# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6cbdc6c4-c7a1-5419-a976-14cfdc1e52d0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2011 E-1098/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1098-2011_2011-08-30.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­1098/2011
beu/boi/ris

U r t e i l   v om   3 0 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richterin Gabriela Freihofer,   
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

Parteien A._______, dessen Ehefrau
B._______, und deren Kinder
C._______,
D._______,
E._______,
F._______,
G._______, 
H._______,
I._______,
Serbien,
(…),
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 28. Januar 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführenden, – bis auf die Mutter – Angehörige der Roma 
mit  letztem  Wohnsitz  in  J._______  (Provinz  Vojvodina,  Gemeinde 
K._______), verliessen ihr Heimatland gemäss eigenen Angaben am 27. 
Dezember  2010  und  reisten  mit  einem  Reisebus  über  Kroatien, 
Slowenien und Italien  in die Schweiz, wo sie am 28. Dezember 2010 im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Basel  um  Asyl  nachsuchten. 
Am  5.  Januar  2011  wurden  die  Beschwerdeführerin,  der 
Beschwerdeführer sowie die älteste Tochter, C._______, und der älteste 
Sohn, D._______,  summarisch befragt  und am 19.  Januar 2011 vertieft 
zu ihren Asylgründen angehört. Dabei brachten sie im Wesentlichen vor, 
sie  seien  ständig  belästigt  worden.  Zweimal  seien  sie  aus  ihrem  Haus 
vertrieben  und  am  16.  Juni  2010  zu  Hause  durch  sechs  oder  sieben 
Personen aufgesucht worden. Dem Beschwerdeführer seien dabei Zähne 
ausgeschlagen worden. Die Angreifer hätten gesagt, dass die Kinder der 
Beschwerdeführenden nicht mehr in eine Schule gehen sollten, in der es 
auch  serbische  Kinder  gebe.  Die  Kinder  seien  in  der  Schule  oft 
geschlagen  und  beschimpft  worden,  weshalb  sie  nicht  regelmässig 
hingegangen seien. Am 25. November 2010 seien drei maskierte Männer 
zu  ihnen  nach  Hause  gekommen.  Sie  hätten  den  Beschwerdeführer 
geschlagen und gefesselt, die Kinder in einer Speisekammer eingesperrt 
und die Beschwerdeführerin vergewaltigt. Dabei hätten sie gedroht, auch 
die beiden ältesten Töchter zu vergewaltigen, wenn die Familie das Dorf 
nicht  verlasse.  Diesen  Vorfall  hätten  die  Beschwerdeführenden 
telefonisch sowie persönlich der Polizei gemeldet, die sie jedoch der Lüge 
bezichtigt  habe  und  untätig  geblieben  sei.  Sie  hätten  deshalb 
beschlossen, das Haus zu verkaufen und in die Schweiz zu fliehen.

B. 
Das  BFM  lehnte  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  mit 
Verfügung  vom  28.  Januar  2011  –  eröffnet  am  7.  Februar  2011 – 
mangels  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  ab  und  ordnete  die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. 

Begründet wurde der Entscheid insbesondere damit, dass die Vorbringen 
der Beschwerdeführenden als  unglaubhaft  zu  bewerten  seien,  da  sie  in 
wesentlichen  Punkten  Widersprüche  enthalten  würden  bzw. 
unsubstantiiert und nicht nachvollziehbar seien. Die Vorbringen seien  im 
Übrigen auch nicht asylrelevant, da von einem adäquaten Schutz durch 

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den  Heimatstaat  auszugehen  sei.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei 
zulässig,  generell  sowie  individuell  zumutbar  und  möglich.  Auf  die 
eingehende Begründung wird in den Erwägungen Bezug genommen.

C. 
Mit Eingabe vom 15. Februar 2011 fochten die Beschwerdeführenden die 
Verfügung des BFM beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragten, 
diese sei aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und es sei 
ihnen  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  seien  sie  in  der 
Schweiz  vorläufig aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ersucht.  Auf  die  Begründung  der 
Beschwerde wird  –  sofern  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen. 

D. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  mit  Zwischenverfügung  vom 
3. März 2011  fest, die Beschwerdeführenden könnten den Ausgang des 
Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. Gleichzeitig  hiess  es  das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  unter  der 
Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung sowie unter 
Vorbehalt  der  Veränderung  der  finanziellen  Lage  der 
Beschwerdeführenden  gut  und  wies  diese  an,  bis  zum  18.  März  2011 
entweder  eine  Bestätigung  ihrer  Bedürftigkeit  einzureichen  oder  einen 
Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­­  zu  Gunsten  der 
Gerichtskasse zu überweisen. 

Die  Fürsorgebestätigung  der  Beschwerdeführenden  vom  4.  März  2011 
ging am 8. März 2011 beim Bundesverwaltungsgericht ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

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Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 

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bewirken; frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 
3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

5. 

5.1.  Das  BFM  begründete  seinen  Entscheid  insbesondere  mit  der 
Unglaubhaftigkeit der Vorbringen. Diese würden in wesentlichen Punkten 
Widersprüche enthalten, seien unsubstantiiert und nicht nachvollziehbar. 
So habe die Beschwerdeführerin erzählt, zum Zeitpunkt des Überfalls am 
25. November 2010 hätten  sie und  ihr Ehemann  ferngesehen, während 
dieser  angegeben  habe,  geschlafen  zu  haben.  Zudem  seien 
verschiedene Angaben zum Ort der Vergewaltigungen gemacht worden; 
gemäss der Beschwerdeführerin hätten diese in der Küche, gemäss dem 
Beschwerdeführer  im  Zimmer  der  Eheleute  stattgefunden.  Die 
Beschwerdeführenden  hätten  im  Weiteren  nicht  einheitlich  aufzeigen 
können, wo genau sich die Speisekammer befunden habe; die Eheleute 
sowie  die  älteste  Tochter  hätten  jeweils  andere  Angaben  gemacht.  In 
Bezug auf die Täter habe der Beschwerdeführer ausgesagt, er habe zwei 
der drei Männer anhand ihrer Stimmen erkannt; diese hätten die Familie 
bereits  in  der  Vergangenheit  mehrfach  angegriffen.  Seine  Ehefrau 
hingegen habe zu Protokoll gegeben, niemanden erkannt zu haben. Die 
Erklärungen der Beschwerdeführenden zu diesen Widersprüchen hätten 
in keiner Weise überzeugt. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin die 
Vergewaltigung  unsubstantiiert  und  dürftig  geschildert;  sie  sei 
beispielsweise  nicht  in  der  Lage  gewesen,  ihre  Peiniger  auch  nur 
ansatzweise zu beschreiben. 

Das BFM erachtete die Vorbringen der Beschwerdeführenden im Übrigen 
auch nicht  als  asylrelevant,  da  von einem adäquaten Schutz durch den 
Heimatstaat  auszugehen  sei.  Es  könne  zwar  in  einzelnen  Fällen 
vorkommen,  dass  Behördenvertreter  mit  niederen  Chargen  die 
notwendigen  Untersuchungsmassnahmen  trotz  wiederholten 

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Intervenierens nicht oder nicht sofort einleiten würden. Es bestehe jedoch 
die Möglichkeit, gegen fehlbare Beamte auf dem Rechtsweg vorzugehen 
und die zustehenden Rechte bei höheren Instanzen einzufordern.

5.2. Die Beschwerdeführenden hielten den Erwägungen der Vorinstanz in 
ihrer Beschwerdeschrift entgegen, bei den vorgebrachten Widersprüchen 
handle  es  sich  um  kleine  Detailabweichungen,  die  bei  jeder  Aussage 
passieren  würden.  Es  sei  nicht  rechtmässig,  ihnen  aufgrund  dieser 
unwesentlichen Abweichungen  vorzuwerfen,  ihre Vorbringen  seien nicht 
glaubhaft.  Zudem  seien  sie  alle  nach  diesen  Erlebnissen  traumatisiert. 
Die Kinder wüssten nicht, was eine Kindheit bedeute; sie seien (aufgrund 
ihrer Herkunft) von klein auf schikaniert worden. Die Beschwerdeführerin 
leide noch  immer enorm unter den erlittenen Traumata und befinde sich 
in ärztlicher Behandlung. 

Um  polizeilichen  Schutz  hätten  sie  sich  in  ihrem  Heimatland  immer 
wieder bemüht, doch seien sie nicht ernst genommen worden. Nach dem 
Vorfall  vom  25.  November  2010  hätten  sie  sich  ausserdem  an  die 
Gemeinde  gewandt  und  um  eine  Unterkunft  in  einem  anderen  Dorf 
gebeten. Auch dort habe man ihnen nicht weitergeholfen. Sie hätten alles 
in ihrer Macht stehende getan, um Schutz durch die serbischen Behörden 
zu  erhalten,  doch  seien  diese  nicht  bereit  gewesen,  den 
Beschwerdeführenden  zu  helfen.  Selbst  wenn  sich  der  serbische  Staat 
laut serbischen Gesetzen verpflichtet habe, auch Roma vor Überfällen zu 
schützen,  so  ändere  dies  nichts  daran,  dass  sich  sämtliche  von  ihnen 
angerufenen Behörden geweigert hätten, ihnen Schutz zu geben.

5.3. 

5.3.1. Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, 
in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind.  Sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen 
Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich 
sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen 
oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die 
gesuchstellende Person glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann 
nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte 
Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen 
unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens 
Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt, 
mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung 
verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im  Gegensatz  zum 

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strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum 
für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 
Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden 
sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte 
Sichtweise abzustellen  (vgl. Art. 7 Abs.  2 und 3 AsylG; Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2005  Nr.  21  E.  6.1).  Die  Beschwerdeführenden  haben  den  Inhalt 
sämtlicher  Protokolle  mit  ihrer  Unterschrift  genehmigt  und müssen  sich 
deshalb ihre Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen.

5.3.2.  Entgegen  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  handelt  es 
sich bei den durch das BFM festgestellten Widersprüchen nicht  lediglich 
um  kleine  Detailabweichungen.  So  brachte  die  Beschwerdeführerin 
anlässlich  ihrer  Anhörung  vor,  sie  habe  zum  Zeitpunkt,  als  am  25. 
November  2010  die  drei  maskierten  Männer  gekommen  seien  –  nach 
Mitternacht – mit  ihrem Mann ferngesehen, während sie  ihr Baby gestillt 
habe.  Was  sie  gesehen  habe,  wisse  sie  nicht  mehr,  aber  sie  würden 
meistens Filme schauen (A14/12 S. 4). Ihr Mann habe gesagt, der Strom 
sei unterbrochen worden, weshalb er  in den Gang hinausgegangen und 
sofort angegriffen worden sei (A14/12 S. 3). Der Beschwerdeführer führte 
dagegen  aus,  er  sei  schlafen  gegangen  und  dann  sei  es  passiert.  Er 
wisse  nicht  mehr  genau,  wie  spät  es  gewesen  sei.  Es  sei  der  Strom 
abgeschaltet worden, weshalb er zum Sicherungskasten hinausgegangen 
sei.  Auf  die  Frage,  wie  er  sich  die  Schilderung  seiner  Frau  erklären 
könne, wonach sie gemeinsam ferngeschaut hätten, antwortete er, dass 
sie  nicht  alle  zur  gleichen  Zeit  schlafen  könnten.  Sie  würden  ins  Bett 
gehen und wer schlafe, schlafe (A15/11 S. 5). Auf die Frage, wie er – da 
er  angab,  geschlafen  zu  haben  –  gemerkt  habe,  dass  der  Strom 
abgeschaltet  worden  sei,  entgegnete  der  Beschwerdeführer,  sie  hätten 
eine Nachttischlampe,  die  immer  brenne. Seine Frau  habe  ihn  geweckt 
und  ihm  gesagt,  dass  es  keinen  Strom  gebe  (A15/11  S.  9).  Aus  den 
unterschiedlichen  Beschreibungen  ihres  Hauses  durch  die 
Beschwerdeführenden wird  zudem weder  übereinstimmend  klar, wo  die 
Vergewaltigung genau stattgefunden (vgl. insbesondere A14/12 S. 3 und 
6 [im Zimmer der Eheleute]; A15/11 S. 3 und 6 [in der Küche,  in der ein 
Bett  steht]),  noch wo  sich  die  Speisekammer  befunden  haben  soll  (vgl. 
A14/12 S. 7  [neben dem Badezimmer]; A15/11 S. 3  [auf dem Weg zum 
Dachstock];  A6/9  S.  5  [hinter  dem  Haus]).  Diesbezüglich  kann  auf  die 
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, denen beizupflichten ist. 
Die  Beschwerdeführenden  vermochten  die  angesprochenen 

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Widersprüche  weder  anlässlich  der  Anhörung  noch  auf 
Beschwerdeebene  zu  entkräften.  Dass  der  Beschwerdeführer  zwei  der 
drei  maskierten  Männer  erkannt  haben  will,  die  Beschwerdeführerin 
jedoch nicht, kann dagegen nicht als Widerspruch gewertet werden. 

Eine abschliessende Glaubhaftigkeitsprüfung erweist sich indes nicht als 
notwendig, da – wie das BFM  in seinen weiteren Erwägungen zu Recht 
erkannt  hat  –  sich die Situation der  ethnischen Minderheiten  in Serbien 
entspannt  hat,  weshalb  die  geschilderten  Vorfälle  –  wie  nachfolgend 
dargelegt wird – auch nicht als asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu 
werten sind.

5.4. Serbien  gilt  seit  dem  1.  April  2009  als  so  genanntes  Safe­country 
(Art. 6 Abs. 2 AsylG), weshalb grundsätzlich von der Schutzfähigkeit und 
vom Schutzwillen dieses Staates auszugehen ist.

5.4.1. Am 25. Februar 2002 ist das serbische Bundesgesetz zum Schutz 
und  zur  Freiheit  der  nationalen  Minderheiten,  welches  auch  für  die 
anerkannte Minderheit der Roma Geltung beansprucht, in Kraft getreten. 
Nach einer Gewalteskalation in den Jahren 2003 und 2004 intervenierten 
verschiedene internationale Organisationen.  Im Jahr 2005 wurde ein 10­
Punkte­Plan zwischen den serbischen Behörden und den Behörden der 
Vojvodina  verabschiedet,  welcher  die  Verbesserung  der  ethnischen 
Beziehungen zum Ziel hat.  Im gleichen Jahr  ist die serbische Regierung 
der  "Decade  of Roma  Inclusion"  beigetreten. Dabei  handelt  es  sich  um 
eine  internationale  Initiative,  welche  sowohl  Regierungs­  und 
Nichtregierungsorganisationen  als  auch  die  Roma­Zivilbevölkerung 
zusammenbringt,  um  die  Entwicklung  im  Zusammenhang  mit  der 
Verbesserung  des  Wohlergehens  der  Roma  zu  fördern  und  die 
diesbezüglichen Fortschritte zu überwachen und transparent zu machen. 
Diese  Initiative  konzentriert  sich  schwergewichtig  auf  die  Bereiche 
Ausbildung, Arbeit, Gesundheit und Wohnen und verpflichtet die Staaten, 
andere  Kernaspekte  der  Armut,  Diskriminierung  und 
Geschlechtergleichstellung  zu  berücksichtigen.  Serbien  hat  in  diesem 
Zusammenhang vier nationale Aktionsprogramme verabschiedet, welche 
sich  auf  die  Bereiche  Wohnen,  Gesundheit,  Ausbildung  und  Arbeit 
beziehen. Es bestehen Bemühungen, gegen diskriminierendes Verhalten 
gegenüber  Roma  vorzugehen;  unter  anderem wurde  angestrebt,  Roma 
als  Polizeiangestellte  anzustellen  und  den  Dialog  zwischen  Polizei  und 
Romagemeinschaften  zu  fördern  (vgl.  Urteile  des 

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Bundesverwaltungsgerichts D­915/2011 vom 16. Juni 2011 E. 6.2.1 und       
E­2444/2007 vom 2. Juli 2010 E. 4.2.1 mit weiteren Hinweisen).

5.4.2.  In  jüngster  Zeit  konnten  weitere  Verbesserungen  im 
Minderheitenschutz  verzeichnet  werden.  So  wurde  beispielsweise  am 
26. März 2009  ein  Anti­Diskriminierungsgesetz  verabschiedet.  Am 
31. August  2009  folgte  das  Gesetz  über  nationale  Minderheitsräte, 
welches den Minderheiten grosse Autonomie  in den Bereichen Sprache, 
Bildung  und  Kultur  gewährt,  und  am  6.  Juni 2010  wurden  die  ersten 
Wahlen  für diese Räte durchgeführt. Die  inter­ethnische Situation  in der 
Vojvodina,  woher  der  Beschwerdeführer  stammt,  hat  sich  weiter 
verbessert  und  es  konnte  ein  Rückgang  inter­ethnischer  Vorfälle 
verzeichnet  werden.  Vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  gegen 
Roma  können  aber  weiterhin  nicht  ausgeschlossen  werden.  Der 
serbische  Staat  billigt  oder  unterstützt  solche  Übergriffe  jedoch  nicht, 
sondern  erweist  sich  grundsätzlich  als  schutzwillig  und  schutzfähig  und 
verfolgt  die  Vorfälle  strafrechtlich.  So  konnten  in  jüngster  Zeit  in  Bezug 
auf  polizeiliche  Untersuchungen  bei  inter­ethnischen  Vorfällen 
Verbesserungen verzeichnet werden. Trotz politischer Sensibilisierung in 
diesem  Bereich  und  Massnahmen  zur  Stärkung  der  Effizienz  der 
Polizeiarbeit,  kann  es  aber  vorkommen,  dass  polizeilich  untergeordnete 
Behörden  bei  einer  Anzeige  die  notwendigen 
Untersuchungsmassnahmen  nicht  einleiten.  In  solchen  Fällen  besteht 
jedoch  die  Möglichkeit,  gegen  fehlbare  Beamte  auf  dem  Rechtsweg 
vorzugehen.  Wenn  auch  eine  klare  Ahndung  von  ethnisch  motivierter 
Gewalt  auf  gerichtlicher  Ebene  weiterhin  nur  zögerlich  voranzugehen 
scheint,  wurden  vereinzelte  Übergriffe  gegen  Minderheiten  in  jüngster 
Zeit  gerichtlich  verfolgt  (vgl.  EUROPEAN  ROMA  RIGHTS  CENTRE  [ERRC], 
Parallel  submission  by  the  European  Roma  Rights  Centre  to  the 
Committee  on  the  Elimination  of  All  Forms  of  Racial  Discrimination  on 
Serbia for its consideration at the 78th Session 14 February to 11 March 
2011,  Januar 2011;  EUROPEAN  COMMISSION,  Serbia  2010  Progress 
Report,  9. November 2010;  HUMAN RIGHTS WATCH,  World  Report  2011, 
Januar  2011;  US  DEPARTMENT  OF  STATE,  Country  Report  on  Human 
Rights Practices 2009, 11. März 2010).

5.4.3. Es ist somit davon auszugehen, dass der serbische Staat fähig und 
willens  ist,  ethnischen  Minderheiten  einen  adäquaten  Schutz  zu 
gewähren. Es wäre den Beschwerdeführenden zumutbar gewesen, sich 
für die Anzeige der Tat an einen anderen Polizeiposten zu wenden oder 
allenfalls die gerichtlichen Instanzen anzurufen. 

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Trotz  der  Bemühungen  der  Behörden  zur  Förderung  der 
Gleichbehandlung  werden  Roma  in  Serbien  aber  nach  wie  vor  Opfer 
verschiedener  Diskriminierungen,  namentlich  in  den  Bereichen  Bildung, 
Arbeit,  Wohnen  und  Gesundheit,  welche  sie  in  eine  prekäre  Situation 
versetzen.  Allein  mit  der  Zugehörigkeit  zur  serbischen  Minderheit  der 
Roma  und  den  in  diesem  Zusammenhang  geltend  gemachten 
Diskriminierungen und widrigen Lebensumständen wird aber noch keine 
individuelle  Betroffenheit  im  Sinne  der  asylrechtlichen  Bestimmungen 
dargelegt  (vgl.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­915/2011 
vom 16. Juni 2011 E. 6.3).

5.5.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  den 
Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht 
zuerkannt und deren Asylgesuche abgewiesen hat.

6. 
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über 
eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen 
Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9) und machen 
dies  auch  nicht  geltend.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet.

7. 
Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht möglich,  nicht  zulässig oder nicht 
zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer  Weiterreise  des  Ausländers  in  seinen  Heimat­, 
Herkunfts­ oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So 
darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

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die Rechtsstellung der Flüchtlinge  [FK, SR 0.142.30] und Art. 25 Abs. 2 
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. 
April  1999  [BV,  SR  101]).  Unter  das  flüchtlingsrechtliche 
Rückschiebungsverbot  fallen  somit  nur  Flüchtlinge.  Das 
menschenrechtliche Rückschiebungsverbot (Art. 3 der Konvention vom 4. 
November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten 
[EMRK, SR 0.101], Art.  25 Abs. 3 BV), wonach niemand  in einen Staat 
ausgeschafft  werden  darf,  in  dem  ihm  Folter  oder  eine  andere  Art 
grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung drohen,  ist 
dagegen  auf  alle  Menschen  ohne  Rücksicht  auf  ihren  Status 
anzuwenden. 

Da die Beschwerdeführenden nicht als Flüchtlinge anerkannt werden, hat 
das  BFM  zu  Recht  ausgeführt,  dass  der  Grundsatz  der 
Nichtrückschiebung  gemäss  Art.  5  Abs.  1  AsylG  vorliegend  nicht 
angewendet  werden  kann.  Im  Hinblick  auf  das  menschenrechtliche 
Rückschiebungsverbot  nach  Art.  3  EMRK  ist  zu  bemerken,  dass  sich 
weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten 
Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung durch Folter oder eine andere 
Art  grausamer  und  unmenschlicher  Behandlung  oder  Bestrafung 
entnehmen  lassen. Gemäss Praxis  des Europäischen Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müssten sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft 
machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder 
unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16, mit 
weiteren Hinweisen; EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil 
vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124  ­  127,  mit 
weiteren Hinweisen), was sie indes nicht tun.

Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne 
der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG  ist der Vollzug  für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat konkret 
gefährdet sind. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen 
angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels 
persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der 
Flüchtlingseigenschaft noch jene des völkerrechtlichen Non­Refoulement­
Prinzips  erfüllen,  jedoch wegen  der  Folgen  von Krieg,  Bürgerkrieg  oder 
einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in  ihren  Heimatstaat 
zurückkehren  können.  Im  Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere 

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Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls  einer  konkreten  Gefahr 
ausgesetzt  wären,  weil  sie  die  absolut  notwendige  medizinische 
Versorgung nicht  erhalten  könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen 
der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit 
unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen  würden,  dem  Hunger  und 
somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der 
Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 
9.3.1, mit weiteren Verweisen).

7.2.1. Das BFM führte  im angefochtenen Entscheid aus, dass weder die 
im  Heimatstaat  herrschende  politische  Situation  noch  andere  Gründe 
gegen die Zumutbarkeit der Rückführung nach Serbien sprechen würden. 
Auch  könne  in  Serbien  nicht  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt 
gesprochen  werden,  die  einer  konkreten  Gefährdung  der  ethnischen 
Minderheit  der  Roma  gemäss  Art.  83  Abs.  4  AuG  gleichkäme. 
Schliesslich  würden  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  die 
Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sprechen.  Namentlich  würden 
verschiedene Geschwister der Beschwerdeführenden in der Heimat leben 
und  der  Beschwerdeführer  habe  dort  als  Tagelöhner  gearbeitet.  Da  die 
Aussagen  der  Beschwerdeführenden  betreffend  ihren  letzten  Wohnort 
und  ihr  soziales  Umfeld  äusserst  rudimentär  und  undifferenziert 
ausgefallen seien und sich ihre Vorbringen insgesamt als unglaubwürdig 
(recte:  unglaubhaft)  herausgestellt  hätten,  dürfe  davon  ausgegangen 
werden, dass sie entgegen ihren Angaben in Serbien sehr wohl über ein 
tragfähiges Beziehungsnetz verfügen würden.

7.2.2. Die Beschwerdeführenden hielten dem BFM entgegen, dass ihnen 
bei einer Rückkehr nach Serbien weitere Verfolgung  infolge  ihrer Ethnie 
drohen würde. Ihren Kindern sei es nicht möglich bzw. werde es faktisch 
verwehrt, die Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen, da sie so 
lange  schikaniert  würden,  bis  die  Beschwerdeführenden  es  nicht  mehr 
wagen  würden,  sie  den  Unterricht  besuchen  zu  lassen.  Die  Vorinstanz 
habe  es  unterlassen,  die  Interessen  der  Kinder  gemäss  dem 
Übereinkommen  über  die  Rechte  des  Kindes  vom  20.  November  1989 
(KRK,  SR  0.107)  zu  prüfen;  schon  alleine  aus  diesem  Grund  sei  die 
angefochtene  Verfügung  aufzuheben.  Des  Weiteren  sei  die 
Beschwerdeführerin  krank   und  benötige  nach  den  erlittenen  Traumata 
Unterstützung  in  der  Betreuung  der  sieben  minderjährigen  Kinder.  Der 
Beschwerdeführer  könne  die  Familie  deshalb  nicht  alleine  ernähren, 
zumal  auch  er  psychisch  enorm  leide  und  durch  Schlaflosigkeit  und 
Probleme  mit  den  Nerven  gequält  werde.  In  Serbien  hätten  sie  nur 

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wenige  Verwandte  und  jenen  sei  es  nicht  möglich,  sie  nach  einer 
allfälligen Rückkehr  zu  unterstützen. Damit  fehle  ein  soziales Netz,  das 
sie nach einer Wiederkehr auffangen würde.

7.3. Zunächst ist zu prüfen ist, ob das BFM seine Begründungspflicht und 
damit  den  Anspruch  der  Beschwerdeführenden  auf  rechtliches  Gehör 
(Art.  29  Abs.  2  BV)  verletzt  hat,  indem  es  in  seiner  Verfügung  keine 
Ausführungen zum Kindeswohl machte. Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG ist 
jede  schriftliche  Verfügung  zu  begründen,  wobei  das  VwVG  keine 
besonderen  Anforderungen  an  den  Inhalt  und  den  Umfang  der 
Begründung stellt. Die Betroffenen müssen  in die Lage versetzt werden, 
die  Verfügung  sachgerecht  anfechten  zu  können  (BGE  124  II  149), 
weshalb  die  verfügende  Behörde  die  Überlegungen  nennen muss,  von 
denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Dabei darf 
sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich 
dementsprechend  nicht  mit  allen  tatbeständlichen  Behauptungen  und 
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen  (vgl. zum Ganzen ALFRED 
KÖLZ/  ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege 
des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 128). 

Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet 
im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im 
Lichte  von  Art.  3  Abs.  1  KRK.  Im  vorliegenden  Falle  ist  jedoch  zu 
beachten, dass die Verfügung des BFM bereits weniger als einen Monat 
nach  der  Einreise  der  Beschwerdeführenden  erging  und  eine 
Beeinträchtigung  des  Kindeswohls  nicht  ersichtlich  ist  (vgl.  nachfolgend 
E.  7.5.2).  Bei  dieser  Sachlage  kann  keine  Verletzung  der 
Begründungspflicht  konstatiert  werden.  Den  Beschwerdeführenden  war 
es  problemlos  möglich,  die  Verfügung  des  BFM  vom  28.  Januar  2011 
gestützt auf die darin enthaltenen Erwägungen zum Wegweisungsvollzug 
sachgerecht  anzufechten.  Ihr  Einwand  der  Verletzung  des  rechtlichen 
Gehörs erweist sich daher als unbegründet.

7.4.  Die  allgemeine  Lage  in  Serbien  lässt  nicht  auf  eine  konkrete 
Gefährdung  der  Beschwerdeführenden  im  Falle  einer  Rückkehr 
schliessen.  Zwar  werden  Angehörige  der  Roma  –  wie  erwähnt  –  beim 
Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnen und Gesundheit diskriminiert. Diese 
Benachteiligungen  erreichen  indessen  nicht  ein  Ausmass,  das  den 
Vollzug  der  Wegweisung  als  allgemein  unzumutbar  erscheinen  liesse 

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(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­915/2011 vom 16. Juni 2011 E. 
8.4.1).  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen 
weite Teile der ansässigen Bevölkerung betroffen sind, genügen zudem 
nicht, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen 
(vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6 mit weiteren Hinweisen).

7.5. Nachfolgend zu prüfen ist jedoch die individuelle Zumutbarkeit eines 
Wegweisungsvollzuges nach Serbien:

7.5.1.  Der  Beschwerdeführer  lebte  gemäss  eigenen  Angaben  vor  der 
Ausreise seit seiner Kindheit in J._______ (Gemeinde K._______; A5/13 
S. 1), die Beschwerdeführerin seit etwa 16 Jahren (A4/12 S. 1). Er habe 
nie die Schule besucht, aber als Kind Lesen und Schreiben gelernt und 
zuletzt  als Hilfsarbeiter  bzw. Tagelöhner  gearbeitet, während  sie  sieben 
Jahre  lang  die  Schule  besucht  habe  und  seither  nicht  erwerbstätig 
gewesen sei, sondern als Hausfrau gearbeitet habe (A5/13 S. 2; A4/12 S. 
2).  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  einer 
Rückkehr in die Vojvodina wieder eine Stelle als Tagelöhner finden wird. 
Das  Gericht  verkennt  nicht,  dass  die  Arbeitsmarktlage  in  Serbien 
schwierig ist und es für den Beschwerdeführer nicht leicht sein wird, seine 
Familie  zu  versorgen,  doch  können  die  Beschwerdeführenden  auf  ein 
familiäres  Beziehungsnetz  in  ihrer  Heimat  zurückgreifen.  Dort  leben 
gemäss  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  dessen  Mutter  (in 
J._______)  sowie  zwei  Brüder  (einer  in  Zabal  und  einer  in  J._______; 
A5/13  S.  4).  Ausserdem  leben  der  Zwillingsbruder  der 
Beschwerdeführerin  (in L._______, Gemeinde K._______), deren Mutter 
(in Pancevo, ca. 105 km von J._______ entfernt; gemäss Aussagen des 
Beschwerdeführers  lebt sie  in einem Blindenheim, vgl. A15/11 S. 5) und 
eine  Schwester  (in  M._______,  ca.  60  km  von  J._______  entfernt)  in 
Serbien  (A4/12  S.  3).  Entgegen  den  Behauptungen  auf 
Beschwerdeebene  verfügen  die  Beschwerdeführenden  damit  über  ein 
verwandtschaftliches  Beziehungsnetz,  das  diese  –  wenn  vielleicht  nicht 
finanziell  –  beispielsweise  bei  der  Kinderbetreuung,  beim  Finden  einer 
Arbeitsstelle oder einer neuen Unterkunft unterstützen können dürfte. 

In  diesem Zusammenhang  ist  auf  die Möglichkeit  der  Beantragung  von 
Rückkehrhilfe  durch  die  Schweiz  zu  verweisen,  die  den 
Beschwerdeführenden  den  Wiedereinstieg  in  ihrer  Heimat  erleichtern 
könnte  (Art.  93 Abs.  1 AsylG; Art.  73  ff.  der Asylverordnung  2  vom 11. 
August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]).

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7.5.2.  Unter  dem  Aspekt  des  Kindeswohls  sind  im  Hinblick  auf  eine 
Wegweisung  schliesslich  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu 
würdigen, die in diesem Zusammenhang wesentlich erscheinen. In Bezug 
auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im 
Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Beurteilung  von  Bedeutung  sein:  Alter, 
Reife,  Abhängigkeiten,  Art  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner 
Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen  (insbesondere 
Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich 
Entwicklung/Ausbildung  sowie  der  Grad  der  erfolgten  Integration  bei 
einem  längeren Aufenthalt  in  der Schweiz. Gerade  letzterer Aspekt,  die 
Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der 
Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  beziehungsweise 
Integration  im  Heimatland  bei  einem  Kind  als  gewichtiger  Faktor  zu 
werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal  vertrauten 
Umfeld herausgerissen werden sollten. Die Verwurzelung in der Schweiz 
kann  eine  reziproke  Wirkung  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der 
Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, 
welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar 
erscheinen lässt (BVGE 2009/51 E. 5.6 mit weiteren Hinweisen). 

Diese Voraussetzungen  sind  im  vorliegenden  Fall  indes  nicht  gegeben. 
Die drei jüngsten Kinder (die (….), (…) und (…) Jahre alt sind) sind noch 
vollständig  an  Eltern  gebunden  und  waren  in  Serbien  noch  nicht 
eingeschult;  aus  den  Akten  ergibt  sich  auch  keine  Einschulung  in  der 
Schweiz. Aufgrund des bisherigen kurzen Aufenthalts in der Schweiz von 
knapp acht Monaten kann  jedoch auch bei den vier älteren Kindern  (im 
Alter von (…) Jahren) noch nicht von einer Entwurzelung in ihrer Heimat 
bzw.  einer  fortgeschrittenen  Integration  in  der  Schweiz  ausgegangen 
werden.  Es  ist  vielmehr  anzunehmen,  dass  sie  sich  ohne  grössere 
Probleme wieder  in den serbischen Schulalltag – den sie seit mehreren 
Jahren gewohnt sind – werden einfügen können.

7.5.3. In der Beschwerdeschrift vom 15. Februar 2011 wurde schliesslich 
ausgeführt,  die  Beschwerdeführerin  sei  krank  und  bedürfe  nach  den 
erlittenen Traumata der Unterstützung  in  der Betreuung der Kinder. Sie 
sei  nur  noch  Haut  und  Knochen  und  befinde  sich  in  ärztlicher 
Behandlung.  Ein  Arztbericht  zu  ihrem  Gesundheitszustand  werde 
nachgereicht.

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Die Beschwerdeführerin brachte erstmals anlässlich  ihrer Anhörung vom 
19.  Januar  2011  vor,  es  gehe  ihr  schlecht,  sie  habe  viel  abgenommen 
und mache sich grosse Sorgen (A14/12 S. 9). Dass ihr Zustand bereits so 
besorgniserregend  gewesen  sein  soll,  wie  es  in  der  Beschwerdeschrift 
einen  Monat  später  vorgebracht  wird,  ist  aus  den  Protokollen  damals 
jedoch  nicht  ersichtlich.  Die  Beschwerdeführenden  haben  den 
angekündigten Arztbericht  bis  zum heutigen Zeitpunkt  nicht  eingereicht. 
Auf  die  Einforderung  eines  solchen  Berichts  kann  indessen  verzichtet 
werden,  da  ohnehin  davon  auszugehen  ist,  dass  die  gesundheitliche 
Versorgung der Bevölkerung in Serbien grundsätzlich so ausgestaltet ist, 
dass eine allfällige psychiatrische bzw. psychologische Therapie vor Ort 
weitergeführt  werden  könnte  und  allenfalls  benötigte  Medikamente  vor 
Ort  erhältlich  sind. Dabei  kann  nicht  davon  ausgegangen werden,  dass 
ethnischen  Roma  die  Gesundheitsversorgung  grundsätzlich  verweigert 
wird  (vgl.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7864/2006  vom 
12. April 2010 E. 7.2.2).

7.5.4. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten als 
zumutbar. 

7.6. Schliesslich  obliegt  es  den Beschwerdeführenden,  sich  nötigenfalls 
bei der Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 
Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb  der 
Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 
2 AuG).

7.7. Zusammenfassend hat das BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht 
als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt 
eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 
1­4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

9. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten 
grundsätzlich  den  unterliegenden  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das Gesuch um Gewährung der 

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unentgeltlichen  Prozessführung  mit  Verfügung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom 3. März  2011  gutgeheissen wurde  und 
eine  Änderung  der  finanziellen  Lage  der  Beschwerdeführenden  nicht 
ersichtlich ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

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