# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 209eb61a-540b-5ef6-9a55-9e07fafb38fd
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.06.2020 SB190220
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB190220_2020-06-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB190220-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

N. Klausner und Ersatzoberrichter lic. iur. P. Castrovilli sowie  

Gerichtsschreiber lic. iur. H. Kistler 

 

Urteil vom 15. Juni 2020 

 
in Sachen 

A._____,  
Privatklägerin und Berufungsklägerin 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 
 

sowie 
 
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. M. Weber Dobruna, 

Anklägerin und Anschlussberufungsklägerin 
 

gegen 
 
B._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 
 

betreffend Vergewaltigung etc. und Widerruf  
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung,  
vom 28. Januar 2019 (DG180214) 
 
 
 

-   2   - 

Anklage 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 20. September 2018 

(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 73 S. 37 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird von den Vorwürfen 

− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

− der mehrfachen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB 

− der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB 

− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB 

− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 
Ziff. 1 StGB 

− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB 

 freigesprochen. 

2. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 
Zürich-Sihl vom 30. Oktober 2014 ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessät-

zen zu je Fr. 50.– unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren wird nicht 

widerrufen. 

3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. September 2018 
beschlagnahmte Kamerabrille "Camera Eyewear" (Sachkaution Nr. 32195) 

wird der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

4. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin werden 
abgewiesen. 

5. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die 
Gerichtskasse genommen. 

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6. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung für die anwaltliche 
Verteidigung in Höhe von Fr. 3'035.90 zugesprochen. 

7. Dem Beschuldigten wird eine Genugtuung in Höhe von Fr. 400.– zuzüglich 
Zins von 5% ab 26. August 2016 aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im 

Mehrbetrag wird sein Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

8. Rechtsanwalt lic. iur. Y_____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Ver-
teidiger mit pauschal Fr. 18'000.– (inkl. Spesen und MwSt.) aus der 

Gerichtskasse entschädigt. 

9. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als unentgeltli-
cher Rechtsbeistand der Privatklägerschaft mit pauschal Fr. 14'500.– (inkl. 

Spesen und MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.  

10. (Mitteilungen) 

11. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 104 S. 1): 

1. Die Berufung der Privatklägerin sei vollumfänglich abzuweisen. 

2. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl sei vollumfänglich 

abzuweisen. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Privatklägerschaft 

resp. der Staatskasse. 

b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 103 S. 1 f.): 

1. Der Beschuldigte B._____ sei 

 - der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB 

 - der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

-   4   - 

 - der mehrfachen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB 

 - der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB 

 - der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB 

 - der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123  

Ziff. 1 StGB 

 - der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB 

 schuldig zu sprechen. 

2. Er sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren sowie einer Busse von 

CHF 1'500.–, unter Anrechnung der erstandenen Haft zu bestrafen.  

3. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 30. Oktober 2014 

für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 50.– unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von zwei Jahren gewährte bedingte Strafvollzug sei zu wider-

rufen.  

4. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen bei schuldhafter Nichtbe-

zahlung der Busse festzulegen.  

5. Es sei über die Rückgabe des einzig als Beweismittel beschlagnahmten Ge-

genstandes zu befinden.  

6. Es sei über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft zu entscheiden.  

7. Dem Beschuldigten seien die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 

c) Der Privatklägerin (Urk. 101 S. 2): 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 28. Januar 2019 

(GG180214-L) sei aufzuheben und der Beschuldigte sei entsprechend den 

vorinstanzlichen Anträgen der Staatsanwaltschaft zu verurteilen.  

2. Die Zivil- und Strafklage der Privatklägerin sei gutzuheissen.  

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3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu Lasten des Be-

schuldigten. 

Erwägungen: 

I. Einleitung     

1. Ausgangslage 

1.1. Der Beschuldigte stammt aus dem Kosovo und die Privatklägerin aus 

Spanien. Beide kamen als Kinder in die Schweiz, wo sie sich 1996 als ca. 

Siebzehnjährige kennenlernten und eine Beziehung begannen, welche mit zum 

Teil längeren Unterbrüchen bis 2016 – dem Beginn des vorliegenden Strafverfah-

rens – andauerte (Urk. 6/2 S. 2; Urk. 5/1 S. 1; Urk. 5/5 S. 2). 2001 schloss der 

Beschuldigte die Ehe mit einer Landsfrau, welche nach wie vor besteht und aus 

welcher zwei Kinder hervorgingen. Die Privatklägerin heiratete 2004 ebenfalls. Ih-

re Ehe blieb kinderlos und wurde 2016 geschieden. 

1.2. Anfang Juni 2016 scheint sich die Beziehung zwischen dem Beschuldigten 

und der Privatklägerin verschlechtert zu haben (Urk. 6/2 S. 4). Am 25. August 

2016 verständigten Anwohner am Wohnort der Privatklägerin die Polizei (Urk. 1 

S. 2), und in der Folge bezichtigte die Privatklägerin den Beschuldigten, gewalttä-

tig gegen sie gewesen zu sein, sie kontrolliert, genötigt sowie bedroht zu haben. 

Sie stellte einen Strafantrag gegen den Beschuldigten, worauf eine Strafuntersu-

chung eingeleitet wurde. Nach der Durchführung von Befragungen der Privatklä-

gerin, in welchen sie weitere Vorwürfe erhob, sowie von Einvernahmen des Be-

schuldigten, von Auskunftspersonen und Zeugen, und nach weiteren Beweiser-

hebungen in Form ärztlicher Unterlagen betreffend den Zustand der Privatklägerin 

sowie eines Leumundsberichts über den Beschuldigten etc., erhob die Anklage-

behörde am 4. September 2018 Anklage gegen diesen wegen Vergewaltigung, 

sexueller Nötigung, Gefährdung des Lebens, Nötigung, Drohung, einfacher Kör-

perverletzung und Tätlichkeiten (Urk. 29). Am 20. September 2018 ersetzte die 

Anklagebehörde ihre Anklageschrift durch eine neue Version, in welcher im Ge-

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gensatz zur ersten auf die Beantragung einer Landesverweisung verzichtet wurde 

(Urk. 30).  

1.3. Während der gegen ihn geführten Untersuchung liess der Beschuldigte mit 

Eingabe vom 21. November 2018 seinerseits eine Strafanzeige gegen die Privat-

klägerin und ihren geschiedenen Ehemann, C._____, wegen Erpressung – dies 

mittels heimlich aufgenommener Sexvideos – erheben (Urk. 1 in GG180201). 

Diese Angelegenheit wurde separat untersucht und am 14. September 2018 zur 

Anklage gebracht (Urk. 41 in GG180201). Sämtliche Akten dieses Verfahrens bis 

und mit Anklage sind als Beizugsakten vorhanden. 

2. Weiterer Verfahrensverlauf 

2.1. Was den Verlauf des vorliegenden Verfahrens vor erster Instanz anbe-

langt, kann auf die entsprechenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid 

verwiesen werden (Urk. 73 S. 5 f.). Nach Durchführung der Hauptverhandlung am 

23. Januar 2019 (Prot. I S. 9 ff.) beriet die erste Instanz das angefochtene Urteil 

am 28. Januar 2019 (Prot. I S. 53 f.) und eröffnete es gleichentags schriftlich 

(Urk. 61). Am 6. Februar 2019 meldete die Privatklägerin Berufung dagegen an 

(Urk. 64). Dem Verteidiger des Beschuldigten wurde mit Verfügung vom 14. März 

2018 in teilweiser Gutheissung eines entsprechenden Antrages eine Akontozah-

lung von Fr. 14'000.– für seinen bisherigen Aufwand geleistet (Urk. 63 und 

Urk. 65). Die begründete Version des angefochtenen Urteils samt begründetem 

Minderheitsantrag eines Mitglieds der Gerichtsbesetzung (Prot. I S. 56) nahmen 

die Parteien am 10. April 2019 in Empfang (Urk. 72).  

2.2. Hierauf erstattete die Privatklägerin am 30. April 2019 ihre Berufungser-

klärung und stellte insofern Beweisanträge, als sie die Befragung ihrer damaligen 

Nachbarn, D._____ und E._____, sowie ihres Exmannes, C._____, als Zeugen 

wie auch den Beizug der Akten des gegen sie geführten Strafverfahrens beantra-

gen liess (Urk. 75). Während die Anklagebehörde innert präsidialiter angesetzter 

Frist am 22. Mai 2019 Anschlussberufung erhob und zu den Beweisanträgen Stel-

lung nahm (Urk. 80), liess sich der Beschuldigte nicht verlauten. Mit Eingabe vom 

28. Juni 2019 äusserte sich die Privatklägerin innert der ihr dafür angesetzten 

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Frist zu den ihre Beweisanträge betreffenden Ausführungen der Anklagebehörde 

(Urk. 48). Die Anklagebehörde erklärte am 5. Juli 2019 ausdrücklich, auf eine wei-

tere Stellungnahme zu verzichten (Urk. 88); der Beschuldigte liess sich wiederum 

nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 12. September 2019 wurden die 

Beweisanträge der Privatklägerin abgewiesen (Urk. 89). Mit einer weiteren Verfü-

gung vom 25. März 2020 ordnete der Kammerpräsident die Befragung der Privat-

klägerin als Auskunftsperson in der Berufungsverhandlung an, schloss die Publi-

kumsöffentlichkeit von der Hauptverhandlung aus und erteilte den 

Gerichtsberichterstattern Auflagen hinsichtlich ihrer Berichterstattung (Urk. 92).  

2.3. Am 27. April 2020 wurde auf den 15. Juni 2020 zur Berufungsverhandlung 

vorgeladen (Urk. 95), zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines Vertei-

digers, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, sowie die Privatklägerin mit ihrem Vertreter, 

lic. iur. X._____, und Staatsanwältin lic. iur. Mirjam Weber Dobruna erschienen 

(Prot. II S. 9).  

3. Umfang der Berufung 

3.1. Angesichts der oben wiedergegebenen Anträge der Privatklägerin und der 

Anklagebehörde gelten die Dispositiv-Ziffern 1 (Freispruch), 2 (Verzicht auf Wider-

ruf der bedingten Vorstrafe), 3 (definitive Beschlagnahme einer Kamerabrille), 

4 (Abweisung der Zivilansprüche der Privatklägerin), 5 (Kostenregelung), 

6 (Zusprechung einer Prozessentschädigung an den Beschuldigten und 7 (Zu-

sprechung einer Genugtuung an den Beschuldigten) als angefochten.  

3.2. Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind lediglich die 

Dispositiv-Ziffern 8 und 9 betreffend Festsetzung und Regelung der Entschädi-

gung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten und des Vertreters der Privat-

klägerin. Hiervon ist mittels Beschluss Vormerk zu nehmen. 

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II. Formelles 

1. Anklageprinzip 

1.1. Die Verteidigung des Beschuldigten rügt, die Datierung der dem Beschul-

digten in der Anklageschrift gemachten Vorwürfe sei ungenügend, sollen doch 

sämtliche Vorfälle im Zeitraum vom 1. Juni bis 25. August 2016 – und demnach 

immerhin über zwölf Wochen – passiert sein. Die Anklagebehörde sei aber nicht 

ansatzweise im Stand gewesen, die verschiedenen Vorwürfe innerhalb dieser 

Zeitspanne näher einzugrenzen. Die zeitliche Genauigkeit einer Anklage stelle ge-

rade bei Vieraugendelikten einen für die Geltendmachung eines Alibis wichtigen 

Faktor dar. In besagten gut zwölf Wochen seien Sommerschulferien gefallen, in 

welchen der Beschuldigte mehrere Wochen mit seiner Familie im Ausland ver-

bracht habe, aber auch mit der Privatklägerin zwei Wochen verreist sei. Somit ge-

be es bereits deswegen für mehrere Wochen dieses Zeitraums ein Alibi. Ferner 

sei der Beschuldigte ein Grossteil seiner Zeit bei der Arbeit oder mit seiner Fami-

lie oder anderen Personen zusammen gewesen, weshalb er mithilfe von Alibibe-

weisen zeigen könnte, dass die Vorwürfe nicht zutreffen können. Da auf eine 

mögliche zeitliche Eingrenzung verzichtet worden sei und die einzelnen Vorfälle 

völlig unbestimmt über besagten Zeitraum von über zwölf Wochen angesiedelt 

worden seien, wodurch dem Beschuldigten die Möglichkeit genommen worden 

sei, die Vorwürfe durch Alibis zu entkräften, liege eine nicht wieder gut zu ma-

chende Verletzung des Anklageprinzips, des Fairnessgebots und des Anspruchs 

auf gehörige Verteidigung vor, welche zum Scheitern der Anklage führe (Urk. 59 

S. 36 f.; Urk. 104 S. 2 ff.; Prot. II S. 16). 

1.2. Die Vorinstanz setzte sich auf diese Kritik hin im angefochtenen Entscheid 

zunächst in allgemeiner Weise mit dem Wesen und der Bedeutung des Anklage-

grundsatzes auseinander (Urk. 73 S. 6 f.), worauf verwiesen werden kann. Sie 

betonte zu Recht, dass Ungenauigkeiten in Zeitangaben nur dann eine Verletzung 

des Anklageprinzips darstellten, wenn die Anklage deswegen ihre Umgrenzungs- 

bzw. Informationsfunktion nicht mehr zu erfüllen vermöge, nicht aber, wenn für 

den Beschuldigten ersichtlich sei, was ihm konkret vorgeworfen werde und er sich 

gestützt auf diese Informationen wirksam verteidigen könne (Urk. 73 S. 7). Auch 

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soweit sie einräumt, dass die in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfe gegen 

den Beschuldigten abgesehen von besagtem Zeitraum tatsächlich weder zeitlich 

fix datiert noch in der Reihenfolge, in der sie sich abgespielt hätten, dargestellt 

worden seien, wodurch die Möglichkeit, ein Alibi vorzuweisen, offenkundig er-

schwert werde (Urk. 73 S. 8), ist der Vorinstanz beizupflichten. Ebenso ergänzend 

wie präzisierend ist dazu festzuhalten, dass es bei immer wiederkehrenden Ge-

waltvorfällen im Rahmen einer Beziehung regelmässig unmöglich ist, zurücklie-

gende Ereignisse zeitlich präzise zu fixieren, schon gar nicht in einer Weise, die 

es dem jeweiligen Täter erlauben würde, mit Blick auf jeden einzelnen Vorfall ein 

Alibi zu beschaffen. Generell und namentlich im vorliegenden Fall liegt dies am 

Umstand, dass zwischen potentiellem Täter und potentiellem Opfer über Jahre 

eine (sexuelle) Beziehung gepflegt wurde. Der Beschuldigte gibt dies und dass er 

regelmässig – meist täglich – Zeit, mitunter mehrere Stunden am Stück mit der 

Privatklägerin verbracht hatte und sogar im Besitz eines Schlüssels zu ihrer Woh-

nung gewesen war, auch zu (Urk. 5/1 S. 1 f.; Urk. 5/2 S. 2 f. und S. 5; Prot. I S. 

29). Damit gab es in besagtem Zeitraum von über zwölf Wochen trotz allfälliger 

Ferienabwesenheiten zahlreiche Gelegenheiten, bei welchen sich die von der Pri-

vatklägerin behaupteten Taten abgespielt haben könnten, wobei der Beschuldigte 

ebenso wenig wie die Privatklägerin in der Lage sein dürfte, genau zu sagen, an 

welchen Tagen und zu welchen Stunden solche Begegnungen stattfanden. Aus 

dem gleichen Grund ist auszuschliessen, dass das Unvermögen des Beschuldig-

ten, Alibis zu beschaffen, auf zeitliche Ungenauigkeiten der Anklage zurückzufüh-

ren ist. Realistisch gesehen wäre er selbst bei genauer Datierung der Vorfälle 

kaum im Stande, zuverlässig zu eruieren, wo und mit wem er stattdessen seine 

Zeit verbracht gehabt haben sollte. Im Übrigen ist der Vorinstanz darin zuzustim-

men, dass der Zeitrahmen, in welchen sich die Vorfälle zugetragen haben sollen, 

vergleichsweise übersichtlich ist (Urk. 73 S. 8). Aufgrund der zeitlichen Angaben 

hätte der Beschuldigte sich immerhin genau zu seinen mit seiner Familie ver-

brachten Sommerferien äussern und hierzu zur Beschaffung eines Alibis Beweis-

anträge stellen können, was er aber unterliess. Die Verteidigung begnügte sich 

vielmehr mit einer entsprechenden pauschalen Aussage der Privatklägerin (vgl. 

Urk. 59 S. 37).  

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1.3. Ausschlaggebend ist hier jedenfalls, dass für den Beschuldigten problem-

los ersichtlich war, welche Vorfälle Gegenstand der Anklage bilden, womit der In-

formationsfunktion des Anklageprinzips Genüge getan ist und die Verteidigungs-

rechte angemessen ausgeübt werden konnten. Ungenauigkeiten in den Zeitanga-

ben sind denn auch solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für den Be-

schuldigten keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihm vorgeworfen 

wird. Vielmehr wird bei gehäuften und regelmässigen Delikten wie vorliegend dem 

Anklagegrundsatz genügend Rechnung getragen, wenn die Handlungen in zeitli-

cher und örtlicher Hinsicht approximativ umschrieben werden und der Zeitraum 

auf eine bestimmte Dauer eingegrenzt wird, was hier geschehen ist. Insbesonde-

re bei Familiendelikten – bzw. Delikten in einer langjährigen Beziehung – kann 

nicht erwartet werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch geführt wird (Urtei-

le des Bundesgerichts 6B_228/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3 und 

6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. auch die Ausfüh-

rungen des Vertreters der Privatklägerin anlässlich der Berufungsverhandlung 

hierzu, Prot. II S. 26 f.). 

1.4. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes, des Fairnessgebots und des 

Anspruchs auf gehörige Verteidigung aufgrund ungenügender Zeitangaben in der 

Anklageschrift ist somit zu verneinen. 

2. Beweisanträge 

2.1. Die Privatklägerin liess anlässlich der Berufungsverhandlung die Befragung 

von D._____, E._____ und C._____ als Zeugen beantragen (Urk. 97; Prot. II 

S. 11). Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft beantragten die 

Ablehnung der Beweisanträge (Prot. II S. 11 f.).  

2.2. Die gleichlautenden Beweisanträge wurden bereits mit der Berufungser-

klärung der Privatklägerin vom 30. April 2019 in den Prozess eingeführt (Urk. 75 

S. 2). Mit Präsidialverfügung vom 12. September 2019 wurden sie in der Erwä-

gung abgewiesen, dass nicht ersichtlich sei, inwiefern die Befragung der angeru-

fenen Zeugen über Angaben zu Begleitumständen hinaus etwas Sachdienliches 

zur Entscheidfindung beitragen könnte (Urk. 89 S. 3). Diese Erwägung hat nach 

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wie vor Gültigkeit, weshalb die Beweisanträge – entgegen den Einwänden des 

Vertreters der Privatklägerin (Prot. II S. 28) – abzuweisen sind. Ausführungen zur 

Verwertbarkeit der Aussagen erübrigen sich damit unter diesem Titel (siehe aber 

Ziffer 3 nachfolgend). Gegen die Entgegenahme der zum Beweis offerierten Un-

terlagen, soweit diese sich nicht ohnehin bereits bei den Akten befinden, erwuchs 

von keiner Seite Opposition (Urk. 99 S. 7). Diese Beweisanträge sind gutzuheis-

sen und die entsprechenden Urkunden zu den Akten zu nehmen.  

3. Verwertbarkeit der Beweismittel 

3.1. Parteien haben gemäss Art. 147 StPO grundsätzlich das Recht, bei Be-

weiserhebungen, welche von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht durchge-

führt werden, anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stel-

len. Bei Beweiserhebungen, die von der Polizei durchgeführt werden, ist dabei zu 

differenzieren: Für Beweiserhebungen, welche die Polizei nach Eröffnung der 

Untersuchung gestützt auf einen Auftrag der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 

312 StPO durchführt, gelten die gleichen Regeln wie für die von der Staatsan-

waltschaft vorgenommenen Beweiserhebungen. Erhebt die Polizei hingegen im 

polizeilichen Ermittlungsverfahren Beweise, wie Aussagen von Auskunftsperso-

nen, haben die Parteien grundsätzlich kein Teilnahmerecht. Um die Angaben der 

Auskunftsperson im Verfahren zum Nachteil der beschuldigten Person verwerten 

zu können, muss das Konfrontationsrecht gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK in der 

Einvernahme selbst oder nachträglich gewährt werden. Nach der Rechtsprechung 

des EGMR und des Bundesgerichtes genügt es den Anforderungen von Art. 6 

Ziff. 3 lit. d EMRK, wenn die beschuldigte Person oder ihre Verteidigung im Laufe 

des gesamten Verfahrens einmal eine angemessene und geeignete Gelegenheit 

erhalten hat, von ihrem Konfrontationsrecht Gebrauch zu machen (WOHLERS, in: 

Donatsch/Hansjakob/ Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung, 2. Aufl., Zürich/ Basel/Genf 2014, N 1 f. und N 13 zu Art. 147, mit Hinwei-

sen zur Rechtsprechung, vgl. auch Entscheid des Bundesgerichtes 6B_653/2016 

vom 19. Januar 2017 E. 1.3.).  

3.2. Angesichts dieser Anforderungen hielt die Vorinstanz daher zutreffend fest, 

dass die Aussagen von D._____ und C._____ mangels Gelegenheit des Be-

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schuldigten, an den Befragungen teilzunehmen, nicht zu dessen Lasten verwertet 

werden dürfen (Urk. 73 S. 12). Soweit der Beschuldigte anlässlich der Berufungs-

verhandlung die parteiöffentliche Befragung der von Rechtsanwalt lic. iur. 

X._____ angerufenen Zeugen für den Fall beantragte, dass das Gericht deren 

Aussagen zu seinen Ungunsten verwerten wolle, braucht entsprechend hierauf 

nicht weiter eingegangen zu werden (Prot. II S. 16 und 32; siehe Ziffer 2 hiervor). 

Alle weiteren interessierenden Personen wurden mindestens einmal in Gegenwart 

des Beschuldigten und einer Verteidigung von der Staatsanwaltschaft befragt, 

weshalb die entsprechenden Aussagen ohne Weiteres verwertbar sind.  

III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Anklagevorwurf 

1.1. Die mannigfachen Vorwürfe gegen den Beschuldigten gehen aus der bei-

gehefteten Anklageschrift (Urk. 30) im Detail hervor. Auf die Einzelheiten wird 

nachfolgend ausführlich eingegangen werden müssen.  

1.2. Ganz kurz zusammengefasst wird dem Beschuldigten vorgeworfen, in-

nerhalb eines Zeitraums vom 1. Juni 2016 bis 25. August 2016 bei zahlreichen 

Gelegenheiten gewalttätig gegenüber der Privatklägern gewesen zu sein, sie da-

bei zum Teil verletzt zu haben, sie bedroht und unter Druck gesetzt zu haben, so 

dass sie in Angst versetzt worden und zum Teil ausserstande gewesen sei, nach 

ihrem freien Willen zu handeln. Weiter habe der Beschuldigte gegen den Willen 

der solchermassen eingeschüchterten Privatklägerin sexuelle Handlungen mit ihr 

vorgenommen bzw. in Anwesenheit einer Prostituierten den Geschlechtsverkehr 

mit ihr vollzogen (Urk. 30). 

2. Vorbemerkungen 

2.1. Der Beschuldigte bestreitet sämtliche der in der Anklageschrift gegen ihn 

erhobenen Vorwürfe. Es ist daher im Folgenden zu prüfen, ob der in der Anklage-

schrift umschriebene Sachverhalt rechtsgenügend nachgewiesen werden kann. 

Hierfür sind die gesammelten Beweismittel zu würdigen. 

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2.2. Im angefochtenen Urteil wurden die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 73 

S. 12 bis S. 15), des Beschuldigten (Urk. 73 S. 15 bis S. 17) sowie der Zeugen 

bzw. Auskunftspersonen D._____(Urk. 73 S. 17), F._____ (Urk. 73 S. 18), 

G._____ (Urk. 73 S. 18 f.) und C._____ (Urk. 73 S. 19 f.) zusammenfassend wie-

dergegeben.  

2.3. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, welche Punkte und Grundsätze 

es bei der Prüfung des Sachverhalts und insbesondere bei der Würdigung von 

Aussagen zu beachten gilt (Urk. 73 S. 20 f.), worauf wiederum zu verweisen ist. 

Rekapitulierend einerseits und ergänzend andererseits ist festzuhalten, dass der 

Nachweis der Schuld eines Beschuldigten in einer Weise, welche keine vernünfti-

gen Zweifel mehr zulässt, dem Staat obliegt. Mangels anderer Beweismittel, wel-

che direkte Schlüsse zulassen würden, liegt vorliegend das grösste Gewicht auf 

den Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten, weshalb der Würdigung 

ihrer Angaben ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Sowohl der Beschuldigte 

als auch die Privatklägerin wurden während des Strafverfahrens mehrfach zu den 

dem Beschuldigten vorgeworfenen Vorfällen befragt, so auch heute (Urk. 99).  

2.4. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, streicht das Bundesgericht in seiner 

jüngeren Rechtsprechung die im Verhältnis zur allgemeinen Glaubwürdigkeit ei-

ner Person herausragende Bedeutung der Glaubhaftigkeit einer konkreten Aus-

sage heraus, welche durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf zu überprü-

fen sei, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben auf einem 

tatsächlichen Erlebnis der aussagenden Person beruhen. Damit eine Aussage als 

zuverlässig gewertet werden könne, sei sie insbesondere auf das Vorhandensein 

von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Fantasiesignalen zu 

untersuchen. Dabei sei zunächst von der Annahme auszugehen, dass eine Aus-

sage gerade nicht realitätsbegründet sei; erst wenn sich diese Annahme – die so-

genannte Nullhypothese – zufolge der festgestellten Realitäts- sowie fehlenden 

Fantasiekriterien in der Schilderung und anhand der Entstehungs- bzw. Entwick-

lungsgeschichte der Aussage nicht mehr halten lasse, müsse diese Unwahr-

hypothese verworfen und geschlossen werden, die Aussage entspreche einem 

wirklichen Erleben und sei wahr (Urk. 73 S. 20 ff.; vgl. BGE 133 I 33 E. 5; BGE 

-   14   - 

129 I 49 E. 5 S. 58; BGE 128 I 81E. 2). Für die Realitätsnähe einer Schilderung 

spricht insbesondere wenn diese grundsätzlich überprüfbar ist, sich mit anderwei-

tig im Verfahren erhobenen Fakten in Einklang bringen lässt und in sich konsis-

tent ist. 

3. Auffassung der Mehrheit des Spruchkörpers der Vorinstanz 

3.1. Die Vorinstanz sieht aufgrund der Zivilansprüche der Privatklägerin und ih-

rer offenkundig gegen den Beschuldigten gehegter Rachegefühle einerseits sowie 

der Anzeige des Beschuldigten gegen sie und ihren Exmann anderseits mögliche 

Motive für die in ihrer zweiten Einvernahme erfolgten zusätzlichen, schweren 

Belastungen des Beschuldigten. Insofern setzt sie Fragezeichen hinter die 

Glaubwürdigkeit der Privatklägerin (Urk. 73 S. 22 f.). 

3.2. Mit Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin schickt 

die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid voraus, dass sie die Vorwürfe gegen 

den Beschuldigten zwar grundsätzlich in sich stimmig und konsistent wiedergebe. 

Zudem habe sie (auch) wahre Aussagen gemacht, wie Bestätigungen des Be-

schuldigten und anderer Personen belegen würden, insbesondere soweit sie von 

der langjährigen Beziehung mit dem Beschuldigten, ihrer „Flucht“ über den Bal-

kon, von Schlägen und Beleidigungen während sexueller Kontakte mit dem Be-

schuldigten und von Vorfällen mit der Prostituierten H._____ berichtet habe (Urk. 

73 S. 23). 

3.3. Als auffällig taxierte die Vorinstanz jedoch, wie widerwillig die Privatklägerin 

den – so der Beschuldigte – „Richtung Sado-Masochismus“ gehenden Aspekt ih-

rer Beziehung offengelegt habe (Urk. 73 S. 23 f.). Sodann wurde anhand ver-

schiedener Beispiele ein Mangel an Detailreichtum der Aussagen der Privatkläge-

rin sowie eine Neigung zu pauschalen Schilderungen und häufigem Abweichen 

vom Thema festgestellt, was durch mehrmaliges Nachfragen lediglich zum Teil 

habe behoben werden können. Einige Vorfälle und Begebenheiten schildere die 

Privatklägerin trotz ihrer Bedeutung äusserst oberflächlich, farblos und detailarm 

sowie wenig plausibel, wenn nicht gar unlogisch. Zudem machte die Vorinstanz 

Fluchtsignale im Aussageverhalten der Privatklägerin, Widersprüchlichkeiten und 

-   15   - 

eine Steigerungstendenz zu Lasten des Beschuldigten aus. Schliesslich habe sie 

keinen Grund für die abrupte Veränderung in der Beziehung zum Beschuldigten 

und das plötzliche Auftreten massiver Gewalttätigkeiten darzulegen vermocht 

(Urk. 73 S. 24 f.). Nachdem insofern Warn- und Fantasiesignale sowie gar 

Falschaussagen und nur eine ungenügende Anzahl Realitätskriterien, insbeson-

dere in Kernfragen, festzustellen seien, sei es unmöglich, den Anklagesachverhalt 

alleine aufgrund der Aussagen der Privatklägerin zu erstellen (Urk. 73 S. 30 und 

S. 35). Hinzu komme, dass sämtliche weiteren Beweise – zu welchen sich der 

angefochtene Entscheid jeweils im Einzelnen äussert – die Aussagen der Privat-

klägerin entweder gar nicht, jedenfalls aber bei weitem nicht in einem Mass stüt-

zen würden, das den Mangel an Realitätsmerkmalen kompensieren würde. Daher 

lasse sich der angeklagte Sachverhalt insgesamt nicht erstellen und der Beschul-

digte sei in vollem Umfang freizusprechen (Urk. 73 S. 30 ff. S. 35 f.). 

4. Auffassung der Minderheit des Spruchkörpers der Vorinstanz 

4.1. Gemäss der Minderheitsmeinung müsse die Frage, ob die Privatklägerin 

aufgrund des gegen sie geführten Verfahrens ein Interesse daran habe, sich in 

einem möglichst günstigen Licht darzustellen, bereits deshalb verneint werden, 

weil die Strafanzeige und namentlich der Strafantrag gegen die Privatklägerin 

nach der ersten umfangreichen staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der Privat-

klägerin, welche bereits massive und umfassende Belastungen enthalten habe, 

gestellt bzw. bekannt geworden seien. Zwar sei die Privatklägerin aufgrund ihrer 

langjährigen on/off-Beziehung zum Beschuldigten emotional belastet gewesen. 

Doch habe sie unter der schweren Strafandrohung von Art. 308 ff. StGB ausge-

sagt, ohne dass konkrete Hinweise auf fehlende oder verminderte Glaubwürdig-

keit zu erkennen seien. Mit Bezug auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sei aus-

zuführen, dass ihre Belastungen zwar zunächst schwer vorstellbar, bei näherer 

Betrachtung jedoch in sich absolut stimmig, konsistent und kohärent wirken wür-

den. Sie habe die Geschichte ihrer langen Beziehung, die Veränderung des Be-

schuldigten sowie seine Verdächtigungen nachvollziehbar geschildert. Weiter ha-

be sie den ersten Übergriff dargelegt und nachvollziehbar ausgeführt, wie es fast 

täglich zu weiteren, auch sexuellen Übergriffen gekommen sei. Dies und ihre wei-

-   16   - 

teren Vorwürfe, der Beschuldigte habe sie bewacht, isoliert und unter Druck ge-

setzt, füge sich stimmig zu einem Gesamtbild zusammen. Die Privatklägerin habe 

plausibel und vielschichtig über die Kontrollmassnahmen des Beschuldigten be-

richtet und mit Bezug auf die Vorfälle mit der Prostituierten H._____ sowie vom 

25. August 2016 zahlreiche Kleinigkeiten erzählt. In dieses Bild der Erniedrigung 

würden auch die von der Privatklägerin behaupteten Drohungen passen. Insge-

samt sei ihre Darstellung in sich geschlossen, detailliert und nachvollziehbar. In 

ihrer Gesamtheit seien die Schilderungen der Privatklägerin zudem unglaublich 

vielschichtig und mit unzähligen einzelnen Elementen versetzt, welche sich, ohne 

in sich widersprüchlich zu sein, ineinander fügen würden. Hervorzuheben sei 

auch die Konstanz ihrer Aussagen. Angesichts des Zeitablaufs und der Vielzahl 

der Vorfälle sowie ihrer damaligen Verfassung erstaune es nicht, dass die Privat-

klägerin keine zeitliche Abfolge aller angeblichen Taten habe angeben können, 

wobei darauf hinzuweisen sei, dass sie dazu im Vorverfahren auch nicht einge-

hend befragt worden sei. Dass die Privatklägerin viele Vorwürfe erst in der zwei-

ten, der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme äusserte, entspreche nicht nur op-

fertypischem Aussageverhalten, sondern lasse sich auch aus der damaligen Ge-

samtsituation der Privatklägern einleuchtend erklären. Es sei offensichtlich, dass 

sie in der ersten Einvernahme aufgrund ihres Bedürfnisses nach Ruhe gar nicht 

alle Vorfälle habe schildern wollen. Der psychische Zustand, in welchem sich die 

Privatklägerin ab Juni 2016 befunden habe, erkläre sowohl ihr Aussageverhalten 

als auch ihren mangelnden Widerstand gegen den Beschuldigten. Ihre Aussagen 

würden offen und unverblümt ehrlich wirken und seien von situationsadäquaten 

Gefühlsausbrüchen begleitet worden. Obwohl offensichtlich gewesen sei, dass es 

sie viel Kraft gekostet habe, über das Vorgefallene zu sprechen, sei sie nicht in 

Nebensächlichkeiten ausgewichen oder habe an der Sache vorbei geredet oder 

sich in Widersprüche verstickt. Es wäre unmöglich, erfundene Vorwürfe in dieser 

Vielschichtigkeit und Komplexität zu schildern. Sodann würden ihre Aussagen 

durch verschiedene Indizien, wie ärztliche Unterlagen, die nur polizeilich erhobe-

nen Aussagen ihres Nachbarn, den Wahrnehmungen der Polizeibeamten und der 

Tatsache, dass der Beschuldigte sich nach der Anzeige nochmals in die Woh-

nung der Privatklägerin begeben habe, direkt oder indirekt erhärtet. Die Aussagen 

-   17   - 

des Beschuldigten hingegen wurden mit ausführlicher Begründung als unglaub-

haft verworfen und er selbst als unglaubwürdig eingestuft. Ebenso wurde aufwen-

dig herausgearbeitet, dass und aus welchen Gründen die Glaubwürdigkeit der 

Zeugin G._____ massiv eingeschränkt sei und dass sich ihre Geschichte von an-

geblichen Sexvideos als derart dubios und undurchsichtig erweise sowie in Wi-

derspruch zu den Angaben des Beschuldigten und der Zeugin F._____ stehe, 

dass daraus nichts zu Ungunsten der Privatklägerin abgleitet werden könne. Zu 

den im Wesentlichen gleichen Schlüssen kam die Minderheit bezüglich der Aus-

sagen der Zeugin F._____, welche knapp sowie detailarm ausgefallen und nicht 

stimmig seien. Insgesamt würden keine erheblichen Zweifel daran bestehen, dass 

die von der Privatklägerin geschilderten Vorfälle, wie sie in der Anklage Eingang 

gefunden hätten, objektiv stattgefunden hätten. Abschliessend sei – so die Min-

derheit des erstinstanzlichen Spruchkörpers – zu schliessen, dass auch der 

innere Sachverhalt, d.h. der Eventualvorsatz beim Beschuldigten erstellt sei, zu-

mal ihm aufgrund der Verfassung der Privatklägerin habe bewusst gewesen sein 

müssen, dass sie sich gegen seine Taten nicht mehr zu wehren vermocht habe 

(Prot. I S. 56 ff.).  

5. Beweiswürdigung 

5.1. Vorbemerkungen 

5.1.1. Aufschlussreich ist, wenn man sich – wie auch in der Begründung der 

Minderheitsmeinung aufgeworfen – zunächst vergegenwärtigt, wie sich die Aus-

sagen der Privatklägerin entwickelten und wie es überhaupt zur Einleitung der 

Untersuchung gegen den Beschuldigten kam:  

5.1.2. So war es nicht etwa die Privatklägerin, sondern ein Anwohner, welcher am 

25. August 2016 die Polizei verständigte (Urk. 1 S. 2). Dem Polizeirapport ist 

sodann zu entnehmen, dass die Privatklägerin von der Polizei in Begleitung ihrer 

Eltern auf den Posten gebracht worden sei. Dabei habe sie extrem verängstigt 

gewirkt, fast ständig geweint und sich nur schwer und erst nach Rücksprache mit 

ihren Eltern zu einer Aussage durchringen können (Urk. 1 S. 2). Vor diesem Hin-

tergrund ist die im angefochtenen Urteil geäusserte Bemerkung, die Privatklägerin 

-   18   - 

habe nicht darzulegen vermocht, was am 25. August 2016 im Vergleich zu vorher 

so viel schlimmer oder anders gewesen sei, dass sie sich im Gegensatz zu vorher 

genau an diesem Tag entschlossen bzw. getraut habe, zur Polizei zu gehen (Urk. 

73 S. 29), insofern fehl am Platz, als es eben nicht die Privatklägerin war, welche 

die Polizei beizog. Davon, dass sie sich aus eigenem Antrieb entschlossen bzw. 

getraut hatte, die Polizei zu verständigen, kann also keine Rede sein; vielmehr 

wurde sie erst durch den Notruf von Anwohnern und das Zureden ihrer Eltern 

veranlasst, bei der Polizei gegen den Beschuldigten auszusagen. Insofern liegt 

auf der Hand, weshalb die Privatklägerin nicht recht zu beschreiben vermochte, 

was an der Situation am 25. August 2016 so viel schlimmer oder anders als vor-

her war. 

5.1.3. Zudem spricht auch der Zustand, in welchem sich die Privatklägerin an-

lässlich ihres ersten Kontakts mit der Polizei befand, gegen eine Inszenierung und 

dafür, dass sie im Vorfeld tatsächlich Gewalt erlebt hatte. Nebst den gerade er-

wähnten Bemerkungen im Polizeirapport geht dieser Zustand insbesondere aus 

folgender Frage des Polizeibeamten anlässlich der ersten Einvernahme hervor: 

„Jetzt sitzen Sie hier bei mir in der Einvernahme. Sie wirken völlig verängstigt und 

ausgelaugt, berichten fast ständig unter Tränen. Warum haben Sie so grosse 

Angst?“ (Urk. 6/1 S. 2).  

5.1.4. Am 25. bis. 26. August 2016 hatte das Strafverfahren gegen den Beschul-

digten kaum begonnen. Die Privatklägerin wirkte seinerzeit zwar völlig mitge-

nommen, jedoch in keiner Weise berechnend. Weder war im damaligen Zeitpunkt 

eine Beteiligung ihrerseits am Verfahren als Straf- oder Zivilklägerin, noch ein Zi-

vilanspruch, geschweige denn eine Anzeige des Beschuldigten gegen sie betref-

fend heimlich erstellter Videoaufnahmen zum Thema geworden. Eine Strategie, 

um ihre eigenen Interessen im Strafverfahren durchzusetzen oder den Beschul-

digten präventiv zu diskreditieren, wie die Vorinstanz argwöhnt (Urk. 73 S. 22 f.), 

konnte noch keine Rolle gespielt haben. Und was die der Privatklägerin im ange-

fochtenen Urteil unterstellten Rachegefühle anbelangt (Urk. 73 S. 23), ist darauf 

hinzuweisen, dass die Privatklägerin zum Schluss ihrer ersten Einvernahme er-

klärte, keine Komplikationen und keine Verhaftung des Beschuldigten zu wün-

-   19   - 

schen, ihm nichts Böses, keinen Schaden, kein Gefängnis und kein Leid zufügen 

zu wollen. Sie machte sich Gedanken, wie es für seine Kinder und seine kranke 

Mutter sein würde, wenn er von der Polizei geholt würde und bat darum, ihn nicht 

zu holen, sondern ihn nur zu einem Gespräch zu bitten und ihn aufzufordern, sie 

in Ruhe zu lassen (Urk. 6/1 S. 5). Anschaulicher kann kaum ausgedrückt werden, 

dass die Privatklägerin – jedenfalls in dieser ersten Einvernahme – keine Rache-

gefühle hegte. 

5.2. Auseinandersetzung des Beschuldigten und der Privatklägerin vom 

25. August 2016 

5.2.1. Die Polizei wurde wie gesagt am 25. August 2016 um 22.48 Uhr von Dritten 

verständigt (Urk. 1 S. 2). Danach, nämlich ab 01.40 Uhr wurde die Privatklägern 

während rund einer Stunde einvernommen (Urk. 6/1 S. 1 ff.). In dieser sehr nahe 

zur Alarmierung der Polizei liegenden und ohne Vorankündigung durchgeführten 

Befragung sagte sie aus, der Beschuldigte sei am 25. August 2016 bei ihr zu 

Hause gewesen, was auch unbestritten ist. Sie schilderte, dass es wegen seiner 

ständigen Verdächtigungen, sie betrüge ihn, zum Streit gekommen sei. Er habe 

von ihr verlangt, "die Wahrheit" zu sagen, nämlich dass sie ihn betrüge und die-

ses Geständnis aufzuzeichnen, ansonsten ihrer Familie etwas zustossen werde. 

Dann habe er sie geschlagen und sei gegangen. Auf Nachfrage führte sie aus, 

der Beschuldigte habe sie mit der offenen Hand mehrfach ins Gesicht geschla-

gen, wobei sie nicht sagen könne, wie viele solche Schläge es gewesen seien. Er 

habe ihr auch mit der Fernbedienung des Fernsehers auf den Kopf geschlagen, 

wobei sie glaube, dass dies ebenfalls mehrfach passiert sei. Dann habe er mit der 

Faust gegen ihren linken Oberarm, den Rücken und die Schulter geschlagen; wie 

genau wisse sie nicht mehr, weil sie sich einfach abgedreht und versucht habe, 

sich zu schützen (Urk. 6/1 S. 2). Der Beschuldigte sei bei dieser Auseinanderset-

zung auf dem Bett gesessen und sie sei vor ihn hingekniet bzw. -gehockt, um mit 

ihm zu sprechen. Aus dieser Position sei sie als Folge der beschriebenen Schläge 

zur Seite gekippt und auf den Boden zu liegen gekommen. Irgendwann sei der 

Beklagte gegangen und habe ihr Handy mitgenommen. Nach den Verletzungen 

gefragt, erklärte die Privatklägerin, dass ihre linke Hand weh tue und die Knöchel 

-   20   - 

etwas angeschwollen seien, was damit zu tun haben könnte, dass sie die mit der 

Fernbedienung ausgeführten Schläge mit ihrer Hand habe abwehren wollen. Fer-

ner habe sie Kopfschmerzen, eine dicke Beule am Kopf, und der Rücken sowie 

der linke Oberarm würden ihr weh tun (Urk. 6/1 S. 3). Ihre Wohnung im ersten 

Stock habe sie nach dem Weggang des Beschuldigten nicht durch die Tür, son-

dern über ihren Balkon verlassen, wobei sie seitlich auf den Balkon der Nachbarn 

geklettert sei, dort an die Scheibe geklopft habe und eingelassen worden sei. Dies 

habe sie so gemacht, weil sie nicht von der vom Beschuldigten in ihrer Wohnung 

zu ihrer Beobachtung installierten Kamera habe gefilmt werden wollen. Von den 

Nachbarn aus habe sie ihre Mutter angerufen. Als ihre Eltern dann eingetroffen 

seien, sei auch die Polizei gekommen, wobei sie nicht wisse, von wem diese ge-

rufen worden sei (Urk. 6/1 S. 4). Auf die Frage, was sie sich von der Polizei erhof-

fe, führte die Privatklägerin aus, sich Schutz für sich und ihre Familie zu verspre-

chen, dem Beschuldigten aber weder Komplikationen machen noch ihn leiden 

oder im Gefängnis sehen zu wollen. Sie wiederholte mehrfach, einfach ihre Ruhe 

gelassen werden und keine Angst mehr haben zu wollen. Auf weitere Frage, ob 

sie vom Beschuldigten schon früher geschlagen, verletzt oder bedroht worden sei, 

erklärte sie, dazu nichts sagen zu wollen; sie wolle nur, dass es fertig sei (Urk. 6/1 

S. 5).  

5.2.2. Als sie rund drei Monate später, in ihrer nächsten Einvernahme vom 

2. Dezember 2016 erneut zu diesen Ereignissen vom 25. August 2016 befragt 

wurde, machte sie zunächst zusätzliche Angaben dazu, wie der Beginn dieses 

Treffens mit dem Beschuldigten wohl gelaufen sei. Dabei gab sie an, nicht zu wis-

sen, ob es an diesem Tag das Gleiche gewesen sei, wie schon mehrmals zuvor, 

dass der Beschuldigte sich nämlich jeweils ausgezogen, aufs Bett gelegt, sie mit 

Schlampe betitelt und ihr befohlen habe, ihm eins zu blasen, da dies ihr Job sei. 

Sie habe dies dann machen müssen, währendem er die Fernbedienung in der 

Hand gehabt habe, mit welcher er ihr auf den Kopf geschlagen habe, wenn sie es 

nicht gemacht habe, wie es ihm passe (Urk. 6/2 S. 15). Sodann kam die Privat-

klägerin in Bestätigung und Konkretisierung ihrer ersten Aussagen darauf zu 

sprechen, dass der Beschuldigte ihr Handy kontrolliert und Verdächtigungen hin-

sichtlich sexueller Kontakte zu anderen Männern geäussert habe. Hierauf habe 

-   21   - 

sie versucht, ihm zu erklären, dass sie nichts gemacht habe, was aber nichts ge-

nützt habe. Vielmehr habe er angefangen, sie zu schlagen. Er habe ihr eine Ohr-

feige gegeben, so dass sie "weggespickt" sei (Urk. 6/2 S. 15 f.). Auf die Frage nach 

ihrer Position erklärte sie, dass der Beschuldigte auf der Bettkante gesessen und 

sie am Boden auf den Knien gewesen sei. Durch die Ohrfeige sei sie zur Seite 

„gespickt“ bzw. gefallen. Er habe sie daraufhin aufgefordert, wieder zu ihm zu 

kommen, worauf er ihr weitere Ohrfeigen versetzt, sie an den Haaren gerissen 

und mit der Fernbedienung auf den Kopf geschlagen habe. Dann habe er aus der 

Küche einen Besen geholt, den Besenstiel abgeschraubt und ihr damit auf den 

Rücken und die Beine geschlagen. Anschliessend habe sie wieder vor ihm auf die 

Knie gehen müssen und er habe ihr weitere Ohrfeigen gegeben. Irgendwann ha-

be sie vor Schmerzen nicht mehr gekonnt und sei auf der Seite liegen geblieben. 

Daraufhin sei der Beschuldigte aufgestanden und habe sie mit den Füssen getre-

ten, in die linke Rippe, die Beine und überall. Dann sei er auf ihre Beine gestan-

den und habe sie auf die Arme und sie glaube auch auf den Rücken geboxt. Ir-

gendwann habe er aufgehört. Er habe ihr gesagt, dass er von ihr eine Tonauf-

nahme mit ihren Geständnissen erwarte, ansonsten sie sehen werde, was mit ih-

rer Familie passieren werde; er werde diese umbringen und ihr so das Liebste 

wegnehmen; es gebe keinen Stopp. Er habe ihr das Handy weggenommen und 

sich die Codes bzw. Passwörter ihres Emailkontos geben lassen (Urk. 6/2 S. 16, 

S. 17 f.). Auf Frage nach Verletzungen zufolge dieses Vorfalles führte die Privat-

klägerin aus, wegen der Schläge Beulen am Kopf erlitten sowie extreme Kopf- 

und Rippenschmerzen gehabt zu haben. Auf der einen Hand – wohl der rechten – 

habe sie einen und auf Armen und Rücken weitere blaue Flecken gehabt. Auf 

Frage nach einem Arztbesuch wegen dieser Verletzungen erzählte die Privatklä-

gerin, sie und ihre Familie hätten sich nach ihrer Flucht zu den Nachbarn am 25. 

August 2016 zunächst aus Todesangst versteckt. Erst später sei sie zum Arzt ge-

gangen, wobei sie keine Ahnung habe, wann. Die Ärztin, Dr. med. I._____, habe 

Röntgenbilder und ein CT veranlasst (Urk. 6/2 S. 17). Den Weg über den Balkon 

der Nachbarswohnung habe sie genommen, weil der Beschuldigte wegen der in 

ihrem Gang installierten Kamera sofort gesehen hätte, wenn sie aus ihrer Woh-

-   22   - 

nungstür gegangen wäre. Dann hätte sie nicht flüchten und ihre Familie nicht 

warnen können (Urk. 6/2 S. 33).  

5.2.3. In ihrer dritten Befragung vom 19. Mai 2017 und demnach nach rund neun 

Monaten kamen die Vorfälle vom 25. August 2016 kaum zur Sprache, lediglich 

insofern, als die Privatklägerin auf einleitende Fragen erklärte, letztmals mit dem 

Beschuldigten Kontakt gehabt zu haben, als sie geflüchtet sei und dass ihre El-

tern sie bei den Nachbarn abgeholt hätten. Die Polizei sei damals auch dabei ge-

wesen (Urk. 6/4 S. 3). Auf allfällige Arztbesuche wegen Verletzungen angespro-

chen, erklärte die Privatklägerin zudem, von Frau Dr. med. I._____ zum Röntgen 

geschickt worden zu sein, wobei unter anderem am mittleren Finger der linken 

Hand ein Bruch festgestellt worden sei (Urk. 6/4 S. 5 f.).  

5.2.4. Die nächste Befragung der Privatklägerin fand zweieinhalb Jahre nach ihrer 

ersten Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 

23. Januar 2019 statt (Urk. 54). Was die Vorfälle vom 25. August 2016 anbelangt, 

führte sie aus, der Beschuldigte sei damals wie schon öfters zuvor zu ihr nach 

Hause gekommen. Die exakte chronologische Abfolge wisse sie nicht mehr ge-

nau. Jedenfalls habe er auf dem Bett liegend mit der Fernbedienung in der Hand 

von ihr verlangt, dass sie ihm eins blase (Urk. 54 S. 9). Sie habe starke Rücken-

schmerzen gehabt, weshalb sie die Position habe wechseln müssen. Dabei habe 

er sie – wie schon oft – mit der Fernbedienung auf den Rücken und Kopf ge-

schlagen. Dann habe er auf der Bettkante gesessen, währendem sie auf dem Bo-

den gekniet sei. Er habe ihr Handy genommen und kontrolliert, sich darüber auf-

geregt, dass sie in Facebook aktiv gewesen sei und ihr – ohne dass sie den ge-

nauen Wortlaut noch wüsste – Unterstellungen gemacht. Sie müsse die ganze 

Wahrheit sagen und auf Tonband aufnehmen. Falls sie dies nicht tun würde, wür-

de er ihre Familie aufhängen bzw. ihr (so) das Liebste wegnehmen. Der Beschul-

digte habe sie geschlagen. Sie habe vor ihm knien müssen und er habe nicht ge-

duldet, dass sie sich entferne. Dabei habe er ihr Ohrfeigen gegeben, worauf sie 

irgendwann weggeflogen sei. Wiederum habe sie zu ihm hingehen müssen. Nach 

mehreren Ohrfeigen sei sie wieder weggeflogen und habe keine Kraft mehr zum 

Aufstehen gehabt, weshalb sie liegen geblieben sei (Urk. 54 S. 10). Danach sei er 

-   23   - 

auf sie zu gekommen, sei mit den Füssen auf sie gestanden und habe in ihren 

Rücken und in ihre Schulter geboxt. Sie glaube, er habe sie auch mit den Füssen 

getreten. In der Folge sei er in die Küche gegangen, habe einen Besen geholt, die 

Bürste weggeschraubt und sie mit dem Besenstiel geschlagen, damit sie still sei. 

Sie sei schliesslich einfach auf dem Boden gelegen und habe versucht, sich mit 

den Händen zu schützen. Irgendwann sei der Beschuldigte dann weggegangen. 

Auf Frage bestätigte die Privatklägerin, in der Folge über den Balkon zu den 

Nachbarn geflohen zu sein, weil der Beschuldigte in ihrer Wohnung beim Eingang 

Kameras installiert gehabt habe. Daher habe sie keine Möglichkeit gehabt, vom 

Beschuldigten unbemerkt über die Wohnungstür nach draussen zu gehen (Urk. 

54 S. 11).  

5.2.5. Die Privatklägerin wurde anlässlich der Berufungsverhandlung vom 15. Juni 

2020 ein weiteres Mal zu den Geschehnissen zwischen Juni und August 2016 

befragt (Urk. 98 S. 1 ff.). Darauf angesprochen, was an diesem 25. August 2016 

passiert sei, ersuchte die Privatklägerin um einen Verhandlungsunterbruch, wel-

chem Ansinnen stattgegeben wurde. Im Anschluss, und nach generellen Ausfüh-

rung der Privatklägerin dazu, wie schwierig es ihr falle, darüber zu sprechen, da 

sie jeweils wieder in diese Situation zurück versetzt werde und den Beschuldigten 

vor sich sehe, wie er sie schlage, schilderte sie in freier Rede und über mehrere 

Seiten hinweg die Vorfälle vom 25. August 2016 in Übereinstimmung mit den ak-

tenkundigen und eben dargestellten Ausführungen (Urk. 98 S. 23 ff.). Der Be-

schuldigte sei ins Schlafzimmer gegangen, habe sich ausgezogen und sie aufge-

fordert, zu ihm zu kommen uns ihm "eins zu blasen." Da sie Rippenschmerzen 

gehabt habe, habe sie ständig die Position wechseln müssen, weshalb er 

schliesslich wütend geworden sei und sie auf den Kopf geschlagen habe. Das sei 

eine Weile so gegangen, woraufhin der Beschuldigte auf die Bettkante gesessen 

sei und ihr gesagt habe, sie solle ihm ihr Natel geben. Er habe dann vermeintlich 

festgestellt, dass sie Facebook habe, was nicht zutreffe, und sie deswegen so 

geohrfeigt, dass sie weggespickt sei. Er habe auch auf sie eingetreten, sie geboxt 

und sie mit einem Besen geschlagen. Schliesslich habe er ihr ein Ultimatum ge-

stellt und von ihr verlangt, dass sie auf Tonband festhalte, mit wem sie ihn betro-

gen habe, ansonsten er sie und ihre Familie umbringen werde. Sie sei am Boden 

-   24   - 

gelegen – zerstört – und habe nicht mehr gekonnt. Es sei genug gewesen und sie 

sei dann am gleichentags zu den Nachbarn geflüchtet, wobei sie sich nicht einmal 

getraut habe aufzustehen, da sie befürchtet habe, der Beschuldigte könne jeder-

zeit auftauchen. Sie habe ihre Mutter verständigt, welche schliesslich in Beglei-

tung der Polizei gekommen sei. Sie habe an diesem Abend nur Schutz und Ruhe 

gewollt, aber auf der Wache Aussagen machen müssen. Sie habe aber ganz klar 

ausgesagt gehabt, dass sie den Beschuldigten nicht habe belasten bzw. einem 

Vorwurf aussetzen wolle. Sie habe nur gewollt, dass er sie in Ruhe lasse (Urk. 98 

S. 23 ff.).   

5.2.6. Ausgehend von diesen gesamten Aussagen und vor allem den in der ers-

ten Einvernahme in sehr aufgewühlter Stimmung, aber völlig unbefangen ge-

machten Angaben der Privatklägerin ist festzuhalten, dass sie die Vorfälle vom 

25. August 2016 in den verschiedenen Befragungen mehrheitlich übereinstim-

mend schilderte. Sie wiederholte jedes Mal und in verschiedenen Zusammenhän-

gen, dass der Beschuldigte unter Androhung von Gewalt gegen ihre Familie von 

ihr ein Geständnis, dass sie ihn betrüge, verlangt habe, wobei sie ab der zweiten 

Einvernahme erklärte, sie hätte dieses Geständnis auf Tonband aufzeichnen sol-

len (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/2 S. 4, S. 14, S. 33; Urk. 6/4 S. 19; Urk. 54 S. 10, S. 10; 

Urk. 98 S. 24). Dabei handelt es sich um ein recht eigentümliches Detail, wenn 

auch der Umstand, dass die Privatklägerin dieses Aufnahmegerät – auf welchem 

sich angesichts des Hergangs aber noch keine aktuelle Aufnahme eines solchen 

Geständnisses befunden haben konnte – weggeworfen bzw. kaputt gemacht ha-

ben will kein logisches Verhalten darstellen mag (Urk. 6/2 S. 34; Urk. 54 S. 11). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte sie hierzu nachvollziehbar, dass sie 

nie die Absicht gehabt habe, dieses Tonbandgerät als Beweismittel zu verwerten. 

Sie habe es einfach in der Tasche gehabt und gewollt, dass der Beschuldigte es 

nicht bekomme. Sie wisse nicht mehr, wann genau sie diese Tasche wieder her-

vorgenommen und das Tonbandgerät gesehen habe. Es habe sie da aber so eine 

Wut gepackt, dass sie das Gerät in den Kübel geworfen habe (Urk. 98 S. 28 f.). 

Sodann führte sie jedes Mal aus, vom Beschuldigten mehrfach mit der offenen 

Hand bzw. mittels Ohrfeigen ins Gesicht und auch mit der Fernbedienung auf den 

Kopf geschlagen worden zu sein. Die Verwendung der Fernbedienung stellt wie-

-   25   - 

derum ein aussergewöhnliches Detail dar, welches auf tatsächlich Erlebtes 

schliessen lässt. Auch von Schlägen mit der Faust gegen den Oberarm, den Rü-

cken und die Schulter während dieses Vorfalles berichtete die Privatklägerin jedes 

Mal. Ausserdem beschrieb sie wiederholt, detailliert und originell, wie der Be-

schuldigte bei dieser Auseinandersetzung auf dem Bettrand gesessen und sie vor 

ihm gekniet sei und sie dann wegen der Schläge zur Seite gekippt oder „gespickt“ 

bzw. auf den Boden gefallen sei. Dass sie am 25. August 2016 (auch) mit dem 

Besenstiel geschlagen worden sei, sagte die Privatklägerin erstmals in ihrer zwei-

ten Einvernahme aus, nachdem sie zunächst allgemein gefragt worden war, wie 

genau sie vom Beschuldigten jeweils geschlagen worden sei (Urk. 6/2 S. 5) und 

sodann explizit nach einer näheren Schilderung von Schlägen mit Stöcken in der 

Schweiz bzw. von Schlägen mit dem Besenstiel (Urk. 6/2 S. 8 f.) bzw. schliesslich 

nach dem Ablauf des Vorfalles vom 25. August 2016 gefragt worden war (Urk. 6/2 

S. 15 und S. 16). Sie sagte damals, es sei einmal vorgekommen, dass sie so mit 

dem Besenstiel geschlagen worden sei (Urk. 6/2 S. 8 f.). In der Hauptverhandlung 

erzählte sie in Übereinstimmung mit diesen Aussagen abermals von Schlägen mit 

dem Besenstiel am 25. August 2016 (Urk. 54 S. 11). Nachdem die Privatklägerin 

dieses Schlagen mit dem Besenstiel in zwei Einvernahmen jeweils in ihrem eige-

nen Bericht (wieder) aufgriff und da ihre Schilderung, wie der Beschuldigte dabei 

vorging, originell und genügend detailliert ausfiel, ist ihr auch in diesem Punkt 

Glauben zu schenken. Anlässlich der Berufungsverhandlung ausdrücklich danach 

gefragt, weshalb sie anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme hierzu keine 

Aussagen gemacht habe, erklärte sie, dass sie erschöpft und müde gewesen sei 

sowie Angst gehabt habe. Sie habe gar keine Anzeige machen wollen. Später 

nochmals in ähnlichem Kontext zu ihren Aussagen anlässlich der ersten polizeili-

chen Einvernahme befragt bestätigte sie, dass sie an diesem Abend gar keine 

Aussagen habe machen, sondern nur Schluss machen und ihre Ruhe wollen ha-

be. Nachvollziehbar legte sie dar, dass weitere Fragen gefolgt wären, wenn sie 

diese Frage beantwortet hätte. Sie habe aber nur ihre Ruhe und Schutz gewollt 

und damals noch nicht gewusst, dass sie später ohnehin Aussagen machen müs-

se (Urk. 98 S. 27). Diese Erklärung ist insbesondere mit Blick auf die vorange-

henden Ausführungen zur Anzeigeerstattung unter Ziffer 5.1 hiervor glaubhaft und 

-   26   - 

vermag vereinzelte Unvollständigkeiten in ihren Aussagen anlässlich der ersten 

polizeilichen Einvernahme schlüssig zu erklären. Das gilt auch hinsichtlich der se-

xuellen Vorwürfe, zu welchen, was noch eingehend dargestellt wird, die Privatklä-

gerin anfänglich ebenfalls keine Aussagen machte, wie die Verteidigung anläss-

lich der Berufungsverhandlung grundsätzlich richtig einwendete (Prot. II S. 16; 

Prot. II S. 23). Auch hier lassen sich die Unvollständigkeiten nachvollziehbar da-

mit erklären, dass die Privatklägerin, wie sie glaubhaft darlegte, zu Beginn gar 

keine Aussagen machen wollte. 

Die Schilderung der Ereignisse vom 25. August 2016 fiel im Übrigen anlässlich 

der zweiten Einvernahme auch eine Nuance drastischer aus, zumal die Privatklä-

gerin erklärte, der Beschuldigte sei dann von der Bettkante aufgestanden und ha-

be angefangen, sie mit den Füssen zu treten, in die linken Rippen, an die Beine 

und überall (Urk. 6/2 S. 16). In der dritten Einvernahme sagte sie auf Frage, wie 

es zum ärztlich dokumentierten Bluterguss von 14 cm am linken Unterschenkel 

gekommen sei, der Beschuldigte sei, nachdem er auf der Bettkante gesessen ha-

be und sie wegen seiner Ohrfeigen „weggespickt“ sei, auf ihr gestanden und habe 

sie getreten, als sie auf dem Boden gelegen sei (Urk. 6/4 S. 9); in der zweiten Be-

fragung erwähnte sie eine solche Verletzung am Unterschenkel noch nicht (Urk. 

6/2 S. 17). An der Hauptverhandlung sagte sie, der Beschuldigte sei, nachdem sie 

am Boden liegen geblieben sei, auf sie zugekommen und sei mit den Füssen auf 

sie gestanden, wobei er in ihren Rücken und ihre Schulter geboxt habe; sie glau-

be, er habe sie auch mit den Füssen getreten (Urk. 54 S. 11). Trotz der zeitlich 

zum Teil weit auseinander liegenden Befragungen schilderte die Privatklägerin 

diese Sequenz wiederholt gleichartig und ihr Bericht lässt sich gut mit dem ärztlich 

dokumentierten grossen Bluterguss an ihrem Unterschenkel (Urk. 13/7) in Ein-

klang bringen, weshalb ihre Aussagen auch in dieser Hinsicht als glaubhaft zu 

werten sind. Ebenfalls hielt sie durchwegs daran fest, dass der Beschuldigte beim 

Weggehen ihr Handy mitgenommen habe. Was dieses verschwundene Handy 

der Privatklägerin anbelangt, erwog die Vorinstanz, dass es sich dabei um ein 

wichtiges Beweismittel im vorliegenden Fall gehandelt hätte und dass die Be-

hauptung der Privatklägerin vor dem Hintergrund ihrer gesamten Aussagen wenig 

plausibel erscheine. Denn hätte der Beschuldigte sie tatsächlich permanent über 

-   27   - 

das Handy überwacht und sie ihm stets ihre Aufenthaltsorte etc. senden müssen, 

hätte es nur wenig Sinn ergeben, ihr das Gerät nun abzunehmen bzw. wäre dies 

nur dann nachvollziehbar gewesen, wenn der Beschuldigte gewusst hätte, dass 

die Privatklägerin hernach flüchten und die Polizei beiziehen würde, was aber 

ausgeschlossen sei. Insofern entbehre die Darstellung der Privatklägerin jeglicher 

innerer Logik und sei als unglaubhaft zu qualifizieren (Urk. 73 S. 26 f.). Diese Be-

denken der Vorinstanz können jedoch insofern nicht geteilt werden, als die Privat-

klägerin von Anfang an behauptete, der Beschuldigte habe mit der Wegnahme 

des Handys sein Verbot, Kontakt zu ihrer Familie aufzunehmen, durchsetzen wol-

len (Urk. 6/1 S. 3). Die Mitnahme des Mobiltelefons konnte diesen Zweck tatsäch-

lich viel wirkungsvoller garantieren als eine Überwachung. Hinzu kommt, dass das 

Wegnehmen des heutzutage vermeintlich unentbehrlichen Handys eine beliebte 

und häufige Form der Machtdemonstration in Beziehungskonflikten darstellt. Die 

Schilderung der Privatklägerin erscheint umso glaubhafter, als sie ihre Mutter – 

und nicht etwa die Polizei – nach der Auseinandersetzung in der besagten Nacht 

nachweislich erst anrief, als sie über ihren und den Nachbarsbalkon in die Woh-

nung ihrer Nachbarn geflüchtet war. Diese Flucht wurde von der Privatklägerin 

anschaulich und überzeugend geschildert und wird dadurch untermauert, dass sie 

ihren Wohnungsschlüssel im Schloss der verschlossenen Wohnungstür steckend 

zurückliess. Diese Bewandtnis wird wiederum durch Aussagen des Beschuldigten 

gestützt, der gemäss eigenen Angaben am 26. August 2016 in Abwesenheit der 

Privatklägerin angeblich aus Sorge um sie nochmals in die Wohnung gegangen 

sei, und zwar ebenfalls über den Balkon der Nachbarn (Urk. 5/3 S. 2). Anschei-

nend war es ihm, der im Besitz eines Wohnungsschlüssels war, nicht gelungen, 

die Türe von aussen aufschliessen; bei dieser Stippvisite stellte er denn auch fest, 

dass der Schlüssel von innen im Schloss steckte (Prot. I S. 31). Angesichts die-

ses umständlichen Weges, den die Privatklägerin in ihrem angeschlagenen Zu-

stand nahm, um ihre eigene Wohnung zu verlassen, muss als erwiesen gelten, 

dass sie in grosser Angst vor dem Beschuldigten war und insbesondere tatsäch-

lich befürchtete, von ihm über eine in ihrer Korridorlampe montierte Kamera beo-

bachtet zu werden. Aufgrund der wiederholten Angaben der Privatklägerin betref-

fend die Kamera und anderer Formen elektronischer Überwachung, welche schon 

-   28   - 

fast als fixe Idee anmuten (Urk. 6/1 S. 4; Urk. 6/2 S. 23, S. 27, S. 31, S. 33; Urk. 

6/4 S. 26; Urk. 54 S. 11, S. 23) und ihrer glaubhaft geschilderten Ängste ist als 

genügend erwiesen zu erachten, dass der Beschuldigte im Eingangsbereich ihrer 

Wohnung tatsächlich eine Vorrichtung zur angeblichen Beobachtung montiert hat-

te. Vielsagend ist denn auch, dass der Beschuldigte sich wie gerade erwähnt 

noch einmal in die von innen verschlossene Wohnung begab, nachdem die Pri-

vatklägerin diese am 25. August 2016 verlassen hatte, worauf die Polizei anläss-

lich einer Tatortbesichtigung am 7. September 2016 durchaus Hinweise auf Mani-

pulationen an der Deckenlampe im Eingangsbereich fand, die auf eine nachträg-

lich vorgenommene, dann jedoch entfernte Installation schliessen lassen könnten; 

ebenfalls wurde der geöffnete Werkzeugkasten des Beschuldigten im Korridor 

stehend vorgefunden (Urk. 12). Ob diese Anlage je funktionstüchtig war bzw. tat-

sächlich so arbeitete, wie der Beschuldigte der Privatklägerin vorgab, kann dahin-

gestellt bleiben. Jedenfalls diente sie zusammen mit den Angaben, die der Be-

schuldigte der Privatklägerin dazu machte, dazu, diese massiv einzuschüchtern 

und unter permanentem Druck zu halten. Schliesslich spricht die Tatsache, dass 

die Privatklägerin von den Nachbarn aus wie gesagt ihre Eltern und nicht etwa die 

Polizei anrief, abermals gegen Rachegelüste oder eine Inszenierung ihrerseits, 

aber umso mehr für eine aus ihrer Sicht bestehende Notlage und für echte Sorge 

um ihre Eltern sowie ihr Bedürfnis, durch ihre Familie unterstützt zu werden.  

Was schliesslich die am 25. August 2016 von der Privatklägerin erlittenen Ver-

letzungen anbelangt, greifen die im angefochtenen Entscheid getroffenen Fest-

stellungen, wonach der Nachbar der Privatklägerin, D._____, keine Verletzungen 

der Privatklägerin habe feststellen können, die von der Polizei am 25./26. August 

2016 angefertigten Fotos der Privatklägerin keine wahrnehmbaren wesentlichen 

Verletzungen der Privatklägerin zeigen würden und angesichts der erst am 31. 

August 2016 erfolgten ärztlichen Konsultation auch der Bericht von Dr. med 

I._____ (Urk. 13/7) keinen verlässlichen Schluss auf die Urheberschaft der fest-

gestellten Verletzungen zulasse (Urk. 73 S. 34), zu kurz. In der ersten Einver-

nahme nach ihren Verletzungen gefragt, erklärte die Privatklägerin wie bereits er-

wähnt klar, dass sie Schmerzen in ihrer linken Hand habe, die Knöchel dort etwas 

angeschwollen seien, dass sie Kopfschmerzen und eine dicke Beule am Kopf ha-

-   29   - 

be sowie auch ihr Rücken und der linke Oberarm wehtun würden (Urk. 6/1 S. 3). 

Diese Art der Protokollierung und die daraufhin von der Polizei erstellten Fotos 

(Urk. 11) lassen schliessen, dass auch der vernehmende Polizeibeamte eine Beu-

le am Kopf und Schwellungen an der linken Hand wahrnehmen konnte. Zudem 

wurden leichte Verfärbungen am linken Oberarm und am Rücken der Privatklä-

gern festgestellt und fotografiert. Mit den Schilderungen der Privatklägerin, den 

Feststellungen des Polizisten sowie den Fotos korrespondiert schliesslich ein Teil 

des Befunds der von der Privatklägerin am 31. August 2016 konsultierten Ärztin, 

Dr. med. I._____. Diese stellte nebst anderen Verletzungen der Privatklägern ins-

besondere Schmerzen und Druckdolenz über der linken Kopfseite sowie eine int-

raartikuläre, nicht dislozierte Fraktur des Mittelhandknochens III links fest 

(Urk. 13/7 S. 1). Angesichts der Übereinstimmung zwischen den bereits von der 

Privatklägerin in der Einvernahme geschilderten und zum Teil durch den Polizis-

ten wahrgenommenen Beschwerden und diesem ärztlichen Befund kann die Ur-

heberschaft des Beschuldigten – trotz der zwischen dem Vorfall und der ärztli-

chen Konsultation liegenden fünf Tage – nicht ernsthaft in Zweifel gezogen wer-

den. 

Den von der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung angestellten 

Spekulationen, dass die Aussagen der Privatklägerin Resultat von Wahrneh-

mungsverschiebungen sein könnten, welche auf ihre psychischen Probleme 

zurückzuführen seien, stehen die eben erwähnten Verletzungen entgegen. Die 

glaubhaften Aussagen der Privatklägern lassen sich – wie gezeigt – in mehreren 

Punkten nachvollziehbar objektivieren, weshalb der entsprechende Einwand der 

Verteidigung nicht durchdringt (Prot. II S. 18; Prot. II S. 29; Prot. II S. 31). 

5.2.7. Der Beschuldigte äusserte sich ebenfalls zum Geschehen am 25. August 

2016. In seiner ersten polizeilichen Befragung vom 27. August 2016 bestätigte er, 

am 25. August 2016 mehrere Stunden bei der Privatklägerin verbracht zu haben. 

Dabei sei es zu einer kleinen, jedoch nicht lauten Diskussion gekommen, weil die 

Privatklägerin verlangt habe, dass er sich von seiner Ehefrau scheiden lasse. 

Handgreiflichkeiten hätten ebenfalls stattgefunden, jedoch nicht bei dieser Dis-

kussion, sondern zuvor, als sie ihren wilden, bizarren Sex gehabt hätten. Insbe-

-   30   - 

sondere bestätigte er zunächst, die Privatklägerin mehrfach mit der offenen Hand 

ins Gesicht geschlagen zu haben, dies wie gesagt während des Sex, zumal die 

Privatklägerin – wie auch er – darauf stehe. Das sei jedoch nicht im Streit oder in 

der Diskussion geschehen. Die Diskussion habe lediglich ein paar Minuten ge-

dauert und dann sei er raus gegangen (Urk. 5/1 S. 2 f.). Die Frage, ob er die Pri-

vatklägerin mit der Faust gegen den linken Oberarm, den Rücken und die Schul-

ter geschlagen habe, verneinte er. Auf die Knie sei die Privatklägerin nur während 

des Sex', nicht aber während des Streits gegangen. Sie stehe nämlich immer 

mehr auf devote Spiele. Auf Frage bestritt der Beschuldigte, Kameras in der 

Wohnung der Privatklägerin angebracht zu haben. Auf die Anschlussfrage, ob er 

die Privatklägerin kontrolliere, entgegnete er, dass dies eine Fantasie der Privat-

klägerin sei und diese selber beim Eingang der Wohnung eine schwarze Kamera 

habe, welche jedoch nicht funktioniere. Nach psychischer Gewalt gegen die Pri-

vatklägerin befragt, stellte der Beschuldigte solches in Abrede und berichtete über 

seit Monaten immer eintöniger werdende devote Rollenspiele. Während sie beide 

früher im Wald, in der Garage etc. Sex gehabt hätten, stehe die Privatklägerin 

jetzt nur noch auf das Devote. Selbst wenn sie zusammen telefonieren würden, 

hätten sie ein Codewort, nämlich "Kühlschrank". Auf einen das bisher in der Be-

fragung Ausgeführte zusammenfassenden Vorhalt, verneinte der Beschuldigte im 

Gegensatz zu vorher, die Privatklägerin am 25. August 2016 beim Sex geschla-

gen zu haben, räumte aber ein, dass es hart zugegangen sei (Urk. 5/1 S. 3). Als 

Ergänzung führte er an, er und die Privatklägerin hätten auch neben ihrem bizar-

ren Geschlechtsakt Rollenspiele und Fantasien, welche sie wenn möglich auch 

tagsüber durchziehen würden (Urk. 5/1 S. 4).  

5.2.8. In seiner gleichentags durchgeführten zweiten Befragung, der Haftanhö-

rung, führte der Beschuldigte auf Vorhalt des Tatverdachts aus, er habe die Pri-

vatklägerin nicht geschlagen und machte wieder Ausführungen zu ihrem 

aussergewöhnlichen Sexualleben. Sie beide würden nicht nur beim Geschlechts-

akt selbst, sondern auch beim Vorspiel auf Rollenspiele und sonstige bizarre 

Spiele stehen. Sie hätten das Codewort "Kühlschrank", wenn es einem von bei-

den zu weit gehe; wenn dieses falle, höre man auf (Urk. 5/2 S. 2). Auf Vorhalt der 

Aussage der Privatklägerin, wonach er sie ins Gesicht geschlagen habe, verwies 

-   31   - 

dieser wiederum auf die schon zur Gewohnheit gewordene Diskussion, die zwi-

schen ihnen wegen der von der Privatklägerin gewünschten Scheidung von seiner 

Ehefrau stattgefunden habe. Diese habe jedoch lediglich ein paar Minuten ge-

dauert. Es sei eine kleine Diskussion gewesen, und sie seien während des voran-

gegangenen Sex' lauter gewesen als während dieser Diskussion. Es stimme 

nicht, dass er sie mit der Fernbedienung geschlagen habe (Urk. 5/2 S. 3). Auch, 

dass er der Privatklägerin das Handy weggenommen habe, könne nicht sein. 

Kameras habe er in ihrer Wohnung sodann nicht installiert. Es handle sich um ei-

nen alten Dummie, d.h. eine Attrappe, welche dort stehe – auf der Kommode, 

wenn man in die Wohnung komme. Die einzige Erklärung, die er für das Verhal-

ten der Privatklägerin habe, sei, dass sie eine Eskalation herbeiführen wolle, da-

mit seine bis heute ahnungslose Ehefrau alles erfahre. Früher sei es angeneh-

mer, die ganze Fantasie und Aufgeilerei mit der Privatklägerin attraktiver gewe-

sen, während es in letzter Zeit nur eintönig und devot sei (Urk. 5/2 S. 4). Auf wei-

tere Fragen in Zusammenhang mit dem verängstigten Zustand der Privatklägerin 

beteuerte der Beschuldigte erneut, dass die Diskussion am Schluss höchstens 

zehn bis fünfzehn Minuten gedauert hätte und sie zuvor beim Sex lauter gewesen 

seien. Am 25. August 2016 habe der Sex mit der Privatklägerin von 15.00 Uhr bis 

maximal ca. 20.00 Uhr gedauert und auf den nächsten Tag hätten sie wieder ab-

gemacht gehabt, um etwas zu unternehmen oder um wieder Sex zu haben. Die 

fotografierten Rötungen, Abdrücke und Schwellungen rechtfertigte er sinngemäss 

mit dem zwischen vier und fünf Stunden andauernden, ziemlich wilden, bizarren 

und härteren Sex, auf welchen sie beide stehen würden. Er sei nicht tätlich ge-

worden, das alles sei während des Sex' entstanden (Urk. 5/2 S. 5 f.). Sinngemäss 

stellte er es so dar, dass die Privatklägerin besessen davon sei, dass er sich 

scheiden lassen müsse und ihn nun aufgrund seiner kriminellen Vorgeschichte als 

Buhmann darstellen wolle (Urk. 5/2 S. 6). Er müsse selber anfangen, Zeugen zu 

finden. Immerhin hätten er und die Beschuldigte schon flotte Dreier zusammen 

gehabt und seien zusammen im Puff gewesen. Sie hätten extreme Fantasien, so-

gar am Telefon. Nun habe er Angst, dass seine Vergangenheit und diese An-

schuldigungen zu einem Fehlurteil führen würden (Urk. 5/2 S. 7). 

-   32   - 

5.2.9. Am 2. Dezember 2016 wurde der Beschuldigte lediglich dazu befragt, ob 

und zu welchem Zweck er nach dem Vorfall vom 25. August 2016 nochmals in 

der Wohnung der Privatklägern gewesen sei und ob er etwas über die sicherge-

stellte Kamerabrille wisse (Urk. 5/3). Er erzählte auf Vorhalt der Aussagen des 

Nachbarn, wonach am 26. August 2016 ein Mann um Zutritt zur Wohnung der 

Privatklägerin über seinen Balkon gebeten habe, er habe am folgenden Tag mit 

der Privatklägerin abgemacht gehabt und sich Sorgen gemacht, sie könnte sich 

etwas angetan haben, als sie auf sein Klingeln hin nicht gehöffnet habe. Darauf-

hin sei er über den Balkon in die Wohnung gelangt. Er habe sich dort vielleicht 

zehn Minuten aufgehalten. Was er dort gemacht habe, wisse er nicht, wohl die 

Fenster geschlossen und versucht, die Familie der Privatklägerin zu kontaktieren. 

Auf entsprechenden Vorhalt erklärte er, nichts zu Manipulationen an einer De-

ckenlampe in der Wohnung der Privatklägerin sagen zu können. 

5.2.10. In seiner nächsten Einvernahme vom 4. September 2018 wurde dem Be-

schuldigten Gelegenheit gegeben, sich zu diversen Aussagen von Drittpersonen 

und weiteren Beweismitteln zu äussern; ausserdem wurde ihm der Schlussvorhalt 

gemacht. Die Vorfälle vom 25. August 2016 wurden dabei nicht konkret bespro-

chen (Urk. 5/4).  

5.2.11. In der Hauptverhandlung vom 23. Januar 2019 wurden dem Beschuldigten 

die verschiedenen Abschnitte der Anklageschrift vorgehalten. Er erklärte wiede-

rum, er und die Privatklägerin hätten nur während ihrer sexuellen Spiele und Fan-

tasien gegenseitig gröber Gewalt angewendet, jedoch nie derart, dass es zu Ver-

letzungen gekommen sei oder der andere Partner das nicht gewollt habe. Aus 

diesem Grund habe es von beiden Seiten das Codewort „Kühlschrank“ gegeben 

(Prot. I S. 18 f.). Auf die Frage, woher die Privatklägerin seiner Meinung nach die 

in der Anklageschrift beschriebenen Verletzungen bzw. Knochenbrüche gehabt 

habe, meinte der Beschuldigte, er habe sich das auch überlegt. Er sei jedoch kein 

Arzt, weshalb er sich das nicht erklären könne. Falls er grob gewesen sein sollte, 

sei dies während bzw. vor und nach sexuellen Handlungen passiert. Natürlich hät-

ten sie auch Outdoor-Sex gehabt, wobei man dort nicht so freizügig sein könne 

und der Reiz dabei eher darin liege, dass man vielleicht gesehen werden könnte. 

-   33   - 

Ausserhalb sexueller Handlungen habe er die Privatklägerin nie geohrfeigt (Prot. I 

S. 19). Zu weiteren einzelnen Vorhalten erklärte der Beschuldigte, natürlich habe 

man Spuren (von den Schlägen während der sexuellen Handlungen) gesehen, 

beispielsweise Rötungen auf der Haut, und es habe auch weh getan. Er selbst 

habe es auch gerne gehabt, wenn sie weiter geschlagen habe, obwohl es schon 

weh getan habe. Dafür hätten sie eben dieses Codewort gehabt. Den Vorhalt, die 

Privatklägerin an den Haaren gerissen, geohrfeigt sowie mit den Fäusten ge-

schlagen zu haben, bestritt er und sagte, er könne sich nicht erklären, wie diese 

auf solche Vorwürfe komme. Er habe sie beim Sex regelmässig an den Haaren 

gepackt, vor allem wenn es Sex von hinten gegeben habe. Zudem habe er sie 

mitunter an den Schultern oder am Nacken gepackt, wobei es, wie gesagt, dieses 

Codewort gegeben habe (Prot. I S. 20). Auf den Vorhalt, der Privatklägerin ange-

droht zu haben, ihre Familie umzubringen, führte der Beschuldigte aus, dass dies 

nicht stimme. Früher sei er oft zu ihrer Familie, vor allem fast jeden Sonntag zu ih-

ren Eltern gegangen. Dort sei sehr gut gekocht worden. Er habe sich dann immer 

mehr distanziert aufgrund eines Vorfalles, als die Privatklägerin seinen Sohn ei-

nen Bastard genannt habe. Auf die Frage nach dem Grund dieser Äusserung der 

Privatklägerin meinte er, es sei eine lange Geschichte, wobei es darum gegangen 

sei, dass er geheiratet und ein Kind bekommen habe. Er wisse die Situation nicht 

mehr genau. Jedenfalls habe er deswegen begonnen, sich von der Privatklägerin 

zu distanzieren und habe auch seinen Sohn nicht mehr zu ihr mitgenommen 

(Prot. I S. 21 und S. 23). Ebenfalls stimme nicht, dass er eine Videokamera in der 

Wohnung der Privatklägerin installiert habe, um diese zu kontrollieren. Auf Mani-

pulationen an der Lampe im Eingangsbereich, wo sich die Kamera befunden ha-

ben soll, angesprochen, gab er an, die Privatklägerin seit zwanzig Jahren zu ken-

nen und auf ihre Bitten hin viel in dieser Wohnung gemacht zu haben. So habe er 

im Wohnzimmer Lampen montiert, welche ihre Farbe hätten wechseln können, 

was auch ein Nachbar beobachtet habe. Wochen oder Monate vor der Anzeige 

hätten sie im Gang die Lampe abmontiert, um eine andere Glühbirne mit Fernbe-

dienung zu installieren und Malerarbeiten habe er ebenfalls erledigt. Auf den Vor-

halt, dass die Privatklägerin wegen der Kamera über den Balkon geflüchtet sei, 

antwortete er, es stimme nicht. Er habe nie etwas von einer Kamera gewusst und 

-   34   - 

sie folglich auch nicht installiert (Prot. I S. 22 f.). Sodann bestätigte er zwar, in der 

Untersuchung ausgeführt zu haben, mit der Privatklägerin härteren, bizarren Sex 

gehabt zu haben; es sei jedoch nicht zu gröberen Schlägen gekommen. Wenn er 

sie z.B. ans Bett gefesselt habe, habe er sie schon oberflächlich geschlagen, 

dass es rot geworden sei, mehr jedoch nicht. Sie habe das umgekehrt gleich ge-

macht. Darum habe er immer darauf geachtet, dass dies am Wochenende, wenn 

er bei ihr geschlafen habe, geschehen sei, damit seine Ehefrau nichts bemerke 

(Prot. I S. 27). Zu den Verletzungen der Privatklägerin könne es nicht durch sol-

che Handlungen von ihm in Ausübung ihrer sexuellen Fantasie gekommen sein, 

zumal es nie derart hart beim Sex geworden sei. Es sei lediglich oberflächlich rot 

geworden und habe geringe Blutergüsse gegeben, jedoch nie an den Händen o-

der im Gesicht, sondern an Gesäss und Oberschenkeln (Prot. I S. 29). Ferner 

wiederholte der Beschuldigte, der Grund, weshalb er am 26. August 2016 noch-

mals in der Wohnung gewesen sei, sei seine Sorge um die Privatklägerin gewe-

sen. Sein Schlüssel habe nicht funktioniert, und er habe zwanzig Minuten bei ihr 

geklingelt und geklopft. Er habe Angst gehabt, dass sie sich etwas angetan ge-

habt haben könnte, zumal sie schon Suizidabsichten geäussert habe. Der Nach-

bar habe ihm nicht gesagt, dass die Polizei da gewesen sei, sondern habe seine 

ID abfotografiert. Als er über den Balkon in die Wohnung gegangen sei, sei die 

Privatklägerin nicht dagewesen, jedoch habe ihr Schlüssel in der Wohnungstür 

gesteckt (Prot. I S. 30 f.).  

5.2.12. Anlässlich der Berufungsverhandlung verweigerte der Beschuldigte zur 

Sache die Aussage (Urk. 99 S. 8). Die Verteidigung verwies hierzu im Wesentli-

chen auf die Ausführungen vor Vorinstanz (Urk.104 S. 5). Diese habe überzeu-

gend und nachvollziehbar dargelegt, weshalb sich die Anklage nicht erstellen las-

se. Diese Überlegungen seien nicht zu beanstanden. Der im Minderheitsantrag 

vertreten Auffassung könne hingegen nicht gefolgt werden. Insbesondere werde 

die Glaubhaftigkeit der privatklägerischen Aussagen völlig falsch beurteilt und of-

fensichtliche Widersprüche unter dem Titel opfertypisches Verhalten als nachvoll-

ziehbar gerechtfertigt, notabene ohne Angaben irgendwelcher Quellenhinweise. 

Es sei offensichtlich, dass die Verfasserin des Minderheitsantrages zuerst ent-

schieden habe, dass es sich bei der Privatklägerin um ein Opfer häuslicher Ge-

-   35   - 

walt handle und dann, nachdem sie dies entschieden habe, die nicht aufzulösen-

den Widersprüche in den Angaben und dem Verhalten der Privatklägerin so ge-

dreht und interpretiert habe, dass es gemäss ihrer eigenen Einschätzung in das 

Verhalten eines Opfers häuslicher Gewalt passe. Der Minderheitsantrag sei ent-

sprechend systematisch falsch und triefe förmlich vor Verständnis für das angeb-

liche Opfer bzw. Ablehnung gegenüber dem angeblichen Täter (Urk. 104 S. 5 ff.). 

Bei den Aussagen der Privatklägerin handle es sich, wie bereits vor Vorinstanz 

gezeigt worden sei, um "eine recht planlose Aneinanderreihung von Vorwürfen, 

ohne Anfang und Ende und ohne einen konkreten Kontext." Ebenfalls bereits vor 

Vorinstanz sei von der Verteidigung darauf hingewiesen worden, dass dieses 

Verhalten der Privatklägerin allenfalls in Verbindung stehe mit ihrem (damals) 

schon seit einiger Zeit schlechten psychischen Zustand. Auf all diese Vorbringen 

sei im Minderheitsantrag nicht eingegangen worden. Die Würdigung dieser Um-

stände müsse aber dazu führen, dass die erhobenen Vorwürfe allesamt nicht er-

stellt werden könnten und der vorinstanzliche Freispruch zu bestätigen sei.  

5.2.13. Die Schilderungen des Beschuldigten weisen in verschiedener Hinsicht 

Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten auf. So gab er auf der einen Seite an, 

wie eintönig er die seit Monaten nur noch devote Haltung der Privatklägerin 

gefunden und wie er sich von ihr distanziert habe, nachdem sie seinen Sohn ei-

nen Bastard genannt habe. Auf der anderen Seite verbrachte er am 25. August 

2016 gemäss eigenen Angaben ca. sieben Stunden bei ihr, wobei er mit dieser 

angeblich so langweiligen Sexpartnerin stundenlang Sex gehabt und obendrein 

auf den nächsten Tag, seinen freien Freitag, bereits wieder mit ihr abgemacht ha-

ben will, um Zeit mit ihr zu verbringen und gegebenenfalls erneut Sex zu haben. 

Dazu will auch nicht passen, dass der Beschuldigte vorgab, noch weitere Sexaffä-

ren mit anderen, offensichtlich interessanteren Frauen gehabt zu haben. Ganz 

und gar nicht mit dem vom Beschuldigten behaupteten, nur noch devoten Rollen-

spiel der Privatklägerin vereinbaren lässt sich sodann seine zuweilen vorgetrage-

ne Schilderung, dass sie ihn während ihres sexuellen Akts jeweils genauso ge-

schlagen oder erniedrigt habe (vgl. dazu Prot. I S. 33) wie er sie. Bei derartigen 

Rollenspielen übt der devote Partner mit Bestimmtheit keine Gewalt gegen den 

dominanten Partner aus und erniedrigt diesen auch nicht, schon gar nicht, wenn 

-   36   - 

es sich um eine derart betont devote Person handelt, wie es die Privatklägerin 

gemäss den Beschreibungen des Beschuldigten gewesen sein soll. Vielsagend ist 

im Weiteren, dass der Beschuldigte einmal von „bizarrem“, „wildem“ oder „harten“ 

Sex mit der Privatklägerin spricht, während welchem er schon handgreiflich ge-

worden sei und sie mit der offenen Hand ins Gesicht geschlagen habe, worauf 

diese auch stehe, um an anderer Stelle handkehrum in Abrede zu stellen, die Pri-

vatklägerin während des Geschlechtsakts geschlagen zu haben oder gegen sie 

tätlich geworden zu sein. Mitunter soll der bizarre und wilde Sex gemäss Be-

schuldigtem also bloss noch darin bestanden haben, die Privatklägerin Schlampe, 

Hure oder Nutte genannt und sie – dies vor allem während des Doggystyle-Sex' – 

an den Haaren oder auch einmal an Schultern und Nacken gepackt zu haben. An 

anderer Stelle sprach er dann plötzlich von Fesselungen ans Bett, aber auch wie-

der von bloss oberflächlichen Schlägen, so dass es rot geworden sei, mehr aber 

auch nicht (Prot. I S. 27). Dann wiederum erörterte er, zwar sei es beim Sex nie 

so hart geworden, dass es zu Verletzungen gekommen wäre, räumte aber gleich-

zeitig ein, es habe schon oberflächliche Rötungen und geringe Blutergüsse gege-

ben, jedoch selbstredend nicht im Gesicht oder auf den Händen, sondern nur auf 

Gesäss und Oberschenkeln (Prot. I S. 29); einmal sprach der Beschuldigte davon, 

dass sie sich gegenseitig den „Arsch versohlt“ hätten (Prot. I S. 34). Die Be-

schreibung, die der Beschuldigte von ihrem Sexleben abgab, änderte derart 

sprunghaft und war auch inhaltlich in einem Mass inkohärent, dass sie keinesfalls 

zu überzeugen vermögen. Zu offensichtlich passte der Beschuldigte seine Anga-

ben der jeweiligen Befragungssituation an und richtete sie auf seinen momenta-

nen Erklärungsbedarf aus. Ging es darum, allfällige Verletzungen der Privatkläge-

rin (präventiv) zu erklären, ihre sonderbare Beziehung zu rechtfertigen oder die 

Privatklägerin zu desavouieren, steigerte er den Härtegrad des von ihm beschrie-

benen Sex' und das Ausmass der Unterwürfigkeit der Privatklägerin, liess es aber 

bei Andeutungen, Platitüden und unterschwelligen Bemerkungen bewenden und 

vermied es, sich explizit auszudrücken. Hatte er hingegen den Eindruck, die be-

fragende Person wolle ihn aufgrund seiner Vorliebe für Gewalt in sexuellen Be-

langen in die Enge treiben, verlegte er sich darauf, diesen Aspekt zu relativieren 

-   37   - 

und liess zudem einfliessen, dass die sexuellen Gewalttätigkeiten von beiden Sei-

ten ausgegangen seien.  

5.2.14. Es zeigt sich ferner, dass der Beschuldigte anscheinend eine komplett an-

dere Vorstellung von einer reinen Sexbeziehung – welche er mit der Privatkläge-

rin seit seiner Heirat im Jahr 2001 (Urk. 5 S. 4 in GG180201) oder nicht doch 

2005 (Prot. I S. 30) gepflegt haben will (Prot. I S. 29) – hat, als der Durchschnitts-

bürger. Gemeinhin wird unter einer Sexbeziehung nämlich gerade kein Verhältnis 

verstanden, während welchem man sonntags die Eltern des Partners zum Essen 

besucht, das eigene Kind mit zu Besuch zum Partner bringt, gemeinsam in die 

Ferien fährt oder Freizeitaktivitäten unternimmt. All dies hat der Beschuldigte mit 

seiner blossen Sexpartnerin, der Privatklägerin, gemäss eigenen Angaben jedoch 

gemacht. Dieser erfolglose Versuch, die Beziehung mit der Privatklägerin als 

blosse Sexgeschichte abzutun, offenbart das Bemühen des Beschuldigten, die 

Privatklägerin als frustrierte Person darzustellen, welche die ihr zugewiesene Po-

sition nicht akzeptieren wollte, deswegen Rachegefühle gegen ihn hegte und wel-

cher in ihrem Bestreben, ihn zu vernichten, alles zugetraut werden muss. Seine 

Aussagen sind vor diesem Hintergrund zu sehen. 

5.2.15. Vielsagend ist sodann, wie sehr der Beschuldigte darauf bedacht war, die 

„Diskussion“, die seinen Angaben gemäss am 25. August 2016 nach besagtem 

bizarren Sex zwischen ihm und der Privatklägerin stattgefunden hatte, zu vernied-

lichen, indem er ausführte, sie habe bloss ein paar Minuten gedauert, es sei eine 

„kleine“ Diskussion gewesen, bzw. seien sie während des Sex lauter als während 

der Diskussion gewesen. Selbst wenn man davon ausgehen würde, die Diskussi-

on habe sich tatsächlich um die Forderung der Privatklägerin gehandelt, der Be-

schuldigte müsse sich von seiner Ehefrau scheiden lassen und somit um ein fast 

schon ewig latentes Thema (vgl. Urk. 5/2 S. 3), kann dem Beschuldigten nicht ge-

glaubt werden, dass eine solche Auseinandersetzung derart manierlich, effizient 

und dezent ablief, wie er es darstellte. Immerhin hätte es sich nach der Schilde-

rung des Beschuldigten um den die Beziehung zur Privatklägerin beherrschenden 

Konflikt und um das zentrale Anliegen der Privatklägerin gehandelt, das anschei-

nend immer wieder Anstoss für Auseinandersetzungen gab. Insofern ist nicht nur 

-   38   - 

völlig unglaubhaft, dass der Streit nach ein paar Minuten beigelegt war, sondern 

ebenfalls, dass man sich nichtsdestotrotz bereits wieder auf den nächsten Tag 

verabredete. Ferner hätte sich die Privatklägerin bei dem vom Beschuldigten be-

schriebenen Hergang bestimmt nicht veranlasst gesehen, ihre Wohnung über 

zwei Balkone und die Wohnung von ihr nicht näher bekannten Nachbarn zu ver-

lassen. Augenscheinlich hält der Beschuldigte die Wahrheit über die Ereignisse 

am 25. August 2016 zurück. 

5.2.16. Die Aussagen des Beschuldigten vermögen die von der Privatklägerin – 

wie vorne dargetan – plausibel vorgetragene Darstellung der Vorfälle vom 25. Au-

gust 2016 nicht zu entkräften. Soweit die Verteidigung einwendete, dass es sich 

bei den Aussagen der Privatklägerin um eine recht planlose Aneinanderreihung 

von Vorwürfen ohne Anfang und Ende bzw. ohne einen konkreten Kontext hand-

le, kann dem mit Blick auf die Aussagen der Privatklägerin zum Vorfall vom 25. 

August 2016 nicht gefolgt werden. Diese Aussagen sind nebst ihrer Anschaulich-

keit und Detailliertheit sowohl inhaltlich kongruent als auch zeitlich konkret bzw. 

können einem konkreten Ereignis zugeordnet werden. Entsprechend sind gestützt 

auf die diesbezüglich glaubhaften Aussagen der Privatklägerin zum Vorfall vom 

25. August 2016 die folgende Anklageziffern als objektiv erstellt zu erachten: 

- Ziff. 1.1.a) Schlagen mit der Fernbedienung gegen den Kopf der Privatkläge-

rin und in der Folge Schmerzen, Druckdolenz und eine Beule am 

Kopf, 

- Ziff. 1.1.b) Tritt gegen den linken Unterschenkel der auf dem Boden liegen-

den Privatklägerin mit einem Bluterguss von ca. 12 cm, 

- Ziff. 1.1.d) Schläge des Beschuldigten auf die Hand der Privatklägerin mit 

der Folge eines nicht dislozierten Bruchs an der Basis des 3. Mit-

telhandknochens links und der in der Anklageschrift dargestellten 

Therapie und Arbeitsunfähigkeit, 

-   39   - 

- Ziff. 1.2 Mehrmalige Ohrfeigen und Faustschläge gegen die Privatklägerin 

ohne körperliche Schädigung, Schlagen mit dem Besenstiel auf 

Rücken und Beine der Privatklägerin, 

- Ziff. 2.2 Anbringen einer Videokamera im Gang der Wohnung der Privat-

klägerin zu ihrer Kontrolle, Einschüchterung und Einschränkung 

ihrer Freiheit, was dazu führte, dass die Privatklägerin aus Angst 

davon absah nicht durch ihre Eingangstür zu flüchten, mit der 

Einschränkung, dass unklar ist, ob diese Installation überhaupt 

(noch) funktionstüchtig war, 

- Ziff. 2.3. Aufforderung, die Privatklägerin müsse zugeben, ihn betrogen zu 

haben und dies auf Tonband aufzeichnen, ansonsten er ihr das 

Liebste wegnehmen, d.h. ihre Familie umbringen werde, was die 

Privatklägerin in Angst versetzte, der Beschuldigte könnte seine 

Drohung umsetzen. 

5.2.17. Angesichts der Art dieser Taten liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte 

sie nicht anders als wissentlich und willentlich begangen haben konnte und ihm 

klar gewesen sein musste, dass er die Privatklägern damit beeinträchtigte, mitun-

ter körperlich verletzte bzw. in Angst versetzte und sie mitunter in ihrem freien 

Willen einschränkte. 

5.2.18. In rechtlicher Hinsicht ist zu bemerken, dass Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

erfüllt, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesund-

heit schädigt. Von dieser Bestimmung erfasst werden Körperverletzungen, die 

nicht als schwer im Sinne von Art. 122 StGB, aber auch nicht mehr als blosse 

Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB zu werten sind (ROTH/BERKEMEIER in 

Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK-StGB, N 3 zu Art. 123 StGB). Als solche einfache 

Körperverletzung gilt eine nicht mehr bloss harmlose Beeinträchtigung der körper-

lichen Integrität oder des gesundheitlichen Wohlbefindens. Gemäss Lehre und 

Rechtsprechung ist die körperliche Integrität dann beeinträchtigt, wenn innere o-

der äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens 

eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern. Das ist beispielsweise der 

-   40   - 

Fall bei Knochenbrüchen, Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen 

und Schürfungen, welche über blosse Kratzer hinausgehen. Nicht vorausgesetzt 

wird, dass die körperliche Beeinträchtigung den Beizug eines Arztes erforderlich 

macht (ROTH/BERKEMEIER in Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK-StGB, N 5 zu 

Art. 123 StGB). 

5.2.19. Mit seinen in den Anklageziffern 1.1.a, b und d) umschriebenen Handlun-

gen verursachte der Beschuldigte schmerzhafte Verletzungen am Körper der 

Privatklägerin in Form einer Beule, Hämatomen sowie eines Knochenbruchs, wel-

che eine gewisse Zeit zur Heilung benötigten, jedoch keine bleibenden Schäden 

verursachten. Damit hat er zweifellos den Tatbestand der einfachen Körperverlet-

zung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt. 

5.2.20. Nach Art. 126 StGB macht sich strafbar, wer gegen jemanden Tätlichkei-

ten verübt, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge ha-

ben. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist objektiv eine das allgemein üb-

liche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitende physische Einwirkung 

auf einen Menschen gefordert, die keine Schädigung des Körpers oder der Ge-

sundheit zur Folge hat; die Verursachung von Schmerzen wird nicht vorausge-

setzt. Bei der Beurteilung des allgemein üblichen und gesellschaftlich geduldeten 

Masses wird in erster Linie darauf abgestellt, ob die Einwirkung geeignet ist, bei 

einem durchschnittlich widerstandsfähigen Menschen eine Störung des Wohlbe-

findens hervorzurufen. Sofern nicht bereits eine Schädigung des Körpers oder der 

Gesundheit bewirkt werde, gelten Ohrfeigen und Faustschläge im Allgemeinen als 

Tätlichkeiten (vgl. zum Ganzen BGE 117 IV 14, Erw. 2.a.bb.). Als Tätlichkeiten 

sind zum Beispiel Eingriffe in die körperliche Integrität zu werten, die (nur) 

Schrammen, Kratzer, Schürfungen, blaue Flecken oder Quetschungen bewirken, 

ohne erhebliche Schmerzen zu verursachen (ROTH/KESHELAVA in Niggli/Wiprächti-

ger [Hrsg.], BSK-StGB, N 5 zu Art. 126). 

5.2.21. Die in Ziffer 1.2 der Anklage erwähnten im Wesentlichen folgenlosen Ohr-

feigen und Faustschläge, welche der Beschuldigte der Privatklägern anlässlich 

der Auseinandersetzung vom 25. August 2016 versetzte, stellen grundsätzlich 

-   41   - 

Tätlichkeiten im vorstehend beschriebenen Sinn des Gesetzes und der Recht-

sprechung dar. 

5.2.22. Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer je-

manden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere 

Beschränkung seiner Handlungsfähigkeit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen o-

der zu dulden. Es handelt sich um ein Erfolgsdelikt, denn die Anwendung des Nö-

tigungsmittels muss den Betroffenen in seiner Handlungsfreiheit beeinträchtigen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1.). Was das in der 

Bestimmung genannte Zwangsmittel der "anderen Beschränkung der Handlungs-

freiheit" anbelangt, muss eine solche Beschränkung, um tatbestandsmässig zu 

sein, derart ausfallen, dass das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung 

in ähnlicher Weise eindeutig überschritten wird, wie es für die im Gesetz aus-

drücklich genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher 

Nachteile gilt (vgl. zum Ganzen BGE 134 IV 216 E. 4.1. mit weiteren Hinweisen). 

Der Beschränkung muss mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleich-

bare Zwangswirkung hinsichtlich Intensität bzw. Wirkung zukommen (BGE 119 IV 

301 E. 2a. mit weiterem Hinweis). Folglich führt nicht jeder noch so geringfügige 

Druck auf die Entscheidungsfreiheit eines andern zu einer Bestrafung nach 

Art. 181 StGB (BGE 129 IV 262 E. 2.1.). 

5.2.23. Der Beschuldigte verlangte am 25. August 2016 von der Privatklägerin, sie 

habe Geständnisse ihrer Untreue ihm gegenüber zu machen und diese aufzu-

zeichnen. Durch die zugefügten Gewalthandlungen, war der Privatklägerin klar, 

was sie erwartet, wenn sie sich nicht nach dem Willen des Beschuldigten verhält. 

Folglich erfüllte der Beschuldigten den Tatbestand der Nötigung, wie oben be-

schrieben. Da die Privatklägerin an diesem Tag statt einer Aufnahme zu erstellen 

jedoch aus ihrer Wohnung floh und sich letztlich an die Polizei wandte, ist hin-

sichtlich Anklageziffer 2.3 lediglich von einer versuchten Nötigung im Sinn von Art. 

181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB auszugehen. 

5.2.24. Auch soweit Anklageziffer 2.2 erstellt werden kann, ist von einer Nötigung 

der Privatklägerin durch den Beschuldigten auszugehen. Die Videoinstallation und 

die Tatsache, dass der Beschuldigte der Privatklägerin kundtat, sie damit zu 

-   42   - 

überwachen sowie zu kontrollieren, wann sie jeweils die Wohnung verlasse, darf 

nicht isoliert, sondern muss vor dem Hintergrund des weiteren, in der Anklage-

schrift umschriebenen Verhaltens und vor allem der Gewalttätigkeiten vom 25. 

August 2016 gewürdigt werden. Insofern liegt auf der Hand, dass die Privatkläge-

rin aufgrund der (angeblichen) Überwachung auch mit Sanktionen zu rechnen 

hatte und die Installation das Machtgefälle zwischen dem Beschuldigten und ihr 

weiter gefestigt hatte. Der Beschuldigte erreichte damit, dass sich die Privatkläge-

rin nicht frei fühlte, ihre Wohnung zu verlassen, wann und wie ihr danach war und 

insbesondere am 25. August 2016 meinte, die Wohnungstür nicht benutzen zu 

können, weshalb sie ihre Wohnung über den Balkon verliess. Damit überschritt er 

das Mass an Beeinflussung der Privatklägerin eindeutig in einem Mass, das mit 

der direkten Androhung von Gewalt und Nachteilen vergleichbar ist. Da der Be-

schuldigte gerade darauf abzielte, dass sich die Privatklägerin in ihren Entschei-

dungen nicht mehr frei fühlte, handelte er vorsätzlich. Folglich ist er bezüglich An-

klageziffer 2.2 der vollendeten Nötigung schuldig zu sprechen. 

5.3. Weitere Gewalthandlungen des Beschuldigten von Juni bis 25. August 

2016 

5.3.1. Im weiteren Verlauf der Strafuntersuchung berichtete die Privatklägerin, 

dass es nicht nur am 25. August 2016, sondern bereits davor zu Gewalttätigkeiten 

des Beschuldigten gekommen war. Am Ende ihrer ersten polizeilichen Befragung 

wollte sie auf wiederholte Fragen, ob sie vom Beschuldigten bereits früher ge-

schlagen, verletzt oder bedroht worden sei, jedoch noch nichts sagen. Damals 

sagte sie abschliessend, sehr erschöpft und verängstigt zu sein, keine Kraft mehr 

zu haben und (mit der Befragung) gerne aufhören zu wollen (Urk. 6/1 S. 6).  

5.3.2. In ihrer zweiten Einvernahme führte sie auf Frage, was sich denn genau er-

eignet habe, aus, dass der Beschuldigte sie von Anfang Juni 2016 bis am 

25. August 2016 ausserhalb seiner Ferienabwesenheit fast täglich geschlagen 

habe und immer wieder Drohungen ausgesprochen habe, sie immer gezwungen 

habe, auf einem Tonbandgerät Aussagen aufzunehmen, dass sie ihn betrogen 

habe, ansonsten ihre Familie dafür bezahlen werde. Die Schläge hätten anfangs 

Juni 2016 damit begonnen, dass er die ganze Zeit gesagt habe, sie würde ihn be-

-   43   - 

trügen (Urk. 6/4 S. 4). Zu den Schlägen sei es meistens in ihrer Wohnung, aber 

auch im Auto und in ihren gemeinsamen Ferien gekommen. Nach Details über 

den Hergang und die Art der Schläge gefragt, erklärte die Privatklägerin, der Be-

schuldigte habe jeweils von ihr verlangt, die Wahrheit zu sagen und die Tonband-

aufnahme zu machen und sie dann geschlagen. In der Regel sei er zu ihr nach 

Hause gekommen, habe die Storen heruntergelassen, die Lautstärke des Fern-

sehers aufgedreht und sie mit der Fernbedienung auf den Kopf geschlagen. Er 

habe ihr Faustschläge in die Rippen gegeben, sie auch mit den Füssen getreten, 

mit dem Gürtel, mit Stöcken, mit dem Besenstiel, Schuhen, Kabeln sowie mit ei-

nem Messmeter geschlagen (Urk. 6/2 S. 5). Ferner machte die Privatklägerin bei 

der Beantwortung dieser Frage Angaben zu weiteren Gewalthandlungen, auf wel-

che später einzugehen ist. 

Auf Anschlussfragen, wann der Beschuldigte sie das erste Mal und mit der Fern-

bedienung auf den Kopf geschlagen habe und wie oft das vorgekommen sei, sag-

te sie, sie wisse das nicht mehr; jedenfalls sei es in besagter Zeitspanne von An-

fang Juni 2016 bis 25. August 2016 gewesen und es sei an mehreren Treffen 

passiert. Einmal habe er „mit dem“ und dann wieder „mit dem“ geschlagen (Urk. 

6/2 S. 5 f.). Aufgrund dieser Schläge habe sie Verletzungen, Beulen auf dem Kopf 

erlitten. Als sie sich mit der Hand habe schützen wollen, habe er sie auf die Hand 

geschlagen; sie habe deswegen einen Finger, den mittleren links, gebrochen. 

Wann in besagtem Zeitraum diese passiert sei, wisse sie nicht mehr. Zum Arzt sei 

sie erst gegangen, nachdem sie vom Balkon geflüchtet sei (Urk. 6/2 S. 6).  

5.3.3. Diese ersten Aussagen der Privatklägerin zu früheren Vorfällen erfolgten 

spontan auf sehr offen formulierte Fragen hin, was grundsätzlich für die Realitäts-

bezogenheit der Schilderungen spricht. Nicht zu verkennen ist indes, dass die 

Privatklägerin Mühe bekundete, diese Vorfälle zeitlich – auch lediglich grob – ein-

zuordnen, was sich zuletzt auch anlässlich der Berufungsverhandlung zeigte 

(Urk. 98 S. 18 ff.). Weiter brach die Privatklägerin ihre Ausführungen an gewissen 

Stellen weinend ab und packte in einzelne Antworten eine unstrukturierte Fülle 

von Informationen, weshalb es nötig war, ihr weiterführende Fragen zu den be-

haupteten einzelnen Handlungen des Beschuldigten zu stellen, wodurch lediglich 

-   44   - 

sukzessive weitere Einzelheiten und Begebenheiten in Erfahrung gebracht wer-

den konnten. Die Aussagen der Privatklägerin zu den Gewalthandlungen vor dem 

25. August 2016 sind – wohl gerade wegen der unpräzisen zeitlichen Einordnung 

– wenig strukturiert. Es ist damit bereits an dieser Stelle festzuhalten, dass die 

Aussagen der Privatklägerin zu den weiteren Gewaltanwendungen vor dem 25. 

August 2016, soweit sie zeitlich schwer einzuordnen sind bzw. diesbezüglich ge-

wisse Unschärfen verbleiben und sie sich nicht anderweitig z.B. durch objektive 

Umstände verifizieren lassen, nicht als genügendes Anklagefundament taugen, 

selbst wenn auch bei diesen Aussagen ernsthafte Anhaltspunkte dafür bestehen, 

dass sie der Wahrheit entsprechen.  

5.3.4. Während der Befragungen kam die Privatklägerin beispielsweise auf ihre 

Geburtstage zu sprechen, worauf sie erzählte, dass sie den Beschuldigten zu 

dessen Geburtstag am tt. Juni (2016) habe überraschen wollen und ein Hotel ge-

bucht habe. Es habe damals schon Streit gegeben, so habe der Beschuldigte sie 

auf der Fahrt zum Hotel im Auto die ganze Zeit geschlagen (Urk. 6/4 S. 28 f.). Sie 

glaube, dass damals die Schläge durch den Beschuldigten begonnen hätten (Urk. 

6/4 S. 32). Auf von ihr erwähnte sonstige Vorfälle im Auto angesprochen, erläuter-

te die Privatklägerin, solche hätten im Auto des Beschuldigten stattgefunden. Dort 

habe er sie an den Haaren gezogen, ihr Ohrfeigen verabreicht, sie die ganze Zeit 

auf den Arm und in die Rippen bedroht (recte wohl: geschlagen) und auch einmal 

mit einer Axt bedroht, die er im Auto gehabt habe. Sie könne sich zwar nicht da-

ran erinnern, wann dies passiert sei, jedoch sei es in J._____ [Ortschaft] oben bei 

den Parkplätzen gewesen, und zwar am Abend, als es schon dunkel gewesen 

sei. Die Axt habe einen schwarzen Kopf und einen