# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c619e2fb-4c40-5363-9e67-b4d5b2a0eac4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.04.2010 E-2614/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2614-2010_2010-04-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2614/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe.

A._______, geboren (...),
Nigeria,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach 
Italien (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 
31. März 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-2614/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge im Februar 2006 
sein Heimatland verliess, im September 2008 mit dem Boot von Libyen 
kommend Lampedusa/Italien erreichte und sich einen Tag später nach 
Rom begab, wo er ein Asylgesuch gestellt habe, welches abgewiesen 
worden sei (A1/8, S. 5),

dass er  gemäss entsprechenden Einträgen in der  Datenbank "Euro-
dac" am 3. September 2008 in Italien im Rahmen des gemeinsamen 
Europäischen Asylsystems daktyloskopisch registriert wurde,

dass er  am 27. November  2009 in  die  Schweiz  einreiste,  wo er  am 
gleichen Tag um Asyl nachsuchte,

dass er anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum  Chiasso  vom  2. Dezember  2009  im  Wesentlichen  geltend 
machte, dass er Mitglied von MASSOB (Movement for the Actualizati -
on of the Sovereign of Biafra) sei und nach einer Teilnahme an einer 
Zusammenkunft dieser Gruppierung die Polizei ihn gesucht habe, um 
ihn festzunehmen,

dass  das  Bundesamt  dem Beschwerdeführer  an  der  Befragung  das 
rechtliche Gehör  im Hinblick auf  einen Nichteintretensentscheid  und 
den Wegweisungsvollzug nach Italien gewährte,

dass  er  dabei  ausführte,  er  wolle  nicht  nach  Italien  zurückkehren, 
sondern er benötige den Schutz der Schweiz,

dass er im Weiteren angab, sein sechsmonatiger italienischer Aufent-
haltstitel sei ihm entzogen worden, 

dass das BFM am 14. Dezember 2009 die zuständigen italienischen 
Behörden gestützt auf den Eurodac-Treffer und die Aussagen des Be-
schwerdeführers, er habe in Italien ein Asylgesuch durchlaufen, sowie 
auf  die  Verordnung  (EG)  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar 
2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 
Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den 
ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt 
hat  (Dublin-II-Verordnung),  um Wiederaufnahme des Beschwerdefüh-
rers ersuchte (Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-Verordnung), 

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dass Italien dieser am 18. Februar 2010 zustimmte (vgl. A20),

dass das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfü-
gung vom 31. März 2010 –  eröffnet  am 9. April  2010 –  gestützt  auf 
Art. 34 Abs. 2 lit. d  des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG, SR 
142.31) nicht eintrat, dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Ita-
lien  sowie  den  Vollzug  anordnete  und  festhielt,  einer  allfälligen  Be-
schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu,

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte,  dass auf-
grund  der  einschlägigen  Staatsverträge  (insbesondere  Abkommen 
vom 26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Ver-
fahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines 
in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags 
[Dublin-Assoziierungsabkommen,  SR  0.142392.68])  Italien  für  das 
Asylverfahren des Beschwerdeführers zuständig sei und keine Hinde-
rungsgründe gegen eine Wegweisung in dieses Land bestehen wür-
den,

dass die Überstellung bis spätestens 29. Juni 2010 zu erfolgen habe, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  16. April 2010  gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob 
und  dabei  beantragte,  die  Verfügung  des  Bundesamtes  sei  vollum-
fänglich aufzuheben und sein Asylgesuch sei gutzuheissen; eventuali -
ter  sei  die  Wegweisungsverfügung  aufzuheben  und  die  vorläufige 
Aufnahme anzuordnen,

dass er in prozessrechtlicher Hinsicht um eine unentgeltliche Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021) 
sowie um Gewährung der aufschiebenden Wirkung ersuchte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefax  vom  19. April  2010 
den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers im Sinne einer 
vorsorglichen Massnahme nach Art. 56 VwVG aussetze,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am 23.  April  2010  vollständig  beim 
Bundesverwaltungsgericht eingingen,

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und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden 
gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet  (Art. 105 
AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – 
unter  weiter  unten  folgenden  Vorbehalt  –  einzutreten  ist  (Art.  108 
Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das BFM ablehnt, Asylgesuche auf ihre Begründetheit hin zu überprü-
fen (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde-
instanz grundsätzlich auf  die Frage beschränkt ist,  ob die Vorinstanz 
zu Recht auf das betreffende Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. die 
diesbezüglich  weiterhin  zutreffende  Rechtsprechung  der  ehemaligen 

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Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1),

dass  demgegenüber  auf  den  Antrag  in  der  Beschwerdeschrift,  das 
Asylgesuch sei durch das Bundesverwaltungsgericht (materiell zu prü-
fen und) gutzuheissen, nicht einzutreten ist,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  jedoch  die  angefochtene  Verfü-
gung hinsichtlich der angeordneten Wegweisung und des Vollzugs in 
voller Kognition prüft, sind diese Punkte doch von der Vorinstanz ma-
teriell geprüft worden,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 lit. d AsylG),

dass angesichts des zuvor festgestellten Sachverhalts, der erwähnten 
staatsvertraglichen  Rechtslage  und  der  diesbezüglich  zutreffenden 
Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  Italien  als  für  die 
Durchführung  des  Asyl-  bzw.  Wegweisungsverfahrens  zuständig  zu 
erachten ist,

dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe im Wesentlichen geltend 
machte,  dass  die  Flüchtlingslager  in  Italien  nicht  menschenwürdig 
seien und es zu rassistischen Auseinandersetzungen komme; darüber 
hinaus sei er nicht überzeugt, ob sein Fall sorgfältig geprüft werde,

dass er dabei implizit auch die Befürchtung einer Kettenabschiebung 
von der Schweiz nach Italien und weiter nach Nigeria zum Ausdruck 
brachte, 

dass er sich damit implizit auf den Standpunkt stellte, es würden be-
gründete Anhaltspunkte für eine Verletzung der durch die Konvention 
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101)  garantierten Rechte durch Italien vorlie-
gen (Art. 107a AsylG), und die Schweiz müsse überdies ihr Selbstein-
trittsrecht  im  Sinne  von  Art. 3  Abs. 2  der  Dublin-II-Verordnung  aus-
üben,

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dass demgegenüber festzuhalten ist, dass Italien sowohl Signatarstaat 
des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) wie auch der EMRK ist und keine An-
haltspunkte  vorliegen,  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen 
Verpflichtungen würden durch die italienischen Behörden in genereller 
Weise missachtet,

dass  der  Beschwerdeführer  ferner  seine  Anliegen  nicht  zu  substan-
ziieren vermag, sondern sich lediglich auf Behauptungen beschränkt 
(sein  Asylgesuch  werde  in  Italien  nicht  sorgfältig  geprüft,  es  sei  zu 
rassistischen Auseinandersetzungen gekommen und er müsse sowohl 
in  Italien  wie  bei  einem allfälligen Wegweisungsvollzug durch Italien 
nach Nigeria um sein Leben fürchten), ohne diese zu belegen,

dass  darauf  hinzuweisen  ist,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  bei 
allfälligen  rassistischen  Behelligungen  in  Italien  zuerst  an  nationale 
Behörden  vor  Ort  zu  wenden  hat,  bevor  diese  im  Rahmen  eines 
Asylverfahrens in der Schweiz vorgebracht werden können, 

dass bei vorliegender Sachlage kein Anlass zur Prüfung des Asylge-
suchs durch die Schweiz  (Selbsteintritt  nach Art. 3  Abs. 2 Dublin-II-
Verordnung) besteht, zumal der Beschwerdeführer in Italien bereits ein 
Asylgesuch  gestellt  beziehungsweise  ein  Asylverfahren  durchlaufen 
und gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO nur auf eine Asylantragsprüfung 
Anrecht hat,  

dass das BFM folglich zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 lit. d 
AsylG auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers  nicht  eingetreten 
ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in 
Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zuläs -
sigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits 
Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensent-
scheides ist, und hier nicht mehr zu prüfen ist, 

dass  sich  auch  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes 
vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 

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(AuG,  SR  142.20)  stellen,  sondern  ebenfalls  vor  der  Prüfung  des 
Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts, 

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist, 

dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzu-
tun,  inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass darüber hinaus das Gesuch um aufschiebende Wirkung im Sinne 
von Art. 107a AsylG mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos 
geworden ist,

dass  schliesslich  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ungeachtet der Bedürftig-
keit der Beschwerdeführenden abzuweisen ist, da die Beschwerdebe-
gehren nach dem Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 
1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Das  Gesuch  um unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs. 1 
VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige Migrationsbehörde des Kantons.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe

Versand: 

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