# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6edb488b-66a7-5a60-92e5-8d5b7d19f279
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-10
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 10.08.2018 BRGE I Nr. 0115/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-I-Nr--0115-2018_2018-08-10.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

 

 

 
 
G.-Nr. R1S.2018.05023 
BRGE I Nr. 0115/2018 

 
 
 
  Entscheid vom 10. August 2018 
 
 

 

 

Mitwirkende Abteilungspräsident Walter Linsi, Baurichter Claude Reinhardt, Baurichterin 
Beatrice Bosshard, Gerichtsschreiber Andreas Mahler     

 
 
 

in Sachen Rekurrentin 

X Immobilien AG, [….]  

 

 

gegen Rekursgegnerin 

Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich  

 

 

 
betreffend Bausektionsbeschluss vom 27. Februar 2018 (Bauentscheid Nr. 346/18); 

Baubewilligung für Mehrfamilienhaus 
_______________________________________________________ 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 2 

hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 27. Februar 2018 erteilte die Bausektion des Stadtrates 

der Stadt Zürich der X Immobilien AG die baurechtliche Bewilligung für die 

Erstellung eines Mehrfamilienhauses [….] an der K.-Strasse in Zürich. In 

Dispositivziffer I.B.1.d wurde verfügt, die Bauherrschaft habe vor Baube-

ginn im Sinne der Erwägungen lit. F.a. (Grenzabstand) abgeänderte Pläne 

einzureichen und bewilligen zu lassen oder entsprechende Näherbaurechte 

nachzuweisen. 

B. 

Gegen diesen Entscheid erhob die X Immobilien AG mit Eingabe vom 

4. April 2018 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich 

und beantragte die Aufhebung der Nebenbestimmung gemäss Dispositivzif-

fer I.B.1.d unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vor-

instanz. 

C. 

Mit Verfügung vom 5. April 2018 wurde der Rekurseingang vorgemerkt und 

das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit Eingabe vom 8. Mai 2018 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des 

Rekurses unter Zusprechung einer angemessenen Parteientschädigung. 

E. 

Mit Replik vom 31. Mai 2018 bzw. Duplik vom 25. Juni 2018 hielten die Par-

teien an ihren Anträgen fest. 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 3 

F. 

Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung er-

forderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekurrentin ist als Eigentümerin des streitbetroffenen Grundstücks und 

als Adressatin des angefochtenen Beschlusses im Sinne von § 338a des 

Planungs- und Baugesetzes (PBG) ohne Weiteres zur Rekurserhebung le-

gitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf 

den Rekurs einzutreten. 

2. 

Die Rekurrentin plant die Errichtung eines Mehrfamilienhauses, dessen 

Baukörper auf der Nord- wie auf der Südseite abgeschrägte Fassaden auf-

weist. In der Erwägung lit. F.a. des angefochtenen Beschlusses wird aus-

geführt, bei seitlich gegliederten Fassaden werde die für den Mehrlängen-

zuschlag massgebende Länge für jeden Fassadenteil für sich bestimmt 

(§ 24 Abs. 1 Allgemeine Bauverordnung [ABV]). Zurückliegende Fassaden-

teile würden durch vorspringende Teile hindurch bis zur äussersten sichtba-

ren Gebäudekante in oder vor der Fassadenflucht gemessen (Abs. 2). Zu-

dem werde bei abgewinkelten oder abgerundeten Fassaden die für den 

Mehrlängenzuschlag massgebende Länge gleich wie bei den seitlich ge-

gliederten Fassaden bestimmt; dabei sei die Abwinklung oder Abrundung 

als seitlich gegliederte Fassade mit unendlich kleinen Abtreppungen zu be-

trachten (Abs. 3). Dieser Mechanismus sei bei den abgeschrägten Fassa-

den des streitbetroffenen Gebäudes nicht berücksichtigt worden. Die 

Grenzabstände zu den Grundstücken Kat.-Nrn. [….] 0001 und 0002 würden 

deshalb nur ca. 5,30 m statt 6,88 m (Art. 13 und 14 BZO, § 24 ABV) betra-

gen. Dies sei entsprechend zu korrigieren oder es seien die entsprechen-

den Näherbaurechte einzureichen. 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 4 

Abb. 1: Streitbetroffenes Projekt. Schematische Dar-

stellung der für die Grenzabstände massgebenden 

Fassaden im Grundriss 

3.1. 

Die Rekurrentin ist der Auffassung, die Vorinstanz habe die Abstandsvor-

schriften nicht korrekt angewendet. Bei der Süd- wie bei der Nordfassade 

handle es sich klarerweise um einen besonderen Fassadenverlauf im Sinne 

von § 24 Abs. 3 ABV. Bei einer abgewinkelten Fassade werde die für den 

Mehrlängenzuschlag massgebende Länge für jeden Fassadenteil für sich 

bestimmt. Gemäss Absatz 3 sei die Abwinklung als seitlich gegliederte 

Fassade mit unendlich kleinen Abtreppungen zu betrachten. Für den gera-

de verlaufenden, 12 m langen Teil der Fassade sei kein Mehrlängenzu-

schlag zu rechnen. Nach 12 m beginne die Abwinklung und sei somit die in 

§ 24 Abs. 3 ABV vorgesehene Treppe vorzusehen. In jenem Bereich ab 

12 m Gebäudelänge sei der Mehrlängenzuschlag von 1/3 der Mehrlänge 

zum Grundabstand hinzuzurechnen. Das Projekt halte die Abstandsvor-

schriften ein. 

Die Auffassung der Vorinstanz lasse sich nicht mit dem Wortlaut von § 24 

ABV in Verbindung bringen und finde keine Grundlage im Gesetz. Die Vor-

instanz lege auch nicht dar, wie sie ihre Berechnungsweise damit in Ein-

klang bringe. Der angefochtene Entscheid sei deshalb auch ungenügend 

begründet. Im Weiteren sei gemäss der Berechnungsweise der Vorinstanz 

nicht der effektive Verlauf der Fassade massgebend, die für das Nachbar-

grundstück von Bedeutung sei, sondern eine fiktiv verschobene Parallellinie 

zur abgewinkelten Fassade. Dies führe z.B. dazu, dass irgendein Punkt in 

der Westfassade für die Berechnung des Grenzabstandes massgebend 

werde. Für die Nachbarparzelle sei dieser Punkt aber völlig irrelevant. 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 5 

3.2. 

Die Vorinstanz führt aus, bemängelt würden die Grenzabstände der kürze-

ren, abgewinkelten Fassaden an der Südwest- bzw. Nordostseite. Wie in 

der Skizze im Anhang der ABV zur Ermittlung des Grenzabstandes eines 

komplizieren Baukörpers handle es sich dabei, wie im konkret zu beurtei-

lenden Fall, um einen abgewinkelten Baukörper. 

Abb. 2: Grenzabstandsbild eines komplizierten Baukörpers im 

Anhang der ABV (ergänzt mit Bezeichnung der Eckpunkte) 

Die Konstellation mit den abgeschrägten, durch die Eckpunkte F, E und D 

definierten Fassaden in der Skizze entspreche den abgewinkelten Fassa-

den des streitbetroffenen Projekts. 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 6 

Gemäss Skizze im Anhang der ABV löse die durch die Eckpunkte D und E 

begrenzte Fassade einerseits den Grundabstand G und den Mehrlängen-

zuschlag MLZ1 aus. Für die Eigentümerschaft der benachbarten Parzelle 

trete visuell jedoch nicht nur die von D nach E verlaufende Fassade in Er-

scheinung, sondern auch die von den Eckpunkten E nach F verlaufende. In 

Anwendung von § 24 Abs. 2 ABV werde dies berücksichtigt, indem die 

Fassade D-E bis zur Gebäudekante F projiziert werde. Entsprechend löse 

die Fassade F-D' nebst dem Grundabstand den Mehrlängenzuschlag MLZ2 

aus: 

                       Abb. 3 

Die Fassade F-E löse den Grundabstand G plus den Mehrlängenzuschlag 

MLZ3 aus. Für die Nachbarschaft trete aber auch die Fassade E-D in Er-

scheinung. Die Fassade F-E werde bis zur Gebäudekante D projiziert. 

Demzufolge löse die Fassade F'-D den Grundabstand G sowie den Mehr-

längenzuschlag MLZ3 (recte MLZ4) aus: 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 7 

        Abb. 4 

Dementsprechend sei beim hier zu beurteilenden Vorhaben die Fassade 

A-B (s. Abb. 1) parallel durch die Ecke C zu projizieren. Diese Fassade 

A'-C sei ca. 17,65 m lang, was einen Mehrlängenzuschlag von 1,88 m 

(= 1/3 der Mehrlänge von 5,65 m) und somit einen Grenzabstand von 

6,88 m ergebe. Das in der Abbildung (s. Abb. 5 = act. 10.5) blau angelegte 

Dreieck rage in die Nachbarparzelle hinein. In diesem Bereich werde der 

erforderliche Grenzabstand von 6,88 m nicht eingehalten. Analog verhalte 

es sich hinsichtlich der Fassade E-D. 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 8 

         

          Abb. 5: Ausschnitt aus Beilage 10.5 der Rekursantwort 

 

3.3. 

In ihrer Replik bestreitet die Rekurrentin, dass die Figur 7.7. im Anhang der 

ABV auf ihr Projekt anwendbar sei; diese sei nicht einschlägig. Die Skizzen 

im Anhang der ABV hätten lediglich erläuternden Charakter, massgebend 

sei der Wortlaut des Gesetzes. Figur 7.8. zeige auf, wie bei einem abge-

rundeten bzw. abgewinkelten Baukörper vorzugehen sei. Diese sei auf ihr 

Projekt anzuwenden. Andernfalls wäre § 24 Abs. 3 ABV toter Buchstabe, 

weil dann nicht ersichtlich sei, auf welche Art von abgewinkelten Fassaden 

die Bestimmung anwendbar sein soll. Im Bereich der abgewinkelten Fas-

sade müsse nach der Lesart der Vorinstanz ein kleinerer Grenzabstand 

eingehalten werden, als dies mit der Betrachtung der Rekurrentin der Fall 

sei. Schon dies zeige, dass die Argumentation der Vorinstanz nicht korrekt 

sein könne. Sodann führe die Auffassung der Vorinstanz dazu, dass dort, 

wo die Fassade parallel zur Grenze verlaufe, ein unterschiedlicher Grenz-

abstand eingehalten werden müsste (an der Ecke C 7,88 m und an der 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 9 

Ecke B 5 m). Dies könne mit Blick auf den wohnhygienischen Zweck der 

Abstandsvorschriften nicht Sinn und Zweck des Gesetzes sein.  

3.4.1. 

Nach § 10 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) sind unter 

anderem schriftliche Anordnungen (Verfügungen) begründungspflichtig. Im 

Rahmen des baurechtlichen Verfahrens kommt diese Pflicht namentlich bei 

der Verweigerung von Baubewilligungen zum Tragen. Diese sind regel-

mässig begründungspflichtig. Nebenbestimmungen sind jedenfalls insoweit 

zu begründen, als sie nicht selbsterklärend sind. Regelmässig begrün-

dungspflichtig ist ferner die Erteilung von Ausnahmebewilligungen (§ 320 

PBG). 

Die Begründung von Bauverweigerungen oder Nebenbestimmungen muss 

so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Ent-

scheids Rechenschaft zu geben vermag und in die Lage versetzt wird, al-

lenfalls ein Rechtsmittel zu ergreifen bzw. die Anfechtung zu begründen. In 

diesem Sinne müssen kurz die wesentlichen Überlegungen genannt wer-

den, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr 

Entscheid stützt. Der Betroffene muss die Ausführungen der Behörde 

nachvollziehen und in einem allfälligen Rechtsmittelverfahren substantiiert 

bestreiten können (Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Ba-

sel/Genf 2014, § 10 Rz 25). 

Die Aufhebung des baurechtlichen Entscheides zufolge fehlender bzw. un-

genügender Begründung fällt namentlich dann in Betracht, wenn die An-

fechtung durch den Begründungsmangel erheblich erschwert wurde und 

dieser Mangel im Rekursverfahren nicht geheilt werden konnte.  

3.4.2. 

In Erwägung F.a. des angefochtenen Entscheides legte die Vorinstanz dar, 

bei welchen Fassaden und gegenüber welchen Grundstücken die Grenz-

abstände nicht eingehalten werden und wieviel der Grenzabstand betragen 

müsste. Auch geht aus den Erwägungen hervor, dass bei den betreffenden 

Fassaden der Mehrlängenzuschlag nicht richtig berücksichtigt worden sei. 

Die entsprechende Bestimmung von § 24 ABV wird zitiert und auf Art. 13 

und 14 BZO wird verwiesen. 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 10 

Aus Ziffer 6 der Rekurseingabe ergibt sich, dass sich die Rekurrentin "im 

Vorfeld" vom zuständigen Kreisarchitekten die Ermittlung des Mehrlängen-

zuschlags erklären liess (s. auch die Skizze in act. 5.5, die der Vertreter der 

Vorinstanz im Rahmen einer Besprechung angefertigt habe). Demnach 

werde der Verlauf der abgewinkelten Fassade soweit parallel verschoben 

bis sich diese verschobene Linie mit dem Eckpunkt der Fassaden schnei-

de. Somit wusste die Rekurrentin, wie die Vorinstanz den Mehrlängenzu-

schlag berechnet. Darin, dass die Rekurrentin diese Berechnung nicht 

nachvollziehen kann bzw. nicht versteht, wie sich diese aus § 24 ABV er-

geben soll, liegt indes kein Begründungsmangel. Sie war offensichtlich in 

der Lage, die Berechnungsweise der Vorinstanz substantiiert zu bestreiten. 

Ein Begründungsmangel liegt daher nicht vor. 

3.4.3. 

Im Weiteren geht die Rekurrentin fehl in der Annahme, der Grenzabstand 

richte sich nach den Grundstücksgrenzen, weshalb es nicht sein könne, 

dass entlang einer parallel zur Fassade verlaufenden Grenze ein unter-

schiedlicher Grenzabstand eingehalten werden müsse. Der Grenzabstand 

bestimmt die nötige Entfernung zwischen Fassade und massgebender 

Grenzlinie (§ 260 Abs. 1 PBG). Der (nötige) Grundabstand wird rechtwinklig 

zu den Fassaden und radial über die Gebäudeecken gemessen (§ 22 

Abs. 1 ABV). Der Mehrlängenzuschlag wird rechtwinklig zu den Fassaden 

gemessen; über die Gebäudeecken fällt er ausser Ansatz (§ 23 Abs. 2 

ABV). Auch die Skizzen im Anhang zur ABV zeigen, dass es für die erfor-

derlichen Abstände nicht auf den Grenzverlauf ankommt.  

3.4.4. 

Die Messweise des Mehrlängenzuschlags wird in § 23 f. ABV geregelt. Wie 

bei einem besonderen Fassadenverlauf vorzugehen ist, bestimmt § 24 

ABV, veranschaulicht in den dazugehörigen Skizzen bzw. Figuren im An-

hang der ABV. Ob die "Skizzen" in der alten Fassung der ABV oder die "Fi-

guren" in der neuen, am 1. März 2017 in Kraft getretenen Fassung an-

wendbar sind, kann offenbleiben, da sich an den §§ 23 und 24 ABV nichts 

geändert hat und die betreffenden, vorliegend relevanten Darstellungen 

identisch sind. 

Entgegen der Auffassung der Rekurrentin ist im vorliegenden Fall nicht von 

einem abgerundeten Baukörper auszugehen, wie er im Anhang der ABV 

dargestellt ist. Das geplante Gebäude weist keine abgerundeten, sondern 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 11 

abgewinkelte Fassaden auf. Die Vorinstanz geht daher zu Recht von einem 

"komplizierten Baukörper" im Sinne der Darstellung "Grenzabstandsbild ei-

nes komplizierten Baukörpers" aus und sie wendet die dort dargestellte 

Messweise korrekt an. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die abge-

winkelten Fassaden des streitbetroffenen Vorhabens (Fassaden A-B/B-C 

bzw. D-E/E-F gemäss Abb. 1) den abgewinkelten Fassaden D-E/E-F im 

Grenzabstandsbild eines komplizierten Baukörpers (s. oben Abb. 2) ent-

sprechen. Was die Vorinstanz als Projektion einer Fassade bezeichnet 

(s. die Linien F-D' und D-F' in Abb. 3 bzw. Abb. 4), ergibt dasselbe wie die 

Betrachtung der Abwinklung als seitlich gegliederte Fassade mit unendlich 

kleinen Abtreppungen im Sinne von § 24 Abs. 3 ABV, wobei zurückliegen-

de Fassadenteile durch vorspringende Teile hindurch bis zur äussersten 

sichtbaren Gebäudekante in oder vor der Fassadenflucht gemessen wer-

den (§ 24 Abs. 2 ABV). Die Messweise der Vorinstanz ist rechtmässig, 

ebenso die Anwendung auf den konkreten, hier zu beurteilenden Fall. 

Die Rekurrentin übersieht, dass der Mehrlängenzuschlag nicht nur durch 

die längeren Fassadenteile B-C bzw. E-F mit den jeweils abgewinkelten 

kürzeren Fassadenteilen A-B bzw. D-E (als seitlich gegliederte Fassaden 

mit unendlich kleinen Abtreppungen) ausgelöst wird, wie sie es in ihrem 

Abstandsbild korrekt darstellen (act. 5.4.1., s. auch das "Schema betreffend 

Abtreppung bei angewinkelter Fassade" in act. 5.6.). Vielmehr wird ein wei-

terer Mehrlängenzuschlag dadurch ausgelöst, dass die längeren Fassaden-

teile B-C bzw. E-F als gegenüber den kürzeren Fassadenteilen A-B bzw. 

D-E abgewinkelt bzw. unendlich klein abgetreppt und in diesem Sinne als 

zurückliegende Fassadenteile betrachtet werden, womit wiederum die für 

den Mehrlängenzuschlag massgebende Länge wie bei den seitlich geglie-

derten Fassaden bestimmt wird (§ 24 Abs. 2 ABV). Dies ergibt sich aus 

§ 24 Abs. 1 ABV, wonach bei seitlich gegliederten Fassaden die für den 

Mehrlängenzuschlag massgebende Länge für jeden Fassadenteil für sich 

bestimmt werden muss. Wie das Grenzabstandsbild eines komplizierten 

Baukörpers zeigt, ergeben sich die Grenzabstände aus den sich überla-

gernden Abständen aller Fassaden. Im vorliegenden Fall wäre es willkürlich 

und mit § 24 ABV nicht zu vereinbaren, nur die kürzeren, gegenüber den 

Nachbarparzellen zurückweichenden Fassaden A-B bzw. E-D als massge-

bend für die Mehrlängenzuschläge zu betrachten, die bei den Abständen 

gegenüber den südlich bzw. nördlich benachbarten Grundstücken hinzuzu-

rechnen sind.  

 

 

R1S.2018.05023 Seite 12 

Die Vorinstanz hat die fraglichen Mehrlängenzuschläge im Grundrissplan 

(act. 10.5, s. Abb. 5) korrekt eingetragen. Schematisch gezeichnet ergibt 

sich mit der Vorinstanz bezüglich der Fassade B-C als zurückliegende Fas-

sade folgendes Abstandsbild (s. Abb. 6): 

    Abb. 6 

Für die Fassade B-C als gegenüber der Fassade A-B abgewinkelte Fassa-

de wird die für den Mehrlängenzuschlag massgebende Länge wie bei zu-

rückliegenden Fassaden durch die vorspringenden Teile hindurch bis zur 

äussersten sichtbaren Gebäudekante in oder vor der Fassadenflucht ge-

messen (§ 24 Abs. 2 und 3 ABV), hier die Linie C-A'. Der einschliesslich 

Mehrlängenzuschlag resultierende Abstand wird rechtwinklig zur Linie C-A' 

gemessen. Dies ergibt sich aus der Betrachtungsweise als seitlich geglie-

derte Fassade mit unendlich kleinen Abtreppungen (vgl. Grenzabstandsbild 

eines komplizierten Baukörpers im Anhang ABV). Demgegenüber wird der 

Grundabstand rechtwinklig zur (tatsächlichen) Fassade (und radial über die 

Ecken; in Abb. 6 nicht dargestellt) gemessen (§ 22 Abs. 1 ABV). Im hier zu 

beurteilenden Fall ergibt sich im Bereich der Mehrlänge von ca. 5,65 m ein 

gegenüber dem Grundabstand von 5 m (graue Fläche) um bis zu ca. 

1,88 m (Mehrlängenzuschlag) erhöhter Abstand (horizontal schraffiertes 

 

 

R1S.2018.05023 Seite 13 

Dreieck). Da der Abstand der Grundstücksgrenze zur südlichen Nachbar-

parzelle Kat.-Nr. [….] 0001 genau dem Grundabstand von 5 m entspricht, 

wird der Grenzabstand im Bereich des in Abbildung 6 horizontal schraffier-

ten Dreiecks verletzt. Analoges gilt auf der Nordseite des Gebäudes in Be-

zug auf die Fassade E-F und das nördliche Nachbargrundstück Kat.-Nr. 

[….] 0002.  

Somit erweist sich die im angefochtenen Bauentscheid zur Behebung der 

Abstandsverletzung verfügte Nebenbestimmung als rechtmässig. 

4. 

Zusammengefasst ist der Rekurs abzuweisen. 

[….]