# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 127ada60-3375-5181-a3fe-c69ccf17cbec
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-12-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.12.2014 E-1494/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1494-2013_2014-12-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1494/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m  11 .  D e z e m b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richter Fulvio Haefeli, Richter François Badoud,    

Gerichtsschreiberin Simona Risi. 

   Parteien 
 

A._______ 

(Beschwerdeführerin 1), und deren Kind 

B._______ 

(Beschwerdeführerin 2), 

Äthiopien (angeblich Eritrea), 

beide vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 15. Februar 2013 / N (…). 

 

 

E-1494/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin 1 gelangte gemäss eigenen Angaben am 10. Juli 

2010 auf unbekanntem Weg in die Schweiz und suchte tags darauf im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso um Asyl nach. 

Anlässlich der Befragung zur Person vom 15. Juli 2010 und der einge-

henden Anhörung zu den Asylgründen vom 18. Oktober 2010 brachte sie 

im Wesentlichen vor, sie sei als Kind eritreischer Eltern in Addis Abeba 

geboren. Ihre Mutter sei bei ihrer Geburt gestorben, so dass sich ihre 

Grossmutter um sie gekümmert habe. Als sie (…) Jahre alt gewesen sei, 

habe ihr Vater sie verlassen. 1997 sei ihre Grossmutter gestorben. Da-

nach habe sie mit ihrem Cousin mütterlicherseits zusammengelebt, bis 

dieser in die Provinz Wollo (Äthiopien) gezogen sei. 

Am 19. Hamle (26. Juli) 1999 seien vier äthiopische Soldaten zu ihr ge-

kommen. Diese hätten zunächst die Wohnung durchsucht und einige Do-

kumente ihres Vaters an sich genommen. Dann hätten diese sie zum Bü-

ro der Kebele gebracht und gefragt, wo ihr Vater sei. Am nächsten Tag sei 

sie gemeinsam mit etwa 50 weiteren Personen nach Eritrea deportiert 

und von den dortigen Behörden nach C._______ gebracht worden. Dort 

habe sie zunächst einen Monat in einem Hotel gewohnt, bevor sie zu ei-

ner Frau namens D._______ habe ziehen können, die ihr Arbeit in ihrem 

Restaurant gegeben habe. In Eritrea habe sie von Verwandten bezie-

hungsweise von D._______ erfahren, dass ihr Vater (…) verstorben sei. 

Da sie keine eritreischen Papiere habe erhältlich machen können, sei sie 

am 30. Yakatit (9. März) beziehungsweise Magabit (8. April) 2000 aus 

Eritrea ausgereist und über Djibouti nach Äthiopien zurückgekehrt. Fortan 

habe sie ausserhalb von Addis Abeba gewohnt und als Verkäuferin, Wä-

scherin und Putzfrau gearbeitet. Am (…) 2004 sei sie vergewaltigt wor-

den. In der Folge habe sie ihren Sohn E._______ geboren. Eines Abends 

sei sie auf dem Nachhauseweg von der Polizei angehalten und nach ih-

rem Ausweis gefragt worden. Da sie keinen gehabt habe, sei sie auf das 

Polizeirevier gebracht worden, wo ihre Personalien aufgenommen wor-

den seien. Am nächsten Tag habe sie den Posten verlassen dürfen, weil 

eine Frau, mit der sie zusammengearbeitet habe, für sie mit 300 Birr ge-

bürgt habe. Danach sei sie für den 19. Sene (26. Juni) 2005 von einem 

Gericht vorgeladen worden, um zu erklären, warum sie keine Papiere ha-

be. Sie sei der Vorladung nicht nachgekommen, was keine Folgen gehabt 

habe. Weil sie nach der Vergewaltigung jedoch nicht mehr in Äthiopien 

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Seite 3 

habe bleiben wollen beziehungsweise weil sie gewusst habe, dass das 

Gericht sie für ihre Papierlosigkeit bestraft hätte, habe sie sich Ende 2005 

alleine in den Sudan begeben. Ihren Sohn habe sie bei ihrer Vermieterin 

zurückgelassen. In den kommenden Jahren habe sie sich in einem Ort 

namens F._______ beziehungsweise im Quartier F._______ in Khartum 

bei einem Mann namens G._______ aufgehalten. 2010 sei sie auf dem 

Luftweg von einem unbekannten Flughafen aus in ein unbekanntes Land 

geflogen und mit dem Zug weiter in die Schweiz gereist. 

Zum Beweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin 1 am 19. Juli 

2011 eine Kopie einer eritreischen Identitätskarte zu den Akten und 

brachte vor, dabei handle es sich um jene ihres Vaters. 

B.  

Am (…) wurde die Beschwerdeführerin 2 geboren und in das Asylverfah-

ren ihrer Mutter einbezogen. 

C.  

Mit Verfügung vom 15. Februar 2013 – eröffnet am 19. Februar 2013 – 

stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlings-

eigenschaft nicht, wies die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz sowie den Vollzug an.  

D.  

Dagegen erhoben die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 21. März 

2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die 

vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und es sei die 

Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventu-

aliter sei die Unzulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG und um Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Mit ihrer Eingabe reichten die Beschwerdeführerinnen als weitere Be-

weismittel eine Taufurkunde betreffend die Beschwerdeführerin 1 (samt 

Briefumschlag), eine Kopie eines Reisepasses (bei dem es sich um jenen 

des Bruders der Beschwerdeführerin 1 handle), die angeblichen Identi-

tätskarten des Bruders und des Vaters der Beschwerdeführerin 1 im Ori-

ginal (samt Briefumschlag) und ein Schreiben der Beschwerdeführerin 1 

vom 19. März 2013 zu den Akten. 

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Seite 4 

E.  

Mit Instruktionsverfügung vom 28. März 2013 stellte die Instruktionsrichte-

rin fest, die Beschwerdeführerinnen dürften den Ausgang des Verfahrens 

in der Schweiz abwarten. Zugleich hiess sie das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und 

verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 

Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. 

F.  

Am 29. April 2013 anerkannte H._______ (N […], anerkannter Flüchtling) 

seine Vaterschaft betreffend die Beschwerdeführerin 2. 

G.  

Mit Verfügung vom 31. Oktober 2013 setzte die Instruktionsrichterin den 

Beschwerdeführerinnen Frist an zur Mitteilung, ob sie ein Gesuch um 

Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in die Flüchtlingseigenschaft ihres 

Vaters gestellt hätten beziehungsweise beabsichtigen würden und wie der 

Stand eines allfälligen Verfahrens sei. Im Unterlassungsfall werde davon 

ausgegangen, die Beschwerdeführerinnen verzichteten auf die Geltend-

machung entsprechender Ansprüche. 

H.  

Die Beschwerdeführerinnen orientierten das Bundesverwaltungsgericht 

mit Schreiben vom 28. November 2013 über die gleichentags erfolgte 

Einreichung eines Gesuchs um Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in die 

Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters.  

Mit rechtskräftiger Verfügung vom 20. Juni 2014 lehnte das BFM das Ge-

such ab. Zur Begründung führte es insbesondere aus, es bestehe keine 

Familiengemeinschaft zwischen den Beschwerdeführerinnen und dem 

Kindsvater und gegenwärtig könne nicht von einem gelebten oder intak-

ten Vater-Kind-Verhältnis ausgegangen werden. Zudem habe der Kinds-

vater kein Einverständnis für den Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in 

seine Flüchtlingseigenschaft gegeben. Die Voraussetzungen gemäss 

Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG (SR 142.31) seien nicht gegeben. 

 

 

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-

nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-

führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-

se Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 

2.  

Die Kognition und die Rügemöglichkeiten richten sich nach Art. 106 

Abs. 1 AsylG. 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

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Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 

Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das BFM begründete seinen ablehnenden Entscheid mit der Un-

glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin 1.  

 

Betreffend das eingereichte Beweismittel (Kopie einer eritreischen Identi-

tätskarte, die dem Vater der Beschwerdeführerin 1 gehört haben solle) 

stellte die Vorinstanz fest, diesem komme keine Beweiskraft zu. Zum ei-

nen sei der Echtheitsgrad nicht überprüfbar, zum Anderen sei die Bezie-

hung zwischen dem Besitzer der Identitätskarte und der Beschwerdefüh-

rerin 1 nicht belegt. Sodann führte sie insbesondere aus, die Beschwer-

deführerin 1 habe widersprüchliche Angaben gemacht und ihre Vorbrin-

gen nicht hinreichend begründet. So habe sie betreffend ihre Herkunft an-

lässlich der Erstbefragung angegeben, in Äthiopien geboren und aufge-

wachsen zu sein, aber die eritreische Staatsangehörigkeit zu besitzen. Im 

weiteren Verlauf der Befragung habe sie vorgebracht, sie habe die eritrei-

sche Staatsbürgerschaft nie erlangt, ihre Eltern seien jedoch eritreischer 

Herkunft. Anlässlich der eingehenden Anhörung zu den Asylgründen habe 

sie geäussert, sie sei eritreische Staatsangehörige, habe in Eritrea jedoch 

keine Identitätspapiere erhalten. Das Prozedere (der erfolglosen Papier-

beschaffung) habe sie hingegen kaum schildern können. Sie sei überdies 

nicht imstande gewesen, substanziierte Aussagen zur Herkunft ihrer El-

tern zu machen. Sie kenne weder deren Herkunftsorte noch -regionen 

und könne keine Angaben zu Verwandten machen, obgleich sie vorge-

bracht habe, dass ihre Grossmutter, mit der sie bis zu ihrem 12. Lebens-

jahr zusammengewohnt habe, ihr von der eritreischen Herkunft ihrer El-

tern erzählt habe. Die Aussagen der Beschwerdeführerin 1 zur Herkunft 

ihrer Eltern würden auch deswegen unglaubhaft erscheinen, weil sie an-

gegeben habe, dass ihr Vater äthiopischer Soldat gewesen sei. Zudem 

mangle es ihren Vorbringen zufolge ihrer fehlenden Tigrinya-Kenntnisse 

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an Glaubhaftigkeit. Es erscheine unrealistisch, dass sie von ihrer Gross-

mutter, die ebenfalls aus Eritrea stammen solle, kein Tigrinya gelernt ha-

be und sich während ihres halbjährigen Aufenthalts in C._______ aus-

schliesslich mit ihrer amharisch-sprechenden Vermieterin unterhalten ha-

be. Sodann habe die Beschwerdeführerin 1 die Deportation nach 

C._______ und ihren Aufenthalt in jener Stadt nicht glaubhaft schildern 

können. Über wesentliche Ereignisse während der Deportation, wie den 

Grenzübertritt, den Aufenthaltsort nach der Ankunft in C._______ und die 

Registrierung durch die eritreische Behörde, habe sie fast nichts berich-

ten können. An die Stadt, in welcher sie während sechs Monaten gelebt 

haben wolle, erinnere sie sich kaum. Ferner habe sie sich zu ihrer Ausrei-

se aus Eritrea widersprochen, indem sie bei der Befragung zur Person 

angegeben habe, sie sei nach äthiopischem Kalender am 30. Yakatit (9. 

März) 2000 nach Äthiopien zurückgereist, während sie bei der Anhörung 

vorgebracht habe, Eritrea am 30. Magabit (8. April) 2000 verlassen zu 

haben. Die Angaben der Beschwerdeführerin 1 betreffend ihren Hinter-

grund, ihre Lebensumstände und ihre angebliche eritreische Herkunft und 

Nationalität müssten mithin als unglaubhaft eingestuft werden. 

 

Da sich die Beschwerdeführerin 1 bereits im Zusammenhang mit ihrer 

Nationalität und Herkunft widerspreche, würden grundsätzliche Zweifel an 

ihren Vorbringen aufkommen. Nachdem sie sich gemäss eigenen Anga-

ben von der Geburt bis Ende 2005 mit einem angeblichen Unterbruch von 

sechs Monaten in Äthiopien aufgehalten habe, sei davon auszugehen, 

dass sie zumindest über ein Aufenthaltsrecht in diesem Staat, wenn nicht 

sogar über die äthiopische Staatsbürgerschaft verfüge. Im Übrigen habe 

sie sich auch bezüglich der geltend gemachten geschlechtsspezifischen 

Verfolgung in zahlreiche Widersprüche verwickelt. Zwischen der angebli-

chen Vergewaltigung und der Ausreise sei sodann kein direkter Kausal-

zusammenhang erkennbar. Da der Vorfall (…) Jahre zurückliege und 

auch die Angaben der Beschwerdeführerin 1 zu den angeblichen Schwie-

rigkeiten mit den äthiopischen Behörden aufgrund ihrer Herkunft als un-

glaubhaft einzustufen seien, könne davon ausgegangen werden, dass 

sich die Beschwerdeführerin 1 diesbezüglich in Äthiopien in Sicherheit 

wähnen könne. 

 

Damit erübrige es sich, auf weitere Ungereimtheiten in den Vorbringen 

der Beschwerdeführerin 1 einzugehen. Deren Ausführungen hielten den 

Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so 

dass die Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Mithin würde die Be-

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schwerdeführerinnen die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und das 

Asylgesuch sei abzulehnen. 

 

5.2 Die Beschwerdeführerin 1 hält den Erwägungen des BFM insbeson-

dere Folgendes entgegen: 

 

Die Ausführungen des BFM zu den angeblich widersprüchlichen Angaben 

zu ihrem (familiären herkunftsmässigen) Hintergrund seien äusserst spitz-

findig. Ein Widerspruch könne nicht ausgemacht werden. Fakt sei, dass 

sie als Tochter eritreischer Eltern in Äthiopien geboren worden sei und 

dort wegen der Herkunft ihrer Eltern als Eritreerin gelte. Wegen ihrer Ge-

burt in Äthiopien könne sie in Eritrea keine Dokumente erlangen. Hin-

sichtlich ihrer Kenntnisse betreffend ihre Eltern sei zu festzuhalten, dass 

ihre Mutter bereits bei der Geburt gestorben sei und ihr Vater sie verlas-

sen habe, als sie (…) Jahre alt gewesen sei. Sie habe folglich zu ihrer 

Mutter keine und zum Vater nur eine geringe Beziehung gehabt, wodurch 

sich erklären lasse, dass sie über deren Herkunftsorte keine detaillierten 

Angaben machen könne. Möglicherweise habe ihre Grossmutter ihr ge-

wisse Dinge über ihre Eltern erzählt, die sie aber wieder vergessen habe. 

In diesem Zusammenhang sei zu berücksichtigen, dass ihre Grossmutter 

verstorben sei, als sie 12 Jahre alt gewesen sei. Der Umstand, dass ihr 

Vater Soldat der DERG (Militärjunta Äthiopiens von 1974 bis 1987) gewe-

sen sei, spreche nicht dagegen, dass er ursprünglich aus Eritrea stamme, 

da sich Eritrea erst im Jahre 1993 als unabhängig erklärt habe. Kurz zu-

vor sei ihr Vater verschwunden. Zu ihren Sprachkenntnissen sei zu be-

merken, dass sie abgesehen von einem knappen Jahr ihre gesamte 

Kindheit und Jugend in Äthiopien verbracht habe. Mit ihrer Grossmutter 

habe sie Tigrinya gesprochen, weshalb sie die Sprache teilweise verste-

he. Da Tigrinya sprechende Kinder in Addis Abeba jedoch beschimpft 

worden seien, habe sie sich geschämt und nur noch Amharisch gespro-

chen.  

Zum Zeitpunkt ihrer Deportation nach Eritrea sei sie (…) Jahre alt gewe-

sen, und anlässlich der vorinstanzlichen Befragung habe dieses Ereignis 

11 Jahre zurückgelegen. Insofern sei durchaus nachvollziehbar, dass sie 

keine detaillierten Erinnerungen mehr daran habe. In C._______ habe sie 

sodann lediglich ein knappes Jahr gelebt. Sie habe die Sprache nicht ge-

sprochen und sei deshalb nicht in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung 

gekommen. Ihre einzige Bezugsperson sei ihre Chefin gewesen. Immer-

hin habe sie sich daran erinnern können, manchmal ans Meer gegangen 

zu sein. Es könne nicht erwartet werden, dass sie detailliert über mehr als 

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10 Jahre zurückliegende, im Kindesalter erlebte Geschehnisse berichten 

könne. Hinsichtlich des Datums der Ausreise aus Eritrea habe sie bereits 

bei der Anhörung angemerkt, dass sie bei der Erstbefragung keinen Mo-

nat genannt habe. Dass im Befragungsprotokoll dennoch festgehalten 

worden sei, sie sei am 30. Yekatit ausgereist, sei auf ein Missverständnis 

oder einen Übersetzungsfehler zurückzuführen. Jedenfalls habe sie Äthi-

opien am 30. Magabit verlassen. 

 

Ferner beziehe sich das BFM auf zahlreiche Widersprüche in ihren Vor-

bringen betreffend die erlittene Vergewaltigung, nenne jedoch nur deren 

zwei. Die durch die Vorinstanz geschilderten Ungereimtheiten würden je-

doch keine Abstützung in den Akten finden beziehungsweise seien er-

klärbar (vgl. im Einzelnen die Beschwerdeschrift S. 7). Schliesslich be-

haupte das BFM zu Unrecht, dass sie gestützt auf ihren langjährigen Auf-

enthalt in Äthiopien über ein Aufenthaltsrecht beziehungsweise die 

Staatsangehörigkeit verfüge. Dem Bericht der Schweizerischen Flücht-

lingshilfe (SFH) vom 11. Mai 2009 (ALEXANDRA GEISER, Äthiopien: eritrei-

sche Herkunft) sei zu entnehmen, dass vor 2003 von Äthiopien nach Erit-

rea deportierte Personen rein eritreischer oder gemischt äthiopisch-

eritreischer Herkunft nach Auffassung der äthiopischen Behörden (mit 

Durchführung der Überstellung nach Eritrea) keine äthiopische Staats-

bürgerschaft mehr gehabt hätten. Weder den Deportierten noch den 

überwiegend illegal in Drittländer ausgereisten eritreisch-stämmigen Äthi-

opiern stehe die Möglichkeit offen, die äthiopische Staatsbürgerschaft 

(wieder) zu beantragen. Nach dem Gesagten wäre ihr, selbst wenn sie 

diese gehabt hätte, die äthiopische Staatsbürgerschaft nach der Deporta-

tion im Jahre 1999 entzogen worden. Nach ihrer Rückkehr nach Äthio-

pien habe sie sich illegal in Addis Abeba aufgehalten. Es könne somit 

nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich bei einer erneuten Rück-

kehr nach Äthiopien legal dort aufhalten oder gar die Staatsbürgerschaft 

beantragen könnte. Ihre eritreische Herkunft könne sie durch die nun-

mehr eingereichten neuen Beweismittel (Taufurkunde, Kopie des Reise-

passes ihres Bruders, Originale der Identitätskarten von Bruder und Va-

ter) untermauern. Ihr Bruder habe die Familie im Jahre 1991 gemeinsam 

mit dem Vater verlassen. Kürzlich sei er aus Eritrea in den Sudan geflüch-

tet. Mit dem beigelegten Schreiben bestätige sie, dass I._______ ihr Bru-

der sei.  

 

Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass sie wie ihre Eltern und 

ihr Bruder aus Eritrea stamme. Eine Rückkehr dorthin komme nicht in 

Frage, weil sie sich im wehrdienstpflichtigen Alter befinde und die Dienst-

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pflicht in Eritrea seit dem Grenzkrieg von 1998 zeitlich nicht befristet sei. 

Es sei somit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus-

zugehen, dass sie bei einer allfälligen Wegweisung nach Eritrea für den 

Militärdienst rekrutiert würde. Ausserdem habe sie aufgrund ihres langjäh-

rigen Auslandaufenthalts und der Einreichung eines Asylgesuchs in der 

Schweiz begründete Furcht, bei einer Rückkehr nach Eritrea als regime-

kritisch eingestuft und bestraft zu werden. Nachdem sie ihre Flüchtlings-

eigenschaft zumindest glaubhaft gemacht habe, seien sie und ihre Toch-

ter als Flüchtlinge anzuerkennen, und es sei ihnen Asyl zu gewähren. 

 

6.  

Nach eingehender Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsge-

richt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Be-

schwerdeführerinnen bis heute keiner Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG 

ausgesetzt waren und weder im Zeitpunkt der Ausreise noch heute kon-

kret befürchten mussten beziehungsweise müssen, einer solchen Gefahr 

ausgesetzt zu sein. 

6.1 Die Beschwerdeführerin 1 bringt vor, sich Zeit ihres Lebens illegal in 

Äthiopien aufgehalten zu haben, weil sie eritreischer Herkunft sei. Mit der 

Vorinstanz ist indes festzustellen, dass ihre diesbezüglichen Ausführun-

gen widersprüchlich und unsubstanziiert ausgefallen sind. 

6.1.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bis heute 

keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht hat, welche ihre 

angebliche eritreische Staatsangehörigkeit respektive ihre Identität bele-

gen könnten. Wie die Vorinstanz zutreffend feststellte, kann von der ein-

gereichten eritreischen Identitätskarte, die ihrem Vater gehört haben soll, 

kein Bezug zur Beschwerdeführerin hergestellt werden. Dasselbe gilt für 

die nunmehr eingereichte eritreische Identitätskarte und die Kopie des 

Reisepasses ihres Bruders. Selbst wenn diese Personen die eritreische 

Staatsangehörigkeit besitzen respektive besassen, so lässt sich daraus 

nicht ohne Weiteres ableiten, dass auch die Beschwerdeführerin 1 selbst 

Eritreerin ist. Betreffend die eingereichten Papiere ihres Bruders ist zu-

dem nicht nachvollziehbar, warum sie anlässlich der Befragung zur Per-

son angab, keine Geschwister zu haben (vgl. A1/12 Ziff. 12 S. 4), und 

erstmals auf Beschwerdeebene einen sieben Jahre älteren Bruder er-

wähnt, der sich aktuell im Sudan aufhalte. Ebenfalls nicht nachvollziehbar 

ist, dass sie anlässlich der Anhörung zunächst angab, nie Dokumente wie 

eine Geburtsurkunde, ein Schulzeugnis oder ähnliches besessen zu ha-

ben (A21/22 F7 S. 2), auf die Frage, wo sich ihr Taufschein befinde, indes 

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angab, sie habe diesen auf dem Weg in den Sudan verloren (vgl. A21/22 

F109 S. 10). Wie sie nunmehr in der Lage gewesen sein soll, die Taufur-

kunde auf Beschwerdeebene dennoch einzureichen, führt sie nicht aus 

(vgl. die Beschwerdeschrift S. 8). Mithin kann nicht davon ausgegangen 

werden, dass es sich um eine authentische Taufurkunde der Beschwerde-

führerin 1 handelt. Ohnehin vermöchte aber auch dieses Dokument ihre 

Identität nicht zu belegen. 

6.1.2 Die Beschwerdeführerin 1 äusserte sich hinsichtlich ihrer eritrei-

schen Herkunft sodann nur vage und oberflächlich. So gab sie an, bereits 

ihre Grosseltern mütterlicher- wie väterlicherseits hätten in Äthiopien (be-

ziehungsweise im Gebiet des heutigen Äthiopiens) gelebt. Sie wisse je-

doch nicht, wann ihre Vorfahren nach Äthiopien gegangen seien. Sie ha-

be gehört, dass ihre Familie aus Eritrea stamme und ihre Grossmutter 

habe ihr erzählt, dass ihre Eltern Tigrinya gesprochen hätten (vgl. A1/12 

Ziff. 15 S. 6; A21/22 F22ff. S. 3 f.). Sie bringt ausserdem vor, auch ihre 

Grossmutter habe mit ihr Tigrinya gesprochen, sie selbst verstehe Tigri-

nya aber nur "poco" (wenig) (gemäss der Dolmetscherin "molto poco", 

vgl. A1/12 Ziff. 9 S. 3).  

6.1.3 Sodann erweist sich die Deportation der Beschwerdeführerin 1 nach 

Eritrea als unglaubhaft. Dabei kann weitgehend auf die vorinstanzliche 

Erwägung I/1 S. 3 f. verwiesen werden, der auf Beschwerdeebene keine 

substanziierten Einwände entgegenhalten werden. Auch unter Berück-

sichtigung ihres damalig jugendlichen Alters von (…) Jahren darf erwartet 

werden, dass die Beschwerdeführerin 1 zumindest widerspruchsfrei über 

ihren Aufenthalt in Eritrea berichten könnte. Hingegen schilderte sie an-

lässlich der beiden vorinstanzlichen Befragungen die Überstellung nach 

Eritrea nur sehr knapp (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 7 und A21/22 F64–68 S. 6f.) 

und äusserte sich über den weiteren Verbleib in C._______ widersprüch-

lich. Sie wusste nichts über die Stadt zu berichten und bezeichnete die 

einzige Frau, mit der sie sich während ihres Aufenthalts in Eritrea unter-

halten habe, bei der Erstbefragung als Pächterin des Hotels (affituaria 

dell'albergo, vgl. A1/12 Ziff. 3 S. 2) und bei der Anhörung als Besitzerin 

eines Restaurants (vgl. A21/22 F75 S. 8). Ihre diesbezüglichen Erklä-

rungsversuche (vgl. A21/22 F198 S. 19) vermögen den Widerspruch nicht 

aufzulösen. Betreffend die Aufenthaltsdauer machte die Beschwerdefüh-

rerin – auch auf Beschwerdeebene – ebenfalls widersprüchliche Angaben 

(vgl. A1/12 Ziff. 3 S. 1; A21/22 F64 S. 6 f. und F77 S. 8 sowie F194 f. S. 

19; Beschwerdeschrift S. 7). Schliesslich gab sie an, Eritrea nach einem 

Aufenthalt von sechs bis neun Monaten wieder verlassen zu haben, weil 

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Seite 12 

die Regierung ihr keine Ausweisdokumente gegeben habe (vgl. A1/12 

Ziff. 15 S. 6) und macht keine Schwierigkeiten bei der Ausreise geltend. 

Dies erscheint mit der damals in Eritrea herrschenden Einschränkung der 

Reisefreiheit nicht vereinbar. 

6.1.4 Im Zusammenhang mit dem Nachweis ihrer Identität in Äthiopien 

verstrickte sich die Beschwerdeführerin 1 sodann in Widersprüche. Auf 

die Frage, wie sie sich in Addis Abeba ausgewiesen habe, antwortete sie 

anlässlich der Anhörung zunächst, sie sei zu ihrer Identität nie befragt 

worden und habe sich ausserhalb der Stadt versteckt (vgl. A21/22 F8 S. 

2). Im weiteren Verlauf gab sie jedoch als Ausreisegrund aus Äthiopien 

an, dass sie infolge der Anhaltung durch die Polizei zur Ausweiskontrolle 

von einem Gericht vorgeladen worden sei und dort ihre Papierlosigkeit 

hätte begründen müssen, was sie nicht habe tun wollen (vgl. A21/22 

F146 S. 14). Zudem brachte sie vor, sie habe ihre Vermieterin im Jahr 

2004 gebeten, für sie einen Ausweis zu organisieren. Diese habe ihr je-

doch nicht geholfen (vgl. A21/22 F9 S. 2). In den Folgefragen gab sie an, 

ihre Vermieterin sei zum Verwaltungsort gegangen und habe versucht, 

eine Identitätskarte zu besorgen, was nicht funktioniert habe (vgl. A21/22 

F10 f. S. 2). 

6.1.5 Die Identität und eritreische Herkunft der Beschwerdeführerin 1 sind 

durch die eingereichten Beweismittel und ihre Angaben nicht glaubhaft 

gemacht. Vielmehr deuten ihr langjähriger Aufenthalt in Äthiopien, ihre ru-

dimentären passiven Kenntnisse der Sprache Tigrinya, die nicht glaubhaf-

te Deportation nach Eritrea und die widersprüchlichen Angaben zum Vor-

handensein und zum Erhalt von äthiopischen Identitätsdokumenten auf 

eine äthiopische Herkunft hin. Die Einwände der Beschwerdeführerin 1 

betreffend die Schwierigkeiten von Eritreern beim Erhalt äthiopischer 

Ausweispapiere (vgl. die Beschwerdeschrift S. 9 f.) erweisen sich damit 

als unbehelflich.  

6.2 Nachdem die Beschwerdeführerin 1 ihre Herkunft und die Deportation 

nach Eritrea nicht glaubhaft machen konnte, können ihr auch ihre übrigen 

Asylvorbringen nicht geglaubt werden. Damit erübrigt es sich, auf ihre 

weiteren Vorbringen detailliert einzugehen. Anzumerken ist jedoch, dass 

sie sich auch hinsichtlich ihres Aufenthalts in Äthiopien ab dem Jahr 2000 

und dem angeblich fünfjährigen Verbleib im Sudan widersprüchlich und 

unsubstanziiert äusserte. Insbesondere widersprach sie sich mehrfach 

betreffend den Täter der angeblichen Vergewaltigung in Äthiopien (vgl. 

A1/12 Ziff. 11 S. 4 und Ziff. 15 S. 7f.; A21/22 F170 f. S. 16), den Umgang 

E-1494/2013 

Seite 13 

mit den Männern J._______ und K._______ (vgl. A21/22 F97ff. S. 9, 

F107 f. S. 10 und F160–168 S. 15f.) sowie den Ausreisegrund aus Äthio-

pien (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 8; A21/22 F146 S. 14) und vermochte die Wi-

dersprüche auch auf Nachfrage hin nicht zu entkräften. Hinsichtlich ihres 

Aufenthalts im Sudan – der aus dem Aufenthalt im Haus eines ihr bis da-

hin unbekannten Mannes bestanden habe, der sie zuweilen eingesperrt 

habe, sie aber dennoch bis in die Schweiz begleitet und die gesamte Rei-

se finanziert habe – äusserte sie sich sodann oberflächlich und realitäts-

fremd (vgl. A1/12 Ziff. 16 S. 9).  

6.3 Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin 1 nicht gelungen, 

die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft zu machen. Nach dem Gesagten hat 

das BFM zu Recht das Asylgesuch abgewiesen und die Flüchtlingseigen-

schaft verweigert. 

Bei diesem Ergebnis erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen auf 

Beschwerdeebene einzugehen. Für die nachfolgende Prüfung des Weg-

weisungsvollzugs ist von der äthiopischen Herkunft und Staatsangehörig-

keit der Beschwerdeführerinnen auszugehen. 

7.  

Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksich-

tigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  

Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Das Gesuch um Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in die 

Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters wurde durch das BFM mit Verfügung 

vom 20. Juni 2014 rechtskräftig abgewiesen. Weitere Ansprüche auf Er-

teilung einer Aufenthaltsbewilligung sind nicht ersichtlich und werden 

nicht geltend gemacht. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9). 

8.  

Im Hinblick auf die Prüfung allfälliger Wegweisungshindernisse stellt sich 

vorliegend die Frage, ob der diesbezüglich relevante Sachverhalt durch 

das BFM in rechtsgenüglicher Weise erhoben und gewürdigt worden ist. 

8.1 Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und die 

Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen 

E-1494/2013 

Seite 14 

Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asyl-

verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde ver-

pflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachver-

halt von Amtes wegen festzustellen. 

Sind Kinder von einem allfälligen Wegweisungsvollzug betroffen, so bildet 

im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichts-

punkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer 

völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von 

Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die 

Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls 

sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die 

im Hinblick auf einen Wegweisungsvollzug wesentlich erscheinen (BVGE 

2009/51 E. 5.6 m.w.H.). 

8.2 In Bezug auf Äthiopien ist in allgemeiner Hinsicht Folgendes festzu-

halten: Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von ei-

ner grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus (vgl. 

Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-

mission [EMARK] 1998 Nr. 22). Die sozioökonomische Situation allein-

stehender Frauen in Äthiopien muss jedoch als überaus schlecht be-

zeichnet werden. Die Arbeitslosigkeit von Frauen in Addis Abeba wird auf 

40 bis 55 % geschätzt. Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, 

dass eine Frau in Äthiopien einer eigenständigen Erwerbstätigkeit nach-

gehen kann, sind insbesondere eine höhere Schulbildung, das Leben in 

der Stadt, das Verfügen über finanzielle Mittel und die Unterstützung 

durch ein soziales Netzwerk. Ohne diese Voraussetzungen bleiben Frau-

en oft nur berufliche Aktivitäten – wie namentlich Prostitution – die aus 

ethischer Sicht oder mit Blick auf gesundheitliche Risiken nicht zumutbar 

wären (vgl. ALEXANDRA GEISER, SFH, Äthiopien: Rückkehr einer jungen 

alleinstehenden Frau, Bern, 13. Oktober 2009). Für alleinstehende, nach 

Äthiopien zurückkehrende Frauen ist es nach Kenntnis des Bundesver-

waltungsgerichts schwer, sozialen Anschluss zu finden, da unverheiratete 

und allein lebende Frauen von der Gesellschaft – auch der städtischen – 

nicht akzeptiert werden, weil die kulturelle Norm für Frauen ein Leben in 

der Familie vorsieht (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.5 S. 521 f. m.w.H.). 

8.3 Bei den Beschwerdeführerinnen handelt es sich um eine alleinste-

hende Frau und ihr (…)jähriges Kind. Es erweist sich somit als von ent-

scheidwesentlicher Bedeutung, ob sie in Äthiopien über ein hinreichendes 

E-1494/2013 

Seite 15 

familiäres oder anderweitiges soziales Netz verfügen und der Vollzug der 

Wegweisung mit dem Kindeswohl somit vereinbar ist. 

8.3.1 Die Beschwerdeführerin 1 gab diesbezüglich zu Protokoll, seit ihrer 

Geburt und vor der Ausreise in den Sudan in Addis Abeba beziehungs-

weise in einem Vorort namens L._______ gelebt zu haben. Ihre Eltern 

und ihre Grossmutter seien gestorben. Ihr (mittlerweile etwa […]jähriger) 

Sohn lebe bei ihrer ehemaligen Vermieterin. Ansonsten verfüge sie über 

keine Verwandten (vgl. A1/12 Ziff. 12 S. 4). Anlässlich der Anhörung führ-

te sie aus, sie habe einen Cousin mütterlicherseits, der in der Provinz 

Wollo lebe (vgl. A21/22 F55–61 S. 6). In der Beschwerdeschrift erwähnt 

sie sodann erstmals einen Bruder, der sich im Zeitpunkt der Beschwerde-

erhebung im Sudan aufgehalten haben soll. 

8.3.2 Die Vorinstanz führte betreffend die Zumutbarkeit des Vollzugs der 

Wegweisung insbesondere aus, die familiären, sozialen und allgemeinen 

Lebensumstände der Beschwerdeführerinnen seien zufolge der unglaub-

haften Darlegung nicht gesichert. Für die Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs spreche aufgrund der Aktenlage allerdings, dass es sich 

bei der Beschwerdeführerin 1 um eine junge und gesunde Frau handle, 

die vor ihrer Ausreise in Äthiopien verschiedenen Tätigkeiten nachgegan-

gen und selbständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen imstande gewe-

sen sei. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass sie in Äthiopien 

auf ein taugliches Beziehungsnetz zurückgreifen könne. Ihr Sohn sei dort 

bei der ehemaligen Vermieterin wohnhaft, zu der sie ein offenbar vertrau-

tes Verhältnis gepflegt habe. Im vorliegenden Fall sei somit von begünsti-

genden, individuellen Faktoren auszugehen, die eine Reintegration mög-

lich machen würden und aufgrund welcher angenommen werden könne, 

dass die Beschwerdeführerinnen durch den Vollzug der Wegweisung 

nach Äthiopien nicht an Leib und Leben gefährdet würden. Aufgrund der 

unglaubhaften Angaben der Beschwerdeführerin 1 im Zusammenhang 

mit ihrer Herkunft und Identität sei zudem davon auszugehen, dass sie in 

Äthiopien über weitere Verwandte verfüge. 

8.3.3 Die Beschwerdeführerinnen sind besonders schutzbedürftig. Um 

dem Untersuchungsgrundsatz Genüge zu tun, erscheint es – insbesonde-

re mit Blick auf das Kindeswohl – notwendig, vor der Beurteilung der Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs weitere Abklärungen vorzunehmen. 

Aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin 1 steht derzeit nicht fest, 

dass ihr im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien ein soziales Bezie-

E-1494/2013 

Seite 16 

hungsnetz zur Verfügung stünde, welches ihr und der kleinen Tochter die 

erforderlichen Existenzbedingungen – wie Unterkunft und weitere Fakto-

ren einer gesicherten Existenz – notfalls bieten könnte. Das Vorhanden-

sein eines solchen Netzes ist indes zentral, damit die Beschwerdeführe-

rin 1 ihrem Kind ein zumutbares Leben ermöglichen kann. Alleine auf-

grund ihrer Sozialisierung in Addis Abeba kann nicht davon ausgegangen 

werden, dass sie bei einer Rückkehr die notwendige Unterstützung vor-

finden wird. Der Verweis des BFM auf ihren minderjährigen Sohn und die 

ehemalige Vermieterin reicht ebenfalls nicht aus, um von einem tragfähi-

gen Beziehungsnetz auszugehen. Angesichts der Altersangabe der Be-

schwerdeführerin 1 ist ihr Sohn noch nicht in der Lage, für sich selber zu 

sorgen, womit er auch seiner Mutter und Schwester keine Unterstützung 

bieten kann. Dass die ehemalige Vermieterin der Beschwerdeführerin 1 

ihr die notwendige Unterstützung bieten könnte beziehungsweise würde, 

erweist sich sodann als Spekulation. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM den entscheidwesent-

lichen Sachverhalt betreffend die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

in Massachtung der behördlichen Untersuchungspflicht nicht vollständig 

und rechtsgenüglich abgeklärt und damit auch die Begründungspflicht 

verletzt hat. Da eine Heilung dieser erheblichen Verfahrensmängel im 

Beschwerdeverfahren nicht angebracht ist, ist der angefochtene Ent-

scheid aufzuheben und die Sache ist zur Neubeurteilung an die Vorin-

stanz zurückzuweisen. Diese ist aufzufordern, in Bezug auf das Bestehen 

eines familiären und sozialen Netzes der Beschwerdeführerinnen in Addis 

Abeba Abklärungen vor Ort vorzunehmen.  

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die 

vorinstanzliche Verfügung betreffend den Wegweisungsvollzug aufzuhe-

ben ist. Die Sache ist diesbezüglich zur erneuten Beurteilung im Sinne 

der Erwägungen an das BFM zurückzuweisen. Im Flüchtlings- und Asyl-

punkt sowie betreffend die Wegweisung als solche ist die Beschwerde 

abzuweisen. 

10.  

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind 

grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen den 

Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen 

(Art. 63 Abs. 1 und 64 Abs. 1 VwVG).  

E-1494/2013 

Seite 17 

10.1 Beim Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist von einem hälftigen 

Obsiegen der Beschwerdeführerinnen auszugehen. Demzufolge wären 

ihnen die Hälfte der Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 

VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts des mit Verfügung vom 

28. März 2013 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung zu verzichten. 

10.2 Angesichts ihres teilweisen Obsiegens ist den vertretenen Be-

schwerdeführerinnen sodann ist in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 

7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 

173.320.2) eine häftige Entschädigung für die ihnen notwendigerweise 

erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Auf das Einfordern einer Kos-

tennote kann verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsauf-

wand aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abschätzen lässt. Ge-

stützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 

VGKE) ist den Beschwerdeführerinnen zu Lasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von Fr. 850.– (inkl. Auslagen und MwSt) zuzuspre-

chen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1494/2013 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird betreffend Asyl, Flüchtlingseigenschaft und die 

Wegweisung als solche abgewiesen. 

2.  

Betreffend die vorinstanzliche Anordnung des Wegweisungsvollzuges 

wird die Beschwerde gutgeheissen. Die Dispositivziffern 4 und 5 der Ver-

fügung des BFM werden aufgehoben und die Sache wird im Sinne der 

Erwägungen zur Vornahme weiterer Abklärungen und zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben 

4.  

Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen eine um die 

Hälfte reduzierte Parteientschädigung von Fr. 850.– (inkl. MwSt und Aus-

lagen) auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Simona Risi 

 

 

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