# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e8213fd5-40ce-572a-8777-ef15c7f27262
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-20
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 20.12.2023 100 2022 110
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2022-110_2023-12-20.pdf

## Full Text

100.2022.110U
STN/MIL/CHS

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 20. Dezember 2023

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichter Stohner, Verwaltungsrichter Tissot
Gerichtsschreiberin Minder

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin ...
Beschwerdeführer

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

sowie

Einwohnergemeinde Bern
Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei, Predigergasse 5, 
3011 Bern

betreffend Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung zwecks Regulari-
sierung der vorläufigen Aufnahme (Entscheid der Sicherheitsdirektion 
des Kantons Bern vom 18. März 2022; 2021.SIDGS.194)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.12.2023, Nr. 100.2022.110U, 
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Prozessgeschichte:

A.

Der somalische Staatsangehörige A.________ (Jg. 1959) reiste am 15. Juli 
2003 in die Schweiz ein, wo er um Asyl ersuchte. Mit Entscheid vom 
19. Februar 2004 lehnte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) das 
Gesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Es anerkannte ihn aber als 
Flüchtling und verfügte am 6. Dezember 2005 die vorläufige Aufnahme von 
A.________, die bis heute besteht.

A.________ ersuchte bei der Einwohnergemeinde (EG) Bern, Einwoh-
nerdienste, Migration und Fremdenpolizei (EMF), erstmals im Mai 2015 er-
folglos um Erteilung einer Härtefallbewilligung. Sein zweites Gesuch vom 
16. Juni 2020 wiesen die EMF mit Verfügung vom 28. Januar 2021 ab.

B.

Dagegen erhob A.________ am 1. März 2021 Beschwerde bei der Si-
cherheitsdirektion des Kantons Bern (SID). Gleichzeitig ersuchte er um un-
entgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amt-
liche Anwältin. Die SID wies die Beschwerde mit Entscheid vom 18. März 
2022 ab, wobei sie ihm die unentgeltliche Rechtspflege gewährte.

C.

Dagegen hat A.________ am 20. April 2022 Verwaltungsgerichts-
beschwerde erhoben. Er beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzu-
heben und ihm sei der Aufenthalt in der Schweiz zu bewilligen. Eventuell sei 
die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an 
die Vorinstanz zurückzuweisen. Gleichzeitig hat er für das Verfahren vor dem 
Verwaltungsgericht um unentgeltliche Rechtspflege ersucht.

Die SID beantragt mit Vernehmlassung vom 2. Mai 2022, die Beschwerde 
sei abzuweisen; zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege enthält sie 

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sich eines Antrags. Die EG Bern schliesst mit Stellungnahme vom 3. Mai 
2022 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde.

In der Folge sind seitens A.________ Unterlagen zu seiner aktuellen 
finanziellen Situation beim Verwaltungsgericht eingegangen. Die SID und die 
EG Bern haben auf eine weitere Stellungnahme verzichtet.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge-
nommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat 
ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 
Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten 
(Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Strittig ist die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung an den Beschwer-
deführer.

2.1 Der Beschwerdeführer hält sich seit dem Jahr 2003 in der Schweiz 
auf (Einreise: 15.07.2003). Er wurde im Dezember 2005 vorläufig aufgenom-
men (Akten EMF pag. 125; vorne Bst. A). Die vorläufige Aufnahme ist kein 
Aufenthaltstitel. Sie setzt im Gegenteil einen (nicht vollziehbaren) Aus- oder 
Wegweisungsentscheid voraus und vermittelt der oder dem Betroffenen nur 

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einen vorübergehenden Status (Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die 
Integration [Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20]; Art. 44 und 
Art. 46 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31]; 
BGE 141 I 49 E. 3.5 [Pra 104/2015 Nr. 82], 137 II 305 E. 3.1). Eine allfällige 
Verweigerung der nachgesuchten ausländerrechtlichen Bewilligung führt 
deshalb nicht dazu, dass der Beschwerdeführer die Schweiz verlassen 
muss.

2.2 Nach Art. 84 Abs. 5 AIG werden Gesuche um Erteilung einer Aufent-
haltsbewilligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Auslän-
dern, die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, unter Be-
rücksichtigung der Integration, der familiären Verhältnisse und der Zumut-
barkeit einer Rückkehr in den Herkunftsstaat vertieft geprüft. Diese Vorschrift 
bildet nach ständiger Rechtsprechung keine eigenständige Rechtsgrundlage 
für die Bewilligungserteilung. Ob eine Bewilligung erteilt werden kann, beur-
teilt sich vielmehr auf der Grundlage von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG, der keinen 
Rechtsanspruch verschafft, sondern die ermessensweise Abweichung von 
den Zulassungsvoraussetzungen aus Härtefallgründen ermöglicht 
(BGer 2C_589/2019 vom 21.6.2019 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 137 II 345 
E. 3.2.1 [Umkehrschluss], 2C_455/2019 vom 16.5.2019 E. 4, 2C_916/2017 
vom 30.10.2017 E. 4.1, 2C_766/2009 vom 26.5.2010 E. 4; BVR 2020 S. 443 
E. 4.5). Einen Bewilligungsanspruch wollte der Gesetzgeber, wie die Mate-
rialien zeigen, ausdrücklich nicht schaffen, sondern lediglich eine Prüfungs-
pflicht (BVR 2020 S. 443 E. 4.3 mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund hat 
das Verwaltungsgericht die Meinung verworfen, wonach vorläufig aufgenom-
menen Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mindestens fünf Jahren 
in der Schweiz aufhalten, die Aufenthaltsbewilligung «in aller Regel» zu er-
teilen sei (so Peter Bolzli, in Spescha et al. [Hrsg.], Migrationsrecht, 5. Aufl. 
2019, Art. 84 AIG N. 11; vgl. VGE 2020/231 vom 8.5.2023 E. 3.3, 2013/407 
vom 23.9.2014 E. 3.3; ebenso VGer ZH VB.2017.00035 vom 22.2.2017 
E. 4). Die Normen des innerstaatlichen Rechts vermitteln dem Beschwerde-
führer somit keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.

2.3 In Fällen langjähriger Anwesenheit können vorläufig Aufgenommene, 
deren Rückkehr nach wie vor nicht absehbar ist, allerdings gestützt auf das 

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Recht auf Privatleben nach Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonven-
tion (EMRK; SR 0.101) bzw. Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV; 
SR 101) grundsätzlich einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewil-
ligung geltend machen. Damit eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, den recht-
mässigen, aufenthaltsrechtlich gesehen aber prekären Aufenthalt zu regula-
risieren. Das Bundesgericht hat einen solchen (potenziellen) Anspruch in 
seiner jüngeren Rechtsprechung anerkannt (vgl. BGE 149 I 72 E. 2.2, 
147 I 268 E. 1.2.7), auch wenn es in der erwähnten Konstellation um die erst-
malige Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung geht (vgl. BGE 149 I 207 
E. 5.3.4). Ob der Aufenthalt zu bewilligen ist, beurteilt sich anhand einer In-
teressenabwägung bzw. nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit 
(Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV). Von besonderer Bedeu-
tung ist dabei die Integration der betroffenen Person (vgl. BGE 147 I 268 
E. 4).

2.4 Mit Blick auf den langjährigen Aufenthalt des Beschwerdeführers in 
der Schweiz (vorne E. 2.1) fällt ein Regularisierungsanspruch gestützt auf 
Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV in Betracht. Im Rahmen der Interessen-
abwägung sind namentlich die sachverhaltlichen Feststellungen der Vor-
instanz zu überprüfen, auch wenn diese das Anwesenheitsrecht des Be-
schwerdeführers nach den Vorgaben von Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 
Bst. b AIG geprüft hat.

3.

3.1 Der Beschwerdeführer hält sich seit 20 Jahren in der Schweiz auf, 
davon 18 Jahre als vorläufig Aufgenommener (vorne E. 2.1 und Bst. A). Er 
war in seiner Heimat nach somalischem Brauch verheiratet. Die gemeinsa-
men Kinder verloren im Krieg ihr Leben. Die Ehe brach auseinander. Ge-
mäss Angaben des Sozialdiensts der Stadt Bern vom September 2020 hat 
der Beschwerdeführer zu seinem Bruder und seinen drei Schwestern, wel-
che alle in Somalia leben, täglichen Telefonkontakt (Akten EMF pag. 204). 
Im Juni 2019 leitete der Beschwerdeführer ein Ehevorbereitungsverfahren 
ein, da er beabsichtigte, eine Landsfrau zu heiraten (Akten EMF pag. 152, 
160). Im Oktober 2020 informierte der Fachverantwortliche Wohnraumver-

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mittlung des Schweizerischen Roten Kreuzes des Kantons Bern die Einwoh-
nerdienste der Stadt Bern über den Umzug der Partnerin des Beschwerde-
führers zu ihm (Akten EMF pag. 210). Zur Heirat kam es nicht. Ob die Bezie-
hung noch besteht, ist nicht aktenkundig. Der Beschwerdeführer bringt in 
seiner Beschwerde nicht mehr vor, liiert zu sein.

3.2 Mit der Vorinstanz ist zur beruflichen Integration festzuhalten, dass 
der Beschwerdeführer – bereits während des laufenden Asylverfahrens – für 
diverse Arbeitgebende vorwiegend in der Reinigungsbranche und in Land-
wirtschaftsbetrieben im Einsatz stand und von seinen bisherigen Vorgesetz-
ten insgesamt positive Rückmeldungen erhielt. Er nahm an mehreren Integ-
rations- und Beschäftigungsprogrammen teil und bemühte sich mit zahlrei-
chen Bewerbungen um eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt (angefochte-
ner Entscheid E. 5.2 und 6.2). Bei diesen überwiegend befristeten Tätigkei-
ten variierte die Höhe seiner Arbeitspensen oder sind diese unbekannt (an-
gefochtener Entscheid E. 5.2). Weiter ist unbestritten, dass der Beschwer-
deführer zwei Stellen auf eigenen Wunsch aufgab, obwohl er keine bessere 
Anstellung in Aussicht hatte (Akten EMF pag. 18, 39 f., 112 f., 118; ange-
fochtener Entscheid E. 6.2). Der Beschwerdeführer ist in gesundheitlicher 
Hinsicht zwar wegen einer chronischen Lungenerkrankung (Asthma) ange-
schlagen, ansonsten jedoch in gutem gesundheitlichem Zustand und zu 
100 % arbeits- und vermittlungsfähig (Akten EMF pag. 188, 205). Der Be-
schwerdeführer bezog von Dezember 2010 bis Juli 2022 Sozialhilfe in der 
Höhe von rund Fr. 300'000.-- (Akten EMF pag. 218; act. 10A). Seit August 
2022 hat er sich von der Sozialhilfe gelöst. Der Beschwerdeführer wird spä-
testens mit Erreichen seines Rentenalters (am 1.1.2024) eine AHV-Rente 
und gegebenenfalls zusätzlich Leistungen seiner Pensionskasse oder, falls 
diese nicht ausreichen, Ergänzungsleistungen beziehen (vgl. Bericht Sozial-
dienst Stadt Bern vom 3.9.2020, Akten EMF pag. 204). Allfällige Ergän-
zungsleistungen stellen zwar keine Sozialhilfe dar. Sie belasten aber als bei-
tragsunabhängige Sonderleistungen die öffentlichen Finanzen 
(BGE 135 II 265 E. 3.7; BGer 2C_458/2019 vom 27.9.2019 E. 3.3). Zusam-
menfassend ist die wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers insge-
samt nicht gelungen. Daran ändert nichts, dass er nicht im Betreibungsregis-
ter verzeichnet ist.

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3.3 In sprachlicher Hinsicht weist der Beschwerdeführer mit seinen 
mündlichen und schriftlichen Deutschkenntnissen auf Niveau A1 bzw. A2 
zwar ein gewisses Mass an Sprachkompetenz auf (angefochtener Entscheid 
E. 5.4). Gemäss Einschätzung des Sozialdiensts der Stadt Bern reicht diese 
für ein einfaches Gespräch (vgl. Bericht Sozialdienst Stadt Bern vom 
3.9.2020, Akten EMF pag. 205). Angesichts seiner langen Aufenthaltsdauer 
stellt dies jedoch keine besondere Integrationsleistung dar. Der Beschwer-
deführer hat in der Schweiz keine Familie (vorne E. 3.1). Intensive soziale 
Bindungen zur einheimischen Bevölkerung, deren Abbruch ihn besonders 
hart treffen würde, werden von ihm nicht dargetan. Er ist nicht im Strafregis-
ter verzeichnet. Dies darf indes erwartet werden und stellt ebenfalls keine 
besondere Integrationsleistung dar.

3.4 Die Interessenabwägung führt zu folgendem Ergebnis: Dem Be-
schwerdeführer ist es nicht gelungen, trotz langer Anwesenheit in der 
Schweiz beruflich-wirtschaftlich Fuss zu fassen. Obwohl zu 100 % arbeitsfä-
hig, bezog er über Fr. 300'000.-- Sozialhilfe. In sozialer Hinsicht sind keine 
vertieften Kontakte dargetan, welche auf eine besondere Verbundenheit des 
Beschwerdeführers mit der Schweiz schliessen lassen. Trotz des langjähri-
gen Aufenthalts in der Schweiz unterhält er keine besonders intensiven pri-
vaten Beziehungen gesellschaftlicher Art. Die Abwägung der auf dem Spiel 
stehenden öffentlichen und privaten Interessen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK 
bzw. Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 2 und 3 BV fällt daher zu seinen Un-
gunsten aus.

4.

4.1 Ausgehend von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG (vorne E. 2.2) kann von den 
Zulassungsvoraussetzungen (Art. 18-29) abgewichen werden, um schwer-
wiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen 
Rechnung zu tragen. Bei der Beurteilung sind insbesondere die Integration 
anhand der Kriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG, die Familienverhältnisse, die 
finanziellen Verhältnisse, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der 
Gesundheitszustand und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im 
Herkunftsstaat zu berücksichtigen (Art. 31 Abs. 1 Bst. a-g VZAE). Ein Härte-

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fall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG liegt nach der Rechtsprechung vor, 
wenn sich die betreffende ausländische Person in einer persönlichen Not-
lage befindet bzw. ihre Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen am 
durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Personen in einer vergleich-
baren Situation, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sind und die Verwei-
gerung einer Ausnahme für sie schwere Nachteile zur Folge hätte. Die Aus-
länderbehörden dürfen diese Voraussetzungen zur Anerkennung eines Här-
tefalls grundsätzlich streng handhaben (vgl. BVR 2020 S. 443 E. 4.5, 2016 
S. 369 E. 3.3, 2013 S. 73 E. 3.4, u.a. mit Hinweis auf BGE 137 II 1 E. 4.1, 
130 II 39 E. 3 [Pra 93/2004 Nr. 140]). Der Bewilligungsbehörde kommt in der 
Frage, ob ein Härtefall im Sinn von Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 AIG 
vorliegt, grundsätzlich ein grosser Ermessensspielraum zu. Sie hat diesen 
Spielraum pflichtgemäss auszufüllen, d.h. im Rahmen von Verfassung und 
Gesetz nach sachlichen Grundsätzen. Namentlich sind die gesetzlichen Vor-
gaben und die dort angelegten öffentlichen Interessen, das Gebot der rechts-
gleichen Behandlung, die Verhältnismässigkeit und das Willkürverbot zu be-
achten (vgl. BVR 2020 S. 443 E. 4.4 mit Hinweis auf BVR 2015 S. 105 
E. 2.2, 2013 S. 73 E. 3.1, 2010 S. 481 E. 6.1).

4.2 Es ist unter den gegebenen Umständen nicht zu beanstanden, dass 
die Vorinstanz sowohl die beruflich-wirtschaftliche als auch die soziale In-
tegration des Beschwerdeführers als nicht gelungen beurteilt und dem Krite-
rium der langen Aufenthaltsdauer keine ausschlaggebende Bedeutung zu-
gemessen hat (angefochtener Entscheid E. 6.6). Die Vorinstanz ist in Über-
einstimmung mit der Einschätzung der EG Bern zu Recht zum Schluss 
gekommen, die Lebens- und Existenzbedingungen des Beschwerdeführers 
seien gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Perso-
nen in einer vergleichbaren Situation nicht in gesteigertem Mass in Frage 
gestellt. Eine Ermessensunterschreitung ist nicht erkennbar (Beschwerde 
Ziff. 12). Die SID hat die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss 
Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 AIG somit zu Recht verweigert.

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5.

Nach dem Gesagten hält der angefochtene Entscheid der Rechtskontrolle 
stand. Der Vorinstanz kann damit auch keine Willkür vorgeworfen werden 
(Beschwerde Ziff. 13). Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist 
abzuweisen. Die bundesrechtlich verfügte Wegweisung mit der vorläufigen 
Aufnahme als Ersatzmassnahme bleibt vom vorliegenden Urteil unberührt. 
Eine Ausreisefrist steht daher nicht zur Diskussion (vorne E. 2.1).

6.

6.1 Bei diesem Verfahrensausgang wird der unterliegende Beschwerde-
führer an sich kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG) und hat keinen An-
spruch auf Parteikostenersatz (Art. 108 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). 
Er hat jedoch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung seiner 
Rechtsvertreterin als amtliche Anwältin ersucht.

6.2 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Verfahrenskosten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel 
verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 
VRPG; vgl. auch Art. 117 ZPO). Unter den gleichen Voraussetzungen kann 
einer Partei überdies eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, 
wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtfertigen 
(Art. 111 Abs. 2 VRPG). Ein Prozess ist nicht aussichtslos, wenn berechtigte 
Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, das heisst wenn Gewinnaussichten und 
Verlustgefahren sich ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig gerin-
ger sind als diese. Als aussichtslos sind nach der Rechtsprechung demge-
genüber Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten be-
trächtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als 
ernsthaft bezeichnet werden können (statt vieler BVR 2019 S. 128 E. 4.1; 
BGE 142 III 138 E. 5.1; Lucie von Büren, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommen-
tar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 111 N. 29 ff.).

6.3 Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist bei Würdigung der Prozess-
aussichten im Gesuchszeitpunkt (20.4.2022) als von vornherein aussichtslos 
zu bezeichnen. Bis im Sommer 2022 bezog der Beschwerdeführer Sozial-

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hilfe (rund Fr. 300'000.--), obwohl zu er zu 100 % arbeitsfähig war. Die Vor-
instanz hat einlässlich und zutreffend begründet, weshalb dem Beschwerde-
führer insbesondere angesichts seiner misslungenen beruflich-wirtschaftli-
chen und sozialen Integration keine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden 
kann. Dabei hat sie die persönlichen Umstände des Beschwerdeführers ein-
gehend gewürdigt. Dies darf bei der Beurteilung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im oberinstanzlichen Rechtsmittelverfahren berücksichtigt werden 
(BVR 2015 S. 487 E. 7.2 mit Hinweisen; ebenso BGE 149 III 193 E. 7.1.2 
[Pra 112/2023 Nr. 41]). Gegen die vorinstanzlichen Erwägungen bringt der 
Beschwerdeführer nichts wesentlich Neues vor. Das Gesuch um unentgelt-
liche Rechtspflege für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist deshalb 
abzuweisen, ohne dass die Prozessarmut zu prüfen wäre.

6.4 Da über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erst im Rahmen 
des Endentscheids befunden wird und der Beschwerdeführer deshalb keine 
Gelegenheit hatte, die Beschwerde nach Abweisung des Gesuchs zurück-
zuziehen und damit Kosten zu sparen, sind diese praxisgemäss bloss in der 
Höhe der üblichen Abschreibungsgebühr zu erheben (BVR 2016 S. 369 
E. 4.3.1). Für das Gesuchsverfahren betreffend unentgeltliche Rechtspflege 
sind keine Kosten zu erheben (Art. 112 Abs. 1 VRPG). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine reduzierte Pauschalgebühr von Fr. 500.--, werden dem Beschwerde-
führer auferlegt.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

5. Zu eröffnen:

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- Beschwerdeführer
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
- Einwohnergemeinde Bern
- Staatssekretariat für Migration

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 
Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) oder, soweit es die Ermessensbewilligung betrifft, 
subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss Art. 39 ff. und 113 ff. BGG geführt wer-
den.