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**Case Identifier:** bcbb8b7f-7a4b-5585-9f98-34e5318debf2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2020 BVGE 2020 VI/3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2020-VI-3_2020-09-21.pdf

## Full Text

2020 VI/3 Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 

 

 

30 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2020 VI/3 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i. S. A. gegen Bundesverwaltungsgericht 
E–4616/2019 vom 21. September 2020 

Dublin-Verfahren. Wiederaufnahme eines abgeschriebenen Be-

schwerdeverfahrens. Grundsatzurteil. 

Art. 35a AsylG. Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO. 

1. Die in Art. 35a AsylG sowie Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO sta-
tuierte Pflicht zur Wiederaufnahme abgeschriebener Dublin-

Verfahren bezieht sich auf erstinstanzliche Verfahren. Die Bestim-

mungen sind auf Beschwerdeverfahren vor Bundesverwaltungs-

gericht nicht anwendbar (E. 2.2 ff.). 

2. Kein bedingungsloser Anspruch auf Wiederaufnahme eines recht-
mässig abgeschriebenen Asylbeschwerdeverfahrens. Im Dublin-

Kontext haben dafür beachtliche Gründe vorzuliegen. Zur Beant-

wortung der Frage ist auf die bisherige Praxis abzustellen, welche 

eine Wiederaufnahme insbesondere bei Abschreibungen infolge 

von Willensmängeln oder Irrtümern bejaht (E. 2.1, 3.3 und 3.5). 

Procédure Dublin. Réouverture d'une procédure de recours radiée du 

rôle. Arrêt de principe. 

Art. 35a LAsi. Art. 18 al. 2 règlement Dublin III. 

1. L'obligation fixée aux art. 35a LAsi et art 18 al. 2 règlement 
Dublin III de rouvrir les procédures Dublin radiées du rôle se ré-

fère aux procédures de première instance. Les dispositions ne sont 

pas applicables aux procédures de recours devant le Tribunal ad-

ministratif fédéral (consid. 2.2 ss). 

2. Aucun droit inconditionnel à la réouverture d'une procédure de 
recours en matière d'asile radiée du rôle à juste titre. Dans le 

contexte Dublin, un tel acte présuppose l'existence de motifs sé-

rieux. La question doit alors être examinée à la lumière de la pra-

tique actuelle qui admet la réouverture d'une procédure notam-

ment lorsque la radiation se base sur un vice du consentement ou 

sur des erreurs (consid. 2.1, 3.3 et 3.5). 

Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 2020 VI/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 31 

 

Procedura Dublino. Ripresa di una procedura di ricorso stralciata. 

Sentenza di principio. 

Art. 35a LAsi. Art. 18 par. 2 Regolamento Dublino III. 

1. L'obbligo di ripresa delle procedure Dublino stralciate, previsto 
agli art. 35a LAsi e art. 18 par. 2 del Regolamento Dublino III, si 

riferisce alle procedure di prima istanza. Si tratta di disposizioni 

inapplicabili alle procedure di ricorso dinanzi al Tribunale ammi-

nistrativo federale (consid. 2.2 segg.). 

2. Nessun diritto incondizionato alla ripresa di una procedura di ri-
corso in materia d'asilo legittimamente stralciata. Nel contesto 

Dublino, la ripresa presuppone l'esistenza di serie ragioni. Per ri-

spondere a questa domanda occorre fondarsi sulla prassi sin qui 

applicata, che ammette la ripresa in particolare nei casi in cui lo 

stralcio è imputabile a un vizio della volontà o a errori (consid. 2.1, 

3.3 e 3.5). 

 

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E–4922/2018 vom 

30. August 2018 auf die Beschwerde des Gesuchstellers nicht eingetreten 

war, ordnete es auf dessen Ersuchen mit Urteil E–5128/2018 vom 17. Sep-

tember 2018 revisionsweise die Wiederaufnahme des Beschwerdever-

fahrens an. Aufgrund der Mitteilung der zuständigen kantonalen Behörde, 

der Gesuchsteller sei seit dem 30. September 2018 unbekannten Aufent-

haltes, forderte die Instruktionsrichterin den Rechtsvertreter des Gesuch-

stellers auf, innert Frist eine aktuelle und vom Gesuchsteller unter-

zeichnete Erklärung einzureichen, aus welcher dessen fortbestehendes 

Rechtsschutzinteresse sowie der derzeitige Aufenthaltsort hervorgehe. Der 

Rechtsvertreter erklärte in der Folge, der Aufenthalt des Gesuchstellers sei 

nach wie vor unbekannt und Bemühungen um Kontaktaufnahme seien 

erfolglos geblieben, weshalb davon auszugehen sei, der Gesuchsteller 

habe kein Rechtsschutzinteresse mehr. Daraufhin schrieb das Gericht das 

Beschwerdeverfahren mit Abschreibungsentscheid E–6312/2018 vom 

30. November 2018 als gegenstandslos ab. In der Zwischenzeit hatte der 

Gesuchsteller am 24. September 2018 ein Asylgesuch in Deutschland ge-

stellt. Am 10. Januar 2019 ersuchte er ferner in Luxemburg um Asyl. Am 

16. Januar 2019 sowie am 31. Juli 2019 wurde er von Deutschland in die 

Schweiz überstellt. Mit Eingabe vom 11. September 2019 ersuchte der Ge-

suchsteller beim Gericht um Wiederaufnahme des am 30. November 2018 

abgeschriebenen Beschwerdeverfahrens. 

2020 VI/3 Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 

 

 

32 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Aus den Erwägungen: 

2.  
2.1 Ein Abschreibungsentscheid kann auf Gesuch hin aufgehoben 
und das ursprüngliche Beschwerdeverfahren durch das Gericht wieder 

aufgenommen werden, insbesondere wenn das vorangegangene Verfahren 

infolge einer auf Willensmängeln beruhenden Rückzugserklärung der 

Partei (vgl. Urteil des BVGer D–1424/2019 vom 23. Mai 2019 E. 3.1, 

unter Hinweis auf die langjährige Praxis) oder irrtümlich als Folge von 

unzutreffenden Informationen oder von Fehlinterpretationen als gegen-

standslos abgeschrieben wurde (vgl. dazu Urteil des BVGer D–2608/2016 

vom 6. Mai 2016 S. 5 m.w.H.). 

2.2 Im Rahmen von Dublin-Verfahren sind besondere Bestimmun- 
gen – insbesondere jene der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 

Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in 

einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zustän-

dig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-

III-VO) – anwendbar. Das Dublin-System basiert auf dem Grundsatz, dass 

nur ein einziger Mitgliedstaat ein Asylgesuch zu prüfen hat. Entsprechend 

verpflichtet Art. 18 Abs. 1 Bst. a–d Dublin-III-VO den zuständigen Mit-

gliedstaat, einen Gesuchsteller aufzunehmen (Bst. a), oder, wenn er 

während der Prüfung seines Antrags (Bst. b) oder nach Rückzug desselben 

(Bst. c) oder nach Erhalt eines negativen Entscheids (Bst. d) einen Antrag 

in einem anderen Mitgliedstaat stellt oder sich im Hoheitsgebiet eines 

anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, ihn wieder aufzuneh-

men. Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO enthält zudem verschiedene Rechts- 

beziehungsweise Verfahrensgarantien, indem die Bestimmung den zustän-

digen Mitgliedstaat verpflichtet, den Antrag auf internationalen Schutz 

abschliessend zu prüfen (Unterabs. 1), dem Gesuchsteller bei Rückzug 

seines Asylgesuchs das Recht einräumt, die Fortsetzung der Prüfung zu 

beantragen beziehungsweise ein neues Gesuch einzureichen (Unterabs. 2) 

sowie gegen einen abschlägigen Entscheid einen wirksamen Rechtsbehelf 

vorschreibt (Unterabs. 3). Aufgrund dieser Vorgaben sieht Art. 35a AsylG 

(SR 142.31) vor, dass Asylverfahren, für welche die Schweiz aufgrund der 

Dublin-III-VO zuständig ist, wieder aufzunehmen sind, und zwar auch 

dann, wenn das Asylgesuch zuvor abgeschrieben wurde. 

Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 2020 VI/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 33 

 

2.3 In systematischer Hinsicht steht Art. 35a AsylG unter dem dritten 
Abschnitt des zweiten Kapitels des Asylgesetzes, welcher das erstinstanz-

liche Verfahren regelt. Es ist demnach zu prüfen, ob die Pflicht zur Wieder-

aufnahme, wie sie in der Dublin-III-VO beziehungsweise in Art. 35a 

AsylG statuiert ist, auch auf das Beschwerdeverfahren Anwendung findet. 

3.  
3.1 Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO sowie Art. 35a AsylG sollen dem 
Asylgesuchsteller den effektiven Zugang zum Asylverfahren gewährleis-

ten (vgl. auch E. 5 Dublin-III-VO) und insbesondere sicherstellen, dass die 

Prüfung des Asylgesuchs abschliessend erfolgt. Die Wiederaufnahme des 

Verfahrens soll auf Antrag des Gesuchstellers auch dann erfolgen, wenn er 

das ursprüngliche Asylgesuch zurückgezogen hat oder während des Asyl-

verfahrens untergetaucht ist (vgl. Botschaft vom 7. März 2014 über die 

Genehmigung und die Umsetzung der Notenaustausche zwischen der 

Schweiz und der EU betreffend die Übernahme der Verordnungen [EU] 

Nr. 603/2013 und [EU] Nr. 604/2013 [Weiterentwicklungen des Dublin/ 

Eurodac-Besitzstands], BBl 2014 2675, 2708 f., nachfolgend: Botschaft 

Notenaustausch; Urteil des BVGer D–1424/2019 vom 23. Mai 2019 E. 3.4 

m.w.H.). Insofern räumen die genannten Bestimmungen dem Asylgesuch-

steller einen « uneingeschränkten Anspruch » auf Wiederaufnahme in dem 

Sinne ein, dass diese grundsätzlich auch zu erfolgen hat, wenn der Be-

schwerdeführer keinen Willensmängeln unterlag (vgl. E. 2.1), also selbst 

bei widersprüchlichem oder gegen die Mitwirkungspflicht (vgl. insb. 

Art. 8 Abs. 3 AsylG) verstossendem Verhalten seinerseits. Aus dem Kon-

zept der « uneingeschränkten » Wiederaufnahme ergibt sich freilich ein 

gewisses Spannungsverhältnis zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen des 

Handelns nach Treu und Glauben sowie dem Rechtsmissbrauchsverbot, 

insbesondere wenn es dem Gesuchsteller ohne nachteilige Rechtsfolge er-

möglicht, sich über innerstaatliche Auflagen, wie beispielsweise betref-

fend den Aufenthaltsort, hinwegzusetzen oder nach Belieben Asylverfah-

ren in anderen Mitgliedstaaten einzuleiten, mithin sogenanntes « asylum 

shopping » zu betreiben (vgl. dazu Urteil des BVGer E–6557/2011 vom 

17. Januar 2012 E. 6.1 m.w.H.). Diese dem Asylsuchenden durch das 

Dublin-System gewährte Rechtswohltat steht zudem in Kontrast zu der 

vom Schweizer Gesetzgeber im Jahr 2014 eingeführten Bestimmung von 

Art. 8 Abs. 3bis AsylG, nach welcher bei Verletzung der Mitwirkungs-

pflicht beziehungsweise im Falle des Untertauchens das Verfahren 

formlos abgeschrieben wird und während drei Jahren keine erneute Ver-

fahrenseinleitung möglich sein soll. Im Zusammenhang mit der späteren 

Einführung von Art. 35a AsylG im Jahr 2015 wurde festgehalten, dass die 

2020 VI/3 Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 

 

 

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Pflicht zur Wiederaufnahme im Sinne dieser Bestimmung nur für Dublin-

Fälle gelte (vgl. Botschaft Notenaustausch, BBl 2014 2675, 2698; zur Pro-

blematik der Vereinbarkeit von Art. 8 Abs. 3bis AsylG mit den rechtlichen 

Vorgaben der Dublin-III-VO sowie Art. 35a AsylG ferner SERAINA 

NUFER, ASYL 2014/2 S. 8). 

3.2 Einen ersten Hinweis auf die Frage, ob die « uneingeschränkte » 
Wiederaufnahme (im vorstehend beschriebenen Sinne) auch für das ge-

richtliche Beschwerdeverfahren gelten soll, liefert Art. 18 Abs. 2 Unter-

abs. 2 Dublin-III-VO, welcher die Wiederaufnahme des Verfahrens im 

Falle eines vorausgegangenen Rückzugs des Asylantrags regelt. Gemäss 

dieser Bestimmung ist das Verfahren nur dann wieder aufzunehmen, wenn 

in der Sache aufgrund des Rückzugs in erster Instanz noch kein Entscheid 

ergangen ist. Die Pflicht zur abschliessenden materiellen Prüfung des An-

trags und damit der Anspruch auf Wiederaufnahme besteht gemäss dieser 

Bestimmung demzufolge nur im Zusammenhang mit erstinstanzlichen 

Verfahren. Der Wortlaut der Bestimmung legt somit den Schluss nahe, 

dass der « uneingeschränkte » Anspruch auf Verfahrenswiederaufnahme 

für zweitinstanzliche Verfahren in dieser Form nicht besteht. Daraus ist 

ferner zu schliessen, dass sich sämtliche Konstellationen von Art. 18 

Abs. 2 Dublin-III-VO, in welchen die Pflicht zum Verfahrensabschluss 

beziehungsweise zur Verfahrensfortführung enthalten ist, nur auf das erst-

instanzliche Verfahren beziehen. Es erhellt nicht, weshalb sich die ersten 

beiden Unterabs. von Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO diesbezüglich unter-

scheiden sollten. Insbesondere gibt es keinen ersichtlichen Grund, weshalb 

im Fall des Stellens eines Asylantrags in einem anderen Mitgliedstaat 

während des hängigen Verfahrens im zuständigen Mitgliedstaat bezie-

hungsweise im Fall des Verlassens des zuständigen Mitgliedstaats 

während des hängigen Verfahrens (Art. 18 Abs. 2 Unterabs. 1 i.V.m. 

Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO) sich die « uneingeschränkte » Pflicht 

zur Verfahrensfortführung beziehungsweise Verfahrenswiederaufnahme 

auch auf zweitinstanzliche Verfahren erstrecken soll, während dies in der 

Konstellation, wo (zusätzlich) der Asylantrag formell zurückgezogen 

wird, ausdrücklich nicht gilt (Art. 18 Abs. 2 Unterabs. 2 Dublin-III-VO 

i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. c). 

Des Weiteren wird das Rechtsmittelverfahren erst in Art. 18 Abs. 2 Unter-

abs. 3 Dublin-III-VO erwähnt, welcher für den Fall eines abschlägigen 

materiellen Asylentscheids einen wirksamen Rechtsbehelf vorschreibt. 

Die konkrete Ausgestaltung dieses Rechtsbehelfs ist jedoch nicht in der 

Dublin-III-VO geregelt, sondern in Art. 46 der Richtlinie 2013/32/EU des 

Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 2020 VI/3 

 

 

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Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zu gemein-

samen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internatio-

nalen Schutzes (Neufassung) ABl. L 180/60 vom 29.6.2013 (nachfolgend: 

Asylverfahrensrichtlinie), auf welche Art. 18 Abs. 2 Unterabs. 3 Dublin-

III-VO verweist. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass 

Art. 27 Dublin-III-VO (« Rechtsmittel ») auf die hier interessierenden 

Konstellationen nicht anwendbar ist, da sich dieser Artikel (wie auch die 

E. 19 der Verordnung) auf Überstellungsentscheide bezieht. Die prozes-

sualen Vorgaben, wie der « wirksame Rechtsbehelf » im Sinne von Art. 18 

Abs. 2 Unterabs. 3 Dublin-III-VO auszugestalten ist, ergeben sich demge-

mäss aus der Asylverfahrensrichtlinie und nicht direkt aus der Dublin-III-

VO selbst. Auch wenn die Asylverfahrensrichtlinie für die Schweiz nicht 

verbindlich ist (vgl. Botschaft vom 3. September 2014 zur Genehmigung 

der Vereinbarung zwischen der Schweiz und der EU zur Festlegung der 

Modalitäten der Beteiligung der Schweiz am Europäischen Unterstüt-

zungsbüro für Asylfragen [EASO], BBl 2014 6915, 6918 f.), lässt sie den-

noch Rückschlüsse auf die Intentionen des Dublin-III-Verordnungsgebers 

bezüglich der Ausgestaltung der Verfahrenswiederaufnahme (im hier in-

teressierenden Sinne) zu, welchen nicht zuletzt auch aufgrund der in 

Art. 113 AsylG festgehaltenen Harmonisierungsbestrebungen Rechnung 

zu tragen ist. 

Art. 46 Asylverfahrensrichtlinie definiert die Anforderungen an einen 

« wirksamen Rechtsbehelf » im Sinne von Art. 18 Abs. 2 Unterabs. 3 

Dublin-III-VO. Unter anderem sieht die Bestimmung die Möglichkeit vor, 

den Entscheid einer Asylbehörde, ein eingestelltes Asylverfahren nicht 

wieder aufzunehmen, mit einem Rechtsmittel gerichtlich anzufechten (vgl. 

Art. 46 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 27 und Art. 28 Asylverfahrensrichtlinie). 

Dabei definiert die Richtlinie « Asylbehörde » als gerichtsähnliche Behör-

de oder Verwaltungsstelle, welche erstinstanzliche Entscheidungen erlässt 

(vgl. Art. 2 Bst. f Asylverfahrensrichtlinie). Die Asylverfahrensrichtlinie 

sieht demgemäss zwar einen Rechtsschutz für negative Wiederaufnah-

meentscheide durch die erstinstanzlichen Asylbehörden vor, jedoch kann 

der Richtlinie nicht entnommen werden, ein wirksamer Rechtsbehelf bein-

halte für zweitinstanzliche Verfahren zwingend die Rechtswohltat einer 

« uneingeschränkten » Pflicht zur Wiederaufnahme, wie sie in Art. 18 

Abs. 2 Dublin-III-VO für erstinstanzliche Verfahren vorgesehen ist. 

In diesem Zusammenhang ist ergänzend festzuhalten, dass sich auch aus 

dem Recht auf eine wirksame Beschwerde im Sinne von Art. 13 EMRK 

2020 VI/3 Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 

 

 

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kein Anspruch auf eine « uneingeschränkte » Wiederaufnahme eines Asyl-

beschwerdeverfahrens entnehmen lässt. Im Urteil des Europäischen 

Gerichtshofs für Menschenrechte B.M. gegen Griechenland vom 19. De-

zember 2013, 53608/11, wurde in der Abschreibung des Asylbeschwerde-

verfahrens infolge Fernbleibens des Gesuchstellers keine Verletzung von 

Art. 13 EMRK erblickt beziehungsweise wurde ein Anspruch auf Wieder-

aufnahme des Beschwerdeverfahrens weder festgestellt noch erwähnt. 

Schliesslich lässt sich weder der allgemeinen Justizgewährleistungspflicht 

im Sinne von Art. 29 BV noch der in Art. 29a BV statuierten Rechts-

weggarantie – welche im Kern den Zugang zu einem Gericht gewähr- 

leistet – eine Verpflichtung entnehmen, Gerichte hätten rechtskonform 

abgeschriebene Asylbeschwerdeverfahren auf Antrag des Asylsuchenden 

grundsätzlich und ohne Weiteres, mithin auch in Ermanglung besonderer 

Umstände, wieder aufzunehmen. 

3.3 Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass sich der Dublin-
III-VO (inkl. der Asylverfahrensrichtlinie) sowie dem ihr übergeordneten 

Recht nicht entnehmen lässt, dass gerichtlich eingestellte beziehungsweise 

abgeschriebene Asylbeschwerdeverfahren auf Antrag des Gesuchstellers 

ohne Weiteres wieder aufgenommen werden müssten. Das Konzept der 

« uneingeschränkten » Pflicht zur Wiederaufnahme im Sinne von Art. 18 

Abs. 2 Dublin-III-VO wurde durch den Bundesgesetzgeber denn auch 

lediglich im zweiten Kapitel des Asylgesetzes « Asylsuchende » (in der 

Form von Art. 35a AsylG) unter dem dritten Abschnitt « Das erstin-

stanzliche Verfahren » verankert. Im achten Kapitel unter dem zweiten Ab-

schnitt « Beschwerdeverfahren auf Bundesebene » nahm er jedoch keine 

entsprechende Bestimmung auf. Es ist somit festzuhalten, dass Art. 18 

Abs. 2 Dublin-III-VO sowie Art. 35a AsylG sicherstellen, dass das Asyl-

gesuch beziehungsweise der Antrag auf internationalen Schutz zumindest 

einmal eine vollständige Prüfung durchläuft und ein abgeschriebenes 

erstinstanzliches Asylverfahren wieder aufzunehmen ist, ohne dass dafür 

besondere rechtfertigende Umstände (beachtliche Willensmängel beim 

Gesuchsteller, Irrtümer aufseiten der Behörde etc.) vorliegen müssten, was 

unter anderem mit den möglicherweise auf dem Spiel stehenden 

Rechtsgütern zu rechtfertigen sein mag. Für die Verfahren vor Beschwer-

deinstanzen sehen jedoch weder die Dublin-III-VO mit ihren Nebener-

lassen, das ihnen übergeordnete Recht noch das innerstaatliche Recht 

einen entsprechenden « uneingeschränkten » Anspruch auf Wiederauf-

nahme vor. 

Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 2020 VI/3 

 

 

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3.4 Als Ergänzung bleibt in diesem Zusammenhang zu erwähnen, 
dass das Staatssekretariat für Migration durch seine Zustimmung zur 

Aufnahme beziehungsweise Wiederaufnahme im Sinne von Art. 18 Abs. 1 

Dublin-III-VO keine Zusicherung zuhanden der Mitgliedstaaten abgibt, es 

werde ein abgeschriebenes Beschwerdeverfahren wieder aufgenommen. 

Es anerkennt damit jeweils nur die Pflicht der Schweiz, den Gesuchsteller 

in ihrem Hoheitsgebiet (wieder) aufzunehmen. Die Verfahrensherrschaft 

der Beschwerdeinstanz wird dadurch nicht tangiert. 

3.5 Aufgrund des vorstehend Ausgeführten ist festzuhalten, dass die 
Dublin-III-VO und Art. 35a AsylG lediglich auf erstinstanzliche Asylver-

fahren anwendbar sind. Die Wiederaufnahme von Asylbeschwerdever-

fahren beurteilt sich dagegen allein nach der unter E. 2.1 beschriebenen 

Praxis (vgl. E. 4). 

4.  
4.1 Den Verfahrensakten ist zu entnehmen, dass sich der Gesuch-
steller am 23. September 2018 – nachdem das Bundesverwaltungsgericht 

sein Revisionsgesuch mit Urteil vom 17. September 2018 gutgeheissen 

und das Beschwerdeverfahren wieder aufgenommen hatte – zwecks Asyl-

gesuchstellung nach Deutschland begab. Später reiste er nach Luxemburg, 

wo er ebenfalls ein Asylgesuch stellte, und kehrte anschliessend nach 

Deutschland zurück. Am 16. Januar 2019 wurde er von den deutschen 

Behörden in die Schweiz überstellt. Kurz darauf begab er sich wieder nach 

Deutschland, wo er am 14. Februar 2019 erneut um Asyl nachsuchte. Am 

31. Juli 2019 wurde er wieder in die Schweiz überstellt, wo er am 11. Sep-

tember 2019 um Wiederaufnahme des vom Bundesverwaltungsgericht am 

30. November 2018 abgeschriebenen Beschwerdeverfahrens ersuchte. 

Insgesamt hielt er sich rund neun Monate lang im Ausland auf. 

4.2 In der Rechtsmitteleingabe erklärt der Gesuchsteller, er habe 
während seines Aufenthaltes in Deutschland erfahren, dass B. in C. gestor-

ben sei. Der Rest der Familie habe sich aufgrund von Problemen mit der 

D. im August 20(…) gezwungen gesehen, nach E. auszureisen. Aufgrund 

seiner Wiedereinreise in die Schweiz sowie des dargelegten Schicksals 

seiner Angehörigen bestehe weiterhin ein schutzwürdiges Interesse an der 

Weiterführung seines Beschwerdeverfahrens. 

4.3 Im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht hat sich ein Asylgesuch-
steller während des Verfahrens den Behörden von Bund und Kanton zur 

2020 VI/3 Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 

 

 

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Verfügung zu halten und seine Adresse und jede Änderung der nach kanto-

nalem Recht zuständigen Behörde des Kantons oder der Gemeinde sofort 

mitzuteilen (Art. 8 Abs. 3 AsylG). 

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E–5128/2018 das Be-

schwerdeverfahren wieder aufgenommen hatte, reiste der Gesuchsteller 

nur sechs Tage später, am 23. September 2018, nach Deutschland. Da-

durch verletzte er seine Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 Abs. 3 AsylG, 

weil er den zuständigen Behörden nicht mehr zur Verfügung stand. Zwar 

war die Vorinstanz aufgrund der Mitteilung der deutschen Behörden ab 

dem 10. Oktober 2018 darüber im Bilde, dass sich der Gesuchsteller in 

Deutschland aufhielt, jedoch hatte er per 16. November 2018 keinen 

Kontakt mehr zu seinem Rechtsvertreter, weshalb das Bundesverwal-

tungsgericht davon ausgehen durfte, er habe an der Fortführung seines 

Verfahrens in der Schweiz kein Interesse mehr. Die Abschreibung des 

Beschwerdeverfahrens durch das Gericht war somit die direkte Folge des 

Verhaltens des Gesuchstellers und nicht das Resultat unzutreffender Infor-

mationen oder behördlicher Fehlinterpretationen. Das Beschwerdever-

fahren wurde somit zu Recht abgeschrieben. 

Weiter bringt der Gesuchsteller keine Umstände vor, welche für einen be-

achtlichen Willensmangel seinerseits oder andere rechtfertigende Gründe 

für seine Verfahrensabwesenheit sprechen würden. Insbesondere ist der 

nicht weiter substantiierte Hinweis auf die Situation seiner Angehörigen 

im Heimatland nicht dazu geeignet, seine Abwesenheit in der Schweiz und 

den Aufenthalt in Deutschland zu erklären beziehungsweise ein nach wie 

vor vorhandenes Rechtsschutzinteresse am Beschwerdeverfahren darzule-

gen. Dies abgesehen davon, dass er gemäss eigenen Angaben erst nach 

Verlassen der Schweiz von der angeblichen Situation seiner Familie erfah-

ren hat. Sein Verhalten lässt vielmehr darauf schliessen, dass er sogenann-

tes « asylum shopping » betrieb. Auch wenn aufgrund der Formulierung 

von Art. 18 Dublin-III-VO davon auszugehen ist, dass solches Verhalten 

einer Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Asylverfahrens grundsätzlich 

nicht entgegensteht, verpflichtet es die Beschwerdeinstanz – ohne Hinzu-

treten beachtlicher Wiederaufnahmegründe – dagegen nicht, ein abge-

schriebenes Beschwerdeverfahren fortzusetzen. 

4.4 Nach dem Ausgeführten ist im Ergebnis festzuhalten, dass das 
Bundesverwaltungsgericht zu Recht davon ausging, der Gesuchsteller 

habe kein Rechtsschutzinteresse mehr an der Fortführung des Verfahrens 

gehabt. Der Gesuchsteller vermag keine Gründe darzulegen, welche die 

Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens rechtfertigen könnten. Eine 

Wiederaufnahme Beschwerdeverfahren im Dublin-Kontext 2020 VI/3 

 

 

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summarische Durchsicht der Akten ergibt ferner nicht, es würden einem 

Wegweisungsvollzug in offensichtlicher Weise völkerrechtliche Vollzugs-

hindernisse entgegenstehen. Das Gesuch um Wiederaufnahme des Be-

schwerdeverfahrens ist deshalb abzuweisen. Der Abschreibungsentscheid 

vom 30. November 2018 bleibt damit bestehen und das Beschwerde-

verfahren wird nicht wieder aufgenommen.