# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ded11eb6-79fd-5c4e-933d-c78057dd2e9a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.11.2008 D-7076/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7076-2008_2008-11-18.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7076/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
5. November 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7076/2008

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  verliess  Sri  Lanka  eigenen  Angaben  zufolge 
am 12. Oktober 2008 und gelangte nach Zwischenhalten in (...)  und 
einem weiteren, unbekannten Land am 15. Oktober 2008 (vgl. Telefax 
vom 17.10.2008) auf dem Luftweg in den Transitbereich des Flugha-
fens  (...),  wo  er  am  17. Oktober  2008  um  Asyl  nachsuchte.  Mit 
Zwischenverfügung vom gleichen Tag – eröffnet am 18. Oktober 2008 
–  verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die 
Schweiz vorläufig  und wies  ihm für  die  Dauer  von maximal  sechzig 
Tagen den Transitbereich des Flughafens (...) als Aufenthaltsort zu.

B.
Am 18. Oktober 2008 erfolgte die Kurzbefragung durch die Flughafen-
polizei  und am 24. Oktober  2008 die  Anhörung zu den Asylgründen 
durch das BFM. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Be-
schwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und 
im Distrikt Jaffna aufgewachsen (geboren in [...], aufgewachsen in [...] 
und hauptsächlich in [...]). Er habe zusammen mit einem Kollegen ein 
kleines  Restaurant  in  (...)  geführt,  wo  auch  Mitglieder  der  LTTE 
(Liberation Tigers of Tamil Eelam) verkehrt hätten. Von diesen seien er 
und sein Kollege aufgefordert worden, sich an Aktivitäten der LTTE zu 
beteiligen.  In  der  Folge  hätten  sie  auf  Anweisung  der  LTTE hin  im 
Januar  2008  einen  in  der  Nähe  des  Restaurants  gelegenen 
Militärstützpunkt  mit  Steinen  beworfen,  wobei  sie  fotografiert  oder 
gefilmt worden seien. Etwa eine Woche nach diesem Vorfall sei er von 
unbekannten  Männern,  die  ein  Foto  von  ihm  besessen  hätten, 
verhaftet  und  einen  Tag  lang  festgehalten  worden,  wobei  sie  ihn 
geschlagen,  getreten  und  ihm  mit  einem  Stein  auf  den  rechten 
Daumen  geschlagen  hätten.  Danach  hätten  sie  ihn  an  den  Ort  der 
Festnahme  zurückgebracht.  Ende  Juni  2008  habe  es  auf  einem 
Militärstützpunkt  eine  Bombenexplosion  gegeben.  Sein  Ge-
schäftspartner  sei  offenbar  dabei  gewesen,  jedenfalls  sei  er  nach 
Aussagen von dessen Mutter festgenommen worden. Daraufhin habe 
er  (der  Beschwerdeführer)  das  Restaurant  geschlossen  und  sich 
versteckt, weil er befürchtet habe, ebenfalls verhaftet zu werden. Nach 
25 Tagen sei er wieder nach Hause gegangen, wo ihm seine Mutter 
berichtet habe, dass er gesucht worden sei, weil man ihm vorwerfe, für 
die  "Bombardierung"  des  Stützpunktes  verantwortlich  zu  sein. Seine 

Seite 2

D-7076/2008

Mutter habe ihn daraufhin aufgefordert, nach Colombo zu gehen, was 
er getan habe.

Der  Beschwerdeführer  liess  im  erstinstanzlichen  Verfahren  durch 
seinen  Rechtsvertreter  Kopien  der  Identitätskarte,  des  Reisepasses 
sowie der Geburtsurkunde einreichen.

C.
Mit  Verfügung  vom  5. November  2008  stellte  das  BFM  fest,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein 
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus dem Transitbereich 
des Flughafens (...) sowie den Vollzug an. Als Begründung führte die 
Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerde-
führers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss 
Art. 7  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht 
stand.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Sri  Lanka  sei  zulässig, 
zumutbar und möglich.

D.
Mit  Rechtsmitteleingabe vom 7. November 2008 (Poststempel)  bean-
tragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufhe-
bung der Dispositiv-Ziffern 4 und 5 (Wegweisungsvollzug) der vorins-
tanzlichen Verfügung. Das BFM sei  anzuweisen,  ihm die  Einreise in 
die  Schweiz  zu  bewilligen  und  ihm  eine  vorläufige  Aufnahme  zu 
gewähren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit  für  den 
Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegan-
gen.

Zusammen  mit  der  Beschwerdeschrift  liess  der  Beschwerdeführer 
(erneut) eine Kopie der Identitätskarte einreichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 

Seite 3

D-7076/2008

ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 
Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in 
der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsge-
richt kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die vorliegende Beschwerde richtet  sich  nur  gegen den Vollzug der 
von der Vorinstanz verfügten Wegweisung. Die Verneinung der Flücht-
lingseigenschaft,  die Ablehnung des Asylgesuchs sowie die Wegwei-
sung (vgl. Ziffern 1-3 des Dispositivs der Verfügung vom 5. November 
2008) blieben unangefochten und sind mit Ablauf der Beschwerdefrist 
in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Beschwerde-
verfahrens  bildet  somit  entsprechend  dem  Rechtsbegehren,  ob  die 
Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet hat.

4.  
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so  verfügt  es  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegwei-
sung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das 
Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen 

Seite 4

D-7076/2008

Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 
Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

4.2 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen 
ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder 
glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des 
flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach 
Sri  Lanka  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall 
einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 

Seite 5

D-7076/2008

Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete 
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft  machen, dass ihm im 
Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei-
sen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom 6.  Februar 
2001,  Recueil  des  arrêts  et  décisions  2001-I,  S.  327  ff.).  Auch  die 
allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.

4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

4.3.1 Das Bundesamt  hielt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  im 
Lichte der allgemeinen Situation in Sri  Lanka sei eine Rückkehr des 
Beschwerdeführers  in  den  Norden  des  Landes  nicht  zumutbar.  Im 
Süden und Westen Sri Lankas bestehe hingegen keine Situation allge-
meiner  Gewalt.  Nachdem  sich  der  Beschwerdeführer  vor  seiner 
Ausreise bereits mehrere Monate bei einer (...) in Colombo aufgehal-
ten habe, sei davon auszugehen, dass er dort auf ein Beziehungsnetz 
zurückgreifen könne. Aufgrund der  guten Schulbildung sowie berufli-
chen Erfahrung und angesichts  der  Möglichkeit  von finanzieller  Hilfe 
durch die in  (...)  lebende Schwester  des Beschwerdeführers sei  von 
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen.

4.3.2 Der Beschwerdeführer lässt den vorinstanzlichen Ausführungen 
zusammengefasst  entgegenhalten,  es  fehle  ihm  am  notwendigen 
sozialen Beziehungsnetz in Colombo oder im Südteil Sri Lankas. Das 
Bundesamt übersehe, dass es sich bei  der von ihm genannten "(...) 
B._______", bei welcher er sich von Juli bis Oktober 2008 in Colombo 
aufgehalten  habe,  nicht  um  eine  eigentliche  (...)  handle.  Diese  sei 

Seite 6

D-7076/2008

nicht  in  der  Lage,  ihn  längerfristig  bei  sich  aufzunehmen,  zumal  sie 
wegen seiner Anwesenheit bereits Probleme mit den Sicherheitskräf-
ten gehabt habe. Zu der in Colombo lebenden "richtigen" (...) bestehe 
kein  Kontakt,  weshalb  unklar  sei,  ob  sie  den  Beschwerdeführer 
überhaupt  aufnehmen  könnte.  Der  Beschwerdeführer  spreche 
überdies  auch  kein  Singhalesisch  und  wäre  in  höchster  Gefahr,  als 
LTTE-Verdächtiger festgenommen zu werden. Schliesslich wird in der 
Rechtsmittelschrift  eingewendet,  die  Lage  in  Sri  Lanka  habe  sich 
mittlerweile  derart  verschärft,  dass ein Wegweisungsvollzug für  ganz 
Sri  Lanka als  unzumutbar einzuschätzen sei,  insbesondere wenn es 
sich um tamilische Personen aus dem Norden oder Osten des Landes 
handle. Überdies erweise sich die Lageeinschätzung des BFM für den 
südlichen Teil  des  Landes als  falsch und überholt. Aus dem Norden 
oder  Osten  Sri  Lankas  stammende Tamilen  würden  auch  im Süden 
von den staatlichen Behörden in menschenrechtsverachtender Weise 
behandelt, diskriminiert und verfolgt. Sie stünden unter dem Verdacht 
der Zugehörigkeit zur LTTE und riskierten damit willkürlich verhaftet zu 
werden. Die Möglichkeit einer Wohnsitznahme des Beschwerdeführers 
im Süden des Landes erscheine unmöglich und unrealistisch.

4.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in seinem Grundsatzurteil 
vom 14. Februar 2008 (BVGE 2008/2) zur Frage der Zumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender tamilischer Ethnie 
eine  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  diesbezüglich  neu  festgelegten 
Praxis  setzt  die Anerkennung einer  innerstaatlichen Aufenthaltsalter-
native im Süden des Landes und damit die Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs  in  den  Grossraum  Colombo  für  srilankische  Asylsu-
chende  tamilischer  Ethnie,  welche  aus  der  Nord-  oder  Ostprovinz 
stammen, das Vorliegen besonders begünstigender Faktoren wie die 
Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes 
sowie die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituati-
on voraus (a.a.O. E. 7.6.2). Für srilankische Asylsuchende tamilischer 
Ethnie, welche aus dem Grossraum Colombo oder dessen Umgebung 
stammen und dort über ein tragfähiges Familien- oder Beziehungsnetz 
verfügen  und  mit  einer  konkreten  Unterkunftsmöglichkeit  rechnen 
können, ist grundsätzlich von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs  auszugehen,  wobei  die  Dauer  der  Landesabwesenheit 
mitzuberücksichtigen ist; je kürzer der Aufenthalt in Colombo dauerte 
und je weiter er zeitlich zurückliegt, desto höhere Anforderungen sind 
an  das  Vorliegen  eines  tatsächlichen  familiären  oder  sozialen 
Beziehungsnetzes zu stellen (a.a.O. E. 7.6.1).

Seite 7

D-7076/2008

4.3.4 Der  Beschwerdeführer  lebte  gemäss  seinen  Angaben 
hauptsächlich  in  (...),  Jaffna  District,  und  ist  deshalb  im  Sinne  der 
zitierten  Rechtsprechung  als  Tamile  anzusehen,  der  aus  der 
Nordprovinz stammt, was im Übrigen vom Bundesamt nicht in Frage 
gestellt  wurde.  Der  Beschwerdeschrift  lässt  sich  sodann  zur 
allgemeinen  Situation  in  Sri  Lanka  nichts  entnehmen,  was  das 
Ergebnis der Lagebeurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht im 
bereits  genannten  Grundsatzurteil  umstossen  könnte.  Insbesondere 
stützte  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  teilweise  auf  aktuellere 
Quellen, als dies bei der vom Beschwerdeführer in der Beschwerde-
schrift  (vgl.  S. 7)  erwähnten  Länderanalyse  der  Fall  ist.  Ohne  die 
Schwierigkeiten der Tamilen auch im südlichen und westlichen Teil Sri 
Lankas  zu  verkennen,  ist  im  heutigen  Zeitpunkt  an  der  bisherigen 
Rechtsprechung festzuhalten. Sofern der Beschwerdeführer demnach 
auf  ein  tragfähiges  familiäres  oder  soziales  Beziehungsnetz  zurück-
greifen kann und die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens- und 
Wohnsituation  besteht,  kommt  der  Süden  des  Landes,  mithin  der 
Grossraum  Colombo,  als  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  in 
Frage  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  seine  Heimat  ist  für  ihn 
zumutbar.

Der Beschwerdeführer hielt sich eigenen Angaben zufolge vor seiner 
Ausreise aus Sri Lanka (am 12. Oktober 2008) mehrere Wochen (seit 
Juli 2008) in Colombo bei einer entfernt Verwandten oder Bekannten 
auf. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob und in welchem 
Grad eine  Verwandtschaft  zwischen  dem Beschwerdeführer  und  der 
fraglichen  Person  besteht.  Als  wesentlich  erweist  sich  vielmehr  die 
tatsächlich  gelebte  Beziehung,  wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird. 
Insofern führt der Einwand in der Beschwerdeschrift, die Vorinstanz sei 
zu  Unrecht  von  einer  (leiblichen)  (...)  ausgegangen,  zu  keinem 
anderen Ergebnis. Der Beschwerdeführer war sodann im Besitz einer 
nationalen Identitätskarte  sowie  eines  Reisepasses. Die  Aufenthalts-
dauer wird in der Beschwerde nicht in Frage gestellt, indes wird argu-
mentiert,  er  verfüge  nicht  über  ein  genügendes  Beziehungsnetz  in 
Colombo. Entgegen der in der Rechtsmittelschrift  vertretenen Auffas-
sung  geht  das  Gericht  davon  aus,  dass  der  Beschwerdeführer 
aufgrund seiner Aussagen anlässlich der Befragungen sehr wohl auf 
ein  Beziehungsnetz  im  Falle  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  zu-
rückgreifen kann. Umstände wie das Zurücklassen der Identitätskarte 
bei  der  "Tante"  und  die  Kontaktnahme  mit  ihr  (vgl.  A7/16  S. 6) 
vermitteln nicht den Eindruck fehlender Verbundenheit und Vertrautheit 

Seite 8

D-7076/2008

zu ihr, mithin nicht einen solchen einer bloss flüchtigen Bekanntschaft. 
Nicht zwingend erforderlich ist – wie der Beschwerdeführer zu meinen 
scheint – dass er für längere Zeit bei dieser Bekannten wird wohnen 
können. Vielmehr ist entscheidend, dass er über eine Ansprechperson 
verfügt, die ihn bei der Suche nach Wohnung und Arbeit unterstützen 
kann.  Hinzuweisen  ist  sodann  darauf,  dass  die  Vorinstanz  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen mit einläss-
licher Begründung als nicht glaubhaft erachtet hat. Entsprechend sind 
einerseits gegenüber der Aussage des Beschwerdeführers, er habe zu 
seiner  in  Colombo  wohnhaften  leiblichen  (...)  keinen  Kontakt, 
Vorbehalte  und Zweifel  anzubringen. Zudem nennt  der  Beschwerde-
führer  auch  keine  Gründe,  weshalb  er  diesen  Kontakt  nicht  wieder 
aufnehmen  könnte. Anderseits  sind  die  behaupteten  Aktivitäten  des 
Beschwerdeführers für die LTTE nicht erstellt, weshalb eine besondere 
Gefährdung nicht anzunehmen ist. Dies zeigt sich auch darin, dass der 
Beschwerdeführer anlässlich der Kontrollen in Colombo nicht verhaftet 
wurde. Es  ist  dem jungen,  soweit  aktenkundig  gesunden,  über  eine 
gute Schulbildung verfügenden Beschwerdeführer, der darüber hinaus 
auch  Erfahrungen  im  Erwerbsleben  besitzt  (Betrieb  eines  kleinen 
Restaurants), daher zuzumuten, in den Grossraum Colombo zurückzu-
kehren, wo er über ein ausreichend tragfähiges soziales Beziehungs-
netz verfügt. Mit der finanziellen Hilfe der Schwester in (...) dürfte ihm 
eine  Reintegration  im  Heimatland  sowie  ein  wirtschaftliches 
Fortkommen zusätzlich erleichtert werden.

4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als 
zumutbar.

4.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sofern erforderlich, 
sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine 
Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 
AsylG),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu 
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu  bestätigen,  er  wurde  von  der  Vorinstanz  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83  Abs.  1-4 
AuG).

Seite 9

D-7076/2008

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf 
insgesamt  Fr. 600.--  festzusetzen  (Art.  1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-7076/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein; vorab per Telefax)

- das BFM, Dienst Flughafenverfahren, zu den Akten Ref.-Nr. N (...) 
(per Kurier; per Telefax)

- die Flughafenpolizei (...), Grenzpolizeiliche Massnahmen/ Asyl (per 
Telefax)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

Seite 11