# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 842f2b9c-e99d-5b95-9766-535f351ee0b7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.07.2023 D-3385/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3385-2023_2023-07-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3385/2023  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  J u l i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Thomas Segessenmann, 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas; 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch MLaw Sandra Birrer, Rechtsanwältin, 

Rechtsschutz für Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 1. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

D-3385/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 21. Februar 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

B.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi-

schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass der 

Beschwerdeführer am 13. Februar 2023 in Kroatien beim illegalen Über-

schreiten der Aussengrenze aufgegriffen worden war. 

C.  

C.a Am 23. März 2023 fand das persönliche Gespräch mit dem Beschwer-

deführer gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(nachfolgend: Dublin-III-VO), statt. Anlässlich des Dublin-Gesprächs wurde 

ihm auch das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit Kroatiens für 

die Prüfung seines Asylgesuchs und einer Überstellung dorthin sowie zu 

seiner Gesundheit gewährt. 

C.b Der Beschwerdeführer gab zu Protokoll, er habe viele Gründe, die ge-

gen eine Wegweisung nach Kroatien sprechen würden. Bei der Ankunft 

seien sein Handy, sein Rucksack und seine Kleider, auch diejenigen am 

Leib, weggenommen worden. Er sei in eine Werkstatt gebracht worden, wo 

er auf Reifen habe schlafen müssen. Man habe ihn dann gezwungen, die 

Fingerabdrücke abzugeben. Er sei dort Gewalt ausgesetzt gewesen und 

sei geschlagen und getreten worden. Seine Gesundheit habe gelitten, je-

doch habe er in Kroatien nicht mal ein Paracetamol gegen die Schmerzen 

erhalten. Er sei am Sterben gewesen, jedoch habe man ihm nicht geholfen. 

Selber habe er keine Hilfe holen können, weil ihm das Handy abgenommen 

worden sei. Psychisch sei er ebenfalls sehr angeschlagen gewesen. Er 

habe zudem nur sehr wenig Essen bekommen, nur zwei Scheiben Brot in 

28 Stunden. Er habe dann Kekse besorgt, sei jedoch daraufhin geschlagen 

worden und man habe ihm gesagt, dass er das nicht dürfe. Zur Toilette 

habe er nicht gehen können, sondern habe nur eine Wasserflasche gehabt, 

welche er benutzt habe, um sein Geschäft im Zimmer zu verrichten. Er 

habe das Zimmer nur einmal in 24 Stunden verlassen dürfen. Er sei über 

35 Stunden eingesperrt gewesen. Er wisse nicht, wie man in so einem 

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Seite 3 

Land eine Zukunft und ein Leben haben solle. Es sei ihm gesagt worden, 

dass er so behandelt werde, weil man wolle, dass er nie wieder einen Fuss 

in das Land setze. Andernfalls würde er noch mehr menschenunwürdige 

Gewalt erfahren. Ihm sei gesagt worden, er solle das Land schnellstmög-

lich verlassen. Er würde lieber hier sterben, als nach Kroatien zurückzu-

kehren. Selbst in der Türkei sei er von den Polizisten nicht so behandelt 

worden. 

In gesundheitlicher Hinsicht gab der Beschwerdeführer an, er sei psychisch 

krank. Er sei bereits in Afghanistan in Behandlung gewesen und habe Me-

dikamente erhalten. Hier habe er nur eines der Medikamente erhalten von 

einem anderen Anbieter, weswegen es nicht geholfen habe. Er habe auch 

(…) und (…) gehabt. Dies sei hier behandelt worden und es gehe besser. 

Zudem seien seine Beine wegen des schwierigen Fluchtwegs verletzt und 

geschwollen gewesen. Er habe kaum gehen können, als er hier angekom-

men sei, da sich seine Füsse aufgrund von Blasen infiziert hätten. Die Wun-

den hätten geeitert und geblutet. Die Narben seien noch sichtbar. 

D.  

Mit Eingabe vom 27. März 2023 reichte die zugewiesene Rechtsvertretung 

einen ärztlichen Kurzbericht vom 24. März 2023 und eine medizinische Do-

kumentation mit letztem Eintrag vom 24. März 2023 zu den Akten. 

E.  

In der Folge liess die Rechtsvertretung dem SEM am 6. April 2023 ein Arzt-

zeugnis des (…) vom 4. April 2023 zukommen. 

F.  

Am 23. Februar 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um 

Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO. 

Dieses Ersuchen hiessen die kroatischen Behörden am 22. April 2023 gut. 

G.  

Mit Eingabe vom 26. Mai 2023 liess die Rechtsvertretung dem SEM einen 

Austrittsbericht des (…) vom 5. Mai 2023 sowie eine E-Mail von 

Dr. B._______ vom 6. Mai 2023 zukommen. 

H.  

Mit Verfügung vom 1. Juni 2023 – eröffnet am 6. Juni 2023 – trat das SEM 

gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Kroatien) und forderte 

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Seite 4 

den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist zu verlassen. Der Kanton C._______ wurde mit dem Vollzug der 

Wegweisung beauftragt. Sodann händigte das SEM die editionspflichtigen 

Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

I.  

Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

13. Juni 2023 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten 

und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die 

angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen 

Feststellung des Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das SEM zu-

rückzuweisen. Subeventualiter sei das SEM anzuweisen, individuelle Zu-

sicherungen von den kroatischen Behörden einzuholen bezüglich des Zu-

gangs zum Asylverfahren, zu adäquater medizinischer Versorgung sowie 

zu Unterbringung. In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren und das SEM und die 

Vollzugsbehörden seien im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen un-

verzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechts-

mittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen. Ferner sei die unent-

geltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten. 

Der Beschwerde lag – nebst der angefochtenen Verfügung (inkl. Emp-

fangsbestätigung) und einer Vollmacht – ein Arztbericht von Dr. B._______ 

und Dr. med. D._______ vom 12. Juni 2023 bei. 

J.  

Mit Verfügung vom 15. Juni 2023 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug 

der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. 

K.  

Der Instruktionsrichter erteilte der Beschwerde mit Verfügung vom 20. Juni 

2023 die aufschiebende Wirkung und stellte fest, der Vollzug der Wegwei-

sung bleibe ausgesetzt und der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten. Ferner hiess er das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt einer nach-

träglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdefüh-

rers gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

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Seite 5 

Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, sich zur Beschwerde vernehmen 

zu lassen. 

L.  

Am 22. Juni 2023 teilte das SEM den kroatischen Behörden mit, dass eine 

Beschwerde mit aufschiebender Wirkung hängig sei, und ersuchte um eine 

Verlängerung der Überstellungsfrist. 

M.  

Ebenfalls am 22. Juni 2023 (Eingang beim Bundesverwaltungsgericht am 

3. Juli 2023) liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen. 

N.  

Der Instruktionsrichter lud den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 5. Juli 

2023 ein, eine Replik einzureichen. 

O.  

Das SEM wies den Beschwerdeführer am 10. Juli 2023 dem Kanton 

C._______ zu. 

P.  

Die Replik des Beschwerdeführers erging mit Eingabe seiner Rechtsver-

treterin vom 13. Juli 2023. Beigelegt war eine E-Mail von Dr. B._______ an 

die Rechtvertretung vom 12. Juli 2023. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher 

einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

  

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Seite 6 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren 

Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 

E. 8.3). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Im Fall eines sogenannten Aufnahmever-

fahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) 

genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge anzuwenden.  

3.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prü-

fen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig 

bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

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Seite 7 

3.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Ge-

mäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch "aus humanitären 

Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein an-

derer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstel-

lungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 

E. 8.2.1). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, der Abgleich der 

Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac weise nach, dass der Be-

schwerdeführer am 13. Februar 2023 in Kroatien illegal in das Hoheitsge-

biet der Dublin-Staaten eingereist sei. Die kroatischen Behörden hätten 

das Ersuchen um Übernahme gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO gut-

geheissen, womit die Zuständigkeit bei Kroatien liege, das weitere Verfah-

ren durchzuführen. Ferner gebe es keine wesentlichen Gründe für die An-

nahme gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO, dass das Asylverfahren und die 

Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien systemische 

Schwachstellen aufweisen würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen 

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grund-

rechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Es würden keine 

konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich Kroatien nicht an seine 

völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und die Asyl- und Wegweisungs-

verfahren nicht korrekt durchführen würde. Es bestehe auch kein Grund, 

die Souveränitätsklausel im Sinne von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m. 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 anzuwenden. Das SEM erachte den medizinischen 

Sachverhalt als ausreichend erstellt und verzichte auf weitere diesbezügli-

che Abklärungen. Das (…) habe im Rahmen einer dreiwöchigen stationä-

ren Behandlung eine detaillierte Diagnose erstellt. In der in grosser zeitli-

cher Nähe geschriebenen E-Mail äussere Dr. B._______ den Verdacht auf 

eine (paranoide) Schizophrenie. Angesichts der ausführlichen Diagnose 

des (…) gehe das SEM nicht davon aus, dass weitere Diagnosen seitens 

Dr. B._______ abzuwarten seien, dies auch unter dem Aspekt, dass dieser 

in der Schweiz über keine Berufsausübungsbewilligung verfüge. Es sei 

aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen und in Berücksichti-

gung der geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht davon 

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Seite 8 

auszugehen, dass die hohe Schwelle für eine drohende Verletzung von 

Art. 3 EMRK überschritten werde. Es könne ausgeschlossen werden, dass 

im Fall des Beschwerdeführers eine medizinische Notlage bestehe und 

sich sein Gesundheitszustand bei einer Rückkehr nach Kroatien drastisch 

verschlechtern werde. Das SEM zweifle die von den behandelnden Fach-

ärzten des (…) gestellten Diagnosen nicht an und gehe vom medizinischen 

Sachverhalt aus, wie er im Austrittsbericht beschrieben werde. Der Ein-

schätzung der Rechtsvertretung, gemäss welcher eine Rückführung nach 

Kroatien mit einem Abbruch der Psychotherapie einhergehe und einem 

Verstoss gegen Art. 3 EMRK gleichkomme, werde widersprochen. Kroatien 

verfüge über eine ausreichende medizinische Infrastruktur und sei ver-

pflichtet, dem Beschwerdeführer die erforderliche medizinische Versor-

gung zu gewähren. Erkenntnissen des SEM zufolge sei der diesbezügliche 

Zugang in Kroatien gewährleistet. 

4.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, Dr. B._______ sei in 

der Gemeinschaftspraxis von Dr. med. D._______ (Praxis für Psychiatrie 

und Psychotherapie in E._______), der über eine Berufsausübungsbewil-

ligung in der Schweiz verfüge und als Psychiater anerkannt sei, angestellt 

und nicht selbständig praktizierend tätig. Dr. B._______ unterstehe der 

Kontrolle von Dr. D._______ und die von ihm gestellten Diagnosen und er-

stellten Berichte würden von Dr. D._______ kontrolliert. Überdies würden 

seit Jahren Asylsuchende mit Muttersprache (…) vom Bundesasylzentrum 

(…) _______ an Dr. B._______ zur psychologischen Betreuung überwie-

sen. Der Beschwerdeführer sei bei der Einreise in Kroatien massiver Ge-

walt ausgesetzt gewesen, wobei die traumatischen Erlebnisse durch die 

erlebte Folter im Heimatland noch verstärkt worden seien. Gemäss dem 

Bericht der (…) leide der Beschwerdeführer an einer PTBS und nach Ein-

schätzung seines derzeitigen behandelnden Psychiaters auch an einer 

psychischen Verhaltensstörung und psychosomatischen Störung. Gemäss 

telefonischer Rücksprache mit Dr. B._______ vom 12. Juni 2023 sei der 

Beschwerdeführer immer noch wöchentlich in Therapie, was keinesfalls 

gelockert werden könne. Der Arztbericht vom 12. Juni 2023 bestätige zu-

dem den geäusserten Verdacht der psychosomatischen Störung als auch 

der paranoiden Persönlichkeitsstörung. Es bestünden konkrete Hinweise 

auf eine akute psychische Verhaltensstörung, eine psychosomatische Stö-

rung, eine paranoide Persönlichkeitsstörung sowie eine Anpassungsstö-

rung, was auf die Erlebnisse auf der Flucht sowie die Folterungen im Hei-

matstaat zurückzuführen sei. Um den Verdacht der PTBS weiter zu erhär-

ten, sei seitens des behandelnden Psychiaters mehrmals versucht worden, 

mit dem (…) Kontakt aufzunehmen, was bis anhin nicht gelungen sei. Der 

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Seite 9 

Bericht halte jedoch ausdrücklich fest, dass die bestehende engmaschige 

psychiatrische Betreuung und die Pharmakotherapie dringend aufrechtzu-

erhalten seien. Kleinste Umgebungswechsel würden sich gravierend auf 

den psychischen Zustand des Beschwerdeführers auswirken. Bei einem 

Ab- oder Unterbruch der Therapie seien eine massive Verschlechterung 

der psychotischen Störung sowie ein Rückfall zum Drogenkonsum bis hin 

zur Selbst- oder Fremdgefährdung zu erwarten. Der Beschwerdeführer 

habe bereits drei Suizidversuche im Heimatland und einen weiteren hier in 

der Schweiz unternommen. Erneute Suizidversuche bei einer Überstellung 

nach Kroatien und einem damit einhergehenden Ab- beziehungsweise Un-

terbruch der Therapie und der medikamentösen Versorgung seien nicht 

auszuschliessen. Insgesamt bestünden deutliche Hinweise auf eine Lang-

zeittraumatisierung sowie eine psychotische Selbstgefährdung. Eine Rück-

kehr nach Kroatien sei für den Beschwerdeführer nicht zumutbar und 

verstosse gegen das Völkerrecht. Ein Selbsteintritt der Schweiz sei zwin-

gend notwendig. Sollte das Gericht den Selbsteintritt ablehnen, sei die Sa-

che zur vollständigen und richtigen Feststellung des medizinischen Sach-

verhalts vor allem in Bezug auf eine Langzeittraumatisierung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. 

4.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen fest 

und führt ergänzend aus, zwar handle es sich beim Beschwerdeführer um 

eine vulnerable Person, jedoch werde der Darstellung widersprochen, wo-

nach eine Überstellung nach Kroatien mit einschneidenden, lebensbedroh-

lichen und somit nicht wieder gut zu machenden Nachteilen verbunden 

wäre. Asylsuchende hätten in Kroatien einen gesetzlich verankerten An-

spruch auf medizinische Versorgungsleistungen, deren Kosten vom kroa-

tischen Staat übernommen würden. Zusätzlich bestünden auch Angebote 

von Nichtregierungsorganisationen (NGO) für psychologische Betreuung, 

womit von einem genügenden psychologischen Behandlungsangebot aus-

zugehen sei. Der Beschwerdeführer werde sich bei einer Rückkehr nach 

Kroatien in einer ganz anderen Situation wiederfinden als anlässlich seiner 

Versuche, die Schengen-Grenze illegal zu passieren. Es sei deshalb bei 

seiner Rückführung nicht von einer reellen Gefahr erneuter Gewalterfah-

rung beziehungsweise einer Retraumatisierung auszugehen. Eine Lang-

zeittraumatisierung werde in den vorhandenen Arztberichten nicht explizit 

erwähnt. Bezüglich der Ursachen der PTBS werde im Arztbericht des (…) 

vom 5. Mai 2023 in einem Satz erwähnt, dass der Beschwerdeführer von 

den Taliban in seinem Heimatland gefoltert worden sei. Weitere und kon-

kretere Hinweise zu dieser angeblichen Folterung gebe es nicht. Im Arzt-

bericht von Dr. B._______ vom 12. Juni 2023 würden ausführlich die 

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Seite 10 

Drogenabhängigkeit, die Eifersucht und die familiären Probleme des Be-

schwerdeführers ausgeführt; Hinweise auf Foltererfahrung in Afghanistan 

würden fehlen. Die Schilderungen des Beschwerdeführers der Gewalter-

fahrungen in Kroatien würden teilweise auch eine gewisse Sachlichkeit ver-

missen lassen; dies etwa, wenn er sage, er sei am Sterben gewesen und 

habe trotzdem keine Hilfe erhalten. Zudem habe er in Kroatien weder Fin-

gerabdrücke abgeben noch ein Asylgesuch stellen wollen, was die von ihm 

geltend gemachte Inhaftierung von 35 Stunden erklären könne. Es sei 

nicht Sache des SEM, das Fehlverhalten einzelner kroatischer Beamter 

aus der Ferne zu beurteilen, sondern der zuständigen Stellen vor Ort. Der 

Beschwerdeführer könne sich nach einer Rückkehr nach Kroatien – nöti-

genfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen – an die 

zuständigen kroatischen Stellen wenden, um eine juristische Aufarbeitung 

seiner Erlebnisse zu erreichen. Es sei denkbar, dass die psychischen Be-

schwerden, an welchen der Beschwerdeführer aktenkundig leide, unter an-

derem auch durch die von ihm geschilderten Erlebnisse in Kroatien hervor-

gerufen worden seien. Dass die Erlebnisse des Beschwerdeführers in Kro-

atien direkt zu einer Langzeittraumatisierung geführt hätten, lasse sich aus 

den vorliegenden medizinischen Akten jedoch nicht schliessen. Das SEM 

erkenne insgesamt auch kein reales Risiko einer so schwerwiegenden Ver-

schlechterung des Gesundheitszustandes im Falle einer Rückkehr nach 

Kroatien, dass von einem Verstoss gegen Art. 3 EMRK ausgegangen wer-

den müsste. Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in Kroatien 

hätten ergeben, dass Dublin-Rückkehrende grundsätzlich eine angemes-

sene Unterkunft, sozialstaatliche Unterstützung sowie eine Arbeitserlaub-

nis erhalten würden. Vulnerable Dublin-Rückkehrende wie beispielsweise 

Personen mit Einschränkungen oder Familien würden von den kroatischen 

Behörden bei der Unterbringung, Betreuung, Schulung sowie Integration 

besondere Unterstützung erhalten. Zusätzlich würden diverse nichtstaatli-

che Organisationen Unterstützung leisten. Für das weitere Dublin-Verfah-

ren sei einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend. Das SEM werde die 

kroatischen Behörden über die zum Überstellungszeitpunkt notwendige 

medizinische Weiterbehandlung in Kenntnis setzen. Weiter dürfe von den 

behandelnden Ärzten und Therapeuten in der Schweiz erwartet werden, 

dass sie im Falle eines negativen Beschwerdeausganges den Beschwer-

deführer begleiten, gegebenenfalls stabilisieren und ihn so gut wie möglich 

auf die Rückkehr nach Kroatien vorbereiten würden. Es sei nachvollzieh-

bar, dass traumatische Ereignisse sowie die Ungewissheit über den Aus-

gang des Verfahrens und eine damit einhergehende drohende Wegwei-

sung äusserst belastend seien und sich suizidale Tendenzen bemerkbar 

machen könnten. Es wäre aber stossend, wenn der Beschwerdeführer die 

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Seite 11 

Behörden durch Berufung auf eine tatsächliche oder vermeintliche Selbst-

mordgefahr zum Einlenken zwingen könnte. Es stehe dem Beschwerde-

führer frei, allenfalls medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine be-

stehende Suizidalität verstosse nicht gegen Art. 3 EMRK, wenn der weg-

weisende Staat Massnahmen ergreife, um die Umsetzung einer Suiziddro-

hung zu verhindern. 

4.4 In der Replik wird ausgeführt, die Diagnosen des behandelnden Psy-

chiaters einer psychotischen Störung sowie einer paranoiden Persönlich-

keitsstörung würden nachweislich eine engmaschige psychiatrische Be-

handlung erfordern. Ohne diese bestehe ein hohes Risiko, dass ein Rück-

fall in den Drogenkonsum stattfinde, was eine erhebliche Verschlechterung 

der psychotischen Störung verursachen würde. In einem solchen Fall sei 

das Risiko der Selbst- und Fremdgefährdung als hoch einzuschätzen. Nur 

dank der engmaschigen Betreuung könne die Stabilität des Gesundheits-

zustandes gewährleistet werden. Um die regelmässige Medikamentenein-

nahme zu gewährleisten, habe der behandelnde Psychiater den Spitex-

Dienst organisiert. Im Übrigen müsse davon ausgegangen werden, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Kroatien einer unmensch-

lichen Behandlung ausgesetzt wäre. Seine Suizidalität stamme nicht von 

der Angst, nach Kroatien abgeschoben zu werden, sondern sei eines der 

vielen Symptome seiner diagnostizierten psychischen Störungen sowie 

des Drogenkonsums. Eine Behandlungslücke bei einer Rückkehr nach 

Kroatien sei unausweichlich. Eine solche dürfe aber aufgrund seines äus-

serst schlechten Gesundheitszustandes nicht erfolgen, da sonst ein hohes 

Risiko für eine Selbst- und Fremdgefährdung bestehe. Die Einschätzung 

der Vorinstanz, die medizinische Infrastruktur in Kroatien sei gewährleistet, 

entspreche nicht den Tatsachen. Zwar möge sein, dass Kroatien gestützt 

auf Völker- und Landesrecht theoretisch verpflichtet sei, medizinische Be-

handlungen anzubieten. Dies werde aber in der Praxis nicht umgesetzt. So 

sei – mit Verweis auf einen Bericht der Solidarité sans frontières vom 

28. Juni 2023 – Ende Dezember 2022 ein Leistungsvertrag mit der Orga-

nisation Médecins du Monde (MdM), welche für die Gesundheitsversor-

gung im kroatischen Asylwesen zuständig gewesen sei, abgelaufen. Trotz-

dem sei keine neue Ausschreibung erfolgt. MdM habe in der Folge den 

Auftrag mit eigenen Mitteln bis 22. Mai 2023 fortgeführt. Danach hätten aus 

finanziellen Gründen die Leistungen eingestellt werden müssen. Seither 

sei in einem Zentrum nur noch ein Arzt während zwei Stunden pro Tag an-

wesend, wobei er für rund 600 Personen zuständig sei. Zudem seien in 

mehreren Fällen – obwohl dies explizit zugesichert worden sei – die Kran-

kenakten von der Schweiz nicht rechtzeitig übermittelt worden, was einen 

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Seite 12 

noch längeren Unterbruch der Therapie zur Folge gehabt habe. Der Bericht 

bestätige, dass die nahtlose gesundheitliche Versorgung, auf die der Be-

schwerdeführer dringend angewiesen sei, bei einer Rückkehr nach Kroa-

tien nicht gewährleistet werden könne. Erhalte er keine Behandlung, be-

stehe aufgrund seiner psychischen Erkrankung ein hohes Selbst- und 

Fremdgefährdungsrisiko. Dabei handle es sich beim Selbstgefährdungsri-

siko nicht um eine reaktive Suizidalität, sondern um eines von vielen Symp-

tomen eines bereits existierenden und aktenkundigen psychischen Krank-

heitsbildes. Der Beschwerdeführer sei folglich umso gefährdeter, in eine 

lebensbedrohliche Situation zu kommen. Die Rückkehr nach Kroatien 

verstosse somit gegen Art. 3 EMRK. 

5.  

Der Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers ergab, dass er 

am 13. Februar 2023 in Kroatien daktyloskopisch erfasst worden ist. An 

dieser Tatsache vermögen die Angaben, unter welchen Umständen die 

Fingerabdrücke abgenommen worden seien (vgl. Sachverhalt […]), nichts 

zu ändern. Die kroatischen Behörden stimmten dem Gesuch des SEM um 

Übernahme am 22. April 2023 gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO zu. 

Vor diesem Hintergrund ist die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens zur 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben. 

6.  

6.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-

che Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnah-

mebedingungen für Asylsuchende in Kroatien systemische Schwachstel-

len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden 

Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich 

bringen würden. 

6.2 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

D-3385/2023 

Seite 13 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

6.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit auch unter Berücksichti-

gung kritischer Berichte nationaler und internationaler Organisationen nicht 

davon aus, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien 

wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 

und 3 Dublin-III-VO auf. Der Zugang zum dortigen Asylverfahren ist ge-

währleistet, und zwar unabhängig davon, ob die gesuchstellende Person 

im Rahmen eines Aufnahme- oder eines Wiederaufnahmeverfahrens nach 

Kroatien zu überstellen ist. Darüber hinaus besteht keine beachtliche 

Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der aus dem Refoulement-Verbot flies-

senden Rechte (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 

2023 E. 9 sowie insbesondere E. 9.4.2 m.H. auf die Rechtsprechung an-

derer Dublin-Staaten). Von einer Überstellung ist nur in Ausnahmefällen 

abzusehen. Dafür bedarf es substantiierter Vorbringen, die geeignet sind, 

die Annahme, wonach Kroatien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen 

im Rahmen eines Asylverfahrens nachkommt, zu widerlegen (vgl. Refe-

renzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 8 und E. 9.5). 

Dies gelingt dem Beschwerdeführer mit seinen anlässlich des Dublin-Ge-

sprächs (vgl. Sachverhalt […]) geschilderten Erlebnissen nicht. 

6.4 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Den Akten sind sodann keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die eine 

Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 

Dublin-III-VO verlangen würden.  

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt – mit Verweis auf die Ausfüh-

rungen des Beschwerdeführers anlässlich des Dublin-Gesprächs (vgl. 

Sachverhalt […]) sowie in den Rechtsschriften (vgl. […]) – nicht, dass der 

Empfang und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien 

problematisch sein können. Der Beschwerdeführer vermag indessen mit 

seinen entsprechenden Vorbringen nicht darzutun, dass er in Kroatien – 

nach legaler Rückkehr aus einem Dublin-Mitgliedstaat – kein faires Asyl-

verfahren erhalten würde und er ernsthaft Gefahr laufen würde, bei einer 

Rückkehr dorthin unmenschlich im Sinne von Art. 3 EMRK behandelt zu 

werden. Er wird sich nach der Dublin-Überstellung in einer anderen 

D-3385/2023 

Seite 14 

Situation als bei seiner früheren (illegalen) Einreise nach Kroatien befin-

den. Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass Kroatien grund-

sätzlich als Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem einzustu-

fen ist. Folglich ist von der grundsätzlichen Schutzwilligkeit und Schutzfä-

higkeit dieses Staates auszugehen. Bei einer allfälligen vorübergehenden 

Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen könnte sich 

der Beschwerdeführer an die kroatischen Behörden wenden und seine 

Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte Gewalt und schlechte 

Behandlung seitens der kroatischen Behörden (vgl. Sachverhalt […]). Da-

ran vermag der Umstand, dass ein rechtliches Vorgehen möglicherweise 

mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in 

der Schweiz, nichts zu ändern (vgl. etwa Urteil des BVGer D-2478/2023 

vom 19. Juni 2023 E. 7.2). Dem Beschwerdeführer steht auch die Möglich-

keit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Im 

Übrigen kann vollumfänglich auf die Ausführungen des SEM in seiner Ver-

fügung und der Vernehmlassung verwiesen werden (vgl. […]). 

7.3  

7.3.1 Der Beschwerdeführer beruft sich ferner auf seinen schlechten Ge-

sundheitszustand. Aus dem ärztlichen Kurzbericht vom 24. März 2023 geht 

hervor, dass er unter Trauer, Unruhe, Angst, Gedankenkreisen, Stress, Alb-

träumen und Suizidgedanken leide. Er habe in Afghanistan Drogen und 

Psychopharmaka konsumiert und sei in der Haft von den Taliban gefoltert 

worden. Er wurde an die Seelsorge verwiesen, der Psychiatrie zugewiesen 

und medikamentös behandelt (vgl. SEM-act. […]-14/9 und Sachverhalt 

[…]). Gemäss der medizinischen Dokumentation mit letztem Eintrag vom 

24. März 2023 habe der Beschwerdeführer von der Pflege Olanzapin er-

halten, sich aber über die mangelnde Wirkung beschwert, worauf die Me-

dikation angepasst worden sei. Ein (…) habe keine Hinweise auf (…) er-

geben (vgl. SEM-act. […]-14/9 und Sachverhalt […]). Dem Arztzeugnis des 

(…) vom 4. April 2023 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer dort 

seit dem 3. April 2023 in Behandlung sei (vgl. SEM-act. […]-15/2 und Sach-

verhalt […]). Der Austrittsbericht des (…) vom 5. Mai 2023 hält fest, dass 

der Beschwerdeführer vom 3. bis 24. April 2023 hospitalisiert gewesen sei. 

Festgestellt wurden eine PTBS (ICD-10 F43.21; recte wohl: F43.1), eine 

leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) und ein Status nach langjähri-

ger Polytoxikomanie: Paranoides Erleben mit akustischen und optischen 

Halluzinationen (ICD-10 F19). Der Beschwerdeführer habe sich suizidieren 

wollen. Die eingestellte Medika-tion habe gut gewirkt. Der Beschwerdefüh-

rer könne besser schlafen, habe eine bessere Stimmung, sei nicht suizidal 

D-3385/2023 

Seite 15 

und es bestünden keine Hinweise auf Wahn oder fremdgefährdendes Ver-

halten (vgl. SEM-act. […]-17/7 und Sachverhalt […]). Der E-Mail von 

Dr. B._______ vom 6. Mai 2023 ist zu entnehmen, dass der Verdacht be-

stehe auf eine (paranoide) Schizophrenie nach Drogenkonsum. Für eine 

genaue Beurteilung werde mehr Zeit benötigt. Die Therapie dürfe auf kei-

nen Fall abgebrochen werden (vgl. SEM-act. […]-17/7 und Sachverhalt […] 

). Gemäss dem Arztbericht von Dr. B._______ und Dr. med. D._______ 

vom 12. Juni 2023 bestünden beim Beschwerdeführer psychische und Ver-

haltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer 

psychotroper Substanzen: Psychotische Störung (ICD-10 F19.5), eine pa-

ranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0), ein Status nach Polytoxi-

komanie (ICD-10 F43.1) und eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2). Der 

Beschwerdeführer sei aufgrund von Suizidgedanken mit konkreten Plänen 

wegen Eifersucht auf seine Frau im (…) hospitalisiert gewesen. Er habe 

während circa sieben Jahren Drogen aller Art konsumiert und sei zuneh-

mend psychisch krank geworden. In Afghanistan habe er drei Suizidversu-

che unternommen, da er psychisch dekompensiert sei. Mit Olanzapin sei 

die Symptomatik leicht besser geworden. Im Zusammenhang mit der Di-

agnosestellung sei vergeblich versucht worden, mit den Kollegen des (…) 

Kontakt aufzunehmen. Wegen der neuen Diagnosen sei eine Umstellung 

der Medikation vorgenommen worden. Der Beschwerdeführer erhalte ak-

tuell Olanzapin, Valproat und Orfiril. Er könne besser schlafen und die In-

tensität und Frequenz seines Misstrauens seien weniger geworden. Die 

dezente psychotische Störung sei trotz der Medikation noch immer vorhan-

den. Der Beschwerdeführer sei aktuell dank der engmaschigen Betreuung 

in der Kollektivunterkunft und der regelmässigen psychiatrischen Betreu-

ung nicht akut selbstgefährdet. Es werde dringend empfohlen, die psychi-

atrische Betreuung und die Pharmakotherapie nicht abzubrechen. Bei ei-

nem Abbau der engmaschigen Betreuung sei von einem Rückfall zum Dro-

genkonsum sowie einer Verschlechterung der psychotischen Störung aus-

zugehen, in welchem Fall das Risiko einer Selbst- oder Fremdgefährdung 

als hoch einzuschätzen sei (vgl. Beschwerdebeilage 4 und Sachverhalt 

[…]). Schliesslich hält Dr. B._______ in seiner E-Mail vom 12. Juli 2023 

fest, dass eine Spitex-Betreuung organisiert worden sei, um die regelmäs-

sige Medikamenteneinnahme zu gewährleisten. Letztere und die wöchent-

liche Psychotherapiesitzungen seien wichtig, um mögliche psychische De-

kompensationen zu vermeiden (vgl. Beilage zur Replik und Sachverhalt 

[…]). 

  

D-3385/2023 

Seite 16 

7.3.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene 

Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium 

und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-

ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-

ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis 

des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-

tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch 

die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im 

Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-

schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-

stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-

lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

7.3.3 Eine solche Situation ist angesichts der vorliegenden Aktenlage nicht 

gegeben. Diesbezüglich kann vorab auf die Erwägungen der Vorinstanz in 

der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlassung verwiesen werden 

(vgl. […]), wobei festzuhalten ist, dass die Fachkompetenz des im Anstel-

lungsverhältnis tätigen Dr. B._______ nicht bezweifelt wird. Den vorliegen-

den medizinischen Berichten ist zu entnehmen (vgl. […]), dass der Be-

schwerdeführer an erheblichen, behandlungsbedürftigen psychiatrischen 

Erkrankungen leidet. Im jüngsten Bericht vom 12. Juni 2023 wird dringend 

empfohlen, dass der Beschwerdeführer die verordneten Medikamente re-

gelmässig einnimmt und wöchentliche Psychotherapiesitzungen wahr-

nimmt. Dadurch sollen ein Rückfall in den Drogenkonsum und eine Ver-

schlechterung der psychotischen Störung verhindert werden, ansonsten 

von einem hohen Risiko einer Selbst- oder Fremdgefährdung ausgegan-

gen werden müsse. Eine Fortführung der regelmässigen psychiatrischen 

Behandlung ist somit medizinisch indiziert. Die gesundheitlichen Beein-

trächtigungen des Beschwerdeführers sind indessen nicht von einer derar-

tigen Schwere, dass sie bei einer Überstellung nach Kroatien eine Verlet-

zung von Art. 3 EMRK zur Folge hätten. Der Beschwerdeführer kann auch 

in Kroatien adäquat behandelt werden, da das Land über eine dazu aus-

reichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler Urteile des 

BVGer D-3825/2023 vom 12. Juli 2023 und F-3746/2023 vom 11. Juli 2023 

E. 6.4). An dieser Einschätzung vermögen die Einwände in der Be-

schwerde und der Replik (vgl. E. 4.2 und E. 4.4) nichts zu ändern. Kroatien 

ist durch die Aufnahmerichtlinie zudem verpflichtet, antrag-stellenden 

D-3385/2023 

Seite 17 

Personen die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die 

Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankhei-

ten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen 

(vgl. Art. 19 Abs. 1 und 2 Aufnahmerichtlinie). Daran ändert auch der Um-

stand nichts, dass die MdM als eine von mehreren karitativen Einrichtun-

gen zur medizinischen Versorgung von Asylsuchenden in Kroatien ihre Tä-

tigkeit vorübergehend eingestellt hat (vgl. etwa Urteil des BVGer 

F-3733/2023 vom 11. Juli 2023 E. 3.3). Es liegen auch keine Hinweise vor, 

wonach Kroatien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Be-

handlung verweigern würde. Bezüglich der Reisefähigkeit sowie der Vor-

bereitung und Durchführung der Überstellung (Art. 31 f. Dublin-III-VO) 

kann im Übrigen ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-

instanz verwiesen werden. 

7.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Sachverhalt als hinreichend ab-

geklärt. Auch besteht keine Veranlassung für die Einholung individueller 

Garantien bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, zu adäquater medi-

zinischer Versorgung sowie zu Unterbringung. Die entsprechenden  

(Sub-)Eventualanträge sind demnach abzuweisen. 

7.5 Zusammenfassend ist kein Grund für eine zwingende Anwendung der 

Ermessensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO ersichtlich. Auch ist den Akten 

nicht zu entnehmen, dass das SEM sein Ermessen bei der Prüfung von 

allfälligen Überstellungshindernissen im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

nicht korrekt ausgeübt hätte. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitglied-

staat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wie-

deraufzunehmen. 

8.  

Die Vorinstanz ist angesichts der vorstehenden Erwägungen zu Recht 

nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers eingetreten und hat 

seine Überstellung nach Kroatien verfügt (vgl. Art. 31a Abs. 1 Bst. b und 

Art. 44 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Mit dem vorliegenden Urteil fällt die am 20. Juni 2023 erteilte aufschie-

bende Wirkung dahin. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm 

D-3385/2023 

Seite 18 

indessen mit Instruktionsverfügung vom 20. Juni 2023 die unentgeltliche 

Prozessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3385/2023 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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