# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b654f2a2-d67f-5ecf-985d-e0a89d16444d
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-03
**Language:** de
**Title:** Anforderungen an Gebäude und Räume. Auflage betreffend Installation einer Lüftungsanlage in Grossraumbüro.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0085/2015
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_I_0085_2015_834.pdf

## Full Text

BRGE I Nr. 0085/2015 vom 3. Juli 2015 in BEZ 2015 Nr. 50 

Im Rahmen einer Baubewilligung für geringfügige Änderungen der inneren 
Einteilung  eines  Grossraumbüros  statuierte  die  Baubehörde  die  Auflage,  der 
Raum sei mit einer Lüftungsanlage mit Zu- und Abluft zu versehen. 

Aus den Erwägungen: 

3.2  In  der  Rekursschrift  moniert  die  Rekurrentin,  es  existiere  keine 
gesetzliche  Grundlage,  gestützt  auf  welche  sie  verpflichtet  werden  könne,  das 
Büro  im  2.  Obergeschoss  mit  einer  Lüftungsanlage  auszustatten.  Das  Büro 
könne  über  seine  zahlreichen  Fenster  problemlos  natürlich  belüftet  werden. 
Angesichts  der  Geringfügigkeit  der  inneren  Umbauten  beziehungsweise  der 
gleichbleibenden Nutzung des Büros sei die Auflage auch unverhältnismässig. 
Die  Baukosten  der  inneren  Umbauten  betrügen  rund  Fr.  50'000.--.  Die 
geforderte  Installation  einer  Lüftungsanlage  sei  mit  Kosten  in  der  Grössen-
ordnung von Fr. 100'000.-- verbunden. (…) 

4.1  Vorschriften,  die  sich  mit  dem  Raumklima  und  der  Lüftung  von 
Arbeitsräumen  beschäftigen,  finden  sich  sowohl  in  den  arbeitsrechtlichen 
Bestimmungen des Bundes (Art. 16 [Raumklima] und Art. 17 [Lüftung] ArGV 3) 
wie auch im kantonalen Recht (§ 302 PBG; § 8 und § 11 lit. a BBV I). Aufgrund 
von  Art. 110  Abs. 1  lit. a  der  Bundesverfassung  (BV)  ist  der  Bund  für  die 
Gesetzgebung  auf  dem  Gebiet  des  Arbeitnehmerschutzes  zuständig.  Das 
Arbeitsgesetz  vom  13. März  1964  (ArG)  und  die  gestützt  darauf  erlassenen 
Verordnungen  regeln  in  ihrem  Anwendungsbereich  den  Schutz  der  Arbeit-
nehmer  abschliessend  und  lassen  keinen  Raum  für  ergänzendes  kantonales 
Recht  (Botschaft  zum  ArG  vom  30.  September  1960,  BBl  1960  S.  909  ff.; 
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Wegleitung zu den Verordnungen 3 und 
4 zum Arbeitsgesetz, 8. Überarbeitung 2011 [im Folgenden: Wegleitung SECO], 
S. V-3).  

Dies  ergibt  sich  auch  aus  Art.  73  Abs.  1  lit.  a  altArG,  wonach  mit  dem 
Inkrafttreten  des  Gesetzes  die  kantonalen  Vorschriften,  die  vom  Gesetz 
geregelte  Sachgebiete  betreffen,  aufgehoben  sind.  Nach  Art. 1  ArG  ist  das 
Gesetz  grundsätzlich  auf  alle  öffentlichen  und  –  wie  vorliegend  –  privaten 
Betriebe anwendbar. Es greift keine der Ausnahmen gemäss Art. 2-4 ArG. 

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Kantonale  Vorschriften  gelangen  hingegen  noch 

für  Betriebe  zur 
Anwendung, die überwiegend Publikumsverkehr aufweisen, da es bei diesen in 
erster Linie um den Schutz des Publikums geht. Als solche gelten insbesondere 
Verkaufsgeschäfte,  Warenhäuser,  Kinos,  Theater,  Heime,  Restaurants,  Hotels 
etc.,  wobei  der  Publikumsanteil  im  Betrieb  bzw.  Gebäude  wesentlich  grösser 
sein muss als der Arbeitnehmeranteil (vgl. dazu etwa die Bestimmung von § 8 
lit. b  BBV I).  Beim  hier  zu  beurteilenden  Büro  ist  diese  Voraussetzung  nicht 
erfüllt.  Die  Anforderungen  an  die  Belüftung  beurteilen  sich  daher  nach  den 
arbeitsrechtlichen  Bestimmungen  des  Bundes 
(VGr,  4.  April  2012, 
VB.2011.00616, E. 2; www.vgr.zh.ch).  

Der  Vollzug  des  Arbeitsgesetzes  und  der  dazugehörigen  Verordnungen 
des Bundesrates obliegt im Kanton Zürich, soweit nicht der Bund zuständig ist, 
der Volkswirtschaftsdirektion. Für die Durchführung der Aufgaben steht ihr das 
Amt  für  Wirtschaft  und  Arbeit  zur  Verfügung  (§  1  der  kantonalen  Verordnung 
zum  Arbeitsgesetz).  In  den  Städten  Zürich  und  Winterthur  wurde  der  Vollzug 
des  Arbeitsgesetzes  bezüglich  der  nicht-industriellen  Betriebe  an  die 
Gewerbepolizei  bzw.  die  Gesundheitsämter  delegiert  (Kreisschreiben  I  der 
Direktion der Volkswirtschaft und der Finanzen vom 28. Februar 1966 über die 
Einführung  und  den  Vollzug  des  Bundesgesetzes  über  die  Arbeit  in  Industrie, 
Gewerbe und Handel [Arbeitsgesetz] vom 13. März 1964). Zuständige Stelle in 
der  Stadt  Zürich  ist  der  Umwelt-  und  Gesundheitsschutz  (UGZ),  Fachbereich 
Energietechnik  und  Bauhygiene.  Vorliegend  kommt  das  sogenannte  Plan-
begutachtungsverfahren  zum  Zug,  da  es  sich  nicht  um  einen  dem 
Plangenehmigungsverfahren  unterstehenden  industriellen  Betrieb  (Art. 7  ArG) 
handelt.  Das  Planbegutachtungsverfahren  ist  Teil  des  Baubewilligungsver-
fahrens  bei  nichtindustriellen  Betrieben  und  kommt  bei  allen  Bauten  zur 
Anwendung, in denen Arbeitsplätze erstellt werden. Der UGZ nimmt als Fach-
behörde  im  Rahmen  des  Baubewilligungsverfahrens  eine  schriftliche  Planbe-
gutachtung  zuhanden  der  Baubewilligungsbehörde  vor,  wobei  geprüft  wird,  ob 
das Bauvorhaben den einschlägigen Arbeitnehmerschutzvorschriften genügend 
Rechnung  trägt.  Für  das  Einholen  der  Stellungnahme  und  die  Koordination  ist 
die örtliche Baubehörde zuständig. 

4.2  Die  ArGV  3  regelt  die  Massnahmen  zur  Gesundheitsvorsorge  für  die 
dem Gesetz unterstehenden Betriebe (Art. 1 Abs. 1 ArGV 3). Vorliegend fallen 
insbesondere die Art. 2, 16 und 17 ArGV 3 in Betracht. 

Art. 2 ArGV 3 («Grundsatz») lautet: 

Abs. 1: Der Arbeitgeber muss alle Massnahmen treffen, die nötig sind, um 
den  Gesundheitsschutz  zu  wahren  und  zu  verbessern  und  die  physische  und 
psychische Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten. Insbesondere muss 
er dafür sorgen, dass: 

a.  ergonomisch und hygienisch gute Arbeitsbedingungen herrschen; 

b.  die Gesundheit nicht durch schädliche und belästigende physikalische, 

chemische und biologische Einflüsse beeinträchtigt wird; 

 
 
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c.  eine übermässig starke oder allzu einseitige Beanspruchung vermieden 

wird; 

d.  die Arbeit geeignet organisiert wird. 

Abs. 2:  Die  Massnahmen,  welche  die  Behörde  vom  Arbeitgeber  zur 
Gesundheitsvorsorge  verlangt,  müssen  im  Hinblick  auf  ihre  baulichen  und 
organisatorischen Auswirkungen verhältnismässig sein. 

Art. 16 ArGV 3 («Raumklima») bestimmt: 

Sämtliche  Räume  sind  ihrem  Verwendungszweck  entsprechend  aus-
reichend  natürlich  oder  künstlich  zu  lüften.  Raumtemperatur,  Luftgeschwindig-
keit  und  relative  Luftfeuchtigkeit  sind  so  zu  bemessen  und  aufeinander  abzu-
stimmen,  dass  ein  der  Gesundheit  nicht  abträgliches  und  der  Art  der  Arbeit 
angemessenes Raumklima gewährleistet ist. 

Art. 17 ArGV 3 («Lüftung») lautet: 

Abs. 1:  Bei  natürlicher  Lüftung  sind  Fassadenfenster  und  Dachlichter 
sowohl  für  eine  schwache  Dauerlüftung  als  auch  für  eine  rasche  Durchlüftung 
einzurichten. 

Abs. 2: Bei künstlicher Lüftung sind Zufuhr und Abfuhr der Luft aufeinander 
abzustimmen  und  der Art  der Arbeit  sowie  der  Art  des  Betriebes  anzupassen. 
Belästigende Zugerscheinungen sind zu vermeiden. 

Abs. 3:  Wenn  es  mit  Rücksicht  auf  die  Gesundheit  der  Arbeitnehmer 
erforderlich  ist,  müssen  Lüftungsanlagen  mit  einer  Warneinrichtung  versehen 
sein, die Störungen anzeigt. 

Abs. 4:  Ablagerungen  und  Verunreinigungen,  die  zu  einer  unmittelbaren 
Gesundheitsgefährdung  der  Arbeitnehmer  durch  Verschmutzung  der  Raumluft 
führen können, müssen rasch beseitigt werden. 

Abs. 5:  Lüftungskanäle  müssen  mit  gut  zugänglichen  Kontroll-  und 
-

Reinigungsöffnungen  sowie  allenfalls  mit  Spülwasseranschlüssen  und 
ableitungen ausgestattet sein. 

4.3 Damit ist zunächst klar, dass sich den genannten Bestimmungen keine 
ausdrückliche,  vorliegend  direkt  anwendbare  Verpflichtung  zur  Installation  von 
Lüftungsanlagen  für  Arbeitsräume  (bestimmter  Grösse,  mit  einer  bestimmten 
Anzahl Arbeitsplätze usw.) entnehmen lässt. Die ArGV 3 nimmt keine Wertung 
im  Sinne  einer  grundsätzlichen  Bevorzugung  (natürlicher  oder  künstlicher 
Belüftung) vor, sondern  stellt  die  beiden  Varianten  –  wie  insbesondere  Art. 16 
ArGV  3  zeigt  –  zunächst  wertfrei  nebeneinander. Anders  ist  dies  etwa  bei  der 
Frage  der  Belichtung  (natürlich  –  sprich:  Tageslicht  –  oder  künstlich)  geregelt. 
Zwar  stellt  auch  Art. 15  Abs.  1  ArGV  3  die  beiden  Belichtungsvarianten 
zunächst  neutral  nebeneinander  («Sämtliche  Räume,  Arbeitsplätze  und 
Verkehrswege  innerhalb  und  ausserhalb  Gebäude  müssen  entsprechend  ihrer 
Verwendung  ausreichend  natürlich  oder  künstlich  beleuchtet  sein»);  hernach 

 
 
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definiert  aber  Art.  15  Abs.  2  ArGV  3  ausdrücklich  und  im  Sinne  eines 
Grundsatzes,  dass  in  den  Arbeitsräumen  Tageslicht  vorhanden  sein  soll  (vgl. 
VGr,  4. April  2012,  VB.2011.00616,  E. 2.3).  Hingegen  fehlt  eine  ähnliche 
Bestimmung – welche sich grundsätzlich für eine natürliche oder eine künstliche 
Belüftung  ausspräche  –  in  den  sich  mit  dem  Raumklima  und  der  Lüftung 
befassenden Art. 16 und 17 ArGV 3. 

Die offen formulierten Bestimmungen von Art. 16 und Art. 17 ArGV 3 sind 
in  hohem  Masse  auslegungsbedürftig.  Zur  Auslegung  ist  insbesondere  die 
erwähnte  Wegleitung  SECO  heranzuziehen,  die  eine  Richtlinie  im  Sinne  von 
Art. 38 ArGV 3 darstellt. Als Stellungnahme der für diesen Bereich zuständigen 
fachkundigen Behörde soll sie «im Vollzug ein einheitliches und rechtsgleiches 
Vorgehen sichern» (Wegleitung SECO, S. V-5). 

4.4  Die  Ausführungen  in  der  Wegleitung  SECO  zu  Art.  16  ArGV  3 
(«Raumklima»)  geben  in  Bezug  auf  die  hier  strittige  Frage  im  Wesentlichen 
nichts her, was über Allgemeinplätze hinausginge (etwa: «Jemand, der zu kalt 
oder warm hat, leistet weniger»; oder: «Es wird darum kaum möglich sein, ein 
Raumklima  zu  schaffen,  das  alle  Personen  gleichzeitig  als  gut  empfinden»; 
oder:  «Die  Norm  [gemeint  ist  eine  ISO-Norm]  besagt  auch,  dass  es  immer 
einen Restprozentsatz thermisch «Unzufriedener» gibt»; alle Zitate Wegleitung 
SECO,  S.  316-1).  Die  weiteren  Ausführungen  zu  Art.  16  ArGV  3  beschäftigen 
sich  –  unter  Rückgriff  auf  diverse  ISO-Normen  und  SN-Normen  –  mit  der 
Luftzusammensetzung, der Aussenluftrate (hierzu sogleich), dem Luftqualitäts-
mass,  der Raumtemperatur, der Luftgeschwindigkeit,  dem  Zugluftrisiko  (hierzu 
sogleich),  der  Raumklimatisierung,  der  Hitzebelastung  in  Gebäuden  während 
Hitzeperioden  und  dem  Hitze-Index  zur  Einschätzung  der  Hitzebelastung. 
Weiter  finden  sich  Diagramme  zur  «optimalen  Raumtemperatur  abhängig  von 
Tätigkeit  und  Bekleidung»,  zur  «thermischen  Behaglichkeit»  sowie  zum 
«Komfortempfinden  als  Funktion  der  Raumlufttemperatur  und  der  Luftbe-
wegung». 

(kostenintensiven) 

Installation  einer  künstlichen  Lüftungsanlage 

All  diesen  Ausführungen  ist  nicht  ansatzweise  und  erst  recht  nicht  in 
justiziabler Form  zu  entnehmen,  wann  genau  und  weshalb  eine  Bauherrschaft 
zur 
in 
Büroräumlichkeiten  verpflichtet  werden  könnte.  Immerhin  wird  klar,  dass  – 
wofür  auch  die  Vorinstanz  hält  –  Zugluft  zumindest  als  behaglichkeits-
vermindernd  gewertet  wird  (wobei  allerdings  ausdrücklich  erwähnt  wird,  dass 
ein erhöhtes Zugluftrisiko vor allem in Räumen mit Lüftungs- und Klimaanlagen 
gegeben  ist;  in  fensterbelüfteten  Räumen  hänge  es  weitgehend  vom  persön-
lichen  Verhalten  der  im  Raum  befindlichen  Personen  ab:  Wegleitung  SECO, 
S. 316-5). Weiter wird aufgrund der Ausführungen zu Art. 16 ArGV 3 klar, dass 
für  die  Herstellung  eines  vernünftigen  Raumklimas  eine  gewisse  Frischluft-
zufuhr («Aussenluftrate») erforderlich ist. 

4.5  Auch  die  Ausführungen  in  der  Wegleitung  SECO  zu  Art.  17  ArGV  3 
geben  keine  konkrete  Antwort  auf  die  hier  interessierende  Frage.  Zwar  wird 
zwischen  Räumen  mit  «mechanischer»  (sprich:  künstlicher)  Belüftung  und 
Räumen  mit  natürlicher  Lüftung  differenziert;  dies  aber,  ohne  aufgrund 
nachvollziehbarer  Kriterien  die  eine  oder  andere  Variante  zwingend  vorzu-

 
 
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schreiben.  Immerhin  wird  im  Einleitungssatz  festgehalten,  dass  in  Räumen 
«ohne  grössere  Personenansammlungen  und  ohne  grosse  Wärme-  oder 
Verunreinigungsquellen»  oft  eine  natürliche  Lüftung 
für  die  Erneuerung 
verbrauchter  Luft  und  zur  Verhinderung  von  Verunreinigungen  in  Konzentra-
tionen,  welche  die  Gesundheit  schädigen  oder  das  Wohlbefinden 
beeinträchtigen,  genüge  (Wegleitung  SECO,  S.  317-1).  Vorliegend  handelt  es 
sich bei weniger als 30 Arbeitsplätzen entgegen vorinstanzlicher Ansicht in der 
Duplik jedenfalls nicht um einen Raum mit hoher Personenbelegung (der Begriff 
stammt  aus  der  –  hier  nicht  mehr  anwendbaren,  vgl.  vorstehende  Erwä-
gungsziffer  4.1.,  2.  Abschnitt  –  Bestimmung  von  §  7  der  Besonderen 
Bauverordnung II [BBV II]; vgl. auch BRKE I Nr. 0307/2009, E. 5.4 = BEZ 2010 
Nr.  11).  Weiter  wird  etwa  verlangt,  dass  die  Fläche  der  Lüftungsöffnungen  in 
der Regel wenigstens 3 Prozent der Bodenfläche betragen soll. Im vorliegenden 
Fall  wäre  dieses  Mindestmass  erfüllt,  da  das  300 m2  grosse  Büro  über  16 
Fenster zu je – so die Vorinstanz – 0,8 m x 1,2 m, sprich 16 x 0,96 m2 = 15,36 
m2 Fensterfläche verfügt, was mithin rund 5 Prozent der Bodenfläche entspricht. 
Sodann  heisst  es  etwa,  eine  rasche  Durchlüftung  lasse  sich  nur  mittels 
Querlüftung  erreichen.  Querlüftung  ist  vorliegend  aufgrund  der  beidseits 
durchgehenden Fensterfronten offensichtlich gut zu bewerkstelligen. 

4.6  Zusammengefasst 

lassen  sich  auch  den  Ausführungen 

in  der 
Wegleitung SECO zu den Art. 16 und 17 ArGV 3 keine zwingenden  – und aus 
Sicht einer Bauherrschaft vorhersehbaren – Kriterien entnehmen, weshalb und 
wann genau die Installation einer Lüftungsanlage verlangt werden könnte. Eine 
diesbezügliche  Klarheit  wäre  aber  im  Hinblick  auf  die  gewichtigen  finanziellen 
Auswirkungen  einer  solchen  Verpflichtung  –  letztlich  auch  im  Sinne  verfas-
sungsrechtlicher Aspekte, namentlich Art. 26 BV – zweifellos vonnöten. Dies gilt 
umso mehr, wenn die Auflage im Sinne von § 357 Abs. 4 PBG als Sanierungs-
auflage im Rahmen eines Umbauprojekts ergeht. 

4.7  Bei  dieser  Ausgangslage  mag  ein  Rückgriff  auf  SIA-Normen  hilfreich 
erscheinen,  insbesondere  die  SIA-Norm  382:1/2014  «Lüftungs-  und  Klima-
anlagen – Allgemeine Grundlagen und Anforderungen». Es ist aber bereits an 
dieser  Stelle  zu  bemerken,  dass  diese  Norm  nicht  nur  nicht  rechtsverbindlich 
ist,  sondern  einzig  die  grundsätzlichen  Kriterien  für  die  Wahl  der  Lüftungs-
strategie (inkl. Fensterlüftung) beschreibt (SIA-Norm 382:1/2014, Vorwort, Seite 
4). 

Gestützt  auf  diese  SIA-Norm  und  weitere,  allesamt  ebenfalls  nicht 
rechtsverbindliche  Quellen  führt  die  Vorinstanz  in  der  Folge  eine  komplizierte 
Berechnung  (hierzu  im  Einzelnen  nachstehend)  durch  und  gelangt  zum 
Ergebnis, dass eine natürliche Lüftung für die Erneuerung der verbrauchten Luft 
nicht genüge und «zwingend» eine künstliche Lüftung notwendig sei. Es könne 
nicht  mit  einem  Lüftungskonzept  nachgewiesen  werden,  dass  eine  natürliche 
Belüftung  möglich  sei.  In  der  Duplik  heisst  es  dann  hingegen,  eine  natürliche 
Belüftung sei «mit hoher Wahrscheinlichkeit» nicht möglich. Verwirrlich wird es, 
wenn die Vorinstanz der Rekurrentin in der Folge zum Vorwurf macht, dass sie 
nie  ein  Lüftungskonzept  eingereicht  und  damit  den  Nachweis  ausreichender 
natürlicher  Belüftung  nicht  erbracht  habe.  Die  Rekurrentin  wurde  hierzu  nie 
aufgefordert.  Das  hätte  auch  keinen  Sinn  gemacht,  da  nach  der  noch  in  der 

 
 
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Vernehmlassung  vertretenen  Auffassung  mit  einem  Lüftungskonzept  der 
Nachweis  ausreichender  (natürlicher)  Belüftung  ja  offenbar  ohnehin  nicht  zu 
erbringen  gewesen  wäre.  Aus  der  Duplik  scheint  dann  aber  hervorzugehen, 
dass  ein  «Lüftungskonzept  mit  natürlicher  Lüftung  mit  Benutzerunterstützung» 
nun doch als zumindest denkbar erachtet wird, zumal offenbar nicht mehr das 
Zugluftrisiko 
im  Vordergrund  steht,  sondern  die  (angeblich)  mangelnde 
Möglichkeit,  in  einem  Büro  mit  knapp  30  Arbeitsplätzen  die  «Entscheidungs-
träger» (gemeint wohl: die Lüftungsverantwortlichen) zu bestimmen. In diesem 
Sinne  heisst  es  denn  auch  weiter,  dass  die  Vorinstanz  nicht  auf  dem  Einbau 
einer Lüftungsanlage beharren würde, falls von der Bauherrschaft nachträglich 
doch noch der Nachweis erbracht würde, dass eine natürliche Lüftung möglich 
sei. 

Einerseits  steht  dies  nun  im  klaren  Widerspruch  zu  der  noch  in  der 
Vernehmlassung  vertretenen  Auffassung,  dass  eine  künstliche  Lüftung 
zwingend sei, und andererseits geht ein solches alternatives Nachweisrecht der 
Rekurrentin aus der angefochtenen Auflage gerade nicht hervor. Überdies wird 
mit  keinem  Wort  begründet,  weshalb  Zweifel  daran  bestehen,  dass  eine 
natürliche  Lüftung  mit  Benutzerunterstützung  nicht  möglich  sein  sollte.  Allein 
der Umstand, dass in einem Büro knapp 30 Arbeitsplätze vorhanden sind, reicht 
hierfür  jedenfalls  nicht.  Es  spricht  nichts  dagegen  und  ist  einem  Arbeitgeber 
durchaus  zuzutrauen,  dass  er  eigenverantwortlich  den  Mitarbeitern  in  einem 
derartigen  Büro  gewisse  Lüftungsanweisungen  erteilt,  einen  «Lüftungs-
verantwortlichen» bezeichnet oder etwa aus lüftungstechnischen Gründen eine 
gewisse periodische Rotation der Arbeitsplätze vorschreibt usw. 

4.8  Beim  Versuch,  die  gestützt  auf  die  SIA-Norm  382/1:2014  und  weitere 
Quellen  aufgestellte  Berechnung  nachzuvollziehen,  fällt  zunächst  in  Betracht, 
dass der verwendete Ausgangswert für den Luftaustausch (36 m3 pro Stunde je 
Person) ein Optimalwert ist, welcher vorliegend nicht unbesehen herangezogen 
werden kann. Gemäss Ziff. 1.7.3 SIA-Norm 382:1/2014 wird die Luftqualität der 
Raumluft  nach  Tabelle  8  klassiert.  Gemäss  Tabelle  8  kommt  für  –  wie 
vorliegend  –  «typische  Wohn-  und  Büroräume»  nur  die  Raumluft-
qualitätskategorie  3  (RAL  3)  zur  Anwendung,  welche  eine  Luftaustauschrate 
von  18  -  30  m3  pro  Stunde  je  Person  vorsieht.  Verwendete  man  folglich  als 
Ausgangswert  den 
(selbst  gemäss  SIA-Norm  382:1/2014  zulässigen) 
Minimalwert von 18 m3 pro Stunde je Person, ergäbe sich ein deutlich anderes 
Endergebnis,  wäre  doch  von  einem  notwendigen  Luftvolumenstrom  für  den 
hygienischen  Luftwechsel  von  (nur)  468  m3  (anstatt  936  m3)  pro  Stunde 
auszugehen.  Entgegen  den  vorinstanzlichen  Ausführungen  ist  es  auch  nicht 
einfach  so,  dass  die  Wegleitung  SECO  zu  Art.  17  ArGV  3  «die  gleiche  Luft-
menge» (sprich: 36 m3 pro Stunde je Person) veranschlagt. Vielmehr lässt die 
Wegleitung SECO für Büros ausdrücklich eine mittlere Luftqualität genügen und 
bezeichnet hierfür 22 m3 pro Stunde je Person als noch angemessenen unteren 
Wert (Wegleitung SECO, S. 316-2). 

In Bezug auf die detaillierte Berechnung der Abwärme (26 Personen zu je 
70  Watt  zusätzlich  26  Computern  inkl.  Anteile  für  Drucker,  Scanner,  Kopierer 
usw.  zu  je  100  Watt),  welche  die  Raumtemperatur  erhöhe,  wird  ausser  Acht 
gelassen, dass ein Teil dieser Abwärme während der Arbeitszeit auch durch die 

 
 
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Masse  des  Gebäudes  (insbesondere  durch  die  massiven  Betonbauteile) 
aufgenommen  und  über  die  Nachtauskühlung  wieder  abgegeben  wird. 
Entsprechend  verringerte  sich  der  für  die  Abführung  dieser  Raumabwärme 
theoretisch notwendige Luftvolumenstrom. 

festgehalten,  dass  namentlich 

Sodann  wird  unter  Berücksichtigung  der  Fenstergrössen  und  unter 
Berufung  auf  meteorologische  Daten 
im 
Öffnungsbereich  der  Fenster  während  der  Heizperiode  starke  Zugluft-
erscheinungen  zu  erwarten  seien.  Dies  deshalb,  weil  der  theoretisch  zur 
Kühlung der anfallenden Wärme erforderliche Luftvolumenstrom bei natürlicher 
Belüftung über die Fensterlüftung gewährleistet werden müsste, wofür dauernd 
zwischen  sechs  und  20  Fenster  geöffnet  zu  halten  seien.  Es  ist  jedoch 
keineswegs  so,  dass während  der Heizperiode die  im  Büro  anfallende Wärme 
zur  Gänze  über  die  Fensterlüftung  abgeführt  werden  müsste.  Diese  Wärme 
würde  im  Gegenteil  direkt  zur  Erwärmung  der  Büroräumlichkeiten  führen,  so 
dass entsprechend weniger Wärme über die Heizung zugeführt werden müsste 
(dies  wäre  im  Übrigen  ein  Effekt,  der  in  energietechnischer  Hinsicht  gerade 
wünschenswert  wäre).  Während  der  Heizperiode  müsste  über  die  Fenster-
lüftung  an  sich  nur  eine  Luftaustauschrate  von  18  m3  -  30  m3  pro  Stunde  je 
Person  und  somit 
in  der 
Grössenordnung von ca. 500 m3 bis 700 m3 pro Stunde bewerkstelligt werden, 
was bei geschickter Anordnung der Lüftungsfenster durchaus ohne allzu grosse 
Zuglufterscheinungen möglich scheint. Der Behaglichkeitsbereich in Bezug auf 
Luftbewegungen 
des 
übrigens  während 
meteorologischen  Jahres  deutlich  über  die  von  der  Vorinstanz  bezeichneten 
0,15  m/s  Luftbewegung  hinaus.  Im  Übrigen  ist  an  dieser  Stelle  festzuhalten, 
dass  selbst  eine  gewisse  (sporadische  oder  gar  regelmässige)  thermische 
Unbehaglichkeit keineswegs gleich eine Gesundheitsgefährdung bedeutet. Die 
Vorinstanz  spricht  zuweilen  selbst  davon,  dass  der  Verzicht  auf  eine 
mechanische  Lüftung  womöglich  –  aber  eben  nur  –  «weitere  Komfort-
einbussen»  mit  sich  bringe.  Die  Bestimmungen  der  ArGV  3  dienen  aber  nicht 
der  Gewährleistung  optimalen  Komforts  um 
jeden  Preis,  sondern  der 
Verhinderung  von  Gesundheitsgefährdungen  der  Arbeitnehmer,  was  doch 
einen gewichtigen Unterschied darstellt. 

für  das  gesamte  Büro  ein  Luftaustausch 

eines  Grossteils 

reicht 

4.9 Insgesamt erscheinen auch die gestützt auf die SIA-Norm 382:1/2014 
und  weitere  Quellen  getätigten  Berechnungen  von  doch  sehr  theoretischer 
Natur;  sie  gehen  stets  von  Optimalwerten  aus  und  insinuieren  zuweilen,  dass 
jeder  Verbleib  unter  diesen  Optimalwerten  mit  einer  vom  Arbeitgeber  zu 
verhindernden  Gesundheitsgefährdung  der  Arbeitnehmer  gleichzusetzen  sei, 
was  selbstredend  nicht  zutrifft.  Gewisse  Faktoren  (wie  etwa  der  Abbau  von 
Abwärme  durch  andere  Mechanismen  als  Lüftung  und  das 
lüftungs-
organisatorische  Weisungsrecht  des  Arbeitsgebers  respektive  die  Möglichkeit 
eigenverantwortlicher  Lüftungstätigkeit  der  Mitarbeiter)  werden  überdies 
vollständig  ausser  Acht  gelassen.  Im  Lichte  des  Gebots  einer  gewissen 
Rechtssicherheit  lässt  sich  so  jedenfalls  nicht  die  zwangsweise  Verpflichtung 
zur Installation einer Lüftungsanlage begründen. Die SIA-Norm 382/1:2014 führt 
in  Ziff.  4,  Figur  5,  die  Kriterien  zur  Systemwahl  (reine  Fensterlüftung,  Kom-
bination  zwischen  Fensterlüftung  und  mechanischer  Lüftung  oder  rein 
mechanische  Lüftung)  auf.  Bei  einer  Raumhöhe  von  geschätzt  3  m  existiert 

 
 
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vorliegend  ein  Luftraum  von  rund  35  m3  pro  Person  (300  m2  x  3  m  =  900  m3, 
geteilt durch 26 Personen). Art. 12 Abs. 1 ArGV 3 verlangt lediglich mindestens 
12 m3 pro Person, mithin dreimal weniger. Angesichts einer Raumtiefe von nur 
rund  15  m  und  der  geradezu  idealen  Voraussetzung  einer  beidseitigen 
ist  auch  gemäss  dem 
Fensterfront  auf  ganzer  Länge  des  Büros 
Entscheidungsflussdiagramm in der besagten Figur 5 eine reine Fensterlüftung 
durchaus  zu  verantworten,  ohne  dass  hiermit  gleich  eine  Gesundheits-
gefährdung der Arbeitnehmer in Kauf genommen würde. 

4.10  Zusammengefasst  ist  eine  natürliche  Belüftung  des  Büros  im 
2. Obergeschoss  auch  im  Lichte  des  Arbeitnehmerschutzes  ausreichend.  Es 
besteht kein Grund, den Einbau einer künstlichen Lüftung zu befehlen.