# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3eacdafb-4865-594f-bcf7-94474971746a
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-30
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 30.03.2021 SK 2019 469
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-469_2021-03-30.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 19 469

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 30. März 2021 

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), Oberrichterin Falkner, 
Oberrichter Schlup
Gerichtsschreiberin Ragonesi

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern  

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. D.________

Straf- und Zivilkläger

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, Widerhandlungen gegen 
das Betäubungsmittelgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 15. Oktober 2019 (PEN 19 216)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung) fällte am 
15. Oktober 2019 folgendes Urteil (pag. 371 ff., Hervorhebungen im Original):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 20. Juli 2018 in E.________ zN 
C.________;

2. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen im Zeitraum von 2017 
bis am 11. März 2019 durch Konsum einer unbestimmten Menge Marihuana, Kokain und Am-
phetamin;

und in Anwendung der Art. 22 Abs. 1, 40, 43 Abs. 1, 44, 47, 48a, 49 Abs. 1 und 2, 51, 66a Abs. 1 lit. 
b, 106, 122 StGB, Art. 19a BetmG, Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten.

Davon sind 16 Monate zu vollziehen. Für eine Teilstrafe von 16 Monaten wird der Vollzug aufge-
schoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.

Die Polizeihaft von 1 Tag wird vollumfänglich auf die zu vollziehende Teilstrafe angerechnet.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 400.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 4 Tage festgesetzt, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 17. Februar 2017, vom 19. März 2018, vom 19. Juni 
2018, vom 22. Oktober 2018.

3. Es wird eine Landesverweisung von 7 Jahren ausgesprochen.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 13‘100.00 und Aus-
lagen von CHF 1‘793.60, insgesamt bestimmt auf CHF 14‘893.60.

Kosten der Untersuchung CHF 4’800.00
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 1’500.00
Kosten des Gerichts CHF 6’800.00
Total CHF 13’100.00

Entschädigung für Zeugen CHF 217.00
Übrige Kosten der Beweiserhebung CHF 1’456.60
Kosten für Gutachten CHF 120.00
Total CHF 1’793.60

Total Verfahrenskosten CHF 14’893.60

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

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II.

1. Die auf den Schuldspruch entfallende amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die 
amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwalt B.________ werden wie folgt be-
stimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 40.08 200.00 CHF 8’016.67
CHF 404.10

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 8’420.77 CHF 648.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 9’069.15

volles Honorar CHF 10’020.83
CHF 404.10

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 10’424.93 CHF 802.70
Total CHF 11’227.65

nachforderbarer Betrag CHF 2’158.50

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 9‘069.15. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 2‘158.50 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ durch 
Rechtsanwalt Dr. iur. D.________ wird wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 34.50 200.00 CHF 6’900.00
CHF 40.50

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 6’940.50 CHF 534.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 7’474.90

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt Dr. iur. D.________ für die unentgeltliche Rechtsver-
tretung von C.________ mit CHF 7‘474.90. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

Es wird festgestellt, dass Rechtsanwalt Dr. iur. D.________ auf die Geltendmachung des vollen 
Honorars verzichtet hat.

III.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 47 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 3‘000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 20. Juli 2018 an 
den Straf- und Zivilkläger C.________.

Soweit weitergehend wird die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen. 

Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

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IV.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

2. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. .________) erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).

3. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt 
(Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken-
nungsdienstlicher Daten).

4. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (nachfolgend: 
Vorinstanz) meldete die amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt B.________, für 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) form- und fristgerecht die Berufung an 
(pag. 378). Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 13. Dezember 2019 
(pag. 388 ff.) und wurde den Parteien mit Verfügung vom gleichen Tag (pag. 453 f.) 
zugestellt.

Mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 3. Januar 2020 (pag. 461 ff.) 
wurde die Berufung beschränkt auf den Schuldspruch wegen versuchter schwerer 
Körperverletzung, auf die Strafzumessung (Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe 
von 32 Monaten und Landesverweisung), die mit den Schuldsprüchen hiervor zu-
sammenhängenden Nebenfolgen wie namentlich die Auferlegung der Verfahrens-
kosten an den Beschuldigten, die Verpflichtung zur Rückzahlung der amtlichen 
Entschädigung an den Kanton Bern, die Verurteilung zur Bezahlung einer Genug-
tuung von CHF 3'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 20. Juli 2018 an den Privat-
kläger sowie die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-
onssystem. Seitens der übrigen Parteien wurden weder Anschlussberufung erho-
ben noch Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten geltend 
gemacht (pag. 469 f., pag. 471).

Die Berufungsverhandlung vom 30. November/1. Dezember 2020 wurde zufolge 
angeordneter Quarantäne des Beschuldigten mit Verfügung vom 26. November 
2020 (pag. 522 f.) abgesetzt und mit Vorladung vom 3. Dezember 2020 auf den 
29./30. März 2021 verschoben (pag. 540 ff.). Mit Schreiben vom 25. März 2021 er-
suchte die Verteidigung – unter Beilage eines ärztlichen Zeugnisses von med. 
prakt. F.________ vom 25. März 2021 – um Absetzung der Berufungsverhandlung 
vom 29./30. März 2021 zufolge Verhandlungsunfähigkeit des Beschuldigten (pag. 
567 f.). Mit Verfügung vom 26. März 2021 hielt die Verfahrensleitung am angesetz-
ten Termin fest und ordnete gleichzeitig eine vertrauensärztliche Untersuchung des 
Beschuldigten vor Verhandlungsbeginn an (pag. 570 f.). Der Beschuldigte wurde 
am 29. März 2021 vor Beginn der Berufungsverhandlung von med. pract. 
G.________ des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes des Instituts für Rechtsme-

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dizin (IRM) vertrauensärztlich untersucht und als verhandlungsfähig befunden, so-
fern stündlich eine 10-minütige Pause eingelegt und die Berufungsverhandlung im 
Beisein von Herrn H.________ durchgeführt werde (pag. 578 ff., zur Kurzdiagnose, 
vgl. pag. 628 ff.). Die Berufungsverhandlung wurde entsprechend den Empfehlun-
gen von med. pract. G.________ durchgeführt (vgl. auch Einverständnis des Be-
schuldigten, pag. 590, Z. 23 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden von Amtes wegen Strafregister-
auszüge (pag. 514 ff., pag. 561 ff.) und Leumundsberichte (inkl. Berichte über die 
wirtschaftlichen Verhältnisse, pag. 508 ff., pag. 553 f.) über den Beschuldigten ein-
geholt. Dieser wurde vor Verhandlungsbeginn zudem vertrauensärztlich untersucht 
(pag. 578 ff., pag. 628 ff., vgl. auch Ziff. 2. hiervor).

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden der Privatkläger und der Beschuldig-
te ergänzend einvernommen (pag. 585 ff.). Der Kammer lagen sodann die Vorak-
ten BM 14 51340, BM 18 2617 sowie BM 18 32116 vor.

4. Anträge der Parteien

4.1 Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung namens und auftrags des Beschuldigten die folgenden Anträge (pag. 606 
f., Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 
15. Oktober 2019 (PEN 19 216) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist als dass

1. A.________, geb. .________, schuldig gesprochen wurde vom Vorwurf der Widerhandlungen 
gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen im Zeitraum von 2017 bis 11. März 2019 (Ziff. I.2. 
Urteil der Vorinstanz);

2. A.________ (vgt.) zu einer Übertretungsbusse von CHF 400.00 verurteilt wurde (Ziff. I.2. Urteil 
der Vorinstanz)

II.

A.________, geb. .________, von Irak, I.________ (Strasse), .________ J.________, sei

schuldig zu sprechen

wegen einfacher Körperverletzung, begangen am 20. Juli 2018, auf der K.________ (Strasse), 
.________ E.________, ca. 17:00 Ihr, zum Nachteil von C.________.

III.

A.________ (vgt.), sei in Anwendung der massgeblichen Bestimmungen

zu verurteilen

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1. zu einer bedingten Geldstrafe von 110 Tagessätzen à CHF 30.00 ausmachend total 
CHF 3'300.00 unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren und unter Anrechnung der bereits 
ausgestandenen Polizeihaft von 1 Tag;

2. zur Bezahlung einer Verbindungsbusse in der Höhe von CHF 720.00, bei schuldhaftem Nichtbe-
zahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 24 Tagen;

3. zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten.

IV.

1. Dem Privatkläger sei eine Genugtuung in der Höhe von maximal CHF 500.00 zzgl. Zins zu 5% 
seit dem 20. Juli 2018 zuzusprechen.

2. Weitergehend sei die Zivilklage abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.

V.

Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten.

VI.

Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss eingereichter Honorarnote gerichtlich zu be-
stimmen.

VII.

Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen.

4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt L.________ stellte seitens der General-
staatsanwaltschaft die folgenden Anträge (pag. 611 f., Hervorhebungen im Origi-
nal):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 15. November 2019 
insofern in Rechtskraft erwachsen ist als A.________

1. schuldig gesprochen wurde der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, began-
gen im Zeitraum von 2017 bis am 11. Mai 2019 durch Konsum einer unbestimmten Menge Mari-
huana, Kokain und Amphetamin;

2. verurteilt wurde zu einer Übertretungsbusse von Fr. 400.00, unter Festsetzung der Ersatzfrei-
heitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf 4 Tage, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der 
regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 17. Februar 2017, vom 19. März 2018, vom 
19. Juni 2018 und vom 22. Oktober 2018.

II.

A.________ sei schuldig zu sprechen der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 20. 
Juli 2018 in E.________ zum Nachteil von C.________

und in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen

zu verurteilen:

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1. einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, unter bedingtem Aufschub einer Teilstrafe von 16 Mona-
ten bei einer Probezeit von 4 Jahren, unter Anrechnung der Polizeihaft von 1 Tag auf die zu voll-
ziehende Teilstrafe;

2. Es sei eine Landesverweisung von 7 Jahren auszusprechen;

3. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem anzuordnen.;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (zzgl. einer Gebühr von 
CHF 500.00 gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. a VKD).

III.

Es seien die weiteren notwendigen Verfügungen zu treffen (Honorar amtliche Verteidigung etc.).

4.3 Privatklägerschaft

Rechtsanwalt Dr. D.________ stellte namens und auftrags des Privatklägers die 
folgenden schriftlichen Anträge (pag. 613):

1. A.________ sei schuldig zu erklären der ersuchten schweren Körperverletzung, begangen am 
20. Juli 2018, zum Nachteil von C.________.

2. A.________ sei entsprechend zu verurteilen und angemessen zu bestrafen.

3. A.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Genugtuung von CHF 3'000.00 zuzüglich 
5% Zins seit dem 20. Juli 2018 zu bezahlen.

4. Soweit weitergehend, sei die Zivilklage auf de Zivilweg zu verweisen.

5. Für den Zivilpunkt seien sowohl für das erst- wie auch für das zweitinstanzliche Verfahren keine 
Kosten auszuscheiden.

6. A.________ sei zu verurteilen, die Verfahrenskosten für das erst- und zweitinstanzliche Verfah-
ren zu bezahlen.

7. Die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes der Privatklägerschaft für das erstin-
stanzliche Verfahren sei gemäss Urteilsdispositiv vom 15. Oktober 2019 (PEN 19 216) Ziff. II./2. 
Festzusetzen resp. zu bestätigen.

8. Die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes der Privatklägerschaft für das oberin-
stanzliche Verfahren sei gemäss eingereichter Kostennote festzusetzen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Urteil der Vorinstanz wurde nur teilweise angefochten und ist damit betreffend 
den Schuldspruch der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz durch 
Konsum einer unbestimmten Menge Marihuana, Kokain und Amphetamin sowie die 
in diesem Zusammenhang ausgesprochene Übertretungsbusse von CHF 400.00 
(inkl. Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung von vier Tagen), teilwei-
se als Zusatzstrafe zu den Urteilen der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 
17. Februar 2017, 19. März 2018, 19. Juni 2018 und 22. Oktober 2018, in Rechts-
kraft erwachsen. 

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Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet damit der Schuldspruch wegen 
versuchter schwerer Körperverletzung (Ziff. I.1. des erstinstanzlichen Dispositivs), 
die Sanktionen (Ziff. I.1. und 3. des erstinstanzlichen Dispositivs), der Zivilpunkt 
(Ziff. III. des erstinstanzlichen Dispositivs), die Kostenfolgen (Ziff. I.4. des erstin-
stanzlichen Dispositivs) sowie die Ausschreibung im Schengener Informationssys-
tem (SIS, Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen Dispositivs). Praxisgemäss neu zu verfü-
gen ist ferner über das erstellte DNA-Profil und die biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten sowie über die amtlichen Entschädigungen. Auf diese ist indes-
sen nur dann zurückzukommen, falls die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestset-
zung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile 
des Bundesgerichts [BGer] 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 
6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3).

Die Kammer überprüft das Urteil mit voller Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO), ist 
aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldigten allerdings an das Verschlech-
terungsverbot (Verbot der sog. «reformatio in peius», Art. 391 Abs. 2 StPO) gebun-
den.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Gemäss Ziff. 1. der Anklageschrift vom 11. März 2019 wird dem Beschuldigten 
Folgendes vorgeworfen (pag. 228 ff.):

Versuchte schwere Körperverletzung, begangen zum Nachteil von C.________ in E.________, 
K.________(Strasse), auf Trottoir, Nähe Fussgängerstreifen, am 20. Juli 2018, ca. 17.00 Uhr.

C.________ war mit dem Fahrrad unterwegs auf der M.________ (Strasse) von N.________ in Rich-
tung seiner Wohnung. Er wollte links abbiegen und schaute nach hinten. A.________ fühlte sich 
durch diesen Blick belästigt bzw. hatte das Gefühl, dass C.________ seine Mutter wegen deren Kopf-
tuch anstarre. A.________ sagte, etwas wie „was luegsch mini Mutter a". A.________ eilte auf 
C.________ zu und riss diesen vom Fahrrad. Anschliessend schlug er mit den Fäusten (evtl. teilweise 
auch mit den offenen Händen) auf den am Boden liegenden C.________ ein. Er schlug heftig zu und 
traf den Kopf, das Gesicht und den Körper von C.________. Zudem versetze A.________ 
C.________ mehrere gezielte Fusstritte gegen den Kopf, gegen den Körper und auch die Beine. Der 
Passant O.________ kam nun herbeigeilt und konnte A.________ von C.________ wegnehmen. Die 
ganze Situation schien sich zu entspannen und A.________ entfernte sich zusammen mit seiner Mut-
ter vom Ort des Geschehens.

C.________ war am Aufsteigen auf sein Rad, als A.________ zurückkehrte und ihn nochmals massiv 
schlug. Er versetzte ihm wieder mehrere Faustschläge ins Gesicht und den Körper. Es erfolgten er-
neut massive Tritte gegen den Kopf und andere Körperteile. A.________ war nun vollkommen ausser 
sich und schlug wild auf den am Boden liegenden C.________ ein.

Die Tritte wurden zumeist oder alle mit Kickbewegungen, wie beim Fussball, ausgeführt. Die Tritte 
waren heftig und massiv. Auch beim zweiten Vorfall musste O.________ A.________ von 
C.________ wegnehmen.

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A.________ war C.________, obwohl kleiner und wesentlich leichter, massiv körperlich überlegen. Er 
verfügt über Kampfsporterfahrungen. C.________ konnte sich nicht oder nicht gross zur Wehr setzen. 
Er versuchte während der Auseinandersetzung insbesondere seinen Kopf mit den Händen zu schüt-
zen. A.________ war ausgesprochen aggressiv und vollkommen ausser sich.

C.________ erlitt folgende Verletzungen:
- Am Unterkiefer ein gelockerter, schmerzhafter Zahn und ein ca. 2 mm grosser Abbruch bei ei-

nem Zahn (Nr. 41).
- An der behaarten Kopfhaut allseits rote Hauteinblutungen.
- An der rechten Wange Höhe Jochbein eine ca. 1 cm lange strichförmige Hautverfärbung.
- Hinter dem rechten Ohr eine ca. 2.5 cm lange Hauteinblutung.
- Unterhalb des rechten Ohrläppchens eine ca. 1 cm durchmessende Hautverfärbung.
- An der Stirn links eine ca. 1.2 cm durchmessende Hauteinblutung.
- An der linken Ohrmuschel eine Hautunterblutung. In der Nähe eine weitere punktförmige Hau-

teinblutung.
- Hinter dem linken Ohr mehrere Hauteinblutungen.
- An der Oberlippe innenseitig einen ca. 0.6 x 0.2 cm grosse Schleimhauteinblutung.
- An der Unterlippe, innenseitig, eine ca. 1 cm durchmessender, oberflächlicher Schleimhautde-

fekt.
- Am rechten Schlüsselbein eine ca. 1.2 cm durchmessende Hauteinblutung.
- Am Rücken, Schulterblatt, linksseitig, eine ca. 2 cm durchmessend Hauteinblutung.
- Am rechten Unterarm eine ca. 5 x 2 cm grosse Hauteinblutung.
- Am rechten Unterarm im unteren Drittel, eine ca. 0.3 cm grosse Hautunterblutung.
- Am rechten Unterschenkel mehrere Hautabschürfungen.
- Am linken Knie eine ca. 5 cm durchmessende Hautrötung mit oberflächlichen Hautabschürfun-

gen.
- Am rechten Fuss mehrere Hautunterblutungen.

A.________ nahm durch sein wiederholtes, gezieltes und heftiges Einwirken auf C.________ in ei-
nem dynamischen Geschehen und insbesondere durch die massiven Fusstritte, aber auch Faust-
schläge gegen dessen mindestens teilweise ungeschützten Kopf zumindest in Kauf, diesen lebensge-
fährlich zu verletzen (insbesondere Hirnschädigung, Blutungen im Schädelinnern), bei diesem eine 
schwere Schädigung der körperlichen Gesundheit zu verursachen (insbesondere Hirnschädigung 
oder Verlust des Augenlichtes) oder sein Gesicht arg und bleibend zu entstellen.

7. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

7.1 Verteidigung

Unbestritten sei, dass es an diesem Tag zu einer Auseinandersetzung gekommen 
sei und der Privatkläger gewisse kleine Verletzungen davongetragen habe. Bestrit-
ten seien die heftigen Tritte gegen den Kopf und dass die Auseinandersetzung 
mehr oder weniger grundlos erfolgt sei. Der Privatkläger habe zunächst bestritten, 
dass er den Beschuldigten provoziert habe. Anlässlich der Berufungsverhandlung 
habe er sich dann nicht mehr erinnern können. Der Zeuge P.________ sei auf der 
anderen Seite in nicht unerheblicher Distanz gestanden und es sei ein gewisser 
Lärmpegel sowie Verkehr vorhanden gewesen. Es sei wahrscheinlich, dass die 
Auseinandersetzung aufgrund einer Provokation durch den Privatkläger entstanden 
sei, wobei die Reaktion des Beschuldigten zwar nicht angemessen, aber in gewis-

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ser Weise nachvollziehbar gewesen sei. Weiter stelle sich die Frage, ob der Privat-
kläger selbstständig vom Velo abgestiegen sei. P.________ habe ausgesagt, er sei 
heruntergerissen worden. O.________ habe dies nicht beobachten können. Der 
Beschuldigte und seine Mutter hätten übereinstimmend ausgesagt, er sei selber 
vom Velo gestiegen. Auch Q.________ habe angegeben, dass der Privatkläger 
neben dem Velo gelaufen sei. Der Privatkläger habe selber diverse Varianten zu 
Protokoll geben. Damit sei in dubio davon auszugehen, dass die Auseinanderset-
zung erst dann stattgefunden habe, als der Privatkläger vom Velo gestiegen sei. 

Fraglich sei ferner, ob es Fusstritte gegen den Oberkörper und Kopf des Privatklä-
gers gegeben habe und mit welcher Intensität solche allenfalls ausgefallen seien. 
P.________ sei mindestens 70-80 Meter vom Tatgeschehen entfernt gestanden. 
Es stelle sich die Frage, was er aufgrund dieser Entfernung überhaupt habe sehen 
können, sei doch der Kreisel und Verkehr dazwischen gewesen und der Privatklä-
ger noch am Boden gelegen. Ein «Stampfen» habe er jedenfalls nicht beobachten 
können. Zu berücksichtigen seien diesbezüglich auch die Angaben von 
O.________, welcher seine Aussagen im Rahmen seiner zweiten Einvernahme re-
lativiert und korrekt ausgesagt habe. Dass dieser mit dem Beschuldigten sympathi-
siere und deswegen seine Aussagen angepasst habe, sei nur eine Mutmassung 
und es gebe keine Hinweise für eine Absprache oder ein Treffen. Ferner sei nicht 
möglich, dass er Angst vor dem Beschuldigten gehabt habe, handle es sich bei ihm 
doch um einen Kampfsportler und um einen «Hünen» von einem Mann. Der Be-
schuldigte habe konstant ausgesagt, er habe den Privatkläger nie gegen den Kopf 
getreten. Dass er ihm einen linken Haken und ein paar Tritte gegen den Oberkör-
per verpasst habe, habe er hingegen nie bestritten bzw. beschönigt. Die Zeugen 
P.________ und O.________ hätten von einer normalen Intensität gesprochen. In-
teressant seien in diesem Zusammenhang auch die Aussagen von Q.________, 
wonach die beiden miteinander gerauft hätten. Dies spreche nicht für einen bruta-
len Angriff durch den Beschuldigten. Überdies hätte sie kaum ihren Mann zum 
Schlichten geschickt, wenn das Risiko zu hoch gewesen wäre. Unabhängig von der 
Art der Schläge seien diese mit maximal mittlerer Intensität erfolgt. Der Beschuldig-
te habe geboxt und könne dies daher sehr gut einschätzen. 

Es sei unbestritten und werde auch im Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin 
(IRM) erwähnt, dass es gewisse Verletzungen beim Privatkläger gegeben habe. 
Wichtiger sei allerdings der Bericht von Dr. R.________, welcher aufzeige, dass 
der Privatkläger an psychischen Störungen leide, eine instabile Persönlichkeit habe 
und teilweise aggressiv auftreten könne. Es stelle sich schon die Frage, ob er 
tatsächlich das «fromme Lamm» sei, zumal der Psychiater genau das Gegenteil 
beschreibe (pag. 597 ff.).

7.2 Generalstaatsanwaltschaft

Es werde nach wie vor davon ausgegangen, dass sich der vorliegend zu beurtei-
lende Sachverhalt so abgespielt habe, wie er in der Anklageschrift umschrieben 
sei. Die Verletzungen des Privatklägers (nachfolgend auch Opfer) seien in den Ak-
ten dokumentiert. Diese seien die Folge stumpfer Gewalteinwirkung und damit mit 
dem hier zu beurteilenden Vorfall in Zusammenhang zu bringen. P.________ habe 
den Vorfall praktisch von Anfang an als neutraler Zeuge beobachtet. Er habe etwa 

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ausgesagt, dass der Beschuldigte das Opfer zu Boden gerissen und getreten habe. 
Als das Opfer wieder aufgestanden sei, sei der Täter erneut auf das Opfer losge-
gangen. Die Schläge seien massiv gewesen, wobei der Beschuldigte mit voller 
Wucht ins Gesicht des Opfers getreten habe. Diese Schilderungen seien detail-
reich, nachvollziehbar und damit glaubhaft. Die Zweifel der Verteidigung an den 
Aussagen des Zeugen P.________ seien abstrakter Natur. Der Zeuge habe selber 
angegeben, dass er nicht immer freie Sicht auf das Geschehen gehabt habe. Die 
groben Bewegungsabläufe seien aber auch von weiter Distanz beobachtbar, wes-
halb auf seine Aussagen ohne Weiteres abzustellen sei. Auch O.________ habe 
ausgesagt, das Opfer sei fest geschlagen worden. Er habe sich gedacht, dass der 
Täter das Opfer umbringen wolle. Der Täter habe gar seine Mutter weggestossen 
und weiterschlagen wollen. Auch in der zweiten Sequenz habe es Tritte mit den 
Füssen gegeben. Die Schläge seien stark und heftig und der Täter sei ausser Kon-
trolle gewesen. O.________ habe gar vermutet, dass der Beschuldigte auf Anabo-
lika gewesen sei. Dies zeige, wie genau er die Situation beobachtet habe. An der 
zweiten Einvernahme habe er nichts mehr von den Fusstritten wissen wollen. Es 
sei auf die tatnächsten Aussagen abzustellen. Dass bei der Polizei mehrfach falsch 
protokolliert worden sei, könne ausgeschlossen werden. So sei das Protokoll am 
Ende doch verlesen und von O.________ unterzeichnet worden. 

Der Privatkläger habe mehrfach einen massiven Gewaltexzess geschildert. Seine 
Angaben würden in zwei Punkten von denjenigen der Zeugen abweichen. So wolle 
er beim Beschuldigten einen Gegenstand, allenfalls ein Messer, gesehen haben. 
Ein Messer sei aber von niemandem sonst gesehen worden. O.________ habe le-
diglich von einer Tasche gesprochen, welche der Beschuldigte vom Boden aufge-
hoben habe. Von solch einem Gegenstand sei daher nicht auszugehen. Der Privat-
kläger sei ferner der Einzige, der von «Stampfbewegungen» gesprochen habe. 
Entscheidend sei, dass er Tritte gegen den Kopf eingesteckt habe. Der Beschuldig-
te mache hierzu ganz andere Angaben. So habe der Privatkläger seine Mutter bö-
se angeschaut, worauf er ihm gesagt habe «geits no?». Der Privatkläger sei dann 
aggressiv geworden und habe gesagt «chum, chum». Er habe dem Privatkläger ei-
nen linken Haken versetzt. Dass sich der Beschuldigte vor dem Privatkläger ge-
fürchtet habe, sei unglaubhaft. Der Privatkläger mache keinen trainierten Eindruck 
und der Beschuldigte habe Kampfsporterfahrung. Der Beschuldigte stelle sich als 
Opfer dar und habe sich als ruhigen Typen dargestellt. Absonderlich würden auch 
seine Erklärungen für den Grund der Auseinandersetzung wirken. So habe der Pri-
vatkläger nach ihm einfach einen schlechten Tag gehabt, habe wie ein Nazi ausge-
sehen mit seinen Tätowierungen, kurzen Haaren und dem bösen Blick. Der Be-
schuldigte habe ferner angeben, der Privatkläger habe am Boden geweint wie eine 
Frau. Es sei also unklar, ob dieser nun ein «Angstmacher» oder ein Weichei gewe-
sen sein solle. Gemäss Anzeigerapport habe der Privatkläger diverse Verletzungen 
gezeigt, habe sehr betroffen gewirkt und stark geschwitzt. Dieses Bild stimme 
überhaupt nicht mit dem Bild überein, welches der Beschuldigte vom Opfer zeich-
nen wolle. Die Aussagen der Mutter des Beschuldigten würden konstruiert und mit 
dem Sohn abgesprochen wirken. Beweiswürdigend könne auf die ersten Aussagen 
von O.________ und diejenigen des Zeugen P.________ abgestellt werden, wel-

12

che mit den Ausführungen des Privatklägers übereinstimmen würden. Die Aussa-
gen des Beschuldigten seien bereits in sich widersprüchlich. 

7.3 Privatklägerschaft

Der Rechtsbeistand des Privatklägers teilte anlässlich der Berufungsverhandlung 
mit, er sei von seinem Klienten angewiesen worden, keinen Parteivortrag abzuhal-
ten, welcher sich zum Nachteil des Beschuldigten auswirken könne. Die neue fried-
liche Situation solle nicht durch einen entsprechenden Parteivortrag beeinträchtigt 
werden. Es werde daher auf den Parteivortrag vor erster Instanz verwiesen (pag. 
603).

8. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschuldigte mit seiner Mutter am 20. Juli 
2018 in E.________ auf der M.________ (Strasse) unterwegs war und sich der 
Privatkläger mit dem Fahrrad zunächst auf der anderen Strassenseite befand. In 
der Folge kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Beiden, anlässlich 
welcher der Beschuldigte dem Privatkläger vorwarf, dieser schaue ihn bzw. seine 
Mutter böse an. Der Beschuldigte verpasste dem Privatkläger ferner einen linken 
Haken gegen das Gesicht und trat diesem einige Male gegen die Beine, als dieser 
bereits am Boden lag. Unbestritten ist ferner, dass O.________ dazwischenkam 
und versucht hat, den Beschuldigten zu beruhigen.

Bestritten ist demgegenüber, dass die Provokation vom Beschuldigten ausgegan-
gen sei, dieser den Privatkläger vom Fahrrad gerissen und ihm mit den Fäusten 
hart und mehrfach in das Gesicht und den Körper geschlagen sowie mit dem Fuss 
ebenfalls mit hoher Intensität und mehrfach in das Gesicht bzw. den Kopf und den 
Körper getreten habe. Ferner wird bestritten, dass es zu einem zweiten tätlichen 
Angriff gekommen sei und der Beschuldigte erst aufgrund der Intervention von 
O.________ vom Privatkläger abgelassen habe.

Die Beweisfragen der Vorinstanz sind nach dem Gesagten wie folgt zu präzisieren 
bzw. zu ergänzen:

• Wie kam es überhaupt zur Auseinandersetzung? Provozierte der Privatkläger 
den Beschuldigten? Stieg der Privatkläger selbstständig vom Fahrrad oder 
wurde er vom Beschuldigten vom Fahrrad gerissen?

• Kam es zu einem zweiten tätlichen Angriff? Falls ja, inwiefern?

• Gab es mehrere Faustschläge gegen das Gesicht und den Körper des Privat-
klägers? Falls ja, welche Intensität wiesen diese Schläge auf?

• Gab es Fusstritte gegen den Oberkörper und den Kopf bzw. das Gesicht des 
Privatklägers? Falls ja, wie oft und wie stark bzw. mit welcher Intensität?

• Wie endete die Auseinandersetzung? Liess der Beschuldigte von alleine vom 
Privatkläger ab?

• Was bezweckte der Beschuldigte genau mit seinem körperlichen Einwirken auf 
den Privatkläger bzw. inwieweit sind Tatsachen dargetan, aus denen sich 

13

Rückschlüsse auf die subjektive, innere Seite, auf das Wissen und Wollen des 
Beschuldigten ziehen lassen?

9. Beweismittel

Der Kammer liegen der Anzeigerapport vom 24. Juli 2018 (pag. 8 ff.) bzw. der 
Nachtrag vom 1. November 2018 (pag. 15 ff.), der Rapport des Kriminaltechni-
schen Dienstes (KTD) vom 25. September 2018 (pag. 30 ff.), ein rechtsmedizini-
sches Gutachten des IRM vom 25. Juli 2018 betreffend die körperliche Untersu-
chung des Privatklägers (pag. 55 ff.), diverse Arztberichte betreffend den Privatklä-
ger (Bericht von Dr. med. R.________ vom 25. Januar 2019 [pag. 61 ff.], Bericht 
von S.________ [eidg. anerkannte Psychotherapeutin] und Dr. medT.________ 
vom U.________ vom 4. Februar 2019 [pag. 65 ff.] sowie Bericht von Dr. 
V.________ [Tiefenauspital] vom 22. Januar 2019 [pag. 67 ff.]) sowie ein Bericht 
von med. pract. G.________ vom 29. März 2021 betreffend die Verhandlungs-
fähigkeit des Beschuldigten (pag. 578 ff.) vor.

Ferner liegen der Kammer die Aussagen von P.________ (pag. 92 ff., pag. 102 ff.), 
O.________ (pag. 108 ff., pag. 120 ff., pag. 125 ff.), W.________ (pag. 133 ff.), 
Q.________ (pag. 140 ff.), die Aussagen des Privatklägers (pag. 72 ff., pag. 79 ff., 
pag. 85 ff., pag. 328 ff., pag. 585 ff.) und diejenigen des Beschuldigten (pag. 144 
ff., pag. 156 ff., pag. 334 ff., pag. 590 ff.) vor.

Die Vorinstanz brachte die objektiven und subjektiven Beweismittel korrekt ins Ver-
fahren ein und gab diese zutreffend und umfassend wieder. Darauf kann an dieser 
Stelle verwiesen werden (S. 12 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 399 ff.).

10. Beweiswürdigung der Kammer

10.1 Vorbemerkung und theoretische Ausführungen

Bezüglich der allgemeinen Grundlagen zur Beweiswürdigung und zur Aussagen-
analyse im Besonderen kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der 
Vorinstanz verwiesen werden (S. 6 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 393 ff.). 

Ergänzend ist festzuhalten, dass es sich bei der Auseinandersetzung zwischen 
dem Beschuldigten und dem Privatkläger um ein dynamisches Turbulenzgesche-
hen handelte. Bei solchen ist angesichts der beschränkten menschlichen Aufnah-
me-, Speicherungs- und Wiedergabefähigkeit einerseits eine in jeder Beziehung 
exakte nachträgliche Rekonstruktion der gesamten Abläufe unmöglich, anderer-
seits jedoch auch nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr, ob aufgrund des 
gesamten Beweismaterials im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sowie unter Ein-
bezug auch von Erfahrungswerten das zur Diskussion stehende Geschehen in sei-
nen wesentlichen Grundzügen sachverhaltsmässig mit der erforderlichen Überzeu-
gung derart festgestellt und eingegrenzt werden kann, dass damit die rechtlich re-
levanten Fragen ebenfalls beantwortet werden können. Gerade im Rahmen eines 
dynamischen Turbulenzgeschehens sind nachträgliche Angaben zu den sich in ei-
gener und fremder Bewegung abspielenden Abläufen naturgemäss mit Vorsicht 

14

aufzunehmen, wobei sich erfahrungsgemäss zusätzlich tatsächliche Wahrnehmun-
gen mit rekonstruktiven Erwägungen vermischen können. Auch die verschiedenen 
subjektiven Betroffenheits- und Interessenlagen können bewusst oder unbewusst 
sein. Gewisse Widersprüche und Ungereimtheiten sind natürlich, aus solchen allein 
darf nicht der Schluss gezogen werden, dass die Aussagen einer bestimmten Per-
son insgesamt unglaubhaft oder gar unverwertbar wären. Es ist vielmehr eine Wür-
digung im Rahmen einer Gesamtbetrachtung vorzunehmen.

10.2 Würdigung der objektiven Beweismittel

Aus den objektiven Beweismitteln lässt sich – wie bereits die Vorinstanz festhielt – 
schliessen, dass der Privatkläger in eine Auseinandersetzung involviert war, aber 
nicht, wie sich diese abgespielt hat. So hielt bereits der KTD fest, dass spurentech-
nisch nicht belegt werden könne, wie sich die Auseinandersetzung genau zugetra-
gen habe (pag. 31). Auch im IRM-Gutachten wird bloss festgestellt, dass die Hau-
teinblutungen, Hautverfärbungen, Hautunterblutungen, Hautdefekte und oberfläch-
lichen Hautabschürfungen frisch seien, die Folge stumpfer Gewalteinwirkung und 
zeitlich mit einer Entstehung im Rahmen des geltend gemachten Ereignisses ver-
einbar; die Befunde könnten im Rahmen einer körperlichen Auseinandersetzung 
entstanden sein (pag. 57). Die objektiven Beweismittel sind schlüssig und auf die 
darin festgestellten Befunde bzw. Schlussfolgerungen ist beweiswürdigend abzu-
stellen. Es wurde seitens des Beschuldigten bzw. der Verteidigung denn auch nicht 
bestritten, dass die Verletzungen des Privatklägers von der Auseinandersetzung 
mit dem Beschuldigten herrührten. Die vom IRM festgestellten physischen Verlet-
zungen fanden Eingang in die Anklageschrift vom 11. März 2019. Zu ergänzen sind 
diese um die von der Chirurgischen Klinik des Spitals Tiefenau im Bericht vom 23. 
Juli 2018 gestellten Diagnosen des Schädel-Hirn-Traumas Grad I sowie der Hüft-
kontusion links (pag. 70).

Was die psychischen Folgen des Ereignisses vom 20. Juli 2018 anbelangt, ist vor-
ab festzustellen, dass der Privatkläger seit dem Alter von 11 Jahren (Januar 2001) 
in hausärztlicher Behandlung bei Dr. med. R.________ war (und ab dem 6. August 
2018 wieder in Behandlung ist) wegen nervösen Störungen, verbunden mit depres-
siver/subdepressiver Symptomatik, schweren Konzentrationsstörungen sowie Sub-
stanzabusus. Der Privatkläger weise zunehmend bipolare Phasen auf, häufig be-
gleitet von massiven Ängsten. Er zeige mehrheitlich ein zurückhaltend-ängstliches 
Verhalten; bei konfrontativen Situationen sei jedoch mehrfach bekannt, dass der 
Privatkläger mit sehr impulsiv aggressiven Reaktionsmustern reagieren könne. In-
wieweit die nicht unwesentlich beeinträchtigte psychische Gesundheit des Privat-
klägers über diese vorbestehenden Befunde hinaus durch das Ereignis vom 20. Ju-
li 2018 stärker und zusätzlich neu beeinträchtigt worden ist, wird im Rahmen der 
Würdigung seiner Aussagen näher zu beleuchten sowie im Zusammenhang mit der 
Höhe der geltend gemachten Genugtuungsforderung aufzugreifen sein.

10.3 Würdigung der subjektiven Beweismittel

10.3.1 Zu den Aussagen des Beschuldigten

Was die Aussagen des Beschuldigten betrifft, stellte die Vorinstanz zutreffend fest, 
dass diese teilweise widersprüchlich sind, das Kerngeschehen betreffend grössten-

15

teils als Schutzbehauptungen zu werten sind und darauf nicht abgestellt werden 
kann; darauf kann vorweg verwiesen werden (S. 30 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 417 ff.). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, sind die Aussagen 
des Beschuldigten wenig glaubhaft und es kann auf diese nur abgestellt werden, 
soweit diese anderweitig gestützt werden. 

Vorab ist zu berücksichtigen, dass vom Beschuldigten keine tatnächsten Aussagen 
vorliegen. Dieser konnte erst im Oktober 2018 anhand verschiedener Indizien als 
möglicher Täter eruiert werden. Vor der polizeilichen Einvernahme vom 23. Okto-
ber 2018 (pag. 144 ff.) wurde der Beschuldigte von der Personenfahndung der 
Kantonspolizei Bern telefonisch kontaktiert, worauf dieser sich bei der Personen-
fahndung meldete. Aufgrund des einleitenden Hinweises, wonach der Privatkläger 
am 18. Oktober 2018, 13.35 Uhr, telefonisch über die Einvernahme des Beschul-
digten orientiert worden war (pag. 144), liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte 
mehrere Tage Zeit hatte, um sich auf die Einvernahme vorzubereiten. Mithin han-
delt es sich bei den Erstaussagen des Beschuldigten um alles andere als Spon-
tanaussagen direkt im Anschluss an ein Ereignis. Allein schon die geschilderte 
Ausgangslage macht stutzig: Der Beschuldigte will den Privatkläger vorgängig nicht 
gekannt haben. Auch war der Privatkläger mit dem Fahrrad auf der anderen Stras-
senseite in gleicher Richtung unterwegs. Insoweit ist doch höchst erstaunlich, wie 
der Beschuldigte schon vor dem Wechsel bzw. Überqueren der Strasse durch den 
Privatkläger gesehen haben will, wie dieser (ohne etwas zu sagen) seine Mutter 
böse angeschaut habe, weil diese ein Kopftuch getragen habe (pag. 147 f., Z. 43 
ff.). Genauso spekulativ und durch nichts gestützt ist seine Aussage «Meine Mei-
nung dazu ist, der Herr ‘C.________ hatte mal wieder einen schlechten Tag, er hat-
te eine Frau mit Kopftuch im Laden gesehen und mich mit meiner Mutter mit Kopf-
tuch gesehen. Er dachte er könne mich Ausländer ‘verbrätsche’…» (pag. 150, Z. 
161 ff.). Obwohl O.________ (als Kioskbetreiber vis-à-vis) den Beschuldigten zu 
diesem Zeitpunkt nicht gekannt haben will, soll Ersterer dem Beschuldigten gesagt 
haben, der Privatkläger habe ihn auch dumm angeschaut, weil seine Frau ein Kopf-
tuch trage (pag. 149, Z. 128 ff., pag. 342, Z. 14 ff.), etwas was von O.________ 
nicht erwähnt worden war. Es mutet insoweit auch seltsam an, dass der Beschul-
digte aus einer Entfernung von sieben bis zehn Metern zum Privatkläger in einem 
anständigen Ton gesagt haben will «geit’s no» (pag. 148, Z. 49 f.). Im weiteren Ver-
lauf der polizeilichen Einvernahme behauptete der Beschuldigte dazu im Wider-
spruch stehend auf die Frage, ob das Anschauen seiner Mutter der Auslöser ge-
wesen sei «Nein, das war nicht der Auslöser aber so wie der aufgetreten ist, be-
kommt jeder Angst. Er hat es wirklich gesucht» (pag. 151, Z. 198 f.). 

Nicht nachvollziehbar ist alsdann, dass der Beschuldigte aufgrund der geltend ge-
machten Reaktion des Privatklägers «schon ein wenig Angst» gehabt habe bzw. 
«wie in eine Panik rein» gekommen sein will (pag. 148, Z. 52 und Z. 69). Auch 
wenn der Privatkläger grösser und schwerer (gemäss rechtsmedizinischem Gut-
achten 183 cm gross und 108 kg schwer [pag. 56]) gewesen sein mag als der Be-
schuldigte, so war Ersterer gemäss IRM in reduziertem Allgemein- und überge-
wichtigem Ernährungszustand (pag. 56), wogegen der Beschuldigte sich in der 
Hauptverhandlung als professioneller Boxer bezeichnete (pag. 337, Z. 2) bzw. je-
denfalls seit dem 13. Altersjahr boxt (pag. 151, Z. 227 ff.) und auch sonst nicht ge-

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rade vor Gewaltanwendungen zurückschreckte (vgl. etwa die Aussage des Be-
schuldigten vom 8. Januar 2014 im Verfahren BM 14/51340: «Dann habe ich mich 
gewehrt, ich hatte auch Angst um meine Kollegen, denn die waren alle jünger. 
Dann habe ich den Kollegen von Y.________ mehrmals mit der Faust ins Gesicht 
geschlagen» oder etwa die Aussage eines Kollegen des Beschuldigten 
[X.________] vom 5. Februar 2015 im Verfahren BM 14/51340, wonach der Be-
schuldigte mit zwei Personen «gschleglet» haben solle. «Er hat das für uns über-
nommen. Er wusste, dass wir nicht so ‘Schlägertypen’ sind und machte das für 
uns»). Unter diesen Umständen mutet nachgerade die Aussage des Beschuldigten 
«Ich war nicht aggressiv, ich war mehr traurig am Weinen, weil ich so traurig war, 
dass man so Ausländerfeindlich sein kann» (pag. 152, Z. 246 ff.) grotesk an, zumal 
er den Privatkläger selber vielleicht als «Arschloch» und sicher als «scheiss Nazi» 
(pag. 150, Z. 182 ff.) betitelt haben will. Wenn der Beschuldigte aufgrund des an-
geblich aggressiven Auftritts des Privatklägers tatsächlich Angst und Panik gehabt 
hätte, wäre er dem Privatkläger kaum noch ein zweites Mal hinterher, wie anläss-
lich der staatsanwaltlichen Einvernahme vorgebracht (pag. 160, Z. 155).

Im Weiteren fällt auf, wie sich der Beschuldigte gut drei Monate nach dem Vorfall 
mit dem Privatkläger noch an viele Details erinnern können wollte, obwohl er in ei-
nem anderen Verfahren ausführte «Wenn ich aggressiv bin lasse ich manchmal 
solche Sachen raus. Meist kann ich mich danach auch nicht mehr an alles erin-
nern» (Verfahren BM 18/32116; Einvernahme vom 21. Mai 2018). Die körperliche 
Auseinandersetzung begann der Beschuldigte dann ganz nach dem Motto «Angriff 
ist die beste Verteidigung»: «Ich rannte dann auf ihn zu und wir standen dann vor-
einander und er schrie mich an ‘Was wosch du, was wosch du’. In dem Moment 
habe ich ganz ehrlich gedacht, entweder gibt er mir ‘EINEN’ oder ich gebe ihm ‘EI-
NEN’» (pag. 148, Z. 54 ff.), dies obwohl er – eigenen Angaben zufolge – eigentlich 
Angst hatte bzw. in Panik war (pag. 148, Z. 52 und Z. 69). 

Widersprüchlich und nicht nachvollziehbar ist dann die erste Schilderung des Kern-
geschehens: «Ich habe ihm dann einen linken Haken versetzt, worauf er auf den 
Boden fiel und sogleich wieder aufstand. In dem Moment ging ich um ihn herum 
und packte ihn von hinten. Ich wollte ihn eigentlich aufheben aber er war zu 
schwer. Ich habe ihn dann einfach seitlich auf den dortigen Rasen geworfen. Ich 
bin dabei selber auch ausgerutscht und zu Boden gefallen» (etwas, das von gar 
niemandem sonst so gesehen wurde). «Am Boden habe ich ihm dann glaublich 
noch 2, 3 Kicks versetzt» (pag. 148, Z. 57 ff.). In einer späteren Einvernahme will 
der Beschuldigte dann aber teilweise gestanden sein, als er den Privatkläger getre-
ten habe (pag. 161, Z. 173). Es ist erstaunlich, dass der Privatkläger, von dem ja 
gemäss den Aussagen des Beschuldigten das Aggressionspotenzial ausgegangen 
sein soll, nicht zurückgeschlagen (pag. 149, Z. 133), sondern weggerannt sein solle 
und geweint habe (pag. 149, Z. 101 und Z. 106). 

Der Beschuldigte gab diesbezüglich zunächst an, er sei dem Beschuldigten nicht 
gefolgt (pag. 149, Z. 102), relativierte aber sogleich, «Ich rannte ihm schon nach, 
kehrte dann aber zurück» (pag. 149, Z. 106). Ferner gab er zu Protokoll, er habe 
«aufgehört», weil der Privatkläger angefangen habe zu weinen (pag. 149, Z. 133). 
Ein selbstständiges Aufhören des Beschuldigten wurde indes weder von 

17

P.________ noch von O.________ geschildert. Im Übrigen gab der Beschuldigte 
kurz vorher noch zu Protokoll, Passanten seien zu ihm gekommen und hätten ihn 
weggenommen und beruhigt (pag. 148, Z. 64 f.).

Ferner erstaunt, dass der Beschuldigte betreffend Heftigkeit des Zutretens mit den 
Füssen zu Protokoll gab «Nicht so heftig. Ich habe weder mit der Faust noch mit 
den Füssen voll zugeschlagen» (pag. 149, Z. 112 f.) bzw. er kenne seine Kraft und 
wisse was er mache (pag. 151, Z. 229 f.), nachdem er im Verfahren BM 14/51340 
am 8. Januar 2014 aussagte «Es tut mir eigentlich leid für Y.________, den ich ha-
be ihn nicht so hart treffen wollen, aber das ist dann einfach so passiert» (Hervor-
hebungen durch die Kammer). Im Weiteren ist nicht in Einklang zu bringen, dass 
der Privatkläger, von welchem gemäss den Schilderungen des Beschuldigten das 
Aggressionspotenzial ausgegangen sei, bloss wegen des aus der Darstellung des 
Beschuldigten nur geringfügigen Einwirkens angefangen habe zu weinen (pag. 
149, Z. 106 und Z. 133) bzw. am Boden «wie eine Frau» geweint und gesagt habe 
«Bitte mach mir nichts» (pag. 151, Z. 199 f.). 

Nicht für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten spricht nebst all den 
Widersprüchen und Ungereimtheiten vor allem auch, dass er den Privatkläger be-
leidigte bzw. verbal angriff («Ich möchte ihn persönlich sehen und sagen, dass er 
ein Vollidiot ist und nicht so tun kann» [pag. 153, Z. 298 f.]), versuchte ihn schlecht 
zu machen («Der war sicher auf Drogen oder ‘besoffen’» [pag. 150, Z. 158)] und 
überhaupt zum Gegenangriff überging und sich selber als Opfer darstellte ([…] 
«aber so wie der aufgetreten ist, bekommt jeder Angst. Er hat es wirklich gesucht» 
[pag. 151, Z. 198 ff.]). Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beschuldigte auch ak-
tenkundig log als er aussagte, er habe bisher keine Anzeige wegen Körperverlet-
zung bekommen (pag. 151, Z. 228 f.) bzw. sei noch nie an einer anderen Ausein-
andersetzung beteiligt gewesen (pag. 152, Z. 250 f.).

Allein diese nicht spontanen und nicht tatnächsten Erstaussagen des Beschuldig-
ten sind für sich genommen wenig bis gar nicht glaubhaft, widersprüchlich und teil-
weise nicht nachvollziehbar. Vielmehr müssen gerade die Beteuerungen zum ei-
gentlichen Kerngeschehen, wonach die Provokationen und das Aggressionspoten-
zial vom Privatkläger ausgegangen seien und er diesem bloss kontrolliert-dosiert 
einen linken Haken ins Gesicht versetzt und ansonsten nur zwei bis drei Kicks ge-
gen dessen Beine verpasst habe sowie von sich aus vom Privatkläger abgelassen 
habe, als klare Schutzbehauptungen abgetan werden. Das Zugeben bzw. die 
Schilderung dieser Übergriffe (Haken und zwei bis drei Kicks) machen die weiter-
gehenden, bestreitenden Aussagen deswegen nicht glaubhaft. Die Aussagen des 
Beschuldigten erwecken fast den Eindruck, als sei eigentlich er (und indirekt seine 
Mutter) das Opfer eines fremdenfeindlich motivierten Angriffsversuchs seitens des 
Privatklägers. Die (Erst-)Aussagen des Beschuldigten zum eigentlichen Kernge-
schehen widersprechen einerseits den objektiven Beweismitteln (namentlich den 
diagnostizierten multiplen Verletzungen praktisch über den ganzen Körper, und 
zwar kaum Schürfwunden, sondern im Wesentlichen Folgen stumpfer Gewaltein-
wirkung [pag. 57]) und stehen andererseits in krassem Gegensatz zu den ihn sehr 
stark belastenden Aussagen des Privatklägers sowie der Zeugen P.________ und 
O.________ (vgl. nachfolgend).

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Nicht gross anders verhält es sich mit den Aussagen anlässlich der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 29. Januar 2019 (pag. 156 ff.), mithin ein halbes 
Jahr nach dem zu beurteilenden Vorfall. Gleich zu Beginn imponieren die Aussa-
gen des Beschuldigten mit einer Aktenwidrigkeit und klaren Verharmlosungs- bzw. 
Bagatellisierungstendenzen, so betreffend die aktenkundigen Verurteilungen «Ich 
finde nicht, dass es so viele sind. Es ist ab und zu, wie soll ich es sagen, ich mache 
es nicht extra, es passiert. Ich bin kein Wiederholungstäter oder so. Es ist dumm 
gelaufen zu der Zeit, Punkt» (pag. 158, Z. 58 ff.) bzw. «Ich weiss, dass ich ab und 
zu blöde Sachen rauslasse. Ich bin kein gewalttätiger Mensch» (pag. 158, Z. 65 f.) 
sowie «Ab und zu verliere ich die Kontrolle, wie sich der andere verhält und ich. Ich 
habe ab und zu eine ‘freche Schnurre’» (pag. 158, Z. 72 ff.). Zum eigentlichen 
Kerngeschehen ist vorab eine gewisse Aggravierung festzustellen: Nun soll der 
Privatkläger nicht nur «böse» die Mutter des Beschuldigten angeschaut haben, 
sondern «sehr, sehr böse» (pag. 160, Z. 143), überdies warf der Privatkläger zu-
sätzlich zum Fahrrad auch noch einen Rucksack weg (pag. 160, Z. 145) und nun-
mehr will sich der Beschuldigte über die Absichten des Privatklägers nicht nur nicht 
im Klaren gewesen sein, sondern dieser habe ihn (den Beschuldigten) packen wol-
len (pag. 160, Z. 148). Widersprüchlich sind dann auch seine nachfolgenden Aus-
sagen: «Er fiel um, stand aber sogleich wieder auf. Nachdem er aufgestanden war, 
ging ich hinter ihn und wollte in (recte: ihn) auflüpfen. Er war aber zu schwer und er 
fiel quasi auf mich», nachdem er den Privatkläger gemäss Darstellung in der poli-
zeilichen Einvernahme noch «einfach seitlich auf den dortigen Rasen geworfen» 
haben will (pag. 148, Z. 59 f.). 

Auch betreffend die Position während des Tretens machte er unterschiedliche An-
gaben: «Als wir am Boden waren, gab ich ihm ein paar Kicks gegen die Füsse» 
(pag. 160, Z. 151 f.) bzw. «Er lag am Boden, ich nicht. Ich stand» (pag. 161, 
Z. 173). Im Weiteren schilderte der Beschuldigte auch das Ende der Auseinander-
setzung nicht in allen Teilen gleich. So gab er hierzu etwa an «Da wurde ich noch-
mals wütend und ging Herrn C.________ hinterher. Er ging aber weg. Ich ging 
dann zurück zu meiner Mutter. Herr C.________ kam dann auch zurück, holte sein 
Velo und ging» (pag. 160, Z. 155 ff.). Nach Vorhalt der Aussagen des Zeugen 
P.________ führte er in leichter Abweichung aus, «Auch beim zweiten Mal ging ich 
auf ihn zu, er liess das Velo fallen, rannte weg und ich ging zurück zu meiner Mut-
ter» (pag. 162, Z. 225 f.). Auch machte der Beschuldigte entgegen seinen Aussa-
gen bei der Polizei, wonach ihn «Passanten» weggenommen und ihn beruhigt hät-
ten (pag. 148, Z. 64 f.), nunmehr geltend, O.________ sei einmal zu ihm gekom-
men und habe ihm gesagt er solle aufhören. Er habe ihn nicht zurückgenommen 
und habe selber Angst gehabt. Er habe ihn «weder zurückhalten noch etwas» 
müssen (pag. 162, Z. 238 ff.) bzw. «Herr O.________ hat sich nicht einmal einge-
mischt. Er kam über die Strassenseite gerannt, sagte ‘lass ihn’ auf arabisch und 
sonst machte er gar nichts. Er zog mich nicht einmal weg. Er hatte selber Angst» 
(pag. 163, Z. 263 ff.). Nur wenig überzeugend fiel schliesslich auch die Antwort des 
Beschuldigten auf den Vorhalt der Diskrepanz zwischen seinem Einwirken und den 
multiplen Verletzungen des Privatklägers aus: «Das ist das, was ich mich auch fra-
ge. Vielleicht hat er die Schürfungen von dort erlitten, wo wir zu Boden fielen. Die 
Kratzer, keine Ahnung, woher er die hat. Ich kann mir das nicht vorstellen, woher er 

19

die Kratzer hat. Vielleicht passierte die Wunden am Bein und am Arm, als er zu 
Boden fiel» (pag. 161, Z. 178 ff.). Und die Zahnverletzungen konnte er nur abtun 
mit der Behauptung «Ich sage Ihnen ehrlich, dass ich nicht zugeschlagen habe» 
(pag. 161, Z. 185). Alles in allem vermögen auch diese Aussagen des Beschuldig-
ten nicht zu überzeugen. Diese sind widersprüchlich, teilweise aggravierend und 
insgesamt als nicht glaubhaft abzutun.

In der Hauptverhandlung rund fünfviertel Jahre nach dem Ereignis blieb der Be-
schuldigte bei seinen bisherigen Aussagen (pag. 341 ff.) und verneinte im Wesent-
lichen die ihm gemachten Vorhalte. So bestritt er, dass er den Privatkläger vom 
Fahrrad gerissen oder diesen mehrmals mit den Fäusten «in den Kopf» geschla-
gen habe (pag. 341, Z. 11 ff.). Er habe diesen nicht «angefickt» und sei auch nicht 
auf seinen Kopf gestanden, als dieser am Boden gelegen habe (pag. 341, Z. 13 f.). 
Er habe ihn zwei Mal gegen die Beine und ein- bzw. zwei Mal gegen den Rücken 
getreten (pag. 341, Z. 25 f.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wollte der Beschuldigte zur Sache keine 
Aussagen mehr machen, bestätigte aber seine anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung gemachten Aussagen als richtig (pag. 595, Z. 20 ff.).

Gesamthaft betrachtet ist festzustellen, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht 
glaubhaft sind und aus diesen nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden kann.

10.3.2 Zu den Aussagen des Privatklägers

Der Privatkläger meldete den Vorfall vom 20. Juli 2018 am Folgetag telefonisch an 
die Regionale Einsatzzentrale Bern (pag. 8). Seine ersten Angaben machte er da-
nach in Anwesenheit seiner Freundin im Bereich des Tatortes gegenüber der Poli-
zei. Er sei grundlos zusammengeschlagen worden, mehrfach mit der Faust ins Ge-
sicht geschlagen und auch sei er mit den Füssen ins Gesicht und gegen den Kopf 
getreten worden. Er sei sich nicht sicher, aber der Täter habe wohl ein Messer oder 
einen anderen Gegenstand bei sich gehabt (pag. 9). Nach den Wahrnehmungen 
der Polizei wirkte der Privatkläger extrem betroffen, fing mehrmals an zu weinen, 
war zittrig und schwitzte sehr stark (pag. 9). Offensichtlich war der Privatkläger ob 
des Ereignisses vom Vortag immer noch sehr aufgewühlt und betroffen; dass diese 
Reaktionen und die Symptome vorgeschoben bzw. nicht authentisch gewesen 
wären, dafür gibt es nicht die geringsten Anhaltspunkte. Allein schon diese kurze 
Erstschilderung des Geschehens wirkt glaubhaft. In der Folge wurde der Privatklä-
ger zur Kontrolle ins Tiefenauspital geführt (pag. 9). Dem Bericht der Chirurgischen 
Klinik über die Notfallkonsultation Chirurgie ist vorab zur Anamnese Folgendes zu 
entnehmen (pag. 70): «Herr C.________ berichtet, am Vortag durch einen unbe-
kannten Angreifer vom Fahrrad gerissen und zusammengeschlagen worden zu 
sein. Dabei sei er Tritten und Schlägen gegen die Schulter, Oberkörper und Kopf 
ausgesetzt gewesen». Diese Ausführungen sind mit Bezug auf das Kerngeschehen 
gleichbleibend zu seinen gegenüber der Polizei gemachten Angaben. Im Weiteren 
ist dem Bericht über die Notfallkonsultation zu entnehmen, dass der Privatkläger 
«in aufgewühltem Allgemeinzustand» gewesen sei, stark geschwitzt habe und in 
seiner «Psyche sehr aufgewühlt» gewesen sei (pag. 70).

20

Im Anschluss an die Notfallkonsultation wurde der Privatkläger am 21. Juli 2018 
erstmals zu Protokoll einvernommen (pag. 72 ff.). Diese in der polizeilichen Einver-
nahme getätigten Aussagen machte der Privatkläger damit nicht unmittelbar im An-
schluss an das Ereignis, aber doch gleichwohl noch tatzeitnah, und zwar ohne 
dass es Hinweise dafür gäbe, dass sich dieser vorgängig mit den Tatzeugen be-
sprochen hätte. Die Vorinstanz kam in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um 
ein dynamisches Turbulenzgeschehen gehandelt hat, richtigerweise zum Schluss, 
dass die Aussagen des Privatklägers authentisch (gerade auch unter Mitberück-
sichtigung seines psychischen Zustandes) und sehr detailliert ausfielen, er sichtlich 
betroffen war (pag. 74, Z. 64, pag. 76, Z. 165, pag. 77, Z. 211) und den Sachverhalt 
ohne zu aggravieren so schilderte, wie er ihn in Erinnerung hatte. Auch korrigierte 
sich der Privatkläger in seinen Ausführungen (so etwa betreffend die Anzahl Schlä-
ge, pag. 75, Z. 143 f.) und gab Unsicherheiten von sich aus an. Dass er als einziger 
von einem vom Beschuldigten hervorgenommenen Gegenstand sprach (Kubotan, 
Stab oder Stock, «wie ein Kugelschreiber», Messer, pag. 74, Z. 68 f. und Z. 100 ff., 
pag. 75, Z. 110 f.), schadet der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen keineswegs. Dass 
weder P.________ noch O.________ etwas in diese Richtung wahrgenommen ha-
ben, schliesst an sich nicht aus, dass der Beschuldigte auch tatsächlich einen der-
artigen, relativ kleinen Gegenstand zu Beginn der Auseinandersetzung hätte her-
vornehmen können, es dem Privatkläger aber gelungen wäre, ihm diesen auf An-
hieb wegzuschlagen. Der Einsatz eines Gegenstandes wurde indes richtigerweise 
weder angeklagt noch liess bzw. lässt sich ein solcher auch nur ansatzweise 
rechtsgenügend nachweisen. Auch machte der Privatkläger nicht geltend, gewisse 
Verletzungen rührten daher; solche Verletzungen sind nicht aktenkundig. Entgegen 
der Ansicht der Verteidigung lässt sich aus den Aussagen des Privatklägers rund 
um diesen Gegenstand nicht der Schluss ziehen, dieser habe die ganze Geschich-
te aufgeblasen und dramatischer dargestellt als sich das Ereignis effektiv zugetra-
gen hat. Solches lässt sich auch nicht aus seiner detaillierten Beschreibung der 
Fusstritte schlussfolgern: «Ja, wie man einen Fussball gekickt. Von oben herab ge-
stampft. Und nicht nur von oben, sondern auch von der Seite. Er hat versucht, mei-
nen Kopf zu zerstampfen» (pag. 76, Z. 162 f.). Ein entsprechendes «Stampfen» 
wurde von niemandem bestätigt und auch das IRM konnte keine mit einem Schuh-
sohlenabdruck korrespondierenden Verletzungen feststellen (pag. 55 ff.). Dass der 
Privatkläger das Einwirken auf den Kopf in diesem dynamischen Turbulenzgesche-
hen – «unterlegen, machtlos, chancenlos» (pag. 76, Z. 171) fühlend – sich mit den 
Armen (vor dem Kopf) schützend (pag. 75, Z. 157 ff.), so empfunden haben mag, 
ist nachvollziehbar und lässt nicht ansatzweise den Schluss zu, dass die Aussagen 
betreffend das generelle Einwirken auf den Kopf mittels Fusstritten erfunden sind. 
Ebenso wenig lässt sich aus der Tatsache, dass der Privatkläger im Tiefenauspital 
anlässlich der Anamnese angegeben hat, vom Fahrrad gerissen worden zu sein 
(pag. 70), hingegen in der polizeilichen Einvernahme angab «Dort bin ich vom Velo 
gestiegen» (pag. 74, Z. 96), auf die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen schliessen. 
Darüber hinaus gab auch P.________ zu Protokoll, dass der Täter einen Mann 
vom Fahrrad gerissen habe (pag. 93, Z. 24). Entgegen der Behauptung der Vertei-
digung war der Privatkläger damit nicht der einzige, der aussagte, vom Fahrrad ge-
rissen worden zu sein. Im Übrigen schliesst selbst ein «vom Velo gestiegen» inhalt-

21

lich ein «vom Fahrrad gerissen» nicht zwingend aus. Mit Blick auf die rechtliche 
Beurteilung kommt dieser Detailfrage letztlich keine relevante Bedeutung zu. 

Weiter schilderte der Privatkläger die (örtliche) Situation wie folgt: «Ich bin von 
N.________ mit dem Velo hergekommen. Beim Bahnhof Z.________ bin ich beim 
Kiosk links abgebogen, […]. Dort bin ich links abgebogen, habe auf die linke Stras-
senseite gewechselt. […]. Ich habe mich wieder umgedreht, dann habe ich bereits 
einen Schlag erhalten von hinten» (pag. 73, Z. 47 ff.). Hierbei handelt es sich um 
Schilderungen, die den tatsächlichen Begebenheiten vor Ort entsprechen (Trottoir 
nur linksseitig in Fahrtrichtung des Privatklägers) und mit dem gängigen Weg zum 
Wohnort des Privatklägers korrespondieren (es ist notorisch, dass ortsansässige 
Personen häufig die «Abkürzung» über den Verbindungsweg von der M.________ 
(Strasse) über das AA.________/AB.________ (Strasse) in die AC.________ 
(Strasse) nehmen, statt über den Kreisel von der M.________ (Strasse) in die 
AC.________(Strasse) abzubiegen). 

Im Rahmen einer Gesamtbeurteilung ist die Tatsache wesentlich, dass es keine 
Provokationen und Aggressionen seitens des Privatklägers gab und dass auf die-
sen – wie von ihm geschildert – mit Händen eingewirkt und vor allem auch mit Füs-
sen in den Kopfbereich eingetreten wurde. Alles in allem sind auch für die Kammer 
die Erstaussagen des Privatklägers authentisch und realitätsbezogen; diese weisen 
keine Lügensignale auf, vielmehr diverse Realkennzeichen. 

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Januar 2019 (pag. 85 ff.), 
mithin knapp ein halbes Jahr nach dem Ereignis, schilderte der Privatkläger Be-
ginn, Ablauf und Ende des Vorfalls vom 20. Juli 2018 insbesondere im Kernge-
schehen konstant und widerspruchsfrei. Er wiederholte, dass der Beschuldigte ihm 
etwas von «was ich seine Mutter anschaue» gesagt habe (pag. 86, Z. 52 f.) und es 
anschliessend «tätschte» (pag. 87, Z. 53). Er sei ein bis zwei Mal am Boden gele-
gen und dann wieder aufgestanden (pag. 87, Z. 85) und der Beschuldigte sei nach 
dem Eingreifen des Kioskbesitzers glaublich nochmals auf ihn los (pag. 87, Z. 89 
f.). Er erinnere sich an «Kicks und Fäuste» und das Schlimmste seien die Tritte von 
oben gewesen, als «wolle man eine Kakerlake zerstampfen» (pag. 88, Z. 98 ff.). Er 
habe sich nicht gewehrt, sondern sich nur geschützt, mit den Armen über dem Kopf 
(pag. 88, Z. 123 ff.). Nennenswerte Widersprüche zu seinen früheren Aussagen 
sind ebenso wenig auszumachen wie irgendwelche Aggravierungen. Die Einver-
nahme wurde auch relativ kurz gehalten und es wurden gezielt Fragen gestellt. 
Daher und unter Mitberücksichtigung des Zeitablaufs ist nicht weiter verwunderlich, 
dass die Aussagen des Privatklägers weniger detailliert ausfielen. Dies vermag der 
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht zu schaden. Auffallend ist, dass der Privat-
kläger erstmals angab, dem Beschuldigten glaublich «Arschloch» angehängt zu 
haben, als dieser vom O.________ gehalten worden sei (pag. 88, Z. 119 f.). Diese 
Erweiterung (und zwar von sich aus, ohne dass der Beschuldigte ihn damit belastet 
hätte) spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers, 
vielmehr handelt es sich um ein zusätzliches Realkennzeichen, belastete er sich 
hiermit doch gewissermassen selber.

Auch die Aussagen des Privatklägers anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung waren bezüglich Kerngeschehen in sich und bezüglich früherer Aussagen 

22

konstant und widerspruchsfrei, wenngleich auch weniger detailliert. Offenkundig hat 
der Privatkläger das Rahmen- und Kerngeschehen auch teilweise vergessen oder 
verdrängt («Einzelne Bilder sind noch da» [pag. 330, Z. 43], «Ich kann mich aber 
nicht mehr so gut erinnern wie dazumal, ich habe es auch versucht zu verdrängen» 
[pag. 331, Z. 3 f.], «Das weiss ich so genau nicht mehr. Es fehlen viele Bilder» 
[pag. 331, Z. 32]). Hinweise auf Lügensignale finden sich nicht ansatzweise. Einen 
Hinweis für die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers will die Verteidi-
gung in seiner Aussage sehen, wonach die Ängste seit dem Vorfall neu seien (pag. 
330, Z. 11), obwohl dem Arztbericht von Dr. med. R.________ vom 25. Januar 
2019 zu entnehmen sei, dass den Privatkläger schon vor dem Ereignis «massive 
Ängste» begleitet hätten. Die Ängste im Bericht des Hausarztes sind indes nicht 
näher spezifiziert, wogegen sich die Verneinung früherer Ängste in der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung auf Ängste im Zusammenhang mit dem «Nach-Draussen-
Gehen» bezog (pag. 330, Z. 7 ff.). In die gleiche Richtung äusserte sich der Privat-
kläger bereits anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme «Ich leide unter 
Todesangst und will gar nicht mehr aus dem Haus gehen» (pag. 89, Z. 156 f.). Es 
greift denn – entgegen der Auffassung der Verteidigung – auch zu kurz, auf ein ag-
gressives oder impulsives Verhalten des Privatklägers zu schliessen, nur weil im 
Bericht von Dr. med. R.________ ein solches Verhalten als mögliches Reaktions-
muster des Privatklägers bezeichnet wird (pag. 62). Darüber hinaus wurden auch 
keine entsprechenden Beobachtungen gemacht (vgl. nachfolgend). 

Auch in den Aussagen des Privatklägers betreffend Kopfschmerzen ist in der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung («Zwei-drei Mal pro Woche, bereits am Morgen. 
Die Schmerzen bleiben dann den ganzen Tag» [pag. 329, Z. 23 f.]) nicht eine 
massgebliche Übertreibung – im Vergleich zu den Angaben im Bericht des 
U.________ – auszumachen. Auch wenn die Formulierung in der Hauptverhand-
lung absolut ist, so impliziert der Bericht des U.________ auch ganztätige Kopf-
schmerzen («manchmal während mehreren Tagen», pag. 66) und auch am 
Schluss der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab der Privatkläger zu Proto-
koll, er habe seit den Schlägen regelmässig «ziemliches Kopfweh» und es «bolet» 
im Kopf (pag. 90, Z. 180). Seine diesbezüglichen Schilderungen lassen damit nicht 
auf die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen schliessen, schon gar nicht in Bezug auf 
das eigentliche Kerngeschehen. Alles in allem gibt es keine nennenswerten kon-
kreten Hinweise auf Lügensignale, die die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Pri-
vatklägers ganz speziell bezüglich des Kerngeschehens anzweifeln liessen. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte bzw. wollte sich der Privatkläger nicht 
mehr bzw. zumindest nicht mehr im Detail an den Vorfall vom 20. Juli 2018 erin-
nern (vgl. etwa pag. 586, Z. 35, pag. 587, Z. 16 ff., pag. 587, Z. 30 ff., pag. 588, 
Z. 2 ff.). Er erklärte, dass er «viel verdrängt» habe (pag. 587, Z. 27). Dennoch 
bestätigte er seine bisherigen Aussagen (pag. 588, Z. 7). Dass sich der Privatklä-
ger nicht mehr respektive nur schlecht an den besagten Vorfall erinnern konnte 
oder wollte, kann auf sein Krankheitsbild oder etwa auch auf die «Versöhnung» mit 
dem Beschuldigten zurückzuführen sein. So erklärte er im Rahmen der Berufungs-
verhandlung, er habe mit dem Beschuldigten «Frieden geschlossen», dieser habe 
sich bei ihm entschuldigt, es sei für ihn erledigt und er wolle nicht, dass der Be-
schuldigte des Landes verwiesen werde (pag. 586, Z. 17 ff.). Diese Aussagen ste-

23

hen nicht im Widerspruch zu seinen früheren Aussagen und vermögen nichts an 
deren grundsätzlicher Glaubhaftigkeit zu ändern. Dies umso weniger, als der Pri-
vatkläger sich für den Beschuldigten einsetzte bzw. diesen zu entlasten versuchte 
(«Mit A.________ habe ich Frieden geschlossen, er hat sich auch entschuldigt. Er 
hat gezeigt, dass es ihm wirklich leid tut [pag. 586, Z. 17 ff.], «Ich will ihm nichts 
Böses, er hat sich entschuldigt. Er kam mir auch nicht nach oder so. Er ist ein ‘fei-
ner’ Mann. Er hat durch das Ganze auch genug gelitten. Diese drei Jahre sind Stra-
fe genug» [pag. 588, Z. 10 ff.]).

Alles in allem sind auch für die Kammer die Aussagen des Privatklägers authen-
tisch und realitätsbezogen; diese weisen keine Lügensignale auf, vielmehr diverse 
Realkennzeichen. Die Aussagen des Privatklägers sind in hohem Masse glaubhaft, 
zwanglos mit dem Verletzungsbild in Einklang zu bringen und in Übereinstimmung 
mit den Aussagen des Zeugen P.________ sowie den Erstaussagen von 
O.________ (vgl. nachfolgend). 

10.3.3 Zu den Aussagen von P.________

Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 30. Juli 2018 (pag. 92 ff.) belastete 
P.________ den Beschuldigten ausserordentlich schwer. Die protokollierten Aus-
sagen erfolgten zwar erst zehn Tage nach dem Ereignis und damit nicht mehr tat-
nächst. Indes äusserte sich P.________ bereits am 21. Juli 2018 gegenüber der 
Polizei, als er von dieser telefonisch kontaktiert wurde (pag. 10). Bereits in diesen 
telefonisch erhobenen Erstauskünften sprach der Zeuge von massiven Schlägen 
mit den Fäusten und Fusstritte gegen den Kopf des Privatklägers. Das Opfer habe 
sich nicht gewehrt. Es habe sich um ein zweiphasiges Geschehen gehandelt, un-
terbrochen von einem nur ein paar Sekunden dauernden Weggehen des Täters 
(pag. 10). 

P.________ schilderte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 30. Juli 2018 
(pag. 92 ff.), er sei am besagten Tag vor der AD.________ (nordwestlich des Krei-
sels) gestanden, habe auf seine Tochter gewartet und sei aufgrund des lauten Ru-
fens bzw. Schreiens des Beschuldigten («was luegsch du mini Mueter a») auf das 
Geschehen aufmerksam geworden. Der Täter habe einen Mann vom Fahrrad ge-
rissen und auf ihn eingeschlagen. Ein Mann habe daraufhin eingegriffen, indem er 
den Schläger beiseite genommen und weggezogen habe. Der Täter habe sich al-
lerdings nicht beruhigen lassen und sei erneut auf das Opfer los. Er habe von hin-
ten angegriffen, das Opfer auf den Boden gezogen und auf ihn eingetreten, worauf 
der Mann mit dem «Schwänzli» erneut eingegriffen habe (pag. 93, Z. 20 ff.). Der 
Täter habe zuerst mit den Händen geschlagen und dann auch getreten. Er sei 
«ausser sich» gewesen (pag. 94, Z. 60). Das erste Mal sei es noch nicht so heftig 
gewesen (pag. 94, Z. 66). Der Täter habe das Opfer erneut gepackt, zu Boden ge-
rissen und wieder angefangen zu treten. Er habe das Opfer «direkt ins Gesicht» 
getreten und «auch mit den Händen zugeschlagen», wobei die Schläge dieses Mal 
«viel massiver» gewesen seien, der Täter «wie ein wilder Stier» auf das Opfer ein-
geschlagen habe (pag. 94, Z. 70 ff., «mit voller Wucht ins Gesicht» [pag. 94, Z. 79 
f.]). Das Opfer habe sich dabei nicht gewehrt, sondern sich mit den Armen zu 
schützen versucht (pag. 94, Z. 86 f.).

24

Das eigentliche Kerngeschehen spielte sich bei Tageslicht bzw. guten Sichtverhält-
nissen in einer Distanz von maximal 50 Metern ab (von der Eingangstüre der Bank 
bis zum Beginn des Verbindungswegs von der M.________ (Strasse) zum 
AA.________/AB.________(Strasse) beträgt die Distanz ca. 43 Meter). Gerichtsno-
torisch steigt die AC.________(Strasse) vom Kreisel her ziemlich an, d.h. vom Tat-
ort bis zum Eingang der Bank beträgt der Höhenunterschied mehr als 1.5 Meter. 
Wird weiter berücksichtigt, dass sich das Geschehen vom Standort des 
P.________ etwa in einer Geraden (als westliche Tangente zum Kreisel) abgespielt 
hat, so ist der Umstand, dass die M.________ (Strasse) (inkl. Zubringer 
AC.________(Strasse) und AE.________ (Strasse)) und der dortige Kreisel an ei-
nem Freitag um ca. 17:00 Uhr in der Regel stark befahren sind und sich an den 
Kreiseleinfahrten häufig «Rückstaus» von nicht vortrittsberechtigten Autos bilden 
(was sich grundsätzlich negativ auf die Übersichtlichkeit bzw. Überblickbar-
keit/Wahrnehmungsmöglichkeit der Geschehnisse am Tatort auswirkt) erheblich zu 
relativieren. P.________ gab diesbezüglich auch zu Protokoll, dass er aufgrund 
des Verkehrs nicht immer freie Sicht auf die Geschehnisse gehabt habe (pag. 94, 
Z. 96 ff.). Insoweit ist betreffend P.________ von einer grundsätzlich sehr guten 
Sicht- bzw. Wahrnehmungsmöglichkeit auszugehen, die verkehrsbedingt zwi-
schendurch eingeschränkt war (durch von der AC.________(Strasse) in den Krei-
sel einmündende Fahrzeuge [und umgekehrt]).

Insoweit erstaunen die sehr detaillierten Schilderungen der Geschehnisse durch 
P.________ ganz und gar nicht. P.________ war ein unbeteiligter Zeuge, stationär 
an einem Ort mit gutem, direktem Blick auf die Geschehnisse, ohne anderweitige 
Beschäftigung bzw. Ablenkung. Zwar winkte P.________ den Privatkläger am En-
de des körperlichen Übergriffs zu sich und gab diesem auf dessen Verlangen seine 
Telefonnummer bekannt, die Beiden kannten sich aber vorgängig nicht und es gab 
auch keine darüberhinausgehenden Kontakte vor der polizeilichen Einvernahme 
von P.________. Die Aussagen von P.________ sind sehr detailliert, authentisch 
und realitätsbezogen. Er gab Gesprächsinhalte (einerseits zwischen dem Beschul-
digten und dem Privatkläger, andererseits zwischen ihm und dem Privatkläger) 
wieder, machte zeitlich-räumliche Verknüpfungen, gab eigene Einschätzungen, Ge-
fühle und Wertungen sowie Mutmassungen klar als solche wieder; er gestand Un-
sicherheiten bzw. Nichtwissen (basierend auf nicht wahrgenommen respektive 
nicht beobachteten Abläufen) ein. Widersprüche, Ungereimtheiten, Aggravierungen 
oder Übertreibungen sind in den Aussagen von P.________ ebenso wenig auszu-
machen wie auch sonst jegliche Anhaltspunkte, die auf Lügensignale hindeuten 
könnten, fehlen. Betreffend das eigentliche Kerngeschehen schilderte P.________ 
demnach ein zweiphasiges Geschehen, beginnend mit dem lauten Rufen bzw. 
Schreien des Beschuldigten («was luegsch du mini Mueter a»), gefolgt von der 
Feststellung, dass der Beschuldigte den Privatkläger vom Fahrrad respektive auf 
den Boden gerissen habe bzw. Letzterer vom Fahrrad auf den Boden gefallen sei. 
Er gab ferner an, dass der Beschuldigte den Privatkläger zuerst mit den Händen 
geschlagen und dann auch mit den Füssen auf ihn eingetreten habe, bevor 
O.________ von der anderen Strassenseite herkommend interveniert habe, den 
Beschuldigten beiseite gezogen habe und sich dieser aber nicht habe beruhigen 
lassen, sondern erneut auf den sich mit dem Fahrrad entfernenden Privatkläger 

25

losgegangen sei, ihn zu Boden gerissen und erneut auf ihn eingetreten habe, 
mehrmals direkt ins Gesicht und nun viel massiver, ohne dass sich der Privatkläger 
dagegen gewehrt habe. Erst durch ein erneutes Eingreifen von O.________ habe 
der Beschuldigte vom Privatkläger abgelassen. Demgegenüber konnte P.________ 
weder eine Provokation (verbal/nonverbal) seitens des Privatklägers noch ein 
Stampfen auf dessen Kopf wahrnehmen. Auch von einem Einsatz eines Gegen-
standes bekam er nichts mit. Aus den Schilderungen von P.________ ergibt sich 
auch, dass der Privatkläger nicht freiwillig vom Fahrrad stieg bzw. zu Fuss auf den 
Beschuldigten zuging. Ferner konnte er nicht feststellen, dass der Privatkläger sein 
Fahrrad und seinen Rucksack auf den Boden geworfen hätte, wie dies vom Be-
schuldigten behauptet wird.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass P.________ überaus detailliert und ins-
gesamt sehr stimmig aussagte. Seine Aussagen sind für die Kammer in höchstem 
Masse glaubhaft. Überdies decken sie sich in den für die rechtliche Beurteilung 
wesentlichen Punkten mit denjenigen des Privatklägers sowie den Erstaussagen 
von O.________ (vgl. nachfolgend), ohne dass eine Absprache zwischen den bei-
den stattgefunden hätte. Die zwei wesentlichen Differenzen in den Ausführungen 
von P.________ und dem Privatkläger betreffen zwei Sachverhaltselemente, die 
für die rechtliche Beurteilung des Verhaltens des Beschuldigten nicht von massge-
bender Bedeutung sind: Der Zeuge konnte – anders als der Privatkläger – weder 
den Einsatz eines irgendwie gearteten Gegenstandes noch ein «Stampfen» auf 
den Kopf des Privatklägers bestätigen. 

Anlässlich der vergleichsweise kurzen staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 
knapp ein halbes Jahr nach dem Vorfall bestätigte P.________ als Zeuge konstant 
und widerspruchsfrei das Kerngeschehen (Schrei bzw. Ruf «was schaust du meine 
Mutter an» [pag. 103, Z. 34], vom Velo reissen [pag. 103, Z. 49 ff.], heftiges Einwir-
ken mit den Fäusten und mit dem Fuss [als der Privatkläger am Boden war] ins 
Gesicht [pag. 104, Z. 66 ff. und Z. 93 f., pag. 105, Z. 97], zweiphasiges Geschehen 
[pag. 103, Z. 49 ff.], keine Angriffshandlungen des Privatklägers [pag. 104, Z. 57 
und Z. 63]), wenn auch nicht mehr so detailliert. Aggravierungen sind keine auszu-
machen. Tendenziell schilderte der Zeuge die Heftigkeit der Fusstritte im Vergleich 
zur polizeilichen Einvernahme eher etwas abgeschwächt, wenngleich er auf Vorhalt 
seine Erstaussagen bestätigte (pag. 105, Z. 102 ff.). So gab P.________ am 
30. Juli 2018 noch zu Protokoll, der Beschuldigte habe den Privatkläger «mit voller 
Wucht ins Gesicht» getreten (pag. 94, Z. 79 f.). Ein halbes Jahr später erklärte er 
auf Nachfrage hin, es sei nicht «mit Anlauf wie ein Elfmeter» gewesen. Der Be-
schuldigte habe nicht gross aufgezogen, es sei ein «normaler Fusstritt wie gegen 
einen Fussball» gewesen (pag. 106, Z. 152 f.).

Neu (und nicht passend bzw. widersprüchlich zu den Angaben des Beschuldigten 
selber und dem Privatkläger – dann wäre der Tatort nicht südlich des Kreisels ge-
wesen) war ferner die Aussage von P.________, wonach der Beschuldigte und 
seine Mutter von der AC.________(Strasse) gekommen seien (und damit nicht ent-
lang der M.________ (Strasse) Richtung Kreisel gehend) und er den Beschuldigten 
beobachtet habe, er sei mit der Frau am Diskutieren gewesen (pag. 104, Z. 83 f.). 
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme gab P.________ noch an, er sei durch 

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das Rufen bzw. Schreien des Beschuldigten («was luegsch du mini Mueter a») auf 
diesen bzw. die Geschehnisse aufmerksam geworden. Dieser Widerspruch betrifft 
indes bloss das Rahmengeschehen und vermag nicht ansatzweise die sehr glaub-
haften Aussagen von P.________ zum Kerngeschehen in Zweifel zu ziehen. Ins-
gesamt ist festzuhalten, dass er weiterhin sehr glaubhafte Aussagen gerade in Be-
zug auf das Kerngeschehen machte und diese im Wesentlichen mit den Angaben 
des Privatklägers sowie den Erstaussagen von O.________ übereinstimmen. Es 
kann ohne Weiteres auf seine Aussagen abgestellt werden.

10.3.4 Zu den Aussagen von O.________

Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 31. Juli 2018 (pag. 108 ff.) belastete 
O.________ den Beschuldigten ebenfalls schwer. Die protokollierten Aussagen 
machte O.________ zwar erst elf Tage nach dem Ereignis und damit nicht mehr 
tatnächst. Eine telefonische Kontaktnahme mit ihm erfolgte aber bereits am 24. Juli 
2018 (pag. 11). Ob und gegebenenfalls was über das Ereignis vom 20. Juli 2018 
gesprochen wurde, ist allerdings nicht bekannt (nur, dass er als Geschäftsführer 
des dortigen Kiosks Angaben bezüglich der Auseinandersetzung machen könne 
[pag. 109, Z. 22 ff.]). O.________ schilderte anlässlich seiner ersten Einvernahme, 
er habe sich im gegenüberliegenden Kiosk gerade von seiner Freundin verab-
schieden wollen, als er jemanden habe rennen sehen und schreien hören. Als er 
den Kiosk verlassen habe, habe der Privatkläger auf dem Boden gelegen und der 
Beschuldigte habe auf ihn eingewirkt. O.________ sei über die Strasse und habe 
interveniert. In der Folge sei er damit beschäftigt gewesen, verbal und körperlich zu 
intervenieren, den Beschuldigten wegzubegleiten und alsdann ein zweites Mal ver-
bal und körperlich einzugreifen, den Beschuldigten zu stoppen und diesen (zu-
sammen mit dessen Mutter) schliesslich beim definitiven Weggang ein Stück weit 
des Weges zu begleiten (pag. 109, Z. 28 ff.). Zwar wurde O.________ gleich zu 
Beginn des Geschehens auf dieses aufmerksam, er konnte indes den unmittelba-
ren Beginn der körperlichen Auseinandersetzung nicht sehen, weil er die Türe des 
Kiosks habe öffnen müssen, um diesen zu verlassen. Hernach war sein Blick aber 
auf das Geschehen gerichtet und nach dem Überqueren der Strasse war er fortan 
direkt vor Ort, was unbestritten ist. Insoweit konnte er seine Wahrnehmungen des 
insgesamt dynamischen Turbulenzgeschehens aus nächster Nähe machen, d.h. 
unter optimalen Wahrnehmungsverhältnissen. Von daher überrascht es nicht, dass 
O.________, der weder den Beschuldigten noch den Privatkläger kannte, sehr de-
taillierte Schilderungen der Geschehnisse machen konnte, eigene und fremde Ge-
sprächsinhalte wiedergab, die Aggressivität bzw. den Zustand und die Entschlos-
senheit des Beschuldigten wahrnahm (so soll dieser sogar seine Mutter zu Beginn 
in Richtung Strasse weggestossen haben [pag. 109, Z. 38]) sowie angeben konnte, 
mit was, wohin und mit welcher Intensität der Beschuldigte auf den Privatkläger 
einwirkte. Dass O.________ nicht auch noch die genaue Anzahl Schläge und Tritte 
nennen konnte (pag. 111, Z. 127 ff.), ist bei diesem dynamischen Turbulenzge-
schehen mehr als offensichtlich. Die Aussagen von O.________, der eigenen An-
gaben zufolge selber Kampfsport betreibt und als AF.________ arbeitet (pag. 111, 
Z. 122 f.), imponieren nicht nur durch ihren Detailreichtum, sondern ebenso durch 
eine sachlich-stimmige Schilderung des Kern- und Rahmengeschehens, mit zeit-
lich-örtlicher Verknüpfung. Er gab die verbalen und körperlichen Interaktionen mit 

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dem Beschuldigten wieder (beispielhaft: «Kollege, hör auf, der Mann liegt auf dem 
Boden du hast ihn fast umgebracht [pag. 109, Z. 41], «Er wollte weiterschlagen, da 
habe ich ihn blockiert und ihn mit meinen Händen weggestossen [pag. 109, Z. 43 
f.], «Ich habe wirklich alles probiert um ihn wegzustossen [pag. 110, Z. 57], er legte 
offen was er nicht wahrgenommen hatte (beispielhaft: «Das erste Mal habe ich 
nicht gesehen wie der Täter das Opfer auf den Boden riss» [pag. 110, Z. 92], «ich 
kann es nicht genau sagen. Das Opfer hat vielleicht schon versucht sich zu weh-
ren, aber ich habe mich zu wenig geachtet» [pag. 112, Z. 155 ff.] und er erwähnte 
auch Komplikationen im Zusammenhang mit seiner Intervention («Er rannte an mir 
vorbei und ich versuchte noch ihn mit den Armen zu stoppen, was mir aber nicht 
gelang» [pag. 109, Z. 50 f.]). 

Betreffend das eigentliche Kerngeschehen schilderte O.________ im Wesentlichen 
übereinstimmend mit P.________ und dem Privatkläger folgendes Kerngeschehen: 
Es habe ein zweiphasiges Geschehen gegeben, beginnend mit dem lauten Rufen 
bzw. Schreien und Rennen des Beschuldigten in Richtung des Privatklägers (pag. 
109, Z. 29 ff.), gefolgt von der Feststellung, wonach der Privatkläger schon am Bo-
den gelegen habe und durch den Beschuldigten «voll geschlagen» worden sei, 
mehrmals mit Händen und Füssen, mehr ins Gesicht, aber auch in den Körper, 
wobei die Schläge und Tritte stark gewesen seien (pag. 109, Z. 32 ff., pag. 111, Z. 
115 f., Z. 119, Z. 127 ff., Z. 133 und Z. 138 ff.). Er habe daraufhin zunächst verbal, 
dann körperlich interveniert, der Beschuldigte habe sich aber nicht beruhigen las-
sen (pag. 109, Z. 41 ff., pag. 110, Z. 67 ff. und Z. 78). Als der Privatkläger daraufhin 
sein Fahrrad genommen habe, aufgestiegen sei und «Arschloch» gerufen habe, sei 
der Beschuldigte erneut auf den Privatkläger zugerannt, habe diesen zu Boden ge-
rissen und wieder begonnen, auf ihn einzuwirken, indem er mehrmals stark und 
heftig mit den Fäusten und Fusstritten ins Gesicht und den Körper geschlagen ha-
be. Er habe erneut eingreifen müssen, wobei ihn der Beschuldigte zunächst weg-
gestossen habe. Als der Beschuldigte und seine Mutter weggegangen seien, habe 
er die beiden noch ein Stück weit begleitet um sicherzugehen, dass der Beschul-
digte nicht zurückkomme (pag. 109, Z. 47 ff., pag. 110, Z. 55 ff.).

Demgegenüber konnte O.________ – ebenso wenig wie P.________ – weder eine 
Provokation (verbal/nonverbal) seitens des Privatklägers noch ein «Stampfen» auf 
dessen Kopf wahrnehmen bzw. er konnte es nicht sagen (pag. 112, Z. 163 f.). 
Ebenso wenig konnte er sicher sagen, ob der Privatkläger versucht hat sich zu 
wehren (pag. 112, Z. 155 ff.). Auch von einem Einsatz eines Gegenstandes bekam 
der Zeuge nichts mit (pag. 112, Z. 172 ff.). Ob in der ersten Phase der Privatkläger 
von sich aus vom Fahrrad stieg oder ob er vom Beschuldigten herabgerissen wur-
de, konnte der Zeuge ebenfalls nicht feststellen (pag. 110, Z. 92 f.). Auch konnte er 
nicht feststellen, ob der Privatkläger sein Fahrrad und seinen Rucksack auf den 
Boden geworfen hätte.

Auffallend und unmissverständlich festzuhalten ist, dass diese Erstaussagen von 
O.________ betreffend das Kerngeschehen in höchstem Masse mit den Schilde-
rungen des Privatklägers und den Beobachtungen von P.________ übereinstim-
men. Schliesslich ist festzustellen, dass O.________ nicht etwa Angst vor dem Be-
schuldigte hatte («Muss ich dann auch noch vor Gericht erscheinen und gegen den 

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Täter aussagen?» [pag. 114, Z. 287 f.], «Ich wäre froh, wenn meine Personalien 
nicht an den Täter weitergeleitet werden» [pag. 114, Z. 290], sondern sich offen-
sichtlich um seine Frau/Freundin sorgte («Ich habe Angst wegen meiner Frau, die 
Arbeitet ja auch im Kiosk» [pag. 114, Z. 287 f.]).

Am 15. Januar 2019 wurde O.________ durch die Staatsanwaltschaft einvernom-
men (pag. 125 ff.). Zwischenzeitlich (nach der ersten polizeilichen Einvernahme) 
kam der Beschuldigte offenbar an den Kiosk von O.________, kaufte ein Red Bull, 
und Letzterer merkte, dass der Beschuldigte ihn kennt 
(pag. 130, Z. 177 ff.). Zwar bestätigte O.________ einleitend der Einvernahme die 
von ihm am 31. Juli 2018 gegenüber der Polizei gemachten Aussagen (pag. 126, 
Z. 27), indes machte er nunmehr geltend, in der ersten Phase sei es ein Kampf im 
Stehen gewesen und es habe normale Faustschläge und keine Kicks gegeben 
(pag. 128, Z. 102 ff.). Auch habe sich der Privatkläger versucht zu verteidigen und 
zurückzugeben, aber er habe keine Chance gehabt (pag. 128, Z. 102 f.). In der 
zweiten Phase habe der Beschuldigte den Privatkläger mit einer Judo-Technik at-
tackiert, so dass dieser zu Boden gefallen sei. In der Folge habe der Beschuldigte 
dem Privatkläger ein paar Faustschläge und ein paar Fusstritte gegeben, nicht je-
doch ins Gesicht («Nein, ich bin ganz sicher. Es war kein Fuss am Kopf», «Herr 
A.________ hat ihn einige Male getreten und mit den Fäusten geschlagen, aber die 
Füsse waren nie im Gesicht von Herrn C.________» und «Ich bin mir sicher, der 
Polizist hat mich zwei Mal gefragt, ob Herr A.________ Herrn C.________ ins Ge-
sicht getreten hat und ich sagte nein» [pag. 128, Z. 118 ff.]). Soweit O.________ 
damit geltend machte, die Polizei habe in der polizeilichen Einvernahme vom 
31. Juli 2018 falsch protokolliert, ist dem vorab entgegen zu halten, dass 
O.________ das Protokoll am Ende der Einvernahme selbst gelesen (pag. 114) 
und sämtliche Seiten mit seiner Unterschrift versehen hat. Hinzu kommt, dass nicht 
nur der einvernehmende Polizist den Zeugen O.________ falsch verstanden hätte 
(die diesbezüglichen Aussagen des Privatklägers und des Zeugen P.________ wa-
ren ja bekannt und diejenigen des Ersteren wurden auch wortwörtlich vorgehalten 
[pag. 112, Z. 159 ff.]), sondern seine diesbezüglichen Aussagen daneben auch von 
der Protokollführerin falsch mitbekommen bzw. erfasst worden sein müssten. Und 
zwar handelte es sich nicht um eine unbeachtliche Kleinigkeit, sondern um die all-
fälligen Fusstritte, welche über mehr als eine Seite das eigentliche Kernthema der 
Einvernahme waren. Eine Falschprotokollierung ist damit als bloss sehr unwahr-
scheinliche theoretische Möglichkeit abzutun.

Der Ansicht der Verteidigung, wonach lediglich auf die Zweitaussagen von 
O.________ abzustellen sei, kann nicht gefolgt werden. Wie bereits erwähnt, hatte 
O.________ nicht selber Angst vor dem Beschuldigten, sondern machte sich offen-
sichtlich Sorgen um seine schwangere Frau/Freundin. Weiter ist festzustellen, dass 
die Erstaussagen von O.________ gerade bezüglich Kerngeschehen in höchstem 
Masse mit denjenigen des Privatklägers und des Zeugen P.________ überein-
stimmen, dies erst recht unter Mitberücksichtigung der Tatsache, dass es sich um 
ein dynamisches Turbulenzgeschehen handelte. Ferner imponieren seine Erstaus-
sagen durch ihre Sachlichkeit (vgl. oben). Entsprechend muss die Behauptung der 
Verteidigung, O.________ habe im Nachhinein gemerkt, dass er sich wahrschein-
lich zu fest als Retter in der Not aufgespielt habe und sachlich hätte bleiben sollen, 

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als untauglichen, nicht ansatzweise auf objektivierbaren Gründen basierenden Ver-
such abgetan werden, die hohe Glaubhaftigkeit seiner Erstaussagen in Zweifel zu 
ziehen, ganz nach dem Motto «es ist nicht bzw. es kann nicht sein was nicht sein 
darf». 

Die Kammer stellt damit insbesondere auf die Erstaussagen von O.________ ab; 
die relativierenden Aussagen in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. 
Januar 2019 betreffend die Fusstritte ins Gesicht sind unglaubhaft und als unbe-
achtlich abzutun. Aus welchen Gründen O.________ seine Aussagen anpasste 
bzw. von seinen Erstaussagen abwich (ob etwa aus Angst um 
bzw. Rücksicht gegenüber seiner Frau/Freundin), kann letztlich offenbleiben. Von 
einem masslosen Übertreiben bzw. als «Held aufspielen» – wie von der Verteidi-
gung vorgebracht – kann indes nicht ausgegangen werden, zumal seine diesbe-
züglichen Erstaussagen mit denjenigen des Privatklägers und des Zeugen 
P.________ übereinstimmen.

10.3.5 Zu den Aussagen von Q.________

Den Aussagen von Q.________ als Zeugin in der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 29. Januar 2019 (pag. 140 ff.) kommt keine entscheidende Bedeutung 
zu. Ihre Aussagen sind wenig detailreich, unpräzise, nicht spezifisch und teilweise 
widersprüchlich: So will sie sich nicht getraut haben hinzuschauen (pag. 142, 
Z. 56), dann will sie doch gesehen haben, dass es Faustschläge gegeben habe 
(pag. 142, Z. 66 f.). Auch will sie nicht gesehen haben, ob eine Person am Boden 
gelegen habe (pag. 142, Z. 74 f.). Ihr Aussageverhalten ist vor den gleichentags 
am Nachmittag gemachten, stark relativierenden, Zweitaussagen von O.________ 
zu sehen (vgl. Ziff. 10.3.4 hiervor). Es liegt auf der Hand, dass sich Q.________ 
vorgängig der Einvernahme mit O.________ abgesprochen hat. 

10.3.6 Zu den Aussagen von W.________

Am 30. Oktober 2018 wurde W.________, die Mutter des Beschuldigten, polizeilich 
einvernommen (pag. 133 ff.), nachdem ihr diese Einvernahme am 
25. bzw. 26. Oktober 2018 angekündigt worden war (pag. 133). Damit bestand oh-
ne Weiteres eine Absprachemöglichkeit. Allein aus der Tatsache, dass die Mutter 
des Beschuldigten zugab, ihr Sohn sei an der Auseinandersetzung beteiligt gewe-
sen und habe dem Privatkläger einen Schlag ins Gesicht und auf den Oberschen-
kel verpasst, kann nicht darauf geschlossen werden, dass ihre weitergehenden, 
bestreitenden Aussagen glaubhaft sind. Genau wie der Beschuldigte wusste auch 
sie, dass es Zeugen gibt und insoweit ein Abstreiten jeglicher Tatbeteiligung hoff-
nungslos war. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen von 
W.________ zur Beantwortung der Beweisfragen wenig hilfreich sind. Auffallend 
ist, dass sich ihre Aussagen im Kerngeschehen zwar in den Grundzügen mit den-
jenigen des Beschuldigten decken, sie aber des Öfteren mit Nichtwissen oder feh-
lender Wahrnehmung bzw. Beachtung antwortete, obwohl sie von Beginn an ganz 
in der Nähe der Auseinandersetzung war. Offenkundig versuchte sie, den Beschul-
digten in Schutz zu nehmen. Ihre Aussagen sind darüber hinaus teilweise wider-
sprüchlich oder unlogisch (so wenn der Privatkläger als angeblicher Aggressor 
«Hilfe, Hilfe Polizei» [pag. 136, Z. 103] gerufen haben soll; oder zu ihrem Sohn ei-

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nerseits «Es geht doch darum, was meinem Sohn widerfahren ist» [pag. 134, 
Z. 33], bzw. «Ich habe ihn so erzogen, dass er keiner Fliege was zu Leide tun 
kann» [pag. 138, Z. 219] und andererseits «Ich möchte Hilfe, ich möchte, dass das 
mit meinem Sohn geredet wird, dass ihm geholfen wird» [pag. 138, Z. 226 f.]). Im 
Weiteren kannte die Mutter offenbar die aggressive, gewalttätige Seite ihres Soh-
nes nicht, wenn sie zu Protokoll gab «Nein, das ist nicht mein Sohn, so ist er nicht. 
Das gibt es bei meinem Sohn nicht» bzw. «Wir sind seit 16 Jahren in der Schweiz 
und hatten noch nie Probleme mit der Polizei» (pag. 138, Z. 218 ff. und Z. 227) 
oder dann hat sie bewusst gelogen – so oder anders stehen der Strafregisteraus-
zug (sowie die drei edierten Vorakten) und der Vorfall vom 20. Juli 2018 diesen 
Ausführungen diametral entgegen.

Alles in allem ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Aussagen von 
W.________ gerade bezüglich des Kerngeschehens unglaubhaft sind und darauf 
nicht abgestellt werden kann. Es sind vielmehr offenkundige Schutzbehauptungen, 
basierend auf einer Absprache mit dem Beschuldigten. Jedenfalls kann aus den 
Aussagen der Mutter des Beschuldigten nicht ansatzweise etwas zu seinen Guns-
ten abgeleitet werden, auch wenn der Beschuldigte in der staatsanwaltschaftlichen 
Einvernahme zu Protokoll gab «Ich finde es schade, dass Sie beide Zeugen an-
hören und nicht einmal wird meine Mutter erwähnt» (pag. 163, Z. 247 f.).

10.4 Gesamtwürdigung

Aus den vorangegangenen Ausführungen ergibt sich ohne Weiteres, dass im 
Rahmen einer gesamtheitlichen Würdigung der Beweismittel auf die Aussagen des 
Privatklägers, des Zeugen P.________ sowie auf die Erstaussagen des Zeugen 
O.________ abzustellen ist. Diese sind je in sich sachlich-stimmig, konstant und 
widerspruchsfrei, und sind offenkundig in Einklang stehend namentlich mit den vom 
IRM festgestellten multiplen Verletzungen des Privatklägers. Überdies decken sich 
die Aussagen der drei Personen im Kerngeschehen, dies erst recht unter Mit-
berücksichtigung der Tatsache, dass es sich beim Vorfall vom 20. Juli 2018 um ein 
dynamisches Turbulenzgeschehen gehandelt hat. Dass die beiden Zeugen den 
Vorfall aufgrund ihrer unterschiedlichen Beobachtungs- bzw. Wahrnehmungssitua-
tion nicht restlos ohne Lücken wahrnehmen konnten, liegt auf der Hand und scha-
det der Beweiskraft ihrer Aussagen nicht. In Anbetracht der gerade im Kernge-
schehen übereinstimmenden Aussagen von P.________ und O.________ (soweit 
dessen Erstaussage betreffend) mit denjenigen des Privatklägers verbleibt auch 
kein Raum für die Behauptung, der Privatkläger habe aus Interesse am Ausgang 
des Verfahrens bei der Schilderung der Geschehnisse aggraviert und eigene Pro-
vokationen und Aggressionshandlungen bewusst oder unbewusst ausgeblendet – 
dafür gibt es nicht die geringsten konkreten Hinweise. Bezeichnend ist in diesem 
Zusammenhang denn auch das Verhalten des Privatklägers anlässlich der Beru-
fungsverhandlung, wo er von der «Versöhnung» mit dem Beschuldigten berichtete 
und sich für diesen einsetzte. Im Weiteren gibt es nicht ansatzweise Hinweise auf 
eine Absprache oder Koordination der Aussagen zwischen dem Privatkläger und 
den beiden Zeugen P.________ und O.________, ebenso wenig wie für eine Ab-
sprache zwischen den beiden Letzteren. Eine bewusste oder unbewusste Falsch-
belastung des Beschuldigten ist damit ausgeschlossen. Und schliesslich ist darauf 

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hinzuweisen, dass es keine handfesten Anhaltspunkte für eine Provokation oder 
gar aggressive Haltung seitens des Privatklägers gibt. Dass dem Arztbericht von 
Dr. med. R.________ vom 25. Januar 2019 (pag. 61 f.) am Ende zu entnehmen ist 
«Bei konfrontativen Situationen dagegen ist mehrfach bekannt, dass Herr 
C.________ mit sehr impulsiv aggressiven Reaktionsmustern reagieren kann» 
(pag. 62) indiziert gar nichts: Massgeblich ist einerseits die konkrete Situation im 
Einzelfall, andererseits ist klar die Rede von einer Reaktion auf konfrontative Situa-
tionen und nicht von impulsiv aggressiven Aktionsmustern.

Demgegenüber kann beweiswürdigend weder auf die Aussagen des Beschuldigten 
noch auf die damit in den Grundzügen korrespondierenden Aussagen seiner Mutter 
abgestellt werden. Diese Aussagen sind je in sich voller Widersprüche und lassen 
sich schlicht nicht mit dem Verletzungsbild und den multiplen, als Folge stumpfer 
Gewalteinwirkung entstandenen Verletzungen in Einklang bringen; bei den vom 
Beschuldigten geschilderten Gewalttätigkeiten hätten zur Hauptsache Hautab-
schürfungen resultieren müssen. Allein die multiplen Verletzungen an verschiede-
nen Stellen des Kopfes des Privatklägers lassen sich schlicht und einfach nicht mit 
einem einmaligen, leichten Haken ins Gesicht bzw. in den Bereich der Lippen in 
Einklang bringen.

10.5 Beweisfazit und erstellter Sachverhalt

Die aufgeworfenen Beweisfragen lassen sich in aller Kürze wie folgt beantworten:

• Wie kam es überhaupt zur Auseinandersetzung? Provozierte der Privatkläger 
den Beschuldigten? Stieg der Privatkläger selbstständig vom Fahrrad oder 
wurde er vom Beschuldigten vom Fahrrad gerissen?

Eine Provokation seitens des Privatklägers ist nicht erstellt, weder eine verbale 
noch eine nonverbale. Mit seinem Abbiegemanöver von der M.________ 
(Strasse) in den Verbindungsweg zur AB.________(Strasse)/AA.________ 
war angesichts des Verkehrsaufkommens ein «Blick zurück» unabdingbar. 
Dass sich der Beschuldigte (verbunden mit seiner ein Kopftuch tragenden Mut-
ter) durch diesen «Blick zurück» provoziert gefühlt hat (soweit dies überhaupt 
als Auslöser von ihm benannt wurde), ist nicht dem Privatkläger anzulasten, 
sondern das hat allein der Beschuldigte zu vertreten. Beweismässig lässt sich 
auch nicht unter Berücksichtigung des Grundsatzes «in dubio pro reo» eine 
originäre Aggressionshandlung des Privatklägers annehmen, darin begründet, 
dass dieser das Fahrrad und seinen Rucksack zu Boden geworfen hätte und 
alsdann der Beschuldigte auf ihn zugerannt wäre. Vielmehr war es der Be-
schuldigte, der letztlich aus nichtigem Grund den Privatkläger ansprach, auf 
diesen zurannte und diesen vom Fahrrad riss und sogleich körperlich attackier-
te, indem er diesen mit einem Haken ins Gesicht niederstreckte.

• Kam es zu einem zweiten tätlichen Angriff? Falls ja, inwiefern?

Aufgrund der Intervention von O.________ liess der Beschuldigte (vorüberge-
hend) vom Privatkläger ab. Indes bedurfte es des körperlichen Einsatzes von 
O.________ (blockieren), damit der Beschuldigte sich entfernte. Der Beschul-
digte kam jedoch – wohl weil ihm der Privatkläger «Arschloch» nachrief – ren-

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nend zurück und kickte den Privatkläger erneut zu Boden. O.________ ver-
suchte vergeblich, den Beschuldigten aufzuhalten.

• Gab es mehrere Faustschläge gegen das Gesicht und den Körper des Privat-
klägers? Falls ja, welche Intensität wiesen diese Schläge auf?

Bereits in der ersten Phase gab es neben dem initialen Haken ins Gesicht wei-
tere Faustschläge gegen den Körper des Privatklägers, und zwar Faustschläge 
von erheblicher Heftigkeit («geprügelt»). In der zweiten Phase erfolgten durch 
wahlloses Einschlagen auf den Privatkläger weitere Faustschläge von noch 
grösserer Heftigkeit («stark»).

• Gab es Fusstritte gegen den Oberkörper und den Kopf bzw. das Gesicht des 
Privatklägers und ggf. wie oft und wie stark/mit welcher Intensität?

Zweifelsohne erfolgten in der zweiten Phase mehrere Fusstritte (kein Stampfen 
auf den Kopf) gegen den Oberkörper und den Kopf bzw. das Gesicht des Pri-
vatklägers. Mehrere Fusstritte erfolgten auch bereits in der ersten Phase, indes 
ist nicht rechtsgenügend erstellt, dass diese bereits in den Kopf bzw. das Ge-
sicht des Privatklägers erfolgt sind. Die Fusstritte in den Kopf bzw. das Gesicht 
waren von erheblicher Heftigkeit («stark»).

Die Heftigkeit der Faustschläge und Fusstritte war indes nicht derart heftig, 
dass es beim Privatkläger zu Knochenbrüchen gekommen wäre, aber doch 
zumindest zu einem Schädel-Hirn-Trauma Grad I.

• Wie endete die Auseinandersetzung? Liess der Beschuldigte von alleine vom 
Privatkläger ab?

Der Beschuldigte hörte nicht von sich aus auf, körperlich auf den Privatkläger 
einzuwirken, sondern es bedurfte des erneuten beherzten und bestimmten 
Eingreifens von O.________. Dieser musste den Beschuldigten schliesslich 
ein Stück weit wegbegleiten, bis die Situation endgültig bereinigt war.

• Was bezweckte der Beschuldigte genau mit seinem körperlichen Einwirken auf 
den Privatkläger bzw. inwieweit sind Tatsachen dargetan, aus denen sich 
Rückschlüsse auf die subjektive, innere Seite, auf das Wissen und Wollen des 
Beschuldigten ziehen lassen?

Der Beschuldigte wirkte aus nichtigem Anlass im Rahmen eines dynamischen 
Turbulenzgeschehens unter zweien Malen mit zunehmender Heftigkeit mehr-
mals mit Händen und Füssen auf den Körper des Privatklägers ein, darunter 
auch in den Kopf bzw. das Gesicht. Der Privatkläger lag wehrlos am Boden 
und versuchte, mit den Händen seinen Kopf bzw. sein Gesicht zu schützen. 
Der Beschuldigte war ausser sich und liess sich kaum beruhigen.

Zusammenfassend erachtet die Kammer folgenden Sachverhalt als erstellt: Der 
Privatkläger war am 20. Juli 2018 mit seinem Fahrrad auf der M.________ (Stras-
se) unterwegs, wollte links abbiegen und blickte deswegen nach hinten. Der Be-
schuldigte fühlte sich durch diesen Blick belästigt bzw. hatte das Gefühl, dass der 
Privatkläger seine Mutter wegen deren Kopftuch anstarre. Nachdem der Beschul-
digte gesagt hatte «was luegsch mini Muetter a?» ging er auf den Privatkläger zu, 

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riss diesen vom Fahrrad und verpasste diesem einen Haken ins Gesicht, mehrere 
erhebliche Faustschläge gegen den Körper und mehrere Fusstritte, als dieser am 
Boden lag. Durch einen beherzten Eingriff des Kiosk-Betreibers O.________ liess 
der Beschuldigte vorerst vom Privatkläger ab. Nachd