# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f9e0a1d-57bb-5cd8-ba18-ff4f5e252aee
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.09.2017 SK 2016 429
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2016-429_2017-09-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil  
SK 16 429

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. September 2017 

Besetzung Oberrichter Guéra (Präsident i.V.), 
Oberrichter Vicari und Oberrichter Zihlmann
Gerichtsschreiberin Segessenmann

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern
 

Staatsanwaltschaft/Berufungsführerin

Gegenstand fahrlässige Tötung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Einzelgericht) vom 25.10.2016 (PEN 2015 633)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Am 25. Oktober 2016 sprach das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Einzelge-
richt) A.________ (nachfolgend Beschuldigter) von der Anschuldigung der fahrläs-
sigen Tötung, angeblich begangen am 23. Januar 2015 in Biel, frei. Die Verfah-
renskosten in der Höhe von CHF 16‘276.50 wurden dem Kanton Bern auferlegt. 
Weiter wurde dem Beschuldigten eine angemessene Entschädigung für die Ausü-
bung seiner Verfahrensrechte in der Höhe von CHF 15‘467.45 zugesprochen 
(pag. 342 f. und 383).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft am 9. November 2016 form- 
und fristgerecht die Berufung an (pag. 354). In der ebenfalls form- und fristgerecht 
erfolgten Berufungserklärung vom 29. Dezember 2016 erklärte die Generalstaats-
anwaltschaft die vollumfängliche Anfechtung des erstinstanzlichen Urteils 
(pag. 392 f.). Mit Verfügung vom 3. Januar 2017 gewährte die Verfahrensleitung 
dem Beschuldigten Gelegenheit, Anschlussberufung zu erklären oder begründet 
ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (pag. 394 f.). Nachdem innert 
Frist nichts beim Obergericht des Kantons Bern eingelangt ist, forderte die Verfah-
rensleitung die Parteien mit Verfügung vom 27. Januar 2017 auf, mitzuteilen, ob sie 
mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden sind (pag. 397 f.). 
Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft (pag. 401) als auch der Beschuldigte, vertre-
ten durch Rechtsanwalt B.________ (pag. 402), gaben in der Folge ihr Einver-
ständnis bekannt, woraufhin mit Verfügung vom 7. Februar 2017 die Durchführung 
des schriftlichen Verfahrens angeordnet und die Generalstaatsanwaltschaft zur 
Einreichung der schriftlichen Berufungsbegründung aufgefordert wurde 
(pag. 404 f.). Fristgerecht ging am 1. März 2017 die schriftliche Berufungsbegrün-
dung der Generalstaatsanwaltschaft ein (pag. 414 ff.). Die dem Beschuldigten glei-
chentags gewährte Gelegenheit zur Stellungnahme (pag. 422) nahm die Verteidi-
gung mit Eingabe vom 31. März 2017 wahr (pag. 446 ff.). Staatsanwältin 
C.________ replizierte namens der Generalstaatsanwaltschaft am 21. April 2017 
(pag. 470 ff.), die Duplik des Beschuldigten ging am 29. Mai 2017 beim Obergericht 
des Kantons Bern ein (pag. 476 ff.), woraufhin der Schriftenwechsel gleichentags 
als geschlossen erachtet wurde (pag. 483 f.). 

3. Anträge der Parteien

Staatsanwältin C.________ stellte namens der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer 
schriftlichen Berufungsbegründung folgende Anträge (pag. 415):

1. A.________ sei schuldig zu erklären der fahrlässigen Tötung, begangen am 23. Janu-
ar 2015, ca. 10.05 Uhr, in Biel, D-Strasse.________.

2. A.________ sei zu verurteilen:

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a. zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 130.00, ausmachend 
CHF 15‘600.00; der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 
2 Jahren aufzuschieben;

b. zu einer Verbindungsbusse von CHF 3‘250.00 (bei schuldhaftem Nichtbezahlen er-
satzweise zu einer Freiheitsstrafe von 25 Tagen);

c. zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer Gebühr von 
CHF 300.00 nach Art. 21 VKD).

Rechtsanwalt B.________ stellte namens des Beschuldigten in seiner Stellung-
nahme vom 31. März 2017 folgende Anträge (pag. 447):

1. Es sei die Berufung der Berufungsführerin vollumfänglich abzuweisen.

2. Es sei der Beschuldigte angemessen zu entschädigen.

3. Es seien die Kostenfolgen inklusive die Kosten der Verteidigung zulasten der Staatskasse zu 
regeln.

4. Eventualiter, d.h. für den Fall, dass das Gericht den Hauptantrag gemäss Ziff. 1 abweisen 
sollte, sei der Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung gemäss Art. 117 StGB schuldig zu 
sprechen und zu einer bedingten Geldstrafe von höchstens 80 Tagessätzen zu verurteilen. 

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde über den Beschuldigten mit Verfügung vom 7. Febru-
ar 2017 (pag. 404 f.) ein aktueller Strafregisterauszug (pag. 412), ein ADMAS-
Bericht (pag. 410) sowie ein aktueller Leumundsbericht (pag. 427 ff.) eingeholt.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Zufolge der vollumfänglichen Anfechtung des erstinstanzlichen Urteils durch die 
Generalstaatsanwaltschaft hat die Kammer den Schuldpunkt, allenfalls die Straf-
zumessung sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu überprüfen. Bei der 
Überprüfung des Urteils verfügt sie über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der 
Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Sie ist aufgrund der Be-
rufung durch die Generalstaatsanwaltschaft nicht an das Verschlechterungsverbot 
gebunden und darf das Urteil auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern 
(Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Strafbefehl (Anklage)

Dem Beschuldigten wird gemäss Strafbefehl vom 27. August 2015, der vorliegend 
als Anklage dient, vorgeworfen, sich am 23. Januar 2015 um ca. 10.05 Uhr an der 
D-Strasse.________ in Biel der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Er 
soll aufgrund fehlender Aufmerksamkeit auf dem Strassenabschnitt E-
Strasse.________ – F-Platz.________ die vorerst vor ihm mit ihrem Fahrrad auf 
der D-Strasse.________ Richtung F-Platz.________ korrekt fahrende G.________ 
übersehen haben und, als er mit seinem Fahrzeug an ihr vorbeigefahren sei und 

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dabei den nötigen seitlichen Abstand nicht gewahrt habe, seitlich mit dem Fahrrad 
kollidiert sein, so dass die Fahrradfahrerin zwischen dem Sattelmotorfahrzeug und 
dem Trottoir eingeklemmt, zu Boden gestürzt und vom rechten Hinterrad des Sat-
telschleppers überrollt worden, und unmittelbar an den Folgen der dabei erlittenen 
schweren Verletzungen verstorben sei (pag. 192).

7. Unbestrittener Sachverhalt

Der äussere Ablauf des Unfalls ist im Wesentlichen unbestritten. So hat als erstellt 
zu gelten, dass der Sattelschlepper des Beschuldigten an der Ampel vor der fragli-
chen Kreuzung 12 Sekunden stillstand. Woher die Fahrradfahrerin kam, kann nicht 
mehr schlüssig eruiert werden, weswegen zu Gunsten des Beschuldigten auf die 
für ihn günstigere Sachverhaltsvariante abzustellen ist, wonach die Fahrradfahrerin 
vom Trottoir herkam (vgl. auch Erwägung der Vorinstanz auf pag. 375, S. 17 der 
Entscheidbegründung). Weiter ist unbestritten, dass der Beschuldigte zu keinem 
Zeitpunkt direkte Sicht auf die Fahrradfahrerin hatte und dass sie sich auf der 
Kreuzung im toten Winkel seines Fahrzeugs befunden hatte. Der Beschuldigte hät-
te sie jedoch – ausgehend von der für ihn günstigeren Sachverhaltsvariante – 
während eines kurzen Zeitfensters von bedeutend weniger als 2,2 Sekunden indi-
rekt sehen können. Beim Überfahren der Kreuzung wäre die Fahrradfahrerin zu-
dem ebenfalls während eines Zeitfensters von 1-2 Sekunden indirekt sichtbar ge-
wesen (pag. 276). Weiter ist unbestritten, dass der Abstand des Sattelschleppers 
zum Randstein im Moment der Kollision 1 Meter und der Abstand zwischen Sattel-
schlepper und Fahrradlenker 50 cm betrug. Das Tempo des Sattelschleppers be-
trug im Moment der Kollision ca. 30 km/h. Weiter ist unbestritten, dass die Fahrrad-
fahrerin vom Sattelschlepper überrollt wurde und an den Folgen der dadurch ent-
standenen schweren Verletzungen verstarb. Der Beschuldigte kannte die örtlichen 
Verhältnisse als Berufschauffeur bestens und stand im Zeitpunkt des Unfalls weder 
unter Drogen- noch unter Alkoholeinfluss. Auch die örtlichen Verhältnisse an der 
Unfallstelle sind erstellt; sie können wie folgt beschrieben werden:

Der tödliche Unfall ereignete sich kurz nach der Kreuzung zwischen D-
Strasse.________ und E-Strasse.________. Vor der Kreuzung befinden sich in 
Fahrtrichtung des Beschuldigten zwei Spuren, wobei eine geradeaus und die ande-
re nach links führt. Zusätzlich ist eine Fahrradspur geradeaus vorhanden. Neben 
der Ampelanlage ist ein Spiegel angebracht (pag. 30 und 260). Es besteht keine 
separate Signalisation bzw. Ampelanlage für Fahrradfahrer, die Signalisation er-
folgt für beide Verkehrsteilnehmer zusammen (vgl. auch pag. 365, S. 7 der Ent-
scheidbegründung). Auf bzw. nach der Kreuzung verengt sich die Fahrspur und die 
Fahrradspur wird aufgehoben (Fotos, pag. 30-32). Die Platzverhältnisse sind eher 
knapp, sowohl die Motorfahrzeugfahrer als auch die Velofahrer sind aufgrund des 
Strassenverlaufs bzw. der Verengung der Strasse gezwungen, nach links zu hal-
ten. Der Unfall ereignete sich kurz nach dem Fussgängerstreifen unmittelbar nach 
der Kreuzung (pag. 33). An der Kollisionsstelle weist die Strasse eine Breite von 
9,5 Metern und die Fahrspur, welche der Beschuldigte benutzte, eine Breite von 
3,8 Metern auf (pag. 243).

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8. Bestrittener Sachverhalt und Beweisfrage

Bestritten ist, ob der Beschuldigte vor dem Anfahrvorgang an der Ampel einen Kon-
trollblick in die Rückspiegel geworfen hat, ob er die Fahrradfahrerin vor der Kollisi-
on tatsächlich gesehen hat und ob er sie hätte sehen können. Weiter ist bestritten 
und zu prüfen, ob die Fahrradfahrerin infolge der Kollision mit dem Sattelschlepper  
oder ohne Dritteinwirkung stürzte. 

9. Beweismittel

Die Vorinstanz hat die vorliegenden Beweismittel zutreffend und ausführlich wie-
dergegeben. Auf die entsprechenden Ausführungen bzw. Aktenstellen kann ver-
wiesen werden. Im Folgenden werden die Beweismittel jedoch im Sinne einer 
Übersicht kurz aufgeführt:

- Unfallaufnahmeprotokoll samt zugehörige Beilagen (pag. 4 ff.) sowie Berichts-
rapport der Kantonspolizei vom 25. März 2015 (pag. 74 ff): Ausführungen der 
Vorinstanz hierzu pag. 365 f., S. 7 f. der Entscheidbegründung;

- Umfangreiche Dokumentation des Unfalltechnischen Dienstes (UTD; 
pag. 26 ff.);

- Weitere Pläne und Fotos der Unfallstelle (Ausführungen der Vorinstanz auf 
pag. 364 f., S. 6 f. der Entscheidbegründung);

- DVD Aufnahmen der Dashcam von H.________ (Ausführungen der Vorinstanz 
hierzu auf pag. 366, S. 8 der Entscheidbegründung);

- Obduktionsbericht G.________ vom 4. August 2015 (pag. 99 ff. und pag. 367, 
S. 9 der Entscheidbegründung);

- Forensisch-toxikologische Untersuchung des Beschuldigten (pag. 90 ff. und 
pag. 367, S. 9 der Entscheidbegründung).

Bezüglich der sich stellenden Beweisfragen ist wie nachfolgend aufzuzeigen sein 
wird insbesondere das Gutachten der H (AG).________ vom 4. März 2016 
(pag. 233 ff.) von besonderer Bedeutung. Die Vorinstanz hat das Gutachten zutref-
fend zusammengefasst, auf die entsprechenden Ausführungen wird verwiesen 
(pag. 367 ff., S. 9-11 der Entscheidbegründung).

Weiter liegen der Kammer folgende subjektive Beweismittel vor:

- Aussagen des Beschuldigten vom 23. Januar 2015 (pag. 130 ff.), Zusammen-
fassung durch Vorinstanz pag. 369 f., S. 11 f. der Entscheidbegründung;

- Aussagen des Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft vom 20. Mai 2016 
(pag. 135 ff.), Zusammenfassung durch die Vorinstanz pag. 370 f., S. 12 f. der 
Entscheidbegründung;

- Aussagen des Beschuldigten an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
25. Oktober 2016. Es wird auf die entsprechende Aktenstelle verwiesen 
(pag. 319 f.);

- Aussagen des Zeugen I.________ (pag. 125 ff.), Zusammenfassung durch Vor-
instanz auf pag. 371 f., S. 13 f. der Entscheidbegründung;

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- Aussagen des Zeugen J.________ als polizeiliche Auskunftsperson (hand-
schriftlich festgehalten, pag. 128 f.), Zusammenfassung durch Vorinstanz 
pag. 372, S. 14 der Entscheidbegründung.

10. Beweiswürdigung durch die Vorinstanz

Die Vorinstanz stellt bezüglich der sich stellenden Beweisfragen insbesondere auf 
das verkehrstechnische Gutachten der H (AG).________ vom 4. März 2016 ab, 
nämlich woher die Fahrradfahrerin kam, ob der Beschuldigte sie gesehen hatte 
bzw. sie hätte sehen können/müssen, mit welchem Abstand der Beschuldigte an 
der Fahrradfahrerin vorbeigefahren ist, und ob es vor dem Sturz zu einer seitlichen 
Kollision zwischen dem Sattelschlepper und dem Fahrrad gekommen ist. Die Aus-
sagen des Beschuldigten erachtet sie aufgrund des erlittenen Schocks insbesonde-
re bezüglich der Frage, ob er die Fahrradfahrerin vor dem Unfall wahrgenommen 
hatte, als nicht uneingeschränkt zuverlässig (pag. 374, S. 16 der Entscheidbegrün-
dung). Da gemäss dem eingeholten Gutachten unklar bleibe, woher die Fahrrad-
fahrerin gekommen sei, stellt die Vorinstanz auf die für den Beschuldigten günsti-
gere Sachlage ab, wonach sie vom Trottoir hergekommen sei. So sei sie für den 
Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt direkt sichtbar gewesen. Auch auf der Kreu-
zung habe der Beschuldigte sie nicht wahrnehmen können. Hingegen wäre es dem 
Beschuldigten möglich gewesen, sie vorher während weniger als 2,2 Sekunden im 
Spiegel zu sehen. Zu Gunsten des Beschuldigten sei davon auszugehen, dass dies 
geschehen sei. Dafür spreche auch der grosse Abstand von einem Meter, welcher 
zwischen dem Sattelschlepper und dem Randstein bestanden habe. Der Abstand 
zwischen Sattelschlepper und Fahrradlenker habe 50 cm betragen. Aufgrund der 
verengten Fahrbahn sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte – hätte er die 
Fahrradfahrerin nicht wahrgenommen – nicht einen derart grossen Abstand zum 
Randstein bzw. zur Fahrradfahrerin gewahrt hätte. Nach dem Grundsatz in dubio 
pro reo sei gemäss Gutachten weiter davon auszugehen, dass die Fahrradfahrerin 
ohne Einwirkung durch den Sattelschlepper gestürzt sei (pag. 375 f., S. 17 f. der 
Entscheidbegründung). 

11. Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft bringt in sachverhaltsmässiger Hinsicht vor, es kön-
ne offen gelassen werden, woher die Fahrradfahrerin gekommen sei. Fest stehe, 
dass der Beschuldigte sie in jedem Fall während eines Zeitfensters von 2,2 Sekun-
den oder weniger insgesamt zweimal hätte sehen können. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, wieso die Vorinstanz – entgegen den glaubhaften Angaben des Beschul-
digten selbst – in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo davon ausgegan-
gen sei, dass er die Fahrradfahrerin gesehen habe. Weiter gehe das Gutachten 
zwar davon aus, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Fahrradfahre-
rin selbständig gestürzt sei. Hingegen widerspreche diese Annahme den klaren 
Aussagen des Zeugen I.________ sowie den objektiven Beweismitteln. So seien 
an der rechten Seite des Fahrzeugs zahlreiche Kratzspuren vorhanden. Die Frage, 
ob die Fahrradfahrerin ohne Einwirkung des Sattelschleppers gestürzt sei oder 
nicht, sei jedoch letztlich irrelevant (pag. 416 f.). 

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12. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung macht in sachverhaltsmässiger Hinsicht vorab Ausführungen zu 
den örtlichen Gegebenheiten sowie zur Verkehrssituation und dem Fahrmanöver 
unmittelbar vor und am Unfallort aus Sicht des Beschuldigten und des verstorbe-
nen Unfallopfers. Der Beschuldigte habe das Opfer zu keinem Zeitpunkt wahrge-
nommen. Bis über die Kreuzung seien die beiden parallel gefahren, weswegen 
denn auch nicht von einem Überholmanöver die Rede sein könne (pag. 453). 

13. Beweiswürdigung durch die Kammer

13.1 Beweiswürdigung bezüglich der Frage, ob der Beschuldigte die Fahrradfah-
rerin vor dem Unfall wahrgenommen hat

Die Vorinstanz gelangte entgegen den Aussagen des Beschuldigten zum Schluss, 
dieser habe die Fahrradfahrerin vor dem Unfall wahrgenommen. Sowohl die Gene-
ralstaatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte selbst stellen sich gegen dieses 
Beweisergebnis. 

Es ist näher zu prüfen, warum bezüglich dieser Frage nicht auf die Aussagen des 
Beschuldigten abgestellt werden sollte. Der Beschuldigte hat glaubhaft, überzeu-
gend und gleichbleibend ausgesagt, die Fahrradfahrerin vor dem Unfall nicht wahr-
genommen zu haben. Zwar ist durchaus zutreffend, dass der Beschuldigte in Folge 
des Unfalls einen Schock erlitten hatte. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der 
Beschuldigte zum Zeitpunkt der Einvernahme – rund 5 Stunden nach dem Unfall – 
in der Lage war, wahrheitsgemässe und zuverlässige Aussagen zu machen und 
sich nicht mehr in einem die Erinnerung trübenden Schockzustand befand. Dies 
zeigt sich zum einen darin, dass der Beschuldigte den Unfallhergang bzw. seine 
Wahrnehmungen unmittelbar vor dem Unfall in freier Erzählung ausführlich schil-
dern konnte (pag. 131). Zum anderen hat der Beschuldigte auch Erinnerungslü-
cken, welche aufgrund des Schocks unmittelbar nach dem Unfall auftraten, offen 
dargelegt. So konnte der Beschuldigte ab dem Moment, indem er das verstorbene 
Unfallopfer wahrgenommen hatte, keine Angaben zu den darauf folgenden Ge-
schehnissen mehr machen. Die Kammer misst den Aussagen des Beschuldigten 
aufgrund dieser Differenzierung einen hohen Stellenwert zu und stellt auf diese ab. 
Dies hat umso mehr zu gelten, als der Beschuldigte später bei der Staatsanwalt-
schaft gleichbleibende und glaubhafte Angaben machte. 

Kommt hinzu, dass der Beschuldigte glaubhaft und überzeugend darlegte, dass er 
relativ nahe am Trottoir gefahren sei, da er am F-Platz.________ habe rechts ab-
biegen und daher verhindern wollen, dass ein Fahrradfahrer rechts vorbeiziehen 
könne (pag. 140). Auch diese Aussage und Verhaltensweise deutet darauf hin, 
dass der Beschuldigte als ortskundiger Berufschauffeur überzeugt war, dass sich 
kein Fahrradfahrer neben ihm befunden hatte. 

Selbst wenn zusammen mit der Vorinstanz davon auszugehen wäre, dass die Aus-
sagen des Beschuldigten aufgrund des erlittenen Schocks nicht zuverlässig genug 
sind, der Sachverhalt nicht mehr eruiert werden kann und damit der Grundsatz in 
dubio pro reo zur Anwendung gelangt, erscheint fragwürdig, wieso es für den Be-
schuldigten vorteilhafter wäre, davon auszugehen, dass er die Fahrradfahrerin 

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wahrgenommen hatte. Vielmehr wäre die Sachverhaltsvariante günstiger, dass der 
Beschuldigte die Fahrradfahrerin nicht wahrgenommen hat. Die Kammer geht da-
her beweismässig davon aus, dass der Beschuldigte die Fahrradfahrerin vor dem 
Unfall zu keinem Zeitpunkt wahrgenommen hatte. 

13.2 Beweiswürdigung bezüglich der Frage nach dem Kontrollblick

Von der Generalstaatsanwaltschaft wird weiter in Zweifel gezogen, dass der Be-
schuldigte vor dem Anfahrvorgang in die Spiegel geschaut habe. 

Diesbezüglich kann nach Ansicht der Kammer auf die gleichbleibenden und glaub-
haften Aussagen des Beschuldigten abgestellt werden (pag. 137). Der Beschuldig-
te legte überzeugend dar, dass diese Kontrollblicke nach 25 Jahren Berufserfah-
rung automatisch erfolgen (pag. 137). Gerade aufgrund der langjährigen berufli-
chen Erfahrung des Beschuldigten und der Tatsache, dass Kontrollblicke bei erfah-
renen und regelmässigen Fahrern automatisiert erfolgen, sind diese Aussagen 
nachvollziehbar. Anhaltspunkte dafür, dass die Kontrollblicke vorliegend aus-
nahmsweise nicht erfolgt sein sollten, sind keine vorhanden. Auch der Gutachter 
führt aus, dass der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben vor dem Anfahren in 
den Spiegel geschaut habe und kein Fahrrad wahrgenommen habe, was möglich 
sei (pag. 274). Es sind keine Hinweise für eine gegenteilige Annahme vorhanden. 

Es ist daher beweismässig davon auszugehen, dass der Beschuldigte vor dem An-
fahrvorgang am Lichtsignal in die Rückspiegel geschaut hatte.

13.3 Beweiswürdigung bezüglich der Frage der Ursache der Kollision

Die Generalstaatsanwaltschaft geht abweichend von der Vorinstanz davon aus, 
dass die Fahrradfahrerin infolge der Kollision mit dem Fahrzeug des Beschuldigten 
stürzte. Sie erachtet dies insbesondere aufgrund der Spuren am Fahrzeug sowie 
der Aussagen des Zeugen I.________ als erwiesen.

Das Gutachten der H (AG).________ bestätigt, dass die Kratzspuren am Lastwa-
gen des Beschuldigten vom Fahrradlenker stammen (pag. 261). Gemäss Gutach-
ten stiess das Fahrrad gegen die Seite des Lastwagens (pag. 263). Dennoch ge-
langte der Gutachter zum Schluss, dass ein selbständiges Stürzen der Fahrradfah-
rerin nicht ausgeschlossen werden könne (pag. 276). 

Der genaue Unfallhergang kann im Detail nicht mehr rekonstruiert werden. Dass 
die Fahrradfahrerin selbständig bzw. anlassfrei stürzte, erscheint jedoch als äus-
serst unwahrscheinlich. Vielmehr dürften entweder eine Berührung mit dem Last-
wagen oder die plötzliche unerwartete Nähe zum Lastwagen die verunglückte 
Fahrradfahrerin überrascht, aus dem Gleichgewicht gebracht und damit den Sturz 
verursacht haben. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ist dies für die rechtliche 
Beurteilung des Sachverhalts jedoch nicht von entscheidender Bedeutung. 

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III. Rechtliche Würdigung

14. Rechtliche Grundlagen

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen der fahrlässigen Tötung zutreffend 
wiedergegeben. Es kann auf ihre Ausführungen verwiesen werden (pag. 377 ff., 
S. 19-22 der Entscheidbegründung).

Die vorliegend durch die Kammer zu prüfenden Fragen betreffen die Tatbestands-
voraussetzung der Sorgfaltspflichtverletzung bzw. insbesondere die Vermeidbarkeit 
des Erfolgs. Die Kammer geht daher im Folgenden kurz auf die entsprechenden 
Tatbestandsvoraussetzungen ein und gibt die einschlägige bundesgerichtliche 
Rechtsprechung wieder (Urteil des Bundesgerichts BGer 6B_164/2016 vom 14. 
März 2017, E. 2.1):

Gemäss Art. 117 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer fahr-
lässig den Tod eines Menschen verursacht. Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer 
die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rück-
sicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er 
nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 
StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung setzt somit voraus, dass der Täter den Erfolg 
durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Dies ist der Fall, wenn der Täter im Zeitpunkt 
der Tat auf Grund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die Gefährdung der 
Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des 
erlaubten Risikos überschritten hat. Wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende 
Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in 
erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen). 

Die Sorgfaltspflicht wird in der Literatur wie folgt umschrieben (NIGGLI/MAEDER, in: 
Basler Kommentar Strafgesetzbuch I, Niggli/Wiprächtiger (Hrsg.), 3. Auflage 2013, 
N 99 zu Art. 12):

Eine erste, so elementare wie selbstverständliche Begrenzung von Sorgfaltsgeboten liegt darin, dass 
sie nicht weiter reichen können als die Fähigkeit des Menschen, Geschehensabläufe vorherzusehen 
und gestaltend auf sie Einfluss zu nehmen, es keine Pflicht geben kann, sein Verhalten nach für nie-
manden erkennbaren Risiken auszurichten oder das Menschenunmögliche zu tun, um eine drohende 
Gefahr abzuwenden. Zu den Grundvoraussetzungen sorgfaltswidrigen Handelns gehören deshalb ei-
nerseits die Voraussehbarkeit des Erfolgs und andererseits dessen Vermeidbarkeit – entweder durch 
das Ergreifen von Vorkehrungen, welche das Risiko seiner Verwirklichung ausschliessen bzw. auf das 
erlaubte Mass reduzieren, oder aber, falls dies nicht möglich ist, durch das Unterlassen der gefährli-
chen Handlung.

15. Rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freige-
sprochen. Sie ist in rechtlicher Hinsicht zum Schluss gelangt, dass dem Beschul-
digten keine mangelnde Vorsicht vorgeworfen werden könne. Aufgrund des regen 
Verkehrs, der anderen Verkehrsteilnehmer (insbesondere auch Fussgänger) sowie 
der Kreuzung sei es dem Beschuldigten nicht möglich gewesen, stets in die Sei-
tenspiegel zu blicken. Die Sorgfaltsanforderungen dürften nicht derart hoch ange-

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setzt werden, dass damit andere Sorgfaltsanforderungen vernachlässigt werden 
müssten. Der Beschuldigte habe die Fahrradfahrerin nur zufälligerweise wahrge-
nommen und sie selbst bei Wahrung sämtlicher Sorgfaltspflichten nicht sehen 
müssen (pag. 380 f., S. 22 f. der Entscheidbegründung). Der im Rahmen der Be-
weiswürdigung festgestellte seitliche Abstand zum Randstein bzw. zur Fahrradfah-
rerin sei ausreichend gewesen. Angesichts der Breite der Fahrbahn hätte der Be-
schuldigte nicht viel mehr Abstand halten können, ohne auf die Gegenfahrbahn zu 
gelangen. Ein gleichzeitiges Befahren der Kreuzung für ein grosses Motorfahrzeug 
und einen Fahrradfahrer müsse möglich sein, zumal auch die Ampel entsprechend 
geschaltet sei. Dem Beschuldigten können daher auch nicht vorgeworfen werden, 
zu wenig Abstand gehalten zu haben (pag. 381 f., S. 24 f. der Entscheidbegrün-
dung). Schliesslich sei die Fahrradfahrerin von selbst und ohne Einwirkung des 
Sattelschleppers gestürzt, dies sei für den Beschuldigten nicht vorhersehbar und 
vermeidbar gewesen (pag. 382, S. 24 der Entscheidbegründung). 

16. Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft in rechtlicher Hinsicht

In rechtlicher Hinsicht bringt die Generalstaatsanwaltschaft vor, der Beschuldigte 
habe sich sorgfaltswidrig verhalten. Er hätte die Fahrradfahrerin sehen müssen und 
keinen genügenden seitlichen Abstand eingehalten. Beachtlich sei, dass Velostrei-
fen grundsätzlich eine Normalbreite von 150 cm aufweisen würden. Velofahrer sei-
en, wenn sie mit einem knappen Abstand überholt würden, in besonderem Masse 
der Gefahr ausgesetzt, zu stürzen. Dies gelte insbesondere für die tödlich verunfall-
te Fahrradfahrerin, welche bereits 70 Jahre alt gewesen sei. Das Bundesgericht 
habe zwar keinen Mindestabstand festgelegt, einen Abstand von 10-15 cm jedoch 
als unzureichend beurteilt. Pro Velo Schweiz empfehle zudem, einen Sicherheits-
abstand von 70 cm zum Randstein zu halten. Dass der Abstand von 50 cm zwi-
schen dem linken Ende der Lenkstange des Velos und dem Sattelschlepper unzu-
reichend gewesen sei, ergebe sich auch aus den Aussagen des Zeugen 
I.________, welcher die Kollision und die Schreie der Verunglückten wahrgenom-
men habe. Diese sei so gezwungen gewesen, bis auf einen Abstand von 20 cm an 
den Randstein heranzufahren. Beachtlich sei auch, dass der Beschuldigte die 
Fahrradfahrerin nicht wahrgenommen und kein eigentliches Überholmanöver ein-
geleitet habe (pag. 418 f.). Die tödliche Kollision sei für den Beschuldigten erkenn-
bar gewesen. Er hätte die Fahrradfahrerin in mindestens zwei Zeitpunkten erken-
nen können. Lastwagenfahrern seien der sichttote Winkel und die damit verbunde-
nen Risiken bekannt. Das Bundesgericht habe bestätigt, dass Lastwagenchauffeu-
re immer damit rechnen müssten, dass sich rechts neben ihnen Fahrradfahrer ein-
schieben würden. Der Beschuldigte hätte daher in jedem Fall mit Velofahrern rech-
nen und seine Aufmerksamkeit vor dem Losfahren auf diese richten müssen. Ein 
allfälliges Fehlverhalten der Fahrradfahrerin könne den adäquaten Kausalzusam-
menhang nicht unterbrechen. Der strafrechtliche Erfolg sei zudem auch vermeidbar 
gewesen. Der Beschuldigte hätte entweder nach links ausweichen oder mit dem 
Überholmanöver warten können (pag. 419 f.).

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17. Rechtliche Vorbringen der Verteidigung

In rechtlicher Hinsicht bringt die Verteidigung vor, dem Beschuldigten sei es nicht 
möglich gewesen, den richtigen Moment zu bestimmen, in welchem er die Fahrrad-
fahrerin im Spiegel hätte wahrnehmen können. Das Gutachten bestätige zudem, 
dass keine klaren Aussagen zum Trixi-Spiegel und dessen konkreten Nutzen ge-
macht werden könnten. Dass das Opfer selbst gestürzt sei, habe gemäss Gutach-
ten, auf welches abzustellen sei, als höchst wahrscheinlich zu gelten. Ob das Un-
falloper selbst gestürzt sei, sei entgegen der Darstellung der Generalstaatsanwalt-
schaft entscheidend, da dies dem Beschuldigten nicht angelastet werden könne 
(pag. 455 f.). Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände sei der eingehaltene 
Abstand von 50 cm als genügend zu beurteilen, zumal keine fixe Grenze bestehe, 
sondern immer die konkreten Verkehrsverhältnisse zu berücksichtigen seien (pag. 
456 f.). Der vorliegende Unfall sei für den Beschuldigten nicht erkennbar oder vor-
aussehbar gewesen. Der Lastwagenfahrer habe gemäss neuer bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung die sich aus dem sichttoten Winkel ergebenden Risiken nicht 
schlechthin auszuschalten. Dies sei heute nicht mehr möglich (pag. 458). Die An-
forderungen an die anzuwendende Sorgfalt dürften nicht derart hoch angesetzt 
werden, dass der Führer seine Aufmerksamkeit nicht mehr gebührend anderen Ge-
fahren zuwenden könne. Es könne nicht verlangt werden, dass jeder Fahrzeugfüh-
rer zu jeder Zeit gegenüber jeder Gefahrenquelle ein Höchstmass an Aufmerksam-
keit erbringe. Vom eingetretenen Erfolg dürfe nicht auf eine Sorgfaltspflichtverlet-
zung rückgeschlossen werden (pag. 460).

18. Rechtliche Würdigung durch die Kammer

Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung setzt voraus, dass sich der Beschuldigte 
pflichtwidrig unvorsichtig verhalten hat. Konkret wird dem Beschuldigten vorliegend 
vorgeworfen, die Fahrradfahrerin infolge mangelnder Aufmerksamkeit nicht wahr-
genommen zu haben (pag. 192). 

Das Beweisergebnis hat ergeben, dass der Beschuldigte die Fahrradfahrerin nicht 
wahrgenommen hatte. Weiter ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte zu kei-
nem Zeitpunkt direkte Sicht auf die Fahrradfahrerin hatte und sie lediglich – hätte er 
zum richtigen Zeitpunkt in den entsprechenden Spiegel geschaut – während einer 
Zeitspanne von bedeutend weniger als 2,2 Sekunden sowie später beim Befahren 
der Kreuzung während einer Zeitspanne von 1-2 Sekunden hätte wahrnehmen 
können. 

Die Generalstaatsanwaltschaft stellt sich nun auf den Standpunkt, der Beschuldigte 
hätte die Fahrradfahrerin in mindestens zwei Sequenzen bzw. Zeitpunkten erken-
nen können und müssen. Lastwagenfahrern seien der sichttote Winkel und die da-
mit verbundenen Risiken bekannt. Der Beschuldigte hätte daher in jedem Fall mit 
Velofahrern rechnen und seine Aufmerksamkeit vor dem Losfahren vor allem auch 
auf diese Gefahrenquelle richten müssen.

Dem Beschuldigten kann vorliegend keine Sorgfaltspflichtverletzung im Sinne von 
Art. 117 StGB vorgeworfen werden. Vor dem Anfahren an der Ampel hatte er in 
Übereinstimmung mit den ihm obliegenden Sorgfaltspflichten einen Kontrollblick in 
die Rückspiegel geworfen, die Fahrradfahrerin jedoch nicht wahrgenommen, da 

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sich diese vor dem Anfahrvorgang noch gar nicht auf der Höhe des Lastwagens 
bzw. in seinem Sichtfenster befunden hatte. Der Beschuldigte hatte damit schlicht 
keine Möglichkeit, die Fahrradfahrerin in diesem zentralen Zeitpunkt wahrzuneh-
men. Zwar bestand unmittelbar nach dem Anfahrvorgang sowie am Ende der 
Kreuzung die Gelegenheit, die Fahrradfahrerin während einer äusserst kurzen 
Zeitspanne im Rückspiegel zu sehen. Nach dem Anfahrvorgang hatte der Beschul-
digte seine Aufmerksamkeit jedoch vorab auf die zu passierende Kreuzung zu rich-
ten. Potentielle Gefahren befinden sich in der Regel in Fahrtrichtung (beispielswei-
se in Form von Fussgängern oder Velofahrern, welche den Fussgängerstreifen 
passieren) oder auf der kreuzenden Strasse (Fahrradfahrer, welche die Signalisati-
on nicht beachten und rechts abbiegen etc.). Vom Beschuldigten kann daher nicht 
erwartet werden, dass er in dem Moment, indem er die Kreuzung passiert, zusätz-
lich auch noch ununterbrochen die Rückspiegel überwacht – zumal er ja beim An-
fahren kein Velo neben sich gesehen hat. Würde er dies tun, würden ihm unter 
Umständen potentielle Gefahren in Fahrtrichtung entgehen, da es ihm natur-
gemäss nicht möglich ist, seine volle Aufmerksamkeit stets gleichzeitig auf alle po-
tentiellen Gefahrenquellen zu richten. Entgehen dem Beschuldigten bei der pflicht-
gemässen Beachtung seiner Sorgfaltspflichten wie vorliegend andere mögliche Ge-
fahrenquellen, darf ihm dies nicht eo ipso zum Vorwurf gemacht werden. Dies hat 
umso mehr zu gelten, als es im vorliegenden Fall angesichts der kurzen Zeitfenster 
von je wenigen Sekundenbruchteilen, in denen er die Fahrradfahrerin hätte erbli-
cken können, rein zufällig gewesen wäre, wenn er sie wahrgenommen hätte. Selbst 
wenn der Beschuldigte also während des Passierens der Kreuzung stets kurze 
Kontrollblicke in die Rückspiegel geworfen hätte, hätte er die Fahrradfahrerin unter 
Umständen nicht wahrnehmen können, da er den richtigen Moment zufälligerweise 
verpasst hätte.

Gleich stellt sich die Situation auch dar, wenn von der für den Beschuldigten un-
günstigeren Sachverhaltsvariante auszugehen wäre. Für den Beschuldigten be-
stand in diesem Fall während eines Zeitfensters von maximal rund 2,2 Sekunden 
die Möglichkeit, während des Anfahrvorgangs die Fahrradfahrerin wahrzuneh-
men (pag. 276). Der Beschuldigte hat jedoch – wie üblich und in Erfüllung der ihm 
obliegenden Sorgfaltspflichten – vor dem Anfahrvorgang in die Rückspiegel ge-
schaut. Er hätte die Fahrradfahrerin damit auch bei dieser Sachverhaltsvariante 
nicht auf sicher wahrnehmen können. Im Übrigen ist an dieser Stelle anzumerken, 
dass auch das Gutachten – welches zu Recht weder von der Vorinstanz noch von 
den Parteien in Zweifel gezogen wird – zum Schluss gelangt, dass nicht mit Si-
cherheit bestimmt werden kann, ob der Unfall vermeidbar gewesen wäre (pag. 
276).

Die Generalstaatsanwaltschaft stellt sich weiter mit Verweis auf die bundesgericht-
liche Rechtsprechung auf den Standpunkt, der Beschuldigte hätte die mit dem 
sichttoten Winkel verbundenen Gefahren kennen und jederzeit mit einbiegenden 
Fahrradfahrern rechnen müssen. Wie oben dargelegt, hat der Beschuldigte nach 
Ansicht der Kammer bei vorliegendem Beweisergebnis alles getan, um der Gefahr 
von hinter ihm einbiegenden Fahrradfahrern zu begegnen. Es ist nicht ersichtlich, 
was der Beschuldigte sonst noch hätte tun können, um die Fahrradfahrerin in der 
konkreten Situation wahrzunehmen und den Unfall damit zu vermeiden, ohne 

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gleichzeitig andere ihm obliegende Sorgfaltspflichten zu verletzen oder den Ver-
kehrsfluss in unverhältnismässiger Weise zu behindern. Der Beschuldigte hat die 
verlangten Kontrollblicke durchgeführt. Der tragische Unfall wäre nur dann mit Si-
cherheit vermeidbar gewesen, wenn der Beschuldigte beim Befahren der Kreuzung 
entweder die Rückspiegel ununterbrochen überwacht oder auf der Kreuzung sein 
Fahrzeug gänzlich gestoppt hätte, um allfällige Fahrradfahrer – welche sich an der 
roten Ampel noch nicht auf dem Velostreifen in seinem Sichtfeld befunden hatten – 
passieren zu lassen. Dies kann von ihm nicht verlangt werden. Der Beschuldigte 
durfte die Kreuzung wie vorliegend geschehen in langsamem Tempo passieren. 
Auch das Bundesgericht hat festgehalten, dass ein vernünftiges, d.h. die anderen 
Verkehrsteilnehmer nicht behinderndes Fahren im Verkehr noch möglich sein müs-
se. Die Sorgfaltsanforderungen dürfen deshalb bei völlig normalen Fahrmanövern 
nicht derart hochgeschraubt werden, dass sie im Einzelfall nicht mehr erfüllt wer-
den können bzw. dass die Erfüllung der einen Pflicht notwendigerweise die Verlet-
zung einer gleichzeitig ebenfalls zu beachtenden anderen Pflicht bedeutet (BGE 
127 IV 34 E 3c bb). Genau dies müsste jedoch vorliegend vom Beschuldigten er-
wartet werden, wenn sein Verhalten als Sorgfaltspflichtverletzung qualifiziert würde. 

Da die Kammer zum Schluss gelangt ist, dass der Beschuldigte die Fahrradfahrerin 
nicht wahrgenommen hat und dieser Umstand nicht auf eine Sorgfaltspflichtverlet-
zung zurückzuführen ist, erübrigt es sich, auf die Ausführungen der Generalstaats-
anwaltschaft zum eingehaltenen Abstand zur Fahrradfahrerin bzw. zum Trottoir 
einzugehen. Da der Beschuldigte die Fahrradfahrerin nicht wahrgenommen hatte 
bzw. nicht wahrnehmen musste, war er auch nicht gehalten, vorsorglich einen 
grösseren Abstand zum Trottoir einzuhalten und damit gleichzeitig entgegenkom-
mende Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn zu behindern bzw. zum Anhalten zu 
zwingen. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte keiner Sorgfalts-
pflichtverletzung schuldig gemacht hat bzw. ihm eine solche nicht rechtsgenüglich 
nachgewiesen werden kann. Es ist an dieser Stelle jedoch zu betonen, dass auch 
der tödlich verunglückten Fahrradfahrerin keine Pflichtverletzung vorgeworfen wer-
den kann. Die Verkehrsführung für Fahrradfahrer erscheint im fraglichen Strassen-
abschnitt eher schwierig (Verengung der Fahrbahn mit Aufhebung des Radstrei-
fens). So ist der tragische Unfall letztlich auf eine unglückliche Verkettung ver-
schiedener Umstände zurückzuführen. 

Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung, angeblich begangen am 
23. Januar 2015, ca. 10:05 Uhr in Biel, freizusprechen.  

IV. Kosten und Entschädigung 

19. Verfahrenskosten

Der Beschuldigte wird freigesprochen, weswegen die erstinstanzlichen Verfahrens-
kosten von total CHF 16‘276.50 in Anwendung von Art. 423 StPO vom Kanton Bern 
zu tragen sind.

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Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens hat der Beschuldigte als vollum-
fänglich obsiegend zu gelten. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten von 
CHF 800.00 sind in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO ebenfalls vom Kanton 
Bern zu tragen. 

20. Entschädigung

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das 
Verfahren gegen sie eingestellt, hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwen-
dungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte 
(Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO). 

Rechtsanwalt B.________ macht für die Vertretung des Beschuldigten im erstin-
stanzlichen Verfahren einen vergleichsweise recht hohen Aufwand von 
CHF 15‘467.45 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) geltend, was im vorliegenden 
Fall allerdings noch als angemessen erachtet werden kann. Der Beschuldigte ist 
durch den Kanton Bern entsprechend zu entschädigen.

Die Entschädigung für das oberinstanzliche Verfahren ist – nach Eingang der de-
taillierten Kostennote der Verteidigung – später mit separatem Beschluss festzu-
setzen (unter Hinweis auf Art. 17 Abs. 1 Bst. f der bernischen Parteikostenverord-
nung [PKV, BSG 168.811]).

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V. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird freigesprochen

von der Anschuldigung der fahrlässigen Tötung, angeblich begangen am 23.01.2015, ca. 
10:05 Uhr an der D-Strasse.________ in Biel z.N. von G.________ sel.;

unter Ausrichtung einer Entschädigung für die angemessene Ausübung seiner Verfah-
rensrechte von CHF 15‘467.45 für das erstinstanzlichen Verfahren.

II.

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 16‘276.50 sind durch den Kanton 
Bern zu tragen.

Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 800.00 sind durch den Kanton Bern 
zu tragen. 

III.

Weiter wird verfügt:

Die Entschädigung für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte des Beschuldig-
ten im oberinstanzlichen Verfahren wird später mit separatem Beschluss bestimmt. 

Rechtsanwalt B.________ wird aufgefordert, dem Gericht innert 10 Tagen seine detaillier-
te Kostennote zukommen zu lassen (unter Hinweis auf Art. 17 Abs. 1 Bst. f der bernischen 
Parteikostenverordnung PKV).

IV.

1. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten, vertreten durch Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz 
- K.________, vertreten durch Rechtsanwalt L.________ 
- dem Strassenverkehrsamt Luzern

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Bern, 5. September 2017 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Guéra

Die Gerichtsschreiberin:

Segessenmann

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 
173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.