# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab5f3015-36b4-5e80-8c0d-d0174a9fdb40
**Source:** Uri (UR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-10-26
**Language:** de
**Title:** Uri Obergericht Verwaltungsrechtliche Abteilung 26.10.2018 2018_OG V 18 4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/UR_Gerichte/UR_OG_004_2018-OG-V-18-4_2018-10-26.pdf

## Full Text

UV. Art. 44 ATSG. Art. 6 Abs. 1 UVG. Art. 11 UVV. Rückfälle und Spätfolgen 
knüpfen an ein bestehendes Unfallereignis an. Sie können eine 
Leistungspflicht des Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den 
erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten 
Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater 
Kausalzusammenhang besteht. Es obliegt dem Leistungsansprecher, das 
Vorliegen eines Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder 
Spätfolge geltend gemachten Beschwerdebild und dem Unfall mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Die Annahme der 
Beweislosigkeit ist allerdings erst möglich, wenn es sich als unmöglich 
erweist, im Rahmen der Abklärungspflicht aufgrund einer Beweiswürdigung 
einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich 
hat, der Wirklichkeit zu entsprechen. In concreto bestanden an der 
versicherungsinternen ärztlichen Beurteilung, welche eine Rückfallkausalität 
der geklagten Kniebeschwerden verneinte, zumindest geringe Zweifel, sodass 
hinsichtlich der Kausalitätsfrage kein schlüssiges Beweisergebnis vorlag. 
Weitere Abklärungen, namentlich eine versicherungsexterne fachärztliche 
Beurteilung, drängten sich auf. Gutheissung der 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde soweit darauf eingetreten werden konnte. 
Aufhebung des Einspracheentscheids und Rückweisung der Sache an die 
Unfallversicherung zur ergänzenden Abklärung und Neuverfügung. 
 
Obergericht, 26. Oktober 2018, OG V 18 4 
 
 
Aus den Erwägungen: 

 
 
   d) Nach Art. 11 UVV werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und 
Spätfolgen gewährt. Ein Rückfall liegt vor, wenn eine vermeintlich geheilte Krankheit wieder 
aufflackert, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zur 
Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden 
im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu 
einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 105 V 35 E. 1c; 
Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl., Basel 2012, § 17 Rz. 76). 
Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. 
Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur auslösen, wenn 
zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten 
Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater 
Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 296 f. E. 2c, 8C_354/2007 vom 04.08.2008 E. 
2.2; Scartazzini/Hürzeler, a.a.O., § 17 Rz. 76). Dabei kann der Unfallversicherer nicht auf der 
Anerkennung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhanges beim Grundfall oder 
bei früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf 
wegfallen können. Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines 
Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten 
Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen (zum Untersuchungsgrundsatz: E. 3a ff. 
hernach). Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, 
entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den 
Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche 
Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist 
(BGE 8C_171/2016 vom 29.04.2016 E. 2.2 mit Hinweisen). 
 
 

 5. c) Näher zu prüfen ist der Bericht von Dr. med. Waibl (E. 4h hievor). Dieser sieht 
hinsichtlich der Aetiologie des Knorpelschadens eine chronische Hyperpression 
patellofemoral aufgrund der eingeschränkten patellären Mobilität nach Ligamentum patellae-
Entnahme im Sinne einer rein mechanischen Ursache als wahrscheinlich an. Dr. med. 
Reuteler hält dieser Einschätzung im Wesentlichen lediglich entgegen, dass eine relevante 
Schädigung durch das Entnahmeverfahren von Ligamentum patellae zur 
Kreuzbandrekonstruktion nicht erst nach 19 Jahren zu einer relevanten Verursachung von 
Beschwerden mit plötzlich auftretender Flabbildung und Knorpeldelamination hätte führen 
müssen. Bezüglich Letzterem ist festzuhalten, dass die erneuten Kniebeschwerden der 
Beschwerdeführerin nicht «plötzlich» aufgetreten sind, sondern nach längerer 
Beschwerdefreiheit kontinuierlich zunahmen, sodass die Beschwerdeführerin im Jahr 2014 
einen Orthopäden (Dr. med. Käsermann) aufsuchte. Dieser hegte aufgrund der erhobenen 
Befunde erst nur einen Verdacht auf einen Knorpelschaden im Bereich des femoropatellären 
Gleitlagers und stellte ansonsten fest, dass das Kniegelenk trotz relativ schwerer Operation 
vor 20 Jahren noch sehr schön aussehe. Noch im Bericht vom 23. Juli 2014 stellte Dr. med. 
Käsermann fest, dass kein Knorpelflop im Bereiche Trochlea femoris bestehe. Erst im 
weiteren Verlauf zeigte sich eine zunehmende Retropatellararthrose im Bereich der Trochlea 
und musste eine Entfernung von Knorpelfragmenten vorgenommen werden. Ausweislich der 
Akten unterlagen die Kniebeschwerden der Beschwerdeführerin mithin einem 
kontinuierlichen Prozess und traten nicht plötzlich auf, was gewisse Zweifel an der 
Einschätzung Reuteler weckt. Entscheidend dafür, dass sich bezüglich des Berichts Reuteler 
Zweifel anmelden, ist jedoch ein anderer Umstand: Am Knie rechts erlitt die 
Beschwerdeführerin 1994 unter anderem eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes und eine 
Schädigung des Meniskus. Die Ruptur wurde mittels Patellarsehnentransplantats 
rekonstruiert und es fand eine laterale Teilmeniskektomie statt. Aus den Akten ergibt sich, 
dass die Beschwerdeführerin an einem fortschreitenden Knorpelschaden im Kniegelenk 
rechts (trochleäre Knorpeldelamination beziehungsweise -degeneration), konkret an einer im 
Verlauf zunehmenden Arthrose im rechten Kniegelenk (Gonarthrose), leidet. Eine Arthrose 
entsteht im Wesentlichen bei einem Missverhältnis zwischen Beanspruchung und 
Belastbarkeit der einzelnen Gelenkanteile und -gewebe (Pschyrembel, 261. Aufl., Berlin 
2007, S. 151). Sie kann ohne ersichtliche Ursache, aber auch durch eine nachgewiesene 
Fehlbelastung entstehen oder gefördert werden (vergleiche BGE 8C_816/2009 vom 
21.05.2010 E. 6). Die Arthroseinzidenz beziehungsweise -progredienz scheint nach einer 
vorderen Kreuzbandruptur, welche mittels Patellarsehnentransplantats rekonstruiert wurde, 
erhöht zu sein (Anna Heverhagen, Langzeitergebnisse nach vorderer Kreuzbandplastik mit 
Patellarsehnentransplantat, Marburg 2009, S. 81 f.; Clemens Kappeler, 10-Jahres-
Ergebnisse nach arthroskopischer vorderer Kreuzbandrekonstruktion mit dem 
Patellarsehnentransplantat, Frankfurt am Main 2004, S. 69 ff.; Thomas Weig, 
Bewegungseinschränkung nach vorderer Kreuzbandrekonstruktion – Ursachenanalyse, 
Therapieergebnisse, München 2002, S. 56 f.). Dies insbesondere, wenn – wie bei der 
Beschwerdeführerin – eine Teilmeniskektomie erfolgt ist (Clemens Kappeler, a.a.O., S. 69; 
Thomas Weig, a.a.O., S. 56 f.). Dass – wie dies Dr. med. Waibl aufzeigt – die aktuellen 
Kniebeschwerden der Beschwerdeführerin auf die 1994 im Anschluss an den damaligen 
Unfall vorgenommene Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes zurückzuführen sind, 
erscheint aus diesen Gründen als durchaus plausible Option, zumal die von Dr. med. Waibl 
geltend gemachte Hyperpression auf eine übermässige Belastung der Gelenksknorpel 
hindeutet, was die Entstehung der Arthrose zumindest gefördert haben könnte. Die 
Beurteilung Reuteler wiederum hält der Einschätzung Waibl einzig entgegen, dass sich die 
Kniebeschwerden nicht erst nach 19 Jahren eingestellt hätten. Nun ist es aber so, dass es 
bei der Gonarthrose gerade um eine degenerative Schädigung im Laufe der Zeit geht. Ein 
gewisser Zeitabstand ist also geradezu vorausgesetzt (vergleiche BGE 8C_816/2009 a.a.O. 
E. 6). Das zeitliche Argument alleine, ohne weitere Einordnung beziehungsweise 
Begründung, vermag insofern nicht zu überzeugen. Aufgrund der Beurteilung Waibl und den 
dargelegten Überlegungen zur Arthroseinzidenz bestehen objektiv Indizien, welche gegen 
die Zuverlässigkeit des Berichts von Dr. med. Christian Reuteler sprechen, weshalb die 
Beurteilung der Kausalität nicht einzig gestützt auf diesen Bericht erfolgen kann. 

Andererseits ist es nicht ausgeschlossen, dass der von Dr. med. Reuteler geltend gemachte 
Zeitabstand tatsächlich als zu lange erscheint, als dass eine Kausalität mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit angenommen werden könnte. Immerhin ist in Erinnerung zu rufen, dass 
umso strengere Anforderungen zu stellen sind, je grösser der zeitliche Abstand zwischen 
dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist (oben E. 2d). 
Nachdem aber an der Beurteilung Reuteler zumindest geringe Zweifel bestehen und insoweit 
sich widersprechende ärztliche Stellungnahmen in den Akten liegen, liegt hinsichtlich der 
Kausalitätsfrage kein schlüssiges Beweisergebnis vor. Es drängen sich weitere Abklärungen, 
namentlich eine versicherungsexterne fachärztliche Beurteilung, auf. Dies wird die 
Beschwerdegegnerin im Verfahren nach Art. 44 ATSG nachzuholen haben. Hinzu kommt 
Folgendes: Dr. med. Waibl erwähnte in seinem Bericht vom 28. Juli 2016, dass die 
Knorpelschäden womöglich auch auf einer metabolischen Störung bei stattgehabter 
Schilddrüsenanomalie (Morbus Basedow) sowie einer Koagulopathie ohne 
Knochenstoffwechselstörung beruhen könnten, mithin auf (wohl) unfallfremden Ursachen. 
Abgemacht wurde, dass eine laborchemische Diagnostik durchgeführt und im Anschluss 
eine Evaluation der Resultate stattfinden würde. Soweit ersichtlich, kam es nicht dazu 
beziehungsweise den Akten lassen sich keine entsprechenden Resultate beziehungsweise 
ärztliche Stellungnahmen entnehmen. Allenfalls werden auch hier zusätzliche Abklärungen 
notwendig sein. 
 
 6. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist nach dem Gesagten, soweit eine 
unvollständige Sachverhaltsabklärung geltend gemacht wird, begründet. Der 
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 23. November 2017 ist aufzuheben und 
die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie, nach erfolgter 
Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf 
Versicherungsleistungen neu verfüge.