# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f73537b-a76a-5da0-bec3-6bc2d31bb922
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.08.2011 D-5947/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5947-2010_2011-08-18.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­5947/2010

U r t e i l   v om   1 8 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Hans Schürch,
Gerichtsschreiber Stefan Weber.

Parteien A._______, geboren X._______,
Kosovo,
vertreten durch Annelise Gerber,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Juli 
2010 / N_______.

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Sachverhalt:

A. 
A.a. Der  Beschwerdeführer,  ein  aus B._______, Gemeinde C._______, 
stammender  Staatsangehöriger  aus  Kosovo  albanischer 
Volkszugehörigkeit,  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben 
zufolge erstmals im April 1999 auf dem Landweg und gelangte über ihm 
unbekannte Länder am 4. Juli 1999 unter Umgehung der Grenzkontrolle 
in  die  Schweiz.  Am  folgenden  Tag  stellte  er  in  D._______  ein  erstes 
Asylgesuch.  Dieses  wurde  mit  Entscheid  des  Bundesamtes  für 
Flüchtlinge (BFF) vom 26. August 1999 abgewiesen und gleichzeitig die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  deren  Vollzug  angeordnet.  Diese 
Verfügung  erwuchs  unangefochten  in  Rechtskraft.  Mit  Schreiben  der 
zuständigen  Fremdenpolizeibehörde  vom  16.  Februar  2000  wurde  der 
Beschwerdeführer als verschwunden gemeldet.

A.b.  Am  22.  Oktober  2002  ersuchte  der  Beschwerdeführer  erneut  um 
Asyl  in  der  Schweiz.  Mit  Verfügung  des  BFF  vom  4.  November  2002 
wurde auf  das neuerliche Asylbegehren gestützt  auf Art.  32 Abs.  1 des 
Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  eingetreten 
und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  der  sofortige  Vollzug 
angeordnet.  Gleichzeitig  wurde  einer  allfälligen  Beschwerde  die 
aufschiebende  Wirkung  entzogen.  Am  7.  November  2002  wurde  der 
Beschwerdeführer in seine Heimat zurückgeführt.

A.c.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  seine 
Heimat am 1. September 2008 auf dem Landweg erneut  verlassen und 
über  E._______,  F._______,  G._______  und  H._______  am  4. 
September  2008  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz 
eingereist war, stellte er am 29. September 2008 im I._______ ein drittes 
Asylgesuch. Nach der Kurzbefragung im I._______ vom 3. Oktober 2008 
und der direkten Anhörung durch das BFM vom 16. Oktober 2008 wurde 
er  mit  Entscheid  des  BFM  vom  20.  Oktober  2008  für  die  Dauer  des 
Verfahrens dem Kanton J._______ zugewiesen.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  der  Beschwerdeführer  im 
Wesentlichen  vor,  er  habe  wegen  seiner  Homosexualität  Probleme  mit 
seinen  Familienangehörigen  bekommen.  So  habe  er  seine  Schwester 
nicht mehr besuchen können, weil deren Familie von seinen Neigungen 
erfahren habe. Auch weitere Verwandte, Bekannte und Nachbarn hätten 
ihn  deswegen  nicht  mehr  sehen  wollen.  Mit  den  Behörden  habe  er 
deswegen  keine Probleme  gehabt,  jedoch  sei  er  zu Beginn  des  Jahres 

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K._______  in  einer  Gaststätte  von  Personen  aus  dem  Dorf  L._______ 
wegen seiner sexuellen Neigung verprügelt worden. Da Homosexuelle in 
Kosovo  benachteiligt  würden  und  seine  Familie  ihm  den  Rücken 
zugekehrt  und  nicht  mehr  mit  ihm  gesprochen  habe,  habe  er  sich  zur 
Ausreise  entschlossen.  Für  die  weiteren  Aussagen  des 
Beschwerdeführers wird auf die Akten verwiesen.

B. 
Mit Verfügung vom 27. Juli 2010 – eröffnet am 28. Juli 2010 – lehnte das 
BFM  das  Asylbegehren  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete 
gleichzeitig  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Die 
Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen  damit,  dass  die 
Schilderungen  des  Beschwerdeführers  die  Anforderungen  von  Art.  3 
AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten. Ferner sei der Vollzug 
der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten.

C. 
Der  Beschwerdeführer  erhob  mit  Eingabe  vom  20.  August  2010 
(Faxeingang;  Poststempel  Originaleingabe:  22.  August  2010)  gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und 
beantragte,  es  sei  der  angefochtene  Entscheid  der  Vorinstanz 
aufzuheben,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm 
Asyl  zu  gewähren,  eventuell  seien  die  Unzulässigkeit  sowie  die 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die 
vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit 
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  27.  August  2010 
wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang  des 
Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Er  wurde  aufgefordert,  bis 
zum  13.  September  2010  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 
600.­  einzuzahlen,  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im 
Unterlassungsfall.

Am 10. September 2010 wurde der Kostenvorschuss geleistet.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsbegehrens  des 
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 
105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. 
Juni 2005  [BGG, SR 173.110]). Ein solches Auslieferungsbegehren  liegt 
nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 
108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 
1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der 
Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG).

1.5.  Gemäss  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet.

2. 
2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 

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zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

3. 
3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden 
Asylentscheides  im  Wesentlichen  fest,  bei  den  durch  den 
Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Problemen  wie  der  Prügelei 
Anfang des Jahres K._______ handle es sich um Probleme mit Dritten. In 
diesem Zusammenhang  sei  festzuhalten,  dass der Staat Kosovo gewillt 
sei,  gegen  solche  Übergriffe  anzukämpfen.  Der  Beschwerdeführer 
verfüge  über  eine  staatliche  Infrastruktur,  die  funktioniere  und  wirksam 
sei. Somit könne er sich an die entsprechenden  Instanzen wenden. Die 
von ihm pauschal geltend gemachte gesellschaftliche Diskriminierung als 
Homosexueller  und  der  zum Teil  fehlende Kontakt mit  Verwandten  und 
Familienangehörigen  müssten  als  zu  wenig  intensiv  eingestuft  werden. 
Denn Massnahmen gegen  Leib,  Leben  und Freiheit  einer Person  seien 
nur  dann  asylrelevant,  wenn  sie  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  ein 
menschenwürdiges  Leben  im  Verfolgerstaat  verunmöglichen  oder  in 
unzumutbarer  Weise  erschweren  würden,  so  dass  sich  die  verfolgte 
Person  dieser  Zwangssituation  nur  durch  Flucht  ins  Ausland  entziehen 
könne.  Dies  sei  jedoch  vorliegend  nicht  der  Fall.  Diese  Erwägungen 
würden  durch  das  gezeigte Verhalten  des Beschwerdeführers  bestätigt. 
So  habe  dieser  erst  rund  drei  Wochen  nach  seiner  Einreise  in  die 
Schweiz  die  hiesigen  Behörden  um  Schutz  ersucht  und  sein  drittes 
Asylgesuch eingereicht.

3.2.  Demgegenüber  wendet  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen ein, es treffe zu, dass sogar in der 

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Verfassung  von  Kosovo  den  Homosexuellen  Rechte  zugestanden 
würden.  Jedoch  sei  in  der  Realität  in  der  kosovarischen  Kultur  und 
Gesellschaft  nach  wie  vor  eine  totale  Ablehnung  der  Homosexualität 
verankert. Er werde  in Kosovo nie  ein  ruhiges und unbehelligtes  Leben 
führen  können,  sobald  seine  Neigung  dort  bekannt  sei.  Die  Familie 
schliesse eine solche Person aus und auch  in der Gesellschaft habe er 
Diskriminierungen zu gewärtigen. Es sei daher auch verständlich, dass er 
nur zögernd und unter grosser Angst vor den schweizerischen Behörden 
sein  Problem  habe  darlegen  können.  Bei  einer  erzwungenen  Rückkehr 
hätte  er  unter  Diskriminierung,  Verfolgung  und  einem  unerträglichen 
Druck zu leiden und es sei nicht auszuschliessen, dass er sogar an Leib 
und Leben gefährdet wäre. Zudem hätte er bei Übergriffen keinen Schutz 
von den Behörden zu erwarten.

3.3.  Der  Beschwerdeführer  führt  im  Wesentlichen  an,  wegen  seiner 
Homosexualität  in  Kosovo  gesellschaftlich  diskriminiert  zu  werden, 
Probleme mit seinen Familienangehörigen zu haben und zu Beginn des 
Jahres K._______ deswegen von Besuchern einer Gaststätte verprügelt 
worden  zu  sein.  Aufgrund  der  Akten  erweisen  sich  die  vorinstanzlichen 
Erwägungen, wonach  die Asylrelevanz  dieser Verfolgungsvorbringen  zu 
verneinen sei, als zutreffend.

Die im Gesetz in Art. 3 AsylG definierte Flüchtlingseigenschaft (vgl. Ziffer 
2.1  oben)  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und 
Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität 
erlitten  hat  beziehungsweise mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr 
gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des 
Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind 
beziehungsweise  zugefügt  zu werden drohen  (vgl. BVGE 2008/4 E.  5.2 
S.  37;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  18  E.  7  und  8  S.  190  ff.; 
EMARK  2005  Nr.  21  E.  7  S. 193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in 
ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE 
2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f.; BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.; EMARK 2006 
Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 
201 f.).

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Eine  asylrelevante  Intensität  erreichen  Angriffe  auf  die  in  Art.  3  AsylG 
genannten  Rechtsgüter  bei  einer  Gefährdung  des  Lebens  dann,  wenn 
eine  direkte  und  ernsthafte  Todesgefahr  vorliegt.  Eine  Gefährdung  des 
Leibes  erreicht  die  geforderte  Intensität  dann,  wenn  dem  Betroffenen 
ernsthafte  Verletzungen  (physischer  oder  psychischer  Natur)  zugefügt 
worden sind. Leichtere Eingriffe in die körperliche Integrität erreichen die 
nötige  Intensität  wiederum  nicht.  Auch  nicht  jedem  Eingriff  in  die 
Bewegungsfreiheit  kommt  Asylrelevanz  zu.  Einerseits  ist  bei  der 
Beurteilung  die  Dauer  der  Inhaftierung,  andererseits  die  Behandlung 
während dieser  in Betracht  zu ziehen. So erreicht etwa eine kurzzeitige 
Inhaftierung  begleitet  von  allgemein  "schlechten"  Bedingungen  im 
Normalfall  die  erforderliche  Intensität  zur  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Bei  der  Beurteilung,  ob  erlittene  Eingriffe 
intensiv  genug  sind,  ist mitzuberücksichtigen,  dass mehrere  Eingriffe  in 
die  in  Art.  3  genannten  Rechtsgüter,  die  zwar  für  sich  allein  die  nötige 
Intensität nicht erreichen, insgesamt gesehen das Mass des Erträglichen 
überschreiten können. Mehrere Eingriffe im obgenannten Sinne, die nicht 
intensiv genug sind, können zu einem unerträglichen psychischen Druck 
führen,  der  für  die  betroffene  Person  ein  weiteres  Verbleiben  im 
Heimatland  verunmöglicht.  Dabei  ist  zu  beachten,  dass  der  von  einem 
Gesuchsteller  geltend  gemachte  psychische  Druck  objektiv  gesehen 
nachvollziehbar  sein  muss.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  sich 
bezüglich  der  Frage  der  Intensität  von  Eingriffen  keine  generellen 
Kriterien  aufstellen  lassen.  Vielmehr  ist  im  konkreten  Einzelfall  zu 
entscheiden,  ob  die  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft 
notwendige Intensität der Beeinträchtigungen erreicht oder das Mass der 
Erträglichkeit  eines  psychischen  Druckes  überschritten  ist.  Die  vom 
Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  gemachten  Angaben 
lassen  jedoch  keine  Hinweise  ersichtlich  werden,  dass  die  angeführten 
Ereignisse eine asylrelevante Intensität erreicht haben könnten. Soweit er 
auf  seine  gesellschaftliche  Diskriminierung  als  Homosexueller  hinweist 
und  diesbezüglich  ausführt,  er  sei  von  der  Familie  seiner  Schwester 
boykottiert wurden, weshalb er diese nicht mehr habe besuchen können, 
und auch andere enge Verwandte, Bekannte und Nachbarn würden  ihn 
nicht mehr sehen wollen (vgl. act. C7/10, S. 6), sind diese Umstände zu 
wenig  intensiv,  um  eine  Verfolgung  im  flüchtlingsrechtlich  relevanten 
Sinne  darzustellen  (vgl.  dazu  auch  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des 
Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 97 f.).

Was den Vorfall zu Beginn des Jahres K._______ betrifft, wonach er von 
Gästen  einer  Gaststätte  wegen  seiner  sexuellen  Neigung  verprügelt 

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worden  sei,  so  ist  auch  dieser  als  nicht  asylrelevant  zu  qualifizieren. 
Dieses  Ereignis  lag  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers 
bereits  über  (...)  Jahre  zurück.  Deshalb  kann  diese  Begebenheit  nicht 
mehr  als  Massnahme  angesehen  werden,  die  ihn  unmittelbar  zur 
Ausreise  veranlasst  hätte,  weshalb  sie  asylrechtlich  vorliegend  nicht 
beachtlich  erscheint.  Dies  umso  mehr,  als  der  Beschwerdeführer 
anführte, bloss einmal verprügelt worden zu sein und  in der Folge keine 
weiteren negativen Erlebnisse wegen seiner Homosexualität erfahren zu 
haben  (vgl.  act.  C7/10,  S.  6).  Überdies  entschloss  er  sich,  obwohl  sich 
nach  dem  Tod  seines  Vaters  im  Jahre  (...)  die  Beziehungen  zu  seinen 
Geschwistern  verschlechtert  und  kurz  danach  die  anderen  Leute  in 
seinem  Umfeld  ebenfalls  von  seiner  Homosexualität  erfahren  haben 
sollen  (vgl. act. C7/10, S. 3; act. C1/8, S. 4), erst  im Herbst des Jahres 
2008  zur  Ausreise,  was  nicht  darauf  schliessen  lässt,  ihm  wäre  ein 
menschenwürdiges Leben in Kosovo verunmöglicht oder in unzumutbarer 
Weise erschwert worden.

Ferner  wird  obige  Einschätzung  durch  das  Verhalten  des 
Beschwerdeführers nach seiner  letzten Einreise  in die Schweiz gestützt. 
So  sah  er  sich  den  Akten  zufolge  nach  seiner  Einreise  in  die  Schweiz 
zunächst  nicht  zur Einreichung eines Asylgesuches  veranlasst,  sondern 
ging  erst  einmal  –  ohne  im  Besitz  einer  gültigen  Arbeitsbewilligung  zu 
sein – einer Erwerbstätigkeit  nach, bis er polizeilich angehalten und mit 
Strafbefehl (...) unter anderem wegen Arbeitsaufnahme ohne Bewilligung 
gebüsst  wurde.  Erst  danach  reichte  er  sein  –  mittlerweile  drittes – 
Asylgesuch  in  der  Schweiz  ein.  Dieses  Verhalten  entspricht  aber  nicht 
demjenigen eines tatsächlich Verfolgten.

3.4. Zusammenfassend  folgt,  dass  der Beschwerdeführer  keine Gründe 
nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann. Das BFM hat 
sein  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt.  Es  erübrigt  sich  somit,  auf  die 
weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  einzugehen,  da  sie 
nicht geeignet sind, obige Einschätzung in Zweifel zu ziehen.

4. 
4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

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4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, 
EMARK 2001 Nr. 21).

5. 
5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

5.2. 
5.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

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Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im 
vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

5.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des 
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für 
den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss konstanter Praxis des 
EGMR  sowie  jener  des  UN  Anti­Folterausschusses  müsste  der 
Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder 
glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder 
unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl.  EMARK 2001 Nr.  16 E. 
6a  S.  122,  mit  weiteren  Hinweisen;  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi 
gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 
124  bis  127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Diese  Voraussetzungen  sind 
jedoch  in casu als nicht erfüllt  zu erachten. Alleine aus der allgemeinen 
Menschenrechtssituation  in Kosovo  lässt  sich  zudem  kein  reales Risiko 
von  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder 
Behandlung  herleiten.  Selbst  das  Vorliegen  einer  allgemein  schlechten 
Menschenrechtslage  genügt  nämlich  noch  nicht  für  die  Annahme  einer 
drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 E. 6a 
S. 122, mit zahlreichen Hinweisen).

Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne 
der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

5.3. 
5.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 
83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

5.4. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Kosovo 
ist  im  vorliegenden  Fall  in  Würdigung  sämtlicher  Umstände  auch  als 

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zumutbar  im Sinne  von Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  erachten,  da  dort  keine 
Situation  allgemeiner Gewalt  herrscht  und  er  nicht  darzutun  vermochte, 
dass  er  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  einer  konkreten 
Gefährdungssituation  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmung 
ausgesetzt  wäre.  In  den  Akten  finden  sich  auch  keine  konkreten 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  aus  individuellen Gründen wirtschaftlicher, 
sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation 
geraten  würde.  Der  heute  (...)­jährige  Beschwerdeführer  ist  –  soweit 
aktenkundig – gesund und verfügt über eine langjährige Berufserfahrung 
als  (...) und (...)  (vgl. act A7/10, S. 4). Zudem verfügt er  in Kosovo über 
ein  soziales  Beziehungsnetz.  Zwar  sollen  die  sich  in  der  Heimat 
aufhaltenden  Geschwister  und  weitere  Bekannte  ihn  wegen  seiner 
Homosexualität boykottieren. Dieser Umstand alleine vermag jedoch den 
Wegweisungsvollzug nicht als unzumutbar erscheinen zu  lassen; zudem 
ist davon auszugehen, dass er  in Kosovo über weitere soziale Kontakte 
verfügt beziehungsweise es ihm zumutbar ist, vorbestehende Kontakte zu 
erneuern  (vgl.  act  A7/10,  S.  5  oben  und  S. 6  oben),  was  ihm  die 
Reintegration in seiner Heimat erleichtern dürfte.

5.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG; BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.).

5.6.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als 
zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4 
AuG).

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  von  insgesamt 
Fr. 600.­  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5 
VwVG; Art. 1­3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

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und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2])  und  mit  dem  am  10.  September  2010  in  gleicher  Höhe 
geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Wespi Stefan Weber

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