# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 01410dc3-6582-55f8-9e34-fcf5ddc79f41
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-18
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 18.03.2024 VBE.2023.405
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-405_2024-03-18.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.405 / lm / ks  
Art. 36 

 

 

Urteil vom 18. März 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Meier  

Rechtspraktikantin Mary  

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch Dr. iur. Markus Bachmann, Rechtsanwalt,  

Ruflisbergstrasse 46, Postfach, 6000 Luzern 6 

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Rechtsdienst,  

Elias-Canetti-Strasse 2, Postfach, 8050 Zürich 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 21. August 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1963 geborene Beschwerdeführerin war zuletzt als Mitarbeiterin in der 

Kombinations-Montage tätig, als sie sich am 21. März 2003 wegen diverser 

Beschwerden bei der IV-Stelle des Kantons Luzern zum Bezug von Leis-

tungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) anmeldete. Mit 

Verfügung vom 15. April 2004 verneinte die IV-Stelle des Kantons Luzern 

einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.  

 

1.2. 

Am 20. Oktober 2005 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der 

IV-Stelle des Kantons Luzern zum Bezug von Leistungen an, worauf diese 

mit Verfügung vom 4. September 2006 nicht eintrat. 

 

1.3. 

Nach einem Wohnsitzwechsel meldete sich die Beschwerdeführerin am 

2. Januar 2021 bei der Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf Multiple 

Sklerose zum Leistungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin tätigte darauf-

hin Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht und nahm 

Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Nach durchge-

führtem Vorbescheidverfahren verneinte sie mit Verfügung vom 21. August 

2023 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 19. September 

2023 (Datum Postaufgabe) fristgerecht Beschwerde und stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Beschwerde sei gutzuheissen, die Verfügung der SVA Aargau IV-
Stelle vom 21. August 2023 aufzuheben und der Beschwerdeführerin 
eine ganze IV-Rente mit Beginn ab 01.8.2021 zuzusprechen sowie den 
Beginn der Auszahlung ebenso auf den 01.8.2021 festzulegen. 

 
 2. Eventuell sei die Beschwerde gutzuheissen, die Verfügung der SVA 

Aargau IV-Stelle vom 21. August 2023 aufzuheben und die Sache im 
Sinne nachstehender Begründung zur Neubeurteilung an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 
 3. Es sei ein 2. Schriftenwechsel durchzuführen. 
 
 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-

gegnerin." 

 

 - 3 - 

 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 14. November 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 15. November 2023 wurde die 

aus den Akten erkennbare berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwer-

deführerin beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. 

Diese verzichtete in der Folge mit Schreiben vom 5. Dezember 2023 auf 

eine Stellungnahme.  

 

2.4. 

Mit Schreiben vom 11. Januar 2024 nahm die Beschwerdeführerin erneut 

Stellung. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

21. August 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 65) zu Recht einen Ren-

tenanspruch der Beschwerdeführerin verneinte. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte möglich Ansprüche 

nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

3.1. 

Die Zusprechung einer Invalidenrente aufgrund einer Neuanmeldung, 

nachdem eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-

gert wurde (vgl. Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV), bedarf, analog zur Ren-

tenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG), einer anspruchsrelevanten Änderung 

des Invaliditätsgrades (vgl. BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; Urteil des Bun-

desgerichts 8C_29/2020 vom 19. Februar 2020 E. 3.1 f. mit Hinweisen). 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Rente von Amtes wegen oder auf 

 - 4 - 

 

 

Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-

hoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 

Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass zur Revision einer Invalidenrente 

im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den 

tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit 

den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 mit Hin-

weisen). 

 

3.2. 

Zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Än-

derung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige 

Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit 

rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchfüh-

rung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung 

in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht 

(BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.). 

 

Massgebender Vergleichszeitpunkt bildet vorliegend die Verfügung vom 

15. April 2004 (VB 19). Zwischen den Parteien ist unumstritten, dass sich 

der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin jedenfalls insofern in 

neuanmeldungsrechtlich relevanter Weise verändert hat, als bei der Be-

schwerdeführerin ab April 2020 ein hochgradiger Verdacht auf primär pro-

grediente Multiple Sklerose bestand, welcher am 20. Januar 2021 mit der 

Diagnose "Primär progrediente Multiple Sklerose" bestätigt wurde (VB 43 

S. 11, 20; vgl. 61 S. 5). 

 

4. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in 

medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Aktenbeurteilung der RAD-

Ärztin Dr. med. B._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 

22. September 2022. Diese führte zusammengefasst aus, dass die Multiple 

Sklerose relevant für die Arbeitsfähigkeit sei, aber ein stabiler Zustand der 

Beschwerdeführerin seit November 2019 bestehe. Aus versicherungsme-

dizinischer Sicht bestehe eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepass-

ten Tätigkeit, welche durch die multifaktoriell bedingte Minderbelastung 

durch wechselnde Schmerzen, Fatigue und dadurch anzunehmende Leis-

tungsminderung begründet werden könne. Angepasst sei eine körperlich 

leichte, wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit in Tagesschicht 

mit kurzen Gehstrecken und ohne Arbeiten auf Leitern/Gerüsten oder mit 

Bedienen gefährlicher Maschinen. Es sollte eine eher ruhige, staubarme 

Umgebung mit ausgeglichenem Raumklima sein. Die Tätigkeit sollte weiter 

dem Bildungsniveau und den sprachlichen Kenntnissen der Beschwerde-

führerin angepasst sein. Ein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht seit November 

2019 vertretbar und seit März 2020 ausgewiesen (VB 61 S. 4 f.). 

 

 - 5 - 

 

 

5. 

5.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Selbst eine reine 

Aktenbeurteilung kann voll beweistauglich sein, wenn es im Wesentlichen 

um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts geht 

und sich neue Untersuchungen erübrigen (Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

5.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 135 V 465 E. 4 S. 469; 125 V 351 E. 3a 

S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch 

ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind 

an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch 

nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche-

rungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen 

vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

6. 

6.1. 

Den medizinischen Unterlagen ist unter anderem Folgendes zu entneh-

men:  

 

6.2. 

Dr. med. C._____, Facharzt für Neurologie, und med. pract. D._____ des 

Kantonsspitals E._____ stellten am 14. April 2020 folgende Diagnosen:  

 

"1. Hochgradiger Verdacht auf eine primär progrediente Multiple Skle-
rose 

• EM 2014 ED 2020 

• Klinik: anamnestisch keine schubverdächtigen Ereignisse, Fatigue, 
rezidivierender Schwindel 

• aktuell EDSS: 1.5 
[…] 

 2. Klinisch und anamnestisch kein Anhaltspunkt für ein Antiphos-
pholipidsyndrom  

 [...] 

 - 6 - 

 

 

 3. Chronische Kopfschmerzen DD episodische Spannungskopf-
schmerzen DD Medikamentenassoziiert (Zolodorm) 

 […] 

4. St.n. Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel des rechten 
posterioren Bogengangs 

 5. Chronische Cervikobrachialgie 

 6. Vd. a. Karpaltunnelsyndrom bds. 
[…] 

7. Vd. a. beginnende Angststörung, aktenanamnestisch V.a. Somati-
sierungsstörung 

 8. Kontinuiertlicher Tinnitus unklarer Ätiologie, EM 05/2019 
 […]" 

 

Anamnestisch seien keine schubverdächtigen Ereignisse zu eruieren, es 

bestünden jedoch eine Fatigue und ein intermittierender Schwindel. Insge-

samt würden die bisher erhobenen Befunde für eine Multiple Sklerose vom 

primär progredienten Verlaufstyp sprechen (VB 43 S. 11 f.). 

 

6.3. 

Am 20. Januar 2021 stellte Dr. med. F._____, Facharzt für Neurologie, 

Kantonsspital E.______, die Diagnose einer primär progredienten Multiplen 

Sklerose und bestätigte damit die entsprechende Verdachtsdiagnose. 

Anamnestisch ergebe sich seit der letzten Konsultation ein stabiler Verlauf 

ohne neue neurologische Defizite. In der klinischen Untersuchung zeige 

sich ebenfalls ein stabiler Befund, der EDSS-Wert liege weiterhin bei 1.5 

(VB 43 S. 20 f.).  

 

6.4. 

Der Hausarzt der Beschwerdeführerin Dr. med. G._____, Praktischer Arzt, 

stufte die Beschwerdeführerin in seinem Bericht vom 1. März 2021 als zu 

100 % arbeitsunfähig in allen Tätigkeiten ein. Es bestehe eine starke Leis-

tungsminderung bei chronischer Fatigue, osteomuskulären Schmerzen 

und Kopfschmerzen sowie Konzentrationsstörungen. Eine Eingliederung in 

den Arbeitsprozess sei mit grosser Wahrscheinlichkeit unmöglich, dieser 

stünden das polymorbide Zustandsbild, das fortgeschrittene Alter, die feh-

lenden Deutschkenntnisse und die fehlende Motivation entgegen (VB 46 

S. 6 f.).  

 

6.5. 

Dr. med. H._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für 

Neurologie, führte in seinem Bericht vom 12. April 2021 aus, dass die Be-

schwerdeführerin bis Dezember 2020 bei ihm in der Behandlung gewesen 

sei und sich über Schlafstörungen beklagt habe. Er stellte keine Arbeitsun-

fähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht fest und hielt 

unter dem Titel "Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit" "F99" 

fest (VB 50 S. 3 f.).  

 - 7 - 

 

 

7. 

RAD-Ärztin Dr. med. B._____ führte am 22. September 2022 aus, die Di-

agnose der primären progredienten Multiplen Sklerose sei relevant für die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, seit dem November 2019 bis zum 21. April 

2021 sei der Zustand der Beschwerdeführerin aber stabil. Dies ist nachvoll-

ziehbar, denn in den Verlaufsberichten des Kantonsspitals E._____ wurde 

erwähnt, dass seit der jeweils letzten Vorstellung der Beschwerdeführerin 

keine (neuen) fokal-neurologischen Defizite aufgetreten seien (Berichte 

vom 18. August 2020, 20. Januar 2021 und 21. April 2021, VB 43 S. 15, 21 

und VB 54 S. 4), der Verlauf (weitestgehend) stabil sei (Berichte vom 

16. November 2020, 20. Januar 2021 und 21. April 2021, VB 43 S. 18, 21 

und VB 54 S. 4) und auch keine Schub-verdächtigen Ereignisse aufgetre-

ten seien (Bericht vom 21. April 2021, VB 54 S. 4). Damit übereinstimmend 

gaben die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals E._____ seit März 2020 

jeweils unverändert den EDSS-Wert 1.5 an (VB 43 S. 7, 11, 14, 17, 20 f.; 

VB 54 S. 3). RAD-Ärztin Dr. med. B._____ berücksichtigte in ihrer Beurtei-

lung sodann insbesondere auch die Diagnosen der chronischen Kopf-

schmerzen, des St.n. benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel des 

rechten posterioren Bogengangs sowie der chronischen Cervicobrachialgie 

(VB 61 S. 5). In der Folge begründete sie schlüssig, dass aufgrund der 

wechselnden Schmerzen und der Fatigue eine Leistungsminderung anzu-

nehmen sei und durch diese multifaktoriell bedingte Minderbelastungsfä-

higkeit die Arbeitsfähigkeit in angepasster körperlich leichter und vorwie-

gend sitzender Tätigkeit bei 80 % liege. Diese Beurteilung scheint auch vor 

dem Hintergrund der dokumentierten EDSS-Werte von 1.5, welche einem 

minimalen Defizit und keiner Behinderung entsprechen ("Expanded Disa-

bility Status Scale"; vgl. diesbezüglich: https://www.pschyrembel.de/Expa 

nded%20Disability%20Status%20Scale/K00T7/doc/; besucht am 28. Feb-

ruar 2024), als schlüssig. Entgegen den Ausführungen der Beschwerde-

führerin (vgl. deren Eingabe vom 11. Januar 2024 S. 3 f.) ging Dr. med. 

H._____ in seiner Beurteilung vom 12. April 2024 auch aus psychiatrischer 

Sicht nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus, erhob keine 

Befunde und begründete seine Diagnose "F99" (ICD-10 F99: Psychische 

Störungen ohne nähere Angabe) auch nicht weiter (vgl. VB 50 S. 3 f.). Vor 

diesem Hintergrund ist die Schlussfolgerung von Dr. med. B._____ ein-

leuchtend, dass die von Hausarzt Dr. med. G._____ ohne weitere Begrün-

dung attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % in jeglicher Tätigkeit nicht 

nachvollziehbar sei und auch durch Berücksichtigung von Alter und psy-

chosozialen (und somit invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanter 

Faktoren) zustande komme (VB 61 S. 4 f.). 

 

Es bestehen keine Zweifel an den Ausführungen von RAD-Ärztin Dr. med. 

B._____, weshalb auf deren Beurteilung, dass die Beschwerdeführerin in 

einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei, vollumfänglich abge-

stellt werden kann. Inwiefern die aus dem Jahr 2005 stammenden Arztbe-

richte von Dr. med. I._____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und 

 - 8 - 

 

 

für Kardiologie, oder Dr. med. J._____, Facharzt für Psychiatrie und Psy-

chotherapie sowie für Neurologie, daran Zweifel erwecken sollen, ist nicht 

ersichtlich, zumal Dr. med. I._____ in seinem Bericht vom 25. November 

2005 die von ihm attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht weiter be-

gründete (VB 28 S. 2) und der Bericht von Dr. med. J._____ vom 14. März 

2005 keine Aussage zur Arbeitsfähigkeit enthält (VB 28 S. 11 ff.; vgl. Ein-

gabe vom 11. Januar 2024 S. 2 ff.). Auch die abweichenden eigenen laien-

haften medizinischen Würdigungen des Rechtsvertreters der Beschwerde-

führerin vermögen an der Beweiskraft der Beurteilung von Dr. med. 

B._____ mangels Relevanz nichts zu ändern (vgl. Urteile des Bundesge-

richts 8C_806/2021 vom 5. Juli 2022 E. 5.2.3, 8C_672/2020 vom 15. April 

2021 E. 4.3, 8C_794/2017 vom 27. März 2018 E. 4.2.2 und 9C_283/2017 

vom 29. August 2017 E. 4.1.2). 

 

8. 

8.1. 

Die Beschwerdegegnerin nahm die Bemessung des Invaliditätsgrades 

nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs vor (vgl. 

Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Da keine verlässlichen Einkom-

menszahlen vorliegen würden, nahm die Beschwerdegegnerin gestützt auf 

die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des 

Jahres 2020 des Bundesamtes für Statistik (BFS), Tabelle TA1, Kompe-

tenzniveau 1, Total, Frauen, unter Berücksichtigung der betriebsüblichen 

Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden sowie der Nominallohnentwicklung 

bis 2021 ein Valideneinkommen von Fr. 53'840.00 an. Das Invalidenein-

kommen setzte sie gestützt auf dieselben Angaben, aber unter Berücksich-

tigung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf 

Fr. 43'072.00 fest. Ausgehend von diesen Vergleichseinkommen ermittelte 

sie in der angefochtenen Verfügung einen rentenausschliessenden Invali-

ditätsgrad von 20 % (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG; VB 65 S. 2).  

 

Dagegen bringt die Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin 

hätte bei der Bemessung des Invaliditätsgrads einen Tabellenlohnabzug 

gewähren müssen (Beschwerde S. 8). 

 

8.2. 

Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von lohnstatistischen An-

gaben ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls abhängig 

von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten 

Einzelfalles (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationali-

tät/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) nach pflichtgemässem 

Ermessen zu kürzen. Ein Abzug soll nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall 

Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines 

oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Ar-

beitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnitt-

lichem Einkommen verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 

 - 9 - 

 

 

134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbeson-

dere E. 5 S. 78 ff.]). 

 

Kann aus gesundheitlichen Gründen keine schwere körperliche Arbeit 

mehr verrichtet werden, begründet dies nicht automatisch einen Abzug. 

Sind, wie vorliegend, nurmehr leichte körperliche Tätigkeiten zumutbar, bil-

det dies grundsätzlich keinen Anlass für einen zusätzlichen leidensbeding-

ten Abzug (Urteil des Bundesgerichts 8C_393/2020 vom 21. September 

2020 E. 4.2 mit Hinweis). Leistungsminderungen durch die Einschränkun-

gen der Beschwerdeführerin wurden sodann bereits im Rahmen der Beur-

teilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt und dürfen daher nicht nochmals 

als abzugsrelevant herangezogen werden (vgl. E. 4; Urteile des Bundes-

gerichts 8C_586/2019 vom 24. Januar 2020 E. 5.3.2; 9C_264/2016 vom 

7. Juli 2016 E. 5.2.1 und 5.2.2). Hinsichtlich des Alters der 1963 geborenen 

Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sich dieses statistisch ge-

sehen gar eher lohnerhöhend auswirkt (BGE 146 V 16 E. 7.2.1 S. 27 mit 

Hinweisen, vgl. die LSE-Tabelle TA9, Monatlicher Bruttolohn nach Lebens-

alter, beruflicher Stellung und Geschlecht, des Jahres 2020). Weitere 

Gründe, welche einen Abzug vom Tabellenlohn zu rechtfertigen vermöch-

ten, sind nicht ersichtlich. Im Übrigen wurde die Lohndifferenz zwischen 

Männern und Frauen entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin 

(Beschwerde S. 8) im Rahmen der Festlegung des Validen- sowie des In-

valideneinkommens berücksichtigt, indem die Beschwerdegegnerin ihre 

Berechnung auf die Tabellenlöhne für Frauen abgestützt hat (vgl. E. 8.1). 

 

8.3. 

Die Berechnung des Invalideneinkommens an sich wird von der Beschwer-

deführerin nicht gerügt (BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.) und es sind keine 

Anhaltspunkte vorhanden, wonach diese nicht korrekt wäre. Entsprechend 

besteht ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 20 %. 

 

9. 

9.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, der ausgeglichene Arbeits-

markt offeriere keine Arbeitsstellen, die dem angepassten Tätigkeitsprofil 

der Beschwerdeführerin entsprechen würden (Beschwerde S. 7; Eingabe 

vom 11. Januar 2024 S. 3 f.). Zudem sei die Beschwerdeführerin fortge-

schrittenen Alters und ihr auch daher auf dem theoretischen Arbeitsmarkt 

keine Verweistätigkeit zuzumuten (Eingabe vom 11. Januar 2024 S. 3 f.).  

 

9.2. 

9.2.1. 

Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes (Art. 16 und Art. 7 Abs. 1 

ATSG) ist ein theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Ar-

beitsmarktlage nicht berücksichtigt (BGE 134 V 64 E. 4.2.1 S. 70 f.) und 

dazu dient, den Leistungsbereich der IV von jenem der Arbeitslosen-

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versicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes 

Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; 

andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her 

einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält (BGE 148 V 174 E. 9.1 

S. 188 mit Hinweisen). 

 

9.2.2. 

Das fortgeschrittene Alter wird in der Rechtsprechung, obgleich an sich ein 

invaliditätsfremder Faktor, als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit 

weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, 

dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf 

dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachge-

fragt wird und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbstein-

gliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf 

die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgegliche-

nen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Re-

gel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. 

Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsscha-

dens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs-

aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vor-

handene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werde-

gang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten 

Bereich sein (BGE 145 V 2 E. 5.3.1 S. 16). 

 

9.3. 

Hinsichtlich des massgeblichen Alters bei der Beantwortung der Frage der 

Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem hypothetisch ausgegli-

chenen Arbeitsmarkt ist auf den Zeitpunkt der Erstattung der RAD-Stellung-

nahme vom 22. September 2022 abzustellen, da diese den medizinischen 

Sachverhalt zuverlässig feststellte (BGE 145 V 2 E. 5.3.1 S. 16; 138 V 457 

E. 3.3 S. 462). Somit ist vorliegend ein relevantes Alter von gut 59 Jahren 

und 3 Monaten zu berücksichtigen. Die Beschwerdeführerin ist gemäss der 

beweiskräftigen RAD-Stellungnahme vom 22. September 2022 in einer 

körperlich leichten, unter anderem wechselbelastenden und vorwiegend 

sitzenden Tätigkeit ohne Bedienen gefährlicher Maschinen zu 80 % ar-

beitsfähig (zum genauen Zumutbarkeitsprofil vgl. E. 4). Der Beschwerde-

führerin steht bei diesem Zumutbarkeitsprofil ein genügend grosses Betäti-

gungsfeld auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 8C_73/2016 vom 25. April 2016 E. 5.2.1). Dies gilt umso mehr, 

als zum gesamten, für eine versicherte Person in Frage kommenden Ar-

beitsmarkt auch Institutionen gehören, deren Zweck es ist, Invaliden eine 

Erwerbsmöglichkeit unter Anpassung an ihre Behinderung zu verschaffen 

(BGE 109 V 25 E. 3d S. 28 f.; MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des 

Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die In-

validenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 136 zu Art. 28a IVG). Der aus-

geglichene Arbeitsmarkt umfasst im Übrigen auch sogenannte Nischen-

 - 11 - 

 

 

arbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte 

mit einem sozialen Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers rechnen 

können (SVR 2021 IV Nr. 26 S. 80, 8C_416/2020 E. 4; BGE 148 V 174 

E. 9.1 S. 188 f. mit Hinweisen). Zu beachten ist sodann, dass die Praxis für 

die Annahme einer Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit bei älteren Versi-

cherten hohe Hürden aufgestellt hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_535/2021 vom 25. November 2021 E. 5.6 mit Hinweisen; 8C_759/2018 

vom 13. Juni 2019 E. 7.7 mit Hinweis). So wurde die Verwertbarkeit der 

Resterwerbsfähigkeit etwa bei einem knapp 60-Jährigen, der nur noch zu 

50 % in angepassten Tätigkeiten arbeitsfähig war und Selbstlimitierung 

zeigte (Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017), bei ei-

nem gut 62-jährigen Barpianisten, der noch zu 80 % in angepassten Tätig-

keiten arbeitsfähig war (Urteil des Bundesgerichts 8C_892/2017 vom 

23. August 2018 E. 5), sowie einer Versicherten, die rund zwei Jahre vor 

der ordentlichen Pensionierung stand, noch zu 80 % in Verweistätigkeiten 

arbeitsfähig und zuvor praktisch ausschliesslich in Tätigkeiten im Bereich 

Wäscherei/Zimmerservice tätig gewesen war (Urteil des Bundesgerichts 

8C_117/2018 vom 31. August 2018 E. 3.2 und 3.3.4), als zumutbar erach-

tet und bejaht. Nach dem Gesagten ist von einer verwertbaren Restarbeits-

fähigkeit der Beschwerdeführerin auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

auszugehen. 

 

10. 

10.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

21. August 2023 zu Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin 

verneint. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen. 

 

10.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 

 

10.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

  

 - 12 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 18. März 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Meier