# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad6742d6-10d7-5deb-aeff-6bebaa2fcf70
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.08.2010 D-5380/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5380-2010_2010-08-03.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5380/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richter Martin Zoller, Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

A._______, geboren [...], unbekannter Herkunft, alias 
Sierra Leone
vertreten durch Freiplatzaktion Zürich, 
Rechtshilfe Asyl und Migration, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 14. Juli 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5380/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das vormalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute BFM) das 
erste Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 2. August 2000 mit Ver-
fügung vom 10. August 2000 ablehnte,

dass die  dagegen am 12. August  2000 bei  der  damals  zuständigen 
Asylrekurskommission  (ARK)  erhobene  Beschwerde  mit  Beschluss 
vom  25.  September  2000  wegen  unbekannten  Aufenthalts  des  Be-
schwerdeführers als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde,

dass der Beschwerdeführer am 22. April  2010 erneut in die Schweiz 
einreiste  und  am  selben  Tag  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum 
(EVZ) Z._______ ein zweites Mal um Asyl nachsuchte,

dass er am 30. April 2010 im EVZ summarisch zum Reiseweg und zu 
den Asylgründen befragt wurde und ihm dort in der Folge gleichentags 
das rechtliche Gehör einerseits zu einer allfälligen Wegweisung nach 
Frankreich, Griechenland oder Italien (Art. 32 Abs. 2 Bst. d des Asylge-
setzes vom 26. Juni  1998 [AsylG,  SR 142.31]; B8/3)  sowie anderer-
seits zu einer allfälligen Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG 
(B9/3) gewährt wurde,

dass das BFM am 28. Mai 2010, gestützt auf die einschlägigen staats -
vertraglichen Bestimmungen, an die zuständigen Behörden Griechen-
lands ein Gesuch um Übernahme des Beschwerdeführers richtete,

dass das BFM mit Verfügung vom 14. Juli 2010 – eröffnet am 23. Juli  
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylge-
such nicht eintrat,  die Wegweisung aus der Schweiz nach Griechen-
land sowie  den Vollzug bis  spätestens am Tag nach Ablauf  der  Be-
schwerdefrist anordnete und des Weiteren festhielt, eine allfällige Be-
schwerde habe keine aufschiebende Wirkung,

dass Griechenland gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäi-
schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 
des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat 
oder in der Schweiz gestellten Asylantrags ([Dublin-Assoziierungsab-
kommen, SR 0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 
vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem 

Seite 2

D-5380/2010

Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrag zu-
ständig ist [Dublin-II-VO]; Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommis-
sion  vom  2. September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur 
Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]) sowie gestützt 
auf  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Kö-
nigreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung 
des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags 
(SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei 
und angesichts dessen, dass Griechenland innert Frist nicht geantwor-
tet habe, von seiner Zustimmung auszugehen sei (vgl. Art. 20 Abs. 1 
Bst. c Dublin-II-VO),

dass die zuständigen griechischen Behörden innerhalb der festgeleg-
ten Frist nicht geantwortet hätten und daher die Zuständigkeit betref-
fend  Durchführung  des  Asylverfahrens  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  1 
Bst. c Dublin-II-VO auf Griechenland übergegangen sei,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung (vgl. Art. 19 Abs. 3 und 4 Dublin-II-VO) – bis spätes-
tens am 12. Dezember 2010 zu erfolgen habe,

dass  die  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  des  rechtlichen  Gehörs 
vom 30. April 2010 geltend gemachten Gründe ("er könne nicht nach 
Griechenland zurückkehren, da er da keine Unterkunft, keine Nahrung, 
keine Arbeit und keine Kleider erhalte") kein Hindernis für eine Weg-
weisung  nach  Griechenland  darstelle,  da  Griechenland  ein  Rechts-
staat  sei  und  gemäss  Dublin-Abkommen  zur  Rückübernahme  ver-
pflichtet sei,

dass Griechenland die Mindestnormen der EU für die Aufnahme der 
Asylgesuchsteller  anwende und  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur 
Verfügung stelle,

dass der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland ferner zulässig, 
zumutbar und möglich sei,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 
26. Juli 2010 (Poststempel: 27. Juli 2010) die Verfügung des BFM beim 
Bundesverwaltungsgericht anfechten liess,

Seite 3

D-5380/2010

dass im Wesentlichen beantragt wird, die angefochtene Verfügung sei  
aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihr Recht zum Selbstein-
tritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren für zustän-
dig zu erklären,

dass sodann im Sinne vorsorglicher Massnahmen der Beschwerde die 
aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden anzuwei-
sen seien, von einer Überstellung nach Griechenland abzusehen, bis 
das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwerde entschieden ha-
be,

dass ferner auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Aufer-
legung von Verfahrenskosten zu verzichten sei,

dass  auf  die  Beschwerdeanträge  und  die  Beschwerdebegründung  – 
soweit  erforderlich  –  in  den nachfolgenden  Erwägungen einzugehen 
ist,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Instruktionsverfügung  vom 
28. Juli  2010 den Vollzug der  Wegweisung im Sinne  einer  vorsorg li-
chen Massnahme provisorisch per sofort aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 29. Juli 2010 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilge-
nommen hat und durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert  ist,  weshalb  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Be-

Seite 4

D-5380/2010

schwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art.  105 AsylG 
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts  und die  Unangemessenheit  gerügt  werden 
können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichtein-
tretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen ma-
teriellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die 
Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist 
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 34 
E. 2.1 S. 240 f.),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass im vorliegenden Fall zunächst Anlass zur Frage besteht, ob die 
Vorinstanz im Rahmen der angefochtenen Verfügung ihren Pflichten, 
die  sich  aus  dem  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches 
Gehör ergeben, hinreichend nachgekommen ist,

dass der Anspruch auf rechtliches Gehör durch Art. 29-33 VwVG kon-
kretisiert  wird  und  verschiedene  Teilaspekte  umfasst,  nämlich  einen 
Anspruch der  Parteien auf  vorgängige  Anhörung durch die  Behörde 
(Art. 30 und 30a VwVG), auf Anhörung in Bezug auf  erhebliche Vor-
bringen einer Gegenpartei (Art. 31 VwVG), auf Prüfung eigener erheb-
licher Vorbringen durch die Behörde (Art. 32 VwVG) und auf Abnahme 
der angebotenen und tauglichen Beweise durch die Behörde (Art.  33 
VwVG),

dass Antworten auf die Frage, welche spezifischen Teilgehalte der An-
spruch des rechtlichen Gehörs im Einzelnen umfasse, sich darüber hi-
naus auch unmittelbar  aus dem übergeordneten Verfassungsrecht  in 

Seite 5

D-5380/2010

Gestalt von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ergeben können,

dass der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des recht li-
chen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV unbestrittenermassen ei-
ne  Anzahl  verschiedener  verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien 
umfasst (vgl. aus der Literatur MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässi-
ge Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des mo-
dernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.;  ANDREAS AUER/GIORGIO MALINVER-
NI/MICHEL HOTTELIER, Droit constitutionnel suisse. Vol. II. Les droits fonda-
mentaux, 2. Aufl., Bern 2006, S. 606 ff.; BENOIT BOVAY, Procédure admi-
nistrative, Bern 2000, S. 207 ff.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHL-
MANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/  Basel/Genf/St. 
Gallen 2006,  S. 360 ff.;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfah-
ren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998, 
S. 46, 107 ff.; MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, Bern 2005, 
S. 285 ff.),

dass dazu zunächst – und für die Prozessparteien regelmässig im Vor-
dergrund stehend – das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhö-
rung gehört, welches den Betroffenen einen Einfluss auf die Ermittlung 
des wesentlichen Sachverhaltes sichert,

dass  unerlässliches  Gegenstück  der  Mitwirkungsrechte  der  Parteien 
ausserdem als  weiterer  Teilgehalt  des  rechtlichen Gehörs  die  Pflicht 
der  Behörden  bildet,  die  Vorbringen  der  Betroffenen  sorgfältig  und 
ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen,

dass daraus schliesslich aber auch die grundsätzliche Pflicht der Be-
hörden  folgt,  ihren  Entscheid  zu  begründen  (BGE  123 I 31  E. 2c; 
vgl. etwa  AUER/MALINVERNI/  HOTTELIER,  a.a.O.,  S. 611 ff.;  REINHOLD HOTZ, 
St. Galler  Kommentar  zu  Art. 29  BV,  Rz. 34  ff.;  KÖLZ/HÄNER,  a.a.O., 
S. 119; SCHEFER, a.a.O., S. 300 ff.),

dass der angefochtene Entscheid des BFM diesen Kriterien nicht ge-
recht wird,

dass das BFM hinsichtlich der Frage der Wegweisung nach Griechen-
land einzig pauschal festhält, Griechenland wende die Mindestnormen 
der EU für die Aufnahme der Asylgesuchsteller an und stelle demzufol-
ge Aufnahmestrukturen zur Verfügung,

Seite 6

D-5380/2010

dass sich diese gedrängte vorinstanzliche Schlussfolgerung vor dem 
Hintergrund zahlreicher, weitgehend übereinstimmender und dem BFM 
bekannter Lageberichte zur prekären Situation von Asylsuchenden in 
Griechenland (vgl. beispielsweise BVGE 2010/1 E. 5.6 S. 16) in dieser 
Form als reine Behauptung erweist, welche in keiner Weise begründet 
oder auch nur erläutert wird,

dass  das  BFM  damit  offensichtlich  seine  Begründungspflicht  bezie-
hungsweise den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Ge-
hör verletzt hat,

dass dies im vorliegenden Fall umso stossender anmutet, als den Ak-
ten konkrete Sachverhaltselemente zu entnehmen sind, welche einer 
rechtsgenüglichen Begründung der vorinstanzlichen Schlussfolgerung 
durchaus hätten dienen können (siehe untenstehende Ausführungen),

dass insofern auch die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung zu be-
mängeln ist, beschränkt sich diese doch lediglich auf die Feststellung, 
der  Beschwerdeführer  habe  gemäss  EURODAC-Datenbank  am 
6. Mai 2003  –  mithin  vor  rund  sieben  Jahren  –  in  Griechenland  ein 
Asylgesuch gestellt,

dass sich nunmehr die Frage stellt, ob die festgestellte Verletzung des 
Anspruchs auf rechtliches Gehör geheilt werden kann oder zur Kassa-
tion der angefochtenen Verfügung führen muss,

dass der Gesetzgeber aus prozessökonomischen Gründen die Verwal-
tungsbeschwerde  grundsätzlich  reformatorisch  ausgestaltet  hat  und 
gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG eine Kassation und Rückweisung an die 
Vorinstanz nur  ausnahmsweise erfolgen darf,  so  etwa,  wenn weitere 
Tatsachen festgestellt  werden müssen und ein umfassendes Beweis-
verfahren durchzuführen ist,

dass eine sachgerechte Lösung im Sinne einer Heilung oder Kassation 
sich ferner entscheidend an der Schwere der Verletzung einer Verfah-
rensvorschrift,  aber auch daran zu orientieren hat,  ob die Verletzung 
auf einem Versehen beruht oder das Resultat einer gehäuften unsorg-
fältigen Verfahrensführung ist,

dass im vorliegenden Fall – wie nachfolgende Ausführungen ergeben – 
die Gehörsverletzungen geheilt werden können, da sich das Verfahren 
aufgrund  der  dem Bundesverwaltungsgericht  vorliegenden  Akten als 

Seite 7

D-5380/2010

entscheidreif erweist und mithin keine weiteren Tatsachen mehr festge-
stellt werden müssen und dem Beschwerdeführer dabei aufgrund der 
im Ergebnis zutreffenden vorinstanzlichen Verfügung kein Nachteil er-
wächst,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass aufgrund der Abklärungen des BFM in der EURODAC-Datenbank 
die  Asylgesuchseinreichung des  Beschwerdeführers  in  Griechenland 
feststeht und er diese auch nicht bestreitet (vgl. B8/3 S. 1),

dass somit Griechenland für die Prüfung seines am 22. April 2010 in 
der Schweiz eingereichten Asylantrags zuständig ist,

dass die Zuständigkeit  Griechenlands in  der Beschwerde denn auch 
nicht bestritten wird, weshalb auf die diesbezüglich zutreffenden vor in-
stanzlichen Ausführungen verwiesen werden kann (siehe oben S. 3),

dass in der Rechtsmittelschrift indessen unter Hinweis auf diverse Be-
richte und europäische Gerichtsentscheide geltend gemacht wird, der 
Beschwerdeführer  laufe  bei  einer  Rückweisung  nach  Griechenland 
grosse Gefahr, direkt in sein Heimatland zurückgeschafft  zu werden, 
und das Asylverfahren in Griechenland verletze fundamentale Garan-
tien,

dass daher das BFM verpflichtet sei, gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-
II-VO vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen,

dass das Bundesverwaltungsgericht diese Sichtweise im Falle des Be-
schwerdeführers zurückweist, da sich dieser eigenen Angaben zufolge 
anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 30. April 2010 
seit dem 6. Mai 2003 bis im April 2010 – also rund sieben Jahre – in 
Griechenland aufhielt,  im Besitze  einer  sog. "Rosa-Karte"  respektive 
"Roten-Karte" ("tessera rossa") war, welche er alle sechs Monate, ins -
gesamt vielleicht zehn Mal – erneuern liess (vgl. B8/3 S. 1 f.),

dass der Beschwerdeführer zwar geltend machte, seine "Rosa-Karte" 
sei abgelaufen, er aber in keiner Weise darlegt, weshalb es ihm nicht  
möglich  gewesen  sein  soll,  diese  wiederum zu  erneuern  respektive 

Seite 8

D-5380/2010

seine  Erklärung,  er  wisse  nicht,  wann  er  eine  negative  Antwort  auf 
sein  Asylgesuch  in  Griechenland  erhalten  habe,  und  er  wisse  nicht 
einmal,  ob er Beschwerde erhoben habe (vgl. B8397652/3 S. 1),  als 
oberflächlich und daher unglaubhaft zu qualifizieren ist,

dass  sich  der  Beschwerdeführer  schliesslich  explizit  auf  dieselben 
Asylgründe beruft, welche er anlässlich seiner ersten Asylgesuchstel-
lung in der Schweiz im Jahre 2000 geltend machte (vgl. B1/10 S. 6),

dass im damaligen Asylverfahren die Herkunft des Beschwerdeführers 
aus  Sierra  Leone  als  unglaubhaft  erkannt  und  davon  ausgegangen 
wurde, ihm drohten im tatsächlichen Heimatstaat keinerlei asylrelevan-
te Benachteiligungen (vgl. in  Rechtskraft  erwachsene Verfügung des 
BFF vom 10. August 2000; vgl. auch B9/3 betreffend die divergieren-
den Altersangaben des Beschwerdeführers),

dass vor diesen Hintergründen die Gefahr einer Verletzung des flücht-
lingsrechtlichen Non-Refoulements (Art. 5 AsylG) – auch im Falle einer 
allfälligen Kettenabschiebung – mithin ausgeschlossen werden kann,

dass  sich  der  ungebundene  und  gemäss  Aktenlage  gesunde  Be-
schwerdeführer seinen Angaben anlässlich der Gewährung des rechtli-
chen Gehörs vom 30. April 2010 zufolge während seines sieben Jahre 
dauernden Aufenthalts in Griechenland zumindest zeitweise bei Freun-
den in "Kuliato" und "Alessandria" in Athen aufgehalten hat (vgl.  B8/3 
S. 2),

dass unter diesen Umständen – auch unter Berücksichtigung der be-
reits erwähnten Mängel im griechischen Asylverfahren – keine konkre-
ten  Anhaltspunkte  für  eine  drohende  Verletzung  der  massgebenden 
völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101), im Falle einer Rückkehr des Beschwerde-
führers nach Griechenland vorliegen,

dass  daher  keine  Veranlassung  besteht,  die  Bestimmung  über  das 
Selbsteintrittsrecht im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dubli-II-VO anzuwenden,

dass das BFM somit in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG –  
im  Ergebnis  (siehe  oben)  –  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers nicht eingetreten ist,

Seite 9

D-5380/2010

dass es sich bei dieser Sachlage erübrigt, auf die übrigen Ausführun-
gen in der Beschwerdeschrift einzugehen, zumal sich diese einzig zur 
allgemeinen Situation in  Griechenland,  nicht  aber zu den konkreten, 
den Beschwerdeführer persönlich betreffenden Umständen äussern,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vor liegend 
der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-
spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), 
weshalb  die  verfügte  Wegweisung im Einklang mit  den gesetzlichen 
Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeord-
net wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),  dass eine entsprechende Prüfung 
soweit notwendig vielmehr bereits im Rahmen des Dublin-Verfahrens 
stattfinden muss (vgl. vorgehende Erwägungen),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Griechenland im Ergebnis zu Recht als zulässig, zumutbar und 
möglich erachtete,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,

dass mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache das Gesuch 
um Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde 
(Art. 107a AsylG) gegenstandslos geworden ist,

dass es sich gleichermassen mit dem Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses verhält,

dass  der  Beschwerdeführer  sodann  nur  durch  das  Ergreifen  eines 
Rechtsmittels  zu  einem rechtskonformen  respektive  hinreichend  be-
gründeten  Entscheid  gelangt  ist  und  ihm  dadurch  kein  finanzieller 

Seite 10

D-5380/2010

Nachteil erwachsen darf (BVGE 2008/47 E. 5 S. 680 f., BVGE 2007/9 
E. 7.2 S. 109),

dass deshalb in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG i. V. m.  
Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) keine Kosten aufzuerlegen sind,

dass damit  das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos geworden 
ist,

dass dem Beschwerdeführer aufgrund des soeben Gesagten trotz Un-
terliegens  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  eine  angemessene 
Parteientschädigung für die ihm aus der Beschwerdeführung erwach-
senen notwendigen Kosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG),

dass seitens  der  Rechtsvertretung bis  dato keine Kostennote einge-
reicht wurde, indessen auf die Nachforderung einer solchen verzichtet 
wird,  weil  im vorliegenden Verfahren der  Aufwand zuverlässig  abge-
schätzt werden kann,

dass gestützt  auf  die in  Betracht  zu ziehenden Bemessungsfaktoren 
(Art.  9-13  VGKE)  die  Parteientschädigung  auf  Grund  der  Akten  auf 
pauschal Fr. 500.– festgesetzt wird, welche das BFM dem Beschwer-
deführer zu entrichten hat.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

D-5380/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 500.– zu entrichten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Alfred Weber

Versand:

Seite 12