# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 428e57b2-ff6e-56a9-a736-19c15064c80a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-10-10
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 10.10.2008 A 2008 30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2008-30_2008-10-10.pdf

## Full Text

A 08 30

3. Kammer 

URTEIL
vom 10. Oktober 2008

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Kantonssteuer

1. a) …, wohnhaft in … BL, sind Eigentümer einer 5.5-Zimmerwohnung im Gebiet 

…, in der Gemeinde ... Gemäss Mietvertrag vom 26. Juli 1998 vermieten sie 

die Wohnung an ihre Tochter und deren Ehemann zur Selbstnutzung für einen 

jährlichen Mietzins von Fr. 13'200.00. Anlässlich der amtlichen Schätzung 

vom 21. Dezember 1998 wurde der Eigenmietwert auf Fr. 22'800.00 

festgelegt. In der Steuererklärung 2006 deklarierten … die effektiven 

Mieteinnahmen von Fr. 13'200.00 als Ertrag aus unbeweglichem Vermögen. 

b) Am 13. Februar 2008 erliess die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden 

(Steuerverwaltung) gegenüber dem Ehepaar … eine definitive 

Veranlagungsverfügung für die Kantons- und Gemeindesteuern 2006. Darin 

wurde die Differenz zwischen dem Eigenmietwert (Fr. 22'800.00) der 

Liegenschaft und dem deklarierten Mietzins (Fr. 13'200.00) im Umfang von 

Fr. 9'600.00 gestützt auf Art. 22 Abs. 3 (heute: Abs. 5) des kantonalen 

Steuergesetzes (StG; BR 720.000) aufgerechnet. 

c) Dagegen erhob das Ehepaar … am 23. Februar 2008 Einsprache und 

beanstandete die Aufrechnung von Fr. 9'600.00. Zur Begründung wurde im 

Wesentlichen vorgebracht, dass es sich beim eingesetzten Wert von Fr. 

22'800.00 um einen Irrtum handeln müsse. 

d) Mit Schreiben der Steuerverwaltung vom 6. März 2008 wurden die 

umstrittenen Änderungen den Einsprechern im Detail erläutert. Diese hielten 

in der Folge mit Schreiben vom 23. März 2008 an ihrer Einsprache fest und 

führten begründend aus, dass es sich beim deklarierten Mietzins nicht um 

eine Vorzugsmiete an nahestehende Personen handle und dass für ein 

solches Stockwerkeigentum im Gebiet … in … kein höherer Mietzins erzielt 

werden könne. Mit Entscheid vom 13. Mai 2008 wurde die Einsprache durch 

die Steuerverwaltung abgewiesen und die für das Jahr 2006 massgebenden 

Steuerfaktoren definitiv festgelegt. Begründend wies die Steuerverwaltung 

darauf hin, dass der Eigenmietwert auch dann steuerbar sei, wenn ein 

Grundstück zu einem erheblich vom Marktmietwert abweichenden Mietzins 

an eine nahe stehende Person vermietet werde. Von einer erheblichen 

Abweichung werde dabei bei einer Differenz von 20% oder mehr gesprochen; 

eine Besteuerung des Eigenmietwertes erfolge auch dann, wenn die 

Vermietung völlig unentgeltlich sei. Aufgrund der geltenden Praxisfestlegung 

sei daher bei der Liegenschaft … in … eine Aufrechung der Differenz 

zwischen dem Mietzins von 13'200.00 und dem Eigenmietwert von 22'800.00, 

was Fr. 9'600.00 entspreche, vorgenommen worden.

2. Am 30. Mai 2008 (Datum des Poststempels) erhoben … form- und fristgerecht 

Beschwerde beim kantonalen Verwaltungsgericht und beantragten, dass die 

Besteuerung nach den tatsächlichen Mietzinseinnahmen (Fr. 13'200.00) 

erfolgen solle. Der Eigenmietwert sei in Richtung Marktwert herabzusetzen, 

da, wenn die Mieter zu Eigentümern würden, auch der Eigenmietwert 

besteuert würde und weil ein Bezug zwischen Eigenmietwert und Steuerwert 

der Liegenschaft beibehalten werden sollte, entweder dieser oder der 

Umrechnungsfaktor zu reduzieren sei. In der Begründung führten sie aus, 

dass der Mietzins nicht entgegenkommend festgelegt, sondern sowohl an die 

örtlichen Verhältnisse im Wohnungsmarkt als auch an die Leistungsfähigkeit 

der Familie der Tochter und des Schwiegersohnes angepasst worden sei. 

Zudem weiche der Mietzins nicht wesentlich vom Marktmietwert ab, der 

Eigenmietwert hingegen beträchtlich. Die Steuerverwaltung wechsle in ihrer 

Begründung willkürlich zwischen den Begriffen Marktmietwert und 

Eigenmietwert hin und her, was weder rechtlich noch sachlich haltbar sei. Eine 

Festlegung des Marktwerts gemäss Brandversicherung, welche den Wert für 

die Wiederherstellung berücksichtige, sei nicht möglich. Der Marktwert 

entspreche dem Preis, den der nächste Käufer zu bezahlen bereit sei. 

Gemäss Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) und 

verschiedenen kantonalen Gesetzen entspreche der Eigenmietwert 

mindestens 60% oder 80% des Marktmietwertes. Sowohl die 

Steuerverwaltung als auch die Immobilienhändler würden Erfahrungswerte 

kennen, die genauer seien als theoretische Eigenmietwerte. Nach Aussagen 

von ortskundigen Personen sei für eine solche Wohnung ein Mietzins von Fr. 

1'400.00 bis Fr. 1'500.00 üblich, weshalb der berücksichtigte Wert von Fr. 

1'200.00 ca. 70% bis 80% der Marktmiete betrage. 

3. In ihrer Vernehmlassung beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung der 

Beschwerde. Es stelle sich im vorliegenden Fall einzig die Frage, ob bei der 

Vermietung einer Wohnung an Verwandte zu einem unter dem amtlich 

geschätzten Eigenmietwert liegenden Mietzins der tatsächlich erzielte 

Mietzins oder der höhere Eigenmietwert bei der Ermittlung des steuerbaren 

Einkommens des Eigentümers und Vermieters Anwendung finde und ob für 

die Berücksichtigung des höheren Eigenmietwertes eine hinreichende 

gesetzliche Grundlage bestehe. Im Kanton Graubünden basiere die 

Besteuerung des Eigenmietwertes auf den amtlichen Schätzungen, 

ausgehend von der Überlegung, dass die steuerlich relevante, im 

gewöhnlichen Geschäftsverkehr normalerweise erzielbare Miete in der Regel 

dem Eigenmietwert gemäss amtlichem Schätzwert entspreche. Dieser stelle 

ein taugliches Instrument dar, um die Unterpreislichkeit eines 

Mietverhältnisses zu prüfen, da der amtlich geschätzte Eigenmietwert in der 

Regel auf der Vergleichsmethode beruhe. Mit den Schätzungen werde auf 

Grund von Vergleichsobjekten der Eigenmietwert ermittelt, der bei einer 

Drittvermietung erzielt werden könnte. Nach der ausdrücklichen gesetzlichen 

Grundlage in Art. 22 Abs. 3 (heute: Abs. 5) StG sei der Eigenmietwert auch 

dann steuerbar, wenn ein Grundstück zu einem erheblich vom Marktmietwert 

abweichenden Mietzins an eine nahe stehende Person vermietet oder 

verpachtet werde. Die Abweichung sei nach dem Willen des Gesetzgebers 

dann als erheblich anzusehen, wenn sie 20% oder mehr betrage, wobei für 

die Ermittlung des Marktmietwerts gemäss ständiger Praxis auf den 

Eigenmietwert gemäss amtlicher Schätzung abgestellt werde. Im vorliegend 

zu beurteilenden Fall weiche der tatsächlich vereinbarte Mietzins von Fr. 

13'200.00 in diesem Sinne erheblich vom Eigenmietwert gemäss amtlicher 

Schätzung von Fr. 22'800.00 ab, weshalb die in der angefochtenen 

Veranlagungsverfügung vorgenommene Aufrechung von Fr. 9'600.00 zu 

Recht erfolgt und die Beschwerde daher abzuweisen sei. 

4. In ihrer Replik verwiesen die Beschwerdeführer im Wesentlichen auf ihre 

Beschwerde und brachten ergänzend vor, dass sie den von der 

Steuerverwaltung eingesetzten Eigenmietwert als zu hoch erachteten, dies 

sowohl im Verhältnis zur realen Miete als auch zur gesetzlichen Definition der 

Eigenmiete. Zudem rügten sie, dass die Steuerverwaltung nicht auf ihr 

Anliegen der Reduktion des Eigenmietwertes eingegangen sei und sie nicht 

darüber aufgeklärt habe, wer dafür zuständig sei. Schliesslich wiesen sie 

darauf hin, dass die Schätzungseröffnung vom 20. Juni 2008 in Richtung ihrer 

Anträge gehe, womit die Zahlen der Steuerverwaltung wohl überholt seien. 

5. Die Steuerverwaltung anerkannte in ihrer Duplik teilweise die Beschwerde 

und akzeptierte die Festsetzung des steuerbaren Mietwertes auf Fr. 

19'200.00, da der aufgrund von Vergleichswerten geschätzte Eigenmietwert 

gemäss der aktuellen amtlichen Schätzung vom 20. Juni 2008, welche von 

den Beschwerdeführern im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels, 

zusammen mit der Replik eingereicht worden sei, neu Fr. 19'200.00 betrage. 

Ausgehend von der ständigen Praxis und Rechtsprechung zu Art. 22 Abs. 3 

(heute: Abs. 5) StG, wonach dann von einer erheblichen Abweichung im 

Sinne des Gesetzes gesprochen werde, wenn die Differenz zwischen 

Eigenmietwert und Mietzins 20% oder mehr betrage, sei aber sonst 

festzustellen, dass nach wie vor eine erhebliche Abweichung gegeben sei: 

Der tatsächlich vereinnahmte Mietzins von Fr. 13'200.00 betrage gerade 

einmal 68.75% des amtlich geschätzten Eigenmietwertes von Fr. 19'200.00 

und liege rund 31% darunter. Somit sei der aktuelle amtlich geschätzte 

Eigenmietwert von Fr. 19'200.00 der Besteuerung zu unterstellen. Dem 

Antrag der Beschwerdeführer, wonach auf eine Aufrechnung gänzlich zu 

verzichten sei, könne nicht gefolgt werden. Zum einen entspreche der aktuelle 

Marktmietwert der Liegenschaft der aktuellen amtlichen Schätzung, welche 

von Vergleichswerten ausgehe; jedenfalls würden die Beschwerdeführer für 

den von ihnen behaupteten geschätzten Marktmietwert von Fr. 16'800.00 bis 

18'000.00 jeglichen Nachweis schuldig bleiben. Zum anderen sei für die 

Feststellung der Erheblichkeit der Abweichung im Sinne von Art. 22 Abs. 3 

StG wie auch für die entsprechende Aufrechnung vom Eigenmietwert gemäss 

Art. 22 Abs. 1 lit. b StG von 100% auszugehen und nicht von 70%. Der Vorwurf 

der Beschwerdeführer, dass die Steuerverwaltung nicht auf ihre vierzehn 

Argumente eingegangen sei, sei nicht nachvollziehbar. So handle es sich bei 

den Punkten 1 – 9 um die Ausgangslage, um die Beanstandung, um den 

Antrag, um zitierte Gesetzesartikel und um allgemeine Aussagen und 

Feststellungen der Beschwerdeführer. Seitens der Steuerverwaltung werde 

darin kein Anlass zur Stellungnahme gesehen. Zu den Fragen im 

Zusammenhang mit den Punkten 10 – 14 werde hingegen auf die 

Ausführungen in der Vernehmlassung verwiesen. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der 

Einspracheentscheid der Steuerverwaltung vom 13. Mai 2008 bzw. die 

diesem zugrunde liegende Veranlagungsverfügung vom 13. Februar 2008 

betreffend die Kantonssteuer für das Jahr 2006. Streitig und zu beurteilen ist 

die Frage, ob bei der Vermietung an nahestehende Personen zu einem unter 

dem amtlich geschätzten Eigenmietwert liegenden Mietzins der tatsächlich 

erzielte Mietzins oder der höhere Eigenmietwert bei der Ermittlung des 

steuerbaren Einkommens des Eigentümers und Vermieters Anwendung 

findet und ob für die Berücksichtigung des höheren Eigenmietwertes eine 

hinreichende gesetzliche Grundlage besteht. 

2. Art. 22 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden, welcher 

Bestimmungen bezüglich der Einkommenssteuer aus unbeweglichem 

Vermögen enthält, war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand 

von Revisionen. So wurden per 1. Januar 2008 u.a. die Absätze 2 und 4 

eingefügt, weshalb die aktuelle Absatznummerierung der genannten 

Bestimmung nicht mit derjenigen aus den Vorjahren korrespondiert. Materiell 

haben die hier massgebenden Absätze dieser Bestimmung jedoch keine 

Änderungen erfahren, weshalb sich die nachfolgenden Ausführungen in den 

Erwägungen auf die neuste Fassung des Steuergesetzes, welche im Januar 

2008 in Kraft getreten ist, beziehen.

3. a) Natürliche Personen sind kraft persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt 

steuerpflichtig, wenn sie im Kanton ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder 

Aufenthalt haben (Art. 6 Abs. 1 StG). Natürliche Personen, die im Kanton 

weder einen Wohnsitz noch einen Aufenthalt haben, sind kraft wirtschaftlicher 

Zugehörigkeit beschränkt steuerpflichtig, wenn sie an Grundstücken im 

Kanton Eigentum haben (Art. 7 Abs. 1 lit. c StG). Wer im Kanton nur für einen 

Teil des Einkommens und Vermögens steuerpflichtig ist, entrichtet die 

Steuern für die im Kanton steuerbaren Werte nach dem Steuersatz, der 

seinem gesamten Einkommen und Vermögen entspricht (Art. 9 Abs. 1 StG). 

b) Die Beschwerdeführer besitzen in …, Kanton Graubünden, eine 

Eigentumswohnung, welche sie an ihre Tochter und den Schwiegersohn 

vermieten. Es ist vorliegend somit unbestritten, dass die Beschwerdeführer im 

Kanton Graubünden bezüglich der kantonalen Steuern der beschränkten 

Steuerpflicht unterstehen. 

4. a) Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der 

direkten Steuern (StHG; SR 642.14) unterliegen alle wiederkehrenden und 

einmaligen Einkünfte, insbesondere solche aus unselbständiger und 

selbständiger Erwerbstätigkeit, aus Vermögensertrag, eingeschlossen die 

Eigennutzung von Grundstücken, aus Vorsorgeeinrichtungen sowie aus 

Leibrenten der Einkommenssteuer. Diese Regelung schreibt den Kantonen 

die Besteuerung des Eigenmietwertes von Grundstücken ausdrücklich vor. 

Bei der direkten Bundessteuer wird der Mietwert der selbstgenutzten 

Wohnung nach dem objektiven Marktwert festgelegt. Nach der Praxis des 

Bundesgerichts zur direkten Bundessteuer kann bei Mietverträgen unter 

Verwandten nicht bereits aus der Tatsache, dass der vereinbarte Mietzins 

unter dem Eigenmietwert liegt, auf Eigennutzung geschlossen werden. Liegt 

jedoch der vereinbarte Mietzins unter dem Eigenmietwert, so ist die Differenz 

zwischen dem vereinbarten Mietzins und dem Eigenmietwert dem Eigentümer 

als steuerbares Einkommen aus unbeweglichem Vermögen zuzurechnen; 

allerdings muss es sich um einen bedeutenden Differenzbetrag handeln (BG-

Urteil vom 22. Februar 2007 [2C_12/2007] E. 3.2). 

b) Im kantonalen Steuerrecht haben verschiedene Kantone (OW, NW, AR, AI, 

SG, JU) wie auch der Kanton Graubünden, im Nachgang zu PVG 1997 Nr. 

32, eine klare gesetzliche Grundlage geschaffen, die es erlaubt, die Differenz 

zwischen vereinbartem Mietzins und Eigenmietwert steuerlich zu erfassen 

(Blöchliger, Die Besteuerung der Vorzugsmiete an Liegenschaften, StR 

62/2007, S. 610 ff.). Gemäss Art. 22 Abs. 1 StG sind Erträge aus 

unbeweglichem Vermögen, insbesondere Einkünfte aus Vermietung, 

Verpachtung, Nutzniessung oder sonstiger Nutzung (lit. a) sowie der Mietwert 

von Gebäuden oder Gebäudeteilen, die sich der Steuerpflichtige kraft 

Eigentums oder eines Nutzungsrechtes für den Eigengebrauch zur Verfügung 

hält (lit. b) steuerbar. Die Besteuerung des Mietwertes einer Wohnung, die der 

Steuerpflichtige als Eigentümer im Sinne von lit. b der erwähnten Bestimmung 

selbst bewohnt oder die ihm zumindest zur jederzeitigen freien Verfügung 

steht (Eigengebrauch), entspricht dem Grundsatz der rechtsgleichen 

Behandlung der Wohnungseigentümer einerseits und der Mieter andererseits. 

Massgebend für die Bemessung des anzurechnenden Eigenmietwertes ist 

dabei grundsätzlich der objektive Marktwert der Liegenschaftsnutzung, d.h. 

der Mietzins, den der Steuerpflichtige bei der Vermietung von einem Dritten 

erhalten könnte (Art. 22 Abs. 2 StG). Der Mietwert gemäss Abs. 1 lit. b der 

genannten Bestimmung ist auch dann steuerbar, wenn das Grundstück zu 

einem erheblich vom Marktmietwert abweichenden Mietzins an eine 

nahestehende Person vermietet oder verpachtet wird (Art. 22 Abs. 5 StG). Mit 

dieser Bestimmung wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass auch im Fall 

einer Vorzugsmiete, namentlich unter Verwandten, eine rechtsgleiche 

Besteuerung durchgesetzt werden kann. Von einer erheblichen Abweichung 

im Sinne von Art. 22 Abs. 5 StGB wird bei einer Differenz von 20% oder mehr 

gesprochen (Grossratsprotokoll vom März 1999, Nr. 4, 98/99, S. 536).

c) Im Folgenden ist zu beurteilen, ob die umstrittene Aufrechnung zu Recht 

vorgenommen wurde. Im vorliegenden Fall haben die Beschwerdeführer ihre 

Eigentumswohnung zu einem Mietzins von Fr. 13'200.00 pro Jahr an die 

Tochter und den Schwiegersohn vermietet. Die Besteuerung des 

Eigenmietwerts basiert im Kanton Graubünden auf den amtlichen 

Schätzungen. Die amtliche Schätzung stellt ein taugliches Instrument dar, um 

die Unterpreislichkeit eines Mietverhältnisses zu überprüfen, beruht doch der 

amtlich geschätzte Eigenmietwert in der Regel auf der Vergleichsmethode. 

Mit den Schätzungen wird auf Grund von Vergleichsobjekten in der engeren 

Umgebung der Eigenmietwert ermittelt, der bei einer Drittvermietung erzielt 

werden könnte (VGU A 07 44). Der Eigenmietwert der Liegenschaft beträgt 

gemäss amtlicher Schätzung vom 20. Juni 2008, welche im Übrigen von den 

Beschwerdeführern nicht angefochten wurde und daher in Rechtskraft 

erwachsen ist, Fr. 19'200.00. Dieser Wert wurde auch von der 

Steuerverwaltung im Rahmen ihrer Duplik anerkannt. Zwischen den effektiven 

Einnahmen und dem neu festgelegten Eigenmietwert der Liegenschaft ergibt 

sich eine Differenz von Fr. 6'000.00 bzw. 31.25%, welche gemäss 

vorstehenden Ausführungen als „erheblich“ bezeichnet werden kann. 

Schliesslich ist auch das zweite Erfordernis der „nahestehenden Person(en)“ 

vorliegend erfüllt; so gelten doch die Tochter und der Schwiegersohn als nahe 

Verwandte unbestrittenermassen als nahestehend. Dass im streitigen Fall 

eine „unterpreisliche Vermietung an nahestehende Personen“ vorliegt, was 

von Gesetzes wegen dem Eigengebrauch gleichgestellt ist, ist zu bejahen. 

Die Steuerverwaltung hat somit die Differenz von Fr. 6'000.00 bzw. 31.25% 

zu Recht im Sinne von Art. 22 Abs. 5 StG aufgerechnet. 

5. a) Die Beschwerdeführer bringen weiter vor, dass, wenn die jetzigen Mieter der 

Stockwerkeigentumswohnung Eigentümer würden, der Steuer-Eigenmietwert 

zur Anwendung gelangen würde. Dieser sei anzupassen und gegenüber den 

Fr. 22’800.00 herabzusetzen. Es ist richtig, dass für die am Wohnsitz dauernd 

selbst bewohnte Liegenschaft lediglich 70% des Eigenmietwertes berechnet 

werden (Art. 22 Abs. 3 StG). Dafür wird aber wie in der Bestimmung erwähnt, 

vorausgesetzt, dass das Steuersubjekt am Ort der Liegenschaft Wohnsitz hat 

und diese dauernd selbst bewohnt. Die Beschwerdeführer können sich 

folglich bereits vom Wortlauf der Norm her nicht auf Art. 22 Abs. 3 StG 

berufen, da sie nicht in der Gemeinde … Wohnsitz haben, was sie im Übrigen 

auch nicht geltend machen. Dass der Selbstnutzungsabzug für 

Liegenschaften, die von nahe stehenden Personen genutzt werden, nicht 

gelten soll, ergeht bereits aus der betreffenden Bestimmung, wonach nur „das 

am Wohnsitz selbst (durch den Eigentümer) genutzte Wohneigentum“ in den 

Genuss der Tieferbewertung kommen darf. Die gesetzliche Grundlage für die 

Berücksichtigung eines Eigenmietwertes von 100% bei einer 

Fremdvermietung ist daher hinreichend bestimmt. Die Anwendung der 

betreffenden Norm entgegen ihrem klaren Wortlaut, wie das von den 

Beschwerdeführern verlangt wird, würde gegen deren Sinn und Zweck 

verstossen. Mit dem Selbstnutzungsabzug von 30% verfolgte der 

Gesetzgeber das Ziel, die Bildung von am Wohnsitz selbstgenutztem 

Wohneigentum zu fördern. Die Gewährung des Abzuges auch bei Vermietung 

an Dritte, selbst wenn es sich um nahe stehende Personen handelt, ist von 

diesem im Gesetz umschriebenen Zweck nicht mehr gedeckt. 

Abzugsberechtigt soll nach dem klaren Wortlaut und wie aufgezeigt, auch 

nach dem Sinn und Zweck des Gesetzes, nur derjenige Eigentümer sein, der 

sein Wohneigentum am Wohnsitz selber nutzt. Diese zur Vermietung an nahe 

stehende Personen unterschiedliche Veranlagung ist daher gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung sachlich begründet und durchaus 

zulässig (BG-Urteil vom 26. Juni 2008 [2C_188/2007]). Würde die 

Liegenschaft der Beschwerdeführer hingegen durch die Tochter und den 

Schwiegersohn erworben, würde diese, sofern die Voraussetzungen nach Art. 

22 Abs. 3 StG erfüllt wären, zu 70% des Mietwertes besteuert werden. Da 

vorliegend aber die Beschwerdeführer Eigentümer der betreffenden 

Liegenschaft sind, gelangt die Eigenmietwertreduktion von 30% nicht zur 

Anwendung. 

6. Aufgrund des Dargelegten ergibt sich, dass die Beschwerde unbegründet und 

deshalb abzuweisen ist, soweit sie nicht wegen der neuen amtlichen 

Schätzung vom 20. Juni 2008 anerkannt wurde. Entsprechend diesem 

Verfahrensausgang sind die Kosten den Beschwerdeführern aufzuerlegen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird, soweit sie nicht anerkannt worden ist (steuerbarer 

Mietwert Fr. 19'200.00), abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 266.--

zusammen Fr. 1'766.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

Auf die dagegen an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde am 19. Juni 2009 

nicht eingetreten (2C_867/2008).