# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed382900-f2a6-5e40-8434-db736b5f43e0
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1991-05-22
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 22.05.1991 JAAC 56.32
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-56-32--_1991-05-22.pdf

## Full Text

JAAC 56.32

Entscheid des Bundesrates vom 22. Mai 1991

Assurance-maladie. Assurance hospitalière pour les seniors.

Art. 1er al. 2 2ème phrase LAMA. Etendue de l’autonomie des
caisses-maladie dans le domaine des assurances complémentaires.

- Notion d’assurance complémentaire.

- En matière d’assurances complémentaires, les dispositions de
la LAMA ne limitent pas toutes l’autonomie des caisses; il faut
examiner en l’espèce si, dans ce domaine particulier, l’inobservation
d’une disposition précise viole les principes de l’assurance-maladie,
notamment ceux de l’égalité, de la mutualité et de la proportionnalité.

Art. 13 al. 1er LAMA. Stage dans une assurance complémentaire.

Il n’est pas disproportionné de prévoir, dans une assurance hospitalière
pour les seniors, que l’obtention des prestations ne pourra débuter
qu’après un délai de stage de 12 mois.

Art. 5 al. 3 LAMA.

Distinction entre les règles applicables aux réserves et aux stages.

Krankenversicherung. Seniorenspitalversicherung.

Art. 1 Abs. 2 Satz 2 KUVG. Umfang der Autonomie der Krankenkassen
im Bereich der Zusatzversicherungen.

- Begriff der Zusatzversicherung.

- Bei Zusatzversicherungen beschränken nicht alle Vorschriften
des KUVG die Kassenautonomie; im Einzelfall ist zu prüfen,
ob die Nichtbeachtung einer gewissen Bestimmung in diesem

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besonderen Bereich gegen die Grundsätze der Krankenversicherung,
namentlich jene der Gleichbehandlung, der Gegenseitigkeit und der
Verhältnismässigkeit verstösst.

Art. 13 Abs. 1 KUVG. Karenzzeit bei einer Zusatzversicherung.

Es ist nicht unverhältnismässig, bei einer Seniorenspitalversicherung
den Beginn der Bezugsberechtigung erst nach Ablauf einer Karenzzeit
von 12 Monaten vorzusehen.

Art. 5 Abs. 3 KUVG.

Unterschiede zwischen der Regelung der Vorbehalte und der
Karenzzeiten.

Assicurazione malattia. Assicurazione ospedaliera per anziani.

Art. 1 cpv. 2 secondo periodo LAMI. Portata dell’autonomia delle
casse-malati nell’ambito delle assicurazioni complementari.

- Nozione di assicurazione complementare.

- Per quanto concerne le assicurazioni complementari, non tutte le
disposizioni della LAMI limitano l’autonomia della cassa; nel singolo
caso deve essere esaminato se l’inosservanza di una disposizione
determinata viola i principi dell’assicurazione malattia, segnatamente
quelli della parità, della mutualità e della proporzionalità.

Art. 13 cpv. 1 LAMI. Periodo di noviziato in un’assicurazione
complementare.

Non è sproporzionato prevedere, in un’assicurazione ospedaliera per
anziani, l’inizio della decorrenza dei diritti a prestazioni soltanto alla
scadenza di un periodo di noviziato di 12 mesi.

Art. 5 cpv. 3 LAMI.

Divergenze tra il disciplinamento delle riserve e quello dei periodi di
noviziato.

I

A. Der Zentralvorstand der Krankenkasse des Personals des Bundes und der
Schweizerischen Transportanstalten (KPT), heute Krankenkasse KPT, erliess
am 23. März 1987 ein Reglement über die Seniorenspitalversicherung, das
auf den 1. Juli 1987 in Kraft gesetzt wurde. Mit Verfügung vom 21. April 1988
verweigerte das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) die Genehmigung
des Reglements mit der Begründung, Art. 4 Abs. 2 des Reglements, welcher

2

den Beginn der Bezugsberechtigung erst nach Ablauf eine Karenzzeit von 12
Monaten vorsieht, verstosse gegen Art. 13 Abs. 1 des BG vom 13. Juni 1911
über die Krankenversicherung (KUVG, SR 832.10).

B. Gegen diese Verfügung reichte die Krankenkasse KPT am 19. Mai 1988 beim
EDI Verwaltungsbeschwerde ein …

C.Mit Entscheid vom 23. November 1988 wies das EDI die Beschwerde ab…

D. Gegen diesen Beschwerdeentscheid führte die Krankenkasse KPT gemäss
Rechtsmittelbelehrung am 19. Dezember 1988 Verwaltungsgerichtsbeschwerde
an das EVG…

E. und F. (Vernehmlassungen)

G. Das EVG trat mit Urteil vom 16. Oktober 1989 (BGE 115 V 395 f.) auf
die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht ein. Nach Art. 129 Abs. 1
Bst. a OG sei gegen Verfügungen über die Genehmigung von Erlassen die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht zulässig. Dagegen sei gemäss Art. 72
Bst. a in Verbindung mit Art. 74 Bst. a VwVG die Beschwerde an den Bundesrat
zulässig…

II

1.1. Gemäss Art. 33 KUVG und Art. 5 der V V vom 2. Februar 1965 über die
Krankenversicherung betreffend die Anerkennung von Krankenkassen und
Rückversicherungsverbänden sowie ihre finanzielle Sicherheit (SR 832.121)
übt das BSV die Aufsicht über die Durchführung des ersten Titels des KUVG
aus. Im Rahmen dieser Aufsicht prüft es auch Statuten und Reglemente
der Kassen (Boner Kilian / Holzherr Werner, Schweizerische Juristische
Kartothek [SJK] 1313, Krankenversicherung I, Allgemeines, S. 7, Ziff. 3). Gegen
Verfügungen des BSV kann beim EDI Verwaltungsbeschwerde erhoben werden
(Art. 44 und 47 Abs. 1 Bst. c VwVG).

Es ist unbestritten, dass die Senioren-Spitalversicherung nicht zu den anderen
Versicherungsarten im Sinne von Art. 3 Abs. 5 KUVG gehört, welche der
Aufsicht des BSV entzogen sind.

1.2. Nach Art. 72 Bst. a in Verbindung mit Art. 74 Bst. a VwVG ist die
Beschwerde an den Bundesrat zulässig gegen Verfügungen seiner
Departemente, sofern sie nicht mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das
BGer oder das EVG anfechtbar sind. Laut Urteil des EVG vom 16. Oktober 1989
(BGE 115 V 395 f.) ist dies hier nicht der Fall.

…

2. Da die Spitalzusatzversicherungen der Krankenkasse KPT nur Mitgliedern
bis zum 60. Altersjahr offen standen (seit dem 1. Januar 1989 bis zum 65.
Altersjahr), schuf die Krankenkasse KPT angesichts der stetig steigenden
Spitalkosten die Seniorenspitalversicherung. Gemäss Art. 5 Abs. 1
KUVG hat jeder Schweizer Bürger das Recht, in eine Kasse einzutreten,
wenn er deren statutarische Aufnahmebedingungen erfüllt. Zu diesen
Aufnahmebedingungen gehören auch obere Altersgrenzen für Neueintretende
(Maurer Alfred, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Bd. II, Bern 1981,
S. 294 f.; Boner Kilian / Holzherr Werner, SJK 1314, Krankenversicherung

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II, Die Krankenkassen und ihre Versicherten, S. 6). Die statutarischen
Aufnahmebedingungen dürfen sinngemäss beim Abschluss neuer
Versicherungen durch Kassenmitglieder angewandt werden (Boner/Holzherr,
SJK 1314, S. 10).

Die Seniorenspitalversicherung ist eine Spitalgeld-Zusatzversicherung
zur Pflegeversicherung und erbringt Leistungen an die nicht anderweitig
gedeckten Kosten für einen Aufenthalt in einer Heilanstalt sowie für
Hauspflege und Haushalthilfe. Die Seniorenspitalversicherung gehört nicht
zur Grundversicherung; sie umfasst keine Pflichtleistungen im Sinne von
Art. 12 Abs. 1 KUVG.

Gehört die Seniorenspitalversicherung nach Massgabe der von ihr erfassten
Leistungen nicht zur Grundversicherung, so stellt sie eine Zusatzversicherung
dar: als Zusatzversicherung gilt jede Versicherung, welche über die
gesetzlichen Mindestleistungen hinausgeht oder statutarisch zusätzliche
Leistungen vorsieht (Maurer, a. a. O., Bd. II, S. 315 f.; Boner Kilian / Holzherr
Werner, SJK 1315, Krankenversicherung III, Die Versicherungsleistungen,
S. 35 ff.).

Da die Seniorenspitalversicherung keine Leistungen erbringt, welche der
Grundversicherung zuzurechnen sind, geht denn auch der angefochtene
Entscheid zu Recht davon aus, dass es sich bei der Seniorenspitalversicherung
um eine Zusatzversicherung handelt. Streitig ist daher bloss noch der Umfang
der Autonomie der Krankenkassen im hier zu beurteilenden Bereich der
Zusatzversicherungen: es ist darüber zu befinden, ob es zulässig ist, bei der
Seniorenspitalversicherung die Bezugsberechtigung erst nach Ablauf einer
Karenzzeit von 12 Monaten vorzusehen.

2.1. Laut Art. 1 Abs. 2 Satz 2 KUVG richten sich die Kassen nach ihrem
Gutdünken ein, soweit das Gesetz keine entgegenstehenden Vorschriften
enthält (Maurer Alfred, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Bd. I,
Bern 1979, S. 142 f. und 157 f., Bd. II, S. 287). Art. 1 Abs. 2 Satz 2 spricht
zwar nicht ausdrücklich von Zusatzversicherungen, doch gehen Lehre und
Rechtsprechung davon aus, dass mit dieser Bestimmung die Autonomie der
Kassen im Bereich der Zusatzversicherungen umschrieben wird (BGE 114 V
173 und BGE 114 V 276 f.; BGE 113 V 215, bestätigt in BGE 116 V 118 ff.; BGE 111
V 139; BGE 109 V 147 f.; BGE 108 V 257 f.; Maurer, a. a. O., Bd. I, S. 142 f. und
157 f., Bd. II, S. 287).

2.2. Aus dem erwähnten Grundsatz ergibt sich, dass die Kassen in gewissen
Schranken frei darüber befinden können, ob und welche Leistungen sie über
das Gesetz hinaus in einer Zusatzversicherung anbieten wollen (BGE 114 V
173 und 276 f.; BGE 113 V 215, bestätigt in BGE 116 V 118 ff.; BGE 111 V 139;
BGE 109 V 147 f.; BGE 108 V 257 f.; nicht publizierter Entscheid des EVG vom
4. Juli 1990 in Sachen C. gegen M. und Tribunal des assurances du canton de
Vaud). Die Grenzen der Autonomie sind auf demWeg der Auslegung zu suchen
(Maurer, a. a. O., Bd. II, S. 287 und 315, insbesondere N. 706 b).

2.3. Die getroffenen Regelungen dürfen nicht gegen allgemeine
Rechtsgrundsätze verstossen, wie sie sich aus dem allgemeinen
Bundessozialversicherungsrecht, dem übrigen Verwaltungsrecht sowie der
Bundesverfassung ergeben. Insbesondere haben sich die Regelungen an die
wesentlichen Grundzüge der Krankenversicherung zu halten, namentlich

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an die Grundsätze der Gegenseitigkeit, der Verhältnismässigkeit und der
Gleichbehandlung. Dies kann als gefestigte Praxis des EVG betrachtet werden
(vgl. die im vorangehenden Absatz zitierten Entscheide).

2.4. Soll die Autonomie der Kassen im Bereich der Zusatzversicherungen
nicht völlig ausgehöhlt werden, darf Art. 1 Abs. 2 Satz 2 KUVG nicht in
dem Sinne interpretiert werden, dass auch bei Zusatzversicherungen alle
Bestimmungen des KUVG als vorbehalten gelten. Mit Bezug auf jede einzelne
Bestimmung des KUVG ist daher zu prüfen, ob mit ihrer Nichtbeachtung die
oben angeführten Grundsätze der Krankenversicherung, insbesondere jene
der Gleichbehandlung, der Gegenseitigkeit und der Verhältnismässigkeit,
verletzt werden.

2.5. Mit Karenzzeiten (Art. 13 Abs. 1 KUVG) machen die Kassen den Anspruch
der Mitglieder auf Versicherungsleistungen generell vom Ablauf einer
bestimmten Zeit seit dem Erwerb der Mitgliedschaft abhängig, mit der
Wartefrist wird der Bezug von Krankengeld aufgeschoben (Art. 13 Abs. 2
KUVG; Art. 28 der V III vom 15. Januar 1965 über die Krankenversicherung
betreffend die Leistungen der vom Bund anerkannten Krankenkassen und
Rückversicherungsverbände, SR 832.140).

Mit Vorbehalten (Art. 5 Abs. 3 KUVG) werden demgegenüber bestimmte
Krankheiten, welche im Zeitpunkt der Aufnahme bereits bestanden, für eine
bestimmte Dauer, maximal 5 Jahre, von der Versicherung ausgeschlossen.

Mit der Begrenzung der Bezugsberechtigungsdauer (z. B. Art. 12bis Abs. 3
KUVG) wird die Erbringung bestimmter Leistungen durch die Kassen zeitlich
begrenzt.

2.6. Die Karenzzeit betrifft alle Mitglieder in gleichem Masse. Der Grundsatz
der Gleichbehandlung (Maurer, a. a. O., Bd. I, S. 207) ist daher durch die
vorgesehene Karenzzeit nicht betroffen.

2.7. Auch der in Art. 3 Abs. 3 KUVG statuierte Grundsatz der Gegenseitigkeit,
wonach für gleiche Versicherungsleistungen unter gleichen Voraussetzungen
grundsätzlich gleiche Mitgliederbeiträge zu erheben sind und zwischen
Beiträgen und Versicherungsleistungen ein Gleichgewicht bestehen muss
(BGE 113 V 298; Maurer, a. a. O., Bd. II, S. 284 f. sowie Boner/Holzherr, SJK
1313, S. 6), wird nicht verletzt. Dass für eine bestimmte Zeit Prämien bezahlt
werden, ohne dass dafür von der Kasse bereits Leistungen erbracht werden
müssen, verletzt den Grundsatz der Gegenseitigkeit nicht; als Ausgleich erfolgt
nach Ende der Karenzzeit eine entsprechend höhere Leistung der Kasse. In
diesem Sinne ist die Länge der Karenzzeit bei der Bemessung der Beiträge
berücksichtigt.

2.8. Bei Karenzzeiten besteht demgegenüber die Gefahr, dass der
Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt wird. Der Grundsatz der
Verhältnismässigkeit (Grisel André, Traité de droit administratif, Neuenburg
1984, Bd. I, S. 348 ff.; Gygi Fritz, Verwaltungsrecht, Bern 1986, S. 173 f.; Imboden
Max / Rhinow René A., Verwaltungsrechtsprechung, 5. Aufl., Bd. I, Basel 1976,
Nr. 58 B III; Knapp Blaise, Précis de droit administratif, 3. Aufl., Basel 1988,
Rz. 533 ff.; Maurer, a. a. O., Bd. I, S. 167 ff.;Moor Pierre, Droit administratif,
Bd. I, Les fondements généraux, Bern 1988, S. 350 ff.;Müller Pierre, Le
principe de la proportionnalité, Zeitschrift für schweizerisches Recht [ZSR]
1978 II 210 ff.;Wick Charles Louis, Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit

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im Sozialversicherungsrecht, Diss. Bern 1976, S. 36 ff.; Zimmerli Ulrich,
Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit im öffentlichen Recht, ZSR 1978
II 1 ff., insb. 97 ff.) ist sowohl im Bereich der Rechtsetzung wie auch der
Rechtsanwendung verbindlich (Maurer, a. a. O., Bd. I, S. 169 sowie die vorne,
II.2.2., zitierten Entscheide).

2.8.1. In BGE 113 V 212 ff. (bestätigt in BGE 116 V 118 ff.) hat das EVG
festgestellt, eine Kasse sei im Bereich der Zusatzversicherungen nicht
verpflichtet, Art. 12bis Abs. 3 KUVG betreffend die Bezugsberechtigungsdauer
zu beachten. In BGE 116 V 118 hat es die in BGE 113 V 212 ff. aufgestellten
Grundsätze per analogiam auch für die Taggeldleistungen bei der Mutterschaft
als anwendbar erklärt. Da der Gesetzgeber Schwangerschaft und Geburt
Krankheit gleichgesetzt habe, seien die in BGE 113 V 212 ff. aufgestellten
Grundsätze auch auf diesen Sachverhalt übertragbar. Das EVG entschied
- in Übereinstimmung mit dem BSV -, dass eine Wartefrist im Sinne von
Art. 13 Abs. 2 KUVG, insoweit die gesetzlichen Minima für die Taggelder
überschritten seien (also im Bereich der Zusatzversicherungen), auf die
Bezugsberechtigungsdauer gemäss Art. 12bis Abs. 3 KUVG angerechnet werden
darf.

Das EVG hat mithin klar zum Ausdruck gebracht, dass nicht alle
Bestimmungen des KUVG Beschränkungen der Autonomie der Kassen
im Bereich der Zusatzversicherungen darstellen. Im Einzelfall ist
abzuklären, ob die Nichtbeachtung einer bestimmten Norm im Bereich
der Zusatzversicherungen gegen die erwähnten Grundsätze der
Krankenversicherung verstösst. Eine Verletzung des Grundsatzes der
Verhältnismässigkeit hat es in den zitierten Fällen verneint, weil nicht gesagt
werden konnte, die Begrenzung der Bezugsberechtigungsdauer sei «mit
sachlichen Gründen schlechthin nicht vertretbar» (vgl. auch Maurer, a. a. O.,
Bd. II, S. 315, N. 706 b); im Ergebnis beschränkte es die Überprüfung somit auf
Willkür (BGE 113 V 215).

2.8.2. Auch vorliegend kann nicht gesagt werden, die von der
Beschwerdeführerin in der Seniorenspitalversicherung gewählte Karenzzeit
von 12 Monaten sei mit sachlichen Gründen schlechthin nicht vertretbar. Die
Beschwerdeführerin legt überzeugend dar, dass folgendes für die Einführung
dieser Karenzzeit spricht:

- Mit der Seniorenspitalversicherung soll den Mitgliedern, die infolge
Erreichens der statutarischen Altersgrenze keine Spitalzusatzversicherungen
mehr abschliessen können, eine Möglichkeit gegeben werden, ihren oft
ungenügenden Versicherungsschutz zu verbessern (eine Verbesserung der
Interessen der älteren Mitglieder stellt auch die inzwischen erfolgte Anhebung
der statutarischen Altersgrenze für die Aufnahme in die Kasse von 60 auf
65 Jahre dar). Mit der 12monatigen Karenzzeit soll erreicht werden, dass
diese Versicherung mit tragbaren Versicherungsprämien angeboten werden
kann. Auch soll bei der Aufnahme Grosszügigkeit gezeigt werden können, das
heisst auch Mitgliedern mit Altersbeschwerden soll die Aufnahme in diese
Versicherung ermöglicht werden.

- Schliesslich besteht in der Krankenversicherung kein gesetzlicher
Anspruch, sich für Leistungen versichern zu lassen, welche die gesetzlichen
oder statutarischen Leistungsmaxima übersteigen. Ein Recht auf
Höherversicherung kann weder aus dem Grundsatz der rechtsgleichen

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Behandlung noch aus den Grundsätzen der Gegenseitigkeit und
Verhältnismässigkeit abgeleitet werden (BGE 114 V 274 ff.). Darf der Zugang
zu den Zusatzversicherungen an bestimmte Voraussetzungen geknüpft
werden (z. B. Gesundheitszustand des Bewerbers), ist nicht ersichtlich,
weshalb eine Zulassung unter der Voraussetzung der Einhaltung einer
Karenzzeit gegen Grundpfeiler der sozialen Krankenversicherung verstiesse
(Boni-Clerc Walter, Aus der Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts,
Bern 1988, Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherungsrecht und
berufliche Vorsorge, 1990, S. 144 f.). Anstelle der generellen Verweigerung
der Aufnahme bestimmter Risiken in eine Zusatzversicherung ist - bei
Beachtung der anerkannten Grundsätze der Krankenversicherung - auch
die weniger strenge Form der Karenzzeit zuzulassen. Keine grundsätzlich
andere Situation liegt vor, wenn die Karenzzeit für alle Versicherungsnehmer
einer Zusatzversicherung eingeführt wird; die Gefahr der rechtsungleichen
Behandlung wird sogar kleiner.

- Hinsichtlich der 12monatigen Karenzzeit sind bisher nach den unbestrittenen
Ausführungen der Beschwerdeführerin auch keine Beanstandungen
seitens der Mitglieder erfolgt. Angesichts der grossen Zahl der bei der
Beschwerdeführerin bereits abgeschlossenen Seniorenspitalversicherungen
entspricht diese Zusatzversicherung - trotz der 12monatigen Karenzzeit -
offenbar einem echten Bedürfnis. Ein Verstoss gegen Grundfesten der sozialen
Krankenversicherung ist daher auch in diesem Lichte nicht ersichtlich.

2.8.3. Sollte die vorgesehene 12monatige Karenzzeit in Einzelfällen zu
stossenden Ergebnissen führen, so ist immer noch eine Überprüfung dieser
Fälle durch die Versicherungsgerichte möglich (vgl. Urteil des EVG vom
16. Oktober 1989 BGE 115 V 395 f. sowie Urteil des EVG vom 18. April 1972
in: Krankenversicherung, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RSKV]
1972, Nr. 133, S. 129 ff.).

2.8.4. Die 12monatige Karenzzeit bei der Seniorenspitalversicherung verstösst
daher nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit.

3. Die Unzulässigkeit der 12monatigen Karenzzeit kann auch nicht mit dem
Hinweis auf die für die Vorbehalte geltende Regelung begründet werden.

Beide Seiten bezeichnen Art. 5 Abs. 3 KUVG betreffend die Vorbehaltsregelung
als allgemeinen Grundsatz der Krankenversicherung, den es auch im Bereich
der Zusatzversicherungen zu beachten gelte (RSKV 1972, Nr. 133, S. 126 ff.). Die
Vorinstanz schliesst daraus, dass für die Karenzzeit das gleiche gelte.

Zwischen Vorbehaltsregelungen und Karenzzeiten bestehen indes wesentliche
Unterschiede. Bei der Karenzzeit ist im Gegensatz zu Vorbehalten infolge von
Krankheiten oder Schwangerschaft der Grundsatz der Gleichbehandlung
der Kassenmitglieder nicht tangiert. Männer und Frauen, Schweizer und
Ausländer, werden gleich behandelt. Die grundsätzliche Zulässigkeit von
Vorbehalten stellt ein Äquivalent zum Kontrahierungszwang der Kassen
dar, wogegen die zeitliche Beschränkung der Vorbehalte auf 5 Jahre auch
für Kranke den Zugang zur sozialen Krankenversicherung sicherstellen soll.
Dazu stellt sich bei Vorbehaltsregelungen auch die Frage der Verletzung des
Grundsatzes der Gegenseitigkeit.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_V_395&resolve=1

Daraus ergibt sich, dass aus dem gemäss Praxis zwingenden Charakter der
Vorbehaltsregelung für die Karenzzeit nichts abgeleitet werden kann.

4. Ist die von der Beschwerdeführerin bei der Seniorenspitalversicherung
vorgesehene 12monatige Karenzzeit zulässig, so kann offen bleiben, ob -
wohl mit entsprechender Prämienerhöhung und der erhöhten Gefahr des
Missbrauchs - auch eine Lösung mit einer kürzeren Karenzzeit realisierbar
wäre.

5. Das Reglement der Krankenkasse KPT über die Seniorenspitalversicherung
verletzt kein Bundesrecht und ist daher zu genehmigen.

Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen und der Entscheid des EDI
aufzuheben.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 56.32 - Entscheid des Bundesrates vom 22. Mai 1991

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1992
Année

Anno

Band 56
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	Entscheid des Bundesrates vom 22. Mai 1991
	I
	II