# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 14f37762-3efc-554b-b4e4-6aab6f0fe7ef
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.07.2010 D-764/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-764-2010_2010-07-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-764/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  J u l i  2 0 1 0

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 
Richter Thomas Wespi, Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig.

A._______, geboren (...),
alias B._______, geboren (...),
alias C._______, geboren (...),
Eritrea,
vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 6. Januar 2010 /
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-764/2010

Sachverhalt:

A.
A.a Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin – eine 
eritreische Staatsangehörige – ihren Heimatstaat am 29. Oktober 2006 
und  gelangte  am  24.  April  2009  illegal  in  die  Schweiz,  wo  sie  am 
27. April  2009  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  D.  ein 
Asylgesuch  einreichte.  Aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin 
anlässlich der Befragung vom 4. Mai 2009 zur Person (BzP) im EVZ D. 
ergibt  sich  insbesondere,  dass  sie  seit  dem  19.  Juni  2007  in  E. 
(Griechenland)  lebte,  von  wo  sie  sich  am  19.  März  2009  auf  dem 
Luftweg nach Italien begab. Dort hielt sie sich bis zu ihrer Einreise in 
die Schweiz in F. und G. auf.

A.b Das BFM gewährte der Beschwerdeführerin am 4. Mai 2009 das 
rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Griechenlands be-
ziehungsweise  Italiens  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens 
respektive  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin  und  gab  ihr  Ge-
legenheit,  dazu  Stellung  zu  nehmen. In  diesem Zusammenhang  er-
klärte die Beschwerdeführerin, in Griechenland gebe es kein Asylver-
fahren. Man werde dort festgenommen, daktyloskopiert und für einige 
Tage ins Gefängnis gebracht. Schliesslich werde man mit der Auflage 
entlassen,  das  Land  innert  vier  Wochen  zu  verlassen.  Da  sie  in 
Griechenland  ein  schlechtes  Leben  geführt  habe,  werde  sie  eine 
Rückführung  dorthin  nicht  akzeptieren.  Im  Weiteren  machte  sie 
geltend,  in  Italien  niemanden  zu  kennen  und  dort  keine  Finger-
abdrücke gegeben zu haben.

B.
Gestützt auf den Eurodac-Treffer vom 15. Juni 2007 sowie auf die Aus-
sagen der Beschwerdeführerin anlässlich der BzP und des rechtlichen 
Gehörs  stellte  das  BFM am 21.  Juli  2009  an  Griechenland  ein  Er -
suchen  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  (vgl.  Akte  BFM 
A19/6).  Griechenland  erteilte  bis  zum  22.  September  2009  keine 
Antwort auf das Ersuchen.

C.
Mit Verfügung vom 6. Januar 2010 – mündlich eröffnet am 9. Februar 
2010  –  trat  das  BFM in  Anwendung von  Art.  34  Abs. 2  Bst.  d  des 
Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asyl-
gesuch  der  Beschwerdeführerin  vom  27.  April  2009  nicht  ein  und 

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ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  sofortigen 
Wegweisungsvollzug  nach  Griechenland  an.  Gleichzeitig  wurde 
festgestellt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung 
komme keine aufschiebende Wirkung zu.

D.
D.a Mit Eingabe vom 9. Februar 2010 wurde gegen die vorinstanzliche 
Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht durch die Caritas Schweiz 
eine erste Beschwerde eingereicht.

D.b Mit Eingabe vom 9. Februar 2010 (Poststempel vom 10. Februar 
2010) liess die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung durch den 
im  Rubrum  angeführten  Rechtsvertreter  eine  zweite  Beschwerde-
schrift  einreichen  und  dabei  beantragen,  es  sei  die  Verfügung  voll -
umfänglich aufzuheben und das BFM anzuweisen, nach Art. 3 Abs. 2 
der  Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003 
[Dublin-II-Verordnung] zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in 
der Schweiz durchzuführen. Es sei der Beschwerde die aufschiebende 
Wirkung im Sinne von Art. 107a AsylG zu erteilen und die Vollzugs-
behörden seien im Sinne vorsorglicher Massnahmen anzuweisen, von 
einer Überstellung der Beschwerdeführerin nach Griechenland abzu-
sehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der auf-
schiebenden  Wirkung  entschieden  habe.  In  prozessualer  Hinsicht 
wurde um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Verzicht 
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Gewährung eines 
unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person ihres Rechtsvertreters 
ersucht.

Auf die Beschwerdebegründung wird, soweit entscheidrelevant, in den 
Erwägungen eingegangen.

E.
Mit  Verfügung  vom  9.  Februar  2010  setzte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Vollzug  der 
Wegweisung per sofort aus.

F.
Mit  Eingabe  vom 16.  Februar  2010  teilte  die  Caritas  Schweiz  dem 
Bundesverwaltungsgericht  mit,  sie  vertrete  die  Beschwerdeführerin 

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nicht,  da  ein  Mandatsverhältnis  zum  obgenannten  Rechtsvertreter 
bestehe.  Die  weitere  Korrespondenz  sei  besagtem  Rechtsvertreter 
zuzustellen.

G.
Mit  Verfügung  vom  19.  Februar  2010  erteilte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  und 
stellte fest, über die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  werde zu einem 
späteren Zeitpunkt  entschieden und auf  die Erhebung eines Kosten-
vorschusses  werde  verzichtet.  Gleichzeitig  lud  er  das  BFM  in  An-
wendung von Art.  57  Abs. 1  VwVG zur  Einreichung einer  Vernehm-
lassung ein.

H.
In seiner Vernehmlassung vom 23. Februar 2010 beantragte das BFM 
die Abweisung der Beschwerde.

I.
Mit  Verfügung  vom 15.  März  2010  gab  der  zuständige  Instruktions-
richter der Beschwerdeführerin Gelegenheit, eine Replik einzureichen.

J.
Mit Eingabe vom 19. März 2010 äusserte sich die Beschwerdeführerin 
zur vorinstanzlichen Vernehmlassung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde; es entscheidet  auf  dem Gebiet  des Asyls 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 2  AsylG,  Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 52  Abs.  1  VwVG).  Die  Be-
schwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 
BFM ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  über-
prüfen  (Art.  32  -  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt,  ob die Vor-
instanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  die 
Rechtsprechung  der  ehemaligen  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission  [ARK] in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ARK 
[EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1  S. 240  f.  sowie  Urteil  des  Bundesver-
waltungsgerichts  E-7878/2008  vom  31.  Dezember  2008).  Die  Be-
schwerdeinstanz enthält sich einer selbständigen materiellen Prüfung 
und weist die Sache - sofern sie den Nichteintretensentscheid als un-
rechtmässig  erachtet  -  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurück.

4.
Auf  Asylgesuche  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). 

5.
5.1 Das BFM hielt  zur Begründung seines Nichteintretensentscheids 
insbesondere fest, Griechenland sei gestützt auf das "Abkommen vom 
26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 

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und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags" sowie 
das  "Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004  zwischen  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem 
Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Ent-
wicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Ver-
fahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines 
in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags" für 
die Durchführung des Asylverfahrens zuständig. Da Griechenland bis 
am 22. September 2009 keine Antwort erteilt habe, sei davon auszu-
gehen,  dass  dem Übernahmeersuchen  zugestimmt  worden  sei.  Die 
Rückführung  habe  -  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung 
(Art. 19 Abs. 3 Dublin-II-Verordnung) oder Verlängerung (Art. 19 Abs. 4 
Dublin-II-Verordnung) - bis spätestens zum 22. März 2010 zu erfolgen.

Der Beschwerdeführerin sei am 4. Mai 2010 das rechtliche Gehör ge-
währt  worden.  Dabei  habe  sie  zu  Protokoll  gegeben,  nicht  nach 
Griechenland  zurückkehren  zu  wollen,  weil  sie  dort  ein  schlechtes 
Leben geführt habe. Sie mache somit keine Gründe geltend, die einer 
Rückkehr  nach  Griechenland  entgegenstünden,  weshalb  auf  das 
Asylgesuch nicht einzutreten sei.

Die Folge eines Nichteintretensentscheids sei gemäss Art. 44 Abs. 1 
AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Da  die  Be-
schwerdeführerin in einen Drittstaat reisen könne, in dem sie Schutz 
vor  Rückschiebung im Sinne von Art. 5  Abs. 1 AsylG finde,  sei  das 
Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates 
nicht zu prüfen. Ferner bestünden keine Hinweise auf eine Verletzung 
von Art.  3  der  Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Falle einer 
Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  nach  Griechenland.  Weder  die  in 
Griechenland  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe  sprächen 
gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat. Ausserdem 
sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch 
durchführbar. Von einer entsprechenden Zustimmung sei auszugehen, 
da Griechenland bis zum 22. September 2009 keine Antwort auf das 
Ersuchen erteilt habe. Schliesslich hätten Beschwerden gegen Nicht-
eintretensentscheide gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG gestützt auf 
Art. 107a AsylG keine aufschiebende Wirkung.

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5.2 In der Beschwerdeschrift wurde im Wesentlichen geltend gemacht, 
gemäss  Weisung  des  BFM  würden  die  Kantone  angehalten,  Ent-
scheide im Dublin-Verfahren erst unmittelbar vor der Rückschaffung in 
den  zuständigen  Dublin-Staat  zu  eröffnen. Unter  diesen  Umständen 
sei  es  nur  sehr  erschwert  möglich,  noch  angemessen  Kontakt  mit 
einem Rechtsvertreter  aufnehmen und eine Beschwerde erheben zu 
können. Das Recht auf eine wirksame Beschwerde nach Art. 13 EMRK 
sei somit erheblich eingeschränkt. Die systematische Praxis des BFM 
lasse  darauf  schliessen,  dass  es  dies  nicht  nur  in  Kauf  nehme, 
sondern  gerade  beabsichtige. Das  Bundesverwaltungsgericht  sei  im 
Urteil  D-6570/2009 vom 27. Oktober  2009 zum Schluss  gekommen, 
dass  sich  durch diese Praxis  immer  wieder  Verletzungen  des recht-
lichen  Gehörs  nach  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) 
ergeben würden. Zur Situation in Griechenland wurde in der Rechts-
mitteleingabe ausgeführt, dort bestehe auch für Rückkehrer nach der 
Dublin-II-Verordnung  kein  effektiver  Zugang  zum  Asylverfahren.  Nur 
wenige  der  2000-3000  Personen,  die  jeden  Samstag  vor  der  zu-
ständigen Stelle in Petrou Ralli, Athen, Schlange stünden, könnten ihr 
Asylgesuch  registrieren  lassen.  Noch  schwieriger  sei  dies  für 
Personen in Haft. Selbst wenn es jemandem gelingen sollte, ein Asyl -
gesuch zu stellen, bestehe keine Aussicht auf ein faires Verfahren. Die 
Anhörung  dauere  nur  wenige  Minuten  und  werde  oft  ohne 
Dolmetscher  durchgeführt,  insbesondere  am  Flughafen  Athen,  wo 
Dublin-Rückkehrer ankämen. Mit dem Presidential Decree 90/2008 sei 
die  Beschwerdeinstanz  im  Asylverfahren  abgeschafft  worden,  womit 
keine  effektive  Beschwerdemöglichkeit  im  Sinne  von  Art.  13  EMRK 
mehr  bestehe.  Ausserdem  bestünden  keine  angemessenen  Auf-
nahmebedingungen  für  Asylsuchende  in  Griechenland.  Dublin-Rück-
kehrer würden in der Regel für mehrere Tage am Flughafen inhaftiert.  
Im Urteil S.D. vs. Griechenland vom 11. Juni 2009, Nr. 53541/07, sei 
der  Europäische  Gerichtshof  für  Menschenrechte  (EGMR)  zum 
Schluss gekommen, dass die Haftbedingungen in Griechenland Art. 3 
EMRK verletzten. Zudem bestehe  für  Dublin-Rückkehrer  die  Gefahr, 
von Griechenland in die Türkei und von dort allenfalls in ihr Heimatland 
zurückgeschafft zu werden, ohne dass ihre Fluchtgründe je abgeklärt  
worden  seien.  Die  Beschwerdeführerin  sei  über  die  Türkei  nach 
Griechenland gereist und habe sich dort illegal aufgehalten. Gemäss 
ihren Aussagen habe sie von den griechischen Behörden einen Brief 
erhalten,  wonach  sie  Griechenland  verlassen  müsse.  Diese  Auf-
forderung stelle  ein konkretes Indiz für die Gefahr dar, dass die Be-

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schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland entweder in 
die  Türkei  oder  direkt  in  ihr  Heimatland  zurückgeschafft  werden 
könnte.  Angesichts  der  Situation  in  Griechenland  könne  nicht  an-
genommen werden,  dass  sie  Zugang zu einem fairen Asylverfahren 
erhalte.  Sowohl  aufgrund  der  unmenschlichen  Aufnahme-  und  Haft-
bedingungen in Griechenland als auch wegen der Gefahr der Ketten-
abschiebung  nach  Eritrea  würde  eine  Rückschaffung  der  Be-
schwerdeführerin nach Griechenland Art. 3 EMRK verletzen.

Zudem handle es sich vorliegend um eine alleinstehende junge Frau, 
die in die Kategorie der besonders verletzlichen Personen falle.

Schliesslich unterstehe die Beschwerdeführerin in Eritrea der Militär-
dienstpflicht.  Desertion  und  illegale  Ausreise  würden  in  Eritrea  als 
staatsfeindliche  Akte  angesehen,  weshalb  gemäss  Praxis  des  BFM 
entsprechende Asylsuchende die Flüchtlingseigenschaft erfüllten.

Aus  den  genannten  Gründen  sei  das  BFM  anzuweisen,  von  einer 
Überstellung  der  Beschwerdeführerin  nach  Griechenland  abzusehen 
und auf ihr Asylgesuch im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung 
einzutreten und darüber materiell zu entscheiden.

5.3 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung vom 23. Februar 2010 
zu  einer  allfälligen  Verletzung  des  Refoulement-Verbots  und  damit 
einer  Verletzung von Art. 3  EMRK beziehungsweise Art. 33  des Ab-
kommens vom 28. Juli  1951 über  die  Rechtsstellung der  Flüchtlinge 
(FK,  SR  0.142.30)  insbesondere  aus,  Griechenland  sei  sowohl 
Signatarstaat  der EMRK und der FK als  auch des Übereinkommens 
vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  un-
menschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, 
SR 0.105).  Dem  BFM  würden  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vor-
liegen, wonach sich Griechenland nicht an die daraus resultierenden 
völkerrechtlichen Verpflichtungen halte.

Darüber hinaus könnten im griechischen Asylsystem bereits spürbare 
Verbesserungen  festgestellt  werden,  selbst  wenn  die  vollständige 
praktische  Umsetzung  der  Gesetzesänderungen  noch  eine  gewisse 
Zeit in Anspruch nehmen werde. So hätten den griechischen Behörden 
zufolge alle Personen, die im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach 
Griechenland überstellt  würden, die Möglichkeit,  ein Asylgesuch ein-
zureichen. Werde ein bereits eingeleitetes Asylverfahren abgebrochen, 

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nachdem die asylsuchende Person untergetaucht sei, werde das Ver-
fahren  nach  erfolgter  Überstellung  wieder  aufgenommen.  Be-
fürchtungen,  wonach  die  Asylgründe  von  Personen,  welche  im 
Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Griechenland überstellt würden, 
ungeprüft  blieben,  seien  somit  nicht  begründet.  Im  Weiteren  könne 
Art. 13  EMRK  nicht  indirekt  verletzt  werden,  weshalb  die 
schweizerischen  Behörden  nicht  für  eine  allfällige  Verletzung  dieser 
Bestimmung durch die griechischen Behörden verantwortlich gemacht 
werden könnten.

Zum Selbsteintritt beziehungsweise zur Souveränitätsklausel äusserte 
sich das BFM dahingehend, dass es sich bei Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-
Verordnung  um eine  sogenannte  Kann-Bestimmung (Ermessensent-
scheid)  handle,  weshalb  keinerlei  völkerrechtliche  Verpflichtung  be-
stehe,  bei  bestimmten  Kategorien  auf  die  Anwendung  des  Dublin-
Assoziierungsabkommens (DAA) zu verzichten. In der erwähnten Ver-
ordnung würden weder Determinanten noch Beispiele aufgeführt, bei 
welchen  Fallkonstellationen  der  nicht  zuständige  Dublin-Staat  die 
Souveränitätsklausel anwenden solle. Auch das innerstaatliche Recht 
enthalte  keine  Vorschriften,  bei  welchen  Fällen  selbst  eingetreten 
werden  solle,  denn  Art.  29a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1,  SR 142.311)  beziehe sich ge-
stützt auf die Materialien im Wesentlichen auf die humanitäre Klausel 
im Sinne von Art. 15 Dublin-II-Verordnung und nicht auf das Selbstein -
trittsrecht. Die überwiegende Literatur  sei  sich  jedoch darüber  einig, 
dass die Anwendung der Souveränitätsklausel eine Ausnahme bleiben 
müsse,  weil  sonst  die  Effektivität  der  Dublin-II-Verordnung  in  Frage 
gestellt werde (völkerrechtliches Effet-utile-Prinzip). Im Übrigen werde 
bei  der  Forderung  nach  der  Anwendung  der  Souveränitätsklausel 
leicht übersehen, dass der Selbsteintritt nicht zu einem Verbleib in der 
Schweiz  führe.  Die  Souveränitätsklausel  besage  lediglich,  dass  die 
Schweiz anstelle des zuständigen Dublin-Staates das nationale Asyl- 
und Wegweisungsverfahren durchführe, was zu einem Wegweisungs-
vollzug  in  den  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  führen  könne. 
Nichtsdestotrotz trete das BFM bezüglich Griechenland in besonderen 
Fällen  selbst  ein.  Da  Anhaltspunkte  vorliegen  würden,  dass  seitens 
Griechenland während des Asylverfahrens keine angemessenen Vor-
kehrungen getroffen würden, um besonders verletzliche Personen zu 
identifizieren  und  entsprechend  zu  betreuen  sowie  unterzubringen, 
habe das BFM entschieden, bis auf Weiteres von einer Überstellung 
dieser  Personenkategorie  nach  Griechenland  abzusehen.  Als 

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besonders verletzlich würden betagte Personen, Familien mit minder-
jährigen Kindern, unbegleitete Minderjährige und Personen gelten, die 
auf eine wesentliche medizinische Hilfe angewiesen seien. Diese Vor-
gehensweise des BFM stehe im Einklang mit der aktuellen Praxis der 
anderen Dublin-Staaten: Während einige Staaten Asylsuchende ohne 
Einschränkung nach Griechenland überstellten, wende eine nicht un-
erhebliche  Anzahl  Dublin-Staaten  wie  die  Schweiz,  beispielsweise 
Deutschland,  Österreich,  Finnland,  Belgien  oder  Norwegen,  bei  be-
stimmten  Personengruppen  die  Souveränitätsklausel  an. Da  der  Be-
schwerdeführer (recte: die Beschwerdeführerin) gemäss Einschätzung 
des  BFM nicht  als  besonders  verletzlich  angesehen  werden  könne, 
habe das BFM im vorliegenden Fall auf die Ausübung des Selbstein-
trittsrechts verzichtet.

Im Übrigen hielt das Bundesamt an seinen Erwägungen vollumfänglich 
fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

5.4 In  der  Replik  vom 19.  März  2010  entgegnete  die  Beschwerde-
führerin, die Tatsache, dass Griechenland Signatarstaat der EMRK, FK 
und FoK sei,  stelle  bei  weitem keine Garantie  dar,  dass  die  daraus 
resultierende  Verpflichtung  des  Non-Refoulement  auch  tatsächlich 
eingehalten werde. Dies bestätigten Berichte über tatsächliche Rück-
schiebungen von Griechenland in die Türkei und von dort teilweise in  
die  Heimatstaaten  der  Asylsuchenden.  Auch  für  Asylsuchende,  die 
gestützt  auf  die  Dublin-II-Verordnung  nach  Griechenland  überstellt 
worden  seien,  bestehe  keine  Garantie  des  Non-Refoulement  in  die 
Türkei und von dort in ihr Heimatland.

Im  Weiteren  wiesen  zahlreiche  Berichte  auf  die  nach  wie  vor  be-
stehenden  Probleme  bezüglich  der  Aufnahmebedingungen  und  des 
Zugangs zum Asylverfahren in Griechenland hin. Dabei seien die nach 
der Dublin-II-Verordnung überstellten Personen denselben Schwierig-
keiten ausgesetzt wie die übrigen Asylsuchenden. Griechenland erfülle 
die EU-Mindestanforderungen an das Verfahren und die Aufnahme von 
Asylsuchenden offensichtlich nicht.

Wenn nun – wie im vorliegenden Fall – Hinweise auf eine Verletzung 
von Art. 3 EMRK gegeben seien, würde die Schweiz durch eine Weg-
weisung  der  Beschwerdeführerin  nach  Griechenland  das  Non-
Refoulement-Gebot  verletzen  (indirektes  Refoulement).  Um  dies  zu 
vermeiden,  müsste  sie  ihr  Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3  Abs.  2 

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Dublin-II-Verordnung  wahrnehmen  und  die  Fluchtgründe  der  Be-
schwerdeführerin  in  einem materiellen  Asylverfahren in  der  Schweiz 
prüfen. Darüber  hinaus sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  von einer 
Überstellung  nach  Griechenland  nur  bei  den  von  der  Vorinstanz 
definierten  Personengruppen  abgesehen  werde. Der  mangelnde  Zu-
gang zum Verfahren, die unzureichende Unterbringung sowie die Ge-
fahr  des  Refoulement  ins  Heimatland  würden  alle  Asylsuchenden, 
auch alleinstehende Erwachsene, betreffen. Aufgrund der zahlreichen 
Berichte,  welche  die  katastrophale  Situation  in  Griechenland  be-
stätigten, sei die Position der Vorinstanz nicht länger haltbar, nur bei  
besonders  verletzlichen  Personen  vom Selbsteintrittsrecht  Gebrauch 
zu machen.

Die  problematische  Situation  in  Griechenland  sowohl  aufgrund  der 
mangelhaften  Verfahrens-  und  Aufnahmebedingungen  als  auch  des 
Risikos des Refoulement werde auch vom Bundesverwaltungsgericht 
im Urteil  E-5841/2009 vom 2. Februar 2010 berücksichtigt,  indem es 
festhalte,  es  bestünden  diverse  Indizien,  „dass  die  Lebens-,  Unter -
bringungs-  und  Haftbedingungen  in  Griechenland  menschenrechts-
widrig  seien  und  eine  Abschiebung  ins  Heimatland  drohen  könnte. 
Auch ein  mangelnder effektiver Zugang zum Asylverfahren möge in-
direkt  eine  Verletzung  des  Refoulement-Verbotes  zur  Folge  haben“ 
(vgl. a.a.O., E. 5.6).

Schliesslich  werde  mit  den  neu  eingereichten  Beweismitteln  belegt, 
dass  die  Beschwerdeführerin  in  Eritrea  Militärdienst  geleistet  habe. 
Aufgrund  der  Desertion  und  illegalen  Ausreise  sei  sie  in  Eritrea  im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  gefährdet.  Da  in  Griechenland  infolge  des 
mangelnden  Zugangs  zum  Verfahren  die  Gefahr  bestehe,  dass  die 
Beschwerdeführerin ohne Prüfung ihrer Fluchtgründe in die Türkei und 
von  dort  nach  Eritrea  ausgeschafft  werde,  bestehe  bei  einer 
Überstellung nach Griechenland somit ein real risk für eine Verletzung 
von Art. 3 EMRK (indirektes Refoulement).

5.5
5.5.1 Zur  Eröffnungspraxis  des  BFM  ist  festzustellen,  dass  die  Er-
öffnung des Entscheides jeweils mit der Ausreise zusammenfällt (vgl.  
Merkblatt  des  BFM an  die  kantonalen  Migrationsbehörden  zum Vor-
gehen  bezüglich  der  Entscheideröffnung  und  des  Wegweisungsvoll-
zugs in  Dublin-Verfahren [Stand März 2009]: „Die Eröffnung des [...] 
Asylentscheides  erfolgt  erst  im  Zeitpunkt  des  Vollzugs.“). 

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Dementsprechend ordnet  das BFM  in den diesbezüglichen Nichtein-
tretensentscheiden – in der vorliegenden Verfügung unter Dispositiv-
ziffer 3 – regelmässig an, dass die asylsuchende Person „die Schweiz 
sofort  zu verlassen“ habe. Das Bundesverwaltungsgericht  hat  im zur 
Publikation  vorgesehenen  Grundsatzurteil  E-5841/2009  vom 
2. Februar 2010 festgehalten, dass die Praxis des BFM, den Nichtein-
tretensentscheid faktisch sofort zu vollziehen, gegen das Gebot effekti-
ven  Rechtsschutzes  aus  Art. 29a  BV  und  Art. 13  EMRK  verstosse. 
Gleichzeitig  widerspreche  sie  der  EGMR-Rechtsprechung  zu  Art. 13 
i.V.m. Art. 3  EMRK,  wonach  bei  einer  durch  Ausweisung  drohenden 
Art. 3  EMRK  entgegenstehenden  Behandlung  vorläufiger  Rechts-
schutz zu gewähren sei. Deshalb müsse ein Gesuch um Anordnung 
einer vorsorglichen Massnahme beziehungsweise der aufschiebenden 
Wirkung einer Beschwerde in Anwendung von Art. 107a AsylG durch 
das  Bundesverwaltungsgericht  tatsächlich  wirksam  geprüft  werden 
können  (vgl.  a.a.O.,  E.  5.7).  Im  dem erwähnten  Grundsatzurteil  zu-
grunde  liegenden  Verfahren  war  der  Beschwerdeführer  bereits  nach 
Griechenland überstellt  worden, bevor das Bundesverwaltungsgericht 
den  Wegweisungsvollzug  aussetzen  beziehungsweise  über  die  Er-
teilung  der  aufschiebenden  Wirkung  entscheiden  konnte. Die  gegen 
Art. 13 EMRK verstossende Entscheideröffnung mit dem zeitgleichen 
Vollzug  führte  in  jenem Verfahren  zur  Kassation  der  angefochtenen 
Verfügung und zur Anweisung des BFM, diese Praxis zu ändern.

5.5.2 Zwar liegt angesichts des Umstands, wonach das BFM auch in 
der  angefochtenen  Verfügung  unter  Dispositivziffer  3  anordnete,  die 
Beschwerdeführerin habe die Schweiz sofort  zu verlassen, eine Ver-
letzung  des  Gebots  des  effektiven  Rechtsschutzes  vor,  die  eine 
Kassation  rechtfertigen  würde.  Da  die  Beschwerdeführerin  jedoch 
fristgerecht  Beschwerde  erheben  konnte  und  der  zuständige 
Instruktionsrichter mit Verfügung vom 9. Februar 2010 den Vollzug der 
Wegweisung  per  sofort  aussetzte  sowie  der  Beschwerde  mit  Ver-
fügung vom 19. Februar  2010 die aufschiebende Wirkung gewährte, 
fällt  eine Kassation wegen Verletzung des Rechts auf  wirksame Be-
schwerde ausser Betracht. Wie sich aus den folgenden Erwägungen 
indessen  ergibt,  rechtfertigt  sich  eine  Kassation  vorliegend  aus 
anderen Gründen.

5.6
5.6.1 Die zurzeit prekäre Lage des griechischen Staatshaushaltes und 
die  unbefriedigende  Behandlung,  der  Asylsuchende  dort  ausgesetzt 

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werden,  sind  längst  gerichtsnotorisch.  So  geht  das  Bundesver-
waltungsgericht  davon  aus,  es  würden  begründete  Anhaltspunkte 
dafür  bestehen,  dass  die  Lebens-,  Unterbringungs-  und  Haftbe-
dingungen in Griechenland menschenrechtswidrig seien und eine Ab-
schiebung  ins  Heimatland  drohen  könnte  (vgl.  das  zur  Publikation 
vorgesehene  Grundsatzurteil  E-5841/2009  vom  2.  Februar  2010 
E. 5.6).

Auch verschiedene Medien befassen sich mit  der Griechenlandkrise. 
In  der  NZZ  am Sonntag  vom 14.  Februar  2010  wird  beispielsweise 
ausgeführt,  Griechenland  stehe  am  Pranger,  weil  es  illegale  Im-
migranten und Asylbewerber so schlecht behandle, dass es eine Ver-
urteilung  durch  den  Europäischen  Gerichtshof  gegeben  habe. Nicht 
einmal ein Prozent aller Asylanträge, die im Ausländeramt von Petrou 
Ralli in Athen abgegeben würden, erhielten einen positiven Bescheid. 
In  den  Aufnahmezentren  fehle  es  an  Übersetzern,  das  Uno-Flücht-
lingskommissariat  prangere  die  „Push-backs“  an,  Versuche  der 
griechischen Küstenwache, die Flüchtlinge in ihren Booten zurück in 
türkische Gewässer zu bugsieren. Seit zwanzig Jahren, seit dem Zu-
sammenbruch  des  Ostblocks,  hätten  die  Regierungen  in  Athen  ver-
sucht,  Immigranten  ihr  Dasein  so  schwer  wie  möglich  zu  machen. 
Jeder,  der  es  nach  Griechenland  geschafft  habe,  erhalte  eine 
Deportationsorder,  nach  der  er  innert  30  Tagen in  ein  „Land  seiner 
Wahl“ auszureisen habe. Ausgeschafft würden die Flüchtlinge, die sich 
nicht  daran hielten,  aber  so  gut  wie  nie. Denn das koste  Geld,  das 
Athen  nicht  habe.  Neben  den  zehn  Millionen  Griechen  solle  es 
mittlerweile bis zu einer Million illegaler  Immigranten im Land geben 
(vgl. a.a.O., Artikel  „Das neue Tor zu Europa“, Christoph Plate, S. 20 
f.). 

5.6.2 Im  Asylverfahren  -  wie  im  Übrigen  Verwaltungsverfahren  -  gilt  
der  Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst  die  Asylbehörde  hat  den 
rechtserheblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen 
vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, 
Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das Verfahren er-
forderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich rele-
vanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis füh-
ren. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber 
die Pflicht und - unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sin -
ne von Art. 29 Abs. 2  BV  - auch das Recht, an der Feststellung des 
Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  13,  EMARK  2004 

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Nr. 16 E. 7a, EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.1).

Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind Verfügungen sodann zu begründen. 
Das Bundesgericht bezeichnet die Pflicht der Behörden, ihre Entschei -
de zu begründen, als Konkretisierung des verfassungsrechtlichen An-
spruchs  auf  rechtliches  Gehör  (vgl.  BGE  128  V  272  E.  5b;  Art.  29 
Abs. 2 BV). Die Anforderungen an die Begründungspflicht sind unter 
Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles sowie der Interessen 
der Betroffenen festzulegen. Die Begründung eines Entscheids muss 
jedenfalls so abgefasst sein, dass ihn die Betroffenen gegebenenfalls 
sachgerecht anfechten oder  - nach Eintritt der Rechtskraft  - ein Wie-
dererwägungs- beziehungsweise Revisionsgesuch hinlänglich begrün-
den können und die Rechtsmittelinstanz in der Lage ist, die Rechtmä-
ssigkeit  eines angefochtenen Entscheids zu überprüfen. Dies ist  nur 
möglich, wenn Adressatinnen und Adressaten sowie die Rechtsmittel-
instanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen kön-
nen. Wichtigstes Messkriterium für die erforderliche Begründungsdich-
te  bildet  die  Eingriffsschwere.  Je  einschneidender  eine  behördliche 
Anordnung in die Rechtspositionen der betroffenen Personen eingrei-
fen kann, desto einlässlicher ist sie zu begründen. Dies gilt es insbe-
sondere bei ausländerrechtlichen Fernhaltemassnahmen zu beachten 
(vgl.  LORENZ KNEUBÜHLER in: Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.], VwVG, Kom-
mentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, 
Zürich/St. Gallen 2008, Rn. 4-6, 10 zu Art. 35 VwVG).

5.6.3 In Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist die Frage nach 
der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regel-
mässig bereits  Voraussetzung (und nicht  erst  Regelfolge)  des Nicht-
eintretensentscheides.  Weiter  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Zumut-
barkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2 
Bst. d  AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von Art.  83  Abs. 1  und 4  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20), sondern ebenfalls vor der Prüfung 
des  Nichteintretens  im  Rahmen  des  Selbsteintrittsrechts  oder 
gegebenenfalls  -  sofern  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen 
Dublin-Staaten  befinden  und  allenfalls  zusammengeführt  werden 
sollten  -  bei  der  Ausübung  der  sog.  Humanitären  Klausel  (Art.  15 
Dublin-II-Verordnung).

5.6.4 In  der  angefochtenen  Verfügung  äussert  sich  das  BFM indes 
zum  vorgenannten  Prüfungsbereich  (Selbsteintritt)  überhaupt  nicht, 

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sondern führt zur "Zumutbarkeit" des Wegweisungsvollzugs lediglich in 
pauschaler Art und Weise aus, weder die in Griechenland herrschende 
Situation noch andere Gründe sprächen gegen die Rückführung der 
Beschwerdeführerin  dorthin. Der  Verfügung lässt  sich,  hält  man sich 
die  problematischen  Verhältnisse  in  Griechenland  vor  Augen,  nicht 
einmal  ansatzweise  entnehmen,  weshalb  das  Bundesamt  im  vor-
liegenden Fall den Selbsteintritt verwirft.

Da  die  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  weggewiesen  werden 
soll, mithin es sich um eine einschneidende behördliche Anordnung in 
ihre  Rechtsposition  handelt,  sind  im  Sinne  der  obgenannten  Aus-
führungen  erhöhte  Anforderungen  an  die  Begründungsdichte  zu 
stellen.  Demzufolge  hätte  sich  das  BFM  angesichts  der 
problematischen  Verhältnisse  in  Griechenland  in  der  angefochtenen 
Verfügung  ausdrücklich  zu  den  Fragen  äussern  müssen,  wohin  die 
Beschwerdeführerin  in  Griechenland  konkret  überstellt  werden  soll, 
wie die Unterkunftsfragen gelöst werden und ob ein erst- und zweit-
instanzliches Asylverfahren in Griechenland überhaupt vorgesehen ist.  
Durch  die  Verletzung  der  Begründungspflicht  hat  das  BFM der  Be-
schwerdeführerin  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  er-
schwert  und  dem Bundesverwaltungsgericht  verunmöglicht,  sich  ein 
Bild darüber zu machen, ob die Beschwerdeführerin in Griechenland 
überhaupt Aussicht  auf  eine angemessene Unterkunft  hat,  ob es ihr 
dort konkret möglich ist, ein Asylgesuch einzureichen, und ob sie sich  
im Falle  eines negativen Asylentscheids an eine Beschwerdeinstanz 
wenden kann.

5.6.4.1 Zwar ist der Vernehmlassung vom 23. Februar 2010 eine aus-
führlichere Begründung zu entnehmen, da sich das BFM zu einer all-
fälligen Verletzung des Refoulement-Verbots, zum griechischen Asyl-
system, zur Möglichkeit der Einreichung einer wirksamen Beschwerde 
und zum Selbsteintrittsrecht  geäussert  hat. Nichtsdestotrotz  fällt  auf, 
dass  die  Begründung  überwiegend  sehr  allgemein  ausgefallen  ist. 
Einzig  bei  den  Ausführungen  zur  Souveränitätsklausel  wird  unter 
Bezugnahme auf den vorliegenden Fall dargelegt, dass das BFM auf-
grund  des  Umstands,  wonach  es  die  Beschwerdeführerin  nicht  als 
besonders  verletzlich  einschätze,  in  casu  auf  die  Ausübung  des 
Selbsteintrittsrechts verzichtet habe.

5.6.4.2 Angesichts  des  Umstands,  dass  das  BFM  bei  Dublin-
Verfahren, welche Griechenland betreffen, offenbar bei der Kategorie 

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der  besonders  verletzlichen  Personen  das  Asylverfahren  in  der 
Schweiz  durchführt,  hätte  sich  das  BFM  erst  recht  eingehend  zur 
Frage äussern  müssen,  wo in  Griechenland die  Beschwerdeführerin 
als  (aus  der  Sicht  der  Vorinstanz)  nicht  besonders  verletzlich 
eingestufte  Person  konkret  untergebracht  werden  soll.  Der  bei  der 
erwähnten Kategorie ausgeübte Selbsteintritt ist als gewichtiges Indiz 
zu  werten,  dass  die  derzeit  in  Griechenland  herrschende  Situation, 
insbesondere die dortigen Unterkunftsmöglichkeiten, selbst vom BFM 
als prekär eingeschätzt wird. Unter diesen Umständen ist eine Heilung 
der  Verletzung  der  Begründungspflicht  auf  Beschwerdeebene 
ausgeschlossen.

5.6.5 Darüber  hinaus  steht  fest,  dass  das  Bundesamt  den  Unter-
suchungsgrundsatz verletzt hat, weil trotz der problematischen Lage in 
Griechenland  eine  fundierte  Lageanalyse  den  Akten  nicht  zu  ent-
nehmen ist und deshalb in Bezug auf den Verzicht auf Ausübung des 
Selbsteintrittsrechts auf eine unvollständige Sachverhaltsermittlung zu 
schliessen ist  (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 
Bst. b AsylG). Das BFM hätte vielmehr konkret abklären müssen,  ob 
die Voraussetzungen für einen Selbsteintritt gegeben gewesen wären.

5.7 Der Vollständigkeit halber ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass 
es bei Dublin-Verfahren lediglich darum geht, die Voraussetzungen der 
Rückführung  eines  Drittstaatsangehörigen  beziehungsweise  einer 
Drittstaatsangehörigen in einen bestimmten Mitgliedstaat im Rahmen 
der  Dublin-II-Verordnung  zu  prüfen.  Infolgedessen  ist  auf  die  in  der 
Beschwerde vom 10. Februar 2010 und der Replik vom 19. März 2010 
gemachten Ausführungen sowie die eingereichten Beweismittel zu den 
in Eritrea aufgrund der Desertion und illegalen Ausreise angeblich zu 
befürchtenden Verfolgungsmassnahmen nicht einzugehen.

6.
Angesichts der gesamten Umstände ist die Beschwerde im Sinne der 
Erwägungen teilweise gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 
6. Januar 2010 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das 
BFM zurückzuweisen.  Die  Vorinstanz  ist  aufzufordern,  im  Sinne  der 
obigen Erwägungen konkrete Abklärungen zur Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs  der  Beschwerdeführerin  nach  Griechenland  zu 
treffen  und  die  entsprechende  Begründung  in  der  neuen  Verfügung 
ausführlich darzulegen.

Seite 16

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7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Kosten 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG). Das  Gesuch  der  Beschwerde-
führerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG ist damit als gegenstandslos zu betrachten.

7.2 Der mittellosen Partei wird in einem nicht aussichtslosen Verfahren 
ein Anwalt bestellt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 
(Art. 65  Abs. 2  VwVG).  Für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung  ist  ausschlaggebend,  ob  die  Partei  zur 
Wahrung  ihrer  Rechte  notwendigerweise  der  professionellen 
juristischen Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 122 I 49 E.  2c 
S. 51 ff.; BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das 
vorliegende  –  vom  Untersuchungsgrundsatz  beherrscht  sind,  sind 
strenge  Massstäbe  an  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 
122 I 8 E. 2c S. 10). Da es im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren im 
Wesentlichen um die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 
geht,  sind  zur  wirksamen  Beschwerdeführung  besondere  Rechts-
kenntnisse im Regelfall  nicht  unbedingt  erforderlich,  weshalb praxis-
gemäss die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art.  65 
Abs. 2 VwVG nur in den besonderen Fällen gewährt wird, in welchen 
in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten be-
stehen.  Das  vorliegende  Verfahren  erscheint  weder  in  tatsächlicher 
noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex, weshalb das Gesuch 
um Gewährung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person 
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin abzuweisen ist.

8.
8.1 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden 
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr 
erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zu-
sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. 
Art. 7,  Art  8 und 9 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]).

8.2 Der rechtlich vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres 
teilweisen  Obsiegens  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteient-
schädigung für  die  ihr  notwendigerweise erwachsenen Kosten zuzu-
sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. 

Seite 17

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Art. 7 Abs. 1, Art. 8 und 9 VGKE). Aufgrund der Akten können die Ver-
tretungskosten  vorliegend  zuverlässig  abgeschätzt  werden  und  sind 
unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren 
(Art. 9-11  und 13  VGKE)  auf  Fr. 1'200.--  (inkl. Auslagen  und  MWSt) 
festzusetzen,  weshalb  auf  die  Einforderung  einer  Kostennote  ver-
zichtet werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Das BFM ist 
entsprechend anzuweisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag als 
Parteientschädigung auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen;  die  angefochtene  Ver-
fügung vom 6. Januar 2010 wird aufgehoben.

2.
Die Akten werden im Sinne der  Erwägungen zur  Neubeurteilung an 
das BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Das  Gesuch  um  Gewährung  eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistands 
gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen.

5.
Das  BFM  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 1'200.-- 
(inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Asylverfahren, mit den Akten Ref.-Nr.

N _______ (per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig

Versand:

Seite 19