# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 66cff66e-e7bc-5a73-b7f5-624b8aaa0f3f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.04.2010 D-2225/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2225-2010_2010-04-09.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2225/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.__________, geboren (...),
China,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 16. März 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2225/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  16. März  2010  –  eröffnet  am 
30. März  2010  –  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom 
4. Januar  2010  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat, die Weg-
weisung  nach  Belgien  verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  An-
drohung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen,  den  Kanton  B.__________  verpflichtete,  die  Wegweisungs-
verfügung zu vollziehen, feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen 
die  vorliegende  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und 
dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aushändigte,

dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte,  der  Be-
schwerdeführer sei am 5. März 2008, am 28. Mai 2009 und am 2.  Juni 
2009 in Belgien daktyloskopisch erfasst worden und er sei dort Asyl-
bewerber gewesen,

dass  Belgien  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäi-
schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 
des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat 
oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin-Assoziierungsab-
kommen [DAA, SR 0.142.392.68]) und auf das Übereinkommen vom 
17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft,  der  Republik  Island  und dem Königreich  Norwegen über  die 
Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands 
und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 
Staates für  die Prüfung eines in der Schweiz,  in Island oder in Nor-
wegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17.  Dezember 
2004, SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig 
sei  und  am 19. Februar  2010  einer  Übernahme des  Gesuchstellers 
zugestimmt habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
(Art. 19 Abs. 3 Dublin-II-VO, Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 
vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 

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zuständig ist) oder Verlängerung (Art. 19 Abs. 4 Dublin-II-Verordnung) 
– bis spätestens zum 20. August 2010 zu erfolgen habe,

dass dem Beschwerdeführer am 12. Januar 2010 das rechtliche Gehör 
gewährt worden sei, 

dass er dabei erklärt  habe, er habe in Belgien nur Probleme gehabt,  
seine drei Asylgesuche seien abgelehnt worden und er habe gehört, 
dass einige Personen in der Schweiz aufgenommen worden seien und 
er in der Schweiz bleiben wolle, 

dass er damit zu einer allfälligen Rückkehr nach Belgien nichts Sub-
stantielles zu entgegnen vermocht habe, was gegen die Zuständigkeit 
Belgiens  für  die  Durchführung  eines  Asyl-  und  Wegweisungsver-
fahrens sprechen würde, 

dass auf sein Asylgesuch somit nicht einzutreten sei,

dass die Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Vollzugs zu 
bejahen seien,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  6.  April  2010  gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  ein-
reichte  und beantragte,  die Verfügung des BFM sei  aufzuheben und 
das  Amt  anzuweisen,  sein  Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben  und 
sich für vorliegendes Asylgesuch für zuständig zu erachten,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei im Sinne 
vorsorglicher  Massnahmen  der  vorliegenden  Beschwerde  die  auf-
schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzu-
weisen, von einer Überstellung nach Griechenland (recte: Belgien) ab-
zusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt 
der  eingereichten  Beschwerde  entschieden  habe,  es  sei  die  unent-
geltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) zu bewilligen und es sei auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses zu verzichten, 

dass das Bundesverwaltungsgericht mit  Verfügung vom 7. April  2010 
(per Telefax) den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG 
vorsorglich aussetzte,

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dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am 8.  April  2010  beim  Bundesver-
waltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 
VwVG),

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 
Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

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dass der Beschwerdeführer geltend macht, nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-
II-VO  könne  jeder  Mitgliedsstaat  einen  von  einem  Drittstaatsange-
hörigen eingereichten Asylantrag prüfen,  auch wenn er  nach den in 
der Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig 
sei, 

dass die Schweiz im vorliegenden Fall aufgrund von völkerrechtlichen 
Verpflichtungen gehalten sei, von ihrem Selbsteintrittsrecht Gebrauch 
zu machen, da ihm in Belgien die Abschiebung nach China drohe, wo 
er Verfolgung zu gewärtigen hätte,

dass  Belgien  seinen  Asylantrag  abgelehnt  habe,  obwohl  ihm  als 
Tibeter in China Verfolgung drohe, 

dass die Aufnahmebedingungen in Belgien unmenschlich seien und er 
dort auf der Strasse habe leben müssen, 

dass  das  BFM  die  belgischen  Behörden  am  21.  Januar  2010  um 
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ersuchte und die belgischen 
Behörden  einer  Wiederaufnahme gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e 
Dublin-II-VO am 19. Februar 2009 zustimmten,

dass  der  Beschwerdeführer  somit  ohne  Weiteres  in  einen  Drittstaat 
(Belgien) ausreisen kann, welcher für die Durchführung des Asyl- und 
Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist,  was vom Be-
schwerdeführer nicht bestritten wird,

dass  Belgien  Signatarstaat  der  Konvention  vom  4. November  1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK, 
SR 0.101) sowie des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ist und keine konkreten Hin-
weise dafür bestehen, Belgien würde sich nicht an die daraus resul -
tierenden Verpflichtungen halten,

dass  betreffend  den  Einwand  des  Beschwerdeführers,  in  Belgien 
drohe  die  Abschiebung  nach  China,  festzuhalten  ist,  dass  nach 
Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Belgien  zurzeit  tibetischen 
Asylsuchenden, die China illegal verlassen haben und glaubhafte An-
gaben machen, den Flüchtlingsstatus gewährt (vgl. Urteil E-5950/2009 
vom 9. Februar 2010 E. 3.3),

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dass  demzufolge  nicht  davon  ausgegangen  werden  kann,  dem Be-
schwerdeführer drohe im Falle der Überstellung nach Belgien infolge 
einer Abschiebung nach China eine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-
fährdung nach Art. 5 AsylG oder eine unmenschliche Behandlung im 
Sinne von Art. 3 EMRK,

dass  entgegen  der  Behauptung  des  Beschwerdeführers  auch  nicht 
davon ausgegangen werden kann, ihm drohe in Belgien aufgrund der 
dort herrschenden Verhältnisse sonstwie eine unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung,

dass  mithin  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  im 
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Anlass besteht,

dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 
Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein-
getreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Belgien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

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dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass die Anträge, der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende 
Wirkung zu erteilen  und auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses 
sei zu verzichten, aufgrund des direkten Entscheids in der Hauptsache 
gegenstandslos werden,

dass sich die Begehren des Beschwerdeführers als aussichtslos dar-
stellten, weshalb unbesehen der geltend gemachten Bedürftigkeit das 
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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