# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3736f3c2-68b3-5387-9cc5-90b87b8c986e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.08.2023 SB220523
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220523_2023-08-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB220523-O/U/nk

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, die Ersatzoberrichterinnen 

lic. iur. Laufer und Dr. Schoder sowie Gerichtsschreiberin MLaw Brü-

lisauer

Urteil vom 15. August 2023

in Sachen

1. … 

2. A._____,
Privatkläger und Berufungskläger

3. … 

2 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

sowie

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
Anklägerin

gegen

B._____, 
Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____, 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 
7. Juli 2022

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. Juni 2021 

(Urk. 64) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 148 S. 34-39)

1. Der Beschuldigte B._____ wird der mehrfachen, teilweise versuchten einfa-

chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 3) schuldig gesprochen.

2. Der Beschuldigte ist

 der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossiers 1 

und 2),

 der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Dossier 2) sowie

 der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 3)

nicht schuldig und wird diesbezüglich freigesprochen.

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– (insgesamt Fr. 2'400.–), wovon bis und mit heute 25 Tagessätze als 

durch Haft geleistet gelten.

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.

5. Die mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. November 2017 

angesetzte Probezeit von 3 Jahren wird mit Wirkung ab heute um 1.5 Jahre 

verlängert.

6. Folgende polizeilich sichergestellten und bei der KaPo, Asservate-Triage, unter 

der Geschäfts-Nr. 72927607 bzw. 77160157 lagernden Gegenstände werden 

dem Beschuldigten innert einer Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

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dieses Urteils auf erstes Verlangen hin herausgegeben, ansonsten sie der La-

gerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen werden:

 1 Klappmesser mit Verpackung (Asservat Nr. A011'583'612),

 1 Servierportemonnaie, schwarz (Asservat Nr. A011'566'099),

 Bargeld im Wert von Fr. 4.05 (Asservat Nr. A011'566'271),

 4 Quittungen (Asservat Nr. A011'566'282),

 1 Träger-Shirt, weiss (Asservat Nr. A011'566'102),

 1 Herrenhose, Blue-Jeans (Asservat Nr. A011'566'113),

 1 Rüstmesser, schwarz/grün (Asservat Nr. A011'575'250),

 1 Küchenmesser, silberfarben (Asservat Nr. A013'412'470).

7. Folgende polizeilich sichergestellten und beim FOR unter der Referenz-Nr. 

K180608-004 / 72927607 lagernden Gegenstände werden dem Privatkläger 

A._____ innert einer Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses Ur-

teils auf erstes Verlangen hin herausgegeben, ansonsten sie der Lagerbe-

hörde zur Vernichtung überlassen werden:

 linker Schuh, 'Tommy Hilfiger' (Asservat Nr. A011'557'350),

 Beuteltasche, 'Nike', mitsamt Inhalt (Asservat Nr. A011'557'372),

 Effektensack, mitsamt Inhalt (Asservat Nr. A011'557'383),

 Trainerhose, mit blutverdächtigen Antragungen, rechtes Beinstück abge-
trennt (Asservat Nr. A011'557'189),

 T-Shirt, 'under armour', aufgeschnitten (Asservat Nr. A011'557'305),

 T-Shirt, 'Reebock', aufgeschnitten (Asservat Nr. A011'557'327),

 Herrenunterwäsche, aufgeschnitten (Asservat Nr. A011'557'349),

 abgetrenntes Stück einer Trainerhose (Asservat Nr. A011'561'823).

8. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K180608-

004 / 72927607 lagernden Spurenasservate werden nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils vernichtet. 

9. Der Privatkläger A._____ wird mit seinen Schadenersatz- und Genugtuungs-

begehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

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10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._____

Fr. 300.– als Genugtuung zu bezahlen.

11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 3'500.00   Gebühr für das Vorverfahren

Fr. 2'690.00   Kosten Kantonspolizei Zürich (Spurenberichte)

Fr. 19'915.95   Gutachten / Expertisen

Fr. 312.15   Auslagen Untersuchung 

Fr. 150.00   Zeugenentschädigungen

Fr. 720.30   vormalige amtliche Verteidigung RA Y2._____ 

Fr. 22'358.35   amtliche Verteidigung RAin Y3._____ (inkl. Fr. 15'130.55 akonto)

Fr. 10'464.80   amtliche Verteidigerin RAin Y._____

Fr. 6'151.20   unentgeltlicher Rechtsbeistand RA X._____

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertre-

tung des Privatklägers A._____, werden dem Beschuldigten im Umfang von 

einem Sechstel auferlegt und im Übrigen definitiv auf die Gerichtskasse ge-

nommen.

13. Die mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 15. März 2022 entlassene 

amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin Dr. iur. Y3._____, wird mit 

Fr. 22'358.35 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt, wovon 

Fr. 15'130.55 mittels Akontozahlung bereits entschädigt wurden. Vorbehalten 

bleibt eine Nachforderung im Umfang von einem Sechstel gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO.

14. Die mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 5. April 2022 bestellte amt-

liche Verteidigerin, Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____, wird mit Fr. 10'464.80 

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(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine 

Nachforderung im Umfang von einem Sechstel gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

15. Der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers A._____ wird mit 

Fr. 6'151.20 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Von einer Nach-

forderung wird abgesehen.

Berufungsanträge:

a) Der Vertretung des Privatklägers 2:

(Urk. 164 S. 2)

1. Der Beschuldigte B._____ sei wegen versuchter schwerer Körperverlet-

zung im Sinne von Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum 

Nachteil des Privatklägers A._____ schuldig zu sprechen und dafür an-

gemessen zu bestrafen.

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung 

in Höhe von Fr. 10'000.– zu bezahlen; dies zzgl. Zins von 5% ab dem 

8. Juni 2018.

3. Der Beschuldigte sei aus dem Vorfall vom 8. Juni 2018 dem Grundsatz 

nach zu verpflichten, dem Privatkläger Schadenersatz zu bezahlen.

4. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens sowie beider Instanzen seien 

dem Beschuldigten aufzuerlegen.

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b) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 166 S. 2)

1. Es seien sämtliche Anträge des Privatklägers abzuweisen und das erst-

instanzliche Urteil zu bestätigen.

2. Die amtliche Verteidigung sei angemessen aus der Staatskasse zu ent-

schädigen. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten 

des Privatklägers. 

__________________________________

Erwägungen:

I.
Verfahrensgang

1. Gegen B._____ wurde in drei Dossiers Anklage erhoben. Mit Urteil des Be-

zirksgerichts Zürich vom 7. Juli 2022 (Urk. 148) wurde der Beschuldigte we-

gen mehrfacher, teilweise versuchter einfacher Körperverletzung schuldig ge-

sprochen (Dossier 3). Vom Vorwurf der Sachbeschädigung (ebenfalls Dos-

sier 3), der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung (Dossier 1 

und 2) und der Drohung (Dossier 2) wurde er freigesprochen.

2. A._____, Privatkläger im Dossier 1 (nachfolgend Privatkläger), liess gegen 

das Urteil des Bezirksgerichts Berufung anmelden (Urk. 139) und beim Ober-

gericht des Kantons Zürich die Berufungserklärung einreichen (Urk. 151).

3. Der Beschuldigte, die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger im Dossier 2 

und 3 erhoben weder Berufung noch Anschlussberufung.

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4. Die Berufungsverhandlung fand heute in Anwesenheit der amtlichen Verteidi-

gerin Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____ und des Privatklägers in Begleitung von 

Rechtsanwältin Mag. iur. X2._____ (in bewilligter Substitution von Rechtsan-

walt lic. iur. X._____) statt. Der Beschuldigte ist nicht erschienen (Prot. II S. 3; 

vgl. Urk. 163).

II.
Berufungsumfang / Kognition

1.

1.1 Der Privatkläger liess folgende Dispositiv-Ziffern des erstinstanzlichen Urteils 

anfechten: 2 Lemma 1 / Dossier 1 (Freispruch betr. Dossier 1) und 9 (Zivilfor-

derungen).

Demnach ist das Urteil hinsichtlich folgender Dispositiv-Ziffern in Rechtskraft 

erwachsen: 1 (Schuldspruch betr. Dossier 3), 2 teilweise (Freisprüche im Dos-

sier 2 und 3), 6-7 (Herausgabe sichergestellter Gegenstände), 8 (Vernichtung 

Spurenasservate), 10 (Schadenersatzpflicht betr. Dossier 3), 11 (Kostenfest-

setzung) und 15 (Entschädigung der unentgeltlichen Privatklägervertretung).

1.2 Es ist vorab mit Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil hin-

sichtlich der obgenannten Dispositiv-Ziffern in Rechtskraft erwachsen ist 

(Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO).

1.3 Folgende Dispositiv-Ziffern sind nicht angefochten, gelten aufgrund der An-

träge des Privatklägers aber als mitangefochten und sind nicht rechtskräftig 

geworden: 3 (Strafe), 4 (Vollzug), 5 (Probezeit), 12 (Kostenauflage) und 13-

14 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung).

2. Die Berufungsinstanz überprüft das erstinstanzliche Urteil in den angefochte-

nen Punkten umfassend (Art. 404 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 398 Abs. 2 

und 3 StPO). Da der Privatkläger Berufung erhob, kann das angefochtene 

Urteil nicht nur zu Gunsten, sondern auch zu Ungunsten des Beschuldigten 

abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO).

-   8   -

III.
Sachverhaltserstellung

1. Gemäss Anklageschrift (Urk. 64) kam es am 8. Juni 2018 kurz nach Mitter-

nacht im Zug der Linie S… auf der Fahrt vom Hauptbahnhof Zürich in Richtung 

Zürich-D._____ zwischen B._____ (Beschuldigter) und A._____ (Privatklä-

ger) zu einer zunächst verbalen, dann auch tätlichen Auseinandersetzung. 

Bei dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte in einem unbekannten 

Zeitpunkt ein nicht näher bekanntes Messer mit einer nicht näher bekannten 

Klingenlänge (circa 8-9 cm) hervorgenommen. Der Privatkläger habe be-

merkt, dass der Beschuldigte ein Messer in der Hand gehalten habe. Er habe 

Verteidigungsstellung eingenommen, einen Faustschlag in Richtung des Be-

schuldigten ausgeführt und diesen am Oberarm getroffen. Daraufhin habe der 

Privatkläger mit dem rechten Bein in Richtung des Beschuldigten getreten, 

worauf der Beschuldigte im Moment der Trittbewegung das Messer in den 

rechten Oberschenkel des Privatklägers gestochen habe. Der Privatkläger 

habe eine circa 6 cm tiefe Stichverletzung im mittleren Oberschenkel (Innen-

seite) erlitten, wobei es zu einer Verletzung der oberflächlichen Blutgefässe 

und einer starken venösen Blutung gekommen sei. Bei einer leicht tieferen 

Stichverletzung wäre die Arterie femoralis superficialis verletzt worden, was 

zu einer lebensgefährlichen Blutung geführt hätte. Der Beschuldigte habe ge-

wusst, dass sich im Bein lebenswichtige Blutgefässe befänden, deren Verlet-

zung zu einem lebensgefährlichen Blutverlust führe, und habe eine solche 

Verletzung mit seiner Stichverletzung zumindest in Kauf genommen.

2.

2.1 Die Vorinstanz erachtete den äusseren Anklagesachverhalt als erstellt mit der 

Ausnahme, dass der Privatkläger nicht Verteidigungs-, sondern Angriffsstel-

lung eingenommen habe. Im Wesentlichen führte sie dazu Folgendes aus:

Der Beschuldigte sei weitgehend geständig. Seine Aussagen stünden in 

Übereinstimmung mit den Zeugenaussagen und den Videoaufnahmen. Dies 

spreche für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen, wenngleich es einige Unge-

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reimtheiten darin habe. Dagegen stünden die Aussagen des Privatklägers teil-

weise in diametralem Widerspruch zu den Videoaufzeichnungen. Seine Be-

gleiterin (E._____) habe keinen Hund mitgeführt und der Beschuldigte habe 

dieser keine Ohrfeige verpasst und auch kein Bier bei sich gehabt, mit dem er 

herumgespritzt hätte. Ebenso wenig habe er dem Privatkläger gegen das 

Schienbein getreten oder einen Scheinangriff ausgeführt. Es treffe auch nicht 

zu, dass das Messer im Bein des Privatklägers stecken geblieben sei, von der 

Polizei habe herausgezogen werden müssen und niemand interveniert habe 

(Urk. 148 S. 17 f.).

Erstellt sei indessen, dass E._____ auf den Beschuldigten mit Schlägen ge-

gen dessen Kappe losgegangen sei. Der Beschuldigte habe ihr daraufhin an 

den Hals gegriffen, womit die Auseinandersetzung mit ihr beendet worden sei. 

Dann sei der Privatkläger erschienen. Dieser sei sehr aggressiv aufgetreten 

und habe sich in Angriffs-, nicht in Verteidigungsposition begeben. Zunächst 

habe er einen Faustschlag gegen den Beschuldigten ausgeführt. Der Be-

schuldigte sei zurückgewichen, habe aber nicht fliehen können, da er sich in 

einem Viererabteil des Zugs befunden habe und der Weg durch den Privat-

kläger und zwei schlichtende Personen versperrt gewesen sei. Anschliessend 

habe der Privatkläger mit seinem rechten Bein einen Tritt gegen den Beschul-

digten ausgeführt. Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Mo-

ment der Trittbewegung dem Privatkläger das Messer, welches er in der rech-

ten Hand gehalten habe, bewusst in die Innenseite des rechten Oberschen-

kels gestochen habe. Der Privatkläger habe eine circa 6 cm tiefe Stichverlet-

zung erlitten. Dabei seien die oberflächlichen Blutgefässe verletzt worden und 

es sei zu einer starken venösen Blutung gekommen (Urk. 148 S. 18-20).

Entgegen den Behauptungen des Privatklägers bestünden erhebliche Zweifel 

daran, dass der Beschuldigte bereits vor dem ersten Faustschlag das Messer 

stetig in der Hand gehalten habe. Zum einen sei es lebensfremd, dass sich 

der Privatkläger bei einer Bedrohung mit einem Messer mit den Fäusten in 

eine Verteidigungsposition begeben habe, zumal er sich vom Beschuldigten 

problemlos hätte entfernen können. Zum andern sei auf den Videoaufnahmen 

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erkennbar, dass die schlichtende Person in diesem Zeitpunkt nicht einmal 

eine Armlänge vom Beschuldigten entfernt gestanden habe. Wenn der Be-

schuldigte tatsächlich ein Messer in der Hand gehalten hätte, hätte sich die 

schlichtende Person wohl mehr auf den Beschuldigten konzentriert und etwas 

Abstand von ihm genommen (Urk. 148 S. 19).

2.2 Der Privatkläger zog den äusseren Sachverhalt insofern nicht in Zweifel, als 

dass der Beschuldigte ihm am 8. Juni 2018 eine Verletzung mit einem Messer 

zufügte. Er liess indes zusammengefasst ausführen, dass die Annahme der 

Vorinstanz, dass eine Notwehrsituation vorgelegen habe, nicht vertretbar sei. 

Vom Beschuldigten werde keine solche geltend gemacht und dessen Aussa-

gen offenbarten gravierende Inkonsistenzen bzw. seien eindeutig vom Ziel ge-

prägt, eine angebliche Notwehrlage zu begründen. Auch die weiteren Aussa-

gen der Beteiligten könnten nichts zur Sachverhaltserstellung beitragen. Zu-

dem sei anhand der Videoaufnahme ersichtlich, dass einzig er, der Privatklä-

ger, gewisse Aggressionen gegenüber dem Beschuldigten gezeigt habe, wo-

bei er nicht im eigentlichen Sinne auf den Beschuldigten losgegangen sei. Alle 

anderen Personen hätten schlichtend eingegriffen, was für den Beschuldigten 

auch erkennbar gewesen sei. Schliesslich lasse sich eine Verletzung aus Ver-

sehen mit der Videoaufnahme nicht in Einklang bringen. Der Beschuldigte 

habe – nachdem er kurz zuvor den Kick abgewehrt und mit seiner linken Hand 

den Fuss des Privatklägers gehalten habe – mit der rechten Hand gezielt in 

das Bein des Privatklägers gestochen (Urk. 164 S. 3-5 i.V.m. Prot. II S. 5-8, 

11).

2.3 Der Beschuldigte erachtete den Sachverhalt, wie er von der Vorinstanz erstellt 

wurde, als zutreffend sowie mit den Videoaufnahmen übereinstimmend. Er 

führt im Wesentlichen aus, dass die Videoaufnahmen offenbarten, wie sich 

die Situation tatsächlich abgespielt habe, und bestätigten, dass der ihm klar 

überlegene Privatkläger der Katalysator der Auseinandersetzung und Aggres-

sor gewesen sei, was auch durch dessen Nachtatverhalten unterstrichen 

werde. Anders als der Privatkläger habe er sich rein defensiv bzw. abwehrend 

verhalten und keine Möglichkeit gehabt, die Situation zu verlassen. Für ihn sei 

-   11   -

auch nicht erkennbar gewesen, wer sich mit ihm solidarisiere (Urk. 166 S. 2-

4 i.V.m. Prot. II S. 10 f.). 

3. Die Vorinstanz bezeichnete die im Recht liegenden Beweismittel und stellte 

die Grundlagen der Beweiswürdigung sowie die bei der Aussagewürdigung 

zu berücksichtigende Interessenlage der Parteien und Zeugen zutreffend 

dar (Urk. 148 S. 8-17). Darauf ist zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO).

4.

4.1 Wie die Vorinstanz festhielt, stimmen die Aussagen des Privatklägers mit den 

Aussagen der Zeugen und den Videoaufnahmen in zahlreichen Punkten nicht 

überein. So trifft die Aussage, dass der Beschuldigte der Punkerin (E._____), 

die ihn angebettelt hatte, Ohrfeigen ausgeteilt habe (Urk. 1/4/2 F/A 26 f.), 

nicht zu. Ebenfalls unzutreffend ist die Aussage, dass die Frau einen Hund 

bei sich gehabt habe, der Hund in die obere Etage des Zugs gestiegen sei 

und der Täter wegen dem Hund reklamiert habe (Urk. 1/4/1 F/A 21; Urk. 1/4/2 

F/A 26). Weiter trifft nicht zu, dass der Beschuldigte dem Privatkläger einen 

roten Pass gezeigt habe, nachdem dieser aus dem Bein geblutet hatte 

(Urk. 1/4/1 F/A 18). Auf den Aufnahmen ist nicht auch nur andeutungsweise 

erkennbar, dass der Beschuldigte dem Privatkläger zu Beginn der Auseinan-

dersetzung "untendurch" einen Kick ins Schienbein verpasst (Urk. 1/4/1 

F/A 18) oder einen Scheinangriff mit einem Messer oder einer Flasche aus-

geführt hätte (Urk. 1/4/2 F/A 32, 38). Auch die Zeugen konnten diese Anschul-

digungen nicht bestätigen. Ebenso wenig ist zu erkennen, dass der Beschul-

digte mit einem Messer herumgespielt und Leute mit Bier bespritzt hätte und 

das Messer hernach von der Polizei aus dem Bein des Privatklägers hätte 

herausgezogen werden müssen (Urk. 1/4/2 F/A 29, 32).

4.2 Die Zeugin E._____, welche den Beschuldigten kurz vor dem Vorfall angebet-

telt und gegen dessen Kappe geschlagen hatte, wollte sich an nichts mehr 

erinnern (vgl. Urk. 1/5/6 F/A 12 ff.). Aus der Zeugeneinvernahme lässt sich 

somit nichts zu Gunsten des Privatklägers ableiten.

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Der Zeuge F._____, der dem Beschuldigten im Zugsabteil zunächst gegen-

über sass, sagte aus, dass dieser zu Beginn des Vorfalls von einer randstän-

digen Frau angebettelt worden sei und sie ihn geschlagen habe, nachdem er 

zu ihr gesagt habe "Ist das dein Scheissernst?" (Urk. 1/5/5 F/A 15). Er (der 

Zeuge) sei aufgestanden und weggelaufen. Dabei habe er "irgendwie aus 

dem Augenwinkel" gesehen, dass der Beschuldigte ein Messer in der Hand 

gehalten habe (Urk. 1/5/5 F/A 16). Er habe das Messer aber erst gesehen, 

nachdem die Randständige den Beschuldigten geschlagen habe (Urk. 1/5/5 

F/A 28). Diese Zeugenaussagen bestätigen lediglich, dass der Beschuldigte 

ein Messer zur Hand nahm, jedoch ergibt sich daraus nicht, in welchem Zeit-

punkt er zum Messer griff.

Der Zeuge G._____, welcher zu schlichten versuchte, sagte aus, der Beschul-

digte sei nicht aggressiv gewesen, als er mit ihm in den Zug eingestiegen sei. 

Wenn er aggressiv gewesen wäre, wäre er nicht zu ihm hingegangen, um ihm 

zu helfen (Urk. 1/5/1 F/A 41). Der Privatkläger sei beim Vorfall dagegen sehr 

laut gewesen. Der Beschuldigte habe in normalem Ton gesprochen 

(Urk. 1/5/2 F/A 25-26). Der Privatkläger sei mit den Fäusten zum Kampf bereit 

gestanden (Urk. 1/5/2 F/A 38). Er (der Zeuge) habe aber weder einen Faust-

schlag noch ein Messer gesehen (Urk. 1/5/2 F/A 18, 38). Diese Zeugenaus-

sagen sprechen zu Lasten des Privatklägers dafür, dass er selbst und nicht 

der Beschuldigte der Angreifer gewesen war.

4.3 Der Beschuldigte machte in seinen Einvernahmen Notwehr geltend, aner-

kannte den Sachverhalt im Übrigen aber weitgehend. So gab er ohne Um-

schweife zu, den Privatkläger mit einem Messer verletzt zu haben, als dieser 

mit dem rechten Bein gegen ihn getreten hatte (Urk. 1/3/1 F/A 23-27). Seine 

Aussagen stimmen mit den Videoaufnahmen und den Aussagen der Zeugen 

im Wesentlichen überein.

Eine Ungereimtheit betrifft allerdings den Zeitpunkt, in dem der Beschuldigte 

das Messer hervorgeholt hatte. Dieser gab an, das Messer aus dem Rucksack 

genommen zu haben, kurz bevor der Privatkläger auf ihn losgegangen sei. Er 

habe das Messer zunächst in seinem schwarzen Pullover verstaut, den er im 

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Zeitpunkt des Vorfalls getragen habe. Das Messer sei "zu" gewesen. Als die 

Punkerin und der Privatkläger begonnen hätten, auf ihn einzuschlagen, habe 

er das Messer aus dem Pullover genommen. Er habe in dem Moment keine 

andere Verteidigungsmöglichkeit gesehen (Urk. 1/3/2 F/A 61 ff.). Auf den Vi-

deoaufnahmen ist dagegen erkennbar, dass der Beschuldigte keinen schwa-

rzen Pullover, sondern ein trägerloses weisses T-Shirt trug. Unklar ist zudem, 

in welchem Augenblick der Beschuldigte das Messer zur Hand nahm und wel-

che Art Messer er bei sich hatte. Er gab an, dass man das Messer nur mit 

beiden Händen habe öffnen können. Auf den Videoaufnahmen ist indessen 

nicht zu sehen, dass der Beschuldigte, wie er angab (Urk. 1/3/2 F/A 61), kurz 

vor dem Angriff des Privatklägers damit beschäftigt gewesen wäre, ein Mes-

ser mit beiden Händen zu öffnen. Dies lässt die Vermutung zu, dass der Be-

schuldigte in Tat und Wahrheit ein – verbotenes – Springmesser auf sich trug, 

das sich per Knopfdruck mit einer Hand öffnen liess, und dass er dieses in Tat 

und Wahrheit in seiner Hosentasche auf sich getragen hatte. Dafür spricht 

jedenfalls der Umstand, dass der Beschuldigte das Messer im Nachgang zum 

Vorfall "entsorgte", indem er es angeblich auf die Gleise warf (Urk. 1/3/2 

F/A 29). Die Frage kann letztlich aber offen bleiben, da ein strafrechtlich rele-

vanter Verstoss gegen das Waffengesetz nicht angeklagt wurde.

4.4 Vor diesem Hintergrund treffen die tatsächlichen Feststellungen der Vorin-

stanz zum äusseren Sachverhalt zu. Aufgrund der Aussagen der Parteien ist 

als erstellt zu erachten, dass der Beschuldigte dem Privatkläger eine Stich-

verletzung an der Innenseite des rechten Oberschenkels beibrachte, als die-

ser mit seinem rechten Bein einen Tritt gegen den Beschuldigten ausführte. 

Allerdings war der Privatkläger derjenige, welcher angriff, indem er dem Be-

schuldigten zuerst einen Faustschlag und anschliessend den besagten Tritt 

verpasste. Dies ergibt sich zum einen aus den Aussagen des Beschuldigten, 

welche teilweise vom Zeugen G._____ bestätigt wurden. Zum andern lässt 

sich die Angreiferposition des Privatklägers auch sehr deutlich in den Vi-

deoaufnahmen ersehen. Dieser hob die Fäuste vor sein Gesicht und nahm 

dabei eine regelrechte "Boxerstellung" ein. Wenn der Beschuldigte, wie der 

Privatkläger angab, tatsächlich bereits zu Beginn der Auseinandersetzung mit 

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einem Messer "herumgespielt" hätte, hätte der Privatkläger kaum die Fäuste 

bis vor das Gesicht hochgezogen, sondern er hätte in erster Linie seinen To-

rax zu schützen versucht. Weiter ist gestützt auf die Videoaufnahmen erstellt, 

dass es dem Beschuldigten wegen den herumstehenden Personen nicht 

möglich war, das Viererabteil im Zug umgehend zu verlassen und sich aus 

der bedrohlichen Situation zu befreien. Offen bleibt aber, in welchem Augen-

blick der Beschuldigte das Messer hervorholte und wie er es öffnete.

5. Die Feststellungen der Vorinstanz zum inneren Sachverhalt, i.e. zum Wissen 

und Wollen des Beschuldigten in der konkreten Situation, sind nachfolgend 

bei der rechtlichen Qualifikation des Sachverhalts zu prüfen.

IV.
Rechtliche Qualifikation

1.

1.1 Die Vorinstanz qualifizierte die dem Privatkläger zugefügte Stichverletzung 

als einfache Körperverletzung, da in keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Le-

bensgefahr bestanden habe. Zu Gunsten des Beschuldigten sei anzuneh-

men, dass er nicht gewusst habe, dass Messerstiche in den Oberschenkel 

potentiell lebensgefährlich sein könnten, und dass er eine lebensgefährliche 

Verletzung demnach auch nicht in Kauf genommen habe. Ein strafrechtlich 

relevanter Versuch einer schweren Körperverletzung falle deshalb ebenfalls 

ausser Betracht. Hingegen habe der Beschuldigte dem Privatkläger den Mes-

serstich bewusst und gewollt versetzt. Somit habe er den Tatbestand der ein-

fachen Körperverletzung mit direktem Vorsatz erfüllt (Urk. 148 S. 22-23).

1.2 Der Privatkläger hielt dagegen seinen Standpunkt aufrecht, dass der Beschul-

digte sich einer versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht 

habe. Dieser habe bewusst zugestochen und es sei allgemein bekannt, dass 

besonders die Innenseiten der Oberschenkel durch ihre nah an der Oberflä-

che liegenden grossen Oberschenkel-Arterien gefährdet seien. Bei Treffern in 

diesem sensiblen Bereich sei ein grosser Blutverlust zu erwarten. Auch sei in 

-   15   -

diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass sich das Bein zum Zeit-

punkt des Stichs in Bewegung befunden habe (Urk. 164 S. 5-6 i.V.m. Prot. II 

S. 8-9). 

1.3 Der Beschuldigte folgte der Ansicht der Vorinstanz und verneinte das Vorlie-

gen einer versuchten schweren Körperverletzung. Es habe zu keinem Zeit-

punkt eine Lebensgefahr für den Privatkläger bestanden und er habe Letzte-

ren zu keinem Zeitpunkt ernsthaft zu verletzen versucht, sondern nur beab-

sichtigt, sich gegen den Kick zu verteidigen. Das Messer habe sich einzig im 

Aktionsradius der Extremitäten des Privatklägers bewegt und die Stichbewe-

gung sei auch einzig gegen die ihn angreifende Extremität gerichtet gewesen. 

Er sei davon ausgegangen, dass es sich beim Bein um einen weniger sensi-

blen Bereich des Körpers handle, bei dem eine Stichverletzung keine ernst-

haften Konsequenzen haben würde (Urk. 166 S. 4-5).

2.

2.1 Am 1. Juli 2023 trat das Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 über die Har-

monisierung der Strafrahmen in Kraft (AS 2023 259). Diese Strafrechtsrevi-

sion sieht namentlich Verschärfungen der Strafdrohungen bei Körperverlet-

zungsdelikten vor. Die revidierten Bestimmungen des Strafgesetzbuches 

kommen auch auf Straftaten zur Anwendung, die vor ihrem Inkrafttreten be-

gangen wurden, aber erst nachher beurteilt werden, sofern das neue Recht 

das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB).

2.2 Der vorliegend zu beurteilende Vorfall ereignete sich am 8. Juni 2018. Der 

Strafrahmen für schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB in 

der Fassung vom 23. Juni 1989 liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jah-

ren Freiheitsstrafe, während der Strafrahmen nach Art. 122 Abs. 1 StGB in 

der neuen Fassung zwischen einem und zehn Jahren Freiheitsstrafe liegt. 

Das alte Recht ist demnach das mildere. Somit ist der vorliegende Vorfall nach 

altem Recht zu beurteilen.

-   16   -

3.

3.1 Eine schwere Körperverletzung liegt unter anderem vor, wenn der Täter das 

Opfer lebensgefährlich verletzt (Art. 122 Abs. 1 aStGB). Lebensgefährlich ist 

eine Verletzung, wenn sie zu einem Zustand führt, in dem sich die Möglichkeit 

des Todes dermassen verdichtet, dass sie zur ernstlichen und dringlichen 

Wahrscheinlichkeit wird (BGE 131 IV 1 E. 1.1; BGer, Urteile 6B_633/2015 

vom 12.1.16 E. 1.4.2; 6B_953/2013 vom 17.3.14 E. 1.3). Die Lebensgefahr 

muss nicht zwingend zeitlich unmittelbar und akut sein, solange die Verlet-

zung mit erheblicher Wahrscheinlichkeit einen tödlichen Verlauf nimmt 

(BGE 131 IV 1 E. 1.1). Es genügt jedoch nicht, dass die Verletzung, wie etwa 

bei einem Beinbruch, die Möglichkeit des Todes in etwelche Nähe rückt (STE-

FAN TRECHSEL/CHRISTOPHER GETH, in: Praxiskommentar zum schweizerischen 

Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2021, Art. 122 N. 2; vgl. in diesem Sinn auch 

BGE 139 IV 214 E. 3.4 betreffend einer HIV-Infektion, die mit modernen Me-

dikamenten behandelt werden kann).

3.2 Gemäss dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin habe für den Privat-

kläger zu keinem Zeitpunkt Lebensgefahr bestanden. Im Operationsbericht 

sei vermerkt, dass lediglich eine oberflächliche Vene verletzt gewesen sei 

(Urk. 1/9/3 S. 6). Ein Bericht der Klinik für Traumatologie des Universitätsspi-

tals Zürich bestätigte, dass der Privatkläger nicht in Lebensgefahr war. Der 

Blutverlust habe durch rettungsdienstliche Massnahmen und durch eine Not-

falloperation kontrolliert werden können. Ohne ärztliche Versorgung wäre es 

aber zu einer Ausbreitung der Infektion mit möglicherweise systemischen Fol-

gen (Blutvergiftung etc.) gekommen (Urk. 1/9/5 S. 2).

Bei diesem ärztlichen Befund durfte die Vorinstanz schliessen, dass die Stich-

verletzung den Privatkläger nicht in Lebensgefahr im Sinne von Art. 122 

Abs. 1 aStGB brachte. Dass es ohne ärztliche Versorgung möglicherweise zu 

einer tödlichen Blutvergiftung gekommen wäre, ändert daran nichts. Diese 

Gefahr besteht theoretisch bei jeder Wunde, die sich infiziert und nicht ver-

sorgt wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Blutvergiftung war vorliegend jeden-

falls nicht erheblich.

-   17   -

Der Vorinstanz ist somit zuzustimmen, dass der Beschuldigte dem Privatklä-

ger keine schwere Körperverletzung zufügte, mithin handelte es sich bei der 

Stichwunde im Oberschenkel um eine einfache Körperverletzung, indes 

wurde diese durch Zuhilfenahme eines Messers verursacht, weshalb es sich 

um eine qualifiziert einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in 

Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 aStGB handelte.

4.

4.1 Ein Versuch einer schweren Körperverletzung liegt vor, wenn der Täter zwar 

den Vorsatz hat, eine solche Straftat zu begehen, und seine Tatentschlossen-

heit manifestiert, den objektiven Straftatbestand aber nicht gänzlich erfüllt 

(BGE 140 IV 150 E. 3.4). Vorsätzlich handelt, wer die Tat mit Wissen und 

Willen ausführt oder die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf 

nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB).

4.2 Auf die Frage, welche Verletzungen bei einem Messerstich in den Oberschen-

kel hätten entstehen können, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe keine 

Ahnung, er sei kein Arzt (Urk. 1/3/1 F/A 46). In der Schlusseinvernahme wie-

derholte er, er kenne die Anatomie des Beines nicht. Er wisse nicht, welche 

Adern sich dort befänden (Urk. 1/3/3 F/A 8). Weiter äusserte der Beschul-

digte, dass er den Privatkläger nicht habe verletzen wollen. Er habe sich le-

diglich verteidigt (Urk. 1/3/1 F/A 11). Er habe nicht gezielt auf den Privatkläger 

eingestochen. Wenn er gezielt gestochen hätte, hätte der Privatkläger eine 

Wunde am Oberkörper, nicht am Bein (Urk. 1/3/1 F/A 25). Es sei nie seine 

Absicht gewesen, jemanden derart zu verletzen (Urk. 1/3/2 F/A 69).

4.3 Die Vorinstanz erwog, die Stichbewegung des Beschuldigten sei in einer un-

kontrollierten Situation erfolgt. Dennoch hätten keine anderen Körperteile als 

das Bein getroffen werden können (Urk. 148 S. 23). Die Videoaufnahmen be-

stätigen diesen Befund. Es kann daher angenommen werden, dass der Be-

schuldigte den Privatkläger tatsächlich nicht direkt vorsätzlich schwer verlet-

zen wollte, ansonsten er die Stichbewegung gegen dessen Oberkörper aus-

geführt hätte. Ob dem Beschuldigten, wie er zu Protokoll gab, tatsächlich nicht 

-   18   -

bewusst war, dass ein Messerstich ins Bein potentiell lebensgefährlich sein 

kann, lässt sich nicht feststellen. Nach dem Grundsatz "im Zweifel für den 

Angeklagten" (in dubio pro reo) ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

dies nicht wusste und demnach auch nicht in Kauf nahm, den Privatkläger in 

Lebensgefahr zu bringen.

Die Vorinstanz schloss demnach zu Recht, dass der Beschuldigte betreffend 

den Straftatbestand der schweren Körperverletzung weder vorsätzlich noch 

eventualvorsätzlich handelte. Ein Versuch kann ihm deshalb ebenfalls nicht 

zur Last gelegt werden.

5. Der Beschuldigte versetzte dem Privatkläger den Messerstich in der Absicht, 

sich zu verteidigen. Die Beibringung des Messerstichs erfolgte demnach mit 

direktem Vorsatz. Damit erfüllte der Beschuldigte mit dem Messerstich ins 

Bein des Privatklägers den objektiven und subjektiven Tatbestand der qualifi-

ziert einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung 

mit Ziff. 2 Abs. 2 aStGB.

V.
Rechtfertigungsgründe

1.

1.1 Die Vorinstanz erwog, dass der Beschuldigte erst zugestochen habe, nach-

dem er von E._____ und anschliessend vom Privatkläger angegriffen worden 

sei. Er habe nicht fliehen können und habe mit einem weiteren Angriff des ihm 

körperlich überlegenen, aggressiv auftretenden Privatklägers resp. mit einer 

Verletzung am eigenen Körper rechnen müssen. Unter diesen Umständen sei 

die Abwehr gegen den Privatkläger mit einem Messerstich angemessen ge-

wesen. Der Beschuldigte habe in rechtfertigender Notwehr gehandelt 

(Urk. 148 S. 26-27).

1.2 Der Privatkläger stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er sei in kei-

nem Zeitpunkt derart aggressiv gewesen, dass der Einsatz eines Messers zur 

-   19   -

Selbstverteidigung gerechtfertigt gewesen wäre. Auf den Videoaufnahmen sei 

zu erkennen, dass es sich beim Fusstritt in Richtung des Beschuldigten um 

einen dilettantischen Kick gehandelt habe. Der Beschuldigte sei weder getrof-

fen noch ernsthaft in seiner körperlichen Integrität bedroht worden. Zudem sei 

der Beschuldigte dem Privatkläger nicht schutzlos ausgeliefert gewesen. Es 

hätten sich noch andere Personen vor Ort befunden, die sogar schlichtend 

eingegriffen hätten. Es habe daher keine Notwehrsituation bestanden (Urk. 77 

S. 3). 

Bei diesen Depositionen blieb der Privatkläger auch anlässlich der Berufungs-

verhandlung (vgl. Urk. 164 und vorstehend Erw. III.2.2). Im Hinblick auf die 

Argumentation der Vorinstanz erwiderte er namentlich erneut, dass der Be-

schuldigte im Moment des Messerstichs den Kick bereits abgewehrt und sei-

nen Fuss gehalten habe, wobei die Situation durch die Anwesenheit von an-

deren, schlichtenden Personen zusätzlich entschärft worden sei, weshalb 

keine Notwehrsituation vorgelegen habe. Es sei auch nichts passiert, was den 

Beschuldigten hätte glauben lassen können, dass er, der Privatkläger, auf ihn 

losgehen würde. Zudem wäre es dem Beschuldigten möglich gewesen, das 

Geschehen zu verlassen. Selbst wenn man jedoch davon ausgehen würde, 

dass der Angriff angedauert oder ein weiterer Angriff unmittelbar bevorgestan-

den habe, seien die Grenzen betreffend Angemessenheit der Abwehrhand-

lung überschritten worden. Ein entschuldbarer Notwehrexzess nach Art. 16 

Abs. 2 StGB wäre ebenfalls zu verneinen (Urk. 164 S. 6-7 i.V.m. Prot. II S. 9).

1.3 Der Beschuldigte brachte dagegen im Wesentlichen vor, von einem unmittel-

bar drohenden Angriff seitens des Privatklägers ausgegangen zu sein. Eine 

Flucht sei nicht möglich gewesen und er habe einem aggressiven, unkontrol-

lierten sowie körperlich überlegenen Privatkläger gegenübergestanden. Die 

Gegenwehr habe deshalb kurz und effektiv sein müssen. Seine Reaktion sei 

in der Situation angemessen gewesen, weshalb sie straflos zu bleiben habe 

(Urk. 166 S. 5-6 i.V.m. Prot. II S. 11; vgl. auch vorstehend Erw. III.2.3). 

-   20   -

2.

2.1 Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff be-

droht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer 

den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Notwehr 

ist ein Rechtfertigungsgrund. Eingriffe in die Rechtsgüter eines Angreifers sind 

straflos, sofern folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Erstens muss eine Notwehrlage gegeben sein. Diese besteht aus einem 

rechtswidrigen Angriff durch menschliches Handeln auf ein rechtlich ge-

schütztes Gut. Der Angriff muss im Gange sein oder unmittelbar bevorstehen. 

Dies ist der Fall, wenn Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Ver-

teidigung nahelegen, insbesondere dann, wenn es bei weiterem Zuwarten für 

eine Verteidigung zu spät sein könnte (BGer, Urteil 6B_269/2023 vom 30.6.23 

E. 2.1). Solche Anzeichen liegen namentlich vor, wenn der Angreifer eine dro-

hende Haltung einnimmt, sich zum Kampf vorbereitet oder Bewegungen 

macht, die in diesem Sinne gedeutet werden können. Abwehr ist zulässig, 

sobald mit einem Angriff ernstlich zu rechnen ist und jedes weitere Zuwarten 

die Verteidigungschance gefährdet (BGer, Urteil 6B_402/2022 vom 24.4.23 

E. 2.2). Ist der Angreifer ausser Gefecht gesetzt, entfällt die Notwehrsituation 

(vgl. WOLFGANG WOHLERS, Handkommentar zum StGB, 4. Aufl. 2020, Art. 15 

N. 7 ff.).

Zweitens muss die Abwehr gegen den Angreifer gerichtet sein und nach der 

Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spie-

len vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr 

bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche 

Verwendung. Bei der Verwendung von gefährlichen Gegenständen zur Ab-

wehr (Messer, Schusswaffen etc.) ist besondere Zurückhaltung geboten, da 

deren Einsatz stets die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit 

sich bringt (BGer, Urteile 6B_269/2023 vom 30.6.23 E. 2.1; 6B_402/2022 vom 

24.4.23 E. 2.2).

-   21   -

Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situation zu beurteilen, in 

der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Es dür-

fen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt werden, 

ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger einschnei-

denden Massnahmen hätte begnügen können und sollen (BGer, Urteile 

6B_402/2022 vom 24.4.23 E. 2.2; 6B_521/2022 vom 7.11.22 E. 3.1.3).

Das Notwehrrecht gibt nicht nur das Recht, mit gleichen Mitteln abzuwehren, 

mit denen der Angriff erfolgt, sondern mit solchen, die eine effektive Abwehr 

ermöglichen. Das bedeutet, dass der Verteidiger von Anfang an die voraus-

sichtlich wirksamen Mittel einsetzen darf (BGE 136 IV 49 E 4.2 m.w.H.). 

Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Ge-

richt die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB). Überschreitet der Abwehrende die Gren-

zen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den An-

griff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 StGB).

2.2 Der Privatkläger war von Anbeginn an in aggressiver Stimmung. Dies bestä-

tigten die Zeugen und ist auch auf den Videoaufnahmen erkennbar. Zudem 

war der Privatkläger alkoholisiert und stand unter Drogeneinfluss. Gemäss 

seinen eigenen Aussagen habe er zuvor 3 Bier à 5 dl getrunken, Xanax, Me-

thadon und Valium konsumiert und wahrscheinlich auch noch Kokain intus 

gehabt (Urk. 1/4/1 F/A 14). Beim Eintreffen des Rettungsdienstes versuchte 

er gar, die Sanitäter zu beissen (vgl. Urk. 1/9/2 S. 1; Urk. 1/9/3 S. 2). Vor die-

sem Hintergrund war das Verhalten des Privatklägers für sein Gegenüber 

schwierig einzuschätzen bzw. vorherzusagen. 

Auf den Videoaufnahmen ist erkennbar, dass es zwischen dem Privatkläger 

und dem Beschuldigten zunächst zu einem kurzen Wortwechsel kam, der Pri-

vatkläger sich darauf in "Boxerstellung" brachte und einen gezielten Schlag 

gegen den Kopf des Beschuldigten ausführte. Anschliessend teilte der Privat-

kläger mit dem rechten Bein einen Tritt in Richtung des Beschuldigten aus. 

Zwar wurde der Beschuldigte davon nicht getroffen, jedoch konnte dies für die 

Einschätzung der Gefahrenlage nicht zentral sein.

-   22   -

Dem Beschuldigten war es nicht möglich, das Viererabteil des Zugs umge-

hend zu verlassen, da ihm der Privatkläger und zwei schlichtende Personen 

den Weg versperrten. Eine Abwehr von Fusstritten mit blossen Händen wäre 

zur Selbstverteidigung nicht effektiv gewesen. Zudem musste der Beschul-

digte aufgrund des aggressiven Verhaltens des Privatklägers mit einer weite-

ren Eskalation der Auseinandersetzung rechnen. Dabei konnte er sich auf 

Hilfe fremder Personen keinesfalls verlassen. Ein Zweikampf wäre für den Be-

schuldigten riskant gewesen, da ihm der Privatkläger von der Grösse und Sta-

tur her überlegen war.

Unter diesen Umständen ist das Handeln des Beschuldigten, mithin dem Pri-

vatkläger mit dem Messer ins Bein zu stechen, um nicht selber an Leib und 

Leben geschädigt zu werden, noch als vertretbar zu erachten. Das Verteidi-

gungsmittel und die Vorgehensweise des Beschuldigten waren in Anbetracht 

der Aggressivität des Privatklägers, dessen körperlicher Überlegenheit, des-

sen bereits erfolgten Angriffshandlungen und der fehlenden Möglichkeit zur 

Flucht aus dem Viererabteil des Zugs in der konkreten Situation angemessen. 

Die Vorinstanz schloss zu Recht, dass der Beschuldigte in rechtfertigender 

Notwehr handelte. Der Freispruch ist somit zu bestätigen.

VI.
Strafe / Widerruf

Da die Berufung des Privatklägers im Schuldpunkt abzuweisen ist und es beim 

vorinstanzlichen Freispruch in Dossier 1 bleibt, ist die von der Vorinstanz ausge-

sprochene Strafe und die angeordnete Verlängerung der Probezeit ohne Weiterun-

gen zu übernehmen. Der Beschuldigte ist demnach mit einer Geldstrafe von 80 Ta-

gessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen, wovon 25 Tagessätze als durch Haft geleistet 

gelten. Der Vollzug der Geldstrafe ist nicht aufzuschieben und die mit Urteil des 

Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. November 2017 angesetzte Probezeit von 

3 Jahren ist mit Wirkung ab heute um 1 ½ Jahre zu verlängern.

-   23   -

VII.
Zivilansprüche

1. Die Vorinstanz trat auf die zivilrechtlichen Begehren des Privatklägers mit der 

Begründung nicht ein, dass der Beschuldigte freigesprochen worden sei 

(Urk. 148 S. 32).

2.

2.1 Bei Freispruch der beschuldigten Person entscheidet das Gericht über die an-

hängig gemachten Zivilansprüche, wenn der Sachverhalt spruchreif ist 

(Art. 126 Abs. 1 StPO). Ist der Sachverhalt nicht spruchreif, wird die Zivilklage 

auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).

2.2 Der Beschuldigte wurde gestützt auf den Rechtfertigungsgrund der Notwehr 

freigesprochen. Der Privatkläger hat sich die erlittene Stichverletzung auf-

grund seines aggressiven Verhaltens selber zuzuschreiben. Indes ist der 

Sachverhalt mit Blick auf die einschlägigen zivilrechtlichen Anspruchsgrund-

lagen nicht spruchreif, weshalb die Zivilklage des Privatklägers mit der Vor-

instanz auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen ist. 

VIII.
Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Bei diesem Verfahrensausgang – es bleibt auch im Berufungsverfahren beim 

vorinstanzlichen Freispruch in Dossier 1 – ist die erstinstanzliche Kostenrege-

lung gemäss den Dispositiv-Ziffern 12 bis 14 zu bestätigen.

2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Privatkläger 

unterliegt. Demnach hat er die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliess-

lich derjenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretung, zu tragen. Diese sind 

jedoch infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in Anwendung 

von Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen 

auf die Gerichtskasse zu nehmen; unter dem Vorbehalt des Rückgriffs auf den 

-   24   -

Privatkläger bei Verbesserung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse (BGE 143 

IV 154 E. 2.3.5). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind definitiv auf die 

Gerichtskasse zu nehmen. Diese können dem Privatkläger nicht auferlegt 

werden (vgl. BGE 145 IV 90 E. 5).

3. Die amtliche Verteidigung ist für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren mit 

insgesamt Fr. 4'200.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus der Gerichtskasse 

zu entschädigen (Urk. 161 und Urk. 167 zuzüglich der Dauer der Berufungs-

verhandlung inkl. Weg).

4. Die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers ist für ihre Bemühun-

gen im Berufungsverfahren mit Fr. 4'300.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus 

der Gerichtskasse zu entschädigen (vgl. Urk. 165 zuzüglich der Dauer der Be-

rufungsverhandlung inkl. Weg und Nachbesprechung).

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 7. Juli 2022 bezüglich der Dispositiv-Ziffern 1 (Schuldspruch betr. Dos-

sier 3), 2 teilweise (Freisprüche im Dossier 2 und 3), 6-7 (Herausgabe sicher-

gestellter Gegenstände), 8 (Vernichtung Spurenasservate), 10 (Schadener-

satzpflicht betr. Dossier 3), 11 (Kostenfestsetzung) und 15 (Entschädigung 

der unentgeltlichen Privatklägervertretung) in Rechtskraft erwachsen ist.

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte B._____ ist ferner der versuchten schweren Körperverlet-

zung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB (Dossier 1) nicht schuldig und wird freigesprochen.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 

Fr. 30.–, wovon 25 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.

-   25   -

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.

4. Die mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. November 2017 

angesetzte Probezeit von 3 Jahren wird mit Wirkung ab heute um 1 ½ Jahre 

verlängert.

5. Der Privatkläger A._____ wird mit seinen Zivilansprüchen auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

6. Die erstinstanzliche Kostenregelung (Ziff. 12-14) wird bestätigt.

7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 2'500.– die weiterer Kosten betragen:

Fr. 4'200.–   amtliche Verteidigung, 

Fr. 4'300.–   unentgeltliche Vertretung Privatkläger 2.

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der unent-

geltlichen Rechtsvertretung, werden dem Privatkläger 2 auferlegt, jedoch zu-

folge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Ge-

richtskasse genommen. Vorbehalten bleibt die Rückzahlungspflicht des Pri-

vatklägers 2 gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 

StPO. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Ge-

richtskasse genommen.

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
 die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers 2 im Doppel für 

sich und zuhanden des Privatklägers 2 (A._____) (übergeben)
 die Privatklägerin 1 (H._____)
 den Privatkläger 3 (C._____)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

-   26   -

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
 die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers 2 im Doppel für 

sich und zuhanden des Privatklägers 2 (A._____)

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 die Zentrale Inkassostelle der Gerichte, Obergericht des Kantons Zü-

rich, mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung 
des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- und Lö-
schungsdaten betr. Disp.-Ziff. 2 und 3

 die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 
Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung des DNA-Profils betr. 
Disp.-Ziff. 4

 die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

 das Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, betr. Geschäfts-
Nr. SB170253-O gemäss Disp.-Ziff. 4

 die I._____ Krankenversicherung AG, z. Hd. J.____, [Adresse], betr. 
Aktenzeichen … 

 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und B.

10. Rechtsmittel 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-
chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

-   27   -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 15. August 2023

Der Präsident:

Oberrichter lic. iur. Spiess

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Brülisauer

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.