# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04f5dce7-4533-5ec3-a614-3e3f17aa763d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1991-08-14
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 14.08.1991 JAAC 56.35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-56-35--_1991-08-14.pdf

## Full Text

JAAC 56.35

Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 14.

August 1991

Asile. Droit transitoire en matière de procédure d’audition.

Art. 15 al. 2 LA. Lorsque le canton procède à la première audition et
l’Office fédéral des réfugiés à une simple audition complémentaire,
l’obligation de tenir un procès-verbal ne s’applique à l’audition
complémentaire que pour les demandes déposées après le 22 juin 1990.

Asyl. Übergangsrecht beim Anhörungsverfahren.

Art. 15 Abs. 2 AsylG . Führt der Kanton die Erstbefragung, das
Bundesamt für Flüchtlinge lediglich eine ergänzende Befragung durch,
gilt die Protokollierungspflicht für die ergänzende Befragung nur in
Asylverfahren, die nach dem 22. Juni 1990 anhängig gemacht wurden.

Asilo. Diritto transitorio in materia di procedura d’audizione.

Art. 15 cpv. 2 LA. Se il Cantone procede alla prima audizione e l’Ufficio
federale dei rifugiati unicamente a un’audizione completavi, l’obbligo di
redigere un verbale per l’audizione completavi s’applica soltanto nelle
procedure d’asilo aperte dopo il 22 giugno 1990.

Gemäss ständiger Praxis schreitet der Bundesrat aufsichtsrechtlich ein, wenn
eine wiederholte oder wiederholbare Verletzung klaren, materiellen oder
Verfahrensrechts vorliegt, die ein Rechtsstaat auf die Dauer nicht tolerieren
kann (VPB 51.38).

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000440.pdf?ID=150000440

Am 29. September 1989 reichte der Beschwerdeführer ein Asylgesuch ein,
das vom Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) mit Entscheid vom 11. Februar
1991 abgelehnt wurde, nachdem das BFF am 28. November 1990 eine
ergänzende Anhörung durchgeführt hatte. In einer Verwaltungsbeschwerde
an das EJPD und einer anschliessenden Aufsichtsbeschwerde an den
Bundesrat rügt der Beschwerdeführer im wesentlichen dieMissachtung der
Protokollierungspflicht im Rahmen der ergänzenden Anhörung durch das BFF,
wodurch klares Recht missachtet worden sei.

Dazu nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:

a. Das Asylgesuch des Beschwerdeführers war bei Inkrafttreten des BB vom
22. Juni 1990 über das Asylverfahren (AS 1990 938) hängig. Gestützt auf Abs. 1
der Schlussbestimmungen der Änderung des Asylgesetzes vom 22. Juni 1990
kommt demnach vorbehaltlich explizit genannter Ausnahmen das revidierte
Gesetz zur Anwendung.

b. Art. 15 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 5. Oktober 1979 (AsylG, SR 142.31)
schreibt für die Anhörung vor erster Instanz die Pflicht zur Protokollführung
vor. Zur Ergänzung des relevanten Sachverhaltes kann das BFF zusätzliche
Abklärungen veranlassen, unter anderem kann es eine ergänzende Anhörung
durchführen (Art. 16c AsylG).

Gemäss Abs. 2 der Schlussbestimmungen ist Art. 16c AsylG jedoch nur auf
neue, nach dem 22. Juni 1990 eingereichte Verfahren anwendbar, so dass die
ergänzende Anhörung im vorliegenden Fall gestützt auf Art. 16 Abs. 2 AsylG in
der Fassung vom 20. Juni 1986 (AS 1987 1674 ff.) erfolgte. In diesem Verfahren
war die Protokollierungspflicht nicht vorgeschrieben.

c. Gestützt auf Art. 15 Abs. 3 AsylG hat das BFF die Protokollierungspflicht
zu beachten. Dieser Absatz kommt jedoch nur zur Anwendung, wenn das
BFF den Gesuchsteller ausnahmsweise anstelle des Kantons direkt befragt
(Kälin Walter, Grundriss des Asylverfahrens, Basel / Frankfurt am Main 1990,
S. 257 f.).

Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch nicht um eine Direktbefragung
im Sinne des Gesetzes, sondern um eine ergänzende Anhörung, auf die oben
näher eingegangen wurde.

Damit wird klar, dass bei ergänzenden Befragungen durch das BFF in
Asylverfahren, die vor dem 22. Juni 1990 anhängig gemacht wurden, keine
Pflicht zur Protokollführung besteht. Der Bundesrat hat deshalb keinerlei
Veranlassung, aufsichtsrechtliche Massnahmen zu ergreifen.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 56.35 - Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 14. August 1991

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1992
Année

Anno

Band 56
Volume

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Ref. No 150 001 565

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 14. August 1991