# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 577982ff-1120-59df-8cc1-eedc477a1627
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-13
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 13.12.2018 VG.2018.00093 (VG.2018.730)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2018-00093_2018-12-13.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 13. Dezember 2018

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2018.00093

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Der am […] geborene, gelernte
  Schreiner A.______ war zuletzt als Betriebsmitarbeiter bei der C.______AG
  tätig. Seit 2010 leidet er an einer schweren chronischen
  obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) und ist seit August 2015 aufgrund der damit
  verbundenen verminderten körperlichen Belastbarbarkeit nicht mehr
  erwerbstätig. Am 5. Oktober 2015 meldete er sich bei der IV-Stelle
  Glarus zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an.

  
	
   

  
	
  1.2 Mit Vorbescheid vom 8. Mai
  2018 stellte die IV-Stelle A.______ die Abweisung seines Leistungsbegehrens
  bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht. Den von A.______
  erhobenen Einwänden leistete die IV-Stelle keine Folge und hielt mit
  Verfügung vom 11. Juli 2018 an ihrem Vorbescheid fest.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am
  11. September 2018 gelangte A.______ mit Beschwerde ans
  Verwaltungsgericht und beantragte, die Verfügung vom 11. Juli 2018 sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Invalidenrente
  zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle
  und unter Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.

  
	
   

  
	
  Die
  IV-Stelle schloss am 9. November 2018 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
  Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) zur Behandlung der vorliegenden
  Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt
  sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
  Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) ist
  Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
  oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch
  eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
  verursachte oder nach zumutbarer Behandlung sowie Eingliederung verbleibende
  ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
  kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. 

  
	
   

  
	
  2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem
  Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente,
  bei einem solchen von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
  mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab mindestens 70 %
  auf eine ganze Rente.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Nach dem für das gesamte
  Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts-beschwerdeverfahren geltenden Grundsatz
  der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
  Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
  Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
  Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel
  unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
  entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung
  des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
  widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
  das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf
  die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351
  E. 3a).

  
	
   

  
	
  Die Verwaltung als verfügende
  Instanz und – im Beschwerdefall – der Richter dürfen eine Tatsache nur dann
  als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
  Sozialversicherungsrecht hat der Richter dabei seinen Entscheid – sofern das
  Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht – nach dem Beweisgrad der überwiegenden
  Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten
  Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter hat vielmehr
  jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen
  Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 119 V 7 E. 3c/aa,
  mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.2 Es ist Aufgabe des Arztes,
  sämtliche Auswirkungen einer Krankheit oder eines Unfalls auf den
  Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu
  nehmen, bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang sie
  arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige
  Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
  versicherten Person im Hinblick auf ihre persönlichen Verhältnisse noch
  zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.3 Hinsichtlich
  des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die
  Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
  beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie
  dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei
  psychischen Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls
  in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es
  in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob
  die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet
  sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, sowie
  ob der Experte nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche
  ihm die Beantwortung der Fragen erschweren, gegebenenfalls deutlich macht.
  Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft
  eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
  gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  3.4 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem
  Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf
  bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
  Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
  eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
  Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
  erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
  gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange
  nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210
  E. 1.3.4). 

  
	
   

  
	
  3.5 Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung
  eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung
  strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel in
  Hinblick auf die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit einer
  versicherungsinternen ärztlichen Feststellung, so sind ergänzende Abklärungen
  mittels unabhängiger Begutachtung vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4).

  
	
   

  
	
  3.6 Im Verzicht auf weitere Sachverhaltsabklärungen
  liegt dann keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor, wenn die
  im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
  Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
  sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393
  E. 4.1) zur Überzeugung führen, ein bestimmter Sachverhalt sei als
  überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b) zu betrachten und es
  könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr
  ändern (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3,
  134 I 140 E. 5.3).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der Beschwerdeführer bringt vor,
  dass er seit 2010 unter einer schweren COPD leide und einer damit verbundenen
  verminderten körperlichen Belastbarkeit aufgrund der Atemnot. Sein Hausarzt Dr. med. D.______, FMH Allgemeine Medizin,
  habe ihm attestiert,
  dass er seit August 2015 zu 100 % arbeitsunfähig sei. PD Dr. med. E.______, FMH
  Pneumologie, Innere Medizin und Intensivmedizin, habe ihm im August 2017 eine
  Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte körperliche Tätigkeiten
  attestiert. Derselbe habe ihm dann in der Konsultation vom 18. Mai 2018 eine
  Verschlechterung des Gesundheitszustands diagnostiziert, wobei er auch für
  leichte körperliche Arbeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei. Ausgewiesen
  sei eine medizinisch theoretische Ateminvalidität von 75 % bzw. eine
  Ateminvalidität der Klasse 5. Das Lungenvolumen habe nach einer
  Lungenentzündung Ende 2017 erneut abgenommen, weshalb er bereits im
  Ruhezustand unter einem Sauerstoffmangel leide und deshalb auf zusätzlichen
  Sauerstoff angewiesen sei. Die Verschlechterung habe im Februar 2018 aufgrund
  der fehlenden Messmöglichkeiten in der Hausarztpraxis von Dr. D.______
  nicht festgestellt werden können. Er habe im Gehtest vom 18. Mai 2018
  zwar Fortschritte gezeigt, jedoch habe seine Atemnot danach zu einem
  lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel geführt. Trotz der Verschlechterung
  seines Gesundheitszustands gehe die Beschwerdegegnerin fälschlicherweise von
  einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus und verneine einen
  Invaliditätsanspruch.

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdegegnerin verweist
  auf ihre Verfügung vom 11. Juli
  2018. Darin führt sie
  aus, dass beim Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als
  Betriebsmitarbeiter eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Aus
  arbeitsmedizinischer Sicht sei davon auszugehen, dass in ideal angepasster
  Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die Verfügung vom 11. Juli 2018, das IV-Verlaufsprotokoll und das IV-Feststellungsblatt
  hätten einen eindeutigen und zweifelsfreien Schluss bezüglich der
  gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers aufgeführt. Der
  Beschwerdeführer habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine
  gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit IV-relevanten Auswirkungen auf die
  Arbeitsfähigkeit. Es sei daher keine rentenbegründende Invalidität
  ausgewiesen und das Leistungsbegehren sei zu Recht abgewiesen worden.
  Aufgrund fehlenden Einschränkungen in angepassten Tätigkeiten seien auch
  keine beruflichen Massnahmen angezeigt.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Gemäss dem Bericht vom 1. September 2015 des
  Spitals F.______ befand sich der Beschwerdeführer am 1. September 2015
  bei Dr. E.______ in ambulanter Behandlung, wobei ihm eine schwere COPD,
  eine Hypertonie und ein gesundheitsschädlicher Alkoholkonsum diagnostiziert
  wurde. Aufgrund seiner Atemnot bzw. seiner Anstrengungsdyspnoe wurde er
  bereits seit Mitte August 2015 von Dr. D.______ krankgeschrieben.
  Lungenfunktionell bestehe eine schwere, nicht reversible obstruktive
  Ventilationsstörung mit relativer Lungenüberblähung und mittelschwerer
  Diffusionsstörung. Da der Beschwerdeführer nach wie vor zwei Pack Zigaretten
  pro Tag rauche, sei ihm ein dringender Rauchstopp empfohlen worden. Sodann
  wurde der Beschwerdeführer für eine stationäre pulmonale Rehabilitation in
  der Klinik G.______ angemeldet.

  
	
   

  
	
  5.2 Während dem sich der Beschwerdeführer ab dem
  12. Oktober 2015 bis am 24. Oktober 2015 im stationären
  Rehabilitationsaufenthalt befand, hielt der Hausarzt Dr. D.______ mit
  Bericht vom 17. Oktober 2015 fest, dass die bisherige Tätigkeit aus
  medizinischer Sicht aufgrund der schweren Dyspnoe und der damit
  einhergehenden verminderten körperlichen Belastbarkeit nicht mehr ausgeführt
  werden könne. Die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit könne er noch
  nicht beurteilen.

  
	
   

  
	
  5.3 Mit Bericht des Spitals F.______ vom
  27. Oktober 2015 von Dr. E.______ wurde dem Beschwerdeführer eine
  Arbeitsunfähigkeit von 100 % für schwere und mittelschwere körperliche
  Arbeiten und von 50 % für leichte körperliche Arbeit attestiert. Dem
  Beschwerdeführer sei eine leichte körperliche Tätigkeit ohne wesentliche
  Staub- und Rauchexposition und ohne starke Temperaturschwankungen an vier
  Stunden pro Tag zumutbar. In behinderungsangepasster Tätigkeit seien dem
  Beschwerdeführer rein sitzende Tätigkeiten zumutbar. Aufgrund der
  Lungenkrankheit sei er weder als Schreiner noch als Monteur für
  Wasserleitungen und Brunnenstuben wie bis anhin arbeitsfähig.

  
	
   

  
	
  5.4 Gemäss dem provisorischen Austrittsbericht aus der
  Klinik G.______ vom 23. Oktober 2015 konnte der Beschwerdeführer gute
  Fortschritte in der Oxigenierung wie auch im Geh-Test verzeichnen. Auch die
  native Blutgasanalyse zeigte eine deutliche Verbesserung der respiratorischen
  Partialinsuffizienz. Gemäss dem Arztbericht von Dr. med. H.______,
  FMH Pneumologie und Innere Medizin, vom November 2015 wurde beim
  Beschwerdeführer am 23. Oktober 2015 ein Spiroergometrie-Befund
  durchgeführt, welcher eine leichte bis mittelschwere eingeschränkte
  Leistungsfähigkeit aufgrund einer pulmonalen Limitation zeigte. Überdies
  wurde dem Beschwerdeführer ein dringender Rauchstopp und ein regelmässiges
  physisches Training empfohlen, da sich dadurch eine Stabilisierung der
  Leistungsfähigkeit erzielen lasse. Längerfristig werde es aber zu einer
  weiteren Progression der Leistungseinschränkung kommen. Die bisherige
  Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar und für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
  Monteur sei der Beschwerdeführer mindestens 20 % arbeitsunfähig. Vom
  12. Oktober 2015 bis zum 24. Oktober 2015 (stationärer
  Rehabilitationsaufenthalt) sei er zudem zu 100 % arbeitsunfähig. Es
  bestehe einzig eine körperliche Einschränkung aufgrund der reduzierten
  Lungenkapazität, jedoch keine geistige oder psychische. Die verminderte
  Leistungsfähigkeit führe zu einer Ateminvalidität von ca. 40 %, wobei
  die maximale Leistungsfähigkeit ca. 120 Watt betrage, was 69 % des
  Solls entspreche und somit um ca. 30 % vermindert sei. Hingegen sei
  es möglich, diese Einschränkungen durch die zuvor genannten medizinischen
  Massnahmen (Rauchstopp und physisches Training) zu vermindern.

  
	
   

  
	
  5.5 Im Bericht vom 28. September 2016 hielt
  Dr. E.______ fest, dass der Beschwerdeführer seit November 2015 für
  leichte körperliche Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig sei, womit ihm vier
  Stunden Arbeit pro Tag zumutbar wären. Eine Arbeitssteigerung sei auch durch
  medizinische Massnahmen nicht zu erreichen. Inwiefern der
  gesundheitsschädliche Alkoholkonsum die Arbeitsfähigkeit beeinflusse, könne
  nicht beurteilt werden. Auch der Hausarzt Dr. D.______ hielt in
  seinem Bericht vom 11. August 2017 fest,
  dass dem Beschwerdeführer eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit
  leichter körperlicher Arbeit zu 50 % und eine Büroarbeit sogar zu
  100 % möglich wäre.

  
	
   

  
	
  5.6 Gemäss dem Bericht des Spitals F.______ vom
  15. August 2017 von Dr. E.______ besteht seit August 2016 eine
  100 %ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für mittelschwere
  körperliche Arbeiten und als Monteur von Brunnenstuben. Eine leichte
  körperliche Arbeit von vier Stunden pro Tag, ohne wesentliche Staub- und
  Rauchexposition und ohne starke Temperaturschwankungen, sei ihm zumutbar.
  Zudem spreche nichts gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung
  für leichte körperliche Arbeiten in einem 50 %-Pensum.

  
	
   

  
	
  5.7 An Weihnachten 2017 erlitt der Beschwerdeführer
  eine Lungenentzündung und eine Blutvergiftung, weshalb er sich vom
  17. Januar 2018 bis zum 30. Januar 2018 erneut in der
  Pneumorehabilitation befand. Gemäss dem definitiven Austrittsbericht der
  Klinik G.______ vom 6. Februar 2018 von Dr. H.______ zeigte sich
  beim Beschwerdeführer eine schwere fixierte obstruktive Ventilationsstörung
  (FEV1 40 %) mit einer absoluten und relativen Überblähung. Die
  CO-Diffusionskapazität war mit 34 % schwergradig eingeschränkt. Die
  arterielle Blutgasanalyse zeigte eine respiratorische Partialinsuffizienz bei
  einer Sättigung von 91 % ohne Indikation zur Dauersauerstofftherapie.
  Die nächtlich durchgeführte Pulsoxymetrie ergab eine durchschnittliche
  Sättigung von 78 %, weshalb eine O2-Supplementation durchgeführt wurde.
  Beim Austritt aus der Rehabilitation zeigte der Beschwerdeführer eine
  deutliche Verbesserung im Geh-Test. In sechs Minuten konnte er eine Strecke
  von 415 m zurücklegen, währendem es beim Eintritt in die Klinik noch
  290 m waren. Trotzdem habe sich der Beschwerdeführer gegen einen Rauchstopp
  entschieden.

  
	
   

  
	
  5.8 Mit Bericht vom 28. Februar 2018 attestierte
  Dr. D.______ dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit für
  mittelschwere körperliche Arbeiten ab dem 1. Dezember 2016 mit
  wiederkehrender Exazerbation trotz konsequenter Behandlung aufgrund der schweren
  COPD seit 2010. Eine Verbesserung sei nicht zu erwarten. Eine
  leidensangepasste Tätigkeit sei ihm zu acht Stunden pro Tag möglich. Die
  Prognose zur Eingliederung sei wegen der Krankheit und der möglichweise
  verminderten Motivation aufgrund des Alkoholkonsums jedoch schlecht.

  
	
   

  
	
  5.9 Mit Bericht vom 18. Mai 2018 stellte Dr.
  E.______ eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
  fest. Neu bestehe eine medizinisch theoretische Ateminvalidität der
  Klasse 5 bzw. eine Ateminvalidität von mehr als 75 %. Der
  Beschwerdeführer sei somit auch für leichte körperliche Arbeiten zu
  100 % arbeitsunfähig. Im Vergleich zur Voruntersuchung vom Jahr 2016
  habe die Vitalkapazität um 690 ml und das FEV1 um 430 ml
  abgenommen.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Die Auswirkung der gestellten Diagnosen auf die
  Arbeitsfähigkeit wurde von den Lungenspezialisten Dr. E.______ des
  Spitals F.______ und Dr. H.______ der Klinik G.______ und vom Hausarzt
  Dr. D.______ beurteilt. Entgegen der Einschätzung der
  Beschwerdegegnerin kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
  ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer
  keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit IV-relevanten Auswirkungen auf
  die Arbeitsfähigkeit hat.

  
	
   

  
	
  6.2 Nach Erlass der Verfügung vom 11. Juli 2018
  hielt der Lungenspezialist Dr. E.______ mit Schreiben vom
  5. September 2018 eine deutliche Verschlechterung des
  Gesundheitszustands des Beschwerdeführers fest. Dessen Lungenvolumen habe
  gegenüber dem Jahr 2016 um mehr als einen halben Liter abgenommen, weshalb er
  nun bereits im Ruhezustand unter Sauerstoffmangel leide. Unter Anstrengung
  würde der Sauerstoffmangel akut zunehmen. Die schwere COPD habe sich seit
  einer Lungenentzündung und einer Blutvergiftung an Weihnachten 2017 gegenüber
  seinen Voruntersuchungen deutlich verschlimmert. Vor der Lungenentzündung sei
  der Beschwerdeführer noch nicht auf eine Langzeitsauerstoffbehandlung
  angewiesen gewesen. Neuerdings sei er aber sowohl in der Ruhe- als auch in
  der Belastungsphase dauernd von zusätzlichem Sauerstoff abhängig, welchen er
  in flüssiger Form ständig mit sich tragen müsse. Der Sauerstoffmangel habe
  bereits im Januar 2018 während der pulmonalen Rehabilitation in der
  Klinik G.______ bestanden. Im Februar 2018 habe der Hausarzt
  Dr. D.______ den Beschwerdeführer zwar untersucht, habe jedoch den
  Sauerstoffmangel des Beschwerdeführers nicht feststellen können, da ihm die
  dafür notwendigen Messmöglichkeiten in der Hausarztpraxis gefehlt hätten.
  Obwohl der Beschwerdeführer Fortschritte im Geh-Test vom 18. Mai 2018
  verzeichnet habe und eine Strecke von rund 458 m zurücklegen habe
  können, habe sich der Sauerstoffmangel währenddessen akzentuiert, sodass die
  Sauerstoffsättigung am Schluss noch 77 % betragen habe, was zu einem
  lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel geführt habe. Aufgrund der
  lungenfunktionellen Messwerte und dem bereits in der Ruhephase vorhandenen
  Sauerstoffmangel bestehe für den Beschwerdeführer eine medizinisch
  theoretische Ateminvalidität der Klasse 5, was konkret heisse, dass
  seine Ateminvalidität über 75 % betrage und er seit der Lungenentzündung
  Ende 2017 auch für leichte körperliche Arbeiten nicht mehr arbeitsfähig sei.

  
	
   

  
	
  6.3

  
	
  6.3.1 Der regionale ärztliche Dienst (RAD) der
  Beschwerdegegnerin kann selber ärztliche Untersuchungen von versicherten
  Personen durchführen, wobei er die Untersuchungsergebnisse schriftlich
  festhält (Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die
  Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]). RAD-Berichte ohne eine
  eigene Untersuchung der versicherten Person vermögen lediglich dazu Stellung
  zu nehmen, ob der einen oder anderen in den vorhandenen medizinischen
  Beurteilungen vertretenen Ansicht zu folgen oder aber eine zusätzliche
  Untersuchung vorzunehmen ist. Es handelt sich mithin um Empfehlungen zur
  weiteren Bearbeitung eines Leistungsbegehrens aus medizinischer Sicht
  (Susanne Bollinger, in Felix Frey/Hans-Jakob Mosimann/Susanne Bollinger,
  Kommentar zum AHVG und IVG, Zürich 2018, Art. 59 IVG N. 1). Die
  Berichte nach Art. 59 Abs. 2bis IVG haben die Funktion, gestützt
  auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen die zumutbaren und die unzumutbaren
  Funktionen und Tätigkeiten zu bezeichnen. Die versicherte Person ist nicht
  zwingend zu untersuchen (BGer-Urteil
  9C_589/2010 vom 8. September 2010 E. 2).
  Insbesondere muss der RAD keine eigenen Untersuchungen tätigen, wenn der
  medizinische Sachverhalt feststeht.

  
	
   

  
	
  6.3.2 Vorliegend steht der medizinische Sachverhalt wie
  dargelegt nicht fest bzw. vermag der Bericht des RAD nicht die zumutbaren und
  die unzumutbaren Tätigkeiten in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des
  Beschwerdeführers zu beurteilen. Der RAD geht in seiner Stellungnahme davon
  aus, dass eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen
  Tätigkeit seit August 2015 von 100 % und seit Januar 2016 von 50 %
  bestehe. In angepasster Tätigkeit sei er vollständig arbeitsfähig. Zum
  Bericht vom 18. Mai 2018
  von Dr. E.______, welcher eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
  des Beschwerdeführers festhält, führt der RAD aus, dass darin keine neuen
  Befunde und medizinische Tatsachen genannt würden, welche nicht auch bereits
  zum Zeitpunkt der Beurteilung des Beschwerdeführers durch Dr. D.______
  am 28. Februar 2018 bekannt gewesen seien. Weiter geht er von einer Steigerung der
  funktionellen körperlichen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers aus, beachtet
  jedoch nicht, dass damit einhergehend die Atemnot zu einem lebensbedrohlichen
  Sauerstoffmangel beim Beschwerdeführer geführt hat. Die Verschlechterung des
  Gesundheitszustands gemäss Bericht vom 18. Mai 2018 von
  Dr. E.______ lässt der RAD dabei gänzlich ausser Acht. Dr. E.______
  geht in diesem Bericht – im Vergleich zu früheren Berichten – neuerdings von
  einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auch für leichte körperliche
  Tätigkeiten aus. Weshalb der Bericht von Dr. E.______ vom 18. Mai
  2018 keine Zweifel an der bisherigen Beurteilung zu wecken vermag, legte der
  RAD in seinem Bericht nicht überzeugend dar.

  
	
   

  
	
  6.3.3 Der RAD stellt bei seiner Beurteilung vor allem auf
  den Arztbericht von Dr. D.______ vom 28. Februar 2018 ab, welcher
  äussert knapp ausfällt. Dr. D.______ geht in diesem von einer zumutbaren
  Arbeit des Beschwerdeführers von täglich acht Stunden in angepasster
  Tätigkeit aus ohne dies jedoch genauer zu begründen. Unklar bleibt sodann,
  wieso der RAD für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nur auf diesen Bericht
  abstellt, weist er doch selber darauf hin, dass der Hausarzt
  Dr. D.______ kein Facharzt für Lungenkrankheiten ist. Es geht nicht an,
  alleine gestützt auf frühere Beurteilungen der möglichen Arbeitsfähigkeit des
  Beschwerdeführers durch Dr. E.______ und Dr. D.______ das Leistungsbegehren abzuweisen, ohne die
  Veränderung des Gesundheitszustands genauer zu untersuchen, ergeben sich doch
  aufgrund des Berichts von Dr. E.______ vom 18. Mai 2018 und seines
  Schreibens vom 5. September 2018 erhebliche Zweifel an einer
  Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 100 % in einer angepassten
  Tätigkeit.

  
	
   

  
	
  6.4 Daraus folgt, dass ein abschliessender materieller
  Entscheid aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen nicht möglich
  ist. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bzw. dessen Auswirkungen
  auf seine Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit
  sind von der Beschwerdegegnerin nicht genügend
  abgeklärt worden.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1 Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung
  können die Sozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie
  eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die
  Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten
  einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen
  Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn
  ein Administrativgutachten in einem rechtserheblichen Punkt nicht
  beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz bleibt hingegen
  möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig
  ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstellung,
  Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist
  (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.).

  
	
   

  
	
  7.2 Die Beschwerdegegnerin hat es im
  Verwaltungsverfahren weitgehend unterlassen, den Gesundheitszustand bzw.
  dessen IV-relevanten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des
  Beschwerdeführers abzuklären. So hat sie die Berichte von Dr. E.______
  vom 18. Mai 2018 und vom 5. September 2018, welche erhebliche
  Zweifel an einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
  wecken, nicht berücksichtigt. Daher erweist sich die Rückweisung an die
  Beschwerdegegnerin als zulässig. Die Beschwerdegegnerin hat Auskunft über die
  Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angestammter und angepasster
  Tätigkeit zu erteilen, wofür sie ein externes Gutachten einzuholen hat.

  
	
   

  
	
  7.3 Dies führt zur teilweisen Gutheissung der
  Beschwerde. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 27. Juni 2018 ist aufzuheben und die Sache ist im Sinne der
  Erwägungen an diese zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1. 

  
	
  Nach Art. 134
  Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom
  4. Mai 1986 (VRG) i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei,
  welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Als
  Obsiegen gilt hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen auch die
  Rückweisung der Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zum
  Neuentscheid an den Versicherungsträger (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 61 N. 205), weshalb die Gerichtskosten von
  pauschal Fr  600.- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Der durch eine Institution
  der öffentlichen Sozialhilfe vertretene teilweise obsiegende Beschwerdeführer
  hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 126 V 11).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Da die Gerichtskosten der
  Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind, ist das Gesuch des Beschwerdeführers um
  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung wird als gegenstandslos geworden
  abgeschrieben.

  
	
  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Verfügung der
    Beschwerdegegnerin vom 11. Juli 2018 wird aufgehoben und die Sache
    wird im Sinne der Erwägungen an diese zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten von Fr. 600.- werden der
    Beschwerdegegnerin auferlegt.

    
	
    3.

    	
    Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]