# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 39c9f55d-982b-5402-b87f-24417234bb7d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-04-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.04.2022 E-1323/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1323-2022_2022-04-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1323/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  A p r i l  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richterin Chrystel Tornare Villanueva;  

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Anna Brauchli, Rechtsschutz für Asylsu-

chende, Bundesasylzentrum Region (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 18. Februar 2022 / N (…). 

 

 

 

E-1323/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 30. Dezember 2021 in der Schweiz um 

Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region 

B._______ zugewiesen. 

B.  

Am 5. Januar 2022 wurde er zu seinen Personalien befragt (Personalien-

aufnahme; PA) und am 9. Februar 2022 vertieft zu seinen Asylgründen an-

gehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen 

geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger, ethnischer Hazara und im 

Dorf C._______, Provinz D._______, geboren und aufgewachsen. Er habe 

während zwölf Jahren die Schule besucht und nach bestandener Matura 

in Kabul ein (…)studium aufgenommen.  

Die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan sei sehr schlecht. Sein Vater 

sei im Jahre 2017 mit dem Auto nach D._______ unterwegs gewesen, als 

er von den Taliban angehalten und erschossen worden sei. Nach dem Tod 

seines Vaters hätten er und die übrigen Familienmitglieder Probleme mit 

einem Onkel väterlicherseits bekommen. Dieser habe seine älteste 

Schwester gegen den Willen der Familie mit dem Sohn eines Kollegen ver-

heiratet. Es sei deshalb zwischen ihm und dem Onkel zu einem Streit ge-

kommen. Der Onkel habe der Familie auch anderweitig Probleme bereitet. 

So habe er die Mutter heftig geschlagen, weil diese am Schulbesuch seiner 

Geschwister habe festhalten wollen. Zudem habe der Onkel ein der Familie 

gehörendes Landstück annektiert. Nachdem die Taliban im Sommer 2021 

in Afghanistan an die Macht gekommen seien, sei der erwähnte Onkel be-

müht gewesen, sich mit den Taliban gut zu stellen. Er habe sie zu sich 

eingeladen und bewirtet. Anlässlich dieses Besuchs habe der Onkel den 

Taliban berichtet, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2017 bei einem An-

griff der Taliban auf die Region aktiv gegen diese gekämpft habe. Ein 

Cousin, der Sohn des besagten Onkels, habe diese Denunziation miterlebt 

und ihn (den Beschwerdeführer) gewarnt. Der Beschwerdeführer habe sich 

daraufhin zur sofortigen Flucht entschieden, da er Angst vor Vergeltung der 

Taliban gehabt habe. Ein Freund habe ihm Geld für die Flucht geliehen. Er 

habe das Heimatdorf unmittelbar verlassen und sei nach Kandahar gereist. 

Nach seinem Weggang hätten die Taliban wiederholt nach ihm gesucht; 

bei einer im Elternhaus vorgenommenen Hausdurchsuchung hätten die Ta-

liban unter anderem auch die Waffe seines Vaters gefunden – in deren Au-

gen ein Beweis dafür, dass er gegen sie gekämpft habe.  

E-1323/2022 

Seite 3 

Im Oktober 2021 sei er von Kandahar aus weiter in den Iran und später in 

die Türkei gereist, und schliesslich über verschiedene Länder in die 

Schweiz gelangt.  

Zum Beweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer die Kopie seiner 

Tazkera sowie eines der Schulzeugnisse zu den Akten. 

C.  

Am 16. Februar 2022 wurden die entscheidrelevanten Akten sowie der Ent-

scheidentwurf der dem Beschwerdeführer zugewiesenen Rechtsvertretung 

zur Stellungnahme zugestellt. 

D.  

Die entsprechende Stellungnahme der Rechtsvertretung datiert vom 

17. Februar 2022.  

E.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 18. Februar 2022 stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

an. Gleichzeitig wurde der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erach-

tet und der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Der 

Beschwerdeführer wurde dem Kanton E._______ zugewiesen, welcher mit 

der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme beauftragt wurde. Es wurde in 

diesem Zusammenhang festgestellt, dass einer allfälligen Beschwerde ge-

gen die Kantonszuweisung keine aufschiebende Wirkung zukomme und 

der Beschwerdeführer den Ausgang eines allfälligen Beschwerdeverfah-

rens im Zuweisungskanton abzuwarten habe.  

F.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch 

seine mandatierte Rechtsvertretung – am 21. März 2022 Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die Verfügung der Vorinstanz 

sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu 

gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und 

die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts an die  

Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren; insbesondere sei von der Erhebung eines Kos-

tenvorschusses abzusehen. 

G.  

Am 23. März 2022 wurde der Eingang der Beschwerde bestätigt.  

E-1323/2022 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht innerhalb der geltenden 30-

tägigen Beschwerdefrist (vgl. Art. 10 Covid-19-Verordnung Asyl) einge-

reicht worden. Die in der Rechtsmittelbelehrung angegebene Rechtsmittel-

frist von sieben Arbeitstagen ist unbeachtlich. Der Beschwerdeführer hat 

am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene 

Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-

ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 

Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.3 Das SEM hat mit Verfügung vom 18. Februar 2022 die vorläufige Auf-

nahme des Beschwerdeführers infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzuges angeordnet. Das vorliegende Verfahren beschränkt sich mangels 

Anfechtung der Dispositivziffer 6 (Kantonszuweisung) daher auf die Fragen 

der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung.  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) 

ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln 

(Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

E-1323/2022 

Seite 5 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen mit der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerde-

führers. Dessen Aussagen seien als realitätsfremd zu qualifizieren. Dies 

betreffe beispielsweise das Vorbringen, wonach der Onkel der Überzeu-

gung gewesen sein soll, dass der Beschwerdeführer nicht von der erfolgten 

Denunziation erfahren habe. Dies sei vor allem deshalb unrealistisch, weil 

nach Angaben des Beschwerdeführers der Cousin beim damaligen Ge-

spräch zwischen dem Onkel und den Taliban persönlich anwesend gewe-

sen sei, der Onkel um das gute Verhältnis des Cousins zum Beschwerde-

führer gewusst habe und somit auch hätte in Betracht ziehen müssen, dass 

dieser den Beschwerdeführer über den entsprechenden Gesprächsinhalt 

informiere. Realitätsfremd sei auch die Ausführung, wonach der Onkel 

nicht erfahren haben soll, dass der Beschwerdeführer Kenntnis von der 

geltend gemachten Denunziation gegenüber den Taliban erhalten habe 

und deshalb geflohen sei, zumal ein Zusammenhang mit dem plötzlichen 

Weggang aus dem Heimatdorf für den Onkel auf der Hand gelegen haben 

müsste. Da der Onkel ebenfalls ein ethnischer Hazara sei und das Verhält-

nis zwischen den Hazara und den Taliban allgemein als nicht konfliktfrei 

gelte, sei das Vorbringen, der Onkel habe den Beschwerdeführer gegen-

über den Taliban erfolgreich denunziert, ebenfalls realitätsfern. Die Erklä-

rung des Beschwerdeführers, der Onkel habe ihn aufgrund einiger Mei-

nungsverschiedenheiten nicht gemocht und ihn deshalb denunziert, sei an-

gesichts der möglichen Konsequenzen eines solchen Handelns ebenso 

wenig überzeugend.  

Gleich verhalte es sich mit dem Vorbringen des Beschwerdeführers, wo-

nach die Taliban aufgrund eines Waffenfunds in dessen Haus automatisch 

angenommen haben sollen, dass der Beschwerdeführer selbst mit dieser 

Waffe im Jahre 2017 gegen sie gekämpft habe, insbesondere da gemäss 

den Ausführungen des Beschwerdeführers alle Haushalte im Grenzgebiet 

im C._______ Waffen zuhause aufbewahrt hätten und solche auch offiziell 

hätten besitzen dürfen. Überdies überzeuge auch das Vorbringen nicht, der 

Beschwerdeführer sei unmittelbar nach der Benachrichtigung durch den 

Cousin aus dem Heimatdorf ausgereist, um einem möglichen Zugriff der 

Taliban vorzubeugen, da eine solche Ausreise mit einem erheblichen Vor-

bereitungsaufwand verbunden sei. Zudem sei nicht einzusehen, weshalb 

der Onkel an einer Eliminierung des Beschwerdeführers durch die Taliban 

E-1323/2022 

Seite 6 

hätte interessiert sein sollen, um das der Familie gehörende Land annek-

tieren zu können, da noch weitere Mitglieder der eigenen Kernfamilie be-

ziehungsweise auch (männliche) Geschwister des Beschwerdeführers 

nach wie vor in Afghanistan leben würden. Es sei mithin nicht plausibel, 

weshalb es der Onkel nur auf den Beschwerdeführer abgesehen haben 

soll. Ausserdem sei den Angaben des Beschwerdeführers zu entnehmen, 

dass nicht nur er, sondern auch noch andere Familienmitglieder gegen die 

Verheiratung der ältesten Schwester opponiert hätten, so dass auch dies-

bezüglich nicht ersichtlich sei, weshalb der Onkel ausgerechnet ihn im Fo-

kus gehabt habe. Im Übrigen sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwer-

deführer sich zum Ablauf des angeführten Streits mit dem Onkel in Bezug 

auf die Verheiratung der ältesten Schwester widersprüchlich geäussert und 

diesen Widerspruch auf Vorhalt hin nicht überzeugend aufgeklärt habe.  

Der Beschwerdeführer führe überdies die allgemein sehr schlechte Sicher-

heitslage in Afghanistan als Ausreisegrund an und mache geltend, sein Va-

ter sei im Jahre 2017 von den Taliban erschossen worden. Es herrsche in 

der Tat in Afghanistan eine sehr schwierige Lage, welche den in Afghanis-

tan verbliebenen Menschen Verluste beschere und viel abverlange. Ein Er-

eignis wie die angeführte Tötung des Vaters im Jahre 2017 stelle einen 

grossen persönlichen Verlust für den Beschwerdeführer und die übrigen 

Familienmitglieder dar. Gleichwohl sei festzuhalten, dass sich dieses Er-

eignis in Bezug auf die Person des Beschwerdeführers mangels Gezielt-

heit nicht als flüchtlingsrechtlich relevant erweise, zumal sich aus den Ak-

ten keine konkreten Hinweise darauf ergeben würden, dass die angeführ-

ten Ereignisse betreffend den Vater des Beschwerdeführers einen asylre-

levanten Bezug gehabt hätten. Vielmehr gehe aus den Aussagen des Be-

schwerdeführers hervor, dass die Taliban in der Zeit, in welcher sein Vater 

angehalten und erschossen worden sei, regelmässig Reisende in dieser 

Region kontrolliert, als Geiseln genommen oder gar getötet hätten.   

Der Beschwerdeführer mache sodann geltend, er und seine Familienmit-

glieder hätten wiederholt Probleme mit dem Onkel väterlicherseits gehabt, 

da dieser einzelne Familienmitglieder schikaniert und ein der Familie ge-

hörendes Landstück annektiert habe. Zudem habe er Afghanistan eigenen 

Angaben zufolge auch wegen der persönlichen schlechten finanziellen 

Lage verlassen. Bei den familiären Schwierigkeiten sowie seiner vorge-

brachten schwierigen finanziellen Situation handle es sich aber um Nach-

teile, denen keine Asylrelevanz zukomme, da sie Ausdruck der persönli-

chen Situation beziehungsweise der allgemeinen wirtschaftlichen Lage 

E-1323/2022 

Seite 7 

seien. Diese Gründe würden keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsyIG darstellen. 

Der in der Stellungnahme zum Entwurf erhobene Vorwurf der einseitigen 

Würdigung sei abzuweisen. Der Beschwerdeführer habe keine Beweismit-

tel eingereicht. Vor diesem Hintergrund sei es nur naheliegend, dass den 

Aussagen anlässlich der Anhörung bei der Beurteilung der Plausibilität der 

Vorbringen eine erhöhte Bedeutung zukomme. Dem kulturellen Kontext 

werde dabei vom SEM durchaus Rechnung getragen. Dieser könne aber 

weder eine Abwägung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen verhindern noch 

unplausible Aussagen neutralisieren.  

4.2 In der Beschwerde wird dem entgegnet, die Vorinstanz habe sich in 

ihrem Entscheid vornehmlich auf das Argument beschränkt, die Aussagen 

des Beschwerdeführers seien realitätsfremd. Der Beschwerdeführer habe 

entgegen der Auffassung des SEM seine Vorbringen durchweg realitäts-

nah und plausibel geschildert. Ein unlogisches Verhalten des Onkels dürfe 

nicht dem Beschwerdeführer beziehungsweise den Ausführungen zur Sa-

che angelastet werden. Auch sei die Gesamtwürdigung der Vorbringen 

durch das SEM einseitig ausgefallen und dem kulturellen Kontext zu wenig 

Rechnung getragen worden. Der Aspekt der Plausibilität sei ein kultur- und 

persönlichkeitsabhängiges Konzept, weshalb grundsätzlich nur naturwis-

senschaftliche, also physikalische und biologische Tatsachen unter diesem 

bewertet werden sollten. Ansonsten sei Unplausibilität zumindest mit Län-

derinformationen oder anderen Beweismitteln abzugleichen. Davon aus-

gehend seien die Aussagen in Bezug auf die geltend gemachten Probleme 

mit dem Onkel väterlicherseits beziehungsweise mit den Taliban vor der 

definitiven Ausreise aus dem Heimatstaat im Jahre 2021 plausibel und re-

alitätsnah. 

Der angebliche Widerspruch zum Zeitpunkt des Streits zwischen dem Be-

schwerdeführer und dessen Onkel ergebe sich aus den Akten nicht und sei 

der etwas unstrukturierten und sprunghaften Erzählung des Beschwerde-

führers geschuldet. Der Beschwerdeführer könne sodann nicht abschlies-

send beurteilen, was sein Onkel wisse oder denke. Er sei nach wie vor der 

Ansicht, dass der Onkel nichts davon wisse, dass sein Sohn, der Cousin 

des Beschwerdeführers, diesen gewarnt habe und der Beschwerdeführer 

wegen dieses Wissens und der Angst vor den Taliban ausgereist sei. So-

fern das SEM es als unlogisch erachte, dass der Onkel den Beschwerde-

führer in Gegenwart des Cousins denunziere, sei dies ein rein subjektives 

E-1323/2022 

Seite 8 

Plausibilitätsempfinden, welches eine Auseinandersetzung mit COI-Infor-

mationen vermissen lasse. Es sei anzunehmen, dass der Onkel die Loya-

lität seines Sohnes zu ihm als Vater höher gewichte als die zum Beschwer-

deführer. Sofern das SEM die Nähe des Onkels zu den Taliban als unplau-

sibel erachte, weil der Onkel selbst Hazara sei und das Verhältnis zu den 

Taliban nicht als konfliktfrei gelte, sei dies eine eingleisige Denkweise, die 

den komplexen Machtstrukturen in Afghanistan nicht gerecht werde. Viel-

mehr sei es realistisch, dass der Onkel sich mit den Taliban gut stelle und 

seinen Neffen (Beschwerdeführer) denunziere, sei dieser ihm doch nach 

dem Streit wegen der Zwangsverheiratung ein Dorn im Auge gewesen. In 

Bezug auf den Waffenfund im Haus des Beschwerdeführers sei es eben-

falls nicht realitätsfremd, dass die Taliban daraus geschlossen haben könn-

ten, der Beschwerdeführer habe im Jahr 2017 gegen sie gekämpft, zumal 

der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, die Bewohner des Dorfes 

hätten sämtliche Waffen abgeben müssen. In Bezug auf die überstürzte 

Ausreise sei festzuhalten, dass dieser keine grossen Vorbereitungshand-

lungen vorausgegangen seien. Lediglich habe er seinen Freund um Geld 

angehen müssen, welches dieser ihm aber zur Verfügung gestellt habe. 

Die Mutter habe ihn sodann zur sofortigen Ausreise gedrängt. Es sei so-

dann entgegen der Einschätzung des SEM plausibel, dass der Onkel an 

der Eliminierung des Beschwerdeführers interessiert sei, da es sich beim 

Beschwerdeführer um das älteste männliche Mitglied der Familie handle 

und er die Verantwortung für die Familie trage und primäre Ansprechper-

son sei. In Bezug auf die Anhörungsatmosphäre sei festzustellen, dass der 

Befrager an mehreren Stellen vergeblich versucht habe, Widersprüche zu 

«erstellen». Weiter gehe aus einigen Fragen des Befragers hervor, dass 

dieser eine fest gefasste Meinung über die Verhältnisse in Afghanistan zu 

haben scheine. Insgesamt habe der vorgenannte Befragungsstil eine ne-

gative Wirkung auf das Anhörungsklima gehabt. Dem Beschwerdeführer 

dürfte die misstrauische Grundhaltung des Befragers sowie dessen vorge-

fertigte Haltung nicht entgangen sein, was sich einschränkend und somit 

negativ auf sein Aussageverhalten ausgewirkt haben dürfte.  

Unter der Überschrift «Eventualantrag: unvollständige Erstellung des 

Sachverhalts» wurde in der Beschwerde ausgeführt, es würden in der an-

gefochtenen Verfügung Zweifel an der Glaubhaftigkeit aufgeworfen, haupt-

sächlich auf Grund von angeblich realitätsfremden Ausführungen. Sollte 

das angerufene Gericht ebenfalls Zweifel oder offene Fragen bezüglich der 

Ausführungen des Beschwerdeführers haben, werde eventualiter bean-

tragt, die Sache zur Klärung dieser Fragen beziehungsweise zur vollstän-

digen Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

E-1323/2022 

Seite 9 

5.  

Der Eventualantrag auf Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz zur 

vollständigen Feststellung des Sachverhalts ist abzuweisen, da eine un-

vollständige Feststellung des relevanten Sachverhalts weder substanziiert 

wurde noch eine solche festzustellen ist. Auch ergeben sich aus den Akten 

keine Anhaltspunkte dafür, dass es dem Beschwerdeführer anlässlich der 

Anhörung nicht möglich war, dezidiert über seine Asylgründe Auskunft zu 

geben. Die bei der Anhörung anwesende Rechtsvertretung hat denn auch 

keine Anmerkungen zur Atmosphäre angebracht, welche dem Beschwer-

deführer in seinem Vortrag eingeschränkt haben könnte (SEM-Akten […]-

14/14 [nachfolgend: act. A14/14] S. 14). 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

7.  

7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers in Be-

zug auf seine Asylgründe zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat.  

E-1323/2022 

Seite 10 

7.2 Auch nach Ansicht des Gerichts wirkt das Vorbringen des Beschwer-

deführers zu den Gründen seiner Ausreise, namentlich zu den Schwierig-

keiten mit seinem Onkel, in sich nicht schlüssig, in wesentlichen Aspekten 

unplausibel und konstruiert. Zudem wurden sie in keiner Weise belegt. Es 

kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der angefochtenen Verfü-

gung verwiesen werden (a.a.O., S. 4 ff.).  

Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, plausibel darzulegen, warum 

sein Onkel ein Interesse daran haben sollte, ihn durch eine unwahre De-

nunziation in den Fokus der Taliban zu rücken und sich seiner dadurch zu 

entledigen. Die angebliche Zwangsverheiratung der Schwester mit einem 

Kollegen des Onkels soll von der Familie und dem Beschwerdeführer nicht 

gebilligt worden sein. Gleichwohl will der Beschwerdeführer aber zum Zeit-

punkt dieser Verheiratung keinen Kontakt zum Onkel gesucht haben, auch 

nicht telefonisch. Zur Rede will der Beschwerdeführer seinen Onkel erst 

anlässlich eines Besuchs im Heimatdorf während der Semesterferien ge-

stellt haben (vgl. act. A14/14 F34 f., F45 ff.). Ein grosser Leidensdruck für 

den Beschwerdeführer und seine Familie anlässlich der Verheiratung sei-

ner Schwester scheint mithin nicht bestanden zu haben und auch kein 

ernsthaftes Bedürfnis des Beschwerdeführers, sich dieser Verheiratung 

entgegenzustellen. Dass sein Onkel ihn daher als männliches Mitglied der 

Familie als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen haben könnte, scheint 

mithin nicht plausibel. Soweit der Beschwerdeführer weiter geltend macht, 

die Familie habe auch andere Schikanen durch den Onkel ertragen müs-

sen, namentlich die Annexion eines Grundstücks und ein Verbot für die 

jüngeren Brüder, zur Schule zu gehen, bleibt der Beschwerdeführer in der 

Darstellung dieser Probleme oberflächlich (vgl. act. A14/14 F55 ff,). In die-

sem Zusammenhang ist sodann festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 

geltend macht, er habe nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2017/2018 in 

Kabul mit einem (…)studium begonnen und zusammen mit seinem Cousin, 

dem Sohn des besagten Onkels, studiert (vgl. act. A14/14 F31; F38). Das 

Vorbringen zum Onkel passt mithin in keiner Weise zum Lebensstil des 

Beschwerdeführers, der sich praktisch erst nach dem Tod seines Vaters 

entwickelt hat, einem Zeitpunkt also, in welchem sein Onkel die Geschicke 

der Familie an sich genommen haben soll. Die Argumentation des SEM, 

wonach auch die Umstände der Denunziation und die Art, wie der Be-

schwerdeführer von dieser erfahren haben will, nicht plausibel seien, ist zu 

bestätigen und auf die einlässliche Begründung ist zu verweisen. Die Aus-

führungen blieben überdies vage, auch hinsichtlich der Darstellung, unter 

welchen Umständen der Beschwerdeführer von der drohenden Gefahr er-

fahren haben soll (vgl. act. A14/14 F31; F69 ff.).  

E-1323/2022 

Seite 11 

Die vom Beschwerdeführer vorgetragene angebliche Hausdurchsuchung 

in seinem Elternhaus wurde ebenfalls nicht näher ausgeführt (vgl. 

act. A14/14 F85 ff.). Es scheint in der Tat nicht logisch, dass die Taliban, 

nachdem sie im Haus der Familie eine Waffe gefunden haben sollen, da-

rauf geschlossen haben, der Beschwerdeführer habe sich im Jahre 2017 

an einem Kampf gegen sie in der Region beteiligt, weshalb sie nun versu-

chen würden, seiner habhaft zu werden, zumal gemäss den Ausführungen 

des Beschwerdeführers alle Haushalte im C._______ Waffen zuhause hät-

ten aufbewahren dürfen (vgl. act. A14/14 F86). 

Ebenfalls nicht substanziiert hat der Beschwerdeführer die Umstände sei-

ner Ausreise. Dem SEM ist recht zu geben, dass eine Ausreise doch ein 

Mindestmass an Vorbereitungen bedarf. Das Vorbringen des Beschwerde-

führers, er sei einen ehemaligen Schulkollegen um Geld für die Ausreise 

angegangen, welches dieser ihm ohne Zögern ausgeliehen habe, ist hin-

sichtlich des Wahrheitsgehaltes ebenfalls in Zweifel zu ziehen, zumal der 

Beschwerdeführer seine Ausreise auf den 5. Oktober 2021 datiert, mithin 

auf einen Zeitpunkt, in welchem sich die Bevölkerung angesichts der sehr 

volatilen Situation in Afghanistan bereits in einer auch humanitär schwieri-

gen Lage befand. Dass ein entfernter Bekannter unter diesen Umständen 

bereit ist, die Ausreise des Beschwerdeführers zu finanzieren, scheint nicht 

nachvollziehbar. Im Übrigen ist auf den vom zuständigen Fachspezialisten 

festgestellten Widerspruch hinsichtlich der vom Beschwerdeführer ange-

gebenen Dauer seiner Anwesenheit im Heimatstaat nach dem Einmarsch 

der Taliban bis zur Ausreise zu verweisen (vgl. act. A14/14 F60 ff.)  

7.3 Sofern in der Beschwerde ausgeführt wird, eine Plausibilitätsprüfung 

müsse jeweils im Zusammenhang mit der Quellenlage und vor dem Hin-

tergrund kultureller Aspekte erfolgen, kann dieser Argumentation nur be-

dingt zugestimmt werden. Eine Plausibilitätsprüfung ist nicht zwingend von 

COI-Quellen abhängig, sondern ist ein Aspekt in der Gesamtbetrachtung. 

Wichtig ist in der Tat eine Einbettung der Asylbegründung in den kulturellen 

Kontext der jeweiligen Person und ihres Herkunftsstaates. Nicht anders ist 

die Vorinstanz aber vorgegangen, wenn sie dem Beschwerdeführer entge-

genhält, dass die Handlung des besagten Onkels vor dem Hintergrund der 

familiären Verhältnisse und der Ethnie nicht logisch erscheine.  

7.4 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Vorinstanz die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein 

Asylgesuch abgewiesen hat.  

E-1323/2022 

Seite 12 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Nachdem das SEM mit Verfügung vom 18. Februar 2022 angesichts der 

Lage in Afghanistan die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festge-

stellt und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, 

erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und 

Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. BVGE 2011/7 E. 8, 2009/51 

E. 5.4). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist. Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen.  

11.  

11.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

erweist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den 

vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang des Begehrens, unbese-

hen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, als aussichtlos 

erwiesen hat. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von 

Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1‒3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

E-1323/2022 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils 

zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili