# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 870223b1-7159-5a5f-ac77-5ec956207354
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-03
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 03.03.2022 S 2022 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2022-6_2022-03-03.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 22 6

3. Kammer als Versicherungsgericht

Einzelrichterin Pedretti

Aktuarin Hemmi

URTEIL

vom 3. März 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A.________, 

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

IV-Stelle, 

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

- 2 -

I. Sachverhalt:

1. A.________, geboren 1976, befand sich in den Jahren 2011 bis 2017 auf-

grund ihrer Alkoholabhängigkeit mehrmals in stationärer Entzugsbehand-

lung in den Kliniken der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR). Zu-

vor arbeitete sie während mehreren Jahren als Serviceangestellte im 

Gastgewerbe.   

2. Am 19. Januar 2017 meldete sich A.________ unter Hinweis auf eine 

emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ, eine psychi-

sche und Verhaltensstörung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, und 

eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode, 

erstmals bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-

Stelle) zum Leistungsbezug an. 

3. Nachdem die IV-Stelle in der Folge erwerbliche Abklärungen durchgeführt, 

medizinische Berichte eingeholt und A.________ mit Schreiben vom 

22. Februar 2017 zur Suchtmittelabstinenz aufgefordert hatte, erfolgte am 

10. Oktober 2017 eine monodisziplinäre Abklärung beim Regionalen Ärzt-

lichen Dienst (RAD) Ostschweiz durch Dr. med. B.________, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH. In dem am 27. Oktober 2017 erstat-

teten Bericht stellte Dr. med. B.________ als Diagnose mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 

mittelgradig depressive Episode (ICD:10 F33.1), und ohne Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit ein Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD:10 F10.2), ge-

genwärtig abstinent. Während er die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt aus-

geübten Tätigkeit im Gastgewerbe als aufgehoben erachtete, wies er in 

einer leidensadaptierten Tätigkeit eine ab dem Zeitpunkt der Abklärung 

bestehende 50%ige Arbeitsfähigkeit aus. Unter adäquater antidepressiver 

Behandlung rechnete er mit der Wiedererlangung einer 80%igen 

Arbeitsfähigkeit innert sechs bis zwölf Monaten. 

- 3 -

4. Am 12. September 2018 führte die IV-Stelle eine Haushaltsabklärung 

durch. Dabei gab A.________ an, ohne Gesundheitsschaden zu 100 % im 

Service oder Verkauf erwerbstätig zu sein. 

5. Nachdem die IV-Stelle am 30. Juni 2020 einen Anspruch auf berufliche 

Eingliederungsmassnahmen verneint hatte, stellte sie A.________ mit 

gleichentags erlassenem Vorbescheid die Ausrichtung einer ganzen 

Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31. 

Januar 2018 und einer Viertelsrente für den Zeitraum vom 1. Februar 2018 

bis zum 31. März 2018 in Aussicht. Ab dem 1. April 2018 bestehe aufgrund 

eines unter 40 % liegenden Invaliditätsgrads kein Anspruch mehr auf eine 

Invalidenrente. Mit Verfügungen vom 24. November 2020 sprach die IV-

Stelle A.________ für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 

31. März 2018 eine ganze Invalidenrente zu. Diese Verfügungen 

erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. 

6. Am 23. Juni 2021 meldete sich A.________ unter Hinweis auf psychische 

und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Entzugssyndrom (ICD:10 F10.3), 

Rückenschmerzen, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, 

Borderline-Typ (ICD:10 F60.31), psychische und Verhaltensstörungen 

durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom (ICD:10 F13.2), 

eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 

Episode (ICD:10 F33.1), und eine posttraumatische Belastungsstörung 

(ICD:10 F43.1) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an.

7. In der Folge forderte die IV-Stelle A.________ mit Schreiben vom 25. Juni 

2021 auf, bis zum 31. August 2021 Unterlagen einzureichen, die auf eine 

wesentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands hindeuten 

würden. 

8. Mit Vorbescheid vom 8. November 2021 stellte die IV-Stelle A.________ 

in Aussicht, mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung 

- 4 -

in den tatsächlichen Verhältnissen nicht auf ihr Leistungsbegehren 

einzutreten. Die IV-Stelle entschied mit Verfügung vom 17. Dezember 

2021 wie vorbeschieden und trat auf das Leistungsbegehren nicht ein.  

9. Am 17. Januar 2022 teilte der Hausarzt Dr. med. C.________, Allgemeine 

Medizin FMH, der IV-Stelle per E-Mail unter anderem mit, dass 

A.________ das Schreiben vom 25. Juni 2021 betreffend Nachreichung 

eines ärztlichen Berichts aufgrund mehrerer Klinikaufenthalte erst letzte 

Woche gesehen habe. Zudem sei auch die Emser Postadresse seit letzten 

Herbst nicht mehr korrekt. 

10. Gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2021 erhob A.________ 

(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 20. Januar 2022 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle anzuweisen, ihr 

Leistungsbegehren vom 23. Juni 2021 zu bearbeiten und die 

erforderlichen Berichte und gegebenenfalls ein psychiatrisches Gutachten 

einzuholen. Prozessual ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass sie 

vom 9. Juni 2021 bis zum 26. Juli 2021 in der Klinik D.________ 

hospitalisiert gewesen sei. Während dieses Aufenthalts habe die Klinik für 

sie die Anmeldung bei der IV-Stelle vorgenommen. Sie habe nicht 

gewusst, dass sie ärztliche Berichte hätte nachreichen sollen. Das 

entsprechende Schreiben vom 25. Juni 2021 habe sie erst mit Erhalt der 

Nichteintretensverfügung gesehen. Es sei ihr nicht nachgeschickt worden. 

Dass sie die Frist gemäss Schreiben vom 25. Juni 2021 verpasst habe, 

sei nicht ihre Schuld. Ab dem 23. August 2021 sei sie bereits wieder im 

Spital und erneut in der Klinik D.________ gewesen. Gleichzeitig reichte 

sie zwei Berichte der PDGR vom 2. August 2021 und 26. Oktober 2021 

sowie eine Stellungnahme ihres Hausarztes Dr. med. C.________ vom 

16. Januar 2022 ein. 

- 5 -

11. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 15. Februar 2022 auf Abweisung der Beschwerde 

und verwies dabei zur Begründung primär auf die angefochtene Verfügung 

vom 17. Dezember 2021. Ausserdem brachte sie vor, dass der Bericht von 

Dr. med. C.________ vom 16. Januar 2022 sowie die mit Beschwerde 

eingereichten Berichte der PDGR vom 2. August 2021 und 26. Oktober 

2021 für die Beantwortung der vorliegend relevanten Frage nicht 

herangezogen werden könnten, zumal diese ihr im Zeitpunkt der 

angefochtenen Verfügung nicht zur Verfügung gestanden hätten. Die 

Beschwerdeführerin habe im Verwaltungsverfahren nicht glaubhaft 

dargelegt, dass sich der Sachverhalt in einer für den Anspruch erheblichen 

Weise verändert habe, weshalb auf die Neuanmeldung vom 23. Juni 2021 

zu Recht nicht eingetreten worden sei. Selbst wenn die 

Beschwerdeführerin das Schreiben vom 25. Juni 2021 erst im Dezember 

2021 gesehen habe, hätte sie ohne weiteres die Möglichkeit gehabt, 

gegen den Vorbescheid vom 8. November 2021 Einwand zu erheben und 

dabei entsprechende Unterlagen zur Glaubhaftmachung einer 

wesentlichen Veränderung des anspruchsrelevanten Sachverhalts 

einzureichen. 

12. Die Beschwerdeführerin liess sich trotz der ihr eingeräumten Frist zur 

freigestellten Stellungnahme nicht mehr vernehmen.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die an-

gefochtene Verfügung sowie die weiteren Akten wird, sofern erforderlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:

1.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-

cherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen di-

rekt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die 

- 6 -

Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 17. Dezember 

2021 stellt eine solche anfechtbare Verfügung der Invalidenversicherung 

und folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zustän-

digkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgeset-

zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; 

SR 830.1) i.V.m. mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwal-

tungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressatin der strittigen Verfü-

gung ist die Beschwerdeführerin berührt und sie weist ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. 

Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht ein-

gereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2, Art. 38 f. sowie 

Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.

1.2. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. b VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in ein-

zelrichterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel offensichtlich unzuläs-

sig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Bei der vorliegen-

den Beschwerde handelt es sich – wie nachfolgend dargelegt wird – um 

ein offensichtlich unbegründetes Rechtsmittel, weshalb das Urteil in ein-

zelrichterlicher Kompetenz ergeht. 

2. Der Streitgegenstand erschöpft sich in der Frage, ob die 

Beschwerdegegnerin zu Recht mangels glaubhaft gemachter 

wesentlicher Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen durch die 

Beschwerdeführerin nicht auf deren Leistungsbegehren eingetreten ist.

3.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, 

so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht 

wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erhebli-

chen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der Verordnung über 

die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2). Eine solche Ände-

- 7 -

rung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer Verschlech-

terung des Gesundheitszustandes mit entsprechend verminderter Arbeits-

fähigkeit oder in geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im Wesent-

lichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung der Gesundheit liegen. Dage-

gen stellt eine bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen 

gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante Änderung dar (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 8C_541/2019 vom 23. Dezember 2019 E.3.1 und 

8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.3.2 mit Hinweis). Es obliegt der 

versicherten Person, die Voraussetzung des veränderten Gesundheitszu-

standes glaubhaft zu machen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.3.1 mit Hinweis). Mit dem Beweis-

mass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen an den 

Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im 

Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahr-

scheinlichkeit (vgl. BGE 144 V 427 E.3.2) erstellt sein. Es genügt, dass für 

das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachum-

standes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durch-

aus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung 

werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist 

eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der An-

spruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls 

sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2 und 

9C_733/2019 vom 2. Dezember 2019 E.2.2.).

3.2. Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde von Amtes wegen für 

die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2). Dieser greift rechtsprechungs-

gemäss erst, wenn die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt, folglich ein Ver-

fahren eröffnet und verpflichtet ist, den massgeblichen Sachverhalt abzu-

- 8 -

klären (vgl. BGE 130 V 64 E.5.2.5 und Urteil des Bundesgerichts 

8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.5).

3.3. Für die beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist 

nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Sachverhalt, wie er sich 

der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei Erlass dieser Verfügung mass-

geblich (vgl. BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteile des Bundesgerichts 

8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1 und 8C_183/2016 vom 9. Mai 

2016 E.2.1). Bei der Frage des Eintretens auf die Neuanmeldung kann 

somit nur auf jene ärztlichen Berichte abgestellt werden, die der Verwal-

tung im Zeitpunkt ihres Nichteintretensentscheids auch vorgelegen haben 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.4). 

Insofern sind die erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren ins Recht ge-

legten Berichte der PDGR vom 2. August 2021 und 26. Oktober 2021 (vgl. 

beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3 und 4) sowie die erst nach Erlass 

der angefochtenen Nichteintretensverfügung vom 17. Dezember 2021 bei 

der Beschwerdegegnerin und auch im Rahmen des kantonalen Beschwer-

deverfahrens eingereichte Stellungnahme des Hausarztes Dr. med. 

C.________ vom 16. Januar 2022 (vgl. beschwerdegegnerische Akten 

[Bg-act.] 116 und Bf-act. 2) für die Beantwortung der hier relevanten Frage 

unbeachtlich.  

3.4. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante Ver-

änderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der letzten 

umfassenden materiellen Prüfung (mit rechtskonformer Sachverhaltsab-

klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver-

gleichs). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich grundsätzlich bis zur Prü-

fung und Beurteilung des Gesuchs, d.h. bis zum Erlass der Verfügung be-

treffend die Neuanmeldung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2019 

vom 23. August 2019 E.6.1).

- 9 -

4.1. Vorliegend sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit 

Verfügungen vom 24. November 2020 eine befristete ganze Invaliden-

rente für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31. März 2018 zu 

(vgl. Bg-act. 95 und 99). Diese Verfügungen erwuchsen unangefochten in 

Rechtskraft. Am 23. Juni 2021 meldete sich die Beschwerdeführerin er-

neut bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug an (vgl. Bg-act. 

107). Daraufhin wurde die Beschwerdeführerin mit Schreiben der Be-

schwerdegegnerin vom 25. Juni 2021 aufgefordert, bis zum 31. August 

2021 Unterlagen (z.B. einen ärztlichen Bericht zusammen mit aktuellen 

Laborwerten) einzureichen, die auf eine wesentliche Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands hindeuten würden (vgl. Bg-act. 109). In der 

Folge reichte die Beschwerdeführerin unstreitig keine entsprechenden Un-

terlagen ein, so dass die Beschwerdegegnerin – nach durchgeführtem 

Vorbescheidverfahren (vgl. Bg-act. 110) – mit Verfügung vom 17. Dezem-

ber 2021 mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung in 

den tatsächlichen Verhältnissen nicht auf ihr Leistungsbegehren vom 

23. Juni 2021 eintrat (vgl. Bg-act. 111). Da die Beschwerdeführerin man-

gels Einreichung entsprechender ärztlicher Unterlagen im Verwaltungs-

verfahren somit nicht glaubhaft dargelegt hat, dass sich die tatsächlichen 

Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung in einem für den 

Leistungsanspruch erheblichen Mass verändert haben, ist die Beschwer-

degegnerin zu Recht nicht auf deren Leistungsbegehren eingetreten. Was 

die Beschwerdeführerin und ihr Hausarzt Dr. med. C.________ dagegen 

vorbringen, überzeugt nicht. 

4.2. Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend machen sollte, die Kli-

nik D.________ habe sie am 23. Juni 2021 ohne ihr Wissen bei der Be-

schwerdegegnerin zum Leistungsbezug angemeldet, ist dies nicht zu 

hören. Zwar erfolgte die besagte Anmeldung zu einem Zeitpunkt, in wel-

chem sich die Beschwerdeführerin in stationärer Behandlung in der Klinik 

D.________ befand (vgl. Bf-act. 3). Allerdings kann den Akten entnommen 

- 10 -

werden, dass die Anmeldung zum Leistungsbezug von der Beschwerde-

führerin selbst unterzeichnet wurde und dieser zudem Pass- und Aufent-

haltsbewilligungskopien beigelegt wurden (vgl. Bg-act. 107 und 108). So-

dann erweist sich der Einwand des Hausarztes Dr. med. C.________ in 

seiner E-Mail vom 17. Januar 2022 an die Beschwerdegegnerin, wonach 

die Emser Postadresse der Beschwerdeführerin seit letztem Herbst nicht 

mehr korrekt sei (vgl. Bg-act. 115), als unbegründet. Denn die im Rahmen 

des vorliegenden Beschwerdeverfahrens getätigten Recherchen zeigen, 

dass die Beschwerdeführerin vom 1. Dezember 2001 bis am 16. Januar 

2022 in E.________ an der F.________ wohnhaft war und erst per 17. Ja-

nuar 2022 nach G.________ zog (abgerufen auf der Einwohnerdatenplatt-

form Geres am 21. Februar 2022). Vor diesem Hintergrund ist nicht zu 

beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin ihr Schreiben vom 25. Juni 

2021, den Vorbescheid vom 8. November 2021 sowie die Nichteintretens-

verfügung vom 17. Dezember 2021 an diese Adresse zustellte (vgl. Bg-

act. 109, 110 und 111). Des Weiteren ist die Behauptung der Beschwer-

deführerin, sie habe das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. Juni 

2021 aufgrund ihrer Aufenthalte in der Klinik D.________ erst im Dezem-

ber 2021 – zusammen mit der angefochtenen Nichteintretensverfügung – 

gesehen, wenig glaubhaft. Abgesehen davon, dass der Hausarzt Dr. med. 

C.________ in seiner E-Mail vom 17. Januar 2022 abweichend von der 

Beschwerdeführerin vorbrachte, dass sie das Schreiben der Beschwerde-

gegnerin vom 25. Juni 2021 erst letzte Woche gesehen habe (vgl. Bg-act. 

115), musste die Beschwerdeführerin aufgrund der am 23. Juni 2021 er-

folgten Anmeldung zum Leistungsbezug mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit mit der Zustellung eines behördlichen Aktes seitens der Beschwer-

degegnerin rechnen, weshalb sie während ihres Klinikaufenthalts nach 

Treu und Glauben verpflichtet gewesen wäre, dafür zu sorgen, dass sie 

von ihrer an die Adresse in E.________ gelangenden Korrespondenz und 

damit vom Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. Juni 2021 Kennt-

nis erlangt (vgl. BGE 141 II 429 E.3.1, 139 IV 228 E.1.1, 138 III 225 E.3.1, 

- 11 -

130 III 396 E.1.2.3; Urteile des Bundesgerichts 2C_364/2021 vom 5. Au-

gust 2021 E.3.3.2, 2C_35/2016 vom 18. Juli 2016 E.3.1 und 2C_286/2008 

vom 6. Mai 2008). Dies hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen 

unterlassen, weshalb sie – entgegen ihrer Auffassung – ein Verschulden 

an der verpassten Frist gemäss Schreiben vom 25. Juni 2021 trifft. 

Schliesslich hätte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit gehabt, gegen 

den Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom 8. November 2021 Ein-

wand zu erheben und dabei – wie im Vorbescheid festgehalten (vgl. Bg-

act. 110) – anhand von entsprechenden Unterlagen eine wesentliche Ver-

änderung des anspruchsrelevanten Sachverhalts glaubhaft zu machen. 

Dass die Beschwerdeführerin den besagten Vorbescheid nicht erhalten 

bzw. erst später gesehen hat, bringt sie nicht vor. 

4.3. Der Vollständigkeit halber ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, 

dass es der Beschwerdeführerin offen steht, die Berichte der PDGR vom 

2. August 2021 und 26. Oktober 2021 sowie die Stellungnahme des Haus-

arztes Dr. med. C.________ vom 16. Januar 2022 im Rahmen einer er-

neuten Anmeldung zum Leistungsbezug einzureichen. 

5. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet 

und ist abzuweisen. 

6.1. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- 

festgelegt. Da dieser Fall nur einen geringen Aufwand verursacht hat, 

werden die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen 

Kostenrahmens auf CHF 200.-- festgesetzt.

- 12 -

6.2. Bei diesem Prozessausgang wird die Beschwerdeführerin grundsätzlich 

kostenpflichtig. Allerdings hat sie um unentgeltliche Rechtspflege ersucht. 

Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-

genossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die erforder-

lichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr 

Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. auch Art. 76 Abs. 1 

VRG). Aussichtslos ist ein Prozess, dessen Gewinnchancen beträchtlich 

geringer sind als die Verlustgefahr und kaum als ernsthaft bezeichnet wer-

den können. Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit ausgegangen 

werden, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr ungefähr die 

Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese (vgl. BGE 122 I 

267 E.2b). Da die Beschwerde nach dem Gesagten als aussichtlos einzu-

stufen ist, kann dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nicht statt-

gegeben werden.  

6.3. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

III. Demnach erkennt die Einzelrichterin:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3. Die Kosten von CHF 200.-- gehen zulasten von A.________.

4. Es wird keine Parteientschädigung gesprochen. 

5. [Rechtsmittelbelehrung]

6. [Mitteilungen]