# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1cbc9c9-737f-5dcb-84c7-ec54337bc785
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-25
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 25.01.2023 460 2022 45 (460 22 45)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2022-45_2023-01-25.pdf

## Full Text

Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

25. Januar 2023 (460 22 45) 

____________________________________________________________________ 

 

Strafrecht 

 

Raub etc. 

 

 

 

Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richterin 

Helena Hess, Richter Daniel Noll, Richter Dominique Steiner;  

Gerichtsschreiberin Anja Fankhauser 

 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Hauptabteilung Allgemeine Delikte,  

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin 

 

 

Privatklägerschaft 

  

 

gegen 

 

 A.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Jürg Krumm,  

Möhrlistrasse 97, Postfach, 8050 Zürich,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

  

 

Gegenstand Raub etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 

13. Januar 2022 

 

  

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 2  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgericht) vom 13. Januar 

2022 wurde A.____ (nachfolgend: Beschuldigter) des Raubes, des Hausfriedensbruchs, der 

mehrfachen einfachen Körperverletzung, der Drohung, der mehrfachen Nötigung, des Verge-

hens gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungs-

mittelgesetzes schuldig erklärt und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 2 Mona-

ten, unter Anrechnung der vom 25. bis zum 26. September 2017 (2 Tage), vom 7. bis zum 

30. Mai 2018 (23 Tage) sowie der vom 9. bis zum 10. Dezember 2018 (1 Tag) ausgestandenen 

Untersuchungshaft von insgesamt 26 Tagen. Ferner wurde der Beschuldigte zu einer Busse in 

der Höhe von Fr. 200.-- bzw. im Falle deren schuldhaften Nichtbezahlung zu einer Ersatzfrei-

heitsstrafe von 2 Tagen verurteilt; dies in Anwendung von Art. 123 Ziff. 2 StGB, aArt. 140 Ziff. 1 

StGB, Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB, Art. 181 StGB, Art. 186 StGB, Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG, 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB 

sowie Art. 106 StGB. Das Verfahren wurde im Fall von Ziff. 1 der Anklageschrift zufolge bereits 

beurteilter Sache sowie in den Fällen von Ziff. 3.1, Ziff. 3.2 und Ziff. 4 der Anklageschrift auf-

grund des Eintritts der Verjährung eingestellt; in den Fällen von Ziff. 6 der Anklageschrift wurde 

das Verfahren sistiert (vgl. Urteilsdispositiv-Ziff. 1). Des Weiteren erklärte das Strafgericht die 

am 30. Oktober 2015 vom Bezirksgericht Willisau bedingt vollziehbar ausgesprochene Geld-

strafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 10.--, bei einer verlängerten Probezeit von 4 Jahren und 6 

Monaten, unter Anrechnung von 2 Tagen Untersuchungshaft, für vollziehbar, wobei im Falle der 

Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Uneinbringlichkeit auf dem Betreibungsweg an deren 

Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 118 Tagen festgelegt wurde (Urteilsdispositiv-Ziff. 2). Die 

Vorderrichter schoben sodann den Vollzug der Freiheitsstrafe in Anwendung von Art. 57 Abs. 2 

StGB auf und ordneten die Einweisung des Beschuldigten in eine geeignete psychiatrische Ein-

richtung oder Massnahmevollzugseinrichtung an (Urteilsdispositiv-Ziff. 3). Von der Anordnung 

einer Landesverweisung gegen den Beschuldigten sah das Strafgericht ab (Urteilsdispositiv-

Ziff. 4). 

 

Ferner wurde erkannt, dass die beschlagnahmten Gegenstände, namentlich ein Waffenkoffer 

(G79476), eine Armkette (G79723), ein Seitenschneider (G79864) und zwei zerschnittene 

Stoffbänder (G79865, G79866), in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, respektive 

zufolge Verzichts auf eine Herausgabe, zur Vernichtung eingezogen werden (Urteilsdispositiv-

Ziff. 5). Der Beschuldigte wurde bei seiner Erklärung behaftet, B.____ Schadenersatz in der 

Höhe von Fr. 620.-- sowie C.____ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 2’000.-- zu bezahlen. 

Darüber hinaus wurde der Beschuldigte dazu verurteilt, einen zusätzlichen Betrag in der Höhe 

von Fr. 1’000.-- als Genugtuung an C.____ zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins seit 8. Mai 2018 

auf den Gesamtbetrag von Fr. 3’000.--. Die darüberhinausgehenden Schadenersatz- und Ge-

nugtuungsforderungen von C.____ wurden, ebenso wie die Zivilforderungen von D.____ und 

der E.____ AG, in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen (vgl. 

dazu Urteilsdispositiv-Ziff. 6).  

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 3  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Des Weiteren wurde der Beschuldigte in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO zur Tragung von 

80 % der Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 38’727.35, 

den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Luzern von Fr. 1’000.--, den Ex-

pertisekosten des gerichtlichen Verfahrens von Fr. 2’190.-- und der Gerichtsgebühr von 

Fr. 8’000.--, verurteilt. 10 % dieser Verfahrenskosten wurden dem Staat auferlegt. Das Strafge-

richt erkannte ferner, dass über den verbleibenden Anteil von 10 % der Verfahrenskosten mit 

Abschluss des gemäss aArt. 55a Abs. 1 StGB sistierten Verfahrensteils entschieden werde. 

Das Honorar des amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Christian Bignasca, in der Höhe von 

Fr. 20'062.35 sowie dasjenige der vormaligen amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin Rita Get-

towski, in der Höhe von Fr. 3'163.10 wurde jeweils genehmigt und aus der Gerichtskasse ent-

richtet; dies unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang von einst-

weilen 80 %. Das Strafgericht verurteilte den Beschuldigten in Anwendung von Art. 433 Abs. 1 

lit. a StPO dazu, C.____ eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1’302.85 zu bezahlen 

(entsprechend einem Anteil von 80 % von total Fr. 1’628.55). Auf den Antrag von Rechtsanwäl-

tin Astrid David Müller um Entschädigung ihrer Kosten als unentgeltliche Rechtsbeiständin für 

den Zeitraum, in welchem das Verfahren im Kanton Luzern geführt wurde, wurde mangels Zu-

ständigkeit nicht eingetreten (vgl. Urteilsdispositiv-Ziff. 7). Auf die Begründung dieses Urteils 

sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Er-

wägungen eingegangen. 

 

B. Gegen das genannte Urteil vom 13. Januar 2022 meldete der Beschuldigte, damals amt-

lich verteidigt durch Rechtsanwalt Christian Bignasca, mit Eingabe vom 20. Januar 2022 die 

Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 21. April 2022 begehrte der Berufungskläger, 

hierbei vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Jürg Krumm, er sei unter teilweiser Anfechtung des 

Urteils unter o/e-Kostenfolge vom Vorwurf des Raubes gemäss Ziff. 1.a des angefochtenen 

Urteils freizusprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten zu be-

strafen, bei einer Probezeit von 4 Jahren. Ferner sei Ziff. 3 des angefochtenen Urteils aufzuhe-

ben und stattdessen entweder eine Suchttherapie nach Art. 60 StGB oder eine ambulante Mas-

snahme nach Art 63 StGB anzuordnen. Die Verfahrenskosten seien in Abänderung von Ziff. 7.a 

des angefochtenen Urteils zu 6/10 definitiv auf die Staatskasse zu nehmen und im Umfang von 

3/10 ihm aufzuerlegen. Schliesslich ersuchte der Beschuldigte um Wechsel der amtlichen Ver-

teidigung, dies unter Einsetzung von Rechtsanwalt Dr. Jürg Krumm als seinen amtlichen Ver-

teidiger. 

 

C. Mit Eingabe vom 2. Mai 2022 begehrte Rechtsanwalt Christian Bignasca um Entlassung 

aus seinem Amt als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten. 

 

D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 10. Mai 2022 wurde Rechtsanwalt Christian 

Bignasca aus seinem Mandat als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten entlassen und dafür 

Rechtsanwalt Dr. Jürg Krumm eingesetzt. 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 4  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

E. Mit Eingabe vom 13. Mai 2022 erklärte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (nach-

folgend: Staatsanwaltschaft) die Anschlussberufung und beantragte unter Kostenfolge, es sei 

der Beschuldigte in Abänderung von Ziff. 4 des vorinstanzlichen Urteils für die Dauer von 5 Jah-

ren des Landes zu verweisen und die Landesverweisung sei im SIS auszuschreiben. Im Übri-

gen sei das Urteil unter Abweisung der Berufung zu bestätigen. 

 

F. Mit Schlussverfügung des Kantonsgerichts vom 20. Juni 2022 wurde der Schriftenwech-

sel geschlossen, das mündliche Verfahren angeordnet und die Parteien wurden zur Berufungs-

verhandlung geladen. Der Privatklägerschaft wurde die Teilnahme ins freie Ermessen gestellt. 

 

G. Mit Eingabe vom 19. Januar 2023 reichte der Beschuldigte folgende Unterlagen ein: 

einen Mietvertrag über eine Zweizimmerwohnung in U.____, datiert vom 24. September 2022, 

einen Arbeitsvertrag der F.____ GmbH, datiert vom 1. Juli 2022, sowie ein verkehrsmedizini-

sches Gutachten, datiert vom 5. September 2022.  

 

 

Erwägungen 

 

I. Formelles 

1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beru-

fungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung sowie der Anschlussberufung ergibt 

sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 

StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfah-

ren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO können mit 

der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-

brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige 

oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei 

das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann 

(Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstin-

stanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzu-

melden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten 

Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die anderen Parteien können innert 

20 Tagen seit Empfang der Berufungserklärung schriftlich Anschlussberufung erklären (Art. 400 

Abs. 3 lit. b StPO). Diese richtet sich sinngemäss nach Art. 399 Abs. 3 StPO (vgl. Art. 401 

Abs. 1 StPO) und ist grundsätzlich nicht auf den Umfang der Hauptberufung beschränkt (vgl. 

Art. 401 Abs. 2 StPO).  

 

2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts vom 13. Januar 2022 angefochten, welches 

ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Mit Eingaben vom 20. Januar 2022 (Berufungsan-

meldung) resp. vom 21. April 2022 (Berufungserklärung) hat der berufungslegitimierte Beschul-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 5  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

digte zulässige Rügen erhoben, die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht 

nachgekommen. Ebenso hat die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 13. Mai 2022 frist- und 

formgerecht Anschlussberufung erhoben. Auf die Berufung und die Anschlussberufung ist somit 

einzutreten. 

 

 

II. Materielles 

1. Gegenstand der Berufungen 

1.1 Im Rechtsmittelverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Die Berufung kann daher auf die 

Anfechtung von Teilen des Urteils beschränkt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 StPO). 

Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur 

in den angefochtenen Punkten. Erfolgt eine Teilanfechtung, erwachsen die nicht angefochtenen 

Punkte in Rechtskraft. 

 

1.2 Die Rechtsmittelinstanz ist bei ihrem Entscheid nicht an die Begründungen der Parteien 

und an deren Anträge gebunden, ausser wenn sie Zivilklagen beurteilt (Art. 391 Abs. 1 StPO). 

Sie darf Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten oder beurteilten Person abändern, 

wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). 

Dieses Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) gilt stets nur zugunsten des 

Beschuldigten (vgl. NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, 

Praxiskommentar, 3. Aufl. 2017, Art. 391 N 5).  

 

1.3 Gegen das erstinstanzliche Urteil haben sowohl der Beschuldigte als auch die Staats-

anwaltschaft ein Rechtsmittel ergriffen. Dabei richtet der Beschuldigte seine Berufung gegen 

den Schuldspruch wegen Raubes, gegen die ausgesprochene stationäre Massnahme sowie 

gegen die Kostenverlegung (Dispositiv-Ziff. 1.a, 3 und 7.a des angefochtenen Urteils). Die 

Staatsanwaltschaft beantragt demgegenüber in ihrer Anschlussberufung in Abänderung von 

Dispositiv-Ziff. 4 des angefochtenen Urteils die Anordnung einer Landesverweisung für die 

Dauer von 5 Jahren und deren Eintrag in das Schengener Informationssystem (SIS). 

 

1.4 Namentlich nicht mehr zu prüfen sind die Verurteilungen des Beschuldigten wegen 

Hausfriedensbruchs, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Drohung, mehrfacher Nötigung, 

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungs-

mittelgesetzes (Urteilsdispositiv-Ziff. 1.a), die Anordnungen zur Verfahrenseinstellung und Sis-

tierung (Urteilsdispositiv-Ziff. 1.b und 1.c), die Vollziehbarkeitserklärung (Urteilsdispositiv-Ziff. 2), 

die Anordnungen über die beschlagnahmten Gegenstände (Urteilsdispositiv-Ziff. 5) sowie dieje-

nigen, wonach der Beschuldigte bei seiner Erklärung behaftet wird, der Privatklägerschaft 

Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen zu schulden und die darüber hinausgehenden 

gegen den Beschuldigten gestellten Zivilforderungen auf den Zivilweg verwiesen werden (Ur-

teilsdispositiv-Ziff. 6). Schliesslich sind auch die Anordnungen betreffend die durch den Be-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 6  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

schuldigten zu zahlenden Parteientschädigungen unangefochten geblieben und daher in 

Rechtskraft erwachsen (Urteilsdispositiv-Ziff. 7.b-d). 

 

2. Sachverhalt und Beweiswürdigung 

2.1 Allgemeine Erwägungen zur Beweiswürdigung 

2.1.1 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urtei-

lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon-

nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob 

es eine Tatsache für bewiesen hält. Es berücksichtigt die im Vorverfahren und im Hauptverfah-

ren erhobenen Beweise (vgl. Art. 350 Abs. 2 StPO) und trifft sein Urteil unabhängig von der 

Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht 

auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist al-

lein deren Stichhaltigkeit (CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Straf-

prozessrecht, 2011, Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 

N 41 ff.).  

 

2.1.2 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Person güns-

tigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen 

Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese Bestimmung operationalisiert den ver-

fassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung (in dubio pro reo, Art. 32 Abs. 1 BV und 

Art. 6 Ziff. 2 EMRK). Sie verbietet es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von 

einem belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten 

Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, 

oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise nicht aus-

geschlossen werden kann (vgl. dazu eingehend BGE 144 IV 345 E. 2.2). Der Grundsatz der 

Unschuldsvermutung ist daher verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten 

hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss 

sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich 

nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87 E. 2a, mit Verweis auf BGE 120 Ia 

31). Eine Verurteilung darf nur ergehen, wenn das Gericht über jeden vernünftigen Zweifel hin-

aus überzeugt ist, dass sämtliche Strafbarkeitsvoraussetzungen in tatsächlicher Hinsicht vorlie-

gen. Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit reicht hierfür nicht. Vielmehr ist ein sehr hoher 

Grad an Wahrscheinlichkeit gefordert. Demnach hat ein Freispruch zu ergehen, wenn nach er-

folgter Beweiswürdigung Anklagesachverhalt und Täterschaft nicht mit an Sicherheit grenzen-

der Wahrscheinlichkeit erstellt sind (ESTHER TOPHINKE, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, 

Art. 10 N 83 und Fn. 268 zu N 83; BGer 6B_850/2018 vom 1. November 2018 E. 1.1.2 und 

E. 1.3.1). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessens-

spielraum zu (BGE 134 IV 132 E. 4.2; 129 IV 6 E. 6.1). 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 7  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

2.1.3 In seiner Funktion als Beweiswürdigungsmaxime kommt dem Grundsatz in dubio pro reo 

keine über das Willkürverbot gemäss Art. 9 BV hinausgehende Bedeutung zu (BGE 146 IV 88 

E. 1.3.1; 145 IV 154 E. 1.1; 144 IV 345 E. 2.2.3.3, je mit Hinweisen; zum Ganzen ferner BGer 

6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 E. 5.3.1 mit Hinweisen). Auch findet er keine Anwendung auf 

die Frage, welche Beweismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenenfalls zu würdigen 

sind. Er kommt erst zum Tragen, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise erhoben und ausgewertet worden sind, das heisst, bei der Beurteilung des Resultats 

der Beweisauswertung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1 f.; BGer 6b_160/2022 vom 5. Oktober 2022 

E. 2.3.2; 6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 E. 5.3.1; 6B_257/2020 vom 24. Juni 2021 E. 4.8.1, 

nicht publ. in: BGE 147 IV 409; 6B_986/2020 vom 6. Januar 2021 E. 2; je mit Hinweisen). Inso-

weit stellt der In-dubio-Grundsatz gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer un-

einheitlichen, widersprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte 

gegeneinander abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis feststellen. 

Dieses kann je nach Würdigung als gesichert erscheinen, sofern die Widersprüche bereinigt 

werden konnten, oder aber mit Unsicherheiten behaftet bleiben. Das Beweisergebnis kann aber 

auch deswegen zweifelhaft sein, weil es im Kontext der feststehenden Tatsachen verschiedene 

Deutungen zulässt und damit verschiedene Sachverhaltsalternativen in den Raum stellt (BGE 

144 IV 345 E. 2.2.3.1 f., mit Hinweisen). Wenn zu einer entscheiderheblichen Frage beispiels-

weise divergierende Gutachten vorliegen, so muss der Richter ohne Rücksicht auf die Un-

schuldsvermutung prüfen, welcher Einschätzung er folgen will. Er darf nicht einfach der für den 

Beschuldigten günstigeren Expertise folgen. Das gilt sinngemäss für alle Arten von Beweisen 

(BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1; BGer 6B_160/2022 vom 5. Oktober 2022 E. 2.3.2; 6B_160/2022 

vom 5. Oktober 2022 E. 2.3.2; 6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 E. 5.3.1; 6B_257/2020 vom 

24. Juni 2021 E. 4.8.1, nicht publ. in: BGE 147 IV 409; vgl. 6B_824/2016 vom 10. April 2017 

E. 13.1, nicht publ. in: BGE 143 IV 214; je mit Hinweisen). 

 

2.1.4 Die Würdigung persönlicher Beweismittel wie die Aussagen der beschuldigten Person 

oder von Zeugen erweist sich regelmässig als weitaus schwieriger als die Beurteilung sachli-

cher Beweismittel wie z.B. Urkunden (HOFER, a.a.O., Art. 10 N 60). Bei der Abklärung des 

Wahrheitsgehalts von Aussagen hat sich daher in der Praxis die Methode der Aussageanalyse 

durchgesetzt, welche darauf basiert, dass wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche 

geistige Leistungen erfordern (vgl. dazu auch BGer 6B_375/2015 vom 29. Oktober 2015 

E. 2.2.2.). 

 

2.1.5 Schliesslich erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO mit Blick auf die Prozessökonomie den Rechts-

mittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachver-

halts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten (Botschaft 

vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 S. 1157 Ziff. 

2.2.8.5). Ein Verweis erscheint in erster Linie bei nicht streitigen Sachverhalten und abstrakten 

Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen auch bei strittigen Sachverhalten und Beweis-

würdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten Falles in Frage, wenn die 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 8  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Rechtsmittelinstanz den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichtet (BGE 141 IV 

244 E.  1.2.3; BGer 6B_992/2020 vom 30. November 2020 E.  2.1). Hingegen ist auf neue tat-

sächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfahren 

vorgetragen werden (DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher 

Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 82 N 10 f., mit Hinweisen). 

 

2.2 Sachverhalt gemäss Anklage 

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. 2 der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 

1. Dezember 2020 (nachfolgend: Anklageschrift) betreffend den Raub Folgendes zur Last ge-

legt: Der Beschuldigte habe sich am Abend des 22. Februar 2017 zusammen mit G.____ und 

H.____ nach einem gemeinsam gefassten Tatentschluss und einem gemeinsam zurechtgeleg-

ten Tatplan von zwei unbekannt gebliebenen männlichen Personen in einem unbekannten Per-

sonenwagen in die Nähe des späteren Tatorts an der V.____strasse in W.____ fahren lassen. 

An dieser Adresse habe sich der damalige Wohnort von B.____ befunden, einem Bekannten 

von H.____. Diese habe bei B.____ in der Vergangenheit bereits mehrfach Marihuana bezogen. 

Der Beschuldigte, G.____ und H.____ sollen sich gemeinsam und im Wissen darum, dass 

B.____ eine grössere Menge Marihuana in einem grünen Schränklein in seiner Maisonettewoh-

nung aufbewahrt habe, und mit dem Vorsatz und der Absicht, B.____ unter Androhung respek-

tive Anwendung von Gewalt Bargeld und – sofern vorhanden – weitere Vermögenswerte zu 

entwenden sowie eine grössere Menge Marihuana zur Weiterveräusserung und für den Eigen-

konsum mitgehen zu lassen, zur Wohnung von B.____ begeben haben. Als H.____ unter dem 

Vorwand, von B.____ Marihuana kaufen zu wollen, in das Treppenhaus Einlass gewährt wor-

den sei, sollen auch der Beschuldigte und G.____ dieses betreten und anschliessend im Keller 

des Wohnhauses gewartet haben. Nach etwa 10 Minuten sollen sie sich maskiert, Latexhand-

schuhe angezogen und dann vor der Wohnung von B.____ positioniert haben. H.____ habe 

entweder den Beschuldigten oder G.____ per SMS darüber informiert, dass sich zwei Personen 

in der Wohnung von B.____ aufhielten.  

 

Eventualiter habe H.____ diese SMS versendet, während der Beschuldigte und G.____ 

draussen vor der Türe gewartet, erst auf die entsprechende Mitteilung von H.____ das Trep-

penhaus durch die unverschlossene Haupteingangstüre betreten und sich in den obersten 

Stock begeben haben sollen, während sie sich vermummten und Latexhandschuhe anzogen.  

 

H.____ habe dem Beschuldigten und G.____ anschliessend die Wohnungstüre geöffnet. Der 

Beschuldigte und G.____ seien daraufhin, beide mit Pfefferspray bewaffnet, gegen den Willen 

von B.____ in dessen zweistöckige Wohnung eingedrungen und sollen sich direkt in die obere 

Etage begeben haben. B.____ sei in diesem Moment die Treppe heruntergekommen. Der Be-

schuldigte habe B.____ auf der Treppe gepackt, weshalb es zu einem Gerangel gekommen sei. 

Während der Beschuldigte B.____ im Würgegriff gehalten habe, habe er ihn ausserdem aufge-

fordert, ihm Geld und/oder "Gras" (Marihuana) zu geben. G.____ habe sich währenddessen mit 

dem in der zweiten Etage der Wohnung befindlichen D.____ beschäftigt und dessen Mobiltele-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 9  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

fon der Marke Samsung, GT9100, im Wert von Fr. 200.-- sowie dessen Portemonnaie inklusive 

der ldentitätskarte, einer Maestro-Karte, einer Bankkundenkarte, des AHV-Ausweises und des 

Swiss-Pass im Gesamtwert von Fr. 245.-- entwendet. G.____ habe schliesslich ein mit rund 300 

Gramm Marihuana gefülltes Behältnis ("Sack") in einem grünen Schränklein entdeckt und an 

sich genommen. lm Anschluss daran sollen der Beschuldigte und G.____ gemäss dem zuvor 

gemeinsam gefassten Tatentschluss in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht von B.____ zu-

dem ein Portemonnaie inklusive einer Postbankkarte, einem Halbtax, einem Monats-GA, einer 

ldentitätskarte sowie Bargeld in der Höhe von Fr. 20.-- bis Fr. 30.-- und ferner einen Rucksack 

erbeutet und die Wohnung samt dem Deliktsgut im Gesamtwert von ca. Fr. 620.-- und dem 

"Sack" mit ca. 300 Gramm Marihuana verlassen haben. Nach der Tat sollen sich der Beschul-

digte, G.____ und H.____ an der X.____strasse in Y.____ getroffen haben, wo sie das entwen-

dete Marihuana unter sich und einem unbekannten Chauffeur aufgeteilt haben sollen.  

 

2.3 Erwägungen der Vorinstanz 

2.3.1 Die Vorinstanz erachtet es nach eingehender Würdigung der Aussagen aller involvierten 

Personen als erstellt, dass sich der Raub anklagegemäss zugetragen habe. Sie legt bezüglich 

des Tatplans ergänzend dar, H.____ habe bei B.____ zunächst einen Marihuanakauf abgewi-

ckelt. Hierfür habe sie B.____ in dessen Wohnung aufgesucht, danach die beiden ausserhalb 

wartenden Beteiligten, G.____ und den Beschuldigten, per SMS über die in der Wohnung an-

wesende Anzahl Personen orientiert und ihnen anschliessend Zutritt zur Wohnung verschafft. 

Zu Gunsten des Beschuldigten geht die Vorinstanz davon aus, dass G.____ Initiator und trei-

bende Kraft bei der Tatplanung gewesen sei. Sie führt ferner aus, der gemeinsam gefasste Tat-

plan habe sowohl die Möglichkeit der Gewaltanwendung als auch die Erbeutung von Marihuana 

sowie von Geld oder Wertgegenständen umfasst. So impliziere einerseits schon allein der Tat-

plan, einen Drogendealer "auszunehmen" ein solches Vorgehen. Zwar könne davon ausgegan-

gen werden, dass für den Beschuldigten die Aussicht auf Marihuana das Hauptmotiv für die 

Tatbegehung gewesen sei. Eine isolierte Absicht auf die ausschliessliche Erbeutung von Mari-

huana erscheine in der vorliegenden Konstellation aber lebensfremd. Die Beteiligten hätten sich 

nicht darauf verlassen können, dass eine blosse Einschüchterung ihrer Opfer genügen würde, 

um ihr angestrebtes Ziel durchzusetzen. Zudem sei ihnen nach der von H.____ versandten 

SMS bewusst gewesen, dass sich nicht wie erwartet nur eine Person, sondern vielmehr zwei 

Personen in der Wohnung aufgehalten hätten, was die Notwendigkeit einer Gewaltanwendung 

umso wahrscheinlicher gemacht habe. Diese habe sowohl in Form des Gerangels zwischen 

dem Beschuldigten und B.____ als auch des Einsatzes von Pfefferspray durch G.____ gegen-

über D.____ stattgefunden. 

 

2.3.2 Hinsichtlich der Tatausführung kommt die Vorinstanz zum Schluss, es sei unbestritten, 

dass H.____ absprachegemäss G.____ und dem Beschuldigten Zutritt zur Wohnung verschafft 

habe. In der Wohnung sei es auf der Treppe zu einem Handgemenge zwischen dem Beschul-

digten und B.____ gekommen, welches sich schliesslich in das untere Stockwerk verlagert ha-

be. Zu Gunsten des Beschuldigten nimmt das Strafgericht ferner an, dass nicht nur der Be-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 10  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

schuldigte, sondern auch G.____ gegenüber B.____ Gewalt ausgeübt und diesem dadurch Ver-

letzungen zugefügt habe. Ebenso ist das Strafgericht der Überzeugung, dass einer der beiden 

Täter, d.h. entweder der Beschuldigte oder G.____, B.____ zur Herausgabe von Marihuana 

und/oder von Geld aufgefordert habe. Unbestritten sei zudem, dass beide Täter D.____ nach 

dessen Mobiltelefon gefragt hätten.  

 

2.3.3 Insgesamt erwägt die Vorinstanz, G.____ und der Beschuldigte hätten B.____ und 

D.____ mittels Gewalt widerstandsunfähig gemacht. G.____ soll diesen Umstand anschlies-

send dazu genutzt haben, zum Nachteil der Geschädigten zwei Portemonnaies, einen Ruck-

sack und ein Mobiltelefon an sich zu nehmen. Der Beschuldigte habe mittäterschaftlich und 

vorsätzlich daran mitgewirkt. Er habe mit der von ihm ausgeübten Gewalt einen wesentlichen 

Tatbeitrag geleistet und wissentlich und willentlich den gemeinsamen Tatplan umgesetzt, wel-

cher die Erbeutung von Bargeld und Wertgegenständen – zumindest durch einen Mittäter – 

impliziert habe. Das Strafgericht erachtet die Tatbestandsvoraussetzungen in objektiver und 

subjektiver Hinsicht als erfüllt, weshalb es den Beschuldigten des Raubes für schuldig erklärt. 

 

2.4 Standpunkt des Beschuldigten 

Der Beschuldigte bringt vor dem Kantonsgericht zusammengefasst vor, die Vorinstanz sei bei 

ihrer Beweiswürdigung von einer falschen Sachlage ausgegangen, indem sie annehme, dass 

ein "Ausnehmen eines Dealers" regelmässig auch die Mitnahme von Geld oder Wertsachen 

umfasse. Dies könne vorliegend nicht rechtsgenüglich erstellt werden. G.____ habe zwar neben 

dem Marihuana weitere Gegenstände mitgenommen, dabei handle es sich aber um einen Mittä-

terexzess. Der Beschuldigte selbst habe zu keinem Zeitpunkt einen direkten Willen gehabt, sich 

an den entwendeten Gegenständen zu bereichern. Eine Inkaufnahme, dass der Mittäter weitere 

Gegenstände als die nicht verkehrsfähigen Drogen (Marihuana) entwende, sei nicht erstellt. 

Ferner ist der Beschuldigte der Ansicht, dass er und G.____ sich deutlich länger in der Woh-

nung von B.____ aufgehalten hätten, wenn sie dort gezielt nach Wertgegenständen gesucht 

hätten. Bei der Mitnahme eines Rucksacks und weiteren Gegenständen aus der Wohnung von 

B.____ handle es sich um eine spontane und eigenständige Handlung von G.____, welche le-

diglich durch dessen Vorsatz gedeckt gewesen sei und die ihm nicht angelastet werden dürfe 

(vgl. Parteivortrag, Prot. HV, S. 2-10). 

 

2.5 Beweiswürdigung 

Folgende Beweismittel liegen vor: Die Aussagen der Privatklägerschaft B.____ und D.____ an-

lässlich deren polizeilichen Einvernahme am 23. Februar 2017 (act. 1307 ff. und 1329 ff); des 

beschuldigten G.____ anlässlich dessen polizeilicher Einvernahmen am 2. August 2017 

(act. 1343 ff.), am 23. August 2017 (act, 1363 ff.), am 31. August 2017 (act. 1389 ff.) und am 

16. Oktober 2017 (act. 1395 ff.); die Depositionen der beschuldigten H.____ anlässlich ihrer 

polizeilichen Einvernahme am 25. September 2017 (act. 1463 ff.); die Aussagen des Beschul-

digten anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme am 25.  und 26. September 2017 

(act. 1409 ff.) sowie der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme am 5. August 2019 (act. 59 ff.) 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 11  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

und am 14. August 2020 (act. 75 ff), anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht 

(act. S 243 ff.) sowie anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht (Prot. HV); die 

Ausführungen aller drei beschuldigten Personen anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Kon-

frontationseinvernahme am 7. Januar 2019 (act. 1491 ff.). Ebenso sind die in den Akten befind-

lichen Polizeirapporte der Polizei Luzern beachtlich (act. 1163 ff., insbesondere die Arztberichte 

über die Verletzungen von B.____ ab act. 1277 ff.). Schliesslich dienen der Arztbericht von 

I.____ vom 25. September 2019 (act. 147 ff) sowie das forensich-psychiatrische Gutachten von 

J.____ vom 6. April 2020 (act. 165 ff) als Sachbeweise. 

 

3. Sachverhalt 

Die Vorinstanz hat im angefochtenen Urteil die Aussagen der beteiligten Personen, d.h. der 

beiden Geschädigten B.____ und D.____ (Ziff. I.2.2.2 und 2.2.3, S. 5), von H.____ und G.____ 

(Ziff. I.2.2.4 und 2.2.5, S. 6, 7) sowie des Beschuldigten (Ziff. I.2.2.6, S. 8, 9) vollständig darge-

legt und auch korrekt gewürdigt (Ziff. l.2.2.7a, S. 10-11 sowie Ziff. l.2.2.7b und 2.3.1, S. 12-13), 

worauf im Sinne von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich verwiesen werden kann. Die nachfol-

genden Ausführungen dienen der Präzisierung und Hervorhebung. 

 

3.1 Tatplanung 

3.1.1 Hinsichtlich des rechtserheblichen Sachverhalts ist zunächst erstellt, dass der Beschul-

digte im Rahmen der Tatplanung aufgrund der diversen, zwischen ihm, G.____ und H.____ 

stattgefundenen Treffen eindeutig gewusst hat, dass es sich bei B.____ um einen Drogendealer 

handelte: Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen aller drei beteiligten Täter hat H.____ 

bei B.____ in der Vergangenheit des Öfteren Marihuana bezogen und sowohl dem Beschuldig-

te als auch G.____ ist dies im Vorfeld der Tat bekannt gewesen (act. 1365, 1429, 1445). Immer 

wieder ist bei den gemeinsamen Treffen darum auch davon die Rede gewesen, dass bei 

B.____ "etwas zu holen" sei und man diesen "ausnehmen" könne (act. 1365, 1429). Der Be-

schuldigte hat ferner unstrittig davon gewusst, dass B.____ in seiner Wohnung in einem grünen 

Schränklein eine beträchtliche Menge Marihuana, vorliegend einen "Sack", aufbewahrt hat 

(act. 1365, 1431; Prot. HV, S. 29).  

 

Ebenfalls ist erstellt, dass die gemeinsame Tatplanung darin bestanden hat, dass H.____ am 

Tatabend als Lockvogel dienen, dazu als erste die Wohnung von B.____ betreten und sich dort 

rund 20 Minuten zwecks Drogenkaufs aufhalten sollte. Sie sollte anschliessend darüber per 

SMS informieren, wieviele Personen sich in der Wohnung befinden (act. 1383, 1431). Der Be-

schuldigte hat zugestanden, bei diesem Plan mitzumachen (act. 1429). Ebenso hat zur weiteren 

Tatplanung gehört, sich zu maskieren und Latexhandschuhe zu tragen, woran sich der Be-

schuldigte sogar aktiv beteiligt hat, indem er die Handschuhe organisiert hat und sowohl der 

Beschuldigte als auch G.____ die Masken bereits vor der Tat anprobiert haben (act. 1365, 

1385, 1445, 1513, 1479).  

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 12  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

3.1.2 Der Beschuldigte bestreitet hingegen, der Tatplan habe neben dem Entwenden von Ma-

rihuana auch die Mitnahme von Drogengeld oder anderer Wertsachen umfasst und es habe 

auch keine grundsätzliche Bereitschaft zur Gewaltanwendung bestanden. Dazu ist, ergänzend 

zu den ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz, auf welche hier gestützt auf Art. 82 Abs. 4 

StPO zu verweisen ist, Folgendes zu konstatieren:  

 

Zu Gunsten des Beschuldigten ist im Einklang mit der Vorinstanz zwar davon auszugehen, 

dass G.____ Initiator und treibende Kraft bei der Tatplanung gewesen ist. Schon nur gestützt 

auf die übereinstimmenden Depositionen aller Beteiligten hat der gemeinsam gefasste Tatplan 

aber mitunter wörtlich das umfassende "Ausnehmen" eines Drogendealers anvisiert (act. 1365, 

1429, 1501). Bereits aus den Depositionen der Beteiligen erhellt, dass der Tatplan augen-

scheinlich nicht die explizite Abmachung beinhaltet hat, im Haus, in welchem mit Marihuana 

gehandelt worden ist, ausschliesslich Marihuana zu entwenden, in jedem Fall aber etwaiges 

Bargeld oder andere Werteggenstände dort zurück zu belassen. Dass sich in Wohnungen, in 

denen solche Mengen Marihuana wie vorliegend aufbewahrt werden, um dieses an Käufer, die 

im Haus – wie am Tatabend H.____ – ein- und ausgehen, gegen Geld abzugeben, in der Regel 

denn auch Geld befindet, hat der Beschuldigte fraglos gewusst. Hinzu kommt, dass G.____ 

nach eigenen Angaben Geldprobleme gehabt hat (act. 1389) und der Beschuldigte zudem de-

poniert hat, zu früheren Zeitpunkten mit G.____ delinquiert zu haben (act. 1419). Es erscheint 

klar lebensfremd, dass die Mitnahme von Geld oder Wertgegenständen nicht vom Tatplan er-

fasst gewesen sein soll. Dies wird zudem dadurch bekräftigt, dass der Beschuldigte und G.____ 

wie dargelegt geplant haben, sich zu maskieren und Handschuhe zu tragen, und der Beschul-

digte demnach weder erkannt werden noch Spuren hinterlassen wollte. 

 

Der Beschuldigte hat ferner im Vorfeld der Tatausführung seine Soft-Air-Pistole bereitgestellt, 

um diese bei der Tat zu Einschüchterungszwecken einsetzen zu können (act. S 271, 1515). Er 

hat ausserdem bestätigt, dass die Idee einer Fesselung mit Kabelbindern diskutiert worden sei 

(act. 1453), was indiziell dafürspricht, dass die grundsätzliche Bereitschaft zu einer umfassen-

den Gewaltanwendung bestanden hat. Die Beteiligten haben sich in Anbetracht der Gesamt-

umstände nicht darauf verlassen können, dass blosse Einschüchterungen genügen, um ihr 

Vorhaben umzusetzen.  

 

3.1.3 Insofern ist für das Kantonsgericht in Einklang mit der Vorinstanz erstellt, dass die An-

wendung von Gewalt zumindest in Kauf genommen worden ist und nebst der Erbeutung des 

Marihuanas zweifelsohne auch die Mitnahme von Geld und Wertgegenstände vom Tatplan mit 

umfasst gewesen ist. 

 

3.2 Tatausführung 

3.2.1 Bezüglich der Tatausführung ist aufgrund aller vorliegenden und diesbezüglich überein-

stimmenden Aussagen als erstellt zu erachten, dass H.____ gemäss dem Tatplan tatsächlich 

die Wohnung von B.____ als Erste betreten und sich dort gemeinsam mit B.____ und D.____ 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 13  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

rund 20 Minuten aufgehalten hat. Sie hat anschliessend von dort aus G.____ oder den Be-

schuldigten mittels SMS darüber informiert, dass sich, nicht wie erwartet nur B.____, sondern 

zwei Personen in der Wohnung befunden haben, und sie hat schliesslich die Wohnungstüre 

geöffnet. G.____ und der Beschuldigte haben die Wohnung sodann betreten, und zwar, eben-

falls wie geplant, maskiert und mit Latexhandschuhen behändigt (act. 1313, 1315, 1333, 1365, 

1431, 1433,1469). 

 

3.2.2 Schliesslich ist ebenfalls erwiesen, dass B.____ am Tatabend diverse Verletzungen an 

Füssen, Kopf, Gesicht und Hals erlitten hat (act. 1281) und dass am Tatort diverse Wertgegen-

stände entwendet worden sind (act. 1319, 1335). 

 

3.2.3 Sofern der Beschuldigte in seiner Berufung moniert, er habe auch im Rahmen der Tat-

ausführung keine Gewalt angewendet, ist im Gegenteil festzustellen, dass sowohl von Seiten 

des Beschuldigten als auch von G.____ von Anfang an eine grundsätzliche Bereitschaft zur 

Gewaltanwendung bestanden hat. Dies hat sich zunächst wie bereits dargelegt in der sowohl 

geplanten und sodann auch tatsächlich erfolgten Mitnahme einer Soft-Air-Pistole niederge-

schlagen. Diese Pistole hat nach Angaben des Beschuldigten in dessen Eigentum gestanden, 

er hat sie lediglich aus Panik im Auto vergessen und darum nicht mit in die Wohnung von 

B.____ mitgenommen (act. 1515).  

 

Weiter haben der Beschuldigte und G.____ sowohl B.____ als auch D.____ sofort nach dem 

Betreten der Wohnung körperlich angegriffen: In diesem Zusammenhang decken sich die De-

positionen von G.____ sowohl mit denjenigen des Beschuldigten als auch des Geschädigten. 

Demnach hat sich der Beschuldigte direkt über die Wendeltreppe nach oben in den zweiten 

Stock der Maisonettewohnung begeben, als B.____ diese im selben Moment heruntergekom-

men ist. In der Folge sind beide auf der Treppe aneinandergeraten und diese zusammen hin-

abgestürzt. Am Fusse der Treppe, d.h. im unteren Stockwerk der Wohnung, ist es in der Folge 

zu einem Gerangel gekommen, bei welchem der Beschuldigte B.____ mehrere Sekunden im 

Würgegriff gehalten hat, bis dieser keine Luft mehr bekommen hat. B.____ hat sich dabei ve-

hement gewehrt, den Beschuldigten in die Hand gebissen und auch einen Taser gegen ihn ein-

gesetzt, woraufhin der Beschuldigte die Hand von B.____ mehrmals auf den Boden geschlagen 

hat. Während dieses Kampfes in der unteren Etage hat sich G.____ zunächst über die Treppe 

nach oben begeben wollen, wo sich D.____ befunden hat. Er ist dem Beschuldigten aber zu-

rück zur Hilfe geeilt, als dieser getasert worden ist, hat B.____ nach eigenen Angaben ebenfalls 

in den Schwitzkasten genommen und ihm den Taser erneut aus der Hand geschlagen. B.____ 

ist im Zuge dieser Auseinandersetzungen nachweislich verletzt worden und hat deponiert, 

Schläge mit der Faust und/oder einem Pfefferspray erhalten zu haben. Wie bereits die Vo-

rinstanz zutreffend darlegt, hat B.____ zwar nicht von zwei Kontrahenten in diesem Gerangel 

gesprochen, was jedoch damit erklärt werden kann, dass er im Würgegriff allenfalls nicht mehr 

die Übersicht gehabt hat, um die allfällige Einwirkung des zweiten maskierten Täters zu erken-

nen. Sodann hat sich G.____ nach oben begeben und Pfefferspray gegen den dort befindlichen 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 14  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

D.____ eingesetzt, woraufhin dieser auf einem Sofa oder einer Matratze zusammengesackt ist. 

D.____ hat sich gemäss den übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten stets in der oberen 

Etage befunden. Unklar bleibt, ob der Beschuldigte oder G.____ B.____ wieder nach oben ge-

schleppt hat, da beide ausgesagt haben, B.____ habe am Ende des Überfalls im oberen 

Stockwerk auf dem Sofa gelegen. Dieser hat zudem selbst deponiert, nicht zu wissen, wie er 

wieder nach oben gekommen sei. H.____ und auch D.____ haben hingegen ausgesagt, dass 

B.____ nach dem Überfall, d.h. nachdem G.____ und der Beschuldigte die Wohnung bereits 

verlassen hatten, am Fusse der Treppe in der unteren Etage gelegen habe (zum Ganzen vgl. 

act. 1313, 1315, 1333, 1335, 1367, 1433, 1435, 1471, S 273).  

 

3.2.4 Gestützt auf diese Depositionen erachtet es das Kantonsgericht als erstellt, dass der 

Beschuldigte gewaltbereit gewesen ist und im Rahmen der Tatausführung auch tatsächlich 

Gewalt gegen B.____ angewendet hat.  

 

3.2.5 Sofern der Beschuldigte schliesslich geltend macht, er habe im Rahmen der Tatausfüh-

rung weder Geld noch Wertgegenstände entwendet, ist Folgendes festzustellen: G.____ und 

der Beschuldigte beschuldigen sich gegenseitig, B.____ nach "Geld oder Gras" gefragt und von 

diesem und auch von D.____ die Portemonnaies und ein Mobiltelefon entwendet zu haben. 

B.____ hat dargelegt, er sei nur von einem der beiden Täter geschlagen worden und dieser 

habe von ihm, währendem er im Schwitzkasten gehalten worden sei, "Geld oder Gras oder bei-

des" verlangt (act. 1315). Gemäss den vorstehend dargelegten Depositionen sowohl von 

G.____ als auch des Beschuldigten haben aber beide mit B.____ im Erdgeschoss gerungen 

und ihn abwechselnd im Schwitzkasten gehalten. G.____ hat behauptet, gehört zu haben, dass 

der Beschuldigte B.____ gefragt habe, wo "das Geld und der Rest" sei (act. 1369), er hat zu 

einem späteren Zeitpunkt jedoch geltend gemacht, den Beschuldigten nur belastet zu haben, 

weil dieser ihn ebenfalls belaste (act. 1525) Der Beschuldigte bestreitet vor den Schranken des 

Kantonsgerichts vehement, dies gesagt zu haben (Prot. HV, S. 39).). In Anbetracht dieser Um-

stände und der Tatsache, dass B.____ nach eigenen Angaben einen Filmriss erlitten hat 

(act. 1313), kann nicht genau eruiert werden, wer diese Worte B.____ gegenüber nun tatsäch-

lich geäussert hat. Zumindest hat G.____ gestanden, den Rucksack von B.____ in der unteren 

Etage entdeckt und mitgenommen zu haben (act. 1369), weshalb ihm diese Wegnahme auch 

eindeutig zuzuschreiben ist. 

 

Ferner soll D.____ von derjenigen Person seines Portemonnaies und seines Handys entledigt 

worden sein, die ihn im oberen Stockwerk zuerst nach dem Mobiltelefon gefragt und ihn an-

schliessend durchsucht haben soll. Diese Person hatte gemäss den Depositionen von D.____ 

blonde Haare und grün-graue Augen (act. 1333). Zwar hat auch der Beschuldigte deponiert, 

sich in die obere Etage begeben und D.____ zweimal nach dessen Handy gefragt zu haben, 

dies allerdings nur deshalb, weil er eine Verständigung der Polizei habe verhindern wollen 

(act. 1433). Wie sich aus den Akten und dem persönlichen Auftreten des Beschuldigten an der 

Hauptverhandlung ergibt, hat dieser dunkles Haar und dunkle Augen, weshalb das Kantonsge-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 15  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

richt aufgrund der glaubhaften Aussage des Geschädigten davon ausgeht, dass es sich dabei 

um G.____ gehandelt hat. Dieser hat zudem erklärt, in anderen Zimmern nach etwas "zum Mit-

nehmen" Ausschau gehalten zu haben, woraus erhellt, dass er an der Entwendung von Wert-

gegenständen interessiert gewesen ist (act. 1369).  

 

3.4 Gestützt auf das Dargelegte erhellt, dass die bereits zum Tatplan gehörende Entwen-

dung von Geld sich auch in der Tatausführung niedergeschlagen hat, indem – neben dem Ma-

rihuana – zwei Portemonnaies, ein Rucksack sowie ein Mobiltelefon erbeutet worden sind. 

Dass der Beschuldigte sich eigenhändig an der Wegnahme dieser Wertgegenstände beteiligt 

hat, kann zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden. Der Sachverhalt betreffend die Tatpla-

nung als auch die Tatausführung bezüglich der Wegnahme ist aber eindeutig erstellt. 

 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1  

4.1.1 Des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer mit Gewalt gegen 

eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben oder nachdem er 

den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht. Nach der bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung stellt der Raubtatbestand eine in Diebstahlsabsicht begange-

ne qualifizierte Nötigung dar, um damit eine Eigentumsverschiebung herbeizuführen. Die Ge-

walt muss darauf gerichtet sein, den Widerstand des Opfers zu brechen. Den Grundtatbestand 

erfüllt bereits, wer das Opfer durch Gewalt veranlasst, die Wegnahme einer Sache zu dulden. In 

subjektiver Hinsicht verlangt der Tatbestand – über die Diebstahlsabsicht hinaus – Vorsatz, der 

sich auf die Ausführung der Nötigungshandlung gegenüber dem Opfer zum Zwecke eines 

Diebstahls bezieht. Der Täter muss also die Wegnahme der Sache erzwingen wollen oder zu-

mindest in Kauf nehmen, dass er den Widerstand des Opfers durch die ausgeübte Gewalt 

bricht (BGE 133 IV 207 E. 4.2; BGer 6B_787/2019 vom 24. Oktober 2019 E. 1.1; je mit Hinwei-

sen). Als zusammengesetztes, zweiaktiges Delikt setzt der Tatbestand von Art. 140 Ziff. 1 StGB 

voraus, dass zum Zwecke der Begehung des Diebstahls eine qualifizierte Nötigung begangen 

wird. Das Gesetz nennt alternativ drei Nötigungshandlungen, namentlich Gewalt gegen eine 

Person, Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben sowie das Bewirken der Wider-

standsunfähigkeit (MARCEL ALEXANDER NIGGLI/CHRISTOF RIEDO, Basler Kommentar Strafrecht II, 

4. Aufl. 2019, Art. 140 N 14 ff.). Die Tatbestandsvariante der Gewalt wird als die unmittelbare 

physische Einwirkung auf den Körper einer Person verstanden (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 140 

N 20, mit weiteren Hinweisen). 

 

4.1.2 Einen Diebstahl begeht, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung 

wegnimmt, um sich oder einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern. Eine Sache ist 

fremd, wenn sie im Eigentum einer anderen Person als des Täters steht. Mangelnde Verkehrs-

fähigkeit schliesst die Fremdheit einer Sache aus. Betäubungsmittel, die nicht in legalem Besitz 

sind, sind nicht verkehrsfähig und können nicht Gegenstand eines Diebstahls sein (vgl. BGE 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 16  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

132 IV 5 E. 3.3; 124 IV 102 E. 2; 122 IV 179 E. 3; BGer 1B_109/2017 vom 6. April 2017 E. 3). 

Ferner bedeutet nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung Aneignung, dass der Täter die 

fremde Sache oder den Sachwert wirtschaftlich seinem eigenen Vermögen einverleibt, sei es, 

um sie zu behalten, zu verbrauchen oder an einen anderen zu veräussern. Der Täter muss ei-

nerseits gewillt sein oder zumindest in Kauf nehmen, dass durch sein Verhalten der bisherige 

Eigentümer dauerhaft vom Zugriff auf die Sache ausgeschlossen und damit enteignet wird. An-

derseits muss er die Sache zumindest vorübergehend für eigene Zwecke benutzen wollen und 

damit den Willen auf Zueignung haben. Dabei genügt aber nicht, dass der Täter den Aneig-

nungswillen hat; er muss ihn vielmehr auch durch eine äusserlich erkennbare Handlung betäti-

gen (BGE 129 IV 223 E. 6.2.1; 121 IV 23 E. 1c; 118 IV 148 E. 2a). Da für die Aneignung neben 

der dauernden Enteignung die bloss vorübergehende Zueignung ausreicht, muss der Täter 

nicht vorhaben, die weggenommene Sache zu behalten (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 139 N 67). 

Bei Behältnissen, die nur wegen ihres Inhaltes mitgenommen werden, kann der Wille zur dau-

ernden Enteignung fehlen, wenn etwa das Behältnis nach Gebrauch weggeworfen wird. Mass-

geblich ist allemal, worauf es dem Täter ankam (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 137 N 37, wonach 

dauerhafte Enteignung zu bejahen ist, wenn das Behältnis auch dem zwischenzeitlichen Trans-

port dienen soll). 

 

4.1.3 Subjektiv bedarf der Diebstahl zunächst des Vorsatzes, der sich auf alle objektiven Tat-

bestandselemente beziehen muss. Weiter ist die Absicht erforderlich, sich die Sache anzueig-

nen und sich unrechtmässig zu bereichern. Diese hat mithin nur derjenige, der mit dem eigentli-

chen Ziel der unrechtmässigen Bereicherung handelt, bei dem die Handlung gerade diese un-

rechtmässige Bereicherung anstrebt, oder anders: derjenige, der direkten Vorsatz ersten Gra-

des hinsichtlich der Bereicherung aufweist (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Vor Art. 137 N 77). Als Berei-

cherung gilt jede wirtschaftliche Besserstellung im Sinne des strafrechtlichen Vermögensbegrif-

fes, auch wenn sie bloss vorübergehend sein sollte (STEFAN TRECHSEL/DEAN CRAMERI, Praxis-

kommentar StGB, 4. Aufl. 2021, Vor Art. 137 N 12; NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Vor Art. 137 N 78). 

 

4.2  

4.2.1 Die Mittäterschaft ist gesetzlich nicht geregelt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Delikts vorsätz-

lich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, sodass er als Hauptbetei-

ligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkre-

ten Falls und dem Tatplan für die Ausführung des Delikts so wesentlich ist, dass sie mit ihm 

steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung 

von Mittäterschaft nicht. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen 

Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Tatbestandsmässige Ausführungs-

handlungen sind keine notwendige Voraussetzung für die Annahme von Mittäterschaft (vgl. 

BGE 143 IV 361 E. 4.10 f.; 135 IV 152 E. 2.3.1; BGer 6B_1206/2018 vom 17. Mai 2019 

E. 2.3.3; 6B_712/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.3.2, nicht publ. in BGE 144 IV 198; je mit Hinwei-

sen;).  

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 17  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

4.2.2 Das mittäterschaftliche Zusammenwirken setzt einen gemeinsamen Entschluss voraus, 

der jedoch nicht ausdrücklich bekundet werden muss. Es genügt, wenn er konkludent zum 

Ausdruck kommt. Dabei ist nicht erforderlich, dass der Mittäter bei der Entschlussfassung mit-

wirkt, sondern es reicht aus, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht, 

was auch während laufender Tatausführung geschehen kann (BGE 118 IV 227 E. 5d/aa; 135 IV 

152 E. 2.3.1 [wonach Eventualvorsatz genügt]; vgl. auch STEFAN TRECHSEL/CHRISTOPHER 

GETH, Praxiskommentar StGB, 4. Aufl. 2021, Vor Art. 24 N 13). Die Inkaufnahme durch Billigen 

oder Einverständnis im Sinne des Eventualvorsatzes erfasst auch den unerwünschten, aber um 

des Handlungsziels willen hingenommenen Erfolg (BGer 6B_79/2016 vom 16. Dezember 2016 

E. 2.3.4; 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 3.2; 6B_939/2013 vom 17. Juni 2014 E. 2; je mit 

Hinweis).  

 

4.2.3 In Mittäterschaft begangene Tatbeiträge werden jedem Mittäter zugerechnet (BGE 143 

IV 361 E. 4.10; BGer 6B_1437/2020 vom 22. September 2021 E. 1.2.2; 6B_338/2020 vom 

3. Februar 2021 E. 3.2.4; je mit Hinweisen). Die Willensübereinstimmung kann irgendwie her-

gestellt werden und eine besondere Verabredung ist nicht erforderlich. Mittäterschaft kann so-

mit durch die tatsächliche Mitwirkung bei der Ausführung begründet werden, weshalb sie auch 

an spontanen, nicht geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten möglich ist (BGer 

6B_699/2018 vom 7. Februar 2019 E. 3.3.2; 6B_473/2012 vom 21. Februar 2013 E. 1.5). Für 

die Zurechnung der Tatbeiträge ist grundsätzlich unerheblich, ob im Einzelnen geklärt ist, wer 

welchen Erfolg tatsächlich herbeigeführt hat, solange die Tatbeiträge vom gemeinschaftlichen 

Tatplan umfasst sind. Darüber hinaus hält das Bundesgericht fest, dass "selbst Abweichungen 

vom geplanten Geschehen als noch vom Tatplan abgedeckt" erachtet werden könnten, "soweit 

mit ihnen bei der Tatausführung zu rechnen war und sie den Schweregrad der Tat nicht wesent-

lich verändern" (vgl. dazu BGer 6B_699/2018 vom 7. Februar 2019 E. 3.4; zum Ganzen auch 

TRECHSEL/GETH, a.a.O., Vor Art. 24 N 13b). Der Mittäter haftet jedoch nur bis zur Grenze seines 

Vorsatzes, während ihm die als Exzess zu qualifizierende Begehung eines von diesem Vorsatz 

nicht erfassten schwereren Delikts durch einen anderen Beteiligten nicht zurechenbar ist (BGE 

118 IV 227 E. 5d/cc). Wie erwähnt, kann sich aber ein Beteiligter auch den auf eine solche 

Handlung gerichteten weitergehenden Vorsatz noch nachträglich im Sinne sukzessiver Mittäter-

schaft zu eigen machen.  

 

4.3  

4.3.1 Die im angefochtenen Urteil vorgenommene rechtliche Würdigung (vgl. angefochtenes 

Urteil Ziff. I.2.3, S. 13), auf die vollumfänglich verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO), ist 

nicht zu beanstanden. Nochmals hervorzuheben und zu betonen ist, dass für das Kantonsge-

richt ausser Frage steht, dass sowohl G.____ als auch der Beschuldigte bei B.____ im Zuge 

des Gerangels am Fusse der Treppe durch das wechselseitige Würgen am Hals und der damit 

verhinderten Luftzufuhr Gewalt angewendet und B.____ dadurch widerstandsunfähig gemacht 

haben. Ob B.____ einen Taser behändigt und gegen den Beschuldigten eingesetzt hat, kann 

mangels Relevanz für die Tatbestandsmässigkeit offengelassen werden. Wie die Vorinstanz 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 18  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

korrekt ausführt, hat das Gerangel zwischen dem Beschuldigten und B.____ sofort und unmit-

telbar nach dem Betreten der Wohnung auf der Treppe begonnen und damit noch bevor B.____ 

den Taser überhaupt eingesetzt hat. Ferner hat G.____ wie dargelegt im oberen Stockwerk der 

Wohnung Pfefferspray gegen D.____ eingesetzt, woraufhin diese zusammengesackt und eben-

falls widerstandsunfähig auf einer Matratze liegengeblieben ist. D.____ ist ausserdem von 

G.____ immer wieder mit dem Gesicht in die Matratze gedrückt und am Aufstehen gehindert 

worden. 

 

4.3.2 Diese qualifizierten Nötigungen sowohl an B.____ als auch an D.____ haben denn auch 

einzig zum Zwecke der Begehung des Diebstahls gedient, nämlich B.____ – neben Marihuana 

– ein Portemonnaie und einen Rucksack sowie D.____ ein Portemonnaie und ein Mobiltelefon 

zu entwenden. Selbst wenn die Initiative für die Wegnahme der Portemonnaies, des Mobiltele-

fons und des Rucksacks am Tatort von G.____ ausgegangen ist, ist aufgrund der gesamten 

Umstände davon auszugehen, dass der Beschuldigte dieses Verhalten – soweit nicht sowieso 

vom gemeinsamen Tatentschluss, einen Dealer "auszunehmen" getragen – gebilligt und den 

Tatvorsatz mindestens konkludent, spätestens während der laufenden Tatausführung über-

nommen hat. Dabei hat – mit Ausnahme des entwendeten Mobiltelefons, welches nur deshalb 

entwendet worden ist, damit nicht die Polizei informiert werden konnte – auch eine unrechtmäs-

sige Bereicherungsabsicht bestanden. Dass der von G.____ entwendete Rucksack einzig als 

Transportmittel für das Marihuana und die weiteren Gegenstände gedient hat, ist nach dem 

oben Dargelegten (E. 4.1.2) ohnehin unerheblich. Insgesamt haben damit beide Täter über län-

gere Zeit Gewalt angewendet, nämlich so lange, bis sie die Wohnung von B.____ unter Mit-

nahme des Marihuanas und der genannten Wertgegenstände schliesslich wieder verlassen 

haben. Der Beschuldigte ist ferner gewillt gewesen bzw. hat zumindest in Kauf genommen, 

dass die bisherigen Eigentümer dauerhaft vom Zugriff auf ihre Wertgegenstände ausgeschlos-

sen werden, auch wenn die Zueignung – zumindest hinsichtlich des Rucksacks – lediglich vo-

rübergehend gewesen sein mag. 

 

4.3.3 Der Beschuldigte hat an diesem Raub mittäterschaftlich mitgewirkt. Er hat fraglos einen 

wesentlichen Tatbeitrag gesetzt und wissentlich und willentlich einen gemeinsamen Tatplan 

umgesetzt. Auch wenn ihm nicht nachgewiesen werden kann, eigenhändig Wertgegenstände 

oder Geld aus der Wohnung von B.____ entwendet zu haben, dies vielmehr durch G.____ er-

folgt ist, so hat er doch im Rahmen der Tatplanung darum gewusst, dass sich in der Wohnung 

Marihuana und Geld befindet, er hat im Rahmen der Tatausführung die Latexhandschuhe be-

sorgt und insbesondere hat er, nachdem H.____ mitgeteilt hat, dass sich zwei Personen in der 

Wohnung befinden, trotzdem maskiert die Wohnung zusammen mit G.____ betreten. Dieser 

Tatbeitrag ist so wesentlich, dass er im Kontext des Geschehens als Mittäter gilt – hätte er zu 

diesem Zeitpunkt entschieden, die Wohnung nicht zu betreten, wäre auch G.____ kaum alleine 

hineingegangen. Damit steht und fällt die Ausführung des Deliktes mit dem Tatbeitrag des Be-

schuldigten. Wie dargelegt, sind überdies auch tatbestandsmässige Ausführungshandlungen 

keine notwendige Voraussetzung für die Annahme von Mittäterschaft. Im Übrigen indiziert das 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 19  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Verhalten des Beschuldigten in keiner Art und Weise, dass er sich vom Tun des G.____ habe 

deutlich distanzieren wollen. Das Kantonsgericht ist dabei wie auch die Vorinstanz davon über-

zeugt, dass für den Beschuldigten wohl die Mitnahme des Cannabis im Vordergrund gestanden 

hat, aber ebenso auch davon, dass die Mitnahme von Bargeld und/oder anderer Wertgegen-

ständen aus der Wohnung von B.____ von einem gemeinsamen gefassten Entschluss getragen 

worden ist, wenn auch allenfalls spontan. Nach den Darlegungen in Erwägung 4.2.3 sind selbst 

Abweichungen von geplanten Geschehen noch vom Tatplan gedeckt, wenn bei der Tatausfüh-

rung damit zu rechnen gewesen ist, dass sich Wertgegenstände in der Wohnung von B.____ 

befunden haben und diese schliesslich auch entwendet worden sind, was in casu zweifellos 

zutrifft. Anzeichen für einen Fall von Mittäterexzess liegen klarerweise nicht vor, womit die 

Handlungen von G.____ fraglos auch dem Beschuldigten zuzurechnen sind. 

 

4.4 Demnach hat sich der Beschuldigte des Raubes in Mittäterschaft gemäss Art. 140 Ziff. 1 

StGB schuldig gemacht. Die Berufung des Beschuldigten erweist sich somit in diesem Punkt als 

unbegründet und ist demzufolge abzuweisen. 

 

 

III. Strafzumessung 

1. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch, sind die weiteren nicht angefochtenen 

Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu überprüfen (vgl. dazu NIKLAUS 

SCHMID, StPO Praxiskommentar, 3. Aufl. 2013, Art. 399 N 18). Auch wenn das Berufungsge-

richt nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein insgesamt neues Urteil, 

welches das erstinstanzliche ersetzt (Art. 408 StPO).  

 

2. Nach der Berufungserklärung (vgl. Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO) findet die Berufungsbe-

gründung im mündlichen oder schriftlichen Verfahren statt (vgl. Art. 405 und Art. 406 Abs. 3 

StPO). Dabei hat der Berufungskläger gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO genau anzugeben, welche 

Punkte des Entscheids er anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen 

(lit. b) und welche Beweismittel er anruft (lit. c). Dies impliziert eine Auseinandersetzung mit 

dem Entscheid und dessen Motivation. Verlangt wird damit die Angabe, wie anstelle des ange-

fochtenen vorinstanzlichen Dispositivpunkts zu entscheiden sei und aus welchen Gründen. Der 

Antrag ist, was sich ebenfalls nicht aus dem Text ergibt, soweit dies möglich ist, grundsätzlich 

zu beziffern (z.B. Angaben zum Strafmass; vgl. MARTIN ZIEGLER/STEFAN KELLER, Basler Kom-

mentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 385 N 1a). 

 

3. Der Beschuldigte begehrt, er sei vom Vorwurf des Raubes gemäss Ziff. 1.a des ange-

fochtenen Urteils freizusprechen und für die nicht angefochtenen Schuldsprüche mit einer be-

dingten Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten zu bestrafen, unter Ansetzung einer Probezeit 

von 4 Jahren. Abgesehen davon wird die Strafzumessung für den Fall der Bestätigung des 

Schuldpunktes in Bezug auf den Raub nicht beanstandet. Inwiefern die korrekt vorgenommene 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 20  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Strafzumessung der Vorinstanz fehlerhaft sein soll, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschul-

digten weder in seinen Eingaben noch im Rahmen der mündlichen Berufungsverhandlung vom 

23. Januar 2023 substantiiert dargelegt, was die festgestellte Nichtanfechtung der Bemessung 

der Strafe bei Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs bekräftigt. Die vom Strafgericht 

vorgenommene Strafzumessung braucht mithin hier nicht nochmals abgehandelt zu werden, da 

es vorliegend beim Schuldspruch wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB bleibt und auch 

die Staatsanwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung vom 13. Mai 2022 keine begründeten An-

träge hinsichtlich der Strafzumessung vorbringt. 

 

 

IV. Massnahme 

1. Allgemeine Ausführungen 

1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe allein 

nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen (lit. a), ein Behand-

lungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert (lit. b) und die 

Voraussetzungen der Artikel 59-61, 63 oder 64 erfüllt sind (lit. c). Die Anordnung einer Mass-

nahme setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Tä-

ters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnis-

mässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB; vgl. zur Verhältnismässigkeit BGE 142 IV 105 E. 5.4; 139 I 180 

E. 2.6.1; BGer 6B_92/2021 vom 30. Juni 2021 E. 2.3.1; 6B_326/2020 vom 17. April 2020 

E. 3.3.3; 6B_835/2017 vom 22. März 2018 E. 5.2.2, nicht publ. in: BGE 144 IV 176; je mit Hin-

weisen).  

 

1.2 Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das Gericht gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB 

eine stationäre Behandlung anordnen, wenn das Verbrechen oder Vergehen des Täters in Zu-

sammenhang mit seiner psychischen Störung steht (lit. a) und zu erwarten ist, dadurch lasse 

sich der Gefahr weiterer mit seiner Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen 

(lit. b). Es muss ferner eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass sich durch 

die Behandlung die Gefahr weiterer Straftaten deutlich verringern lässt (BGE 134 IV 315 

E. 3.4.1). Gemäss Art. 63 Abs. 1 Satz 1 StGB kann das Gericht anordnen, dass der psychisch 

schwer gestörte oder von Suchtstoffen abhängige Täter nicht stationär, sondern ambulant be-

handelt wird, wenn er eine mit Strafe bedrohte Tat verübte, die mit seinem Zustand in Zusam-

menhang steht (lit. a), und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zu-

stand des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen (lit. b). Sind mehrere Mass-

nahmen in gleicher Weise geeignet, ist aber nur eine notwendig, so ordnet das Gericht diejeni-

ge an, die den Täter am wenigsten beschwert (Art. 56a Abs. 1 StGB). Die ambulante Behand-

lung muss wie auch die stationäre Massnahme im Hinblick auf die Deliktsprävention Erfolg ver-

sprechen, wobei oberstes Ziel die Reduktion des Rückfallrisikos bzw. die künftige Straflosigkeit 

des Täters ist (BGE 145 IV 359 E. 2.7; 124 IV 246 E. 3.b). Die Anordnung einer stationären 

Massnahme ist unverhältnismässig und folglich unzulässig, wenn eine ambulante Behandlung 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 21  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

als mildere Massnahme für die Erreichung des verfolgten Ziels ebenfalls geeignet ist und in 

einer vernünftigeren Zweck-Mittel-Relation steht (BGer 6B_946/2019 vom 24. Januar 2020 

E. 1.2.2). Im Zweifel ist die mildere Massnahme vorzuziehen (MARIANNE HEER, Basler Kommen-

tar Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, Art. 56a N 2). Die ambulante Behandlung ist im Wesentlichen 

nichts Anderes als eine besondere Art des Vollzugs einer stationären therapeutischen Mass-

nahme, für deren Anordnung das Gesetz an die gleichen Voraussetzungen anknüpft (BGer 

6B_92/2021 vom 30. Juni 2021 E. 2.3.3; 6B_237/2019 vom 21. Mai 2019 E. 2.2.2; je mit Hin-

weisen).  

 

1.3 Eine ambulante Massnahme ist insbesondere dann zu verhängen, wenn diese von An-

fang an als zielführend und zweckmässig erscheint, um dem Täter die notwendige Behandlung 

zu verschaffen und die Legalprognose zu verbessern. Erweist sich eine solche hingegen von 

vornherein als unzweckmässig, muss das Gericht bereits im Haupturteil auf die allenfalls als 

adäquat eingestufte stationäre therapeutische Behandlung erkennen. Stellt sich die ambulante 

Massnahme erst im Nachhinein als ungenügend oder undurchführbar heraus, kann bei gege-

benen Voraussetzungen noch nachträglich eine stationäre therapeutische Massnahme ange-

ordnet werden, falls eine Behandlung weiterhin indiziert ist (vgl. Art. 63b und Art. 65 Abs. 1 

StGB; BGE 136 IV 156 E. 2.3 f.; 128 I 184 E. 2.3.2; BGer 6B_1390/2021 vom 18. März 2022 

E. 1.3.3; 6B_92/2021 vom 30. Juni 2021 E. 2.3.3). 

 

1.4 Das Gericht stützt sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Massnahme auf 

eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB). Diese äussert sich über die Notwen-

digkeit und die Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters, die Art und die Wahrscheinlich-

keit weiterer möglicher Straftaten und die Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme (Art. 56 

Abs. 3 StGB, Art. 182 StPO; BGE 146 IV 1 E. 3.1; 134 IV 315 E. 4.3.1). Dabei muss sich der 

Sachverständige insbesondere zur Art der Behandlung und der Massnahme äussern, die ihm 

am geeignetsten erscheint. Es ist jedoch Sache des Gerichts zu entscheiden, ob eine Mass-

nahme angeordnet werden soll und wenn ja, welche. Es ist nämlich nicht Aufgabe des Sach-

verständigen, sondern des Gerichts, die Rechtsfragen, die sich im Zusammenhang mit den 

fachlichen Angaben des medizinischen Sachverständigen stellen, in eigener Verantwortung zu 

entscheiden (BGer 6B_395/2021 et al. vom 11. März 2022 E. 9.1.2; 6B_1403/2020 vom 5. Mai 

2021 E. 1.1; 6B_993/2020 vom 13. Oktober 2020 E. 1.1; je mit Hinweisen; BENJAMIN 

BRÄGGER/TANJA ZANGGER, Freiheitsentzug in der Schweiz, Handbuch zu grundlegenden Fra-

gen und aktuellen Herausforderungen, 2020, S. 330 f. N 976 ff.). Das gerichtlich eingeholte 

Gutachten unterliegt grundsätzlich der freien richterlichen Beweiswürdigung. Das Gericht darf 

davon in Fachfragen jedoch nicht ohne triftige Gründe abweichen und muss Abweichungen 

begründen (BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; 141 IV 369 E. 6.1). Wenn gewichtige zuverlässig begrün-

dete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernsthaft erschüttern, 

kann das Gericht seine eigene Meinung anstelle jener des Gutachters setzen, da ansonsten 

nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts regelmässig gegen Art. 9 BV verstossen würde 

(BGE 129 I 57 E. 4). Ob ein Gutachten noch hinreichend aktuell ist, richtet sich nicht primär 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 22  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

nach dem formellen Kriterium seines Alters. Massgebend ist vielmehr, ob Gewähr besteht, dass 

sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht gewandelt hat. Entscheidend 

ist, ob die vorliegende ärztliche Beurteilung mutmasslich noch immer zutrifft, oder ob diese auf-

grund der seitherigen Entwicklung nicht mehr als aktuell bezeichnet werden kann (BGE 134 IV 

246 E. 4.3; BGer 6B_32/2019 vom 28. Februar 2019 E. 2.6.3; 6B_835/2017 vom 22. März 2018 

E. 5.3.2, nicht publ. in BGE 144 IV 176). 

 

2. Standpunkte der Parteien 

2.1 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz gestützt auf das forensisch-psychiatrische Gut-

achten von J.____ vom 6. April 2020 erwogen, dass es sich bei der beim Beschuldigten festge-

stellten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und impulsiven Aspekten um eine schwere psy-

chische Störung handle. Diese Störung sowie teilweise auch die Abhängigkeit von Cannabis 

würden mit den zu beurteilenden Verbrechen und Vergehen im Zusammenhang stehen. Es sei 

weiter auch von einer hinreichenden Geeignetheit einer stationären Massnahme auszugehen, 

wobei eine ambulante Massnahme zum heutigen Zeitpunkt nicht geeignet erscheine. Bezeich-

nenderweise sei der Beschuldigte während der Begehung der vor dem Strafgericht zu beurtei-

lenden Verbrechen und Vergehen in ambulanter Behandlung gewesen, ohne dass ihn dies von 

der Tatbegehung abgehalten hätte. Jene Behandlung habe der Beschuldigte später ersatzlos 

abgebrochen. Die Vorinstanz hat ferner von der Anordnung einer (initialen) suchtspezifischen 

Massnahme nach Art. 60 StGB abgesehen, da der Gutachter an dieser Empfehlung nicht fest-

gehalten habe. Eine Massnahme für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB sei im Hinblick auf 

die therapeutischen Möglichkeiten zwar geeignet, könne aber ab Urteilsdatum bis zum Errei-

chen des Höchstalters nur noch während rund zwei Jahren durchgeführt werden. In aller Regel 

bedürfe eine solche Massnahme einer längeren Dauer, gerade im Hinblick auf die Berufsbil-

dung und Arbeitsintegration. Diese sowie die weiteren vom Sachverständigen empfohlenen 

Therapieansätze könnten auch in einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB geleistet 

werden. Nach einem erfolgreichen Behandlungsverlauf sei auch ein Übertritt in eine weniger 

strukturierte Nachfolgeinstitution möglich. Es erscheine hingegen im Hinblick auf einen mög-

lichst erfolgreichen Verlauf abträglich, zunächst während ungefähr zwei Jahren eine Therapie in 

einer Einrichtung für junge Erwachsene anzufangen, sofern sich überhaupt eine geeignete Ein-

richtung für eine solche begrenzte Dauer finden liesse, und danach in einem anderen Setting 

eine neue Lösung zu suchen, womöglich ohne vollständig an die bis dahin erreichten Zwi-

schenerfolge anknüpfen zu können. Als einzig geeignete Massnahme erweise sich somit eine 

stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB. Diese sei auch erforderlich, zumal sich keine milde-

ren Mittel als geeignet erweisen würden. Eine stationäre Massnahme sei nicht etwa erst dann 

verhältnismässig, wenn zu erwarten sei, dass künftige Opfer von Überfällen oder häuslicher 

Gewalt schwere Körperverletzungen erleiden würden. Die Verhältnismässigkeit sei in Anbe-

tracht der hohen Rückfallgefahr und der zu erwartenden, durchaus schweren Straftaten, gege-

ben. Das Strafgericht hat für den Beschuldigten daher eine stationäre Massnahme nach Art. 59 

StGB angeordnet und den Vollzug der Freiheitsstrafe in Anwendung von Art. 57 Abs. 2 StGB 

aufgeschoben (vgl. zum Ganzen angef. Urteil, Ziff. IV, S. 34 ff.). 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 23  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

 

2.2 Der Beschuldigte begehrt im vorliegenden Berufungsverfahren die Anordnung einer 

Suchttherapie nach Art. 60 StGB oder einer ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB. Er 

trägt diesbezüglich in seinem zweitinstanzlichen Parteivortrag zusammengefasst vor, die An-

ordnung einer stationären Massnahme sei unverhältnismässig. Es seien bei ihm diverse Krank-

heitsbilder diagnostiziert worden: ADHS im Erwachsenenalter, eine emotional instabile Persön-

lichkeitsstörung vom impulsiven Typus, eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine Betäu-

bungsmittelabhängigkeit (insbesondere Cannabis). Zwar habe sich der Sachverständige J.____ 

in seinem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 6. April 2020 gegen eine ambulante Be-

handlung ausgesprochen. Es sei aber zu beachten, dass ursprünglich eine solche ambulante 

Behandlung angedacht gewesen sei und im Zeitpunkt der Erstellung des namentlichen Gutach-

tens sich einzig das mangelnde Vertrauensverhältnis als erfolgsverhindernd erwiesen habe. Der 

Beschuldigte habe sich in der Zwischenzeit verändert, sei erwachsen geworden und habe so-

dann keine weiteren Delikte mehr verübt. Ausserdem entspreche nicht jede geistige Anomalie 

einer schweren psychischen Störung im rechtlichen Sinne. Gemäss der Rechtsprechung des 

EGMR könne einer Person wegen psychischer Krankheit die Freiheit nur dann entzogen wer-

den, wenn die Krankheit zuverlässig nachgewiesen sei und deren Schwere eine Zwangsunter-

bringung rechtfertige. Auch die Fortdauer der Unterbringung hänge vom Fortbestehen der psy-

chischen Störung ab. Es sei nicht notwendig, ihn zu kontrollieren oder zu beaufsichtigen, zeige 

doch sein aktuelles Verhalten klar, dass er weder sich selbst gefährde noch anderen schade. Er 

sei therapiewillig und auch bereit, sich in einer ambulanten Massnahme weiter zu entwickeln. 

Die bei ihm diagnostizierten Krankheitsbilder seien schliesslich auch nicht allzu gravierend: 

ADHS sei weit verbreitet und könne mit entsprechender Medikation behandelt werden. Auch 

eine wie bei ihm diagnostizierte emotional instabile Persönlichkeitsstörung erfordere keine stati-

onäre Massnahme, dafür sei vielmehr eine Psychotherapie die angemessene Methode. Er habe 

toxische und störende Elemente bereits aus seinem Leben entfernt und sich ein stabiles, unter-

stützendes Umfeld aufgebaut. Es wäre gar kontraproduktiv, ihn aus diesem Gefüge wieder her-

auszureissen und ihn anschliessend entwurzelt in eine stationäre Massnahme zu versetzen. 

Ferner habe er die dissoziale Persönlichkeitsstörung nur deshalb entwickelt, weil er sich auf-

grund seines zerrütteten Elternhauses mit den falschen Leuten angefreundet habe. Mittlerweile 

habe er den Kontakt zu diesen Menschen abgebrochen und verbringe nunmehr viel Zeit mit 

seinem Bruder. Sein soziales Umfeld mache ihn nun stabiler. Schliesslich wolle er auch seine 

Cannabisabhängigkeit beenden, bezüglich der Benzodiazepine sei ihm dies schon ohne Hilfe 

gelungen, was er mit dem eingereichten Verkehrsgutachten auch belegen könne. Für einen 

erfolgreichen Weg aus seiner Cannabissucht sei daher eine ambulante Behandlung die mildes-

te und auch erfolgversprechendste Methode (vgl. dazu Parteivortrag Ziff. 2, Beilage 1 Prot. HV).  

 

2.3 Die Staatsanwaltschaft macht vor Kantonsgericht geltend, es stehe ausser Frage, dass 

einzig eine stationäre Massnahme die Prognose des Beschuldigten verbessern könne. J.____ 

habe in seinem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 6. April 2020 eine engmaschige Be-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 24  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

gleitung des Beschuldigten empfohlen. Es bestehe akuter Behandlungsbedarf (vgl. dazu Partei-

vortrag Ziff. II, Beilage 2 Prot. HV). 

 

3. Konkrete Erwägungen 

3.1 Vorab ist auf die Rüge des Beschuldigten einzugehen, die bei ihm diagnostizierten 

Krankheiten würden den für eine therapeutische Massnahme nach Art. 59 ff. StGB notwendigen 

Schweregrad einer psychischen Störung nicht erreichen.  

 

3.1.1 Zunächst ist dem Beschuldigten zuzustimmen, dass die von Gesetzes wegen erforderli-

che Schwere der psychischen Störung keine aus sich selbst heraus (resp. allein nach den Krite-

rien von Klassifikationssystemen) bestimmbare, absolute Grösse darstellt. Sie entspricht im 

Prinzip dem Ausmass, in welchem sich die Störung in der Tat spiegelt (Deliktrelevanz). Die Stö-

rung muss dabei als vorherrschende Ursache der Delinquenz erscheinen. Die rechtlich gefor-

derte Schwere, wohlgemerkt sowohl für die Anordnung einer stationären als auch einer ambu-

lanten Massnahme, ergibt sich mit anderen Worten aus der Intensität des Zusammenhangs 

zwischen der (nach medizinischen Kriterien erheblich ausgeprägten, vorab zweifelsfrei festge-

stellten) Störung und der Straftat (vgl. je Abs. 1 lit. a von Art. 63 und 59 StGB; dazu ausführlich 

MARIANNE HEER/ELMAR HABERMEYER, Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, Art. 59 

N 30c).  

 

3.1.2 Der Sachverständige J.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, legt in sei-

nem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 6. April 2020 im Rahmen der Diagnosestellung 

zunächst dar, das Auskunftsverhalten des Beschuldigten erschwere eine genaue psychiatrische 

diagnostische Einschätzung. Zumindest aber lägen im Zeitraum der Untersuchungen keine 

Hinweise auf eine hirnorganische Störung, eine Störung aus dem Formenkreis der Schizophre-

nien, eine Intelligenzminderung oder eine forensisch-psychiatrisch relevante affektive Störung 

vor (act. 271). Die Angaben des Beschuldigten sowie jene seines Therapeuten I.____ würden 

auf eine chronisch wiederkehrende Schmerzproblematik und depressive Verstimmungen mit 

Schlafstörungen hinweisen, welche mit antidepressiven und stimmungsstabilisierenden Medi-

kamenten sowie einer verordneten Opioid- und Benzodiazepinabgabe behandelt würden 

(act. 273). Der Gutachter kommt sodann hinsichtlich möglicher Krankheitsbilder zum Schluss, 

dass der Beschuldigte zu den Tatzeitpunkten an einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-

Störung im Erwachsenenalter (ADHS, ICD-10 F90), einer dissozialen Persönlichkeitsstörung 

(ICD-10 F60.2), einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-

10 F60.30), an wiederkehrenden depressiven Episoden (ICD-10 F32) sowie an diversen Ab-

hängigkeiten gelitten habe (Cannabis [ICD-10 F12.2], Opioide [ICD-10 F11.22], Sedativa und 

Hypnotika [ICD-10 F13.2]; vgl. act. 293). Der Beschuldigte sei in seiner Persönlichkeitsentwick-

lung erheblich und schwerwiegend gestört, was sich durch dissoziales, emotional instabiles, 

impulsives und gewaltbereites Verhalten auszeichne. Die begangenen Straftaten stünden mit 

diesen Persönlichkeitsstörungen sowie mit Blick auf die Beschaffungskriminalität vor allem mit 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 25  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

der leichten Cannabisabhängigkeit in klarem und unmittelbarem Zusammenhang (act. 293, 309, 

311, 347).  

 

3.1.3 Dem genannten Gutachten ist somit zu entnehmen, dass der Beschuldigte zu den Tat-

zeitpunkten an ADHS, an mehreren Persönlichkeitsstörungen sowie diversen Abhängigkeiten 

gelitten hat. Die Persönlichkeitsstörungen beurteilt der Sachverständige dabei mehrmals als 

"schwerwiegend" und "erheblich". Ferner legt er dar, dass die vom Beschuldigten begangenen 

Straftaten vorwiegend mit diesen Störungen der Persönlichkeitsentwicklung und, mit Blick auf 

die Beschaffungskriminalität, vor allem mit der leichten Cannabisabhängigkeit in Zusammen-

hang stehen. Es werden damit sowohl die Schwere der Persönlichkeitsstörungen als auch die 

Deliktsrelevanz im Gutachten hinreichend genau und nachvollziehbar aufgezeigt, dies insbe-

sondere auch unter dem Aspekt, dass der Gutachter die beim Beschuldigten vorhandene 

Komorbidität ausführlich dargelegt hat und dieser bei Vorliegen eines Substanzmissbrauchs in 

Verbindung mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung besonderer kriminologischer Bedeu-

tung zukommt, insbesondere auch im Zusammenhang mit ADHS (vgl. dazu HEER/ 

HABERMEYER, a.a.O., Art. 59 N 10, N 31g; mit weiteren Hinweisen). 

 

3.1.4 Mit diesen Ausführungen des Gutachters setzt sich der Beschuldigte nicht auseinander 

und zeigt somit nicht auf, weshalb die gutachterliche Einschätzung falsch sein soll. Die Kritik 

des Beschuldigten erschöpft sich demgegenüber, soweit ersichtlich, in der Darlegung seiner 

persönlichen Auffassung über das gutachterlich festgestellte Störungsbild sowie in der Ausle-

gung des Begriffs der "true mental order" im Sinne der Rechtsprechung des EGMR. Für das 

Kantonsgericht sind somit keine Anhaltspunkte ersichtlich, um die Beurteilung des Sachver-

ständigen in Frage stellen zu können. Auch erhellt, dass ein intensiver Zusammenhang zwi-

schen Störung und Tat und daher eine schwere psychische Störung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 

bzw. Art. 59 Abs. 1 StGB vorliegt. 

 

3.2 Es bleibt daher die Frage zu klären, ob eine stationäre oder ambulante Massnahme 

auszusprechen ist. Dabei handelt es sich um eine Rechtsfrage, die das Gericht nach sachver-

ständiger Beratung selbst aufgrund einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände zu 

entscheiden hat. 

 

3.2.1 Wie auch dem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 6. April 2020 zu entnehmen 

ist, bestehen in der Schweiz einige therapeutische Institutionen, die mittels spezifischer und 

intensiver Therapieprogramme wirksame Behandlungsmethoden anbieten. Angesichts der beim 

Beschuldigten vorliegenden dissozialen und emotional instabilen impulsiven Persönlichkeitsstö-

rung ist gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen von einer sehr schwierigen, langen und 

mehrjährigen Behandlungsdauer auszugehen. Eine Heilung der diagnostizierten Persönlich-

keitsstörung ist – so der Gutachter – zudem nicht zu erwarten. Hinsichtlich der realen Thera-

piemöglichkeiten nennt der Gutachter das Massnahmenzentrum in Utikon oder auch das Mass-

nahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof in Niederdorf, welche theoretisch den notwendi-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 26  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

gen Therapie- und Sicherheitsrahmen im Rahmen einer stationären Massnahme nach Art. 61 

StGB bieten würden, wobei insbesondere auch den agogischen Bedürfnissen des Beschuldig-

ten intensiv Rechnung tragen könnten. Bevor eine solche in Angriff genommen werden könne, 

müsse der Beschuldigte aber zuerst eine suchtspezifische Behandlung durchlaufen, wofür zahl-

reiche geeignete Institutionen bestehen würden (act. 335). Demgegenüber böte sich alternativ 

auch eine sucht-, störungs- und deliktorientierte Therapie in einem stationären Rahmen im Sin-

ne von Art. 59 StGB an, wofür ebenfalls geeignete Institutionen wie etwa das Massnahmenzent-

rum der JVA Solothurn oder der JVS St. Johannsen zur Verfügung stehen würden (act. 337). 

Der Gutachter merkt im Weiteren an, dass, sollte eine stationäre Massnahme juristisch als nicht 

verhältnismässig eingestuft werden, grundsätzlich auch zahlreiche ambulante Therapiemöglich-

keiten sowohl im offenen Setting als auch haftbegleitend zur Verfügung stehen würden. Es sei 

aber zu bezweifeln, ob sich der Beschuldigte in einem ambulanten Setting ausserhalb des ge-

schlossenen Strafvollzugs hinreichend absprachefähig zeige (act. 337). Der Beschuldigte lehne 

eine stationäre Massnahme kategorisch ab und zeige sich gegenüber einer ambulanten Mass-

nahme bedeckt, wodurch die Therapiebereitschaft insgesamt als ungünstig zu bewerten sei 

(act. 337).  

 

3.2.2 Als günstige Faktoren hinsichtlich des sozialen Empfangsraumes mit Blick auf die Prog-

nose führt der Gutachter aus, dass der Beschuldigte familiären Rückhalt durch den Vater und 

den Bruder erfahre, wobei beide nicht aus einem kriminogenen Milieu stammten. Ungünstig sei 

aber, dass der Beschuldigte in den Tatzeiträumen nicht über echte, haltgebende Bindungen 

verfüge, kaum Arbeitserfahrung und auch keine abgeschlossene Berufsausbildung habe und 

die finanzielle Situation als schwierig zu bezeichnen sei. Der Beschuldigte habe im Zeitpunkt 

der Begutachtung keine erkennbaren realistischen Lebensziele und es drohe ein Abgleiten in 

ein kriminelles Milieu (act. 339). Schliesslich legt der Gutachter – zu Recht – positiv wertend 

dar, der Beschuldigte habe trotz bestehender Möglichkeiten seit Sommer 2019 keine weiteren 

Straftaten begangen und zeige sich in der ambulanten Therapie bei seinem Hausarzt, welcher 

auch über eine Ausbildung in Psychosomatik verfüge, relativ absprachefähig (act. 341). Es sei 

zu erwarten, dass der Beschuldigte von einem strengen, jedoch wohlwollenden und zwischen-

menschlichen Umgang profitieren könne. Ferner sei eine strikte Abstinenz von illegalen 

psychoaktiven Substanzen wichtig, da er zu impulsivem Handeln neige und daher von die Ent-

hemmung triggernden Substanzen Abstand zu halten habe. Die Abstinenzkontrolle könne dabei 

durch spezialanalytische Haaruntersuchungen erfolgen, auch wenn engmaschigere Urinunter-

suchungen vorteilhafter wären (act. 345).  

 

3.2.3 Das Risiko für eine zukünftige Delinquenz in Bezug auf Eigentums-, Strassenverkehrs- 

und Drogendelikte stuft der Gutachter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mittel-

fristig als sehr hoch ein (act. 311). Zusammenfassend lasse sich sagen, dass mit sehr hoher 

Wahrscheinlichkeit mit neuerlichen Straftaten im Sinne der Anlassdelikte zu rechnen sei, im 

Falle von Gewaltdelikten jedoch mit eher weniger schwerer Gewaltausprägung. Die zeitweilige 

Häufung und Progression in der Schwere der Gewalt habe sich nach der Entlassung des Be-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 27  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

schuldigten aus der Untersuchungshaft nicht fortgesetzt. Eine hohe Rückfallgefahr in Bezug auf 

Gewaltdelikte bestehe vorwiegend für das häusliche Umfeld (act. 345). 

 

3.2.4 Vor den Schranken des Strafgerichts anlässlich der Hauptverhandlung vom 13. Januar 

2022 legt der Gutachter J.____ dar, der Beschuldigte präsentiere sich vor Gericht anders als in 

den Untersuchungssituationen 2019 und 2020. So befinde er sich äusserlich in besserem Zu-

stand. Jedoch habe er immer noch Schwierigkeiten in der Beziehung mit nahen Angehörigen 

und auch seine Beziehung zu seiner Lebenspartnerin K.____ sei ambivalent. Dies seien klare 

Hinweise auf das Vorliegen von Persönlichkeitsstörungen. Auch betreffend die Zukunftsper-

spektiven sei der Beschuldigte auffällig. Alltägliche Arbeiten, Routine und sich Unterordnen 

würden ihm schwerfallen. Positiv sei, dass nunmehr von einer Abstinenz von Benzodiazepinen 

und Opiaten auszugehen sei, nur den Cannabiskonsum habe der Beschuldigte nicht unter Kon-

trolle. Ferner legt der Sachverständige dar, seine psychiatrische Begutachtung liege nun zwei 

Jahre zurück, der Beschuldigte sei damals 26 Jahre alt gewesen, weshalb eine Massnahme für 

junge Erwachsene in Abweichung zu den Empfehlungen in seinem Gutachten vom 6. April 

2020 nicht mehr möglich sei. Bei der stationären Massnahme nach Art. 59 StGB habe man hin-

sichtlich Sicherheit und Therapieintensität mehr Möglichkeiten und könne dabei auch die beruf-

liche Integration voranreiben. Es gebe Möglichkeiten von Gruppentherapien, wobei das Ziel sei, 

dass der Beschuldigte verstehe, warum er die diversen Straftaten begangen habe und lerne, 

die Kontrolle über sein Verhalten zu erlangen und zu behalten. Dies könne man aber grundsätz-

lich auch ambulant lernen und es gebe ausreichend Institutionen, die eine geregelten Tagesab-

lauf anbieten würden. Allerdings sei die Abbruchrate bei einer ambulanten Massnahme höher 

als bei einer stationären. Der Gutachter kommt zum Schluss, dass eine stationäre Massnahme 

langfristig die bessere Lösung für den Beschuldigten darstelle (zum Ganzen vgl. act. S 259-

267). 

 

3.3 

3.3.1 Anlässlich seiner heutigen Befragung vor dem Kantonsgericht führt der Beschuldigte 

bezüglich seiner mangelnden beruflichen Integration aus, der Aufenthalt in Knutwil habe ihm 

grundsätzlich gutgetan und rückblickend wäre es besser gewesen, er hätte dort eine Berufs-

ausbildung absolviert. Damals habe ihm das Angebot an Ausbildungsberufen jedoch nicht zu-

gesagt. Nach seinem Austritt aus dem Jugenddorf Knutwil im Jahr 2012 habe er eine Weile als 

temporärer Mitarbeiter gearbeitet und im Jahr 2014 sogar eine Lehre angefangen. Nachdem 

sein Lehrbetrieb aber konkursbedingt von einer anderen Firma übernommen worden sei, habe 

es ihm nicht mehr gefallen und er habe die Lehre 2015 abgebrochen. Anschliessend habe er 

meistens als Schreiner gearbeitet, er habe sich aber nicht "auf etwas Festes" einlassen können. 

Er habe schon immer eine Ausbildung zum Automechaniker machen wollen und sich auch im-

mer wieder um einen Ausbildungsplatz bemüht, aber stets Absagen erhalten. Der Lehrstart be-

ginne immer im August, und nun sei es fast zu spät, um noch eine passende Stelle zu finden 

(zum Ganzen vgl. Prot. HV, S. 6-8). Er habe seit seinem Austritt aus dem Jugenddorf Knutwil 

stets Sozialhilfe bezogen (Prot. HV, S. 9). Seit November 2022 habe er nun aber eine Anstel-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 28  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

lung zu 60 Stellenprozent als Mitarbeiter bei der F.____ GmbH in W.____, was er mit entspre-

chendem Arbeitsvertrag auch belegt. Seit Januar 2023 beziehe er keine Sozialhilfe mehr. Er 

wolle aber immer noch gerne eine Ausbildung beginnen und nebenher beispielsweise als Uber-

fahrer einen Zusatzverdienst erwirtschaften. Zudem interessiere er sich für den Beruf des Fi-

nanzberaters. Er habe bereits ein erstes Vorstellungsgespräch gehabt und auch eine mündliche 

Zusage für eine entsprechende Stelle in Z.____, sofern er die Fahrprüfung bestehe. Er wolle 

sicher nicht wieder Sozialhilfe beziehen (Prot. HV, S. 20). Er könne sich auch vorstellen, eine 

Lehre im Baubereich zu absolvieren, da es in diesem Metier einfacher sei, überhaupt einen 

Ausbildungsplatz zu erhalten, auch mit schlechten Schulnoten (Prot. HV, S. 23). Er wolle aber 

eigentlich auch gern mit seinem Bruder eine Autowerkstatt eröffnen. Dieser habe diverse Wei-

terbildungen als Elektroplaner absolviert und wolle sich langfristig selbständig machen. Er kön-

ne sich darum vorstellen, "im Nachhinein" bei seinem Bruder eine entsprechende Ausbildung im 

Elektrobereich zu absolvieren, etwa in zehn oder fünfzehn Jahren. Schliesslich führt er aus, er 

habe früher auch Medizin studieren wollen und überlege, ob das eine Option wäre, er müsse 

aber "zuerst das Finanzielle sicher und stabil haben" (Prot. HV, S. 24).  

 

3.3.2 Bezüglich seines sozialen Umfelds legt der Beschuldigte dar, er wohne allein in einer 

Wohnung in der T.____strasse in U.____. Auch dies belegt er mit einem entsprechenden Miet-

vertrag. Zu seinem Vater habe er einen guten Kontakt, sie würden sich aber nicht so oft sehen. 

Sein Vater lebe auch in W.____ (Prot. HV, S. 11, 12). Er und K.____ führten nach wie vor eine 

partnerschaftliche Beziehung, sie würden nun aber nicht mehr zusammenwohnen (Prot. HV, 

S. 12). Die Entscheidung, getrennt zu wohnen, hätten sie gemeinsam getroffen (Prot. HV, 

S. 13). Zur Begründung führt er aus, seit er aufgehört habe, Cannabis zu konsumieren, sehe er 

viele Dinge in dieser Beziehung aus einem anderen Blickwinkel. Es habe ihm nicht mehr "ge-

passt", wie K.____ ihn behandelt habe. Er habe erkannt, wenn er der Impulsivität seines Verhal-

tens keinen Raum mehr gebe, dann funktioniere die Beziehung zu K.____ gut. Sie würden sich 

am Wochenende sehen und jeweils gegenseitig besuchen (Prot. HV, S. 21). Weiter legt er dar, 

über zwei enge Freundschaften in seinem Umfeld zu verfügen ("M.____ und B.____" [Prot. HV, 

S. 13]). Er verbringe viel Zeit mit ihnen, gehe wandern und kenne auch deren Freunde. Auf 

Nachfrage des Gerichts bestätigt er, es handle es sich dabei um B.____ (Prot. HV, S. 29). Er 

habe ausserdem auch ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Bruder (Prot. HV, S. 18). 

 

3.3.3 Hinsichtlich der bei ihm diagnostizierten Substanzabhängigkeiten führt der Beschuldigte 

auf Frage aus, er habe erstmals im Alter von 18 Jahren Cannabis konsumiert (Prot. HV, S. 7). 

Das Medikament Xanax habe er sich bereits im Alter von 17 oder auch 18 Jahren verschreiben 

lassen. Kokain habe er ebenfalls einmal probiert, dies aber nicht regelmässig konsumiert. Hin-

gegen habe er regelmässig Benzodiazepine eingenommen (Prot. HV, S. 8). Heute konsumiere 

er "gar nichts mehr", auch kein Cannabis. Die Wahrscheinlichkeit, dass er nochmals Drogen 

konsumieren würde, läge "bei Null". Er sei sich in dieser Hinsicht sicher, da er bald die Fahrprü-

fung ablegen und auch bestehen wolle, und dafür müsse er regelmässig Urinproben abgeben 

(Prot. HV, S. 19). Er sei durchaus in der Lage, zu seinen Mitmenschen eine Beziehung aufzu-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 29  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

bauen. Er fühle sich aber in einer stationären Massnahme deutlich fehl am Platz, er könne eine 

solche Anordnung nicht akzeptieren. Er wolle auch keine Medikamente mehr einnehmen müs-

sen. Er verfüge heute über ein gutes und intaktes soziales Umfeld, sei aber bereit, eine ambu-

lante Massnahme zu absolvieren. Die Straftaten habe er vor allem unter dem Einfluss von 

G.____ begangen. Heute könne er im Gespräch mit Mitmenschen, die "ihm gut täten", ver-

schiedene Themen ansprechen und diskutieren. Ein derart instabiles Umfeld wie damals brau-

che er heute nicht mehr. Das Problem habe ausserdem auch darin bestanden, dass er sich nie 

ausreichend über mögliche strafrechtliche Konsequenzen seines Handels im Klaren gewesen 

sei. Er habe vielmehr gedacht: "wenn ich es nicht weiss, ist es nicht so schlimm". Das sei ein 

grosser Fehler gewesen (Prot. HV, S. 18, 19). Auf Frage zu der vom Gutachter festgestellten 

Rückfallgefahr für Gewaltdelikte gibt er an, diese Einsicht nicht teilen zu können. Die "emotiona-

le Instabilität" gehe bei ihm mit dem Drogenkonsum einher. Wenn er sich heute angegriffen 

oder gedemütigt fühle, dann "ignoriere er es einfach", gehe seinen Weg und sei "zufrieden" 

(Prot. HV, S. 21).  

 

3.3.4 Befragt zur bisher absolvierten ambulanten Therapie führt der Beschuldigte aus, letzt-

mals bei I.____ in Behandlung gewesen zu sein. Diese habe er aber im Jahr 2019 abgebro-

chen, da er schlechte Erfahrungen mit dem Therapeuten gemacht habe (Prot. HV, S. 15, 26). 

Anschliessend habe er sich selbst immer wieder um einen Therapieplatz bemüht. Es es sei 

aber kein Platz für ihn frei gewesen, die Wartelisten seien sehr lang, und an den ihm vorge-

schlagenen Terminen für mögliche Erstgespräche sei er beruflich verhindert gewesen. Im Jahr 

2022 habe er sodann einen Therapieplatz gefunden. Den Therapeuten habe er aber "nicht 

ernst" nehmen können, denn dieser habe ihm gegenüber geäussert, "jeder sei heutzutage ver-

rückt" (Prot. HV, S. 26).  

 

3.4 

3.4.1 Gestützt auf diese Ausführungen ist zunächst festzustellen, dass sich der Gesundheits-

zustand des Beschuldigten seit dem vorinstanzlichen Urteil vom 13. Januar 2022 weiter verbes-

sert und er auch eine gewisse Krankheitseinsicht entwickelt zu haben scheint. So ist es ihm aus 

eigenem Antrieb und ohne therapeutische Massnahmen offenbar gelungen, seine Abhängigkeit 

von diversen Substanzen positiv zu beeinflussen. Die im Vorfeld der Hauptverhandlung einge-

reichten Unterlagen (Bericht zu Haaranalysen des Instituts für Rechtsmedizin [IRM] vom 

12. August 2022; Verkehrsmedizinisches Gutachten des IRM vom 5. September 2022) belegen 

zumindest für den Zeitraum der untersuchten Haar- und Urinproben eine Abstinenz von Opioi-

den, Stimulanzien, Benzodiazepinen und Analyten (Zeitraum Mitte Februar bis Mitte Juli 2022). 

Gemäss den Angaben im verkehrsmedizinischen Gutachten des IRM vom 5. September 2022 

sind ferner auch die im Zeitraum vom 31. Mai bis 13. Juli 2022 von der Hausärztin des Be-

schuldigten, L.____, kontrollierten Urinproben negativ auf Cannabis ausgefallen. Da der Be-

schuldigte die Fahrprüfung ablegen möchte, scheint dieses Ziel doch Motivation genug zu sein, 

Abstand vom früheren Substanzmissbrauch nehmen zu können. Auch zeigt er sich grundsätz-

lich therapiewillig, beteuert er doch glaubhaft vor dem Kantonsgericht, sich einer ambulanten 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 30  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Massnahme stellen zu können oder gar zu wollen, was er noch vor den Schranken der Vo-

rinstanz kategorisch ausgeschlossen hatte. Immerhin will er sich in den letzten Monaten auch 

aktiv um einen Therapieplatz bemüht haben, wenn auch ohne Erfolg. Belege für solche Bemü-

hungen kann er jedoch nicht vorweisen. 

 

3.4.2 Ferner hat der Beschuldigte, wenn auch erst seit Kurzem, eine Anstellung als Mitarbeiter 

bei der F.____ GmbH gefunden und kann dies mit den eingereichten Lohnnachweisen auch 

belegen. Zudem konnte er sich angeblich von der langjährigen Unterstützung durch die Sozial-

hilfe lösen, allerdings erst seit Januar 2023. Positiv ins Gewicht fällt, dass der Beschuldigte die 

früher schwierige häusliche Situation mit seiner Lebenspartnerin K.____ durch die nun erfolgte 

räumliche Trennung selbständig unter Kontrolle hat bringen können. Zudem verfügt er offenbar 

über ein stabileres soziales Umfeld als noch vor einigen Jahren, will er mitunter in regelmässi-

gem Kontakt zu seinem Vater stehen und soll auch eine enge Beziehung zu seinem Bruder 

pflegen. 

 

3.4.3 Gleichfalls positiv zu bewerten ist, dass der Beschuldigte seit dem vorinstanzlichen Urteil 

mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern vom 2. Dezember 2022 zwar erneut straffällig 

geworden ist, es sich dabei aber um ein Delikt im Bagatellbereich handelt (Fahren eines Trotti-

nets mit Elektromotor ohne Führerausweis). Auch wenn sich der Beschuldigte dadurch nicht 

sozialadäquat verhalten hat, sind seit seiner erstinstanzlichen Verurteilung keine weiteren, vom 

Gutachter befürchteten Delikte aktenkundig. 

 

3.4.4 Schliesslich fällt ins Gewicht, dass der Sachverständige in seinem Gutachten vom 

6. April 2020 die Möglichkeit einer ambulanten Therapie nicht als gänzlich ungeeignet erachtet, 

sondern eine solche lediglich im offenen Setting als wenig geeignet einstuft. 

 

3.5 In Würdigung all der dargelegten Umstände erscheint im vorliegenden Fall die Anord-

nung einer stationären Massnahme als nicht verhältnismässig. Hingegen darf, auch wenn der 

Beschuldigte nunmehr seit mehr als fünf Jahren – mit einer Ausnahme im Bagatellbereich – 

deliktsfrei lebt, nicht ausser Acht gelassen werden, dass seine Fortschritte in Bezug auf Sub-

stanzabhängigkeiten noch nicht gefestigt sind und mangels entsprechender Therapie nach wie 

vor von einer unbehandelten schweren Persönlichkeitsstörung auszugehen ist, weshalb zweifel-

los eine Behandlung im Sinne einer ambulanten Massnahme erforderlich ist. Die Anlasstaten 

stehen in Zusammenhang mit der festgestellten, nach wie vor unbehandelten psychischen Stö-

rung und die ambulante Behandlung ist klar geeignet, der Gefahr eines Rückfalls entgegen zu 

wirken. Eine ambulante Massnahme erweist sich des Weiteren als verhältnismässig. Diesbe-

züglich kann zudem von einer Behandlungsbereitschaft des Beschuldigten ausgegangen wer-

den. Das mehrjährige Wohlverhalten in deliktischer Hinsicht, der gesetzte Eindruck, den er an 

der heutigen Berufungsverhandlung gemacht hat sowie seine glaubhaft dargestellten Bemü-

hungen lassen die Annahme zu, dass sich der Beschuldigte in einem strukturierten Setting auf 

die ambulante Behandlung einlassen wird. In Nachachtung des Verhältnismässigkeitsgrundsat-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 

 

Seite 31  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

zes ist deshalb der Anordnung einer im Vergleich zu einer stationären therapeutischen Mass-

nahme weniger eingriffsintensiven ambulanten therapeutischen Massnahme der Vorzug zu ge-

ben. Folglich ist eine ambulante Behandlung gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB anzuordnen. 

 

3.6 

3.6.1 Sind die Voraussetzungen sowohl für eine Strafe wie für eine Massnahme erfüllt, so 

ordnet das Gericht beide Sanktionen an (Art. 57 Abs. 1 StGB). Nach Art. 63 Abs. 2 StGB kann 

das Gericht den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen Fre