# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d904988-d57f-56a0-bfda-e964cf620131
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR cap_2003_58_08_03_04.pdf
**Docket/Reference:** cap_2003_58_08_03_04.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf2/cap_2003_58_08_03_04.pdf

## Full Text

CAP 2003-58 

STRAFAPPELLATIONSHOF 

8. März 2004 

Der Strafappellationshof hat in Sachen 

X, , Berufungsführer und Angeklagter, 
verbeiständet durch Fürsprecher ________, 

gegen 

Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg, Berufungsgegnerin, 
vertreten durch _____________, 

und 

Y, , Straf- und Zivilklägerin, 
vertreten durch Rechtsanwalt _____________, 

betreffend  Berufung  vom  11.  September  2003  gegen  das  Urteil  des  Polizeirichters 
_________ vom 15. Mai 2003, 

nachdem sich ergeben hat: 

A.—  Y  ist  Eigentümerin  des  Grundstücks  GB  Art.  _____  der  Gemeinde  Z.  X, 
Eigentümer  des  talaufwärts  gelegenen  Grundstücks  GB  Art.  ____,  steht  im  Genuss  einer 
Wegrechtsdienstbarkeit,  welche  auf  dem  Grundstück  von  Y  lastet,  aber  im  Grundbuch  nicht 
näher beschrieben ist. X und Y liegen seit einiger Zeit über die Modalitäten dieses Wegrechts 
im Streit.  Am  12.  Dezember  2001  verbreiterte  X  eigenmächtig  den Weg  auf  dem  Grundstück 
von  Y.  Auf  Anzeige  von  Y  verurteilte  der  Untersuchungsrichter  X  mit  Strafbefehl  vom  8. 
Oktober 2002 wegen Sachbeschädigung zu einer bedingt vollziehbaren Gefängnisstrafe von 10 
Tagen und zu einer Busse von Fr. 2000.–. 

 
 
 
 
 
 
 
                             
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                            
 
 
 
Nachdem X fristgerecht Einsprache erhoben hatte, befasste sich der Polizeirichter ____ 
in seiner Sitzung vom 15. Mai 2003 mit der Angelegenheit. Er hörte X, Y sowie die Zeugen A 
und B an und führte eine Ortsbesichtigung durch. Der Polizeirichter kam zum Schluss, dass X 
durch seine bauliche Intervention am 12. Dezember 2001 auf dem Grundstück von Y mehr als 
zehn  Meter  eines  Thujahages  entfernt,  einen  Zaun  beschädigt,  einen  Wasserschlauch 
herausgerissen und teilweise die bestehende Natursteinmauer entfernt hatte. Der Polizeirichter 
führte  aus,  dieses  Vorgehen  entspreche  nicht  einer  möglichst  schonenden  Ausübung  des 
Dienstbarkeitsrechts. Die Intervention sei auch nicht notwendig gewesen, da X auf dem bereits 
seit Jahren bestehenden Weg zu seiner Liegenschaft habe gelangen können. Wie der Zustand 
des Weges vor der Intervention im Einzelnen gewesen sei, habe nicht eruiert werden können, 
namentlich  stehe  nicht fest,  dass  die  X  zur  Verfügung  stehende  Zufahrt  nicht  eine  Breite  von 
2,40 m aufgewiesen habe, was ihm gemäss Grundbuchplan zustehe. Daraus ergebe sich, dass 
X nicht im Rahmen seiner Servitutsberechtigung gehandelt habe. Insbesondere habe er seine 
Intervention,  für  die  keine  Dringlichkeit  bestand,  nicht  in  möglichst  schonender  Weise 
ausgeführt.  X  könne  sich  auch  nicht  auf  einen  Sachverhaltsirrtum  berufen.  Er  habe  sich 
darüber  im  Klaren  sein  müssen,  dass  seine  Intervention  an  sich  eine  Sachbeschädigung 
darstellt. Nach seinen eigenen Angaben sei er davon ausgegangen, dass der tatsächliche und 
seit  Jahren  bestehende  Wegverlauf  nicht  dem  Grundbucheintrag  entsprach.  Dies  bedeute 
unter  den  gegebenen  Umständen  jedoch  nicht,  dass  er  zu  einem  derart  massiven  Eingriff 
berechtigt  gewesen  sei,  und  es  bestünden  keine  plausiblen  Gründe,  dass  er  dies  hätte 
annehmen dürfen. Die Tatsache, dass zwischen ihm und Y seit Anfangs 2001 Verhandlungen 
für  eine  aussergerichtliche  Einigung  liefen,  weisen  darauf  hin,  dass  offen  war,  wie  die 
Wegführung verlaufen sollte, zudem sei das Trassee des Weges seit Jahrzehnten unverändert 
geblieben. X habe nicht gutgläubig annehmen können, er sei zu der von ihm vorgenommenen 
Intervention berechtigt. Subjektiv müsse dem Angeklagten daher Vorsatz vorgeworfen werden. 
Durch  seine  Intervention  habe  er  den  seit  Jahrzehnten  bestehenden  Dienstbarkeitsweg  auf 
dem  Grundstück  von  Y  verbreitern  wollen  und  dazu  den  Thujahag  und  einen  Teil  der 
Natursteinmauer entfernt. Er habe sich bewusst gewesen sein müssen, dass er damit fremde 
Sachen  beschädige.  Trotz  der  seit  Anfangs  2001  laufenden  Verhandlungen  und  der 
Verhandlungsbereitschaft von Y habe er ein "fait accompli" schaffen wollen. Der Polizeirichter 
verurteilte  X  daher  wegen  Sachbeschädigung  zu  einer  Busse  von  Fr.  2000.–,  stellte  dem 
Grundsatz  nach  fest,  dass  X  für  den  am  12.  Dezember  2001  am  Grundstück  von  Y 
verursachten  Schaden  haftpflichtig  sei,  sprach  ihr  eine  Interventionsentschädigung  von  Fr. 
400.–  zu  und  verwies  sie  im  Übrigen  auf  den  Zivilweg.  Die  Kosten  der  Zivilpartei  sowie  die 
Gerichtskosten auferlegte er X.  

B.—  Am  11.  September  2003  hat  X  gegen  das  Urteil  des  Polizeirichters  vom  15.  Mai 
2003  Berufung  eingereicht.  Er  rügt  eine  Verletzung  der  Unschuldsvermutung  sowie  Fehler  in 
der  Beweiswürdigung  und  Rechtsanwendung.  X  beantragt,  das  Urteil  des  Polizeirichters 
aufzuheben  und  ihn  vom  Vorwurf  der  Sachbeschädigung  freizusprechen,  unter  Kosten-  und 
Entschädigungsfolge. 

Die  Staatsanwaltschaft  hat  am  28.  Oktober  2003  auf  eine  Stellungnahme  verzichtet, 
während  Y  in  ihrer  Stellungnahme  vom  3.  November  2003  beantragt,  die  Berufung  unter 
Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweisen. 

 
 
 
C.— Der Strafappellationshof sieht von einer Parteiverhandlung ab. 

e r w o g e n : 

1.— a) Die Berufung ist innert 30 Tagen nach Zustellung des begründeten Urteils beim 
Kantonsgericht einzureichen (Art. 214 Abs. 1 StPO). Das Urteilsdispositiv wurde dem Vertreter 
des Berufungsführers am 28. Mai 2003 eröffnet, worauf dieser am 2. Juni 2003 rechtzeitig (vgl. 
Art.  186  Abs.  3  StPO)  um  Ausfertigung  des  begründeten  Urteils  ersuchte.  Dieses  wurde  ihm 
am  13.  August  2003  zugestellt.  Die  dagegen  erhobene  Berufung  wurde  am  11.  September 
2003  und  damit  fristgerecht  eingereicht.  Die  Berufungsschrift  genügt  den  gesetzlichen 
Anforderungen  (Art.  199  und  214  Abs.  2  StPO),  sodass  auf  die  Berufung  grundsätzlich 
einzutreten ist. 

b)  Der  Berufungsführer wurde  zu einer  Busse  von  Fr.  2000.–  verurteilt. Damit kann  er 
lediglich  eine  Verletzung  materiellen  Rechts,  eine  Verletzung  einer  wesentlichen  Verfah-
rensbestimmung  während  der  Hauptverhandlung  oder  eine  ungenügende  oder  willkürliche 
Begründung erheblicher tatsächlicher Feststellungen geltend machen (Art. 212 Abs. 2 StPO).  

c)  In  Anbetracht  der  vorgebrachten  Rügen  und  der  Höhe  der  ausgefällten Strafe  sieht 

der Strafappellationshof von einer Verhandlung ab (Art. 217 lit. a und b StPO). 

2.— Der Berufungsführer rügt zuerst eine Verletzung der Unschuldsvermutung.  

a) Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie in Art. 4 Abs. 2 lit. a 
StPO verankerten Grundsatz "in dubio pro reo" ist bis zum Nachweis der Schuld zu vermuten, 
dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (BGE 129 I 49 E. 4). Als 
Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die Schuld des 
Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen muss. Der Grundsatz 
wird verletzt, wenn der Strafrichter einen Angeklagten einzig mit der Begründung verurteilt, er 
habe seine Unschuld nicht nachgewiesen. Ebenso ist die Maxime verletzt, wenn sich aus den 
Urteilsgründen ergibt, dass der Strafrichter von der falschen Meinung ausging, der Angeklagte 
habe seine Unschuld zu beweisen, und er ihn verurteilte, weil ihm dieser Beweis misslang. 

Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der 
Existenz  eines  für  den  Angeklagten  ungünstigen  Sachverhalts  überzeugt  erklären  darf,  wenn 
bei  objektiver  Betrachtung  erhebliche  und  nicht  zu  unterdrückende  Zweifel  bestehen,  ob  sich 
der Sachverhalt so verwirklicht hat (vgl. zum Ganzen z. B. BGE 127 I 38 E. 2a). 

b)  Der  Berufungsführer  wirft  dem  Polizeirichter  einerseits  vor,  es  habe  den  Grundsatz 
"in  dubio  pro  reo"  als  Beweislastregel  verletzt.  Der  Polizeirichter  habe  es  als  nicht  erwiesen 
betrachtet,  dass  die  Zufahrt  vor  dem  Eingriff  weniger  als  2,40  Meter  breit  war,  und  daraus 
geschlossen,  der  Berufungsführer  habe  nicht  im  Rahmen  seiner  Servitutsberechtigung 
gehandelt; dies komme einer Beweislastumkehr gleich. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der  Berufungsführer  vertritt  zudem  die  Ansicht,  der  Polizeirichter  habe  auch  die  im 
Grundsatz  "in  dubio  pro  reo"  enthaltene  Beweiswürdigungsregel  verletzt.  Der  Polizeirichter 
habe zwar festgehalten, es könne nicht mehr eruiert werden, wie der Zustand des Weges vor 
der  Intervention  gewesen  sei  und  ob  er  eine  Breite  von  2,4  Metern  aufwies.  Da  dies  nicht 
erwiesen sei, hätte der Polizeirichter auf den für den Berufungsführer günstigeren Sachverhalt 
abstellen müssen, mithin dass der Weg nicht die notwendige Breite aufwies. 

c)  Die  Vorinstanz  hat  die  Bedeutung  des  Grundsatzes  "in  dubio  pro  reo"  weder  als 
Beweislast-  noch  als  Beweiswürdigungsregel  verkannt.  Mit  der  gerügten  Feststellung  hat  der 
Polizeirichter  dem  Berufungsführer  keine  Beweislast  auferlegt,  sondern  lediglich  festgestellt, 
dass  der  Berufungsführer  auf  dem  seit  Jahren  bestehenden  Weg  zu  seiner  Liegenschaft 
gelangen konnte und die Intervention daher nicht notwendig gewesen sei. Der Berufungsführer 
geht  auch  fehl,  wenn  er  eine  Verletzung  der  Beweiswürdigungsregel  im  Umstand  sieht,  dass 
der Polizeirichter, mangels klarer Feststellungen zur früheren Wegbreite, nicht davon ausging, 
diese habe weniger als die ihm zustehenden 2,4 Meter betragen. Relevant ist einzig, dass der 
Berufungsführer  auf  dem  fraglichen  Weg  zu  seinem  Grundstück  gelangen  konnte.  Wie  im 
Übrigen  dem  Augenscheinprotokoll  und  den  beigelegten  Fotos  sowie  dem  Situationsplan  zu 
entnehmen  ist,  weist  der Weg  an  seiner  engsten  Stelle  -  zwischen  Haus  und  Scheune  -  eine 
Breite  von  2,4  Metern  auf.  Ebenfalls  lässt  sich  dieser  Dokumentation  entnehmen,  dass  der 
Weg seit dem Eingriff wesentlich breiter ist. Dass auch ein grosses Fahrzeug dort bereits vor 
dem  Eingriff  passieren  konnte,  ist  den  vom  Berufungsführer  eingereichten  Fotos  klar  zu 
entnehmen.  Jedenfalls  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  der  Polizeirichter  erhebliche  und  nicht  zu 
unterdrückende Zweifel hätte hegen sollen, die Wegbreite habe nicht 2,4 Meter betragen. Die 
Rügen sind folglich unbegründet. 

3.—  Der  Berufungsführer  rügt  sodann  die  Rechtsanwendung.  Er  bestreitet  nicht,  dass 
die  objektiven  Tatbestandselemente  einer  Sachbeschädigung  vorliegen,  wendet  aber  ein,  es 
fehle an der Rechtswidrigkeit, da ein Rechtfertigungsgrund gemäss Art. 737 ZGB vorliege. 

a)  Die  Tat,  die  das  Gesetz  gebietet  oder  für  erlaubt  oder  straflos  erklärt,  ist  kein 
Verbrechen  oder  Vergehen 
ist  der 
Dienstbarkeitsberechtigte  befugt,  alles  zu  tun,  was  zur  Erhaltung  und  Ausübung  der 
Dienstbarkeit  nötig  ist  (Abs.  1).  Er ist  jedoch verpflichtet,  sein  Recht  in  möglichst  schonender 
Weise auszuüben (Abs. 2). 

(Art.  32  StGB).  Gemäss  Art.  737  ZGB 

b)  Der  Berufungsführer  bringt  vor,  er  sei  befugt  gewesen,  Massnahmen zur  Erhaltung 
des Weges mit einer Breite von 2,40 Metern zu ergreifen. Der Weg sei der einzige Zugang zu 
seiner  Liegenschaft,  und  es  könne  von  ihm  nicht erwartet werden,  dass  er  auf  die  Ausübung 
seines  Rechts  verzichte  oder  weiterhin  auf  das  Tätigwerden  von  Y  hoffen  müsse.  Auf  den 
ersten Blick möge die teilweise Entfernung des Thujahages und der abgerutschten Erde samt 
Steinen  sowie  die  Freilegung  des  Gartenschlauches  nicht  als  schonende  Erhaltung  der 
Dienstbarkeit  erscheinen,  doch  habe  er  seit mehr  als  einem  Jahr  erfolglos  versucht,  auf  eine 
Verbreiterung  hinzuwirken.  Um  die  Dienstbarkeit  zu  erhalten  sei  ihm,  abgesehen  vom 
Beschreiten des Rechtsweges, nichts anderes übrig geblieben, als selbst Hand anzulegen. Ein 
weiteres Zuwarten sei für ihn unzumutbar gewesen. 

 
 
 
 
 
c)  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  der  Berufungsführer  gemäss  zutreffender  Feststellung 
des  Polizeirichters  auf  dem  seit  Jahren  bestehenden  zureichenden  Zufahrtsweg  zu  seiner 
Liegenschaft  gelangen  konnte.  Streitig  war  nicht  der  Bestand  oder  die  Ausübung  der  im 
Grundbuch  nicht  näher  beschriebenen  Dienstbarkeit,  sondern  deren  genauer  Verlauf,  da  die 
seit  Jahrzehnten  bestehende  Wegführung  offenbar  nicht  genau  den  Geometerplänen 
entsprach.  Soweit  sich  der  Berufungsführer  auf  Art.  737  ZGB  als  Rechtfertigungsgrund  für 
seine Selbsthilfe beruft, ist zu bedenken, dass der Dienstbarkeitsberechtigte und der -belastete 
in  guten  Treuen  dasjenige  tun  sollen  und  tun  dürfen,  was  in dem  Rechtsverhältnis  begründet 
erscheint (LEEMANN, Berner Kommentar, N. 2 zu Art. 737 ZGB). Zwar ist unbestritten, dass der 
Berufungsführer  befugt  ist,  seine  Dienstbarkeit  zu  erhalten  und  dazu  Unterhalts-,  Reparatur- 
und Erneuerungsarbeiten vorzunehmen, kurz dasjenige, was zur Erhaltung und Ausübung der 
Dienstbarkeit  nötig  ist.  Der  Berufungsführer  veranlasste  aber  wesentlich  mehr:  Er  entfernte 
mehr als zehn Meter des Thujahages, beschädigte den Zaun, legte einen Wasserschlauch frei 
und  entfernte  eine  bestehende  Natursteinmauer  teilweise.  Wie  der  Polizeirichter  zu  Recht 
festhielt,  hat  er  damit  seine  Servitutsberechtigung  überschritten.  Der  Eingriff  erscheint  weder 
zur  Ausübung  noch  zur  Erhaltung  des  Wegrechtes  nötig  gewesen  zu  sein,  sicher  aber  ist  er 
nicht  in  schonender  Weise  durchgeführt  worden.  Vielmehr  hat  der  Berufungsführer  seinen 
Zufahrtsweg  verbreitert und  dabei den  beschriebenen  Eingriff  vorgenommen,  dies  obwohl  die 
Parteien sich über den genauen Verlauf des Wegrechtes nicht einig waren. Dabei gilt es auch 
zu  berücksichtigen,  dass  der  Wegverlauf  offensichtlich  langjähriger  Übung  entspricht,  der 
streitgegenständliche Thujahag im Jahre 1974 von den Eltern des Berufungsführers gepflanzt 
worden war und Y den Thujahag rund drei Monate vor dem Eingriff zurückschneiden liess. Der 
Strafappellationshof  teilt  den  Schluss  des  Polizeirichters,  es  liege  kein  Rechtfertigungsgrund 
vor; seine Begründung ist nicht zu beanstanden. 

d)  Soweit  der  Berufungsführer  sich  in  diesem  Zusammenhang  erneut  auf  einen 
Sachverhaltsirrtum  beruft,  nimmt  er  keinen  Bezug  auf  die  Urteilsbegründung  und  setzt  sich 
damit auch nicht auseinander. Auf die Berufung ist daher in diesem Punkt nicht einzutreten.  

4.—  a)  Bei  diesem  Verfahrensausgang  sind  die  Gerichtskosten  dem  Berufungsführer 
aufzuerlegen  (Art.  231  Abs.  2  Satz  1  und  237  StPO).  Die  Gerichtsgebühr  ist  auf  Fr.  800.— 
festzusetzen zuzüglich der Auslagen von Fr. 80.— (Art. 1 Abs. 2, Art. 3 und 11 StKT).  

b)  Die  obsiegende  Straf-  und  Zivilklägerin  Y  hat  in  ihrer  Berufungsantwort  auf 
Abweisung der Berufung "unter Kosten- und Entschädigungsfolge" geschlossen. Es fragt sich, 
ob ihr gestützt auf Art. 240 StPO zulasten des Berufungsführers Parteikosten oder gestützt auf 
Art. 241 StPO eine Parteientschädigung zuzusprechen ist. 

Laut  Art.  240  StPO  werden  Parteikosten  nur  im  Rahmen  der  Beurteilung  der 
Zivilansprüche  zugesprochen;  die  Vorschriften  der  Zivilprozessordnung  gelten  sinngemäss. 
Werden  die  Zivilansprüche  auf  den  Zivilweg  verwiesen,  so  trägt  jede  Partei  ihre  Parteikosten 
bis zum Entscheid selbst. Gemäss Art. 241 StPO spricht in den Beschwerde-, Berufungs- oder 
Revisionsverfahren  vor  einer  als  letzte  kantonale  Instanz  entscheidenden  Behörde  diese  der 
obsiegenden  Partei  auf  Gesuch  eine  Entschädigung  für  die  Kosten  zu,  welche  die  Wahrung 
ihrer  Interessen  in  dieser  Instanz  erforderten  (Abs.  1);  die  Entschädigung  ist  vom  Staat 

 
 
 
 
 
geschuldet (Abs. 4). Den parlamentarischen Beratungen zu diesen beiden Bestimmungen lässt 
sich  einzig  entnehmen,  dass  der  Grosse  Rat  –  in  Abweichung  zum  Gesetzesentwurf  des 
Staatsrates – keine eigentlichen Parteikosten in Strafsachen einführen, sondern diese auf die 
Beurteilung der Zivilansprüche beschränken wollte (TGR 1996 II 2992). 

Im  vorliegenden  Fall  hatte  der  Polizeirichter  den  Berufungsführer  wegen 
Sachbeschädigung  verurteilt  und  dem  Grundsatz  nach  festgestellt,  dass  er  für  den  Y 
verursachten  Schaden  haftpflichtig  ist,  und diese  im  Übrigen  auf den  Zivilweg  verwiesen  (vgl. 
Art. 21 Abs. 2 ZPO). In seiner Berufung hat der Berufungsführer beantragt, das angefochtene 
Urteil  "vollumfänglich"  aufzuheben.  Somit  hätte  sich  eine  allfällige  Gutheissung  der  Berufung 
auch  auf  die  Beurteilung  der  Zivilansprüche  von  Y  ausgewirkt,  da  sie  in  diesem  Fall  in 
Anwendung von Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO an den Zivilrichter verwiesen worden wäre. Sie war 
deshalb  berechtigt, 
im  Berufungsverfahren 
wahrzunehmen und namentlich eine Berufungsantwort einzureichen (vgl. Art. 216 Abs. 2, 197 
Abs. 2 lit. b StPO). Die ihr dadurch entstandenen Kosten sind somit in Anwendung von Art. 240 
StPO und Art. 111 Abs. 1 ZPO als Parteikosten dem Berufungsführer zu überbinden, wie dies 
auch der Polizeirichter für das erstinstanzliche Verfahren getan hatte.  

rechtlich  geschützten 

Interessen 

ihre 

Anders wäre zu entscheiden, wenn der Berufungsführer – oder die Staatsanwaltschaft – 
das Urteil des Polizeirichters bloss in einem Punkt angefochten hätte, der sich selbst im Falle 
einer  Gutheissung  nicht  auf  die  Zivilforderung  ausgewirkt  hätte  (z.  B.  die  Strafzumessung). 
Ebenfalls  hätte  Art.  240  StPO  im  vorliegenden  Fall  keine  Anwendung  gefunden,  wenn  der 
Polizeirichter  die  Zivilpartei  Y  vollumfänglich  auf  den  Zivilweg  verwiesen  und  der 
Berufungsführer  im  Strafpunkt  Berufung  eingelegt  hätte,  da  sich  auch  in  diesem  Fall  eine 
Gutheissung der Berufung nicht direkt auf die Beurteilung der Zivilansprüche von Y ausgewirkt 
hätte.  

Ob die Parteikosten der Zivilpartei einzig für das Verfahren vor dem urteilenden Richter 
(hier:  Polizeirichter  und  Strafappellationshof)  festzusetzen  sind  –  da  einzig  dieser  die 
Zivilansprüche  beurteilt  (vgl.  Art.  20  Abs.  1,  21  Abs.  1  lit.  b  und  240  StPO)  –  ,  oder  ob  sie 
bereits  ab  jenem  Zeitpunkt  festzusetzen  sind,  in  dem  der  Geschädigte  dem  Verfahren 
ausdrücklich als Zivilkläger beitritt (vgl. Art. 33 Abs. 2 StPO) – das heisst allenfalls bereits mit 
der  Einreichung  der  Strafanzeige  oder  im  Laufe  des  Untersuchungsverfahrens  –  ,  kann  im 
vorliegenden  Fall  offen  bleiben,  da  sich  Y  erst  mit  der  Einreichung  ihrer  Anträge  vor  dem 
Polizeirichter als Zivilklägerin konstituiert hat. Die Kostenliste von Rechtsanwalt _____ ist somit 
ab  jenem  Zeitpunkt  festzusetzen,  in  dem  ihm  die  Vorladung  zur  Verhandlung  vor  dem 
Polizeirichter zugestellt wurde, unter Ausschluss des Versöhnungs- und Untersuchungs- bzw. 
Strafbefehlsverfahren. Sie ist für beide Instanzen global auf Fr. 2743.90 festzusetzen (Honorar: 
Fr. 2500.–, Auslagen: Fr. 50.10, 7,6 % MWST: Fr. 193.80) (Art. 3 Abs. 1 lit. f und Art. 12 f. PKT, 
SGF137.21). 

und gestützt auf Art. 92 Abs. 1 lit. a GOG sowie Art. 21 des Reglements für das Kantonsgericht 
auf dem Zirkulationsweg 

e r k a n n t : 

 
 
 
 
 
 
I.   Die  Berufung  wird  abgewiesen,  soweit  darauf  eingetreten  wird,  und  das  Urteil  des 

Polizeirichters ______ vom 15. Mai 2003 bestätigt. Es lautet wie folgt: 

1.  X wird verurteilt wegen Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB), begangen am 12. 

Dezember 2001. 

2.  Die Strafe wird festgesetzt auf Fr. 2000.— Busse (Art. 63, 48 StGB). 

3.  Die Busse kann nach einer Probezeit von einem Jahr gelöscht werden (Art. 49 Ziff. 4 

StGB). 

4.  Es wird dem Grundsatz nach festgestellt, dass X für den am 12. Dezember 2001 am 

Grundstück von Y______ verursachten Schaden haftpflichtig ist. 

Im Übrigen wird Y auf den Zivilweg verwiesen. 

Y  wird  für  ihre  Intervention  im  Strafverfahren  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 
400.— zugesprochen. 

Die Kosten der Zivilpartei werden X auferlegt. 

5.  Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 800.— und 
den noch zu bestimmenden Auslagen, werden X auferlegt (Art. 229 Abs. 1 StPO). 

II.  Die  dem  Staat  Freiburg  geschuldeten  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  bestehend  aus 
einer Gerichtsgebühr von Fr. 800.— und den Auslagen von Fr. 80.—, werden X auferlegt. 

III. Die Parteikosten von Y für das Berufungsverfahren werden X auferlegt. 

Die Kostenliste von Rechtsanwalt ______ wird für das Verfahren vor dem Polizeirichter und 
das Berufungsverfahren global auf insgesamt Fr. 2743.90 festgesetzt (Honorar: Fr. 2500.–, 
Auslagen: Fr. 50.10, MwSt: Fr. 193.80). 

Soweit sie die Verletzung eidgenössischen Rechtes rügen wollen, werden die Parteien darauf 
hingewiesen, dass sie gegen dieses Urteil innert einer Frist von 30 Tagen nach der Zustellung 
des  begründeten  Urteils  Nichtigkeitsbeschwerde  an  das  Bundesgericht  erheben  können.  Die 
Beschwerdelegitimation und  die  übrigen  Voraussetzungen  der  Nichtigkeitsbeschwerde sind  in 
Art. 268 ff. des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege festgelegt. 

Freiburg, 8. März 2004