# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8365eed9-7311-50b5-92ab-63dbb667ba86
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-31
**Language:** de
**Title:** Rückfall geltend gemacht; Wahrscheinlichkeitsbeweis der Kausalität zwischen Unfall und danach aufgetretenen Fingerbeschwerden nicht erbracht.
**Docket/Reference:** UV.2019.00031
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2019.00031.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2019.00031
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiberin Babic
Urteil
vom
3
1.
Juli 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, gebor
en 1986, war seit
9.
November 2015 als Montage-Mitarbeiter bei der
Y.___
angestellt und in dieser Funk
tion bei der Suva
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Unfallmeldung vom 2
9.
April 2016 liess er der Suva mitteilen, dass er bei der Arbeit am 2
7.
April 2016 eine K
iste hochgezogen und auf andere
Kisten gestapelt habe.
Dabei
sei die Kiste leicht runtergefallen und auf dem Finger gelandet
, wodurch es zu einer Zerrung am Finger gekommen sei
(Urk.
8/1). Der erstbehan
delnde Arzt
Dr.
med.
Z.___
,
Facharzt für Innere Medizin FMH,
diagnostizierte in seinem Arztzeugnis vom 1
6.
September 2016 (
Urk.
8/17) ein Distorsionstrauma
MIP
Dig
2 rechts
,
nachdem er
am 2
9.
April 2016 bei der
A.___
eine radiologische Untersuchung
hatte
durchführen
lassen
, wobei eine Fraktur ausgeschlossen werden konnte (
Urk.
8/23).
Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Ab
4.
Juli 2016 (
Urk.
8/16) wurde der Versicherte wieder vollumfänglich arbeitsfähig geschrie
ben.
1.2
Mit Schadenmeldung vom 1
2.
Juli 2017 (
Urk.
8/18)
machte
der Versicherte einen Rückfall zum Unfall vom 2
7.
April 2016 geltend. Die Suva
tätigte verschiedene Abklärungen und holte unter anderem die Beurteilung ihres Versicherungs
mediziners (
Urk.
8/70) ein.
M
it Verfügung vom
8.
November 2017 (
Urk.
8/73)
lehnte sie ihre Leistungspflicht für die Fingerproblematik
mangels Kausalität ab.
Die dagegen erhobene
n
Einsprache
n der Helsana Versicherungen AG als Kranken
taggeldversicherer vom 2
3.
November 2017
und
1
6.
Januar 2018
(
Urk.
8/80 und
Urk.
8/8
6
) sowie
der
Beschwerdeführerin
vom 2
8.
November 2017 und 1
5.
Januar 2018 (Urk. 8/82 und
Urk.
8/85) wies die Suva mit Entscheid vom 2
0.
Dezember 2018 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1.
Februar 2019 (
Urk.
1) Beschwerde und bean
tragte,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm die gesetz
lichen Unfallversicherungsleistungen zu gewähren (1.), eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine neutrale Begutachtung in Auftrag zu geben, woraufhin neu zu entscheiden sei (2.).
Die Suva beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Februar 2019 (
Urk.
7)
Abwei
sung der Beschwerde
.
Mit Replik vom 20. Mai 2019 (Urk. 11) und Duplik vom 21. Juni 2019 (Urk. 14) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Die Duplik wurde dem Be
schwer
deführer mit Verfügung vo
m 2
4. Juni 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 15).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 27. April 2016 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung
entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art. 11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich
erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfaller
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein na
türlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in fine).
Bei einem Rückfall obliegt es der versicherten Person, das Vorliegen eines na
tür
lichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Un
fall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der über
wie
gen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Abstand zwi
schen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des na
türlichen Kausalzusammenhangs zu stellen. Bei Beweislosigkeit fällt der Ent
scheid zu Las
ten der versicherten Person aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_113/2010 vom 7. Juli 2010 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver
lässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erheb
liche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zu
kommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Einspracheentscheid damit, dass die im Rückfall gemeldeten Beschwerden am rechten Zeigefinger (ledig
lich) mit dem Mass der Wahrscheinlichkeit Folge des Unfalles seien. Die thematisierte Tendov
aginitis
stenosans
der Beugesehne
des rechten Zeigefingers sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht Folge des Unfalls. Auch ein geäus
serter Verdacht auf einen Riss der Gelenkkapsel des Zeige
fingergrund
gelenks
ulnarseitig
finde keine Entsprechung in den medizinischen Berichten und sei nicht überwiegend wahrscheinlich Folge des Ereignisses vom 2
7.
April 201
6.
Eine Subluxation der Strecksehnen sei darüber nicht zu erklären (
Urk.
1 S.
10).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, auch auf der linken, durch das Unfallereignis unverletzt gebliebenen Seite
,
sei eine minime Subluxationstendenz der Extensor
digitorum
communis
- und Extensor
indizis
proprius
-Sehne nach
ulnar
nachgewiesen worden. Damit sei bei diesem Befund von einer nicht durch das Unfallereignis verursachten Verletzung der
Strecker
haube
links auszugehen. Der Umstand links- wie rechtsseitig gleichartiger Befunde spreche gegen eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität (
Urk.
7 S. 7).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass
die Beschwerdegegnerin mehrfach Beurteilungen von ihrem Kreisarzt eingeholt und schliesslich darauf abgestellt habe, obwohl die behandelnden Ärzte wie auch der Vertrauensarzt der Krankenkasse erläutert hätten, dass die Beschwerden am rechten Zeigefinger unfallbedingt seien. Insbesondere seien dem Kreisarzt anläss
lich seiner letzten Beurteilung nicht sämtliche Informationen und Berichte zur Verfügung gestanden. Aufgrund der nachvollziehbaren Begründung des
behan
delnden
Facharztes sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerden auf den U
nfall vom
2
7.
April 2016 zurückzuführen seien. Ebenfalls müsse die adäquate Kausalität bejaht werden, zumal auch aufgrund der allge
meinen Lebenserfahrung und nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge zu
erwar
ten sei, dass der Zeigefinger die beschriebene Unfallschädigung erlitten habe, wenn doch eine 20 kg schwere Kiste auf ihn falle (
Urk.
1). Im Rahmen der Replik führte der Beschwerdeführer aus, dass die
Beurteilung der
Unfallkausalität durch einen neutralen Handchirurgen erfolgen solle.
Hinsichtlich
der Einschätzung
des Hausarztes sei zu betonen, dass das Sehnenschnappen ärztlich dokumentiert wor
den sei, auch wenn der Hausarzt dies nicht weiter abgeklärt habe beziehungsweise habe a
bklären lassen. Das Arztzeugnis
UVG von
Dr.
Z.___
fall
e
äusserst knapp aus, weshalb es nicht verwundere, dass das Sehnenschnappen nicht notiert wor
den sei. Dieses sei aber die gesamte Zeit vorhanden gewesen, wie dies einem spä
teren Bericht entnommen werde könne (
Urk.
11).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von keinem natür
lichen Kausalzusammenhang zwischen dem besagten Unfall und den geklagten Beschwerden am rechten Finger ausging und demzufolge einen Rückfall zum Unfall vom 2
7.
April 2016 verneinte.
3.
3.1
.1
Der erstbehandelnde Arzt
und zugleich Hausarzt des Beschwerdeführers
Dr.
Z.___
stellte in seinem UVG-Arztzeugnis vom 1
6.
September 2016 (
Urk.
8/17) die Diagnose eines Distorsionstraumas
MIP
Dig
2 rechts.
3.1.2
Im UVG-Arztzeugnis zum Rückfall vom 1
9.
Juli 2017 (
Urk.
8/25)
stellte Dr.
Z.___
keine klare Diagnose und gab eine wahrscheinliche Sehnenproble
matik
Dig
2 rechts an.
Durch ein Anstossen sei das vorherige Trauma reaktiviert worden und der Beschwerdeführer habe nun eine schnappende Sehne über dem Grundgelenk sowie eine Schwellung
MIP
Dig
2 rechts.
3.2
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Chirurgie FMH speziell Handchirurgie, hielt in seinem Bericht vom 2
1.
Juli 2017 (
Urk.
8/32
/2
) als Diagnose eine ätiologisch nicht ganz klare Irritation des Zeigfingers rechts nach Kontusionstrauma fest.
Zudem führte er aus, dass sich bei
aspektmässig
unauffälligem Zeig
e
finger heute eine diskrete
Druckdolenz
dorsoulnar
über dem PIP-Gelenk finde. Das Gelenk selber sei unauffällig ohne
synovialitische
Veränderungen. Im Bereich des MP-Gelenks komme es bei aktiver Flexion des Zeig
e
fingers zu einer
Sublaxation
der Strecksehne nach
ulnar
, was das bekannte Knacken auslöse. Die übrigen Unter
suchungsbefunde seien normal.
3.3
Dr.
med.
C.___
,
Oberarzt
an
der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am
D.___
,
nannte in seinem Bericht vom 5. Oktober 2017 (
Urk.
8/41) al
s Diagnose
eine Läsion der radi
alen
Streckerhaube
am Zeigefinger rechts.
Die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität sei
en
intakt. Beim Faustschluss komme es zur Luxation der Strecksehne des
Digitus
II nach
ulnar
. Die seitliche Stabilität des MCP-Gelenks zeige sich uneingeschränkt ebenso wie die
Flexorensehnen
.
3.4
.
Kreisarzt
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates, hielt in seiner ärztlichen Beurteilung vom 2
1.
Oktober 2017 (
Urk.
8/42 S. 2) fest, dass die geltend gemachten Fingerbeschwerden rechts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kausal zum Ereignis vom 2
7.
April 2016 seien. Das symptomfreie Intervall sei vom 2
2.
September 2016 bis 1
2.
Juli 2017
gewesen
.
3
In seiner Beurteilung vom
7.
November 2017 (
Urk.
8/70) ergänzte
Dr.
E.___
, ein Distorsionstrauma des
Metacarpophalangealgelenks
sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht geeignet, eine Läsion der radialen
Streckerhaube
am Zeigefinger herbeizuführen.
3.5
Dr.
med.
F.___
, Spezialarzt FMH für Chirurgie speziell Handchirurgie, hielt in seinem Arztbericht vom 2
8.
November 2017 (
Urk.
8/83)
zu Händen des über
wei
senden Hausarztes
folgende Diagnosen fest:
-
Verdacht auf posttraumatische Tendovaginitis
stenosans
D II rechts
-
Verdacht auf Gelenkkapselriss MP-Gelenk II recht
s
Zudem führte
Dr.
F.___
aus,
er habe eine minime
Subluxationstendez
der Exten
sor
digitorum
communis
- und Extensor
indizis
proprius
-Sehne nach
ulnar
gefun
den. Das gleiche Phänomen finde sich auch auf der linken Seite. Das minime Abrutschen der Strecksehnen an beiden Zeigefingern sei nicht schmerzhaft und es bestehe keine
Druckdolenz
über dem
Ringband
A1 des Zeigefingers rechts mit Reibegeräuschen oder Beugesehnen. Intermittierend bestehe ein feines hörbares Klickphänomen und eine leichte
Druckdolenz
im Bereich des
ulnodorsalen
MP-Gelenkspaltes und des Ursprungs des
ulnaren
Kollateralbandes. Die Haupt
be
schwerden würden von der Beugesehne stammen, welche
druckdolent
sei und Reibegeräusche im Bereich des Ringbandes A1 verursache. Beim Anspannen der Beugesehnen gegen Kraft würden die Schmerzen zunehmen.
3.6
Nach Kenntnisnahme des Verlaufs und Durchsicht der bisherigen Akten und Bild
gebung kam
Kreisarzt
med. pract.
G.___
, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und
Viszeralchirurgie
,
mit Beurteilung vom 1
8.
Dezember 2018 (
Urk.
8/103) zum Schluss
, dass w
enn an paarigen Organen (hier den oberen Extremitäten) gleich
artige Veränderungen
vorliegen
und kein Unfall dokumentiert sei, der gleicher
massen beide Organe betroffen habe, gleichartige Veränderungen mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit nicht die Folge ein
e
s nur auf einer Seite einwirkenden Traumas
seien
. Nach der derzeitigen Aktenla
g
e sei es daher nicht überwiegend wahrscheinlich, sondern nur wahrscheinlich, dass die Läsion der
Streckerhaube
am Grundgelenk des Zeigefingers der rechten Hand Folge des Unfalls vom 2
7.
April 2016 sei. Damit seien die am 1
2.
Juli 2017 im Rückfall gemeldeten
B
eschwerden nicht mit dem Mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, son
dern nur mit der Mass der Wahrscheinlichkeit Folge des Unfalls vom 2
7.
April 201
6.
Für eine Unfallkausalität der Veränderung an der
Streckerhaube
würden der Befund der Sonographie und die lange Zeit der Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfall sprechen. Klinische Befunde seien zeitnah zum Unfall nur rudimentär doku
mentiert. Gegen die Unfallkausalität spreche, dass an der linken Hand gleichartige Veränderungen dokumentiert seien. Die von
Dr.
F.___
diagnosti
zierte Tendovaginitis
stenosans
der Beugesehnen des Zeigefingers sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nicht Folge des Unfalls vom 2
7.
April 201
6.
Auch der von
Dr.
F.___
geäusserte Verdacht auf einen Riss der Gelenkkapsel des Zeige
fingergrundgelenks
ulnarseitig
finde keine Entsprechung in den vorliegenden medizinischen Berichten der anderen Ärzte und sei nicht überwiegend wahr
scheinlich Folge des Ereignisses vom 2
7.
April 201
6.
Eine Subluxation der Strecksehnen sei darüber nicht zu erklären (S. 6 f.).
3.7
Am
1.
Februar 2019 (
Urk.
3) berichtete
Dr.
F.___
zu Händen des Beschwerde
führers, dass der Zeigefinger beim Unfall in eine Hyperextension gebracht worden sei. Aufgrund des Unfallmechanismus müsse man annehmen, dass durch die Überstreckung des Fingers im Grundgelenk ein Riss im Bereich der Beugesehnen
scheide und eventuell auch der Gelenkkapsel entstanden sei. Nach Angaben des Beschwerdeführers habe der Zeigefinger nach dem Unfall während einigen Tagen bei Flexion und Extension schmerzhaft geschnellt. Es sei anzunehmen, dass auch das PIP-Gelenk von der Hyperextension/Distorsion betroffen worden sei. Dadurch seien die Schmerzen und Schwellungen im Bereich des PIP-Gelenkes erklärt.
Intermittierende Schnellphänomene der Beugesehnen bei Status nach Hyperex
tension im MP-Gelenk würden immer wieder beobachtet, sie könnten bei Entlas
tung verschwinden, träten bei Belastung wieder auf. Da er -
Dr.
F.___
- bei der Untersuchung nur eine symmetrische geringfügige Subluxation der Strecksehnen gefunden habe, aber eine deutliche
Druckdolenz
im Bereich des Ringbandes A1, welche auf zwei
Kortisoninjektionen
vollständig verschwunden seien, sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Tendovaginitis
stenosans
unfallbedingt, insbesondere da diese Beschwerden unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten seien.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht gestützt auf
den
Kreis
arztbericht von pract. med.
G.___
(E. 3.6 hiervor) vom 1
8.
Dezember 201
8.
Dieser wies in seiner Aktenbeurteilung darauf hin, dass der Beschwerdeführer nach seiner Arbeitsunfähigkeit
als Folge des Unfalls am 27. April 2017 zwischen dem 2
2.
September 2016 und 1
2.
Juli 2017 beschwerdefrei war, bevor er im Juli 2017 wegen erneuten Beschwerden bei seinem Hausarzt vorstellig wurde. Er legte
aus
serdem
dar, dass
gleichartige Veränderungen an der linken und grundsätzlich unverletzten Hand gefunden wurden
, was gegen eine Unfallkausalität
spreche
. Er begründete, dass
Dr.
F.___
(E. 3.5 hiervor)
lediglich den Verdacht auf eine Tendovaginitis
stenosans
an
Dig
. II rechts und auf einen Gelenkkapselriss am MP-Gelenk
Dig
. II recht
s
geäussert
und somit zum Ausdruck
gebracht habe
, dass er dies nur für möglich und nicht für sicher halte. Des Weiteren legte
med. pract.
G.___
dar, dass Dr.
C.___
im Rahmen seiner Untersuchung am 2
6.
September 2017 (E. 3.3 hiervor)
noch
völlig unauffällige
Durchblutung, Motorik, Sensibilität und
Flexorensehnen
festgestellt hat
te
und die Beschwerden mit der Beugesehne erst bei der Untersuchung durch
Dr.
F.___
am 2
8.
November 2017 (E. 3.5 hiervor) Erwähnung
gefunden hätten
.
Eine Rückfallkausalität erachtete er deshalb als nicht überwiegend wahrscheinlich
gegeben
. Die Ausführungen des Kreisarztes sind schlüssig, in sich widerspruchsfrei und nachvollziehbar begründet.
4.2
Bei einem Rückfall obliegt es der versicherten Person, das Vorliegen eines natür
lichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit nachzuweis
en. Je grösser der zeitliche Ab
stand zwi
schen dem Unfall und dem Auftr
eten der gesundheitlichen Beein
trächtigung ist, desto strengere Anforderu
ngen sind an den Wahrscheinlich
keitsbeweis des natür
lichen Kausalzusammenha
ngs zu stellen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2015 vom 2
1.
August 2015 E. 2.2.2)
. Bei Beweislosig
keit fällt der Ent
scheid zu Lasten der versicherten Person aus. Werden durch einen Unfall Beschwerden verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfall
ereignis verursachten Schaden, spätere Gesundheitsstörungen dagegen nur, wenn eindeutige Brücken
symptome gegeben sind (Urteil des Bun
desgerichts 8C_331
/201
5
vom
21. August 2015 E. 2.2.2 und 8C_589/2017 vom 2
1.
Februar 2018 E. 3.2.2
mit Hinweisen).
4.3
Da erstmals im Rahmen der hausärztlichen Konsultation am 1
9.
Juli 2017 (vor
stehend E. 3.1.2) - mithin 15 Monate nach dem Unfallereignis vom 2
7.
April 2016 - ein Sehnenschnappen dokumentiert wird, fehlt es vorliegend an eindeutigen
Brückensymptomen zum besagten Unfall. Das Schreiben des Hausarztes
Dr.
Z.___
vom
6.
Oktober 2017 (
Urk.
8/39) vermag daran nichts zu ändern. Daraus geht hervor,
dass er
das Sehnenschnappen
,
welches er als
anamnestisch die ganze Zeit vorhanden
bezeichnete
,
nicht
persönlich gesehen
hat
. Dies spricht für den Umstand, dass
Dr.
Z.___
die Information über das durchgehende Vorhandensein des Sehnenschnappens vom Beschwerdefü
hrer übernommen hat
. Der Befund wurde
zudem
nicht echtzeitlich dokumentiert und ist damit nicht belegt.
Der Hin
weis von Prof.
Dr.
H.___
(
Urk.
8/86
/3
)
, wonach die Läsion der radialen
Stre
ckerhaube
am rechten Zeigefinger traumatisch durch die Kontusion des
MCP
-Gelenks
Dig
. II am 2
7.
April 2016 bedingt
sei
und es sich um die Folgen eines direkten Schlags auf die
Extensorenhaube
handle,
vermag einen natürlichen Kausal
zusammenhang nicht zu belegen. Wie die Beschwerdegegnerin dazu tref
fend ausführt, mangelt es dieser Beurteilung
an
einer medizinischen nachvoll
ziehbaren Begründung. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern sich
Prof.
Dr.
H.___
mit den übrigen Berichten auseinandergesetzt hat und wie er zu seiner Einschätzung gekommen ist.
Selbst wenn der Beschwerdeführer gelegentlich unter gewissen Symptomen litt, kommt diesen nicht die Eigenschaft eindeutiger Brückensymptome zu. Jedenfalls waren sie nicht derart erheblich, dass sie eine Behandlung erforderlich machten oder zu einer Arbeitsunfähigkeit führten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_419/2010 vom 17. August 2010 E. 3.2.2
)
.
Bei dieser Ausgangslage und fehlender Dokumentation von anhaltenden Beschwerden ist damit nicht erstellt, dass die neu aufgetretenen Beschwerden durch den Unfall bedingt sind. Nicht einleuchtend ist sodann, dass zwei erfolg
reiche
Kortisoninjektionen
für die Verursachung der Problematik durch den Unfall sprechen soll
en
. Es ist nicht erkennbar, weshalb nicht auch ein krankheits
bedingtes entzündliches Geschehen Ursache sein könnte.
Es ist daher auf die schlüssige und nachvollziehbare Einschätzung von
pract. med.
G.___
abzustellen, wonach die geltend gemachten
Fingerbeschwerden
rechts mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht kausal zum Unfall vom
27
.
April 2016
sind. Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, auf die Beurteilung von
pract. med.
G.___
könne mangels Objektivität aufgrund des Anstellungsverhältnisses zur Beschwerdegegnerin nicht abgestellt werden (
Urk.
11 S. 2
),
ist auf die höchst
richterliche Praxis zu verweisen, wonach ein Anstellungsverhältnis für sich nicht auf fehlende Objektivität schliessen lässt (E. 1.4). Sodann handelt es sich beim massgebenden Bericht von
Dr.
G.___
um eine Aktenbeurteilung und damit eine Interpretation bereits vorliegender Berichte. Hierbei findet sich keine Akten
widrigkeit, sondern im Gegenteil eine detaillierte und schlüssige Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge unter Bezugnahme auf die echtzeitlich erho
benen Untersuchungsresultate.
4.
4
Zusammenfassend ist der
Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzu
sammenhangs zwischen den geltend gemachten
Fingerbeschwerden
rechts und dem Unfall vom 27. April 2016 nicht erbracht worden. Dementsprechend erweist sich der Einspracheentscheid vom 2
0.
Dezember 2018 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Soweit der Beschwerdeführer verlangt, es seien weitere Abklärungen - nament
lich eine neutrale Abklärung - durchzuführen (Urk. 1), kann darauf in antizi
pierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinwei
sen). Der Gesundheitszustand ist hinreichend abgeklärt. Von weiteren Abklä
rungen wären keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubBabic