# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be1ac23f-a311-5c9e-81be-7116d110b4ca
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.11.2010 D-8036/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8036-2010_2010-11-25.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8036/2010
law/joc/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 5 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli,
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A.__________, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Dr. iur. Ali Civi, Advokaturbüro Albrecht & 
Riedo, (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 5. November 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8036/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das  BFM mit  Verfügung vom 5. November  2010 –  eröffnet  am 
10. November  2010  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers vom 19. August 2010 nicht eintrat, die 
Wegweisung nach Italien verfügte, den Beschwerdeführer – unter An-
drohung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen,  feststellte,  der  Kanton  B.________  sei  verpflichtet,  die 
Wegweisungsverfügung zu vollziehen, und eine allfällige Beschwerde 
gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, 
und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss 
Aktenverzeichnis aushändigte,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 
17. November 2010 gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liess,  der  Nichtein-
tretensentscheid sei  aufzuheben und auf  sein Asylgesuch sei  einzu-
treten, jedenfalls sei die Wegweisungsverfügung aufzuheben, eventuell 
sei  der Fall  zur neuerlichen Klärung mit  Italien an das BFM zurück-
zuweisen, 

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem beantragen liess, der 
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
18. November 2010 vorsorglich aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 19. November 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht vollständig eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-

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gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer in Italien 
(Trieste) am 3. Juli 2010 ein Asylgesuch einreichte und entsprechend 
in der EURODAC-Datenbank erfasst worden ist,

dass das BFM bei dieser Sachlage und der innert Frist seitens Italiens 
unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Verordnung 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Krite-
rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin-II-VO]),  gestützt  auf  Art. 16 
Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO erfolgten Anfrage um Wiederaufnahme des 
Beschwerdeführers vom 1. Oktober 2010, Italien zu Recht als für die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

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dass das BFM zudem zu Recht festgehalten hat,  die in der Schweiz 
wohnhaften Onkel  beziehungsweise Cousins  des Beschwerdeführers 
gehörten  nicht  zu  dem  in  Art.  2  Bst.  i  Dublin-II-VO umschriebenen 
Personenkreis,

dass in der Beschwerde geltend gemacht wird, der Beschwerdeführer 
habe  beim  Zivilstandsamt  C.________  ein  Gesuch  zur  Vorbereitung 
der  Eheschliessung  mit  der  deutschen  Staatsangehörigen 
D.__________  gestellt,  welche  in  der  Schweiz  über  eine 
Aufenthaltsbewilligung verfüge,

dass aufgrund dieses Sachverhalts von der Zuständigkeit der Schweiz 
für die Durchführung des Asylverfahrens auszugehen sei,

dass  gemäss  Art. 2  Bst. i  Dublin-II-VO  als  „Familienangehörige“ 
lediglich  Ehegatten,  nicht  verheiratete  Partner,  die  eine  dauerhafte 
Beziehung  führen,  minderjährige  Kinder  und  bei  unverheirateten 
minderjährigen asylsuchenden Personen der Vater, die Mutter oder der 
Vormund  fallen,  sofern  bereits  im  Herkunftsland  eine  Familie 
bestanden hat,

dass  zudem  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
unter dem Aspekt von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO berücksichtigt werden 
kann, soweit eine tatsächlich gelebte Beziehung besteht, wobei dies-
bezüglich als wesentliche Faktoren das gemeinsame Wohnen respek-
tive  der  gemeinsame  Haushalt,  die  finanzielle  Verflochtenheit,  die 
Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die Bin-
dung der  Partner  aneinander  zu  berücksichtigen sind (vgl.  CHRISTOPH 
GRABENWARTER,  Europäische  Menschenrechtskonvention,  4. Aufl., 
München/Basel/Wien  2009,  S. 204;  MARK E.  VILLIGER,  Handbuch  der 
Europäischen  Menschenrechtskonvention,  2. Aufl.,  Zürich  1999, 
S. 365;  LUZIUS WILDHABER in:  Internationaler  Kommentar  zur  Euro-
päischen  Menschenrechtskonvention,  Hrsg.:  Wolfram  Karl,  12. Lfg., 
Köln/Berlin/München  2009,  Art. 8  EMRK,  S. 137,  EGMR,  K.  und  T. 
gegen  Finnland  [Grosse  Kammer],  Urteil  vom  12. Juli  2001,  Be-
schwerde Nr. 25702/94, § 150),

dass  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  der  deutschen  Staats-
angehörigen D.__________ bisher keine Ehe geschlossen wurde, 

dass der Beschwerdeführer, welcher sich seit dem 18. August 2010 in 
der  Schweiz  aufhält,  weder  bei  der  Befragung  im  Transitzentrum 

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Altstätten vom 1. September 2010 noch anlässlich des ihm am glei-
chen Tag zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl und 
Wegweisungsverfahrens  gewährten  rechtlichen  Gehörs  geltend 
machte, er beabsichtige in der Schweiz D.__________ zu heiraten, 

dass demnach offenbar weder von einer Partnerschaft  im Sinne von 
Art. 2  Bst. i  Dublin-II-VO  noch  von  einer  tatsächlich  gelebten  Be-
ziehung im Sinne von Art. 8 EMRK zwischen dem Beschwerdeführer 
und D.__________ ausgegangen werden kann,

dass  mit  Bezug  auf  das  Recht  auf  Eheschliessung  ergänzend  fest-
zuhalten ist, dass grundsätzlich ein Ehevorbereitungsverfahren in der 
Schweiz auch  dann  möglich  ist,  wenn  die  Brautleute  nicht  in  der 
Schweiz wohnhaft sind (vgl. Art. 62 ff. der Zivilstandsverordnung vom 
28. April 2004 [ZStV, SR 211.112.2]),

dass demnach auch diesbezüglich einer Übernahme des Beschwerde-
führers nichts entgegensteht und in diesem Zusammenhang keine Ver-
letzung von Art. 12 EMRK feststellbar ist,

dass sich unter diesen Umständen erübrigt, die in der Beschwerde in 
Aussicht  gestellten  Unterlagen  betreffend  das  Eheschliessungsver-
fahren abzuwarten beziehungsweise dem Beschwerdeführer zur deren 
Einreichung Frist anzusetzen,

dass soweit der Beschwerdeführer geltend macht, sein Zielland sei die 
Schweiz  gewesen  und  in  Italien  bestehe  kein  effektiver  Schutz  vor 
Abschiebung in die Türkei, festzuhalten ist, dass Italien unter anderem 
Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen, 
Italien  halte  sich  generell  oder  in  Bezug  auf  die  Person  des  Be-
schwerdeführers nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen, 

dass sich aus den Akten auch sonst  keine Gründe ergeben, welche 
zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art.  3  Abs. 2 
Dublin-II-VO) Anlass geben könnten,

dass mit  Blick auf  die  Frage der  Zuständigkeit  für  die  Durchführung 
des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahren  der  rechtserhebliche  Sachver-
halt  vollständig erstellt  ist,  weshalb der Antrag auf  Rückweisung der 

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Sache  an  das  BFM  zur  neuerlichen  Klärung  der  Zuständigkeit  mit 
Italien abzuweisen ist,

dass das BFM zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art.  44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang 
mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundes-
amt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in  den für  die  Prüfung des Asylgesuches zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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