# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d8c19d42-8fee-5802-9297-0b37d67e9a91
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-22
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung. Kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Darstellungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Beschwerdeverfahren sodann nicht vereinbar mit seinem hohen Aktivitätsniveau im Zusammenhang mit der Gründung und Geschäftsführertätigkeit für die eigene Firma.  (BGE 8C_654/2020)
**Docket/Reference:** IV.2018.00921
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00921.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00921
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
22. September 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Martin
Jäggi
Neugasse
6, 8005 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene
X.___
erwarb nach Absolvierung der britischen Matura an der
Y.___
in Zürich diverse Diplome/Fähigkeitsausweise im Bereich
Informatik und war zuletzt vom 1.
Dezember
2011 bis
August 2013
bei der
Z.___
als Manager Network
Operations
(Abteilungsleiter Network)
ange
stellt
.
In der Folge bezog er Arbeitslosenentschädigung
und schliesslich Sozia
l
hilfe
.
Unter Hinweis auf Schmerzen nach einem Motorradunfall sowie auf zwei
psychische
Zusammenbrüche
meldete er sich am 3. Januar 2017 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Anmeldung ohne Unterschrift [
Urk. 11/1
] beziehungsweise Anmeldung mit Unterschrift [Urk. 11/7]
,
Auszug aus dem individuellen Konto
des Versicherten
[IK-Auszug] vom 20. Januar 2017 [Urk. 11/11]
,
Arbeitszeugnis
der
Z.___
vom 31. August 2013 [Urk. 11/6/3 f.]
und
Verrechnungsgesuch des
Sozialzentrums
A.___
vom 24. Februar 2017 [
Urk.
11/18
).
Die IV-Stelle tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische Ab
klärungen
und
lud
den Versicherten für eine Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
für den
4. August 2017
ein
(Einladung an den Versicher
ten vom 26. Juni 2017
[Urk. 11/31]). Da der Versicherte nicht zur Untersuchung erschien, wurde er erneut für
den
3. November 2017
aufgeboten
(Urk. 11/32).
Der
RAD
-Arzt
,
d
ipl.
med. B.___
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie,
untersuchte den Beschwerdeführer am 3. November 2017
(
Urk. 11/47
)
.
Um ein vollständiges Bild der gesundheitlichen Situation zu erhal
ten, lud d
ie IV-Stelle den Versicherten am 8. November 2017 für
ei
ne zweite Un
tersuchung beim RAD für
den 18. Dezember 2017
ein
(Urk. 11/39). Wegen Erkrankung des Untersuchers verschob die IV-Stelle die
se
Untersuchung mit Schrei
ben vom 18. Dezember 2017 auf den 10. Januar 2018 (Urk. 11/40).
Mit Schreiben vom 4. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Untersuchungs
termin vom 10. Januar 2018 beim RAD werde annulliert. Es werde ein Verlaufs
bericht beim behandelnden Psychiater eingeholt und anhand dieses Berichts über das weitere Vorgehen entschieden (Urk. 11/41). Nach Erhalt des Verl
aufsberichts von Dr. med. C.___
, Fachärztin FMH für Psychiat
rie und Psycho
therapie, vom 30.
März 2018 (Urk. 11/45)
lud die IV-Stelle den Ver
sicherten
für den 9. Mai 2018
zu einer
weiteren
Untersuc
hung beim RAD ein (Urk. 11/46), zu welcher der Versicherte nicht erschien.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Vorbescheid vom 19. Juni 2018 [Urk. 11/50] mit Auferle
gung einer Scha
denminderungspflicht im Sinne einer adäquaten und intensiven psychothera
peutischen Behandlung [Urk. 11/49]; Einwand
vom
24. Juli 2018 [Urk. 11/51] mit ergänzender Begründung vom
17. August 2018 [Urk. 11/55]) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten mit Verfügung vom 20. September 2018 ab (Urk. 2 [= Urk. 11/61]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit
Eingabe vom 2
2.
Oktober 2018 Beschw
erde
und beantragte, es sei ihm mit Wirkung ab dem
3.
Januar 2017 ein
e ganze Inva
lidenrente zuzuspre
chen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Durchführung einer öffentlichen Gerichts
verhandlung sowie um Gewähr
ung der unentgeltlichen Prozess
führung und der unentgeltlichen Rechtsvert
retung in der Person von Rechts
anwalt Martin
Jäggi
. Zudem ersuchte er d
arum, die Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, anzuwe
isen, ihm vollständige Aktenein
sicht zu gewähren und ihm eine Nachfrist zur Beschwer
debegründung anzu
setzen (
Urk.
1). Mit Verfügung vom
2.
November 2018 wies das hiesige Gericht die IV-Stelle an, dem Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers die voll
ständigen Akten zu
kommen zu lassen und setzte diesem eine Frist zur Beschwerdeverbesserung an (
Urk.
5). Mit Eingabe vom 2
6.
November 2018
ergänzte
der Beschwerdeführer seine Beschwerde und hielt an seinen Anträgen fest (
Urk.
7).
Mit Beschwerde
antwort vom
4.
Januar 2019 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
10).
Dem Beschwerdeführer wurde m
it Verfügung vom
9.
Januar 2019 Frist angesetzt, um das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechts
vertretung mit ausgefülltem Formular sowie den entsprechenden Belegen zu sub
stantiieren (
Urk.
12). Daraufhin ersuchte der Rechtsvertreter des Beschwerde
führers unter Hinweis auf eine Arbeitsüberlastung mit Eingabe vom 1
3.
Februar 2019 um Fristerstreckung bis zum 1
5.
März 2019, welche ihm gewährt wurde (
Urk.
14). Mit Eingabe vom 1
5.
März 2019 beantragte er, das Gericht habe von den zuständigen Sozialämtern alle den Beschwerdeführer betref
fenden Akten
edieren
zu lassen
. Eventu
aliter seien von den betreffe
nden Ämtern alle Bedarfs
rechnun
gen zu edieren.
Subeventualiter
seien die Betr
eibungsregisterauszüge der letz
ten sechs Jahre von den jeweils zuständigen Betreibungsämtern zu edieren. Als Begründung führte er aus, die Kommunikation mit seinem Mandanten gestalte sich schwierig. Dieser sei krankheitsbe
dingt nicht in der Lage, alltäg
lic
he administrative Dinge zu erle
digen, weshalb er
das Formular zur Abklä
rung der finanziellen Bedürftigkeit nicht habe ausfüllen können (
Urk.
15). Mit Verfügung vom 2
7.
März 2019 wurde dem Beschwerdeführer eine kurze, nicht erstreckbare Nachfrist von 7 Tagen angesetzt, um die zum Nachweis der finanziellen Bedürf
tigkeit erforderlichen Unterlagen beizubringen (
Urk.
16). Mit Eingabe
n
vom
3.
April 2019
(Urk. 19
und Urk. 20
)
legte der Re
chtsvertreter des Beschwerde
füh
rers eine Unterstützungsbestätigung des zuständigen Sozialamtes
betreffend die Zeit vom 1. Oktober 2015 bis am 28. Februar 2019
auf (
Urk.
21/1)
und
ersuchte darum, das Verfahren einstweilen zu sistieren, falls das Gericht die Bestä
tigung nicht als
genügenden Nachweis der Mittel
losigkeit erachte
; es sei ihm seit einiger Zeit nicht möglich, den Beschwerdeführer zu kontaktieren
(
Urk.
19 S.
2).
Mit Verfügung vom 4. April 2019 kam das hiesige Gericht dem Ersuchen des Rechtsvertreters insoweit nach, als das Verfahren bis am
30. November 2019 sis
tiert
und damit die mit Verfügung vom 27. März 2019 angesetzte Nachfr
ist un
terbrochen wu
rde
(Urk. 23). Mit Eingabe vom 28. November 2019 teilte
der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
mit, es sei ihm erst jetzt möglich gewor
den, ein Instruktionsgespräch mit seinem Mandanten zu führen, weshalb er auf eine weitere Fristerstreckung bis Ende Dezember 2019 angewiesen sei (Urk. 26). Mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 gewährte das hiesige Gericht eine letzt
malige Fristers
treckung bis am 3. Januar 2020.
Zudem wies es darauf hin, dass aus dem Handelsregister des Kantons Zürich hervorgehe, dass der Beschwerde
führer als Gesellschafter und Geschäftsführer der im Februar 2019 gegründeten
D.___
eingetragen sei, was mit den Darstellungen des Rechtsver
treters, er sei nicht in der Lage, die kleinsten administrativen Belange zu erledi
gen, kontrastiere. Daher seien innert der letztmals erstreckten Frist zusätzlich alle die Gesellschaft betreffenden finanziellen Unterlagen einzureichen (Urk. 27). Mit Eingabe vom 3. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer verschiedene Unter
lagen ein (Urk. 29-31).
D
as Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
wurde
zufolge mangelnder Substantiierung mit Verfügung vom 18. März 2020 abgewiesen (Urk. 32).
Am 6. Juli 2020 wurden die Parteien
antragsgemäss
zur Hauptverhandlung
auf den 1. September 2020 vorgeladen (Urk. 38). Der Beschwerdegegnerin wurde das persönliche Erscheinen erlassen, woraufhin diese mit Schreiben vom 17. Juli 2020 mitteilte, sie verzichte auf eine Teilnahme an der Verhandlung (Urk. 40). Der Beschwerdeführer zog seinen Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung mit Schreiben vom 28. August 2020 zurück (Urk. 43). Mit Verfü
gung vom 31. August 2020 wurde
die
Vorladung zur
Hauptverhandlung abge
nommen. Den Parteien wurde sodann mitgeteilt, dass ihnen – sollte das Gericht keine weiteren Verfahrensschritte anordnen – der Endentscheid zu gegebener Zeit schriftlich mitgeteilt werde (Urk. 44).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind
unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
(E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.1).
Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurtei
lungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfä
higkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2
; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
1.5
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid,
das Vorliegen akzentuierter narzisstischer Persönlichkeitszüge rechtfertige die Annahme einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit nicht.
Die
Neurasthenie
sei vom Schwere
grad her nicht sehr ausgeprägt, sodass versicherungsrechtlich keine relevante gesundheitliche Einschränkung bestehe
.
Der Beschwerdeführer befinde sich über
dies nicht in adäquater Therapie und nehme keine Medikamente ein
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer
vor,
es sei auf die Beurteilung des RAD
vom 3. November 2017
abzustellen.
Es
liege eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit seit Juli 2013 in jeglicher Tätigkeit vor. Die Beschwerdegegnerin begründe in der angefochtenen Verfügung nicht, weshalb sie von der Einschätzung des RAD abweiche, was eine Verletzung der Begründungspflicht und des rechtlichen Gehörs darstelle.
Der Bericht eines Dr.
E.___
, welcher in der angefochtenen Verfügung erwähnt werde, liege
dem Beschwerdeführer sodann nicht vor, weshalb er dazu nicht Stellung nehmen könne. Falls auf die Beurteilung des RAD
-Arztes
d
ipl.
med.
B.___
nicht abgestellt werde, sei eine Begutachtung anzuord
nen
(Urk. 1 S. 8-10 und
Urk. 7)
.
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 4. Januar 2019 führte die Beschwerdegeg
n
erin aus,
in der angefochtenen Verfügung werde fälschlicherweise ein Be
richt von
E.___
, Facharzt für Arbeitsmedizin, erwähnt. Gemeint sei der Bericht von
d
ipl.
med.
B.___
vom 15. Mai 2018. Dem Bericht der behandelnden Ärztin Dr.
C.___
lasse sich entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer in keiner adä
quaten Behandlung befunden habe. Die Nichtinanspruchnahme von zumutbaren therapeutischen Optionen spreche gegen einen ausgeprägten Leidensdruck, zumal nicht ausgewiesen sei, dass der Beschwerdeführer krankheitsbedingt keine Be
handlung wahrnehmen könn
t
e (Urk. 10).
3.
3.1
Zunächst ist festzuhalten,
dass
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) ver
sehentlich
Dr.
E.___
anstelle von
d
ipl.
med.
B.___
genannt wurde
. Eine Verwechslung der beiden Namen lässt sich bei einer
Übereinstimmung der ersten drei Anfangsbuchstaben durchaus
nachvollziehen.
Ins Gewicht fällt letztlich aber
,
dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
einen
Bezug zum
mit dem Datum vom 15. Mai 2018 versehenen
Bericht von
d
ipl.
med.
B.___
herstellt
e
, indem sie sich
mit den von
ihm
gestellten Diagnosen (Neurasthenie und akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge; vgl. die
nachstehende
E. 5.4
) auseinandersetzt
e
,
und dass k
eine Anhaltspunkte dafür
bestehen
, dass Dr.
E.___
bei der Untersuchung des Beschwerdeführers involviert gewesen wäre.
Ein Beric
ht von Dr.
E.___
existiert
nicht und konnte dem Beschwerdeführer
daher
auch nicht
vorenthalten
werden.
3.2
Die
Beschwerdegegnerin
verneinte
einen Rentenanspruch
des Beschwerdeführers insbesondere deshalb
, weil sie den von
d
ipl.
med.
B.___
festge
stellten
Diagnosen keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Bedeutung
bei
mass, zumal sich der Beschwerdeführer nic
ht in adäquater Therapie befand
und ke
ine Medikamente einnahm
.
Diese Begründung mag kurz und hinsichtlich der
Prüfung der Standard
-
indikatoren auf ein Minimum reduziert
sein
.
Dennoch ergibt sich aus ihr
die Essenz
für die Abweisung
des Gesuchs auf Leistungen der Invalidenversicherung
.
D
amit
liegt keine Verletzung der
Begründungspflicht
vor. Der Anspruch auf rechtliches Gehör wurde durch die Verwaltung nicht verletzt.
4
.
4
.1
4
.1.1
Im Bericht vom 20. April 2017 führte Dr.
C.___
die folgenden Diagnosen auf (Urk. 11/25/1):
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), bestehend seit Januar 2013
-
Mischkonsum von Speed und Cannabis (ICD-10 F19.1)
-
Chronische Kopfschmerzen (ICD-10 G44.2) nach Sturz auf den Hinter
kopf mit
Contusio
am 10./11. März 2012
-
Depressionen
Dr.
C.___
berichtete
, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 23. Dezember 2015 bei i
hr in Behandlung und sei seither als Informatiker zu 100 % arbeitsunfähig;
zur Zeit
fänden die Therapien
circa einmal monatlich statt
(Urk. 11/25/1-5).
Im separaten undatierten Arztbericht
(Urk. 11/25/17-19)
, auf welchen Dr.
C.___
im
Bericht vom 20. April 2017
verwies (Urk. 11/25/2), hielt sie fest, der Beschwerdeführer sei als ältestes von drei Kindern in Zürich aufgewachsen. Seine Eltern hätten sich getrennt, als er acht Jahre alt gewesen sei. Die
s
sei ein Schock für ihn gewesen. Sein Vater sei an Schizophrenie erkrankt und die Spitalbesuche habe er (der Beschwerdeführer) in
schrecklicher Erinnerung
.
Er habe Probleme in der Schule bekommen, weshalb ihn seine Eltern in ein Internat geschickt hätten. Dort sei er in Kontakt zu Drogen (wie zum Beispiel Cannabis) gekommen. Nach seiner Ausbildung im Bereich Informatik sei er sehr erfolgreich gewesen und habe bereits mit 25 Jahren Manageraufgaben übernehmen können. Er habe rasch gut verdient, sodass er sich ein recht exzessives Leben mit schnellen Autos, Motor
rädern und Ferien an exklusiven Orten habe leisten können. Nach zwei Unfällen im Jahr 2012 sei es zum Zusammenbruch im Januar 2013 gekommen. Seither habe er krankgeschrieben werden müssen. Im Juli 2013 habe er eingewilligt, in eine psychiatrische Klinik nach
F.___
zu gehen, wo er aber nur eine Woche geblieben sei. Die Referentin habe den Verdacht, dass Intrusionen zum raschen Austritt ge
führt hätten.
Ab dem 23. Dezember 2015 sei der Verlauf wie folgt: Der Beschwer
deführer ziehe einen mit seinem äusseren Erscheinen in den Bann und man sei geneigt, nur das Schöne zu sehen. Er selber sage aber, er sei ein Welt
meister im Verdrängen und mache allen Freude, bloss er selbst sei unglücklich. Er leide unter Schlafstörungen, Gedankenkreisen und Albträumen. Er schaffe es nicht, die all
täglichen Dinge zu erledigen. Er fühle sich von den Ärzten
mehrheit
lich ange
griffen und habe das Gefühl, diese hälfen ihm nicht. Er wolle keine Psychophar
maka oder Schmerzmittel einnehmen, da diese schädigen
würden
und er nicht werden wolle wie sein Vater.
Sie, Dr.
C.___
, habe dem Beschwerde
führer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und dem Sozialamt geschrieben, es solle kein Druck auf ihn ausgeübt werden. Sie unterstütze ihn, wenn immer möglich (Urk. 11/25/17 f.).
Zum Psychostatus hielt Dr.
C.___
fest,
der Beschwerdeführer sei wach und all
seits orientiert, es bestünden weder ein Wahn noch Ichstörungen. Er leide unter Einschlaf- und Durchschlafstörung
en sowie unter Albträumen. Häufig
fühle er keine Energie und keine Motivation, irgendetwas zu unternehmen. Er habe die Lust auf das normale Leben völlig verloren. Seine gesamte Persönlichkeit sei ver
ändert. Er wolle alles gut machen, fühle aber eine Abneigung, denn es sei immer schlimmer geworden. Er sei stressanfällig und reagiere auf Kritik mit quälendem Gedankenkreisen beim Einschlafen. Er sei nicht mehr so belastungsfähig und rasch ablenkbar. Es bestehe der Verdacht auf Intrusionen, da er durch die Erkran
kung des Vaters und durch den anhaltenden Streit der Eltern traumatisiert worden sei. Das zweite Trauma seien
sich
wiederholende Absturzträume (Urk. 11/25719).
4
.
1.2
Im Bericht
vom
30. März 2018 wiederholte Dr.
C.___
die bereits bekannten Diagnosen und gab an, die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers sei zu 100 % vermindert, da keine Entschlusskraft
gegeben
sei
(Urk. 11/45/1 f.)
. Des Weiteren
führte sie unter dem Titel «Psychostatus» aus, der Beschwerdeführer sei wach und allseits orientiert. Es bestünden kein Wahn, keine formalen Denkstö
rungen und keine Sinnestäuschungen. Der Beschwerdeführer berichte von einer schweren Depersonalisation, welche sich darin ausdrücke, dass er Teile seines Selbst nicht mehr leben könne. Er habe intensive nihilistische Ideen, sodass er handlungsunfähig sei. Das Gedankenkreisen und die Panikattacken nähmen zu. Er fühle keine Energie mehr. Sich als handelndes Subjekt zu empfinden, gelinge immer weniger. Er mache nichts und trotzdem werde seine Situation immer schlechter und unlösbar. Er habe hohe Erwartungen an sich selbst bei geringem Antrieb. Seine Belastungsfähigkeit sei noch schlechter geworden; kleinste Gege
benheiten könnten ihm Angst bereiten und dann habe er sofort starke Kopf
schmerzen und müsse sich ausruhen und ablenken. Er leide unter Schlafproble
men, habe keine Energie und benötige viel Überwindung, wenn er irgendetwas erledigen müsse wie zum Beispiel die Wäsche besorgen.
Dr.
C.___
gelangte zum Schluss, es scheine, dass eine schwere Depression vorliege, zumindest habe dies der Hamilton Test
mit 30 Punkten so ergeben (Urk. 11/45/4 f.).
Dr.
C.___
berichtete zum Verlauf seit April 2017, ein monatliches Setting habe sich nicht einrichten lassen. Der Beschwerdeführer sei sporadisch erschienen, meistens, wenn er etwas gebraucht habe, so zum Beispiel eine Bescheinigung, dass er
für eine
Gerichtsverhandlung betreffend seine Wohnsituation nicht ver
han
dlungsfähig sei. Er habe zudem b
emerkt, dass er ruhiger werde, wenn er das legale Haschisch (CBD) konsumiere. Diesen Effekt könne die Unterzeichnende bestätigen; aufgrund der neusten Forschung sei dieser Mechanismus erklärt und bekannt.
Extasy
spiele gemäss Schilderung des Beschwerdeführers keine Rolle mehr (Urk. 11/45/5).
4
.1.3
RAD
-Arzt
d
ipl.
med.
B.___
führte in seinem
B
ericht
über die Untersuchung
vo
m 3. November 2017 als
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
mit akzentuierten narzisstischen Persönlichkeits
zügen (ICD-10 Z73.1)
und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsf
ähigkeit einen Status nach Burn
out im Jahr 2012 (ICD-10 Z73) und nach
Polytoxiko
manie
, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F19.1),
auf (Urk. 11/47/6)
.
Dipl. med.
B.___
gelangte zum Schluss, die diagnostische Einordnung der Beschwerden sei schwierig. Zu Beginn sei den verschiedenen Arztberichten ein leichter psychosomatischer Symptomkomplex zu entnehmen, mit leichter depres
siver Stimmung, Sorgen um die Zukunft, Kopfschmerzen, Magen- und Darm
beschwerden. Es habe auch bloss eine fünftägige stationäre psychosomatische Behandlung in
F.___
stattgefunden. Gegenwärtig bestünden eine wechselnde Stimmungslage, ein starkes Ruhebedürfnis, eine rasche Erschöpfbarkeit, eine An
triebslosigkeit und die Frage nach dem Sinn. Man könne von einer Sinnkrise sprechen. Eine ausreichende psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung finde nicht statt. Der Drogenkonsum sei wohl sistiert worden mit einem Wechsel zu
legalen
Cannabinoiden
. Der Alkoholkonsum sei kontrolliert und der Amphe
taminkonsum bestehe wohl nicht mehr. Es habe ein ausgeprägter sozialer Rück
zug stattgefunden, wenngleich wenige Angaben zu den Sozialkontakten vor dem Zusammenbruch vorlägen. Die Symptomatik lasse sich gegenwärtig am besten unter der Neurasthenie (neurotische Belastungsreaktion) einordnen.
Zusätzlich könne
von einer ausgeprägten narzisstischen Kränkung durch den Verlust der Leistungsfähigkeit aufgrund stark überhöhte
r Leistungsideale
ausg
egangen wer
den. In der Folge sei
es zu einer massiven Regression auf eine Vita
minima
gekommen
. Die bisherigen
und aktuellen Behandlungen seien
nicht in ausrei
chendem U
mfang erfolgt. Zu empfehlen sei
eine mindestens ein
-
bis zweimal
wöchentliche tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie.
Seit circa Juli 2013
bestehe
eine 100%
ige
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit im ersten Arbeits
markt
(Urk. 11/47/6 f.)
.
4
.2
Dr.
C.___
begründete
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht nachvollziehbar
.
Bei
der Trennung der Eltern und der möglichen Erkennt
nis, dass der eigene Vater an Schizophrenie erkrankt ist,
handelt es sich
nicht um ein Ereignis aussergewöhnlicher Bedrohung oder katas
trophenartigen Ausmasses.
Dr.
C.___
erwähnt
e
zudem
keine
traumaspezifische
n
Sympto
me
wie
plötzliche
Erinnerungen an schlimme Lebensereignisse,
wiederholte unaus
weichliche Erin
ne
rungen
,
Wiederinszenierungen von
Ereignissen in Gedächtnis, Tag
träumen oder Träumen
(
vgl. die Aufzählung
en
in
Dilling
/
Mombour
/Schmidt
[Hrsg.],
Inter
nationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klin
isch-diagnostische Leitlinien, 10
.
Aufl. 2015, S. 207); d
ie Leistungsberechtigung in der Invalidenversicherung
verlangt
zwangsläufig eine gewisse Objektivierung, weshalb
nicht jede Belastung die Diagnose einer posttraumatischen Belastungs
stö
rung
im Sinne der ICD-10-Kriterien rechtfertigt (vgl. das Urteil des Bundesge
richts
9C_39/2014
vom 19. Mai 2014 E. 4.3
).
Auch die beiden Unfälle vom 10./11. März 2012 (Sturz vom Roller nach Vollbremsung b
ei einer Geschwindig
keit von 30
km/h und Sturz auf den Hinterkopf unter Einfluss von Alkohol bei einem Diskothekenbesuch) erfüllen die Voraussetzungen für ein
Ereignis ausser
gewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses nicht. Davon abgesehen ergaben die bildgebenden Untersuchungen (Röntgen der Lendenwirbel
säule und des
thorakolumbalen
Übergangs sowie CT des Schädels) keine Anzeichen für frische
ossäre
Läsionen oder eine intrakranielle Blutung. Die Riss
quetschwunde am Hinterkopf wurde in Lokalanästhesie versorgt/genäht. Eine Bewusstlosigkeit nach dem Sturz auf den Hinter
kopf wurde vom Beschwer
deführer
sodann verneint (vgl. den ambulanten Bericht der Klinik für Unfallchi
rurgie des
G.___
vom 11. März 2012 [Urk. 11/25/6 f.]). Dass
er
ein Hirntrauma erlitt
en hatte
, wie dies im Beschwerdeverfahren vorgebracht wurde (Urk. 26), steht damit im Widerspruch zu den Akten.
Anzufügen ist, dass ein zweiter Motorradunfall, welcher sich am 3. Oktober 2012 ereignet haben soll, nicht dokumentiert ist (vgl. Urk. 11/10, Urk. 11/12, Urk. 11/26 und Urk. 11/28 f.).
Des Weiteren grenzte
Dr.
C.___
die von ihr erhobenen Befunde nicht sauber von den
Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers ab und stützte sich in ihrer Beurteilung
primär auf dessen
Angaben.
Dabei bestand
Anlass dazu, die
Angaben
des Beschwerdefü
hrers kritisch zu hinterfragen, meldete er sich doch bloss dann bei
Dr.
C.___
, wenn er etwas brauchte, so zum Beispiel eine Bescheinigung, dass er für eine Gerichtsverhandlung nicht verhandlungsfähig sei. Diese
r
Umstand
fiel Dr.
C.___
zwar auf
(vgl. E. 5.1.2), sie
unterliess es jedoch, ihn zu würdigen.
Auch setzte sie sich nicht mit den von ihr selbst eingereichten
Verlaufseinträge
n
der Krankengeschichte der
H.___
,
I.___
, Zürich (Ausdruck vom 6. März 2017 [Urk. 11/25/15 f.])
,
auseinander
.
Bei der
H.___
handelt es sich um die Gruppenpraxis, bei welcher der Haus
arzt des Beschwerdeführers, Dr.
med.
J.___
, Facharzt FMH für Allgemein
medizin, tätig war (Urk. 11/1/10
).
Aus
dessen
Verlaufseinträgen ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer im Dezember 2015
(
zu
Dr.
C.___
)
in
psychiatrische
Behandlung begab, nachdem ihm vom Hausarzt nicht wie gewünscht eine fort
gesetzte 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
war.
Davor, An
fang Oktober 2015
,
hatte er sich
beim Sozialamt angemeldet
. Er bezog
Sozialhilfegelder
und wurde v
om Sozialamt
dazu
verpflichtet, an einem Programm teilzunehmen, bei welchem er leichte Arbeiten
verrichten und einen Teil der
Sozialhilfegelder «selber erwir
tschaften» musste
.
Seinem Hausarzt
ge
genüber erwähnte er dies nicht, sondern gab noch im
November 2015 an,
im Büro als Informatiker zu arbeiten, dies
täglich bis zu
16 Stunden
. Er leide unter Kopfschmerzen. Zudem sei er psychisch sehr angespannt, da er mit zwei Kollegen ein Informatik
unternehmen gegründet habe, welches nun zunehmend auseinanderfalle. Obwohl ihm der Hausarzt
zunächst
eine 100%ige Arb
eitsunfähigkeit attestiert hatte
, arbeitete der Beschwerdeführer für sein
eigenes
Projekt weiter
, während er die
ihm vom Sozialamt zugewiesene Tätigkeit
– unter Hinweis auf das Arbeits
unfähigkeitszeugnis – nicht ausübte
(
Urk. 11/25/15 f.
).
4.3
Auch der RAD, welchem die vorgenannten Unterlagen zur Verfügung standen, würdigte die
Beschwerdeschilderungen
des Beschwerdeführers nicht kritisch, son
dern stellte auf diese ab. Er diagnostizierte eine Neurasthenie, welche zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder
n
ohne nachweisbare organische Grundlage
zu zählen ist (vgl. das Urteil
des Bundes
gerichts
8C_651/2012
vom 8. April 2013 E. 4.1 mit Hinweisen) und damit gemäss BGE 143 V 418
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
ist.
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (vgl.
das
Urteil des Bun
desgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E.
4.2.4). Allerdings kann ein solcher Faktor den Gesundheitszustand und
das Leistungsvermögen
beeinflussen (Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_300/2017 vom 1.
Febru
ar 2018 E.
5.3 unt
er Hinweis auf BGE 141 V 281 E.
4.3.2).
Vorliegend fällt ins Gewicht, dass sich der Beschwerdeführer sowohl gemäss den Berichten von Dr.
C.___ a
ls auch gemäss dem Untersuchungsbericht des RAD nie einer adäquaten Behandlung seiner psychischen Beschwerden unterzog
en hatte
, was mit der Beschwerdegegnerin gegen einen ausgeprägten Leidensdruck spricht (Urk. 10 S. 2).
Dass die fehlende psychiatrische und (adäquate) medika
mentöse Behandlung klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen wäre, was dennoch auf einen beachtlichen Leidensdruck hindeuten würde, ergibt sich a
us den medizinischen Unterlagen nicht (BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
Kommt hinzu, dass
gewichtige psychosoziale Faktoren zu verorten
sind
, welche das subjektive Empfinden des Beschwerdeführers stark zu beeinflussen schienen. Er gab gegenüber dem RAD an, es sei ihm bis im Sommer 2017 relativ gut gegangen. Danach habe der Stress mit der Invalidenversicherung und dem Sozial
amt begonnen. Ausserdem habe es einen Nachbarschaftsstreit zwischen seiner Wohngemeinschaft und der Vermieterin gegeben. Die Mitglieder seiner Wohn
gemeinschaft seien schikaniert worden, auch mit Kameraobservation. Man habe dagegen geklagt, vor allem der Hauptmieter. Er (der Beschwerdeführer) habe den Datenschutzbeauftragten konsultiert und sich der Klage angeschlossen. Der Streit sei nun eskaliert. Er habe einfach ein Chaos im Bereich Administration. Die Erin
nerungen an früher würden ihn stressen, er komme sich vor wie ein Hamster im Laufrad. Er sei von seiner ehemaligen Firma enttäuscht worden. Im Gesundheits
system sei er auch nicht auf Verständnis gestossen und falsch behandelt worden. Mittlerweile habe er eine allgemeine Abneigung gegenüber dem gesamten System (Urk. 11/47/3).
Dem Umstand, dass psychosoziale
Faktoren bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung aus
zuklammern sind,
wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (E. 1.3)
, trug der RAD-Arzt indes keine Rechnung
. Es lässt sich daher nicht nachvollziehen, weshalb
er
dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, ging er doch im Wesentlichen bloss von einer Sinnkrise aus.
4.4
Die «allgemeine Abneigung gegenüber dem gesamten System» kam im Verhalten des Beschwerdeführers
während des Beschwerdeverfahrens augenscheinlich zum Ausdruck. Er stellte
seinen Gesundheitszustand
aggraviert
, wenn
nicht sogar simuliert dar, indem er
wiederholt vorbringen
liess
, er sei, wie vom RAD in seinem Bericht festgehalten, schon bei kleinsten administrativen Belangen überfordert. Er sei nicht in der Lage, das mehrseitige Formular des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit auszufüllen und die verlangten Belege zusammenzustellen (vgl. insbesondere Urk. 14 S. 2 [Eingabe vom 13. Februar
2019], Urk. 15 [Eingabe vom 15. März 2019], Urk. 19 S. 2 f. [Eingabe vom 3. April 2019]). In der Eingabe vom 28. November 2019 führte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
sogar
aus,
letzterer
habe bis vor k
urzem in einem Zelt im Wald gewohnt, er habe «von der Hand in den Mund gelebt», was noch immer so sei. Er erhalte keine Sozialhilfe mehr, da er keinen Wohnsitz (mehr) habe und nicht zu einer Besprechung erschienen sei. All dies sei eine Folge seiner Unfälle und seines Hirntraumas. Dem Beschwerdeführer gehe es psychisch, physisch und geistig nicht gut (Urk. 26).
In der Folgte stellte das
Gericht
fest
, dass der Beschwerdeführer als Gesellschafter und Geschäftsführer der im Februar 2019 gegründeten
D.___
im Handelsregister des
Kantons Zürich eingetragen war. Die
D.___
, welche noch immer im Handelsregister eingetragen ist (Stand am 20. September 2020),
bietet gemäss ihrer Homepage luxuriöse
serviced
-Apartment-
Suites
mit digitalem Concierge Service an den besten Adressen der
K.___
an
.
Aus den v
om Beschwerdeführer
– nach Konfrontation mit den vom Gericht gewonnenen Erkenntnissen – aufgelegten
Unterlagen
ergab sich
schliesslich
, dass er in der Lage
gewesen
war, am 24. Januar 2019
als Darlehens
nehmer
einen Darlehensvertrag mit einer privaten Person zu unterzeichnen
, um
Fr. 20'000.--
erhältlich zu machen
, welche zur Gründung der
D.___
notwendig waren
(Urk. 31/5)
.
Es versteht sich
von selbst, dass die Gr
ündung der GmbH mit einigem
administrativem Aufwand verbunden war,
so beispielsweise mit
der Errichtung der Statuten (Art. 776 des Obligationenrechts [OR])
, mit dem Gang zum Notariat zur öffentlichen Beurkundung des Errichtungsakts (Art. 777 OR)
und der Eintragung
der Gesellschaft
im Handelsregister
(Art. 778 OR)
. Der Beschwerdeführer
schloss im Namen der Gesellschaft am 22. Februar 2019
sodann
einen Mietvertrag
über eine Wohnung an der
L.___
ab
; der Bruttomietzins betrug
Fr. 2'000.-- pro Monat (Urk. 31/12). Am 3. Oktober 2019 und am 10. Oktober 2019 schloss er im Namen der Gesellschaft zwei weitere Mietverträge ab, je mit einem Mietzins von Fr. 3'705.-
- und
einem
solchen
von Fr. 3'600.
-- pro Monat (Urk. 31/13 f.).
Die Kontoauszüge der
D.___
belegen zudem eine rege Benutzung der Bankkarten an den verschiedensten Orten (vgl. Urk. 31/6 und Urk. 31/11).
Diese gesamten Aktivitäten
tätigte der Beschwer
deführer zeitgleich zu
seinen Vorbringen
,
er sei
mit kleinsten administrativen Belangen
überfordert
und lebe
«vo
n der Hand in den Mund
».
4.5
Insgesamt
rechtfertigt
es
sich
nicht, angesichts des dürftigen medizinischen Sub
strats
sowie den festgestellten Widersprüchlichkeiten in den Angaben des Beschwerdeführers
von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Es
gelingt
dem Beschwerdeführer
nicht,
auf objektivie
rter Beurteilungsgrundlage den Nachw
eis einer rechtlich relevanten Arbeits- und E
rwerbsunfähigkeit zu erbringen, dabei hätte er
die mat
erielle Beweislast zu tragen (E. 1.4).
Zusammengefasst
ist
nicht mit dem Beweisgrad der überwiege
nden Wahrschein
lichkeit erstellbar
, dass ein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
vorliegt
. Damit sind
auch
keine weiteren medizinischen Abklärungen (vgl. die entsprechenden Anträge des Beschwerdeführers [Urk. 7 S. 10]) vorzu
nehmen.
5
.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
6
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, dessen Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit Verfügung vom 18. März 2020 (Urk. 32) abgewiesen wurde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Martin
Jäggi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelMuraro