# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cadd845d-c43c-53c0-a9db-65219f294507
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 E-2253/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2253-2010_2011-12-07.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­2253/2010

U r t e i l   v om   7 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Bruno Huber
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Rebecca Moses, 
(…) Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, (…)
Beschwerdeführer, 

Gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 26. März 2010 / N (…).

E­2253/2010

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge 
im  Frühling  2009  verliess  und  am  26.  Februar  2010  in  die  Schweiz 
gelangte, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte,

dass  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  am 
12. März  2010  die  summarische  Befragung  und  am  22. März  2010  die 
Anhörung zu den Asylgründen stattfand,

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen  angab,  er  sei  Tadschike  und  habe  mit  seiner  Mutter  in 
Kabul gewohnt,

dass er vor einigen Jahren ein Mädchen namens B._______ kennen und 
lieben gelernt und diese ihm (…) die Heirat vorgeschlagen habe, 

dass  der  Beschwerdeführer  seiner  Freundin  erst  zu  diesem  Zeitpunkt 
erzählt habe, dass er sich vom Islam abgewendet habe und Mitglied der 
Glaubensgemeinschaft C._______ sei,

dass sie darauf mit der Mutter der Freundin ein Treffen organisiert hätten 
und der Beschwerdeführer dieser dabei C._______ erklärt habe, worauf 
die Mutter ihn als gottlos beschimpft und die Tochter weggeführt habe,

dass seine Freundin  ihm am Abend angerufen und erklärt habe, sie sei 
von ihrer Familie geschlagen worden und er möge sie retten,

dass  die  Freundin  etwa  eine  Woche  später  zu  ihm  nach  Hause 
gekommen sei und darum gebeten habe, bei ihm bleiben zu dürfen, er sie 
indessen zu ihrer Familie zurückgebracht, ihr jedoch die Ehe versprochen 
habe,

dass seine Mutter in der Folge zweimal vergeblich versucht habe, für ihn 
um die Hand der Freundin anzuhalten,

dass er etwa zehn Tage später  in einem Billardclub einen Bruder seiner 
Freundin getroffen habe und diesen habe begrüssen wollen,

dass  er  dabei  einen  Schlag  auf  den  Hinterkopf  erhalten  und  sich  bei 
Erwachen  aus  seiner  Ohnmacht  blutüberströmt  und  mit  zwei 
ausgeschlagenen Zähnen auf einem Friedhof wiedergefunden habe,

E­2253/2010

Seite 3

dass er etwa einen Monat nach diesem Vorfall,  (…),  von der Polizei  zu 
Hause festgenommen und auf die Polizeiwache überführt worden sei, wo 
er nach seiner Religion befragt und – nachdem er sich zum C._______ 
bekannt habe – geschlagen worden sei,

dass  ihm  von  den  Polizisten  eröffnet  worden  sei,  seine  Freundin  sei 
getötet worden und er werde verdächtigt, sie ermordet zu haben,

dass er in der Folge mit Hilfe seines Bruders – der einen einflussreichen 
Freund  kontaktiert  habe,  der  zugunsten  des  Beschwerdeführers 
interveniert habe – sowie durch Zahlung von (…) gegen Mitternacht des 
gleichen Tages freigekommen sei,

dass der Beschwerdeführer noch in der gleichen Nacht den Heimatstaat 
verlassen  und  sich  daraufhin  etwa  (…)  in  Pakistan  aufgehalten  habe, 
bevor er in die Schweiz gereist sei und hier um Asyl nachgesucht habe,

dass er im Fall einer Rückkehr wegen seiner Religionszugehörigkeit und 
wegen  der  ihm  unterstellten  Ermordung  der  Freundin  um  sein  Leben 
fürchten müsste,

dass das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung 
vom 26. März 2010 – eröffnet am selben Tag – in Anwendung von Art. 32 
Abs.  2 Bst.  a  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) 
nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug 
anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der 
Beschwerdeführer  habe  ohne  entschuldbare  Gründe  keine  Reise­  oder 
Identitätspapiere  abgegeben  und  der  eingereichte  Führerausweis 
vermöge  die  Identität  nicht  zu  belegen,  zumal  Fahrzeugführerausweise 
auch nicht als Reisedokumente verwendet werden könnten,

dass  im Weiteren  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  im  Asylpunkt 
oberflächlich und realitätsfremd seien, es sich bei diesen offenkundig um 
ein  Sachverhaltskonstrukt  handle,  weshalb  sie  als  unglaubhaft  zu 
qualifizieren seien,

dass  der Beschwerdeführer mit Eingabe  vom 6. April  2010  durch  seine 
Rechtsvertreterin  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die 
Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  zwecks  Prüfung  seines 
Asylgesuchs (Eintreten), eventualiter die Feststellung der Unzumutbarkeit 
der  Wegweisung  und  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  durch  das 

E­2253/2010

Seite 4

Bundesamt  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses beantragen liess, 

dass  mit  der  Beschwerde  unter  anderem  die  Telefaxkopie  eines 
Identitätsausweises  (Taskira)  und  eine  Stellungnahme  der 
Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  zur  Lage  der  C._______  in 
Afghanistan zu den Akten gereicht wurden,

dass der Instruktionsrichter in der Zwischenverfügung vom 12. April 2010 
festhielt,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in 
der  Schweiz  abwarten,  auf  eine  Kostenvorschusserhebung  verzichtete 
und den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege auf einen späteren Verfahrenszeitpunkt verwies,

dass der Beschwerdeführer am 20. April 2010 das Original seiner Taskira  
sowie  vier  (recte:  drei)  Fotografien  einreichen  liess,  die  etwa acht Tage 
nach  dem Angriff  im Billardclub  aufgenommen worden  seien  und  seine 
Verletzungen belegen würden,

dass er am 17. Juni 2010 ein Arztzeugnis des behandelnden Zahnarztes 
nachreichen  liess,  gemäss  dem  ihm  die  beim  Übergriff  abgebrochenen 
Zähne gezogen und Medikamente gegeben worden seien,

dass  er  ausserdem  mit  gleicher  Eingabe  eine  Bestätigung  der 
Staatsanwaltschaft  und der Nachbarn zum Beleg dafür beibringen  liess, 
dass er von zwei Beamten in seiner Wohnung gesucht worden sei,

und erwägt,

dass  es  im  Asylbereich  –  vorbehältlich  des  Vorliegens  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht – endgültig über Beschwerden 
gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM 
entscheidet  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­34  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 
83 Bst.  d Ziff.  1  des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

E­2253/2010

Seite 5

ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten 
ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 VwVG),

dass mit der Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  vorliegend  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  auf  das  Einholen 
einer Stellungnahme beim BFM verzichtet wurde,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  antragsgemäss  eine  Übersetzung 
der  eingereichten  fremdsprachigen  Beweismittel  in  eine  Amtssprache 
vornehmen liess,

dass die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide 
grundsätzlich  auf  die  Überprüfung  der  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

dass  bei  der  am  1.  Januar  2007  in  Kraft  getretenen  Modifikation  des 
Nichteintretenstatbestands von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG, auf welchen 
sich  die  hier  angefochtene  Verfügung  stützt,  die  Besonderheit  besteht, 
dass  das  BFM  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  das 
offenkundige Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft  im Sinn  von Art.  3 
AsylG  und  das  offenkundige  Fehlen  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen zu beurteilen hat  (vgl. Art.  32 Abs. 3 
Bst.  b  und  c  AsylG),  weshalb  insoweit  bei  dagegen  erhobenen 
Beschwerden auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet 
(vgl. BVGE 2007/8 E. 5),

dass  in  der  Frage  der  Wegweisung  und  deren  Vollzugs  die 
Beurteilungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht 
beschränkt ist, weil das BFM sich diesbezüglich gemäss Art. 44 AsylG in 
Verbindung mit  Art. 83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  auch 
materiell zur Sache zu äussern hatte,

E­2253/2010

Seite 6

dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den 
Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs 
Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG),

dass  diese  Bestimmung  dann  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
oder wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG 
die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird  (Art.  32 Abs. 3 Bst.  b AsylG) 
oder  wenn  sich  aufgrund  der  Anhörung  die  Notwendigkeit  zusätzlicher 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Vollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

dass vorliegend die Nichtabgabe von Reisepapieren im Sinn von Art. 32 
Abs.  2 Bst.  a  und Abs.  3 Bst.  a AsylG  innerhalb  von  48 Stunden  nach 
Einreichung des Asylgesuchs unbestritten ist,

dass der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene seine neu ausgestellte 
Taskira  zu den Akten reichen und dazu – analog zu den diesbezüglichen 
mündlichen  Erklärungen  –  ausführen  liess,  seine  ursprüngliche  Taskira 
sei von der pakistanischen Polizei beschlagnahmt worden, 

dass  er  das  Dokument  mangels  finanzieller  Mittel  nicht  früher  habe 
einreichen können,

dass  das  nachträgliche  Einreichen  von  rechtsgenüglichen 
Identitätspapieren  auf  Beschwerdeebene  grundsätzlich  nicht  zur 
Aufhebung eines zuvor korrekt ausgefällten Nichteintretensentscheids zu 
führen vermag (vgl. EMARK 1999 Nr. 16 E. 5),

dass  ausserdem  nicht  nachvollziehbar  ist,  inwiefern  es  dem 
Beschwerdeführer – auch bei geringen finanziellen Mitteln – nicht möglich 
gewesen sein sollte, unmittelbar anschliessend an die Erstbefragung vom 
12.  März  2010  wenigstens  einen  Telefonanruf  an  seine 
Familienangehörigen  in  Afghanistan  zu  tätigen  und  sich  um  die 
Beschaffung  von  (Ersatz­)  Ausweisen  zu  kümmern,  zumal  er  damals 
keine finanziellen Probleme erwähnt und noch angegeben hatte, er werde 
sich  um  die  Beschaffung  bemühen  (vgl.  Protokoll  Summarbefragung  S. 
6),

dass  demzufolge  nicht  einzusehen  ist,  weshalb  er  bis  zur  zweiten 
Anhörung  vom  22.  März  2010  –  im  Wissen  um  die  Wichtigkeit  des 

E­2253/2010

Seite 7

Beibringens  eines  Identitätsdokuments  –  untätig  geblieben  ist  (vgl. 
Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 2),

dass  die  mit  einer  Beschwerdeergänzung  im  Original  nachgereichte 
Taskira am "(…)" – demnach am (…) gemäss abendländischem Kalender 
und  mithin  (…)  nach  der  Anhörung  –  in  der  Heimat  des 
Beschwerdeführers  ausgestellt  worden  ist,  und  dieser  nicht  plausibel 
darlegt,  aus  welchem  Grund  er  die  notwendigen  Schritte  zur  offenbar 
völlig  problemlosen  Beschaffung  des  Ausweises  nicht  bereits  während 
des erstinstanzlichen Asylverfahrens unternommen hat,

dass somit umgehende und ersthafte Bemühungen zur Beschaffung von 
im Heimatland zurückgelassenen Papieren (vgl. BVGE 2010/2 E. 6 S. 28 
f.) zu verneinen sind,

dass  es  sich  bei  der  vom  (…)  datierenden  Taskira  nicht  um  ein  in  der 
Heimat zurückgelassenes Papier handelt, da es zum Zeitpunkt der Flucht 
des Beschwerdeführers noch gar nicht bestand,

dass  die  Feststellung  des  BFM,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  nicht 
gelungen,  entschuldbare  Gründe  für  das  Nichteinreichen 
rechtsgenüglicher  Reise­  oder  Identitätspapiere  im  erstinstanzlichen 
Verfahren glaubhaft zu machen, damit zu bestätigen ist (vgl. Art. 32 Abs. 
3 Bst. a AsylG),

dass  das  BFM  in  seinen  weiteren  Erwägungen  ausführt,  die 
Flüchtlingseigenschaft sei offensichtlich nicht gegeben und aufgrund der 
Akten  bestehe  keine  Notwendigkeit  zur  Vornahme  weiterer 
diesbezüglicher Abklärungen,

dass  in  der  Beschwerdeeingabe  eingewendet  wird,  entgegen  der 
Auffassung der Vorinstanz habe der Beschwerdeführer die Beweggründe 
für  seinen  Glaubenswechsel  sehr  wohl  verständlich  erklärt,  und  es  sei 
nicht einzusehen, was das Bundesamt noch habe hören wollen,

dass  sodann  bezüglich  der  Liebesbeziehung  des  Beschwerdeführers 
nicht  eine  solche  im  westlichen  Kontext  zu  verstehen  sei,  es 
beispielsweise  bei  den  geschilderten  Treffen  im  öffentlichen  Raum  für 
Aussenstehende gar nicht erkennbar gewesen sei, dass es sich um ein 
Liebespaar gehandelt habe,

dass diese Vorbringen  letztlich nicht zu überzeugen vermögen, vielmehr 
das  BFM  zutreffend  ausgeführt  hat,  dass  der  Beschwerdeführer  zu  der 

E­2253/2010

Seite 8

von  ihm angeblich praktizierten Religion nur oberflächliche und  lediglich 
mit Allgemeinplätzen versehene Erklärungen abgegeben hat,

dass  diese  Feststellung  insbesondere  dadurch  bestätigt  wird,  dass  der 
Beschwerdeführer  ein  Buch  über  C._______  studiert  (vgl.  Protokoll 
Anhörung  zu  den Asylgründen S.  2)  und  diese Religion  seit  etwa  zehn 
Jahren praktiziert haben will (vgl. Protokoll Summarbefragung S. 3),

dass  daher  in  diesem  Zusammenhang  fundiertere  und  auch 
praxisorientiertere Angaben hätten erwartet werden dürfen,

dass  in Würdigung der gesamten Umstände auch nach Auffassung des 
Bundesverwaltungsgerichts die Ausführungen des Beschwerdeführers zu 
den  angeblichen  Fluchtgründen  insgesamt  als  unsubstanziiert, 
lebensfremd,  widersprüchlich  und  geprägt  von  fehlenden 
Realkennzeichen beurteilt werden müssen,

dass  das  BFM  an  der  Schilderung  der  Liebesbeziehung  des 
Beschwerdeführers mit  der angeblich aus einer  strenggläubigen Familie 
stammenden Freundin zu Recht erhebliche Zweifel angemeldet hat,

dass  es  dieser  vor  dem  geltend  gemachten  kulturell­religiösen 
Hintergrund nicht möglich gewesen wäre, über einen Zeitraum von etwa 
zwei  Jahren  in  der  geschilderten  Form  eine  heimliche  Liebesbeziehung 
zu unterhalten, 

dass  der  Beschwerdeführer  bezeichnenderweise  nicht  in  der  Lage war, 
Fragen nach dem persönlichen Hintergrund seiner Freundin konkret und 
anschaulich  zu  beantworten,  und  er  nicht  einmal  ihren  Familiennamen 
anzugeben  vermochte  (vgl.  Protokoll  Anhörung  zu  den  Asylgründen 
S. 5 f., Protokoll Summarbefragung S. 6),

dass  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  er  habe  seiner  Freundin 
erst nach zweijähriger Liebesbeziehung offenbart, dass er einer  (extrem 
minoritären)  nicht­muslimischen  Glaubensgemeinschaft  angehöre,  im 
afghanischen Kontext als geradezu abwegig bezeichnet werden muss,

dass er  die Frage nach Festnahmen und Problemen mit  irgendwelchen 
Organisationen  oder  Behörden  bei  der  Erstbefragung  verneint  und 
angegeben hat, ausser der Festnahme (…) keinerlei Probleme gehabt zu 
haben (vgl. Protokoll Summarbefragung S. 8), 

E­2253/2010

Seite 9

dass  er  bei  der  nachfolgenden  Anhörung  dagegen  erklärt  hat,  er  sei 
zweimal  festgenommen  worden,  das  erste  Mal  von  Anhängern  der 
Taliban, das zweite Mal durch Polizeibeamte (vgl. Protokoll Anhörung zu 
den Asylgründen S. 4),

dass die auf Beschwerdeebene eingereichten Fotografien und der Bericht 
eines  Zahnarzts  die  in  diesem  Zusammenhang  geltend  gemachte 
asylrechtlich motivierte Verfolgung nicht zu belegen vermögen,

dass  es  sich  bei  der  am  17.  Juni  2010  eingereichten  angeblichen 
Bestätigung  der  Staatsanwaltschaft  um  eine  merkwürdige  undatierte 
Schilderung  von  Ereignissen  durch  den  Bruder  des  Beschwerdeführers 
handelt, die von Polizeibeamten mitunterzeichnet sei, und zudem mit den 
Vorbringen des Beschwerdeführers inhaltlich kaum in Einklang zu bringen 
ist  (insbesondere  werden  als  Grund  für  eine  Hausdurchsuchung  eine 
Flucht aus dem Gefängnis und wiederholte Festnahmen erwähnt),

dass  somit  auch  dieses Dokument  an  den  vorstehenden  Ausführungen 
nichts  zu  ändern  vermag,  und  es  sich  gemäss  der 
Sachverhaltsdarstellung bei der Hausdurchsuchung  im Übrigen um eine 
staatliche  Massnahme  zur  Aufklärung  eines  Tötungsdelikts  gehandelt 
hätte,

dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht  in Anwendung von Art. 32 
Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht 
eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung 
aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer weder 
eine  Aufenthaltsbewilligung  besitzt  noch  einen  Anspruch  auf  Erteilung 
einer solchen besteht, weshalb auch die verfügte Wegweisung als solche 
im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen 
ist  (Art.  44  Abs.  1  AsylG,  Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung 1  vom 
11. August  1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.31];  vgl.  auch 
BVGE 2009/50 E. 9 S. 733),

dass  zu  prüfen  bleibt,  ob  es  Gründe  gibt,  die  dem  Vollzug  der 
Wegweisung  entgegenstehen,  da  im  Fall  eines  unzulässigen, 
unzumutbaren  oder  unmöglichen  Vollzugs  das  Anwesenheitsverhältnis 
nach den Bestimmungen des AuG zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 
83 Abs. 1 AuG),

E­2253/2010

Seite 10

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen 
völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist,  da  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  in 
Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und 
keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im Sinn 
von Art.  3 EMRK ersichtlich  sind,  die  dem Beschwerdeführer  in  seinem 
Heimat­ oder Herkunftsstaat drohen würde (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 
Situationen wir Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  einer  eingehenden  Analyse  zur 
Situation  in  Afghanistan  in  seiner  Rechtsprechung  Stellung  genommen 
und  dabei  festgestellt  hat,  dass  sich  die  Sicherheitslage  in  den  letzten 
Jahren insgesamt betrachtet zwar verschlechtert habe,

dass  es  weiter  festgestellt  hat,  dass  sich  die  Sicherheitslage  in  der 
Hauptstadt  Kabul  –  aus  welcher  der  Beschwerdeführer  stammt – 
demgegenüber weniger bedrohlich präsentiert, und die humanitäre Lage 
in  Kabul  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  ebenfalls  weniger 
dramatisch  ist  (vgl.  zum Ganzen  das Grundsatzurteil  E­7625/2008  vom 
16. Juni 2011, zur Publikation unter BVGE 2011/7 vorgesehen),

dass der Beschwerdeführer jung ist, er – soweit den Akten zu entnehmen 
ist  –  nicht  unter  gesundheitlichen Probleme  leidet,  zwölf  Jahre  lang  die 
Schule besucht hat und über einschlägige Berufserfahrungen  im Handel 
(Führen eines eigenen (…)geschäfts …) sowie als (…) verfügt,

dass  er  sodann  bei  einer  Rückkehr  ein  familiäres  Beziehungsnetz 
vorfinden wird, da seine Mutter und (…) Geschwister in Kabul leben (vgl. 
Protokoll  Summarbefragung  S.  4),  und  auch  seine  Unterkunft  unter 
diesen Umständen als gesichert betrachtet werden kann,

dass  nach  dem  Gesagten  vorliegend  keine  individuellen 
Wegweisungsvollzugshindernisse  zu erkennen sind und der Vollzug der 
Wegweisung als zumutbar zu beurteilen ist,

E­2253/2010

Seite 11

dass  sich  aufgrund  der  Akten  schliesslich  keine  Hinweise  auf  das 
Vorliegen technischer Vollzugshindernisse ergeben, weshalb der Vollzug 
auch als möglich erscheint (Art. 83 Abs. 2 AuG),

dass der Wegweisungsvollzug somit als zulässig, zumutbar und möglich 
im Sinn von Art. 83 Abs. 1­4 zu qualifizieren ist,

dass  für  die  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  deshalb  keine 
Veranlassung besteht, weshalb der vom Bundesamt verfügte Vollzug der 
Wegweisung zu bestätigen ist, 

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder 
unangemessen  sei  (vgl.  Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass  das  BFM  angesichts  der  Gesamtdauer  des  Asylverfahrens  des 
Beschwerdeführers  und  dessen  legalem  Aufenthalt  in  der  Schweiz 
anzuweisen  ist,  ihm  eine  angemessene  Ausreisefrist  zu  setzen  (vgl. 
EMARK 2004 Nr. 27 E. 5 S. 178),

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art.  1­3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]),  gestützt  auf  die 
vorliegende  Aktenlage  jedoch  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 
VwVG auf eine Kostenauflage zu verzichten ist.

(Dispositiv nächste Seite)

E­2253/2010

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  BFM wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  angemessene 
Ausreisefrist zu setzen.

3. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 
Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

Versand: