# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5377e9da-607c-56f4-b5bf-01cb26eb2afd
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-23
**Language:** de
**Title:** Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Die Arztberichte bilden keine rechtsgenügliche Grundlage zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Ressourcenprüfung der Kundenberatung der IV-Stelle basiert entsprechend auf nicht beweiskräftigen ärztlichen Berichten und erweist sich zudem als rudimentär und fehlerhaft.
**Docket/Reference:** IV.2023.00017
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00017.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00017
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Müller
Urteil
vom
23. Juni 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Leimbacher
Advokatur Bülach
Sonnmattstrasse 5, Postfach, 8180 Bülach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des
Kanton Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1970, verfügt über keinen erlernte
n
Beruf
(Urk. 8/1 S. 1 und S. 5).
Sie
arbeitete ab August 1999 für
Y.___
,
ab Juli 2020 als Schicht
leiterin
in einem Teilpensum
von 60 %
(vgl. Urk. 8/1 S. 6 und Urk. 8/
10/12
). Daneben
war
die Versicherte
seit dem 28. April 20
1
8 im Stundenlohn bei der
Z.___
als Sicherheitsmitarbeiterin a
ngestellt
(Urk. 8/1 S. 5 f.
, Urk. 8/15
).
Am 28. Juli 2020 kündigte
Y.___
das Arbeitsverhältnis per
31.
Oktober 2020 (vgl. Urk. 8/10/12,
Urk.
8/10/43).
Unter Hinweis auf ihre behan
delnden Ärzte, welche ihr diverse somatische und psychische Beschwerden diagnostiziert hatten und seit 28. August 2020 eine Arbeitsunfähigkeit attes
tierten (
Urk. 8/1-23
),
meldete sich die Versicherte
mit am 1. Februar 2021
unter
schriebene
m
und am 23. März 2021
bei der Invalidenversicherung
einge
gangene
m
Anmeldeformular
zum Leistungsbezug an (Urk.
8/1
und
Verzeichnis Nr. 0001 der Akten der Invalidenversiche
r
ung
[
Urk. 8/1-56
]
). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
sowie
erwerbliche Situation ab
und
zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (Urk.
8/2, Urk. 8/
10
, Urk. 8/25, Urk. 8/35, Urk. 8/39
)
, welche unter anderem ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med
.
A.___
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Neurologie
, vom
7. Januar 2021
(Urk. 8/
10
/
88-142
)
enthielt
en
.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk
.
8/4
4
,
Urk.
8/48
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5. Dezember 2022
einen
Leistungs
anspruch (Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
12. Januar 2023 (Urk. 1)
Beschwerde gegen die Ver
fügung vom
5. Dezember 2022
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung veranlasse und alsdann gestützt darauf über ihren Anspruch neu befinde.
Zudem beantragte die Beschwerde
führerin die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und die Bestellung von Rechtsanwalt Jürg Leimbacher
, Bülach
, als ihre
n
unentgeltliche
n
Rechts
vertreter
sowie die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels
(S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
20. Februar 2023
(Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde
, was
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 21. Februar 2023 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde. Mit selbiger Verfügung wurde den Parte
ie
n zudem mitgeteilt, dass das Gericht die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels als nicht erforderlich erachte.
Am 7. März 2023 (Urk. 10) reichte die Beschwerdeführerin Unterlagen zur
Substantiierung
ihres Gesuches
um
unentgeltliche
Rechtspflege
ein (Urk. 11/2-15 und Urk. 12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008
des Kreisschreibens
zu den Übergangs
bestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems
, K
S ÜB WE IV
, gültig ab 1. Januar 2022
).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgest
ützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
tätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
5
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61 lit. c
i.V.m
. Art. 2 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungs
verneinende
Verfügung vom 5. Dezember 2022 (Urk. 2) damit, die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin sei durch soziale Belastungsfaktoren (Kündigung des langjährigen Arbeitsplatzes) ausgelöst worden. Da die Ursache der Arbeitsunfähigkeit nicht in einer Krankheit begründet sei, könne diese nicht berücksichtigt werden. Es entstehe somit kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, weder auf berufliche Mass
nahmen noch auf eine Invalidenrente. Im
Einwandverfahren
seien keine medizi
nischen Unterlagen eingereicht worden, welche die Angaben der Beschwer
deführerin
, wonach ihre Sehkraft abgenommen habe und ihre Einschränkung auf eine Traumatisierung in der Kindheit zurückzuführen sei,
stützten. Eine frühe Traumatisierung werde nirgends festgehalten. Eine Verschlechterung der Sehkraft
sei
im Vergleich zu den letzten vorliegenden Berichten nicht ersich
tlich (S.
1 f.).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellt sich dagegen auf den Standpunkt,
sie leide unter diversen Beschwerden, deren Kombination eine höhere Arbeitsunfähigkeit als die einzelnen Leiden
ergebe
. Sodann stütze sich die Beschwerdegegnerin auf über
holte medizinische Unterlagen. Das Gutachten von Dr.
A.___
sei nicht mehr aktuell, da es bereits zwei Jahr
e
alt sei
(S
. 3
Ziff. 5
).
Es bestünden zumindest Zweifel an der von Dr.
A.___
prognostizierten Steigerung ihrer Arbeitsfähigkeit. Die tatsächliche Entwicklung sei entscheidend (S. 4 Ziff. 6). Die hauptsächliche Ursache ihrer psychischen Erkrankung sei
e
n nicht die psychosozialen Belas
tungsfaktoren (Ziff. 7
und S. 5 Ziff. 12
).
Zu den psychischen Beschwerden kämen noch die seit Jahren bestehende
n
Schlafprobleme sowie die starke Hypertonie hinzu (S. 4 Ziff. 8). Die Blutdrucksituation werde eindeutig nicht so bewertet, wie sie ihrem Herz-Kreislauf entspreche (S. 5 Ziff. 9). Zudem habe ihre Sehkraft in letzter Zeit abgenommen (Ziff. 10). Die Voraussetzungen für einen Entscheid über den Rentenanspruch seien
zweifelsohne nicht gegeben (Ziff. 11). Es bedürfe eines polydi
s
ziplinären Gutachtens (Ziff. 12).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
5. Dezember 2022
zu
Recht einen Leistungsanspruch
der
Beschwerdeführer
in
ver
neinte und dabei insbesondere, ob der Sachverhalt für einen Leistungsentscheid genügend abgeklärt wurde.
3.
3.
1
Med.
pract
.
B.___
und med.
pract
.
C.___
vom
Stadtspital
D.___
und
E.___
, wo die Beschwerdeführerin vom 28. August bis 2. September 2020 hospitalisiert war, nannten in ihrem Bericht vom 2. September 2020 (Urk. 8/39/1
7
6
-179) folgende
Hauptd
iagnosen (S. 1):
-
Dysästhesie des Unterarms und Unterschenkels links am ehesten bei Hyperventilation
-
NHSS: zwei Punkte
-
CT-Angiographie vom 29
. August
2020
:
unauffälliger Befund, kein Hinweis auf ein
e
Ischämie
/ ICB
-
MR
I
Schädel 31.
August
2020
:
Kein
e
frische
Ischämie,
k
eine intrakranielle
Bl
utung
, keine
Ra
umforderung.
Nebenbefundlich
intraselläre
Zyste, am ehesten eine
intrasellären
Ara
c
hnoida
l
zyste
, morphologisch nicht passend zu einer
Rathkschen
Tasche.
-
Hyper
ve
ntilationstetan
i
e
-
nach psychischer Belastungssitua
t
ion
-
Akute psychosoziale Bel
a
s
t
ungssituation
-
Stressf
a
ktor: Job-Ver
l
ust
-
Arterielle Hypertonie
-
aktuell:
hypertensive
Ent
g
l
e
isung;
am ehesten
im Rahmen psychischer Belastung
-
Episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
-
Anamnestisch: seit Juli 2019 verstärkt,
bifrontale
, drückende Kopfschmerzen
-
Rückgang der Kopfsch
m
erzhäu
f
igk
e
it unter Magnesium
-
klinisch:
Ke
in
foka
l-
neurologis
c
hes D
e
fi
zi
t
-
MRI Schädel
vom 21.
Februar
2020
:
Singuläre FLA
I
R-
hyperintensa
Läsion
frontal
links, vermutlich
narbiges Residuum nach mikrovaskulärer Ischämie. Darüber hinaus
kein
Nachweis einer
intrakraniellen Pathologie.
-
E
mp
t
y Sella Syndrom
Die Ärzte führten dazu aus,
die
Vorstellung
sei
per Sanität bei Hyperven
ti
la
tionstetani
e
erfolgt
, nachdem die Beschwerdeführerin kurzfristig von ihrem
langjährigen Job gekündigt worden sei.
Sie
hätten eine kardiorespiratorisch stabile
Beschwerdeführerin
in agitiertem Zustand
gesehen
, die sich im Verlauf auf der
Notfallstation
beruhig
t habe
, jedoch
hätten
sich
persistierende Dysä
s
thesien und Kribb
el
paräs
t
hesien der gesamten linken
Körperhälfte gezeigt
.
Laborchem
i
sch
hätten
sich keine
Auffälligkeiten gefunden. Im
CT-
Angio
des
Schä
del
s
hätten
sich
k
eine frisch
demarkierte
n
Ischäm
i
eareale
und keine Hinweise auf eine
intrakranielle
Blutung
gefunden
.
Sie hätten die Beschwerdeführerin
stationär zur Weiterabklärung der objekti
vi
erbaren
Dysästhesien aufgenommen
.
Während
des
stationären
Aufenthaltes
seien
die
Sensibilitätsstörung
en
selbstän
dig
r
e
gredient
gewesen.
Am
linken Unterarm
habe
jedoch eine obj
e
ktivi
e
rbare Sensibilitätsminderung
persistiert
,
sodass am 31.
August
2020 eine MR
I
-Untersuchung des Schädels
durchgeführt worden sei
, wo man
ischämische Läsionen
habe ausschliessen können
. Die Ursache der
Dysästhesien sähen sie
letzt
end
lich
in
der
Hypervent
i
lat
i
onskr
i
se aufgrund des psychosozialen Stress
ereignisses
. Ebenfalls aufgrund des Stressereignisses sei es zur hypertensiven Entgleisung auf der Notfal
l
station
gekommen
, welche
sich auf der Normalstation
normalisiert
habe
.
Neb
e
nbefundl
i
ch
habe
sich ein
E
m
pty
Sella Syndrom
feststellen lassen.
Nach
neuroch
irurgischer
Rücksprache
bedürfe es
bei f
e
hlenden
klinischen
Hinweise
n
au
f
endokrinologische Dysfunktionen
keiner
Nachkon
trolle.
Bei im psychiatrischen Konsilium festgestellter akuter depressiver Ver
stimmung sei ein Aufenthalt im Kriseninterventionszentrum empfohlen worden. Die
Beschwerdeführer
in sei
in gutem Allgemeinzustand nach
Hause
entlassen worden
(S. 2)
.
3.
2
Dr. med.
F.___
und Dr. med.
G.___
von der
H.___
nannten in ihrem Bericht vom
2
8
.
Oktober
2020
(Urk. 8/39/36-39)
als
psychiatrische
Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (
Ziff. 3
). Sie gingen davon aus, dass die psychosozialen Folgen der Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisses durch die plötzliche Veränderung zuvor stabiler existenzieller sozialer Faktoren zur psychischen Destabilisierung der Beschwerdeführerin beigetragen
hätten
(Ziff. 8).
Im
Rahmen ihrer tagesklinischen Behandlung
attestierten sie
eine ärztliche Arbeitsunfähigkeit zu 100 % im Zeitraum vo
m
10. September bis voraussichtlich 6. November 2020
, dies
sowohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit (Ziff. 10 a).
In ihrem Austrittsbericht vom 2. November 2020 (Urk. 8/39/164-167)
legten Dr.
G.___
und Dr.
F.___
dar, die Beschwerdeführerin
leide
unter den Folgen sequentieller
,
sexueller
,
innerfamiliärer Traumatisierung
en
während ihrer Kind
heit und Adoleszen
z
. Aktuell präsentiere sie
mit einer Störung der Affekt
regulation und persistierenden negativen Kognitionen mit Schuld- und Schamge
fühlen typische Symptome einer komplexen posttraumatischen Belastungs
störung.
Der klinische
Befund sei testdiagnostisch mittels IK-PTBS bestätigt worden.
Im Weiteren leide
die Beschwerdeführerin
unter einer mittelgradigen depressiven Episode,
mit gedrückter Stimmung, Antriebsminderung, Zukunfts
ängsten und ausgeprägten Insuffizienzgefühlen
basierend auf der Traumafol
gestörung und ausgelöst durch die kränkende Kündigung. Sie
attestierten
vom 10. Oktober bis 9. November 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und anschliessend eine 60%ige vom 10. bis 20. November 2020. Die anschliessende Beurteilung erfolge durch den ambulanten Behandler (S. 4).
3.
3
Dr.
A.___
nannte in seinem von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene
n
psychiatrischen Gutachten vom 7. Januar 2021 (Urk. 8/10/88-142) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktionen gemischt (ICD-10 F43.22)
,
sowie
eine nichtor
ga
n
i
s
che
Insomnie
,
bestehend
seit 2007 (ICD-10 F51.0)
. Daneben nannte er als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von histrionisch akzen
tuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), eine einmalige Panikattacke nach Erhalt der Kündigung (
D.___
) am 28. August 2020 (ICD-10 F41.9) sowie eine aktenkundige saisonale Depression mit Erstdiagnose im Jahr 2014
und
als fachfremde Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp und eine arterielle Hypertonie (S. 35).
Dr.
A.___
führte aus
, die Beschwerdeführerin habe aufgrund ihrer belastenden Arbeitsplatzsituation sowie der erfolgten Kündigung vor den im Hintergrund liegenden histrionischen Persönlichkeitszügen und infolgedessen reduzierten Ressourcen/Bewältigungsstrategien eine Anpassungsstörung, Angst und depres
sive Reaktion erlitten (S. 40). Bei der Diagnose einer Anpassungsstörung handle es sich per definitionem um eine leichtgradige psychische Störung, weshalb sie aus versicherungsmedizinischer Sicht keine dauerhafte und vor allem keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit begründen könne (S. 42). Die Diagnose einer kom
plexen posttraumatischen Belastungsstörung erachtete Dr.
A.___
als nicht nachvollziehbar (S. 44 ff.).
Unter
explizitem
Ausschluss der psychosozialen Belastungsfaktoren wie unter anderem der Kündi
gung der Arbeitsstelle erachtete Dr.
A.___
die Beschwerde
führerin
in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Schichtleitung bei
Y.___
dennoch
zu 100 % arbeitsunfähig. Nach Intensivierung der störungs
spezifischen und ressourcenorientierten psychiatrisch-psychothera
peutischen Behandlung sei innerhalb von zehn Wochen von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit auszugehen, die im weiteren Verlauf alle vier Wochen um 20 %
gesteigert werden könne.
In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit mit reduziertem Kundenkontakt, klar strukturierten Aufgaben, ohne Tätigkeiten mit Übernahme von Verantwortung und Leitungs
funktionen sowie ohne Tätigkeiten, die ein hohes Mass an Daueraufmerksamkeit, Konzentration und Kreativität voraussetzten, sei die Beschwerdeführerin zu 50 % arbeitsfähig (S. 51 f.).
3.
4
In einem unvollständigen Bericht
vom Stadtspital
D.___
und
E.___
vom 10. Januar 2021 (Urk. 8/
39/
161-162)
,
wo
die Beschwerdeführerin am
gleichen Tag
ambulant auf dem Notfall behandelt
worden
war
,
wurden
eine hypertensive Entgleisung
bei bekannter arterielle
r
Hypertonie, ein orthostatischer Schwindel, eine akute psychosoziale Belastungssituation mit Anpassungsstörung bei Verlust der Arbeitsstelle vor circa sechs Monaten und unerwartetem Tod einer Freundin vor
zehn
Tagen sowie rezidivierende Hyperventilationsepisoden als Diagnosen aufgeführt
(S. 1).
3.
5
Dr. med.
I.___
von der
J.___
, welcher die Beschwerdeführerin seit dem 27. November 2020 behandelt,
nannte in seinem Bericht vom 19. April 2021 (Urk. 8/20) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.0; Ziff. 2.5). Er könne nicht beantworten, wie viele Stunden pro Tag der Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit zumutbar sei. Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit
sei
ihr etwa zwei Stunden pro Tag zumutbar. Die Prognose sei gut. Als Faktor
stehe
ihre Empfindsamkeit einer Eingliederung im Weg (Ziff. 4.1-4).
Am
26. September 2021 (Urk. 8/29)
stellte Dr.
I.___
bei unveränderter Diagnose
einen ver
besserten Gesundheitszustand fest, beurteilte den zumutbaren täglichen Arbeits
umfang in angestammter und angepasster Tätigkeit mit circa zwei Stunden und hielt die Prognose für gut (Ziff.
1.1
und 1.2
, Ziff. 2.1 und Ziff. 3.3
)
.
3.
6
Dr. med.
K.___
von der Augenklinik des
L.___
berichtete am 3. Dezember 2021 (Urk. 8/37/1-3)
,
die Beschwerdeführerin sei
am 17.
November 2021
aufgrund ei
ne
r Blepharitis
posterior
mit qualitativer Benet
zungsstörung vorstellig geworden. A
us ihrer Sicht sei die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsfähig (Ziff. 2.7).
4.
4.1
Zur Beurteilung
des Gesundheitszustandes und
der Arbeitsfähigkeit
der Beschwer
deführerin berücksichtigte d
ie Beschwerdegegnerin
an medizinischen Unterlagen - wie sich aus ihre
m Feststellungsblatt vom 13. September 2022 (Urk.
8/43)
ergibt
–
im Wesentlichen
den
M.___
-Bericht vom 28. Oktober 2020 (E. 3.
2
),
das Gutachten von Dr.
A.___
vom
7. Januar 2021 (E. 3.
3
)
sowie den Arztbericht von Dr.
I.___
vom
19. April 2021
(E. 3.
5
) und kam dabei zum Schluss, dass kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsscha
den ausgewie
sen
sei
, da die Arbeitsunfähigkeit durch soziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden und entsprechend
ihre Ursache nicht in einer Krankheit begründet sei
.
Diesen Schluss stützte sie gemäss Aktenlage auf Ausführungen der fallin
volvierten Kundenberater/Innen unter dem Titel
«
Ressourcenprüfung/Kein IV-relevanter Gesundheitsschaden
»
(Urk. 8/43/5-6).
Ausgehend von der Diagnostik
und Beurteilung
von Dr.
A.___
erachtete die Kundenberatung die
festgestellte Anpassungsstörung als lediglich leichtgradige psychische Störung und daher per se
als
nicht invalidisierend
. B
etreffend
die
Insomnie
, welche seit
dem Jahr 2007
bestehe,
wie
s
sie darauf hin,
dass
die Beschwerdeführerin trotzdem gearbeitet
habe
.
Weiter folgerte
sie
, dass
im Gutachten zahlreiche Diskrepanzen vor
lägen
und die Beschwerdeführerin ihre Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft
habe
. Daneben würde die von der
M.___
diagnostizierte schwere Depression stark durch psychosoziale Faktoren beeinfluss
t
und die
J.___
habe im April 2021 eine gute Prognose gestellt.
Insgesamt lägen der beschriebenen Symptomatik hauptsächlich psychosoziale Belastungsfaktoren zugrunde.
4.2
Mit Blick auf die Aktenlage
gilt es zunächst zu prüfen, ob sich die Beschwer
degegnerin für ihren Entscheid
auf
eine
beweiskräftige
ärztliche Beurteilung
stützen konnte.
Die von
der Beschwerdegegnerin
berücksichtigen medizinischen Unterlagen betref
fen allesamt den psychischen Gesundheitszustand
. I
n diesen
attestier
t
en
die Ärzte
jeweils aufgrund
der
- wenn auch nicht einheitlich - gestellten psy
chiatrischen Diagnose
n
eine Arbeitsunfähigkeit
.
Dabei ist darauf hinzuweisen, dass
es nicht auf die Diagnose an sich ankomm
t
, sondern
einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat (BGE 136 V 279 E.
3.2.1
).
Wenngleich
zwar
keine Einigkeit der
Ärzte
über die
relevanten
Diag
nose
n
besteht, sind
diese
einhellig der Meinung
,
es liege eine diagnostizierbare psychische Erkrankung vor, welche sich
zumindest medizinisch-theoretisch
auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt.
Eine anderweitige fachärztliche Meinung, welche
etwa das Vorliegen einer psychischen Erkrankung verneinte oder einer solchen keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen hätte
,
liegt nicht vor.
Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete auf ergänzende Abklärungen, so auch auf
eine fachärztliche
Beurteilung
eines Psychiaters des regionalen ärztlichen Dienstes
,
und
begnügte
sich
für ihren Entscheid
mit einer
rudimentären Ressourcenprüfung ihrer
Kundenberatung
.
4.3
Dieser lag indes keine beweiskräftige psychiatrische Beurteilung zugrunde.
So
l
assen
sich aus den
vorliegenden medizinischen Unterlagen
der
psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und die daraus resultierenden
Einschränkungen
im
entscheidrelevanten
Zeitraum
ab Beginn des Wartejahres
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG)
im August 2020 bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids vom
5. Dezember 2022
nicht rechtsgenüglich feststellen:
Sowohl den Berichten der
M.___
vom
28. Oktober
und 2. November
2020 (E. 3.
2
)
, welche
im Nachgang zu
einer Krisenintervention
(2. bis 8. September 2020, vgl.
Urk. 8/10/95) während einer vom 10. September bis 6. November 2020 dauernden tagesklinischen Behandlung
ergingen, als auch dem Gutachten von Dr.
A.___
vom 7. Januar 2021, welches gestützt auf die Begutachtung vom 14.
Dezember 2020 erstellt wurde (E. 3.3), lag ein Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wenige Monate nach
ihrer
psychischen Dekompensation im August 2020 zugrunde.
Hieraus auf den Verlauf bis zu
m Erlass des hier angefochtenen Entscheids
vom
5. Dezember 2022 zu schliessen und festzustellen, ob (zwischenzeitlich) ein verselbständigter psychischer Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorlag (E. 1.3.2), erscheint
von
vornherein als fraglich.
Die
M.___
-Ärzte
enthielten sich denn auch einer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ab 21.
November 2020 und
setzten sich nicht mit der Frage
nach der
Abgrenzung von psychosoziale
n
Elemente
n
und einer allenfalls selbständigen psychischen Erkrankung
auseinander.
Sie hielten einzig fest, dass die psychosozialen Folgen der Kündigung zur psychischen Destabilisierung der Beschwerdeführerin beige
tragen
hätten
,
indes
basierend auf der diagnostizierten komplexen posttrau
matischen Belastungsstörung
.
Bei den Berichten von Dr.
I.___
aus dem Jahr 2021 (E. 3.
5
)
, welcher eine andauernde
hochprozentige
Arbeitsunfähigkeit aufgrund der von ihm diagnos
tizierten Depression attestierte, handelt es sich um
einfache
Formularbericht
e
ohne eingehende Befunderhebung
, Herleitung der Diagnose
und
ebenfalls ohne
Auseinandersetzung mit der Rolle der psychosozialen Faktoren.
Zudem
verfügt Dr.
I.___
weder
über
eine Berufsausübungsbewilligung als Arzt in der Schweiz noch eine
Facharzt
ausbildung und auch keine anerkannte Ausbildung in Psychotherapie (vgl. unter:
https://www.medregom.admin.ch/medreg
, respektive -
psyreg
/
search
[besucht am 21. Juni 2023]).
Schliesslich eignet sich das Gutachten von Dr.
A.___
(E. 3.
3
)
nicht nur zeitlich, sondern
auch
inhaltlich
nicht als Grundlage zur Beurteilung
des psychischen Gesundheitszustandes und
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
.
Denn es
bestehen
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
des
Gutachtens
von Dr.
A.___
Zweifel
, womit darauf
nicht
abgestellt werden kann
und ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind
(
vgl.
BGE 142 V 58 E.
5.1
und Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2018 vom 14. November 2018 E. 4.1, wonach einem Gutachten eines
Krankentaggeldversicherers, welches nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt worden ist,
der Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Fest
stellungen z
ukommt)
:
So stellte Dr.
A.___
fest, dass die Präsentation einer erheb
lichen Behinderung der Beschwerdeführerin nicht im Einklang mit seiner Verhaltensbeobachtung und dem klinischen Befund
stehe
und
daher unplausibel
sei
. Seiner Meinung nach zeigte sich insges
amt
ein unschlüssiges,
inkonsistentes
Bild (Urk. 8/10/88-140 S. 43)
. Die von der Beschwerdeführerin erlebte Selbst
einschätzung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit erachtete Dr.
A.___
angesichts des klinischen Bildes als nicht begründbar.
Abweichend von den diagnostischen Einschätzungen der
M.___
-Ärzte (E. 3.2) schloss er nicht nur das Vorliegen einer Traumafolgestörung aus
. Er erachtete auch die affektive Symptomatik als weniger gravierend und schloss lediglich auf
eine Anpassungsstörung gemäss ICD-10 F43.22, welche seiner Einschätzung nach keine dauerhafte und insbesondere keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit begründe.
Dennoch
attestierte
er
der Beschwer
deführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
und eine um 50 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit (S. 48)
, dies
offensichtlich gestützt
auf die in Anlehnung an das Mini-ICF-APP fest
gestellten
immerhin
mittel- bis schwergradigen
Beeinträchtigungen in mehreren Bereichen (S. 32 f.)
. Diesen Widerspruch löste Dr.
A.___
nicht auf, was zumindest geringe Zweifel
an
seiner Beurteilung hervorruft.
Aber auch für seine Beurteilung gilt, dass er aufgrund einer von ihm gestellten Diagnose eine Arbeitsunfähigkeit attestierte
und dies unter explizitem Ausschluss soziokultureller und psycho
sozialer Faktoren (S. 47)
.
Bei Anhaltspunkten
für
eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante psy
chische Erkrankung
,
aber
ungenügenden
medizinischen Grundlagen zu deren Beurteilung
,
erweist sich eine psychiatrische Exploration
der
Beschwerdeführer
in
als unabdingbar.
4.
4
Entsprechend lag der Ressourcenprüfung der Kundenberatung der Beschwerde
gegnerin keine beweiskräftige fachpsychiatrische Beurteilung zugrunde, weshalb dem normativen Prüfungsraster, welchem sämtliche psychischen Erkrankungen im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind, zum vornherein die Grundlage fehlte.
Hinzuweisen bleibt die Beschwerdegegnerin aber mit Blick auf ihre Prüfung
der Indikatoren
immerhin
, dass es
fehlgeht
, e
in Leiden
im Rahmen dieser Prüfung
als leicht einzustufen, weil diagnostisch kein Bezug zum Schweregrad desselben gefor
dert ist, und ihm bereits deshalb eine versicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abzusprechen (BGE 143 V 418).
Was die Relevanz der
psychosozialen Faktoren
anbelangt,
finden sich in den vorliegenden medizinischen Akten
zwar
zahlreiche Hinweise auf psychosoziale Elemente.
So
gingen
die Ärzte der
M.___
in ihrem Bericht vom Oktober 2020 (E. 3.2)
davon aus, dass die psychosozialen Folgen der Kündigung des Arbeitsverhältnisses zur psychischen Destabilisierung beigetragen
haben. Die Ärzte vom Stadtspital
E.___
und
D.___
wiesen auf die Kündigung und den unerwarteten Tod einer Freundin hin
(E. 3.1 und E. 3.4).
Und auch Dr.
A.___
listete in seinem Gutachten
, wenn auch pauschal,
zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren auf (Migrationshintergrund, keine berufliche Ausbildung, Kündig
ung
der Arbeitsstelle, Alter, geringe ökonomische Stabilität). Gerade Letz
terer w
ies
aber in seiner psychiatrischen Expertise ausdrücklich darauf hin, dass er diese psychosozialen Belastungsfaktoren bei seiner Beurteilung der Leis
tungsfähigkeit
ausgeschlossen hat
te
(Ur
k. 8/10/88-140 S.
47 f.
). Mithin ging er
im Ergebnis von einem ver
selbständigten Gesundheitsschaden aus. Ob dem beweis
rechtlich gefolgt werden könnte, kann an dieser Stelle offenbleiben
und wird im Rahmen der erforderlichen psychiatrischen Abklärung, welche sich an den normativen Vorgaben der Rechtsprechung
zu
orientieren
hat
(E. 1.3.2), zu beurteilen sein.
Indes lässt der Umstand
alleine
, dass die psychische Dekom
pensation im August 2020 nach der Kündigung der Arbeitsstelle wohl
weitgehend
psychosozial verursacht war
,
entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin
nicht bereits darauf schliessen, es liege
kein versicherter Gesundheitsschaden vor
,
kommt
es doch bei der
final
konzipierte
n Invalidenversicherung (AHI 1999 S. 79) im Ergebnis nicht auf die Ursache des Schadens an.
4.5
Was die somatischen Leiden angeht,
ist der Beschwerdegegnerin zuzustimmen, dass hinsichtlich allfälliger Sehprobleme keine Anhaltspunkte für eine möglich
e
funktionelle Einschränkung aufgrund von Augenproblemen besteh
en
(E. 2.1)
.
So attestierte
Dr.
K.___
von der Augenklinik des
L.___
der Beschwerdeführerin
am 3.
Dezember 2021 (
E. 3.6
)
eine
vollständig
e Arbeitsfähig
keit
.
Medizinische Unterlage
n,
welche belegten, dass es dazu im Nachgang zu einer wesentlichen Verschlechterung gekommen sein könnte, liegen keine vor und wurden von der Beschwerdeführerin auch nicht eingebracht.
Zu den Herz
-K
reis
l
auf-Problemen äusserte sich die
Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung nicht und in einer internen Notiz vom
25.
November 2022 (
E. 3.7.3
)
hielt
die Kundenberatung der Beschwerdegegnerin
dazu lediglich
fest,
die
Angst vor Herz-Kreislaufproblemen begründe keine Arbeitsunfähigkeit.
Es ist zwar tatsächlich so, dass die aktenkundigen
Herz-Kreislauf
-P
robleme
gemäss Aktenlage
offensichtlich
bei einschneidenden Ereignissen auftraten (Kündi
gung, Tod einer Freundin; vgl. E. 3.1 und E. 3.4), was nicht für eine invalidenversicherungsrechtlich
relevante somatische Erkrankung
von voraus
sichtlich längerer Dauer
spricht
. A
usschliessen lässt sich dies jedoch nicht gänz
lich
;
insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Komorbidität im Falle einer allfällig relevanten psychischen Erkrankung. Die Beschwerdeführerin
wird
auch hierzu ergänzende Abklärunge
n
in die Wege zu leiten
haben
4.
6
Zusammengefasst erweist sich der medizinische Sachverhalt
als
ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung vom
5
.
Dezember
202
2
ist daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zur Einholung eines Gutachtens zurückzuweisen, welches erlaubt, den Gesundheitszustand
der
Beschwerdeführer
in
und
deren
Leistungsfähigkeit unter Ausschluss allfällig
auszuklammernder
psychosozialer Faktoren sowie im Lichte der massgeblichen Standardindikatoren zu beurteilen.
Das Gutachten wird sich insbesondere auch über den Verlauf der Arbeitsfähigkeit zu äussern haben.
5.
5.1
Nachdem in Gutheissung der Beschwerde die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, erweist sich das Gesuch der Beschwer
deführerin um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung als gegenstandslos.
5.2
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.
—
fest
zusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu. Diese wird vom Gericht nach Ermessen festgesetzt, nachdem sie von der Möglichkeit, eine Hono
rar
note einzureichen, keinen Gebrauch gemacht hat (vgl. dazu Urk. 9). Die Festsetzung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
und dem Mass des Obsiegens
(§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘000.-- (inkl. Barauslagen und MWST) auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom
5
.
Dezember
2022 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung von Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Jürg Leimbacher
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
Beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsver
tretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubMüller
.