# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e5ed60f-e271-5b26-ba79-a7021c695940
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-02-15
**Language:** de
**Title:** Staats- und Gemeindesteuern 2016
**Docket/Reference:** ST.2017.242
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2017_242_ch.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ST.2017.242 

Entscheid 

 15. Februar 2018 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Walter Balsiger und Gerichtsschreiber Benjamin Briner 

A ,    

In Sachen 

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekurrentin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Staats- und Gemeindesteuern 2016 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend die Pflichtige) ist in Gemeinde B wohnhaft. An ihrem Woh-

nort  übt  sie  in  einem  örtlichen  Ladenlokal  auch  ihre  Berufstätigkeit  aus.  In  letzterem 

Zusammenhang  deklarierte  sie  in  der  Steuererklärung  2016  den  normalüblichen  (vol-

len) Verpflegungskostenabzug von Fr. 3'200.-. 

Mit  Einschätzungsentscheid  für  die  Steuerperiode  2016  vom  16.  März  2017 

rechnete  die  Registerführerin  der  Steuergemeinde  Gemeinde  B  den  letzteren  Betrag 

mit der Begründung auf, dass innerhalb des Gemeindegebiets kein Abzug für auswär-

tige  Verpflegung  gewährt  werden  könne.  Aufgrund  dieser  Korrektur  eröffnete  sie  der 

Pflichtigen ein steuerbares Einkommen von Fr. 41'600.- sowie ein steuerbares Vermö-

gen (gemäss Deklaration) von Fr. 2'000.-.  

B. Hiergegen erhob die Pflichtige am 3. April 2017 Einsprache beim kantona-

len Steueramt. Zur Begründung machte sie geltend, bei ihrem Arbeitgeber belaufe sich 

die Arbeitspause für die Hauptmahlzeit auf eine Stunde. Für den Weg nachhause und 

zurück benötige sie mindestens eine halbe Stunde. Für die Zubereitung einer warmen 

Mahlzeit  stünden  ihr  damit  noch  knapp  30  Minuten  zur  Verfügung,  was  bei  Weitem 

unzureichend  sei.  Zum  Essen  gehe  sie  deshalb  nie  nachhause.  Zudem  habe  sie  ge-

staffelte bzw. unregelmässige Arbeitszeiten.  

Mit  Auflage  vom  18.  April  2018  verlangte  die  Einsprachebehörde  Arbeitsein-

satzpläne sowie genaue Zeitangaben zum Arbeitsweg mittels öffentlicher Verkehrsmit-

tel; letzteres unter Hinweis auf die diesbezüglich deklarierten Verkehrskosten.  

Mit Auflageantworten vom 25. April 2017 bzw. 18. Mai 2017 (Ergänzung) kam 

die Pflichtige dieser Aufforderung nach. Zum Arbeitsweg fügte sie im ersteren Schrei-

ben  an,  die  Gehdistanz  betrage  gemäss  Google-Maps  rund  einen  Kilometer.  Den  im 

Halbstundentrakt  verkehrenden  Bus  benütze  sie  vor  allem  bei  unfreundlichem Wetter 

und  bei gelegentlichen Arbeitseinsätzen  in  entfernteren  Nachbarfilialen  der  Detailhan-

delskette. 

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Gestützt auf dieses Untersuchungsergebnis wies das kantonale Steueramt die 

Einsprache  mit  Entscheid  vom  4.  Oktober  2016  ab.  Es  erwog,  dass  gemäss  Google-

Maps  die  kürzeste  Strecke  zwischen  Wohn-  und  Arbeitsort  850  Meter  betrage.  Eine 

solche Strecke sei zu Fuss in 10 Minuten zurückzulegen. Bei einer Stunde Mittagspau-

se verblieben der Pflichtigen damit für die Mittagsverpflegung 40 Minuten. Das Verwal-

tungsgericht habe in einem Entscheid vom 27. April 1984 festgestellt, dass eine häusli-

che  Mittagspause  von  40  Minuten  genüge,  weil  das  Essen  am  Vorabend  vorgekocht 

werden könne. Somit fehle es im Fall der Pflichtigen an der beruflichen Notwendigkeit 

zur auswärtigen Verpflegung.  

C.  Mit  hiergegen  am  18.  Oktober  2017  erhobenem  Rekurs  hält  die  Pflichtige 

an ihrem Antrag auf Gewährung des deklarierten Verpflegungskostenabzugs fest. Zur 

Begründung weist sie darauf hin, dass ihre Pause von 60 Minuten beim Verlassen des 

Arbeitsplatzes beginne. Mit einzurechnen sei deshalb auch die Zeit für das Umziehen 

und die Bewältigung der internen Wege bis zum Ausgang. Effektiv seien ihr damit le-

diglich 30 bis 35 Minuten für die Verpflegung zuhause zur Verfügung gestanden, wes-

halb sie nie nachhause gegangen sei.  

Das  kantonale  Steueramt  schloss  mit  Vernehmlassung  vom  13.  Novem-

ber 2017 auf Rekursabweisung.  

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Gemäss § 26 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) werden 

als  Berufskosten  u.a.  auch  die  notwendigen  Mehrkosten  für  Verpflegung  ausserhalb 

der Wohnstätte zum Abzug zugelassen (lit. b).  

Nach  Abs.  2  dieser  Bestimmung  hat  die  Finanzdirektion  sodann  diesbezügli-

che Pauschalansätze festzulegen. Dieser Vorgabe ist sie in Ziff. 2 der Verfügung über 

die  Pauschalierung  von  Berufsauslagen  Unselbstständigerwerbender  bei  der  Steuer-

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einschätzung  unter  Berücksichtigung  des  Aus-  und  Weiterbildungsabzugs  vom 

19. März 2015 wie folgt nachgekommen:  

2. Mehrkosten der Verpflegung  

2.1 Bei auswärtiger Verpflegung, sofern die Dauer der Arbeitspause die Heim-

kehr nicht ermöglicht: – wenn die Verpflegung durch den Arbeitgeber verbilligt 

wird  (Kantine,  Personalrestaurant,  Barbeitrag,  Essensgutscheine  usw.)  und 

dem Arbeitnehmer trotzdem Mehrkosten gegenüber der Verpflegung zu Hau-

se  entstehen,  pro  Arbeitstag  Fr.  7.50,  bei  ständiger  auswärtiger  Verpflegung 

im Jahr höchstens Fr. 1’600.-; – wenn die Verpflegung in andern Gaststätten 

voll  zu  Lasten  des  Arbeitnehmers  geht,  pro  Arbeitstag  Fr. 15.-,  bei  ständiger 

auswärtiger Verpflegung im Jahr höchstens Fr. 3’200.-.  

2.2  Bei  durchgehender,  mindestens  achtstündiger  Schicht-  oder  Nachtarbeit, 

pro  ausgewiesenen  Schichttag  Fr.  15.-,  bei  ständiger  Schicht-  oder  Nachtar-

beit  im  Jahr  höchstens  Fr. 3’200.-.  Der  Schichtarbeit  wird  die  gestaffelte  (un-

regelmässige)  Arbeitszeit  gleichgestellt,  sofern  beide  Hauptmahlzeiten  nicht 

zur üblichen Zeit zu Hause eingenommen werden können. 

Die vorstehenden Abzüge dürfen nicht kumuliert werden. 

b)  Die  Mehrkosten  für  auswärtige  Verpflegung  bilden  nach  den  Steuergeset-

zen  von  Bund  und  Kantonen  (vgl.  Art.  26  Abs.  1  lit.  b  des  Bundesgesetzes  über  die 

direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 [DBG] sowie Art. 9 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes  über  die  Harmonisierung  der  direkten Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden 

von 14. Dezember 1990 [StHG]) schweizweit abziehbare Berufsauslagen, obwohl die-

se  Kosten  keine  Gewinnungskosten  im  engeren  Sinn  darstellen.  Es  handelt  sich  um 

Aufwendungen, die mit der Berufsausübung nur mittelbar zusammenhängen. Dennoch 

sind sie unter die Erzielung der steuerbaren Einkünfte notwendigen Aufwendungen zu 

subsumieren. Die Abziehbarkeit dieser Auslagen entspricht dem in Bund und Kantonen 

gewachsenen  Recht  und  nichts  spricht  dafür,  dass  der  Gesetzgeber  diese  allgemein 

als  abziehbar  geltenden  Verpflegungskosten  inskünftig  nicht  mehr  zum  Abzug  zulas-

sen will (vgl. Reich/von Ah/Brawand in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 

Bundesgesetz  über  die  Harmonisierung  der  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden, 

3. A., 2017, Art. 9 N 17 StHG).  

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c)  Steuerlich  berücksichtigt  werden  sollen  nach  dem  Gesetzeswortlaut  ledig-

lich die notwendigen Mehrkosten im Vergleich zur Verpflegung zu Hause. Den Fiskus 

kann  es  dabei  jedoch  nicht  interessieren,  wieviel  im  Einzelfall  tatsächlich  für  die  Ver-

pflegung  ausgegeben  wird,  weshalb  zur  Vereinfachung  der  Veranlagungstätigkeit  so-

wie  zur  Entlastung  der  Steuerpflichtigen  von  der  lästigen  Sammlung  und  Aufbewah-

rung  von  Belegen  Pauschalen  eingeführt  worden  sind.  Der  Steuerpflichtige  kann 

infolgedessen immer den entsprechenden Pauschalbetrag geltend machen, auch wenn 

er keine oder nur geringere Ausgaben hatte. Ob der Steuerpflichtige auswärts isst, ist 

unerheblich;  Voraussetzung  für  den  pauschalierten  Abzug  ist  einzig,  dass  die  Dauer 

der  Arbeitspause  die  Heimkehr  nicht  ermöglicht  und  also  die  Hauptmahlzeit  nicht  zu 

Hause  eingenommen  werden  kann  (vgl.  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkom-

mentar zum DBG, 3. A., 2016, Art. 26 N 23a und 116 DBG; RB 1999 Nr. 136).  

d) Zu den Gründen, welche die Verpflegung zuhause verunmöglichen bzw. als 

unzumutbar  erscheinen  lassen,  hat  das  Verwaltungsgericht  in  dem  von  der  Ein-

sprachebehörde zur Entscheidbegründung herangezogenen Entscheid folgendes fest-

gehalten (vgl. RB 1984 Nr. 36): 

"Die berufliche Notwendigkeit auswärtiger Verpflegung kann auf verschiedene 

Ursachen  zurückzuführen  sein,  so  auf  grosse  Entfernung  zwischen  Wohn-  und  Ar-

beitsstätte,  schlechte  Verkehrsverbindungen  oder  kurze  Mittagspause (RB  ORK  1959 

Nr. 16 = ZBI 62, 25 = ZR 59 Nr. 137; Reimann/Zuppinger/Schärrer, § 26 N. 29). Zwar 

können auch persönliche Verhältnisse, wie Gebrechlichkeit oder Invalidität, die berufli-

che  Notwendigkeit  auswärtiger  Verköstigung  begründen;  doch  vermag  der  Umstand 

als solcher, dass der Steuerpflichtige alleinstehend ist und sich deshalb auswärts ver-

pflegt, mit Rücksicht auf das Gebot rechtsgleicher Behandlung keinen besonderen Ab-

zug  für  Berufsauslagen  zu  rechtfertigen.  Es  besteht  kein  Anlass,  von  dieser  Betrach-

tungsweise  abzurücken.  Hat  das  Verwaltungsgericht  im  Übrigen  die  Vermeidung  von 

Autokosten als  zumutbar betrachtet und nur die Auslagen für die Fahrten mit dem öf-

fentlichen  Verkehrsmittel  als  abzugsfähig  anerkannt,  wenn  dessen  Benutzung  dem 

Steuerpflichtigen  eine  häusliche  Mittagspause  von  rund  40  Minuten  ermöglicht  (RB 

1964 Nr. 53), so folgt daraus, dass ihm unter solchen  zeitlichen Umständen auch  zu-

gemutet werden kann, sich über Mittag daheim zu verpflegen und damit die Mehrkos-

ten für auswärtiges Essen zu vermeiden."  

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Konkret zu beurteilen hatte das Verwaltungsgericht dabei den folgenden Fall:  

Es ging es um einen städtischen Beamten mit einem Arbeitsweg von max. 10 

Gehminuten,  wobei  dieser  bei  gleitender  Arbeitszeit  zwischen  11.30  Uhr  und  14  Uhr 

eine  frei  wählbare  mittägliche  Arbeitspause  von  mindestens  45  Minuten  beziehen 

konnte.  Effektiv  hatte  der  Pflichtige  im  beurteilten  Steuerjahr  1982  regelmässig  eine 

rund  einstündige  Mittagspause  eingelegt,  womit  ihm  nach  Abzug  des  Arbeitsweges 

jeweils rund 40 Minuten oder mehr verblieben, um sich über Mittag daheim zu verkös-

tigen.  Weil  der  Pflichtige  gemäss  Steuererklärung  für  den  Weg  zur  Arbeit  die  Benüt-

zung  eines  Fahrrads  deklariert  hatte,  stellte  das  Verwaltungsgericht  fest,  dass  damit 

seine Mittagszeit effektiv wohl sogar nahe bei einer Stunde gelegen hätte. Diese Zeit-

spannen hätten für eine gesunde, nötigenfalls am Vorabend oder am Morgen vorberei-

tete  häusliche  Mahlzeit  mit  anschliessender  Ruhepause  ohne  weiteres  ausgereicht. 

Unter solchen Umständen wäre es dem Pflichtigen zumutbar gewesen, das Mittages-

sen zu Hause einzunehmen bzw. die Kosten der auswärtigen Verpflegung zu vermei-

den. Wenn er sich gleichwohl im Restaurant verpflegt habe, so sei dies nicht aus beruf-

licher Notwendigkeit, sondern aus Gründen der Annehmlichkeit geschehen. 

Die  Rekurskommission  (heute  Steuerrekursgericht)  hatte  diesen  Fall  damals 

anders beurteilt (vgl. die Erwägungen im Verwaltungsgerichtsentscheid). Sie argumen-

tierte, dass von einer grundlegenden Änderung der Verhältnisse seit den fünfziger Jah-

ren  auszugehen  sei.  Damals  habe  die  Arbeitswoche  noch  sechs  Tage  umfasst  und 

seien  die  meisten  Arbeitnehmer  dienstvertraglich  zu  einer  ein-  bis  zweistündigen  Mit-

tagspause verpflichtet gewesen. Nunmehr gelte jedoch allgemein die Fünftagewoche, 

häufig verbunden mit gleitender Arbeitszeit. Diese Änderung im "Arbeitsrhythmus" ver-

lange,  dass  die  Zumutbarkeit  der  Verpflegung  im  eigenen  Haushalt  anders  beurteilt 

werde. Unter den heutigen Umständen sei es einem Steuerpflichtigen nicht zuzumuten, 

die  Mehrkosten  der  auswärtigen  Verpflegung  zu  vermeiden,  auch  wenn  er  nur  einen 

kurzen Arbeitsweg zurückzulegen habe.  

Hierzu erwog das Verwaltungsgericht, die Rekurskommission verkenne, dass 

es  für  die  Zumutbarkeit  nicht  auf  die  allgemeinen  Verhältnisse  -  wie  den  Wandel  der 

Arbeitszeitregelung  in  den  letzten  30  Jahren  -  ankomme,  sondern  auf  die  jeweiligen 

konkreten  Umstände.  Die gleitende  Arbeitszeit  vermöge für  sich  allein  unter  dem Ge-

sichtspunkt von § 25 (Abs. 1) lit. a und § 26 Abs. 1 lit. b StG noch keinen Anspruch auf 

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Abzug der Mehrkosten auswärtiger Verpflegung zu begründen. Erst wenn die tatsächli-

che Arbeitspause so knapp bemessen sei, dass sie die Einnahme des häuslichen Mit-

tagessens  verunmögliche,  könne  dem  Steuerpflichtigen  nicht  (mehr)  zugemutet  wer-

den, die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung am Arbeitsort zu vermeiden. Diese 

Voraussetzungen seien im konkreten Fall nicht erfüllt. 

2.a) Im hier zu beurteilenden Fall konnte die Pflichtige über die Mittagspause 

(bzw.  die  lange  Abendpause  bei  gelegentlichen  Spätschichten)  nicht  mitbestimmen. 

Ihre  Arbeitszeiten  inklusive  Pausen  waren  in  einem  Einsatzplan  vorgegeben.  Die  lan-

gen Pausen waren dabei grossmehrheitlich auf 60 Minuten festgelegt (11.00 bis 12.00 

bzw. 12.00 bis 13.00 Uhr bei normalen Arbeitszeiten oder 16.00 bis 17.00 Uhr bei Ar-

beitszeiten  von  Mittag  bis  ca.  21.00  Uhr).  Dies  ist  ebenso  unbestritten  wie  die  Tatsa-

che,  dass  in  ihrem  Fall für  den  Fussweg  zwischen Wohn-  und  Arbeitsort  (hin  und  zu-

rück) 20 Gehminuten einzusetzen sind.  

Von  diesen  Zahlen  ausgehend  macht  die  Pflichtige  geltend,  dass  ihr  für  das 

Mittagessen zuhause effektiv nur max. 35 Minuten zur Verfügung gestanden hätten. Zu 

berücksichtigen  sei  nämlich,  dass  ihre  60minütige  Arbeitspause  vom  Verlassen  des 

Arbeitsplatzes  bis  zum  Wiedereintreffen  am  Arbeitsplatzes  daure;  sie  benötige  also 

auch noch Zeit für den Weg zur Garderobe im 1. Stock, für das Umziehen und für den 

Weg  zum  Ausgang.  Weil  Angestellte  in  Grossverteilern  bekanntermassen  in  Berufs-

kleidern arbeiten, ist für die Pflichtige eine Mittagspause zuhause tatsächlich mit einem 

zweimaligen  Umziehen  verbunden,  weshalb  mit  ihr  davon  auszugehen  ist,  dass  die 

Nettozeit für die Mittagsverpflegung zuhause um die 35 Minuten betragen würde. 

b)  Der  Verpflegungskostenabzug  ist  der  Pflichtigen  in  dieser  Ausgangslage 

zuzugestehen,  wenn  mit  ihr  davon  ausgegangen  wird,  eine  Nettozeit  von  35  Minuten 

sei  für  eine  Verpflegung  zuhause  als  unzumutbar  zu  qualifizieren.  Damit  ist  auch  be-

reits  gesagt,  dass  sich  die  ursprüngliche  Verweigerungsbegründung  des  Gemeinde-

steueramts (generell kein Abzug für auswärtige Verpflegung innerhalb des Gemeinde-

gebiets) nicht halten lässt. Entscheidend ist die zuhause verbleibende Nettozeit; diese 

kann selbstredend auch bei Wohnen und Arbeiten in der gleichen Gemeinde zu knapp 

bemessen sein (man denke etwa bei der hier betroffenen Gemeinde B an den Fall, wo 

der  im  Seebad  arbeitende  Badmeister  im  oberen  Gemeindeteil  wohnt).  Die  Ein-

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sprachebehörde hat diese Begründung der Gemeinde denn auch (zu Recht) verworfen 

und verweigerte den Abzug allein noch mit dem Hinweis auf das vorerwähnte Präjudiz 

des Verwaltungsgerichts, welches die Zumutbarkeitsgrenze bei 40 Minuten ansetze.  

c)  Wie  erwähnt  ist  der  Verpflegungskostenabzug  schweizweit  harmonisiert. 

Wann eine Rückkehr nach Hause zur Einnahme des Mittagsessens zumutbar ist, wird 

von  den  Kantonen  unterschiedlich  beurteilt.  Die Zürcher  Praxis  geht  davon  aus,  dass 

hierfür  40  Minuten  zur  Verfügung  stehen  sollten  (RB  1984  Nr.  36,  StRG,  Entscheid 

vom 19. August 2015, 2 DB.2015.84 + 2 ST.2015.109). Die Praxis in den anderen Kan-

tonen  ist  uneinheitlich  (vgl.  zur  nachfolgenden  Zusammenfassung:  Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, Art. 26 N 23 DBG): 

Im Kanton Graubünden ist eine Verpflegung zu Hause zumutbar, wenn für das 

Mittagessen zu Hause inkl. Hin- und Rückweg nicht mehr als 90 Minuten benötigt wer-

den  (unabhängig  davon,  ob  das  Essen  selbst  zuzubereiten  ist  oder  nicht),  wobei  die 

Aufenthaltsdauer  am  Mittagstisch  mindestens  30  Minuten  betragen  soll;  im  Kanton 

Bern  ist  eine  Verpflegung  zu  Hause  zumutbar,  wenn  die  Aufenthaltsdauer  zu  Hause 

mind.  30  Minuten  (wird  selbst gekocht: mind.  60  Minuten)  beträgt,  sofern  der  Zeitauf-

wand für den Hin- und Rückweg nicht grösser als die Aufenthaltsdauer zu Hause ist; im 

Kanton Glarus liegt die Distanz zwischen Arbeits- und Wohnort von 17 km, für die eine 

Fahrzeit zwischen 15 und 20 Minuten benötigt wird, im Grenzbereich des Zumutbaren, 

wenn  die  steuerpflichtige  Person  feste  Arbeitszeiten  mit  einer  üblichen  Ruhepause 

(i.d.R. von 1,5 Stunden) oder gleitende Arbeitszeit hat; im Kanton Basel Stadt darf die 

Zeit für den Arbeitsweg und die Verpflegung zu Hause (von 45 Minuten) nicht mehr als 

2 Stunden betragen, andernfalls die Verpflegung zu Hause unzumutbar ist; im Kanton 

Aargau  ist  eine  Aufenthaltsdauer  zu  Hause  von  42  Minuten  nicht  ausreichend,  und 

zwar auch dann, wenn das Essen nicht selbst zubereitet werden muss. 

Wenn die Zürcher Praxis die Zumutbarkeitsgrenze bei 40 Minuten ansetzt, ist 

dies  im  schweizweiten  Vergleich  eher  streng.  Unter  dem  Blickwinkel  einer  anzustre-

benden vertikalen und horizontalen Steuerharmonisierung sind damit keine Gründe für 

eine Verschärfung der hiesigen Praxis bzw. ein Verschieben der Zumutbarkeitsgrenze 

in  Richtung  30  Minuten  auszumachen.  Ist  im  vorliegenden  Fall  davon  auszugehen, 

dass der Pflichtigen aufgrund der arbeitgeberseitig vorgegebenen festen Mittagspause 

von 60 Minuten zuhause letztlich etwas weniger als 40 Minuten für die Verpflegung zur 

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Verfügung  stehen  würden,  liegt  damit  zwar  ein  Grenzfall  vor,  doch  ist  ihr  im  Rahmen 

einer  allein  auf  die  exakte  Zahl  von  40  Minuten  abstellenden  Gerichtspraxis  der  Ver-

pflegungskostenabzug zuzugestehen.  

d) Dafür, den Grenzfall zugunsten der Steuerpflichtigen zu entscheiden, spre-

chen zudem auch folgende Gründe: 

Die 40 Minuten-Praxis des Verwaltungsgerichts geht wie erwähnt auf die 50er-

Jahre zurück.  Nunmehr im Jahr 2018 angekommen stellt sich das Steuerrekursgericht 

erneut auf den Standpunkt, dass der Moment gekommen ist, diese Praxis dem Wandel 

der Zeit anzupassen: 

aa)  Die  alte  Praxis  gründete  etwas  überspitzt  ausgedrückt  auf  der  Annahme, 

dass alle Steuerpflichtigen verheiratet sind, die Ehefrau zuhause kocht und der berufs-

tätige  Ehemann  über  Mittag  für  ein  warmes  Essen  und  die  Mittagsnachrichten  zum 

Kreis der Familie stösst.  

Die Zeiten haben sich geändert. Bei verheirateten oder im Konkubinat leben-

den  Steuerpflichtigen  ist  es  seit  langem  eher  die  Regel,  dass  beide  berufstätig  sind. 

Grossmehrheitlich  können  folglich  weder  solche  Steuerpflichtige  noch  Alleinstehende 

(mit  und  ohne  Kinder)  über  Mittag  nachhause  "an  den  gemachten  Tisch".  Essen  zu-

hause  bedeutet  von  daher  in  der  Vielzahl  der  Fälle  auch  Zubereiten  des  Essens  zu-

hause, was selbst bei der Verwendung von Vorgekochtem oder heute weit verbreiteten 

Fertigprodukten entsprechend Zeit benötigt (z.B. für das Aufwärmen des Ofens). Gera-

de Zeit ist jedoch heutzutage ein rares Gut. Selbst wer im Rahmen von gleitender Ar-

beitszeit  bis  zu  zwei  Stunden  "Mittag  machen"  könnte,  tut  dies  häufig  nicht,  weil  eine 

kurze Mittagszeit den Vorteil bringt, abends früher heim zu kommen. In solchen Kons-

tellationen sind bei Steuerpflichtigen mit Kindern die Letzteren z.B. im Mittagshort und 

verlagert sich die Familienzeit mit dem gemeinsamen Essen folglich auf den Abend. 

Tendenziell ausgiebiger Zeit für das Mittagessen nehmen sich – wie dies bei-

spielsweise  auch  beim  Steuerrekursgericht  zu  beobachten  ist  –  Alleinstehende.  Die 

Steuerpflichtigen dieser Kategorie gehen aber für das Essen selbst bei nahem Wohnen 

nicht nachhause, sondern geniessen eine gesunde warme Mahlzeit in einem nahgele-

genen Restaurant oder aber besorgen sich beim Take-Away oder der Bäckerei um die 

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Ecke urbanen Trendfood oder ein klassisches Sandwich, wobei der Verzehr dann am 

Arbeitsort im Pausenraum oder bei schönem Wetter in einer nahen Parkanlage erfolgt. 

Grund  dafür mag  sein, dass  im  Single-Haushalt  das  Kochen für  nur  eine  Person  ver-

hältnismässig  viel  Aufwand  verursacht  und  zudem  (im  Vergleich  zum  klassischen 

Kochen  im  Mehrpersonenhaushalt)  auch  kaum  noch  Kostenersparnisse  bringt.  Ein 

weiterer Grund für das Essen am Arbeitsort gründet zudem im Bedürfnis nach sozialen 

Kontakten,  wobei  bei  einem  gemeinsamen  Mittagessen  mit  Arbeitskollegen  und  

-kolleginnen  von  einem  gemischten  Charakter  zwischen  "privat"  und  "geschäftlich" 

auszugehen ist. In gewissen Berufen und Branchen besteht in der heutigen Zeit auch 

ein gewisser Druck zum gemeinsamen Businesslunch (vergleichbar mit dem gewach-

senen Trend der ständigen Email-Erreichbarkeit auch in der privaten Zeit), an welchem 

alsdann auch Geschäftliches besprochen wird.  

Zu  erwähnen  ist  schliesslich  noch  die  ebenfalls  zur  heutigen  Zeit  passende 

Gruppe  der  Steuerpflichtigen,  die  (unabhängig  vom  Wohnort)  zum  Essen  etwas  von 

zuhause mitnehmen, um es dann bei einem Kurzlunch am Arbeitsplatz zu verspeisen; 

dies kann aus Kaloriengründen etwa ein Birchermüsli oder ein Fertigsalat sein, weil am 

Abend zuhause noch ein warmes Essen ansteht.  

Schliesslich haben sich über alle erwähnten Kategorien hinweg in den letzten 

Jahrzehnten auch die Essgewohnheiten stark verändert, wobei ungesunde wie gesun-

de Richtungen auszumachen sind; eindeutig ist bei allen Richtungen jedoch der Trend 

zum  schnellen  Essen  über  den  Mittag.  Dies  hängt  sodann  auch  mit  dem  heutigen 

grossen Angebot an Verpflegungsmöglichkeiten zusammen. Während früher vorab die 

Möglichkeiten "Essen zuhause", "Essen im Restaurant" oder "Essen in einer Kantine" 

bestanden  haben,  finden  sich  heute  in  den  Zentrumsgebieten  von  Gemeinden  und 

Städten – also dort, wo die meisten Arbeitsplätze sind – an jeder Ecke Gelegenheiten 

für  die  (günstige)  Schnell-Verpflegung  (Kebab-/Pizzastand,  Takeaway's,  Gourmessa-

Stand in allen Filialen der Grossverteiler etc.).  

bb)  Den  soeben  skizzierten  individuellen  Verpflegungsgewohnheiten  von 

Berufstätigen  der  heutigen  Zeit  kann  nun  freilich  entgegengehalten  werden,  dass  all 

dies  der  privaten  Lebenshaltung  zuzuordnen  ist.  Dieser  Ansatz  ist  indes  nicht  weiter-

führend,  weil  Verpflegungskosten  wie  bereits  ausgeführt  keine  eigentlichen  Gewin-

nungskosten sind, denn Essen muss der Mensch ober er nun arbeitet oder nicht. Nun 

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gesteht  aber  der  Gesetzgeber  unselbstständig  Erwerbstätigen  gleichwohl  einen  sol-

chen  Abzug  zu  und  dies  sogar  im  Rahmen  einer  Pauschalierung. Wie  bereits festge-

stellt, hat gerade diese Pauschalierung zur Folge, dass der Grossteil aller Steuerpflich-

tigen  den  Abzug  beanspruchen  kann,  obwohl  (wie  die  vorerwähnten  Verpflegungs-

beispiele aufzeigen) Mehrkosten heutzutage viel seltener anfallen, nämlich vorab beim 

auswärts Essen im Restaurant, welche Variante aber nur Wenige täglich wahrnehmen. 

Wird  der  Abzug  unter  der  einzigen  Voraussetzung  gewährt,  dass  der  Gang 

nachhause für das Mittagessen als unzumutbar zu betrachten ist, so ist unter diesem 

Aspekt der Zumutbarkeit der beschriebene Wandel der Zeit im Rahmen einer lebendi-

gen  Gerichtspraxis  sehr  wohl  zu  berücksichtigen.  Den  heutigen  Lebensgewohnheiten 

ist  damit  ebenfalls  Rechnung  zu  tragen  und  nicht  bloss  starr  darauf  abzustellen,  ob 

einem Steuerpflichtigen zuhause theoretisch exakt 40 Minuten für das Mittagessen zur 

Verfügung stehen würden. Die Steuerverwaltung wird denn auch kaum daran interes-

siert  sein,  bei  allen  unselbstständigerwerbenden Steuerpflichtigen  (die  den  Abzug  be-

anspruchen),  die  individuellen  Verhältnisse  im  Detail  (minutengenau)  zu  untersuchen 

und im Fall der substanziiert behaupteten Unzumutbarkeit womöglich noch Beweisver-

fahren  durchzuführen  (geht  jemand  mit  dem  Velo  nachhause  und  spart  so  noch  ein 

paar Minuten; hat jemand eine Mikrowelle und spart damit Aufwärmzeit etc.). 

cc)  Die  bestehende  Regelung  läuft  im  Übrigen  darauf  hinaus,  dass  letztlich 

nur  denjenigen  (wenigen)  Steuerpflichtigen  der  Abzug  verwehrt  wird,  welche  in  der 

Nähe des Arbeitsorts wohnen, während die viel Zahlreicheren, die sich auswärts ohne 

grosse  Mehrkosten  ernähren,  der  Abzug  ohne  weiteres  zugestanden  wird,  was  zu-

nächst an Rechtsungleichheit denken lässt. Wenn sodann insoweit gerade die Pendler 

profitieren, steht dies im Widerspruch zu den Herausforderungen der heutigen Zeit, in 

welcher die Pendlerströme mit Blick auf die Überlastung der öffentlichen Verkehrsmit-

tel,  die  täglichen  Verkehrsstaus  und  die  Luftverschmutzung  zum  Problem  geworden 

sind.  Dies  legt  es  wiederum  nahe,  im  Rahmen  des  hier  entscheidenden  Zumutbar-

keitsaspekts die Mobilität über Mittag nicht noch zu fördern, indem im Rahmen der Ab-

zugsvoraussetzung "sofern die Dauer der Arbeitspause die Heimkehr nicht ermöglicht" 

auch  die  Möglichkeit  der  PW-Nutzung  für  die  Mittagspause  miteinbezogen  wird,  wie 

dies im Rahmen der erwähnten kantonalen Präjudizien teilweise der Fall ist. 

1 ST.2017.242 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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dd) Berücksichtigt man in diesem Sinn auch den Wandel der Zeit, ist im vor-

liegenden Fall ohne weiteres nachvollziehbar, dass die (alleinstehende) Pflichtige ihre 

Hauptmahlzeiten am Arbeitsort bzw. im Ladenlokal , wo auch warme Mahlzeiten erhält-

lich sind, eingenommen hat. Die Variante "Essen zuhause in einer guten halben Stun-

de" erscheint als unzumutbar, ist sie doch eher mit Stress als mit Erholung über Mittag 

verbunden;  daran  vermag  auch  der  nicht  mehr  in  die  heutige  Zeit  passende  Hinweis 

auf  die  Möglichkeit  des  Vorkochens  am  Vorabend  nichts  zu  ändern.  Eher  wird  mal 

noch vorgekochtes Essen an den Arbeitsplatz mitgenommen. 

3.  a)  Zusammenfassend  steht  fest,  dass  der  Pflichtigen  der  Verpflegungs-

kostenabzug  zu  Unrecht  verweigert  worden  ist.  Die  entsprechende  steuerbehördliche 

Aufrechnung  ist  damit  zurückzunehmen  bzw.  das  steuerbare  Einkommen  gemäss 

Deklaration auf Fr. 38'400.- festzusetzen. 

b)  Diese  Erwägungen  führen  zur  Gutheissung  des  Rekurses.  Ausgangsge-

mäss sind die Kosten des Verfahrens dem Rekursgegner aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 

StG).  

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Die Rekurrentin wird für die Staats- und Gemeinde-

steuern,  Steuerperiode  2016,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 38'400.- 

und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 2'000.- eingeschätzt (Tarif gemäss § 35 

Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif). 

[…] 

1 ST.2017.242