# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0b6a5c3c-c2b6-5dd4-9476-120c5599e91c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.11.2022 D-193/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-193-2022_2022-11-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-193/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Lorenz Noli,  

Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Iran,   

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 10. Dezember 2021 / N (…). 

 

 

 

D-193/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess den Iran eigenen Angaben zufolge am 

28. Juni 2016 zusammen mit seiner jetzigen Frau und seinen drei Kindern, 

davon zwei Zwillinge aus erster Ehe, und gelangte über die Türkei, Grie-

chenland, wo sein viertes Kind geboren sei, und Mazedonien nach Serbien. 

Am 30. September 2017 hätten sie alle zusammen weiterreisen wollen, 

aber es sei etwas schiefgegangen, sodass nur er und sein Sohn 

B._______ (Verfahren D-192/2022) die Reise in die Schweiz geschafft hät-

ten. Er und sein Sohn seien am 1. Oktober 2017 in die Schweiz gelangt, 

wo sie am 2. Oktober 2017 ein Asylgesuch stellten. Am 9. Oktober 2017 

wurde der Beschwerdeführer summarisch befragt und am 6. Mai und 

4. Juni 2020 einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. 

Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend, 

im Jahr 2006 sei er im Zusammenhang mit Demonstrationsteilnahmen fest-

genommen worden. Etwa im Jahr 2008 sei er mitbegründendes Mitglied 

der (…) geworden, um (…). Die Lehren und das Programm stammten von 

einer christlichen Organisation und würden implizit christliche Werte ver-

mitteln. Im Laufe der Zeit sei er in der Hierarchie der (…) zum Sprecher 

aufgestiegen und habe zunächst neueren Teilnehmern geholfen und 

schliesslich auch weiteren interessierten Kreisen von der Organisation be-

richtet. Nach einem Auftritt an einer öffentlichen Konferenz zirka im Jahr 

2014, wo er den Zwölfpunkteplan des Programms erklärt habe, sei er zum 

Grossmufti der Stadt gerufen worden und dieser habe ihn gefragt, wieso er 

religiöse Belehrungen weitergebe und vom grosszügigen Gott anstatt Allah 

spreche. Er sei dann mehrere Male durch zivilgekleidete Leute des Ge-

heimdienstes mitgenommen und befragt worden, warum er christliche Pro-

paganda betreibe. Im (…) 2016, als er aus persönlichen Gründen – seine 

damalige Frau habe ihn verlassen gehabt – in einer schwierigen Situation 

gewesen sei, habe ihn sein enger Freund C._______ aus der (…) mit 

D._______ bekannt gemacht, der ihn zu regelmässigen Hauskirchenbesu-

chen mitgenommen habe. So habe er sich dem Christentum angenähert 

und sei schliesslich konvertiert. Im (…) 2016 habe ein Verwandter seiner 

Mutter (E._______), der bei der Revolutionsgarde arbeite, ihn zu seiner 

Konversion befragt und ihm geraten auszureisen. Daraufhin habe er das 

Land zusammen mit seiner Familie verlassen. Nach seiner Ausreise sei er 

vom Geheimdienst gesucht worden und seine Maschinen aus der Tätigkeit 

als (…) seien vom Staat beschlagnahmt worden. In der Schweiz sei er exil-

politisch aktiv. 

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Seite 3 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer unter ande-

rem zahlreiche Dokumente zu seinen exilpolitischen Aktivitäten, einen In-

ternetartikel vom 7. Juni 2017 über die Schliessung einiger Sitzungen der 

(…) wegen Propaganda für das Christentum sowie Fotos von anderen 

Hauskirchenbesuchern, die später verhaftet worden seien, und einen Tauf-

schein sowie ein Bestätigungsschreiben der Kirche in der Schweiz zu den 

Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 9. September 2020 verneinte das SEM die Flüchtlings-

eigenschaft, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz sowie deren Vollzug an.  

 

Nach Beschwerdeerhebung nahm das SEM im Rahmen der Vernehmlas-

sung mit Verfügung vom 19. August 2021 das Asylverfahren wieder auf, 

woraufhin das Beschwerdeverfahren mit Entscheid des Bundesverwal-

tungsgerichts vom 20. August 2021 abgeschrieben wurde. 

C.  

Mit Verfügung vom 10. Dezember 2021 – eröffnet am 15. Dezember 2021 

– stellte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers fest, 

lehnte dessen Asylgesuch mit Verweis auf das Bestehen von subjektiven 

Nachfluchtgründen ab, ordnete die Wegweisung an und nahm ihn wegen 

Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig auf. 

D.  

Der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – erhob 

mit Eingabe vom 14. Januar 2022 gegen diese Verfügung beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Asylgewährung. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. Februar 2022 forderte die zuständige In-

struktionsrichterin den Beschwerdeführer zur Bezahlung eines Kostenvor-

schusses auf. Dieser wurde fristgerecht einbezahlt. 

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 16. März 2022, die dem Beschwerdeführer 

am 22. März 2022 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt das SEM vollumfäng-

lich an seinen Erwägungen fest. 

G.  

Am 30. August 2022 reiste die Ehefrau des Beschwerdeführers zusammen 

D-193/2022 

Seite 4 

mit ihren zwei kleinen Kindern, die sich bis dahin in einem Flüchtlingslager 

in Serbien aufgehalten hätten, in die Schweiz ein und stellte hier ein Asyl-

gesuch. Der zweite Zwillingssohn des Beschwerdeführers aus erster Ehe 

befindet nach wie vor nicht in der Schweiz. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.5 Nachdem das SEM die Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver 

Nachfluchtgründe festgestellt hat, bildet Prozessgegenstand des vorlie-

genden Verfahrens einzig die Frage, ob der Beschwerdeführer für den Zeit-

punkt der Ausreise asylrechtlich Relevante Verfolgung glaubhaft zu ma-

chen vermag. 

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Seite 5 

2.  

Die gleichzeitig erhobene Beschwerde des inzwischen volljährigen Sohnes 

im Verfahren D-192/2022 wird antragsgemäss mit dem vorliegenden Ver-

fahren koordiniert behandelt. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM fest, die Ausführun-

gen des Beschwerdeführers zu seiner Konversion im Iran seien in mehrfa-

cher Hinsicht unglaubhaft. Wenn er seine (…) über mehrere Jahre mit Leh-

ren des Christentums erfolgreich therapiert und dies auch weitervermittelt 

hätte, sei nicht nachvollziehbar, weshalb er sich nicht bereits zu diesem 

Zeitpunkt mit dem Christentum hätte identifizieren können. Es erschliesse 

sich auch nicht, weshalb er sich dann plötzlich im Rahmen der Hauskir-

chenbesuche auf das Christentum habe einlassen können. Dies auch 

wenn dem SEM bewusst sei, dass es sich bei einer Konversion um einen 

Prozess handle. Weiter sei festzustellen, dass das (…)-Programm nicht auf 

einer bestimmten Religion aufbaue und offen gegenüber Personen jegli-

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cher Religionszugehörigkeit sei (…). Weiter sei es – angesichts der mög-

licherweise schwerwiegenden Konsequenzen – sehr verwunderlich, dass 

D._______ ihn bereits nach dem zweiten Treffen zu einer Hauskirche mit-

genommen habe und er sich auch sofort dazu bereit erklärt habe. Auch 

habe er sich merkwürdig dazu geäussert, wie er seine jetzige Ehefrau über 

seine Konversion informiert habe, indem er ihr zunächst lediglich von sei-

ner Liebe zu Jesus berichtet habe und seine Frau dies mit seinen Aktivitä-

ten bei den (…) in Verbindung gebracht habe, obwohl er sich dort gerade 

nicht mit dem Christentum identifiziert habe. Sodann habe er gesagt, dass 

es ihm im Laufe der Zeit und durch eine positive Energie gelungen sei, 

seine Ehefrau nach und nach vom Glauben zu überzeugen. In der zweiten 

Anhörung habe er jedoch davon gesprochen, dass seine Ehefrau erst nach 

der Ankunft in Serbien zum Christentum gekommen sei. Ausserdem habe 

er keine bestimmten Angaben zum Zeitpunkt und dem Prozess der Kon-

version machen können und sich bei entsprechenden Fragen stattdessen 

wiederholt zu Glaubensinhalten geäussert. Erst nach einigen Aufforderun-

gen habe er als genauen Zeitpunkt den ersten Besuch der Hauskirche ge-

nannt, wobei aber ein solch plötzlicher Sinneswandel unwahrscheinlich sei. 

Hätte das iranische Regime ihn im Weiteren tatsächlich zuvor festgenom-

men und der Verbreitung christlicher Propaganda beschuldigt, so wäre er 

sehr wahrscheinlich bereits damals bestraft oder verurteilt worden, zumal 

er andernorts angegeben habe, für solche Verbrechen gebe es im Iran kein 

"Wenn und Aber" und dass man diese Strafe nicht einfach tilgen könne. 

Zudem ergäben sich Diskrepanzen zwischen seinen Aussagen in der Be-

fragung und in der Anhörung betreffend die Gefängnisaufenthalte. So habe 

er an der Befragung von einmaligen beziehungsweise mehrmaligen Fest-

nahmen wegen Demonstrationen, an der Anhörung jedoch von mehreren 

Festnahmen sowie erstmalig von Mitnahmen und Befragungen bezüglich 

christlicher Propagandaaktivitäten durch den Geheimdienst berichtet. Das 

Gespräch mit E._______ habe er auf mehrfache Bitte um detaillierte Schil-

derung mit der plötzlichen Erwähnung von Todesdrohungen hochgespielt, 

was angesichts dessen, dass dieser ihn habe warnen wollen, ohnehin kei-

nen Sinn ergebe. Ebenso wenig, dass er sich nicht bei diesem erkundigt 

habe, wie es wirklich um seine Situation stehe. Zur Frage der religiösen 

Erziehung seiner Kinder habe er überdies unsubstanziierte, unlogische 

und allgemeine Aussagen gemacht. Es erstaune, dass er seinen Kindern 

diesbezüglich nichts mit auf den Weg gegeben habe, nachdem er selber 

mit Problemen wegen dem Glauben konfrontiert gewesen sei. Auch sein 

Sohn habe diesbezüglich ausweichend geantwortet. Zu den von ihm er-

wähnten später festgenommenen Personen aus der Hauskirche habe er 

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keinen persönlichen Bezug nachgewiesen. Ein allfälliges einmaliges Tref-

fen würde für ihn höchstwahrscheinlich keine Gefahr bedeuten. Im Arztbe-

richt seiner Ehefrau aus Serbien stehe schliesslich geschrieben, dass die 

Familie wegen Problemen aufgrund politischer Meinungsverschiedenhei-

ten ausgereist sei. Ein Problem wegen seines Glaubenswechsels werde 

nicht erwähnt. Ohnehin wäre es nicht logisch, weshalb der Geheimdienst, 

der wohl genügend informiert gewesen wäre, mehrfach an seine Haustüre 

hätte klopfen sollen, wenn sie allmählich festgestellt hätten, dass er sich 

nicht mehr dort aufhalten würde. Zudem habe er bis heute jedenfalls auch 

keine ihn persönlich betreffenden Unterlagen strafrechtlicher Untersuchun-

gen oder Anklagen im Iran oder prüfenswerte diesbezügliche Informatio-

nen durch seinen Onkel oder andere Familienangehörige – allenfalls über 

einen Rechtsanwalt – beigebracht, was bei ernsthaftem Interesse der ira-

nischen Geheimdienste an seiner Person zu erwarten wäre. 

Die Gegenargumentation zur Verbindung zwischen der (…) und dem Chris-

tentum in der Beschwerde vom 12. Oktober 2020 sei nicht schlüssig. So 

werde einerseits ausgeführt, er habe die Methode religiös unspezifisch be-

schrieben, andererseits aber auf die Verwendung des Wortes Gott hinge-

wiesen. Dieses Wort lasse zudem nicht auf eine bestimmte Religion 

schliessen. Selbst wenn eine Verbindung bestünde, sei es unlogisch, dass 

er sich über die Jahre trotz des Erfolgs und seines Engagements in diesem 

Programm als Sprecher nicht mit dieser Religion habe identifizieren kön-

nen. Die von ihm getätigten Aussagen zu seiner Konversion würden in der 

Beschwerdeschrift frei interpretiert und subjektiv gedeutet. Die in der Be-

schwerde erwähnte Entwendung seines Betriebsvermögens sei als unbe-

wiesene Parteibehauptung zu werten. Daraus könne jedenfalls nicht auf 

ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Abfall von der Religion geschlos-

sen werden. Der in der Beschwerde erwähnte Kippeffekt sei aus seinen 

Aussagen zu seiner Konversion nicht ersichtlich. Die Wiedergabe von Ge-

sprächen sei eher als schwaches Realkennzeichen zu werten und auch die 

Taufe in der Schweiz sowie die Teilnahme an Bibeltreffs vermöge eine Zu-

wendung zum Christentum bereits im Iran nicht zu beweisen. Dass die 

Ehefrau in Serbien wegen der Anwesenheit von Extremisten in der Unter-

kunft nicht über die wahren Asylgründe habe sprechen können, vermöge 

angesichts der Vertraulichkeit von Gesprächen mit Psychiatern nicht zu 

überzeugen und erkläre nicht, weshalb sie sich über politische Meinungs-

verschiedenheiten habe äussern können.  

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Seite 8 

Da seine Konversion im Iran unglaubhaft sei und er diesbezüglich gar 

Falschangaben gemacht habe, seien seine Absichten und inneren Beweg-

gründe bezüglich seines Engagements in der Schweiz für die Kirche sehr 

in Zweifel zu ziehen. Daran vermöge das eingereichte Bestätigungsschrei-

ben, das auch ein Gefälligkeitsschreiben sein könnte, nichts zu ändern. Im 

Übrigen würden seine Vorbringen zu seinem Engagement innerhalb der 

christlichen Glaubensgemeinschaft nicht auf ein exponiertes christliches 

Engagement hindeuten, durch das er aufgrund missionarischer Tätigkeit in 

herausragender Position in den Fokus der iranischen Sicherheitsbehörden 

des Irans als Gegner des Staates geraten sein könnte. Den Akten sei je-

doch zu entnehmen, dass er in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Mass 

exilpolitisch aktiv sei. 

5.2 Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Beschwerde entgegen, das 

vom SEM mehrmals vorgebrachte Argument der fehlenden Plausibilität sei 

gemäss dem Bundesverwaltungsgericht nur mit Vorsicht bei der Glaubhaf-

tigkeitsprüfung zu verwenden, da die Plausibilität als ein kulturell- und per-

sönlichkeitsabhängiges Konzept verstanden werden müsse. In seinen 

Schilderungen zu den Vorfällen im Iran fänden sich zahlreiche Realitäts-

kennzeichen und äusserst individuelle Aspekte. Er habe diese an einer 

Befragung und zwei Anhörungen zum Teil zeitlich weit auseinanderliegend, 

übereinstimmend und an der ersten Anhörung über fünf A4-Seiten in freier 

Rede hinweg anschaulich, detailliert und ausführlich geschildert. Dabei 

habe er immer wieder Gespräche in direkter Rede wiedergegeben, Namen, 

Örtlichkeiten und Daten genannt und sich zu keinem Zeitpunkt verzettelt 

oder – bis auf den einen vom SEM genannten und nachfolgend zu wider-

legenden Widerspruch – widersprochen. Die Vorinstanz argumentiere wei-

ter damit, dass die (…) nicht christlich sei. Es sei zwar zutreffend, dass sich 

diese heute nicht mehr auf christliche Werte beziehe. Die Bewegung 

wurzle aber darauf und diese Werte seien an den Treffen zur Sprache ge-

kommen. So sei auch er dort erstmals mit christlichen Werten in Berührung 

gekommen. Seine Tätigkeit in dieser Organisation und die daraus folgende 

Zurechtweisung durch den Grossmufti habe er an der Anhörung sehr au-

thentisch beschrieben. Es sei auch kein Geheimnis, dass die Mächtigen im 

Iran der Organisation lange Zeit äusserst kritisch gegenübergestanden hät-

ten. Entsprechende Berichte habe er eingereicht. Den Ursprung für den 

Kontakt mit D._______, über seinen langjährigen Freund C._______ beim 

(…), habe er sehr ausführlich beschrieben. Dieser habe von C._______ 

gewusst, dass er die christlichen Werte schon gekannt habe. Deshalb und 

da sie zwei persönliche Gespräche über den Glauben geführt hätten, habe 

dieser gewusst, dass er ihm vertrauen könne. Vor der Sitzung habe dieser 

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ihn noch einmal auf das Risiko hingewiesen. Er habe den  

Wochentag der ersten Sitzung, Pseudonyme anderer Teilnehmer und die 

Orte verschiedener Sitzungen genannt (vgl. zum Ganzen A32 F66 ff.). Dies 

alles spreche deutlich für die Glaubhaftigkeit der Ereignisse, während die 

Vorinstanz nur mit der fehlenden Plausibilität argumentiere. Ebenso im Zu-

sammenhang damit, wie er seine Frau über die Konversion informiert habe. 

Auch hier habe er authentisch erzählt, dass er sich ihr erst anvertraut habe, 

nachdem sie ihn gedrängt habe, zu erklären, was er jeweils freitags mache. 

Trotz ihrer anfänglichen Probleme mit dem Christentum habe er sie allmäh-

lich überzeugen können, was aber nicht heisse, dass sie bereits da kon-

vertiert sei, wie das SEM suggeriere und damit einen Widerspruch kreiere. 

Mit seiner Liebe zu Jesus habe er indirekt die Konversion gemeint. Auf-

grund der Folgen im Iran habe er eine solche nicht direkt offenlegen kön-

nen. Seine Hinwendung hin zum Christentum habe sich über die Jahre ent-

wickelt, sodass er keinen genauen Zeitpunkt für die Konversion nennen 

könne, wie dies das SEM verlange. Er schildere aber den Prozess sehr 

individuell geprägt und erkläre, dass er kein Erleuchtungserlebnis gehabt 

habe. Für ihn seien die geschilderten Unterschiede zwischen dem Islam 

und dem Christentum äusserst wichtig und hätten schliesslich den Aus-

schlag zur Konversion gegeben. Es handle sich mithin anders als von der 

Vorinstanz statuiert nicht um eine bloss unzusammenhängende Wieder-

gabe von Glaubensinhalten. Die Vorinstanz scheine einen konzentrierten 

Erweckungsmoment zu erwarten, während er durch das Studium christli-

cher und philosophischer Schriften sowie durch Gespräche mit C._______ 

und D._______ vielmehr Schritt für Schritt zur Erkenntnis gelangt sei. Erst 

auf den wiederholten Druck der befragenden Person hin habe er gesagt, 

dass die Konversion beim Besuch der Hauskirche stattgefunden habe. Es 

werde ausser Acht gelassen, dass er von Kindesbeinen an eine gewisse 

Aversion gegenüber dem Islam gehabt und sich nie damit identifiziert habe. 

Bereits seine Eltern seien nur auf dem Papier religiös gewesen (vgl. A32 

F49). Im Zusammenhang mit seinen Anhaltungen und der Festnahme 

durch den Geheimdienst bereits vor seiner Konversion argumentiere das 

SEM wieder mit der Plausibilität, wenn es ausführe, diesfalls wäre er be-

reits früher bestraft worden. Der erwähnte Widerspruch zu den Mitnahmen 

treffe ebenfalls nicht zu. Schon an der Befragung, die überdies sehr kurz 

gehalten worden sei, habe er von einer mehrfachen Problematik gespro-

chen. Dem Gespräch mit E._______ halte das SEM wiederum die Plausi-

bilität entgegen. Er habe sich aber in einer Ausnahmesituation befunden 

und so eventuell nicht logisch gehandelt. Es erscheine nicht abwegig, dass 

er dem wütenden Verwandten, der ihn nur wegen seiner Mutter nicht fest-

genommen habe, nicht noch Fragen gestellt habe. Er habe das Datum des 

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Seite 10 

Treffens nennen können, den emotionalen Zustand von E._______ sowie 

die Umstände des Treffens (Bruder wurde rausgeschickt) beschrieben und 

in der direkten Rede gesprochen. Auch den Moment, als er nach dem Ge-

spräch habe fliehen müssen, habe er äusserst lebensnah beschrieben (vgl. 

A32 F70). Zur religiösen Erziehung seiner Kinder habe er anschaulich dar-

gelegt, dass er dem Islam gegenüber abgeneigt gewesen sei und stärker 

philosophische Ideen habe weitergeben wollen, um seine Kinder zu selbst-

ständig denkenden Menschen zu erziehen, weshalb er sie auch nicht zu 

religiösen Praktiken habe zwingen wollen. Dem halte das SEM wiederum 

nur die fehlende Logik entgegen. 

Die Abkehr vom Islam werde nach islamischem Strafrecht empfindlich be-

ziehungsweise mit der Todesstrafe sanktioniert (vgl. diverse allgemeine in 

der Beschwerde zitierte Berichte). Gemäss der Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts könnten auch Personen mit einem wenig heraus-

ragenden Profil anlässlich ihrer Rückkehr in den Iran ins Visier der irani-

schen Behörden geraten. Eine konvertierte Person wäre im Fall einer 

Rückkehr in den Iran gezwungen, den eigenen Glauben und damit ei-

nen wesentlichen Aspekt der Persönlichkeit dauerhaft und konsequent 

zu unterdrücken, was einen unerträglichen psychischen Druck darstel-

len könne. Er stehe offen zu seinem Glauben und sei von diesem heute 

überzeugt. Er besuche regelmässig Gottesdienste und tausche sich mit 

anderen Gläubigen aus, was er auch künftig tun möchte. Im Iran drohe 

ihm deshalb asylrechtlich relevante Verfolgung aufgrund seiner Reli-

gion. 

Von der Vorinstanz sei weiter nicht berücksichtigt worden, dass er vor sei-

ner Flucht aus dem Iran bereits politisch aktiv gewesen sei. Er habe an der 

Anhörung erklärt, dass er die (…) finanziell unterstützt habe, was dramati-

sche Konsequenzen haben könne. Auch habe er angegeben, dass er ab 

ca. 2005/2006 unter anderem an Demonstrationen teilgenommen habe 

und deswegen auch einmal im Gefängnis gewesen sei. Er dürfte somit den 

iranischen Behörden bekannt sein. Weiter habe er dem SEM am 2. No-

vember 2021 einen Beitrag eingereicht, den er noch im Iran verfasst und 

bei einer lokalen Nachrichtenseite mit dem Namen (…) veröffentlicht habe, 

deren Telegram-Kanal zum damaligen Zeitpunkt rund 50'000 Mitglieder ge-

habt habe und mittlerweile gesperrt worden sei (vgl. A82). 

  

D-193/2022 

Seite 11 

6.  

6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr 

gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-

matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-

hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 

BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.). Begründet ist die Furcht 

vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere 

hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – 

auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehba-

rer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für 

eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in ver-

gleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur 

Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund 

einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits 

durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um 

Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatli-

chen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für 

eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 

2010/57 E. 2). Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, 

wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat 

oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von 

Art. 3 AsylG wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe). 

6.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit 

der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen  

oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge-

samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli-

chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per-

sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller bzw. 

die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, 

wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht 

es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, 

aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende 

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Seite 12 

Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

6.3 Wie in der Beschwerde erwähnt, beschrieb der Beschwerdeführer die 

Ereignisse an einer Befragung und zwei Anhörungen, die zum Teil zeitlich 

weit auseinanderlagen, übereinstimmend und an der ersten Anhörung über 

fünf A4-Seiten in freier Rede hinweg. Unbestritten ist auch vom SEM, dass 

der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus dem Iran über Jahre hinweg 

Mitglied der (…) war und für diese Organisation auch öffentliche Propa-

ganda machte. Gemäss Aussagen des Beschwerdeführers wurde er in die-

sem Zusammenhang einmal zum Grossmufti berufen und es wurde ihm 

vorgeworfen, religiöse Belehrung zu betreiben. Diese Ereignisse be-

schreibt er an der zweiten Anhörung authentisch und nennt den Namen 

des Muftis (vgl. A32 F 66). Im Anschluss sei er mehrmals vom Geheim-

dienst mitgenommen und befragt worden. Auch nimmt er im späteren Ver-

lauf der Anhörung immer wieder darauf Bezug und betont im Zusammen-

hang mit seiner Konversion, er habe insbesondere auch deshalb eine harte 

Bestrafung befürchtet, weil ihm zuvor schon religiöse Propaganda vorge-

worfen worden sei (vgl. A32 F71 und A36 F57 f.). Gemäss dem vom Be-

schwerdeführer eingereichten Internetartikel vom 7. Juni 2017, wonach Sit-

zungen der (…) wegen religiöser Propaganda verboten worden seien (vgl. 

A36 F10), treffen seine Vorbringen bezüglich der Vorwürfe der staatlichen 

Behörden gegen die Organisation offenbar zu. Wenn das SEM argumentiert, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft, weil er bei die-

ser Sachlage längst verhaftet worden wäre, vermag dies nicht zu überzeu-

gen. Einerseits argumentiert es hier mit der Logik des Verfolgers, welche 

dem Beschwerdeführer nur bedingt entgegengehalten werden kann. Ande-

rerseits handelt es sich bei den (…) gerade nicht um eine religiöse Organi-

sation, die offiziell verboten war. Dass die Organisation selber in der vom 

SEM zitierten Internetseite nicht direkt einen Bezug zum christlichen Glau-

ben herstellt, ist dabei nicht relevant, zumal den Behörden offenbar bereits 

der christliche Ursprung ein Dorn im Auge ist. Den vom SEM erwähnten 

Widerspruch zum Gefängnisaufenthalt sieht das Gericht nicht als diamet-

ral. Wie in der Beschwerde erwähnt, sprach der Beschwerdeführer schon 

an der Befragung auf Nachfrage von weiteren Mitnahmen (vgl. A11 S. 9). 

Dabei nannte er keine genauen Gründe, ohne dass das SEM nachfragte, 

sodass der Verweis an der Anhörung auf den Vorwurf der christlichen Pro-

paganda als Präzisierung gesehen werden kann. Im Zusammenhang mit 

der später erfolgten Annäherung des Beschwerdeführers an die christliche 

Religion und dem Beginn von Besuchen in Hauskirchen ist es durchaus 

denkbar, dass er immer mehr in den Fokus der Sicherheitskräfte geraten 

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ist. Wenn das SEM seine Konversion im Iran für unglaubhaft hält, weil es 

komisch anmute, dass er während den acht Jahren bei den (…) nicht zum 

Christentum gefunden habe, wenige Monate vor der Ausreise dieser Zu-

gang aber auf einmal ganz einfach gewesen sei, vermag auch dieses Ar-

gument nicht zu überzeugen. Dies umso mehr, als das SEM selber festhält, 

dass die (…) nicht als religiöse Organisation angesehen werden kann. 

Gleichzeitig gesteht das SEM ein, dass eine Konversion ein Prozess ist. 

Nach Meinung des Gerichts zeigt der Beschwerdeführer diesen Prozess 

im Verlauf der Anhörungen sehr nachvollziehbar auf. So gibt er an, dass er 

in seiner Zeit bei den (…) die christlichen Werte zwar aufgenommen aber 

sich nicht wirklich damit habe identifizieren können. Durch einen langjähri-

gen Freund bei den (…) habe er zuerst allgemeine Gespräche über den 

Glauben im Rahmen der Philosophie der (…) geführt und diesem seine 

Distanziertheit in Bezug auf das Christentum mitgeteilt. Die Gespräche 

seien dann immer vertiefter um den christlichen Glauben gegangen. Er ver-

weist auch nachvollziehbar darauf, dass er sich zu dieser Zeit in einer 

schwierigen persönlichen Situation befunden habe. Schliesslich habe ihn 

der Freund mit einem Pfarrer einer Hauskirche vertraut gemacht und er 

habe auch mit diesem Gespräche geführt, bevor er schliesslich das erste 

Mal an einer Veranstaltung einer Hauskirche teilgenommen habe. Diese 

Begebenheiten erzählte er an den Anhörungen authentisch und ausführ-

lich. Zwar trifft es zu, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zu 

den einzelnen Besuchen in der Hauskirche etwas allgemeiner werden. Auf 

Nachfrage kann er aber verschiedene Veranstaltungen differenzieren, wo 

diese stattgefunden hätten, bei wem zu Hause und Namen von Teilneh-

menden nennen (vgl. A32 F66 ff. und A36 F32 ff.). Auch dass er die Kon-

version seiner Ehefrau nicht so einfach mitteilte und von seiner Liebe zu 

Jesus sprach, ist im iranischen Kontext, wie in der Beschwerde ausgeführt, 

nicht ungewöhnlich. Die Aussage, wonach er seine Frau im Iran vom Glau-

ben habe überzeugen können, ist nicht zwingend mit deren Konversion 

gleichzusetzen, sodass hier kein diametraler Widerspruch zur Aussage ge-

sehen werden kann, wonach die Frau erst in Serbien konvertiert sei. Vor 

dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer schon von Beginn der Anhö-

rung weg angab, dass bereits seine Eltern nur auf dem Papier religiös ge-

wesen seien, er den muslimischen Glauben nie ausgeübt habe, nicht an 

seine Kinder weitergegeben habe (was der Sohn auch bestätigt) und we-

gen seiner Haltung sehr viele Probleme in seinem Lebenslauf erhalten 

habe (Verweigerung der Ausbildung wegen fehlender religiöser Nähe), ist 

die Zukehr des Beschwerdeführers zum Christentum auch plausibel. Das 

SEM scheint bei seinen Fragen nach der Konversion des Beschwerdefüh-

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rers auf ein bestimmtes Ereignis herauszuwollen, bei dem der Beschwer-

deführer zum Christ geworden sei. Der Beschwerdeführer versucht aber, 

den Prozess aufzuzeichnen, den er im Iran durchlaufen hat, während die 

Taufe erst in der Schweiz vollzogen wurde. Aufgrund dieser Diskrepanz 

moniert das SEM zu Unrecht, der Beschwerdeführer weiche den Fragen 

aus. Der Beschwerdeführer hält denn auch in der Schweiz an seinem Glau-

ben fest, liess sich nach seiner Ankunft taufen, besucht die Kirche gemäss 

Bestätigungsschreiben regelmässig und engagiert sich auch weitergehend 

(vgl. A34 Beweismittel 6). Auch scheinen dem Gericht die Antworten des 

Beschwerdeführers auf Fragen zur religiösen Erziehung seiner Kinder 

nicht ausweichend und es lässt sich herauslesen, dass er diese areligiös 

erzog, so wie es seine Eltern offenbar bereits mit ihm gemacht haben (vgl. 

A32 F54 ff.). Auch das Gespräch des Beschwerdeführers mit seinem Ver-

wandten bei der Revolutionsgarde hat dieser nach Meinung des Gerichts 

realitätsnah und detailliert beschrieben, angesichts dessen, dass das Ge-

spräch an der Anhörung vom 6. Mai 2020 schon beinahe vier Jahre zurück-

lag. Wieso dieser Verwandte den Beschwerdeführer nicht vor weiteren 

Massnahmen im Iran schützen konnte, wie dies das SEM auch in seiner 

Verfügung moniert, hat er an der Anhörung mehrmals auf diverse Nachfra-

gen des SEM plausibel damit erklärt, dass mit seiner Vergangenheit (Fest-

nahmen wegen Demonstrationen und Mitnahmen und Befragungen wegen 

christlicher Propaganda) weitere Massnahmen nicht abzuwenden gewe-

sen wären. Es scheint nachvollziehbar, dass der Verwandte es dabei be-

lassen musste, den Beschwerdeführer zu warnen, womit er bereits ein Ri-

siko einging. Der Beschwerdeführer bat verständlicherweise nicht um wei-

tere Massnahmen zu seinen Gunsten im Iran, zumal der Verwandte offen-

bar sehr verärgert war. Der Sohn des Beschwerdeführers berichtete denn 

auch authentisch, der Vater sei eines Tages sehr aufgebracht nach Hause 

gekommen, habe mit seiner Mutter diskutiert und dann habe er ihnen ge-

sagt, sie müssten gehen (vgl. A37 F32 f.). Nach der Ausreise erfuhr der 

Beschwerdeführer, dass er vom Geheimdienst gesucht und seine Maschi-

nen aus der Tätigkeit als (…) vom Staat beschlagnahmt worden seien. 

Wenn das SEM zu bedenken gibt, dies könnte auch in einem anderen Zu-

sammenhang geschehen sein, vermag dies angesichts der gesamten Si-

tuation nur bedingt zu überzeugen und es scheint wahrscheinlicher, dass 

ein Zusammenhang zu den geschilderten Ereignissen vor der Ausreise be-

steht. Die allgemeine Aussage der Ehefrau in einem serbischen Arztbe-

richt, wonach sie wegen Problemen aufgrund politischer Meinungsver-

schiedenheiten ausgereist seien, vermag im Gesamtzusammenhang des 

soeben Gesagten die Aussagen des Beschwerdeführers nicht massgeblich 

zu erschüttern. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bis heute keine 

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Unterlagen strafrechtlicher Untersuchungen oder Anklagen eingereicht 

habe, lässt zwar Zweifel aufkommen. Angesichts dessen, dass jedoch 

noch nicht behördlich gegen den Beschwerdeführer vorgegangen worden 

war, erscheint jedoch auch dies nachvollziehbar. 

6.4 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und denje-

nigen, die dagegensprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht insge-

samt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Ver-

folgungsgeschichte entspreche in den wesentlichen Punkten den Tatsa-

chen, höher ist, als die – wenn auch nicht restlos auszuschliessende – 

Möglichkeit, sie sei vom Beschwerdeführer bloss erfunden worden. Bei ei-

ner Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwiegen die für die 

Richtigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers sprechenden Ele-

mente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien.  

6.5 Nach dem Gesagten ist es als glaubhaft zu werten, dass der Beschwer-

deführer im Iran im Zusammenhang mit dem Vorwurf christlicher Propa-

ganda mehrmals vom Geheimdienst mitgenommen und befragt wurde. Die 

flüchtlingsrelevanten Elemente beziehungsweise der Asylgrund ist mit dem 

Engagement für die (…), den Mitnahmen, dem Besuch der Hauskirchen 

und der späteren Warnung durch den Verwandten bei der Revolutions-

garde und damit der objektiv begründeten Furcht vor weiteren Massnamen 

vor der Ausreise gesetzt worden. Angesichts des länderspezifischen Kon-

textes, der in der Beschwerde ausführlich dargelegt wird, war seine sub-

jektive Furcht vor weiteren Massnahmen objektiv begründet, zumal davon 

auszugehen ist, dass der Geheimdienst über Mittel und Wege verfügt 

hätte, solche durchzusetzen. Auch ist davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer fortan unter enger Überwachung gestanden hätte und da-

mit seiner neugewählten Religion nicht mehr hätte nachgehen können. Da 

er jedoch offensichtlich nicht gewillt war, sich von seinem neuen Glauben 

abzuwenden, wie auch sein Verhalten nun in der Schweiz zeigt, hätten ihm 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit weitere ernst-

hafte Nachteile gedroht. Der Beschwerdeführer erfüllte damit die Flücht-

lingseigenschaft bereits im Zeitpunkt der Ausreise. 

6.6 Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die angefoch-

tene Verfügung ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, dem Be-

schwerdeführer Asyl zu gewähren, zumal sich aus den Akten auch keine 

anderen Gründe für einen Asylausschluss ergeben. 

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Seite 16 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). Der Kostenvorschuss von Fr. 750.– ist dem Be-

schwerdeführer zurückzuerstatten. 

8.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-

kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2000.– zuzusprechen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und das SEM angewiesen, 

dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der Kostenvorschuss von 

Fr. 750.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner