# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 453e7cfc-4617-504c-a8a4-0eaddcf8b952
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 13.02.2024 U 2023 15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2023-15_2024-02-13.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 23 15

2. Kammer 

Vorsitz Stöhr

RichterIn von Salis und Righetti

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 13. Februar 2024

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Silvia Däppen-Müller, 

Beschwerdeführer

gegen

Kantonales Sozialamt Graubünden, 

Beschwerdegegner

betreffend Opferhilfe (Genugtuung)

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I. Sachverhalt:

1. Mit Verfügung vom 22. Februar 2021 entsprach das Amt für Migration und 

Zivilrecht Graubünden dem Gesuch von B._____, Jahrgang 1981, um 

Namensänderung und bewilligte diesem, fortan den Vor- und Familien-

namen A._____ zu führen. Am 7. Juli 2022 erteilte das Kantonale Sozial-

amt Graubünden (nachfolgend: SoA), Opferhilfe Graubünden, A._____ 

eine Kostengutsprache von CHF 280.00 für juristische Soforthilfe gemäss 

Art. 13 ff. Opferhilfegesetz in Zusammenhang mit den Folgen der Straf-

taten in der Kindheit.

2. Mit Schreiben vom 5. August 2022 stellte A._____ beim Kantonalen 

Sozialamt Graubünden, Opferhilfe Graubünden, Entschädigungs- und 

Genugtuungsstelle, das Gesuch um Ausrichtung von Genugtuung nach 

Opferhilfegesetz in der Höhe von CHF 20'000.00. Begründend führte er im 

Wesentlichen an, dass er bis längstens 1986 im Elternhaus in C._____ 

von seinem Vater, D._____, sexuell missbraucht worden sei. Dieser habe 

ihn in einer nicht mehr bestimmbaren Anzahl von Fällen zum oralen 

Geschlechtsverkehr gezwungen. Zudem habe er während seiner Kindheit 

und Jugend psychische und physische Gewalt durch den Vater erlebt. 

Aufgrund der erlebten Gewalt leide er seit vielen Jahren an diversen 

psychischen Beeinträchtigungen und sei deshalb seit ca. 2012 in regel-

mässiger psychiatrisch-therapeutischer Behandlung. Aufgrund der 

psychischen Beschwerden, die nicht ausschliesslich aus den sexuellen, 

sondern auch aus den psychischen und physischen Übergriffen 

herrührten, beziehe er eine IV-Rente. Die sexuellen Übergriffe seien ihm 

– mutmasslich aufgrund psychischer Verdrängungsmechanismen – erst 

anlässlich des Klinikaufenthaltes Ende 2017 erstmals bewusst geworden. 

Im Februar 2021 habe er seinen Namen geändert und damit jegliche 

Verbindung mit seinem Erzeuger gekappt. Mit dem Gesuch reichte er u.a. 

eine Medienmitteilung des Thurgauer Obergerichts vom 3. August 2021 

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betr. opferhilferechtliche Verwirkungsfrist ein, am 18. August 2022 weitere 

Unterlagen per E-Mail und mit Schreiben vom 8. September 2022 eine 

Stellungnahme des behandelnden Arztes, Dr. med. E._____, vom 

1. September 2022 nach.

3. Daraufhin forderte das SoA am 9. November 2022 bei der SVA 

Graubünden die IV-Akten des Gesuchstellers zur Einsicht an. Diese liess 

der SoA am 11. November 2022 die Unterlagen gespeichert als PDF auf 

einer CD zugehen.

4. Mit Verfügung vom 24. Januar 2023 wies das SoA das Gesuch betreffend 

Ausrichtung einer Genugtuung vom 5. August 2022 ab. Begründend führte 

es im Wesentlichen an, dass nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestellt werden könne, ob die 

Straftat des sexuellen Missbrauchs am Gesuchsteller durch den Vater bis 

ins Jahr 1986 stattgefunden habe. Aus den aktenmässig erstellten 

Ereignissen (u.a. Beschimpfung der Mitarbeitenden der IV, Arbeits-

streitigkeit mit der F._____, Schriftenwechsel mit dem Verwaltungsgericht) 

werde hergeleitet, dass die Aussagen und Wahrnehmungen des 

Gesuchstellers für sich alleine nicht zum Nachweis einer Straftat reichen 

könnten; möglich sei, dass er sich die Ereignisse einbilde oder aber 

vorhandene traumatische Erinnerungen aus der in der Kindheit und 

Jugend erlittenen physischen und psychischen Gewalt falsch interpretiere. 

Auch gestützt auf die durch den behandelnden Arzt, Dr. med. E._____, 

festgehaltenen Symptome und dessen Stellungnahme könne nicht auf die 

Existenz der Straftat geschlossen werden. Die vorhandenen Symptome 

könnten sowohl den Diagnosen der einfachen Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) und einer mittelgradigen 

depressiven Episode (ICD-10: F.32.1), einer paranoiden Persönlich-

keitsstörung (ICD-10: F60.0) als auch den Traumafolgen von sexuellen 

Übergriffen zugeordnet werden. Auch ein weiteres Gutachten bringe nach 

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einer derart langen Zeit von über 36 Jahren nicht die notwendige Gewiss-

heit betreffend eine allfällige Straftat. Überdies sei auch aufgrund der 

fragmentarischen Erinnerungen des Gesuchstellers davon auszugehen, 

dass eine Befragung des Gesuchstellers oder der ihn vormals 

behandelnden Ärzte, die offensichtlich keine Hinweise auf den sexuellen 

Missbrauch mitbekommen hätten, keine neuen Erkenntnisse hervor-

bringen würde. Schliesslich bestritten auch die Eltern des Gesuchstellers 

die Darstellung des sexuellen Missbrauchs, so dass auch von deren (mit 

dem OHG nicht vereinbaren) Befragung keine Klärung zu erwarten sei. 

Weitere Anhaltspunkte, die auf einen möglichen sexuellen Missbrauch 

schliessen liessen, seien den Akten nicht zu entnehmen.

5. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 

24. Februar 2023 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden. Er beantragte die Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 1 der 

angefochtenen Verfügung; die Feststellung, dass der Beschwerdeführer 

ein Opfer im Sinne von Art. 1 Abs. 1 OHG sei, und die Zusprache einer 

Genugtuung von CHF 10'000.00. Im Weiteren beantragte der 

Beschwerdeführer, es sei ihm in der Person der Unterzeichnenden ab 

9. Februar 2023 ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen; unter 

Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin, eventualiter der 

Staatskasse. Begründend führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

an, der Sachverhalt sei unrichtig festgestellt worden. Der Beschwerde-

führer leide seit vielen Jahren an gesundheitlichen Problemen; es seien 

die Diagnosen ADHS (ICD-10: F90.0) und eine paranoide und 

narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung gestellt worden. Seit Februar 

2017 habe er einen Vertretungsbeistand der KESB Nordbünden. Erst im 

Dezember 2017 seien bei ihm fragmentarische Erinnerungen an sexuelle 

Übergriffe durch seinen Vater aufgetaucht, worauf er am 6. Januar 2018 

erneut habe hospitalisiert werde müssen. Der seit August 2018 

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behandelnde Psychiater, Dr. med. E._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, spez. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 

habe im Schreiben vom 1. September 2022 erläutert, dass die sexuellen 

Übergriffe durch den Erzeuger seit Therapiebeginn Thema und 

Gegenstand der Behandlung gewesen seien und davon ausgegangen 

werden müsse, dass der Beschwerdeführer an einer komplexen 

Traumafolgestörung leide. Aus therapeutischer Sicht müssten die 

Schwierigkeiten des Beschwerdeführers mit Beziehungen "mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den 

sexuellen Übergriffen durch den Vater" gesehen werden. Die Vorinstanz 

argumentiere in Erwägung 4 ff., in der RAD-Abschlussbeurteilung vom 

10. November 2017 werde ausgeführt, der Beschwerdeführer leide an 

einer Persönlichkeitsstörung und beschimpfe und bedrohe Mitarbeitende 

der IV, dafür verweise sie auf "Act. A18 S. 493 ff.". Der auf einem USB-

Stick abgespeicherte IV-Bericht sei nummeriert, die letzte Seite 166. Die 

"RAD-Abschlussbeurteilung, Stand vom 9. November 2017", datiere vom 

10. November 2017 und beginne auf Seite 106 der IV-Akten, während die 

Seiten 493 ff. nicht existierten. Der Beschwerdeführer führt weiter an, dass 

die von der Vorinstanz aus den Akten gezogenen Schlüsse aktenwidrig 

seien. Das IV-Evaluationsgespräch vom 18. August 2016 (Act. A18, S. 25) 

habe stattgefunden, bevor der Beschwerdeführer Zugang zu den 

Erinnerungen an die Übergriffe gehabt habe. Danach seien verschiedene 

Arztberichte eingeholt und ein Arbeitstraining aufgegleist worden. Die 

durch Dr. med. G._____ als "Schmäh-Mails" bezeichnete E-Mail 

Korrespondenz (vgl. Verlaufsprotokoll der IV-Stelle; Act. A18, S. 89, 4/8) 

datiere aus der Zeit von Februar bis Mai 2017, als der Beschwerdeführer 

noch keinen Zugang zu den Erinnerungen gehabt habe. Die RAD-

Abschlussbeurteilung durch Dr. med. G._____ sei ohne vorherige 

psychiatrische Begutachtung erstellt worden (S. 106, 3/4). Dr. med. 

G._____ habe darin ausgeführt, dass es schwierig sei, die prozentualen 

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Anteile der verschiedenen Störungen festzulegen und "natürlich könne ein 

Expertenstreit, allenfalls auch mehrfache Begutachtung erfolgen, um 

genau auszudiskutieren, in welchem prozentualen Anteil tatsächlich eine 

paranoide Persönlichkeitsstörung vorliegt oder eine Mischung zwischen 

Persönlichkeitsstörung und doch anzuerkennendem ADS (bei inhaltlicher 

Überschneidung dieser beiden Diagnosen). Dieses ist jedoch für den 

Ausgang des vorliegenden IV-Verfahrens nicht relevant.". Damit sei 

erstellt, dass darauf verzichtet worden sei, die Diagnose zu diskutieren 

oder anzupassen, da dies für den Ausgang des IV-Verfahrens keine Rolle 

gespielt habe (vgl. S. 106, 4/4). Die Argumentation der Vorinstanz ziele 

damit ins Leere und sei nicht einmal ansatzweise geeignet, das Vorliegen 

des sexuellen Missbrauchs zu verneinen. Dr. med. G._____ habe den 

Beschwerdeführer weder persönlich begutachtet noch die Diagnose 

überprüft, er habe die Invalidität gestützt auf das Aktenstudium als 

gegeben beurteilt. Die Vorinstanz unterstelle, die vom Beschwerdeführer 

berichteten sexuellen Übergriffe seien während der Hospitalisation in den 

Hintergrund getreten und nicht mehr zum Thema gemacht worden, 

weshalb nicht genügend erstellt sei, dass der Beschwerdeführer Opfer 

sexueller Übergriffe durch den eigenen Vater geworden sei. Aus 

medizinischer Sicht sei das Vorgehen der Klinik anfangs 2018, die 

Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe nicht vordringlich zu thematisieren, 

sondern vielmehr die Reizabschirmung, medikamentöse Optimierung, 

danach eine Stabilisierung und die Rückkehr ins häusliche Umfeld, 

nachvollziehbar, solle doch mit einer Traumatherapie erst bei Stabilisation 

des Patienten begonnen werden. Für die Vorinstanz sei mit Blick auf die 

IV-Akten weiter erstellt, dass die Aussagen und Wahrnehmungen 

eingebildet sein könnten oder der Beschwerdeführer traumatische 

Erinnerungen falsch interpretiere. Zudem unterstelle sie dem 

behandelnden Facharzt, dass er als Therapeut nicht hinterfrage, ob der 

sexuelle Missbrauch stattgefunden habe. Dabei verkenne sie, dass es sich 

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bei Dr. med. E._____ um einen Facharzt handle, der selber Gutachten 

erstelle und zudem auch sehr viel Erfahrung im Bereich der 

Diagnosestellung aufweise. Auch die angeführte Rechtsprechung des 

Bundesgerichts (8C_427/2011; BGE 135 V 465) belege die falschen 

Behauptungen der Vorinstanz nicht. Die Vorinstanz habe willkürlich 

gehandelt, indem sie die Feststellungen des Facharztes Dr. med. E._____ 

vom 2. Februar 2023, der den Beschwerdeführer seit August 2018 

behandle, als nichtssagend beiseitegeschoben und sich lediglich auf die 

IV-Akten abgestützt habe, welche den Zeitraum, ab welchem der 

Beschwerdeführer Zugang zu seinen Erinnerungen an die sexuellen 

Übergriffe gehabt habe, nicht abdeckten. Objektiv seien die Straftaten des 

Vaters als schwere Straftaten einzustufen, erschwerend komme hinzu, 

dass es sich beim Täter um den eigenen Vater handle. Der 

Beschwerdeführer sei aufgrund seines Krankheitsbildes invalid geworden, 

habe mehrfach hospitalisiert werden müssen und sei seit vielen Jahren in 

Psychotherapie. Bei der Festlegung der Genugtuungshöhe komme den 

kantonalen Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu. Angesichts des 

schweren Leidens des Beschwerdeführers sei eine Genugtuungssumme 

von CHF 10'000.00 angemessen.

6. Mit Vernehmlassung vom 20. März 2023 beantragte das SoA 

(nachfolgend: Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde, 

soweit darauf eingetreten werden könne; unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers. Begründend 

führte der Beschwerdegegner im Wesentlichen an, er habe die Akten der 

SVA auf einer gebrannten CD erhalten. Die Zitate aus diesen Akten 

richteten sich nach der Seitenzahl des PDF-Dokuments auf dieser CD, 

d.h. dass z.B. mit Act. A18 S. 493 ff. auf die Seiten 493 ff. im PDF-

Dokument verwiesen werde. Zur unrichtigen Feststellung des 

Sachverhalts brachte er vor, die gesundheitlichen Probleme des 

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Beschwerdeführers würden nicht in Frage gestellt. Vorliegend gehe es um 

die Frage, ob die Opfereigenschaft des Beschwerdeführers anerkannt 

werden könne oder nicht. Den Nachweis des sexuellen Missbrauchs 

vermöge der Beschwerdeführer nicht hinreichend zu erbringen. Es stelle 

sich die grundsätzliche Frage, wie eine Tat, die vor 37 Jahren stattgefun-

den haben soll, mit dem erforderlichen Beweisgrad überhaupt festgestellt 

werden könne. Dies erscheine ohne objektivierbare Angaben, wie 

insbesondere Zeugenaussagen, echtzeitliche Arztberichte mit Eigen-

wahrnehmung, und nicht bloss fragmentarischen Wiedergaben als 

praktisch unmöglich. Ferner sei die erforderliche Adäquanz zwischen dem 

Missbrauch und den psychischen Folgen nach 37 Jahren nicht 

ausreichend feststellbar. Daran änderten auch die Ausführungen im 

Schreiben vom 2. Februar 2023 nichts. Die verschiedenen Diagnosen, die 

Aussagen des Beschwerdeführers in unterschiedlichen Kontexten 

(Act. A18 S. 397 ff., 481 ff., 493 ff.), dessen Alter im Zeitpunkt der 

vorgebrachten sexuellen Übergriffe, dessen schlechtes Langzeit-

gedächtnis, den fehlenden objektivierbaren Angaben zur Straftat wie auch 

der lange Zeitraum, der seit der letzten Tat vergangen sei, reichten nicht 

aus, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Opfereigenschaft des 

Beschwerdeführers festzustellen.

7. Replizierend hielt der Beschwerdeführer am 11. April 2023 an seinen 

Anträgen fest. Ergänzend führte er an, aufgrund der Verjährung der zur 

Last gelegten Straftaten, könne weder eine Strafuntersuchung noch ein 

Zivilverfahren eingeleitet werden. Die Vorinstanz hätte indes die Möglich-

keit gehabt, den Beschwerdeführer als Zeugen zu befragen, habe sie doch 

die Aufgabe, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Die 

Vorinstanz setze sich in der Vernehmlassung nicht einmal ansatzweise mit 

den Ausführungen von Dr. med. E._____ auseinander, wenn sie 

behaupte, dass höchstwahrscheinlich keine Stellungnahme und kein 

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Gutachten die erforderliche Gewissheit zu erbringen vermöge. Dr. med. 

E._____ habe zwar kein Gutachten erstellt, aber dennoch erläutert, 

weshalb die sexuellen Übergriffe durch den Vater "aus therapeutischer 

Sicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" als Ursache für die 

Probleme des Beschwerdeführers zu sehen seien. Die Vorinstanz hätte 

deshalb in Analogie zur Praxis des Bundesgerichts zumindest darlegen 

müssen, warum nicht auf die – gemäss Vorinstanz – kompetenten und 

schlüssigen Ausführungen von Dr. med. E._____ abzustellen sei. Offen-

bar sei die Vorinstanz nicht in der Lage, triftige Gründe vorzubringen, die 

das Abweichen von der Diagnose von Dr. med. E._____ rechtfertigen 

würden.

8. Mit Schreiben vom 18. April 2023 verzichtete der Beschwerdegegner auf 

die Erstattung einer Duplik.

Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene Verfügung 

sowie die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 

Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung des Beschwerdegegners 

vom 24. Januar 2023, womit das Gesuch des Beschwerdeführers vom 

5. August 2022 um Ausrichtung einer Genugtuung abgewiesen wurde (vgl. 

Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 2; Akten des Beschwerdegegners 

[Bg-act.] B4). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum 

Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten (VVzOHG; BR 

549.100) kann gegen die gestützt auf diese Verordnung ergangenen 

Verfügungen innert 30 Tagen seit Mitteilung Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht eingereicht werden. Dieses überprüft die 

angefochtene Verfügung frei (Art. 29 Abs. 3 Bundesgesetz über die Hilfe 

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an Opfer von Straftaten [Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5]). Die 

Verfügung des Beschwerdegegners vom 24. Januar 2023 stellt ein 

taugliches Anfechtungsobjekt dar. Das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden ist gemäss Art. 26 Abs. 1 OHG und Art. 6 Abs. 1 VVzOHG 

örtlich und sachlich zuständig. Der Beschwerdeführer ist durch die 

angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an 

deren Aufhebung oder Änderung, weshalb er gemäss Art. 50 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur 

Beschwerde legitimiert ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht 

(Art. 38 VRG) erhobene Beschwerde ist somit einzutreten.

1.2. Betreffend das vom Beschwerdeführer verlangte eigenständige Begehren, 

es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer ein Opfer im Sinne von 

Art. 1 Abs. 1 OHG sei, ist das Folgende anzumerken: Im Verhältnis zu 

Leistungs- oder Gestaltungsbegehren kommt Feststellungsbegehren 

rechtsprechungsgemäss subsidiärer Charakter zu. Sie sind nur zulässig 

wenn ein gleichwertiger rechtsgestaltender Entscheid ausgeschlossen ist 

und setzen ein schutzwürdiges rechtliches oder tatsächliches Interesse an 

der beantragten Feststellung voraus, das aktuell und praktisch ist (vgl. 

BGE 142 V 2 E.1.1 und 137 II 199 E.6.5; Urteile des Bundesgerichts 

8C_4/2022 vom 4. Mai 2022 E.1.3.2, 9C_383/2020 vom 22. März 2021 

E.1 und 9C_235/2018 vom 2. Juli 2018 E.1). Der Beschwerdeführer 

beantragt gleichzeitig die Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 des angefoch-

tenen Entscheids, worin der Beschwerdegegner das Gesuch um 

Genugtuung abwies. Im Rahmen des Gestaltungsstreits kommt dem 

Feststellungsantrag keine selbständige Bedeutung zu (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_383/2020 vom 22. März 2021 E.1).

2. In materieller Hinsicht streitig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer 

aufgrund der vorgebrachten Vorkommnisse ein Genugtuungsanspruch 

gemäss Opferhilfegesetz zusteht. Nicht Bestandteil des Verfahrens vor 

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Vorinstanz und im Beschwerdeverfahren sind die psychische und 

physische Gewalt, welche der Beschwerdeführer in seiner Kindheit und 

Jugend erlitten haben soll (vgl. Gesuchsformular [Bg-act. A1 S. 3]).

3. Vorfrageweise ist zu klären, welches Recht auf den vorliegenden 

Sachverhalt anzuwenden ist. Die Vorinstanz ging im angefochtenen 

Entscheid davon aus, dass die Verwirkungsfrist gewahrt sei, ohne dies 

explizit auszuführen.

3.1. Nach Art. 48 lit. a OHG richtet sich der Anspruch auf Entschädigung und 

Genugtuung für Straftaten, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes verübt 

worden sind, nach bisherigem Recht (aOHG, in Kraft getreten am 

1. Januar 1993 und aufgehoben am 1. Januar 2009); für den Anspruch 

aus Straftaten, die weniger als zwei Jahre vor dem Inkrafttreten dieses 

Gesetzes verübt worden sind, gelten die Fristen nach Art. 25 OHG. 

Gemäss Art. 16 Abs. 3 aOHG ist das Gesuch innert zwei Jahren nach der 

Straftat einzureichen. Mit dem ab 1. Januar 2009 geltenden revidierten 

OHG wurde diese Frist verlängert. Nach Art. 25 Abs. 1 OHG hat das Opfer 

das Gesuch innert fünf Jahren nach der Straftat oder nach Kenntnis der 

Straftat einzureichen (vgl. GOMM, in: GOMM/ZEHNTNER [Hrsg.], Kommentar 

zum Opferhilfegesetz, 4. Aufl., Bern 2020, Art. 25 OHG Rz. 1 mit 

Hinweisen). Nach altem als auch nach neuem Recht handelt es sich um 

eine Verwirkungsfrist (vgl. GOMM/STEIN/ZEHNTNER, Kommentar zum 

Opferhilfegesetz, Bern 1995, Art. 16 OHG Rz. 15; resp. GOMM, a.a.O., 

Art. 25 OHG Rz. 3). Art. 12 Abs. 3 der Verordnung vom 18. November 

1992 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (aOHV; in Kraft getreten am 

1. Januar 1993 und aufgehoben am 1. Januar 2009) hält fest, dass die 

Bestimmungen über die Entschädigung und Genugtuung (Art. 11-17 

aOHG) auf Straftaten anwendbar sind, die nach dem Inkrafttreten des 

aOHG begangen wurden. Der vorgebrachte Tatzeitraum liegt längstens 

bis ins Jahr 1986 und damit vor Vorliegen von gesetzlichen Grundlagen 

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zum Opferhilferecht. Nach altrechtlicher Übergangsbestimmung (Art. 12 

Abs. 3 aOHV) kann eine Entschädigung oder eine Genugtuung nur 

geltend gemacht werden, wenn die Straftat nach dem 1. Januar 1993 

begangen wurde. Opfer von Straftaten, die vor dem 1. Januar 1993 

begangen wurden, deren Erfolg aber erst danach eingetreten ist, können 

gestützt auf Art. 12 Abs. 3 aOHV keine Ansprüche erheben (FULLIN, in: 

GOMM/ZEHNTNER, Kommentar zum Opferhilfegesetz, 4. Aufl., Bern 2020, 

Art. 48 OHG Rz. 3, 8 f.).

3.2.1. Damit stellt sich die Frage, wie der Zeitpunkt der Tatbegehung definiert 

werden soll resp. wann die mutmasslichen Delikte als begangen im Sinne 

des Opferhilfegesetzes gelten (FULLIN, a.a.O., Art. 48 OHG Rz. 10). 

Anders als im Strafrecht ergibt sich aus dem Regelungszweck und der 

gesetzlichen Umschreibung des Geltungsbereichs des OHG ein 

opferbezogener Ansatz. Das Vorliegen der objektiven und subjektiven 

Tatbestandsmerkmale eines Deliktes ist Anknüpfungspunkt für die 

Gewährung der Opferhilfe. Die Straftat stellt opferhilferechtlich den 

anspruchsbegründenden Sachverhalt dar. Entscheidend ist, ob die 

Beeinträchtigung des Geschädigten in seiner körperlichen, sexuellen oder 

psychischen Integrität das legitime Bedürfnis begründet, die Hilfsangebote 

und Schutzrechte des OHG in Anspruch zu nehmen. Das Bundesgericht 

hat aus dieser opferbezogenen Sichtweise heraus und gestützt auf den in 

Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-

schaft (BV; SR 101) verankerten Grundsatz von Treu und Glauben 

festgehalten, dass ein Opfer die massgebende Schädigung bzw. 

Verletzung erkennen können muss, bevor es sich auf das Vorliegen einer 

Straftat im Sinne des OHG berufen kann; anders zu entscheiden hiesse, 

dem Sinn und Zweck des OHG zuwiderlaufende Anforderungen an die 

rechtzeitige Einreichung eines Opferhilfegesuchs zu stellen. Diese 

Rechtsprechung hat Eingang in Art. 25 Abs. 1 OHG gefunden (BGE 134 

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II 308 E.5.5 mit weiteren Hinweisen). Daraus folgt, dass auch der zeitliche 

Geltungsbereich aus der Opferperspektive zu beurteilen ist (BGE 134 II 

308 E.5.6). Das Bundesgericht hat weiter festgehalten, dass die 

"Begehung einer Straftat" i.S.v. Art. 12 Abs. 3 aOHV so zu verstehen ist, 

dass für den zeitlichen Geltungsbereich der Art. 11-17 aOHG nicht allein 

das sorgfaltswidrige Verhalten massgeblich ist, sondern vielmehr der 

Eintritt des strafrechtlich und aus Opfersicht relevanten Erfolgs solchen 

Verhaltens (BGE 134 II 308 E.5, bestätigt im Urteil des Bundesgerichts 

1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 E.5.1; vgl. auch BGE 136 II 308, worin das 

Bundesgericht darüber entschied, in welchem Zeitpunkt ein Erfolgsdelikt 

als begangen im Sinne des Opferhilfegesetzes zu gelten hat, wenn das 

tatbestandsmässige Verhalten und der strafrechtlich relevante Erfolg 

zeitlich auseinanderfallen).

3.2.2. Der Beschwerdeführer stützt seinen Anspruch auf die (mutmasslich) bis 

längstens ins Jahr 1986 begangenen sexuellen Handlungen an ihm als 

Kind ab. Der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187 

Strafgesetzbuch [StGB; SR 311.0]) stellt ein Tätigkeitsdelikt dar, ein 

strafrechtlicher Erfolg kann demnach nicht eintreten (MAIER, in: NIGGLI/-

WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl., Zürich 

2019, Art. 187 StGB Rz. 17a). Das Bundesgericht führte in seinem Urteil 

1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 in Erwägung 5.2 f. aus, dass zur Beur-

teilung des zeitlichen Geltungsbereichs auf den Tatzeitpunkt abzustellen 

sei. Es begründete dies damit, dass die Tatbestandsmerkmale der nach 

Art. 187 StGB sanktionierten Straftat und damit deren Strafbarkeit nicht 

vom Eintritt psychischer oder psychosomatischer Spätfolgen beim Opfer 

abhängig seien. Nach Art. 16 Abs. 3 aOHG hätte der Beschwerdeführer 

demnach sein Gesuch innert zwei Jahren nach Begehung der Straftaten 

(bis längstens 1986) einreichen müssen. Daraus folgt, dass die objektiven 

Voraussetzungen von Art. 187 StGB vor dem 1. Januar 1993 erfüllt 

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worden sein müssen und damit auch das altrechtliche OHG nicht anwend-

bar ist, da der vorgebrachte strafbare Vorgang ausserhalb des zeitlichen 

Geltungsbereichs von Art. 11-17 aOHG liegt (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 E.5.3). Die Entschädigung für den 

durch solche Straftaten erlittenen Schaden fällt somit nicht in den 

zeitlichen Anwendungsbereich dieser Gesetze (Urteil des Bundesgerichts 

1C_269/2019 vom 22. November 2019 E.2.4).

3.2.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er den als Kind erlittenen 

sexuellen Missbrauch jahrelang verdrängt und diesen erst Anfang/Mitte 

Dezember 2017 realisiert habe; die erlebten sexuellen Übergriffe seien für 

die psychischen Beschwerden ursächlich. Nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung kann angesichts der Zielsetzung des OHG nicht 

ausgeschlossen werden, dass die sexuellen Übergriffe in der Kindheit 

neben der Verletzung der sexuellen Integrität auch zu psychischen und 

psychologischen Störungen führten, die unter Umständen als Körper-

verletzung i.S.v. Art. 122 StGB zu qualifizieren sind (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 1C_269/2019 vom 22. November 2022 E.2.5, 

1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 E.6.2). Soweit schwerwiegende und 

andauernde krankhafte psychische Störungen durch Handlungen gegen 

die sexuelle Integrität verursacht oder gesteigert werden, ist eine Körper-

verletzung im Sinne von Art. 122 StGB gegeben (Urteil des Bundes-

gerichts 1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 E.6.2). Körperverletzungsdelikte 

stellen Erfolgsdelikte dar (vgl. TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl., Zürich/St. Gallen 2021, 

S. 727). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei psychischen 

Folgeschäden, die von sexuellen Übergriffen herrühren, zu prüfen, wann 

diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen in ihrem vollen Ausmass 

aufgetreten und für den Betroffenen erkennbar gewesen sind (Urteil des 

Bundesgerichts 1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 E.6.2 ff.; bestätigt mit Urteil 

- 15 -

des Bundesgerichts 1C_269/2019 vom 22. November 2019 E.2.3 und 

E.2.6). Demzufolge gilt es zu klären, ob die beim Beschwerdeführer 

diagnostizierten psychischen Leiden schwerwiegender Natur sind und 

durch die sexuellen Übergriffe verursacht oder zumindest mitverursacht 

wurden, und damit nebst dem Delikt gegen die sexuelle Integrität auch das 

Delikt der schweren Körperverletzung erfüllt worden ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 1C_498/2008 vom 9. Juli 2009 E.6.2).

3.2.4. Wegen schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB wird bestraft, 

wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), den 

Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder 

ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen 

bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das 

Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder eine 

andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3).

3.2.5. Aus den vorliegenden Akten ergeben sich die Diagnosen einer 

vorbestehenden einfachen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung 

(ADHS; ICD-10: F90.0) seit spätestens 2012, einer mittelgradigen 

depressiven Episode (ICD-10: F32.1), einer paranoiden und 

narzisstischen Persönlichkeitsakzentuierung (vgl. Berichte H._____ 

[H._____] vom 20. Oktober 2016, 30. Januar 2017, 29. Juni 2017 und 

15. März 2018 [Bg-act. A9 bis A12]) sowie einer paranoiden 

Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) (vgl. RAD-Abschlussbeurteilung 

Stand 9. November 2017 [Bg-act. A18 = IV-Akten {nachfolgend IV-act.} 

106 = S. 493 ff.]). Rückwirkend wurde dem Beschwerdeführer per Mai 

2017 eine 100%ige IV-Rente zugesprochen (vgl. IV-act. 111, 115, 119 und 

126). Zum Zeitpunkt des Eintritts der psychischen Störungen enthält der 

Bericht keine genauen Angaben; das ADHS bestand bereits seit 

Kindertagen, die paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) wurde 

- 16 -

erstmals durch Dr. med. G._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, im November 

2017 diagnostiziert. Aufgrund der Aktenlage kann deshalb nicht 

ausgeschlossen werden, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, 

deren Beginn (im Gegensatz etwa zu einer Infektion oder zu einer 

Krebskrankheit) ohnehin kaum präzise feststellbar ist, in ihrem vollen 

Ausmass erst im Jahr 2017 und damit nach Inkrafttreten des revidierten 

OHG aufgetreten sind. Dafür sprechen u.a. die gerichtlichen und sonstigen 

Auseinandersetzungen des Beschwerdeführers, um die von ihm 

empfundenen Rechte zu erstreiten, bei gleichzeitig unverhältnismässigem 

Verhalten Dritten gegenüber; seine wiederholt gescheiterten Bemü-

hungen, eine partnerschaftliche Beziehung aufrecht zu erhalten (vgl. RAD-

Abschlussbeurteilung vom 10. November 2017 [IV-act. 106]; Bericht 

Dr. med. E._____ vom 1. September 2022 [Bg-act. A17]); die 

Arbeitsunfähigkeit und das wiederholte Bedürfnis nach psychiatrischer 

Betreuung. Der Beschwerdeführer schien die Folgeschäden der sexuellen 

Übergriffe erst im Dezember 2017 im vollen Ausmass realisiert zu haben, 

weshalb er sich erst ab diesem Zeitpunkt auf das Vorliegen einer Straftat 

im Sinne des OHG berufen konnte. In diesem Fall wäre der zeitliche 

Anwendungsbereich von Art. 25 OHG, da der Taterfolg demnach erst 

nach 2009 eintrat, zu bejahen und damit auch die Einhaltung der fünfjähr-

igen Verwirkungsfrist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_498/2008 vom 

9. Juli 2009 E.6.3), so dass die Vorinstanz zu Recht auf das Gesuch um 

Genugtuung eingetreten ist.

3.2.6. Derselbe Schluss kann gezogen werden, wenn die vorgebrachten Taten 

strafrechtlich unter den Straftatbestand der sexuellen Nötigung gemäss 

Art. 189 Abs. 1 StGB, wonach eine Person zur Duldung einer sexuellen 

Handlung genötigt wird, namentlich, indem das Opfer bedroht, Gewalt 

angewendet, es unter psychischen Druck gesetzt oder zum Widerstand 

- 17 -

unfähig gemacht wird, der ebenfalls ein Erfolgsdelikt darstellt, subsumiert 

würden.

4.1. Gemäss Art. 1 OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer 

körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beein-

trächtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem 

Gesetz (Opferhilfe, Art. 1 Abs. 1 OHG). Unabdingbare Voraussetzung für 

die Anerkennung der Opferqualität einer durch ein Ereignis geschädigten 

Person ist das Vorliegen einer Straftat, d.h. ein tatbestandsmässiges, 

rechtswidriges Verhalten im Sinne des Strafgesetzbuches. Der Begriff der 

Straftat setzt neben der Verwirklichung eines objektiven Straftatbestands 

auch vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln voraus (BGE 143 IV 154 

E.2.3.2). Für die Bejahung der Opferqualität wird hingegen nicht verlangt, 

dass ein Täter ermittelt worden ist (Art. 1 Abs. 3 lit. a OHG). Somit auch 

nicht, dass es zu einer strafrechtlichen Verurteilung kommt resp. dass ein 

Strafverfahren eingeleitet wird (BGE 143 IV 154 E.2.3.2; vgl. zum Ganzen: 

Urteil des Bundesgerichts 1C_521/2020 vom 4. Oktober 2021 E.4.1; 

WYSSMANN/-RUTSCHI, in: STEIGER-SACKMANN/MOSIMANN [Hrsg.], Recht der 

Sozialen Sicherheit, Basel 2014, Rz. 38.12). Für die Geltendmachung von 

opferhilferechtlichen Ansprüchen kann es gemäss höchstrichterlicher 

Rechtsprechung weiter auch nicht darauf ankommen, ob der 

Strafanspruch des Staates verjährt ist (BGE 134 II 308 E.5.8; Urteil des 

Bundesgerichts 1C_9/2017 vom 4. April 2017 E.2).

4.2. Die Anforderungen an den Nachweis der Opfereigenschaft sind je nach 

Zeitpunkt sowie Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich 

hoch. Ein Anspruch auf Genugtuung nach Art. 2 lit. e OHG besteht nur, 

wenn eine Straftat feststeht; es müssen alle anspruchsbegründenden 

Voraussetzungen erfüllt sein (vgl. BGE 144 II 406 E.3.1, 143 IV 154 

E.2.3.3, 125 II 265 E.4c/aa). Gemäss Lehre und Rechtsprechung ist bei 

fehlendem Strafverfahren für die Entschädigungs- und Genugtuungs-

- 18 -

ansprüche nach OHG die Frage des Vorliegens einer Straftat und damit 

der Opfereigenschaft in Anlehnung an das Sozialversicherungsrecht mit 

dem dort erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-

keit zu beantworten (vgl. GOMM, a.a.O., Art. 29 Rz. 17). Die überwiegende 

Wahrscheinlichkeit liegt zwischen dem Beweismass der vollen Sicherheit 

und der blossen Möglichkeit (KIESER, in: KIESER/LENDFERS [Hrsg.], 

Sachverhaltsabklärung in der Sozialversicherung, November-Tagung zum 

Sozialversicherungsrecht 2013, S. 165, mit Hinweis auf BGE 121 V 47).

4.3. Das Opfer und seine Angehörigen haben einen Anspruch auf eine Genug-

tuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; Artikel 47 

und 49 des Obligationenrechts (OR; SR 220) sind sinngemäss anwendbar 

(Art. 22 Abs. 1 OHG). Nicht jede physische oder psychische Verletzung 

oder Beeinträchtigung führt zu einem Anspruch auf Genugtuung (vgl. 

BGE 125 III 70 E.3c). Voraussetzung ist vielmehr eine gewisse Schwere 

der erlittenen Beeinträchtigung, wie beispielsweise Invalidität oder 

dauernde Beeinträchtigung eines wichtigen Organs. Ist eine Schädigung 

nicht dauernd, ist ein Anspruch auf Genugtuung nur gegeben, wenn 

besondere Umstände vorliegen, z.B. eine lange Leidenszeit, Arbeits-

unfähigkeit oder ein längerer Spitalaufenthalt (vgl. GOMM, a.a.O., Art. 22 

Rz. 8 mit Hinweisen). Beträchtliche psychische Beeinträchtigungen sind 

bei der Bemessung der Genugtuung mitzuberücksichtigen, z.B. 

posttraumatische Stresszustände, die zu dauerhafter Veränderung der 

Persönlichkeit führen (GOMM, a.a.O., Art. 22 Rz. 9 mit Hinweisen; vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 E.4.3 mit 

Hinweisen). Psychische Beeinträchtigungen sind schwieriger zu bewerten 

als körperliche Einschränkungen, da dabei vor allem auf die Angaben des 

Opfers selber oder allenfalls spezialisierter Fachärzte abzustellen ist. Ein 

Anspruch auf Genugtuung ist zuzuerkennen, wenn sich die psychischen 

Folgen einigermassen gewichtig auf die alltäglichen Verrichtungen bzw. 

- 19 -

auf die persönliche Verfassung des Opfers oder auf seine Beziehungen 

zu ihm nahestehenden Personen auswirken (GOMM, a.a.O., Art. 22 Rz. 9 

mit Hinweisen).

4.4.1. Die zuständige kantonale Behörde stellt den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest; in Bezug auf die Abklärung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gilt die Untersuchungsmaxime (Art. 29 Abs. 2 OHG). Die Behörde 

hat im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund ihrer Beweis-

würdigung den Sachverhalt zu eruieren, der die Wahrscheinlichkeit für 

sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 105 V 213 E.2c). Das 

Verwaltungsgericht prüft die Sachverhalts- und Rechtsfragen in freier 

Kognition, es kann demnach sein eigenes Ermessen anstelle desjenigen 

der Vorinstanz setzen, hingegen kann es auch den Entscheidungs-

spielraum der Verwaltungsbehörde respektieren (GOMM, a.a.O., Art. 29 

Rz. 21). Dem Opfer obliegt derweil die Pflicht, seine Verhältnisse zu 

offenbaren, soweit es in seinen Möglichkeiten liegt und zumutbar ist. Es 

muss diejenigen Tatsachen darlegen, die nur ihm bekannt sind oder von 

ihm mit wesentlich weniger Aufwand erhoben werden können als von der 

Behörde. Insbesondere hat das Opfer den anspruchsbegründenden 

Sachverhalt mit hinreichender Bestimmtheit darzulegen und der Behörde 

diejenigen Angaben zu liefern, die es ihr erlauben, weitere Erkundigungen 

einzuholen (Art. 4 Abs. 2 OHG; BGE 126 II 97 E.2e mit Hinweisen; Urteile 

des Bundesgerichts 1C_612/2015 vom 17. Mai 2016 E.3.2, 1A.318/2000 

vom 26. April 2001 E.2d). Das Opfer trifft demnach eine Mitwirkungspflicht 

(Art. 11 Abs. 2 VRG; Art. 4 Abs. 3 VVzOHG; BGE 126 II 97 E.2e). Das 

Opfer trifft weiter eine Behauptungslast in dem Sinne, als es an gesund-

heitlichen Folgen der Straftat leidet. Diesbezüglich hat es entsprechende 

Beweisanträge zu stellen oder Arztberichte einzureichen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 1A.163/2000 vom 8. November 2000 E.5b).

- 20 -

4.4.2. Kam es zu keinem Strafverfahren, da kein Strafantrag gestellt wurde, 

wurde das Strafverfahren eingestellt oder nicht anhand genommen, kann 

die Entschädigungsbehörde das Vorliegen einer Straftat trotzdem 

annehmen, wenn sie aus eigenen tatsächlichen und rechtlichen 

Überlegungen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-

lichkeit zum Schluss kommt, dass die Opfereigenschaft gegeben ist (vgl. 

GOMM, a.a.O., Art. 29 Rz. 16 f. und 27). Gemäss Art. 4 Abs. 1 VVzOHG 

kann das Amt zur Ermittlung des Sachverhaltes Beteiligte und Auskunfts-

personen befragen, amtliche Akten, Urkunden und Sachverständige 

beiziehen sowie andere zweckmässige Erhebungen vornehmen; es ist 

nicht an die Beweisanträge des Opfers gebunden (vgl. GOMM, a.a.O., 

Art. 29 Rz. 8). Reichen diese Untersuchungsmittel zur Abklärung des 

Sachverhalts nicht aus, können von Amtes wegen oder auf Antrag Zeugen 

einvernommen werden (Art. 4 Abs. 2 VVzOHG). Zu berücksichtigen gilt 

es, dass der Verwaltungsstelle nicht dieselben prozessualen 

Untersuchungsmittel zur Verfügung stehen, wie den Strafverfolgungs-

behörden (BGE 126 II 97 E.2e); sie ist nicht gehalten, allen erdenklichen 

Möglichkeiten, für welche in den Akten keine Anhaltspunkte bestehen, 

nachzugehen (vgl. GOMM, a.a.O., Art. 29 Rz. 9).

5.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, bis längstens 1986 im Elternhaus 

in C._____ von seinem Vater sexuell missbraucht worden zu sein. Dieser 

habe ihn in einer nicht mehr bestimmbaren Anzahl von Fällen zum oralen 

Geschlechtsverkehr gezwungen. Weiter bringt er vor, dass er sich erst 

während des Klinikaufenthaltes Ende 2017 der erlebten sexuellen Gewalt 

durch seinen Vater bewusst geworden sei, weshalb er keine detaillierteren 

Angaben zum sexuellen Missbrauch und deren Häufigkeit machen könne 

(vgl. Bg-act. A1).

5.2. Der Beschwerdegegner ist der Auffassung, dass dem Beschwerdeführer 

die Opfereigenschaft abzusprechen sei und es auch am Kausal-

- 21 -

zusammenhang zwischen den vorgebrachten Straftaten und den geltend 

gemachten Leiden mangle.

5.3. Vorliegend ist der Nachweis der tatbestandsmässigen und rechtwidrigen 

Straftat im Sinne von Art. 1 Abs. 1 OHG mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu erbringen; die blosse Möglichkeit, 

dass der Beschwerdeführer Opfer einer Straftat geworden ist, reicht als 

Anspruchsbegründung nicht aus. Demnach ist vorab die Frage zu prüfen, 

ob der Beschwerdeführer die Opfereigenschaft gemäss Art. 1 Abs. 1 OHG 

erfüllt.

5.3.1. Den vorliegenden Akten lässt sich zum medizinischen Sachverhalt 

folgendes entnehmen: Der Beschwerdeführer war seit dem Jahr 2004 

mehrfach in ambulanter Behandlung bei den H._____ (vgl. Bericht 

Dr. med. I._____, Psychiater bei den H._____, vom 20. Oktober 2016 [IV-

act. 42 S. 7]). Gemäss Austrittsbericht des J._____ vom 16. April 2013 

wurden beim Beschwerdeführer u.a. unklare rechtsseitige 

Gesichtsschmerzen mit diffusen Sensibilitätsstörungen sowie ADHS 

diagnostiziert (IV-act. 26).

5.3.2. Der Beschwerdeführer trat am 26. Mai 2016 aufgrund einer 

Zustandsverschlechterung im Rahmen einer ausgeprägten psycho-

sozialen Belastungssituation freiwillig in die H._____, Klinik K._____, ein, 

wo er bis zum 15. September 2016 verblieb. Im Bericht vom 20. Oktober 

2016 hielt Dr. med. I._____ fest, der Patient sei, nachdem ein Streit mit 

seinen Eltern derart eskaliert sei, dass die Polizei gerufen worden sei, auf 

eigene Initiative in die Klinik K._____, offene Akutstation L._____, 

eingetreten. Der Patient habe berichtet, dass er als Kind vom Vater 

geschlagen worden sei. Ziele des Aufenthalts seien die Stabilisierung des 

Zustandsbildes, die diagnostische Einordnung der vorherrschenden 

Symptomatik, die medikamentöse Einstellung und die psychotherapeu-

- 22 -

tische Behandlung gewesen. Gemäss psychiatrischer Anamnese sei der 

Patient seit 2004 intermittierend in Behandlung bei den H._____ gewesen. 

Die bereits am 31. August 2012 gestellte (Haupt-)Diagnose einer 

Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) habe gestützt auf 

die diagnostischen Abklärungen bestätigt werden können. Aufgrund der 

Ausprägung der Symptome sei vom Vorliegen einer mindestens 

mittelgradigen Störung als Nebendiagnose auszugehen (ICD-10: F32.1). 

Differential-diagnostisch sei das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung in 

Betracht gezogen worden; die bereits in der Kindheit vorhandenen 

Symptome hätten aber gut unter die Diagnose der ADHS subsumiert 

werden können. Dem Beschwerdeführer wurde für die Zeit vom 26. Mai 

2016 bis 30. September 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

attestiert (vgl. Zusammenfassung der Krankengeschichte über die 

1. Hospitalisation in der H._____ [Bg-act. A9]). Am 26. Juli 2016 erfolgte 

erstmalig eine IV-Anmeldung (IV-act. 2).

5.3.3. Anlässlich des Evaluationsgesprächs bei der SVA Graubünden vom 

17. August 2016 gab der Beschwerdeführer an, dass sein 

Langzeitgedächtnis sehr schlecht sei, er beinahe alles vergesse, 

vornehmlich das Wichtige (IV-act. 25 S. 2). Die letzten Arbeitsverhältnisse 

hätten alle im Streit geendet, mit der Stadtverwaltung sei er noch vor 

Gericht. Er habe die Notwendigkeit der medizinischen Behandlung erkannt 

und halte sich seit dem 1. Juni 2016 in der Klinik K._____ in M._____ auf, 

wo es um die Einstellung der Medikamente ginge. Er habe als Erstklässler 

einen Sturz erlitten, sei mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. In der Kindheit 

habe er unter Clusterkopfschmerzen gelitten; 2013 sei in der rechten 

Gesichtshälfte ein Tumor entfernt worden. Manchmal kämen aggressive 

Anfälle über ihn, zum Zeitpunkt des Geschehens habe er keine Kontrolle 

über sich. Deswegen habe er auch schon Kontakt mit der Polizei gehabt. 

Er sei durch seinen Vater geschlagen worden, die Mutter habe nie 

- 23 -

interveniert. Der Vater sei nicht nur gewalttätig gewesen, sondern auch 

laut, polternd, verletzend und beleidigend (IV-act. 25).

5.3.4. Dr. med. N._____, Fachärztin FMH für Innere Medizin und Hausärztin des 

Beschwerdeführers, hielt mit Arztbericht vom 18. August 2016 folgende 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) Cerviko-

cephales und Cerviko-brachiales Syndrom seit Juli 2015, St. n., diversen 

HNO-Abklärungen, MRI HWS/Schädel 2015 kein Hinweis auf 

demyelinisierende Erkrankung, Raumforderung oder Wurzelkompression; 

(2) Adultes ADHS vom kombinierten Typ seit August 2012; (3) 

Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion seit August 2012; (4) 

Clusterkopfschmerzen rechts seit Dezember 2005 und (5) Diskushernie 

LWK 4/5 links seit 2009 (IV-act. 26).

5.3.5. Wegen einer beginnenden Psychose (auf Grund eines bekannten 

Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms) erfolgte am 31. Oktober 2016 auf 

Zuweisung von Dr. med. I._____ erneut der stationäre Eintritt in die 

H._____ bis zum 18. November 2016. Im Bericht vom 30. Januar 2017 

wurde festgehalten, dass die Auffassung sowie Alt- und Neugedächtnis 

regelrecht seien. Wahnstimmungen seien vorhanden, der Patient habe 

zunehmend den Bezug zur Realität verloren und überwertige Ideen 

entwickelt. Er sei sich dessen jedoch jederzeit bewusst gewesen und 

thematisiere diesen. Es sei von einem präpsychotischen Zustandsbild 

auszugehen, bedingt durch das hochdosierte Concerta. Die Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung äussere sich in einer schweren Desorganisation 

aufgrund fehlender Fähigkeit zur Fokussierung. Der Patient habe sich am 

18. November 2016 in leicht gebessertem Zustandsbild zum Abbruch der 

Hospitalisation und dem Wechsel des ambulanten Behandlers 

entschieden. Dem Beschwerdeführer wurde für die Zeit vom 31. Oktober 

2016 bis zum 30. November 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert 

- 24 -

(vgl. Zusammenfassung der Krankengeschichte vom 30. Januar 2017 

über die 2. Hospitalisation in den H._____ [Bg-act. A10]).

5.3.6. Am 1. Februar 2017 errichtete die KESB Nordbünden für den 

Beschwerdeführer eine Beistandschaft nach Art. 390 ZGB (IV-act. 64). Mit 

Vorbescheid vom 5. Juli 2017 resp. Verfügung vom 25. Juli 2017 schloss 

die IV die berufliche Massnahme ab, da mangels psychischer Stabilität die 

Durchführung von beruflichen Massnahmen nicht möglich sei (IV-act. 92, 

95).

5.3.7. Der Beschwerdeführer wurde am 2. Juni 2017 aufgrund eines 

Wutausbruches auf freiwilliger Basis durch die Polizei in die 

akutpsychiatrische Station der H._____ verbracht, wo er sich bis zum 

23. Juni 2017 in stationärer Behandlung befand. Der behandelnde Arzt 

diagnostizierte als Hauptdiagnose eine einfache Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0). Der Beschwerdeführer wurde 

für die Zeit vom 2. Juni 2017 bis 23. Juni 2017 als vollständig arbeits-

unfähig erachtet (Zusammenfassung der Krankengeschichte vom 29. Juni 

2017 über die 3. Hospitalisation in den H._____ [Bg-act. A11; IV-act. 99]).

5.3.8. In der RAD-Abschlussbeurteilung vom 10. November 2017 hielt Dr. med. 

G._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und zertifizierter 

medizinischer Gutachter SIM, ohne vorherige psychiatrische Begut-

achtung fest, der Patient habe eine belastende Kindheit geschildert, der 

Vater sei laut, verletzend, beleidigend gewesen und habe ihn auch 

geschlagen. In den medizinischen Unterlagen werde im Wesentlichen das 

Vorliegen einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-

10: F90.0) beschrieben. Im Fallverlauf hätten sich die Unterlagen 

summiert, die belegten, dass der Versicherte im Umgang oft derart 

schwierig sei, dass er Dritten im Rahmen der Ausübung einer regulären 

beruflichen Tätigkeit nicht dauerhaft zumutbar sei. Dr. med. G._____ ging 

- 25 -

davon aus, dass die führende Diagnose einer ADS oder ADHS im 

Erwachsenenalter nicht gehalten werden könne und diagnostizierte eine 

paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0). Er merkte an, dass ein 

Expertenstreit, allenfalls auch eine mehrfache Begutachtung erfolgen 

könne, um herauszufinden, in welchem prozentualen Anteil tatsächlich 

eine paranoide Persönlichkeitsstörung vorliege oder eine Mischung mit 

anzuerkennendem ADS. Das sei aber für den Ausgang des IV-Verfahrens 

nicht relevant. Er attestierte dem Versicherten schliesslich eine 

vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bezüglich einer regelhaften und 

anhaltenden Ausübung einer beruflichen Tätigkeit (IV-act. 106).

5.3.9. Am 15. März 2018 berichteten die behandelnden Ärzte der H._____ über 

die vierte Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 6. Januar 2018 bis 

zum 21. Februar 2018 (Bg-act. A12). Der Patient sei durch die Polizei in 

die Klinik verbracht worden. Er habe dieser von einem traumatischen 

Erlebnis mit sexualisierter Gewalt vor 30 Jahren durch seinen Vater 

erzählt. Der Patient sei sehr aufgewühlt, unruhig und psychisch dekom-

pensiert gewesen. Er habe berichtet, dass er erst kürzlich auf traumatische 

Übergriffe in seiner Kindheit gekommen sei; die Erinnerungen seien 

bruchstückhaft, er sei Kleinkind gewesen. Er studiere nun oft über die 

damalige Situation, wobei ihm einiges klar werde, auch die Probleme beim 

Zähneputzen. Zum Psychostatus bei Eintritt führten die behandelnden 

Ärzte aus, im formalen Denken zeige sich eine Einengung auf das Thema 

der sexualisierten Gewalt, die das gesamte Gespräch dominiere. Neben 

der sicheren Überzeugung, vom Vater missbraucht worden zu sein, 

bestünden keine Hinweise auf sonstige psychotische Elemente, keine 

Stimmen und keine Beeinflussungsgedanken von aussen. Es könne 

allerdings eine diffuse Wahnstimmung vermutet werden. Beim Austritt sei 

das formale Denken weitschweifig, umständlich und eingeengt auf 

komplexe geschichtliche Zusammenhänge, die einen verschwörungs-

- 26 -

theoretischen Hintergrund anmuten liessen. Für eine unterstützende, 

antipsychotische Behandlung sei der Patient nicht zugänglich gewesen. 

Die vom Patienten berichteten sexuellen Übergriffe in seiner Kindheit 

seien während der Hospitalisation in den Hintergrund getreten und nicht 

erneut zum Thema gemacht worden. An der Hauptdiagnose der einfachen 

Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ICD-10: F90.0 wurde 

festgehalten, neu als Nebendiagnose u.a. eine paranoide und narzis-

stische Persönlichkeitsakzentuierung festgehalten. Gemäss Aktennotiz 

vom 19. Dezember 2017 über das am selben Tag ergangene Telefonat 

der Eltern des Beschwerdeführers bei der Tagesklinik, habe dieser seinen 

Eltern täglich mehrere SMS geschickt, worin er angegeben habe, bei der 

Polizei eine Anzeige gegen seine Eltern zu machen oder bei seinen Eltern 

vorbeizugehen und "macht weiss etwas". Die Eltern hätten sich terrorisiert 

gefühlt und Angst gehabt, er tue sich selber oder ihnen etwas an (Bg-act. 

A13 S. 1).

5.3.10. Im Verlaufsbericht Rentenrevision IVS vom 31. März 2022 nahm Dr. med. 

E._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, spez. Forensische 

Psychiatrie und Psychotherapie, und zertifizierter medizinischer Gutachter 

SIM, Stellung zu den Fragen der IV, wobei er auf den Bericht von Dr. med. 

G._____ vom 10. November 2017 verwies und festhielt, dass derzeit keine 

Möglichkeit einer Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt 

gesehen werde (IV-act. 154). Er beschrieb einen unveränderten Gesund-

heitszustand. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

nannte er die seit Kindheit/Jugend bestehende einfache Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung und paranoide Persönlichkeitsstörung. Die IV 

hielt gestützt darauf am bisherigen Anspruch auf eine volle Invaliditäts-

rente fest (IV-act. 157). Der RAD-Arzt Dr. med. O._____ erachtete am 

13. April 2022 den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ebenfalls 

als nicht wesentlich verändert (vgl. IV-act. 158).

- 27 -

5.3.11. Mit Schreiben vom 15. August 2022 grenzte Dr. med. E._____ anhand der 

Berichte der H._____ den Zeitpunkt, in welchem der Beschwerdeführer 

den sexuellen Missbrauch realisiert hatte, auf Anfang/Mitte Dezember 

2017 ein. Er verwies darauf, dass sich in den früheren Hospitalisationen 

und in den davorliegenden Verlaufseinträgen keine Hinweise fänden, dass 

dieses Thema besprochen worden sei (Bg-act. A14).

5.3.12. Am 1. September 2022 nahm Dr. med. E._____ auf Gesuch der Opferhilfe 

Graubünden Stellung zu diversen Fragen (Bg-act. A17). Dr. med. E._____ 

führte aus, dass er den Beschwerdeführer seit August 2018 durchgehend 

behandelt habe. Das Thema der sexuellen Übergriffe durch den Erzeuger 

sei von Beginn an Gegenstand der Behandlung gewesen; es sei immer 

wieder auf diese Ereignisse eingegangen worden und welchen Einfluss 

diese auf sein heutiges Leben hätten; viele Alltagsprobleme stünden mit 

diesen Erlebnissen im Zusammenhang. Beim Patienten sei ein ADHS 

(ICD-10: F90.0), bestehend seit Kindheit, und eine Persönlichkeitsstörung 

(ICD-10: F60.0), diagnostiziert worden. Aus fachärztlicher Sicht müsse 

mittlerweile jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich beim 

Patienten um eine komplexe Traumafolgestörung handle, welche sich mit 

seiner erhöhten Impulsivität und ausgeprägten motorischen und inneren 

Unruhe äussere, was dann im Verlauf zu den genannten Diagnosen 

geführt habe. Der Patient habe grosse Probleme im Kontakt zu anderen 

Menschen, er fühle sich dort schnell ausgenützt. Auch wenn dies mit Hilfe 

der Therapie etwas habe verbessert werden können, sei der Patient 

primär misstrauisch, was mit seiner Vergangenheit zu tun habe. Aus 

therapeutischer Sicht seien vor allem seine wiederholten gescheiterten 

Bemühungen, eine partnerschaftliche Beziehung einzugehen, mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den 

sexuellen Übergriffen durch den Vater zu sehen. Die Aufmerksamkeits- 

und Konzentrationsprobleme und die motorische Unruhe hätten sich als 

- 28 -

Folge der Übergriffe im Kindes- und Schulalter entwickelt, und zu der 

Diagnose ADHS geführt. Weiter führte er aus, dass der Patient die 

Erlebnisse der Übergriffe lange Zeit verdrängt habe und so auch seine 

Symptomatik nicht habe einordnen können. Seit dem Bewusstsein sei es 

zu einer Verstärkung der inneren Anspannung und vor allen Dingen der 

Wutgefühle gegenüber dem Vater gekommen, was dann wiederum seine 

schon vorbestehenden Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen 

Zusammensein noch verstärkt habe, hier vor allen Dingen, wenn er mit 

vermeintlichen "Vätern", wie z.B. den Behörden, Ämtern oder Sozialver-

sicherungsträgern in Kontakt gekommen sei. Die genannten Symptome 

beeinträchtigten das Leben des Patienten, indem er grosse Mühe habe, 

zwischenmenschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Zudem habe die 

Persönlichkeitsstörung auch dazu geführt, dass der Patient habe IV-

berentet werden müssen.

5.3.13. Mit Schreiben vom 30. Januar 2023 verlangte der Beschwerdeführer 

sämtliche Unterlagen zur Verfügung vom 24. Januar 2023 und äusserte 

gegenüber der Leiterin Rechtsdienst des Beschwerdegegners seinen 

Unmut über den ergangenen (angefochtenen) Entscheid. Darin verwies er 

darauf, dass er sich die sexuellen Übergriffe nicht eingebildet habe. Sein 

Erzeuger hätte ihn am Hinterkopf gepackt, ihm seinen Penis in den Mund 

eingeführt und seinen Kopf mit ruckartigen Bewegungen hin und her 

gestossen, und einen Teil vom Samenerguss in seinem Mund und den 

anderen Teil auf sein Gesicht ergossen. Er vergesse niemals folgenden 

Satz dieses Mistkerls: "Denk immer daran, ich habe mehr Schläge 

erhalten als du von mir". Sein Problem sei derart gravierend, dass er in 

seinem Leben sicher nicht mehr als zehn Mal sexuellen Kontakt gehabt 

habe, denn jeder Kontakt sei schmerzhaft gewesen und habe nichts 

Schönes gehabt.

- 29 -

5.3.14. Mit Schreiben vom 2. Februar 2023 nahm Dr. med. E._____ zur 

ablehnenden Verfügung des Beschwerdegegners Stellung unter Präzi-

sierung seines Berichts vom 1. September 2022 (Bf-act. 3). Er hielt fest, 

die Aussage, dass ein behandelnder Arzt den biografischen Bericht 

ungefragt übernehme und anschliessend ein vorbestehendes 

Beschwerdebild einfach anders bewertet werde, sei selbstverständlich 

falsch. Vielmehr gehe es darum, die Beschwerden der betroffenen Person 

im Verlauf der Behandlung immer wieder zu evaluieren, einzuordnen und 

gegebenenfalls die Diagnose anzupassen oder zu verwerfen. Die 

sexuellen Übergriffe des Vaters könne er nicht beweisen, nichtsdestotrotz 

habe er diese aber in den Gesprächen durchaus auch kritisch hinterfragt 

und sei schliesslich zu seiner Einschätzung gelangt. Auf dieser Grundlage 

sehe er die Problematik des Patienten in einem engen Zusammenhang 

mit den wiederholt und konsistent berichteten sexuellen Übergriffen durch 

den Vater. Die verschiedenen Beschwerden und Problembereiche des 

Patienten liessen sich nicht ausreichend mit einem AHDS (recte: ADHS) 

oder einer reinen Persönlichkeitsproblematik erklären, sondern seien 

vielmehr als Folge der traumatischen Kindheitserlebnisse im Sinne einer 

komplexen Traumafolgestörung zu sehen. Eine komplexe Traumafolge-

störung zeige sich durch schwere und tiefgreifende Probleme der 

Affektregulation, eine tiefgreifende Überzeugung, das eigene Selbst sei 

minderwertig, beschädigt oder wertlos und anhaltende Schwierigkeiten in 

der Aufrechterhaltung von Beziehungen und dem Gefühl, anderen nahe 

zu sein. Das alles liege beim Patienten zweifelsohne vor. Ebenso sei der 

Fall, dass diese Symptome bedeutsame psychosoziale Funktionsein-

schränkungen verursachten. Eine solche komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung resp. Traumafolgestörung entwickle sich nach dem 

Erleben eines extrem bedrohlichen Ereignisses oder einer Folge von 

Ereignissen von extremer und anhaltender oder wiederholter Natur, die als 

bedrohlich oder grauenerregend erlebt würden und aus denen eine Flucht 

- 30 -

schwierig oder unmöglich sei. Die Störung sei durch die Kernsymptome 

der posttraumatischen Belastungsstörung gekennzeichnet und zusätzlich 

durch die vorher genannten. Wenn man dessen Angaben folge, habe der 

Patient wiederholt traumatische und bedrohliche Erlebnisse mit dem Vater 

gehabt. Es komme immer wieder zu Flashbacks. Er habe das Umfeld der 

Familie soweit gemieden, dass er sogar seinen Namen gewechselt habe. 

Er neige zu einer Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und teilweise 

auch einer Hypervigilanz. Diese Symptomatik, die auch als ADHS-Symp-

tomatik fehlgedeutet werden könne, spreche zweifelsohne für die 

Diagnose der komplexen Traumafolgestörung, die nicht nur auf dem 

unhinterfragten Übernehmen der Angaben des Patienten fussten, sondern 

auf den zahlreichen intensiven Gesprächen mit diesem.

6. Die fachliche Qualifikation ist bei Dr. med. E._____, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie, spez. Forensische Psychiatrie und 

Psychotherapie sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, wie auch 

bei RAD-Arzt Dr. med. G._____, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-

therapie sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, unbestrittener-

massen gegeben. Vorliegend gilt es zu prüfen, ob die fachärztlichen 

Beurteilungen von Dr. med. E._____ vom 1. September 2022 (Bg-act. 

A17), vom 15. August 2022 (Bg-act. A14) und vom 2. Februar 2023 (Bf-

act. 3) sowie die RAD-Abschlussbeurteilung von Dr. med. G._____ vom 

10. November 2017 (IV-act. 106) die Schlussfolgerung des Beschwerde-

gegners im angefochtenen Entscheid, dass nicht mit dem erforderlichen 

Beweisgrad festgestellt werden könne, ob die Straftat des sexuellen 

Missbrauchs am Beschwerdeführer durch den Vater bis ins Jahr 1986 

stattgefunden habe, zu erschüttern vermag.

6.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass ihm die sexuellen Übergriffe – 

mutmasslich aufgrund psychischer Verdrängungsmechanismen – erst 

anlässlich des Klinikaufenthaltes Ende 2017 erstmals bewusst geworden 

- 31 -

seien. Er konnte in seinem Gesuch um Genugtuung keine detaillierten 

Angaben zum sexuellen Missbrauch und deren Häufigkeit machen (vgl. 

Bg-act. A1). In den vorliegenden Unterlagen über die drei Hospital-

isationen in den H._____ und in den davorliegenden Verlaufseinträgen 

werden die vorgebrachten sexuellen Handlungen nicht thematisiert (vgl. 

Bg-act. A9-A11, A14). Die mutmasslichen Straftaten werden erst im 

Bericht vom 15. März 2018 über die 4. Hospitalisation in den H._____ ab 

dem 6. Januar 2018 (Bg-act. A12) im Zuweisungsgrund festgehalten: "Der 

Patient wird von der Kantonspolizei gebracht. Er hatte sich zuvor bei der 

Polizei gemeldet und von einem traumatischen Ereignis mit sexualisierter 

Gewalt vor 30 Jahren durch seinen Vater erzählt. Laut Polizei sei (er) sehr 

aufgewühlt, unruhig, psychisch dekompensiert. Freiwilliger Eintritt zur 

Krisenintervention und ggf. Medikamenten-Anpassung.". Auch die IV-

Akten enthalten keine Hinweise betreffend allfällig vorgebrachter resp. 

begangener Straftaten. Mit RAD-Abschlussbeurteilung vom 10. November 

2017 hielt Dr. med. G._____ fest, es liege eine relevante Pathologie der 

Persönlichkeitsstruktur bzw. einer paranoiden Persönlichkeitsstörung 

(IDC-10: F60.0) vor. Er liess dabei offen, ob allenfalls eine Mischung 

zwischen Persönlichkeitsstörung und doch anzuerkennendem ADS (bei 

inhaltlicher Überschneidung dieser beiden Diagnosen) vorliege (IV-act. 

106), da die Beantwortung dieser Frage für das IV-Verfahren nicht relevant 

war. Die Beurteilung durch Dr. med. G._____ erging vor dem Zeitpunkt, 

als dem Beschwerdeführer die vorgebrachten Straftaten bewusst wurden 

und helfen in diesem Punkt nach Auffassung des Gerichts nicht weiter.

6.2. Dr. med. E._____ behandelte den Beschwerdeführer seit August 2018 in 

der regelmässigen ambulanten Sprechstunde. Nachdem die vorherigen 

Ärzte beim Beschwerdeführer ein ADHS (IDC-10: F90.0) und eine Persön-

lichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) diagnostiziert hatten, ging Dr. med. 

E._____ davon aus, dass der Beschwerdeführer vielmehr unter einer 

- 32 -

komplexen Traumafolgestörung leide. Er folgerte, dass aus therapeu-

tischer Sicht vor allem die wiederholt gescheiterten Bemühungen des 

Beschwerdeführers, in eine partnerschaftliche Beziehung zu gelangen, mit 

an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den 

sexuellen Übergriffen durch den Vater zu sehen seien. Er erachtete 

überdies die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblematik und die 

motorische Unruhe als Folge der Übergriffe im Kindes- und Schulalter.

6.3. Der Beschwerdegegner stützte sich bei seiner Beurteilung auf die 

vorliegenden IV-Akten ab und hielt fest, dass der Stellungnahme des 

behandelnden Arztes Dr. med. E._____ vom 1. September 2022 (Bg-act. 

A17) nicht entnommen werden könne, ob die Straftat stattgefunden habe. 

Es sei nicht Aufgabe des behandelnden Arztes zu hinterfragen, ob der 

sexuelle Missbrauch überhaupt stattgefunden habe. Aufgrund der Symp-

tome könne nicht auf die Existenz der behaupteten Straftat geschlossen 

werden. Der Beschwerdegegner begründete dies im Wesentlichen unter 

anderem damit, dass die sexuellen Übergriffe während der 

4. Hospitalisation in den Hintergrund getreten und nicht mehr zum Thema 

gemacht worden seien. Er folgerte, dass verschiedenen Diagnosen, die 

Aussagen des Beschwerdeführers in unterschiedlichen Kontexten (Act. 

A18 S. 397 ff., 481 ff., 493 ff.), dessen Alter im Zeitpunkt der vorgebrach-

ten sexuellen Übergriffe, dessen schlechtes Langzeitgedächtnis, den 

fehlenden objektivierbaren Angaben zur Straftat wie auch der lange 

Zeitraum, der seit der letzten Tat vergangen ist, nicht ausreichten, um mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit die Opfereigenschaft des Beschwerde-

führers festzustellen.

6.4. Damit verkennt der Beschwerdegegner, dass bei der 4. Hospitalisation 

nebst der Krisenintervention eine Stabilisierung durch medikamentöse 

Optimierung, Diagnostik und Aufbau und Erhalt der Tagesstruktur im 

Vordergrund stand, weshalb die berichteten sexuellen Übergriffe in seiner 

- 33 -

Kindheit während des Aufenthaltes in den H._____ in den Hintergrund 

traten und nicht erneut zum Thema gemacht wurden (vgl. Bg-act. A12 S. 4 

f.). Der vorinstanzlichen Feststellung, dass es schwierig sei, neue Erkennt-

nisse betreffend eine Tat, die vor 38 Jahren stattgefunden haben soll, zu 

erlangen, kann durchaus gefolgt werden. Wenn der Beschwerdegegner im 

angefochtenen Entscheid aber festhält, dass die Aussagen und 

Wahrnehmungen des Gesuchstellers für sich alleine nicht zum Nachweis 

einer Straftat reichten, es möglich sei, dass er sich die Ereignisse einbilde 

oder aber vorhandene traumatische Erinnerungen aus der in der Kindheit 

und Jugend erlittenen physischen und psychischen Gewalt falsch 

interpretiere, und ausführt, dass die vorhandenen Symptome sowohl den 

Diagnosen der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-

10: F90.0) und einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F.32.1), 

einer paranoiden Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) als auch den 

Traumafolgen von sexuellen Übergriffen zugeordnet werden könnten, 

ohne sich dafür auf entsprechende aktuelle fachärztliche Grundlagen zu 

stützen sowie in antizipierter Beweiswürdigung die Notwendigkeit einer 

weiteren (aktuellen) Abklärung verneinte, vermag er die vorliegenden 

fachärztlichen Beurteilungen von Dr. med. E._____ nicht zu entkräften. 

Denn es gilt das Verbot der juristischen Parallelwertung von medizinischen 

Sachverhalten. So darf durch den Rechtsanwender keine von der 

medizinischen Experteneinschätzung losgelöste Parallelüberprüfung 

"nach besserem juristischen Wissen und Gewissen" stattfinden (vgl. 

BGE 141 V 281 E.5.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_808/2018 vom 

2. Dezember 2019 E.3.2.2). Im Zuge der Anwendung von BGE 141 V 281 

sowie BGE 143 V 409 und 418 bestätigte das Bundesgericht mehrfach, 

dass nicht von einer unzulässigen juristischen Parallelüberprüfung 

auszugehen ist, wenn das kantonale Gericht anhand der medizinischen 

Indikatorenprüfung die massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer 

umfassenden Betrachtung eines stimmigen Gesamtbildes schlüssig 

- 34 -

abgehandelt und nachgewiesen hat, wo die ärztlichen Darlegungen nicht 

mit den normativen Vorgaben übereinstimmen (BGE 145 V 361 E.4.1.1 

mit Hinweisen). Es ist dabei aber dem Umstand Rechnung zu tragen, dass 

die psychiatrische Exploration dem begutachtenden Psychiater praktisch 

immer einen gewissen Spielraum belässt, innerhalb dessen verschiedene 

medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und recht-

lich zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist 

(BGE 145 V 361 E.4.1.2 mit weiteren Hinweisen). Was der Beschwerde-

gegner vorbringt, fusst aber nicht auf fundierten medizinischen 

Beurteilungen von Fachmedizinern und verletzt damit das genannte 

Verbot. Die Verwaltungsbehörde, die nicht über die entsprechende 

Fachkunde verfügt, hat in Fachfragen auf die begründete Auffassung von 

entsprechenden Experten abzustellen. Die Verwaltungsbehörde bzw. im 

Beschwerdefall das Gericht sollen nicht ihr Wissen über das Fachwissen 

eines Experten stellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_87/2018 vom 

27. Juni 2018 E.4.1). Vorliegend hat sich der Beschwerdegegner nicht mit 

den in mehreren Schreiben zementierten Feststellungen des Facharztes 

sowie SIM-Gutachters Dr. med. E._____ auseinandergesetzt. Er hätte in 

Analogie zur Praxis des Bundesgerichts aber zumindest darlegen müssen, 

warum nicht auf die kompetenten und schlüssigen Ausführungen von 

Dr. med. E._____ abzustellen sei (vgl. BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 

351 E.3a und 3b/dd). Dazu hätte er sich wiederum – mangels eigenem 

(ärztlichen) Fachwissen – auf ärztliche Unterlagen stützen müssen, die 

den Zeitraum nach der Erkenntnis abdeckten und die inhaltlich die Beur-

teilungen von Dr. med. E._____ zu entkräften vermögen. Stattdessen 

wurden die Feststellungen von Dr. med. E._____ als Behauptungen eines 

behandelnden Arztes ohne Beweiswert abgetan. Zudem decken die zur 

Begründung herangezogenen IV-Akten den Zeitraum, ab welchem der 

Beschwerdeführer Zugang zu seinen Erinnerungen geltend macht, nicht 

ab. Auch die erforderliche Adäquanz zwischen dem Missbrauch und den 

- 35 -

psychischen Folgen kann erst nach Vorliegen von rechtsgenügenden 

ärztlichen Berichten betreffend allfälligem Vorliegen einer Straftat 

ausreichend festgestellt werden.

6.5. Mit dem Abstellen auf die IV-Akten und dem Verneinen der 

Beweisfähigkeit der fachärztlichen Berichte von Dr. med. E._____ vermag 

der Beschwerdegegner den Beweis für das Nichtvorliegen einer Straftat 

und damit der Opfereigenschaft i.S.v. Art. 1 OHG nach dem Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht zu führen, wobei er seiner 

Abklärungspflicht nicht rechtsgenügend nachgekommen resp. der 

Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist. Aus diesem Grund ist die 

Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf eingetreten werden kann, die 

angefochtene Verfügung vom 24. Januar 2023 aufzuheben und die 

Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu 

neuem Entscheid an den Beschwerdegegner zurückzuweisen, damit 

dieser nach ergänzender sachverständiger bzw. zumindest 

psychiatrischer fachärztlicher Abklärung des medizinischen Sachverhalts 

(unter Gewährung des rechtlichen Gehörs) gestützt auf die dannzumal 

vollständigen medizinischen Unterlagen über den Genugtuungsanspruch 

des Beschwerdeführers neu entscheiden kann.

7.1. Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das Verfahren betreffend 

Entschädigung und Genugtuung aus OHG (samt Rechtsmittelverfahren) – 

vorbehältlich mutwilliger Prozessführung – von Bundesrechts wegen 

kostenlos ist (Art. 30 Abs. 1 und 2 OHG).

7.2.1. Gestützt auf Art. 78 Abs. 1 VRG ist dem anwaltlich vertretenen 

Beschwerdeführer eine Parteientschädigung nach Massgabe des 

Obsiegens zuzusprechen. Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die 

Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte 

(HV; BR 310.250) setzt die urteilende Instanz die Parteientschädigung der 

- 36 -

obsiegenden Partei nach Ermessen fest. Dabei geht sie gemäss Art. 2 

Abs. 2 Ziff. 1 HV vom Betrag aus, welcher der entschädigungs-

berechtigten Partei für die anwaltliche Vertretung in Rechnung gestellt 

wird, soweit der vereinbarte Stundenansatz zuzüglich allfällig 

vereinbartem Interessenwertzuschlag üblich ist und keine Erfolgs-

zuschläge enthält. Als üblich gilt gemäss Art. 3 Abs. 1 HV ein 

Stundenansatz von CHF 210.00 bis CHF 270.00. Die Praxis des 

Verwaltungsgerichts (Praxisänderung vom 6. September 2017, vgl. dazu 

Urteile des Verwaltungsgerichts U 16 92 vom 25. Oktober 2017 E.13b, 

S 17 15 vom 27. September 2017 E.7b und R 18 17 vom 18. September 

2019 E.9.2.1) geht gestützt auf die HV dahin, dass bei Einreichen einer 

Honorarvereinbarung der geltend gemachte Stundenansatz übernommen 

wird, sofern er den Ansatz von CHF 270.00 nicht überschreitet.

7.2.2. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 3. Mai 2023 eine 

Honorarnote im Betrag von CHF 3'411.15 (entspricht 12.30 h à 

CHF 250.00 [CHF 3'075.00]; plus Kleinspesenpauschale von 3 % 

[CHF 92.25] und 7.7 % MWST [CHF 243.90]) ein. Eine Honorar-

vereinbarung über einen Stundenansatz von CHF 250.00 liegt vor 

(Gerichtsakte H1). Der geltend gemachte Zeitaufwand wurde vom 

Beschwerdegegner nicht beanstandet, so dass auf diesen abgestellt 

werden kann. Der Beschwerdegegner hat den Beschwerdeführer 

demnach infolge Obsiegens und Rückweisung der Sache ausser-

gerichtlich noch in vollem Umfange zu entschädigen.

- 37 -

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung vom 

24. Januar 2023 wird aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren 

Abklärungen im Sinne der Erwägungen sowie zu neuem Entscheid an das 

Kantonale Sozialamt Graubünden zurückgewiesen, soweit darauf 

einzutreten ist.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Das Kantonale Sozialamt Graubünden hat A._____ aussergerichtlich mit 

insgesamt CHF 3'411.15 (inkl. Spesen und MWST) zu entschädigen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]