# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6c861336-c67e-5cba-a06d-50b2a3a8e7dc
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 28.01.2022 SST.2021.119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-119_2022-01-28.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2021.119 
(ST.2020.122; STA.2015.65) 

 

 

Urteil vom 28. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin Rosset 

 

 
   

Anklägerin   Kantonale Staatsanwaltschaft, 

Bleichemattstrasse 7, 5001 Aarau  

 

Privatkläger   A.F._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Roger Baumberger,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1974, von Italien, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Konrad Jeker,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Handlungen mit Abhängigen, 

sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 3. Juni 2020 erhob die Kantonale Staatsanwaltschaft Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 StGB, sexuellen Handlungen mit 

Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB, mehrfacher 

Pornographie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB, Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG und 

mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19bis BetmG. 

 

2. 

Mit Urteil vom 11. November 2020 erkannte das Bezirksgericht Aarau:  

 
1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. 
 Art. 19 Abs. 2 StGB, 
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 StGB 
 i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StGB, 
- der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB 
 i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StGB,  
- der mehrfachen harten Pornografie (Konsum, tatsächliche sexuelle Handlungen mit 
 Minderjährigen) gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StGB, 
- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c 
 BetmG,  
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19bis 
 BetmG. 
 
2. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 7 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (26. August 2015 – 27. August 2015) wird gestützt auf 
Art. 51 StGB auf die unbedingte Freiheitsstrafe angerechnet. Sodann wird der vorzeitige 
Strafvollzug von 709 Tagen (4. Dezember 2018 - 11. November 2020) ebenfalls auf die 
unbedingte Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
4. 
Gestützt auf Art. 59 StGB wird eine stationäre psychiatrische Behandlung angeordnet. Der 
Strafvollzug wird zugunsten der stationären Massnahme aufgeschoben. 
 
5. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 StGB ein lebenslanges Tätigkeitsverbot 
von beruflichen und organisierten ausserberuflichen Tätigkeiten mit Minderjährigen 
auferlegt. 
 
 
 
 

 - 3 - 

 

 

 

6. 
6.1. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB werden folgende Gegenstände (aus der HD X./2015) 
eingezogen und vernichtet: 
 
- Mobiltelefon Sony Xperia (Pos. 1), 
- iMac Apple A1311, mit 1 Tastatur und 1 Maus (Pos. 6), 
- NAS Seagate Business Storage 4-Bay NAS (Pos. 14). 
 
6.2. 
Folgende Gegenstände (aus der HD X./2015) werden dem Beschuldigten zurückgegeben: 
 
- verschiedene Passfotos (Pos. 3), 
- Notizzettel WLAN Passwort (Pos. 4), 
- Notizbuch schwarz (Pos. 5), 
- Notizzettel (Pos. 3), 
- WiFi Mobile Hotspot (Pos. 9), 
- Notizzettel mit Telefonnummer (Pos. 10), 
- Plastikgefäss mit zwei Pack angebrochenem Zigarettenpapierchen (Pos. 13), 
- diverse persönliche Korrespondenz (1 Couvert). 
 
Die beschlagnahmten Gegenstände können vom Beschuldigten innert 30 Tagen nach 
Rechtskraft des Urteils auf Voranmeldung auf der Gerichtskanzlei abgeholt werden. Bei 
unbenutztem Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände vernichtet. 
 
7. 
7.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 1 A.F. Fr. 20'000.00 zzgl. 5 
% Zins ab 15. September 2014 als Genugtuung zu bezahlen. 
 
7.2. 
Der Antrag des Zivil- und Strafklägers 1 A.F. auf Festsetzung der Schadenersatzpflicht dem 
Grundsatze nach wird abgewiesen. 
 
7.3. 
Der Beschuldigte hat dem Zivil- und Strafkläger 1 A.F. die gerichtlich auf Fr. 3'479.80 (inkl. 
Fr. 248.80 MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
8. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 8'000.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr. 2'900.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  14'191.50 
d) den Kosten für Gutachten von Fr.  14'975.00 
e) andere Auslagen Fr.  5'675.15 
Total Fr.  45'741.65 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d + e im Gesamtbetrag von Fr. 31'550.15 auferlegt. 
 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 14'191.50 (inkl. Fr. 1'014.60 MwSt.) 
werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem 
Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
 
 

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9. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 14'191.50 
(inkl. Fr. 1'014.60 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen. 
 
10. 
Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten bis 28. August 2018 (Einsetzung amtlicher 
Verteidiger) sowie für den frei gewählten Verteidiger selbst. 

 

3. 

Mit Berufungserklärung vom 14. Mai 2021 beantragte der Beschuldigte, er 

sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Abhängigen 

gemäss Art. 188 Ziff. 1 StGB freizusprechen und zu einer Freiheitsstrafe 

von 3 Jahren zu verurteilen. Weiter sei auf die Anordnung einer 

therapeutischen Massnahme zu verzichten. Eventualiter sei eine 

ambulante Behandlung gemäss Art. 63 StGB anzuordnen und der noch zu 

vollziehende Teil der Freiheitsstrafe zugunsten der ambulanten 

Behandlung aufzuschieben. Der Beschuldigte beantragte weiter, dass er 

dazu zu verpflichten sei, dem Privatkläger A.F. eine Genugtuung von 

Fr. 15'000.00 anstatt Fr. 20'000.00 zzgl. Zins zu 5% ab 15. September 2014 

zu bezahlen. Mit Berufungserklärung wurde sodann beantragt, dass dem 

früheren amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt D., für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 21'999.75 zuzusprechen sei.  

 

4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 28. Januar 2022 statt. Der 

Beschuldigte hielt an seinen mit Berufungserklärung gestellten Anträgen 

fest. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Berufung. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Der Beschuldigte wendet sich mit Berufung gegen den Schuldspruch 

wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Abhängigen gemäss Art. 188 

Ziff. 1 StGB, das Strafmass, die Anordnung einer stationären 

therapeutischen Massnahme sowie die Höhe der Genugtuung. Die übrigen, 

nicht angefochtenen Punkte des vorinstanzlichen Urteils sind – unter 

Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 

StPO). Da lediglich der Beschuldigte Berufung erklärt hat und keine 

Anschlussberufung erhoben worden ist, ist das Obergericht an das 

Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius gemäss Art. 391 

Abs. 2 StPO) gebunden. 

 

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1.2. 

Nicht einzutreten ist auf den mit Berufungserklärung gestellten Antrag, dem 

amtlichen Verteidiger sei für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung von Fr. 21'999.75 zuzusprechen (Berufungserklärung S. 3). 

 

Ist der amtliche Verteidiger mit seiner erstinstanzlich zugesprochenen 

Entschädigung nicht einverstanden, so muss er innert 10 Tagen seit 

Zustellung des begründeten Entscheids in eigenem Namen an die 

Beschwerdeinstanz gelangen (Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO; Art. 396 Abs. 1 

StPO; BGE 143 IV 40 E. 3.2 ff.; BGE 140 IV 213 E. 1.4). Das ist nicht 

geschehen. Weder hat der amtliche Verteidiger den Antrag in eigenem 

Namen gestellt, sondern ausdrücklich im Namen und im Auftrag des 

Beschuldigten, noch wurde die zehntägige Frist eingehalten 

(vgl. Berufungserklärung S. 1 ff.; GA act. 370; Zustellung des motivierten 

Urteils am 27. April 2021, Berufungserklärung vom 14. Mai 2021). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf den in den 

Anklageziffern I.1.3 und I.2 zur Anklage erhobenen Sachverhalt der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 

StGB i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StGB schuldig gesprochen (vorinstanzliches 

Urteil E. 3.2. und E. 3.5.5.). 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom Vorwurf der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 

StGB freizusprechen (Berufungserklärung S. 2). 

 

2.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten, welcher von Mai 2013 bis August 

2015 als Schulsozialarbeiter bei der Schule Q. angestellt gewesen sei und 

in diesem Rahmen A.F. kennengelernt habe, vor, zwischen dem 

tt.mm.2014 und Februar 2015 mehrfach mit A.F., welcher damals 16 Jahre 

alt und von ihm abhängig gewesen sei, sexuelle Handlungen in Form von 

Oral- und Analverkehr vorgenommen zu haben. Nachdem A.F. die Schule 

im Sommer 2014 verlassen und eine Berufslehre begonnen habe, habe der 

Beschuldigte den privaten Kontakt aufrechterhalten, wodurch das bereits 

bestehende starke Abhängigkeitsverhältnis nahtlos weitergeführt worden 

sei. Die familiäre Situation von A.F. sei sehr schwierig gewesen, weshalb 

er sich regelmässig in der Wohnung des Beschuldigten aufgehalten und 

dort Alkohol und Marihuana konsumiert habe. Der Beschuldigte habe die 

bisher herrschende Nähe und Verbundenheit aufrechterhalten, indem er 

den Kontakt zur Familie von A.F. rege gepflegt und dieser vermeintliche 

Hilfe angeboten habe. A.F. sei heterosexuell und habe die sexuellen 

Handlungen nicht gewollt. 

 

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2.3. 

Der sexuellen Handlungen mit Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 StGB 

macht sich strafbar, wer mit einer minderjährigen Person von mehr als 

16 Jahren, die von ihm durch ein Erziehungs-, Betreuungs- oder 

Arbeitsverhältnis oder auf andere Weise abhängig ist, eine sexuelle 

Handlung vornimmt, indem er diese Abhängigkeit ausnützt oder wer eine 

solche Person unter Ausnützung ihrer Abhängigkeit zu einer sexuellen 

Handlung verleitet. Das Opfer ist abhängig, wenn es aufgrund eines der im 

Gesetz genannten Strukturmerkmale oder aus anderen Gründen nicht 

ungebunden bzw. frei und damit auf den Täter angewiesen ist. Dem 

Abhängigkeitsverhältnis liegt in der Regel eine besondere 

Vertrauensbeziehung zugrunde. Die Entscheidungsfreiheit ist durch das 

Abhängigkeitsverhältnis derart eingeschränkt, dass die jugendliche Person 

nicht mehr fähig ist, sich gegen sexuelle Ansuchen des Überlegenen zur 

Wehr zu setzen. Abhängigkeitsverhältnisse im Sinne der Generalklausel 

können sich im Verhältnis von Jugendlichen zu eigentlichen Mentoren im 

sportlichen, musikalischen oder kulturellen Bereich ergeben oder im 

Zusammenhang mit anderen Freizeitaktivitäten (SCHEIDEGGER, in: StGB 

Annotierter Kommentar, Bern 2020, N. 3 zu Art. 188 StGB; MAIER, in: 

Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 8 zu Art. 188 StGB). Das 

Bundesgericht hat ein Abhängigkeitsverhältnis bei einer Götti-ähnlichen 

Stellung des Täters bejaht (Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2011 vom 

20. Juni 2011 E. 1.3.1) und ebenso in einem Fall, in dem das Opfer vom 

Täter abhängig war, um bei den Eltern ausziehen zu können (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1091/2014 vom 24. November 2015 E. 1.3.2). 

Erforderlich ist weiter ein Motivationszusammenhang zwischen der 

Abhängigkeit des Opfers und der sexuellen Handlung. Es genügt, dass das 

Opfer aufgrund der konkreten Umstände keine andere Möglichkeit gesehen 

hat, als sich für die Zulassung oder Vornahme der sexuellen Handlung zu 

entscheiden. Ein zusätzliches Unter-Druck-Setzen durch den Täter ist nicht 

erforderlich. Ein Abhängigkeitsverhältnis allein genügt für die Erfüllung des 

Tatbestandes indessen nicht. Erforderlich ist, dass der Täter die 

Abhängigkeit ausnützt. Kein Ausnützen liegt vor, wenn die Beteiligten 

freiwillig sexuelle Kontakte miteinander unterhalten oder eine 

Liebesbeziehung eingegangen sind, ohne dass der ältere Partner seine 

Überlegenheit missbraucht hat. Das Ausnützen erfordert in objektiver 

Hinsicht, dass der Abhängige die sexuelle Handlung eigentlich nicht will, 

dass er sich, entgegen seinen inneren Widerständen, nur unter dem 

Eindruck der Autorität des anderen fügt. Bei der Ausnützung von 

Abhängigkeitsverhältnissen macht sich der Täter eine erheblich 

eingeschränkte Entscheidungsfreiheit oder Abwehrfähigkeit der 

abhängigen Person und ihre dadurch gegebene Gefügigkeit bewusst im 

Hinblick auf ein sexuelles Entgegenkommen zunutze. Es ist nicht 

erforderlich, dass der Überlegene offen oder versteckt Druck ausübt oder 

dass das Opfer einen konkreten Nachteil befürchtet. Auch das Bedürfnis 

nach nichtsexueller menschlicher Wärme, Nähe und Zuneigung eines 

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Jugendlichen kann insbesondere von Personen mit einer elternähnlichen 

Rolle für sexuelle Zwecke ausgenützt werden (Urteile des Bundesgerichts 

6B_211/2020 vom 19. Mai 2020 E. 4.2.1, 6B_1019/2018 vom 2. November 

2018 E. 3.1 und 6B_858/2010 vom 10. Februar 2011 E. 6.2.1). Der 

subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. 

Der Täter muss zumindest in Kauf nehmen, dass er sich über die innere 

Ablehnung des Abhängigen hinwegsetzt. Es ist die übergeordnete Person 

in einem Abhängigkeitsverhältnis, die sich darüber versichern muss, dass 

allfällige sexuelle Handlungen ausschliesslich im gegenseitigen 

Einverständnis vorgenommen werden und nicht auf einer vorbestehenden 

Drucksituation gründen. Bei einem rein passiven Verhalten des 

Gegenübers darf nicht auf dessen Zustimmung geschlossen werden (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_211/2020 vom 19. Mai 2020 E. 4.2.2 ff.). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass es im angeklagten Tatzeitraum mit 

A.F. rund zehnmal zu gegenseitigem Oral- und Analverkehr gekommen ist 

(vgl. E. 2.4.2). Er macht in Bezug auf die rechtliche Würdigung seines 

Verhaltens aber geltend, dass nach den Sommerferien des Jahres 2014 

kein Abhängigkeitsverhältnis bestanden habe, da A.F. in dieser Zeit 

ungebunden und nicht auf ihn angewiesen gewesen sei. Weiter habe kein 

Ausnützen vorgelegen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 44 f.; 

GA act. 223). 

 

Entgegen den Vorbringen des Beschuldigten, erachtet es das Obergericht 

gestützt auf die als glaubhaft zu qualifizierenden Aussagen von A.F. und 

des Beschuldigten als erstellt, dass A.F. zwischen dem tt.mm.2014 und 

Februar 2015 zum Beschuldigten in einem Abhängigkeitsverhältnis stand 

und der Beschuldigte dieses dazu ausnützte, um mit A.F. sexuelle 

Handlungen vorzunehmen: 

 

2.4.2. 

Der Beschuldigte hat eingestanden, dass er im angeklagten Tatzeitraum 

sexuelle Handlungen an A.F., welcher damals 16 Jahre alt war, 

vorgenommen hat (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19; GA act. 146; 

UA act. 1, 83). Es sei mehrmals zu gegenseitigem ungeschütztem Oral- 

und Analverkehr gekommen (UA act. 4, 38; 124; 128; GA act. 145 f.; 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 19 ff.). Dem Beschuldigten zufolge ist 

es insgesamt ca. 50 bis 60 Mal zur Vornahme von sexuellen Handlungen 

mit A.F. gekommen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19).  Dabei habe 

A.F. ihn etwas mehr als dreimal oral befriedigt und er selbst habe etwa zehn 

bis 20 Mal den Oralverkehr an A.F. vollzogen. Zu gegenseitigem 

Analverkehr sei es insgesamt ca. 30 bis 40 Mal gekommen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 19). A.F. hat bestätigt, dass es mehrfach zu 

gegenseitigem Oral- und Analverkehr zwischen ihm und dem 

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Beschuldigten gekommen sei (UA act. 4, 169 f.; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 9 ff.). A.F. zufolge seien eigentlich jedes Mal, 

wenn er beim Beschuldigten gewesen sei, sexuelle Handlungen vollzogen 

worden. Insgesamt sei es 50 bis 100 Mal zu sexuellen Handlungen 

gekommen und dabei insgesamt ungefähr 50 Mal zu gegenseitigem 

Analverkehr (Protokoll Berufungsverhandlung S. 10 f.). Er habe zwei oder 

drei Mal den Beschuldigten oral befriedigt und der Beschuldigte habe etwas 

mehr als zwei oder drei Mal den Oralverkehr an ihm vollzogen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 14 f.). Zur relevanten Tatzeitspanne gab A.F. an, 

sich nach seinem Lehrbeginn höchstens fünf bis zehn Mal mit dem 

Beschuldigten getroffen zu haben. In dieser Zeit sei es noch zwei oder drei 

Mal zu sexuellen Handlungen gekommen (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 13). Nachdem der Beschuldigte  nicht bestreitet, dass die Feststellung 

der Vorinstanz, wonach es innerhalb der relevanten Tatzeitspanne zehn 

Mal zu sexuellen Handlungen gekommen ist (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. 3.1.4.4.), korrekt sei und sodann auch glaubhaft  ausgesagt hat, dass es 

insgesamt 50 bis 60 Mal zur Vornahme von sexuellen Handlungen mit A.F. 

gekommen sei, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es in der 

relevanten Zeitspanne vom tt.mm.2014 bis Februar 2015 insgesamt rund 

zehnmal zu sexuellen Handlungen in Form von Oral- und/oder Analverkehr 

zwischen dem Beschuldigten und A.F. gekommen ist. Beim Analverkehr 

sei es jeweils bei beiden zum Samenerguss gekommen (UA act. 4, 128). 

Die sexuellen Handlungen hätten stets in der Wohnung des Beschuldigten 

in X. stattgefunden (UA act. 4, 129). Folglich ist gestützt auf die glaubhaften 

Aussagen des Beschuldigten erstellt, dass er zwischen dem tt.mm.2014 

und Februar 2015 mit dem damals 16-jährigen A.F. insgesamt rund 

zehnmal sexuelle Handlungen in Form von (gegenseitigem) Oral- und/oder 

Analverkehr vorgenommen hat. 

 

2.4.3. 

Zum Abhängigkeitsverhältnis, welches zwischen dem Beschuldigten und 

A.F. bestand, ist folgendes festzuhalten: 

 

Der Beschuldigte hat zu Protokoll gegeben, dass er von Mai 2013 bis 

August 2015 als Schulsozialarbeiter bei der Schule Q. angestellt gewesen 

sei und in diesem Rahmen A.F. kennengelernt habe. Er habe sich der 

Familie von A.F. angenähert und sei mit dieser befreundet gewesen. Es sei 

auch vorgekommen, dass er zusammen mit der Familie F. zu Mittag 

gegessen habe. Er habe den Kontakt zur Familie F. auch nach dem Ende 

der Betreuung von A.F. aufrechterhalten. A.F. sei häufig zu ihm nach 

Hause gekommen. Der Beschuldigte hat weiter angegeben, dass sein 

Zuhause für A.F. ein Zufluchtsort gewesen sei, weil dieser zuhause eine 

schwierige Zeit durchgemacht habe, was er (der Beschuldigte) gnadenlos 

ausgenutzt habe (GA act. 145 f.; UA act. 4, 37 f.; 126). A.F. habe oft bei 

ihm übernachtet, wobei es dann häufig zu sexuellen Handlungen 

gekommen sei (UA act. 4, 125). Dem Beschuldigten zufolge sei es 

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vorgekommen, dass A.F. vor den sexuellen Handlungen Alkohol und 

Marihuana konsumiert habe (UA act. 4, 129). An der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, er habe A.F. das 

Marihuana aufgrund seines damaligen «Konzepts von Begünstigungen» 

angeboten (GA act. 148). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte er 

jedoch, seiner früheren Aussage widersprechend, geltend, kein 

Begünstigungskonzept gehabt zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 21). In Würdigung der Vorgehensweise des Beschuldigten und der 

gesamten Umstände (vgl. dazu unten), kann ihm jedoch nicht geglaubt 

werden, dass er kein solches Konzept angewendet haben soll. Dies geht 

denn auch klar aus seinen nachfolgend dargelegten Aussagen hervor. So 

hat er ausgesagt, A.F. das Marihuana zwar nicht mit der direkten Absicht 

gegeben zu haben, etwas zu erreichen, wobei er jedoch trotzdem «die 

Situation» gewollt habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 20). Wenn 

A.F. jeweils etwas habe unternehmen wollen, hätten sie dies auch 

gemacht. Dies habe dem Zweck gedient, die Beziehung zu festigen 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 21). Der Beschuldigte führte weiter 

aus, die ganze Situation bewusst mit seiner Art und Weise herbeigeführt zu 

haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19 und 23). Zum Verhältnis 

zwischen ihm und A.F. gab der Beschuldigte an, er habe das Gefühl, dass 

A.F. ihn als Kumpel angesehen habe, bei dem dieser seine Probleme habe 

abladen können und der Zeit für ihn gehabt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 22). Er gab in Bezug zum relevanten Tatzeitraum 

vom tt.mm.2014 bis Februar 2015 an, dass A.F. ihn damals zwar noch 

regelmässig besucht habe, wobei die Treffen in grösseren Abständen 

stattgefunden hätten (GA act. 145 f.). Schliesslich habe er deshalb keinen 

Kontakt mehr zu A.F. gehabt, weil die beiden sich aus den Augen verloren 

hätten (UA act. 4, 91).  

 

In Bezug auf die Zeit nach seinem Lehrbeginn führte A.F. aus, dass er im 

August 2014 eine Lehre als Montage-Elektriker bei der P. AG in Y. 

begonnen habe. Der Beschuldigte habe ihm regelmässig kostenlos Alkohol 

und Marihuana abgegeben, was er dann vor den sexuellen Handlungen 

konsumiert habe. Das erste Mal gekifft und Alkohol getrunken habe er 

zusammen mit dem Beschuldigten. Weiter habe der Beschuldigte ihm 

jeweils auch Zigaretten gekauft, woraufhin er deswegen angefangen habe 

zu rauchen. Der Beschuldigte sei für ihn ein Vaterersatz sowie eine 

Vertrauensperson gewesen und eine der wenigen Personen, mit denen er 

über seine persönlichen Probleme habe reden können. In der relevanten 

Zeitspanne habe er sehr häufig beim Beschuldigten übernachtet und sei 

deshalb nicht oft zuhause gewesen. Er sei häufiger beim Beschuldigten als 

bei sich zuhause gewesen. Dies habe er gemacht, um von zuhause 

wegzukommen und abschalten zu können und auch in der Hoffnung, dass 

seine Eltern dadurch etwas zur Ruhe kommen würden. Wenn er jeweils 

etwas habe unternehmen wollen, habe der Beschuldigte versucht, ihm dies 

zu ermöglichen. Nach seinem Lehrbeginn habe sich der Kontakt zum 

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Beschuldigten allmählich aufgelöst, weil er, A.F., neue Freunde gefunden 

und angefangen habe, sich vom Beschuldigten zu distanzieren. Der 

Beschuldigte habe zwar versucht, den Kontakt aufrechtzuhalten, er (A.F.) 

habe dann aber Zeit mit seinen Kollegen verbracht (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4 ff.; UA act. 4, 167; 176 f.). 

 

Aus den dargelegten Aussagen geht klar hervor, dass A.F. in mehrfacher 

Hinsicht nicht ungebunden und frei, sondern vom Beschuldigten abhängig 

bzw. auf diesen angewiesen war. So war A.F. insbesondere vom 

Beschuldigten abhängig, um jeweils nächtelang nicht nachhause gehen zu 

müssen und um von ihm Alkohol, Zigaretten und Marihuana zu erhalten. 

Dass A.F. trotz der von ihm nicht eigeninitiativ gewollten sexuellen 

Übergriffe nach wie vor den Beschuldigten besuchte und bei diesem 

übernachtete zeigt, dass er nicht fähig war, sich gegen die 

vorgenommenen sexuellen Handlungen zur Wehr zu setzen. Dies machte 

er seinen eigenen Angaben zufolge, weil das Zuhause des Beschuldigten 

für ihn ein Zufluchtsort gewesen sei. Er habe sich jeweils darüber gefreut, 

von zuhause weg zu können und habe dank dem Marihuana abschalten 

und alles vergessen können. Die sexuellen Handlungen seien der Preis 

dafür gewesen, dass er sich beim Beschuldigten habe aufhalten können 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 15). Er habe die sexuellen 

Handlungen unter anderem deshalb zugelassen, weil er Angst gehabt 

habe, den Beschuldigten ansonsten zu verlieren. Der Beschuldigte sei ihm 

zufolge für ihn ein Vaterersatz sowie eine Bezugsperson gewesen, von 

welcher er abhängig gewesen sei, da seine eigene familiäre Situation nicht 

gut gewesen sei und er im Übrigen auch nicht wirklich Freunde gehabt habe 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 10). Der Beschuldigte bestätigte denn 

auch, dass sich A.F. deshalb auf ihn eingelassen habe und die sexuellen 

Handlungen über sich habe ergehen lassen, weil dieser eine gewisse 

Verlustangst gehabt habe. So sei er der Ansicht, A.F. habe Angst davor 

gehabt, dass er (der Beschuldigte) sich keine Zeit mehr für ihn hätte 

nehmen können. Aufgrund dessen habe sich A.F. dem Beschuldigten 

zufolge fast gezwungen gefühlt, die sexuellen Handlungen vorzunehmen 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 24 f.). Dem Abhängigkeitsverhältnis 

lag eine besondere Vertrauensbeziehung zugrunde, welche aufgrund der 

Zuteilung des Beschuldigten als Betreuer und Vertrauensperson von A.F. 

im Frühjahr 2013 bereits vor dem relevanten Tatzeitraum vom tt.mm.2014 

bis Februar 2015 entstanden war und auch noch im relevanten 

Tatzeitraum, wenn auch nicht mehr aufgrund eines Betreuungs-

verhältnisses, da A.F. in diesem Zeitraum nicht mehr durch den 

Beschuldigten betreut wurde, weiterhin bestand. Dass – entgegen dem 

Vorbringen des Beschuldigten – auch noch nach dem 16. Geburtstag von 

A.F. von einem bestehenden Abhängigkeitsverhältnis auszugehen ist, geht 

aus den obigen Aussagen mit genügender Bestimmtheit hervor. 

 

 - 11 - 

 

 

 

Indem der Beschuldigte vermeintlich für A.F. da war, als es seinem Vater 

schlecht ging und seine Mutter keine Zeit für ihn hatte, sowie ein Freund 

der Familie F. war und das Vertrauen der Eltern von A.F. genoss, hat er 

eine Vater- resp. Götti-ähnliche Stellung eingenommen. Folglich ist das 

Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne der Generalklausel 

von Art. 188 StGB zu bejahen. Aufgrund der Abhängigkeit hat A.F. die vom 

Beschuldigten an ihm verübten sexuellen Handlungen geduldet, weshalb 

das Vorliegen eines Motivationszusammenhangs ebenfalls zu bejahen ist. 

 

Insoweit der Beschuldigte vorbringt, aus der Anklage gehe nicht hervor, 

dass er die Entscheidungsfreiheit von A.F. eingeschränkt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 45), kann ihm nicht gefolgt werden. So wurde in 

der Anklage festgehalten, dass A.F. keine sexuellen Kontakte mit dem 

Beschuldigten gewollt habe und die Übergriffe zugelassen habe, um das 

bestehende Verhältnis mit dem Beschuldigten nicht zu gefährden (Anklage 

S. 5). 

 

2.4.4. 

Der Beschuldigte hat das vorliegende Abhängigkeitsverhältnis ausgenützt. 

So hat er zu Protokoll gegeben, das bestehende Vertrauensverhältnis 

missbraucht zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 21). Er hat 

zwar, nachdem er an seiner Einvernahme vom 16. November 2016 noch 

bestätigt hatte, dass er und A.F. im relevanten Tatzeitraum in keiner 

Beziehung gewesen seien (UA act. 4, 129), an der Berufungsverhandlung 

angegeben, dass er seines Erachtens eine Beziehung mit A.F. gehabt 

habe, weil er Gefühle für diesen entwickelt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 22). Eine tatsächliche gegenseitige 

Liebesbeziehung bestand gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A.F. 

jedoch nicht. So hat dieser ausgesagt, die sexuellen Handlungen eigentlich 

nicht gewollt zu haben, dass ihm diese immer unangenehm gewesen seien 

und dass die Initiative jeweils vom Beschuldigten ausgegangen sei. Der 

Beschuldigte habe ihn zwar nicht direkt zu den sexuellen Handlungen 

gezwungen, jedoch jeweils auf ihn eingeredet und ihm gesagt, dass 

niemand davon erfahren werde und es nicht so schlimm sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 10; UA act. 4, 170 ff.). Er habe die sexuellen 

Handlungen als eklig empfunden, weshalb er sich nach diesen jeweils vom 

Beschuldigten abgedreht habe. Er habe diese jedoch deshalb zugelassen 

und nicht darüber nachgedacht, weil er unter dem Einfluss von Alkohol oder 

Drogen gestanden habe. A.F. gab denn auch an, heterosexuell zu sein. 

Ausser mit dem Beschuldigten, habe er nie mit einem Mann sexuelle 

Handlungen vorgenommen. Er sei der Meinung, dass der Beschuldigte es 

ausgenutzt habe, dass er niemanden gehabt habe, dem er sich hätte 

anvertrauen können (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8 ff.). Der 

Beschuldigte hat in Bezug auf den relevanten Tatzeitraum denn auch 

bestätigt, dass A.F. in dieser Zeit nicht freiwillig Kontakt zu ihm gehabt 

habe. Dieser habe versucht, sich von ihm zu lösen, woraufhin er (der 

 - 12 - 

 

 

 

Beschuldigte) versucht habe, ihn davon abzuhalten (GA act. 145 f.). Aus 

diesen übereinstimmenden Aussagen geht klar hervor, dass A.F. die 

sexuellen Handlungen eigentlich nicht wollte und sich, entgegen seinen 

inneren Widerständen, nur unter dem Eindruck der Autorität des 

Beschuldigten gefügt hat. Der Beschuldigte hat sich die erheblich 

eingeschränkte Abwehrfähigkeit von A.F. und dessen dadurch gegebene 

Gefügigkeit wie auch dessen Bedürfnis nach nichtsexueller menschlicher 

Wärme, Nähe und Zuneigung zunutze gemacht. So hat der Beschuldigte 

denn auch eigenstanden, dass er A.F. Anerkennung, Zeit und 

Wertschätzung entgegengebracht habe, da A.F. dies von seiner Familie 

nur beschränkt bekommen habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 26). 

 

2.4.5. 

Der Beschuldigte kannte das Geburtsdatum von A.F. (UA act. 4, 91) und 

damit auch dessen Alter im Zeitraum der Vornahme der sexuellen 

Handlungen. Er wusste weiter um die schwierigen familiären Verhältnisse 

von A.F. (Protokoll Berufungsverhandlung S. 18) und das von ihm 

geschaffene Abhängigkeitsverhältnis, hat er doch an der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung eingestanden, ein sogenanntes «Konzept von 

Begünstigungen» angewendet zu haben und beispielsweise in diesem 

Zusammenhang A.F. Marihuana und Alkohol angeboten zu haben (GA act. 

148). Seiner an der Berufungsverhandlung gemachten Aussage, wonach 

er kein solches Konzept gehabt habe, kann – wie bereits vorgängig 

dargelegt (vgl. E. 2.4.3) – nicht gefolgt werden. Er schuf willentlich ein Ab-

hängigkeitsverhältnis, um dieses in der Folge zur Vornahme von sexuellen 

Handlungen ausnützen zu können (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 19). So wusste er, dass das Abhängigkeitsverhältnis als Triebfeder für 

die sexuelle Gefügigkeit von A.F. diente und wollte dies auch. Ihm war 

bewusst, dass A.F. die sexuellen Handlungen nicht wollte, hat er doch 

bestätigt, gewusst zu haben, dass A.F. in dieser Zeit nicht freiwillig Kontakt 

zu ihm gehabt habe (GA act. 145 f.). Hinzukommt, dass A.F. glaubhaft 

bestätigt hat, dass er selbst das Gefühl gehabt habe, der Beschuldigte 

habe gemerkt, dass er (A.F.) die sexuellen Handlungen nur deshalb 

zugelassen habe, weil er Angst davor gehabt habe, ansonsten den 

Beschuldigten als Vertrauensperson zu verlieren und dass der 

Beschuldigte diese Situation bewusst angestrebt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 10). Der Beschuldigte handelte somit vorsätzlich. 

 

Der Beschuldigte hat sowohl den objektiven wie auch den subjektiven 

Tatbestand der sexuellen Handlungen mit einem Abhängigen mehrfach 

erfüllt, weshalb er sich der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem 

Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 StGB strafbar gemacht hat. 

 

 - 13 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 7 Jahren verurteilt (vorinstanzliches Urteil E. 4). 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei zu einer Freiheitsstrafe von 

3 Jahren zu verurteilen (Berufungserklärung S. 2). 

 

3.2. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit Abhängigen gemäss Art. 188 Ziff. 1 StGB, der sexuellen 

Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB, der 

mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB, der 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 

lit. c BetmG und der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19bis BetmG strafbar gemacht. Dafür 

ist er angemessen zu bestrafen. 

 

3.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt. Entsprechendes gilt für die Bildung der 

Einsatzstrafe und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in 

Anwendung des Asperationsprinzips (vgl. BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 

313; BGE 144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.6.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

Am 1. Januar 2018 ist das teilrevidierte Sanktionenrecht in Kraft getreten. 

Wie zu zeigen sein wird, zeitigt es auf die auszusprechenden Strafen 

jedoch keine konkreten Auswirkungen. Es erweist sich mithin nicht als 

milder (vgl. sog. «lex mitior», Art. 2 Abs. 2 StGB). Entsprechend findet das 

im Zeitpunkt der Taten geltende Recht Anwendung (Art. 2 Abs. 1 StGB). 

 

3.4. 

3.4.1. 

In einem ersten Schritt ist die Einsatzstrafe für die schwerste sexuelle 

Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB festzusetzen. Es 

handelt sich um den vom Beschuldigten mit A.F. unmittelbar nacheinander 

vollzogenen gegenseitigen Oral- und Analverkehr. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der 

Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern schützt die ungestörte 

psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung des Kindes (BGE 146 IV 

153 E. 3.5.2). Auch wenn es dabei um eine Gefährdung (siehe Marginalie 

 - 14 - 

 

 

 

zu Art. 187 f. StGB) und nicht einen Angriff auf die sexuelle Freiheit und 

Ehre geht (siehe Marginale zu Art. 189 ff. StGB), spielen dabei die konkret 

vorgenommenen sexuellen Handlungen, deren Intensität und deren 

Häufigkeit eine wichtige Rolle. Es versteht sich denn auch von selbst, dass 

als besonders schwer zu qualifizierende sexuelle Handlungen auch zu 

einer entsprechend höheren Gefährdung der ungestörten psychisch-

emotionalen und sexuellen Entwicklung des betroffenen Kindes führen. 

 

Der Beschuldigte hat die als schwerste Straftat zu qualifizierende sexuelle 

Handlung mit einem Kind an einem Tag im Zeitraum zwischen April 2014 

und dem tt.mm.2014 mit dem im Tatzeitpunkt 15 Jahre alten A.F. in Form 

von gegenseitigem Oral- und Analverkehr vollzogen. Er hat A.F. oral sowie 

anal mit seinem Penis penetriert und sich von A.F. oral und anal mit dessen 

Penis penetrieren lassen (vorinstanzliches Urteil E. 3.1.4.4.; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 10 ff. und 19 f.; GA act. 145 f.; UA act. 4, 126 ff.). 

Dies hat ungefähr eine bis zwei Minuten gedauert (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 11 und 20). Dabei ist es beim Beschuldigten wie 

auch bei A.F. zur Ejakulation auf ihre eigene Hand gekommen (UA act. 4, 

128; Protokoll Berufungsverhandlung S. 11). Durch sein Verhalten hat der 

Beschuldigte ganz bewusst und erheblich in die psychisch-emotionale und 

sexuelle Entwicklung von A.F. eingegriffen. Beim gegenseitigen Oral- und 

Analverkehr handelt es sich im breiten Spektrum der bei einer sexuellen 

Handlung mit einem Kind denkbaren sexuellen Handlungen um eine der 

schwersten und gravierendsten Formen. Mithin ist hinsichtlich des 

geschützten Rechtsguts der ungestörten seelischen und sexuellen 

Entwicklung von A.F. von einer schweren Gefährdung auszugehen, auch 

wenn zu berücksichtigen, dass A.F. im Tatzeitpunkt beinahe 16 Jahre alt 

war und sich somit nur noch knapp im Schutzalter des Tatbestands der 

sexuellen Handlungen mit Kindern befand. Daran ändert auch nichts, dass 

der Beschuldigte – wahrheitswidrig – davon ausgegangen ist, dass es sich 

nicht um den ersten Sexualkontakt von A.F. gehandelt habe. Aufgrund der 

Intensität des Übergriffs ist davon auszugehen, dass der gegenseitige Oral- 

und Analverkehr nicht bloss untergeordnete Spuren hinterlassen hat. A.F. 

wurde durch den gegenseitigen Oral- und Analverkehr – soweit ersichtlich 

– nicht physisch verletzt und hat auch keine Schmerzen erlitten (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 11). Diese Umstände wirken sich allerdings 

neutral aus, da das Fehlen eines verschuldenserhöhenden Umstandes 

nicht verschuldensmindernd, sondern überhaupt nicht zu berücksichtigen 

ist. 

 

Mittelschwer verschuldenserhöhend ist die Verwerflichkeit des Handelns 

des Beschuldigten zu berücksichtigen, welche über die blosse Erfüllung 

des Tatbestands hinausgegangen ist. Er hat das von ihm geschaffene 

Vertrauensverhältnis im Wissen um die zunehmende Abhängigkeit von 

A.F. «gnadenlos» (so die eigenen Worte des Beschuldigten) ausgenutzt, 

um schliesslich den gegenseitigen Oral- und Analverkehr ermöglichen zu 

 - 15 - 

 

 

 

können. Dazu hat er mit A.F. auch bewusst Alkohol und Marihuana 

konsumiert. Mithin ist die sexuelle Handlung nicht aus dem Moment heraus 

geschehen, sondern ist vom Beschuldigten systematisch angestrebt 

worden. Die Sachverständige, Dr. med. C., hat an der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung die generelle und auf sämtliche Opfer zutreffende 

Vorgehensweise des Beschuldigten dargelegt. Er habe jeweils bewusst 

Jugendliche aus «Broken-Home-Familien» ausgewählt. Danach habe er 

jeweils herausgefunden, welche Probleme der Jugendliche habe und wie 

er diese lösen könne, um dessen Vertrauen zu gewinnen. In einer zweiten 

Phase sei es darum gegangen, Vertrauen aufzubauen und als Helfer da zu 

sein, um die Probleme zu lösen. Als das Vertrauen bestanden habe, habe 

eine Annäherung zur Sexualität stattgefunden. Dies zuerst mittels 

Zufallsberührungen und Umarmungen, um den Jugendlichen langsam an 

die Berührungen zu gewöhnen. Anschliessend sei der Beschuldigte zu 

angeblich zufälligen sexuellen Berührungen übergegangen (GA act. 129). 

Der Beschuldigte hat bestätigt, dass die durch Dr. med. C. an der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung getätigten Angaben zu seinem 

Vorgehen stimmen würden (GA act. 142). Zusätzlich hat er eingestanden, 

eine Ausbildung zum Sozialpädagogen absolviert zu haben, um an junge 

Menschen herankommen zu können (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 27; GA act. 148). Er hat weiter bestätigt, die Tatsache, dass sein 

Zuhause für A.F. ein Zufluchtsort war, gnadenlos ausgenützt zu haben. Er 

habe bewusst eine Dynamik in Gang gesetzt und über Aufklärung 

gesprochen, um die bei A.F. vorhandene sexuelle Neugier ausnützen zu 

können (GA act. 145). Weiter habe er die ganze Situation bewusst mit 

seiner Art und Weise herbeigeführt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19 

und 23). Dies zeigt, wie zielgerichtet und geplant der Beschuldigte 

vorgegangen ist, was von einem hohen Ausmass an Skrupellosigkeit zeugt. 

Leicht verschuldenserhöhend ist zu berücksichtigen, dass der gegenseitige 

Oral- und Analverkehr ungeschützt vollzogen worden ist. Die Beweggründe 

des Beschuldigten, die auf seine eigene sexuelle Befriedigung ausgerichtet 

waren, dürfen hingegen nicht zusätzlich verschuldenserhöhend 

berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 

3. Dezember 2002 E. 7.4.2). 

  

Mit Blick auf das Mass der Entscheidungsfreiheit ist zu berücksichtigen, 

dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt leichtgradig 

vermindert war. So litt er an einer Kernephebophilie, welche – unter 

anderem – bei den ephebosexuellen Handlungen zu einer eingeschränkten 

Steuerungsfähigkeit geführt hat. Seine Einsichtsfähigkeit war jedoch 

vorhanden (vgl. UA act. 2, 380). Nachdem im psychiatrischen Gutachten 

vom 12. Juli 2018 noch festgehalten worden war, dass die psychische 

Störung des Beschuldigten (vgl. hierzu die Ausführungen in E. 4.5.1) seine 

Schuldfähigkeit unter anderem in Bezug auf die sexuellen Handlungen mit 

einem Kind in leichtem Masse einschränke, hielt die Sachverständige, 

Dr. med. C., an der Berufungsverhandlung korrigierend fest, dass die 

 - 16 - 

 

 

 

Schwere der psychischen Störung deutlich schwerer als ursprünglich im 

Gutachten angenommen einzuschätzen sei, weshalb die 

Verhaltenskontrolle des Beschuldigten durch seine psychische Störung 

deutlich herabgesetzt gewesen sei, aufgrund dessen nicht mehr, wie 

ursprünglich angenommen, von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit 

auszugehen sei, sondern von einer in mittelgradigem Masse verminderten 

Schuldfähigkeit (Protokoll Berufungsverhandlung S. 32 f. und 37). Hierbei 

handelt es sich jedoch lediglich um die medizinische Einschätzung der 

Verminderung der Schuldfähigkeit. Diesbezüglich gilt es die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung zu berücksichtigen, wonach nicht jede 

geringfügige Herabsetzung der Fähigkeit, sich zu beherrschen, genügt, um 

eine verminderte Schuldfähigkeit anzunehmen. Der Betroffene muss 

vielmehr in hohem Masse in den Bereich des Abnormen fallen. Seine 

Geistesverfassung muss mithin nach Art und Grad stark vom Durchschnitt 

nicht bloss der Rechts-, sondern auch der Verbrechensgenossen 

abweichen. Zeigt das Verhalten des Täters vor, während und nach der Tat, 

dass ein Realitätsbezug erhalten war, er sich an wechselnde Erfordernisse 

der Situation anpassen, auf eine Gelegenheit zur Tat warten oder diese gar 

herbeiführen konnte, so hat eine schwere Beeinträchtigung nicht 

vorgelegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1394/2017 vom 2. August 2018 

E. 3.2). Das zielgerichtete und systematische Vorgehen des Beschuldigten, 

um mit A.F., I. und G. sexuelle Handlungen vornehmen zu können (vgl. 

dazu die vorgängigen Ausführungen in Bezug auf die generelle und auf 

sämtliche Opfer zutreffende Vorgehensweise des Beschuldigten), zeigt, 

dass beim Beschuldigten ein Realitätsbezug vorhanden war, er sich an die 

wechselnden Erfordernisse der jeweiligen Situation anpassen und sodann 

die Gelegenheiten zur Tatausführung gar herbeiführen konnte. Aufgrund 

dessen weicht seine Geistesverfassung nach Art und Grad nicht derart 

stark vom Durchschnitt der Rechts- und Verbrechensgenossen ab, als dass 

bei ihm von einer mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen 

werden müsste. Davon konnte sich das Obergericht denn auch anlässlich 

der Berufungsverhandlung überzeugen. Folglich liegt beim Beschuldigten 

keine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit vor, sondern eine 

leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit. Das Mass der Entscheidungs-

freiheit ist entsprechend als leicht reduziert anzusehen. 

 

Insgesamt wäre in Relation zum Strafrahmen von bis zu fünf Jahren 

Freiheitsstrafe und der davon erfassten sexuellen Handlungen bei 

uneingeschränkter Schuldfähigkeit von einem mittelschweren bis schweren 

Tatverschulden auszugehen. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass die 

Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt leichtgradig vermindert 

war. Damit vermindert sich das mittelschwere bis schwere Verschulden zu 

einem mittelschweren Verschulden (siehe BGE 136 IV 55), wofür eine 

Einsatzfreiheitsstrafe von 2 ½ Jahren angemessen erscheint. 

 

 - 17 - 

 

 

 

3.4.2. 

Der Beschuldigte hat nebst der schwersten sexuellen Handlung, für welche 

die Einsatzstrafe festgesetzt worden ist, zwischen April 2014 und dem 

tt.mm.2014 und somit während rund einem halben Jahr zahlreiche weitere 

sexuelle Handlungen an und mit A.F. vollzogen (der Beschuldigte geht von 

insgesamt 50 bis 60 sexuellen Handlungen aus, A.F. von 50 bis 100 

sexuellen Handlungen, vgl. E. 2.4.2). Dabei ist es teilweise sowohl zu Oral- 

als auch Analverkehr, teilweise nur zu Oralverkehr und – was meistens der 

Fall war – zu gegenseitigem Analverkehr gekommen. Der Beschuldigte hat 

jeweils A.F. anal und/oder oral mit seinem Penis penetriert und sich von 

A.F. anal und/oder oral mit dessen Penis penetrieren lassen, wodurch er 

wiederum ganz bewusst und erheblich die psychisch-emotionale und 

sexuelle Entwicklung von A.F. gefährdet hat. Es kann dazu auf die obigen 

Erwägungen verwiesen werden. Entsprechend wäre – unter 

Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten – bei isolierter Betrachtung aufgrund des mittelschweren 

Verschuldens für jene Vorfälle, bei denen es nacheinander zu Oral- und 

Analverkehr gekommen ist, eine Einzelstrafe von jeweils 2 ½ Jahren 

festzusetzen. Bei denjenigen Vorfällen, bei welchen es zu gegenseitigem 

Analverkehr, nicht jedoch zu Oralverkehr gekommen ist, wären – ebenfalls 

unter Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten – bei isolierter Betrachtung aufgrund des jeweils nicht mehr 

leichten bis mittelschweren Verschuldens Einzelstrafen von je 2 Jahren 

auszufällen. Bei jenen Vorfällen, bei denen es zum (gegenseitigen) 

Oralverkehr gekommen ist, wäre – unter Berücksichtigung der leichtgradig 

verminderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten – bei isolierter 

Betrachtung aufgrund der minder schweren Eingriffsintensität eine 

Einzelstrafe von je 1 ¼ Jahren festzusetzen. 

 

Im Rahmen der Asperation dieser weiterer Straftaten zum Nachteil von A.F. 

ist einerseits zu berücksichtigen, dass insofern ein gewisser 

Zusammenhang zwischen den einzelnen sexuellen Handlungen vorliegt, 

als sie immer an und von A.F. und in der Wohnung des Beschuldigten 

vorgenommen worden sind. Andererseits besteht hinsichtlich der zu 

verschiedenen Zeitpunkten vorgenommenen sexuellen Handlungen aber 

kein besonders enger Zusammenhang. Insbesondere ist nicht von einer 

natürlichen Handlungseinheit aller sexueller Handlungen mit A.F. 

auszugehen. Vielmehr hat der Beschuldigte den Vorsatz hinsichtlich der 

während rund einem halben Jahr zahlreich vorgenommenen sexuellen 

Handlungen immer wieder von neuem gefasst. Unter diesen Umständen 

erscheint eine Asperation innerhalb des ordentlichen Strafrahmens von bis 

zu 5 Jahren aufgrund der Vielzahl und der hohen Intensität der sexuellen 

Handlungen und der damit einhergehenden schweren Beeinträchtigung 

des geschützten Rechtsguts auch unter Berücksichtigung der verminderten 

Schuldfähigkeit des Beschuldigten nicht mehr schuldangemessen mild, 

weshalb der ordentliche Strafrahmen nach oben zu öffnen ist (vgl. BGE 136 

 - 18 - 

 

 

 

IV 55 E. 5.8). Angemessen erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe für 

die zahlreichen weiteren zum Nachteil von A.F. begangenen sexuellen 

Handlungen um insgesamt 5 Jahre auf 7 ½ Jahre Freiheitsstrafe. 

 

Diese Strafe wäre an sich – insoweit dafür bei isolierter Betrachtung 

aufgrund der Schwere des Verschuldens je auf eine Freiheitsstrafe zu 

erkennen wäre – aufgrund der weiteren sexuellen Handlungen zum 

Nachteil von I. und G., der sexuellen Handlungen mit einem Abhängigen 

zum Nachteil von A.F. und die sexuelle Handlung mit einem Minderjährigen 

gegen Entgelt zum Nachteil von H. in Anwendung des Asperationsprinzips 

gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zusätzlich zu erhöhen. Da jedoch das 

zulässige Höchstmass von 7 ½ Jahren bereits erreicht ist (vgl. Art. 49 Abs. 

1 StGB), hat es damit sein Bewenden. Aufgrund des 

Verschlechterungsverbots ist sodann auch ausgeschlossen, für jene 

Straftaten, für welche bei isolierter Betrachtung je auf eine Geldstrafe zu 

erkennen wäre (u.a. Pornografie, die Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG und die 

mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 

19bis BetmG), eine zusätzliche Geldstrafe auszufällen. In Nachachtung des 

Verschlechterungsverbots fällt das Aussprechen einer zusätzlichen 

Geldstrafe somit ausser Betracht (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

 

3.4.3.  

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

weist keine Vorstrafen auf (vgl. aktueller Strafregisterauszug), was sich als 

Normalfall jedoch neutral auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Er hat durch 

seine Geständnisse die Strafverfolgung vereinfacht und verkürzt, weshalb 

diese nicht unberücksichtigt bleiben dürfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_65/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.4). Ausgeschlossen ist jedoch eine 

erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an vollumfänglich 

geständigen sowie einsichtigen und reuigen Täter möglich ist. Der 

Beschuldigte hat erst an seiner Einvernahme vom 25. September 2015 ein 

erstes Geständnis abgelegt (UA act. 4, 38) und mit seinem Schreiben vom 

2. November 2016 weitere Geständnisse abgelegt (UA act. 1, 101/1), 

nachdem er an seiner ersten Einvernahme vom 26. August 2015 noch 

abgestritten hatte, jemals sexuelle Handlungen mit Kindern oder 

Jugendlichen vorgenommen zu haben (UA act. 4, 7). Insoweit er wiederholt 

beteuert hat, ihm tue leid, was er gemacht habe und dass er die 

Verantwortung für alles was passiert sei, trage (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 51; vgl. UA act. 4, 94), so wird sich noch weisen 

müssen, ob es sich dabei um eine über eine blosse Tatfolgenreue 

hinausgehende echte Reue handelt. Dies erscheint in Anbetracht dessen, 

dass er wiederholt zu Protokoll gegeben hatte, A.F. und I. hätten die 

Initiative zur Vornahme der sexuellen Handlungen ergriffen (UA act. 4, 38; 

124; 127; 133; GA act. 143), womit er zumindest einen Teil der Schuld 

seinen Opfern zuzuweisen scheint, als fraglich. 

 - 19 - 

 

 

 

 

Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten betrifft, so ist er ledig 

und kinderlos. Seine Niederlassungsbewilligung (Ausländerausweis C) ist 

mittlerweile abgelaufen. Er hat zuerst eine Ausbildung zum Elektromonteur 

und später zum Sozialpädagogen absolviert (GA act. 148; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 27). Seine Strafempfindlichkeit erscheint 

durchschnittlich. Das Bundesgericht hat wiederholt betont, dass eine 

erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu 

bejahen ist (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 6B_1235/2018 vom 

28. September 2018 E. 5 mit Hinweisen; 6B_1079/2016 vom 21. März 2017 

E. 1.4.5). Es ist zwar unbestritten, dass ein Strafvollzug eine Belastung dar-

stellt. Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe ist jedoch für jede Person mit 

einer gewissen Härte verbunden. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern der 

Beschuldigte von der auszusprechenden Freiheitsstrafe härter getroffen 

würde als jede andere beruflich und sozial integrierte Person. Dass die 

Medienberichterstattung im August 2018 – dem Beschuldigten zufolge –  

angeblich dazu geführt haben soll, dass er seine Stelle bei der O. verloren 

habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 27; GA act. 220), kann daran 

nichts ändern. So war nicht die Berichterstattung die Hauptursache für die 

Kündigung der Arbeitsstelle durch die O., sondern die vom Beschuldigten 

begangenen Delikte. Es ist denn auch davon auszugehen, dass er seine 

Arbeitsstelle aufgrund der zu verbüssenden Freiheitsstrafe resp. aufgrund 

des vorzeitigen Strafvollzugs ohnehin spätestens am 4. Dezember 2018 

verloren hätte.  

 

Insgesamt überwiegen die positiven Faktoren, weshalb sich die 

Täterkomponente damit insgesamt im Umfang von ½ Jahr strafmindernd 

auswirkt. 

 

3.4.4. 

Der Beschuldigte rügt einerseits eine lange Verfahrensdauer und 

andererseits eine Verletzung des Beschleunigungsgebots und begründet 

dies damit, dass das Verfahren bis zur vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

trotz seines vollumfänglichen Geständnisses vom 2. November 2016 

länger als 5 Jahre gedauert habe. Sodann sei nicht nachvollziehbar, 

weshalb die Staatsanwaltschaft das psychiatrische Gutachten erst am 

16. April 2018 in Auftrag gegeben habe (GA act. 226 f.). 

 

Nach Art. 48 lit. e StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das 

Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich 

vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Der 

Strafmilderungsgrund infolge langen Zeitablaufs ist in jedem Fall zu 

berücksichtigen, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen sind und 

der Täter sich in dieser Zeit wohlverhalten hat. Zeitlich massgebend ist das 

zweitinstanzliche kantonale Urteil (BGE 140 IV 145 E. 3.1). Das in Art. 29 

Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 5 StPO verankerte 

 - 20 - 

 

 

 

Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig 

voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die gegen ihn 

erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Dieser soll nicht länger als 

notwendig den Belastungen eines Strafverfahrens ausgesetzt sein. Welche 

Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, 

die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Kriterien hierfür bilden etwa die 

Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhaltes, die dadurch 

gebotenen Untersuchungshandlungen, die Schwierigkeit und Dringlichkeit 

der Sache, das Verhalten des Beschuldigten und dasjenige der Behörden 

sowie die Zumutbarkeit für den Beschuldigten. Dabei ist im Sinne einer 

Gesamtbetrachtung zu prüfen, ob die Strafbehörden das Verfahren innert 

angemessener Frist geführt haben. Von den Behörden und Gerichten kann 

nicht verlangt werden, dass sie sich ausschliesslich einem einzigen Fall 

widmen. Deshalb sind Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, 

unumgänglich. Wirkt keiner dieser Verfahrensunterbrüche stossend, ist 

eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Dabei können Zeiten mit intensiver 

behördlicher oder gerichtlicher Tätigkeit andere Zeitspannen kompensie-

ren, in denen aufgrund der Geschäftslast keine Verfahrenshandlungen 

erfolgten. Eine Sanktion drängt sich nur auf, wenn seitens der Strafbehörde 

eine krasse Zeitlücke zu Tage tritt. Als solche gilt etwa eine Untätigkeit von 

13 oder 14 Monaten im Stadium der Untersuchung. Hingegen genügt es 

nicht, dass die eine oder andere Handlung mit einer etwas grösseren 

Beschleunigung hätte vorgenommen werden können. Folgen einer 

Verletzung des Beschleunigungsgebots sind Strafreduktion, Verzicht auf 

Strafe bei gleichzeitiger Schuldigsprechung oder als ultima ratio die 

Einstellung des Verfahrens. Bei der Frage nach der sachgerechten Folge 

ist zu berücksichtigen, wie schwer die beschuldigte Person durch die Ver-

fahrensverzögerung getroffen wird, wie gravierend die ihr vorgeworfenen 

Taten sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn das 

Beschleunigungsgebot nicht verletzt worden wäre. Rechnung zu tragen ist 

auch den Interessen der Geschädigten und der Komplexität des Falls. 

Schliesslich ist in Betracht zu ziehen, wer die Verfahrensverzögerung zu 

vertreten hat. Ist eine strafmindernde Berücksichtigung der festgestellten 

Verletzung des Beschleunigungsgebots im Rahmen der Strafzumessung 

möglich, hat dies zu geschehen. Das Gericht darf sich als 

Wiedergutmachung nicht auf eine blosse Feststellung der Verletzung des 

Beschleunigungsgebots beschränken (BGE 143 IV 373; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4). 

 

A.F. war anlässlich der zu seinem Nachteil begangenen sexuellen 

Handlungen bereits älter als 12 Jahre alt. Es gelangt deshalb hinsichtlich 

des Tatbestands der sexuellen Handlungen mit einem Kind die ordentliche 

15-jährige Verjährungsfrist für Verbrechen gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB 

zur Anwendung (vgl. ZURBRÜGG, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 

4. Aufl. 2019, N. 28b zu Art. 97 StGB). Die an A.F. im Rahmen der 

sexuellen Handlungen mit einem Kind vorgenommenen sexuellen 

 - 21 - 

 

 

 

Handlungen fanden zuletzt am tt.mm.2014 statt (vgl. Art. 98 lit. b StGB). Im 

Zeitpunkt des vorliegenden Urteils sind zwei Drittel der Verjährungsfrist 

noch nicht verstrichen. Eine Strafminderung nach Art. 48 lit. e StGB kommt 

aber auch deshalb nicht infrage, weil sich der Beschuldigte seit dem 

tt.mm.2014 nicht wohlverhalten hat, hat er sich danach doch der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Abhängigen zum Nachteil 

von A.F., der sexuellen Handlungen mit einem Minderjährigen gegen 

Entgelt zum Nachteil von H., der mehrfachen Pornografie sowie der 

Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz strafbar gemacht. 

Nicht entscheidend für die Anwendbarkeit von Art. 48 lit. e StGB ist 

vorliegend, ob allenfalls hinsichtlich dieser weiteren Delikte bereits zwei 

Drittel der ordentlichen Verjährungsfrist abgelaufen sind, da das gemäss 

Art. 49 Abs. 1 StGB maximal zulässige Strafmass bereits ohne 

Berücksichtigung dieser Straftaten erreicht worden ist (siehe dazu oben). 

 

Es liegt auch keine Verletzung des Beschleunigungsgebots vor. Zur 

Feststellung der tatsächlichen, wie auch der angemessenen Verfah-

rensdauer ist entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten nicht auf den 

Zeitpunkt seines Geständnisses, sondern auf denjenigen der Eröffnung der 

Strafuntersuchung am 26. August 2015 abzustellen (UA act. 1, 1). Das 

Strafverfahren wurde mit den Ausdehnungsverfügungen vom 

10. September 2015 sowie vom 14. und 27. September 2016 auf weitere 

zu untersuchende Delikte ausgedehnt (UA act. 1, 2 ff.). Seit der Eröffnung 

der Untersuchung sind mittlerweile fast sechseinhalb Jahre und seit der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 11. November 2020 ist etwas 

mehr als 1 Jahr vergangen. Die Anklageerhebung erfolgte am 3. Juni 2020 

und somit beinahe 5 Jahre nach der Eröffnung der Strafuntersuchung. 

Bezüglich der Dauer des Vorverfahrens ist festzuhalten, dass aus dem Ver-

fahrensprotokoll hervorgeht, dass lediglich eine Zeitspanne von 4 Monaten 

(7. Juli 2017 bis 2. November 2017) ersichtlich ist, während welcher keine 

Verfahrenshandlungen erfolgten. Weitere Zeiträume ohne Vornahme von 

Verfahrenshandlungen sind daraus nicht ersichtlich. Nachdem der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung zufolge eine Untätigkeit von 13 oder 14 

Monaten im Stadium der Untersuchung als krasse Zeitlücke gilt (vgl. dazu 

oben), ist die vorliegende Zeitlücke von vier Monaten nicht als gravierend 

einzustufen. Hinzukommt, dass Zeiten mit intensiver behördlicher Tätigkeit 

andere Zeitspannen kompensieren können, in denen aufgrund der 

Geschäftslast keine Verfahrenshandlungen erfolgten. Dies ist in casu der 

Fall, erfolgten beispielsweise im August 2015 diverse Verfahrenshandlun-

gen, darunter auch drei Einvernahmen des Beschuldigten, welche die 

Zeitlücke von 4 Monaten ohne Weiteres zu kompensieren vermögen. Die 

Dauer des Vorverfahrens ist sodann unter anderem den Tatsachen 

verschuldet, dass es mehrere und darunter auch schwere Tatvorwürfe zu 

untersuchen gab und dass ein Gutachten eingeholt werden musste. Zu be-

rücksichtigen ist weiter, dass die Strafuntersuchung im November 2018 vor 

dem Abschluss stand, am 4. Dezember 2018 jedoch aufgrund eines 

 - 22 - 

 

 

 

Verdachts weiterer sexueller Handlungen mit Kindern erneut ausgedehnt 

werden musste (vgl. UA act. 1, 5/2). Dies führte zu einer Verfahrensverzö-

gerung, da zusätzlich weitere Einvernahmen durchgeführt, ein Zusatzgut-

achten eingeholt und die Bewilligung des abgekürzten Verfahrens 

widerrufen werden musste (vgl. GA act. 162; UA act. 1, 34/26/15). 

Schlussendlich muss auch berücksichtigt werden, dass insgesamt acht 

Fristerstreckungsgesuche des früheren amtlichen Verteidigers, 

Rechtsanwalt D., zu einer Verfahrensverzögerung von rund 9 Monaten 

geführt haben (vgl. UA act. 1, 90/4; 90/14; 90/19; 90/24; 90/26; 93/4; 93/13; 

93/16). Dass die Staatsanwaltschaft die psychiatrische Begutachtung mit 

Verfügung vom 19. Februar 2018 angeordnet hat (UA act. 1, 21/2), ist 

einerseits damit zu begründen, dass bis im Juli 2017 diverse Einvernahmen 

durchgeführt werden mussten (vgl. UA act. 4, 1 ff.) und andererseits auch 

abgeklärt werden musste, ob nicht noch allfällige weitere Opfer vorhanden 

waren (vgl. UA act. 2, 105 ff.). Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots 

ist darin nicht zu erkennen. In Bezug auf das vorinstanzliche Verfahren sind 

ebenfalls keine krassen Zeitlücken erkennbar. Zwischen der Eröffnung des 

Urteils im Dispositiv und der Versendung des begründeten Urteils sind zwar 

etwas mehr als fünf Monate vergangen. Muss das Gericht das Urteil 

begründen, so stellt es innert 60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen, der 

beschuldigten Person und der Staatsanwaltschaft das vollständig 

begründete Urteil zu (Art. 84 Abs. 4 StPO). Dabei handelt es sich jedoch 

lediglich um eine Ordnungsvorschrift. Die Überschreitung der in Art. 84 

Abs. 4 StPO genannten Frist führt nicht ohne Weiteres zur Annahme einer 

Verletzung des Beschleunigungsgebots. Weiter ist zu berücksichtigen, 

dass das mit Berufung angefochtene Urteil dem Beschuldigten mit dessen 

Zustellung am 17. November 2020 (schriftlich) eröffnet wurde (GA act. 260 

ff.), weshalb er bis zur schriftlichen Urteilsbegründung über Schuldspruch, 

Strafmass und die stationäre therapeutische Massnahme nicht mehr im 

Ungewissen war. Der Fall weist zudem einen überdurchschnittlichen 

Umfang auf (sechs Bundesordner, Vielzahl an teilweise schweren 

Tatvorwürfen und Tathandlungen, mehrere Opfer, Länge des motivierten 

vorinstanzlichen Urteils von 76 Seiten). Zwischen dem Eingang der 

Anklage bei der Vorinstanz am 8. Juni 2020 und der schriftlichen Eröffnung 

des vorinstanzlichen Urteils am 17. November 2020 sind lediglich etwas 

mehr als fünf Monate vergangen, weshalb das vorinstanzliche Verfahren 

an sich sehr zügig vorangetrieben worden ist. Unter Berücksichtigung der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach Zeiten mit intensiver 

gerichtlicher Tätigkeit andere Zeitspannen kompensieren können, 

erscheint die Dauer für die Begründung des vorinstanzlichen Urteils, da sie 

die gesetzlich vorgesehene Frist von 90 Tagen lediglich in geringfügiger 

Weise überschritten hat und es sich vorliegend um einen umfangreichen 

Fall handelt, nicht übermässig, weshalb diesbezüglich noch knapp keine 

Verletzung des Beschleunigungsgebots vorliegt. Das Berufungsverfahren 

hat etwas weniger als 9 Monate gedauert. Während dieses Verfahrens 

haben drei Fristerstreckungsgesuche des früheren amtlichen Verteidigers, 

 - 23 - 

 

 

 

Rechtsanwalt D., zu einer Verzögerung von drei Monaten geführt 

(Eingaben des früheren amtlichen Verteidigers vom 17. Juni 2021, 30. Juli 

2021 und 22. Oktober 2021). Betreffend das Berufungsverfahren ist somit 

nicht von einer krassen Zeitlücke auszugehen. Insgesamt erweist sich die 

gesamte Verfahrensdauer unter Berücksichtigung der verschiedenen und 

teilweise schweren Tatvorwürfe sowie der gebotenen Untersuchungs-

handlungen noch nicht als übermässig. Folglich liegt – entgegen dem 

Vorbringen des Beschuldigten – keine Verletzung des 

Beschleunigungsgebots vor, welche eine Strafreduktion rechtfertigen 

würde. 

 

3.4.5. 

Zusammenfassend bleibt es bei der vorinstanzlich ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe von 7 Jahren, auch wenn diese Strafe in Anbetracht der 

Vielzahl und der Intensität der sexuellen Handlungen mit einem Kind als 

mild erscheint. 

 

Bei einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren kommt weder der bedingte noch der 

teilbedingte Strafvollzug infrage, weshalb die Freiheitsstrafe unbedingt 

auszusprechen ist (Art. 42 f. StGB).  

 

3.4.6. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von zwei Tagen (26. August 2015 

bis 27. August 2015, UA act. 3, 1 ff.) und der vorzeitige Strafvollzug von 

1152 Tagen (4. Dezember 2018 bis 28. Januar 2022, UA act. 3, 126) sind 

dem Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB 

i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB, Art. 236 Abs. 4 StGB, BGE 145 IV 359 

E. 2.8.1). 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat gestützt auf Art. 59 StGB eine stationäre therapeutische 

Massnahme angeordnet (vorinstanzliches Urteil E. 5.5.). 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, dass auf die Anordnung einer 

therapeutischen Massnahme zu verzichten sei. Eventualiter sei gestützt auf 

Art. 63 StGB eine ambulante Behandlung anzuordnen und der noch zu 

vollziehende Teil der Freiheitsstrafe zu Gunsten der ambulanten 

Behandlung aufzuschieben (Berufungserklärung S. 2).  

 

4.2. 

4.2.1. 

Der Beschuldigte stellt sich vorab auf den Standpunkt, das psychiatrische 

Gutachten und das Zusatzgutachten könnten wegen formeller Fehler nicht 

zur Begründung einer stationären Massnahme herangezogen werden. Er 

stellt deshalb den Beweisantrag, dass ein neues Gutachten i.S.v. Art. 56 

 - 24 - 

 

 

 

Abs. 3 StGB zu erstellen sei (Berufungserklärung S. 3). Eventualiter sei ein 

methodenkritisches Gutachten über das Gutachten sowie das 

Zusatzgutachten zu erstellen (Eingabe des früheren amtlichen Verteidigers 

vom 13. August 2021 S. 2).  

 

Das Gericht stützt sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer 

Massnahme auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB; 

BGE 134 IV 315 E. 4.3.1). Das Gutachten unterliegt der freien richterlichen 

Beweiswürdigung. Ob ein Gericht die im Gutachten enthaltenen 

Erörterungen für überzeugend hält oder nicht und ob es dementsprechend 

den Schlussfolgerungen des Experten folgen oder eine Oberexpertise 

einholen soll, ist eine Frage der Beweiswürdigung (Urteil des 

Bundesgerichtes 6B_773/2013 vom 28. Juli 2014 E. 1.3). Das Gutachten 

erfordert eine umfassende und in sich nachvollziehbare Darstellung des 

Erkenntnis- und Wertungsprozesses. Dazu gehören namentlich die 

herangezogenen und ausgewerteten Erkenntnismittel sowie die 

Untersuchungsmethode. Im Rahmen der geltenden wissenschaftlichen 

Standards besteht Methodenfreiheit. Die Wahl der Methode liegt im 

Ermessen des Sachverständigen. Sie muss aber begründet werden. Weiter 

soll der Gutachter nachvollziehbar darlegen, wie er zu seinen Ergebnissen 

gelangt ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 

E. 2.2.3). Aufgrund der bestehenden Methodenfreiheit greift die 

methodische Kritik des Beschuldigten, wonach die Sachverständige mit 

Static-99 eine veraltete Version des Instruments verwendet habe 

(Berufungserklärung S. 4; Eingabe des früheren amtlichen Verteidigers 

vom 13. August 2021 S. 3), ins Leere. Nichts anderes ergibt sich anhand 

der Erläuterungen der Sachverständigen anlässlich der Berufungs-

verhandlung. So hat diese mit nachvollziehbarer Begründung ausgeführt, 

dass sie das Instrument Static-99 deshalb angewendet habe, weil sie sich 

mit diesem gut auskenne und auch die Schulung in diesem Bereich 

absolviert habe. Es sei zudem zu berücksichtigen, dass sie das 

Rückfallrisiko nicht lediglich anhand des Instruments Static-99 untersucht 

habe, sondern auch anhand der Dittmann-Kriterien. Sie sei davon 

überzeugt, dass die von ihr angewendeten Instrumente zur richtigen 

Beurteilung der Rückfallgefahr geführt hätten (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 35; vgl. UA act. 2, 374 ff.). 

 

Soweit der Beschuldigte weitere methodische Kritik am Gutachten übt, weil 

dieses einerseits die Kriterien einer sexuellen Deviation gemäss ICD-10 nur 

kurz anspreche und ohne nachvollziehbare Begründung bejahe und 

andererseits nicht die sechs Eingangskriterien nach ICD-10 prüfe 

(Berufungserklärung S. 4; Eingabe des früheren amtlichen Verteidigers 

vom 13. August 2021 S. 5; Protokoll Berufungsverhandlung S. 43 und 

47 f.), ist festzuhalten, dass die Sachverständige hierzu an der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung erklärt hat, dass beim Beschuldigten auf der 

ersten Stufe eine sexuelle Deviation (Störung der sexuellen Präferenz) 

 - 25 - 

 

 

 

festgestellt worden sei. Auf der zweiten Stufe sei festgestellt worden, dass 

er homosexuell sei und auf der dritten Stufe, dass seine sexuelle Deviation 

länger als sechs Monate gedauert habe und häufig vorgekommen sei 

(GA act. 134). Nichts anderes geht aus dem Gutachten hervor. So wurde 

darin festgehalten, dass aufgrund der Erfüllung des zeitlichen, qualitativen 

und quantitativen Kriteriums gemäss ICD-10 diagnostisch beim 

Beschuldigten von einer Störung der sexuellen Präferenz, d.h. einer 

sexuellen Deviation ausgegangen werden könne. Die Eingangskriterien 

einer sexuellen Deviation seien erfüllt (vgl. UA act. 2, 364 f.). An der 

Berufungsverhandlung erklärte die Sachverständige hierzu, dass die sechs 

Eingangskriterien bei einer Anwendung des ICD-10 zu prüfen seien, wenn 

sich die Frage stelle, ob eine Persönlichkeitsstörung vorliege. Da beim 

Beschuldigten jedoch keine Persönlichkeitsstörung, sondern eine sexuelle 

Devianz vorliege, seien nicht die für die Prüfung einer 

Persönlichkeitsstörung relevanten sechs Eingangskriterien zu prüfen, 

sondern die vorgenannten drei Stufen einer sexuellen Deviation (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 39 f.). Folglich wurden die drei Stufen der 

sexuellen Deviation im Gutachten nachvollziehbar erläutert und als erfüllt 

erachtet, weshalb die vom Beschuldigten dahingehend geäusserte Kritik 

nicht nachvollziehbar ist. 

 

4.2.2. 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Eingabe des früheren 

amtlichen Verteidigers vom 13. August 2021 S. 2 ff.), wurden die 

Ergebnisse der Fragebogen MSI (Multiphasic Sex Inventory) und SKID-II 

(Strukturiertes Klinisches Interview Achse II) im Gutachten dargelegt und 

sind somit auch nachvollziehbar (vgl. UA act. 2, 362 f.). Das durchgeführte 

Interview zu SKID-II wurde – entgegen seinem Vorbringen (Eingabe des 

früheren amtlichen Verteidigers vom 13. August 2021 S. 3) – damit 

dokumentiert, dass die Merkmale genauer hinterfragt worden seien, wobei 

sich kein Merkmal habe bestätigen lassen (vgl. UA act. 2, 363). Das 

Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass die gesetzliche 

Protokollierungspflicht gemäss Art. 143 Abs. 2 i.V.m. Art. 78 StPO bei 

psychiatrischen Explorationsgesprächen für den Sachverständiger nicht 

gilt (Urteil des Bundesgerichts 1B_520/2017 vom 4. Juli 2018 E. 3.7). Der 

Inhalt der Exploration muss zwar nachvollzogen werden können. Dieser 

Voraussetzung wird jedoch entsprochen, indem der Inhalt der 

Begutachtung, soweit er für die gutachterlichen Erkenntnisse von 

Bedeutung ist, mindestens zusammenfassend im Gutachten festgehalten 

wird (HEER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 64b zu 

Art. 56 StGB). Folglich genügen die im Gutachten geschilderten 

Ergebnisse der Fragebogen und des Interviews den Anforderungen an die 

notwendigen Schilderungen in einem Gutachten. Dasselbe gilt für die im 

Gutachten dargelegten Ergebnisse der mit dem Prognoseinstrument 

Static-99 vorgenommenen Risikoeinschätzung und für das Resultat der 

Anwendung der Dittmann-Kriterien (vgl. UA act. 2, 374 ff.). 

 - 26 - 

 

 

 

Der weiteren Kritik des Beschuldigten, wonach die Sachverständige das 

Prognoseinstrument Static-99 fehlerhaft angewendet habe 

(Berufungserklärung S. 4; Eingabe des früheren amtlichen Verteidigers 

vom 13. August 2021 S. 3 mit Verweis auf UA act. 2, 423), kann nicht 

gefolgt werden. Eine fehlerhafte Anwendung ist nicht erkennbar. Der 

erreichte Gesamtscore von 6 Punkten ist nachvollziehbar und es ist nicht 

zu bemängeln, dass die Sachverständige bei den Items Nr. 3 und 4 je einen 

Punkt vergeben hat (vgl. UA act. 2, 374). So wurde beim Item Nr. 3 ein 

Risikopunkt vergeben, weil der Beschuldigte vorliegend der mehrfachen 

Pornografie und somit nicht wegen sexueller Gewalt schuldig gesprochen 

wird (GA act. 131 und 134). Sodann liegt in Bezug auf das Item Nr. 4 eine 

Verurteilung wegen Pornografie aus dem Jahr 2005 vor (UA act. 2, 2). Dies 

wurde durch die Sachverständige anlässlich der Berufungsverhandlung 

nachvollziehbar erläutert (Protokoll Berufungsverhandlung S. 36). Folglich 

wurde das Prognoseinstrument Static-99 nicht falsch angewendet. 

 

4.2.3. 

Wenn der Beschuldigte geltend macht, dass das Gutachten erst bei der 

Beantwortung der Fragen und somit «aus dem Nichts» zum Ergebnis 

gelange, dass er an einer psychischen Störung leide (Eingabe des früheren 

amtlichen Verteidigers vom 13. August 2021 S. 4), kann ihm nicht gefolgt 

werden. Bei der Auswertung des SKID-II-Selbstbeurteilungsbogens wurde 

zwar festgehalten, dass der Beschuldigte bei keiner Persönlichkeitsstörung 

einen ausreichenden Wert erreicht habe, weshalb gemäss SKID-II keine 

Persönlichkeitsstörung vorliege (UA act. 2, 363). Das Gutachten stellt 

jedoch bei den Erwägungen zu den psychiatrischen Diagnosen fest, dass 

eine Störung der sexuellen Präferenz, d.h. eine sexuelle Deviation, vorliege 

und der Beschuldigte an einer sonstigen Störung der Sexualpräferenz 

(ICD-10, F65.8), der gleichgeschlechtlichen Ephebophilie, leide. Es handle 

sich dabei um eine Kernephebophilie (UA act. 2, 365 ff.). Folglich wurde 

nicht erst bei der Beantwortung der Fragen festgestellt, dass der 

Beschuldigte an einer psychischen Störung leidet (vgl. UA act. 2, 380), 

sondern bereits bei den Ausführungen zu den psychiatrischen Diagnosen. 

 

4.2.4. 

Der Beschuldigte macht weiter geltend, dass im Gutachten Diagnose- und 

Prognoseinstrumente vermischt worden seien, da es sich bei den 

Dittmann-Kriterien um ein Prognoseinstrument handle, welches jedoch zur 

Diagnostik eingesetzt worden sei (Eingabe des früheren amtlichen 

Verteidigers vom 13. August 2021 S. 5). Dem kann nicht gefolgt werden. 

Bei den Ausführungen zu den Dittmann-Kriterien wurden zuerst die dem 

Beschuldigten zur Last gelegten Delikte und anschliessend diverse Krite-

rien, wie beispielsweise seine bisherige Kriminalitätsentwicklung analysiert, 

bevor zusammenfassend auf die Rückfallwahrscheinlichkeit eingegangen 

wurde. Folglich wurden die Dittmann-Kriterien als Prognoseinstrument 

eingesetzt. Dies geht auch klar aus der Tatsache hervor, dass das 

 - 27 - 

 

 

 

Gutachten beim Fazit betreffend die Dittmann-Kriterien festhält, dass beim 

Beschuldigten, nach Analyse der gesamten rückfallprognostischen 

Faktoren, zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ephebosexuell 

motivierten Rückfalldelikten nach dem Muster der zutage getretenen 

sexuellen Handlungen zu rechnen sei (UA act. 2, 375 ff.). 

 

4.2.5. 

Zur vom Beschuldigten am Zusatzgutachten geäusserten Kritik, wonach 

die Sachverständige keine neue Bewertung anhand von anerkannten 

Prognoseinstrumenten vorgenommen habe, nicht thematisiere, dass er 

nicht rückfällig geworden sei und dass sie sich einzig vom Umstand habe 

leiten lassen, dass er einen deliktpräventiven Vorsatz verletzt habe 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 48; Eingabe des früheren amtlichen 

Verteidigers vom 13. August 2021 S. 4), ist Folgendes festzuhalten: Eine 

Neubewertung anhand von Prognoseinstrumenten erwies sich im 

Zusatzgutachten als nicht notwendig, da es einzig um die Frage ging, ob 

eine stationäre Massnahme empfohlen werde, nicht jedoch um die Frage 

nach dem Vorliegen einer psychischen Störung (vgl. UA act. 2, 384). Die 

Sachverständige hat diesbezüglich an der Berufungsverhandlung 

ausgeführt, dass sie bei der Erstellung des Zusatzgutachtens deshalb 

keine zusätzlichen Untersuchungen angestellt habe, weil die wichtigen 

Themen bereits abgefragt und beantwortet gewesen seien (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 37). Sodann geht aus den Ausführungen im 

Zusatzgutachten zur Indikation einer stationären Massnahme (vgl. UA act. 

2, 407 ff.) klar hervor, dass – nebst der fehlenden Umsetzung von 

deliktpräventiven Massnahmen – auch weitere Kriterien zur Empfehlung 

einer stationären Massnahme geführt haben (vgl. dazu E. 4.5.4). Weiter 

wird dem Beschuldigten – entgegen seinem Vorbringen – im 

Zusatzgutachten gerade nicht vorgehalten, dass es mit L.N. zu sexuellen 

Handlungen gekommen sei. So hält die Sachverständige darin fest, der 

Anlass für die Neubeurteilung sei die Tatsache, dass der Beschuldigte 

erneut Knaben bei sich habe übernachten lassen. Anhaltspunkte dafür, 

dass es zu sexuellen Handlungen mit diesen minderjährigen Buben 

gekommen sei, gebe es nicht (UA act. 2, 390 ff.). Dem Vorbringen des 

Beschuldigten, wonach es sich bei seinem Verhalten gegenüber der U. 

Flüchtlingsfamilie nicht um «Grooming» und den Anfang eines 

Deliktkreislaufes gehandelt habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 48), 

kann unter Berücksichtigung der Erläuterungen der Sachverständigen an 

der Berufungsverhandlung nicht gefolgt werden. So hat diese ausgeführt, 

dass bei der Kontaktaufnahme zur U. Flüchtlingsfamilie durch den 

Beschuldigten sehr starke Parallelen zu seinem Vorgehen bei A.F. und ein 

identisches Verhaltensmuster erkennbar seien. Es habe sich deshalb ganz 

klar um den Beginn eines Deliktskreislaufes gehandelt, der sogenannten 

«Groomingphase». So habe der Beschuldigte jeweils Kontakt zu einer 

bedürftigen Familie aufgenommen und diesen Kontakt immer stärker 

ausgebaut. Anschliessend habe er mehr mit den Kindern unternommen 

 - 28 - 

 

 

 

und sich mit diesen immer mehr angefreundet, mit diesen Sachen 

unternommen und ihnen Geschenke gemacht und dadurch Vertrauen wie 

auch eine Abhängigkeit aufgebaut. Währenddessen habe eine 

Verblendung der Eltern stattgefunden und es sei eine Situation kreiert 

worden, aufgrund welcher das betroffene Kind beim Beschuldigten 

übernachtet habe. Dies, um körperliche Nähe herstellen zu können 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 36 f.).  

 

Nach der Erläuterung und Ergänzung des Gutachtens sowie des Zusatz-

gutachtens anlässlich der Berufungsverhandlung sind somit keine Gründe 

ersichtlich, weshalb die Erstellung eines neuen oder eines methodenkriti-

schen Gutachtens in Auftrag gegeben werden müsste, da sich dies nicht 

als notwendig erweist. Die Beweisanträge des Beschuldigten, es sei ein 

neues Gutachten i.S.v. Art. 56 Abs. 3 StGB, eventualiter ein 

methodenkritisches Gutachten, zu erstellen, sind folglich abzuweisen.  

 

4.3. 

Nachdem in erster Linie auf das unabhängige Gutachten abzustellen ist 

und bereits ein aktueller Therapieverlaufsbericht eingeholt und 

berücksichtig worden ist, erübrigt sich eine Befragung der 

Psychotherapeutin des Beschuldigten, E.. Der Beweisantrag des 

Beschuldigten, an der Berufungsverhandlung sei seine Psychotherapeutin, 

E., zu befragen (Berufungserklärung S. 3), ist deshalb abzuweisen.  

 

Ebenfalls abzuweisen ist der Beweisantrag des Beschuldigten, wonach die 

von der Kantonalen Staatsanwaltschaft eingereichten Akten des 

Verfahrens ST.2021.279 betreffend Pornografie aus den Akten zu weisen 

seien (Protokoll Berufungsverhandlung S. 43). Da im vorliegenden 

Verfahren überhaupt nicht darauf abgestellt wird, ist der Beschuldigte 

jedenfalls nicht beschwert und ein Anspruch auf Verweisung aus den Akten 

ist nicht auszumachen.  

 

4.4. 

Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, 

der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungs-

bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert 

und die Voraussetzungen der Artikel 59 – 61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind 

(Art. 56 Abs. 1 StGB). Die Anordnung einer Massnahme setzt weiter 

voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte 

des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer 

Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB). Das 

Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass die Massnahme geeignet ist, 

beim Betroffenen die Legalprognose zu verbessern. Weiter muss die 

Massnahme notwendig sein. Sie hat zu unterbleiben, wenn eine gleich 

geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg 

ausreichen würde. Dieses Kriterium trägt dem Aspekt des Verhältnisses 

 - 29 - 

 

 

 

zwischen Strafe und Massnahme bzw. der Subsidiarität von Massnahmen 

Rechnung. Schliesslich muss zwischen dem Eingriff und dem angestrebten 

Zweck eine vernünftige Relation bestehen (Verhältnismässigkeit i.e.S.). 

Das bedeutet, dass die betroffenen Interessen gegeneinander abgewogen 

werden müssen. Bei einer Prüfung des Zweck-Mittel-Verhältnisses fallen 

im Rahmen der Gesamtwürdigung auf der einen Seite insbesondere die 

Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte des Betroffenen in Betracht. 

Auf der anderen Seite sind das Behandlungsbedürfnis sowie die Schwere 

und die Wahrscheinlichkeit künftiger Straftaten relevant (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_796/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 3.2.3). Ist der Täter 

psychisch schwer gestört, so kann das Gericht eine stationäre Behandlung 

anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, 

das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht und zu 

erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner psychischen 

Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 59 Abs. 1 

StGB). Es muss eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, 

dass sich durch eine solche Massnahme über die Dauer von fünf Jahren 

die Gefahr weiterer Straftaten deutlich verringern lässt (BGE 134 IV 315 

E. 3.4.1). Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen 

oder in anderer Weise abhängig, kann das Gericht anordnen, dass er nicht 

stationär, sondern ambulant behandelt wird, wenn er eine mit Strafe 

bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, und 

zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand 

des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 

StGB). Sind mehrere Massnahmen in gleicher Weise geeignet, ist aber nur 

eine notwendig, so ordnet das Gericht diejenige an, die den Täter am 

wenigsten beschwert (Art. 56a Abs. 1 StGB). 

 

4.5. 

4.5.1. 

Die Voraussetzungen für die Anordnung einer stationären therapeutischen 

Massnahme nach Art. 59 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 56 StGB sind erfüllt: 

 

Das psychiatrische Gutachten wurde am 12. Juli 2018 durch Dr. med. C. 

erstellt (UA act. 2, 314 ff.). Zusätzlich hat sie am 25. Oktober 2019 ein 

Zusatzgutachten erstellt (UA act. 2, 390). Dieses wurde in Auftrag gegeben 

und erstellt, nachdem der Schulpflegepräsident der Gemeinde Z. am 3. 

Dezember 2018 bei der Kantonspolizei eine Meldung erstattet hatte, 

wonach der Beschuldigte in verdächtiger Art und Weise Kontakt zu zwei 

minderjährigen Schülern (L.N. und M.N.) aus einer Flüchtlingsfamilie 

gesucht habe. So habe der Beschuldigte L.N., geboren am tt.mm.2005, bei 

den Hausaufgaben geholfen, ihm Geschenke gemacht sowie diesen und 

seinen Bruder, M.N., geboren am tt.mm.2008, bei sich zuhause 

übernachten lassen (UA act. 1, 10/11; 1, 300). Anlässlich der Ermittlungen 

zu diesem Sachverhaltskomplex konnten keine strafbaren Handlungen des 

Beschuldigten festgestellt werden (UA act. 1, 310/12), weshalb das 

 - 30 - 

 

 

 

Strafverfahren wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB zum Nachteil von L.N. und M.N. mit Verfügung 

der Kantonalen Staatsanwaltschaft vom 29. Mai 2020 eingestellt wurde (UA 

act. 1, 10/9).  

 

Der Beschuldigte leide dem Gutachten zufolge an einer Kernephebophilie 

(ICD-10, F65.4). Es sei eine gleichgeschlechtliche Ephebophilie vom eher 

ausschliesslichen Typ diagnostiziert worden (UA act. 2, 380). Entgegen 

dem Vorbringen des Beschuldigten (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 47), handelt es sich bei der Kernephebophilie um eine psychische 

Störung, was die Sachverständige an der Berufungsverhandlung mehrmals 

bestätigt hat (Protokoll Berufungsverhandlung S. 34 und 39). Der 

Sachverständigen zufolge handle es sich bei der Ephebophilie um eine 

Störung der sexuellen Präferenz, welche einen Krankheitswert aufweise. 

Die Ephebophilie sei zwar nicht im Diagnosesystem ICD-10 als 

eigenständige Störung aufgeführt, dies sei jedoch damit zu begründen, 

dass aufgrund der grossen Vielzahl an verschiedenen Neigungen nicht für 

jede Neigung ein Spezialabsatz im ICD-10 gemacht werde. Beim 

Beschuldigten liege auch eine Pädophilie vor, welche klar im ICD-10 als 

psychische Störung erfasst sei. Die Ephebophilie gehe weiter als die 

Pädophilie und erfasse diese mit (Protokoll Berufungsverhandlung S. 39 f.). 

Nichts anderes geht aus dem Gutachten hervor. So wird in diesem 

erläutert, dass die Pädophilie im ICD-10 explizit aufgeführt sei (F65.4), die 

Ephebophilie jedoch nicht, wobei für diese die Kategorie «sonstige 

Störungen der Sexualpräferenz» (F65.8) zur Verfügung gestellt werde 

(UA act. 2, 365). Dem Beschuldigten kann somit nicht gefolgt werden, wenn 

er der Kernephebophilie jeglichen Krankheitswert abspricht (vgl. Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 46). Die Sachverständige hielt an der 

Berufungsverhandlung an der von ihr gestellten Diagnose betreffend das 

Vorliegen einer psychischen Störung fest (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 32 f.). Diese psychische Störung habe dem Gutachten zufolge in den 

Zeitpunkten der Taten vorgelegen (UA act. 2, 380) und liege der 

Sachverständigen zufolge auch im Urteilszeitpunkt weiterhin vor (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 32 ff.). Die Diagnose einer Ephebophilie wurde – 

nebst den Diagnosen einer gemischten Angst- und depressiven Störung 

(ICD-10, F41.2) und einer Benzodiazepinabhängigkeit (ICD-10, F13.2) – in 

den Therapieverlaufsberichten vom 7. November 2016, 12. März 2018, 

23. April 2019, 9. Oktober 2020 und 5. Januar 2022 ebenfalls gestellt 

(UA act. 2, 95 ff.; GA act. 115). Entgegen dem Vorbringen des 

Beschuldigten (Protokoll Berufungsverhandlung S. 46 f.; Eingabe des 

früheren amtlichen Verteidigers vom 13. August 2021 S. 5; GA act. 230), 

liegt eine schwere psychische Störung vor. So wurde im Gutachten 

lediglich die Ausprägung dieser psychischen Störung als leicht 

eingeschätzt (vgl. UA act. 2, 380), was jedoch nicht dazu führt, dass keine 

schwere psychische Störung vorliegen würde. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung hat die Sachverständige korrigierend ausgeführt, 

 - 31 - 

 

 

 

dass die Schwere der psychischen Störung nach den an der 

Berufungsverhandlung gehörten Aussagen des Beschuldigten und von 

A.F. deutlich schwerer als ursprünglich im Gutachten angenommen 

einzuschätzen sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 32 f.). Die Frage 

nach der rechtlichen Relevanz der medizinischen Diagnose ist juristischer 

Natur. Mit anderen Worten obliegt die Beurteilung, ob eine vom 

psychiatrischen Sachverständigen diagnostizierte psychische Störung als 

schwer im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB zu qualifizieren ist, dem Gericht 

(BGE 146 IV 1 E. 3.5.3 ff., Regeste; Urteil des Bundesgerichts 

6B_643/2018 vom 5. September 2018 E. 1.4). Die von Gesetzes wegen 

erforderliche Schwere der psychischen Störung ist keine aus sich selbst 

heraus (resp. allein nach den Kriterien von Klassifikationssystemen) 

bestimmbare, absolute Grösse. Der funktionale Begriff der psychischen 

Störung ist auf die Rückfallprävention auszurichten. Die Schwere der 

psychischen Störung entspricht im Prinzip dem Ausmass, in welchem sich 

die Störung in der Tat spiegelt (Deliktrelevanz). Die Störung muss 

(gegebenenfalls im Zusammenwirken mit anderen kriminogenen Faktoren) 

als vorherrschende Ursache der Delinquenz erscheinen. Die rechtlich 

geforderte Schwere ergibt sich mit anderen Worten aus der Intensität des 

Zusammenhangs zwischen der Störung und der Straftat. Eine bestimmte 

Diagnoseanordnung kann daher nicht für sich allein genommen und per se 

als ausreichend schwer (oder nicht ausreichend schwer) bezeichnet 

werden. Nachdem das Gutachten ausführt, dass die psychische Störung 

mit den Delikten in einem engen motivationalen und damit auch kausalen 

Zusammenhang stehe (UA act. 2, 381), ist von einer hohen Intensität des 

Zusammenhangs zwischen der psychischen Störung und den vom 

Beschuldigten begangenen Straftaten auszugehen, was für eine schwere 

psychische Störung spricht. Die Sachverständige hat an der 

Berufungsverhandlung denn auch bestätigt, dass die psychische Störung 

so schwer wiege, dass sie eine stationäre Massnahme als notwendig 

erachte (Protokoll Berufungsverhandlung S. 34). Sodann geht aus der 

gemäss dem Gutachten aufgrund der Kernephebophilie bestehenden 

hohen Wahrscheinlichkeit für einschlägige, ephebosexuell motivierte 

Rückfalldelikte (UA act. 2, 381) hervor, dass die psychische Störung als 

vorherrschende Ursache der Delinquenz anzusehen ist. Dies wurde an der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung durch Dr. med. C. bestätigt, indem sie 

angab, dass die sexuelle Deviation des Beschuldigten die ausschliessliche 

treibende Kraft für sein strafrechtliches Handeln gewesen sei (GA act. 128). 

Die Sachverständige hat an der Berufungsverhandlung bestätigt, dass die 

psychische Störung des Beschuldigten die Hauptursache für die 

Deliktbegehung sei. Seine psychische Störung zeige sich insofern in seinen 

Taten, als dass er ein extrem ausgeweitetes System aufgebaut habe, um 

mit Jünglingen sexuelle Handlungen vornehmen zu können, welches nicht 

nur die Manipulation des jeweiligen Kindes beinhalte, sondern auch 

diejenige der Familie des Kindes (Protokoll Berufungsverhandlung S. 34). 

 - 32 - 

 

 

 

Folglich ist das Vorliegen einer schweren psychischen Störung i.S.v. Art. 59 

Abs. 1 StGB erstellt. 

 

4.5.2. 

Der Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil wegen mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit Kindern und somit wegen Verbrechen gemäss 

Art. 10 Abs. 2 StGB verurteilt. Weiter wird er der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit einem Abhängigen, der sexuellen Handlungen mit einem 

Minderjährigen gegen Entgelt, der mehrfachen Pornografie sowie der 

mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und somit 

wegen Vergehen gemäss Art. 10 Abs. 3 StGB schuldig gesprochen. Diese 

Delikte standen dem Gutachten zufolge in einem engen Zusammenhang 

mit der schweren psychischen Störung des Beschuldigten (UA act. 2, 381). 

 

4.5.3. 

Es ist zu erwarten, mit der stationären Massnahme lasse sich der Gefahr 

weiterer mit der psychischen Störung des Beschuldigten in Zusammen-

hang stehender Taten begegnen. Dem Gutachten zufolge bestehe eine 

hohe Rückfallgefahr für einschlägige, ephebosexuell motivierte Delikte wie 

«hands-off Delikte» im Internet durch Konsum illegaler Pornografie sowie 

für «hands-on Delikte» zum Nachteil minderjähriger Knaben. Weiter 

bestehe ebenfalls eine hohe Rückfallgefahr für Delikte, anlässlich welcher 

der Beschuldigte minderjährigen Knaben Suchtstoffe zur Erreichung seiner 

ephebosexuellen Ziele anbiete (UA act. 2, 381). In unbehandeltem Zustand 

liege eine extrem hohe Rückfallgefahr vor (GA act. 130). Es liegt 

dementsprechend eine Gefährlichkeit des Beschuldigten vor, die 

grundsätzlich die Anordnung einer Massnahme verlangt. 

 

Dem Gutachten wie auch dem Zusatzgutachten zufolge, bestehe eine 

Behandlungsmöglichkeit, durch die dem Risiko neuerlichen Straftaten 

begegnet werden könne. Diese basiere auf einer intensiven milieu-, 

störungs-, delikt- und persönlichkeitsorientierteren Einzel- und 

Gruppentherapie. Es gebe bewährte Therapiemöglichkeiten und geeignete 

Therapieeinrichtungen, die auf den deliktpräventiven Umgang mit der 

Paraphilie abzielen würden. Das Ziel einer solchen Behandlung sei die 

Identifikation von Frühwarnsymptomen und der Erwerb von Fähigkeiten zur 

eigenen Kontrolle und Steuerung sexuell devianter Bedürfnisse (UA act. 2, 

404 ff.). Grundsätzlich würden für ephebophile Sexualdelinquenten 

durchaus erfolgsversprechende und auch erprobte störungsspezifische 

und deliktorientierte Therapieansätze existieren. Durch eine störungs- und 

deliktspezifische Behandlung lasse sich gemäss dem Gutachten der 

Gefahr neuerlicher Straftaten begegnen. Hinzukommt, dass der 

Beschuldigte der Sachverständigen zufolge die notwendigen Fähigkeiten 

besitze, um biografische, wie auch deliktische Zusammenhänge 

gedanklich zu reflektieren. Er wird als therapiewillig und therapiefähig 

bezeichnet (UA act. 2, 381). Nachdem im Gutachten noch eine ambulante 

 - 33 - 

 

 

 

Massnahme gemäss Art. 63 StGB empfohlen worden war (vgl. UA act. 2, 

382), wurde dagegen im Zusatzgutachten eine solche als nicht mehr 

geeignet bezeichnet, um das Rückfallrisiko zu senken und es wurde eine 

stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB empfohlen. 

Aufgrund der schlechten prognostischen Einschätzungen sei ein 

Behandlungsversuch in einem restriktiv angelegten, engmaschig und 

strukturgebenden geschlossenen therapeutischen Behandlungssetting 

zweckmässig und für die langfristige Rückfallfreiheit notwendig. Mit einer 

stationären therapeutischen Massnahme könnten Behandlungsziele mit 

wesentlich höherer Intensität, Konsequenz und Effektivität verfolgt werden, 

was im Sinne der Rückfallprävention notwendig sei (UA act. 2, 411). 

Insofern erweist sich die stationäre therapeutische Massnahme für den 

Beschuldigten als zwecktauglich und damit als geeignet, seine 

Legalprognose zu verbessern. 

 

4.5.4. 

Die Änderung der bisherigen Beurteilung in Bezug auf die Notwendigkeit 

einer stationären therapeutischen Massnahme begründet die 

Sachverständige damit, dass die Legalprognose des Beschuldigten nach 

wie vor ungünstig sei und seine Rückfallgefahr für verbotene sexuelle 

Handlungen weiterhin als hoch einzustufen sei. Dies sei damit zu 

begründen, dass beim Beschuldigten eine Paraphilie in Kombination mit 

einer fehlenden Umsetzung von deliktpräventiven Massnahmen vorliegen 

würde. Er habe sich aus forensisch-psychiatrischer Sicht, insbesondere 

beim Kontakt zu L.N., am Anfang eines Deliktkreislaufs befunden, indem er 

zu diesem Kontakt aufgenommen und ein Vertrauensverhältnis gemäss 

seinem Groomingmuster aufgebaut habe. Sein bereits erlerntes 

Fachwissen habe ihm nicht dabei geholfen, sein Verhalten an seine bereits 

gewonnenen Erkenntnisse anzupassen. An der Berufungsverhandlung 

bestätigte die Sachverständige diese Ausführungen und führte zusätzlich 

aus, dass der Beschuldigte zwar über ein sehr gutes theoretisches Wissen 

verfüge, aber nach wie vor die Umsetzung auf der Handlungsebene fehle 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 35 ff.). In seiner bisherigen Therapie 

sei die Kontaktaufnahme zu minderjährigen Knaben als eindeutige 

Risikosituation herausgearbeitet worden, die zu vermeiden sei. Seine 

Motivation zu einer Verhaltensänderung sei daher aufgrund des 

stattgefundenen Beziehungsaufbaus zu L.N. und M.N. als brüchig zu 

erachten. Weiter sei seine Willensstärke in Reizsituationen als schwach 

einzuschätzen. Die Souveränität, mit Risikosituationen umzugehen, das 

Gelernte über sein Groomingverhalten umzusetzen und auf seine 

Bedürfnisse zu verzichten, würden daher noch am Anfang einer 

deliktorientierten Therapie stehen. Sodann habe der Beschuldigte seinem 

Therapeuten den Kontakt zu L.N. und M.N. und deren Übernachten bei ihm 

zuhause verschwiegen. Ein elementarer Bestandteil für die Empfehlung 

einer ambulanten Massnahme sei jedoch die Transparenz und das 

eigeninitiative Berichten über deliktfördernde Kontakte, was jedoch nicht 

 - 34 - 

 

 

 

eingehalten worden sei. Das im Gutachten bekundete gute therapeutische 

Verhältnis zu lic. phil. J., Fachpsychologe für Rechtspsychologie, falle als 

deliktprotektiver Faktor weg. Da der Therapeut bei fehlender Offenheit als 

Kontrollinstanz wegfalle, sei eine ambulante Massnahme nicht empfeh-

lenswert. Zusätzlich habe der Beschuldigte ein weiteres grundsätzliches 

Prinzip der deliktorientierten Therapie, dasjenige der Perspektivenüber-

nahme, nicht verinnerlicht. So bringe er die Sensibilität dafür nicht auf, dass 

sein Verhalten gegenüber L.N. auf den Beginn einer deliktischen 

Verhaltenskette hingewiesen habe, welche in sexuellen Übergriffen hätte 

münden können. Zudem falle schwer ins Gewicht, dass selbst die ihm 

drohenden Konsequenzen ihn nicht davon abhalten konnten, sich mit dem 

präpubertären L.N. anzufreunden und diesen bei sich übernachten zu 

lassen. Der Beschuldigte besitze kein Selbstinstruktionsrepertoire, um in 

kritischen Situationen seine sexuellen Impulse zu beherrschen, weshalb er 

in Freiheit risikoträchtigen Situationen weiterhin schutzlos 

gegenüberstehen würde und erneut Gefahr laufen würde, straffällig zu 

werden. Insgesamt würden seine devianten sexuellen Bedürfnisse in 

brenzligen Situationen überwiegen und die bisherige dreijährige Therapie 

noch keinen Erfolg aufzeigen. Aufgrund dessen müsse die ambulante 

Therapie als gescheitert bezeichnet werden, da eine relevante 

Verbesserung im Bereich der deliktspezifischen Problembereiche nicht 

habe erreicht werden können. Eine ambulante Behandlung könne deshalb 

nicht mehr als ausreichend erachtet werden (UA act. 2, 405 ff.). Die 

Sachverständige bestätigte dies an der Berufungsverhandlung und gab zu 

Protokoll, dass eine ambulante Therapie aufgrund der Tatsache, dass der 

Beschuldigte nicht transparent sei, nicht erfolgsversprechend sei. Aufgrund 

dessen komme lediglich eine stationäre Massnahme in Frage (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 37). Folglich erweist sich die stationäre 

therapeutische Massnahme als notwendig, da eine ambulante Massnahme 

nicht gleich geeignet wäre. 

 

4.5.5. 

Ausgehend von der hohen Rückfallgefahr (vgl. E. 4.5.3) sowie in 

Anbetracht dessen, dass es sich bei einigen der durch einen Rückfall 

gefährdeten Rechtsgütern – der ungestörten psychisch-emotionalen und 

sexuellen Entwicklung von Kindern sowie der ungestörten sexuellen 

Entwicklung von Jugendlichen – um hohe Rechtsgüter handelt, besteht ein 

grosses öffentliches Interesse an der Verhütung weiterer Delikte des 

Beschuldigten. Das öffentliche Interesse an der Verhütung weiterer – 

insbesondere auch schwerer – Straftaten und das Behandlungsbedürfnis 

sind höher zu werten als die Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte 

des Beschuldigten. Somit ist auch die Verhältnismässigkeit i.e.S. gegeben. 

 

4.5.6. 

Nach dem Gesagten ist eine stationäre therapeutische Massnahme 

gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB anzuordnen.  

 - 35 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger A.F. 

eine Genugtuung von Fr. 20'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit 15. September 

2014 zu bezahlen (vorinstanzliches Urteil E. 7.).  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung eine Herabsetzung der 

Genugtuung auf Fr. 15'000.00 zzgl. Zins (Berufungserklärung S. 2). Er 

begründet dies damit, dass ihm keine Gewaltanwendung vorgeworfen 

werde, A.F. die sexuellen Handlungen ebenfalls gewollt habe und die 

Genugtuungssumme von Fr. 15'000.00 dem Leid, welches er A.F. zugefügt 

habe, gerecht werde (Protokoll Berufungsverhandlung S. 49 f.). 

 

5.2.  

Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat gestützt auf 

Art. 49 Abs. 1 OR Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als 

Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese 

nicht anders wiedergutgemacht worden ist. Die Festsetzung der Höhe der 

Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit, die auf richterlichem 

Ermessen beruht (Urteil des Bundesgerichts 6B_675/2018 vom 

26. Oktober 2018 E. 7.2). Die Bemessung der Genugtuung richtet sich vor 

allem nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer 

der Auswirkung auf die Persönlichkeit des Opfers sowie dem Grad des 

Verschuldens des Haftpflichtigen. Die Bemessung der Summe, die als 

Ausgleich erlittener Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht 

errechnen, sondern nur schätzen (Urteil des Bundesgerichts 6B_544/2010 

vom 25. Oktober 2010 E. 3.1 mit Hinweisen). Bei sexuellem Missbrauch 

von Kindern ist folgenden Kriterien besondere Beachtung zu schenken: 

Alter des Opfers, Abhängigkeitsverhältnis, Missbrauch eines besonderen 

Vertrauensverhältnisses, Art der Missbrauchshandlungen, Gefühle und Er-

fahrungen des Opfers. Überdies ist nach den psychischen Folgen zu fragen 

und danach, ob die Beziehungsfähigkeit des Opfers beeinträchtigt worden 

ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_830/2008 vom 27. Februar 2009 E. 5.3). 

 

Der Beschuldigte hat mit A.F., welcher damals zwischen 15 und 16 Jahre 

alt war, während insgesamt elf Monaten regelmässig diverse sexuelle 

Handlungen vorgenommen. So hat er mit A.F. mehrfach gegenseitigen und 

ungeschützten Oral- wie auch Analverkehr vollzogen (vgl. E. 2.4.2). Beim 

Oral- und Analverkehr handelt es sich im breiten Spektrum der bei 

sexuellen Handlungen mit einem Kind resp. mit einem Abhängigen 

denkb