# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d6cd1be-e9e0-5ebb-ae20-62e3206b2874
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-13
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 13.01.2022 VG.2021.00068 (VG.2022.1104)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00068_2022-01-13.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 13. Januar 2022

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Sally Leuzinger,
  Verwaltungsrichter Patrik Noser und Gerichtsschreiberin i.V. MLaw Valentina
  Flückiger

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00068

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Markus Schultz, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
    (Suva)

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Dr.
    iur. Sabine Baumann Wey, Rechtsanwältin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  UVG-Leistungen

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  A.______,
  geboren am […], war am […] in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, bei
  welchem ihre Tochter, B.______ sel., verstarb. Zu diesem Zeitpunkt
  arbeitete sie bei der C.______AG und war bei
  der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Die Suva richtete vom
  16. Juli 2013 bis zum 31. Juli 2018 Taggelder aus. Die C.______AG
  löste das Arbeitsverhältnis am 4. Februar 2015 per
  30. April 2015 auf.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Suva sprach A.______ mit
  Verfügung vom 4. September 2018 ab dem 1. August 2018 eine
  Invalidenrente von monatlich Fr. 208.05 bei einer Erwerbsunfähigkeit von
  49 % zu und setzte die Einbusse der physischen Integrität auf 40 %
  fest. Die Festlegung der psychischen Integritätseinbusse schob sie
  einstweilen auf.

  
	
   

  
	
  2.2 Dagegen erhob A.______ am
  5. Oktober 2018 Einsprache. Diese hiess die Suva am 9. Januar 2019
  teilweise gut und erhöhte den Invaliditätsgrad auf 51 %. Im Übrigen wies
  sie die Einsprache ab. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das
  Verwaltungsgericht am 13. Juni 2019 (Verfahren VG.2019.00016) ab, was vom
  Bundesgericht mit Urteil vom 12. November 2019 (Verfahren
  8C_528/2019) bestätigt wurde.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Nachdem
  die Suva die psychische Integritätseinbusse am 17. Februar 2020 mit 40 %
  beziffert hatte, stellte A.______ am 2. März 2020 ein Gesuch um
  Rentenrevision. Die Suva wies das Gesuch am 13. August 2020 ab, woran
  sie trotz der am 14. September 2020 dagegen erhobenen Einwände am
  28. Juni 2021 festhielt.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  A.______
  gelangte am 31. August 2021 erneut mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und
  beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 28. Juni 2021. Ihr
  sei eine 64,5%ige Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei durch eine
  externe Stelle ein neues Zumutbarkeitsprofil zu erstellen. Subeventualiter
  sei die Verfügung vom 10. Januar 2019 in Wiedererwägung zu ziehen;
  unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Suva.

  
	
   

  
	
  Die Suva
  schloss am 28. September 2021 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20.
  März 1981 (UVG) i.V.m. Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
  Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1
  des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 3. Mai 2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden
  Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt
  sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die
  psychiatrische Beurteilung vom 13. Februar 2020 von
  Dr. med. D.______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
  weise gegenüber dessen Beurteilung vom 27. April 2018 eine wesentliche
  Verschlechterung ihres Gesundheitszustands aus. So führe er aus, der
  psychische Gesundheitsschaden sowie die hiermit einhergehenden
  Einschränkungen seien offensichtlich und massgeblich grösser als zum
  Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 9. Januar 2019. Ausserdem habe sie zwischenzeitlich eine
  Erwerbstätigkeit aufgenommen und arbeite nunmehr 3.5 Stunden an vier
  Tagen die Woche bzw. insgesamt 14 Stunden pro Woche. Sie merke
  jedoch, dass sie bereits bei diesem Pensum an ihre Grenzen gelange. Die
  verstärkte Belastung zeige sich insbesondere darin, dass sie vermehrt
  erschöpft sei und unter verstärkten Schmerzen leide. Dementsprechend könne
  sie auch den Haushalt nicht mehr wie früher bewältigen und sei zunehmend auf
  die Unterstützung ihres Lebenspartners angewiesen. Eine Erhöhung des
  Erwerbspensums auf die von der Beschwerdegegnerin festgesetzten
  18.35 Stunden sei unter diesen Umständen nicht zumutbar.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin ist der Auffassung,
  Dr. D.______ habe sich in seinem Bericht vom 23. Juli 2020
  ausführlich und schlüssig zur Frage, ob sich die Unfallfolgen seit der
  Beurteilung vom 27. April 2018 wesentlich geändert haben, geäussert und
  dies im Ergebnis verneint. Die Diagnosen seien unverändert. Die Tatsache,
  dass die Beschwerdeführerin vermehrt erschöpft sei und ein grösserer Teil der
  Haushaltsarbeit nun von ihrem Lebenspartner übernommen werde, könne für sich
  gesehen noch keine wesentliche Veränderung der Zumutbarkeit darstellen.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Formell rechtskräftige Verfügungen müssen in
  Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der
  Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
  Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war
  (Art. 53 Abs. 1 ATSG). Der Versicherungsträger kann auf formell
  rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind
  und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2
  ATSG). Damit betreffen die in Art. 53 ATSG geregelte Revision und
  Wiedererwägung Fälle, in welchen der ursprünglich getroffene Entscheid
  anfänglich unrichtig war. Im Gegensatz dazu bezieht sich die in Art. 17
  ATSG geregelte Anpassung auf eine nachträgliche Änderung des massgeblichen
  Sachverhalts (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2020,
  Art. 17 N. 4 f., Art. 53 N. 11).

  
	
   

  
	
  3.2 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Rente von Amtes
  wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
  oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder
  eines Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass zur Revision einer
  Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche
  Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad
  und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Dazu gehört auch die veränderte
  Intensität der gesundheitlichen Einschränkung trotz gleichbleibender Diagnose
  (Thomas Flückiger, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Barbara Klett/Susanne
  Leuzinger [Hrsg.], Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des
  Sozialversicherungsrechts, Basel 2020, Art. 17 N. 25, mit
  Hinweisen). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer
  anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads ist die letzte
  rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
  beruht (BGE 134 V 131 E. 3). Bei den prozentgenauen Renten wie
  derjenigen der Unfallversicherung wird Erheblichkeit einer Änderung
  angenommen, wenn sich der Invaliditätsgrad um mindestens 5 % ändert
  (BGE 133 V 545 E. 6.2, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.3 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG
  kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen
  zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von
  erheblicher Bedeutung ist. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist
  in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder
  unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche
  Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich,
  wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen
  liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint
  die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher
  Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung,
  Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und
  Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung
  darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit
  aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran
  möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger
  Schluss, derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung, denkbar (BGer-Urteil
  8C_73/2015 vom 15. April 2015 E. 2, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  Der
  Versicherungsträger kann allerdings weder von der versicherten Person noch
  vom Gericht zu einer Wiedererwägung verhalten werden. Es besteht kein
  gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Wiedererwägung. Verfügungen, mit
  denen das Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch abgelehnt wird, sind
  demnach grundsätzlich nicht anfechtbar. Tritt der Versicherungsträger
  hingegen auf ein Gesuch ein, prüft die Voraussetzungen einer Wiedererwägung
  und trifft hernach einen ablehnenden Sachentscheid, so ist dieser
  beschwerdeweise anfechtbar (vgl. dazu BGE 133 V 50 E. 4.1 ff.).

  
	
   

  
	
  3.4 Von der Wiedererwägung ist
  die prozessuale Revision von Verwaltungsverfügungen im Sinne von
  Art. 53 Abs. 1 ATSG zu unterscheiden. Danach ist die Verwaltung
  verpflichtet, auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen, wenn
  neue Tatsachen oder neue Beweismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu
  einer anderen rechtlichen Beurteilung zu führen (vgl. BGE 138 V 63 E. 4.1).

  
	
   

  
	
  Neu
  sind Tatsachen, die sich vor dem Erlass einer formell rechtskräftigen
  Verfügung oder eines Einspracheentscheids verwirklicht haben, jedoch dem
  Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren.
  Nicht als neu wird eine Tatsache dann betrachtet, wenn das im
  Revisionsverfahren vorgebrachte Element lediglich eine neue Würdigung einer
  bereits bekannten Tatsache in sich schliesst (vgl. BGE 127
  V 353 E. 5b). Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein.
  Erheblich ist eine Tatsache dann, wenn sie geeignet ist, die tatbestandliche
  Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei
  zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung zu führen
  (vgl. BGer-Urteil 8C_523/2012 vom 7. November 2012 E. 3.1). 

  
	
   

  
	
  Die
  Revision als ausserordentliches Rechtmittel dient aber nicht einfach der
  Weiterführung des Verfahrens und insbesondere nicht dazu, Fehler und
  Unterlassungen der Prozessparteien nachträglich zu korrigieren. Es obliegt
  den Prozessparteien, rechtzeitig und prozesskonform zur Klärung des
  Sachverhalts entsprechend ihrer Beweispflicht beizutragen. Dass es ihnen
  unmöglich war, Tatsachen und Beweismittel bereits in früheren Verfahren
  beizubringen, ist nur mit Zurückhaltung anzunehmen. Entsprechend hat der
  Gesuchsteller im Revisionsgesuch darzutun, dass er die Beweismittel im
  früheren Verfahren trotz hinreichender Sorgfalt nicht beibringen konnte
  (BGer-Urteil 8C_334/2013 vom 15. November 2013 E. 3.3, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Hinsichtlich
  des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
  streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
  geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
  abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und
  Situation des Patienten einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet
  sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
  Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
  Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125
  V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Zwischen den Parteien bleibt zu Recht unbestritten,
  dass die Diagnosen der Beschwerdeführerin seit der letzten rechtskräftigen
  Rentenzusprache unverändert geblieben sind. Strittig und zu prüfen ist
  demgegenüber, ob die Beurteilungen vom 31. Januar 2020, vom
  13. Februar 2020 sowie vom 23. Juli 2020 eine wesentliche
  Veränderung der gesundheitlichen Einschränkungen bei gleichbleibender
  Diagnose gegenüber der medizinischen Situation, wie sie sich am 12. November 2019 präsentierte, ausweisen.

  
	
   

  
	
  5.2

  
	
  5.2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer
  Verfügung vom 4. September 2018 aus psychiatrischer Sicht auf die Beurteilung
  des versicherungsinternen Konsiliarpsychiaters Dr. D.______ vom
  27. April 2018. Darin führt dieser im Wesentlichen aus, dass neben
  Beeinträchtigungen der Merkfähigkeit
  auch mittelschwer ausgeprägte Konzentrationsstörungen bestünden, die in zeitlicher Hinsicht eine angepasste Tätigkeit
  begrenzen dürften. Die Beschwerdeführerin fühle sich durch den Unfall
  bestraft und empfinde nach Angaben der behandelnden Psychologin, E.______,
  noch immer Gefühllosigkeit mit einer schweren Störung der Vitalgefühle. Zudem
  leide sie unter das psychische Befinden beeinflussenden Schmerzen sowie unter
  Ein- und Durchschlafstörungen. Es könne jedoch davon ausgegangen werden, dass
  seit dem Unfall und seit Beginn der ambulanten, psychotherapeutischen
  Behandlung eine gewisse Stabilisierung eingetreten sei. Dennoch könne mit
  grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass allein durch die
  Folgen des Unfalls aus psychiatrischer Sicht eine massgebliche Einschränkung
  der Arbeits- und Leistungsfähigkeit resultiert sei, welche sich auch unter
  Berücksichtigung der Schmerzen deutlich limitierend auswirke. Hinsichtlich
  einer angepassten Tätigkeit sei davon auszugehen, dass die bestehenden
  Einschränkungen und Beschwerden, soweit sie den Unfall beträfen, aus
  psychiatrischer Sicht eine Tätigkeit im Ausmass einer halben Stelle zulassen
  würden. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass emotional belastende
  Situationen vermieden werden könnten, eine überschaubare Arbeitsgestaltung
  möglich und gewährleistet sei sowie ausreichende Pausen in Anspruch genommen
  werden könnten. Ausserdem sei es bezüglich der Schmerzen erforderlich, dass
  die Beschwerdeführerin wechselnde Arbeitspositionen einnehmen könne. Schicht-
  und Nachtarbeit seien aus psychiatrischer Sicht unfallbedingt nicht mehr
  zumutbar.

  
	
   

  
	
  5.2.2 Frau E.______ äusserte sich im Verlaufsbericht vom
  31. Januar 2020 dahingehend, dass die Beschwerden und somit auch die
  Konsequenzen auf die Lebensqualität und Lebensführung unverändert seien.
  Schmerzen erleide die Beschwerdeführerin zu jeder Tages- und Nachtzeit.
  Betroffen seien vor allem Bauch, Schulter, Rücken, Hüfte, Nacken und Kopf.
  Sodann leide sie unter krampfartigen Fingerschmerzen mit
  Durchblutungsstörungen, was zu kalten, steifen Fingern führe. Die
  Beschwerdeführerin versuche, ihren Alltag um die multiplen Schmerzen zu
  organisieren. Hierzu lege sie regelmässig Pausen ein, lege sich mittags
  schlafen, absolviere Körperübungen und versuche, die Körperhaltung oft zu
  wechseln.

  
	
   

  
	
  5.2.3 Am 13. Februar 2020 äusserte sich Dr. D.______
  zum psychischen Integritätsschaden. Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine
  ausgeprägte Müdigkeit und Abgeschlagenheit mit Störung der Vitalgefühle,
  Schuld- und Insuffizienzgefühlen mit Auswirkungen auf die kognitiven
  Leistungen wie Aufmerksamkeit und Konzentration. Die beschriebenen Symptome
  träten nicht nur in stark belastenden Situationen auf, sondern seien bereits
  bei Anforderungen vorhanden, die das alltägliche Mass überschreiten und
  dementsprechend das alltägliche Leben beeinträchtigen würden. Darüber hinaus
  würden die beschriebenen Symptome dazu führen, dass die Arbeitsfähigkeit erheblich
  eingeschränkt sei. Die bestehenden Symptome würden damit ein Ausmass
  annehmen, welches einer mittelschweren bis schweren psychischen Störung
  entspreche. Aus psychiatrischer Sicht könne durch die erhebliche
  Einschränkung im Alltag und der Arbeitsfähigkeit, die bereits bei normalen
  Belastungen auftrete, von einer mittelschweren bis schweren psychischen
  Störung ausgegangen werden, was zu einer Einschätzung der
  Integritätsentschädigung von 65 % führe. In diesen 65 % sei jedoch
  ein Anteil von etwa einem Drittel zu berücksichtigen, der den bestehenden
  physischen Schmerzen zuzuschreiben sei. Dieser sei allerdings bereits in der
  Einschätzung des somatischen Integritätsschadens berücksichtigt worden und
  sei deshalb abzuziehen. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich somit ein auf
  40 % reduzierter Integritätsschaden.

  
	
   

  
	
  5.2.4 Dr. D.______ begutachtete die
  Beschwerdeführerin am 16. Juli 2020 erneut und dokumentierte am
  23. Juli 2020, dass die Lokalisation der multiplen körperlichen
  Schmerzen unverändert zum Jahr 2018 rezidivierend auftretend bis heute im
  Bereich des Bauchs, der Schulter, des Rückens, der Hüfte, des Nackens und des
  Kopfs angegeben würden. Auch das Schmerzen der Finger mit teilweisem
  Verkrampfen sei in der Befunderhebung bereits damals von der ambulant
  behandelnden Psychologin dokumentiert worden. Insofern stelle sich heute wie
  damals die Diagnose einer depressiven Symptomatik mit einer psychischen
  Traumatisierung bei Stand nach posttraumatischer Belastungsstörung mit
  multiplen körperlichen Schmerzen und einem rezidivierend auftretenden
  unterschiedlich stark ausgeprägten Erschöpfungszustand. Die Tatsache, dass
  ein grösserer Teil des Haushalts nun vom Partner der Beschwerdeführerin
  übernommen würde, dürfte am ehesten der Tatsache geschuldet sein, dass die
  Beschwerdeführerin wieder eine berufliche Tätigkeit aufgenommen habe und
  deswegen vermehrt erschöpft sei.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Mit der Beschwerdegegnerin ist darin einig zu gehen,
  dass die ärztliche Berichterstattung von Dr. D.______ den Anforderungen
  an den Beweiswert genügt (vgl. vorstehende E. II/4). Seine Berichte
  sind in sich widerspruchsfrei, ergingen gestützt auf eine persönliche
  Untersuchung der Beschwerdeführerin und setzen sich mit ihren beklagten
  Beschwerden sowie mit den übrigen im Recht liegenden Arztberichten
  auseinander. Dr. D.______ legt dabei nachvollziehbar dar, welche
  Tätigkeiten der Beschwerdeführerin noch zumutbar sind und welche nicht.
  Sodann finden sich in den Akten keine Arztberichte, welche seine Einschätzung
  anzweifeln. Folglich stützte sich die Beschwerdegegnerin richtigerweise auf
  seine Schlussfolgerungen, welche plausibel begründet sind.

  
	
   

  
	
  6.2 Sodann erklärte die Beschwerdeführerin anlässlich
  der Sitzung mit Frau E.______ am 31. Januar 2020 bzw. mit
  Dr. D.______ am 16. Juli 2020, dass sich die körperlichen Beschwerden
  nicht verändert hätten. Die Beschwerdeführerin bestreitet denn auch nicht die
  Richtigkeit bzw. Vollständigkeit der von ihr getätigten Aussagen,
  weshalb ohne Weiteres darauf abgestellt werden darf. Darüber hinaus geht sie
  selbst davon aus, dass ihr ein Pensum von 14 Stunden pro Woche noch
  zuzumuten ist (vgl. die Beschwerde vom 31. August 2021), womit
  ihre Aussage, die körperlichen Beschwerden seien unverändert, zusätzlich
  untermauert wird. Im Übrigen lässt sich unabhängig von den Angaben der
  Beschwerdeführerin keine massgebliche Verschlechterung des
  Gesundheitszustands aus den hier relevanten Berichten entnehmen.

  
	
   

  
	
  6.3 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die
  Ausdrucksweise von Dr. D.______ im Bericht vom 13. Februar 2020 lasse
  eine Verschlechterung der Symptomatik erkennen, ist ihr nicht zu folgen. So
  ist darauf hinzuweisen, dass sie aus sprachlichen Nuancen für sich gesehen
  noch nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Dies gilt betreffend den
  vorstehend erwähnten Bericht umso mehr, als sich dieser zum psychischen
  Integritätsschaden und nicht zu einer allfälligen Veränderung der
  Unfallfolgen äussert und daher in seiner Aussagekraft beschränkt ist.
  Entscheidend ist jedoch, ob die Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge
  einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in einer Weise begründet sind, dass
  die rechtsanwende Behörde sie nachvollziehen kann. Dies ist vorliegend zu
  bejahen. Sowohl der Verlaufsbericht von Frau E.______ als auch die
  Beurteilung von Dr. D.______ vom 23. Juli 2020 dokumentieren die
  medizinische Situation unter Berücksichtigung der Vorakten nämlich
  ausführlich, sind nachvollziehbar und im Wesentlichen deckungsgleich.

  
	
   

  
	
  6.4 Im Ergebnis kann der Meinung von Dr. D.______,
  wonach eine Verschlechterung des Gesundheitszustands nicht mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist, ohne Weiteres gefolgt werden. Folglich
  ist ein Revisionstatbestand im Sinne von Art. 17 ATSG zu verneinen. Es
  kann zwar durchaus nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass sich der
  Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei der geltend gemachten Erhöhung
  ihres Erwerbspensums von 14 auf 18.35 Stunden, was einer Steigerung von
  30 % entspricht, rentenrelevant verschlechtern wird. Von einer
  unzumutbaren Überlastung und einer allenfalls entsprechenden Anpassung des
  Invaliditätsgrads ist mit Blick auf die medizinischen Akten zum gegenwärtigen
  Zeitpunkt allerdings nicht auszugehen, womit es an dieser Stelle sein
  Bewenden hat.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  Sodann ist nicht
  ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Wiedererwägung
  gestellt hätte oder die Beschwerdegegnerin auf ein entsprechendes Gesuch
  eingetreten wäre. Mit Blick darauf, dass kein Rechtsanspruch auf
  Wiedererwägung besteht (vgl. vorstehende E. II/3.3), ist dem Begehren
  der Beschwerdeführerin, wonach die Verfügung vom 10. Januar 2019 in
  Wiedererwägung zu ziehen sei, nicht zu folgen. Weil darüber hinaus
  gerichtliche Entscheide keiner Wiedererwägung im Sinne von Art. 53
  Abs. 2 ATSG zugänglich sind (vgl. Kieser, Art. 53 N. 51)
  und sowohl das Verwaltungsgericht als auch das Bundesgericht die
  ursprüngliche Verfügung der Beschwerdegegnerin bestätigt haben, fällt eine
  Wiedererwägung der ursprünglichen Leistungszusprache ohnehin ausser Betracht.

  
	
   

  
	
  8.

  
	
  Ferner bringt weder die
  Beschwerdeführerin vor noch ist ersichtlich, dass sich vor Erlass der
  ursprünglichen Verfügung neue, erhebliche und trotz hinreichender Sorgfalt
  nicht beizubringende Tatsachen verwirklicht hätten
  (vgl. E. II/3.3). Dementsprechend sind die Voraussetzungen einer
  prozessualen Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt.

  
	
   

  
	
  9.

  
	
  Zusammenfassend ist
  festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
  Vergleich zum Einspracheentscheid vom 9. Januar 2019 als unverändert präsentiert, weshalb eine Revision der
  ursprünglichen Leistungszusprache gestützt auf Art. 17 ATSG ausser
  Betracht fällt. Da überdies die Voraussetzungen von Art. 53 ATSG nicht
  erfüllt sind, liegt kein Rückkommenstitel vor.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m.
  Art. 61 lit. fbis ATSG e contrario). Da die Beschwerdeführerin
  unterliegt, steht ihr keine Parteientschädigung zu
  (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e
  contrario).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten werden auf die Staatskasse
    genommen.

    
	
    3.

    	
    Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]