# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a6d2cb6-e570-5df1-8083-69bc48d4f9aa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.08.2008 E-5137/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5137-2006_2008-08-11.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5137/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Bruno Huber, 
Gerichtsschreiber Rudolf Raemy.

A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
E._______,
F._______,
Kongo (Kinshasa),
alle vertreten durch Irène Rodriguez, 
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, 
Bertastrasse 8, Postfach, 8036 Zürich,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des 
BFM vom 24. März 2006 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5137/2006

Sachverhalt:

A.
Am  17. März  2003  stellte  der  Beschwerdeführer  A._______ (nach-
folgend Beschwerdeführer 1 genannt) für sich und (...) in der Schweiz 
ein Asylgesuch, zu welchem er am 19. März 2003 summarisch befragt 
und  am  15. April  2003  vom  damaligen  Bundesamt  für  Flüchtlinge 
(BFF)  angehört  wurde.  Zur  weiteren  Abklärung  des  Sachverhalts 
gelangte das BFF mit Schreiben vom 17. Juli 2003 an die Schweizer 
Botschaft  in  Kinshasa. Das Antwortschreiben der  Botschaft  vom 26. 
August 2003 ging am 4. September 2003 beim BFF ein. Mit Verfügung 
vom  11. September  2003  lehnte  das  BFF  das  Asylgesuch  ab  und 
ordnete gleichzeitig die Wegweisung der Beschwerdeführenden sowie 
den Vollzug der Wegweisung an.

B.
Mit Urteil vom 13. Juli 2004 hiess die damals zuständige Schweizeri-
sche  Asylrekurskommission  (ARK)  die  auf  den  Vollzug  der  Wegwei-
sung beschränkte Beschwerde vom 29. September 2003 gut und wies 
das  BFF  an,  die  Beschwerdeführenden  zufolge  Unzumutbarkeit  des 
Vollzugs der Wegweisung in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

C.
Am 19. Juli 2004 verfügte das BFF ihre vorläufige Aufnahme.

D.
Mit Schreiben vom 20. Oktober 2005 forderte das BFM die Beschwer-
deführenden im Hinblick auf die periodische Überprüfung der vorläufi-
gen Aufnahme zur Einreichung eines ausführlichen aktuellen Berichts 
des behandelnden Spezialarztes von F._______ auf.

E.
Am  23. Dezember  2005  ging  beim  BFM  ein  Bericht  von  Dr. med. 
G._______, vom 22. Dezember  2005,  unter  Beilage einer  Kopie des 
Berichts von Dr. med. H._______, vom 14. Juni 2005 ein.

F.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2006 teilte das BFM den Beschwerde-
führenden  mit,  gestützt  auf  das  Alter  der  Kinder,  eine  Auskunft  der 
schweizerischen  Botschaft  in  Kinshasa  vom  17. Juli  2003  (recte: 
26. August  2003)  sowie  das  eingereichte  Arztzeugnis  vom 

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22. Dezember 2005 bestünden keine Gründe mehr für die vorläufige 
Aufnahme,  und  gewährte  den  Beschwerdeführenden  die  Möglichkeit 
zur schriftlichen Stellungnahme.

G.
Mit Eingabe vom 3. Februar 2006 bestritten die Beschwerdeführenden 
die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und beantragten unter 
anderem die  Offenlegung  der  Botschaftsauskunft.  Weiter  wiesen  sie 
darauf hin, dass sie keine Kopie des Arztzeugnisses erhalten hätten.

H.
Mit E-Mail vom 13. Februar 2006 gelangte das BFM zur weiteren Ab-
klärung des Sachverhalts erneut an die Schweizer Vertretung in Kin-
shasa.

I.
Mit E-Mail vom 2. März 2006 schickte die Schweizer Botschaft in Kin-
shasa dem BFM die Niederschrift des Berichts einer Vertrauensperson 
zu den ihr vom BFM unterbreiteten Fragen.

J.
Mit Schreiben vom 3. März 2006 stellte das BFM den Beschwerdefüh-
renden  die  Botschaftsanfrage  vom  13. Februar  2006,  den  entspre-
chenden  Bericht  der  Botschaft  sowie  eine  Kopie  des  ärztlichen  Be-
richts vom 22. Dezember 2005 zu und gewährte ihnen die Möglichkeit 
zur  Stellungnahme.

K.
Mit  Eingabe  vom 10. März  2006  reichten  die  Beschwerdeführenden 
eine schriftliche Stellungnahme zu den Akten.

L.
[...]*

M.
[...]

N.
Mit Verfügung vom 24. März 2006 hob das BFM die mit Verfügung vom 
19. Juli  2004 angeordnete  vorläufige  Aufnahme auf  und forderte  die 

* Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes anonymisiert.

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Beschwerdeführenden  zum  Verlassen  der  Schweiz  bis  zum  24. Mai 
2006 auf.

O.
Mit Eingabe vom 19. April 2006 beantragten die Beschwerdeführenden 
bei der ARK die Aufhebung der Verfügung vom 24. März 2006. Es sei 
festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, allenfalls 
unzumutbar sei und es sei die vorläufig Aufnahme anzuordnen. In ver-
fahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses sowie Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge beantragt.

P.
Mit Eingabe vom 21. April 2006 reichten die Beschwerdeführenden ein 
Schreiben der Physiotherapeutin von F._______ vom 10. April 2006 zu 
den Akten.

Q.
Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2006 hiess die ARK das Gesuch 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete 
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

R.
Mit Vernehmlassung vom 1. Mai 2006 beantragte das BFM die Abwei-
sung der Beschwerde.

S.
Mit standardisiertem Schreiben der ARK vom November 2006 (und be-
stätigend  mit  Anzeige  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 13. April 
2007)  wurden die  Beschwerdeführenden auf  den Umstand aufmerk-
sam gemacht, dass das Gericht die ARK per 1. Januar 2007 ersetze 
und für die Weiterführung des Verfahrens zuständig sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

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1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernahm am 1. Januar 2007 die 
Beurteilung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechts-
mittel.  Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art. 53  Abs. 2 
VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführenden  sind durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt 
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Sie sind  daher zur Einreichung der Beschwer-
de legitimiert  (Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 48,  50 und 52 VwVG). Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

1.4 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Über-
schreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts  und die Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
Die Vernehmlassung vom 1. Mai 2006 wurde den Beschwerdeführen-
den noch nicht  zur Kenntnis  gebracht. Auf  ihre vorgängige Stellung-
nahme kann angesichts  des  Ausgangs  des vorliegenden  Verfahrens 
verzichtet  werden (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG); die Vernehmlas-
sung wird ihnen zusammen mit diesem Urteil zugestellt.

3.
Die vorliegend zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen die Auf-
hebung der am 19. Juli 2004 verfügten vorläufigen Aufnahme. Zu prü-

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fen ist demnach die Frage, ob die vorläufige Aufnahme vom BFM zu 
Recht aufgehoben wurde oder nicht.

3.1 Gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG regelt das BFM das Anwesenheits-
verhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme gemäss dem Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über 
die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), wenn der Voll-
zug nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar ist. Das vorlie-
gende Beschwerdeverfahren ist nach dem am 1. Januar 2008 erfolgten 
Inkrafttreten des AuG (und der gleichzeitigen Aufhebung des Bundes-
gesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt  und Niederlassung der 
Ausländer  [ANAG],  s.  Art. 125  AuG  i.V.m.  Ziff. I  Anhang  zum  AuG) 
nach den entsprechenden Bestimmungen des AuG zu beurteilen. 

3.2 Die  vorläufige  Aufnahme ist  im Kern  eine Ersatzmassnahme für 
den nicht durchführbaren Vollzug der Wegweisung (vgl. in Bezug auf 
die Rechtslage unter dem ANAG den Grundsatzentscheid in Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2006 Nr. 23 E. 6.1.; vgl. zur Rechtsnatur der vorläufigen Auf-
nahme EMARK 2005 Nr. 3 E. 3.2. S. 32 f. und E. 3.4. S. 34,  EMARK 
2001 Nr. 20 E. 3c/cc/bbb S. 155, EMARK 2000 Nr. 24 E. 2b S. 216; die 
entsprechenden Ausführungen gelten grundsätzlich auch für die heuti-
ge Rechtslage gemäss AuG, nachdem dessen Bestimmungen betref-
fend die Anordnung und die Beendigung der vorläufigen Aufnahme in-
haltlich  der  Regelung  gemäss  ANAG  entsprechen;  s.  die  Botschaft 
vom 8. März  2002  zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer, BBl 2002 3818). Gemäss Art. 83 Abs. 1 AuG (entsprechend 
dem ehemaligen Art. 14a Abs. 1 ANAG) ist die vorläufige Aufnahme zu 
verfügen, wenn der Vollzug der Weg- oder Ausweisung nicht möglich, 
nicht  zulässig oder  nicht  zumutbar ist. Nicht  möglich ist  der  Vollzug, 
wenn  die  Ausländerin  oder  der  Ausländer  weder  in  den  Herkunfts- 
oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dort-
hin  gebracht  werden  kann  (Art. 83  Abs. 2  AuG;  ehemals  Art. 14a 
Abs. 2 ANAG). Nicht zulässig ist er, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen  (Art. 83  Abs. 3  AuG;  ehemals  Art. 14a  Abs. 3  ANAG).  Sodann 
kann der Vollzug für Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, 
wenn  sie  in  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt 
und  medizinischer  Notlage  im  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  konkret 
gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG; ehemals Art. 14a Abs. 4 ANAG).

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3.3 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-
sung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer 
Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung 
als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der 
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 
regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f.).

3.4 Gemäss Art. 84 Abs. 1 AuG überprüft das Bundesamt nach erfolg-
ter Anordnung einer vorläufigen Aufnahme periodisch, ob die Voraus-
setzungen für die vorläufige Aufnahme noch gegeben sind. Es hebt die 
vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Weg- oder Aus-
weisung  an,  wenn  die  Voraussetzungen  nicht  mehr  gegeben  sind 
(Art. 84 Abs. 2 AuG). Die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnah-
me sind nicht mehr gegeben, wenn der Vollzug der rechtskräftig ange-
ordneten Wegweisung zulässig (Art. 83 Abs. 3 AuG) und es der aus-
ländischen Person zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) und möglich (Art. 83 
Abs. 2 AuG) ist, sich rechtmässig in ihren Heimat-, in den Herkunfts-
oder in einen Drittstaat zu begeben.

4.

4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  -  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Gesundheitliche 
Probleme, welche für  sich allein  betrachtet  den Wegweisungsvollzug 
nicht  bereits  als  unzumutbar  erscheinen  lassen,  bilden  ein  Beurtei-
lungselement,  welches  in  die  vorzunehmende  Interessenabwägung 
einbezogen  werden  muss  und  zusammen mit  weiteren  humanitären 
Aspekten zur Feststellung der Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvoll-
zugs führen kann (vgl. EMARK 2003 Nr. 24  E. 5a am Ende und 5b 
S. 157 f.). Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder be-
troffen, so bildet bei der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen 
Gesichtspunkt  von  gewichtiger  Bedeutung  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 6 
E. 6. S. 57 f.).

4.2 Die Vorinstanz stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den 
Standpunkt,  dass "der Vollzug der Wegweisung heute insgesamt zu-
lässig, möglich und zumutbar" sei, "so dass die vorläufige Aufnahme 
gestützt auf Art. 14b Abs. 2 ANAG aufzuheben ist." Die ARK habe in 

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ihrem Urteil vom 13. Juli 2004 den Vollzug der Wegweisung aus zwei 
Gründen als unzumutbar erachtet. [...]

4.3 Die Beschwerdeführenden stellen sich in ihrer Rechtsmitteleinga-
be auf den Standpunkt, dass eine Rückkehr für sie aufgrund der Ge-
samtheit der Umstände nicht zumutbar sei. [...]

4.4 In  seiner  Vernehmlassung  führte  das  BFM  aus,  gemäss 
Grundsatzurteil  der  ARK (EMARK 2004 Nr. 33)  sei  "der  Vollzug der 
Wegweisung von Personen, die (kleine) Kinder haben oder für mehre-
re Kinder verantwortlich seien, in aller Regel unzumutbar". Es liege so-
mit eine Regelvermutung vor, welche im Einzelfall  umgestossen wer-
den könne. [...]

4.5 In den Erwägungen des Urteils vom 13. Juli 2004 führte die ARK 
unter anderem Folgendes aus (vgl. dort E. 6.b)aa)): "Mit Blick auf die 
aktuelle  politische  Lage  in  der  Demokratischen  Republik  Kongo  ist 
festzuhalten,  dass  trotz  anhaltender  bewaffneter  Auseinandersetzun-
gen in dem von Rebellenorganisationen kontrollierten Gebiet im Osten 
des Landes nicht auf dem gesamten kongolesischen Staatsgebiet von 
einer Situation von Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt  gesprochen 
werden kann, die in jedem Fall dem Vollzug der Wegweisung entge-
genstünde. Vielmehr  erachtet  die  ARK den Vollzug der  Wegweisung 
grundsätzlich  als  zumutbar,  wenn  abgewiesene  Asylsuchende  ihren 
letzten Wohnsitz vor der Ausreise in Kinshasa beziehungsweise in ei-
ner Flughafenstadt im Westen des Landes hatten oder aber dort  zu-
mindest über intakte soziale Beziehungen verfügen. Auch in solchen 
Fällen ist aber bei Personen mit Kindern in jungem Alter dem akuten 
Problem der Unterernährung, der weiten Verbreitung schwerer Krank-
heiten  sowie  der  desaströsen medizinischen  Versorgungssituation  in 
der Demokratischen Republik Kongo (vgl. dazu World Health Organi-
zation [WHO], Democratic Republic of the Congo, Selected Indicators, 
2001; sowie WHO, Recent  disease outbreaks,  2000 -  present)  ganz 
besonders Rechnung zu tragen. Entsprechend geht die ARK in kons-
tanter Praxis weiterhin davon aus, dass bei Personen mit Kindern im 
Alter von unter sechs Jahren der Wegweisungsvollzug nur in Ausnah-
mefällen zumutbar ist. Der Beschwerdeführer hat zwar nach eigenen 
Aussagen  immer  in  Kinshasa  gelebt,  wo  überdies  [...].  Dies  ändert 
jedoch - entgegen der in der Vernehmlassung vertretenen Ansicht der 
Vorinstanz  -  nichts  daran,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung 

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angesichts  des  jungen  Alters  der  Kinder  [...]  gestützt  auf  Art. 14a 
Abs. 4 ANAG als nicht zumutbar zu erachten ist."

4.6 Nach der weiterhin gültigen Praxis der ARK ist die Rückkehr von 
Personen aus Kongo (Kinshasa) unter bestimmten Umständen zumut-
bar, nämlich dann, wenn der letzte Wohnsitz der betroffenen Person 
die Hauptstadt Kinshasa oder eine andere, über einen Flughafen ver-
fügende Stadt im Westen des Landes war, oder wenn die Person in ei-
ner  dieser  Städte  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz  verfügt;  trotz 
Vorliegens der  vorstehend genannten Kriterien erscheint  der  Vollzug 
der Wegweisung jedoch - nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung der 
individuellen Umstände - in aller Regel nicht zumutbar, wenn die zu-
rückzuführende Person (kleine) Kinder in ihrer Begleitung hat, für meh-
rere Kinder verantwortlich ist, sich bereits in einem vorangeschrittenen 
Alter oder in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befindet oder 
wenn es sich bei ihr um eine allein stehende, nicht über ein soziales 
oder familiäres Netz verfügende Frau handelt  (vgl. EMARK 2004 Nr. 
33).

4.7 Die Beschwerdeführenden stammen aus der Hauptstadt Kinshasa, 
wo sie gemäss eigenen Angaben bis zu ihrer Ausreise im Jahre 2002 
gelebt  haben. Die  Lage in  der  heute  rund acht  Millionen Einwohner 
zählenden  Grossstadt  kann  im  Vergleich  zu  anderen  Regionen  des 
Landes  als  ruhig  und  verhältnismässig  sicher  bezeichnet  werden. 
Nicht von der Hand zu weisen ist,  dass sich die kongolesische Wirt-
schaft wie auch die Verwaltung und allgemeine Infrastruktur nach wie 
vor  in  einem desolaten  Zustand befinden,  dass  die  Korruption  auch 
unter der derzeitigen Regierung ein weit verbreitetes Problem darstellt 
und  das  Gesundheitswesen  -  welches  sich  neben  vielen  anderen 
Schwierigkeiten mit dem Problem konfrontiert sieht, dass Kongo (Kin-
shasa) zu den am stärksten von AIDS betroffenen afrikanischen Län-
dern gehört - auch in Kinshasa westlichen Ansprüchen nur dann eini-
germassen zu genügen vermag, wenn der Betroffene ausreichende fi-
nanzielle Mittel besitzt. Die Kosten für Medikamente und Physiothera-
pie  gehen  vollständig  zu  Lasten  der  Patienten,  da  keine staatlichen 
Institutionen bestehen, welche Gesundheitskosten übernehmen. Auch 
existieren  keine  staatlichen  Kinderheime.  Angesichts  der  desolaten 
ökonomischen  Situation  der  meisten  Einwohner  Kinshasas  überstei-
gen die Kosten für medizinische Behandlungen meist deren finanzielle 
Möglichkeiten. Gemäss öffentlich zugänglichen Quellen ist  die sozio-
ökonomische  Lage  in  Kinshasa  desolat  und  lediglich  5 Prozent  der 

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Einwohner erhalten ein regelmässiges Einkommen. Auch Kinshasa ist 
zudem von den in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Prei-
sen für Lebensmittel betroffen. Zwei Drittel der Bevölkerung leiden an 
Unterernährung. Mit  der fast hoffnungslosen Armut vieler Familien in 
Kinshasa hat sich auch die Lage der Kinder verschlechtert. So gibt es 
in  den  letzten  Jahren  vermehrt  Hinweise,  dass  Kinder,  besonders 
wenn sie geistig oder körperlich behindert sind, von ihren Familien ver-
stossen werden und als Strassenkinder enden oder als "enfants sor-
ciers" teils schwersten Misshandlungen ausgesetzt sind. Die Zahl der 
Strassenkinder ist in Kinshasa explosionsartig angestiegen. Drei Vier-
tel der Bevölkerung sind sodann zu arm, um sich Zugang zu einer ad-
äquaten medizinischen Versorgung zu verschaffen ("pour avoir accès 
aux soins et doivent s’en remettre à des guérisseurs pentecôtistes ou 
à des marabouts (zum Ganzen vgl. etwa Le Monde Diplomatique, Les pe-
tits sorciers de Kinshasa, September 2006, http://www.monde-diplomatique.fr/

2006/09/DAVIS/13930  ), Messager  de  Saint'Antoine,  Le  triste  sort  des 
enfants  "sorciers",  2008,  http://www.saintantoine.org/messaggero/pa      -  
gina_stampa.asp?  ,  US  Department  of  State,  Report  on  Human  Rights 
Practices  2007,  Democratic  Republic  of  the  Congo,  11.03.2008, 

http://www.state.gov/g/drl/rls/hrrpt/2007/100475.htm  ,  Le Monde Diplomatique, 
Les  petits  sorciers  de  Kinshasa,  September  2006,  http://www.monde-

diplomatique.fr/2006/09/DAVIS/13930  ,  La  Prospérité  Kinshasa,  Hausse  des 
prix  au  marché  central,  la  population  s'inquiète,  31.05.2008, 

http://fr.allafrica.com/stories/200806020871.html  ,  Fonds Houtman,  La situati-
on  dans  les  deux  Congo,  http://fondshoutman.be/cahiers/01_062004/html-

n/ch05s02.html  , taz,  Tausend  Tricks  der  Mama  sai-sai,  08.03.2008, 
http:www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-frauen/artikel/1/tausend-tricks-der-

mama-sai-sai/  ).

4.8

4.8.1 [...]

4.8.2 [...]

4.8.3 [...]

4.8.4 [...]

4.8.5 [...]

Seite 10

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4.9 Ergänzend ist  festzuhalten,  dass  es die  Vorinstanz  in  der  ange-
fochtenen Verfügung unterlassen hat, die Frage zu prüfen, ob ein Voll-
zug der Wegweisung mit dem Schutzanliegen des Kindeswohls zu ver-
einbaren wäre (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 6 E. 6 S. 57 f. mit weiteren 
Hinweisen). Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens kann jedoch eine 
Prüfung,  ob  ein  Wegweisungsvollzug  mit  Art. 3  Abs. 1  des 
Übereinkommens  über  die  Rechte  des  Kindes  vom  20.  November 
1989 (KRK, SR 0.107) vereinbar wäre, offen gelassen werden.

4.10 [...]

4.11 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung sämtlicher Sachverhaltsele-
mente kommt das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass der 
Wegweisungsvollzug  der  Beschwerdeführenden  nach  wie  vor  als 
unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu erachten ist.

4.12 Nachdem  keine  rechtsgenüglichen  Hinweise  auf  das  Vorliegen 
von Ausschlussgründen nach Art. 83 Abs. 7 AuG aus den Akten her-
vorgehen, sind die Voraussetzungen für die Beibehaltung der vorläufi-
gen Aufnahme erfüllt.

5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfü-
gung des BFM vom 24. März 2006 aufzuheben. Somit bleiben die Be-
schwerdeführer vorläufig aufgenommen.

6.
Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Kosten zu 
erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

7.

7.1 Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
(VGKE, SR 173.320.2) haben obsiegende Parteien Anspruch auf eine 
Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten. 
Laut Art. 9 VGKE umfassen die Kosten der Vertretung das Anwaltsho-
norar oder die Entschädigung für eine nichtanwaltliche berufsmässige 
Vertretung (Bst. a), den Ersatz von Auslagen (Bst. b) und den Ersatz 
der Mehrwertsteuer für die Entschädigungen nach den Buchstaben a 
und b, soweit eine Steuerpflicht besteht und die Mehrwertsteuer nicht 
bereits berücksichtigt wurde (Bst. c). Das Anwaltshonorar und die Ent-

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schädigung für eine nichtanwaltliche berufsmässige Vertretung werden 
nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertrete-
rin bemessen (Art. 10 VGKE).

7.2 Die Beschwerdeführenden haben keine Kostennote zu den Akten 
reichen lassen.  Auf die Nachreichung einer solchen kann jedoch ver-
zichtet werden, nachdem sich der notwendige Vertretungsaufwand zu-
verlässig abschätzen lässt. Die Parteientschädigung ist von Amtes we-
gen und in Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren 
(vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf  Fr. 750.--  (inkl. Auslagen) festzusetzen und 
den Beschwerdeführenden von der Vorinstanz zu entrichten.

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E-5137/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des BFM vom 
24. März 2006 wird aufgehoben.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Das BFM hat  den Beschwerdeführenden für  das  Verfahren vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 750.-- zu 
entrichten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden (Einschreiben; Bei-
lage: Vernehmlassung vom 1. Mai 2006 in Kopie)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)

- das I._______ (in Kopie)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Rudolf Raemy

Versand: 

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