# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a991b02-f012-5230-ad73-dddc4bcf77f4
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2013-07-03
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 03.07.2013 150000284
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_150000284_2013-07-03.pdf

## Full Text

Bundeskanzlei BK 

Verwaltungspraxis der Bundesbehörden VPB 

Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération JAAC 

Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione GAAC 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                              59

 

VPB 2/2013 vom 20. Dezember 2013 

 

2013.7 (S. 59–112) 

Kollektiver Rechtsschutz in der Schweiz –  
Bestandesaufnahme und Handlungsmöglichkeiten 

Bundesrat 

Bericht* vom 3. Juli 2013 

 
Stichwörter: Zivilprozessrecht; Rechtsschutz; kollektive Rechtsdurchsetzung; prozessuale Effizienz; 
rationale Apathie; Massenschäden; Streuschäden; Klagenhäufung; Verbandsklage; Musterklage; 
Pilotprozess; Gruppenklage; Sammelklage; class action; Gruppenvergleich; Prozesskosten; Prozess-
finanzierung; aktienrechtliche Verantwortlichkeitsklage; Justizstandort; EU-Recht 
 
Mots clés: Procédure civile; protection juridique; exercice collectif des droits; efficacité des procédu-
res; apathie rationnelle; dommages collectifs; dommages dispersés; cumul d’actions; action des orga-
nisations; action modèle; action pilote; action de groupe; action collective; «class action»; transaction 
de groupe; coût de procédure; financement des procédures; action en responsabilité dans le domaine 
du droit des sociétés anonymes; place judiciaire; législation de l’UE 
 
Termini chiave: Procedura civile; tutela giurisdizionale; tutela giuridica collettiva; efficacia delle pro-
cedure; apatia razionale; danni di massa; danni sparsi; cumulo di azioni; azione collettiva; azione mo-
dello; azione pilota; azione di gruppo; azione di classe; class action; transazione di gruppo; spese 
giudiziarie; finanziamento delle procedure; azioni di responsabilità nell’ambito del diritto della società 
anonima; foro giudiziario; legislazione dell’UE 

 
Regeste: 

Die bestehenden Instrumente des geltenden Rechts zur kollektiven Rechtsdurchsetzung (namentlich 
Klagenhäufung, Verbandsklage sowie Muster- oder Testverfahren) sind zur effizienten und effektiven 
Durchsetzung von Massen- und Streuschäden im Privatrecht praktisch ungenügend bzw. teilweise 
untauglich. Daraus ergibt sich eine Lücke im geltenden Rechtsschutzsystem. Als mögliche Massnah-
men kommen Verbesserungen der bestehenden Instrumente (insb. Prozesskostenregelung und Pro-
zessfinanzierung, Erweiterung des Anwendungsbereichs der Verbandsklage) und die Einführung all-
gemeiner Instrumente der echten kollektiven Rechtsdurchsetzung in Betracht. 

 
Regeste: 

Dans le droit en vigueur, les instruments d’exercice collectif (notamment le cumul d’actions, l’action 
des organisations et l’action modèle ou test) sont insuffisants voire inadéquats pour permettre une 
mise en œuvre efficace et effective des droits des particuliers en cas de dommages collectifs et dis-
persés. Il en résulte un système de protection juridique lacunaire. Il serait possible d’améliorer les 
instruments existants (en particulier en modifiant les dispositions sur les frais et le financement des  
 
   
   
* Der Bericht wurde bereits durch das BJ publiziert.

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             60 

 

procédures ou en étendant le champ d’application de l’action des organisations) et d’instaurer de véri-
tables instruments généraux d’exercice collectif des droits. 

 
Regesti: 

Gli strumenti di tutela giuridica collettiva nel diritto vigente (segnatamente il cumulo di azioni, l’azione 
collettiva e la procedura modello o test) sono insufficienti e in certi casi inadeguati a permettere una 
messa in atto efficace ed effettiva dei diritti privati in caso di danni di massa e sparsi. Ne risulta una 
tutela giurisdizionale lacunosa. Sarebbe possibile migliorare gli strumenti esistenti (in particolare le 
disposizioni sui costi e il finanziamento delle procedure, l’estensione del campo di applicazione 
dell’azione collettiva) e introdurre strumenti generali veri e propri di tutela giuridica collettiva. 

 
Rechtliche Grundlagen: Art. 29, 29a BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 71, 89, 90, 93, 98, 106, 125, 126, 
127 ZPO 
 
Bases juridiques: art. 29 et 29a Cst.; art. 6, ch. 1, CEDH; art. 71, 89, 90, 93, 98, 106, 125, 126 
et 127 CPC 
 
Basi giuridiche: Art. 29, 29a Cst.; art. 6 n. 1 CEDU; art. 71, 89, 90, 93, 98, 106, 125, 126, 127 CPC 

 

 

 
  

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             61 

 

Zusammenfassung 

Kollektiver Rechtsschutz hat die gerichtliche Erledigung von (Schadenersatz-)Ansprüchen einer Viel-
zahl von gleich oder gleichartig geschädigten Personen durch Bündelung ihrer Interessen und Res-
sourcen in kollektiven Verfahren zum Gegenstand. Dazu stehen verschiedene Instrumente zur Verfü-
gung. 

Erscheinungsformen 

Eine kollektive Rechtsdurchsetzung kommt primär bei sogenannten Massen- und Streuschäden in 
Betracht. Bei einem Massenschaden wird eine Vielzahl von Personen in gleicher oder gleichartiger 
Weise betroffen und jede einzelne in einer für sie erheblichen Weise geschädigt. Streuschäden sind 
demgegenüber Schäden, bei welchen eine Vielzahl von Personen lediglich einen wertmässig kleinen 
Schaden erleidet. Während mit den Instrumenten des kollektiven Rechtsschutzes bei Massenschäden 
im Interesse sämtlicher Beteiligter in erster Linie effiziente Prozesse erreicht und gewährleistet werden 
sollen, geht es bei Streuschäden um die Sicherstellung der Kompensation und die Prävention un-
rechtmässiger Verhaltensweisen. In beiden Fällen geht es jedoch auch um die effektive Durchsetzung 
des objektiven Rechts. 

Die Formen der kollektiven Rechtsdurchsetzung stehen durchaus im Gegensatz zum Individualpro-
zess als traditionellem Modell der Rechtsverfolgung. Zu unterscheiden ist zwischen Instrumenten des 
kollektiven Rechtsschutzes in den Formen des Individualprozesses und echten Instrumenten des kol-
lektiven Rechtsschutzes. Letztere sind dem geltenden schweizerischen Recht nur vereinzelt bekannt, 
beispielsweise im Gesellschaftsrecht. Das schweizerische Recht kennt daneben mehrere Instrumente, 
mit welchen eine Kollektivierung des Rechtsschutzes erreicht werden kann, namentlich die (subjektive 
und objektive) Klagenhäufung, die Verbandsklagen sowie Muster- oder Testverfahren auf der Grund-
lage privatrechtlicher Vereinbarungen. Demgegenüber sind dem schweizerischen Recht im Unter-
schied zu zahlreichen ausländischen Rechtsordnungen allgemeine repräsentative Gruppenklagen 
nicht bekannt, obschon solche mit dem geltenden Recht durchaus kompatibel wären. 

Bestandesanalyse und Rechtsvergleichung 

Die Analyse der bestehenden Instrumente des geltenden Rechts in der Schweiz zeigt gerade auch im 
Vergleich mit dem Ausland, dass diese zur effizienten und effektiven Durchsetzung von Massen- und 
Streuschäden praktisch ungenügend beziehungsweise teilweise untauglich sind. Daraus ergibt sich 
eine Lücke im geltenden Rechtsschutzsystem, womit auch der Zugang zur Gerichtsbarkeit faktisch 
nicht immer gewährleistet ist. So stellen insbesondere die geltenden Regelungen der Prozesskosten 
und die ungenügend genutzte Möglichkeit der Prozessfinanzierung Hindernisse bei der Durchsetzung 
von Massenschäden dar, beispielsweise im Bereich der sogenannten Anlegerschäden, aber auch im 
Konsumentenrecht. Gleichzeitig erweist sich die Verbandsklage in ihrer heutigen Form angesichts des 
beschränkten sachlichen und funktionalen Anwendungsbereichs für die Durchsetzung von Massen- 
und Streuschäden als ungenügend, was sich gerade im Bereich des Konsumentenrechts oder auch 
des Gleichstellungsrechts zeigt. Aus dem Vergleich mit dem Ausland wird deutlich, dass dort insbe-
sondere in den letzten Jahrzehnten zunehmend weitergehende Instrumente des kollektiven Rechts-
schutzes eingeführt wurden, um solche Rechtsschutzdefizite abzubauen und dass sich diese Instru-
mente bewährt haben. 

Im Hinblick auf die mögliche Einführung neuer Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes in der 
Schweiz sollten diese Erfahrungen berücksichtigt werden, namentlich das in der österreichischen Pra-
xis entwickelte Modell einer besonderen Form der gebündelten Geltendmachung von Ansprüchen 
durch bestimmte Organisationen, das deutsche Modell eines speziellen Musterverfahrensgesetzes 
sowie das System eines besonderen Gruppenvergleichsverfahrens in den Niederlanden.  

Über die Gewährleisung der effektiven Rechtsdurchsetzung hinaus geht es auch darum, die Funkti-
onsfähigkeit des Justizsystems im Falle eines Massenschadensfalls sicherzustellen und die Attraktivi-
tät der Schweiz als Justizstandort im internationalen Kontext zu fördern. 

In Bezug auf die aktienrechtliche Verantwortlichkeitsklage können die im Rahmen des indirekten Ge-
genvorschlags zur Abzockerei-Initiative bereits beschlossenen Änderungen nach der Annahme der 
Initiative in die entsprechenden Ausführungserlasse überführt werden, um das Prozesskostenrisiko für 
klagende Aktionäre zu senken. Eine weitere Verbesserung der finanziellen Anreize für klagende Akti-

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             62 

 

onäre könnte im Rahmen einer gesonderten Revision der Bestimmungen zur aktienrechtlichen Ver-
antwortlichkeit erreicht werden. Die allgemeinen Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes sind 
dafür nicht geeignet. 

Mögliche Massnahmen 

Als mögliche Massnahmen kommen im Rahmen der bestehenden Instrumente des kollektiven 
Rechtsschutzes die Verbesserung der Regelungen über die Prozesskosten und allenfalls auch der 
Möglichkeiten der Prozessfinanzierung zur Durchsetzung von Massenschäden einerseits sowie die 
Erweiterung des sachlichen und inhaltlichen Anwendungsbereichs der Verbandsklage andererseits in 
Betracht. Weitere Massnahmen sind auch im Bereich der aktienrechtlichen Verantwortlichkeitsklage 
möglich.  

Daneben könnte die Einführung allgemeiner Instrumente der echten kollektiven Rechtsdurchsetzung 
geprüft werden. Als mögliche Instrumente erscheinen heute die Schaffung eines besonderen Muster- 
oder Testverfahrens, einer sogenannten opt in-Gruppenklage oder eines Gruppenvergleichs-
verfahrens (allenfalls auch in Kombination), gerade auch angesichts der praktischen Erfahrungen im 
Ausland, besonders prüfenswert. Jedenfalls wären solche Instrumente an die schweizerischen Ver-
hältnisse anzupassen. Dabei müsste der Gewährleistung der Finanzierbarkeit solcher Verfahren so-
wie der Verhinderung des Missbrauchs eine herausragende Bedeutung zukommen. 

Ein funktionierendes System verschiedener Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes zur effektiven 
und effizienten Rechtsdurchsetzung von Massen- und Streuschäden stellt in der heutigen Gesellschaft 
einen zentralen Teil eines funktionierenden Rechtsschutzsystems dar. Die vorliegende Analyse des 
geltenden Rechts und der daraus resultierenden Mängel sowie die skizzierten möglichen Massnah-
men zur Verbesserung des geltenden Rechts stellen einen ersten Schritt zur Verbesserung des 
Rechtsschutzes dar, welcher sowohl im Interesse jedes Einzelnen als Rechtsunterworfenen als auch 
im allgemeinen öffentlichen Interesse eines effizienten, effektiven und funktionierenden Justizsystem 
steht. 

 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             63 

 

Inhaltsverzeichnis 

1 Einleitung ...................................................................................................................................... 65 
1.1 Ausgangslage ......................................................................................................................  65 
1.2 Gegenstand und Ziel ...........................................................................................................  65 
1.3 Inhalt ...................................................................................................................................  66 

2 Begriff und Zweck des kollektiven Rechtsschutzes ...................................................................... 66 
2.1 Kollektiver Rechtsschutz als Sammelbegriff ........................................................................  66 
2.2 Zielsetzung und Zwecke des kollektiven Rechtsschutzes ...................................................  67 

2.2.1 Prozessuale Effizienz ................................................................................................ 67 
2.2.2 Kompensation und Prävention unrechtmässiger Verhaltensweisen ......................... 69 
2.2.3 Effektive Durchsetzung des objektiven Rechts ......................................................... 70 

2.3 Echter kollektiver Rechtsschutz und kollektiver Rechtsschutz in den Formen des 
 Individualrechtsschutzes ................................................................................................... 70 

2.4 Kollektiver Rechtsschutz in der Schweiz .............................................................................. 71 

3 Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes in der Schweiz und im Ausland .............................. 71 
3.1 Subjektive und objektive Klagenhäufung ............................................................................. 71 

3.1.1 Subjektive und objektive Klagenhäufung (Art. 71 und Art. 90 ZPO) ......................... 71 
3.1.2 Prozessvereinigung, -sistierung und -überweisung (Art. 125 Bst. c, Art. 126  

und Art. 127 ZPO) ..................................................................................................... 72 
3.1.3 Sammelklage österreichischer Prägung als besondere praktische Ausprägung  

der objektiven Klagenhäufung: Modell für die Schweiz? ........................................... 73 
3.1.4 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 74 

3.2 Verbandsklagen ................................................................................................................... 77 
3.2.1 Allgemeine Verbandsklage (Art. 89 ZPO) ................................................................. 77 
3.2.2 Besondere Verbandsklagen ...................................................................................... 78 
3.2.3 Allgemeine und auch reparatorische Verbandsklagen im Ausland ........................... 78 
3.2.4 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 79 

3.3 Muster- oder Testklagen .....................................................................................................  81 
3.3.1 Muster- oder Testklagen im geltenden Schweizer Recht .......................................... 81 
3.3.2 Deutsches Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz: Vorbild für die Schweiz? ......... 82 
3.3.3 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 82 

3.4 Gruppenklagen ..................................................................................................................... 84 
3.4.1 Keine allgemeine Gruppenklage in der Schweiz ....................................................... 84 
3.4.2 Gruppenklageähnliche Instrumente in der Schweiz .................................................. 85 
3.4.3 Gruppenklagen im Ausland ....................................................................................... 88 
3.4.4 Gruppenvergleiche in den Niederlanden: Konzept für die Schweiz? ........................ 89 
3.4.5 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 90 

4 Besondere Fragen ........................................................................................................................ 92 
4.1 Prozessfinanzierung als Chance und Risiko des kollektiven Rechtsschutzes ....................  92 

4.1.1 Problem der Prozesskosten und Prozessfinanzierung  bei Massen- und 
Streuschäden ............................................................................................................ 92 

4.1.2 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 94 
4.2 Prozessuale Schwierigkeiten bei der Geltendmachung aktienrechtlicher                                  

 Verantwortlichkeitsansprüche ..........................................................................................  95 
4.2.1 Aktienrechtliche Verantwortlichkeitsklage ................................................................. 95 
4.2.2 Prozessuale Schwierigkeiten .................................................................................... 96 
4.2.3 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 97 

 

 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             64 

 

4.3 Gewährleistung der Funktionsfähigkeit des Justizsystems im Falle eines 
Massenschadensfalls .......................................................................................................  98 

4.3.1 Massenschadensfall als Gefahr für die Funktionsfähigkeit des Justizsystems ......... 98 
4.3.2 Bewertung und Folgerungen ..................................................................................... 99 

4.4 Internationaler Kontext ........................................................................................................  99 
4.4.1 Schweizerische Parteien in ausländischen kollektiven Verfahren: Ungenügender 

kollektiver Rechtsschutz als Nachteil für den Justizstandort Schweiz?..................... 99 
4.4.2 Schwierigkeiten bei der Anerkennung und Vollstreckung ausländischer 

Entscheidungen des kollektiven Rechtsschutzes in der Schweiz ........................... 100 
4.4.3 Kollektiver Rechtsschutz im EU-Recht .................................................................... 100 
4.4.4 Bewertung und Folgerungen ................................................................................... 101 

5 Folgerungen ................................................................................................................................ 101 
5.1 Ungenügende Instrumente zur effektiven Durchsetzung von Massen- und Streuschäden  101 
5.2 Mögliche Massnahmen zur Verbesserung der Durchsetzung von Massen- und 

Streuschäden ................................................................................................................... 102 

Literatur- und Materialienverzeichnis ................................................................................................. 101 

 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             65 

 

1 Einleitung 

1.1 Ausgangslage 

Die Rechtsdurchsetzung erfolgt im schweizerischen (Privat-)Recht grundsätzlich durch Individualpro-
zesse zwischen einem oder mehreren Kläger(n) auf der einen Seite und einem oder mehreren Be-
klagten auf der anderen Seite. Die Parteien sind direkt am Prozess beteiligt, führen diesen grundsätz-
lich selbst und für sich selbst, insbesondere unabhängig von anderen Parteien und Verfahren. 
Daneben existieren bestimmte Instrumente, die eine kollektive bzw. kollektivierte Rechtsdurchsetzung 
erlauben (z.B. die Klagenhäufung oder die Verbandsklage). Demgegenüber sind prozessuale Instru-
mente zur kollektiven Geltendmachung reparatorischer Ansprüche dem geltenden schweizerischen 
Recht grundsätzlich unbekannt.1 

Verschiedene Ereignisse und Entwicklungen der letzten Jahre machen heute eine Überprüfung der 
aktuellen Rechtslage notwendig. Der Bundesrat erachtete daher die Frage als prüfenswert, ob für den 
Bereich der aktienrechtlichen Verantwortlichkeit im Unterschied zum geltenden Recht nicht doch pro-
zessuale Instrumente der kollektiven Interessenwahrung vorgesehen werden sollten.2 Diese Prüfung 
darf jedoch nicht auf den Bereich der aktienrechtlichen Verantwortlichkeit isoliert bleiben. Vielmehr 
muss sie im Sinne eines sektorübergreifenden («horizontalen») Zugangs sämtliche Fälle gleicher oder 
gleichartiger Ansprüche und gleichgerichteter Interessen erfassen, die einer kollektiven Interessen-
wahrung zugänglich erscheinen,3 namentlich im Finanz- und Kapitalmarktrecht, im Konsumenten-
schutz, im Kartellrecht, im Persönlichkeitsschutz und im Gleichstellungsrecht4 sowie im Datenschutz-
recht.5 

Weitergehend verlangt die vom Parlament noch nicht behandelte Motion 11.3977 Birrer-Heimo «Er-
leichterung der kollektiven Rechtsdurchsetzung in kollektiven Verfahren» unmittelbar die Ausarbeitung 
einer Gesetzesvorlage, die es einer grossen Anzahl gleichartig Geschädigter erleichtert, ihre Ansprü-
che gemeinsam vor Gericht geltend zu machen. Die ebenfalls noch nicht behandelte Motion 13.3052 
Schwaab «Recht zur Sammelklage bei Datenschutzverletzungen, insbesondere im Internet» verlangt 
die Ausarbeitung eines Vorentwurfs zu einer gesetzlichen Grundlage, welche die Möglichkeit der 
Sammelklage im Zivilrecht im Bereich des Datenschutzes, insbesondere im Internet und in den sozia-
len Netzwerken, vorsieht. Unter Hinweis auf die vorgängig notwendige Prüfung und den vorliegenden 
Bericht hat der Bundesrat die Ablehnung der Motionen beantragt.6 

1.2 Gegenstand und Ziel 

Der vorliegende Bericht setzt sich mit den verschiedenen Instrumenten des kollektiven Rechtsschut-
zes im in- und ausländischen Recht auseinander. Gegenstand des Rechtsschutzes bilden die mate-
riell-rechtlichen Ansprüche, wie sie das geltende Recht eröffnet. Diese Ansprüche und ihre Rechts-
grundlagen sind inhaltlich nicht Gegenstand dieses Berichts. Vorliegend geht es um die Frage der 
Wahrung dieser Rechtsansprüche und die Möglichkeiten ihrer kollektiven Geltendmachung. Im Zent-
rum steht dabei die Durchsetzung von Ansprüchen des Privatrechts bzw. von Ansprüchen zwischen 
Privaten, die sich auf Privatrecht stützen. Demgegenüber ist die kollektive Geltendmachung von öf-
fentlich-rechtlichen Ansprüchen, insbesondere auch gegenüber Nichtprivaten, d.h. hoheitlich auftre-
tenden Rechtssubjekten, nicht Gegenstand des Berichts. Ebenfalls nicht eingegangen wird im Rah-
men der vorliegenden Untersuchung auf neben der justizförmigen Rechtsdurchsetzung durch staatli-
che Gerichte bestehende Instrumente der Mediation und der alternativen Streiterledigung (engl. Alter-
native Dispute Resolution [ADR]) sowie auf die Schiedsgerichtsbarkeit. 

                      
1 Siehe zu den Begrifflichkeiten ausführlich nachfolgend unter Ziffer 2. 
2 Stellungnahme des Bundesrates vom 13. Oktober 2010 zum Bericht vom 30. Mai 2010 der Geschäftsprüfungskommissio-

nen des Nationalrates und des Ständerates, «Die Behörden unter dem Druck der Finanzkrise und der Herausgabe von 
UBS-Kundendaten an die USA», BBl 2011, 3459, hier 3503. 

3 Votum Bundesrätin Sommaruga vom 6. Dezember 2010, Beantwortung der Frage 10.5511 Bischof «Sammelklagen auch 
in der Schweiz?», AB NR 2010, 1826. 

4 Stellungnahme des Bundesrates vom 30. November 2011 zur Motion 11.3977 Birrer-Heimo. Erleichterung der Rechts-
durchsetzung in kollektiven Verfahren. 

5 Stellungnahme des Bundesrates vom 8. Mai 2013 zur Motion 13.3052 Schwaab. Recht zur Sammelklage bei Datenschutz-
verletzungen, insbesondere im Internet. 

6 Stellungnahme des Bundesrates vom 30. November 2011 zur Motion 11.3977 Birrer-Heimo. Erleichterung der Rechts-
durchsetzung in kollektiven Verfahren; Stellungnahme des Bundesrates vom 8. Mai 2013 zur Motion 13.3052 Schwaab. 
Recht zur Sammelklage bei Datenschutzverletzungen, insbesondere im Internet. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             66 

 

Der vorliegende Bericht verfolgt somit zwei Zielsetzungen: Erstens soll eine Bestandesaufnahme des 
kollektiven Rechtsschutzes im geltenden schweizerischen Recht vorgenommen werden, die beste-
hende Defizite aufzeigt. Gleichzeitig soll dabei auf vergleichbare oder unterschiedliche Instrumente in 
ausländischen Rechtsordnungen und ihre Ausgestaltung vergleichend eingegangen werden. Natur-
gemäss kann dabei keine umfassende und abschliessend rechtsvergleichende Darstellung geliefert 
werden. Gestützt darauf sollen zweitens für die verschiedenen Instrumente eine Bewertung vorge-
nommen und daraus Folgerungen im Hinblick auf mögliche Massnahmen gezogen werden. 

1.3 Inhalt 

In einem ersten Teil des Berichts werden der Begriff des kollektiven Rechtsschutzes und dessen 
Funktionen sowie die beiden zentralen Begriffe der sogenannten Massen- und Streuschäden erläutert 
(Ziffer 2). Anschliessend liefert der Bericht eine Darstellung und Bewertung der existierenden Instru-
mente des kollektiven Rechtsschutzes im geltenden schweizerischen Recht sowie in ausländischen 
Rechtsordnungen (Ziffer 3). In einem nächsten Schritt wird auf besondere Probleme beim kollektiven 
Rechtsschutz eingegangen; in diesem Zusammenhang ist insbesondere auf die aktienrechtliche Ver-
antwortlichkeitsklage einzugehen (Ziffer 4). Abschliessend werden daraus Folgerungen zum gelten-
den Recht und zu den Handlungsmöglichkeiten gezogen (Ziffer 5). 

2 Begriff und Zweck des kollektiven Rechtsschutzes 

2.1 Kollektiver Rechtsschutz als Sammelbegriff 

Unter dem (Sammel-)Begriff des kollektiven Rechtsschutzes7 werden verschiedene prozessuale 
Instrumente verstanden und zusammengefasst, die eine kollektive justizförmige Erledigung von 
(Schadenersatz- oder auch Unterlassungs-, durchaus aber auch Feststellungs-)Ansprüchen einer 
Vielzahl von gleich oder gleichartig betroffenen bzw. geschädigten Personen unter Bündelung ihrer 
Interessen und Ressourcen in einem einzigen (oder allenfalls ganz wenigen) gemeinsamen Verfahren 
ermöglichen.8 Insofern ist der Begriff durchaus in Abgrenzung zum Individualrechtsschutz zu sehen 
(vgl. jedoch die notwendige Relativierung in Ziffer 2.3 nachfolgend).9 

Zur Durchsetzung privatrechtlicher Ansprüche und Forderungen steht traditionell die individuelle Inte-
ressenwahrung im Vordergrund. Der Zivilprozess ist daher idealtypisch auf die individuelle Rechtsver-
folgung zur Durchsetzung individueller Ansprüche zwischen einer klagenden Partei und einer beklag-
ten Partei ausgerichtet, die sich im Verfahren gegenüber stehen.10 Den Parteien stehen individuelle 
Orientierungs-, Äusserungs-, Mitwirkungs- und Akteneinsichtsrechte zu, was sich aus Artikel 53 
Absatz 1 ZPO11 sowie bereits aus Artikel 29 Absatz 2 BV12 und Artikel 6 Absatz 1 EMRK13 ergibt.14 
Entsprechend dem vorrangigen Zweck des Zivilprozesses, subjektive Rechte der Einzelnen zu ge-
währleisten, gilt im Zivilprozess grundsätzlich der sogenannte Dispositionsgrundsatz (Art. 58 Abs. 1 
ZPO): Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und 
nicht weniger als die Gegenpartei anerkannt hat. Gleichzeitig beschränkt sich die Verbindlichkeit 
(Rechtskraft) eines zwischen den Parteien ergehenden gerichtlichen Entscheids in subjektiver Hin-
sicht grundsätzlich auf die Parteien des Prozesses, deren subjektive Rechte gerade Gegenstand des 
Prozesses bildeten; nur für diese ist der Entscheid verbindlich, und nur diese sind daran gebunden.15 
Nicht am Verfahren beteiligte Dritte sind dagegen nicht an den Entscheid gebunden und werden da-

                      
7 Im Englischen wird dabei zumeist von «collective redress» gesprochen. Der Begriff wurde massgeblich von den EU-

Behörden geprägt und findet heute in der EU standardmässig Verwendung, vgl. auch DICKENMANN, S. 467 ff. 
8 Vgl. dazu z.B. BERNET/HESS, S. 451 ff.; DROESE, S. 116 f. sowie zum ausländischen Recht WAGNER, Kollektiver Rechts-

schutz, S. 41 ff.; KOCH, Internationaler kollektiver Rechtsschutz, S. 55 ff.; BRUNS, S. 401. Vgl. auch EUROPÄISCHE KOMMIS-
SION, Kollektiver Rechtsschutz, S. 3 f.; EUROPÄISCHES PARLAMENT, Overview, S. 6. 

9 Vgl. nur MELLER-HANNICH/HÖLAND, Kollektiver Rechtsschutz, S. 164 ff. 
10 JEANDIN, Consorité, S. 163 f.; BSK ZPO-Oberhammer, Art. 89 N 1. Eine Ausnahme davon stellen die ebenfalls in der ZPO 

geregelten nichtstreitigen Verfahren der sog. freiwilligen Gerichtsbarkeit dar (Art. 248 Bst. e ZPO), wo normalerweise nur 
eine Gesuchstellerin auftritt; daher ist die freiwillige Gerichtsbarkeit nicht Gegenstand der vorliegenden Ausführungen. 

11 Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008 (SR 272). 
12 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (SR 101). 
13 (Europäische) Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101). 
14 Vgl. zum Anspruch auf rechtliches Gehör im Zivilprozess BK ZPO-HURNI, Art. 53 N 5 ff. m.w.N. 
15 Vgl. nur BSK ZPO-OBERHAMMER, Vor Art. 236–242 N 21 und N 47. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             67 

 

durch in ihren Rechten nicht betroffen, können daraus aber auch nichts zu ihren Gunsten ableiten.16 
Die zivilprozessualen Regelungen über die Prozesskosten sind ebenfalls vor dem Hintergrund des 
Zwecks des Zivilprozesses als Individualverfahren zu sehen: Da es um die Verwirklichung der subjek-
tiven Rechte der beteiligten Parteien geht, sollen diesen grundsätzlich die damit verbundenen Kosten 
der Rechtsdurchsetzung nach bestimmten Tarifen (vgl. Art. 96 ZPO) überbunden werden. Nach dem 
in Artikel 106 ZPO niedergelegten sogenannten Erfolgsprinzip werden die Prozesskosten grundsätz-
lich der unterliegenden Partei auferlegt, was auf der Vermutung beruht, diese habe die Kosten der 
Rechtsverwirklichung verursacht.17 

Primärer Zweck des Zivilprozesses ist somit die Gewährung von Individualrechtsschutz. Das Privat-
recht verleiht den Einzelnen subjektive Rechte, zu deren Verwirklichung der Zivilprozess dient. Damit 
soll im Einzelfall materielle Gerechtigkeit erreicht werden. Gleichzeitig bezweckt der Zivilprozess die 
Durchsetzung der Rechtsordnung als objektives Recht, also auch die Erhaltung bzw. Herbeiführung 
von Rechtsfrieden und Rechtssicherheit.18 Der Staat ist als Träger der Rechts- und Justizhoheit zur 
Gewährung und Garantie eines umfassenden Rechtsschutzes verpflichtet, was selbstverständlich 
auch im Privatrecht gilt. Nach dem in Artikel 29 Absatz 1 und Artikel 29a BV sowie in Artikel 6 Ziffer 1 
EMRK verankerten Justizgewährungsanspruch hat jede Person Anspruch auf Zugang zur Rechtspfle-
ge und Gewährung der Justiz durch die gerichtlichen Behörden.19 

2.2 Zielsetzung und Zwecke des kollektiven Rechtsschutzes 

Ziel des kollektiven Rechtsschutzes ist eine gegenüber dem Individualrechtsschutz effizientere und 
effektivere Rechtsdurchsetzung durch Kollektivierung von Interessen und Ressourcen in Fällen, in 
denen es um die Interessenwahrung und Rechtsdurchsetzung einer Vielzahl von Ansprüchen geht, 
die auf einer gleichen oder gleichartigen Rechts- und Tatsachenlage beruhen und sich gegen eine 
(oder wenige) Personen richtet. Ausgehend davon lassen sich als Zwecke des kollektiven Rechts-
schutzes die prozessuale Effizienz, die Kompensation und die Prävention bestimmter unrechtmässi-
ger Verhaltensweisen sowie die effektive Durchsetzung des objektiven Rechts nennen. Je nach der 
objektiven und subjektiven Bedeutung des Anspruchs für den Berechtigten, um dessen Rechtsdurch-
setzung es geht, steht dabei einer oder auch mehrere dieser Zwecke im Vordergrund. Oft dürften sich 
die den verschiedenen Zwecken zugrundeliegenden Konstellationen, insbesondere Massen- und 
Streuschäden (dazu sogleich), überlagern.20 

2.2.1 Prozessuale Effizienz 

Allgemeines 

Ausgehend von der Idee der effizienten Rechtsverfolgung soll mit den Instrumenten des kollektiven 
Rechtsschutzes unter rein quantitativen Gesichtspunkten gerade das effiziente Funktionieren der 
Rechtspflege zu Gunsten aller Beteiligten sichergestellt werden. So ermöglichen erst die Instrumente 
der kollektiven Rechtsdurchsetzung eine justizförmige und rasche Schadensabwicklung, wenn eine 
Vielzahl von Klagen zur gleichen Zeit auf der gleichen Grundlage beim (gleichen) Gericht erhoben 
wird, wie es beispielsweise bei sogenannten Massenschäden vorkommt. 

Eine effiziente Rechtsdurchsetzung liegt wiederum im allgemeinen Interesse an einer effektiven und 
funktionsfähigen Justiz sowie im Individualinteresse des Geschädigten an einer effektiven Rechts-
durchsetzung und insbesondere am Schadensausgleich.21 Effizienzgewinne bestehen gerade auch 
für die beklagte Partei, indem ein Verfahrensausgang auch für Personen verbindlich wird, die nicht am 
Verfahren teilgenommen haben und damit eine Rechtsunsicherheit vollständig und verbindlich erledigt 

                      
16 Ausnahmsweise besteht eine Rechtskrafterstreckung auf Dritte, so insb. bei Gesamtrechtsnachfolgen oder kraft positiv-

rechtlicher Anordnung, vgl. nur BSK ZPO-OBERHAMMER, Vor Art. 236–242 N 48 ff. 
17 Allgemein wird der Grundsatz, dass die unterliegende Partei die (gesamten) Kosten eines Verfahrens und/oder insbeson-

dere auch die Kosten, die der Gegenpartei bei der Prozessführung entstanden sind, zu tragen hat als «Loser pays all»- 
oder «Loser pays»-Regel bezeichnet, welche auch als «English rule» gilt. Der Gegensatz dazu ist die sog. «American 
rule», wonach jede Prozesspartei ihre eigenen Prozesskosten zu tragen hat. 

18 Vgl. STAEHELIN/STAEHELIN/GROLIMUND, § 1 Rz 2–4; LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, Rz 1.3 ff.; SCHILKEN, S. 24.  
19 STAEHELIN/STAEHELIN/GROLIMUND, § 1 Rz 8. 
20 Vgl. nur DOMEJ, S. 422. 
21 KOCH, Sammelklage, S. 442; WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 47 ff. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             68 

 

werden kann.22 Gleichzeitig werden unterschiedliche, insbesondere widersprechende Entscheidungen 
über gleiche Tat- und Rechtsfragen vermieden.23 

Massenschäden 

Von Massenschäden spricht man dann, wenn eine Vielzahl von Personen durch ein Schadensereignis 
(oder eine Anzahl gleicher Schadensquellen), durch ein widerrechtliches Verhalten oder allgemeiner 
durch eine Ursache in gleicher oder gleichartiger Weise in ihren Rechten bzw. Rechtsgütern betroffen 
und geschädigt wird, wobei die oder der einzelne Geschädigte erheblich betroffen ist und ihr oder ihm 
ein erheblicher und damit mehr als nur ein wertmässig kleiner, vernachlässigbarer Sach- oder Vermö-
gensschaden entsteht.24 

Zu unterstreichen ist, dass die verwendete Terminologie keineswegs einheitlich ist. So wird der Begriff 
Massenschaden teilweise auch als Oberbegriff verwendet25 oder teilweise weiter eingeschränkt.26 
Jedenfalls sind die Massen- oder auch Grossschäden von den sogenannten Streuschäden (dazu 
sogleich nachfolgend) abzugrenzen. 

Massenschäden entstehen aufgrund grosser Unfälle, Unglücke und Katastrophen wie Zugunglücke, 
Flugzeugabstürze, Unglücke mit Bergbahnen, Explosionen oder Grossbrände.27 Ebenfalls Massen-
schäden sind Serienschäden infolge fehlerhafter Produkte wie z.B. Medikamente und allgemein 
sogenannte toxische Massenschäden zufolge Austritts von Radioaktivität oder auch durch Asbest 
(-exposition).28 

Als moderne Erscheinung zeigen sich Massenschäden im Bereich des Kapital- und Finanzmarkts in 
der Form von sogenannten Anlegerschäden, wenn beispielsweise eine Vielzahl von Kapitalanlegerin-
nen und -anlegern durch irreführende, falsche oder unterbliebene Informationen Verluste erleiden.29 
Massenschadensfälle können sich auch aus mangelhafter Anlageberatung oder -vermittlung ergeben, 
wenn diese auf generellen oder strukturellen Pflichtwidrigkeiten beruht, die eine Vielzahl von Geschä-
digten in gleicher oder gleichartiger Weise treffen. So werden auch die Fälle der Schädigungen als 
Massenschäden bezeichnet, welche im Jahr 2008 eine Vielzahl von Anlegerinnen und Anlegern im 
Zusammenhang mit den Insolvenzen der beiden Finanzinstitute Lehman Brothers Holding Inc. bzw. 
der ganzen Lehman-Gruppe und der Kaupthing-Gruppe erlitten.30 

Als Massenschadensfälle im Kartellrecht sind diejenigen Konstellationen zu betrachten, in denen es 
um eine Schädigung einer Vielzahl von Konkurrenten, Abnehmern oder Zulieferern durch unzulässige 
Wettbewerbsabreden geht. Auch im Lauterkeitsrecht sind Fälle von Massenschäden denkbar, bei-
spielsweise durch die Verwendung missbräuchlicher Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB) 
gegenüber einer Vielzahl von Konsumentinnen und Konsumenten. Sodann kann auch eine (systema-
tische) Verletzung von Bestimmungen des Gleichstellungsrechts, insbesondere wegen Verletzung des 
Lohngleichheitsgebots, gegenüber einer Vielzahl von Betroffenen zu einem Massenschaden führen. 
Darüber hinaus treten auch im Arbeits- und im Mietrecht Massenschadensfälle auf. 

                      
22 Vgl. nur DROESE, S. 118. 
23 DROESE, S. 118; BERNET/GROZ, S. 78.  
24 Vgl. dazu auch für das schweizerische Recht GORDON-VRBA, S. 6 und 9 f.; BRUNNER, Zur Verbands- und Sammelklage, 

S. 39, der aber nicht zwischen Massenschäden und Streuschäden unterscheidet; SCHALLER, Rz 169; STARK/KNECHT, S. 53. 
Vgl. sodann aus dem ausländischen Recht WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 54; WAGNER, Collective Redress S. 65. 
Teilweise werden dafür auch die Bezeichnungen «Grossschäden» oder «Kumulschäden» verwendet, vgl. z.B. GORDON-
VRBA, S. 6 und 9 f. oder KLAUSER, Massenschäden, S. 19.  

25 Vgl. bspw. VON BAR, S. A 9 ff.  
26 Mit der Schaffung des zwischenzeitlich durch die Schweizerische Zivilprozessordnung abgelösten Bundesgesetzes über 

den Gerichtsstand in Zivilsachen vom 24. März 2000 (aSR 272) fand der Begriff des Massenschadens Eingang in das 
schweizerische Recht: Art. 27 aGestG sah einen besonderen Gerichtsstand bei Massenschäden vor. Gemäss Botschaft 
sind «unter Massenschäden Ereignisse zu verstehen, bei denen eine grössere Zahl von Menschen – eine «Menschen-
masse» – betroffen ist» (BBl 1999, 2866). Weil dieser Begriff des Massenschadens als zu unbestimmt und kaum justiziabel 
erachtet wurde, verzichtete man auf die Übernahme dieses Gerichtsstands in die ZPO (BBl 2006, 7269 f.; vgl. nur ZK ZPO-
SUTTER-SOMM/ HEDINGER, Art. 36 N 2; kritisch dazu DROESE, S. 133 f.). 

27 HAGER/LEONHARD, S. 303 f.  
28 Im angloamerikanischen Rechtskreis wird von «toxic mass torts» gesprochen. 
29 WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 54; KOLLER, S. 63 ff.; KALSS, Massenverfahren, S. 322.  
30 Vgl. z.B. Motion 11.3977 Birrer-Heimo. Erleichterung der Rechtsdurchsetzung in kollektiven Verfahren. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             69 

 

In Fällen von Massenschäden zeigen sich in Bezug auf die Rechtsdurchsetzung drei besondere Prob-
lemstellungen: 

1. Die oder der Einzelne hat einen Schaden erlitten, der für sie oder ihn nicht bloss ein wertmässig 
kleiner, vernachlässigbarer Sach- oder Vermögensschaden darstellt, sondern dieser ist von sol-
cher Bedeutung, dass eine Rechtsdurchsetzung beabsichtigt und angestrebt wird. Gleichzeitig 
ist die oder der Geschädigte nicht alleine in dieser Situation, sondern eine Vielzahl von Perso-
nen befindet sich in der gleichen Lage. Unterschiede bestehen möglicherweise hinsichtlich der 
konkreten Höhe des Schadens, des konkreten Schadensfalles sowie der individuellen Aus-
gangslage hinsichtlich rechtlicher und finanzieller Möglichkeiten (Vertrautheit in Rechtsfragen, 
mögliche Rechtsschutzversicherung, finanzielle Lage etc.). 

2. Demgegenüber sehen sich ein oder mehrere mutmasslich als Schädiger haftbare, potenzielle 
Beklagte mit einer Vielzahl von gleichen oder ähnlichen Ansprüchen und damit (zumindest po-
tenziell) einer Vielzahl von rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert, was sie/ihn in ver-
schiedener Hinsicht vor besondere Herausforderungen stellen kann, selbst wenn es sich bei 
den potenziell Beklagten zumeist um grössere Organisationen bzw. Firmen handelt. 

3. Zumindest potenziell kommt es zu einer massenhaften Inanspruchnahme des oder der zustän-
digen Gericht(e) mit Verfahren, die in grossen Teilen ähnliche Fragen und Problemstellungen 
aufwerfen, aber aufgrund der Vielzahl der Fälle dennoch die Funktionsfähigkeit des Justizsys-
tems gefährden können. 

2.2.2 Kompensation und Prävention unrechtmässiger 
Verhaltensweisen 

Allgemeines 

Mit den Instrumenten des kollektiven Rechtsschutzes kann die Verwirklichung der präventiven, verhal-
tenssteuernden und regulierenden Funktion des objektiven Rechts erreicht werden.31 Diese Funktion 
der Verhaltenssteuerung steht insbesondere bei der Durchsetzung von sogenannten Streuschäden im 
Vordergrund, die erst durch den Einsatz von Instrumenten des kollektiven Rechtsschutzes ökono-
misch sinnvoll wird.32 

Der Zweck der Kompensation und Prävention bildet auch Hauptzweck der Instrumente des kollektiven 
Rechtsschutzes in Bezug auf sogenannte Gemeinschaftsgüterschäden, d.h. Nachteile an Rechtsgü-
tern oder Interessen, die keinem einzelnen Rechtssubjekt oder einer Gruppe von Rechtssubjektiven 
direkt zugeordnet werden können, sondern der Gemeinschaft oder der Gesellschaft insgesamt zuste-
hen, wie insbesondere die Umwelt.33 Da es sich dabei aber primär um öffentlich-rechtliche Fragestel-
lungen handelt, werden diese im Rahmen des vorliegenden Berichts nicht weiter beleuchtet. 

Streuschäden 

Als Streuschäden werden nach allgemeiner Auffassung Schäden bezeichnet, bei welchen zwar wie 
bei Massenschäden ebenfalls eine Vielzahl von Personen durch ein Schadensereignis oder eine 
«zentrale Ursache» in gleicher oder gleichartiger Weise geschädigt werden, welche dabei aber nur 
einen wertmässig kleinen Sach- oder Vermögensschaden erleiden.34 Teilweise werden Streuschäden 
unter Berücksichtigung der Höhe des finanziellen Schadens des Einzelnen und der Interessenlage 
weiter in sogenannte Bagatell- oder Kleinstschäden einerseits und (etwas grössere, aber immer noch 
geringe) Kleinschäden andererseits unterteilt.35 

Als Beispiele für Streuschäden gelten vorab Schädigungen zufolge kartellrechtswidriger oder unlaute-
rer Geschäftspraktiken von Unternehmungen gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten.36 Im 
Kartellrecht geht es dabei vor allem um die bei einer Vielzahl von Konsumentinnen und Konsumenten 
durch kartellistisches oder anderes wettbewerbsbeschränkendes Verhalten entstandene Schädigun-

                      
31 KOCH, Sammelklage, S. 442 f.; WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 47 ff.; DROESE, S. 119. 
32 DROESE, S. 118 f.; WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 73 f. 
33 Vgl. dazu WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 50. 
34 Vgl. dazu für das schweizerische Recht DICKENMANN, S. 468; DROESE, S. 118 f.; GORDON-VRBA, S. 6 und 9 f.; FISCHER, 

S. 53 f.; HEINEMANN, S. 21; vgl. zum ausländischen Recht bspw. WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 51 ff.  
35 Vgl. nur GORDON-VRBA, S. 10; BERNET/HESS, S. 452. 
36 Vgl. nur bspw. EBBING, S. 27; WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 52 f. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             70 

 

gen, primär durch Bezahlen überhöhter Preise zufolge unzulässiger Wettbewerbsabreden. In ver-
gleichbarer Weise kann unlauteres Verhalten bei einer Vielzahl von Abnehmerinnen und Abnehmern 
zu einer wertmässig vernachlässigbaren Schädigung führen, beispielsweise wenn aufgrund unlauterer 
Methoden unrechtmässige Gewinne erzielt werden. Auch geringe Schädigungen von Investorinnen 
und Investoren am Kapital- und Finanzmarkt werden teilweise als Streuschäden qualifiziert.37 Glei-
ches wird teilweise bei Datenschutzverletzungen im Internet gesagt.38 

Für die Rechtsdurchsetzung von Streuschäden stellen sich damit im Vergleich zu den Massenschä-
den folgende zwei Komplikationen: 

1. Weil der finanzielle Schaden der oder des einzelnen Geschädigten nur sehr gering, teilweise 
geradezu marginal ist, sieht diese(r) in der Regel von der Geltendmachung und gerichtlichen 
Durchsetzung ab, weil sich der (finanzielle) Aufwand im Verhältnis zum mutmasslichen maxima-
len Prozessgewinn nicht lohnt. Dabei spricht man von «rationalem Desinteresse» oder soge-
nannter «rationaler Apathie», indem der Geschädigte gerade aus ökonomischen Überlegungen 
von der Rechtsdurchsetzung absieht und seine Ansprüche nicht verwirklicht werden.39 

2. Auf der anderen Seite muss ein Schadensverursacher in einem solchen Fall nicht mit einer In-
anspruchnahme durch die Geschädigten rechnen. Diese Überlegung wird er insbesondere bei 
seinen zukünftigen Verhaltensweisen berücksichtigen, was sowohl unter gesamtökonomischen 
als auch unter regulatorischen Gesichtspunkten unerwünscht erscheint. 

2.2.3 Effektive Durchsetzung des objektiven Rechts 

In qualitativer Hinsicht dient der kollektive Rechtsschutz der effektiven Durchsetzung des objektiven 
Rechts, indem er die Durchsetzung bestimmter individueller Einzelansprüche – teilweise aber auch 
von Kollektivansprüchen – erst ermöglicht, indem dafür effektive, kosteneffiziente und damit auch 
unter ökonomischen Gesichtspunkten attraktive Justizverfahren zur Verfügung gestellt werden. Inso-
fern stellt der kollektive Rechtsschutz gerade die notwendige Ergänzung des Individualrechtsschutzes 
zur tatsächlichen Einlösung des Justizgewährungsanspruchs (vgl. dazu vorne Ziffer 2.1) dar und dient 
somit auch der Verwirklichung des Rechtsstaates. 

2.3 Echter kollektiver Rechtsschutz und kollektiver Rechtsschutz in 
den Formen des Individualrechtsschutzes 

Im Rahmen der erwähnten Begriffsbildung (vgl. vorne Ziffer 2.1) sowie der Zweck- und Zielsetzungen 
(vorne Ziffer 2.2) ist bei den Instrumenten des kollektiven Rechtsschutzes zu unterscheiden zwischen 
solchen, die eine echte kollektive Rechtsdurchsetzung bewirken, indem gewisse Ansprüche kollektiv 
durchgesetzt werden, und jenen, mit welchen trotz primär individueller Wirkung innerhalb der Formen 
des Individualrechtsschutzes eine bestimmte Kollektivierung des Rechtsschutzes erreicht werden 
kann. Gewisse Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes können dabei je nach ihrer konkreten 
Ausgestaltung sowohl eine echte kollektive Rechtsdurchsetzung bewirken oder aber lediglich zu einer 
«kollektivierten» Individualrechtsdurchsetzung führen; dies gilt insbesondere für Verbandsklagen so-
wie für Muster- oder Testverfahren. Diese Unterscheidung ist für die nachfolgende Darstellung der 
verschiedenen Formen und Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes bedeutsam. Dabei ist zu be-
achten, dass die in Lehre und Praxis vorgenommenen Unterscheidungen der verschiedenen Instru-
mente des kollektiven Rechtsschutzes je nach Anwendungsbereich und Sachgebiet teilweise deutlich 
voneinander abweichen und einer Verallgemeinerung nur bedingt zugänglich sind.40 

                      
37 So bspw. GORDON-VRBA, S. 10; EBBING, S. 27. 
38 Vgl. Motion 13.3052 Schwaab. Recht zur Sammelklage bei Datenschutzverletzungen, insbesondere im Internet. 
39 Vgl. nur HIRTE, S. 148 ff.; MELLER-HANNICH/HÖLAND, Europäische Sammelklage, S. 170, 175; VAN DEN BERGH/KESKE, 

S. 20 f.; WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 55 ff.  
40 So bspw. KOCH, Sammelklage, S. 439. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             71 

 

2.4 Kollektiver Rechtsschutz in der Schweiz 

Ausgehend von der traditionellen Vorstellung und Konzeption des Zivilprozesses als der individuellen 
Interessenwahrung und Rechtsdurchsetzung dienender Individualprozess haben der schweizerische 
Gesetzgeber, aber auch die Lehre und Praxis, bisher grosse Zurückhaltung gegenüber jeglicher Form 
des echten kollektiven Rechtsschutzes gezeigt. So wurde bei der Schaffung der Schweizerischen 
Zivilprozessordnung (ZPO) bewusst auf die Konzeptionierung und Einführung neuer Instrumente des 
kollektiven Rechtsschutzes verzichtet. Insbesondere die Einführung einer eigentlichen Sammelklage 
(class action) wurde ausdrücklich abgelehnt. Nach dem damaligen Willen des Gesetzesgebers sollte 
dem Gedanken der kollektiven Rechtsdurchsetzung vorab mit den bekannten Instrumenten der Kla-
genhäufung und der Verbandsklage entsprochen werden.41 Dieser pauschale Verzicht wurde insbe-
sondere von Seiten der Wissenschaft, aber auch von Praktikern, in verschiedener Hinsicht kritisiert.42 

Ungeachtet dessen existieren in der Schweiz heute verschiedene prozessuale Instrumente, die dem 
kollektiven Rechtsschutz zuordnen sind, indem sie zumindest eine kollektivierte Interessenwahrung 
erlauben. Dabei handelt es sich jedoch in der Regel um Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes 
in der Form des Individualrechtsschutzes, nicht um echte kollektive Rechtdurchsetzung (vgl. vorne 
Ziffer 2.3). Neben allgemeinen Instituten aufgrund der ZPO existieren besondere Instrumente des 
kollektiven Rechtsschutzes kraft spezialgesetzlicher Regelung. Beide Erscheinungsformen sollen im 
Folgenden ausführlich dargestellt werden (vgl. nachfolgend Ziffer 3). 

3 Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes in der Schweiz 
und im Ausland 

3.1 Subjektive und objektive Klagenhäufung 

3.1.1 Subjektive und objektive Klagenhäufung (Art. 71 und Art. 90 ZPO) 

Bei der subjektiven Klagenhäufung (auch einfache Streitgenossenschaft genannt) werden mehrere, 
rechtlich an sich voneinander unabhängige, aber sachlich oder rechtlich zusammenhängende Klagen 
von mehreren Klägern oder Beklagten in einem Prozess zusammengefasst.43 Die einfache Streitge-
nossenschaft ist freiwillig – jedenfalls aus Sicht der klagenden Partei/-en – und erfolgt aus Zweckmäs-
sigkeitsgründen.44 Damit sollen die Prozessökonomie und die Entscheidungsharmonie gefördert wer-
den.45 Stets handelt es sich um eigenständige Rechtsbegehren, bei welchen die Prozessvorausset-
zungen und die geltend gemachten Ansprüche selbständig zu prüfen und zu entscheiden sind; ein 
Entscheid entfaltet stets nur zwischen den jeweiligen Parteien Wirkung, nicht aber im Verhältnis zwi-
schen den Streitgenossen.46 Ungeachtet des insofern missverständlichen Wortlauts von Artikel 71 
Absatz 3 ZPO handelt jeder Streitgenosse stets eigenständig und unabhängig von den übrigen Streit-
genossen und kann selbständig über den Streitgegenstand disponieren, ohne dass ihn das prozessu-
ale Handeln der anderen Streitgenossen irgendwie verpflichten würde.47 

Nach Artikel 71 Absatz 1 und 2 ZPO setzt die subjektive Klagenhäufung dreierlei voraus: Erstens 
müssen die geltend gemachten Ansprüche auf gleichartigen Tatsachen oder Rechtsgründen beruhen, 
d.h. es muss sogenannte Konnexität bzw. ein genügender Sachzusammenhang bestehen.48 Zweitens 
muss für sämtliche Ansprüche die gleiche Verfahrensart anwendbar sein. Drittens ist (stillschwei-
gend49) eine gleiche örtliche und sachliche Zuständigkeit vorausgesetzt, wobei nach Artikel 15 
Absatz 1 ZPO mehrere Streitgenossen vor dem für einen der beklagten Streitgenossen zuständigen 

                      
41 Vgl. dazu Bericht zum Vorentwurf der Expertenkommission, Juni 2003, S. 45; Zusammenstellung der Vernehmlassungen 

zum Vorentwurf für ein Bundesgesetz über die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO), 2004, S. 7, 230 ff.; Botschaft 
zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7224 und 7290; AB 2008 NR 632. 

42 Vgl. BAUMGARTNER, Class Actions, S. 308; JEANDIN, Parties au procès, S. 143 ff.; SCHWANDER, S. 14; BÜHLER, S. 21;  
FISCHER, S. 54 f. 

43 Vgl. nur KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 1 m.w.N. 
44 Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7281. 
45 Vgl. KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 1 und GORDON-VRBA, S. 170 je m.w.N.; vgl. auch GULDENER, S. 301 ff. 
46 KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 1, 8; BSK ZPO-RUGGLE, Art. 71 N 30 ff. 
47 KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 8 ff.; BSK ZPO-RUGGLE, Art. 71 N 30 ff.; CPC-JEANDIN, Art. 71 N 10 ff. 
48 KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 2 f.; BSK ZPO-RUGGLE, Art. 71 N 14 f. 
49 So zumindest für die sachliche Zuständigkeit BSK ZPO-RUGGLE, Art. 71 N 17. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             72 

 

Gericht gemeinsam verklagt werden können, es sei denn, diese Zuständigkeit basiere auf einer 
Gerichtsstandsvereinbarung.50 

Bei der objektiven Klagenhäufung hingegen werden von einer einzigen klagenden Partei mehrere an 
sich selbständige und voneinander unabhängige prozessuale Ansprüche gegen denselben Beklagten 
in einer einzigen Klage geltend gemacht.51 Daraus resultiert eine Kumulierung52 mehrerer Streitge-
genstände in einem Verfahren, wozu der Kläger grundsätzlich nach dem Dispositionsgrundsatz 
berechtigt, aber nicht verpflichtet ist.53 Voraussetzungen einer objektiven Klagenhäufung sind nach 
Artikel 90 Buchstabe a ZPO die gleiche sachliche Zuständigkeit eines Gerichts, wofür stillschweigend 
auch eine gleiche örtliche Zuständigkeit gegeben sein muss, und nach Artikel 90 Buchstabe b ZPO 
die gleiche Verfahrensart für alle gehäuften Ansprüche. Da Artikel 15 Absatz 2 ZPO für Ansprüche, 
die in einem sachlichen Zusammenhang stehen, eine gemeinsame örtliche Zuständigkeit eröffnet, 
kommt eine objektive Klagenhäufung bei gegebenem sachlichen Zusammenhang und gleicher Ver-
fahrensart54 grundsätzlich in Betracht. 

So können beispielsweise Mieterinnen und Mieter eines Mehrfamilienhauses im Rahmen einer subjek-
tiven Klagenhäufung gemeinsam eine Mietzinserhöhung anfechten55 oder Arbeitnehmerinnen und 
Arbeitnehmer gegen eine ungerechtfertigte Massenentlassung klagen. Denkbar ist auch, dass Kon-
sumentinnen und Konsumenten vom gleichen fehlerhaften Produkt, beispielsweise einem Medika-
ment, betroffen sind und gemeinsam gegen die Herstellerin oder den Hersteller klagen. Ebenfalls 
kommt die Bildung einer einfachen Streitgenossenschaft durch verschiedene Arbeitnehmerinnen we-
gen diskriminierender Entlöhnung gegen den gemeinsamen Arbeitgeber in Betracht. Als Folge der 
einfachen Streitgenossenschaft kommt es neben der erwähnten Eröffnung eines gemeinsamen Ge-
richtsstands (Art. 15 Abs. 1 ZPO) aufgrund von Artikel 93 Absatz 1 ZPO zu einer gesamthaften Streit-
wertberechnung, jedoch auch zu einer anteilsmässigen Kostenfestsetzung (Art. 106 Abs. 3 ZPO; vgl. 
dazu auch hinten unter Ziffer 4.1.1) und insbesondere zur Möglichkeit einer gemeinsamen Vertretung 
nach Artikel 72 ZPO.56 Die verschiedenen Ansprüche lassen sich auch in der Hand eines bestimmten 
Klägers zusammenführen und anschliessend mittels objektiver Klagenhäufung gemeinsam einklagen: 
Die Mieterinnen und Mieter könnten ihre Ansprüche an einen Mieterverband, die wegen Lohndiskrimi-
nierung klagenden Arbeitnehmerinnen beispielsweise an einen Berufsverband abtreten, welche diese 
gemeinsam geltend machen, was die Prozessführung vereinfacht und mit Kosteneinsparungen ver-
bunden sein kann. Denkbar ist auch die Abtretung an eine selbst zu diesem Zweck gegründete Inte-
ressengemeinschaft. 

3.1.2 Prozessvereinigung, -sistierung und -überweisung 
(Art. 125 Bst. c, Art. 126 und Art. 127 ZPO) 

Primär in Verbindung mit den Möglichkeiten der subjektiven oder objektiven Klagenhäufung können 
die Möglichkeiten der Prozessvereinigung, -sistierung und -überweisung der kollektiven Rechtsdurch-
setzung dienen. 

Nach Artikel 125 Buchstabe c ZPO kann ein Gericht mehrere selbständig eingereichte Verfahren ver-
einigen, wenn dies der Vereinfachung des Prozesses dient. Voraussetzungen sind somit, dass die 
gleiche örtliche und sachliche Zuständigkeit besteht57 und die gleiche Verfahrensart gilt.58 Aus der 

                      
50 Vgl. zur Frage, ob gleiche örtliche und sachliche Zuständigkeit vorausgesetzt ist, KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 5 f.; ZK 

ZPO-STAEHELIN/SCHWEIZER, Art. 70 N 8 ff. 
51 Vgl. nur BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 90 N 1; ZK ZPO-BESSENICH/BOPP, Art. 90 N 3; BK ZPO-MARKUS, Art. 90 N 1. 
52 Als Fall der objektiven Klagenhäufung gilt auch die Geltendmachung von Eventualbegehren, vgl. nur BSK ZPO-

OBERHAMMER, Art. 90 N 1; DIKE-Komm. ZPO-FÜLLEMANN, Art. 90 N 2.  
53 BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 90 N 1 f.  
54 Zum Erfordernis der gleichen Verfahrensart gemäss Art. 90 Bst. b ZPO wird verschiedentlich die Ansicht vertreten, dass 

dieses auch dann erfüllt ist, wenn zwar für mehrere Ansprüche gemäss ZPO eine andere Verfahrensart (d.h. das ordentli-
che bzw. das vereinfachte Verfahren) vorgesehen ist, dieser Unterschied jedoch ausschliesslich auf dem Streitwert beruht, 
was eine gemeinsame, prozessökonomisch sinnvolle Behandlung verschiedener Ansprüche ebenfalls rechtfertige, so 
bspw. GASSER/RICKLI, Art. 90 N 11; DIKE-Komm. ZPO-FÜLLEMANN, Art. 90 N 6; CPC-BOHNET, Art. 90 N 8 f. 

55 Vgl. bspw. BOHNET, S. 167. 
56 Ungeachtet dessen kann das Gericht aber gestützt auf Art. 125 Bst. b ZPO die Klagen aus prozessökonomischen Gründen 

trennen, vgl. nur LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, Rz 348. Da es sich um unabhängige Ansprüche handelt, sind darüber stets 
unterschiedliche Entscheidungen möglich, vgl. KUKO ZPO-DOMEJ, Art. 71 N 1; BSK ZPO-RUGGLE, Art. 71 N 41; DIKE-
Komm. ZPO-BORLA-GEIER, Art. 71 N 21; CPC-JEANDIN, Art. 71 N 11. 

57 Vgl. nur KUKO ZPO-WEBER, Art. 125 N 5 f. 
58 So explizit BSK ZPO-BORNATICO, Art. 125 N 15; KUKO ZPO-WEBER, Art. 125 N 5 f. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             73 

 

Voraussetzung der Zweckmässigkeit zur Vereinfachung des Verfahrens ergibt sich, dass zwischen 
den verschiedenen Verfahren ein Zusammenhang bestehen muss, welcher zumeist sachlicher Natur 
sein dürfte, indem gleiche oder gleichartige Tatsachen oder Rechtsfragen vorliegen.59 Artikel 126 
Absatz 1 ZPO sieht die Möglichkeit vor, dass ein Gericht ein Verfahren sistiert, wenn die Zweckmäs-
sigkeit es verlangt, namentlich wenn der Entscheid vom Ausgang eines anderen Verfahrens abhängt. 
In Abweichung vom allgemein geltenden Beschleunigungsgebot soll ein Verfahren durch formellen 
Entscheid60 ausgesetzt werden können, wenn dadurch eine einheitliche Rechtsverwirklichung erreicht 
und insbesondere Widersprüche vermieden werden können oder wenn daraus eine Vereinfachung 
des Verfahrens resultiert.61 Werden bei verschiedenen Gerichten verschiedene Klagen erhoben, die 
miteinander in sachlichem Zusammenhang stehen, so kann das später angerufene Gericht nach Arti-
kel 127 Absatz 1 ZPO die bei ihm erhobene Klage an das zuerst angerufene Gericht überweisen, 
wenn dieses damit einverstanden ist. Die Koordination und Konzentration dieser Klagen bei einem 
einzigen Gericht soll eine verfahrensökonomische und möglichst widerspruchsfreie Rechtsprechung 
ermöglichen.62 

Die drei Möglichkeiten der Prozessvereinigung, -sistierung und -überweisung erlauben zwar einem mit 
mehreren Verfahren befassten Gericht, die verschiedenen Prozesse aus Gründen der Prozessöko-
nomie aufeinander abzustimmen. Diese Möglichkeiten sind gerade auch im Kontext anderer Instru-
mente zu sehen, namentlich einem Muster- oder Testverfahren (vgl. dazu sogleich nachfolgend Zif-
fer 3.3.1). In allen Fällen ist jedoch über die verschiedenen Klagen und Ansprüche separat und eigen-
ständig zu entscheiden, und die Parteien bleiben in ihrer Prozessführung selbständig und ihre Vor-
bringen gelten nur für das jeweilige Verfahren.63 Eine eigentliche kollektive oder kollektivierte Rechts-
durchsetzung resultiert daraus nicht, jedenfalls nicht aus Sicht der Parteien. Demgegenüber kann sich 
aus Sicht des Gerichts eine gewisse Kollektivierung ergeben, wenn verschiedene Klagen in einem 
Verfahren vereinigt werden. 

3.1.3 Sammelklage österreichischer Prägung als besondere praktische 
Ausprägung der objektiven Klagenhäufung: Modell für die 
Schweiz? 

Auf der Basis von mit dem schweizerischen Recht vergleichbaren rechtlichen Grundlagen hat sich in 
Österreich seit 2001 in der Praxis eine Form der kollektiven Rechtsdurchsetzung herausgebildet, die 
häufig als sogenannte Sammelklage nach österreichischem Recht bzw. österreichischer Prägung 
bezeichnet wird. Die Bezeichnung ist doppelt irreführend, weil es sich dabei gerade nicht um eine 
Sammelklage handelt und das Instrument nicht primär auf Besonderheiten des österreichischen 
Rechts basiert.64 Dabei macht ein einziger «Sammelkläger» in der Form einer objektiven Klagenhäu-
fung eine Vielzahl gleichgerichteter Ansprüche gegen einen Beklagten geltend, welche ihm vorher von 
den ursprünglichen Gläubigern – und potentiellen Einzelklägern – abgetreten wurden. Umstritten ist 
dabei, ob eine solche inkassoweise Geltendmachung einer Vielzahl von Ansprüchen lediglich unter 
der Voraussetzung der Konnexität zulässig ist, d.h. im Wesentlichen in allen Fällen gleichartige An-
spruchsgründe und in denen gleiche tatsächliche oder rechtliche Haupt- oder Vorfragen zu beantwor-
ten sind.65 Obwohl nicht zwingend, treten als Kläger hauptsächlich Verbände auf, insbesondere der 
Verein für Konsumenteninformation (VKI), eine unabhängige, gemeinnützige und vom Staat mitfinan-
zierte Verbraucherorganisation, teilweise im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und 
Konsumentenschutz (BMASK). In den meisten Fällen erfolgt dabei gerade eine Finanzierung des 
Sammelverfahrens durch einen unabhängigen dritten Prozessfinanzierer gegen eine Beteiligung am 
Prozessgewinn (30–40 %).66  

                      
59 BSK ZPO-BORNATICO, Art. 125 N 14 ff.; KUKO ZPO-WEBER, Art. 125 N 5 f.; DIKE-Komm. ZPO-KAUFMANN, Art. 125 N 16. 
60 Gesetzlich vorgesehen ist die Sistierung von hängigen Prozessen bspw. nach Artikel 207 SchKG bei Konkurs einer Partei. 

Eine Sistierung erfolgt ebenfalls beim Tod einer Partei oder bei ihrer Urteilsunfähigkeit bis zur Bestellung einer Vertretung 
gemäss Artikel 67 Absatz 2 ZPO. 

61 BSK ZPO-BORNATICO, Art. 126 N 2 ff.; KUKO ZPO-WEBER, Art. 126 N 2 ff.; DIKE-Komm. ZPO-KAUFMANN, Art. 126 N 4 ff. 
62 Vgl. BSK ZPO-BORNATICO, Art. 127 N 3 ff.; KUKO ZPO-WEBER, Art. 127 N 1 ff.; DIKE-Komm. ZPO-KAUFMANN, Art. 127 

N 3 ff. 
63 Vgl. DIKE-Komm. ZPO-KAUFMANN, Art. 125 N 17. 
64 Vgl. nur DOMEJ, S. 430. 
65 Vgl. insb. Oberster Gerichtshof (OGH), Entscheidung vom 12. Juli 2005, 4 Ob 116/05w.  
66 Vgl. dazu KODEK, Möglichkeiten, S. 323; MICKLITZ/PURNHAGEN, S. 28. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             74 

 

Praktische Bedeutung kommt der Sammelklage nach österreichischem Recht namentlich zur Durch-
setzung von Ansprüchen gegenüber Reiseveranstaltern67, gegenüber Banken und anderen Finanz- 
dienstleistern68 sowie im Gesundheitsbereich69 zu.70 Dafür wird das Instrument als «taugliche Krücke» 
bezeichnet.71 Anzufügen ist, dass in Österreich zur Zeit Bestrebungen zur ergänzenden Einführung 
von Gruppen- und Musterverfahren laufen.72 

Nach verbreitet geäusserter Auffassung ist dieses praxiserprobte Modell der kollektiven Rechtsdurch-
setzung für Massenschäden auch in der Schweiz zulässig und möglich.73 Praktische Bedeutung hat 
es jedoch bisher nicht erlangt.74 Dies dürfte weniger mit rechtlichen als vielmehr mit faktischen Bege-
benheiten gerade in Bezug auf die zwei Grundelemente dieses Instituts zusammenhängen: Zum ei-
nen fehlt es in der Schweiz an dem VKI vergleichbaren Organisationen, die über die notwendigen 
finanziellen Mittel, Ressourcen und Know-how zur Führung solcher Sammelverfahren verfügen. Zum 
anderen erweist sich die professionelle Prozessfinanzierung durch Dritte auf der Basis eines Erfolgs-
honorars (trotz ihrer grundsätzlichen Zulässigkeit, vgl. dazu hinten Ziffer 4.1.1) in der Schweiz als we-
nig entwickelt und kaum verbreitet.75 

3.1.4 Bewertung und Folgerungen 

Subjektive und objektive Klagenhäufung stellen Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes in der 
Form des Individualrechtsschutzes dar und sind in zahlreichen, mit dem schweizerischen Recht ver-
gleichbaren Rechtsordnungen in ähnlicher Form bekannt:76 Einerseits ist eine subjektive Klagenhäu-
fung (Streitgenossenschaft) möglich, indem mehrere Personen gemeinsam klagen und damit gewisse 
prozessuale und finanzielle Erleichterungen erwirken können, was zu einer gewissen «Kollektivie-
rung» führt. Andererseits kommt auch eine objektive Klagenhäufung in Betracht, indem insbesondere 
gestützt auf eine Abtretung verschiedener Ansprüche einer Vielzahl von Personen ein einziger Kläger 
die Ansprüche gebündelt geltend macht, woraus im Ergebnis ebenfalls eine kollektive Streiterledigung 
resultiert.77 

Die spezifische Eignung der subjektiven und objektiven Klagenhäufung zur kollektiven Rechtsdurch-
setzung hängt jedoch von ihrer konkreten Ausgestaltung ab. Zwar führen subjektive und objektive 
Klagenhäufung zu Ersparnissen bei den Prozesskosten, insbesondere bei einheitlicher Prozessvertre-
tung. Grundsätzlich führt aber jeder Streitgenossene den Prozess unabhängig von den anderen 
Streitgenossen. Auch bei der objektiven Klagenhäufung ist über jeden einzelnen Anspruch eigenstän-
dig zu entscheiden. Eine kollektivierte Streiterledigung resultiert lediglich dann, wenn gestützt auf eine 

                      
67 Erstmals fand diese Form der kollektivierten Rechtsdurchsetzung Anwendung zur Geltendmachung von Schadenersatzan-

sprüchen zufolge Darmerkrankung in All-inclusive-Ferien in der Türkei (Bodrum I-Fall); zwischenzeitlich folgten weitere 
Fälle im Bereich des Reiserechts (Bodrum-II-Fall], Maturareise-Fall, Fluggastrechte-Fall etc.). 

68 Bspw. Sammelverfahren im sog. WEB-Skandal, wegen sog. MEL-Zertifikaten sowie gegen den Finanzdienstleister AWD. 
69 MAS/Magnetfeldtherapie-Geräte-Fall und PIP-Brustimplantate-Fall. 
70 Vgl. dazu Verein für Konsumenteninformation (VKI), Studie zum Thema Sammelklagen (im Auftrag des BMASK), Mai 2009 

(abrufbar unter http://verbraucherrecht.at/cms/uploads/media/ VKI_Studie_Sammelklage_02.pdf [31.5.2013]) sowie KOLBA, 
Erfahrungsbericht, S. 53 ff. 

71 Vgl. nur KOLBA, Rechtsdurchsetzung, S. 459. 
72 Im Jahr 2007 wurde ein Ministerialentwurf zur Einführung von Gruppen- und Musterverfahren vorgelegt, welcher einerseits 

ein Gruppenverfahren zur Klärung gemeinsamer Tat- und Rechtsfragen vorsah, wenn mindestens drei Gruppenkläger 
mindestens 50 Einzelansprüche gegen dieselben Beklagten geltend machen, und andererseits die Möglichkeit eigentlicher 
Musterverfahren für im Konsumentenschutz klageberechtigte Verbände (vgl. Ministerialentwurf betreffend ein Bundesge-
setz, mit dem die Zivilprozessordnung, das Gerichtsgebührengesetz und das Rechtsanwaltstarifgesetz geändert werden 
[Zivilverfahrens-Novelle 2007], 70/ME [XXIII. GP] [abrufbar unter: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIII/ME/ 
ME_00070/index.shtml] [31.5.2013]). Im aktuellen Regierungsprogramm ist die Schaffung einer Gruppenklage wiederum 
vorgehen, wobei eine Gesamtmindestklagesumme von EUR 20 '000 und eine Mindestklägeranzahl von 100 Klägern vor-
gesehen sind [vgl. Regierungsprogramm für die XXIV. Gesetzgebungsperiode [abrufbar unter 
http://www.bka.gv.at/DocView. axd?CobId=32966][31.5.2013]]. 

73 Vgl. DOMEJ, S. 430; BERNET/HESS, S. 456; BOHNET, S. 199 sowie für das Kartellrecht HEINEMANN, S. 65 f. 
74 Vgl. nur DOMEJ, S. 430 mit Hinweis auf zwei Entscheide des Bundesgerichts, in denen die Vereinigung Internationale 

Anerkennungs- und Entschädigungsaktion der Zigeuner abtretungsweise Schadenersatzansprüche für die Betroffenen ge-
gen die Firma IBM geltend machte (BGE 131 III 153 und 132 III 661). 

75 Vgl. DÄHLER und DOMEJ, Fn 162. 
76 So für das schweizerische Recht z.B. BERNET/HESS, S. 452; DASSER/STOLZKE, S. 266 f.; DICKENMANN, S. 469 f.; DROESE, 

S. 135 ff.; GORDON-VRBA, S. 170 ff.; BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 7; THÉVENOZ, S. 137 f.; TOPAZ DRUCKMANN, 
S. 91 ff.; WALTER, S. 376 f. Vgl. für das Ausland, insbesondere zur objektiven Klagenhäufung zufolge Zession der Ansprü-
che an einen Kläger z.B. HESS, Private law enforcement, S. 72 f.; KOCH, Sammelklage, S. 441 sowie insbesondere zur sog. 
Sammelklage österreichischer Prägung KLAUSER, Sammelklage, S. 805 ff.; KLAUSER, Group litigation; KODEK, Sammelkla-
ge, S. 615 ff.; KODEK, Collective Redress, S. 86 ff.; NIMMERRICHTER, S. 247 ff.; STADLER/MOM, S. 202 ff. 

77 Vgl. BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 7; HESS, Private law enforcement, S. 72 f.; KOCH, Sammelklage, S. 441. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             75 

 

Abtretung verschiedener Ansprüche einer Vielzahl von Personen ein einziger Kläger die Ansprüche 
gebündelt geltend macht.78 Insbesondere bleibt die Rechtsdurchsetzung auch in diesen Fällen stets 
auf jene Personen bzw. Ansprüche beschränkt, die Gegenstand des Prozesses sind.79 Daher sind 
subjektive und objektive Klagenhäufung zur Durchsetzung von Massen- und Streuschäden gerade 
aus den folgenden Gründen nur beschränkt als Instrument des kollektiven Rechtsschutzes tauglich:80 

Hohe Anforderungen an Prozessorganisation und -administration mit beschränkter  
Koordinations- und Kooperationswirkung 

Zweifellos kann eine subjektive Klagenhäufung gerade in Bezug auf Sachverhaltsabklärungen und ein 
allfälliges Beweisverfahren, aber auch in Bezug auf den Abschluss eines möglichen Vergleichs be-
trächtliche Synergieeffekte ergeben.81 Sie stellt nach allgemeiner Auffassung sehr hohe Anforderun-
gen hinsichtlich Organisation und Administration an die Beteiligten, insbesondere an eine nach Arti-
kel 72 ZPO bestellte und durchaus sinnvolle, jedoch stets freiwillige82 gemeinsame Vertretung, wel-
cher insgesamt eine zentrale Bedeutung zukommt.83 Gleichzeitig ist aber eine genügende Eigeninitia-
tive und ein minimales Zusammenwirken der Betroffenen notwendig,84 zwischen denen aber häufig 
gerade keine Beziehungen bestehen oder sogar unterschiedliche Standpunkte vertreten werden.85 
Daher ist die subjektive Klagenhäufung höchstens für eine gemeinsame prozessuale Durchsetzung 
einer gut überschaubaren Anzahl von Ansprüchen tauglich, nicht aber für eigentliche Massenscha-
densfälle86 wie die Schädigung einer grossen Zahl von Konsumentinnen und Konsumenten zufolge 
Verletzung des Kartell- oder Lauterkeitsrechts oder auch bei sogenannten Anlegerschäden. Bei die-
sen zeigen sich neben besonderen Beweislastproblemen und -risiken auch besonders hohen Pro-
zesskostenrisiken. Gleichzeitig haben sich die bestehenden besonderen Mechanismen, namentlich 
das Verfahren vor dem Schweizerischen Bankenombudsmann und vor dem Standesgericht einer 
Selbstregulierungsorganisation nach Geldwäscherei- oder Kollektivanlagengesetz, als nicht genügend 
effektiv erwiesen.87 Dieser Befund wird denn auch durch den Blick ins Ausland gestützt, wo in den 
letzten Jahren gerade in diesem Bereich vermehrt Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes auf- 
und ausgebaut wurden, um damit einen effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten.88 

Grundsätzlich eher geeignet zur Verwirklichung einer kollektivierten Rechtsdurchsetzung von Mas-
senschäden erscheint die objektive Klagenhäufung, indem eine Vielzahl von Individualansprüchen 
mittels (Inkasso-)Abtretung in der Hand eines Klägers vereinigt wird. Zwar profitiert auch dieser von 
den degressiven Prozesskosten, hat jedoch auch das gesamte Prozesskostenrisiko alleine zu tragen, 
es sei denn, es komme eine Prozessfinanzierung zustande (vgl. dazu auch hinten Ziffer 4.1.1). Letzt-
lich kommt die objektive Klagenhäufung jedoch nur dann zur kollektiven Regulierung von Massen-
schäden in Betracht, wenn und soweit geeignete Personen oder Institutionen vorhanden sind, die zu 
einem solchen Vorgehen bereit sind und auch über das notwendige organisatorische und rechtliche 
Know-how verfügen. Ist dies nicht der Fall, kann ein solches Vorgehen die Interessen der Geschädig-
ten sogar gefährden.89 Erfahrungsgemäss kommen dabei in der Praxis höchstens Verbände in Be-
tracht.90 Zu denken ist insbesondere an Berufs- oder Gewerbeverbände, Arbeitnehmer- und Mieter-
verbände oder auch Konsumentenorganisationen. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, 
dass sich das Institut der objektiven Klagenhäufung nachhaltig zur kollektiven Durchsetzung von Mas-
senschäden eignen würde, zumal damit nie eine über die direkt Beteiligten hinausgehende Wirkung 
verbunden ist und keine eigentlich kollektive Entscheidung erfolgt. 

                      
78 Vgl. BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 7; HESS, Private law enforcement, S. 72 f.; KOCH, Sammelklage, S. 441. 
79 Vgl. nur BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 7. 
80 BAUMGARTNER, Class Actions, S. 337 ff.; BERNET/HESS, S. 452; DIKE-Komm-ZPO-BRUNNER, Art. 89 N 1; DROESE, S. 135 f.; 

GORDON-VRBA, S. 170 f. 
81 Vgl. DOMEJ, S. 427; DROESE, S. 136. 
82 Vgl. demgegenüber jedoch bspw. die Regelung in Art. 11a Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren 

vom 20. Dezember 1968 (Verwaltungsverfahrensgesetz; SR 172.021), wonach eine gemeinsame Vertretung angeordnet 
werden kann, wenn mehr als 20 Parteien mit kollektiven oder individuellen Eingaben auftreten. 

83 Vgl. nur DOMEJ, S. 427 f. 
84 DOMEJ, S. 428; STOFFEL, S. 503. 
85 STARK/KNECHT, S. 53; vgl. auch BOHNET, S. 171, mit dem Hinweis, dass insb. zwischen Konsumentinnen und Konsumen-

ten oft keine soziale Verbindung besteht. 
86 So BERNET/HESS, S. 452; BRUNNER, Zur Verbands- und Sammelklage S. 41; DASSER/STOLZKE, S. 267; CONTRATTO, Alter-

native Streitbeilegung, S. 225; GORDON-VRBA, S. 225 f.; BAUMGARTNER, Class Actions, S. 338 ff.  
87 CONTRATTO, Alternative Streitbeilegung, S. 220 ff., insb. auch mit Hinweisen zu teilweise abweichenden Beurteilungen. Vgl. 

auch FINMA-Vertriebsbericht 2010, S. 36, 43. 
88 Vgl. auch KALSS, Zeit für gebündelte Verfahren, S. 133 ff. 
89 Vgl. dazu aufgrund des österreichischen Rechts DOMEJ, S. 430, 446 ff. 
90 Vgl. zu dieser vor allem in Österreich praktizierten und unter der missverständlichen Bezeichnung «Sammelklage österrei-

chischer Prägung» bekannt gewordenen Praxis vorne unter Ziffer 3.1.3 sowie DOMEJ, S. 429 f. und BERNET/HESS, S. 454 f. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             76 

 

Entsprechend erscheint auch die Möglichkeit der Gründung einer Interessengemeinschaft zur ge-
meinsamen Anspruchsdurchsetzung, welche primär im Rahmen einer subjektiven Klagenhäufung 
erfolgt, für eigentliche Massenschadensfälle nur sehr beschränkt tauglich. Aus den genannten Grün-
den sind mit einem solchen Vorgehen nur geringe Effizienzgewinne verbunden, welche wiederum 
hohe Koordinations- und Kooperationsbereitschaft erfordern. Weil dies alles eine besondere Eigenini-
tiative voraussetzt, erscheinen praktische Beispiele91 eher als positive Ausnahmen denn als Beleg für 
ein effektives Instrument des kollektiven Rechtsschutzes.92 

Beschränkte Kostenvorteile und gleichzeitig erhöhtes Prozesskostenrisiko 

Nach Artikel 93 Absatz 1 ZPO werden für die Ermittlung des Streitwertes die geltend gemachten An-
sprüche zusammengerechnet. Entsprechend profitieren die Beteiligten angesichts der degressiven 
Tarife93 für die Prozesskosten von gegenüber der rein individuellen Geltendmachung proportional 
günstigeren Tarifen. Solchen Kostenvorteilen stehen jedoch Kosten für die Prozessorganisation und 
-administration gegenüber, die diese bereits wieder aufwiegen können.94 Gleichzeitig führt aber die 
Regelung von Artikel 106 Absatz 3 ZPO, wonach Streitgenossen für die Prozesskosten über ihren 
Anteil hinaus solidarisch haften können, dazu, dass für den Einzelnen mit einer subjektiven Streitge-
nossenschaft ein beträchtlich höheres Prozesskostenrisiko verbunden ist, welches insbesondere von 
der finanziellen Lage der einzelnen Streitgenossen abhängt und im Ergebnis gerade für den finanziell 
stärkeren Streitgenossen unattraktiv ist.95 

Untauglichkeit zur Durchsetzung von Streuschäden 

Trotz ihrer teilweisen Koordinations- und Kooperationswirkung erweisen sich die subjektive und objek-
tive Klagenhäufung zur Geltendmachung von Streuschäden als untauglich: Die begriffsimmanente 
«rationale Apathie» bei Streuschäden (vgl. dazu vorne unter Ziffer 2.2) führt gerade dazu, dass eine 
Rechtsdurchsetzung von Streuschäden im Rahmen eines individuellen Rechtsstreits zwischen dem 
Geschädigten und dem Schädiger in der Realität aus finanziellen und ökonomischen Gründen faktisch 
nicht erfolgt, weil eine solche stets nachteilig wäre. Sämtliche auf dem Gedanken der individuellen 
Rechtsdurchsetzung basierten Instrumente der kollektiven bzw. kollektivierten Rechtsdurchsetzung 
erweisen sich daher zur privatrechtlichen Geltendmachung von Streuschäden als untauglich.96 Dies 
zeigt sich vor allem in den Bereichen des Kartell- und des Lauterkeitsrechts. Entsprechend wurden in 
beiden Bereichen im Rahmen laufender bzw. eben abgeschlossener Revisionen Massnahmen in Be-
tracht gezogen, mit denen eine Verbesserung des zivilrechtlichen Rechtsschutzes erreicht werden 
sollte.97 Dabei war und ist jedoch zu prüfen, ob und inwiefern allenfalls die bestehenden Instrumente 
des öffentlichen Rechts zur Verfolgung vorab regulatorischer Ziele der Geltendmachung und Durch-
setzung von Streuschäden genügenden Schutz bieten oder allenfalls diese entsprechend anzupas-
sen, zu ergänzen oder zu revidieren wären. Dabei stellt sich die grundsätzliche Frage nach dem Ver-
hältnis zwischen privater und öffentlicher Rechtsdurchsetzung bei Streuschäden.98 

Ergebnis 

Insgesamt haben sich die subjektive und objektive Klagenhäufung als zur kollektiven Durchsetzung 
von Massen- und insbesondere Streuschäden kaum taugliche Instrumente erwiesen, was sich durch-
aus exemplarisch im Kapital- und Finanzmarktrecht, im Konsumentenschutzrecht, im Kartell- und Lau-
terkeitsrecht oder auch im Gleichstellungsrecht zeigt. Eine begrenzte Verbesserung könnte hier über 
eine Anpassung der Regelungen der Prozesskosten und eine verbesserte und vermehrt praktizierte 
Prozessfinanzierung erreicht werden (vgl. dazu hinten Ziffer 4.1). Aufgrund einer vergleichbaren Situa-

                      
91 Vgl. bspw. die Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer (www.anlage-opfer.ch [31.5.2013; online offenbar nicht mehr 

verfügbar]). 
92 So im Ergebnis bspw. für den Fall der Lehmann-Schadensregulierung CONTRATTO, Alternative Streitbeilegung, S. 219 ff.; 

vgl. auch DOMEJ, S. 430 f. Demgegenüber beurteilen BERNET/HESS, S. 455 und insb. DICKENMANN, S. 469 f., ein solches 
Vorgehen positiv. 

93 Nach BGE 120 Ia 171 E. 4 dürfen Tarife nicht ausschliesslich am Streitwert orientiert sein, da sie ansonsten unverhältnis-
mässig und prohibitiv sind. Die Ausrichtung am Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip führt im Ergebnis ebenfalls zu 
degressiven Tarifen. Vgl. auch Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7290, 7292. 

94 Vgl. DOMEJ, S. 428 m.w.H. 
95 Vgl. nur DROESE, S. 135; DICKENMANN, S. 470. 
96 Vgl. nur WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, S. 73 f. 
97 Botschaft zur Änderung des Kartellgesetzes und zum Bundesgesetz über die Organisation der Wettbewerbsbehörde vom 

22. Februar 2012, BBl 2012, 3938; Botschaft des Bundesrates vom 2. September 2009 zur Änderung des Bundesgesetzes 
gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), BBI 2009, 6180. 

98 Vgl. bspw. HODGES, Collective redress, S. 374. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             77 

 

tion hat sich in Österreich eine besondere praktische Ausprägung der objektiven Klagenhäufung ent-
wickelt. Als mögliche Massnahme zur Verbesserung des kollektiven Rechtsschutzes im Rahmen des 
Individualrechtsschutzes mittels «uneigentlicher Sammelklagen» auf der Basis eines solchen Abtre-
tungs- und Klagenhäufungsmodells wäre daher in Betracht zu ziehen, durch vorab finanzielle, aber 
auch organisatorische Unterstützungsmassnahmen an bestimmte, zur Führung solcher repräsentati-
ver Sammelverfahren geeignete Institutionen, Verbände oder Vereinigungen die Rahmenbedingungen 
dafür zu schaffen, dass diese vermehrt zur Prozessführung in der Lage wären. Dabei wären auch 
direkte oder indirekte Leistungen an bestimmte qualifizierte Verbände oder Organisationen denkbar. 
Da jedoch eine staatliche Übernahme des gesamten Prozesskostenrisikos nicht in Betracht kommen 
dürfte, wäre gleichzeitig zu überlegen, wie sichergestellt werden kann, dass eine Prozessfinanzierung 
über einen entsprechend verbesserten Markt für Prozessfinanzierungen gewährleistet werden könnte 
(vgl. dazu hinten Ziffer 4.1). 

3.2 Verbandsklagen 

3.2.1 Allgemeine Verbandsklage (Art. 89 ZPO) 

Bei einer Verbandsklage klagt ein als «Verband» konstituierter Kläger im kollektiven Interesse aller 
Mitglieder einer bestimmten Personengruppe, deren Interessen er wahrnimmt, selbständig einen be-
stimmten Anspruch gegen einen Beklagten ein, was mit gewissen Wirkungen für die Angehörigen der 
Personengruppe verbunden ist bzw. sein kann. Artikel 89 Absatz 1 ZPO sieht in Kodifizierung der 
früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor, dass Vereine oder andere Organisationen in eige-
nem Namen klagen können, sofern es um Persönlichkeitsverletzungen99 geht, die Organisationen von 
gesamtschweizerischer oder regionaler Bedeutung sind und sie nach ihren Statuten zur Wahrung der 
Interessen bestimmter Personengruppen befugt sind.100 Dabei handelt es sich um eine besondere 
Aktivlegitimation, die solchen Organisationen zuerkannt wird.101 

Nach Artikel 89 Absatz 2 ZPO kann eine Verbandsklage nur auf Unterlassung, Beseitigung oder Fest-
stellung der Widerrechtlichkeit gehen. Damit sind insbesondere jegliche reparatorischen (Leistungs-) 
Klagen, d.h. Klagen auf Schadenersatz, Genugtuung oder Gewinnherausgabe, ausgeschlossen.102 
Vorbehalten sind gemäss Artikel 89 Absatz 3 ZPO besondere Regelungen; solche bestehen insbe-
sondere im Gleichstellungs-, Mitwirkungs-, Markenschutz- und Lauterkeitsgesetz (vgl. dazu nachfol-
gend Ziffer 3.2.2).103 Einer Verbandsklage kommen keine Wirkungen für und gegen die einzelnen 
Mitglieder der Personengruppe zu; lediglich reflexartig kann sich ein allfälliges Urteil faktisch auf alle 
Betroffenen auswirken, indem beispielsweise alle von einem Unterlassungsurteil oder einem Feststel-
lungsentscheid profitieren.104 Stets bleiben aber die einzelnen Betroffenen zu einer selbständigen 
Klage legitimiert, wobei mehrere Klagen allenfalls nach den allgemeinen Regelungen koordiniert wer-
den können (vgl. dazu auch vorne Ziffer 3.1.2).105 

So könnte beispielsweise ein Verein für Freie Körperkultur (FKK) nach Artikel 89 ZPO auf Unterlas-
sung und Feststellung der Widerrechtlichkeit der Veröffentlichung und Verbreitung von Bildern, die 
seine Mitglieder nackt zeigen, durch ein Medienunternehmen klagen. Demgegenüber müssen jedoch 
allfällige Schadenersatz- oder Genugtuungsansprüche stets durch die einzelnen Betroffenen selbst 
eingeklagt werden, wofür allenfalls die Möglichkeit der Streitgenossenschaft oder der Klagenhäufung 
in Betracht kommen.106 

                      
99 Darunter fallen neben Artikel 28 ff. ZGB auch die diese konkretisierenden spezialgesetzlichen Normen. Vgl. dazu BSK 

ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 10; KUKO ZPO-WEBER, Art. 89 N 6 f. 
100 Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7289; vgl. auch CPC-JEANDIN, Art. 89 N 6; KUKO ZPO-

WEBER, Art. 89 N 2; BERNET/HESS, S. 453. 
101 BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 9; CPC-JEANDIN, Art. 89 N 7 ff.; KUKO ZPO-WEBER, Art. 89 N 4.  
102 Vgl. Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7289. 
103 Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7288 f. sowie BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 22; DIKE-

Komm-ZPO-BRUNNER, Art. 89 N 19 ff.; KUKO ZPO-WEBER, Art. 89 N 7. 
104 Vgl. BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 20; KUKO ZPO-WEBER, Art. 89 N 21. 
105 BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 20; CPC-JEANDIN, Art. 89 N 15; DIKE-Komm-ZPO-BRUNNER, Art. 89 N 18; KUKO ZPO-

WEBER, Art. 89 N 21. 
106 BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 2. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             78 

 

3.2.2 Besondere Verbandsklagen 

Nach Artikel 89 Absatz 3 ZPO sind besondere Bestimmungen zur Verbandsklage vorbehalten. Es 
bestehen neben der Verbandsklage nach Artikel 89 ZPO folgende Spezialregelungen, die sowohl 
restriktiver als auch grosszügiger als die Regelung von Artikel 89 ZPO sein können: 

– Nach Artikel 7 Absatz 1 Gleichstellungsgesetz (GlG)107 können Organisationen, die nach 
ihren Statuten die Gleichstellung von Frau und Mann fördern oder die Interessen der Arbeit-
nehmerinnen und Arbeitnehmer wahren und seit mindestens zwei Jahren bestehen, im eigenen 
Namen und unabhängig von den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer feststellen 
lassen, dass eine Diskriminierung vorliegt, wenn der Ausgang des Verfahrens sich voraussicht-
lich auf eine grössere Zahl von Arbeitsverhältnissen auswirken wird. Spezialgesetzlich besteht 
also eine besondere Verbandsklage für bestimmte Arbeitnehmer- und Gleichstellungsorganisa-
tionen ausschliesslich auf Feststellung einer (Geschlechter-)Diskriminierung, wofür besondere 
Verfahrenserleichterungen gelten (Untersuchungsgrundsatz, Beweiserleichterung, Kostenlosig-
keit).108, 109  

– Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie insbesondere Konsumentenschutzorganisationen kön-
nen nach Artikel 10 Absatz 2 Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)110 
Klagen nach Artikel 9 Absatz 1 und 2 UWG erheben, d.h. auf Unterlassung, Beseitigung oder 
Feststellung von unlauterem Verhalten klagen.111 Während eine Konsumentenschutzorganisa-
tion als Verband auf Feststellung der Widerrechtlichkeit eines unlauteren Verhaltens klagt, kla-
gen die einzelnen Konsumentinnen und Konsumenten ihre individuellen finanziellen Ansprüche 
ein. 

– Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie Konsumentenschutzorganisationen können nach Arti-
kel 56 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 52 und 55 Markenschutzgesetz (MSchG)112 
betreffend Herkunftsangaben, Garantie- und Kollektivmarken auf Feststellung, Beseitigung, Un-
terlassung oder Auskunftserteilung klagen. 

– Nach Artikel 15 Absatz 2 Mitwirkungsgesetz113 können Arbeitnehmer- und Arbeitgeberver-
bände auf Feststellung von Verletzungen der Bestimmungen des Mitwirkungsgesetzes klagen. 

– Artikel 357b OR114 sieht die Möglichkeit der Vereinbarung kollektiver Durchsetzung individuel-
ler Ansprüche über Abschluss, Inhalt und Beendigung aus Gesamtarbeitsverträgen durch die 
Vertragsparteien vor, welche jedoch nur auf Feststellung gehen kann. 

– Artikel 9 Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG)115 eröffnet bestimmten Behindertenor-
ganisationen ein Beschwerde- und Klagerecht, welches nach Artikel 9 Absatz 3 Buchstabe a 
BehiG auf Feststellung einer Diskriminierung in einem Zivilverfahren gehen kann. 

3.2.3 Allgemeine und auch reparatorische Verbandsklagen im Ausland 

Verbandsklagen sind als Instrument des kollektiven Rechtsschutzes den meisten ausländischen 
Rechtsordnungen bekannt und sind teilweise auch im EU-Recht vorgesehen.116 Dabei zeigen sich in 
den meisten Fällen insbesondere zwei wichtige Differenzen zum schweizerischen Recht: Zum ersten 
findet sich die Einschränkung des Anwendungsbereichs der Sammelklage auf die Geltendmachung 
von Persönlichkeitsverletzungen im Ausland nicht oder nicht in dieser Form. Vielmehr sind in zahlrei-

                      
107 Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann (Gleichstellungsgesetz, GlG) vom 24. März 1995 (SR 151.1). 
108 Davon unabhängig sind individuelle Leistungsbegehren, weshalb eine Verbandsklage bspw. auf Feststellung der Wider-

rechtlichkeit eines Verhaltens die Verjährung für individuelle finanzielle Ansprüche auf einen diskriminierungsfreien Lohn 
nicht unterbricht, vgl. BGE 138 II 1 E. 4.3. 

109 Vgl. zum Ganzen ausführlich FREIVOGEL, Art. 7 N 14 ff. sowie UEBERSCHLAG, Rz 686 ff. 
110 Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vom 19. Dezember 1986 (UWG; SR 241). 
111 Vgl. dazu Jung/Spitz-JUNG/SPITZ, Art. 10 N 20 ff. 
112 Bundesgesetz über den Schutz von Marken und Herkunftsangaben vom 28. August 1992 (Markenschutzgesetz; 

SR 232.11). 
113 Bundesgesetz über die Information und Mitsprache der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben vom 

17. Dezember 1993 (Mitwirkungsgesetz; SR 822.14). 
114 SR 220. 
115 Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen vom 13. Dezember 2002 

(Behindertengleichstellungsgesetz; SR 151.3). 
116 Vgl. bspw. KOCH, Verbandsklage, S. 413 ff.; PURNHAGEN, S. 497 ff. sowie MICKLITZ/STADLER, Verbandsklagerecht, je 

m.w.H. sowie EUROPÄISCHES PARLAMENT, Overview, S. 1 ff. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             79 

 

chen Ländern Verbandsklagen in allgemeiner Form beispielsweise zum Schutz der Konsumentinnen  
und Konsumenten zulässig.117 Zum zweiten sind im Unterschied zur Schweiz – oder auch zu Öster-
reich118 – in zahlreichen anderen europäischen Ländern Verbandsklagen auch auf reparatorische 
Leistungen zulässig.119 So sind in Deutschland beispielsweise sogenannte Abschöpfungsansprüche 
im Kartell- und Lauterkeitsrecht zulässig, wozu Verbraucherverbände nach § 8 Absatz 3 Nummer 3 in 
Verbindung mit § 10 dUWG sowie Verbände zur Förderung gewerblicher oder selbständiger berufli-
cher Interessen nach § 34a i.V.m. § 33 Absatz 2 dGWB berechtigt sind. 120 In Frankreich wird es als 
zulässig erachtet, durch eine Verbandsklage auch das sogenannte «intérêt collectif des consomma-
teurs» geltend zu machen.121 

3.2.4 Bewertung und Folgerungen 

Bei der Verbandsklage handelt es sich um ein dem schweizerischen Recht seit Langem bekanntes122 
und bewährtes Instrument, mit welchem eine kollektivierte Rechtsdurchsetzung erreicht werden kann. 
Entsprechend wurde sie bei der Schaffung der ZPO auch in allgemeiner Form kodifiziert. Die Ver-
bandsklage tritt in der geltenden Form in der Schweiz neben die Individualklage der direkt Betroffe-
nen: Der Verband kann unmittelbar aufgrund eigenen Rechts klagen, womit (zumindest indirekt) auch 
Wirkungen für und gegen die Mitglieder der Personengruppe verbunden sind. Demgegenüber handelt 
es sich nicht um eine eigentlich repräsentative Klage, bei welcher die Ansprüche der einzelnen Perso-
nen in der Hand des Verbands gebündelt werden.123 Daher fügt sie sich trotz ihrer kollektivierenden 
Wirkung in das Individualrechtsschutzsystem ein.124 Anzufügen ist, dass die Verbandsklage bzw. Ver-
bandsbeschwerde in der Schweiz traditionellerweise gerade im öffentlichen Recht eine zentrale Rolle 
zur Rechtsdurchsetzung spielt.125 Dennoch kommt der Verbandsklage aus den folgenden folgenden 
Gründen keine wirkliche praktische Bedeutung zu:126 

Kein Ersatz finanzieller Ansprüche 

Nach Artikel 89 Absatz 2 ZPO können mit der Verbandsklage lediglich Unterlassungs-, Beseitigungs- 
und Feststellungsansprüche verfolgt werden, nicht aber irgendwelche geldwerten Schadenersatz-, 
Genugtuungs- oder Gewinnherausgabeansprüche.127 Eine verbandsweise Geltendmachung von 
Massen-, aber auch von Streuschäden ist daher ausgeschlossen. Wie dargelegt sind Verbände nach 
den spezialgesetzlich geregelten Verbandsklagerechten ebenso wenig zur Geltendmachung von 
Massen- oder Streuschäden legitimiert. Exemplarisch zeigt sich dies bei der besonderen Verbands-
klage nach Artikel 7 Gleichstellungsgesetz, welche lediglich auf Feststellung einer Diskriminierung 
lauten kann und daher bisher praktisch wenig Bedeutung erlangte.128 Gleiches gilt beispielsweise 
auch für Klagen von Konsumentenschutzorganisationen nach Artikel 10 Absatz 2 UWG. Im Lauter-

                      
117 So bspw. in Frankreich (Art. L. 421-1 und 422-1 Code de la consommation; Art. L. 211-3 Code de l’action sociale et de la 

famille; Art. L. 452-1 Code monétaire et financier) , den Niederlanden (Art. 3:305a Burgerlijk Wetboek), Bulgarien oder 
Litauen; vgl. EUROPÄISCHES PARLAMENT, Overview, S. 1 ff. sowie KOCH, Verbandsklage, S. 413 ff. Vgl. in diesem Zusam-
menhang auch die sog. EU-Unterlassungsklagenrichtlinie (Richtlinie 2009/22EG des Europäischen Parlaments und des 
Rates vom 23. April 2009 über Unterlassungsklagen zum Schutz der Verbraucherinteressen, ABl. L 110 vom 1.5.2009, 
S. 30), welche auf EU-Ebene Verbandsklagen auf Unterlassung zum Schutz der Kollektivinteressen der Konsumenten 
fixiert. 

118 Vgl. KLAUSER, Massenschäden, S. 16 und DOMEJ, S. 424. 
119 BRUNS, S. 411 ff. m.w.H. 
120 Weil diese wiederum auf Herausgabe an den Staat gehen, gelten sie in dieser Form als nicht funktionsfähig; vgl. nur 

DOMEJ, S. 424 m.w.N. sowie HEINEMANN, S. 30. 
121 Vgl. CAFAGGI/MICKLITZ, S. 24 f.; BEUCHLER, S. 66 f.; MAGNIER, S. 114 ff., jedoch mit dem Hinweis, dass diese Klagen in der 

Praxis kaum benützt werden. 
122 Vgl. BERNI, S. 60 ff.; BAUMGARTNER, Class Actions, S. 316 ff. 
123 Vgl. zur Verbandsklage BAUMGARTNER, Switzerland, S. 181 ff.; DROESE, S. 134; KOCH, Sammelklage, S. 441; KOCH, Ver-

bandsklage, S. 415; MICKLITZ/STADLER, Gruppenklagen, S. 253 ff.; MICHAILIDOU, S. 69; WAGNER, Kollektiver Rechtsschutz, 
S. 70 f.  

124 Vgl. nur DOMEJ, S. 425. 
125 In der Schweiz wird dafür zumeist der Begriff der sog. Verbandsbeschwerde verwendet. Vgl. dazu HAEFE-

LIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz 1786 ff. m.w.N.; BAUMGARTNER, Switzerland, S. 183 ff. 
126 Vgl. DOMEJ, S. 426; BRUNNER, Mangels Verband keine Klage, S. 144 f.; BAUMGARTNER, Class Actions, S. 326. 
127 Vgl. Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7289; BSK ZPO-OBERHAMMER, Art. 89 N 19; BRUNNER, 

Mangels Verband keine Klage, S. 141 ff.; KUKO ZPO-WEBER, Art. 89 N 20; ZK ZPO-BESSENICH/BOPP, Art. 89 N 10; BER-
NET/HESS, S. 453; DROESE, S. 135. 

128 Vgl. dazu auch Bericht vom 15. Februar 2006 über die Evaluation der Wirksamkeit des Gleichstellungsgesetzes in Erfül-
lung der Motion Vreni Hubmann 02.3142, die der Nationalrat am 21. Juni 2002 als Postulat überwiesen hatte, BBl 2006, 
3176, wonach in einem Zeitraum von knapp acht Jahren lediglich 32 Verbandsklagen (entsprechend einem Anteil aller 
Klagen von knapp 12 %) eingereicht wurden, wovon wiederum 29 Verbandsklagen den öffentlich-rechtlichen Bereich betra-
fen und nur drei Verbandsklagen den privatrechtlichen Bereich. 

Bericht                       Bundesrat 

 

VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013                                                                                             80 

 

keitsrecht hat der Gesetzgeber auf diese Mängel in der Rechtsdurchsetzung bereits teilweise reagiert: 
Mit der letzten Revision des UWG wurde insbesondere das Klagerecht des Bundes gemäss Artikel 10 
Absatz 3 UWG erweitert.129 Damit kann der Bund in erweitertem Masse Zivilklagen auf Unterlassung, 
Beseitigung oder Feststellung (nicht aber auf Schadenersatz oder Wiedergutmachung) anstrengen, 
wenn das öffentliche Interesse durch unlautere Geschäftspraktiken gefährdet oder verletzt wird. Ein 
öffentliches Interesse besteht namentlich dann, wenn die Interessen mehrerer Personen oder andere 
Kollektivinteressen verletzt oder auch nur bedroht sind. Dabei handelt es sich wiederum um eine an-
dere (öffentlich-rechtliche) Möglichkeit zur Sicherstellung einer effektiven Rechtsdurchsetzung. 

Einzig denkbare Möglichkeit zur Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen oder sonstigen finan-
ziellen Ansprüchen durch Verbände bildet damit die Abtretung von Ansprüchen seitens der Geschä-
digten an einen Verband, welcher diese anschliessend mittels objektiver Klagenhäufung geltend 
macht. Im Unterschied etwa zu Österreich (vgl. dazu vorne Ziffer 3.1.3) spielt diese Form der gebün-
delten Geltendmachung von Individualansprüchen durch Verbände in der Schweiz bisher kaum eine 
praktische Rolle. Immerhin ist davon auszugehen, dass sich durch eine solche Bündelung von Einzel-
ansprüchen zu einer Gesamtklage ein höherer Streitwert erreichen lässt, so dass auch eine Prozess-
finanzierung durch einen professionellen Prozessfinanzierer möglich sein sollte.130 

Unattraktivität paralleler Vorgehen mit Verbandsklage und individuellen Verfahren 

Mangels Verbandsklage auf Ersatz finanzieller Ansprüche ist es denkbar, dass ein Verband im Inte-
resse einer Vielzahl von Massen- oder Streugeschädigten eine solche Klage einreicht und die einzel-
nen Geschädigten parallel dazu und auf der Basis der Erkenntnisse des Verbandsklageverfahrens 
ihre individuellen Ersatzansprüche verfolgen. Ein solches Vorgehen scheitert vorab am hohen Pro-
zessrisiko des Verbands in einem solchen Fall, ohne dass Aussicht auf einen entsprechenden mögli-
chen Prozessgewinn besteht, so dass insbesondere auch keine Prozessfinanzierung in Betracht 
kommen dürfte. Die wenigsten Verbände verfügen über die nötigen finanziellen Mittel zur Bestreitung 
entsprechender Verfahren. Die einzelnen Geschädigten dürften wiederum ihre Individualersatzan-
sprüche – wenn überhaupt – erst und nur nach einem positiven Ausgang einer Verbandsklage verfol-
gen,131 womit aber auch sogenannten Trittbrettfahrer oder free rider indirekt davon profitieren. 
Nachteilig wirkt sich ebenfalls aus, dass eine vorgängige Verbandsklage die Verjährung in Bezug auf 
die individuellen Leistungsansprüche nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht unterbricht.132 
Bei Streuschäden kommt erschwerend hinzu, dass die betroffenen Geschädigten ihre individuellen, 
wertmässig kleinen Ersatzansprüche unabhängig von einem allfälligen vorausgehenden Feststel-
lungsentscheid aufgrund der «rationalen Apathie» nicht gerichtlich durchsetzen würden. 

Beschränkung der allgemeinen Verbandsklage auf Persönlichkeitsverletzungen 

Mit Ausnahme der spezialgesetzlich geregelten Verbandsklagen sind diese auf Verletzungen der 
Persönlichkeit beschränkt. Auch wenn dieser Begriff weit auszulegen ist und insbesondere neben 
Artikel 28 ff. ZGB auch weitere Bestimmungen erfasst133, resultiert daraus eine Beschränkung des 
Anwendungsbereichs der Verbandsklage für Massenschäden (und soweit überhaupt denkbar für 
Streuschäden): Nur wenn diesen (auch) eine Persönlichkeitsverletzung zugrunde liegt, kann eine Ver-
bandsklage in Betracht kommen. Ausgeschlossen ist die Verbandsklage nach Artikel 89 ZPO somit in 
der Regel beispielsweise bei Massenschäden am Kapital- und Finanzmarkt (sogenannte Anleger-
schäden), aber auch für Klagen von Arbeitnehmer- oder Mieterverbänden zur Durchsetzung arbeits- 
oder mietrechtlicher Ansprüche. 

Ergebnis 

Entsprechend erscheint die geltende Beschränkung der allgemeinen Verbandsklage auf Persönlich-
keitsschutz problematisch und überprüfenswert. Denn damit steht das bewährte Instrument der Ver-
bandsklage gerade für einen weiten Bereich von rein wirtschaftlichen Massen- und St