# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64f0bd8a-7cf2-5d59-bfd8-65a6b3039a6f
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-02-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 23.02.2012 IV 2010/38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2010-38_2012-02-23.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2010/38

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 18.05.2020

Entscheiddatum: 23.02.2012

Entscheid Versicherungsgericht, 23.02.2012
Art. 43 ATSG. Würdigung medizinischer Berichte, namentlich eines 
polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 23. Februar 2012, IV 2010/38).

Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 23. Februar 2012

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.     

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.a   A.___ meldete sich am 2. April 2008 wegen „invalidisierender Schmerzen“ zum 

Bezug einer Rente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen 

an (IV-act. 4).

A.b   In der Folge nahm die IV-Stelle einen Auszug aus dem Individuellen Konto per 

18. April 2008 zu den Akten, aus dem im Wesentlichen hervorgeht, dass die 

Versicherte in den Jahren 1999–2006 für verschiedene Arbeitgeber tätig war, dabei 

eher tiefe Einkommen erzielt (maximal Fr. 18’617.--; 2001) und in jedem dieser Jahre 

zusätzlich Arbeitslosenentschädigung bezogen hat (IV-act. 10). Am 30. April 2008 

erstattete eine der ehemaligen Arbeitgeberinnen der Versicherten einen 

Arbeitgeberbericht. Gemäss diesem hatte die Versicherte vom 30. März 2000 bis 

13. September 2002, vom 21. März bis 15. Juli 2003 und vom 1. April 2005 bis 

24. Februar 2006 als Betriebsmitarbeiterin gearbeitet. Das Beschäftigungsverhältnis sei 

infolge Krankheit durch die Arbeitgeberin aufgelöst worden. Die Versicherte habe 

jeweils in einem vollen Pensum gearbeitet und einen Stundenlohn von Fr. 20.80 

(einschliesslich Ferien- und Feiertagsentschädigungen sowie anteiligem 

13. Monatslohn) erhalten (IV-act. 11).

A.c   Am 25. April 2008 erstattete der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B.___, 

Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle. Er 

diagnostizierte im Wesentlichen eine Adipositas, ein chronisches lumbovertebrogenes 

und lumboradiculäres Schmerzsyndrom rechts bei Spondylarthrose L5/S1, eine 

gastroösophageale Refluxkrankheit, ein hyperreagibles Bronchialsystem, rezidivierende 

Dyspnoeattacken sowie eine depressive Störung und hielt fest, aufgrund der 

Beschwerdesymptomatik sei eine weitere Anstellung in einem Betrieb undenkbar (IV-

act. 12–1 ff.). Seinem Bericht legte Dr. B.___ einen Bericht der Klinik für Allgemeine 

Innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen vom 12. Juli 2007 bei, in welchem im 

Wesentlichen ein hyperreagibles Bronchialsystem, rezidivierende Dyspnoeattacken, 

eine depressive Störung, eine arterielle Hypertonie, eine gastroösophageale 

Refluxkrankheit, ein chronisches lumbovertebrogenes und lumboradiculäres 

Schmerzsyndrom rechts sowie eine Adipositas Grad III diagnostiziert worden waren 

(IV-act. 12–5 ff.).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.d   Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH 

am 30. März 2009 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Gutachter diagnostizierten im 

Wesentlichen ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radiculäre 

Ausfälle, eine Schmerzverarbeitungsstörung, Hyperventilation, eine Adipositas 

permagna, ein Asthma bronchiale, eine gastroösophageale Refluxkrankheit sowie eine 

arterielle Hypertonie, wobei sie sämtliche dieser Diagnosen als die Arbeitsfähigkeit 

nicht beeinträchtigend qualifizierten (IV-act. 19–1 ff.). Dem Gutachten lagen 

verschiedene medizinische Berichte bei, insbesondere ein Bericht des Spitals E.___ 

vom 5. Dezember 2008 betreffend eine Hospitalisation vom 4./5. Dezember 2008 

zufolge „Müdigkeit, Schwäche, Schwindel mit Sturz“ mit den Diagnosen einer 

symptomatischen Hypotonie, einer arteriellen Hypertonie, eines chronischen 

lumbospondylogenen Schmerzsyndroms sowie einer depressiven Verstimmung (IV-

act. 19–19 ff.) und zwei Schreiben von Dr. B.___ vom 26. März 2007, in denen eine 

depressive Entwicklung und somatoforme Beschwerden beschrieben wurden (IV-

act. 19–34 f.).

A.e   Mit Vorbescheid vom 9. Juni 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung des 

Rentengesuchs vorgesehen sei, da die Versicherte sowohl als Hausfrau und Mutter als 

auch in ausserhäuslichen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten aus ärztlicher Sicht 

nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei (IV-act. 26).

A.f    Dagegen erhob die Versicherte am 16. Juni 2009 (Eingang IV-Stelle) Einwand. 

Dabei wies sie unter anderem darauf hin, dass sie sich im April 2009 in stationärer 

psychiatrischer Behandlung befunden habe (IV-act. 27).

A.g   Am 1. Juli 2009 gingen der IV-Stelle zwei Berichte der Psychiatrischen Klinik F.___ 

vom 17. Februar und 7. April 2009 zu. In beiden war im Wesentlichen eine 

rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger Episode diagnostiziert und 

100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die Versicherte sei am 6. Februar 2009 

notfallmässig in die Klinik eingetreten, da bei depressiver Stimmung eine latente 

Suizidalität bestanden habe. Bis am 9. Februar 2009 habe sich der Zustand soweit 

gebessert, dass sie entlassen bzw. in ambulante Behandlung habe überwiesen werden 

können, verbunden mit einer Anmeldung zu einer weiteren stationären Behandlung. 

Letztere habe am 23. März 2009 begonnen und bis 8. April 2009 gedauert. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Anschliessend sei die Versicherte in deutlich gebessertem Zustand wiederum in die 

ambulante Behandlung durch Dr. med. C.___ entlassen worden (IV-act. 29).

A.h   Am 24. August 2009 erfolgte eine Abklärung im Haushalt der Versicherten. Im 

entsprechenden Bericht vom 14. Oktober 2009 wurde unter anderem festgehalten, die 

Versicherte sei angesichts des vor Niederlegung der Erwerbstätigkeit ausgeübten 

Pensums als zu 44 % erwerbstätig zu qualifizieren. Sie habe geltend gemacht, selber 

keine Hausarbeit mehr zu erledigen, was allerdings ihren Aussagen im Rahmen der 

Begutachtung durch die ABI GmbH widerspreche und eine medizinische Validierung 

benötige (IV-act. 36).

A.i     Am 29. Oktober 2009 teilte der zuständige Arzt der Psychiatrischen Klinik F.___ 

mit, dass man sich in den Austrittsberichten auf die deskriptive Diagnose einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgradiger Episode beschränkt habe. Der 

Zustand habe sich im Verlauf der beiden Hospitalisationen jeweils rasch gebessert. 

Man habe zwar bei Austritt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, sei aber davon 

ausgegangen, dass sich der Zustand unter weiterer ambulanter psychiatrischer 

Behandlung bessern würde (IV-act. 37).

A.j     Nachdem Dr. med. D.___, Facharzt FMH für Arbeitsmedizin und Physikalische 

Medizin, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) in seiner Stellungnahme 

vom 14. Dezember 2009 ausgeführt hatte, es sei nach wie vor auf das Gutachten der 

ABI GmbH abzustellen (IV-act. 39), verfügte die IV-Stelle am 4. Januar 2010 die 

Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 42).

B.     

B.a   Dagegen richtet sich der am 29. Januar 2010 an die IV-Stelle erhobene „Rekurs“, 

der an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weitergeleitet und von diesem 

als Beschwerde entgegen genommen wurde. Die Beschwerdeführerin beantragt die 

Prüfung des Rentenanspruchs; die gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien in den 

medizinischen Akten ausgewiesen (act. G 1).

B.b   Am 30. März 2010 reichte die Beschwerdeführerin unter anderem einen Bericht 

von Dr. med. G.___, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, vom 13. Januar 2010 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ein, in welchem im Wesentlichen eine rezidivierende depressive Störung, ein 

allergisches Asthma bronchiale, eine Hausstaub- und Milbenallergie, ein chronisches 

lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, eine arterielle Hypertonie sowie eine 

Adipositas permagna diagnostiziert worden waren (act. G 8.1).

B.c   Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer 

Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2010 führte sie zur Begründung im Wesentlichen aus, 

die psychischen Beschwerden seien genügend abgeklärt worden, da die Begutachtung 

durch die ABI GmbH in der Zeit erfolgt sei, die der ersten stationären Behandlung in 

der Psychiatrischen Klinik F.___ unmittelbar vorausgegangen sei; es sei auf das 

Gutachten der ABI GmbH abzustellen (act. G 10).

B.d   Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. 

act. G 12).

C.     

Auf ein Gesuch der Beschwerdeführerin zum Bezug eines Hörgeräts vom 9. Dezember 

2009 (IV-act. 38) hin wurden ihr von der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

10. Mai 2010 zwei Hörgeräte zugesprochen (IV-act. 53).

Erwägungen:

1.      

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat. 

Dabei stellt sich zunächst die Frage, ob der rechtserhebliche Sachverhalt genügend 

abgeklärt wurde, namentlich in medizinischer Hinsicht.

2.      

2.1    Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), das heisst der durch 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von 

weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung 

(Art. 28 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; 

SR 831.20]).

2.2    Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und 

die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die 

durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie 

das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die 

Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren 

Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des 

Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel 

ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43 

Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung 

[IVV; SR 831.201]), etwa jene des RAD (vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer 

Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS). Aufgabe der IV-Stelle und des 

Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu 

beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung 

des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt auf diese 

Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen den 

Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.).

3.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.1    Die Beschwerdegegnerin hat zur Abklärung des Gesundheitszustands der 

Beschwerdeführerin eine polydisziplinäre Begutachtung veranlasst. Dies ist angesichts 

der Tatsache, dass kaum Berichte behandelnder Ärzte zu den Akten genommen 

werden konnten, zu begrüssen. Grundsätzlich ist das Gutachten der ABI GmbH denn 

auch für die streitigen Belange als umfassend zu qualifizieren, wurde die 

Beschwerdeführerin doch orthopädisch, psychiatrisch und pneumologisch 

begutachtet, was die Prüfung der wesentlichen in den Akten dokumentierten 

Beschwerden mit möglichem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erlaubte.

3.2    Das Gutachten leidet allerdings an gewissen Mängeln. So zog der orthopädische 

Consiliargutachter für seine Beurteilung lediglich einen schriftlichen Bericht über eine 

MRI-Untersuchung vom 24. Februar 2006 bei (das MRI selbst lag dem Consiliarius 

nicht vor). Zwar sind letztlich für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor allem die 

klinischen Befunde massgebend. Das bedeutet indessen nicht, dass für eine 

umfassende orthopädische Untersuchung keinerlei bildgebende Unterlagen 

beizuziehen bzw. anzufertigen sind. Angesichts der Tatsache, dass lumbale Schmerzen 

bei andernorts erwähnter Spinalkanalstenose (vgl. IV-act. 19–24) zu beurteilen waren, 

wäre der Beizug des am 24. Februar 2006 erstellten Bildes bzw. allenfalls eine erneute 

bildgebende Untersuchung zu begrüssen gewesen. Da allerdings im Bericht über die 

Bildgebung vom 24. Februar 2006 lediglich altersentsprechende normale Befunde 

genannt werden und da die aktuelle klinische Untersuchung mehrheitlich unauffällig 

ausfiel, wiegt dieser Mangel nicht schwer; er hat jedenfalls nicht zur Folge, dass auf 

das Gutachten der ABI GmbH nicht abgestellt werden könnte.

3.3    Im psychiatrischen Consiliargutachten wird sodann eine eindrückliche 

(psychosoziale) Belastungssituation beschrieben. Insbesondere wird festgehalten, dass 

es der Beschwerdeführerin nicht möglich sei, sich von der Verwandtschaft ihres 

Ehemannes, von welcher sie sich nicht akzeptiert fühle, abzugrenzen. So sollen die 

Schwiegereltern regelmässige bzw. fast tägliche Besuche abstatten und nicht 

akzeptieren, dass die Beschwerdeführerin Abstand von ihnen brauche. Würde die 

Beschwerdeführerin ihnen die Türe nicht öffnen, würden sie die Wohnung bei der 

nächstmöglichen Gelegenheit (etwa, wenn die Kinder der Beschwerdeführerin nach 

Hause kämen) betreten. Gleichzeitig scheint die Beschwerdeführerin an erheblichem 

Heimweh zu leiden, lebt doch ihre ganze Verwandtschaft nach wie vor in der Türkei 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und hat sie sich hier in der Schweiz kaum integriert. Hinzu kommt schliesslich ein 

traumatisches Erlebnis; sie musste den Tod eines 19 Jahre alten Neffen selbst mit 

ansehen (vgl. IV-act. 19–6). Dass im psychiatrischen Consiliargutachten trotz dieser 

eindrücklichen und offensichtlich sehr belastenden Umstände festgehalten wird, die 

Stimmung der Beschwerdeführerin sei „ausgeglichen, heiter“ gewesen (vgl. IV-act. 19–

7), scheint eher schwer nachvollziehbar. Allerdings kam dieser Feststellung, soweit 

ersichtlich, keine herausragende Bedeutung bei der Beurteilung zu. Der psychiatrische 

Consiliarius hat eine psychiatrische Krankheit mit Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit 

vielmehr deswegen verneint, weil die Belastung der Beschwerdeführerin durch die 

schwierige Beziehung zu ihren Schwiegereltern zwar plausibel ist, aber – auch gemäss 

den übrigen Akten – keine dauerhafte Beeinträchtigung der Gesundheit der 

Beschwerdeführerin nach sich zieht. So fällt etwa auf, dass sich die 

Beschwerdeführerin im Rahmen der beiden kurzen Behandlungen in der 

Psychiatrischen Klinik F.___ jeweils sehr rasch erholte und sich ihr Zustand ebenso 

rasch normalisierte. Das legt den Schluss nahe, dass sich der Zustand der 

Beschwerdeführerin dauerhaft verbessern würde, wenn eine bessere Abgrenzung von 

den Schwiegereltern gelingen würde. Eine von akuten Belastungssituationen losgelöste 

eigenständige Erkrankung ist mit anderen Worten nicht ausgewiesen, wie der 

psychiatrische Consiliarius insofern überzeugend ausgeführt hat. Diesbezüglich ist 

auch zu beachten, dass die Situation innerhalb der Kernfamilie durchwegs als intakt 

und gut beschrieben wird, und die Beschwerdeführerin offensichtlich über 

ausreichende psychische Ressourcen verfügt, um ihren Alltag einigermassen aktiv zu 

gestalten. Gerade auch unter Berücksichtigung der später erstellten Berichte der 

Psychiatrischen Klinik F.___ (vgl. dazu nachfolgende E. 3.4) ist davon auszugehen, 

dass die Beurteilung des psychiatrischen Consiliarius letztlich fachlich überzeugt.

3.4    Die Beschwerdeführerin trat offenbar wenige Tage nach Begutachtung durch die 

ABI GmbH wegen latenter Suizidalität bei depressiver Stimmung notfallmässig 

freiF.___lig in die Psychiatrische Klinik F.___ ein. Ihr Zustand verbesserte sich im 

Rahmen der Behandlung rasch, sodass sie bereits nach drei Tagen nicht mehr im 

Akutbereich stationär behandlungsbedürftig erschien und sie entsprechend entlassen 

und für eine stationäre Anschlussbehandlung aufgeboten wurde (vgl. IV-act. 29–7), die 

dann eineinhalb Monate später begann. Im Rahmen dieser kurzen, nur gut zwei 

Wochen dauernden stationären Behandlung kam es ebenfalls rasch zu einer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

merklichen Verbesserung des Zustands: Nach einigen Tagen verbesserte sich die 

Stimmung, die Mimik wurde lebendiger, die Einschlafprobleme konnten mittels 

Einnahme von Orangenblütentee wesentlich vermindert werden, das Morgentief war 

weniger ausgeprägt, die bei Eintritt beschriebenen Ängste nahmen ab, und nach kurzer 

Zeit äusserte die Beschwerdeführerin den Wunsch, aus der stationären Behandlung 

auszutreten (IV-act. 29–3 f.). Die behandelnden Ärzte attestierten zwar bei Austritt trotz 

dieser erheblichen Verbesserung des Zustands eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. 

IV-act. 29–5). Diese relativierten sie allerdings auf entsprechende Nachfrage der IV-

Stelle am 29. Oktober 2009. Sie seien davon ausgegangen, dass sich der Zustand der 

Versicherten unter weiterer ambulanter psychiatrischer Behandlung weiter verbessern 

würde. Zudem hielten die behandelnden Ärzte fest, im Vergleich mit dem Zustand zum 

Zeitpunkt der Begutachtung durch die ABI GmbH habe sich nichts wesentlich 

verändert. Im Gegensatz zu den Gutachtern habe man sich allerdings auf eine 

deskriptive Diagnose beschränkt (vgl. IV-act. 37). Angesichts der in den beiden 

Berichten beschriebenen jeweiligen raschen Zustandsverbesserungen sowie der später 

erfolgten Relativierung der Arbeitsfähigkeitsschätzung und der Diagnose wecken die 

Berichte der Psychiatrischen Klinik F.___ keine Zweifel am Beweiswert des Gutachtens 

der ABI GmbH. Im Gegenteil: Wenn sich die behandelnden Ärzte mit den 

Schlussfolgerungen der Gutachter im Wesentlichen einverstanden erklärten, vermag 

das Gutachten der ABI GmbH auch in fachärztlicher Hinsicht offenbar zu überzeugen. 

Vor diesem Hintergrund ist in antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen, 

dass auch ein Arztbericht von Dr. C.___ – der an sich hätte eingeholt werden sollen – 

keine erheblichen Zweifel am Gutachten der ABI GmbH wecken würde.

3.5    Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass in den Akten keine somatischen 

Therapien mehr ausgewiesen werden. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass 

die geäusserten körperlichen Beschwerden, wie die Gutachter der ABI GmbH gefolgert 

haben, tatsächlich keine somatische Ursache haben, sondern als Ausdruck der 

psychosozialen Belastungssituation zu qualifizieren sind. Jedenfalls ist für die 

Bemessung des Invaliditätsgrades auf das Gutachten der ABI GmbH abzustellen. 

Angesichts dessen ist unabhängig von der Bemessungsmethode ein 

rentenbegründender Invaliditätsgrad ohne Weiteres zu verneinen.

4.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Demnach ist die Beschwerde abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat die gemäss 

Art. 69 Abs. 1  IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwands 

auf Fr. 600.-- festzulegenden Gerichtskosten zu bezahlen. Der von ihr geleistete 

Kostenvorschuss wird ihr daran angerechnet.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Die Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird ihr daran angerechnet.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 23.02.2012
	Art. 43 ATSG. Würdigung medizinischer Berichte, namentlich eines polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Februar 2012, IV 2010/38).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T11:53:41+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen