# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bebe3718-210f-5006-b159-4d53cfefc41d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 D-3550/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3550-2010_2011-12-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­3550/2010

U r t e i l   v om   1 2 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richter Bendicht Tellenbach,
Gerichtsschreiberin Corinne Krüger.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Rebecca Moses,
Thurgauer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin­Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 30. April 2010 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  aus  B._______  stammende  Beschwerdeführer  eigenen 
Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat  Afghanistan  im  Jahr  1995 
zusammen  mit  seinen  Eltern  und  Geschwistern  in  Richtung  Iran 
verlassen  hat,  wo  er  in  den  folgenden  zehn  Jahren  lebte  und  als 
Schneider arbeitete,

dass  der  Beschwerdeführer  angab,  den  Iran  2004  wieder  verlassen  zu 
haben und in die Türkei gegangen zu sein, wo er als Schneider gearbeitet 
und Geld gespart habe, um damit nach Europa reisen zu können,

dass er Anfang 2007 auf dem Seeweg nach Griechenland gereist sei, wo 
er als Asylsuchender gelebt und gearbeitet habe,

dass er im Februar 2010 via Italien in die Schweiz gereist sei,

dass  der  Beschwerdeführer  am  22. Februar  2010  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch stellte,

dass er am 9. März 2010 im EVZ C._______ summarisch zum Reiseweg, 
zu seinen Personalien und zu seinen Asylgründen befragt wurde, wobei 
er erklärte, seinen Heimatstaat im Jahr 1995 zusammen mit seinen Eltern 
und  Geschwistern  verlassen  zu  haben,  nachdem  ihr  Haus  im  Krieg 
zerstört worden sei und er deshalb bis zu seinem 19. Lebensjahr im Iran 
gelebt habe,

dass  er  den  Iran  im  Jahr  2004  verlassen  habe,  weil  zu  dem  Zeitpunkt 
vermehrt  Afghanen  festgenommen  und  nach  Afghanistan 
zurückgeschickt  worden  seien,  und  er  selber  auch  bereits  drei  Mal 
angehalten und kontrolliert worden sei,

dass er nicht in sein Heimatland zurückkehren könne, weil er dort schon 
lange  nicht  mehr  gelebt  habe  und  mit  der  dortigen  Kultur  und  Realität 
nicht mehr vertraut sei, 

dass  ausserdem  das  Haus  seiner  Familie  im  Krieg  zerstört  worden  sei 
und er somit in seinem Heimatstaat keine Wohnmöglichkeit mehr habe,

dass er  in Afghanistan keinerlei Probleme mit Behörden oder mit Dritten 
gehabt habe,

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dass er  in der Schweiz um Asyl ersucht habe, weil  er eine Aufenthalts­ 
und Arbeitsbewilligung erhalten möchte,

dass dem Beschwerdeführer  am 9. März 2010 das  rechtliche Gehör  zu 
einer allfälligen Wegweisung nach Griechenland und zu einem möglichen 
Nichteintretensentscheid gewährt wurde,

dass er dabei erklärte, eine Wegweisung nach Griechenland komme für 
ihn  nicht  in  Frage,  weil  er  dort  trotz  Aufenthaltsbewilligung  nicht  habe 
arbeiten können und keine Versicherung bekommen habe, 

dass er  in Griechenland nicht  in Würde habe  leben können; ausserdem 
habe  er  an  Hunger  gelitten,  um  Geld  für  eine  Aus­  bzw.  Weiterreise 
sparen zu können,

dass für den Inhalt der weiteren Aussagen auf die Akten verwiesen wird,

dass  das  BFM  am  19.  März  2010,  gestützt  auf  die  einschlägigen 
staatsvertraglichen  Bestimmungen,  an  die  zuständigen  Behörden 
Griechenlands  ein  Gesuch  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers 
richtete,

dass von den griechischen Behörden  innert Frist  keine Antwort  einging, 
was das BFM als stillschweigende Zusage wertete,

dass das BFM mit Verfügung vom 30. April 2010 – eröffnet am 10. Mai 
2010 –  in Anwendung  von Art.  34 Abs.  2 Bst.  d  des Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach 
Griechenland  sowie  deren  Vollzug  bis  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf 
der  Beschwerdefrist  anordnete  und  festhielt,  eine  allfällige  Beschwerde 
gegen diese Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,

dass  das  BFM  zur  Begründung  anführte,  aus  einem 
Fingerabdruckvergleich  mit  der  Datenbank  Eurodac  gehe  hervor,  dass 
der Beschwerdeführer am 25. Juli 2008 in D._______ (Griechenland) ein 
Asylgesuch gestellt habe,

dass  Griechenland  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004 
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen 
Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in 

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der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen, SR 
0.142.392.689)  und  auf  das  Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island 
und  dem  Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und 
Entwicklung  des  Schengen­Besitzstands  und  über  die  Kriterien  und 
Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines 
in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags 
(Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004,  SR  0.362.32)  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei,

dass  der  Termin  für  die  Stellungnahme  laut  Art.  20  Abs.  1  Bst.  c  der 
Verordnung  (EG)  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur 
Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedsstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrages  zuständig  ist, 
den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedsstaat 
gestellt hat (Dublin­II­Verordnung) am 3. April 2010 verfristet sei und weil 
bis  dahin  keine  Stellungnahme  aus  Italien  (recte:  Griechenland) 
eingegangen  sei,  das  BFM  davon  ausgehe,  dass  Italien  (recte: 
Griechenland)  dem Gesuch  gestützt  auf Art.  16 Abs.  1 Bst.  c Dublin­II­
Verordnung stillschweigend zugestimmt habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder 
Verlängerung  (Art.  20f  Dublin­II­Verordnung)  –  bis  spätestens  zum  3. 
Oktober 2010 zu erfolgen habe,

dass  dem  Beschwerdeführer  am  9.  März  2010  das  rechtliche  Gehör 
gewährt  worden  sei,  wobei  er  erklärt  habe,  er  wolle  nicht  nach 
Griechenland zurückkehren, weil er dort  trotz Aufenthaltserlaubnis keine 
Versicherung und keine Arbeit bekommen habe, 

dass  er  zudem  erklärt  habe,  seine  Lebensqualität  in  Griechenland  sei 
schlecht gewesen; er habe kein Essen bekommen,

dass das BFM ausführte, diese Aussagen stellten kein Hindernis für den 
Vollzug einer Wegweisung nach Griechenland dar,  da Griechenland ein 
Rechtsstaat sei und gemäss dem Dublin­Abkommen zur Rückübernahme 
verpflichtet sei,

dass Griechenland die Minimum­Standards der EU für die Aufnahme der 
Asylgesuchsteller  anwende  und  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur 
Verfügung stelle,

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dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Griechenland  ferner  zulässig, 
zumutbar und möglich sei,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. Mai 2010 durch seine 
Rechtsvertreterin  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liess, 
die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben  und  das  Amt  sei  anzuweisen, 
sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  vorliegendes 
Asylgesuch für zuständig zu erachten,

dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragen  liess,  im  Sinne 
vorsorglicher  Massnahmen  sei  der  vorliegenden  Beschwerde  die 
aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien 
anzuweisen,  von  einer  Überstellung  nach Griechenland  abzusehen,  bis 
das  Bundesverwaltungsgericht  über  den  Suspensiveffekt  der 
eingereichten Beschwerde entschieden habe,

dass  er  schliesslich  beantragen  liess,  es  sei  ihm  die  unentgeltliche 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
zu bewilligen und es  sei  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses  zu 
verzichten,

dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid 
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,

dass  mit  Telefax  vom  18.  Mai  2010  der  Vollzug  der  Wegweisung  im 
Rahmen  einer  vorsorglichen  Massnahme  (Art.  56  VwVG)  ausgesetzt 
wurde,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 26. Mai 
2010  die  Gesuche  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der 
Beschwerde  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  guthiess  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtete,

dass das BFM mit Vernehmlassung vom 13. Juli 2010 die Abweisung der 
Beschwerde beantragte,

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dass  sich  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  mit  Replik  vom 
27. Juli 2010 zur Vernehmlassung des BFM äusserte,

dass  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  am  20.  Dezember 
2010 die Taskara des Beschwerdeführers zu den Akten reichte,

dass die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am 17. Februar 2011 
eine Kostennote zu den Akten reichte,

dass das BFM vor dem Hintergrund seiner Praxisanpassung in Bezug auf 
die  Durchführung  des  Dublin­Verfahrens mit  Griechenland  –  welche  es 
am 26. Januar 2011  in einer Medienmitteilung bekannt gegeben hatte – 
mit  einer  weiteren  Vernehmlassung  vom  22.  Februar  2011  erneut  die 
Abweisung der Beschwerde beantragte,

dass  sich  der  Beschwerdeführer  mit  Replik  vom  11.  März  2011  dazu 
fristgerecht vernehmen liess,

dass sich das BFM nach einer entsprechenden Aufforderung durch das 
Bundesverwaltungsgericht aufgrund der veränderten Lage in Afghanistan 
am 1. November 2011 erneut vernehmen liess und weiter daran festhält, 
die Abweisung der Beschwerde zu beantragen,

dass  die  Vernehmlassung  vom  1.  November  2011  dem 
Beschwerdeführer  am 3. November  2011  zur Kenntnisnahme  zugestellt 
wurde,

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

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dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 
selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  seine 
Heimat  einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  wäre,  damit  nicht 
Gegenstand des Verfahrens bildet (vgl. das zur Publikation vorgesehene 
Urteil E­7221/2009 vom 10. Mai 2011 E. 5),

dass  bei  Dublin­Verfahren  auch  die  Frage  einer  vorläufigen  Aufnahme 
aufgrund  einer  eventuellen  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  der 
Wegweisung nach Art. 44 Abs. 2 AsylG nicht Prozessgegenstand ist (vgl. 
BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645),

dass hingegen zu prüfen ist, ob das BFM von seinem Selbsteintrittsrecht 
nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­Verordnung hätte Gebrauch machen müssen,

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 

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Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  sich  der Beschwerdeführer  gemäss  eigenen Angaben  von Anfang 
2007 bis Februar 2010 in Griechenland aufgehalten hat,

dass er gemäss der Datenbank Eurodac am 25. Juli 2008 in D._______ 
(Griechenland) ein Asylgesuch gestellt hat und daktyloskopiert wurde, 

dass er gemäss eigenen Angaben eine Aufenthaltsbewilligung hatte (rosa 
Karte),  die  alle  sechs  Monate  verlängert  werden  musste  und  die  nach 
seiner Ausreise aus Griechenland noch bis Juli 2010 gültig war,

dass der vorgängige Aufenthalt des Beschwerdeführers  in Griechenland 
somit feststeht und er diesen auch nicht bestreitet,

dass  angesichts  des  zuvor  festgestellten  Sachverhalts  und  der 
einschlägigen  Staatsverträge  (vgl.  DAA,  Dublin­II­Verordnung  und 
Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 
mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des 
Rates  [DVO  Dublin])  Griechenland  als  für  die  Durchführung  des 
Asylverfahrens zuständig zu erachten ist,

dass  die  griechischen Behörden  das Ersuchen  des BFM  vom 19. März 
2010  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers  bis  dato  unbeantwortet 
liessen, wodurch die Fiktion der Zustimmung zur Aufnahme entsteht (vgl. 
Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­Verordnung),

dass das BFM aufgrund dieser Sachlage zu Recht folgerte, Griechenland 
habe den Beschwerdeführer zurückzuübernehmen,

dass  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Griechenland  ­ 
vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  ­ 
grundsätzlich bis spätestens am 3. Oktober 2010 vorzunehmen gewesen 
wäre,

dass  indessen  die  Zuerkennung  der  aufschiebenden  Wirkung  für  das 
Rechtsmittel  ex  lege  die  mit  der  Zustimmung  des  ersuchten 
Mitgliedsstaats neu zu laufen beginnende 6­Monatsfrist des Art. 19 Abs. 3 
unterbricht  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­
Verordnung, 3. überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K27 zu Art. 19 Abs. 3),

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dass  demnach  den  Vollzugsbehörden  noch  die  gesamte  6­monatige 
Überstellungsfrist zur Verfügung steht,

dass  in  der  Rechtsmittelschrift  unter  Hinweis  auf  diverse  Berichte  und 
europäische  Gerichtsentscheide  geltend  gemacht  wird,  der 
Beschwerdeführer  laufe  bei  einer  Rückweisung  nach  Griechenland 
grosse Gefahr, direkt in sein Heimatland zurückgeschafft zu werden, und 
das Asylverfahren in Griechenland verletze fundamentale Garantien,

dass daher das BFM verpflichtet sei, gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­
Verordnung vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen,

dass  nach  dieser  Bestimmung  die  Schweiz  ein  Asylgesuch  materiell 
prüfen  kann,  auch wenn nach den einschlägigen Kriterien der Dublin­II­
Verordnung ein anderer Staat zuständig ist (Selbsteintrittsrecht),

dass  diese  Bestimmung  nicht  direkt  anwendbar  ist,  sondern  nur  in 
Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder  internationalen 
Rechts angerufen werden kann (BVGE 2010/45 E.5),

dass  jedoch bei Drohen eines Verstosses gegen übergeordnetes Recht, 
namentlich  einem  Verstoss  gegen  eine  zwingende  Norm  des 
Völkerrechts,  ein  einklagbarer  Anspruch  auf  Ausübung  des 
Selbsteintrittsrechts  besteht  (BVGE  2010/45  E.  7.2;  vgl. 
FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K 8 zu Art. 3),

dass demnach vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch gemacht werden muss, 
wenn  sich  im  Einzelfall  erweist,  dass  durch  die  Überstellung  nach  den 
Bestimmungen  zur  Dublin­II­Verordnung  das  Refoulement­Verbot  nach 
Art.  33  FK  oder  die  Garantien  nach  der  EMRK,  des  Internationalen 
Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO­Pakt II, SR 0.103.2), 
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(Folterkonvention; FoK, SR 0.105) verletzt würden,

dass  vor  dem  Hintergrund  der  zunehmend  manifesten  Probleme  der 
griechischen Behörden bei der Behandlung von Asylgesuchen (vgl. dazu 
das  Urteil  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  [EGMR] 
M.M.S.  gegen  Belgien  und  Griechenland  vom  21.  Januar  2011)  das 
Bundesverwaltungsgericht  die  Frage  der  Zulässigkeit  von 
Rücküberstellungen   nach  Griechenland  einer  eingehenden  Prüfung 
unterzogen hat,

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dass sich dabei bestätigt hat, dass Griechenland mit der Betreuung und 
Behandlung  der  grossen  Zahl  von  Asylsuchenden  im  Land  weitgehend 
überfordert  ist  und  das  griechische  Asylsystem  erhebliche  Mängel 
aufweist  (vgl. dazu das zur Publikation vorgesehene Urteil D­2076/2010 
vom 16. August 2011),

dass das Bundesverwaltungsgericht im vorerwähnten Urteil zum Schluss 
gelangte,  aufgrund  der  nachweislichen  Verletzung  internationaler 
Verpflichtungen durch die griechischen Behörden, insbesondere nach Art. 
3  und  13  EMRK  aber  auch  nach  Art.  33  FK,  könne  im  Falle  von 
Griechenland die Vermutung eines konventionsgemässen Verhaltens des 
Dublin­Vertragsstaates,  welches  im  Falle  von  Verfahren  nach  den 
Bestimmungen  zur  Dublin­II­Verordnung  vorausgesetzt  wird,  nicht mehr 
aufrechterhalten werden,

dass das Bundesverwaltungsgericht aber gleichzeitig festhielt, dass auch 
vor  dem  Hintergrund  der  festgestellten  Unzulänglichkeiten  des 
griechischen Asylsystems nicht  von einer generellen Unzulässigkeit  von 
Rückführungen nach Griechenland auszugehen ist,

dass den besonderen Umständen des Einzelfalles weiterhin Rechnung zu 
tragen  ist,  womit  im  Einzelfall  –  wenn  günstige  Voraussetzungen 
vorliegen – an der Rückführung nach Griechenland  festgehalten werden 
kann (vgl. a.a.O. E. 4.13, mit weiterem Hinweis),

dass  demnach  gemäss  Urteil  D­2076/2010  der  Wegweisungsvollzug 
nach  Griechenland  in  besonderen  Fällen  ausnahmsweise  zulässig  ist, 
etwa wenn der Beschwerdeführer über ein dauerndes Aufenthaltsrecht in 
Griechenland  verfügt  und  dort  bei  seiner  Ankunft  nicht  damit  rechnen 
muss,  in Haft genommen oder sogleich  in den Heimatstaat ausgeschafft 
zu werden (vgl. a.a.O. E. 4.13),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Meinung  ist,  dass  es  sich 
vorliegend  um  einen  solchen  Ausnahmefall  handelt  (vgl.  den  ähnlich 
gelagerten Fall im zur Publikation vorgesehenen Urteil E­5604/2011 vom 
17. Oktober 2011),

dass  sich  der  junge,  ungebundene  und  gemäss  Aktenlage  gesunde 
Beschwerdeführer nämlich eigenen Angaben zufolge vor seiner Einreise 
in  die  Schweiz  drei  Jahre  lang  als  Asylsuchender  in  Griechenland 
(mehrheitlich  in  Athen)  aufgehalten  hat  (von  Anfang  2007  bis  Februar 
2010; vgl. A1/12, S. 3 und 7 f.), 

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dass  er  von  den  griechischen  Behörden  eine  rosa  Karte,  d.h.  eine 
Aufenthaltsbewilligung  erhalten  hat,  mit  der  gemäss  seinen  Aussagen 
automatisch  auch  eine  Arbeitsbewilligung  verbunden  gewesen  sei,  die 
alle sechs Monate habe verlängert werden müssen und die noch bis Juli 
2010 gültig sei (A1/12, S. 8),

dass er in Athen gewohnt und legal als Schneider gearbeitet habe (A1/12, 
S. 8),

dass der Beschwerdeführer auch im Rahmen des rechtlichen Gehörs am 
9.  März  2010  erklärt  hatte,  er  habe  in  Griechenland  eine 
Aufenthaltsbewilligung und Arbeit gehabt,

dass es dem Beschwerdeführer somit gelungen war, sich in Griechenland 
(als  Asylsuchender)  registrieren  und  die  Aufenthaltsbewilligung 
regelmässig verlängern zu lassen,

dass  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  könne  nach  seiner 
Rückkehr  nach  Griechenland  sein  hängiges  Asylbegehren  wieder 
aufnehmen,

dass der Beschwerdeführer zwar angab, in Griechenland manchmal kein 
Essen  bekommen  und  gehungert  zu  haben,  dies  aber  aus  dem Grund, 
dass  er  sein  verdientes  Geld  habe  sparen  wollen,  um  weiterreisen  zu 
können (vgl. A1/12, S. 9),

dass der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 11. März 2011 
unter  anderem  erklärte,  er  habe  in  Griechenland  keine  Festanstellung 
gehabt,  sondern  Gelegenheitsarbeiten  ausgeführt,  mit  denen  er  ein 
bisschen was  für  seinen Lebensunterhalt  habe  verdienen  können;  habe 
er  manchmal  kein  Geld  gehabt,  so  habe  er  sich  das  Essen  erbetteln 
müssen, gelegentlich habe er auch Tage ohne Nahrung verbracht,

dass es dem Beschwerdeführer auch mit diesem Einwand nicht gelingt, 
das  Bundesverwaltungsgericht  von  einer  anderen  Beurteilung  zu 
überzeugen,  da  er  anlässlich  seiner  Anhörung  und  des  rechtlichen 
Gehörs vom 9. März 2010 noch erklärt hatte,  in Griechenland gearbeitet 
und Geld verdient zu haben, um damit weiterreisen können,

dass  er  also  auch  in  Griechenland  genug  verdiente,  um  seine 
existenziellen  Bedürfnisse  zu  sichern  und  seinen  Lebensunterhalt  zu 
bestreiten,

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dass  bei  dieser  Sachlage  nicht  davon  auszugehen  ist,  der 
Beschwerdeführer würde  im Falle  einer Rückkehr  nach Griechenland  in 
eine existenzielle Notlage geraten, 

dass  in  Anbetracht  der  geschilderten  Umstände  des  vorliegenden 
Einzelfalls  –  ohne  die  schweren  Mängel  des  Asylverfahrens  in 
Griechenland  zu  verkennen  –  der  Schluss  gezogen  werden  kann,  der 
Beschwerdeführer  könne  in  Griechenland  mit  einer  angemessenen 
Behandlung und einem ordentlichen Asylverfahren rechnen,

dass darüber hinaus der Beschwerdeführer als Asylsuchender zwar nicht 
über ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Griechenland verfügt und daher 
mit einer Rückführung in seinen Heimatstaat rechnen muss,

dass jedoch zu beachten ist, dass er zur Begründung seines Asylgesuchs 
in  der  Schweiz  keine  individuelle  Verfolgung  in  seinem  Heimatstaat 
geltend machte, sondern auf sein langes Fernbleiben von der Heimat und 
die  damit  verbundenen  Probleme  wie  fehlender  Wohnmöglichkeit  und 
schwieriger Reintegration verwies, 

dass demnach keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass  ihm 
in  seinem  Heimatstaat  das  Risiko  einer  menschenrechtswidrigen 
Behandlung  droht,  weshalb  eine  allfällige  Rückführung  dorthin  weder 
einen  Verstoss  gegen  Art.  3  EMPK  noch  gegen  das  in  Art.  33  FK 
statuierte Non­Refoulement­Verbot darstellen würde,

dass  aufgrund  der  Akten  auch  keine  anderen  humanitären  Aspekte 
auszumachen sind, die in casu für die Ausübung des Selbsteintrittsrechts 
im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­Verordnung sprechen,

dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten 
ist,

dass es sich bei dieser Sachlage erübrigt, auf die weiteren Ausführungen 
in  der Beschwerdeschrift  einzugehen,  zumal  diese  einzig Ausführungen 
zur  allgemeinen  Situation  in  Griechenland  und  zur  Diskussion  des 
Refoulement­Verbotes  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  enthält,  nicht 
aber  zu  den  konkreten,  den  Beschwerdeführer  persönlich  betreffenden 
Umständen Stellung nimmt,

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dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung 
aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der 
Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch 
auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001 Nr. 21),  weshalb 
die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen 
Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet 
wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches 
zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für 
Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 
1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass  mithin  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  vielmehr 
bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl. 
vorgehende Erwägungen, BVGE 2010/45 E.10.2),

dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach 
Griechenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  mit  Zwischenverfügung  vom  26.  Mai  2010  die  Gesuche  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
gutgeheissen wurden, weshalb auf die Auferlegung von Verfahrenskosten 
zu verzichten ist. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Corinne Krüger

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