# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ce429b9d-030d-5efc-913f-dc04478ce740
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-07
**Language:** de
**Title:** Änderung der Verordnung über den Schutz von Natur- und Landschaftsschutzgebieten mit überkommunaler Bedeutung in der Stadt Uster und einem Teilgebiet von Gossau.
**Docket/Reference:** BRGE III Nrn. 0168-0169/2018
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nrn._0168-0169-2018_vom_7._november_2018.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE III Nrn. 

R3.2017.00170 und R3.2017.00172 
0168/2018 und 0169/2018 

Entscheid vom 7. November 2018 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichter Kaspar  Plüss, Baurichter Mar-
tin Farner, Gerichtsschreiber Daniel Schweikert    

in Sachen 

Rekurrierende 

R3.2017.00170 
1.  Pro Natura Zürich, [….]  
2.  Pro Natura - Schweizerischer Bund für Naturschutz, [….] 
3.  Schweizer Vogelschutz SVS BirdLife Schweiz, [….]  
4.  BirdLife Zürich, [….]  
5.  WWF Schweiz, [….] 
6.  WWF Zürich, [….]  

R3.2017.00172 
1. – 23 [….]  

gegen 

Rekursgegnerin 

1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Gemeinderat Uster, Oberlandstrasse 78, Postfach 1442, 8610 Uster  
3.  Gemeinderat Gossau, Berghofstrasse 4, 8625 Gossau  

betreffend 

Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich vom 29. September 2017; Ände-
rung  der  Verordnung  über den  Schutz  von  Natur-  und  Landschaftsschutz-
gebieten  mit  überkommunaler  Bedeutung  in  der  Stadt  Uster  und  einem 
Teilgebiet von Gossau 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Verfügung  vom  29.  September  2017  erliess  die  Baudirektion  Kanton 

Zürich  die  Änderung  der  Verordnung  über  den  Schutz  von  Natur-  und 

Landschaftsschutzgebieten  mit  überkommunaler  Bedeutung  in  der  Stadt 

Uster  und  einem  Teilgebiet  von  Gossau  (nachfolgend:  SVO  2017).  Die 

Publikation im Amtsblatt erfolgte am 13. Oktober 2017. 

B. 

Hiergegen erhoben Pro Natura Schweiz, Pro Natura Zürich, der Schweizer 

Vogelschutz 

(SVS)/BirdLife  Schweiz, 

der  Zürcher  Vogelschutz 

(ZVS)/BirdLife  Zürich  sowie  WWF  Schweiz  und  WWF  Zürich  mit  gemein-

samer Eingabe vom 10. November 2017 fristgerecht Rekurs an das Baure-

kursgericht des Kantons Zürich und beantragten Folgendes: 

"1.  Die Verfügung der Baudirektion vom 29. September 2017 sei aufzuhe-
ben  und  das  Schutzobjekt  Nr.  4  Werriker-  und  Glattenriet  im  Bereich 
des  Teilobjekts  Brandschänki  mit  ökologisch  ausreichenden  Pufferzo-
nen zu umgeben; 

2.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekursgegne-

rin." 

C. 

Vom  Rekurseingang  wurde  mit  Verfügung  vom  14.  November  2017  unter 

der  Geschäftsnummer  R3.2017.00170  Vormerk  genommen  und  das  Ver-

nehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit gemeinsamer Rekurseingabe vom 10. November 2017 gelangten auch 

der Verein XY sowie 22 weitere Rekurrierende [….] innert Frist an das Bau-

rekursgericht und stellten folgende Anträge: 

"1.  Es  sei  der  Rekurs  gutzuheissen  und  die  Angelegenheit  im  Sinne  der 
Erwägungen  gemäss  der  nachfolgenden  Begründung  zur  Vornahme 
der  notwendigen  Sachverhaltsabklärungen  an  die  Rekursgegnerin  zu-
rückzuweisen  sowie  die  Rekursgegnerin  anzuweisen,  die  Änderung 
vom 29. September 2017 der Verordnung über den Schutz von Natur- 
und Landschaftsschutzgebieten mit überkommunaler Bedeutung in der 

R3.2017.00170 

Seite 2 

 
 
Stadt Uster und einem Teilgebiet von Gossau entsprechend zu überar-
beiten und anzupassen. 

  2.  Insbesondere  sei  die  Änderung  vom  29.  September  2017  der Verord-
nung  über  den  Schutz  von  Natur-  und  Landschaftsschutzgebieten  mit 
überkommunaler  Bedeutung  in  der  Stadt  Uster  und  einem  Teilgebiet 
von Gossau wie folgt zu korrigieren und anzupassen: 

2.1.  Es  sei  die  Abgrenzung  des  Flachmoors  von  nationaler  Bedeutung 
Glattenriet  (Teilobjekt  Brandschänki,  orange  Linie)  im  Nordosten, 
entsprechend  dem  Fachgutachten  U.  AG  vom  2.  November  2015, 
Anhang  2,  südlich  des  Glattenriedbachs bis zur Ostgrenze  der Par-
zelle Nr. D1371 zur Parzelle Nr. D1623 auszudehnen. 

2.2.  Es sei im Nordosten des Brandschänkirieds der gemäss Entwurf der 
Zone  IIF  zugeordnete  Bereich  der  Parzelle  Nr.  D1371  bis  an  deren 
Ostgrenze zur Parzelle Nr. D1623 der Zone I, eventualiter der Zone 
I-R, zuzuordnen. 

2.3.  Es sei im Nordosten des Brandschänkirieds die gemäss Entwurf der 
Zone IIF zugeordnete Teilfläche der Parzelle Nr. D1623 der Zone I-
R, eventualiter der Zone IIA, zuzuordnen. 

2.4.  Es  seien  im  Südosten  die  Parzellen  Nr.  D1362  und  D1364 mindes-
tens  entsprechend  den  im  Gutachten  T.,  Anhang  2,  als  Nährstoff-
/Schadstoff-Pufferzonen  definierten  Abschnitten  Nr.  21  und  Nr. 22 
der Zone II F zuzuordnen. 

2.5.  Es  seien  die  gemäss  "Pufferzonen-Schlüssel"  1997  des  BUWAL 
notwendigen Abklärungen in allen Sachbereichen vorzunehmen und 
es sei die Änderungsvorlage entsprechend zu überarbeiten. 

2.6.  Es seien insbesondere auch ausreichende Pufferzonen entlang von 

Nährstoffeintragslinien festzulegen. 

2.7.  Es  seien  insbesondere  auch  ausreichende  hydrologische  Pufferzo-

nen festzulegen. 

2.8.  Es seien insbesondere auch ausreichende Pufferzonen vor weiteren 
Gefährdungen der biotopspezifischen Pflanzen- und Tierwelt (vor al-
lem faunistische Pufferzonen) festzulegen. 

2.9.  Eventualiter seien die Verordnungsbestimmungen mit dem expliziten 
Hinweis zu ergänzen, dass das Gebiet Brandschänki-Ost in erhebli-
chem  Mass  vom  Grundwassereinfluss  aus  nordöstlicher  Richtung 
geprägt wird, weshalb für jedes künftige Bauprojekt in diesem Gebiet 
die Hydrologie vertieft abgeklärt werden muss und die nötigen hydro-
logischen  Pufferzonen  im  Sinne  dieser  Abklärungen  festgelegt  wer-
den müssen. 

2.10. Eventualiter seien die Verordnungsbestimmungen mit dem expliziten 
Hinweis  zu  ergänzen,  dass  für  jedes  künftige  Bauprojekt  in  diesem 
Gebiet projektspezifische faunistische Pufferzonen festgelegt werden 
müssen. 

R3.2017.00170 

Seite 3 

 
 
3.  Eventualiter seien die im Rechtsbegehren 2 beantragten Abklärungen, 
Korrekturen  und  Anpassungen  der  Schutzverordnung  im  Rekursent-
scheid durch das Baurekursgericht direkt vorzunehmen. 

4.  Es  sei  dem  Rekurs  insoweit  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  als 
damit über die gemäss der nachfolgenden Begründung zu klein festge-
legten  Perimeter  hinaus  eine  Ausdehnung  der  Schutzobjekte  und  der 
Pufferzonen  verlangt  wird,  und  es  sei als  vorsorgliche  Massnahme  zu 
verbieten,  dass  in  den  gemäss  Rekursanträgen  und  Rekursbegrün-
dung umstrittenen Bereichen sowie insbesondere auf den umstrittenen 
Flächen  bis  zur  rechtskräftigen  Erledigung  des  vorliegenden  Rekurs-
verfahrens Bauten, Anlagen oder sonstige Veränderungen oder Einwir-
kungen realisiert bzw. vorgenommen oder zugelassen werden, welche 
die im Rekurs gestellten Anträge im Sinne der nachfolgenden Begrün-
dung  negativ  präjudizieren  oder  sonstwie  den  damit  angestrebten  zu-
sätzlichen Schutz tangieren könnten. 

5.  Es sei ein Abteilungsaugenschein durchzuführen. 

6.  Eventualiter  sei  ein  ENHK-Gutachten  einzuholen  oder  subeventualiter 

sonst eine Oberexpertise. 

7.  Alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Rekurs-

gegnerin." 

E. 

Von diesem Rekurseingang wurde mit Verfügung vom 15. November 2017 

unter der G-Nr. R3.2017.00172 Vormerk genommen und das Vernehmlas-

sungsverfahren eröffnet. 

F. 

Mit  Verfügung  vom  30.  November  2017  wurde  das  im  Verfahren  G.-

Nr. R3.2017.00172  gestellte  Gesuch  um  Anordnung  vorsorglicher  Mass-

nahmen gutgeheissen und ein entsprechendes Veränderungs- und Einwir-

kungsverbot statuiert. 

G. 

Die Baudirektion schloss in ihren Vernehmlassungen je vom 14. Dezember 

2017 auf Abweisung der Rekurse unter Kostenfolge zulasten der jeweiligen 

Rekurrierenden.  Der  mitbeteiligte  Gemeinderat  Uster  schloss  sich  diesen 

Anträgen  an.  Der  mitbeteiligte  Gemeinderat  Gossau  verzichtete  auf  Ver-

nehmlassung. 

R3.2017.00170 

Seite 4 

 
 
H. 

In  den  weiteren  Rechtsschriften  bis  hin  zur  Triplik  vom  28.  März  2018  im 

Verfahren  G.-Nr.  R3.2017.00172  hielten  die  Parteien  an  ihren  jeweiligen 

Anträgen fest. 

I. 

Am 10.  Juli  2018 führte  die  dritte  Abteilung des  Baurekursgerichts  im  Bei-

sein aller Parteien mit Ausnahme des mitbeteiligten Gemeinderats Gossau 

einen Augenschein vor Ort durch. 

J. 

Auf die Ausführungen der Parteien und die Erkenntnisse des Augenscheins 

ist nachfolgend insoweit einzugehen, als dies für die Begründung des Ent-

scheids erforderlich ist. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  Rekurse  betreffen  dieselbe  Schutzverordnungsänderung,  weshalb  die 

Verfahren G.-Nrn. R3.2017.00170 und R3.2017.00172 zu vereinigen sind. 

Nachfolgend zitierte Akten finden sich im Dossier des letzteren Verfahrens. 

2. 

Die  Rekurrierenden  Pro  Natura  Schweiz,  Schweizer  Vogelschutz 

(SVS)/BirdLife  Schweiz  und  WWF  Schweiz  sind  sich  dem  Naturschutz 

widmende,  gesamtschweizerisch  tätige  und rein  ideelle  Zwecke  verfolgen-

de  Naturschutzorganisationen.  Dementsprechend  sind  sie  im  Sinne  von 

Art. 12 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz 

(NHG) zur Anfechtung von den Naturschutz betreffenden Verfügungen kan-

tonaler  Behörden  legitimiert  (Art. 1  bzw.  Anhang  der  Verordnung  über  die 
Bezeichnung  der  im  Bereich  des  Umweltschutzes  sowie  des  Natur-  und 

R3.2017.00170 

Seite 5 

 
 
Heimatschutzes  beschwerdeberechtigten  Organisationen  [VBO]).  Die  Re-

kurrierenden Pro Natura Zürich, Zürcher Vogelschutz (ZVS)/BirdLife Zürich 

und  WWF  Zürich  sind  gestützt  auf  das  kantonale  Verbandsbeschwerde-

recht rekurslegitimiert (§ 338b Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugesetzes 

[PBG]). 

Der Verein XY ist nach Massgabe der mit der Rekursschrift (act. 2, Rz. 83 

ff.)  substantiiert  dargelegten  Voraussetzungen  zur  sogenannten  egoisti-

schen Verbandsbeschwerde legitimiert (BRGE I Nrn. 0052 und 0053/2013, 

E.  3.2.,  in  BEZ  2013  Nr.  19).  Die  Rekurrierenden  Nrn.  2-23  im  Verfahren 

G.-Nr.  R3.2017.00172  sind  im  Lichte  ihrer  jeweiligen  Nähebeziehung  von 

der  SVO  2017  mehr  als  beliebige  Dritte  betroffen  und  haben  ein  schutz-

würdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung,  weshalb  sie ebenfalls  rekurslegi-

timiert sind (§ 338a PBG). 

Weil  auch  die  übrigen  formellen  Voraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  die 

Rekurse einzutreten. 

3.1. 

Dem  hiesigen  Rekursverfahren  ging  ein  Rekursverfahren  vor  dem  bis 

30. Juni  2014  gemäss  damaligen  Fassung  von  §  329  PBG  zuständigen 

Regierungsrat  des  Kantons  Zürich  voraus.  Dieser  hiess  einen  Rekurs  ge-

gen  eine  Schutzverordnungsänderung  vom  11.  Juni  2014  (nachfolgend: 

SVO 2014) teilweise gut, hob jene Änderung auf und wies die Sache zum 

Neuentscheid  an  die  Baudirektion  zurück  (RRB  Nr.  900/2015  vom 

23. September  2015;  act. 6.12).  Bei  der  hier  angefochtenen  SVO  2017 

handelt es sich um diesen Neuentscheid. 

Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2017.00172  beantragen  den 

vollständigen Beizug der Akten des Verfahrens vor Regierungsrat inklusive 

jenes  vorinstanzlichen  Verfahrens.  Weiter  beantragen  dieselben  Rekurrie-

renden  den  Beizug  sämtlicher  Akten  des  bei  der  Baudirektion  hängigen 

strassenrechtlichen Verfahrens betreffend das Projekt "Strasse Uster West, 

Winterthurerstrasse Lorenplatz Zürichstrasse." 

Für  die  Entscheidfindung  sind  diese  Akten  nach  Massgabe  nachfolgender 
Erwägungen  entbehrlich,  weshalb  auf  ihren  integralen  Beizug  verzichtet 
werden konnte. Soweit in den hiesigen Rechtsschriften an einer Stelle kon-

kret auf ein vorliegend relevantes Aktenstück aus den besagten Verfahren 

R3.2017.00170 

Seite 6 

 
 
verwiesen  wurde,  welches  nicht  ohnehin  bereits  bei den  Akten  lag,  wurde 

dieses Aktenstück der Vollständigkeit halber eingeholt (act. 38 und act. 41-

43). 

3.2. 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00172 beantragen für den 

Fall,  dass  die  Befunde  der  von  ihnen  eingereichten  insgesamt  drei  Fach-

gutachten  der  U.  AG  (act. 6.7-6.9),  von  der  Baudirektion  in  Frage  gestellt 

werden sollten, eine neutrale Oberexpertise. Von Gesetzes wegen sei hier-

zu die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (EHNK) beru-

fen, zumal ein EHNK-Gutachten nach Art. 7 Abs. 2 NHG ohnehin obligato-

risch sei, wenn bei Erfüllung einer Bundesaufgabe ein Objekt beeinträchtigt 

werden könnte, das in einem Inventar des Bundes im Sinne von Art. 5 NHG 

aufgeführt sei. Auch das Flachmoorinventar sei ein solches Bundesinventar 

und  die  Beeinträchtigung  des  Flachmoors  Glattenried  vorliegend  nicht  nur 

möglich, sondern offensichtlich. 

3.3. 

Kann bei der Erfüllung der Bundesaufgabe ein Objekt, das in einem Inven-

tar  des  Bundes  nach  Artikel  5  aufgeführt  ist,  erheblich  beeinträchtigt  wer-

den oder stellen sich in diesem Zusammenhang grundsätzliche Fragen, so 

verfasst  die  EHNK  zuhanden  der  Entscheidbehörde  ein  Gutachten.  Die 

Kommission  gibt  darin  an,  ob  das  Objekt  ungeschmälert  zu  erhalten  oder 

wie es zu schonen ist (Art. 7 Abs. 2 NHG). 

Auf die Einholung eines EHNK-Gutachtens ist mit der Auffassung der Bau-

direktion  zu  verzichten.  Insbesondere  besteht  hierzu  aufgrund  von  Art. 7 

Abs. 2 NHG keine Pflicht, da es sich gemäss überzeugender Auffassung in 

der  Literatur  beim  Flachmoorinventar  nicht  um  ein  Inventar  im  Sinne  von 
Art. 5 NHG handelt. Demgemäss greift die Begutachtungspflicht der EHNK 

von vornherein nicht (Jörg Leimbacher, in: Kommentar NHG, Zürich 1997, 

Art.  5  Rz.  6;  kritisch  indes  BGr  1A_250/1995  vom  26.  Juni  1996  in  URP 

1997 217 ff.).  

Auch  im  Übrigen  ist  auf  die  Einholung  einer  Oberexpertise  zu  verzichten. 

Das Baurekursgericht ist ein Fachgericht, das regelmässig mit Fragen des 

Natur- und Heimatschutzes und auch des Moorschutzes (vgl. z.B. BRGE I 
Nrn.  0067-0071/2018  vom  1.  Juni  2018;  www.baurekursgericht-zh.ch)  be-

R3.2017.00170 

Seite 7 

 
 
fasst  ist.  Es  ist  in  der Lage,  von  den Parteien  eingereichte  Fachgutachten 

zu würdigen. 

4.1. 

Streitgegenstand ist im Wesentlichen der genaue Perimeter des als Objekt 

Nr. 2190 national inventarisierten Flachmoors Glattenriet in dessen Teilbe-

reich  "Brandschänki"  sowie  die  Frage  der  rechtsgenügenden  bzw.  korrek-

ten Ausscheidung von Pufferzonen. 

4.2. 

Die  Festlegung  des  Perimeters  in  der  SVO  2014  stützte  sich  auf  ein  Gut-

achten  aus  dem  Jahr  1999  (Gutachten  A.  T.)  und  beinhaltete  erhebliche 

Abweichungen  (insbesondere  Verkleinerungen)  im  Vergleich  zum  Perime-

ter gemäss Bundesinventar. Die Flachmoogrenze wurde im Nahbereich der 

projektierten  Strasse  Uster  West  im  Bereich  Brandschänki  um  60 m  zu-

rückversetzt. 

Der Regierungsrat kam in RRB Nr. 900/2015 vom 23. September 2015 zum 

Schluss,  dass  es  angesichts  des  in  Art.  78  Abs. 5  der  Bundesverfassung 

(BV) verankerten absoluten Vorrangs des Moorschutzes hierfür besonders 

gewichtiger Argumente bedürfe. Solche vermochte der Regierungsrat nicht 

zu erkennen und hielt fest, es seien keine einleuchtenden Gründe ersicht-

lich, welche eine derart erheblich vom Bundesinventar abweichende Grenz-

festlegung  rechtfertigen  könnten,  wie  sie  der  SVO  2014  zu  Grunde  lag. 

Verkleinerungen  gegenüber  dem  Bundesperimeter  dürften  angesichts  der 

unterschiedlichen Zuständigkeiten von Bund und Kanton nur untergeordne-

ter Natur sein. Die im Bereich Brandschänki mit der SVO 2014 vorgenom-

mene  Verkleinerung  des  Flachmoorobjekts  liege  nicht mehr im  Ermessen, 

welches  dem  Kanton  gemäss  Art.  3  der  Flachmoorverordnung  (FMV)  zu-

stehe. Demgemäss wurde die Baudirektion verpflichtet, vor der Grenzfest-

setzung  im  Bereich  Brandschänki  beim  Bund  ein  entsprechendes  Verfah-

ren  zur  Nachführung  bzw.  Prüfung  des  Inventars  zu  veranlassen  (Art.  16 

Abs.  2  der  Natur-  und  Heimatschutzverordnung  [NHV]).  Gestützt  auf  die 

Ergebnisse  der  Inventarnachführung  sowie  der  hiernach  neu  festzuneh-

menden  Grenzfestlegung  seien  entsprechend  auch  die  Pufferzonen  ge-

mäss Art. 3 FMV neu festzulegen. 

R3.2017.00170 

Seite 8 

 
 
In der Folge beantragte die Baudirektion mit Schreiben vom 10. Dezember 

2015  beim  Eidgenössischen  Departement  für  Umwelt,  Verkehr,  Energie 

und Kommunikation (UVEK) eine Inventaranpassung im Sinne von Art. 16 

Abs. 2 NHV. Die Flachmoorgrenze sei vom UVEK entsprechend dem Gut-

achten A. T. im Sinne der vom Regierungsrat aufgehobenen SVO 2014 um 

60  m  zurückzusetzen.  Die  Realisierung  der  Strasse  Uster  West  hänge 

massgeblich von der Moorgrenze im Bereich Brandschänki ab. Die Projek-

tierung der Strasse sei bereits weit fortgeschritten und die Baudirektion so-

wie die Stadt Uster legten grössten Wert auf deren Realisierung innert nütz-

licher Frist. Die Inventaranpassung sei möglichst bald in die Wege zu leiten, 

damit das sehr dringliche Strassenprojekt keine weitere Verzögerung erlei-

de (act. 6.16).  

Das  UVEK  lehnte  diesen  Antrag  mit  Antwortschreiben  vom  7.  April  2016 

ab.  Es  führte  aus,  das  von  Anwohnern  beim  UVEK  eingereichte  Fachgut-

achten U. AG vom 2. November 2015 (act. 6.9; nachfolgend Gutachten U. 

AG Nov. 2015) komme zum Ergebnis, dass sich die Vegetation auf der von 

der Baudirektion zur Entlassung aus dem Inventar vorgeschlagenen Fläche 

aufgrund  von  Renaturierungsmassnahmen  der  Stadt  Uster  wieder  zu 

Flachmoorvegetation  entwickelt  habe.  Vor  dem  Hintergrund  der  jüngsten 

bundesgerichtlichen  Rechtsprechung,  welche  bekräftige,  dass  das  eidge-

nössische Moorschutzrecht keine Interessenabwägung zulasse, könne aus 

Sicht  des  Bundesamts  für  Umwelt  (BAFU)  die  von  der  Baudirektion  ge-

wünschte  Perimeteranpassung  nicht  aus  Gründen  des  Strassenbaus  vor-

genommen  werden.  Der  Kanton  solle  im  Rahmen  der  Änderung  der 

Schutzverordnung  den  detaillierten  Grenzverlauf  inklusive  Pufferzonen  im 

Rahmen  seines  Beurteilungsspielraums  (Art.  3  FMV)  selbst  festlegen  und 

aufgrund  dessen  die  Umsetzbarkeit  des  geplanten  Projekts  insgesamt 

überprüfen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die geplante Strasse selbst 

unter  Beibehaltung  des  Bundesperimeters  –  ausserhalb  desselben,  in  der 

Pufferzone – möglich und zulässig sei. Es müsse dann allerdings nament-

lich  sichergestellt  sein,  dass  keine  Einträge  von  der  Strasse  ins  Moor  er-

folgten (act. 6.18). 

In  der  Folge  beauftragte  die  Baudirektion  im  Sommer  2016  eine  externe 

Gutachterin,  die  Detailabgrenzung  des  Flachmoors  Glattenried  vorzuneh-

men sowie die erforderlichen Nährstoff- und Schadstoffpufferzonen gemäss 

dem Pufferzonenschlüssel auszuscheiden. Der Auftrag umfasste – hierüber 
sind  sich  die  Parteien  einig  –  nicht  auch  den  Auftrag,  die  Notwendigkeit 

R3.2017.00170 

Seite 9 

 
 
hydrologischer Pufferzonen und Pufferzonen zum Schutz vor weiteren Ge-

fährdungen  abzuklären.  Dementsprechend  äussert  sich  das  in  der  Folge 

erstellte "Gutachten zur Festlegung des genauen Grenzverlaufs des Moor-

biotops von nationaler Bedeutung Nr. 2190 "Glattenried" und der Pufferzo-

nen  gegen  Einwirkungen  von  Nährstoffen  und  weiteren  Schadstoffen  an 

dessen  Südostseite,  zwischen  Bahnweg  und  Werrikerstrasse,  nach  Krite-

rien  BAFU  sowie  zur  Schutzwürdigkeit  der  Fläche  südlich  der  Bahnlinie" 

(act. 6.10; nachfolgend: Gutachten T.) nicht zu hydrologischen Pufferzonen 

und Pufferzonen zum Schutz vor weiteren Gefährdungen.  

Die  Baudirektion  setzte  in  der  Folge  in  der hier  angefochtenen  SVO  2017 

den  genauen  Grenzverlauf  des  Teilobjekts  Brandschänki  im  Wesentlichen 

gemäss  dem  Gutachten  T.  fest  und  wies  die  Moorfläche  der  Naturschutz-

zone  I  zu.  Weiter  hielt  die  Baudirektion  fest,  die  geringen  Differenzen  ge-

genüber  dem  Bundesinventar lägen  im Bereich  der Ungenauigkeit  der  da-

maligen Plandarstellung (1:25'000). Die nach den Kriterien des BAFU aus-

geschiedenen Pufferzonen für das Teilobjekt Brandschänki würden, wo sie 

über die das Teilobjekt umgebende Zone I, Regeneration (IR), hinausreich-

ten, der Nutzungszone entsprechend als Zone IIA bzw. IIF ausgeschieden. 

Hydrologische  Pufferzonen  und  Pufferzonen  vor  weiteren  Gefährdungen 

der biotopspezifischen Pflanzen- und Tierwelt würden nicht festgelegt. Die-

se  Aspekte  würden  im  Einzelfall  beim  Vorliegen  von  Projekten  aufgrund 

entsprechender Gutachten geprüft. 

5.1. 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00170 rügen zusammen-

gefasst  die  Nichtfestsetzung  jedwelcher  hydrologischer  Pufferzonen  und 

Pufferzonen  vor  weiteren  Gefährdungen.  Die  Ausgestaltung  ökologisch 

ausreichender  Pufferzonen  richte  sich  nach  den  örtlichen  Gegebenheiten 

und  den  konkreten  Schutzbedürfnissen.  Vorliegend  grenze  das  Teilgebiet 

Brandschänki  des  national  inventarisierten  Flachmoors  Glattenried  unmit-

telbar  an  bestehende  Bauten  und  an  unüberbautes  Bauland  an.  Um  eine 

moorschutzverträgliche Nutzung des an das Flachmoor angrenzenden Ge-

biets  sicherzustellen, hätte  die  Baudirektion  vor Erlass  der  SVO  2017  um-

fassend und unter Einbezug sämtlicher möglicher Einflüsse abklären müs-
sen, wie das Moorbiotop vor einer Gefährdung durch die umgebende aktu-
elle  und  künftige  Nutzung  und  die  davon  ausgehenden  Belastungen  ge-

schützt  werden  könne.  Mit  dem  Verzicht  auf  solche  Abklärungen  und  mit 

R3.2017.00170 

Seite 10 

 
 
dem  Verzicht  auf  die  Festlegung  entsprechender  Pufferzonen  habe  die 

Baudirektion in grundsätzlicher Weise die bundesrechtlichen Vorgaben von 

Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 FMV verletzt.  

Bereits heute gingen von der unmittelbar an die Naturschutzzone I angren-

zenden  Bauzone  beeinträchtigende  Auswirkungen  auf  das  Schutzgebiet 

aus.  Die  Bauten  verfügten  zum  Schutzgebiet  hin  über  Dachterrassen  und 

offene,  ins  Dach  eingeschnittene  Balkone  mit  zum  Teil  Pflanzen  und 

Pflanzkübeln.  Lärm-  und  Lichtimmissionen  auf  die  empfindlichen  Moorflä-

chen seien bereits heute offensichtlich vorhanden. Auch könne das Gebiet 

jederzeit  von  Menschen  und  (Haus-)tieren  betreten  werden.  Im  Schutzge-

biet  existierten  zahlreiche  Arten,  die  auf  Störungen  jeder  Art  höchst  emp-

findlich  reagierten,  bspw.  auf  Bewegungsstörungen  durch  Spaziergänger 

mit Hunden oder auf Störungen durch künstliche Lichtquellen während der 

Nacht.  Freilaufende  Katzen  jagten  sodann  Kleinsäuger,  (Jung-)vögel,  Am-

phibien  und  Reptilien;  die  Beeinträchtigung  dieser  Artengruppen  sei  ganz 

direkt und könne im Einzelfall zur starken Dezimierung, wenn nicht gar lo-

kalen  Ausrottung  einer  Art  führen.  Auch  die  Veränderung  der  hydrologi-

schen Verhältnisse könne weitreichende Auswirkungen haben; insbesonde-

re  die  typische  Moorvegation  reagiere  bereits  auf  kleine  Schwankungen 

des  Grundwasserspiegels.  All  diese  Beeinträchtigungen  seien  im  Rahmen 

der  Neuabgrenzung  eines  Schutzgebiets  abzuklären  und  nötigenfalls  mit 

gezielten  Massnahmen  (Störungspufferzonen,  Abschirmung,  Nutzungsbe-

schränkungen) zu verhindern oder zu minimieren. Mit entsprechenden Puf-

ferzonen  –  hydrologischen  Pufferzonen  sowie  Pufferzonen  vor  weiteren 

Gefährdungen – sei sicherzustellen, dass sich die negativen Auswirkungen 

durch  die  bestehende  Bebauung  und  Nutzung  nicht  verstärkten  und  dass 

künftige  Bauten  und  Nutzungen  entsprechend  ausgestaltet  würden.  Das 

von der Baudirektion angestrebte Vorgehen, die Beeinträchtigung der Hyd-

rologie und der biotopspezifischen Pflanzen- und Tierwelt erst "im Einzelfall 

beim  Vorliegen  von  Projekten  aufgrund  spezifischer  Gutachten"  zu  prüfen 

und  allenfalls  Massnahmen  zu  treffen,  sei  für  den  Schutz  des  national  in-

ventarisierten  Flachmoores  ungenügend.  Das  Vorgehen  lasse  die  beste-

henden  Beeinträchtigungen  ausser  Betracht  sowie  auch  den  Umstand, 

dass  bestehende  Beeinträchtigungen  verstärkt  werden  oder  neu  auftreten 

könnten, auch ohne dass ein baubewilligungspflichtiges Projekt geplant sei, 
bspw.  durch  gesteigerte  oder  veränderte  Nutzung  des  strittigen  Bereichs. 
Das  Vorgehen  der  Baudirektion  sei  nicht  geeignet,  das  Moorgebiet  nach-

haltig zu schützen und in seiner Qualität ungeschmälert zu erhalten. 

R3.2017.00170 

Seite 11 

 
 
5.2. 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00172 rügen zusammen-

gefasst,  erstens  weiche  die  Baudirektion  in  unzulässiger  Weise  von  dem 

von  ihr  selbst  in  Auftrag  gegebenen  Gutachten  T.  ab,  wobei  –  auch  nach 

Auffassung dieser Rekurrierenden – der Auftrag an die Gutachterin aus den 

bereits  erwähnten  Gründen  von  Anfang  an  in  bundesrechtswidriger Weise 

unvollständig  gewesen  sei.  In  Bezug  auf  die  auftragsgemäss  evaluierte 

Notwendigkeit von Nährstoff- und Schadstoffpufferzonen habe das Gutach-
ten T. diese auch auf den südöstlich an das Moor angrenzenden Parzellen 
Kat.-Nrn.  D1362  und  D1364  festgehalten.  Von  dieser  Empfehlung  sei  die 

Baudirektion indes massiv abgewichen, indem sie nur gerade in der West-

ecke  der  Parzelle  Kat.-Nr.  D1362  eine  kleine  Fläche  als  Zone  IIF  (Natur-

schutzumgebungszone  im  Baugebiet)  ausgeschieden  habe.  In  Bezug  auf 

die mangels Auftrag  gar nicht  erst  evaluierte  Notwendigkeit  von  hydrologi-

schen  Pufferzonen  und  Pufferzonen  gegen  weitere  Gefährdungen  ergebe 

sich  aus  dem  Fachgutachten  U. AG  vom  17.  Juli  2014  (nachfolgend:  Gut-

achten U. AG 2014; act. 6.7) sowie aus dem Zusatzbericht zu diesem Gut-

achten vom 4. März 2015 (nachfolgend: Zusatzbericht U. AG; act. 6.8) klar, 

dass  diese  Pufferzonen  zwingend  notwendig  und  im  Rahmen  der  SVO 

2017 – und nicht erst im Falle eines konkreten Bauprojekts  – festzusetzen 

seien. 

Hinsichtlich  der  parzellenscharfen  Abgrenzung  des  Moorperimeters  in  der 

SVO  2017  sei  sodann  offensichtlich,  dass  im  besonders  umstrittenen  Be-

reich im Nordosten des Teilgebiets Brandschänki der Perimeter so gezogen 

worden  sei,  dass  er  mit  dem  Strassenbauprojekt  Uster  West  kompatibel 

sei, welches die Baudirektion am gleichen Tag wie die SVO 2017 im Amts-

blatt publiziert habe. 

6. 

Gemäss Art. 78 Abs. 1 BV sind für den Natur- und Heimatschutz grundsätz-

lich  die  Kantone  zuständig.  Der Bund erlässt  Vorschriften  zum Schutz  der 

Tier- und Pflanzenwelt und zur Erhaltung ihrer Lebensräume in der natürli-

chen Vielfalt. Er schützt bedrohte Arten vor Ausrottung (Art. 78 Abs. 4 BV). 

Gemäss Art. 78 Abs. 5 BV sind Moore von besonderer Schönheit und ge-
samtschweizerischer Bedeutung geschützt. Es dürfen darin weder Anlagen 
gebaut  noch  Bodenveränderungen  vorgenommen  werden.  Ausgenommen 

sind  Einrichtungen,  die  dem  Schutz  oder  der  bisherigen  landwirtschaftli-

R3.2017.00170 

Seite 12 

 
 
chen  Nutzung  der  Moore  und  Moorlandschaften  dienen.  Gestützt  auf  die 

ihm  mit  Art. 78  Abs.  4  BV  (Art.  24e  der  alten  Bundesverfassung  vom 

29. Mai 1874) eingeräumte Kompetenz erliess der Bund das NHG. Gemäss 

Art.  18a  Abs. 1  und 3  NHG  bezeichnet  der Bundesrat nach  Anhörung  der 

Kantone  die  Biotope  von  nationaler Bedeutung,  bestimmt  deren  Lage  und 

legt  die  Schutzziele  fest.  Nach  Art. 18b  Abs.  1  NHG  sorgen  die  Kantone 

insbesondere für den Schutz und Unterhalt der Biotope von regionaler und 

lokaler  Bedeutung.  Gemäss  Art. 14  Abs.  2  lit.  d  NHV  werden  Biotope  von 

nationaler Bedeutung insbesondere geschützt durch die Ausscheidung öko-

logisch  ausreichender  Pufferzonen.  Gemäss  Art.  3  Abs.  1  FMV  legen  die 

Kantone  den  genauen  Grenzverlauf  der  im  Flachmoorinventar  aufgenom-

menen Objekte fest und scheiden die besagten Pufferzonen aus. Gemäss 

Art. 4 FMV sind die Schutzobjekte ungeschmälert zu erhalten; in gestörten 

Moorbereichen soll die Regeneration, soweit es sinnvoll ist, gefördert wer-

den.  Die  kantonale  Festlegung  darf  nicht  restriktiv  sein  und  dazu  führen, 

dass Objekte von nationaler Bedeutung geschmälert werden. Sie kann aber 

die  bundesrechtliche  Umschreibung  präzisieren,  soweit  diese  unklar  oder 

fehlerhaft ist. Nach Art. 8 FMV sorgen die Kantone dafür, dass bestehende 

Beeinträchtigungen bei jeder sich bietenden Gelegenheit soweit als möglich 

rückgängig gemacht werden. 

Grundlage für die Ausscheidung der erforderlichen Pufferzonen bildet der in 

2.  Auflage  herausgegebene  Pufferzonenschlüssel  des  BAFU  (vormals 

BUWAL) aus dem Jahr 1997. Gemäss dem Pufferzonenschlüssel sind die 

Kantone verpflichtet, ökologisch ausreichende Pufferzonen festzulegen, um 

zu  verhindern,  dass  Moorbiotope  durch  Nutzungen  in  der  Umgebung  ge-

fährdet  werden.  Diese  Pufferzonen  berücksichtigen  Gefährdungen  durch 

den  Eintrag  von  Nährstoffen  und  weiteren  nutzungsbedingten  Hilfsstoffen, 

die  Hydrologie  sowie  mögliche  weitere  Gefährdungen  der  biotopspezifi-

schen Pflanzen- und Tierwelt. Die ökologisch ausreichende Pufferzone be-

steht somit aus der Nährstoff-Pufferzone und zusätzlichen Pufferzonen, die 

aus der Gesamtbeurteilung abgeleitet werden (S. 14 sowie S. 19 Ziffer 4.5 

des  Pufferzonenschlüssels).  Die  Nährstoff-Pufferzone  verhindert  die  indi-

rekte  Düngung  der  Moore  durch  oberflächlichen  und  oberflächennahen 

Nährstoffeintrag  aus  der  direkten  Umgebung.  Hydrologischen  Pufferzonen 

kommt  die  Aufgabe  zu,  Beeinträchtigungen  des  Wasserhaushalts  des 
Moors  durch  Veränderungen  im  Wasserhaushalt  in  den  die  Moorbiotope 
umgebenden Flächen zu vermeiden. Sie werden in der Regel aufgrund von 

situationsbedingten  Abklärungen  gutachterlich  festgelegt.  Die  Pufferzonen 

R3.2017.00170 

Seite 13 

 
 
zum  Schutz  vor weiteren Gefährdungen  werden  auch  als faunistische und 

floristische  Pufferzonen  bezeichnet.  Weitere  Gefährdungen  für  die  biotop-

spezifische  Pflanzen-  und  Tierwelt  können  insbesondere  Störungen  durch 

Bewegung oder Lärm, Lichtemissionen oder Schattenwurf sein (zum Gan-

zen VB.2011.00114 in BEZ 2011 Nr. 51). 

7.1. 

Gemäss den Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00172 erstrecke 

sich  der  Flachmoorperimeter  respektive  die  Naturschutzzone  I  im  Nordos-

ten aus  sachlich nicht vertretbaren  Gründen nicht  bis  zur Grenze  der Par-

zelle Kat.-Nr. D1371, sondern nur bis zur Westgrenze des geplanten Stras-

senperimeters. Dies sei fachlich unhaltbar, wie sich aus dem Zusatzbericht 

U. AG ergebe, und einzig dem geplanten Strassenprojekt geschuldet. 

Die Baudirektion stellt diese Argumentation mit Berufung auf das zur Fest-

legung  des  genauen  Grenzverlaufs  (Art.  3  Abs.  1  Satz  1  FMV)  in  Auftrag 

gegebene Gutachten T. und eine sich an die Kriterien der "Kartieranleitung 

2013 für Flachmoore" (act. 13.2; nachfolgend Kartieranleitung) – und nur an 

diese Kriterien – haltende Vorgehensweise mit Nachdruck in Abrede. 

7.2. 

Im  Nordosten  des  Teilobjekts  Brandschänki  wird  der  Flachmoorperimeter 

(orange  Linie)  unstreitig  nicht  exakt  bis  zur  Grenze  der  Parzelle  Kat.-

Nr. D1371 gezogen, sondern endet leicht westlich der Parzellengrenze und 

verläuft hernach für jeweils einige Meter in nordwestliche und dann in süd-

westliche Richtung. Auch die festgesetzte Naturschutzzone I reicht nicht bis 

zur Parzellengrenze, sondern endet leicht westlich von dieser, um hernach 

einen in nördliche Richtung verlaufenden Streifen auszusparen, in dem die 

Naturschutzumgebungszone  IIF  im  Baugebiet  festgesetzt  wird  (vgl.  die 

Darstellungen in act. 2, Rz. 36-38).  

Klar ist zunächst, dass bei der parzellenscharfen Festsetzung des genauen 

Grenzverlaufs  einzig  fachlich  begründbare,  moorschutzrechtliche  Kriterien 

zur Anwendung gelangen dürfen. Die Interessen am Strassenbau sind kei-

ne  moorschutzrelevanten  und  moorschutzrechtlich  zulässigen  Kriterien 
(BGE 138 II 281, E. 5.6.5). Mitunter ist demnach zu prüfen, ob sich die Pe-
rimeterfestsetzung im besonders umstrittenen Bereich – allein – auf solche 

R3.2017.00170 

Seite 14 

 
 
Gründe abstützen lässt respektive im diesbezüglichen fachlichen Ermessen 

der Baudirektion liegt. 

7.3. 

Gemäss dem Schwellenschlüssel der Kartieranleitung liegt Flachmoorvege-
tation vor, wenn mindestens 10 Flachmoorarten auf einer Fläche von 20 m2 
vorhanden  sind,  oder  die  Deckung  der  Flachmoorarten  grösser  ist  als  die 

Deckung  der  übrigen  Arten.  Gemäss  der  Vegetationsaufnahme  V1  des 

Gutachtens  T.  (act.  6.10,  Anhänge  1.1  und  3.1)  beträgt  die  Deckung  der 

Flachmoorarten innerhalb des Perimeters 57 % und jene der übrigen Arten 
50  %.  Mitunter  ist  das  besagte  Flachmoorkriterium  innerhalb  des  festge-
setzten  Perimeters  gemäss  Gutachten  T.  klarerweise  erfüllt,  nicht  aber 

ausserhalb  desselben.  Auch  in  der  Vegetationskartierung  des  Zusatzbe-

richts  U.  AG  kommt diese  Unterscheidung  zum Ausdruck,  indem  im  stritti-

gen  Bereich  (nur)  Flachmoormischvegetation  eingezeichnet  ist  (act.  6.8, 

Anhang  1).  Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2017.00172  aner-

kennen zwar, dass dieses Kriterium der Durchdringung mit Flachmoorvege-

tation im besonders umstrittenen Bereich für die "Variante" der Baudirektion 

spreche (act. 19, Rz. 48 und Rz. 50). Sie halten indes erstens dafür, dass 

diverse  weitere  Kriterien  für  eine  Verschiebung  des  Flachmoorperimeters 

nach  Osten,  bis  an  die  Parzellengrenze  des  Grundstücks  Kat.-Nr.  D1623, 

vorlägen,  so  wie  im  Zusatzbericht  U. AG  gefordert.  Sodann  sei  die  Baudi-

rektion in Situationen an anderen Stellen des Flachmoors, die mit dem strit-

tigen  Bereich  vergleichbar  seien,  selbst  von  dem  alleinigen  Kriterium  der 

Durchdringung mit Flachmoorvegetation abgewichen. 

In Bezug auf die geforderte Beachtung weiterer Kriterien ist mit der Auffas-

sung der Baudirektion festzuhalten, dass die im Zusatzbericht U. AG aufge-

führten Gründe, weshalb die strittige Fläche trotz des nicht erfüllten Kriteri-

ums  der  überwiegenden  Durchdringung  mit  Flachmoorvegetation  gleich-

wohl in den Perimeter einzufassen sei, nicht zu überzeugen vermögen. Die 

Vorgehensweise im Gutachten T. und das verwendete Abgrenzungskriteri-

um entsprechen wie erwähnt den vom Bund zur Verfügung gestellten Anlei-

tungen,  wohingegen  der  Zusatzbericht  U.  AG  weitere  Kriterien  verwendet, 

die in den massgeblichen Anleitungen nicht vorhanden sind. So ist der von 

den  Rekurrierenden  erwähnte  "Nutzungstyp"  für  die  äussere  Abgrenzung 

eines  Flachmoors  von  nationaler  Bedeutung  gemäss  dem  systematischen 
Aufbau der Kartieranleitung klarerweise unbeachtlich, da er nur bei der Ab-

R3.2017.00170 

Seite 15 

 
 
grenzung  von  Teilobjekten  innerhalb  eines  Flachmoorobjekts  zur  Anwen-

dung gelangt (Abschnitte 2.6 und 2.7 der Kartieranleitung). Die in Abschnitt 

2.1  festgehaltenen  Grundsatzregeln  des  Dokuments  "Inventarrevision  der 

Flachmoore  von  nationaler  Bedeutung:  Vorgehen  für  die  Abgrenzung  der 

neuen Objektperimeter" (act. 13.3) statuieren hingegen klar, dass für die  – 

hier  zur  Diskussion  stehende  –  äussere  Abgrenzung  eines  Objektperime-

ters  nur  der  erwähnte  Schwellenschlüssel  massgeblich  ist  ("Flächen  mit 

Nicht-Flachmoor-Vegetation, die am Rande des Objekts liegen, dürfen nicht 

im Perimeter eingeschlossen werden."). 

Ebenso  wenig  gefolgt  werden  kann  der  rekurrentischen  Auffassung,  wo-

nach  sich  aus  der  Kartieranleitung  ergebe,  dass  der  Flachmoorperimeter 

immer dann bis zu einer Parzellengrenze zu führen sei, wenn eine solche in 

der  Nähe  liege.  Der  Begriff  "parzellenscharf"  bedeutet  nicht,  dass  die  Ab-

grenzung  eines  Flachmoors  zwingend  Parzellengrenzen  zu  folgen  hätte. 

Abgrenzungen, die von der Parzellengrenze abweichen, sind nichts Beson-

deres und müssen sich einzig aus der Sachlage ergeben. In Art. 3 Abs. 1 
Satz 1 FMV heisst es denn auch: "Die Kantone legen den genauen Grenz-
verlauf fest". Dass dieser mit der Auffassung der Rekurrierenden im Verfah-

ren  G.-Nr.  R3.2017.00172  grundsätzlich  den  Parzellengrenzen  anzuglei-

chen  sei,  lässt  sich  weder der FMV  noch  der Kartieranleitung  entnehmen. 

Der genaue  Perimeter  wurde  –  wie  vorstehend  erwähnt  – durchaus  nach-

vollziehbar  festgesetzt  (massgebliches  Kriterium  der  Flachmoordurchdrin-

gung). Auch kennt das Bundesrecht kein Kriterium "Arrondierung, wo es die 

ungeschmälerte Erhaltung eines Schutzobjekts erfordert". Ein derart unbe-

stimmtes Kriterium wäre im Lichte der äusserst detaillierten Kartieranleitung 

ohnehin unpassend. Die Pflicht, in gestörten Moorbereichen die Regenera-

tion,  soweit  es  sinnvoll  ist,  zu fördern  (Art.  4  Satz  1,  2. Teilsatz  FMV),  hat 

sodann nicht  anders als Art.  8  FMV  ("Die  Kantone  sorgen dafür, dass be-

stehende  Beeinträchtigungen  von  Objekten  bei jeder sich  bietenden  Gele-

genheit  soweit  als  möglich  rückgängig  gemacht  werden")  nichts  mit  der 

Frage der Festsetzung des Moorperimeters (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 FMV) zu 

tun; der Kartieranleitung lässt sich jedenfalls auch hier nichts Entsprechen-

des entnehmen. 

Auch  das  sogenannte  Singularitätskriterium  ist  kein  zusätzliches  Kriterium 

gemäss  Kartieranleitung,  um  Flachmoore  abzugrenzen,  sondern  es  dient 

dazu,  (ganze)  Flachmoorobjekte  aufgrund  von  Besonderheiten  oder  Sel-
tenheiten  und  ausserordentlichen  Einzelerscheinungen  als  Singularität  zu 

R3.2017.00170 

Seite 16 

 
 
bezeichnen  und  ihnen  gestützt  hierauf  ausnahmsweise  nationale  Bedeu-

tung zuzuerkennen, obwohl sie das Standardkriterium (Moordurchdringung) 

für  eine  nationale  Bedeutung  nicht  erfüllen.  Dieser  Anwendungsfall  liegt 

vorliegend nicht vor. Weiter kann aus dem Umstand, dass in der SVO 2017 

in gewissen Fällen der Flachmoorperimeter einer Parzellengrenze folgt, für 

die  Abgrenzung  des  Flachmoors  im  hier  fraglichen  Bereich  ebenso  wenig 

etwas abgeleitet werden wie aus den von den Rekurrierenden aufgezählten 

Beispielen des Einschlusses von Flächen in den Perimeter, die das Vegeta-

tionskriterium  (auch  nicht)  erfüllten.  Die  Baudirektion  hat  die  von  den  Re-

kurrierenden diesbezüglich aufgeführten Einschlüsse in der Duplik (act. 23, 

S.  6  f.)  im  Einzelnen  und  nachvollziehbar  begründet,  worauf  verwiesen 

werden  kann  (§  28  Abs.  1  Satz  2  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes 

[VRG]). An dieser Stelle noch einmal zu erwähnen ist, dass der Baudirekti-

on bei der Abgrenzung des Flachmoorperimeters ein fachliches Ermessen 

zusteht. Solange dieses – wie vorliegend von der Baudirektion im einzelnen 

dargelegt  –  in  nachvollziehbarer,  sich  auf  ein  Fachgutachten  stützender 

Weise  betätigt  wird,  besteht  für  die  Rekursinstanz  kein  Anlass,  in  die  Er-

messensausübung der Fachbehörde einzugreifen. 

Die  getroffene  Perimeterfestsetzung  leicht  westlich  der  Parzellengrenze 

des  Grundstücks  Kat.-Nr.  D1623  beruht  zusammengefasst  auf  einem 

nachvollziehbaren,  nach  Massgabe  der  einschlägigen  Kriterien  gemäss 

Kartieranleitung erstellten Fachgutachten respektive bewegt sich, wo fach-

licher  Ermessensspielraum  verbleibt,  im  Rahmen  desselben.  Demgemäss 

ist  Rekursantrag  Ziff.  2.1  der  Rekurrierenden 

im  Verfahren  G.-

Nr. R3.2017.00172 unbegründet. 

7.4. 

Handelt es sich bei dem beschriebenen, in nördliche Richtung verlaufenden 

Streifen in der Nordostecke der Parzelle Kat.-Nr. D1371 nicht um einen Teil 

des national inventarisiertes Flachmoors, ist es auch vertretbar, dass dieser 

Streifen der Naturschutzumgebungszone im Baugebiet IIF (Nährstoff- bzw. 

Schadstoffpufferzone gemäss Gutachten T.) und nicht der Naturschutzzone 

I  oder der Naturschutzzone  I  -  Regenerationsfläche  zugeteilt  wird.  Die  an-

derslautende  Rüge  (Rekursantrag  Ziff.  2.2  der  Rekurrierenden  im  Verfah-

ren G-Nr. R3.2017.00172) ist unbegründet. 

R3.2017.00170 

Seite 17 

 
 
7.5. 

Nach  Massgabe  des  soeben  Ausgeführten  ist  weiter  auch  die  Zuordnung 

einer Teilfläche der Parzelle Kat.-Nr. D1623 zur Naturschutzumgebungszo-

ne im Baugebiet IIF nicht sachfremd oder gar willkürlich, wie die Rekurrie-

renden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2017.00172  weiter  geltend  machen  (Re-

kursantrag  Ziff.  2.3).  Der  besagte  Bereich  befindet  sich  ebenfalls  aus-

serhalb  des  Flachmoorperimeters.  Bei  der  Frage,  ob  in  einer  kantonalen 

Naturschutzverordnung  in  einem  bestimmten  Bereich  eine  Naturschutzzo-

ne I - Regenerationsfläche oder eben, wie vorliegend, eine Naturschutzum-

gebungszone im Baugebiet IIF ausgeschieden wird, handelt es sich um ei-

ne  rein  kantonalrechtliche  Festlegung,  bei  der  ein  grösserer  Ermessens-

spielraum  besteht  als  bei  der  Festsetzung  des  bundesrechtlichen  Flach-
moorperimeters. Die Baudirektion  begründet die  Nichtfestlegung  einer Na-
turschutzzone I - Regenerationsfläche in diesem Bereich damit, dass er nur 

einen  kleinen  Teil  der  ehemaligen  Moorfläche  und  des  Speisungsgebiets 

des  Glattenrietbachs  ausmache  und  sich  mithin  aus  diesem  Grund  die 

Auswahl  dieser  Fläche  als  eine  solche,  die  regeneriert  werden  soll,  nicht 

aufdränge.  Eine  solche,  fachlich  begründbare  Entscheidung  bzw.  Abgren-

zung  liegt  in  dem  der  Baudirektion  bei  der  Zonenzuordnung  zustehenden 

Ermessen.  Ein  Eingreifen  der  Rekursinstanz  verbietet  sich.  Die  Rüge  ist 

unbegründet. 

8.1. 

Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2017.00172  rügen  weiter  wie 

erwähnt eine Missachtung des von der Baudirektion selbst in Auftrag gege-

benen  Gutachtens  T.  hinsichtlich  der  Festsetzung  von  Nährstoff-  und 

Schadstoffpufferzonen auf den südöstlich an das Moor angrenzenden Par-

zellen Kat.-Nrn. D1362 und D1364 (Rekursantrag Ziff. 2.4). 

8.2. 

Der Auftrag für das Gutachten T. umfasste wie gezeigt nicht nur die  Fest-

legung des genauen Grenzverlaufs des nationalen Moorperimeters im Teil-

bereich  Brandschänki,  sondern  auch  die  Festlegung  von  Pufferzonen  ge-

gen Einwirkungen von Nährstoffen und weiteren Schadstoffen an der Süd-

ostseite des gesamten Moorbiotops Glattenriet. 

R3.2017.00170 

Seite 18 

 
 
Gemäss  Anhang  2  des  Gutachtens  T.  ergibt  sich  die  Notwendigkeit  von 

Nährstoff-/Schadstoffpufferzonen praktisch auf der gesamten Parzelle Kat.-

Nr.  D1364  (Pufferzonenabschnitt  Nr.  22)  sowie  auf  dem  südöstlichen  Be-

reich  der  Parzelle  Kat.-Nr.  D1362  (Pufferzonenabschnitt  Nr.  21).  In  der 

SVO 2017 findet sich hingegen nur in der Westecke des Grundstücks Kat.-

Nr.  D1362  ein  kleiner,  abgerundeter  Bereich,  welcher  als  Naturschutzum-

gebungszone IIF im Baugebiet ausgeschieden wurde. 

8.3. 

Die Baudirektion erklärt diese massive Abweichung von dem von ihr selbst 

in  Auftrag  gegebenen  Gutachten  damit,  dass  die  Abgrenzung  der  Flach-

moorvegetation  gemäss  dem  Gutachten  T.  im  Süden  sehr  stark  vom  Ob-

jektperimeter gemäss dem Bundesinventar abweiche. Nach Auffassung der 

Baudirektion stehe dem Kanton bei der Festlegung des genauen Grenzver-

laufs eines Flachmoors von nationaler Bedeutung zwar ein gewisser Beur-

teilungsspielraum  zu,  welcher  sich  insbesondere  daraus  ergebe,  dass  die 

Objektblätter des  Bundesinventars  im  Massstab  1:25'000  abgefasst  seien, 

die Festlegung des genauen Grenzverlaus aber im Massstab 1:5'000 oder 

grösser zu erfolgen habe. Vorliegend ergäben sich sehr erhebliche Abwei-

chungen  zum  Perimeter  des  Bundesinventars,  die  den  Beurteilungsspiel-

raum des  Kantons  klar überschreiten  würden.  Deshalb  wäre  nach  eigener 

Auffassung  der  Baudirektion  zunächst  eine  Revision  des  Inventars  durch 

den Bund vorzunehmen. Weil die SVO 2017 indes vom bestehenden Bun-

desperimeter  auszugehen  habe,  sei  die  sachgerechte  Zonenfestlegung  in 

den  vom  Gutachten  T.  als Flachmoorvegetation  erkannten  Bereichen  eine 

Naturschutzzone  I  -  Regenerationsfläche.  Diese  umfasse  auch  gleich  die 

nötigen Nährstoffpufferzonen gemäss Pufferzonenschlüssel. Da es sich bei 

diesem Gebiet "nur" um Regenerationsflächen (und nicht um Flachmoorpe-

rimeter) handle, seien angrenzend an diese Regenerationsflächen (auf den 

Parzellen Kat.-Nrn. D1362 und D1364) nicht noch zusätzliche Pufferzonen 

auszuscheiden,  sondern  die  Pufferfunktion  werde  durch  die  Randbereiche 

der Naturschutzzone I - Regenerationsfläche selbst wahrgenommen. 

8.4. 

Um sich – dem Auftrag entsprechend – zur Notwendigkeit von Pufferzonen 
gegen  Einwirkungen  von  Nährstoffen  und  weiteren  Schadstoffen  zu  äus-
sern,  kam  das  Gutachten  T.  selbstredend  nicht  umhin,  zunächst  das 

Flachmoor  gemäss  aktueller  Vegetation  abzugrenzen  (Gutachten  T.,  S. 5 

R3.2017.00170 

Seite 19 

 
 
["aktueller Zustand 2016"]). Dabei wurden, wie von der Baudirektion richtig 

ausgeführt, erhebliche Abweichungen zum derzeit geltenden Perimeter des 

Bundesinventars festgestellt. Im rechtsgültigen Inventarblatt betreffend das 

Objekt  Nr.  2190  findet  sich  ein  deutlich  und  weit  westlicherer  Verlauf  des 

Flachmoorperimeters  (vgl.  Gutachten  T.,  Anhang  1.1,  Inventar-Perimeter 

BAFU  [Stand  1994,  GIS-Daten  2007];  blaue  Linie).  Mit  anderen  Worten 

ergibt sich in diesem Bereich aus dem Gutachten T. gemäss aktuellem Zu-

stand der Vegetation eine  viel  grössere  Flachmoorvegetation  als vom  gel-

tenden  Inventarblatt  des  Bundes  ausgewiesen.  Dies  ist  offenbar  die  Folge 

eines erfolgreichen Regenerationsprojekts. 

8.5. 

Zutreffend  ist  die  Auffassung  der  Baudirektion,  dass  eine  grossflächige 

Vergrösserung  des nationalen  Flachmoorperimeters,  wie  sie  hier aufgrund 

der  aktuellen  Vegetationsaufnahme  gemäss  dem  Gutachten  T.  eigentlich 

anstünde,  auf  dem  Weg  einer  Revision  des  Bundesinventars  erfolgen 

muss.  Dem  pflichten  auch  die  Rekurrierenden 

im  Verfahren  G.-

Nr. R3.2017.00172 bei (act. 19, Ziff. 22). Ob ein solcher Antrag bereits ge-

stellt  wurde,  ist  unbekannt,  zumal  die  Baudirektion  in  der  Duplik  auf  den 

Einwand  der  Rekurrierenden,  sie  bleibe  jede  Begründung  dafür  schuldig, 

wieso sie keinen entsprechenden Antrag stelle, nicht mehr einging. Nur mit 

einem  solchen  Antrag  würde  indes  der  Pflicht  zur  ständigen  Nachführung 

der Inventare gemäss Art. 16 Abs. 2 NHV Genüge getan. Dass hierfür nur 

der aktuelle Zustand der Vegetation massgeblich sein kann (sprich: der im 

Gutachten  T.  eruierte  "aktuelle  Zustand  2016",  vgl.  insbesondere  die  Flä-

che 6  gemäss Anhang  1.1) ist,  wie  bereits der Regierungsrat festgehalten 

hat,  offensichtlich  und  bedarf  keiner  weiteren  Ausführungen  (RRB 

Nr. 900/2015 vom 23. September 2015, E. 11a; act. 6.12). Ein solcher An-

trag drängt sich angesichts der klaren Befunde im Gutachten T. offenkundig 

auf  ("Diese  zusätzlichen  Moorflächen  sind  in  den  Grenzverlauf  des  Flach-

moor-Objekts von nationaler Bedeutung einzubeziehen"; act. 6.10, S. 7 f.). 
Nachdem es vorliegend um eine beantragte Erweiterung des bundesrecht-
lichen Moorperimeters ginge, und nicht  – wie im Falle des Schreibens der 

Baudirektion vom 10. Dezember 2015 (act. 6.16) – um eine Verkleinerung, 

ist  davon  auszugehen,  dass  die  Antwort  des  Bundes  in  Nachachtung  von 

Art.  78  Abs.  5  BV  wohl  anders  ausfallen  würde  als  im  seinerzeitigen  Ant-

wortschreiben vom 7. April 2016 (act. 6.18). Unabhängig von der Frage, ob 
der  entsprechende  Antrag  bereits  gestellt  wurde,  besteht  entsprechend 

R3.2017.00170 

Seite 20 

 
 
dem  Gutachten  T.  jedenfalls  auch  vor  der  notwendigen  Erweiterung  des 

Flachmoorperimeters  durch  den  Bund  Bedarf,  diese  Bereiche  praxisge-

mäss  mit  dem  Hinweis  "erweiterter  Perimeter  beantragt"  zu  versehen,  als 

Naturschutzzone I zu bezeichnen (zutreffend insofern die Ausführungen in 

act. 19, Rz. 26) und die Schadstoff-Pufferzonen-Abschnitte Nrn. 21 und 22 

gemäss dem Gutachten T. festzulegen respektive die entsprechenden Be-

reiche  der  Naturschutzumgebungszone  im  Baugebiet  IIF  zuzuordnen.  Es 

handelt sich gemäss dem Gutachten T. eben nicht um "blosse" Regenera-

tionsflächen, bei welchen im Sinne der kantonalen Praxis auf die Ausschei-

dung zusätzlicher Pufferzonen verzichtet werden könnte, weil die Pufferzo-

ne durch die Randbereiche der Regenerationsfläche selbst wahrgenommen 

würde, sondern es handelt sich – nicht anders als bei den bereits vom Pe-

rimeter umfassten Bereichen – um klassische Moorvegetation im Sinne der 

Kartieranleitung,  so  dass  faktisch  einzig  die  Perimetererweiterung  noch 

ausstehend  ist.  Hieran  ändert  auch  der  Einwand  der  Baudirektion  in  der 

Rekursantwort  nichts,  dass  sich  aus  den  Bestimmungen  der  FMV  eine 

Pflicht zum vorsorglichen Schutz nur bezüglich solcher Objekte bzw. Gebie-

te ergebe,  die  bereits im  Bundesinventar  enthalten  seien.  Diese  restriktive 

Auffassung entspricht jedenfalls nicht dem Regelungsgedanken von Art. 16 

Abs.  2  NHV.  Die  Verpflichtung  zum  vorsorglichen  Schutz  dieser vom  Gut-

achten T. als Flachmoorvegetation erkannten Gebiete besteht ohnehin be-

reits  aufgrund  von  §  10  Abs.  2  und  namentlich  §  17  (Umgebungsschutz) 

der  (kantonalen) Verordnung  über  den  Natur-  und  Heimatschutz  und  über 

kommunale  Erholungsflächen 

(Natur-  und  Heimatschutzverordnung; 

KNHV). Mitunter ist die Rüge gemäss Rekursantrag Ziff. 2.4 begründet und 

der  Rekurs  bereits  aus  diesem  Grunde  gutzuheissen.  Demgemäss  ist  die 

Baudirektion  einzuladen,  für  die  betreffenden  Gebiete  aufgrund  der  gut-

achterlich  erkannten  Moorvegetation  bereits  im  jetzigen  Zeitpunkt  die  Na-

turschutzzone  I  auszuscheiden, mit  den  im Gutachten  T.  eruierten  Schad-

stoff-Pufferzonen-Abschnitten  Nrn.  21  und  22  als  Naturschutzumgebungs-

zone im Baugebiet IIF zu versehen und – soweit dies nicht ohnehin bereits 

erfolgt ist – dem Bund in Nachachtung von Art. 16 Abs. 2 NHV Antrag auf 

Erweiterung des Flachmoorperimeters in diesem Bereich zu stellen. 

9.1. 

Wie  vorstehend  (Erw.  5.1  f.)  erwähnt,  rügen  alle  Rekurrierenden  den  Um-
stand, dass auf die Festsetzung von hydrologischen Pufferzonen und Puf-

R3.2017.00170 

Seite 21 

 
 
ferzonen  vor  weiteren  Gefährdungen  verzichtet  respektive  deren  Notwen-

digkeit  mangels  entsprechenden  Auftrags  nicht  einmal  gutachterlich  abge-

klärt  wurde  (Hauptrekursantrag  der  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-

Nr. R3.2017.00170;  Rekursanträge  Ziff.  2.5,  2.7  und  2.8  der  Rekurrieren-

den im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00172). Die Rekurrierenden im Verfahren 

G.-Nr.  R3.2017.00172  rügen  weiter  explizit  die  Nichtfestsetzung  von  Puf-

ferzonen entlang von Nährstoffeintragslinien (Rekursantrag Ziff. 2.6). 

Die  Baudirektion  hält  zusammengefasst  dafür,  die  Nichtfestsetzung  von 

hydrologischen Pufferzonen im jetzigen Zeitpunkt sei gemäss Pufferzonen-

schlüssel zulässig. Der Pufferzonenschlüssel erlaube es, diesen Aspekt bei 

Projekten  im  Einzelfall  aufgrund  eines  spezifischen  Gutachtens  zu  prüfen. 

Die  entsprechende  Prüfung  erfolge  beispielsweise  beim  Strassenprojekt 

Uster  West  im  Rahmen  der  Umweltverträglichkeitsprüfung.  Wenn  es  ge-

mäss Pufferzonenschlüssel schon bei hydrologischen Pufferzonen zulässig 

sei,  diese  bei  Projekten  im  Einzelfall  aufgrund  eines  spezifischen  Gutach-

tens zu prüfen, müsse dies umso mehr auch bei Pufferzonen gegen weitere 

Gefährdungen der biotopspezifischen Pflanzen- und Tierwelt möglich sein. 

Die je nach Einzelfall relevanten Gefährdungsfaktoren und die sich daraus 

ergebenen Schutzvorkehren seien nämlich noch viel komplexer und vielfäl-

tiger  als  bei  hydrologischen  Pufferzonen.  Ein  solches  Vorgehen  liege  zu-

mindest im Ermessensspielraum der anordnenden Behörde. 

9.2. 

Art.  3  Abs.  1  FMV  verpflichtet  die  Kantone  wie  erwähnt,  zu  Flachmooren 

von  nationaler  Bedeutung  ökologisch  ausreichende  Pufferzonen  auszu-

scheiden.  Eine  "ökologisch  ausreichende  Pufferzone"  umfasst  gemäss 

Handbuch Moorschutz in der Schweiz, wie die Baudirektion selbst festhält, 

unbestrittenermassen die Funktionen einer Nährstoff-Pufferzone, einer hyd-

rologischen Pufferzone und einer Pufferzone gegen weitere Gefährdungen 

für  die  biotopspezifische  Pflanzen-  und  Tierwelt  (Kap.  2.1.2  des  Handbu-

ches, verfügbar unter www.bafu.admin.ch > Themen > Biodiversität > Pub-

likationen  und  Studien  >  Handbuch  Moorschutz  in  der  Schweiz  [BAFU, 

2002]; besucht am 10. Oktober 2018). 

9.3. 

Wie  die  Baudirektion  zwar  richtig  ausführt,  beschreibt  der  Pufferzonen-
schlüssel bezüglich  der hydrologischen  Pufferzonen  zwei mögliche Vorge-

R3.2017.00170 

Seite 22 

 
 
hensweisen.  Variante  1  lautet:  Es  wird  im  Moment  keine  definitive  (Unter-

streichung  zugefügt)  hydrologische  Pufferzone  abgegrenzt.  In  Zukunft 

muss bei Projekten, die den Landschaftswasserhaushalt innerhalb des hyd-

rologischen  Einzugsgebietes  tangieren  können,  zwingend  ein  hydrologi-

sches  Gutachten  erstellt  werden.  Variante  2  lautet:  Aufgrund  eines  detail-

lierten  Fachgutachtens  wird  in  der  Schutzplanung  eine  hydrologische  Puf-

ferzone  ausgeschieden,  in  der  hydrologisch  relevante  Eingriffe  sowie  das 

Erstellen von Anlagen und Bauten untersagt sind oder mit Auflagen bewil-

ligt  werden.  Bevor  (Unterstreichung  zugefügt)  über  die  Variantenwahl  ent-

schieden wird, ist für die Beurteilung des Wasserhaushaltes eines Moorbio-

tops  das  hydrologische  Einzugsgebiet  zu  untersuchen.  Dieses  umfasst 

denjenigen  Landschaftsausschnitt,  in  dem  Veränderungen  des  Wasser-

haushaltes die Wasserversorgung des Moores gefährden könnten. Das auf 

einer Übersichtskarte abgegrenzte  hydrologische  Einzugsgebiet  ist  im  Ge-

lände zu überprüfen (Pufferzonenschlüssel, S. 17). 

9.4. 

Mangels  Abgrenzung  des  hydrologischen  Einzugsgebiets  und  Erstellung 

einer entsprechenden Übersichtskarte ist das betroffene Gebiet vorliegend 

gar  nicht  definiert,  in  dem  die  von  der  Baudirektion  geplante  Einzelfallprü-

fung anzuwenden wäre. Dieser Arbeitsschritt stünde gemäss Pufferzonen-

schlüssel  indes  sachlogisch  zwingend  vor  dem  Variantenentscheid.  Inso-

fern steht die Variantenwahl entgegen den Ausführungen der Baudirektion 

nicht  im  Einklang  mit  der  im  Pufferzonenschlüssel  beschriebenen  Vorge-

hensweise. Aus den Akten ist auch nirgends ersichtlich, dass das hydrolo-

gische  Einzugsgebiet  zwingend  mit  dem  Gebiet  des  Gestaltungsplans  Lo-

ren deckungsgleich ist, so dass die diesbezügliche "Abmachung" zwischen 

der Baudirektion und der Stadt Uster über die Zustellung von Baugesuchen 

zwecks  Überprüfung  der  hydrologischen  Moorschutzaspekte  quasi  ersatz-

weise eingreifen könnte. 

9.5. 

Spätestens 

nachdem 

die  Rekurrierenden 

im  Verfahren  G.-

Nr. R3.2017.00172 einen – unstreitig renommierten – Moorspezialisten mit 

der  Erstellung  der  Gutachten  U.  AG  2014  sowie  dem  Zusatzbericht  2015 
beauftragten  und  diese  Dokumente  der  Baudirektion  hernach  im  Rekurs-
verfahren  zur  SVO  2014  bekannt  wurden,  ist  nicht  mehr  nachvollziehbar, 

weshalb  die  Baudirektion  weiterhin  auf  genauere  hydrologische  Abklärun-

R3.2017.00170 

Seite 23 

 
 
gen verzichtete respektive der Auftrag zuhanden des Gutachtens T. im Vor-

feld  der  SVO  2017  diesen  wichtigen  Aspekt  explizit  nicht  umfasste.  Zwar 

handelt  es  sich  beim  Gutachten  U.  AG  2014  sowie  dem  Zusatzbericht  U. 

AG  um  Parteigutachten  und  kommt  diesen  insofern  der  Beweiswert  von 

Parteivorbringen  zu,  gleichwohl kann  ihnen aber einzig  aus  diesem  Grund 

nicht der Beweiswert abgesprochen werden. Bereits das BAFU hielt in sei-

ner Stellungnahme vom 20. Februar 2014 zum Entwurf der SVO 2014 fest, 

dass es hydrologische Aspekte als wesentlich erachte. Es sei sicherzustel-

len,  dass  das  Flachmoor  durch  die  wachsende  Besiedelung  nicht  vom 

speisenden  Sickerwasser  abgeschnitten  werde  (act. 6.17).  Angesichts  der 

von den Rekurrierenden zwischenzeitlich in Auftrag gegebenen Gutachten 

geht es jedenfalls im heutigen Zeitpunkt nicht mehr an, ohne jedwelche ei-

gengutachterlichen  Abklärungen  über  die  Notwendigkeit  von  hydrologi-

schen  Pufferzonen  diese  Frage  in  zukünftige  Baubewilligungsverfahren  in 

einem,  wie  erwähnt,  nicht  einmal  näher  definierten  hydrologischen  Ein-

zugsgebiet  auszulagern.  Die  Fliessrichtung  des  Grundwassers  stammt  of-

fenbar aus Richtung Nordost. Die zahlreihen Quellaufstösse deuten auf ei-

nen  bedeutenden  Grundwassereinfluss  hin.  Sowohl  der  Glattenriedbach 

wie  auch  die  diversen  Quellaufstösse  werden  von  relativ  geringen  Was-

sermengen  gespiesen.  Diese  schaffen  aber  örtlich  sehr  nasse  Standorte, 

die  aufgrund  der  Lage  nicht  zu  erwarten  wären  (Gutachten  U.  AG  2014, 

S. 14;  Zusatzbericht  U.  AG  2015,  S.  14).  Derlei  fachgutachterlichen 

(Erst-)hinweise  rufen  zwingend  nach  flächigen  hydrologischen  Untersu-
chungen, bevor darüber entschieden werden kann, was ökologisch ausrei-
chende Pufferzonen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 FMV sind, zu denen eben, 
wie vorstehend erwähnt, grundsätzlich auch hydrologische Pufferzonen ge-

hören. 

Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass gutachterliche Abklärungen der Baudi-

rektion betreffend die Notwendigkeit der Ausscheidung von hydrologischen 

Pufferzonen  dereinst  zum  Schluss  kommen  könnten,  die  Festsetzung  von 

hydrologischen  Pufferzonen  im  Rahmen  der  SVO-Änderung  sei  verzicht-

bar. In  diesem  Fall  könnte  sich die  Baudirektion für ihre  Variantenwahl in-

des  auf  gutachterliche  Abklärungen  stützen,  die  die  Wahl  der  Variante  1 

gemäss Pufferzonenschlüssel in einem zukünftigen Rekursverfahren gege-

benenfalls  nachvollziehbar  machen  könnten.  Im  heutigen  Zeitpunkt  ist  der 
Sachverhalt  in  hydrologischer  Hinsicht  indes  offenkundig  ungenügend  ab-
geklärt. Dies führt zur Gutheissung der entsprechenden Rügen. Die Baudi-

rektion  wird  die  hydrologischen  Abklärungen  nachzuholen  haben,  um  sich 

R3.2017.00170 

Seite 24 

 
 
hernach  gestützt  auf  eine  entsprechende fachliche  Grundlage  für eine  der 

beiden Varianten gemäss Pufferzonenschlüssel entscheiden zu können. 

9.6. 

Die vorstehend (Erw. 9.1, 2. Abschnitt) gezeigte Begründung der Baudirek-

tion für den Verzicht auf die Ausscheidung von Pufferzonen gegen weitere 

Gefährdungen  für  die  biotopspezifische  Pflanzen-  und  Tierwelt  ist  nicht 

nachvollziehbar.  Der  Pufferzonenschlüssel  sieht  hier  keine  Variantenwahl 

vor, sondern erklärt, dass zur Beurteilung der Gefährdung der moorspezifi-

schen  Flora  und  Fauna  bereits  vorhandene  Artenlisten  oder  Gutachten 

über  das  betreffende  Moorbiotop  zusammenzustellen  und  eventuell  auch 

ergänzende  Erhebungen  durchzuführen  seien.  Die  Lebensraumansprüche 

dieser  Pflanzen-  und  Tierarten  seien  in  die  Schutzplanung  einzubeziehen. 

Es sei abzuklären, ob neben den land- und forstwirtschaftlichen Nutzungen 

der Umgebung des Moorbiotops noch andere Aktivitäten, wie z.B. die Erho-

lungsnutzung,  die  Pflanzen  und  Tiere  in  einem  Moorbiotop  gefährdeten. 

Falls zum Beispiel besondere Tierarten der Moore durch Erholungssuchen-

de  gestört  würden,  müssten  zusätzliche  faunistische  Pufferzonen  ausge-

schieden oder andere Massnahmen bestimmt werden (Pufferzonenschlüs-

sel, S. 19). 

Die von der Baudirektion diesbezüglich angestrebte Einzelfallprüfung ist zur 

Vermeidung  störender  Einflüsse  auf  das  Moor  untauglich.  Lärm-  und 

Lichtimmissionen auf die  empfindliche  Moorfläche  sowie  verschiedene  an-

dere störende Einflüsse sind unabhängig von zukünftigen Bauprojekten of-

fenkundig bereits heute vorhanden (vgl. z.B. Prot. S. 14, Foto 8). Nachvoll-

ziehbarerweise  wird im Gutachten  U. AG 2014 der Bedarf für Pufferzonen 

gegen weitere Gefährdungen für das Gebiet Glattenried denn auch als be-

sonders  hoch  erachtet,  da  es  auf  einem  grossen  Teil  der  Umgebung  von 

Siedlungen  und  Infrastrukturanlagen  eingekesselt  ist  (Gutachten  U.  AG 

2014, S. 15). Die Bezeichnung von faunistischen Pufferzonen sei aus fach-

licher Sicht von hoher Bedeutung (Zusatzbericht U. AG, S. 14 f.). 

Insgesamt ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Auftrag an die Verfasserin 

des Gutachtens T. die Abklärung der Notwendigkeit von Pufferzonen gegen 

weitere Gefährdungen bewusst nicht umfasste. Dass diese vorliegend zum 
Schutz des Moores notwendig wären, wurde angesichts der bereits bis un-
mittelbar an den Flachmoorrand gewachsenen Siedlungen auch anlässlich 

des  Augenscheins  offenkundig  (Prot.  S.  11  ff.,  Fotos  Nrn.  1,  8,  9,  10;  vgl. 

R3.2017.00170 

Seite 25 

 
 
diesbezüglich auch BGr 1C_489/2011 vom 21. Juni 2012, E. 4.1). Die Situ-

ation  gestaltet  sich  in  moorschutzrechtlicher  Hinsicht  –  und  nur  diese  ist 

vorliegend relevant – nicht anders als im Falle der kürzlich vom Baurekurs-

gericht  beurteilten  Verordnung  zum  Schutz  der  Limmataltläufe  in  Dietikon, 

Geroldswil  und  Oetwil  a.d.L.  (BRGE  I  Nrn.  0067-0071/2018  vom  1.  Juni 

2018;  www.baurekursgericht-zh.ch). In  jener  Schutzverordnung  wurden di-

verse diesbezüglichen Aspekte (bzw. Störungen durch künstliche Lichtquel-

len  und  Bewegungen  in  der  angrenzenden  Besiedelung,  Leinenpflicht  für 

Hunde, Verbot der Haltung freilaufender Katzen, Verbot der Ansiedlung in-

vasiver Pflanzenarten usw.) in aller Detailliertheit und mit zahlreichen Best-

immungen  geregelt.  Dass  all  diese  Aspekte  vorliegend  nicht  einmal  abge-

klärt werden sollen, ist mit Art. 78 Abs. 5 BV in Verbindung mit Art. 3 FMV 

nicht vereinbar. Die entsprechenden Rügen sind begründet und die Rekur-

se auch aus diesem Grunde gutzuheissen. 

9.7. 

Pufferzonen entlang von Nährstoffeintragslinien sind erforderlich, wenn aus 

einer  besonderen  Nutzung  in  der  Umgebung  Einträge  von  Düngerstoffen 

wie z.B. Stickstoffverbindungen in das Flachmoorobjekt drohen. Derzeit be-

stehen keine solchen Quellen bzw. Nutzungen (so ausdrücklich Gutachten 

U.  AG  2014,  S.  15).  Hingegen  wäre  das  geplante  Strassenprojekt  Uster 

West  nach  übereinstimmender  Auffassung  der  Parteien  unstreitig  eine 

Nährstoffeintragslinie.  Nachdem  der  Pufferzonenschlüssel  diesbezüglich 

aber auf die Überprüfung bestehender Objekte mit möglichen Gefahren ab-

stellt, besteht (noch) kein Grund, eine solche festzulegen. Ob der im Rah-

men  des  Projekts  Uster  West  erstellte  Umweltverträglichkeitsbericht  aus 

dem Jahr 2013 angesichts des Moorperimeters im Teilgebiet Brandschänki 

dannzumal noch aktuell ist, wird allenfalls im Rahmen des Strassenprojekts 

zu  prüfen  sein;  vorausgesetzt,  dieses  wird  nach  Massgabe  des  Ergebnis-

ses  der  Abklärungen  bezüglich  hydrologischer  sowie  faunistischer  Puffer-

zonen überhaupt noch weiterverfolgt. 

10. 

Zusammengefasst ist der Rekurs im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00170 voll-

ständig und jener im Verfahren G.-Nr. R3.2017.00172 teilweise gutzuheis-

sen.  Abzuweisen  ist  letzterer  Rekurs  insofern,  als  er  auf  die  Abänderung 
des  Moorperimeters  und  eine  andere  Zonierung  im  Nordosten des  Teilob-

R3.2017.00170 

Seite 26 

 
 
jekts Brandschänki abzielt (E. 7). Demgemäss ist die Verfügung der Baudi-

rektion vom 29. September 2017 betreffend  die Änderung der Verordnung 

über den  Schutz  von  Natur-  und  Landschaftsschutzgebieten  mit  überkom-

munaler  Bedeutung  in  der  Stadt  Uster  und  einem  Teilgebiet  von  Gossau 

aufzuheben.  Die  Sache  ist  an  die  Baudirektion  zurückzuweisen,  welche 

einzuladen ist, im Sinne vorstehender Erwägungen die Gebiete im Südos-

ten des Glattenrieds aufgrund der festgestellten Moorvegetation als Natur-

schutzzone I auszuscheiden, mit den im Gutachten T. eruierten Schadstoff-

Pufferzonen-Abschnitten  Nrn.  21  und  22  als  Naturschutzumgebungszone 

im  Baugebiet  IIF  zu  versehen  und  –  soweit  dies  nicht  bereits  erfolgt  ist  – 

dem  Bund  entsprechend  dem  Gutachten  T.  Antrag  auf  Erweiterung  des 

Flachmoorperimeters  in  diesem  Bereich  zu  stellen.  Weiter  werden,  eben-

falls im Sinne vorstehender Erwägungen, hydrologische Pufferzonen sowie 

Pufferzonen gegen weitere Einwirkungen gutachterlich abzuklären und ge-

gebenenfalls entsprechend festzusetzen sein. 

[….] 

Anlässlich der Beratung des Geschäfts wurde der folgende Minderheitsan-
trag  gestellt  (§ 18  Abs. 5  der  Organisationsverordnung  des  Baurekursge-
richts vom 12. November 2010; OV BRG): 

Der Rekurs wird bezüglich Anpassungen beim Moorperimeter abgewiesen. 
Die Grenzziehungen wurden umfassend überprüft nach Vorgabe aller rele-
vanten Kriterien; das Ermessen des Kantons ist zu schützen. 

R3.2017.00170 

Seite 27