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**Case Identifier:** 9885f762-ec50-5b36-952a-c6f3e22bf533
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-20
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 20.05.2020 200 2018 845
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2018-845_2020-05-20.pdf

## Full Text

200 18 845 IV
KNB/SHE/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 20. Mai 2020

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Furrer, Verwaltungsrichter Schwegler
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 19. Oktober 2018

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Mai 2020, IV/18/845, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1997 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Be-
schwerdeführer) wurde am 7. November 1998 unter Hinweis auf seit der 
Geburt bestehende Einschränkungen bei der IV-Stelle Bern (nachfolgend 
IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leistungen für Minderjähri-
ge angemeldet (Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 31.1/9). Diese erteilte 
in der Folge u.a. Kostengutsprache für Sonderschulmassnahmen (vgl. u.a. 
Verfügungen vom 22. Juli 2004 [AB 14] und 27. April 2005 [AB 15] sowie 
Mitteilungen vom 12. Juli 2006 [AB 20] und 6. August 2007 [AB 22]) und 
gewährte Frühinterventionsmassnahmen in Form von Berufsberatung (vgl. 
Mitteilung vom 21. Februar 2012 [AB 34]). Am 27. Mai 2016 (AB 73) erteilte 
die IVB Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung (...) für 
die Zeit vom 1. August 2016 bis zum 31. Juli 2018, am 24. Mai 2018 (AB 
84) für ein Job-Coaching für die Zeit vom 6. August bis zum 31. Dezember 
2018. Insbesondere gestützt auf die Aktenbeurteilung von Dr. med. 
C.________, Fachärztin für Neurologie vom Regionalen Ärztlichen Dienst 
(RAD), vom 18. April 2018 (AB 82) sprach die IVB dem Versicherten – 
nach vorgängig durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 83 und 88) – 
mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 (AB 92/2) bei einem Invaliditätsgrad 
von 40% ab dem 1. November 2015 eine Viertelsrente zu. Mit Mitteilung 
vom 22. November 2018 (AB 95) schloss die IVB die berufliche Eingliede-
rung ab. 

B.

Mit Eingabe vom 14. November 2018 erhob der Versicherte, vertreten 
durch Rechtsanwalt B.________, gegen die Verfügung vom 19. Oktober 
2018 (AB 92/2) Beschwerde. Er beantragt, in Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung sei dem Beschwerdeführer eine ganze Invalidenrente zuzu-
sprechen. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung weiterer Abklärun-
gen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter ersucht der Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Mai 2020, IV/18/845, Seite 3

schwerdeführer um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von 
Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt. 

Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort auf Abweisung 
der Beschwerde.

Der Instruktionsrichter machte den Beschwerdeführer mit Brief vom 2. De-
zember 2019 auf eine mögliche Schlechterstellung aufmerksam, da die 
Gutheissung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur 
weiteren Abklärung des Sachverhaltes in Betracht gezogen werde. Es sei 
nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdegegnerin dereinst gestützt auf 
das Ergebnis aus den weiteren Abklärungen zum Schluss gelangen könn-
te, es bestehe kein Rentenanspruch, was einer Schlechterstellung gleich 
käme. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit geboten, sich zu einer 
allfälligen Schlechterstellung zu äussern, bzw. einer solchen durch Rück-
zug der Beschwerde zu entgehen.

Mit Eingabe vom 12. Dezember 2019 liess der Beschwerdeführer mitteilen, 
er halte an der Beschwerde und den bisher gestellten Rechtsbegehren fest. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver-
waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 

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zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge-
geben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über 
Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer-
de einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 19. Oktober 2018 (AB 
92/2), mit welcher dem Beschwerdeführer ab 1. November 2015 eine Vier-
telsrente zugesprochen wurde. Anstelle der Viertelsrente verlangt der Be-
schwerdeführer die Zusprache einer ganzen Rente. Vorliegend ist nicht 
bloss der Anspruch auf eine allenfalls höhere als die zugesprochene Vier-
telsrente, sondern der Rentenanspruch als Ganzes zu prüfen. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs-
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits-
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeits-
unfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich, 
sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Erwerbsmö-
glichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise 

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Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähigkeit (BGE 
130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wie-
der herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätzlich 
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). 
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

3.

3.1 Was den Gesundheitszustand betrifft, ist den Akten im Wesentli-
chen das Folgende zu entnehmen:

3.1.1 Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führ-
te im Bericht vom 16. Juli 2014 (AB 41) aus, er denke, dass der Versicherte 
eine gewisse Erwerbsfähigkeit höchstens in einem geschützten Rahmen 
mit besonderer Betreuung ausüben könne. Die schulische Förderung sollte 

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durch den Übertritt nach der Regelklasse im integrativen Modell in einer 
Heilpädagogischen Schule weitergeführt werden, damit dies realistischer-
weise umgesetzt werden könne (S. 4 Ziff. 1.8).

3.1.2 Im neuropsychologischen Gutachten des Spitals E.________ vom 
17. Januar 2015 (AB 54.1) wurde eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 
F70.0) mit/bei umschriebener Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten 
(Störung der Zahlenverarbeitung und Rechenstörung [ICD-10 F81.2] sowie 
Lese- und Rechtschreibstörung [ICD-10 F81.0]) und leicht bis schwer rei-
chenden kognitiven Hirnfunktionsstörungen des Gedächtnisses, der Auf-
merksamkeit, der konstruktiven und exekutiven Funktion sowie der Spra-
che diagnostiziert (S. 9 lit. B). Anhand der vorliegenden Unterlagen schie-
nen keine körperlichen Einschränkungen zu bestehen (lit. C Ziff. 1). Der 
Versicherte sei noch nicht berufstätig. Schulisch bestünden korrespondie-
rend mit den neuropsychologischen Beeinträchtigungen deutliche Defizite, 
so dass bisher der Status als integrierter Sonderschüler mit reduziertem 
Lernziel nicht habe aufgehoben werden können (Ziff. 2). Es zeigten sich 
sehr wenig intakte Funktionen im Bereich einzelner kognitiver Basisleistun-
gen der Orientierung, der visuellen Wahrnehmung, der einfachen Praxie 
und im visuellen Kurzzeitgedächtnis. Klinisch hätten sich keine Einschrän-
kungen der Daueraufmerksamkeit oder Belastbarkeit gezeigt. Es sei jedoch 
davon auszugehen, dass es hier auch dann zu Leistungsminderungen 
komme, wenn höhere Anforderungen an die fokussierte bzw. selektive 
Aufmerksamkeit gestellt würden (S. 10 Ziff. 3). Bei einer zukünftigen beruf-
lichen Tätigkeit sei von keiner zeitlichen Einschränkung auszugehen (Ziff. 
4). Das Ausmass einer dabei bestehenden verminderten Leistungsfähigkeit 
könne anhand der vorliegenden Testresultate nicht abgeschätzt werden 
und sollte später anhand der tatsächlichen alltagspraktischen Einschrän-
kungen beurteilt werden. Da der Versicherte bei vielen kognitiven Aufgaben 
verlangsamt sei, sei davon auszugehen, dass schon dadurch die Leis-
tungsfähigkeit limitiert sei (Ziff. 5). Angesichts der Schwere der neuropsy-
chologischen Beeinträchtigungen komme bei der beruflichen Ausbildung 
nur ein sogenannt „geschützter“ Rahmen in Frage (S. 11 Ziff. 12).

3.1.3 Dr. med. F.________, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin 
vom RAD, führte in der Aktenbeurteilung vom 3. Februar 2015 (AB 58) aus, 

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das neuropsychologische Gutachten des Spitals E.________ vom 29. Ja-
nuar 2015 bestätige den Verdacht auf kognitive Einschränkungen im Be-
reich einer leichten Intelligenzminderung (Gesamt-IQ 57). Das mentale 
Alter des Versi-cherten dürfte dem eines knapp 10-Jährigen entsprechen 
(Mathematik-Stoff der 4. Primarklasse). Die Stärken des Versicherten lägen 
in der Orientierung, der visuellen Wahrnehmung und einfachen Praxis so-
wie der Lern- und Gedächtnisfähigkeiten im nichtsprachlichen Bereich. Die 
Schwächen lägen in der Sprache (Produktion, Verständnis, Schriftsprache) 
und Arithmetik (schwere Dyskalkulie), den exekutiven Fähigkeiten (Hand-
lungsplanung, Störanfälligkeit, Umstellfähigkeit) und im Bereich der Auf-
merksamkeit, der konstruktiven Fähigkeiten sowie der Verlangsamung. 
Zeitlich sei ihm die Ausbildung in einem eher grobmotorischen handwerkli-
chen Bereich unter guter Anleitung und Begleitung uneingeschränkt zu-
mutbar. Eine Ausbildung in der freien Wirtschaft werde nicht möglich sein 
(S. 2).

3.1.4 Dr. med. C.________ vom RAD führte in der Aktenbeurteilung vom 
18. April 2018 (AB 82) aus, aufgrund des bestehenden Gesundheitsscha-
dens bestünden beim Versicherten deutliche qualitative Leistungseinbus-
sen, die bei der Erstellung des Zumutbarkeitsprofils zu berücksichtigen sei-
en. Es sei von einem dauernden Gesundheitsschaden auszugehen. Es be-
stünden erhebliche kognitive Einbussen. Somatische oder psychische Ein-
schränkungen lägen nicht vor. In einer angepassten Tätigkeit sei der Versi-
cherte in der Lage, leichte, mittelschwere und schwere Arbeiten im Sitzen, 
Gehen und Stehen auszuüben. Die körperliche Belastbarkeit sei insgesamt 
nicht eingeschränkt, die Gebrauchsfähigkeit der Hände ebenfalls nicht. Die 
Wegfähigkeit sei gegeben. Wegen der deutlichen kognitiven Störungen 
sollten Tätigkeiten, die ein gute Konzentration, Aufmerksamkeit, Umstel-
lungsfähigkeit und Flexibilität voraussetzten, vermieden werden. Der Versi-
cherte sei in der Lage, geistig einfache repetitive Routinetätigkeiten unter 
Begleitung und Kontrolle auszuüben. Von einer deutlich verlängerten Einar-
beitungszeit sei auszugehen. Die allgemeine geistige Belastbarkeit sei ins-
gesamt als vermindert einzuschätzen. Eine solche Tätigkeit könne der Ver-
sicherte achteinhalb Stunden pro Tag an fünf Tagen die Woche mit einer 
Leistung von 60% ausüben. Die Tätigkeit als ... entspreche dem Zumutbar-
keitsprofil und könne ebenfalls im selben Umfang ausgeführt werden (S. 4).

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3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un-
abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh-
ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, 
warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt 
(BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati-
on einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen In-
halt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte 
kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar 
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 
Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 353 f.). Soll ein Ver-
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschie-
den werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu 
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 
Schlüssigkeit der versicherungsinterne ärztlichen Feststellungen, so sind 
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65).

3.3 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der Verfügung vom 19. Okto-
ber 2018 (AB 92/2) im Wesentlichen auf die RAD-Aktenbeurteilung von Dr. 
med. C.________ vom 18. April 2018 (AB 82). Die RAD-Ärztin kommt darin 
zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in einer angepassten Tätigkeit, wo-
runter u.a. die Arbeit als ... gehöre, an achteinhalb Stunden am Tag, fünf 
Tage die Woche, bei einer Leistungseinschränkung von 40% arbeits- und 

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leistungsfähig. Die RAD-Aktenbeurteilung genügt vorliegend nicht zur ab-
schliessenden Beurteilung des medizinischen Gesundheitszustandes und 
insbesondere der gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdefüh-
rers und deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit. So 
hat die RAD-Ärztin den Beschwerdeführer weder persönlich untersucht, 
noch kann sie sich bei ihrer Beurteilung auf aktuelle medizinische Befunde 
abstützen. Die aktuellsten Befunde und Untersuchungsergebnisse bezie-
hen sich auf die neuropsychologische Untersuchung im Spital E.________ 
vom 15. Dezember 2014 bzw. 5. Januar 2015 (AB 54.1), d.h. betreffen ei-
nen Zeitpunkt über dreieinhalb Jahre vor dem Abschluss der beruflichen 
Ausbildung. Ferner hat es die Beschwerdegegnerin unterlassen, wie im 
neuropsychologischen Gutachten des Spitals E.________ vorgeschlagen, 
die Leistungsfähigkeit anhand der tatsächlichen alltagspraktischen Gege-
benheiten und Einschränkungen zu beurteilen und gestützt darauf ein Zu-
mutbarkeitsprofil zu formulieren. So zeigte sich während der Ausbildung, 
dass der Beschwerdeführer auf ganz klare Anleitungen angewiesen ist. 
Auch konnte er die meisten Arbeiten/Ziele nicht ausführen/erreichen bzw. 
gelang dies nur unter Anleitung (vgl. AB 75, 78, 80, 91). Weiter kann den 
Akten (vgl. AB 85 und S. 5 des IV-Protokolls [in den Gerichtsakten]) ent-
nommen werden, dass der Beschwerdeführer seit dem 6. August 2018 als 
… in einem 100%-Pensum offenbar zu einem monatlichen Leistungslohn 
von Fr. 500.-- angestellt ist. Die Beschwerdegegnerin sieht den Beschwer-
deführer in dieser Anstellung als „optimal eingegliedert“ (vgl. Mitteilung vom 
22. November 2018 [AB 95]). Offenbar benötigt der Beschwerdeführer aber 
auch als … eine Begleitung, arbeitet mit von der Arbeitgeberin entworfenen 
Checklisten und benötigt jeweils eine nachträgliche Kontrolle. Es sei ihm 
lediglich möglich, einzelne Schritte zu erledigen, er habe keine Übersicht 
über die Arbeitsabläufe und benötige eine 1:1-Betreuung (S. 6 des IV-
Protokolls [in den Gerichtsakten]; damit übereinstimmend auch das Zwi-
schenzeugnis vom 23. Oktober 2018 [Akten des Beschwerdeführers, Be-
schwerdebeilage {BB} 3]). Selbst in der RAD-Aktenbeurteilung vom 18. 
April 2018 (AB 82) wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer könne nur 
geistig einfache und repetitive Routinearbeiten unter Begleitung und Kon-
trolle ausüben. Somit stellt sich auch die Frage, ob der Beschwerdeführer 
seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in einem 
Nischenarbeitplatz mit verständnisvollem Arbeitgeber verwerten kann oder 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Mai 2020, IV/18/845, Seite 10

ob er auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen ist. In diesem Zu-
sammenhang ist auch ungeklärt, ob der Beschwerdeführer seine Restar-
beitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit optimal verwertet.

3.4 Aufgrund des Dargelegten erweist sich der massgebende Sachver-
halt als ungenügend abgeklärt. Damit erübrigen sich Ausführungen zu der 
von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Berechnung des Invali-
ditätsgrades bzw. zu den entsprechenden Vergleichseinkommen. Die Sa-
che ist somit in Gutheissung des Eventualbegehrens an die Beschwerde-
gegnerin zurückzuweisen, damit sie die offenen Fragen mittels einer Ar-
beitsmarktlich-Medizinischen Abklärung (AMA) und anschliessenden ver-
waltungsexternen Begutachtung klärt und hernach über den Rentenan-
spruch neu befindet. 

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 
200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4).

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Er-
satz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Nach der Rechtsprechung gilt es 
unter dem Gesichtspunkt des (bundesrechtlichen) Anspruchs auf eine Par-
teientschädigung im Streit um eine Sozialversicherungsleistung bereits als 
Obsiegen, wenn die versicherte Person ihre Rechtsstellung im Vergleich zu 
derjenigen nach Abschluss des Administrativverfahrens insoweit verbes-
sert, als sie die Aufhebung einer ablehnenden Verfügung und die Rückwei-
sung der Sache an die Verwaltung zu ergänzender Abklärung und neuer 
Beurteilung erreicht (BGE 137 V 57 E. 2.1 S. 61). Dies gilt unabhängig da-
von, ob die Rückweisung beantragt oder ob das entsprechende Begehren 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Mai 2020, IV/18/845, Seite 11

im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird (SVR 2017 KV Nr. 9 S. 43 
E. 9.1).

Entsprechend der angemessenen Kostennote von Rechtsanwalt 
B.________ vom 7. Januar 2019 wird die Parteientschädigung auf Fr. 
2‘611.30 festgesetzt (Aufwand von 10.7 Stunden à Fr. 220.-- zuzüglich 
Auslagen von Fr. 70.60 sowie Mehrwertsteuer von Fr. 186.75). Diesen Be-
trag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu ersetzen.

4.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Gesuch um unentgeltli-
che Rechtspflege als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 
19. Oktober 2018 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegeg-
nerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der Abklärungen im 
Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 2‘611.30 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu 
ersetzen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
und Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt 
wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Mai 2020, IV/18/845, Seite 12

- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.