bei den Aktien als auch bei den Renditepapieren. Diese hätten sich jedoch 

innerhalb  von  6  bis  12  Monaten  erheblich  erholt.  Zu  diesem  Zeitpunkt  habe  der 

Privatkläger 1 sein Mandat bei ihm bereits aufgelöst. Der Privatkläger 1 habe keine 

Verluste auf Einzelpositionen aufgrund von Risikoausfällen gehabt. Es müsse da-

her der Marktrückgang während des Brexit-Zusammenbruchs gewesen sein, der 

zu dessen Verlusten geführt habe. Dass der Privatkläger 1 ein "qualifizierter, pro-

fessioneller Kunde" gewesen sei, werde auch im Gerichtsurteil in Liechtenstein be-

stätigt (act. 12/2 S. 23). 

17.

Als Vergütung sei im Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 eine 

Fix-Kompensation von 1 % vereinbart worden. Die Bestimmung im Vertrag sei be-

reinigt worden, um die Vertragswerke zu vereinfachen. Dies sei auf Anraten, Emp-

fehlung  und  Anweisung  der  SRO  erfolgt  (act. 12/2 S. 23).  Die  berechnete  Fixge-

bühr von 1 % jährlich werde auf den Bruttowerten berechnet. Die Zahlen würden 

auf dem Vertrag basieren, seien mit korrekten Formeln hinterlegt und würden jähr-

lich vom Revisor überprüft (act. 12/2 S. 31). Die Handhabung der Geschäftsbezie-

hung in Bezug auf monatliche Berichte sei mit dem Vermögensverwaltungsvertrag 

vom 24. März 2014 unverändert geblieben. Der Privatkläger 1 habe jederzeit Zugriff 

auf seine Konten über das E-Banking gehabt, und er (der Beschuldigte) habe die-

- 68 -

sem  die  Positionen  regelmässig  in  monatlichen  Intervallen  per  E-Mail  zugestellt. 

Die Informationen zu den Krediten seien direkt in den Kundenpositionen integriert 

gewesen und hätten vom Privatkläger 1 jederzeit über das E-Banking abgerufen 

werden können. Es habe unter dem neuen Vertrag keinerlei Veränderung in der 

Betreuung oder im Umgang mit der Geschäftsbeziehung gegeben (act. 12/2 S. 24). 

18.

Bezüglich der festgesetzten Vergütungen und deren Bandbreiten im neuen 

Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 handle es sich bei Ziff. D.5. nicht 

um eine grundlegende Änderung des bisherigen Vertragsinhaltes. Es sei eine An-

passung auf Vorgabe der SRO erfolgt, um eine höhere Transparenz bezüglich der 

Bandbreiten der verschiedenen Anlageklassen zu gewährleisten. Diese Änderung 

sei  aufgrund  der  zuvor  beschriebenen  Entwicklungen  und  Veränderungen  im 

Marktumfeld notwendig gewesen (act. 12/2 S. 27). Dem Privatkläger 1 sei im Zuge 

des Vermögensverwaltungsvertrages vom 24. März 2014 die Risikoaufklärung und 

der Code of Conduct von Poly-Reg vollständig zur Verfügung gestellt worden. Ab 

den Jahren 2013/2014 sei der Privatkläger 1 darauf hingewiesen worden, dass die 

entsprechenden Richtlinien über einen Link online abrufbar seien (act. 12/2 S. 28). 

19.

In Bezug auf die Retrozessionen habe er mit dem Privatkläger 1 ein offenes 

und  transparentes  Gespräch  geführt.  Die  Tabelle  "Zuwendungen  D._____  & 

C._____ per 31.03.2016" sei nach Eingang der ersten Klage gegen die F._____ 

GmbH aus der Buchhaltung der F._____ GmbH erstellt worden, um dem Kunden 

eine transparente Aufklärung zu bieten. Zu diesem Zeitpunkt habe er eine vollstän-

dige Übersicht für den Zeitraum von 2009 bis 2016 erstellt. Diese Zahlen würden 

eine durchschnittliche Berechnung von 0.20 % über die gesamte Laufzeit von acht 

Jahren und die gesamten Vermögenswerte belegen. Der Umgang mit Zuwendun-

gen habe sich seit dem Jahr 2000 erheblich verändert. Besonders seit Einführung 

des automatischen Informationsaustauschs (AIA) im Jahr 2015 habe sich der Um-

gang mit solchen Themen stark weiterentwickelt (act. 12/2 S. 29). 

20.

Es sei nicht korrekt, dass der Privatkläger 1 die englische Sprache nicht be-

herrschen  würde.  Dies  gehe  unter  anderem  klar  aus  den  KYC-Dokumenten  aus 

den  Jahren  2008/2009  hervor.  Ohne  Englischkenntnisse  wäre  es  dem  Privatklä-

ger 1 nicht möglich gewesen, die Karibik zu bereisen oder seine früheren berufli-

- 69 -

chen Tätigkeiten in Saudi-Arabien für die britische und amerikanische Armee aus-

zuüben. Darüber hinaus habe der Privatkläger 1 im Jahr 2009 ein Boot in AB._____ 

erworben  und  es  auch  dort  registrieren  lassen.  Zusätzlich  würden  Informationen 

aus LinkedIn und der Firmendatei in AB._____ dessen geschäftlichen Aktivitäten 

bestätigen.  Dies  belege,  dass  der  Privatkläger  1  über  ausgezeichnete  Englisch-

kenntnisse verfüge (act. 12/2 S. 30 f.). Es sei richtig, dass der Privatkläger 1 wäh-

rend  der  Geschäftsbeziehung  bereits  vor  dem  Jahr  2013,  mithin  der  Inbetrieb-

nahme seiner selbst renovierten Hochseejacht AC._____, ziemlich absorbiert ge-

wesen sei. Dieser habe einige Jahre am Schiff herumgearbeitet, welches dieser im 

Jahr 2010 gekauft habe. Bezüglich Termine hätten sie sich zusammen immer gut 

abgestimmt (act. 12/2 S. 31). Der Privatkläger 1 habe immer Zugriff auf sämtliche 

Bankbeziehungen über das E-Banking gehabt, und er (der Beschuldigte) habe die-

sem dessen Positionen zusätzlich monatlich per E-Mail zugestellt. Es sei höchstens 

zweimal vorgekommen, dass es zu Problemen gekommen sei, wie beispielsweise 

fehlende Internetverbindung oder ein verlorenes Passwort. Dies sei unmittelbar be-

hoben  worden.  Die  Aussage  des  Privatklägers  1,  dass  er  (der  Beschuldigte)  ihn 

monatelang  vertröstet  habe,  sei  absolut  unbegründet  und  verwundere  ihn  sehr. 

Dies werde auch durch seine Zusammenstellungen der Overviews des Gesamten-

gagements im Jahr 2015 belegt, die er dem Privatkläger 1 per E-Mail zur Verfügung 

gestellt habe (act. 12/2 S. 32). 

21.

Zu den in der Strafanzeige des Privatklägers 1 aufgeführten Verlusten von 

einem verwalteten Vermögen per Ende 2014 in der Höhe von EUR 2'485'670.86 

auf  einen  Wert  von  EUR  1'211'838  per  4. Juli 2016  führte  der  Beschuldigte  aus, 

dass diese Ausführungen nicht zutreffen würden. Die Position in Liechtenstein habe 

sich ab dem 15. Juli 2014 im Transferprozess befunden, während das Gerichtsur-

teil  in  Liechtenstein  erst  am  11. November 2015  abgeschlossen  worden  sei.  Der 

abschliessende Transfer der restlichen Positionen von der Q._____ in U._____ zur 

O._____  AG  in  Zürich  habe  am  24. Februar 2016  begonnen  und  sich  über  eine 

längere Zeit hingezogen. Im März 2016 habe er (der Beschuldigte) eine Umstruk-

turierung verschiedener Positionen veranlasst, darunter auch den Verkauf der Po-

sition AD._____, welche im Zusammenhang mit dem Gerichtsurteil in U._____ ge-

standen sei. Diese Umstrukturierung sei dem Privatkläger 1 offensichtlich nicht be-

- 70 -

kannt gewesen, weshalb er (der Beschuldigte) nachvollziehen könne, dass dieser 

beim Einblick in sein Portfolio verwirrt gewesen sei. Dem Privatkläger 1 habe auf-

grund  der  Positionen  im  Transferprozess  die  Transparenz  gefehlt,  was  im  März 

2016  zu  seiner  Verwirrung  und  schliesslich  seinem  unangemeldeten  Besuch  mit 

Anwalt am 27. April 2016 geführt habe. Während des Besuchs habe sich der An-

walt  des  Privatklägers  1  skeptisch  gegenüber  seiner  Erklärung  zur  Dauer  des 

Transferprozesses  gezeigt.  Sämtliche  Positionen  seien  durch  den  Transfer  blo-

ckiert gewesen, was ein Eingreifen bei Marktkorrekturen verhindert habe. Die Über-

sicht des Gesamtengagements für den Zeitraum 31. Dezember 2015 bis 31. Mai 

2016 zeige deutlich die schrittweise Verschiebung der Positionen von der Q._____ 

AG zur O._____ AG. Es gebe keine Hinweise auf Unregelmässigkeiten oder Ent-

wendungen.  Es  sei  jedoch  zu  erheblichen  Marktverlusten  gekommen  in  die-

sem Zeitraum. Bei der O._____ AG sei es zu einem Rückgang von -10.5 % bis -

23.5 % und bei der Q._____ AG zu einem Rückgang von -14.92 % bis -27.29 % 

gekommen. Nach dem Besuch habe er keine weiteren Massnahmen ergreifen dür-

fen, um Marktverlusten entgegenzuwirken. Ab diesem Zeitpunkt sei er wegen der 

Kündigung und der Auflösung der Gesellschaft D._____ nicht mehr handlungsfähig 

gewesen (act. 12/2 S. 32 f.). 

22. Die Übersichten zu den von ihm bezogenen Gebühren für den Zeitraum ab 

Januar 2014 habe er selbst erstellt und diese seien inhaltlich korrekt. Diese würden 

sich  auf  Kundenpositionen  der  Bank  per  jeweils  Monatsultimo  und  vertraglicher 

Vereinbarung stützen (act. 12/2 S. 34 f.). Die Verluste des Privatklägers 1 zwischen 

Anfang 2015 bis Mitte 2016 seien weder auf Schuldnerausfälle noch auf mangelnde 

Handhabung der Thematik oder Entwendungen zurückzuführen. Die Unsicherhei-

ten  an  den  Märkten  im  Zusammenhang  mit  der  Abstimmung  zum  Brexit  am 

23. Juni 2016 hätten zu einem erheblichen Marktrückgang von 25 % - 30 % geführt. 

Solche Ereignisse seien nicht vorhersehbar und würden zu den inhärenten Risiken 

der Märkte gehören. Zusätzlich seien durch den Privatkläger 1 veranlasste Zahlun-

gen beziehungsweise Kapitalabflüsse vorgenommen worden, die aus den Positi-

onszahlungen  nicht  direkt  ersichtlich  seien.  Diese  Abflüsse  hätten  nichts  mit  der 

eigentlichen  Performance-Berechnung  zu  tun,  würden  aber  die  Darstellung  der 

Zahlen beeinflussen und die Ergebnisse schlechter aussehen lassen. In dieser Zeit 

- 71 -

von Mitte 2014 bis Mitte 2016 habe er stets in Übereinstimmung mit den Abspra-

chen mit dem Privatkläger 1 mit Lombardkrediten gearbeitet. Ein sofortiger Abbau 

von  Positionen  bei  negativer  Marktentwicklung  hätte  unweigerlich  zu  realisierten 

Verlusten geführt und hätte die Möglichkeit einer Erholung zunichtegemacht. Statt-

dessen hätten sie gemeinsam entschieden, die Marktentwicklung weiter zu beob-

achten, um auf dieser Basis fundierte und strategische Entscheidungen zu treffen 

(act. 12/2 S. 36 f.). 

23.

Zu den Retrozessionen führte der Beschuldigte in seiner schriftlichen Stel-

lungnahme aus, dass dies nach ausführlicher Aufklärung und Zustimmung des Pri-

vatklägers 1 zur Einbehaltung der Zuwendungen entsprechend umgesetzt worden 

sei. Alternativ wäre eine Erhöhung der Fix-Fee-Komponente erfolgt. Der Privatklä-

ger 1 sei mehrfach transparent über dieses Vorgehen informiert worden, bereits im 

Jahr 2008. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Reklamation oder Forderung seiner-

seits in dieser Angelegenheit gegeben. Es hätten seit Eingang der Geschäftsbezie-

hung mit den Banken Verträge unter anderem betreffend Zuwendungen bestanden. 

Dies sei marktüblich, und es gehe mehrheitlich nicht um die Kompensation, son-

dern um die Regelung anderer rechtlicher Punkte wie Aufklärung und Identifikation 

des  Kunden.  Die  Konditionen  mit  den  Depotbanken  würden  zwischen  30 %  bis 

49 %  der  Bankgebühren  betragen.  Diese  würden  50  %  nie  übersteigen.  Die  Zu-

wendungen, die er bzw. die F._____ GmbH von den verschiedenen Depotbanken 

im Zusammenhang mit der Geschäftsbeziehung vom Privatkläger 1 erhalten habe, 

würden über die Gesamtlaufzeit, mithin während eines Zeitraums von acht Jahren, 

rund 0.20 % betragen (act. 12/2 S. 37 f.).

24.

In den Schwächejahren sei die Erreichung der vom Privatkläger 1 gewünsch-

ten Performance von 5 % bis 8 % nicht einfach gewesen. Es müsse der spezifische 

und wohl einmalige Zustand der Zinskomprimierung mit Beginn Jahr 2007 bis 2017 

berücksichtigt werden. Die Aktienmärkte hätten sich erst nach Erreichung eines ge-

wissen Tiefpunktes und Beruhigung der Wirtschaft ab dem Jahr 2017 erholt. Die 

unveränderten Performancewünsche des Privatklägers 1 von 5 % bis 8 % wären 

erst über einen längeren Zeitraum möglich gewesen (act. 12/2 S. 38). 

- 72 -

K.

1.

Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung

In  allgemeiner Hinsicht erzählte der  Beschuldigte anlässlich der Hauptver-

handlung, dass er die Gesellschaft F._____ GmbH im Jahr 2010 von einem Kolle-

gen und Anwalt übernommen habe, der in den ersten Jahren mit ihm zusammen 

das Geschäft habe aufbauen wollen. Nach ca. sechs Monaten sei dieser aber aus-

gestiegen,  wodurch  er  (der  Beschuldigte)  nun  100 %  Anteilseigner  sei  (act. 37 

S. 3). Später habe er bis ins Jahr 2015 noch einen anderen Partner gehabt, wobei 

jeder  seine  eigene  Kundschaft  betreut  habe  und  nur  die  administrativen  Sachen 

zusammen abgesprochen worden seien (S. 4). 

2.

Im Zusammenhang mit dem Vorwurf bezüglich der einbehaltenen Retrozes-

sionen führte der Beschuldigte zusammenfassend aus, dass er alle seine Kunden 

bei der Eröffnung der Geschäftsbeziehung immer über die Kompensation und das 

Gebührenreglement informiere. Er habe den Privatkläger 1 in den Jahren 2009 und 

2010 schriftlich entsprechend informiert, wie man den E-Mails entnehmen könne 

(act. 37 S. 10). Er habe diesen über die Kompensationen, die Gebühren und die 

Gesamthonorierung informiert sowie darauf aufmerksam gemacht, dass im Bank-

wesen die Banken eine Zuführung in Form von Zuwendungen (bzw. Retrozessio-

nen) vornehmen. Zusätzlich habe er den Kunden von sich aus mehrmals mündlich 

darüber aufgeklärt (S. 11, 14 und 17 f.). Er habe dem Privatkläger 1 mitgeteilt, dass 

wenn er (der Beschuldigte) auf diese Zuwendungen verzichten müsse, dann werde 

er von ihm (dem Privatkläger 1) eine höhere Fixgebühr, namentlich 1.25 % anstatt 

1 %,  verlangen.  Er  habe  dies  dem  Privatkläger 1  anhand  von  Rechenbeispielen 

erklärt (S. 15). Der Beschuldigte hielt fest, dass der Vermögensverwaltungsvertrag 

vom 20. Januar 2010 vom Regulator stamme und genehmigt worden sei (S. 16). 

Mit dem Vertrag vom 24. März 2014 habe es keine Änderung in der Preisstruktur 

gegeben; der Privatkläger 1 habe die Gebühren und die Zuwendungen ja bereits 

mit dem Vertrag von 2010 akzeptiert (S. 18). Geändert habe sich nur der schriftliche 

Vertrag  wegen  erhöhter  Transparenzvorgaben  seines  Regulators,  wobei  das 

Thema Zuwendungen nun präziser, inklusive Prozentzahlen, festgehalten worden 

sei.  Er  habe  die  Änderungen  im  Vertrag  mit  dem  Kunden  besprochen,  diskutiert 

und der Privatkläger 1 habe das akzeptiert (S. 11, 17 f., S. 20 f.). Zur Frage, wes-

- 73 -

halb der Vertrag von 2014 auf Englisch gewesen sei, antwortete der Beschuldigte, 

dass er den Privatkläger 1 auf dessen Wunsch auf dessen Schiff besucht habe und 

zu  diesem  Zeitpunkt  nur  die  englische  Vertragsversion  bei  sich  gehabt  habe.  Er 

habe diesem gesagt, er reiche den Vertrag auf Deutsch nach, wenn der Privatklä-

ger 1 dies wünsche, worauf dieser verzichtet habe. Er habe gewusst, dass der Pri-

vatkläger 1 mit der englischen Sprache vertraut sei, da dieser für die englische und 

amerikanische Armee gearbeitet, bereits andere englische Verträge unterzeichnet 

und mit seiner Frau auf Englisch gesprochen habe (S. 19). Weitere Aussagen des 

Beschuldigten betreffend den Vorwurf der einbehaltenen Retrozessionen werden 

bei der entsprechenden Sachverhaltserstellung wiedergegeben (vgl. nachfolgend, 

Erw. IV.L.4.).

3.

Hinsichtlich des Vorwurfs der Überbelehnung erklärte der Beschuldigte stark 

zusammengefasst, dass der Privatkläger 1 bereits bei seinen vorgängigen Bank-

beziehungen  Lombardkredite  genutzt  habe  (act. 37  S. 26).  Die  Erwähnung  einer 

30 %-Grenze sei lediglich im Kundenprofil des Privatklägers 1 erfolgt und entspre-

che damit einer internen Notiz, welche er für sich als Ausgangspunkt für das takti-

sche Operieren am Anfang sowie als Information gegenüber seinen Vorgesetzten 

gemacht habe (S. 27 ff. und S. 51 f.). Es sei total irrational und unüblich das takti-

sche Verhalten an eine Prozentzahl zu knüpfen. Dies würde bei einem Marktverlust 

oder beim Wunsch des Kunden zum Kauf bestimmter Produkte dazu führen, dass 

er, um die Prozentgrenze einhalten zu können, Positionen abbauen und entspre-

chend einen allfälligen Verlust realisieren müsste (S. 27). Der Privatkläger 1 habe 

durch Unterzeichnung der Kreditverträge seine Zustimmung gegeben und die Kre-

ditbelastung in seinen Bankauszügen ständig einsehen können (S. 28, S. 30 und 

S. 36). Wenn er (der Beschuldigte) oder andere Personen zum Teil Verträge unter-

zeichnet hätten, dann hätten sie dies immer im Auftragsverhältnis und auf Instruk-

tion des Privatklägers 1 gemacht (S. 35 f.). Darüber hinaus hätten er und der Pri-

vatkläger 1 das Kreditengagement bei jedem Kundengespräch besprochen (S. 31). 

Die entsprechende Belehnung des Vermögens des Privatklägers 1 habe dessen 

Risikoprofil entsprochen, da dieser auch eine gewisse Zielrendite habe erreichen 

wollen (S. 32 f.).

- 74 -

4.

Zum  Vorwurf  der  Überschreitung  des  Aktienanteils  von  30 %  hielt  der  Be-

schuldigte  im  Wesentlichen  fest,  dass  es  gewisse  Risikoprofile  gäbe,  die  solche 

Parameter festhalten würden. Allerdings seien diese Parameter nie fix, sondern va-

riabel  und  flexibel  (act. 37  S. 37).  Es  handle  sich  um  Spannbreiten  (S. 48).  Das 

Risikoprofil werde in der Regel alle drei bis vier Jahre mit dem Kunden besprochen 

und entsprechend angepasst (S. 37 f.). So habe er dies auch mit dem Privatklä-

ger 1 im Jahr 2014 gemacht, wo es aufgrund der Marktsituation und der Zielrendite 

des Privatklägers 1 zu einer Abänderung des Risikoprofils gekommen sei. Der Pri-

vatkläger 1 habe diese Änderung des Risikoprofils gewünscht und dieser mit der 

Unterzeichnung  des  Vertrages  zugestimmt  (S. 40  und  S. 42).  Starre  prozentuale 

Grenzwerte für bestimmte Anlagen, wie in der Anklage erwähnt, seien praxisunüb-

lich (S. 38 und S. 40). Gemäss den Aussagen des Beschuldigten müssen Risiko-

profile aufgrund der täglichen Marktveränderungen flexibel sein. Das konkrete Vor-

gehen im Rahmen des flexiblen Risikoprofils werde immer mit dem Kunden bespro-

chen. Der Privatkläger 1 habe bereits bei der Q._____ ein sehr hohes Risikoprofil 

gehabt, inklusive alternativer Anlagen, Optionen, Futures, Goldpositionen, Fonds, 

Private Equity etc. (S. 39 f.). Dieser sei sodann auch mit eigenen Anlagevorschlä-

gen auf ihn (den Beschuldigten) zugekommen, wobei er teilweise abgelehnt habe, 

weil diese nicht dem klassischen Vermögensverwaltungsgeschäft entsprochen hät-

ten und er kein Trader sei (S. 41). Zur Frage, weshalb im Vermögensverwaltungs-

vertrag 2014 die alternativen Anlagen nicht mehr angekreuzt worden seien, gab der 

Beschuldigte zu Protokoll, dies sei schlicht vergessen gegangen und der Privatklä-

ger 1 habe weiterhin in alternative Anlagen investieren wollen (S. 38 und S. 41). 

L.

1.

Sachverhaltserstellung

Vertragsgrundlagen Vermögensverwaltungsverhältnis

1.1. Der Beschuldigte war ab Oktober 2009 als berufsmässiger Vermögensver-

walter mit der Verwaltung des Vermögens der Privatklägerschaft betraut, was von 

beiden Parteien so bestätigt worden ist (act. 12/2 S. 3; act. 50201009). Ab Januar 

2010 war der Beschuldigte als alleiniger Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der 

F._____ GmbH (act. 20101014; act. 37 S. 3) mit der Verwaltung des Vermögens 

- 75 -

der Privatklägerschaft beauftragt, was wiederum unbestritten ist (vgl. act. 12/2 S. 3; 

act. 50201010).

1.2. Es ist unbestritten und ergibt sich zudem aus den Akten, dass die Parteien 

am  20. Januar  2010  und  am  24. März  2014  zwei  schriftliche  Vermögensverwal-

tungsverträge  jeweils  inklusive  zweier  Anhänge  unterzeichnet  haben,  welche  als 

vertragliche Grundlagen für das Auftragsverhältnis des Beschuldigten mit der Pri-

vatklägerschaft  dienten  (act.  20101016 ff.;  act.  20101020 ff.).  Die  Privatkläger-

schaft stand zur F._____ GmbH, vertreten durch den Beschuldigten, mithin in ei-

nem Vertragsverhältnis, das die Vermögensverwaltung zum Inhalt hatte, was der 

Beschuldigte ebenfalls anerkennt (act. 12/2 S. 3). Ebenso vom Beschuldigten nicht 

in Abrede gestellt wird, dass ihm bzw. der von ihm mit Einzelunterschrift vertretenen 

F._____  GmbH  mit  den  Vertragsgrundlagen  jeweils  die  Befugnis  eingeräumt 

wurde,  selbständig  über  die  ihm  von  der  Privatklägerschaft  anvertrauten  Vermö-

genswerte zu verfügen, wobei dem Beschuldigten die Aufgabe der Vermögensver-

waltung  zukam.  Die  dem  Beschuldigten  eingeräumte  Möglichkeit  zur  Verfügung 

über die Vermögenswerte der Privatklägerschaft waren insofern frei von Kontrolle, 

als er in seiner Tätigkeit nicht der ständigen Überwachung des Privatklägers 1 un-

terlag, woran nichts ändert, dass der Privatkläger 1 jederzeitigen Zugang zum E-

Banking hatte und mit dem Beschuldigten in einem gewissen Austausch hinsicht-

lich der Vermögensverwaltung stand (act. 12/2 S. 12 ff.; act. 50201015 ff.). Offen 

ist, ob die beiden Vermögensverwaltungsverträge respektive deren Anhänge durch 

weitere  schriftliche  oder  mündliche  Abreden  modifiziert  und  ergänzt  wurden.  Be-

stritten respektive unklar ist insbesondere die Festlegung eines zulässigen Aktien-

anteils  von  30  %  bzw.  Überschreitung  der  Anlagestrategie,  die  Nichtzulässigkeit 

der Aufnahme von mehr als 30 % Lombardkreditbelastung des verwalteten Netto-

vermögens des Privatklägers 1, das pflichtwidrige Nichterstatten der Rechenschaft 

über Retrozessionen sowie deren unzulässiges Einbehalten; folglich die Verletzung 

der Vermögensfürsorgepflicht.

2.

Anklagevorwurf Überschreitung des Aktienanteils von 30 %

2.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten diesbezüglich vor, dass er als Vermö-

gensverwalter der Privatklägerschaft nicht wie mit dieser vereinbart, deren Vermö-

- 76 -

gen zuerst nach der Formel "30 % Aktien, 20 % alternative Anlagen und 50 % Ren-

ten" und zwar innerhalb von diesen Kategorien in banküblichen, verhältnismässig 

sicheren  Titeln  sowie  hernach  gemäss  Vermögensverwaltungsvertrag  vom 

24. März  2014,  mit  welchem  alternative  Anlagen  ausgeschlossen  worden  seien, 

nach der Formel "70 % Renten und 30 % Aktien" angelegt habe (act. 10104003). 

Stattdessen habe er in den Jahren 2011 bis 2016 den zulässigen Aktienanteil von 

30 %  an  den 

in  der  Anklageschrift  aufgeführten  Quartalsstichtagen  (vgl. 

act. 10104009 Rz 19) stets überschritten und damit das Vermögen der Privatklä-

gerschaft bewusst einem höheren Risiko ausgesetzt, als diese habe eingehen wol-

len. Dadurch habe der Beschuldigte seine Vermögensfürsorgepflicht verletzt. Die 

genaue prozentuale Überschreitung des angeblich zulässigen Aktienanteils an den 

Quartalsstichtagen ist in der Anklageschrift aufgelistet (act. 10104009 Rz 19) und 

lässt sich den Beilagen 1 und insbesondere 2.1 sowie 2.2 zum Wirtschaftsprüfungs-

Gutachten  entnehmen  (act. 30204001  ff.),  welche  Bestandteil  der  Anklageschrift 

sind. Der Nettovermögenswert des durch den Beschuldigten verwalteten Vermö-

gens sei von rund EUR 2'491'476.82 am 31. März 2010 bis am 31. März 2015 auf 

CHF 2'561'317.22  gestiegen,  sodass  die  pflichtwidrige  Risikoüberschreitung  bis 

dahin zu keinem Performance-Schaden geführt habe. In der folgenden Zeit habe 

sich das Nettovermögen dann bis auf EUR 1'197'366.00 am 30. Juni 2016 vermin-

dert, wobei ein Teilbetrag von EUR 306'315.35 die Folge von Mittelabflüssen und 

ein  Teilbetrag  von  EUR 1'057'489.67  auf  Wertveränderungen  beruht  habe 

(act. 10104013 Rz 23). Dabei sei nur ein Teil dieser Wertverminderung im Zeitraum 

vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 auf dem den erlaubten Anteil von 30 % durch 

den Beschuldigten pflichtwidrig überschrittenen Aktienanteil entstanden (ohne Be-

rücksichtigung des auf die Überbelehnung entfallenden Anteils, vgl. dazu nachfol-

gend, Erw. IV.L.3). Der Performance-Schaden, welcher auf dem den erlaubten An-

teil von 30 % überschrittenen Aktienanteil entstanden sei, sei zu CHF 28'187.07 auf 

dem Portfolio D._____ bei der O._____ AG, zu EUR 90'687.28 auf dem Portfolio 

D._____ bei der Q._____ AG und zu EUR 82'843.29 auf dem Portfolio C._____ bei 

der K._____ AG resultiert (act. 10104013 ff. Rz 23 ff.). 

2.2. Dass sich das Nettovermögen der Privatklägerschaft in den Jahren 2015 und 

2016 vermindert hat, wird vom Beschuldigten nicht in Abrede gestellt. Er machte 

- 77 -

geltend,  dass  der  Brexit  im  Jahr  2015  zu  einem  erheblichen  Marktrückgang  von 

etwa 25 % bis 30 % bei den Aktien und den Renditepapieren geführt habe. Zudem 

seien durch die Privatklägerschaft veranlasste Zahlungen beziehungsweise Kapi-

talabflüsse vorgenommen worden, die aus den Positionszahlungen nicht direkt er-

sichtlich seien (act. 12/2 S. 36). Die Verminderung des verwalteten Vermögens der 

Privatklägerschaft im Zeitraum vom 1. April 2015 bis 30. Juni 2016 ist den entspre-

chenden  Bankbelegen  und  dem  Wirtschaftsprüfungs-Gutachten  samt  Nachtrag 

und  Beilagen  zu  entnehmen  (act. 30204002 ff.).  In  Letzterem  wurde  sodann  klar 

zwischen  Wertveränderungen  und  Netto-Zu-  und  Abflüssen  unterschieden 

(act. 30202018).  Die  entsprechenden  Vermögensausweise  der  Q._____  AG,  der 

O._____ AG und der K._____ AG belegen, dass die vom Beschuldigten verwalte-

ten  Vermögenswerte  der  Privatklägerschaft  per  31.  März  2015  mit 

CHF 2'561'317.22  bewertet  waren 

(act. 40517236 

ff.,  act. 40517260 ff., 

act. 40517218  ff.;  act.  40801304  ff.;  act.  41005216),  während  per  30. Juni  2016 

noch  ein  Nettovermögen  von  gerundet  EUR 1'197'366  bescheinigt  wurde 

(act. 40801482;  act.  40223209 ff.;  act. 41005201),  was  sich  so  auch  dem  Wirt-

schaftsprüfungs-Gutachten samt Nachtrag und dessen Beilagen 1 und 4.4 entneh-

men lässt (act. 30202018; act. 30202038; act. 30204022 ff.). Weiter dokumentieren 

die Bankbelege der Q._____ AG, der O._____ AG und der K._____ AG, wie der 

Beschuldigte  die  Vermögenswerte  der  Privatklägerschaft  angelegt  hat 

(act. 40503001 ff., act. 41005001 ff., act. 40801001 ff.). Diese Bankbelege bildeten 

die Grundlage für das von R._____, eidg. dipl. Wirtschaftsprüferin, erstattete Wirt-

schaftsprüfungs-Gutachten vom 26. Februar 2024 und dessen Nachtrag vom 26. 

Juni 2024. Darin werden die getätigten Anlagen aufgeführt, den verschiedenen Ri-

sikokategorien zugeordnet und zum Nettovermögen prozentual in Relation gesetzt. 

Diese Berechnungen bilden  einen Bestandteil  der  Anklageschrift und die Grund-

lage für die Zahlen, welche in den Tabellen der Anklageschrift aufgeführt sind. Die 

Wirtschaftsprüferin kommt in ihrem Nachtrag zum Wirtschaftsprüfungs-Gutachten 

zum Schluss, dass die Wertminderungen in der genannten Zeitspanne im Wesent-

lichen bei den folgenden Bankbeziehungen angefallen sind: beim Portfolio D._____ 

bei der Q._____ AG ist ein Teilbetrag von EUR 90'687.28 der Wertminderung auf 

den  die  30  %  Aktienanteil  überschrittenen  Anteil  zurückzuführen,  beim  Portfolio 

- 78 -

D._____ bei der O._____ AG ein Teilbetrag von EUR 28'187.07 (wobei die Ankla-

geschrift als Währung CHF angibt) und beim Portfolio C._____ bei der K._____ AG 

ein solcher von EUR 82'843.29 (act. 30202038 ff.). 

2.3. Bestritten wird seitens des Beschuldigten, dass zwischen ihm und der Pri-

vatklägerschaft gestützt auf die Vermögensverwaltungsverträge respektive im Rah-

men der gewählten Risikomodelle "Konservativ" und später "Balanced" lediglich ein 

Aktienanteil von 30 % vereinbart bzw. zulässig gewesen sei respektive das Vermö-

gen ab dem 24. März 2014 lediglich nach der Formel 70 % Renten und 30 % Aktien 

hätte angelegt werde dürfen. In seiner schriftlichen Stellungnahme machte er gel-

tend, dass er die Anlagestrategie mit dem Privatkläger 1 klar kommuniziert habe. 

Die Anpassung des Risikoprofils von "Konservativ" gemäss Anhang 1 des Vermö-

gensverwaltungsvertrages vom 20. Januar 2010 zu "Balanced bzw. Ausgewogen" 

ab 24. März 2014 sei eine Reaktion auf die veränderte Marktsituation gewesen. Der 

Privatkläger 1 habe immer eine hohe Rendite erzielen wollen; dies sei nur möglich, 

wenn man bereit sei, ein gewisses Risiko einzugehen. Dies sei dem Privatkläger 1 

klar gewesen (act. 12/2 S. 20 f.). Auch anlässlich der Hauptverhandlung machte 

der Beschuldigte zusammengefasst geltend, der Privatkläger 1 und er hätten zu-

sammen  jeweils  nur  die  Anlagestrategie  gewählt,  innerhalb  dieser  habe  es  aber 

keine fixen Werte gegeben, da dies nicht praktikabel sei, sondern lediglich Band-

breiten, welche aber nur als Richtwerte gedient hätten und flexibel gewesen seien. 

Der Privatkläger 1 habe selber auch Vorschläge für bestimmte Anlagen gemacht. 

Das Risikoprofil werde alle paar Jahre mit dem Kunden besprochen und entspre-

chend angepasst, so, wie sie das im Jahr 2014 auch getan hätten. Das Risikoprofil 

sei  entsprechend  abgeändert  worden,  weil  der  Markt  das  so  verlangt  habe.  Das 

Risikoprofil  werde  immer  in  den  Kontext  zu  einer  erwarteten  Zielrendite  gesetzt. 

Der Privatkläger 1 habe stets eine gewisse Rendite angestrebt, was bei tiefen Zin-

sen nur mit Anlagen realisierbar sei. Die Veränderung des Risikoprofils habe 2014 

vorgenommen werden müssen, um die Zielrendite zu erreichen (act. 37 S. 37 ff.).

2.4.

In der Folge ist die Frage zu beantworten, ob und inwiefern der Beschuldigte 

und die Privatklägerschaft gemäss Anklagevorwurf (vgl. act. 10104003 Rz 5) zum 

Zeitpunkt der jeweiligen Vermögensverwaltungsverträge eine Vereinbarung betref-

- 79 -

fend eine Anlagestrategie mit maximalem Aktienanteil von 30 % des Nettovermö-

gens getroffen haben sollen respektive ob eine anfängliche Formel von 50 % Ren-

ten, 30 % Aktien und 20 % alternative Anlagen im Sinne einer starren prozentualen 

Aufteilung vereinbart worden sein und diese ab dem 24. März 2014 zu 70 % Renten 

und 30 % Aktien gewechselt haben soll. 

2.5. Die ab Unterzeichnung der Vermögensverwaltungsverträge vom 20. Januar 

2010 und 24. März 2014 geltenden Anlagerichtlinien sind den aktenkundigen Ver-

tragsdokumenten,  insbesondere  dem  "Vermögensverwaltungsvertrag  Anhang  1, 

Modell Konservativ" respektive dem "Asset management agreement Appendix 1, 

Balanced model" (act. 20101024; act. 20101028) zu entnehmen. Unbestritten ist, 

dass der Beschuldigte und der Privatkläger 1 eigenhändig den einschlägigen Ver-

mögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 inkl. 2 Anhänge (act. 20101020 ff.; 

act. 20101028 f.; act. 20101030 f.), wie auch den davor geltenden Vermögensver-

waltungsvertrag  vom  20. Januar  2010  inkl.  2  Anhänge  (act.  20101016 ff.; 

act. 20101024 f.;  act.  20101026 f.),  unterzeichnet  haben  (act. 12/2  S.  3  ff.; 

act. 50201010 ff.).

2.6. Aus  dem  E-Mail-Verkehr  zwischen  dem  Beschuldigten  und  dem  Privatklä-

ger 1  geht  hervor,  wie  der  Beschuldigte  am  19.  Oktober  2009  unter  anderem 

schrieb: "Wir haben das Risikomodell konservativ angenommen, d.h. wir bewegen 

uns in einem Risikograd von bis zu 30 % Aktien! Da die Zinsen momentan auf ei-

nem sehr tiefen Niveau sind, kann die Mehrrendite nur über Währungen und Akti-

enpositionen erfolgen. Ich rechne auf einer 12-Monatsbasis mit einer durchschnitt-

lichen Rendite von 7 bis 9 % für die nächsten 12 Monate." (act. 40207004, BO grün, 

HC 02/01/07, Abgriff 10). Weiter teilte der Privatkläger 1 in einer E-Mail vom 14. Ja-

nuar 2010 seinem Kundenberater AE._____ bei der Q._____ AG auf die Frage, wie 

viele Prozente er ungefähr in Aktien und ähnliche Anlagen sowie festverzinsliche 

Werte investieren möchte, mit: "Mein Vorschlag betreff der Anlage: "50/30/20 (Ren-

ten, Aktien, Alternative)" (act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10). Dies 

nachdem  der  Beschuldigte  dem  Privatkläger  1  gleichentags  geschrieben  hatte: 

"und noch etwas….. wir können bei ihm ja trotzdem noch die preisliste plus einen 

anlagevorschlag  50/30/20  (Renten,  Aktien,  Alternative)  bestellen  und  anschlies-

- 80 -

send sehen - was meinst Du? Gruss, B._____" (act. 60102004, BO grün, D._____ 

Corp. / Korrespondenz 2010-2016, siebthinterstes Blatt). Im Kundenprofil, d.h. ei-

nem weiteren Dokument mit dem Titel "Client information upon opening an account" 

mit Datum vom 9. Oktober 2009, hat der Beschuldigte Informationen über den Pri-

vatkläger 1 zusammengetragen. Darauf ist unter dem Titel "7. How are the assets 

to be used" unter anderem ersichtlich, dass konservative Investitionen getätigt wer-

den sollten, indem bis 40 % der Vermögenswerte der Privatklägerschaft in Aktien 

("Equity-Position") angelegt werden dürften (act. 40206003 ff.). Damit liegen unter-

schiedliche Prozentzahlen vor, die zwischen dem Beschuldigten und dem Privat-

kläger 1 thematisiert worden zu sein scheinen. In den Vermögensverwaltungsver-

trägen  wurden dann  allerdings keine  dieser  Prozentzahlen  festgehalten.  Es fand 

überhaupt keine Prozentzahl Eingang in die Vertragsdokumente. Schriftlich verein-

bart wurde lediglich die Anlagestrategie: Konservativ (Vermögensverwaltungsver-

trag 2010, Anhang 1, act. 20101024) und Balanced (Vermögensverwaltungsvertrag 

2014, Anhang 1, act. 20101028). Es bestehen somit Zweifel daran, dass 50 % Ren-

ten, 30 % Aktien und 20 % alternative Anlagen als fixe maximale Grenzwerte re-

spektive ab dem Jahr 2014 neu eine starre Aufteilung von 70 % Renten und 30 % 

Aktien gegolten haben soll, da diese Prozentzahlen ansonsten in die Vertragsdo-

kumente hätten aufgenommen werden können.

2.7. Die Aussagen des Beschuldigten, wonach nur die Anlagestrategien verein-

bart worden seien ohne Festlegung einer starren prozentualen Aufteilung, da allfäl-

lige Zahlen nur Richtwerte darstellen würden, welche flexibel seien, tönen plausibel 

und  stimmen  zudem  mit  den  Vertragstexten  überein.  Zudem  räumte  auch  die 

Staatsanwaltschaft anlässlich der Hauptverhandlung ein, dass solche Aufteilungen 

manchmal gewisse Verschiebungen aufweisen könnten (Prot. S. 26). Entscheidend 

sind allerdings die Aussagen des Privatklägers 1. Dieser gab selber nie an, er habe 

starre Grenzwerte im Sinne von 50 % Renten, 30 % Aktien und 20 % alternative 

Anlagen oder 70 % Renten und 30 % Aktien gewünscht. Diese Zahlen nannte der 

Privatkläger 1 anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nie (vgl. act. 

50201001 ff.). Er nannte überhaupt keine Zahlen, sondern sprach immer nur pau-

schal von einer konservativen Anlagestrategie, ohne selber zu definieren, ob damit 

eine prozentuale Aufteilung und in welcher Höhe gemeint sein sollte. Der Privatklä-

- 81 -

ger 1 sagte gegenüber der Staatsanwaltschaft auch aus: "[…] Ich prüfte auch nicht, 

wie sich das Vermögen zusammensetzte. Ich sah nur, dass es immer ein wenig 

höher  wurde.  Das  war  für  mich  entscheidend  und  soweit  in  Ordnung.  […]" 

(act. 50201016). Bereits diese Aussage erweckt den Eindruck, dass ihm eine all-

fällige Aufteilung egal war, sondern er ausschliesslich an einem positiven Ergebnis 

interessiert war. Weiter stellte sich der Privatkläger 1 auf den Standpunkt, er habe 

keine Risiken eingehen, sondern auf Sicherheit gehen wollen (vgl. act. 50201021). 

Dieser Darstellung stehen allerdings die Aussagen des Beschuldigten gegenüber, 

welcher angab, der Privatkläger 1 habe stets eine gewisse Rendite angestrebt, was 

bei tiefen Zinsen nur mit Anlagen realisierbar sei (act. 37 S. 37.). Dass der Privat-

kläger 1 bereit war, gewisse Risiken einzugehen, zeigt sich bereits aufgrund der 

vorerwähnten E-Mails (vgl. vorstehend, Erw. IV.L.2.6.), in welchen eine Aufteilung 

von 50 % Renten, 30 % Aktien und 20 % alternative Anlagen thematisiert wurde, 

wobei der Privatkläger 1 mit alternativen Anlagen im Umfang von 20 % durchaus 

bereit war, auch ein höheres Risiko einzugehen. Bei keiner oder nur einer geringen 

Risikobereitschaft  hätte  er  von  Anfang  an  eine  Aufteilung  von  70  %  Renten  und 

30 % Aktien thematisieren können, was er aber gerade nicht tat.

2.8. Zudem liegt ein rechtskräftiges Urteil des Fürstlichen Landgerichts in Vaduz 

(Liechtenstein) vor, welches mit den Aussagen des Beschuldigten in Einklang zu 

bringen ist und das Bild von einem risikobereiten Privatkläger 1 mit zunehmenden 

Renditevorstellungen untermauert. So reichte der Privatkläger 1 im Jahr 2012 na-

mens  seiner  Offshore-Gesellschaft  D._____  Corporation  eine  Klage  gegen  die 

Q._____ AG ein. In besagtem Gerichtsprozess ging es – stark zusammengefasst – 

um eine Forderung gegen die Q._____ AG aus einem Vermögensverwaltungsman-

dat. Der Q._____ AG wurde vorgeworfen, ohne das Einverständnis des Privatklä-

gers 1 in zu risikoreiche Anlagen investiert zu haben. Das Fürstliche Landgericht in 

Vaduz wies die Klage des Privatklägers 1 mit rechtskräftigem Urteil vom 11. No-

vember 2015 ab (act. 13/22; vgl. act. 60102004, BO grün, D._____ Corp. / Korre-

spondenz 2010-2016, ab viertem Blatt). Festzuhalten ist, dass auch die Aussage 

des Beschuldigten, wonach der Privatkläger 1 stets hohe Renditevorstellungen ge-

habt  habe  (act. 12/2  S. 20),  durch  die  Erwägungen  des  Urteils  vom  Fürstlichen 

Landgericht in Vaduz untermauert wird (act. 13/22 S. 13 f., S. 32 und S. 44 f.; vgl. 

- 82 -

auch  act. 40501191;  act. 40501212  f.).  Ersichtlich  ist  ferner,  dass  es  im  Prozess 

ebenfalls um eine Änderung des Anlageprofils des Privatklägers 1 ging, welches 

sich aufgrund der im Laufe der Zeit stetig zunehmenden Renditeerwartungen des 

Privatklägers 1 geändert habe (act. 13/22 S. 14). Dem Urteil lässt sich weiter ent-

nehmen, der Privatkläger 1 sei von dessen damaligem Anlageberater zwar nicht 

als professioneller Kunde eingestuft worden, jedoch sei er (der Privatkläger 1) auf-

grund  seines  Anlageverhaltens  bis  Dezember  2007,  seines  beruflichen  Hinter-

grunds und seines Auftretens nicht als Laie, sondern als ein in Bezug auf die Risi-

ken  und  Merkmale  der  fraglichen  Anlageprodukte  verständiger  Anleger  einge-

schätzt  worden  (act. 13/22  S. 11).  Im  damals  in  Auftrag  gegebenen  Gutachten 

wurde der Privatkläger 1 als "risikofähiger, risikowilliger, renditeorientierter sowie 

sehr vermögender Anleger" bezeichnet (act. 13/22 S. 32). Das Fürstliche Landge-

richt in Vaduz erwog folglich, dass der Privatkläger 1 alle Kriterien eines professio-

nellen Kunden erfülle, obschon er von der Bank nicht als solcher eingestuft worden 

sei (act. 13/22 S. 32). Die Erwägungen des rechtskräftigen Urteils vom Fürstlichen 

Landgericht  in  Vaduz  decken  sich  somit  nicht  mit  den  Aussagen  des  Privatklä-

gers 1, wonach er überhaupt keine Erfahrungen mit Anlagen habe, er nichts davon 

verstehe, immer nur konservativ habe anlegen und auf Sicherheit habe gehen wol-

len, ohne ein Risiko einzugehen (vgl. act. 50201007 ff.). 

2.9. Am  24.  März  2014  unterzeichneten  die  Parteien  unbestrittenermassen  ei-

genhändig einen neuen Vermögensverwaltungsvertrag, der in englischer Sprache 

abgefasst ist (act. 20101020). Das Anlageprofil ist dem dazugehörigen "Asset ma-

nagement agreement Appendix 1, Balanced model" zu entnehmen, wobei vertrag-

lich eine "ausgewogene Anlagestrategie" vereinbart worden ist (act. 20101028 f.). 

Die in der Anklageschrift umschriebene Aufteilung von 70 % Renten und 30 % Ak-

tien, welche mit dem Vermögensverwaltungsvertrag 2014 gegolten haben soll (vgl. 

act. 10104003 Rz 5), entspricht allerdings weniger einem ausgewogenen Modell, 

sondern eine solche Aufteilung würde eher in Richtung konservative Ausrichtung 

tendieren.  Da  der  Privatkläger  1  die  Vertragsdokumente  2014  unterzeichnet  hat, 

erteilte er mit seiner Unterschrift grundsätzlich auch seine Zustimmung zum Modell 

"Balanced". Der Privatkläger 1 macht zusammengefasst geltend, dass er bei der 

Vertragsunterzeichnung des Vermögensverwaltungsvertrages vom 24. März 2014 

- 83 -

nicht bewusst einer Änderung der Anlagestrategie zugestimmt habe. Gemäss sei-

nen  Aussagen  habe  er  durchgehend  ein  konservatives  Anlageprofil  gehabt  und 

dem Beschuldigten nie andere Angaben gegeben. Es sei immer klar gewesen, dass 

sein Vermögen konservativ anzulegen sei, damit seine Rente gesichert sei. Er habe 

selbst keine Erfahrungen mit Anlagen gehabt und jeweils die Verträge unterzeich-

net, die der Beschuldigte ihm hingelegt habe. Der Beschuldigte habe ihm bezüglich 

des neuen Vermögensverwaltungsvertrages vom 24. März 2014 gesagt, dass es 

eine Kopie des ersten Vertrages sei, weil es über eine andere Gesellschaft habe 

laufen können, die dies angeblich auf Englisch gewollt habe. Er habe am Anfang 

beim Durchlesen gesehen, dass da englisch einige Wort kommen würden, die er 

gar nicht verstehe. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, es sei eine Übersetzung und 

das Gleiche wie der deutsche Vertrag. Er habe dies gar nicht mehr durchgelesen 

(act. 50201013  ff.).  Diese  Vorbringen  des  Privatklägers  1  überzeugen  nicht.  Der 

Begriff "Balanced model" wird nicht einfach kleingedruckt nebenbei im Vertragstext 

erwähnt, sondern er erscheint fettgedruckt als Titel im Anhang 1, sodass es dem 

Privatkläger 1 nur schon aus diesem Grund hätte auffallen müssen. Dass mit der 

Formulierung  "Balanced  Model"  kein  konservatives  Modell  gemeint  sein  kann, 

sollte  selbst  jemand  ohne  vertiefte  Englischkenntnisse  verstehen  können,  wobei 

beim  Privatkläger  1  angesichts  seiner  beruflichen  Laufbahn  im  Ausland  (vgl. 

act. 50201006 f.) und des Umstandes, dass er seit mehreren Jahren in internatio-

nalen  Gewässern  segelt  (vgl.  act.  50201019;  act.  39  S.  4),  durchaus  von  guten 

Englischkenntnissen auszugehen ist. Bei den Akten befinden sich sodann weitere 

englischsprachige Dokumente, die vom Privatkläger 1 unterzeichnet worden sind 

(beispielsweise  act. 41007001-11;  act. 40206001,  BO  grün,  C._____  Inc.  SA  at 

K._____, Abgriff 4, viertes Dokument "Mandate Agreement"), sodass für ihn eng-

lischsprachige Dokumente nichts Ungewohntes gewesen sein dürften. Zudem wäre 

es in seiner Verantwortung gelegen, die Vertragsdokumente durchzulesen und al-

lenfalls auf einer Übersetzung zu bestehen, zumal es sich nicht nur um irgendwel-

che  Schreiben  handelte,  sondern  um  Verträge  und  dem  Privatkläger 1  als  Ge-

schäftsmann  (vgl.  act. 50201006  f.)  durchaus  die  Wichtigkeit  und  Verbindlichkeit 

von  Verträgen  bewusst  sein  musste.  Wie  bereits  vorstehend  erwogen  (vgl. 

Erw. IV.L.2.8.), hat der Privatkläger 1 aus seiner Sicht bereits negative Erfahrungen 

- 84 -

im  Zusammenhang  mit  seiner  Vermögensverwaltung  durch  eine  Bank  gemacht, 

worauf auch seine Rechtsvertretung zutreffend hingewiesen hat (act. 27 S. 5 f. und 

S. 22). Vor dem Hintergrund dieses Gerichtsverfahrens vor dem Fürstlichen Land-

gericht in Vaduz ist das vom Privatkläger 1 umschriebene Verhalten, wonach er die 

Dokumente und Verträge mit dem Beschuldigten nicht genau geprüft, sondern sich 

alleine  auf  dessen  Expertise  verlassen  habe  (act. 50201012 f.),  umso  erstaunli-

cher, da angesichts seiner schlechten Erfahrungen im Zusammenhang mit seiner 

Vermögensverwaltung  und  dem  verlorenen  Gerichtsprozess  grundsätzlich  mehr 

Vorsicht und Kontrolle seinerseits gegenüber dem Beschuldigten zu erwarten ge-

wesen wäre, zumal es sich beim Beschuldigten um eine ihm fremde Person han-

delte, zu welcher sich erst im Laufe der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis ent-

wickelte (vgl. act. 12/2 S. 5; act. 50201006).

2.10. Zwar machte der Privatkläger 1 konstant geltend, dass er sein Risikoprofil 

mit  dem  neuen  Vermögensverwaltungsvertrag  2014  nicht  von  "Konservativ"  auf 

"Balanced" habe ändern, sondern stets das konservative Modell habe beibehalten 

wollen  (act.  50201013;  act.  50201021;  act.  27  S.  6),  dies  würde  allerdings  eher 

darauf hindeuten, dass er auch die bisherige, unter dem Risikomodell "Konservativ" 

thematisierte Aufteilung von 50 % Renten, 30 % Aktien und 20 % alternative Anla-

gen hätte beibehalten wollen, und gegen einen Wechsel hin zu 70 % Renten und 

30  %  Aktien  sprechen.  Daran  ändert  auch  die  E-Mail  des  Privatklägers  1  vom 

28. April  2016  an  den  Beschuldigten  nichts.  In  dieser  machte  der  Privatkläger  1 

geltend: "Es werden ab sofort keine neuen Anlagen getätigt, die nicht als konser-

vativ einzustufen sind" (act. 60102005, BO grün, D._____ Corporation / Q._____, 

Abgriff 10, fünftes Blatt). Damit wurde zwar seitens des Privatklägers 1 gegenüber 

dem Beschuldigten wieder einmal schriftlich und insbesondere unmissverständlich 

sein  Wunsch  nach  einer  konservativen  Anlagestrategie  geäussert,  allerdings  er-

folgte  diese  E-Mail  erst  wenige  Monate  vor  Beendigung  des  Vermögensverwal-

tungsverhältnisses im Juli 2016 und sie enthält zudem keinerlei Anweisungen hin-

sichtlich einer allfälligen prozentualen Aufteilung; schon gar nicht spricht sich der 

Privatkläger 1 darin für eine Aufteilung von 70 % Renten und 30 % Aktien aus. Auch 

die Rechtsvertretung des Privatklägers 1 vermochte nicht substantiiert darzulegen, 

weshalb mit Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 eine Aufteilung im 

- 85 -

Sinne von 70 % Renten und 30 % Aktien hätte gegolten haben sollen, sondern sie 

verwies lediglich pauschal auf die Anklageschrift ohne Verweis auf irgendwelche 

Aktenstellen oder Einreichung von Belegen (act. 27 S. 22; vgl. act. 39 S. 4 ff.).

2.11. Mit  Vermögensverwaltungsvertrag  vom  24.  März  2014  respektive  dessen 

Anhang 1 wurde das Modell "Balanced" (bzw. Ausgewogen) gewählt, wobei anders 

als  noch  im  Anhang 1  zum  Vermögensverwaltungsvertrag  vom  20.  Januar  2010 

"alternativen  Anlagen"  nicht  mehr  angekreuzt  wurden  (vgl.  act.  20101024; 

act. 20101028). Der Beschuldigte erklärte anlässlich der Hauptverhandlung, es sei 

einfach vergessen gegangen, bei den alternativen Anlagen ein Kreuzchen zu ma-

chen (vgl. act. 37 S. 38), was nicht unglaubhaft erscheint, zumal im Investorenprofil 

2014  alternative  Anlagen  ebenfalls  noch  angekreuzt  waren  (vgl.  act. 40221014) 

und der Privatkläger 1 selber angab, er habe stets das gleiche Anlagemodell ge-

wollt (vgl. act. 50201021). Auffallend ist zudem, dass die Investorenprofile aus den 

Jahren 2010 und 2014 (vgl. act. 40221013 f. und act. 40206001, BO grün, C._____ 

Inc. SA at K._____, Abgriff 3, elftes Blatt) nahezu identisch sind. Da beim Investo-

renprofil aus dem Jahr 2014 keine wesentlichen Anpassungen respektive Änderun-

gen  vorgenommen  worden  sind,  erscheint  ebenso  fraglich,  weshalb  sich  die  an-

fänglich thematisierte Aufteilung von 50 % Renten, 30 % Aktien und 20 % alterna-

tive Anlagen derart wesentlich im Sinne einer neuen Aufteilung von 70 % Renten 

und 30 % Aktien, wie dies in der Anklageschrift umschrieben wird, hätte verändern 

sollen. Bei einer solch gravierenden Veränderung hin zu einer neuen prozentualen 

Aufteilung von 70 % Renten und 30 % Aktien wäre eine entsprechende Anpassung 

des Investorenprofils 2014 zu erwarten gewesen. Schliesslich hätte mit einer Auf-

teilung zugunsten von 70 % Renten eine deutlich geringere Risikobereitschaft vor-

gelegen als noch unter der bisherigen Aufteilung von 50 % Renten, 30 % Aktien 

und 20 % alternative Anlagen, was unter dem Titel "Risikobereitschaft" wohl eher 

unter die Option "Sicherheitsorientiert" gefallen wäre, im Investorenprofil 2014 aber 

gerade nicht angekreuzt wurde (act. 40221014).

2.12. Selbst  wenn  die  alternativen  Anlagen  mit  dem  Vermögensverwaltungsver-

trag 2014 hätten wegfallen sollen, ist gestützt auf die Aussagen des Privatklägers 1 

und dessen Risikobereitschaft, welche unter dem konservativen Modell doch mit 

- 86 -

30 % Aktien und 20 % alternativen Anlagen angedacht war, nicht nachvollziehbar, 

weshalb der freiwerdende Anteil von 20 % zu den Renten hätte wechseln sollen. 

Unter Berücksichtigung, dass Renten in der Regel als sicherere und stabilere In-

vestitionen  gelten,  während  alternative  Anlagen  die  Möglichkeit  bieten,  höhere 

Renditen zu erzielen, aber auch höhere Risiken und weniger Liquidität aufweisen, 

erscheint es naheliegender, dass der freiwerdende Anteil der alternativen Anlagen 

im Umfang von 20 % ab dem 24. März 2014 in Aktien und nicht in Renten investiert 

und damit eine Aufteilung von 50 % Renten und 50 % Aktien angestrebt worden 

wäre, zumal der Privatkläger 1 nicht geltend machte, er sei ab März 2014 auf mehr 

Sicherheit und weniger Risiko bedacht gewesen, sondern er sich lediglich pauschal 

auf den Standpunkt stellte, er habe nicht auf das Modell "Balanced" wechseln, son-

dern durchgehend das von ihm anfänglich gewählte Modell "Konservativ" beibehal-

ten wollen (vgl. act. 50201021). In seiner schriftlichen Stellungnahme führte der Be-

schuldigte  damit  übereinstimmend,  präzisierend  und  durchaus  plausibel  aus,  an 

der  taktischen  Positionierung  der  Kundeninvestments  habe  sich  durch  die  Erhö-

hung der Risikokategorie von "gering" zu "durchschnittlich" grundsätzlich nichts ge-

ändert. Vielmehr sei die Anpassung eine Reaktion auf die veränderte Marktsituation 

gewesen, insbesondere auf die Entwicklung der Zinskurve, die sich in Richtung Null 

bewegt habe. Um die Renditevorstellungen des Privatklägers 1 weiterhin realisie-

ren zu können, sei es notwendig gewesen, verstärkt in Aktienprodukte zu investie-

ren. Hintergrund dieser Strategie sei gewesen, dass bei einem Rückgang der Zinss-

trukturkurve  festverzinsliche  Anlagen  nicht  mehr  ausreichend  attraktiv  gewesen 

seien,  während  Aktienmärkte  typischerweise  in  solchen  Phasen  zulegen  würden 

(act. 12/2 S. 20), was er so auch anlässlich der Hauptverhandlung ausführte (vgl. 

act. 37 S. 37 ff.).

2.13. Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  sich  der  Sachverhalt  nicht 

wie in der Anklageschrift umschrieben erstellen lässt. Nach Würdigung sämtlicher 

Beweismittel verbleiben unüberwindliche Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO 

daran, dass eine starre prozentuale Aufteilung vereinbart worden sein soll, der zu-

lässige Aktienanteil durchgehend im Sinne eines maximalen Grenzwerts bei 30 % 

gelegen respektive die anfänglich angedachte Aufteilung von 50 % Renten, 30 % 

Aktien  und  20  %  alternative  Anlagen  mit  Vermögensverwaltungsvertrag  2014  zu 

- 87 -

70 % Renten und 30 % Aktien gewechselt haben soll. Deshalb ist der Beschuldigte 

– entsprechend dem Grundsatz "in dubio pro reo" – vom Vorwurf der ungetreuen 

Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Performance-Scha-

den betreffend Überschreitung Aktienanteil) freizusprechen.

3.

Anklagevorwurf Überschreitung der Belehnungsgrenze von 30 %

3.1. Hinsichtlich dieses Vorwurfs wird dem Beschuldigten zusammengefasst vor-

geworfen, die Belehnungsgrenze von 30 % des durch ihn verwalteten Nettovermö-

gens der Privatklägerschaft pflichtwidrig überschritten und damit das Vermögen ei-

nem höheren Risiko ausgesetzt zu haben. Durch diese pflichtwidrige Überschrei-

tung des Grenzwertes von 30 % des Nettovermögens für die Lombardkreditbelas-

tung  habe  der  Beschuldigte  auf  unrechtmässige  Art  das  Bruttovermögen  erhöht, 

auf dessen Grundlage die ihm im Grundsatz rechtmässig zustehenden Kommissi-

onen  für  seine  Vermögensverwaltung  berechnet  worden  seien.  Insgesamt  seien 

dadurch Management Fees im Gesamtbetrag von EUR 38'254.14 dem Vermögen 

der Privatklägerschaft zu dessen Schaden belastet worden, was zu einer unrecht-

mässigen Bereicherung des Beschuldigten geführt habe (act. 10104010 f., Rz 21). 

Hinsichtlich des weiteren Vorwurfs wird in der Anklageschrift festgehalten, der Pri-

vatklägerschaft  sei  ein  Performance-Schaden  (Wertminderung  des  Nettovermö-

gens)  entstanden,  der  zu  CHF 97'879.67  auf  dem  Portfolio  D._____  bei  der 

O._____  AG,  zu  CHF 80'366.42  auf  dem  Portfolio  D._____  bei  der  Q._____  AG 

und  zu  EUR 242'223.12  auf  dem  Portfolio  C._____  bei  der  K._____  AG  auf  die 

pflichtwidrige Überbelehnung entfallen sei (act. 10104013 ff., Rz 24 ff.).

3.2. Der Beschuldigte stellt sich zusammengefasst auf den Standpunkt, er habe 

hinsichtlich des Bestandes und der Höhe der Lombardkredite keine Pflichten ver-

letzt. Es sei während der gesamten Dauer des Vermögensverwaltungsverhältnis-

ses mit Lombardkrediten gearbeitet worden. Er habe bei der Aufnahme von Kredi-

ten das ausdrückliche Einverständnis der Privatklägerschaft vorgängig eingeholt. 

Sämtliche Aspekte seien mit dem Privatkläger 1 transparent besprochen worden. 

Es habe auch schon vor dem Vermögensverwaltungsmandat bei der P._____ Kre-

dite gegeben. Zudem habe der Privatkläger 1 immer Zugriff und Einsicht auf seine 

Bankkonten  via  E-Banking  gehabt,  woraus  die  Lombardkredite  plus  die  Perfor-

- 88 -

mance hervorgegangen seien. Er habe dem Privatkläger 1 jeweils per Ende Monat 

alle Positionen per E-Mail zukommen lassen und ihm die Summe in der Aufstellung 

zur vereinfachten Übersicht zugestellt. Sie hätten die aktuellen Positionen und die 

Marktentwicklung  monatlich  an  Telefon-  und  Videokonferenzen  besprochen.  Der 

Privatkläger 1 habe zu keinem Zeitpunkt interveniert oder Einwände erhoben. Er 

habe wiederholt mit dem Privatkläger 1 über die Auswirkungen von Marktverände-

rungen auf die Lombardkredite gesprochen (act. 12/2 S. 2 ff. und S. 19). Bei dieser 

Darstellung blieb der Beschuldigte auch anlässlich der Hauptverhandlung (act. 37 

S. 26 ff.). Der Privatkläger 1 dagegen stellt sich zusammengefasst auf den Stand-

punkt, er habe sein Leben lang jegliche Kreditbeanspruchung abgelehnt und nichts 

von Lombardkrediten gewusst. Das Wort Lombardkredit habe er damals noch nicht 

gekannt. Dieses habe er erst kennengelernt, als seine Kundenbeziehung mit dem 

Beschuldigten schon zu Ende gewesen sei (act. 50201013 f.).

3.3. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei der Belehnungsgrenze von 30 % aus-

schliesslich  auf  das  Kundenprofil  (vgl.  act.  10104003  Rz  4),  namentlich  auf  das 

anlässlich der Hausdurchsuchung am Sitz der F._____ GmbH sichergestellte Do-

kument mit dem Titel "Client information upon opening an account", welches der 

Beschuldigte  handschriftlich  auf  den  9.  Oktober  2009  datiert  hat.  Darin  sind  zu-

nächst persönliche Informationen über den Privatkläger 1 festgehalten. Unter dem 

7. Titel ist festgehalten, wie die Vermögenswerte der Privatklägerschaft angelegt 

werden sollen. Es soll eine konservative Anlagestrategie verfolgt werden, vorwie-

gend in Festgeldanlagen und festverzinslichen Wertpapieren. Es seien Aktienposi-

tionen von bis zu 40 % und Kredite von bis zu 30 % der Vermögenswerte der Pri-

vatklägerschaft  anzunehmen  (act. 40207004,  BO  grün,  HC  02/01/07,  Abgriff  3, 

zweites Dokumente). Dieses Kundenprofil stellt allerdings keine vertragliche Ver-

einbarung dar. Der Beschuldigte führte dazu anlässlich der Hauptverhandlung aus, 

bei diesen 30 % handle es sich einfach um eine pro forma Zahl, die sie am Anfang 

so  besprochen  hätten.  Mathematisch  zusammengesetzt,  da  habe  er  gesagt,  wir 

nehmen bei einer Million CHF 300'000 Vorschuss auf und operieren damit. Das sei 

mit dem Privatkläger 1 so vorbesprochen worden, deshalb sei das als Zahlenbei-

spiel in die Dokumentation geflossen. Das gebe dann auch für das Management 

einen Hinweis auf die Gesamthaftigkeit und Komplexität des Kunden. Aber dabei 

- 89 -

handle es sich lediglich um ein internes Dokument, eine Notiz, die er mehr für sich 

gemacht habe als Vorschlag für ein taktisches Operieren am Anfang. Vertraglich 

sei diesbezüglich nichts festgehalten worden. Das könne man auch gar nicht (vgl. 

act. 37 S. 26 f. und S. 29). Gemäss Urteil des Bundesgerichtes 6B_511/2016 vom 

4.  August  2016  dient  das  Kundenprofil  der  Vorbereitung  des  Vertragsschlusses, 

wobei  ihm  hinsichtlich  der  Risikofrage  keine  selbständige  Bedeutung  zukommt, 

falls die tatsächlich getroffenen vertraglichen Abmachungen in diesem Punkt ein-

deutig sind (E. 1.1). In den beiden Vermögensverwaltungsverträgen vom 20. Ja-

nuar 2010 und 24. März 2014 wurde eine Grenze "bis zu 30 % Fremdkapital" ge-

rade nicht schriftlich festgelegt, und es wurde auch nicht vereinbart, dass überhaupt 

keine Kredite erlaubt seien, sondern dies wurde von entsprechenden Instruktionen 

abhängig gemacht (vgl. act. 20101017; act. 20101021). Die Vertragstexte sprechen 

somit gegen eine prozentual klar festgelegte Belehnungsgrenze. Hätte der Privat-

kläger 1 tatsächlich unter keinen Umständen Kredite gewollt, hätte dies so absch-

liessend in den Vermögensverwaltungsverträgen vereinbart werden können. Durch 

die gewählte Formulierung "ohne anders lautende Instruktionen" wurde die Mög-

lichkeit zu einer Kreditaufnahme ausdrücklich vorbehalten.

3.4. Den Akten lässt sich entnehmen, dass fast während der gesamten Laufdauer 

des Vermögensverwaltungsmandats zwischen dem Beschuldigten und der Privat-

klägerschaft mit Lombardkrediten gearbeitet worden ist (act. 30204009 ff.). So wird 

im  Wirtschaftsprüfungs-Gutachten  vom  26. Februar  2024  aufgezeigt,  dass  zwi-

schen  Januar  2010  und  Dezember  2015  Kredite  von  zwischen  15  %  und  rund 

120 %  auf  dem  verwalteten  Vermögen  der  Privatklägerschaft 

lasteten 

(act. 30202014).

3.5. Es befinden sich mehrere Dokumente bei den Akten, die erhebliche Zweifel 

an der Darstellung des Privatklägers 1, wonach er sein Leben lang etwas gegen 

Kredite gehabt habe (vgl. act. 50201014), aufkommen lassen: Den Unterlagen ist 

mit  den  Aussagen  des  Beschuldigten  übereinstimmend  zu  entnehmen,  dass  der 

Privatkläger  1  am  12. Januar 2010  eine  Rahmenkreditvereinbarung  bei  der 

K._____ AG unterzeichnet hat (act. 13/10; act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, 

Abgriff 4, zweithinterstes Dokument). Im Titel des besagten Dokuments ist "Lom-

- 90 -

bardkredit/Rahmenkreditvereinbarung - Kreditbenützung auf Ihren Konten" festge-

halten.  Mit  Datum  vom  25.  April  2016  unterzeichnete  der  Privatkläger  1  bei  der 

K._____ AG erneut eigenhändig ein Dokument mit dem Titel "Lombardkredit/Rah-

menkreditvereinbarung" (act. 41003023 f.). Diese vom Privatkläger 1 unterzeichne-

ten Vereinbarungen lassen dessen Aussagen, wonach er zum damaligen Zeitpunkt 

nichts  davon  gewusst  bzw.  nicht  gewusst  habe,  was  ein  Lombardkredit  sei 

(act. 50201013), fraglich erscheinen, zumal die Vertragsdokumente in Deutsch und 

damit einer ihm verständlichen Sprache abgefasst waren. Zudem hätte es in der 

Verantwortung des Privatklägers 1 gelegen, bei angeblichen Unklarheiten nachzu-

fragen respektive sich darüber aufklären zu lassen, was Lombardkredite sind, wenn 

er ein Dokument unterzeichnet, bei welchem mit fettgedruckter Schrift im Titel fest-

gehalten wird "Kreditbenützung auf Ihren Konten" (vgl. act. 13/10; act. 40207004, 

BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 4, zweithinterstes Dokument). Was mit der Unter-

schrift des Privatklägers 1 anderes beabsichtigt gewesen sein soll als eine Kredit-

benützung auf seinen Konten, ist nicht nachvollziehbar. Eine anderslautende bzw. 

plausible Erklärung wird von dessen Rechtsvertretung auch nicht geliefert (vgl. act. 

27 S. 17 ff.; act. 39 S. 9 ff.). In den Unterlagen der Q._____ AG ist ersichtlich, dass 

die Rahmenkreditverträge vom 16. Februar 2011, 6. April 2011 und 20. Mai 2011 

seitens  der D._____  nicht  vom  Privatkläger  1  eigenhändig  unterzeichnet  worden 

sind, sondern von Drittpersonen (act. 40502145 ff., act. 40502160 f., act. 40502171 

f.), und die Rahmenkreditverträge vom 10. Februar 2014 wurden schliesslich ledig-

lich  durch  den  Beschuldigten  unterzeichnet  (act. 40502273 f.;  act. 40502276  ff.), 

worauf auch die Rechtsvertretung der Privatklägerschaft zutreffend hinwies (act. 39 

S. 10). Der Beschuldigte erklärte dazu anlässlich der Hauptverhandlung, der Pri-

vatkläger 1 sei gut beraten und geschult gewesen, indem er Gesellschaften bzw. 

Strukturen (insb. die Privatklägerinnen 2 und 3) benutzt habe. Dort gebe dieser ge-

wissen Leuten dann eine Handlungsvollmacht, und diese würden immer nur gegen 

Instruktion und nie in eigenem Interesse handeln. Es könne davon ausgegangen 

werden,  dass  wenn  jemand  anderes  einen  solchen  Kreditvertrag  für  eine  solche 

Struktur unterzeichnet habe, dann sei das immer im Auftragsverhältnis und auf In-

struktion des Kunden gewesen. Der Privatkläger 1 habe bereits Strukturen auf Sei-

ten der Q._____ AG gehabt. Als dieser mit der Gesellschaft D._____ operiert habe. 

- 91 -

Dort habe es auch schon ein anderes Mandatsverhältnis gehabt von einer anderen 

Struktur hinten durch. Es sei für geschulte Leute normal, dass diese Vollmachten 

auf diese Gesellschaften übertragen würden, weil das handlicher sei, wenn es ei-

nen Personenwechsel gebe (vgl. act. 37 S. 35 f.). Diese Erklärung des Beschuldig-

ten erweist sich nicht als völlig lebensfremd, sondern als durchaus nachvollziehbar 

und plausibel.

3.5.1. Bei den Akten befindet sich zudem ein vom Privatkläger 1 unterzeichneter 

"Letter of Pledge and Declaration of Assignement" von der K._____ AG, datiert vom 

7. September  2009  (act.  41007006  f.),  was  die  Darstellung  des  Beschuldigten 

stützt, wonach der Privatkläger 1 bereits vor Unterzeichnung des Vermögensver-

waltungsvertrages vom 20. Januar 2010 Kredite aufgenommen habe (vgl. act. 12/2 

S. 10 und S. 17; act. 37 S. 26). In den Akten befinden sich auch die Dokumente 

"Anlagevorschlag  für  B._____  -  10"  und  "Anlagevorschlag  -  Fortsetzung  für 

B._____"  (act. 40207004,  BO  grün,  HC  02/01/07,  Abgriff 9,  zehntes  Dokument). 

Zwar fehlt auf diesen Dokumenten, welche anlässlich der Hausdurchsuchung si-

chergestellt wurden (vgl. vorstehend, Erw. II.B.1.), jeweils das Datum, da es sich 

aber um Anlagevorschläge für die Privatklägerschaft handelt, ist davon auszuge-

hen, dass sie ihm auch zugestellt, vorgelegt oder mit ihm besprochen worden sind, 

und  zwar  vor  oder  relativ  zu  Beginn  ihres  Vertragsverhältnisses,  zumindest  das 

Dokument "Anlagevorschlag für B._____ - 10". Alles andere würde auch kaum Sinn 

ergeben und wird von der Rechtsvertretung der Privatklägerschaft auch nicht gel-

tend gemacht (vgl. act. 27 S. 17 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung führte der 

Beschuldigte dazu aus, wenn er etwas erarbeite und aufsetze, dann mache er das 

mit Herzblut und er stelle dies dem Privatkläger 1 zu. Vor der Implementierung bzw. 

vor der Ausführung und Bearbeitung werde das auch intensiv diskutiert und zwar 

Position für Position, ob er damit einverstanden sei oder nicht (vgl. act. 37 S. 28). 

Seitens der Privatklägerschaft wird nicht bestritten, diese Dokumente erhalten zu 

haben (vgl. act. 39 S. 9 ff.). Zu diesen Dokumenten gab der Beschuldigte an, gegen 

Ende 2008 habe er für den Privatkläger 1 eine Bankbeziehung mit der Kontonum-

mer 10 eröffnet und diesem am 13. Januar 2009 einen Anlagevorschlag (act. 13/2) 

zukommen lassen (act. 12/2 S. 2). Zudem reichte der Beschuldigte drei Dokumente 

mit  den  Überschriften  "Anlagevorschlag  für  B._____  -  10",  "Anlagevorschlag  - 

- 92 -

Fortsetzung für B._____" und "Anlagevorschlag - Fortsetzung November 2009 für 

B._____"  zu  den  Akten  (act. 12/2-3B).  Diese  Dokumente  wurden  jeweils  hand-

schriftlich datiert mit 13. Januar 2009, 4. November 2009 und 9. November 2009. 

Obschon es sich nicht um eine identische Version der jeweiligen Dokumente han-

delt, so enthalten diejenigen, welche bei der Hausdurchsuchung im Bundesordner 

"HC  02/01/07"  (vgl.  act. 40207004)  sichergestellt  werden  konnten,  noch  diverse 

handschriftliche Notizen, werden doch in jeder Version die Aufnahme von Krediten, 

deren Erhöhung, Leverage und allfällige Kreditkosten erwähnt, was so auch vom 

Beschuldigten geltend gemacht wird (act. 12/2 S. 2). So lässt sich dem Dokument 

"Anlagevorschlag für B._____ - 10" entnehmen, dass der Beschuldigte der Privat-

klägerschaft einen Anlagevorschlag unterbreitete, der unter Ziffer a) den Vorschlag 

enthielt: "[…] mit einem leichten Leverage von weiteren ca. EUR 200' kann mit Ge-

samtkapital von EUR 600' gearbeitet werden; dies führt zu höherem Ertrag!" (vgl. 

act. 13/2; act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 9, zehntes Dokument). Im 

Dokument "Anlagevorschlag - Fortsetzung B._____" wird als neuer Vorschlag unter 

Ziffer 2) vorgeschlagen: "Aufnahme Kredit von EUR 200,000 in USD zu Kosten von 

Libor  plus  1.5 %  Marge;  d.h.  ca.  Gesamtkosten  von  2.0  %"  (vgl.  act.  13/3A; 

act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 9, zehntes Dokument). Gemäss die-

sen Anlagevorschlägen wurden Kredite respektive deren Erhöhung folglich thema-

tisiert, sodass gestützt auf diese Unterlagen erneut wenig glaubhaft ist, dass der 

Privatkläger 1 keine Kenntnis von Krediten gehabt haben soll. 

3.5.2. In der vom Beschuldigten eingereichten Dokumentation mit dem Titel "Kun-

denbesuche 2014" ist mit Datum vom 24. Oktober 2015 festgehalten, dass der Pri-

vatkläger 1 ihn aus Malta angerufen habe. Sie hätten gemeinsam sämtliche Papiere 

eingesehen und durchleuchtet, und der Privatkläger 1 sei mit der Rendite über die 

letzten fünf Jahre nicht zufrieden gewesen. Weiter hielt der Beschuldigte in seinen 

Notizen fest: "Nach wie vor stelle ich ihm die monatlichen Auszüge inklusive Zu-

sammenfassung und Rentabilität in komprimierter Form zu. Zur Weiterführung sei-

ner  Position  in  diesem  Umfang  inklusive  Leverage  erklärt  er  sich  einverstanden; 

klar würde bessere und positivere Zahlen ebenfalls wünschen!" (act. 13/23). Ge-

mäss diesem dokumentierten Telefonat scheint der Beschuldigte die Gesamtsitua-

tion inkl. Leverage mit dem Privatkläger 1 besprochen und dieser damit einverstan-

- 93 -

den gewesen zu sein. Seitens der Privatklägerschaft wurde zu dieser Notiz keine 

Stellung  genommen,  insbesondere  wurde  nicht  dargelegt,  inwiefern  diese  Ge-

sprächsnotizen des Beschuldigten unzutreffend sein sollten (vgl. act. 27 S. 17 ff.; 

act. 39 S. 9 ff.).

3.6. Es fällt auf, dass in den Vermögensübersichten bei der Q._____ AG die Wör-

ter "Kredit" bzw. "Kontokorrentkredit" klar und teilweise hervorgehoben erkennbar 

sind (vgl. act. 40503001-40521500). Auch bei der O._____ AG sind die Kredite in 

den Vermögensübersichten bei den Detailpositionen aufgelistet und mit "Kontokor-

rent" angegeben (act. 40801310 ff.). Bei der K._____ AG sind die Kredite in den 

Portfolioübersichten  in  englischer  Sprache  mit  "Liabilities"  jeweils  auf  der  ersten 

Seite ausgewiesen (act. 41005231-41006176). Unter diesen Umständen ist somit 

schwer vorstellbar, dass der Privatklägerschaft die Kreditpositionen mit teils hohen 

Summen auf den monatlichen Vermögensübersichten von doch drei unterschiedli-

chen Banken (Q._____ AG, O._____ AG, K._____ AG) während der mehrjährigen 

Dauer des Vermögensverwaltungsverhältnisses mit dem Beschuldigten nicht auf-

gefallen sein sollen, zumal der Privatkläger 1 selber angab, teilweise Einsicht ins 

Online-Banking  genommen  und  zeitweise  Berichte  vom  Beschuldigten  oder  den 

Banken erhalten zu haben. So führte der Privatkläger 1 dazu aus, dass er Zugang 

zum Online-Banking gehabt habe und dies ab und an geprüft habe (act. 50201015). 

Auf die Frage nach monatlichen Berichten gab er an, vom Beschuldigten oder von 

den Banken von Zeit zu Zeit etwas zugeschickt erhalten zu haben, wobei es sich 

um  etwas  in  der  Art  einer  Portfolio  Valuation  gehandelt  habe  (act.  50201014; 

act. 50201023). Weiter gab der Privatkläger 1 anlässlich seiner Einvernahme bei 

der Staatsanwaltschaft zu Protokoll: "[…] Bis ungefähr ein halbes Jahr vor der Kün-

digung. Da habe ich erst gemerkt, dass sich das Vermögen so stark vermindert hat. 

Das ist mir vorher gar nicht so stark aufgefallen. Da habe ich wohl eine Zeitlang 

nicht mehr ins Online-Banking reingeguckt. Das lag, wie gesagt, daran, dass ich 

damals mit dem Schiff und allem sehr beschäftigt war." (act. 50201019, F/A 93). 

Diese Aussagen des Privatklägers 1 veranschaulichen, dass dieser eher mangels 

Interesse respektive aus Zeitgründen die Bankunterlagen nicht regelmässig durch-

sah und überprüfte respektive nicht regelmässig via E-Banking auf seine Konten 

zugriff  und  nicht,  weil  ihm  Informationen  seitens  des  Beschuldigten  vorenthalten 

- 94 -

worden wären. Es wäre in der Verantwortung der Privatklägerschaft gelegen, die 

Vermögensübersichten  der  Banken  respektive  die  entsprechenden  Unterlagen 

durchzusehen,  sodass  sie  frühzeitig  hätte  opponieren  können,  wäre  sie  mit  den 

Kreditbelastungen nicht einverstanden gewesen. Schliesslich räumte der Privatklä-

ger 1 in seiner Einvernahme selber ein, dass er zu einem unbekannten Zeitpunkt 

auf einer Art von Portfolio Valuation gesehen habe, dass USD 500'000 oder mehr 

als Kredit aufgenommen worden seien. Er habe daraufhin dem Beschuldigten so-

fort mitgeteilt, dass er dies nicht wolle (act. 50201013 f.). Der Privatkläger 1 ver-

mochte sich allerdings nicht mehr daran zu erinnern, wann er dem Beschuldigten 

gesagt haben soll, dass er keine Kredite mehr wünsche (act. 50201013). Der ge-

naue Zeitpunkt lässt sich damit gestützt auf die vagen Aussagen des Privatklägers 

1 nicht eruieren. Bei den Akten befindet sich lediglich eine E-Mail des Privatklägers 

1 an den Beschuldigten vom 27. April 2016, folglich erst kurz vor Beendigung des 

Vermögensverwaltungsverhältnisses, in welcher er diesem unmissverständlich mit-

teilte,  dass  er  ab  sofort  keine  neuen  Kreditbelastungen  mehr  eingehen  wolle 

(act. 60102005, BO grün, D._____ Corporation / Q._____, Abgriff 10, fünftes Blatt).

3.7. Die Kredite wurden folglich in einer Vielzahl von unterschiedlichen Dokumen-

ten (diverse Vermögensübersichten von drei verschiedenen Banken sowie mehrere 

Anlagevorschläge des Beschuldigten) thematisiert respektive waren ausgewiesen. 

Dass der Privatkläger 1 kein einziges dieser Dokumente durchgelesen haben soll, 

was von ihm auch nicht geltend gemacht wird, respektive ihm in keinem einzigen 

Dokument die Bezeichnung Kredit aufgefallen sein soll, erscheint schlicht lebens-

fremd, zumal diese Dokumente ausschliesslich in deutscher und damit einer ihm 

mächtigen Sprache vorlagen.

3.8.

Letztlich lässt auch die Vorgehensweise des Privatklägers 1 zum Zeitpunkt 

der  Auflösung  des  Vertragsverhältnisses  Zweifel  an  dessen  Aussagen,  keine 

Kenntnis betreffend die Lombardkreditbelastung gehabt zu haben, aufkommen. Mit 

E-Mail vom 27. April 2016 schrieb der Privatkläger 1 dem Beschuldigten unter an-

derem: "Es werden ab sofort keine neuen Kreditbelastungen mehr eingegangen. 

Bestehende Kreditbelastungen werden bis Ende Jahr vollständig abgebaut." sowie 

"Du schickst Herrn Y1.____ bis Ende Woche Kopien sämtlicher Vermögensverwal-

- 95 -

tungsverträge, vereinbarter Anlagestrategien und Risikoprofile, die mich bzw. mein 

Vermögen betreffen. Ebenso eine Kopie meiner Einwilligung zur Ziehung von Lom-

bardkrediten."  (act. 60102005,  BO  grün,  D._____  Corporation  /  Q._____,  Abgriff 

10, fünftes Blatt). Sollte der Privatkläger 1 über das Vorgehen des Beschuldigten – 

insbesondere die hohe Belehnung (zeitweise mehr als 120 %, vgl. act. 30204009 

f.) – tatsächlich derart schockiert gewesen sein, weil Letztgenannter ihren Abma-

chungen  zuwidergehandelt  und  sein  Vertrauen  folglich  schwerwiegend  miss-

braucht  hätte,  erstaunt  nicht  nur  der  sachliche  Ton  dieses  Schreibens,  sondern 

noch viel mehr der Umstand, dass es nicht umgehend zu einem Vollmachtsentzug 

sowie einer sofortigen Auflösung des Vertragsverhältnisses gekommen ist. Statt-

dessen  wurde  das  Vertragsverhältnis  erst  mehrere  Monate  später  mit  Schreiben 

vom 4. Juli 2016 gekündigt (act. 20101047). Damit übereinstimmend hielt auch der 

Beschuldigte in seiner Dokumentation mit dem Titel "Kundenbesuche 2016" unter 

dem Datum vom 27. April 2016 fest, dass der Privatkläger 1 kurzfristig bei ihm vor-

beigekommen  sei,  da  er  aufgrund  eines  Positionstransfers  von  D._____  bei  der 

Q._____ AG zur O._____ AG keine Informationen erhalten habe und weitere Ver-

luste der Monate Januar und Februar hierzu geführt hätten. Der Privatkläger 1 habe 

einen  Rechtsanwalt  beigezogen,  um  rechtliche  Unterstützung  bei  der  Begutach-

tung seiner Strukturen und Konten zu erhalten und sich die Verluste der letzten 12 

Monate erklären zu lassen. Er (der Beschuldigte) habe die Übersicht der Depotaus-

züge, Kontoauszüge und Investmentunterlagen und Zustellung der Strukturkopien 

plus Verträge zugesichert. In der Schlussbesprechung sei die Weiterführung wie 

gehandhabt  mit  vereinbarten  Zielen  und  die  Wiedereinführung  von  monatlichen 

Conference-Calls  vereinbart  worden  (act. 13/23  S. 6 f.).  Zwar  hielt  der  Privatklä-

ger 1 in besagter E-Mail vom 27. April 2016 fest, dass ihm die bestehende Vermö-

genslage einen gewaltigen Schock versetzt habe und er jetzt alles unternehmen 

müsse, um nicht weiter ins Minus zu geraten, sein Schockzustand scheint sich aber 

vorwiegend  auf  seinen  (tieferen)  Vermögensstand  respektive  die  entstandenen 

Verluste  zu  beziehen  und  nicht  auf  allfällige  Pflichtverletzungen  seitens  des  Be-

schuldigten. So führte auch die Rechtsvertretung der Privatklägerschaft die Auflö-

sung  des  Vertragsverhältnisses  nicht  auf  die  angeblich  pflichtwidrige  Überbeleh-

nung bis teilweise über 120 % des Nettovermögens zurück, sondern gab an, die 

- 96 -

Privatklägerschaft habe das Vertragsverhältnis mit dem Beschuldigten umgehend 

beendet,  nachdem  er  erstmals  von  den  bis  dahin  verschwiegenen  und  vom  Be-

schuldigten vereinnahmten Retrozessionen erfahren habe (act. 27 S. 16). Eine an-

geblich pflichtwidrige Überbelehnung von mehr als 30 % des Nettovermögens wird 

als Kündigungsgrund nicht geltend gemacht. 

3.9. Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  die  ungenauen  Aussagen 

des Privatklägers 1 und die bei den Akten liegenden Dokumente unüberwindbare 

Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO daran bestehen lassen, dass sich der 

Sachverhalt wie in der Anklageschrift umschrieben zugetragen hat. Insgesamt be-

stehen  erhebliche  Zweifel  daran,  dass  die  Privatklägerschaft  nichts  von  Krediten 

gewusst und auch keine solchen gewollt haben soll, insbesondere lässt sich nicht 

erstellen, dass nur eine Lombardkreditbelastung von 30 % zulässig gewesen sein 

und der Beschuldigte durch die Belehnung von mehr als 30 % des Nettovermögens 

der Privatklägerschaft eine Verletzung der Vermögensfürsorgepflicht begangen ha-

ben soll. Bei dieser Sachlage ist der Beschuldigte – entsprechend dem Grundsatz 

"in  dubio  pro  reo"  –  von  den  Vorwürfen  der  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  im 

Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der qualifizierten ungetreuen Geschäfts-

besorgung  im  Sinne  von  Art.  158  Ziff.  1  Abs.  1  und  Abs.  3  StGB  (Performance-

Schaden und Management Fees im Zusammenhang mit der Belehnung des Ver-

mögens) freizusprechen.

4.

Anklagevorwurf Bereicherung durch Retrozessionen

4.1. Hinsichtlich  dieses  Vorwurfs  wird  dem  Beschuldigten  stark  zusammenge-

fasst vorgeworfen, dieser habe die Privatklägerschaft während der Dauer des Ver-

mögensverwaltungsauftrages  in  Verletzung  seiner  Rechenschaftspflicht  weder  in 

einer Vertragsklausel noch in irgendeiner anderen Form oder bei irgendeiner ande-

ren Gelegenheit hinreichend über die Retrozessionen aufgeklärt, sodass kein gül-

tiger Verzicht auf deren Herausgabe weder mündlich noch schriftlich seitens der 

Privatklägerschaft vorgelegen habe (vgl. act. 10104003 ff., Rz 6 ff.).

4.2. Der Umgang mit Retrozessionen und die Rechtsprechung dazu hat sich im 

Verlauf der Zeit verändert. Der Anklagesachverhalt betrifft die Jahre 2009 bis 2016 

- 97 -

und liegt damit sehr lange zurück. Zwar machte der Beschuldigte in seiner schriftli-

chen Stellungnahme geltend, die Handhabung der Retrozessionsthematik sei eine 

lange  Zeit  nicht  geklärt  gewesen  und  BGE  144  IV  294  sei  erst  später  ergangen 

(act. 12/2  S.  37).  Diesem  Einwand  kann  allerdings  nicht  gefolgt  werden.  Bereits 

dem  Urteil  des  Bundesgerichtes  132  III  460  vom  22.  März  2006  lassen  sich  die 

Anforderungen an einen rechtsgültigen Verzicht auf Herausgabe von Retrozessio-

nen entnehmen. Das Bundesgericht hielt fest, dass über die zu erwartenden Retro-

zessionen  vollständig  und  wahrheitsgetreu  informiert  werden  müsse,  ohne  dies 

weiter  zu  spezifizieren,  und  dass  der  Wille,  auf  deren  Ablieferung  zu  verzichten, 

klar hervorgehen müsse (BGE 132 III 460 E. 4.2). Später in den Jahren 2011 und 

2012  konkretisierte  das  Bundesgericht  mit  den  Urteilen  BGE  137  III  393  und 

BGE 138 III 755 die Anforderungen weiter, indem es festhielt, erforderlich sei ein 

Hinweis auf die technischen Eckwerte der bestehenden Retrozessionsvereinbarun-

gen mit Dritten sowie auf das zu erwartende Transaktionsvolumen bzw. die Angabe 

der  erwarteten  Rückvergütungen  als  Prozentbandbreite  des  verwalteten  Vermö-

gens (BGE 137 III 393 E. 2.5 und BGE 138 III 755 E. 6.3).

4.3. Mit E-Mail vom 19. Oktober 2009 thematisierte der Beschuldigte die Frage 

der Retrozessionen, indem er dem Privatkläger 1 im Nachgang zu ihrer Bespre-

chung  des  Vortages  unter  anderem  Folgendes  schrieb:  "Die  Banken  gewähren 

F._____ einen Anteil Ihrer Kosten, welche sich auf die 0.25 % belaufen. Hiervon 

erhalten  wir  bei  K._____  rund  40  %  zurück,  d.h.  rund  0.10  %.  Wir  erlauben  uns 

nach  Rücksprache  mit  dem  Kunden,  diese  direkt  dem  Kunden  zuzuschreiben." 

(act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10, zwölfthinterstes Blatt). Zudem 

ist  aktenmässig  erstellt,  dass  im  Zeitraum  des  Vermögensverwaltungsvertrages 

vom 20. Januar 2010 vertraglich vereinbart worden ist, dass die F._____ GmbH der 

Privatklägerschaft (je nach Vereinbarung) umgehend alle Provisionen, Bestands-

zahlungen oder ähnliche Vergütungen gutschreiben könne, die sie von Dritten im 

Zusammenhang mit dem Erwerb/Vertrieb von kollektiven Kapitalanlagen, Zertifika-

ten, Notes usw. erhalte (act. 20101018 Ziff. D.4.). Ein schriftlicher Vorausverzicht 

lag damit nicht vor, vorbehalten blieben irgendwelche mündlichen Absprachen. Mit 

Schreiben  vom  26.  Januar  2010  gab  der  Beschuldigte  dem  Privatkläger  1  unter 

dem Titel "Kosten-Preis" als Gesamtpreisangabe 1 % als seine Kommission plus 

- 98 -

noch eine Bankkommission ausgedrückt als Prozentbandbreite an. So schrieb der 

Beschuldigte: "Du siehst, dass ich Dir gegenüber mit meiner Gesamtpreisangabe 

von  1,0  %  (meine  Kommission)  plus  noch  eine  Bankkommission  von  zwischen 

0.25 %  bis  0.4  %  ehrlich  und  transparent  war  –  und  so  soll  es  auch  sein!" 

(act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10, viertes Dokument; act. 13/28). 

Dieses Schreiben reichte der Beschuldigte nicht nur als Beilage mit seiner schriftli-

chen Stellungnahme ein, sondern dieses wurde anlässlich der Hausdurchsuchung 

am Sitz der F._____ GmbH auch sichergestellt. Den Akten zu entnehmen und un-

bestritten ist ferner, dass zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerschaft 

als Entgelt für die Tätigkeit der Verwaltung der Vermögenswerte der Privatkläger-

schaft  eine  jährliche  Verwaltungsgebühr  von  1  %,  berechnet  vom  durchschnittli-

chen  Vermögen  aller  Konten  und  Depots,  welche  Bestandteil  dieses  Vertrages 

sind,  vereinbart  worden  ist  (Anhang  2  zum  Vermögensverwaltungsvertrag  2010, 

Vergütungsregelung, act. 20101026 f.). An dieser Vereinbarung änderte sich auch 

mit dem Vermögensverwaltungsvertrag 2014 nichts, und es blieb bei einer jährli-

chen Verwaltungsgebühr von 1 % (Appendix 2 zum Vermögensverwaltungsvertrag 

2014, Compensation Agreement, act. 20101030).

4.4. Weiter ist belegt und wird vom Beschuldigten auch nicht in Abrede gestellt, 

dass er respektive die F._____ GmbH gestützt auf zuvor geschlossene Vereinba-

rungen mit der K._____ AG Retrozessionen erhielt (act. 41009022 ff.; act. 12/2 S. 

29 f.; act. 20101032). Im Zusammenhang mit dem Portfolio S._____ wurden dem 

Beschuldigten vom 1. Oktober 2009 bis 30. Juni 2010 – anklagegemäss (vgl. act. 

10104006 f.,  Rz 16 f.)  –  Retrozessionen  in  der  Gesamthöhe  von  CHF 16'469.92 

ausbezahlt (act. 41009022-25). In der Periode vom 1. April 2010 bis 23. März 2014 

(die  Periode  1. Januar 2014  bis  31. März 2014  wurde  pro  rata  aufgeteilt: 

CHF 6'487.56 / 90 x 82 Tage) wurden dem Beschuldigten von der K._____ AG im 

Zusammenhang  mit  dem  Rechtssubjekt  C._____  –  anklagegemäss  (vgl.  act. 

10104007, Rz. 17) – Retrozessionen in der Höhe von CHF 72'522.47 ausbezahlt 

(act.  41009013-15;  act.  41009018;  act.  41002068 f.;  act. 41002105 f.; 

act. 41002072 f.; 

act. 41002119 f.; 

act. 41002092 f.; 

act. 41002103 f.; 

act. 41002090 f.; 

act. 41002070 f.; 

act. 41002088 f.; 

act. 41002121 f.; 

act. 41002086 f.; act. 41002077 f.; act. 41002107 f.). 

- 99 -

4.5.

Im Vermögensverwaltungsvertrag vom 24. März 2014 ist in Ziffer D.5. unter 

anderem Folgendes festgehalten: "In the event that F._____ receives remuneration 

that may be covered by a legal obligation to deliver the same to the client, in the 

absence  of  an  agreement  to  the  contrary,  the  client  waives  any  corresponding 

delivery.  The  bandwidths  that  apply  to  such  remuneration  are  listed  in  the  table 

below. Any exceptions to these bandwidths or changes to the fee structure that may 

occur  are  communicated  either  in  the  product-related  information  or  in  another 

suitable way. Potential conflicts of interest and, in particular, client's interests are 

taken into account through appropriate measures. 

Third Party Benefits

Product class

Shares

Fixed Income

Funds

Bandwidths/per transaction

up to 0.75 %

up to 0.60 %

up to 0.75 %

Derivatives/Structured Products

up to 1.5 %

The  published  bandwidths  correspond  to  the  maximum  values  for  the  existing 

agreements, whereby the remuneration can in effect be less. The fact that F._____ 

receives  remuneration  for  its  services  is  taken  into  account  in  calculating  client 

tariffs.  F._____  is  using  such  contributions  to  increase  its  service  (Financial 

Analyses. IT-Systems and more) for the benefit of the client." (act. 20101022 f.).

4.5.1. Vertraglich wurde somit festgehalten, für den Fall, dass die F._____ GmbH 

eine Vergütung erhalte, die einer gesetzlichen Herausgabepflicht an den Privatklä-

ger 1 unterliegen könnte, verzichte dieser mangels gegenteiliger Vereinbarung auf 

eine entsprechende Herausgabe. Die Bandbreiten, die für solche Vergütungen gel-

ten würden, seien in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. Allfällige Ausnahmen 

von diesen Bandbreiten oder Änderungen der Vergütungsstruktur würden entweder 

in den produktbezogenen Informationen oder in anderer geeigneter Weise kommu-

niziert werden. Potenziellen Interessenkonflikten und insbesondere den Interessen 

des Privatklägers 1 werde durch geeignete Massnahmen Rechnung getragen.

- 100 -

Leistungen Dritter

Produktklasse

Bandbreiten/pro Transaktion

Aktien

bis zu 0.75 %

Festverzinsliche Wertpapiere

bis zu 0.60 %

Fonds

bis zu 0.75 %

Derivative/Strukturierte Produkte

bis zu 1.5 %

Die veröffentlichten Bandbreiten würden den Maximalwerten der bestehenden Ver-

träge entsprechen, wobei die Vergütung faktisch geringer ausfallen könne. Die Tat-

sache, dass die F._____ GmbH eine Vergütung für ihre Dienstleistungen erhalte, 

werde bei der Berechnung der Kundentarife berücksichtigt. Die F._____ GmbH ver-

wende diese Beiträge, um ihre Dienstleistungen (Finanzanalysen, IT-Systeme u.a.) 

zugunsten  der  Kundinnen  und  Kunden  zu  verbessern  (Übersetzung  von 

act. 20101023 f.).

4.5.2. Somit  wurde  ab  der  Geltungsdauer  des  Vermögensverwaltungsvertrages 

vom 24. März 2014 neu festgehalten, dass die Privatklägerschaft die Retrozessio-

nen  dem  Beschuldigten  respektive  der  F._____  GmbH  überlasse.  Damit  lag  mit 

dem Vermögensverwaltungsvertrag 2014 neu ein schriftlicher Vorausverzicht vor, 

und es wurden im Zusammenhang mit den Retrozessionen weitere Parameter in 

Form von Prozentzahlen pro Anlageproduktklasse festgehalten.

4.6.

In der Periode vom 24. März 2014 bis 30. Juni 2016 (die Periode 1. Januar 

2014 bis 31. März 2014 wurde pro rata aufgeteilt: CHF 6'487.56 / 90 x 8 Tage) wur-

den dem Beschuldigten respektive der F._____ GmbH von der K._____ AG im Zu-

sammenhang  mit  dem  Rechtssubjekt  C._____  –  anklagegemäss 

(vgl. 

act. 10104007) – Retrozessionen in der Höhe von gesamthaft CHF 76'577.38 aus-

bezahlt  (act. 41002107  ff.,  act. 41009020).  Die  Retrozessions-Abrechnungen  der 

O._____ AG belegen, dass dem Beschuldigten respektive der F._____ GmbH im 

Zusammenhang mit dem Rechtssubjekt D._____ im Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis 

30. September 2016 Retrozessionen in der Gesamthöhe von CHF 20'561.05 aus-

bezahlt  wurden 

(act.  40802009-15;  act. 40802019-25;  act. 40802032-38; 

act. 40802045-51;  act.  40802057-63;  act. 40802067-73;  act. 40802077-83; 

- 101 -

act. 40802088-94; act. 40802100-06). In der Anklageschrift wird dem Beschuldig-

ten allerdings vorgeworfen, er habe von der O._____ AG im Zusammenhang mit 

dem  Rechtssubjekt  D._____  Retrozessionen 

in  der  Gesamthöhe  von 

CHF 20'100.09 einbehalten (act.  10104007,  Rz 17), was sich so auch dem Wirt-

schaftsprüfungs-Gutachten  respektive  der  Beilage  5.5  dazu  entnehmen  lässt 

(act. 30202028; act. 30204029). Damit enthält die Anklageschrift zwar eine zuguns-

ten des Beschuldigten tiefere Zahl, als durch die Retrozessions-Abrechnungen der 

Bank ausgewiesen ist, was auf einen Rechnungsfehler zurückzuführen sein dürfte, 

da das Gericht aber an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebun-

den ist (Immutabilitätsprinzip), ist auf die in der Anklageschrift enthaltene Summe 

von CHF 20'100.09 abzustellen. 

4.7. Während  der  Dauer  des  Vertragsverhältnisses  erstellte  der  Beschuldigte 

keine regelmässigen Abrechnungen über die erhaltenen Retrozessionen respek-

tive legte er der Privatklägerschaft – anklagegemäss (vgl. act. 10104006 Rz 15) – 

erst  auf  mehrmaliges  Ersuchen  von  dessen  Rechtsvertretung  im  Jahr  2016 

(act. 28/4-5) und damit nicht unaufgefordert Aufstellungen mit folgenden Titeln so-

wie über folgende Beträge vor: "Zuwendungen D._____ & C._____ per 31.03.2016" 

im  Betrag  von  CHF/EUR  14'082.65  betreffend  D._____/O._____  und 

CHF/EUR 139'955.90  betreffend  C._____/K._____  (act. 20101032),  "Compensa-

tion C._____ per 31.12.2014" im Betrag von EUR 19'434.21/CHF 25'266.36 (act. 

20101045) und "Compensation D._____ Corporation at Q._____ - per 31.12.2014" 

im  Betrag  von  EUR  22'528.57/CHF  29'284.51  (act. 20101046).  Seitens  des  Be-

schuldigten ist eingestanden, dass die Abrechnungen erst später erstellt und der 

Privatklägerschaft gezeigt worden sind. So gab er in seiner schriftlichen Stellung-

nahme bezugnehmend auf die Frage, woher die Tabelle mit dem Titel "Zuwendun-

gen D._____ & C._____ per 31.03.2016" komme, zusammengefasst an, dass diese 

Tabelle im Jahr 2016 nach Eingang der ersten Klage gegen die F._____ GmbH aus 

deren Buchhaltung erstellt worden sei, um der Privatklägerschaft eine transparente 

Aufklärung zu bieten. Diese sei sowohl dem Privatkläger 1 als auch dessen Anwalt 

übermittelt worden, sei vollständig und korrekt. Mit Schreiben vom 28. Juni 2016 

seien diese Zahlen in aller Transparenz offengelegt worden. Zu diesem Zeitpunkt 

hätten sie eine vollständige Übersicht für den Zeitraum von 2009 bis 2016 erstellt 

- 102 -

(act. 12/2 S. 29, act. 13/30). Zudem bestätigte er auch, dass die beiden weiteren 

Tabellen (act. 20101045 f.) aus der Buchhaltung der F._____ GmbH respektive von 

ihm stammen würden und inhaltlich korrekt seien (act. 12/2 S. 30).

4.8. Den Akten lassen sich keinerlei Hinweise darauf entnehmen, dass der Be-

schuldigte die erhaltenen Retrozessionen in der Gesamthöhe von CHF 185'669.86 

an die Privatklägerschaft überwiesen hat und solches wird von ihm auch gar nicht 

geltend  gemacht,  sondern  dieser  gab  in  seiner  schriftlichen  Stellungnahme  an: 

"Nach ausführlicher Aufklärung und Zustimmung des Kunden B._____ zur Einbe-

haltung der Zuwendungen wurde dies entsprechend umgesetzt." (act. 12/2 S. 37). 

Der Beschuldigte stellt sich auf den Standpunkt, dass die Retrozessionen gestützt 

auf  die  Vermögensverwaltungsverträge  vom  20. Januar 2010  und  24. März 2014 

ihm respektive der F._____ GmbH zugestanden hätten, da die Privatklägerschaft 

auf  diese  verzichtet  habe.  Zudem  habe  er  die  Privatklägerschaft  bereits  im  Jahr 

2008 über diese Zuwendungen informiert, und er sei seinen Informationspflichten 

nachgekommen (act. 12/2 S. 37). An diesem Standpunkt hielt er auch anlässlich 

der Hauptverhandlung fest (vgl. act. 37 S. 10 ff., insbes. S. 24 f.).

4.9. Der Privatkläger 1 hingegen macht geltend, dass er vom Beschuldigten nie 

betreffend  Retrozessionen  aufgeklärt  worden  sei.  Wenn  ihm  bewusst  gewesen 

wäre, dass der Beschuldigte von Dritten Zahlungen erhalte, hätte er sofort nachge-

fragt (act. 50201028). Die abweichende Regelung im Vermögensverwaltungsver-

trag vom 24. März 2014 betreffend Vergütungen habe er weder zur Kenntnis ge-

nommen  noch  verstanden,  ansonsten  hätte  er  das  nicht  unterschrieben 

(act. 50201026).  Das  Stichwort  Retrozessionen  habe  er  erstmals  von  seiner 

Rechtsvertretung  gehört,  als  sie  den  Fall  aufgearbeitet  hätten  (act.  50201027). 

Dass der Privatkläger 1 einfach das Wort "Retrozessionen" nicht gekannt haben 

soll,  erscheint  durchaus  möglich,  zumal  dieser  Ausdruck  in  den  Vertragstexten 

2010 und 2014 (act. 20101016 ff.; act. 20101020 ff.) nicht verwendet wurde und 

der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung erklärte, der Fachbegriff "Retro-

zessionen" sei im deutschen Sprachraum nicht so geläufig. Man sage dem auch 

Zuwendungen und Rückführungen. Das sei in Deutschland eher angebracht. Beim 

Privatkläger  1  handle  es  sich  eigentlich  um  eine  deutsche  Person  mit  einem 

- 103 -

Rechtsdomizil in Portugal (vgl. act. 37 S. 12). Er könne sich eher daran erinnern, 

dass er Zuwendungen anstatt Retrozessionen benutzt habe. Das töne ein wenig 

holpriger. Das sei mehr in der Schweiz. In der Schweiz spreche man aber eigentlich 

unter Profis, also bei ihnen unter den Marktteilnehmern, nicht mehr von Retrozes-

sionen, sondern man sage Zuwendungen oder Rückführungen (vgl. act. 37 S. 22).

4.10. Der  Beschuldigte  führte  anlässlich  der  Hauptverhandlung  zudem  aus,  bei 

den Vermögensverwaltungsverträgen handle es sich um Standardverträge, welche 

so  vom  Regulator  geprüft  und  vorgegeben  würden  (vgl.  act.  37  S.  11  f.  und 

S. 16 ff.), was im Einklang mit den vom Beschuldigten eingereichten Prüfberichten 

PolyAsset (act. 13/62-63) und dem Bericht der AF._____ AG vom 30. Januar 2019 

steht, welchem sich entnehmen lässt: "Die neuen Verträge des FI, welche uns vor-

liegen  und  benutzt  werden,  erfüllen  den  §  13  der  Standesregeln  der  PolyAsset" 

(act. 41201047). Weiter sagte der Beschuldigte zusammengefasst aus, die Ände-

rungen im Vermögensverwaltungsvertrag 2014 seien darauf zurückzuführen, dass 

im Verlauf der Zeit im Zusammenhang mit den Retrozessionen in der Branche mehr 

Transparenz verlangt worden sei. Die Kosten seien das Erste, was er mit dem Pri-

vatkläger 1 besprochen habe, was er generell mit Neukunden bespreche, und in 

diesem Zusammenhang würde er auch  umfassend über Zuwendungen informie-

ren. Wenn man sich dem Kunden vorstelle und etwas machen möchte, werde im-

mer die Frage gestellt, was das Ganze denn koste. Und dort sei er also vollkommen 

transparent  in  dieser  Sache.  Er  sage,  was  die  Honorierung,  seine  Management-

Fee, sei und was die Zuwendungen seien, die er bekommen könne. Wie die Glo-

balkompensation aussehe. Er müsse darlegen, wie sich diese Kompensation zu-

sammensetze, um die Konkurrenz auszustechen (vgl. act. 37 S. 10 ff., S. 14 und 

S. 17 f.) Diese Aussagen tönen plausibel und realitätsnah. Es erstaunt nicht, dass 

ein Neukunde zu Beginn eines Vertragsverhältnisses wissen will, was ihn die ex-

terne Vermögensverwaltung kostet, um abschätzen sowie vergleichen zu können, 

ob diese Dienstleistung bei einer Bank oder einem anderen Vermögensverwalter 

günstiger  angeboten  würde.  Überzeugend  ist  auch,  dass  in  diesem  Zusammen-

hang transparent über Zuwendungen aufgeklärt werden muss, weil diese einen ge-

wissen  Spielraum  ermöglichen,  um  die  Gesamtkosten  für  die  Vermögensverwal-

tung allenfalls tiefer zu halten und damit allfällige Konkurrenz unterbieten zu kön-

- 104 -

nen. Dass dies auch bei der Privatklägerschaft ein Thema war, zeigt das Schreiben 

des  Beschuldigten  vom  26.  Januar  2010.  Darin  werden  dem  Privatkläger  1  die 

Preisunterschiede erklärt. Es wird ihm insbesondere dargelegt, dass ihm die Bank 

nur  eine  Preisreduktion gewähren  könne, weil  sie  Rückvergütungen  erhalte,  und 

der Beschuldigte zeigte ihm seine Gesamtkosten auf. So teilte er dem Privatkläger 

1 mit: "Das Angebot der Q._____ ist vernünftig; er hat jedoch nicht erwähnt, dass 

die Bank noch am Vertrieb der Produkte aufgrund von Vertriebsverträgen mit den 

einzelnen Partnern auch noch eine Rückvergütung von circa 0.5 % erhält – daher 

kann  er  Dir  auch  einfach  eine  Preisreduktion  gewähren!  Du  siehst,  dass  ich  Dir 

gegenüber  mit  meiner  Gesamtpreisangabe  von  1,0  %  (meine  Kommission)  plus 

noch eine Bankkommission von zwischen 0.25 % bis 0.4 % ehrlich und transparent 

war – und so soll es auch sein!" (act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10, 

viertes Dokument; act. 13/28).

4.10.1. Der Beschuldigte machte zudem mehrfach geltend, er habe den Privatklä-

ger 1 nicht nur schriftlich, sondern auch mündlich umfassend über Rückvergütun-

gen  aufgeklärt.  So  führte  er  anlässlich  der  Hauptverhandlung  zusammengefasst 

aus, er habe den Privatkläger 1 informiert, dass die Banken eine Zuführung bzw. 

Rückführung  machen  würden,  in  Form  von  Zuwendungen  oder  Retrozessionen. 

Immer wieder sei das ein Thema gewesen, welches er von sich aus auf den Tisch 

gebracht habe. Er habe diesem gar nichts verschwiegen. Dieser sei immer völlig 

informiert gewesen. Er habe den Privatkläger 1 in der Anfangsphase ganz bestimmt 

3-4 Mal im Jahr getroffen, bevor sie das Vertragsverhältnis eingegangen seien. Da 

seien Zuwendungen auch immer wieder ein Thema gewesen. Das sei ein Bestand-

teil des ganzen Gesprächs gewesen. Dazumal habe der Privatkläger 1 ganz be-

stimmt verstanden, was er diesem gesagt habe. Wenn es nicht so gewesen wäre, 

hätte er diesem eine höhere Fixgebühr verrechnet. Sie hätten eine vereinbarte Fix-

gebühr von 1 % gehabt. Wenn es nicht so gewesen wäre und das habe er diesem 

gesagt, wenn er auf diese Zuwendungen hätte verzichten müssen, dann hätte die-

ser 1.25 % bezahlt. Dann hätte man sich die gesamte administrative Übung erspart. 

Er  habe  diesem  sogar  noch  gesagt:  Schau  1  %  auf  eine  Million,  das  seien 

CHF 10'000, während 1.25 % auf eine Million CHF 12'500 seien. Wenn er diesem 

das mit dem Bleistift aufschreibe, dann glaube er, müsse es verständlich sein, zu-

- 105 -

mindest habe dieser anschliessend die Verträge unterzeichnet (vgl. act. 37 S. 11 f.). 

Im Verlauf der Befragung führte der Beschuldigte erneut präzisierend aus, am Tisch 

habe er dem Privatkläger 1 aufgezeigt, dass 1 % auf einer Million CHF 10'000 er-

geben  würden  und  wenn  er  diese  Zuwendungen  abführe,  dann  würde  er  ihm 

1.25 %  verrechnen.  Dann  wären  es  CHF  12'500.  Also  die  0.25  %  seien  der  Be-

standteil  dieser  Zuwendungen.  Das  habe  er  dem  Privatkläger  1  dazumal  aufge-

zeigt. Diesem sei auch klar gewesen, dass das Finanzgeschäft ein Skalengeschäft 

sei. Dass, wenn er mit 10 Millionen Kapital arbeite, er auch mehr Wert generieren 

könne. Das führe dann auch zu mehr Transaktionen. Das sei dem Privatkläger 1 

klar  gewesen.  Das  sei  aufgezeigt  worden.  Sie  hätten  über  das  gesprochen  (vgl. 

act. 37 S. 23 f.). Weiter gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe den Privatklä-

ger 1 von Anfang an darüber aufgeklärt, dass es Zuwendungen gebe, dass man 

darüber sprechen könne. Dass der Kunde darauf verzichten könne, ob er sie haben 

wolle  oder  nicht.  Er  habe  dem  Privatkläger 1  in  diesem  Zusammenhang  gesagt: 

"Wenn du die Retrozessionen bzw. Zuwendungen haben willst, dann führe ich dir 

diese gerne ab, aber dann belaste ich dir entsprechend etwas mehr." Wie gesagt, 

1  %  oder  1.25  %  seien  ein  Spannungsfeld  dieses  Gesprächs  gewesen.  Das  sei 

dem Privatkläger 1 klar gewesen (vgl. act. 37 S. 24).

4.10.2. Schliesslich gab der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung im Zu-

sammenhang mit der Frage, ob der Privatkläger 1 gewusst habe, von welchen Ban-

ken Zuwendungen kommen würden, zusammengefasst zu Protokoll, die Banken 

würden sich jeweils der ersten Seite der Vermögensverwaltungsverträge entneh-

men lassen. Dort seien die Banken aufgeführt, wo Vertragsverhältnisse direkt mit 

dem Kunden bestehen würden. Er habe dem Privatkläger 1 gesagt, dass die Ban-

ken etwas zurückführen würden. Er habe ihm dies im Jahr 2009 gesagt und auch 

im Jahr 2010. Dort habe er auch erwähnt, dass dessen damalige Bank nicht gesagt 

habe, wie viel sie eigentlich zurückführen würde. Beim Privatkläger 1 sei klar ge-

wesen, dass er (der Beschuldigte) mit all seinen Vertragspartnern Verträge habe. 

Wie gesagt, das sei ein Bestandteil seiner Gesamtkompensation. Er lebe auch von 

diesem Bestandteil. Er mache seine Rechnung gut, und es sei immer vorgängig 

transparent  dargelegt  worden.  Der  Privatkläger  1  könne  davon  ausgehen,  dass, 

- 106 -

wenn er einen Vertrag habe, er eine solche Vereinbarung unterzeichnet habe (vgl. 

act. 37 S. 22 f.).

4.11. Die Aussagen des Beschuldigten decken sich insofern mit denjenigen des 

Privatklägers  1,  als  auch  dieser  ausführte,  oft  mit  dem  Beschuldigten  telefoniert 

sowie sich 2-3 Mal jährlich besucht und sich dabei über Finanzfragen unterhalten 

zu haben (vgl. act. 50201011). Dass es zu regelmässigen Treffen und Gesprächen 

zwischen ihnen gekommen war, wird folglich von keiner Seite in Abrede gestellt. 

Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich zudem nicht als lebensfremd und 

unglaubhaft, sondern als durchaus plausibel, zumal er auch diverse Details nennen 

konnte, so beispielsweise, wo die Gespräche stattgefunden haben, in Gegenwart 

welcher  Personen  und  wie  sich  der  Ablauf  des  Treffens  gestaltete  (vgl.  act.  37 

S. 12, S. 14 und S. 19). Der Beschuldigte war auch nicht bestrebt, mit seinen Aus-

sagen  zu  übertreiben  oder  sich  einfach  nur  in  ein  besseres  Licht  zu  rücken.  So 

räumte er beispielsweise ein, dem Privatkläger 1 nicht konkret gesagt zu haben, 

dass die Zuwendungen diesem von Gesetzes wegen zustehen würden, indem er 

ausführte, so kommuniziere man einfach nicht miteinander. Er habe diesem gesagt: 

"Wir bekommen von den Banken Zuwendungen. Du hast Anrecht auf das, aber es 

führt bei mir zu Mehraufwand. Wenn ich das bei mir behalten kann, dann bin ich 

froh. Dann muss ich die administrative Hürde nicht machen, und dann gewähre ich 

dir dadurch einen Discount." (act. 37 S. 24 f.). Weiter räumte der Beschuldigte auch 

ein, mit dem Privatkläger 1 nicht jede Klausel oder jede Zeile des neuen Vermö-

gensverwaltungsvertrages 2014 besprochen zu haben, sondern er gab an, diesen 

darauf hingewiesen zu haben, was sich geändert habe. So wie man das normaler-

weise mache. "Das und das hat sich geändert. Da hat es eine Veränderung auf-

grund dieses Umstandes gegeben. Wir sind angehalten worden, neu ist das präzi-

siert,  aus  diesem  und  diesem  Grund.  Das  führt  zu  mehr  Transparenz.  Ist  das  in 

Ordnung  oder  nicht?"  Der  Privatkläger  1  habe  sich  positiv  dazu  geäussert  (vgl. 

act. 37 S. 21).

4.12. Zu  den  Aussagen  des  Beschuldigten  passt  auch  der  Inhalt  seines  Schrei-

bens vom 26. Januar 2010 (act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10, vier-

tes Dokument; act. 13/28). Darin wird genau thematisiert, dass die Kosten für die 

- 107 -

Vermögensverwaltung tiefer ausfallen, wenn die Rückvergütungen nicht dem Kun-

den  weitergegeben,  sondern  einbehalten  werden.  Seitens  der  Privatklägerschaft 

wurde  dieses  Schreiben  nicht  bestritten  oder  geltend  gemacht,  dieses  habe  sie 

nicht erhalten, sondern es wurde lediglich ausgeführt, in dieses werde zu viel hin-

eininterpretiert und der Beschuldigte habe verschwiegen, dass er die Bankkommis-

sionen auch vereinnahmen werde (vgl. Prot. S. 33; act. 27 S. 16). Angesichts der 

gewählten Formulierung im Schreiben "1,0 % (meine Kommission) plus noch eine 

Bankkommission von zwischen 0.25 % und 0.4 %" erscheint allerdings klar, dass 

diese Bankkommissionen zu seiner Kommission dazugerechnet werden. Zwar da-

tiert dieses Schreiben vom 26. Januar 2010 und damit wenige Tage nach der Un-

terzeichnung  des  Vermögensverwaltungsvertrages  2010  (Unterschriftsdatum: 

20. Januar 2010, act. 20101019), allerdings wird eine Vergangenheitsformulierung 

gewählt  ("[…]  dass  ich  Dir  gegenüber  ehrlich  und  transparent  war",  vgl. 

act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10, viertes Dokument; act. 13/28), 

was darauf hindeutet, dass nicht erstmals mit diesem Schreiben über die Thematik 

Rückvergütungen und Kosten aufgeklärt, sondern dies bereits früher thematisiert 

worden war, was im Einklang mit der Darstellung des Beschuldigten steht, welcher 

konstant geltend machte, bereits früher mehrfach mit dem Privatkläger 1 die Kosten 

und Rückvergütungen besprochen zu haben.

4.13. Die plausiblen und konstanten Aussagen des Beschuldigten und sein Schrei-

ben vom 26. Januar 2010 weisen folglich darauf hin, dass die Privatklägerschaft im 

Zusammenhang mit den Retrozessionen eine Prozentbandbreite des verwalteten 

Vermögens kannte ("zwischen 0.25 % und 0.4 %"), damit die Grössenordnung der 

anfallenden Retrozessionen abschätzen konnte, und zudem wusste, bei welchen 

Banken diese anfielen. Da bei dieser Ausgangslage schliesslich mit Vermögens-

verwaltungsvertrag 2010 eine Kommission des Beschuldigten von 1.0 % vereinbart 

wurde (vgl. Anhang 2, act. 20101026), ist davon auszugehen, dass die Privatklä-

gerschaft auf die Retrozessionen der Banken verzichtet hat, ansonsten wohl eine 

höhere  Kommission  für  den  Beschuldigten  vereinbart  worden  wäre.  Darauf  wies 

auch die Verteidigung zutreffend hin (vgl. act. 41 S. 17).

- 108 -

4.14.

Im Jahr 2014 hatte sich an der bisherigen Situation nichts Grundlegendes 

geändert. So führte der Beschuldigte dazu anlässlich der Hauptverhandlung nach-

vollziehbar aus, der Privatkläger 1 habe mit dem Vertrag von 2010 die Konditionen, 

die Gebühren, die Global Management Fee und die Zuwendungen bereits akzep-

tiert. Im Jahr 2014 habe er diesen dann auf die erhöhten Transparenzvorschriften 

aufmerksam gemacht, und im Geschäftsgebaren habe sich dort nichts verändert. 

Es habe ja auch keine Veränderungen gegeben in der Preisstruktur (vgl. act. 37 

S. 18). Mit Vermögensverwaltungsvertrag 2014 wurde wiederum eine Kommission 

des  Beschuldigten  in  der  Höhe  von  1.0  %  vereinbart  (vgl.  Appendix  2, 

act. 20101030),  die  Prozentbandbreite  des  verwalteten  Vermögens  ("zwischen 

0.25 % und 0.4 %", vgl. act. 40207004, BO grün, HC 02/01/07, Abgriff 10, viertes 

Dokument; act. 13/28) war der Privatklägerschaft ebenfalls seit 2010 bekannt und 

der neue Vermögensverwaltungsvertrag enthielt zudem noch weitere Angaben in 

Form von Prozentzahlen pro Anlageproduktklassen (vgl. act. 20101022 f.). Dazu 

führte der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung plausibel aus, der neue 

Vertrag habe gewisse Ergänzungen gehabt, mehr Transparenz in Bezug auf die 

Zuwendungen (vgl. act. 37 S. 20). Der Privatkläger 1 habe jederzeit Zugriff auf des-

sen Bankdaten gehabt. Im E-Banking habe dieser Zugriff auf seine Transaktionen 

gehabt.  Also  aufgrund  des  Vertrages  mit  diesen  Prozentzahlen,  wenn  dieser  ins 

Konto reingehe und mit den Abrechnungen, dann sehe dieser, es seien 10 Trans-

aktionen  ausgeführt  worden.  So  könne  das  einfach  ausgerechnet  werden.  Man 

könne die Bankbelege anschauen und dann sehe man: ¼ von dem, was die Bank 

belastet habe, ergebe so viel, multipliziert mit 10, dann könne man diese Rechnung 

machen (vgl. act. 37 S. 24). Die Privatklägerschaft hatte 2014 somit ebenfalls die 

erforderlichen Informationen im Zusammenhang mit den Retrozessionen und unter 

diesen  Voraussetzungen  unterzeichnete  er  den  Vermögensverwaltungsver-

trag 2014, welcher neu einen schriftlichen Vorausverzicht auf Herausgabe der Re-

trozessionen enthielt (vgl. act. 20101022 f.), wobei dieser Vorausverzicht zusätzlich 

auch noch im Anhang 2 zum Vertrag festgehalten wurde (vgl. act. 20101030). Dass 

der Privatkläger 1 über genügend fundierte Englischkenntnisse verfügte, um zu ver-

stehen, was er unterzeichnete, wurde bereits erwogen. Darauf kann verwiesen wer-

den (vgl. vorstehend, Erw. IV.L.2.9.). Zwar ist der Vertragstext im Zusammenhang 

- 109 -

mit den Retrozessionen sprachlich sicher schwerer zu verstehen, allerdings hätten 

dem Privatkläger 1 bereits aus optischen Gründen die Änderungen auffallen müs-

sen. So enthält nicht nur der Vermögensverwaltungsvertrag 2014 eine Auflistung 

von Prozentzahlen pro Anlageproduktklassen (vgl. act. 20101023), welche sofort 

auffallen, sondern auch der Anhang 2 zu diesem Vertrag enthält verglichen mit der 

Vertragsversion  von  2010  unter  dem  Titel  "Reimbursement  of  Expenses"  einen 

ganzen Textabschnitt zusätzlich (vgl. act. 20101030). Dass der Privatkläger 1 als 

Geschäftsmann um die Verbindlichkeit eines Vertrages wissen musste und es in 

seiner Verantwortung gelegen wäre, die Vertragsdokumente durchzusehen, zu prü-

fen und bei Unklarheiten nachzufragen, gerade auch aufgrund seiner negativen Er-

fahrungen  in  der  Vergangenheit,  wurde  ebenfalls  bereits  erwogen.  Darauf  kann 

wiederum verwiesen werden (vgl. vorstehend, Erw. IV.L.2.8. f.).

2.

Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  sich  auch  dieser  Sachver-

haltsteil nicht anklagegemäss erstellen lässt. Insbesondere verbleiben unüberwind-

bare Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO daran, dass die Privatklägerschaft 

vom Beschuldigten nicht im Sinne der damaligen Rechtsprechung vollständig und 

wahrheitsgemäss über die Retrozessionen aufgeklärt und damit nicht rechtswirk-

sam auf deren Herausgabe verzichtet hat. Bei dieser Sachlage ist der Beschuldigte 

– entsprechend dem Grundsatz "in dubio pro reo" – auch vom Vorwurf der qualifi-

zierten ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Abs. 3 StGB (Bereicherung durch Retrozessionen) freizusprechen.

V. Zivilansprüche

Grundzüge des Adhäsionsverfahrens

Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche, welche mit der Straf-

A.

1.

tat konnex sind, entweder selbständig auf dem Weg des Zivilprozesses oder adhä-

sionsweise durch schriftliches oder mündliches Begehren an das für den Entscheid 

über die Anklage zuständige Strafgericht geltend machen (Art. 119 in Verbindung 

mit Art. 122 Abs. 1 StPO). Durch die adhäsionsweise Geltendmachung der Zivilan-

sprüche wird die geschädigte Person zur Privatklägerschaft (Art. 119 Abs. 2 lit. b 

StPO). Die in der Zivilklage geltend gemachten Forderungen sind zu beziffern und 

- 110 -

–  unter  Angabe  der  angerufenen  Beweismittel  –  kurz  schriftlich  zu  begründen 

(Art. 123  Abs. 1  StPO).  Zufolge  der  im  Zivilprozess  geltenden  Dispositions-  und 

Verhandlungsmaxime ist das Gericht auch im Adhäsionsverfahren sowohl an die 

Parteianträge  als  auch  an  die  entsprechenden  Begründungen  gebunden 

(BSK StPO-DOLGE, N 22 ff. zu Art. 122 StPO). Adhäsionsfähig sind nur zivilrechtli-

che Ansprüche aus der Straftat (Art. 122 Abs. 1 StPO). Hierunter fallen vorab sol-

che, welche sich auf deliktische Anspruchsgrundlagen stützen (Art. 41 ff. OR). Ver-

tragliche Ansprüche und solche aus ungerechtfertigter Bereicherung fallen demge-

genüber nicht unter Art. 122 Abs. 1 StPO, weil sie sich nicht aus einer Straftat ab-

leiten (BSK StPO-DOLGE, N 66 und N 70 zu Art. 122 StPO).

2.

Das  mit  der  Strafsache  befasste  Gericht  beurteilt  den  Zivilanspruch  unge-

achtet des Streitwerts (Art. 124 Abs. 1 StPO). Das Gericht entscheidet über die an-

hängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person: a) schuldig spricht 

oder  b)  freispricht  und  der  Sachverhalt  spruchreif  ist  (Art. 126  Abs. 1  StPO).  Die 

Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn: a) das Strafverfahren eingestellt 

oder  im  Strafbefehlsverfahren  erledigt  wird;  b)  die  Privatklägerschaft  ihre  Klage 

nicht hinreichend begründet oder beziffert hat; c) die Privatklägerschaft die Sicher-

heit für die Ansprüche der beschuldigten Person nicht leistet; d) die beschuldigte 

Person  freigesprochen  wird,  der  Sachverhalt  aber  nicht  spruchreif  ist  (Art. 126 

Abs. 2 StPO). Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnis-

mässig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach ent-

scheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen. Ansprüche von geringer 

Höhe beurteilt das Gericht nach Möglichkeit selbst (Art. 126 Abs. 3 StPO).

B.

Schadenersatz

Wer einem anderen widerrechtlichen Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus 

Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Voraussetzun-

gen  einer  Ersatzpflicht  sind:  Schaden,  Widerrechtlichkeit,  Kausalzusammenhang 

und Verschulden. Ein Schaden ist eine unfreiwillige Vermögenseinbusse, welche 

in Form einer Minderung der Aktiven, einer Mehrung der Passiven oder als entgan-

gener Gewinn auftreten kann. Nach der Differenztheorie stellt der Schaden die Dif-

ferenz zwischen dem (tatsächlichen) Vermögensstand in Folge des schädigenden 

- 111 -

Ereignisses und dem (hypothetischen) Stand, den das Vermögen ohne das schä-

digende  Ereignis  hätte,  dar  (BGE  132  III  359  E. 4;  BGE  132  III  321  E. 2.2.1; 

REY/WILDHABER, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 5. Aufl., Zürich 2018, N 164). 

Aus Praktikabilitätsgründen ist auf eine Eruierung und Abgleichung der Gesamtver-

mögensverhältnisse  zu  verzichten  und  stattdessen  eine  Addition  der  einzelnen 

Schadensposten  vorzunehmen  (HONSELL,  Differenztheorie  und  normativer  Scha-

densbegriff, in: FUHRER, Schweizerische Gesellschaft für Haftpflicht- und Versiche-

rungsrecht,  Festschrift  zum  fünfzigjährigen  Bestehen,  Zürich  2010,  S. 261 f.; 

REY/WILDHABER, a.a.O., N 185). Widerrechtlichkeit liegt vorbehältlich einer Recht-

fertigung stets vor, wenn die Schädigung in ein absolut geschütztes Rechtsgut wie 

die körperliche Integrität eingreift. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes 

ist die Schadenszufügung im Sinne von Art. 41 Abs. 1 OR widerrechtlich, wenn sie 

gegen eine allgemeine gesetzliche Pflicht verstösst, das heisst, wenn entweder ein 

absolutes Recht des Geschädigten verletzt (Erfolgsunrecht) oder eine reine Ver-

mögensschädigung durch Verstoss gegen eine einschlägige Schutznorm bewirkt 

wird (Verhaltensunrecht). Da das Vermögen kein absolutes subjektives Rechtsgut 

darstellt, ist eine reine Vermögensschädigung nur rechtswidrig, wenn sie auf einen 

Verstoss  gegen  eine  Verhaltensnorm  zurückgeht,  die  dem  Schutz  vor  solchen 

Schädigungen  dient.  Solche  Normen  können  sich  aus  der  gesamten  schweizeri-

schen Rechtsordnung ergeben, egal ob es sich um Privat-, Verwaltungs- oder Straf-

recht handelt, ob sie geschriebenes oder ungeschriebenes Recht darstellen oder 

dem  Bundes-  oder  kantonalen  Recht  entstammen  (BGE  133  III  323  E. 5.1; 

BGE 132 III 122 E. 4.1; BGE 124 III 297 E. 5b). Bei den Tatbeständen der Verun-

treuung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung handelt es sich gemäss bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung um einschlägige Schutznormen (vgl. Urteil des Bun-

desgerichtes 6B_335/2017 vom 24. April 2018, E. 4.5; BREHM, Berner Kommentar, 

Obligationenrecht  Allgemeine  Bestimmungen,  Die  Entstehung  durch  unerlaubte 

Handlungen Art. 41-61 OR, 5. Aufl., Bern 2021, N 39 zu Art. 41 OR mit entspre-

chenden Hinweisen). Der natürliche Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn ein 

Verhalten unabdingbare Voraussetzung für ein Schadensereignis ist. Ein solcher 

Kausalzusammenhang ist adäquat, wenn eine Ursache nach dem natürlichen Lauf 

der Dinge und den Erfahrungen des Lebens geeignet ist, einen Erfolg wie den ein-

- 112 -

getretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Ein Verschulden ist 

sodann sowohl bei (direktem oder eventuellem) Vorsatz als auch bei Fahrlässigkeit 

zu bejahen (KESSLER, in: LÜCHINGER/OSER, Basler Kommentar Obligationenrecht I, 

Art. 1-529 OR, 7. Aufl., Basel 2019, N 3, N 14 ff., N 33 und N 45 ff. zu Art. 41 OR).

C.

Zins

Zu  den  klagbaren  Schadenersatzforderungen  gehört  auch  der  Schadenszins. 

Schadenersatzansprüche sind ab dem Zeitpunkt zu verzinsen, in welchem sich das 

schädigende Ereignis finanziell ausgewirkt hat. Zweck des Schadenszinses ist es, 

den Anspruchsberechtigten so zu stellen, wie wenn er für seine Forderung am Tag 

der unerlaubten Handlung bzw. im Zeitpunkt deren wirtschaftlichen Auswirkungen 

befriedigt worden wäre (BGE 122 III 53 Erw. 4.a mit Hinweisen). Nach der bundes-

gerichtlichen  Rechtsprechung  wird  der  Schadenszins  in  Anlehnung  an  Art. 73 

Abs. 1 OR auf 5 Prozent festgelegt (vgl. BGE 139 IV 176 E. 8.1.2; BGE 122 III 53, 

E. 4.b).

D.

1.

Parteistandpunkte

Die  Privatklägerschaft  bezifferte  und  begründete  ihre  Schadenersatzforde-

rungen mit Eingabe vom 4. Februar 2025 und liess entsprechende Beilagen dazu 

einreichen (act. 27; act. 28/1-8). Die eingebrachten Schadenersatzforderungen der 

Privatklägerschaft  und  die  aktualisierten  Zinsforderungen  setzen  sich  dabei  wie 

folgt zusammen (act. 27 S. 2 ff.):

1.1.

Im Zusammenhang mit den nicht erstatteten Retrozessionen macht die Pri-

vatklägerschaft  Schadenersatz  von  gesamthaft  CHF 186'130.82  zuzüglich  Ver-

zugszinsen wie folgt geltend:

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CHF 631.24 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2014,

CHF 3'427.31 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2015,

CHF 2'801.70 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2015,

CHF 1'580.18 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2015,

CHF 2'888.86 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2015,

CHF 634.62 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2016,

CHF 2'749.98 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2016,

- 113 -

CHF 2'825.04 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2016,

CHF 3'022.12 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2016,

CHF 1'420.86 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2010,

CHF 6'814.78 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2010,

CHF 3'682.54 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2011,

CHF 4'699.67 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2011,

CHF 3'707.88 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2011,

CHF 2'167.61 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2011,

CHF 3'760.04 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2012,

CHF 2'675.68 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2012,

CHF 4'693.69 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2012,

CHF 3'010.08 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2012,

CHF 3'781.68 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2013,

CHF 6'123.07 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2013,

CHF 7'124.34 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2013,

CHF 5'248.23 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2013,

CHF 7'701.43 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2014,

CHF 6'487.56 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2014,

CHF 7'906.68 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2014,

CHF 4'749.74 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2014,

CHF 8'898.76 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2015,

CHF 10'468.28 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2015,

CHF 10'127.84 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2015,

CHF 8'060.55 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2015,

CHF 5'763.61 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2016,

CHF 10'861.42 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2016,

CHF 9'163.83 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2016,

CHF 9'768.03 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2010,

CHF 5'243.38 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2010 und

CHF 1'458.51 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2010.

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- 114 -

Die  Privatklägerschaft  begründet  diese  Schadenersatzforderung  gegen  den  Be-

schuldigten gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR auf der Grundlage des zur Anklage ge-

brachten Sachverhaltes und dessen rechtlicher Subsumtion (vgl. act. 27 S. 10 ff.).

1.2.

Im  Zusammenhang  mit  den  infolge  der  Verwendung  von  Lombardkrediten 

übermässigen und zulasten der Privatklägerschaft belasteten Kommissionen (Ma-

nagement Fees) macht sie Schadenersatz von gesamthaft EUR 24'290.23 zuzüg-

lich Verzugszinsen wie folgt geltend:

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EUR 279.89 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2010,

EUR 239.76 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2010,

EUR 295.70 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2011,

EUR 346.22 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2011,

EUR 574.26 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2011,

EUR 798.88 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2011,

EUR 814.22 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2012,

EUR 702.68 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2012,

EUR 892.51 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2012,

EUR 956.81 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2012,

EUR 928.40 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2013,

EUR 996.10 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2013,

EUR 1'121.68 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2013,

EUR 1'117.95 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2013,

EUR 1'644.21 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2014,

EUR 1'210.08 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2014,

EUR 1'222.24 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2014,

EUR 688.29 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2014,

EUR 742.69 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2015,

EUR 643.94 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2015,

EUR 1'136.48 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2015,

EUR 830.21 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2015,

EUR 798.59 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2016,

EUR 739.93 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2014,

- 115 -

EUR 779.70 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2015,

EUR 717.89 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2015,

EUR 767.51 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2015,

EUR 757.00 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2015,

EUR 707.78 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2016,

EUR 159.09 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2010,

EUR 73.11 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2010,

EUR 34.98 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2011,

EUR 112.27 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2011,

EUR 248.51 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2011,

EUR 267.91 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2012,

EUR 155.53 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2012,

EUR 229.25 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2012,

EUR 278.04 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2013,

EUR 509.38 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2013,

EUR 625.10 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2013,

EUR 589.10 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2013, 

EUR 671.29 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2014,

EUR 898.38 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2014,

EUR 875.19 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2014,

EUR 941.05 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2014,

EUR 1'129.82 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2015,

EUR 1'158.47 nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2015,

EUR 1'964.49 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2015,

EUR 2'258.53 nebst Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2015,

EUR 675.44 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2016,

EUR 811.54 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2016 und

EUR 136.11 nebst Zins zu 5 % seit 1. Juli 2010.

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Die  Privatklägerschaft  begründet  diese  Schadenersatzforderung  gegen  den  Be-

schuldigten gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR auf der Grundlage des zur Anklage ge-

brachten Sachverhaltes und dessen rechtlicher Subsumtion (vgl. act. 27 S. 17 ff.).

- 116 -

1.3.

Im Zusammenhang mit dem Performance-Schaden macht die Privatkläger-

schaft Schadenersatz zuzüglich Verzugszinsen wie folgt geltend:

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EUR 126'066.74 nebst Zins zu 5 % seit 5. Juli 2016,

EUR 171'053.70 nebst Zins zu 5 % seit 5. Juli 2016 und

EUR 325'066.41 nebst Zins zu 5 % seit 5. Juli 2016.

Die  Privatklägerschaft  begründet  diese  Schadenersatzforderung  gegen  den  Be-

schuldigten gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR auf der Grundlage des zur Anklage ge-

brachten Sachverhaltes und dessen rechtlicher Subsumtion (vgl. act. 27 S. 21 ff.).

2.

Der Beschuldigte liess die Abweisung der Zivilklage der Privatklägerschaft 

beantragen, mit dem Eventualantrag des Verweises auf den Zivilweg (act. 41 S. 2 

und S. 23).

E.

Beurteilung

Wie  vorstehend  unter  Erw.  IV.L.2.-4.  erwogen,  liess  sich  nicht  rechtsgenügend 

nachweisen, dass sich der Beschuldigte irgendwelchen Pflichtverletzungen schul-

dig gemacht hat. Entsprechend ist das Verhalten des Beschuldigten nicht als straf-

bar zu qualifizieren, weshalb es zu einem vollumfänglichen Freispruch kommt. An-

lässlich der Hauptverhandlung erwähnten die Parteien zwar, dass es zwischen ih-

nen bereits zu einem Schlichtungsverfahren gekommen sei und die Privatkläger-

schaft daraufhin keine Klage anhängig gemacht habe (act. 41 S. 5 f.; Prot. S. 29 f. 

und S. 36), unklar blieb allerdings, was der konkrete Streitgegenstand dieses Ver-

fahrens gewesen ist. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass seitens des 

Beschuldigten eine zivilrechtliche Verantwortlichkeit für den Schaden besteht. Der 

Sachverhalt  ist  daher  nicht  spruchreif,  weshalb  die  Schadenersatzbegehren  der 

Privatklägerschaft in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO vollumfänglich auf 

den Weg des Zivilprozesses zu verweisen sind.

VI. Sicherstellungen, Einziehungen und Beschlagnahmungen

1.

Gemäss  Art. 263  Abs. 1  StPO  kann  der  Untersuchungsbeamte  Gegen-

stände und Vermögenswerte, die als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Ver-

fahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden oder 

- 117 -

zur Einziehung in Frage kommen, in Beschlag nehmen oder auf andere Weise der 

Verfügung ihres Inhabers entziehen. Über beschlagnahmte Gegenstände und Ver-

mögenswerte  wird  bei  Abschluss  des  Verfahrens  entschieden  (Art. 267  Abs. 3 

StPO). Waren die Gegenstände und Vermögenswerte allein zu Beweiszwecken in 

staatlichem Gewahrsam und werden sie dafür nicht mehr benötigt, so sind sie der 

berechtigten Person grundsätzlich zurückzugeben.

2.

Die  in  der  Beschlagnahmeverfügung  vom  21. Juni  2024  aufgeführten  Ge-

genstände  wurden  gestützt  auf  Art. 263  Abs. 1  lit. a  StPO  als  Beweismittel  be-

schlagnahmt (act. 80101001 ff.). Diese Beweisakten umfassen die sieben Original-

ordner und eine weisse Kartonschachtel mit diversen Dokumenten. Die beschlag-

nahmten Beweismittel wurden zwar nicht mit Aktorennummern versehen und sind 

auch nicht direkt in die Verfahrensakten integriert, jedoch sind sie im Beweisakten-

verzeichnis der Untersuchungsbehörde aufgeführt (act. 10000004 ff.). In zwei Fäl-

len  wurden  Auszüge  von  Dokumenten  direkt  in  die  Verfahrensakten  integriert 

(act. 40206001-40206006; act. 40207001-40207005).

3.

Gemäss  aktuellster  Sicherstellungsliste  wurden  sodann  Datensicherungen 

(A017'143'134 und A017'143'145) sowie ein Computer Tower-PC (A017'143'269) 

sichergestellt (act. 30).

4.

Die Staatsanwaltschaft führte anlässlich der Hauptverhandlung aus, dass die 

sichergestellten Beweismittel nach Rechtskraft des Urteils nicht mehr benötigt wür-

den,  weshalb  sie  auf  diesen  Zeitpunkt  dem  Beschuldigten  zurückzugeben  seien 

(act. 38 S. 12). Der Beschuldigte stellt diesbezüglich keine Anträge (act. 41).

5.

Da nichts gegen die Rückgabe der sichergestellten und einzig als Beweis-

mittel  beschlagnahmten  Gegenstände  spricht,  sind  sie  dem  Beschuldigten  nach 

Eintritt der Rechtskraft innert dreier Monate auf erstes Verlangen herauszugeben 

und nach ungenutztem Ablauf dieser Frist bei den Akten zu belassen bzw. in Bezug 

auf den Computer der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung zu überlas-

sen. Dies betrifft die nachfolgenden, sichergestellten Gegenstände und Unterlagen 

(act. 30): 

Asservatennr.

HD-Pos. Beschreibung

- 118 -

A017'143'054

2.01.01

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2010-
05.2012

A017'143'065

2.01.02

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2012

A017'143'076

2.01.03

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2014

A017'143'087

2.01.04

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2015

A017'143'098

2.01.05

Bundesordner grün, C._____, Kontoauszüge 2010-2013

A017'143'101

2.01.06

Bundesordner grün, C._____, former B._____-S._____

A017'143'112

2.01.07

Bundesordner grün klein, B._____

A017'143'123

2.01.08

Kartonschachtel weiss mit diversen Sichtmappen mit Bank- und Ver-
mögensauszügen der D._____ Corporation.

A017'143'269

Computer, Tower-PC

6.

Die  Datensicherungen  (A017'143'134  und  A017'143'145)  werden  eingezo-

gen und nach Eintritt der Rechtskraft vernichtet.

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

Verfahrenskosten

Die Gerichtsgebühr fällt zufolge des Freispruchs ausser Ansatz. Zur Gebühr 

A.

1.

für  das  Vorverfahren  wird  auf  das  Kostenblatt  zur  Anklage  verwiesen  (act. 1010

2001).

2.

Die Verfahrenskosten trägt die beschuldigte Person, wenn sie verurteilt wird 

(Art. 426  Abs. 1  Satz 1  StPO).  Wird  die  beschuldigte  Person  freigesprochen,  so 

können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie 

rechtswidrig  und  schuldhaft  die  Einleitung  des  Verfahrens  bewirkt  oder  dessen 

Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Eine solche Situation liegt hier 

klarerweise nicht vor. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfah-

rens sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.

- 119 -

B.

1.

Entschädigungsfolgen

Entschädigung des Beschuldigten

1.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO hat die beschuldigte Person, wenn sie ganz 

oder teilweise freigesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt wird, einen 

Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung 

ihrer  Verfahrensrechte  (lit. a),  Entschädigung  der  wirtschaftlichen  Einbussen,  die 

ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b) und 

Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, 

insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Entschädigungspflichtig sind jene Bemü-

hungen,  die  in  einem  kausalen  Zusammenhang  mit  der  Wahrung  der  Rechte  im 

Strafverfahren stehen sowie notwendig und verhältnismässig sind (BGE 141 I 124 

E. 3.1 m.w.H.; Urteil des Bundesgerichtes 6B_618/2015 vom 16. Dezember 2015 

E. 2.3).

1.2. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten macht für die Zeit seit ihrer Be-

stellung einen Aufwand in der Höhe von total CHF 29'899.35 (inkl. MwSt. und Bar-

auslagen) geltend, was angemessen erscheint. Darin inkludiert ist bereits der ge-

schätzte  Zeitaufwand  für  die  Finalisierung  des  Plädoyers,  die  Hauptverhandlung 

inkl. Weg, die mündliche Urteilseröffnung und die Nachbearbeitung im Umfang von 

insgesamt 12.5 Stunden (act. 33). Unter Berücksichtigung, dass wegen der kurz-

fristigen  Vertretung  des  amtlichen  Verteidigers  durch  Rechtsanwältin  M.A. HSG 

X2._____ ein Zusatzaufwand von 4 Stunden anfiel (Prot. S. 25) und die Hauptver-

handlung  1.5 Stunden  länger  dauerte,  als  von  der  Verteidigung  geschätzt 

(Prot. S. 40), sind weitere 5.5 Stunden zu entschädigen. Im Ergebnis ist Rechtsan-

walt lic. iur. X1._____ für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des Be-

schuldigten mit insgesamt CHF 31'208 (inkl. MwSt.) zu entschädigen.

C.

1.

Entschädigung der Privatklägerschaft

Die  Privatklägerschaft  hat  gegenüber  der  beschuldigten  Person  gemäss 

Art. 433 Abs. 1 StPO Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige 

Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt (lit. a) oder die beschuldigte Person 

nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig ist (lit. b). Wird die Zivilklage zumindest 

- 120 -

dem Grundsatz nach gutgeheissen, im Übrigen aber auf den Zivilweg verwiesen, 

so stellt dies nach herrschender Ansicht ebenfalls ein Obsiegen der Privatkläger-

schaft  dar,  was  zur  Folge  hat,  dass  ein  Anspruch  auf  volle  Parteientschädigung 

besteht. Werden die Zivilansprüche indes auch im Grundsatz nicht gutgeheissen, 

sondern  vollumfänglich  auf  den  Zivilweg  verwiesen,  rechtfertigt  es  sich  dagegen 

nicht, der Privatklägerschaft eine Entschädigung zuzusprechen (BSK StPO-WEH-

RENBERG/FRANK, Art. 433 N 13 f.). Die Privatklägerschaft hat ihre Entschädigungs-

forderung zu beantragen, zu beziffern und zu belegen. Andernfalls tritt die Strafbe-

hörde auf den Antrag nicht ein (Art. 433 Abs. 2 StPO). 

2.

Vorliegend wurde die Zivilklage der Privatklägerschaft vollumfänglich auf den 

Zivilweg verweisen und, wie bereits in Erw. VII.A ausgeführt, ist der Beschuldigte 

nicht nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig. Das Entschädigungsbegehren der 

Privatklägerschaft (vgl. act. 39 f.) ist damit ausgangsgemäss abzuweisen.

- 121 -

Es wird erkannt:

1.

2.

3.

Der Beschuldigte A._____ ist nicht schuldig und wird freigesprochen.

Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird auf den Zivilweg verwiesen.

Die nachfolgend beim Beschuldigten an der H._____-strasse 2,

… Zürich, sichergestellten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids innert einer Frist von drei Monaten 

auf erstes Verlangen herausgegeben. Nach ungenutztem Ablauf dieser Frist 

verbleiben sie bei den Akten bzw. der Computer wird der Lagerbehörde zur 

gutscheinenden Verwendung überlassen:

Asservaten-Nr.

HD-Pos. Beschreibung

A017'143'054

2.01.01

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2010-
05.2012

A017'143'065

2.01.02

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2012

A017'143'076

2.01.03

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2014

A017'143'087

2.01.04

Bundesordner grün, D._____ Corporation, Kontoauszüge 2015

A017'143'098

2.01.05

Bundesordner grün, C._____, Kontoauszüge 2010-2013

A017'143'101

2.01.06

Bundesordner grün, C._____, former B._____-S._____

A017'143'112

2.01.07

Bundesordner grün klein, B._____

A017'143'123

2.01.08

Kartonschachtel weiss mit diversen Sichtmappen mit Bank- und 
Vermögensauszügen der D._____ Corporation

A017'143'269

Computer, Tower-PC

4.

Die sichergestellten Datensicherungen (A017'143'134 und A017'143'145) 

werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids ver-

nichtet.

- 122 -

5.

Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz; die nachfolgenden Kosten werden 

auf die Gerichtskasse genommen:

CHF

CHF

12'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

31'208.00   Entschädigung amtliche Verteidigung

6.

Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Bemühungen und Auslagen 

als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit CHF 31'208 (inkl. MwSt.) 

aus der Gerichtskasse entschädigt.

7.

Der Antrag der Privatklägerschaft auf Entrichtung einer Parteientschädigung 

wird abgewiesen.

8. Mündliche Eröffnung am 14. Mai 2025 und schriftliche Mitteilung im Disposi-

tiv an

- die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-

digten (übergeben);

- die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich (übergeben);

- die Vertretung der Privatklägerschaft für sich und zuhanden der Privatklä-

gerschaft (übergeben); 

und hernach als begründetes Urteil an 

- die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-

digten;

- die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich;

- die Vertretung der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden 

der Privatklägerschaft;

sowie nach Eintritt der Rechtskraft an

- die amtliche Verteidigung des Beschuldigten gemäss Dispositivziffer 3 be-

treffend Herausgabefrist;

- die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD-A, Postfach, 8010 Zürich, per E-Mail 
an asservate@kapo.zh.ch gemäss Dispositivziffern 3 f. (G-Nr. 84725019);

- die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD-DP, mit separatem Schreiben gem. 

§ 54a PolG;

- die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 32 Abs. 1 und 3 StReG.

- 123 -

9. Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Be-

zirksgericht Zürich, 9. Abteilung, Wengistr. 28, Postfach, 8036 Zürich, münd-

lich oder schriftlich Berufung angemeldet werden.

Mit  der  Berufung  kann  das  Urteil  in  allen  Punkten  umfassend  angefochten 

werden.  Mit  der  Berufung  können  gerügt  werden:  Rechtsverletzungen,  ein-

schliesslich  Überschreitung  des  Ermessens,  Rechtsverweigerung  und 

Rechtsverzögerung, die unvollständige und unrichtige Feststellung des Sach-

verhaltes oder Unangemessenheit.

Die Berufung erhebende Partei hat binnen 20 Tagen nach Zustellung des be-

gründeten  Entscheids  dem  Obergericht  des  Kantons  Zürich,  Strafkammer, 

Postfach,  8021 Zürich,  eine  schriftliche  Berufungserklärung  einzureichen. 

Sie hat darin anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen 

anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt. Wer-

den nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich anzugeben, auf welche 

sich die Berufung beschränkt.

Bei offensichtlich verspäteten Berufungsanmeldungen oder Berufungserklä-

rungen wird auf die Berufung ohne Weiterungen nicht eingetreten.

BEZIRKSGERICHT ZÜRICH
9. Abteilung - Einzelgericht

Die Einzelrichterin:

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw J. Baechler

M.A. HSG N. Beeler