# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d013ff41-8ca8-536a-805e-cd7e73a30158
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240143-O1
**Docket/Reference:** SB240143-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240143-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240143-O/U/hb

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter Dr. iur. Bezgovsek 

und Oberrichter lic. iur. Hoffmann sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Brülisauer

Urteil vom 10. Januar 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

(bis 17. Juli 2024 amtlich) verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Misswirtschaft etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-

zelgericht, vom 5. Oktober 2023 (GG230100)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. April 2023 ist die-

sem Urteil beigeheftet (Urk. 21).

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 41 S. 32 f.)

1.

Der Beschuldigte ist schuldig







der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, 

der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB sowie 

der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB.

2.

Der  Beschuldigte  wird  bestraft  mit  einer  Geldstrafe  von  90  Tagessätzen  zu 

Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.–. 

3.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.

4.

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

5.

Der Privatkläger wird mit seinen Zivilforderungen auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

6.

Der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt MLaw X._____ wird für seine Aufwen-

dungen mit Fr. 9'500.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.

- 3 -

7.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:

1'900.–   Gebühr für das Vorverfahren,

33.15   Auslagen (Arztbericht),

9'500.–   amtliche Verteidigung. 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

8.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-

erlegt.

9.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genom-

men; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 71 S. 4)

1.

Das Verfahren gegen den Beschuldigten betreffend einfache Körper-

verletzung zum Nachteil von B._____ sei einzustellen.

2.

3.

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Misswirtschaft freizusprechen.

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Unterlassung der Buchführung 

freizusprechen.

4.

Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens 

seien im Umfang von 2/3 auf die Staatskasse zu nehmen.

5.

Die Kosten des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich auf die 

Staatskasse zu nehmen.

- 4 -

6.

Ziff. 6 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Die Entschädigung 

der amtlichen Verteidigung bis zur Eröffnung des erstinstanzlichen Ur-

teils sei auf Fr. 11'476.90 festzusetzen. 

7.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die 

Staatskasse zu nehmen.

8.

Der Beschuldigte sei für das Berufungsverfahren eine Entschädigung 

gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO in der Höhe von Fr. 2'478.35 zuzu-

sprechen.

b)

Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl: 

(Urk. 53 S. 1, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

- 5 -

 Erwägungen:

I. Verfahren

1.

Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 

5. Oktober 2023 wurde der Beschuldigte entsprechend dem eingangs zitierten Dis-

positiv der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, der Miss-

wirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB sowie der Unterlassung der Buchfüh-

rung  im  Sinne  von  Art. 166  StGB  schuldig  gesprochen  und  mit  einer  bedingten 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– bei einer Probezeit von 2 Jahren sowie 

mit  einer  Busse  von  Fr.  500.–  bestraft.  Im  Weiteren  wurde  über  die  geltend  ge-

machten Zivilforderungen sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen befunden 

(Urk. 41 S. 32 f.).

2.

Der Beschuldigte liess gegen dieses Urteil mit Eingabe vom 16. Oktober 

2023 rechtzeitig die Berufung anmelden (Urk. 34). Nach Erstattung der Berufungs-

erklärung vom 15. April 2024 (Urk. 43) und anschliessender Fristansetzung an den 

Privatkläger und die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (Urk. 46) erklärte Letztere mit 

Eingabe vom 29. April 2024 ihren Verzicht auf eine Anschlussberufung, stellte das 

Begehren um Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und ersuchte um Dispensa-

tion  von  der  Berufungsverhandlung  (Urk. 53).  Der  Privatkläger  liess  sich  derweil 

nicht vernehmen. In der Folge wurde die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 

nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrufen (Urk. 57 + 59), worauf der Ver-

teidiger  mitteilte,  dass  er  den  Beschuldigten  nunmehr  erbeten  vertrete  (Urk.  61). 

Nach erfolgter Entschädigung des Verteidigers für seine amtlichen Aufwendungen 

(Urk. 63) wurde auf den 10. Januar 2025 zur Berufungsverhandlung vorgeladen, 

wobei der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerschaft das persönliche Erschei-

nen freigestellt war (Urk. 65). Zur Berufungsverhandlung erschien schliesslich der 

Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers (Prot. II S. 8).

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II. Formelles

1.

Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-

kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Beschul-

digte verlangte mit seiner Berufungserklärung vom 15. April 2024 einen vollumfäng-

lichen Freispruch und erklärte, der erstinstanzliche Entscheid werde vollumfänglich 

angefochten (Urk. 43 S. 2). Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich ist demzufolge 

in keinem Punkt rechtskräftig geworden, weshalb es in zweiter Instanz unter Be-

achtung des Verschlechterungsverbotes gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO nochmals 

umfassend zu überprüfen ist (vgl. Art. 398 Abs. 2 StPO).

2.

2.1.

Der  Verteidiger  des  Beschuldigten  hat  anlässlich  der  Berufungsverhand-

lung auch die Höhe seines mit Urteil der Vorinstanz für das Vorverfahren und das 

erstinstanzliche  Gerichtsverfahren  festgesetzten  (damals  noch  amtlichen)  Hono-

rars (Urteilsdispositivziffer 6) angefochten (Urk. 71 S. 4 + 8). Gegen die Höhe sei-

ner  Entschädigung  hätte  er  sich  jedoch  in  eigenem  Namen  mit  Beschwerde  zur 

Wehr setzen müssen (Art. 135 Abs. 3 aStPO; vgl. auch BGE 139 IV 199, E. 5.6.), 

nachdem das angefochtene Urteil vom 5. Oktober 2023 datiert und sich die Rechts-

mittelverfahren entsprechend nach den bis zum 31. Dezember 2023 geltenden Be-

stimmungen der Strafprozessordnung richten (Art. 453 Abs. 1 StPO). 

2.2.

Demnach hätte Rechtsanwalt MLaw X._____ die eigene Beschwerde ge-

gen die Festsetzung der Höhe seiner Entschädigung innert 10 Tagen schriftlich und 

begründet  bei  der  Beschwerdeinstanz  (III.  Strafkammer  des  Obergerichtes  des 

Kantons Zürich) einzureichen gehabt, welche die Beschwerde im Falle einer rechts-

gültigen Berufung in der Folge an die Berufungsinstanz zur Behandlung überwie-

sen hätte. Da Rechtsanwalt MLaw X._____ dies unterlassen hat, lief die Frist zur 

Einreichung der Honorarbeschwerde unbenützt ab, weshalb auf die verspätete An-

fechtung der Höhe seiner Entschädigung im Berufungsverfahren nicht einzutreten 

ist. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass im erstinstanzlichen Urteil nur auf 

das  Rechtsmittel  der  Berufung,  nicht  aber  auf  die  zusätzliche  Beschwerde  nach 

- 7 -

Art. 135 Abs. 3 aStPO hingewiesen wurde, kann doch von zugelassenen Rechts-

anwälten entsprechende Gesetzeskenntnis erwartet werden.

3.

3.1.

Mit  Eingabe  vom  24.  April  2024  liess  der  Verteidiger  des  Beschuldigten 

dem  Gericht  ein  Schreiben  mit  dem  Betreff  "Rückzug  Strafantrag  im  Verfahren 

GG230100-L/U"  zukommen,  mit  welchem  er  geltend  machte,  der  Privatkläger 

B._____ habe seinen Strafantrag vom 20. September 2021 unterschriftlich zurück-

gezogen, weshalb das Verfahren betreffend die Körperverletzung einzustellen sei 

(Urk. 49). Weitere Dokumente, welche Aufschluss über das Zustandekommen und 

die Echtheit der auf der Rückzugserklärung angebrachten Unterschrift hätten brin-

gen können, lagen nicht bei. Mit Präsidialverfügung vom 29. April 2024 wurde der 

Privatkläger infolgedessen aufgefordert, schriftlich zum Rückzug seines Strafantra-

ges  Stellung  zu  nehmen  und  namentlich  zu  erklären,  ob  er  das  entsprechende 

Schreiben selbst unterzeichnet habe (Urk. 51). Der Privatkläger hat die Präsidial-

verfügung am 7. Mai 2024 in Empfang genommen (Urk. 52/2), ohne sich indessen 

in der Folge zum Rückzug des Strafantrages vernehmen zu lassen. Im Anschluss 

wurde der Privatkläger mit Präsidialverfügung vom 6. Juni 2024 erneut aufgefor-

dert, sich zu seiner Rückzugserklärung ergänzend vernehmen zu lassen, unter der 

Androhung, dass bei Säumnis davon ausgegangen werde, er sei der Urheber des 

Rückzuges vom 23. April 2024 (Urk. 54), wobei er auch diese Verfügung in Emp-

fang nahm (vgl. Urk. 55/2), ohne indessen eine entsprechende Stellungnahme ab-

zugeben.  In  der  Folge  wurde  der  Staatsanwaltschaft  mit  Präsidialverfügung  vom 

6. Januar  2025  in  Anwendung  von  Art. 329  Abs. 4  StPO  die  Gelegenheit  einge-

räumt, sich zur Frage einer allfälligen teilweisen Einstellung des Verfahrens zu äus-

sern (Urk. 66), wobei die Anklagebehörde auf eine Vernehmlassung verzichtet hat 

(Urk. 68).

3.2.

Trotz  gewisser  Unwägbarkeiten  aufgrund  des  dargelegten  Verlaufes  der 

Rückzugserklärung kann nunmehr rechtsgenügend davon ausgegangen werden, 

dass der Rückzug des Strafantrages gültig zustande gekommen ist. Zum Ersten 

unterliess der Privatkläger eine Rückmeldung über die Urheberschaft der Erklärung 

in voller Kenntnis der ihm diesbezüglich zugestellten Präsidialverfügungen, wobei 

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er bei der zweiten Zustellung ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass im Falle 

seiner Säumnis von seiner Urheberschaft ausgegangen wird. Hätte er bei dieser 

Ausgangslage irgendwelche Einwendungen betreffend die Echtheit der Rückzugs-

erklärung oder die Umstände ihres Zustandekommens gehabt, so wäre zu erwarten 

gewesen, dass er diese spätestens nach Kenntnisnahme der zweiten Gerichtssen-

dung vorgebracht hätte, zumal er dabei etwaige Befürchtungen betreffend allfällige 

ihm  mit  seiner  Einwendung  drohenden  Nachteile  ohne  Weiteres  vorbringen  und 

das  Gericht  um  gegebenenfalls  notwendige  Schutzmassnahmen  hätte  ersuchen 

können. Zum Zweiten ist das Dokument, mit welchem der Rückzug des Strafantra-

ges erklärt wurde, von der Verteidigung offensichtlich vorformuliert worden, welche 

Mitwirkung die Korrektheit des Zustandekommens der Rückzugserklärung zusätz-

lich gewährleistet. Und zum Dritten besteht aufgrund zweier weiterer Vergleichsun-

terschriften, welche der Privatkläger anlässlich der Entgegennahme der Präsidial-

verfügungen  hinterliess,  taugliches  Beweismaterial,  um  die  Echtheit  der  Unter-

schrift des Privatklägers zu verifizieren. Es kann unter diesen Gesamtumständen 

mithin rechtsgenügend angenommen werden, dass der Privatkläger der Urheber 

der im Recht liegenden Rückzugserklärung ist und er sich nach seiner Rückzugs-

erklärung nur deshalb nicht mehr vernehmen liess, weil er mit der Sache bereits 

abgeschlossen und kein Interesse mehr am vorliegenden Verfahren hatte, so dass 

sein Stillschweigen als konkludentes Einverständnis zu werten ist.

3.3. Wird somit von einer gültigen Rückzugserklärung des Privatklägers betref-

fend seinen Strafantrag vom 20. September 2021 ausgegangen, welcher im Übri-

gen  noch  bis  zum  Abschluss  des  Berufungsverfahrens  erklärt  werden  kann  (vgl. 

Art. 33 Abs. 1 StGB), so ist das entsprechende Verfahren wegen einfacher Körper-

verletzung  infolge  Wegfalles  einer  notwendigen  Prozessvoraussetzung  definitiv 

einzustellen und das Urteil der Vorinstanz insoweit aufzuheben (vgl. Art. 329 Abs. 4 

StPO). Im Falle der Einstellung des Verfahrens werden keine damit verbundenen 

Zivilklagen behandelt, doch steht der Privatklägerschaft nach Eintritt der Rechts-

kraft der Zivilweg offen (vgl. Art. 320 Abs. 3 StPO).

4.

Schliesslich  liess  der  Beschuldigte  anlässlich  der  Berufungsverhandlung 

unter Einreichung zweier Dokumente den Beweisantrag stellen, dass die Verfah-

- 9 -

rensakten des eingestellten Strafverfahrens gegen den vormaligen Geschäftsführer 

der C._____ GmbH (D._____) sowie jene des Konkurs- und Strafverfahrens gegen 

E._____ beizuziehen seien. Ebenfalls liess er die Zeugeneinvernahme von Letzte-

rem beantragen (Urk. 69 S. 1 ff.; Urk. 70/1-2). Auf diese Beweisanträge wird soweit 

erforderlich  im  Rahmen  der  nachstehenden  Erwägungen  näher  einzugehen  sein 

(vgl. hinten Ziffern III.2.2.1., 2.2.3.c und 3.2.1.). 

III. Schuldpunkt

1.

Ausgangslage

1.1.

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zü-

rich-Sihl  vom  26.  April  2023  –  soweit  nunmehr  noch  relevant  –  vorgeworfen,  ab 

dem 3. Mai 2018 als Gesellschafter der C._____ GmbH fungiert zu haben und vom 

tt.mm. bis tt.mm. 2020 zusätzlich der Geschäftsführer dieser Gesellschaft gewesen 

zu sein, wobei er in dieser Zeit in arger Nachlässigkeit seine entsprechenden Pflich-

ten verletzt und namentlich trotz begründeter Besorgnis der Überschuldung keine 

Zwischenbilanz  erstellt  oder  die  Bilanz  beim  Konkursrichter  deponiert  habe,  wo-

durch er den Konkurs über die Gesellschaft verschleppt und die Verschlimmerung 

der Vermögenslage der Gesellschaft bewirkt habe, was er zumindest in Kauf ge-

nommen habe. Dass sich das Unternehmen in einer Finanzkrise befunden habe, 

sei  für  den  Beschuldigten  erkennbar  gewesen  bzw.  hätte  für  ihn  erkennbar  sein 

müssen, nachdem seitens der F._____ AG am 3. Mai 2017 (Besorgnisdatum) eine 

Konkursandrohung für die Forderung in der Höhe von Fr. 113'874.55 erfolgt sei und 

auch  hernach  zahlreiche  unbezahlt  gebliebene  Rechnungen  in  der  Gesamthöhe 

von Fr. 82'881.25 aufgelaufen seien (Urk. 21 S. 3 f.).

Darüber hinaus habe sich der Beschuldigte in der besagten Zeit nicht um 

die Buchhaltung der C._____ GmbH gekümmert, wodurch eine aktuelle Buchfüh-

rung des Unternehmens unterblieben sei, so dass der Beschuldigte zu keinem Zeit-

punkt über die finanzielle Situation des Unternehmens Bescheid gewusst habe, wo-

bei er auch diese Umstände zum Schaden der Gläubiger der Gesellschaft zumin-

dest in Kauf genommen habe (Urk. 21 S. 4).

- 10 -

1.2.

Der Beschuldigte hat sich zu diesen Vorwürfen im Rahmen der Ermittlun-

gen und in den beiden gerichtlichen Verhandlungen nicht geäussert, indem er von 

seinem  Aussageverweigerungsrecht  Gebrauch  machte  (vgl.  Urk. D2/2/1  S. 1 ff.; 

Prot. I  S. 9;  Prot. II  S. 11  + 15).  In  der  staatsanwaltschaftlichen  Schlusseinver-

nahme vom 24. Februar 2023 hat er den Vorwurf pauschal in Abrede gestellt (vgl. 

Urk. D1/14/2 S. 9). Es liegt demzufolge kein Geständnis des Beschuldigten vor, so 

dass der relevante Sachverhalt in zweiter Instanz in Nachachtung der allgemeinen 

Grundsätze der Beweiswürdigung nochmals einer genaueren Prüfung zu unterzie-

hen ist.

1.3.

Die Vorinstanz hat sich im Rahmen ihrer Ausführungen zum Sachverhalt 

zu  den  allgemeinen  Grundlagen  der  Sachverhaltserstellung  bereits  geäussert 

(Urk. 41 S. 6 ff.), worauf unter Hinweis auf Art. 82 Abs. 4 StPO grundsätzlich ver-

wiesen werden kann. Die Beweisregel "in dubio pro reo" wurde dabei dahingehend 

konkretisiert, dass diese keine Anwendung finde, wenn der Beschuldigte eine ihn 

entlastende  Behauptung  aufstelle,  ohne  dass  er  diese  in  einem  Mindestmass 

glaubhaft machen könne, womit insofern eine Beweislastumkehr eintrete, als nicht 

jede aus der Luft gegriffene Schutzbehauptung von der Anklagebehörde durch ei-

nen hieb- und stichfesten Beweis widerlegt werden müsse, denn ein solcher sei nur 

zu verlangen, wenn gewisse Anhaltspunkte oder eine natürliche Vermutung für die 

Richtigkeit der Behauptung sprächen oder der Beschuldigte diese sonst wie plau-

sibel machen könne (Urk. 41 S. 6 f.; vgl. auch Urteile 1P.641/2000 vom 24. April 

2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3. + 4. und 6B_562/2010 vom 28. Oktober 

2010, E. 2.1.; Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 8. Februar 2018 

[Nr. SB170406], E. III./2.3. und Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 

11. März  2022  [Nr.  SB210263],  E. III./1.3.1.).  Dazu  ist  mit  der  Verteidigung  (vgl. 

Urk. 71 S. 5) indessen präzisierend festzuhalten, dass entlastende Behauptungen 

des Beschuldigten nur bei einer deutlich belastenden Indizienlage zu erwarten sind 

und dann aufgrund zusätzlicher Anhaltspunkte glaubhaft erscheinen müssen, wäh-

rend bei einer beweislosen Situation der Grundsatz "in dubio pro reo" nach wie vor 

uneingeschränkt  Geltung  erlangt  (vgl.  Urteile  6B_453/2011  vom  20. Dezember 

2011, E. 1.6., 1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3. 

+ 4. sowie 6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010, E. 2.1.; Urteil des Europäischen 

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Gerichtshofes für Menschenrechte [EGMR] vom 8. Februar 1996 in Sachen John 

Murray gegen Grossbritannien, Rz. 47 ff.). Eine solche erklärungsbedürftige Situa-

tion ist grundsätzlich zurückhaltend anzunehmen, liegt aber zumindest dann vor, 

wenn vorhandene Beweismittel einen Schuldspruch nahelegen und im Endeffekt 

keinen anderen Schluss zulassen, als dass der Beschuldigte schweigt bzw. die nö-

tigen entlastenden Angaben nicht macht, weil die belastenden Indizien eben nicht 

anders als mit seiner Schuld zu erklären sind (vgl. EGMR i.S. Murray gegen Gross-

britannien, Rz. 52 für die belastenden Indizien in jenem Fall; vgl. auch TRECHSEL, 

PK StGB, 4. Aufl., S. 359; Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 8. Fe-

bruar 2018 [Nr. SB170406], E. III./2.3.).

2.

Misswirtschaft

2.1.

Einleitung

2.1.1. Den Tatbestand der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB erfüllt, wer 

als  Schuldner  in  anderer  Weise  als  nach  Art. 164  StGB  (Gläubigerschädigung 

durch Vermögensverminderung) durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenü-

gende  Kapitalausstattung,  unverhältnismässigen  Aufwand,  gewagte  Spekulatio-

nen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen von Kredit, Verschleudern von Ver-

mögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung bzw. Vermögens-

verwaltung, seine Überschuldung herbeiführt bzw. verschlimmert, seine Zahlungs-

unfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Ver-

mögenslage verschlimmert, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein 

Verlustschein ausgestellt worden ist. Laut der einschlägigen Rechtsprechung liegt 

eine arg nachlässige Berufsausübung insbesondere dann vor, wenn die gesetzli-

chen Bestimmungen betreffend die Unternehmensführung missachtet worden sind. 

Dazu gehören insbesondere die systematische Vernachlässigung der Rechnungs-

legung oder die Verletzung der Pflicht, im Falle einer Überschuldung den Konkurs-

richter zu benachrichtigen (BGE 144 IV 52, E. 7.3.). Gemäss Art. 725 Abs. 2 aOR 

(als der im anklagegegenständlichen Zeitraum gültigen Fassung; das per 1. Januar 

2023 revidierte Gesellschaftsrecht hat im Übrigen bezüglich der Anwendung des 

Misswirtschaftstatbestandes ohnehin keine wesentlichen Änderungen mit sich ge-

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bracht) muss, wenn begründete Besorgnis einer Überschuldung besteht, eine Zwi-

schenbilanz erstellt und diese einem zugelassenen Revisor zur Prüfung vorgelegt 

werden.  Ergibt  sich  aus  der  Zwischenbilanz,  dass  die  Forderungen  der  Gesell-

schaftsgläubiger  weder  zu  Fortführungs-  noch  zu  Veräusserungswerten  gedeckt 

sind, so ist das Konkursgericht zu benachrichtigen, sofern nicht Gesellschaftsgläu-

biger im Ausmass dieser Unterdeckung im Rang hinter alle anderen Gesellschafts-

gläubiger zurücktreten. Wenngleich Art. 725 Abs. 2 Satz 2 aOR dies nicht explizit 

vorsieht, gewähren Rechtsprechung und herrschende Lehre im Falle reeller Sanie-

rungsaussichten einen Aufschub der Überschuldungsanzeige, so dass diese nicht 

zwangsläufig im Zeitpunkt der erstmaligen Feststellung der Überschuldung erfol-

gen muss (vgl. BGE 132 III 564, E. 5.1.; 127 IV 110, E. 5.a; Urteile 6B_1104/2022 

vom  19. April  2023,  E. 1.1.1.; 6B_985/2016  vom  27. Februar  2017,  E. 4.2.1. und 

6B_1091/2014 vom 24. November 2015, E. 5.; vgl. auch HAGENSTEIN, BSK StGB II, 

4. Aufl., N 33a zu Art. 165 StGB). Mit der Benachrichtigung des Gerichtes darf hin-

gegen nicht zugewartet werden, wenn die ergriffenen Sanierungsmassnahmen den 

Unternehmenszusammenbruch lediglich hinauszögern würden. Darüber hinaus ist 

im Hinblick auf die Erfüllung des Tatbestandes von Art. 165 StGB stets eine Ver-

mögenseinbusse im Sinne einer Gläubigerschädigung erforderlich. Zwischen der 

Bankrotthandlung und der Vermögenseinbusse muss ferner ein hinreichender Kau-

salzusammenhang  bestehen  (Urteil  6B_803/2020  vom  9. Juni  2021,  E. 1.5.1.). 

Schliesslich setzt der subjektive Tatbestand von Art. 165 StGB Vorsatz oder Even-

tualvorsatz  hinsichtlich  der  Bankrotthandlung  voraus  (HAGENSTEIN,  BSK  StGB  II, 

N 69  zu  Art. 165  StGB),  während  in  Bezug  auf  die  Vermögenseinbusse  bereits 

grobe Fahrlässigkeit genügen kann, um die Strafbarkeit zu begründen (BGE 144 

IV  52,  E. 7.3.;  vgl.  zum  Ganzen  auch  Urteil  6B_1104/2022  vom  19. April  2023, 

E. 1.1.1.).

2.1.2.

Infolge der Ausgestaltung des Misswirtschaftstatbestandes als Sonderde-

likt kann Täter ausschliesslich der Schuldner selber oder eines der in Art. 29 StGB 

genannten  Organe  sein,  nicht  aber  ein  beliebiger  Dritter  (vgl.  DONATSCH,  OFK 

StGB, 21. Aufl., N 1 zu Art. 165 StGB). Diesbezüglich wird dem Beschuldigten vor-

geworfen, seit dem 3. Mai 2018 als Gesellschafter und vom tt.mm.- tt.mm. 2020 

zudem als Geschäftsführer der C._____ GmbH fungiert zu haben (Urk. 21 S. 3). 

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Gemäss  dem  einschlägigen  Handelsregisterauszug  übernahm  der  Beschuldigte 

von der GmbH per tt.mm 2018 fünfzig Stammanteile zu Fr. 100.– mit einem Stamm-

kapital von Fr. 30'000.–, ohne die Zeichnungsberechtigung und Geschäftsführung 

der Gesellschaft innezuhaben. Einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer war 

in dieser Zeit D._____, welcher hundert bzw. hundertfünfzig Stammanteile besass. 

Mit Datum vom tt.mm 2020 übernahm der Beschuldigte dann zweihundertfünfzig 

Stammanteile der Gesellschaft als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer, 

wobei  er  indessen  bereits  am  tt.mm  2020  sämtliche  Anteile  und  Funktionen  an 

E._____ übertrug, welcher in der Folge alleine als geschäftsführender Gesellschaf-

ter amtierte (vgl. Urk. D2/3/1). Trotz seiner Stellung als Gesellschafter der C._____ 

GmbH ab dem tt.mm.2018 (mithin nicht wie angeklagt ab dem 3. Mai 2018) befand 

sich der Beschuldigte demzufolge erst vom tt.mm. bis zum tt.mm. 2020 in der Ver-

antwortung im Hinblick auf den streitgegenständlichen Tatbestand (vgl. dazu WEIS-

SENBERGER, BSK StGB I, 4. Aufl., N 14 zu Art. 29 StGB, wo ausdrücklich festgehal-

ten  wird,  dass  die  nicht  geschäftsführenden  Gesellschafter  einer  GmbH  von  der 

Zurechnungsnorm des Art. 29 lit. b StGB ausgenommen sind). 

2.1.3.

Innerhalb des weitverzweigten Straftatbestandes von Art. 165 Ziff. 1 StGB 

wirft  die  Anklägerin  dem  Beschuldigten  in  diesem  Zusammenhang  konkret  vor, 

durch arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung mittels Unterlassung der gebote-

nen Kapitalschutzmassnahmen gemäss Art. 725 Abs. 2 aOR im Bewusstsein der 

Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft deren Vermögenslage 

verschlimmert zu haben (Urk. 21 S. 3 f.). 

2.2. Würdigung

2.2.1. Gemäss dem Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 8. Juli 2022 wurde 

dem vorerwähnten Vorwurf gegen den Beschuldigten aufgrund früherer Ermittlun-

gen gegen E._____ im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Konkursdelikte nach-

gegangen (vgl. Urk. D2/1/1 S. 2). Akten betreffend ein entsprechendes Strafverfah-

ren gegen E._____ befinden sich in casu allerdings keine im Recht, weshalb die 

Vorgeschichte  des  vorliegend  zu  erstellenden  Deliktes  weitgehend  im  Dunkeln 

bleibt. Nachdem E._____ im Rahmen der hiesigen Untersuchung weder persönlich 

befragt noch dem Beschuldigten gegenübergestellt wurde, könnten allfällige Aus-

- 14 -

sagen im gegen ihn geführten Verfahren aber ohnehin nicht gegenüber dem Be-

schuldigten verwendet werden, weshalb der Mehrwert eines nachträglichen Beizu-

ges solcher Akten nicht ersichtlich ist, zumal E._____ in den damaligen Ermittlun-

gen gegen seine Person offenbar auch ansonsten jegliche Kooperation verweigert 

hat (vgl. Urk. D2/1/1 S. 4). Der entsprechende Beweisantrag des Beschuldigten auf 

Beizug der Verfahrensakten des gegen E._____ geführten Konkurs- und Strafver-

fahrens ist mithin auch vor diesem Hintergrund abzuweisen. Als relevante Beweis-

mittel verbleiben im hiesigen Verfahren somit der eingangs erwähnte Rapport der 

Kantonspolizei Zürich vom 8. Juli 2022 (Urk. D2/1/1), soweit den dortigen Feststel-

lungen ein entsprechender Beweiswert zukommt (vgl. Urteil des Obergerichtes des 

Kantons Zürich vom 7. Juni 2024 [SB230579], E. III.1.4.), sowie die in diesem Zu-

sammenhang erhobenen Beilagen, namentlich der Handelsregisterauszug betref-

fend die C._____ GmbH vom tt.mm 2022 (Urk. D2/3/1), der Betreibungsregister-

auszug betreffend die C._____ GmbH für die Zeit vom tt.mm 2017 bis zum tt.mm 

2020 bzw. vom tt.mm 2020 bis zum tt.mm 2021 (Urk. D2/3/2), eine polizeilich er-

stellte Schadensübersicht (Urk. D2/3/3), eine E-Mail der G._____ betreffend Covid-

Kredit  (Urk. D2/3/4)  sowie  eine  Covid-Kreditvereinbarung  vom  27.  März  2020 

(Urk. D2/3/5). Dabei ist aber bereits an dieser Stelle festzuhalten, dass letztere bei-

den Dokumente, welche die vorliegend nicht zu thematisierende Covid-Kreditge-

währung gegenüber dem Beschuldigten beschlagen, nichts Wesentliches zur Er-

stellung des vorliegend relevanten Sachverhaltes beizutragen vermögen, weshalb 

im Folgenden nicht mehr näher auf sie eingegangen wird.

Nicht erhältlich zu machen waren im Verfahren offenbar jegliche Unterla-

gen, welche zur finanziellen Situation der C._____ GmbH für die Jahre 2017 - 2020 

nähere Aufschlüsse zu geben vermöchten. Es ist demzufolge unklar, wie sich die 

Finanzlage (namentlich die Ertrags- und Vermögenslage) der Gesellschaft in dieser 

gesamten Zeit konkret präsentierte. 

2.2.2. Der  Beschuldigte  wurde  zum  anklagegegenständlichen  Vorwurf  erstmals 

rund zwei Jahre nach den ihm angelasteten Handlungen bzw. Unterlassungen am 

8. Juli 2022 befragt (Urk. D2/2/1). Dabei hat er die Aussage zur Sache durchwegs 

verweigert, liess indessen anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung über 

- 15 -

seinen Verteidiger in Abrede stellen, im Zeitpunkt der Übernahme der Geschäfte 

am tt.mm.2020 bzw. in deren Verlauf bis zum tt.mm. 2020 von den eingegangenen 

bzw. eingehenden Betreibungen gewusst zu haben. In der kurzen Zeit seiner Ge-

schäftsführung habe nämlich bereits E._____ die Buchhaltung geführt und die Post 

erledigt, worauf dieser dann die Gesellschaft per tt.mm. 2020 vollständig übernom-

men  habe  (Urk. 31  S. 12 f.).  Im  Weiteren  lässt  der  Beschuldigte  bestreiten,  die 

Schuldenlast der Gesellschaft in der kurzen Zeit seiner Geschäftsführung wissent-

lich und willentlich erhöht zu haben (Urk. 31 S. 13).

Anlässlich der Berufungsverhandlung blieb der Beschuldigte im Wesentli-

chen bei diesem Standpunkt, indem er geltend machen liess, dass zum Zeitpunkt 

seiner Einsitznahme als Endorgan in der inkriminierten Gesellschaft keine begrün-

dete Besorgnis einer Überschuldung bestanden, sondern sich das Geschäft viel-

mehr in gesunder finanzieller Verfassung befunden habe, wobei sich diese Situa-

tion während seines Einsitzes auch nicht verändert habe, zumal die Covid-19-be-

dingten Einschränkungen des Nachtlebens zu jenem Zeitpunkt bereits wieder auf-

gehoben gewesen seien. Ferner liess er erneut darauf hinweisen, dass alle im Tat-

zeitraum  angehobenen  Betreibungen  auf  Forderungen  einer  Betriebsperiode  ba-

sierten, in welcher er die Geschäftsführung (noch) nicht inne gehabt habe (Urk. 71 

S. 6 ff. mit Verweis auf Urk. 70/1-2).

2.2.3.

a)

Es ist nicht zu verkennen, dass der im Recht liegende Polizeirapport vom 

8.  Juli  2022  nebst  einigen  beweisrelevanten  Feststellungen  auch  zahlreiche  An-

nahmen bzw. Vermutungen beinhaltet, welche durch zusätzliche Beweismittel er-

härtet werden müssten, damit die entsprechenden Tatsachen der rechtlichen Wür-

digung zu Grunde gelegt werden könnten. In dieser Hinsicht stehen indessen – wie 

bereits dargelegt – lediglich ein Betreibungsregisterauszug betreffend die inkrimi-

nierte Gesellschaft für den Zeitraum vom 3. Mai 2017 bis 8. Oktober 2020 sowie 

eine behördlicherseits angefertigte Übersicht betreffend den aufgelaufenen Scha-

den als aussagekräftige Dokumente  zur Verfügung, derweil der Handelsregister-

auszug Tatsachen wiedergibt, welche ohnehin unbestritten sind, wie insbesondere 

die  phasenweise  Teilhaberschaft  und  Geschäftsführung  des  Beschuldigten.  Es 

- 16 -

stellt  sich  damit  die  Frage,  ob  das  strittige  Tatsachenfundament  aufgrund  dieser 

dünnen Beweislage rechtsgenügend erstellbar ist.

b)

Was die dem Beschuldigten vorgeworfene Pflichtverletzung hinsichtlich der 

Unterlassung von Kapitalschutzmassnahmen gemäss Art. 725 Abs. 2 aOR betrifft, 

so  fällt  mit  Bezug  auf  das  entsprechende  Besorgnisdatum,  ab  welchem  der  Be-

schuldigte ernsthaft mit einer Überschuldung der Gesellschaft hätte rechnen müs-

sen, auf, dass die Anklage das massgebende Datum mit dem 3. Mai 2017 auf einen 

Zeitpunkt legt, in welchem der Beschuldigte noch gar keinen Einsitz in der Gesell-

schaft und damit auch noch keine Einsicht in die Geschäftsbücher hatte. Noch viel 

weniger  stand  er  zu  diesem  Zeitpunkt  in  der  Verantwortung  im  Hinblick  auf  den 

Misswirtschaftstatbestand,  trat  er  die  Geschäftsführung  der  GmbH  doch  erst  am 

tt.mm.2020, mithin über drei Jahre nach dem inkriminierten Datum an. Inwiefern zu 

jenem Zeitpunkt das Ereignis aus dem Jahr 2017 noch massgebend war, um eine 

Besorgnis  der  Überschuldung  mit  entsprechenden  Handlungspflichten  des  Be-

schuldigten  zu  begründen,  ist  höchst  fraglich,  zumal  gegen  die  damalige  Betrei-

bung der F._____ AG seitens der C._____ GmbH Rechtsvorschlag erhoben wor-

den ist (vgl. Urk. D2/3/2 S. 2) und die näheren Umstände der Forderung bis heute 

gänzlich im Unklaren verblieben sind. 

c)

Eher relevant für eine allenfalls tatbeständliche Pflichtverletzung des Be-

schuldigten  ist  die  Tatsache,  dass  im  Zeitraum  seiner  Geschäftsführung  weitere 

Betreibungen  gegen  die  Gesellschaft  angehoben  worden  sind,  gegen  welche  er 

offenbar nichts unternommen hat. Es handelte sich dabei allerdings – abgesehen 

von einer relativ geringfügigen Forderung der H._____ GmbH – ausschliesslich um 

Forderungen der Steuerbehörden im Gesamtumfang von Fr. 77'310.–, welche am 

22. September und 8. Oktober 2020 geltend gemacht wurden, jedoch offensichtlich 

– wie auch die Verteidigung vorbringt (Urk. 71 S. 7) – in der Zeit vor der Geschäfts-

führung  des  Beschuldigten  fällig  geworden  waren  (vgl.  Urk. D2/3/2  S. 2 f.).  Dass 

der Beschuldigte gegen diese Betreibungen keinen Rechtsvorschlag erhoben hat, 

kann ihm per se nicht zum Vorwurf gemacht werden, zumal wenn er mangels an-

derweitiger Hinweise davon ausging, dass die staatlichen Behörden die Forderun-

gen, welche vor seiner Geschäftsführertätigkeit aufgelaufen waren, rechtmässig in 

- 17 -

Betreibung gesetzt hatten. Eine massgebende Pflichtverletzung wäre indes darin 

zu  sehen,  wenn  der  Beschuldigte  angesichts  dieser  Betreibungen  die  ernsthafte 

Besorgnis einer Überschuldung der Gesellschaft hätte hegen müssen und in der 

Folge keine Kapitalschutzmassnahmen zu Gunsten der Gläubiger des Unterneh-

mens ergriffen hätte. Der Beschuldigte lässt diesbezüglich einwenden, er habe von 

den  Betreibungen  keine  Kenntnis  gehabt,  da  E._____  bereits  in  dieser  Zeit  die 

Buchhaltung für die Gesellschaft besorgt und in diesem Zusammenhang regelmäs-

sig den Briefkasten der Gesellschaft geleert habe (Urk. 31 S. 13). Solcherlei Ein-

wendungen vermögen für sich allein zwar nicht zu verfangen, da sich der Beschul-

digte als Geschäftsführer bei seinem Buchhalter über den Inhalt der eintreffenden 

Post zumindest hätte informieren müssen und dabei auch von den Betreibungen 

Kenntnis erlangt hätte. Wie es sich konkret damit verhält, kann indessen grundsätz-

lich offen bleiben. Entscheidend ist im Zusammenhang mit den streitgegenständli-

chen  Handlungspflichten  des  Beschuldigten  nämlich  vielmehr  auch,  dass  für  die 

tatrelevante Zeit ein nachhaltig schlechter Geschäftsgang der betreffenden Gesell-

schaft nachzuweisen ist, welcher den  Geschäftsführer zwingend hätte animieren 

müssen,  eine  Zwischenbilanz  erstellen  zu  lassen,  um  nachfolgend  allenfalls  die 

Reissleine  zum  Schutz  der  Gläubiger  zu  ziehen,  denn  nur  vor  dem  Hintergrund 

eines derartigen Geschäftsganges vermögen zusätzlich eingehende Betreibungen 

die begründete Besorgnis einer Überschuldung der Gesellschaft zu erwecken, in 

welcher Situation die besagten Kapitalschutzmassnahmen zu ergreifen sind.

Über  einen  nachhaltig  schlechten  Geschäftsgang  der  C._____  GmbH  in 

der tatrelevanten Zeit ist angesichts der spärlichen Aktenlage allerdings nichts Kon-

kretes bekannt. Generell kann aufgrund der früheren Betreibung der F._____ in der 

Höhe von Fr. 113'874.– vom Mai 2017 ein diesbezüglicher Schluss nicht gezogen 

werden, nachdem diese Betreibung im Tatzeitpunkt über drei Jahre zurücklag und 

mit einem Rechtsvorschlag belegt war. Auch die weiteren sporadischen Betreibun-

gen  seit  diesem  Datum  vermögen  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  auf  einen 

konkursträchtigen Geschäftsgang in der Zeit vor der Übernahme der Geschäftsfüh-

rerschaft des Beschuldigten zu liefern, handelte es sich dabei doch nicht um be-

sonders hohe Summen, welche ebenfalls mit einem Rechtsvorschlag belegt waren 

und in der Folge teilweise gar abbezahlt wurden (vgl. Urk. D2/3/2 S. 2). Es recht-

- 18 -

fertigt sich sodann auch nicht aufgrund irgendwelcher übrigen Umstände die An-

nahme, der Beschuldigte habe pflichtvergessen eine konkursite Gesellschaft über-

nommen und diese sehenden Auges weiter in den finanziellen Abgrund geführt. Es 

ist an dieser Stelle vielmehr darauf hinzuweisen, dass aufgrund der Lage des Ver-

kaufsladens der C._____ GmbH mitten in der … der Stadt Zürich mit rund 24-stün-

digem Betrieb durchaus auch Argumente dafür sprechen, dass es sich grundsätz-

lich um ein gut laufendes Geschäft handelte, welches lediglich aufgrund der Pan-

demie in Schieflage geriet, wofür nicht zuletzt auch die Gewährung des Corona-

Kredites vom 27. März 2020 spricht, in dessen Rahmen der erzielte Umsatzerlös 

aus dem Jahr 2019 ohne irgendwelche Beanstandungen mit Fr. 3'674'000.– bezif-

fert wurde (vgl. Urk. D2/3/5). Nicht ganz zu Unrecht verweist die Verteidigung denn 

auch auf die Tatsache, dass die damals am besten über die Geschäftslage orien-

tierte  Person  (E._____)  die  Gesellschaft  wohl  nicht  freiwillig  übernommen  hätte, 

wenn diese ohne Chancen auf Erholung unmittelbar vor dem Konkurs gestanden 

wäre (vgl. Urk. 31 S. 12 f.). Immerhin dauerte es nach der Übergabe der Gesell-

schaft an E._____ denn auch noch über ein Jahr, bevor diese in den Konkurs fiel, 

wobei die Gründe dafür aufgrund der knappen Faktenlage wiederum weitgehend 

im Dunkeln liegen. All dies wird letztlich dadurch untermauert, dass das gegen den 

vormaligen  Geschäftsführer  D._____  wegen  nämlicher  Delikte  geführte  Strafver-

fahren  mit  Verfügung  vom  20. März  2024  eingestellt  wurde,  nachdem  von  der 

Staatsanwaltschaft  unter  anderem  mit  Verweis  auf  die  von  diesem  per  13. April 

2020  erstellte  Zwischenbilanz  keine  begründete  Besorgnis  einer  Überschuldung 

festgestellt werden konnte (Urk. 70/1), was für das vorliegende Verfahren insofern 

von Relevanz ist, als sich daraus ergibt, dass im Zeitpunkt, als die C._____ GmbH 

auf  den  Beschuldigten  übertragen  wurde,  offensichtlich  kein  Bedarf  für  die  Vor-

nahme  von  Schutzmassnahmen  im  Sinne  von  Art.  725  OR  bestanden  hat.  Für 

diese Feststellung kann ohne Weiteres auf die vorgenannte Einstellungsverfügung 

abgestellt werden, ohne dass die gesamten Akten des gegen D._____ geführten 

Strafverfahrens (Unt.-Nr. 2021/20799) beizuziehen wären, zumal sich aus den bei-

gezogenen Akten höchstens etwas zu Gunsten des Beschuldigten ableiten liesse 

und weitere Entlastungsbeweise unter den konkreten Umständen – der Beschul-

digte ist bereits bei gegebener Beweislage von den Vorwürfen der Misswirtschaft 

- 19 -

und der Unterlassung der Buchführung freizusprechen – nicht notwendig erschei-

nen. Der Beweisantrag des Beschuldigten auf Beizug der Verfahrensakten des ge-

gen D._____ geführten Strafverfahrens ist dementsprechend abzuweisen.

Der  Nachweis  der  begründeten  Besorgnis  des  Beschuldigten  betreffend 

die Überschuldung der C._____ GmbH kann aufgrund des vorliegenden Beweis-

fundamentes mithin nicht rechtsgenügend geführt werden. Gemäss dem Polizei-

rapport vom 8. Juli 2022 wurde im Rahmen einer Hausdurchsuchung bei E._____ 

keine Buchhaltung der Gesellschaft gefunden und auch das Konkursamt sei nicht 

in den Besitz einer der Erfordernissen des Obligationenrechtes genügenden Buch-

haltung gekommen (Urk. D2/1/1 S. 4). Was dies mit Bezug auf die Beweislage im 

vorliegenden  Verfahren  genau  heisst,  bleibt  indessen  unklar  und  bedeutet  nicht, 

dass generell keine Geschäftszahlen betreffend die C._____ GmbH vorhanden wa-

ren,  zumal  mit  der  Verteidigung  auch  festzustellen  ist  (Urk. 71  S. 7),  dass  die 

Räumlichkeiten  des  Ladenlokals  an  der  I._____-strasse …  offensichtlich  gar  nie 

durchsucht  wurden.  Entsprechende  Akten  betreffend  das  Konkursverfahren  wur-

den  entgegen  üblicher  Praxis  jedenfalls  nicht  beigezogen,  was  indes  nicht  zum 

Nachteil  des  Beschuldigten  gereichen  darf.  Wurden  aber  im  Zuge  der  gesamten 

Ermittlungen  keinerlei  Geschäftszahlen  betreffend  die  C._____  GmbH  sicherge-

stellt, selbst keine Umsatzabrechnungen gegenüber den Mehrwertsteuerbehörden 

oder anderweitige Aufstellungen über den Geschäftsgang, so lässt sich mit Fug die 

Frage  stellen,  ob  bei  diesem  Untersuchungsergebnis  eine  Anklage  wegen  Miss-

wirtschaft gerechtfertigt war, zumal – wie dargelegt – im Zeitpunkt der Übertragung 

der inkriminierten Gesellschaft auf den Beschuldigten eine Zwischenbilanz vorlag 

und sich daraus keine begründete Besorgnis einer Überschuldung eruieren liess 

(vgl. Urk. 70/1 S. 3).

d)

Angesichts  des  vorstehenden  Befundes  vermöchte  im  Grunde  lediglich 

noch  eine  mangelhafte  Führung  der  Geschäftsbücher  der  C._____  GmbH  eine 

massgebende Pflichtverletzung im Sinne einer argen Nachlässigkeit in der Berufs-

ausübung zu begründen, sofern diese von einem entsprechenden Vorsatz getra-

gen wurde. Eine solche Pflichtverletzung wird dem Beschuldigten im Rahmen des 

Misswirtschaftstatbestandes allerdings nicht konkret vorgeworfen. Und wie im Fol-

- 20 -

genden noch zu zeigen sein wird (vgl. nachstehend Ziffer 3.), lässt sich eine be-

wusste Unterlassung der Buchführung dem Beschuldigten für die Zeit seiner Ge-

schäftsführung  ohnehin  nicht  hinreichend  nachweisen,  weshalb  an  dieser  Stelle 

nicht mehr näher auf diese Sachverhaltsvariante einzugehen ist.

2.2.4. Abgesehen von den bis anhin erörterten Problemen in der Beweisführung 

würde sich für den Fall einer nachgewiesenen Pflichtverletzung des Beschuldigten 

aber auch die Frage stellen, inwiefern diese kausal zu einer Verschlimmerung der 

Vermögenslage der C._____ GmbH führte. Die den in der Anklage genannten Be-

treibungen  zu  Grunde  liegenden  Forderungen  gegenüber  der  Gesellschaft  sind 

zweifellos  bereits  vor  der  Zeit  der  Geschäftsführerschaft  des  Beschuldigten  ent-

standen, weshalb sie im vorliegenden Zusammenhang nicht herangezogen werden 

können. Anderweitige in der Zeit der Geschäftsführerschaft des Beschuldigten auf-

gelaufenen Mittelabflüsse oder Schulden sind sodann nicht eingeklagt und sind bei 

der gegebenen Aktenlage auch nicht ersichtlich. Darüber hinaus wäre für eine kau-

sale  Vermögensverschlimmerung  nach  dem  Austritt  des  Beschuldigten  aus  dem 

Unternehmen in der Anklage zu umschreiben gewesen, inwiefern diese ursächlich 

auf die Handlungen oder Unterlassungen des Beschuldigten zurückzuführen sind, 

was indessen ebenfalls unterlassen worden ist. 

2.2.5. Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass der blosse Umstand, dass 

der  Beschuldigte  während  einer  beschränkten  Zeit  als  Geschäftsführer  der 

C._____ GmbH tätig war und für diese Zeitspanne die Aussage zu seiner konkreten 

Tätigkeit in der Gesellschaft verweigerte, nicht – wie etwa bei einem Fahrzeughal-

ter, der trotz aufgrund der Gesamtumstände belastender Beweislage im Rahmen 

eines Strassenverkehrsdeliktes erklärende Angaben unterlässt – ausreicht, um mit 

rechtsgenügender Sicherheit den Schluss auf ein strafbares Handeln im Rahmen 

eines Konkursdeliktes ziehen zu können. Erforderlich wären vielmehr konkrete In-

dizien,  welche  auf  die  Besorgnis  der  Überschuldung  hinzudeuten  vermöchten, 

ohne  dass  der  Beschuldigte  irgendwelche  Gegenmassnahmen  plausibilisieren 

könnte. Nachdem aber in casu keine einlässlichen polizeilichen Ermittlungen statt-

fanden und eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung des Falles nahezu gänzlich 

unterblieb, fehlen solche konkreten Indizien, weshalb gegenüber dem Beschuldig-

- 21 -

ten getreu dem Grundsatz "in dubio pro reo" in diesem Punkt kein Schuldspruch 

erfolgen kann, zumal ein hinreichender Konnex zwischen einer allfälligen Pflicht-

verletzung  des  Beschuldigten  und  der  Verschlimmerung  der  Vermögenslage  der 

Gesellschaft schon gar nicht rechtsgenügend eingeklagt worden ist. 

3.

Unterlassung der Buchführung

3.1.

Einleitung

3.1.1. Der Schuldner, welcher die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur ordnungs-

gemässen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern oder zur Aufstellung 

einer Bilanz verletzt, so dass ein Vermögensstand nicht oder nicht vollständig er-

sichtlich ist, wird, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder ein Verlustschein aus-

gestellt worden ist, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft 

(Art. 166 StGB). Vorausgesetzt ist auch bei diesem Tatbestand die Schuldnerei-

genschaft  sowie  eine  entsprechende  Buchführungspflicht,  welche  insbesondere 

auch dem Geschäftsführer zukommen kann (vgl. DONATSCH, OFK StGB, N 1 ff. zu 

Art. 166 StGB). In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz oder Eventualvorsatz erforderlich 

(DONATSCH, OFK StGB, N 6 zu Art. 166 StGB).

3.1.2. Der Beschuldigte hat auch in diesem Zusammenhang die Aussage zur Sa-

che verweigert (vgl. Urk. D2/2/1 S. 5 f.; Prot. II S. 15) bzw. den Vorwurf pauschal in 

Abrede gestellt (Urk. D1/14/2 S. 9). Er lässt diesbezüglich geltend machen, wäh-

rend der Zeit seiner Geschäftsführerschaft habe bereits E._____ die Buchhaltung 

der C._____ GmbH geführt und dabei regelmässig die Kassenbuchungen im Laden 

abgeholt. E._____ habe ihm dann auch schon bald angeboten, die Gesellschaft zu 

übernehmen und habe daraufhin sämtliche Schritte für den anschliessenden Un-

ternehmenstransfer in die Wege geleitet (Urk. 31 S. 12). Im Übrigen seien ihm die 

Bücher – wie sich auch aus der eingereichten Einstellungsverfügung vom 20. März 

2024  ergebe  –  bei  Übernahme  der  inkriminierten  Gesellschaft  von  D._____  ord-

nungsgemäss übergeben worden, wobei kein Grund zur Annahme bestehe, dass 

er diese hernach nicht an E._____ weitergegeben habe (Urk. 71 S. 7 f.). 

- 22 -

3.1.3. Dem Beschuldigten wird im Hinblick auf diesen Vorwurf von der Anklage 

konkret angelastet, in Verletzung seiner Pflichten als Geschäftsführer nicht um die 

aktuelle Buchführung der Gesellschaft besorgt gewesen zu sein, namentlich indem 

er sich auch nicht um die Erstellung einer solchen durch Drittpersonen gekümmert 

habe, wodurch für den relevanten Zeitraum eine korrekte Buchhaltung unterblieben 

sei,  was  der  Beschuldigte  zumindest  billigend  in  Kauf  genommen  habe  (Urk.  21 

S. 4).

3.2. Würdigung

3.2.1. Der Beschuldigte macht geltend, in der Zeit seiner Geschäftsführung habe 

E._____ die Buchhaltung der C._____ GmbH besorgt und in diesem Zusammen-

hang  bei  ihm  im  Ladenlokal  regelmässig  die  Kassenzettel  abgeholt,  was  per  se 

nicht  unrealistisch  anmutet,  da  E._____  offenbar  bereits  vor  der  Übernahme  der 

Gesellschaft in deren Geschäfte involviert war und der Beschuldigte als Verkäufer 

offensichtlich keine fundierten Kenntnisse im Bereich des Rechnungslegungsrechts 

besass (vgl. Urk. D1/14/1 S. 15). E._____ wurde im vorliegenden Verfahren nicht 

und  insbesondere  auch  nicht  zur  Frage  seiner  Tätigkeit  bei  der  C._____  GmbH 

einvernommen, weshalb die an sich nicht unplausible Darstellung des Beschuldig-

ten unwiderlegt bleibt. Eine nachträgliche Befragung von E._____ im Rahmen des 

vorliegenden Berufungsverfahrens erscheint sodann nicht erfolgversprechend, da 

nunmehr bereits über drei Jahre seit den inkriminierten Ereignissen verstrichen sind 

und E._____ bis anhin jedwelche Mitwirkung in diesem Fall verweigerte, weshalb 

der entsprechende Beweisantrag des Beschuldigten auch vor diesem Hintergrund 

abzuweisen ist. Konnte der Beschuldigte nach dem Gesagten aber unwiderlegbar 

davon ausgehen, dass die Buchhaltung der von ihm übernommenen Gesellschaft 

durch eine Drittperson (weiter-)geführt wurde, so kann ihm in subjektiver Hinsicht 

weder ein direkter Vorsatz noch eine Inkaufnahme betreffend eine entsprechende 

Pflichtverletzung nachgewiesen werden. Eine sofortige detaillierte Einsichtnahme 

in die Buchhaltung der Gesellschaft im Sinne einer Kontrolle der Rechnungslegung 

musste sich für ihn in der Phase nach dem tt.mm. 2020 im Übrigen nicht aufdrän-

gen, da aktenkundig ist, dass D._____ anlässlich des Verkaufes der Gesellschaft 

an den Beschuldigten eine Zwischenbilanz und Erfolgsrechnung (Zeitraum 1. Ja-

- 23 -

nuar 2020 bis 13. April 2020) erstellt hatte und dannzumal weder ein Geschäftsab-

schluss bevorstand noch für diese Zeit finanzielle Unregelmässigkeiten in der Firma 

aktenkundig sind, die eine Einsicht hätten nahelegen können. Dass im Anschluss 

an den Konkurs der Gesellschaft über ein Jahr nach Aufgabe der Geschäftsführung 

durch den Beschuldigten bei E._____ dann keine Geschäftsbücher gefunden wor-

den sind, muss im Übrigen nicht zwingend bedeuten, dass im vorliegend massge-

benden  Zeitpunkt  tatsächlich  keine  Buchhaltung  geführt  worden  ist,  auch  wenn 

diesbezüglich die konkreten Umstände unklar geblieben sind, zumal aufgrund der 

oben  erwähnten  Zwischenbilanz  durchaus  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass 

eine Buchführung bestand, auch wenn letztlich offen zu bleiben hat, ob diese vom 

Beschuldigten oder von E._____ geführt wurde. Wenn der Beschuldigte schliess-

lich zu all diesen Vorgängen schwieg, weil er womöglich Letzteren nicht belasten 

wollte, so ist dies sein unentziehbares Recht und darf ihm nicht derart belastend 

zum Nachteil gereichen, wie dies die Vorinstanz mit blossem Verweis auf den Po-

lizeirapport  vom  8. Juli  2022  praktiziert  hat,  zumal  der  entsprechende  subjektive 

Sachverhalt in ihrem Entscheid gänzlich unbeleuchtet blieb (vgl. Urk. 41 S. 21). Der 

Beweis,  dass  der  Beschuldigte  in  der  besagten  Zeitspanne  bewusstermassen 

keine Buchhaltung führte bzw. führen liess, kann angesichts der vorstehenden Dar-

legungen mithin nicht mit der hinreichenden Gewissheit geführt werden.

3.2.2. Abgesehen  von  den  nicht  zu  überwindenden  Beweisschwierigkeiten  mit 

Blick  auf  den  objektiven  und  subjektiven  Sachverhalt  wäre  darüber  hinaus  aber 

auch in rechtlicher Hinsicht fraglich, inwiefern eine Unterlassung der Buchführung 

für die Dauer von rund zwei Monaten die Vermögenslage der Gesellschaft derart 

verschleiert hätte, dass sie in der Folge nicht mehr hinreichend rekonstruierbar ge-

wesen wäre, was indessen für die Erfüllung des Buchführungstatbestandes eben-

falls  ein  notwendiges  Kriterium  darstellt  (vgl.  HAGENSTEIN,  BSK  StGB  II,  N  34  zu 

Art. 166 StGB). 

3.2.3. Auch  im  vorliegenden  Zusammenhang  greift  mithin  angesichts  der  rudi-

mentären  Akten-  bzw.  Beweislage  letztlich  der  Grundsatz  "in  dubio  pro  reo",  da 

dem Beschuldigten nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden kann, dass in der 

von ihm zu verantwortenden Zeit vom tt.mm. - tt.mm. 2020 keine Buchhaltung be-

- 24 -

stand bzw. er nicht mit guten Gründen davon ausging, dass eine solche von einer 

Drittperson (namentlich E._____) besorgt wurde, wobei bei einer derart kurzen Ver-

antwortungsdauer auch aus rechtlicher Sicht zu bezweifeln wäre, ob der Beschul-

digte wegen des entsprechend eingeklagten Konkursdeliktes zur Rechenschaft ge-

zogen werden könnte. Der Beschuldigte bleibt demzufolge auch in diesem Punkt 

straflos. 

4.

Fazit

Zusammenfassend ist der Beschuldigte mithin in zweiter Instanz entgegen 

dem  angefochtenen  Urteil  sowohl  vom  Vorwurf  der  Misswirtschaft  im  Sinne  von 

Art. 165 Ziff. 1 StGB als auch vom Vorwurf der Unterlassung der Buchführung im 

Sinne von Art. 166 StGB freizusprechen.

IV.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Grundlagen

1.1.

Bei  einem  Freispruch  oder  einer  Verfahrenseinstellung  sind  die  Kosten 

grundsätzlich  vom  Staat  zu  übernehmen  (Art. 423  StPO).  Eine  ausnahmsweise 

Kostentragung durch den Beschuldigten ist möglich, sofern er die Einleitung des 

Verfahrens  rechtswidrig  und  schuldhaft  bewirkt  oder  dessen  Durchführung  er-

schwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Bei Antragsdelikten können die Verfahrenskos-

ten auch der antragstellenden Person oder der Privatklägerschaft auferlegt werden, 

sofern  diese  die  Einleitung  des  Verfahrens  mutwillig  bewirkt  oder  das  Verfahren 

erschwert haben (Art. 427 Abs. 2 StPO).

1.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind den Parteien nach Massgabe ih-

res  Obsiegens  und  Unterliegens  aufzuerlegen  (Art.  428  Abs.  1  StPO).  Inwiefern 

eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt insbeson-

dere davon ab, in welchem Ausmass ihre in zweiter Instanz gestellten Anträge gut-

geheissen werden (Urteil 6B_1344/2019 vom 11. März 2020, E. 2.2.). Ausnahmen 

von der allgemeinen Kostenregelung sind gemäss Art. 428 Abs. 2 StPO für jene 

- 25 -

Fälle vorgesehen, in denen die Voraussetzung für das Obsiegen erst im Rahmen 

des Weiterzuges geschaffen oder der angefochtene Entscheid in diesem Stadium 

nur unwesentlich abgeändert wurde.

2.

Beurteilung

2.1.

Die  erstinstanzliche  Kostenfestsetzung  inklusive  der  Entschädigung  der 

amtlichen Verteidigung (Dispositivziffern 6 und 7) entspricht den gesetzlichen Vor-

schriften und ist zu bestätigen, nachdem wie erwogen auf die Anfechtung der Höhe 

des  Honorars  der  amtlichen  Verteidigung  nicht  einzutreten  ist  (vgl.  vorne  Zif-

fer II.2.).  Angesichts  des  heutigen  Ausganges  des  Verfahrens  sind  die  entspre-

chenden Kosten definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen, da weder dem Beschul-

digten noch dem Privatkläger vorgeworfen werden kann, das Verfahren schuldhaft 

verursacht oder dessen Durchführung erschwert zu haben.

2.2.

Sodann fällt zufolge der heutigen Einstellung des Verfahrens bzw. des heu-

tigen Freispruches des Beschuldigten die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfah-

ren ausser Ansatz. Angesichts des frühen Rückzuges des Strafantrages, welcher 

dem Berufungsgericht massgebliche Aufwendungen in der Sache in diesem Punkt 

ersparte, wird der Privatkläger auch in zweiter Instanz nicht kostenpflichtig. Die wei-

teren Kosten des Berufungsverfahrens bestehend in den Aufwendungen für die an-

fängliche  amtliche  Verteidigung  in  der  Höhe  von  Fr.  1'911.90  (inkl.  MWST)  (vgl. 

Urk. 63 S. 2) sind demzufolge definitiv von der Staatskasse zu tragen.

2.3.

Ausgangsgemäss ist dem Beschuldigten für seine Aufwendungen betref-

fend die spätere erbetene Verteidigung im Berufungsverfahren eine angemessene 

Entschädigung zu bezahlen (vgl. Art. 429 Abs. 1 StPO). Der Verteidiger reichte mit 

Eingabe vom 10. Januar 2025 eine entsprechende Honorarnote für die erbetene 

Vertretung  des  Beschuldigten  ein,  deren  Höhe  nicht  zu  beanstanden  ist  (vgl. 

Urk. 72). Es rechtfertigt sich mithin unter Berücksichtigung des tatsächlichen Auf-

wandes im Zusammenhang mit der Berufungsverhandlung, den Beschuldigten für 

das zweitinstanzliche Verfahren mit insgesamt Fr. 2'500.– (inkl. 8.1 % MWST) aus 

der Gerichtskasse zu entschädigen. 

- 26 -

Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren betreffend den Vorwurf der einfachen Körperverletzung (Dos-

sier 1) wird definitiv eingestellt.

2.

Der Beschuldigte A._____ wird von den Vorwürfen der Misswirtschaft im 

Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB und der Unterlassung der Buchführung im 

Sinne von Art. 166 StGB (Dossier 2) freigesprochen.

3.

Der Privatkläger B._____ wird mit seinen Schadenersatz- und Genugtuungs-

forderungen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

4.

5.

Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Disp.-Ziff. 6 und 7) wird bestätigt.

Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, 

einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die Ge-

richtskasse genommen.

6.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die Kosten der frü-

heren amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichtskasse genom-

men.

7.

Dem Beschuldigten wird für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädi-

gung von Fr. 2'500.– für die erbetene Verteidigung aus der Gerichtskasse 

zugesprochen.

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

den Privatkläger B._____

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 
dem Privatkläger nur zugestellt, sofern er dies innert 10 Tagen nach 
Erhalt des Dispositivs verlangt.)

- 27 -

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

den Privatkläger B._____ (falls verlangt)

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten ge-
mäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 42.

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-

gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

- 28 -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 10. Januar 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichter lic. iur. Spiess

MLaw Brülisauer