# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df7101f9-1ac0-56c4-8fd9-3001d8c0f0f1
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-01-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.01.2013 IV 2011/107
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-107_2013-01-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/107

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 09.01.2013

Entscheiddatum: 09.01.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 09.01.2013
Art. 28 Abs. 2 IVG, Art. 16 ATSG Invaliditätsbemessung durch 
Einkommensvergleich. Prozentvergleich. Parallelisierungsaussparung 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Januar 
2013, IV 2011/107). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_132/2013.

Versicherungsrichterinnen Lisbeth Mattle Frei (Vorsitz), Gertrud Condamin-Voney und

Monika Geher-Hug; Gerichtsschreiberin Sibylle Betschart

 

Entscheid vom 9. Januar 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Arthur Andermatt, Teufener Strasse 8, Postfach, 

9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

 

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___ meldete sich am 13. Juni 2008 unter Hinweis auf Kniebeschwerden rechts 

zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1-1 ff.).

A.b   Am 2. Juli 2008 (IV-act. 10-1 ff.) reichte die B.___ AG einen Arbeitgeberbericht ein. 

Darin wird ausgeführt, dass die Versicherte vom 19. April 1999 bis 31. Mai 2008 im 

Vollzeitpensum als Mitarbeiterin Handarbeiten im Papierweiterverarbeitungsbereiche 

verrichtet hat. Dem Arbeitgeberbericht wurden eine Kopie der Kündigung vom 20. März 

2008 (IV-act. 10-8), Lohnkontoauszüge der Jahre 2005-2007 (IV-act. 10-9 ff.) sowie 

Kopien von ärztlichen Zeugnissen (IV-act. 10-12) beigelegt.

A.c   Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der die Versicherte seit 7. Oktober 2002 

behandelnde Hausarzt Dr. C.___ einen Bericht; dieser traf bei der IV-Stelle am 

4. Dezember 2008 ein. Dr. C.___ diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

chronische Spannungskopfschmerzen bei Verdacht auf Pseudotumor cerebri, einen 

Analgetika induzierten Dauerkopfschmerz, einen Status nach partieller Meniskektomie 

lateral am Knie rechts, eine retropatelläre Chondromalacia Grad II rechts sowie eine 

Hyperlordose der HWS und der BWS und attestierte eine seit dem 10. April 2008 bis 

auf Weiteres bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (IV-

act. 22-1 ff.). Der Hausarzt legte seinem Bericht diverse weitere Arztberichte bei (IV-act. 

22-6 ff.).

A.d   Nach Abschluss der Früherfassungsphase und einer Beurteilung des IV-internen 

Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Ostschweiz, teilte die IV-Stelle der Versicherten 

mit Schreiben vom 18. Dezember 2008 mit, dass aufgrund ihres instabilen 

Gesundheitszustandes aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 

28-1 f.).

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A.e    Nach Einholen diverser Arztberichte des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) 

erachtete der RAD in einer ausführlichen Stellungnahme vom 4. Juni 2009 eine 

polydisziplinäre Begutachtung für notwendig (IV-act. 35). In der Folge veranlasste die 

IV-Stelle am 15. Juni 2009 eine medizinische Abklärung (IV-act. 37).

A.f    Die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz erstattete am 17. 

November 2009 ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten unter Einschluss eines 

psychiatrischen und orthopädischen Consiliargutachtens mit ambulanten 

Untersuchungsdaten vom 24. bis 26. August 2009 (IV-act. 49-1 ff.). Die Gutachter 

nannten als Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit einen 

Pseudotumor cerebri, einen chronischer Spannungskopfschmerz, eine Gonarthrose 

rechts - Zustand nach lateraler Miniskektomie - sowie eine rezidivierende depressive 

Störung mit mittelschweren bis schweren depressiven Episoden und attestierten eine 

seit dem 10. April 2008 bestehende Arbeitsunfähigkeit von 50 % für eine adaptierte 

Erwerbstätigkeit in der angestammten Tätigkeit schätzten die Gutachter die 

Arbeitsunfähigkeit auf 75 % (IV-act. 49-17, 49-19).

A.g   In der internen Stellungnahme vom 25. Februar 2010 wurde vom RAD ausgeführt, 

das Gutachten sei umfangreich, weitgehend konsistent und nachvollziehbar. 

Massgebend sei eindeutig die polydisziplinäre Konsensbeurteilung mit einer 

Arbeitsfähigkeitsattestierung adaptiert von 50 %. Es könne somit auf das Gutachten 

abgestellt werden (IV-act. 51-1).

A.h   Mit Vorbescheid vom 1. Juli 2010 stellte die IV-Stelle die Verweigerung beruflicher 

Massnahmen in Aussicht. Als Begründung wurde angeführt, dass die Versicherte sich 

im Rahmen der durchgeführten Eingliederungsberatung subjektiv nicht arbeitsfähig 

gezeigt habe und berufliche Massnahmen somit nicht notwendig seien (IV-act. 62-1 f.). 

Mit Verfügung vom 30. September 2010 verneinte die IV-Stelle den Anspruch der Ver­

sicherten auf berufliche Massnahmen (IV-act. 66-1 f.).

A.i     Mit Vorbescheid vom 8. Oktober 2010 stellte die IV-Stelle bei einem 

Invaliditätsgrad von 48 % (Valideneinkommen Fr. 44'590.--, Invalideneinkommen 

Fr. 23'410.--) ab 1. April 2009 eine Viertelsrente in Aussicht (IV-act. 69-1 ff.).

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A.j     Die Versicherte liess am 15. November 2010 Einwand gegen den Vorbescheid 

erheben (IV-act. 77).

A.k   Mit Verfügung vom 12. Januar 2011 (IV-act. 93-1 ff.) sprach die IV-Stelle der Ver­

sicherten ab 1. Februar 2011 und mit Verfügung vom 14. Februar 2011 (IV-act. 85-1 ff.) 

für die Zeit vom 1. April 2009 bis 31. Januar 2011 eine Viertelsrente zu. Begründet 

wurden die Verfügungen in Verfügungsteil 2 (IV-act. 80-1 ff.).

B.    

B.a   Gegen diese Verfügungen richtet sich die am 10. März 2011 erhobene 

Beschwerde, in der beantragt wird, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben, 

und es sei der Beschwerdeführerin ab 1. April 2009 eine halbe Invalidenrente 

zuzusprechen. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, das 

Valideneinkommen werde mit Fr. 44'590.-- angegeben, beruhend auf der in den Akten 

liegenden Lohnabrechnung April 2008 mit einem Bruttolohn von Fr. 3'430.-- x 13 = Fr. 

44'590.--. Dieser Validenlohn liege deutlich unter dem gemäss LSE mit 

Stundenanpassung errechneten Jahreslohn von Fr. 51'368.-- für Frauen 2008. Nach 

Parallelisierung der Einkommen in Nachachtung von BGE 134 V 322 und 135 V 55 

resultiere ein Invalideneinkommen von Fr. 22'345.--. Gemäss Verfügungsteil 2 werde 

irgendein Abzug vorgenommen; weder aus den Verfügungen noch aus den Akten 

ergäbe sich aber Begründung oder Höhe. Praxisgemäss sei bei der 

Beschwerdeführerin ein sogenannter Behindertenabzug vorzunehmen, u.a. auch 

wegen der nur mehr teilzeitlich zumutbaren Erwerbstätigkeit. Bei einem Abzug von 

15 % ergebe sich ein Invalideneinkommen von Fr. 18'994.--. Daraus resultiere eine 

Erwerbseinbusse von Fr. 25'596.--, was zu einem IV-Grad von 57 % und somit zu einer 

halben Rente führe (act. G 1).

B.b   In der Beschwerdeantwort vom 11. Mai 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, das Bundesgericht 

habe im Urteil 8C_652/2008 vom 8. Mai 2009, E. 6, festgehalten, dass eine 

Parallelisierung dann vorzunehmen sei, wenn der tatsächlich erzielte Verdienst 

mindestens 5 % vom branchenüblichen Tabellenlohn abweiche, und nur im Umfang zu 

erfolgen habe, in welchem die prozentuale Abweichung den Erheblichkeitswert von 

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5 % übersteige. Zudem stünden die Voraussetzungen des Parallelisierungsabzuges 

und des leidensbedingten Abzuges insofern in einem gegenseitigen 

Abhängigkeitsverhältnis, als dieselben einkommensbeeinflussenden Faktoren nicht 

sowohl einen Parallelisierungs- als auch einen leidensbedingten Abzug zu begründen 

vermöchten. Der Validenlohn betrage Fr. 44'590.--, der anzuwendende Tabellenlohn 

Fr. 51'368.--. Der Validenlohn liege um Fr. 6'778.--, also um 15.20 %, tiefer als der 

Invalidenlohn. Da nur der Teil berücksichtigt werden dürfe, der 5 % übersteige, könne 

im Umfang von 10.20 %, also um Fr. 4'548.--, parallelisiert werden. Die neue Basis für 

das Invalideneinkommen betrage Fr. 46'820.--. Angesichts dessen, dass bei der 

Berücksichtigung des Minderverdienstes bereits lohnmindernde invaliditätsfremde 

Faktoren (wie etwa schlechte Deutschkenntnisse) berücksichtigt worden und die 

gesundheitlichen Beschwerden vorliegend bereits in die medizinische 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung eingeflossen seien sowie bei Teilzeit arbeitenden Frauen 

kein Abzug gewährt werde, sei kein weiterer Abzug angebracht. Bei einer 

Beschäftigung von 50 % ergebe sich ein Invalideneinkommen von Fr. 23'410.--, 

welches um 47.5 % tiefer sei als das Valideneinkommen von Fr. 44'590.--. Der IV-Grad 

betrage somit gerundet 48 %. Die angefochtene Verfügung erweise sich damit als 

korrekt (act. G 4).

B.c   In der Replik vom 30. Juni 2011 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen 

festhalten. Sie führt aus, die Meinung der Beschwerdegegnerin, bei Frauen sei generell 

kein Teilzeitabzug angebracht, ergebe sich nicht aus der Rechtsprechung. Vielmehr 

ergebe sich aus einer Präsenz von 75 % am Arbeitsplatz mit 50 % Leistung aus 

betriebswirtschaftlicher Sicht ein Erschwernis, das sich lohnmässig auswirke. Die 

Beschwerdeführerin scheine sich auch nicht für einen sogenannten 

Teilzeitnischenarbeitsplatz zu eignen und sei nurmehr 50 % arbeitsfähig. Auch die 

weiteren Anforderungen an einen Arbeitsplatz mit Wechselbelastung wirkten sich 

lohnmässig zusätzlich erschwerend aus. Die Beschwerdeführerin sei lange in der 

Papierproduktion tätig gewesen; sie sei beruflich nicht weiter qualifiziert und bald 

53jährig. Es sei unzutreffend, dass ihr tiefes Lohnniveau durch invaliditätsfremde 

Faktoren bestimmt worden sei, sondern durch den Produktionszweig. Ein sogenannter 

Behindertenabzug vom Tabellenlohn sei damit ausgewiesen, dieser sollte nicht unter 

10 % liegen. Schon bereits bei einem Abzug von minimal 10 % ergebe sich – auch bei 

Parallelisierung gemäss Vorinstanz – eine halbe Rente (act. G 10).

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B.d   Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 12).

 

Erwägungen:

1.      

1.1    Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; 

SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte 

Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 

zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch 

auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch 

auf eine Viertelsrente.

1.2    Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist gemäss 

Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) anwendbar. Danach wird für die 

Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte 

Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt 

zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden 

wäre. Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die 

beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt 

und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach Massgabe der im 

Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 119).

1.3    Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch 

der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente zu Recht abgelehnt hat.

2.      

2.1    Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln. 

Aufgrund des in den Akten liegenden MEDAS-Gutachtens (IV-act. 49-1 ff.) kann 

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unbestrittenermassen davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführerin eine 

leidensadaptierte Tätigkeit zu höchstens 50 % zumutbar ist.

2.2    Umstritten ist jedoch der Einkommensvergleich zur Berechnung des 

Invaliditätsgrads, insbesondere der Leidensabzug.

2.3    Mit dem Valideneinkommen soll dasjenige Einkommen bezeichnet werden, 

welches der Versicherte als hypothetisch Gesunder unter Berücksichtigung seiner 

Validenkarriere erzielen könnte. Da vorliegend davon auszugehen ist, dass die 

Beschwerdeführerin als Gesunde weiterhin im gleichen Umfang in einer ähnlichen wie 

der bisherigen Tätigkeit weitergearbeitet hätte, bildet das zuletzt vor Eintritt des 

Gesundheitsschadens erzielte Einkommen einen wichtigen Anhaltspunkt für die 

Bestimmung des Valideneinkommens. Gemäss Akten ist die Beschwerdeführerin seit 

dem 10. April 2008 arbeitsunfähig (IV-act. 10-12, 22-3, 49-19); sie meldete sich nach 

einer arthroskopischen rechtsseitigen Knieoperation vom 19. Mai 2008 (IV-act. 49-17) 

am 13. Juni 2008 zum Leistungsbezug bei der Beschwerdegegnerin an (IV-act. 1-9). 

Vor diesem Hintergrund ist es gerechtfertigt, dem Validenlohn die Einkünfte im Jahr 

2007 zugrunde zu legen. Die Beschwerdeführerin erzielte im Jahr 2007 ein Einkommen 

von Fr. 44'180.-- (IV-act. 10-9, Lohnkonto 2007, Bruttolohn inkl. fixe Beträge/Honorare 

sowie 13. Monatslohn), das als Valideneinkommen bezeichnet werden kann.

2.4    Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-

erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist 

kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person 

nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumut­

bare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung 

statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 

Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008). - Das ist auch hier 

am Platz. Die Beschwerdeführerin ist zwar darauf angewiesen, dass eine Tätigkeit 

vorwiegend im Sitzen, verbunden mit der Möglichkeit zur Einnahme von 

Wechselpositionen (kurzzeitiges Stehen und Gehen), ausgeführt werden kann. In 

diesem Rahmen besteht aus polydisziplinäre Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 

49-19, 51). Diese Voraussetzungen setzen ihr aber nicht so enge Grenzen, dass auf 

einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten 

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ausgegangen werden muss (vgl. Entscheid des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts i/S S. vom 5. September 2006, I 447/06; ZAK 1991 S. 320 f. 

E. 3b).

2.5    Das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Frauen für einfache und repetitive

Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor lag im Jahr 2007 bei 

Fr. 51'047.-- (vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung, Gesetze und 

Verordnungen mit Querverweisen und Sachregister, Ausgabe 2010, S. 210, basierend 

auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik).

2.6    Die Beschwerdeführerin erzielte somit vor Eintritt der Gesundheitsschädigung 

einen unterdurchschnittlichen Verdienst. Da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass 

sie sich aus freien Stücken mit einem bescheidenen Einkommensniveau hätte 

begnügen wollen, kann für das Valideneinkommen und für den Ausgangspunkt zur 

Bestimmung des Invalideneinkommens vom selben Wert ausgegangen werden. Der 

Invaliditätsgrad entspricht unter solchen Verhältnissen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit 

unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Entscheide des 

Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S M. vom 8. Juni 2005, I 552/04 E. 3.4, und i/

S Z. vom 19. November 2003, I 479/03 E. 3.1).

2.7    Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre 

gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur 

mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den 

Tabellenlöhnen zu machen. Mit dem behinderungsbedingten Abzug wird in der Praxis 

dem Umstand Rechnung getragen, dass versicherte Personen, die in ihrer letzten 

Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des Gesundheitsschadens 

auch für leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind, dass sie - unabhängig von 

der früher ausgeübten Tätigkeit - als gesundheitlich Beeinträchtigte im Rahmen leichter 

Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll leistungsfähig sind oder dass weitere 

persönliche und berufliche Merkmale wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, 

Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die 

Höhe des Lohnes haben können. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der 

Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter 

Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf 

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höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen. Dabei ist zu beachten, dass 

allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen beachtete Faktoren 

im Rahmen des Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (vgl. 

zum Ganzen: BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Die medizinisch bedingten 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin sind bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit 

bereits berücksichtigt worden. Alter, Migrationshintergrund und Ausbildungsstand 

bieten ebenfalls nicht Grund für einen Abzug, weil sie sich auf das Validen- wie auf das 

Invalideneinkommen gleichermassen auswirken. Es ist aber damit zu rechnen, dass die 

Beschwerdeführerin, die als Hilfsarbeiterin nur noch für vorwiegend im Sitzen zu 

erfolgende wechselbelastende Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig ist, im Vergleich zu 

gesunden Mitbewerbern um eine entsprechende Stelle auf dem Arbeitsmarkt ein 

geringeres Einkommen erzielen wird. Tabellenlöhne werden bei gesunden 

Arbeitnehmern erhoben. Insgesamt erscheint ein Tabellenlohnabzug von 10 % 

angemessen.

2.8    Der Invaliditätsgrad stellt sich demnach auf 55 % (100 % - 0.50 x 90 %). Unter 

Berücksichtigung der Parallelisierungsaussparung von 5 % gemäss BGE 135 V 297 er­

gäbe sich zwar ein tieferer Invaliditätsgrad von rund 52 % (Fr. 44'180.- 

Valideneinkommen, Fr. 21'030.10 Invalideneinkommen [statt 13.45 nur 8.45 % 

Minderverdienst von Fr. 51'047.-- ausgehend]). Da jedoch auch dieser Invaliditätsgrad 

über 50 % liegt, ist der Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung 

gegeben. Die Beschwerdegegnerin hat mithin der Beschwerdeführerin zu Unrecht 

keine halbe Rente zugesprochen.

3.      

3.1    Gemäss den obigen Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und die 

angefochtenen Verfügungen vom 12. Januar 2011 und 14. Februar 2011 aufzuheben. 

Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe und zur Ausrichtung einer halben Rente 

ab 1. April 2009 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

3.2    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- bis

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erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, so dass 

ihr die ganze Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist. Der geleistete Kostenvorschuss von 

Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.

3.3    Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine 

Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird 

(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint 

eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer).

 

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.       In Gutheissung der Beschwerde werden die angefochtenen Verfügungen vom 

12. Januar 2011 und 14. Februar 2011 aufgehoben, und der Beschwerdeführerin wird 

ab 1. April 2009 eine halbe Rente zugesprochen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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