# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22821dac-ed5b-5d8a-ab6c-cc6d6437d94b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240304-O1
**Docket/Reference:** SB240304-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240304-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240304-O/U/ad

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Weder und Oberrichter lic. iur. Amsler sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Gitz

Urteil vom 2. April 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 

Anklägerin und Berufungsklägerin

gegen

A._____,

Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____,

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc. (Rückweisung des 

Schweizerischen Bundesgerichtes)

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in 

Strafsachen, vom 31. August 2020 (GG190041); Urteil des Obergerichtes des 

Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 26. Oktober 2021 (SB200394); Urteil 

des Schweizerischen Bundesgerichtes vom 5. Juni 2024 (6B_147/2022)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Oktober 

2019 (Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1.

Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird frei-

gesprochen.

2.

Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Ok-

tober 2019 beschlagnahmte Gegenstand iPhone 7 (A011'956'868) wird nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils dem Beschuldigten auf erstes Verlan-

gen innerhalb von drei Monaten herausgegeben und ansonsten durch die 

Lagerbehörde (Lagerort: Bezirksgerichtkasse Dietikon) vernichtet.

3.

Dem Beschuldigten werden als Genugtuung für die zu Unrecht erlittene Haft 

Fr. 200.00 aus der Gerichtskasse zugesprochen.

4.

Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die 

Gerichtskasse genommen.

5.

Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger mit Fr. 9'428.20 (inkl. Barauslagen und 7.7 % MwSt.) aus der 

Gerichtskasse entschädigt.

Berufungsanträge:

a)

Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:

(Urk. 87 S. 2)

1.

Der Beschuldigte A._____ sei schuldig zu sprechen der



Gehilfenschaft zur qualifizierten groben Verletzung der Verkehrs-

regeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG in Verbin-

- 3 -

dung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV sowie 

Art. 25 StGB und



der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 

Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 

SVG, Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV.

2.

3.

Die erstandene Haft sei anzurechnen.

Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 12 Mo-

naten sowie einer Busse von Fr. 1'000.–.

4.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von 3 Jahren.

5.

Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei schuldhafter Nicht-

bezahlung der Busse festzusetzen.

6.

Es sei über die Rückgabe der einzig als Beweismittel beschlagnahmten 

Gegenstände zu entscheiden.

7.

Es seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsverfahren dem 

Beschuldigten anteilsmässig aufzuerlegen.

Anträge nach Rückweisung des Bundesgerichts (zweites Berufungsverfahren): 

(Urk. 112 S. 2)

1.

Der Beschuldigte A._____ sei erneut schuldig zu sprechen der groben 

Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Ver-

bindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 

Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV.

2.

Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 18 Mo-

naten, wovon ein Tag Untersuchungshaft anzurechnen sei.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von 3 Jahren.

- 4 -

4.

Es seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsverfahren dem 

Beschuldigten anteilsmässig aufzuerlegen.

b)

Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 88 S. 1)

1.

Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen, soweit darauf 

eingetreten wird.

2.

Der vorinstanzliche Entscheid sei zu bestätigen, mit Ausnahme der 

Entschädigungshöhe für die amtliche Verteidigung, die nach Ermessen 

des Gerichts angemessen zu erhöhen sei.

3.

Eventualiter, im Falle einer Verurteilung des Beschuldigten A._____, 

sei

a.

von einer Bestrafung abzusehen

b.

in den Erwägungen auszuführen, dass gemäss eigenem Dafür-

halten des Gerichtes empfohlen werde, von einem Führeraus-

weisentzug durch die zuständige Behörde abzusehen oder 

dass dies rechtlich vertretbar ist.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Anklagebe-

hörde bzw. Staatskasse des Kantons Zürich.

Anträge nach Rückweisung des Bundesgerichts (zweites Berufungsverfahren): 

(Urk. 113 S. 18)

1.

2.

Es sei in Dossier 1 freizusprechen.

Bei Dossier 2 sei eine bedingte Geldstrafe von maximal 120 Tagessät-

zen auszufällen unter Ansetzung einer Probezeit von einem Jahr.

- 5 -

__________________________________

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1.

Gegen  das  Urteil  des  hiesigen  Gerichts  vom  26. Oktober  2021  (Urk. 93) 

erhob der Beschuldigte Beschwerde ans Bundesgericht. Das Bundesgericht hiess 

die Beschwerde des Beschuldigten mit Urteil vom 5. Juni 2024 (6B_147/2022) teil-

weise gut, hob das Urteil des hiesigen Gerichts auf und wies die Sache zu neuer 

Entscheidung zurück. Im Übrigen wies das Bundesgericht die Beschwerde ab, so-

weit darauf einzutreten war (Urk. 105 = 106 S. 30). Mit Vorladung vom 26. Septem-

ber 2024 wurden die Parteien auf den 2. April 2025 zur Berufungsverhandlung vor-

geladen (Urk. 108), wobei angesichts des engen Sachzusammenhangs gleichzeitig 

zu  den  Berufungsverhandlungen  der  Mitbeschuldigten  B._____  (SB240305)  und 

C._____ (SB240306) vorgeladen wurde. 

2.

Zur  gemeinsamen  Berufungsverhandlung  in  den  drei  genannten  Fällen 

vom  2. April  2025  erschienen  Sonderstaatsanwalt  Dr. iur. D._____  namens  der 

Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  (nachfolgend:  Staatsanwaltschaft),  der 

Beschuldigte A._____ in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt 

lic. iur. X1._____,  der  Mitbeschuldigte  B._____  in  Begleitung  dessen  amtlichen 

Verteidigers, Rechtsanwalt MLaw X2._____, und der Mitbeschuldigte C._____ in 

Begleitung dessen amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. X3._____ (Prot. II 

S. 2).  Das  Urteil  wurde  im  Anschluss  an  die  Berufungsverhandlung  beraten  und 

den Parteien schriftlich im Dispositiv mitgeteilt (Prot. II S. 41 ff.). 

- 6 -

II. Prozessuales

1.

Gegenstand des Verfahrens

1.1.

Bindungswirkung des Rückweisungsentscheids

1.1.1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angele-

genheit  zur  neuen  Beurteilung  an  das  Berufungsgericht  zurück,  darf  sich  dieses 

von Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundes-

gericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das neue 

Urteil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem Rückwei-

sungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil aufhebt. Ent-

scheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des bundesge-

richtlichen Entscheids (BGE 150 IV 417 E. 2.4.1; 143 IV 214 E. 5.2.1). 

Die  neue  Entscheidung  der  kantonalen  Instanz  ist  somit  auf  diejenige  Thematik 

beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der 

neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als 

dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rech-

nung zu tragen (BGE 150 IV 417 E. 2.4.1; 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteile des Bundes-

gerichts 6B_216/2020 vom 1. November 2021 E. 1.3.1 [nicht publ. in BGE 148 IV 

66]; 6B_59/2020 vom 30. November 2020; je m.H.). Aufgrund der Bindungswirkung 

bundesgerichtlicher  Rückweisungsentscheide 

ist  es  dem  Berufungsgericht 

abgesehen  von  allenfalls  zulässigen  Noven  verwehrt,  der  Beurteilung  des 

Rechtsstreits  einen  anderen  als  den  bisherigen  Sachverhalt  zu  unterstellen oder 

die  Sache  unter 

rechtlichen  Gesichtspunkten 

zu  prüfen,  die 

im 

Rückweisungsentscheid ausdrücklich abgelehnt oder überhaupt nicht in Erwägung 

gezogen  worden  sind  (BGE  150  IV  417  E. 2.4.2;  143  IV  214  E. 5.3.3).  Diese 

Rechtsprechung beruht auf dem Gedanken, dass das Strafverfahren prinzipiell mit 

dem Urteil der (oberen) kantonalen Instanz abgeschlossen ist (BGE 117 IV 97 mit 

Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1216/2020 vom 11. April 2022 E. 1.3.3, 

6B_1431/2017 vom 31. Juli 2018 E. 1.3). Muss sich jedoch die Vorinstanz aufgrund 

des  Rückweisungsentscheids  nochmals  mit  der  Beweislage  befassen,  ist  eine 

neue, abweichende Beweiswürdigung durch die Berufungsinstanz ebenso zuläs-

- 7 -

sig, wie die Abnahme neuer Beweise, selbst wenn solche bereits in einem früheren 

Verfahrensstadium  hätten  erhoben  werden  können,  soweit  der  entsprechende 

Sachverhalt  mit  einer  Willkürrüge  vor  Bundesgericht  noch  angefochten  werden 

kann und demnach noch nicht verbindlich feststeht (BGE 143 IV 214 E. 5.3.2 und 

E. 5.4. a.E.).

Das Bundesgericht hob das Urteil des hiesigen Gerichts vom 26. Oktober 2021 im 

Schuldpunkt betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln, begangen gleichzei-

tig  mit  den  Tatvorwürfen  gegen  die  beiden  Mitbeschuldigten  (Dossier 1),  auf 

(Urk. 106 S. 3-19). In den weiteren Punkten betreffend den Anklagevorwurf der Ge-

hilfenschaft  zu  qualifizierter  grober  Verletzung  der  Verkehrsregeln  (Dossier 2) 

wurde die Beschwerde dagegen abgewiesen, soweit darauf einzutreten war (vgl. 

Urk. 106  S. 19-29).  Der  Gegenstand  des  vorliegenden  Berufungsverfahrens  be-

schränkt sich mithin nur noch auf den Tatvorwurf der groben Verletzung der Ver-

kehrsregeln  (Dossier 1),  die  Strafzumessung,  den  Vollzug,  beschlagnahmte  Ge-

genstände und auf die Kostenfolgen.

1.1.2. Die  Verteidigung  warf  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  vom  2. April 

2025  die  Frage  auf,  inwiefern  die  Videoaufnahme  in  Dossier 1  aufgrund  der  seit 

dem Urteil der hiesigen Kammer vom 26. Oktober 2021 eingetretenen Änderung 

der Rechtsprechung verwertet werden dürfe. Die vom Bundesgericht im Urteil vom 

5. Juni  2024  zitierten  Entscheide  betreffend  den  Begriff  "schwere  Straftat"  seien 

nicht nur lange nach der Tat, sondern auch nach dem angefochtenen Obergerichts-

entscheid ergangen, weshalb sich die Frage nach der lex mitior stelle. Die hiesige 

Kammer  habe  in  ihrem  Entscheid  vom  26. Oktober  2021  zutreffend  ausgeführt, 

dass einfache und grobe Verletzungen der Verkehrsregeln keine schweren Straf-

taten im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO darstellten. In der Folge habe es ziemlich 

lange gedauert, bis das Bundesgericht seine Entscheidung getroffen habe. In die-

ser  Zeit  habe  sich  die  Rechtslage  durch  die  höchstrichterliche  Rechtsfortbildung 

hinsichtlich der Bedeutung des Begriffs "schwere Straftat" geändert. Zwar betreffe 

Art. 141 Abs. 2 StPO die Strafprozessordnung und nicht das Strafgesetzbuch, je-

doch handle es sich bei der Frage, ob eine Straftat schwer sei, faktisch um eine 

materiellrechtliche,  also  strafrechtliche,  und  nicht  um  eine  verfahrensrechtliche 

- 8 -

Frage. Wäre die Frage nicht durch Richterrecht normiert, wäre sie im StGB zu re-

geln und nicht in der StPO. Es sei richterlich geschaffenes Strafrecht und als sol-

ches unterstehe es der lex mitior. Da das Rückwirkungsverbot von Gesetzesände-

rungen auch von Art. 6 und Art. 7 EMRK gedeckt sei, betreffe dieses sowohl formell 

im Zusammenhang mit prozessualen Vorschriften geänderte Bestimmungen und 

Praxisänderungen als auch solche, die im materiellen Recht kodifiziert seien. Für 

den Betroffenen wirke sich die Frage der schweren Straftat in materieller und nicht 

nur in prozessualer Hinsicht aus. Die Rückwirkung einer Änderung dieses Begriffs 

sei daher verboten, sofern die Änderung für den Betroffenen nachteilig sei (Urk. 113 

S. 4 ff.). 

Nach dem Grundsatz von Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach dem Strafgesetzbuch be-

urteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat. 

Gemäss  Abs. 2  derselben  Bestimmung  gelangt,  wenn  der  Täter  vor  Inkrafttreten 

des Gesetzes ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das neue Recht zur 

Anwendung, wenn es für den Täter das mildere ist. Sowohl das Rückwirkungsver-

bot als auch die Anwendung der lex mitior sind nach bundesgerichtlicher Recht-

sprechung auf Änderungen des materiellen Strafrechts beschränkt und finden auf 

Änderungen der Rechtsprechung keine Anwendung (BGE 117 IV 369 E. 15 = Pra 

81  [1992]  Nr. 220;  77  IV  7  E. 3  =  Pra  40  Nr. 27;  Urteil  des  Bundesgerichts  vom 

18. Januar 1983, veröffentlicht in Pra 72 [1983] Nr. 69 E. 2b; vgl. auch Urteil des 

Bundesstrafgerichts CA.2019.7 vom 28. Mai 2020 E. 1.1.4.6.2; POPP/BERKEMEIER, 

in:  Niggli/Wiprächtiger  [Hrsg.],  Basler  Kommentar,  Strafrecht,  4. Auflage  2019, 

Art. 2 N 14 m.w.H.). Betreffend das materielle Recht ist festzuhalten, dass der vor-

liegend relevante Art. 90 Abs. 2 SVG seit dem Tatvorwurf gemäss Dossier 1 nicht 

geändert wurde. 

Das  Strafprozessrecht  enthält  sodann  eigene  Übergangsbestimmungen,  wobei 

Art. 453 Abs. 2 StPO vorsieht, dass neues Recht anwendbar ist, wenn ein Verfah-

ren  von  der  Rechtsmittelinstanz  oder  vom  Bundesgericht  zur  neuen  Beurteilung 

zurückgewiesen  wird.  Somit  ist  grundsätzlich  das  im  Zeitpunkt  des  neuen  Beru-

fungsverfahrens nach dem Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts geltende 

Prozessrecht anwendbar. Im Übrigen ist mit Verweis auf die vorstehend wiederge-

- 9 -

gebene bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. E. II.1.1.1) festzuhalten, dass die 

mit der Neubeurteilung befasste kantonale Instanz im Falle eines Rückweisungs-

entscheids  ihrer  Entscheidung  die  rechtliche  Beurteilung  zugrunde  zu  legen  hat, 

mit der die Rückweisung begründet wird (BGE 150 IV 417 E. 2.4.2). Das Bundes-

gericht wies das hiesige Gericht mit Entscheid vom 5. Juni 2024 im Falle der Qua-

lifikation der Videoaufnahme als rechtswidrigen privaten Beweis mangels Einwilli-

gung an zu prüfen, ob eine Verwertbarkeit dennoch zu bejahen sei, weil die Straf-

behörden  die  Videoaufnahme  hypothetisch  rechtmässig  hätten  erlangen  können 

und die Schwere der im Raum stehenden Straftat ihre Verwertung rechtfertige. In 

diesem Zusammenhang verweist das Bundesgericht ausdrücklich auf seine aktu-

elle Rechtsprechung (Urk. 106 E. 1.12.2 S. 18 f.). 

Angesichts dieser verbindlichen Weisung des Bundesgerichts im Rückweisungs-

entscheid und mangels Einschlägigkeit des Rückwirkungsverbots und des Grund-

satzes der lex mitior im Hinblick auf Änderungen der Rechtsprechung ist die Ver-

wertbarkeit  der  Videoaufnahme  in  Dossier 1  nachfolgend  im  Lichte  der  aktuellen 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu prüfen.

1.2.

Teilrechtskraft

Um  eine  extensive  Wiederholung  des  aufgehobenen  Entscheids  zu  vermeiden, 

kann bezüglich der faktisch in Rechtskraft erwachsenen Teile des aufgehobenen 

Berufungsurteils  (Schuldpunkt  und  Strafzumessung  hinsichtlich  der  Einsatzstrafe 

wegen Gehilfenschaft zu qualifiziert grober Verletzung der Verkehrsregeln betref-

fend  Dossier 2  [vgl.  Urk. 106  E. 2  und  3  S. 19  ff.]  sowie  Kosten-  und  Entschädi-

gungsregelung hinsichtlich erstinstanzlichem Verfahren und erstem Berufungsver-

fahren) in sinngemässer Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die Erwägungen 

im aufgehobenen Entscheid verwiesen werden, mithin auf das Urteil der hiesigen 

Kammer des Obergerichts vom 26. Oktober 2021 (SB200394; Urk. 93), wobei der 

Übersicht  und  Systematik  halber  an  den  entsprechenden  Stellen  konkret  auf  die 

früheren Erwägungen zu verweisen ist. Die nicht kassierten Teile des aufgehobe-

nen  Urteils  sind  ins  neue  Urteilsdispositiv  zu  übernehmen  (Urteil  des  Bundesge-

richts 6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017 E. 3.2.1).

- 10 -

2.

Formelles

Auf die Argumente der Parteien ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen 

einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen 

Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es 

sich  auf  die  für  die  Entscheidfindung  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken 

(vgl. statt vieler: BGE 141 IV 249 E. 1.3.1, mit Hinweisen). 

3.

Verwertbarkeit der Beweismittel, insbesondere der Videoaufnahme

3.1.

Zentrales Beweismittel für die dem Beschuldigten und den Mitbeschuldig-

ten vorgeworfenen Tathandlungen stellt die vom Mitbeschuldigten B._____ erstellte 

Videoaufnahme  (Urk. 10/6  CD-Datenträger  FOR)  dar.  Die  einzigen  weiteren  Be-

weismittel, die Aussagen des Beschuldigten und der beiden Mitbeschuldigten, wur-

den im Urteil vom 26. Oktober 2021 nur insofern herangezogen, als dass dargelegt 

wurde, weshalb diese Aussagen den aus der Videoaufnahme gezogenen Schluss 

auf ein Beschleunigungsrennen und ein dabei erfolgtes grob verkehrsregelwidriges 

Fahrverhalten nicht umzustossen vermochten (vgl. Urk. 93 S. 26 ff.; Urk. 106 E. 1.2 

S. 4). Die Verwertbarkeit der Videoaufnahme wurde im Rahmen einer vorfragewei-

sen Beurteilung bejaht, in der das erkennende Gericht zum Ergebnis gelangte, es 

habe von Anfang an eine Einwilligung der Gefilmten in das Erstellen der Videoauf-

nahme vorgelegen, woraus folge, dass die Videoaufnahme ein rechtmässig erlang-

tes privates Beweismittel darstelle. Es handle sich weder um eine heimliche noch 

um  eine  rechtswidrige  Aufnahme,  weshalb  die  Videoaufnahme  rechtmässig  ent-

standen  und  im  Sinne  der  Rechtsprechung  uneingeschränkt  verwertbar  sei  (vgl. 

Urk. 93 S. 15-23; Urk. 106 E. 1.2. S. 4). Das Bundesgericht gelangte demgegen-

über zur Erkenntnis, dass der Beschuldigte A._____ und die Mitbeschuldigten die 

Einwilligungen in das Erstellen der Videoaufnahme im Rahmen unverwertbarer, da 

unter Verletzung der Teilnahmerechte erfolgter, Einvernahmen gaben, so dass die 

Verwertbarkeit der Videoaufnahme gestützt auf diesen Grund nicht angenommen 

werden dürfe (Urk. 106 E. 1.5 ff. S. 6 ff.). Auf die Erwägungen des Bundesgerichts 

ist zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen grundsätzlich zu verweisen. Absch-

liessend hielt das Bundesgericht fest, dass das erkennende Gericht im Rahmen der 

Neubeurteilung zu prüfen habe, ob sich eine strafprozessuale Verwertbarkeit der 

- 11 -

Videoaufnahme ohne die von den zwei Mitbeschuldigten an den delegierten poli-

zeilichen  und  den  staatsanwaltschaftlichen  Einvernahmen  gemachten  Aussagen 

begründen  lasse.  Für  die  Beurteilung  der  Frage,  ob  eine  zur  Verwertbarkeit  füh-

rende  Einwilligung  vorliegt,  werde  nebst  den  Aussagen  des  Beschuldigten  (nur 

noch)  auf  die  teilnahmerechtskonform  abgehaltenen  gerichtlichen  Einvernahmen 

der Mitbeschuldigten und allfällige korrekt durchgeführte neue Befragungen abge-

stellt werden können. Gegebenenfalls und jedenfalls dann, wenn sich eine Einwilli-

gung nicht nachweisen lasse und die Videoaufnahme daher als rechtswidrigen pri-

vaten Beweis qualifiziert werden sollte, werde das erkennende Gericht zu prüfen 

haben, ob eine Verwertbarkeit dennoch zu bejahen sei, weil die Strafbehörden die 

Videoaufnahme  hypothetisch  rechtmässig  hätten  erlangen  können  und  die 

Schwere  der  im  Raum  stehenden  Straftat  ihre  Verwertung  rechtfertige  (vgl. 

Urk. 106 E. 1.3.1 S. 4 ff.). Denn je nach den konkreten Umständen könne auch ein 

Vergehen wie die dem Beschuldigten angelastete grobe Verletzung der Verkehrs-

regeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG eine entsprechend schwere, eine Verwer-

tung rechtfertigende Straftat ausmachen (Urk. 106 E. 1.12.2 S. 19 mit Verweis auf 

BGE 147 IV 9 E. 1.4; zur groben Verletzung der Verkehrsregeln als schwere Straf-

tat, indes jeweils mit Bezug auf eine unzulässige staatliche Beweiserhebung: Ur-

teile  des  Bundesgerichts  7B_184/2022  vom  30. November  2023  E. 2.6; 

6B_821/2021 vom 6. September 2023 E. 1.5.4 ff. [nicht publ. in BGE 149 IV 369]).

3.2.

Die  Staatsanwaltschaft  hielt  im  Rahmen  der  Berufungsverhandlung  vom 

2. April 2025 hinsichtlich der Rechtmässigkeit der privaten Videoaufnahme fest, die 

Beteiligten des Beschleunigungswettbewerbs hätten von der Handyaufnahme von 

B._____ gewusst, da es völlig lebensfremd und unglaubwürdig sei, dass dieser – 

als hinterherfahrender Lenker – angeblich spontan und aus Liebe zu Autos wäh-

rend der Heimfahrt zum Handy greife und ohne Rücksprache mit der Aufzeichnung 

beginne. Dafür wirke die Aufkolonnierung von BMW und Porsche viel zu gestellt. 

Zudem würden die beiden Fahrzeuge im Bereich des Fussgängerstreifens wie auf 

"Achtung-Fertig-los" gleichzeitig anfahren und überdurchschnittlich stark beschleu-

nigen.  Dass  die  Filmsequenz  von  B._____  an  seinen  Bruder  A._____  geschickt 

worden  sei,  weise  ohne  vernünftige  Zweifel  darauf  hin,  dass  alle  Beteiligten  ge-

wusst und gebilligt hätten, dass gefilmt werde. Damit liege eine zumindest konklu-

- 12 -

dente  Einwilligung  sämtlicher  Beteiligter  vor  und  es  seien  keine  Persönlichkeits-

rechte verletzt worden. Die Videoaufnahme sei somit rechtmässig erlangt worden 

und daher ohne weiteres verwertbar. Angesichts der auf dem Spiel stehenden ge-

wichtigen Interessen der Verkehrssicherheit innerorts würde auch eine Interessen-

abwägung  für  deren  Verwertung  sprechen  (Urk. 112  S. 7  ff.;  vgl.  auch  Urk. 92 

S. 33). Selbst wenn für das Erstellen der Videoaufnahme durch B._____ keine aus-

drückliche  Einwilligung  der  vorausfahrenden  A._____  und  C._____  bestanden 

hätte, wäre diese ohne Einschränkungen verwertbar, da dieser private Beweis auf-

grund  der  abstrakten  Gesetzeslage  ohne  weiteres  rechtmässig  durch  die  Polizei 

hätte erlangt werden können. So wäre es aus Sicht der Staatsanwaltschaft durch-

aus realistisch, dass am Tatort zufällig eine mobile oder stationäre Geschwindig-

keitsmessung  hätte  durchgeführt  werden  können,  die  das  Geschehen  hätte  auf-

nehmen können. Durch eine öffentliche Lasermessung der Polizei wäre auch der 

ganze  Ablauf  gefilmt  worden,  inklusive  der  Beschleunigung  und  der  Dauer  der 

Fahrt. Anlass für eine Aufnahme wäre das verbotene Aufstellen für ein Beschleuni-

gungsrennen auf der Gegenfahrbahn gewesen. Die Polizei könne im Rahmen ihres 

generellen Auftrags im Strassenverkehr zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit 

inner- und ausserorts ohne bestimmten Anlass gestützt auf Art. 9 Abs. 2 und Abs. 3 

SKV, Art. 2 bis Art. 10 VSKV-ASTRA und die Weisungen des ASTRA jederzeit Ge-

schwindigkeitskontrollen  durchführen.  Die  im  Zusammenhang  mit  Geschwindig-

keitsüberschreitungen erfassten Messwerte seien nach Art. 9 VSKV zusammen mit 

der Verkehrssituation bildlich zu dokumentieren. Damit wäre es der Polizei am vor-

liegenden  Tatort  einer  öffentlichen  Strasse  ohne  weiteres  möglich  gewesen,  im 

Rahmen einer Geschwindigkeitskontrolle mit Video den angeklagten Sachverhalt 

rechtmässig zu dokumentieren und zum Beweis zu erheben, womit die Aufnahme 

hypothetisch  rechtmässig  erlangt  worden  wäre  (Urk. 112  S. 9  und  13;  vgl.  auch 

Urk. 92 S. 34).

3.3.

Die Verteidigung führte zur Frage der Verwertbarkeit der Videoaufnahme 

anlässlich der Berufungsverhandlung vom 2. April 2025 aus, es bestehe vorliegend 

kein öffentliches Interesse an der Aufklärung des Falles. Es sei kein Schaden ent-

standen und niemand betroffen. Der Öffentlichkeit gehe es genau gleich, bevor das 

Video auf dem Telefon gesichtet worden sei, wie nachdem es bekannt geworden 

- 13 -

sei. Ein Freispruch mangels Beweisen würde nicht zur Folge haben, dass andere 

Fahrer sich dadurch ermuntert fühlen würden, Anfahrtsrennen zu machen. Selbst 

eine  solch  generalpräventive  Wirkung  wäre  nicht  vom  Begriff  "Aufklärung"  und 

"Wahrheitsfindung" gedeckt. Vielmehr scheine es vorliegend um das Interesse der 

Öffentlichkeit an einer Bestrafung zu gehen. Dieses sei jedoch nicht von Art. 141 

Abs. 2 StPO gedeckt und somit kein Faktor bei der Abwägung. Es handle sich vor-

liegend um kein Verbrechen und hinsichtlich des geschützten Rechtsguts sei fest-

zuhalten,  dass  im  Falle  eines  Anfahrtsrennens  dieselben  Rechtsgüter  im  selben 

Ausmass betroffen wären wie bei einem Überholmanöver mit leicht erhöhter Ge-

schwindigkeit  während  extrem  kurzer  Zeit.  Falls  die  Darstellung  des  Gutachtens 

zutreffen  würde,  hätte  während  ca.  einer  Sekunde  höchstens  eine  leichte  Ge-

schwindigkeitsüberschreitung  stattgefunden.  Dadurch  seien  die  Rechtsgüter  des 

Verkehrsflusses und der Verkehrssicherheit – sofern dies überhaupt Rechtsgüter 

seien – nur sehr geringfügig gefährdet worden. Auch eine theoretische Gefahr für 

die körperliche Integrität anderer Verkehrsteilnehmer, die sichtbarerweise nicht dort 

gewesen seien, wäre nur sehr gering gewesen, da die Verhältnisse abgesehen von 

den  seitlich  parkierten  Autos  übersichtlich  gewesen  seien  und  die  Geschwindig-

keitsüberschreitung  –  wenn  überhaupt  –  lediglich  höchstens  rund  eine  Sekunde 

gedauert habe und nur eine sehr kurze Strecke von wenigen Metern beansprucht 

worden sei. Man habe sich zufällig getroffen und durch das Fenster verabredet, um 

die Ecke anzuhalten und zu reden. Es habe sich somit um ein spontanes Vorgehen, 

gänzlich ohne kriminelle Energie, gehandelt. Selbst wenn der Vorwurf des sponta-

nen Entschlusses eines Anfahrtsrennens stimmen würde, wäre die kriminelle Ener-

gie minim, da klar gewesen sei, dass man einige Meter weiter vorne abbiege und 

entsprechend sehr bald vom Gas müsse. Selbst wenn ein Anfahrtsrennen stattge-

funden hätte, wäre dies wohl aus einer Laune heraus spontan ohne jegliche Schä-

digungsabsicht und eigentlich auch ohne Motiv erfolgt. Es würde an einer Schädi-

gungs-  oder  Gefährdungsabsicht  fehlen  und  es  wäre  auch  kein  Eventualvorsatz 

vorhanden.  Infolgedessen  liege  nach  Berücksichtigung  aller  Faktoren  der  neuen 

Rechtsprechung keine schwere Straftat vor, weshalb das Video nicht als Beweis-

mittel verwendet werden dürfe (Urk. 112 S. 10 ff.). 

- 14 -

3.4.

Die Strafprozessordnung regelt nur die Erhebung von Beweisen durch die 

staatlichen Strafbehörden, äussert sich aber nicht ausdrücklich zum Umgang mit 

von  Privatpersonen  gesammelten  Beweismitteln.  Nach  der  Rechtsprechung  sind 

von Privaten rechtmässig erlangte  Beweismittel ohne Einschränkungen im Straf-

prozess verwertbar (BGE 147 IV 16 E. 1.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_68/2023 

vom 9. Oktober 2023 E. 2.1.2; 6B_1133/2021 vom 1. Februar 2023 E. 2.3.2 [nicht 

publ. in BGE 149 IV 153]; 6B_902/2019 vom 8. Januar 2020 E. 2.1.2; je mit Hin-

weisen). Von Privaten rechtswidrig erlangte Beweise sind dagegen nur verwertbar, 

wenn sie von den Strafverfolgungsbehörden rechtmässig hätten erhältlich gemacht 

werden können und kumulativ dazu eine Interessenabwägung für deren Verwer-

tung spricht. Bei der Interessenabwägung ist derselbe Massstab wie bei von den 

Strafbehörden rechtswidrig erhobenen Beweisen anzuwenden. Die Verwertung ist 

damit  nur  zulässig,  wenn  sie  im  Sinne  von  Art. 141  Abs. 2  StPO  zur  Aufklärung 

einer  schweren  Straftat  unerlässlich  ist  (vgl.  BGE 147 IV  16  E. 1.1;  147  IV  9 

E. 1.3.1; 146 IV 226 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_385/2024 vom 30. Sep-

tember  2024  E. 2.3  [zur  Publ.  vorgesehen];  6B_219/2022  vom  15. Mai  2024 

E. 1.3.1; je mit Hinweisen). Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher 

überwiegt das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse 

der beschuldigten Person daran, dass der fragliche Beweis unverwertet bleibt (BGE 

147 IV 9 E. 1.3.1; 146 I 11 E. 4.2; 143 IV 387 E. 4.4; je mit Hinweisen). Als schwere 

Straftaten im Sinne des Gesetzes fallen vorab Verbrechen in Betracht (BGE 147 IV 

9 E. 1.3.1; 146 I 11 E. 4.2; 137 I 218 E. 2.3.5.2; je mit Hinweisen). Für die Frage, 

ob eine schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO vorliegt, sind nicht ge-

nerell  gewisse  Tatbestände  und  deren  abstrakte  Strafandrohungen,  sondern  die 

gesamten  Umstände  des  konkreten  Falls  zu  berücksichtigen.  Entscheidend  ist 

nicht das abstrakt angedrohte Strafmass, sondern die Schwere der konkreten Tat 

(BGE 147 IV 16 E. 6; 147 IV 9 E. 1.4.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1298/2022 

vom  10. Juli  2023  E. 1.3.3  [zur  Publ.  vorgesehen]).  Dabei  kann  auf  Kriterien  wie 

das geschützte Rechtsgut, das Ausmass dessen Gefährdung resp. Verletzung, die 

Vorgehensweise  und  kriminelle  Energie  des  Täters  oder  das  Tatmotiv  abgestellt 

werden (BGE 147 IV 16 E. 7.2; 147 IV 9 E. 1.4.2 mit Hinweisen; Urteile des Bun-

desgerichts  7B_179/2022  vom  24. Oktober  2023  E. 3.3.2;  6B_821/2021  vom 

- 15 -

6. September 2023 E. 1.5.1; 6B_1298/2022 vom 10. Juli 2023 E. 1.3.3 [zur Publ. 

vorgesehen]; 6B_1133/2021 vom 1. Februar 2023 E. 1.5.1 [nicht publ. in BGE 149 

IV 153]). 

3.5.

Die Zulässigkeit von Aufnahmen im öffentlichen Raum beurteilt sich insbe-

sondere unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten. Ungeachtet des Inkrafttre-

tens  des  neuen,  totalrevidierten  Datenschutzgesetzes  vom  25. September  2020 

per 1. September 2023 (DSG; SR 235.1) ist vorliegend das bisherige Datenschutz-

gesetz vom 19. Juni 1992 (nachfolgend aDSG) anwendbar, das zum Zeitpunkt der 

Vornahme  der  vorgeworfenen  Handlung  und  des  Urteils  vom  26. Oktober  2021 

Geltung  hatte  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_219/2022 vom  15. Mai  2024 

E. 1.3.2 mit Hinweisen). Das Erstellen von Aufnahmen im öffentlichen Raum, auf 

denen Personen oder Autokennzeichen erkennbar sind, stellt ein Bearbeiten von 

Personendaten im Sinne von Art. 3 lit. a und lit. e aDSG dar (BGE 147 IV 9 E. 1.3.2; 

146 IV 226 E. 3.1; 138 II 346 E. 6.5; Urteile des Bundesgerichts 6B_68/2023 vom 

9. Oktober 2023 E. 2.1.2; 6B_810/2020 vom 14. September 2020 E. 2.6.2; je mit 

Hinweisen).  Gemäss  Art. 4  aDSG  hat  die  Bearbeitung  von  Personendaten  nach 

Treu und Glauben zu erfolgen und muss verhältnismässig sein (Abs. 2). Personen-

daten dürfen nur zu dem Zweck bearbeitet werden, der bei der Beschaffung ange-

geben  wurde,  aus  den  Umständen  ersichtlich  oder  gesetzlich  vorgesehen  ist 

(Abs. 3). Zudem müssen die Beschaffung von Personendaten und insbesondere 

der Zweck ihrer Bearbeitung für die betroffene Person erkennbar sein (Abs. 4). Die 

Missachtung  (eines)  dieser  Grundsätze  stellt  eine  Persönlichkeitsverletzung  dar 

(Art. 12  Abs. 2  lit. a  aDSG;  BGE 147 IV  9  E. 1.3.2;  146  IV  226  E. 3.1;  Urteil  des 

Bundesgerichts 6B_1133/2021 vom 1. Februar 2023 E. 2.3.2 [nicht publ. in BGE 

149 IV 153]). Von Privaten unter Verletzung von Art. 12 aDSG erlangte Beweismit-

tel  gelten  als  illegal  erhoben,  es  sei  denn,  es  liege  ein  Rechtfertigungsgrund  im 

Sinne  von  Art. 13  aDSG  vor  (BGE 147 IV  16  E. 2;  Urteile  des  Bundesgerichts 

6B_301/2022  vom  26. August  2022  E. 2.2.3;  6B_1362/2020  vom  20. Juni  2022 

E. 14.4.2). Wird die Rechtswidrigkeit durch einen entsprechenden Rechtfertigungs-

grund – die Einwilligung des Verletzten, ein überwiegendes privates oder öffentli-

ches Interesse oder das Gesetz (vgl. BGE 147 IV 16 E. 2.2) – aufgehoben, ist der 

Beweis uneingeschränkt verwertbar. 

- 16 -

Wie dargelegt, darf gemäss den für das erkennende Gericht verbindlichen Erwä-

gungen des Bundesgerichts zufolge Verletzung der Teilnahmerechte im Rahmen 

der Untersuchung nicht basierend auf den Aussagen der Mitbeschuldigten in den 

polizeilichen  und  staatsanwaltschaftlichen  Einvernahmen  eine  Einwilligung  in  die 

Erstellung  der  Videoaufnahme  angenommen  werden.  Der  Beschuldigte  selbst 

sagte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 24. September 2019 auf 

die Frage, wie die Aufnahme auf sein Mobiltelefon gekommen sei, er sei sich nicht 

ganz sicher. Sein Bruder B._____ habe sie ihm als Erinnerung geschickt, weil der 

Mitbeschuldigte C._____ ein neues Auto gehabt habe. Bei diesem zuhause hätten 

sie auch ein Foto als Erinnerung gemacht (Urk. 5/3 F/A 14). Dieser Aussage des 

Beschuldigten lässt sich entnehmen, dass er im Nachgang nichts gegen die von 

seinem  Bruder  erstellte  Videoaufnahme  einzuwenden  hatte,  insbesondere  da  er 

selbst kurze Zeit später den Geschwindigkeitsexzess von E._____ filmte (vgl. Dos-

sier 2).  Zwar  willigte  der  Beschuldigte  nicht  vorgängig  in  die  Erstellung  der  Vi-

deoaufnahme  ein,  er  erklärte  sich  jedoch  nachträglich  damit  einverstanden  bzw. 

genehmigte  diese  nachträglich,  womit  die  Videoaufnahme  rechtmässig  erlangt 

wurde und betreffend den Beschuldigten A._____ uneingeschränkt verwertbar ist. 

3.6. Wurde ein Beweismittel  rechtmässig erlangt, besteht grundsätzlich keine 

Veranlassung, eine Prüfung nach Art. 141 Abs. 2 StPO vorzunehmen. Dennoch ist 

darauf hinzuweisen, dass – selbst wenn mangels nachträglicher Genehmigung der 

Videoaufnahme durch den Beschuldigten von einem unrechtmässig erlangten Be-

weismittel  auszugehen  wäre  –  diese  Prüfung  nicht  zu  seinen  Gunsten  ausfallen 

würde.

3.6.1.

Im Rahmen der Hypothese der rechtmässigen staatlichen Erlangbarkeit il-

legaler privater Beweise findet nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein ab-

strakter  Massstab  Anwendung.  In  die  Hypothesenbildung  sind  entsprechend  nur 

solche gesetzlichen Erfordernisse einzubeziehen, die sich abstrakt anwenden las-

sen und keine Würdigung konkreter Umstände der Beweiserlangung erfordern. Zu 

prüfen  ist  demzufolge  stets,  ob  der  private  Beweis  im  zu  beurteilenden  Fall  auf-

grund der abstrakten Gesetzeslage hätte beschafft werden können, d.h. ob er vom 

gesetzlich vorgesehenen Beweisdispositiv umfasst und von keinen Einschränkun-

- 17 -

gen (wie etwa Beschlagnahmeverboten nach Art. 264 StPO oder dem Erfordernis 

der Katalogtat nach Art. 269 Abs. 2 StPO) betroffen ist. Das Vorliegen eines Tat-

verdachts  sowie  Verhältnismässigkeitsgesichtspunkte,  die  eine  Würdigung  der 

konkreten Umstände der Beweiserlangung im Einzelfall bedingen, sind hingegen 

nicht zu beurteilen. Entscheidend ist somit, ob die Beschaffung zulässig gewesen 

wäre, wenn der Tatverdacht bekannt gewesen wäre (Urteile des Bundesgerichts 

6B_385/2024 vom 30. September 2024 E. 2.6.2.1 und 2.6.2.4 [zur Publ. vorgese-

hen];  6B_68/2023  vom  9. Oktober  2023  E. 2.3;  6B_85/2021  vom  26. November 

2021 E. 7.4; 6B_1249/2019 vom 6. Mai 2020 E. 2.4.4; 6B_902/2019 vom 8. Januar 

2020 E. 1.4.1; je mit Hinweisen).

3.6.2. Unter  Hinweis  auf  die  vorstehend  wiedergegebene  bundesgerichtliche 

Rechtsprechung  ist  festzuhalten,  dass  es  nicht  darauf  ankommt,  ob  vor  der  von 

B._____ erstellten Videoaufnahme ein konkreter Tatverdacht bestanden hatte. Der 

angeklagte Tatvorwurf ereignete sich gemäss Anklagesachverhalt auf der F._____-

strasse, Verzweigung G._____-strasse, in H._____. An diesem allgemein zugäng-

lichen Ort hätten die Strafbehörden entsprechende Videoaufnahmen rechtmässig 

anfertigen können, wenn sie einen Tatverdacht gehabt hätten (vgl. Art. 282 Abs. 1 

StPO). Darüber hinaus sind im Strassenverkehr technische Überwachungsmass-

nahmen  seitens  der  Verkehrspolizei,  insbesondere  mittels  Videoüberwachungen 

durchaus verbreitet. Das ASTRA als Verordnungsgeber hat gestützt auf die Ver-

weisung in Art. 106 SVG mit der Strassenverkehrskontrollverordnung vom 22. Mai 

2008 (Art. 2-10 VSKV-ASTRA; SR 741.013.1) verbindliche Bestimmungen hierzu 

erlassen.  Die  Strafbehörden  hätten  folglich  die  Videoaufnahme  des  im  Anklage-

sachverhalt  betreffend  Dossier 1  geschilderten  Geschehens  auf  der  F._____-

strasse,  Verzweigung  G._____-strasse,  hypothetisch  rechtmässig  erlangen  kön-

nen.

3.6.3. Betreffend  die  Schwere  der  vorliegend  zu  beurteilenden  Straftat  und  die 

gesamten sie begleitenden Umstände ist unter dem Vorbehalt, dass sich das an-

geklagte Tatvorgehen erstellen lässt, festzuhalten, dass diese in der Art und Weise 

des Fahrens der drei Beteiligten liegt. Der Beschuldigte versperrte zusammen mit 

dem Mitbeschuldigten C._____ durch sein auf der Gegenfahrbahn gelenktes Fahr-

- 18 -

zeug den Durchgang für sämtlichen Verkehr auf der F._____-strasse sowohl in glei-

cher wie in entgegengesetzter Richtung und nahm dadurch eine erhöhte ab-strakte 

Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf, die – insbesondere aufgrund des 

Rechtsfahrgebots (Art. 34 Abs. 1 SVG) – nicht mit einer solchen Fahrweise (einem 

mit übersetzter Geschwindigkeit auf der falschen Fahrbahn entgegenkommenden 

Fahrzeug) rechnen mussten. So hätte ein die Fahrbahn überquerender Verkehrs-

teilnehmer beim Zurückblicken keine Gefahr gesehen, da sich diese von der ent-

gegengesetzten  Richtung  näherte.  Darüber  hinaus  beschleunigten  der  Beschul-

digte und der Mitbeschuldigte C._____ auf einer nicht richtungsgetrennten Quar-

tierstrasse nach langsamem Heranrollen an einen Fussgängerstreifen nebeneinan-

der,  wobei  der  Beschuldigte  trotz  leichten  Vorsprungs  des  Mitbeschuldigten 

C._____  nicht  abbremste  und  hinter  diesen  auf  die  Normalspur  einbog,  sondern 

über eine Strecke von rund 75 Metern neben dem Mitbeschuldigten C._____ auf 

der Gegenfahrbahn einer auf beiden Seiten von Bäumen, Parkplätzen, einem Trot-

toir  und  Wohnhäusern  gesäumten  Strasse  an  mehreren  Einmündungen,  zwei 

Fussgängerstreifen, parkierten Fahrzeugen und einer Bushaltestelle mit wartenden 

Personen vorbei weiter beschleunigte, sodass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 

einer Kollision gekommen wäre, wäre ein anderes Fahrzeug entgegengekommen 

oder ein Fussgänger von einmündenden Wegen, Hauseingängen oder vom Trottoir 

auf die Strasse getreten. Insbesondere auf Höhe der Bushaltestelle und den am 

Strassenrand  parkierten  Fahrzeugen  bestand  aufgrund  dieser  Beschleunigungs-

fahrt eine hohe und konkrete Unfallgefahr. Das Fahrverhalten des Beschuldigten 

ist  somit  –  unter  dem  Vorbehalt  der  erfolgten  Sachverhaltsfeststellung  –  als 

schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO einzustufen. Im Ergebnis er-

weist sich die Verwertung der von B._____ erstellten Videoaufnahme in Bezug auf 

den vorliegend zu beurteilenden Tatvorwurf folglich als zulässig.

III. Schuldpunkt Dossier 1 (F._____-strasse, H._____)

1.

Anklage

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  vom  28. Oktober  2019  wirft  dem  Be-

schuldigten  A._____  zu  Dossier 1  vor,  zu  einem  nicht  näher  bestimmbaren  Zeit-

- 19 -

punkt zwischen dem 25. Juli 2016 und dem 7. September 2016 auf der F._____-

strasse in H._____ auf der Höhe kurz vor der Verzweigung mit der G._____-strasse 

als Lenker des BMW 328i neben dem Mitbeschuldigten C._____, der einen Por-

sche 911  Turbo  lenkte,  mit  einer  Geschwindigkeit  von  8.4 km/h  hergefahren  zu 

sein, wobei C._____ die Normalspur und der Beschuldigte A._____ die Gegenfahr-

bahn in Fahrtrichtung I._____ befahren habe. Sie hätten konkludent den gemein-

samen Entschluss gefasst, gleichzeitig Gas zu geben. Auf der Höhe des dortigen 

ersten Fussgängerstreifens habe C._____ sein Fahrzeug mit einer Beschleunigung 

von durchschnittlich 6.4 m/s2 über eine Strecke von rund 75 Metern auf eine End-

geschwindigkeit von 63 km/h statt der dort erlaubten 50 km/h beschleunigt. Der Be-

schuldigte A._____ habe gleichzeitig sein Fahrzeug mit einer Beschleunigung von 

mindestens 6.6 m/s2 über dieselbe Strecke von rund 75 Metern auf der Gegenfahr-

bahn  auf  eine  Endgeschwindigkeit  von  64 km/h  beschleunigt,  wobei  C._____ 

schneller  gewesen  sei  und  sich  nach  rund  75  Metern  vor  den  Beschuldigten 

A._____ abgesetzt habe. Diese Fahrt auf der Gegenfahrbahn habe Letzterer trotz 

mehrerer  Zufahrten  links  und  rechts  der  F._____-strasse  Höhe  Liegenschaft 

Nr. 100, zweier Fussgängerstreifen, einer linksseitigen Bushaltestelle mit warten-

den  Fahrgästen  und  trotz  des  Umstandes,  dass  sein  Kontrahent  mit  mehr  als 

60 km/h neben ihm gefahren sei, unternommen. Die übrigen Verkehrsteilnehmer, 

namentlich die vortrittsberechtigten Fussgänger, welche ihre Aufmerksamkeit beim 

Betreten des Fussgängerstreifens zunächst dem von links nahenden Verkehr wid-

men,  hätten  nicht  mit  zwei  mit  63 km/h  resp.  64 km/h  nebeneinander  fahrenden 

Fahrzeugen auf der F._____-strasse rechnen müssen und es habe die Gefahr be-

standen, dass diese in Verkennung der erhöhten Geschwindigkeit der beiden Be-

schuldigten  ihr  Vortrittsrecht  geltend  machen  würden.  Angesichts  der  genannten 

gefahrenen Geschwindigkeiten und des gegenüber einem korrekt mit 50 km/h fah-

renden Fahrzeug um 10.6 Meter resp. 11.5 Meter verlängerten Anhalteweges hät-

ten der Beschuldigte A._____ und der Mitbeschuldigte C._____ eine erhöhte abs-

trakte Unfallgefahr geschaffen, die er zumindest in Kauf genommen habe. Dadurch 

habe er sich der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 

SVG  in  Verbindung  mit  Art. 32  Abs. 1  SVG,  Art. 33  Abs. 2  SVG,  Art. 34  Abs. 1 

Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV schuldig gemacht (Urk. 25 S. 3 und 5).

- 20 -

2.

Standpunkt des Beschuldigten

2.1.

Der Beschuldigte bestreitet die in der Anklage angegebenen Anfangs- und 

Endgeschwindigkeiten,  den  Umfang  der  Beschleunigung  und  die  vorgeworfene 

Strecke von 75 Metern, die er neben dem Beschuldigten C._____ gefahren sein 

soll. Mithin anerkennt er das Ergebnis des Gutachtens des Forensischen Instituts 

Zürich  (FOR)  über  die  Auswertung  der  Videoaufzeichnung  vom  23. April  2019 

(Urk. 10/6) nicht (Urk. 63 S. 4-11 und 13 f.; Urk. 88 S. 4 ff.; Urk. 92 S. 60; Urk. 113 

S. 12  f.).  Weiter  macht  der  Beschuldigte  geltend,  er  habe  sich  auf  der  Höhe  der 

Bushaltestelle mit den wartenden Personen bereits hinter den Porsche eingereiht 

gehabt und gebremst. Die Reduktion der Geschwindigkeit habe beim zweiten Fuss-

gängerstreifen begonnen, was man am Bremslicht sehe. Üblicherweise gehe man 

vom  Gas,  bevor  man  bremse,  weshalb  davon  auszugehen  sei,  dass  er  vor  dem 

Bremsen bereits mit der Wegnahme des Gases begonnen habe und daher auf der 

Höhe der Bushaltestelle 50 km/h nicht überschritten worden seien und wenn, dann 

nur  um  einige  wenige  Kilometer  pro  Stunde  (Urk. 63  S. 12  und  13).  Wegen  der 

Messungenauigkeit  sollten  bei  der  Berechnung  von  Geschwindigkeiten  aufgrund 

der Deduktion von Filmaufnahmen mehr als 10 % abgezogen werden. In einer 50er 

Zone sei selbst gestützt auf die Angaben des Gutachtens und der Anklageschrift 

bei einer Geschwindigkeit von 64 km/h keine grobe Verkehrsregelverletzung gege-

ben,  da  gemäss  Praxis  zwischen  56  und  74 km/h  Art. 90  Abs. 1  SVG  und  damit 

eine  einfache  Verkehrsregelverletzung  zur  Anwendung  gelange  (Urk. 63  S. 13; 

Urk. 88 S. 11 ff.). Anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung vom 2. April 2025 

wurde geltend gemacht, aufgrund des Filmmaterials und der kurzen Strecke sowie 

der verfügbaren Anhaltspunkte seien präzise und zuverlässige Geschwindigkeits- 

und Beschleunigungsangaben nicht möglich. Es werde von ungenauen Grundla-

gen ausgegangen und der Anschein erweckt, dass es sich um eine präzise Berech-

nung  handle.  Die  Grundannahmen  bzw.  die  Ausgangspunkte  der  Berechnung 

seien dermassen ungenau und die Strecke so kurz, dass sich schon sehr kleine 

Abweichungen bei den Annahmen wesentlich auf das Resultat auswirken würden. 

Wenn geltend gemacht werde, der übliche Ungenauigkeitsabzug bei Strassenmes-

sungen sei bei solchen Gutachten nicht notwendig, sei dies auch sachlich verfehlt 

(Urk. 113 S. 13). 

- 21 -

2.2.

Vom Beschuldigten sinngemäss bestritten werden alsdann die ihm in der 

Anklage vorgeworfenen subjektiven Tatumstände, insbesondere, dass es sich um 

ein Rennen zwischen ihm und C._____ gehandelt habe (Urk. 5/1 F/A 36; Urk. 63 

S. 12; Prot. I S. 15 f.; Urk. 92 S. 57 f. und S. 61). Die Strecke, die er auf der Gegen-

fahrbahn gefahren sei, sei sehr kurz und nicht länger als bei einem x-beliebigen 

Überholmanöver, wie es im Strassenverkehr gelegentlich vorkomme. Ausserdem 

habe kein Verbot bestanden, diese Strecke zu benutzen. Ein sportliches Anfahren 

unter 50 km/h sei nicht verboten und er habe keine erhöhte Unfallgefahr in Kauf 

genommen. Die ganze Situation sei nicht besonders unübersichtlich gewesen und 

es  sei  im  Sommer  wahrscheinlich  während  der  Schulferien,  sicher  aber  am  Wo-

chenende gewesen, denn der Porschefahrer fahre sein Auto nur am Wochenende. 

Die Situation habe sich nachmittags gegen ca. 14 oder 15 Uhr abgespielt, in einer 

Zeit, an der die beteiligten Fahrer also werktags arbeiten würden und keine erhöhte 

Gefahr beispielsweise für Schulkinder bestanden habe. Zudem hätten die Beteilig-

ten die Gegend gut gekannt, da zwei von ihnen dort um die Ecke gewohnt hätten 

(Urk. 63 S. 14; Urk. 92 S. 60). Anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung vom 

2. April 2025 wurde geltend gemacht, es gebe mannigfaltige theoretische Möglich-

keiten, weshalb man auf kurzer Strecke bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h 

oder leicht darüber beschleunigen könne. So könne es theoretisch sein, dass nach 

der Absprache, wonach man sich um die Ecke treffe, beide hätten einspuren wollen 

und jeder gedacht habe, er spure vor dem anderen ein, was dazu geführt habe, 

dass  es  einen  kurzen  Moment  der  fast  gleichzeitigen  Beschleunigung  gegeben 

habe, bis man gemerkt habe, dass der andere auch beschleunige und man dann 

vom Gas gegangen sei, um sich dahinter einzureihen. Auch könne es sein, dass 

man einfach etwas sportlich angefahren sei oder man das Motorengeräusch attrak-

tiv gefunden habe (Urk. 113 S. 13 f.). 

3.

Sachverhaltswürdigung

3.1.

3.1.1. Aus  der  von  B._____  mit  seinem  Handy  erstellten  Videoaufzeichnung 

(Urk. 10/6  CD-Datenträger  FOR,  kurz  10/6/CD)  ergibt  sich  in  Minuten  der  Auf-

nahme angegeben resp. gemäss den ebenfalls auf dieser CD gespeicherten Ein-

- 22 -

zelframes, was folgt: Zu Beginn der Aufnahme sind über dem oberen Teil des Lenk-

rads das Cockpit und die Motorhaube im Vordergrund auf einer mit Bäumen ge-

säumten Strasse ohne Leitlinie im Hintergrund (also vor dem Filmenden befindlich) 

links (auf der Gegenfahrbahn) ein schwarzer BMW und rechts daneben ein schwa-

rzer Porsche 911 zu sehen, die langsam, im Schritttempo auf einen Fussgänger-

streifen zu rollen, dort fast zum Stillstand kommen (00:00-00:03) und bei Erreichen 

des  Fussgängerstreifens  praktisch  gleichzeitig  voll  beschleunigen  (00:04)  und  – 

leicht versetzt – nebeneinander her fahren, bis der BMW die links an der Bushalte-

stelle zu sehenden Personen erreicht (00:08) und die Aufnahme abbricht (00:09). 

Aus der Aufnahme ergibt sich sodann im Detail, dass die Bremslichter des BMW 

bis  zum  Erreichen  des  ersten  Fussgängerstreifens  bis  00:01  aufleuchten  (siehe 

dazu auch Einzelframes IMG_0008.003-0008.060), dann nicht mehr und ab 00:02 

bis  00:03  erneut  aufleuchten  (siehe  dazu  auch  Einzelframes  IMG_0008.061-

0008.101), der Fahrer also die Bremse betätigt hat, und dann definitiv ablöschen, 

als der Fahrer beschleunigt (siehe dazu auch Einzelframes ab IMG_0008.102). Ein 

ähnliches Verhalten ist auch beim Porsche festzustellen: Er rollt ohne Aufleuchten 

der beiden hinteren Bremslichter und des dritten (mittleren) Bremslichts (bis 00:01) 

an den Fussgängerstreifen heran (siehe dazu auch Einzelframes IMG_0008.003-

0008.060), betätigt entsprechend dem Aufleuchten der Bremslichter dann bis 00:02 

die  Bremse  (siehe  dazu  auch  Einzelframes  IMG_0008.061-0008.079),  worauf  er 

sie wieder los lässt und dann bei ca. 00:04 voll beschleunigt. Auf Höhe des Endes 

der  Einmündung  der  G._____-strasse  befindet  sich  der  Porsche  bereits  mit  der 

Front  seines  Fahrzeuges  vor  dem  BMW  (00:05;  siehe  dazu  auch  Einzelframes 

IMG_0008.193 -0008.200) und diese Position (rechts vor dem BMW) behält er bis 

zum  Erreichen  der  an  der  Bushaltestelle  wartenden  Personen  (ca.  00:07;  siehe 

dazu auch Einzelframes IMG_0008.249-0008.259) und bis zum Abbruch der Film-

aufnahme (00:09) mittels Absenken des Handys und Grossaufnahme des Touren-

zählers (Einzelframe IMG_0008.272-0008.276) bei.

3.1.2. Die Videoaufnahme hält – was sich anhand der kurzen 9 Sekunden dau-

ernden Sequenz und den Einzelframes ergibt – ungefiltert und offensichtlich unbe-

arbeitet  fest,  wie  die  beiden  vor  dem  Aufnehmenden  fahrenden  Fahrzeuglenker 

beim ersten Fussgängerstreifen vor der Einmündung der G._____-strasse fast aus 

- 23 -

dem Stillstand dem Motorengeräusch und der zurückgelegten Wegstrecke entspre-

chend voll beschleunigen und versetzt nebeneinander bis auf Höhe der an der Bus-

haltestelle  wartenden  Personen  auf  einer  mit  Bäumen  gesäumten  Strasse  ohne 

Mittellinie fahren. Der Filmaufnahme kommt daher als Sachbeweismittel eine sehr 

hohe Beweiskraft zu. An der Authentizität bestehen keine Zweifel.

3.2.

3.2.1. Das  Forensische  Institut  Zürich  zeigt  in  seinem  Gutachten  vom  23. April 

2019  über  die  Auswertung  der  Videoaufzeichnung  (kurz:  Gutachten  FOR; 

Urk. 10/6) auf, wie die Fragestellung und der Auftrag der Staatsanwaltschaft laute-

ten und welche Unterlagen für die Untersuchung zur Verfügung standen (S. 2  f.). 

Die  angewendete  Untersuchungsmethode  der  schrittweisen  Betrachtung  von  Vi-

deos  in  Einzelframes,  der  Zuordnung  von  Fahrzeugen  zu  ortsfesten  Fixpunkten, 

die  Messung  der  dazwischen  zurückgelegten  Wegstrecke  in  Luftaufnahmen  aus 

geometrischen Informationssystemen oder vor Ort und die Berechnung der Durch-

schnittsgeschwindigkeit zwischen den Fixpunkten sowie die Berechnung der Zeit-

basis anhand der Videoaufzeichnungsfrequenz und der Zeitdauer pro Videoframe 

wird im Detail in einfacher und verständlicher Weise beschrieben (S. 3 f.). Sodann 

wird  erklärt,  dass  für  die  Bestimmung  der  Durchschnittsgeschwindigkeit  anhand 

ortsfester Fixpunkte die Videoframes resp. das Fahrzeug derart den ortsfesten Fix-

punkten zugeordnet würden, dass der gewählte Fixpunkt am Beginn der Auswer-

tesequenz vom Fahrzeug sicher noch nicht erreicht und am Ende der Auswertese-

quenz vom Fahrzeug sicher passiert war. Damit werde zugunsten eines Beschul-

digten einer bestimmten Strecke eine maximale Anzahl Videoframes resp. eine ma-

ximale  Zeitdauer  zugeordnet,  wobei  die  berechnete  Geschwindigkeit  auf 

ganze km/h abgerundet würde (S. 3). Derart eruierte Durchschnittsgeschwindigkei-

ten  zwischen  zwei  ortsfesten  Fixpunkten  seien  unter  Verweis  auf  Art. 7  VSKV-

ASTRA, Gutachten zu amtlichen Geschwindigkeits-Messungen resp. den dazuge-

hörigen Weisungen des ASTRA, als Mindestwert ohne weiteren Toleranzabzug zu 

verstehen. Das Gutachten hält fest, dass die auszuwertende Videosequenz 9.4 s 

resp. 282 Videoframes à 33.33 ms enthalte, die auf der CD ersichtlich seien. Die 

Zuordnungsmöglichkeiten der Fahrzeuge zu ortsfesten Fixpunkten hätten sich auf-

grund der kurzen Videosequenz und der Videoqualität auf die Fussgängerstreifen 

- 24 -

Nr. 1 und Nr. 2 vor und nach der Einmündung der G._____-strasse in die F._____-

strasse  beschränkt.  Das  habe  die  Bestimmung  der  Ausgangsgeschwindigkeiten, 

die Berechnung der durchschnittlichen Geschwindigkeit und Beschleunigungen so-

wie die Berechnung der Endgeschwindigkeiten beim zweiten Fussgängerstreifen 

für die beiden gefilmten Fahrzeuge ergeben (S. 4). Das Gutachten hält in der Folge 

detailliert und nachvollziehbar fest, dass der (sc. von A._____ gelenkte) BMW mit 

durchschnittlich 6.6 m/s2 beschleunigt und bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 

8.4 km/h am Ende der Auswertestrecke von 23.5 m (Distanz zwischen dem ersten 

und zweiten Fixpunkt, d.h. zwischen dem ersten und zweiten Fussgängerstreifen) 

in  einer  Zeitdauer  von  2.333 s  eine  Geschwindigkeit  von  64 km/h  erreicht  habe 

(S. 5, 6 f. und 8). Der (sc. von C._____ gelenkte) Porsche habe wenige Zehntelse-

kunden vor dem BMW mit durchschnittlich 6.4 m/s2 beschleunigt und bei gleicher 

Ausgangsgeschwindigkeit wie der BMW am Ende der Auswertestrecke von 23.5 m 

in einer Zeitdauer von 2.367 s eine Geschwindigkeit von 63 km/h erreicht (S. 6 f. 

und 8). Auf die Frage, wie die Geschwindigkeitsberechnung zu interpretieren sei, 

wenn der Porsche 911 mit 63 km/h langsamer als der BMW 328i mit 64 km/h un-

terwegs sei und dennoch am Ende der Fahrstrecke vorne liege (Urk. 10/7), erläu-

terte der für die Hauptsachbearbeitung zuständige Gutachter, dass die zur Verfü-

gung stehenden Methoden nur die Berechnung von durchschnittlichen resp. wäh-

rend der Auswertedauer konstanten (Hervorhebung hinzugefügt) Beschleunigun-

gen zulasse, die Beschleunigungen von Fahrzeugen jedoch nicht konstant seien 

und  zudem  die  Gaspedalstellung  in  nicht  rekonstruierbarer  Weise  variiere.  So 

könne  es  sein,  dass  der  Porsche  zunächst  stärker  und  dann  schwächer  als  der 

BMW beschleunigt und so einen Teil des Vorsprungs herausgeholt habe. Wie be-

reits im Gutachten erwähnt, erklärten sich die Gutachter den in der Videoaufnahme 

feststellbaren Vorsprung des Porsches am Ende der Auswertungsstrecke haupt-

sächlich mit dem bereits am Auswertebeginn sichtbaren Vorsprung und mit der et-

was früher einsetzenden Beschleunigung des Porsches (Urk. 10/8).

3.2.2. Das Gericht beurteilt die Schlüssigkeit eines Gutachtens frei (Art. 10 Abs. 2 

StPO) und ist nicht an den Befund oder die Stellungnahme des Sachverständigen 

gebunden. Es hat vielmehr zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel 

und der Parteivorbringen ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutach-

- 25 -

terlichen Darlegungen aufdrängen. Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gutach-

ten grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das Gericht in Fach-

fragen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen be-

gründen. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf 

die  gebotenen  zusätzlichen  Beweiserhebungen  kann  gegen  das  Verbot  willkürli-

cher Beweiswürdigung verstossen (Art. 9 BV; BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; 141 IV 305 

E. 6.6.1; 141 IV 369 E. 6.1; je mit Hinweisen).

3.2.3. Die  Expertise  des  Forensischen  Instituts  Zürich  wurde  gestützt  auf 

Art. 182 ff.  StPO  im  Auftrag  der  Staatsanwaltschaft  vom  Fachbereichsleiter  Un-

fälle/Technik,  dem  Sachverständigen  dipl.  Automobil.-Ing.  FH  J._____,  unter  der 

Hauptsachbearbeitung  von  Unfallanalytiker  und  dipl.  Automobil-Ing.  FH/HTL 

K._____  sowie  der  Kontrolle  durch  die  Leitende  Wissenschaftlerin  MSc 

Forens. Sci. L._____ erstellt und erläutert (Urk. 10/6 und 10/8). An der Fachkom-

petenz zu zweifeln, besteht keinerlei Anlass. Das Gutachten legt nachvollziehbar 

und schlüssig dar, welche Untersuchungen auf welcher Grundlage stattgefunden 

hatten und welche Kriterien wie gewichtet und berücksichtigt wurden. Dass die Be-

rechnungen  der  Beschleunigung  und  der  Geschwindigkeiten  den  Gesetzmässig-

keiten aus der klassischen Physik folgen (Urk. 10/6 S. 5), erscheint sachlich und 

logisch.  Die  Darlegungen  der  Gutachter  überzeugen  in  jeder  Hinsicht,  zumal  die 

Bestimmung der durchschnittlichen Geschwindigkeit der gefilmten Fahrzeuge an-

hand ortsfester Fixpunkte vorgenommen werden konnte. Wenn die Gutachter auf-

grund des Umstandes, dass der BMW winklig und im besseren Licht sichtbar war 

als der Porsche, die Zuordnung zu den ortsfesten Fixpunkten anhand des BMW 

vornahmen, weil er mit geringeren Toleranzen zugeordnet werden konnte als der 

Porsche (Urk. 10/8), ist dies nicht zu beanstanden und auf die ermittelte Ausgangs- 

und  Endgeschwindigkeit  des  BMW  sowie  die  Beschleunigung  mit  6.6 m/s2  kann 

ohne weiteres abgestellt werden. Dass sich die Zuordnung des Porsches aufgrund 

der Kameraposition schwieriger gestaltete und dort grössere Toleranzen zu berück-

sichtigen waren (Urk. 10/8), erscheint ebenfalls schlüssig und nachvollziehbar. Auf-

grund  der  Visionierung  der  Filmaufnahme  bestätigt  sich  die  Feststellung  im  Gut-

achten, wonach der BMW und der Porsche vor dem Beschleunigen praktisch gleich 

schnell (resp. langsam) fuhren, so dass die gutachterliche Feststellung, für den Por-

- 26 -

sche  sei  von  derselben  Ausgangsgeschwindigkeit  auszugehen  (Urk. 10/6  S. 6), 

plausibel und vertretbar erscheint und letztlich überzeugt. Die im Gutachten aufge-

zeigten  Berechnungen  der  durchschnittlichen  Beschleunigung  und  der  Endge-

schwindigkeit  des  Porsches  sind  vor  dem  Hintergrund  der  physikalischen  Gege-

benheiten als logisch und mathematisch korrekt zu beurteilen. Dass für den Por-

sche eine minimal kleinere Endgeschwindigkeit als für den BMW (63 statt 64 km/h) 

resultiert, erklären die Gutachter ebenfalls schlüssig mit dem bereits am Auswerte-

beginn sichtbaren Vorsprung des Porsches gegenüber dem BMW und der etwas 

früher einsetzenden Beschleunigung (Urk. 10/6 S. 6 und 10/8). Auf die vom FOR 

ermittelten Werte bezüglich Ausgangs- und Endgeschwindigkeit sowie Beschleuni-

gung in Bezug auf die Auswertestrecke von 23.5 m zwischen den ortsfesten Fix-

punkten kann somit zweifelsfrei abgestellt werden. Weiter ist festzuhalten, dass die 

durchschnittliche Beschleunigung des vom Beschuldigten A._____ gelenkten BMW 

von  6.6 m/s2  gemäss  Gutachten  im  Bereich  der  maximal  möglichen  Beschleuni-

gung  im  eruierten  Geschwindigkeitsintervall  lag  (Urk. 10/6  S. 6)  und  auch  die 

durchschnittliche  Beschleunigung  des  Porsches  mit  6.4  m/s2  vom  Gutachter  als 

aussergewöhnlich  hoch  beurteilt  wird,  wobei  diese  aber  noch  klar  unterhalb  der 

maximal möglichen Beschleunigung des Porsches lag (Urk. 10/6 S. 7). Auch an der 

Feststellung  im  Gutachten,  wonach  an  der  Stelle,  wo  ein  aus  der  zulässigen 

Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h bremsendes Fahrzeug zum Stillstand komme, 

ein mit denselben Parametern aus einer Geschwindigkeit von 64 km/h bremsendes 

Fahrzeug noch 11.5 m bis zum Stillstand zurücklegen resp. ein solches aus einer 

Geschwindigkeit von 63 km/h bremsendes Fahrzeug noch weitere 10.6 m zurück-

legen  würde,  sind  nachvollziehbar  dargelegt  (Urk. 10/6  S. 7).  Auch  auf  diese 

Schlussfolgerungen der Gutachter kann somit abgestellt werden.

3.2.4. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass das ASTRA als Verordnungsge-

ber gestützt auf die Verweisung in Art. 106 SVG mit der Strassenverkehrskontroll-

verordnung vom 22. Mai 2008 (VSKV-ASTRA; SR 741.013.1) verbindliche Bestim-

mungen erlassen hat, welche insbesondere Geschwindigkeitskontrollen im Stras-

senverkehr  bezüglich  der  zulässigen  Messsysteme,  den  Anforderungen  an  das 

Kontroll-  und  Auswertungspersonal  sowie  die  durch  Messsysteme  festgestellten 

Widerhandlungen  regeln  (Art. 2-5).  Entsprechend  der  Anordnung,  dass  in  erster 

- 27 -

Linie  Geschwindigkeitsmessungen  mit  den  in  Art. 6  VSKV-ASTRA  aufgeführten 

verschiedenen Messmethoden durchgeführt werden sollen, werden die bei solchen 

Messungen  vorzunehmenden  Sicherheitsabzüge  in  Art. 8  VSKV-ASTRA  festge-

legt.  Allerdings  wird  bereits  durch  den  Wortlaut  in  Art. 7  VSKV-ASTRA  ("kann") 

deutlich, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen auch anders als mit den aufge-

führten Messsystemen und nicht anlässlich einer Verkehrskontrolle festgestellt wer-

den können. Entsprechend hält Ziffer 21 der Weisungen des ASTRA über polizeili-

che Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung im Strassenverkehr vom 

22. Mai 2008 fest, dass die Ermittlung der Geschwindigkeit durch Fachexpertisen 

(z.B. bei der Abklärung von Unfällen oder Widerhandlungen im Strassenverkehr) 

und die freie Beweiswürdigung durch die Gerichte von den vorliegenden Weisun-

gen unberührt bleiben (Abs. 3) und die in der Fachexpertise ermittelte Geschwin-

digkeit bzw. die allenfalls zu berücksichtigenden Sicherheitsabzüge abschliessend 

sind, d. h. dass die nachträgliche zusätzliche Anwendung der in der VSKV festge-

legten Sicherheitswerte nicht zulässig ist (Abs. 4). Im Gutachten wird ausdrücklich 

auf den Umstand hingewiesen, dass und weshalb im vorliegenden Fall kein Sicher-

heitsabzug von der festgestellten Geschwindigkeit vorzunehmen ist. Vor dem Hin-

tergrund der aufgeführten Rechtslage erscheint dies zum einen korrekt und zum 

anderen  aufgrund  der  angewandten  Untersuchungsmethode  auch  überzeugend. 

Es besteht daher keinerlei Anlass, davon auszugehen, dass der Gutachter gesetz-

lich vorgeschriebene Toleranzabzüge nicht vorgenommen hätte, wenn solche an-

wendbar gewesen wären. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der Gutachter stets 

Annahmen zu Gunsten der Beschuldigten respektive einer geringstmöglichen Ge-

schwindigkeit getroffen und die berechnete Geschwindigkeit schliesslich noch ab-

gerundet hat. Für die Urteilsfindung ist daher uneingeschränkt auf die Ergebnisse 

des Gutachtens FOR abzustellen (Urk. 93 S. 32 f.). Daran vermag auch die Kritik 

der  Verteidigung  am  Gutachten  nichts  zu  ändern  (Urk. 88  S. 4  f.  und  S. 12  ff.; 

Urk. 113 S. 13 f.). Ihre Beweisanträge beziehen sich sodann nicht auf die Qualität 

des Gutachtens, sondern fordern den Gutachter dazu auf, (weitere) Annahmen zu 

treffen (vgl. Urk. 39), welche jedoch auf den Hypothesen der Verteidigung beruhen 

und nicht mit dem auf der Videoaufnahme ersichtlichen Geschehen und dem vom 

Gericht erstellten Sachverhalt übereinstimmen (vgl. nachfolgend E. 3.3). Die Vor-

- 28 -

bringen der Verteidigung zeigen somit die eigene Sichtweise des Beschuldigten auf 

und vermögen die Schlüssigkeit des Gutachtens nicht zu erschüttern. Demzufolge 

ist  auf  die  Vorbringen  der  Verteidigung  nicht  weiter  einzugehen  und  kein  Ergän-

zungsgutachten einzuholen. 

3.3.

Bereits  die  einfache  Betrachtung  der  Filmaufnahme  ergibt  ohne  Zweifel, 

dass die beiden Lenker – ohne ersichtliche Absprache aber offensichtlich auf Ver-

abredung hin – den ersten Fussgängerstreifen als Startpunkt für die gleichzeitige 

Beschleunigung  ihrer  Fahrzeuge  abgemacht  haben,  da  sie  augenscheinlich  be-

müht  sind,  dort  gleichzeitig  und  im  Schritttempo  anzukommen,  was  sich  daraus 

ergibt,  dass  der  BMW-Fahrer  schon  mit  gebremstem  Tempo  darauf  zuhält,  aber 

auch der Porschefahrer beim Erreichen des Fussgängerstreifens noch bremst, be-

vor sie dann beide – wiederum ohne erkennbares Zeichen – gleichzeitig entspre-

chend den Motorengeräuschen und wie ersichtlich voll beschleunigen, wobei der 

BMW hinter dem Porsche zurückbleibt, da er – wie sich aus dem Video und noch 

genauer aus den Einzelframes ergibt – länger auf der Bremse geblieben ist als der 

Porschefahrer. Mit letzter Deutlichkeit belegen die Einzelframes wie oben darge-

stellt, dass es weder Zufall war, dass beide gleichzeitig beim ersten Fussgänger-

streifen bremsten und dann voll beschleunigten, noch dass es einfach darum ging, 

irgendetwas wegen eines nachfolgenden Essens bzw. Treffens abzumachen, denn 

dann  wäre  ein  "Extrahalt"  beim  ersten  Fussgängerstreifen  nicht  nötig  gewesen. 

Ausserdem  wäre  in  einem  solchen  Fall  zu  erwarten,  dass  sich  der  Lenker  des 

schwarzen BMW, A._____, nach der Abmachung des Treffpunkts hinter den sich 

bereits  Ende  der  Einmündung  klar  vor  ihm  befindenden  von  C._____  gelenkten 

Porsche auf der rechten und korrekten Fahrspur eingereiht hätte. Das tat er jedoch 

nicht, wie sich zweifelsfrei aus dem Video ergibt, und er behielt stattdessen seine 

Fahrt auf der Gegenfahrbahn noch mindestens bis zur Höhe der Bushaltestelle mit 

den  wartenden  Personen  bei.  Die  Aussagen  des  Beschuldigten  A._____  vor 

Vorinstanz,  wonach  er  auch  schnell  beschleunigt  habe,  "nachdem"  C._____  ge-

gangen sei, und er nach Letzterem auch schnell beschleunigt habe, um einzuspu-

ren, d.h. "um auf die rechte Spur zu gehen" und um "einfach weg von der linken 

Spur" zu kommen (Prot. I S. 15 f.), was er so anlässlich der ersten Berufungsver-

handlung erneut zu Protokoll gab (Urk. 92 S. 22), schildern nicht das tatsächliche 

- 29 -

Geschehen. Weiter sagte der Beschuldigte A._____ aus, er habe "nicht gleichzei-

tig" mit C._____ beschleunigt (Urk. 5/3 S. 5 und 15; Prot. I S. 17). Als sie gesagt 

hätten, dass sie sich dort treffen würden und C._____ dann losgefahren sei, sei er 

"nach ihm losgefahren" und auf die Frage, ob er die Fussgänger auf dem Trottoir 

auf der linken Seite gesehen habe, antwortete er "als ich rechts war schon, ja" (Prot. 

I  S. 7).  Auch  diese  Aussagen  erweisen  sich  gestützt  auf  die  Videoaufnahme 

schlicht als falsch, auch betreffend die Position des Beschuldigten A._____ in Be-

zug auf die wartenden Personen, denn diese erreichte er noch auf der linken Seite 

und damit auf der Gegenfahrbahn fahrend. Seine diesbezüglichen Aussagen sind 

als  reine  Bestreitungen  ohne  jeden  Realitätsbezug  zu  qualifizieren.  Auf  sie  kann 

nicht abgestellt werden. Ebenso wenig kann auf die Aussagen von C._____ abge-

stellt werden, der in klarem Widerspruch zur Videoaufnahme – insbesondere dem 

Umstand, dass er unmittelbar vor dem Beschleunigen und auf gleicher Höhe mit 

dem BMW beim ersten Fussgängerstreifen noch bremste – vor Vor-instanz ange-

geben  hatte,  er  habe  hundertprozentig  nicht  gleichzeitig  mit  dem  Beschuldigten 

A._____ beschleunigt (Prot. I S. 23), wenngleich er auch anlässlich der ersten Be-

rufungsverhandlung an dieser Darstellung festhielt (Urk. 92 S. 43). Durch das Auf-

stellen der Fahrzeuge von A._____ und C._____ nebeneinander auf der gesamten 

Breite  der  Fahrbahn  und  der  Positionierung  von  B._____  dahinter  mitten  in  der 

Fahrbahn wurde der Verkehr massiv behindert, da ein regelkonformes Passieren 

der  Autos  weder  für  nachfolgenden  noch  entgegenkommenden  Verkehr  möglich 

war,  und  zwar  auf  der  gesamten  Länge,  auf  welcher  beide  Fahrzeuglenker  ihre 

Autos beschleunigten. Aus der Videoaufnahme sowie aus dem Gutachten FOR er-

gibt  sich  ohne  unüberwindbare  Zweifel,  dass  die  Beschuldigten  A._____  und 

C._____ als Lenker des BMW resp. des Porsches aus einer Geschwindigkeit im 

Schritttempo (8.4 km/h) beim ersten Fussgängerstreifen unmittelbar vor der nicht 

vortrittsberechtigten  Einmündung  der  G._____-strasse  in  die  F._____-strasse  ei-

nen  Beschleunigungswettbewerb  begonnen  haben,  der  sich  gestützt  auf  die  Vi-

deoaufnahme mindestens über einen zweiten Fussgängerstreifen und an der Bus-

haltestelle mit wartenden Personen und dem dortigen (dritten) Fussgängerstreifen 

vorbei  über  eine  Distanz  in  der  Grössenordnung  von  etwa  80 Metern  erstreckte 

(Urk. 10/6  S. 4  und  Beilage  [Orthofoto]).  Aus  der  Aussage  des  Beschuldigten 

- 30 -

C._____ anlässlich der ersten Berufungsverhandlung ergibt sich indessen, dass sie 

bis zur Einmündung in die M._____-strasse noch so weiter gefahren sind (Urk. 92 

S. 39). Auch vor Vorinstanz sagte er aus, wenn das Video noch ein oder zwei Se-

kunden länger gegangen wäre, dann würde man sehen, wie er und der Beschul-

digte  A._____  abbremsen,  weil  sie  ziemlich  sicher  dort  rechts  abgebogen  seien 

(Prot. I S. 24), was sich mit der Aussage des Beschuldigten A._____ deckt, wonach 

sie sich nachher in der M._____-strasse treffen wollten (Prot. I S. 15; Urk. 92 S. 21 

f., 25 und 28), und wofür C._____ zum Beweis das entsprechende Foto eingereicht 

hat (Foto 2, Beilage zu Urk. 6/2). Daraus und gestützt auf die Videoaufnahme, auf 

welcher  zu  sehen  ist,  dass  sowohl  A._____  als  auch  C._____  zuletzt  noch  ihre 

Positionen versetzt nebeneinander eingenommen hatten und dort keine Bremslich-

ter aufleuchteten (Urk. 10/6/CD Einzelframe IMG_0008.271) sowie dass der Tou-

renzähler des von B._____ gelenkten BMW gemäss Einzelframes IMG_0008.272 

bis  IMG_0008.282  von  da  an  noch  von  ca.  3'400 Umdrehungen  pro  Minute  auf 

ca. 3'600/3'700 Umdrehungen  pro  Minute  steigt  (Urk. 10/6/CD),  lässt  sich  der 

Schluss ziehen, dass die beiden Fahrzeuglenker bei Absenken des Handys auf den 

Tourenzähler des BMW 530d xDrive T des Beschuldigten B._____ nochmals bzw. 

weiterhin beschleunigten und erst vor der Verzweigung M._____-strasse ihre Fahr-

zeuge abbremsten. Damit ist die angeklagte Distanz von 75 Metern, über welche 

sich der Beschleunigungswettbewerb erstreckte, in jedem Fall erstellt. Dieser fand 

unbestritten an einem sonnigen Tag (Urk. 4/1 [Fotobogen]; Urk. 10/6/CD) statt, wo-

bei zugunsten der Beschuldigten von einem Wochenende auszugehen ist, da sie 

werktags gearbeitet hätten (Urk. 63 S. 14) und es sich aufgrund ihrer diesbezüglich 

übereinstimmenden  Angaben  um  einen  Sonntagnachmittag  gehandelt  haben 

musste (Urk. 7/1 S. 4; 7/2 S. 7 [B._____]; Urk. 6/1 S. 7 [C._____]). Dieser Sonntag 

muss gestützt auf die übereinstimmenden Zeiträume, wann die involvierten Fahr-

zeuge  eingelöst  bzw.  in  Verkehr  gesetzt  waren,  auf  die  Daten  zwischen  dem 

25. Juli 2016 und dem 7. September 2016 eingegrenzt werden (Urk. 1 S. 4; Urk. 3 

S. 2). Der angeklagte Sachverhalt ist somit als erstellt der rechtlichen Würdigung 

zugrunde zu legen.

- 31 -

4.

Rechtliche Würdigung

4.1.

Hinsichtlich  der  rechtlichen  Grundlagen  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die Ausführungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen 

werden (Urk. 93 S. 36 ff.).

4.2.

4.2.1. Vorliegend  fand  der  Beschleunigungswettbewerb  zwischen  A._____  und 

C._____ innerorts auf einer nicht richtungsgetrennten, mit mehreren Fussgänger-

streifen  und  auf  beiden  Seiten  mit  einem  Radstreifen  markierten  Quartierstrasse 

statt, die zum einen auf beiden Seiten von Bäumen, einem Trottoir und Wohnhäu-

sern gesäumt war und zum anderen nebst der G._____-strasse Einmündungen von 

Wegen und (in Fahrtrichtung M._____-strasse auf der rechten Seite) auch Park-

plätze aufwies, die unmittelbar seitlich an die Fahrbahn grenzen (Urk. 4/1 S. 1, 7 

und 8; Urk. 10/6/CD). Unbestrittenermassen und wie mittels Videoaufnahme doku-

mentiert, hielten sich an der in Fahrtrichtung linker Seite befindenden Bushaltestelle 

zwei Personen stehend auf dem Trottoir und eine im Wartehäuschen sitzende Per-

son auf (Urk. 10/6/CD und Einzelframes IMG_0008.267). In Anbetracht dieser kon-

kreten Umstände lag der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verlet-

zung von Personen nahe, zumal angesichts des bebauten Wohngebietes und der 

Tageszeit  jederzeit  mit  Fussgängern,  Velofahrern  und  anderen  Verkehrsteilneh-

mern  zu  rechnen  war,  die  von  den  einmündenden  Häusern  und  Wegen  auf  die 

F._____-strasse einbiegen oder diese auf den Fussgängerstreifen unvermittelt be-

treten könnten. Wegen der auf den genannten Parkplätzen abgestellten Autos und 

der Bäume, welche die Sicht auf das angrenzende Trottoir und die einmündenden 

Wege  teilweise  verdeckten,  ist  –  entgegen  der  Auffassung  der  Verteidigung 

(Urk. 88 S. 17; Urk. 113 S. 11) – trotz geradliniger Strassenführung nicht von einer 

uneingeschränkt übersichtlichen Situation auszugehen. Entsprechend musste der 

Beschuldigte mit dem Auftreten anderer Verkehrsteilnehmer rechnen, nachdem er 

weder Einsicht in den von der G._____-strasse herannahenden Verkehr hatte noch 

voraussehen konnte, ob sich andere Verkehrsteilnehmer von dem angrenzenden 

Gebiet rund um den G._____- näherten. Diese Verkehrsteilnehmer mussten jedoch 

ihrerseits nicht davon ausgehen, dass ein Fahrzeug mit übersetzter Geschwindig-

- 32 -

keit und auf der Gegenfahrbahn herannaht, bzw. dass die Fahrbahn von zwei ne-

beneinander herfahrenden Fahrzeugen praktisch blockiert ist. Damit bestand in An-

betracht der konkreten Strassensituation nicht nur eine theoretische abstrakte, son-

dern aufgrund der konkreten Umstände eine erhöhte abstrakte Gefährdung der üb-

rigen Verkehrsteilnehmer einerseits durch die Überschreitung der Höchstgeschwin-

digkeit um 14 km/h und andererseits durch das krass regelwidrige Verhalten sei-

tens des Beschuldigten A._____, der die Gegenfahrbahn nicht zum Überholen und 

nur für die dafür notwendige Zeit benützte, sondern um gleichzeitig mit C._____ die 

Beschleunigung  seines  Fahrzeugs  mit  derjenigen  des  Porsches  von  C._____  zu 

messen und die beiden Fahrzeuge nebeneinander her auf der F._____-strasse zu 

lenken.  Zu  diesem  Zwecke  benützten  die  beiden  Fahrzeuglenker  die  gesamte 

Breite  der  Strasse.  Dabei  verletzte  der  Beschuldigte  A._____  mehrere  grundle-

gende und wesentliche zum Schutze anderer Verkehrsteilnehmer erlassene Ver-

kehrsvorschriften: Er fuhr auf der Gegenfahrbahn, statt rechts auf seiner Fahrbahn-

hälfte zu fahren (Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG), er passte seine Geschwindigkeit we-

der der Höchstgeschwindigkeit an (Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV) noch den sich unmit-

telbar vor ihm befindenden Fussgängerstreifen, die ihn besonders zu vorsichtiger 

Fahrweise verpflichteten (Art. 33 Abs. 2 SVG), und richtete seine Geschwindigkeit 

ebenso wenig nach den konkreten Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 SVG). Soweit 

der Beschuldigte A._____ sinngemäss geltend machen wollte, die Gefahrensitua-

tion sei angesichts von möglichen Sommerferien nicht so hoch gewesen, ist dem 

entgegen zu halten, dass das von ihm und den Mitbeschuldigten geschaffene Ri-

siko der konkreten Gefährdung von sich im Zeitpunkt des Vorfalls im Bereich des 

Beschleunigungswettbewerbs aufhaltenden Verkehrsteilnehmern unabhängig von 

Schulferien als hoch zu beurteilen ist, da tagsüber immer auch mit Kindern zu rech-

nen ist, welche sich im Quartier bewegen. Das Vorliegen aussergewöhnlicher Um-

stände im Sinne der oben zitierten Rechtsprechung ist zu verneinen. Dass vorlie-

gend kein Kind auf die Strasse gerannt und kein Velofahrer oder Automobilist auf 

die F._____-strasse eingebogen ist, vermag den Beschuldigten nicht zu entlasten, 

zumal  der  Tatbestand  keine  konkrete  Gefahr  verlangt.  Diese  Umstände  stellen 

letztlich einzig eine glückliche Fügung dar. Der Beschuldigte hat durch seine Fahr-

weise zweifellos den Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt. 

- 33 -

4.2.2. Die  grobe  Verkehrsregelverletzung  des  Beschuldigten  A._____  ist  aber 

auch  in  subjektiver  Hinsicht  als  rücksichtslos  zu  werten.  Aufgrund  der  erstellten, 

wenn  auch  eventuell  spontan  erfolgten,  Absprache,  ab  dem  ersten  Fussgänger-

streifen  gleichzeitig  mit  C._____  voll  zu  beschleunigen,  ist  zumindest  von  einer 

eventualvorsätzlichen Geschwindigkeitsüberschreitung auszugehen. Bei den wei-

teren Verkehrsregelverletzungen durch das Beschleunigungsrennen ist gar Vorsatz 

anzunehmen, da sich der Beschuldigte A._____ von Anfang an auf der Gegenfahr-

bahn positionierte, um den Wettbewerb zu starten. Da alle Beteiligten, so auch der 

Beschuldigte A._____, den Ort des Geschehens bestens kannten, wusste er um 

die  Parkfelder  sowie  die  einmündenden  Wege  und  Strassen.  Der  Beschuldigte 

A._____ räumte denn auch selber ein, dass er die Gefahr dort – gemeint im Allge-

meinen – schon sehe (Urk. 5/1 F/A 24). Im konkreten Fall verneint er jedoch eine 

grosse Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer geschaffen zu haben, weil 

er nicht zu schnell gefahren sei, bzw. weil er nur auf 50 km/h habe beschleunigen 

wollen  (Urk. 5/1  F/A 29  und  34;  Urk. 5/3  F/A 22  f.),  resp.  weil  er  zuvor  geschaut 

habe,  ob  ein  Auto  komme  und  da  keines  gekommen  sei,  sei  er  neben  ihm  (sc. 

C._____) und auf der Gegenfahrbahn gefahren (Urk. 5/1 F/A 36 f.; Urk. 5/3 F/A 31). 

Die Angabe des Beschuldigten erhellt, dass er rücksichtslos die Interessen anderer 

Verkehrsteilnehmer nicht bedacht hatte. Es wird ihm kein direkter Gefährdungsvor-

satz unterstellt, jedoch die Inkaufnahme der Erfüllung des Tatbestands. Besondere 

Umstände,  die  sein  Verhalten  subjektiv  ausnahmsweise  in  einem  milderen  Licht 

erscheinen liessen, sind nicht ersichtlich. Verkehrsregeln sind im Bereich ihrer Gül-

tigkeit  resp.  Signalisation  einzuhalten.  Diese  waren  dem  Beschuldigten  bekannt, 

jedoch hat er sie nach eigenem Gutdünken für sich als nicht relevant erachtet. Da-

mit hat sich der Beschuldigte ohne Zweifel rücksichtslos gegenüber den Interessen 

der anderen Verkehrsteilnehmer verhalten, zu deren Schutz die entsprechenden 

Vorschriften erlassen wurden. Der Beschuldigte erfüllt den Tatbestand von Art. 90 

Abs. 2 SVG damit auch in subjektiver Hinsicht.

4.3.

Der Beschuldigte A._____ ist daher bezüglich Dossier 1 (F._____-strasse, 

H._____) der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 

SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 Satz 

1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV schuldig zu sprechen. 

- 34 -

IV. Schuldpunkt Dossier 2 (Probefahrt, N._____)

Nachdem die Beschwerde des Beschuldigten gegen das Urteil des hiesigen Ge-

richts vom 26. Oktober 2021 in diesem Punkt seitens des Bundesgerichts abgewie-

sen wurde, soweit darauf einzutreten war (Urk. 106 E. 2 S. 19-27), kann hierzu voll-

umfänglich  auf  die  Erwägungen  im  ersten  Urteil  verwiesen  werden  (Urk. 93 

S. 41- 49). Der Schuldspruch wegen Gehilfenschaft zur qualifiziert groben Verlet-

zung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG in Ver-

bindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV sowie Art. 25 StGB ist 

wie dargelegt ins Urteil aufzunehmen.

V. Strafzumessung und Vollzug

1.

Standpunkt der Parteien 

1.1.

Die Staatsanwaltschaft beantragte im  ersten Berufungsverfahren die Be-

strafung  des  Beschuldigten  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  12 Monaten  und  einer 

Busse  von  Fr. 1'000.–  unter  Gewährung  des  bedingten  Strafvollzuges  bei  einer 

Probezeit von 3 Jahren für die Freiheitsstrafe (Urk. 87 S. 2). Im Rahmen der Beru-

fungsverhandlung  nach  Rückweisung  beantragt  die  Staatsanwaltschaft  eine  be-

dingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten unter Anrechnung der erstandenen Haft so-

wie die Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren (Urk. 112 S. 2).

1.2.

Der Beschuldigte beantragte im ersten Berufungsverfahren einen vollum-

fänglichen  Freispruch.  Die  Verteidigung  machte  geltend,  es  werde  dem  Gericht 

überlassen, ob bei Dossier 1 auf eine kleine Geschwindigkeitsüberschreitung ent-

schieden werde. Es handle sich bei der gefahrenen Geschwindigkeit um maximal 

55 km/h, die im Ordnungsbussenverfahren hätte erledigt werden können. Eine sol-

che  Übertretung  wäre  mittlerweile  aber  verjährt  (Urk. 88  S. 24).  Im  Rahmen  der 

Berufungsverhandlung nach Rückweisung beantragt die Verteidigung einen Frei-

spruch betreffend Dossier 1 und betreffend Dossier 2 eine bedingte Geldstrafe von 

maximal  120 Tagessätzen  unter  Ansetzung  einer  Probezeit  von  einem  Jahr 

(Urk. 113 S. 18).

- 35 -

2.

Allgemeine Strafzumessungsregeln 

2.1.

Seit  dem  1. Januar  2018  ist  das  revidierte  Sanktionenrecht  in  Kraft 

(AS 2016 1249; BBI 2012 4721). Der Beschuldigte beging alle in Frage stehenden 

Delikte indes vor dem Inkrafttreten des neuen Rechts. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB 

wird derjenige nach dem neuen Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein 

Verbrechen oder Vergehen begeht. Wurde das Verbrechen oder Vergehen bereits 

vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, so ist dieses nur anwendbar, wenn 

es für den Beschuldigten das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie bereits im Urteil 

vom  26. Oktober  2021  erwogen  (vgl.  Urk. 93  S. 54),  ist  der  Beschuldigte  nach 

neuem Recht nicht milder zu beurteilen, weshalb Art. 2 Abs. 2 StGB nicht einschlä-

gig und das alte Recht anzuwenden ist.

2.2.

Auch wenn im vorliegenden Fall infolge der Appellation der Staatsanwalt-

schaft  das  Verbot  der  "reformatio  in  peius"  (Art. 391  Abs. 2  StPO)  an  sich  nicht 

greift,  ist  die  Berufungsinstanz  nach  ständiger  Rechtsprechung  zufolge  der  Bin-

dungswirkung an die Parteibegehren auch nach der Rückweisung durch das Bun-

desgericht an das im aufgehobenen Urteil vom 26. Oktober 2021 ausgesprochene 

Maximum  des  Strafmasses  von  18 Monaten  Freiheitsstrafe  gebunden,  nachdem 

nur der Beschuldigte ans Bundesgericht gelangte (BGE 141 II 353 E. 2; 135 IV 87 

E. 6;  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_382/2021  vom  25. Juli  2022  E. 3.4; 

6B_1047/2017 vom 17. November 2017 E. 3).

2.3.

Bezüglich  der  allgemeinen  Strafzumessungsregeln  nach  Art. 47 ff.  StGB 

kann auf das aufgehobene Urteil (Urk. 93 S. 49 ff.) und die Praxis des Bundesge-

richts (BGE 144 IV 313 E. 1; 144 IV 217 E. 2.3 ff.; 142 IV 265 E. 2.3 ff; 141 IV 61 

E. 6.1 ff. [Pra 104 (2015) Nr. 68]; 136 IV 55 E. 5.4 ff.) verwiesen werden. 

2.4.

Ergänzend  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  das  Gericht  nach  der  neusten 

Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Ausfällung einer Strafe zuerst die Art 

der Strafe zu bestimmen und danach das Strafmass festzusetzen hat. Bei der Wahl 

der Strafart trägt es neben dem Verschulden des Täters, der Angemessenheit der 

Strafe,  ihren  Auswirkungen  auf  den  Täter  und  auf  seine  soziale  Situation  sowie 

ihrer Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention Rechnung (BGE 147 

- 36 -

IV 241 E. 3; 144 IV 313 E. 1.1.1; 134 IV 97 E. 4.3). Stehen verschiedene Strafarten 

zur Wahl, bildet das Verschulden zwar nicht das entscheidende Kriterium, ist aber 

neben den anderen bestimmenden Kriterien adäquat einzuschätzen ("doit être ap-

préciée"; BGE 147 IV 241 E. 3.2). Systemimmanent impliziert das StGB, dass das 

Verschulden die Wahl der Strafart beeinflusst, weil die schwersten Straftaten prin-

zipiell durch die Freiheitsstrafe und nicht durch die Geldstrafe zu sanktionieren sind 

(BGE 147 IV 241 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_93/2022 vom 24. November 

2022 E. 1.3.8).

3.

Konkrete Strafzumessung 

3.1.

Strafrahmen

3.1.1. Art. 90 Abs. 2 SVG sieht für die grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine 

Sanktion von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Gemäss der 

zur Zeit der Tatbegehung im Jahre 2016 in Kraft stehenden Fassung von Art. 34 

Abs. 1 StGB (kurz aStGB) beträgt die Geldstrafe höchstens 360 Tagessätze. 

3.1.2. Gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG ist für die qualifizierte Verletzung der Verkehrs-

regeln ein Strafrahmen von einem bis zu vier Jahren Freiheitsstrafe vorgesehen. 

Der Gehilfe ist gestützt auf Art. 25 StGB und in Anwendung von Art. 48a StGB mil-

der zu bestrafen, da ihn im Verhältnis zum Haupttäter ein reduziertes Verschulden 

trifft (BGE 136 IV 55 E. 5.6).

3.2.

Tatkomponenten

3.2.1. Dossier 2

Ausgehend  von  der  qualifiziert  groben  Verkehrsregelverletzung  gemäss  Art. 90 

Abs. 3 SVG als dem schwersten Delikt infolge der abstrakt höheren Strafandrohung 

(Mindeststrafe ein Jahr Freiheitsstrafe; Höchststrafe vier Jahre Freiheitsstrafe) ist 

die hypothetische Einsatzstrafe zu bestimmen. Der Haupttäter E._____ überschritt 

die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h um toleranzbereinigte 

96 km/h. Er fuhr mithin mehr als doppelt so schnell wie erlaubt, wenn auch nur über 

einen  Zeitraum  von  wenigen  Sekunden.  Der  Grenzwert,  wonach  gemäss  der 

- 37 -

Rechtsprechung ungeachtet der Umstände noch "nur" eine grobe Verkehrsregel-

verletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG vorliegt, beträgt 30 km/h (BGE 143 IV 

508  E. 1.3)  und  wurde  um  ein  Vielfaches  überschritten  und  auch  der  Grenzwert 

einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 60 km/h gemäss 

Art. 90 Abs. 4 SVG wurde hier nochmals um die Hälfte übertroffen. Es handelt sich 

mithin um einen massiven Geschwindigkeitsexzess, den der Haupttäter begangen 

hat. Die Witterungsverhältnisse waren gut (Tageslicht, trockene Strasse) und die 

gefahrene  Strecke  ist  zwar  einigermassen  übersichtlich,  führt  jedoch  über  eine 

langgestreckte Linkskurve in eine Gerade, die rechts und links von Büschen und 

Bäumen gesäumt ist (N._____ Ried). Ausserdem münden im Bereich der gefah-

renen Strecke verschiedene Feldwege resp. Landwirtschaftsstrassen ein und zur 

Tatzeit befanden sich weitere Verkehrsteilnehmer auf dem fraglichen Streckenab-

schnitt. Die objektive Tatschwere der Haupttat ist angesichts all dieser Umstände 

durchaus als erheblich zu beurteilen. Die subjektiven Umstände vermögen das ob-

jektive Tatverschulden nicht zu relativieren, da es dem Fahrer wie dem Beschuldig-

ten  A._____  offensichtlich  einzig  darum  ging,  die  maximale  Beschleunigung  des 

Fahrzeugs zu erleben und zu testen. Der Beschuldigte E._____ wurde denn auch 

mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten für die Haupttat bestraft. Der 

Tatbeitrag des Beschuldigten A._____ bestand einerseits darin, den Testwagen bei 

der  BMW  Niederlassung  in  O._____  entgegen  zu  nehmen  und  andererseits  im 

Festhalten der Beschleunigungsfahrt mit dem Mobiltelefon. Zwar hatte der Beschul-

digte A._____ keinen unmittelbaren direkten Einfluss auf die Pedale des Testfahr-

zeugs und damit auch nicht auf die gefahrene Geschwindigkeit, jedoch kann sein 

Tatbeitrag  auch  nicht  als  völlig  untergeordnet  bezeichnet  werden.  Aufgrund  der 

konkreten Umstände ist zu schliessen, dass der Beweggrund der Fahrt für beide 

Beteiligte das Erlebnis der maximalen Beschleunigung des BMW M4 Coupé war 

und die daraus gezogene Freude bzw. Befriedigung, die zum wiederholten Nach-

Erleben per Videoaufnahme festgehalten wurde. Der Beschuldigte A._____ unter-

stützte den Haupttäter mithin massgeblich bei dessen Vorhaben. Dass er nicht als 

Mittäter zu betrachten ist, liegt alleine darin begründet, dass er über das Fahrzeug 

effektiv  keine  Tatmacht  inne  hatte.  Er  verhielt  sich  indessen  ebenso  verantwor-

tungslos  wie  der  Fahrer,  indem  er  diesen  von  Anfang  an  unterstützte,  das  Auto 

- 38 -

entgegennahm, es ihm zur Testfahrt überliess und ihn durch die Filmaufnahme bei 

seinem Tun bestärkte. Zu keinem Zeitpunkt griff er ein, um den Fahrer etwa zur 

Temporeduktion oder besonderen Vorsicht aufzufordern. Insgesamt erscheint da-

her das Verschulden des Gehilfen A._____ vorliegend nur wenig geringer als das-

jenige des Haupttäters E._____. Das Tatverschulden von A._____ ist mithin eben-

falls als nicht mehr leicht zu qualifizieren und es erscheint entsprechend eine Ein-

satzstrafe von 10 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.

3.2.2. Dossier 1

Hinsichtlich der Einzelstrafe für die grobe Verletzung der Verkehrsregeln ist in ob-

jektiver Hinsicht zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte A._____ anlässlich des 

Beschleunigungswettbewerbs  auf  der  F._____-strasse  in  H._____  die  maximale 

Höchstgeschwindigkeit  von  50 km/h  um  14 km/h  überschritt,  womit  alleine  die 

Schwelle  zur  groben  Verkehrsregelverletzung  nach  den  Grenzwerten  der  Recht-

sprechung noch nicht erreicht wäre. Im Unterschied zu einer "normalen" Geschwin-

digkeitsüberschreitung beging der Beschuldigte diese jedoch auf der Gegenfahr-

bahn fahrend zusammen mit bzw. neben C._____. Der Beschuldigte verletzte da-

bei wichtige zum Schutz der übrigen Verkehrsteilnehmer, namentlich der Fussgän-

ger, erlassene Verkehrsregeln in objektiver Weise schwer. So fuhr er weder vor-

sichtig in Bezug auf die Fussgängerstreifen, die die Strecke queren, noch in Bezug 

auf  die  fehlende  Übersicht  hinsichtlich  des  Wohnquartiercharakters,  der  die  be-

nutzte Strasse prägt. Im Gegenteil fuhr er mit der maximal möglichen Beschleuni-

gung  und  ohne  Sicht  auf  die  von  links  einmündende  G._____-strasse  auf  einen 

weiteren Fussgängerstreifen los.  Obwohl die vom Beschuldigten A._____ gefah-

rene Strecke auf der Quartierstrasse infolge fehlender Kurven einigermassen über-

sichtlich war, musste er angesichts der Tageszeit und der Wohnbauten rechts und 

links  der  Strasse  jederzeit  mit  dem  Auftauchen  anderer  Verkehrsteilnehmer,  na-

mentlich auch Fussgängern, rechnen. Dass er dennoch mit voller Beschleunigung 

weiter auf der Gegenfahrbahn fuhr, wo die übrigen Verkehrsteilnehmer ihrerseits 

nicht mit einem übersetzt daherkommenden Auto rechnen mussten, offenbart die 

enorme Rücksichtslosigkeit seines Verhaltens. Das Verschulden ist entgegen sei-

nem Einwand auch nicht vergleichbar mit demjenigen, das einem zu schnell über-

- 39 -

holenden Fahrzeuglenker zuzuschreiben wäre, denn der Beschuldigte hatte keinen 

objektiven Grund, auf der falschen Fahrbahnseite derart lange mit voller Beschleu-

nigung resp. mit übersetzter Geschwindigkeit zu fahren, da die rechte Fahrbahn-

seite nach dem Davonziehen von C._____ frei von Verkehr war und er daher rechts 

hätte  hinter  C._____  einbiegen  können.  Das  Rechtsfahrgebot  verletzte  er  mithin 

auch in grober Weise. Das objektive Tatverschulden wiegt insgesamt keinesfalls 

leicht.

In subjektiver Hinsicht wird das objektive Verschulden noch erhöht, denn die Be-

weggründe für die Beschleunigungsfahrt sind aufgrund der Umstände als rein ego-

istisch und völlig leichtsinnig zu beurteilen. Offensichtlich stellte der Beschuldigte 

sein Vorhaben, die Beschleunigung seines BMW mit derjenigen des Porsches von 

C._____  zu  vergleichen,  über  alles.  Eine  derartige  massive  Gefährdung  anderer 

Verkehrsteilnehmer wäre leicht zu verhindern gewesen, wenn ein solcher Test nicht 

auf einer öffentlichen Strasse und schon gar nicht mitten in einem Wohnquartier 

durchgeführt  worden  wäre.  Das  gesamte  Tatverschulden  des  Beschuldigten 

A._____  ist  damit  bezüglich  der  groben  Verkehrsregelverletzung  als  keinesfalls 

mehr leicht einzuordnen. Aufgrund des leichtsinnigen, rücksichts- und verantwor-

tungslosen Handelns, wodurch der Beschuldigte nicht nur eine theoretische abs-

trakte, sondern aufgrund der konkreten Umstände eine erhöhte abstrakte Gefahr 

für die übrigen Verkehrsteilnehmer schuf, sowie angesichts der einschlägigen Vor-

strafe (vgl. Urk. 111) und des kurze Zeit später begangenen gleichartigen Delikts 

gemäss  Dossier 2  erscheint  die  Ausfällung  einer  Geldstrafe  nicht  als  adäquate 

Sanktion, weshalb für die grobe Verkehrsregelverletzung eine Freiheitsstrafe aus-

zufällen ist. Als Einzelstrafe wäre angesichts der obgenannten Kriterien zum Tat-

verschulden isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe im Bereich von 10 Monaten fest-

zusetzen. Dies entspricht auch der schuldangemessenen Einsatzstrafe beim Mit-

beschuldigten C._____. Da die grobe Verkehrsregelverletzung in keinem Zusam-

menhang zur Gehilfenschaft zur qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln 

steht, ist die Einsatzstrafe unter Beachtung des Asperationsprinzips aufgrund des 

keinesfalls mehr leichten Tatverschuldens um 8 Monate auf 18 Monate Freiheits-

strafe zu erhöhen.

- 40 -

3.3.

Täterkomponenten

3.3.1. Der Beschuldigte A._____ wohnte im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung 

vom  26. Oktober  2021  mit  seiner  Ehefrau  bei  seinen  Eltern,  wofür  er  ihnen 

Fr. 1'000.– pro Monat an die Miete bezahlte. Er arbeitete bei der Firma P._____ AG 

als Sanitärinstallateur auf Montage (Urk. 77/1), war täglich mit dem Geschäftsauto 

unterwegs und verdiente monatlich Fr. 5'900.– brutto und bekam einen 13. Monats-

lohn.  Seine  Frau  arbeitete  als  Pflegerin  und  verdiente  einen  vollen  Lohn  (Prot.  I 

S. 18 ff.; Urk. 92 S. 9 ff.). Zu seinen persönlichen Verhältnissen führte der Beschul-

digte anlässlich der ersten Berufungsverhandlung des Weiteren aus, dass sein Ver-

mögen  Fr. 34'000.–  betrage,  seine  Kreditkartenschulden  zwischenzeitlich  abbe-

zahlt seien, er aber noch ein Leasing habe. Aufgrund des hängigen Strafverfahrens 

sei sein Einbürgerungsgesuch sistiert worden (Urk. 92 S. 11). Im Rahmen der Be-

rufungsverhandlung  vom  2. April  2025  ergänzte  der  Beschuldigte,  er  sei  im  Jahr 

2022 bei seinen Eltern ausgezogen und im Jahr 2023 eingebürgert worden. Er ar-

beite nach wie vor bei der P._____ AG und verdiene monatlich Fr. 6'100.– und er-

halte einen 13. Monatslohn. Er habe weder Vermögen noch Schulden. Seine Frau, 

von welcher er getrennt lebe, habe eine Weiterbildung absolviert und arbeite nun 

als Software-Tech-Ingenieurin (Prot. II S. 10 ff.). Aus den persönlichen Verhältnis-

sen des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Umstände.

3.3.2. Der Beschuldigte weist eine einschlägige Vorstrafe auf. Er wurde mit Straf-

befehl  der  Staatsanwaltschaft  des  Ministère  public  des  Kantons  Freiburg  am 

16. Mai 2013 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln verurteilt und mit einer 

Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 10.– und Fr. 500.– Busse bestraft, wobei die 

Geldstrafe  zur  Bewährung  mit  einer  Probezeit  von  2 Jahren  ausgesetzt  wurde 

(Urk. 107). Im Zeitpunkt der ersten Tatbegehung zwischen dem 25. Juli und 7. Sep-

tember 2016 war die angesetzte Probezeit mithin erst wenig über ein Jahr abge-

laufen. Das deutet nicht auf eine nachhaltige Wirkung des ersten Strafverfahrens 

hin. Jedenfalls wirkt sich diese einschlägige Vorstrafe aber nur leicht straferhöhend 

aus. Da es sich um eine bereits längere Zeit zurückliegende und vergleichsweise 

niedrige Geldstrafe handelt, wirkt sich dies unter Berücksichtigung der Asperation 

- 41 -

nicht massgeblich aus, so dass es bei der verschuldensadäquat festzusetzenden 

Gesamtstrafe von 18 Monaten Freiheitsstrafe bleibt.

3.4.

Tatfremde Komponenten

3.4.1. Die beschuldigte Person hat einen verfassungs- und menschenrechtlichen 

Anspruch darauf, dass ein gegen sie eingeleitetes Strafverfahren innert angemes-

sener Frist zum Abschluss gebracht wird (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK). 

Ausdruck davon ist das Beschleunigungsgebot gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO. Der re-

levante Zeitraum für die Beurteilung einer vermeidbaren Überlänge der Verfahrens-

dauer beginnt in dem Zeitpunkt, in welchem die beschuldigte Person Kenntnis vom 

Strafverfahren erhält und endet mit Rechtskraft des letztinstanzlichen Urteils. Die 

Beurteilung der angemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Ob 

sich die Dauer als angemessen erweist, ist in jedem Einzelfall unter Würdigung aller 

konkreten Umstände zu prüfen (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1; 130 I 312 E. 5.2; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1335/2023 vom 20. März 2025 E. 11.2; 7B_540/2023 vom 

6. Februar 2025 E. 18.2.1; 7B_484/2023 vom 3. Juni 2024 E. 2.1.1; je mit Hinwei-

sen). Kriterien für die Angemessenheit der Verfahrensdauer sind etwa die Schwere 

des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die gebotenen Untersuchungs-

handlungen, die Schwierigkeit und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der Be-

hörde  und  dasjenige  der  beschuldigten  Person  sowie  die  Zumutbarkeit  für  diese 

(Urteile  des  Bundesgerichts  7B_540/2023  vom  6. Februar  2025  E. 18.2.1; 

7B_279/2022 vom 24. Juni 2024 E. 2.3.2). Folgen einer Verletzung des Beschleu-

nigungsgebots sind meistens die Strafreduktion, manchmal der Verzicht auf Strafe 

oder, als ultima ratio in Extremfällen, die Einstellung des Verfahrens. Bei der Frage 

nach der sachgerechten Folge ist zu berücksichtigen, wie schwer die beschuldigte 

Person durch die Verfahrensverzögerung getroffen wurde, wie gravierend die ihr 

vorgeworfenen Taten sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn 

das  Beschleunigungsgebot  nicht  verletzt  worden  wäre.  Rechnung  zu  tragen  ist 

auch den Interessen der Geschädigten und der Komplexität des Falls. Schliesslich 

ist in Betracht zu ziehen, wer die Verfahrensverzögerung zu vertreten hat (BGE 143 

IV 373 E. 1.3.1 m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts 6B_1335/2023 vom 20. März 

2025 E. 11.2; 7B_540/2023 vom 6. Februar 2025 E. 18.2.3). Eine Verfahrensein-

- 42 -

stellung kommt nur in Extremfällen in Betracht, wenn die Verfahrensverzögerung 

dem  Betroffenen  einen  Schaden  von  aussergewöhnlicher  Schwere  verursachte 

(BGE 133 IV 158 E. 8; Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2020 vom 16. Juni 2020 

E. 2.2; je mit Hinweisen). 

Die Rapportierung seitens der Kantonspolizei Zürich an die Staatsanwaltschaft er-

folgte mit Datum vom 12. Juli 2017 (Urk. 1). Das Vorverfahren wurde mittels Ankla-

geerhebung  am  28. Oktober  2019  (Urk. 25)  abgeschlossen.  Die  Verfahren  der 

Sachgerichte dauerten bis zum ersten Berufungsurteil vom 26. Oktober 2021, das 

der Verteidigung am 14. Dezember 2021 zugestellt wurde (Urk. 95), ebenfalls gut 

zwei Jahre. Bis zu jenem Zeitpunkt lag mithin noch keine übermässige Verfahrens-

dauer vor. Das Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht dauerte dann aber bis zu 

dessen  Urteil  vom  5. Juni  2024  deutlich  länger  als  beide  Verfahren  der  Sachge-

richte zusammen, und durch die Rückweisung sowie das dadurch notwendig ge-

wordene zweite Berufungsverfahren wurde eine Verlängerung des gesamten Ver-

fahrens um knapp ein Jahr bis Versand des begründeten neuen Berufungsurteils 

bewirkt. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung resultiert dadurch mit acht Jahren 

ein doch übermässig langes Verfahren, das sich für den Beschuldigten belastend 

auswirkte, indem u.a. sein Einbürgerungsgesuch vorübergehend sistiert wurde, wo-

bei die übermässige Verfahrensdauer nicht von ihm verursacht wurde. Zudem trifft 

die Verurteilung den nunmehr 31-jährigen Beschuldigten auch in einer gänzlich an-

deren Lebensphase. Die insgesamt übermässig lange Verfahrensdauer ist im Um-

fang von 2 Monaten strafmindernd anzurechnen.

3.4.2. Nach Art. 48 lit. e StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbe-

dürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und 

der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Dieser Strafmilderungsgrund ist bei 

Wohlverhalten  in  jedem  Fall  zu  beachten,  wenn  zwei  Drittel  der  Verjährungsfrist 

verstrichen sind. Für die Berechnung ist der Zeitpunkt des Berufungsurteils mass-

gebend. Gesetzlich wohl verhalten hat sich, wer keine strafbare Handlung began-

gen hat. In welchem Mass die Strafe bei Vorliegen dieses Strafmilderungsgrunds 

zu reduzieren ist, hängt davon ab, wie viel Zeit seit der Tat verstrichen ist (BGE 140 

IV  145  E. 3.1;  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_481/2024  vom  23. Oktober  2024 

- 43 -

E. 2.3.3;  6B_260/2020  vom  2. Juli  2020  E. 2.3.3;  je  mit  Hinweisen).  Der  Zumes-

sungsgrund  des  verminderten  Strafbedürfnisses  infolge  Zeitablaufs  nach  Art. 48 

lit. e StGB und die Verletzung des Beschleunigungsgebots sind auseinanderzuhal-

ten. Während es beim Beschleunigungsgebot um die Verfahrensdauer und um das 

Verhalten der Behörden geht, welche gehalten sind, ein Strafverfahren innert nütz-

licher  Zeit  anhand  zu  nehmen  und  voranzutreiben,  wird  beim  Zumessungsgrund 

von Art. 48 lit. e StGB auf den Zeitablauf seit der Tat abgestellt. Es liegt ihm somit 

der Verjährungsgedanke zugrunde. Sind die Voraussetzungen beider Bestimmun-

gen erfüllt, das heisst, hat das Verfahren überlange gedauert und liegen die Taten 

weit  zurück,  sind  sie  nebeneinander  anzuwenden  (Urteile  des  Bundesgerichts 

6B_481/2024  vom  23. Oktober  2024  E. 2.3.3;  6B_260/2020  vom  2. Juli  2020 

E. 2.3.5; je mit Hinweisen).

Seit der vorliegend noch zur Beurteilung stehenden, im Jahr 2016 begangenen gro-

ben  Verkehrsregelverletzung  sind  beinahe  9 Jahre  vergangen.  Dies  entspricht 

deutlich mehr als zwei Dritteln der Verjährungsfrist von 10 Jahren, welche für die 

grobe Verletzung der Verkehrsregeln gilt (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB). Angesichts des 

Umstands,  dass  sich  der  Beschuldigte  in  dieser  Zeit  wohl  verhalten  hat  und  seit 

langer Zeit in Ungewissheit betreffend den Ausgang des vorliegenden Strafverfah-

rens lebt, welches auch Auswirkungen auf die Dauer seines Einbürgerungsverfah-

rens hatte, gelangt der Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48 lit. e StGB zur Anwen-

dung. Es rechtfertigt sich daher eine Reduktion der Freiheitsstrafe um 4 Monate.

3.5.

Verbindungsbusse

3.5.1. Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  vor  Vorinstanz  und  im  ersten  Beru-

fungsverfahren  zusätzlich  zur  Freiheitsstrafe  die  Ausfällung  einer  Verbindungs-

busse in der Höhe von Fr. 1'000.– (Urk. 72 S. 2; Urk. 87 S. 2), ohne dies näher zu 

begründen (Urk. 87 S. 26; Urk. 62 S. 10; Urk. 92 S. 46 f.). Nachdem im Urteil vom 

26. Oktober 2021 von der Ausfällung einer Verbindungsbusse abgesehen wurde, 

wurde eine solche von der Staatsanwaltschaft anlässlich des zweiten Berufungs-

verfahrens nicht mehr beantragt (Urk. 112 S. 2). 

- 44 -

3.5.2. Wie bereits im Urteil vom 26. Oktober 2021 erwogen, stellt sich vorliegend 

die  sog.  Schnittstellenproblematik  nicht  (bei  der  groben  Verkehrsregelverletzung 

handelt es sich um eine multiple Verletzung wesentlicher Verkehrsvorschriften und 

nicht einzig um eine Geschwindigkeitsüberschreitung), weshalb von der Ausfällung 

einer  Verbindungsbusse  im  Sinne  von  Art. 42  Abs. 4  StGB  abzusehen  ist  (vgl. 

Urk. 92 S. 51 f., 59).

3.6.

Fazit

Der Beschuldigte ist damit in Würdigung aller massgeblichen Zumessungsgründe 

mit  einer  Freiheitsstrafe  von  12 Monaten  zu  bestrafen.  Die  erstandene  Haft  von 

einem Tag ist gemäss Art. 51 StGB und Art. 110 Abs. 7 StGB anzurechnen.

4.

Vollzug 

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen grundsätzlich auf die Er-

wägungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden (Urk. 93 S. 58 f.). An-

zufügen ist jedoch, dass der Beginn der Probezeit zufolge der langen Verfahrens-

dauer um mehrere Jahre hinausgezögert worden ist, wobei sich das andauernde 

Verfahren  für  den  Beschuldigten  ähnlich  wie  eine  laufende  Probezeit  ausgewirkt 

hat. Nachdem sich der Beschuldigte während der gesamten Verfahrensdauer nun-

mehr wohl verhalten hat, ist die Probezeit auf das Minimum von zwei Jahren her-

abzusetzen.

VI. Beschlagnahmte Gegenstände

Hierzu kann auf die Erwägungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden 

(Urk. 93 S. 60).

VII. Kosten

1.

Bezüglich der Kosten für das erstinstanzliche Verfahren kann auf die Erwä-

gungen im Urteil vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden (Urk. 93 S. 60 f.). Nach-

dem der Beschuldigte verurteilt wird, hat er in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 

in Verbindung mit Art. 428 Abs. 3 StPO die Kosten der Untersuchung und des erst-

- 45 -

instanzlichen Gerichtsverfahrens zu tragen, wobei bezüglich der Kosten der amtli-

chen Verteidigung auf Art. 135 Abs. 4 StPO zu verweisen ist. Unter Hinweis auf die 

ausführliche Begründung im ersten Berufungsverfahren (Urk. 93 S. 61) und in An-

wendung von §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG sowie der gleich-

zeitigen Behandlung der Parallelfälle ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'400.– festzu-

setzen. Die Untersuchungskosten ergeben sich aus den Akten und die Festsetzung 

der  Entschädigung  der  amtlichen  Verteidigung  durch  die  Vorinstanz  mit 

Fr. 9'428.20 (inkl. Barauslagen und 7.7 % MwSt.) ist zu bestätigen.

2.

Zur Festsetzung der Kosten des ersten Berufungsverfahrens inklusive der-

jenigen der amtlichen Verteidigung kann erneut auf die Erwägungen im Urteil der 

hiesigen Kammer vom 26. Oktober 2021 verwiesen werden (Urk. 93 S. 61 f.).

3.

Die  Gerichtsgebühr  für  das  vorliegende  zweite  Berufungsverfahren 

(SB240304) fällt ausser Ansatz, nachdem die Aufhebung des Urteils des Oberge-

richts vom 26. Oktober 2021 durch das Bundesgericht nicht von den Parteien zu 

verantworten ist.

4.

Die amtliche Verteidigung macht für das vorliegende Berufungsverfahren 

gestützt  auf  die  eingereichte  Honorarnote  eine  Entschädigung  von  Fr. 8'702.35 

(inkl. Auslagen und MwSt.; Urk. 110) sowie nach der Einreichung der Honorarnote 

entstandenen  zusätzlichen  Aufwand  im  Umfang  von  6 Stunden  geltend  (Prot.  II 

S. 40 f.). Der geltend gemachte Aufwand von insgesamt rund 42 Stunden erweist 

sich jedoch insbesondere angesichts des stark eingeschränkten Berufungsthemas, 

in das sich die Verteidigung angesichts ihrer vorgängigen Vertretung des Beschul-

digten während der Untersuchung und im erstinstanzlichen sowie im ersten Beru-

fungsverfahren und vor Bundesgericht zudem bereits eingearbeitet haben musste, 

als überhöht. In Würdigung aller massgeblichen Umstände erscheint es angemes-

sen, das Honorar der amtlichen Verteidigung pauschal auf Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.) 

festzusetzen (§ 23 in Verbindung mit § 18 Abs. 1 sowie § 17 und § 2 AnwGebV). 

Die  Verteidigungskosten  für  das  zweite  Berufungsverfahren  sind  definitiv  auf  die 

Gerichtskasse zu nehmen.

- 46 -

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig



der Gehilfenschaft zur qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsre-

geln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG in Verbindung 

mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV sowie Art. 25 StGB 

und



der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 

SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 

Abs. 1 Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag 

durch Untersuchungshaft erstanden ist.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. 

4.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Ok-

tober 2019 beschlagnahmte Mobiltelefon iPhone 7 (Ass.-Nr. A011'956'868) 

wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Vollstreckbarkeit herausgegeben.

Wird innert 3 Monaten ab Vollstreckbarkeit kein entsprechendes Begehren 

gestellt, wird der Gegenstand der Lagerbehörde (Bezirksgerichtskasse 

Dietikon) zur Vernichtung bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen.

5.

Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

1'400.– ; die weiteren Kosten betragen:

1'416.70    Untersuchungskosten

9'428.20   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.).

- 47 -

6.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr für das erste Berufungsverfahren 

SB200394 wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

2'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

7'500.–   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.).

7.

Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Verfahrens und des 

ersten Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Vertei-

digung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungs-

pflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

8.

Die Gerichtsgebühr für das zweite Berufungsverfahren SB240304 fällt aus-

ser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.) für die 

amtliche Verteidigung und werden definitiv auf die Gerichtskasse genom-

men.

9.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

sowie in vollständiger Ausfertigung an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an







die Vorinstanz

das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung 
Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich (un-
ter Hinweis auf PIN …)

die Kasse des Bezirksgerichts Dietikon betreffend Dispositivziffer 4 (im 
Dispositiv)

- 48 -





die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 2. April 2025

Die Präsidentin:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller

MLaw Gitz