# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 654180f8-1ed3-5bc7-89b3-6a9301bf835c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.12.2011 D-4534/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4534-2011_2011-12-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­4534/2011/sps

U r t e i l   v om   2 8 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richterin Contessina Theis, Richter Hans Schürch, 
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

Parteien A._______, geboren am 24. April 1972,
und ihre Kinder 
B._______, geboren am 15. Februar 1995, 
C._______, geboren am 24. Mai 1997, 
D._______, geboren am 30. April 2005, 
E._______, geboren am 8. Januar 2009, 
F._______, geboren am 10. September 2011,
Eritrea,  
vertreten durch lic. iur. Johan Göttl,
Anlaufstelle Baselland, Oberfeldstrasse 11a, 4133 Pratteln, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 5. August 2011 / N ... .

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Sachverhalt:

A. 
Mit  Eingabe  an  das  BFM  vom  21.  März  2011  liess  A._______  (die 
Beschwerdeführerin)  durch  ihren  Rechtsvertreter  um  Bewilligung  der 
Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  eines  ordentlichen 
Asylverfahrens  ersuchen  (vgl.  für  die  Anträge  im  Einzelnen  die  Akten). 
Dieses Gesuch  reichte  sie  für  sich  und  ihre  damals  vier minderjährigen 
Kinder sowie gemeinsam mit ihrer bereits volljährigen Tochter G._______ 
(N  ...  )  und  ihrem  Lebenspartner  H._______  (derzeit  unbekannten 
Aufenthalts)  ein.  Zu  diesem  Zeitpunkt  befand  sie  sich  mit  ihren  noch 
minderjährigen  Kindern,  ihrer  bereits  volljährigen  Tochter  und  ihrem 
Lebenspartner  in  Libyen,  wo  im  Verlauf  der  zweiten  Februarhälfte  ein 
Bürgerkrieg  ausgebrochen  war.  In  ihrem  Gesuch  machte  sie  eine 
Gefährdung  in  der  Heimat  und  unzumutbare  Verhältnisse  in  Libyen 
geltend und sie brachte namentlich vor,  ihr Bruder  I._______ (N  ...  ) sei 
von  der  Schweiz  als  Flüchtling  anerkannt  worden,  womit  in  ihrem  Fall 
eine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben sei. 

Nachdem  das  BFM  mit  Schreiben  vom  14.  April  2011  mitgeteilt  hatte, 
eine Behandlung  des Asylgesuches  aus  dem Ausland  sei  aufgrund  der 
derzeitigen  Lage  in  Libyen  nicht  möglich,  brachte  der  Rechtsvertreter 
dem Bundesamt am 24. Mai 2011 zur Kenntnis, dass in der Zwischenzeit 
zuerst die volljährige Tochter G._______ mit ihren jüngeren Geschwistern 
B._______ und C._______ und danach die Beschwerdeführerin mit den 
Kindern  D._______  und  E._______  die  Schweiz  erreicht  und  hier  ein 
Asylgesuch  eingereicht  hätten.  Aufgrund  des Gesuches  in  der  Schweiz 
wurde  später  das  Gesuch  aus  dem  Ausland  vom  Bundesamt  als 
gegenstandslos geworden abgeschrieben (vgl. dazu den Beschluss vom 
16. August 2011). 

B. 
Am 5. April 2011 reichte die volljährige Tochter G._______ – zusammen 
mit  ihren  minderjährigen  Geschwistern  B._______  und  C._______  und 
eigenen  Angaben  zufolge  von  Italien  kommend  –  in  der  Schweiz  ein 
Asylgesuch ein. Im Rahmen der Kurzbefragung durch das BFM vom 12. 
April  2011  brachten  G._______  und  ihr  …  [jüngeres  Geschwister] 
B._______ namentlich vor, die Familie habe Libyen gemeinsam auf dem 
Seeweg  verlassen,  sie  beide  und …  [wiederum  jüngeren  Geschwister] 
C._______  seien  jedoch  bei  ihrer  Ankunft  in  Italien  von  der Mutter  und 
ihren zwei  jüngsten Geschwistern getrennt worden  (am 28. März 2011). 

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Sie seien  im Anschluss daran  in  Italien nicht  registriert worden, sondern 
mit  Hilfe  eines  Schleppers  in  die  Schweiz  weitergereist,  da  ihr  Onkel 
I._______ hier lebe. 

Am 27. April 2011 reichte auch die Beschwerdeführerin – zusammen mit 
ihren  damals  jüngsten  Kindern  D._______  und  E._______  –  in  der 
Schweiz  ein  Asylgesuch  ein.  Im Rahmen  der  Kurzbefragung  durch  das 
BFM vom 23. Mai 2011 brachte sie namentlich vor, ihre gesamte Familie 
– ihre fünf Kinder, ihr Lebenspartner und sie – hätten Libyen am 25. März 
2011  auf  dem  Seeweg  verlassen,  sie  habe  jedoch  bei  ihrer  Ankunft  in 
Italien sowohl  ihren heutigen Mann als auch die drei älteren Kinder aus 
den Augen verloren, was für sie sehr schlimm gewesen sei. Sie sei später 
mit  ihren  jüngsten  Kindern  in  die  Schweiz  gekommen,  weil  ihre  drei 
älteren Kinder und auch ihr Bruder I._______ hier seien. Betreffend ihren 
Lebenspartner  gab  sie  an,  dieser  befinde  sich  heute  in  Malta.  Auf 
Nachfrage  des  BFM  sprach  sie  sich  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien 
aus, da sie nicht wieder von ihrer Familie getrennt werden wolle. 

C. 
Vom BFM wurde aufgrund entsprechender Abfragen festgestellt, dass in 
der  Eurodac­Datenbank  zwar  die  Beschwerdeführerin  verzeichnet  ist 
(Asylantrag  in Catania verzeichnet per 28. März 2011), nicht  jedoch  ihre 
bereits  volljährige  Tochter  G._______  und  auch  nicht  die  mit  dieser 
eingereisten  Kinder  B._______  und  C._______.  Betreffend  die  mit  der 
Mutter  eingereisten  Kinder  D._______  und  E._______  wurde 
praxisgemäss keine Abfrage durchgeführt (vgl. dazu unten, E. 2.3 Mitte). 

Aufgrund  der  Verzeichnung  der  Beschwerdeführerin  sandte  das 
Bundesamt  am  5.  Juli  2011  betreffend  sie  und  ihre  vier  noch 
minderjährigen  Kinder  –  nach  den Bestimmungen  der  Verordnung  [EG] 
Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  der 
Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um 
Wiederaufnahme  an  Italien  ("take  back"­Ersuchen  nach  Art. 16  Abs.  1 
Bst.  c  Dublin­II­VO).  Dieses  Ersuchen  wurde  von  Italien  innert 
massgeblicher Frist nicht beantwortet.

Am  gleichen  Tag  sandte  das  Bundesamt  betreffend  die  volljährige 
Tochter  G._______  ein  Ersuchen  um  Übernahme  an  Italien  ("take 
charge"­Ersuchen nach Art. 10 Abs. 1 i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a Dublin­

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II­VO),  da  G._______  weder  über  eine  Gesucheinreichung  in  Italien 
berichtet  hatte  noch  in  der  Eurodac­Datenbank  verzeichnet  ist.  Dabei 
wies  das  Bundesamt  in  seinem  Ersuchen  ausdrücklich  auf  das 
vorgenannte  Wiederaufnahmeersuchen,  die  engen  familiären 
Verbindungen  zwischen  den  betroffenen  Personen  und  den  von 
G._______ geltend gemachten Reiseweg hin. Am 17. August 2011 teilte 
die  zuständige  italienische  Behörde  dem  Bundesamt  jedoch  mit,  eine 
Übernahme  von  G._______  werde  abgelehnt,  da  diese  in  Italien  nicht 
bekannt  sei.  Zwar  hielt  das  Bundesamt  in  der  Folge  mittels 
Remonstration  vom  6.  September  2011  an  seinem  Ersuchen  um  eine 
Übernahme  von  G._______  fest,  wobei  es  erneut  auf  die  engen 
familiären  Verbindungen  und  den  gemeinsamen  Reiseweg  hinwies. 
Italien  ist  jedoch  bis  heute  auf  seine  Ablehnung  einer  Übernahme  von 
G._______ nicht zurückgekommen. 

D. 
Mit Verfügung vom 5. August 2011 – eröffnet am 10. August 2011 – trat 
das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  die  Asylgesuche  der 
Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete deren Wegweisung aus der 
Schweiz  nach  Italien  an.  Gleichzeitig  wurde  den  Beschwerdeführenden 
eine  Ausreisefrist  auf  den  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist 
angesetzt,  der  zuständige  Kanton  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung 
beauftragt  und  abschliessend  festgehalten,  einer  allfälligen Beschwerde 
gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende  Wirkung  zu.  Zur 
Begründung seines Entscheides  führte das Bundesamt  im Wesentlichen 
aus,  gemäss  der  Dublin­II­VO  sei  Italien  für  die  Durchführung  der 
Asylverfahren  zuständig,  da  durch  die  Gesuchseinreichung  aus  dem 
Ausland  vom 21. März  2011  keine Zuständigkeit  der Schweiz  im Sinne 
von  Art.  3  Abs.  1  Dublin­II­VO  begründet  worden  sei,  sondern  die 
Beschwerdeführerin  ihren  ersten  Asylantrag  im  europäischen  Raum 
vielmehr am 28. März 2011 in Italien eingereicht habe, und da von Italien 
das Gesuch um eine Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden  innert 
massgeblicher Frist nicht beantwortet worden sei, womit gemäss Art. 20 
Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  die  Zuständigkeit  für  das  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahren  an  Italien  übergegangen  sei.  Zwar  sei  von  der 
Beschwerdeführerin  geltend  gemacht  worden,  sie  wolle  nicht  von  ihrer 
Familie  getrennt  werden.  Zu  einer  Trennung  von  ihren  minderjährigen 
Kindern  komme es  jedoch nicht,  da diese  in das Verfahren  ihrer Mutter 
eingeschlossen  seien  und  sich  das  an  Italien  gerichtete 
Übernahmeersuchen  (recte:  Wiederaufnahmeersuchen)  auch  auf  die 

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minderjährigen  Kinder  bezogen  habe.  Im  Falle  der  bereits  volljährigen 
Tochter  der  Beschwerdeführerin  sei  demgegenüber  festzustellen,  dass 
diese nicht zur Kernfamilie gemäss Art. 2 Bst.  i Dublin­II­VO gehöre und 
sie  ein  eigenes  Asylgesuch  eingereicht  habe,  welches  in  seinem 
separaten  Verfahren  behandelt  werde.  Damit  seien  von  den 
Beschwerdeführenden  keine  Gründe  geltend  gemacht  worden,  welche 
die  Zuständigkeit  Italiens  widerlegen  würden,  und  der  Vollzug  der 
Wegweisung nach  Italien  erweise  sich  auch als  zulässig,  zumutbar  und 
möglich.

E. 
Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die  Beschwerdeführerin  am  17.  August 
2011  –  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter  –  Beschwerde.  In  ihrer 
Eingabe  beantragte  sie  zur  Hauptsache  die  Aufhebung  der 
angefochtenen  Verfügung  und  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM, 
zufolge Zuständigkeit der Schweiz [1], eventualiter zwecks Ausübung des 
Selbsteintrittsrecht  durch  das  Bundesamt  [2].  In  prozessualer  Hinsicht 
ersuchte  sie  um  ein  Aussetzen  des  Wegweisungsvollzuges  und  die 
Anordnung  vollzugshemmender  Massnahmen  [3],  sowie  um  Erlass  der 
Verfahrenskosten, um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht und um 
Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes  [4].  Im Rahmen der 
Beschwerdebegründung  machte  sie  zur  Hauptsache  geltend,  die 
Auffassung  des  BFM,  wonach  mit  dem  Auslandsgesuch  keine 
Zuständigkeit  der  Schweiz  begründet  worden  sei,  sei  unzutreffend. 
Werde  ein  Gesuch  auf  dem  Gelände  einer  schweizerischen  Botschaft 
eingereicht,  so  sei  damit  nach  internationalem  Recht  ein  Bezug  zum 
schweizerischen  Hoheitsgebiet  geschaffen,  woraus  sich  eine 
Zuständigkeit  der  Schweiz  ergebe.  Auf  der  anderen  Seite  sei  im  Falle 
ihrer  Kinder  G._______,  B._______  und  C._______  gar  nicht  erstellt, 
dass  sich  diese  tatsächlich  in  Italien  aufgehalten  hätten.  Daher  sei  für 
diese Kinder die Schweiz zuständig, was nach dem Grundsatz der Einheit 
der  Familie  auch  für  sie  und  die  Kinder  D._______  und  E._______  zu 
gelten habe. In ihren weiteren Ausführungen wies sie schliesslich darauf 
hin, dass sie hoch schwanger sei, und sie machte namentlich geltend, die 
Schweiz  habe  aus  humanitären  Gründen  das  Recht  auf  Selbsteintritt 
nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO auszuüben und sich für ihr Asylgesuch als 
zuständig zu erklären. 

F. 
Nach  Anordnung  vollzugshemmender  Massnahmen  (Telefax  vom 
22. August 2011; Art.  56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 

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über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]),  wurde  mit 
Zwischenverfügung des Bundeverwaltungsgerichts vom 23. August 2011 
der  Vollzug  der  Wegweisung  für  die  Dauer  des  Verfahrens  ausgesetzt 
(Art.  107a  AsylG).  Gleichzeitig  wurde  dem  Gesuch  um  Erlass  der 
Verfahrenskosten  und  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschussflicht 
entsprochen (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 63 Abs. 4 VwVG), wogegen 
das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen wurde 
(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Abschliessend wurde das BFM unter Zustellung 
der  Akten  zum  Schriftenwechsel  eingeladen  (Art.  57  Abs.  1  VwVG). 
Dabei wurde das BFM der Ordnung halber darauf hingewiesen, dass es 
im  Falle  der  volljährigen  Tochter  G._______  mutmasslich  zu 
verschiedenen Fehleinträgen  in der massgeblichen Datenbank des BFM 
(ZEMIS) gekommen war. 

G. 
In seiner Vernehmlassung vom 7. September 2011 hielt das BFM an der 
angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  eine  Abweisung  der 
Beschwerde. Dabei bekräftigte das Bundesamt vorab seine Feststellung, 
dass  alleine  durch  die  Einreichung  eines  Auslandsgesuches  keine 
Zuständigkeit  der  Schweiz  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  1  Dublin­II­VO 
begründet worden sei. Daran anschliessend hielt es an der Zuständigkeit 
Italiens  nicht  nur  für  die  Beschwerdeführerin,  sondern  auch  für  deren 
minderjährige  Kinder  fest.  Da  sich  die  Kinder  in  der Obhut  ihrer Mutter 
befänden sei unerheblich, ob nachweisbar sei, dass sich die Kinder zuvor 
in  Italien aufgehalten hätten. Schliesslich erkannte das Bundesamt auch 
die Voraussetzungen für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch nach Art. 
3  Abs. 2  Dublin­II­VO  als  nicht  erfüllt.  Auf  die  diesbezüglichen 
Ausführungen wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

H. 
Am  …  2011  wurde  in  der  Schweiz  das  jüngste  Kind  der 
Beschwerdeführerin geboren. 

I. 
Im  Rahmen  ihrer  Stellungnahme  vom  23.  September  2011  liessen  die 
Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  an  der  geltend 
gemachten  Zuständigkeit  der  Schweiz  festhalten,  da  sie  vorgängig  ein 
Auslandsgesuch eingereicht habe und zudem kein einziges  ihrer Kinder 
von Italien registriert worden sei. 

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die 
Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei 
entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. 
dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2. Auf dem Gebiet des Asyls kann mit Beschwerde die Verletzung von 
Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder 
das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. dazu Art. 37 VGG sowie Art. 6 
und 105 AsylG). 

1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten 
Beschwerdeführerin  ist einzutreten (vgl. dazu Art. 108 Abs. 2 AsylG und 
Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs.1 VwVG).

1.5. Das in der Schweiz geborene,  jüngste Kind der Beschwerdeführerin 
wird in das Verfahren seiner Mutter und Geschwister einbezogen. 

2. 
Im  Falle  von  Beschwerden  gegen Nichteintretensentscheide, mit  denen 
es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  des 
Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob 
das  BFM  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  dazu 
BVGE 2007/8 E. 2.1 mit weiterem Hinweis). 

3. 
3.1.  Gemäss  der  Bestimmung  von  Art.  34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  –  auf 
welche sich die angefochtene Verfügung stützt – wird auf Asylgesuche in 
der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat 

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ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist. 

3.2. Nachdem  die  Beschwerdeführerin  sowohl  gemäss Verzeichnung  in 
der  Eurodac­Datenbank  als  auch  ihren  eigenen  Angaben  ihren  ersten 
Asylantrag  im europäischen Raum  in  Italien  eingereicht  hat,  ist  gemäss 
den  einschlägigen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren  –  neben  der 
Dublin­II­VO  namentlich  die  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der 
Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen 
zur  Dublin­II­VO  (DVO  Dublin)  und  das  Abkommen  vom  26. Oktober 
2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der 
Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem 
Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­
Assoziierungsabkommen; DAA, SR 0.142.392.68]) – grundsätzlich dieser 
Staat  für  die  Prüfung  ihres  Asylantrages  zuständig.  Das  Ersuchen  des 
Bundesamtes um eine Wiederaufnahme sowohl der Beschwerdeführerin 
als  auch  ihrer  vier  minderjährigen  Kinder  (nach  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c 
Dublin­II­VO) wurde von Italien innert der vorliegend massgeblichen Frist 
von  zwei  Wochen  nicht  beantwortet,  womit  Italien  seine  Zuständigkeit 
gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten 
Verfristung akzeptiert hat (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. b und c Dublin­II­VO). 
Damit  sind  –  entgegen  den  anders  lautenden  Beschwerdevorbringen – 
die  Grundvoraussetzungen  für  einen  Nichteintretensentscheid  in 
Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres erfüllt.

3.3.  In  diesem Zusammenhang  bleibt  festzuhalten,  dass  die Vorbringen 
betreffend  eine  angeblich  unzutreffende  Bestimmung  des  zuständigen 
Staates,  respektive  betreffend  eine  Zuständigkeit  angeblich  nicht  von 
Italien, sondern der Schweiz, durchwegs fehl gehen. In dieser Hinsicht ist 
zunächst  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführerin  aus  dem 
Fehlen einer Registrierung  ihrer Kinder  in  Italien nichts  für  sich ableiten 
kann,  da  minderjährige  Kinder  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  aufgezeigt – 
grundsätzlich  gleich  wie  ihre  Eltern  behandelt  werden.  Damit  wird  dem 
von  der  Beschwerdeführerin  angerufenen  Grundsatz  der  Einheit  der 
Familie  in  vollem  Umfang  Genüge  getan.  Die  Nichtregistrierung  der 
Kinder ist demzufolge im Resultat unbeachtlich, wobei angemerkt werden 
kann,  dass  Kindern,  welche  in  Begleitung  von  Erwachsenen  reisen, 
ohnehin  nur  in  Ausnahmefällen  die  Fingerabdrücke  abgenommen 
werden. Im Anschluss daran ist  festzustellen, dass sich der Schluss des 
BFM, alleine mit  der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland 

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werde  kein  Anknüpfungspunkt  zur  Schweiz  im  Sinne  der  Dublin­II­VO 
geschaffen, als vollumfänglich zutreffend erweist.  In dieser Hinsicht  ist – 
anstelle  einer  Wiederholung  –  auf  das  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­3683/2011 vom 26. Juli 2011 zu verweisen 
(vgl. E. 3 und E. 4; Urteil zur Publikation vorgesehen in BVGE 2011/17). 
Schliesslich bleibt anzumerken, dass es grundsätzlich nicht die Sache der 
asylsuchenden  Person  ist,  den  für  ihr  Asylverfahren  zuständigen  Staat 
selber zu bestimmen, vielmehr obliegt die Bestimmung des zuständigen 
Staates  alleine  den  beteiligten  Dublin­Vertragsstaaten  (vgl.  dazu  bspw. 
das Urteil des Bundesverwaltungsgericht D­5079/2009 vom 9. September 
2009  [insbesondere S. 8 dritter Absatz]). Auch  in diesem Sinne stossen 
die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  über  eine  angebliche 
Zuständigkeit der Schweiz nach den allgemeinen Regeln der Dublin­II­VO 
ins Leere. 

3.4.  Diesen  Erwägungen  gemäss  ist  das  BFM  zu  Recht  von  der 
grundsätzlichen  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Beurteilung  der 
Asylgesuche  ausgegangen.  Zu  prüfen  ist  im  Weiteren  jedoch,  ob  das 
BFM  von  seinem Selbsteintrittsrecht  gemäss Art.  3  Abs.  2 Dublin­II­VO 
hätte  Gebrauch  machen  müssen,  wie  dies  in  der  Beschwerde  geltend 
gemacht wird.

4. 
4.1.  Nach  der  Bestimmung  von  Art.  3  Abs. 2  Dublin­II­VO  kann  die 
Schweiz  ein  Asylgesuch  materiell  prüfen,  auch  wenn  gemäss  den 
einschlägigen Kriterien der Dublin­II­VO ein anderer Staat zuständig wäre 
(Selbsteintrittsrecht).  Diese  Bestimmung  ist  nicht  direkt  anwendbar, 
sondern kann nur  in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen 
oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  (BVGE  2010/45  E. 5). 
Art. 29a  Abs. 3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  sieht  vor,  dass  das  BFM  aus 
humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den 
Kriterien der Dublin­II­VO ein anderer Staat zuständig ist. Es handelt sich 
dabei  um  eine  Kann­Bestimmung,  die  den  Behörden  einen  gewissen 
Ermessensspielraum  lässt  und  grundsätzlich  restriktiv  auszulegen  ist 
(BVGE  2010/45  E. 8.2.2.).  Droht  hingegen  ein  Verstoss  gegen 
übergeordnetes  Recht,  namentlich  ein  Verstoss  gegen  eine  zwingende 
Norm  des  Völkerrechts,  so  besteht  ein  einklagbarer  Anspruch  auf 
Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (BVGE  2010/45  E. 7.2.;  CHRISTIAN 
FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz 
2010, K8 zu Art. 3). Erweist  sich demnach  im Einzelfall,  dass durch die 

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Überstellung nach den Bestimmungen der Dublin­II­VO das Refoulement­
Verbot  nach  Art. 33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die Garantien nach der 
Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Internationalen Paktes über 
bürgerliche  und  politische  Rechte  (UNO­Pakt  II,  SR 0.103.2)  oder  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(Folterkonvention;  FoK,  SR 0.105)  verletzt  würden,  so  muss  vom 
Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  Gebrauch  gemacht 
werden (vgl. zum Ganzen auch BVGE E­7221/2009 E. 4.1 [Entscheid zur 
Publikation bestimmt in BVGE 2011/9]).

4.2.  Im Rahmen der angefochtenen Verfügung hat  sich das BFM vorab 
mit  der  Frage  der Bestimmung  der  Zuständigkeit  nach  der Dublin­II­VO 
auseinandergesetzt  und  sich  zur  Frage  eines  Selbsteintritts  nach  Art. 3 
Abs. 2 Dublin­II­VO nicht geäussert. 

4.3. In der Beschwerdeeingabe bringt die Beschwerdeführerin namentlich 
vor,  in  ihrem  Fall  sei  aus  humanitären  Gründen  vom  Recht  auf 
Selbsteintritt Gebrauch  zu machen. Dabei macht  sie geltend,  dem BFM 
sei bekannt, dass die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende  in  Italien 
prekär  seien.  Sie  sei  alleinstehend  und  habe  fünf  Kinder  (gerechnet 
inklusive  der  volljährigen  Tochter  G._______),  und  sie  sei  zudem  hoch 
schwanger und werde bald ein weiteres Kind zur Welt bringen. In Italien 
könne  sie  nicht  mit  einer  menschlichen  Behandlung  rechnen.  Vielmehr 
bestehe  die  grosse Gefahr,  dass  sie mit  ihren  Kindern  auf  der  Strasse 
landen werde, was auch unter Berücksichtigung des Kindswohl nicht zu 
vertreten  wäre.  Zusätzlich  werde  sie  von  ihrer  volljährigen  Tochter 
getrennt,  da  deren  Gesuch  in  einem  separaten  Verfahren  behandelt 
werde. Dieser Punkt sei unter dem Aspekt der Einheit der Familie ebenso 
fragwürdig  wie  die  Trennung  von  ihrem  Bruder,  der  als  anerkannter 
Flüchtling  in  der  Schweiz  lebe.  Vor  dem Hintergrund  dieser  Vorbringen 
gelangt  sie nicht  nur  zum Schluss,  auf  ihr Gesuch  sei  aus humanitären 
Gründe einzutreten  (im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1),  sondern sie 
führt ausdrücklich an, in ihrem Fall bestünden begründete Anhaltspunkte 
dafür, dass  ihr und  ihrer Familie  im Falle einer Überstellung nach Italien 
eine mit Art. 3 EMRK unvereinbare Behandlung drohe.

4.4. In seiner Vernehmlassung hält das BFM dafür, in vorliegender Sache 
seien die Voraussetzungen für eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin­

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II­VO  nicht  gegeben.  So  sei  Italien  Signatarstaat  sowohl  der  EMRK  als 
auch  der  Folterkonvention,  wobei  keine  konkreten  Hinweise  darauf 
beständen, das Land würde sich im Falle der Beschwerdeführenden nicht 
an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten.  Italien sei schliesslich 
an  die  europäische  Aufnahmerichtlinie  gebunden,  welche  zahlreiche 
Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden 
beinhalte,  welche  in  Italien  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der 
Europäischen Kommission umgesetzt würden. Zudem würden sich neben 
den  staatlichen  Behörden  auch  private  Hilfsorganisationen  Dublin­
Rückkehrern  annehmen,  und  auf  verletzliche  Personen werde  etwa mit 
speziellen  Unterkünften  besonders  Rücksicht  genommen.  Von  daher 
seien  keine  konkreten  Anhaltpunkte  dafür  ersichtlich,  dass  die 
Beschwerdeführenden  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Italien  in  eine 
existenzbedrohende  Notlage  geraten  würden.  Zur  Frage  der  Trennung 
sowohl  von  der  volljährigen  Tochter  als  auch  von  dem  in  der  Schweiz 
befindlichen Bruder  der Beschwerdeführerin merkte  das BFM nochmals 
an,  dass  diese nicht  unter  den Familienbegriff  gemäss der Dublin­II­VO 
fallen würden. 

5. 
5.1. Das Bundesverwaltungsgericht geht  in ständiger Praxis sowohl von 
der grundsätzlichen Verlässlichkeit des  italienischen Asylverfahrens aus, 
als  auch  vom  Vorliegen  einer  grundsätzlich  völkerrechtskonformen 
Versorgungslage für Asylsuchende. Zwar weist das italienischen System 
zum Teil  sehr deutliche Mängel auf  (vgl. dazu nachfolgend), alleine von 
daher  besteht  jedoch  kein  Anlass  zur  Annahme,  im  Falle  einer 
Überstellung  nach  Italien  drohe  eine  mit  Art.  3  EMRK  unvereinbare 
Behandlung.  Entgegen  den  sinngemäss  anders  lautenden 
Beschwerdevorbringen  bestehen  auch  in  vorliegender  Sache  keine 
rechtserheblichen  Hinweise  darauf,  die  Beschwerdeführerin  und  ihre 
Kinder  wären  in  Italien  von  jeglicher  Betreuung  und  Versorgung 
abgeschnitten  und  im  Sinne  eines  "real  risk"  von  einer 
menschenrechtswidrigen  Behandlung  bedroht.  Die  Schwelle  zur 
Annahme eines Verstosses gegen das menschenrechtliche Refoulement­
Verbot nach Art. 3 EMRK, welche grundsätzlich sehr hoch angesetzt  ist, 
erscheint damit nicht  tangiert, womit keine völkerrechtliche Pflicht  für die 
Schweiz  besteht,  von  ihrem Recht  auf  Selbsteintritt  nach  Art.  3  Abs.  2 
Dublin­II­VO  Gebrauch  zu  machen.  In  dieser  Hinsicht  sind  die 
vorinstanzlichen Erwägungen zu bestätigen.  Im Weiteren greift  aber der 
Entscheid  des  BFM  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  aufgrund  der 
gesamten Einzelfallumstände zu kurz. 

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5.2.  Art. 29a  Abs. 3  AsylV 1  stellt  –  wie  oben  erwähnt  (E.  4.1)  –  die 
Grundlage  dar,  um  im  Einzelfall  aus  humanitären  Gründen  vom 
Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO Gebrauch machen. Da 
es  sich  bei Art. 29a Abs. 3 AsylV 1  um eine Kann­Bestimmung handelt, 
verfügt das BFM bei der Ausübung dieses Rechts über einen gewissen 
Ermessensspielraum.  Das  Bundesamt  geht  daher  fehl,  wenn  es  im 
Rahmen seiner Vernehmlassung – dem wesentlichen Sinngehalt nach – 
dafür hält, es gebe nur einerseits die Überstellung der Asylsuchenden an 
den für sie zuständigen Staat oder andererseits die Ausübung des Rechts 
auf  Selbsteintritt,  weil  die  Überstellung  gegen  übergeordnetes  Recht 
verstossen würde. Auch ausserhalb von Fällen, wo der Selbsteintritt zur 
Pflicht  wird,  ist  die  Schweiz  sehr  wohl  berechtigt  und  je  nach  den 
Umständen  sogar  gehalten,  auch  aus  anderen,  weniger  zwingenden 
humanitären  Gründen  ihr  Ermessen  zu  Gunsten  des  Wohls  des 
Asylsuchenden  in  Form  eines  Selbsteintritts  auszuüben.  Durch  eine 
restriktive  Praxis  der  Auslegung  von  Art. 29a  Abs. 3  AsylV 1  wird 
sichergestellt,  dass  das  Zuständigkeitssystem  der  Dublin­II­VO  nicht 
unterhöhlt  wird  (vgl.  dazu  namentlich  BVGE  E­7221/2009  vom  10.  Mai 
2011 [bzw. BVGE 2011/9] E. 8.1 mit weiteren Hinweisen).

5.3. Im Falle der Beschwerdeführenden ist – wie von diesen grundsätzlich 
zu Recht geltend gemacht – von einer  insgesamt schwierigen familiären 
Situation  auszugehen,  da  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  um  eine 
alleinstehende  Frau  handelt,  welche  seit  der  Geburt  ihres  jüngsten 
Kindes nunmehr  für  insgesamt  fünf minderjährige Kinder zu sorgen hat, 
wovon  zwei  noch  sehr  klein  sind  (das  jüngste  Kind  ist  erst …  [wenige] 
Monate und das zweitjüngste Kind … [erst wenige] Jahre alt). Über den 
Aufenthaltsort des Vaters der beiden  jüngsten Kinder  ist wenig bekannt, 
es  scheint  jedoch,  dass  der  Kontakt  zu  diesem  durch  die  Trennung 
während  der  Flucht  zurzeit  abgebrochen  ist.  Diese  persönlichen 
Gegebenheiten  lassen  eine  Rückführung  nach  Italien  –  unter 
Berücksichtigung  der  dort  herrschenden  schwierigen  Verhältnisse  –  als 
sehr  problematisch  erscheinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist 
anzumerken, dass das italienische Asylsystem bereits seit einigen Jahren 
mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen  zu  kämpfen  hat,  welche  sich 
aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum, 
respektive  der  deutlichen  Zunahme  von  Asylsuchenden  aus  diesem 
Raum,  nochmals  akzentuiert  haben  dürften.  Dabei  hat  das 
Bundesverwaltungsgericht  durchaus  zur  Kenntnis  genommen,  dass  die 
Verhältnisse  für  Asylsuchende  in  Italien  von  Hilfswerken  seit  längerem 
massiv  gerügt  werden  (vgl.  dazu  bspw.:  Schweizerische 

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Beobachtungsstelle für Asyl­ und Ausländerrecht, "Rückschaffung in den 
«sicheren  Drittstaat»  Italien",  vom  November  2009;  The  Norwegian 
Organization  for  Asylum  Seekers  [NOAS],  "The  Italian  approach  to 
asylum:  System  and  core  problems",  vom  April  2011;  oder  auch 
Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  "Asylverfahren  und 
Aufnahmebedingungen  in  Italien,  Bericht  über  die  Situation  von 
Asylsuchenden,  Flüchtlingen  und  subsidiär  oder  humanitär 
aufgenommenen  Personen,  mit  speziellem  Fokus  auf  Dublin­
Rückkehrende",  vom  Mai  2011").  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht 
denn  auch  davon  aus,  dass Asylsuchende  in  Italien  bei  der Unterkunft, 
der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  durchaus 
Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können.  Alleine  diese  Umstände 
sprechen jedoch in aller Regel nicht gegen eine Überstellung nach Italien, 
da  im  Regelfall  davon  ausgegangen  werden  kann,  die  von  einer 
Überstellung  betroffenen  Personen  könnten  sich  nach  ihrer  Ankunft  in 
Italien im Bedarfsfall das notwenige Gehör verschaffen. 

Vorliegend ist indes zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin mit ihren 
heute fünf minderjährigen Kindern im Falle einer Überstellung nach Italien 
sehr rasch an ihre Grenzen stossen dürfte. Dies umso mehr, als sie erst 
vor kurzem ihr  jüngstes Kind geboren hat und damit zu einer besonders 
verletzlichen  Gruppe  gehört.  Dabei  kommt  hinzu,  dass  die 
Beschwerdeführerin  bisher  offenkundig  bei  der  Betreuung  ihrer 
minderjährigen  Kinder  von  ihrer  volljährigen  Tochter  G._______ 
massgeblich  unterstützt  worden  ist.  Die  Modalitäten  der  Einreise  der 
Beschwerdeführenden  lassen  jedenfalls  keinen  anderen  Schluss  zu, 
haben  doch  die  Beschwerdeführerin  und  G._______  anlässlich  ihrer 
Anlandung  in  Italien  die  (damals)  vier minderjährigen  Kinder  respektive 
Geschwister je hälftig an die Hand genommen, was in der Folge zu einer 
gestaffelten Einreise  in die Schweiz geführt hat, nachdem die Familie  in 
Italien getrennt wurde. Seit … Juni 2011 sind die Beschwerdeführerin und 
alle  ihre  Kinder  –  also  auch  G._______  –  im  gleichen  Wohnzentrum 
untergebracht,  was  auf  eine  weiterhin  andauernde  Bindung  schliessen 
lässt.  Auf  der  anderen  Seite  fällt  aufgrund  der  vorliegenden 
Verfahrenskonstellation  ausser  Betracht,  dass  G._______  mit  den 
Beschwerdeführenden nach  Italien  zurückkehren  könnte, wurde doch  in 
ihrem Fall von Italien eine Übernahme ausdrücklich verweigert. Dies mag 
aufgrund  der  Akten  zwar  erstaunen,  da  die  ausführliche  Remonstration 
des  BFM  vom  6.  September  2011  jedoch  bis  heute  von  Italien  nicht 
beantwortet  ist, was einer Ablehnung gleichkommt, kann mittlerweile mit 
hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Italien auf seinen 

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Entscheid  noch  zurückkommen  würde.  Eine  Trennung  der  …  [noch 
jungen G._______] von der Mutter und ihren Geschwistern würde jedoch 
nicht nur  für die Beschwerdeführerin eine unzumutbare Härte bedeuten, 
sondern  auch  für  die  junge  Frau  selber  wie  auch  für  ihre Geschwister. 
Schliesslich ist auch darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin in 
ihrer  schwierigen Aufgabe als alleinstehende Mutter  von  fünf Kindern  in 
ihrem Bruder, der sich als anerkannter Flüchtling in der Schweiz befindet, 
wohl massgebliche Unterstützung erfahren dürfte (vgl. dazu auch Art. 15 
Abs. 2 Dublin­II­VO). 

Aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  –  da  die  Beschwerdeführerin  mit 
ihren  insgesamt  fünf  minderjährigen  Kindern,  darunter  einem 
Neugeborenen,  als  besonders  verletzlich  erscheint  und  aufgrund  der 
deutlichen Hinweise auf ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Mutter 
und  ihrer … [noch  jungen] Tochter, die  in der Schweiz verbleibt –  ist  im 
vorliegenden Einzelfall vom Vorliegen humanitärer Gründe  im Sinne von 
Art. 29a  Abs. 3  AsylV  1  auszugehen,  welche  zum Selbsteintritt  gemäss 
Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO führen. 

6. 
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, die angefochtene 
Verfügung  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen,  in  Anwendung  von 
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­
II­VO Gebrauch zu machen. 

7. 
7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2. Den vertretenen Beschwerdeführenden ist sodann zulasten des BFM 
eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 
7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).  Dabei  ist  der  Aufwand  des  Rechtsvertreters  mangels 
Vorliegens einer Kostennote abzuschätzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und die 
Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Bemessungsfaktoren (Art. 9  ­ 13 VGKE) sowie der Akten auf  insgesamt 
Fr. 450.– (inklusive aller Auslagen) festzusetzen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2. 
Die Verfügung  des BFM  vom 5.  August  2011 wird  aufgehoben  und  die 
Sache wird zur neuen Beurteilung an das BFM zurückgewiesen.

3.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Den  Beschwerdeführenden  wird  zulasten  des  BFM  eine 
Parteientschädigung von Fr. 450.– zugesprochen.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

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