# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f91c17b-208a-5ffa-8a97-9fd073b2d21d
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-05-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.05.2009 BB.2009.23
**Docket/Reference:** BB.2009.23
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2009-23_2009-05-19

## Full Text

Beweisanträge (Art. 115 BStP);;Beweisanträge (Art. 115 BStP);;Beweisanträge (Art. 115 BStP);;Beweisanträge (Art. 115 BStP)

Entscheid vom 19. Mai 2009  

I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Tito Ponti und Alex Staub,  
Gerichtsschreiberin Tanja Inniger  

   
 
Parteien 

  
BUNDESANWALTSCHAFT,  
 

Beschwerdeführerin 
 

 gegen 
   

A., amtlich vertreten durch Rechtsanwalt Kai Burkart,  
 

Beschwerdegegner 
 
 

Vorinstanz  EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH-
TERAMT,  
 
 

Gegenstand  Beweisanträge (Art. 115 BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BB.2009.23 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass 
 
- die Bundesanwaltschaft ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren gegen 

mehrere Mitbeschuldigte wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das 
Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 BetmG), ausgehend von 
einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB), am 27. Oktober 2005 gegen 
den Beschuldigten A. ausdehnte; 

 
- sich das Verfahren seit dem 22. September 2006 in der Voruntersuchung be-

findet; 
 

- die Bundesanwaltschaft am 13. Januar 2009 verschiedene Beweisanträge an 
das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „Untersuchungs-
richteramt“) stellte (act. 1.2); 

 
- dieses mit Verfügung vom 11. März 2009 diejenigen Anträge der Bundesan-

waltschaft, die nicht als erledigt abgeschrieben wurden, abwies (act. 1.1); 
 

- die Bundesanwaltschaft dagegen am 17. März 2009 Beschwerde erhob und 
beantragte, diese Verfügung sei aufzuheben und der Untersuchungsrichter 
sei anzuweisen, innert gerichtlich angemessen anzusetzender – kurzer – 
Frist bestimmte Telefongespräche wie auch bestimmte Gespräche/SMS aus 
italienischen Überwachungsmassnahmen nach gehörigem Hinweis des zu-
ständigen Übersetzers auf Art. 307/320 StGB als Wortprotokolle in die deut-
sche Sprache zu übersetzen und zu den Untersuchungsakten zu nehmen 
sowie A. bezüglich zweier Vorfälle unter Vorhalt sämtlicher Belastungsele-
mente zu befragen und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben (act. 1, 
S. 2); 

 
- A. zwar im Schreiben vom 19. März 2009 auf eine formelle Beschwerdeant-

wort verzichtete, jedoch unter Hinweis auf den seiner Meinung nach unver-
hältnismässigen Untersuchungsaufwand das Anliegen äusserte, dass das 
Verfahren so rasch als möglich abgeschlossen werde (act. 3); 

 
- das Untersuchungsrichteramt in der nach bewilligter Fristerstreckung (act. 4) 

am 3. April 2009 eingereichten Beschwerdeantwort mitteilte, dass es die von 
der Bundesanwaltschaft gestellten Beweisanträge in die Wege leiten werde 
(act. 5); 

 
- aufgrund der in Aussicht stehenden Gegenstandslosigkeit den Parteien die 

Möglichkeit eingeräumt wurde, zur Kostenteilung Stellung zu nehmen (act. 9); 
 

- 3 - 

 

 

- A. in seiner Eingabe vom 30. April 2009 mit Hinweis auf die lange Verfah-
rensdauer einwendete, dass antragsgemäss dem Untersuchungsrichteramt 
eine kurze Frist zur Erledigung der Beweisanträge anzusetzen und die Be-
schwerde in diesem Punkt zu behandeln sei (act. 11); 

 
- die Bundesanwaltschaft mit Schreiben vom 4. Mai 2009 bezüglich der Kos-

tenerhebung auf zwei Entscheide der I. Beschwerdekammer hinwies und im 
Übrigen auf eine Stellungnahme verzichtete (act. 12). 

 
 
 

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass 
 
- gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des Untersuchungsrichters die 

Beschwerde gemäss Art. 214 ff. BStP zulässig ist; 
 
- vorliegend alle Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind und demnach auf die 

Beschwerde einzutreten ist; 
 

- durch die Zustimmung der Vorinstanz, die von der Beschwerdeführerin mit-
tels Beschwerde verlangten Untersuchungshandlungen vorzunehmen, der 
Rechtsstreit gegenstandslos geworden ist; 

 
- dem Einwand des Beschwerdegegners, der Antrag nach der gerichtlichen 

Festsetzung einer kurzen Frist für die Erledigung der Untersuchungshandlun-
gen werde nicht von der Gegenstandslosigkeit umfasst und sei daher zu be-
handeln, entgegenzuhalten ist, dass dem Beschwerdegegner jederzeit die 
Möglichkeit offen steht, in diesem Zusammenhang mit einer Rechtsverzöge-
rungsbeschwerde an die Rechtsmittelinstanz zu gelangen; 

 
- die unter dem Bundesgesetz vom 16. Dezember 1943 über die Organisation 

der Bundesrechtspflege (Bundesrechtspflegegesetz, OG) entwickelte Praxis 
zur Gegenstandslosigkeit nun unter dem Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 
über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) weiterzu-
führen ist, sodass in Anwendung von Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 62 ff. 
und Art. 71 BGG i.V.m. Art. 72 BZP bei Gegenstandslosigkeit das Verfahren 
als erledigt abzuschreiben ist (zur Anwendbarkeit des Bundesgesetzes vom 
4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP; SR 273] vgl. Urteil des 
Bundesgerichts 1S. 15/2005 vom 24. Mai 2005 E. 2.2); 

 

- 4 - 

 

 

- gemäss derselben Gesetzesbestimmung aufgrund der Sachlage vor Eintritt 
der Gegenstandslosigkeit über die Prozesskosten zu entscheiden ist, und 
zwar mit summarischer Begründung; 

 
- die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde insbesondere damit begründete, 

dass es sich bei den in Frage stehenden Telefongesprächen/SMS um ent-
scheidende, belastende Beweise mit konkretem Bezug zu zwei zusätzlichen, 
dem Beschwerdegegner erst während der Voruntersuchung zur Last geleg-
ten Tatvorwürfen handle, und jene daher als blosse Gesprächszusammen-
fassungen in einem Polizeirapport nicht genügen, sondern zum Zwecke der 
Verwertbarkeit der Form von übersetzten Wortprotokollen bedürfen würden, 
was durch einen rechtlich belehrten Übersetzer erfolgen solle (act. 1, S. 4, 7, 
10), im Weiteren die bezeichneten Telefongespräche sowie weitere beigezo-
gene Verfahrensakten dem Beschwerdegegner noch nicht vorgehalten wor-
den seien und gemäss dem Grundsatz des fairen Verfahrens (Art. 29 Abs. 1 
BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK) dem Beschwerdegegner sämtliche, mithin in der 
Beschwerde bezeichneten, belastenden Elemente bezüglich der beiden er-
wähnten Tatvorwürfe vorzuhalten seien und ihm Gelegenheit zu geben sei, 
dazu Stellung zu nehmen (act. 1, S. 6-8, 10); 

 
- der Argumentation der Beschwerdeführerin zuzustimmen ist, die beantragten 

Untersuchungshandlungen in den Aufgabenbereich der Vorinstanz fallen 
(vgl. Art. 113 BStP) und nicht dem Sachrichter überlassen werden sollen 
(vgl.  TPF 2004 55 E. 2.2 S. 58); 

 
- die Beschwerde damit gutzuheissen und die angefochtene Verfügung der 

Vorinstanz in Bezug auf die betroffenen, abgewiesenen Beweisanträge auf-
zuheben gewesen wäre bzw. die Vorinstanz angewiesen worden wäre, diese 
Untersuchungshandlungen antragsgemäss durchzuführen; 

 
- gestützt auf die Sachlage vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit die Beschwer-

deführerin obsiegt hätte; 
 

- die Gerichtskosten aufgrund der Anträge der beschwerdeführenden Partei, 
gemessen am Ergebnis der Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheides – 
und somit ohne Rücksicht auf die Anträge der Gegenpartei – zu verlegen 
sind, sodass bei Gutheissung eines Rechtsmittels einer Partei die Gegenseite 
grundsätzlich kostenpflichtig wird, sofern ihr vor Bundesstrafgericht Parteistel-
lung zukommt und nicht ein eigenes (selbständiges oder im Anschluss erho-
benes) Rechtsmittel gleichzeitig auch gutgeheissen wird (vgl. Entscheid des 
Bundesstrafgerichts BB.2006.9 vom 24. Mai 2006, E. 4.1, m.w.H.); 

 

- 5 - 

 

 

- daher der Beschwerdegegner als unterliegende Partei grundsätzlich die Kos-
ten des Verfahrens zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 
BGG 1. Satz);  

 
- vorliegend von der Erhebung der Gerichtskosten ausnahmsweise abzusehen 

ist (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG 2. Satz);  
 

- die Entschädigung des amtlichen Verteidigers auf Fr. 200.-- (inkl. Auslagen 
und MwSt) festzusetzen ist (Art. 38 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 3 des Reglements 
über die Entschädigungen in Verfahren vor dem Bundesstrafgericht vom 
26. September 2006, SR.173.711.31); 

 
- die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen ist, dem amtlichen Verteidiger die-

sen Betrag zu entrichten, der Beschwerdegegner die Entschädigung jedoch 
der Bundesstrafgerichtskasse zurückzuerstatten hat (Art. 38 Abs. 2 BStP e 
contrario; Art. 5 desselben Reglements); 

 
 

- 6 - 

 

 

und erkennt: 
 
1. Das Verfahren wird infolge Gegenstandslosigkeit der Beschwerde als erle-

digt abgeschrieben.  
 
2. Es werden ausnahmsweise keine Gerichtskosten erhoben.  

 
3. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger 

eine Entschädigung von Fr. 200.-- (inkl. Auslagen und MwSt) zu entrichten. 
Dieser Betrag ist der Bundesstrafgerichtskasse vom Beschwerdegegner zu-
rückzuerstatten.  

 
 

Bellinzona, 20. Mai 2009 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Bundesanwaltschaft  
- Rechtsanwalt Kai Burkart  
- Eidg. Untersuchungsrichteramt 
 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.