# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9001b79d-b153-5233-9fb3-1226bd09f632
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2010 A-7508/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-7508-2009_2010-08-23.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-7508/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 3 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter André Moser (Vorsitz), Richterin Kathrin Dietrich, 
Richter Markus Metz, 
Gerichtsschreiberin Yvonne Wampfler Rohrer.

A._______
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Carlo Häfeli, 
Wyss & Häfeli Rechtsanwälte, Dufourstrasse 95, 
8008 Zürich,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Polizei fedpol,
Stab / Rechtsdienst-Datenschutz, Nussbaumstrasse 29, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Auskunftserteilung bzw. Löschung von Einträgen in 
Datenbanken.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-7508/2009

Sachverhalt:

A.
A._______  wurde  mit  Urteil  des  Bezirksgerichtes  Zürich  vom  (...) 
wegen  Verletzung  von  Art.  305ter  Ziff.  1  des  Schweizerischen 
Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) (Man-
gelnde Sorgfalt bei Finanzgeschäften und Melderecht) sowie Art. 254 
Abs. 1 StGB (Unterdrückung von Urkunden) verurteilt. Der betreffende 
Eintrag im Strafregister wurde nach zehn Jahren gelöscht. Dessen un-
geachtet  wurde er  seit  Einführung des Schengener  Informationssys-
tems offenbar  bei  jedem Grenzübergang von der  Grenzpolizei  über-
prüft und seine Papiere wurden kopiert, worauf er seine Reise wieder 
fortsetzen konnte. Auf Anfrage soll  ihm mitgeteilt  worden sein, er sei 
als  Verdächtiger  registriert,  weshalb jeweils  eine Kontrolle  stattzufin-
den habe. Hierauf stellte A._______ beim Bundesamt für Polizei fedpol 
am  (...)  ein  Gesuch  um  Löschung  sämtlicher  Einträge  in  den 
nationalen  Polizeidatenbanken  und  im  Schengener  Informati-
onssystem (SIS), eventuell um Einsichtnahme ins SIS.

B.
Das Bundesamt für Polizei fedpol erteilte A._______ am 4. November 
2009 Auskunft  über seine Einträge in den polizeilichen Informations-
systemen HOOGAN und IPAS (Ziff. 1 und 2 der Verfügung). Die Aus-
kunft  bezüglich  des  Systems  Bundesdelikte  (JANUS)  und  bezüglich 
des Informationssystems GEWA wurde gestützt auf Art. 8 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom 13. Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informati-
onssysteme des Bundes (BPI,  SR 361)  aufgeschoben (Ziff. 3  und 4 
der Verfügung). Schliesslich wies es das Gesuch mit  Bezug auf  das 
nationale  Fahndungsinformationssystem  RIPOL  und  das  SIS  nach 
Rücksprache mit den zuständigen Behörden gestützt auf Art. 9 Abs. 2 
Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz 
(DSG, SR 235.1) mit der Begründung ab, die Erteilung der Auskunft 
würde den Zweck einer Strafuntersuchung in Frage stellen (Ziff. 5 und 
6 der Verfügung). Für eine allfällige Löschung von Daten aus kantona-
len Systemen müsse der Gesuchsteller  sich zuständigkeitshalber  an 
die  entsprechenden  kantonalen  Polizeibehörden  wenden  (Ziff.  7  der 
Verfügung).

C.
Gegen die Verfügung des Bundesamtes für Polizei fedpol vom 4. No-
vember 2009 erhebt A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit 

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Eingabe vom 2. Dezember 2009 Beschwerde ans Bundesverwaltungs-
gericht. Er beantragt, die Verfügung sei aufzuheben und das Bundes-
amt sei anzuweisen, ihm die in Ziff. 5 und 6 verweigerte Auskunft be -
treffend dem Fahndungsinformationssystem RIPOL und  dem SIS zu 
erteilen. Die in diesen beiden Systemen vorhandenen Einträge seien 
zu löschen. Dem Beschwerdeführer sei schliesslich eine Prozessent-
schädigung zuzusprechen. Zur Begründung macht er im Wesentlichen 
eine Verletzung von Art. 17 Abs. 1 der Verordnung vom 15. Oktober 
2008  über  das  automatisierte  Polizeifahndungssystem  (RIPOL-
Verordnung, SR 361.0) i.V.m. Art. 8 und Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG gel -
tend.  Es  werde  dem Beschwerdeführer  durch  die  Verweigerung  der 
Auskunft erschwert, ja verunmöglicht, gegen die unrechtmässige Ein-
tragung  vorzugehen. Die  verweigerte  Löschung  des  RIPOL-Eintrags 
verletze  Art. 25  DSG,  jene betreffend den SIS-Eintrag Art.  33  i.V.m. 
Art. 43 der Verordnung vom 7. Mai 2008 über den nationalen Teil des 
Schengener  Informationssystems (N-SIS)  und das SIRENE-Büro (N-
SIS-Verordnung, SR 362.0) i.V.m. Art. 25 DSG. Schliesslich rügt  der 
Beschwerdeführer  eine  Verletzung  von  Art.  8  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention,  EMRK,  SR 0.101) 
sowie der Art. 10,  13 und 36 der Bundesverfassung der Schweizeri -
schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101).

D.
Das Bundesamt für Polizei  fedpol (nachfolgend: Vorinstanz) schliesst 
mit Vernehmlassung vom 11. März 2010 auf Abweisung der Beschwer-
de. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt die Vorinstanz, dem Be-
schwerdeführer die Akteneinsicht in den vertraulichen, nur für das Ge-
richt  bestimmten  Amtsbericht  und  die  entsprechenden  Beilagen  zu 
verweigern.

E.
Der Beschwerdeführer reicht am 15. April  2010 seine Schlussbemer-
kungen zur Vernehmlassung der Vorinstanz ein.

F.
Auf weitergehende Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten 
befindlichen  Schriftstücke  wird,  soweit  erforderlich,  im  Rahmen  der 
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

      

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Nach  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021).

1.1 Da keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt, mit dem Bundes-
amt für Polizei fedpol eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG 
verfügt hat und die erlassene Verfügung ein zulässiges Anfechtungs-
objekt darstellt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde zuständig.

1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes 
bestimmt.

1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor 
der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur 
Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 
Änderung hat. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren 
mit seinen Anträgen teilweise nicht durchgedrungen, durch die ange-
fochtene Verfügung (namentlich Ziff. 5 und 6) insoweit auch materiell 
beschwert und deshalb zur Beschwerde befugt.

1.4 Auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art.  50 
und 52 VwVG) ist demnach einzutreten.

1.5 Streitgegenstand  in  der  nachträglichen  Verwaltungsrechtspflege 
bildet das in der angefochtenen Verfügung geregelte oder zu regelnde, 
im  Beschwerdeverfahren  noch  streitige  Rechtsverhältnis  (ANDRÉ 
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem Bun-
desverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 74 Rz. 2.8). Aufgrund der vom 
Beschwerdeführer gestellten Rechtsbegehren hat das Bundesverwal-
tungsgericht vorliegend demnach die Ziff. 5 und 6 der angefochtenen 
Verfügung zu überprüfen. Hinsichtlich der übrigen Punkte erhebt  der 
Beschwerdeführer keine Einwendungen, weshalb namentlich der Auf-
schub der Auskunft  über allfällige Einträge in den Informationssyste-
men JANUS und GEWA (Ziff. 3 und 4 der angefochtenen Verfügung) 
nicht Streitgegenstand bildet.

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1.6 Der von der Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht zusammen 
mit  ihrer  Vernehmlassung  eingereichte  vertrauliche  Amtsbericht  und 
die beiden Beilagen wurden dem Beschwerdeführer nicht zur Akten-
einsicht zugestellt. Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung (S. 4) 
zutreffend  geltend  macht,  würde  nämlich  mit  einer  Bekanntgabe  im 
Rahmen des Schriftenwechsels  der Streitgegenstand – die Erteilung 
der Auskunft über allfällig vorhandene polizeiliche Informationen im RI-
POL und im SIS – im Sinne des Beschwerdeführers vorab entschie-
den. Da die  betreffende Akteneinsicht  nicht  gewährt  wurde,  bestand 
auch kein Anlass, darüber in einer selbständig anfechtbaren Zwischen-
verfügung  zu  befinden  (vgl.  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  S.  41 
Rz. 2.48). Kommt hinzu,  dass der Beschwerdeführer ein Gesuch um 
Einsicht in den Amtsbericht gar nicht gestellt hat (vgl. seine Schluss-
bemerkungen S. 2).

2.
Der  Beschwerdeführer  bestreitet  die  Rechtmässigkeit  der  Verweige-
rung der Auskunft über allfällige Einträge im RIPOL und im SIS sowie 
deren Löschung in grundsätzlicher Hinsicht. Es rechtfertigt sich daher, 
vorab darzulegen, in welchem Umfang und unter welchen Bedingun-
gen die Vorinstanz als Betreiberin von RIPOL und von N-SIS, des na-
tionalen Teils des SIS, Auskunftsbegehren prüfen und beantworten so-
wie  Löschungen  allfälliger  Einträge  in  diesen  Informationssystemen 
vornehmen kann bzw. welche Schranken ihr dabei gemäss internatio-
nalen Verpflichtungen und nationalem Recht gesetzt sind.

2.1 Die Schweizer Behörden sind seit  dem am 1. März 2008 für die 
Schweiz  erfolgten  Inkrafttreten  des  Abkommens  zwischen  der 
Schweiz,  der  Europäischen  Union  und  der  Europäischen  Gemein-
schaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, An-
wendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands vom 26. Okto-
ber  2004 (SAA,  SR 0.362.31)  an die  Vorgaben des SAA sowie des 
Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schen-
gen vom 14. Juni 1985 zwischen den Regierungen der Staaten der Be-
nelux-Wirtschaftsunion,  der  Bundesrepublik  Deutschland  und  der 
Französischen Republik betreffend den schrittweisen Abbau der Kon-
trollen an den gemeinsamen Grenzen vom 19. Juni 1990 (Schengener 
Durchführungsübereinkommen,  SDÜ,  EUR-Lex  -  42000A0922[02]), 
das zum Schengenbesitzstand gehört, gebunden (zur Rechtsnatur und 
zum Inhalt des SDÜ vgl. allgemein  SANDRA STÄMPFLI,  Das Schengener 
Informationssystem  und  das  Recht  der  informationellen  Selbst-

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bestimmung, Bern 2009, S. 8 ff.). Wie in  der Botschaft  des Bundes-
rates  vom  1.  Oktober  2004  zur  Genehmigung  der  bilateralen  Ab-
kommen  zwischen  der  Schweiz  und  der  Europäischen  Union,  ein-
schliesslich der Erlasse zur Umsetzung der Abkommen ("Bilaterale II",  
BBl  2004 5965) ausgeführt,  sind die Datenschutzbestimmungen des 
nationalen Rechts (nur) in denjenigen Bereichen anwendbar, die durch 
die  Bestimmungen des SDÜ nicht  abschliessend  geregelt  sind. Das 
SDÜ  enthält  in  den  Art.  102  bis  118  spezielle  Bestimmungen  be-
treffend den Datenschutz und die Datensicherung im SIS. So halten 
die  Art.  105  und  106 SDÜ  die  Pflicht  der  datenbearbeitenden  Be-
hörden fest,  die  Richtigkeit,  Erforderlichkeit  und Verhältnismässigkeit 
der  Datenspeicherung zu gewährleisten sowie  falsche  Daten  zu be-
richtigen  oder  zu  vernichten.  Dabei  ist  zu  beachten,  dass  falsche 
Daten nicht von jedem Schengenstaat geändert oder gelöscht werden 
dürfen,  sondern  ausschliesslich  von  jenem  Staat,  der  die  Aus-
schreibung veranlasst hat (vgl. BBl 2004 6091). Jeder Staat hat aber 
gemäss Art. 106 Abs. 2 SDÜ die Pflicht, beim ausschreibenden Staat 
die Korrektur oder Löschung zu verlangen, wenn die Daten falsch oder 
nicht mehr erforderlich sind.

2.1.1 Das  Auskunftsrecht  richtet  sich  gemäss  Art.  109  Abs. 1  SDÜ 
nach dem nationalen Recht der Vertragspartei, in deren Hoheitsgebiet 
das Auskunftsrecht beansprucht wird. Dabei darf eine Vertragspartei, 
welche die Ausschreibung nicht vorgenommen hat, Auskunft zu diesen 
Daten nur erteilen, wenn sie vorher der ausschreibenden Vertragspar-
tei  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  gegeben  hat.  Gemäss  Art.  109 
Abs. 2 SDÜ unterbleibt die Erteilung der Auskunft an den Betroffenen, 
wenn dies zur Durchführung einer rechtmässigen Aufgabe im Zusam-
menhang  mit  der  Ausschreibung  oder  zum  Schutz  der  Rechte  und 
Freiheiten Dritter unerlässlich ist. Sie unterbleibt immer bei Ausschrei-
bungen nach Art. 99 SDÜ.

2.1.2 Bei Ausschreibungen gemäss den Art. 95 (Festnahme zur Aus-
lieferung),  Art. 97 (vermisste Personen)  und Art. 99 SDÜ (verdeckte 
Registrierung) hat der zur Ausschreibung ersuchte Schengenstaat ge-
mäss Art. 94 Abs. 4 SDÜ die Möglichkeit, die Durchführung der Mass-
nahme auf seinem Hoheitsgebiet vorläufig oder unbefristet zu verwei-
gern. Verzichtet  ein  Schengenstaat  auf  diese Möglichkeit,  ist  er  ver-
pflichtet, die Massnahme umzusetzen. Folglich besteht bei allen Aus-
schreibungen  von  Massnahmen,  deren  Durchführung  die  Schweiz 
nicht verweigert hat, eine Prüfbefugnis und -pflicht der Auskunftsgesu-

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che gemäss nationalem Recht  nach vorgängiger  Anhörung der  aus-
schreibenden Vertragspartei. Bei Ausschreibungen nach Art. 99 SDÜ 
hat die Erteilung der Auskunft  stets zu unterbleiben. Die Modalitäten 
einer Auskunfts- und Löschverweigerung sind nicht im SDÜ geregelt. 
Hierfür gilt  gemäss Art. 109 Abs. 1 SDÜ das nationale Datenschutz-
recht (zum Ganzen vgl. STÄMPFLI, a.a.O., S. 48 ff.).

2.1.3 Gemäss Art. 111 SDÜ hat jede Person das Recht, im Hoheitsge-
biet jeder Vertragspartei eine Klage wegen einer sie betreffenden Aus-
schreibung insbesondere auf Berichtigung, Löschung, Auskunftsertei-
lung oder Schadenersatz vor dem nach nationalem Recht zuständigen 
Gericht oder der zuständigen Behörde zu erheben. Mit seinem Gesuch 
um Löschung hat der Beschwerdeführer dieses Recht bei der Vorin-
stanz als zuständiger Behörde ausgeübt. Wie diese in ihrer Vernehm-
lassung zutreffend festhält,  würde die  Schweiz,  sollte  die  Vorinstanz 
bei der Bearbeitung eines Auskunfts- oder Löschgesuches im Rahmen 
der beschränkten Prüfbefugnis gemäss SDÜ Hinweise erhalten, dass 
die Einträge falsch oder nicht mehr erforderlich sein könnten, gemäss 
Art. 106 Abs. 2 SDÜ eine genauere Abklärung bei den ausschreiben-
den Behörden verlangen.

2.2 Nach Art. 17 Abs. 1 der RIPOL-Verordnung richten sich die Rech-
te der Betroffenen, insbesondere das Auskunfts-,  Berichtigungs- und 
Löschungsrecht,  nach dem DSG. Art. 2 Abs. 2 Bst. c DSG hält  fest, 
dass erstinstanzliche Verwaltungsverfahren unter den Geltungsbereich 
des DSG fallen.

2.2.1 Die  vorliegend  angefochtene  Verfügung  stützt  sich  auf  Art.  7 
Abs. 1 BPI i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG. Danach kann ein Bundesor-
gan die Information oder Auskunft verweigern, einschränken oder auf-
schieben, soweit die Information oder Auskunft den Zweck einer Straf-
untersuchung  oder  eines  andern  Untersuchungsverfahrens  in  Frage 
stellt.  Gemäss  Rechtsprechung  und  Lehre  bedeutet  dies  einerseits, 
dass es weder erforderlich ist,  dass sich die fragliche Untersuchung 
auf die betroffene Person selbst bezieht, noch dass sie in der Schweiz 
stattfinden muss. Andererseits ergibt sich aus dem Wortlaut, dass es 
sich beim Verfahren, das gefährdet würde, um eine Untersuchung und 
nicht etwa allgemein um ein hängiges Verfahren handeln muss (Urteil 
der Eidgenössischen Datenschutzkommission vom 28. Februar 1997, 
veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  62.55 
E. II. 4a und b). Die Einschränkung des Auskunftsrechts nach den Vor-

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gaben  von  Art.  9  DSG  kommt  dann  in  Betracht,  wenn  befürchtet 
werden muss oder klar  ist,  dass der Ablauf  des Verfahrens bzw. der 
Untersuchung durch die Erteilung der Auskunft erheblich gestört oder 
die sachgerechte Erfüllung der Aufgaben der Verwaltung in Frage ge-
stellt  würde  (RALPH GRAMIGNA/URS MAURER-LAMBROU,  in:  Urs  Maurer-
Lambrou/Nedim Peter  Vogt  [Hrsg.],  Datenschutzgesetz,  Basler  Kom-
mentar,  2. Aufl.,  Basel  2006,  Rz. 28 zu Art. 9  DSG). Die  Gründe für 
eine Einschränkung stellen ein Anwendungsgebot dar, wenn sie vorlie-
gen und die Verweigerung der Auskunft nach dem Prinzip der Verhält-
nismässigkeit als mildestes Mittel für den Schutz der überwiegenden 
öffentlichen  Interessen  erforderlich  ist  (GRAMIGNA/MAURER-LAMBROU, 
a.a.O., Rz. 4 zu Art. 9 DSG).

2.2.2 Die Vorinstanz ist  als Betreiberin der Informationssysteme RI-
POL und N-SIS zuständig für die Bearbeitung der Auskunftsersuchen 
(vgl. Art. 17 RIPOL-Verordnung bzw. Art. 49 N-SIS-Verordnung). Die 
Vorinstanz  prüft  ebenso  gestützt  auf  Art.  4  DSG  bzw. auch  Art.  6 
Abs. 1 BPI, ob der Eintrag im Informationssystem falsch oder obsolet 
geworden ist  und ob er  dem Bearbeitungszweck entspricht,  der bei 
der  Beschaffung  angegeben  worden  ist.  Die  Zwecke  von  RIPOL 
werden in Art. 15 BPI abschliessend aufgeführt, während für das N-
SIS Art. 16 BPI die in Betracht  kommenden Zwecke nennt. Bei  der 
Beurteilung, ob und inwieweit eine Erteilung der Auskunft oder eine 
Löschung  den  Zweck  einer  Strafuntersuchung  oder  eines  andern 
Untersuchungsverfahrens  in  Frage  stellt,  ist  die  Vorinstanz  auf  die 
Stellungnahmen  der  ausschreibenden  Behörden  angewiesen  (Art. 
109 Abs. 1 SDÜ, Art. 17 Abs. 3 RIPOL-Verordnung, Art. 49 Abs. 2 N-
SIS-Verordnung).  Wie  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  aus-
führt, beschränkt sie sich nach Eingang der Stellungnahme der aus-
schreibenden  Behörde  auf  die  Prüfung,  ob  der  Bearbeitungszweck 
eingehalten,  die  hierzu  eingegangenen  Informationen  erforderlich 
und richtig sind sowie im Fall der Ablehnung der Auskunftserteilung, 
ob die Voraussetzungen von Art. 109 SDÜ eingehalten sind.

3.
Im Folgenden ist auf die Rügen des Beschwerdeführers im Einzelnen 
einzugehen,  soweit  schützenswerte  Geheimhaltungsinteressen  dies 
zulassen.

3.1 Mit Bezug auf die von der Vorinstanz verweigerte Auskunft macht 
der Beschwerdeführer konkret eine Verletzung von Art. 17 Abs. 1 RI-

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POL-Verordnung i.V.m. Art. 8 und 9 Abs. 2 Bst. b DSG sowie Art. 49 
Abs. 3 Bst. c N-SIS-Verordnung i.V.m. Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG geltend. 
Gemäss Art. 8 DSG müsse der Inhaber einer Datensammlung der dar-
in  eingetragenen  Person  alle  über  sie  vorhandenen  Daten  mitteilen 
und  offenbaren,  einschliesslich  der  verfügbaren  Angaben  über  die 
Herkunft  der  Daten.  Entgegen  der  Meinung  des  Beschwerdeführers 
war die Vorinstanz befugt, sich auf Art. 9 Abs. 2 DSG zu berufen und 
– nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden – die Auskunft zu 
verweigern. Der vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang er-
wähnte BGE 125 II 473 befasst sich mit der Frage, inwieweit interne 
Akten, die der Behörde zur Meinungsbildung gedient haben, den Ver-
weigerungsgründen gemäss Art. 9 DSG unterstehen. Vorliegend geht 
es indes nicht um interne Akten, sondern ausschliesslich um die sich 
in den Informationssystemen befindenden Daten zum Beschwerdefüh-
rer. Die Vorinstanz hat insofern sowohl bezüglich RIPOL als auch hin -
sichtlich SIS mit der entsprechenden ausschreibenden Behörde Rück-
sprache zu nehmen und bei  Vorliegen eines überwiegenden öffentli -
chen Interesses die Auskunft zu verweigern.

3.2 Der Beschwerdeführer wendet ferner ein, betreffend die nationale 
RIPOL-Datenbank könne sich die Vorinstanz nicht auf Regelungen des 
SDÜ berufen, sondern habe die von ihm gestellten Begehren mit voller  
Kognition  zu  beurteilen.  Damit  verkennt  er,  dass  die  SIS-Aus-
schreibungen gemäss Art. 4  Abs. 5 Bst. a  der  N-SIS-Verordnung im 
nationalen  Polizeifahndungssystem  RIPOL  abgebildet  werden,  wes-
halb ihm auch diesbezüglich keine Auskunft gegeben werden konnte. 
Wird die Auskunft zu einer Information aus einem Informationssystem 
verweigert, ist dies bei der Beurteilung der Auskunft zum anderen In -
formationssystem  zu  berücksichtigen,  da  je  nach  Auskunft  Rück-
schlüsse  über  Grund  und  allfälligen  Inhalt  der  verweigerten 
Information gezogen werden können (vgl. BBl 2004 6255).

3.3 Anders als  der  Beschwerdeführer  meint,  hilft  ihm auch das Ver-
hältnismässigkeitsprinzip nicht weiter. Er vertritt die Ansicht, insbeson-
dere die Auskunft darüber, wie lange ein Eintrag schon bestehe und 
von wem er  veranlasst  worden sei,  sei  für  ihn  erforderlich,  damit  er 
sich gegen diesen Eintrag bei der Behörde zur Wehr setzen könne, zu-
mal er ja wisse, dass ein Eintrag bestehe. So verständlich dieses An-
liegen  auch  scheinen  mag,  so  stehen  ihm  doch  internationale  Ver-
pflichtungen der Schweiz im Wege. Diese ist an die Vorgaben von SAA 
und SDÜ gebunden, wonach weder die Nennung der veranlassenden 

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Behörde noch jene  des Grundes zulässig  ist.  Die  Verweigerung  der 
Auskunft seitens der Vorinstanz war deshalb die einzige und zugleich 
verhältnismässige  Möglichkeit,  den  aus  SAA  und  SDÜ  sich  für  die 
Schweiz ergebenden Verpflichtungen nachzukommen.

3.4 Dagegen hat das Bundesverwaltungsgericht – entsprechend dem 
Anliegen des Beschwerdeführers – die im geheimen, nur für das Ge-
richt bestimmten Amtsbericht enthaltenen Informationen geprüft. Hin-
sichtlich  der  vom Beschwerdeführer  beantragten und  von der  Vorin-
stanz verweigerten Löschung allfälliger Einträge im RIPOL und im SIS 
ist es zum Schluss gekommen, dass die Ausführungen gemäss Amts-
bericht nachvollziehbar sind und zur Zeit wenigstens kein Handlungs-
bedarf besteht. Schliesslich wäre die Schweiz gehalten, sollte die Vor-
instanz  in  der  Folge  Hinweise  bekommen,  dass  die  Einträge  nicht 
mehr erforderlich sein könnten, eine genauere Abklärung bei den aus-
schreibenden Behörden zu verlangen (vgl. Art. 106 Abs. 2 SDÜ). Im 
Übrigen weist die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zutreffend dar-
auf hin, dass jede Person gemäss Art. 27 Abs. 2 DSG das Recht hat,  
vom  Eidgenössischen  Datenschutz-  und  Öffentlichkeitsbeauftragten 
(EDÖB) zu verlangen, dass er bei einer bestimmten Behörde daten-
schutzrechtlich relevante Sachverhalte bzw. die Einhaltung der in Fra-
ge stehenden datenschutzrechtlichen Vorgaben durch die Behörde ab-
klärt.

3.5 Der  Beschwerdeführer  rügt  schliesslich  eine  Verletzung  von 
Art. 8 EMRK sowie von Art. 10, 13 und 36 BV. Eine Einschränkung der 
gemäss Art. 8 EMRK sowie Art. 10 garantierten persönlichen Freiheit 
ist nur rechtmässig, wenn sie sich nach den Kriterien von Art. 36 BV 
richtet.  Dies  bedeutet,  dass  eine  Einschränkung  nur  in  Betracht 
kommt,  wenn  deren  Möglichkeit  in  einem Gesetz  im  formellen  Sinn 
vorgesehen ist (Abs. 1), wenn sie durch ein öffentliches Interesse oder 
durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt ist (Abs. 2), 
wenn sie verhältnismässig ist (Abs. 3) und wenn sie nicht in den Kern-
gehalt  des in Frage stehenden Grundrechts eingreift  (Abs. 4). Vorlie-
gend sind alle vorgeschriebenen Kriterien erfüllt. Die Möglichkeit  der 
Einschränkung ist  in Art. 9 DSG und in Art. 7 BPI i.V.m. Art. 9 DSG 
vorgesehen, das öffentliche Interesse ist dargetan, die Verhältnismäs-
sigkeit erstellt und der Kerngehalt der persönlichen Freiheit bleibt un-
angetastet. Eine Verletzung von konventions- oder verfassungsmässi-
ger Rechte liegt nicht vor.

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3.6 Die Beschwerde ist demnach als unbegründet abzuweisen.

4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als un-
terliegend und hat die entsprechenden Verfahrenskosten, bestimmt auf 
Fr. 1000.-, zu übernehmen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind mit dem 
geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen.

5.
Dem Beschwerdeführer ist, da er unterliegt, keine Parteientschädigung 
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

       

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1000.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 1000.- verrechnet. 

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Einschreiben)
- das Generalsekretariat des EJPD (Gerichtsurkunde)
- den EDÖB (B-Post)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

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A-7508/2009

André Moser Yvonne Wampfler Rohrer

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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