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**Case Identifier:** e7f0fafb-17f7-5aa0-a8a9-f91550e834e2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-12
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 12.05.2020 200 2019 899
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2019-899_2020-05-12.pdf

## Full Text

200 19 899 IV
WIS/SCC/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 12. Mai 2020

Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Schwelger, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 18. Oktober 2019

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1962 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im August 2014 (Eingangsstempel: 11. August 2014) bei der 
IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an 
(Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 1; vgl. auch AB 6, 10). Diese stellte – 
gestützt auf ein polydisziplinäres Gutachten der C.________ AG (MEDAS-
Gutachten vom 24. November 2016 [AB 61.1]) – bei einem ermittelten Inva-
liditätsgrad von 4 % die Abweisung des Leistungsgesuchs hinsichtlich einer 
Invalidenrente in Aussicht (AB 63). Nach erhobenem Einwand (AB 68) ver-
neinte die IVB mit Verfügung vom 20. Februar 2017 (AB 70) entsprechend 
dem Vorbescheid einen Rentenanspruch. Mit Urteil vom 2. August 2017 
(IV/2017/320) hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die Be-
schwerde gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache an 
die Beschwerdegegnerin zurück, damit sie – nach Vornahme der Abklärun-
gen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge. In den Erwägungen hielt das 
Gericht fest, das psychiatrische MEDAS-Teilgutachten vom 21. August 
2015 (AB 61.6) sei punktuell ergänzungsbedürftig, was die Beweiskraft der 
übrigen MEDAS-Teilgutachten grundsätzlich nicht beschlage. Die 
Verwaltung habe in Bezug auf die unklaren Punkte eine Präzisierung bzw. 
Ergänzung des psychiatrischen MEDAS-Gutachtens zu veranlassen. 
Überzeuge das ergänzte Teilgutachten beweisrechtlich weiterhin nicht 
vollständig, habe die Beschwerdegegnerin eine psychiatrische 
Neubegutachtung bei einem mit der Sache noch nicht befassten Experten 
zu veranlassen (VGE IV/2017/320 E. 3.4.4 [AB 75 S. 10]). 

In der Folge holte die IVB Berichte der behandelnden Ärzte ein (AB 87, 90, 
101). Da der psychiatrische Gutachter der MEDAS nicht mehr zur Verfü-
gung stand (AB 92), veranlasste die IVB eine Begutachtung durch Dr. med. 
D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (psychiatrisches 
Gutachten vom 21. April 2018 [AB 106.1]). Gegen einen ersten Vorbe-
scheid vom 18. Mai 2018 (AB 107) erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin B.________, Einwand (AB 111). Die IVB holte bei Dr. med. 
D.________ den ergänzenden Bericht vom 27. Juni 2018 ein (AB 114). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 3

Gegen den neuen Vorbescheid vom 13. Juli 2018 (AB 116) erhob die Ver-
sicherte, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, ebenfalls Einwand 
(AB 120). Es wurden weitere Arzt- und Spitalberichte eingereicht (AB 120, 
125 S. 2 f., 129 S. 2, 132 ff.) und Dr. med. E.________ (im Eidgenössi-
schen Medizinalberuferegister [www.medreg.admin.ch] ist kein Facharzttitel 
verzeichnet, eigene Bezeichnung: Facharzt für Psychosomatik und Psycho-
therapie [D]), Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 9. Oktober 
2018 (AB 123 S. 2 f.) und 8. März 2019 (AB 136 S. 2 f.) dazu Stellung. Mit 
neuem Vorbescheid vom 20. März 2019 stellte die IVB die Zusprechung 
einer halben Rente ab dem 1. Februar 2015 in Aussicht (AB 137). Am 
18. Oktober 2019 verfügte sie wie in Aussicht gestellt (AB 141).

B.

Mit Eingabe vom 27. November 2019 erhob die Versicherte, vertreten 
durch Rechtsanwältin B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons 
Bern Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom 18. Oktober 2019 sei 
aufzuheben. Es sei der Beschwerdeführerin rückwirkend per 1. Februar 
2015 eine ganze IV-Rente zuzusprechen.

Mit Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2020 beantragt die IVB die Abwei-
sung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.   

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 4

Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Bestimmungen über die 
Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Ge-
setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 
155.21]) sind eingehalten.

1.2 Die Beschwerdegegnerin bringt vor, es sei fraglich, ob die Rechts-
mittelfrist eingehalten worden sei. Die Verfügung vom 18. Oktober 2019 sei 
der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 24. Oktober 2019 mit A-
Post zugestellt worden, womit sie diese am 25. Oktober 2019 erhalten ha-
ben sollte und die Rechtsmittelfrist am 25. November 2019 abgelaufen wä-
re (Beschwerdeantwort S. 2, Bst. B. Formelles Ziff. 2). 

Die Regel des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist 
eine sozialversicherungsrechtliche Eigenheit, die bei der Feststellung der 
für den materiellen Leistungsanspruch erheblichen Tatsachen und bei an-
deren Erscheinungen der Massenverwaltung zur Anwendung gebracht 
wird. Dagegen muss für den Nachweis von Tatsachen über die rechtzeitige 
Ausübung eines fristgebundenen, verwirkungsbedrohten Rechts im Pro-
zess der im Zivilrecht übliche volle Beweis erbracht sein (BGE 120 V 33 
E. 3c S. 37, 119 V 7 E. 3c bb S. 10; SVR 2013 IV Nr. 4 S. 8 E. 2). Für die 
Tatsache und den Zeitpunkt der Zustellung trägt die Behörde, welche die 
Verfügung erlässt den Zustellungsbeweis, währenddem der beschwerde-
führenden Person der Nachweis für die rechtzeitige Einreichung der Be-
schwerde obliegt. Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung unein-
geschriebener Sendungen bestritten, muss daher im Zweifel auf die Dar-
stellung des Empfängers abgestellt werden (BGE 103 V 63 E. 2a S. 66; 
ARV 2000 S. 121 E. 1b; SVR 2011 IV Nr. 32 S. 94 E. 4.1).

Die in den Akten enthaltene, auf den 18. Oktober 2019 datierte Verfügung 
trägt als Adresse diejenige der Beschwerdeführerin (AB 141 S. 2). Gemäss 
dem entsprechenden Deckblatt war offenbar vorgesehen, das Original der 
Rechtsvertreterin und eine Kopie der Beschwerdeführerin zuzustellen 

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(AB 141 S. 1). Weiter findet sich in den Akten eine Aktennotiz vom 23. Ok-
tober 2019 betreffend einen Telefonanruf an die Beschwerdegegnerin, wo-
nach eine Kopie der Verfügung der Rechtsvertreterin zuzustellen sei 
(AB 142) und ein Begleitschreiben datiert auf den 24. Oktober 2019 an die 
Rechtsvertreterin, worin die Zustellung der Verfügung gemäss Telefonge-
spräch vom 23. Oktober 2019 festgehalten wird. Das entsprechende 
Schreiben wurde per A-Post versandt (AB 143). Weiter ergibt sich aus den 
Akten, dass die Beschwerdegegnerin der Rechtsvertreterin der Beschwer-
deführerin am Freitag, 25. Oktober 2019, die Verfügung per Einschreiben 
zusandte (AB 144 S. 19). Seitens der Parteien unbestritten, hat die Rechts-
vertreterin diese eingeschriebene Postsendung am Montag, 28. Oktober 
2019 in Empfang genommen (vgl. Beschwerde S. 2, II. Formelles Ziff. 1).

Wie vorstehend dargelegt, trägt die Beschwerdegegnerin den Zustellbe-
weis, den sie mit dem von ihr behaupteten ersten Versand der Verfügung 
an die Rechtsvertreterin per A-Post am 24. Oktober 2019 nicht zu erbrin-
gen vermag. Auch wenn A-Post-Sendungen grundsätzlich am folgenden 
Tag zugestellt werden sollten, ist dies keineswegs garantiert und lässt sich 
schliesslich mangels entsprechender Bescheinigung, wie sie etwa bei Sen-
dungen mit A-Post-Plus seitens der Post erstellt werden, der Zustellzeit-
punkt nicht mehr erstellen. Erstellt ist hingegen, dass die eingeschrieben 
versandte Fassung der Verfügung der Rechtsvertreterin der Beschwerde-
führerin am Montag, 28. Oktober 2019 zugestellt wurde und die Beschwer-
de mit der am 27. November 2019 der Post übergebenen Eingabe rechtzei-
tig erhoben wurde und damit die Frist (Art. 60 ATSG) eingehalten wurde. 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 18. Oktober 2019 
(AB 141), worin die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin rückwir-
kend ab dem 1. Februar 2015 eine halbe IV-Rente zusprach. Streitig und 
zu prüfen ist der Rentenanspruch und dabei insbesondere die Frage, ob 
der Beschwerdeführerin ab Februar 2015 eine ganze IV-Rente zu ge-
währen ist.

1.4 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

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1.5 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 

2.1.1 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221).

2.1.2 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 
ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrach-
tungsweise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten Person 
auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295). Die Sachverständigen 
sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollzie-
hen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten 
sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss 

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höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer 
Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken ver-
mag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters 
(BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtli-
che psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

2.1.3 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche 
und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben 
sich namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschil-
derten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese be-
steht, intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung 
jedoch vage bleibt, keine medizinische Behandlung und Therapie in An-
spruch genommen wird, demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sach-
verständigen unglaubwürdig wirken oder schwere Einschränkungen im 
Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend 
intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Ver-
halten hin. Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass nach plausibler ärzt-
licher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine Aggravation eindeutig über-
wiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens klar 
überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine ver-
selbständigte, krankheitswertige psychische Störung (vgl. BGE 127 V 294 
E. 5a S. 299) zurückzuführen wäre, fällt eine versicherte Gesundheitsschä-
digung ausser Betracht und ein Rentenanspruch ist ausgeschlossen, selbst 
wenn die klassifikatorischen Merkmale einer psychischen Störung gegeben 
sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG erster Satz). Soweit die betreffenden 
Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheits-
schädigung (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299) auftreten, sind deren Auswir-
kungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 
E. 2.1.1 S. 285 und E. 2.2 S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 8

2.1.4 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von 
Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt 
im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin-
dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
„funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). 
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur 
zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell-
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Stan-
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie-
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Fol-
gen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person 
zu tragen (E. 6 S. 308).

2.1.5 Die sachverständige Person schätzt das Leistungsvermögen an-
hand der einschlägigen Indikatoren ein. Die Rechtsanwender überprüfen 
die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die 
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das 
heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, 
welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ob die ver-
sicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grund-
lage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 S. 307). Eine 
davon losgelöste Parallelüberprüfung „nach besserem juristischen Wissen 
und Gewissen“ darf jedoch nicht stattfinden. Vielmehr ist im Rahmen der 
Beweiswürdigung zu fragen, ob die funktionellen Auswirkungen medizi-
nisch im Lichte der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig 
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. 
Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkun-
gen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts ab-
schliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann (BGE 145 
V 361 E. 3.2.2; 144 V 50 E. 4.3 S. 54). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 9

2.1.6 Zur Grenzziehung zwischen der freien Überprüfung durch die 
rechtsanwendende Stelle in Anwendung der Standardindikatoren gemäss 
BGE 141 V 281 auf der einen und unzulässiger juristischer Parallelbeurtei-
lung auf der anderen Seite hat das Bundesgericht Folgendes festgehalten: 
Von einer lege artis, normorientierten, d.h. nach Massgabe von BGE 141 V 
281 erfolgten medizinischen Schätzung ist aus triftigen Gründen abzuwei-
chen. Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme 
einer Arbeitsunfähigkeit unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von 
Konsistenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechen-
den Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei ist 
zu beachten, dass die ärztliche Beurteilung Ermessenszüge aufweist, die 
auch den Rechtsanwender begrenzen. Für die Prüfung der Frage, ob und 
inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter 
Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend 
und nachvollziehbar begründet haben, ist erforderlich, dass die Sachver-
ständigen substanziiert darlegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen 
Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und 
die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hin-
sicht zu schmälern vermögen. Insbesondere hat der medizinisch-
psychiatrische Sachverständige darzutun, dass, inwiefern und inwieweit 
wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeits-
fähigkeit eingeschränkt ist, und zwar – zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- 
und Kontrollzwecken – unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, fami-
liären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kommen 
die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 
281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-
psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des 
Rechtsanwenders Bestand haben (BGE 145 V 361 E. 4.3). Der Beweis für 
eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähig-
keit kann somit als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der 
massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung 
ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen 
(Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, 
ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den 
Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenanspre-
chenden Person auswirkt (BGE 145 V 361 E. 3.2.2; 144 V 50 E. 4.3 S. 54).

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2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

3.

3.1 Die angefochtene Verfügung vom 18. Oktober 2019 (AB 141) ba-
siert auf dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D.________ vom 21. 
April 2018 (AB 106.1) sowie dem ergänzenden Bericht vom 27. Juni 2018 
(AB 114). Der Experte diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-
keit eine komplexe Traumafolgestörung bzw. eine posttraumatische Belas-
tungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1) und ohne Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch Perso-
nen innerhalb der engeren Familie (ICD-10 Z61.4), eine familiäre Belas-
tungssituation und finanzielle Probleme (AB 106.1 S. 30). Zur Arbeitsfähig-
keit hielt der Experte fest, aufgrund des leicht- bis mittelgradig depressiven 
Zustandsbildes im Kontext mit einer Verlangsamung, kognitiven Störungen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 11

wie auch einer Störung des Antriebs, könne in quantitativer Hinsicht von 
einer Einschränkung von 30 % ausgegangen werden. Deutlich gravier-
endere Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aber seien seitens der PTBS 
zu erwarten. Zu nennen seien insbesondere eine Selbstunsicherheit, ein 
mangelndes Vertrauen in sich selbst, verbunden mit einem Minderwert, 
Gefühlen von Anspannung, eine geringe Belastbarkeit, eine geringe Frus-
trationstoleranz, zumal die Explorandin eine ausgesprochene Vermeidung 
von Menschen, dann aber auch von Gerüchen und Geräuschen zeige, so-
wie auch im Rahmen des Dissoziierens und von Seiten der Flashbacks 
Abwesenheiten zeige (AB 106.1 S. 41). Der Gutachter führte weiter aus, 
gerade im Zusammenhang mit den dissoziativen Momenten, welche sich 
bis zu einer dissoziativen Fugue ausweiten könnten, dann aber auch mit 
den offenbar täglich auftretenden Flashbacks von mindestens einer Stunde 
Dauer, sei die zuletzt ausgeübte Funktion als …. nicht mehr realistisch. 
Aufgrund der Pathologie bzw. ihres Hintergrunds als schwerst psychisch 
und körperlich Traumatisierte erachte er generell eine Tätigkeit mit …. als 
nicht geeignet. Die bisherige Tätigkeit sei spätestens seit Anfang 2014 
nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeits-
fähigkeit auszugehen. Zu berücksichtigen sei das folgende Zumutbar-
keitsprofil: Die Explorandin solle möglichst in einem Tätigkeitsfeld einge-
setzt werden, welches die Triggerung von Flashbacks minimiere. Konkret 
wäre eine weibliche Arbeitsumgebung (inkl. vorgesetzte Person) zu bevor-
zugen. Weiter sei an eine geregelte, klar strukturierte Arbeitstätigkeit zu 
denken, welche ihr bei trotzdem nicht auszuschliessenden Flashbacks er-
möglichen würde, unvorhergesehen eine ein- bis zweistündige Pause ein-
zulegen. Weiter sei auf ein möglichst geruchs- und geräuscharmes Milieu 
Wert zu legen. Denkbar wären am ehesten leichte Bürotätigkeiten. Im Kon-
text der Befunde von Seiten des depressiven Zustandsbilds (Antriebs-
störung) und untergeordnet der Zwangshandlungen sei die Explorandin in 
angepasster Tätigkeit nicht voll arbeitsfähig. Es seien Einschränkungen in 
quantitativer Hinsicht von rund 40 % zu erwarten. Im Rahmen dieses Pen-
sums und in angepasster Tätigkeit dürften die qualitativen Einschränkun-
gen (kognitive Einschränkungen) nicht von relevanter Art sein (AB 106.1 S. 
42). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 12

Im ergänzenden Bericht vom 27. Juni 2018 hielt Dr. med. D.________ fest, 
aufgrund des depressiven Zustandsbilds sei generell von einer Einschrän-
kung der Arbeitsfähigkeit von 30 % auszugehen. Im Kontext der bisherigen 
Tätigkeit (in der …. oder im Umgang mit allenfalls auch traumatisierten 
Menschen) sei seitens der PTBS von deutlich gravierenden Auswirkungen 
auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen, weshalb eine volle Arbeitsunfähigkeit 
vorliege. In einer angepassten Tätigkeit mit dem beschriebenen Zumutbar-
keitsprofil falle die Triggerung erheblich kleiner aus, gerade weil der Ar-
beitsplatz diverse Faktoren erfüllen müsse, welche diese minimiere. Weil 
die Explorandin aufgrund von weiterhin vorkommenden Nachhallerinnerun-
gen Pausen am Arbeitsplatz brauche, ihr dies am Arbeitsplatz auch gestat-
tet werden müsse, sei in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeits-
fähigkeit von 60 % auszugehen (AB 114).

3.2

3.2.1 Laut Sprechstundenbericht des Spitals F.________, vom 6. März 
2018 besteht ein Zustand nach Dekompression L2/L3 und L3/L4 sowie 
Foraminotomie L2 links und Sequesterotomie am 19. Januar 2018 bei einer 
extraforaminalen Hernie L2/L3 links und einer zentralen Spinalkanalsteno-
se L2/L3 und L3/L4. Es zeige sich ein regelrechter Verlauf. Die Patientin 
dürfe nach Massgabe der Beschwerden voll belasten (AB 120 S. 7).

3.2.2 In der Stellungnahme vom 8. März 2019 hielt Dr. med. E.________, 
RAD, fest, hinsichtlich der geklagten Beeinträchtigungen im Bereich der 
LWS habe sich nach der Dekompressionsoperation der verbesserte Zu-
stand gehalten. Darüber hinaus zeigten sich gastroenterologisch bis auf 
eine Divertikulose und das Auftreten von Polypen im Bereich des Dick-
darms (die abgetragen worden seien) keine weiteren Auffälligkeiten. Aktu-
elle psychiatrische Befundberichte seien nicht eingereicht worden. Aus dem 
nun abschliessend zu beurteilenden Verlauf ergäben sich keine Konse-
quenzen hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-
Gutachten von November 2016. Insbesondere sei darauf zu verweisen, 
dass nach der beschriebenen Lumbalstenose durch die erfolgreiche De-
kompressionsbehandlung eine anhaltende Entlastung mit lediglich nur noch 
bestehenden Sensibilitätsstörungen im Krankheitsverlauf zu beschreiben 
sei (AB 136 S. 2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 13

3.3

3.3.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 

3.3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4 Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. D.________ vom 21. 
April 2018 (AB 106.1) und der ergänzende Bericht vom 27. Juni 2018 (AB 
114) erfüllen die Voraussetzungen der Rechtsprechung an Expertisen (E. 
3.3.2 hiervor). Der Gutachter äussert sich nachvollziehbar zur diagnostizier-
ten PTBS, wonach die Befunde bzw. die Symptomatologie bereits Jahre 
zuvor, wenn nicht schon seit der Adoleszenz, wiederholt und intermittierend 
ins Zentrum gerückt worden sein dürften und die Dekompensation erst im 
Jahre 2014 stattgefunden habe, dies im Kontext mit verschiedenen psy-
chosozialen Faktoren. Es sei keineswegs aussergewöhnlich, dass sexuell 
Traumatisierte zum Teil über viele Jahre hinweg niemandem gegenüber 
vom erlittenen Trauma berichten könnten, dennoch sehr unter der Sym-
ptomatik zu leiden hätten, ohne dass dies dem Umfeld ohne weiteres auf-
falle. Die Beschwerdeführerin sei denn auch ab Mitte 20 wiederholt in Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 14

handlung gewesen, ohne dass sie in der Lage gewesen sein dürfte, über 
die Traumatisierungen zu sprechen (AB 106.1 S. 38). Die Befunderhebung 
sowie die Begründung, weshalb von einer PTBS einzugehen sei, leuchten 
ein und die Ausführungen zu der zwischen dem Trauma und der Dekom-
pensation liegenden Zeitspanne überzeugen (AB 106.1 S. 27, 30 ff.). Der 
Gutachter äussert sich auch zu den psychosozialen Faktoren, welche sich 
nunmehr entschärft haben (AB 106.1 S. 39 f.). Ausschlussgründe für eine 
versicherte Gesundheitsschädigung liegen nicht vor (vgl. E. 2.1.4 hiervor). 
Soweit der Gutachter im Rahmen der Exploration Inkonsistenzen beobach-
tet und beschreibt, seien diese nicht im Sinne einer Aggravation zu verste-
hen, sondern im Rahmen der Pathologie oder aber eines brüchigen und 
wenig konsistenten inneren Selbst (AB 106.1 S. 42 f.). Der Experte äussert 
sich eingehend und überzeugend zur Behandlung; er schätzt die medika-
mentöse Behandlung als genügend und die Traumabehandlung als 
adäquat ein; ebenso sei die Expositionsbehandlung mit dem Ziel der Auf-
weichung der diversen Vermeidungsstrategien weiterzuführen (AB 106.1 S. 
22 f., S. 40 f.). Einleuchtend ist die Beurteilung, dass von einem längeren 
psychotherapeutischen Prozess ausgegangen werden müsse (AB 106.1 S. 
41). Wechselwirkungen zwischen den psychischen und somatischen Be-
schwerden, wobei sich letztere nicht auf die Arbeitsfähigkeit in einer ange-
passten Tätigkeit auswirken (vgl. E. 3.5 hiernach), werden nicht erwähnt, 
und es ist nicht davon auszugehen, dass solche vorliegen. Zur Persönlich-
keit erwähnt der Experte, dass eine Persönlichkeitspathologie denkbar wä-
re, aufgrund der im Vordergrund stehenden Psychopathologie von Seiten 
der PTBS, liesse sich diesbezüglich aktuell aber nichts Verlässliches sagen 
(AB 106.1 S. 40). Der Gutachter äussert sich auch zum sozialen Kontext in 
früheren Jahren sowie aktuell (AB 106.1 S. 17 ff., 21). Mit Blick auf den 
Tagesablauf (AB 106.1 S. 26 f.) überzeugt die Beurteilung, dass die Ein-
schränkungen des Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen 
gleichmässig, die Tagesstruktur dürftig und auf Vermeidung ausgerichtet 
seien; dürftig seien auch die Ressourcen (AB 106.1 S. 43 f.). Die Einschät-
zung des Experten bezüglich der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten 
Tätigkeit seit Anfang 2014 sowie zur Arbeitsfähigkeit von 60 % in einer an-
gepassten Tätigkeit mit dem formulierten Zumutbarkeitsprofil ist schlüssig 
und überzeugt (AB 106.1 S. 41 f.). Damit liegt ein lege artis, normorientier-
tes, d.h. nach Massgabe von BGE 141 V 281 erfolgtes Gutachten vor, wel-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 15

ches voll beweistauglich ist. Es liegen keine triftigen Gründe vor, um von 
der medizinischen Schätzung abzuweichen. Aktuelle psychiatrische Be-
fundberichte, welche auf eine wesentliche Veränderung hinweisen würden, 
sind nach der Begutachtung nicht mehr eingereicht worden (AB 136 S. 2). 

Auch die Beschwerdeführerin erachtet das psychiatrische Gutachten von 
Dr. med. D.________ „im Grossen und Ganzen weitgehend schlüssig und 
nachvollziehbar“, insbesondere stellt sie die Diagnose nicht in Frage. Be-
stritten wird einzig die vom Gutachter in einer angepassten Tätigkeit auf 60 
% festgelegte Arbeitsfähigkeit (Beschwerde S. 4, Art. 2 Ziff. 1). Soweit sie 
sich auf die Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit durch den 
früheren Gutachter Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und 
Psychotherapie (AB 61.6 S. 29), beruft (Beschwerde S. 5, Art. 2 Ziff. 2/2.1), 
weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin (Beschwerdeantwort 
S. 3), dass dieses Gutachten vom angerufenen Gericht als nicht voll be-
weistauglich erachtet worden ist. Weiter begründet Dr. med. D.________ 
im ergänzenden Bericht vom 27. Juni 2019 überzeugend, weshalb die Be-
einträchtigung aufgrund der im Vordergrund stehenden komplexen Trau-
mafolgestörung respektive PTBS so gravierend sei, dass in der bisherigen 
Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorliege, die Einschränkung in 
einer angepassten Tätigkeit unter Einhaltung des von ihm umschriebenen 
Zumutbarkeitsprofils aber wesentlich geringer sei (AB 114). Soweit die Be-
schwerdeführerin geltend macht, es könne der Behauptung der Beschwer-
degegnerin nicht zugestimmt werden, wonach die Arbeitsfähigkeit von 
60 % auch aus rechtlicher Sicht gestützt auf die Indikatorenprüfung nach-
vollziehbar sei, übersieht sie, dass eine höhere Arbeitsunfähigkeit als vom 
Gutachter attestiert wurde, aus der Indikatorenprüfung nicht resultierten 
kann (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 8. November 2019, 
8C_629/2019, E. 4.2.4). Andere Arztberichte, welche Zweifel an der Beur-
teilung des Dr. med. D.________ aufkommen lassen können, liegen nicht 
vor. Es lässt sich deshalb nicht beanstanden, dass die Beschwerdegegne-
rin die vom Gutachter formulierte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit 
übernommen hat. Gemäss Dr. med. D.________ gilt das von ihm formulier-
te Zumutbarkeitsprofil seit Anfang 2014 (AB 106.1 S. 42).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 16

3.5 Aus somatischer Sicht ist auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 
im MEDAS-Gutachten vom 24. November 2016 abzustellen (vgl. 
VGE IV/2017/320 E. 3.3 [AB 75 S. 7]). Es ist davon auszugehen, dass seit-
her keine wesentliche Änderung eingetreten ist. Daran ändert nichts, dass 
sich die Beschwerdeführerin am 19. Januar 2018 einer Rückenoperation 
unterzog (AB 120 S. 8), wurde doch bereits mit Bericht vom 6. März 2018 
festgehalten, es zeige sich ein regelrechter Verlauf und die Beschwerde-
führerin dürfe nach Massgabe der Beschwerden wieder voll belasten 
(AB 129). Somit ist in somatischer Hinsicht weiterhin von einer uneinge-
schränkten Arbeitsfähigkeit in angepasster Arbeit (zum Zumutbarkeitsprofil: 
AB 61.1 S. 35) auszugehen. Anderes macht auch die Beschwerdeführerin 
nicht geltend. Dass die Aktenbeurteilung des RAD vom 8. März 2019 
(AB 136) durch einen Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie er-
folgte, schadet nicht, stellt dieser doch auf die Akten der behandelnden 
Ärzte ab.

Nach dem Dargelegten erfolgt der Einkommensvergleich nach Massgabe 
einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in einer angepassten Tätigkeit.

4.

4.1 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 
S. 300, 129 V 222). Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 
IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des 
Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Mo-
nat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt. 

Unter Berücksichtigung der Anmeldung von August 2014 (AB 1) ist der 
frühestmögliche Rentenbeginn der 1. Februar 2015. Es gilt das Expediti-
onsprinzip (UELI KIESER, Kommentar zum ATSG, 4. Aufl. 2020, Art. 29 
N. 37 f.). Das am 28. Juli 2014 unterschriebene Anmeldeformular (AB 1) 
wurde zunächst der Trägerin der Kollektiv-Krankentaggeldversicherung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 17

eingereicht und von dieser erst im August 2014 an die Beschwerdegegne-
rin versandt (AB 6). Weil die betreffende Gesellschaft nicht als sozialversi-
cherungsrechtlicher Versicherungsträger fungiert und sie demnach nicht 
vom Anwendungsbereich des Art. 30 bzw. Art. 39 Abs. 2 ATSG erfasst 
wird, ist erst die Postübergabe im August 2014 massgebend (vgl. KIESER, 
a.a.O., Art. 30 N. 13 und Art. 39 N. 23).

4.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 
4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1).

4.3

4.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen 
werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3).

4.3.2 Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per-
sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im 
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit-
nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter-
durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit 
einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 
E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481).

Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, 
hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkre-
ten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Na-
tionalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämt-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 18

licher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem 
Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchs-
tens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 
E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass 
allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit ent-
haltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemes-
sung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten 
Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (SVR 2018 IV Nr. 45 
S. 145 E. 2.2).

4.3.3 Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise 
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt 
zu ermitteln. Dieser theoretische und abstrakte Begriff dient dazu, den Leis-
tungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversi-
cherung abzugrenzen. Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet 
durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach 
Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf und 
zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen 
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Er um-
fasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsan-
gebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von 
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Dabei ist nicht von realitätsfrem-
den Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt 
werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjekti-
ven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung 
von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtspre-
chungsgemäss keine übermässigen Anforderungen zu stellen (BGE 138 V 
457 E. 3.1 S. 459; SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2). Nach diesen Ge-
sichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Mög-
lichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein ren-
tenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 
V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 320 E. 3b).

Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen 
ist, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen 
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 19

Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Ar-
beitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (SVR 2016 
IV Nr. 2 S. 6 E. 4.4). 

Von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 16 ATSG kann aber dort 
nicht mehr gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so ein-
geschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt 
praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegen-
kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Fin-
den einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen 
erscheint (SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2).

4.4

4.4.1 Die Beschwerdeführerin arbeitete als Gesunde zuletzt mit einem 
Pensum von 80 % für die H.________ (AB 21) und mit einem Pensum von 
20 % in der Betreuung und Pflege ihrer Mutter (vgl. AB 12 S. 2). Für die 
Pflege der Mutter erhielt sie bis zu deren Tod im Juni 2015 einen Lohn (vgl. 
IK-Auszug [AB 19 S. 4 sowie AB 1 S. 4 Ziff. 5.4]). Somit lag kein Aufgaben-
bereich im Sinne von Art. 27 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vor. Die Beschwerdefüh-
rerin gab am Erstgespräch vom 29. August 2014 dann auch selbst an, sie 
wäre als Gesunde mit einem Pensum von 100 % erwerbstätig (AB 12). Die 
Beschwerdegegnerin ermittelte in der angefochtenen Verfügung vom 
18. Oktober 2019 das Valideneinkommen gestützt auf die Angaben der 
Arbeitgeberin vom 5. September 2014 (AB 21), addierte den Durchschnitt 
des Entgelts für die Betreuung und Pflege der Mutter im 20 % Pensum auf-
grund des IK-Auszugs und indexierte auf das Jahr 2015, was Fr. 74‘496.-- 
ergab (AB 141 S. 7). Dieses Valideneinkommen ist unter Berücksichtigung 
der Angaben des Arbeitgebers (AB 21 S. 2 Ziff. 2.10) und des IK-Auszugs 
(AB 19 S. 4) nicht zu beanstanden. 

4.4.2 Nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin das Invali-
deneinkommen gestützt auf die LSE 2014, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 
1, Frauen, von Fr. 4‘300.-- berechnete. Aufgerechnet auf ein Jahr, ange-
passt an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro 
Woche und indexiert auf das Jahr 2015 sowie angepasst an die zumutbare 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 20

Arbeitsfähigkeit von 60 % ergibt dies ein Invalideneinkommen von 
Fr. 32‘432.-- (Fr. 4‘300.-- x 12 / 40 x 41.7 / 103.6 x 104.1 [Tabelle T1.2.10 
Nominallohnindex, Frauen 2011-2017, Total, 2014, 2015] / 100 x 60 = 
Fr. 32‘431.57). Der Gutachter hielt am ehesten leichte Bürotätigkeiten für 
zumutbar (AB 106.1 S. 42). Das sehr eng formulierte Zumutbarkeitsprofil 
(AB 106.1 S. 42) spricht für das Erfordernis eines Nischenarbeitsplatzes, 
bei welchem die gesundheitlich eingeschränkte Beschwerdeführerin mit 
einem sozialen Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers bzw. der Ar-
beitgeberin rechnen kann. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch 
solche Nischenarbeitsplätze (vgl. E. 4.3.3). Es liegen keine Merkmale (Al-
ter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie) vor, welche einen Abzug 
vom Tabellenlohn rechtfertigten. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung ist auch bei teilzeitlich tätigen Frauen unter dem Titel Beschäfti-
gungsgrad kein leidensbedingter Abzug vorzunehmen (vgl. Entscheid des 
BGer vom 28. November 2017, 9C_629/2017, E. 2).

Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 10 f.) ist 
das von Dr. med. D.________ formulierte Zumutbarkeitsprofil (weibliche 
Arbeitsumgebung, geregelte, stark strukturierte Arbeitstätigkeit, geruchs- 
und geräuscharmes Milieu, am ehesten leichte Bürotätigkeiten [AB 106.1 
S. 42]) nicht derart einschränkend, dass es auf dem ersten Arbeitsmarkt 
nicht umgesetzt werden könnte. Die Notwendigkeit von Pausen aufgrund 
von Nachhallerinnerungen (AB 114 S. 2) ist mit dem reduzierten Pensum 
genügend berücksichtigt.

4.4.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 74‘496.-- und einem Invali-
deneinkommen von Fr. 32‘432.-- resultieren eine Einkommenseinbusse 
von Fr. 42‘064.-- und damit ein Invaliditätsgrad von gerundet 56 % 
(Fr. 42‘064.-- / Fr. 74‘496.-- x 100 = 56.46 %). 

4.5

4.5.1 Mit dem Tod der Mutter am 15. Juni 2015 (vgl. AB 61.6 S. 5 lit. B; 
vgl. auch AB 61.1 S. 27 f. lit. A Ziff.1, 61.6 S. 25 lit. B Ziff. 1, 90 S. 5 
Ziff. 1.4) fiel der Lohn für deren Betreuung und Pflege weg. Mit dem Weg-
fall dieser Nebenerwerbstätigkeit ist eine Änderung im Erwerbsbereich und 
damit ein Revisionsgrund gegeben (Art. 17 Abs. 1 ATSG), denn Anlass zur 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 21

Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Ver-
hältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan-
spruch zu beeinflussen. Es ist somit ein weiterer Einkommensvergleich 
vorzunehmen.

Wie sich aus den Akten ergibt, war die Beschwerdeführerin vor ihrer Tätig-
keit in der H.________ während vielen Jahren zu 100 % erwerbstätig (AB 
17 S. 2). Wie bereits dargelegt, wäre die Beschwerdeführerin als Gesunde 
zu 100 % erwerbstätig. Es ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden 
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie ihr Pensum in der damals 
anzunehmenden Anstellung in der H.________ nach dem Tod der Mutter 
auf 100 % erhöht hätte. Damit ist das Valideneinkommen auf der Basis des 
Einkommens 2013 der H.________ (IK-Auszug [AB 19 S. 4]) auf 100 % 
aufzurechnen und auf das Jahr 2015 zu indexieren, was Fr. 67‘164.15 er-
gibt (Fr. 53‘573.-- / 80 x 100 / 101.5 x 101.8 [Tabelle T1.2.10 Nominal-
lohnindex, Frauen 2011-2018, Bst. Q Ziff. 86-88 Gesundheitswesen, Heime 
und Sozialwesen, 2013: 101.5; 2015: 101.8] = Fr. 67‘164.15).

4.5.2 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 67‘164.15 und einem Invali-
deneinkommen von Fr. 32‘432.-- resultieren eine Einkommenseinbusse 
von Fr. 34‘732.15 und damit ein Invaliditätsgrad von gerundet 52 % 
(Fr. 34‘732.15 / Fr. 67‘164.15 x 100 = 51.7 %).

4.6 Bei diesem Ergebnis lässt sich die Zusprechung einer halben IV-
Rente ab dem 1. Februar 2015 nicht beanstanden. Es besteht kein An-
spruch auf eine höhere Rente.

Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 18. Oktober 2019 (AB 141) ist 
abzuweisen.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 22

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss 
gleicher Höhe entnommen.

5.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g 
ATSG [Umkehrschluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Mai 2020, IV/19/899, Seite 23

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.