# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** add0bb13-5f0b-5d76-9e00-d0d4992e7e88
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-04-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 16.04.2010 IV 2008/422
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-422_2010-04-16.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/422

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 14.07.2020

Entscheiddatum: 16.04.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 16.04.2010
Art. 43 ATSG. Sachverhaltsermittlung im Rahmen einer 
Invaliditätsbemessung mittels Einkommensvergleichs. Überzeugungskraft 
sich widersprechender Aussagen von behandelnden Ärzten und von 
unabhängigen medizinischen Sachverständigen bzw. von unabhängigen 
medizinischen Sachverständigen unter sich (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. April 2010, IV 
2008/422).

Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen

Miriam Lendfers und Monika Gehrer-Hug; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 16. April 2010

in Sachen

F.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell, Poststrasse 23, Postfach 1544, 

9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.   

F.___ (Jg. 1963) meldete sich am 15. September 2004 zum Bezug von IV-Leistungen 

an. Sie gab dabei u.a. an, sie habe keinen Beruf erlernt. Dr. med. A.___ berichtete der 

IV-Stelle am 27. September 2004, die Versicherte leide an einer chronischen 

Neurasthenie, an einer chronischen Depression, an einem chronischen 

Lumbovertebralsyndrom, an einer Fibromyalgie und an einer psychosozialen 

Problematik. Sie klage seit Jahren über körperliche Müdigkeit, Erschöpfung und 

zunehmende Gliederschmerzen. Ausserdem zeige sie ein deutlich depressives 

Zustandsbild. Sie lebe allein mit fünf Kindern. Durch die Arbeit als Hausfrau sei sie 

völlig überfordert. Sie könne höchstens zu 50% eine Arbeit übernehmen. Der 

Chiropraktor Dr. B.___ hatte dem Hausarzt Dr. med. A.___ am 6. März 2004 mitgeteilt, 

die Versicherte leide an einem panvertebralen Schmerzsyndrom, fraglich spondylogen 

im thorakalen/lumbalen Bereich mit/bei deutlichen Spondylarthrosen und einer kleinen 

mediolateralen DH lumbosakral und einem St. n. M. Scheuermann. Die Behandlung sei 

abgebrochen worden, weil die Versicherte angegeben habe, die Beschwerden hätten 

eher zugenommen. Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen hatte dem 

Hausarzt am 19. August 2003 berichtet, es bestehe ein chronifiziertes 

Schmerzsyndrom unklarer Aetiologie bei V. a. somatoforme Überlagerung. Zudem liege 

eine depressive Störung vor. Weder klinisch-neurologisch noch elektroneurographisch 

hätten sich Hinweise für eine Polyneuropathie gefunden. Bei der subdepressiv 

erscheinenden Versicherten, die selbst angebe, eine Verbesserung der 

Schmerzproblematik unter antidepressiven Behandlung mit Fluoxetin erfahren zu 

haben, sei von einer somatoformen Überlagerung bei einem chronifizierten 

Schmerzsyndrom im Rahmen einer depressiven Störung auszugehen. Das 

Röntgeninstitut C.___ hatte am 30. September 2002 berichtet, es liege eine medio-

lateral-linksseitige Diskushernie Th11/12 mit Forameneinengung und minimalster 

Impression des Duralsacks vor. An den Wirbelkörpern zeigten sich ausgeprägte 

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Scheuermannveränderungen. Die IV-Stelle gab ein rheumatologisches und 

psychiatrisches Gutachten in Auftrag.

B.   

B.a Dr. med. D.___ führte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 27. Oktober 2006 

aus, die Versicherte habe im Alter von zehn Jahren zusehen müssen, wie ihre Mutter 

bei einem Autounfall verblutet sei. Dadurch habe sich ihr Leben einschneidend 

verändert. Sie habe ein tiefes Gefühl von Einsamkeit empfunden. In der Schule habe 

sie die Entführung und Ermordung einer Schülerin miterlebt. Sie habe begonnen, diese 

traumatischen Erlebnisse im Spiel nachzuleben. Nach dem Abbruch des Gymnasiums 

habe sie in einem Altersheim als Mädchen für alles gearbeitet. Obwohl sie überfordert 

gewesen sei, habe es sich um ihre glücklichste Zeit gehandelt, weil sie für andere habe 

da sein und ihre eigenen Bedürfnisse gänzlich zurückstellen können. Mit 21 Jahren 

habe sie geheiratet und in der Folge vier Kinder geboren. Bei einer Fehlgeburt im Jahr 

1990 habe sie erneut eine Konfrontation mit dem Tod erlebt. Danach habe sie vermehrt 

an Schwächeanfällen und tagelang andauernden Erschöpfungszuständen gelitten. Der 

Gutachter führte aus, im Vordergrund stünden die Klagen über eine schnelle 

Erschöpfbarkeit bei körperlicher Arbeit. Haushaltsarbeiten müssten nach spätestens 

zwei Stunden eingestellt werden. Die Versicherte fühle sich dann leer und ausgelaugt, 

könne sich nicht mehr konzentrieren und habe ein unüberwindbares Schlafbedürfnis. 

Diese Zustände träten unvermittelt, ohne Ankündigung und ohne äusseren Grund auf. 

Sie seien begleitet von unspezifischen Schmerzen am ganzen Körper. Manchmal 

könne die Versicherte die Arbeit nach einer halben Stunde wieder aufnehmen, 

manchmal hielten diese Zustände aber auch einige Tage an. Der Gutachter stellte die 

Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere 

Episode. Er führte weiter aus, nach dem Tod der Mutter habe die Versicherte zahlreiche 

neurotische Symptome entwickelt. Das neurotische Verhalten habe meist eine Form 

des Leidens und der Selbstbestrafung zum Inhalt. Es müsse als fehlgeschlagene 

Verarbeitung des erlittenen Traumas interpretiert werden. Die Versicherte habe sich für 

die Familie und die Arbeit aufgeopfert, habe ihre eigenen Interessen zurückgestellt und 

sich oft überfordert. Grenzen seien ihr nur durch die auftretenden Schmerzen und die 

Erschöpfungszustände gesetzt worden. Die Bedingungen für ein somatisches Syndrom 

seien nicht gegeben. Es sei nicht entscheidend, die differentialdiagnostische Frage zu 

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beantworten, ob ein CFS oder eine Depression vorliege. Aus rein psychiatrischer Sicht 

betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 50%. In einer der Behinderung 

angepassten Tätigkeit (Arbeit im gewohnten Bereich oder in einem vertrauten Umfeld) 

könnte eventuell eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Empfehlenswert 

sei eine kognitiv verhaltenstherapeutisch orientierte Psychotherapie. Die bis anhin 

minimale Dosis von Fluoxetin sollte erhöht werden.

B.b Dr. med. E.___ berichtete im Gutachten vom 30. November 2006, die Versicherte 

habe angegeben, das gesundheitliche Hauptproblem seien die "Schwächeanfälle". 

Diese träten annähernd täglich auf und dauerten zwischen wenigen Stunden und 

eineinhalb Tagen. Die Versicherte sei diesen Anfällen hilflos ausgeliefert. Sie fühle sich 

dann wie im Fieber, fröstle und habe sehr kalt. Von Kopf bis Fuss tue alles weh und sie 

fühle sich ganz steif. Sie sei im Kopf benebelt und schwindlig, habe Mühe zuzuhören 

und etwas im Gedächtnis zu behalten. Der Gutachter gab an, er habe während der 

Untersuchung nur selten averbale, Sitzentlastungsbemühungen vermittelnde 

Schmerzäusserungen beobachtet. Die Versicherte habe ihren Bewegungsapparat 

allgemeinen behutsam-zögerlich bewegt und belastet. Dabei sei nichts aufgefallen, das 

auf eine konkrete Pathologie hingewiesen hätte. Der Gutachter stellte folgende 

Diagnose: kein krankheitsrelevantes organmedizinisches Leiden, radiologisch 

degenerative Segmenterkrankung L5/S1 und Th11/12 (krankmachender Stellenwert 

fraglich). Er führte dazu aus, die Versicherte habe prioritär die Leidensgeschichte eines 

chronischen Müdigkeitssyndroms mit den Kardinalsymptomen nicht-schlaferholsame 

Müdigkeit und Schwächeanfälle mit physisch und mental invalidisierend berichteten 

Leistungseinbrüchen verlauten lassen. Die Entstehungshintergründe und das langjährig 

qualitativ gleichwertige Symptomangebot schlössen ein im organmedizinischen 

angesiedeltes Leiden weitgehend aus. Soweit die angegebenen chronischen 

Schmerzbeschwerden unspezifisch-generalisierend und syndrombezugnehmend 

geschildert würden, seien sie Begleitsymptome der Grundstörung. Die auf dem 

Konsens der beiden Gutachter beruhende Arbeitsunfähigkeit betrage 50%.

C.   

Am 19. Juni 2007 erfolgte eine Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden 

Bericht war die Versicherte bis zur Trennung von ihrem Ehemann im Jahr 2002 

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ausschliesslich Familienfrau gewesen. Noch bis 2012 hatte sie ein Wohnrecht im 

Einfamilienhaus, das dem Ehemann gehörte. Der Mietzins von Fr. 1400.- wurde von 

den Unterhaltsleistungen des Ehemannes in Abzug gebracht. Die Versicherte erhielt Fr. 

900.- monatlich und zusätzlich zweimal Fr. 750.- für den Kinderunterhalt, wobei ein 

Drittel des Lehrlingslohns abgezogen wurde. Bar ausbezahlt erhielt die Versicherte ca. 

Fr. 800.- monatlich. Die mit im Haus wohnende Schwiegermutter beteiligte sich mit Fr. 

650.- monatlich an den Miet- und Haushaltskosten. Nur noch zwei Kinder (Jg. 1988 

und 1993) lebten bei der Versicherten. Mit einer leichten Arbeit in der Abtei G.___hatte 

die Versicherte im Jahr 2004 Fr. 6700.- brutto verdient. Die Abklärungsperson wies 

darauf hin, dass die Versicherte "je länger je mehr" einen Vollerwerb anstreben müsse. 

Da sie im Erwerb und im Haushalt zu 50% arbeitsunfähig sei, könne eine Aufteilung in 

die beiden Bereiche unterbleiben. Dr. med. H.___ vom RAD empfahl am 3. Juli 2007, 

die Versicherte zu einer schadenmindernden psychiatrisch-psychotherapeutischen 

Therapie zu verhalten. Die IV-Stelle forderte die Versicherte auf, bis 31. August 2007 

den behandelnden Psychiater bekanntzugeben. Der von der Versicherten angegebene 

Dr. med. I.___ berichtete am 13. Mai 2008, die Versicherte leide an einer Neurasthenie 

(ICD-10 F48.0) und – als Komorbidität – an einer rezidivierenden depressiven Störung, 

gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1). Seit mehreren Jahren bestehe eine 

hochgradige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Der Zeitpunkt des Eintritts dieser 

Beeinträchtigung sei nicht eindeutig bestimmbar. Die Leistungsfähigkeit sei zu 90% 

vermindert und zwar im Haushalt wie am Arbeitsplatz. Im Hinblick auf das depressive 

Syndrom sei es in der letzten Zeit eher zu einer Verschlechterung gekommen. Es sei zu 

bedenken, dass es sich um eine bereits zuvor chronisch verlaufende Störung handle. 

Die Etablierung einer optimalen Psychopharmakotherapie stehe noch bevor. Damit 

solle zumindest eine relative Besserung und Linderung der Schmerzen erreicht werden. 

Dr. med. K.___ vom RAD schlug am 7. April 2008 vor, den Beginn der 

Arbeitsunfähigkeit auf den 1. April 2002 zu setzen, als die Versicherte sich von ihrem 

Ehemann getrennt habe. Sie empfahl eine erneute psychiatrische Abklärung.

D.   

Der Psychiater Dr. med. L.___ führte in seinem Gutachten vom 28. April 2008 aus, die 

Versicherte habe die Aussentreppe zur Praxis nur von links und rechts durch zwei 

Hilfspersonen abgestützt überwinden können. Sie habe einen extrem gehbehinderten 

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Eindruck gemacht, allerdings seien keine Krücken zu sehen gewesen. Den Gang von 

der Haustür zum Untersuchungszimmer habe die Versicherte zwar allein bewältigt, 

aber die einzige Treppenstufe habe sie überwunden, indem sie das rechte Bein mit 

dem Arm hochgehoben habe. Trotzdem habe sie im Verlauf der Untersuchung 

angegeben, sie fahre noch Auto und sie gehe mit den Hunden spazieren. Längere Zeit 

zu sitzen sei für sie das Schlimmste. Während der Untersuchung habe die Versicherte 

immer wieder die Gelegenheit gehabt, kurz aufzustehen und einige Schritte zu gehen. 

Die Gehschwäche sei danach aber eher verstärkt als abgeschwächt gewesen. Die 

Grundstimmung sei ausgeglichen und erstaunlich heiter bis fröhlich gewesen. Affektiv 

habe er die Versicherte als sehr schwingungsfähig erlebt, der emotionale Ausdruck sei 

fast durchwegs auf der positiven Seite gewesen. Nur einmal sei ein Hauch von 

Betroffenheit aufgefallen. Die Affektlage habe im Sinn einer belle indifférence 

entkoppelt gewirkt. Sie sei mit den angegebenen und gezeigten Beschwerden nicht in 

Einklang zu bringen gewesen. Die Versicherte habe folgende Beschwerden angegeben: 

Schwächezustände, Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen 

unterschiedlichen Ausmasses, Kopfschmerzen, wandernde Schmerzen von Kopf bis 

Fuss und eine Unfähigkeit zur Entspannung. In bezug auf die Therapie bei Dr. med. 

I.___ scheine es nach den vorgeschriebenen sechs Monaten zu einem Abschluss zu 

kommen, ohne dass ein therapeutischer Durchbruch hätte erzielt werden können. Die 

verschiedenen Antidepressiva hätten der Versicherten nach deren eigenen Angaben 

schlecht getan, sie habe sie nicht ertragen. Sie habe kürzlich die letzte eingenommen. 

Der Gutachter führte weiter aus, er habe mit den beiden Vorgutachtern telephonieren 

wollen, aber nur mit Dr. med. E.___ sprechen können. Dieser habe den Eindruck 

bestätigt, dass der Psychostatus im Teilgutachten von Dr. med. D.___ nicht mit dessen 

Schlussfolgerungen übereingestimmt habe. Der Gutachter gab folgende Diagnosen an: 

kombinierte Störung aus dem Formenkreis der neurotischen, Belastungs- und 

somatoformen Störungen (ICD-10 F4) mit Anteilen einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0, 

allgemeine Schwächezustände, Unfähigkeit zur Entspannung), einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4, wandernde Schmerzen mit immer 

wieder subjektiv hohem Intensitätsgrad) sowie aufgrund der aktuellen Untersuchung 

vor allem einer dissoziativen Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4, an eine Beinlähmung 

erinnernde Gehstörung) bei einer vorbestehenden Persönlichkeit mit ausgesprochen 

histrionischen (die Art, die "Krankheit" als eine solche darzustellen, die 34 vergangenen 

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Behandlungen und bald auch der aktuellen Behandlung getrotzt habe, macht die 

"Krankheit" und deren Trägerin zu etwas Bedeutsamem) und wohl auch etwas unreifen 

Zügen. Die in ihren Anteilen variabel auftretende Störung sei wohl seit der Fehlgeburt 

1990 klinisch manifest geworden. Die im Vorgutachten diagnostizierte depressive 

Erkrankung lasse sich nicht mehr feststellen. Für den aktuellen Beschwerdeverlauf 

dürfte nicht der frühe Tod der Mutter, sondern die histrionische Persönlichkeitsstruktur 

verantwortlich sein. Seine Beurteilung schloss der Gutachter mit folgender Aussage ab: 

"Die diagnostizierten Störungen rechtfertigen – bei Fehlen der üblichen somatischen, 

psychischen und sozialen Komorbiditätsfaktoren – keine bleibende Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit (auch keine partielle), wobei diese allerdings aufgrund des langjährigen 

'Krankheits'-Verlaufs praktisch schwierig zu realisieren sein dürfte". Zur Frage nach der 

Arbeitsfähigkeit führte er zudem aus: "Die medizinisch (theoretisch) von der 

diagnostizierten Störung her nicht vorhandene bleibende Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit der Versicherten kontrastiert diametral mit deren subjektivem 

'Krankheits'-Verständnis und auch der Tatsache, dass sie bald 35 Therapieversuche 

erfolgreich zum Scheitern gebracht haben wird".

E.  

Dr. med. K.___ vom RAD schlug am 22. Mai 2008 vor, als Beginn der Arbeitsunfähigkeit 

den September 2003 anzunehmen. Sowohl für die angestammte als auch für eine 

adaptierte Tätigkeit sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50% anzunehmen, allerdings nur 

bis zur neuerlichen Begutachtung am 28. April 2008. Ab diesem Zeitpunkt sei eine 

Arbeitsfähigkeit von 100% anzunehmen. Mit einem Vorbescheid vom 1. Juli 2008 teilte 

die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentengesuch 

abzuweisen. Die Versicherte liess am 12. August 2008 durch die Pro Infirmis 

einwenden, sie könne maximal 20 Std. monatlich arbeiten. Es sei ihr unmöglich, zu 

100% zu arbeiten, auch wenn sie als Folge der Scheidung aus finanziellen Gründen 

eigentlich dazu gezwungen wäre. Dr. med. L.___ hätte unbedingt mit Dr. med. D.___ 

und Dr. med. I.___ Rücksprache nehmen müssen, um die Differenzen zu klären. Zudem 

habe er keine testpsychologische Beurteilung vorgenommen und er habe auch keinen 

Kontakt mit der Arbeitgeberin aufgenommen. Das Gutachten von Dr. med. L.___ erfülle 

deshalb die Kriterien der Rechtsprechung nicht. Da jedenfalls bis 28. April 2008 eine 

Arbeitsunfähigkeit von 50% bestanden habe, müsse für die Zeit davor ein 

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Rentenanspruch bestehen. Dieser Stellungnahme lag ein Bericht von Dr. med. I.___ 

vom 7. August 2008 bei, laut dem primär eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) mit dem 

symptomatischen Schwerpunkt auf Gefühlen von körperliche Schwäche, Ermüdung 

und Erschöpfung nach oftmals geringen Anstrengungen vorlag. Dr. med. I.___ hatte 

weiter ausgeführt, es sei schwierig zu beurteilen, ob als Komorbidität eine affektive/

depressive Störung vorliege, weil gemäss ICD-10 für die Klassifikation einer 

depressiven Episode ein Zeitraum von 14 Tagen verlangt werde. Im Verlauf der 

Behandlung habe er eher den Eindruck gewonnen, dass es sich um ausgeprägte, aber 

rasch, oftmals innerhalb eines Tages wechselnde Stimmungsschwankungen handle. 

Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei eingeschränkt und schwankend. Dass die 

Versicherte überhaupt noch arbeiten könne, sei zu einem grossen Teil dem Arbeitgeber 

zu verdanken. Dr. med. K.___ vom RAD hielt dazu am 22. August 2008 fest, die von der 

neurologischen Abteilung des Kantonsspitals St. Gallen am 19. August 2003, vom 

Hausarzt am 27. September 2004 und im ersten Gutachten vom 27. Oktober 2006 

angegebene depressive Störung sei in einer Zeit aufgetreten, in der wegen der 

Scheidung, der Trennung von zwei erwachsenen Kindern und der pubertierenden 

Pflegetochter Konflikte aufgetreten seien, die durchaus zu einer depressiven 

Symptomatik hätten führen können. Mittlerweile habe die Versicherte die 

Umbruchsituation bewältigt. Dem Gutachten vom 28. April 2008 sei zu entnehmen, 

dass mittlerweile keine depressive Symptomatik mehr bestehe. Limitierend sei nun eine 

Neurasthenie, die schon immer bestanden habe, die aber keineswegs eine so hohe 

Arbeitsunfähigkeit wie im Vorgutachten angegeben bestätigen könne. Weiter lägen eine 

dissoziative Bewegungsstörung bei einer Persönlichkeit mit histrionischen und unreifen 

Zügen und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor. Da keine relevante 

psychiatrische Komorbidität mehr bestehe, sei auch die somatoforme Schmerzstörung 

als Gesundheitsschaden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einzuordnen. Also 

sei eine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu verzeichnen. Dr. med. I.___ 

habe am 7. August 2008 seine eigene frühere Einschätzung in Frage gestellt, denn am 

13. März 2008 habe er noch eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Jetzt 

habe er nämlich angegeben, es handle sich um wechselnde Stimmungsschwankungen. 

Aus dem Gutachten von Dr. med. L.___ gehe eine neurotische Tendenz der 

Versicherten hervor, sich selbst in überfordernde Situation zu manövrieren und dabei 

eine Art von Glück zu finden. Nur im Rahmen ihrer Schmerzen und ihrer Müdigkeit fühle 

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sich die Versicherte legitimiert, Hilfe aus dem Familien- und Freundeskreis zu 

mobilisieren. Ein sekundärer, nicht IV-relevanter Krankheitsgewinn sei unübersehbar. 

Mit einer Verfügung vom 9. September 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab.

F.  

Die Versicherte liess am 22. September 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es 

seien ihr die ihr gesetzlich zustehenden Leistungen zuzusprechen; zumindest sei ihr 

nach Ablauf des Wartejahres ab September 2004 bis zur Änderung des 

Invaliditätsgrades im April 2008 eine Rente zuzusprechen. Zur Begründung wurde 

ausgeführt, die IV-Stelle sei nicht darauf eingetreten, dass in den Jahren 2003 bis 2006 

eine depressive Symptomatik vorgelegen habe und dass dann eine relevante 

Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei.

G.   

Die IV-Stelle beantragte am 12. November 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie 

machte geltend, alle Gutachter und alle behandelnden Ärzte seien sich einig, dass nur 

ein psychisches Leiden vorliege. Ob dieses Leiden nun Neurasthenie, Fibromyalgie, 

CFS oder anhaltende somatoforme Schmerzstörung heisse, könne offen bleiben, denn 

es bestehe die Vermutung, dass diese Krankheit keine Arbeitsunfähigkeit bewirke, die 

eine Invalidität auslösen würde. Die Krankheitsfolgen seien nämlich durch eine 

zumutbare Willensanstrengung überwindbar. Nur im Ausnahmefall sei eine Invalidität 

anzunehmen. Ein Ausnahmefall sei insbesondere dann anzunehmen, wenn eine 

psychische Komorbidität von erheblicher Schwere bestehe. Das sei nicht der Fall. 

Vorübergehende leichte depressive Episoden oder Stimmungsschwankungen reichten 

nicht aus. Unabhängig davon, ob sich die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit 

zwischen 2004 und 2008 verändert habe, sei aus juristischer Sicht durchgehend von 

einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen.

H.   

Die Versicherte liess am 27. November 2008 einwenden, zumindest für die Zeit von 

September 2003 bis April 2008 sei eine psychische Komorbidität von erheblicher 

Schwere ausgewiesen. In dieser Zeit habe nämlich eine mittelschwere Depression 

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bestanden. Im übrigen seien andere Kriterien eines Ausnahmefalles als die psychische 

Komorbidität erfüllt. Es sei der Versicherten trotz einer zumutbaren Willensanstrengung 

nicht gelungen, die Krankheit zu überwinden. Das Leiden bestehe seit 1990, so dass 

von einem mehrjährigen chronischen Verlauf ohne längerdauernde Besserung 

auszugehen sei. Ausserdem liege ein sozialer Rückzug vor. Trotz vieler Therapien habe 

sich der Zustand nicht gebessert. Die Versicherte habe kooperativ und motiviert bei der 

Psychotherapie mitgewirkt.

I.  

Die IV-Stelle verzichtete am 5. Dezember 2008 auf eine Stellungnahme zur Replik.

Erwägungen:

1. Die Beschwerdegegnerin hat die Frage nach der anwendbaren Methode der 

Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich Art. 16 ATSG, Betätigungsvergleich Art. 

8 Abs. 3 ATSG, sogenannte gemischte Methode Art. 28a Abs. 3 IVG) offen gelassen, 

da die Beschwerdeführerin sowohl im Haushalt wie im Erwerb zu 50% arbeitsfähig sei. 

Immerhin ist im Abklärungsbericht darauf hingewiesen worden, dass die 

Beschwerdeführerin "je länger je mehr" einen Vollerwerb hätte anstreben müssen. Bei 

ihrem Verzicht auf eine abschliessende Klärung des Status der Beschwerdeführerin 

(nur erwerbstätig, nur im Haushalt tätig, gemischt im Erwerb und im Haushalt) hat die 

Beschwerdegegnerin übersehen, dass die Anwendung der gemischten Methode nach 

der bundesgerichtlichen Praxis auch bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% im 

Erwerb und im Haushalt relevant wäre, denn anders als beim reinen 

Einkommensvergleich und beim reinen Betätigungsvergleich, die auf jeden Fall einen 

rentenbegründenden Invaliditätsgrad liefern würden, hätte ein Arbeitsfähigkeitsgrad 

von 50% im Erwerb und im Haushalt nach der gemischten Methode wohl einen unter 

40% (Art. 28 IVG) liegenden Invaliditätsgrad zur Folge. Deshalb muss die "Statusfrage" 

beantwortet werden. Nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis ist die Frage, ob eine 

versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden im Haushalt tätig wäre oder einer 

Erwerbstätigkeit nachginge, anhand der hypothetischen Verhaltensweise dieser 

versicherten Person im fiktiven "Gesundheitsfall" zu beantworten. Dabei ist abzuklären, 

ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die 

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gesamten Umstände persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art erwerbstätig 

oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sind auch eine allfällige finanzielle 

Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige 

Erziehungs- oder Betreuungsaufgaben, das Alter und die beruflichen Fähigkeiten, 

Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (vgl. etwa BGE 125 V 150). Dem 

Wortlaut, der – erweiterten – Entstehungsgeschichte und insbesondere dem Sinn und 

Zweck des Art. 8 Abs. 3 ATSG gemäss müsste allerdings auf die objektive 

Zumutbarkeit der Ausübung einer Erwerbstätigkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" 

abgestellt werden. Das Bundesgericht hat dieses Interpretationsergebnis - ohne 

überzeugende Begründung - in konstanter Praxis als falsch qualifiziert (vgl. etwa das 

Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2007, I 126/07). Die Beschwerdeführerin hat 

seit 2002 von ihrem Ehemann getrennt gelebt. Sie hat für zunächst fünf Kinder, 

schliesslich noch für zwei Kinder gesorgt. Die Unterhaltsleistungen des Ehemannes 

haben gemäss der Abklärung vom 19. Juni 2007 von Anfang an nicht ausgereicht, um 

den Unterhalt der Beschwerdeführerin und der Kinder zu decken. Das älteste Kind war 

im Jahr 2003 18-jährig, das jüngste 10-jährig. Angesichts des in diesem Alter 

reduzierten persönlichen Betreuungsbedarfs der Kinder, der zudem teilweise durch die 

im Haus lebende Schwiegermutter der Beschwerdeführerin wenigstens insofern hätte 

gedeckt werden können, dass die Kinder nur selten allein zuhause gewesen wären, 

wäre es der Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall objektiv betrachtet 

zumutbar gewesen, vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, zumal sie ihre 

Arbeit als Reinigungsfrau zeitlich einigermassen frei hätte einteilen können. 

Insbesondere angesichts der prekären finanziellen Situation nach der Trennung vom 

Ehemann und angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin als ungelernte 

Arbeitnehmerin im fiktiven "Gesundheitsfall" nur ein bescheidenes Erwerbseinkommen 

hätte erzielen können, so dass bei einem Verzicht auf die volle Ausnützung der 

Erwerbsfähigkeit eine Sozialhilfeabhängigkeit gedroht hätte, muss auch nach der 

bundesgerichtlichen Praxis von einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit ausgegangen 

werden. Da zwischen 2003 und 2008 nacheinander drei der Kinder ausgezogen sind 

und da die verbleibenden Kinder mit zunehmendem Alter immer weniger auf eine 

persönliche Betreuung durch die Beschwerdeführerin angewiesen gewesen sind, hätte 

die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" im Verlauf der hier massgebenden 

Periode 2003 bis 2008 immer weniger Veranlassung gehabt, ihre Arbeitskraft nicht 

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vollumfänglich in einer Erwerbstätigkeit zu verwerten. Der Invaliditätsgrad der 

Beschwerdeführerin ist somit auf jeden Fall anhand eines reinen 

Einkommensvergleichs zu ermitteln.

2.  

Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das eine versicherte Person nach dem 

Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und 

allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung 

zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn 

sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das Valideneinkommen bemisst 

sich also nach der hypothetischen beruflichen Karriere einer versicherten Person im 

fiktiven "Gesundheitsfall". Die Beschwerdeführerin hat zwar einige Jahre das 

Gymnasium besucht, dieses aber vorzeitig abgebrochen und in der Folge keinen Beruf 

erlernt. Bis zur Trennung von ihrem Ehemann ist sie ausschliesslich als Familienfrau 

tätig gewesen. Trotz der Erkrankung hat sie dann eine Arbeit im Bereich der 

Haushaltreinigung aufgenommen. Dabei handelt es sich nicht um jene berufliche 

Karriere, welche die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" eingeschlagen 

hätte, denn aufgrund des mit dem Besuch des Gymnasiums demonstrierten 

intellektuellen Potentials muss davon ausgegangen werden, dass die 

Beschwerdeführerin an sich in der Lage gewesen wäre, im fiktiven "Gesundheitsfall" 

nach der Trennung vom Ehemann und dem damit verbundenen Zwang zur 

wirtschaftlichen Selbständigkeit eine qualifizierte Berufsausbildung nachzuholen. Selbst 

wenn sie aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation nach der Trennung auf eine 

Berufsausbildung hätte verzichten müssen, wäre sie imstande gewesen, mittelfristig 

eine qualifizierte Erwerbstätigkeit auszuüben, denn der berufliche Werdegang ist längst 

nicht mehr an Berufsabschlüsse, Diplomen usw. gebunden. Es wäre der 

Beschwerdeführerin also auch ohne nachgeholte Berufsausbildung mit ausreichender 

Wahrscheinlichkeit möglich gewesen, im fiktiven "Gesundheitsfall" ein 

Erwerbseinkommen zu erzielen, das höher gewesen wäre als der effektiv erzielte 

Stundenlohn oder als der Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen. Das zwingt dazu, 

das Valideneinkommen nicht anhand des an der konkreten Stelle bei einem 

Beschäftigungsgrad von 100% erzielbaren Lohns oder anhand des Zentralwerts der 

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Löhne von Hilfsarbeiterinnen gemäss der Tabelle TA1 der Lohnstrukturerhebung des 

Bundesamtes für Statistik zu bemessen. Mangels eines präziseren Massstabs ist auf 

den Zentralwert der Löhne von Frauen mit Berufs- und Fachkenntnissen abzustellen. 

Dieser Zentralwert beläuft sich gemäss der Lohnstrukturerhebung 2002 auf Fr. 4743.-, 

umgerechnet von 40 auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,7 

Wochenarbeitsstunden auf Fr. 4944.60 bzw. Fr. 59'335.-. Beim Einkommensvergleich 

ist also von einem Valideneinkommen in dieser Höhe auszugehen.

3.  

3.1  Die zumutbare Invalidenkarriere entspricht nicht der von der Beschwerdeführerin 

effektiv ausgeübten Erwerbstätigkeit im Kloster G.___. Das gilt nicht nur für den 

Beschäftigungsgrad, sondern auch für die fachlichen Anforderungen der Arbeit und 

damit für das Lohnniveau. Die Beschwerdeführerin übt eine Erwerbstätigkeit aus, die 

als klassische Hilfsarbeit zu qualifizieren ist. Damit stellt sich die Frage, ob die 

Beschwerdeführerin durch ihre Krankheit daran gehindert ist, ihre intellektuellen 

Ressourcen erwerblich umzusetzen und einer qualifizierteren Arbeit nachzugehen, für 

die ihr auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausreichend Stellen zur 

Verfügung stünden. Sowohl Dr. med. D.___ als auch Dr. med. L.___ haben keine – 

objektiv vorhandenen oder auch nur subjektiv empfundenen - psychischen 

Beeinträchtigungen angegeben, die geeignet wären, die intellektuelle 

Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin spürbar herabzusetzen. Diesbezüglich 

besteht also keine krankheitsbedingte Einschränkung, so dass es der 

Beschwerdeführerin möglich und zumutbar gewesen wäre, nach der Trennung vom 

Ehemann eine qualifiziertere und damit besser entlöhnte Arbeit anzunehmen. Die 

Tatsache, dass die Beschwerdeführerin durchgehend eine unqualifizierte Hilfsarbeit 

ausgeübt hat, ist also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den realen und 

aktuellen Arbeitsmarkt in der Zeit seit 2002 zurückzuführen, der es der 

Beschwerdeführerin verunmöglicht hat, ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit unter voller 

Ausnützung ihrer intellektuellen Fähigkeiten und damit ihres Lohnpotentials 

einzusetzen. Da auf das zumutbare Invalideneinkommen und nicht auf das effektiv 

erzielte Erwerbseinkommen abzustellen ist, muss zur Bemessung des 

Invalideneinkommens auf die objektiv noch bestehende erwerbliche Leistungsfähigkeit 

und deren - hypothetische - Verwertung auf dem allgemeinen und ausgeglichenen 

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Arbeitsmarkt abgestellt werden. Deshalb besteht die zumutbare Invalidenkarriere der 

Beschwerdeführerin ebenfalls in einer Erwerbstätigkeit, die Berufs- und Fachkenntnisse 

voraussetzt. Bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ist deshalb von 

einem Jahreseinkommen von Fr. 59'335.- auszugehen.

3.2  Damit fehlt als letztes Element zur Bemessung des Invalideneinkommens und 

damit im Ergebnis des Invaliditätsgrades die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in 

einer adaptierten Erwerbstätigkeit. Zur Arbeitsfähigkeit liegen divergierende Aussagen 

vor. Dr. med. D.___ hat in seinem Gutachten vom 27. Oktober 2006 eine 

Arbeitsfähigkeit von 50% angegeben. Dr. med. L.___ ist in seinem Gutachten vom 28. 

April 2008 von einer vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit ausgegangen und der 

behandelnde Psychiater Dr. med. I.___ hat die Arbeitsunfähigkeit am 13. März 2008 mit 

90% beziffert. Er hat diese Einschätzung am 7. August 2008 bestätigt. Dr. med. K.___ 

vom RAD hat diese Widersprüche am 22. August 2008 dadurch aufzulösen versucht, 

dass sie den Angaben von Dr. med. I.___ jede Überzeugungskraft abgesprochen hat. 

Begründet hat sie dies damit, dass Dr. med. I.___ auf seine diagnostische Einschätzung 

zurückgekommen sei. Am 13. März 2008 habe er nämlich noch die Diagnose einer 

mittelgradigen depressiven Episode angegeben und am 7. August 2008 habe er dann 

festgehalten, dass die Kriterien einer depressiven Episode im Rahmen einer 

rezidivierenden Störung nicht erfüllt seien; vielmehr handle es sich um 

Stimmungsschwankungen. Ob diese Veränderung in der Diagnose, die durchaus auch 

auf einer besseren Erkenntnis im Verlauf der Therapie beruhen könnte, die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. I.___ jeder Überzeugungskraft berauben 

muss, ist durchaus fraglich, kann aber offen bleiben, denn bei den Angaben von Dr. 

med. I.___ handelt es sich im Gegensatz zu denjenigen von Dr. med. D.___ und Dr. 

med. L.___ nicht um die Aussage eines unabhängigen medizinischen 

Sachverständigen, sondern um die Angaben einer mit medizinischen Fachkenntnissen 

ausgestatteten Auskunftsperson. Dr. med. I.___ hat nämlich in einer vertraglichen und 

persönlichen Beziehung zur Beschwerdeführerin gestanden. Als behandelnder 

Psychiater hat er sich nicht völlig unabhängig äussern können. Vielmehr hat er sich, wie 

sich etwa seinen Hinweisen auf die real bestehende Arbeitssituation als Grundlage der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung entnehmen lässt, von der seit Jahren konsequent 

demonstrierten Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der 

Beschwerdeführerin beeinflussen lassen. Er hat also die bestehende Situation als die 

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objektiv bestmögliche Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin betrachtet. Damit hat er die bei jeder Arbeitsfähigkeitsschätzung 

zwingend zu beantwortende Frage, wie die Arbeitsfähigkeit aussähe, wenn die 

betreffende Person eine zumutbare Willensanstrengung zur Überwindung der 

Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung unternehmen würde, entweder gar 

nicht gestellt oder nicht objektiv beantwortet. In seinen Aussagen fehlt nämlich jeder 

Hinweis darauf, dass er versucht hätte, ein objektives Bild von der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin zu erhalten, etwa indem er den Widersprüchen zwischen der 

äusserst pessimistischen Selbstdarstellung und gewissen Alltagssituationen wie etwa 

dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Auto fährt und mit den Hunden 

spazieren geht, obwohl sie angeblich praktisch nichts arbeiten kann, nachgegangen 

wäre. Im Ergebnis hat Dr. med. K.___ vom RAD der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. 

med. I.___ also zu Recht keine Überzeugungskraft beigemessen.

3.3  Dr. med. K.___ hat die Differenz zwischen den Arbeitsfähigkeitsschätzungen von 

Dr. med. D.___ und Dr. med. L.___ dadurch zu erklären versucht, dass sich der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der Abklärung durch Dr. med. D.___ 

verbessert habe, weil die depressive Symptomatik weggefallen sei. Dr. med. D.___ 

hatte nämlich eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert, während Dr. med. 

L.___ keine Depression, sondern eine andere psychische Krankheit feststellte. Als Indiz 

für eine solche gesundheitliche Entwicklung nennt Dr. med. K.___ insbesondere den 

Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung durch Dr. 

med. D.___ noch in einer seit längerer Zeit anhaltenden problembeladenen 

Lebensphase befunden habe, die anlässlich der Begutachtung durch Dr. med. L.___ 

nicht mehr bestanden habe. Dieser Umstand vermag aber nicht zu erklären, warum Dr. 

med. D.___ eine Depression diagnostiziert hat, während Dr. med. L.___ eine 

kombinierte Störung aus dem Formenkreis der neurotischen, Belastungs- und 

somatoformen Störungen mit Anteilen einer Neurasthenie, einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung und vor allem einer dissoziativen Bewegungsstörung 

bei einer vorbestehenden Persönlichkeit mit ausgesprochen histrionischen Zügen 

festgestellt hat. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Krankheit anlässlich der Abklärung 

durch Dr. med. D.___ noch nicht bestanden, das Krankheitsbild sich also innerhalb von 

zwei Jahren derart drastisch verwandelt haben sollte. Das bedeutet, dass entweder die 

von Dr. med. D.___ oder die von Dr med. L.___ gestellten Diagnosen falsch oder 

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zumindest unvollständig gewesen sein müssen. Dr. med. I.___ hat zwar keine 

überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, aber seine Diagnose einer 

Neurasthenie ist angesichts der langdauernden Behandlung durchaus plausibel. Da 

diese Diagnose weitgehend mit derjenigen von Dr. med. L.___ übereinstimmt, erweist 

sich diese als deutlich überzeugender als diejenige von Dr. med. D.___. Dies wird durch 

die von Dr. med. L.___, Dr. med. K.___ und Dr. med. I.___ geäusserten Zweifel an der 

von Dr. med. D.___ diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung indirekt 

bestätigt. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr med. D.___ vermag vor diesem 

Hintergrund nicht zu überzeugen.

3.4  Daraus kann nun aber nicht der Schluss gezogen werden, dass auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. L.___ abgestellt werden müsse. Dr. med. 

L.___ hat in seinem Gutachten vom 28. April 2008 nämlich nicht angegeben, die 

Beschwerdeführerin sei trotz der kombinierten Störung voll arbeitsfähig, sondern er hat 

ausgeführt, diese Störung rechtfertige – bei Fehlen der üblichen somatischen, 

psychischen und sozialen Komorbiditätsfaktoren – keine bleibende Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit. Die Formulierung weckt den Verdacht, dass Dr. med. L.___ in 

Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zur Überwindbarkeit der mit einer 

somatoformen Schmerzstörung einhergehenden Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung (vgl. 

BGE 131 V 50) angenommen haben könnte, er müsse die Beschwerdeführerin zu 

100% arbeitsfähig schreiben, weil neben der kombinierten Störung aus dem 

Formenkreis der neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen keine 

weitere psychische Erkrankung vorliege. Dem wäre entgegen zu halten, dass die 

bundesgerichtliche Praxis, laut der die Folgen der somatoformen Schmerzstörungen 

und vergleichbarer Krankheiten vermutungsweise durch eine zumutbare 

Willensanstrengung überwunden werden können, nicht ohne weiteres auf die bei der 

Beschwerdeführerin diagnostizierte Krankheit Anwendung finden kann, denn hier ist die 

somatoforme Schmerzstörung nur eine von mehreren Komponenten der Diagnose. 

Selbst wenn diese Praxis Anwendung finden muss, kann nicht mangels einer 

psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer die 

Überwindbarkeit der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung unterstellt werden, denn es gibt 

eine Reihe anderer Faktoren, die den Erfolg einer zumutbaren Willensanstrengung 

verhindern können. Dazu gehören ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit 

unveränderter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung, ein sozialer Rückzug 

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in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer 

innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden 

Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder das Scheitern einer konsequent 

durchgeführten Therapie trotz kooperativer Haltung (vgl. etwa BGE 131 V 50 f.). Weder 

Dr. med. L.___ noch Dr. med. K.___ vom RAD haben sich zur Frage geäussert, ob die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer Anwendung dieser bundesgerichtlichen Praxis 

beruht hat und wenn ja, warum die vollständige Überwindbarkeit der 

Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung bejaht worden ist. Solange diese Frage nicht 

beantwortet ist, fehlt der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. L.___ zum vornherein 

die erforderliche Überzeugungskraft. Das müsste selbst dann gelten, wenn die 

Abweichung von der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. D.___ überzeugend 

begründet wäre. Es fehlt also eine mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegte Arbeitsfähigkeitsschätzung, die es erlauben 

würde, das zumutbare Invalideneinkommen und damit den Invaliditätsgrad der 

Beschwerdeführerin zu bemessen.

4.  

Die Sachverhaltsannahmen, auf welche sich die Beschwerdegegnerin beim Erlass der 

angefochtenen Verfügung gestützt hat, erweisen sich somit als unzureichend. Der 

massgebende Sachverhalt steht nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die angefochtene Verfügung ist in Verletzung 

des Untersuchungsgrundsatzes ergangen und erweist sich deshalb als rechtswidrig. 

Sie ist aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin seit 2002 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Praxisgemäss ist bei diesem Verfahrensausgang in bezug auf die Kostenverteilung von 

einem vollumfänglichen Unterliegen der Beschwerdegegnerin auszugehen. Deshalb 

trägt die Beschwerdegegnerin die Kosten des Verfahrens. Diese bemessen sich nach 

dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1  IVG). Dieser lässt eine Gerichtsgebühr von 

Fr. 600.- als angemessen erscheinen. Da die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung nur eventualiter für den Fall eines Unterliegens der Beschwerdeführerin 

erfolgt ist, kommt die entsprechende Bewilligung nicht zum Zug.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

bis

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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 9. September 

2008 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur 

anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 16.04.2010
	Art. 43 ATSG. Sachverhaltsermittlung im Rahmen einer Invaliditätsbemessung mittels Einkommensvergleichs. Überzeugungskraft sich widersprechender Aussagen von behandelnden Ärzten und von unabhängigen medizinischen Sachverständigen bzw. von unabhängigen medizinischen Sachverständigen unter sich (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. April 2010, IV 2008/422).

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		2025-07-19T13:53:05+0200
	"9001 St.Gallen"
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