# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df4a44bf-c30a-5773-ab36-bc8f6134f1ca
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-03-13
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 13.03.2014 SB130514
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130514_2014-03-13.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB130514-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, und lic. iur. M. Langmeier, 

Ersatzoberrichterin lic. iur. D. Brühwiler sowie der Gerichtsschreiber 

lic. iur. M. Hauser 

 

Urteil vom 13. März 2014 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und Berufungsklägerin 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. U. Krättli 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend 

fahrlässige Tötung 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung -  
Einzelgericht, vom 17. September 2013 (GG130166) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 21. Juni 2013 

(Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 56) 

"Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 50.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.  

4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 7'879.25   Auslagen Vorverfahren 

Fr. 1'000.–   Gebühr Strafuntersuchung 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten 

auferlegt. 

6. (Mitteilungen) 

7. (Rechtsmittelbelehrung)" 

 

-   3   - 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (Urk. 62 S. 2) 

In Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils sei die Berufungsklägerin freizu-

sprechen; 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für beide Instanzen zu Lasten der 

Staatskasse. 

 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 66) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 

Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 17. September 2013 wurde  

die Beschuldigte der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB schuldig 

gesprochen und mit einer bedingt auf 2 Jahre aufgeschobenen Geldstrafe von  

60 Tagessätzen zu Fr. 50.– bestraft. Damit verbunden wurden die Kosten der  

Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens der Beschuldigten auferlegt  

(Urk. 56 S. 46 f.). 

1.2. Gegen dieses Urteil liess die Beschuldigte am 20. September 2013 fristge-

recht Berufung anmelden (Urk. 50) und nach Zustellung des begründeten Urteils 

(Urk. 53; Urk. 55/2) am 5. Dezember 2013 – ebenfalls innert Frist – dem Oberge-

richt die Berufungserklärung einreichen (Urk. 57; vgl. auch Urk. 60 und Urk. 62). 

Mit Präsidialverfügung vom 13. Januar 2014 wurde die Berufungserklärung in 

-   4   - 

Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft zugestellt, um 

gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Beru-

fung zu beantragen. Gleichzeitig wurde der Beschuldigten Frist angesetzt, um 

verschiedene Auskünfte zu ihrer finanziellen Situation zu erteilen und zu belegen 

(Urk. 64). Am 17. Januar 2014 teilte die Staatsanwaltschaft mit, auf die Erhebung 

einer Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung des vorinstanzlichen 

Urteils zu beantragen (Urk. 66). Am 27. Januar 2014 und am 3. Februar 2014 

liess die Beschuldigte verschiedene Unterlagen zu ihren finanziellen Verhält-

nissen einreichen (Urk. 68; Urk. 70; Urk. 74; Urk. 76).  

1.3. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher die Beschuldigte 

sowie ihr (erbetener) Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._____ erschienen  

sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise abzunehmen (Prot. II 

S. 6 f.). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung 

(Prot. II S. 9 f.). 

2. Umfang der Berufung 

Die Beschuldigte lässt beantragen, sie sei in Aufhebung des erstinstanzlichen  

Urteils vollumfänglich freizusprechen (Urk. 62 S. 2; Urk. 82 S. 1). Entsprechend  

ist das Urteil in allen Teilen angefochten und in keinem Punkt in Rechtskraft  

erwachsen (vgl. Prot. II S. 6). 

3. Sachverhalt/rechtliche Würdigung 

3.1. Der Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, am tt. Mai 2012, 

ca. um 22.10 Uhr, bei der Tramhaltestelle Letzigrund am Steuer ihres Toyotas 

aus Unaufmerksamkeit den auf einem Fahrrad von links, vermutlich vom 

Tramkreisel herkommenden Geschädigten †B._____ übersehen und kurz nach 

dem Einbiegen auf den vortrittsberechtigten Kreisel mit diesem kollidiert zu sein. 

Dadurch sei der Geschädigte gestürzt und habe tödliche Kopfverletzungen erlit-

ten. Bei grösserer Aufmerksamkeit – so die Staatsanwaltschaft – hätte die Be-

schuldigte die Kollision mit dem tödlichen Ausgang vorhersehen bzw. vermeiden 

können (Urk. 23 S. 2). 

-   5   - 

3.2. Die Vorinstanz folgte der Anklage und nahm an, dass der Geschädigte 

unmittelbar vor der Kollision auf seinem Fahrrad aus Sicht der Beschuldigten von 

links die Badenerstrasse in Richtung Letzigraben überquert habe. Dabei sei uner-

heblich, woher genau sich der Geschädigte genähert habe; ob von links ordentlich 

im Kreisel, von der Tramhaltestelle her oder von vorne entlang dem Trottoirband 

in der Platzmitte. Stets sei er jedenfalls so viele Sekunden für die Beschuldigte 

sichtbar gewesen, dass sie bei genügender Aufmerksamkeit den Unfall durch 

Bremsen hätte vermeiden können, und zwar unabhängig davon, dass der vermut-

lich unaufmerksame Geschädigte die Fahrbahn allenfalls regelwidrig überquert 

habe. Dass die Beschuldigte den Geschädigten in ihrem direkten Blickfeld nicht 

gesehen und nicht reagiert habe, sei entweder ungenügender Aufmerksamkeit 

oder ihrer gutachterlich festgestellten Sehschwäche zuzuschreiben (Urk. 56  

S. 31 ff., 37/38). 

3.3. Die Beschuldigte bestreitet dies und macht auch berufungsweise geltend, 

es sei ihr nicht vorzuwerfen, den sich grob verkehrsregelwidrig verhaltenden  

Geschädigten nicht gesehen zu haben (Urk. 79 S. 5 ff.; Urk. 80 S. 3 ff.).  

3.4. Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel sehr sorgfältig analysiert 

(Urk. 56 S. 12 ff.). Darauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). In 

Abweichung der vorinstanzlichen Beweiswürdigung (Urk. 56 S. 31 ff.) ist aber 

Folgendes festzuhalten: 

3.4.1. Es steht zunächst – entgegen der vorinstanzlichen Annahme (Urk. 56  

S. 31) – nicht fest, dass der Geschädigte das vordere Licht an seinem Fahrrad 

eingeschaltet gehabt hätte: Gemäss Polizeirapport war zwar beim nach dem  

Unfall am Boden liegenden Fahrrad das Vorderlicht an (Urk. 1 S. 5). Es sei aber 

unbekannt, ob sich das Licht bei der Kollision im gleichen Zustand befunden oder 

ob es sich durch den Aufprall verändert habe (Urk. 1 S. 7). Die Beschuldigte 

selbst erklärte, ein allfälliges Vorderlicht nicht wahrgenommen zu haben (Urk. 5  

S. 2). Die Zeugin C._____, die den Unfall auf einem Balkon stehend beobachtete, 

konnte bei ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nicht sagen, ob das Velo 

beleuchtet gewesen sei (Urk. 8 S. 4). In der Befragung vor Vorinstanz sagte sie 

dann aus, sie glaube, das Velo habe kein Licht gehabt (Urk. 43 S. 9). Entspre-

-   6   - 

chend folgert der Verteidiger zu Recht, dass zugunsten der Beschuldigten davon 

ausgegangen werden muss, es sei der Geschädigte ohne Licht gefahren (Urk. 46 

S. 7; Urk. 82 S. 4).  

3.4.2. Über die vorinstanzlichen Erwägungen hinaus ist sodann – mit der Verteidi-

gung (Urk. 82 S. 5) – zugunsten der Beschuldigten nicht nur anzunehmen, dass 

der Geschädigte vermutlich unaufmerksam war, weder nach rechts noch nach 

links schaute, den Kopf nach unten gesenkt hatte und Kopfhörer trug (Urk. 56 

S. 31). Vielmehr ist dies insbesondere vor dem Hintergrund der entsprechend 

ausgefallenen Aussagen der Zeugin C._____ als erstellt zu erachten. 

3.4.3. Wie gesehen ist die Vorinstanz schliesslich davon ausgegangen, dass  

der Geschädigte unabhängig von der Richtung, aus welcher er angefahren ge-

kommen sei, sich jedenfalls einige Sekunden direkt im Blickfeld der Beschuldigten 

befunden habe und deshalb von dieser hätte wahrgenommen werden müssen 

(Urk. 56 S. 34). Daraus kann aber – entgegen der Vorinstanz und wie nach-

stehend zu zeigen ist – nicht geschlossen werden, die Beschuldigte wäre in je-

dem Fall pflichtwidrig unvorsichtig gewesen und hätte bei hinreichender Aufmerk-

samkeit den Unfall verhindern können. 

3.5. Für die Vorinstanz (und die Staatsanwaltschaft) hat die Beschuldigte die 

sie treffende Sorgfaltspflicht missachtet, im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG und 

Art. 3 Abs. 1 VRV der Strasse und dem Verkehr die erforderliche Aufmerksamkeit 

zuzuwenden. Das wiederum steht vor dem Hintergrund, dass sich gemäss der 

Grundregel von Art. 26 Abs. 1 SVG jedermann im Verkehr so verhalten muss, 

dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder  

behindert noch gefährdet. Abs. 2 dieser Bestimmung auferlegt den Verkehrsteil-

nehmern sodann besondere Vorsicht unter anderem für denjenigen Fall, dass  

Anzeichen dafür bestehen, wonach sich ein Strassenbenützer nicht richtig verhal-

ten könnte. 

Letzteres ist im vorliegenden Fall entscheidend und stellt klar, dass sich der  

Geschädigte durch sein (u.U. grob - dazu später) verkehrswidriges Verhalten 

nicht etwa seiner Rechte dahingehend begeben hätte, als er jedenfalls (allein) am 

-   7   - 

Unfall schuldig wäre und die Beschuldigte entsprechend kein Verschulden träfe 

(wie die Beschuldigte möglicherweise anzunehmen scheint: "Er kam von der 

Traminsel her. Und dann musste ich doch nicht damit rechnen, dass jemand von 

dort kommt"; Urk. 44 S. 9).  

Vielmehr stellt sich die rechtliche Situation so dar, dass der Beschuldigten dann 

ein Verstoss gegen Art. 26 Abs. 2 SVG vorzuwerfen wäre, wenn sie bei Einhal-

tung der erforderlichen Aufmerksamkeit den sich verkehrswidrig verhaltenden 

Geschädigten hätte wahrnehmen müssen und durch ein Brems- oder Ausweich-

manöver eine Kollision hätte vermeiden können. Dabei richtet sich das Mass  

der Sorgfalt nach den gesamten Umständen, namentlich der Verkehrsdichte, den  

örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren Gefahren-

quellen (BGE 129 IV 282 E. 2.2.1, BGE 127 II 302 E. 3c; je mit Hinweisen). 

3.6. Das Bundesgericht hatte sich schon mehrfach mit Fragestellungen aus 

diesem Themenbereich auseinanderzusetzen. Dabei hat es unter anderem die 

folgenden Grundsätze entwickelt: 

- Ein Vortrittsberechtigter hat sich vor seiner Ein- oder Weiterfahrt zu verge-

wissern, ob kein Fahrzeug nahe, das ihm den Vortritt nicht mehr gewähren 

kann oder nicht lassen will (BGE 105 IV 52 E. 2). 

- Gemäss BGE 118 IV 227 E. 5 heisst dies aber nicht, dass ohne das Vorlie-

gen von konkreten Anhaltspunkten davon ausgegangen werden müsste, 

dass von rechts ein Fahrzeug mit einer gegenüber der gesetzlich zulässigen 

ganz erheblich übersetzten Geschwindigkeit auftauchen könnte (i.c. 145 

km/h statt 80 km/h). Unter Verweis auf die entsprechende deutsche Lehre 

und Rechtsprechung verwarf das Bundesgericht namentlich auch die These, 

dass eine Orientierung an der statistischen Häufigkeit bestimmter Verstösse 

zu erfolgen habe. So würde nämlich – so das Bundesgericht weiter – der im 

Interesse des Verkehrsflusses notwendige Vertrauensschutz mehr und mehr 

ausgehöhlt. 

-   8   - 

- Mit ihren Blicken haben Fahrzeuglenker die ganze Strassenbreite zu  

erfassen und nicht allein das, was sich unmittelbar vor ihnen auf ihrer  

Fahrbahnhälfte ereignet. Allerdings wird das dahingehend gemildert, als 

nicht verlangt wird, die Aufmerksamkeit auf eine Stelle ausserhalb des zu 

erwartenden Verkehrsgeschehens zu richten (BGE 116 IV 230 E. 2). 

- Dies bestätigend wiederholte das Bundesgericht in BGE 122 IV 225, dass 

einem Fahrzeugführer, der sein Augenmerk im Wesentlichen auf bestimmte 

Stellen zu richten habe, für andere Bereiche eine geringere Aufmerksamkeit 

zugebilligt werden könne (E. 2b). In erster Linie müsse der Automobilist auf 

die zu erwartenden Gefahren achten und daneben höchstens sekundär auf 

ungewöhnliche und abwegige Verhaltensweisen anderer Verkehrsteilneh-

mer. Konkret wurde festgehalten, dass der Lenker eines Sattelschleppers, 

der aus einem Stopsack heraus eine Strasse geradeaus überqueren wolle, 

seine Aufmerksamkeit primär dem vortrittsberechtigten Querverkehr zuwen-

den müsse und nicht verpflichtet sei, danach Ausschau zu halten, ob sich  

allenfalls ein Mofafahrer in krasser Verletzung der Verkehrsregeln in den 

Verkehr einfüge. Insbesondere musste der Lenker im gegebenen Fall nicht 

damit rechnen, dass ihm eine Mofafahrerin auf der verkehrten Strassenseite 

entgegenkam (E. 2c, mit Verweis auf BGE 122 IV 133 E. 2). 

- Schliesslich ist nach dem Bundesgericht nicht zulässig, daraus, dass  

rückblickend gesehen bei optimalem Verhalten möglicherweise der Fehler 

eines anderen Verkehrsteilnehmers früher hätte erkannt werden können,  

eine Sorgfaltswidrigkeit abzuleiten. Man könne nicht verlangen, dass im 

Strassenverkehr jedermann zu jeder Zeit ein Höchstmass an Aufmerksam-

keit und Umsicht erbringe (BGE 122 IV 225 E. 2c a.E. m.Hw.). 

3.7. Auf die vorliegend gegebene Sachlage übertragen heisst dies Folgendes: 

In der Anfahrt auf den Kreisel (dazu wieder Urk. 4 und Urk. 9 Blatt 2/3) musste 

sich die Beschuldigte zunächst vergewissern, ob vortrittsberechtigte Fussgänger 

auf dem Fussgängerstreifen die Strasse überqueren wollen. Danach war nach 

links festzustellen, ob sich im Kreisel vortrittsberechtigte Fahrzeuge befinden. Zu-

folge der sehr guten Übersichtlichkeit der Situation konnte dieser Blick indessen 

-   9   - 

sicher auch schon von weiter weg ein erstes Mal vorgenommen werden (etwa  

aus der Position des Fotografen in Urk. 9 Blatt 2), wie dies – so ist aus ihren Aus-

sagen zu schliessen – die Beschuldigte denn auch offensichtlich getan hat (so 

auch die Verteidigung, Urk. 82 S. 2). Nach der Einfahrt in den Kreisel musste die 

Beschuldigte sodann nach rechts prüfen, ob nicht allenfalls auf dem Letzigraben 

ein – an sich nicht vortrittsberechtigtes – Fahrzeug nahe, von welchem die Gefahr 

ausgehen könnte, dass es ihr den Vortritt nicht gewähren würde (Blickrichtung 

ungefähr Urk. 9 Blatt 7). Zwischen all diesen Blicken hatte die Beschuldigte 

schliesslich fortwährend zu prüfen, ob die Fahrbahn direkt vor ihr frei war. 

3.8. Aufgrund des Beweisergebnisses steht fest, dass der Geschädigte jeden-

falls nicht korrekt von links im Kreisel herangefahren sein kann. Zum einen ist der 

Beschuldigten ihre wiederholte und konstante Aussage nicht zu widerlegen, es sei 

von links kein (gemeint: korrekt auf der dafür vorgesehenen Fahrbahn fahrendes) 

Fahrzeug gekommen und entsprechend die Einfahrt in den Kreisel für sie frei ge-

wesen (letztmals Urk. 79 S. 11), und zum andern ist dies aus den Schilderungen 

der Zeugin C._____ zu schliessen, wonach der Geschädigte der Beschuldigten 

auf deren Fahrbahn und mithin auf der verkehrten Seite des Kreisels  

entgegen gefahren sei (Urk. 8 S. 4 und Anhang; Urk. 43 S. 7/8 und Anhang  

Bild 2). Der Geschädigte fuhr demnach – folgt man den Aussagen der genannten 

Zeugin – unter einer mit der Sachlage in BGE 122 IV 225 vergleichbar krassen 

Verletzung der Verkehrsregeln aus einem Bereich in die Gefahrenzone des  

Fahrzeugs der Beschuldigten, auf welchen diese ihren Blick erst in zweiter Linie 

zu richten hatte. Wie bereits gesehen, erheischte der Fussgängerstreifen, die  

von links kommende Kreiselfahrbahn sowie die vortrittsbelastete Einmündung  

des Letzigrabens die primäre Aufmerksamkeit der Beschuldigten. Erst sekundär 

musste sie darauf achten, ob nicht allenfalls – wie der Geschädigte – ein Fahrrad-

fahrer ihr entweder auf der verkehrten Seite des Kreisels entgegenkam oder von 

links von der Tramstation her über den Tramkreisel auf die Fahrbahn fuhr (wie 

dies in der Anklageschrift vermutet wird). 

So oder anders bewegte sich der Geschädigte aber auch nicht aus einem Bereich 

in das Blickfeld der Beschuldigten hinein, der ausserhalb des zu erwartenden 

-   10   - 

Verkehrsgeschehens lag. Gerade im Bereich von Tramhaltestellen ist es nicht 

aussergewöhnlich, dass Personen verkehrsregelwidrig die Fahrbahn betreten. 

Vorliegend kommt hinzu, dass die Situation – mit der Vorinstanz (Urk. 56 S. 33) – 

als sehr übersichtlich bezeichnet werden muss. Von wo auch immer der  

Geschädigte in den Fahrweg der Beschuldigten fuhr, konnte er dies nicht völlig 

überraschend etwa hinter einem Hindernis hervor tun, sondern musste er sich vor 

der Kollision noch eine gewisse Zeit im Blickfeld der Beschuldigten befunden  

haben – wie gesehen zwar in einem Bereich, wo diese ihre Aufmerksamkeit nicht 

primär hinzurichten hatte, aber letztlich doch einigermassen gerade und frontal 

vor deren Fahrzeug. 

3.9. Unter diesen Umständen ist die Annahme zu treffen, dass die Beschuldigte 

bei gehöriger Aufmerksamkeit den Geschädigten jedenfalls dann hätte wahr-

nehmen müssen und zu einer Reaktion (Bremsen, Ausweichen) verpflichtet  

gewesen wäre, wenn dieser für sie vor der Kollision während dreier Sekunden 

sichtbar war und Anzeichen dafür bestanden hätten, dass sich dieser verkehrs-

regelwidrig verhalten könnte. Eine solche Zeitspanne lang darf ein Bereich, der 

subsidiär zu überblicken ist, aber nicht ausserhalb des zu erwartenden Verkehrs-

geschehens liegt, nicht derart unbeachtet bleiben, dass auf das Auftauchen eines 

anderen Verkehrsteilnehmers nicht mehr reagiert werden kann. Dabei ist von  

einer Reaktionszeit von innerorts höchstens 1 Sekunde auszugehen (vgl. dazu 

BGE 115 II 283 E. 1a m.Hw.). 

3.9.1. Gemäss der Zeugin C._____ sei der Geschädigte "nicht sehr schnell" (Urk. 

8 S. 3), "nicht schnell" (Urk. 8 S. 4), "nicht so schnell" (Urk. 43 S. 7) oder auch "in 

gemütlichem Tempo" (Urk. 1 S. 7 in Verbindung mit Urk. 8 S. 5) unterwegs gewe-

sen. Auch die Beschuldigte sei "gemütlich, fast schon langsam" bzw. "nicht 

schnell" (Urk. 1 S. 7 in Verbindung mit Urk. 8 S. 5; Urk. 8 S. 3, 4; Urk. 43  

S. 5) gefahren. Aus Sicht der Zeugin hätten mit ihren jeweiligen Geschwindigkei-

ten jedenfalls beide bremsen können (Urk. 43 S. 7, 8). Auch aufgrund der relativ 

geringen Kollisionsspuren (Urk. 9 Blatt 10 und 12) und dem Gutachten zum  

Todesfall, wonach die tödlichen Verletzungen des Geschädigten beim Anprall auf 

den Asphalt entstanden seien (Urk. 10/7), ist von je einer eher niedrigen  

-   11   - 

Geschwindigkeit auszugehen. Die Beschuldigte selbst sagte dazu in der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme aus, sie sei "sicher nicht mehr als 30 km/h" ge-

fahren (Urk. 6 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschul-

digte zunächst diese Angaben. Sie sei langsam unterwegs gewesen. Sie habe 

nicht auf den Tacho geschaut, sie sei aber gefühlsmässig nicht mehr als 30 km/h 

gefahren. Auf Vorhalt der entsprechenden Tachoscheibe anerkannte sie  

dann aber, unmittelbar vor dem Unfall mit etwas mehr als 40 km/h gefahren  

zu sein (Urk. 79 S. 12; vgl. Prot. II S. 7 und Urk. 81). Vom Spurenbild (inklusive 

Beschädigungen am Auto und Velo) muss jedenfalls davon ausgegangen werden, 

dass beide Fahrzeuge im Moment der Kollision nicht (mehr) schnell fuhren. 

3.9.2. Vor diesem Hintergrund ist bezüglich der Geschwindigkeit des Geschädig-

ten davon auszugehen, dass er vor der Kollision mit 15 km/h fuhr (so auch  

die Verteidigung, vgl. Urk. 82 S. 5). Diese Geschwindigkeit erscheint für einen 

Fahrradfahrer im Verkehr und ohne Tretunterstützung, angesichts der örtlichen 

Verhältnisse sowie dem Umstand, dass der Geschädigte ein Mountainbike  

fuhr (Urk. 9 Blatt 11), angemessen und realistisch. Sodann hätte die Zeugin die 

Fahrweise des Geschädigten sicher nicht als "nicht schnell" und gar "gemütlich" 

beschrieben, wenn er schneller als mit 15 km/h unterwegs gewesen wäre.  

Mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h legte der Geschädigte in einer Sekunde 

rund 4.16 Meter zurück (vgl. Giger, SVG Kommentar, Zürich 2008, N 6 zu Art. 32 

SVG); in den vorstehend ermittelten drei Sekunden demnach rund 12.48 Meter. 

Aus Urk. 4 ergibt sich, dass sich der Geschädigte für den Fall, dass er der  

Beschuldigten auf der verkehrten Seite des Kreisels auf deren Fahrbahn entge-

gen gefahren wäre, 12.48 Meter vor dem Kollisionspunkt (der sich ca. 1,5 cm 

senkrecht oberhalb der Endlage des Geschädigten und seines Fahrrades befin-

det; vgl. auch Urk. 80) nur schon grob gemessen bereits längst im frontalen Blick-

feld der Beschuldigten befunden hätte. So hätte er sich dann etwa zwischen den 

auf Urk. 4 mit "3" und "4" bezeichneten Punkten bzw. etwa auf der Höhe des in 

Urk. 9 Blatt 4 eingezeichneten Buchstaben "B" befunden. Dieser Ort liegt mitten 

im frontalen Gesichtsfeld der Beschuldigten gemäss der Fotografie von Urk. 9 

Blatt 3, wobei sich die Beschuldigte bei einer Geschwindigkeit von ihrerseits rund 

-   12   - 

40 km/h drei Sekunden vor der Kollision 33.24 Meter vor dem Unfallort befand 

und damit auf der Höhe des Fotografen des angesprochenen Bildes (Urk. 9  

Blatt 3) bzw. etwa bei der Spitze des Pfeils "A" in Urk. 4, mithin noch deutlich vor 

dem Fussgängerstreifen, der sich in Fahrtrichtung der Beschuldigten noch vor der 

Einfahrt in den Kreisel befindet. Ausgehend von dieser Sachverhaltsvariante, wie 

sie die Zeugin (am ehesten) beschrieben hat, hätte sich der Geschädigte  

demnach weit über drei Sekunden im direkt frontalen Blickfeld der Beschuldigten 

aufgehalten, bevor es zur Kollision gekommen ist. Unter diesen Umständen hätte 

die Beschuldigte den Geschädigten ganz klar sehen und damit erkennen müssen, 

dass dieser verkehrsregelwidrig ihr entgegen fährt. Damit würde es der Beschul-

digten bei dieser Sachverhaltsvariante zum Vorwurf einer Sorgfaltswidrigkeit  

gereichen, den Geschädigten nicht wahrgenommen und nicht reagiert zu haben.  

3.9.3. Dem Wortlaut der Anklage folgend, wonach der Geschädigte "vermutlich 

vom Tramkreisel" hergekommen sei (offenbar schenkte die Staatsanwaltschaft 

den Schilderungen der Zeugin C._____ nicht uneingeschränkt Glauben), ist weiter 

zu prüfen, wie sich die Sach- und Rechtslage präsentierte, wenn der  

Geschädigte dem Pfeil "B" in Urk. 4 entsprechend auf die Kollisionsstelle zugefah-

ren wäre. Hier wäre davon auszugehen, dass der Geschädigte für die sich drei 

Sekunden vor der Kollision vor dem Fussgängerstreifen befindliche Beschuldigte 

(s. vorstehend) ab jenem Punkt sichtbar war, in welchem er sich (aus Fahrtrich-

tung der Beschuldigten gesehen) auf der Höhe des rechten Randes der den  

kleinen Baum auf der Traminsel umgebenden Bepflanzung befunden hat (vgl. da-

zu Urk. 9 Blatt 3 und Urk. 4). Von jenem Punkt hinter der Bepflanzung (aus Fahrt-

richtung der Beschuldigten gesehen) bis zum Kollisionspunkt gemessen sind es 

ca. 18 Meter. Sollte der Geschädigte vor der Bepflanzung und hinter dem Vertei-

lerkasten "E" (Urk. 4) durchgefahren sein, wäre er für die Beschuldigte jedenfalls 

ab dem rechten Ende des Kastens sichtbar gewesen und mithin ab einem Punkt, 

der ca. 16 Meter vom Kollisionspunkt entfernt liegt (Urk. 4). Unter Zugrundelegung 

einer Geschwindigkeit des Geschädigten von wiederum 15 km/h (s. vorstehend; 

diese Geschwindigkeit würde zwar bei dieser Sachverhaltsvariante wohl nicht 

mehr als "gemütlich" erscheinen, da der Geschädigte nach dieser Sachverhalts-

variante zunächst zwischen dem Tramhäuschen und der Bepflanzung um dem 

-   13   - 

Baum, zwischen dem Tramhäuschen und der Blumenschale "D" oder gar  

zwischen der Bepflanzung und dem Verteilerkasten "E" durchgefahren sein  

und schliesslich die 11 bzw. 12 cm hohen Randsteine passiert haben musste,  

vgl. Urk. 4 und Urk. 9 Blatt 5; mangels anderweitigen Angaben ist aber dennoch  

– zugunsten der Beschuldigten – von dieser Geschwindigkeit auszugehen) hätte 

sich der Geschädigte drei Sekunden vor der Kollision – wie gesehen –  

12.48 Meter vor dem Unfallort befunden, namentlich auf den Tramgeleisen  

senkrecht oberhalb des auf Urk. 4 bezeichneten Punkt "3". Dies hätte zur Folge, 

dass sich der Geschädigte in den drei Sekunden vor der Kollision wiederum  

deutlich im frontalen Blickfeld der Beschuldigten befunden haben müsste.  

Es stellt sich damit die Frage, ob die Beschuldigte bereits zu Beginn dieser Zeit-

spanne von drei Sekunden vor der Kollision hätte erkennen können und müssen, 

dass sich der Geschädigte verkehrsregelwidrig verhält bzw. verhalten könnte. Wie 

vorstehend erwähnt, hätte sich dieser drei Sekunden vor der Kollision im Bereich 

der Tramgeleise befunden. Dementsprechend bestanden in diesem Zeitpunkt  

für die Beschuldigte – soweit ersichtlich – noch keine Anzeichen dafür, dass der 

Geschädigte auf die Strasse fahren und sich damit verkehrsregelwidrig in die  

Gefahrenzone begeben würde. Hierfür musste dieser zuerst noch auf das erhöhte 

Trottoirband gelangen, dieses überqueren und sodann wieder den Randstein  

hinunter auf die Strassenfläche fahren. Erst in diesem Zeitpunkt, d.h. als der  

Geschädigte vom Trottoirband auf die Strasse gelangt wäre, mithin rund 8 Meter 

vor der Unfallstelle, hätte die Beschuldigte erkennen können und müssen, dass 

sich der Geschädigte verkehrsregelwidrig verhalten würde. Vorher bestand für  

die Beschuldigte nach wie vor die realistische Situation, dass der Geschädigte  

vor dem Trottoir auch noch anhalten werde, zumal dies die vom Geschädigten  

gefahrene Geschwindigkeit ohne weiteres zuliess. Für die Strecke von 8 Meter 

hätte der Geschädigte mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h rund zwei Sekun-

den benötigt. Der Beschuldigten standen demnach zwei Sekunden zur Verfügung, 

den Geschädigten als möglichen verkehrsregelwidrigen Strassenbenützer zu  

erkennen und entsprechend zu reagieren (Bremsen, Ausweichen). Wie aber  

vorstehend dargelegt, musste die Beschuldigte in der fraglichen Situation, mithin 

bei der Einfahrt in den Kreisel, in erster Linie prüfen, ob nicht allenfalls von rechts 

-   14   - 

auf dem Letzigraben ein – an sich nicht vortrittsberechtigtes – Fahrzeug naht.  

Erst in zweiter Linie musste die Beschuldigte darauf achten, ob nicht allenfalls ein 

weiterer Verkehrsteilnehmer – wie der Geschädigte – sich vor ihr auf der Strasse 

befindet. Da sich der Geschädigte bei dieser Sachverhaltsvariante nur während 

zwei Sekunden verkehrsregelwidrig in dieser Gefahrenzone, die lediglich  

subsidiär zu überblicken war, befunden hätte, wäre der Beschuldigten nicht  

hinreichend Zeit zur Verfügung gestanden, auf das Auftauchen des Geschädigten 

vor ihrem Fahrzeug reagieren zu können. Der Beschuldigten wäre es folglich nicht 

möglich gewesen, den Verkehrsunfall mit dem Geschädigten zu vermeiden. 

3.9.4. Es ist damit – nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" – zugunsten der Be-

schuldigten von der letztgenannten Sachverhaltsvariante, wonach der Geschädig-

te grob verkehrswidrig von der Traminsel her auf die Strasse gefahren ist, auszu-

gehen. Danach stand der Beschuldigten – wie gesehen – nicht genügend Zeit zur 

Verfügung, den rechtswidrig in die Strasse fahrenden Geschädigten rechtzeitig zu 

sehen und den Verkehrsunfall durch eine entsprechende Reaktion (Bremsen, 

Ausweichen) zu vermeiden, zumal ihr auch eine Reaktionszeit zuzubilligen ist. Ihr 

kann unter den gegebenen Umständen weder eine Unaufmerksamkeit noch ein 

anderweitiges pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen werden. 

3.10. Der Beschuldigten ist somit kein strafbares Verhalten am fraglichen  

Verkehrsunfall, der zum Tod des Geschädigten geführte, vorzuwerfen und sie  

ist demnach vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB 

freizusprechen. 

4.  Kosten- und Entschädigungsfolgen 

4.1. Ausgangsgemäss – die Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im 

Berufungsverfahren – sind die Kosten der Untersuchung und beider gerichtlichen 

Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 428 

Abs. 1 StPO). 

4.2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf  

Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer  

-   15   - 

Verfahrensrechte, vorab für eine Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, 

die aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und 

Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, 

insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO). Zu den Entschä-

digungen für Aufwendungen zur Wahrung der Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 

lit. a StPO) gehören primär die Kosten der frei gewählten Verteidigung, wenn die 

Verbeiständung angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des 

Falls geboten war (Schmid, Handbuch, - StPO, 2. Auflage 2013, N. 1810). 

4.2.1. Vorliegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt. 

Der Verteidiger reichte zur Bezifferung des Entschädigungsanspruchs eine  

Honorarnote von Fr. 4'738.50 für das Untersuchungs- und das erstinstanzliche 

Gerichtsverfahren (Urk. 47; wobei die Aufwendungen für die Hauptverhandlung 

noch nicht berücksichtigt sind) und zwei Honorarnoten in der Höhe von 

Fr. 2'593.40 und Fr. 1'154.50 für das Berufungsverfahren (Urk. 77 und Urk. 78; 

wobei auch hier die Aufwendungen für die heutige Verhandlung noch nicht  

mitberücksichtigt sind) ein. 

4.2.2. Die Höhe der Entschädigung für die anwaltliche Verteidigung richtet  

sich nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 

(Anwaltsgebührenverordnung, LS 215.3, nachstehend: AnwGebV). Diese setzt 

sich aus einer Gebühr sowie den notwendigen Auslagen zusammen (§ 1 Abs. 2 

AnwGebV). 

Die Gebühr für die Führung eines Strafprozesses (einschliesslich Vorbereitung 

des Parteivortrages und Teilnahme an der Hauptverhandlung) beträgt im Bereich 

der Zuständigkeit des Einzelgerichts – auch im Berufungsverfahren – in der Regel 

Fr. 600.– bis Fr. 8'000.–, wobei auch zu berücksichtigen ist, ob das vorinstanz-

liche Urteil ganz oder nur teilweise angefochten wurde (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 

Abs. 1 lit. a AnwGebV). Innerhalb dieses Rahmens wird die Grundgebühr nach 

den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen 

und Schwierigkeiten des Falles, bemessen (vgl. § 2 AnwGebV). Im Vorverfahren 

bemisst sich die Gebühr nach dem notwendigen Zeitaufwand (§ 16 Abs. 1). 

-   16   - 

Notwendige Auslagen sind namentlich bezahlte Gerichtskosten, Reisespesen, 

Porti, Kosten für Telekommunikation und Fotokopien (§ 22 Abs. 1 AnwGebV). 

4.2.3. Die geltend gemachten Aufwendungen und Auslagen sind nicht zu be-

anstanden und erscheinen unter Berücksichtigung der konkreten Bedeutung und 

Schwierigkeit des Falles als angemessen. Entsprechend ist der Beschuldigten für 

das gesamte Verfahren, unter Einbezug der Haupt- und Berufungsverhandlungen, 

eine Entschädigung für anwaltliche Verteidigung von insgesamt Fr. 10'500.–  

(einschliesslich MwSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der  
fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB frei gesprochen. 

2. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Ziff. 4) wird bestätigt. 

3. Die Kosten der Untersuchung und der beiden Gerichtsverfahren werden auf 

die Gerichtskasse genommen. 

4. Der Beschuldigten wird für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädi-

gung von Fr. 10'500.– für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse 

zugesprochen. 

5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten 
(übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 
− D._____ 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten  
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 
− D._____ 

-   17   - 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung 

Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich  
(PIN-Nr….) 

− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 
Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 20/3 

− die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben 
(§ 54a Abs. 1 PolG) 

− E._____ AG, … [Adresse] (Dossier-Nr. …, Vers.-Nr. …) 
− F._____ AG, … [Adresse] (Schaden-Nr. …) 

6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 13. März 2014 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. P. Marti 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. M. Hauser 
 

 

	Urteil vom 13. März 2014
	Anklage:
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 56)
	"Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB.
	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 50.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
	5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	6. (Mitteilungen)
	Berufungsanträge:
	In Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils sei die Berufungsklägerin freizusprechen;
	unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für beide Instanzen zu Lasten der Staatskasse.
	Erwägungen:
	1. Prozessgeschichte
	2. Umfang der Berufung
	3. Sachverhalt/rechtliche Würdigung
	3.1. Der Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, am tt. Mai 2012, ca. um 22.10 Uhr, bei der Tramhaltestelle Letzigrund am Steuer ihres Toyotas aus Unaufmerksamkeit den auf einem Fahrrad von links, vermutlich vom Tramkreisel herkommenden Geschä...
	3.2. Die Vorinstanz folgte der Anklage und nahm an, dass der Geschädigte unmittelbar vor der Kollision auf seinem Fahrrad aus Sicht der Beschuldigten von links die Badenerstrasse in Richtung Letzigraben überquert habe. Dabei sei unerheblich, woher gen...
	3.3. Die Beschuldigte bestreitet dies und macht auch berufungsweise geltend, es sei ihr nicht vorzuwerfen, den sich grob verkehrsregelwidrig verhaltenden  Geschädigten nicht gesehen zu haben (Urk. 79 S. 5 ff.; Urk. 80 S. 3 ff.).
	3.4. Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel sehr sorgfältig analysiert (Urk. 56 S. 12 ff.). Darauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). In Abweichung der vorinstanzlichen Beweiswürdigung (Urk. 56 S. 31 ff.) ist aber Folgendes fe...
	3.4.1. Es steht zunächst – entgegen der vorinstanzlichen Annahme (Urk. 56  S. 31) – nicht fest, dass der Geschädigte das vordere Licht an seinem Fahrrad eingeschaltet gehabt hätte: Gemäss Polizeirapport war zwar beim nach dem  Unfall am Boden liegende...
	3.4.2. Über die vorinstanzlichen Erwägungen hinaus ist sodann – mit der Verteidigung (Urk. 82 S. 5) – zugunsten der Beschuldigten nicht nur anzunehmen, dass der Geschädigte vermutlich unaufmerksam war, weder nach rechts noch nach links schaute, den Ko...
	3.4.3. Wie gesehen ist die Vorinstanz schliesslich davon ausgegangen, dass  der Geschädigte unabhängig von der Richtung, aus welcher er angefahren gekommen sei, sich jedenfalls einige Sekunden direkt im Blickfeld der Beschuldigten befunden habe und de...
	3.5. Für die Vorinstanz (und die Staatsanwaltschaft) hat die Beschuldigte die sie treffende Sorgfaltspflicht missachtet, im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV der Strasse und dem Verkehr die erforderliche Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das...
	3.6. Das Bundesgericht hatte sich schon mehrfach mit Fragestellungen aus diesem Themenbereich auseinanderzusetzen. Dabei hat es unter anderem die folgenden Grundsätze entwickelt:
	3.7. Auf die vorliegend gegebene Sachlage übertragen heisst dies Folgendes: In der Anfahrt auf den Kreisel (dazu wieder Urk. 4 und Urk. 9 Blatt 2/3) musste sich die Beschuldigte zunächst vergewissern, ob vortrittsberechtigte Fussgänger auf dem Fussgän...
	3.8. Aufgrund des Beweisergebnisses steht fest, dass der Geschädigte jedenfalls nicht korrekt von links im Kreisel herangefahren sein kann. Zum einen ist der Beschuldigten ihre wiederholte und konstante Aussage nicht zu widerlegen, es sei von links ke...
	3.9. Unter diesen Umständen ist die Annahme zu treffen, dass die Beschuldigte bei gehöriger Aufmerksamkeit den Geschädigten jedenfalls dann hätte wahrnehmen müssen und zu einer Reaktion (Bremsen, Ausweichen) verpflichtet  gewesen wäre, wenn dieser fü...
	3.9.1. Gemäss der Zeugin C._____ sei der Geschädigte "nicht sehr schnell" (Urk. 8 S. 3), "nicht schnell" (Urk. 8 S. 4), "nicht so schnell" (Urk. 43 S. 7) oder auch "in gemütlichem Tempo" (Urk. 1 S. 7 in Verbindung mit Urk. 8 S. 5) unterwegs gewesen. A...
	3.9.2. Vor diesem Hintergrund ist bezüglich der Geschwindigkeit des Geschädigten davon auszugehen, dass er vor der Kollision mit 15 km/h fuhr (so auch  die Verteidigung, vgl. Urk. 82 S. 5). Diese Geschwindigkeit erscheint für einen Fahrradfahrer im Ve...
	Mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h legte der Geschädigte in einer Sekunde rund 4.16 Meter zurück (vgl. Giger, SVG Kommentar, Zürich 2008, N 6 zu Art. 32 SVG); in den vorstehend ermittelten drei Sekunden demnach rund 12.48 Meter. Aus Urk. 4 ergibt s...
	3.9.3. Dem Wortlaut der Anklage folgend, wonach der Geschädigte "vermutlich vom Tramkreisel" hergekommen sei (offenbar schenkte die Staatsanwaltschaft den Schilderungen der Zeugin C._____ nicht uneingeschränkt Glauben), ist weiter zu prüfen, wie sich ...
	Es stellt sich damit die Frage, ob die Beschuldigte bereits zu Beginn dieser Zeitspanne von drei Sekunden vor der Kollision hätte erkennen können und müssen, dass sich der Geschädigte verkehrsregelwidrig verhält bzw. verhalten könnte. Wie vorstehend e...
	3.9.4. Es ist damit – nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" – zugunsten der Beschuldigten von der letztgenannten Sachverhaltsvariante, wonach der Geschädigte grob verkehrswidrig von der Traminsel her auf die Strasse gefahren ist, auszugehen. Danach st...
	3.10. Der Beschuldigten ist somit kein strafbares Verhalten am fraglichen  Verkehrsunfall, der zum Tod des Geschädigten geführte, vorzuwerfen und sie  ist demnach vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB freizusprechen.

	4.  Kosten- und Entschädigungsfolgen
	4.1. Ausgangsgemäss – die Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im Berufungsverfahren – sind die Kosten der Untersuchung und beider gerichtlichen Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 428 Abs. 1 StPO).
	4.2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf  Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer  Verfahrensrechte, vorab für eine Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die aus ihrer notwendigen Be...
	4.2.1. Vorliegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt. Der Verteidiger reichte zur Bezifferung des Entschädigungsanspruchs eine  Honorarnote von Fr. 4'738.50 für das Untersuchungs- und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren (...
	4.2.2. Die Höhe der Entschädigung für die anwaltliche Verteidigung richtet  sich nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (Anwaltsgebührenverordnung, LS 215.3, nachstehend: AnwGebV). Diese setzt sich aus einer Gebühr sowie de...
	4.2.3. Die geltend gemachten Aufwendungen und Auslagen sind nicht zu beanstanden und erscheinen unter Berücksichtigung der konkreten Bedeutung und Schwierigkeit des Falles als angemessen. Entsprechend ist der Beschuldigten für das gesamte Verfahren, ...

	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der  fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB frei gesprochen.
	2. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Ziff. 4) wird bestätigt.
	3. Die Kosten der Untersuchung und der beiden Gerichtsverfahren werden auf die Gerichtskasse genommen.
	4. Der Beschuldigten wird für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 10'500.– für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
	5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
	 D._____
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
	 D._____
	 die Vorinstanz
	 das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich  (PIN-Nr….)
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 20/3
	 die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 54a Abs. 1 PolG)
	 E._____ AG, … [Adresse] (Dossier-Nr. …, Vers.-Nr. …)
	 F._____ AG, … [Adresse] (Schaden-Nr. …)

	6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.