# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c3cc85cd-de80-5519-bbdb-f2c07095b018
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.12.2014 IV 2012/284
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-284_2014-12-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/284

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 09.12.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 09.12.2014
Würdigung diverser Gutachten. Da der gutachterlichen Einschätzung einer 
100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu folgen ist, wird der 
Rentenanspruch abgelehnt (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 9. Dezember 2014, IV 2012/284).

Entscheid Versicherungsgericht, 09.12.2014

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Marie Löhrer; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger

Entscheid vom 9. Dezember 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

IV-Leistungen

Sachverhalt:

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A.    

A.a  A.___ meldete sich erstmals im Juni 1993 zum Bezug von IV-Leistungen an. Nach 

vertieften Abklärungen mit einer MEDAS-Begutachtung im Juli 1996 (IV-act. 31) lehnte 

die IV-Stelle das Gesuch mit Verfügung vom 22. Januar 1997 ab (IV-act. 43). Am 

20. November 2007 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen an 

(IV-act. 45), woraufhin sie im August 2008 wiederum in der MEDAS Ostschweiz 

untersucht und begutachtet wurde (IV-act. 82). Die Sachverständigen hielten fest, aus 

somatischer Sicht leide die Versicherte unter einer gastroösophagealen 

Refluxkrankheit, einer klassischen Migräne mit Aura und Spannungstyp-

Kopfschmerzen, welche möglicherweise analgetikainduziert akzentuiert seien. Im 

Vordergrund stehe aber die somatoforme autonome Funktionsstörung des oberen und 

unteren Gastrointestinaltraktes und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die 

rezidivierende depressive Störung sei zum grössten Teil auf die psychosoziale 

Belastungssituation zurückzuführen und erfülle deshalb die Kriterien für die Diagnose 

einer schweren psychischen Komorbidität nicht. Mit einer Verfügung vom 5. Januar 

2009 lehnte die IV-Stelle das Rentengesuch ab (IV-act. 94). Sie hielt fest, aus 

medizinischer Sicht sei der Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit zu 75% 

zumutbar; der Invaliditätsgrad betrage 31%. Am 4. Februar 2009 liess die Versicherte 

dagegen Beschwerde beim Versicherungsgericht erheben (IV-act. 97). Das Gericht 

hiess die Beschwerde mit Entscheid vom 9. Februar 2011 teilweise gut. Es wies die 

Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurück (Entscheid des 

Versicherungsgerichts St. Gallen vom 9. Februar 2011, IV 2009/28, für eine ausführliche 

Darstellung des Sachverhalts sei darauf verwiesen; IV-act. 109). Das Gericht erachtete 

insbesondere die psychiatrische Beurteilung als nicht aussagekräftig genug, um 

gestützt darauf den Rentenanspruch zu beurteilen. Die Frage nach der verbleibenden 

Restarbeitsfähigkeit sei unter Beizug der gesamten medizinischen Aktenlage zu 

beantworten.

A.b  Im April 2011 leitete die IV-Stelle zu diesem Zweck eine weitere medizinische 

Abklärung in der MEDAS-Ostschweiz in die Wege (IV-act. 113). Die Versicherte wurde 

am 11. und 13. Juli 2011 untersucht und begutachtet. Das Gutachten datiert vom 

17. Februar 2012 (IV-act. 120). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, der 

psychopathologische Zustand der Versicherten habe sich seit der letzen Beurteilung im 

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Juli 2008 trotz der vorhandenen psychosozialen Belastungen gebessert. Eine 

depressive Störung könne weder im Verlauf noch bei der jetzigen Untersuchung 

objektiviert werden. Der Gutachter hatte mit der Versicherten diverse Tests zur 

Objektivierung der häufigsten depressiven Symptome durchgeführt. Er war der Ansicht, 

dass u.a. die Hamilton-Depressionsskala, bei der die Beschwerdeführerin 8 Punkte 

erreicht hatte, eine depressive Störung im Sinne der ICD-10 Klassifikation 

ausschliesse, weshalb die Kriterien der Diagnose einer depressiven Störung derzeit 

nicht erfüllt seien. Im Vergleich zu den Untersuchungen von 1996 und 2008 könne 

festgestellt werden, dass sich die Somatisierungsstörung zwar auf weitere 

Körperfunktionen ausgeweitet, die Beschwerdeschilderung aber an Dramatik 

abgenommen habe. Die vielen innerseelischen Konflikte und die psychosozialen Be­

lastungen prägten insgesamt das psychopathologische Zustandsbild der Versicherten. 

Dabei bestehe eine Tendenz, solche Konflikte in körperliche Symptome umzuwandeln. 

Die Versicherte zeige in mitmenschlichen Beziehungen Verhaltensauffälligkeiten, 

weshalb bereits 2008 die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, 

passiv-aggressiven und paranoiden Zügen gestellt worden sei (ICD-10: F60.8). Zudem 

bestehe eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) ohne ausgewiesene mitwirkende 

psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. 

Derzeit lägen bei der Versicherten weder kognitive Störungen noch schwere 

psychiatrische Erkrankungen aus dem depressiven oder schizophrenen Formenkreis 

oder eine schwere Persönlichkeitsstörung vor, die es als der Versicherten nicht 

zumutbar erscheinen liessen, mit genügender Willensanspannung die 

Somatisierungsstörung zu überwinden (IV-act. 120-12). Gesamthaft hielten die 

Gutachter fest, unter Berücksichtigung aller gesundheitsbeeinträchtigenden Aspekte 

könne keine Arbeitsunfähigkeit in den von der Versicherten früher und aktuell 

ausgeübten beruflichen Tätigkeiten attestiert werden. Kurzfristige Arbeitsausfälle seien 

aufgrund der rezidivierenden Migräne möglich. Tätigkeiten mit wiederholtem Bücken 

seien aufgrund der gastroösophagealen Refluxkrankheit zu vermeiden. Da der 

Verdacht auf einen Triptan-Abusus bestehe, sollte die Versicherte einen 

Schmerzkalender führen und die Triptan-Medikation reduzieren. Psychiatrischerseits 

wären die subjektiven Befindlichkeitsstörungen bei geeigneter psychiatrisch-

psychotherapeutischer Behandlung überwindbar, sofern die Versicherte im 

therapeutischen Prozess aktiv mitwirken würde. Aufgrund des chronifizierten 

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Beschwerdebildes könne im Verlauf nicht mit einer Besserung der subjektiven 

Befindlichkeit gerechnet werden (IV-act. 120-15).

A.c  Gestützt auf diese medizinische Einschätzung kündigte die IV-Stelle der 

Versicherten mit Vorbescheid vom 22. März 2012 an, dass sie das Rentengesuch bei 

einem Invaliditätsgrad von 0% abweisen werde (IV-act. 125). Dagegen liess die 

Versicherte am 14. Mai 2012 einen Einwand erheben (IV-act. 126). Sie liess beantragen, 

es sei ihr eine Rente auszurichten und der Fall sei zur weiteren Bearbeitung an die 

zuständige IV-Stelle im Kanton Bern zu übertragen. Mit Verfügung vom 18. Juni 2012 

entschied die IV-Stelle (St. Gallen) gemäss ihrem Vorbescheid (IV-act. 129). Zur 

Begründung hielt sie fest, gemäss Art. 55 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) sei diejenige IV-Stelle zuständig, in deren 

Kantonsgebiet die versicherte Person im Zeitpunkt der Anmeldung ihren Wohnsitz 

gehabt habe. Zur medizinischen Begründung erwog sie, es könne zwar wegen der 

Migräne kurzzeitige Arbeitsausfälle geben, eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit  sei aber 

nicht ausgewiesen. Seit der Begutachtung im August 2008 sei eine Besserung des 

Gesundheitszustandes eingetreten. Aktuell habe kein depressives Leiden mehr 

diagnostiziert werden können. Die Somatisierungsstörung und die spezielle 

Persönlichkeitsstruktur der Versicherten begründeten versicherungsmedizinisch keine 

Arbeitsunfähigkeit.

B.    

B.a  Dagegen richtete sich die Beschwerde vom 14. August 2012 (act. G 1). Die nun 

nicht mehr anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin beantragte, weiterführende 

Abklärungen im Kanton Bern vorzunehmen. Durch die Einnahme von diversen 

Medikamenten sei ein normaler (Arbeits-) Alltag unmöglich. Sie leide an Appetitverlust, 

Schlafstörungen, Müdigkeit am Arbeitsplatz bis hin zu Blitzschlaf, 

Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schwächeanfällen und Schmerzen beim 

Berühren von Gegenständen. Zudem benötige sie längere Sitz- und Ruhepausen.

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 4. Oktober 2012 beantragte die 

Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen (act. G 4). Zur Begründung 

führte sie an, es könne auf die Einschätzung der MEDAS-Gutachter abgestellt werden. 

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Mit der polydisziplinären Untersuchung sei sichergestellt worden, dass keiner 

medizinischen Einzeldisziplin bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ein zu grosses 

Gewicht zugekommen sei. Die Beschwerdeführerin leide entgegen ihrer eigenen 

Ansicht nicht an erheblichen objektivierbaren Beschwerden, die eine Dauerbehandlung 

bei diversen Ärzten notwendig machen würden. Sporadische Besuche beim Hausarzt 

sollten ausreichend sein. Dabei sei es der Beschwerdeführerin zumutbar, diese 

ausserhalb der Arbeitszeit vorzunehmen. Ein Einfluss der Medikamente auf die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei dem Gutachten nicht zu entnehmen. 

Weitere medizinische Abklärungen seien unnötig, da die MEDAS-Sachverständigen die 

geltend gemachten Einschränkungen der Beschwerdeführerin ausführlich abgeklärt 

hätten. Da die Beschwerdeführerin in sämtlichen Tätigkeiten, in denen sie sich nicht 

bücken müsse, voll arbeitsfähig sei, sei sie nicht invalid im Sinne von Art. 8 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, 

SR 830.1), weshalb gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG kein Rentenanspruch gegeben sei.

B.c  Die Beschwerdeführerin replizierte am 28. Januar 2013, sie könne ihre derzeit 

ausgeübte Tätigkeit nur schwer ausführen. Jeder Handgriff, sei er auch noch so leicht, 

sei mit Schmerzen verbunden. Zum Beweis legte sie Fotos ihrer Fingernägel bei. Sie 

leide aktuell an starkem Haarausfall, was ihr ein repräsentatives Aussehen, welches sie 

für den Umgang mit Kunden brauche, verunmögliche. Sie legte zum Beweis im 

Zeitraum einer Woche ausgefallene Haare bei und verwies auf Herrn Dr. B.___, bei dem 

Abklärungen im Gange seien (act. G 10).

B.d  Am 6. Februar 2013 verzichtete die Beschwerdegegnerin sinngemäss auf eine 

Duplik (act. G 12).

Erwägungen:

1.

1.1  Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin 

verfügte erstmals im Januar 2009, also unter Geltung des neuen Rechts. Allerdings ist 

vorliegend zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin bereits im November 

2007 zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle angemeldet hatte. 

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Intertemporalrechtlich ist daher für einen allfälligen Beginn des Rentenanspruchs nicht 

die seit dem 1. Januar 2008 geltende Regelung in Art. 29 Abs. 1 IVG, sondern die 

altrechtliche Lösung in aArt. 29 Abs. 1 IVG (allenfalls in Verbindung mit aArt. 48 Abs. 2 

IVG) anwendbar (vgl. die IV-Rundschreiben Nr. 253 und Nr. 300 des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen). Ein allfälliger Rentenanspruch wäre demnach – unabhängig vom 

Anmeldedatum – mit dem Ablauf des Wartejahres entstanden.

1.2  Der Hausarzt der Beschwerdeführerin attestierte ab dem 18. Dezember 2006 eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es ist daher zu prüfen, ob der damalige 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin das Wartejahr hat beginnen lassen. Die 

erste ablehnende Verfügung ist vom Versicherungsgericht aufgehoben und die Sache 

ist zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen worden. Die 

IV-Stelle hat deshalb am 18. Juni 2012 neu über einen allfälligen Rentenanspruch ab 

dem Ablauf des Wartejahres verfügt. Es gilt somit, den Sachverhalt (und den 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin) von Dezember 2006 bis zum Zeitpunkt 

der angefochtenen Verfügung vom 18. Juni 2012 zu beurteilen.

2.

2.1  Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von 

weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung 

(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).

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2.2  Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später 

das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen. 

Aufgabe der Ärzte ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im 

Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über 

die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sind die ärztlichen 

Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen 

Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob 

die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte 

(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt, 

welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus, unbeachtlich sind (BGE 

130 V 356 E. 2.2.5).

2.3  Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht 

für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch 

die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation und deren 

Zusammenhängen einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 125 V 352 E. 3a). So weicht denn auch das Gericht nach der Praxis nicht 

ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen 

Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um 

einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 352 E. 3b/aa).

3.

3.1  Das Versicherungsgericht hat seinen Rückweisungsentscheid vom 9. Februar 2011 

damit begründet, dass eine erhebliche Abweichung zwischen den Angaben von 

Dr. C.___ in dessen Gutachten zuhanden der Krankentaggeldversicherung und den 

Angaben des psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS sowohl in Bezug auf die 

Diagnosen als auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung bestehe. Dr. C.___ 

habe eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom 

und eine Somatisierungsstörung angegeben und daraus auf eine aktuelle vollständige 

Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin geschlossen, wobei mittelfristig eine 

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Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden könne. Der psychiatrische Sachverständige 

der MEDAS habe eine mittelschwere depressive Störung angegeben, die allerdings 

variabel und reversibel sei. Er habe zwar eine Arbeitsunfähigkeit angenommen, diese 

aber gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung und auf die Verursachung 

durch psychosoziale Belastungsfaktoren als vollständig überwindbar qualifiziert. Das 

Versicherungsgericht hat weder die Einschätzung von Dr. C.___ noch diejenige des 

Sachverständigen der MEDAS als überzeugend betrachtet, wobei in Bezug auf die 

psychiatrische Abklärung im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS wohl die 

Überlegung mitgewirkt hat, dass der Sachverständige die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung falsch interpretiert und deshalb auch falsch angewendet habe. In 

dieser Situation hat die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren 

Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes und der daraus allenfalls 

resultierenden Arbeitsunfähigkeit nur den Zweck gehabt, eine dritte, nun aber 

überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit ab Dezember 2006 zu erhalten.

3.2  Der Begutachtungsauftrag an die MEDAS (vgl. IV-act. 114-2) hat zwar den 

üblichen vollständigen Fragenkatalog enthalten, zusätzlich ist die MEDAS aber mit der 

Aufgabe betraut worden, sich zu den "Beanstandungen" im Rückweisungsentscheid 

des Versicherungsgerichts zu äussern. Hätte die Beschwerdegegnerin die Intention des 

Versicherungsgerichts im Rückweisungsentscheid konsequent umgesetzt, hätte sie im 

Begutachtungsauftrag den üblichen Fragenkatalog entweder weglassen müssen, d.h. 

sie hätte den Abklärungsauftrag klar auf das Thema der "Beanstandungen" 

beschränken müssen. So ist der entsprechende Teil des Begutachtungsauftrags 

anscheinend nicht verstanden worden, denn im psychiatrischen Teil des Gutachtens 

von 2012 findet sich – trotz eines entsprechenden Hinweises des psychiatrischen 

Sachverständigen – keine Auseinandersetzung mit dem Gesundheitszustand und der 

daraus allenfalls resultierenden Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2006. Die im 

Gutachten von 2008 gestellte Diagnose wird als rezidivierende depressive Störung 

mittelschweren Ausmasses mit somatischem Syndrom wiedergegeben. Dies wird als 

Faktum betrachtet und zur Grundlage der Beurteilung der Entwicklung des 

psychischen Gesundheitszustandes seit 2008 gemacht. Der Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin soll sich seither "etwas gebessert" haben (vgl. IV-act. 120-12), was 

dazu geführt habe, dass neu keine depressive Störung mehr habe objektiviert werden 

können. Damit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine uneingeschränkte 

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Arbeitsfähigkeit. Das eigentliche Abklärungsziel, nämlich die Frage nach der 

Arbeitsfähigkeit seit Dezember 2006, ist also nicht thematisiert worden. Trotzdem liefert 

das MEDAS-Gutachten 2012 Informationen, die es erlauben, die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu 

belegen: Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS hatte im Jahr 2008 

angegeben, die Beschwerdeführerin habe ihre Beschwerden – in einem durchwegs 

kraftvoll anklagenden Unterton – recht konsistent geschildert. Diese Beschwerden 

seien in einer Art vorgebracht worden, die weder ein Hinterfragen noch Hinweise auf 

eigene Anteile zugelassen habe. Die Beschwerdeführerin habe von einem 

Psychotherapeuten erwartet, dass er sie "abhöre", letztlich also in ihrer Opferrolle 

bestärke. Klinisch hätten sich weder eine affektive Einengung noch eine spontane 

Schmerzreaktion oder vegetativ-vitale Zeichen geäussert, die eine verminderte 

Leistungsfähigkeit aufgezeigt hätten. Die relativ hohen Resultate in den Depressions-

Fremdbeurteilungsskalen seien hauptsächlich durch die anamnestischen Angaben 

zustande gekommen. Es habe eine grosse Diskrepanz zwischen den im Gespräch 

objektivierbaren Befunden und dem zu diagnostizierenden Syndrom bestanden. Wenn 

man sich aber stur an die ICD-10 F-Diagnostik halte, müsse die Diagnose einer 

mittelschweren depressiven Störung mit somatischem Syndrom gestellt werden. Die 

RAD-Ärztin habe diese Diagnose, wohl gestützt auf den Mangel an objektivierbaren 

Befunden und auf die Verdeutlichungstendenz, nicht stellen wollen. Deshalb habe sie 

eine schwere psychische Erkrankung ausgeschlossen. Die Beschwerdeführerin leide 

auch an einer Persönlichkeitsstörung mit einem passiv-aggressiven und histrionischen 

Einschlag, ohne deswegen aber für Dritte unzumutbar zu sein, wie die mehrjährige 

Tätigkeit als Gastwirtin gezeigt habe. Der Schweregrad der depressiven Störung sei 

wegen der Verdeutlichungstendenz kaum zu objektivieren. Das depressive 

Zustandsbild dürfte zum grössten Teil auf die psychosoziale Belastungssituation 

zurückzuführen sein, weshalb keine schwere psychische Beeinträchtigung bestehe.

3.3  Damit hat der psychiatrische Sachverständige im Jahr 2008 erklärt, warum er 

einerseits eine mittelschwere depressive Störung angegeben und andererseits eine 

Arbeitsunfähigkeit verneint hat: Die Diagnose ist das Ergebnis des Ausgangs 

verschiedener standardisierter Tests gewesen, wobei eine deutliche Diskrepanz zur 

klinischen Untersuchung aufgefallen ist, d.h. die Diagnose ist auf die Verdeutlichung 

zurückzuführen gewesen, während die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf das Ergebnis der 

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klinischen Abklärung abgestellt hat. Der psychiatrische Sachverständige hat also im 

Jahr 2008 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung aktuell 

mittelschweren Ausmasses angegeben, ist aber eigentlich davon ausgegangen, dass 

nur eine leichtgradige Ausprägung der depressiven Störung vorliege, die keine 

Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe, weil es der Beschwerdeführerin bei einer 

zumutbaren Willensanstrengung möglich und zumutbar gewesen wäre, zu 100% einer 

adaptierten Erwerbstätigkeit nachzugehen (zumal keine die Arbeitsfähigkeit 

beeinträchtigende affektive Einengung oder kognitive Beeinträchtigung vorlag).

3.4  Durch das MEDAS-Gutachten 2012 ist nun erkennbar geworden, dass die Ab­

weichung zwischen der Diagnose und der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Jahr 2008 

insbesondere auf eine Diagnose zurückzuführen ist, die sich einzig auf die 

standardisierte Testung und nicht auf die klinische Untersuchung gestützt hat. Die 

psychiatrische Begutachtung von 2012 hat das Abklärungsresultat des Jahres 2008 

vollumfänglich bestätigt. Die Beschwerdeführerin hat erneut jene 

Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, die für eine Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, 

passiv-aggressiven und paranoiden Zügen typisch sind. Die Anpassungsstörung hat 

sich auf weitere Körperfunktionen ausgeweitet, aber die angegebenen Schmerzen 

haben an Dramatik abgenommen. Wie schon im Jahr 2008 ist auch im Jahr 2012 

daraus keine Arbeitsunfähigkeit abzuleiten gewesen. Ausschlaggebend ist nun aber, 

dass keine depressive Störung hat objektiviert werden können. Diese Einschätzung 

beruht nicht nur auf dem Ergebnis der klinischen Untersuchung im Gespräch, sondern 

auch auf Testungen. Eine dieser Testungen hat zwar eine hohe Punktzahl ergeben, 

aber der psychiatrische Sachverständige hat diesmal, anders als 2008, das Ergebnis 

kritisch beleuchtet und da es weder mit der Anamnese noch mit dem klinischen Befund 

korrelierte, nicht als Basis für seine Einschätzung herangezogen. Eine andere Testung 

hat sogar eine depressive Störung ausgeschlossen.

3.5  Die Aussage des psychiatrischen Sachverständigen, es sei seit 2008 eine leichte 

Verbesserung eingetreten, muss nach dem oben Ausgeführten relativiert werden, da 

sie sich an einer Diagnose orientiert, die nach dem oben Ausgeführten damals nicht mit 

Überzeugung gestellt worden ist. Daraus folgt, dass die – überzeugende – 

Einschätzung im MEDAS-Gutachten von 2012 (uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit) die 

gleichlautende Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten des Jahres 2008 

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vollumfänglich bestätigt. Für die Zeit ab der Begutachtung von 2008 ist also davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit nicht 

arbeitsunfähig gewesen ist. Da nichts darauf hindeutet, dass dies vor der 

Begutachtung von 2008 anders gewesen sein könnte (und da für die massgebende 

Periode keine überzeugende Abklärung mehr möglich ist), ist davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin bei objektiver Betrachtung ab Dezember 2006 – entgegen den 

Angaben des behandelnden Arztes – aus psychiatrischer Sicht nicht arbeitsunfähig 

gewesen ist.

3.6  Das MEDAS-Gutachten vom 18. August 2008 erweist sich, soweit es sich auf die 

somatischen Beschwerden bezieht, auch bei nochmaliger Würdigung als 

nachvollziehbar und überzeugend, weshalb es diesbezüglich eine ausreichende 

Grundlage für die Beurteilung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin darstellt. Das Gericht ist denn auch in seinem Entscheid vom 

9. Februar 2011 lediglich in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin zur Auffassung gelangt, dass dieses Gutachten nicht zu 

überzeugen vermöge. Das neue MEDAS-Gutachten vom 17. Februar 2012 ist deshalb 

nicht nur ein Verlaufsgutachten, mit dem die Entwicklung der somatischen und 

psychischen Gesundheit der Beschwerdeführerin seit 2008 erhoben worden ist. Es ist 

in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und in 

Bezug auf die daraus allenfalls resultierende Arbeitsunfähigkeitsschätzung auch eine 

Ergänzung des MEDAS-Gutachtens von 2008, d.h. es sollte die Antwort auf die Frage 

liefern, ob die Beschwerdeführerin aufgrund einer Beeinträchtigung ihrer psychischen 

Gesundheit ab Dezember 2006 in einem rentenerheblichen Ausmass arbeitsunfähig 

gewesen ist.

3.7  Wie gezeigt, ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin 

andauernd über die nötigen Ressourcen verfügt hat, um mit ihrer belastenden Situation 

adäquat umzugehen. Zumindest ist es ihr stets zumutbar gewesen, die nötige 

Willensanstrengung aufzubringen und ihre im Zusammenhang mit der 

Somatisierungsstörung stehenden Beschwerden zu überwinden. Durch die Migräne hat 

es zwar zu kurzfristigen Arbeitsausfällen kommen können, diese Beeinträchtigung 

konnte aber nie eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben. Tätigkeiten mit 

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wiederholtem Bücken zu vermeiden, sollte der Beschwerdeführerin ohne weiteres 

möglich gewesen sein.

3.8  Während bei der Verfügung vom 5. Januar 2009 auf einen IV-Grad von 31% 

abgestellt worden ist, stützt sich die Verfügung vom 18. Juni 2012 auf einen 

Invaliditätsgrad von 0%. Ob weiterhin auf die im MEDAS-Gutachten 2008 festgestellte 

Arbeitsunfähigkeit von maximal 25% abzustellen ist oder ob sich der 

Gesundheitszustand so verbessert hat, dass keine Arbeitsunfähigkeit mehr besteht, 

kann offen bleiben, da auch bei der Annahme einer unveränderten 25%igen 

Arbeitsunfähigkeit kein Invaliditätsgrad von mindestens 40% resultieren würde.

4.

4.1  Es ist damit zusammenfassend festzustellen, dass der Beschwerdeführerin 

durchgehend seit 2006 eine 100%ige Arbeitstätigkeit zumutbar war. Weitere 

Ausführungen erübrigen sich, da bei dieser Ausgangslage kein rentenbegründender 

Invaliditätsgrad von mindestens 40% entstehen konnte. Damit hat die 

Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht 

verneint. Folglich ist die Beschwerde unter Bestätigung der Verfügung vom 18. Juni 

2012 abzuweisen.

4.2  Falls die Beschwerdeführerin der Ansicht ist, ihr Gesundheitszustand habe sich 

nach Erlass der Verfügung (vom 18. Juni 2012) massgeblich verschlechtert, steht es ihr 

frei, dies im Rahmen einer Wiederanmeldung gegenüber der (zuständigen) IV-Stelle 

geltend zu machen.

5.Nach Art. 69 Abs. 1  IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be­

willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand 

und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. 

Sie sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Nachdem die 

Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren unterlegen ist, hat sie die 

Gerichtskosten zu tragen. Die Gerichtskosten sind durch den bezahlten 

Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt.

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.      Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.      Die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- ist von der Beschwerdeführerin zu tragen. 

Sie ist durch den Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 09.12.2014
	Würdigung diverser Gutachten. Da der gutachterlichen Einschätzung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu folgen ist, wird der Rentenanspruch abgelehnt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Dezember 2014, IV 2012/284).

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		2025-07-19T09:26:04+0200
	"9001 St.Gallen"
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