# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ceeeb52b-d905-5237-be27-d0ffdbaa3139
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.08.2009 C-2119/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2119-2008_2009-08-14.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-2119/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  A u g u s t  2 0 0 9

Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, 
Richter Blaise Vuille, 
Gerichtsschreiberin Barbara Haake.

Y._______, 
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Zgraggen, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung der Einreisebewilligung für X._______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-2119/2008

Sachverhalt:

A.
Am  22.  November  2007  beantragte  die  1967  geborene  X._______, 
Staatsangehörige  von  Kuba,  bei  der  Schweizerischen  Vertretung  in 
Havanna  ein  Visum  für  einen  dreimonatigen  Besuchsaufenthalt  bei 
ihrem in Luzern lebenden Bekannten Y._______. Nach formloser Ver-
weigerung übermittelte  die Vertretung dieses Gesuch zum Entscheid 
an die Vorinstanz. 

B.
Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons Luzern  weitere  Abklä-
rungen zum beabsichtigten Besuchsaufenthalt vorgenommen und sich 
u.a.  angesichts  der  finanziellen  Situation  des  Gastgebers  dagegen 
ausgesprochen hatte, wies die Vorinstanz das Einreisegesuch mit Ver-
fügung  vom  18.  Februar  2008  ab.  Sie  begründete  ihre  Ablehnung 
damit,  dass  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  unter  anderem 
dann zu verweigern sei, wenn die anstandslose und fristgerechte Wie-
derausreise der gesuchstellenden Person nicht als gesichert betrach-
tet werden könne, sei es als Folge der in ihrem Ursprungsland herr-
schenden politischen oder sozioökonomischen Verhältnisse oder auf-
grund ihrer persönlichen Situation. Wie die in zahlreichen Fällen ge-
machte Erfahrung zeige, würden insbesondere Touristen- oder Besu-
chervisa immer wieder von Personen, welche sich eigentlich dauerhaft 
hier niederlassen möchten, missbraucht. Die Gesuchstellerin stamme 
immerhin  aus  einer  Region,  aus  welcher  der  starke  Zuwanderungs-
druck anhalte. Offensichtlich habe sie auch keine beruflichen, gesell-
schaftlichen  oder  familiären  Verpflichtungen,  die  gegebenenfalls  Ge-
währ  für  ihre fristgerechte Rückkehr bieten könnten. Darüber  hinaus 
seien auch die finanziellen Garantien ungenügend. 

C.
Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  anwaltlich  vertretene  Gastgeber, 
Y._______, am 2. April 2008 Beschwerde mit dem Begehren um Ertei-
lung der  beantragten Einreisebewilligung. Er macht  geltend,  dass er 
mit  einer  IV-  bzw.  künftigen  AHV-Rente,  Ergänzungsleistungen  und 
einer lebenslänglichen Unfallrente über geregelte Einkünfte von insge-
samt 2934.- Franken verfüge. Hiermit  sowie mit  seinen Ersparnissen 
sei er in der Lage, die Gesuchstellerin bei sich aufzunehmen. Zudem 
könne er eine Garantie über Fr. 10'000 abgeben.

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Die aktuelle  Lage in Kuba könne wohl  kaum abschliessend beurteilt 
werden. Sie allein dürfe indessen nicht den Ausschlag geben, ob die 
Einreisevoraussetzungen als gegeben zu erachten seien. Insbesonde-
re sei zu berücksichtigen, dass die Schwester seines Gastes seit 1999 
regelmässig einen in der Schweiz lebenden Bekannten besuche und 
anschliessend wieder  nach Kuba zurückkehre. Es sei  nicht  einzuse-
hen, warum die beiden Schwestern unterschiedlich behandelt würden, 
lebten sie doch zuhause am gleichen Ort und in gleichen Verhältnis-
sen. 

D.
In ihrer Vernehmlassung vom 21. Mai 2008 spricht sich die Vorinstanz 
unter Erläuterung der bereits genannten Gründe für die Abweisung der 
Beschwerde aus. Sie weist darauf hin, dass aus den vorhandenen Un-
terlagen die persönlichen Umstände oder Verpflichtungen der Schwes-
ter  im  Heimatland  nicht  ersichtlich  seien  und  daher  die  jeweiligen 
Lebenssituationen – und damit Einreisevoraussetzungen – der beiden 
Schwestern nicht miteinander verglichen werden könnten. Zudem lies-
sen die in der Beschwerde näher umschriebenen finanziellen Verhält-
nisse  immer  noch  nicht  darauf  schliessen,  dass  der  Gastgeber  die 
erforderlichen Garantien erfüllen könne.

E.
In seiner darauffolgenden Stellungnahme vom 23. Juni  2008 aktuali-
siert der Beschwerdeführer die Angaben zu seinen Einkommens- und 
Vermögensverhältnissen.  Weiterhin  führt  er  aus,  die  Gesuchstellerin 
habe  ihn  erstmals  im  Jahre  1998  besucht;  der  jetzt  beabsichtigte 
Aufenthalt solle der Vertiefung ihrer Freundschaft dienen.

F.
Der weitere Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen Berücksichtigung finden. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

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1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung  der  Ein-
reisebewilligung,  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  endgültig 
beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach 
dem VwVG (Art. 37 VGG).

1.3 Der Beschwerdeführer  ist  gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  Be-
schwerde berechtigt. Auf  die  frist-  und formgerechte Beschwerde ist 
einzutreten (Art. 50–52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003; Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts  C-3626/2007  vom 11. Mai  2009  E. 2  und  C-135/2006  vom 
20. Dezember 2007 E. 2 mit weiteren Hinweisen).

3.
Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa-
ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän-
dern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Ver-
pflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid 
(vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).

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4.
Am 1. Januar 2008 sind das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) sowie die 
dazu gehörigen  Ausführungsverordnungen  (u.a. die  Verordnung  vom 
24. Oktober 2007 über das Einreise- und Visumsverfahren [VEV, AS 
2007  5537])  in  Kraft  getreten.  In  der  Volksabstimmung  vom  5. Juni 
2005 wurde dem Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die 
Genehmigung  und  die  Umsetzung  der  bilateralen  Abkommen  zwi-
schen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen 
und  an  Dublin  (SR  362)  zugestimmt.  Die  entsprechenden  Assozi-
ierungsabkommen  (darunter  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004 
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft,  der Europäischen 
Union  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Assoziierung 
dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des 
Schengen-Besitzstands  [SAA,  SR 0.360.268.1])  sind  sodann  für  die 
Schweiz am 12. Dezember 2008 definitiv in Kraft getreten. Seitdem ist 
die  Schweiz  verpflichtet,  den  übernommenen  Schengen-Besitzstand 
anzuwenden und umzusetzen, wie u.a. die Bestimmungen zur gemein-
samen Visapolitik, auf die verschiedentlich in EG-Rechtsakten verwie-
sen wird. Durch die Übernahme des Schengen-Besitzstandes wurden 
im AuG entsprechende Anpassungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 
AuG, wonach die Bestimmungen über  das Visumverfahren und über 
die Ein-  und Ausreise  nur  gelten,  sofern  das  Schengen-Recht  keine 
abweichenden Bestimmungen enthält). Im Weiteren ist  die VEV total 
revidiert worden (Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise 
und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204], in Kraft seit 12. Dezember 
2008). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, 
übergeordneten (Schengen-)Recht  fortgeführt  werden.  Das bedeutet, 
dass die  Schweiz  ungeachtet  der  übergangsrechtlichen Bestimmung 
von Art. 126 Abs. 1 AuG völkerrechtlich verpflichtet ist, auf Verfahren, 
die am 12. Dezember 2008 hängig sind, das neue Recht anzuwenden 
(zum Vorrang des internationalen Rechts: vgl. BGE 131 II 352 E. 1.3.1 
[mit Hinweis auf Rechtsprechung und zitierte Doktrin], 119 V 171 E. 4; 
RAINER J. SCHWEIZER,  Zur Einleitung: Das Bundesverwaltungsgericht  im 
System der öffentlich-rechtlichen Rechtspflege des Bundes, in: Bern-
hard Ehrenzeller/Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Das Bundesverwaltungs-
gericht: Stellung und Aufgaben, St. Gallen 2008, S. 24).

5.
5.1 Bezüglich  der  Einreisevoraussetzungen  für  einen  Aufenthalt  von 
höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung 

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(EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 
15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten 
der  Grenzen  durch  Personen  (Schengener  Grenzkodex  [SGK,  ABl. 
L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein-
reisevoraussetzungen  für  Drittstaatsangehörige. Diese  benötigen  zur 
Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie 
der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie 
müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts 
belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle  Mittel  verfügen 
(Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys-
tem  (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine 
Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli-
che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied-
staats darstellen (Bst. d und e).

5.2 Die  Einreisevoraussetzungen  gemäss  Schengener  Grenzkodex 
entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 
Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge-
planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit 
erwähnt.  Demgegenüber  verlangt  Art. 5  Abs. 2  AuG,  dass  im  Falle 
eines nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederaus-
reise  Gewähr  zu  bieten  ist.  Dies  stellt  jedoch  kein  zusätzliches  im 
nationalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im 
Widerspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüber-
gehenden Aufenthaltszwecks stellt  nämlich zugleich eine Absichtser-
klärung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. 
Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent-
haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je-
weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf-
enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne 
äussert  sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die 
diplomatischen  Missionen  und  die  konsularischen  Vertretungen,  die 
von  Berufskonsularbeamten  geleitet  werden  (GKI,  ABl.  C 326  vom 
22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI 
verlangt  hinsichtlich  des Entscheids über  den Visumsantrag die Ein-
schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An-
tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit 
Hilfe  eines  zu  Touristik-,  Studien-,  Geschäfts-  bzw.  zu  Familienbe-
suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie-
derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10).  Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur 
Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele-

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ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf-
gelistet.

5.3 Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  somit  festzuhalten, 
dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des 
Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung 
des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder-
ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung 
bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden.

6.
Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erwähnte Einreiseerfordernis der aus-
reichenden finanziellen Mittel wird in Absatz 3 präzisiert. Danach kann 
die Feststellung ausreichender finanzieller Mittel anhand von Bargeld, 
Reiseschecks und Kreditkarten erfolgen; ebenso können – sofern  in 
den nationalen Rechtsvorschriften  vorgesehen –  Verpflichtungserklä-
rungen und Bürgschaften von Gastgebern Nachweise für das Vorhan-
densein  ausreichender  Mittel  zur  Bestreitung  des  Lebensunterhalts 
darstellen. Das schweizerische Ausländerrecht sieht diese und andere 
Sicherheiten in Art. 2 Abs. 2 sowie in Art. 7–11 VEV vor. Unter Verweis 
auf die Rechtsgrundlage von Art. 5 SGK führt die GKI aus, welche Be-
lege sich zum Nachweis der Mittel zur Bestreitung des Lebensunter-
halts eignen (vgl. ABl. C 326, S. 11).

7.
Das  Schengen-Recht  nimmt  eine  Differenzierung  in  Bezug  auf  die 
Visumspflicht  von  Drittstaatsangehörigen  vor.  Die  Verordnung  (EG) 
Nr. 539/2001  des  Rates  vom  15. März  2001  (ABl.  L 81  vom 
21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I 
und  II,  welche  jeweils  eine  Liste  von  Drittländern  enthalten.  In  An-
hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige 
beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten 
im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni-
gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be-
freit  sind.  Als  kubanische  Staatsangehörige  unterliegt  die  Gesuch-
stellerin damit der Visumspflicht.

8.
Die Vorinstanz verweigerte der Gesuchstellerin die Einreise einerseits 
mit  der  Begründung  der  nicht  gesicherten  Wiederausreise,  anderer-
seits mit der Begründung, sie bzw. ihr Gastgeber verfüge über ungenü-
gende  finanzielle  Mittel  für  den  beabsichtigten  Besuchsaufenthalt. 

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Letzteres hat der Beschwerdeführer bestritten und in seiner Eingabe 
vom 23. Juni 2008 auf seine aktuelle Einkommens- und Vermögens-
situation verwiesen. Zum dort  dargelegten Vermögen kann eigentlich 
nur das Sparguthaben von Fr. 12'669.- und allenfalls ein durchschnitt-
licher monatlicher Saldo von Fr. 5'000.-  auf  dem Privatkonto gezählt 
werden,  nicht  aber  das  angeblich  vorhandene (und dem alltäglichen 
Lebensunterhalt  dienende) Bargeld in Höhe von Fr. 3'255.-. Die vom 
Kanton Luzern seinerzeit eingeforderte Garantieverpflichtung über Fr. 
20'000.- könnte der Beschwerdeführer daher gegebenenfalls gar nicht 
erfüllen  (zum Umfang  der  Verpflichtungserklärung  und  zur  aktuellen 
Höhe der Garantiesumme vgl. auch Art. 8 VEV). Auch die monatlichen 
Einkünfte  des  Beschwerdeführers,  die  dieser  zuletzt  mit  Fr.  3'125.- 
angegeben hat, reichen für den Lebensunterhalt seines Gastes nicht 
aus, umfasst dieser Unterhalt  doch nicht nur Verpflegung und Unter-
kunft, sondern auch die (versicherbaren) Kosten von Unfall und Krank-
heit  sowie  allfällige  Rückschaffungskosten.  Dass  der  Beschwerde-
führer hierfür nicht einstehen könnte, wird auch daraus deutlich, dass 
er  Ergänzungsleistungen  zur  AHV  bezieht,  Leistungen,  auf  die  nur 
dann  Anspruch  besteht,  sofern  das  sonstige  Einkommen  (aus  AHV 
oder IV) die minimalen Lebenskosten nicht deckt. Aus dem Umstand, 
dass der Beschwerdeführer selbst am Rande des Existenzminimums 
lebt, kann daher abgeleitet werden, dass er nicht über ausreichende 
Mittel im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. C SGK verfügt, um den Besuchs-
aufenthalt  seines  Gastes  finanzieren  zu  können.  Abgesehen  davon 
ergeben  sich  aus  den  nachfolgenden  Erwägungen  auch  Zweifel  an 
einer fristgerechten Wiederausreise der Gesuchstellerin.

9.
Die aktuelle  Wirtschaftslage Kubas ist  immer noch von der mit  dem 
Ende des kalten  Krieges einhergehenden schweren  Wirtschaftskrise 
geprägt.  Das  Bruttosozialprodukt  schrumpfte  in  den  Folgejahren  um 
rund 35%, und die Lebensverhältnisse der Kubaner veränderten sich 
dramatisch. Immer noch besteht ein starkes Defizit  in den Bereichen 
Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft, und auch heute noch muss 
Kuba den weit überwiegenden Teil (80%) seines Lebensmittelbedarfs 
importieren.  Von  dem  erlittenen  Einbruch  erholt  sich  das  Land  nur 
langsam,  nicht  zuletzt  dank  der  vor  allem  ideologisch  begründeten 
Partnerschaft  mit  Venezuela, das Kuba die Deckung seines Energie-
bedarfs  weit  unter  den  Weltmarktpreisen  ermöglicht.  Zudem hat  die 
Staatsführung unter Raúl Castro Massnahmen zur Stärkung der wirt-
schaftlichen Leistungsfähigkeit Kubas angekündigt und teilweise auch 

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eingeleitet,  wobei  sie  allerdings  einen Übergang zur  Marktwirtschaft 
und  mehr  Privateigentum ablehnt.  Praktische  Auswirkungen  auf  den 
Alltag der Bevölkerung haben diese Massnahmen bisher kaum, offen-
sichtlich  auch  deshalb,  weil  die  sozialistische  Planwirtschaft  kaum 
Leistungsanreize setzt. Das durchschnittliche monatliche Salär in Kuba 
beträgt umgerechnet bloss etwa 15 Euro; ein grosser Teil der Grund-
bedürfnisse kann nur in konvertibler Währung und zu Preisen gedeckt 
werden, die deutlich über den Vergleichspreisen in Europa oder den 
USA liegen. Der Zugang zu konvertibler Währung bestimmt denn auch 
den  Lebensstandard  kubanischer  Familien,  die  schätzungsweise  zu 
40% Überweisungen ihrer im Ausland lebenden Verwandten erhalten 
(Quelle:  http://www.auswaertiges-amt.de,  Länder-  und  Reiseinforma-
tionen>Kuba>Wirtschaft [Stand Mai 2009, besucht im Juli 2009], Neue 
Zürcher  Zeitung  vom  9./10.  August  2008:  “Kuba  wartet  auf  seine 
Zukunft“).

Mangels ausreichender Zukunftsperspektiven ist die Zahl der Emigran-
ten in den letzten Jahren auf  ein Rekordniveau gestiegen. Zwischen 
1999 und 2006 haben mehr als 250 000 Kubaner – somit im Schnitt 
mehr als 30 000 jährlich – der Insel den Rücken gekehrt. Angaben der 
von der Emigration besonders betroffenen US-Behörden zufolge dürfte 
diese Zahl im Jahr 2007 noch deutlich höher gelegen haben. Sie um-
fasst  vor  allem  junge  und  gut  ausgebildete  kubanische  Staats-
angehörige (vgl. Neue Zürcher Zeitung vom 3. März 2008: "Kultureller 
Aderlass mit Folgen"). Die Bereitschaft, das Land auf der Suche nach 
besseren  Lebensbedingungen  zu  verlassen,  wird  erfahrungsgemäss 
dort noch begünstigt, wo bereits Verwandte oder Bekannte im Ausland 
leben  und  entsprechend  ein  minimales  Beziehungsnetz  besteht.  Im 
Falle  der  Schweiz  führt  dies  angesichts  der  strengen  fremdenpoli-
zeilichen  Zulassungspraxis  nicht  selten  zur  Umgehung  ausländer-
rechtlicher Bestimmungen. Dabei geht es nicht etwa allein um die Ein-
reichung von Asylgesuchen nach erfolgter  Einreise, sondern  es wird 
oftmals versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder – beispielsweise 
durch Ausbildung oder Heirat – auf eine andere migrationsrechtliche 
Grundlage zu stellen. 

Eine  Rolle  bei  der  Einschätzung  des  Emigrationsrisikos  spielt  aber 
auch der Aspekt, dass kubanische Staatsangehörige, die sich länger 
als  elf  Monate  und  29  Tage  im  Ausland  aufgehalten  haben,  in  der 
Regel nicht mehr in ihr Heimatland zurückgeführt werden können (vgl. 
MICHAEL KIRSCHNER,  Kuba:  Legale  und  illegale  Aus-  und  Einreise, 

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Schweizerische  Flüchtlingshilfe,  Bern  2006).  Hierauf  hat  auch  die 
schweizerische Botschaft anlässlich der formlosen Ablehnung des hier 
in  Frage  stehenden  Visumsgesuchs  hingewiesen.  Diese  Rückreise-
bestimmung Kubas lädt  Migrationswillige geradezu ein, die Verpflich-
tung  zur  Wiederausreise  zu  missachten  oder  so  lange  hinauszuzö-
gern,  bis  eine zwangsweise Wegweisung durch den Aufenthaltsstaat 
nicht mehr durchgesetzt werden kann.

10.
Die geschilderten Umstände im Heimatland der Gesuchstellerin deu-
ten zwar auf das latente Risiko einer nicht fristgerechten Wiederaus-
reise hin; sie entbinden die Vorinstanz aber nicht von einer einzelfall-
bezogenen  Beurteilung.  Namentlich  können  berufliche,  gesellschaft-
liche oder  familiäre Verpflichtungen die Prognose für  eine anstands-
lose Wiederausreise begünstigen. 

11.
Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine fast 42-jährige Frau, 
die geschieden und arbeitslos ist (vgl. Schreiben der Schweizerischen 
Botschaft vom 22. November 2007). Bereits vor diesem Hintergrund ist 
das Risiko, dass sie nach erfolgter Einreise die Schweiz nicht wieder 
rechtzeitig  verlassen  könnte,  hoch  einzuschätzen,  zumal  sich  den 
Akten keine weiteren Informationen zu ihrer persönlichen Lebenssitu-
ation entnehmen lassen. Der Beschwerdeführer hat  bezüglich der in 
Frage  stehenden  Rückkehrbereitschaft  insbesondere  darauf  hinge-
wiesen, dass die Schwester seines Gastes in den vergangenen Jahren 
regelmässig einen Freund in der Schweiz besucht habe und jedes Mal 
wieder  ordnungsgemäss  nach  Kuba  zurückgekehrt  sei;  diese  Un-
gleichbehandlung der beiden Schwestern sei nicht verständlich, lebten 
sie doch zuhause am gleichen Ort in den gleichen Verhältnissen. Ab-
gesehen davon,  dass bereits  ungleiche finanzielle  Gastgeberverhält-
nisse eine unterschiedliche Visumspraxis rechtfertigen können, ist der 
ohne Beweismittel erfolgte Hinweis auf die „gleichen Verhältnisse“ der 
Schwestern jedoch zu pauschal und ermöglicht in keinster Weise eine 
Überprüfung,  inwieweit  sich  deren  Lebensumstände  wirklich  ähneln. 
Insoweit kann auch nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass 
die Gesuchstellerin,  ebenso wie bisher ihre Schwester,  wieder in ihr 
Heimatland zurückkehren wird. Dass X._______ im Jahr  1997 –  als 
Besucher  aus  Kuba  noch  kein  Einreisevisum  benötigten  –  nach 
viermonatigem Aufenthalt wieder aus der Schweiz ausgereist ist, stellt 
angesichts  der  mittlerweile  verstrichenen  12  Jahre  (und  der  damit 

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zwangsläufig einhergehenden persönlichen Veränderungen) kein Indiz 
dafür  dar,  dass die beabsichtigte Besuchsdauer diesmal  eingehalten 
würde. 

12.
Die Vorinstanz durfte unter den gegebenen Umständen zu Recht da-
von  ausgehen,  die  fristgerechte  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin 
sei  nicht  gewährleistet. Zwar  lässt  sich  diese  Einschätzung nicht  zu 
einer  völlig  gesicherten  Feststellung verdichten; sie  reicht  aber  aus, 
um die Erteilung einer Einreisebewilligung – auf welche, wie erwähnt, 
ohnehin kein Rechtsanspruch besteht – abzulehnen.

13.
Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Er-
gebnis rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge 
abzuweisen.

14.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 
des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]).

Dispositiv nächste Seite

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem geleisteten  Kostenvorschuss  gleicher 
Höhe verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz 
- das Amt für Migration des Kantons Luzern, Aufenthalt 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Barbara Haake

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