# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7824162b-ff83-5be2-8842-9c4d051b60a0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.06.2020 F-5147/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5147-2018_2020-06-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5147/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, 

Richter Yannick Antoniazza-Hafner,    

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

handelnd durch die Eltern B._______ und C._______, 

vertreten durch Hansjörg Trüb, 

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Aufent-

haltsbewilligung (Art. 84 Abs. 5 AuG). 

 

 

 

F-5147/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Eltern des Beschwerdeführers und sein damals zweijähriger Bruder, 

alle türkische Staatsangehörige, ersuchten am 16. Dezember 2002 in der 

Schweiz um Asyl. Mit Verfügung vom 9. Februar 2004 lehnte die Vorinstanz 

(damals noch Bundesamt für Flüchtlinge) die Asylgesuche ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz an. Dagegen erhoben die Eltern des Be-

schwerdeführers am 8. März 2004 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-

gericht. Während des laufenden Beschwerdeverfahrens kam am (…) 2009 

der Beschwerdeführer zur Welt. Mit Urteil E-3528/2006 vom 13. Juli 2010 

hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde teilweise gut und 

wies die Vorinstanz an, die vorläufige Aufnahme der Familie wegen Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zu verfügen. 

B.  

Am 22. März 2017 reichte die Familie beim Migrationsdienst des Kantons 

Bern (nachfolgend Migrationsdienst) ein Gesuch um Erteilung einer Auf-

enthaltsbewilligung ein. Mit Verfügung vom 22. Januar 2018 wies der Mig-

rationsdienst das Gesuch ab.  

C.  

Die dagegen erhobene Beschwerde hiess die Polizei- und Militärdirektion 

des Kantons Bern (nachfolgend POM) mit Entscheid vom 28. Mai 2018 

teilweise gut, indem es den Migrationsdienst anwies, dem Beschwerdefüh-

rer und seinem (mittlerweile volljährigen) Bruder, unter Vorbehalt der Zu-

stimmung der Vorinstanz, eine Härtefallbewilligung zu erteilen. In Bezug 

auf die Eltern des Beschwerdeführers wies sie die Beschwerde ab, im We-

sentlichen mit der Begründung, diese könnten aufgrund ihrer Sozialhilfe-

abhängigkeit nicht als hinreichend integriert gelten. 

Bezüglich des Beschwerdeführers hielt sie zur Begründung fest, wenn ihm 

keine Aufenthaltsbewilligung erteilt würde, hätte dies nicht unerhebliche 

Nachteile in Bezug auf seine schulische und berufliche Zukunft. Seine fort-

geschrittene Integration und Verwurzelung in der Schweiz überwiege die 

fehlende wirtschaftliche Integration seiner Eltern.  

D.   

Am 30. Mai 2018 unterbreitete der Migrationsdienst der Vorinstanz die Ge-

suche zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers 

und seines Bruders zur Zustimmung.  

F-5147/2018 

Seite 3 

E.  

Mit Verfügung vom 5. Juni 2018 stimmte die Vorinstanz der Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung an den Bruder des Beschwerdeführers zu. Hinge-

gen verweigerte sie mit Verfügung vom 9. August 2018 die Zustimmung zur 

Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an den Beschwerdeführer.  

F.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. September 

2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung und die Zustimmung zur Erteilung 

einer Aufenthaltsbewilligung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Be-

freiung von den Verfahrenskosten unter Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

G.  

In ihrer Vernehmlassung vom 22. Oktober 2018 beantragte die Vorinstanz 

die Abweisung der Beschwerde.  

H.  

In seiner Replik vom 23. November 2018 hielt der Beschwerdeführer an 

seinen Anträgen und deren Begründung fest.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen des SEM betreffend Zustimmung zur Erteilung einer kan-

tonalen Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 84 Abs. 5 AuG i.V.m. 

Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG (SR 142.20, seit 1. Januar 2019: AIG; vgl. dazu 

E. 3.1 hiernach) sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht an-

fechtbar (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-

gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 

F-5147/2018 

Seite 4 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit-

sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 2 und 5 BGG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-

dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus 

anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-

scheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.; 2011/43 E. 6.1). 

3.  

3.1 Am 1. Januar 2019 hat das Ausländergesetz (vgl. E. 1.1 hiervor) eine 

Teilrevision und Namensänderung erfahren (Änderung vom 16. Dezember 

2016, AS 2018 3171). Es heisst nunmehr «Bundesgesetz über die Auslän-

derinnen und Ausländer und über die Integration» vom 16. Dezember 2005 

(AIG). Ebenfalls mit Wirkung ab 1. Januar 2019 ist die Verordnung über 

Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE; 

SR 142.201) revidiert worden (Änderung vom 15. August 2018, AS 2018 

3173).  

3.2 Die streitige Verfügung datiert vom 9. August 2018. Eine gesetzliche 

Übergangsregelung fehlt, weshalb aufgrund allgemeiner Grundsätze über 

das anwendbare Recht entschieden werden muss. Weder ist das neue 

Recht günstiger noch liegen zwingende Gründe vor, welche für dessen so-

fortige Anwendung sprechen würden. In materieller Hinsicht gelangen so-

mit die einschlägigen Bestimmungen der erwähnten Erlasse in der bis am 

31. Dezember 2018 gültig gewesenen Fassung zur Anwendung (vgl. Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts F-501/2018 vom 13. Dezember 2019 

E. 4).  

4.  

4.1 Gemäss Art. 40 Abs. 1 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung 

und Verlängerung von ausländerrechtlichen Bewilligungen. Vorbehalten 

bleibt die Zuständigkeit des SEM für das Zustimmungsverfahren (Art. 99 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/1

F-5147/2018 

Seite 5 

AuG in der bis zum 31. Mai 2019 gültig gewesenen Fassung vom 16. De-

zember 2005 [AS 2007 5437 5470]) i.V.m. Art. 85 VZAE und Art. 5 Bst. d 

der Verordnung des EJPD vom 13. August 2015 über die dem Zustim-

mungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen Bewilligungen und 

Vorentscheide [SR 142.201.1]). 

4.2 Die kantonale Migrationsbehörde hat ihren Entscheid korrekterweise 

der Vorinstanz zur Zustimmung vorgelegt (vgl. dazu BGE 141 II 169 

E. 4.3.1 f. und 6.1).  

5.  

5.1 Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung von vorläufig auf-

genommenen Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr als fünf 

Jahren in der Schweiz aufhalten, werden gemäss Art. 84 Abs. 5 AuG unter 

Berücksichtigung der Integration, der familiären Verhältnisse und der Zu-

mutbarkeit einer Rückkehr in den Herkunftsstaat vertieft geprüft. Die aus-

führende Bestimmung von Art. 31 VZAE zum sogenannten schwerwiegen-

den persönlichen Härtefall legt ergänzend die Beurteilungskriterien zur 

Prüfung von Aufenthaltsbewilligungsgesuchen fest, welche insbesondere 

gestützt auf Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG eingereicht werden (vgl. zum Ganzen 

Urteile des BVGer F-4727/2017 vom 15. März 2019 E. 5.1 und 5.3; 

F-3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 4.1 f.). Demnach sind gemäss 

Art. 31 Abs. 1 VZAE in der hier anwendbaren Fassung vom 24. Oktober 

2007 (AS 2007 5497 5507) bei der Beurteilung eines schwerwiegenden 

persönlichen Härtefalls insbesondere die Integration der gesuchstellenden 

Person (Bst. a), die Respektierung der Rechtsordnung (Bst. b), die Famili-

enverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung und die Dauer 

des Schulbesuchs der Kinder (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie 

der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung 

(Bst. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (Bst. e), der Gesund-

heitszustand (Bst. f) und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im 

Herkunftsstaat (Bst. g) zu berücksichtigen.  

5.2 Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls sind aufgrund 

des Ausnahmecharakters von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG und aArt. 31 Abs. 1 

VZAE restriktiv zu handhaben. Die betroffene Person muss sich in einer 

persönlichen Notlage befinden (Urteil des BVGer F-4727/2017 vom 

15. März 2019 E. 6). Bei der Beurteilung eines Härtefalles müssen sämtli-

che Umstände des jeweiligen Einzelfalles berücksichtigt werden. Die Aner-

kennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die Anwesenheit 

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Seite 6 

in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung einer persönlichen Not-

lage darstellt. Auf der anderen Seite reichen eine lang dauernde Anwesen-

heit und eine fortgeschrittene soziale und berufliche Integration sowie klag-

loses Verhalten für sich alleine nicht aus, um einen schwerwiegenden per-

sönlichen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass die 

ausländische Person so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass 

von ihr nicht verlangt werden kann, in einem anderen Land, insbesondere 

in ihrem Heimatstaat zu leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbar-

schaftliche Beziehungen, welche die betroffene Person während ihres Auf-

enthaltes in der Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für 

eine Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen (vgl. BVGE 2017 

VII/6 E. 6.3). 

5.3 Besonderes Augenmerk ist Kindern zu widmen. Gemäss Art. 3 Abs. 1 

des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-

des (im Folgenden: Kinderrechtekonvention, KRK, SR 0.107) ist das Kin-

deswohl bei allen Massnahmen, die Minderjährige betreffen, ein Aspekt 

von vorrangiger Bedeutung. Dem wird in der Praxis insofern Rechnung ge-

tragen, als der fortgeschrittenen sozialen und schulischen Integration von 

Kindern in der Schweiz regelmässig besonderes Gewicht beigemessen 

wird (vgl. Urteil des BVGer F-3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 4.4). 

6.  

6.1 Der in der Schweiz geborene und vorläufig aufgenommene Beschwer-

deführer erfüllt mit seinem mittlerweile elfjährigen Aufenthalt die formellen 

Voraussetzungen zur Einleitung eines Aufenthaltsbewilligungsverfahrens 

gestützt auf Art. 84 Abs. 5 AuG. Strittig ist, ob er die in der vorangehenden 

Erwägung dargelegten materiellen Voraussetzungen zur Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung erfüllt beziehungsweise ob diese überhaupt zu prü-

fen sind.  

6.2 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, die Kriterien für die Ertei-

lung einer Aufenthaltsbewilligung in Bezug auf den (damals) neunjährigen 

und damit nicht handlungsfähigen Beschwerdeführer liessen sich nur 

schwer beurteilen. Aus familienrechtlichen Gründen habe er das auslän-

derrechtliche Schicksal seiner Eltern, welche vorläufig aufgenommen 

seien, zu teilen. Ob bei einer hypothetischen Rückkehr in die Türkei dem 

Kindeswohl Rechnung getragen würde, müsse nicht geprüft werden, da 

eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers und sei-

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Seite 7 

ner Eltern gegenwärtig nicht vorgesehen sei. Sobald er eine gewisse Selb-

ständigkeit erreicht haben werde und sich seine Integration werde beurtei-

len lassen, könne er ein neues Gesuch stellen.  

6.3 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, die Vorinstanz habe nicht 

dargelegt, weshalb sie in einem anderen Fall der Erteilung einer Aufent-

haltsbewilligung an zwei Minderjährige zugestimmt habe, obwohl den El-

tern zum damaligen Zeitpunkt eine Aufenthaltsbewilligung verweigert wor-

den sei. Ferner würden sich aus Art. 31 VZAE genügende Leitlinien erge-

ben, um seine Integration zu beurteilen. Schliesslich habe die Vorinstanz 

das Kindeswohl nicht genügend geprüft. Insbesondere habe sie sich nicht 

zu den mit dem Status eines vorläufig Aufgenommenen verbundenen Ein-

schränkungen in Bezug auf die schulische und persönliche Entwicklung 

auseinandergesetzt.  

6.4 Die Vorinstanz stellt sich mit Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 

2C_27/2016 vom 17. November 2016 auf den Standpunkt, der Beschwer-

deführer habe aus familienrechtlichen Gründen das ausländerrechtliche 

Schicksal seiner Eltern zu teilen. Damit spricht sie die Situation an, in wel-

cher ein Wegweisungsvollzug des sorgeberechtigten Elternteils in Frage 

steht und das unmündige Kind, unabhängig von seinem Aufenthaltsstatus, 

das Land mit diesem verlassen muss (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.4). Daraus 

kann nichts für den vorliegenden Fall abgeleitet werden, da keine Wegwei-

sung in Frage steht und auch wenn dies der Fall wäre, der Beschwerde-

führer – selbst wenn er über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen würde – 

aus zivilrechtlichen Gründen die Schweiz mit seinen Eltern verlassen 

müsste. Damit geht auch das Argument der Vorinstanz fehl, wonach durch 

einen einheitlichen Status zwischen Eltern und Kind sichergestellt werde, 

dass beide Elternteile für die Erziehung des Beschwerdeführers verant-

wortlich bleiben. Dies ist unabhängig vom Aufenthaltsstatus des Beschwer-

deführers der Fall. Gleichzeitig widerspricht sich die Vorinstanz, indem sie 

festhält, der Beschwerdeführer könne ein neues Gesuch stellen, sobald er 

eine gewisse Selbständigkeit erreicht habe (bspw. Beginn einer Lehre). 

Damit geht sie selbst (zu Recht) davon aus, dass der Aufenthaltsstatus 

zwischen Eltern und Kind – auch vor dessen Volljährigkeit – divergieren 

kann. Ihr kann zwar darin zugestimmt werden, dass bei Härtefallgesuchen 

die Familie in der Regel als Einheit betrachtet und die Situation der einzel-

nen Mitglieder nicht isoliert beurteilt wird (BVGE 2007/16 E. 5.3). Diese 

Rechtsprechung ist jedoch dahingehend zu präzisieren, dass damit nicht 

eine Einzelfallprüfung in Bezug auf die einzelnen Familienmitglieder, kon-

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Seite 8 

kret minderjährige Kinder, formell ausgeschlossen werden soll. Angespro-

chen ist vielmehr die materielle Prüfung der Härtefallkriterien, in deren Rah-

men die Familie in ihrer Gesamtheit zu betrachten ist (vgl. Art. 84 Abs. 5 

AuG: «unter Berücksichtigung der […] familiären Verhältnisse»). So kann 

beispielweise die Frage, ob es einem Familienmitglied zumutbar ist, in den 

Heimatstaat zurückzukehren, in der Regel nicht losgelöst von den übrigen 

Familienmitgliedern beantwortet werden. Dies ändert jedoch nichts daran, 

dass die Voraussetzungen in Bezug auf jedes Familienmitglied – und damit 

auch die Kinder – einzeln zu untersuchen sind. Wenngleich ein Kind bei 

der Einreise oder – wie hier – bei der Geburt in den Aufenthaltsstatus seiner 

Eltern einbezogen wird, bedeutet dies nicht, dass es diesen Status bis zur 

Volljährigkeit zwingend beibehält. Das Kind kann aufgrund seiner Rechts-

fähigkeit (Art. 11 ZGB) jede Art von Bewilligung – bis hin zur Einbürgerung 

– erhalten, sofern es die Voraussetzungen erfüllt. Ein unterschiedlicher 

Aufenthaltsstatus der einzelnen Familienmitglieder ist damit nicht von vorn-

herein ausgeschlossen. Es mag bei Kleinkindern, deren Hauptbezugsper-

sonen die Eltern sind und bei welchen keine von den Eltern unabhängige 

Integration vorliegen kann, regelmässig auf die Integration der Eltern ab-

zustellen sein und damit derselbe ausländerrechtliche Status resultieren. 

Vorliegend sind jedoch die Verfahren der Eltern und des Bruders des Be-

schwerdeführers ohnehin rechtskräftig abgeschlossen und bilden nicht 

Verfahrensgegenstand. Nachfolgend ist somit zu untersuchen, ob der Be-

schwerdeführer die Voraussetzungen von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG i.V.m. 

Art. 84 Abs. 5 AuG erfüllt.  

6.5  

6.5.1 Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz geboren und hat sein ge-

samtes bisheriges Leben hier zusammen mit seinen Eltern und seinem 

Bruder, der bereits über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, verbracht. Im 

Alter von elf Jahren befindet er sich in der frühen Pubertät, in welcher so-

ziale Beziehungen ausserhalb der Familie erheblich an Bedeutung gewin-

nen und damit auch eine von den Eltern unabhängige Integration stattfin-

det. Er ist sowohl sprachlich als auch sozial integriert und durch das hiesige 

soziokulturelle Umfeld geprägt (vgl. bereits Entscheid der POM vom 

28. Mai 2018). Negative Vorkommnisse sind nicht aktenkundig. Die In-

tegration in wirtschaftlicher Hinsicht kann bei einem Kind in seinem Alter 

keine Rolle spielen. Insbesondere kann dem Beschwerdeführer nicht ent-

gegengehalten werden, dass seine Eltern die Sozialhilfe in Anspruch neh-

men mussten. Dies aber war der Hauptgrund dafür, dass ihnen – und zu-

nächst auch den beiden Söhnen – die Erteilung einer Härtefallbewilligung 

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Seite 9 

verwehrt worden war. Die Integration des Beschwerdeführers ist – im Un-

terschied zu jener seiner Eltern – als erfolgreich zu bezeichnen. 

6.5.2 Im Hinblick auf das Kindeswohl ist darauf hinzuweisen, dass die mit 

dem Status der vorläufigen Aufnahme verbundenen rechtlichen und fakti-

schen Einschränkungen negative Auswirkungen auf die berufliche Integra-

tion des Beschwerdeführers in der Schweiz haben könnten, indem er bei-

spielsweise bei der Lehrstellensuche gegenüber Mitkonkurrenten, welche 

über ein geregeltes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügen, einen erheb-

lichen Nachteil hätte. Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz geboren 

und wird sein Leben voraussichtlich hier verbringen. Unter dieser Prämisse 

gereicht ihm die Verweigerung der Bewilligung zum Nachteil, ohne dass er 

dies zu verantworten hätte.  

6.5.3 Soweit ersichtlich hat der Beschwerdeführer zum Heimatland seiner 

Eltern – der Türkei – keine über die Staatsbürgerschaft hinausgehende Be-

ziehung. Aufgrund der fortgeschrittenen Integration in der Schweiz wäre 

auch eine Eingliederung in der Türkei mit nicht zu unterschätzenden 

Schwierigkeiten verbunden und käme einer Entwurzelung gleich (vgl. die 

Kasuistik in BGE 123 II 125 E. 4b).  

6.6 Zusammenfassend ist unter Berücksichtigung des Kindeswohls, der 

fortgeschrittenen Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz, sei-

ner Zukunftsperspektiven und der Integrationsschwierigkeiten, welche er 

in der Türkei zu gewärtigen hätte, ein schwerwiegender persönlicher Här-

tefall im Sinne von Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG zu beja-

hen.  

7.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher 

gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Zustim-

mung zur Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 

Bst. b AuG zu erteilen. 

8.  

8.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind keine Kosten zu er-

heben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Antrag auf Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung wird folglich gegenstandslos. 

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Seite 10 

8.2 Der Beschwerdeführer wäre für die ihm erwachsenen notwendigen 

Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sein Rechtsver-

treter hat jedoch keine Parteientschädigung beantragt und keine Kosten-

note eingereicht. Aufgrund öffentlich zugänglicher Informationen ist davon 

auszugehen, dass dieser die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers eh-

renamtlich übernommen hat (vgl. < https://asylbruecke.ch/unsere-aufga-

ben/ > unter Rubrik Rechtsdienst, abgerufen am 18.05.2020), weshalb 

dem Beschwerdeführer keine Kosten im Sinne der massgeblichen Bestim-

mungen entstanden sind. Deshalb ist ihm keine Parteientschädigung zu-

zusprechen.  

(Dispositiv nachfolgende Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und der Erteilung der Auf-

enthaltsbewilligung durch den Kanton Bern wird die Zustimmung erteilt. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.  

5.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten-Nr. […] / N […] retour) 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Maria Wende 

 

Versand: