# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d344eefc-9ed6-502c-ad39-671fbb8d693a
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-24
**Language:** de
**Title:** Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2009 und 1.1. - 31.12.2010
**Docket/Reference:** ST.2016.191
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2016_191_kl.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ST.2016.191 

Entscheid 

24. November 2016 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Walter Balsiger, Steuerrichter Michael Ochsner, Ersatzrichter 
Hans Heinrich Knüsli und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

A   A G ,    

In Sachen 

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Konsum,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekurrentin,  

Rekursgegner,  

Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2009 und 1.1. - 31.12.2010 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  1.  Die  A  AG  (nachfolgend  die  Pflichtige)  war  ursprünglich  eine  B-

Gesellschaft.  Seit  dem  …  2008  bezweckt  sie  den  Handel  mit  Waren  aller  Art,  insbe-

sondere mit Produkten der C-Industrie. Mit der Zweckänderung kam es auch zu einem 

Wechsel im Verwaltungsrat: D ersetzte auf dieses Datum hin den bisher einzigen Ver-

waltungsrat  E.  Laut  Organigramm  vom  November  2008  wurde  D  zudem  Inhaber  der 

Gesellschaft.  Die  Pflichtige  hat  ihren  formellen  Sitz  seit  Gründung  im  Jahr  1991  in 

F/ZG, wobei sie als Adresse im Handelsregister die Geschäftsadresse "c/o E Treuhand 

AG" eintragen liess.  

Seit 2008 führt die Pflichtige in G/ZH in einem Ladenlokal an der …strasse 44 

in  gemieteten  Geschäftsräumlichkeiten  unter  der  Bezeichnung  "H  I"  eine  I.  Daneben 

betreibt sie einen C-Versandhandel. Sie erzielte im Jahr 2008 gemäss Jahresrechnung 

und  sowohl  im  Kanton  Zug  als  auch  im  Kanton  Zürich  eingereichter  Steuererklärung 

des  Kantons  Zug  einen  steuerbaren  Reingewinn  von  gerundet  Fr. 100.-,  bei  einem 

steuerbaren  Eigenkapital  von  Fr. 104'000.-. Im  Einschätzungsverfahren  betreffend  die 

Steuerperiode  2008  stellte  sich  das  kantonale  Steueramt  auf  den  Standpunkt,  die 

Pflichtige betreibe im Kanton Zürich nicht nur eine Betriebsstätte. Vielmehr befinde sich 

auch  der  Ort  ihrer  tatsächlichen  Verwaltung  im  Kanton  Zürich.  Folglich seien  Gewinn 

und Kapital ab Datum der Zweckänderung vollumfänglich im Kanton Zürich zu versteu-

ern. Im Einspracheverfahren schloss sich die Pflichtige durch Rückzug des Rechtsmit-

tels am 1. Juli 2011 ausdrücklich dieser Sichtweise an. Die in Rechtskraft erwachsenen 

Steuerfaktoren betreffend die Staats- und Gemeindesteuern, Steuerperiode 2008, lau-

teten  entsprechend  dem  Dispositiv  auf  einen  steuerbaren  und  satzbestimmenden 

Reingewinn  von  Fr. 100.-  bzw.  auf  ein  steuerbares  Eigenkapital  von  Fr. 64'000.-,  bei 

einem Total des Eigenkapitals für die gesamte Steuerperiode von Fr. 104'000.-.  

2. Für die Steuerperioden 2009 und 2010 reichte die Pflichtige im Kanton Zug 

am 26. April 2011 bzw. 28. November 2011 Steuererklärungen, Bilanzen und Erfolgs-

rechnungen ein. Kopien davon schickte sie unter Beilage der jeweils  leeren, aber un-

terschriebenen  zürcherischen  Steuererklärung  am  30.  Mai  2011  bzw.  5.  Dezem-

ber 2011 an das kantonale Steueramt. In der Steuerperiode 2009 deklarierte sie einen 

steuerbaren  Reinverlust  von  Fr.  289'236.-  und  im  Folgejahr  einen  Reingewinn  von 

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Fr. 19'414.-.  Letzteren  verrechnete  sie  mit  dem  Vorjahresverlust,  sodass  betreffend 

Steuerperiode 2010 ein Verlust von Fr. 264'831.- resultierte. 

Am ... und ... Oktober 2012 führte der Revisor des kantonalen Steueramts in 

den Räumlichkeiten der Pflichtigen in G eine steueramtliche Bücherrevision durch. Die 

Schlussbesprechung fand am ... Oktober 2012 statt. Mit Auflage vom 30. Oktober 2012 

forderte  der  Revisor  die  Pflichtige  sodann  u.a.  auf,  den  Nachweis  zu  erbringen,  dass 

sich ihre tatsächliche Verwaltung am statutarischen Sitz in F/ZG befinde. Zudem sollte 

sie für  die Geschäftsjahre  2009  und  2010  die  kompletten  ordnungsgemäss  geführten 

Buchhaltungen  einreichen  (Bilanz,  Erfolgsrechnung,  Kontoblätter  sowie  Journal,  inkl. 

sämtliche Belege). In der Auflage fand sich der ausdrückliche Hinweis, dass  auch die 

ordnungsgemässen, tagfertig geführten Kassenbücher mit sämtlichen dazugehörenden 

Nebenaufzeichnungen  (Kassastreifen,  Tagesrekapitulationen  sowie  Belege)  einzurei-

chen seien. Nachdem die Pflichtige am 22. November 2012 lediglich mit einem kurzen 

Schreiben reagierte, worin sie u.a. darauf hinwies, dass ihr einziger Verwaltungsrat  D 

regelmässig mit seinem Laptop und seinem Mobiltelefon bei der  E Treuhand AG in F 

verweilen  dürfe,  erliess  das  kantonale  Steueramt  am  6.  Dezember  2012  eine  Mah-

nung. Erst nach Ablauf der Frist ging ein auf den 28. Januar 2013 datiertes Schreiben 

der Pflichtigen ein, allerdings erneut ohne die eingeforderte Buchhaltung mit allen Be-

legen  und  dem  Kassenbuch.  Es  fehlten  darüber  hinaus  weiterhin  substanziierte  Aus-

führungen dazu, weshalb der Sitz der Gesellschaft in F/ZG anzusiedeln sei.  

3. Mit separaten Entscheiden vom 4. Mai 2016 schätzte das kantonale Steu-

eramt die Pflichtige nach pflichtgemässem Ermessen i.S.v. § 139 Abs. 2 des Steuerge-

setzes vom 8. Juni 1997 (StG) ein:  

Steuerperiode 1.1. - 31.12.2009 

Steuerbarer Reingewinn 

Steuersatz 

Steuerbares Eigenkapital 

Steuersatz 

Fr. 

100'000.- 

8%  

100'000.- 

0.75‰. 

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Steuerperiode 1.1. - 31.12.2010 

Steuerbarer Reingewinn 

Steuersatz 

Steuerbares Eigenkapital 

Steuersatz 

Fr. 

100'000.- 

8%  

100'000.- 

0.75‰. 

Eine  Ausscheidung  in  den  Kanton  Zug  unterblieb  mit  der  Begründung,  die 

tatsächliche Verwaltung der Pflichtigen befinde sich im Kanton Zürich (§ 55 StG).  

B. Das kantonale Steueramt wies die am 13./15. Juni 2016 erhobene Einspra-

che mit Entscheid vom 11. Juli 2016 ab. 

C. Mit Rekurs vom 9./10. August 2016 stellte die Pflichtige das Begehren, sie 

sei im Kanton Zürich für die Steuerperioden 2009 und 2010 je mit einem steuerbaren 

Reingewinn von Fr. 0.- einzuschätzen. Das steuerbare Eigenkapital sei auf Fr. 79'000.- 

(2009)  bzw.  Fr.  64'180.-  (2010)  festzusetzen.  Die  Kosten  des  Verfahrens  seien  dem 

kantonalen Steueramt aufzuerlegen. Ebenso sei Letzteres zu verpflichten, ihr eine Par-

teientschädigung zu entrichten.  

Das kantonale Steueramt schloss am 14. September 2016 auf Abweisung der 

Rechtsmittel.  Mit  Eingabe  vom  22./24.  September  2016  liess  sich  die  Pflichtige  zur 

Rekursantwort  vernehmen  und  reichte  Unterlagen  ein.  Das  kantonale  Steueramt  ver-

zichtete am 3. Oktober 2016 auf eine weitere Stellungnahme. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  a)  Eine  Veranlagung  bzw.  Einschätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen 

bezieht  sich  nach  dem  Wortlaut  und  Sinn  von  §  139  Abs.  2  StG  auf  die  steuerliche 

Bemessungsgrundlage  und  umfasst  lediglich  die  Festlegung  der  Steuerfaktoren 

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(vgl. Martin Zweifel, in: Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, 2. A., 

2008,  Art.  130  N 45  DBG).  Die  besonderen  Verfahrensregeln  und  -voraussetzungen, 

welche  bei  einer  Veranlagung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  gelten,  sind  bei  der 

Beurteilung der Frage, ob überhaupt eine Steuerausscheidung vorzunehmen ist, dage-

gen  nicht  anwendbar.  Die  Steuerbehörde  hat  die  vorliegend  strittige  Frage,  ob  eine 

Ausscheidung zugunsten des Kantons Zug qua statutarischem Sitz in F vorzunehmen 

sei, deshalb richtigerweise separat untersucht.  

Die Grundsatzfrage, ob eine Steuerpflicht im Kanton Zug vorliegt, ist vorab zu 

klären.  

b)  aa)  Juristische  Personen  sind  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  steuer-

pflichtig,  wenn  sich  ihr  Sitz  oder  ihre  tatsächliche  Verwaltung  im  Kanton  befindet 

(§ 55 StG).  Unter  Sitz  ist  der  zivilrechtliche  bzw.  statutarische  Sitz  zu  verstehen.  Die 

steuerrechtliche  Zugehörigkeit  bestimmt  sich  vorab  nach  diesem,  sofern  er  nicht  nur 

formeller Natur ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuerge-

setz, 3. A., 2013, § 55 N 7 f. StG, auch zum Folgenden). Im letzteren Fall (so genann-

tes Briefkastendomizil) ist auf den Ort der tatsächlichen Geschäftsführung abzustellen.  

bb) Der Ort der tatsächlichen Verwaltung liegt nach der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts dort, wo eine Gesellschaft ihren wirtschaftlichen und tatsächlichen Mit-

telpunkt  hat  bzw.  wo  die  normalerweise  am  Sitz  sich  abspielende  Geschäftsführung 

besorgt wird (BGr, 16. Mai 2013, 2C_1086/2012, E 2.2, mit Hinweisen, auch zum Fol-

genden; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 55 N 11 ff. StG). Massgebend ist somit die 

Führung  der  laufenden Geschäfte im  Rahmen  des  Gesellschaftszwecks.  Dabei  ist  es 

selbstredend ausgeschlossen, dass die Tätigkeit von im Auftrag handelnden Personen 

der auftraggebenden Gesellschaft zuzuordnen sind, denn es fehlt dabei von vornherein 

am notwendigen Unterordnungsverhältnis (vgl. BGr, 3. Juni 1959, E. 3.4, in: Peter Lo-

cher,  Die  Praxis  der  Bundessteuern,  III.  Teil,  Interkantonale  Doppelbesteuerung,  §  4, 

I B, Nr. 9). In BGr, 8. September 2003, 2A.560/2002, E. 5.2.2 hält das oberste Gericht 

in etwas abgeschwächter Form richtigerweise dafür, dass eine Ausübung der tatsächli-

chen Verwaltung im Auftragsverhältnis "kaum denkbar" sei.  

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Das Bundesgericht grenzt die Geschäftsleitung ab von der blossen administra-

tiven Verwaltung einerseits und der Tätigkeit der obersten Gesellschaftsorgane ander-

seits,  soweit  Letztere  sich  auf  die  Ausübung  der  Kontrolle  über  die  eigentliche  Ge-

schäftsleitung  und  gewisse  Grundsatzentscheide  beschränkt.  Entscheidend  ist  jener 

Ort, wo die Fäden der Geschäftsführung zusammenlaufen und die wesentlichen Unter-

nehmensentscheide  fallen.  Abzustellen  ist  somit  auf  den Ort  der  Führung  der  laufen-

den  Geschäfte  im  Sinn  der  obersten  Leitung  der  operationellen  Betriebsführung  (vgl. 

Übersicht bei Heilinger/Maute, Der Begriff der tatsächlichen Verwaltung im interkanto-

nalen und internationalen Verhältnis bei den direkten Steuern, StR 2008, 742 und 752).  

Findet  die  Geschäftsleitung  in  diesem  Sinn  an  verschiedenen  Orten  statt,  so 

kommt  es  auf  das  Zentrum,  d.h.  den  Mittelpunkt  dieser  Tätigkeit  an.  Nicht  entschei-

dend ist in der Regel der Ort der Verwaltungsratssitzungen oder der Generalversamm-

lungen,  denn  die  wichtigen  Entscheidungen  werden  meist  vorher  recherchiert,  vorbe-

reitet, verhandelt und gefasst. Ebensowenig kommt es auf den Wohnsitz der Aktionäre 

an,  jedenfalls  dann,  wenn  ihre  Entscheidungen  und  Tätigkeiten  nicht  aufgrund  eines 

Arbeitsverhältnisses oder ihrer Organfunktion der Gesellschaft zuzuordnen sind.  

Der Wohnsitz  oder  ein regelmässiger  Arbeitsort kann  durchaus  als  Mittelpunkt 

der geschäftlichen Tätigkeiten gelten, wenn etwa die Handlungen, die im Rahmen der 

Geschäftsführung  und  Verwaltung  vorgenommen  werden,  auf  verschiedene  Orte  ent-

fallen. Dies kann der Fall sein, wenn die Geschäftsführung und Verwaltung einer Ge-

sellschaft  beispielsweise  vorwiegend  in  den  Händen  eines  einzigen  Aktionärs  und 

Verwaltungsrats liegen (vgl. zu diesem Thema auch Heilinger/Maute, 757).  

cc) Rechtsprechung und Kommentatoren haben eine Reihe von Beispielen ge-

nannt bzw. Indizien herausgearbeitet, die für einen bloss formellen Charakter des sta-

tutarischen Sitzes sprechen:  

-  die  Gesellschaft  unterhält  am  statutarischen  Sitz  keine  Büros  oder  sonstigen  Ein-

richtungen und ist auch telefonisch nicht erreichbar;  

-   die Gesellschaft besitzt am Sitz keine wesentliche Infrastruktur; 

-   am  statutarischen  Sitz  befinden  sich  weder  Leitung  noch  Geschäftseinrichtungen 

(Büroräumlichkeiten, Personal usw.). Vielmehr stellt ein Beauftragter der juristischen 

Person  seine  Geschäftsadresse  zur  Verfügung,  nimmt  allenfalls  die  für  diese  be-

stimmte Post entgegen und leitet sie an die Gesellschaft weiter;  

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-   Anfragen an die Gesellschaft am statutarischen Sitz werden von einem anderen Ort 

aus erledigt;  

-   die Sitzungen der Gesellschaftsorgane werden nicht am statutarischen Ort durchge-

führt.  

dd)  Es  obliegt  der  Steuerbehörde,  jene  Umstände  darzutun  und  zu  beweisen, 

aus denen folgt, dass sich der Sitz im Kanton befindet. Denn gemäss dem generellen 

Grundsatz über die Beweislastverteilung (Art. 8 ZGB) haben im Allgemeinen die Steu-

erbehörden die steuerbegründenden Tatsachen zu beweisen, mithin auch jene, welche 

die  Steuerhoheit  begründen.  Der  Steuerpflichtige  ist  jedoch  zur  Mitwirkung  und  na-

mentlich zu umfassender Auskunftserteilung über die für die Besteuerung massgeben-

den  Umstände  verpflichtet  (vgl.  §§  133  ff.  StG).  In  Bezug  auf  die  Beweisführung  und 

den relevanten Zeitpunkt gilt das Folgende: Der steuerrechtliche (Wohn-)Sitz als steu-

erbegründende Tatsache ist grundsätzlich von der Steuerbehörde nachzuweisen. Der 

Steuerpflichtigen kann allerdings der Gegenbeweis für die von ihr behauptete subjekti-

ve Steuerpflicht an einem neuen Ort auferlegt werden, wenn die von der Steuerbehör-

de angenommene bisherige subjektive Steuerpflicht als sehr wahrscheinlich gilt (BGr, 

4 Dezember  2014,  2C_431/2014,  E.  2.1).  Eine  in  der  Vorperiode  oder  gar  zu  Beginn 

der  strittigen  Steuerperiode  bestehende, rechtskräftig festgestellte Steuerpflicht  ist  als 

wahrscheinlich  anzusehen,  was  dazu  führen  muss,  dass  die  Steuerpflichtige  in  der 

nachfolgenden  Periode  die  Begründung  des  neuen  (statutarischen  oder  faktischen) 

Sitzes zu substanziieren und zu beweisen hat. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung 

unterscheidet sich durch das vergangenheitsbezogene Element entscheidend von der 

Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts, welches der Behörde in einem ersten Schritt 

die Glaubhaftmachung der  – gegenwärtigen – Wahrscheinlichkeit eines im alten Kan-

ton  bestehenden  Sitzes  aufzuerlegen  scheint  (VGr,  15.  Juli  2015,  SB.2014.00143, 

E. 3.1.3, www.vgr.zh.ch ). 

Das  Bundesgericht  hat  ferner  jüngst  im  Zusammenhang  mit  der  Begründung 

eines  ausserkantonalen  Spezialsteuerdomizils  einer  natürlichen  Person  die  entspre-

chende Grundregel formuliert, dass die Behauptung, es bestehe in einem Kanton neu 

nur noch eine teilweise Steuerpflicht, sich steuermindernd auswirkt und damit aufgrund 

der  allgemeinen  Beweislastregel  vom  Steuerpflichtigen  nachzuweisen  ist,  zumindest 

soweit dieser in gehöriger Weise zur Mitwirkung aufgefordert worden ist (BGr, 12. Ap-

ril 2016, 2C_461/2015, E. 3.2). Diese Grundregel ist auch auf juristische Personen zu-

geschnitten, wirkt sich die Begründung einer ausserkantonalen Betriebsstätte dort aus 

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Sicht des Sitzkantons ebenso steuermindernd aus wie bei natürlichen Personen. Glei-

ches gilt bei Verlegung des statutarischen Sitzes oder des Orts der tatsächlichen Ver-

waltung in einen neuen Kanton, dies umso mehr wenn – wie hier – im bisherigen Kan-

ton  weiterhin  unbestrittenermassen  eine  Betriebsstätte  unterhalten  wird,  und  deshalb 

im betreffenden Veranlagungsverfahren nicht die Steuerhoheit an sich sondern nur die 

Ausscheidungsmodalitäten strittig sind.  

c) aa) Das kantonale Steueramt ging in der Vorperiode 2008 davon aus, dass 

die massgebende Geschäftstätigkeit nach der Zweckänderung vom … 2008 im Kanton 

Zürich stattfand, und wies den danach erzielten Gewinn von Fr. 100.- und das auf die 

Zeitdauer  vom  21.  Mai  bis  31.  Dezember  2008  umgerechnete  Eigenkapital  von 

Fr. 64'000.-  (bei  einem  Total  des  auf  das  ganze  Jahr  entfallenden  Eigenkapitals  von 

Fr. 104'000.-)  ausschliesslich  dem  Kanton  Zürich  zur  Besteuerung  zu.  Dies  ist  dem 

Dispositiv  und  der  Begründung  des  Einschätzungsentscheids  für  die  Staats-  und  Ge-

meindesteuern für die Steuerperiode 1.1.-31.12.2008 vom 20. Mai 2011 zu entnehmen. 

Die Pflichtige hat die hiergegen erhobene Einsprache am 1. Juli 2011 zurückgezogen. 

Die darauf gründende Schlussrechnung vom 8. August 2011 ist in Rechtskraft erwach-

sen. Weil die bisherige Steuerpflicht als gegeben (und damit als wahrscheinlich) anzu-

sehen  ist  und  eine  entsprechende  Untersuchung  betreffend  die  vorliegend  strittigen 

Folge-Steuerperioden stattgefunden hat, liegt die Substanziierungs- und Beweislast zur 

Geltendmachung einer Ausscheidung nach F/ZG als Ort der tatsächlichen Verwaltung 

vollumfänglich bei der Pflichtigen.  

Der  von  der  Pflichtigen  erwähnte  Entscheid,  worin  angeblich  festgehalten 

wurde, dass der Ort der tatsächlichen Verwaltung am statutarischen Sitz in F/ZG anzu-

siedeln  sei,  findet  sich  in  den  vom  kantonalen  Steueramt  eingereichten  Akten  betref-

fend  die  Steuerperiode  2008  nicht.  Angesichts  der  ausdrücklichen  Anerkennung  der 

Steuerfaktoren  wäre  auch eine  anderslautende mündliche  Aussage durch die Steuer-

kommissärin  unbeachtlich,  weshalb  auf  deren  Einvernahme  als  Zeugin  zu  verzichten 

ist. Auch gibt es in den Akten der Pflichtigen keine Hinweise auf die behauptete steu-

eramtliche  Revision  betreffend  ebendiese  Steuerperiode.  Möglicherweise  handelt  es 

sich,  wie  vom  Steuerkommissär  vermutet,  um  eine  am  ... Dezember  2008  in  den 

Räumlichkeiten des Konkursamts G durchgeführte steueramtliche Revision betreffend 

eine  andere  D  gehörende  juristische  Person  (I  G  GmbH  in  Liquidation),  im  Rahmen 

welcher indessen ein entsprechender Entscheid betreffend die Pflichtige gar nicht zu-

lässig wäre.  

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bb) aaa) Die einzig erstellte Verbindung der Pflichtigen zum Ort  F im Kanton 

Zug  besteht  aus  dem  im  Handelsregister  erwähnten formellen  Sitz  und  der  (nicht  ak-

tenkundigen,  jedoch  unbestrittenen)  Domizilvereinbarung  mit  der  dort  ansässigen  E 

Treuhand AG. Die Tätigkeit Letzterer für die Pflichtige basiert auf einem Auftrag und ist 

aufgrund des offensichtlich fehlenden Unterordnungsverhältnisses nicht der Pflichtigen 

zuzurechnen. 

Die  Behauptung,  das  einzige  Mitglied  des  Verwaltungsrats,  D,  habe  die 

freundlicherweise  zur  Verfügung  gestellte  Büroinfrastruktur  in  F  rege  benützt,  um  auf 

dem Laptop und per Mobiltelefon Arbeiten zu erledigen und Unternehmensentscheide 

zu fällen, ist zu unsubstanziiert, als dass hierüber Beweis erhoben werden könnte: Es 

fehlen  konkrete  Angaben  zu  Art  und  Umfang  der  Tätigkeit  und  zu  den  genauen  Prä-

senzzeiten. Die Vorladung des als Zeuge vorgeschlagenen E erübrigt sich unter diesen 

Umständen.  Konkrete  Aktivitäten  in  J/SZ  wurden  nicht  behauptet,  sodass  auch  nicht 

erstellt ist, dass er auf dem Weg dorthin ab und an bei der E Treuhand AG (wenn auch 

nur kurz) vorbeischaute.  

Dass sich  D  jeweils  einzig  zum  Zweck  der  Vorbereitung  und Fällung  von  die 

Unternehmung  betreffenden  Grundsatzentscheiden  bzw.  für  operative  Handlungen 

eigens nach F begeben hat, wo ihm keine eigenen Büroräumlichkeiten zur Verfügung 

standen, darf ohnehin mit Fug als äusserst unwahrscheinlich bezeichnet werden. Ins-

besondere mit Blick auf seinen Wohnsitz in K/ZH und den sich im Aufbau befindlichen 

operativen Betrieb mit Ladenlokal in G/ZH erscheint diese Vorstellung als absurd. Auch 

wenn  entsprechende  Fahrten  nachgewiesen  wären,  wäre  ein  solches  weder  sachlich 

noch rechtlich begründbares  Verhalten  als  in hohem  Masse  rechtsmissbräuchlich an-

zusehen, hätte es doch ganz offensichtlich einzig dem Zweck gedient, im steuergünsti-

geren  Kanton  Zug  einen  Sitz  zu  begründen,  und  damit  dem  Kanton  Zürich zustehen-

des Steuersubstrat zu entziehen. 

Die  übrigen  Angestellten  waren  unbestrittenermassen  ausschliesslich  in  den 

Räumlichkeiten  der  I  an  der  …strasse 44  in  G  für  die  Pflichtige  tätig.  Ein  Bezug  zum 

Kanton Zug fällt bei ihnen von vornherein ausser Betracht. Damit aber haben in F nicht 

nur wenige, sondern überhaupt keine konkreten Handlungen für die Pflichtige stattge-

funden, weshalb sich der statutarische Sitz als rein formell bzw. als Scheindomizil er-

weist.  

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bbb)  Die  über  die  reine  Verwaltungstätigkeit  hinausgehenden  wesentlichen 

Unternehmensentscheide  und  Handlungen  der  Geschäftsleitung,  die  sich  aus  D  und 

vermutungsweise  der  C-Betriebsassistentin  L  zusammensetzte  (vgl.  das  Organi-

gramm), sind in erster Linie dem Ort der  I in G/ZH, wo sich die einzige aktenkundige 

operative  Geschäftstätigkeit  abspielte,  zuzuordnen.  Dass  gewisse  strategische  Ent-

scheide des einzigen Verwaltungsrats D auch ausserhalb des Betriebs reiften und ge-

fasst wurden, liegt auf der Hand. Sie sind örtlich am Wohnsitz und damit am Lebens-

mittelpunkt  von  D  im  nahe  gelegenen  K/ZH  anzusiedeln,  denn  sie  lassen  sich 

unmöglich  im  Einzelnen  lokalisieren.  Der  tatsächliche  Sitz  der  Pflichtigen  liegt  damit 

zweifellos  im  Kanton  Zürich.  Die  beweisbelastete  Pflichtige  hat  es  trotz  Aufforderung 

und Mahnung versäumt, Umstände darzutun, die das Gegenteil nahelegen.  

Das kantonale Steueramt hat den Reingewinn und das Eigenkapital der Pflich-

tigen aus diesem Grund zu Recht in vollem Umfang besteuert und eine teilweise Aus-

scheidung in den Kanton Zug verweigert.  

2.  a)  Hat  ein  Steuerpflichtiger  trotz  Mahnung  seine  Verfahrenspflichten  nicht 

erfüllt  oder  können  die  Steuerfaktoren  mangels  zuverlässiger  Unterlagen  nicht  ein-

wandfrei ermittelt werden, nimmt das kantonale Steueramt gemäss § 139 Abs. 2 Satz 1 

StG die Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. 

Diese Bestimmung setzt für eine Einschätzung nach pflichtgemässem Ermes-

sen einen Untersuchungsnotstand voraus. Ein Untersuchungsnotstand ist im Regelfall 

dadurch verursacht,  dass  der  Steuerpflichtige  trotz formgültiger  Mahnung  Verfahrens-

pflichten  nicht  oder  nicht  gehörig  erfüllt  hat,  d.h.  dass  er  seinen  Mitwirkungspflichten 

mit Bezug auf die Ermittlung der massgebenden Tatsachen nicht oder nur unvollstän-

dig nachgekommen ist. Der Steuerpflichtige muss nach § 135 Abs. 1 StG alles tun, um 

eine  vollständige  und  richtige  Einschätzung  zu  ermöglichen.  Er  muss  auf  Verlangen 

der  Steuerbehörde  insbesondere  mündlich  oder  schriftlich  Auskunft  erteilen  und  Ge-

schäftsbücher,  Belege  und  weitere  Bescheinigungen  sowie  Urkunden  über  den  Ge-

schäftsverkehr vorlegen (Abs. 2).  

b) aa) Der steuerbare Reingewinn einer Kapitalgesellschaft setzt sich gemäss 

§ 64  Abs. 1  StG  zusammen  aus  dem  Saldo  der  Erfolgsrechnung,  unter  Berücksichti-

gung des Saldovortrags des Vorjahres (Ziff. 1), und (unter anderem) allen vor Berech-

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nung  des  Saldos  der  Erfolgsrechnung  ausgeschiedenen  Teilen  des  Geschäftsergeb-

nisses, die nicht zur Deckung von geschäftsmässig begründetem Aufwand verwendet 

werden (Ziff. 2). Die Buchhaltung ist nach allgemein anerkannten kaufmännischen Re-

geln  ordnungsgemäss  zu  führen  und  hat  dabei  insbesondere  den  Grundsätzen  der 

(Bilanz-)Wahrheit,  Klarheit,  Übersichtlichkeit  und  Vollständigkeit  zu  genügen  (vgl. 

Art. 957 ff. aOR  [in  der  2009  und  2010  geltenden  Fassung]  sowie  Richner/Frei/ 

Kaufmann/Meuter, § 64 N 14 StG).  

Ein  weiteres  Element  der  Buchführung  stellt  das  Dokumentationsprinzip  dar, 

denn  zur  Kontrolle der Richtigkeit  der  Erfassung  und Verarbeitung muss  jederzeit  die 

Nachprüfbarkeit  des  Rechnungswesens  gegeben  sein  [...].  Der  Grundsatz  der  Doku-

mentation fordert für jeden buchführungsrelevanten Vorgang das "Dokument", das als 

Beweismittel  stellvertretend  für  den  wirtschaftlichen  Sachverhalt  einzustehen  hat  

(= Urbeleg). Die Erfüllung der Forderung nach Dokumentation der Vorgänge bildet eine 

unerlässliche Voraussetzung für das Funktionieren des Rechnungswesens (Schweizer 

Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Band 1, Buchführung und Rechnungslegung, 2009, 

S. 12 f., a.z.F.). Jede Buchung erfordert m.a.W. einen begründenden Beleg (Belegprin-

zip). 

Im  Rahmen  der  Buchführungspflicht  bzw.  der  steuerrechtlichen  Verfahrens-

pflichten haben bargeldintensive Betriebe ferner den Bargeldfluss fortlaufend und zeit-

nah zu erfassen (vgl. das für die Steuerperioden 2009 und 2010 noch geltende Merk-

blatt  vom  3.  Juli  1998  des  kantonalen  Steueramts  betreffend  Aufzeichnungspflicht, 

welcher  Steuerpflichtige  mit  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  unterstehen,  ZStB  I 

Nr. 31/300).  Sämtliche  Bareinnahmen  und  -ausgaben  sind  fortlaufend,  lückenlos  und 

wahrheitsgetreu entweder mit Tinte, Kugelschreiber oder Schreibmaschine o.ä. unver-

züglich  auf  manipulationssichere  Art  (etwa  in  einem  gebundenen,  hierfür  geeigneten 

Buch) aufzuzeichnen. Der Einbezug von so genannten Vorjournalen oder Vorbüchern 

wie  z.B.  Registrierkassenstreifen  und  Tages-Umsatzjournalen  ist  zwar  statthaft,  doch 

entbinden diese nicht von der Pflicht zur fortlaufenden Führung des Kassabuchs, weil 

mit solchen Hilfsbüchern allein noch nicht sichergestellt ist, dass sämtliche Bareinnah-

men und -ausgaben erfasst werden (vgl. zum Ganzen: RB 1983 Nr. 51 mit Hinweisen). 

Das  Kassabuch  hat  sodann  für  jeden  Geschäftsvorfall  einen  klaren,  auf  den  wahren 

Inhalt der Eintragung hinweisenden Text zu enthalten. Ausserdem ist es periodisch – je 

nach  Intensität  des  Bargeldverkehrs  täglich,  ein-  oder  zweiwöchentlich  oder  monat-

lich –  zu  saldieren  und  mit  dem  tatsächlichen  Bargeldbestand  zu  vergleichen,  wobei 

1 ST.2016.191 

 
 
 
 
 
 
 
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allfällige Differenzen sofort zu buchen sind (Reimann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar 

zum Zürcher Steuergesetz, 2. Band, 1963, § 19 lit. b N 63). 

bb)  Gravierende  formelle  Mängel  in  der  Buchhaltung  einer  steuerpflichtigen 

Gesellschaft führen regelmässig dazu, dass die Steuerbehörden für die Gewinnermitt-

lung mangels ausreichender Zuverlässigkeit nicht auf diese abstellen können. Da das 

Unternehmen in aller Regel auch nicht in der Lage ist, solche formellen Mängel nach-

träglich zu beheben, wirken sie sich – unter dem Teilaspekt der Verpflichtung zur Ein-

reichung  einer  ordnungsmässigen  und  damit  als  zuverlässig  vermuteten  kaufmänni-

schen  Buchhaltung  –  als  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  aus.  Folge  der  Verletzung 

dieser Mitwirkungspflicht bzw. des dadurch bewirkten Untersuchungsnotstands ist als-

dann die Vornahme einer Ermessensveranlagung, da die Erkenntnislücke nicht ander-

weitig  geschlossen  werden  kann.  Eine  Kassabuchführung  etwa,  die  den  genannten 

Anforderungen  nicht  entspricht,  oder  fehlende  Belege  bewirken  ohne  Weiteres  die 

Vermutung der Unrichtigkeit der gesamten Buchhaltung, indem sie eine nicht zu besei-

tigende Ungewissheit über Höhe von Ertrag und Aufwand sowie von Aktiven und Pas-

siven schafft (vgl. zum Kassenbuch VGr, 27. Oktober 2010 = ZStP 2011, 351 ff.). Die 

Buchhaltung  scheidet  daher  als  Einschätzungsgrundlage  aus.  Die  Ungewissheit  über 

die tatsächliche Ertragslage ist durch eine Ermessenseinschätzung zu überbrücken.  

c) Nachdem der steueramtliche Revisor anlässlich der Revision vom ... bis ... 

Oktober 2012 in der Buchhaltung etliche gravierende Mängel festgestellt hatte, forderte 

er die Pflichtige mit Auflage vom 30. Oktober 2012 auf, die vollständigen ordnungsge-

mäss geführten Buchhaltungen (Bilanz, Erfolgsrechnung, Kontoblätter, Journal) für die 

Geschäftsjahre 2009 und 2010 mit sämtlichen Belegen einzureichen. Er erwähnte zu-

dem  ausdrücklich,  dass  auch  die  ordnungsgemässen,  tagfertig  geführten  Kassenbü-

cher  mit  sämtlichen  dazugehörenden  Nebenaufzeichnungen  (Kassastreifen,  Tagesre-

kapitulationen des Kassasystems, Belege, etc.) dazu gehörten. Die Pflichtige teilte am 

22. November 2012 mit, dass die Geschäftsvorgänge während der Revision einsehbar 

gewesen seien. Der Eingabe lagen keine Buchhaltungsunterlagen bei. Der steueramt-

liche Revisor mahnte die Auflage deshalb am 6. Dezember 2012, worauf die Pflichtige 

am  28.  Januar  2013  ein  Bild  der  Verkaufstheke  im  Innenraum  der  H  I  in  G  mit  zwei 

Angestellten einreichte. Buchhaltungsunterlagen fehlten erneut vollständig.  Die Pflich-

tige hatte damit ihre in § 135 Abs. 2 StG statuierten Mitwirkungspflichten in eklatanter 

Weise verletzt. Daran ändert nichts, dass dem steueramtlichen Revisor gewisse Bele-

ge  möglicherweise  bereits  während  der  Buchprüfung  zur  Verfügung  standen,  wie  die 

1 ST.2016.191 

 
 
 
 
 
 
 
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Pflichtige einwendet: Weder lässt sich im Nachhinein nämlich feststellen, welche Bele-

ge damals überhaupt zur Verfügung standen, noch ist eine Überprüfung der Feststel-

lungen des Revisors durch den Steuerkommissär im Einschätzungs- bzw. Einsprache-

verfahren  bzw.  der  Gerichtsbehörde  im  Rekursverfahren  ohne  die  vollständigen 

Buchhaltungsunterlagen  möglich.  Im  Übrigen  steht  es  nicht  im  Belieben  der  Steuer-

pflichtigen  darüber  zu  entscheiden,  welche  Untersuchungshandlungen  vorzunehmen 

seien und welche nicht. Hierüber entscheidet kraft § 135 Abs. 2 StG einzig die Behör-

de. Die Erfüllung der Auflage und der Mahnung war sowohl notwendig als auch für die 

Pflichtige in jeder Hinsicht zumutbar und ist nicht zu beanstanden.  

Da  weder  ein  ordnungsgemässes  Kassenbuch  noch  sonstige  Buchhaltungs-

unterlagen oder Belege vorlagen und im Revisionsbericht vom … Februar 2013 gravie-

rende  Mängel  beschrieben  waren,  blieb  der  Steuerkommissärin  nichts  anderes  übrig, 

als  die  Unrichtigkeit  der  gesamten  Buchhaltung  festzustellen  und  den  steuerbaren 

Reingewinn der Pflichtigen für die beiden Steuerperioden 2009 und 2010 mit Einschät-

zungsentscheiden vom 4. Mai 2016 nach pflichtgemässem Ermessen zu schätzen.  

3. a) aa) Eine zur Recht ergangene Ermessenseinschätzung kann der Steuer-

pflichtige nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten (§ 140 Abs. 2 Satz 1 StG). 

Dieser  hat  den  entsprechenden  Nachweis  selber  zu  erbringen,  wobei  ihm  zwei  Mög-

lichkeiten  offen  stehen  (Martin Zweifel,  Art.  48  N 46 ff.  StHG  und  in:  Kommentar  zum 

Schweizerischen  Steuerrecht,  Band  I/2a,  2.  A.,  2008,  Art.  132  N  39  ff.  DBG,  je  auch 

zum Folgenden): 

Er  kann  den  tatsächlichen  Sachverhalt  dartun  und  den  entsprechenden 

Nachweis leisten, mit der Folge, dass die Ermessensveranlagung durch eine ordentli-

che Veranlagung ersetzt wird und die Steuerfaktoren nach den für "gewöhnliche" Ver-

anlagungen geltenden Regeln ermittelt werden. Dieser Nachweis muss allerdings um-

fassend  sein,  d.h.  den  gesamten  von  der  Ermessensveranlagung  betroffenen  Teil 

umfassen.  Blosse  Teilnachweise  genügen  grundsätzlich  nicht  (Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, § 140 N 75 f. StG, je mit verschiedenen Hinweisen; Zweifel, Art. 48 N 49 

StHG  und  Art. 132  N  42  ff.  DBG,  je  auch  zum  Folgenden).  Die  versäumten  Mitwir-

kungshandlungen  müssen  vollständig  und  formell  ordnungsgemäss  nachgeholt  wer-

den. 

1 ST.2016.191 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Ist dieser Nachweis nicht möglich oder misslingt er, kann der Steuerpflichtige 

noch  darlegen  und  nachweisen,  dass  die  angefochtene  Veranlagung  offensichtlich 

unrichtig  ist.  Als  offensichtlich  unrichtig  (namentlich  zu hoch)  erweist  sich  eine  Schät-

zung  dann,  wenn  sie  sachlich  nicht  begründbar  (z.B.  erkennbar  pönal  oder  fiskalisch 

begründet) ist, sich auf sachwidrige Schätzungsgrundlagen, -methoden oder -hilfsmittel 

stützt oder sonst wie mit den konkreten aktenkundigen Verhältnissen aufgrund der Le-

benserfahrung  vernünftigerweise  nicht  vereinbar  ist  (Zweifel,  Art.  48  N 59  StHG  und 

Art. 132 N 52 DBG, je mit Hinweisen). Ist dieser Nachweis geleistet, bleibt es zwar bei 

einer  Ermessensveranlagung,  doch  wird  die  angefochtene  durch  eine  neue  (tiefere) 

Schätzung der Rechtsmittelinstanz ersetzt. 

Dem  Steuerrekursgericht  sind  –  ebenso  wie  der  Einsprachebehörde  –  im 

Rahmen  der  Willkürprüfung  weitere  Untersuchungen  verwehrt.  Es  hat  vielmehr  bei 

seiner eingeschränkten Überprüfung des angefochtenen Entscheids auf offensichtliche 

Unrichtigkeit hin nur jene im Zeitpunkt der Entscheidfällung vorhandenen Schriftstücke 

zu berücksichtigen, welche den behaupteten Sachverhalt sofort beweisen oder zumin-

dest  als  sehr  wahrscheinlich  erscheinen  lassen (VGr,  27.  Mai  1986,  SB  10/1986  und 

11. September 1986, SB 38/1986; Martin Zweifel, Die Sachverhaltsermittlung im Steu-

erveranlagungsverfahren, 1989, S. 144). 

bb)  Die Pflichtige  hat  weder  mit  Einsprache vom  13. Juni  2013  noch mit  Re-

kurs  ein  Journal  oder  Kontoauszüge  eingereicht.  Die  vollständigen  Belege  fehlen  bis 

zum  heutigen  Tag  weitgehend.  Eine  Überprüfung  der  Buchhaltung  bzw.  der  Feststel-

lungen  des  steueramtlichen  Revisors  im  Revisionsbericht  durch  das  Steuerrekursge-

richt erweist sich deshalb von vornherein als gänzlich unmöglich.  

Ein  tagfertig  in  manipulationssicherer  Weise  geführtes  Kassenbuch  wurde 

nicht geführt. Die mit Rekurs eingereichte Liste mit den monatlichen  Kassenabschlüs-

sen  ist  mit  einem  Textverarbeitungsprogramm  geschrieben  und  deshalb  jederzeit  ab-

änderbar.  Es  ist  höchst  zweifelhaft,  ob  sie  überhaupt  im  Jahr  2009  jeweils  auf  Ende 

Monat erstellt  wurde. Eine entsprechende Liste für das Folgejahr fehlt. Kassenstürze, 

die  bei  einem  angeblichen  Bar-Umsatz  (gemäss  Jahresabschluss)  von  rund 

Fr. 300'000.- pro Jahr täglich hätten durchgeführt werden müssen, und die Differenzen 

zwischen dem durch das Kassen-System errechneten und dem tatsächlichen Bestand 

sind  nicht  verzeichnet.  Dass  keine  Differenzen  aufgetreten  sein  sollen,  ist  äusserst 

unwahrscheinlich, und legt nahe, dass die jederzeitige Übersicht über den Bargeldver-

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kehr  nicht  sichergestellt  war.  Kassenabrechungen  vermögen  nach  oben  dargelegter 

gefestigter Rechtsprechung das sorgfältig geführte Kassenbuch nicht zu ersetzen. Die 

Kassenbelege  sind  zudem  unvollständig,  denn  das  Jahr  2010  fehlt.  Auch  wenn  ein 

ordnungsgemässes Kassenbuch vorläge, könnte  es  mangels  aktenkundigen  Auszugs 

des Buchhaltungskontos … "Kasse" gar nicht mit der Buchhaltung bzw. mit dem Jah-

resabschluss  abgeglichen  werden.  Ob  die  Kassenabrechnungen  bzw.  die  Liste  der 

monatlichen  Kassenabschlüsse  überhaupt  als  Belege  in  die  Buchhaltung  aufgenom-

men wurden, lässt sich aus dem gleichen Grund ebenfalls nicht feststellen. 

Weiter fällt bei kursorischer Durchsicht der mit Rekurs eingereichten Unterla-

gen  auf,  dass  das  M-Bankkonto  (Privatkonto  Nr.  …),  auf  welche  die  Barumsätze  an-

geblich einbezahlt wurden, gar nicht auf die Pflichtige, sondern auf D persönlich lautet. 

Es  kann  nicht  überprüft  werden,  ob  die  damit  verbundene  Vermischung  der  Firmen-

sphäre  mit  den  privaten  Angelegenheiten  des  Firmeninhabers  D  in  der  Buchhaltung 

richtig abgebildet wurde.  

Da  die  Pflichtige  offensichtlich  nicht  in  der  Lage  ist,  ordnungsgemässe  Auf-

zeichnungen inbezug auf die Kassenführung vorzulegen, und offenbar nicht Willens ist, 

die  vollständigen  Buchhaltungsunterlagen  mit  den  Kontenblättern  und  Belegen  einzu-

reichen,  gilt  der  Nachweis  der  offensichtlichen  Unrichtigkeit  der  ermessensweisen 

Schätzung als gescheitert. Die steueramtliche Schätzung ist damit nur noch in quanti-

tativer Hinsicht einer Überprüfung auf Willkür hin zu unterziehen. 

cc) Dabei ist zu beachten, dass das Steuerrekursgericht die Schätzungen des 

Steuerkommissärs  erst  dann  aufheben  bzw.  korrigieren  darf  und  muss,  wenn  sie  im 

Ergebnis offensichtlich unrichtig sind. Unter diesem Gesichtswinkel ist hervorzuheben, 

dass  es  bei  bargeldintensiven  Betrieben  ohne  ordnungsgemässe  Kassenbuchführung 

gerade  wegen  dieses  Mangels  regelmässig  sehr  schwer  fällt,  überhaupt  brauchbare 

Kriterien für eine Schätzung namhaft zu machen. So lässt sich insbesondere nicht aus-

schliessen – und  dem  darf  bei  der  vorzunehmenden  Schätzung  durchaus  gebührend 

Rechnung  getragen  werden –,  dass  Umsätze  des  Unternehmens  nicht  verbucht  wur-

den. Über die Höhe solcher unverbuchten Umsätze lässt sich nur spekulieren. Deshalb 

ist bei der Überprüfung der Gewinnschätzung von bargeldintensiven Betrieben mit un-

genügender  Kassenbuchführung  grosse  Zurückhaltung  geboten.  Dasselbe  gilt  selbst-

redend  auch  für  Buchhaltungen  mit  anderen  schwer  wiegenden  Mängeln  (fehlende 

Buchhaltungskonten, fehlende Belege, etc.). Offensichtliche Unrichtigkeit ist grundsätz-

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lich  nur  dann  anzunehmen,  wenn  die  Schätzung  als  geradezu  unmöglich  erscheint, 

weil  der  geschätzte  Gewinn  in  dem  infrage  stehenden  Unternehmen  aus  objektiven 

Gründen  schlechterdings  nicht  als  erzielbar  erscheint  (StRG,  17. März  2014, 

1 DB.2013.199  +  1 ST.2013.227,  www.strgzh.ch,  bestätigt  durch  VGr,  17. Dezem-

ber 2014, SB.2014.00033 + SB.2014.00034, www.vgr.zh.ch).  

b)  Ein  jährlicher  Reingewinn  von  Fr.  100'000.-  für  eine  I  der  vorliegenden 

Grösse im Raum G liegt – wie dies die Vorinstanz richtigerweise ausführt – durchaus 

im  Bereich  des  Möglichen.  Weshalb  ein  solcher  Gewinn  aufgrund  des  Vorjahresge-

winns  aus  dem  Geschäftsjahr  2008  von  lediglich  Fr.  120.-  unmöglich  gewesen  sein 

soll,  wie  die  Pflichtige  dafürhält,  ist  nicht  ersichtlich,  befand  sich  die  I  im  Jahre  2008 

doch  noch  in  der  Aufbauphase.  Es  ist  notorisch,  dass  sich  Gewinne  nach  einer  Ge-

schäftsaufnahme erst nach einer gewissen Weile einstellen können. Die Behauptung, 

die I habe aufgrund der ungünstigen Lage ausserhalb des Zentrums G nur 60 Kunden 

gezählt,  lässt  sich  durch  die  vorliegenden  Akten  nicht  erhärten.  Die  Ausführungen  zu 

den Personalkosten zielen ebenso ins Leere, denn wie gesehen ist die Buchhaltung als 

Ganzes  völlig  unzuverlässig,  weshalb  sich  Verweise  auf  einzelne  Kostenarten  von 

vornherein als untauglich erweisen. 

Deshalb  sind  die  Schätzungen  des  kantonalen  Steueramts  in  den  Einspra-

cheentscheiden im  Ergebnis  als  vertretbar  anzusehen  und keineswegs als  offensicht-

lich unrichtig. Es muss daher bei diesen Schätzungen sein Bewenden haben. Der Re-

kurs  ist  inbezug  auf  den  steuerbaren  Reingewinn  in  den  Steuerperioden  2009  und 

2010 abzuweisen. 

4.  Die  Höhe  des  satzbestimmenden  Eigenkapitals  ist  nicht  umstritten.  Wie 

bereits  ausführlich  dargelegt,  kommt  eine  Ausscheidung  nicht  in  Frage,  weshalb  der 

Kanton  Zürich  berechtigt  ist,  das  gesamte  Eigenkapital  zu  besteuern.  Der  Rekurs  ist 

damit auch in diesem Punkt abzuweisen. 

5. Diese Erwägungen führen zur Abweisung des Rekurses. Ausgangsgemäss 

sind die Kosten der Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG). Die Zusprechung ei-

ner Parteientschädigung entfällt (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechts-

pflegegesetzes vom 24. Mai 1959/6. September 1987, VRG). 

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Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

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