# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f8f7f04d-6bb7-56d8-a1be-bc9b413b91d2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.08.2011 D-708/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-708-2011_2011-08-25.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­708/2011

U r t e i l   v om   2 5 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz),
Richter Martin Zoller, Richter Walter Lang,
Gerichtsschreiber Gert Winter.

Parteien A._______, geboren (…), Iran,
alias A._______, geboren (…), Iran,
alias A._______, geboren (…), Iran,
alias A._______, geboren (…), Irak,
und deren Kind
B._______, geboren (…), Iran,
alias B._______, geboren (…), Irak,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,
Advokatur Kanonengasse, Militärstrasse 76, Postfach 2115, 
8021 Zürich, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM
vom 20. Dezember 2010 / N .

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Sachverhalt:

A. 

A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  die  am  6.  Mai  1977  geborene 
Beschwerdeführerin 1 (nachstehend als Beschwerdeführerin bezeichnet), 
eine  Iranerin  kurdischer Herkunft,  ihren Heimatstaat  im  Jahre  2002 und 
hielt  sich  in  der Folge mehrere  Jahre  lang  im Nordirak auf. Am 21.  Juli 
2008 gelangte sie auf dem Landweg und unkontrolliert in die Schweiz, wo 
sie  noch  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
M._______  ein  Asylgesuch  einreichte.  Anlässlich  der  Befragung  zur 
Person  (BzP)  vom  6.  August  2008  im  EVZ  M._______  und  der 
Direktanhörung  vom  25. September  2009  durch  das  BFM  machte  die 
Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen 
geltend, sie sei im Iran geboren und aufgewachsen. Ihr Vater sei bereits 
früh  verstorben.  Ihre  Mutter  habe  die  sechs  Kinder  praktisch  alleine 
aufgezogen.  Da  im  Iran  Frauen,  insbesondere  Kurdinnen,  nur  wenige 
Rechte hätten, habe sie  im Mai 2002 den  Iran verlassen und sei  in den 
Nordirak gegangen, wo sie der Komala beigetreten und während sechs 
Jahren  als  Peschmerga  tätig  gewesen  sei.  Im  Jahre  2003  habe  sie  im 
Nordirak geheiratet und ein Jahr später eine Tochter (Beschwerdeführerin 
2)  geboren.  Ihr  Ehemann  gehöre  ebenfalls  der  Komala  an  und  sei  seit 
dem Jahre 2004 Mitglied des Zentralkomitees. Aufgrund von Spannungen 
innerhalb  der  Komala­Partei  sei  sie  im  Jahre  2007  aus  der  Komala 
ausgetreten, weil  sie  das Vertrauen  in  die Partei  verloren habe. Sie  sei 
alsdann mit  ihrer  Tochter  Illegal  aus  dem  Irak  in  die  Türkei  gereist  und 
von dort weiter in die Schweiz gelangt. Ihr Mann sei nicht aus der Partei 
ausgetreten und befinde sich weiterhin im Nordirak.

A.b. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin 
die  nachstehend  aufgeführten  Beweismittel  zu  den  Akten:  einen 
iranischen  Shenasnameh,  verschiedene  Fotos  sowie 
Bestätigungsschreiben der Komala­Partei.

B. 
Mit  Verfügung  vom  20.  Dezember  2010  –  eröffnet  am  27.  Dezember 
2010 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig 
ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz 
an, schob indessen den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit 
zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Zur Begründung machte das 
BFM im Wesentlichen geltend, die Stellung der Frau im Iran sei generell 

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diskriminierend.  Auch  die  kurdische  Minderheit  sei  mit  schwierigen 
Lebensbedingungen  und  Diskriminierungen  konfrontiert.  Diese  träfen 
jedoch eine Vielzahl von Menschen  im Iran  in gleicher beziehungsweise 
ähnlicher Weise und stellten nach Art und Ausmass keine Asylgründe im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  dar.  Der  von  der  Beschwerdeführerin  geltend 
gemachte  Aufenthalt  bei  der  Komala  im  Irak  sei  nicht  geeignet,  ein 
ernsthaftes Vorgehen der iranischen Behörden zu bewirken, zumal keine 
Anhaltspunkte  für  die  Annahme  bestünden,  im  Iran  wären  gegen  sie 
aufgrund  der  geltend  gemachten  Aktivitäten  behördliche  Massnahmen 
eingeleitet worden oder der  iranische Geheimdienst  habe Kenntnis  vom 
Aufenthalt der Beschwerdeführerin bei der Komala  im  Irak. Dass sie die 
Aufmerksamkeit des iranischen Geheimdienstes auf sich gezogen haben 
solle,  sei  jedenfalls aufgrund des Profils der Beschwerdeführerin höchst 
unwahrscheinlich.  Zudem  habe  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der 
BzP  keine  derartigen  Ausreisegründe  aus  dem  Irak  geltend  gemacht, 
sondern angemerkt,  sie  habe den  Irak  verlassen, weil  sie  aufgrund  von 
Flügelkämpfen innerhalb der Komala das Vertrauen in die Partei verloren 
habe und deshalb  aus der Komala  ausgetreten  sei. Konkrete Probleme 
mit den Behörden habe sie im Irak nicht gehabt. Es könne deshalb nicht 
davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  von  den 
iranischen Behörden im Irak als engagierte Politaktivistin erkannt und als 
solche  identifiziert  worden  sei.  Nach  dem  Gesagten  verfüge  die 
Beschwerdeführerin über kein politisches Profil, das sie bei der Rückkehr 
in  den  Iran  einer  konkreten  Gefährdung  aussetzen  würde.  Die  geltend 
gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  hielten  folglich  den 
Anforderungen  an  die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art.  3 AsylG  nicht 
stand,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  nicht  als  Flüchtling  anerkannt 
werden  könne.  Im  Übrigen  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  zwar 
zulässig, doch erweise sich im vorliegenden Fall der Wegweisungsvollzug 
in  den  Heimatstaat  in  Würdigung  sämtlicher  Umstände  und  unter 
Berücksichtigung  der  Aktenlage  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt  als  nicht 
zumutbar.

C. 
Mit Beschwerde  vom 26.  Januar  2011  liess  die Beschwerdeführerin  die 
nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen:  Die  Verfügung  der 
Vorinstanz  sei  in  den  Dispositivpunkten  1  –  3  aufzuheben.  Es  sei  die 
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin  festzustellen und  ihr Asyl 
zu gewähren, eventualiter die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit 
des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. Schliesslich sei die unentgeltliche 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG zu gewähren. Auf 

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die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

D. 

D.a. Mit Zwischenverfügung  vom 31.  Januar 2011 hiess der  zuständige 
Richter des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter der 
Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung sowie unter 
Vorbehalt  der  Veränderung  der  finanziellen  Lage  der 
Beschwerdeführenden gut und forderte sie auf, bis zum 15. Februar 2011 
eine  Fürsorgebe­stätigung  nachzureichen  oder  einen  Kostenvorschuss 
von Fr. 600.­ zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Gleichzeitig 
wies er das Gesuch um Beigabe eines Anwalts ab.

D.b. Mit  Eingabe  vom  15.  Februar  2011  liess  die  Beschwerdeführerin 
eine  Unterstützungsbestätigung  vom  10.  Februar  2011  der  Stadt 
Dübendorf zu den Akten reichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

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1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit – unter Vorbehalt der 
nachfolgenden Erwägungen – einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

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auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

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5. 

5.1.  Zur  Begründung  ihrer  Beschwerdeschrift  macht  die 
Beschwerdeführerin  im Wesentlichen  geltend,  sie  sei  von Mai  2002  bis 
Juni 2008 Mitglied in der Partei Komala gewesen. Ihr Engagement habe 
sie  denn  auch  mit  zahlreichen  Beweismitteln  belegt.  Sie  sei  von  der 
Partei als Peschmerga ausgebildet worden und während dreier Jahre als 
Fernseh­  und  Radiomoderatorin  sowie  als  Rednerin  bei  zahlreichen 
Anlässen  tätig gewesen.  In diesen Funktionen habe sie sich klar gegen 
aussen  zu  erkennen  gegeben,  weshalb  davon  auszugehen  sei,  die 
Beschwerdeführerin  sei  aus  diesen  Gründen  auch  den  iranischen 
Behörden  bekannt.  Auf  ihren  Ehemann,  bis  vor  kurzem  Mitglied  des 
Zentralkomitees,  mithin  in  hoher  Funktion  aktiv,  treffe  dies 
gleichermassen  zu. Den  aktiven Mitgliedern  dieser Partei  drohe  im  Iran 
schwerste  Verfolgung.  Angesichts  der  notorischen 
Menschenrechtsverletzungen  durch  die  iranischen  Geheimdienste  vor 
allem  gegenüber  Oppositionellen  sei  die  Beschwerdeführerin  im  Falle 
einer Rückkehr in den Iran konkret an Leib und Leben gefährdet. Neben 
der eigenen Tätigkeit  für die Komala bestehe aber auch ein sehr hohes 
Risiko  der  Reflexverfolgung  aufgrund  der  ausgeprägten  oppositionellen 
Tätigkeit des Ehegatten für die Komala. Mittlerweile, nämlich ungefähr im 
August  2010,  sei  allerdings auch der Ehemann der Beschwerdeführerin 
aus  der  Partei  ausgetreten.  In  Anbetracht  der  Sachlage  sei  der 
Wegweisungsvollzug vorliegend unzulässig.

5.2.  Im Folgenden  hat  das Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob  die 
Beschwerdeführerin  aufgrund  ihres  exilpolitischen  Engagements 
zukünftige Verfolgung  durch  die  iranischen Behörden  zu  befürchten  hat 
und  demnach  die  Flüchtlingseigenschaft  wegen  subjektiver 
Nachfluchtgründe erfüllt.

5.2.1.  Subjektive  Nachfluchtgründe  sind  dann  anzunehmen,  wenn  eine 
asylsuchende  Person  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  eine 
Verfolgung  im Sinne  von  Art.  3  AsylG  zu  befürchten  hat.  Personen mit 
subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein 
Asyl,  werden  jedoch  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen  (vgl. 
BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376).

5.2.2.  Es  ist  allgemein  bekannt  und  unbestritten,  dass  die  iranischen 
Behörden die politischen Aktivitäten  ihrer Staatsangehörigen  im Ausland 

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überwachen und  systematisch  erfassen. Demzufolge  bleibt  im Einzelfall 
zu  prüfen,  ob  die  exilpolitischen  Aktivitäten  bei  einer  allfälligen 
Ausschaffung  in  den  Iran  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit 
ernsthafte Nachteile  im  asylrechtlichen Sinne  nach  sich  ziehen würden. 
Es ist dabei davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste 
auf  die  Erfassung  von  Personen  konzentrieren,  die  über  die 
massentypischen  und  niedrigprofilierten  Erscheinungsformen 
exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen  wahrgenommen  und/oder 
Aktivitäten entwickelt haben, welche die jeweilige Person aus der Masse 
der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und 
gefährlichen  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Somit  sind  für  die 
Einschätzung  einer  Verfolgungsgefahr  nicht  die  Mitgliedschaft  in  einer 
exilpolitischen  Organisation,  die  Teilnahme  an  regimekritischen 
Demonstrationen  und  dergleichen,  sondern  Positionen  (z.  B. 
Vorsitzende/r  einer  Exilgruppe),  Form  und  Einfluss  von  Aktionen  (z.  B. 
gewaltsamer  Protest)  von  Bedeutung  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  7.4.3). 
Dabei  ist  nicht  primär  das  Hervortreten  im  Sinne  einer  optischen 
Erkennbarkeit  und  Individualisierbarkeit,  sondern  eine  derartige 
Exponierung in der Öffentlichkeit massgebend, die den Eindruck erweckt, 
dass  der  Asylsuchende  zu  einer  Gefahr  für  den  Bestand  des  Mullah­
Regimes wird.

5.2.3. Vorweg  ist  festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin weder eine 
Vorverfolgung  noch  ein  bereits  im  Iran  bestehendes  regimekritisches 
Engagement  geltend  machte  (A23/13  F26  S.  5).  Somit  ist  nicht  davon 
auszugehen,  dass  sie  schon  vor  der  Ausreise  die  Aufmerksamkeit  der 
iranischen Behörden  in  relevantem Ausmass auf sich gezogen hat. Des 
Weiteren  ergeben  sich  aus  den  Akten  auch  für  die  Zeit  nach  ihrer 
Ausreise  aus dem  Iran  keine  Indizien  für  ein wie  auch  immer  geartetes 
Interesse  der  iranischen  Behörden  an  der  Beschwerdeführerin  (vgl. 
A23/13 F12/3 S. 3). Vor diesem Hintergrund rechtfertigt sich der Schluss, 
dass sie vor ihrer Einreise in die Schweiz durch die iranischen Behörden 
jedenfalls nicht als staatsgefährdende Politaktivistin fichiert war.

5.2.4. Dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin  im  Irak als Fernseh­ 
und  Radiomoderatorin  tätig  gewesen  sei,  kommt  vorliegend  keine 
entscheidende Bedeutung zu, gehören doch Moderatoren typischerweise 
nicht  selbst  zu  den  treibenden  politischen  Kräften,  auch  wenn  sie  aus 
beruflichen Gründen allenfalls in deren Umfeld zu sehen sind. Auch lässt 
sich  aufgrund  der  Akten  nicht  der  Eindruck  gewinnen,  die 
Beschwerdeführerin habe zu  irgendeinem Zeitpunkt eine Gefahr  für das 

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Mullah­Regime  dargestellt,  und  dies  unabhängig  davon,  ob  sie  hin  und 
wieder  eine  Rede  gehalten  hat.  Als  politisch  und  rhetorisch  geschulte 
Moderatorin  hätte  sie  nämlich  insbesondere  in  der  Lage  sein  müssen, 
auch  anlässlich  einer  Direktanhörung  in  der  Schweiz  ihre  politischen 
Überzeugungen  eloquent,  substanziiert  und  pointiert  zur  Darstellung  zu 
bringen. Dies  ist  ihr  indessen nicht gelungen  (vgl.  z.B. A23/13 F40/1 S. 
7), weshalb es ausgeschlossen scheint, die iranischen Behörden könnten 
die Beschwerdeführerin als Gefahr  für den Bestand  ihres Regimes  (vgl. 
BVGE  2009/28  E.  7.4.3)  wahrnehmen,  dies  umso  weniger,  als  bei  der 
Motivation  der  Beschwerdeführerin  für  das  geltend  gemachte  politische 
Engagement  der  Wunsch  nach  persönlicher  Entfaltung  und  Freiheit  im 
Vordergrund  stand  (A23/13 F29  – F32 S.  5  und  6).  Im Übrigen  trat  die 
Beschwerdeführerin bereits  im Jahre 2007 aus der Komala aus  (A23/13 
F60 S. 10), weshalb nicht  nachvollziehbar erscheint, weshalb  sie  in der 
Beschwerdeschrift  sinngemäss  immer  noch  als  aktives  Mitglied 
bezeichnet  wird.  Analoges  gilt  bezüglich  des  Ehemanns,  der  nach 
Angaben  der  Beschwerdeführerin  im  August  2010  aus  der  Partei 
ausgetreten ist, weshalb in Bezug auf das geltend gemachte Engagement 
bei  beiden  Ehegatten  ein  Bruch  mit  ihrer  politischen  Vergangenheit  zu 
verzeichnen  ist.  Da  der  Ehemann  den  Akten  zufolge  bislang  ebenso 
wenig  seitens  der  iranischen  Behörden  verfolgt  worden  ist  wie  die 
Beschwerdeführerin selbst, hat sie auch nicht mit einer Reflexverfolgung 
zu rechnen.

5.3.  Was  eine  allfällige  Furcht  der  Beschwerdeführerin  vor 
Verfolgungsmassnahmen  seitens  der  iranischen  Behörden  wegen  ihrer 
illegalen Ausreise betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass Personen aus dem 
Iran sowohl aufgrund ihrer (illegalen) Ausreise aus ihrem Heimatland als 
auch wegen der Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz bei einer 
Rückkehr  in  ihre  Heimat  gemäss  gesicherten  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  weiterhin  keine  asylrechtlich  relevanten 
Nachteile zu befürchten haben (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.4, mit Hinweis 
auf EMARK 1998 Nr. 20 E. 9b S. 182 f.).

5.4.  In  Anbetracht  der  gesamten  Umstände  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht somit zum Schluss, dass die Ausführungen in 
der  Beschwerdeschrift  nicht  geeignet  sind,  die  Erwägungen  der 
Vorinstanz  zu  entkräften.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren  Darlegungen  in  der  Beschwerde  oder  die  eingereichten 
Beweismittel näher einzugehen, zumal dies insgesamt zu keiner anderen 
Einschätzung führen kann.

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Im  Ergebnis  ist  demnach  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachten 
subjektiven  Nachfluchtgründe  offensichtlich  nicht  geeignet  sind,  eine 
flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen,  weshalb 
die Beschwerdeführenden nicht als Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG 
anerkannt  werden  können.  Die  Vorinstanz  hat  ihre  Asylgesuche 
infolgedessen zu Recht abgelehnt.

6. 

6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733  mit 
weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 21).

7. 
Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  den  Vollzug  der 
angeordneten  Wegweisung  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer 
vorläufigen Aufnahme aufgeschoben.

Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung 
(Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur. 
Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als 
undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
regeln. Gegen eine allfällige Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme steht 
dem  (ab­  und  weggewiesenen)  Asylsuchenden  wiederum  die 
Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen,  wobei  in  jenem 
Verfahren sämtliche drei Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach 
Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu 
prüfen sind (BVGE 2009/51 E. 5.4).

Demnach  ist,  solange  die  von  der  Vorinstanz  verfügte  vorläufige 
Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
weiterbesteht,  kein Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführenden an 
der  Prüfung  der  Frage  der  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
gegeben.  Entsprechend  ist  auf  den  Eventualantrag,  es  sei  die 

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angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Unzulässigkeit  ihres 
Wegweisungsvollzugs festzustellen, nicht einzutreten.

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  darauf 
eingetreten wird.

9. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten 
grundsätzlich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  VwVG). 
Diesen ist jedoch mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts 
vom  31.  Januar  2011  die  unentgeltliche  Prozessführung  unter  der 
Voraussetzung  des  Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  gewährt 
worden;  diese  Bedingung  haben  sie  erfüllt.  Die  Beschwerdeführerin  ist 
des  Weiteren  nach  wie  vor  nicht  erwerbstätig,  weshalb  auf  die 
Auferlegung der Kosten zu verzichten ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten gesprochen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

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