# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e572a61-8848-5615-bebe-6c10b67e7384
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-26
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 26.06.2023 SB220358
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220358_2023-06-26.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB220358-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Wasser-

Keller und Ersatzoberrichter lic. iur. Kessler sowie Gerichtsschreibe-

rin MLaw Hug-Schiltknecht 

 

Urteil vom 26. Juni 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft See/Oberland,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Kehrli,  

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. B._____ 
2. C._____,  
Privatklägerinnen 

 

1 vertreten durch Beiständin D._____,  

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,  

2 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Z._____,  

 

-   2   - 

betreffend Vergewaltigung etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 12. April 2022 
(DG210011) 
 

 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. März 2021 

(D1/32) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB, 

− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB so-

wie 

− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB.  

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 46 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 2 Ta-

ge durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 160 

Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.  

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes 

verwiesen. 

7. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet. 

8. Es wird ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot (Verbot jeder beruflichen und 

jeder organisierten ausserberuflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen 

Kontakt zu volljährigen besonders schutzbedürftigen Personen umfasst) im 

Sinne von Art. 67 Abs. 4 lit. a Ziff. 1 StGB angeordnet. 

-   4   - 

9. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profiles 

im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes durch die Kantonspolizei Zü-

rich angeordnet. Der Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils bei der Kantonspolizei Zürich zur er-

kennungsdienlichen Behandlung mit Wangenschleimhautabnahme zu mel-

den. 

10. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 24. März 2021 

beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung, Galaxy S7 Edge, Asservaten-Nr. 

A013991678, wird nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen an den 

Beschuldigte herausgegeben.  

Wird der beschlagnahmte Gegenstand nicht innert drei Monaten nach 

Rechtskraft des Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, be-

ansprucht, wird er ohne weitere Mitteilung durch die Lagerbehörde vernich-

tet. 

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 Fr. 3'000.– zuzüglich 

5 % Zins ab 21. Juni 2019 als Genugtuung zu bezahlen. 

12. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 2 dem  

Grundsatze nach zu Schadenersatz verpflichtet ist. Zur genauen Feststel-

lung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin 2 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 Fr. 12'000.– zuzüg-

lich 5 % Zins ab 18. Januar 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 

14. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 5'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 2'500.00  Gebühr für das Vorverfahren 
 Fr. 1'550.05  Auslagen (Gutachten IRM, Arztberichte) 
 

Fr. 1'320.00  Auslagen Polizei (Mobiltelefonauswertung, Spurensi-
cherung) 

 

-   5   - 

Fr. 15'620.05 
 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. 7.7% MwSt), da-

von bereits Fr. 5'213.65 im Rahmen des Untersu-
chungsverfahrens akonto an RA X._____ ausbezahlt  

Fr. 8'955.35  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklä-gerin 1 (inkl. Fr. 175.10 Barauslagen und 7.7% MwSt)  

Fr. 8'960.30  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklä-gerin 2 (inkl. Fr. 142.30 Barauslagen und MwSt)  

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Rechtsvertreterinnen der Privatklägerinnen 1 und 2, werden dem Beschul-

digten auferlegt. 

16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO. 

17. Die Kosten für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerinnen 1 

und 2 werden auf die Staatskasse genommen und definitiv abgeschrieben. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 83 S. 2 i.V.m. Urk. 103 S. 3 i.V.m. Prot. S. 9) 

1. In Gutheissung der Berufung sei das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil 

vom 12. April 2022 (Geschäfts-Nr. DG210011-E) aufzuheben, ausser 

die Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch wegen einfacher Körper-

verletzung und Tätlichkeiten) und 14 (Entschädigung amtliche Verteidi-

gung), und der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Schändung im Sinne 

von Art. 191 StGB und der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 

1 StGB freizusprechen. 

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2. Vom Rückzug der Berufung des Beschuldigten hinsichtlich Dossier 2 

sei Vormerk zu nehmen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Haupt- und Beru-

fungsverfahren zzgl. 7.7% MWST zu Lasten des Staates. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:  

(Urk. 102 S. 1) 

1. Schuldigsprechung gemäss vorinstanzlichem Urteil. 

2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und einer Busse von 

CHF 300.–, unter Anrechnung der erstandenen Haft.  

3. Aussprechung einer Landesverweisung von 12 Jahren.  

4. Im Weiteren sei das vorinstanzliche Dispositiv zu bestätigen.  

c) Der Vertreterin der Privatklägerin 1: 

(schriftlich, Urk. 101) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 12. April 2022 sei zu bestäti-

gen. 

2. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens, inklusive diejenigen der 

unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, seien dem Beschuldigten auf-

zuerlegen. 

d) Der Vertreterin der Privatklägerin 2: 

(schriftlich, Urk. 97) 

 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 12. April 2022 

gemäss dem eingangs erwähnten Urteilsdispositiv schuldig gesprochen. Das Ur-

teilsdispositiv wurde den Parteien am 14. April 2022 bzw. 19. April 2022 zugestellt 

(Urk. 72). Der Beschuldigte meldete innert Frist Berufung an (Urk. 73). Die Beru-

fungserklärung reichte er mit Eingabe vom 8. Juli 2022 ebenfalls innert Frist ein 

(Urk. 83 und Urk. 77). Die Staatanwaltschaft See/Oberland (nachfolgend Staats-

anwaltschaft) erklärte mit Eingabe vom 26. Juli 2022 innert Frist Anschlussberu-

fung (Urk. 88). Die Privatklägerin 1 verzichtete mit Schreiben vom 17. August 

2022 auf Anschlussberufung und stellte den Antrag, es sei im Falle einer Befra-

gung der Privatklägerin 1 mit ihr Rücksprache zu nehmen und eine allfällige Be-

fragung durch eine Frau durchzuführen (Urk. 89). Die Privatklägerin 2 liess den 

Antrag stellen, dass dem urteilenden Gericht eine Frau angehört und eine allfälli-

ge Befragung durch eine Frau durchgeführt wird. Für diesen Fall wünsche sie kei-

ne direkte Gegenüberstellung mit dem Beschuldigten und den Ausschuss der Öf-

fentlichkeit bei der Befragung (Urk. 90). Die Parteien wurden am 9. November 

2022 zur Berufungsverhandlung auf den 23. Juni 2023 vorgeladen (Urk. 93), zu 

welcher der Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin sowie der 

Staatsanwalt erschienen (Prot. II S. 6). Beide Privatklägerinnen erklärten vorab, 

nicht an der Berufungsverhandlung vom 23. Juni 2023 teilzunehmen (Urk. 97 und 

Urk. 101). 

II. Prozessuales 

A. Allgemeines und Berufungsumfang 

Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt 

es am Ende ein insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzuge-

ben hat, welche Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 

244 E. 1.3.3; BGer 6B_533/2016, Urteil vom 29. November 2016, E. 4.2; je mit 

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Hinweisen). Der Beschuldigte beantragte im Rahmen der Berufungserklärung  ei-

nen vollumfänglichen Freispruch. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 23. 

Juni 2023 zog der Beschuldigte allerdings die Berufung hinsichtlich Dossier 2 

(Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

StGB sowie Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB) zurück (vgl. Urk. 103 S. 3 

und Prot. II S. 9). Nicht angefochten ist die Dispositivziffer 14 (u.a. Entschädigung 

amtliche Verteidigung). Die Kostenfestsetzung ist aber wohl auch im Übrigen nicht 

angefochten. Weiter kann auch davon ausgegangen werden, dass der Beschul-

digte mit der Herausgabe des Mobiletelefons gemäss Dispositivziffer 10 und der 

definitiven Übernahme der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretungen auf die 

Gerichtskasse (Dispositivziffer 17) einverstanden ist. Insoweit ist das vorinstanzli-

che Urteil in Rechtskraft erwachsen (Art. 402 StPO), was vorab mit Beschluss 

festzustellen ist. Sodann ist vom Rückzug der Berufung des Beschuldigten hin-

sichtlich Dossier 2 Vormerk zu nehmen.  

B. Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Anschlussberufung 

1. Die Verteidigung stellte sich auf den Standpunkt, dass auf die Anschlussbe-

rufung der Staatsanwaltschaft vom 26. Juli 2022 nicht einzutreten sei. Dabei 

stützte sie sich bei ihrer Begründung im Wesentlichen auf BGE 147 IV 505 und 

führte diesbezüglich aus, dass die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 26. Juli 

2022 eine unbegründete Anschlussberufung eingereicht habe und darin eine Be-

strafung des Beschuldigten zu 5 Jahren Freiheitsstrafe und eine Landesverwei-

sung von 12 Jahren beantragt habe. In ihren Schlussanträgen vor Vorinstanz ha-

be sie eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und eine Landesverweisung von 

10 Jahren beantragt. Die Vor-instanz habe den Beschuldigten zu 46 Monaten, 

konkret 3 Jahren und 10 Monaten, Freiheitsstrafe und zu einer Geldstrafe von 

160 Tagessätzen (umgerechnet in Monate: 5 Monate und 10 Tage) und damit 

insgesamt zu einer deutlich höheren Strafe als der staatsanwaltschaftlich bean-

tragten verurteilt. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft im Strafpunkt vom erstin-

stanzlichen Urteil nicht beschwert und es fehle ihr am rechtlich geschützten Inte-

resse. Bezüglich der Landesverweisung sei die Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht 

beschwert, wenn ein Gericht eine tiefere Dauer der Landesverweisung ausspre-

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che, als sie beantragt habe. Dennoch habe sie in der Anschlussberufung ohne je-

de Begründung ihre vor Vorinstanz gestellten Anträge von 10 auf 12 Jahre erhöht 

und damit klar manifestiert und deutlich sichtbar gemacht, dass es ihr mit der An-

schlussberufung einzig darum gehe, das Verbot der reformatio in peius zu umge-

hen und Druck auf den Beschuldigten auszuüben (Urk. 103 S. 4 f.).  

2.1. BGE 147 IV 505 hält fest, dass die Staatsanwaltschaft angesichts ihrer Rolle 

als Vertreterin der Gesellschaft, die mit der Wahrung der öffentlichen Interessen 

beauftragt ist, grundsätzlich frei Rechtsmittel sowohl zu Gunsten als auch zu Un-

gunsten der beschuldigten oder verurteilten Person ergreifen könne, ohne dar-

über hinaus rechtfertigen zu müssen, vom angefochtenen Urteil direkt berührt zu 

sein. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft dürfe allerdings nicht einzig 

und allein mit dem Ziel erhoben werden, zum Nachteil der beschuldigten Person 

als Urheberin der Hauptberufung der Anwendung des Verbotes der reformatio in 

peius entgegen zu stehen und indirekt diese dazu anzuregen, sie zurückzuziehen. 

Denn eine angemessene und vernünftige Ausübung des staatlichen Strafan-

spruchs impliziere für die Staatsanwaltschaft, dass sie, wenn sie der Meinung sei, 

dass die erstinstanzliche ausgefällte Strafe nicht angemessen sei, selber eine 

Hauptberufung erhebe, die dann eine vollständige Devolutivwirkung entfalten 

werde, ohne dass das Schicksal ihrer Anträge von einem eventuellen Rückzug 

der Hauptberufung der beschuldigten Person abhänge, der ihre Anschlussberu-

fung hinfällig machen würde. In diesem Zusammenhang bestehe angesichts 

Art. 381 Abs. 1 StPO kein Anlass, von der Staatsanwaltschaft zu verlangen, dass 

sie sich bei der Erhebung einer Anschlussberufung auf ein rechtlich geschütztes 

Interesse berufen könne. Hingegen sollte deshalb in Bezug auf die Berechtigung 

der Staatsanwaltschaft zur Erhebung einer Anschlussberufung besonders streng 

beurteilt werden, wenn deren Erhebung auf einen widersprüchlichen Schritt hin-

weise, der gegen den Grundsatz von Treu und Glauben im Verfahren verstossen 

könne. Dies gelte insbesondere, wenn die Staatsanwaltschaft ohne genaue Be-

gründung und ohne neue Tatsachen, auf die sie sich gegebenenfalls zu berufen 

beabsichtigen würde, eine Anschlussberufung allein in Bezug auf die Frage der 

Strafe erhebe und dabei deren Erhöhung beantrage, obschon ihren Anträgen von 

-   10   - 

der Vorinstanz vollständig gefolgt worden sei (vgl. zum Ganzen BGE 147 IV 505 

E. 4.4 ff.).  

2.2. Die Verteidigung verkennt die Einschlägigkeit des zitierten Bundesgerichts-

entscheids. Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft im Rahmen ihrer Anschlussbe-

rufung die Ausfällung einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren sowie die Aussprechung 

einer Landesverweisung von 12 Jahren beantragt und diese Anträge anlässlich 

ihres Plädoyers an der Berufungsverhandlung vom 23. Juni 2023 begründet (vgl. 

Urk. 102). Vor der Vorinstanz hat sie eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren sowie die 

Anordnung einer Landesverweisung von 10 Jahren verlangt, wobei die Vorinstanz 

den Beschuldigten mit 46 Monaten Freiheitsstrafe (also 3 Jahren und 

10 Monaten) sowie einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen (also 5 Monate und 

10 Tagen) zu Fr. 30.– bestraft hat und den Beschuldigten für 8 Jahre des Landes 

verwies. Die Vorinstanz ist den Anträgen der Staatsanwaltschaft somit nicht voll-

ständig gefolgt. Wie oben ausgeführt, braucht die Staatsanwaltschaft zur Erhe-

bung der Anschlussberufung – entgegen der Meinung der Verteidigung – kein 

rechtlich geschütztes Interesse. Da die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall 

mit ihren Anträgen vor Vorinstanz nicht vollständig obsiegt hat und sie ihre Anträ-

ge anlässlich ihres Plädoyers an der Berufungsverhandlung vom 23. Juni 2023 

begründet hat, ist – entgegen der Meinung der Verteidigung – kein widersprüchli-

ches Verhalten ersichtlich, welches gegen den Grundsatz von Treu und Glauben 

im Verfahren verstossen würde. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft ist 

folglich zulässig. 

C. Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und des Anklagegrundsat-

zes 

1. Die Staatsanwaltschaft qualifizierte das Verhalten des Beschuldigten in 

Dossier 1 als sexuelle Nötigung. Allerdings hat die Vorinstanz in diesem Zusam-

menhang festgestellt, dass der Beschuldigte den Tatbestand der Schändung im 

Sinne von Art. 191 StGB erfüllt hatte. 

2. Die Verteidigung machte einerseits geltend, die Vorinstanz habe den An-

spruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie erwogen habe, auf den angeklag-

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ten Sachverhalt zu Dossier 1 einen anderen Tatbestand anzuwenden, was die 

Parteien erst mit Zustellung des Dispositivs erfahren haben und die Vorinstanz 

während der Verhandlung zu keinem Zeitpunkt einen entsprechenden Würdi-

gungsvorbehalt angezeigt habe. Andererseits machte sie geltend, die Vorinstanz 

habe den Anklagegrundsatz verletzt, indem sie ihrem Schuldspruch wegen 

Schändung einen nicht umschriebenen Sachverhalt zugrunde gelegt habe 

(Urk. 103 S. 10 f.).  

3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Anspruch auf rechtli-

ches Gehör formeller Natur, womit seine Verletzung ungeachtet der materiellen 

Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung des Rechtsmittels und zur Auf-

hebung des angefochtenen Entscheides führt (BGer 4A_438/2019, Urteil vom 23. 

Oktober 2019, E. 3.2; BGE 135 I 187 E. 2.2; je mit Hinweisen). Eine nicht beson-

ders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann ausnahmsweise 

als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor ei-

ner Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechts-

lage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im 

Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung 

des rechtlichen Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ab-

zusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf 

und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung 

gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurtei-

lung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGer 4A_438/2019, Urteil vom 23. 

Oktober 2019, E. 3.2; BGer 5A_561/2018, Urteil vom 14. Dezember 2018, E. 2.3; 

BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 133 I 201 E. 2.2; BGE 132 V 387 E. 5.1; je mit Hin-

weisen). 

3.2. Das Gericht ist gemäss Art. 350 Abs. 1 StPO zwar an den in der Anklage 

umschriebenen Sachverhalt gebunden, nicht aber an die darin vorgenommene 

rechtliche Würdigung. Will das Gericht den Sachverhalt rechtlich anders würdigen 

als die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift, so hat das Gericht dies den Par-

teien zu eröffnen und Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen (Art. 344 

StPO). Indem dies die Vorinstanz – wie die Verteidigung zu Recht moniert – un-

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terlassen hat (vgl. Prot. I S. 56 ff.), verletzte sie das rechtliche Gehör des Be-

schuldigten. Diese Verletzung des rechtlichen Gehörs kann allerdings in Nach-

achtung der vorstehend wiedergegebenen bundesgerichtlichen Praxis im vorlie-

genden Berufungsverfahren geheilt werden. Das Berufungsgericht verfügt über 

volle Kognition und die Verteidigung hatte im Berufungsverfahren ausreichend 

Gelegenheit, sich zu dieser möglichen rechtlichen Würdigung zu äussern (vgl. 

Urk. 103 S. 10 ff.). Eine Rückweisung an die Vorinstanz käme für den Beschuldig-

ten einem Leerlauf gleich. Nur am Rande sei erwähnt, dass selbst die Verteidi-

gung keine Rückweisung – was Folge einer nicht heilbaren Gehörsverletzung wä-

re – beantragt hat. 

3.3. Die abweichende, aber – wie zu zeigen sein wird – zutreffende rechtliche 

Würdigung durch die Vorinstanz stellt keine Verletzung des Anklagegrundsatzes 

dar. Die Anklageschrift braucht das Tatbestandselement des "Zunutzemachens" 

sowie eine vollständige Aufhebung der Widerstandsunfähigkeit – entgegen der 

Meinung der Verteidigung – nicht explizit zu umschreiben (vgl. Urk. 103 S. 12). Es 

genügt, wenn diejenigen Sachverhaltselemente umschrieben sind, die eine recht-

liche Qualifikation zulassen (vgl. Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Die Anklage um-

schreibt wie der Beschuldigte während der Fahrt von E._____ nach F._____ der 

Privatklägerin 1, welche auf dem Beifahrersitz sass, von seinem Fahrersitz aus 

vorne in deren Hosenbund griff und sie mit seiner Hand unter der Hose zwischen 

ihren Beinen am Geschlechtsteil berührte. Im Weiteren griff er ihr von oben her in 

den Ausschnitt ihres T-Shirts und berührte sie an ihren Brüsten. Weiter um-

schreibt die Anklage, dass die Privatklägerin dadurch dem Beschuldigten auf dem 

Beifahrersitz im fahrenden Auto völlig ausgeliefert war und in dieser Situation, wie 

auch aufgrund ihrer kognitiven, insbesondere sprachlichen Beeinträchtigung, kei-

nerlei Möglichkeiten hatte, sich gegen das Ausgreifen ihres Geschlechtsteils und 

ihrer Brüste zur Wehr zu setzen. Wie zu zeigen sein wird, erlaubt diese Um-

schreibung in tatsächlicher Hinsicht die rechtliche Qualifikation als Schändung. 

D. Beweisanträge 

-   13   - 

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 23. Juni 2023 stellte die Verteidigung 

mehrere Beweisanträge, welche sie vor Abschluss des Beweisverfahrens mit 

Verweis auf die gleiche Begründung nochmals wiederholte (Prot. II S. 26). 

1.1. Die Verteidigung stellte den Beweisantrag, es sei in Anwendung von Art. 

182 StPO ein aussagepsychologisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches 

sich zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 1 bzw. zu deren Erleb-

nisgehalt äussert. Eventualiter sei vorab über die Frage, ob die Aussage der Pri-

vatklägerin 1 "mit der sonst üblichen Methode der Aussageanalyse" überprüft 

werden können, ein Machbarkeitsgutachten in Auftrag zu geben. Weiter stellte sie 

den Beweisantrag, es sei ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zur Frage der 

"vollständigen Widerstandsunfähigkeit" im Sinne von Art. 191 StGB wie auch zur 

Interpretation der Gesten und generell zum Nähe-Distanz-Verhältnis der Privat-

klägerin 1 aus psychiatrischer Sicht in Auftrag zu geben (Urk. 103 S. 5).  

1.2. Ein aussagepsychologisches Glaubhaftigkeits-Gutachten dient als Hilfsmittel 

zur Entscheidungsfindung von Gerichten, nicht als Beweis. Es wird in der Regel 

dann in Auftrag gegeben, wenn die Aussagen des potentiellen Opfers (Kind oder 

erwachsene Person) und des potentiellen Täters einander widersprechen und ob-

jektive Beweise fehlen oder wenn das Gericht zum Schluss kommt, dass in einem 

speziellen Fall die eigene Fachkompetenz nicht ausreicht. Das Gutachten basiert 

auf verbalen Aussagen und enthält keine Analyse von Zeichnungen, symptomati-

schem, nonverbalem oder paraverbalem Verhalten (vgl. KLING in: AJP, Das fach-

gerechte Glaubhaftigkeits-Gutachten, 2003, S. 1116 ff.; BGer 6B_1006/2017, Ur-

teil vom 24. Oktober 2018, E. 2.6). Gegenstand eines aussagepsychologischen 

Gutachtens ist die Analyse von bereits durch Polizei und/oder Staatsanwaltschaft 

beigebrachten Aussagematerial (BSK StPO-HEER, Art. 182 N 6a). 

1.3. Die Verteidigung hält zu Recht fest, dass bei der Privatklägerin 1 aufgrund 

des Tuner-Syndroms eine kognitive Beeinträchtigung vorliegt. Diese führt dazu, 

dass die Privatklägerin 1 eben nahezu nicht fähig ist, sich verbal in einer ver-

ständlichen Weise auszudrücken und sie somit keine differenzierten Aussagen 

machen kann ausser "ja", "nein" und einzelnen Worten wie z.B. "Taxi" (vgl. 

Urk. D1/1). Vielmehr drückt sie sich durch Gesten aus. Diese Gesten sind auf der 

-   14   - 

Videoaufnahme der polizeilichen Befragung der Privatklägerin 1 klar ersichtlich 

(Urk. D1/6/1-2). Entgegen der Meinung der Verteidigung hilft im vorliegenden Fall 

kein aussagepsychologisches Gutachten weiter, da keine verbalen Aussagen vor-

liegen, welche überhaupt begutachtet werden könnten und dies, wie oben ausge-

führt, unabdingbar ist für die Erstellung eines aussagepsychologischen Gutach-

tens. Der Eventualantrag der Verteidigung ist ebenfalls nicht zielführend, denn es 

macht keinen Sinn, ein Machbarkeitsgutachten in Auftrag zu geben, über nicht 

vorhandenes Aussagematerial. Vorliegend ist es somit die Aufgabe des Gerichts, 

zu entscheiden, ob es aus diesen blossen vorhandenen Gesten allenfalls in Ver-

bindung mit weiteren Beweismitteln eine Würdigung vollziehen kann oder nicht.  

Weiter scheint auch ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zur Frage der "voll-

ständigen Widerstandsunfähigkeit" im Sinne von Art. 191 StGB wie auch zur In-

terpretation der Gesten und generell zum Nähe-Distanz-Verhalten der Privatklä-

gerin 1 aus psychiatrischer Sicht nicht zielführend. Im vorliegenden Fall ist eine 

allfällige Widerstandsunfähigkeit nicht auf das Handeln des Beschuldigten zu-

rückzuführen, sondern im Gesundheitszustand der Privatklägerin 1 begründet. 

Entgegen der Meinung der Verteidigung ist es nicht Sache des Psychiaters, Ges-

ten und das Nähe-Distanz-Verhalten der Privatklägerin 1 zu interpretieren. 

Schlussendlich ist es eine Frage der Beweiswürdigung, was durch Gesten, die 

Befragung von Zeugen und Spuren bewiesen werden kann und diese ist einzig 

und alleine dem Gericht vorbehalten.  

1.4. Die Beweisanträge in Bezug auf die Privatklägerin 1 sind somit abzuweisen. 

2.1. Die Verteidigung stellte zudem den Antrag, es sei in Anwendung von Art. 

182 StPO ein aussagepsychologisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches 

sich zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 2 bzw. zu deren Erleb-

nisgehalt äussert (Urk. 103 S. 6).  

2.2. Zu Recht hält die Verteidigung fest, dass die Privatklägerin 2 erklärte, an 

psychischen Problemen zu leiden. Entgegen der Meinung der Verteidigung ist 

dies jedoch noch lange kein Grund, ein aussagepsychologisches Gutachten über 

die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 2 bzw. zu deren Erlebnisgeh-

-   15   - 

alt in Auftrag zu geben. Die Aussagefähigkeit der Privatklägerin 2 steht im Ge-

gensatz zu derjenigen der Privatklägerin 1 ausser Frage. Die Rechtsprechung 

lässt in besonderen Fällen, in welchen eine Aussageanalyse mit besonderen 

Schwierigkeiten verbunden ist, Ausnahmen von der richterlichen Zuständigkeit zu. 

Auf der Hand liegt eine solche bei Kindern, deren Wahrnehmungs- und Aus-

drucksfähigkeit eingeschränkt sind und zumeist nur von besonders geschultem 

Fachpersonal zuverlässig nachvollzogen werden können. Bei erwachsenen Aus-

kunftspersonen oder insbesondere Zeugen ist der Beizug einer sachverständigen 

Person ohne besondere Begründung nicht opportun. Eine Analyse des Inhalts 

von Aussagen erwachsener Personen durch eine psychologisch geschulte Fach-

person kann sich dann etwa aufdrängen, wenn sprachliche Schwierigkeiten, ein 

tiefes Intelligenzniveau sowie ähnlich besondere Umstände bei der einvernom-

menen Person eine Interpretation erschweren (BSK StPO-HEER, Art. 182 N 6a). 

Vorliegend sind keine solche Umstände ersichtlich, welche einen Beizug einer 

sachverständigen Person als notwendig erscheinen lassen und rechtfertigen wür-

den. Der Beweisantrag der Verteidigung ist folglich abzuweisen. 

3.1. Die Verteidigung stellte den Beweisantrag, es seien in Bezug auf Härtefall-

kriterien relevante Leumundsberichte bei den Behörden am Wohnort sowie die 

Akten beim Migrationsamt einzuholen. Sie begründete dies damit, dass die Vo-

rinstanz die Landesverweisung angeordnet habe, ohne irgendwelche Leumunds-

berichte oder Akten beim Migrationsamt über den Beschuldigten beigezogen zu 

haben und lediglich auf die Aussagen des Beschuldigten abgestellt habe. Dies sei 

nachzuholen, damit eine echte kriteriengeleitete Prüfung überhaupt erst möglich 

sei (Urk. 103 S. 6 f.).  

3.2. Bei der Anordnung einer Landesverweisung hat das Gericht abzuklären, ob 

ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt und bei den gegebenen Vorausset-

zungen von einer Landesverweisung abzusehen ist (vgl. Art. 66a Abs. 2 StGB). 

Dem Gericht ist es selbst überlassen, wie es diese Abklärungspflicht erfüllt und es 

braucht hierzu weder irgendwelche Leumundsberichte von Behörden noch um-

fangreiche Akten des Migrationsamtes einzuholen. Die Vorinstanz hat den Be-

schuldigten eingehend zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt (vgl. Prot. I 

-   16   - 

S. 33 ff.) sowie auch das hiesige Gericht anlässlich der Berufungsverhandlung 

vom 23. Juni 2023 (vgl. Prot. II S. 7 ff.). Die Gerichte sind folglich ihrer Abklä-

rungspflicht nachgekommen. Die Verteidigung verkennt, dass trotz des geltenden 

Untersuchungsgrundsatzes den Beschuldigten eine Mitwirkungspflicht trifft und es 

somit an ihm ist, einen persönlichen Härtefall geltend zu machen, wenn dieser 

aus der persönlichen Befragung nicht hervorgeht oder aufgrund der Aktenlage 

nicht offensichtlich ist (BGer 6B_1468/2020, Urteil vom 13. Oktober 2021, E. 2.4; 

BGer 6B_1077/2020, Urteil vom 2. Juni 2021, E. 1.5.6; BGer 6B_1024/2019 vom 

29. Januar 2020, E. 1.3.6; je mit Hinweisen). Hierzu ist ergänzend festzuhalten, 

dass die Verteidigung sich vor Vorinstanz weder zur Landesverweisung äusserte 

noch Gründe geltend gemacht hat, die für einen schweren persönlichen Härtefall 

im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB gesprochen hätten, sondern dies erst im Beru-

fungsverfahren nachholte. Auch dieser Beweisantrag ist abzuweisen. 

III. Sachverhalt 

A. Dossier 1: Sexuelle Nötigung 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird verkürzt zusammengefasst vorgeworfen, am 21. Juni 

2019 um ca. 08.00 Uhr die am Turner-Syndrom leidende Privatklägerin 1 

(B._____, geboren tt. Januar 2001) als Chauffeur von der Heilpädagogischen 

Schule in E._____ in die Institution G._____ nach F._____ gefahren zu haben. 

Während dieser Fahrt habe er sie gegen ihren Willen vorne in deren Hosenbund 

mit seiner Hand unter der Hose zwischen ihren Beinen am Geschlechtsteil be-

rührt. Im Weiteren habe er ihr gegen ihren Willen von oben her in den Ausschnitt 

ihres T-Shirts gegriffen und sie an ihren Brüsten berührt. Dieses Ausgreifen der 

Intimzonen der Privatklägerin 1 habe er wissentlichen zur seiner eigenen sexuel-

len Befriedigung vorgenommen. Dabei habe er gewusst, dass die Privatklägern 1 

keine Gegenwehr leisten konnte (vgl. im Detail Anklageschrift: Urk. D1/23 S. 2-3).  

-   17   - 

2. Standpunkt Beschuldigter 

Der Beschuldigte anerkennt die Privatklägerin 1 gemäss Anklage gefahren zu ha-

ben, bestreitet aber sie am Geschlechtsteil und an den Brüsten berührt zu haben. 

-   18   - 

3. Beweisgrundsätze und Beweismittel 

3.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der Sachverhaltserstellung 

bzw. massgebenden Grundsätze der Beweiswürdigung zutreffend dargestellt. Da-

rauf ist zur Vermeidung von Wiederholungen zu verweisen (Urk. 82 S. 6-9; Art. 82 

Abs. 4 StPO). Auf die Argumente des Beschuldigten ist im Rahmen der nachste-

henden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV 

verlangt, dass das Gericht die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner 

Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfin-

dung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-

derlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte be-

schränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von 

denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt 

(BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; BGer 

6B_770/2020, Urteil vom 25. November 2020, E. 1.3.2; BGer 6B_401/2015, Urteil 

vom 16. Juli 2015, E. 1.1; je mit weiteren Hinweisen). Die vom Beschuldigten be-

strittenen Teile des angeklagten Sachverhalts sind demnach aufgrund der Unter-

suchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein 

gültigen Beweisregeln zu würdigen. 

3.2. Die Vorinstanz hat sodann die wesentlichen "Aussagen" der Privatklägerin 1, 

des Beschuldigten sowie der Zeugen D._____, H._____ und I._____ sorgfältig 

und zutreffend zusammengefasst (Urk. 82 S. 12-16). Ebenso die wesentlichen 

Erkenntnisse aus den sachlichen Beweismittel (Fotodokumentation, CD der Vide-

obefragung der Privatklägerin 1, der medizinischen Unterlagen [Urk. D1/8/1-10]), 

insbesondere auch des Kurzberichts bzw. des Gutachtens über den lokalen Ver-

gleich des DNA-Hauptprofils. Auch darauf ist zwecks Vermeidung von Wiederho-

lungen zu verweisen (Urk. 82 S. 16 f.).  

4. Würdigung 

4.1. Die von der Vorinstanz sorgfältig vorgenommene Beweiswürdigung erweist 

sich als zutreffend, weshalb vorab darauf verwiesen werden kann (Urk. 82 S. 17-

-   19   - 

21; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen haben deshalb grund-

sätzlich lediglich ergänzenden Charakter und erfolgen im Wesentlichen im Sinne 

einer Rekapitulation der zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen, wobei ergän-

zend einzelne Aspekte nochmals näher zu betrachten sind. 

4.2. Im Kurzbericht des Forensischen Instituts Zürich vom 11. Juli 2019 wird 

festgehalten, dass ein Y-DNA-Hauptprofil ab Slip erstellt worden und ein lokaler 

Vergleich möglich sei. Mittels der zusätzlich untersuchten Y-STRs (DNA-

Merkmale auf dem männlichen Geschlechtschromosom) habe sich an der Strich-

probe ab Bundbereich vorne aussen des Slips der Privatklägerin 1 ein Y-DNA-

Mischprofil nachweisen lassen (Urk. D1/8/6). In einem weiteren Kurzbericht vom 

7. August 2019 über den lokalen Vergleich des Y-DNA-Hauptprofils der Spur am 

Slip vorne aussen mit dem Y-DNA-Profil des Beschuldigten wird festgehalten, 

dass dieser als Spurengeber nicht ausgeschlossen werden kann. Zum Verständ-

nis wird darauf hingewiesen, dass das Y-DNA-Hauptprofil lokal verglichen werden 

könne, das Y-DNA-Nebenprofil nicht interpretierbar sei. An der am Slip vorne 

aussen erhobenen Stichprobe lasse sich ein Y-Mischprofil nachweisen und inner-

halb dieses trete ein Teil der Merkmale stärker in Erscheinung als die übrigen 

Merkmale, die nicht weiter interpretierbar seien. Die am stärksten hervortretenden 

Merkmale würden sich zu einem sogenannten Y-DNA-Hauptprofil zusammenfas-

sen (Urk. D1/8/7 S. 2). Vergleiche man dieses Y-DNA-Hauptprofil mit dem Y-

DNA-Profil des Beschuldigten zeige sich eine vollkommene Übereinstimmung. Er 

könne daher als Spurengeber nicht ausgeschlossen werden (Urk. D1/8/7). Im von 

der Staatsanwaltschaft beim Institut für Rechtsmedizin eingeholten Gutachten 

vom 21. Oktober 2019 werden diese Erkenntnisse vorab wiederholt. Zusätzlich 

wird festgehalten, dass der Vergleich der beiden Profile in den 22 vergleichbaren 

Y-DNA-Systemen vollkommene Übereinstimmung zeige. Die Gutachter haben zur 

Schätzung der Häufigkeit des nachgewiesenen Y-DNA-Profils eine Abfrage in der 

Y-Haplotyp-Referenzendatenbank gegen die westeuropäische Metapopulation 

durchgeführt. Die Abfrage habe zu keiner Übereinstimmung geführt. Der nachge-

wiesene Y-Haplotyp sei somit selten. Unter Hinweis auf die Discrete-Laplace-

Methode kommen die Gutachter zum Schluss, dass der Beweiswert des am Bund 

vorne aussen (Slip) nachgewiesenen Y-DNA-Profils mindestens 561'026 Mal 

-   20   - 

grösser ist, wenn man die Spurengeberschaft vom Beschuldigten annehme, als 

wenn man die Spurengeberschaft einer unbekannten, mit dem Beschuldigten ge-

netisch nicht verwandten männlichen Person annehmen würde (D1/8/9). Dass 

Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin ist nachvollziehbar und schlüssig. Zu 

berücksichtigen ist zudem, dass die Privatklägerin 1 auf dem Beifahrersitz neben 

dem Beschuldigten sass. Es kann daher mit grosser Wahrscheinlichkeit davon 

ausgegangen werden, dass sich DNA-Spuren des Beschuldigten vorne aussen 

am Slip der Privatklägerin 1 befanden.  

4.3. Bei der Würdigung der Aussagen der 2001 geborenen Privatklägerin 1 ist 

einleitend festzuhalten, dass sie kognitiv wie auch geistig stark eingeschränkt ist 

und sich nur sehr eingeschränkt ausdrücken kann. Sie kann nicht gut sprechen 

und antwortet oft nur mit angedeutetem "Ja" oder "Nein" und mit Gesten (vgl. 

Urk. D1/1 S. 5; Urk. D1/6/1). Die Videoaufnahme ihrer polizeilichen Befragung, 

auf welcher dies eindrücklich zu sehen ist, zeigt dies deutlich (Urk. D1/6/1-2). Vor 

diesem Hintergrund ist mit der Vorinstanz und entgegen der Meinung der Vertei-

digung festzuhalten, dass die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen mit der sonst übli-

chen Methode der Aussagenanalyse nicht wirklich überprüft werden kann. Auf 

dem Video ist ersichtlich, dass sich die Privatklägerin 1 bei der Frage, was pas-

siert sei, zwischen die Beine und an die Brüste fasst. Diese Gesten sind klar und 

stehen – wie von der Vorinstanz erwogen – eindeutig im Zusammenhang mit der 

Frage nach dem Vorfall. Weiter hat die Zeugin H._____ (Arbeitsagogin G._____) 

glaubhaft ausgesagt, die Privatklägerin 1 sei am fraglichen Morgen sehr aufge-

wühlt gewesen. Sie habe mit den Händen eine Steuerradbewegung gemacht, 

"Taxi" gesagt und sich an den Intimbereich und die Brüste gefasst. Solch ein Ver-

halten habe die Privatklägerin 1 vorher noch nie an den Tag gelegt. Auf diese 

Aussagen kann ohne Weiteres abgestellt werden. Anzufügen ist, dass die Zeugin 

I._____ (Abteilungsleiterin G._____) glaubhaft bestätigte, dass H._____ ihr am 

fraglichen Morgen berichtet habe, dass sich die Privatklägerin 1 in ihren Scham-

bereich und an die Brüste gefasst habe und zudem mit der Faust unterhalb des 

Halses auf die Brust geklopft habe, was in Gebärdensprache "Angst" bedeute. 

Auch die Mutter der Privatklägerin 1, D._____, hat bestätigt, dass ihre Tochter ihr 

dies "erzählt" habe. Die Privatklägerin 1 habe "Mami Taxi da" gesagt und habe 

-   21   - 

sich mehrfach zwischen die Beine und an den Ausschnitt gefasst. Erklärend hat 

sie erläutert, dass die Privatklägerin 1 immer genau das wiederhole, was man mit 

ihr gemacht habe. Es ist daher aufgrund dieser übereinstimmenden, glaubhaften 

Aussagen erstellt, dass die Privatklägerin 1 an diesem Morgen nach der Fahrt 

aufgewühlt war und diese Gesten gegenüber Mitarbeitern des G._____s und auch 

gegenüber ihrer Mutter mehrfach machte und ein solches Verhalten bisher nicht 

gezeigt hatte. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin 1 auf Vorlage 

von acht Fotos verschiedener Männer und die Frage, wer sie berührt habe, auf 

das Foto des Beschuldigten tippte und begann, dieses mit einem Kugelschreiber 

durchzustreichen. Auch hier griff sie sich auf die Nachfrage, was passiert sei, in 

den Schritt und in den Ausschnitt (Urk. D1/6/3-4). Auch wenn es sich nur um we-

nige Wörter und Gesten der Privatklägerin 1 handelt, wirken diese authentisch 

und unverfälscht. Es erscheint auch, wie von der Vorinstanz richtig bemerkt 

(Urk. 82 S. 18), aufgrund des erheblichen geistigen Entwicklungsrückstandes un-

wahrscheinlich, dass sie den Beschuldigten zu Unrecht oder aus Eigeninteressen 

belasten sollte, insbesondere da sie kognitiv nicht in der Lage ist, die Zusammen-

hänge und Auswirkungen einer solchen Beschuldigung zu verstehen und zu pla-

nen. Weiter sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass die Privatklägerin 1 von 

Drittpersonen beeinflusst worden wäre. Sodann wird ihre Darstellung durch die 

vorne aussen am Slip festgestellten DNA-Spuren gestützt, die mit grosser Wahr-

scheinlichkeit vom Beschuldigten stammen und darauf hinweisen, dass er sie im 

Intimbereich angefasst hat. Ihre Aussagen erscheinen daher insgesamt glaubhaft 

und es kann auf diese abgestellt werden. Dass die Privatklägerin 1 wie von ihrer 

Mutter und H._____ geschildert ein gewisses Nähe-Distanz-Problem aufweist und 

auch schon Dritte umarmen und küssen wollte, ändert daran nichts. Insbesondere 

mag die Privatklägerin 1 es selber nicht, dass sie überraschend umarmt wird und 

sie teilt dann mit, wenn ihr jemand zu nahe gekommen ist, wie dies aus der 

glaubhaften Zeugenaussage von H._____ hervorgeht (Urk. D1/7/2 Frage 30). An-

zufügen ist, dass der Beschuldigte auch nie geltend machte, die Privatklägerin 1 

habe sich bei der fraglichen Taxifahrt ihm gegenüber unangemessen verhalten 

oder versucht, ihn zu umarmen oder zu küssen. Er habe so etwas nie erlebt und 

-   22   - 

er habe (zuvor) gar nichts über die Privatklägerin 1 gewusst (Urk. D1/4/2 Fra-

gen 55-57). 

4.4. Bei der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten fällt vor allem auf, dass 

er in einem zentralen Punkt, nämlich, ob bzw. wo er die Privatklägerin 1 angefasst 

habe, widersprüchliche Angaben gemacht hat. In der ersten Befragung verneinte 

der Beschuldigte mehrfach auf die wiederholt gestellte Frage, ob er die Privatklä-

gerin 1 während der Fahrt irgendwo angefasst habe, dies jeweils. Er habe sie nur 

zum Beruhigen an der linken Schulter berührt – was er bei der einvernehmen Po-

lizistin durch ein Tippen mit seiner Hand auf deren linke Schulter vorzeigte – an-

sonsten habe er die Privatklägerin 1 "nie irgendwo angefasst". Sie habe während 

der Fahrt nach F._____ Leuten den Stinkefinger aus dem Fenster gezeigt. Er ha-

be ihr einige Male gesagt, sie solle das nicht machen. Als sie es weiter gemacht 

habe, habe er gesagt, "Meiteli, hör jetzt auf" und sie dabei an der Schulter berührt 

(vgl. Urk. D1/4/1 Fragen 13, 20, 21 und 29). In der zweiten Einvernahme bestätig-

te er dies zunächst, wobei er nun von der linken Schulter oder linkem Oberkörper 

sprach, welche er zweimal berührt habe. Dies sei für kaum eine Sekunde gewe-

sen. Weiter schloss er aus, dass er dabei ihre Brust berührt habe (Urk. D1/4/2 

Fragen 35-42). Er beteuerte dann erneut, die Privatklägerin 1 sonst überhaupt 

nicht berührt zu haben (Urk. D1/4/2 Fragen 42) und auch von ihr nicht berührt 

worden zu sein. Sie habe ihn einfach böse angeschaut (Urk. D1/4/2 Fragen 44-

45). Nachdem ihm in dieser zweiten Einvernahme dann die Ergebnisse des Kur-

berichtes des FOR vorgehalten wurde, dass DNA-Spuren von ihm am Slip der 

Privatklägerin 1 gefunden wurden, meinte er dann nach einer kurzen Bespre-

chungspause mit seinem Verteidiger, dass die Privatklägerin 1 – es sei Sommer 

gewesen – ihn auch am Arm angelangt habe und meinte fragend, ob es möglich 

sei, dass die DNA von daher komme. Als er sie an der Schulter berührt habe, ha-

be sie eine Abwehrbewegung gemacht, seinen Arm genommen und ihn berührt. 

Dies habe sie beide Male gemacht, als er sie an der Schulter berührt habe. Sie 

habe seine Hand genommen und weggestossen (Urk. D1/4/2 Fragen 59-65). Dies 

sei ihm erst jetzt wieder in den Sinn gekommen. Das wäre für ihn einfach eine Er-

klärung für die DNA, eine andere gebe es nicht. Er habe die Fragen zuvor nach 

einer Berührung "in Liebe" im Sinne einer erotischen Berührung verstanden und 

-   23   - 

dabei nicht an die Abwehrbewegung gedacht (Urk. D1/4/2 Frage 67 und 71). In 

der dritten Befragung gab er dann zunächst an, die Privatklägerin 1 habe im Auto 

mit den Armen rumgefuchtelt und er habe die Privatklägerin 1 am Arm und an der 

Schulter oder am Oberkörper berührt und ihr gesagt, sie solle aufhören. Er habe 

sie am linken Arm gepackt und gesagt, sie solle nicht herumfuchteln (Urk. D1/4/3 

Fragen 81-82 und 88). Bei den nachfolgenden Fragen dazu, wie seine DNA unter 

der Hose auf ihren Slip gekommen sein könnte und auf den Vorhalt, es sei nicht 

nachvollziehbar, wie diese von ihrem linken Arm in diese Hose (über dem Slip) 

haben kommen können, führte der Beschuldigte dann aus, er habe sie mit seiner 

Hand an ihrer Hand angefasst (Urk. D1/4/3 Frage 89). Er führte dazu aus, dass er 

"za ruku" (was gemäss Dolmetscher in Serbisch sowohl als Hand als auch als 

Arm verstanden werden könne) gesagt habe (Urk. D1/4/3 Frage 90). In der Folge 

gab er an, sie zuerst an der linken Hand gepackt zu haben, ihre Hand genommen 

und nach unten gedrückt zu haben und dann – als sie wieder anfing zu fuchteln – 

am linken Oberarm berührt zu haben (Urk. D1/4/3 Frage 91). Anlässlich der Beru-

fungsverhandlung vom 23. Juni 2023 beantwortete der Beschuldigte die Frage, 

wie er sich erkläre, dass DNA-Spuren am Slip der Privatklägerin 1 gefunden wor-

den seien, damit, dass er es nicht wisse und führte dann weiter aus, dass die Pri-

vatklägerin 1 mit den Armen gefuchtelt habe und er dies abgewehrt habe. Er be-

stritt weiterhin, der Privatklägerin 1 an die Brüste oder zwischen die Beine gegrif-

fen zu haben (Prot. II S. 21 f.). Der Beschuldigte hat sich demnach mehrfach wi-

dersprüchlich geäussert. Zunächst will er die Privatklägerin 1 nur an der Schulter 

und sonst "nie irgendwo" angefasst haben. Dann will er sie auch noch am Arm 

angefasst haben und als letzte Version hat er mit seiner Hand ihre Hand gepackt 

und nach unten gedrückt und sie erst später auch am Oberarm angefasst. Dar-

über hinaus gab er zunächst ausdrücklich an, die Privatklägerin 1 habe ihn nicht 

berührt und beschreibt dann Abwehrhandlungen von ihr mit ihrer Hand an seinem 

Arm bzw. dann an seiner Hand. Er widerspricht sich also auch hinsichtlich seiner 

letzten Version, wer wen mit der Hand an der Hand gepackt habe. Der Beschul-

digte ist sodann offensichtlich bemüht seine Aussagen an das ihm bekannt Unter-

suchungsergebnis der vorgefundenen DNA anzupassen. Dies ist augenfällig. Die 

geschilderten Berührungen werden von Mal zu Mal intensiver (Hand an Schulter, 

-   24   - 

Hand an Arm, Hand an Hand), um so eine Erklärung für DNA-Spuren auf dem 

Slip zu begründen. Sein Erklärungsversuch, er habe die Berührungen an der 

Hand (Abwehrbewegung der Privatklägerin 1) zunächst nicht erwähnt, da er die 

Frage Richtung erotischer Berührungen verstanden habe, überzeugt nicht, da er 

jeweils auch die (ebenfalls nicht erotischen) Berührungen von ihm an ihrer Schul-

ter schilderte bzw. demonstrierte und andere Berührungen explizit ausschloss. 

Auch Missverständnisse bei der Übersetzung können ausgeschlossen werden. 

Dies schon deshalb, da der Beschuldigte seit rund vierzig Jahren in der Schweiz 

lebt und die ersten beiden Einvernahmen auf Hochdeutsch erfolgten. Sodann 

konnte die Frage, es sei nicht nachvollziehbar wie die DNA vom linken Arm auf 

den Slip unter der Hose gekommen sei, doch dahingehend beantwortet werden, 

dass er sie auch an der "Hand" gefasst hat, offenbar richtig (mit "Hand" und nicht 

mit "Arm") übersetzt werden (Urk. D1/4/3 Frage 89). Nachdem zuvor ausführlich 

befragt wurde, welche Körperteile von wem angefasst wurden und dies von zent-

raler Bedeutung war, erscheinen Übersetzungsprobleme ausgeschlossen. Diese 

können jedenfalls die vorliegend doch wesentlichen Widersprüche (Schulter und 

sonst nirgendwo bzw. Hand auf Hand) nicht erklären. Diese Widersprüche in den 

Schilderungen des Beschuldigten zu zentralen Punkten lassen ihn wenig verläss-

lich erscheinen. Weiter werden auch die Handlungen der Privatklägerin 1 vom 

Beschuldigten stetig drastischer umschrieben. Während er anfangs lediglich an-

gab, dass die Privatklägerin 1 anderen vorbeifahrenden den Stinkefinger gezeigt 

habe, spricht er in der Folge davon, dass sie im Auto mit den Armen immer wie-

der herumgefuchtelt habe. Auch hinsichtlich der "Auseinandersetzung" während 

der Fahrt ist ebenfalls eine Aggravierung in seinen Aussagen erkennbar, indem er 

in der letzten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ausführte, er habe mit der 

Privatklägerin 1 geschimpft, habe sie angeschrien und zurechtgewiesen, was er 

vorher nicht gesagt habe, weil er gedacht habe, dies werde irgendwie als Beleidi-

gung des Fahrgasts gewertet (Urk. D1/4/3 Frage 95). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung vom 23. Juni 2023 führte er diesbezüglich nichts mehr aus (vgl. Prot. 

II S. 22). Im Übrigen erscheint es wenig nachvollziehbar, dass er die Privatkläge-

rin 1 zurechtgewiesen und angeschrien haben will wegen dem Stinkefinger, be-

zeichnete er die Privatklägerin 1 doch als ein nicht normales Kind. Auch war es 

-   25   - 

nicht seine Aufgabe, sie zu erziehen. Auch wenn man seiner Darstellung folgen 

würde, würde ein solches Anschreien und Zurechtweisen den auffallend verstör-

ten und aufgewühlten Zustand der Privatklägerin 1 nach der Taxifahrt über Mona-

te hinweg nicht überzeugend erklären. Schliesslich erscheint auch sein Erklä-

rungsversuch, die Privatklägerin 1 habe sich das ausgedacht, sie habe seinen 

Chef haben wollen, dieser habe ihm erzählt, die Privatklägerin 1 hätte ihn "be-

grapscht" (Urk. D1/4/3 Fragen 83-85), nicht überzeugend. Es ist nicht ansatzwei-

se einsichtig, wie eine solche falsche Verdächtigung des Beschuldigten, die Pri-

vatklägerin 1 dem Chef des Beschuldigten näher bringen könnte. Es scheint, als 

ob der Beschuldigte die Privatklägerin 1 mit diesem Hinweis einfach in ein 

schlechtes Licht stellen will. Es kann auch aufgrund der geistigen Beeinträchti-

gung der Privatklägerin 1 ausgeschlossen werden, dass sie solche planenden 

Überlegungen machen kann. Es ist daher mit der Vorinstanz festzuhalten, dass 

die Aussagen des Beschuldigten insgesamt nicht überzeugen und für die Erstel-

lung des Sachverhaltes nicht auf sie abgestützt werden kann.  

5. Fazit 

Zusammenfassend ist der Sachverhalt gemäss Anklage aufgrund der Angaben 

der Privatklägerin 1 sowie das DNA-Gutachten und die die Darstellung der Privat-

klägerin 1 untermauernden Zeugenaussagen von H._____, I._____ sowie der 

Mutter der Privatklägerin 1 D._____ rechtsgenügend erstellt.  

B. Dossier 2: Einfache Körperverletzungen/Tätlichkeiten 

1.  Vorbemerkung 

Vorab ist festzuhalten, dass die Verteidigung im Namen des Beschuldigten an-

lässlich der Berufungsverhandlung vom 23. Juni 2023 die Berufung bezüglich 

Dossier 2 (Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 StGB sowie wegen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB) zurückgezo-

gen hat (vgl. Urk. 103 S. 3 und Prot. II S. 9). Von diesem Rückzug ist Vormerk zu 

nehmen und der Sachverhalt gilt somit diesbezüglich als erstellt. Da die Aussagen 

der Privatklägerin 2 – wie beim Anklagepunkt der Vergewaltigung – auch in die-

-   26   - 

sem Anklagepunkt von zentraler Bedeutung sind, ist nachfolgend ergänzend auf-

zuzeigen, dass diese auch in diesem Punkt glaubhaft sind. 

2. Würdigung 

2.1. Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin 2 sich am 

Abend des 18. Januar 2020 in E._____ im serbischen Lokal "J._____" verabredet 

haben. Weiter decken sich ihre Aussagen insoweit, dass der Beschuldigte vor der 

Privatklägerin 2 im Lokal war. Die Privatklägerin 2 kam etwas verspätet und wur-

de von einem Kollegen des Beschuldigten vom Bahnhof E._____ zum Lokal ge-

fahren.  

2.2. Hinsichtlich des weiteren Ablaufs des Abends gehen die Schilderungen dia-

metral auseinander. Die Privatklägerin 2 schildert Schläge des Beschuldigten, der 

Beschuldigte spricht von Stürzen der Privatklägerin 2, weil sie betrunken gewesen 

sei. Er habe ihr aufhelfen und sie im Auto nach Hause fahren wollen. Die medizi-

nischen Akten lassen keine stichhaltigen Schlüsse in die eine oder andere Rich-

tung zu. Zum Handgelenksbruch wird festgehalten, dass dieser durch einen 

Schlag oder einen Sturz entstanden sein kann (Urk. D2/7/9 Antwort 3). Ansonsten 

ist lediglich festgehalten, dass Kontusionen am Thorax, Beckenkamm links und 

am oberen rechten Sprunggelenk diagnostiziert wurden. Prellmarken wurden kei-

ne festgestellt, hingegen jeweils eine Druckdolenz (Urk. D2/7/2 S. 1 und S. 3). 

Ohne weitere ärztliche Feststellungen zu diesen Prellungen muss zu Gunsten des 

Beschuldigten wohl davon ausgegangen werden, dass auch diese Prellungen 

durch Stürze haben entstanden können. Auch die Fotodokumentation lässt keine 

eindeutigen Schlüsse in die eine oder andere Richtung zu (Urk. D2/3/1). 

2.3. Die Privatklägerin 2 war offensichtlich stark angetrunken. Dies ergibt sich 

schon aus dem Atemlufttest (1.7‰) und den Feststellungen im Polizeirapport. 

Dies deckt sich mit den Angaben des Beschuldigten und lässt seine Version als 

durchaus möglich erscheinen. Anderseits ist wiederum zu würdigen, dass die 

Aussagen der Privatklägerin 2 zu diesem Vorfall detailliert, konstant und wider-

spruchsfrei sind. Auch hier beschrieb sie ihre Gefühle und Schmerzen. Plastisch 

schildert sie etwa, dass sie sich bei dem Geschehen auf dem Parkplatz zwischen 

-   27   - 

parkierten Autos an einem Reifen festgehalten habe als er sie in sein Auto – ein 

grosser schwarzer Kombi – habe zerren wollen und sie zu Gott gebetet habe. Sie 

habe gedacht, wenn er sie ins Auto verschaffe, werde sie das nicht überleben 

(Urk. D2/5/3 S. 15-17). Das von ihr geschilderte Geschehen erscheint von Beginn 

der Auseinandersetzung an bis zum Schluss einleuchtend, folgerichtig und nach-

vollziehbar. Ihre detaillierten Schilderungen – der Beschuldigte habe sie nach 

dem Verlassen des Lokals, an der Jacke zurückgezogen, an die Wand gestossen, 

ihr eine Ohrfeige gegeben, Kleingeld von ihr verlangt, sie zum Parkplatz gezogen 

und dort zwischen den Fahrzeugen mit Fäusten geschlagen, sie habe Nasenblu-

ten bekommen und sei auf den Boden gefallen, sie habe gebettelt, er solle aufhö-

ren, dann sei der Lokalinhaber gekommen und habe den Beschuldigten aufgefor-

dert aufzuhören und sie ins Taxi zu setzen, sie sei weiter geschlagen und getre-

ten worden, habe die 117 gewählt und um Hilfe gebeten, der Beschuldigte habe 

ihr das Telefon aus der Hand gekickt, gesagt, sie sei psychisch krank und betrun-

ken, sie habe dann ein Blackout gehabt, der Lokalinhaber und der Beschuldigte 

hätten gestritten, der Lokalinhaber habe verlangt, der Beschuldigte solle sie weg-

bringen, sie habe aufstehen und wegrennen können, ein Wagen mit einem jungen 

Paar habe angehalten und ihr gesagt, sie solle auf die Polizei warten, es seien 

mehr Leute aus dem Lokal gekommen, sie habe sich auf das Trottoir gesetzt und 

geweint, eine Kellnerin habe ihr das Telefon zurückgegeben und ins Auto eines 

Gastes gesetzt, der sie zum Bahnhof E._____ gefahren habe, sie habe ein Taxi 

gesehen und befürchtet, es sei der Beschuldigte, sie habe sich versteckt und er-

neut die Polizei gerufen, diese sei dann gekommen und habe den Krankenwagen 

gerufen, sie sei dort eingestiegen  und habe gesehen, wie der Beschuldigte her-

angefahren sei und habe Angst bekommen – wirken authentisch und nicht erfun-

den. Sie hinterlassen den Eindruck, dass die Privatklägerin 2 tatsächlich Erlebtes 

schildert, auch wenn es erstaunt, dass sie trotz ihres betrunkenem Zustands in 

der Lage war, das Geschehen derart genau auszuführen. Auch hat sie nachvoll-

ziehbar ausgesagt, weshalb es zu einem Streit gekommen sei. Es bestehen so-

dann keinerlei Anhaltspunkte für Missverständnisse beim Geschehen oder gar ir-

gendwelche Wahrnehmungsstörungen der Privatklägerin 2. Insbesondere hat die 

Privatklägerin 2 das Geschehen, wie erwogen, kohärent und plausibel geschildert, 

-   28   - 

auch bezüglich den örtlichen Angaben. Ein Missverständnis kann ohnehin ausge-

schlossen werden, liegen doch zwischen einem Umfallen (allenfalls aufgrund ei-

nes leichten Stossens) und dem Szenario mit Fäusten und Tritten – teilweise 

schon am Boden liegend – geschlagen zu werden, Welten. Sodann sagte auch 

der Beschuldigte aus, dass die Privatklägerin 2 das Lokal verlassen habe, er sie 

da an der Jacke hochgezogen habe und dass dann der "Chef" des Lokals na-

mens K._____ zum Zeitpunkt des Geschehens herausgekommen sei. Er bestätig-

te auch, dass nach dem Geschehen die Kellnerin dazugekommen sei. Weiter er-

wähnt auch er, dass das Telefon der Privatklägerin 2 unter ein Auto gefallen sei. 

Zudem meinte er, die Leute im vorbeifahrenden Auto hätten gedacht, er würde die 

Privatklägerin 2 draussen vor der Tür schlagen (Urk. D2/4/1; Urk. D2/4/2 S. 2-6; 

Urk. D1/4/3 S. 24-27). Es kann somit festgehalten werden, dass auch der Be-

schuldigte mehrere von der Privatklägerin 2 erwähnte Details bzw. Wahrnehmun-

gen bestätigte, was doch dafür spricht, dass die Privatklägerin 2 eine klare Wahr-

nehmung hatte.  

2.4. Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 2 sprechen sodann 

die aufgezeichneten Notrufe, die darauf hinweisen, dass sie bereits zum Zeitpunkt 

des Geschehens die Polizei herbeirief. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen 

hat, erfolgte der dritte Anruf der Privatklägerin 2 um 21:43 Uhr sodann bereits ei-

nige Zeit nach dem Vorfall und war offensichtlich wohl überlegt und keine Kurz-

schlussreaktion. Auch dies schliesst ein Missverständnis aus und deutet eben klar 

daraufhin, dass die Privatklägerin 2, wie von ihr geschildert wurde, vom Beschul-

digten geschlagen worden ist. Sodann ist anzufügen, dass sie bereits im Spital im 

Anschluss an das Geschehen berichtete, dass sie geschlagen worden sei 

(Urk. D2/7/2 S. 3 oben). Auch konnte sie dort offensichtlich klare Angaben ma-

chen, wohin sie geschlagen worden sei oder etwa, dass sie von Geburt an eine 

Septumdeviation habe (ebenda). Auch dieser Umstand lässt ihre späteren Aus-

sagen als Glaubhaft erscheinen. Weiter ist festzuhalten, dass die in der Anklage 

aufgeführten Verletzungen durch die Arztberichte belegt sind (Urk. D2/7/2 S. 1-3) 

und sich mit ihrer Darstellung in Einklang bringen lassen. Dass sie ausser im Ge-

sicht und am Handgelenk keine sichtbaren Spuren hat, schliesst ihre Darstellung 

-   29   - 

von Schlägen und Tritten nicht aus. Zudem trug sie (Januar) – wie auch vom Be-

schuldigten erwähnt –  eine Jacke.  

2.5. Zu den Aussagen des Beschuldigten ist zu erwägen, dass es wenig über-

zeugt, wenn er angibt, die Privatklägerin 2 sei derart betrunken gewesen, dass sie 

getorkelt und trotz seiner Hilfe drei Male gestürzt sei, wobei sie auch gemäss sei-

ner Darstellung dann doch unmittelbar darauf in der Lage war, davon zu rennen 

(Urk. D2/4/1 Frage 33; Urk. D1/4/3 Fragen 119 und 143). Dies erscheint nicht 

wirklich realistisch. Sodann fällt erneut auf, dass er versucht die Privatklägerin 2 

schlecht zu reden, wie zum Beispiel, dass sie ihn in etwas hineinreite, um so Geld 

bzw. eine Genugtuung aus ihm herauszuholen, da er bald seine Rente beziehe 

(vgl. Urk. D1/4/3 Fragen 132 und 153). Nicht glaubhaft erscheint im Weiteren sei-

ne Aussage, sie habe ihn fälschlicherweise belastet, da er mit ihr Schluss ge-

macht habe. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass durch die SMS belegt ist, 

dass sie den Beschuldigten vielfach abwies, ihm sagte, sie wolle ihre Ruhe und 

die Kontaktnahmen weitestgehend vom Beschuldigten aus kamen. Hinzu kommt, 

dass der Beschuldigte widersprüchliche Angaben dazu machte, wann er ihr ge-

sagt haben soll, dass er Schluss mache bzw. seine Aussage dazu anpasste. 

Währendem er zunächst meinte, dies sei gewesen, als die Polizei zu ihm ge-

kommen sei, korrigierte er seine Aussage nach dem Hinweis, sie hätte ihn ja 

schon unmittelbar nach dem Vorfall auf dem Parkplatz belastet, dahingehend, 

dass er schon vorher an diesem Abend Schluss mit ihr gemacht habe 

(Urk. D1/4/3 Fragen 146-152). Auch seine Reaktion, dass er dann weggegangen 

sei, als die Privatklägerin 2 die Polizei alarmiert habe (Urk. D1/4/3 Frage 128), ist 

nicht gerade die Reaktion, welche von jemanden zu erwarten wäre, der lediglich 

seiner betrunkenen Freundin habe helfen wollen.  

3. Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin 2 auch 

in diesem Anklagepunkt glaubhaft sind.  

C. Dossier 3: Vergewaltigung 

-   30   - 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird weiter zur Last gelegt, an einem Abend anfangs Dezem-

ber 2019 die Privatklägerin 2 mit einem Kleinbus an ihrem Wohnort in L._____ 

abgeholt zu haben und mit ihr in das serbische Vereinslokal "M._____" nach 

N._____ gefahren zu sein, wo sie zusammen etwas gegessen und getrunken hät-

ten. Die Privatklägerin 2 habe ihn dann gebeten sie nach Hause zu fahren, da sie 

sich krank fühle. Der Beschuldigte sei in der Folge mit ihr über die Waldstrecke 

von N._____ nach L._____ gefahren. Er sei (um ca. 22.00 Uhr) in einen Waldweg 

abgebogen und habe angehalten. Beide seien aus dem Fahrzeug ausgestiegen 

und die Privatklägerin 2 habe vorgegeben auf die Toilette zu müssen. Zurück 

beim Fahrzeug habe der Beschuldigte sie an sich gezogen, auf sie eingeredet, sie 

an ihren Händen gepackt, versucht ihre Leggins herunterzuziehen und sie durch 

die offene Seitentüre des Kleinbusses auf einen Sitz gestossen. Der Beschuldigte 

habe sich über die Privatklägerin 2 gelehnt, sie kräftig an ihren Handgelenken und 

Oberarmen festgehalten und ihre Leggins und Unterhose heruntergezogen. Dann 

habe er seine eigene Hose ausgezogen, sich mit seinem Körpergewicht auf die 

Privatklägerin 2 gelegt und mit seiner Hand und seinen Beinen ihre Schenkel 

auseinandergedrückt. Er habe dann entgegen ihren Willen – die Privatklägerin 2 

habe ihn von Anfang an abgewiesen und dies mit "nein", "nicht", "ich will nicht" 

klar gemacht – vaginalen Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen (Urk. D1/23 S. 3-

4).  

2. Standpunkt 

Der Beschuldigte anerkennt, mit der Privatklägerin 2 an einem Abend (wohl) im 

Dezember 2019 im Lokal in N._____ gewesen zu sein und sie über die Waldstre-

cke nach Hause gefahren zu haben. Er bestreitet aber an einem Waldweg gehal-

ten und Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt zu haben. 

3. Beweisgrundsätze und Beweismittel 

Wie bereits ausgeführt, hat die Vorinstanz die wesentlichen Grundsätze der Be-

weiswürdigung dargetan. Sodann hat sie auch zu diesem Anklagepunkt die we-

-   31   - 

sentlichen Aussagen der Privatklägerin 2 und des Beschuldigten zusammenge-

fasst. Darauf kann verwiesen werden (vgl. Urk. 82 S. 22-29; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Auf die vorhandenen SMS-Mitteilungen ist die Vorinstanz im Rahmen der Würdi-

gung eingegangen. 

4. Würdigung 

4.1. Bei dem angeklagten Geschehen im Wald waren nur der Beschuldigte und 

die Privatklägerin 2 anwesend. Der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf vollum-

fänglich. Es handelt sich um ein Vier-Augen-Delikt und der Anklagesachverhalt 

stützt sich hauptsächlich auf die Aussagen der Privatklägerin 2, welche bezüglich 

des Kerngeschehens im Widerspruch zu den Aussagen des Beschuldigten ste-

hen. Die Aussagen der Privatklägerin 2 und des Beschuldigten sind daher auf ihre 

Glaubhaftigkeit hin zu prüfen bzw. einander entsprechend gegenüberzustellen. 

Diese sind frei zu würdigen. Zu achten ist auf Strukturbrüche innerhalb einer Aus-

sage, auf Über- oder Untertreibungen, auch auf Widersprüche, vor allem aber auf 

das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl von Realitätskriterien (z.B. Detail-

reichtum, Originalität im Sinne von Einzigartigkeit, Kohärenz oder Homogenität 

trotz einer natürlichen Sprunghaftigkeit) und das Fehlen von Lügensignalen wie 

z.B. Kargheit der Schilderung, vor allem der Begleitumstände, Übertreibungen 

sowie übertriebene demonstrative Bestimmtheit (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, 

Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 5. Aufl., München 2021, S. 77 ff. und 

S. 100 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlossen-

heit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "konkrete 

und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des Vor-

falles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, 

der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Situati-

on von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvorteilhaf-

te Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des Be-

schuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wobei 

sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände 

verändern können". Andererseits sind auch allfällige Phantasiesignale zu berück-

sichtigen. Als Indizien für falsche Aussagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe 

-   32   - 

Widersprüche in den eigenen Aussagen", "Zurücknahme oder erhebliche Ab-

schwächungen in den ursprünglichen Anschuldigungen", "Übersteigerungen in 

den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren Einvernahmen", "unklare, ver-

schwommene oder ausweichende Antworten" sowie "gleichförmig, eingeübt und 

stereotyp wirkende Aussagen" (vgl. ROBERT HAUSER, Der Zeugenbeweis im Straf-

prozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). 

4.2. SMS-Auswertung 

4.2.1. Ausser den Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin 2 liegen di-

verse SMS bei den Akten, welche Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der Dar-

stellungen zulassen können. Es ist bei der Würdigung dieser SMS allerdings da-

rauf hinzuweisen, dass kein genaues Deliktsdatum vorliegt und die Privatkläge-

rin 2 selber entgegen der Anklage teilweise auch davon sprach, dass der Vorfall 

im November 2019 passiert sei. Es liegen übersetzte SMS-Mitteilungen zwischen 

dem Beschuldigten und der Privatklägerin 2 für die Zeit vom 2. Juli 2019 bis zum 

3. Dezember 2019 vor (Urk. 3/9/5: 257 SMS mit der Telefonnummer 1 der Privat-

klägerin 2; und vom 17. Dezember 2019 bis zum 12. Januar 2020 Urk. 3/9/6: 

46 SMS mit der Telefonnummer 2 der Privatklägerin 2 [gespeichert unter 

"C'._____"]). Anzufügen ist, dass von der letztgenannten Nummer ("C'._____") 

bereits am 21. August 2019 ein SMS an den Beschuldigten mit dem Text "gut" 

geschickt wurde (Urk. D3/9/6). Dies lässt darauf schliessen, dass die Privatkläge-

rin 2 bereits zu diesem Zeitpunkt über diese Nummer verfügte und der Beschul-

digte auch diese Nummer seit dem 21. August 2019 kannte. Im Ergebnisbericht 

der Kantonspolizei Zürich (Dienststelle Digitale Forensik) zur EDV-Datenanalyse 

vom 4. März 2021 wird sodann festgehalten, dass es keine Hinweise auf gelösch-

te Nachrichten gebe. Es sei aufgrund der vorliegenden Datenlage davon auszu-

gehen, dass keine Nachrichten gelöscht wurden, es könne jedoch nicht ausge-

schlossen werden, ob einzelne Nachrichten in der Vergangenheit gelöscht und 

durch das Mobiltelefon bereits automatisch überschrieben worden seien 

(Urk. D3/9/11). Die Privatklägerin 2 erklärte, sie bereue, dass sie die ganzen 

Kurzmitteilungen gelöscht habe (Urk. D3/6/2 Frage 28). 

-   33   - 

4.2.2. Im Juli 2019 gab es 72 SMS, die meisten vom Beschuldigten an die Privat-

klägerin 2, in denen er sich über ihr Wohlbefinden erkundigt. Teilweise beschwert 

sich der Beschuldigte, dass sie sich nicht melde. Er fragt, ob sie wütend auf ihn 

sei. Von der Privatklägerin 2 hat es weniger Kurzmittteilungen. Teilweise erklärt 

sie kurz, dass sie jetzt arbeite, krank sei, nicht könne und ihre Ruhe wolle. Am 28. 

Juli 2019 teilt der Beschuldigte ihr mit, er sei bei ihr, warte seit dreieinhalb Stun-

den und dass er Fleisch zum Grillieren gekauft habe. Sie antwortet ihm rund zwei 

Stunden später, sie sei jetzt aufgestanden und müsse einen Tag für sich haben 

und kurz darauf, dass er sie anlüge und ob er nur wegen dem Sex möchte, dass 

es so sei. Der Beschuldigte schreibt ihr daraufhin, dass er nun seit sechs Stunden 

warte, für Fr. 80.– zum Grillieren eingekauft habe und wirft der Privatklägerin 2 

vor, sie sei sicher im Casino gewesen, wo sie ihr Geld liegen lasse. Am 30. Juli 

2019 entschuldigt sich der Beschuldigte, er sei am Samstag aufgebracht gewe-

sen, weil er sechs Stunden gewartet habe und sie weder Telefonate noch SMS 

beantwortet habe. Die Privatklägerin 2 antwortet, sie habe keine Zigaretten in der 

Post, viel Stress beim Arbeiten, da sie zu wenig Leute seien. Sie brauche Zeit für 

sich und ihre Ruhe. Weiter fügt sie an, dass wenn der Beschuldigte ihr helfen wol-

le, könne er ihr etwas in der Post lassen (Urk. D3/9/5).  

 Im August 2019 sind es rund 100 SMS, davon rund 60 vom Beschuldigten 

an die Privatklägerin 2. Auch in dieser Zeit erkundigt sich der Beschuldigte oft 

kurz über das Wohlbefinden der Privatklägerin 2. Am 2. August 2019 schreibt die 

Privatklägerin 2 dem Beschuldigten (in jeweils schlecht verständlichem Deutsch), 

sie habe gesehen, wie er sich für sie interessiere, wenn sie krank sei. 10 Sekun-

den später schreibt sie "Danke" und ein Minute später, "Also so ist das leben egal 

schafen ich alles alleine wen für seks bin hvala danke dir" und kurz darauf 

"schonne abik". Der Beschuldigte schreibt ihr zurück, er sei bei der Arbeit und "bis 

morgen pica Kurier" (Urk. D3/9/5). Auch wenn die SMS nur schwer verständlich 

sind, ist hier Sex ein Thema. Auch hat es weitere SMS bei denen es um Sex geht 

und die Privatklägern 2 wirft dem Beschuldigten einige Male vor, es würde ihm 

nur um den Sex gehen. Insgesamt hinterlassen diese SMS den Eindruck, dass 

man schon Sex gehabt hat oder der Beschuldigte dies zumindest wollte. Die von 

der Privatklägerin 2 auf Vorhalt dieser SMS gemachten Aussagen, es sei teilwei-

-   34   - 

se scherzhaft gemeint gewesen oder der Hinweis, der 2. August sei für sie ein 

spezielles Datum, weil sie sich an diesem Tag von ihrem Mann getrennt habe und 

sie sauer gewesen sei und damit sicherlich habe sagen wollen, sie schaffe es al-

leine, da die Männer nur Sex von ihr wollen (Urk. D3/6/3 Fragen 134-143), er-

scheinen eher schwammig. Im Übrigen hat die Privatklägern 2 selber mehrfach 

ausgesagt, dass sie mit dem Beschuldigten im Sommer (2019) einmal Sex gehabt 

habe. Jedenfalls bedankt sich die Privatklägerin 2 beim Beschuldigten und sie 

wollen sich offenbar am nächsten Tag (Samstag) zum Essen (Pizzakurier) treffen. 

Allerdings geht es kurz darauf so weiter, dass die Privatklägern 2 nicht zufrieden 

ist und im Zusammenhang von Briefkasten und Post offenbar von Lügen ("eine 

Lugen 5 Tage") spricht, sie wolle jetzt schlafen und er solle machen, was er wolle. 

Am 3. August 2019 um 00.39 Uhr schreibt die Privatklägerin 2 dem Beschuldigte 

dann, sie wolle ihre Ruhe, sie habe ihre Probleme und sei krank, bedankt sich 

aber bei ihm fürs schauen und helfen und sie werde sich melden. Es folgen weite-

re SMS des Beschuldigten über das Wohlbefinden der Privatklägerin 2. Er will 

wissen, ob sie immer noch böse sei, sie will ihre Ruhe. Der Beschuldigte schreibt, 

er habe die Taxiprüfung bestanden, sie schreibt ihm in (für den Übersetzer) un-

verständlichem Serbisch. Es folgen gemäss Übersetzung zahlreiche belanglose 

und nach dem Wohlbefinden sich erkundende SMS. Er schreibt ihr wegen einer 

Crème für die Hand, über Guthaben und Codes offenbar zum Aufladen für ihr 

Mobiltelefon (31. August 2019). 

 Im September 2019 sind es noch 58 SMS zwischen den beiden. Sie wollen 

sich am 1. September 2019 offenbar in L._____ treffen. Der Beschuldigte schrieb 

ihr mehrmals, sie solle ihm schreiben, er gehe sonst nach O._____. Er teilt der 

Privatklägerin 2 schliesslich mit, dass er ihr nicht mehr schreibe, er morgen den 

Schlüssel hole und sie ihn vergessen könne ("ich und du sind fertig"). Am 

3. September 2019 schreibt er ihr, was sie mit ihm mache, sie treibe ihn in die 

Psychiatrie. Am nächsten Tag schreibt die Privatklägerin 2 dem Beschuldigten, er 

solle sie in Ruhe lassen, sie wolle allein sein. Wenige Stunden später schreibt ihr 

der Beschuldigte erneut und fragt sie, ob sie als Aushilfe freitags und samstags 

bei einem Freund im Service arbeiten wolle. Tags darauf schreibt er ihr erneut, 

will wissen wo sie ist, warum sie böse auf ihn sei, er wolle, dass es ihr gut gehe, 

-   35   - 

sie gesund sei etc. Am 7. September 2019 schreibt die Privatklägerin 2 ihm, er 

solle nicht so reden, er rufe sie nur wegen dem Sex an (das Weitere ist unver-

ständliches Serbisch). Daraufhin teilt der Beschuldigte ihr in einem längeren SMS 

mit, es stimme nicht, dass es nur wegen dem Sex sei, er liebe sie sehr, aber sie 

antworte nie, melde sich nicht, auch wenn er hundertmal anrufe, so auch nicht 

wegen der Aushilfsstelle im Service. Am 10./11. September 2019 teilt er ihr mit, 

dass er seinen Schlüssel wolle (am Abend um 19.00 Uhr). Am 15. September 

2019 um 04.28 Uhr fragte die Privatklägerin 2 den Beschuldigten dann – offenbar 

in einem anderen Zusammenhang – an: "Wann heute". Er beantwortet dies um 

04.48 Uhr mit: "Um 2 Uhr am Mittag". Sie bestätigt um 06.11 Uhr "ok" und glei-

chentags um 18.25 Uhr schreibt die Privatklägerin 2: "Danke (unklar bzw. wohl 

"Herz") heheh guter Sex" (Urk. D3/9/5). Dieser SMS-Verkehr ist doch ein deutli-

ches Indiz dafür, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin 2 sich wie verabre-

det getroffen haben und miteinander Sex hatten. Die Aussagen der Privatkläge-

rin 2 dazu, es sei ihr Humor so etwas zu schreiben, wenn sie in Ruhe gelassen 

werden wolle und es könne sein, dass sie die Wörterbuchfunktion aktiviert gehabt 

habe, dass überhaupt ein solcher Text herausgekommen sei, dies sei scherzhaft 

gemeint gewesen, es könne auch sein, dass sie ihn nur habe ärgern wollen 

(Urk. D3/6/3 Fragen 139-143; vgl. auch Urk. D3/6/4 Fragen 24-28; Urk. D3/6/4 

Frage 25), überzeugen nicht. Dies schon nur deshalb, da sie ihm mehrfach auf 

eindeutige Art mitgeteilt hat, sie wolle ihre Ruhe. Hinzu kommt, dass sie sich of-

fensichtlich zuvor verabredet hatten. Auch ist von der Privatklägerin 2 nicht nach-

vollziehbar gemacht worden, weshalb diese Nachricht den Beschuldigten verär-

gern solle oder er es so verstehen müsste, dass sie ihre Ruhe wolle oder worin 

der Scherz liegt. Zudem erkundigt sich der Beschuldigte am nächsten Tag mit 

mehreren SMS über ihr Wohlbefinden und die Privatklägerin 2 ist damit einver-

standen ("Gut ok"), dass der Beschuldigte zu ihr kommt und er erklärt, dass er sie 

sehr liebe. Am 19. September 2019 schreibt der Beschuldigte der Privatklägerin 

2, dass er ihr Guthaben für das Telefon gekauft habe, teilt ihr den entsprechenden 

Code mit und dass sie es auf das Telefon laden könne. Sie meldet sich aber nicht 

mehr per SMS (Urk. D3/9/5).  

-   36   - 

 Im Oktober 2019 hat es nur zwei SMS vom Beschuldigten an die Privatklä-

gerin 2, wo er sie sucht und er ihr sagt, sie solle sich melden, wenn sie etwas 

brauche. Für den November 2019 liegen ebenfalls nur wenige SMS vor, nämlich 

12, davon 8 vom 11. November 2019. Der Beschuldigte sucht sie und will wissen, 

wie es ihr geht. Sie antwortet am 11. November 2019, sie sei krank, "Am sterben 

besser" mit einem traurigen Smiley. Auf seine Nachfrage teilt sie mit, sie sei seit 

fünf Tagen krank, habe Bronchitis und das Fieber und der Husten würden nicht 

weggehen und sinngemäss, dass sie ihre Probleme alleine bewältigen müsse. 

Am 1./3. Dezember 2019 will der Beschuldigte sich mit der Privatklägerin 2 verab-

reden und fragt sie, warum sie sich nicht melde (Urk. D3/9/5). 

 Für die Zeit vom 17. Dezember 2019 bis zum 12. Januar 2020 liegt sodann 

ein SMS-Verkehr auf der anderen Nummer der Privatklägerin 2 ("C'._____") bei 

den Akten (Urk. D3/9/6 46 SMS, davon 17 von der Privatklägerin 2). Im Dezember 

erkundigt sich der Beschuldige nach der Privatklägerin 2. Sie meldet sich nicht. 

Am 1. Januar 2020 wünscht er ihr ein glückliches neues Jahr. Sie äussert, es sei 

nun fertig, er solle sie in Ruhe lassen. Am 6 Januar 2020 schreibt sie dann, wa-

rum solle sie mit ihm reden, er lüge sie nur an. Er meint daraufhin, er lüge nicht, 

er liebe sie sehr. Gleichentags fragt er, ob er zu ihr kommen solle, was sie dazu 

sage. Die Privatklägerin 2 schreibt zurück, sie sei krank, 35 Tage im Krankenhaus 

gewesen und sie hätte ihn doch gebeten, ihr Guthaben aufzuladen. Es sei aber 

nichts, keine Zigaretten (im Weiteren unverständlich). Der Beschuldigte verspricht 

ihr, das Guthaben aufzuladen und erkundigt sich nach dem Anbieter. Sie bedankt 

sich in der Folge. Weiter schreiben sie darüber, dass sie beim Arzt sei und etwas 

am Bein habe. Der Beschuldigte sucht sie mehrfach, die Privatklägerin 2 teilt mit, 

sie sei krank bei der Arbeit und gehe zum Arzt. Er meint, dass er andere Arbeit für 

sie hätte als Putzen. Ihre Antworten sind nicht verständlich. Der Beschuldigte 

schlägt am 7. Januar 2020 vor nach N._____ zu fahren, wo es Tombola gebe. Am 

nächsten Tag sucht er sie mehrfach. Sie teilt ihm mit, lange geschlafen zu haben, 

es gehe ihr gut, nur der Hals schmerze ein wenig. Weiter erkundigt er sich nach 

ihrem Bein. Sie erläutert, das sei bei der Arbeit passiert, sie habe es mit der 

Crème eingerieben, welche er ihr gekauft habe. Das letzte SMS ist vom 

-   37   - 

12. Januar 2020. Die Privatklägerin 2 schreibt dem Beschuldigten um 09.09 Uhr, 

sie "schlafe alleine und du?" (Urk. D3/9/6).  

4.2.3. Es lässt sich zusammenfassend festhalten, dass der Beschuldigte und die 

Privatklägerin 2 in dieser Zeit (Juli 2019 bis Januar 2020) eine Art von "Bezie-

hung" hatten. Der Beschuldigte erkundigte sich oft nach ihr, erklärt ihr, dass er sie 

liebe, zeigt sich besorgt, lädt ihre Telefonguthaben auf und bringt ihr offenbar 

auch Zigaretten und Salben. Er will öfters mit ihr ausgehen. Der Kontakt kommt 

von ihm. Die Privatklägerin 2 ist mehrfach abweisend und erklärt, sie sei krank 

und wolle ihre Ruhe. Mal erklärt er die "Beziehung" für beendet, mal sie. Sie hatte 

offenbar einen Schlüssel von ihm. Des Weiteren wirft sie ihm mehrere Male vor, 

es gehe ihm nur um Sex. Der SMS-Verkehr deutet darauf hin, dass sie zumindest 

am 15. September 2019 Sex hatten. Sex war einige Mal Thema. Im Oktober 2019 

und November 2019 hatten sie nur wenig, vom 14. November 2019 bis Ende No-

vember 2019 gar keinen SMS-Kontakt. Im Dezember 2019 hat die Privatklägerin 

dem Beschuldigten keine SMS geschrieben. Für die Zeit vom 4. Dezember 2019 

bis 16. Dezember 2019 liegen keine SMS vor. 

4.2.4. Weiter ist zu den Erkenntnissen aus dem Mobiltelefonauswertungen zu er-

gänzen, dass eine Anrufliste für den Zeitraum Dezember 2019 bis Januar 2020 

für Telefongespräche zwischen dem Beschuldigten (3) und der Rufnummer 1 der 

Privatklägerin 2 besteht. Demgemäss hat der Beschuldigte einzig am 16. Dezem-

ber 2019 viermal innerhalb einer Minute erfolglos versucht, die Privatklägerin 2 

anzurufen (Urk. D3/9/11 Beilage 3). Weiter hat er ihr am 8. Dezember 2019 drei 

Fotos von ihnen geschickt (Urk. D3/9/11 Beilage 4). Schliesslich ist noch zu er-

wähnen, dass die Verteidigung einen Antrag auf Anordnung einer rückwirkenden 

Teilnehmeridentifikation für die Mobiltelefone der Parteien bzw. die Erhebung der 

Randdaten zur Ermittlung der Antennenstandorte zur Tatzeit (Dezember 2019) 

gestellt hatte. Dies unter Hinweis darauf, dass sowohl der Beschuldigte als auch 

die Privatklägerin 2 am fraglichen Abend – an welchem gemäss Anklage die Ver-

gewaltigung stattgefunden hat – ihr Mobiltelefon bei sich gehabt hätten. Die An-

tennenstandorte könnten Aufschluss darüber geben, so die Verteidigung, ob sich 

die beiden zur fraglichen Tatzeit während einer gewissen Dauer am mutmassli-

-   38   - 

chen Deliktsort (Waldstück) befunden hätten (Urk. D1/20/9). Dieser Beweisantrag 

wurde abgelehnt, da es gemäss Abklärungen der Abteilung Digitale Forensik und 

Kriminalanalyse der Kantonspolizei Zürich unwahrscheinlich sei – bzw. es komme 

auf die verwendeten Apps an und vorliegend bestünden keine Hinweise auf be-

nützte Apps zum fraglichen Zeitpunkt –, dass die Daten Auskunft zur Dauer des 

Aufenthaltes an einem bestimmten Standort (im Waldstück) geben würden 

(Urk. D3/9/14 und Urk. D1/20/11). 

4.3. Würdigung Aussagen Beschuldigter 

4.3.1. Der Beschuldigte hat konstant bestritten, dass es zu einem solchen Ge-

schehen anfangs Dezember 2019 im Wald gekommen sei. Er habe auch nie auf 

der Fahrt im Wald gehalten. Die Vorinstanz hat daher vorab grundsätzlich zutref-

fend ausgeführt, dass der Beschuldigte dementsprechend zu diesem angeklagten 

Geschehen an sich keine Aussagen machen kann und diese insoweit auch nicht 

auf ihre Glaubhaftigkeit überprüfbar seien. Es ist allerdings festzuhalten, dass der 

Beschuldigte anerkennt, mehrfach zusammen mit der Privatklägerin 2 in dieses 

serbische Lokal in N._____ gegangen zu sein und sie durch diese Strecke im 

Wald nach Hause gefahren zu haben (Urk. D3/5/2 Fragen 52-53). Gemäss den 

vorliegenden SMS hat der Beschuldigte der Privatklägerin 2 noch am 7. Januar 

2020 vorgeschlagen nach N._____ zu fahren, wo es Tombola gebe. Auch berich-

tete er von Anfang an über den fraglichen Abend, wobei er jeweils anfügte, es sei 

ihm nicht bekannt, um welchen Tag bzw. welches Datum es sich handle 

(Urk. D/3/5/2 S. 6 f.). In der Schlusseinvernahme wurde ihm vorgehalten, dass die 

Privatklägerin 2 einen konkreten Abend im Dezember 2019 schildere, an welchem 

sie zusammen in N._____ im Ausgang gewesen sei. Sie sei an jenem Abend 

krank gewesen. Auf Frage hin, erklärte der Beschuldigte, dass er sich an diesen 

von ihr erwähnten Abend erinnere. Die Privatklägerin 2 habe an jenem Abend 

Bingo spielen wollen. Bingo gebe es jeweils am Montag oder Dienstag. Sie seien 

dorthin gegangen und hätten zuerst Essen bestellt. Die Privatklägerin 2 habe viel 

Alkohol getrunken. Sie habe an jenem Abend gesagt, sie sei erkältet. Sie habe 

zuerst Tee mit Rum und danach Schnaps getrunken. Als die Sache fertig gewe-

sen sei, seien sie nach Hause gefahren. Sie seien von N._____ durch den Wald 

-   39   - 

nach Hause, was der kürzeste Weg sei. Er habe auf dem Weg nicht angehalten. 

Er habe die Privatklägerin 2 zu Hause abgeladen und sei nach Hause gefahren. 

Zu Intimitäten sei es an jenem Abend nicht gekommen. Auch zu Unstimmigkeiten 

oder Streit sei es an jenem Abend nicht gekommen. Sie habe ihn bei ihr zu Hause 

nicht reinlassen wollen, habe "Nein" gesagt, es sei ihr nicht wohl. Er habe das ak-

zeptiert. Früher habe er jeweils bei ihr übernachtet. Sie habe ihn diesmal aber 

nicht reinlassen wollen. Dies habe für ihn geheissen, diesmal gebe es nichts. Auf 

Nachfrage gab er an, dass es selbstverständlich so gewesen sei, dass er bei ihr 

habe übernachten wolle. Sie hätten auch immer wieder darüber geredet, z.B. 

dass ihr schlecht sei, sie erkältet sei, er reinkommen könne und ihr Tee machen 

könnte. Er habe an jenem Abend keine Annäherungsversuche bei der Privatklä-

gerin 2 gemacht, nicht versucht, mit ihr intim zu werden. Auf weiteres Nachfragen 

führte der Beschuldigte aus, auch nach diesem Abend weiterhin normalen Kon-

takt miteinander gehabt zu haben. Sie habe ihm gesagt, sie sei krank oder sie 

müsse zum Psychiater. Sie seien danach auch mal noch zusammen im Casino 

Zürich gewesen. Weiter bestritt er, sich etwas Weisses in die Nase gezogen zu 

haben. Entgegen dem Vorbringen der Privatklägerin 2 gäbe es dort keinen Vor-

raum zu den Damen-/Herren-WC's. Sie hätte ihn daher gar nicht sehen können. 

Zudem sei er gar nicht auf dem WC gewesen. Er konsumiere nur Zigaretten, kei-

nen Alkohol, keine Drogen. Es stimme auch nicht, dass sie nach einer Stunde ge-

gangen seien. Sie seien immer bis Feierabend, also zwischen Mitternacht und 

01.00 Uhr dort geblieben. Zum konkreten Vorwurf sie festgehalten zu haben und 

ihr (im Wald) die Leggins heruntergezogen zu haben, meinte der Beschuldigte, 

dies stimme alles nicht und sie lüge, wenn sie sage, sie hätten nur einmal Sex 

gehabt. Sie hätten nur Sex gehabt, wenn sie beide wollten, nie mit Gewalt 

(Urk. D1/4/3 S. 6-10).  

 Zu diesen Aussagen lässt sich bemerken, dass der Beschuldigte zum fragli-

chen Abend im Dezember 2019 in N._____, als sich die Privatklägerin 2 krank ge-

fühlt habe, durchaus Angaben gemacht hat. Er hat auch nicht verhehlt, dass er 

Hoffnungen gehabt habe, dass dann (sexuell) noch "etwas gehe". Er beschränkt 

sich somit nicht einfach auf ein Bestreiten, sondern gibt eine eigene Darstellung 

des fraglichen Abends, was für ihn spricht. Soweit ersichtlich wurde sodann nicht 

-   40   - 

abgeklärt, ob das (nunmehr nicht mehr existierende) Lokal bei den WC's einen 

gemeinsamen Vorraum aufwies. Es ist aber immerhin hervorzuheben, dass die 

Akten ausser dieser Angabe der Privatklägerin 2 keine Hinweise auf einen Koka-

inkonsum des Beschuldigten enthalten. Der Beschuldigte hat weiter insgesamt 

zwar einen möglichen Ablauf des Abends – auch er nannte wie die Privatkläge-

rin 2 kein Datum – geschildert. Es fällt aber auf, dass er auf den konkreten Vor-

wurf des Festhaltens und Herunterreissen der Leggins ausweichend darauf hin-

weist, dass die Privatklägerin 2 lüge, wenn sie sage, sie hätten nur einmal Sex 

gehabt. Das eine (Häufigkeit Sex) schliesst das andere (Vergewaltigung) nicht 

aus. Dieses ausweichende Aussageverhalten lässt aufhorchen und mindert seine 

Glaubhaftigkeit etwas. Auch erstaunt, dass er zwar den Verlauf des Abends schil-

dern kann, aber auch er – wie die Privatklägern 2 – den Zeitraum dieses Abends 

nicht näher einzugrenzen vermag. 

4.3.2. Auf Vorhalt der Aussage der Privatklägerin 2 sie habe die Nummer des Be-

schuldigten nach diesem Vorfall ("Vergewaltigung") auf ihrem Mobiltelefon blo-

ckiert, sagte der Beschuldigte aus, dass die Privatklägerin 2 zwei Telefonnum-

mern gehabt habe und fragt zurück, wie sie ihn hätte blockieren können. Sie habe 

vielleicht kein Geld gehabt. Auf Nachfrage gab er an, weiterhin normal Kontakt 

gehabt zu haben über die eine oder andere Mobiltelefonnummer. Weiter sagte 

der Beschuldigte aus, sie hätten weiterhin Kontakt gehabt. Sie seien zusammen 

im Casino gewesen sowie auch am […] L._____, um ein neues Telefon zu besor-

gen. Er beharrte darauf, dass sie weiterhin regelmässigen Kontakt gehabt hätten 

und wies daraufhin, dass sich die Frage stelle, wann sie ihn angezeigt habe, 

wenn es im Dezember 2019 eine Vergewaltigung gegeben habe. Auf Vorhalt des 

SMS-Verkehrs führte der Beschuldigte aus, es sei vor diesem Abend in N._____ 

gewesen, dass er die Privatklägerin 2 über die andere Nummer kontaktiert habe 

(Urk. D1/4/3 S. 10-12). Nachdem das erste SMS von ihm auf diese andere Num-

mer am 17. Dezember 2019 gesendet wurde, macht der Beschuldigte demnach 

geltend, dass der gemeinsame Besuch des Lokals in N._____ (mit Bingo oder 

Tombola) nach dem 17. Dezember 2019 stattgefunden hat. 

-   41   - 

 Es ist schwierig die Angaben des Beschuldigten – wie auch der Privatkläge-

rin 2 – aufgrund der Erkenntnisse aus dem SMS-Verkehr zu verifizieren, ist doch 

auch in der Anklage kein genaues Datum genannt ("anfangs Dezember 2019 [ge-

naues Datum unbekannt]"). Ginge man von einem Deliktszeitpunkt in den ersten 

Dezembertagen aus, so wäre es jedenfalls eher vereinbar mit den Angaben der 

Privatklägerin 2, dass sie den Beschuldigten wegen dem Ereignis blockiert habe, 

was erklären würde, weshalb der Beschuldigte ab dem 17. Dezember 2019 auf ih-

re andere Nummer ("C'._____") schrieb. Auch würde dazu passen, dass der Be-

schuldigte ihr in den Monaten Dezember 2019/Januar 2020 nur viermal (am 

16. Dezember 2019 innerhalb von einer Minute) telefoniert hat (Urk. D3/9/11 Bei-

lage 3). Für diesen Wechsel der Privatklägerin 2 auf die andere Nummer 

("C'._____") hat der Beschuldigte jedenfalls keine einleuchtende Erklärung ("Das 

ist doch normal"). Sein Hinweis, sie habe auf dieser Nummer wohl kein Guthaben 

mehr gehabt, erscheint nicht überzeugend, da er ihr zuvor mehrere Male Gutha-

ben aufgeladen hat. Ebenso wenig hat er eine Erklärung für den Umstand, dass 

sich die Privatklägerin 2 rund einen Monat nicht mehr per SMS bei ihm meldete. 

Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte diese zweite Nummer 

bereits seit August 2019 kannte und es von daher wenig verständlich ist, dass die 

Privatklägerin 2 den Beschuldigten nicht auch auf dieser zweiten Nummer blo-

ckierte (sie erklärte, dies technisch nicht geschafft zu haben). Weiter ist darauf 

hinzuweisen, dass die beiden bereits im Oktober 2019 und November 2019 nur 

sehr wenig SMS-Kontakt hatten und etwa vom 14. November 2019 bis Ende No-

vember 2019 gar keinen. Es hat somit auch schon zuvor Zeiten mit praktisch kei-

nem SMS-Kontakt gegeben. Den Akten lässt sich für den Dezember 2019 weiter 

entnehmen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 2 am 8. Dezember 2019 am 

Abend drei Fotos per MMS-Nachrichten schickt, auf welchen die beiden zu sehen 

sind. Die Fotos wurden gemäss Bericht der Kantonspolizei zwischen dem 16. und 

30. November 2019 gemacht. Auf einem Foto küssen sich die beiden auf den 

Mund (Urk. D3/9/11 Beilage 4). Daraus kann jedoch letztlich nichts in die eine o-

der andere Richtung abgeleitet werden. Gemeinsame Antennenstandorte für den 

Monat Dezember 2019 wurden nicht geprüft und liegen nicht vor. Anzufügen ist 

weiter, dass der Beschuldigte belegter massen der Privatklägerin am 6. Januar 

-   42   - 

2020 den Vorschlag machte, in das besagte Lokal nach N._____ in den Ausgang 

zu gehen. 

4.3.3. In der ersten polizeilichen Befragung in Anwesenheit einer Pflichtverteidige-

rin hat der Beschuldigte die Aussagen zur Sache weitgehend verweigert. Es fällt 

auf, dass er (bereits) in dieser Befragung negative Eigenschaften der Privatkläge-

rin hervorhebt bzw. bemüht ist, sie in ein schlechtes Licht zu rücken. So sagt er 

ohne Zusammenhang zur Frage aus, ihr Psychiater habe zur Privatklägerin 2 ge-

sagt, sie müsse in die Klinik. Sie sei voll besoffen gewesen und habe nie Geld 

gehabt. Sie habe Wodka und Schnaps getrunken (Urk. D3/5/1 Fragen 49, 54-55). 

Auch wies er in der Hafteinvernahme darauf hin, dass sie Glücksspiele mache 

und sich in Casinos auskenne. In P._____ sei sie schon weggewiesen worden. Er 

habe ihr auf ihre Bitte hin mehrere Hundert Franken für ihre Eltern in Q._____ ge-

geben, wisse aber nicht, ob sie dieses im Casino verspielt habe (Urk. D3/5/2 Fra-

ge 54). Solche abwertenden Aussagen können Hinweise auf mangelnde Glaub-

haftigkeit sein, wenn man versucht das Opfer übermässig schlecht zu machen. 

Daran ändert nichts, dass es unbestritten ist, dass die Privatklägerin 2 tatsächlich 

psychische Probleme hat und auch Alkohol trinkt bzw. teilweise stark angetrunken 

war (vgl. weiter unten). Es erscheint jedenfalls auffällig, dass der Beschuldigte die 

psychischen Probleme ohne Anlass nennt und die Privatklägerin 2 genau in dem 

Sinne ausgesagt hat, der Beschuldigte habe ihr gesagt, es werde ihr sowieso 

niemand glauben, da sie psychische Probleme habe. 

4.3.4. Der Beschuldigte hat ausgeführt, seit längerem, sicher seit 2 Jahren in ei-

ner Beziehung zur Privatklägerin 2 zu sein. Die Privatklägerin 2 hätte Pläne ge-

macht mit ihm nach R._____ [Staat in Europa] zu ziehen. Sie habe vor der Schei-

dung nicht mit ihm zusammen wohnen wollen. Er habe ihr den Vorschlag ge-

macht zusammenzuleben, da sie beide je Fr. 1'000.– für ihre Wohnungen zahlen 

(Urk. D3/5/2 Frage 54). Der Beschuldigte hat auch konstant ausgesagt, mit der 

Privatklägerin 2 mehrmals Geschlechtsverkehr gehabt zu haben und zwar bei ihm 

oder bei ihr zu Hause, ca. 10 Mal oder auch mehr. Das erste Mal sei vor ca. sie-

ben Jahren gewesen, das letzte Mal, das wisse er – so in der Befragung vom 16. 

Juli 2020 – nicht so genau, evtl. im Dezember. Er umschrieb auch, wie und wo sie 

-   43   - 

sich das erste Mal kennengelernt hätten (in S._____ in einem Club eines Alba-

ners, wo sie gemeinsam arbeiteten) und Jahre später wieder über Facebook Kon-

takt aufnahmen. Sie habe ihm erzählt, dass sie sich von ihrem Mann getrennt ha-

be und alleine sei. Auf Vorhalt der Aussagen der Privatklägerin 2, diese habe im-

mer nach Ausreden gesucht, um nicht mit ihm abmachen zu müssen und habe 

sich wie eine Maus vor ihm versteckt, meinte der Beschuldigte, sie sei psychisch 

krank und er habe ihr helfen wollen. Sie habe ihn wohl wegen des Geldes ausge-

nutzt. Sie habe immer nur geschaut, welchen Nutzen sie von ihm ziehen könne 

(Urk. D3/5/2 Frage 47; Urk. D1/4/3 Frage 8 und 11-13 und 72).  

 Auch hier macht der Beschuldigte vorab ausweichend wieder die Privatklä-

gerin 2 schlecht, dass sie ihn halt ausgenutzt habe. Dem SMS-Verkehr ist jeden-

falls zu entnehmen, dass die Privatklägerin 2 den Beschuldigten oft abwies. Die 

Privatklägerin 2 sucht mehrere Male unter Hinweis auf Krankheit etc. nach Ausre-

den, um nicht abmachen zu müssen und erklärte mehrfach ausdrücklich, sie 

brauche ihre Ruhe. Auch wirft sie ihm vor, er lüge sie an und es gehe ihm nur um 

Sex. Sodann hat sie deutlich weniger den Kontakt gesucht. Der Beschuldigte sel-

ber wirft ihr denn auch vor, sie nie erreichen zu können und sie sich nicht melde 

("sie melde sich nicht, auch wenn er hundert Mal anrufe"). Anderseits ist auch be-

legt, dass der Beschuldigte sich oft nach ihrem Wohlbefinden erkundigte, ihre 

Guthaben fürs Telefon auflud, Zigaretten und Essen brachte sowie eine Crème für 

Ihre schmerzende Hand und ihr Arbeit im Service (statt "putzen") vermitteln woll-

te. Weiter ist belegt, dass er mit ihr ausgehen wollte bzw. ausging und ihr seine 

Liebe versicherte und sich um sie sorgte. Weiter hat auch die Privatklägerin 2 ei-

nige wenige Male mit ihm Kontakt aufgenommen. Wie ausgeführt, hat der Be-

schuldigte gemäss SMS-Verkehr am 10./11. September 2019 mit der Privatkläge-

rin offensichtlich Schluss machen wollen ("er wolle seinen Schlüssel"). Am 

15. September 2019 hat ihn die Privatklägerin um 04.28 Uhr kontaktiert und es 

kommt in der Folge offensichtlich zu sexuellen Handlungen (SMS von der Privat-

klägerin 2: "Danke (unklar) heheh guter Sex"; Urk. D3/9/5). Auch bedankt sie sich 

bei ihm mehrere Male fürs schauen und helfen und meint, sie werde sich melden. 

Auf seine Anfragen, wo sie sei, sie melde sich nicht, weist sie daraufhin, dass es 

keine Zigaretten habe, sie kein Guthaben mehr habe und an anderer Stelle etwa, 

-   44   - 

wenn er ihr helfen wolle, könne er ihr etwas in der Post lassen. Dies weist tat-

sächlich etwas auf ein Ausnützen hin. Man könnte jedoch auch sagen, dass die 

Privatklägerin 2 bereit war, die von ihm angebotene Unterstützung anzunehmen. 

Insgesamt kann gestützt auf den SMS-Verkehr festgehalten werden, dass die Ini-

tiative zu Kontakten fast immer vom Beschuldigten ausging und die Privatkläge-

rin 2 öfters keinen Kontakt wollte, wie sie dies auch aussagte (vgl. weiter unten). 

Es ist sodann nicht auszuschliessen, dass es der Privatklägerin 2 vor allem darum 

ging, vom Beschuldigten Unterstützung zu erhalten und es beim Beschuldigten 

gewichtig um Sex ging. Von einer eigentlichen Beziehung kann indessen nicht 

gesprochen werden. 

4.3.5. Der Beschuldigte hat weiter angegeben, dass er im November 2019 oder 

Dezember 2019 versucht habe, die Privatklägerin 2 loszuwerden, nachdem er 

gemerkt habe, dass sie ihn immer wieder anlüge und wegen des Geldes ausnut-

ze. Sie sei damals beim Psychiater in Behandlung gewesen, habe Psychophar-

maka genommen und er habe ihr helfen wollen. Jedes Mal, wenn er bei der Pri-

vatklägerin 2 gewesen sei, habe sie Geld von ihm haben wollen. Er habe sie auch 

immer zum Essen eingeladen, Zigaretten gekauft und andere notwendige Sa-

chen. Sie seien auch einige Mal im Casino in Zürich gewesen, wo sie sozusagen 

Stammkundin gewesen sei. Er habe versucht sie einfach allmählich, Schritt für 

Schritt, loszuwerden. Er wäre aber mit ihr zusammengeblieben, wenn sie die Tab-

letten und den Alkohol sein gelassen hätte. Denn er habe sie eigentlich haben 

wollen (Urk. D1/4/3 S. 5). Dass der Beschuldigte im November 2019/Dezember 

2019 mit der Privatklägerin 2 Schritt für Schritt aufhören wollte, findet im SMS-

Verkehr keine Stütze. Die beiden hatten im Oktober 2019 und November 2019 

nur wenig und vom 14. November bis Ende November 2019 gar keinen SMS-

Kontakt. Ebenso vom 4. Dezember 2019 bis 16. Dezember 2019. Am 1./3. De-

zember 2019 schreibt der Beschuldigte der Privatklägerin 2 und will sich mit ihr 

verabreden, was soweit ersichtlich ohne Antwort bleibt. Am 17., 18., 26. und 30. 

Dezember 2019 sucht er ebenfalls den Kontakt mit ihr. Seine Aussage, er habe 

versucht die Privatklägerin 2 allmählich loszuwerden, überzeugt schon vor dem 

Hintergrund des SMS-Verkehrs nicht. Es war offensichtlich so, dass die Privatklä-

gerin 2 ohnehin keinen Kontakt mit ihm wollte und der Beschuldigte aufgrund des 

-   45   - 

abweisenden Verhaltens genügend Gelegenheiten gehabt hätte, die Privatkläge-

rin 2 "loszuwerden". Hinzu kommt, dass die Privatklägerin 2 glaubhaft ausgesagt 

hat, dass der Beschuldigte oft auf dem Parkplatz vor ihrem Haus gewesen sei und 

sie bedrängt habe (vgl. weiter unten). 

4.3.6. Der Beschuldigte hat weiter deponiert, dass er und die Privatklägerin 2 

noch im Dezember 2019 gemeinsam im Casino Zürich gewesen seien. Im Januar 

2020 seien sie sodann gemeinsam in diesem Club in E._____ gewesen. Letzteres 

ist erwiesen (vgl. Anklagschrift Dossier 3). Dieses Verhalten spricht auf den ersten 

Blick in der Tat eher gegen eine zuvor erfolgte Vergewaltigung. Darauf ist weiter 

unten bei der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 2 näher einzugehen. 

4.3.7. Der Beschuldigte wurde auch gefragt, wie er sich erkläre, dass die Privat-

klägerin 2 ihn der Vergewaltigung bezichtige, wenn sie – gemäss der Ansicht des 

Beschuldigten – doch offenbar eine harmonische Liebesbeziehung miteinander 

hatten. Der Beschuldigte deponierte, keine Erklärung dafür zu haben (Urk. D1/4/3 

Fragen 74-75). Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 23. Juni 2023 wurde 

der Beschuldigte nochmals gefragt, weshalb die Privatklägerin 2 ihn einer solchen 

schweren Straftat beschuldigen sollte, wenn es nicht stimme, woraufhin der Be-

schuldigte erklärte, weil er sich in dieser Zeit von ihr zurückgezogen habe und sie 

Tabletten genommen und getrunken habe. Auf die Frage, ob dies gewissermas-

sen eine Vergeltung für den Beziehungsabbruch sei, erklärte er, dass dies durch-

aus möglich sei. Sie habe geschaut, wie sie ihn ausnützen könne (Prot. II S. 25 

f.).  

4.3.8. Wie oben hinsichtlich Dossier 1 erwogen, ist erstellt, dass die Bestreitungen 

des Beschuldigten bezüglich seinem Verhalten gegenüber der Privatklägerin 1 

nicht zutreffen. Dieser Umstand lässt natürlich nicht einfach den Schluss zu, dass 

damit auch die den vorliegenden Anklagevorwurf betreffenden Bestreitungen un-

glaubhaft sind, handelt es sich vorliegend doch um einen ganz anderen Sachver-

halt. Allerdings ist zu beachten, dass beide Vorfälle innert weniger Monaten pas-

siert sein sollen und es jeweils um sexuelle Handlungen geht. Beiden Privatkläge-

rinnen ist gemeinsam, dass diese unter geistigen bzw. psychischen Beeinträchti-

gungen leiden (vgl. nachfolgend). Die Handlungen zeigen doch ein gewisses 

-   46   - 

Muster. Jedenfalls wirft dieser erste Vorfall natürlich kein gutes Licht auf den Be-

schuldigten. 

4.3.9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte durchaus Aus-

sagen zu jenem Abend machte. Seine Antworten sind indessen teilweise auswei-

chend und er stellt die Privatklägerin 2 mehrfach ohne direkten Zusammenhang 

zur Frage übermässig in ein ungünstiges Licht bzw. macht sie schlecht. Der SMS-

Verkehr stützt seine Darstellung einer eigentlichen Beziehung mit der Privatkläge-

rin 2 nicht, sondern zeigt auf, dass er zwar immer wieder Kontakt mit ihr sucht, sie 

hingegen weitgehend abweisend reagiert und in Ruhe gelassen werden wollte. 

Auch spiegelt sich darin etwa nicht wider, dass der Beschuldigte versucht habe, 

die Privatklägerin 2 im November 2019/Dezember 2019 allmählich "loszuwerden". 

Weiter hat er keine vernünftige Erklärung, weshalb die Privatklägerin 2 ihn offen-

sichtlich im Dezember 2019 auf ihrer alten Nummer blockiert hatte. Insgesamt sind 

die teilweise ausweichenden sowie wenig plausiblen Angaben des Beschuldigten 

als nicht besonders verlässlich zu erachten und es kann zur Sachverhaltserstel-

lung der von ihm bestrittenen Sachverhaltselemente nicht einfach auf diese abge-

stellt werden. 

4.4. Würdigung Aussagen Privatklägerin 2 

4.4.1. Die Privatklägerin hat das Kerngeschehen im Wesentlichen konstant und 

widerspruchsfrei geschildert. Insbesondere, dass der Beschuldigte auf dem 

Nachhauseweg im Wald gehalten habe und der Beschuldigte sie beim Auto zu 

sich gezogen habe, auf einen Sitz geschubst habe, sie gehalten habe und ihre 

Beine zuerst mit der Hand und dann seinen Beinen auseinandergepresst habe 

und vaginal in sie eingedrungen sei. Sie hat den Ort, die Art der Gewalt und die 

sexuellen Handlungen jeweils gleichbleibend geschildert (Urk. D3/6/2 Fragen 74 

und 81). Auch ist festzuhalten, dass sie den Beschuldigten hinsichtlich der ge-

schilderten Gewalt zurückhaltend belastet. Der Beschuldigte sei stark, habe sie 

gepackt, sich mit seinem Gewicht auf sie gelegt und mit seinen B