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**Case Identifier:** 9c8168df-b539-5fb1-8c09-ed87004a08cb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 24.06.2024 VBE.2024.1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-1_2024-06-24.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2024.1 / lc / bs 
Art. 85 

 

Urteil vom 24. Juni 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Jacober  

Gerichtsschreiberin i.V. Comiotto 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

unentgeltlich vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, c/o indemnis, 

Rain 63, 5000 Aarau 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   Tellco pk, Bahnhofstrasse 4, 6430 Schwyz 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügungen vom 15. November 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1974 geborene Beschwerdeführerin wurde am 18. April 2016 bei der 

Beschwerdegegnerin zur Früherfassung angemeldet. Auf Empfehlung der 

Beschwerdegegnerin nahm sie am 7. Juni 2016 die Anmeldung zum Bezug 

von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invali-

denversicherung (IV) vor. Mit Verfügung vom 18. Mai 2017 verneinte die 

Beschwerdegegnerin nach entsprechenden Abklärungen einen Leistungs-

anspruch der Beschwerdeführerin. 

 

1.2. 

Am 19. August 2021 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der 

Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug (berufliche Integration, Rente) 

an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin Abklärungen in persönlicher, 

medizinischer und erwerblicher Hinsicht, zog die Akten der Krankentag-

geldversicherung bei, nahm Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD) und führte bei der Beschwerdeführerin eine Haushaltsabklä-

rung an Ort und Stelle durch. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren 

sprach sie der Beschwerdeführerin mit Verfügungen vom 15. November 

2023 für die Zeit vom 1. März bis 31. Dezember 2022 eine ganze und für 

die Periode vom 1. bis 31. Januar 2023 eine Rente von 45 % einer ganzen 

Invalidenrente zu. Einen darüberhinausgehenden Rentenanspruch ver-

neinte sie. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 15. Dezember 

2023 Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 15. November 

2023 abzuändern und es sei diese zu verpflichten, der Beschwerdefüh-

rerin für die ab dem 1. März 2022 eine unbefristete Invalidenrente nach 

den gesetzlichen Bestimmungen zu leisten. 

 

 2. Es seien weitere medizinische Abklärungen über den Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin durchzuführen und es sei anschliessend 

erneut über deren Rentenanspruch zu entscheiden. 

 

 3. Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und un-

entgeltliche Rechtsverbeiständung mit dem unterzeichneten Advokaten 

als Rechtsvertreter zu bewilligen. 

 

 4. Unter o/e-Kostenfolge." 

 

 - 3 - 

 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 31. Januar 2024 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 5. Februar 2024 wurde die aus 

den Akten erkennbare berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdefüh-

rerin im Verfahren beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme ein-

geräumt. Diese liess sich in der Folge nicht vernehmen. 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 7. Februar 2024 wurde der Be-

schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Nicolai 

Fullin, Advokat, Aarau, zu ihrem unentgeltlichen Vertreter ernannt. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin begründete die Zusprache der befristeten abge-

stuften Rente damit, dass gestützt auf die Beurteilung des RAD davon aus-

zugehen sei, dass die Beschwerdeführerin seit dem 27. März 2021 in der 

angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Ab dem 1. Oktober 

2022 sei sie in einer angepassten Tätigkeit zunächst zu 50 %, ab dem 

1. November 2022 zu 70 % und ab dem 1. Dezember 2022 zu 90 % ar-

beitsfähig gewesen. Bezüglich des Haushaltsbereichs ging die Beschwer-

degegnerin gestützt auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 20. Juli 2023 

von einer 16%igen Einschränkung aus. In Anwendung der gemischten Me-

thode der Invaliditätsbemessung, ausgehend von einer Erwerbstätigkeit 

von 75 % und einer 25%igen Tätigkeit im Haushaltsbereich im Gesund-

heitsfall, ermittelte sie für die Zeit ab 1. März 2022 einen Gesamtinvalidi-

tätsgrad von 79 %, ab 1. Oktober 2022 einen solchen von 48 % und ab dem 

1. November 2022 einen – rentenausschliessenden – Gesamtinvaliditäts-

grad von 31 % (Vernehmlassungsbeilage [VB] 126 S. 8). 

 

Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber im Wesentlichen auf den 

Standpunkt, dass die erfolgten medizinischen Abklärungen unzureichend 

seien und daher gestützt auf die vorhandenen Akten nicht abschliessend 

über ihren Rentenanspruch entschieden werden könne. Zudem hätte der 

Invaliditätsgrad nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs 

und nicht nach der gemischten Methode ermittelt werden müssen, da sie 

im Gesundheitsfall einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen würde 

(Beschwerde Ziff. 5 S. 4). 

 

 - 4 - 

 

 

1.2. 

Streitig ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin 

mit Verfügungen vom 15. November 2023 zu Recht (lediglich) eine vom 

1. März 2022 bis 31. Januar 2023 befristete Rente zugesprochen und diese 

per 1. Januar 2023 von einer ganzen auf eine Rente von 45 % einer ganzen 

Invalidenrente abgestuft hat (VB 126 S. 8). 

 

2. 

Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass sich der Gesund-

heitszustand der Beschwerdeführerin seit der von der Beschwerdegegne-

rin am 18. Mai 2017 verfügten Abweisung des am 7. Juni 2016 gestellten 

Rentenbegehrens (VB 54) in revisionsrechtlich relevanter Weise verändert 

hat (vgl. Art. 17 Abs. 1 ATSG; BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 mit Hinweisen). 

Ihr Rentenanspruch ist daher in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht um-

fassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht 

(BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 10 f.). 

 

3. 

3.1. 

In den angefochtenen Verfügungen vom 15. November 2023 (VB 126 

S. 8 ff.) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im 

Wesentlichen auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. B._____, Prak-

tischer Arzt sowie Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 

27. Februar 2023 (VB 109), welcher sich seinerseits auf die Akten, 

namentlich die Einschätzung der beratenden Ärztin der Krankentaggeld-

versicherung Dr. med. C._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 

vom 11. August 2022 (VB 96.1), stützte. 

 

3.2. 

Der RAD-Arzt Dr. med. B._____ führte in seiner Aktenbeurteilung vom 

27. Februar 2023 aus, dass von folgenden Diagnosen auszugehen sei 

(VB 109 S. 2 f.): 

 

• Aneurysmatische Subarachnoidalblutung bei rupturiertem MCA-
Bifurkationsaneurysma links, ED 27.03.2021 

• Zervikalgie bei Bandscheibenprotrusion HWK 4/5 

• Mittelschweres obstruktives Schlafapnoesyndrom 

• Gastroösophageale Refluxkrankheit 

• V.a. Spannungstyp-Kopfschmerzen 

• St.n. Gefässverschluss im M2-Segment (Pars insularis) der  
A. cerebri media links, ED 27.03.2021 

• St. n. EVD-assoziierter Ventrikulitis, ED 04.04.2021 

• Metabolisches Syndrom 

• Laparoskopischer proximaler Roux-Y-Gastric-Bypass bei morbi-
der Adipositas am 24.10.2017 

• Diabetes mellitus Typ 2 

• Arterielle Hypertonie 

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• Unklare mediastinale und axilläre Lymphadenopathie (Sarkoidose 
formell nicht ausgeschlossen) 

• Störendes Osteosynthesematerial Tibia links mit/bei St.n. proxi-
maler Tibiatrümmerfraktur 2011 

• Polyzystisches Ovar-Syndrom, ED 12/2018 

• Acne inverse Axilla rechts 

 

Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei die am 27. März 2021 erlittene 

aneurysmatische Subarachnoidalblutung relevant. In beiden danach durch-

geführten neuropsychologischen Untersuchungen seien eine mittelgradige 

bis schwere neuropsychologische Störung infolge Schädigung des Gehirns 

mit vordergründig verminderter Belastbarkeit und mehrheitlich assoziierten 

Befunden festgestellt worden. Zur Arbeitsfähigkeit sei festgehalten worden, 

dass auf Basis der erhobenen Befunde von einer deutlich eingeschränkten 

Funktionsfähigkeit nicht nur im Alltag, sondern auch im Beruf auszugehen 

sei, mit auch bei geringer zeitlicher Belastung Zunahme der Müdigkeit und 

dann Abnahme des Arbeitstempos bzw. der Fehlerkontrolle. Aktuell be-

stehe deshalb aus neuropsychologischer Sicht keine in der angestammten 

Tätigkeit (als Pflegehelferin) verwertbare Arbeitsfähigkeit. Geraten werde 

zu einer Etablierung einer beruflichen Eingliederung mit initial sehr nieder-

schwelligen Massnahmen (kognitiv einfach, repetitiv, ruhiges Umfeld, zu 

Beginn zwei Stunden pro Tag mit sukzessiver Steigerung) nach etablierter 

ergotherapeutischer Massnahme. Durch die Krankentaggeldversicherung 

sei am 11. August 2022 eine versicherungsmedizinische Beurteilung vor-

genommen worden. Dabei sei die beratende Ärztin Dr. med. C._____ nach 

eingehender Prüfung der Unterlagen zum Schluss gekommen, dass in ei-

ner angepassten Tätigkeit nach einer angemessenen Zeit wieder eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar sei. Aus Sicht des RAD könne diese 

Einschätzung so übernommen werden. Die übrigen in der Diagnosenliste 

aufgeführten Erkrankungen würden keine dauerhafte Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit bedingen. Insbesondere werde eine ausgeprägte Müdig-

keit und Erschöpfung durch das obstruktive Schlafapnoesyndrom angege-

ben. Es handle sich dabei aber um eine behandelbare Erkrankung. Wie 

bereits von der beratenden Ärztin/Versicherung vorgeschlagen worden sei, 

sollte eine Anpassung der CPAP-Therapie vorgenommen werden. Rele-

vante Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit würden zusätzlich durch die 

orthopädischen Probleme bestehen, die eine körperlich schwere Tätigkeit 

(bisher in der Pflege) dauerhaft nicht mehr möglich machen würden 

(VB 109 S. 3). 

 

Zusammenfassend hielt der RAD-Arzt fest, dass ein Gesundheitsschaden 

mit Krankheitswert vorliege, der eine dauerhafte Einschränkung der Ar-

beitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit plausibel begründe. In einer 

optimal angepassten Tätigkeit sei aber keine wesentliche Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit zu begründen. In der angestammten Tätigkeit bestehe 

seit dem 27. März 2021 eine dauerhafte 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

(VB 109 S. 3). In einer angepassten Tätigkeit (weisungsgebundene, im 

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geregelten Tagesbetrieb und in lufthygienisch einwandfreier Umgebung zu 

verrichtende Tätigkeit mit hohem Routineanteil, einer Gewichtslimite von 

vier Kilogramm [pro Seite je zwei Kilogramm], ohne unphysiologische 

Zwangshaltungen, insbesondere ohne längeres Vor-/Rück-/Seitenneigen 

des Kopfes, kognitiv einfach, repetitiv, in ruhigem Umfeld) habe vom 1. bis 

31. Oktober 2022 eine 50%ige, vom 1. bis 30. November 2022 eine 70%ige 

und vom 1. bis 31. Dezember 2022 eine 90%ige Arbeitsfähigkeit bestan-

den. Nach schrittweiser Steigerung der Arbeitsfähigkeit sollte im Verlauf 

wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit mög-

lich und zumutbar werden (VB 109 S. 4). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-

stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 

V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.3. 

Eine reine Aktenbeurteilung ist nicht an sich schon unzuverlässig. Entschei-

dend ist, ob genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Untersu-

chungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und 

gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige muss 

sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild 

machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_46/2019 vom 10. Mai 

2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 2011 E. 3.2.2 mit Hinwei-

sen). 

 

 - 7 - 

 

 

5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, zur Beurteilung der 

Arbeitsunfähigkeit sei deren effektiver Verlauf bis zum Rentenentscheid 

massgebend. Dem RAD-Arzt Dr. med. B._____ bzw. der beratenden Ärztin 

der Krankentaggeldversicherung, auf deren Beurteilung vom 11. August 

2022 sich dieser gestützt habe, hätten indes keine über den 3. August 2022 

hinausgehende medizinischen Berichte über den weiteren Verlauf ihrer Er-

krankung sowie ihrer Leistungsfähigkeit vorgelegen. Bei der Arbeitsfähig-

keitsbeurteilung ab dem 1. September 2022 handle es sich daher um eine 

rein prognostische Einschätzung, auf die nicht abgestellt werden könne 

(Beschwerde Ziff. 7 S. 6). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Die beratende Ärztin der Krankentaggeldversichersicherung Dr. med. 

C._____ nahm in ihrer gestützt auf die Akten verfassten Kurzbeurteilung 

vom 11. August 2022, auf die sich der RAD-Arzt Dr. med. B._____ bei der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen stützte, (lediglich) 

Stellung zu den ihr von der Krankentaggeldversicherung gestellten Fragen. 

Sie hielt fest, für die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als 

Pflegehelferin sei sicher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. 

Wenn die Beschwerdeführerin weiterhin über Tagesschläfrigkeit klage und 

ein therapiebedürftiges obstruktives Schlafapnoesyndrom bestehe, müsse 

dieses behandelt werden. Der Hausarzt, welcher die Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin bescheinigt habe, sei in seinem Bericht vom 3. 

(recte: 2.) August 2022 (vgl. VB 96.1 S. 2) nur teilweise auf ihre Fragen 

eingegangen; die am 27. März 2021 ausgeschalteten Hirnaneurysmata 

seien kein Thema mehr. Sie könne derzeit keine weitere Arbeitsunfähigkeit 

in einer angepassten Tätigkeit bestätigen. Immerhin könne die 

Beschwerdeführerin täglich 10'000 Schritte zurücklegen. Die medizinische 

Behandlung sei nicht angemessen. Eine direktive ärztliche Führung und 

eine suffiziente Therapie des OSAS seien als weitere medizinische 

Massnahmen sinnvoll. Die Prognose sei sehr reserviert, auch infolge der 

bisher suboptimalen Mitwirkung der Beschwerdeführerin an deren 

Genesung. Dies könne und sollte sich aber in den kommenden Wochen 

und Monaten ändern. Ab dem 1. September 2022 bestehe eine 50%ige 

Arbeitsfähigkeit in einer angepassten, körperlich leichten, weisungsge-

bundenen, im geregelten Tagesbetrieb und in lufthygienisch einwandfreier 

Umgebung zu verrichtenden Tätigkeit mit hohem Routineanteil, einer 

Gewichtslimite von vier Kilogramm (zwei Mal zwei Kilogramm pro Seite), 

ohne unphysiologische Zwangshaltungen, insbesondere ohne längeres 

Vor-/Rück-/Seitneigen des Kopfes. Ab dem 1. Oktober 2022 könne die 

Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nach medizinischem 

Ermessen auf 70 % und ab dem 1. November 2022 auf 90 % gesteigert 

werden (VB 96.1 S. 1 f.). 

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5.2.2. 

Bei der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. med. C._____, wonach die Be-

schwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit ab dem 1. September 

2022 zu 50 %, ab dem 1. Oktober 2022 zu 70 % und ab dem 1. November 

2022 zu 90 % arbeitsfähig sei, handelt es sich um eine rein prognostische 

Einschätzung, welche Dr. med. C._____ nicht begründete. Aus deren Be-

richt geht nicht einmal hervor, aufgrund welcher Gesundheitsstörungen 

bzw. Befunde und welcher daraus resultierenden funktionellen Defizite sie 

zu ihrer Einschätzung gelangte. Auch legte sie nicht dar, aus welchen 

Gründen per 1. September, 1. Oktober und 1. November 2022 jeweils von 

einer erheblichen, mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit in einer ange-

passten Tätigkeit von 0 % auf 50 % bzw. von 50 % auf 70 % und schliess-

lich von 70 % auf 90 % einhergehenden gesundheitlichen Verbesserung 

auszugehen sei.  

 

Die Neuropsychologinnen des Kantonsspitals D._____ hatten in ihrem 

(rund ein Jahr vor der versicherungsmedizinischen Beurteilung von 

Dr. med. C._____ vom 11. August 2022 erstellten) neuropsychologischen 

Untersuchungsbericht vom 10. August 2021 noch die Diagnose einer mit-

tel- bis schwergradigen neuropsychologischen Störung infolge einer Schä-

digung des Gehirns (F07.8) mit vordergründig verminderter Belastbarkeit 

und mehrheitlich assoziierten Befunden gestellt. Zur Arbeitsfähigkeit hatten 

sie ausgeführt, dass auf Basis dieser Befunde von einer deutlich einge-

schränkten Funktionsfähigkeit nicht nur im Alltag, sondern auch im Beruf 

auszugehen sei; auch bei geringer zeitlicher Belastung komme es zu einer 

Zunahme der Müdigkeit und dann Abnahme des Arbeitstempos bzw. der 

Fehlerkontrolle. Aktuell bestehe deshalb aus neuropsychologischer Sicht 

keine in der angestammten Tätigkeit verwertbare Arbeitsfähigkeit. Sie wür-

den zu einer IV-Anmeldung zwecks Etablierung einer beruflichen Einglie-

derung mit initial sehr niederschwelligen Massnahmen (kognitiv einfach, re-

petitiv, ruhiges Umfeld, zu Beginn eine Stunde pro Tag mit sukzessiver 

Steigerung) "nach etablierter ergotherapeutischer Massnahme und nach 

Bejahung dieses Schrittes therapeutischerseits mit entsprechender Beglei-

tung" raten (VB 78 S. 9). Aus den Akten geht zwar hervor, dass sich die 

Beschwerdeführerin in der Folge einer Ergotherapie unterzogen hatte (vgl. 

VB 84 S. 7). Hinweise dafür, dass sich ihr Gesundheitszustand bzw. ihre 

funktionelle Leistungsfähigkeit seither wesentlich verbessert hätte, gibt es 

in den aktenkundigen medizinischen Berichten indes keine.  

 

Zwar ist das Abstellen auf eine ärztliche Prognose betreffend die Entwick-

lung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich durchaus zulässig (vgl. BGE 132 

V 393 E. 3.2. S. 398; Urteil des Bundesgerichts 9C_280/2020 vom 12. Au-

gust 2020 E. 4.2), jedoch ist vorliegend nicht ersichtlich, aus welchen Grün-

den Dr. med. C._____, obwohl sie die Prognose als "[s]ehr reserviert" be-

zeichnete (vgl. VB 96.1 S. 2), ab dem 1. September 2022 – nach einer bis 

 - 9 - 

 

 

dahin seit dem 27. März 2021 bestandenen gänzlichen Arbeitsunfähigkeit 

in jeglicher Tätigkeit – "nach medizinischem Ermessen" von einer 50%igen 

Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit und per 1. Oktober 2022 von einer 

Steigerung dieser Arbeitsfähigkeit auf 70 % bzw. per 1. November 2022 auf 

90 % ausging. Auch liegt kein Bericht eines behandelnden Arztes vor, der 

darauf schliessen liesse, dass es tatsächlich zu einer derartigen Verbesse-

rung der Arbeitsfähigkeit im weiteren Verlauf gekommen wäre. Der Haus-

arzt med. pract. E._____, Praktischer Arzt, hielt in seinem (rund eineinhalb 

Monate vor Erlass der angefochtenen Verfügung ergangenen) Bericht vom 

30. September 2022 im Gegenteil fest, dass die Beschwerdeführerin in ih-

rem aktuellen Zustand sicherlich nicht arbeitsfähig sei (VB 116 S. 18). 

 

Vor diesem Hintergrund erweist sich die Aktenbeurteilung von 

Dr. med. C._____ und somit auch die darauf basierende Einschätzung von 

Dr. med. B._____ als unvollständig und nicht nachvollziehbar begründet, 

weshalb darauf nicht abgestellt werden kann (vgl. E. 4.). 

 

5.3. 

Zusammenfassend erweist sich der anspruchsrelevante medizinische 

Sachverhalt im Lichte der Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und 

Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 

130 V 64 E. 5.2.5 S. 68 f.; 125 V 193 E. 2 S. 195; 122 V 157 E. 1a S. 158; 

vgl. auch UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 

ATSG) als nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Entsprechend dem Eventualan-

trag der Beschwerdeführerin (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2) rechtfertigt es 

sich damit, die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen, namentlich 

zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der ange-

stammten sowie in einer angepassten Tätigkeit im Verlauf ab März 2022 

(Ablauf Wartejahr) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. An-

schliessend hat die Beschwerdegegnerin neu über den Rentenanspruch 

der Beschwerdeführerin zu verfügen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 15. November 2023 aufzuheben 

und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur 

Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.  

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

 - 10 - 

 

 

6.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). Die Parteikosten sind dem unentgeltli-

chen Rechtsvertreter zu bezahlen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 

15. November 2023 aufgehoben und die Sache zu weiteren Abklärungen 

im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerde-

gegnerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsver-

treter der Beschwerdeführerin die Parteikosten in richterlich festgesetzter 

Höhe von Fr. 3'300.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 11 - 

 

 

   

Aarau, 24. Juni 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Roth     Comiotto