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**Case Identifier:** 99398cb7-cf51-5749-878c-bf168440d348
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-04-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.04.2010 SE090044
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SE090044_2010-04-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
  

 
 

Geschäfts-Nr. SE090044/U/eh 

 

I. Strafkammer 

 

Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. Bollinger, Vorsitzender, lic. iur. M. Langmeier 

und Ersatzoberrichter lic. iur. A. Flury sowie der juristische Sekretär 

lic. iur. T. Walthert 

Urteil vom 7. April 2010 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. F. Stadelmann,  

Molkenstr. 15/17, Postfach, 8026 Zürich,  

Anklägerin 

 

sowie 

 

1. C.   ,  

2. D.   ,  

3. E.   ,  

4. F.   ,  

Geschädigte 

1, 2, 3 und 4 vertreten durch Rechtsanwalt G.__,  

 

gegen 

 

A.   , Sozialarbeiter/WG-Leiter, 

Angeklagter 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.__,  

-   2   - 

 

betreffend Mord etc.  

 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 28. Oktober 

2009 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 39). 

Anträge: 

a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich: 

(schriftlich, Urk. 62 S. 17) 

1. Der Angeklagte A.__ sei im Sinne der Anklageschrift vom 28. Oktober 2009 

des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB, der sexuellen Nötigung im Sinne 

von Art. 189 StGB sowie der Störung des Totenfriedens im Sinne von 

Art. 262 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Er sei mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu bestrafen, unter  

Anrechnung der erstandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft. 

3. Es sei eine Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB anzuordnen. 

4. Die mit Beschlagnahmeverfügung vom 28. September 2009 beschlagnahm-

ten diversen Sexhefte sowie die Harddisk des sichergestellten Computers 

seien gestützt auf Art. 69 StGB einzuziehen. 

b) Des Vertreters der Geschädigten C.    und D.   : 

(schriftlich, Urk. 63 S. 1 und Urk. 59 S. 1) 

1. Es sei der Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und an-

gemessen zu bestrafen. 

2. Es sei der Angeklagte zu verpflichten, C.__ und D.__ je eine Genugtuung 

von Fr. 75'000.– zu bezahlen, zuzüglich Verzugszins von 5 % seit dem 

27. Januar 2008. 

-   4   - 

3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Geltendmachung weiterer An-

sprüche auf dem Zivilweg ausdrücklich vorbehalten wird. 

4. Es seien dem Angeklagten die Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

c) Des Vertreters der Geschädigten F.   : 

(schriftlich, Urk. 58 S. 1 f.) 

1. Es sei der Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und an-

gemessen zu bestrafen. 

2. Es sei der Angeklagte zu verpflichten, Frau F.__ eine Genugtuung von 

Fr. 30'000.– zu bezahlen, zuzüglich Verzugszins von 5 % seit dem 27. Ja-

nuar 2008. 

3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Geltendmachung weiterer An-

sprüche auf dem Zivilweg ausdrücklich vorbehalten sind. 

4. Es seien dem Angeklagten die Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

5. Es sei Frau F.__ rückwirkend ab dem 27. Januar 2008, eventualiter seit dem 

1. Januar 2010 in der Person des Schreibenden ein unentgeltlicher Rechts-

beistand zu bestellen. 

Subeventualiter sei der Angeklagte zu verpflichten, Frau F.__ eine Prozess-

entschädigung von Fr. 1'500.– zu bezahlen. 

d) Des Vertreters des Geschädigten E.   : 

(schriftlich, Urk. 60 S. 1 f.) 

1. Es sei der Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und an-

gemessen zu bestrafen. 

2. Es sei der Angeklagte zu verpflichten, Herrn E.__ eine Genugtuung von 

Fr. 30'000.– zu bezahlen, zuzüglich Verzugszins von 5 % seit dem 27. Ja-

nuar 2008. 

-   5   - 

3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Geltendmachung weiterer An-

sprüche auf dem Zivilweg ausdrücklich vorbehalten sind. 

4. Es seien dem Angeklagten die Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

5. Es sei Herrn E.__ rückwirkend ab dem 27. Januar 2008, eventualiter seit 

dem 1. Januar 2010 in der Person des Schreibenden ein unentgeltlicher 

Rechtsbeistand zu bestellen. 

Subeventualiter sei der Angeklagte zu verpflichten, Herrn E.__ eine Pro-

zessentschädigung von Fr. 1'750.– zu bezahlen. 

e) Des Verteidigers des Angeklagten: 

(schriftlich, Urk. 65 S. 1 f.) 

1. Der Angeklagte sei der eventualvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 

StGB sowie der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

2. Vom Vorwurf der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Abs. 1 

StGB sei er freizusprechen. 

3. Er sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von neun Jahren, unter  

Anrechnung der seit dem 27. Januar 2008 erstandenen Haftzeit. 

4. Die Verfahrenskosten sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung seien 

dem Angeklagten zwar aufzuerlegen, sie seien jedoch wegen offensichtli-

cher Uneinbringlichkeit auf die Staatskasse zu nehmen und abzuschreiben. 

-   6   - 

Das Gericht erwägt: 

I. Verfahrensgang 

1. Am 27. Januar 2008, um 15.45 Uhr, meldete ein Aufseher der Strafanstalt 

Pöschwies telefonisch der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich den ausser-

gewöhnlichen Todesfall eines Inhaftierten, welcher sich in der Zelle eines  

'Fremden' befinde, wobei eine Fremdeinwirkung nicht ausgeschlossen werden 

könne (vgl. Urk. 1/1 S. 3). Zuvor hatte sich der Angeklagte A.__ bei einem Aufse-

her gemeldet mit den Worten, er habe einen 'Seich' gemacht und er müsse ihm in 

seiner Zelle etwas zeigen. Da aufgrund der gerichtsärztlichen Untersuchung am 

Verstorbenen †H.__ sowie den ersten Ermittlungsergebnissen am Tatort klar von 

einem Tötungsdelikt ausgegangen werden musste, wurde der Angeklagte, Insas-

se der Zelle, in welcher der Verstorbene vorgefunden worden war, festgenommen 

und in Polizeiverhaft versetzt (vgl. Urk. 1/1 S. 3 ff.). 

2. Noch am 27. Januar 2008 erfolgte die Hafteinvernahme des Angeklagten 

(Urk. 4/1). Am 29. Januar 2008 ordnete der Haftrichter auf entsprechenden Antrag 

der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich Untersuchungshaft an (Urk. 31/5 

und Urk. 31/6). Wegen Eigen- und Fremdgefährdung wurde der Angeklagte am 

28. Januar 2008 auf die Sicherheitsabteilung der Klinik Rheinau versetzt, wo er 

bis zur Stabilisierung seines Zustandes am 17. April 2008 verblieb. Anschliessend 

wurde er ins Gefängnis Pfäffikon verlegt (Urk. 31/2-3, Urk. 31/8). Gestützt auf ent-

sprechende Anträge der Untersuchungsbehörden wurde die Untersuchungshaft 

mehrmals verlängert, letztmals am 23. Oktober 2009 (Urk. 31/9-15, Urk. 31/19-20, 

Urk. 31/34-35, Urk. 31/47-48, Urk. 31/51-52). Zwischen 17. und 26. März 2009 

sowie 21. April und 30. April 2009 war der Angeklagte wiederum wegen akuter 

Suizidalität im Inselspital Bern hospitalisiert gewesen (Urk. 31/24-26; Urk. 31/31-

33). Am 25. Mai 2009 wurde der Angeklagte in die Sicherheitsabteilung der  

Justizvollzugsanstalt Lenzburg verlegt (Urk. 31/40-41). Mit Verfügung vom  

30. November 2009 ordnete die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich den 

-   7   - 

weiteren Verbleib des Angeklagten in der Sicherheitsabteilung des Justizvoll-

zugsanstalt Lenzburg an (Urk. 50A/2).  

3. Mit Verfügung vom 1. Februar 2008 hatte der Stellvertreter der Präsidentin 

der Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Zürich dem Angeklagten 

Rechtsanwalt B.__ als amtlichen Verteidiger beigegeben (Urk. 30/2). Am 18. Feb-

ruar 2008 hatte die Präsidentin der Anklagekammer verfügt, C.__ und D.__ (El-

tern von †H.__) werde Rechtsanwalt G.__ als unentgeltlicher Rechtsvertreter bei-

gegeben; das Gesuch der Geschwister des Verstorbenen - E.__ und F.__ - wurde 

abgewiesen (Urk. 29/11). 

4. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Schaffhausen vom 24. April 2008 wurde 

das Verfahren betreffend Überprüfung der im Urteil des Kantonsgerichts Schaff-

hausen vom 5. Dezember 1996 angeordneten gerichtlichen Verwahrung des  

Angeklagten nach Art. 43 Ziff. 1 Abs. 2 aStGB sistiert bis zum Erhalt des im vor-

liegenden Prozess in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachtens (Urk. 33/4). 

5. Unter dem 26. Februar 2008, 4. März 2008, 31. März 2008, 3. April 2008, 

28. April 2008, 13. August 2008 und 8. Januar 2009 wurden vom Institut für 

Rechtsmedizin der Universität Zürich verschiedene Gutachten erstellt (Urk. 10/2, 

Urk. 11/1, Urk. 12/1, Urk. 13/3, Urk. 14/2 und Urk. 16/1+4). Das psychiatrische 

(Akten-)Gutachten über den Angeklagten datiert vom 9. April 2009 (Urk. 18/10); 

das Ergänzungsgutachten wurde am 30. Juni 2009 erstattet (Urk. 18/12). 

6. Mit Verfügung vom 14. August 2008 hatte die Staatsanwaltschaft IV des 

Kantons Zürich vom Sperrkonto des Angeklagten den Betrag von Fr. 11'176.25 

beschlagnahmt und vorgemerkt, dass der Angeklagte im Falle von nicht gedeck-

ten Arztkosten bei der Staatsanwaltschaft Antrag auf Freigabe des entsprechen-

den Betrages stellen könne (Urk. 20/1). 

7. Am 3. Juni 2008 und 26. Juni 2008 war der Angeklagte polizeilich befragt 

worden; untersuchungsrichterliche Befragungen fanden am 19. Mai 2009,  

3. September 2009 sowie am 17. September 2009 statt (Urk. 4/2-4, Urk. 4/7-8). 

-   8   - 

Am 28. September 2009 fand schliesslich die Schlusseinvernahme des Angeklag-

ten sowie eine Befragung zur Person statt (Urk. 4/9, Urk. 33/5). 

8. Am  28. Oktober 2009 erhob die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

die heute zu beurteilende Anklage gegen den Angeklagten A.__ (Urk. 39). 

9. Mit Verfügung der Präsidentin der Anklagekammer des Obergerichts vom 

30. Oktober 2009 wurde dem Angeklagten beziehungsweise seinem Verteidiger 

einerseits Frist angesetzt, um sich zur Anordnung Sicherheitshaft zu äussern.  

Andererseits wurde ihm eine zehntägige Frist angesetzt, um allfällige Einwendun-

gen gegen die Anklage vorzubringen und sich im Sinne der §§ 198 Abs. 2 und 

198a Ziff. 2 und Ziff. 3 StPO zu erklären (Urk. 40). 

10. Innert Frist liess der Angeklagte mit Schreiben vom 3. November 2009 durch 

seinen Verteidiger mitteilen, dass er auf eine Stellungnahme zur Anordnung von 

Sicherheitshaft verzichte (Urk. 41+42). 

11. Mit Verfügung der Präsidentin der Anklagekammer des Obergerichts vom 

5. November 2009 wurde sodann über den Angeklagten die Sicherheitshaft an-

geordnet (Urk. 43). 

12. Innert Frist liess der Angeklagte mit Eingabe vom 10. November 2009 durch 

seinen Verteidiger mitteilen, dass er den Anklagesachverhalt anerkenne, er ledig-

lich die rechtliche Würdigung des Sachverhaltes im Zusammenhang mit dem ein-

geklagten Mord und der Störung des Totenfriedens bestreite und er eine Beurtei-

lung durch das Obergericht wünsche (Urk. 45). Die Staatsanwaltschaft IV des 

Kantons Zürich verzichtete auf eine Vernehmlassung zur Eingabe des Angeklag-

ten vom 10. November 2009 (Urk. 46). 

13. Mit Beschluss der Anklagekammer der Obergerichts vom 23. November 

2009 wurde die Anklage vom 28. Oktober 2009 zugelassen und der Angeklagte 

gemäss § 198a Abs. 1 Ziff. 3 lit. a StPO dem Obergericht des Kantons Zürich zur 

Aburteilung überwiesen (Urk. 47). 

-   9   - 

14. Im Rahmen der heutigen Hauptverhandlung, zu welcher die leitende Staats-

anwältin lic. iur. F. Stadelmann, der Angeklagte (aus der Untersuchungshaft  

vorgeführt) in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt B.__ sowie 

der Geschädigtenvertreter Rechtsanwalt G.__ erschienen sind (Prot. S. 3), lies-

sen die Parteien die eingangs erwähnten Anträge stellen. 

15. Im Nachgang zur heutigen Hauptverhandlung verfügte der Vorsitzende, den 

Geschädigten E.__ und F.__ Rechtsanwalt G.__ als unentgeltlicher Rechtsvertre-

ter beizugeben (Prot. S. 52).  

 

II. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem damals in der Strafanstalt Pöschwies verwahrten Angeklagten wird kurz zu-

sammenfassend vorgeworfen, am 27. Januar 2008 dem Mithäftling †H.__ eine 

Getränkemischung von in rund drei bis vier Deziliter Wasser und Sirup aufgelös-

ten Valium- und allenfalls auch Temestatabletten angeboten zu haben, wovon 

dieser auch einen grossen Teil getrunken habe und daraufhin auf dem Bett des 

Angeklagten eingeschlafen sei. Als der Geschädigte wenige Stunden später er-

wacht sei und sich zu erheben versucht habe, habe der Angeklagte die Handge-

lenke des Geschädigten auf dessen Rücken zusammen gebunden, wobei sich 

der Geschädigte in Bauchlage auf dem Bett befunden habe. Um zudem zu ver-

hindern, dass der Geschädigte um Hilfe schreie, habe der Angeklagte ihm Gaze 

in den Mund gesteckt und ihm einen zusammengeknitterten Plastiksack vor den 

Mund geschnürt. Schliesslich, als sich der Geschädigte mit den Beinen zu wehren 

versucht habe, habe der Angeklagte die Beine des Geschädigten an den Bett-

pfosten festgebunden. 

In der Folge habe der Angeklagte dem Geschädigten die Hose nach unten  

gezogen und diesem eine mit Niveacrème eingeschmierte Brausetablettenhülse 

in den After eingeführt. Danach habe sich der Angeklagte auf den Geschädigten 

gelegt und versuchte, mit seinem erigierten Penis in den After des Geschädigten 

-   10   - 

einzudringen, was dieser aber trotz gefesselter Hände habe verhindern können. 

So habe der Angeklagte stattdessen zu einem Deo-Spray gegriffen, den er eben-

falls mit Niveacrème eingeschmiert habe, und habe diesen ebenfalls in den After 

des Geschädigten eingeführt, wobei es diesem jedoch gelungen sei, den  

Deo-Spray aus eigener Kraft wieder aus seinem After herauszuziehen. 

Als es dem Geschädigten daraufhin gelungen sei, den zusammengeknitterten 

Plastiksack von seinem Mund etwas herunterzustossen und um Hilfe zu schreien, 

habe der Angeklagte dem Geschädigte mit seinem Arm mehrere Male dermassen 

gegen die Kehle gedrückt, dass es zu Mehrfachfrakturen des Ringknorpels am 

Kehlkopf des Geschädigten gekommen sei. Zudem habe eine Gazenbinde,  

welche der Angeklagte dem Geschädigten in den Mund gesteckt gehabt habe, 

dessen Atemwege verlegt, was insgesamt dazu geführt habe, dass der  

Geschädigte erstickt sei. 

Nachdem der Geschädigte verstorben sei, habe der Angeklagte diesem erneut 

den Deo-Spray in den After eingeführt (Urk. 39). 

2. Sachverhalt 

2.1. Der Angeklagte hat den eingeklagten Sachverhalt sowohl in der Unter-

suchung als auch anlässlich der heutigen Hauptverhandlung grundsätzlich voll-

umfänglich eingestanden (Urk. 4/1-9, insb. Urk. 4/9 S. 2 ff.; Prot. S. 23 ff.). In die-

sem Sinne liess sich der Angeklagte auch im Anklagezulassungsverfahren ver-

nehmen (Urk. 45 S. 2 f.). Bestritten werden hingegen die Vorwürfe der besonders 

skrupellosen Tötung, wie es auf Seite 5 der Anklageschrift vom 28. Oktober 2009 

wiedergegeben ist, und der Verunehrung des Leichnams des Geschädigten 

†H.__ (Urk. 45 S. 2 f.; Urk. 65). 

2.2. Der eingeklagte objektive Sachverhalt ist aufgrund der Zugeständnisse des 

Angeklagten (Urk. 4/1-9) und der verschiedenen Untersuchungen und Gutachten 

(vgl. u.a. Urk. 11/1, Urk. 14/2, Urk. 15/1, Urk. 15/5, Urk. 16/4) rechtsgenügend  

erstellt. 

-   11   - 

Die Fragen der besonderen Skrupellosigkeit bei der Tötung und ob der Angeklag-

te wusste und wollte oder lediglich billigend in Kauf nahm, dass er mit seiner Vor-

gehensweise zudem den Leichnam des Geschädigten verunehrte, ist zwar Teil 

des subjektiven Sachverhalts, doch stellen sich diese Fragen primär auch bei der 

rechtlichen Würdigung, weshalb dort näher darauf einzugehen ist. 

2.3. Die Anklageschrift vom 28. Oktober 2009 äussert sich hinsichtlich des sub-

jektiven Tatbestandes nur im Zusammenhang mit dem eingeklagten Mord 

(Urk. 39 S. 4) und der eingeklagten Störung des Totenfriedens (Urk. 39 S. 5). 

Dem Angeklagten wird dabei Vorsatz und/oder zumindest Eventualvorsatz vor-

geworfen. Hinsichtlich der sexuellen Nötigung ist ein expliziter Vorsatz nicht um-

schrieben.  

Bezüglich des subjektiven Tatbestandes genügt es in der Regel jedoch, dass dem 

Angeklagten ein entsprechendes Verhalten vorgeworfen wird; soweit tatbe-

standsmässiges Handeln nur bei Vorsatz vorliegen kann, ist die Darstellung des 

Sachverhaltes hinsichtlich des objektiven Tatbestandes ausreichend. Dasselbe 

gilt für besondere subjektive Tatbestandsmerkmale wie die Bereicherungs- oder 

Aneignungsabsicht. Erst bei behaupteter Fahrlässigkeit sind jene Momente anzu-

führen, mit denen die Verletzung einer Sorgfaltspflicht sowie Vorhersehbarkeit 

und Vermeidbarkeit begründet werden, das blosse Behaupten einer Fahrlässig-

keit würde mithin nicht genügen. Im Lichte von BGE 120 IV 355 f. muss aufgrund 

der Anklageschrift „immer völlig klar“ sein, ob dem Angeklagten Fahrlässigkeit 

oder vorsätzliche Tatbegehung vorgeworfen wird, sofern sowohl vorsätzliches als 

auch fahrlässiges Verhalten strafbar ist (BGE 120 IV 356 und Kass.G. Nr. 99/327 

S vom 7.2.2000; Schmid in Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessord-

nung des Kantons Zürich, N 10 zu § 162 StPO). 

Da die sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB nur vorsätzlich bzw. even-

tualvorsätzlich begangen werden kann, genügt die Anklageumschreibung auch in 

subjektiver Hinsicht und ist somit dem Anklagegrundsatz Genüge getan.  

 

-   12   - 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Allgemeine Vorbemerkungen 

1.1. Der Verteidiger des Angeklagten teilte mit Schreiben vom 10. November 

2009 mit, dass die rechtliche Qualifikation der Tötung des Geschädigten als Mord 

im Sinne von Art. 112 StGB und die Qualifikation der postmortalen Einführung ei-

nes Deo-Sprays in den After des Geschädigten als Störung des Totenfriedens im 

Sinne von Art. 262 Abs. 1 StGB bestritten werde. Akzeptiert werde hingegen der 

Vorwurf einer eventualvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB (Urk. 45). 

1.2. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung konkretisierte der Verteidiger des 

Angeklagten, es sei zu bemängeln, dass das Bild, welches vom Angeklagten im 

Zusammenhang mit der Beurteilung der Vortaten gezeichnet worden sei, unbese-

hen auf den vorliegenden Fall zur Anwendung gebracht worden sei. Es würden zu 

Unrecht Parallelen zu den beiden Tötungsdelikten aus den Jahren 1982 und 1993 

gezogen. Der Angeklagte habe den Tod des Geschädigten nicht gewollt und der 

Umstand, dass der Geschädigte wegen ihm nicht mehr lebe, habe ihn seelisch 

nieder geschmettert. Es sei zwischen dem Angeklagten und dem Geschädigten 

abgemacht gewesen, dass Letzterer zwecks Überwachung allfälliger Folgen oder 

Nebenfolgen des Medikamentenmixkonsums auch nach dem Trinken in der Zelle 

des Angeklagten bleiben sollte, um hernach in seine eigene Zelle zurück zu  

kehren. Weil der Angeklagte den Geschädigten in dem Zustand nicht habe gehen 

lassen können, dieser aber Anstalten zum Aufstehen und Weggehen gemacht 

habe, habe ihn der Angeklagte auf dem Bett fixiert. Dieses Fixieren sei immer 

noch von der Abmachung der Überwachung abgedeckt gewesen. Der Geschädig-

te hätte in seinem eigenen Interesse nicht wirr und verladen von den Aufsehern 

angetroffen werden sollen. Dass der Angeklagte in der Folge mit dem Arm gegen 

die Kehle des Geschädigten gedrückt habe, habe mit den vorausgegangenen  

sexuellen Handlungen nichts zu tun gehabt. Vielmehr habe der Angeklagte  

gewollt, dass sich der Geschädigte ruhig verhält, damit er nicht unter dem Einfluss 

und den Wirkungen des Medikamentenmixkonsums stehend von den Aufsehern 

angetroffen werde. Zwischen den sexuellen Handlungsmotiven und dem  

-   13   - 

Tötungsdelikt bestehe deshalb kein Zusammenhang. Auch die Mutmassung des 

Gutachters, die sexuelle Erregung des Angeklagten sei in blinde Wut umge-

schlagen, weil er nicht hinreichend befriedigt worden sei, gehe fehl. Der Ange-

klagte sei auch nach dem versuchten Analverkehr nicht in Wut geraten. Selbiges 

gelte für das post mortem Verhalten des Angeklagten, eine Parallelität zu den  

früheren Fällen sei nicht gegeben. Der Angeklagte habe dem Geschädigten post 

mortem keine Verletzungen zugefügt, auch sei es nicht zu weiteren sexuellen 

Handlungen gekommen. Dem Angeklagten als ausgebildeter Psychiatriepfleger 

sei vielmehr bekannt gewesen, dass es in diesem Stadium noch zu Stuhlabgang 

kommen könne. Dieses auch die Würde des Verstorbenen tangierende Szenario 

habe der Angeklagte verhindern wollen, weshalb er beim Geschädigten einen 

Deospray appliziert habe.  

Es müsse zudem bestritten werden, dass die Pornohefte einen Einfluss auf den 

nachfolgenden Tatablauf gehabt hätten. Das in der Zelle des Angeklagten befind-

liche Pornoheft spiele für die nachfolgenden Geschehnisse keine Rolle. Das  

Pornoheft habe sich der Geschädigte alleine und nicht zusammen mit dem Ange-

klagten angeschaut. Ausserdem könne entgegen der Ansicht des Gutachters 

nicht davon ausgegangen werden, dass der Angeklagte nach der Tat als wenig 

beteiligt und im Wesentlichen unauffällig zu bezeichnen gewesen sei. Der Ange-

klagte sei äusserst niedergeschlagen gewesen, er habe nicht mehr länger leben 

wollen. Er habe gestottert, merkbar beeinträchtigt gewirkt und Lebensmüdigkeit 

geäussert. Diesen Sterbenswunsch habe der Angeklagte schliesslich auch in der 

Hafteinvernahme vom 27. Januar 2008 geäussert. Dass diese Suizidabsichten 

sehr ernst genommen worden seien, gehe schon klar daraus hervor, dass der 

Angeklagte umgehend wegen Selbstmordgefährdung ins Psychiatriezentrum 

Rheinau eingeliefert worden sei. 

Den vom Gutachter bei seiner Sadismus-Diagnose vermeintlich festgestellten  

Parallelen zu den früheren Fällen könne auch nicht gefolgt werden. Das von ihm 

gezeichnete Muster – Tötung zur Bestrafung des Opfers für die vermeintliche  

Provokation respektive sexuelle Erregung und die als nekrophil zu bezeichnende 

Phase mit sexuellen Handlungen bei allen drei Opfern post mortem – passe nicht 

-   14   - 

zum vorliegenden Fall. Der Umstand, dass der Geschädigte zu Tode gekommen 

sei, sei gerade nicht im Zusammenhang mit den vorausgegangenen sexuellen 

Handlungen gestanden. Ein sadistisches Verhalten des Angeklagten liege nicht 

vor, was sich anhand von diversen Einzelheiten sehen lasse. So habe der Ange-

klagte bekanntlich die Beroccahülse und den Deospray mit Niveacreme einge-

schmiert, um beim Einführen derselben keine Schmerzen oder Verletzungen zu 

verursachen. Des Weiteren habe er vom Versuch des Analverkehrs abgesehen, 

als der Geschädigte mit den Händen auf dem Rücken Abwehrbewegungen  

gemacht habe. Zudem sei im Umstand, dass der Angeklagte schlussendlich den 

Deospray eingeführt habe, um einen möglichen Stuhlabgang zu verhindern, eben-

falls keine sadistische Verhaltensweise zu erblicken. 

Nach alledem müsse zusammenfassend festgehalten werden, dass das vom 

Gutachter aufgrund der Vortaten des Angeklagten gezeichnete Muster nicht auf 

den vorliegenden Fall anwendbar sei. Die vom Gutachter gemachten Parallelen 

würden nicht bestehen (Urk. 65 S. 6 ff.). 

Es könne deshalb auch nicht von einer in der Anklage vorgebrachten besonderen 

Skrupellosigkeit gesprochen werden. Die von der Anklage diesbezüglich vorge-

brachten Elemente – Tötung aus krass egoistischen Gründen, weil der Angeklag-

te wegen einer drohenden Einschliessung im Bunker habe verhindern wollen, 

dass Aufseher vom Horten und von der Abgabe von Medikamenten an den  

Geschädigten erfahren würden – habe der Angeklagte in seiner Einvernahme 

vom 13. September 2009 klar verneint. Er habe ausgesagt, dass es ihm egal  

gewesen wäre, wenn er wegen den Handlungen am Geschädigten in Untersu-

chungshaft oder in den Bunker hätte gehen müssen. Er habe sein Verhalten als 

Verzweiflungstat geschildert, wobei er die Beherrschung verloren habe, als der 

Geschädigte begonnen habe zu schreien. Dabei müsse auch genauer betrachtet 

werden, in welcher Verfassung der Angeklagte zum Tatzeitpunkt gewesen sei.  

Im Blut des Angeklagten seien die Benzodiazepine Lorazepam, Diazepam,  

Norazepam und Oxazepam nachgewiesen worden. Es sei nun aber bekannt, 

dass Benzodiazepine auch sogenannte paradoxe stimulierende Effekte auslösen 

könnten. Mit anderen Worten würden Benzodiazepine das Gegenteil von dem 

-   15   - 

bewirken, was sie eigentlich bewirken sollten. Zu diesen paradoxen Reaktionen 

würden z.B. erhöhte Angst und gemütsmässiger Kontrollverlust mit aggressiven 

Durchbrüchen gehören. Es könne vorliegend deshalb nicht ausgeschlossen wer-

den, dass es am 27. Januar 2008 beim Angeklagten zu einer solchen Umkehr-

wirkung im Sinne einer paradoxen Reaktion gekommen sei. Es könne nicht aus-

geschlossen werden, dass die Reaktion des Angeklagten auf die Schreie  

des Geschädigten ganz wesentlich von den paradoxen Wirkungen der Benzodia-

zepine beeinflusst gewesen sei. Der Angeklagte habe mit Panik reagiert, die  

Beherrschung verloren und es sei ihm auch das Zeitgefühl abhanden gekommen.  

Dadurch lasse sich der Vorwurf, der Angeklagte habe aus krass egoistischen 

Gründen getötet, nicht aufrecht erhalten. Vielmehr sei aus den genannten  

Gründen von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit auszugehen, die nicht 

tatgebunden, sondern täterbezogen sei. In einem solchen Fall lasse sich die  

Beurteilung der Skrupellosigkeit nicht von jener der Schuldfähigkeit trennen. 

Die Anklage suggeriere weiter, dass der Angeklagte zielgerichtet die vom Konsum 

des Medikamentenmixes herrührende Benommenheit des Geschädigten ausge-

nützt habe, um ihn zu fesseln und zu knebeln und hernach zu töten. So sei es 

aber nicht gewesen. Die Handlungen bis und mit der Fixierung des Geschädigten 

auf dem Bett seien in keinem Zusammenhang mit den nachfolgenden Tat-

handlungen gestanden. 

Das weiter von der Anklage vorgebrachte Element der Skrupellosigkeit – der  

Angeklagte habe die ausweglose Situation des Geschädigten ausgenutzt, indem 

er ihn sexuell missbraucht und ihn hernach wegen fehlender Befriedigung aus  

einem Frustrationsgefühl heraus getötet habe – gehe auch fehl. Zutreffend sei 

einzig, dass der Angeklagte sexuelle Handlungen am Geschädigten ausgeführt 

habe, als sich dieser wegen der Fesselung nicht habe wehren können. Allein die 

sexuelle Nötigung einer Person, welche sich gegen den Übergriff nicht zur Wehr 

setzen könne, sei zwar verwerflich, stelle für sich aber noch keine besondere 

Skrupellosigkeit dar. Der weitere Punkt des Frustrationsgefühls wegen fehlender 

Befriedigung sei wieder an die Ausführungen des Gutachters zur Parallelität zu 

den früheren Fällen angelehnt, was wie bereits dargelegt aber unzutreffend sei.  

-   16   - 

Zuletzt werfe die Anklage dem Angeklagten vor, er habe die Tötungsabsicht auf 

perfide und hinterhältige Art und ohne verbale Auseinandersetzung konsequent, 

unerbittlich, mit einer erheblichen Ausdauer und einer massiven Gewaltanwen-

dung umgesetzt. Auch hier könne der Anklage nicht gefolgt werden. Die Anklage 

suggeriere, dass es der Angeklagte von Beginn weg darauf angelegt habe, den 

Geschädigten in seiner Zelle zu töten. Dem sei aber klar zu widersprechen. Es sei 

gerade nicht so, dass der Angeklagte eine Tötungsabsicht gefasst habe und diese 

dann während des Aufenthaltes des Geschädigten in seiner Zelle konsequent mit 

erheblicher Ausdauer umgesetzt hätte. Erst als der Geschädigte zu schreien be-

gonnen habe, habe der Angeklagte mit seinem Arm auf ihn eingewirkt. Und auch 

hier habe er keinen direkten Tötungsvorsatz gefasst. In Panik geraten und die 

Beherrschung verloren, habe der Angeklagte den Arm auf die Kehle des Geschä-

digten gedrückt, was schliesslich zu dessen Tod geführt habe. 

Fasse man nun all diese dargelegten Aspekte zusammen, dann ergebe sich, dass 

kein besonders skrupelloses Verhalten des Angeklagten im Sinne von Art. 112 

StGB vorliege. Vielmehr sei auf den Grundtatbestand von Art. 111 StGB abzu-

stellen, wonach sich der Angeklagte der eventualvorsätzlichen Tötung schuldig 

gemacht habe (Urk. 65 S. 14 ff.) 

1.3. Zusammengefasst ist damit die rechtliche Würdigung bezüglich des Mordes 

und der Störung des Totenfriedens bestritten. Bezüglich des übrigen erstellten 

Sachverhaltspunktes der sexuellen Nötigung wurde die zutreffende rechtliche 

Würdigung der Staatsanwaltschaft seitens des Angeklagten und der Verteidigung 

anerkannt (Urk. 45; Urk. 65). 

Dementsprechend ist der Angeklagte vorweg der sexuellen Nötigung im Sinne 

von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Mord 

2.1. Rechtstheoretische Ausführungen zum objektiven Tatbestand; Umsetzung 

2.1.1. Als Spezialtatbestand (lex specialis) geht Art. 112 StGB dem Grundtat-

bestand von Art. 111 StGB vor. Art. 112 StGB definiert die schwerste Form eines 

-   17   - 

Tötungsdelikts und setzt zunächst die vorsätzliche Verursachung des Todes eines 

Menschen im Sinne von Art. 111 StGB voraus. Dabei genügt es nach Art. 12 

Abs. 2 StGB, wenn die Tötung eventualvorsätzlich verursacht wurde (Schwarzen-

egger in: Niggli / Wipprächtiger (Hrsg.), Basler Kommentar, Strafrecht II, Art. 111 

– 392 StGB, 2. Aufl., Basel 2007, N 7 zu Art. 111 StGB und N 23 zu Art. 112 

StGB). 

2.1.2. Die eventualvorsätzliche Tötung des Geschädigten †H.__ wird vom 

Angeklagten und auch von seiner Verteidigung anerkannt (Urk. 45 S. 2; Urk. 65 

S. 1). Vorsätzliche resp. eventualvorsätzliche Tötung (Art. 111 StGB) ist dann als 

Mord zu qualifizieren, wenn der Täter besonders skrupellos handelt, namentlich 

sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung besonders ver-

werflich ist (Art. 112 StGB). 

Im Zusammenhang mit der Mordqualifikation ist zu beachten, dass die vorsätzli-

che Tötung menschlichen Lebens immer ausserordentlich schwer wiegt (BGE 127 

IV 10 E. 1a S. 13 f.). Mord unterscheidet sich durch besondere Skrupellosigkeit 

klar von der vorsätzlichen Tötung (BGE 118 IV 122 E. 2b S. 126). Er zeichnet sich 

durch aussergewöhnlich krasse Missachtung des Lebens bei der Durchsetzung 

eigener Absichten aus. Zur Verdeutlichung dieser Skrupellosigkeit führt das  

Gesetz beispielhaft zwei subjektive Indikatoren und einen objektiven Indikator auf: 

ein besonders verwerflicher Beweggrund, ein besonders verwerflicher Zweck der 

Tat und eine besonders verwerfliche Art der Ausführung. Diese Merkmale oder 

Indizien müssen zum einen aber nicht erfüllt sein, um Mord anzunehmen, zum 

andern aber sollen sie vermeiden helfen, dass für die Qualifikation allein auf eine 

Generalklausel der besonderen Skrupellosigkeit abgestellt werden müsste (BGE 

117 IV 369 E. 17, 19b). Die für eine Mordqualifikation konstitutiven Elemente sind 

jene der Tat selber, während Vorleben und Verhalten nach der Tat nur heranzu-

ziehen sind, soweit sie tatbezogen sind und ein Bild der Täterpersönlichkeit geben 

(BGE 117 IV 369 E. 17, 19a). Das Gesetz erfasst jenen Täter, den der Psychiater 

Binder (ZStrR 67/1952 S. 307) beschrieben hat als skrupellos, gemütskalt, krass 

und primitiv egoistisch, ohne soziale Regungen, der sich daher zur Verfolgung 

seiner eigenen Interessen rücksichtslos über das Leben anderer Menschen hin-

-   18   - 

wegsetzt (Trechsel/Fingerhuth in: Stefan Trechsel et al., Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 5 zu Art. 112 StGB; 

BGE 117 IV 369 E. 17; BGE 120 IV 265 E. 3a). Entscheidend ist eine Gesamt-

würdigung aller äusseren und inneren Umstände der konkreten Tat (Schwarzen-

egger in BSK StGB II, a.a.O., N 7 zu Art. 112 StGB; BGE 120 IV 265 E. 3a; BGE 

118 IV 122; BGE 115 IV 8 E. 1b; Pra 89/2000 Nr. 73 S. 429 E. 2c). In dieser  

Gesamtwürdigung kann eine besondere Skrupellosigkeit immer noch entfallen, 

namentlich wenn das Tatmotiv einfühlbar und nicht krass egoistisch ist, etwa 

wenn die Tat durch eine schwere Konfliktsituation ausgelöst wurde (Schwarzen-

egger in BSK StGB II, a.a.O., N 7 zu Art. 112 StGB; BGE 120 IV 265 E. 3a).  

Somit erfolgt die Qualifikation im Wesentlichen nach ethischen Kriterien (Trech-

sel/Fingerhuth, a.a.O., N 4 zu Art. 112 StGB; BGE 115 IV 8 E. 1b).  

2.1.3. Besonders verwerfliche Beweggründe, besonders verwerflicher Zweck 

a) Von wesentlicher Bedeutung sind die Beweggründe, aus denen der Täter 

gehandelt hat. Die Beweggründe gehören zu den inneren Antrieben, die einen  

Täter zur Tötung motivieren (Schwarzenegger in BSK StGB II, a.a.O., N 8 ff. zu 

Art. 112 StGB). Als besonders verwerflich gilt etwa die Tötung eines Menschen 

aus Habgier, wenn die Tötung zum Zweck des Raubes oder des Diebstahls dient 

(Raubmord; BGE 115 IV 187) oder wenn die Tötung zur Erzielung einer  

Belohnung ausgeführt wird (Auftragsmord; BGE 118 IV 125). Das Motiv der  

Rache wirkt dann nicht qualifizierend, wenn der Täter aufgrund einer Hassreakti-

on tötet, die durch die andauernden Demütigungen von Seiten des Opfers  

hervorgerufen worden ist (BGE 118 IV 129). Als besonders verwerflicher Beweg-

grund kann auch extremer Egoismus oder die extreme Geringschätzung des  

Lebens gelten. Ausdruck eines solchen Missverhältnisses zwischen dem Mittel 

der Tötung und dem dahinterstehenden Beweggrund und Zweck ist der Eliminati-

onsmord, bei dem der Täter sich einer von ihm als lästig empfundenen Person 

entledigen will (BGE 70 IV 5; BGE 77 IV 64: Tötung des Ehemannes, um den  

Geliebten heiraten zu können; BGE 101 IV 279: Beseitigung der Geschwänger-

ten). Weiter ist der extreme Egoismus des Täters bei der Tötung zur Ermögli-

chung oder zur Verdeckung einer Straftat zu erblicken. Dies auch dann, wenn der 

-   19   - 

Täter ein Menschenleben vernichtet, um seine Bestrafung zu vereiteln (BGE 120 

IV 265: Tötung, damit das vorgängige Würgen nicht auskomme). Entsprechend ist 

auch der erst während der Tatbegehung gefasste Entschluss, einen Zeugen zu 

eliminieren, nach den gleichen Massstäben zu beurteilen (Schwarzenegger in 

BSK StGB II, a.a.O., N 11 zu Art. 112 StGB). Besonders verwerflich sind auch 

fundamentalistische oder politische Beweggründe, wenn die Tötung aus religiö-

sem oder politischem Fanatismus geschieht, der bis zur totalen Missachtung des 

Lebens anderer Menschen führt, sowie auch die Tötung aus reiner „Mordlust“, 

wenn die Tötung aus Freude an der Vernichtung von Menschenleben, aus Neu-

gierde, jemanden sterben zu sehen, oder aus Zeitvertrieb ausgeführt wird (BGE 

104 IV 150; BGE vom 24. September 1992, SJ 1993, 299; BGE vom 1. Septem-

ber 2005, 6S.135/2005; BGE vom 12. Mai 2006, 6S.81/2006). Besonders verwerf-

lich ist auch, wenn sich der Täter durch die Tötung eine sexuelle Befriedigung be-

schaffen will, wenn der Täter den Tod des Opfers als Folge einer Vergewaltigung 

in Kauf nimmt oder wenn das Opfer getötet wird, um sich in nekrophiler Weise an 

der Leiche zu befriedigen (vgl. Schwarzenegger in BSK StGB II, a.a.O., N 14 zu 

Art. 112, m.w.H.). Die Kaltblütigkeit oder die Gefühlskälte - die Tatausführung  

ohne Gefühlsregung - kann im Rahmen der Gesamtwürdigung ebenfalls als Indiz 

für fehlende Skrupel berücksichtigt werden (BGE 127 IV 16 ff: Tötung der Tochter 

zur "Lösung" eines Kultur- und Generationenkonflikts, Bejahung der Mordqualifi-

kation aufgrund der Gesamtwürdigung als Grenzfall; KassGer TI, 6.8.1981,  

Rep 1983, 165: Tötung eines wehrlosen geknebelten Opfers mit Hammer-

schlägen). 

b) Im Unterschied zum besonders verwerflichen Beweggrund ist mit dem  

besonders verwerflichen Zweck das äusserliche Ziel der Tat gemeint. Nachdem 

aber hinter dem verwerflichen Zweck praktisch immer auch ein besonders  

verwerflicher Beweggrund des Täters steht, kommt diesem Beispiel einer beson-

deren Skrupellosigkeit kaum selbständige Bedeutung zu (Schwarzenegger in BSK 

StGB II, a.a.O., N 16 zu Art. 112 StGB; Trechsel/Fingerhuth, a.a.O., N 15 zu  

Art. 112 StGB). 

 

-   20   - 

2.1.4. Besonders verwerfliche Art der Ausführung 

Bei der besonders verwerflichen Art der Ausführung stehen der äussere  

Geschehensablauf der Tötung und die eingesetzten Tatmittel im Vordergrund 

(Schwarzenegger in BSK StGB II, a.a.O., N 17 ff. zu Art. 112 StGB). Dazu zählt 

etwa die ausserordentliche Grausamkeit, wenn der Täter dem Opfer an Intensität 

oder Dauer grössere physische oder psychische Schmerzen, Leiden oder Qualen 

zufügt, als sie mit einer Tötung notwendigerweise verbunden sind (BGE 77 IV 64: 

langsame Tötung durch Gift in knapper Dosierung; BGE 82 IV 8: Tötung durch 

Unterwasserdrücken des Kopfes). Zur besonders verwerflichen Art der Ausfüh-

rung gehört weiter die Heimtücke, wenn der Täter zuerst das Vertrauen des  

Opfers erschleicht, um es dann unter Ausnützung seiner Ahnungs- und Arglosig-

keit zu töten (Donatsch in: Andreas Donatsch (Hrsg.), StGB Kommentar,  

Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Aufl., Zürich 2010, N 5 zu Art. 112 StGB, 

mit Hinweis auf BGE 120 IV 265; BGE 77 IV 64: Vergiftung und gleichzeitige  

Pflege; BGE 101 IV 282 f.: Heimtücke bei der Beseitigung einer unliebsamen 

Schwangeren). Denkbar ist auch, dass der Täter eine bestehende Vertrauens-

stellung (zum Beispiel aus Liebe oder Familienbindung) missbraucht, um das  

Opfer in einen Hinterhalt zu locken (BGE 104 IV 152). Der Beziehung zwischen 

Täter und Opfer kommt aber nur dann eigenständige Bedeutung zu, wenn der  

Täter die Vertrauensstellung aktiv missbraucht, um das Opfer unter Ausnützung 

seiner Arglosigkeit zu töten (Schwarzenegger in BSK StGB II, a.a.O., N 19 zu  

Art. 112 StGB). Als besonders verwerflich kann sich die Tatausführung erweisen, 

wenn die Tötung mit dem Einsatz von Gift, Feuer oder ähnlichen Tatmitteln aus-

geführt wird (BGE 77 IV 64: Vergiftung des Ehemannes in kleinen Dosen, die vor 

dem Tod grosses Leiden verursacht; BGE 120 IV 10: versuchte Tötung der  

Ex-Partnerin mit einer Paketbombe). Das allein genügt jedoch nicht zur Annahme 

der besonderen Skrupellosigkeit. Der Einsatz dieser Tatmittel ist zwar ein ge-

wichtiges Indiz dafür, aber erst die Berücksichtigung aller Umstände der Tat  

lassen erkennen, ob der Gebrauch von Gift oder Feuer mit besonderer Heimtücke 

erfolgte oder besonders grausam ist (BGE 104 IV 152; BGE 106 IV 345; BGE 118 

IV 128: Einsatz von Arsen in riechbarer Dosis, Ablehnung der Mordqualifikation 

aufgrund der Gesamtwürdigung). 

-   21   - 

2.1.5. Würdigung 

a) Es ist davon auszugehen, dass der Angeklagte den Geschädigten ursprüng-

lich nicht in Tötungsabsicht fesselte. Vielmehr fesselte er den Geschädigten, als 

dieser nach Einnahme des vom Angeklagten zubereiteten Medikamentencocktails 

wieder aufwachte und die Zelle des Angeklagten verlassen wollte. Der Angeklagte 

wollte, dass der Geschädigte liegen blieb. Damit der Geschädigte nicht um Hilfe 

schreien konnte, steckte er ihm Gazen in den Mund und schnürte ihm schliesslich 

einen zusammen geknitterten Plastiksack vor den Mund. Als der Geschädigte 

sich dann mit den Beinen zu wehren versuchte, band der Angeklagte ihm auch 

noch die Beine fest (Urk. 4/1 S. 3). Ab diesem Zeitpunkt nahmen dann die sexuel-

len Motive überhand (Urk. 4/7 S. 15 oben). Der Angeklagte wollte dem Geschä-

digten zeigen, wie es sich mit Stäben im Anus anfühlt, denn der Geschädigte  

habe ihm (dem Angeklagten) erzählt, dass er es gut fände, wenn in den Sexfilmen 

den Frauen hinten und vorne Stäbe eingeführt würden (Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/7  

S. 15). Daraufhin folgte auch der Versuch des Angeklagten, mit seinem Glied anal 

in den Geschädigten einzudringen (Urk. 4/1 S. 5). Dem Geschädigten gelang es 

dann, den Plastiksack von seinem Mund etwas nach unten zu schieben und um 

Hilfe zu schreien (Urk. 4/1 S. 6). Dadurch bekam der Angeklagte Panik und Angst, 

dass die ganze Sache auffliegen würde und er dafür mehrere Tage in den Bunker 

gehen müsste (Urk. 4/1 S. 7). Er drückte dem Geschädigten mit seinem Arm die 

Gurgel zu. Nach einer gewissen Zeit hörte er auf, woraufhin der Geschädigte  

wieder anfing zu schreien. Deshalb drückte der Angeklagte erneut mit seinem 

Arm auf die Gurgel des Geschädigten, was schliesslich zum Erstickungstod des 

Geschädigten führte (Urk. 4/1 S. 6; Urk. 4/3 S. 6 Frage 32). 

b) An der heutigen Hauptverhandlung erklärte der Angeklagte, dass er ab dem 

Zeitpunkt der sexuellen Handlungen mit einer Strafuntersuchung und somit mit 

Untersuchungshaft habe rechnen müssen (Prot. S. 34, 43). Zudem habe er, als er 

dem Geschädigten das erste Mal mit dem Arm auf die Gurgel eingewirkt habe, 

Zeit gewinnen wollen (Prot. S. 38). Dies in der Hoffnung, dass die Wirkung der 

Medikamente allmählich nachlassen und sich der Geschädigte beruhigen würde. 

Dann hätte er einen Aufseher geholt. Er hätte den Geschädigten kurz vor  

-   22   - 

Einschluss losbinden wollen (Prot. S. 43). Solche klar strukturierten Aussagen hat 

der Angeklagte diesbezüglich jedoch während der gesamten Untersuchung nicht 

gemacht und sie erscheinen in einem gewissen Sinne zurecht gelegt. Diese  

heutige Äusserung des Angeklagten zur wunschgemässen Entwicklung der  

damaligen Ereignisse vermag insbesondere aber seine bisherigen Aussagen 

nicht zu relativieren, dass er in Panik geraten sei und Angst vor dem Bunker ge-

habt habe. Entgegen der Ansicht der Verteidigung hat der Angeklagte dies, wie 

bereits dargelegt, in der Untersuchung so ausgesagt und auch heute wieder  

bestätigt (Prot. S. 32). 

c) Der Angeklagte fürchtete sich somit primär davor, als Disziplinarstrafe in den 

Bunker – mit den entsprechenden Einschränkungen (vgl. dazu Urk. 4/7 S. 2;  

Prot. S. 32) – gehen zu müssen, wenn auskommen würde, dass er Medikamente 

gelagert und dem Geschädigten überlassen hatte (Urk. 4/1 S. 7; Urk. 4/7 S. 2 und 

5). Der Angeklagte sah den einzigen Ausweg darin, den Geschädigten zum 

Schweigen zu bringen. Er wollte ihn „ruhig stellen“ (Urk. 4/7 S. 4 oben). Dieser 

nichtige Grund – diese Vertuschungshandlung –, diese extrem egoistische  

Haltung des Angeklagten führte letztlich zum Tod des Geschädigten. 

d) Mangels anderslautender Indizien ist davon auszugehen, dass sich der  

Geschädigte aus freiem Willen in die Zelle des Angeklagten begab. Der Geschä-

digte wollte sich lediglich beim Angeklagten einen Flash holen (Urk. 4/1 S. 2;  

Urk. 4/2 S. 10 Fragen 60 und 68). Nach Einnahme des Medikamentencocktails 

legte sich der Geschädigte schliesslich arglos auf dem Bett des Angeklagten 

schlafen. Der Angeklagte nützte sodann diese Benommenheit des Geschädigten 

und die daraus resultierende Wehrlosigkeit aus, um ihn zu fesseln und sexuell zu 

nötigen. Auch in diesem Zustand, als der Geschädigte vom Angeklagten ge-

fesselt, geknebelt und sexuell genötigt wurde, musste der Geschädigte nach wie 

vor kaum davon ausgehen, dass der Angeklagte ihn demnächst töten würde. 

Auch wenn dem Angeklagten nicht vorgeworfen werden kann, den Geschädigten 

nicht in Tötungsabsicht in sein Zimmer gelockt, gefesselt und geknebelt zu haben, 

so muss in Gesamtbetrachtung aber doch klar festgehalten werden, dass er in 

-   23   - 

heimtückischer Weise die Ahnungs- und Arglosigkeit des Geschädigten ausnütz-

te, als er ihn tötete. 

Der Geschädigte war geknebelt und gefesselt und konnte sich nicht gegen den 

Angeklagten wehren. Zudem war er benommen und in seiner Handlungsfähigkeit 

eingeschränkt. Wenn der Angeklagte in dieser Situation derart auf den ihm so 

ausgelieferten Geschädigten einwirkt, dass dieser dabei den Tod findet, ist auch 

von einer erheblichen Kaltblütigkeit und Gefühlskälte des Angeklagten auszu-

gehen. Das Leben des Geschädigten war dem Angeklagten im Tatzeitpunkt 

schlichtweg egal. 

e) Ob der Angeklagte den Geschädigten zudem aus sexueller Motivation  

tötete, lässt sich nicht zweifelsfrei erstellen. Zugegebenermassen kam dieser  

sexuelle Aspekt ab dem Zeitpunkt ins Spiel, als der Geschädigte aufstehen wollte 

und der Angeklagte ihn fesselte (Urk. 4/7 S. 15). Seinen Aussagen zufolge war 

die Tötung aber nicht primär sexuell motiviert (Urk. 4/7 S. 16 unten). Der Ange-

klagte hat durch die anale Penetration des Geschädigten resp. den Versuch dazu 

auch keine Befriedigung erfahren, weshalb – und weil er Schmerzen an seinem 

Glied hatte – er dieses Vorhaben wieder abbrach. Die darauf folgende anale Ein-

führung des Deo-Sprays war sicherlich weiterhin sexuell motiviert. Zu der für den 

Tod des Geschädigten ursächlichen Handlung führte dann aber, wie bereits dar-

gelegt, primär der Umstand, dass der Angeklagte in Panik und Angst vor dem 

Bunker geriet. Dies reicht vorliegend aber nicht aus, um dem Angeklagten eine 

sexuell motivierte Tötung im Sinne der für einen Mord nach Art. 112 StGB  

geforderten Skrupellosigkeit vorwerfen zu können. Es spielt für die Qualifizierung 

der Tat als Mord bei der vorliegenden Würdigung der Vorgehensweise des  

Angeklagten aber auch keine entscheidende Rolle. Es würde lediglich ein  

weiteres Qualifikationsmerkmal darstellen, welches die beim Mord geforderte  

besondere Skrupellosigkeit bestätigen würde. Vielmehr ist dieser Umstand allen-

falls bei der Strafzumessung im Rahmen der Verschuldenswertung zu berück-

sichtigen. 

2.1.6. Zusammengefasst ist die in Art. 112 StGB geforderte Skrupellosigkeit 

vorliegend zu bejahen, weshalb der objektive Tatbestand des Mordes erfüllt ist. 

-   24   - 

2.2. Subjektiver Tatbestand 

2.2.1. Auf der subjektiven Seite genügt Eventualvorsatz. Der Vorsatz muss 

dabei neben der Tötungshandlung auch die objektive Seite der Regelbeispiele 

(besonders verwerflicher Beweggrund, besonders verwerflicher Zweck, be-

sonders verwerfliche Art) umfassen. Massgebend ist das Bewusstsein im Moment 

der Tatausführung. Fehlt dieses Bewusstsein, so kann das Regelbeispiel nicht zur 

Begründung der Skrupellosigkeit beigezogen werden. Zudem ist erforderlich, dass 

der Täter die besonders verwerflichen Beweggründe und Zwecke erfassen muss, 

wenngleich er sie nicht als besonders verwerflich einschätzen muss (Schwarzen-

egger in BSK StGB II, a.a.O., N 23 f. zu Art. 112 StGB). 

2.2.2. Absatz 2 von Art. 12 StGB definiert den Vorsatz als Kombination von 

Wissen und Wollen. Mit Wissen ist nicht nur ein akutes und reflektiertes Bewusst-

sein gemeint; es genügt, dass dem Täter die wesentlichen Umstände im Sinne 

eines Begleitwissens mitbewusst sind. Gegenstand des Vorsatzes ist die  

Gesamtheit der objektiven Tatbestandsmerkmale, also Tatobjekt, Tatmittel,  

Täterhandlung, allenfalls weitere Umstände, wie der Kausalzusammenhang und 

die Voraussetzungen für Strafausschliessungsgründe (Trechsel/Jean-Richard in: 

Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/  

St. Gallen, 2008, N 5 zu Art. 12 StGB). Ein sicheres Wissen ist nicht erforderlich. 

Der Wille muss als Verwirklichungswille auf die Realisierung aller tatbestands-

relevanten Umstände gerichtet sein. Auf das Motiv kommt es grundsätzlich nicht 

an. Direkter Vorsatz liegt auch vor, wenn es dem Täter nicht direkt um die  

Begehung der strafbaren Handlung geht und diese nur "mitgewollt" ist (Trechsel/ 

Jean-Richard, a.a.O., N 12 zu Art. 12 StGB). 

Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungs-

weise die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil 

er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag 

er ihm auch unerwünscht sein (Entscheid des Bundesgerichtes 6B_835/2008 vom 

20. April 2009, E. 3.2.; BGE 130 IV 58 E. 8.2; 125 IV 242 E. 3c; 121 IV 249 E. 3a; 

103 IV 65 E. 2). Diese unter altem Recht entwickelte bundesgerichtliche Definition 

ist mittlerweile Gesetzeswortlaut geworden (vgl. Art. 12 Abs. 2 StGB). Eventual-

-   25   - 

vorsatz kann unter anderem angenommen werden, wenn sich dem Täter der Ein-

tritt des tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als so wahr-

scheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme 

dieses Erfolgs gewertet werden kann (BGE 109 IV 137 E. 2b mit Hinweisen). 

Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbe-

standsmässigen Erfolges bloss möglich ist, ja selbst dann, wenn sich diese  

Möglichkeit, statistisch gesehen, nur relativ selten verwirklicht. Doch darf nicht  

allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit des Erfolgseintritts 

auf dessen Inkaufnahme und damit auf Eventualvorsatz geschlossen werden. 

Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (Urteil des Bundesgerichtes 

6S.358/2003 vom 27.10.2004). Der Täter handelt im Übrigen schon dann im  

Sinne von Art. 18 Abs. 2 aStGB mit Wissen, wenn ihm die wesentlichen Umstän-

de im Sinne eines Begleitwissens mitbewusst sind (BGE 125 IV 242 E. 3e mit 

Hinweis; Jenny in BSK StGB I, Basel 2003, N 22 zu Art. 18 aStGB mit Hinweisen; 

Jenny in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 21 zu Art. 12 StGB; Trechsel/Jean-

Richard, a.a.O., N 13 ff. zu Art. 12 StGB). 

Je näher die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung liegt, desto eher lässt 

sich auf eine Inkaufnahme schliessen. Nicht zum Vorsatz gehört das Bewusstsein 

der Rechtswidrigkeit und Strafbarkeit des eigenen Handelns (zum Ganzen: Jenny 

in BSK StGB I, Basel 2003, N 23 und 47 zu Art. 18 aStGB mit weiteren Verweisen 

auf Lehre und Praxis; Trechsel/Jean-Richard, a.a.O., N 7 zu Art. 12 StGB). Die 

Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit kann 

schwierig sein. Wie der eventualvorsätzlich Handelnde weiss der bewusst  

Handelnde um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung. Der Unterschied liegt 

im Willensmoment. Während der eventualvorsätzlich Handelnde mit der Tatbe-

standsverwirklichung rechnet und sie in Kauf nimmt, vertraut der bewusst fahrläs-

sig Handelnde darauf, dass sich das Risiko der Tatbestandserfüllung nicht ver-

wirklichen wird (BGE 130 IV 61). Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben der 

Tatbestandserfüllung schliesst dessen Inkaufnahme nicht aus. Auch die dem  

Täter bekannte Nähe des Verletzungsrisikos ist entscheidend (Donatsch in:  

Andreas Donatsch (Hrsg.), StGB Kommentar, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

18. Aufl., Zürich 2010, N 12 zu Art. 12 StGB). Was der Täter weiss, will oder in 

-   26   - 

Kauf nimmt, ist Tatfrage. Schliesslich ist in beweistechnischer Hinsicht darauf hin-

zuweisen, dass sich die Inkaufnahme als innerer Vorgang letztlich in der Regel 

nicht direkt nachweisen lässt. Das gilt grundsätzlich dann, wenn bei fehlendem 

Geständnis des Täters aus äusseren Umständen und Erfahrungsregeln auf jene 

inneren Tatsachen geschlossen wird (vgl. BGE 130 IV 58 E. 8.4. und Jenny in 

BSK StGB I, Basel 2003, N 54 zu Art. 18 aStGB; Jenny in BSK StGB I, 2.A.,  

Basel 2007, N 54 und 55 zu Art. 12 StGB; Trechsel/Jean-Richard, a.a.O., N 15 zu 

Art. 12 StGB). Nach der Rechtsprechung darf der Richter vom Wissen des Täters 

auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter die Verwirklichung der Gefahr als 

so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen, 

vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges ausgelegt werden kann (vgl. 

Entscheid des Bundesgerichtes 6B_835/2008 vom 20. April 2009, E. 3.3.; BGE 

130 IV 58 E. 8.4. samt Verweisen). Allerdings ist nicht zu übersehen, dass sich 

insoweit Tat- und Rechtsfragen teilweise gewissermassen überschneiden (vgl. 

BGE 130 IV 58 E. 8.5. und BGE 119 IV 1 E. 5a; Jenny in BSK StGB I, 2.A., Basel 

2007, N 56 zu Art. 12 StGB). 

Zu den relevanten Umständen für die Entscheidung der Rechtsfrage, ob der Täter 

eventualvorsätzlich oder bewusst fahrlässig gehandelt hat, gehören unter ande-

rem die Grösse des (ihm bekannten) Risikos der Tatbestandsverwirklichung und 

die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung (vgl. BGE 130 IV 58 E. 8.4.). Je  

grösser etwa das Risiko des Erfolgseintritts ist und je schwerer die Sorgfalts-

pflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die tatsächliche Schlussfolgerung, der 

Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, also entgegen  

seiner Behauptung nicht (pflichtwidrig unvorsichtig) auf einen Ausgang vertraut, 

bei dem keine fremden Rechtsgüter verletzt werden. Zu den relevanten Umstän-

den können auch die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung  

gehören (BGE 125 IV 242 E. 3c mit weiteren Hinweisen und BGE 130 IV 58  

E. 8.4.). 

2.2.3. Das Zudrücken des menschlichen Kehlkopfes mit dem Arm, wie es der 

Angeklagte tat, ist durchaus geeignet, den Tod durch Erstickung zu verursachen, 

dies insbesondere, wenn der Mund des Opfers zusätzlich mit Gazen zugestopft 

-   27   - 

wurde. Dem ist sich der Angeklagte auch bewusst (Urk. 4/1 S. 7 und 10; Prot.  

S. 38 f.). Der Angeklagte hatte an sich selber ausprobiert, wie es ist, wenn man 

sich den Hals auf ähnliche Art und Weise zudrückt, wie er es später beim  

Geschädigten machte. Er stellte dabei fest, dass man sich dann übergeben  

müsse und nicht mehr sprechen könne (Urk. 4/1 S. 7; Prot. S. 39). Der Angeklag-

te musste damit rechnen, dass durch sein Vorgehen der Tod des Geschädigten 

zumindest eintreten konnte. So gab er auch selber an, dass dies von der Zeit-

dauer des Zudrückens der Atemwege abhänge. Er habe vorliegend aber jegliches 

Zeitgefühl verloren gehabt (Urk. 4/3 S. 7 Frage 33; Prot. S. 30). Wie bereits dar-

gelegt, wollte der Angeklagte verhindern, dass der Geschädigte mit Schreien und 

anderen Geräuschen auf sich aufmerksam machen konnte. Auch wollte er ver-

meiden, dass das Überlassen des Medikamentencocktails an †H.__ der Anstalts-

leitung bekannt und er deswegen mit Bunkerhaft belegt würde. Dabei wusste der 

Angeklagte, dass sich der Geschädigte aufgrund der Benommenheit, der Fesse-

lung und der Knebelung nicht wehren konnte, und nützte die Situation schamlos 

aus. Aus nichtigem Grund wollte er den Geschädigten mithin zum Schweigen 

bringen. Dieser die skrupellose Handlungsweise begründenden Umstände war 

sich der Angeklagte somit bewusst. Zugunsten des Angeklagten ist davon auszu-

gehen, dass er den Tod des Geschädigten nicht direkt beabsichtigte (Urk. 4/7 S. 3 

unten; Urk. 4/9 S. 4). Er nahm dabei aber – wie er dies auch einräumt – zumin-

dest in Kauf, dass der Geschädigte den Tod fand (Urk. 4/9 S. 5; Prot. S. 39). 

2.2.4. Der Angeklagte will zwar geltend machen, dass er zum Tatzeitpunkt 

nicht voll zurechnungsfähig war (Urk. 4/4 S. 4; Urk. 4/7 S. 16), wovon in Überein-

stimmung mit dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. Marc Graf vom  

9. April 2009 aber nicht auszugehen ist. Darin kommt Gutachter Graf zum 

Schluss, dass aus forensisch-psychiatrischer Sicht keine Hinweise für die  

Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten bestehen würden 

(Urk. 18/10 S. 52). Insbesondere die klaren und wiederholten Äusserungen un-

mittelbar nach der Tat würden ein vollständig erhaltenes Unrechtsbewusstsein 

und die Fähigkeit zur korrekten Einstufung der strafbaren Handlung erkennen  

lassen. Es gäbe zudem keinerlei Hinweise darauf, dass der Angeklagte nicht in 

der Lage gewesen sei, sich entsprechend seines erhaltenen Unrechtbewusst-

-   28   - 

seins zu verhalten. Auch eine Verminderung der Steuerungsfähigkeit des Ange-

klagten sei bei diesem Tatablauf aufgrund fehlender Hinweise nicht gegeben  

(Urk. 18/10 S. 51 f.). Das Ergänzungsgutachten von Gutachter Graf vom 30. Juni 

2009 führte diesbezüglich nicht zu einer Änderung (Urk. 18/12 S. 8). Auch lassen 

sich aus den schlüssigen Gutachten keine Anhaltspunkte finden, dass ausge-

rechnet beim Angeklagten eine von seiner Verteidigung vorgebrachte paradoxe 

Reaktion auf Benzodiazepine entstanden sei, die bei ihm zu einem gemüts-

mässigen Kontrollverlust mit aggressiven Durchbrüchen hätte führen sollen, was 

seine Zurechnungs- bzw. Schuldfähigkeit beeinträchtigt hätte. Es ist deshalb da-

von auszugehen, dass sich der Angeklagte seines Handelns durchaus bewusst 

war und dabei den Tod des Geschädigten zumindest eventualvorsätzlich in Kauf 

nahm. 

2.2.5. Insbesondere in Berücksichtigung des Umstandes, dass der Angeklag-

te bereits zwei einschlägige Erfahrungen mit Morden gemacht hat, der heutige 

Fall somit seine dritte vollendete Tötung darstellt, und obwohl davon auszugehen 

ist, dass der Angeklagte den Tod des Geschädigten nicht direkt wollte, ist festzu-

halten, dass die eventualvorsätzliche Tatbegehung des Angeklagten im techni-

schen Sinne nah an der Grenze zum direkten Vorsatz liegt. 

2.3. Fazit 

Der Angeklagte ist somit des (eventualvorsätzlichen) Mordes am Geschädigten 

†H.__ im Sinne von Art. 112 StGB schuldig zu sprechen. 

3. Störung des Totenfriedens 

3.1. Objektiver Tatbestand 

3.1.1. Der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 1 StGB 

macht sich u.a. schuldig, wer einen Leichnam verunehrt. Verunehrend im Sinne 

von Art. 262 Ziff. 1 Abs. 3 StGB sind alle physischen Handlungen, welche an dem 

Leichnam durchgeführt werden, ohne dass es dafür einen spezifischen, achtbaren 

Grund gäbe (Fiolka in: Niggli / Wipprächtiger (Hrsg.), Basler Kommentar, Straf-

recht II, Art. 111 – 392 StGB, 2. Aufl., Basel 2007, N 23 zu Art. 262 StGB, 

-   29   - 

m.w.H.). Als klassischer Fall einer Verunehrung gilt die sexuelle Leichen-

schändung (Fiolka in BSK StGB II, a.a.O., N 23 zu Art. 262 StGB, m.w.H.; BGer, 

KassH, 22.10.2003, 6S.104/2002). Darunter ist aber auch das Zerteilen einer  

Leiche mit anschliessendem Versenken der Teile in einem Gewässer (BGer, 

KassH, 24.1.2002, 6S.668/2001), das Begiessen mit Benzin und Anzünden eines 

Mordopfers (BGer, KassH, 9.10.2003, 6S.309/2003), das Ausgraben eines Erd-

bestatteten, die Ausplünderung oder auch bloss das Entkleiden eines Leichnams 

zu subsumieren (Fiolka in BSK StGB II, a.a.O., N 23 zu Art. 262 StGB). 

Dabei ist jedoch nicht die Integrität des Leichnams an sich massgeblich, sondern 

allein die Kompatibilität des Verhaltens mit sozialen Normen. „Verunehrung“ ist 

folglich eine Leerformel für jede die massgeblichen sozialen Normen verletzende 

Behandlung. Die soziale Akzeptanz von Verhaltensweisen wird massgeblich  

bestimmt durch Faktoren wie Tradition (traditionelle Bestattungsriten gelten nicht 

als Verunehrung), Selbstzweckhaftigkeit (Handlungen, die nicht um der Toten  

willen vorgenommen werden, sind grundsätzlich heikel und müssen spezifisch  

gerechtfertigt werden), Professionalität, Diskretion und dem Prozess der  

Desintegration (Fiolka in BSK StGB II, a.a.O., N 24 zu Art. 262 StGB). 

Durch Art. 262 Ziff. 1 Abs. 3 StGB wird folglich das Pietätsgefühl geschützt. Dabei 

handelt es sich um ein Gemeinrechtsgut, der Schutz erstreckt sich nicht lediglich 

auf die Gefühle konkreter Hinterbliebener, sondern auf bestimmte sozial herr-

schende Regeln über den Umgang mit Leichen. Eine Einwilligung des Verstorbe-

nen, aber auch der konkret durch die Verunehrung betroffenen Hinterbliebenen, 

ist deshalb grundsätzlich unmassgeblich (Fiolka in BSK StGB II, a.a.O., N 28a zu 

Art. 262 StGB). 

3.1.2. Der Angeklagte hat zugegebenermassen nach dem Ableben des  

Geschädigten diesem erneut den Deo-Spray anal eingeführt (Urk. 4/1 S. 6;  

Prot. S. 40 f.). Dieses Verhalten lässt sich keiner sozial akzeptierbaren bzw.  

akzeptierten Norm unterordnen. Der objektive Tatbestand von Art. 262 Ziff. 1  

Abs. 3 StGB ist somit erfüllt. 

 

-   30   - 

3.2. Subjektiver Tatbestand 

Auf der subjektiven Seite ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt 

(Fiolka in BSK StGB II, a.a.O., N 28 zu Art. 262 StGB). Der Angeklagte wusste, 

dass der Geschädigte bereits verstorben war, als er ihm die Spraydose anal ein-

führte (Urk. 4/1 S. 6). Dabei ist unerheblich, ob sich der Angeklagte dabei bewusst 

war, dass er durch seine Handlung den Leichnam des Geschädigten verunehrte, 

oder er direkt auf die Verunehrung abzielte (Fiolka in BSK StGB II, a.a.O., N 28 zu 

Art. 262 StGB). Wie bereits dargelegt, ist für den direkten Vorsatz nicht ein  

sicheres Wissen des Täters erforderlich. Der Wille muss als Verwirklichungswille 

auf die Realisierung aller tatbestandsrelevanten Umstände gerichtet sein. Das 

Motiv spielt grundsätzlich keine Rolle. Direkter Vorsatz liegt auch vor, wenn die 

strafbare Handlung nur „mitgewollt“ ist, und nicht nur, wenn es dem Täter direkt 

um die Begehung der strafbaren Handlung geht. 

Es ist folglich nicht von Relevanz, warum der Angeklagte dem Geschädigten er-

neut den Deo-Spray anal eingeführt hat – seinen Aussagen zufolge, weil jemand, 

der sterbe, meistens stuhlen müsse (Urk. 4/1 S. 6; Prot. S. 41). Diese Ansicht des 

Angeklagten erscheint aber insoweit fragwürdig, als er damit nicht zu erklären 

vermag, warum er den Deo-Spray schliesslich doch wieder entfernte und im  

Abfalleimer des Aufenthaltsraumes entsorgte (Prot. S. 40 f.). Ungeachtet dessen 

ist durchaus davon auszugehen, dass der Angeklagte nicht bewusst den  

Leichnam des Geschädigten verunehren wollte. Der Angeklagte war sich des  

Todes des Geschädigten aber bewusst, dennoch führte er diesem erneut den 

Deo-Spray in den After ein. Es kann deshalb nicht davon ausgegangen werden, 

der Angeklagte habe den tatbestandsmässigen Erfolg lediglich eventualvor-

sätzlich in Kauf genommen beziehungsweise für möglich gehalten. Er hat ihn  

zumindest „mitgewollt“, indem er dem vor ihm liegenden Leichnam den  

Deo-Spray anal einführte. Wenn auch nicht die Verunehrung des Leichnams das 

Hauptziel des Angeklagten war, war dieser Erfolg doch im Sinne eines direkten 

Vorsatzes zweiten Grades mitgewollt. 

 

-   31   - 

3.3. Fazit 

Der Angeklagte ist somit der (direkt) vorsätzlichen Störung des Totenfriedens des 

Geschädigten †H.__ im Sinne von Art. 262 Ziff. 1 Abs. 3 StGB schuldig zu spre-

chen. 

4. Zusammenfassung 

Zusammengefasst ist der Angeklagte somit schuldig zu sprechen des Mordes im 

Sinne von Art. 112 StGB, der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB sowie der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Abs. 1 StGB. 

 

IV. Sanktion 

1. Strafrahmen 

Bei der Strafzumessung ist zu berücksichtigen, dass der Angeklagte mehrere  

Delikte verübt hat, mithin echte Konkurrenz zwischen den Delikten vorliegt. In 

Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB ist somit von der schwersten Tat auszu-

gehen und die Dauer der für sie auszufällenden Strafe angemessen, allerdings 

um nicht mehr als die Hälfte, zu erhöhen; dabei ist das Gericht an das Höchst-

mass der Strafart gebunden. Ausgangspunkt ist Art. 112 StGB. 

Der ordentliche Strafrahmen von Art. 112 StGB erstreckt sich von einer Freiheits-

strafe von mindestens 10 Jahren bis zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. 

Strafschärfungsgründe, wie vorliegend die Deliktsmehrheit, welche den Strafrah-

men nach oben erweitern würden (Art. 49 Abs. 1 StGB), spielen in diesem  

Zusammenhang keine Rolle, da in Art. 112 StGB der gesetzlich höchst mögliche 

Strafrahmen, nämlich eine lebenslängliche Freiheitsstrafe (Art. 40 StGB), ange-

droht ist. Die Konkurrenz ist vorliegend somit innerhalb dieses Strafrahmens 

straferhöhend zu berücksichtigen (vgl. dazu sinngemäss BGE 116 IV 13 f. und 

302). Bei Konkurrenz von Strafänderungsgründen sind alle Gründe zu berück-

sichtigen. Mehrere Strafschärfungsgründe führen zu qualifizierter Erhöhung der 

Strafe innerhalb des massgebenden Strafrahmens. Treffen Strafschärfungs- und  

-   32   - 

-milderungsgründe zusammen, kompensieren sie sich mindestens teilweise 

(Trechsel/Affolter-Eijsten in: Stefan Trechsel et al., Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 28 zu Art. 47 StGB und N 4 vor 

Art. 48 StGB). 

2. Strafzumessungskriterien im Allgemeinen 

Innerhalb des massgebenden Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden 

des Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse 

sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen sind 

(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung 

oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des  

Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie 

weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die 

Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Die allgemeinen 

Bestimmungen zur Strafzumessung haben damit  gegenüber dem bis Ende 2006 

geltenden Recht materiell keine grundlegenden Änderungen erfahren, auch wenn 

verschiedene Details modifiziert wurden (Entscheide des Bundesgerichtes 

6B_585/2008 vom 19. Juni 2009, E. 2.; 6B_426/2008 vom 29. August 2008  

E. 2.2.; 6B_131/2007 vom 22. November 2007, E. 2.1.; Hansjakob/Schmitt/Soll-

berger, Kommentierte Textausgabe zum revidierten Strafgesetzbuch, 2. Aufl.,  

Luzern 2007, Art. 47 StGB, S. 42 Mitte). 

Was im Einzelnen über das Mass des Verschuldens entscheidet, welche Momen-

te in diesem Zusammenhang und wie diese zu berücksichtigen sind, lässt sich 

kaum in allgemeiner Weise umschreiben. Der Begriff des Verschuldens muss sich 

jedenfalls auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat 

beziehen. Zu unterschieden ist zwischen der Tat- und Täterkomponente. Bei der 

Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise 

der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der Täter gehan-

delt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu beachten. Sodann sind für das 

Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie die  

sogenannte Intensität des deliktischen Willens bedeutsam (Hug in: Andreas  

Donatsch (Hrsg.), StGB Kommentar, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Aufl., 

-   33   - 

Zürich 2010, N 5 ff. zu Art. 47 StGB samt Zitaten). Je leichter es für ihn gewesen 

wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen 

sie (Urteile des Bundesgerichtes 6S.270/2006 vom 5. September 2006 E. 6.2.1., 

6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004, 

E. 1.1.; BGE 122 IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizeri-

sches Strafrecht, AT II, Bern 2006, S. 179 N 13; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., 

N 21 zu Art. 47 StGB). 

3. Tatkomponente 

3.1. Objektive Tatschwere 

3.1.1. Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-

schuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark 

das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Dar-

unter fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung/Risiko, 

Sachschaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist 

auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart 

wird. Auch die Grösse des Tatbeitrages (bei mehreren Tätern) und die hierarchi-

sche Stellung sind von Bedeutung (Wiprächtiger in BSK StGB I, 2. Aufl., Basel 

2007, N 69 ff. zu Art. 47 StGB; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., N 18 ff. zu Art. 47 

StGB). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische  

Praxis bei nicht besonders schwerem Verschulden in aller Regel die Strafen im 

unteren bis mittleren Teil des vorgegebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im 

oberen Bereich, insbesondere Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei 

sehr schwerem Verschulden des Täters auszusprechen (Wiprächtiger in BSK 

StGB I, a.a.O., N 15 zu Art. 47 StGB). 

3.1.2. Wer das Leben eines Menschen vernichtet, zerstört das höchste 

Rechtsgut und begeht damit zweifellos eine ganz gravierende Straftat. Das  

Gesetz sieht für dieses Delikt wie dargelegt einen weiten Strafrahmen vor, sodass 

das Verschulden im Einzelnen zu quantifizieren ist. 

-   34   - 

Weil Lehre und Rechtsprechung den Mordtatbestand als Generalklausel mit  

Regelbeispiel verstehen, ist von einer Strafzumessungsregel auszugehen. Die 

Beweggründe, Ziele oder die Verwerflichkeit des Handelns, die im Rahmen von 

Art. 112 StGB zur Bejahung der Generalklausel führen, dürfen in der nachfolgen-

den Strafzumessung nach Art. 47 StGB – man vergleiche die fast gleichlautenden 

Verschuldensmerkmale in Art. 47 Abs. 2 StGB – nicht ein zweites Mal berücksich-

tigt werden (Doppelverwertungsverbot). Nach der Praxis des Bundesgerichts soll 

das Gericht aber nicht gehindert sein zu berücksichtigen, in welchem Ausmass 

ein „qualifizierender Tatbestand“ gegeben sei, das heisst beim Mord zu gewich-

ten, wie skrupellos der Täter gehandelt hat (Schwarzenegger in BSK StGB II, 

a.a.O., Art. 112 N 28; BGE 118 IV 342 E. 2b; Urteil des Bundesgerichtes 

6S.104/2002 vom 22. Oktober 2003, E.  4). Schwarzenegger (BSK StGB II, 

a.a.O., Art. 112 N 28) fordert diesbezüglich, dass man differenzieren müsse:  

Berücksichtigt das Gericht im Rahmen der Strafzumessung bei Mord straferhö-

hend, dass der Täter das Opfer besonders grausam behandelt habe (z.B. durch 

ein langes Quälen), nachdem es dasselbe bei der Subsumtion unter Art. 112 

StGB erwogen hat, verstösst es gegen das Doppelverwertungsverbot. Begründet 

es die Straferhöhung innerhalb des Strafrahmens von Art. 112 StGB indes damit, 

dass die Tathandlung im Vergleich zu anderen besonders grausamen Tötungen 

von extremer Intensität gewesen sei (z.B. durch eine ausserordentlich lange  

Dauer das Quälens) handelt es sich um eine zulässige Differenzierung nach  

unterschiedlichen Verschuldensgraden, weil dem Gericht bei der Abwägung des 

individuellen Verschuldens ein erheblicher Ermessensspielraum zusteht. 

3.1.3. Ausgehend von diesen Grundsätzen muss das Verschulden des Ange-

klagten innerhalb des Spektrums der Mordfälle als erheblich beurteilt werden. Der 

Angeklagte hat die Tötung des Geschädigten nicht von langer Hand geplant,  

sondern im Laufe der inkriminierten Vorgänge und durch seine Handlungen in 

Kauf genommen. Der Geschädigte musste vieles über sich ergehen lassen, bis 

der Angeklagte schliesslich zur Tötung überging, jedoch ist davon auszugehen, 

dass die der Tötung vorangehenden Handlungen nicht im Hinblick auf die Tötung 

erfolgten. Die Tathandlung des Angeklagten ist im Vergleich zu anderen be-

sonders grausamen Tötungen nicht von einer extremen Intensität, der Geschädig-

-   35   - 

te musste wohl nicht lang andauernde Todesqualen und massivste Schmerzen 

erleiden. Die Tathandlung des Angeklagten war hingegen von einer Heimtücke 

geprägt, die erheblich zu seinen Lasten auszulegen ist. Der Angeklagte hat 

schliesslich ohne gross zu zögern bzw. den Geschädigten sonst wie vom  

Schreien abzuhalten ihm mit seinem Arm derart auf den Hals eingewirkt, dass der 

Geschädigte erstickte. Er hat die Arg-, Ahnungs- und Wehrlosigkeit des Geschä-

digten und das ihm von diesem entgegen gebrachte Vertrauen auf massivste Art 

und Weise ausgenützt und ihn aus absolut nichtigem Grund getötet. Sein Ver-

halten und seine gesamte Einstellung zeugen von einer erheblichen Geringschät-

zung fremden Lebens, von grosser Gefühlskälte und von einer hochgradigen 

egoistischen Denk- und Verhaltensweise. 

Entgegen der Ansicht der Verteidigung ist nicht zu verkennen, dass der vorlie-

gende Mord an sich frappante Parallelen mit den Morden von 1982 und 1993 

aufweist. Die diesbezüglichen Ausführungen im Gutachten sind schlüssig (vgl. 

Urk. 18/10 S. 45 ff. und nachfolgend Erwägung 3.2.3.). Indessen kann nicht  

erstellt werden, dass der Angeklagte vorliegend sein Opfer (allein) darum tötete, 

weil das anale Eindringen nicht gelang bzw. ihn nicht hinreichend befriedigte und 

er darob wütend wurde. Bei den Taten von 1982 und 1993 kam denn auch hinzu, 

dass der Angeklagte die Leichen der Opfer (post mortem) stark malträtierte. 

Der vom Angeklagten verübte Mord ist – hält man sich den weiten Strafrahmen 

des Mordes vor Augen – unter den möglichen denkbaren Tatvarianten im  

mittleren Rahmen anzusiedeln. Vom objektiven Unrechtsgehalt ist deshalb für den 

Mord alleine von einer Einsatzstrafe im Bereich von 16 bis 17 Jahren auszuge-

hen. 

3.1.4. Gegenüber dem Mord treten die weiteren Delikte – sexuelle Nötigung, 

Störung des Totenfriedens – in den Hintergrund, obwohl auch diese für sich  

alleine betrachtet, nicht zu bagatellisieren sind. Der Angeklagte fesselte und  

knebelte den benommenen Geschädigten. Als sich der Geschädigte sodann nur 

mehr schlecht wehren konnte, nahm der Angeklagte die sexuellen Handlungen 

vor. Neben der Befriedigung des Geschlechtstriebes ging es dem Angeklagten 

auch darum, sein Opfer zu erniedrigen (vgl. Urk. 4/1 S. 4 und S. 11). Nachdem er 

-   36   - 

dem Geschädigten eine Brausetablettenhülse anal eingeführt hatte, unternahm er 

zumindest den Versuch, dem Geschädigten sein Glied anal einzuführen. Erst als 

dies zu keiner sexuellen Befriedigung führte, liess er vom Geschädigten ab, fühlte 

sich aber dennoch dazu veranlasst, dem Geschädigten, um ihn einmal mehr zu 

demütigen, nun auch noch einen Deo-Spray anal einzuführen, welchen der  

Geschädigte schliesslich aus eigener Kraft wieder herausziehen konnte. Das 

diesbezügliche Verschulden wiegt erheblich. 

Nachdem der Geschädigte verstorben war, führte der Angeklagte diesem erneut 

den Deo-Spray anal ein, aus Angst vor einer Verschmutzung seines Bettes durch 

einen durch den Tod des Geschädigten allenfalls ausgelösten Stuhlgang. Das 

diesbezügliche Verschulden des Angeklagten wiegt noch leicht. 

3.1.5. Unter Berücksichtigung sämtlicher Delikte und dem jeweiligen objekti-

ven Tatverschulden des Angeklagten erscheint eine (hypothetische) Freiheits-

strafe von rund 18 Jahren angemessen. 

3.2. Subjektive Tatschwere 

3.2.1. In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Ver-

schuldens vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objekti-

ve Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der 

Schuldfähigkeit (wer in seiner Einsichts- und/oder Handlungsfähigkeit beeinträch-

tigt ist, den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf; sein Verschulden 

ist minder, was zu einer tieferen Strafe führen muss) sowie das Motiv. Ferner sind 

die weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten (zum Beispiel einige der in 

Art. 48 StGB aufgeführten Gründe) zu berücksichtigen. 

3.2.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass das Verschulden eines  

Täters, der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das 

Verschulden eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt. 

Dies ist beim Verschulden zu berücksichtigen, wiegt dieses doch dann geringer 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004, 

Erw. II. 7.5.; Stratenwerth, a.a.O., S. 185 f. N 25 ff. und Wiprächtiger in BSK StGB 

-   37   - 

I, a.a.O., N 89 zu Art. 47 StGB). Wie gesehen, ist dem Angeklagten mit Bezug auf 

das vordergründige Delikt, den Mord, eine eventualvorsätzliche Tatbegehung vor-

zuwerfen. 

3.2.3. In subjektiver Hinsicht ist weiter festzuhalten, dass beim Angeklagten 

bei den heute zu beurteilenden Taten eine verminderte Schuldfähigkeit im Sinne 

von Art. 19 StGB nicht vorlag. 

a) Im psychiatrischen Gutachten von Dr. med. M. Graf, stellvertretender Leiter 

und leitender Arzt der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, vom 9. April 

2009, welches aufgrund der Teilnahmeverweigerung des Angeklagten anhand der 

Akten erstellt wurde (Urk. 4/4 S. 2; Urk. 18/10 S. 1 f.), wird unter anderem aufge-

führt, dass beim Angeklagten zum aktuellen Zeitpunkt einerseits vom Vorliegen 

einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, F 60.31 

nach ICD-10, auszugehen sei. Dies habe bereits der Erstgutachter Dr. Th. Knecht 

in seiner Diagnose von 1994 festgestellt (Ordner 5, Vorakten Psychiatrische Gut-

achten pag. 1355) und sei auch im aktuellen Austrittsbericht der Klinik für Foren-

sische Psychiatrie Rheinau bestätigt worden (Urk. 18/10 S. 42 f.). Der Angeklagte 

zeige deutliche Auffälligkeiten in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, 

Antrieb und Impulskontrolle sowie in der Beziehungsgestaltung zu anderen  

Personen. Bereits in der Kindheit würden sich erste diskrete Auffälligkeiten  

zeigen, welche sich später in Schule, Berufsbildung und dann insbesondere im 

Berufsleben sowie in der Beziehungsgestaltung voll manifestiert hätten. Diese 

auffälligen und überdauernden Verhaltensmuster hätten letztlich zu deutlichem 

subjektivem Leiden und Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungs-

fähigkeit geführt (Urk. 18/10 S. 42). 

Aus der Biografie des Angeklagten gehe eine deutliche Tendenz zu impulsivem 

Handeln, wechselnder und instabiler Stimmungslage, Wutausbrüchen mit gewalt-

tätigem und explosivem Verhalten sowie mangelnde Kritikfähigkeit hervor. Wie ein 

roter Faden würden sich Unsicherheiten über das eigene Selbstbild, Ziele und  

innere Präferenzen durch seine Biografie ziehen. Beim Angeklagten könnten  

zudem auch schizoide und zwanghafte Persönlichkeitszüge festgestellt werden, 

welche wohl Ausdruck von Versuchen zur Bewältigung einerseits seiner abwei-

-   38   - 

chenden sexuellen Präferenzen und andererseits der erschwerten Lebensbedin-

gungen unter Haft mit vollständig fehlender Lebensperspektive seien (Urk. 18/10 

S. 42). 

Der Angeklagte zeige gegenwärtig zweifellos ein mindestens mittelgradig ausge-

prägtes depressives Syndrom mit Antriebsstörung, Hypomimie, fehlenden Vitalge-

fühlen bis hin zu Suizidalität, Angstzuständen sowie schwerwiegenden Schlaf-

störungen und vegetativen Beschwerden. Es könne somit weiterhin vom Vorlie-

gen einer mittelgradig depressiven Störung mit somatischem Syndrom F 32.11 

ausgegangen werden (Urk. 18/10 S. 44). 

Zweifellos könne beim Angeklagten - so der Gutachter weiter - auch die Diagnose 

eines Sadismus F 65.5 nach ICD-10 gestellt werden. Es gebe zwar – über all  

seine Straftaten hinweg – keine konkreten Anhaltspunkte, dass es dem Angeklag-

ten zur Erreichung sexueller Erregung oder Befriedigung wichtig gewesen sei, 

seinen Opfern vor oder während der sexuellen Handlungen respektive der Tötun-

gen oder Tötungsversuche, Schmerzen zuzuführen. Hingegen zeige sich aber ein 

durchgängiges Muster von Dominanz und Erniedrigung bei all seinen strafbaren 

Handlungen. Dabei könne man verschiedene Phasen unterscheiden: In einer  

ersten Phase gehe es wohl um das Erzwingen (teilweise gegenseitiger) sexueller 

Handlungen mit Erniedrigung und Demütigung des Opfers, dann um die Tötung – 

nach Angaben des Angeklagten zur Bestrafung des Opfers für die vermeintliche 

Provokation respektive sexuelle Erregung, psychodynamisch im Sinne einer 

Hypothese wohl vielmehr um eine projizierte Selbstbestrafung wegen der vernein-

ten homophilen Präferenz – und schliesslich eine als nekrophil zu bezeichnende 

Phase mit sexuellen Handlungen bei sämtlichen Opfern von Tötungsdelikten post 

mortem. Zusammengefasst könne dies als hebephiler Sadismus mit nekrophilen 

Tendenzen bezeichnet werden (Urk. 18/10 S. 48). 

Hingegen könne beim Angeklagten keine Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms 

von Benzodiazepinen gestellt werden, dies insbesondere auch weil beim Ange-

klagten durch den langzeitlichen Gebrauch entsprechender Medikamente eine 

gewisse Gewöhnung eingetreten sei. Auch könne die frühere Diagnose eines  

Alkoholabhängigkeitssyndroms nicht mehr gestellt werden. Einzig sei die  

-   39   - 

Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms von Nikotin mit ständigem Substanz-

gebrauch, F 17.25, zu erwähnen (Urk. 18/10 S. 49). An körperlichen Diagnosen 

seien die Refluxkrankheit (Aufstossen von Mageninhalt, insbesondere Säure, in 

die Speiseröhre), eine chronische Hepatitis C, ein Zustand nach Nebenhodenent-

zündung links im Januar 2004 sowie eine diagnostisch unklare ekzematöse Haut-

erkrankung mit Betonung an den oberen Extremitäten beidseits zu erwähnen 

(Urk. 18/10 S. 49 f.). 

Für den fraglichen Tatzeitpunkt vom 27. Januar 2008 könne man schliesslich die 

erwähnten Diagnosen allesamt unverändert übernehmen. Es gehe aus den Akten 

auch nicht hervor, dass der Angeklagte unter der Einwirkung psychisch wirksamer 

Substanzen in einer für ihn ungewohnten Dosierung im Sinne einer Intoxikation 

gestanden hätte (Urk. 18/10 S. 50). 

Im Zusammenhang mit der Beurteilung der Schuldfähigkeit führt der Gutachter 

aus, dass aus den Akten nirgends hervor gehe, der Angeklagte habe zum fragli-

chen Tatzeitpunkt an einer Störung gelitten respektive bei ihm sei durch situative 

Faktoren ein psychopathologisches Zustandsbild aufgetreten, welches seinen 

Realitätsbezug wesentlich beeinflusst hätte. Insbesondere liessen auch seine 

diesbezüglich klaren und wiederholten Äusserungen unmittelbar nach der Tat ge-

genüber Aufsehern auf ein vollständig erhaltenes Unrechtsbewusstsein und die 

Fähigkeit zur korrekten Einstufung der strafbaren Handlung erkennen (Urk. 18/10 

S. 50 f.). Es ergäben sich keinerlei Hinweise, dass der Angeklagte nicht in der  

Lage gewesen sei, sich entsprechend seines erhaltenen Unrechtsbewusststeins 

zu verhalten. Dem Angeklagten sei aus forensisch-psychiatrischer Sicht zweifellos 

zum Tatzeitpunkt klar gewesen – das gehe aus seinen Äusserungen unmittelbar 

nach der Tat eindeutig hervor –, dass die Tötung seines Opfers im Sinne einer 

Verdeckungstat unter den Haftumständen keinen Sinn machen würde. Es gebe 

keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte nicht in der Lage gewesen sei, 

die Konsequenzen für ihn selbst im Vorfeld, während der Tat selbst als auch nach 

der Tat zu erkennen. Aufgrund seines Wissens als Psychiatriepfleger und wegen 

seinen vorgängigen Delikten habe der Angeklagte um die tödliche Wirkung eines 

andauernden Druckes mit dem Unterarm auf den Kehlkopf wissen müssen. Auch 

-   40   - 

lasse sich eine Verminderung der Steuerungsfähigkeit – beispielsweise infolge 

erheblicher sexueller Erregung oder wegen einer Umkehr der subjektiv als nicht 

hinreichend erlebten Erregung in zerstörerische Wut – bei diesem Tatablauf auf-

grund fehlender Hinweise nicht herleiten. Zusammengefasst würden sich somit 

sowohl biologisch hergeleitet als auch vergleichend anhand des sogenannten 

psychopathologischen Referenzsystems nach Sass (gedachtes Kontinuum  

zwischen gesunder Idealnorm bis hin zum Psychotiker) aus forensisch-

psychiatrischer Sicht keine Hinweise für die Annahme einer verminderten Schuld-

fähigkeit finden lassen, weder nach Art. 19 Abs. 1 StGB noch Art. 19 Abs. 2 StGB 

(Urk. 18/10 S. 51 f.). 

b) Nachdem sich der Angeklagte nach Erstellung des Aktengutachtens bereit 

erklärt hatte, an einer Begutachtung mitzuwirken (Urk. 4/4 S. 2), ergänzte der 

Gutachter Dr. med. M. Graf am 30. Juni 2009 nach einer Untersuchung des  

Angeklagten sein Gutachten vom 9. April 2009 (Urk. 18/12). Darin führt er aus,  

der Angeklagte habe sich anlässlich der Begutachtung vom 18. Juni 2009 in deut-

lich reduziertem Allgemein- und Ernährungszustand, fahl und eingefallen sowie 

psychisch deutlich alteriert gezeigt. Es sei eine deutliche Hypomimie mit ver-

armter Gestik, unsicheren Bewegungen und einem deutlichen Tremor der Hände 

festzustellen gewesen. Der Angeklagte sei aber bewusstseinsklar und zu allen 

Qualitäten orientiert gewesen. Obwohl die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit 

deutlich beeinträchtigt und der formale Gedankengang deutlich schleppend  

gewesen seien, seien keine Hinweise bezüglich einer Intoxikation durch  

psychotrope Substanzen erkennbar gewesen. Auch seien inhaltliche Denkstörun-

gen im Sinne von wahnhaftem Erleben oder Denken, Störung der Wahrnehmung 

wie Halluzinationen oder Illusionen sowie Störungen des Ich-Erlebens wie zum 

Beispiel Derealisationsphänomene nicht feststellbar gewesen (Urk. 18/12 S. 6 f.). 

Diagnostisch könne weiterhin von einem hebephilen Sadismus mit nekrophilen 

Tendenzen ausgegangen werden. Der Angeklagte habe sich damit einverstanden 

erklären können, wobei es ihm aber wichtig zu betonten gewesen sei, dass er die 

sadistischen Handlungen jeweils erst nach dem Tod seiner Opfer begangen habe. 

Auch die Hypothese, dass es sich bei den vollzogenen und teilweise versuchten 

-   41   - 

Handlungen insgesamt um ein Tatmuster handle, welches aus einer Ambivalenz 

zwischen homophilen Bedürfnissen, deren moralischer Ablehnung sowie der Wut 

über einerseits die eigenen Verfehlungen und andererseits das Ausbleiben der 

antizipierten und erhofften Erregung und Befriedigung resultiere, habe der Ange-

klagte akzeptieren können (Urk. 18/12 S. 8). 

Es könne auch weiterhin an der bereits gemachten Beurteilung der aus foren-

sisch-psychiatrischer Sicht vollständig erhaltenen Schuldfähigkeit nach Art. 19 

StGB festgehalten werden (Urk. 18/12 S. 8). 

c) Das Gutachten und das Ergänzungsgutachten von Dr. med. M. Graf sind 

vollständig und schlüssig; es ist kein Grund ersichtlich, weshalb nicht darauf  

abgestellt werden könnte. Es ist mit dem überzeugenden Gutachten davon aus-

zugehen, dass die Schuldfähigkeit des Angeklagten bei den Delikten nicht  

herabgesetzt war. Wie bereits dargelegt (Erwägung III.1.2.), bemängelt die Ver-

teidigung den gutachterlichen Parallelvergleich zu den beiden früheren Fällen. 

Insbesondere gehe im Zusammenhang mit der Frage der Schuldfähigkeit nicht 

auf, dass dem Angeklagten in früheren Verfahren bis zu eine hundertprozentige 

Schuldunfähigkeit zugerechnet worden sei. Dies lasse insofern aufhorchen, als 

der Gutachter Dr. Graf in seinem Aktengutachten davon ausgehe, dass der vor-

liegende Fall dem Muster der früheren Fälle entsprechen würde. Weshalb der 

Gutachter dann in seiner Beurteilung aber abweichend von den früheren Gutach-

ten eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit gänzlich ausschliesse, sei nicht 

nachvollziehbar. Es falle auch auf, dass der Gutachter sich mit den abweichenden 

Beurteilungen in den früheren Gutachten gar nicht auseinandergesetzt habe. Er 

mache gerade nicht sichtbar, aus welchen Gründen er in dieser Frage zu einer 

massiv abweichenden Beurteilung komme und zwar trotz der Übernahme von 

früheren Diagnosen in den wesentlichen Punkten und trotz Einreihung des vor-

liegenden Falles in das von im vertretene Musterverhalten des Angeklagten  

(Urk. 65 S. 25 ff.) 

Entgegen dieser Auffassung erscheint das Gutachten aber in sämtlichen Punkten 

nachvollziehbar und schlüssig. Insbesondere ist entgegen der Meinung der Ver-

teidigung festzuhalten, dass Dr. Graf bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit  

-   42   - 

(Urk. 18/10 S. 50 ff.) in den wesentlichen Punkten keinen Bezug zu den früheren 

Taten nimmt. Die Ausführungen im Zusammenhang mit dem Musterverhalten er-

folgten allesamt im Rahmen der psychischen Diagnose des Angeklagten  

(Urk. 18/10 S. 42 bis 50). Wie vorab in Erwägung IV.3.1.3. dargelegt, ist mit dem 

Gutachten nicht zu verkennen, dass der vorliegende Mord an sich frappante  

Parallelen mit den Morden von 1982 und 1993 aufweist. Entgegen der Ansicht der 

Verteidigung (Urk. 65 S. 7) ist auch festzuhalten, dass der Geschädigte für sein 

damaliges Alter durchaus ein eher jugendliches Aussehen aufgewiesen hat (vgl. 

Beizugsakten i.S. †H.__, Personalakten der Strafanstalt Pöschwies). Dies bestä-

tigt aber nur am Rande die im Gutachten schlüssig aufgezeigte rote Linie, welche 

sich – im wesentlichen Kernbereich – durch sämtliche drei Tötungsdelikte zieht. 

Wie nachfolgend im Zusammenhang mit dem Tatmotiv noch genauer zu erörtern 

sein wird, ging es mit dem Gutachten in einer ersten Phase um das Erzwingen 

(teilweise gegenseitiger) sexueller Handlungen mit Erniedrigung und Demütigung 

des Opfers, dann um die Tötung und schliesslich um eine als nekrophil zu be-

zeichnende Phase (mit zumindest teilweisen sexuellen Handlungen) von Tö-

tungsdelikten post mortem. Zusammengefasst ist die gutachterlich festgehaltene 

Diagnose als hebephiler Sadismus mit nekrophilen Tendenzen und die Feststel-

lung, dass für die Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit sich keine Hinwei-

se finden lassen, nicht zu beanstanden. 

3.2.4. Motiv: Der Mord am Geschädigten †H.__ – dies gilt auch für die beiden 

übrigen Delikte – beging der Angeklagte aus mehr oder minder nichtigem Anlass. 

Da er nicht wollte, dass sich der Geschädigte in dem durch die Einnahme des 

Medikamentencocktails ausgelösten benommenen Zustand aus seiner Zelle be-

wegte und Aufsehen erregte, fesselte und knebelte er ihn. Dies löste, wie bereits 

dargelegt, beim Angeklagten eine gewisse sexuelle Erregung aus, woraufhin er 

den wehrlosen Geschädigten sexuell nötigte. Diese Handlung war einerseits klar 

sexuell motiviert, andererseits mit dem Gutachten auch sadistischen Ursprungs. 

Dabei ging es dem Angeklagten – wie bei seinen früheren Delikten – um die Er-

niedrigung und Demütigung des Geschädigten und um das Aufzeigen von Domi-

nanz (vgl. Urk. 18/10 S. 48; dazu auch der Angeklagte in Urk. 4/1 S. 4 und S. 11). 

Als der Angeklagte durch die anale Penetration resp. den Versuch dazu keine Er-

-   43   - 

regung fand und nunmehr einen Deo-Spray anal einführte, setzte er seine sexuell 

und sadistisch motivierte Handlungsweise fort. Erst als der Geschädigte sich er-

neut die Möglichkeit verschaffen konnte zu schreien, geriet der Angeklagte in Pa-

nik, er bekam Angst davor, dass er bei Auffliegen des bisherigen Geschehens in 

den Bunker müsste. Wie bereits dargelegt, wollte er den Geschädigten zur Ruhe 

zwingen, und damit dieser nicht mehr schreien konnte, presste er seinen Arm auf 

dessen Gurgel. Dieses Vorgehen mag zwar nicht mehr sexuell motiviert gewesen 

sein, aber gewisse über die sexuelle Nötigung hinweg andauernde sadistische 

Tendenzen sind auch hier nicht von der Hand zu weisen. Die Erniedrigung und 

Demütigung des Geschädigten ging über in ein eigentliches Quälen, wobei ge-

mäss Gutachten auch eine projizierte Selbstbestrafung des Angeklagten wegen 

der verneinten homophilen Präferenz auszumachen ist (vgl. Urk. 18/10 S. 48). 

Dass er den Geschädigten auch nach dessen Tod weiter anging, ist ein Vorge-

hen, das der Angeklagte auch schon bei seinen früheren Morden zeigte. Es zeugt 

von einer völligen Missachtung des Lebens und der Würde anderer Menschen 

zwecks Befriedigung des eigenen Triebes. Auch im vorliegenden Fall ging diese 

sadistische Motivation und das Bedürfnis der Erniedrigung des Opfers über den 

Todeszeitpunkt des Geschädigten hinweg, indem der Angeklagte dem Geschä-

digten nach dessen Tod erneut den Deo-Spray in den After einführte. 

3.3. Würdigung der Tatschwere 

Insgesamt erfährt das objektive Verschulden dahingehend eine sehr leichte  

Relativierung, als dass der Angeklagte das vordergründige Delikt, den Mord,  

lediglich eventualvorsätzlich ausführte. Wie bereits dargelegt, ist der vorliegende 

Eventualvorsatz nahe an der Grenze zum direkten Vorsatz anzusiedeln. Dies 

wiegt sich aber mit dem Motiv des Angeklagten – nichtiger, sadistisch veranlagter, 

demütigender und teilweise sexuell motivierter Beweggrund – wieder auf. 

Insgesamt ist deshalb von einer nach wie vor hypothetischen Einsatzstrafe von 

rund 18 Jahren auszugehen. 

 

-   44   - 

4. Täterkomponente 

4.1. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse 

sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Bei der Beurteilung des 

Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlverhalten, andererseits Zahl, Schwere 

und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht. Unter dem Gesichtspunkt der persönli-

chen Verhältnisse ist etwa zu berücksichtigen, ob der Täter Reue und Einsicht 

zeigte, ob er mehr oder weniger strafempfindlich ist oder ob in den Medien eine 

Vorverurteilung erfolgte (Hug in: Andreas Donatsch (Hrsg.), StGB Kommentar, 

a.a.O., N 15 zu Art. 47 StGB).  

4.2. Persönliche Verhältnisse, Werdegang 

4.2.1. Der Angeklagte wurde zu seinem Vorleben im Rahmen der Unter-

suchung und im Rahmen seiner früheren Delikte einlässlich befragt. Aus den  

Untersuchungsakten geht zusammengefasst Folgendes hervor (vgl. Urk. 4/2;  

Urk. 33/1-6; Ordner 5, Vorakten Psychiatrische Gutachten pag. 1334 ff.;  

Urk. 31/1-56): 

Der Angeklagte wurde als jüngstes von drei Kindern eines Konstrukteurs und  

einer Schneiderin am 6. Juli 1958 in Schaffhausen geboren. Bis zu seinem fünften 

Lebensjahr wuchs er dann in Beringen auf, danach zog die Familie nach Schaff-

hausen, wo er auch die Primarschule besuchte. Das erste Schuljahr musste er  

jedoch aufgrund eines mehrmonatigen Kuraufenthaltes in Alvier (Rheintal) wegen 

einer schweren Lungenentzündung wiederholen. Nach bestandener Sekundar-

schule zog der Angeklagte nach Neuenburg, um dort eine dreijährige Polizei-

schule zu absolvieren. Nach etwa zwei Jahren wurde er in jener Zeit jedoch auf 

seinem Mofa mit 0,89 Promille erwischt und musste den Führerschein für  

drei Monate abgeben, weshalb er das Interesse an der Polizeischule verlor und 

diese verliess. Darauf hin war er eine Weile arbeitslos, bis er im Jahre 1978 die 

Rekrutenschule als Minenwerfer antreten musste. Er fand dann eine Stelle als 

Hilfspfleger in der Psychiatrischen Klinik Breitenau, wo er ab 1979 auch die  

dreijährige Schule zum diplomierten Psychiatriepfleger machen konnte. Nach der 

Schule übernahm er für zwei bis drei Jahre die Dauernachtwache, wo ihm insbe-

-   45   - 

sondere die eigenständige Arbeit sehr gut gefiel. In diese Zeit fällt auch der erste 

Mord des Angeklagten vom 30. September 1982 an †I.__. Wegen Schlafstörun-

gen wechselte er schliesslich aber in den Tagdienst über, wo er in eine neu eröff-

nete Abteilung mit einem jungen Team kam. Er besuchte dann die Kaderausbil-

dung der VESKA und avancierte zum Vize-Abteilungspfleger. Auf dieser Station 

lernte er schliesslich auch seine ebenfalls dort beschäftigte spätere Ehefrau ken-

nen, welche er 1987 heiratete. Im gleichen Jahr und noch vor der Hochzeit kam 

die gemeinsame Tochter zur Welt. Nach einem Suizidversuch verlor der Ange-

klagte jedoch 1989 diese Stelle und er musste sich ins Kantonspital Schaffhausen 

und schliesslich in die Psychiatrische Klinik Rheinau begeben. Aus der Psychiat-

rie heraus konnte er sich dann jedoch für eine Stelle als Betreuer in einer Wohn-

gemeinschaft für Obdachlose in Geissberg bewerben, welche er zusammen mit 

seiner damaligen Frau auch bekam. 1990 erfolgte dann die Scheidung von seiner 

Frau, wobei die gemeinsame Tochter der Frau zugesprochen wurde. In diese Zeit 

fällt auch die versuchte sexuelle Nötigung am 2./3. April 1990 zum Nachteil von 

K.__. Da sich der Angeklagte in der Wohngemeinschaft je länger je mehr ausge-

nützt vorkam, gab er dort 1991 seine Tätigkeit auf, woraufhin er etwa ein Jahr 

lang mit Ausnahme von kleineren Gelegenheitsjobs arbeitslos war. 1992 konnte 

er dann eine Stelle bei der Silag antreten. Nach dem Mord an †J.__ am 4. August 

1993 begab sich der Angeklagte freiwillig in die Psychiatrische Klinik Rheinau un-

ter dem Vorwand eines Alkoholentzugs. In Wahrheit war er jedoch mit den Nerven 

derart am Ende, dass er in seinem Leben nicht mehr weiter wusste. Der Ange-

klagte wurde dann als Suchtpatient eingestuft und zur Absolvierung eines Ent-

zugsprogramms in die Psychiatrische Klinik Hard in Embrach eingewiesen. Durch 

das dortige therapeutische Milieu fühlte er sich jedoch zu stark überfordert, wes-

halb er seinen Austritt forcierte. Zuhause kam ihm dann die Idee, mit einem 

Wohnmobil nach Frankreich zu reisen. Über seinen Vater, der als Franzose im 2. 

Weltkrieg in die Schweiz gekommen war, hatte der Angeklagte Verwandte in 

Frankreich. Als er im Oktober 1993 dann einen Autostopper mit einem Schrau-

benzieher attackierte und verletzte, stellte er sich der französischen Polizei, wor-

aufhin er ins Untersuchungsgefängnis Caen versetzt wurde. Am 13. Dezember 

1993 bekam er das erste Mal Besuch von den Schweizer Untersuchungsbehör-

-   46   - 

den und im März 1994 wurde er in die Schweiz ausgeliefert. Bis 1996 befand er 

sich im vorgezogenen Haftantritt in Frauenfeld, danach wurde er nach Pöschwies 

in die Integrationsabteilung (IG) versetzt. Ab 2007 war er in der Abteilung für 

Suchtprobleme (ASP). 

Nach der heute zu beurteilenden Tat kam der Angeklagte in die Psychiatrische 

Klinik in Rheinau, am 17. April 2008 wurde er dann ins Gefängnis Pfäffikon ver-

legt. Aufgrund schwerer psychischer Probleme in der Untersuchungshaft wurde 

der Angeklagte am 16. März 2009 in die bewachte Station des Inselspitals Bern 

verlegt. Anfang April 2009 wurde der Angeklagte in die Strafanstalt Lenzburg ver-

legt, von wo er am 21. April 2009 aber aufgrund seiner anhaltend schlechten  

psychischen Verfassung und eines Suizidversuchs erneut ins Inselspital Bern ver-

legt wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt im Gefängnis Pfäffikon wurde der  

Angeklagte am 25. Mai 2009 in den Sicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt 

Lenzburg verlegt. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 30. November 2009 wurde der Verbleib des Angeklagten auf der Sicher-

heitsabteilung (SITRAK) der Justizvollzugsanstalt Lenzburg angeordnet  

(Urk. 50A/2). 

Bereits zu seiner Zeit in Neuenburg begann der Angeklagten mit übermässigem 

Alkoholkonsum. Seine Situation als junger Familienvater, den gewisse Existenz-

ängste plagten, und schliesslich die berufliche Neuorientierungsphase vor dem 

Stellenwechsel in die Wohngemeinschaft sowie zunehmende eheliche Streitigkei-

ten führten zu einer erneuten Steigerung seines Alkoholkonsums. Auch der letzte 

gescheiterte Versuch, im Frühjahr 1993 die Liebesbeziehung zu einer Frau wieder 

aufzunehmen, zog abermals eine Steigerung des Alkoholkonsums nach sich. 

Anlässlich seiner mehrfachen Klinikaufenthalte und auch im Laufe des langjähri-

gen Strafvollzugs bzw. der Verwahrung musste der Angeklagte stets eine gerau-

me Menge an Medikamenten zu sich nehmen. Anlässlich der polizeilichen  

Einvernahme vom 3. Juni 2008 gab er an, täglich 30 mg Valium, 60 mg Clopixol 

und 2,5 mg Temesta einnehmen zu müssen (Urk. 4/2 S. 2). Kurz vor der Tat vom 

27. Januar 2008 habe er täglich abends 2,5 mg Temesta und 15 mg Valium erhal-

ten (Urk. 4/1 S. 2). In der gleichen Einvernahme gab er jedoch auch an, (täglich 

-   47   - 

jeweils) 10 mg Temesta und 30 mg Valium erhalten zu haben (Urk. 4/1 S. 8).  

Gegenüber Gutachter Graf gab der Angeklagte am 18. Juni 2009 an, 200 mg 

Haldol cecanoas (Depot-Neuroleptikum; alle zwei Wochen), 10 mg Haldol, 230 

mg Seresta, 1 Tablette Imovane und zwei Tabletten Akineton zu erhalten  

(Urk. 18/12 S. 6), wobei die Verteidigung des Angeklagten anmerkte, dass dies 

die Medikation der Zweitmeinung darstelle (Urk. 4/7 S. 16). 

4.2.2. Diese Ausführungen bestätigte der Angeklagte anlässlich der heutigen 

Hauptverhandlung (Prot. S. 6 ff.). In Ergänzung bzw. Korrektur dazu gab er zu 

Protokoll, dass seine Tochter erst nach der Hochzeit zur Welt gekommen sei. Zu-

dem habe er nicht zu Verwandten in Frankreich fahren wollen, sondern sei mit  

Fr. 2'000.– und einem Herzmittel losgefahren, welches er nach Verbrauch des 

Geldes zwecks Selbsttötung hätte zu sich nehmen wollen. Als er dann in Caen 

verhaftet worden sei, sei er mit Blutspuren von †J.__ an seinem damaligen Auto 

in der Schweiz konfrontiert worden, weshalb er diese Tat und daraufhin auch die 

Tat an †I.__ zugegeben habe. Seine heutige Medikation bestehe aus einem Neu-

roleptikum, 20mg Zyprexa, 100mg Nozinan, 12,5mg Seresta, 10mg Valium und 

als Schlafmittel eine Tablette Imovane. Seit einer Woche sei er in Lenzburg nun in 

einer Sicherheitszelle, welche 24 Stunden am Tag per Video überwacht werde. 

Dies weil er gemeldet habe, er höre Stimmen, und das Personal wisse, dass bei 

ihm eine Suizidgefahr bestehe. Er leide nun seit 16 Jahren an Hepatitis C und 

lasse sie nicht behandeln, in der Hoffnung, dass er bald daran sterbe. 

4.2.3. Es lassen sich aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnis-

sen des Angeklagten keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten, die 

über das hinaus gehen würden, was bei der Abhandlung der subjektiven Tat-

schwere ausgeführt worden ist und nicht nachfolgend im Zusammenhang mit der 

Vorstrafe noch zu berücksichtigen sein wird. 

4.3. Vorstrafe 

4.3.1. Gemäss Strafregisterauszug vom 27. November 2009 wurde der An-

geklagte am 5. Dezember 1996 vom Kantonsgericht des Kantons Schaffhausen 

wegen Mordes und Nötigung zu einer andern unzüchtigen Handlung (unvollende-

-   48   - 

ter Versuch) mit lebenslänglichem Zuchthaus be