# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3303a2bf-0687-58cb-81a1-6fb0f1a84da3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.12.2022 E-5469/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5469-2022_2022-12-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5469/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter William Waeber,  

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…),  

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…),   

F._______, geboren am (…), 

G._______, geboren am (…), 

alle Somalia,  

(…) 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 21. November 2022 / N (…). 

 

 

E-5469/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden suchten am 25. Mai 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach.  

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit EURODAC) ergab, dass sie am 12. April 2022 bereits in Italien um Asyl 

nachgesucht hatten.   

C.  

Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gab die Beschwerdeführerin A._______  

an, ihren Heimatstaat Somalia vor vier bis fünf Jahren verlassen zu haben 

und nach Äthiopien gereist zu sein, wo sie zusammen mit ihren sechs Kin-

dern und ihrem minderjährigen Neffen (den sie wegen dessen verschwun-

denem Vater aufgenommen habe) als Flüchtlinge gelebt hätten. Nach Aus-

bruch des Bürgerkrieges in Äthiopien seien sie mit dem Flugzeug nach Ita-

lien gereist, wo sie sich vor ihrer Ausreise in die Schweiz eineinhalb Monate 

aufgehalten hätten. Eine volljährige Tochter H._______ sei in Italien bei ei-

ner Freundin geblieben. Sie habe in Italien eigentlich gar kein Asylgesuch 

einreichen wollen, da sie gehört habe, in Italien «gebe es keine Rechte». 

In Italien hätten sie weder Unterkunft noch Geld oder Arbeit gehabt. Sie 

seien bei «einer Frau» untergekommen, welche eine ältere Frau gepflegt 

habe, jedoch habe letztere die Miete nicht mehr bezahlen können und sei 

gezwungen gewesen, die Wohnung zu verlassen. Im Weiteren habe sie 

befürchtet, dass ihre Kinder in Italien von der Mafia rekrutiert werden wür-

den. Auch hätten die Kinder in Italien nicht zur Schule gehen können, weil 

sie weder einen Ausweis noch eine Wohnadresse besessen hätten. Infolge 

Schmerzen im Bein und am Hinterkopf habe sie eine gewisse Traurigkeit 

und Wut. Eines der Kinder habe manchmal Bauchschmerzen und Durch-

fall. Ein anderes Kind habe Zahnschmerzen beziehungsweise Nierenprob-

leme.  

Die älteste Tochter der Beschwerdeführerin, B._______, gab im Rahmen 

des Dublin-Gesprächs abweichend hiervon an, sie hätten während der ge-

samten Dauer ihres rund eineinhalb Monate dauernden Aufenthalts in Ita-

lien bei ihrer Tante beziehungsweise bei der Schwester ihrer Mutter ge-

wohnt. Auch die letzte Nach vor ihrer Abreise hätten sie in der Wohnung 

der Tante verbracht und seien dann am Folgetag in die Schweiz gereist. 

Ihre volljährige Schwester H._______ sei sogar gleich in Italien geblieben. 

Sie lebe dort bei einer Freundin. Ihre Tante wisse, wo genau diese sei. Der 

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Seite 3 

Aufenthalt bei der Tante wurde von den übrigen Kindern im Rahmen deren 

Dublin-Gespräche ebenfalls bestätigt. Ferner gaben diese ergänzend an, 

sie hätten keinerlei Kontakte zu den Behörden aufgenommen, um ihre Un-

terkunft oder einen Schulbesuch irgendwie zu regeln.  

D.  

Am 7. Juni 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Wieder-

aufnahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Die italienischen Behörden nahmen innerhalb der festgelegten Frist zum 

Übernahmeersuchen des SEM keine Stellung. 

E.  

Mit Eingabe vom 15. Juni 2022 reichte die Rechtsvertretung beim SEM 

einen ärztlichen Kurzbericht vom 1. Juni 2022 und mit Eingabe vom 2. Sep-

tember 2022 einen weiteren vom 20. Juli 2022 betreffend ihre Tochter 

H._______ ein.  

F.  

Am 5. Oktober 2022 stimmten die italienischen Behörden dem Rücküber-

nahmeersuchen vom 7. Juni 2022 ausdrücklich zu. 

G.  

Mit Verfügung vom 21. November 2022 trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der Be-

schwerdeführenden nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

nach Italien an und forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.  

H.  

Mit Eingabe vom 28. November 2022 (Postaufgabe) erhoben die Be-

schwerdeführenden gegen diesen Entscheid Beschwerde. Es wurde die 

Aufhebung des angefochtenen Entscheids, das Eintreten auf das Asylge-

such und die Asylgewährung, eventualiter die Gewährung der vorläufigen 

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Seite 4 

Aufnahme, in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Befreiung von der Bezah-

lung von Verfahrenskosten inklusive des Kostenvorschusses sowie Beiord-

nung eines amtlichen Rechtsbeistands beantragt.  

I.  

Mit Schreiben vom 29. November 2022 wurde der Vollzug der Überstellung 

per sofort einstweilen ausgesetzt. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2022 wies das Bundesverwal-

tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands wegen Aus-

sichtslosigkeit der Rechtsbegehren ab und erhob unter Androhung des 

Nichteintretens im Unterlassungsfall einen Kostenvorschuss in der Höhe 

von Fr. 750.– mit Zahlungsfrist bis zum 12. Dezember 2022, welcher in der 

Folge fristgerecht geleistet wurde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-

deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

– mit nachfolgendem Vorbehalt – einzutreten. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-

instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG) ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

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Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2). 

Daher ist auf den Antrag in der Beschwerde um Asylgewährung nicht ein-

zutreten.  

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet. 

4.  

Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-

instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG) ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2).  

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Jeder Asylantrag wird von einem einzigen Mitglied-

staat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-III-VO als zu-

ständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zustän-

digen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erst-

mals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 29. Juni 2013 

[Dublin-III-VO]). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: 

take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8-15 Dublin-III-VO) genannten Kri-

terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-

ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden und es 

ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen 

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Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO [sog. Versteinerungsprinzip]; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIE-

SER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, K4 zu Art. 7). Führt die Zu-

ständigkeitsprüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt die Vorinstanz, nachdem der 

betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zuge-

stimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung – auf das Asylgesuch grund-

sätzlich nicht ein. 

5.2 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Liegen hingegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshinder-

nisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1 und 

2011/9 E. 4.1 m.w.H.). 

5.3 Das Ersuchen des SEM an die italienischen Behörden um Aufnahme 

des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Dublin-III-VO blieb innert der 

in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit 

Italien seine Zuständigkeit implizit anerkannte (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-

VO). Zudem hiessen die italienischen Behörden das Rückübernahmeersu-

chen nachträglich gut. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit 

gegeben. 

5.4 Weder der Vorbehalt der Beschwerdeführerin, sie habe in Italien kein 

Asylgesuch stellen wollen noch der geäusserte Wunsch nach einem wei-

teren Verbleib in der Schweiz vermögen an der festgestellten Zuständigkeit 

Italiens etwas zu ändern, räumt doch die Dublin-III-Verordnung den Schutz-

suchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszu-

wählen.  

6.  

6.1 Erweist es sich es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigent-

lich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe 

für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingun-

gen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen 

aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden 

Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Euro-

päischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit 

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Seite 7 

sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mit-

gliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mit-

gliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prü-

fende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-

VO). 

6.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,  

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967  

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen grundsätzlich nach. Zudem darf auch davon ausgegangen 

werden, Italien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsu-

chende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (Verfahrensricht-

linie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für 

die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (Auf-

nahmerichtlinie), ergeben. 

6.3 Weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Europäische Gerichts-

hof für Menschenrechte (EGMR) oder der Europäische Gerichtshof 

(EuGH) haben bislang systemische Schwachstellen im italienischen Asyl-

system erkannt. Zwar stehen die Unterstützung und die Einrichtungen für 

Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus in Italien in der Kritik. Ge-

mäss den bisherigen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts ist 

aber davon auszugehen, dass Italien die Verfahrens- und Aufnahmerichtli-

nien einhält (siehe etwa Referenzurteile des BVGer E-962/2019 vom 

17. Dezember 2019 E. 6.3 und F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 oder 

Urteile des BVGer F-5255/2021 vom 13. Dezember 2021 E. 6.2 und E-

685/2021 vom 23. Februar 2021 E. 6). Am 20. Dezember 2020 ist das Um-

wandlungsgesetz Nr. 173/2020 zum Gesetzesdekret Nr. 130/2020 vom 

21. Oktober 2020 in Kraft getreten. Das Gesetzesdekret Nr. 130/2020 sieht 

eine umfassende Reform des Aufnahmesystems für Asylsuchende in Ita-

lien vor, indem zentrale Bestimmungen des sog. Salvini-Dekrets geändert 

wurden und ein engverflochtenes Aufnahme- und Integrationssystem im-

plementiert wurde. Das neue Aufnahmesystem ist vergleichbar mit jenem, 

das vor Erlass des Salvini-Dekrets bestand und hat die Lebensbedingun-

gen Asylsuchender in Italien im Vergleich zur vorherigen Situation verbes-

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Seite 8 

sert. Nach dem Anmeldeverfahren werden die Asylsuchenden in das Auf-

nahme- und Integrationssystem SAI (Sistema di accoglienza e integrazi-

one) überführt, welches nunmehr wieder allen Asylsuchenden – also auch 

den im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Italien überstellten Personen 

– offensteht. In seinem Referenzurteil F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 

ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gelangt, dass die von den 

italienischen Behörden abgegebenen Garantien in Bezug auf die Wahrung 

der Familieneinheit sowie eine familiengerechte Unterkunft hinreichend 

konkret und individualisiert seien, insbesondere durch die Übermittlung des 

Formulars «nucleo familiare» sowie aufgrund der italienischen Rundschrei-

ben vom 8. Februar 2021 und 23. März 2021, welche den Zugang zu einer 

Zweitaufnahmestruktur des Systems SAI für Familien bestätigen. Vorlie-

gend hat das SEM in seinem Ersuchen vom 7. Juni 2022 die italienischen 

Behörden darüber informiert, dass die Beschwerdeführenden eine Familie 

bilden würden. Das SEM hat im Ersuchen ausdrücklich darauf hingewie-

sen, dass der Neffe der Beschwerdeführerin seit der Ausreise aus Somalia 

vor viereinhalb Jahren Teil der Familie sei. Die italienischen Behörden ha-

ben somit volle Kenntnis von der genannten Familienkonstellation. Ange-

sichts der in diesem Fall besonders günstigen Umstände (vgl. E. 6.6 unten) 

und unter Betonung der Wichtigkeit, dass das SEM daran erinnert wird, 

dass der Neffe nicht vom Rest der Familie getrennt werden darf, stehen die 

Garantien im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts. Eine Überstellung der Beschwerdeführenden nach Italien stellt dem-

nach keine Verletzung von Art. 3 EMRK dar. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 

2 Dublin-III-VO ist nicht gerechtfertigt. 

6.4 Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder haben keine konkreten Hin-

weise für die Annahme dargetan, Italien würde ihnen dauerhaft die ihnen 

gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen 

vorenthalten. Die explizite Zusicherung zur Aufnahme in eine Unterkunft im 

SAI liegt vorliegend vor und reicht aus (vgl. u.a. Urteil des BVGer E-

3911/2022 vom 20. September 2022 E. 5.3 f. m.w.H.; zudem Verfügung 

des SEM S. 4-7). Es ist mithin unter diesem Aspekt nicht davon auszuge-

hen, dass eine Überstellung nach Italien (selbst bei einer vorübergehenden 

Unterbringung in einem Erstaufnahmezentrum) eine Verletzung von Art. 3 

EMRK nach sich ziehen würde (vgl. a.a.O. E. 5.6). Bei einer allfälligen vo-

rübergehenden Einschränkung ist sie im Übrigen gehalten, sich nötigen-

falls an die dortigen Behörden zu wenden und die ihr zustehenden Aufnah-

mebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahme-

richtlinie). Es bestehen keinerlei Hinweise dafür, dass sie den benötigten 

Schutz dort nicht erhalten würde.  

E-5469/2022 

Seite 9 

6.5 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum medizinischen Sachverhalt 

machte die Beschwerdeführerin verschiedene geringfügigere gesundheit-

liche Aspekte geltend (Traurigkeit und Wut, Schmerzen im linken Bein und 

im Hinterkopf und am Arm). Dem Arztbericht vom 1. Juni 2022 ist zu ent-

nehmen, dass sie ekzematösen Veränderungen in den Handinnenflächen 

und am Haaransatz, mentale Probleme und Gastritis habe. Zu ihren Kin-

dern gab sie an, dass D._______ manchmal Bauchschmerzen und Durch-

fall und Zahnschmerzen habe. F._______ habe auch Zahnprobleme und 

G._______ habe mit den Nieren. Gemäss dem Arztbericht vom 20.  Juli 

2012 habe Tochter B._______ eine juckende Hautveränderung.  

6.6 Es besteht bei den Beschwerdeführenden kein akuter Behandlungsbe-

darf. Bei ihnen handelt es sich offensichtlich auch nicht um schwerkranke 

Personen im Sinne der dargelegten Rechtsprechung. Es steht ihnen je-

doch offen, in Italien im Bedarfsfalls eine medizinische Betreuung in An-

spruch zu nehmen.  

Allgemein ist darauf hinzuweisen, dass die schweizerischen Behörden, die 

mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, ohnehin all-

fälligen medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Mo-

dalitäten der Überstellung Rechnung tragen und die italienischen Behör-

den vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen 

Umstände informieren könnten (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO).  

Zusätzlich sind auf verschiedene begünstigende Aspekte des vorliegenden 

Einzelfalls hinzuweisen. So ist vorab zu erwähnen, dass die Beschwerde-

führenden bereits rund anderthalb Monate ohne Schwierigkeiten in Italien 

gelebt haben. Während dieser Zeit konnten sie bei dort lebenden Verwand-

ten (der Tante beziehungsweise der Schwester der Beschwerdeführerin) 

wohnen und wurden von diesen versorgt. Zusätzlich ist die älteste, bereits 

volljährige Tochter gleich in Italien verbleiben und lebt dort bei einer Freun-

din. Die Beschwerdeführenden befinden sich somit im Vergleich zu ande-

ren Migranten in der vergleichsweise privilegierten Situation, dass sie be-

reits ein Beziehungsnetz aufweisen und im Bedarfsfall auf die Hilfe und 

Unterstützung der vor Ort lebenden Verwandten zurückgreifen können. 

Aufgrund der Aktenlage ist anzunehmen, dass diese sie im Bedarfsfall bei 

Behördengängen oder anderweitigen Anliegen auch weiterhin aktiv unter-

stützen würden.  

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Seite 10 

Weiter ist auf den Umstand hinzuweisen, dass die Beschwerdeführenden 

eigenen Angaben zufolge bereits vor über vier Jahren aus ihrem Heimat-

land ausgereist sind und sich seither im Ausland aufgehalten haben. Im 

Unterscheid zu Personen, die ihr Heimatland erst vor kurzem verlassen 

haben, dürfte es den Beschwerdeführenden daher ungleich leichter fallen, 

sich in einer Umgebung ausserhalb ihres Heimatlandes zurechtzufinden; 

dies zumal – wie bereits ausgeführt –  sie in Italien sogar bereits auf ein 

gewisses verwandtschaftliches Beziehungsnetz zurückgreifen können und 

bereits die Unterstützung von Verwandten in Anspruch nehmen konnten.   

6.7 Insgesamt liegen somit offensichtlich keine zwingenden Gründe für die 

Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO vor.  

7.  

7.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht be-

schränkt die Überprüfung des vorinstanzlichen Verzichts der Anwendung 

von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-

züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen 

Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (Art. 106 

Abs. 1 Bst. a und b AsylG).  

7.2 Auch unter diesem Aspekt ist die angefochtene Verfügung nicht zu be-

anstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen.  

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und 

hat zu Recht die Überstellung nach Italien angeordnet. Nach dem Gesag-

ten ist die Beschwerde abzuweisen.  

9.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2022 wurde das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen und unter An-

drohung des Nichteintretens im Unterlassungsfall ein Kostenvorschuss in 

der Höhe von Fr. 750.– mit Zahlungsfrist bis zum 12. Dezember 2022 er-

hoben, der in der Folge fristgerecht einging. Bei diesem Ausgang des Ver-

fahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 

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Seite 11 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden 

aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), welche durch den geleisteten Kosten-

vorschuss in gleicher Höhe gedeckt sind.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden  

auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah-

renskosten verwendet. 

3. 

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli  Daniel Merkli 

 

 

 

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