# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74ea229d-e62e-50be-ba5b-425326576804
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 14.04.2014 SB110720
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110720_2014-04-14.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    

 
 

Geschäfts-Nr.: SB110720-O/U/gs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, lic. iur. Burger und lic. iur. 

Stiefel sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. Heuberger Golta 

 

Urteil vom 14. April 2014 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Privatkläger und Berufungskläger 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, vertreten durch Leitenden Staatsan-
walt Dr. Jäger, Staatsanwalt lic. iur. Peter Joho,  

 

Anklägerin und Berufungsklägerin 

 

gegen 

 

B._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____,  

 

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung etc.   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht 
Strafsachen, vom 9. September 2011 (GG110016) 

-   2   - 

Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 24. März 

2011 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24). 

 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freige-

sprochen. 

2. Auf das Schadenersatzbegehren des Privatklägers wird nicht eingetreten.  

3. Auf das Genugtuungsbegehren des Privatklägers wird nicht eingetreten. 

4. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 2'400.– festgesetzt und wird auf die Ge-

richtskasse genommen. Ebenso werden die Kosten der unentgeltlichen Ge-

schädigtenvertretung im vollen Umfang auf die Gerichtskasse genommen. 

5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung aus der Gerichtskasse 

zugesprochen. Über deren Höhe wird in einer separaten Verfügung ent-

schieden.  

 

 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 77 und 75) 

1. Die Berufung des Privatklägers sei abzuweisen und das erstinstanzli-

che Urteil zu bestätigen. 

2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien zulasten des Privatklä-

gers zu regeln. 

-   3   - 

Eventualantrag: 

 Es sei von einem geeigneten Baufachexperten ein Gutachten einzuho-

len über die Frage, ob der Beschuldigte 

 – Bauplanung und -ausführung korrekt geplant bzw. angeordnet hat, 

 – die Sicherheitsvorschriften beachtet hat, 

 und ob 

 – in der konkreten Situation eine Pflicht des Beschuldigten zur Über-

wachung und Kontrolle der Befolgung angeordneter Sicherheits-

vorkehren bei einem qualifizierten Vorarbeiter mit 20-jähriger Erfah-

rung im Rückbau besteht. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

Keine Anträge 

c) Der Privatklägerschaft : 

(Urk. 76) 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland vom 24.03.2011 schuldig zu sprechen. 

2. Es sei ein Sachverständigengutachten in Auftrag zu geben, das sich 

zum Verhalten des Beschuldigten, insbesondere zu folgenden Fragen 

zu äussern hat: 

a) Waren die Arbeitsvorbereitungen (Statik des Vordaches, Prüfung 

der Einsenarmierung, Bestimmung der Länge der abzutrennen-

den Betonelemente, Entscheid über die Abrisstechnik) durch den 

Beschuldigten auf der Baustelle ausreichend und üblich?  

b) Für welche Abrisstechnik hat sich der Beschuldigte entschieden? 

c) Waren die Instruktionen des Beschuldigten an die Mitarbeiter 

C._____ und D._____ aufgrund der gewählten Abrisstechnik rich-

tig und ausreichend? 

-   4   - 

d) Hätte insbesondere bei der gewählten Abrisstechnik durch den 

Beschuldigten und mit Rücksicht auf die sehr unterschiedliche Ei-

senarmierung jedes abzutrennende Betonelement, zumindest 

aber jene Betonelemente ohne Unterzug und mit Dilatationsfuge 

sowie das letzte Betonelement gespriesst werden müssen? 

e) Falls generell oder partiell hätte gespriesst werden müssen, wäre es 

Aufgabe des Beschuldigten gewesen, das Spriessmaterial im 

Rahmen der Arbeitsvorbereitung zu bestellen? 

3. Der Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zur Bezahlung von Scha-

denersatz und Genugtuung inkl. Schadenszins an den Privatkläger zu 

verpflichten.  

4. Die Kosten der Straffuntersuchung sowie des erst- und zweitinstanzli-

chen Verfahrens inkl. der unentgeltlichen Rechtsvertretung seien dem 

Beschuldigten aufzuerlegen.  

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung 

1. Mit Datum vom 24. März 2011 erhob die Staatsanwaltschaft Winterthur/Un-

terland bei der Vorinstanz gegen den Beschuldigten Anklage wegen fahrlässiger 

schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB sowie fahrlässiger 

Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229 

Abs. 2 StGB (Urk. 24). Am 9. September 2011 fand die vorinstanzliche Hauptver-

handlung statt (Prot. I S. 5 ff.). Die Vorderrichterin sprach den Beschuldigten mit 

dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vollumfänglich frei. Das Urteil 

wurde dem Beschuldigten und dem Privatkläger im Anschluss an die Parteiver-

handlung mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 15 ff.). 

-   5   - 

2. Gegen dieses Urteil liess der Privatkläger noch gleichentags und somit 

rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 50). Auch die Staatsanwaltschaft meldete mit 

Eingabe vom 15. September 2011 innert Frist Berufung an (Urk. 56), zog diese 

jedoch wieder zurück, nachdem sie am 11. November 2011 das begründete Urteil 

erhalten hatte (Urk. 60/2). Mit Verfügung vom 18. November 2011 orientiert die 

Vorinstanz die Parteien hierüber und überwies die Akten in der Folge zur Behand-

lung der Berufung dem Obergericht des Kantons Zürich (Urk. 62). Der Privatklä-

ger liess, nachdem ihm das begründete Urteil am 17. November 2011 zugestellt 

worden war (Urk. 60/3), mit Eingabe vom 6. Dezember 2011 fristgerecht die Beru-

fungserklärung einreichen. Seine Berufung richtet sich gegen den Freispruch des 

Beschuldigten von den Vorwürfen der Anklage und damit gegen das ganze vor-

instanzliche Urteil, soweit er dadurch beschwert ist (Urk. 67). Mit Präsidialverfü-

gung vom 12. Dezember 2011 wurden die Parteien darüber in Kenntnis gesetzt 

(Urk. 68). Der Beschuldigte verzichtete in der Folge mit Eingabe vom 3. Januar 

2012 auf eine Anschlussberufung und reichte gleichzeitig das Formular zu seinen 

wirtschaftlichen Verhältnissen samt Beilagen ein (Urk. 70 und 71/1-5). Die Staats-

anwaltschaft liess sich dazu nicht mehr vernehmen. Am 15. Mai 2012 fand die Be-

rufungsverhandlung statt (Prot. II S. 4 ff.). Anlässlich dieser wurde beschlossen, 

dass über gewisse baufachlichen Fragen ein Gutachten einzuholen sei (Prot. II 

S. 12). Die Parteien erklärten sich mit einer schriftlichen Fortsetzung des Verfah-

rens nach Eingang des Gutachtens einverstanden (Prot. II S. 13). 

3. Mit Beschluss vom 11. Juli 2012 wurde in der Folge ein Gutachten in Auftrag 

gegeben und als Gutachter Dr. sc. techn. ETH / dipl. Bauingenieur ETH SIA 

E._____ bestellt. Den Parteien wurde Frist angesetzt, um sich zur Person des 

Gutachters sowie zu den gestellten Fragen zu äussern und dazu eigene Anträge 

zu stellen (Urk. 79 i.V.m. Urk. 80). Mit Eingabe vom 16. August 2012 liess sich der 

Beschuldigte innert einmal erstreckter Frist (Urk. 81/1 und 83) vernehmen. Er er-

klärte sich mit dem vorgeschlagenen Gutachter einverstanden und stellte zahlrei-

che Ergänzungsanträge mit Bezug auf den Fragenkatalog (Urk. 84). Mit Eingabe 

vom 3. Januar 2013 liess sodann der Privatkläger innert achtfach erstreckter Frist 

(Urk. 82; 85-88; 90-92) seine Stellungnahme einreichen. Er erklärte sich mit dem 

Gutachter ebenfalls einverstanden, stellte ebenfalls zahlreiche Ergänzungsanträ-

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ge und äusserte sich gleichzeitig unaufgefordert zu den Anträgen des Beschuldig-

ten (Urk. 93). Mit Verfügung vom 20. Februar 2013 wurde die privatklägerische 

Eingabe vom 3. Januar 2013 dem Beschuldigten zur Kenntnisnahme zugestellt 

(Urk. 94). Die beantragten Änderungen und Ergänzungen beider Parteien wurden 

weitgehend berücksichtigt und in den aktualisierten Fragenkatalog vom 15. März 

2013 eingearbeitet (vgl. Urk. 96/1 unten). In der Folge wurde Dr. E._____ mit dem 

Gutachten beauftragt und ersucht, dieses nach Möglichkeit bis Mitte 2013 zu er-

statten (Urk.96/1-2). 

4. Das Gutachten ging am 28. Juni 2013 beim Obergericht ein (Urk. 98 und 

99). Es wurde den Parteien mit Verfügung vom 8. Juli 2013 zur Stellungnahme 

zugestellt (Urk. 101). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 15. Juli 

2013 auf Stellungnahme (Urk. 103); Privatkläger und Beschuldigter reichten ihre 

Stellungnahmen innert mehrfach erstreckter Fristen am 12. September 2013 

(Urk. 108) und am 24. September 2013 (Urk. 109 f.) ein. Sie wurden den jeweils 

anderen Parteien mit Verfügung vom 1. Oktober 2013 zugestellt (Urk. 111). 

5. Nicht angefochten ist die vorinstanzliche Kostenfestsetzung in Dispositivzif-

fer 4 erster Satzteil, weshalb sie in Rechtskraft erwachsen ist. Dies ist vorab mit 

Beschluss festzustellen.  

II. Schuldpunkt 

1. Allgemeines 

1.1. a) Einleitend sind die zutreffenden Erläuterungen der Vorinstanz zu den 

Bauarbeiten am Unfallort und zum Unfallhergang nochmals festzuhalten: Anläss-

lich einer Gesamtsanierung des Werkgebäudes F._____ war geplant, unter ande-

rem dessen zwei Meter vorstehendes Betondach abzubrechen bzw. zu entfernen. 

Unter dem Vordach befanden sich in regelmässigen Abständen stützende Unter-

züge, d.h. quer zum Vordach verlaufende Betonstreben (vgl. z.B. Übersichtsauf-

nahme mit bereits teilweise entferntem Vordach in Urk. 8/10 und Aufnahme der 

Unterzüge in Urk. 8/9). 

-   7   - 

b) Um das Vordach abtragen zu können, wurden in einem ersten Schritt einzelne 

Elemente von rund drei Metern Länge bzw. rund drei Tonnen Gewicht markiert, 

wobei eines dieser so markierten Betonelemente – das 8. Element von rechts – 

nicht über einen stützenden Unterzug (Querverstrebung) verfügte. Hernach wurde 

das Vordach in die vorgezeichneten Betonelemente quer zum Dachkörper hin 

eingeschnitten (Querschnitte). Daraufhin folgten die jeweiligen Längsschnitte 

(Schnitte entlang des Gebäudekörpers), so dass das Vordach Stück für Stück ab-

getragen werden konnte. Damit ein abzutragendes Betonelement während des 

Schneidevorgangs nicht zu Boden fiel, wurde es von einem Stapler gestützt und 

schliesslich wegtransportiert (vgl. Aufnahme in Urk. 8/1 mit stützendem Stapler 

unter dem 7. Betonelement). 

c) Bei den am Morgen des Unfalltags (12. Juni 2008) mit der Abtragung des Vor-

dachs beschäftigten Bauarbeitern handelte es sich um den Privatkläger A._____, 

welcher die Betonfräse auf dem Dach bediente, und C._____, welcher den Stap-

ler am Boden bediente und lenkte. Letzterer wurde infolge eines Arbeitsunfalls um 

ca. 12.00 Uhr, bei welchem er sich am Finger verletzte (vgl. Urk. 12/1 S. 7), aus-

gewechselt und durch G._____ ersetzt. Als der mit Absägen des 

7. Betonelements (unter diesem Element befand sich wie gesagt der Stapler als 

Stütze) beschäftigte Privatkläger um ca. 15.15 Uhr das nicht durch den Stapler 

gestützte und über keinen Unterzug verfügende benachbarte 8. Betonelement be-

trat, stürzte er mitsamt diesem Betonelement rund 4.40 Meter in die Tiefe und zog 

sich dabei schwere Verletzungen zu (Urk. 64 S. 5 f.; vgl. wiederum Aufnahme in 

Urk. 8/1, das abgebrochene 8. Element ist mit der roten Zahl 2c bezeichnet). 

1.2. a) Dem Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift vom 24. März 2011 

(Urk. 24) aufgrund dieses Unfalls zum Vorwurf gemacht, er habe in seiner Funkti-

on als angestellter Bauführer der H._____ AG die anerkannten Regeln der Bau-

kunde missachtet, indem er ohne ausreichende Berücksichtigung der Statik und 

ohne Prüfung der vorhandenen Armierung bzw. ohne Armierungsplan festgelegt 

habe, dass das Vordach in einzelnen Betonelementen zu jeweils rund drei Metern 

Länge bzw. rund drei Tonnen Gewicht nacheinander abzutragen sei und dass die 

einzelnen Betonelemente während des Sägens mittels eines Staplers zu stützen 

-   8   - 

und dann abzutransportieren seien. Dabei habe er die mit dem Abbruch beschäf-

tigten Bauarbeiter A._____ (Privatkläger) und G._____ bezüglich allfälliger stati-

scher Probleme und Gefahren lediglich rudimentär instruiert, obwohl zu seinen 

Aufgaben namentlich die konkrete Planung der Abbrucharbeiten sowie die In-

struktion und Überwachung der vor Ort eingesetzten Mitarbeiter der Firma 

H._____ AG gehört hätten. Insbesondere habe er nicht bzw. nicht hinreichend 

verbindlich angeordnet, dass mindestens die Betonelemente ohne stützenden Un-

terzug während des Sägevorgangs zu stützen bzw. zu spriessen seien. Sodann 

habe er bis zum 12. Juni 2008 nicht kontrolliert bzw. nicht verbindlich durchge-

setzt, dass zumindest das Betonelement ohne stützenden Unterzug abgestützt 

bzw. gespriesst worden sei, obwohl er sich noch vor der Mittagszeit des 12. Juni 

2008 auf die Baustelle begeben habe und die Entfernung des Vordachs zu die-

sem Zeitpunkt bereits fortgeschritten gewesen sei. Vielmehr habe er gegenüber 

A._____ das Erfordernis einer Spriessung dieser fraglichen Elemente ausdrück-

lich verneint, als er von diesem auf ein noch nicht entferntes Element ohne stüt-

zenden Unterzug sowie auf eine unterschiedliche Armierungsstärke aufmerksam 

gemacht worden sei. In der Folge sei der mit dem Zersägen des Vordachs betrau-

te A._____ am 12. Juni 2008 um ca. 15.15 Uhr, als er das nicht durch einen Un-

terzug gestützte 8. Vordachelement betreten habe, um den Staplerfahrer zu sei-

ner Unterstützung auf das Dach zu rufen, mitsamt dem Vordachelement rund 4.40 

Meter in die Tiefe gestürzt, weil dieses Element an der Verbindung zum Gebäu-

dekörper abgebrochen und von unten nicht abgestützt bzw. gespriesst gewesen 

sei. Dadurch habe sich A._____ schwere Verletzungen insbesondere an der Wir-

belsäule zugezogen, so dass er auch noch Ende 2009 feststellbare Lähmungen, 

Gefühlsstörungen sowie Störungen vegetativer Funktionen gehabt habe und im 

Juli 2010 noch andauernd arbeitsunfähig gewesen sei. 

b) Zudem sei dabei der unmittelbar neben der Absturzstelle als Staplerfahrer be-

schäftigte G._____ der Gefahr ausgesetzt gewesen, vom herunterstürzenden 

Vordachelement getroffen und gravierend verletzt zu werden. 

c) Für den Beschuldigten sei es aufgrund seiner Ausbildung und seiner rund 12-

jährigen Berufserfahrung als Bauführer vorhersehbar gewesen, dass es bei nicht 

-   9   - 

hinreichend verbindlicher Anordnung, Kontrolle und Durchsetzung einer Abstüt-

zung bzw. Spriessung – jedenfalls zumindest von Betonelementen ohne stützen-

den Unterzug – zu einem ungewollten Absturz von Vordachbetonelementen und 

damit zu einer Gefahr und schweren Verletzungen von Mitarbeitern kommen 

könnte. Dabei hätte der Beschuldigte mit hoher Wahrscheinlichkeit das Einstürzen 

des Betonelements und die schweren Verletzungen von A._____ sowie die Ge-

fährdung von G._____ bei sachgemässer Planung, Instruktion und Kontrolle des 

Abbruchvorhabens vermeiden können, namentlich indem er die Abstützung bzw. 

Spriessung jedenfalls zumindest der Betonelemente ohne stützenden Unterzug 

verbindlich angeordnet und kontrolliert bzw. durchgesetzt hätte.  

1.3. Die Vorinstanz befand den Beschuldigten für nicht schuldig und sprach ihn 

vollumfänglich frei mit der Begründung, der eingeklagte Sachverhalt lasse sich 

aufgrund der vorhandenen Aussagen nicht mit rechtsgenügender Sicherheit er-

stellen. Insbesondere lasse die vom Privatkläger zunächst gemachte Aussage, 

wonach er im Bereich der Dilatationsfuge nicht vorgeschnitten habe, die Vermu-

tung zu, dass er um diesen heiklen Bereich gewusst habe und es ein diesbezügli-

ches Gespräch gegeben haben müsse. Ausserdem sei aufgrund der langjährigen 

Berufserfahrung des Beschuldigten schlicht nicht nachvollziehbar, dass dieser die 

explizite Frage des Privatklägers nach der Spriessung des unsicheren Elements 

verneint haben sollte. Ausserdem hätte der Privatkläger als langjähriger Fräsear-

beiter, der gemäss seinen eigenen Aussagen stets auf die Arbeitssicherheit be-

dacht gewesen sei, auch von sich aus das fragliche Element spriessen können, 

so wie dies sein Berufskollege I._____ getan hätte. Letztlich dürfe auch nicht aus-

ser Acht gelassen werden, dass der Privatkläger im Zuge seiner Fräsearbeit reali-

siert habe, dass sich das abzutrennende Betonelement senkte. Spätestens in die-

sem Augenblick hätte er eine Spriessung in Betracht ziehen müssen, zumal kein 

Zeitdruck bestanden habe. Zudem sei zu erwähnen, dass sich der Privatkläger 

auch im Hinblick auf die Länge der abzutrennenden Elemente gegenüber dem 

Beschuldigten getraut habe, eine andere Meinung zu vertreten. Was die Arbeits-

kontrolle durch den Beschuldigten betreffe, so würden dessen Aussagen, wonach 

eine Kontrolle deshalb nicht möglich gewesen sei, weil der Privatkläger mit den 

Arbeiten noch nicht so weit fortgeschritten gewesen sei, durchaus überzeugend 

-   10   - 

erscheinen. Auch erscheine es plausibel, wenn der Beschuldigte geltend mache, 

dass es ohnehin nicht üblich und notwendig gewesen sei, einen langjährigen Mit-

arbeiter engmaschig zu kontrollieren, zumal dies auf dem Bau weder üblich noch 

praktikabel sei (Urk. 64 S. 18 f.). 

1.4. a) In der Berufungserklärung liess der Privatkläger dagegen einwenden, 

die Vorinstanz habe die Sorgfalts- und Kontrollpflichten des Beschuldigten in sei-

ner Eigenschaft als verantwortlicher Bauführer unrichtig dargestellt, zu wenig klar 

herausgearbeitet und die falschen Schlussfolgerungen daraus gezogen. Ausser-

dem dränge sich vorliegend die Einholung eines Gutachtens eines Bausachver-

ständigen auf, da es für Laien in Bausachen schwierig sei, die allgemein üblichen 

Gepflogenheiten auf Baustellen und die davon oftmals losgelöste, abstrakte Ver-

antwortlichkeit eines Bauführers im konkreten Einzelfall genau zu erkennen und 

gegeneinander abzuwägen (Urk. 67 S. 2).  

b) Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 15. Mai 2012 liess der Privatkläger 

erneut geltend machen, dass die Einholung eines Sachverständigengutachtens 

unumgänglich sei (Urk. 76 S. 2 f.). Der Beschuldigte habe als einziger auf der 

Baustelle über eine spezialisierte Ausbildung als Bauführer mit entsprechender 

langjähriger Erfahrung verfügt. Diese Ausbildung habe auch die Beurteilung stati-

scher Probleme und die Wahl angemessener Abrisstechniken beinhaltet. Die an-

deren Arbeiter auf der Baustelle – wie C._____ oder der Privatkläger D._____ – 

seien zwar langjährige Vorarbeiter im Bereich Betonbohren/Betonfräsen gewe-

sen, hätten jedoch über keinerlei solide Berufsausbildung, z.B. als Maurer, ver-

fügt. Beide Genannten seien ursprünglich ungelernte Bauarbeiter gewesen, die in 

die Spezialarbeiten als Betonbohrer und -fräser nach der Methode "learning by 

doing" eingearbeitet worden seien. Über die praktische Tätigkeit hinaus habe 

ihnen jegliche Bildung über grundlegende Fragen der Statik, beispielsweise beim 

Abreissen eines Betondaches, gefehlt. Die nicht schulisch ausgebildeten Arbeiter 

könnten nur praktische Arbeitsabläufe schildern. Es fehle ihnen das Sachwissen 

und die intellektuelle Bildung, Zusammenhänge zwischen bautechnischen Grund-

satzfragen und der konkreten Vorgehensweise herzustellen, geschweige denn 

Aussagen des Beschuldigten sachkundig und kritisch zu würdigen (Urk. 76 

-   11   - 

S. 3 f.). Er – der Privatkläger – bestreite, dass der Beschuldigte die Spriessung 

von drei Elementen – nämlich dem Element ohne Unterzug, demjenigen mit der 

Dilatationsfuge und dem letzten Element – angeordnet habe (Urk. 76 S. 6 f.).  

1.5. Wie bereits in der Untersuchung und vor Vorinstanz anerkannte der Be-

schuldigte auch in der Berufungsverhandlung den eingangs dargestellten äusse-

ren Ablauf des Unfallhergangs und die von A._____ erlittenen Verletzungen (Urk. 

12/2 S. 9 u. 11; Urk. 47/2 S. 4; Urk. 74 S. 3). Er hatte indes von Beginn weg be-

stritten, für den Unfall des Privatklägers verantwortlich zu sein, und stellte damit 

die ihm in der Anklageschrift zur Last gelegte pflichtwidrige Missachtung der ihm 

als Bauführer obliegenden Instruktions- und Überprüfungspflichten in Abrede 

(Urk. 12/1 S. 6 ff.; Urk. 12/2 S. 11 ff.; Urk. 12/3 S. 9 ff.; Urk. 47/2 S. 4; Urk. 74 

S. 3). Insbesondere machte er geltend, er habe eine Abstützung bzw. Spriessung 

des Betonelements ohne Unterzug mit dem Privatkläger besprochen und ange-

ordnet (Urk. 12/2 S. 8 f.; Urk. 12/3 S. 2 u. 4; Urk. 74 S. 4; Urk. 77 S. 3, 8). Zur 

Überwachung oder Kontrolle der Arbeitsausführung des Privatklägers habe für 

ihn, den Beschuldigten, weder Anlass noch Pflicht bestanden. Der Privatkläger sei 

als Vorarbeiter nicht nur genau instruiert, sondern für die baufachlich korrekte 

Ausführung auch bestens ausgebildet und berufserfahren gewesen (Urk. 77 S. 3). 

Zudem sei eine Kontrolle bzw. Durchsetzung der Abstützung bzw. Spriessung des 

besagten Betonelementes kurz vor Mittag des 12. Juni 2008 vor Ort auch nicht 

möglich gewesen, da der Privatkläger mit der Arbeit noch nicht so weit fortge-

schritten gewesen sei (Urk. 12/3 S. 4; Urk. 47/2 S. 3; Urk. 74 S. 4). Der Privatklä-

ger habe den Unfall selber verschuldet, da er wissentlich auf ein Betonelement 

ohne Unterzug und ohne Abstützung gestanden sei, welches zudem hinten zum 

Gebäudekörper bereits ein wenig eingeschnitten gewesen sei (Urk. 12/2 S. 9; 

Urk. 12/3 S. 4).  

1.6. Da bei Fahrlässigkeitsdelikten Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander 

verbunden sind und der äussere Ablauf des Unfallhergangs an sich unbestritten 

und somit erstellt ist, sind die weiteren Vorbringen der Parteien, auch soweit sie 

den Sachverhalt betreffen, nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu 

-   12   - 

prüfen. Auch auf die Antworten des Gutachters wird dabei an passender Stelle 

einzugehen sein. 

2. Fahrlässige Körperverletzung i.S.v. Art. 125 Abs. 2 StGB 

2.1. Gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB macht sich der fahrlässigen schweren Kör-

perverletzung strafbar, wer jemanden aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit schwer 

am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Da der Beschuldigte gemäss Ankla-

geschrift die Verletzungen des Privatklägers nicht durch ein aktives Tun herbeige-

führt haben soll, ist nachfolgend eine fahrlässige Körperverletzung im Sinne von 

Art. 125 Abs. 2 StGB durch Unterlassen zu prüfen. 

2.2. Garantenstellung 

2.2.1. Nach der Rechtsprechung kann ein fahrlässiges Erfolgsdelikt wie die fahr-

lässige schwere Körperverletzung auch durch Unterlassen verübt werden. Ein 

solches unechtes Unterlassungsdelikt ist gegeben, wenn im Gesetz wenigstens 

die Herbeiführung des Erfolges durch Tun ausdrücklich mit Strafe bedroht wird, 

der Beschuldigte durch sein Tun den Erfolg tatsächlich hätte abwenden können 

und er infolge seiner besonderen Rechtsstellung dazu auch so sehr verpflichtet 

war, dass die Unterlassung der Erfolgsherbeiführung durch aktives Handeln 

gleichwertig erscheint. Erst wenn feststeht, dass sich der Täter in einer derartigen 

Garantenstellung befand, lässt sich in einem weiteren Schritt ermitteln, welche 

Handlungen er aufgrund der ihm obliegenden Sorgfaltspflicht im Einzelnen vorzu-

nehmen verpflichtet gewesen wäre (BGE 117 IV 130, Erw. 2a). Zwischen der Un-

terlassung und dem Erfolg ist der erforderliche Kausalzusammenhang zu beja-

hen, wenn bei Vornahme der gebotenen Handlung der Erfolg mit einem hohen 

Grad der Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten wäre. Allerdings reicht die blosse 

Möglichkeit des Nichteintritts des Erfolgs bei Vornahme der gebotenen Handlung 

zur Bejahung dieses hypothetischen Kausalzusammenhanges nicht aus (BGE 

121 IV 286, Erw. 3). Die Frage nach der hypothetischen Kausalität beim Unterlas-

sungsdelikt gleicht derjenigen nach der Relevanz der Sorgfaltswidrigkeit (vgl. 

nachfolgend Ziffer II.2.5.) und wird dieser nach der neueren Rechtsprechung 

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gleichgesetzt (Trechsel/Jean-Richard, StGB Praxiskommentar, 2. Auflage, Zü-

rich/St. Gallen 2013, Art. 12 N 40). 

2.2.2. Es ist demnach als Erstes zu prüfen, ob für den Beschuldigten mit Bezug 

auf den Privatkläger eine Garantenstellung bestand. Ein Arbeitgeber ist gemäss 

Art. 328 Abs. 2 OR sowie Art. 82 Abs. 1 UVG verpflichtet, Massnahmen zur Ver-

hütung von Berufsunfällen zu ergreifen, weshalb diesem gegenüber seinen Ange-

stellten grundsätzlich Garantenstellung zukommt. Auch Mitarbeitern des Arbeit-

gebers kommt eine Garantenstellung zu, allerdings nur im Rahmen ihres Aufga-

benbereichs und nur insoweit, als ihnen auch die entsprechenden Kompetenzen 

delegiert sind (BGE 6S.447/2003 vom 1. April 2004, Erw. 3.1. f. m.w.H.; vgl. auch 

Art. 11 Abs. 2 lit. a StGB). In grösseren Bauunternehmen wie der vorliegenden 

H._____ AG wird der Arbeitgeber bzw. die Bauunternehmung auf der Baustelle 

vom Bauführer vertreten (Roelli/Fleischanderl, BSK Strafrecht II, 3. Aufl., Basel 

2013, Art. 229 N 31). Unbestritten ist, dass der Beschuldigte für die Firma 

H._____ AG der verantwortliche – und entsprechend ausgebildete und jahrelang 

erfahrene (vgl. Urk. 99 S. 6) – Bauführer für die Sanierung des Werkgebäudes 

F._____ war und dass er den Privatkläger zusammen mit C._____ bzw. G._____ 

mit der Abtragung des Vordachs des Werkgebäudes beauftragte. Damit war der 

Beschuldigte nach den vorstehenden Ausführungen verpflichtet, für die Sicherheit 

und die Unfallverhütung auf der Baustelle zu sorgen, was vom Beschuldigten 

grundsätzlich auch nicht in Abrede gestellt wird (Urk. 12/1 S. 2 f.; Urk. 12/2 S. 2). 

Die Garantenstellung des Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger ist somit 

gegeben. 

2.3. Verletzung einer Sorgfaltspflicht 

2.3.1. a) Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt voraus, 

dass der Beschuldigte den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verur-

sacht hat. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Beschuldigte zum Zeitpunkt 

der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die da-

mit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und 

müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten 

hat. Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich 

-   14   - 

das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. 

Vorliegend kann auf die Bestimmungen zurückgegriffen werden, die der Unfall-

verhütung und der Sicherheit auf Baustellen dienen. Einschlägig sind insoweit die 

Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) und die Verordnung über die Sicher-

heit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei 

Bauarbeiten (BauAV). Auch kann auf analoge Regeln privater oder halbprivater 

Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese allgemein anerkannt sind (BGE 

127 IV 65, Erw. 2.a). Das gilt vorliegend für die SIA-Normen 118 (Allgemeine Be-

dingungen für Bauarbeiten) und 465 (Sicherheit von Bauten und Anlagen) sowie 

für die SUVA-Richtlinien zur Verhütung von Unfällen bei der Ausführung von Ab-

brucharbeiten (vgl. Urk. 99 [Gutachten] S. 3 ff.). Dies schliesst indes nicht aus, 

dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie 

etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden kann. Letztlich wird die Vor-

sicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, durch die konkreten Umstände und seine 

persönlichen Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen 

Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können (BGE 135 IV 64, Erw. 2.1). 

b) Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt auch davon ab, inwieweit die Möglich-

keit riskanten Fehlverhaltens Dritter in Rechnung zu stellen ist. Dies ist unter dem 

Gesichtspunkt des aus Art. 26 Abs. 1 SVG entwickelten, allgemein geltenden Ver-

trauensgrundsatzes zu beurteilen (Niggli/Maeder, BSK Strafrecht I, 3. Aufl., Basel 

2013, Art. 12 N 113). Von besonderer Bedeutung ist er bei arbeitsteiligem Zu-

sammenwirken oder Zusammentreffen mehrerer Personen, weil und soweit jeder 

sich auf den anderen verlässt und verlassen können muss (Donatsch/Tag, Straf-

recht I – Verbrechenslehre, 9. Aufl., Zürich 2013, S. 355 f.). Der Vertrauensgrund-

satz unterliegt allerdings einer Reihe von Einschränkungen. So greift er von vor-

neherein dort nicht, wo und soweit Sorgfaltspflichten auf die Überwachung, Kon-

trolle oder Beaufsichtigung des Verhaltens anderer gerichtet sind, die gerade de-

ren Fehlverhalten entgegenwirken sollen. Auf fremde Sorgfalt darf sodann dort 

nicht mehr vertraut werden, wo konkrete Anzeichen auf das Gegenteil hinweisen 

(Niggli/Maeder, a.a.O., Art. 12 N 115; Donatsch/Tag, a.a.O., S. 356). 

-   15   - 

2.3.2. Die Anklageschrift vom 24. März 2011 wirft dem Beschuldigten vor, er habe 

gegenüber den beiden vor Ort mit dem Abbruch des Vordaches betrauten und in 

statischen Problemstellungen nicht bzw. jedenfalls nicht ausreichend fachkundi-

gen Mitarbeitern A._____ (Privatkläger) und G._____ lediglich rudimentäre In-

struktionen erteilt, insbesondere ohne die beiden auf allfällige statische Probleme 

bzw. Gefahren bei abzusägenden Elementen des Vordaches ohne stützenden 

Unterzug hinzuweisen. Zudem habe er bis zum 12. Juni 2008 (Unfalltag) nicht 

bzw. nicht verbindlich angeordnet und auch nicht durchgesetzt bzw. kontrolliert, 

dass zumindest Betonelemente ohne stützenden Unterzug abgestützt bzw. ge-

spriesst worden seien (Urk. 4 S. 2 f.). 

2.3.3. Nach Art. 3 Abs. 1 BauAV müssen Bauarbeiten so geplant werden, dass 

das Risiko von Berufsunfällen (…) möglichst klein ist und die notwendigen Si-

cherheitsmassnahmen, namentlich bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, ein-

gehalten werden können. Sodann müssen nach Art. 60 Abs. 1 und 2 lit. a und b 

BauAV bei Rückbau- und Abbrucharbeiten vor Arbeitsbeginn die Sicherheitsrisi-

ken abgeklärt und Massnahmen getroffen werden, damit Arbeitnehmerinnen und 

Arbeitnehmer nicht abstürzen und Bauteile nicht unbeabsichtigt einstürzen. Nach 

Art. 60 Abs. 4 BauAV dürfen Rückbau- und Abbrucharbeiten nur unter ständiger 

fachlicher Aufsicht durchgeführt werden. Gemäss Art. 8 Abs. 1 Satz 2 VUV muss 

der Arbeitgeber den Arbeitnehmer, welcher eine gefährliche Arbeit alleine aus-

führt, überwachen lassen. Laut der SUVA-Checkliste "Rückbau- und Abbruchar-

beiten", Ziffer 20, müssen die Mitarbeitenden über die objektspezifischen Gefah-

ren und über die erforderlichen Schutzmassnahmen instruiert werden (vgl. 

http://www.suva.ch/startseite-suva/praevention-suva/arbeit-suva.htm  Gefahren 

 Waswo  Bau, Installationsgewerbe  Rückbau- und Abbrucharbeiten  

PDF "Checkliste: Rückbau- und Abbrucharbeiten"). 

2.3.4. Gemäss den vorstehend zitierten gesetzlichen und privaten Vorschriften 

und nach den Ausführungen im Gutachten (Urk. 99) hatte der Beschuldigte wie 

folgt vorzugehen:  

a) Er hatte als Bauführer vor Beginn der Arbeiten die geeignete Vorgehensweise 

festzulegen und die dabei notwendigen Sicherheitsmassnahmen abzuklären (Pla-

-   16   - 

nung). Dazu gehörten der Einsatz der geeigneten Arbeitsmittel (hier Fräsen und 

Hubstapler) sowie die notwendigen Sicherheitsmassnahmen (hier Abschrankung 

auf dem Vordach, Absperrung des Vorplatzbereiches, allfällige Spriessungen 

etc.). Dann hatte er das geeignete und sichere Arbeitsvorgehen festzulegen, na-

mentlich das maximale Gewicht und die Grösse der abzutrennenden Teile, den 

Verlauf der Trennschnitte und das Vorgehen beim Schneiden der Teile: Schnitte 

quer zur Fassade, Schnitte längs zur Fassade bei unterstelltem Hubstapler etc. 

Dabei hatte er die Tragwirkung der Unterzüge und der Vordachplatten (von Un-

terzug zu Unterzug) zu berücksichtigen. Die Standsicherheit der verbleibenden, 

noch nicht abgetrennten Teile hatte er zu beurteilen und zu gewährleisten 

(Urk. 99 S. 6).  

b) Hernach hatte er dem Privatkläger die bauspezifischen Angaben klar zu kom-

munizieren (Instruktion). In diesem Fall waren dies die prinzipielle Lage der 

Schnitte und eine allfällige Spriessung. Dabei konnte nach Einschätzung des 

Gutachters beim Privatkläger als angelerntem Betonfräser, der im Ausland 

Schlosser gelernt und später dort eine dreimonatige Maureranlehre gemacht hat-

te, das dazu notwendige Wissen nicht vorausgesetzt werden. Der Bauführer sei 

für die Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich und habe derart sicherheitsrele-

vante Entscheide wie die Festlegung der Schnitte grundsätzlich selber zu über-

prüfen, wenn er sie nicht selbst festlege. Er habe auch die anderen Sicherheits-

massnahmen wie Absperrungen, Absturzsicherungen etc. anzuordnen und zu 

überprüfen (Urk. 99 S. 10). 

c) Hernach sei das notwendige Material zu bestellen gewesen, und zwar von der-

jenigen Person, die mit der Arbeitsvorbereitung betraut und dafür entsprechend 

ausgebildet sei. Im Normalfall sei dies die Aufgabe des Poliers. Bei der vorliegen-

den Baustelle habe jedoch (gemäss Aussagen in den Protokollen Urk. 11 und 12) 

der Bauführer die Arbeitsvorbereitung gemacht und den Privatkläger instruiert, 

d.h. er habe die Funktion des Poliers wahrgenommen, weshalb – so der Gutach-

ter konkludent – die Materialbestellung dessen Aufgabe gewesen sei (Urk. 99 

S. 10). 

-   17   - 

d) aa) Schliesslich habe der Beschuldigte sicherstellen müssen, dass der Abbau-

vorgang in der von ihm instruierten Art und Weise sicher durchgeführt wurde 

(Überprüfung). Er sei als Bauführer für die Sicherheit auf der Baustelle verant-

wortlich gewesen. Auf einer Baustelle dieser Art – speziell, wenn kein Polier vor-

handen sei – sei es deshalb notwendig gewesen, dass der Beschuldigte bei sei-

ner Anwesenheit das Vorgehen und die Implementation der Sicherheitsvorkeh-

rungen kontrollierte (insb. Vorgehen beim Abbau etc.). Eine Delegation der Ver-

antwortung für die Arbeitsausführung an den Privatkläger war vorliegend nach 

(konkludenter) Einschätzung des Gutachters nicht zulässig: Zum einen sei eine 

Weiterbildung des Privatklägers – eines Betonfräsers bzw. Schlossers – zum 

Vorarbeiter in den Akten nicht erwähnt. Bei einem angelernten Betonfräser könne 

das notwendige Wissen bezüglich der Tragwirkung eines derartigen Stahlbeton-

vordaches nicht vorausgesetzt werden, auch wenn er eine grosse Fräserfahrung 

besitze (Urk. 99 S. 12). 

bb) Der Beschuldigte lässt eine Überwachungs- und Kontrollpflicht bestreiten und 

begründet dies damit, dass der Privatkläger ein fachlich ausgewiesener Vorarbei-

ter gewesen sei. Nicht nur das Personalblatt und seine entsprechende Entlöh-

nung, sondern auch seine Fähigkeiten, statische Berechnungen vorzunehmen, 

festzustellen, dass es Elemente ohne Unterzug gab, und zu erkennen, dass dort 

eine Spriessung nötig war, zeigten auf, dass er als Vorarbeiter von der zu erledi-

genden Arbeit mindestens soviel wie der Beschuldigte verstand und imstande 

war, den Abbruchauftrag ohne weitere Anweisungen des Beschuldigten und Kon-

trollen selbständig durchzuführen. Der Privatkläger habe zudem aus seiner Be-

rufserfahrung und den Weiterbildungen offensichtlich gewusst, dass beim Ab-

bruch nicht gesicherte Bauteile nicht betreten werden dürften (Urk. 109 S. 7 f.). 

cc) Diesen Einwänden des Beschuldigten kann nicht gefolgt werden. Der Gutach-

ter hat entgegen der Verteidigung (Urk. 109 S. 8 f.) nicht ausgeschlossen, dass 

der Privatkläger bei der Firma H._____ als "Vorarbeiter Betonbohren Fräsabtei-

lung" (Urk. 11/1 S. 3) angestellt war. Er hat nur – zu Recht – festgestellt, dass ei-

ne Weiterbildung des Privatklägers zum Vorarbeiter in den Akten nicht erwähnt 

sei. Er hat ebenfalls zu Recht darauf hingewiesen, dass der Privatkläger in Ex-

-   18   - 

Jugoslawien Schlosser gelernt hatte und dann von der Firma H._____ AG noch in 

eine dreimonatige Maurerlehre – wobei angesichts der kurzen Dauer mit dem 

Gutachter der Begriff Anlehre treffender ist – nach Ex-Jugoslawien geschickt wor-

den war. Richtig ist auch, dass der Privatkläger nur angelernter Betonfräser war 

(Urk. 99 S. 10), auch wenn er schon viele Jahre als solcher gearbeitet hatte. Er 

hatte selber ausgeführt, dass er das Betonfräsen einfach zirka drei Monate lang 

von einem Arbeitskollegen gelernt habe; danach habe er gleich selbständig gear-

beitet (Urk. 11/1 S. 3). Der Schluss des Gutachters, dass der Bauführer dem Be-

tonfräser deshalb bauspezifische Angaben klar hätte kommunizieren müssen und 

bei diesem das dazu notwendige Wissen nicht habe vorausgesetzt werden kön-

nen (Urk. 99 S. 10), ist daher nicht zu beanstanden. Dasselbe gilt für die gut-

achterliche Folgerung, dass der Beschuldigte sicherzustellen gehabt hätte, dass 

der Abbauvorgang in der von ihm instruierten Art und Weise sicher durchgeführt 

wurde (Urk. 99 S. 12). Die Verteidigung spricht schliesslich allzu beschönigend 

von angeblichen Fähigkeiten des Privatklägers, statische Berechnungen vorzu-

nehmen. Dass es damit allerdings nicht weit her ist, hat auch der Beschuldigte er-

kannt (Urk. 12/2 S. 6: "eine statische Ausbildung hatte er, denke ich, nicht"; 

Urk. 12/3 S. 4: "Ich sehe auch, dass sie keine statischen Berechnungen machen 

können"). Im Gegenteil hatte A._____ nur eine äusserst rudimentäre Ahnung von 

Statik, was sich z.B. daran zeigte, dass er den Begriff "Statik" auf Aufforderung 

wie folgt definierte: "Wenn es Risse in der Decke gibt, muss ich unterstellen" 

(Urk. 11/1 S. 3). Es versteht sich von selbst, dass, wer eine derartige Auffassung 

von Statik hat, irgendwann einmal zu spät kommt. 

2.3.5. Es ist damit nunmehr zu prüfen, ob der Beschuldigte seinen derart ermittel-

ten Sorgfaltspflichten in Bezug auf Planung, Instruktion und Überwachung nach-

gekommen ist. 

a) Planung und Instruktion 

aa) Hierzu führt der Gutachter aus, dass das Tragprinzip eines Bauwerks zur 

Planung von Abbrucharbeiten unbedingt einbezogen werden müsse. Die Beweh-

rung (d.h. die Armierung) müsse dazu jedoch nicht im Detail bekannt sein (Urk. 99 

S. 8). Jedem Baufachmann (Maurer, Eisenleger, Polier, Bauführer etc.) müsse 

-   19   - 

klar sein, dass eine Stahlbetonkragplatte wie das Vordach des Werkgebäudes 

F._____ primär von den Unterzügen bzw. den Unterzugsbereichen getragen wer-

de und die Tragwirkung der Platte vor allem von Unterzug zu Unterzug erbracht 

werde. Hinten im Unterzug liege deshalb oben eine kräftige Bewehrung. Diese sei 

in Urk. 2 S. 8 unten klar erkennbar. In der Platte selbst liege eine vergleichsweise 

schwache Bewehrung vor allem unten, quer zu den Unterzügen, d.h. parallel zur 

Fassade. Dazu komme allenfalls eine obere Bewehrung hinten in der Platte, quer 

zur Fassade, dort, wo entlang der Fassade geschnitten worden sei. Damit sei 

klar, dass ein auskragender Plattenteil ohne einen Unterzug im mittleren Bereich 

des Teiles nicht als tragsicher zu betrachten sei. Die logische Folge für den Ab-

bau bei diesem Tragsystem wären Trennschnitte jeweils in der Mitte zwischen 

den Unterzügen gewesen (vgl. Abbildung 1a in Urk. 99 S. 7). Wenn nun aber die 

Unterzüge so weit auseinanderlägen, dass die einzelnen Elemente bei dieser Ab-

bauart vom Gewicht her zu schwer würden, so könnten jeweils zuerst Zwischen-

teile ohne Unterzug mit dem Hubstapler unterstützt und entfernt werden, und erst 

danach die Teile mit den Unterzügen (vgl. Abbildung 1b in Urk. 99 S. 7). Die 

Fräsarbeiten für die Trennschnitte würden damit allerdings wesentlich aufwendi-

ger, weil Zwischenschnitte gemacht werden müssten (Urk. 99 S. 7). 

bb) Im vorliegenden Fall nun seien die Trennschnitte offensichtlich nach einem 

fest vorgegebenen Abstand von rund 3,3 m und ohne spezielle Rücksicht auf die 

Unterzüge festgelegt worden. Die in Kragrichtung vorgeschnittenen Plattenteile 

hätten dabei je einen Unterzug im mittleren Bereich benötigt, um tragsicher zu 

bleiben – entsprechend sei ein rechtwinklig zur Fassade gefräster Plattenteil ohne 

Unterzug schon gar nicht tragsicher. Analog zum Vorgehen nach Abbildung 1b 

hätte beim vorliegend gewählten Abbauvorgang das Element 8 – also dasjenige 

ohne Unterzug – zuerst, beim Einschneiden rechtwinklig zur Fassade und vor 

dem auf den Fotos rechts davon liegenden Element 7, unterstützt und sicher ab-

gebaut werden können – indessen mit dem erhöhten Aufwand der mehrfachen 

Umstellung der Fräse. Die Unterstützung der abzubauenden Stahlbetonteile mit 

dem Hubstapler sei vorliegend mit Bezug auf die Länge (vgl. insb. Urk. 99 S. 8 

oben) und das Gewicht (vgl. insb. Urk. 99 S. 9 unten) der einzelnen Teile durch-

aus möglich gewesen (Urk. 99 S. 7 f.). 

-   20   - 

cc) Zusammenfassend hält der Gutachter somit fest, dass ein grundsätzlich 

taugliches Abbauvorgehen geplant gewesen sei – dass dabei aber diejenigen 

Elemente, bei denen der Unterzug nur seitlich gelegen sei, und insbesondere das 

Element 8, bei dem gar kein Unterzug vorhanden gewesen sei, nicht mehr tragsi-

cher gewesen seien. Diese Elemente, so der Gutachter, hätten somit entweder 

"zuerst" (vgl. Urk. 99 S. 7 achtunterste Zeile) – gemeint: vor und während des je 

seitlichen Einschneidens rechtwinklig zur Fassade – mit dem Hubstapler unter-

stützt und so abgebaut werden müssen (gemäss Abbildung 1b in Urk. 99 S. 7), 

oder sie hätten gespriesst werden müssen, und zwar ebenfalls vor Vornahme der 

beiden seitlichen Einschnitte rechtwinklig zur Fassade. Diese zeitliche Reihenfol-

ge – zuerst mit dem Hubstapler unterstützen oder spriessen, dann rechtwinklig 

einschneiden und erst dann der Dachkante entlang abschneiden (und dann ab-

tragen) – ergibt sich zwingend daraus, dass nach Ansicht des Gutachters zumin-

dest Elemente ohne Unterzug eben nicht tragsicher waren. Diese Ansicht teilt im 

Übrigen auch der Beschuldigte (vgl. Urk. 109 S. 3: "Der Bauführer hat … klar er-

kannt, dass ein Plattenteil ohne Unterzug nicht tragsicher ist."). Ob ein solches si-

cheres Abbauvorgehen – mit der genannten zeitlichen Reihenfolge der Ablauf-

schritte – geplant war, ist nun im Folgenden anhand der Aussagen der Beteiligten 

zu überprüfen. Unerheblich kann im Übrigen bleiben, dass der Beschuldigte ent-

gegen dem Gutachter der Ansicht ist, Elemente mit seitlichen Unterzügen seien – 

offensichtlich – absturzsicher gewesen (Urk. 109 S. 2 unten). 

dd) Der Beschuldigte gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 
19. Juni 2008 an, er habe das Vorgehen mit A._____ und C._____ besprochen. 

Er habe A._____ gesagt, dass er bei dem Element ohne Unterzug sowie bei der 

Dilatationsfuge aufpassen müsse und dass er eventuell eine Spriesswinde benüt-

zen müsse (Urk. 12/1 S. 5 f.). Pläne aus der Erstellungszeit mit Angaben über die 

Armierung habe es nicht gegeben. Nachdem das erste Betonelement abgenom-

men worden war, sei ersichtlich gewesen, wie viel Armierung im Beton enthalten 

war (Urk. 12/1 S. 3 f., S. 5). Auf Frage, was seiner Meinung nach der Grund für 

das Abbrechen des 8. Betonelements war, führte der Beschuldigte aus, dass sich 

erstens A._____ auf dem Element befunden habe, dass zweitens problematisch 

gewesen sei, dass beide Querschnitte bereits gemacht worden seien, dass das 

-   21   - 

Element drittens keinen Unterzug gehabt habe, dass es viertens nicht mit einem 

Spriess gestützt gewesen sei und es fünftens eine andere Armierung gehabt habe 

als die anderen Elemente. Er denke, dass der fünfte Grund der Hauptgrund ge-

wesen sei nebst dem, dass A._____ selber auf dem Element war (Urk. 12/1 

S. 6 f.). Bei der Staatsanwaltschaft am 15. März 2010 erklärte der Beschuldigte, 

dass sie – er und A._____ – bei der Festlegung der Grösse der Elemente festge-

stellt hätten, dass der Abstand der Unterzüge teilweise grösser gewesen sei als 

die berechneten Elemente. Sie hätten gesehen, dass es an einem Ort keinen Un-

terzug gehabt habe, und dass man beim letzten Element nicht habe schneiden 

können, weil man sonst in den benachbarten Gebäudekörper geschnitten hätte. 

Er habe A._____ gesagt, dass er bei der Dilatationsfuge und bei dem Element 

ohne Unterzug aufpassen müsse sowie beim letzten Element, welches man mit-

tels eines Bohrgerätes von unten habe abtrennen müssen. Er habe gesagt, dass 

man bei diesen drei Elementen unterspriessen müsse (Urk. 12/2 S. 7). Anlässlich 

der Einvernahme vom 24. März 2011 erklärte der Beschuldigte, dass er A._____ 

gesagt habe, dass er das Element ohne Unterzug spriessen oder mit dem Stapler 

unterstellen müsse. Warum das niemand gehört habe, wisse er nicht (Urk. 12/3 

S. 2 und 4). Vor Vorinstanz bestätigte der Beschuldigte wiederum, dass er 

A._____ gesagt habe, bei drei Elementen "zu spriessen, d.h. stützen". Auf die 

Frage, ob er, als er am Morgen des 12. Juni 2008 vor Ort und Stelle gewesen sei, 

seine Anordnungen kontrolliert habe, antwortete der Beschuldigte: "Er war noch 

nicht so weit mit der Arbeit". Er habe eine Spriessung sicher nicht verneint. Er ha-

be A._____ sogar explizit gesagt, dass er spriessen müsse. Er habe es ja noch 

nicht kontrollieren können, weil der Geschädigte mit der Arbeit noch nicht so weit 

gewesen sei (Urk. 47/2 S. 2 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der 

Beschuldigte auf Frage, ob eine Unterspriessung vorhanden gewesen sei, als er 

das letzte Mal auf der Baustelle gewesen sei, aus: "Da war er dort gar noch nicht 

am Arbeiten, er war noch weiter vorne am Arbeiten". Er habe sich darauf verlas-

sen, dass er eine Unterspriessung machen werde. A._____ sei ein erfahrener 

Bauarbeiter, der das auch mache, ohne dass er etwas sage. Er habe es aber 

auch gesagt (Urk. 74 S. 4 f.). 

-   22   - 

ee) Der Privatkläger A._____ erklärte anlässlich der polizeilichen Einvernahme 
vom 25. Juli 2008 auf die Frage, wieso es zum Sturz gekommen sei, sein Chef, 

Herr B._____ (der Beschuldigte), habe gesagt, der Beton habe zu wenig Eisen 

enthalten. Er selber wisse nicht, warum der Beton gerissen sei. Auf Frage, wes-

halb die Betonelemente keine Stützen gehabt hätten, sagte er, das sei anschei-

nend nicht gebraucht worden. Sein Chef habe gemeint, dass dies nicht nötig sei, 

da der Beton genügend Eisen habe (Urk. 10 S. 3 f.). Als Zeuge führte der Privat-

kläger am 13. Juli 2010 bei der Staatsanwaltschaft aus, am 11. Juni 2008 (dem 

Tag vor dem Unfall) habe er die Elementabschnitte mit Spickschnur eingezeich-

net, so wie er sie habe einschneiden wollen. Am 12. Juni 2008 sei er um 6.30 Uhr 

zum Magazin gefahren und habe dort Herrn B._____ gesagt, dass ein Betonele-

ment ohne Unterzug sei. Seine Antwort sei gewesen: "Ja, was, A._____". Er habe 

zu B._____ gesagt, es habe zu viel Eisen in der Nähe des Unterzugs, worauf die-

ser gesagt habe, dass dies ganz normal sei. Als B._____ um 11.30 Uhr auf die 

Baustelle gekommen sei, sei er mit ihm aufs Dach gegangen, um zu schauen. Er 

habe seinem Chef dort gezeigt, dass es Fugen und ein Betonelement ohne Un-

terzug habe. Er habe gefragt, ob er unterstellen müsse, worauf B._____ gesagt 

habe, nein, das müsse er nicht tun (Urk. 11/1 S. 5). Ursprünglich habe B._____ 

die Elemente auf 4 Meter berechnet, dann hätte jedes Element zwei Unterzüge 

gehabt. Als man auf 3,5 Meter gewechselt habe, sei ihm aufgefallen, dass ein 

Element keinen Unterzug gehabt habe. Deshalb habe er dies Herrn B._____ mit-

geteilt (Urk. 11/1 S. 11). Bis dahin habe B._____ keine Ahnung von einem Ele-

ment ohne Unterzug gehabt (Urk. 11/1 S. 15). Es sei ihm (dem Privatkläger) nicht 

bewusst gewesen, dass es gefährlich gewesen sei, ein Element zu betreten, das 

schon an zwei Seiten vor- und hinten schon zu einem Viertel angesägt war. Herr 

B._____ habe ihm ja auch gesagt, er müsse nicht unterstellen. Am ersten Tag sei 

besprochen worden, dass es wie immer gemacht würde, indem man den Stapler 

unterstelle (Urk. 11/1 S. 14 f.). Auf Frage, wo er die Ursache bzw. den Fehler für 

seinen Sturz sehe, sagte der Privatkläger, er habe mit Herrn B._____ viel darüber 

gesprochen. Seiner Meinung nach sei in diesem Element zu wenig Eisen gewe-

sen. Auf Vorhalt, dass der Beschuldigte den Fehler bei ihm (dem Privatkläger) 

sehe, erklärte der Privatkläger, der Beschuldigte habe ihm nichts von Unterstellen 

-   23   - 

gesagt. Als er B._____ berichtet habe, dass ein Element keinen Unterzug habe, 

habe dieser das Element mit ihm zusammen angeschaut und sei drauf gestanden 

(Urk. 11/1 S. 16 f.). 

ff) C._____, welcher bis kurz vor Mittag des Unfalltags ebenfalls auf der Bau-
stelle mit dem Abbruch des Vordachs beschäftigt und dem Privatkläger beim Be-

tonfräsen und mit dem Stapler behilflich war (Urk. 11/3 S. 2), gab als Zeuge auf 

die Frage, ob der Beschuldigte ihm damals gesagt habe, dass es problematisch 

sein könne, wenn ein Element des Vordaches keinen Unterzug habe, an, über 

das sei nie gesprochen worden. Er höre dies zum ersten Mal. Jedenfalls sei mit 

ihm nie darüber gesprochen worden (Urk. 11/3 S. 7 f.). Weiter antwortete er, über 

Spriessung habe niemand gesprochen. B._____ habe nichts von Spriessung ge-

sagt, zumindest ihm gegenüber nicht. Dass man nicht auf noch nicht abgesägte 

Elemente, insbesondere ohne Unterzug, gehen dürfe, habe B._____ nicht gesagt. 

Bis zum Unfall seien sie den ganzen Tag über diese Elemente gegangen 

(Urk. 11/3 S. 8). 

gg) Die übrigen befragten Personen konnten keine sachdienlichen Aussagen 

machen. Es kann auf die zutreffende Wiedergabe dieser Aussagen durch die Vo-

rinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 16 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

hh) Bezüglich der Glaubwürdigkeit der beteiligten Personen kann ebenfalls 

grundsätzlich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-

den (Urk. 64 S. 11, 14, 15 u. 17). Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass 

sowohl der Beschuldigte als auch der Privatkläger ein persönliches Interesse am 

Ausgang des vorliegenden Verfahrens haben. Dies macht ihre Depositionen an 

sich nicht per se unglaubhaft, es ist aber bei der Würdigung ihrer Aussagen zu 

berücksichtigen. Bei der Würdigung von Aussagen ist allerdings in erster Linie die 

Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen massgebend. 

ii) aaa) Was die konkreten Aussagen der Beteiligten anbelangt, ist festzuhal-

ten, dass sich die Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers insofern 

decken, als beide angaben, man habe festgestellt, dass ein Betonelement des 

Vordaches keinen Unterzug gehabt habe. Ob der Beschuldigte jedoch aufgrund 

-   24   - 

dieser Feststellung eine Unterstellung dieses 8. Elements mittels Spriessung in 

seine Planung aufnahm und diese auch anordnete, ist fraglich. Bereits die ersten 

Aussagen des Beschuldigten bei der Polizei am 19. Juni 2008 lassen hieran Zwei-

fel aufkommen. Damals gab er an, dem Privatkläger gesagt zu haben, dass er 

beim Element ohne Unterzug aufpassen und eventuell eine Spriesswinde benüt-

zen müsse (Urk. 12/1 S. 5). Eine verbindliche Instruktion tönt indes anders. Erst 

bei der Staatsanwaltschaft am 15. März 2010 – fast zwei Jahre später – will er 

ganz klar gesagt haben, dass man unterspriessen müsse (Urk. 12/2 S. 7). Ein 

weiteres Jahr später, am 24. März 2011, war das Spriessen dann wiederum nur-

mehr eine von zwei Möglichkeiten: Der Beschuldigte sprach dort davon, dass er 

A._____ gesagt habe, dass er dieses Element spriessen oder mit dem Stapler un-

terstellen müsse; "man hätte auch mit einem Stapler direkt unterstellen und dann 

schneiden können" (Urk. 12/3 S. 2).  

bbb) Weiter ist auffällig, dass sowohl der Beschuldigte als auch der Privatkläger in 

ihren ersten Aussagen – welchen aufgrund der zeitlichen Nähe zum Ereignis ge-

meinhin erhöhte Bedeutung beizumessen ist – mehrfach auf die angeblich man-

gelnde Bewehrung bzw. Armierung des abgebrochenen 8. Elements hinwiesen. 

Der Beschuldigte erklärte, nach der Abnahme des ersten Elements sei ersichtlich 

gewesen, wie viel Armierung darin enthalten war. Man habe nicht ahnen können, 

dass ein Element weniger Armierungen aufweisen würde. Er nannte in der Folge 

als Hauptgrund für das Abbrechen die "andere Armierung" des 8. Elements; "an-

hand von den ersten Elementen hätte dies nicht passieren dürfen" (Urk. 12/1 S. 4 

und 6 f.). Diese Aussagen lassen es zumindest als möglich erscheinen, dass der 

Beschuldigte aufgrund der Armierung des ersten Elements auf die Armierung der 

übrigen schloss, was angesichts des Fehlens eines Armierungsplanes zweifellos 

ein nicht ganz risikoloses Vorgehen war, und dass er darüber hinaus die Armie-

rung für ausreichend taxierte und ein Spriessen entsprechend für unnötig hielt 

(was nicht den Regeln der Baukunst entsprach, nachdem der Gutachter festge-

stellt hat, dass die Tragwirkung hier vor allem von Unterzug zu Unterzug erbracht 

wurde, was der Beschuldigte nunmehr wiederum anerkannt hat; Urk. 77 S. 5, 

Urk. 109 S. 3 Abs. 3). Übereinstimmend erklärte denn auch der Privatkläger, sein 

Chef habe gemeint, dass ein Abstützen der Elemente nicht nötig gewesen sei, da 

-   25   - 

der Beton genügend Eisen habe. Herr B._____ habe ihm im Spital gesagt, es ha-

be nur sieben Eisen gehabt mit 6 oder 8 mm Durchmesser (Urk. 11/1 S. 16). Da-

rauf, dass möglicherweise tatsächlich ein Abbauverfahren ohne Spriessung ge-

plant war, deutet ferner auch die Tatsache hin, dass keiner der Beteiligten je Aus-

sagen betreffend Typ und Anzahl der notwendigen Spriesse machte und auch 

von einer Spriessmaterial-Bereitstellung nirgends konkret die Rede war. 

ccc) Schliesslich lässt sich aber aus der chronologischen Abfolge der Ereignisse 

klar ableiten, dass der Beschuldigte ein Spriessen des 8. Elements weder geplant 

noch A._____ entsprechend instruiert hatte. Der Beschuldigte führte aus, er habe 

mit A._____ und C._____ das Vorgehen besprochen, dass man die Elemente mit 

dem Stapler abtransportiere (Urk. 12/1 S. 6). Auch die nötigen Sicherheitsvorkeh-

ren seien "im Detail" besprochen worden (Urk. 77 S. 8). A._____ führte aus, sein 

Chef habe ihm keine Anweisungen gegeben, in welcher Reihenfolge er die Ele-

mente zu schneiden hatte. Das Vorwegeinschneiden quer zum Dachverlauf wür-

den sie immer so machen. Er habe das so gelernt und mache das seit 15 Jahren 

so (Urk. 11/1 S. 8 und 13). Am Morgen des 12. Juni 2008 habe er das Vordach in 

Elemente geschnitten. Sie hätten aber immer so gearbeitet, dass sie nur so viel 

Beton eingeschnitten hätten, wie sie an diesem Tag hätten entfernen können, 

wegen der Sicherheit (Urk. 10 S. 3 f.). Dass aber auch der Beschuldigte den übli-

chen Arbeitsablauf des Privatklägers bei solchen Fräsarbeiten kannte, obwohl er 

ihm hinsichtlich der Reihenfolge keine Anweisungen gegeben hatte, erhellt aus 

seiner polizeilichen Aussage, wonach A._____ Quer- oder auch Einschnitte in das 

Betonvordach gemacht habe. Dann habe er mit den Längsschnitten begonnen 

und ein Element nach dem anderen weggefräst (Urk. 12/1 S. 6). Damit ist schon 

an dieser Stelle festzuhalten, dass Aussagen des Beschuldigten, in welchen er 

diese von ihm selbst abgesegnete Vorgehensreihenfolge in Frage stellte, nicht 

überzeugen können. Es hilft ihm nicht weiter (im Gegenteil), es nachträglich als 

"problematisch" zu bezeichnen, dass beim 8. Element beide Querschnitte schon 

gemacht worden waren (Urk. 12/1 S. 6) – wenn dies doch von ihm so geplant war. 

Es bringt nichts mehr, darauf hinzuweisen, dass man auch mit einem Stapler di-

rekt hätte unterstellen und (erst) dann hätte schneiden können (Urk. 12/3 S. 2) – 

es war von ihm anders geplant. Er handelte in der Berufungsverhandlung eine 

-   26   - 

reine Hypothese ab, als er ausführte, dass es, wenn man den Querschnitt noch 

nicht gemacht hätte, "schon gehalten" hätte, da man ja "zwei Seiten tragend" ge-

habt hätte (Urk. 74 S. 5 f.): Das von ihm selbst geplante und gebilligte Vorgehen 

sah vor, dass zuerst beide Querschnitte gemacht wurden und die Elemente dann 

nur noch an der Hinterseite mit der Dachkante verbunden waren – mit dem Resul-

tat, dass damit zumindest das 8. Element ohne Unterzug eben nicht mehr tragsi-

cher war (Urk. 99 S. 8). Zu klären bleibt die Frage, wie viele Elemente der Privat-

kläger an diesem Tag des 12. Juni 2008 bereits quer vorgesägt hatte, wenn er 

immer nur so viel Beton einschnitt, wie er an diesem Tag entfernen konnte. Wenn 

auch reichlich vage, so behauptete der Beschuldigte doch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung immerhin, er glaube, es seien noch nicht alle Querschnitte ge-

macht gewesen, als er am Unfalltag um die Mittagszeit auf der Baustelle gewesen 

sei – wobei er es "nicht genau" sagen könne, da er es "nicht so genau" gesehen 

habe (Urk. 74 S. 8). Die Antwort auf die Frage geben die polizeilichen Fotos in 

Urk. 2 S. 10: Darauf sind mindestens zwei weitere schon vorgenommene Quer-

schnitte deutlich zu erkennen (vgl. auch die Bildlegende der Polizistin: "wurde be-

reits eingesägt"). Daraus folgt, dass die Querschnitte bis zum 10. Element schon 

gemacht waren, als der Beschuldigte am Unfalltag nochmals auf der Baustelle 

war – wovon er ja aber auch ausging und ausgehen musste, da dies dem von ihm 

angeordneten Vorgehen entsprach (vgl. Urk. 12/1 S. 6 Antwort 29). Hieraus ergibt 

sich nun, dass die mehrfach (vgl. Urk. 47/2 S. 3 f.; Urk. 74 S. 4) und zuletzt in der 

Stellungnahme zum Gutachten geäusserten Thesen des Beschuldigten und der 

Verteidigung, dass die Überprüfung der Spriessung nicht möglich war, weil die 

Abbrucharbeiten über Mittag noch nicht so weit fortgeschritten waren, dass sie 

bereits hätten ausgeführt sein müssen (Urk. 109 S. 3), und dass er bei seinem 

letzten Besuch auf der Baustelle "selbstverständlich" gesehen habe, dass das 

8. Element noch nicht gespriesst gewesen sei, dass er aber davon habe ausge-

hen dürfen, dass "wie üblich nach Baufortschritt von Element zu Element" die 

notwendigen Arbeiten ausgeführt worden wären (Urk. 109 S. 7), ins Leere zielen 

und sich als blosse Schutzbehauptungen entpuppen. Die Spriessung oder Unter-

stellung zumindest des 8. Elements hätte – wie vom Gutachter nachvollziehbar 

ausgeführt (vgl. oben Erw. II.2.3.5. a) cc)) – vor Ausführen der beiden Querschnit-

-   27   - 

te erfolgen müssen und nicht erst bei dessen Abtrennung vom Gebäude, zumal 

es dann ohnehin durch den Stapler gestützt und in der Folge von diesem ab-

transportiert worden wäre. Hätte der Beschuldigte dies lege artis so geplant, dann 

hätte er spätestens am Unfalltag, als er "selbstverständlich" erkannte, dass das 

8. Element nicht gespriesst war, umgehend veranlasst, dass dies sofort nachge-

holt worden wäre, zumal er gemäss den Angaben von D._____ und C._____ so-

gar wusste, dass beide oft bzw. zwangsläufig über die angesägten Elemente ge-

hen mussten (Urk. 11/1 S. 17; Urk. 11/3 S. 8). Dass er dies aber nicht veranlass-

te, bedeutet, dass er es auch nicht so geplant (und auch nicht so kommuniziert) 

hatte. Damit hat der Beschuldigte nachweislich seine vorgeschriebenen Pla-

nungspflichten verletzt. 

jj) Bei dieser Beweislage kommt den Aussagen der weiteren Beteiligten unterge-

ordnete Bedeutung zu, insbesondere der zugegebenermassen etwas wider-

sprüchlichen Passage in den Aussagen des Privatklägers in der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 13. Juli 2010, als er glauben machen wollte, nicht 

gewusst zu haben, welchem Zweck Unterzüge dienen, und gar nicht auf die Idee 

gekommen sei, dass Elemente ohne Unterzüge schlechter abgestützt seien 

(Urk. 11/1 S. 10 f.). Ob er dabei sein Verhalten, das an zweieinviertel Seiten ab- 

oder angesägte 8. Element ohne Unterzug betreten zu haben, in ein besseres 

Licht rücken wollte, weil er befürchtete, dadurch vielleicht Nachteile zu erleiden, 

kann aber wie gesagt offen bleiben. Dies auch, weil die übrigen Aussagen des 

Privatklägers keinen Anlass zu Bemerkungen geben. Sie sind konstant, indem er 

etwa immer wieder unmissverständlich ausführte, B._____ habe ihm gesagt, er 

müsse nicht unterstellen. Sie sind auch anschaulich und authentisch, etwa die 

mehrfach geäusserte Bemerkung, B._____ habe auf seinen Hinweis, dass ein 

Element ohne Unterzug sei, geantwortet: "Ja was, A._____" (Urk. 11/1 S. 5 und 

11). Auch die Zeugenaussagen von C._____ lassen Zweifel an einer pflichtge-

mässen Planung und Instruktion durch den Beschuldigten aufkommen, indem 

dieser die Aussagen des Privatklägers insofern bestätigte, als er klar in Abrede 

stellte, dass jemals über eine Unterstellung bzw. Spriessung von Elementen ge-

sprochen worden sei (Urk. 11/3 S. 8). 

-   28   - 

c)  Überwachung 

Ausführungen zur Überwachungspflicht des Beschuldigten (vgl. oben 

Erw. II.2.3.4. d) erübrigen sich daher grundsätzlich. Der Klarheit halber ist Fol-

gendes zu ergänzen: Selbst wenn davon auszugehen gewesen wäre, dass der 

Beschuldigte seinen Planungs- und Instruktionspflichten nachgekommen wäre, so 

hätte er sich immer noch den Vorwurf der Verletzung seiner Überwachungspflich-

ten gefallen lassen müssen. Um diesen nachzukommen, wäre es insbesondere 

seine Pflicht gewesen, spätestens am Unfalltag, als er um ca. 11.30 Uhr auf der 

Baustelle war, zu kontrollieren, ob die Spriessung der besagten Vordachelemente 

erfolgt war. Wie vorstehend ausgeführt (vgl. oben Erw. II.2.3.5. a) ii) ccc)), hätte 

die Spriessung zu diesem Zeitpunkt notwendigerweise stehen müssen. Indem der 

Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt die umgehende Spriessung nicht anordnete, 

wäre er auch seinen vorgeschriebenen Kontrollpflichten nicht nachgekommen. 

2.3.6. Fazit 

Dem Beschuldigten ist demnach vorzuwerfen, dass er es unter Missachtung sei-

ner gesetzlichen und privaten Planungspflichten unterliess, ein Abbauvorgehen 

mit der notwendigen Spriessung zumindest des 8. Vordachelements ohne Unter-

zug vorzusehen.  

2.4. Vorhersehbarkeit / Adäquanz 

2.4.1. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung bil-

det überdies die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Der Vorwurf mangelnder Planung 

ist demnach erst dann weiter in Betracht zu ziehen, wenn davon ausgegangen 

werden muss, dass die unterlassene Planung für den Unfall des Privatklägers 

auch adäquat kausal war. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen 

für den konkreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar 

gewesen sein, was wiederum nach seinen persönlichen Verhältnissen und den 

Umständen des konkreten Einzelfalls zu beurteilen ist. Daher ist zu fragen, ob der 

Täter damals im Zeitpunkt des Handelns bzw. Unterlassens (ex ante) eine Ge-

fährdung der Rechtsgüter des Privatklägers hätte erkennen können und müssen. 

Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach 

-   29   - 

muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 

den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen 

oder mindestens zu begünstigen (BGE 135 IV 64, Erw. 2.1). Das Verhalten des 

Täters braucht daher nicht die einzige oder unmittelbare Ursache der Schädigung 

zu sein. Unerheblich ist auch, ob der Täter hätte bedenken können und sollen, 

dass sich die Ereignisse gerade so abspielen würden, wie sie sich dann zugetra-

gen haben (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, StGB Kommentar, 19. Aufl., Zü-

rich 2013, Art. 12 N 22). Die Vorhersehbarkeit ist nur zu verneinen, "wenn ganz 

aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden eines Dritten beziehungs-

weise eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzu-

treten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart 

schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des 

Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren – namentlich 

das Verhalten des Beschuldigten – in den Hintergrund drängen" (BGE 135 IV 64, 

Erw. 2.1). Das Verhalten eines Geschädigten oder eines Dritten vermag im Nor-

malfall den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Verhalten 

(bzw. Unterlassen) des Schädigers selbst dann nicht zu beseitigen, wenn das 

Verschulden des Geschädigten oder des Dritten dasjenige des Schädigers über-

steigt (BGE 116 II 519, Erw. 4b). 

2.4.2. Vom Beschuldigten wird in diesem Zusammenhang eingewendet, der Pri-

vatkläger habe den Unfall selber verschuldet, da er wissentlich auf ein Betonele-

ment ohne Unterzug und ohne Abstützung gestanden sei, welches zudem hinten 

zum Gebäudekörper bereits ein wenig eingeschnitten gewesen sei (Urk. 12/2 S. 

9; Urk. 12/3 S. 4; vgl. Urk. 109 S. 8). 

2.4.3. Der Beschuldigte hätte als ausgebildeter Bauführer zum damaligen Zeit-

punkt erkennen können und müssen, dass ein beidseitig (und hier zudem hinten 

teilweise) abgesägtes Betonelement ohne Unterzug nicht tragsicher war und da-

her eine Gefährdung für Leib und Leben des Privatklägers und seines Kollegen 

darstellte. Dies gilt umso mehr, als er auch wusste, dass bei der vorgesehenen 

Abbaumethode der Überschnitt Teil des Arbeitsablaufs und erforderlich war, um 

-   30   - 

den angrenzenden dickeren Unterzug des vorangehenden Vordachelementes 

durchfräsen zu können (Urk. 11/1 S. 8; vgl. Urk. 8/1-3 2d). 

2.4.4. Was den Einwand des Beschuldigten angeht, so ist diesbezüglich noch-

mals (vgl. bereits oben Erw. II.2.3.4. d) cc)) festzuhalten, dass es sich beim Pri-

vatkläger zwar um einen erfahrenen, als Vorarbeiter angestellten Mitarbeiter auf 

dem Gebiet Beton-Bohrer-Fräse handelte, der seit 1988 für die H._____ AG auf 

dem Bau arbeitete. Der Privatkläger verfügte jedoch weder über eine fachspezifi-

sche Ausbildung noch über Kenntnisse betreffend Statik, was der Beschuldigte 

wusste (Urk. 10 S. 1 f.; Urk. 12/2 S. 6). Es war daher nicht Aufgabe des Privatklä-

gers, das Risiko des Betretens eines nicht unterzogenen Vordachelementes ohne 

Unterstellung und bereits mit einem Einschnitt hinten zum Gebäudekörper einzu-

schätzen. Vielmehr war es alleine die Sache des Arbeitgebers bzw. des Baufüh-

rers, die Sicherheitsrisiken abzuklären und die entsprechenden Massnahmen zur 

Sicherheit der Arbeitnehmer zu treffen. Es wäre somit die Pflicht des Beschuldig-

ten gewesen, Vorkehren zu treffen, damit auch das 8. Element tragfähig geblie-

ben wäre. Wenn er dem Privatkläger aber sagte, dass eine Spriessung nicht not-

wendig sei, so durfte sich dieser auf diese Einschätzung des Fachmanns verlas-

sen. Damit hätte es für den vielleicht 80 kg schweren Privatkläger kein Problem 

darstellen sollen, auf das auf zweieinviertel Seiten an- bzw. durchgesägte 

8. Element zu stehen: War das rund 3 Tonnen schwere Element nach Angaben 

des Beschuldigten tragsicher, so hätte sich bei einer generellen Tragsicherheit im 

Stahlbetonbau von mindestens 1,8 – entsprechend 180 % des Gewichts – eine 

unwesentliche Zusatzlast von weniger als 3 % des Gewichts ergeben (vgl. Urk. 99 

S. 13). Und selbst wenn der Privatkläger die Gefahr des nicht unterzogenen Vor-

dachelementes gekannt hätte und trotzdem während der Arbeit wissentlich auf 

dieses Betonelement gestanden wäre, wäre dies nicht ein derart aussergewöhnli-

ches Fehlverhalten, dass es die Pflichtverletzung des Beschuldigten in den Hin-

tergrund drängen würde. 

2.4.5. Die vom Beschuldigten unterlassene Planung der Spriessung des 8. Vor-

dachelements ohne Unterzug ist somit adäquat kausal für dessen Abbruch und 

damit auch für die dem Privatkläger durch den Sturz entstandenen Verletzungen. 

-   31   - 

2.5. Vermeidbarkeit / Relevanz 

2.5.1. Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters zu-

rückzuführen ist, genügt allerdings seine blosse Vorhersehbarkeit nicht. Vielmehr 

muss der Erfolg für den Täter auch vermeidbar gewesen sein. Dabei wird ein hy-

pothetischer Kausalverlauf untersucht, und es wird geprüft, ob der Erfolg aufgrund 

aller im jetzigen Zeitpunkt (ex post) bekannten Umstände bei pflichtgemässem 

Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Dabei genügt es für die Zurechnung des 

Erfolgs, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der 

Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges bildete (BGE 135 IV 65, Erw. 2.1 

und 2.2; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 12 N 26). 

2.5.2. Sowohl im Gutachten wie auch durch den Beschuldigten selber wurde aus-

geführt, dass der Unfall des Privatklägers mit Unterstellen bzw. Spriessen des Be-

tonelementes ohne Unterzug hätte verhindert werden können (Urk. 12/1 S. 6; 

Urk. 12/2 S. 10; Urk. 99 passim). Es ist somit unbestritten und lässt sich nicht von 

der Hand weisen, dass der Unfall und damit die Verletzungen des Privatklägers 

durch die Planung und Durchführung der Spriessung vermeidbar gewesen wäre. 

2.6. Erfolg 

Der Privatkläger zog sich beim Sturz vom Vordach aus 4.40 Metern Höhe schwer-

wiegende Verletzungen insbesondere an der Wirbelsäule und am Rückenmark 

zu, welche bleibende körperliche Beeinträchtigungen zur Folge haben, wie insbe-

sondere eine Fuss- und Zehenheberschwäche rechts, Gefühlsstörungen im Ver-

sorgungsgebiet des rechten Beins und eine gestörte Kontinenz sowie eine voll-

ständige Impotenz. Auch dürfte der Privatkläger nie mehr arbeitsfähig sein 

(Urk. 46 S. 8 f.). Angesichts dieser irreversiblen körperlichen Beeinträchtigungen 

und der bleibenden Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers sind seine durch den 

Sturz erlittenen Verletzungen ohne Weiteres als schwer im Sinne von Art. 125 

Abs. 2 StGB zu qualifizieren. 

-   32   - 

2.7. Ergebnis 

Der Beschuldigte hat sich demnach, indem er es pflichtwidrig unterliess, eine 

Spriessung des nicht unterzogenen 8. Vordachelements in seine Planung einzu-

beziehen, der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 2 StGB schuldig gemacht.  

3. Fahrlässige Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde i.S.v. 
Art. 229 Abs. 2 StGB  

3.1. Gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB macht sich eine an einem Bauwerk beteiligte 

Person der Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde strafbar, 

wenn sie durch eine Handlung oder Unterlassung pflichtwidrig anerkannte Regeln 

der Baukunde ausser Acht lässt und dadurch jemanden einer Todes- oder Verlet-

zungsgefahr aussetzt. Dabei handelt auch fahrlässig, wer die Gefahr trotz gebo-

tener Sorgfalt nicht erkennt (BGE 90 IV 246, Erw. 4).  

3.2. Der Beschuldigte war damals wie bereits dargelegt für die Firma H._____ 

AG der verantwortliche Bauführer für die Sanierung des Werkgebäudes F._____, 

weshalb er als Täter dieses Sonderdeliktes in Frage kommt. Zudem kam dem Be-

schuldigten als Bauführer auch gegenüber dem Bauarbeiter G._____ eine Garan-

tenstellung zu. Es kann diesbezüglich auf die vorangehenden Ausführungen unter 

Erw. II.2.2.2. verwiesen werden. Nach Art. 60 Abs. 1 und 2 lit. d BauAV müssen 

bei Rückbau- und Abbrucharbeiten die Sicherheitsrisiken abgeklärt und Mass-

nahmen getroffen werden, um zu verhindern, dass Arbeitnehmerinnen und Ar-

beitnehmer durch herumfliegendes, herunter- und einstürzendes Material getrof-

fen werden. Auch diese Regel der Baukunde wurde vorliegend vom Beschuldig-

ten nicht eingehalten, indem er es pflichtwidrig unterliess, eine Spriessung des 

nicht unterzogenen 8. Vordachelements in seine Planung aufzunehmen. Es kann 

diesbezüglich auf die Ausführungen unter Erw. II.2.3.4. und II.2.3.5. oben verwie-

sen werden. Da der ebenfalls mit dem Abbruch des Vordachs beschäftigte Bau-

arbeiter G._____ im Unfallzeitpunkt als Staplerfahrer unmittelbar neben der Ab-

sturzstelle beschäftigt war und vom herunterstürzenden Vordachelement hätte ge-

troffen und gravierend verletzt werden können, brachte die durch den Beschuldig-

-   33   - 

ten nicht pflichtgemäss vorgenommene Planung der Spriessung diesen in erheb-

liche Gefahr. Diese Gefährdung von G._____ war zudem für den Beschuldigten 

ohne Weiteres voraussehbar, nachdem er wusste bzw. hätte wissen müssen, 

dass die Bauarbeiter während der Arbeit zwangsläufig über die quer zum Vordach 

eingeschnittenen Betonelemente gehen mussten und dass G._____ im Unfall-

zeitpunkt als Staplerfahrer unmittelbar neben dem nicht unterzogenen Vorda-

chelement beschäftigt war. Dass die Gefährdung von G._____ durch die Planung 

der Spriessung des abgebrochenen nichtunterzogenen Vordachelementes am 

Unfalltag vermeidbar gewesen wäre, liegt auf der Hand. Da demnach neben der 

verletzten Person eine weitere Person gefährdet wurde, steht Art. 229 Abs. 2 

StGB vorliegend in echter Konkurrenz mit Art. 125 Abs. 2 StGB.  

3.3. Der Beschuldigte hat sich somit zudem der fahrlässigen Gefährdung durch 

Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB schuldig 

gemacht.  

III. Strafe 

1. Strafrahmen 

1.1. a) Bei der Strafzumessung ist zunächst der abstrakte Strafrahmen zu be-

stimmen. Für die Festlegung des Strafrahmens bei mehreren Straftatbeständen 

ist auf die Strafe der schwersten Tat abzustellen (Art. 49 Abs. 1 StGB).  

 b) Die vorliegend erfüllten Straftatbestände der fahrlässigen schweren Kör-

perverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB und der fahrlässigen Gefähr-

dung durch Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2 

StGB werden beide als Vergehen mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft. Der ordentliche Strafrahmen für diese Vergehen, von wel-

chem vorliegend auszugehen ist, reicht demnach von einem Tagessatz Geldstra-

fe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB und Art. 40 StGB).  

1.2. Die vorliegende Deliktsmehrheit kann sich grundsätzlich strafschärfend 

auswirken und gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB den oberen Strafrahmen auf bis zu 

-   34   - 

4 ½ Jahre Freiheitsstrafe öffnen. Da sich die Strafe vorliegend nicht am oberen 

Rand des ordentlichen Strafrahmens bewegt, besteht jedoch kein Anlass, den or-

dentlichen Strafrahmen zu verlassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Die Delikts-

mehrheit ist daher im Rahmen der Tatkomponente straferhöhend zu berücksichti-

gen (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., N 4 zu Art. 48a). Strafmilde-

rungsgründe sind keine ersichtlich. 

1.3. Aus dem Prinzip der Verhältnismässigkeit ergibt sich, dass bei alternativ 

zur Verfügung stehenden Sanktionen (Freiheitsstrafe/Geldstrafe) im Regelfall die-

jenige gewählt werden soll, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Be-

troffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Bei der Wahl der Sankti-

onsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, 

ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive 

Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 82 E. 4.1.). Vorliegend ist die Geldstrafe 

angesichts der nachfolgend auszufällenden Strafhöhe die zweckmässigere Sank-

tionsart. Der Beschuldigte ist daher mit einer Geldstrafe zu bestrafen. 

2. Strafzumessung 

2.1. Innerhalb des massgebenden Strafrahmens ist die Strafe nach dem Ver-

schulden des Täters zu bemessen, wobei insbesondere auch das Vorleben und 

die persönlichen Verhältnisse, die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters 

sowie sein Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren zu berücksichtigen sind 

(Art. 47 Abs. 1 StGB). 

2.2. Tatkomponente 

2.2.1. a) Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-

schuldensbewertung festzulegen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass sich der 

Privatkläger durch den Sturz vom Vordach aus rund 4.40 Meter Höhe diverse 

Frakturen der Lendenwirbelkörper 2 - 5 sowie des Steissbeins, eine wenig dislo-

zierte Fraktur am rechten Fuss und eine Kontusion der rechten Hand zuzog. Zu-

dem erlitt er dabei im neurologischen Bereich eine Schädigung der 5. lumbalen 

Wurzel rechts mit entsprechender Lähmung der Fussheberfunktion, eine leichte 

-   35   - 

Verletzung der 1. sakralen Wurzel mit Gefühlsstörungen im dazugehörenden Ver-

sorgungsgebiet des rechten Beins und Verletzungen am unteren Ende des Rü-

ckenmarks auf Höhe des 1. und 2. Lendenwirbels mit der Folge einer gestörten 

Stuhl- und Urinentleerung sowie vollständiger Impotenz (Urk. 15/9 S. 1 f.). Diese 

Verletzungen waren für den Privatkläger mit starken Rücken- und Kopfschmerzen 

verbunden (Urk. 15/9 S. 2). Eine unmittelbare Lebensgefahr für den Privatkläger 

bestand jedoch nicht, allerdings war eine rasche medizinische Versorgung erfor-

derlich (Urk. 15/9 S. 3). Der Heilverlauf nahm über drei Jahre in Anspruch, wobei 

erhebliche körperliche Beeinträchtigungen blieben, wie insbesondere eine Fuss- 

und Zehenheberschwäche rechts und Gefühlsstörungen im Versorgungsgebiet 

des rechten Beins, eine zwar verbesserte, aber nach wie vor gestörte Kontinenz 

sowie eine vollständige Impotenz. Auch dürfte der Privatkläger nie mehr arbeits-

fähig sein (Urk. 46 S. 8 f.). Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte in 

seiner Funktion als Bauführer mit langjähriger Erfahrung eine wesentliche Sorg-

faltspflicht verletzte; sollte doch die Sicherheit seiner Bauarbeiter oberste Priorität 

haben. Sein Vorgehen war nachlässig, wenn nicht gar achtlos; hätte doch nach 

Einschätzung des Gutachters (welche der Beschuldigte nunmehr teilt; Urk. 109 

S. 3) jedem Baufachmann, z.B. einem Maurer, Eisenleger, Polier und somit erst 

recht einem Bauführer wie dem Beschuldigten, klar sein müssen, dass eine 

Stahlbetonkragplatte wie diejenige des Werkgebäudes F._____ primär von den 

Unterzügen bzw. den Unterzugsbereichen getragen wird, und dass die Tragwir-

kung der Platte vor allem von Unterzug zu Unterzug erbracht wird (Urk. 99 S. 7). 

Dass er die notwendige Spriessung insbesondere des 8. Elements dennoch nicht 

in seine Planung einbezog, wiegt demnach erheblich. 

 b) Straferhöhend ist wie bereits erwähnt die Deliktsmehrheit zu berücksichti-

gen. Die pflichtwidrige Unterlassung des Beschuldigten führte nicht nur dazu, 

dass sich der Privatkläger schwer verletzte, sondern brachte auch den ebenfalls 

mit dem Abbruch des Vordachs beschäftigten Bauarbeiter G._____ in erhebliche 

Gefahr, da dieser im Unfallzeitpunkt als Staplerfahrer unmittelbar neben der Ab-

sturzstelle beschäftigt war und vom herunterstürzenden Vordachelement hätte ge-

troffen und gravierend verletzt werden können.  

-   36   - 

 c) Aufgrund dieser Erwägungen ist die objektive Tatschwere innerhalb des 

für den Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung zur Verfügung 

stehenden Strafrahmens (ein Tagessatz Geldstrafe bis drei Jahre Freiheitsstrafe) 

und damit auch im Vergleich mit anderen derartigen Delikten als keineswegs 

leicht einzustufen.  

2.2.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschul-

digte nicht bewusst fahrlässig handelte.  

2.2.3. In Würdigung der objektiven und subjektiven Tatschwere ist eine hypotheti-

sche Einsatzstrafe von rund 90 Tagessätzen Geldstrafe angemessen. 

2.3. Täterkomponente 

2.3.1. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben des Beschuldigten, seine per-

sönlichen Verhältnisse sowie sein Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren 

(Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB). 

2.3.2. a) Was das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten 

betrifft, lässt sich den Akten sowie seinen Ausführungen anlässlich der Haupt- 

und Berufungsverhandlung im Wesentlichen Folgendes entnehmen: Der Be-

schuldigte wurde am tt. Juni 1965 in … geboren und wuchs bei seinen Eltern in 

der Region Winterthur bzw. F._____ auf. Er besuchte die Primar- und Sekundar-

schule und machte anschliessend eine Hochbauzeichnerlehre. Daneben absol-

vierte er die Berufsmittelschule. Anschliessend begann er ein Architekturstudium 

am Technikum, brach dieses jedoch nach einem Dreivierteljahr ab. 1986 bis 1988 

machte er eine Maurerzusatzlehre bei der H._____ AG und absolvierte anschlies-

send die Bauführerschule in Aarau. Nachdem er zunächst im Hochbaubereich als 

Bauführer tätig war, trat er 1995/96 die Stelle als Bauführer bei der H._____ AG 

an (Urk. 12/1 S. 2 f.; Urk. 12/3 S. 10 f.; Urk. 74 S. 1 ff.).  

b) Der Beschuldigte ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von heute 17 und 

19 Jahren. Sein jährliches Nettoeinkommen beträgt Fr. 130'000.–. Daneben ver-

dient er bei der Feuerwehr rund Fr. 2'000.– pro Jahr. Seine Frau arbeitet als Aus-

hilfe im Service und verdiente damit im Jahr 2010 rund Fr. 6'000.– pro Jahr. Der 

-   37   - 

Beschuldigte wohnt mit seiner Familie in einem Eigenheim. Abgesehen von den 

Hypothekarschulden von rund Fr. 340'000.– hat er keine Schulden. Sein Vermö-

gen beläuft sich auf ca. Fr. 120'000.– (Urk. 12/3 S. 10 f., Urk. 71/3; Urk. 74 

S. 1 ff.). 

c) Der Beschuldigte ist gemäss Strafregisterauszug vom 2. Dezember 2011 nicht 

vorbestraft (Urk. 66), was jedoch nach neuerer bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung als normal anzusehen und daher nicht strafreduzierend zu berücksichtigen 

ist (BGE 136 IV 1, Erw. 2.6). 

d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich aus dem Werdegang, den per-

sönlichen Verhältnissen sowie aus dem Vorleben des Beschuldigten keine straf-

zumessungsrelevanten Faktoren ableiten lassen. 

2.3.3. Da der Beschuldigte weder geständig ist noch sich einsichtig zeigt, ist ihm 

hinsichtlich des Nachtatverhaltens nichts zu seinen Gunsten anzurechnen. 

2.3.4. Auch eine besondere Strafempfindlichkeit, welche zu einer Strafminderung 

führen würde, ist beim Beschuldigten nicht auszumachen. 

2.3.5. Im Rahmen der Täterkomponente ergeben sich demnach für die Strafzu-

messung keine relevanten Faktoren. 

2.4. Gesamtwürdigung 

Unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Strafzumessungsfaktoren erscheint 

eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen als angemessen. Ein Grund für die zusätzli-

che Ausfällung einer Busse ist vorliegend nicht auszumachen, zumal es sich im 

vorliegenden Fall nicht um ein Delikt handelt, bei welchem die sogenannte 

Schnittstellenproblematik zu berücksichtigen wäre. 

3. Höhe des Tagessatzes 

3.1. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen 

Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen 

und Vermögen, Lebensaufwand, allfällige Familien- oder Unterhaltspflichten so-

-   38   - 

wie nach dem Existenzminimum. Dabei beträgt ein Tagessatz Geldstrafe höchs-

tens Fr. 3'000.– (Art. 34 Abs. 2 StGB). 

3.2. Der Bemessung des Tagessatzes ist demnach das monatliche Nettoein-

kommen von rund Fr. 10'000.– (inkl. 13. Monatslohn, Kinderzulagen und Neben-

erwerb) zu Grunde zu legen (Urk. 71/3-4). Davon in Abzug zu bringen sind die zu 

erwartende Steuerbelastung des Beschuldigten von schätzungsweise rund 

Fr. 1'000.– pro Monat und der minimale Grundbetrag für die Lebenshaltungskos-

ten einer Familie mit zwei Kindern von Fr. 2'900.– (gemäss Kreisschreiben betr. 

Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 

16. September 2009). Überdies sind ihm die zu erwartenden Kosten der Kranken-

kasse (Grundversicherung) der Familie zu belassen, welche schätzungsweise 

knapp Fr. 1'000.– pro Monat betragen. Gestützt auf diese Eckwerte ist der Tages-

satz im vorliegenden Fall auf Fr. 160.– festzusetzen.  

4. Ergebnis 

Im Ergebnis ist eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 160.– auszufällen. 

IV. Vollzug 

1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit 

oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei 

Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, 

um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten 

(Art. 42 Abs. 1 StGB). Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB ist für die Gewährung des be-

dingten Strafvollzugs das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt. Die 

günstige Prognose wird demnach vermutet, sie kann aber widerlegt werden (Do-

natsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 42 N 6; BGE 134 IV 97, Erw. 7.3; 

BGE 6B_214/2007 vom 13.11.2007, Erw. 5.3.1) Besonders günstige Umstände 

sind nur erforderlich, wenn der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat 

zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Mona-

-   39   - 

ten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt wurde 

(Art. 42 Abs. 2 StGB), was beim Beschuldigten nicht der Fall ist.  

2. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf und lebt in stabilen persönlichen 

Verhältnissen. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche eine Bewährung 

bzw. Legalprognose des Beschuldigten in Frage stellen würden. Vielmehr kann 

davon ausgegangen werden, dass es sich beim vorliegend zu beurteilenden Vor-

fall um einen einmaligen Vorfall handelt. Der Vollzug der auszusprechenden 

Geldstrafe ist daher aufzuschieben, und es rechtfertigt sich, die Probezeit auf die 

minimale Dauer von zwei Jahren festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

V. Zivilansprüche 

1. Schadenersatz 

1.1. Der Privatkläger liess anlässlich der Berufungsverhandlung beantragen, 

dass der Beschuldigte ihm gegenüber dem Grundsatze nach zu Schadenersatz 

inkl. Schadenszins zu verpflichten sei (Urk. 76 S. 2 und 11). 

1.2. Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig 

aufwändig, so kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entschei-

den und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Dies 

ist insbesondere bei Delikten gegen Leib und Leben sinnvoll, wenn wegen lange 

dauernden Behandlungen und Therapien sehr viel Zeit verstreichen kann, bis die 

effektiven finanziellen Folgen, wie vorliegend bei einer (Teil-)Invalidität, feststehen 

(Riklin, StPO Kommentar, Zürich 2010, N 6 zu Art. 126 StGB). 

1.3. Dass dem Privatkläger im Sinne von Art. 41 und 46 OR Schaden erwach-

sen ist und dieser Schaden in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu einem 

widerrechtlichen und schuldhaften Verhalten des Beschuldigten steht, wurde be-

reits dargelegt. Es ist daher festzuhalten, dass der Beschuldigte dem Privatkläger 

gegenüber grundsätzlich haftbar ist. Die Höhe der gesamten Kosten für Heilung, 

Pflege, Betreuung etc. kann im gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht abgeschätzt 

-   40   - 

werden. Zudem stehen auch die anzurechnenden Leistungen der Sozialversiche-

rungen noch nicht abschliessend fest. Aus diesen Gründen ist festzustellen, dass 

der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger A._____ aus dem Unfall vom 

12. Juni 2008 dem Grundsatz nach zur Leistung von Schadenersatz verpflichtet 

ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches ist 

der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen. 

2. Genugtuung 

2.1. Des Weiteren liess der Privatkläger anlässlich der Berufungsverhandlung 

beantragen, dass der Beschuldigte ihm gegenüber dem Grundsatz nach zur Be-

zahlung von Genugtuung inkl. Zins zu verpflichten sei (Urk. 76 S. 2 und 11).  

2.2. Gemäss Art. 47 OR kann das Gericht bei Körperverletzung unter Würdi-

gung der besonderen Umstände dem Verletzten eine angemessene Geldsumme 

als Genugtuung zusprechen. Mit der Zusprechung einer Genugtuung sollen die 

immateriellen Beeinträchtigungen ausgeglichen werden. Bei einer Körperverlet-

zung ist eine Genugtuung zuzusprechen, wenn der Verletzte eine solche immate-

rielle Unbill erfährt, sei es, dass er unter starken Schmerzen leidet, aber auch, 

wenn er infolge seiner Verletzung längere Zeit im Krankenhaus zu verbringen hat 

oder sich mehreren Operationen unterziehen muss. Auch bleibende körperliche 

Beeinträchtigungen sowie der seelische Druck wegen dauernder Arbeitsunfähig-

keit können als immaterielle Unbill qualifiziert werden, die eine Genugtuungsleis-

tung rechtfertigen (Rey, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., Zürich 2008, 

N 456). Bei der Festlegung der Höhe der Genugtuung sind verschiedene Fakto-

ren zu berücksichtigen. Im Vordergrund steht dabei die Schwere der immateriel-

len Unbill. Bei Körperverletzungen ist dabei vorab auf die Art und Schwere der 

Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit der 

betroffenen Person sowie auf den Grad des Verschuldens abzustellen, welches 

den Schädiger am Schadensereignis trifft (BGE 116 II 733; BGE 112 II 133; BGE 

108 II 432). 

2.3. Unter Würdigung der Verletzungen, die sich der Privatkläger beim Sturz 

zuzog, deren Folgen und der Krankengeschichte (vgl. Urk. 15/9, 15/11, 15/12 und 

-   41   - 

15/14, 15/17, 15/18 und 15/21; Urk. 24 S. 3 f.; Urk. 16; Urk. 47/1 S. 2) besteht 

kein Zweifel am Vorliegen eines Genugtuungsanspruchs. Allerdings können auch 

Genugtuungsansprüche im Sinne von Art. 126 Abs. 3 auf den Zivilweg verwiesen 

werden, wie es der Privatkläger beantragt. Es besteht kein Anlass, vorliegend 

über diesen Antrag hinaus zu gehen, zumal anlässlich der Berufungsverhandlung 

auch keinerlei Angaben über den aktuellen körperlichen und seelischen Zustand 

des Privatklägers gemacht wurden (vgl. Urk. 76 S. 11). Folglich ist festzustellen, 

dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger A._____ aus dem Unfall vom 

12. Juni 2008 dem Grundsatz nach zur Leistung von Genugtuung verpflichtet ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Genugtuungsanspruches ist der 

Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen. 

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Untersuchung im 

Betrag von insgesamt Fr. 3'395.50 (Auslagen Vorverfahren Fr. 245.50, Kosten der 

Kantonspolizei Zürich Fr. 1'150.– und Gebühr für die Führung der Strafuntersu-

chung Fr. 2'000.–; vgl. Urk. 23) sowie die nicht angefochtenen und damit recht-

kräftig festgelegten Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von Fr. 2'400.– dem 

Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO).  

2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung der Ge-

bührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) auf 

Fr. 4'000.– zu veranschlagen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 lit. a GebV OG). Hin-

zu kommen die Kosten des Gutachtens in Höhe von Fr. 7'840.80 (vgl. Urk. 100; 

Art. 422 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c). 

3. Im Berufungsverfahren erfolgt die Auflage der Kosten in der Regel im Ver-

hältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Privatkläger 

mit seinen Anträgen im Berufungsverfahren hauptsächlich durchdringt und der 

Beschuldigte mit den seinen vollständig unterliegt, sind dem Beschuldigten die 

Kosten des Berufungsverfahrens vollständig aufzuerlegen. 

-   42   - 

4. Angesichts der bereits dargelegten günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse 

des Beschuldigten (vgl. oben Erw. III.2.3.2. und III.3.2.) sind ihm ausgangsge-

mäss in Anwendung von Art. 426 Abs. 4 StPO zudem die Kosten für die unent-

geltliche Vertretung des Privatklägers A._____ (vgl. Urk. 19/4) im erst- und zweit-

instanzlichen Verfahren aufzuerlegen. Vor Vorinstanz beantragte der Vertreter 

des Privatklägers für das erstinstanzliche Verfahren Fr. 14'185.45 inkl. MwSt. 

(Urk. 118); ausbezahlt wurden ihm von der Gerichtskasse der Vorinstanz 

Fr. 14'160.95 inkl. MwSt. (Urk. 120). Für das Berufungsverfahren beantragte der 

Vertreter des Privatklägers Fr. 7'715.80 inkl. MwSt. (Urk. 114 und 115). Dieser 

Betrag ist auf Fr. 7'481.80 zu kürzen, da die geltend gemachten 40 Minuten für 

die Rechnungsstellung nicht zu entschädigen sind (§ 22 der Verordnung über die 

Anwaltsgebühren [AnwGebV] vom 8. September 2010). 

5. Der von der Vorinstanz ausbezahlte und der für das Berufungsverfahren ge-

forderte, um das Gesagte gekürzte Betrag erscheinen angemessen und sind dem 

Beschuldigten in dieser Höhe aufzuerlegen. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen des 

Bezirkes Winterthur vom 9. September 2011 bezüglich Dispositivziffer 4 ers-

ter Satzteil (Festsetzung der erstinstanzlichen Gerichtsgebühr auf 

Fr. 2'400.–) in Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

-   43   - 

 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig  

- der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 2 StGB 

- der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukun-

de im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 

Fr. 160.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 

A._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-

satzanspruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses ver-

wiesen. 

5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 

A._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach genugtu-

ungspflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Genugtu-

ungsanspruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses ver-

wiesen. 

-   44   - 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 14'160.95 
  unentgeltliche Vertretung Privatkläger 1. Instanz 

 (bereits von der 1. Instanz ausbezahlt) 

Fr. 7'481.80   unentgeltliche Vertretung Privatkläger 2. Instanz 

Fr. 7'840.80   Gutachten 

 

7. Die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren in beiden In-

stanzen, einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung des Pri-

vatklägers und derjenigen für das Gutachten, werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

8. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  
− den Vertreter der Privatklägerschaft im Doppel für sich und zuhanden 

des Privatklägers A._____  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A. 

9. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

-   45   - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

II. Strafkammer 
 
 

Zürich, 14. April 2014 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Spiess 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. Heuberger Golta 
 

 
 
$ 
 

	Urteil vom 14. April 2014
	1. Der Beschuldigte B._____ ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freigesprochen.
	2. Auf das Schadenersatzbegehren des Privatklägers wird nicht eingetreten.
	3. Auf das Genugtuungsbegehren des Privatklägers wird nicht eingetreten.
	4. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 2'400.– festgesetzt und wird auf die Gerichtskasse genommen. Ebenso werden die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung im vollen Umfang auf die Gerichtskasse genommen.
	5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Über deren Höhe wird in einer separaten Verfügung entschieden.
	I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
	II. Schuldpunkt
	1. Allgemeines
	1.1. a) Einleitend sind die zutreffenden Erläuterungen der Vorinstanz zu den Bauarbeiten am Unfallort und zum Unfallhergang nochmals festzuhalten: Anlässlich einer Gesamtsanierung des Werkgebäudes F._____ war geplant, unter anderem dessen zwei Meter v...
	1.2. a) Dem Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift vom 24. März 2011 (Urk. 24) aufgrund dieses Unfalls zum Vorwurf gemacht, er habe in seiner Funktion als angestellter Bauführer der H._____ AG die anerkannten Regeln der Baukunde missachtet, indem er...
	1.3. Die Vorinstanz befand den Beschuldigten für nicht schuldig und sprach ihn vollumfänglich frei mit der Begründung, der eingeklagte Sachverhalt lasse sich aufgrund der vorhandenen Aussagen nicht mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen. Insbesonde...
	1.4. a) In der Berufungserklärung liess der Privatkläger dagegen einwenden, die Vorinstanz habe die Sorgfalts- und Kontrollpflichten des Beschuldigten in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Bauführer unrichtig dargestellt, zu wenig klar herausgear...
	1.5. Wie bereits in der Untersuchung und vor Vorinstanz anerkannte der Beschuldigte auch in der Berufungsverhandlung den eingangs dargestellten äusseren Ablauf des Unfallhergangs und die von A._____ erlittenen Verletzungen (Urk. 12/2 S. 9 u. 11; Urk. ...
	1.6. Da bei Fahrlässigkeitsdelikten Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander verbunden sind und der äussere Ablauf des Unfallhergangs an sich unbestritten und somit erstellt ist, sind die weiteren Vorbringen der Parteien, auch soweit sie den Sachver...

	2. Fahrlässige Körperverletzung i.S.v. Art. 125 Abs. 2 StGB
	2.1. Gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB macht sich der fahrlässigen schweren Körperverletzung strafbar, wer jemanden aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit schwer am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Da der Beschuldigte gemäss Anklageschrift die Verletzu...
	2.2. Garantenstellung
	2.2.1. Nach der Rechtsprechung kann ein fahrlässiges Erfolgsdelikt wie die fahrlässige schwere Körperverletzung auch durch Unterlassen verübt werden. Ein solches unechtes Unterlassungsdelikt ist gegeben, wenn im Gesetz wenigstens die Herbeiführung des...
	2.2.2. Es ist demnach als Erstes zu prüfen, ob für den Beschuldigten mit Bezug auf den Privatkläger eine Garantenstellung bestand. Ein Arbeitgeber ist gemäss Art. 328 Abs. 2 OR sowie Art. 82 Abs. 1 UVG verpflichtet, Massnahmen zur Verhütung von Berufs...
	2.3. Verletzung einer Sorgfaltspflicht
	2.3.1. a) Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt voraus, dass der Beschuldigte den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat aufgru...
	2.3.2. Die Anklageschrift vom 24. März 2011 wirft dem Beschuldigten vor, er habe gegenüber den beiden vor Ort mit dem Abbruch des Vordaches betrauten und in statischen Problemstellungen nicht bzw. jedenfalls nicht ausreichend fachkundigen Mitarbeitern...
	2.3.3. Nach Art. 3 Abs. 1 BauAV müssen Bauarbeiten so geplant werden, dass das Risiko von Berufsunfällen (…) möglichst klein ist und die notwendigen Sicherheitsmassnahmen, namentlich bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, eingehalten werden können. So...
	2.3.4. Gemäss den vorstehend zitierten gesetzlichen und privaten Vorschriften und nach den Ausführungen im Gutachten (Urk. 99) hatte der Beschuldigte wie folgt vorzugehen:
	2.3.5. Es ist damit nunmehr zu prüfen, ob der Beschuldigte seinen derart ermittelten Sorgfaltspflichten in Bezug auf Planung, Instruktion und Überwachung nachgekommen is