# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bea701f2-651a-574b-8d8f-3b64b70f72a2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-17
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 17.06.2019 200 2019 73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2019-73_2019-06-17.pdf

## Full Text

200 19 73 IV
FUE/SHE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 17. Juni 2019

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 12. Dezember 2018

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1990 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin), gelernte … und diplomierte …, ab dem 1. März 2015 mit einem 
70%-Pensum als … und daneben stundenweise als … erwerbstätig gewe-
sen, meldete sich im August 2016 unter Hinweis auf eine Fibromyalgie, 
eine Polymyalgia Rheumatica und eine Depression sowie eine ab dem 25. 
Februar 2016 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit bei der IV-Stelle 
Bern (nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an 
(Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 1, 4 S. 2, 13, 19). In der Folge tätigte 
die IVB erwerbliche und medizinische Abklärungen. Insbesondere veran-
lasste sie auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. 
Bericht vom 21. Dezember 2017 [AB 55]) hin eine polydisziplinäre (neuro-
logisch-internistisch-rheumatologisch-psychiatrische) Untersuchung durch 
die D.________ AG (nachfolgend MEDAS …; vgl. Gutachten vom 30. Juli 
2018 [AB 89.1-89.8]). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 90, 
95) verneinte die IVB mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 (AB 97) den 
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung mangels eines Ge-
sundheitsschadens mit invalidisierender Wirkung.

B.

Mit Eingabe vom 28. Januar 2019 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwalt C.________ der B.________, hiergegen Beschwerde mit 
folgenden Rechtsbegehren:

1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 12. Dezember 2018 sei aufzuhe-
ben.

2. Der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen.

3. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen 
und sie sei von allfälligen Vorschuss- und Sicherheitsleistungen zu befreien. 
Zudem sei ihr die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den Unterzeich-
nenden zu gewähren.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Mehr-
wertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 3

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 28. Februar 
2019 auf Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver-
waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge-
geben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über 
Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer-
de einzutreten.

1.2 Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 12. Dezember 
2018 (AB 97). Streitig und zu prüfen ist allein der Anspruch auf eine Invali-
denrente, weil die Beschwerdeführerin einzig diesen Teil der umfassenden 
Verfügung angefochten hat; soweit die Beschwerdegegnerin andere An-
sprüche verneint hat, ist die Verfügung in Rechtskraft erwachsen (BGE 125 
V 413 E. 1b S. 414 f.).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 4

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs-
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits-
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG).

2.2.1 Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, 
dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt 
sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Ge-
sundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend 
ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr 
zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). 
Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invali-
denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der 
Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten 
Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könn-
te; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt 
(BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 2014 IV Nr. 2 
S. 5 E. 3.1).

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2.2.2 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga-
ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 
281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt 
die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier-
ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 
4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 
E. 7.2 S. 429).

2.2.3 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggra-
vation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 S. 
287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6).

2.2.4 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von In-
dikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt 
im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin-
dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
„funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). 
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur 
zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell-
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Stan-
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie-
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Fol-
gen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person 
zu tragen (E. 6 S. 308).

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2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wie-
der herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätzlich 
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). 
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

3.

3.1 Was den Gesundheitszustand betrifft, ist den Akten im Wesentli-
chen das Folgende zu entnehmen:

3.1.1 Im internistischen MEDAS-Teilgutachten vom 17. April 2018 (AB 
89.4) wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ge-
stellt (S. 14 Ziff. 6.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden 
eine Hashimoto-Thyreoiditis (aktenanamnestisch seit 2007), ein Wolff-Par-
kinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom; Erstdiagnose September 2001) 
sowie eine chronische Urtikaria und Krustentierallergie (Erstdiagnose 2007; 
S. 14 f. Ziff. 6.2). Die in den Akten vorbeschriebene Hashimoto-Thyreoiditis 

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stelle eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse dar, die in der Regel ei-
ne substitutionsbedürftige Hypothyreose zur Folge habe. Aktuell liege ohne 
Hormonsubstitution eine euthyreote Stoffwechsellage vor. Diesbezügliche 
Beschwerden gebe die Versicherte nicht an. Die chronische (nichtallergi-
sche) Urtikaria und die Allergie auf Krustentiere würden ebenfalls lebens-
lang bestehend sein, die Vermeidung entsprechender Nahrungsmittel und 
der Einsatz antiallergischer Substanzen seien dauerhaft notwendig. Das in 
den Akten 2001 erstdokumentierte WPW-Syndrom mache der Versicherten 
bis auf intermittierende Palpitationen keinerlei Beschwerden. Weitere Ohn-
machtsanfälle seien nicht aufgetreten. Leistungseinbussen seien hier aktu-
ell nicht gegeben und auch nicht zu erwarten (S. 16 Ziff. 7.2). Aufgrund der 
aktuellen Anamnese, der körperlichen Untersuchung sowie hinsichtlich der 
Aktenlage würden sich auf allgemein-internistischem Fachgebiet keine in-
validitätsversicherungsrelevanten Diagnosen oder entsprechenden Funkti-
onseinschränkungen ergeben. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der 
angestammten Tätigkeit oder in einer etwaigen Verweistätigkeit nicht ein-
geschränkt (S. 17 Ziff. 7.4).

Im rheumatologischen MEDAS-Teilgutachten vom 13. Juni 2018 (AB 89.5) 
wurden weder Diagnosen mit noch solche ohne Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit gestellt (S. 18 Ziff. 6.1 f.). Einschränkungen im Bereich des 
gesamten Bewegungsapparates oder rheumatische entzündliche Erkran-
kungen hätten keine festgestellt werden können. Im Vordergrund stehe die 
depressive Verstimmung mit Antriebslosigkeit und Müdigkeit und den damit 
mehr oder weniger stark verbundenen Ganzkörperschmerzen, vorwiegend 
im Bereich der Wirbelsäule. Diese sogenannte somatoforme Schmerz-
störung finde ihre originäre Ursache nicht im Bewegungsapparat, sondern 
sei dem psychiatrischen bzw. neurologischen Formkreis zuzuschreiben. 
Auch die angefertigten bildgebenden Verfahren hätten keinen wegweisen-
den Befund gezeigt, so dass der Bewegungsapparat als solcher völlig ge-
brauchsfähig sei (S. 18 f. Ziff. 6.3). Rein orthopädisch-/rheumatologischer-
seits bestünden keine Einschränkungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 
(S. 20 Ziff. 8.1.1).

Im neurologischen MEDAS-Teilgutachten vom 30. Juni 2018 (AB 89.3) 
wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt 

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(S. 13 Ziff. 6.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden unkla-
re Schwindelepisoden (kein objektivierbares Korrelat), chronische Kopf-
schmerzen (am ehesten migräniform), ein generalisiertes Schmerzbild, un-
klare Muskelkrämpfe der Beine beidseits, Parästhesien der Finger I-IV (un-
klarer Ursache) sowie eine Hypästhesie N. V1-3 links (wahrscheinlich funkti-
onell [Begrenzung in der Medianlinie]; Ziff. 6.2). Als einzige wesentliche Di-
agnose, welche auch theoretisch eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
haben könnte, müsse der Schwindel angesehen werden, welcher auch 
schon zu Stürzen geführt habe. In der klinischen Untersuchung finde sich 
jedoch kein erklärendes Korrelat, weshalb – beim Verdacht auf eine funkti-
onelle Genese der Gesichtsfühlstörung – auch hier eine nicht-somatische 
(d.h. funktionelle) Genese nicht ausgeschlossen werden könne. Die chroni-
schen Kopfschmerzen würden aufgrund der berichteten Einseitigkeit als mi-
gräniform bezeichnet. Wie bei Kopfschmerzen üblich, blieben diese einer 
somatisch-neurologischen Untersuchung nicht zugänglich, was aber nicht 
die Existenz der Kopfschmerzen in Frage stelle. Das generalisierte 
Schmerzbild im ganzen Körper könne nicht objektiviert werden. Die Versi-
cherte zeige keine Anzeichen für Schmerzen während der Untersuchung, 
womit auch hier eine funktionelle Ursache nicht ausgeschlossen sei. Die 
angegebene Fühlstörung im Gesicht links sei sicher funktionell (psycho-
gen). Das Kribbeln in den Fingern habe kein Carpaltunnelsyndrom oder 
keine Polyneuropathie zugrunde (S. 13 f. Ziff. 6.3). Der Versicherten sei ein 
zeitlich volles Arbeitspensum zumutbar (S. 16 Ziff. 8.1.1). Sie habe als … 
gearbeitet und könne als solchige – aufgrund der fehlenden objektivierba-
ren Befunde, welche einen Schwindel belegen würden – zu 100% arbeiten 
(S. 17 Ziff. 8.1.3). Bei Arbeiten in der Höhe bestehe Sturzgefahr (Ziff. 
8.2.1). 

Im psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten vom 21. März 2018 (AB 89.6) 
wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sonstige depressive Episo-
den (larvierte, somatisierte Erschöpfungsdepression [ICD-10 F32.8]) dia-
gnostiziert (S. 20 Ziff. 6.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit be-
stehe der Verdacht auf eine Dysthymia (ICD-10 F43.1 [recte: F34.1]; Ziff. 
6.2). Bei der psychiatrischen Exploration habe die Versicherte eine für sie 
im Vordergrund stehende körperliche Symptomatik mit Schmerzen und 
daraus resultierenden Einschränkungen beklagt. Auch von Seiten der see-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 9

lischen, psychischen Befindlichkeit habe sie sich belastet gezeigt und sich 
dahingehend geäussert, vieles auch über ihre Kräfte anzugehen und als 
Versuch dies zu bewältigen, vieles „versuche wegzulachen“. Dies habe 
sich auch während der Exploration abgezeichnet, sich in den Übertra-
gungsaspekten gezeigt und sich auch im Psychostatus niedergeschlagen. 
Es habe durchaus so geschienen, dass eine über das zunächst erkennbare 
Mass hinausgehende larvierte depressive Störung vorgelegen habe und 
sich deutliche Somatisierungstendenzen abgezeichnet hätten. Eine depres-
sive Belastung habe sich auch testpsychiatrisch (HAMD17) abgezeichnet, 
wobei der geringe Punktewert möglicherweise vor dem Hintergrund der 
Larviertheit der Symptomatik zu sehen gewesen sei. Es wäre vorstellbar, 
dass sich bei der Versicherten vor dem Hintergrund ihrer psychosozialen 
Aufwuchs-Bedingungen eine Dysthymie ausgebildet habe, in deren weite-
ren Verlauf sich dann eine schwererwiegende depressive Störung ausgebil-
det und sie sich erschöpft habe, etwa im Verlauf ihrer langjährigen partner-
schaftlichen Beziehung. Das Festhalten an dieser Beziehung sei vor dem 
Hintergrund des Geworden-Seins der Versicherten auch verstehbar. Es 
habe sich gezeigt, dass sich seit der Trennung aus der bezeichneten Be-
ziehung etwa im September 2017 und dem Auszug aus dem gemeinsamen 
Haushalt auch eine gewisse Stabilisierung, eine geringfügige Besserung 
eingestellt habe, was die Versicherte auch so beschrieben habe. Bisher 
hätten vielfältige Therapiemassnahmen nur einen geringen, aber immerhin 
positiven Effekt gezeigt und es bleibe zu hoffen, dass durch die weitere 
Therapie eine weitere Besserung zu erzielen sein werde und dass auch die 
Entlastung nach der Trennung aus der partnerschaftlichen Beziehung eine 
weitere Stabilisierung erbringen sollte. Dass eine psychische Belastung 
weiter bestehe, zeichne sich auch in der „Ess-Störungs-Symptomatik“ ab, 
die auch als eine orale Symptomatik, ebenso wie eine depressive aufge-
fasst werden könne. Eine Diagnose aus dem somatoformen Diagnose-
Spektrum könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gestellt werden, da die 
entsprechenden Diagnosekriterien nach ICD-10 nicht ausreichend erfüllt 
würden. Die geklagten Beschwerden und Schmerzen erschienen doch 
durchaus in der Diagnose der larvierten somatisierten depressiven Störung 
verstehbar und subsumierbar zu sein. Durch die auf psychiatrischem Fach-
gebiet festgestellte Störung und die daraus resultierende Einschränkung 
sei die Versicherte nicht nur in ihrem Vitalgefühl gemindert, sondern auch 

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in ihrer Leistungs- und Belastungsfähigkeit und damit in ihrer Arbeitsfähig-
keit eingeschränkt (S. 21 f. Ziff. 6.3). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als 
… erscheine eine Tätigkeit unter bestimmten Voraussetzungen mit einem 
Pensum von 50% zumutbar (S. 25 Ziff. 8.1.1). Es sei vorstellbar, dass Zei-
ten bestünden, in denen die Versicherten gemindert leistungsfähig sei (Ziff. 
8.1.2). Auch in einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeits-
fähigkeit von 50% (S. 26 Ziff. 8.2.3). Bei einer solchen Arbeit wäre es wich-
tig, dass die Versicherte die Möglichkeit zu einem Lagewechsel zwischen 
Stehen, Sitzen und Gehen habe und dass sie das Arbeitstempo weitestge-
hend selbst einteilen könne. Dieses sollte nicht von Maschinen vorgegeben 
werden. Ein Arbeitsbeginn erst um die Mittagszeit erscheine ebenfalls 
günstig und es wäre wünschenswert, dass sich die Versicherte die Pausen 
selbstständig einteilen könne (S. 25 f. Ziff. 8.2.1). Psychiatrischerseits kön-
ne davon ausgegangen werden, dass die maximale Präsenz vier Stunden 
am Tag betrage (Ziff. 26 Ziff. 8.2.2). 

In der polydisziplinären Konsensbeurteilung vom 30. Juli 2018 (AB 89.1) 
kamen die MEDAS-Gutachter zum Schluss, aus interdisziplinärer Sicht be-
stehe sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch in einer Verweistätig-
keit eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Dabei gelte das seitens des psychia-
trischen Teilgutachtens festgestellte Fähigkeitsprofil (S. 10 Ziff. 4.7). 

3.1.2 Der die Versicherte ab dem 6. August 2018 behandelnde Dr. med. 
E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte 
im Bericht vom 4. September 2018 (AB 91) mit Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 
Episode (ICD-10 F33.1; S. 3 Ziff. 2.5). Ab dem 1. August 2018 bis mindes-
tens 31. August 2018 bestehe eine 60%-ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2 Ziff. 
1.3). Als Funktionseinschränkungen nannte Dr. med. E.________ eine er-
höhte Ermüdbarkeit und Notwendigkeit von deutlich längeren Erholungs-
phasen, ein verlangsamtes Arbeitstempo aufgrund der Antriebslosigkeit 
sowie eine erhöhte Fehleranfälligkeit aufgrund von Konzentrationsproble-
men und vermindertem Selbstwertgefühl (S. 4 Ziff. 3.4). Gegenwärtig sei 
die Versicherte als „…“ im Rahmen einer Anstellung über eine private 
F.________ arbeitstätig (S. 4 Ziff. 3.1).

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3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un-
abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh-
ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, 
warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt 
(BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati-
on einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen In-
halt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von ex-
ternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und 
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei 
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon-
krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 
V 351 E. 3b bb S. 353).

3.3 Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 30. Juli 2018 (AB 
89.1-89.8), basierend auf dem neurologischen Teilgutachten vom 30. Juni 
2018 (AB 89.3), dem internistischen Teilgutachten vom 17. April 2018 (AB 
89.4), dem rheumatologischen Teilgutachten vom 13. Juni 2018 (AB 89.5) 
sowie dem psychiatrischen Teilgutachten vom 21. März 2018 (AB 89.6), er-
füllt – jedenfalls in Bezug auf die somatischen Disziplinen – die Vorausset-
zungen der Rechtsprechung an Expertisen (vgl. E. 3.2 hiervor). Die Fest-
stellungen der Gutachter beruhen auf eigenen spezialärztlichen Abklärun-

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gen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der 
geklagten Beschwerden getroffen worden. Die Ausführungen in der Beur-
teilung der medizinischen Zusammenhänge sind für die streitigen Belange 
umfassend, und die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszu-
stand werden nachvollziehbar und einleuchtend begründet. Dem polydiszi-
plinären Gutachten kommt damit grundsätzlich voller Beweiswert zu und es 
ist in der Folge darauf abzustellen. Damit ist erstellt und von den Parteien 
auch zu Recht unbestritten, dass aus neurologischer, internistischer und 
rheumatologischer Sicht kein Gesundheitsschaden besteht, der die Arbeits-
fähigkeit einschränkt (AB 89.1 S. 10 Ziff. 4.7). Aus psychiatrischer Sicht 
wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sonstige depressive Episo-
den (larvierte, somatisierte Erschöpfungsdepression [ICD-10 F32.8]) dia-
gnostiziert (AB 89.6 S. 20 Ziff. 6.1) und ohne Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit der Verdacht auf eine Dysthymia (ICD-10 F43.1) gestellt (S. 20 
Ziff. 6.2). Daraus leitete der psychiatrische Gutachter für die angestammte 
wie auch für eine adaptierte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50% ab 
(S. 25 f. Ziff. 8). Die vom psychiatrischen Experten vorgenommene Diagno-
sestellung leuchtet insoweit ein, als sich die geklagten Beschwerden und 
Schmerzen, die nicht auf ein somatisches Korrelat zurückgeführt werden 
konnten (AB 89.3 S. 14 oben; AB 89.5 S. 19 oben), mit der somatisierten 
larvierten depressiven Störung erklären lassen, wogegen eine Diagnose 
aus dem somatoformen Formenkreis-Spektrum nicht gestellt werden konn-
te (AB 89.6 S. 22). Soweit der Gutachter die Diagnose sonstige depressive 
Episoden (larvierte, somatisierte Erschöpfungsdepression [ICD-10 F32.8]) 
und die Verdachtsdiagnose Dysthymia (ICD-10 F 34.1) parallel stellte, ist 
dies nicht einleuchtend, stellt die Dysthymia gemäss den diagnostischen 
Leitlinien doch eine depressive Verstimmung dar, die niemals oder nur sel-
ten dergestalt ausgeprägt ist, dass sie die Kriterien für eine rezidivierende 
leichte oder mittelgradige depressive Störung (F33.0, F33.1) erfüllt. In die-
sem Sinne beschrieb der Gutachten in der diagnostischen Herleitung die 
Dysthymia denn auch quasi als Vorstufe und Basis für die Diagnose sons-
tige depressive Episoden, die sich im Verlauf aus der Dysthymia herausge-
bildet habe (AB 89.6 S. 21 Ziff. 6.3). Ob die gestellten psychiatrischen Dia-
gnosen leitliniengerecht begründet bzw. hergeleitet sind, erscheint somit 
fraglich. Letztlich kommt es aber nicht in erster Linie auf die Diagnose an, 
sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Ar-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 13

beitsfähigkeit hat (zur hier ohne Weiteres durchführbaren Prüfung des Leis-
tungsvermögens anhand der Standardindikatoren vgl. E. 4 hiernach). Weil 
überdies die gutachterliche Diagnosestellung weitgehend im Einklang mit 
jener des behandelnden Psychiaters Dr. med. E.________ steht, der im 
Bericht vom 4. September 2018 (AB 91) von einer rezidivierenden depres-
siven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), ausging 
(S. 3 Ziff. 2.5), sind weitere medizinische Abklärungen nicht notwendig (an-
tizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d S. 162). Zu prüfen bleibt, 
ob anhand des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 der 
Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu er-
bringen ist, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tra-
gen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416). 

4.

4.1 Der psychiatrische Sachverständige zeigte keine Diskrepanzen im 
Sinnes eines Ausschlussgrundes auf, insbesondere stellte er keine Hinwei-
se für eine bewusste Aggravation oder gar Simulation fest (AB 89.6 S. 24 
Ziff. 7.3.1). Die Prüfung der ersten Ebene schliesst damit einen invalidisie-
renden Gesundheitsschaden nicht aus (vgl. E. 2.2.3 hiervor), womit auf der 
zweiten Ebene anhand der Standardindikatoren die ergebnisoffene symme-
trische Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens zu 
erfolgen hat.

4.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
„funktioneller Schweregrad“ (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.). 

4.2.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1. S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:

4.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgesche-
hens anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätio-
logie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 
298 f.). Im Rahmen der Untersuchung fielen die diagnoserelevanten Befun-
de insgesamt gering ausgeprägt aus. Der psychopathologische Befund war 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 14

bis auf die im Verlauf der Untersuchung nachlassende Konzentration und 
den depressiv herabgestimmten, parathymen Affekt unauffällig (AB 89.6 
S. 18 f. Ziff. 4.3.1). Bei den testpsychologischen Zusatzuntersuchungen 
resultierte bei der Hamilton Depressions-Skala (HAMD17) ein Punktwert 
von 9, entsprechend einer leichten depressiven Störung (S. 20 
Ziff. 4.3.2.3), wobei der Experte erwog, der geringe Punktwert sei mögli-
cherweise vor dem Hintergrund der Larviertheit der Symptomatik zu sehen 
gewesen (S. 21 Ziff. 6.3). Das Mini-ICF-APP zeigte einzig in den Bereichen 
„Widerstands- und Durchhaltefähigkeit“ sowie „Fähigkeit zu engen dyadi-
schen Beziehungen“ leichte bis mässig ausgeprägte Beeinträchtigungen 
(S. 20 Ziff. 4.3.2.3), wogegen in den übrigen 11 Bereichen keine Beein-
trächtigung festgestellt wurde (vgl. zum Mini-ICF-APP Rating: GABRIELA 
KIEMER-KAFKA, Versicherungsmedizinische Gutachten, 3. Aufl. 2017, S. 
153). Mit den grösstenteils uneingeschränkten Fähigkeiten korrelieren auch 
die Angaben im psychiatrischen Teilgutachten, wonach die Beschwerde-
führerin in der Lage ist, ihren Alltag zu ordnen, in einem ca. 40%-Pensum 
arbeitsfähig zu sein (S. 14 Ziff. 3.2.7), ihre 3-Zimmerwohnung instand zu 
halten, die Mahlzeiten selbst zuzubereiten bzw. zu kochen (S. 15 
Ziff. 3.2.12) sowie sich um ihre zwei Hunde und die Katze zu kümmern 
(S. 11 Ziff. 3.2.1). 

4.2.1.2 Sodann ist auf den Behandlungs- und Eingliederungserfolg resp. 
auf die Behandlungs- und Eingliederungsresistenz als wichtige Indikatoren 
für den funktionellen Schweregrad einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 
S. 299 f.). Zur Behandlung legte der psychiatrische Experte dar, die Be-
schwerdeführerin habe bisher Therapien in Form von Schmerztherapie, 
Gruppentherapie im G.________ in … wahrgenommen und nehme regel-
mässig ambulante Gespräche wahr. Zudem unterziehe sie sich einer „wohl 
stimmigen Psychopharmako-Medikation“, wobei die morgendliche Einmal-
gabe von 120mg Duloxetin (Cymbalta) nochmals reflektiert werden sollte. 
Trotzdem habe sich noch keine abschliessende Besserung eingestellt, was 
auch mit den zuvor bestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren zu-
sammenhängen könnte. Es bleibe die Hoffnung auf Besserung vor dem 
Hintergrund dessen, dass sich die Beschwerdeführerin aus der belasten-
den partnerschaftlichen Beziehung habe lösen können. Insgesamt sei die 
Prognose doch günstig (AB 89.6 S. 23 f. Ziff. 7.2). Die gutachterliche Beur-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 15

teilung lässt darauf schliessen, dass eine Behandlungsresistenz noch nicht 
ausgewiesen ist, abgesehen davon, dass offenbar eine Optimierung bzw. 
Anpassung der Medikation zu prüfen wäre bzw. noch keine stationäre The-
rapie stattgefunden hat. In Bezug auf die Eingliederung ist festzustellen, 
dass die Beschwerdeführerin in einem 40%-Pensum arbeitete und in Be-
zug auf eine berufliche Tätigkeit grundsätzlich motiviert erscheint (S. 14 
Ziff. 3.2.7 und S. 19 Ziff. 4.3.1). 

4.2.1.3 Was den Indikator Komorbiditäten anbelangt, stellte der psychiatri-
sche Experte zwar den Verdacht auf Dysthymia auf (vgl. dazu E. 3.3 hier-
vor), doch postulierte er keine Wechselwirkungen zwischen dieser Diagno-
se bzw. einer anderen Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. 

4.2.2 Betreffend den Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 
302) verneinte der psychiatrische Experte eine wesentliche Persönlichkeits-
akzentuierung oder gar eine Persönlichkeitsstörung (AB 89.6 S. 19 Ziff. 
4.3.1). Ferner schloss er mit Blick auf die Biografie und des „Geworden-
Seins“ der Beschwerdeführerin sowie deren Aussagen auf das Vorhanden-
sein von Resilienzen bzw. das Bestehen von Ressourcen, auf die im Weite-
ren möglicherweise aufgebaut werden könnte (S. 24 Ziff. 7.4). 

4.2.3 Zum Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) 
stellte der psychiatrische Gutachter keinen unangemessenen sozialen 
Rückzug fest (AB 89.6 S. 16 Ziff. 3.2.13). Die Beschwerdeführerin habe 
Kontakt zur Halbschwester, zum Halbbruder und zur Mutter (S. 13 Ziff. 
3.2.5, S. 16 Ziff. 3.2.12). Sie habe auch Kolleginnen, mit denen sie gemein-
sam mit den Hunden spazieren und Kaffee trinken gehe und die sie besu-
che (S. 11 Ziff. 3.2.1). Damit hält das soziale Umfeld doch zumindest ge-
wisse Ressourcen bereit. 

4.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie „Konsistenz“. Darun-
ter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303). 

4.3.1 Zum Indikator der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenni-
veaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 
S. 303 f.) äusserte sich der psychiatrische Gutachter nicht (AB 89.6 S. 24 
Ziff. 7.3). Dem Gutachten kann jedoch entnommen werden, dass die Be-
schwerdeführerin nebst ihrem ca. 40%-igen Arbeitspensum (AB 89.6 S. 14 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 16

Ziff. 3.2.7) mit ihren Hunden zwei bis drei Stunden pro Tag spazieren geht 
und dabei Kolleginnen trifft, mit denen sie auch Kaffee trinken geht und die-
se besucht (S. 11 f. Ziff. 3.2.1), sie bei der Haushaltsführung, der Zuberei-
tung der Mahlzeiten und beim Einkauf auf keinerlei Hilfe von Dritten ange-
wiesen ist (S. 15 Ziff. 3.2.12 und AB 89.4 S. 11 Ziff. 3.2.12) und auch die 
Absicht hegt, einen Gartenanteil zu bewirtschaften (Gemüseanbau; AB 
89.6 S. 11 Ziff. 3.21) bzw. diesen Plan bereits umgesetzt hat (AB 89.4 S. 
11 Ziff. 3.12 f.). Sie kann lange Strecken Auto fahren und dies sogar bei 
schlechten Witterungsverhältnissen, wie die insgesamt drei bis vierstündige 
Hin- und Rückreise von … zur D.________ AG in … bei Starkregen und 
Nebelsituation auf der Autobahn zeigt (AB 89.5 S. 16 Ziff. 4.1; vgl. zur 
Fahrdauer den Routenplaner auf google-maps). Mithin lassen sich die ne-
benberuflichen Aktivitäten und erhaltenen Fähigkeiten nicht mit der attes-
tierten Arbeitsunfähigkeit von 50% vereinbaren, wären diesfalls doch weit-
aus höhere Einschränkungen zu erwarten.

4.3.2 Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen (BGE 141 V 
281 E. 4.4.2 S. 304) spricht für einen gewissen Leidensdruck, auch wenn 
die Therapie bislang lediglich ambulant erfolgte. 

4.4 In der Gesamtbetrachtung sind die geltend gemachten funktionellen 
Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beeinträchtigung 
anhand der Standardindikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, 
weshalb das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens zu 
verneinen ist. Vor diesem Hintergrund ist auf die ärztlicherseits attestierte 
Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Optik nicht abzustellen.

4.5 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit 
eingeschränkt ist. Somit erübrigt sich die Durchführung einer Invaliditätsbe-
messung. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 
12. Dezember 2018 (AB 97) nicht zu beanstanden und die dagegen erho-
bene Beschwerde abzuweisen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 17

5.

5.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist aufgrund der Akten und ange-
sichts der sozialhilferechtlichen Unterstützung ausgewiesen (vgl. Akten der 
Beschwerdeführerin, Beschwerdebeilage [BB] 4 und 5). Das Verfahren war 
nicht als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen und eine anwaltliche 
Verbeiständung war geboten, so dass der Beschwerdeführerin die unent-
geltliche Rechtspflege zu gewähren ist unter Beiordnung von Rechtsanwalt 
C.________ als amtlicher Anwalt.

5.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechts-
pflege wird sie – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 113 
VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 
19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – jedoch von der Zahlungspflicht be-
freit.

5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwerdeführerin 
keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 
lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Festzusetzen bleibt indes das amtliche Ho-
norar von Rechtsanwalt C.________.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 18

5.4 Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts wird der Stundenan-
satz amtlicher Anwältinnen und Anwälte gemeinnützig tätiger Rechtsbera-
tungsstellen unter Beachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
(BGE 135 I 1 E. 7.3 S. 3; SVR 2010 IV Nr. 3 S. 6 E. 5.4) auf Fr.130.-- fest-
gesetzt. Dieser allgemeingültige pauschalisierte Stundenansatz wird im 
konkreten Fall mit dem gebotenen Aufwand multipliziert (vgl. Rundschrei-
ben der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung und der Abteilung für 
französischsprachige Geschäfte des Verwaltungsgerichts des Kantons 
Bern vom 16. Dezember 2009, abrufbar unter www.justice.be.ch).

Die Kostennote vom 18. März 2019, in welcher Rechtsanwalt C.________ 
einen Aufwand von 8.15 Stunden à Fr. 130.-- und Auslagen von 
Fr. 55.-- (Kopien à Fr. 43.-- und Portokosten à Fr. 12.--) sowie Mehrwert-
steuer von Fr. 85.80 (7.7% von Fr. 1‘114.50) geltend macht, ist nicht zu 
beanstanden. Entsprechend ist das amtliche Honorar auf Fr. 1'200.30 fest-
zusetzen und Rechtsanwalt C.________ aus der Gerichtskasse zu ver-
güten. Die Beschwerdeführerin hat dem Kanton Bern diese Kosten nach 
den Voraussetzungen von Art. 123 ZPO – d.h. sobald sie innert zehn Jah-
ren nach Abschluss des Verfahrens zur Nachzahlung in der Lage ist – 
nachzubezahlen (Art. 113 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwalt Daniel C.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheis-
sen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Juni 2019, IV/19/73, Seite 19

zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 1‘200.30 (inkl. Auslagen und MWSt.) festge-
setzt. Dieser Betrag wird Rechtsanwalt C.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse vergütet. Vorbehalten 
bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

6. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.