# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dfe5b8a4-d3b4-5a97-ab1e-26ab011f63fd
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230626-O1
**Docket/Reference:** SB230626-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230626-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

 Geschäfts-Nr.: SB230626-O/U/nk-ad

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Weder und Oberrichter lic. iur. Amsler sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Gitz

Urteil vom 11. Juni 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter

bisher amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____,

ab 29. Oktober 2024 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____, 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

gegen

sowie

1.

B._____, 

Privatkläger und Berufungsbeklagter

2.

C._____, 

Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y1._____, 

2 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Y2._____, 

- 2 -

betreffend mehrfache versuchte Drohung etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-

zelgericht, vom 28. September 2023 (GG230102)

- 3 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 5. Mai 2023 (Urk. 20) 

ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz: 

1.

Der Beschuldigte ist schuldig













der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im 

Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit 

Art. 24 Abs. 1 StGB sowie im Sinne von Art. 19bis BetmG,

der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB,

des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von 

Art. 292 StGB,

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne 

von Art. 19a BetmG.

2.

Vom Vorwurf des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen 

im Sinne von Art. 292 StGB (Kontaktieren der Tochter am 22. Februar 2022, 

indirekte Kontaktaufnahmen über Frau D._____ Mitte März 2022) wird der 

Beschuldigte freigesprochen.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 8 Monaten Freiheitsstrafe sowie mit einer 

Busse von Fr. 1'000.–.

4.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen. 

- 4 -

5.

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.

6.

Der Privatkläger B._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

7.

Der Privatkläger B._____ wird mit seinem Genugtuungsbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

8.

9.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._____ wird abgewiesen.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:

1'100.00   Kosten Vorverfahren

4'042.70   unentgeltliche Rechtsvertreterin des Privatklägers 1

6'335.80   unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 2

12'618.05   amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertre-

tung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt.

11. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsver-

tretung der Privatkläger werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-

ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 

Abs. 1 StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit 

separater Verfügung entschieden.

- 5 -

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 78 S. 1 f.)

1.

Die Erkenntnis-Ziffern 1 (Schuldsprüche), 3, 4 und 5 (Bestrafung), 10 

und 11 (Auferlegung der Untersuchungs- und Gerichtskosten bzw. 

Nachforderungsvorbehalt betreffend Kosten der amtlichen Verteidigung 

und Rechtsvertretung der Privatkläger zulasten des Beschuldigten) des 

Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 28. September 2023 seien auf-

zuheben.

2.

Der Beschuldigte sei bezüglich der Vorwürfe der versuchten einfachen 

Körperverletzung, der mehrfachen Drohungen, der Tätlichkeiten und 

des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz von 

Schuld und Strafe freizusprechen.

3.

Bezüglich des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen 

sei – gestützt auf Art. 52 StGB – von einer Bestrafung abzusehen, weil 

Schuld und Tatfolgen geringfügig waren.

4.

Betreffend mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im 

Sinne von Art. 19a BetmG sei der Beschuldigte schuldig zu sprechen 

und mit einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen.

5.

Bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse sei eine Ersatzfreiheits-

strafe von 5 Tagen festzulegen.

6.

Die Untersuchungs- und Gerichtskosten (inkl. Kosten der amtlichen 

Verteidigung und Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung) 

seien entsprechend des Ausgangs des Verfahrens zu verlegen. Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung seien in jedem Fall auf die Staats-

kasse zu nehmen.

7.

Der Beschuldigte verzichtet auf Entschädigung und Genugtuung.

- 6 -

b)

Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:

(schriftlich, Urk. 65)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c)

Der Privatklägerin 2:

(Urk. 66 S. 2)

1.

Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 28. September 2023 

gänzlich zu bestätigen.

Die Berufung des Beschuldigten sei dementsprechend abzuweisen.

2.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten des 

Beschuldigten.

____________________________________

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte/Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1.

Gegen das vorstehend wiedergegebene, mündlich eröffnete und schriftlich 

im Dispositiv mitgeteilte Urteil vom 28. September 2023 (Urk. 48) meldete die amt-

liche  Verteidigung  namens  des  Beschuldigten  innert  Frist  Berufung  an  (Urk. 50). 

Das begründete Urteil (Urk. 54 = 59) wurde den Parteien am 15., 18. und 20. De-

zember 2023 zugestellt (Urk. 58/1-4). Mit Schreiben vom 4. Januar 2024 ging die 

Berufungserklärung der amtlichen Verteidigung namens des Beschuldigten fristge-

recht ein, wobei keine Beweisanträge gestellt wurden (Urk. 61). Mit Präsidialverfü-

gung vom 12. Januar 2024 wurde der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (nachfolgend: 

Staatsanwaltschaft) und den Privatklägern Frist angesetzt, um Anschlussberufung 

zu  erklären  oder  begründet  ein  Nichteintreten  auf  die  Berufung  zu  beantragen 

- 7 -

(Urk. 63). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 17. Januar 2024 auf 

Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und er-

suchte um Dispensation ihres Vertreters von der Teilnahme an der Berufungsver-

handlung  (Urk. 65).  Die  Privatklägerin 2  erhob  mit  Eingabe  vom  6. Februar  2024 

Anschlussberufung  (Urk. 66).  Mit  Präsidialverfügung  vom  19. März  2024  wurde 

dem Beschuldigten, dem Privatkläger 1 und der Staatsanwaltschaft je eine Kopie 

der Anschlussberufung der Privatklägerin 2 zugestellt (Urk. 69). Am 10. April 2024 

wurden die Parteien auf den 13. November 2024 zur Berufungsverhandlung vorge-

laden (Urk. 71). Aufgrund eines schweren Unfalls des bisherigen amtlichen Vertei-

digers, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____, erfolgte mit Wirkung ab 29. Oktober 2024 

und mit Einverständnis des Beschuldigten ein Wechsel in der Person des amtlichen 

Verteidigers. Als neuer amtlicher Verteidiger wurde Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____ 

eingesetzt (Urk. 72, 73 und 75). Die Privatklägerin 2 liess mit Eingabe ihrer unent-

geltlichen Rechtsvertreterin vom 30. Oktober 2024 ihre Anschlussberufung zurück-

ziehen (Urk. 74). 

1.2.

Zur Berufungsverhandlung vom 13. November 2024 erschien der Beschul-

digte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____ 

(Prot. II S. 6). Im Anschluss an die Einvernahme des Beschuldigten und den Par-

teivortrag der Verteidigung erfolgte die Beratung (Prot. II S. 41). Anlässlich der Be-

ratung wurde beschlossen, von Amtes wegen den Privatkläger 1 und die Privatklä-

gerin 2 als Auskunftspersonen einzuvernehmen und hierzu zur Fortsetzung der Be-

rufungsverhandlung vorzuladen. Zudem wurde beschlossen, die Akten der Stadt-

polizei Zürich, Geschäfts-Nr. 82167360 (Urk. 83), und des Bezirksgerichts Zürich, 

Zwangsmassnahmengericht,  Geschäfts-Nr. GS220030-L  (Urk. 84),  betreffend 

Schutzmassnahmen gemäss Gewaltschutzgesetz des Kantons Zürich (GSG) bei-

zuziehen (Urk. 81; Prot. II S. 42). Am 3. Dezember 2024 wurden die Parteien auf 

den 11. Juni 2025 zur Fortsetzung der Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 85).

1.3.

Zur Fortsetzung der Berufungsverhandlung vom 11. Juni 2025 erschienen 

der  Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers,  Rechtsanwalt 

Dr. iur. X2._____, der Privatkläger 1 in Begleitung seiner unentgeltlichen Vertrete-

rin, Rechtsanwältin lic. iur. Y1._____, zu seiner Einvernahme als Auskunftsperson 

- 8 -

und die Privatklägerin 2 in Begleitung ihrer unentgeltlichen Vertreterin, Rechtsan-

wältin MLaw Y2._____, zu ihrer Einvernahme als Auskunftsperson (Prot. II S. 43). 

Das Urteil erging gleichentags nach erfolgter Beratung im Anschluss an die Forts-

etzung der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 95 ff.). Das Versehen, dass bei der 

Abfassung  des  Urteilsdispositivs  der  unentgeltlichen  Vertretung  der  Privatkläge-

rin 2 für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren im Widerspruch zur Urteilsbe-

ratung  Fr. 2'584.25  anstatt  wie  geltend  gemacht  Fr. 2'548.25  zugesprochen  wur-

den, wurde mit Präsidialverfügung vom 24. Juni 2025 korrigiert und im Dispositiv 

berichtigt (Urk. 104). 

2.

Umfang der Berufung

2.1.

Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im Um-

fang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht erfass-

ten  Punkte  in  Rechtskraft  erwachsen  (vgl.  BÜHLER,  in:  Niggli/Heer/Wiprächtiger 

[Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Auflage 2023, 

Art. 402 N 1 f., m.w.H.). Mit der Berufungserklärung ist deshalb verbindlich anzu-

geben, auf welche Teile des angefochtenen Urteils sich die Berufung gegebenen-

falls beschränkt (Art. 399 Abs. 3 lit. a sowie Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 3 

lit. b StPO sind mit der Berufungserklärung zudem reformatorische Anträge in der 

Sache  selbst  zu  stellen,  d.h.  vom  Berufungskläger  ist  anzugeben,  wie  das  Urteil 

nach seiner Ansicht richtigerweise lauten soll (BGE 149 IV 284 E. 2.2; 143 IV 408 

E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 7B_539/2023 vom 3. November 2023 E. 3.1.2). 

Die gestellten Rechtsbegehren sind dabei stets nach Treu und Glauben auszule-

gen,  insbesondere  im  Lichte  der  dazu  gegebenen  Begründung  (BGE  147  V  369 

E. 4.3.1; Urteile des Bundesgerichts 7B_293/2022 vom 6. Januar 2024 E. 2.2.1 f.; 

6B_881/2021 vom 27. Juni 2022 E. 1.2).

2.2.

Die Verteidigung ficht das vorinstanzliche Urteil mit ihrer Berufung bezüg-

lich Dispositivziffern 1, 3, 4, 5, 9, 10 und 11 an (Urk. 61 S. 1). Die Privatklägerin 2 

liess zwar Anschlussberufung erklären, focht das vorinstanzliche Urteil jedoch nicht 

an, sondern beantragte vielmehr dessen Bestätigung (Urk. 66 S. 2).

- 9 -

2.3.

Vom Rückzug der Anschlussberufung der Privatklägerin 2 (Urk. 74) ist Vor-

merk zu nehmen.

2.4.

Von  der  Berufung  nicht  umfasst  sind  somit  die  Dispositivziffern  2  (Frei-

spruch) und 6-8 (Zivilforderungen). Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Ab-

teilung - Einzelgericht, vom 28. September 2023 ist mithin bezüglich jener Disposi-

tivziffern in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.

3.

Formelles

Auf die Argumente der Parteien ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen 

einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen 

Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es 

sich  auf  die  für  die  Entscheidfindung  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken 

(BGE 147 IV 409 E. 5.3.4; 141 IV 249 E. 1.3.1; je mit Hinweisen). Ferner kann das 

Gericht zur Begründung im Folgenden auf Erwägungen der Vorinstanz im ange-

fochtenen Entscheid verweisen, wenn es diesen beipflichtet (Art. 82 Abs. 4 StPO; 

BGE 141 IV 244 E. 1.2.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_1349/2022 vom 24. Ja-

nuar  2025  E. 2.1;  6B_1087/2022  vom  16. Januar  2023  E. 4.2,  je  mit  Hinweisen; 

NYDEGGER,  Der  Verweis  auf  die  Entscheidbegründung  der  Vorinstanz  gemäss 

Art. 82  Abs. 4  StPO,  recht 2021,  S. 15  ff.).  Dies,  zumal  das  strafrechtliche  Beru-

fungsverfahren  keine  Wiederholung  des  erstinstanzlichen  Erkenntnisverfahrens 

darstellt und das Berufungsgericht auch keine Erstinstanz ist. Vielmehr knüpft das 

Berufungsverfahren  an  das  erstinstanzliche  Verfahren,  namentlich  die  bereits 

durchgeführten  Beweisabnahmen,  an  und  baut  darauf  auf  (BGE  143  IV  408 

E. 6.2.1;  143  IV  288  E. 1.4.1;  140  IV  196  E. 4.4.2;  Urteil  des  Bundesgerichts 

7B_289/2023 vom 7. Februar 2025 E. 4.2.2; je mit Hinweisen).

4.

Beweisabnahmen im Rahmen der Berufungsverhandlung

4.1.

Ist (anlässlich der Urteilsberatung) der Fall noch nicht spruchreif, so ent-

scheidet das Gericht, die Beweise zu ergänzen und die Parteiverhandlungen wie-

der aufzunehmen (Art. 349 StPO). Die Rechtsmittelinstanz erhebt von Amtes we-

- 10 -

gen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise (Art. 389 

Abs. 3 StPO).

4.2. Wie im Rahmen der Würdigung des Sachverhalts zu zeigen ist, basieren 

die Vorwürfe der Anklage hauptsächlich auf den Aussagen des Privatklägers 1 und 

der Privatklägerin 2, wobei zwischen den Parteien eine enge persönliche Nähe be-

steht. Anlässlich der Beratung zeigte sich für das Gericht bei der Würdigung der 

Aussagen  des  Beschuldigten  in  der  Berufungsverhandlung  vom  13. November 

2024 sowie aufgrund der Ausführungen der Verteidigung in ihrem Parteivortrag die 

Notwendigkeit, den Privatkläger 1 und die Privatklägerin 2 ergänzend einzuverneh-

men, insbesondere hinsichtlich des Zustandekommens der Strafanzeige und der 

Beziehungen der Parteien untereinander. Gestützt auf Art. 389 Abs. 3 StPO in Ver-

bindung mit Art. 349 StPO wurden daher von Amtes wegen deren Einvernahmen 

als Auskunftspersonen im Rahmen des Berufungsverfahrens angeordnet und zu-

dem die Akten der Stadtpolizei Zürich, Geschäfts-Nr. 82167360, und des Bezirks-

gerichts  Zürich,  Zwangsmassnahmengericht,  Geschäfts-Nr. GS220030-L,  betref-

fend Schutzmassnahmen gemäss Gewaltschutzgesetz des Kantons Zürich (GSG) 

beigezogen.

5.

Verwertbarkeit der polizeilichen Ersteinvernahme vom 22. Februar 2022

5.1.

Der Beschuldigte führte anlässlich seiner Einvernahme im Rahmen der Be-

rufungsverhandlung vom 13. November 2024 bezüglich der polizeilichen Erstein-

vernahme vom 22. Februar 2022 aus, als er von der Polizei in der PUK, der psych-

iatrischen  Universitätsklinik  Zürich,  abgeholt  und  auf  dem  Detektivposten  einver-

nommen worden sei, sei es ihm kurz nach der Trennung schlecht gegangen. Er sei 

"völlig durch den Wind" bzw. "zerstört" gewesen. Nachdem ihm die Kinder wegge-

nommen  worden  seien,  sei  er  von  der  Polizei  in  der  PUK  abgeholt  und  wie  ein 

Verbrecher behandelt worden. Auf dem Posten habe er dann die Vorwürfe gehört, 

worauf er "aus allen Wolken" gefallen sei, nachdem ihm die Trennung den Boden 

unter den Füssen weggezogen habe. Weshalb er nicht in der PUK befragt worden 

sei, wisse er nicht. Er sei einfach mit der Polizei mitgegangen. Die Pfleger hätten 

ihm gesagt, er werde für eine Befragung von der Polizei abgeholt. Die Polizisten 

- 11 -

hätten ihn ins Auto "verfrachtet". Er sei auf den Detektivposten und danach wieder 

zurückgebracht worden. Obschon er "völlig aufgelöst" gewesen sei, habe er Aus-

sagen zur Sache gemacht. Wenn ihn die Polizei abhole und ihm sage, er solle Ant-

worten geben, dann hätte er nie gesagt, das mache er sicher nicht. Wie im Rapport 

festgehalten,  habe  er  während  der  Einvernahme  geweint,  das  Sprechen  sei  ihm 

schwer gefallen und er sei "fassungslos" gewesen (Prot. II S. 16 f.).

5.2.

Verhandlungsfähig ist eine beschuldigte Person, die körperlich und geistig 

in der Lage ist, der Verhandlung zu folgen (Art. 114 Abs. 1 StPO). An die Verhand-

lungsfähigkeit dürfen keine hohen Anforderungen gestellt werden und sie wird le-

diglich in Ausnahmefällen verneint (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_938/2024 

vom 20. Dezember 2024 E. 3.3.2; 6B_ 828/2021 vom 29. November 2021 E. 2.4.1; 

6B_123/2020 vom 26. November 2020 E. 2.1; je mit Hinweisen). Ob Prozessfähig-

keit bzw. Verhandlungsfähigkeit vorliegt, ist eine Rechtsfrage (Urteile des Bundes-

gerichts 6B_938/2024 vom 20. Dezember 2024 E. 3.3.2; 6B_870/2024 vom 20. De-

zember 2024 E. 3.3.2).

5.3.

Im  Rapport  der  Stadtpolizei  Zürich  vom  22. Februar  2022  wird  bezüglich 

der Einvernahme des Beschuldigten gleichentags festgehalten, der Beschuldigte 

sei mit seinem Einverständnis durch den Streifenwagen E._____ 1 in den Detektiv-

posten F._____ gebracht und nach der Einvernahme wieder in die PUK zurückge-

bracht worden. Zu Beginn der Einvernahme habe der Beschuldigte oft geweint und 

das Sprechen sei ihm schwer gefallen. Mit der Zeit habe er sich gefasst. Der Be-

schuldigte habe sich kooperativ und anständig verhalten (Urk. 1 S. 6). Die polizeili-

che  Einschätzung,  wonach  der  Beschuldigte  angesichts  der  für  ihn  offenbar  er-

schreckenden Vorwürfe in einem psychischen Ausnahmezustand war, so dass er 

oft geweint habe und ihm das Sprechen schwer gefallen sei, bezieht sich mithin 

lediglich auf den Beginn der Einvernahme, während es ihm im Verlauf der Einver-

nahme  offenbar  gelang,  sich  zu  fassen.  Aus  dem  Protokoll  der  Einvernahme  ist 

ersichtlich, dass der Beschuldigte zu deren Beginn korrekterweise von der einver-

nehmenden Polizeibeamtin auf seine Rechte, insbesondere die Aussagen zu ver-

weigern und/oder eine Verteidigung zu beantragen, hingewiesen wurde. Dennoch 

entschied sich der Beschuldigte, die Fragen zu beantworten und Aussagen zur Sa-

- 12 -

che zu machen. In der Folge wurde im Einvernahmeprotokoll nach Frage/Antwort 4 

und  Frage/Antwort 6  je  die  Protokollnotiz  festgehalten,  wonach  der  Beschuldigte 

weinte, was danach in der weiteren Folge der Einvernahme aber nicht mehr der 

Fall war (Urk. 3/1 S. 1 ff.). Dies deckt sich mit den Feststellungen im Rapport. Dem-

nach befand sich der Beschuldigte zwar nach Feststellung der einvernehmenden 

Polizeibeamtin jedenfalls zu Beginn der Einvernahme in einem Ausnahmezustand, 

er  war  aber  offensichtlich  jederzeit  in  der  Lage,  die  an  ihn  gestellten  Fragen  zu 

verstehen und darauf Antworten zu geben, ohne dass sich für die Polizeibeamtin 

irgendwelche Hinweise auf eine mögliche Verhandlungsunfähigkeit des Beschul-

digten ergeben hätten. Anzumerken ist weiter, dass sich offenbar auch für die den 

Beschuldigten in der PUK betreuenden, im Umgang mit psychisch angeschlagenen 

Personen  zweifelsohne  geschulten  Personen  keine  Anhaltspunkte  ergaben,  wo-

nach der Beschuldigte einer Einvernahme durch die Polizei nicht hätte in genügen-

dem Masse folgen können, ansonsten davon auszugehen ist, dass diesfalls gegen 

das Abholen des Beschuldigten zur Einvernahme durch die Polizei opponiert wor-

den wäre. 

5.4.

Mithin ist zusammenfassend festzustellen, dass weder seitens der Polizei 

noch seitens der Pflegekräfte der PUK ein Anhaltspunkt bestand, wonach der Be-

schuldigte am 22. Februar 2022 nicht im Sinne von Art. 114 Abs. 1 StPO verhand-

lungsfähig gewesen wäre. Zu Recht wurde denn auch im gesamten Verfahren we-

der vom aktuellen noch vom früheren Verteidiger der Einwand erhoben, die polizei-

liche Einvernahme des Beschuldigten vom 22. Februar 2022 sei zufolge fehlender 

Verhandlungsfähigkeit  des  Beschuldigten  oder  aus  anderen  Gründen  unverwert-

bar. Die besagte Einvernahme ist somit vollumfänglich verwertbar. 

- 13 -

II. Sachverhalt

1.

Versuchte einfache Körperverletzung zum Nachteil der Privatklägerin 2

1.1.

Ausgangslage

1.1.1. Anklagevorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, dass es bei der Ankunft der 

Privatklägerin 2  am  Bahnhof  G._____  am  17. Februar  2022  wegen  deren  neuen 

Frisur  zu  einer  verbalen  Auseinandersetzung  mit  dem  Beschuldigten  gekommen 

sei, wobei dieser jene beschimpft habe und in der Folge weggegangen sei. Etwa 

eine Minute später sei er zur Privatklägerin 2 zurückgekommen, wobei er von hin-

ten an sie herangetreten sei und mit zwei rückwärts über die Schulter getragenen 

Walkingstöcken zu einem Schlag gegen ihren Kopf ausgeholt habe, was der Pri-

vatkläger 1 gesehen und die Walkingstöcke sowie den Beschuldigten am Oberarm 

festgehalten  habe  und  dadurch  den  Schlag  habe  verhindern  können  (Urk. 20 

S. 2 f.).

1.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der  Beschuldigte  bestreitet,  beabsichtigt  zu  haben,  die  Privatklägerin 2  mit  den 

Walkingstöcken  zu  schlagen  (Urk. 3/1  F/A 5-7;  Urk. 3/3  F/A 11;  Prot. I  S. 11; 

Urk. 47; Prot. II S. 19 ff.). Seitens der Verteidigung wird dementsprechend ein Frei-

spruch des Beschuldigten von diesem Tatvorwurf beantragt (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 

S. 1; Urk. 78 S. 1).

1.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  erachtete  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  erstellt  (Urk. 59 

S. 15).

- 14 -

1.2.

Grundlagen der Beweiswürdigung/Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 59 S. 6 ff.). Er-

gänzend ist zur Beweiswürdigung zu erwähnen, dass die in Art. 32 Abs. 1 BV und 

Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerte Unschuldsvermutung bedeutet, dass es Sache der 

Strafverfolgungsbehörden ist, der beschuldigten Person ihre Täterschaft nachzu-

weisen.  Gemäss  Art. 113  Abs. 1  StPO  muss  sich  die  beschuldigte  Person  nicht 

selbst  belasten  und  hat  namentlich  das  Recht,  die  Aussage  und  Mitwirkung  im 

Strafverfahren zu verweigern. Das Recht zu schweigen gehört zum allgemein an-

erkannten  Standard  eines  fairen  Verfahrens  (BGE 147  I  57  E. 5.1;  144  I  242 

E. 1.2.1). Gegen das Verbot des Selbstbelastungszwangs verstösst zum Beispiel 

ein strafbewehrter Befehl an die beschuldigte oder eine andere verweigerungsbe-

rechtigte Person, potentiell belastende Beweisunterlagen herauszugeben oder be-

lastende Aussagen gegen sich oder (im Rahmen des Aussageverweigerungsrech-

tes) eine andere Person zu machen (BGE 142 IV 207 E. 8.3.1). Unzulässig ist na-

mentlich auch, das Schweigen der beschuldigten Person als Indiz für ihre Schuld 

zu werten (BGE 138 IV 47 E. 2.6.1). Demgegenüber ist es – wie das Bundesgericht 

unter  Berücksichtigung  der  Rechtsprechung  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 

Menschenrechte in Sachen John Murray gegen Vereinigtes Königreich (Urteil vom 

8. Februar 1996, Nr. 18731/91) explizit festgestellt hat – nicht ausgeschlossen, das 

Aussageverhalten der beschuldigten Person in die freie Beweiswürdigung mitein-

zubeziehen, so insbesondere, wenn sie sich weigert, zu ihrer Entlastung erforderli-

che Angaben zu machen, bzw. es unterlässt, entlastende Behauptungen näher zu 

substantiieren, obschon eine Erklärung angesichts verschiedener belastender Be-

weiselemente vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des Bundesgerichts 

6B_1202/2021  vom  11. Februar  2022  E. 1.8.2;  6B_1302/2020  vom  3. Februar 

2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in BGE 147 IV 176]; 6B_289/2020 vom 1. Dezember 2020 

E. 7.8.1).

- 15 -

1.3.

Beschuldigter

1.3.1. Der  Beschuldigte  bestritt  im  Rahmen  der  Untersuchung,  beabsichtigt  zu 

haben, die Privatklägerin 2 mit den Walkingstöcken zu schlagen. Er habe die Stö-

cke  lediglich  von  der  linken  in  die  rechte  Hand  nach  oben  genommen,  aber  nie 

jemanden  schlagen  wollen  (Urk. 3/1  F/A 5-7;  Urk. 3/3  F/A 11).  Bezüglich  der  zu-

sammengefassten Aussagen des Beschuldigten in der Untersuchung zum vorlie-

genden Anklagepunkt kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zu-

treffenden  Ausführungen  im  vorinstanzlichen  Urteil  verwiesen  werden  (Urk. 59 

S. 11). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hielt der Beschuldigte an 

seinem Bestreiten fest, verweigerte aber die Aussage zur Sache (Prot. I S. 11) und 

reichte stattdessen einen als Schlusswort zu den Akten genommenen eigenen Par-

teivortrag ins Recht, worin er sein Bestreiten sämtlicher Anklagepunkte bekräftigte 

(Urk. 47). Im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 13. November 2024 machte 

der Beschuldigte dann wieder detaillierte Aussagen zur Sache, wobei er anhand 

der mitgebrachten Stöcke zeigte, wie er diese gehalten habe (Prot. II S. 19 ff.). 

1.3.2. Soweit  der  Beschuldigte  Ausführungen  zum  Entstehen  des  Konflikts  mit 

der  Privatklägerin 2  und  insbesondere  der  verbalen  Auseinandersetzung  mit  ihr 

machte, erscheinen seine Aussagen stimmig und nachvollziehbar. Zudem stimmen 

sie grundsätzlich mit denjenigen der Privatkläger überein. Insoweit kann zur Erstel-

lung des Anklagesachverhalts durchaus auf die Aussagen des Beschuldigten mit-

abgestellt werden. 

1.3.3. Hinsichtlich  der  Aussagen  des  Beschuldigten  in  der  Untersuchung  zum 

Kern dieses Anklagevorwurfs, wonach er die Walkingstöcke von der rechten in die 

linke Hand nach oben genommen habe, wobei er nicht bestritt, die Stöcke über den 

(eigenen)  Kopf  gehalten  zu  haben,  ist  zu  bemerken,  dass  diese  schon  für  sich 

selbst betrachtet wenig plausibel und lebensnah erscheinen. Zwar ist ein Griffwech-

sel an sich noch nicht ungewöhnlich. Weshalb er die Stöcke dabei aber insbeson-

dere im Rahmen der eskalierenden Konfliktsituation hätte über den Kopf nehmen 

sollen, vermochte er nicht schlüssig zu erklären. Vor dem Hintergrund der Aussa-

gen  der  Privatkläger  erhellt  sich,  dass  es  sich  dabei  um  eine  Schutzbehauptung 

handelte, um deren Wahrnehmungen anders als mittels eines versuchten Schlages 

- 16 -

erklären zu können, indem er insbesondere die Aussagen des Privatklägers 1 als 

Fehlinterpretation bezeichnete. Hiermit korreliert auch seine verallgemeinernde Be-

merkung, gegenüber seiner Familie nie gewalttätig geworden zu sein. Mit seinen 

Aussagen und seiner Demonstration im Rahmen des Berufungsverfahrens setzte 

sich der Beschuldigte dann gänzlich in Widerspruch zu seinen früheren Aussagen. 

So zeigte er, wie er die Walkingstöcke damals auf Brusthöhe von der linken in die 

rechte Hand genommen habe. Dass er die Stöcke über den Kopf genommen habe, 

bestritt er in Abweichung zu den früheren Aussagen (Prot. II S. 19 ff.). Die Haltung 

auf Brusthöhe wäre an sich zwar eine erklärbare Haltung der Stöcke für einen Griff-

wechsel. Die ursprüngliche Frage, wieso beide Privatkläger übereinstimmend zur 

Schilderung  gelangten,  er  habe  die  Walkingstöcke  über  den  Kopf  gehoben,  ver-

mochte er damit selbstredend umso weniger zu erklären bzw. er setzte sich zu sei-

ner früheren Schutzbehauptung in einen unauflösbaren Widerspruch, was ein ekla-

tantes Lügensignal darstellt. Es zeigt sich darin – wie auch anlässlich der Würdi-

gung der weiteren Anklagevorwürfe zu zeigen ist – ein Aussageverhalten, indem 

der  Beschuldigte  seine  Aussagen  immer  gerade  den  jeweiligen  Vorhalten  an-

passte, um diese erklären zu können, wobei er jegliche Konsistenz in den Aussa-

gen vermissen liess. 

1.3.4. Die Aussagen des Beschuldigten zum Kern der Anklage im vorliegenden 

Anklagepunkt sind somit unglaubhaft.

1.4.

Privatkläger 1

1.4.1. Hinsichtlich seiner Interessenlage ist zu bemerken, dass der Privatkläger 1 

vor Vorinstanz gegen den Beschuldigten noch ein Schadenersatz- und Genugtu-

ungsbegehren dem Grundsatz nach stellen liess (Urk. 32), dieses aber nicht bezif-

ferte. Ein eigentlicher Grund, den Beschuldigten wider besseres Wissen falsch zu 

belasten, ist beim Privatkläger 1 als Sohn des Beschuldigten denn auch nicht er-

sichtlich. Wenn die Verteidigung geltend macht, der Privatkläger 1 habe sich bedin-

gungslos auf die Seite der Privatklägerin 2 gestellt, was den Akten zu entnehmen 

sei (Urk. 61 S. 2), so ist dem zu entgegnen, dass dies nur dann zuträfe, wenn man 

mit der Verteidigung von der Position des Beschuldigten ausginge. Einen nachvoll-

- 17 -

ziehbaren Grund für Falschbelastungen des Privatklägers 1 vermag denn auch die 

Verteidigung nicht darzutun (vgl. Urk. 78 S. 4 f.). Obschon es sich beim seitens der 

Verteidigung  eingereichten  Kurzportrait  eines  18-jährigen  Mannes  namens 

"H._____" im "I._____" (Urk. 79/8) um den Privatkläger 1 handelt (vgl. Prot. II S. 52 

f.) und dieser darin ausführte, seine Eltern hinsichtlich des Konsums von Substan-

zen wie Ecstasy angelogen zu haben, so kann daraus im Übrigen nicht, wie dies 

seitens der Verteidigung gemacht wird (Prot. II S. 40), der Schluss gezogen wer-

den, vielleicht habe er das auch in den Einvernahmen so gemacht. Bei den Einver-

nahmen im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ging es um Vorwürfe dem Be-

schuldigten gegenüber. Dabei räumte der Privatkläger 1 – insbesondere hinsicht-

lich des Konsums von Betäubungsmitteln, worauf bei der Würdigung jener Ankla-

gevorwürfe einzugehen sein wird – auch eigenes rechtswidriges Verhalten ein. Aus 

dem  Umstand,  dass  der  Privatkläger 1  damals  bezüglich  seines  eigenen  Betäu-

bungsmittelkonsums  gegebenenfalls  seine  Eltern  belog,  kann  somit  kein  Rück-

schluss auf allfällige Falschbelastungen im vorliegenden Verfahren gezogen wer-

den.  Der  Privatkläger 1  vermochte  sodann  anlässlich  der  Berufungsverhandlung 

vom 11. Juni 2025 das Zustandekommen der Strafanzeige nachvollziehbar zu er-

klären und seine Beziehung zum Beschuldigten zu beschreiben (vgl. Prot. II S. 49 

ff.). Es bestehen keine Anhaltspunkte dahingehend, dass der Privatkläger 1 dem 

Beschuldigten  mit  der  Strafanzeige  und  seinen  Aussagen  gezielt schaden  wollte 

oder von der Privatklägerin 2 instrumentalisiert worden wäre. So schilderte der Pri-

vatkläger 1 glaubhaft, er und die Privatklägerin 2 hätten mit dem Beschuldigten viel 

durchgemacht, es sei jedoch immer schlimmer geworden und habe schliesslich ein 

Ausmass angenommen, dass sie ihm nicht mehr hätten helfen können. Sie hätten 

sich zuhause nicht mehr sicher gefühlt, daher hätten sie gegen den Beschuldigten 

Anzeige erstattet. Dies sei auch seine Entscheidung gewesen, da es ihn genauso 

betroffen habe wie die Privatklägerin 2. Er habe mit der Strafanzeige Gerechtigkeit 

erreichen  wollen,  damit  der  Beschuldigte  für  seine  Handlungen  gerade  stehen 

müsse (vgl. Prot. II S. 55 f.).

1.4.2. Bezüglich  der  zusammengefassten  Aussagen  des  Privatklägers 1  in  der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

- 18 -

wiesen werden (Urk. 59 S. 12 f.). Im Rahmen seiner Einvernahme als Auskunfts-

person im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte der Privatkläger 1 zum vor-

liegend  zu  prüfenden  Anklagepunkt  aus,  es  sei  im  Wartehäuschen  am  Bahnhof 

G._____ zu einem Streit zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 2 ge-

kommen.  Er  habe  nur  noch  gesehen,  dass  sich  die  Privatklägerin 2  abgedreht 

habe.  Der  Beschuldigte  habe  die  Stöcke  hinter  den  Kopf  gehoben  und  er  –  der 

Privatkläger 1  –  habe  die  Stöcke  aus  Reflex  gepackt,  weil  er  das  Gefühl  gehabt 

habe, dass der Beschuldigte versucht habe, der Privatklägerin 2 die Stöcke über 

den Kopf zu schlagen. Dabei demonstrierte der Privatkläger 1 anhand einer PET-

Flasche, wie der Beschuldigte die Walkingstöcke gehalten und wie er diese etwa in 

deren  Mitte  gepackt  hatte,  um  zu  verhindern,  dass  der  Beschuldigte  zuschlagen 

konnte (Prot. II S. 59 f., 65 ff.). Er habe nicht mitbekommen, dass der Beschuldigte 

die  Privatklägerin 2  zuvor  jemals  geschlagen  oder  sonst  wie  angefasst  hätte.  Er 

habe einfach aus Instinkt nach den Stöcken gegriffen, da der Beschuldigte so in 

Rage und wie in einem Film gewesen sei, als er mit den Stöcken ausgeholt habe. 

Für ihn habe es so ausgesehen, als dass der Beschuldigte die Privatklägerin 2 mit 

den Stöcken schlagen würde, dies sei aber nicht geschehen, da er die Stöcke ge-

packt habe (Prot. II S. 62, 67). 

1.4.3. Die Aussagen des Privatklägers 1 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. So vermochte er zunächst zur Entstehung des Konflikts – des erfolg-

ten Haareschneidens seitens der Privatklägerin 2 sowie der schlechten Laune des 

Beschuldigten, wodurch er jeweils schnell "explodiere" – anschauliche Aussagen 

zu machen, wobei er die äusseren Wahrnehmungen mit seinen inneren Schlüssen 

dazu  erklärte.  Auch  zum  Kern  der  Anklage  im  vorliegenden  Punkt  vermochte  er 

nachvollziehbar darzulegen, wie der Beschuldigte aufgebracht gewesen sei und mit 

seinen  Walkingstöcken  ausgeholt  habe,  als  die  Privatklägerin 2  das  Wartehäus-

chen am Bahnhof G._____ habe verlassen wollen, wobei er ausführte, aus einem 

Instinkt heraus und der Angst, die Privatklägerin 2 müsste ins Spital gehen, gehan-

delt zu haben und dass er den Beschuldigten von dessen Vorhaben habe abhalten 

wollen. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 11. Juni 2025 stellte der Privat-

kläger 1 seine Schilderungen betreffend das Hantieren des Beschuldigten mit den 

- 19 -

Walkingstöcken  und  sein  Eingreifen  überdies  mittels  einer  PET-Flasche  bildlich 

dar,  was  seine  Authentizität  unterstreicht.  Lügensignale  wie  z.B.  Übertreibungen 

der Belastungen sind in seinen Aussagen demgegenüber keine vorhanden. Seine 

überzeugenden Aussagen korrespondieren zudem mit denjenigen der Privatkläge-

rin 2, wobei sich darin keine Hinweise auf erfolgte Absprachen finden lassen.

1.4.4. Zum Einwand der Verteidigung, dem Beschuldigten sei es aufgrund seiner 

am  10. Februar  2022  erfolgten  Rückenoperation  und  den  daraus  resultierenden 

körperlichen Einschränkungen gar nicht möglich gewesen, mit den Walkingstöcken 

schwungvoll  auszuholen  und  auch  noch  eine  Schlagbewegung  auszuführen 

(Urk. 49 S. 3; Urk. 78 S. 6), ist zu bemerken, dass sich solches nicht aus dem Aus-

trittsbericht des Stadtspitals Triemli vom 9. Februar 2022 ergibt (Urk. 44). Bereits 

der  Umstand,  dass  der  Beschuldigte  lediglich  Walkingstöcke  mit  sich  führte  und 

nicht etwa an Krücken ging, zeigt, dass er jedenfalls relativ gut und sicher zu Fuss 

war.  Dass  er  eine  entsprechende  Bewegung  mit  den  Stöcken  über  dem  Kopf 

machte  –  die  er  aber  wie  vorstehend  dargelegt  zunächst  als  vom  Privatkläger 1 

missverstanden bezeichnete –, räumte der Beschuldigte denn auch in der Unter-

suchung selbst ein und stritt dies erst im Berufungsverfahren ab. Selbst wenn das 

Verabreichen eines Schlags mit den Walkingstöcken gegen die Privatklägerin 2 für 

den Beschuldigten vor dem Hintergrund seiner wenige Tage zuvor erfolgten Rü-

ckenoperation wohl kaum für die Genesung förderlich gewesen sein dürfte, spricht 

die  Rückenoperation  mithin  keineswegs  dagegen,  dass  er  angesichts  verspürter 

starker Wutgefühle dennoch zu einem derartigen Schlag ausholte. Vielmehr kann 

das Hochhalten der Stöcke über den Kopf bzw. die Schulter nicht anders gedeutet 

werden, als dass der Beschuldigte eine Schlagbewegung gegen die Privatkläge-

rin 2 ausführen wollte, ansonsten hätte sich der Privatkläger 1 nicht dazu veranlasst 

gesehen einzugreifen und die Stöcke festzuhalten.

1.4.5. Die Aussagen des Privatklägers 1 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

- 20 -

1.5.

Privatklägerin 2

1.5.1. Bezüglich  der  Interessenlage  der  Privatklägerin 2  ist  zu  berücksichtigen, 

dass  sie  vor  Vorinstanz  noch  ein  Genugtuungsbegehren  in  der  Höhe  von 

Fr. 3'000.– geltend machte (Urk. 40 S. 3 ff.) und insofern ein eigenes Interesse am 

Prozessausgang hat bzw. hatte. Auch zeigt der Umstand, dass sie – obschon sie 

die Abweisung ihres Genugtuungsbegehrens durch die Vorinstanz nicht anficht – 

Anschlussberufung führen liess, dass bei ihr jedenfalls ein hohes Interesse an einer 

Verurteilung des Beschuldigten vorhanden ist. Entgegen der Ansicht der Verteidi-

gung (Urk. 61 S. 2) kann aufgrund der erfolglosen Geltendmachung einer Zivilfor-

derung aber nicht geschlossen werden, es gehe der Privatklägerin 2 darum, für sich 

selber einen finanziellen Vorteil aus dem Verfahren herauszuschlagen. Die Erhe-

bung einer Genugtuungsforderung und das grosse Interesse an einer Verurteilung 

des Beschuldigten sind logisch erklärbar mit einer hohen Betroffenheit durch die 

seitens ihres Ehemannes und Vaters ihrer Kinder gegen sie und ihren Stiefsohn 

verübten Straftaten, sofern man – wie dies vorliegend zu prüfen ist – zum Ergebnis 

gelangte, diese hätten anklagegemäss stattgefunden. Dasselbe gilt für Eingaben 

ihrer Rechtsvertreterin, die aus Sicht der damit naturgemäss inhaltlich nicht einver-

standenen Verteidigung als anschwärzend erscheinen mögen (vgl. Urk. 61 S. 3). 

Aus dem Interesse der Privatklägerin 2 am Prozessausgang – und einem aus Sicht 

der  Verteidigung  gegebenenfalls  übergrossen  Einsatz  ihrer  Rechtsvertreterin  – 

kann  jedenfalls  nicht  der  Schluss  gezogen  werden,  sie  hätte  den  Beschuldigten 

wider besseres Wissen falsch oder übermässig belastet sowie versucht, den Pri-

vatkläger 1 zu Falschbelastungen gegen den Beschuldigten zu bewegen.

1.5.2. Hinsichtlich der zusammengefassten Aussagen der Privatklägerin 2 in der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 11 f.). Im Rahmen ihrer Einvernahme als Auskunftsper-

son im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte die Privatklägerin 2 zum vor-

liegend zu prüfenden Anklagepunkt aus, sie sei mit den Kindern im Wartehäuschen 

gewesen, als es zum Streit mit dem Beschuldigten gekommen sei. Sie habe die 

Kinder genommen und habe am Beschuldigten vorbei das Wartehäuschen verlas-

- 21 -

sen, wobei sie zurückgeschaut habe, ob der Privatkläger 1 auch komme. In diesem 

Moment habe sie gesehen, wie der Beschuldigte mit beiden Walkingstöcken hinter 

ihr gestanden sei. Es sei ein Reflex gewesen. Sie habe nachgesehen, ob der Pri-

vatkläger 1 auch komme und gesehen, wie dieser dazwischengegangen sei. Wahr-

scheinlich habe er dies aus Reflex getan, da er hinten gestanden sei. Der Privat-

kläger 1 habe den Beschuldigten gepackt und die Stöcke zurückgehalten. Der Be-

schuldigte sei dann auf den Privatkläger 1 losgegangen. Die Privatklägerin 2 de-

monstrierte das Halten der Walkingstöcke durch den Beschuldigten anlässlich der 

Berufungsverhandlung, indem sie die Arme anwinkelte und beide Hände rechts ne-

ben dem Kopf nach hinten über die Schulter hielt (Prot. II S. 81 f.).

1.5.3. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. Sie schilderte sowohl das Erlebnis im Wartehäuschen am Bahnhof 

G._____ plausibel und nachvollziehbar, als auch den Kern der Anklage bezüglich 

des vorliegenden Tatvorwurfs, wie sie mit dem Rücken zum Beschuldigten gestan-

den sei und nur aus dem Augenwinkel habe erkennen können, wie jener die Wal-

kingstöcke "aufgezogen" bzw. nach oben gehalten habe. So schaute sie in der Be-

rufungsverhandlung vom 11. Juni 2025 anlässlich ihrer Schilderung der Situation 

beim Verlassen des Wartehäuschens intuitiv über die Schulter nach rechts, als sie 

ausführte, wie sie zurückgeschaut habe, um zu schauen, ob der Privatkläger 1 auch 

mitkomme, und dabei gesehen habe, wie der Beschuldigte mit beiden Walkingstö-

cken hinter ihr gestanden sei (Prot. II S. 81), was die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

unterstreicht. Übertreibungen der Belastungen oder andere Lügensignale sind in 

ihren Aussagen demgegenüber keine vorhanden. Ihre Aussagen korrespondieren 

zudem mit denjenigen des Privatklägers 1, wobei sich darin keine Hinweise auf er-

folgte Absprachen finden lassen.

1.5.4. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

- 22 -

1.6.

Fazit äusserer Sachverhalt

Basierend auf den glaubhaften und überzeugenden Aussagen der beiden Privat-

kläger  ist  der  äussere  Sachverhalt  bezüglich  des  Tatvorwurfs  des  versuchten 

Schlages mit den Walkingstöcken gegen die Privatklägerin 2 erstellt. 

1.7.

Fazit innerer Sachverhalt

Seitens der Verteidigung wird bestritten, dass der Beschuldigte mit den Walkings-

töcken überhaupt habe zuschlagen wollen und zudem seien diese aufgrund deren 

leichten Gewichts als "reichlich harmlos" einzustufen. Da der Beschuldigte zudem 

frisch  operiert  gewesen  sei,  hätte  er  es  tunlichst  unterlassen,  in  eine  körperliche 

Auseinandersetzung  verwickelt  zu  werden  (Urk. 61  S. 2;  Urk  42  S. 3 f.;  Urk. 78 

S. 6 f.). Dieser Ansicht ist entgegenzuhalten, dass die Bewegung des Beschuldig-

ten  gemäss  glaubhafter  und  überzeugender  Aussagen  des  Privatklägers 1  nicht 

anders denn als Schlagbewegung in Richtung des Kopfs der Privatklägerin 2 inter-

pretiert werden konnte, ansonsten der Privatkläger 1 nicht eingegriffen hätte. Der 

Umstand,  dass  die  Walkingstöcke  wohl  leicht  waren,  spricht  dafür,  dass  der  Be-

schuldigte diese trotz wenige Tage zuvor erfolgter Rückenoperation problemlos als 

Schlaginstrument einzusetzen vermochte, wobei er davon ausgehen konnte, dass 

Verletzungen der Privatklägerin 2 im Falle eines Schlags gegen deren Kopf – im 

Gegensatz  etwa  zum  von  der  Verteidigung  genannten  Baseballschläger  –  kaum 

schwer bzw. lebensgefährlich ausfallen würden, was ihm seitens der Anklagebe-

hörde zu Recht auch nicht vorgeworfen wird. Dass ein Schlag mit zwei Walkings-

töcken z.B. gegen den Hinterkopf einer Person selbst mit eher geringer Kraft ge-

eignet war, diese zu treffen und zumindest leichtere Verletzungen wie z.B. Riss-

quetschwunden,  eine  gewisse  Zeit  anhaltende  Druckdolenz  und/oder  sonstige 

Kopfschmerzen der Privatklägerin 2 zu bewirken, liegt auf der Hand. Wenn die Ver-

teidigung vorbringt, der Beschuldigte habe aufgrund seiner wenige Tage zuvor er-

folgten Rückenoperation sicher nicht in eine körperliche Auseinandersetzung ver-

wickelt werden wollen, so ist dem entgegenzuhalten, dass er sich angesichts seiner 

verspürten  Wut  wohl  kaum  Gedanken  dazu  gemacht  haben  dürfte,  sondern  er 

schlicht ohne weiter nachzudenken spontan seine Ehefrau mit den Stöcken schla-

- 23 -

gen wollte. Die Argumentation der Verteidigung geht damit ins Leere. In Würdigung 

aller Umstände drängt sich mithin der zwingende Schluss auf, dass der Beschul-

digte angesichts seiner verspürten Wut bei seiner Ausholbewegung mit den Wal-

kingstöcken über seinen Kopf die Absicht hegte, die Privatklägerin 2 damit von hin-

ten auf den Kopf zu schlagen ohne dabei die Folgen zu bedenken bzw. waren ihm 

die Folgen seines Handelns in dieser emotionalen Situation gleichgültig, wobei er 

jedoch in Kauf nahm, dass ein solcher Schlag zu Verletzungen der Privatklägerin 2 

führen könnte. Der diesbezügliche innere Sachverhalt ist somit erstellt.

2.

Drohung/Tätlichkeiten zum Nachteil des Privatklägers 1 in G._____

2.1.

Ausgangslage

2.1.1. Anklagevorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, am 17. Februar 2022, nach-

dem der Privatkläger 1 seinen versuchten Schlag mit den Walkingstöcken gegen 

die Privatklägerin 2 habe verhindern können, den Privatkläger 1 frontal an beiden 

Oberarmen gepackt, ihn geschüttelt und ihm gesagt zu haben, dass er ihn "kaputt-

machen"  werde  und  dass  er  –  der  Privatkläger 1  –  ihn  nie  mehr  anfassen  solle 

(Urk. 20 S. 3).

2.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der Beschuldigte bestreitet, den Privatkläger 1 am 17. Februar 2022 am Bahnhof 

G._____ gepackt, geschüttelt und ihm gedroht zu haben (Urk. 3/3 F/A 28; Prot. I 

S. 11; Urk. 47; Prot. II S. 23 f.). Seitens der Verteidigung wird dementsprechend ein 

Freispruch  des  Beschuldigten  von  diesem  Tatvorwurf  beantragt  (Urk. 42  S. 1; 

Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

2.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  erachtete  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  erstellt  (Urk. 59 

S. 19).

- 24 -

2.2.

Grundlagen der Beweiswürdigung/Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 59 S. 6 ff.) sowie auf die vorstehen-

den Erwägungen verwiesen werden (E. 1.2.).

2.3.

Beschuldigter

2.3.1. Der Beschuldigte bestritt im Rahmen der Untersuchung, den Privatkläger 1 

am 17. Februar 2022 am Bahnhof G._____ gepackt, geschüttelt und ihm gedroht 

zu haben. Er habe ihn nur am Arm gepackt und gesagt, dass er – der Privatkläger 1 

–  ihn  nie  mehr  so  anfassen  solle  (Urk. 3/3  F/A 28).  Bezüglich  der  zusammenge-

fassten Aussagen des Beschuldigten in der Untersuchung zum vorliegenden An-

klagepunkt kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden 

Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 59 S. 17). Anläss-

lich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hielt der Beschuldigte an seinem Be-

streiten fest, verweigerte aber die Aussagen zur Sache (Prot. I S. 11) und reichte 

stattdessen einen als Schlusswort zu den Akten genommenen eigenen Parteivor-

trag  ins  Recht,  worin  er  sein  Bestreiten  sämtlicher  Anklagepunkte  bekräftigte 

(Urk. 47). Im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 13. November 2024 machte 

der Beschuldigte dann wieder Aussagen zur Sache, wobei er zum Vorwurf der Dro-

hung gegenüber dem Privatkläger 1 bestritt, gesagt zu haben, er wolle den Privat-

kläger 1 kaputtmachen. Er habe den Privatkläger 1 als Reaktion darauf, dass die-

ser ihn an den Oberarmen gepackt habe, lediglich sinngemäss gefragt, ob er spinne 

und was er mache. Danach habe er dem Privatkläger 1 gegenüber in Abrede ge-

stellt, dass er die Privatklägerin 2 habe schlagen wollen (Prot. II S. 23. f.). Auf Vor-

halt, dass er in der Untersuchung noch eingeräumt habe, vielleicht sei es – gemeint 

die Drohung – doch "rausgerutscht", räumte er ein, das könne gut sein. Plus/minus 

erinnere er sich noch daran, was er bei der Polizei ausgesagt habe, aber daran, 

dass er ein eventuelles "Rausrutschen" eingeräumt habe, könne er sich nicht mehr 

erinnern (Prot. II S. 26 f.).

2.3.2. Soweit der Beschuldigte in seinen Aussagen mit denjenigen des Privatklä-

gers 1 übereinstimmt, wonach er ihn am Arm gepackt und ihm gesagt habe, er solle 

- 25 -

ihn nie mehr so anfassen, erscheinen seine Aussagen als durchaus plausibel und 

nachvollziehbar, wobei er sich damit auch selbst belastete. Insoweit kann zur Er-

stellung des Anklagesachverhalts durchaus auf die Aussagen des Beschuldigten 

mitabgestellt werden. 

2.3.3. Das Bestreiten in der Untersuchung, dem Privatkläger 1 gesagt zu haben, 

er werde ihn kaputtmachen mit der Begründung, schliesslich sei dieser ja sein Sohn 

und  er  würde  seinen  Kindern  niemals  etwas  antun,  erfolgte  demgegenüber  nur 

halbherzig, zumal er kurz darauf einräumte, vielleicht sei es ihm "rausgerutscht", 

weil  die  Emotionen  hochgegangen  seien.  Hierzu  ist  zu  bemerken,  dass  letztlich 

offengelassen  werden  kann,  ob  sich  der  Beschuldigte  –  wie  von  der  Vorinstanz 

angenommen (Urk. 59 S. 19) – effektiv nicht mehr daran erinnerte, sich entspre-

chend gegenüber dem Privatkläger 1 geäussert zu haben, oder ob er es zunächst 

bewusst bestritt. Sein zunächst erfolgtes klares Bestreiten kann jedenfalls nicht als 

glaubhaft qualifiziert werden, insbesondere nachdem er es selbst relativierte. Dass 

er  sich  anlässlich  der  zweieinhalb  Jahre  später  erfolgten  Berufungsverhandlung 

nicht mehr daran erinnern konnte, sein Bestreiten gegenüber der Polizei deutlich 

relativiert  zu  haben,  ist  als  solches  nachvollziehbar.  Dies  ändert  jedoch  nichts 

daran, dass er die Relativierung des Bestreitens der Drohung damals so äusserte. 

Dementsprechend ist festzustellen, dass selbst der Beschuldigte nicht mit gänzli-

cher Sicherheit auszuschliessen vermochte, als Reaktion auf den Griff des Privat-

klägers 1 an seine Oberarme diesem gegenüber sinngemäss drohend gesagt zu 

haben, er werde ihn kaputtmachen und er solle ihn nie mehr anfassen. Das anläss-

lich der Berufungsverhandlung erfolgte kategorische Bestreiten solcher Äusserun-

gen dem Privatkläger 1 gegenüber erweist sich damit gegenüber seinen früheren 

Aussagen  als  widersprüchlich,  womit  es  dem  Bestreiten  an  Glaubhaftigkeit  ge-

bricht.

2.4.

Privatkläger 1

2.4.1. Hinsichtlich der Interessenlage des Privatklägers 1 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.4.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

- 26 -

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist beim Privatkläger 1 nicht 

ersichtlich. 

2.4.2. Bezüglich  der  zusammengefassten  Aussagen  des  Privatklägers 1  in  der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 17 f.). Im Rahmen seiner Einvernahme als Auskunfts-

person im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte der Privatkläger 1 zum vor-

liegend  zu  prüfenden  Anklagepunkt  aus,  als  er  im  Wartehäuschen  am  Bahnhof 

G._____ die Stöcke des Beschuldigten festgehalten habe, habe sich dieser umge-

dreht, ihn gepackt und gesagt: "Lang mich nie meh so a, ich mach dich kaputt." 

Wort für Wort wisse er den Rest nicht mehr wirklich. Es sei möglich, dass der Be-

schuldigte – wie die Privatklägerin 2 gegenüber der Polizei aussagte – nur gesagt 

habe, dass er ihn nicht "anlagen" solle, sonst "passiere etwas". Unter "sonst pas-

siere etwas" verstehe er, dass der Beschuldigte ihm weh mache. Das habe sich 

aus der Situation ergeben. Wenn der Beschuldigte bei der Privatklägerin 2 aushole, 

ihn packe, festhalte und anfange zu schreien, dann heisse das für ihn, dass er an-

gegriffen werde (Prot. II S. 60 f.). 

2.4.3. Die Aussagen des Privatklägers 1 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. So gab er konsequent an, der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass 

er ihn "kaputtmachen werde". Der Privatkläger 1 entlastete den Beschuldigten auch 

gleichzeitig,  indem  er  anfügte,  er  selbst  habe  diese  Drohung  nicht  wirklich  ernst 

genommen, zumal er gemerkt habe, dass es sich nur um Gerede des Beschuldig-

ten gehandelt habe und dieser "in seinem Film" gewesen sei. Dies zeigt, dass es 

dem Privatkläger 1 keineswegs darum ging, den Beschuldigten möglichst schwer 

zu belasten. Schliesslich ist zu bemerken, dass sich seine Aussagen im Wesentli-

chen mit denjenigen der Privatklägerin 2 zu diesem Anklagepunkt decken und auch 

– wie dargelegt – selbst der Beschuldigte in der Untersuchung zumindest nicht aus-

schloss, sich entsprechend gegenüber seinem Sohn geäussert zu haben.

2.4.4. Die Aussagen des Privatklägers 1 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

- 27 -

2.5.

Privatklägerin 2

2.5.1. Bezüglich der Interessenlage der Privatklägerin 2 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.5.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist bei der Privatklägerin 2 

nicht ersichtlich.

2.5.2. Hinsichtlich der zusammengefassten Aussagen der Privatklägerin 2 in der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 18). Im Rahmen ihrer Einvernahme als Auskunftsperson 

im  Berufungsverfahren  vom  11. Juni  2025  führte  die  Privatklägerin 2  zum  vorlie-

gend zu prüfenden Anklagepunkt aus, als der Privatkläger 1 den Beschuldigten ge-

packt und die Stöcke zurückgehalten habe, sei der Beschuldigte auf den Privatklä-

ger 1  losgegangen  und  habe  gesagt:  "Lass  mich  los!  Ich  mache  dich  kaputt.  Du 

wirst schon sehen, was du davon hast." Ausserdem habe er den Privatkläger 1 ge-

schüttelt (Prot. II S. 81). Es könne auch sein, dass der Beschuldigte dem Privatklä-

ger 1 gesagt habe, dieser solle ihn nicht anfassen, sonst passiere etwas. Vielleicht 

habe der Beschuldigte sogar gesagt: "Ich bringe dich um!" Das habe er auch ein 

paar Mal in der Wut gesagt. Das Ganze sei drei Jahre her und sie wisse es wirklich 

nicht mehr. Aber etwas davon habe der Beschuldigte sicher gesagt. Auf alle Fälle 

habe der Beschuldigte den Privatkläger 1 bedroht und beschimpft. Daran, wie der 

Privatkläger 1 reagiert habe, könne sie sich nicht mehr erinnern (Prot. II S. 82 f.).

2.5.3. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen.  Bezüglich  des  genauen  Wortlauts  wich  die  Privatklägerin 2  in  ihrer 

späteren Aussage leicht von ihrer früheren Aussage ab. So führte sie bei der Polizei 

aus, der Beschuldigte habe zum Privatkläger 1 gesagt: "Lang mich nicht an, sonst 

passiert  etwas".  Bei  der  Staatsanwaltschaft  sowie  anlässlich  der  Berufungsver-

handlung führte sie dann aus, der Beschuldigte habe gesagt, er werde den Privat-

kläger 1 "kaputtmachen". Die späteren Aussagen erfolgten mithin konkreter bzw. 

sie stellen eine Anpassung ihrer Aussagen an diejenigen des Privatklägers 1 dar, 

wie jener sie bereits seit Beginn der Untersuchung schilderte. Angesichts des Um-

- 28 -

stands,  dass  zwischen  den  Aussagen  rund  sieben  Monate  bzw.  über  drei  Jahre 

lagen und die beiden Privatkläger sich zweifellos über die fraglichen Ereignisse un-

terhielten, vermag ein solches leichtes Anpassen der Aussagen allerdings nicht zu 

überraschen. Ein bewusstes Übersteigern der Belastungen kann darin allerdings 

nicht gesehen werden, schilderte die Privatklägerin 2 doch bereits in der ersten Ein-

vernahme eine erfolgte Drohung des Beschuldigten gegen den Privatkläger 1. Ein 

unauflösbarer Widerspruch, der als Lügensignal zu qualifizieren wäre, oder gar Hin-

weise auf erfolgte Absprachen sind darin somit nicht zu sehen. 

2.5.4. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

2.6.

Fazit äusserer Sachverhalt

Basierend auf den glaubhaften und überzeugenden Aussagen der beiden Privat-

kläger ist der äussere Sachverhalt bezüglich des Tatvorwurfs der Drohung/Tätlich-

keiten zulasten des Privatklägers 1 in G._____ erstellt, wobei hinsichtlich des ge-

nauen Wortlauts von den stetigen Aussagen des Privatklägers 1 auszugehen ist. 

2.7.

Fazit innerer Sachverhalt

Der Beschuldigte wusste zweifelsohne, dass seine Äusserung grundsätzlich geeig-

net war zu bewirken, dass sich der Privatkläger 1 ängstigen und seines Sicherheits-

gefühls verlustig gehen könnte. Dass er den Privatkläger 1 als seinen Sohn grund-

sätzlich liebte und sich Behörden wie der KESB gegenüber offenbar für ihn einge-

setzt  hatte,  vermag  entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung  (Urk. 42  S. 5)  nichts 

daran zu ändern, dass er sich seinem Sohn gegenüber in aufflammender Wut spon-

tan so äusserte. Anzumerken ist, dass entgegen der seitens der Verteidigung an-

lässlich  der  Berufungsverhandlung  geäusserten  Ansicht,  nicht  "einzig  eine  von 

Schmerzen getriggerte verbale Reaktion" (Urk. 78 S. 7) des Beschuldigten vorlag, 

zumal der Beschuldigte selbst nie ausführte, sich unter dem Eindruck von Schmer-

zen gegenüber dem Privatkläger 1 geäussert zu haben. In jener Situation, nach-

dem der Privatkläger 1 ihn am Schlag gegen die Privatklägerin 2 gehindert hatte, 

bedachte  er  –  so  drängt  sich  aufgrund  der  gesamten  Umstände  der  zwingende 

- 29 -

Schluss auf – aufgrund aufflammender Wut die Folgen seines Verhaltens, mithin 

dass sich der Privatkläger 1 ängstigen und seines Sicherheitsgefühls verlustig ge-

hen könnte, nicht, nahm dies jedoch angesichts seiner Wortwahl in Kauf. Ebenso 

handelte er eventualvorsätzlich, indem er den Privatkläger 1 wutentbrannt an den 

Schultern packte und schüttelte. Der diesbezügliche innere Sachverhalt ist somit 

erstellt. 

3.

Drohung zum Nachteil des Privatklägers 1 in der Familienwohnung

3.1.

Ausgangslage

3.1.1. Anklagevorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe am 21. Februar 2022 

seinen Sohn, den Privatkläger 1, sehen wollen, obschon ihm die Privatklägerin 2 

mitgeteilt habe, dass der Privatkläger 1 ihn nicht sehen wolle. Er sei dann in dessen 

Zimmer zum Schrank gegangen, habe eine "Mischplatte" aus dem Schrank genom-

men und geschrien "er kifft". Als der Privatkläger 1, der mit Kopfhörern mit einem 

Computerspiel beschäftigt gewesen sei, realisiert habe, dass sich der Beschuldigte 

in seinem Zimmer befinde, habe er ihn aufgefordert, das Zimmer zu verlassen, dem 

der Beschuldigte nachgekommen sei. Als der Beschuldigte den Privatkläger 1 zum 

Abschied habe umarmen wollen, was dieser aufgrund des soeben Vorgefallenen 

nicht gewollt habe, habe er ihm gesagt, dass er sein Leben kaputt machen werde 

und  ihn  bei  der  KESB  melde  werde,  sodass  er  nicht  mehr  hier  wohnen  könne 

(Urk. 20 S. 3 f.).

3.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der  Beschuldigte  bestreitet,  am  21. Februar 2022  an  der  J._____-strasse 1  in 

… Zürich  gegenüber  dem  Privatkläger 1  eine  Drohung  ausgesprochen  zu  haben 

(Urk. 3/1 F/A 19; Prot. I S. 11; Urk. 47; Prot. II S. 30 ff.). Seitens der Verteidigung 

wird dementsprechend ein Freispruch des Beschuldigten von diesem Tatvorwurf 

beantragt (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

- 30 -

3.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  erachtete  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  erstellt  (Urk. 59 

S. 24).

3.2.

Grundlagen der Beweiswürdigung/Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 59 S. 6 ff.) sowie auf die vorstehen-

den Erwägungen verwiesen werden (E. 1.2.).

3.3.

Beschuldigter

3.3.1. Der  Beschuldigte  bestritt  im  Rahmen  der  Untersuchung,  am  21. Fe-

bruar 2022 in der Familienwohnung gegenüber dem Privatkläger 1 eine Drohung 

ausgesprochen  zu  haben  (Urk. 3/1  F/A 19).  Bezüglich  der  zusammengefassten 

Aussagen des Beschuldigten in der Untersuchung zum vorliegenden Anklagepunkt 

kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführun-

gen  im  vorinstanzlichen  Urteil  verwiesen  werden  (Urk. 59  S. 22).  Anlässlich  der 

vorinstanzlichen  Hauptverhandlung  hielt  der  Beschuldigte  an  seinem  Bestreiten 

fest, verweigerte aber die Aussagen zur Sache (Prot. I S. 11) und reichte stattdes-

sen einen als Schlusswort zu den Akten genommenen eigenen Parteivortrag ins 

Recht, worin er sein Bestreiten sämtlicher Anklagepunkte bekräftigte (Urk. 47). An-

lässlich  der  Berufungsverhandlung  vom  13.  November  2024  bekräftigte  der  Be-

schuldigte, er habe dem Privatkläger 1 nicht gesagt, dass er ihm das Leben kaputt-

machen werde. Er habe ihm lediglich gesagt, er müsse das – gemeint der Umstand, 

dass  der  Privatkläger 1  weder  beim  Beschuldigten  noch  dessen  Mutter,  sondern 

bei der Privatklägerin 2 wohnen wollte – der KESB melden (Prot. II S. 30 ff.).

3.3.2. Soweit der Beschuldigte in seinen Aussagen mit denjenigen der Privatklä-

ger übereinstimmt, wonach es am besagten Datum zu einer verbalen Auseinander-

setzung zwischen den Beteiligten gekommen sei, sind diese durchaus glaubhaft. 

So schilderte er nachvollziehbar, aufgebracht gewesen zu sein, da die Privatkläge-

rin 2 seiner Ansicht nach ihm gegenüber in Bezug auf den Konsum von Marihuana 

- 31 -

eine  Nulltoleranzregelung  habe  gelten  lassen,  diese  jedoch  beim  Privatkläger 1 

nicht  ebenso  durchgesetzt  habe.  Insbesondere  zeigte  sich  der  Beschuldigte  ge-

ständig, geäussert zu haben, er werde den Vorfall bei der KESB melden. Insoweit 

sind seine Aussagen durchaus glaubhaft. Was das Bestreiten betrifft, zum Privat-

kläger 1 gesagt zu haben, er werde ihm das Leben kaputtmachen, so ist festzustel-

len, dass insofern hinsichtlich dieses simplen Bestreitens der betreffenden Äusse-

rung zumindest keine Widersprüche in den Aussagen des Beschuldigten vorliegen, 

so dass diese nicht per se als unglaubhaft zu qualifizieren sind. 

3.4.

Privatkläger 1

3.4.1. Hinsichtlich der Interessenlage des Privatklägers 1 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.4.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist beim Privatkläger 1 nicht 

ersichtlich. 

3.4.2. Bezüglich  der  zusammengefassten  Aussagen  des  Privatklägers 1  in  der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 22 f.). Im Rahmen seiner Einvernahme als Auskunfts-

person im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte der Privatkläger 1 zum vor-

liegend zu prüfenden Anklagepunkt aus, er habe offiziell beim Beschuldigten ge-

wohnt  und  dieser  habe  gesagt,  dass  er  –  der  Privatkläger 1  –  nicht  dort  bleiben 

bzw. nicht weiterhin bei der Privatklägerin 2 wohnen könne und von zuhause raus 

müsse und dass er dies der KESB melde. Für ihn sei das eine Drohung gewesen, 

da er nicht in seinem Zuhause bleiben dürfe bzw. aus diesem gerissen werde. Er 

habe auf keinen Fall ausziehen wollen. Vor dem Vorfall vom 22. Februar 2022 sei 

das auch nie ein Thema gewesen (Prot. II S. 62 f.). 

3.4.3. Die Aussagen des Privatklägers 1 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. So gab er konsequent an, der Beschuldigte habe die fragliche Aus-

sage beim Verlassen der Wohnung als Reaktion darauf gemacht, weil er ihm die 

Umarmung  aufgrund  des  vorherigen  Verhaltens  des  Beschuldigten  verweigert 

- 32 -

habe. Der Privatkläger 1 entlastete den Beschuldigten auch in diesem Fall gleich-

zeitig, indem er anfügte, er habe die Drohung nicht wirklich ernst genommen, auch 

wenn es "eine Mischung aus Schock" gewesen sei. Der Beschuldigte würde viele 

Dinge sagen, die nicht so seien. Er sei jedoch trotzdem schockiert gewesen und 

etwas verunsichert, denn es habe sich um seinen Vater gehandelt. Er habe sich 

jedoch keine Sorgen gemacht, dass er in ein Heim gehen müsse. Es sei ihm pein-

lich,  dass  der  Beschuldigte  sich  gegenüber  seiner  Familie  so  verhalte  (Urk. 4/5 

F/A 14). Der Privatkläger 1 vermochte mithin seine Gefühlslage angesichts der vom 

Beschuldigten gehörten Worte in sehr lebensnaher und nachvollziehbarer Weise 

zu  schildern,  was  ein  deutliches  Wahrheitssignal  in  seinen  Aussagen  darstellt. 

Schliesslich ist zu bemerken, dass sich seine Aussagen im Wesentlichen mit den-

jenigen der Privatklägerin 2 und in weiten Teilen – mit Ausnahme der tatrelevanten 

Äusserung – auch mit den Aussagen des Beschuldigten zu diesem Anklagepunkt 

decken.  Der  Umstand,  dass  die  Privatklägerin 2  die  vom  Privatkläger 1  wahrge-

nommene Äusserung  des  Beschuldigten,  er  werde sein  Leben  kaputtmachen, in 

ihren  Aussagen  nicht  erwähnte  –  worauf  nachfolgend  einzugehen  sein  wird  –, 

spricht im Übrigen nicht dagegen, dass der Privatkläger 1 diese dennoch so vom 

Beschuldigten hörte, war er doch der direkte Adressat der betreffenden Äusserun-

gen des Beschuldigten, so dass er dessen Äusserung von allen anwesenden Per-

sonen  am  besten  hörte  und  sich  als  Direktbetroffener  am  besten  daran  erinnert 

haben dürfte.

3.4.4. Die Aussagen des Privatklägers 1 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

3.5.

Privatklägerin 2

3.5.1. Bezüglich der Interessenlage der Privatklägerin 2 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.5.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist bei der Privatklägerin 2 

nicht ersichtlich.

3.5.2. Hinsichtlich der zusammengefassten Aussagen der Privatklägerin 2 in der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

- 33 -

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 23). Im Rahmen ihrer Einvernahme als Auskunftsperson 

im  Berufungsverfahren  vom  11. Juni  2025  führte  die  Privatklägerin 2  zum  vorlie-

gend zu prüfenden Anklagepunkt aus, die Aussage des Beschuldigten sei für den 

Privatkläger 1 eine Drohung gewesen, da er bei ihr habe wohnen wollen. Der Pri-

vatkläger 1 habe Angst gehabt, dass er nicht mehr bei ihr wohnen dürfe. Er habe 

damals sein Leben langsam wieder in den Griff bekommen und grosse Angst ge-

habt, dass er das alles wieder verlieren würde (Prot. II S. 83). 

3.5.3. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. So stimmen sie sowohl mit dem Privatkläger 1 als auch mit dem Be-

schuldigten selbst darin überein, dass es zwischen den Beteiligten zu einer verba-

len  Auseinandersetzung  gekommen  sei,  wobei  der  Beschuldigte  dem  Privatklä-

ger 1 beim Verlassen der Wohnung damit gedroht habe, er werde die KESB ver-

ständigen. Bezüglich des Teils der Äusserung des Beschuldigten, wonach dieser 

gesagt  habe,  dass  als  Resultat  der  Verständigung  der  KESB  der  Privatkläger 1 

dann  nicht  mehr  dort  wohnen  könne,  stimmen  ihre  Aussagen  mit  dem  Privatklä-

ger 1 überein. Übersteigerungen in der Belastung des Beschuldigten sind auch bei 

der Privatklägerin 2 keine zu verzeichnen. So erwähnte sie die vom Privatkläger 1 

geschilderte Äusserung des Beschuldigten bezüglich des Kaputtmachens des Le-

bens des Privatklägers 1 nicht, obschon ihr ein Anpassen ihrer Aussagen an dieje-

nigen des Privatklägers 1 ohne weiteres möglich gewesen wäre.

3.5.4. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

3.6.

Fazit äusserer Sachverhalt

3.6.1. Hinsichtlich des auf den 26. September 2023 datierten privaten Wahrneh-

mungsberichts von K._____, der den Beschuldigten am betreffenden Tag beglei-

tete (Urk. 45), ist zu bemerken, dass dieser entgegen der Ansicht der Verteidigung 

(Urk. 42 S. 6; Urk. 78 S. 4, 8) den Beschuldigten nicht zu entlasten vermag. So er-

wähnt K._____ in seinem gemäss Datierung rund eineinhalb Jahre nach dem frag-

- 34 -

lichen Vorfall verfassten Schreiben lediglich angebliche abwertende Bemerkungen 

des offenbar ebenfalls vor Ort anwesenden Vaters der Privatklägerin 2. Die Stim-

mung sei zu Beginn leicht angespannt gewesen, jedoch sei alles "in einem Mitein-

ander" verlaufen. Hierdurch widerspricht er klar der Schilderung des Beschuldigten 

selbst,  der  wie  gezeigt  sowohl  die  verbale  Auseinandersetzung  als  auch  das  In-

Aussicht-Stellen  der  Benachrichtigung  der  KESB  gegenüber  dem  Privatkläger 1 

eingestand.  Wenn  K._____  im  Gegensatz  zum  Beschuldigten  bereits  dies  nicht 

wahrgenommen hatte, kann nicht angenommen werden, dass er sich zu den Äus-

serungen des Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger 1 im unmittelbaren Zu-

sammenhang mit der Benachrichtigung der KESB relevant zu äussern vermag. Das 

Schreiben von K._____ widerlegt die glaubhaften und überzeugenden Aussagen 

der  Privatkläger  somit  nicht  und  es  besteht  überdies  auch  keine  Veranlassung, 

K._____ mehr als drei Jahre nach dem betreffenden Vorfall als Zeugen zu befra-

gen. 

3.6.2. Betreffend die Tatsache, wonach die Anklage auch bezüglich dieses Tat-

vorwurfs  ein  Packen  und  Schütteln  des  Privatklägers 1  durch  den  Beschuldigten 

erwähnt (Urk. 20 S. 4), merkt die Verteidigung zu Recht an, dass dies dem Beschul-

digten anlässlich seiner Einvernahmen so nie vorgeworfen wurde und sich auch die 

Privatkläger beide nie entsprechend äusserten (Urk. 42 S. 6). Nachdem bezüglich 

des Vorfalls in der Familienwohnung zum inneren Sachverhalt/subjektiven Tatbe-

stand in der Anklageschrift exakt derselbe Wortlaut gewählt wurde wie hinsichtlich 

des Tatvorwurfs beim Bahnhof G._____ (vgl. Urk. 20 S. 3 und 4), ist davon auszu-

gehen, dass es sich insofern um einen copy-paste-Fehler anlässlich der Redaktion 

der Anklageschrift durch die zuständige Staatsanwältin handelte. Dafür, dass der 

Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Äusserungen noch mit einem Festhalten und 

Schütteln des Privatklägers 1 kombiniert hätte, liegen jedenfalls keine Hinweise vor 

und ist damit nicht erstellt.

3.6.3. Basierend auf den glaubhaften und überzeugenden Aussagen der beiden 

Privatkläger  ist  der  äussere  Sachverhalt  bezüglich  des  Tatvorwurfs  der  Drohung 

zulasten des Privatklägers 1 in der Familienwohnung – mit Ausnahme des Festhal-

tens und Schüttelns – erstellt. 

- 35 -

3.7.

Fazit innerer Sachverhalt

Der Beschuldigte wusste zweifelsohne, dass seine Äusserung grundsätzlich geeig-

net war, seinen im Tatzeitpunkt noch minderjährigen Sohn zu beeindrucken, da er 

wusste, dass der Privatkläger 1 Angst davor hatte, nicht mehr zuhause wohnen zu 

können.  In  jener  Situation,  nachdem  der  Privatkläger 1  ihm  die  Umarmung  auf-

grund seines vorherigen Verhaltens verweigert hatte und der Beschuldigte aufge-

bracht war, entsprach es – so drängt sich aufgrund der gesamten Umstände der 

zwingende  Schluss  auf  –  dem  Willen  des  Beschuldigten,  den  Privatkläger 1  mit 

dem angedrohten Auszug aus seinem Zuhause in Angst zu versetzen. Der diesbe-

zügliche innere Sachverhalt ist somit erstellt. 

4.

Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz mittels An-

stiftung des Privatklägers 1

4.1.

Ausgangslage

4.1.1. Anklagevorwürfe

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, von ca. November 2021 bis 

ca. Februar 2022 seinen minderjährigen Sohn, den Privatkläger 1, insgesamt ca. 

sechs bis dreizehn Mal beauftragt zu haben, ihm Marihuana für jeweils ca. Fr. 50.– 

nach Hause zu bringen (Urk. 20 S. 4).

4.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der Beschuldigte bestreitet, den Privatkläger 1 von ca. November 2021 bis ca. Fe-

bruar 2022 insgesamt ca. sechs bis dreizehn Mal beauftragt zu haben, ihm Marihu-

ana für jeweils ca. Fr. 50.– nach Hause zu bringen (Urk. 3/3 F/A 30; Prot. I S. 11; 

Urk. 47; Prot. II S. 33 ff.). Seitens der Verteidigung wird dementsprechend ein Frei-

spruch des Beschuldigten von diesem Tatvorwurf beantragt (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 

S. 1; Urk. 78 S. 1).

- 36 -

4.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  erachtete  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  erstellt  (Urk. 59 

S. 29).

4.2.

Grundlagen der Beweiswürdigung/Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 59 S. 6 ff.) sowie auf die vorstehen-

den Erwägungen verwiesen werden (E. 1.2.).

4.3.

Beschuldigter

4.3.1. Der Beschuldigte bestritt im Rahmen der Untersuchung, den Privatkläger 1 

von ca. November 2021 bis ca. Februar 2022 insgesamt ca. sechs bis dreizehn Mal 

beauftragt zu haben, ihm Marihuana für jeweils ca. Fr. 50.– nach Hause zu bringen 

(Urk. 3/3 F/A 30). Bezüglich der zusammengefassten Aussagen des Beschuldigten 

in der Untersuchung zum vorliegenden Anklagepunkt kann zur Vermeidung unnö-

tiger Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil 

verwiesen werden (Urk. 59 S. 27). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-

lung hielt der Beschuldigte an seinem Bestreiten fest, verweigerte aber die Aussa-

gen zur Sache (Prot. I S. 11) und reichte stattdessen einen als Schlusswort zu den 

Akten genommenen eigenen Parteivortrag ins Recht, worin er sein Bestreiten sämt-

licher Anklagepunkte bekräftigte (Urk. 47). Im Rahmen der Berufungsverhandlung 

vom  13. November  2024  führte  der  Beschuldigte  aus,  er  habe  maximal  zweimal 

zum Privatkläger 1 gesagt, wenn er sowieso etwas hole, solle er ihm auch etwas 

Kleines  mitbringen.  Er  habe  nie  gesagt:  "B._____,  geht  bitte."  Oder:  "Hol  mir  et-

was." Ins Spital Triemli habe der Privatkläger 1 ihm nie Gras gebracht. Der Privat-

kläger 1 habe ihn angerufen und gefragt: "Papi, brauchst du etwas, wenn du nach-

hause kommst?" Er habe ihm geantwortet: "Ja, das wäre vielleicht nicht schlecht 

gegen die Schmerzen." Aber er habe ihm kein Gras ins Spital gebracht. Am Morgen 

vor der Operation sei der Privatkläger 1 mit ihm ins Spital gekommen. Er sei alleine 

mit dem Taxi nachhause gefahren. Währendem er im Spital gewesen sei, habe er 

weder von seiner Frau, seinen Kindern noch sonst jemandem Besuch bekommen 

- 37 -

(Prot. II S. 33 f.). In der Folge führte der Beschuldigte aus, der Privatkläger 1 habe 

im Zeitraum, als er zu ihm und der Privatklägerin 2 gezogen sei, Amphetamine und 

Ecstasy konsumiert. Er habe bei ihnen wohnen wollen, weil die Mutter des Privat-

klägers 1 immer sein Zimmer durchsucht habe. Der Privatkläger 1 sei zwei- oder 

dreimal nachhause gekommen und im Wohnzimmer in der dunkelsten Ecke geses-

sen. Beim Nachschauen habe er riesige Pupillen gehabt, was nicht vom Alkohol 

oder vom Kiffen gekommen sei. Die Privatklägerin 2 habe dem Privatkläger 1 auch 

ohne sein Wissen Elvanse, ein ADHS-Medikament, das auf Amphetamin aufgebaut 

sei, gegeben. Im Gegensatz zur Privatklägerin 2 sei er strenger gewesen. Das sei 

seine  Erklärung,  weswegen  der  Privatkläger 1  bei  der  Privatklägerin 2  geblieben 

sei (Prot. II S. 34 f.).

4.3.2.

Im Rahmen seiner polizeilichen Einvernahme vom 22. Februar 2022 führte 

der  Beschuldigte  selbst  aus,  dem  Privatkläger 1  gesagt  zu  haben,  er  solle  ihm, 

wenn er das nächste Mal Marihuana kaufen gehe, auch etwas mitbringen. Er könne 

sich  nicht  daran  erinnern,  je  wütend  geworden  zu  sein,  wenn  der  Privatkläger 1 

diesem  Wunsch  nicht  nachgekommen  sei  (Urk. 3/1  F/A 23  f.).  Dies  bestätigte  er 

sinngemäss  anlässlich  der  Berufungsverhandlung,  auch  wenn  er  die  Anzahl  sol-

cher Fälle auf lediglich noch zwei oder drei herunterstufte, was nicht zu überzeugen 

vermag. Trotz seines Bestreitens war er mithin zumindest teilweise geständig, in-

dem er eingestand, seinen 15- bzw. 16-jährigen Sohn zum Mitbringen von Marihu-

ana aufgefordert zu haben. Lediglich die Drucksituation für den Sohn in Form der 

manifestierten Wut bei Nichtfolgeleistung des Wunsches – also die Intensität der 

Aufforderung – bestritt er anlässlich der tatnahen Einvernahme einzig mit fehlender 

Erinnerung, während er sich anlässlich der Berufungsverhandlung plötzlich sicher 

sein wollte, nie solchen Druck auf den Privatkläger 1 ausgeübt zu haben. Soweit 

sich der Beschuldigte selbst belastete, sind seine Aussagen jedenfalls als glaubhaft 

zu bezeichnen. Hinsichtlich der Aussagen, wonach der Privatkläger 1 härtere Dro-

gen wie Amphetamine und Ecstasy konsumiert habe, was der Grund gewesen sei, 

weswegen jener bei ihnen beiden und schliesslich bei der Privatklägerin 2 alleine 

habe wohnen wollen, weil diese weniger streng als er dagegen eingeschritten sei, 

ist auffallend, dass der Beschuldigte jene Erklärung anlässlich der Berufungsver-

handlung  erstmals  im  gesamten  Verfahren  nach  rund  zweieinhalb  Jahren  vor-

- 38 -

brachte, nachdem er offenbar im "I._____" vom portraitieren Fall eines 18-jährigen 

Mannes namens "H._____" gelesen hatte, der gemäss Interview im besagten Ma-

gazin  wegen  des  Konsums  von  Ecstasy  bei  der  leiblichen  Mutter  aus-  und  beim 

Vater und dessen neuen Partnerin eingezogen war (Urk. 79/8 S. 15, 30). Dass es 

sich beim dort portraitierten "H._____" tatsächlich wie vom Beschuldigten vermutet 

um den Privatkläger 1 handelt, bestätigte dieser anlässlich der Berufungsverhand-

lung vom 11. Juni 2025 (Prot. II S. 52). Der Umstand, dass der Beschuldigte den 

damaligen Konsum von Amphetaminen und Ecstasy durch den Privatkläger 1 erst 

anlässlich der Berufungsverhandlung und nach Lesens des besagten Magazins er-

wähnte, spricht jedenfalls deutlich gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen, wo-

nach jener mutmassliche Konsum auch härterer Drogen durch den Privatkläger 1 

ein  Grund  für  das  gemeinsame  Konsumieren  von  Cannabis  zusammen  mit  dem 

damals noch minderjährigen Privatkläger 1 gewesen wäre. Mithin ist auch hinsicht-

lich der dem Beschuldigten vorgeworfenen Betäubungsmittelvergehen eine nach-

geschobene Schutzbehauptung und damit ein Lügensignal in seinen Aussagen zu 

konstatieren. 

4.4.

Privatkläger 1

4.4.1. Hinsichtlich der Interessenlage des Privatklägers 1 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.4.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist beim Privatkläger 1 nicht 

ersichtlich. 

4.4.2. Bezüglich  der  zusammengefassten  Aussagen  des  Privatklägers 1  in  der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 28). Im Rahmen seiner Einvernahme als Auskunftsper-

son im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte der Privatkläger 1 zum vorlie-

gend  zu  prüfenden  Anklagepunkt  aus,  der  Cannabiskonsum  sei  im  Alter  von  11 

oder 12 Jahren das erste Mal ein Thema gewesen. Der Beschuldigte habe ihm ge-

sagt, er solle es ihm mitteilen, falls er das jemals ausprobieren wolle. So habe es 

dann angefangen und der Beschuldigte habe von ihm verlangt, dass er manchmal 

- 39 -

auch für ihn Cannabis holen gehe. Der Beschuldigte habe ihn geschickt, wenn er 

ohnehin etwas für sich geholt habe aber auch, um etwas für ihn zu holen. Er habe 

somit Cannabis für sich und den Beschuldigten nachhause gebracht. Auch der Be-

schuldigte  habe  Cannabis  nachhause  gebracht  (Prot.  II  S. 58).  Es  sei  mehrmals 

vorgekommen,  dass  der  Beschuldigte  ihm  gesagt  habe,  er  solle  Marihuana  für 

Fr. 50.– beschaffen bzw. nachhause bringen. Zu diesem Zeitpunkt sei es normal 

gewesen, etwas zu holen. Aber irgendwann habe es dann ein Ausmass angenom-

men, dass er dem Beschuldigten einfach Sachen habe bringen müssen, beispiels-

weise habe er ihm nach der Operation an der Bandscheibe Sachen ins Spital brin-

gen sollen, was er daraufhin auch getan habe. Dies sei ihm zu weit gegangen und 

ziemlich  unangenehm  gewesen.  Als  der  Beschuldigte  im  Krankenbett  begonnen 

habe, einen Joint zu bauen, habe er dem Beschuldigten gesagt, dies sei keine gute 

Idee. Dieser habe das dann einfach abgewiesen und so habe er nichts sagen kön-

nen (Prot. II S. 63 f.). 

4.4.3. Die Aussagen des Privatklägers 1 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. Insbesondere schilderte er, er habe ca. sechs bis dreizehn Mal für 

den  Beschuldigten  Marihuana  für jeweils  Fr. 50.–  gekauft. Lebensnah und nach-

vollziehbar schilderte er die Wut und Enttäuschung des Beschuldigten, wenn er ihm 

nichts mitgebracht habe, so dass er Druck verspürt habe, dem Beschuldigten Ma-

rihuana zu verschaffen. Ebenso nachvollziehbar schilderte er seine Emotionen, in-

dem es ihm unangenehm gewesen sei, das Marihuana auf sich zu tragen, weil er 

keine Lust gehabt habe, in eine Kontrolle zu kommen, wobei man das Ganze vor 

der Privatklägerin 2 habe verheimlichen müssen. Für die Richtigkeit der Schilde-

rungen des Privatklägers 1 spricht zudem, dass er sich selbst damit belastete, in-

dem  er  selber  in  ein  Strafverfahren  durch  die  Jugendanwaltschaft  kam  und  von 

dieser nach eigenen Angaben einen Verweis erhielt. Schliesslich ist zu bemerken, 

dass sich seine Aussagen im Wesentlichen mit denjenigen der Privatklägerin 2 und 

in weiten Teilen – mit Ausnahme des ausgeübten Drucks durch manifestierte Wut 

– auch mit den früheren, tatnahen Aussagen des Beschuldigten zu diesem Ankla-

gepunkt decken. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 78 S. 9) vermögen 

die im fraglichen Interview erwähnten Schilderungen die Glaubwürdigkeit des Pri-

- 40 -

vatklägers 1 und die Glaubhaftigkeit dessen Aussagen nicht in relevanter Weise in 

Zweifel zu ziehen. Ein unmittelbarer Konnex zwischen dem Konsum von Amphet-

aminen  und  Ecstasy  durch  den  Privatkläger 1  einerseits  sowie  dem  Erwerb  und 

dem gemeinsamen Konsum von Cannabis andererseits ist denn auch nicht ersicht-

lich. Selbst wenn der Privatkläger 1 vor dem Auszug bei der leiblichen Mutter und 

dem  Einzug  beim  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin 2  als  seiner  Stiefmutter 

nebst Alkohol und Cannabis auch bisweilen Amphetamine und Ecstasy konsumiert 

hatte und dies auch danach tat, so spricht das nicht gegen die Richtigkeit seiner 

Aussagen zum gemeinsamen Konsum mit dem Beschuldigten und der gelegentli-

chen Aufforderung des Beschuldigten an den Privatkläger 1, ihm Cannabis mitzu-

bringen, wenn er selbst solches kaufe, wodurch sich der Privatkläger 1 gemäss wie 

erwähnt lebensnah geschildertem Bekunden unter Druck gesetzt fühlte.

4.4.4. Die  Aussagen  des  Privatklägers 1  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  sind 

insgesamt als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

4.5.

Privatklägerin 2

4.5.1. Bezüglich der Interessenlage der Privatklägerin 2 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.5.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist bei der Privatklägerin 2 

nicht ersichtlich.

4.5.2. Hinsichtlich der zusammengefassten Aussagen der Privatklägerin 2 in der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 28). Im Rahmen ihrer Einvernahme als Auskunftsperson 

im  Berufungsverfahren  vom  11.  Juni  2025  führte  die  Privatklägerin 2  zum  vorlie-

gend zu prüfenden Anklagepunkt aus, der Privatkläger 1 habe ihr davon erzählt, 

dass er für den Beschuldigten Gras gekauft habe. Sie habe nichts davon gewusst. 

Der Privatkläger 1 habe ihr nicht erzählt, dass er für sich selber Gras gekauft hatte. 

Dies sei auch nicht Thema gewesen. Das Thema sei das Verheimlichen gewesen. 

Es sei darum gegangen, ob der Beschuldigte aufgehört habe zu kiffen. Dies habe 

er  nicht  getan,  wie  sie  im  Nachhinein  erfahren  habe,  obwohl  er  es  versprochen 

- 41 -

habe. Im Nachhinein – nach dem Vorfall in G._____ – habe sie erfahren, dass der 

Privatkläger 1  dem  Beschuldigten  habe  Cannabis  ins  Spital  bringen  müssen 

(Prot. II S. 83 f.). 

4.5.3. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen, wobei sich diese angesichts des Verheimlichens der betreffenden Er-

eignisse durch den Beschuldigten und den Privatkläger 1 vor ihr darin erschöpfen, 

dass sie nachträglich die Aussagen des Privatklägers 1 bestätigte.

4.5.4. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

4.6.

Fazit äusserer Sachverhalt

Basierend auf den glaubhaften und überzeugenden Aussagen des Privatklägers 1 

sowie des teilweisen Geständnisses des Beschuldigten und der Aussagen der Pri-

vatklägerin 2 ist der äussere Sachverhalt erstellt, wobei mit der Vorinstanz von der 

Mindestanzahl  an  erfolgten  Anstiftungen  von  sechs  Mal  auszugehen  ist  (Urk. 59 

S. 29). 

4.7.

Fazit innerer Sachverhalt

Der Beschuldigte handelte sowohl wissentlich wie auch willentlich, wobei ihm be-

wusst  war,  dass  der  Privatkläger 1  ihn  nicht  wütend  machen  oder  enttäuschen 

wollte und er ihm daher umso eher Marihuana mitbringen würde. Der diesbezügli-

che innere Sachverhalt ist somit erstellt. 

- 42 -

5.

Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehr-

fache  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  durch  gemeinsamen 

Konsum mit dem Privatkläger 1

5.1.

Ausgangslage

5.1.1. Anklagevorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, von ca. August 2021 bis ca. 

Oktober 2021 in seiner Wohnung an der J._____-strasse 1 in … Zürich mit seinem 

minderjährigen Sohn, dem Privatkläger 1, jeweils ca. sechs Mal pro Woche Mari-

huana durch Rauchen konsumiert zu haben, wobei er dem Privatkläger 1 das Ma-

rihuana zumindest zugänglich gemacht habe (Urk. 20 S. 4 f.).

5.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der Beschuldigte anerkennt den Anklagevorwurf bezüglich des Eigenkonsums von 

Marihuana (Urk. 3/1 F/A 25 f.). In der Untersuchung bestritt er indessen, von ca. 

August 2021 bis ca. Oktober 2021 in seiner Wohnung an der J._____-strasse 1 in 

… Zürich mit seinem minderjährigen Sohn, dem Privatkläger 1, jeweils ca. 6 Mal 

pro  Woche  Marihuana  durch  Rauchen  konsumiert  zu  haben  (Urk. 3/3  S. 10).  Im 

Rahmen der Berufungsverhandlung vom 13. November 2024 räumte er dann einen 

gemeinsamen  Konsum  mit  dem  Privatkläger 1  ein  (Prot. II  S. 35  f.).  Seitens  der 

Verteidigung wird ein Freispruch des Beschuldigten vom Tatvorwurf des gemein-

samen Konsums mit dem Privatkläger 1 beantragt, während hinsichtlich des Über-

tretungstatbestands  ein  Schuldspruch  beantragt  wird,  auch  wenn  der 

vorinstanzliche  Schuldspruch  betreffend  die  Übertretung  formell  mitangefochten 

wird (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

5.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  erachtete  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  erstellt  (Urk. 59 

S. 32).

- 43 -

5.2.

Grundlagen der Beweiswürdigung/Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 59 S. 6 ff.) sowie auf die vorstehen-

den Erwägungen verwiesen werden (E. 1.2.).

5.3.

Beschuldigter

5.3.1. Der Beschuldigte bestritt in der Untersuchung, von ca. August 2021 bis ca. 

Oktober 2021 in seiner Wohnung an der J._____-strasse 1 in … Zürich mit seinem 

minderjährigen Sohn, dem Privatkläger 1, jeweils ca. 6 Mal pro Woche Marihuana 

durch Rauchen konsumiert zu haben (Urk. 3/3 S. 10). Detaillierte Aussagen machte 

der Beschuldigte damals keine dazu. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte 

der Beschuldigte dann aus, der Privatkläger 1 habe ihm zweimal Gras gebracht, 

das er aus seiner Zeit als Jugendlicher gekannt und geliebt habe. Selbst habe er 

nur Hasch geraucht, während der Privatkläger 1 Gras geraucht habe. Er habe sich 

gedacht, geil, wir rauchen das zusammen. Der Privatkläger 1 sei von sich aus ge-

kommen und habe gesagt: "Papi, schau, ich habe einen Joint mit dem und dem." 

Er habe gedacht: "Wow, nach 20 oder 30 Jahre hast du das zum ersten Mal wie-

der." Der Privatkläger 1 habe gesagt, er habe noch mehr und gefragt, ob er ihm 

auch etwas bringen solle. Und so habe er ihm etwas gebracht. Der Privatkläger 1 

hätte sowieso gekifft. Er habe ihm gesagt: "B._____, wenn du kiffst, dann kiffe zu-

hause."  Der  Privatkläger 1  sei  auf  Lehrstellensuche  gewesen.  Er  habe  gesagt: 

"Wenn du zuhause kiffst, hast du keinen Ärger mit der Polizei. Du suchst eine Lehr-

stelle und jeder Eintrag ist schlecht. Wenn du kiffst, dann kiff zuhause." Der Privat-

kläger 1 hätte so oder so gekifft. Wenn er – der Beschuldigte – am Abend auf dem 

Balkon gewesen sei und geraucht habe, als die anderen Kinder geschlafen hätten 

und der Privatkläger 1 mit einem Joint rausgekommen sei, den er im Zimmer ge-

dreht habe, seien sie nebeneinander gesessen und hätten miteinander geraucht. 

Jeder habe seinen Joint geraucht. Der Privatkläger 1 habe gefragt: "Papi, darf ich 

mal von deinem probieren?" So hätten sie auch mal getauscht. Der Privatkläger 1 

hätte es so oder so gemacht. So habe er wenigstens etwas die Kontrolle gehabt, 

wieviel und was er rauche (Prot. II S. 35 f.).

- 44 -

5.3.2. Während der Beschuldigte in der Untersuchung einen gemeinsamen Kon-

sum von Cannabis mit dem Privatkläger 1 noch bestritt, gestand er dies im Rahmen 

der  Berufungsverhandlung  mithin  im  Grundsatz  zu,  auch  wenn  er  sich  nicht  zur 

Anzahl solcher Fälle äusserte. Anzumerken ist, dass er dieses Teilgeständnis im 

Zusammenhang damit machte, dass er den Vorwurf zu entkräften versuchte, den 

Privatkläger 1 aufgefordert zu haben, ihm Cannabis mitzubringen, wenn er selbst 

welches kaufe. Wie vorstehend dargelegt, vermögen jene Aussagen keineswegs 

zu überzeugen (E. 4.3.2.). Soweit der Beschuldigte sich selbst belastete, sind seine 

Aussagen indessen als durchaus glaubhaft zu qualifizieren, zumal nicht anzuneh-

men ist, dass er sich selbst falsch belasten würde, wobei anzumerken ist, dass er 

hierbei auch mit den Aussagen des Privatklägers 1 im Grundsatz übereinstimmte, 

auch  wenn  jener  von  einer  grösseren  Anzahl  gemeinsamer  Konsumhandlungen 

ausging. 

5.4.

Privatkläger 1

5.4.1. Hinsichtlich der Interessenlage des Privatklägers 1 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.4.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist beim Privatkläger 1 nicht 

ersichtlich. 

5.4.2. Bezüglich  der  zusammengefassten  Aussagen  des  Privatklägers 1  in  der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 31). Im Rahmen seiner Einvernahme als Auskunftsper-

son im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte der Privatkläger 1 zum vorlie-

gend zu prüfenden Anklagepunkt aus, der Konsum von Cannabis sei bei ihm im 

Alter von 11 oder 12 Jahren das erste Mal ein Thema gewesen. Der Beschuldigte 

habe ihm gesagt, wenn er das jemals ausprobieren wolle, solle er ihm das mitteilen, 

damit es ein gesunder Rahmen sei. Er sei dem Beschuldigten gegenüber relativ 

offen gewesen, da er nicht das Gefühl gehabt habe, dass dieser ihn dafür verurteile 

oder es deswegen negative Konsequenzen geben würde. So habe es dann ange-

fangen (Prot. II S. 58). Als klar gewesen sei, dass er ein Drogenproblem habe, habe 

- 45 -

es  die  Privatklägerin 2  viel  weniger  toleriert  und  sie  –  er  und  der  Beschuldigte  – 

hätten angefangen, es zu verstecken versuchen und hinter ihrem Rücken zu kon-

sumieren (Prot. II S. 59). 

5.4.3. Die Aussagen des Privatklägers 1 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen. So führte er aus, im betreffenden Zeitraum jeweils abends vor dem 

Schlafen Marihuana mit dem Beschuldigten geraucht zu haben, wobei das sechs 

Mal pro Woche erfolgt sei. Dabei belastete er den Beschuldigten nicht übermässig, 

indem er ausführte, der Beschuldigte habe ihm zwar angeboten, jeweils gemein-

sam Marihuana zu rauchen, letztlich habe aber häufig jeder für sich gekifft. Für die 

Richtigkeit der Schilderungen des Privatklägers 1 spricht zudem wiederum, dass er 

sich selbst damit belastete, indem er selber in ein Strafverfahren durch die Jugend-

anwaltschaft  kam  und  von  dieser  nach  eigenen  Angaben  einen  Verweis  erhielt. 

Schliesslich ist zu bemerken, dass sich seine Aussagen im Wesentlichen mit den-

jenigen der Privatklägerin 2 decken, auch wenn diese, wie nachfolgend darzulegen 

ist,  keine  detaillierten  Aussagen  bezüglich  des  Konsums  des  Beschuldigten  und 

des Privatklägers 1 machen konnte, nachdem jene den Konsum vor ihr zu verheim-

lichen versuchten. Schliesslich spricht auch der Umstand, dass der Beschuldigte 

im Rahmen der Berufungsverhandlung einen mehrfachen gemeinsamen Konsum 

im Grundsatz anerkannte, für die Richtigkeit der Schilderungen des Privatklägers 1. 

5.4.4. Die Aussagen des Privatklägers 1 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

5.5.

Privatklägerin 2

5.5.1. Bezüglich der Interessenlage der Privatklägerin 2 kann auf die vorstehen-

den  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 1.5.1.).  Ein  eigentlicher  Grund,  den  Be-

schuldigten wider besseres Wissen falsch zu belasten, ist bei der Privatklägerin 2 

nicht ersichtlich.

5.5.2. Hinsichtlich der zusammengefassten Aussagen der Privatklägerin 2 in der 

Untersuchung  zum  vorliegenden  Anklagepunkt  kann  zur  Vermeidung  unnötiger 

- 46 -

Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 32). Im Rahmen ihrer Einvernahme als Auskunftsperson 

im Berufungsverfahren vom 11. Juni 2025 führte die Privatklägerin 2 aus, der Pri-

vatkläger 1  habe  Pillen  an  Partys  konsumiert,  was  man  ihm  angemerkt  habe 

(Prot. II S. 77 f.). Einen gemeinsamen Marihuana-Konsum des Beschuldigten und 

des Privatklägers 1 thematisierte sie anlässlich ihrer Befragung nicht bzw. wurde 

sie hierzu auch nicht weiter befragt, da sie erneut angab, erst im Nachhinein davon 

erfahren zu haben (Prot. II S. 84). 

5.5.3. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zum vorliegenden Anklagepunkt erfolg-

ten plausibel, lebensnah geschildert, in sich schlüssig und frei von relevanten Wi-

dersprüchen, wobei sich diese angesichts des Verheimlichens der betreffenden Er-

eignisse durch den Beschuldigten und den Privatkläger 1 vor ihr wiederum darin 

erschöpfen, dass sie nachträglich die Aussagen des Privatklägers 1 bestätigte. In-

dem sie darlegte, dass der Beschuldigte ihrer Ansicht nach mit dem gemeinsamen 

Konsum habe sicherstellen können, dass der Privatkläger 1 nichts sagen würde, 

da er selbst keine Toleranz betreffend den Konsum von Marihuana bei ihr gehabt 

habe (Urk. 4/2 F/A 29 f.), vermochte sie ein plausibles Motiv des Beschuldigten dar-

zulegen, weshalb dieser überhaupt gemeinsam mit seinem minderjährigen Sohn 

Cannabis konsumierte.

5.5.4. Die Aussagen der Privatklägerin 2 zu diesem Anklagepunkt sind insgesamt 

als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

5.6.

Fazit äusserer Sachverhalt

Basierend auf den glaubhaften und überzeugenden Aussagen des Privatklägers 1 

und  den  diese  stützenden  Aussagen  der  Privatklägerin 2  sowie  hinsichtlich  des 

Konsums auch basierend auf dem vollumfänglichen Geständnis des Beschuldigten 

und bezüglich des gemeinsamen Konsums auf dem Teilgeständnis des Beschul-

digten ist der äussere Sachverhalt erstellt. 

- 47 -

5.7.

Fazit innerer Sachverhalt

Der Beschuldigte handelte sowohl wissentlich wie auch willentlich. Der diesbezüg-

liche innere Sachverhalt ist somit erstellt. 

6.

(Mehrfacher) Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen

6.1.

Ausgangslage

6.1.1. Anklagevorwürfe

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten – soweit das im Rahmen des Be-

rufungsverfahrens noch von Relevanz ist – vor, dass er im Zeitraum vom 22. Fe-

bruar  2022  bis  10. März  2022  in  Kenntnis  der  Verfügung  der  Stadtpolizei  Zürich 

vom 22. Februar 2022, wonach ihm nebst der Wegweisung aus der Wohnung und 

dem  Betretverbot  ein  Kontaktverbot  auferlegt  worden  sei,  gemäss  welchem  ihm 

jegliche  Kontaktaufnahme  zur  Privatklägerin 2,  zum  Privatkläger 1  sowie  zu  den 

gemeinsamen  Kindern  L._____  und  M._____  untersagt  worden  sei  und  welche 

Verfügung  mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  Zürich  am  8. März  2022  bis  am  8. Mai 

2022 verlängert worden sei, wissentlich und willentlich dagegen verstossen habe, 

indem  er  mehrfach  durch  WhatsApp-Nachrichten  mit  der  Privatklägerin 2  am 

9. März 2022, ab 01.14 Uhr, Kontakt aufgenommen habe (Urk. 20 S. 5).

6.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der Beschuldigte bestreitet, in Kenntnis der Verfügung der Stadtpolizei Zürich vom 

22. Februar 2022 (Wegweisung, Rayon- und Kontaktverbot) gegen die GSG-Aufla-

gen verstossen zu haben, indem er am 9. März 2022 mehrfach die Privatklägerin 1 

via WhatsApp kontaktiert habe (Urk. 3/3 S. 10; Prot. II S. 37 f.). Seitens der Vertei-

digung wurde der Sachverhalt bezüglich dieser Kontaktaufnahmen nicht bestritten, 

aber beantragt, von einer Bestrafung abzusehen, weil Schuld und Tatfolgen gering-

fügig gewesen seien (Urk. 61 S. 4; Urk. 78 S. 9 f.).

- 48 -

6.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  sprach  den  Beschuldigten  von  zwei  weiteren  ihm  vorgeworfenen 

Varianten der Kontaktaufnahme frei, was unangefochten geblieben ist, weswegen 

vorliegend nicht mehr darauf einzugehen ist (Urk. 59 S. 35 und 37). Den vorliegend 

noch zu prüfenden Sachverhalt erachtete sie indessen als erstellt (Urk. 59 S. 35 f.).

6.2.

Grundlagen der Beweiswürdigung/Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 59 S. 6 ff.) sowie auf die vorstehen-

den Erwägungen verwiesen werden (E. 1.2.). Ergänzend ist zu bemerken, dass als 

Beweismittel  vorliegend  ein  in  den  Akten  liegender  Screenshot  der  WhatsApp-

Nachrichten entscheidend ist (Urk. 8/2). Im Rahmen des Berufungsverfahrens wur-

den zudem die Akten des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirksgerichts Zürich 

(Urk. 83) und der Stadtpolizei Zürich (Urk. 84) bezüglich der gegen den Beschul-

digten erlassenen GSG-Massnahmen beigezogen. 

6.3. Würdigung

6.3.1. Mit Verfügung der Stadtpolizei Zürich wurden am 22. Februar 2022 Gewalt-

schutzmassnahmen gegen den Beschuldigten angeordnet, die mit Verfügung des 

Zwangsmassnahmengerichts Zürich vom 3. März 2022 provisorisch und mit Urteil 

des  Zwangsmassnahmengerichts  Zürich  vom  8. März 2022  definitiv  bis 

8. Mai 2022  verlängert  wurden  (Urk. 9/1;  Urk. 9/7;  Urk. 18/7;  Urk. 83/2-4).  Dabei 

wurde dem Beschuldigten unter Strafandrohung von Art. 292 StGB unter anderem 

verboten, mit der Privatklägerin 2 Kontakt aufzunehmen. Bei der polizeilichen Ver-

fügung vom 22. Februar 2022 sowie bei der Verfügung und dem Urteil des Zwangs-

massnahmengerichts Zürich vom 3. März 2022 bzw. vom 8. März 2022 handelt es 

sich zweifelsfrei um amtliche Verfügungen von einer zuständigen Behörde gegen-

über  dem  Beschuldigten.  Die  Verfügungen  enthalten  unter  anderem  das  Verbot, 

die  Privatklägerin 2  und  weitere  Personen  zu  kontaktieren.  Die  Verfügung  der 

Stadtpolizei Zürich vom 22. Februar 2022 wurde dem Beschuldigten gleichentags 

ausgehändigt, was er unterschriftlich auf dem Aktenexemplar bestätigte (Urk. 84/1 

- 49 -

S. 5). Den Empfangsschein bezüglich des Urteils des Zwangsmassnahmengerichts 

Zürich  vom  8. März  2022  unterzeichnete  der  Beschuldigte  am  9. März  2022 

(Urk. 83/8).

6.3.2. Dem  Screenshot  der  WhatsApp-Nachrichten  ist  zu  entnehmen,  dass  der 

Beschuldigte  die  Privatklägerin 2  am  9. März 2022  kontaktierte  und  ihr  mitteilte, 

dass  er  gleichentags  um  10.00 Uhr  die  Post  abholen  komme  (Urk. 8/2).  Der  Be-

schuldigte verstiess mithin gegen das Kontaktverbot, indem er die Privatklägerin 2 

am 9. März 2022 via WhatsApp während des bestehenden Kontaktverbots kontak-

tierte, was von der Verteidigung zu Recht auch nicht bestritten wird (Urk. 42 S. 7; 

Urk. 78 S. 9 f.). Der äussere Sachverhalt ist somit erstellt.

6.3.3. Hinsichtlich des inneren Sachverhalts ist anzumerken, dass der Beschul-

digte  vom  Kontaktverbot  grundsätzlich  Kenntnis  hatte.  Auf  entsprechende  Frage 

führte er aus, als er der Privatklägerin 2 am 9. März 2022 geschrieben habe, habe 

er gedacht, das Kontaktverbot sei abgelaufen, so dass er wieder habe schreiben 

können. Er habe nicht gedacht, dass das Kontakt- und Rayonverbot noch bestehe, 

als er der Privatklägerin 2 am 9. März 2022 geschrieben habe. Dann sei das Kon-

taktverbot weitergeführt worden und er habe nicht mehr schreiben können (Prot. II 

S. 38). Diese Aussagen erweisen sich als glaubhaft. Das Kontakt- und Rayonverbot 

gegenüber der Privatklägerin 2 wurde mit Verfügung der Stadtpolizei Zürich vom 

22. Februar 2022 bis und mit 8. März 2022 angeordnet (vgl. Urk. 9/1) und mit Ver-

fügung des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirksgerichts Zürich vom 3. März 

2022 bis zum definitiven Entscheid des Gerichts verlängert (vgl. Urk. 9/4), wobei 

der Erhalt dieser Verfügung durch den Beschuldigten nicht aktenkundig ist. Da das 

Urteil des Zwangsmassnahmengerichts vom 8. März 2022 (Urk. 9/7) dem Beschul-

digten erst am 9. März 2022 mittels Empfangsschein in die PUK zugestellt wurde 

(Urk. 83/8) und es somit an einer Zeitangabe der Entgegennahme mangelt, kann 

nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte vor dem Versand der Nachricht an die 

Privatklägerin 2 am 9. März 2022 Kenntnis der Verfügung vom 3. März 2022 bzw. 

des Urteils vom 8. März 2022 und damit der Verlängerung des Kontaktverbots er-

langt hatte. Der Beschuldigte ist somit im Hinblick auf die WhatsApp-Nachrichten 

- 50 -

vom 9. März 2022 an die Privatklägerin 2 mangels Vorsatz vom Vorwurf des Unge-

horsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB freizusprechen.

III. Rechtliche Würdigung

1.

Versuchte einfache Körperverletzung zum Nachteil der Privatklägerin 2 

1.1.

Ausgangslage

1.1.1. Staatsanwaltschaft

Die Anklagebehörde würdigt den diesbezüglichen Sachverhalt als versuchte einfa-

che Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Urk. 20 S. 2 f. und S. 6).

1.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Die Verteidigung beantragt namens des Beschuldigten einen Freispruch von die-

sem Anklagevorwurf (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

1.1.3. Vorinstanz

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der versuchten einfachen Körperverlet-

zung  im  Sinne  von  Art. 123  Ziff. 2  Abs. 4  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1 

StGB schuldig (Urk. 59 S. 15).

1.2.

Grundlagen

Bezüglich der rechtlichen Grundlagen des Tatbestands der (versuchten) einfachen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf 

die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 59 

S. 9 f.).

- 51 -

1.3.

Subsumtion

1.3.1. Objektiver Tatbestand

In objektiver Hinsicht hob der Beschuldigte gemäss erstelltem Sachverhalt seine 

Arme,  die  Walkingstöcke  haltend,  über  seinen  Kopf,  um  damit  in  Richtung  des 

Kopfs der Privatklägerin 2 zu schlagen, wobei der Privatkläger 1 dazwischen ging, 

ihn am Arm hielt und dadurch die Verabreichung des Schlags gegen die Privatklä-

gerin 2 vereitelte. Die Walkingstöcke wären ohne weiteres auch im Falle eines nicht 

sehr starken Schlages geeignet, Verletzungen der Privatklägerin 2 zu bewirken, die 

über blosse Tätlichkeiten hinausgegangen wären. Aufgrund des Ausbleibens des 

Taterfolges bei ansonsten erfüllten Tatbestandsmerkmalen liegt in objektiver Hin-

sicht  eine  versuchte  einfache  Körperverletzung  im  Sinne  von  Art. 123  Ziff. 1  und 

Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB vor. 

1.3.2. Subjektiver Tatbestand

Der Beschuldigte musste damit rechnen, dass er im Falle eines Schlags mit den 

Walkingstöcken gegen den Kopf der Privatklägerin 2 dieser entsprechende Verlet-

zungen zufügen könnte. Indem er die Walkingstöcke über die Schulter hob, um die 

Privatklägerin 2  damit  zu  schlagen,  ohne  in  diesem  Moment  der  Wut  die  Folgen 

seines Handelns zu bedenken, nahm er eine Verletzung, mit deren Eintritt er bei 

einer derartigen Vorgehensweise rechnen musste, in Kauf, womit er bezüglich des 

Zufügens einer Verletzung eventualvorsätzlich handelte.

1.3.3. Fazit

Der Beschuldigte ist somit der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schul-

dig zu sprechen.

- 52 -

2.

Drohung/Tätlichkeiten zum Nachteil des Privatklägers 1 in G._____ 

2.1.

Ausgangslage

2.1.1. Staatsanwaltschaft

Die  Anklagebehörde  würdigt  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  Drohung  im 

Sinne  von  Art. 180  Abs. 1  StGB  sowie  als  Tätlichkeiten  im  Sinne  von  Art. 126 

Abs. 1 StGB (Urk. 20 S. 3 und 6).

2.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Die Verteidigung beantragt namens des Beschuldigten einen Freispruch von die-

sen Anklagevorwürfen (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

2.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  sprach  den  Beschuldigten  der  versuchten  Drohung  im  Sinne  von 

Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und der Tätlichkeiten 

im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig (Urk. 59 S. 21).

2.2.

Grundlagen

Bezüglich der rechtlichen Grundlagen der Tatbestände der (versuchten) Drohung 

im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und der 

Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB kann zur Vermeidung unnötiger 

Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil ver-

wiesen werden (Urk. 59 S. 9 f. und 17). Ergänzend ist hinsichtlich des Tatbestands 

der  Tätlichkeiten  zu  bemerken,  dass  gemäss  älterer  Rechtsprechung  zu  dessen 

Erfüllung die Zufügung von Schmerzen verlangt wurde, was zu eng war (BGE 134 

IV 189). So stellt auch das Begiessen mit Wasser oder Sirup, das Verschmieren 

eines Stücks Patisserie im Gesicht eines anderen, das Abschneiden von Haaren, 

wenn das Aussehen verändert wird, die Zerstörung einer kunstvollen Frisur, das 

Bespritzen mit einem stinkenden Stoff, Stossen (nicht jedoch "harmlose Schubse, 

wie sie namentlich im Gedränge, etwa in Warteschlangen vor Skiliften, vorkommen 

- 53 -

können" [BGE 117 IV 14 E. 2a/cc]), Herumbugsieren, gewaltsames Eingeben von 

festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen, besonders solche, die abführen oder 

zum Husten oder Niesen reizen usw. eine Tätlichkeit dar. Es genügt also das Ver-

ursachen  eines  deutlichen  Missbehagens  (TRECHSEL/GETH,  in:  Trechsel/Pieth 

[Hrsg.],  Schweizerisches  Strafgesetzbuch,  Praxiskommentar,  4. Auflage  2021, 

Art. 126  N 2;  m.w.H.).  Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  liegt  dem-

nach eine Tätlichkeit vor, "wenn der Täter das Opfer zu Boden wirft, sich dieses 

aber nicht wehtut, weil es sich mit den Händen auffangen oder abrollen und einen 

brüsken Aufprall damit verhindern kann" (BGE 117 IV 14 E. 2a/bb).

2.3.

Subsumtion Drohung

2.3.1. Objektiver Tatbestand

In objektiver Hinsicht stellte der Beschuldigte dem Privatkläger 1 durch die Äusse-

rung, ihn kaputtzumachen, einen schweren Nachteil in Aussicht, wobei er den Ein-

tritt des Übels als von sich selbst abhängig darstellte. Im Moment der Aussage hielt 

der  Beschuldigte  den  Privatkläger 1  an  den  Oberarmen  fest  und  schüttelte  ihn 

leicht. Diese Äusserung, verbunden mit der konfliktbelasteten Familiensituation und 

vor dem Hintergrund des Streits zwischen dem Beschuldigten und dem Privatklä-

ger 1 einerseits sowie der Privatklägerin 2 andererseits war geeignet, einen 16-jäh-

rigen Jugendlichen mit durchschnittlicher Belastbarkeit in Angst und Schrecken zu 

versetzen. Der Privatkläger 1 musste grundsätzlich mit der Verwirklichung der Tat-

handlung rechnen, wobei keine Anhaltspunkte dafür vorlagen, dass die Androhung 

nicht ernst gemeint gewesen wäre. Die Äusserung des Beschuldigten, den Privat-

kläger 1 kaputtzumachen, ist damit als Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB 

zu  qualifizieren.  Der  Privatkläger 1  nahm  die  Drohung  indessen  nicht  ernst.  Er 

wurde somit aufgrund der Drohung nicht in Angst oder Schrecken versetzt, weshalb 

der Taterfolg nicht eintrat. In objektiver Hinsicht liegt demnach eine versuchte Dro-

hung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB vor.

- 54 -

2.3.2. Subjektiver Tatbestand

In  subjektiver  Hinsicht  wusste  der  Beschuldigte,  dass  seine  Äusserung  geeignet 

war, eine Person in Angst oder Schrecken zu versetzen. In jenem Moment der Wut 

aufgrund der Verhinderung des Schlags gegen die Privatklägerin 2 durch den Pri-

vatkläger 1  bedachte  er  die  Folgen  seines  Handelns  gegenüber  dem  Privatklä-

ger 1,  diesen  mittels  seiner  Äusserung  zu  ängstigen  und/oder  zu  erschrecken, 

nicht. Mit der Vorinstanz ist mithin Eventualvorsatz gegeben (vgl. Urk. 59 S. 20). 

2.3.3. Fazit

Der Beschuldigte ist somit der versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

2.4.

Subsumtion Tätlichkeiten

Das Packen des Privatklägers 1 an den Oberarmen und Schütteln durch den Be-

schuldigten  präsentiert  sich  gemäss  erstelltem  Sachverhalt  gewissermassen  als 

Unterstreichung der Drohung durch den Beschuldigten. Für sich alleine betrachtet 

– mithin ohne die gleichzeitige strafbare Äusserung – dürfte es für den Privatklä-

ger 1 als Reaktion des Beschuldigten auf dessen Eingreifen zugunsten der Privat-

klägerin 2 kaum in relevanter Weise beeindruckend gewesen sein. Vergleicht man 

das diesbezügliche Vorgehen des Beschuldigten mit gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung und herrschender Lehre unter den Tatbestand der Tätlichkeiten 

zu subsumierenden Handlungen, so erscheint das Tathandeln des Beschuldigten 

doch von deutlich geringerer Wirkungsintensität für das Opfer. Ein deutliches Miss-

behagen für den Privatkläger 1 alleine aufgrund des Packens an den Oberarmen 

und Schüttelns ergibt sich aufgrund des erstellten Sachverhalts jedenfalls nicht. Ein 

über  die  versuchte  Drohung  hinausreichender  Unrechtsgehalt  im  Sinne  einer 

Rechtsgutsverletzung für den Privatkläger 1 ist darin nicht zu sehen. Der Beschul-

digte ist daher vom Vorwurf der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB 

freizusprechen.

- 55 -

3.

Drohung zum Nachteil des Privatklägers 1 in der Familienwohnung 

3.1.

Ausgangslage

3.1.1. Staatsanwaltschaft

Die  Anklagebehörde  würdigt  den  diesbezüglichen  Sachverhalt  als  Drohung  im 

Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Urk. 20 S. 3 f. und 6).

3.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Die Verteidigung beantragt namens des Beschuldigten einen Freispruch von die-

sem Anklagevorwurf (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

3.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  sprach  den  Beschuldigten  der  versuchten  Drohung  im  Sinne  von 

Art. 180  Abs. 1  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB  schuldig  (Urk. 59 

S. 25).

3.2.

Grundlagen

Bezüglich der rechtlichen Grundlagen des Tatbestands der (versuchten) Drohung 

im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB kann zur 

Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im vor-

instanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 59 S. 17).

3.3.

Subsumtion 

3.3.1. Objektiver Tatbestand

In  objektiver  Hinsicht  stellte  der  Beschuldigte  dem  damals  16-jährigen  Privatklä-

ger 1 durch die Äusserung, sein Leben kaputtzumachen, er werde ihn bei der KESB 

melden, und er werde nicht mehr dort wohnen können, das Herausreissen aus des-

sen bisherigen Wohn- und Lebenssituation und damit einen schweren Nachteil in 

- 56 -

Aussicht, wobei er den Eintritt des Übels als von sich selbst abhängig darstellte. 

Diese Aussage, verbunden mit der konfliktbelasteten Familiensituation und vor dem 

Hintergrund des Streits zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger 1 einer-

seits sowie der Privatklägerin 2 andererseits, war geeignet, einen 16-jährigen Ju-

gendlichen mit durchschnittlicher Belastbarkeit in Angst und Schrecken zu verset-

zen. Der Privatkläger 1 musste grundsätzlich mit der Verwirklichung der Tathand-

lung rechnen, wobei keine Anhaltspunkte dafür vorlagen, dass die Androhung nicht 

ernst gemeint gewesen wäre. Die Äusserungen des Beschuldigten sind damit als 

Drohung  im  Sinne  von  Art. 180  Abs. 1  StGB  zu  qualifizieren.  Der  Privatkläger 1 

nahm die Drohung indessen nicht ernst, auch wenn er etwas schockiert und verun-

sichert war. Er wurde somit aufgrund der Drohung nicht in Angst oder Schrecken 

versetzt, weshalb der Taterfolg nicht eintrat. In objektiver Hinsicht liegt demnach 

eine  versuchte  Drohung  im  Sinne  von  Art. 180  Abs. 1  StGB  in  Verbindung  mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB vor.

3.3.2. Subjektiver Tatbestand

In subjektiver Hinsicht wusste der Beschuldigte, dass seine Äusserungen geeignet 

waren, eine Person in Angst oder Schrecken zu versetzen, insbesondere wenn es 

sich um Äusserungen des Vaters gegenüber einem 16-jährigen Jugendlichen han-

delte und diesem das Herausreissen aus seiner bisherigen Wohn- und Lebenssi-

tuation in Aussicht gestellt wurde. In jenem Moment der Wut aufgrund der Verwei-

gerung der Umarmung durch den Privatkläger 1 wegen des zuvor ungebührlichen 

Verhaltens  des  Beschuldigten  dem  Privatkläger 1  gegenüber  entsprach  es  auch 

dem  Willen  des  Beschuldigten,  den  Privatkläger 1  mittels  seiner  Äusserung  zu 

ängstigen und/oder zu erschrecken. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist mithin 

nicht lediglich Eventualvorsatz (Urk. 59 S. 25), sondern Vorsatz gegeben. 

3.3.3. Fazit

Der Beschuldigte ist somit der versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

- 57 -

4.

Mehrfache  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  mittels  An-

stiftung des Privatklägers 1

4.1. Ausgangslage

4.1.1. Staatsanwaltschaft

Die Anklagebehörde würdigt den diesbezüglichen Sachverhalt als mehrfache An-

stiftung  zur  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  gemäss  Art. 19 

Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB (Urk. 20 S. 4 und 6).

4.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Die Verteidigung beantragt namens des Beschuldigten einen Freispruch von die-

sem Anklagevorwurf (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

4.1.3. Vorinstanz

Die  Vorinstanz  sprach  den  Beschuldigten  der  mehrfachen  Anstiftung  zur  Wider-

handlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im  Sinne  von  Art. 19  Abs. 1  lit. d 

BetmG in Verbindung mit Art. 24 StGB schuldig (Urk. 59 S. 30).

4.2. Grundlagen

Bezüglich der rechtlichen Grundlagen des Tatbestands der Anstiftung zur Wider-

handlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im  Sinne  von  Art. 19  Abs. 1  lit. d 

BetmG in Verbindung mit Art. 24 StGB kann zur Vermeidung unnötiger Wiederho-

lungen auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen wer-

den (Urk. 59 S. 26 f.).

- 58 -

4.3. Subsumtion 

4.3.1. Objektiver Tatbestand

In objektiver Hinsicht rief der Beschuldigte gemäss erstelltem Sachverhalt mittels 

der mehrfachen Aufforderungen an den Privatkläger 1, ihm Marihuana zu besor-

gen,  den  Tatentschluss  im  Privatkläger 1  hervor.  Ohne  diesbezügliche  Aufforde-

rungen  hätte  der  Privatkläger 1  nicht  wie  vom  Beschuldigten  verlangt  gehandelt, 

verspürte er doch Unbehagen dabei und Angst, in eine Kontrolle zu geraten. Auf-

grund der jeweiligen Aufforderungen des Beschuldigten kam der Privatkläger 1 die-

sen insgesamt sechs Mal nach und kaufte für den Beschuldigten Marihuana. Wenn 

die Verteidigung diesbezüglich vorbringt, der Privatkläger 1 hätte ohnehin für sich 

selbst Marihuana besorgt (Urk. 78 S. 9), ist darauf hinzuweisen, dass der Privatklä-

ger 1 vom Beschuldigten auch in Situationen beauftragt wurde, in welchen dieser 

selbst nicht an Marihuana gekommen wäre, beispielsweise als er sich aufgrund der 

Rückenoperation  im  Spital  befand,  und  den  Privatkläger 1  somit  zu  Handlungen 

veranlasste, welche er ohne seinen Einfluss nicht vorgenommen hätte, womit die 

Schwelle zur Anstiftung überschritten wurde. Der objektive Tatbestand der mehrfa-

chen Anstiftung zur Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne 

von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit Art. 24 StGB ist damit erfüllt.

4.3.2. Subjektiver Tatbestand

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte sowohl bezüglich der Herbeifüh-

rung des Tatentschlusses beim Privatkläger 1 wie auch hinsichtlich der Begehung 

der Haupttat durch diesen wissentlich, willentlich und damit vorsätzlich. 

4.3.3. Fazit

Der  Beschuldigte  ist  somit  der  mehrfachen  Anstiftung  zur  Widerhandlung  gegen 

das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung 

mit Art. 24 StGB schuldig zu sprechen.

- 59 -

5.

Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehr-

fache  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  durch  gemeinsamen 

Konsum mit dem Privatkläger 1

5.1.

Ausgangslage

5.1.1. Staatsanwaltschaft

Die Anklagebehörde würdigt den diesbezüglichen Sachverhalt als mehrfache Wi-

derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19bis BetmG so-

wie mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

BetmG (Urk. 20 S. 4 f. und 6).

5.1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Die Verteidigung beantragt namens des Beschuldigten einen Freispruch vom Ver-

gehenstatbestand, während die Übertretung durch Konsum anerkannt wird (Urk. 42 

S. 1; Urk. 61 S. 1; Urk. 78 S. 1).

5.1.3. Vorinstanz

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der mehrfachen Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19bis BetmG (Urk. 59 S. 33) und der 

mehrfachen  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  im  Sinne  von  Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (Urk. 59 S. 31) schuldig.

5.2.

Grundlagen

Bezüglich  der  rechtlichen  Grundlagen  der  Tatbestände  der  mehrfachen  Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19bis BetmG sowie 

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

BetmG kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Er-

wägungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 59 S. 30).

- 60 -

5.3.

Subsumtion mehrfache Widerhandlung

5.3.1. Objektiver Tatbestand

In objektiver Hinsicht konsumierte der Beschuldigte gemeinsam mit dem Privatklä-

ger 1  mehrfach  Marihuana,  wobei  er  ihm  dieses  gemäss  erstelltem  Sachverhalt 

auch anbot. Zwar kam die Initiative des gemeinsamen Konsums nicht vom Beschul-

digten aus, doch der gemeinsame Konsum und insbesondere das Anbieten sowie 

die jeweilige Frage, ob der Privatkläger 1 mitrauchen wolle, stellte jeweils eine Tat-

handlung dar, durch die der Privatkläger 1 – nebst selbst erworbenen Betäubungs-

mitteln – weitere Verfügungsmacht über Betäubungsmittel erhielt. Die Tathandlung 

des Zugänglichmachens von Betäubungsmitteln an eine Person unter 18 Jahren 

ist  mithin  mehrfach  gegeben,  wobei  keine  medizinische  Indikation  gegeben  war. 

Der objektive Tatbestand der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz im Sinne von Art. 19bis BetmG ist damit erfüllt.

5.3.2. Subjektiver Tatbestand

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte wissentlich, willentlich und damit 

vorsätzlich. 

5.3.3. Fazit

Der Beschuldigte ist somit der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz im Sinne von Art. 19bis BetmG schuldig zu sprechen.

5.4.

Subsumtion mehrfache Übertretung

Die rechtliche Würdigung der Anklagebehörde und der Vorinstanz (Urk. 59 S. 31) 

ist zutreffend und wird seitens der Verteidigung zu Recht anerkannt, wobei zur Ver-

meidung  unnötiger  Wiederholungen  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  im  vorin-

stanzlichen Urteil verwiesen werden kann. Der Beschuldigte ist daher der mehrfa-

chen  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  im  Sinne  von  Art. 19a  Ziff. 1 

BetmG schuldig zu sprechen.

- 61 -

6.

Zusammenfassung 

6.1.

Schuldsprüche 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte 











der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der  mehrfachen  versuchten  Drohung  im  Sinne  von  Art. 180  Abs. 1  StGB  in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen Anstiftung zur Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-

gesetz  im  Sinne  von  Art. 19  Abs. 1  lit. d  BetmG  in  Verbindung  mit  Art. 24 

StGB,

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne 

von Art. 19bis BetmG sowie 

der  mehrfachen  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  im  Sinne  von 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.

6.2.

Freisprüche 

Von den Vorwürfen der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB und des 

Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB ist der Be-

schuldigte zudem freizusprechen.

IV. Strafzumessung

1.

Ausgangslage

1.1.

Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  in  ihrer  Anklageschrift  die  Bestrafung 

des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten und einer Busse von 

Fr. 800.– (Urk. 20 S. 6). Im Rahmen des Berufungsverfahrens beantragt sie die Be-

stätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 65).

- 62 -

1.2.

Die  Verteidigung  beantragt  die  Bestrafung  des  Beschuldigten  mit  einer 

Busse von Fr. 500.– (Urk. 42 S. 1; Urk. 61 S. 4; Urk. 78 S. 1). Ein Eventualantrag 

im Falle eines anklagegemässen Schuldspruchs wird seitens der Verteidigung nicht 

gestellt. 

1.3.

Die  Vorinstanz  bestrafte  den  Beschuldigten  mit  einer  Freiheitsstrafe  von 

8 Monaten und einer Busse von Fr. 1'000.– (Urk. 59 S. 47).

1.4.

Die Berufungsinstanz fällt nach Art. 408 StPO ein neues Urteil. Unter dem 

Vorbehalt der "reformatio in peius" muss sie sich nicht daran orientieren, wie die 

erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet. Vielmehr hat sie 

die Strafe nach ihrem eigenen pflichtgemässen Ermessen festzusetzen (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1349/2022 vom 24. Januar 2025 E. 5.5.2; 6B_1164/2023 vom 

7. Oktober 2024 E. 5.3.4; 6B_485/2022 vom 12. September 2022 E. 8.4.1). Vorlie-

gend  hat  einzig  der  Beschuldigte  Berufung  erhoben,  so  dass  das  Verschlechte-

rungsverbot gestützt auf Art. 391 Abs. 2 StPO zum Tragen kommt.

Die Rechtsmittelinstanz darf Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten oder 

verurteilten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergrif-

fen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Massgeblich für die Frage, ob eine 

unzulässige reformatio in peius vorliegt, ist das Dispositiv (BGE 148 IV 89 E. 4.3; 

147 IV 167 E. 1.5.2; 142 IV 129 E. 4.5; je mit Hinweisen). Dementsprechend hindert 

(auch) dieser Grundsatz die Berufungsinstanz nicht daran, im Rahmen des von ihr 

pflichtgemäss  auszuübenden  Ermessens  einzelne  Strafzumessungsfaktoren  an-

ders als die erste Instanz zu gewichten oder aber eine höhere als die von der ersten 

Instanz  ausgefällte  (Gesamt)  Strafe  festzusetzen  respektive  als  angemessen  zu 

erachten, solange sich dies nicht in einer härteren Sanktion niederschlägt (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1349/2022 vom 24. Januar 2025 E. 5.5.2; 6B_1164/2023 

vom 7. Oktober 2024 E. 5.3.4). Vorbehalten bleibt eine strengere Bestrafung auf-

grund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten 

(Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO). Können sich diese Tatsachen auf die Rechtsfolgen 

auswirken, entscheidet die Berufungsinstanz insoweit unabhängig von Parteianträ-

gen. Bisher unbekannte Tatsachen im Sinne von Art. 391 Abs. 2 zweiter Satz StPO 

sind beispielsweise die persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse, die für die 

- 63 -

Bemessung der Höhe des Tagessatzes nach Art. 34 Abs. 2 dritter Satz StGB mass-

gebend sind, oder eine nach dem erstinstanzlichen Urteil ergangene erneute Ver-

urteilung, die hinsichtlich der Legalprognose beim bedingten Strafvollzug als "No-

vum" zu berücksichtigen ist (BGE 147 IV 167 E. 1.5.4; 142 IV 89 E. 2.3; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_333/2024 vom 30. August 2024 E. 2.3.1; je mit Hinweisen). Ob 

die Tatsache vor oder nach dem erstinstanzlichen Urteil entstand ("echtes" bzw. 

"unechtes" Novum), ist nicht relevant (BGE 144 IV 198 E. 5.3.). Ausschlaggebend 

ist alleine, ob sich die Tatsache den Akten entnehmen liess, welche der Vorinstanz 

vorlagen  (LIEBER,  in:  Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers  [Hrsg.],  Kommentar  zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Auflage 2020, Art. 391 N 21; vgl. 

auch Urteil des Bundesgerichts 6B_900/2020 vom 1. Oktober 2020 E. 3.3.). Den 

Parteien ist vor Anwendung von Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO zwingend das rechtli-

che Gehör zu gewähren (BGE 142 IV 89 E. 2.3 = Pra 105 (2016) Nr. 102).

Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl des Stadtrichteramts der Stadt Zürich vom 

23. Juli 2024 wegen Tätlichkeiten zum Nachteil des Privatklägers 1 mit einer Busse 

von  Fr. 300.–  bestraft  (Urk. 92/1).  Da  diese  rechtskräftige  Verurteilung  des  Be-

schuldigten erst nach dem vorinstanzlichen Urteil erfolgte, hatte die Vorinstanz da-

von keine Kenntnis. Damit liegen hinsichtlich der Beurteilung der Strafe und des 

Vollzugs neue Tatsachen im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO vor, die dem erstin-

stanzlichen  Gericht  im  Zeitpunkt  seines  Urteils  noch  nicht  bekannt  waren,  wobei 

die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vom 11. Juni 2025 über die 

sich daraus ergebende Möglichkeit einer reformatio in peius orientiert wurde und 

Gelegenheit zur Stellungnahme erhielt (Prot. II S. 92).

2.

Strafzumessungsgrundsätze

2.1.

Verschulden/Asperationsprinzip

2.1.1. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-

rücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der 

Strafe  auf  das  Leben  des  Täters  (Art. 47  Abs. 1  StGB).  Die  Bewertung  des  Ver-

schuldens richtet sich gemäss Art. 47 Abs. 2 StGB nach der Schwere der Verlet-

zung  oder  der  Gefährdung des  betroffenen  Rechtsguts,  nach  der Verwerflichkeit 

- 64 -

des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach, wie weit 

der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefähr-

dung  oder  Verletzung  zu  vermeiden.  Das  Bundesgericht  hat  die  Grundsätze  der 

Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241 E. 3 

[übers. in Pra 111 (2022) Nr. 17]; 144 IV 313 E. 1.1; 141 IV 61 E. 6.1.2; 136 IV 55 

E. 5.4; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden.

2.1.2. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen 

für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe 

der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchst-

mass der angedrohten Strafe (Strafrahmen) nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. 

Dabei  ist  es  an  das  gesetzliche  Höchstmass  der  Strafart  (z.B.  180  Tagessätze 

Geldstrafe) gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).

Für  die  Bildung  einer  Gesamtstrafe  hat  das  Gericht  in  einem  ersten  Schritt  den 

Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe 

für  diese  Tat,  unter  Einbezug  aller  straferhöhenden  und  strafmindernden  Um-

stände,  innerhalb  dieses  Strafrahmens  festzusetzen.  Bei  der  Bestimmung  des 

Strafrahmens für die schwerste Tat ist von der abstrakten Strafandrohung auszu-

gehen:  Schwerer  ist  die  Tat  mit  der  höheren  Höchststrafe;  sieht  eine  weniger 

schwere Tat eine höhere Mindeststrafe vor, so bestimmt diese den unteren Rand 

des Strafrahmens (BGE 144 IV 313; 142 IV 265 E. 2.4). In einem zweiten Schritt 

hat das Gericht diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten zu einer 

Gesamtstrafe zu erhöhen (BGE 144 IV 313; 144 IV 217 E. 2 f., statt vieler anschau-

lich Urteil des Bundesgerichts 6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.3). Die Ein-

zelstrafen sind unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Tatum-

stände grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens des jeweiligen Straf-

tatbestandes und nicht desjenigen mit der abstrakt höchsten Strafandrohung fest-

zusetzen (BGE 142 IV 265 E. 2.4.3).

Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleich-

artigen  Strafen  möglich.  Dass  die  anzuwendenden  Strafbestimmungen  abstrakt 

gleichartige Strafen vorsehen, genügt nicht. Vielmehr ist nach der konkreten Me-

thode für jeden einzelnen Normverstoss die entsprechende Strafe zu bestimmen. 

- 65 -

Ungleichartige Strafen – wie Geld- und Freiheitsstrafe – sind daher kumulativ zu 

verhängen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2.3.2).

2.2. Wahl der Strafart

Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im zu beurteilenden Einzelfall 

eine Geld- oder Freiheitsstrafe auszusprechen ist, gemäss Art. 47 StGB nach dem 

Ausmass des jeweiligen Verschuldens (BGE 144 IV 217 E. 3.3.1), wobei die Gelds-

trafe gegenüber der Freiheitsstrafe als mildere Sanktion gilt (Urteil des Bundesge-

richts 6B_1239/2023 vom 22. Januar 2024 E. 1.1.2). Bei der Wahl der Sanktionsart 

ist  als  wichtiges  Kriterium  die  Zweckmässigkeit  einer  bestimmten  Sanktion,  ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizi-

enz  zu  berücksichtigen  (BGE  147  IV  241  E. 3.2;  144  IV  313  E. 1.1.1;  134  IV  82 

E. 4.1; 134 IV 97 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_355/2021 vom 22. März 

2023 E. 3.3; 6B_658/2021 vom 27. Januar 2022 E. 2.3.1; je mit Hinweisen). Nach 

dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden 

und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall dieje-

nige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen 

eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft (BGE 138 IV 120 E. 5.2; 134 IV 82 

E. 4.1; 134 IV 97 E. 4.2.2). Dies gilt auch im Rahmen der Gesamtstrafenbildung. 

Der Täter darf aufgrund des Umstands, dass mehrere Delikte gleichzeitig zur Be-

urteilung  stehen,  für  die  einzelnen  Taten  nicht  schwerer  bestraft  werden  als  bei 

separater Beurteilung (BGE 144 IV 217 E. 3.3.3; 144 IV 313 E. 1.1.1; Urteile des 

Bundesgerichts  7B_769/2023  vom  13. Mai  2025  E. 3.1.2;  6B_355/2021  vom 

22. März 2023 E. 3.3; 6B_93/2022 vom 24. November 2022 E. 1.3.4; 6B_658/2021 

vom  27. Januar  2022  E. 2.3.1;  je  mit  Hinweisen).  Nach  neuerer  Rechtsprechung 

darf in Anwendung von Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB immerhin dann eine Gesamtfrei-

heitsstrafe ausgesprochen werden, wenn viele Einzeltaten zeitlich sowie sachlich 

eng miteinander verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem 

engen Zusammenhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse prä-

ventiv  auf  den  Täter  einzuwirken  (Urteil  des  Bundesgerichts  6B_246/2024  vom 

27. Februar 2025 E. 2.5.4; 6B_180/2023 vom 27. Juni 2024 E. 4.3.3; 6B_141/2021 

vom 23. Juni 2021 E. 1.3.2; je mit Hinweisen).

- 66 -

2.3.

Geldstrafe

Wird eine Geldstrafe ausgefällt, bemisst sich die Zahl der Tagessätze nach dem 

Verschulden des Täters (Art. 34 Abs. 1 StGB). Die Höhe des Tagessatzes ist hin-

gegen  nach  den  persönlichen  und  finanziellen  Verhältnissen  des  Täters  im  Zeit-

punkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, 

allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum 

zu bestimmen. Ein Tagessatz beträgt dabei höchstens Fr. 3'000.– (Art. 34 Abs. 2 

StGB). Ausgangspunkt für die Bemessung des Tagessatzes bildet das strafrecht-

lich relevante Nettoeinkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zu-

fliesst, ganz gleich, aus welcher Quelle die Einkünfte stammen. Vom Bruttoeinkom-

men ist dabei bereits in Abzug zu bringen, was dem Täter wirtschaftlich nicht zu-

steht oder gesetzlich geschuldet ist (BGE 134 IV 60 E. 6.1.).

2.4.

Massgeblicher Strafrahmen

Die  versuchte  einfache  Körperverletzung  nach  Art. 123  Ziff. 1  und  Ziff. 2  Abs. 4 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, die versuchte Drohung im Sinne von 

Art. 180  Abs. 1  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 22  Abs. 1  StGB,  die  Anstiftung  zur 

mehrfachen  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im  Sinne  von 

Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit Art. 24 StGB und die mehrfache Wi-

derhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  im  Sinne  von  Art. 19bis  Ziff. 1 

BetmG werden je mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die 

zu bildende Gesamtstrafe ist innerhalb dieses Strafrahmens festzulegen, wobei die 

Delikts- und Tatmehrheit innerhalb dieses Strafrahmens straferhöhend zu berück-

sichtigen ist. Die Strafmilderungsgründe sind bei den jeweiligen Tatvorwürfen straf-

mindernd zu berücksichtigen.

2.5.

Übertretungen

Die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

wird mit Busse geahndet. Gemäss Art. 106 Abs. 1 StGB gilt bei Übertretungen im 

Allgemeinen ein Maximalbetrag von Fr. 10'000.– Busse, wobei auch im Bereich der 

Übertretungen bei Deliktsmehrheit oder Mehrfachbegehung das Asperationsprinzip 

- 67 -

zur Anwendung gelangt (HEIMGARTNER, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kom-

mentar, Strafrecht I, 4. Auflage 2019, Art. 106 N 36).

2.6.

Strafzumessung im engeren Sinn/Vorgehen

Nachfolgend wird zunächst die vom Beschuldigten gesetzte objektive Tatschwere 

und das subjektive Verschulden aufgrund der konkreten Verhältnisse beurteilt (Tat-

komponente). Vorweg ist das Verschulden für den Vorwurf der mehrfachen Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, der die Einsatzstrafe darstellt, da bei 

jenem Tatvorwurf kein Strafmilderungsgrund vorliegt, zu würdigen. Im Anschluss 

ist das Verschulden für die weiteren Vorwürfe einzeln zu prüfen. Angesichts des 

jeweils sehr engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs der einzelnen Tat-

handlungen  bei  den  beiden  Betäubungsmitteldelikten  können  die  Tathandlungen 

kaum anders als jeweils gemeinsam gewürdigt werden. Darauf werden weitere As-

pekte dargestellt, welche keinen unmittelbaren Zusammenhang mit den verübten 

Taten aufweisen (Täterkomponente), und schliesslich wird eine Gesamtwürdigung 

vorgenommen. Es versteht sich dabei von selbst, dass der Strafzumessung derje-

nige Sachverhalt zugrunde zu legen ist, welcher durch das vorstehend dargelegte 

Beweisergebnis  erstellt  ist  (vgl.  zur  Strafzumessung:  MATHYS,  Zur  Technik  der 

Strafzumessung, SJZ 100 [2004] Nr. 8 S. 173 ff.; ders., Leitfaden Strafzumessung, 

2. Auflage 2019, N 53 ff.). 

3.

Tatkomponenten 

3.1.

Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

3.1.1. Objektive Tatschwere 

In objektiver Hinsicht konsumierte der Beschuldigte zwischen ca. August 2021 bis 

ca. Oktober 2021,  was  einen  doch  vergleichsweise  langen  Tatzeitraum  darstellt, 

mit seinem minderjährigen Sohn mehrfach, ca. sechs Mal pro Woche, Marihuana 

durch Rauchen, wobei er dem Privatkläger 1 das Marihuana zugänglich machte. 

Die mehrfache Begehung ist straf- bzw. verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. 

Zwar gelangte der Privatkläger 1 im Tatzeitraum auch ohne den Beschuldigten an 

Cannabisprodukte,  doch  wurde  der  Konsum  des  minderjährigen  Privatklägers 1, 

- 68 -

der sich zudem in einer psychisch instabilen Verfassung befand (Urk. 4/5 F/A 23), 

durch  das  Verhalten  des  Beschuldigten  dennoch  stark  gefördert,  indem  sich  der 

Privatkläger 1  beim  Cannabis  des  Beschuldigten  nur  bedienen  konnte.  Zwar  ist 

Cannabis  eine  sogenannte  weiche  Droge  und  die  insgesamt  dem  Privatkläger 1 

verschaffte Menge ist immer noch als gering anzusehen. Verschuldenserhöhend 

fällt aber ins Gewicht, dass dem Beschuldigten als Inhaber der elterlichen Sorge 

gegenüber dem Privatkläger 1 eine Erziehungs- und Fürsorgepflicht oblag, gegen 

die er in eklatanter Weise verstiess. Vor dem Hintergrund, dass es sich beim kon-

sumierten Marihuana nur (aber immerhin) um eine weiche Droge handelte und die 

Gesamtmenge an Drogen insgesamt noch klein war, ist die objektive Tatschwere 

als noch leicht zu qualifizieren.

3.1.2. Subjektives Verschulden 

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte mit direktem Vorsatz. Das Motiv 

des  Beschuldigten  dürfte  darin  gelegen  haben,  in  seinem  Sohn  einen  Mitkonsu-

menten zu haben, wobei dieser ihn angesichts des eigenen Konsums auch nicht 

bei der Privatklägerin 2 verriet. Die objektive Tatschwere wird durch die subjektiven 

Zumessungsgründe nicht relativiert. 

3.1.3. Strafart 

Die  Vorinstanz  sprach  angesichts  des  Gesamtverschuldens  des  Beschuldigten 

eine Gesamtfreiheitsstrafe aus, um diesem genügend Rechnung tragen zu können 

(Urk. 59 S. 39). Vorliegend stehen sowohl die beiden je mehrfach begangenen Va-

rianten der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz wie auch die ver-

suchten Drohungen und die versuchte einfache Körperverletzung je in einem engen 

sachlichen und zeitlichen Zusammenhang. Nach der vorstehend zitierten bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung (E. 2.2) ist mithin ein Kriterium für die Aussprechung 

einer Gesamtfreiheitsstrafe erfüllt. Als weiteres Kriterium wäre dafür aber notwen-

dig, dass gemäss Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB die Aussprechung einer Freiheitsstrafe 

aus spezialpräventiven Gründen geboten erscheint, den Täter von der Begehung 

weiterer  Vergehen  oder  Verbrechen  abzuhalten.  Vorliegend  ist  der  Beschuldigte 

nicht  vorbestraft  (Urk. 91);  der  Strafbefehl  vom  23. Juli  2024  betrifft  einzig  eine 

- 69 -

Übertretung (Urk. 92/1). Dass er sich von der Aussprechung einer Geldstrafe nicht 

in genügendem Masse abschrecken liesse, kann daher – auch wenn er, wie nach-

folgend zu zeigen sein wird, kaum Reue zeigt – nicht gesagt werden. Zwar ist es 

richtig, dass – wie von der Vorinstanz erwogen (Urk. 59 S. 39) – im Falle der Aus-

sprechung lediglich je einer Geldstrafe für die einzelnen Tatvorwürfe eine dem Ge-

samtverschulden angemessene Gesamtstrafe, wie nachfolgend zu zeigen ist, nicht 

möglich  ist.  Nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  müssen  solche  unbilligen 

Ergebnisse, falls die Voraussetzungen nach Art. 41 Abs. 1 StGB nicht erfüllt sind, 

aber hingenommen werden (vgl. BGE 144 IV 217; 144 IV 237 E. 3.6, m.H.). Selbst 

wenn dies vorliegend somit in der Gesamtbetrachtung zu einem unangemessenen 

Ergebnis führen wird, darf für den einzelnen Tatvorwurf daher keine Freiheitsstrafe 

statt einer Geldstrafe ausgesprochen werden.

3.1.4. Zwischenfazit 

Ausgehend von einem noch leichten Verschulden erscheint eine Einsatzstrafe von 

90 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.

3.2.

Mehrfache Anstiftung zur Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-

setz 

3.2.1. Objektive Tatschwere 

In  objektiver  Hinsicht  beauftragte  der  Beschuldigte  seinen  minderjährigen  Sohn 

sechs Mal, ihm Marihuana für jeweils Fr. 50.– zu beschaffen. Die mehrfache Bege-

hung ist straf- bzw. verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Bezüglich der Ge-

fährdungssituation für den minderjährigen Privatkläger 1 kann grundsätzlich auf die 

vorstehenden  Erwägungen  verwiesen  werden  (E. 3.1.1.).  Verschuldenserhöhend 

fällt auch beim vorliegenden Tatvorwurf ins Gewicht, dass dem Beschuldigten als 

Inhaber der elterlichen Sorge gegenüber dem Privatkläger 1 eine Erziehungs- und 

Fürsorgepflicht oblag, gegen die er in eklatanter Weise verstiess. Vor dem Hinter-

grund,  dass  es  sich  beim  konsumierten  Marihuana  nur  (aber  immerhin)  um  eine 

weiche  Droge  handelte  und  die  Gesamtmenge  an  Drogen  insgesamt  noch  klein 

war, ist die objektive Tatschwere als noch leicht zu qualifizieren.

- 70 -

3.2.2. Subjektives Verschulden 

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte mit direktem Vorsatz. Das Motiv 

des Beschuldigten lag wohl schlicht in Bequemlichkeit, indem er die Drogen so nicht 

selbst beschaffen musste. Die objektive Tatschwere wird durch die subjektiven Zu-

messungsgründe nicht relativiert. 

3.2.3. Strafart 

Wie vorstehend dargelegt, besteht keine Möglichkeit zur Aussprechung einer Frei-

heitsstrafe statt einer Geldstrafe (E. 3.1.3.). 

3.2.4. Zwischenfazit 

Ausgehend von einem noch leichten Verschulden erscheint eine Strafe von 90 Ta-

gessätzen Geldstrafe als angemessen.

3.3.

Versuchte einfache Körperverletzung 

3.3.1. Objektive Tatschwere 

In  objektiver  Hinsicht  holte  der  Beschuldigte  mit  den  Walkingstöcken  zu  einem 

Schlag von hinten gegen den Kopf der Privatklägerin 2 aus. Da die Stöcke nur leicht 

wiegen, ist hinsichtlich des möglichen vollendeten Delikts von – auch innerhalb des 

Tatbestands der einfachen Körperverletzung – nur relativ leichten Verletzungen der 

Privatklägerin 2  auszugehen,  die  bloss  einer  vergleichsweise  geringen  medizini-

schen Behandlung bedurft hätten, für die Privatklägerin 2 aber zweifellos gleichsam 

schmerzhaft gewesen wären. Der Beschuldigte handelte spontan im Rahmen einer 

zuvor verbalen Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau. Mithin ist von einem noch 

leichten Verschulden auszugehen.

3.3.2. Subjektives Verschulden 

In  subjektiver  Hinsicht  handelte  der  Beschuldigte  bezüglich  der  Zufügung  von 

Schmerzen und der Verursachung von Verletzungen gegenüber der Privatkläge-

rin 2 eventualvorsätzlich, wobei sein Tatmotiv in der spontan verspürten Wut lag, 

- 71 -

nachdem die Privatklägerin 2 die von ihm unterlassene Begrüssung moniert hatte. 

Die objektive Tatschwere wird durch die subjektiven Zumessungsgründe aber nicht 

spürbar relativiert.

3.3.3. Versuch 

Strafmindernd ist verschuldensunabhängig zu berücksichtigen, dass der Taterfolg 

ausblieb, indem der Privatkläger 1 eingriff und den Schlag gegen die Privatkläge-

rin 2 verhinderte. Ohne dieses Eingreifen wäre der Taterfolg aber wohl eingetreten, 

weswegen er relativ nahe lag.

3.3.4. Strafart 

Wie vorstehend dargelegt, besteht keine Möglichkeit zur Aussprechung einer Frei-

heitsstrafe statt einer Geldstrafe (E. 3.1.3.). 

3.3.5. Zwischenfazit 

Ausgehend von einem noch leichten Verschulden erschiene für das vollendete De-

likt eine Strafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen. Aufgrund des Ver-

suchs ist die Strafe auf 60 Tagessätze Geldstrafe zu mindern.

3.4.

Versuchte Drohung in G._____ 

3.4.1. Objektive Tatschwere 

In objektiver Hinsicht sprach der Beschuldigte gegenüber seinem minderjährigen 

Sohn eine Drohung gegen Leib und Leben aus, die er mittels Festhaltens an den 

Oberarmen  und  leichten  Schüttelns  untermauerte.  Die  Drohung  erfolgte  spontan 

und aus Wut als Reaktion auf das Eingreifen des Privatklägers 1, indem dieser den 

Schlag des Beschuldigten gegen die Privatklägerin 2 verhinderte. Auch wenn die 

Drohung  grundsätzlich  geeignet  war,  den  minderjährigen  Privatkläger 1  in  Angst 

und/oder Schrecken zu versetzen, so ist doch nicht davon auszugehen, dass sich 

der Privatkläger 1 – vor dem Hintergrund der familiären Bindungen und des Um-

stands, dass der Beschuldigte bis dahin gegenüber seiner Familie nie gewalttätig 

worden war – im Falle des Eintritts des Taterfolgs lange in einem Zustand der Angst 

- 72 -

oder des Schreckens befunden hätte. Zudem war die Drohung nicht konkret, indem 

vom Beschuldigten nicht ein mögliches Vorgehen geäussert wurde. Mithin ist von 

einem noch leichten Verschulden auszugehen.

3.4.2. Subjektives Verschulden 

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte eventualvorsätzlich, wobei sein 

Tatmotiv in der spontan verspürten Wut lag, nachdem der Privatkläger 1 zuvor ein-

gegriffen und den Schlag des Beschuldigten mit den Walkingstöcken gegen den 

Kopf der Privatklägerin 2 verhindert hatte. Die objektive Tatschwere wird durch die 

subjektiven Zumessungsgründe nicht relativiert.

3.4.3. Versuch 

Strafmindernd ist verschuldensunabhängig zu berücksichtigen, dass der Taterfolg 

ausblieb, indem der Privatkläger 1 sich effektiv nicht ängstigte oder erschrak. Dies 

lag aber nicht in der Macht des Beschuldigten, sondern war lediglich einer realisti-

schen Betrachtung der Situation durch den Privatkläger 1 geschuldet.

3.4.4. Strafart 

Wie vorstehend dargelegt, besteht keine Möglichkeit zur Aussprechung einer Frei-

heitsstrafe statt einer Geldstrafe (E. 3.1.3.). 

3.4.5. Zwischenfazit 

Ausgehend von einem noch leichten Verschulden erschiene für das vollendete De-

likt eine Strafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen. Aufgrund des Ver-

suchs ist die Strafe auf 60 Tagessätze Geldstrafe zu mindern.

3.5.

Versuchte Drohung in der Familienwohnung 

3.5.1. Objektive Tatschwere 

In objektiver Hinsicht sprach der Beschuldigte gegenüber seinem minderjährigen 

Sohn eine Drohung zwar nicht unmittelbar gegen Leib und Leben, aber gegen des-

sen Lebenssituation aus, indem er ihm in Aussicht stellte, ihn mittels Benachrichti-

- 73 -

gung der KESB aus seinem Lebensumfeld zu reissen, was insbesondere für einen 

Jugendlichen  einen  erheblichen  Nachteil  dargestellt  hätte.  Die  Drohung  erfolgte 

spontan und aus Wut als Reaktion auf das Verweigern einer Umarmung des Pri-

vatklägers 1 wegen des zuvor ungebührlichen Verhaltens des Beschuldigten dem 

Privatkläger 1 gegenüber. Auch wenn die Drohung grundsätzlich geeignet war, den 

minderjährigen Privatkläger 1 in Angst und/oder Schrecken zu versetzen, so war 

der Privatkläger 1 gemäss eigenem Bekunden lediglich etwas schockiert und ver-

unsichert darüber. Mithin ist von einem noch leichten Verschulden auszugehen.

3.5.2. Subjektives Verschulden 

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte vorsätzlich, wobei sein Tatmotiv 

in  der  spontan  verspürten  Wut  lag,  nachdem  der  Privatkläger 1  zuvor  die  Umar-

mung  verweigert  und  das  ungebührliche  Verhalten  des  Beschuldigten  moniert 

hatte.  Die  objektive  Tatschwere  wird  durch  die  subjektiven  Zumessungsgründe 

aber nicht relativiert.

3.5.3. Versuch 

Strafmindernd ist verschuldensunabhängig zu berücksichtigen, dass der Taterfolg 

ausblieb, indem der Privatkläger 1 sich effektiv nicht ängstigte oder erschrak, son-

dern  lediglich  etwas  schockiert  und  verunsichert  war.  Dies  lag  aber  nicht  in  der 

Macht des Beschuldigten, sondern war lediglich einer realistischen Betrachtung der 

Situation durch den Privatkläger 1 geschuldet.

3.5.4. Strafart 

Wie vorstehend dargelegt, besteht keine Möglichkeit zur Aussprechung einer Frei-

heitsstrafe statt einer Geldstrafe (E. 3.1.3.). 

3.5.5. Zwischenfazit 

Ausgehend von einem noch leichten Verschulden erschiene für das vollendete De-

likt eine Strafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen. Aufgrund des Ver-

suchs ist die Strafe auf 60 Tagessätze Geldstrafe zu mindern.

- 74 -

3.6.

Asperation

Einsatzstrafe bilden die 90 Tagessätze Geldstrafe für die mehrfache Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Von den weiteren Deliktsvorwürfen ste-

hen die ebenfalls 90 Tagessätze Geldstrafe für die mehrfache Anstiftung zur Wi-

derhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  in  sehr  engem  sachlichem  und 

zeitlichem Zusammenhang. Unter Anwendung des Asperationsprinzips sind davon 

lediglich deren 30 Tagessätze Geldstrafe straferhöhend zu berücksichtigen. Die ad-

diert 180 Tagessätze für die drei weiteren Vergehen stehen dagegen nur unterein-

ander, nicht jedoch mit der Einsatzstrafe in engem Zusammenhang. Unter Anwen-

dung  des  Asperationsprinzips  sind  davon  120  Tagessätze  Geldstrafe  straferhö-

hend zu berücksichtigen. Insgesamt resultiert somit eine rein rechnerische theore-

tische Gesamtgeldstrafe von 240 Tagessätzen.

3.7.

Fazit bezüglich Tatkomponente

Insgesamt  ist  das  Tatverschulden  des  Beschuldigten  sowohl  von  der  objektiven 

Tatschwere her wie auch unter Berücksichtigung seines subjektiven Verschuldens 

ausgehend von einem Strafrahmen von einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

einer Geldstrafe als nicht mehr leicht zu qualifizieren. Gestützt auf die erwähnten 

Faktoren  nach  Würdigung  der  Tatkomponente  gelangt  man  somit  zu  einer  rein 

rechnerischen theoretischen Gesamtgeldstrafe von 240 Tagessätzen.

4.

Täterkomponenten 

4.1.

Persönliche Verhältnisse/Vorleben

Der Beschuldigte machte sowohl im Rahmen der Untersuchung wie auch anläss-

lich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung Angaben zu seinen persönlichen Ver-

hältnissen und zu seinem Vorleben (Urk. 3/1; Urk. 3/3; Prot. I S. 7 ff.). Zusammen-

fassend lässt sich seinen Angaben entnehmen, dass der Beschuldigte mit der Pri-

vatklägerin 2 verheiratet ist und mit ihr zwei gemeinsame Kinder sowie einen Sohn 

aus früherer Beziehung hat. Im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

wohnte er von der Ehefrau getrennt in Zürich in einer 3-Zimmerwohnung und be-

- 75 -

zahlte  monatlich  Fr. 1'031.–  Miete.  Er  ist  gelernter  Sportartikelverkäufer,  war  auf 

Stellensuche und wurde vom Sozialamt unterstützt. Damals führte er aus, er habe 

kein Vermögen aber Schulden in der Höhe von ca. Fr. 25'000.–. Im Rahmen der 

Berufungsverhandlung  ergänzte  der  Beschuldigte,  er  arbeite  seit  1. November 

2023 in einem 50 %-Pensum als Empfangsmitarbeiter im Hallenbad N._____. Die 

weiteren 50 % würden derzeit von der IV abgeklärt. Er habe diesbezüglich Unter-

suche bei fachkundigen Ärzten der IV gehabt und warte nun auf den Entscheid. Er 

sei  im  Stundenlohn  tätig  und  verdiene  monatlich  zwischen  Fr. 2'000.–  und 

Fr. 2'500.–. Zusätzlich werde er vom Sozialamt unterstützt, indem ihm die Kranken-

kasse bezahlt und zudem die Differenz bis zum Existenzminimum von Fr. 2'450.– 

pro  Monat  ausgeglichen  werde.  In  seiner  3-Zimmerwohnung,  einer  Genossen-

schaftswohnung, könnten seine Kinder ihn besuchen. Zum Sohn M._____ habe er 

regelmässig Kontakt. Er komme einmal pro Woche von Dienstag auf Mittwoch zu 

ihm und gehe ins Fussballtraining. Am Mittwochmorgen bringe er M._____ dann 

zur Schule. Zur Tochter L._____ habe er zuletzt letztes Jahr – gemeint 2023 – im 

Sommer bis zu den Herbstferien Kontakt gehabt. Seither habe er zu ihr keinen Kon-

takt mehr, was sich aufgrund von Konflikten so ergeben habe. Seit einem Jahr – 

gemeint im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung vom 13. November 2024 – habe 

er zu L._____ somit keinen Kontakt mehr. Gesundheitlich gehe es ihm gut, von den 

Operationen am Rücken habe er sich grösstenteils erholt. Er mache Übungen und 

habe ein Fitness-Abo zur Stärkung der Rückenmuskulatur, um eine weitere Ope-

ration zu umgehen. Psychisch gehe es ihm soweit ebenfalls gut, er sei stabil. Das 

ganze Verfahren sei aber ein ständiger Druck. Wegen einer posttraumatischen Be-

lastungsstörung und einer Depression sei er in Therapie bei Frau Dr. O._____. We-

gen ADHS nehme er regelmässig das Medikament Elvanse. Seine weiteren Medi-

kamente seien zum Schlafen und als Mutmacher, wie die Ärzte sagten. Es handle 

sich nicht um starke Antidepressiva, wie er sie in der PUK gehabt habe. Er sei nun 

so stabil, dass er im letzten Jahr nie auf der Arbeit gefehlt habe, weil es ihm psy-

chisch nicht gut gegangen wäre. In die PUK sei er damals im Übrigen nicht freiwillig 

gegangen, sondern nur weil seine Frau – die Privatklägerin 2 – es von ihm gefordert 

habe  (Prot.  II  S. 9  ff.).  Die  persönlichen  Verhältnisse  und  das  Vorleben  des  Be-

schuldigten bleiben insgesamt zumessungsneutral. 

- 76 -

4.2.

Vorstrafen

Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 60; Urk. 91), was zumessungs-

neutral bleibt.

4.3.

Geständnis/Reue und Einsicht

Der Beschuldigte war mit Ausnahme des Konsums von Cannabis – was nur dort 

zu berücksichtigen sein wird – bei keinem der Tatvorwürfe vollumfänglich gestän-

dig. Auch zeigte er keinerlei Reue und Einsicht. Unter diesem Titel ist ihm daher 

nichts strafmindernd zugute zu halten.

4.4.

Fazit bezüglich Täterkomponenten

Die  Täterkomponenten  bleiben  bei  den  Vergehenstatbeständen  somit  zumes-

sungsneutral.

5.

Tagessatzhöhe der Geldstrafe

Angesichts  der  bescheidenen 

finanziellen  Verhältnisse  des  Beschuldigten 

(vgl. E. 4.1.) ist die Höhe der Tagessätze auf Fr. 30.– festzusetzen.

6.

Mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes

In  objektiver  Hinsicht  konsumierte  der  Beschuldigte  von  ca.  August 2021  bis 

ca. Oktober 2021 regelmässig Cannabis durch Rauchen. Die objektive Tatschwere 

ist damit nicht mehr leicht. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte vor-

sätzlich. Strafmindernd wirkt sich diesbezüglich das Geständnis des Beschuldigten 

aus. Aufgrund der objektiven Tatschwere und des subjektiven Verschuldens sowie 

der finanziellen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten erscheint – übereinstimmend 

mit der Vorinstanz (Urk. 59 S. 45) wie auch der Verteidigung (Urk. 61 S. 4; Urk. 78 

S. 1) – eine Busse von Fr. 500.– für die mehrfache Übertretung des Betäubungs-

mittelgesetzes angemessen.

- 77 -

7.

Gesamtwürdigung

Angemessen  erscheinen  somit  in  Berücksichtigung  sämtlicher  Zumessungskrite-

rien  eine  Geldstrafe  von  240  Tagessätzen,  die  gemäss  Art. 34  Abs. 1  StGB  auf 

180 Tagessätze zu begrenzen ist, zu Fr. 30.– sowie eine Busse von Fr. 500.–.

V. Vollzug

1.

Ausgangslage

1.1.

Die Vorinstanz schob den Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer 

Probezeit von zwei Jahren auf (Urk. 59 S. 48).

1.2.

Seitens der Verteidigung wurde kein Eventualantrag im Falle eines Schuld-

spruchs gestellt (vgl. Urk. 42 S. 1; Urk. 61; Urk. 78 S. 1).

1.3.

Die Staatsanwaltschaft beantragt im Berufungsverfahren die Bestätigung 

des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 65).

2.

Rechtliche Grundlagen

2.1.

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe 

von  höchstens  zwei  Jahren  in  der  Regel  auf,  wenn  eine  unbedingte  Strafe  nicht 

notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten 

fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr 

als  sechs  Monaten  verurteilt,  so  ist  der  Aufschub  nur  zulässig,  wenn  besonders 

günstige  Umstände  vorliegen  (Art. 42  Abs. 2  StGB).  Unter  "besonders  günstigen 

Umständen" sind solche Umstände zu verstehen, die ausschliessen, dass die Vor-

tat  die  Prognose  verschlechtert.  Die  Gewährung  des  bedingten  Vollzugs  ist  nur 

möglich, wenn eine Gesamtwürdigung aller massgebenden Faktoren den Schluss 

zulässt,  dass  trotz  der  Vortat  eine  begründete  Aussicht  auf  Bewährung  besteht. 

Das trifft etwa zu, wenn die neuerliche Straftat mit der früheren Verurteilung in kei-

nerlei Zusammenhang steht oder bei einer besonders positiven Veränderung in den 

Lebensumständen des Täters. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Ge-

- 78 -

samtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich (BGE 144 IV 277 E. 3.2; 135 IV 180 

E. 2.1; 134 IV 140 E. 4.4; je mit Hinweisen). Dabei hat das Gericht eine Gesamt-

würdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen und insbesondere auch seit 

der Tat eingetretene positive Veränderungen (wie den Erhalt einer festen Arbeits-

stelle, das Eingehen einer stabilen Beziehung) zu berücksichtigen. In erster Linie 

ist dabei die strafrechtliche Vorbelastung relevant, namentlich wenn der Täter sog. 

einschlägige  Vorstrafen  aufweist,  wobei  diese  erheblich  zu  gewichten  sind.  Sie 

schliessen  aber  den  bedingten  Vollzug  nicht  notwendig  aus  (BGE  145  IV  137 

E. 2.2; 134 IV 1 E. 4.2.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_80/2024 vom 9. Januar 

2025;  6B_1153/2021  vom  29. März  2023  E. 2.3.4;  6B_617/2021  vom  8. Oktober 

2021  E. 1.3.1;  je  mit  Hinweisen;  HEIMGARTNER,  in:  Donatsch/Heimgartner/Isen-

ring/Weder  [Hrsg.],  OFK  Kommentar  zum  StGB,  21. Auflage  2022,  Art. 42  StGB 

N 7 f. m.w.H.; SCHNEIDER/GARRÉ, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.] Basler Kommentar, 

Strafrecht I, 4. Auflage 2019, Art. 42 StGB N 46).

2.2.

Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so 

bestimmt  es  dem  Verurteilten  eine  Probezeit  von  zwei  bis  fünf  Jahren  (Art. 44 

Abs. 1 StGB).

3.

Subsumtion Geldstrafe

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 91), weswegen eine gute Prognose zu 

vermuten und ihm der bedingte Vollzug der Geldstrafe zu gewähren ist. Nachdem 

der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren keine Einsicht zeigte und während lau-

fendem Verfahren eine einschlägige Verurteilung erwirkte, ist die Probezeit – auch 

wenn sich der Strafbefehl vom 23. Juli 2024 auf eine Übertretung bezieht – auf drei 

Jahre festzusetzen. 

4.

Vollzug der Busse und Ersatzfreiheitsstrafe 

Bussen sind nach Art. 105 Abs. 1 StGB zwingend zu vollziehen. Für den Fall, dass 

die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB eine Er-

satzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und höchstens drei Monaten festzu-

setzen. Das Gericht bemisst Busse und Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhält-

- 79 -

nissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden an-

gemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB). Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung 

der Busse ist daher eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen festzusetzen.

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen 

Nachdem es auch im Berufungsverfahren – mit Ausnahme zweier Freisprüche von 

gänzlich untergeordneter Bedeutung bezüglich Übertretungsvorwürfen, wobei der 

Freispruch  vom  Vorwurf  der  Tätlichkeiten  aus  rechtlichen  Gründen  erfolgt,  –  bei 

einem Schuldspruch bleibt, ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivzif-

fern 9 bis 11) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 StPO).

2.

Kosten des Berufungsverfahrens 

2.1.

Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'500.– zu ver-

anschlagen. 

2.2.

Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen 

auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Be-

rufung weitestgehend, zumal die Übertretungstatbestände von untergeordneter Be-

deutung sind und keine massgeblichen zusätzlichen Kosten verursachten. Die zu-

rückgezogene Anschlussberufung der Privatklägerin 2 versursachte im Gegensatz 

zur Berufung des Beschuldigten keinen relevanten Aufwand. Die Kosten des Beru-

fungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der un-

entgeltlichen Vertretungen der Privatkläger, sind daher dem Beschuldigten aufzu-

erlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretun-

gen der Privatkläger sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rück-

zahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 

Abs. 1 StPO vorbehalten.

2.3.

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren antragsgemäss mit 

Fr. 7'430.60 (Urk. 93, inklusive MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die 

- 80 -

Kosten der amtlichen Verteidigung durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ sind vor-

zubehalten.

2.4.

Die  unentgeltliche  Vertretung  des  Privatklägers 1  ist  unter  Berücksichti-

gung  der  tatsächlichen  Dauer  der  Berufungsverhandlung  vom  11. Juni  2025  mit 

Fr. 1'884.– (vgl. Urk. 94; inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

2.5.

Die  unentgeltliche  Vertretung  der  Privatklägerin 2  ist  antragsgemäss  mit 

Fr. 2'548.25 (Urk. 96; inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

Es wird beschlossen:

1.

Vom Rückzug der Anschlussberufung der Privatklägerin 2 wird Vormerk ge-

nommen.

2.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abtei-

lung - Einzelgericht, vom 28. September 2023 bezüglich Dispositivziffern 2 

(Freispruch) und 6-8 (Zivilforderungen) in Rechtskraft erwachsen ist.

3.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

4. Gegen Ziffer 1 dieses Entscheides kann bundesrechtliche Beschwerde in 

Strafsachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

- 81 -











der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 4 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen Anstiftung zur Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit 

Art. 24 StGB,

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im 

Sinne von Art. 19bis BetmG und 

der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne 

von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.

2.

Der Beschuldigte wird zudem von den Vorwürfen der Tätlichkeiten im Sinne 

von Art. 126 Abs. 1 StGB und des Ungehorsams gegen amtliche Verfügun-

gen im Sinne von Art. 292 StGB freigesprochen.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.

4.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre 

festgesetzt. 

5.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

6.

7.

Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 9 bis 11) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

- 82 -

Fr.

Fr. 

Fr.

4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:

7'430.60   amtliche Verteidigung RA X2._____ (inkl. MwSt.)

1'884.–

  unentgeltliche Vertretung des Privatklägers 1, 

RAin Y1._____ (inkl. MwSt.)

Fr.

2'548.25

  unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 2, 

RAin Y2._____ (inkl. MwSt.).

Allfällige weitere Kosten (insbesondere diejenigen der amtlichen Verteidi-

gung durch RA X1._____) bleiben vorbehalten.

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger, 

werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

und der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger werden einstweilen 

auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldig-

ten bleibt vorbehalten.

9.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

die unentgeltliche Vertreterin des Privatklägers 1 im Doppel für sich 
und zuhanden des Privatklägers 1

die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin 2 im Doppel für sich 
und zuhanden der Privatklägerin 2 

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

die unentgeltliche Vertreterin des Privatklägers 1 im Doppel für sich 
und zuhanden des Privatklägers 1

die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin 2 im Doppel für sich 
und zuhanden der Privatklägerin 2 

- 83 -

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an







die Vorinstanz

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 11. Juni 2025

Die Präsidentin:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller

MLaw Gitz