# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f52c8a3-9257-5d82-b80c-0bd2fed898b6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 12.12.2017 OH 2016/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2016-1_2017-12-12.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2016/1

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 20.08.2019

Entscheiddatum: 12.12.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 12.12.2017
Art. 13 Abs. 2, Art. 14 Abs. 1 OHG. Anspruch auf längerfristige Hilfe in Form 
von Anwaltskosten. Anwaltskosten, die ihm Rahmen eines 
aufenthaltsrechtlichen Rekursverfahrens anfallen, nachdem das Opfer 
infolge von häuslicher Gewalt das Getrenntleben vor Ablauf von drei Jahren 
verlangte und deshalb das Aufenthaltsrecht verlor, sind nicht durch die 
Opferhilfe zu übernehmen. Es fehlt der adäquate Kausalzusammenhang 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. 
Dezember 2017, OH 2016/1).

Entscheid vom 12. Dezember 2017

 

Besetzung                                                                      

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann und 

Marie-Theres Rüegg Haltinner ; Gerichtsschreiberin

Jeannine Bodmer            

Geschäftsnr.                                                                                                                   

OH 2016/1           

Parteien

A.___,

Rekurrentin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gegen

Opferhilfe der Kantone SG/AR/AI,

Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

Gegenstand                                                                   

juristische Hilfe (Übernahme Anwaltskosten)

Sachverhalt

A.   

A.a  A.___ (nachfolgend Rekurrentin) war am 17. März 2013 aus B.___ zu ihrem 

Ehemann in die Schweiz eingereist und hatte am 20. März 2013 im Rahmen des 

Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung bis 16. März 2014 erhalten. Die 

Aufenthaltsbewilligung war letztmals am 18. Februar 2015 bis zum 16. März 2016 

verlängert worden. Gemäss dem Eheschutzentscheid des Kreisgerichts C.___ vom 29. 

September 2015 lebte das Ehepaar seit dem 9. Juli 2015 getrennt. Dem am __ 2015 

geborenen Sohn D.___ wurde die Aufenthaltsbewilligung analog der Mutter bis am 16. 

März 2016 erteilt. Mit Verfügung vom 14. April 2016 entschied das Migrationsamt des 

Kantons St. Gallen, die Aufenthaltsbewilligungen für A.___ und D.___ nicht zu 

verlängern. Sie hätten die Schweiz bis spätestens 30. Juni 2016 zu verlassen. Da die 

Ehegemeinschaft nicht mindestens drei Jahre gedauert habe und auch keine wichtigen 

persönlichen Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz nötig machen würden, 

seien die Voraussetzungen für den Beibehalt des Anspruches auf Verlängerung der 

Aufenthaltsbewilligung nicht erfüllt (act. G 8.1.1e).

A.b  Gegen diese Verfügung liess die Rekurrentin durch Rechtsanwalt lic. iur. B. Züst, 

St. Margrethen, Rekurs erheben und für sich die Verlängerung der 

Aufenthaltsbewilligung sowie für ihren Sohn die Erteilung der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Niederlassungsbewilligung beantragen. Im Eventualbegehren ersuchte sie darum, dem 

Sohn zumindest die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern (act. G 8.1.1f.).

A.c  Am 23. Mai 2016 stellte die Rekurrentin bei der Opferhilfe ein Gesuch um 

Übernahme der Anwaltskosten in Bezug auf ihr laufendes migrationsrechtliches 

Verfahren. Sie machte geltend, dass sie sich auf Grund von häuslicher Gewalt durch 

den Ehemann und dessen Familie vom 9. Juni bis 2. September 2015 ins E.___ habe 

begeben müssen. Am 29. September 2015 habe die Eheschutzverhandlung 

stattgefunden. Sie sei sowohl hinsichtlich der zivilrechtlichen als auch der 

aufenthaltsrechtlichen Belange von Rechtsanwalt Züst vertreten worden. Die 

Aufenthaltsbewilligung sei ihr nicht verlängert worden und das migrationsrechtliche 

Verfahren sei aktuell vor dem Sicherheits- und Justizdepartement hängig. Bis anhin 

habe sie die anfallenden Kosten mit Mühe und Not selbst bezahlt, es sei aber unklar, 

welche künftigen Anwalts- und Gerichtskosten noch auf sie zukommen würden. Da 

davon auszugehen sei, dass die Ehe ohne die erlittene häusliche Gewalt hätte 

fortgeführt werden können und ihre Aufenthaltsbewilligung verlängert worden wäre, 

ersuche sie nun um Unterstützung durch die Opferhilfe (rückwirkend und allenfalls für 

künftige Kosten; act. G 8.1.1).

A.d  Mit Schreiben vom 7. Juni 2016 teilte die Opferhilfe der Rekurrentin mit, dass 

Anwaltskosten betreffend „Aufenthalt“ grundsätzlich nicht von der Opferhilfe 

übernommen würden. Dies begründe sich damit, dass allenfalls der natürliche, nicht 

aber der adäquate Kausalzusammenhang gegeben sei. Demgegenüber könne im 

Verfahren um die Aufenthaltsbewilligung ein Gesuch um URP (unentgeltliche 

Rechtspflege) gestellt werden. Der Rekurrentin wurde dazu das rechtliche Gehör 

eingeräumt (act. G 8.1.2).

A.e  Die Rekurrentin liess sich mit Stellungnahme vom 9. Juni 2016 vernehmen. Sie 

begründete ihr Gesuch damit, dass durch die Kostenübernahme für juristische Hilfe 

durch Rechtsanwalt Züst sichergestellt werden solle, dass sie ihre Rechte innerhalb 

des aufenthaltsrechtlichen Verfahrens wahren könne. Damit solle es möglich werden, 

eine eigenständige Aufenthaltsbewilligung für sich und den kleinen Sohn zu erhalten. 

So wäre der Zustand, wie er sich vor dem Erleiden der häuslichen Gewalt präsentiert 

habe, annähernd wieder hergestellt. Die Aufenthaltsbewilligung stehe einzig deshalb in 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Frage, weil die eheliche Gemeinschaft nicht drei Jahre gelebt worden sei. Einzig auf 

Grund des Erleidens der häuslichen Gewalt sei ihr das Fortführen der Ehe nicht mehr 

möglich gewesen. Die häusliche Gewalt habe den Erfolg, nämlich das Nicht-Erfüllen 

der vorgeschriebenen Zeit der ehelichen Gemeinschaft und damit das Nicht-Verlängern 

der Aufenthaltsbewilligung, massgeblich begünstigt. Da die Rekurrentin schliesslich 

seit 1. Juni 2016 wieder in einem 100%-Pensum arbeite, fehle es ihr am Kriterium der 

Bedürftigkeit für eine URP (act. G 8.1.3).

A.f  Am 5. Oktober 2016 verfügte die Stiftung Opferhilfe sinngemäss die Abweisung 

des Gesuchs um Übernahme der Kosten für juristische Hilfe. Zur Begründung führte sie 

erneut aus, dass Anwaltskosten betreffend Aufenthalt grundsätzlich nicht von der 

Opferhilfe übernommen würden. Dies stütze sich auf die Tatsache, dass solche 

Bemühungen wie auch z.B. diejenigen betreffend Unterhalt nicht in unmittelbarem 

Zusammenhang mit einer Straftat stünden. Das Verfahren betreffend Aufenthalt beim 

Migrationsamt sei nicht wegen der Straftat durchzuführen, sondern weil nach der 

Trennung vom Ehemann die Voraussetzungen für die Verlängerung der 

fremdenpolizeilichen Aufenthaltsbewilligung zu prüfen gewesen seien. Ein adäquater 

Kausalzusammenhang sei nicht gegeben. Zudem habe die Gesuchstellerin ihre 

aktuellen finanziellen Verhältnisse nicht belegt (act. G 3.1.4)

B.   

B.a  Dagegen richtet sich der vorliegende Rekurs vom 19. Oktober 2016, worin die 

Rekurrentin die Aufhebung der Verfügung und die Übernahme der Anwaltskosten in 

Bezug auf das migrationsrechtliche Verfahren im Sinne von längerfristiger Hilfe 

verlangt. Diese Kosten seien aktuell noch nicht abschliessend bezifferbar. Die 

Begründung deckt sich im Wesentlichen mit den vorangegangenen Stellungnahmen 

(act. G 1).

B.b  Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2016 beantragt die Vorinstanz die 

vollumfängliche Abweisung des Rekurses (act. G 8). Sie macht geltend, dass gestützt 

auf die vorliegenden Akten - wobei Unterlagen zur finanziellen Situation der Rekurrentin 

fehlten - sowohl zu Beginn des migrationsrechtlichen Verfahrens als auch später mit 

grosser Wahrscheinlichkeit ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

worden wäre. Da aber offenbar nie ein Gesuch gestellt worden sei, gehe das 

Versäumnis zu Lasten der Rekurrentin. Schliesslich sei irrelevant, inwiefern die 

vorgebrachten Straftaten für die Trennung ursächlich gewesen seien. Sie könnten 

allerhöchstens einen natürlichen, nicht aber einen adäquaten Kausalzusammenhang 

begründen (act. G 8).

B.c  Mit Replik vom 9. Januar 2017 hält die Rekurrentin an ihrem Antrag fest (act. G 

10).

B.d  Die Vorinstanz verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 12).

Erwägungen

1.   

1.1  Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die 

Rekurrentin im Rahmen der Opferhilfe Anspruch auf Übernahme der Kosten für die 

durch ihren Rechtsvertreter in Bezug auf das migrationsrechtliche Verfahren geleistete 

und noch zu leistende - betragsmässig somit noch unbezifferte - juristische 

Unterstützung hat.

1.2  Nach Art. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG; SR 

312.5) hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder 

sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf 

Unterstützung nach dem Gesetz (Opferhilfe). Als Straftat gemäss OHG gilt ein im Sinne 

des schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) tatbestandsmässiges und 

rechtswidriges Verhalten, unabhängig davon, ob die Täterin oder der Täter ermittelt 

worden ist, sich schuldhaft verhalten und vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 

1 Abs. 3 OHG; DOMINIK ZEHNTNER, in: Kommentar zum Opferhilfegesetz, PETER 

GOMM/DOMINIK ZEHNTNER (Hrsg.), 3. Aufl. Bern 2009, Rz 3 zu Art. 1). Die Opferhilfe 

umfasst Beratung und Soforthilfe, längerfristige Hilfe der Beratungsstellen, 

Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter, Entschädigung, Genugtuung, Befreiung 

von Verfahrenskosten (Art. 2 OHG). Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und dessen 

Angehörigen u.a. soweit nötig zusätzliche Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand 

der betroffenen Person stabilisiert hat und bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

beseitigt oder ausgeglichen sind (sog. längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Gemäss 

Art. 14 Abs. 1 OHG umfassen die Leistungen die angemessene medizinische, 

psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge 

der Straftat notwendig geworden ist. Bei Bedarf besorgen die Beratungsstellen dem 

Opfer oder seinen Angehörigen eine Notunterkunft.

1.3  Wird anwaltliche Hilfe benötigt, können die Anwaltskosten ausschliesslich als 

Soforthilfe oder längerfristige Hilfe geltend gemacht werden (Art. 19 Abs. 3 OHG i.V.m. 

Art. 5 der Verordnung über die Hilfe an Opfer von Straftaten [OHV; SR 312.51]). Ein 

Anspruch auf Kostenvergütung besteht dabei gegenüber der Beratungsstelle. Diese hat 

unabhängig von anderen Leistungsverpflichteten, die möglicherweise für 

Anwaltskosten aufzukommen haben, Kostengutsprache zu leisten, soweit solche Hilfe 

erforderlich ist. Diese Kostengutsprache hat den Sinn einer Ausfallgarantie. Sobald sich 

der Anwalt mit der Sache befasst, ist er verpflichtet, andere Kostenträger zu suchen. Es 

gilt abzuklären, ob ein gewerkschaftlicher Rechtsschutz oder Anspruch auf Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege besteht. Auf Grund der Subsidiarität der 

opferhilferechtlichen Leistungen (Art. 4 OHG) sind Anwaltskosten nur so lange zu 

übernehmen, als kein anderer Leistungsträger gefunden ist (DOMINIK ZEHNTNER, in: 

Kommentar zum Opferhilfegesetz, PETER GOMM/DOMINIK ZEHNTNER (Hrsg.), 3. 

Aufl. Bern 2009, Rz 26 zu Art. 14).

2.   

2.1  Die Rekurrentin macht geltend, sie sei Opfer von häuslicher Gewalt durch ihren 

Ehemann und dessen Familie geworden. Dies habe dazu geführt, dass sie sich von 

ihrem Ehemann habe trennen und im Frauenhaus St. Gallen habe Zuflucht suchen 

müssen. Infolge der Trennung sei ihr das Aufenthaltsrecht in der Schweiz nicht mehr 

verlängert worden, weshalb sie nun zu dessen Erhalt die Unterstützung eines 

Rechtsanwalts benötige und daher längerfristige Hilfe beantrage.

2.2  Hinsichtlich der geltend gemachten Straftaten im Sinne von häuslicher Gewalt ist 

den Akten zu entnehmen, dass die Rekurrentin vorwiegend Beschimpfung (Art. Art. 177 

StGB) und Drohung (Art. 180 StGB) und damit vorwiegend psychische Einwirkungen 

durch den Ehemann und seine Eltern geltend macht. Demgegenüber habe sie im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rahmen der Befragung beim Kreisgericht C.___ am 29. September 2015 angegeben, 

sie habe keine körperliche Gewalt erfahren (vgl. act. G 8.1.1e S. 5). Wie dem Bericht 

der Sozialarbeiterin F.___ vom E.___ zu entnehmen ist, habe die Rekurrentin erzählt, 

dass das Klima zu Hause zunehmend von Druck, Kontrolle und Erniedrigung geprägt 

gewesen sei. Vor allem die Schwiegermutter habe stets versucht, sie in ihrem 

Selbstwertgefühl zu treffen. So habe sie einmal auf ihren Bauch gedeutet und gesagt, 

dass sie „da unten“ kaputt und gebärunfähig sei und somit keinen Wert für die Familie 

besitzen würde. Als sie dann doch überraschend schwanger geworden sei, habe ihr 

Ehemann von ihr verlangt, das Kind abzutreiben. Der Schwiegervater habe ihr gedroht, 

sie selber und ihre Herkunftsfamilie zu töten, wenn sie ohne Erlaubnis weggehen und 

dieses Kind gebären würde. Diese Drohungen seien wiederholt ausgesprochen worden 

und sie habe daher immer grössere Angst bekommen, dass ihr und dem ungeborenen 

Kind etwas angetan werden könnte. Auf Grund dieser Situation habe sie in den ersten 

Wochen der Schwangerschaft viel Körpergewicht verloren. Die Sozialarbeiterin 

schilderte bezüglich des Aufenthalts im Frauenhaus aus eigener Sicht, dass die 

Gesundheit des ungeborenen Kindes auf Grund des mangelhaften Ernährungszustands 

der Rekurrentin gefährdet gewesen sei, weshalb jene medizinisch habe vernetzt 

werden müssen (act. G 1.1.3). Es liegen zwar keine Arztberichte vor, worin die geltend 

gemachten psychischen Leiden der Rekurrentin und deren körperliche Folgen gestützt 

würden. Dennoch ist auf Grund des hier aufgezeigten Sachverhalts davon auszugehen, 

dass durch die Behandlung von Ehemann und Schwiegereltern eine wesentliche 

Beeinträchtigung der psychischen Integrität der Rekurrentin stattgefunden hat und eine 

Straftat glaubhaft erscheint.

3.   

3.1  Die Opferhilfe übernimmt ausschliesslich Leistungen, die als unmittelbare Folge 

der Straftat notwendig geworden sind. Damit wird ein kausaler Zusammenhang 

zwischen der Straftat und dem Bedarf an der beanspruchten Leistung gefordert. Auch 

im Opferhilfegesetz gilt der Grundsatz, wonach eine Entschädigung (bzw. Hilfe) nur 

dann geschuldet ist, wenn ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem vom 

Opfer erlittenen Schaden (bzw. der Notsituation) und der Straftat besteht. Wie im 

Haftpflichtrecht handelt es sich dabei um eine unabdingbare Voraussetzung für die 

Leistungspflicht (vgl. AJP 2003 Nr. 12 S. 1487). Das Erfordernis des adäquaten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Kausalzusammenhangs besteht darin, zu erfahren, ob das eine Haftung auslösende 

Element - die Straftat - nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der 

allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des 

eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolges also durch das Ereignis 

allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 123 lll 112).

3.2  Vorliegend bleibt unbestritten, dass das aufenthaltsrechtliche Verfahren eine Folge 

des Getrenntlebens und dieses eine Folge der problematischen Beziehung zwischen 

der Rekurrentin und ihrem Ehegatten bzw. dessen Eltern ist. Damit ist der natürliche 

Kausalzusammenhang zu bejahen. Demgegenüber ist die Adäquanz zwischen der 

häuslichen Gewalt und der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung mit der 

Vorinstanz zu verneinen. Die Opferhilfe bezweckt, unmittelbar mit der Opferstellung 

zusammenhängende Schutzmassnahmen zu erbringen. Dazu soll beispielsweise bei 

häuslicher Gewalt sichergestellt werden, dass das oder die Opfer vor den Tätern in 

Sicherheit gebracht werden, sie nicht mehr weiteren Straftaten ausgesetzt sind und sie 

u.a. hinsichtlich der unmittelbar notwendigen juristischen Vorgehensweisen beraten 

werden. Obgleich nach dem Erleiden von häuslicher Gewalt eine Ehescheidung 

ebenfalls natürliche und nachvollziehbare Folge sein kann, wird auch hier die 

Unmittelbarkeit zu verneinen sein. So ist es nicht mit dem Sinn und Zweck der 

Opferhilfe zu vereinbaren, dass bei einer Scheidung die Anwaltskosten eines früheren 

Opfers von der Opferhilfe zu übernehmen wären. Nichts anderes kann daher für die 

noch weiter hinten in der Kausalitätskette anfallenden Anwaltskosten für ein 

aufenthaltsrechtliches Rekursverfahren gelten, da hier kein unmittelbarer 

Zusammenhang mehr mit der Straftat besteht. Lediglich die Tatsache, dass häusliche 

Gewalt ursprünglich zum Getrenntleben führte, vermag die Folgen betreffend den 

Aufenthaltsstatus bzw. das mit der Ehe verbundene Aufenthaltsrecht nicht ebenfalls 

weiterhin der Opferhilfe anzubinden. Anders könnte es sich allenfalls betreffend der 

Einleitung von Ehe- und Kindesschutzmassnahmen verhalten, sofern diese als Folge 

der Straftat (unmittelbar) nötig würden (vgl. DOMINIK ZEHNTNER, a.a.O., Rz 25 zu Art. 

14).

3.3  Was die von der Rekurrentin vorgebrachte Lehrmeinung von Dominik Zehntner 

(vgl. DOMINIK ZEHNTNER, a.a.O., Rz 4 zu Art. 14) betrifft, wonach es sich rechtfertige 

im Rahmen der Hilfeleistungen auf eine Adäquanzprüfung zu verzichten und das 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Vorliegen der natürlichen Kausalität als genügende Voraussetzung für eine 

Leistungserbringung zu erachten, kann dieser nicht als Grundsatz für sämtliche 

Hilfeleistungen gefolgt werden. So scheint sie sich auf Grund ihrer Herleitung mit 

Verweis auf Art. 13 Abs. 2 OHG auch lediglich auf jene Fälle zu beziehen, bei welchen 

sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person zuerst noch stabilisieren 

muss und bei denen auch die übrigen Folgen der Straftat noch zu beseitigen oder 

auszugleichen sind bzw. diese offenbar auch noch nicht von Beginn weg absehbar 

sind. Demgegenüber erholte sich die Rekurrentin im vorliegenden Fall relativ schnell 

von den gesundheitlichen Folgen und im Zeitpunkt des Leistungsgesuchs waren die 

Folgen der Straftat längst absehbar. Daher rechtfertigt sich ein Verzicht auf die Prüfung 

des adäquaten Kausalzusammenhangs vorliegend nicht. Das Versicherungsgericht ist 

denn auch schon bisher bei der längerfristigen Hilfe vom Erfordernis eines adäquaten 

Kausalzusammenhangs ausgegangen (vgl. Urteile vom 9. Mai 2017, OH 2015/4, E. 2.3, 

und vom 15. November 2013, OH 2013/1, E. 5.1).

3.4  Des Weiteren ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass selbst bei einer Bejahung 

des adäquaten Kausalzusammenhangs die Frage der Notwendigkeit bisher ungeklärt 

blieb. Die von der Opferhilfe zu erbringende Leistung muss einer Notwendigkeit 

entsprechen. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn das Opfer eine den gleichen 

Zweck erfüllende Leistung von einem Dritten beanspruchen kann, was dem 

Subsidiaritätsprinzip gemäss Art. 4 OHG entspricht (DOMINIK ZEHNTNER, a.a.O., Rz 5 

zu Art. 14). So bleibt denn nach wie vor unklar, weshalb der Rechtsvertreter der 

Rekurrentin am 2. Mai 2016 im Rahmen des Rekurses kein Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege gestellt hat, obwohl die Rekurrentin damals noch Sozialhilfe bezog (act. G 

8.1.16). Nachdem der adäquate Kausalzusammenhang allerdings zu verneinen ist, 

erübrigen sich weitere Abklärungen hierzu.

3.5  Zusammenfassend fehlt es auf Grund des Gesagten an einem adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen der von der Rekurrentin geltend gemachten Straftat 

und den für sie entstandenen und noch entstehenden Kosten für das 

aufenthaltsrechtliche Rekursverfahren. Die Vorinstanz hat damit zu Recht das Gesuch 

um Übernahme von Anwaltskosten im Sinne längerfristiger Hilfe abgelehnt.

4.   

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nach dem Gesagten ist der Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben 

(Art. 30 Abs. 1 OHG).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.   

Der Rekurs wird abgewiesen.

2.   

Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 12.12.2017
	Art. 13 Abs. 2, Art. 14 Abs. 1 OHG. Anspruch auf längerfristige Hilfe in Form von Anwaltskosten. Anwaltskosten, die ihm Rahmen eines aufenthaltsrechtlichen Rekursverfahrens anfallen, nachdem das Opfer infolge von häuslicher Gewalt das Getrenntleben vor Ablauf von drei Jahren verlangte und deshalb das Aufenthaltsrecht verlor, sind nicht durch die Opferhilfe zu übernehmen. Es fehlt der adäquate Kausalzusammenhang (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Dezember 2017, OH 2016/1).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T06:41:49+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen