# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34a26817-c79b-5b96-9837-ae795b0ba1c2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-07-09
**Language:** de
**Title:** Schreckereignis; Voraussetzung der unmittelbaren Gegenwart des Versicherten am sich abspielenden Vorfall ist vorliegend nicht erfüllt. -> Unfallbegriff nicht erfüllt -> Abweisung. (BGE 8C_600/2019)
**Docket/Reference:** UV.2018.00166
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2018.00166.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2018.00166
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiberin Nünlist
Urteil
vom
9.
Juli 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
Cristina
Schiavi
goldbach
law
Gustav-
Siber
Weg 4, Postfach 645, 8700 Küsnacht ZH
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene
X.___
war bei der
Y.___
GmbH als Ge
schäftsführerin angestellt und in dieser Funktion bei der Suva unfallversichert,
als
ihr Sohn am 5. November 2016
bei einem Tötungsversuch
lebensgefährlich
verletzt wurde
. Mit Schreiben vom 2. Februar 2018 (
Urk.
8/1)
informierte die Ver
sicherte die Suva über das Ereignis
und beantrage die Gewährung von Versiche
rungsleistungen
mit der Begründung
, der
Tötungsversuch
an ihrem Sohn
habe
bei ihr zu einer
posttraumatischen Belastungsstörung geführt.
Die Suva leitete daraufhin Abklärungen ein.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2018 (
Urk.
8/7) verneinte die Suva ihre Leistungs
pflicht mit der Begründung, es liege weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor.
Die hier
gegen erhobene Einsprache (Urk.
8/11)
wurde mit
Einspracheentscheid
vom 4. Juni 2018 (
Urk.
2) abgewiesen.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
der Suva erhob die Versicherte mit Eingabe vom 4. Juli 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und stellte folgende Anträge
(S. 2)
:
«1.
Es sei der Einsprache-Entscheid vom 4. Juni 2018 aufzuheben.
2.
Es sei bei der Beschwerdeführerin mit Bezug auf das Ereignis vom 5. No
vember 2016 von einem Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG auszugehen und die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerde
gegner
s
in
zuzüglich 8 % MwSt.»
In ihrer Beschwerdeantwort vom 7. September 2018 (
Urk.
7) beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde
, so
fern
darauf eingetreten wer
den könne
(S. 2).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Das hier zu beurteilende Ereignis hat am 5. November 2016
stattgefunden
(Urk. 8/1), weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1).
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Fak
tors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3
Rechtsprechung und Lehre haben auch schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Un
falles voraus, dass es sich um ein
aussergewöhnliches
Schreckereignis
, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, sich in der unmittelbaren Gegenwart der versi
cherten Person abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschen
den Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Läh
mungen, Herzschlag, etc.) hervorzurufen (Urteil des Bundesgerichts 8C_412/2015 vom 5. November 2015 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
vom 4. Juni 2018 (
Urk.
2) damit, dass
sich das Ereignis vom 5. November 2016 aufgrund des
geschilderten Sachverhaltes betreffend den Tathergang nicht in unmittelbarer Ge
genwart
der Beschwerdeführerin zugetragen habe. Weiter habe
die Beschwerde
führerin
währe
nd ihr Sohn operiert worden sei
erfahren, dass dessen Zustand stabil gewesen sei. Von einem unmittelbaren, von der Beschwerdeführerin be
zeugten Überlebenskampf sei demnach nicht auszugehen. Auch das Argument, dass durch die Operation zwar objektiv die Todesgefahr habe gebannt werden können, die Beschwerdeführerin jedoch subjektiv um das Leben ihres Sohnes habe bangen müssen, vermöge nicht zu überzeugen, da sich der Sohn gemäss Bestätigung der Ärzte in stabilem Zustand befunden habe.
Der Vorfall gelte mit dem Ende des Übergriffes durch die Täter als abgeschlossen.
Es sei naheliegend und nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin als Mutter des Opfers das tra
gische und einschneidende Geschehen nur schwer verarbeiten könne. Jedoch ver
möge auch die Tragik des vorliegenden Falles nichts daran zu ändern, dass sich das entsprechende Ereignis nicht in der unmittelbaren Gegenwart der Beschwer
deführ
erin abgespielt habe, was recht
s
p
rechungsgemäss zur Erfüllung des Unfall
begriffes vorausgesetzt werde. Im Übri
g
en sei darauf hinzuweisen, dass sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nach der Definition des Unfalles nur auf den äusseren Faktor und nicht auf dessen Wirkung auf den menschlichen Körper respektive auf di
e Psyche beziehe. Ob ein ungewö
hnliches Ereignis vorliege, ergebe sich nicht bereits darau
s
, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwie
gende, unerwartete Folgen wie beispielsweise eine psychische Beeinträchtigung nach sich gezogen habe. Ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG liege daher nicht vor.
Die Rechtsprechung zum zivilrechtlichen Schockschaden sei schliess
lich nicht analog auf Schreckereignisse anzuwenden
(S. 5 ff.).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 4. Juli 2018 (
Urk.
1) im Wesentlichen vor,
die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors bestehe vorliegend im Tötungsversuch zum Nachteil
ihres
Sohnes und sei daher ohne Weiteres gegeben.
Der mit dem Tötungsversuch verbundene psychische Schock der Beschwerdeführerin als alleinerzieh
e
nde Mutter sei ausgewiesen und werde durch ärztliche Berichte belegt. Das Ereignis sei ohne weiteres geeignet, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen hervorzurufen. Die besondere und über
raschende Heftigkeit der Einwirkung auf die Psyche de
r Mutter sei ebenfalls gegeben (S. 9 f.).
Weiter machte die Beschwerdeführerin geltend, Tötungsdelikte seien klassische Erfolgsdelikte, bei denen nicht die Handlung, sondern der Erfolg tatbestandsmäs
sig umschrieben werde. Tötungsdelikte seien materiell erst vollendet, wenn der
angestrebte Erfolg, der Tod, eingetreten sei. Im Gegensatz zu dem von der Be
schwerdegegnerin aufgeführten Entscheid U 365 des Eidgenössischen Versiche
rungsgerichts
(EVG)
vom
29. Oktober 1999
, wo die Mutter ihren Sohn bereits tot in der Wohnung aufgefunden habe, sei der Tod des Opfers vorliegend nicht ein
getreten. Ab dem Zeitpunkt des Eintreffens der Beschwerdeführerin an ihrem Wohnort habe sie um das Leben und die Gesundheit ihres Sohnes fürchten müs
sen.
Auch als sie ihren Sohn auf der Notfallstation des
Z.___
im künstlichen Koma liegend
habe sehen dürfen, habe objektiv immer noch Le
bensgefahr bestanden.
Der Überlebenskampf habe erst mit dem Aufwachen des Sohnes aus dem künstlichen Koma
geendet
. Entgegen der Annahme der Be
schwerdegegnerin sei somit von einem unmittelbaren, von der Beschwerdeführe
rin wahrgenommenen Überlebenskampf auszugehen.
Massgebend sei
diesbezüg
lich
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (Urteil 8C_522/2007 vom
1. September 2008)
die subjektive Sicht der Beschwerdeführerin
.
Das ausserge
wöhnliche Schreckereignis, das zum psychischen Schock in Form einer posttrau
matischen Belastungsstörung geführt habe, habe sich im Überlebenskampf
ihres Sohnes
gezeigt, den die Beschwerdeführerin unmittelbar wahrgenommen habe. Solange dieser Kampf angedauert habe, sei ungewiss gewesen, ob es sich um ein vollendetes Tötungsdelikt oder
um einen Versuch handeln würde
. Die unmittel
bare Wahrnehmung des Überlebenskampfes ihres Sohnes durch die Beschwerde
führerin nach einem Tötungsanschlag in der eigenen Wohnung, die zu einer post
traumatischen Belastungsstörung bei der Beschwerdeführerin geführt habe, er
fülle die Kriterien des Unfallbegriffs
(S. 10 ff.).
Eventualiter sei hinsichtlich der Voraussetzungen des Schreckereignisses analog zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Schockschaden auf das Erfordernis der unmittelbaren Anwesenheit des Versicherten am sich abspielenden Ereignis zu verzichten (S. 13 f.).
Das Vorliegen des natürlichen Kausalzusammenhanges gehe weiter aus dem Be
richt der
behandelnden
Therapeutin vom 25.
Oktober 2017 klar hervor
(S. 14).
Auch der adäquate Kausalzusammenhang sei vorliegend schliesslich zu bejahen (S. 15 ff.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 7. September 2018 (
Urk.
7)
machte
die Be
schwerdegegnerin
geltend
, vorliegend sei zweifelhaft, ob die Beschwerde fristge
recht eingereicht worden sei. Dies sei vorab durch die Beschwerdeführerin nach
zuweisen (S. 3 f.).
In materieller Hinsicht werde
rechtsprechungsgemäss
die unmittelbare Gegenwart
des Versicherten für die Einwirkung des Vorfalles auf die Psyche verlangt. Es genüge daher nicht, nur das Resultat eines gewaltsamen Vorfalls auf die versi
cherte Person einwirken zu lassen. Es sei ein zeitlicher und örtlicher Einbezug in den
Geschehensablauf erforderlich, welcher die versicherte Person der schädigen
den Einwirkung des sich abspielenden gewaltsamen Vorfalls aussetze.
Aus der Schilderung des Vorganges durch die Beschwerdeführerin gehe hervor, dass diese am Tatzeitpunkt respektive während des gewaltsamen Vorfalls nicht anwesend gewesen sei. Rechtsprechungsgemäss sei daher festzuhalten, dass die Vorausset
zung der unmittelbaren Gegenwart der Versicherten am sich abspielenden Ereig
nis nicht als erfüllt zu betrachten sei.
Das unmittelbare Wahrnehmen des Überle
benskampfes des Sohnes
sei nicht geeignet, die Voraussetzung der unmittelbaren Gegenwart zu erfüllen, liege der gewaltsame Vorfall doch vorliegend im Tötungs
versuch des Sohnes der Beschwerdeführerin. Dieser beschränke sich auf den Zeit
raum, in welchem der Sohn überfallen und verletzt worden sei. Die darauffolgen
den medizinischen Massnahmen
hätten ja gerade der Rettung des Sohnes gedient. Ob das Tötungsdelikt bereits vollendet gewesen sei oder nicht und ob sich der Sohn der Beschwerdeführerin noch in Lebensgefahr befunden habe, sei für die Qualifizierung eines Schreckereignisses nicht massgebend. Relevant sei einzig, ob die versicherte Person dem gewaltsamen Vorfall direkt ausgesetzt gewesen sei, was vorliegend nicht der Fall gewesen sei (S. 4 ff.).
Im Zusammenhang mit dem geltend gemachten Verzicht auf das Erfordernis der unmittelbaren Gegenwart der versicherten Person analog zum Schockereignis sei festzuhalten, dass
die Leistungen einer Sozialversicherung und ein haftungsrecht
licher Schaden (im Sinne des Schockschadens) nicht deckungsgleich seien. Es sei nicht angezeigt, die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den Schreckereignis
sen zu ändern. Es sei nichts vorgebracht worden, was an der höchstrichterlichen Rechtsprechung, wonach der Verzicht auf das Erfordernis eines sich in der un
mittelbaren Gegenwart des Versicherten abspielenden gewaltsamen Vorfalls zu einer unzulässigen Ausweitung führen würde, in dem jede plötzliche ungewöhn
liche seelische Einwirkung zur Bejahung des Unfallbegriffs führen würde, Zweifel wecken würde
. Eine Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhanges erübrige sich damit
(S. 6 f.).
3.
Vorweg ist festzuhalten, dass die Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhe
bung bereits mit Verfügung vom 26. September 2018 (
Urk.
9) bejaht wurde, wes
halb
auf die Beschwerde ohne Weiterungen einzutreten ist
.
4
.
4
.1
BGE 129 V 177 E. 2.1 ist zum Schreckereignis Folgendes zu entnehmen: «
Recht
sprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behand
lung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart des Versicherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden Heftig
keit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seeli
schen Gleichgewichts typische Angst- und
Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzschlag, etc.)
hervorzurufen (EVGE 1939 S. 116 BGE 129 V 177 S. 180
Erw
. 4, RKUV 2000 Nr. U 365 S. 89; ALFRED BÜHLER, Der Unfallbegriff, in: ALFRED KOLLER [Hrsg.], Haftpflicht- und Versicherungsrechts
tagung 1995, St. Gallen 1995, S. 248 ff.; MAURER, Schweizerisches Unfallversi
cherungsrecht, S. 183 ff.; ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: MURER/STAUFFER [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum Sozialversicherungsrecht,
3.
Aufl., Zürich 2003, S. 28 f.). In jüngerer Zeit hat das Eidgenössische Versicherungsgericht diese Rechtsprechung bestätigt und
dahin gehend
präzisiert, dass auch bei Schreckereignissen nicht nur die Re
aktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Vergleichsgrösse dienen kann, sondern in diesem Zusammenhang ebenfalls auf eine "weite Bandbreite" von Ver
sicherten abzustellen ist. Zugleich hat es dabei relativierend, unter Bezugnahme auf den massgeblichen Unfallbegriff (
BGE 118 V 61
Erw
. 2b und 283
Erw
. 2a; ferner
BGE 122 V 232
Erw
. 1 mit Hinweisen), betont, dass sich das Begriffsmerk
mal der Ungewöhnlichkeit definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber bezieht, weshalb nicht von Belang sein könne, wenn der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog (RKUV 2000 Nr. U 3
65 S. 90
Erw
. 2a mit Hinweisen
).»
An den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, an die Aussergewöhnlichkeit dieses Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock sind gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung strenge Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_609/2018 vom 5. Dezember 2018 E. 2.2 mit Hinweisen).
4
.2
Bereits mit Urteil U 365 vom 29. Oktober 1999 betreffend die Erfüllung des Un
fallbegriffes im Zusammenhang mit Schreckereignissen hielt d
as damalige
EVG
ausdrücklich an der Voraussetzung des gewaltsamen, sich in unmittelbarer Ge
genwart des Versicherten abspielenden Vorfalles fest, wobei es auch in jenem Fall um die Frage ging, ob auch ein Schockschaden unter den Unfallbegriff fallen könne (E. 2b)).
Diese Rechtsprechung wurde in der Folge in zahlreichen höchst
richterlichen Urteilen bestätigt un
d der Unfallbegriff verneint, solange der
/die
Versicherte den
gewaltsamen
Vorfall nicht in unmittelbarer Gegenwart erlebt hatte (vgl. statt vieler BGE 129 V 177 E. 2.1, Urteile des
EVG
U 273/02
vom 17. Juni 2003
E. 3.2
und
U 67/02
vom 2. April 2003
E. 3.1
sowie
das
Urteil des Bundesgerichts 8C_609/2018
vom 5. Dezember 2018
E. 2.2
)
. A
n der
Vorausset
zung der unmittelbaren Gegenwart de
r
Versicherten
am gewaltsamen Vorfall
ist daher entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin festzuhalten.
4
.3
Im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Vorfall ist
sodann darauf hinzuweisen
, dass dieser - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin - in der eigentlichen schädigenden Handlung der Täter gegen den Sohn der Beschwerdeführerin lag und beendet war, als die Täter die Wohnung wieder
verlassen hatten
.
Entschei
dend im Zusammenhang mit der unmittelbaren Gegenwart
ist
das persönliche Miterleben
dieses
gewaltsamen Vorfalles.
Das
geht auch
aus
den in
Erwägung
4
.2 zitierten
höchstrichterlichen
Urteilen hervor
(vgl. auch die in der Beschwerde
antwort aufgeführten Beispiele,
Urk.
7 S. 4 f.)
.
Daran ändert nichts, dass es sich beim Tötungsdelikt um ein Erfolgsdelikt handelt.
So war
auch
in U 365
des
EVG
nicht relevant, dass der Sohn der Versicherte
n
in jenem Fall
bereits
verstorben war
und nicht mehr um sein Leben kämpfte
, als die Versicherte
ihn auffand
. Vielmehr wurde der Unfallbegriff
mit der Begründung verneint,
dass
sich
«
das Vorkommnis
[
…
]
nicht in unmittelbarer Gegenwart der Beschwerdeführerin ab
gespielt hat»
(E. 3.).
Die Beschwerdeführerin befand sich unbestrittenermassen ausser Haus, als der Angriff auf ihren Sohn im Gange war.
Im
Zeitpunkt,
in dem
sie zu Hause eintraf,
befand sich
ihr Sohn bereits im
Z.___
(Urk. 1 S.
4 ff.
, Urk.
3/3
f., 3/
5
S. 2, 3/8 S. 1 f.,
3/12 S. 1
). Damit hat sie den tätlichen Angriff auf ihren Sohn nicht direkt miterlebt.
Gestützt auf das Dargelegte wurde der Unfall
begriff daher
zu Recht verneint. Auf Weiterungen
, insbesondere
zur (natürlichen und adäquaten) Kausalität
,
kann damit verzichtet werden.
Die Beschwerde ist ab
zuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Dr.
Cristina
Schiavi
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubNünlist