# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 968fb9c7-a568-5e1a-a8c3-b11b7577d138
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-11-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 28.11.2011 SB110540
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110540_2011-11-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB110540-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. F. Bollinger, Präsident, und lic. iur. M. Langmeier, 

Ersatzoberrichterin lic. iur. M. Bertschi sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. C. Grieder 

 

 

Urteil vom 28. November 2011 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. U. Weder,  

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 

 

gegen 

 

A._____,  
Beschuldigter und II. Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

betreffend 

versuchte vorsätzliche Tötung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung,  
vom 18. Mai 2011 (DG100566) 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. August 

2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 42). 

 

Urteil der Vorinstanz:  

Das Gericht erkennt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 WG. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 813 Ta-

ge durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden 

sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. 

4. a) Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons 

Zürich vom 22. September 2009 beschlagnahmten und bei der Kasse des 

Bezirksgerichts Zürich unter der Sachkautionsnummer … gelagerten Ge-

genstände werden nach Eintritt der Rechtskraft der Lagerbehörde zur Ver-

nichtung überlassen: 

− 1 Flasche Wodka 

− 1 Messer, defekt 

b) Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons 

Zürich vom 22. Oktober 2009 beschlagnahmten und bei der Kasse des  

Bezirksgerichts Zürich unter der Sachkautionsnummer … gelagerten  

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Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen: 

− 1 Petflasche "Valser Classic" (Pos. Nr. 31) 

− 1 Glasflasche "Coca Cola" 

− 1 Zigarettenpäckchen "Marlboro", 1 Feuerzeug (Pos. Nr. 34) 

− 1 Zigarettenpäckchen "Marlboro" (Pos. Nr. 35) 

− 1 Glasflasche "Johnnie Walker Black Label" 

− 1 Weinflasche "Presidente" 

− 1 Dose Red Bull (Pos. Nr. 22) 

− 1 Dose Red Bull (Pos. Nr. 23) 

− 1 Packung Kaugummi, angebrochen 

− 1 Trinkglas (Pos. Nr. 25) 

− 1 Petflasche "Valser Classic" (Pos. Nr. 26) 

− 1 Trinkglas (Pos. Nr. 27) 

− 1 "Heineken" 

− 1 Trinkglas (Pos. Nr. 29) 

c) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

4. Juni 2010 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich 

gelagerten Mobiltelefone 1 "Sony Ericsson" Z610i, IMEI-Nr. … sowie 1 "No-

kia" 2610, IMEI-Nr. … werden nach Eintritt der Rechtskraft verwertet und der 

Erlös zur Kostendeckung herangezogen. 

d) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

4. Juni 2010 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich 

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gelagerten 2 SIM-Karten "Lebara" werden als Beweismittel bei den Akten 

belassen. 

e) Der anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten sichergestellte und bei 

der Kasse des Bezirksgerichts Zürich gelagerte Personenwagen Alfa Romeo 

… (VIN …) wird beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft verwertet 

und der Erlös zur Kostendeckung herangezogen.  

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger CHF 11'956.35 Scha-

denersatz zu bezahlen, zahlbar an dessen Vertreter. 

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung in der 

Höhe von CHF 5'000.- nebst Zins zu 5% seit dem 27. Februar 2009 zu be-

zahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 6'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr.    Kosten der Kantonspolizei  

Fr.    Gebühr Anklagebehörde 

Fr.    Kanzleikosten Untersuchung 

Fr. 31'143.80  Auslagen Untersuchung  

Fr.    amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr.    amtliche Verteidigung (ausstehend) 

Fr.   unentgeltlicher Rechtsbeistand (ausstehend) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt. Die Kosten für die amtlichen Verteidigungen wer-

den, soweit sie nicht durch Beschlagnahmungen und Verwertungen gedeckt 

sind, auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt Art. 135 Abs. 4 

StPO. Die Kosten für den unentgeltlichen Rechtsbeistand des Privatklägers 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

9. Mitteilungen 

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10. Rechtsmittel 

 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (schriftlich; Urk. 146 S. 1 f.; Prot. II S. 10) 

Beweisanträge: 

1. Es seien die beiden Zeugen B._____ sowie C._____ (recte: J._____, vgl. 

Urk. 140) erneut einzuvernehmen. 

Hauptanträge: 

2. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung 

i.S. von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

3. Er sei weiter vom Vorwurf des Vergehens gegen das Waffengesetz i.S. von 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG freizusprechen. 

4. Es sei der Beschuldigte unverzüglich aus der Haft zu entlassen. 

5. Es seien der sichergestellte Personenwagen Marke Alfa Romeo dem Be-

schuldigten herauszugeben und zu verfügen, dass keine Depotkosten erho-

ben werden. 

6. Es seien die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens auf die Ge-

richtskasse zu nehmen.  

7. Es sei dem Beschuldigten für die Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheits-

haft eine angemessene Genugtuungsentschädigung aus der Staatskasse zu 

entrichten.  

Eventualiter im Falle eines Schuldspruches: 

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8. Es sei der Beschuldigte angemessen mit einer Gefängnisstrafe von 7 Jahren 

zu bestrafen unter Anrechnung der verschiedenen Haften. 

9. Der Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Geschädigten seien 

abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich; Urk. 145 S. 1) 

1. Es sei grundsätzlich im Sinne des von der Verteidigung des Angeklagten 

vollumfänglich und der Staatsanwaltschaft allein bezüglich der Bemessung 

der Strafe angefochtenen Urteils der 9. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich 

vom 18. Mai 2011 zu entscheiden; 

2. Der Angeklagte sei mit einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren zu bestrafen; un-

ter Anrechnung der erstandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 

insgesamt 1007 Tagen, zu bestrafen; 

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien – wie jene der Untersuchung und 

des erstinstanzlichen Verfahrens – dem Beschuldigten aufzuerlegen; 

4. Die Sicherheitshaft sei zu verlängern.  

 

c) Der Privatklägerschaft J._____: 

(schriftlich; Urk. 129 S. 1 sinngemäss) 

Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Kanton Zürich die dem Privat-

kläger entstandenen Heilungskosten in der Höhe von Fr. 11'956.35 über-

nommen hat, weshalb der Beschuldigte gestützt auf Ziff. 5 des vorinstanzli-

chen Urteils zu verpflichten sei, den erwähnten Betrag an den Kanton Zürich 

zu zahlen.  

 

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Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 18. Mai 2011 wurde der Be-

schuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Widerhandlung gegen das Waffen-

gesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 WG 

schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren bestraft, wovon 

813 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind. Weiter  

wurden verschiedene beschlagnahmte Gegenstände zur Vernichtung oder zur 

Kostendeckung eingezogen, wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privat-

kläger Fr. 11'956.35 Schadenersatz und Fr. 5'000.– Genugtuung zu bezahlen und 

wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens dem  

Beschuldigten auferlegt, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung 

und des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklägers (Urk. 110 S. 86 ff.). 

1.2. Gegen dieses Urteil meldeten sowohl die Staatsanwaltschaft am 19. Mai 

2011 als auch der Beschuldigte durch seinen amtlichen Verteidiger am 25. Mai 

2011 fristgerecht die Berufung an (Urk. 98 und 99). Nach Zustellung des begrün-

deten Urteils erfolgten – ebenfalls fristgerecht – am 3. August 2011 die Beru-

fungserklärung der Staatsanwaltschaft sowie am 24. August 2011 diejenige der 

Verteidigung (Urk. 111 und 114). Während die Staatsanwaltschaft ihre Berufung 

auf die Strafzumessung gemäss Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils be-

schränkt (Urk. 111), lässt der Beschuldigte das Urteil grundsätzlich vollumfänglich 

anfechten; einzig akzeptiert werden Dispositivziffer 4 a bis d (verschiedene Ein-

ziehungen) und Dispositivziffer 7 (Kostenfestsetzung). Im Übrigen wird seitens 

des Beschuldigten beantragt, er sei freizusprechen, es sei ihm der sichergestellte 

Personenwagen Alfa Romeo … zurück zu geben, er habe dem Privatkläger weder 

Schadenersatz noch Genugtuung zu bezahlen, und die Kosten der Untersuchung 

sowie des gerichtlichen Verfahrens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen (Urk. 

114). Beweisanträge wurden bis dahin beidseits keine gestellt.  

- 8 - 

1.3. Mit Präsidialverfügung vom 26. August 2011 wurden die Berufungserklärun-

gen in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO den jeweiligen Gegenparteien 

übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintre-

ten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde der Staatsanwaltschaft 

und der Verteidigung Frist angesetzt, um sich zur Frage der Fortsetzung der  

(andauernden) Sicherheitshaft des Beschuldigten zu äussern (Urk. 117). Am 

31. August 2011 beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei die Sicherheitshaft zu 

verlängern (Urk. 119). Die Verteidigung stellte dagegen am 2. September 2011 

den Antrag, es sei der Beschuldigte umgehend aus der Sicherheitshaft zu ent-

lassen, eventualiter seien ihm in der Sicherheitshaft angemessen private Telefon-

anrufe zu erlauben (Urk. 122). Mit Verfügung vom 7. September 2011 verlängerte 

der Kammerpräsident die Sicherheitshaft gegen den Beschuldigten bis vorerst 

7. Dezember 2011 und wies in den Erwägungen darauf hin, dass gemäss § 134 

Abs. 2 JVV Personen in Sicherheitshaft keine telefonischen Kontakte gestattet 

und keine Ausnahmen von diesem Grundsatz vorgesehen seien (Urk. 124). Am 

19. September 2011 liess der Privatkläger mitteilen, keine Anschlussberufung zu 

erheben. Gleichzeitig reichte er eine Verfügung der kantonalen Opferhilfestelle 

ein, wonach diese die vom Privatkläger im vorliegenden Verfahren vom Be-

schuldigten geforderten Heilungskosten übernommen habe, weshalb zufolge  

Subrogation gemäss Art. 7 OHG die erstinstanzlich dem Privatkläger zugespro-

chenen Fr. 11'956.35 vom Beschuldigten neu an den Kanton Zürich zu leisten 

seien (Urk. 129). 

1.4. Am 1. bzw. 11. November 2011 stellte der Verteidiger die Beweisanträge, es 

seien B._____ als Zeugin und der Privatkläger als Zeuge zur Berufungsverhand-

lung vorzuladen und einzuvernehmen (Urk. 136; Urk. 140). Mit Präsidialverfügun-

gen vom 10. und 17. November 2011 wurden diese Anträge von der Verfahrens-

leitung abgewiesen (Urk. 138 und 142). 

1.5. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Leitende 

Staatsanwalt Dr. U. Weder sowie der Beschuldigte und sein Verteidiger erschie-

nen sind, waren keine Vorfragen zu entscheiden (Prot. II S. 9). Der Verteidiger 

stellte abermals die Beweisanträge, es seien B._____ und C._____ (recte: 

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J._____, vgl. Urk. 140) erneut einzuvernehmen, wobei er damit einverstanden 

war, diese Anträge anlässlich seines Plädoyers zu begründen und dass darüber 

im Rahmen der Beratung entschieden wird (Prot. II S. 10). Das vorliegende Urteil 

erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 13 ff.). 

1.6. Anlässlich der Berufungsverhandlung beantragte der Staatsanwalt im Falle 

eines Schuldspruches die Verlängerung der Sicherheitshaft des Beschuldigten 

(Urk. 145 S. 8). Der Verteidiger erklärte auf Nachfrage, dass er im Falle eines 

Schuldspruches zur Zeit nicht gegen die Sicherheitshaft opponieren würde 

(Prot. II S. 10).  

2. Umfang der Berufung 

Angesichts der vorstehend erwähnten Berufungsanträge sind einzig die Disposi-

tivziffern 4 a bis d sowie 7 des vorinstanzlichen Urteils nicht angefochten. In die-

sem Umfang ist es deshalb in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in 

Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO), was vorab vorzumerken ist. Der ganze 

Rest des Urteils bildet Gegenstand des Berufungsverfahrens und ist im Folgen-

den zu überprüfen. 

3. Sachverhalt 

3.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung richtig kurz zu-

sammengefasst, sodass darauf verwiesen werden kann (Urk. 110 S. 7/8; Art. 82 

Abs. 4 StPO). Zu ergänzen ist, dass auch indirekte, mittelbare Beweise, sog. An-

zeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlau-

ben können. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, un-

mittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird vermutet, dass 

eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfolgerung aus 

bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung aufdrängt. Der  

Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/Hartmann, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, 2005, § 59 Rz 14). Da ein Indiz 

jedoch immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 

die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins  

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offen, enthält daher auch den Zweifel (Walder, Der Indizienbeweis im Strafpro-

zess, ZStrR 108/1991, S. 309; derselbe, Die Beweisführung in Strafsachen, ins-

besondere der Indizienbeweis, 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der 

Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit 

einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft 

hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden 

Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 

Rz 15; Urteil des Bundesgerichts 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3, und 

zuletzt Urteil des Bundesgerichts 6B_890/2009 vom 22. April 2010). 

3.2. Der Beschuldigte ist nicht geständig, dem Privatkläger im Sinne des Ankla-

gevorwurfs am 27. Februar 2009 in der Diskothek " D._____" in E._____ mit einer 

Faustfeuerwaffe ins Gesicht geschossen zu haben, sondern bezichtigt einen Drit-

ten der Tat. Direkt gesehen, dass der Beschuldigte den fraglichen Schuss abge-

geben hat, hat niemand, und ist – vor allem, weil die Tatwaffe nicht aufgefunden 

werden konnte – auch nicht naturwissenschaftlich bewiesen (Fingerabdrücke, 

DNA-Spuren etc.) oder etwa durch eine Überwachungskamera festgehalten. Die 

Staatsanwaltschaft stützt ihren Vorwurf vielmehr auf die Erkenntnisse aus einer 

Telefonüberwachung, die Aussagen verschiedener Zeugen sowie die Würdigung 

der Aussagen des Beschuldigten (Urk. 110 S. 9 ff.). Der Übersichtlichkeit halber 

wird im Folgenden dem Aufbau des vorinstanzlichen Urteils gefolgt. 

3.3. Die Vorinstanz hat im Resultat richtig auf die Verwertbarkeit der am 22. und 

27. Februar 2009 abgehörten Telefongespräche geschlossen. In formeller Hin-

sicht hätte die Vorinstanz ihre Überlegungen allerdings nicht auf die (eidgenössi-

sche) StPO abstützen sollen, nachdem dieses Gesetz zum Zeitpunkt der fragli-

chen Telefongespräche und des anschliessenden Genehmigungsverfahrens an-

fangs 2009 noch gar nicht in Kraft gestanden hat. Die Zulässigkeit von Zwangs-

massnahmen (wozu geheime Überwachungsmassnahmen gehören) sowie deren 

prozessuale Verwertbarkeit richtet sich vielmehr nach demjenigen Recht, welches 

zum Zeitpunkt deren Anordnung in Kraft stand (Schmid, Praxiskommentar, N. 3 

vor Art. 196-298 StPO). Massgeblich waren damals deshalb das kantonale Pro-

zessrecht und das BÜPF, namentlich dessen – heute durch entsprechende Rege-

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lungen in der StPO ersetzte – Art. 3 ff. In materieller Hinsicht ändert dies an der 

Beurteilung durch die Vorinstanz allerdings nichts, nachdem sich die Gesetzes-

lage durch das Inkrafttreten der eidgenössischen StPO nicht geändert hat und die 

damaligen Bestimmungen des BÜPF in die StPO überführt worden sind. Sinn-

gemäss kann deshalb auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 110 S. 9-11). 

3.3.1. Das zentrale Telefongespräch, welches denn auch die Untersuchung auf 

den Beschuldigten lenkte (vgl. HD 1/6 S. 6), führten am 27. Februar 2009 um 

13.23 Uhr – mithin knapp sieben Stunden nach der zur Anklage gebrachten Tat – 

der Beschuldigte und C._____ (HD 2/8/2). Die Vorinstanz hat die zentralen Punk-

te des Gesprächs wiedergegeben (Urk. 110 S. 11/12; Art. 82 Abs. 4 StPO). Aus 

der Konversation geht als erstes hervor, dass C._____ erkennbar erfreut und er-

leichtert ist, etwas vom Beschuldigten zu hören; nur so kann das wiederholte 

"…iii" (so nannte er den Beschuldigten) und das damit verbundene Lachen inter-

pretiert werden (HD 2/8/2 S. 10/27). Auch dem Beschuldigten war offenbar zum 

Scherzen zumute, indem er zunächst – ebenfalls unter Gelächter – vorgab, von 

nichts zu wissen (a.a.O.). Erst auf ein ungläubiges Nachfragen von C._____ hin, 

gab der Beschuldigte dahingehend Auskunft, als dass "alles erledigt" sei (a.a.O. 

S. 11/27: Beschuldigter: "Verdammter! Weisst du nicht, was los ist?" C._____ : 

"Hä?" A._____: "Weisst du nicht, was los ist?" C._____: "Ja. Schon? Alles erle-

digt?" A._____: "Klar." C._____: "Ahh, aha!" A._____: "Schon!" C._____: "Ja?" 

A._____: "Klar." C._____: "Na, das ist aber gut." A._____: "Du weisst es schon. 

Ich habe Dir schon gesagt, …."). Sodann gab der Beschuldigte seiner Sorge dar-

über Ausdruck, als offenbar "alle" verhaftet worden seien, und bittet C._____ , das 

abzuklären. Dann fragt dieser nach – offensichtlich wissend, dass es, allgemein 

formuliert, um eine Aktion gegen eine bestimmte Person gegangen war: "Aber 

dem Grossen, nicht wahr, der war es? [...] Dem man... angetan hat?" (a.a.O., S. 

11/27). Hierauf bestätigt der Beschuldigte: "Ha, dem Grossen." (a.a.O.). Dann will 

C._____ wissen: "Nur, einen, oder viele?", und der Beschuldigte antwortet: "Mei-

nem." (a.a.O.). Damit übernimmt der Beschuldigte, ebenfalls noch allgemein for-

muliert, eine gewisse Verantwortung dahingehend, als er eine aktive Beteiligung 

am – bis dahin im Gespräch noch nicht klar thematisierten – Geschehen ein-

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räumt. C._____ fragt dann weiter nach: "Ehh, deinem, aha! Aber Ganzes..., hat 

man alle geschossen?" und offenbart damit zu wissen, dass es um eine Schiesse-

rei gegangen ist. Hierauf antwortet der Beschuldigte unter Gelächter: "Sie hat sich 

mir blockiert... sie hat sich blockiert,...", und C._____ weiss anscheinend sofort, 

um was es geht, indem er nachfragt: "Hat sie sich dir blockiert? Nur einen dann?", 

was der Beschuldigte bejaht (a.a.O.). Aus dieser Passage ergibt sich, dass die 

beiden anscheinend wissen, dass es um eine Schusswaffe geht, welche sich dem 

Beschuldigten blockiert hatte, sodass nur ein Schuss abgegeben werden konnte. 

Jedenfalls "beruhigt" dann der Beschuldigte C._____ mit: "In den Kopf. Ja, aber 

man sagt, dass er am Sterben ist, ich weiss nicht." (a.a.O.). 

3.3.2. Mit der Vorinstanz kann aus diesem Gespräch nichts anderes als die Zuga-

be des Beschuldigten geschlossen werden, einer bestimmten anderen Person in 

den Kopf geschossen zu haben, worauf sich die Waffe vor weiteren Schüssen 

aber blockiert habe. Nach den Umständen bezog sich das Gespräch offenkundig 

auf den nicht weit zurückliegenden Vorfall um 6.30 Uhr desselben Tages. Das 

wird als Solches vom Beschuldigten auch nicht bestritten (er gibt zu, am Tatort 

gewesen zu sein), und der Ablauf entspricht auch effektiv dem tatsächlichen Ge-

schehen, wonach dem Privatkläger eben ein Schuss in den Kopf versetzt worden 

ist. Erhärtet werden diese Erkenntnisse dadurch, dass auch C._____ dem Ge-

spräch offensichtlich diese Bedeutung beigemessen hat (vgl. dazu die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 110 S. 12 und 14 ff., insb. S. 16, 18; Art. 

82 Abs. 4 StPO). Demgegenüber konnte der Beschuldigte überhaupt keine ver-

nünftige Erklärung für das Gespräch liefern: In der Einvernahme vom 8. Juli 2009 

bestritt er auf Vorhalt der entsprechenden Aufzeichnung zunächst gar, überhaupt 

daran beteiligt gewesen zu sein (HD 2/8 S. 5/6), was dann aber anlässlich der 

Konfrontationseinvernahme mit C._____ am 24. Juli 2009 plötzlich kein Thema 

mehr war (HD 2/9 S. 19 ff.). Hier verlegte sich der Beschuldigte darauf, C._____ 

gesagt zu haben, es habe sich die Waffe "ihm" und nicht "mir" blockiert, in dem 

Sinne, als er damit eine Drittperson gemeint habe. Diese Behauptung ist indessen 

unzutreffend: der Dolmetscher hörte die entsprechende Passage mehrfach ab 

und bestätigte ausdrücklich, dass der Beschuldigte "es hat es sich mir blockiert" 

gesagt habe (HD 2/9 S. 20). Offensichtlich hatte das auch C._____ so verstan-

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den, fragte er doch nach: "Hat es sich dir blockiert..." (HD 2/8/2 S. 11/27). Auf 

Vorhalt dieses Umstands bestritt dann der Beschuldigte – klar aktenwidrig – bloss 

noch, von C._____ überhaupt entsprechend gefragt worden zu sein (HD 2/9 S. 

20). Ähnliches sagte der Beschuldigte auch in der Einvernahme vom 10. März 

2010 aus (HD 2/12 S. 6/7).  

Auch wenn der Beschuldigte nicht seine Unschuld beweisen muss (sondern um-

gekehrt der Staat seine Schuld), wäre gleichwohl zu erwarten gewesen, dass der 

Beschuldigte gegen ihn sprechenden Umständen gehaltvollere Bestreitungen 

entgegensetzt, um, wenn auch nicht das Gericht zu überzeugen, so doch immer-

hin rechtlich relevante Zweifel bei ihm hervorzurufen (vgl. zum Grundsatz "in du-

bio pro reo" die Vorinstanz in Urk. 110 S. 8). Nachdem ihm dies hier offensichtlich 

nicht gelungen ist, ergibt sich aus diesem Gespräch schon einmal ein ganz  

starkes Indiz dafür, dass der Beschuldigte der Täter gemäss dem zur Anklage 

gebrachten Sachverhalt ist. 

3.3.3. Am gleichen Tag, dem 27. Februar 2009, führte der Beschuldigte um 

16.01 Uhr mit seiner Ex-Freundin F._____ ein weiteres Telefongespräch. Wie 

schon die Vorinstanz festgestellt hat (Urk. 110 S. 12/13; Art. 82 Abs. 4 StPO), 

ergibt sich aus diesem Gespräch, dass der Beschuldigte nach Meinung von 

F._____ etwas Schlimmes getan hat. Nur so lässt sich die Entwicklung des Ge-

sprächs erklären: Nach wenig freundlichen, einleitenden Worten von F._____ wirft 

diese dem Beschuldigten vor, "nicht normal" zu sein, worauf sie nach dessen Ab-

wehrversuch ("Du liessest mich nicht normal sein") deutlich wird: "Ich trage keine 

Schuld für deine Taten.". Sodann erkundigt sich F._____ danach, was der Be-

schuldigte nun tun werde, und auf dessen Antwort, er werde "weiterleben", erwi-

dert sie: "Weiterleben? Als ob niemand hier seine Schulden begleichen muss und 

es keine Gerechtigkeit gäbe." Das quittiert der Beschuldigte mit: "Doch, aber nie-

mand wird davon erfahren." (HD 2/8/3 S. 14/27). Der weiteren Aussage des Be-

schuldigten, dass niemand davon wisse, stellt F._____ entgegen, dass "alle Leu-

te" davon wissen würden und der Name des Beschuldigten in aller Leute Mund 

sei. Offenbar hatte F._____ recht genaue Informationen über den Zustand des 

Privatklägers; jedenfalls erklärte sie dem Beschuldigten, dass die Operation um 

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17.30 Uhr vollendet werde, und dass der Privatkläger noch lebe, aber in einem 

schlechten Zustand sei. F._____ fährt fort, dass die Frau des Privatklägers Medi-

kamente für die Nerven erhalte und schwanger sei; man sage, der Privatkläger 

sei gestern so glücklich gewesen. Vor diesem Hintergrund fragt F._____ den Be-

schuldigten, ob er denn kein schlechtes Gewissen habe. Auf das "nein, warum?" 

des Beschuldigten fragt F._____ weiter: "Und warum ist es dazu gekommen?". 

Daraufhin bricht der Beschuldigte das Gespräch aber ab, mit der Bemerkung, er 

sei mit anderen Leuten, welche "davon nichts mitbekommen sollen" (a.a.O. S. 

15/27). 

3.3.4. Es ist offenkundig, dass auch dieses Gespräch auf den Vorwurf an den Be-

schuldigten "passt", einige Stunden zuvor in der staatsanwaltschaftlich umschrie-

benen Weise auf den Privatkläger geschossen zu haben; es ist kaum eine andere 

Interpretation denkbar. F._____ macht dem Beschuldigten Vorwürfe, ist der An-

sicht, er habe Schuld auf sich geladen und appelliert unter konkreter Bezugnahme 

auf den sich im Spital befindlichen Privatkläger an das Gewissen des Beschuldig-

ten. Dieser wiederum ist der – offenbar irrigen – Annahme, es wisse niemand 

"davon", und er ist besorgt dafür, dass das Gespräch mithörende Personen 

"nichts davon mitbekommen" sollen. Auch auf Vorhalt dieses Gesprächs konnte 

der Beschuldigte nur völlig unplausible und zum Teil widersinnige Aussagen ma-

chen: Zur Frage, weshalb F._____ sage, sie trage keine Schuld, beschränkte sich 

der Beschuldigte darauf, den einvernehmenden Staatsanwalt zu korrigieren, 

F._____ sei nicht seine Frau, und ging nicht weiter auf die Frage ein (Urk. 2/8 S. 

7). Betreffend die Aussage von F._____ zum Weiterleben/Gerechtigkeit (s. vor-

stehend) erwiderte der Beschuldigte pauschal: "Was sie sagt, hat nichts mit dem 

Ganzen zu tun, weil sie nicht dort war.". Und durch den Vorhalt in die Enge ge-

trieben, er habe erwidert, niemand werde davon erfahren, behauptete er dann nur 

noch aktenwidrig, dass er dies nicht geantwortet habe, er habe gesagt, er werde 

es ihr erklären (HD 2/8 S. 8). Die Einvernahme vom 24. Juli 2009 förderte ein 

ähnliches Aussageverhalten zutage: Hier erklärte der Beschuldigte, F._____ habe 

"über Justiz und Gerechtigkeit" gesprochen, warum, müsse man sie fragen, und 

im Übrigen wiederholte er, dass sie ja nicht dabei gewesen sei (HD 2/9 S. 21). 

- 15 - 

Auch dieses Gespräch fällt mithin als starkes Indiz für eine anklagegemässe Tä-

terschaft des Beschuldigten ins Gewicht. 

3.4. Die Vorinstanz hat sodann die Aussagen von C._____ ausführlich zusam-

mengefasst und zutreffend gewürdigt, worauf verwiesen werden kann (Urk. 110 

S. 13 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Richtig hat sie zwar auf verschiedene Widersprü-

che in seinen Aussagen hingewiesen. In der grossen Linie betrachtet, fällt aber 

auf, dass C._____ den Beschuldigten erkennbarerweise nicht bzw. später wenigs-

tens nicht übermässig belasten wollte – und zwar obwohl er anfänglich als Mitbe-

schuldigter in der Untersuchung stand und so grundsätzlich ein Interesse gehabt 

hätte, jeden Verdacht von sich und auf andere zu lenken. Das Aussageverhalten 

von C._____ führte denn auch letztlich gar dazu, dass gegen ihn ein Strafbefehl 

wegen Begünstigung des Beschuldigten erging (HD 4/11 S. 2 f.). Erst, als 

C._____ das bereits mehrfach genannte Telefongespräch zwischen ihm und dem 

Beschuldigten vom 27. Februar 2009, 13.23 Uhr, vorgehalten wurde, bestätigte 

er, vom Beschuldigten selbst gehört zu haben, dass dieser an der Schiesserei be-

teiligt gewesen sei. Zumindest implizit bestätigte C._____ dann auch, dass der 

Beschuldigte mit seiner Aussage "Sie hat sich mir blockiert..." dessen Waffe ge-

meint hat – allerdings versuchte er diesen Schluss dahingehend abzuschwächen, 

als er nicht glauben könne, dass jemand, der ihn anrufe, etwas gemacht haben 

sollte (HD 4/6 S. 3). Im weiteren Verlauf der Einvernahmen bejahte C._____ dann 

zumindest mehrheitlich, dass ihm der Beschuldigte gesagt habe, er habe ge-

schossen (HD 4/9 S. 6, 7), wenn auch in der Konfrontationseinvernahme mit dem 

Beschuldigten nur sehr zögernd und sich offensichtlich um klare Aussagen drü-

ckend (HD 4/10 S. 13 f.). Hier versuchte er überdies zu relativieren, dass auch 

wenn der Beschuldigte gesagt habe, er habe geschossen, dies noch nicht heisse, 

dass es tatsächlich so gewesen sei. Er habe gedacht, der Beschuldigte sei be-

trunken gewesen und habe ihm dies erzählt, um anzugeben. Alle … [Angehörige 

des Staates G._____] seien so; wenn es ein Problem gegeben habe, würden sie 

sagen, sie seien es gewesen. Er – C._____ – sei ja damals nicht anwesend ge-

wesen (HD 4/10 S. 14, 18). Er wolle den Beschuldigten nicht beschuldigen, denn 

er habe es nicht gesehen (HD 4/10 S. 19). Das habe er indessen "auf der Strasse 

gehört" (HD 4/10 S. 20). 

- 16 - 

Mit der Vorinstanz (Urk. 110 S. 19/20) ist wesentliche Schlussfolgerung aus den 

Aussagen von C._____ , dass er das Telefongespräch vom 27. Februar 2009 mit 

dem Beschuldigten offensichtlich auch so verstanden hat, wie dies unter Erw. 

3.3.2 vorstehend dargestellt worden ist und der objektiven Wahrnehmung ent-

spricht. Auch wenn er dies im Verlaufe der Einvernahmen abschwächen wollte, ist 

aus besagtem Telefongespräch überdies zu schliessen, dass C._____ dem Be-

schuldigten geglaubt hat, auf den Privatkläger geschossen zu haben; jedenfalls 

wäre das Gegenteil der Aufnahme nicht im Ansatz zu entnehmen. Dass sich der 

Beschuldigte C._____ gegenüber in einem verdeckt überwachten Telefonge-

spräch wahrheitswidrig der Tat hätte bezichtigen sollen, ist sodann vollkommen 

unplausibel und wäre nicht erklärlich – und wird denn auch weder von der Vertei-

digung (der Beschuldigte habe damit prahlen wollen, Urk. 92 S. 5, Prot. I S. 11/12 

– womit sich die Verteidigung aber ohnehin zu den Aussagen des Beschuldigten 

in Widerspruch setzt) noch von C._____ nachvollziehbar erklärt. Wenn dieser 

schliesslich wiederholt aussagte, er habe "auf der Strasse" gehört, dass der Be-

schuldigte geschossen habe, ist dies zwar kein ausschlaggebender Beweis. 

Nachdem aber auch verschiedene andere Zeugen so ausgesagt haben (s. dazu 

später), erscheint indessen als erstellt, dass in …kreisen [von Angehörigen des 

Staates G._____] effektiv herumerzählt worden ist, dass der Beschuldigte der 

Schütze vom 27. Februar 2009 sei. Das Kursieren solcher Informationen als Sol-

ches spricht zwar selbstredend nicht für deren Wahrheit. Im vorliegenden Fall ist 

es aber immerhin als gewisses Indiz für einen wahren Kerngehalt zu werten, 

nachdem das "Buschtelefon" in …kreisen [von Angehörigen des Staates 

G._____] ganz offensichtlich bestens funktioniert und anscheinend eine wesentli-

che Informationsquelle ist. Stellvertretend dafür sei C._____ zitiert: "So sind wir … 

[Angehörige des Staates G._____] hier. Wir haben ja keine Zeitung. Und deshalb 

rufen wir uns ständig an und teilen uns solche Sachen mit. [...] Sie [H._____, die 

Frau von C._____] hat es erfahren, wie alle anderen es erfahren haben". Rück-

frage Staatsanwalt: "Wie?". C._____ : "Bern, Basel, alle" (HD 4/8 S. 5). 

Den Aussagen von C._____ ist mithin nichts zu entnehmen, was gegen die aus 

den bereits erwähnten Telefonaufzeichnungen gewonnen Schlüsse sprechen 

würde. Gegenteils sprechen sie dahingehend für eine Täterschaft des Beschuldig-

- 17 - 

ten, als C._____ damals ebenfalls davon ausgegangen ist, dass der Beschuldigte 

auf den Privatkläger geschossen hat. 

3.5. F._____ ist die Ex-Freundin des Beschuldigten und hat mit diesem – wie 

vorstehend erläutert (Erw. 3.3.3) – am Nachmittag des 27. Februar 2009, 16.01 

Uhr, telefoniert. Auch ihre Aussagen wurden von der Vorinstanz zutreffend wie-

dergegeben und gewürdigt, sodass zunächst darauf verwiesen werden kann (Urk. 

110 S. 20 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Den Erwägungen der Vorinstanz, die zunächst 

vor dem Hintergrund der Trennung F._____'s vom Beschuldigten drei bis vier 

Monate vor der Tat die Frage der Glaubwürdigkeit aufwirft (Urk. 110 S. 20/21), ist 

hinzuzufügen, dass diese Überlegungen für die Aussagen von F._____ vor den 

Untersuchungsbehörden Geltung haben mögen. Am Telefon mit dem Beschuldig-

ten vom 27. Februar 2009 hatte sie indessen – naturgemäss – keine Ahnung da-

von, dass das Gespräch überwacht wurde und später Eingang in Strafakten fin-

det. Gleichwohl brachte sie auch in jenem Gespräch deutlich zum Ausdruck, dass 

sie den Beschuldigten für den Täter hält (welchen Schluss sie dann auch als Zeu-

gin bestätigte: HD 5/9 S. 6/7). Es gilt deshalb hier – mutatis mutandis – Ähnliches 

wie bei den Aussagen von C._____ : Auch F._____ war aufgrund dessen, was sie 

in …kreisen [von Angehörigen des Staates G._____] "auf der Strasse gehört" hat 

("Unter … [Angehörigen des Staates G._____] weiss man alles", HD 5/8 S. 3; HD 

5/9 S. 4, 5), überzeugt, dass der Beschuldigte der Täter ist (HD 5/9 S. 6/7) – an-

ders können auch ihre Aussagen am überwachten Telefongespräch vom 27. Feb-

ruar 2009 nicht gedeutet werden: die Schuldvorwürfe, der Appell an das Gewis-

sen und die Frage, was er nun vorhabe (d.h. ob er zur Polizei gehe oder wegge-

he; vgl. HD 5/9 S. 7), ergäben sonst schlicht keinen Sinn. Auch F._____ misst 

damit dem fraglichen Telefongespräch die Bedeutung zu, wie sie sich einem neut-

ralen Zuhörer erschliesst; auch für sie ergaben sich offensichtlich keinerlei An-

haltspunkte darauf, dass der Beschuldigte nicht der Täter gewesen sein könnte. 

Den Aussagen von F._____ ist deshalb ebenfalls nichts zu entnehmen, was ge-

gen die objektiven Schlüsse aus den Telefonaufzeichnungen sprechen würde. 

Gegenteils war auch F._____ überzeugt, dass der Beschuldigte auf den Privat-

kläger geschossen hat. 

- 18 - 

3.6. B._____ arbeitete zum Zeitpunkt der Tat im " D._____" an der Bar und sagte 

aus, sie habe nach dem Ertönen des Schusses den Beschuldigten mit einer Waf-

fe neben dem am Boden liegenden Privatkläger gesehen. Auch hier kann zu-

nächst auf die ausführliche Zusammenfassung ihrer Aussagen im vor-

instanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 110 S. 25 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.6.1. Die Vorinstanz beurteilte die Aussagen von B._____ nach einer sorgfältigen 

Würdigung als glaubhaft. Dies ist zutreffend. So sagte sie im Kernpunkt stets 

gleichbleibend aus, sie habe eine Schlägerei wahrgenommen und anschliessend 

einen Schuss gehört, worauf sie sofort Licht gemacht habe. Daraufhin habe sie 

den Privatkläger am Boden liegen sehen und daneben stehend den Beschuldig-

ten mit einer Waffe in der Hand gesehen (HD 5/1 S. 1, 3; HD 5/2 S. 2/3, 5, 6, 12, 

13). Die von der Vorinstanz herausgearbeiteten Widersprüche (Urk. 110 S. 26/27) 

sind untergeordneter Natur, mit dem Zeitablauf zwischen den beiden Einvernah-

men vom 27. Februar 2009 und 28. Mai 2009 erklärbar (HD 5/1 und 5/2) und letzt-

lich gar ein Wahrheitsindiz dahingehend, als falsche Anschuldigungen über meh-

rere Einvernahmen hinweg tendenziell eher gleichbleibend sind, weil sie eingeübt 

und gelernt werden. So deutet auf ehrliche Aussagen hin, dass B._____ in der 

Einvernahme vom Tattag noch aussagte, der Beschuldigte habe nach dem 

Schuss den Finger vor den Mund gehalten und ihr durch ein "pscht" bzw. "du Ru-

he" bedeutet, sie solle schweigen, währenddem sie sich in der staatsanwaltschaft-

lichen Einvernahme drei Monate später an Solches nicht mehr zu erinnern ver-

mochte (s. dazu die Vorinstanz in Urk. 110 S. 26). Wollte sie den Beschuldigten 

falsch anschuldigen, wäre eher zu erwarten gewesen, dass sie dieses grundsätz-

lich sehr belastende Element als Teil der "Story" auch in der Einvernahme vom 

28. Mai 2009 vorgebracht hätte – oder dann hätte sie auf Vorhalt ihrer ersten 

Aussage wenigstens vorgegeben, sich wieder daran zu erinnern. Dass sie aber 

gegenteils beim Staatsanwalt einräumte, sich nicht mehr daran zu erinnern (HD 

5/2 S. 4), deutet auf wahrheitsgetreue Aussagen hin. Nachvollziehbar erscheint 

sodann der Widerspruch betreffend die Frage, ob B._____ den dem Schuss vo-

rausgegangenen Schlag mit einer Flasche gegen den Privatkläger gesehen habe 

(dazu Urk. 110 S. 27). Schon der Umstand, dass B._____ innerhalb derselben 

Einvernahme einmal aussagte, sie habe den Schlag gesehen, und einmal, sie 

- 19 - 

habe dies nur gehört (a.a.O.), spricht angesichts der Umstände für freie, spontane 

Aussagen: Zunächst handelte es sich neben dem nachfolgenden Schuss beim 

Schlag mit der Flasche um eher ein Randgeschehen, sodann wurde die Aufmerk-

samkeit B._____ s gerade erst durch den Schlag auf die Auseinandersetzung ge-

lenkt (vgl. HD 5/2 S. 12), weiter vermischt das menschliche Gehirn bekanntlich 

oftmals scheinbar logische und zwingende Geschehensabläufe zu einer  

– vermeintlichen – tatsächlichen Wahrnehmung und schliesslich geht auch aus 

den Aussagen von B._____ hervor, dass nach dem Vorfall ganz offensichtlich viel 

gesprochen worden ist – jedenfalls nimmt auch sie teilweise Bezug auf "die Leu-

te", die etwas erzählt oder sie etwas gefragt hätten (HD 5/2 S. 4, 7). Dass sie zum 

Schluss der Einvernahme vom 28. Mai 2009 entgegen ihren ursprünglichen De-

positionen erklärte, sie habe den Schlag gesehen (HD 5/2 S. 11 im Gegensatz zu 

S. 4), ist deshalb kein Lügensignal, sondern ein Kennzeichen "ungefilterter" Aus-

sagen: Aufgrund ihrer Wahrnehmungen war B._____ einfach offensichtlich über-

zeugt davon, dass der Privatkläger mit einer Flasche niedergeschlagen worden ist 

(was ja auch dem tatsächlichen Geschehen entsprach), und ob sie dies nun ganz 

direkt mit eigenen Augen gesehen oder subjektiv zwingend aus den Sachumstän-

den abgeleitet hat (vgl. dazu etwa HD 5/2 S. 4: "Ich sah ihn zu Boden gehen."), 

war in ihren Augen kaum von grosser Relevanz. 

3.6.2. Die Vorinstanz hat auch zutreffend den Vorwurf des Beschuldigten ent-

kräftet, B._____ beschuldigte ihn zu Unrecht, weil sie "ihre Arbeit schützen" wolle 

(Urk. 110 S. 23/24; Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie gesehen, sind schon ihren Aussa-

gen an sich keine dahingehenden Signale zu entnehmen: Namentlich ist zu un-

terstreichen, dass B._____ bekanntlich nicht behauptet, den Beschuldigten 

schiessen gesehen zu haben, und ihn mithin nicht übermässig belastet. Sodann 

wäre mit der Vorinstanz lebensfremd anzunehmen, dass sich B._____ der ange-

sichts der Grosszahl potenzieller Augenzeugen grossen Gefahr des "Auffliegens" 

einer falschen Anschuldigung ausgesetzt hätte, um "ihre Arbeit zu schützen" oder 

weil es sich beim Privatkläger um einen guten Kunden handelte. Diese Erklä-

rungsversuche des Beschuldigten erscheinen als gleichsam krampfhaft gesucht. 

- 20 - 

3.6.3. Vor diesem Hintergrund erscheint auch nicht erforderlich, B._____ im Sinne 

des Beweisantrags des Verteidigers vom 1. November 2011 (Urk. 136) im Beru-

fungsverfahren nochmals einzuvernehmen. Nachdem gemäss Art. 389 Abs. 1 

StPO das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen beruht, die im Vorverfahren 

und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind, käme eine solche 

Wiederholung von Beweisabnahmen nur in Frage, wenn Beweisvorschriften ver-

letzt worden wären, die Beweiserhebungen unvollständig wären oder wenn die 

Akten über die Beweiserhebungen unzuverlässig erschienen (Art. 389 Abs. 2 

StPO). Davon ist bei den Einvernahmen von B._____ nichts festzustellen. Auch 

der Verteidiger macht – zutreffenderweise – nicht geltend, dass Beweisvorschrif-

ten verletzt worden wären, und was er weiter zur Begründung seines Beweisan-

trags vorbringt, schlägt nicht durch: 

3.6.3.1. Dass die Vorinstanz in den Augen der Verteidigung "trotz bestehender 

Widersprüche" auf die Aussagen der Zeugin abstütze und nicht auszuschliessen 

sei, "dass sich die Berufungsinstanz ebenfalls auf die Aussagen der Zeugin ab-

stützen möchte" (Urk. 136 S. 1), beschlägt die Frage der Beweiswürdigung und 

kann alleine deshalb, weil der Verteidiger die vorinstanzliche Auffassung nicht 

teilt, kein Anlass dafür sein, Beweisabnahmen zu wiederholen. 

3.6.3.2. Falsch ist sodann die Behauptung der Verteidigung, dass die Untersu-

chungsbehörde der Zeugin vor dem Hintergrund der zum Tatzeitpunkt weiteren 

anwesenden Personen nicht die Frage gestellt habe, ob sie wahrgenommen ha-

be, ob auch andere Personen eine Waffe auf sich getragen hätten, weshalb die 

Beweiserhebungen insofern unvollständig seien (Urk. 136 S. 1/2): In der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. Mai 2009 wurde B._____ sehr wohl ge-

fragt: "Haben Sie in diesem Moment bei anderen Leuten noch andere Waffen ge-

sehen?", worauf sie antwortete: "Nein, alle sind weggegangen" (HD 5/2 S. 3). Im 

Übrigen waren sowohl der Beschuldigte als auch sein Verteidiger an jener Ein-

vernahme anwesend und hätten ihnen wichtig erscheinende Ergänzungsfragen 

stellen können. Sie haben von dieser Möglichkeit denn auch rege Gebrauch ge-

macht (HD 5/2 S. 11-13), die von der Zeugin bereits verneinte Frage, ob sie noch 

bei anderen Leuten eine Waffe gesehen habe, indessen nicht vertieft. 

- 21 - 

3.6.3.3. Soweit der Verteidiger schliesslich ausführt, es erscheine neu, "dass die 

Zeugin bereits früher als Zeugin in eine Situation mit Schusswechsel involviert" 

gewesen sei, weshalb wichtig sei, "darüber mehr zu erfahren und auch genaueres 

über ihren Leumund zu erfahren" (Urk. 136 S. 1), nimmt er offensichtlich vage Be-

zug auf die – noch vagere – Aussage des Beschuldigten in der Schlusseinver-

nahme, B._____ habe "schon vorher weitere Probleme ... auch mit Schusswaffen" 

gehabt und stehe deshalb "im Visier der Polizei" (HD 40 S. 3). In dieser unbe-

stimmten Form erscheint daher das Vorbringen der Verteidigung nicht neu. So-

dann ist es aber ohnehin nicht geeignet, Zweifel an der vorstehend abgehandel-

ten und bejahten Glaubwürdigkeit von B._____ zu nähren. Selbst wenn es so wä-

re, dass B._____ tatsächlich "bereits früher als Zeugin in eine Situation mit 

Schusswechsel involviert" gewesen ist – was immer das in dieser völlig unbe-

stimmten Form heissen mag –, würde dies nichts daran ändern, dass sie im vor-

liegenden Verfahren als glaubwürdig und ihre Aussagen als glaubhaft einzustufen 

sind. Es sei dazu auf die vorstehenden Erwägungen (Ziff. 3.5.1 und 3.6.2) verwie-

sen. Im Übrigen verneinte B._____ in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 

die Frage: "Gab es zuvor schon mal einen Vorfall?" (HD 5/2 S. 7) und hätte des-

halb ebenfalls bereits dort die Möglichkeit für den Angeschuldigten und dessen 

Verteidigung zur Nachfrage bestanden (zur Zulässigkeit solcher antizipierter Be-

weiswürdigung vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3 mit weiteren Hinweisen). 

3.6.3.4. Vor diesem Hintergrund und im Lichte von Art. 389 Abs. 2 StPO besteht 

damit kein Anlass, B._____ im Berufungsverfahren nochmals zu befragen. 

3.6.4. Zusammenfassend ist – mit der Vorinstanz – davon auszugehen, dass 

B._____ unmittelbar nach dem Schuss den Beschuldigten mit einer Waffe in der 

Hand neben dem Privatkläger hat stehen sehen. Nachdem B._____ sonst nie-

manden mit einer Waffe wahrgenommen hat, ist dies –zusammen mit dem übri-

gen Beweisergebnis – ein weiteres Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten. 

3.7. Die Vorinstanz hat auch die Aussagen des Privatklägers sehr ausführlich 

wiedergegeben (Urk. 110 S. 29 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Auf das Wesentlichste 

zusammengefasst ergibt sich daraus, dass er zunächst mit einer Flasche von  

hinten einen Schlag auf den Hinterkopf erhalten habe und sodann, am Boden  

- 22 - 

liegend, angeschossen worden sei, wobei er durchwegs den Beschuldigten als 

Schützen bezeichnete.  

3.7.1. Das Aussageverhalten des Privatklägers belegt aber, dass er die Wahrheit 

als recht variable Grösse ansieht. Insbesondere nicht nachvollziehbar ist, dass er, 

nachdem in den ersten drei Einvernahmen jeweils ausgesagt hatte, die umste-

henden Leute hätten ihm gesagt, der Beschuldigte habe geschossen, in der – auf 

sein Ersuchen hin abgehaltenen (HD 3/6 S. 1) – Einvernahme vom 10. März 2010 

plötzlich mit Bestimmtheit erklärte, er habe gesehen, wie der Beschuldigte auf ihn 

geschossen habe. Davon abgesehen, dass schlicht nicht erklärlich wäre, weshalb 

der Privatkläger den Beschuldigten in den ersten Einvernahmen zwar hätte belas-

ten, aber nicht aussagen sollen, er habe ihn schiessen sehen, wenn er ihn tat-

sächlich schiessen gesehen hat, sind auch die Erklärungen des Privatklägers zu 

diesem Widerspruch völlig unplausibel und ohne Sinn (HD 3/6 S. 10/11). Warum 

es erstens überhaupt hätte zu einer weitergehenden Untersuchung kommen  

sollen, wenn er schon von Anfang an gesagt hätte, den Beschuldigten schiessen 

gesehen zu haben, und warum dies zweitens dem Privatkläger angeblich zu Be-

fürchtungen hätte Anlass geben sollen, bleibt komplett unergründlich. Der ganze 

Ablauf der Einvernahmen kann nur so gedeutet werden, dass der Privatkläger  

offensichtlich – aus was für Gründen auch immer – mit seinen Aussagen als Aus-

kunftsperson ein knappes Jahr nach seiner Zeugenaussage (vgl. HD 3/5 und 3/6) 

die Verurteilung des – von ihm ja schon vorgängig belasteten – Beschuldigten 

"absichern" wollte. Dass der Privatkläger tatsächlich gesehen hat, wie der  

Beschuldigte auf ihn geschossen habe, ist ihm – mit der Vorinstanz (Urk. 110 

S. 35/36) – deshalb nicht abzunehmen. Wenn dies tatsächlich so gewesen wäre, 

hätte er dies schon von Anfang an so ausgesagt, nachdem er ja – wie gesehen – 

den Beschuldigten ohnehin schon von Anfang an belastete und für sein Aussage-

verhalten keine auch nur annähernd nachvollziehbare Erklärung geben konnte. 

3.7.2. Dies führt allerdings nicht dazu, dass den Aussagen des Privatklägers voll-

umfänglich kein Glauben zu schenken wäre: Zutreffenderweise hat die Vorinstanz 

aufgrund seiner diesbezüglich konstanten und plausiblen Erklärungen ge-

schlossen, dass er vorab mit einer Flasche einen Schlag auf den Kopf erhalten 

- 23 - 

hat und deswegen zu Boden gegangen ist, zumal dies mit Aussagen von weiteren 

Beteiligten übereinstimmt und sich mit den ärztlichen und den Feststellungen im 

Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 27. April 2010 deckt (Urk. 110 

S. 35; HD 14/5 S. 1; HD 15/5 S. 6). Und ebenso ergibt sich aus den Aussagen 

des Privatklägers klar, dass er seiner Meinung nach vom Beschuldigten  

angeschossen worden ist, nachdem ihm das nach dem Vorfall von verschiedenen 

Personen gesagt worden sei (HD 3/4 S. 4; HD 3/5 S. 4). 

3.7.3. Mit ähnlicher Begründung wie vorstehend bei B._____ (Erw. 3.6.3) ist nicht 

erforderlich, dem Beweisantrag der Verteidigung entsprechend den Privatkläger 

im Berufungsverfahren nochmals einzuvernehmen:  

3.7.3.1. Dass "nicht auszuschliessen sei, dass sich die Berufungsinstanz [wie die 

Vorinstanz] auf die Aussagen des Geschädigten abstützen möchte" (Urk. 140 

S. 1), beschlägt – wie bereits erörtert – eine Frage der Beweiswürdigung und ist 

zur Begründung untauglich, es liege ein Grund vor, der im Sinne von Art. 389 

Abs. 2 StPO die Wiederholung einer Beweisabnahme erforderlich mache. 

3.7.3.2. Sodann stimmt im Zusammenhang mit dem Privatkläger zwar, dass die-

ser nie danach gefragt worden ist, ob er wahrgenommen habe, ob noch andere 

Personen eine Waffe auf sich getragen hätten (Urk. 140 S. 1/2). Hiezu ist aber 

zunächst unter Verweis auf die vorstehenden Erwägungen festzuhalten, dass der 

Privatkläger – entgegen seinen Aussagen in der letzten Einvernahme – auch den 

Beschuldigten nicht mit einer Waffe gesehen hat. Seine Überzeugung, dieser  

habe auf ihn geschossen, gründet vielmehr auf Aussagen, die ihm gegenüber 

unmittelbar nach dem Ereignis gemacht worden sind. Angesichts des vor dem 

Hintergrund der letzten Aussagen vom 10. März 2010 offensichtlichen Bestrebens 

des Privatklägers, den Beschuldigten zu belasten, kann sodann praktisch ausge-

schlossen werden, dass er in einer ergänzenden Befragung – nota bene als ein-

ziger – aussagen würde, er habe noch andere Personen mit einer Waffe gesehen. 

Selbst denn dem wider Erwarten aber so wäre, würde dies keinen Einfluss auf die 

gesamte Beweiswürdigung haben – der Umstand, dass möglicherweise noch je-

mand anderer im " D._____" eine Waffe auf sich getragen hat, änderte nichts da-

ran, dass alle Indizien und namentlich auch die übrigen Aussagen des Privatklä-

- 24 - 

gers für eine Täterschaft des Beschuldigten und keine dagegen sprechen. Auch 

hier sei zur Zulässigkeit einer solchen antizipierten Beweiswürdigung auf BGE 

134 I 140 E. 5.3 verwiesen. 

3.8. I._____ bezeichnet den Beschuldigten als seinen Freund (was auf Gegen-

seitigkeit beruht: vgl. HD 2/3 S. 11) und traf mit ihm am Nachmittag des Tattags 

zusammen, und in der von ihm zusammen mit seiner Freundin bewohnten Woh-

nung in K._____ wurde der Beschuldigte damals verhaftet (HD 5/4 S. 4 f.; HD 5/5 

S. 2). Für die zutreffende Zusammenfassung und Würdigung seiner Aussagen sei 

auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen (Urk. 110 S. 36 ff.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Als Quintessenz daraus bleibt, dass auch I._____ erklärte, "auf der Stras-

se" davon gehört zu haben, dass der Beschuldigte auf einen anderen geschossen 

habe; "die ganze Welt" habe davon erzählt (HD 5/5 S. 7, 8). Dies deckt sich mit 

verschiedenen anderen Aussagen und belegt ein weiteres Mal, dass in …kreisen 

[von Angehörigen des Staates G._____ ] über den Beschuldigten als Täter ge-

sprochen worden ist. 

3.9. Gleiches ergibt sich aus den Aussagen von L._____ und M._____, dem DJ 

und dem Geschäftsführer des " D._____". Beide waren zum Tatzeitpunkt im Lo-

kal, haben nicht gesehen, wer geschossen hat, gehen aber aufgrund von Aussa-

gen Dritter davon aus, dass es sich dabei um den Beschuldigten gehandelt hat, 

was sich offenbar mit ihren eigenen Beobachtungen in Einklang bringen lässt. 

Auch diesbezüglich kann für die zutreffende Zusammenfassung und Würdigung 

der Aussagen auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 110 S. 38 ff.; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.10. Unergiebig sind die Aussagen von N._____, der am Tattag mit dem Be-

schuldigten und C._____ zum Flughafen gefahren ist, um seinen – N._____s – 

Schwiegersohn abzuholen (Urk. 110 S. 43 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ebensolches 

gilt für die – lediglich polizeilichen – Depositionen von O._____ (a.a.O. S. 44/45; 

Art. 82 Abs. 4 StPO).  

3.11. Nichts zugunsten oder zulasten des Beschuldigten kann schliesslich auch 

aus den Aussagen von P._____ und Q._____ abgeleitet werden. Ob den Tatsa-

- 25 - 

chen entsprechend oder nicht (vgl. dazu die wohl berechtigten Zweifel der Vo-

rinstanz in Urk. 110 S. 46), geben sich beide – obwohl an jenem Abend im " 

D._____" anwesend – bezüglich der konkreten Vorfälle (Flaschenschlag, Schuss) 

nichtwissend (Urk. 110 S. 45 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.12. Wieder näher ist auf die Aussagen des Beschuldigten einzugehen (vgl. hie-

zu die vorinstanzlichen Erwägungen in Urk. 110 S. 49 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Es 

ist folgendes herauszustreichen: 

3.12.1. In der tatnächsten Einvernahme nach seiner Verhaftung am 28. Februar 

2009 fällt auf, dass der Beschuldigte äusserst zögerliche, ausweichende, diffuse 

und teils auch absurde Antworten gibt. Es ist offensichtlich, dass er nicht frei und 

spontan, sondern gesteuert Auskunft gibt, darauf achtend, möglichst nichts preis-

zugeben. So antwortete er zunächst, nachdem er eingestanden hatte, "bei die-

sem Vorfall" im " D._____" anwesend gewesen zu sein, auf die Frage "Was ha-

ben Sie mitbekommen?", nicht sehr sinnreich mit "Das, was ich da mitbekommen 

habe ... und das, was mit diesem Mann passiert ist." Auf die Nachfrage des 

Staatsanwaltes erwiderte der Beschuldigte: "Der hatte Probleme mit diesen Leu-

ten und eben." Die Konversation fuhr fort: "Eben was" – "Ja, er hatte Probleme 

mit diesen Leuten. Er kennt diese Leute von R._____." – "Welche Leute kennt er 

von R._____?" – "Die Leute, mit denen er Probleme hat." Erst auf weitere Nach-

frage nannte der Beschuldigte dann "…", "…" und "…" und später – es mussten 

ihm offensichtlich "die Würmer zur Nase herausgezogen werden" – sagte er, es 

habe einen Schuss gegeben. Auf die Frage, wer geschossen habe, erfolgte zu-

nächst die Rückfrage: "Das gibt für mich Probleme. Das ist eine ernsthafte Ange-

legenheit. Werden Sie mich beschützen?" Obwohl der Staatsanwalt daraufhin 

versicherte, er werde dies im Rahmen seiner Möglichkeiten tun, antwortet der Be-

schuldigte gleichwohl nur: "Es gab viele Leute und viel Musik.", und sodann ver-

neinte er, gesehen zu haben, wer geschossen habe (HD 2/3 S. 6/7). Nach einer 

wenig erspriesslichen Diskussion darüber, woher er wisse, dass es einen Schuss 

auf eine Person gegeben hat (Zeitung, "alle haben es gesagt" etc.), sagte der Be-

schuldigte schliesslich: "Ich war ja dort. Alle diese Leute waren auch dort. Ich ha-

be ja gesehen, was geschehen ist." Letzteres sogleich mit der Frage aufneh-

- 26 - 

mend: "Und was haben Sie gesehen?", versuchte der Staatsanwalt nachzuhaken, 

erhielt aber die (nach der vorhergehenden Aussage schon nahezu absurde) Ant-

wort: "Nichts habe ich gesehen." – nur um unmittelbar danach folgen zu lassen: 

"Ich habe das gesehen, was alle gesehen haben." (HD 2/3 S. 7).  

Der Staatsanwalt liess vorübergehend von diesem Thema ab und fragte später  

direkt, ob der Beschuldigte der Schütze sei. Nachdem dieser die Frage verneint 

hatte, wollte der Staatsanwalt wissen, ob eine der Personen, welche mit ihm  

– dem Beschuldigten – zusammen gewesen sei, der Schütze sei. Ausweichend 

antwortete der Beschuldigte: "Das sagt man so.", und er verwies gar auf das  

Opfer: "Der Verletzte sollte wissen, wer auf ihn geschossen hat." Hierauf konfron-

tierte ihn der Staatsanwalt damit, dass gemäss Aussage des Privatklägers der 

Beschuldigte geschossen habe, worauf der Beschuldigte mit Gegenfragen  

("Ich." – "Dass ich auf ihn geschossen habe?") und gemäss Protokollnotiz mit  

einem theatralischen Stöhnen reagierte (HD 2/3 S. 13).  

Im weiteren Verlauf der Einvernahme folgten unter anderem noch widersprüchli-

che Aussagen des Beschuldigten darüber, ob nun der Verletzte vor oder nach 

dem Schuss zu Boden gegangen sei (HD 2/3 S. 14/15). 

Diese erste Einvernahme hinterlässt einen denkbar schlechten Eindruck des Be-

schuldigten und ist jedenfalls alles andere als geeignet, den Verdacht von ihm 

wegzulenken (vgl. dazu auch Urk. 110 S. 51/52; Art. 82 Abs. 4 StPO). Mit der Vo-

rinstanz (Urk. 110 S. 51) ist auch die Reaktion des Beschuldigten auf den erstma-

ligen Vorhalt der Anschuldigung des Privatklägers für eine unschuldige Person als 

äusserst ungewöhnlich zu bezeichnen und könnte eine gewisse Überraschung 

des Beschuldigten damit zu erklären sein, dass er – wie seinem Telefongespräch 

mit C._____ vom 27. Februar 2009 zu entnehmen ist (vgl. Erw. 3.3.1 vorstehend) 

– davon ausgegangen war, dass der Angeschossene im Sterben liegt (und eben 

keine Aussagen mehr machen kann). 

3.12.2. Vier Tage später, in der haftrichterlichen Befragung vom 2. März 2009, 

bezeichnete der Beschuldigte dann ausdrücklich eine Person namens "…" als Tä-

ter (HD 2/4 S. 5). Die polizeiliche Einvernahme vom 27. März 2009 war hierauf 

- 27 - 

geprägt von Bestreitungen des Beschuldigten; entgegen anderslautenden Aussa-

gen von weiteren Befragten sei er nicht an einem Streit beteiligt gewesen, sei 

dem Opfer keine Flasche über den Kopf geschlagen worden und habe er nicht 

geschossen.  

Diese Einvernahmen geben nicht viel her. Allerdings leuchtet nicht wirklich ein, 

wenn der Beschuldigte geltend macht, er werde falsch beschuldigt, "weil man 

mich dort, im Gegensatz zu den andern, kennt" (HD 2/5 S. 2 ff.): Davon abgese-

hen, dass – wie verschiedene andere Einvernahmen zeigen – es keineswegs so 

ist, dass "die andern" einfach unbekannt wären, bleibt der Beschuldigte auch eine 

Antwort schuldig, weshalb denn ausgerechnet ein "Bekannter" – quasi "faute de 

mieux" – fälschlicherweise angeschuldigt werden sollte, zumal der Beschuldigte 

auch nicht geltend macht und nicht ersichtlich wäre, dass zwischen ihm und den 

ihn angeblich falsch Anschuldigenden eine Feindschaft bestehen würde. 

3.12.3. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. April 2009 wurde 

dann vertieft, dass nach Aussage des Beschuldigten "…" der Täter sei. Der Be-

schuldigte wollte das nicht gesehen, sondern daraus geschlossen haben, "weil er 

die einzige Person war, die mit ihm war" (HD 2/6 S. 2). Im Moment der Schussab-

gabe habe es ein Gerangel zwischen "…" und dem Privatkläger gegeben, und 

dieser sei nach dem Schuss zu Boden gegangen (HD 2/6 S. 4). Schon letzteres 

widerspricht aber den diesbezüglich einheitlichen Aussagen der anderen Zeugen, 

wonach der Privatkläger zufolge des Schlags mit der Flasche – von welchem der 

Beschuldigte ebenfalls nichts mitbekommen haben will – zunächst zu Boden ge-

gangen ist, bevor hernach der Schuss erfolgte.  

3.12.4. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. Juli 2009 wurde der 

Beschuldigte dann erstmals mit den Aufzeichnungen der überwachten Telefon-

gespräche konfrontiert. Zum zentralen Gespräch mit C._____ vom 27. Februar 

2009, 13.23 (vgl. vorstehend Erw. 3.3.1), beliess er es jedoch bei inhaltsleeren, 

pauschalen Bestreitungen; zunächst bestritt er gar, dass er Teilnehmer des fragli-

chen Gesprächs gewesen sei (woran er später dann allerdings nicht mehr fest-

hielt) (HD 2/8 S. 5). Ebenso auf Vorhalt entsprechender Telefongespräche kam 

sodann ein Vorfall zutage, der als mutmassliches Motiv des Beschuldigten in Fra-

- 28 - 

ge käme und jedenfalls das Verhältnis zwischen ihm und dem Privatkläger als 

nicht derart unbelastet erscheinen lässt, wie es der Beschuldigte glauben machen 

wollte: Er musste nämlich einräumen, dass ihm einige Tage vor dem Vorfall im 

"D._____" eine Gruppe um den Geschädigten gewaltsam ein Auto weggenom-

men hatte, welches ihm von C._____ ausgeliehen worden war, indessen auch 

nicht ihm, sondern einem S._____ gehörte (HD 2/8 S. 9 ff.). Dabei hatte der Pri-

vatkläger offenbar den Beschuldigten am Hals gepackt (HD 2/8 S. 12) und war ein 

Messer zumindest mit im Spiel (HD 2/8 S. 11, 13). Auf Vorhalt, dass zwischen 

diesem Vorfall und der Tat im " D._____" ein Zusammenhang bestehen könnte, 

erwiderte der Beschuldigte nur: "Er [der Privatkläger] hatte Probleme mit anderen 

Personen." (HD 2/8 S. 13). 

3.12.5. In der Konfrontationseinvernahme mit C._____ vom 24. Juli 2009 erklärte 

dieser, dass ihm das fragliche Auto "als Garantieleistung" überlassen worden sei, 

da man ihm Geld geschuldet habe (HD 2/9 S. 3). Die Hintergründe des Ganzen – 

und insbesondere der Wegnahme des Autos durch die Gruppe um den Privatklä-

ger – blieben jedoch unklar und im Dunkeln (HD 2/9 S. 4 ff.). Der Beschuldigte 

weigerte sich, zu diesen Umständen weiter Auskunft zu geben (HD 2/9 S. 6 ff.), 

was zwar sein strafprozessuales Recht ist, im gesamten Kontext jedoch eher et-

was unbeholfen und als Trotzreaktion erscheint. Im Folgenden wurde ein weiteres 

Mal der Ablauf des Geschehens durch besprochen. Dabei blieb der Beschuldigte 

insbesondere dabei, dass "…" "vor dem Opfer" gewesen sei, dann ein Handge-

menge begonnen habe und ein Schuss ertönt sei, worauf das Opfer zu Boden ge-

fallen sei. Niemand habe diesem auf den Kopf geschlagen (HD 2/9 S. 9). 

Zentraler Punkt dieser Konfrontationseinvernahme war dann, dass den beiden 

Einvernommenen Gelegenheit gegeben wurde, zum Telefongespräch vom 

27. Februar 2009 Stellung zu nehmen. Hierzu sei auf Erw. 3.3.1 und 3.3.2 vorste-

hend verwiesen. Darüber hinaus fällt auf, dass der Beschuldigte schliesslich die 

Interpretation anerkennt, dass er C._____ gesagt habe, der Privatkläger habe ei-

nen Schuss in den Kopf erhalten und der zweite Schuss habe sich blockiert, auch 

wenn er zu ersterem sagt, dies "wegen der Richtung des Blutes" erkannt zu ha-

ben (HD 2/9 S. 18) und zweiteres die Leute, die mit ihm zusammen gewesen sei-

- 29 - 

en, dies "so kommentiert" hätten (HD 2/9 S. 19). Nachdem der Dolmetscher – wie 

schon gesehen (Erw. 3.3.2 vorstehend) – klar erklärte, dass der Beschuldigte an 

diesem Telefongespräch von "meinem" und davon gesprochen habe, dass "es 

sich mir blockiert" habe, ist dies indessen schon nahezu ein – wenn auch unwil-

lentliches – Geständnis. 

3.12.6. Den weiteren Einvernahmen des Beschuldigten ist nichts mehr von  

wesentlichem Gehalt zu entnehmen (Urk. 110 S. 57). Einzig in der Schlusseinver-

nahme wurde der Beschuldigte dann noch gefragt, weshalb ihn der Privatkläger 

fälschlicherweise anschuldigen sollte. Soweit nachvollziehbar, entgegnete der 

Beschuldigte darauf, der Privatkläger tue dies, um "sich zu schützen", weil er  

wisse, dass "wenn jemand in Haft genommen wird, diese Person dann ausge-

schafft" werde. Der Privatkläger möchte nicht, dass man ihn "mit einer anderen 

Person in anderer Gelegenheit verwickelt" (HD 40 S. 2). Inwieweit dies nachvoll-

ziehbar sein soll, ist nicht ersichtlich: Viel eher ist doch anzunehmen, dass das 

Opfer, das wie der Privatkläger richtiggehend "hingerichtet" werden sollte, den 

richtigen Täter nennt, wenn er ihn denn erkannt hat. Was das Opfer davon haben 

sollte, bewusst einen falschen Täter zu bezichtigen, ist nicht klar – gegenteils 

müsste dann ja das Opfer befürchten, dass der richtige Täter später seine Tat 

doch noch umsetzt. Das scheint allerdings auch der Beschuldigte einzusehen, 

wenn er schliesslich sagt – seine vorherige Theorie widerlegend: "Wenn man von 

jemandem angegriffen wird, hat man doch keinen Grund, bei der polizeilichen 

Einvernahme etwas anderes zu erzählen" (HD 40 S. 2). Soweit der Beschuldigte 

in dieser Einvernahme weiter Erklärungen darüber abgab, weshalb ihn B._____ 

zu Unrecht belasten sollte (HD 40 S. 3), sei auf Erw. 3.6.2 vorstehend verwiesen. 

3.12.7. Gesamthaft beurteilt, erscheinen die Aussagen des Beschuldigte als un-

behelfliche Schutzbehauptungen: Wie bereits ausführlich dargelegt, blieb er in der 

ersten, tatnächsten Einvernahme äusserst diffus und legte ein Aussageverhalten 

an den Tag, das auf eklatante Weise nicht als frei und spontan, sondern kaschie-

rend in dem Sinne erscheint, als offensichtlich nicht "zuviel" bzw. die Wahrheit 

preisgegeben werden sollte. Ab der zweiten Einvernahme legte sich der Beschul-

digte dann fest, "…" als Täter zu bezeichnen. Damit setzt er sich indessen in Wi-

- 30 - 

derspruch zu allen anderen diesbezüglichen Zeugenaussagen; gemäss B._____ 

und dem Privatkläger war "…" zudem damals gar nicht anwesend. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte ausgesagt, dass gemäss den ersten 

Äusserungen des Privatklägers "…" bzw. "…" geschossen habe (Urk. 144 S. 5). 

Hierzu ist anzumerken, dass der Beschuldigte heute zum ersten Mal erklärt, dass 

es sich bei den beiden Übernamen um ein und dieselbe Person handelt. Ausser-

dem stimmt die Behauptung, der Privatkläger habe sich dahingehend geäussert, 

schlicht nicht: Der Privatkläger hat "…" zwar in seiner ersten Einvernahme er-

wähnt, jedoch explizit ausgesagt, dass dieser nur gesprochen habe (Urk. 3/1 S. 

2). Im Übrigen war der Beschuldigte an der Einvernahme von Q._____ alias "…" 

anwesend und liess die Ergänzungsfrage stellen, ob dieser den Beschuldigten 

gesehen habe, als er das Geräusch gehört habe (Urk. 5/15 S. 5). Wenn der Be-

schuldigte jedoch zu Unrecht angeschuldigt worden wäre und Q._____ als Ver-

dächtigen betrachtet hätte, hätte er ihm entsprechende Ergänzungsfragen stellen 

können, was jedoch nicht geschah. Dieser Einwand des Beschuldigten ist folglich 

völlig aus der Luft gegriffen und unbeachtlich. Ebenso setzt sich der Beschuldigte 

in Widerspruch zu sämtlichen diesbezüglichen Zeugenaussagen, wenn er immer 

verneinte, dass dem Privatkläger eine Flasche über den Kopf geschlagen worden 

sei; dies widerspricht überdies auch den medizinischen Feststellungen über die 

Verletzungen des Privatklägers. Sodann fällt eine Grosszahl von Widersprüchen 

und nachweislichen Falschaussagen auf, welche die Vorinstanz sorgfältig  

herausgearbeitet hat (insb. Urk. 110 S. 54 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO), was klare 

Fantasiesignale sind. Und schliesslich sind die Erklärungen des Beschuldigten 

zum Inhalt der überwachten Telefongespräche vom 27. Februar 2009 konfus und 

nicht geeignet, den objektiven Sinn, der sich daraus ergibt, anzweifeln zu lassen. 

3.13. Bezüglich der weiteren Beweismittel (Gutachten Schmauchnachweis,  

Einvernahme T._____ [Sachverständiger Schusswaffenbelange beim Forensi-

schen Institut], Gutachten des IRM) ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vo-

rinstanz zu verweisen (Urk. 110 S. 58-60; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.14. Eine gesamthafte Beweiswürdigung führt folgende Schlüsse zutage: Am An-

fang und als zentrales Beweismittel stehen die Aufzeichnungen der überwachten 

- 31 - 

Telefongespräche des Beschuldigten vom 27. Februar 2009 mit C._____ und 

F._____. Insbesondere aus dem ersten Gespräch ergibt sich ein recht eigentli-

ches Geständnis. Objektiv lässt sich den entsprechenden Aufzeichnungen nichts 

anderes entnehmen, als der Beschuldigte C._____ geschildert hat, wie er dem 

Opfer in den Kopf geschossen und sich die Waffe bei weiteren Schussversuchen 

blockiert hat, und auch C._____ hat die Ausführungen des Beschuldigten so ver-

standen, wie sich aus seinen Rückfragen anlässlich des Telefongesprächs und 

späteren Aussagen in der Untersuchung ergibt. Nachdem schliesslich auch der 

Beschuldigte anerkannte, dass er am fraglichen Telefongespräch geschildert ha-

be, es sei jemandem in den Kopf geschossen worden und hernach habe sich die 

Waffe blockiert, kann er der vorstehenden Interpretation nur noch entgegenset-

zen, er habe nicht das ausgesagt, was übersetzt worden ist. Insbesondere an der  

Konfrontationseinvernahme des Beschuldigten mit C._____ überprüfte der Dol-

metscher die fragliche Stelle der Aufzeichnung aber mehrfach und kam eindeutig 

zum Schluss, dass der Beschuldigte von "meinem" und insbesondere davon ge-

sprochen hat, dass sich die Waffe ihm selbst ("hat sich mir...") und nicht etwa ei-

nem Dritten blockiert habe. Dass der Beschuldigte effektiv so ausgesagt hat, 

ergibt sich auch aus der Rückfrage von C._____, ob sich die Waffe ihm – also 

dem Beschuldigten – blockiert habe und deshalb nur ein Schuss habe abgegeben 

werden können ("Hat sie sich dir blockiert? Nur einen dann?"). Auch C._____ ging 

damit davon aus, dass sich die Waffe dem Beschuldigten blockiert hat – und die-

ser mithin der Täter ist. Gleiches gilt für F._____, die ebenfalls am Tattag mit dem 

Beschuldigten telefonierte: Jenem Gespräch ist zu entnehmen, wie F._____ dem 

Beschuldigten Vorwürfe machte, an sein Gewissen appellierte, die Gerechtigkeit 

ansprach und dabei auf eine Person Bezug nahm, die zwar noch lebe, aber in 

schlechtem Zustand sei. Es ergibt sich aus dem Gespräch – und ihren späteren 

Aussagen in der Untersuchung – klar, dass F._____ davon ausging, dass der Be-

schuldigte der Täter ist, und ebendieses ist aus den Antworten des Beschuldigten 

an jenem Gespräch zu schliessen: Nie weist er die direkten Anwürfe von F._____ 

von sich, sondern er nimmt sie auf sich (er werde "weiterleben") und wiederholt 

scheinbar beschwichtigend mehrfach, es werde niemand davon erfahren – was 

ihm F._____ dann allerdings sogleich widerlegt, weil sein Name "in Bezug auf 

- 32 - 

dieses Thema" in aller Leute Mund sei. Das Gespräch bricht der Beschuldigte 

dann schliesslich ab mit dem Hinweis darauf, dass er mit anderen Leuten sei und 

diese nichts mitbekommen sollten.  

Aus diesen beiden Telefongesprächen ergibt sich mit aller wünschbaren Deutlich-

keit, dass der Beschuldigte an jenem 27. Februar 2009 von sich selbst als Täter 

sprach; insbesondere das erste Gespräch mit C._____ ist ein eigentliches "Ge-

ständnis". 

Dies deckt sich mit den Aussagen aller weiteren dazu befragten Personen, soweit 

diese zur Sache aussagen konnten. Insbesondere die Aussage von B._____, sie 

habe nach dem Schuss den Beschuldigten mit einer Waffe neben dem am Boden 

liegenden Opfer stehen gesehen, spricht für eine Täterschaft des Beschuldigten. 

B._____ ging denn auch effektiv davon aus, dass der Beschuldigte der Schütze 

war. Dies wurde – wie sich mehrfach ergibt – in …kreisen [von Angehörigen des 

Staates G._____] so herumerzählt und von mehreren Befragten so übernommen. 

Zwar kann eine so weiter getragene Information auch falsch sein. Es fällt jedoch 

auf, dass keine der befragten Personen dahingehend Zweifel an der Täterschaft 

des Beschuldigten anmeldete, als sie jemanden anderer verdächtigt hätte. Hier-

unter lassen sich auch die Aussagen des Privatklägers einreihen, bei welchem 

ebenfalls davon auszugehen ist, dass er lediglich von Dritten weiss, dass der Be-

schuldigte geschossen habe. 

Der aufgrund der beiden überwachten Telefongespräche ohnehin schon klare 

Schluss wird damit durch die verschiedenen Zeugenaussagen bestärkt. 

Was der Beschuldigte dagegen vorbringt, vermag diese Erkenntnisse in keiner 

Weise zu erschüttern. Wie gesehen, gelingt es ihm namentlich nicht, den abge-

hörten Telefongesprächen irgend einen anderen plausiblen Sinn zu geben als 

denjenigen, der sich aus einer objektiven Interpretation ergibt und von welchem 

auch die jeweiligen Gesprächspartner ausgegangen sind. Es ist reichlich unbehol-

fen, einfach die – mehrfach bestätigte – Übersetzung des Dolmetschers als falsch 

zu bezeichnen. Dass der Beschuldigte etwas zu verbergen hat, ergibt sich sodann 

in aller Deutlichkeit aus seiner ersten Einvernahme, wo er sich offenbar noch  

- 33 - 

keine Aussagestrategie festgelegt hat und lediglich völlig vage, unsichere, wider-

sprüchliche bis hin zu abstrusen Antworten gab. Dass er später "…" als Täter be-

zeichnete, muss dann als Teil einer gefundenen Strategie bezeichnet werden. 

Dem steht allerdings schon einmal entgegen, dass B._____ und der Privatkläger 

den als "…" bezeichneten Mann durchaus zu kennen angaben, indessen aussag-

ten, er sei zur fraglichen Zeit gar nicht im " D._____" gewesen. Jedenfalls ist da-

mit auch das ursprüngliche Argument des Beschuldigten widerlegt, er werde nur 

beschuldigt, weil er der einzige sei, den man kenne. Aber auch das, was der Be-

schuldigte später anführte, weshalb er falsch angeschuldigt werden sollte, vermag 

nicht durchzudringen. Soweit die Theorie, weshalb der Privatkläger ihn falsch an-

schuldigen sollte, überhaupt nachvollziehbar ist, widerlegte sie der Beschuldigte 

in der betreffenden Einvernahme nämlich auch gerade selber: Wenn der Privat-

kläger den Täter effektiv kennt (oder zumindest zu kennen glaubt), wäre schlicht 

nicht nachvollziehbar, weshalb er einen anderen der Tat bezichtigen sollte; denje-

nigen zu schonen, der einem kurz zuvor offensichtlich hat töten wollen, ergäbe 

herzlich wenig Sinn. Ebenfalls zumindest reichlich konstruiert erscheint die Argu-

mentation des Beschuldigten, weshalb ihn B._____ falsch beschuldige: Es kann 

ausgeschlossen werden, dass sie den Beschuldigten nur deshalb und im Interes-

se ihres Arbeitgebers falsch bezichtigen würde, weil sie einen Täter präsentieren 

will, da diesem relativ geringen "Ertrag" angesichts der vielen anwesenden Per-

sonen im gut besetzten "D._____" die hohe Gefahr gegenüber stünde, dass ihre 

Falschbeschuldigung "auffliegt". Darüber hinaus sind den Aussagen von B._____ 

auch sonst keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass sie unwahr aussagen 

würde. 

Aus den Aussagen des Waffensachverständigen T._____ ergibt sich, dass mit ei-

ner Pistole aus einer Distanz von unter zwei Metern ein Schuss auf den Privatklä-

ger abgegeben worden ist (HD 11/4 S. 2-4). Da beim Beschuldigten keine 

Schmauchspuren festgestellt werden konnten (HD 11/3 S. 6 f.) – was allerdings 

18 Stunden nach der Tat nichts Aussergewöhnliches ist (a.a.O.) –, konnte diesem 

die Schussabgaben wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Das von 

T._____ ermittelte Szenario entspricht aber dem, wie es vorab vom Privatkläger 

selbst geschildert wurde und bestätigt dieses so. Wenn der Verteidiger gestützt 

- 34 - 

auf die Aussagen des Sachverständigen als Ungereimtheit in den Aussagen des 

Privatklägers feststellen will, dass dieser nichts von einem Mündungsfeuer er-

wähnt habe (HD 11/4 S. 6; Urk. 92 S. 3; Prot. I S. 11), ist dem entgegen zu halten, 

dass dem Privatkläger eben gerade nicht abgenommen werden kann, dass er den 

Beschuldigten habe schiessen sehen. Wie vorstehend erwogen (Erw. 3.7.1), kön-

nen seine diesbezüglich Aussagen in der letzten Einvernahme nicht der Wahrheit 

entsprechen und fällt damit auch nicht ins Gewicht, dass er dabei "vergessen" 

haben könnte auszusagen, er habe ein Mündungsfeuer gesehen. Dass der Pri-

vatkläger schliesslich durch einen Schlag mit einer Flasche niedergeschlagen 

worden ist, wird durch den Arztbericht vom 23. März 2009 sowie die damit über-

einstimmenden Erkenntnisse zur Wunde des Privatklägers am Hinterkopf im Gut-

achten des IRM bestätigt (HD 14/5 S. 1; HD 15/5 S. 6). 

Dass sodann ein Schuss auf den Kopf eines am Boden liegenden Opfers aus we-

niger als 2 Metern tödliche Folgen haben kann, ist offensichtlich und wird denn 

auch durch das bereits zitierte Gutachten des IRM bekräftigt. Hiefür und für die 

weiteren sachverhaltlichen Schlussfolgerungen kann auf die zutreffenden und 

sorgfältigen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 110 S. 60 ff.; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Dies umfasst auch die leichte Einschränkung bzw. Präzisie-

rung des Anklagesachverhalts, wonach durch die Notoperation im …spital 

E._____ "das Leben des Geschädigten gerettet werden konnte" (Urk. 42 S. 3): 

Nachdem gemäss den Feststellungen im Gutachten des IRM keine konkrete Le-

bensgefahr bestanden hat, eine Schussverletzung jedoch ohne ärztliche Behand-

lung allgemein ein erhebliches Risiko lebensbedrohlicher Folgen nach sich ziehe 

(z.B. durch Hirnblutung, Wundinfektion mit Blutvergiftung) (HD 15/5 S. 4), ist die 

genannte Passage in der Anklageschrift in diesem Sinne zu verstehen. 

Mit dieser leichten Korrektur erscheint der eingeklagte Sachverhalt – mit der Vo-

rinstanz (Urk. 110 S. 67) – als erstellt. 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1. Ohne Weiteres zuzustimmen ist der durch die Vorinstanz vorgenommenen 

rechtlichen Würdigung. Wer aus einer Distanz von maximal 2 Metern einem infol-

- 35 - 

ge eines Schlages mit einer Flasche zu Boden gegangenen Widersacher mit  

einer Pistole in den Kopf schiesst, will den Gegner offensichtlich töten und führt 

denn auch eine hohe Wahrscheinlichkeit des Todeseintrittes herbei. Dass der  

Privatkläger effektiv nicht zu Tode kam und gar nur – verhältnismässig – leichte 

Verletzungen erlitt, ist einzig Glück und der Tatsache zuzuschreiben, dass sich 

die Waffe des Beschuldigten beim zweiten Schuss blockierte. Der Beschuldigte ist 

damit der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen (Urk. 110 S. 68; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

Eigene Erörterung zur Frage, ob die Tat allenfalls unter Art. 112 StGB (Mord) zu 

subsumieren wäre, können angesichts der prozessualen Ausgangslage unterblei-

ben (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

4.2. Ebenfalls keiner weiteren Erörterungen bedarf der Schuldspruch wegen des 

Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Ver-

bindung mit Art. 27 Abs. 1 WG (Urk. 110 S. 69; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

5. Strafzumessung 

5.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung wiederholt dar-

gelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; 135 IV 130 E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. Die Vorinstanz hat sich grossmehr-

heitlich an diese Vorgaben gehalten. Nicht ganz korrekt war einzig, dass sie den 

(vollendeten) Versuch bei den Tatkomponenten und demnach vor Festsetzung 

einer Einsatzstrafe abgehandelt hat (Urk. 110 S. 73/74). Richtigerweise wäre eine 

Einsatzstrafe für das (mutmasslich) vollendete Delikt festzusetzen und hernach 

eine Reduktion infolge des Versuchs vorzunehmen gewesen (BGE 136 IV 55 

E. 5.7).  

5.2. Zutreffenderweise geht die Vorinstanz von einem Strafrahmen zwischen 

5 und 20 Jahren Freiheitsstrafe aus (Art. 111 StGB). Da mit den 20 Jahren bereits 

die gesetzlichen Höchstdauer einer Freiheitsstrafe erreicht ist (Art. 40 StGB), wird 

durch die zusätzlich vom Beschuldigten begangene Widerhandlung gegen das 

- 36 - 

Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 WG: Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe) 

der Strafrahmen nicht – auch nicht theoretisch – gegen oben geöffnet. 

5.3. Auszugehen ist von der vorsätzlichen Tötung als schwerstes Delikt im Sinne 

von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Vorgehen des Beschuldigten muss auf einer Skala 

aller denkbaren vorsätzlichen Tötungsdelikte sicher im oberen Bereich angesie-

delt werden. Das Vorgehen erinnert an eine eigentliche Exekution; es verdient 

keine andere Bezeichnung, wenn ein Täter dem niedergeschlagenen, auf dem 

Rücken am Boden liegenden und zweifellos benommenen Opfer aus einer  

Distanz von weniger als 2 Metern mit einer Pistole in den Kopf schiesst. Die 

Chancen, so zum Tötungserfolg zu kommen, sind – gerade wenn man wie der 

Beschuldigte mehrmals zu schiessen trachtet – zufolge der hohen Trefferwahr-

scheinlichkeit und den eingeschränkten Möglichkeiten des Opfers zur Gegenwehr 

auch mit der vom Beschuldigten verwendeten Kleinkaliberwaffe hoch (vgl. dazu 

das Gutachten des IRM vom 27. April 2010, HD 15/5 S. 4/5). Dem Umstand, dass 

noch "sicherere" und grausamere Tötungsmethoden denkbar sind, ist dadurch 

Rechnung zu tragen, dass das objektive Verschulden ungefähr im mittleren Be-

reich der oberen Hälfte des Strafrahmens zu verorten ist. 

In subjektiver Hinsicht fällt das skrupellose Vorgehen des Beschuldigten auf: Es 

braucht einiges an Gefühlskälte und Niederträchtigkeit, ein mehr oder weniger 

wehrloses Opfer derart "hinzurichten", wie dies der Beschuldigte vorgehabt hat. 

Dies ist hochgradig verwerflich. Was dem Beschuldigten Anlass für seine Tat ge-

boten hat, konnte indessen nicht geklärt werden und ist unbekannt: die Vorinstanz 

vermutet am ehesten ein Racheakt für die wenige Tage vor der Tat erfolgte Aus-

einandersetzung um das dem Beschuldigten weggenommene Auto (Urk. 110 

S. 74), der polizeiliche Sachbearbeiter sieht im Ganzen eine Abrechnung im Dro-

genmilieu (HD 1/6 S. 9), und der Privatkläger sagte aus, es sei wohl um Frauen 

gegangen (HD 3/1 S. 2; HD 3/5 S. 9, 12) oder dann um den Vorfall mit dem Auto 

(HD 3/5 S. 12; HD 3/6 S. 7). Hieraus ist demnach nichts zulasten des Beschuldig-

ten abzuleiten. Sodann hat er aber klar direktvorsätzlich und geplant handelt, ins-

besondere nicht in einer spontanen, gar Affekt- oder Notwehrsituation. Immerhin 

ist aber auch nicht von reiner "Mordlust" auszugehen, sondern das Ganze vor den 

- 37 - 

Hintergrund einer – wie auch immer gearteten – vorgängigen Auseinandersetzung 

zu sehen. Dass der Beschuldigte infolge Alkoholkonsums vermindert schuldfähig 

gewesen wäre, wie die Verteidigung eventualiter zumindest implizite geltend 

macht (Prot. I S. 14, 18), ergibt sich aus den Akten nicht. Der Beschuldigte selbst 

spricht davon, "einige Whiskys" bzw. zwei kleine Gläser mit Cola getrunken zu 

haben (HD 2/3 S. 12/13), was sicherlich nicht zu einer schuldeinschränkenden  

Alkoholisierung führte. Dass B._____ glaubte, der Beschuldigte sei angetrunken 

gewesen, gründet schliesslich weniger auf einer persönlichen Feststellung, als 

vielmehr auf ihrem pauschalen Urteil, wonach aus dem "U._____" (wo der Be-

schuldigte und seine Begleiter vor dem " D._____" waren) "immer alle besoffen" 

kämen (HD 5/1 S. 3). Sie relativierte dann später auch, die Gruppe des Beschul-

digten sei "schon angetrunken, ... aber nicht betrunken" gewesen (HD 5/2 S. 8). 

Die subjektiven Elemente wirken sich demnach strafzumessungsneutral aus. 

Für das gesamthafte Tatverschulden (für die mutmasslich vollendete Tat) er-

scheint demnach eine Einsatzstrafe von 16 Jahren als angemessen. 

5.4. Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die 

Strafe mildern. Der ordentliche Strafrahmen ist jedoch nur zu unterschreiten (dazu 

Art. 48a StGB), wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen (BGE 136 IV 55 

E. 5.8). Das ist vorliegend jedenfalls nicht der Fall. Der Beschuldigte hat alles ge-

tan, um seine Tat dem gewünschten Erfolg zuzuführen, und dieser ist nur deshalb 

nicht eingetreten, weil der (erste und einzige) Schuss durch den offenen Mund 

des Privatklägers eintrat und sodann seitlich im Bereich der Kaumuskulatur der 

rechten Wange steckenblieb (vgl. dazu HD 15/5 S. 3, 6) sowie weitere Schüsse 

infolge einer Blockierung der Waffe nicht mehr abgegeben werden konnten. Es 

liegt damit ein vollendeter Versuch vor. Auch in einem solchen Fall ist aber die 

Strafe jedenfalls (innerhalb des Strafrahmens) zu mindern, wie das Bundesgericht 

in BGE 121 IV 55 E. 1b nach eingehender Auseinandersetzung mit verschiede-

nen Lehrmeinungen hergeleitet hat. Der eher beiläufig in BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 

fallen gelassene Satz, dass eine versuchte Tötung "angesichts des bloss fakulta-

tiven Strafmilderungsgrunds von Art. 22 Abs. 1 StGB gleich hart bestraft" werden 

könne wie die vollendete Tat, ist daher nicht zum vollen Nennwert zu nehmen 

- 38 - 

(zumal auch in jenem Fall der Umstand, dass es beim Versuch geblieben war, "in 

geringem Umfang strafmildernd" [recte wohl strafmindernd] in Rechnung gestellt 

wurde): Der fakultative Aspekt in Art. 22 Abs. 1 StGB betrifft die Strafmilderung, 

währenddem gemäss dem zitierten BGE 121 IV 55 aber eben jedenfalls eine 

Strafminderung vorzunehmen ist. Das ist denn auch insofern folgerichtig, als das 

Gesetz die inhaltliche Unterscheidung zwischen vollendetem Versuch und  

vollendetem Delikt auch in der seit 2007 in Kraft stehenden revidierten Fassung 

des allgemeinen Teils des StGB beibehalten hat, also dem Erfolgsunrecht neben 

dem Handlungsunrecht weiterhin eine eigenständige Bedeutung zumisst  

(Donatsch/Tag, Strafrecht I, 8. Aufl., Zürich 2006, S. 139).  

Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem vollendeten Versuch 

hängt unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und von den 

tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 55 E. 1). Einerseits fällt deshalb ins 

Gewicht, dass der Beschuldigte nichts dazu beigetragen hat, dass der Erfolg nicht 

eingetreten ist, sondern dies ausschliesslich mehreren glücklichen äusseren Um-

ständen zuzuschreiben ist. So ist schon einmal ein einzelner Schuss aus einer 

Kleinkaliberwaffe, wie sie der Beschuldigte verwendet hat, aus einer Distanz von 

2 Metern auf den Kopf eines am Boden liegenden, benommenen Gegners offen-

sichtlich geeignet, den Tod des letzteren herbeizuführen. Insbesondere ist das 

Ziel kaum zu verfehlen und hat das Geschoss genügend Energie, um tödliche 

Verletzungen zu verursachen. Bei einem nur leicht verschobenen Schusskanal 

hätten denn auch solche eintreten können (vgl. dazu HD 15/5 S. 6). Sodann woll-

te der Beschuldigte (mindestens) einen weiteren Schuss abgeben, wozu es nur 

deshalb nicht kam, weil die Waffe blockierte. Es braucht keine weiteren Erläute-

rungen, dass ein zweiter Schuss in den Kopf des Privatklägers die Wahrschein-

lichkeit dessen Todes nochmals erheblich erhöht hätte. Der tatbestandsmässige 

Erfolg lag demnach sehr nahe, und dessen Eintritt wurde einzig durch Faktoren 

verhindert, die nicht dem Beschuldigten zuzurechnen sind. Andererseits ist fest-

zuhalten, dass die tatsächlichen Folgen der Tat nur verhältnismässig gering aus-

gefallen sind: So erlitt der Privatkläger durch die Handlung des Beschuldigten ei-

ne Schussverletzung im Bereich der Wangenschleimhaut rechts und musste das 

Projektil am 27. Februar 2009 operativ aus der Tiefe des grossen Kaumuskels 

- 39 - 

geborgen werden. Dank eines komplikationslosen Verlaufs konnte der Privatklä-

ger das Spital bereits am 1. März 2009 mit einer innerlich und äusserlich ge-

schwollenen Wange und intakter Sensomotorik wieder verlassen. Danach erfolg-

ten noch ambulante Kontrollen am 2., 4., 6., und 9. März 2009 (HD 14/5; 14/7). 

Der Privatkläger befand sich zu keinem Zeitpunkt in unmittelbarer Lebensgefahr. 

Vom 27. Februar 2009 bis zum 4. März 2009 war er zu 100 % arbeitsunfähig  

geschrieben. Hinsichtlich allfälliger bleibender Schäden wird im Arztbericht vom 

23. März 2009 vermutet, dass infolge der Schädigung des grossen Kaumuskels 

Beeinträchtigungen in der Mundbewegung sowie in der Kaufkraft eintreten könn-

ten (HD 14/5 S. 2). Gemäss Zeugnis des Gefängnisarztes V._____ (der Privatklä-

ger steht im Strafvollzug, Urk. 88, Urk. 91/2) vom 5. Mai 2011 leide der Privatklä-

ger denn auch heute noch unter Schmerzen im Bereich des rechten Unterkiefers, 

könne den Mund nur teilweise öffnen und habe beim Kauen "elektrische Sensati-

onen" (Urk. 87). Es ist demnach festzustellen, dass die tatsächlichen Folgen der 

Tat des Beschuldigten im Verhältnis zur Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs 

effektiv nur als klein zu bezeichnen sind. Die akute Verletzung konnte komplikati-

onslos behoben werden, und heute hat der Privatkläger lediglich noch – allerdings 

nicht weiter umschriebene – Schmerzen, eine teilweise Beeinträchtigung der Be-

weglichkeit des Kiefers und offenbar gewisse Empfindungsstörungen. 

Aufgrund dieser Umstände kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die versuchte 

Tatbegehung insgesamt "erheblich" ins Gewicht falle, und nahm als Folge davon 

eine "deutliche" Herabsetzung der Strafe vor. So schloss die Vorinstanz auf eine 

Freiheitsstrafe von 10 Jahren – allerdings ohne vorher angegeben zu haben, in 

welcher Höhe sie die Einsatzstrafe für das mutmasslich vollendete Delikt sehe 

(Urk. 110 S. 73). 

Ausgehend von der vorstehend benannten Einsatzstrafe von 16 Jahren (Erw. 5.3) 

erscheint die vorinstanzliche Betrachtung zu wohlwollend und gewichtet zu wenig, 

dass der letztlich geringe deliktische Erfolg einzig unwahrscheinlichem Glück und 

überhaupt keinen Faktoren zuzuschreiben ist, die dem Beschuldigten zugeordnet 

werden könnten. Wer wie der Beschuldigte einen am Boden liegenden Widersa-

cher durch mehrere Pistolenschüsse aus einer Distanz von 2 Metern "hinrichten" 

- 40 - 

will, dem wird das in den allermeisten Fällen auch gelingen. Dieses Handlungs-

unrecht überwiegt das relativ geringe Erfolgsunrecht um ein Vielfaches. Es recht-

fertigt sich daher nur eine kleine Strafreduktion. 

5.5. Wegen des zusätzlich vom Beschuldigten begangenen Vergehens gegen 

das Waffengesetz ist die laufende Einsatzstrafe in Anwendung des Aspera-

tionsprinzips angemessen zu erhöhen. Wie gesehen, sieht Art. 33 Abs. 1 WG für 

sich alleine eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. 

Die Vorinstanz hat befunden, die Widerhandlung gegen das Waffengesetz falle 

neben der versuchten vorsätzlichen Tötung kaum ins Gewicht und könne unter 

Berücksichtigung des Asperationsprinzips bei der Strafzumessung vernachlässigt 

werden (Urk. 110 S. 74). Auch dies ist indessen allzu milde. Zwar ist es schon so, 

dass das blosse verbotene Tragen einer Waffe im Unrechtsgehalt des mit dieser 

Waffe versuchten Tötungsdeliktes weitgehend aufgeht. Umgekehrt ist der 

Verstoss gegen das Waffengesetz aber auch nicht zu bagatellisieren, bildete er 

doch in tatsächlicher Hinsicht unabdingbare Voraussetzung dafür, dass es über-

haupt zum versuchten Tötungsdelikt kommen konnte. In leichtem Masse ist des-

halb das Vergehen im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG straferhöhend zu be-

rücksichtigen. 

5.6. Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten kann zunächst 

auf die zusammenfassende Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil verwiesen 

werden (Urk. 118 S. 75; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhand-

lung ergänzte er dazu, dass er F._____, wegen der er in die Schweiz gekommen 

sei, bereits drei bis vier Monate vor dem Vorfall kennengelernt habe. Er wisse im 

Übrigen nicht, wo sich seine Familienmitglieder aufhielten (Prot. II S. 2 f.). 

Aus dieser Biographie ergeben sich keine Faktoren, welche sich auf die Strafzu-

messung auswirken würden. Dass der Beschuldigte keine Vorstrafen hat, ist nach 

neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Regel – und wie vorliegend – 

neutral zu werten (BGE 136 IV 1). Strafempfindlich ist sodann der Beschuldigte 

ebenfalls nicht in besonderem Masse (vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 110 S. 75). 

- 41 - 

5.7. Schliesslich ist das Nachtatverhalten eines Täters zu berücksichtigen, wo-

runter das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren fällt. Ein Geständnis, 

kooperatives Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie Ein-

sicht und Reue wirken in der Regel strafmindernd (vgl. BGE 118 IV 349 und 121 

IV 202; BSK StGB I-Wiprächtiger, Art. 47 N. 129 ff.). 

Selbstredend kann der nicht geständige, uneinsichtige Beschuldigte unter diesem 

Titel keine Strafreduktion für sich reklamieren. 

5.8. Zusammenfassend erweist sich damit eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren als 

dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ange-

messen. Darauf anzurechnen ist die vom Beschuldigten erstandene Polizei- und 

Untersuchungshaft von 1006 Tagen (Art. 51 StGB; vgl. dazu auch Urk. 110 

S. 76). 

6. Zivilansprüche 

6.1. Zu den vom Privatkläger geforderten Schadenersatz und Genugtuung kann 

auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 110 

S. 77 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend bzw. korrigierend ist folgendes auszu-

führen: 

6.2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger  

Schadenersatz von Fr. 11'956.35 zu bezahlen (Fr. 11'575.– …spital; Fr. 381.35 

Zahnmedizinisches Zentrum: Urk. 83 S. 5; Urk. 84/1-2). Mit Eingabe vom 19. Sep-

tember 2011 hat der Vertreter des Privatklägers nun mitgeteilt, dass die Kantona-

le Opferhilfestelle mit Verfügung vom 12. Juli 2011 die Übernahme dieser Kosten 

verfügt habe, weshalb der Kanton Zürich in die Forderung des Privatklägers  

subrogiere (Urk. 129 und Beilage). 

Hat ein Kanton gestützt auf das OHG Opferhilfe geleistet, so gehen die Ansprü-

che für Leistungen gleicher Art, die dem Opfer oder dessen Angehörigen auf 

Grund der Straftat zustehen, im Umfang der kantonalen Leistungen von der an-

spruchsberechtigten Person auf den Kanton über (Art. 7 Abs. 1 OHG). Genau ein 

solcher Sachverhalt liegt hier vor. Der Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, 

- 42 - 

dem Kanton Zürich, Kantonale Opferhilfestelle, anstelle des Privatklägers J._____ 

Fr. 11'956.35 Schadenersatz zu bezahlen.  

6.3. Sodann hat die Vorinstanz dem Privatkläger eine Genugtuung von 

Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 27. Februar 2009 zugesprochen (Urk. 110 

S. 80-83). Ausser dass sie mangels Täterschaft des Beschuldigten schon den 

grundsätzlichen Anspruch des Privatklägers auf eine Genugtuung in Abrede stellt, 

bestreitet die Verteidigung diesen Genugtuungsbetrag nicht substanziert. Er ist 

denn auch angemessen: Zwar wären Fr. 5'000.– im Verhältnis zu den blossen 

körperlichen Folgen der Tat eher hoch (Verletzung des Kaumuskels, komplika-

tionslose Operation, 3 Tage Spitalaufenthalt, 6 Tage Arbeitsunfähigkeit, gering-

fügige, möglicherweise bleibende Beeinträchtigung der Kaubewegung), stark ins 

Gewicht fällt jedoch auch die Art und Weise, in welcher diese Verletzungen  

zustande gekommen sind. Mit der Vorinstanz (Urk. 110 S. 82/83) darf auch ohne 

diesbezüglichen fachärztlichen Befund davon ausgegangen werden, dass  

notorischerweise gewisse genugtuungsrelevante psychische Beeinträchtigungen 

zur Folge hat, wenn einem Opfer aus 2 Metern Distanz in den Kopf geschossen 

wird. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist deshalb der Beschuldigte zu 

verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 5'000.– zuzüglich Zins zu 

5 % seit 27. Februar 2009 zu bezahlen. 

7. Einziehung Alfa Romeo 

7.1. Von den verschiedenen Einziehungen gemäss vorinstanzlichem Urteil 

(Urk. 110 S. 86/87) ist einzig jene des Alfa Romeo … vom Beschuldigten ange-

fochten: Die Vorinstanz beschlagnahmte dieses anlässlich der Verhaftung des 

Beschuldigten sichergestellte Fahrzeug und ordnete dessen Verwertung sowie 

die Heranziehung des Erlöses zur Deckung der Verfahrenskosten an. Dieses 

Vorgehen war zulässig und angebracht (Art. 268 StPO). In Bestätigung des vor-

instanzlichen Urteils ist daher gleichlautend zu entscheiden. 

- 43 - 

8. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

8.1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenregelung (Dispositivziffer 8) 

zu bestätigen (Urk. 110 S. 85; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

8.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostentragung nach Massgabe des  

Obsiegens oder Unterliegens der Parteien (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

Der Beschuldigte wollte mit seiner Berufung einen vollständigen Freispruch errei-

chen, die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung der vorinstanzliche ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe auf 16 Jahre. Beim nun vorliegenden Ausgang des Berufungsver-

fahrens unterliegt der Beschuldigte deshalb vollständig und die Staatsanwalt-

schaft zu einem Teil. Vor diesem Hintergrund und in Gewichtung der von den Par-

teien zum Gegenstand der Berufung gemachten Themen rechtfertigt es sich, die 

zweitinstanzlichen Kosten zu sieben Achteln dem Beschuldigten aufzuerlegen 

und zu einem Achtel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Hievon ausgenommen 

sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbei-

stands des Privatklägers, welche auf die Gerichtskasse genommen werden 

(Art. 426 StPO). Hinsichtlich der Kosten der amtlichen Verteidigung ist der Be-

schuldigte auf Art. 135 Abs. 4 StPO hinzuweisen, wonach er verpflichtet ist, die 

der Verteidigung vom Staat ausbezahlte Entschädigung zurückzuzahlen, sobald 

es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

9. Zwangsmassnahmen 

9.1. Gemäss Art. 231 Abs. 1 StPO entscheidet das erstinstanzliche Gericht mit 

dem Urteil, ob eine verurteilte Person in Sicherheitshaft zu setzen oder zu be-

halten ist. Diese Bestimmung ist analog auch für das zweitinstanzliche Gericht 

anzuwenden, nachdem für die Rechtsmittelinstanz keine besonderen Be-

stimmungen betreffend Sicherheitshaft vorgesehen sind (Art. 379 StPO). 

9.2. Es stellt sich die Frage, ob nach wie vor die gesetzlichen Haftgründe ge-

mäss Art. 221 StPO gegeben sind. Nachdem mit diesem Entscheid eine Frei-

heitsstrafe von 14 Jahren ausgesprochen wurde und sich der Beschuldigte seit 

dem 27. Februar 2009 in Haft befindet (bzw. bereits vom 18. bis 19. November 

- 44 - 

2008 inhaftiert war; vgl. Urk. 33/1, Urk. 33/5, Urk. 34/1), erscheint die Dauer der 

Haft angesichts der ausgesprochenen Strafe noch nicht als unverhältnismässig. 

Bezüglich der Fluchtgefahr, die mit Verfügung des Zwangsmassnahmenrichters 

vom 7. September 2011 bejaht wurde, hat sich nichts geändert, weshalb dieser 

Haftgrund weiterhin besteht.  

9.3. Da gemäss Urteil des Bundesgerichtes vom 1. Juni 2011 die Sicherheitshaft 

zu befristen ist (vgl. BGE 137 IV 180), ist vorliegend die Sicherheitshaft bis zum 

Antritt des ordentlichen Strafvollzugs, längstens bis zum 28. Mai 2012 zu ver-

längern. 

 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, 

vom 18. Mai 2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

1.-3. (...) 

4. a) Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons 
Zürich vom 22. September 2009 beschlagnahmten und bei der Kasse des 
Bezirksgerichts Zürich unter der Sachkautionsnummer … gelagerten Gegen-
stände werden nach Eintritt der Rechtskraft der Lagerbehörde zur Vernich-
tung überlassen: 

 - 1 Flasche Wodka 

 - 1 Messer, defekt 

 b) Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons 
Zürich vom 22. Oktober 2009 beschlagnahmten und bei der Kasse des Be-
zirksgerichts Zürich unter der Sachkautionsnummer … gelagerten Gegen-
stände werden nach Eintritt der Rechtskraft der Lagerbehörde zur Vernich-
tung überlassen: 

 - 1 Petflasche "Valser Classic" (Pos. Nr. 31) 

 - 1 Glasflasche "Coca Cola" 

 - 1 Zigarettenpäckchen "Marlboro", 1 Feuerzeug (Pos. Nr. 34) 

 - 1 Zigarettenpäckchen "Marlboro" (Pos. Nr. 35) 

 - 1 Glasflasche "Johnnie Walker Black Label" 

- 45 - 

 - 1 Weinflasche "Presidente" 

 - 1 Dose Red Bull (Pos. Nr. 22) 

 - 1 Dose Red Bull (Pos. Nr. 23) 

 - 1 Packung Kaugummi, angebrochen 

 - 1 Trinkglas (Pos. Nr. 25) 

 - 1 Petflasche "Valser Classic" (Pos. Nr. 26) 

 - 1 Trinkglas (Pos. Nr. 27) 

 - 1 "Heineken" 

 - 1 Trinkglas (Pos. Nr. 29) 

 c) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 
4. Juni 2010 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich 
gelagerten Mobiltelefone 1 "Sony Ericsson" Z610i, IMEI-Nr. … sowie 1 "No-
kia" 2610, IMEI-Nr. … werden nach Eintritt der Rechtskraft verwertet und der 
Erlös zur Kostendeckung herangezogen. 

 d) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 
4. Juni 2010 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich 
gelagerten 2 SIM-Karten "Lebara" werden als Beweismittel bei den Akten  
belassen. 

 e) (...) 

5.-6. (...) 

7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 
Fr. 6'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 
Fr.    Kosten der Kantonspolizei  
Fr.    Gebühr Anklagebehörde 
Fr.    Kanzleikosten Untersuchung  
Fr. 31'143.80  Auslagen Untersuchung  
Fr.    amtliche Verteidigung Untersuchung 
Fr.    amtliche Verteidigung (ausstehend) 
Fr.    unentgeltlicher Rechtsbeistand (ausstehend) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. (...) 

9. (Mitteilung) 

10. (Rechtsmittelbelehrung) 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

- 46 - 

 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, und 

− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 WG. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 14 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 

1006 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute  

erstanden sind. 

3. Der anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten sichergestellte und bei der 

Kasse des Bezirksgerichts Zürich gelagerte Personenwagen Alfa Romeo … 

(VIN …) wird beschlagnahmt, nach Eintritt der Rechtskraft verwertet und der 

Erlös zur Kostendeckung herangezogen. 

4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton Zürich, Kantonale Opfer-

hilfestelle, anstelle des Privatklägers J._____ Fr. 11'956.35 Schadenersatz 

zu bezahlen. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger J._____ Fr. 5'000.– zu-

züglich 5 % Zins seit 27. Februar 2009 als Genugtuung zu bezahlen.  

6. Die erstinstanzliche Kostenverlegung (Ziff. 8) wird bestätigt. 

7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 
 

- 47 - 

Fr. 4'000.-- ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr.    amtliche Verteidigung 

Fr. 874.25  unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

    

 
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen derjenigen der amtli-

chen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklä-

gers, werden zu sieben Achteln dem Beschuldigten auferlegt und zu einem 

Achtel auf die Gerichtskasse genommen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbei-

stands des Privatklägers werden auf die Gerichtskasse genommen. Hin-

sichtlich der Kosten der amtlichen Verteidigung gilt der Vorbehalt von 

Art. 135 Abs. 4 StPO. 

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kanton