# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 611d736c-18cf-5975-be0e-7879693c75cd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-6103/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6103-2011_2012-02-03.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6103/2011

U r t e i l   v om   3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Pietro Angeli­Busi, Richter Kurt Gysi,   
Gerichtsschreiberin Anna Poschung.

Parteien A._______,
Bangladesch,  
vertreten durch (…), Caritas Luzern,
Sozialdienst Asylsuchende, Brünigstrasse 25, Postfach, 
6002 Luzern
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­
Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. Oktober 2011 / 
N (…).

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Sachverhalt: 

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen 
Heimatstaat  an  einem  ihm  unbekannten  Datum  im  Jahr  2011  und 
gelangte  via Katar  und  nach  einem dreieinhalb monatigen Aufenthalt  in 
Italien am 22. Mai 2011 in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs­ 
und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  ersuchte  und  dabei 
anführte, minderjährig zu sein.

B. 
Aufgrund  des  äusseren  Erscheinungsbildes  des  Beschwerdeführers 
beauftragte die Vorinstanz das Kantonsspital Frauenfeld am 24. Mai 2011 
mit der Durchführung einer Knochenanalyse zu seiner Altersbestimmung. 
Die  am  26.  Mai  2011  durchgeführte  radiologische  Untersuchung  ergab 
ein biologisch geschätztes Skelettalter von neunzehn Jahren. Am 30. Mai 
2011  führte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  anamnestischen 
Befragung  aus,  er  habe  Probleme  mit  seinem  Bein  und  Arm  und  mit 
seiner  Verdauung.  Ansonsten  fühle  er  sich  gesund.  Er  habe  in  seinem 
Leben – solange seine Mutter gelebt habe –  immer genügend zu Essen 
gehabt.

C. 
Gleichentags  wurde  der  Beschwerdeführer  im  EVZ  B._______ 
summarisch  befragt,  wobei  ihm  gleichzeitig  das  rechtliche  Gehör  zur 
Zuständigkeit  Italiens  zur  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens  und  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin 
gewährt wurde. Dabei führte er im Wesentlichen Folgendes aus:

Er  stamme  aus  Dhaka,  wo  er  bis  am  3.  Juni  2010  gelebt  und  im  Jahr 
2009 die achte Schulklasse beendet  habe. Sein Vater  sei  vor  fünf  oder 
sechs oder sieben Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben; er selber 
habe dabei eine Verletzung am linken Arm erlitten. Sein einziger Bruder 
sei  bei  der Geburt  gestorben.  Seine Mutter  sei  bei  einem Brand  am  3. 
Juni  2010  an  ihrem Wohnsitz  ums  Leben  gekommen, weshalb  er  nach 
diesem Datum  zuerst  bei  einem  Bekannten  seiner  Familie,  C._______, 
und anschliessend bei Geschäftsfreunden seines Vaters ausserhalb von 
Dhaka gewohnt habe. Er habe vom Geschäftspartner seiner Mutter Geld 
gefordert, worauf er von diesem verprügelt und am Bein verletzt worden 
und  während  sechs  oder  sieben  Tagen  im  Spital  gewesen  sei.  Der 
Geschäftspartner  seiner  Mutter  habe  ihn  zudem mit  dem  Tod  bedroht, 
weshalb  ihn  C._______  ins  Ausland  geschickt  habe.  Er  habe 

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Bangladesch  von  Dhaka  aus  mit  dem  Flugzeug  an  einem  ihm 
unbekannten Datum verlassen. In seinem Heimatland habe er niemanden 
und er befürchte, bei einer Rückkehr vom Geschäftspartner seiner Mutter 
getötet zu werden, weshalb er um Asyl in der Schweiz ersuche. In Italien 
habe er kein Asylgesuch eingereicht und er wolle auf keinen Fall dorthin 
zurückkehren, weil er keine Eltern habe und ganz allein sei.

Als  Beweismittel  reichte  er  zwei  englischsprachige  Dokumente  des 
Bangabandhu  Sheikh  Mujib  Medical  University  Hospital  Dhaka,  datiert 
vom  12.  Juni  2010  sowie  18. Juni  2010,  eine  englisch­  und 
fremdsprachige Zeitung sowie seinen Schülerausweis,  gültig bis am 31. 
Dezember 2009, ein.

D. 
Ebenfalls am 30. Mai 2011 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche 
Gehör  zum  Ergebnis  der  Knochenaltersbestimmung  gewährt.  Dabei 
führte  er  aus,  sein  linker  Arm  sei  beim  erwähnten  Verkehrsunfall 
gebrochen, weshalb der Arzt vielleicht einen falschen Befund festgestellt 
habe.  Seine  Mutter  habe  ihm  gesagt,  er  sei  am  (…)  November  1995 
geboren, was  auch  in  der Schule  so  eingetragen worden  sei.  Er  könne 
ausser seinem Schülerausweis keine Beweismittel vorlegen.

E. 
Am 7. Juli ersuchte das BFM Italien gestützt auf Art. 21 der Verordnung 
EG Nr. 343/2003  des Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von 
Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrages  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  um  Auskunft 
betreffend den Beschwerdeführer.

F. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  21.  Juni  2011  hielt  der 
Beschwerdeführer  an  seiner  Minderjährigkeit  fest  und  reichte  als 
Beweismittel  ein  weiteres  fremdsprachiges  Dokument  ein,  welches  den 
Tod  seiner  Eltern  bestätige.  Gleichzeitig  ersuchte  er  um  Auskunft  über 
den  Austausch  seiner  Personendaten  zwischen  den  Mitgliedstaaten 
sowie um Einsicht in die vorinstanzlichen Verfahrensakten. Mit Schreiben 
vom 4. Juli 2011 stellte das BFM dem Beschwerdeführer die Aktenstücke, 
welche den anderen Staaten zugestellt worden seien, zu.

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G. 
Am  20.  Juli  2011  wurde  der  Beschwerdeführer  in  Anwesenheit  seiner 
Rechtsvertreterin  zur  geltend  gemachten  Minderjährigkeit  nachbefragt. 
Das  BFM  stellte  dabei  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  keine 
Ausweispapiere  abgegeben,  über  seine  Identität  beziehungsweise  sein 
Alter  getäuscht,  keine  plausiblen  Gründe  für  das  Fehlen  von 
Ausweispapieren,  ungenaue  Angaben  zu  den  Familienverhältnissen 
gemacht  und  sehe  älter  aus  als  von  ihm  angegeben.  Zudem  habe  die 
Knochenaltersanalyse  ergeben,  dass  sein  Skelettwachstum  demjenigen 
einer ausgewachsenen Person entspreche, weshalb das BFM von seiner 
Volljährigkeit ausgehe. Auf den weiteren  Inhalt der Nachbefragung wird, 
soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

H. 
Mit  Eingabe  vom  21.  Juli  2011,  welche  vom  BFM  mit  Schreiben  vom 
11. August  2011  beantwortet  wurde,  informierte  der  Beschwerdeführer 
durch  seine  Rechtsvertreterin  unter  anderem  über  seinen 
Gesundheitszustand und ersuchte erneut um Akteneinsicht.

I. 
Gestützt  auf  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zu  seinem 
Reiseweg stellte das BFM am 22. August 2011 ein Übernahmeersuchen 
im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­VO an die  italienischen Behörden, 
welches in der Folge unbeantwortet blieb.

J. 
Mit Eingabe vom 8. September 2011 reichte der Beschwerdeführer einen 
ärztlichen  Bericht  des  Luzerner  Kantonsspitals,  datiert  vom  17.  August 
2011, von Dr. med. D._______, zu den Akten.

K. 
Mit Verfügung  vom 26. Oktober  2011  (Eröffnungsdatum unbekannt)  trat 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein,  ordnete  die 
Wegweisung  aus  der Schweiz  nach  Italien  sowie  deren Vollzug  an  und 
hielt  gleichzeitig  fest,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine 
aufschiebende  Wirkung  zu.  Auf  die  Begründung  der  Verfügung  wird, 
soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

L. 
Mit Eingabe vom 9. November 2011 sowie ergänzendem Nachtrag vom 

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15.  Dezember  2011  erhob  der  Beschwerdeführer  durch  seine 
Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und 
beantragt,  die Verfügung des BFM sei aufzuheben und das Asylgesuch 
sei zur materiellen Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  In 
prozessualer Hinsicht sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu 
gewähren  und  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  von  allfälligen 
Vollzugsmassnahmen  anzusehen.  Weiter  wurde  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  beantragt.  Auf  die 
Begründung  und  die  eingereichten  Beweismittel  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

M. 
Mit  Telefax  vom  9.  November  2011  setzte  die  Instruktionsrichterin  den 
Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme 
vorläufig aus.

N. 
Mit Zwischenverfügung vom 11. November 2011 wurde das Gesuch um 
Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gutgeheissen, 
die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
gewährt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.

O. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  1.  Dezember  2011  lud  die 
Instruktionsrichterin  die  Vorinstanz  unter  Hinweis  auf  die  vom 
Beschwerdeführer  im  erstinstanzlichen  Verfahren  eingereichten 
Beweismittel ein, sich innert Frist vernehmen zu lassen.

Mit  Vernehmlassung  vom  15.  Dezember  2011,  welche  dem 
Beschwerdeführer am 20. Dezember 2011 zur Stellungnahme zugestellt 
wurde, beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik 
vom  4.  Januar  2011  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seiner  Beschwerde 
vollumfänglich fest.

Auf den Inhalt des Schriftenwechsels wird, soweit entscheidwesentlich, in 
den Erwägungen eingegangen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR 
173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 
AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 52 VwVG). 

1.4.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung; er  ist daher zur Einreichung der 
Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2. 

2.1.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die 
Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  die 
vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  in  Entscheidungen  und 
Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f. sowie Urteil 
des Bundesverwaltungsgerichts E­7878/2008 vom 31. Dezember 2008). 
Die  Beschwerdeinstanz  enthält  sich  einer  selbständigen  materiellen 

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Prüfung  und weist  die  Sache  –  sofern  sie  den Nichteintretensentscheid 
als  unrechtmässig  erachtet  –  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurück.

2.2.  Die  Vorinstanz  hat  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell  geprüft,  weshalb  dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich 
grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen – 
namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von 
Vollzugshindernissen –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des 
Nichteintretensentscheides stellen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2.).

3. 

3.1. Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das BFM aus, 
der Beschwerdeführer  habe anlässlich  der  summarischen Befragung  zu 
Protokoll gegeben, im Februar 2011 illegal nach Italien eingereist zu sein 
und sich dort bis am 22. Mai 2011 ununterbrochen aufgehalten zu haben. 
Die  italienischen  Behörden  hätten  zum  Übernahmeersuchen  des  BFM 
innert  Frist  keine  Stellung  genommen,  weshalb  die  Zuständigkeit  zur 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  gestützt  auf  das 
Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten 
Asylantrags  (SR  0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen  vom  17. 
Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der 
Republik  Island  und  dem  Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung, 
Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen­Besitzstands  und  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung  eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten 
Asylantrags  (SR  0.362.32)  sowie  Art.  18  Abs. 7  Dublin­II­VO  an  Italien 
übergegangen  sei.  Bezüglich  der  geltend  gemachten  Minderjährigkeit 
führte die Vorinstanz aus, eine Handknochenanalyse habe ergeben, dass 
er  mindestens  neunzehn  Jahre  alt  sei.  Anlässlich  der  Gewährung  des 
rechtlichen  Gehörs  sei  es  ihm  nicht  gelungen,  die  geltend  gemachte 
Minderjährigkeit  mit  stichhaltigen  Argumenten  plausibel  zu  machen. 
Zudem seien seine Aussagen zu seinen familiären Verhältnissen und zu 
seinem  Lebenslauf  als  nicht  glaubhaft  einzuschätzen,  was  zusätzlich 
Zweifel  an  seiner  Minderjährigkeit  aufkommen  lasse.  So  habe  er 
anlässlich der Befragung zur Person zu Protokoll gegeben, sein Vater sei 
vor  fünf,  sechs oder sieben Jahren bei einem Verkehrsunfall  gestorben. 

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Er selbst sei bei diesem Unfall dabei gewesen, könne sich aber an sein 
damaliges  Alter  nicht  mehr  erinnern.  Bei  der  Nachbefragung  habe  er 
angegeben,  sein  Vater  sei  vor  vier  oder  fünf  Jahren  gestorben. 
Schliesslich  habe  er  keinerlei  Dokumente  eingereicht,  welche  seine 
Aussagen  bezüglich  der  Altersangabe  belegen  würden,  weshalb  er  in 
Würdigung sämtlicher Umstände  für das weitere Verfahren als volljährig 
betrachtet werde. Die Rückführung habe –  vorbehältlich  einer  allfälligen 
Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 23. April 2012 zu 
erfolgen.  Weiter  stelle  die  Wegweisung  die  Regelfolge  eines 
Nichteintretensentscheides  dar  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  sei 
zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Insbesondere  widerspreche  eine 
Überstellung nach  Italien nicht dem Non­Refoulement­Gebot oder Art. 3 
der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR  0.101).  Bezüglich  der 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Italien hielt das BFM fest, 
weder  die  in  Italien  herrschende Situation  noch  andere Gründe würden 
dagegen sprechen. Italien habe die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 
27.  Januar  2003  (nachfolgend  Aufnahmerichtlinie),  welche  zahlreiche 
Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden 
beinhalte,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen 
Kommission umgesetzt. Der Beschwerdeführer könne sich daher an die 
zuständigen Behörden wenden, um Unterstützung zu erhalten. Betreffend 
die  gesundheitlichen  Vorbringen  verwies  das  BFM  ebenfalls  auf  die 
Aufnahmerichtlinie,  welche  unter  anderem  die medizinische Versorgung 
garantiere,  weshalb  grundsätzlich  davon  ausgegangen  werden  könne, 
dass  Italien  die  benötigten  medizinischen  Versorgungsleistungen 
erbringen könne. Zudem sei es Praxis des BFM, dass bei Medizinalfällen 
die italienischen Behörden sieben Tage vor der Überstellung nach Italien 
über  den  gesundheitlichen  Zustand  und  die  angezeigte  Behandlung 
informiert würden, damit eine umgehend nötige medizinische Versorgung 
nach  der  Ankunft  unverzüglich  erbracht  werden  könne.  Schliesslich  sei 
der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch 
durchführbar.

3.2.  In  der  Beschwerdeeingabe  wird  vorab  der  Sachverhalt  –  wie 
anlässlich der Befragung vom Beschwerdeführer ausgeführt – geschildert 
und  festgehalten,  er  habe  keine  Dokumente  oder  Ausweispapiere 
eingereicht und sei nie im Besitz eines Reisepasses, einer Identitätskarte 
oder  einer  Geburtsurkunde  gewesen.  Hingegen  müsse  es  eine 
Geburtsurkunde  geben,  er  sei  aber  nicht  in  deren  Besitz.  Weiter  wird 
gerügt,  die  angefochtene  Verfügung  basiere  auf  einer  unrichtigen  und 

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unvollständigen Feststellung des Sachverhalts. Entgegen der Ansicht der 
Vorinstanz  würden  nachvollziehbare  Gründe  dafür  vorliegen,  dass  die 
Schweiz  von  der  Selbsteintrittsklausel  Gebrauch  machen  könne.  Der 
Beschwerdeführer  habe  mehrmals  über  gesundheitliche  Beschwerden 
geklagt  und  diesbezüglich  durch  seine Rechtsvertreterin  zwei  Eingaben 
gemacht,  in  welchen  festgehalten  worden  sei,  dass  er  sich  zwecks 
Abklärung seiner Beschwerden im Ellbogen und im Knie in medizinischer 
Behandlung  befinde.  Die  Vorinstanz  habe  sich  vor  Erlass  der 
angefochtenen  Verfügung  nicht  über  den  aktuellen  Stand  der 
Abklärungen  informiert.  Er  sei  nämlich  vom  (…)  Oktober  2011  bis  (…) 
Oktober  2011  hospitalisiert  gewesen  und  operiert  worden,  werde  eine 
Physiotherapie  machen  und  sich  regelmässigen  klinischen  und 
radiologischen  Nachkontrollen  unterziehen  lassen.  Unter  diesen 
Umständen sei ein Wegweisungsvollzug nach Italien unzumutbar. Zudem 
hätten  die  italienischen Behörden bislang  zum Übernahmeersuchen der 
Vorinstanz  keine  Stellung  bezogen,  womit  auch  die  Modalitäten  der 
Überstellung  des  Beschwerdeführers,  welcher  aufgrund  seiner 
gesundheitlichen  Verfassung  als  verletzlich  gelte,  als  nicht  vorgängig 
abgeklärt  gelten  würden.  Unter  Hinweis  auf  einen  Bericht  der 
Schweizerischen  Beobachtungsstelle  für  Asyl­  und  Ausländerrecht  vom 
November  2011  und  eine  Medienmitteilung  der  Schweizerischen 
Flüchtlingshilfe  (SFH)  wird  weiter  geltend  gemacht,  die 
Aufnahmebedingungen  in  Italien  seien  für  zurückgeschickte 
Asylsuchende  sehr  schlecht  und  es  würden  eklatante 
Unterbringungsmängel  herrschen.  Weiter  wird  gerügt,  die  Vorinstanz 
habe  die  angefochtene  Verfügung  mit  der  Verneinung  der 
Minderjährigkeit  des Beschwerdeführers begründet und die  individuellen 
Gründe, welche gegen eine Wegweisung nach  Italien sprechen würden, 
unvollständig abgeklärt. 

In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  vorgebracht,  der  Antrag  auf 
Akteneinsicht  vor  Erlass  der  Verfügung  sei  von  der  Vorinstanz  ohne 
Begründung  nicht  berücksichtigt  worden.  Ferner  sei  der 
Beschwerdeführer  zu  einer  direkten  Bundesanhörung  aufgeboten 
worden,  hingegen  sei  ihm  lediglich  das  rechtliche Gehör  betreffend  die 
geltend  gemachte Minderjährigkeit  gewährt  worden  und  er  habe  weder 
seine Asylgründe darlegen noch über  seine gesundheitliche Verfassung 
berichten können.

Bezüglich  der  von  der  Vorinstanz  in  Abrede  gestellten  Minderjährigkeit 
wird  angeführt,  er  habe  zwar  keine  Identitätspapiere  abgegeben, 

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aufgrund  dessen  dürfe  aber  nicht  auf  seine  Volljährigkeit  geschlossen 
werden.  Er  verfüge  über  verminderte  kognitive  Kompetenzen  und  habe 
mehrfach  dargelegt,  seine  Mutter  habe  ihm  das  angegebene 
Geburtsdatum mitgeteilt. Sollte er älter sein als angenommen, so basiere 
diese  Tatsache  wider  seiner  Kenntnisse.  Er  habe  nicht  versucht,  die 
Vorinstanz mutwillig zu täuschen, sondern habe lediglich wiedergegeben, 
was  seine  Mutter  ihm  mitgeteilt  habe.  Zudem  habe  er  Dokumente  der 
Bangabandhu Sheikh Mujib Medical University  eingereicht,  auf welchen 
er als fünfzehnjährig registriert sei. Diese Dokumente könnten zwar nicht 
als  Identitätsdokumente  anerkannt  werden,  der  Sachverhalt  sei  aber 
unrichtig  ausgelegt,  wenn  die  Vorinstanz  festhalte,  dass  ihr  keinerlei 
Dokumente  vorgelegt  worden  seien.  Weiter  werde  im  Bericht  zur 
Knochenanalyse festgehalten, dass es sich beim festgestellten Alter von 
neunzehn  Jahren  um  eine  grobe  Schätzung  handle,  weshalb  es  keine 
eindeutige  Beweislage  dafür  gebe,  dass  der  Beschwerdeführer 
neunzehnjährig sei. 

Schliesslich  würden  unabhängig  davon,  ob  er  allenfalls  mutwillig  oder 
gegen  seine  Kenntnis  eine  Falschaussage  betreffend  seinem  Alter 
gemacht  habe,  gesundheitliche  Gründe  vorliegen,  welche  die 
Wegweisung nach  Italien als unzumutbar erscheinen  lassen würden. Er 
habe  einen medizinischen  Eingriff  hinter  sich  und  befinde  sich  in  einer 
noch  über mehrere Monate  dauernden  Folgebehandlung,  weshalb  eine 
Wegweisung nach Italien seinen Genesungsprozess fahrlässig gefährden 
würde.

Als  Beweismittel  wurden  (alle  ausgestellt  vom  Luzerner  Kantonsspital) 
eine  Bestätigung  des  Eintrittstermins,  datiert  vom  7.  Oktober  2011,  ein 
Austrittsbericht, datiert vom 27. Oktober 2011, von Dr. med. E._______, 
eine Verordnung  für Physiotherapie,  datiert  vom 28. Oktober  2011,  von 
Dr. med.  F._______,  sowie  ein  ärztliches  Zeugnis,  datiert  vom  30. 
Oktober 2011, von Dr. med. G._______ zu den Akten gereicht.

3.3.  Mit  ergänzender  Beschwerdeeingabe  vom  15.  Dezember  2011 
orientierte der Beschwerdeführer über eine erhebliche Verschlechterung 
seines gesundheitlichen Zustandes. Aufgrund eines Suizides eines guten 
Freundes  von  ihm  sei  er  tief  betroffen  und  verstört,  weshalb  der 
zuständige  Sozialpädagoge  veranlasst  habe,  dass  er  im  Ambulatorium 
der Luzerner Psychologie psychiatrisch betreut werde. Eine Wegweisung 
nach Italien würde ihn noch zusätzlich destabilisieren.

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3.4. Das BFM führte in seiner Vernehmlassung vom 16. Dezember 2011 
aus,  bei  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  handle  es  sich  um  eine  Kann­
Bestimmung und es gebe somit keine völkerrechtliche Verpflichtung, bei 
bestimmten  Kategorien  auf  die  Anwendung  der  Dublin­II­VO  zu 
verzichten  beziehungsweise  die  Souveränitätsklausel  anzuwenden. 
Grundsätzlich bleibe es dem innerstaatlichen Recht oder dem Ermessen 
der Behörden anheimgestellt, in welchen Fällen selbst eingetreten werde. 
Das innerstaatliche Recht enthalte hierzu keine detaillierten Vorschriften. 
Art. 29a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311),  wonach  die  Schweiz  ein 
Gesuch  aus  humanitären  Gründen  trotz  Zuständigkeit  eines  anderen 
Mitgliedstaates bearbeiten  könne, beziehe sich  im Wesentlichen auf die 
humanitäre Klausel  im Sinne von Art. 15 Dublin­II­VO und nicht auf das 
Selbsteintrittsrecht.  Gemäss  Lehre  müsse  die  Anwendung  der 
Souveranitätsklausel  eine  Ausnahme  bleiben,  weil  sonst  die  Effektivität 
der Dublin­II­VO in Frage gestellt würde. Das BFM prüfe im Einzelfall, ob 
ein  Selbsteintritt  angezeigt  erscheine,  weil  die  Gefahr  einer  Verletzung 
der  EMRK  oder  anderer Grundrechte  bestehe  oder  humanitäre Gründe 
vorliegen  würden,  welche  die  asylsuchende  Person  in  besonders 
schwerwiegender  Weise  belasteten.  Bezüglich  der  gesundheitlichen 
Vorbringen hielt das BFM fest, es sei dem Dublin­System immanent, dass 
grundsätzlich  davon  ausgegangen  werden  könne,  dass  der  betreffende 
Dublin­Staat die nötigen medizinischen Versorgungsleistungen erbringen 
könne,  sei  doch  jeder  Staat  an  die  Aufnahmerichtlinie,  welche 
medizinische  Versorgung  garantiere,  gebunden.  Deshalb  sei 
grundsätzlich  im  Einzelfall  nicht  zu  prüfen,  ob  in  Italien  eine  bestimmte 
Krankheit angemessen behandelt werden könne oder nicht, oder ob die 
fachlich  kompetente  Betreuung  oder  Begleitung  oder  die  Zusage  einer 
solchen für die Rückführung dorthin vorhanden sei. In der angefochtenen 
Verfügung  sei  darauf  hingewiesen  worden,  dass  der  gesundheitlichen 
Situation  des  Beschwerdeführers  bei  der  Ausgestaltung  der 
Vollzugsmodalitäten Rechnung getragen werde und die Rechtsvertreterin 
sei  am  25.  Oktober  2011  aufgefordert  worden,  für  die  diesbezüglichen 
Abklärungen einen aktuellen Arztbericht einzureichen.

Bezüglich  der  gerügten  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  durch 
Nichtberücksichtigung des Akteneinsichtsgesuchs vom 21. Juni 2011 hält 
die  Vorinstanz  fest,  sie  habe  mit  Schreiben  vom  4.  Juli  2011  die 
Akteneinsicht im Sinne von Art. 21 Abs. 9 der Dublin­II­VO gewährt. Eine 
Akteneinsicht  vor  dem  Entscheid  erscheine  nicht  tunlich,  da  es  beim 
Dublin­Verfahren  darum  gehe,  rasch  die  Zuständigkeit  für  ein 

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Asylverfahren gestützt auf objektive Kriterien festzulegen und zudem die 
relevanten  Akten  zusammen  mit  einem  Nichteintretensentscheid 
ausgehändigt würden.

Zur  Rüge,  der  Beschwerdeführer  sei  zur  direkten  Bundesanhörung 
aufgeboten  worden,  es  sei  ihm  aber  lediglich  das  rechtliche  Gehör  zur 
geltend gemachten Minderjährigkeit gewährt worden, führt das BFM aus, 
die Abklärung der Minderjährigkeit sei  für das weitere Verfahren und die 
Beurteilung  des  Asylgesuches  und  den  Asylentscheid  wesentlich  und 
deshalb Gegenstand der Anhörung gewesen.

Schliesslich  wird  bezüglich  der  eingereichten  Beweismittel  angeführt,  in 
der  angefochtenen  Verfügung  sei  festgehalten  worden,  er  habe  keine 
Dokumente  eingereicht,  die  seine  Aussagen  bezüglich  seiner 
Altersangaben  belegen  würden.  Das  Entlassungsformular  des 
Bangabandhu  Sheikh  Mujib  Medical  University  Spitals,  auf  welchem  er 
als  fünfzehnjährig  bezeichnet  worden  sei,  habe  keine  Beweiskraft 
bezüglich seiner Minderjährigkeit.

3.5. Der Beschwerdeführer entgegnete mit Replik vom 4. Januar 2011, es 
würden  erhebliche  Zweifel  vorliegen,  dass  Italien  in  der  Lage  sei,  die 
medizinischen  Versorgungsleistungen  zu  erbringen.  Es  sei  allgemein 
bekannt  und  durch  zahlreiche  Berichte  von 
Menschenrechtsorganisationen belegt, dass Italien mit der hohen Anzahl 
an Flüchtlingen überfordert sei und die Grundversorgung der Flüchtlinge 
vernachlässigt  werde.  Die  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von 
Asylsuchenden,  auf  welche  sich  die  Vorinstanz  berufe,  würden 
grundlegend  verletzt.  Beim  Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  eine 
verletzliche  Person,  welche  physisch  und  psychisch  angeschlagen  sei, 
sich  aber  in  der  aktuellen  Umgebung  unter  guter  pädagogischer  und 
medizinischer  Betreuung  befinde. Weiter  wurde  daran  festgehalten,  die 
Vorinstanz  habe  die  individuellen  Gründe,  welche  gegen  eine 
Wegweisung  nach  Italien  sprechen  würden,  ungenügend  abgeklärt.  Mit 
der Aufforderung zur Einreichung eines aktuellen Arztberichts habe sich 
die  Vorinstanz  lediglich  darum  zu  bemühen  versucht,  die 
Vollzugsmodalitäten  zu  regeln,  eine  sorgfältige  Abklärung  der 
gesundheitlichen  Verfassung  des  Beschwerdeführers  vor 
Entscheidfällung sei aber vernachlässigt worden.

Bezüglich der eingereichten Dokumente des Spitals in Bangladesch wird 
ausgeführt,  diese  hätten  zwar  –  wie  die  Vorinstanz  in  ihrer 

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Vernehmlassung darlege – keinerlei Beweiskraft, hingegen sei es falsch, 
wenn  die  Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung  festhalte,  er  habe  keine 
Dokumente  vorgelegt.  Er  sei  der  festen  Überzeugung,  am  genannten 
Datum geboren zu sein, da seine Mutter ihm dieses genannt habe.

Weiter habe sich die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers 
massgeblich  verschlechtert  und  er  sei  weiterhin  auf  medizinische 
Versorgung angewiesen. Er besuche regelmässig Physiotherapie und sei 
im Ambulatorium der Luzerner Psychiatrie angemeldet worden, weshalb 
eine Wegweisung nach Italien seine Gesundheit gefährden würde.

Als Beweismittel wurde ein ärztlicher Bericht, datiert vom 20. Dezember 
2011, von Dr. med. H._______, Luzerner Kantonsspital, eine Anmeldung 
für  ein  Erstgespräch  bei  der  Luzerner  Psychiatrie,  datiert  vom  20. 
Dezember 2011, sowie eine Aktennotiz, datiert vom 20. Dezember 2011, 
von I._______, Betreuung Jugendliche, (…), zu den Akten gereicht.

4. 

4.1.  Im  Asylverfahren  ­  wie  im  übrigen  Verwaltungsverfahren  ­  gilt  der 
Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst,  die  Asylbehörde  hat  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  vor  ihrem  Entscheid  von  Amtes  wegen 
vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 
106  Abs.  1  Bst.  b  AsylG).  Dabei  muss  sie  die  für  das  Verfahren 
erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich 
relevanten  Umstände  abklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis 
führen.  Gemäss  Art.  8  AsylG  hat  die  asylsuchende  Person 
demgegenüber  die  Pflicht  und  unter  dem  Blickwinkel  des  rechtlichen 
Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht, an 
der  Feststellung  des  Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  BVGE  2008/24  E. 
7.2,  BVGE  Seite  13  D­3292/2006  2007/21  E.  11.1.3  mit  Hinweis  auf 
EMARK 2003 Nr. 13; vgl. auch EMARK 2004 Nr. 16 E. 7a und EMARK 
2004 Nr. 30 E. 5.3.1).

4.2.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  rügt  der  Beschwerdeführer,  er  habe 
am 21. Juli 2011 beim BFM ein Gesuch um Gewährung der Akteneinsicht 
vor Fällung eines Entscheides gestellt. Das BFM habe das Gesuch nicht 
berücksichtigt  und  die  Akten  erst  zusammen  mit  der  angefochtenen 
Verfügung ausgehändigt. Diesbezüglich ist festzustellen, dass das durch 
Art. 29  Abs.  2  BV  garantierte  rechtliche  Gehör  den  Anspruch  der  von 
einem Verfahren betroffenen Person umfasst, sich vor einer behördlichen 

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Anordnung  zu  allen  wesentlichen  Punkten  zu  äussern  und  von  der 
betreffenden Behörde alle dazu notwendigen  Informationen  zu erhalten. 
Allerdings  beschlägt  der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches 
Gehör  nur  die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes,  nicht 
aber  die  rechtliche Würdigung  desselben.  Dem Betroffenen  ist  somit  in 
der  Regel  kein  Recht  auf  vorgängige  Stellungnahme  bezüglich  Fragen 
der rechtlichen Beurteilung und Würdigung von Tatsachen einzuräumen, 
es  sei  denn,  die  Behörde  gedenke,  sich  in  ihrem  Entscheid  auf  einen 
völlig  unüblichen,  nicht  voraussehbaren  Rechtsgrund  abzustützen  (vgl. 
BVGE  2007/21  E.  10.2  mit  verschiedenen  Hinweisen;  vgl.  PATRICK 
SUTTER  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  VwVG,  Kommentar  zum 
Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St.  Gallen  2008, 
Art. 29 Rz. 14; vgl. auch EMARK 2001 Nr. 8, EMARK 2000 Nr. 29 E. 5, 
EMARK 1994 Nr. 13 E. 3b.). Beruht der Entscheid weder auf nachträglich 
eingetretenen oder  den Parteien unbekannten  tatsächlichen Umständen 
noch  auf  neuen,  unvorhersehbaren  Rechtsgrundlagen,  ist  somit  der 
Anspruch auf rechtliches Gehör gewahrt (vgl. PATRICK SUTTER a.a.O., Rz. 
12).  Im vorliegenden Fall hat das BFM dem Gesuch um Gewährung der 
Akteneinsicht erst zusammen mit der Entscheidfällung stattgegeben. Die 
Vorinstanz  hat  durch  dieses  Vorgehen  den  Anspruch  des 
Beschwerdeführers auf  rechtliches Gehör nicht verletzt, zumal er sich  in 
Anwesenheit  seiner  Rechtsvertreterin  im  Rahmen  einer  Nachbefragung 
(vgl.  oben  G.)  vorgängig  zu  den  entscheidrelevanten  Ergebnissen  der 
Handknochenanalyse sowie zur Einschätzung der Vorinstanz hinsichtlich 
der  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Minderjährigkeit  äussern 
konnte. 

4.3. Weiter macht der Beschwerdeführer in verfahrensrechtlicher Hinsicht 
geltend,  er  habe  keinerlei  Möglichkeit  gehabt,  seine  Asylgründe  und 
gesundheitlichen  Schwierigkeiten  im  Rahmen  einer  Anhörung 
darzulegen.  Diese  Rüge  erweist  sich  als  unbegründet,  da  in  Dublin­
Verfahren  keine  ordentliche  Anhörung  stattfindet,  sondern  der 
asylsuchenden  Person  –  wie  vorliegend  geschehen  –  nach  der 
summarischen  Befragung  das  rechtliche  Gehör  gemäss  Art.  36  Abs.  2 
AsylG gewährt wird.

4.4.  Soweit  der  Beschwerdeführer  hinsichtlich  der  im  vorinstanzlichen 
Verfahren  eingereichten  Beweismittel  eine  unrichtige  Auslegung  des 
Sachverhalts  rügt,  ist  festzuhalten,  dass  die  aus  dem  Gehörsanspruch 
gemäss  Art.  29  Abs.  2  BV  fliessende  Begründungspflicht  von  der 
Behörde verlangt, die Vorbringen der gesuchstellenden Person vor dem 

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Entscheid  tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und  in 
der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Eine verfügende Behörde muss 
sich  hingegen nicht  ausdrücklich mit  jeder  tatbeständlichen Behauptung 
und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sonder kann sich auf 
die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  (vgl. 
ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor 
dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 151 f. Rz. 3.103 ff.; BGE 
126  I 97 S. 102  f.). Vorliegend hat die Vorinstanz  in der angefochtenen 
Verfügung  festgestellt,  der Beschwerdeführer habe keinerlei Dokumente 
eingereicht,  die  seine  Aussagen  bezüglich  der  Altersangabe  belegen 
würden  (vgl.  angefochtene  Verfügung  S.  4).  Der  Beschwerdeführer  hat 
hingegen   – wie  in  der  Beschwerdeschrift  zu Recht  vorgebracht  –  zwei 
Dokumente des Bangabandhu Sheikh Mujib Medical University Hospital 
eingereicht,  welche  eine  Altersangabe  enthalten.  Da  das  Alter  des 
Beschwerdeführers  im  vorliegenden Verfahren  von  zentraler  Bedeutung 
ist,  wäre  die  Vorinstanz  gehalten  gewesen,  die  eingereichten 
Beweismittel  zu  würdigen,  weshalb  diesbezüglich  eine  Verletzung  der 
Begründungspflicht  beziehungsweise  des  rechtlichen  Gehörs 
festzustellen  ist.  Grundsätzlich  führt  eine  Verletzung  des  rechtlichen 
Gehörs  –  das  heisst  ungeachtet  der  materiellen  Auswirkungen  –  zur 
Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen  Entscheides.  Aus 
prozessökonomischen Gründen ist eine Heilung von Gehörsverletzungen 
auf  Beschwerdeebene möglich,  sofern  das  Versäumte  nachgeholt  wird, 
der  Beschwerdeführer  dazu  Stellung  nehmen  kann  und  der 
Beschwerdeinstanz  im  streitigen  Fall  die  freie  Überprüfungsbefugnis  in 
Bezug  auf  Tatbestand  und  Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die 
festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende 
Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand 
hergestellt  werden  kann  (vgl.  BVGE  2008/47  E.  3.3.4  S.  676  f.). 
Vorliegend hat die Vorinstanz im Rahmen ihrer Vernehmlassung vom 15. 
Dezember 2011 die Begründung der angefochtenen Verfügung  insoweit 
ergänzt,  als  sie  ausführte,  das  Entlassungsformular,  auf  welchem  der 
Beschwerdeführer  als  fünfzehnjährig  bezeichnet  werde,  habe  keine 
Beweiskraft  bezüglich  seiner  Minderjährigkeit.  Dem  Beschwerdeführer 
wurde Gelegenheit  gewährt,  sich  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz – 
mithin auch zu dieser Ergänzung – Stellung zu nehmen, von welcher er 
mit Replik  vom 4.  Januar 2011 Gebrauch gemacht  hat. Somit  kann der 
festgestellte  Verfahrensmangel  als  geheilt  erachtet  werden,  zumal  der 
rechtserhebliche  Sachverhalt  erstellt  und  die  notwendige  Entscheidreife 
gegeben ist.

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4.5.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  keine  Veranlassung 
besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. 
Hingegen  ist  der  Umstand,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im 
Zeitpunkt  ihres  Erlasses  an  einem  Verfahrensmangel  litt,  im 
Entschädigungspunkt zu berücksichtigen (vgl. nachfolgend E. 7.2.).

5. 

5.1.  Auf  Asylgesuche  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).

5.2. Nach  Art.  6  Abs.  2  Dublin­II­VO  ist  derjenige  Mitgliedstaat  für  die 
Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig,  in  welchem  eine 
minderjährige Person den ersten Asylantrag eingereicht hat. Aufgrund der 
Anwendung  der  Kriterien  in  der  Reihenfolge  ihrer  Anführung  in  der 
Verordnung gilt dies auch für den Fall der vorangegangenen legalen oder 
illegalen  Einreise  und  für  alle  sonstigen  Zuständigkeitskriterien  (vgl. 
CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II­Verordnung, 3., überarb. 
Aufl., Wien/Graz  2010,  K7  zu Art. 6  S.  89).  Vorab  ist  deshalb  in  einem 
ersten Schritt zu prüfen, ob das BFM zu Recht von der Volljährigkeit des 
Beschwerdeführers ausgegangen ist.

5.3. 

5.3.1. Die behördliche Untersuchungspflicht wird  im Asylverfahren durch 
die  der  asylsuchenden  Person  gestützt  auf  Art.  8  AsylG  auferlegte 
Mitwirkungspflicht  eingeschränkt,  wobei  sie  insbesondere  auch  ihre 
Identität  offenzulegen  und  in  der  Empfangsstelle  Reisepapiere  und 
Identitätsausweise abzugeben hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 
Mit Bezug auf das Beweismass, dem Altersangaben zu genügen haben, 
ist von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, das heisst 
die  behauptete  Minderjährigkeit  muss  zumindest  glaubhaft  erscheinen. 
Dabei ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine Abwägung sämtlicher 
Anhaltspunkte,  welche  für  oder  gegen  die  Richtigkeit  der  betreffenden 
Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Es gilt der Grundsatz der  freien 
Beweiswürdigung  (vgl.  Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember 
1947 über den Bundeszivilprozess  [BZP, SR 273]  i.V.m. Art. 19 VwVG). 
Zur  Altersabklärung  stehen  grundsätzlich  die  in  Art.  12  Bst.  a­e  VwVG 
aufgezählten  Beweismittel  zur  Verfügung,  das  heisst  Urkunden, 

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Auskünfte  der  Parteien,  Auskünfte  oder  Zeugnis  von  Drittpersonen, 
Augenschein  und  Gutachten  von  Sachverständigen.  Liegen  keine 
schlüssigen  Identitätsdokumente  vor,  fallen  mit  Blick  auf  die 
Altersfeststellung  als  Beweismittel  sodann  Abklärungsergebnisse  in 
Betracht,  welche  auf  "wissenschaftliche Methoden"  im Sinne  von  Art.  7 
Abs. 1 der Asylverordnung über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) 
abstellen.  In der Praxis des BFM handelt es sich dabei  in der Regel um 
sogenannte  Knochenaltersanalysen.  Hinsichtlich  der  Frage,  ob  eine 
Person  das  achtzehnte  Altersjahr  tatsächlich  bereits  erreicht  hat,  sind 
aufgrund  dieser  Analyse  jedoch  keine  wissenschaftlich  zuverlässigen 
Aussagen  möglich.  Auch  aufgrund  des  äusseren  Erscheinungsbildes 
kann das Alter meist nur grob geschätzt werden. Angesichts des geringen 
Beweiswertes der beiden zuletzt genannten Beweismittel kommt bei der 
vorfrageweisen  Prüfung  des  Alters  einer  ihre  Minderjährigkeit 
behauptenden  asylsuchenden  Person  der  Würdigung  ihrer  eigenen 
Angaben,  die  sie  einerseits  zu  ihrem  Alter  selbst,  andererseits  zur 
unterbliebenen  Abgabe  von  Identitätspapieren  macht,  in  aller  Regel 
entscheidende Bedeutung zu. Der Beweiswert  ihrer Aussagen über das 
Alter kann reduziert werden, wenn sie neben nicht schlüssigen Aussagen 
zu  den  soeben  genannten  Punkten  ganz  offensichtlich  unzutreffende 
Angaben  über  ihren  Reiseweg  macht  oder  wenn  ihr  elementare 
Kenntnisse über  ihr angebliches Heimat­ oder Herkunftsland  fehlen (vgl. 
zum Ganzen EMARK 2004 Nr. 30 E. 5 und 6 S. 208 ff.).

5.3.2.  Das  BFM  erachtete  den  Beschwerdeführer  im  Rahmen  einer 
Würdigung  sämtlicher  Umstände  als  volljährig,  wobei  es  sich  zur 
Begründung  in  der  angefochtenen  Verfügung  auf  die 
Knochenaltersanalyse  vom  26. Mai  2011,  die  Unglaubhaftigkeit  seiner 
Aussagen zu den familiären Verhältnissen und seinem Lebenslauf sowie 
darauf,  dass  er  keine  Dokumente  eingereicht  habe,  welche  seine 
Aussagen  bezüglich  der  Altersangabe  belegen  würden,  stützte.  Diese 
Einschätzung  ist  vom  Bundesverwaltungsgericht  wie  nachfolgend 
dargelegt im Ergebnis zu schützen.

5.3.3.  Zwar  ist  der  Beschwerdeführer  insoweit  zu  hören,  als  einer 
Knochenaltersanalyse  mit  Bezug  auf  die  Frage  der  Minderjährigkeit 
gemäss  Praxis  nur  ein  geringer  Beweiswert  zukommt  und  das 
Bundesverwaltungsgericht  von  einer  Standardabweichung  von 
zweieinhalb bis drei Jahren ausgeht (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.2. S. 
210).  Hingegen  hat  der  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  der 
Untersuchung angegeben, fünfzehn Jahre und sechs Monate alt zu sein, 

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womit das behauptete Alter im Vergleich zum festgestellten Knochenalter 
ausserhalb dieser Standard­Abweichung liegt und somit feststeht, dass er 
über  sein  wahres  Alter  getäuscht  hat  (vgl.  a.a.O.).  Zudem  sind  seine 
Ausführungen  anlässlich  der  Nachbefragung  beziehungsweise  der 
Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  zur  Knochenaltersanalyse  vom  20. 
Juli  2011  unsubstantiiert  ausgefallen.  So  konnte  er  keine  genaue 
Angaben  zum  Unfalltod  seines  Vaters  machen,  obwohl  er  selber  bei 
diesem Unfall dabei gewesen sein will. Auch das Alter seiner Mutter bei 
seiner Geburt  konnte er  nicht  nennen und die Frage nach  seinem Alter 
bei  Schulabschluss  konnte  er  nur  sehr  vage  mit  "vermutlich"  vierzehn 
Jahren  beantworten.  Weiter  sind  auch  die  Angaben  zum  Reiseweg, 
welche  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  zur  Person 
machte, als unglaubhaft zu beurteilen. Insbesondere fällt auf, dass er zu 
Protokoll  gab,  auf  dem Luftweg  von Bangladesch  via Katar  nach  Italien 
gelangt  zu  sein,  er  sich  aber  weder  an  den  Tag  noch  den  Monat  der 
Ausreise  noch  an  den  Landeort  in  Italien  erinnern  könne  (vgl.  A11/12 
S. 6). Schliesslich hat er  in seiner Rechtsmitteleingabe ausgeführt, dass 
es  eine  Geburtsurkunde  geben  müsse  (vgl.  Beschwerdeschrift  vom 
9. November  2011  S.  3),  hat  es  aber  unterlassen,  eine  solche 
einzureichen oder aber zumindest darzulegen, weshalb die Abgabe einer 
solchen  nicht  möglich  sei.  Bezüglich  der  eingereichten  Beweismittel, 
welche  von  einem  Spital  in  Bangladesch  ausgestellt  wurden  und 
Altersangaben enthalten, ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass diesen 
keine  Beweiskraft  zukommt,  zumal  der  Beschwerdeführer  dieser 
Einschätzung  auf  Vernehmlassungsstufe  beigepflichtet  hat  (vgl.  Replik 
vom 4. Januar 2011 S. 2).

5.3.4.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  vom 
Beschwerdeführer  behauptete  Minderjährigkeit  nicht  glaubhaft  gemacht 
worden  ist,  weshalb  die  Anwendbarkeit  von  Art.  6  Abs.  2  Dublin­II­VO 
vorliegend  ausgeschlossen  und  mithin  die  Zuständigkeit  für  das 
Asylverfahren des Beschwerdeführers anhand der Zuständigkeitskriterien 
gemäss Art. 7 ff. Dublin­II­VO zu bestimmen ist.

5.4.  Gemäss  eigenen  Aussagen  ist  der  Beschwerdeführer  im  Februar 
2011  mit  einem  gefälschten  Pass  illegal  nach  Italien  gelangt,  womit 
gemäss  Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO  die  Zuständigkeit  Italiens  zur 
Durchführung des Asylverfahrens begründet wird. Die Anfrage des BFM 
an  Italien  zur  Übernahme  des  Beschwerdeführers  wurde  nicht 
beantwortet, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass Italien der 
Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  stillschweigend  durch 

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Verfristung  zugestimmt  hat  (Art.  20  Abs.  1  Bst.  b  und  c  Dublin­II­VO). 
Nachfolgend  bleibt  zu  prüfen,  ob  Vollzugshindernisse  vorliegen,  welche 
zur Anwendung der Souveranitätsklausel gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­
VO führen würden.

5.5. 

5.5.1. Der  Beschwerdeführer macht  gesundheitliche  Beeinträchtigungen 
geltend,  welche  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  unzumutbar 
erscheinen  lassen  würden,  zumal  zu  bezweifeln  sei,  dass  Italien  die 
notwendigen  medizinischen  Versorgungsleistungen  zu  erbringen 
vermöge.  Gemäss  ärztlichem  Bericht  vom  20.  Dezember  2011  wurde 
beim  Beschwerdeführer  (…)  diagnostiziert  und  am  27.  Oktober  2011 
wurde  er  aufgrund  dieser  Diagnose  operiert.  Für  die  Wiedererlangung 
einer  guten  Funktion  sei  es  wichtig,  dass  er  eine  regelmässige 
Physiotherapie  erhalte. Weiter  wurde  zusammen mit  der  Replik  vom  4. 
Januar  2011  eine  Anmeldung  für  ein  Erstgespräch  in  der  Luzerner 
Psychiatrie  und  eine  diesbezügliche  Aktennotiz  eines  Sozialpädagogen 
vom 20. Dezember 2011 eingereicht, welcher sich entnehmen lässt, dass 
sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner schwierigen Vergangenheit in 
Bangladesch  und  dem  Suizid  eines  Freundes  hier  in  der  Schweiz  in 
einem  psychisch  labilen  Zustand  befinde. Wie  die  Vorinstanz  zu  Recht 
ausführte,  ist es dem Dublin­System  inhärent, dass grundsätzlich davon 
ausgegangen werden darf, dass der betreffende Dublin­Staat die nötigen 
medizinischen  Versorgungsleistungen  erbringen  kann,  ist  doch  jeder 
Mitgliedstaat an die Aufnahmerichtlinie, welche medizinische Versorgung 
garantiert,  gebunden.  Es  darf  somit  davon  ausgegangen  werden,  dass 
der  Beschwerdeführer  in  Italien  adäquate  medizinische  und 
psychologische  Betreuung  erhält.  Hingegen  ist  die  gesundheitliche 
Situation  des  Beschwerdeführers  bei  der  Ausgestaltung  der 
Vollzugsmodalitäten  zu berücksichtigen. Es  ist  sicherzustellen,  dass der 
Beschwerdeführer  die  erforderliche  medizinische  und  allenfalls 
psychologische  Betreuung  für  die  Reise  und  die  Übergabe  an  die 
italienischen  Behörden  erhält.  Des  Weiteren  sind  die  italienischen 
Behörden  über  seine  gesundheitliche  Situation  umfassend  zu 
informieren. Es  obliegt  dem BFM,  den  gesundheitlichen Problemen des 
Beschwerdeführers  bei  der  Organisation  der  konkreten 
Überstellungsmodalitäten  im  Sinne  dieser  Ausführungen  Rechnung  zu 
tragen.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  mit 
Schreiben  des  BFM  vom  25.  Oktober  2011  aufgefordert  wurde,  einen 
Bericht  des  behandelnden  Spezialarztes  zu  seiner  gesundheitlichen 

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Verfassung,  zur  angezeigten  Behandlung  sowie  zur  Transportfähigkeit 
einzureichen,  um  die  medizinische  Versorgung  nach  seiner  Ankunft  in 
Italien in die Wege zu leiten zu können.

5.5.2.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  das  BFM  demnach  in 
Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht keine Veranlassung 
für  einen  Selbsteintritt  erkannt  hat  und  auf  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist. 

6. 

6.1.  Das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  hat  in  der  Regel  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  (Art.  44  Abs.  1  AsylG). 
Vorliegend wurde auch keine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung 
erteilt und es besteht kein Anspruch auf Erteilung einer solchen, weshalb 
die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen 
Bestimmungen steht und demnach zu bestätigen ist.

6.2.  Im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches 
zuständigen  Staat  handelt  –  bleibt  systembedingt  kein  Raum  für 
Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 
1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 
und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]).  Eine  entsprechende  Beurteilung 
allfälliger Wegweisungshindernisse hat soweit notwendig vielmehr bereits 
im Rahmen der Prüfung des Selbsteintritts stattzufinden (vgl. E. 2.2.).  In 
diesem  Sinn  ist  der  vom  BFM  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu 
bestätigen.

7. 

Dem  Beschwerdeführer  ist  es  demnach  nicht  gelungen  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder 
unangemessen  sei  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist. 

8. 

8.1.  Mit  Zwischenverfügung  vom  11.  November  2011  wurde  dem 
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 
VwVG gewährt, weshalb ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.

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8.2.  Wie  obenstehend  aufgezeigt,  litt  die  angefochtene  Verfügung  im 
Zeitpunkt ihres Erlasses hinsichtlich der unterlassenen Würdigung der bei 
der  Vorinstanz  eingereichten  Dokumente  an  einem  Verfahrensmangel, 
welcher  im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens geheilt wurde. Der 
Beschwerdeführer  ist somit diesbezüglich nur durch das Ergreifen eines 
Rechtsmittels zu einem rechtskonformen Entscheid gelangt, weshalb ihm 
trotz Unterliegens eine reduzierte Parteientschädigung für die ihm aus der 
Beschwerdeführung erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen ist. 
Auf die Einholung einer Kostennote kann verzichtet werden, da sich der 
notwendige  Vertretungsaufwand  aufgrund  der  Aktenlage  zuverlässig 
abschätzen  lässt  (Art. 14 Abs.  2  in  fine VGKE). Die  von  der Vorinstanz 
auszurichtende  Parteientschädigung  wird  demnach  unter 
Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art.  8  ff. 
VGKE)  von  Amtes  wegen  auf  insgesamt  Fr. 400.­  (inkl.  Spesen) 
festgesetzt.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 400.­ auszurichten.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers 
nach  Italien  im  Sinne  der  Erwägungen  durchzuführen  und  die 
italienischen  Behörden  über  seine  gesundheitliche  Situation  vorgehend 
zu informieren.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Anna Poschung

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