# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08e1b00b-3e4a-5069-9365-ed81cb0b090a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-22
**Language:** de
**Title:** Rückweisung zur Abklärung der AF
**Docket/Reference:** IV.2023.00293
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00293.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00293
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
22. November 2023
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
MLaw
Y.___
Postfach, 8010 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die
1969 geborene
X.___
, ohne Berufsausbildung und
fünffache
Mutter 1989, 1992, 1993 und 2000 geborener Kinder, reiste im Januar 1993 aus dem Kosovo in die Schweiz ein und
arbeitete -
mit Unterbrüchen - von 2003
bis August/September 2020 teilzeitlich
als Reinigungsmitarbeiterin
; zuletzt von Juli bis September 2020 befristet
bei der
Z.___
AG,
A.___
(
Urk.
9/7, vgl. auch
Urk.
9/8)
. Am 1
9.
Oktober 2021 meldete sie sich unter Hinweis auf Probleme mit den Beinen/Knien bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, lud die Versicherte zu einem persönlichen Beratungsgespräch ein und zog einen Auszug aus dem Individuellen Konto (I
K
-Auszug vom 2.
November 2021,
Urk.
9/11) bei. Am 1
9.
November 2021 teilte sie der Versicherten mit, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen aus gesundheit
lichen Gründen derzeit nicht möglich seien (
Urk.
9/13). Im Hinblick auf die Rentenprüfung tätigte die IV-Stelle medizinische Abklärungen. Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/70
f.
,
Urk.
9/76 ff.) verneinte sie mit Verfügung vom
2.
Mai 2023 einen Rentenanspruch (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am
3
1.
Mai 2023 (Eingang) Beschwerde und beantragte, es seien ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
2.
Mai 2023 die gesetzlichen IV-Leistungen zu gewähren, insbesondere eine IV-Rente
gestützt auf den Arztbericht von
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Kardiologie sowie leitende
r
Arzt
,
Spital
C.___
,
vom 1
9.
Januar 202
3.
Eventualiter sei zur Abklärung der medizinischen Sachlage und zumut
baren Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ein mono- oder polydisziplinäres Gutachten einzuholen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Oktober 2023 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen zu den Übergangsbestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems [KS ÜB WE IV], gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend ebenfalls frühestens ab diesem Datum in Betracht fällt, sind die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechtsvorschriften anwendbar.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind
(Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Renten
anspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditäts
grad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % gelten die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent47.5Prozent
48 Prozent45Prozent
47 Prozent42.5Prozent
46 Prozent40Prozent
45 Prozent37.5Prozent
44 Prozent35Prozent
43 Prozent32.5Prozent
42 Prozent30Prozent
41 Prozent27.5Prozent
40 Prozent25Prozent
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Den Berichten des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), die zu den sogenannten versicherungsinternen Beurteilungen gehören, kann Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom
3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, gestützt auf die medizinische Aktenlage sei die Beschwerdeführerin seit Januar 2022 für sämt
liche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig. Nach erfolgter Rehabilitation sei eine Verbesserung eingetreten, so dass seit August 2022 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten
bestehe
. Mithin liege keine Erkrankung mit dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor
und
bestehe kein Rentenanspruch (
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, ihre multiplen Leiden seien ärztlich ausgewiesen. Sodann habe
Dr.
B.___
im Bericht vom 1
9.
Januar 2023 festge
halten, dass die Beschwerdeführerin bei der vorliegenden Diagnoseliste sowie Adipositas WHO Grad III kein Vollzeitpensum bewältigen könne. Die Leistungs
fähigkeit sei im Rahmen einer EFL zu prüfen. Auf die Beurteilung von
RAD-Ärztin
Dr.
med.
D.___
,
Fachärztin
FMH
für Innere Medizin,
könne nicht abgestellt werden. Insbesondere handle es sich dabei um eine reine Aktenbeur
teilung und seien bereits bei geringen Zweifeln an versicherungsärztlichen Fest
stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend habe
Dr.
D.___
ihre Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ohne jegliche Begründung abgegeben
. Zudem habe sie die Feststellungen von
Dr.
B.___
nicht berücksichtigt.
Da die Ausführungen von
Dr.
B.___
nachvollziehbar seien, sei für den Rentenentscheid darauf abzustellen. Andernfalls sei
ein
mono- oder polydisziplinäres Gutachten zu veranlassen (
Urk.
1).
3.
3.1
Die angefochtene Verfügung vom
2.
Mai 2023 (
Urk.
2),
worin ein
Renten
anspruch der Beschwerdeführerin
verneint wurde
, bildet den Anfechtungsgegen
stand des vorliegenden Verfahrens und stellt eine Sachurteilsvoraussetzung dar (BGE 125 V 413 E. 1a).
Über den
Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Einglie
dermassnahmen hat die Beschwerdegegnerin bereits in der Mitteilung vom 1
9.
November 2021
entschieden
(
Urk.
9/13). Nach Lage der Akten
hat
die Beschwerdeführerin
keine Einwände dagegen erhoben.
3.2
Soweit die Beschwerdeführer
in
im vorliegenden Verfahren
in pauschaler Weise über die
Rente
hinaus die Zusprache der „gesetzlichen
IV-
Leistungen“ beantragt (
Urk.
1 S. 2), liegt
ihr
Rechtsbegehren ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes und ist diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
4.
4
.1
Die seit Mai 2021 behandelnde
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
diagnostizierte
im Bericht
vom 25.
November 2021
ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
eine
(1) Adipositas, (2) Diabetes mellitus sowie (3) arterielle Hypertonie.
Hinsichtlich der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
den Diagnosen verwies sie auf die Rheumatologie. Es
bestünden
rezidivierende Ganzkörperschmerzen
mit
Verspannungen und Blockaden an diversen Lokalitä
ten des ganzen Körpers. Aktuell zeigten sich
Druckdolenz
en
am Rücken, a
m
ganzen Bein beidseits und an den Armen ubiquitär, ohne Fokus.
Die Beschwer
deführerin sei wiederholt rheumatologisch untersucht worden, es
werde
auf
d
ie
fachärztlichen Bericht
e
verwi
e
sen
. Die Fragen zur Arbeitsfähigkeit vermochte
Dr.
E.___
nicht zu beantworten; die Prognose sei jedenfalls schlecht (
Urk.
9/14).
4
.
2
Dr.
med.
F.___
, Facharzt FMH für Rheumatologie, diagnostizierte im Bericht vom 3
1.
Dezember 2021 ein (1)
chronisches
myofasciales
Schmerzsyndrom, (2
) eine symptomatische
Coxarthrose
rechts und Gonarthrose links
,
(3) eine arterielle Hypertonie, (4) Diabetes mellitus Typ II unter OAD, (5)
eine
Adipositas per magna sowie (6)
ein
Nikotinabusus.
Die Beschwerdeführerin leide seit ca. 2015 an langsam progredienten, belastungsabhängigen Schmerzen der Beine beidseits, linksbetont mit myofaszialen Parästhesien im Oberschenkel und im lateralen Bein. Klinisch und sonographisch zeige sich ein symptomatisches Hüftgelenk beidseits, rechtsbetont sowie im Kniegelenk links mit typischem Hyperflexions
schmerz. Anamnestisch habe die Beschwerdeführerin auf eine intraartikuläre Kniegelenksinjektion mit Steroiden gut angesprochen. Ursächlich für das Beschwerdebild sei eine gemischte Genese von
Übergewicht, Polyarthrose
und
Dekonditionierung
. Hinweise für eine entzündliche, rheumatologische Grund
erkrankung bestünden nicht. Behandlungsziele seien eine Gewichtsreduktion, Trainingstherapie und punkt
uelle Infiltration der symptomatischen Gelenke
, bedarfsweise verbunden mit
einer
vorübergehend
en
Analgesie mittels niedrig
dosierten NSAR. Empfehlenswert sei auch eine Ernährungsberatung. Aus rheumatologischer Sicht sei eine stationäre Rehabilitation nicht erfolgsver
sprechend.
Aktuell möchte die Beschwerdeführerin auch keine weiteren Infiltra
tionen. Zur Arbeitsfähigkeit vermochte sich
Dr.
F.___
nicht zu äussern, zumal die Beschwerdeführerin nicht in seiner Behandlung stehe (
Urk.
9/29; vgl. auch Berichte vom 2
9.
September 2021 und
6.
November 2019,
Urk.
9/36 f.).
4
.
3
Dem
Austrittsbe
richt des
G.___
vom
1.
März 2022 ist
neu
eine koronare 2-Gefässerkrankung bei Status nach Myokardinfarkt am
1
6.
Januar 2022
zu entnehmen
; t
herapeutisch erfolgten
Stentimplantation
en, zuletzt im April 202
2.
Erwähnt wird ausserdem eine seit April 2020
bestehende
primäre venöse
Insuffi
zienz des linken Beins.
A
nlässlich der
kardiologischen
Verlaufskontrollen
im
G.___
sowie
ambulante
Rehabilitation im Spital
C.___
von
April
bis August
202
2
habe sich die Beschwerdeführerin kardiopulmonal kompensiert und
stabil
präsentiert
(
Urk.
9/39,
Urk.
9/51/1,
Urk.
9/59,
Urk.
9/66). Im Rahmen der Rehabi
litation habe sich auch die
- weiterhin unterdurchschnittliche -
ergometrische Leistungsfähigkeit etwas verbessert
. Zur Therapie wurden eine ausgewogene Ernährung, Gewichtsreduktion sowie Rauchstopp dringend empfohlen. Die Beschwerdeführerin gehe 30 Minuten tä
g
lich
;
andere Sportarten
führe sie
nicht durch aufgrund von zunehmenden Knieschmerzen linksseitig bei
der
bekannte
n
Gonarthrose (
Urk.
9/66/ 2 f.).
4.4
Der ambulant nachbehandelnde
Dr.
B.___
hielt im
Bericht
vom 2
0.
September 2022 keine kardiologischen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit und dementsprechend keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus kardio
logischer Sicht
fest. Eine Gewichtsreduktion sei indiziert und die Adipositas Grad
I
II bestimmend für die langfristige Prognose
; d
ie Motivation der Beschwerdefüh
rer sei
indessen
gering (
Urk.
9/65).
4
.
5
RAD-Ärztin
Dr.
D.___
hielt
in
ihrer internen Stellungnahme vom 2
1.
Oktober 2022
als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine koronare 2-Gefässerkrankung fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
notierte sie
(1)
eine
Diabetes mellitus, (2) Adipositas per magna
sowie (3) asymptomatische
Covid
19 Infektion 01/202
2.
In ihrer bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerde
führerin von Januar bis August 2022 (Ende der Rehabilitation) zu 100
% arbeits
unfähig gewesen.
Seither bestehe wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Die bisherige Tätigkeit könne als angepasste gelten, soweit hierfür keine schweren körperlichen Tätigkeiten notwendig seien
(
Urk.
9/69/6).
4
.
6
In einer Stellungnahme mit E-Mail vom 1
9.
Januar 2023 hielt
Dr.
B.___
fest, aus kardiologischer Sicht habe sich nach dem akuten Herzinfarkt das bestmög
liche Endergebnis ergeben
; zwar
bestehe eine koronare Herzkrankheit, jedoch keine Herzinsuffizienz. Im Rahmen der kardialen Rehabilitation habe die
Beschwerdeführerin ihre
objektivierbare Leistungsfähigkeit gestützt auf die Standard-
Fahrradergometrie
von 47
%
vom Soll (72 Watt, 2.8 MET) auf 64
%
vom Soll (97 Watt, 5.5 MET)
steigern
können. Mithin habe die Beschwerdeführe
rin von der Rehabilitation profitiert. Trotzdem sei ihre Leistungsfähigkeit weiterhin unterdurchschnittlich. Die Ursache sei multifaktoriell, wobei das deutliche Übergewicht und die
Dekonditionierung
wahrscheinlich führend seien. Hinweise auf eine kardiologische Ursache bestünden nicht. Es sei nachvollzieh
bar, dass die Beschwerdeführerin nicht zu 100
%
arbeitsfähig sei in ihrer körper
lich intensiven Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin
(
Urk.
3/6).
5
.
5
.1
Im angefochtenen Entscheid
stellte
die Beschwerdegegnerin auf die Beurteilung von RAD-Ärztin
Dr.
D.___
ab, wonach die Beschwerdeführerin seit September 2022 für sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig sei.
Dabei
berücksichtigte
Dr.
D.___
einzig die koronare 2-Gefässerkrankung. Dass sich daraus jedenfalls seit September 2022 keine arbeitsrelevanten Einschränkungen mehr ergaben
,
ist
ausgewiesen und
unbestritten. Alsdann bewirkt eine
Adipositas grundsätzlich keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität, wenn sie keine körperlichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Über
gewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2017 vom 12. Dezember 2017 E. 3.2 mit Hinweisen).
Vorliegend
ergibt sich aus
de
n
kongruenten
Ausführungen von
Dr
es
.
B.___
und
F.___
hinreichend
, dass
jedenfalls
die mit der Adipositas und
Dekon
ditionierung
assoziierten Einschränkungen, namentlich unterdurchschnittliche ergometrische Leistungsfähigkeit, mittels eigenverantwortlicher Gewichtsreduk
tion und physikalische
m
Training verbessert werden können (vgl.
Urk.
9/65/3).
Entsprechend
vermochte die Beschwerdeführerin eine objektivierbare Steigerung ihrer ergometrischen Leistungsfähigkeit
anlässlich der kardiologischen Rehabili
tation denn auch tatsächlich
zu erreichen (vgl.
Urk.
9/66/3,
Urk.
3/6
)
. Soweit eine weitere Leistungssteigerung an der
Motivation der Beschwerdeführerin
scheitert
, wofür die Aktenlage konkrete Hinweise liefert (
Urk.
9/65/4, Antwort 4.3; vgl. auch
Urk.
9/66/3 zur Nikotinabstinenz), ist dies als invaliditätsfremder Faktor nicht von der Invalidenversicherung zu tragen.
Ferner
ergibt sich a
us der
vorliegenden
Aktenlage, dass bei der Beschwerdeführerin ein c
hronisches
myofasciales
Schmerzsyndrom
sowie
eine symptomatische
Coxarthrose
rechts und Gonarthrose links
besteht (vgl.
Urk.
9/39
; vgl.
auch
Urk.
9/66/2, wonach
anlässlich
der kardiologischen Rehabilitation
limitierende,
belastungsabhängige Knieschmerzen
dokumentiert wurden
). Letzteres liess
Dr.
D.___
im Rahmen ihrer Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
gänzlich
unberücksichtigt. Unter Würdigung der Polyarthrose
erscheint
zumindest zweifelhaft
, wenn Dr.
D.___
dafürhält, die Beschwerdeführerin sei seit September 2022 für sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig
, wobei
es sich
bei der Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin um eine
optimal angepasste handle
.
Insbesondere wenn
Dr.
D.___
gleichzeitig
festhielt
, die Reinigungstätigkeit dürfe keine schweren körperlichen Tätigkeiten umfassen (
Urk.
9/69/6)
; b
einhaltet
eine Reinigungstätigkeit
doch
allgemeinnotor
is
ch
jeden
falls kniebelastende
Tätigkeiten.
Mithin er
geben
sich be
gründete
Zweifel an der
aktenbasierten
Arbeitsfähigkeits
beurteilung von
Dr.
D.___
und
kann
darauf nicht abgestellt werden. D
emgegen
über
äusserte
n
sich
die behandelnden Ärzte nicht oder
nur vage zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Eine Abklärung allfälliger,
gesund
-
heitliche
r
Einschränkung
en
im Haushalt
sbereich
und über den Umfang der im Gesundheits
fall hypothetisch ausgeübten Erwerbstätigkeit liegt ebenfalls nicht vor.
Angesichts dessen kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass sechs Monate nach der Anmeldung (vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG), das heisst im April 2022, das sogenannte Wartejahr (vgl. E. 1.3) abgelaufen und ein (allenfalls befristeter) Rentenanspruch entstanden ist
.
5
.2
Da sich bei
der vorliegenden Aktenlage
die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerde
führerin
nicht
rechtsgenüglich feststellen lässt
,
ist die Sache zur ergänzenden Abklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
Die Rückweisung zur weiteren Abklärung steht auch im Einklang damit, dass in erster Linie die IV-Stelle für die richtige und vollständige Sachverhaltsabklärung zu sorgen hat (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG; E. 1.
5
).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Ent-scheid
aufzuheben
, soweit darauf einzutreten ist.
6
.
6
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und (aufgrund der recht-sprechungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung
; vgl. BGE 137 V
57
) ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist ermessensweise auf
Fr.
1‘
5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
2.
Mai 2023
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge
.
Im Übrigen wird
auf
die Beschwerde nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteientschä
digung von
Fr.
1’500
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger