# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed286852-2c0b-52c1-aa30-e23e193c1be4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.02.2012 C-5937/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-5937-2011_2012-02-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung III
C­5937/2011

U r t e i l   v om   2 2 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz),
Richter Antonio Imoberdorf, 
Richter Andreas Trommer,   
Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo.

Parteien B._______, 
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf 
H._______ und U._______.

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Sachverhalt:

A. 
Die  aus  Afghanistan  stammenden  H._______  (geb.  1963,  nachfolgend: 
Gesuchstellerin)  und  ihr  Sohn  U._______  (geb.  1996,  nachfolgend: 
Gesuchsteller)  beantragten  am  11.  Juli  2011  bei  der  Schweizerischen 
Vertretung in Islamabad (Pakistan) ein Schengenvisum für die Dauer von 
90  Tagen.  Als  Zweck  der  beabsichtigten  Reise  gaben  sie  an,  ihre  im 
Kanton  Aargau  wohnhafte  Schwester  und  Tante  (im  Folgenden: 
Beschwerdeführerin  bzw.  Gastgeberin),  deren  Ehemann  vor  kurzem 
verstorben sei, besuchen zu wollen. Gegen die Verweigerungsverfügung 
vom  19.  Juli  2011  wurde  am  9.  August  2011  Einsprache  erhoben.  Die 
Auslandvertretung  übermittelte  diese,  unter  Beilage  der  gesamten 
Unterlagen zum Entscheid an die Vorinstanz. 

B. 
Nachdem die kantonale Migrationsbehörde ergänzende Abklärungen bei 
der  Gastgeberin  über  den  geplanten  Besuchsaufenthalt  getätigt  hatte, 
leitete  sie  diese  mit  einer  negativen  Stellungnahme  an  die  Vorinstanz 
weiter.  Letztere  wies  die  Einsprache  am  14.  Oktober  2011  ab,  dies  im 
Wesentlichen  mit  der  Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte 
Wiederausreise der Gesuchsteller nach einem Besuchsaufenthalt  könne 
nicht  als  gesichert  betrachtet  werden.  Die Gesuchsteller  lebten  in  einer 
Region,  aus  der  als  Folge  der  dort  herrschenden  politischen  und 
wirtschaftlichen  Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck 
festzustellen  sei.  Die  erst  seit  kurzem  verwitwete  Gastgeberin  bedürfe 
keiner besonderen Betreuung, die nur durch ihre Gäste selbst abgedeckt 
werden  könne.  Nicht  zuletzt  der  Umstand,  dass  die  Gäste  ohne 
zwingenden Grund gleich drei Monate von zu Hause wegbleiben könnten, 
spreche  gegen  das Bestehen  besonderer  Betreuungspflichten  im Sinne 
familiärer  Verantwortlichkeiten.  Den  alleinstehenden  Eingeladenen 
oblägen  im  Heimatland  auch  keine  zwingenden  beruflichen 
Verpflichtungen  und  die  vier  Kinder  der Gesuchstellerin  versorgten  sich 
selbständig. Ein Entschluss für eine Emigration sei nicht auszuschliessen.

C. 
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  24.  Oktober  2011  beantragt  die 
Beschwerdeführerin  beim  Bundesverwaltungsgericht  sinngemäss  die 
Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  sowie  die  Erteilung  der 
beantragten Besuchervisa. In der Sache selbst bringt sie im Wesentlichen 
vor, der Verlust ihres Ehegatten habe sie psychisch stark mitgenommen, 

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der  Besuch  ihrer  Schwester  würde  ihr  daher  sehr  gut  tun.  Sie  selber 
könne nicht zu  ihrer Familie nach Afghanistan reisen, da sie arbeite, die 
Kinder  betreuen müsse und die Sicherheitslage dort  sehr  schwierig  sei. 
Sie sei, wenn auch ungern bereit, nur ihre Schwester kommen zu lassen, 
selbst wenn Frauen nach islamischem Recht nicht alleine reisen dürften. 

D. 
In  ihrer  Vernehmlassung  vom  28.  November  2011  spricht  sich  die 
Vorinstanz  unter  Hinweis  auf  die  in  der  Verfügung  bereits  genannten 
Gründe für die Abweisung der Beschwerde aus. Die Sicherheitslage und 
die humanitäre Situation in Afghanistan seien sehr schlecht, weshalb den 
Garantien für eine fristgerechte Wiederausreise keine ausschlaggebende 
Bedeutung  zukomme.  Auch  die  finanziellen  Aspekte  änderten  nichts 
daran, zumal solche Werte mit einer allfälligen Emigration nicht gefährdet 
würden.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Dezember  2011  wurde  der 
Beschwerdeführerin  die  Möglichkeit  gewährt,  zur  Vernehmlassung  der 
Vorinstanz Stellung zu nehmen. Die hierfür gesetzte Frist blieb ungenutzt.

F. 
Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter 
Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33 
VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a. 
Verfügungen  des  BFM, mit  denen  die  Erteilung  eines  Schengenvisums 
verweigert  wird.  In  dieser  Materie  entscheidet  das 
Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem 
VwVG (Art. 37 VGG).

1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur 
Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte 
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).

2. 
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung 
von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des 
Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale 
Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 
Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist 
gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht 
gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  sind 
grundsätzlich  die  tatsächlichen  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  seines 
Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinweisen).

3. 
Der  angefochtenen  Verfügung  liegt  das  Gesuch  einer  afghanischen 
Staatsangehörigen  und  ihres  Sohnes  um  Erteilung  eines  Visums  für 
einen  dreimonatigen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  zugrunde.  Da  sich  die 
Gesuchsteller  nicht  auf  die  EU/EFTA­Personenfreizügigkeitsabkommen 
berufen können und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht 
überschreitet,  fällt  die  vorliegende  Streitsache  in  den  persönlichen  und 
sachlichen  Anwendungsbereich  der  Schengen­Assozierungsabkommen, 
mit denen die Schweiz den Schengen­Besitzstand und die dazugehörigen 
gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  übernommen  hat.  Das 
Ausländergesetz  vom 16. Dezember 2005  (AuG, SR 142.20)  und seine 
Ausführungsverordnung  gelangen  nur  soweit  zur  Anwendung,  als  die 
Schengen­Assozierungsabkommen  keine  abweichenden  Bestimmungen 
enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG).

4. 
Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im 
Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt:

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4.1.  Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch 
– grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die 
Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen 
handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum 
Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002, 
BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht 
schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es 
einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die 
Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, 
wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise 
bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / 
TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela 
Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die 
Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.).

4.2.  Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des 
Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je 
Sechsmonatszeitraum  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger 
Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner 
benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der 
Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur 
Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim 
Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen, 
sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser 
Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen 
Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind 
oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen 
(vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom 
22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR 
142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr. 
562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März 
2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen 
durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 
vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV).

4.3.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die 
Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über 
ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 
Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. 

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a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments 
und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft 
[nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem 
Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf 
des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende 
Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1 
Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu 
PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen 
Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur 
Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die 
öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit 
oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen 
(Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK).

4.4. Eine Gefahr  für die öffentliche Ordnung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 
Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige 
Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums 
fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D. 
MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen 
Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die 
Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu 
belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer 
nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 
21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie 
sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt 
vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE 
2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum 
Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1 
Bst. c SGK).

4.5.  Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum 
ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum 
geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt 
werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus 
humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder 
aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er 
berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen 
Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit 
räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex). 
Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des 
ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a 

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Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer 
drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen 
gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK).

5. 
5.1. Die Gesuchsteller unterliegen als afghanische Staatsangehörige der 
Visumspflicht  (Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates 
vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach 
Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im 
Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im 
Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchsteller 
anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten 
Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche 
Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen.

5.2.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte 
Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im 
Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben. 
Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw. 
Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen 
Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche 
Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer 
zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 

5.3.  Die  Sicherheitslage  in  Afghanistan  hat  sich  in  den  letzten  Jahren 
über  alle  Regionen  hinweg  verschlechtert.  Trotz  immer  schärferen 
Sicherheitsmassnahmen  nehmen  Bombenanschläge, 
Selbstmordattentate und Raketenbeschuss zu, und zahlreiche zivile Tote 
sind zu beklagen. Was die humanitäre Lage betrifft, so zählt Afghanistan 
zu  den  ärmsten  Ländern  der Erde  und  ist  das  ärmste  Land  ausserhalb 
Afrikas.  Mangels  anderweitiger  Erwerbsmöglichkeiten  sind  80%  der 
Bevölkerung im landwirtschaftlichen Bereich tätig, wobei der Mohnanbau 
eine  erhebliche  Rolle  spielt.  Trotz  Rückgang  hat  die  afghanische 
Drogenwirtschaft  weiterhin  einen  Weltmarktanteil  am  Opium­  und 
Heroinhandel  von  90%.  Trotz  positiver  wirtschaftlicher  Entwicklung  lag 
das Bruttoinlandprodukt 2010 bei USD 415 pro Kopf. Durch den Bau von 
Strassen, Flughäfen sowie durch die Eröffnung der ersten afghanischen 
Eisenbahnstrecke Ende 2010 konnte zwar die infrastrukturelle Anbindung 
des  Landes  verbessert  werden.  Im  ländlichen  Raum  gestaltet  sich  die 
wirtschaftliche  Entwicklung  angesichts  mangelnder  Infrastruktur, 
fehlender  Erwerbsmöglichkeiten  ausserhalb  der  Landwirtschaft  und 

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geringem  Ausbildungsstand  (rund  90%  Analphabeten)  schwierig.  Vor 
diesem Hintergrund besteht bei der afghanischen Bevölkerung vermehrt 
die Tendenz zur Auswanderung, was sich in den hiesigen Asylstatistiken 
entsprechend abzeichnet. So  steht Afghanistan mit  1'052 Asylgesuchen 
im  Jahr  2011  an  fünfter  Stelle.  Dabei  ist  die  Anzahl  Asylsuchender  im 
Vergleich  zum Vorjahr  um  57%  gestiegen.  Für  Rückkehrer  aus  Europa 
besteht zudem ein erhöhtes Risiko, gleich nach der Ankunft entführt oder 
überfallen zu werden (Quellen: www.auswaertiges­amt.de, Länder, Reise 
und Sicherheit > Afghanistan > allgemeine Seite: Stand November 2011; 
> Wirtschaft:  Stand  Juli  2011;  > Wirtschaftsdatenblatt:  Stand  Juli  2010, 
allesamt  besucht  im  Januar  2011;  www.bfm.admin.ch,  Dokumentation, 
Zahlen  und  Fakten  >  Asylstatistik  >  Kommentierte  Asylstatistik  2011; 
BVGE 2011/7).

5.4.  Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten 
allgemeinen  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche 
Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen.  Obliegt 
einer  gesuchstellenden  Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine 
besondere,  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung, 
kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose 
Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer 
Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen  haben,  das  Risiko  für  ein 
ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter 
Einreise  zu  einem  Besuchsaufenthalt)  hoch  eingeschätzt  werden. 
Erfahrungsgemäss  wird  die  Tendenz  zur  Auswanderung  dort  noch 
begünstigt, wo bereits ein soziales Beziehungsnetz (Verwandte, Freunde) 
im  Ausland  besteht.  Zudem  rechtfertigt  sich  im  vorliegenden  Fall, 
angesichts  der  ausserordentlich  schwierigen  Lage,  in  der  sich 
Afghanistan  befindet,  ein  vergleichsweise  strenger  Massstab  bei  der 
Beurteilung der gesicherten Wiederausreise.

6. 
6.1. Bei den Gesuchstellern handelt es sich um die 49­jährige verwitwete 
Mutter  mit  ihrem  16­jährigen  Sohn.  Über  die  familiäre  Situation  im 
Heimatland  ist  einzig  bekannt,  dass  die  Gesuchstellerin  drei  weitere 
Kinder hat, welche bereits älter  sind und sich  selber  versorgen können. 
Besondere  familiäre  oder  gesellschaftliche  Verpflichtungen,  welche  die 
Gesuchstellerin  ernsthaft  von  einer  Emigration  abzuhalten  vermöchten, 
sind keine ersichtlich. Kommt hinzu, dass ihr jüngster Sohn, welcher noch 
auf sie angewiesen ist, sie in die Schweiz begleiten würde. Nicht anders 
präsentiert sich die berufliche Situation. Die Gesuchstellerin gibt auf dem 

http://www.auswaertiges-amt.de
http://www.bfm.admin.ch

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Visumsantrag  an,  Hausfrau  zu  sein.  Den  Angaben  der  Gastgeberin 
zufolge  sind  die  Kinder  erwerbstätig.  Anscheinend  erhalten  die 
Gesuchsteller  von  den  erwerbstätigen  Kindern  bzw.  Geschwistern  die 
nötige  finanzielle  Hilfe  zur  Bestreitung  des  Lebensunterhalts.  Aufgrund 
der  derzeitigen  Aktenlage  kann  folglich  nicht  davon  ausgegangen 
werden,  die  beiden  eingeladenen  Personen  befänden  sich  in  einer 
besonders vorteilhaften und stabilen wirtschaftlichen Situation. Soweit auf 
den  Besitz  eigener  Landwirtschaft  hingewiesen  wurde,  gilt  es  darauf 
hinzuweisen,  dass  sich  mangels  näherer  Angaben  einerseits  nicht 
eruieren  lässt,  inwiefern  dies  zutrifft  und  wie  allenfalls 
Eigentumsverhältnisse,  Nutzungsart  sowie  Umfang  ausgestaltet  sind. 
Andererseits  fällt  Grundbesitz  mit  der  Ausreise  nicht  weg.  Dass  auf 
Seiten  der  Gesuchsteller  eine  erhebliche  Flexibilität  besteht,  deutet  im 
Übrigen  nur  schon  der  Umstand  hin,  dass  sie  einen  Besuchsaufenthalt 
von drei Monaten anstreben. Angesichts dieser Sachlage sind die Zweifel 
der Vorinstanz an einer fristgerechten Rückkehr berechtigt. 

6.2.  Für  erhöhte  Emigrationstendenzen  spricht  im  konkreten  Fall  des 
Weiteren,  dass  bereits  die  Gastgeberin  und  Schwester  der 
Gesuchstellerin  in  die  Schweiz  eingereist  ist  und mit  ihren Kindern  hier 
lebt.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheint  die  Annahme  keineswegs 
abwegig,  dass  mit  dem  Einreisebegehren  nicht  bloss  ein 
Besuchsaufenthalt von drei Monaten, sondern eine längere Anwesenheit 
in der Schweiz beabsichtigt werden könnte. Der durchaus verständliche 
Wunsch  der  Beschwerdeführerin,  in  dieser  schweren  Zeit  familiären 
Beistand  zu  erhalten,  hat  angesichts  des  vorliegenden  Ergebnisses  in 
den Hintergrund zu treten.

7. 
Nach  dem  Gesagten  durfte  die  Vorinstanz  daher  zu  Recht  davon 
ausgehen,  die  Wiederausreise  der  Gesuchsteller  sei  im  Sinne  der 
massgeblichen  Bestimmungen  nicht  gesichert.  Zwar  lässt  sich  die 
Einschätzung  nicht  zu  einer  gesicherten  Feststellung  verdichten;  sie 
reicht  aber  aus,  um  die  Erteilung  eines  Einreisevisums,  auf  das  kein 
Rechtsanspruch besteht, abzulehnen. Daran ändert auch nichts, dass die 
Gastgeberin  sowie  der  Afghanische  Kulturverein  in  der  Schweiz  für  die 
rechtzeitige  Rückreise  der  eingeladenen  Person  garantieren.  Deren 
Integrität wird dabei in keiner Art und Weise in Zweifel gezogen. Indessen 
sind bei der Abwägung des Risikos nicht  so sehr die Einstellungen von 
Gastgebern und weiteren Garanten, sondern in erster Linie das mögliche 
Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung. Nur Letzterer ist in der Lage 

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Seite 10

hinreichend Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (vgl. 
zum Ganzen BVGE 2009/27 E. 9).

8. 
Indem  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  betont,  der 
beabsichtigte  Besuch  ihrer  Schwester  solle  ihr  helfen,  über  den 
schmerzlichen Verlust ihres Ehegatten hinweg zu kommen, beruft sie sich 
sinngemäss  auf  humanitäre  Gründe.  Solche  können  unter  Umständen 
(vgl.  E.4.5  vorstehend)  selbst  bei  Annahme  von  Einreisehindernissen 
einen  Schengen­Mitgliedstaat  dazu  veranlassen,  ein  Visum  ­  allerdings 
mit  beschränkter  räumlicher Gültigkeit  ­  auszustellen. Voraussetzung  ist 
aber  auch  hier,  dass  eine  Interesseabwägung  vorgenommen  wird.  Die 
öffentlichen  Interessen an einer Verhinderung der Einreise zur Wahrung 
zentraler  ausländerrechtlicher  Vorschriften  sind  nach  dem  bereits 
Gesagten  vorliegend  als  gewichtig  einzustufen.  Dagegen  vermögen  die 
persönlichen  Interessen  der  Beschwerdeführerin  nicht  aufzukommen. 
Denn  indem  sie  geltend  macht,  wegen  familiärer  Verpflichtungen  und 
einer  dort  mangelhaften  Sicherheitslage  nicht  mit  ihren  Kindern  nach 
Afghanistan  reisen  zu  können,  ist  noch  nicht  erstellt,  dass  ein  Besuch 
ihrer Schwester hier in der Schweiz die einzige Möglichkeit darstellt, ihr in 
ihrer schwierigen Lebenssituation wirksam helfen zu können.

9. 
Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
rechtmässig  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge 
abzuweisen.

10. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  die  unterliegende 
Beschwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, 2 
und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

Dispositiv Seite 11

C­5937/2011

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  10.  November  2011  geleisteten 
Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
– die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. Zemis _______ und _______ retour)
– das Migrationsamt des Kantons Aargau 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Marianne Teuscher Giulia Santangelo

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