# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 58260adf-b72f-5f17-8a81-51966c1c0101
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-29
**Language:** de
**Title:** IVG; Rente; psychischer Gesundheitsschaden; Gutheissung
**Docket/Reference:** IV.2014.00505
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00505.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00505
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Nossa
Urteil
vom
29. November 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Wachter
Obergass
Rechtsanwälte
Obergasse 34, Postfach 2177, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X.___
erkrankte
im
September 2010 an einem
Brust
karzinom
, welches operativ und chemotherapeutisch behandelt werden musste. In der Folge war auch Psychotherapie notwendig. Die Versicherte mel
dete sich am
3.
März 2011 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/13).
Die IV-Stelle klärte den Sachverhalt ab und
verneinte
einen Rentenanspruch der Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
mit Verfügung vom 2
5.
März 201
4.
Den Invaliditätsgrad
von 6
%
berechnete sie dabei nach der gemischten Methode, indem sie im Gesundheitsfall eine Erwerbstätigkeit von
75
%
und eine
Beschäf
tigung im Haushalt von 25
%
annahm (
Urk.
9/77
=
Urk.
2
).
2.
Dagegen liess
X.___
,
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Wachter, mit Eingabe vom 1
2.
Mai 2014 Beschwerde erheben und die Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung sowie die
Zusprache
einer ganzen Rente ab
1.
September 2011 beantragen. In ihrem Eventualantrag liess sie die Einholung eines psychi
atrischen Gutachtens durch das Gericht, mit Subeventualantrag die
Rückwei
sung
der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle beantragen (
Urk.
1 S.
2).
Mit Eingabe vom
3.
Juni 2014 liess die Versicherte einen Verlaufsbericht von
Dr.
med.
Y.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 2
0.
Mai 2014
einreichen (
Urk.
5 und 6)
, der der Beschwerdegegnerin am
4.
Juni 2014 zur Stellungnahme unterbreitet wurde (
Urk.
7). In der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Juni 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8)
.
Auf die Begründung der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den
Rechts
schriften
Bezug genommen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Umstritten ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente hat. Die Berechnung des Invaliditätsgrades nach der gemischten Methode ist nicht bestritten,
ebenso
wenig
der allfällige Rentenbeginn (
1.
September 2011).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmög
lichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (
Art.
8
Abs.
1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbe
reich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
2.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleich
baren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungs
grad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen beste
henden - Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditätsbe
grün
dend
aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinwei
sen).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (
Art.
28 Abs. 2 IVG
).
3.
Den medizinischen Akten
lässt sich entnehmen was folgt:
3.1
Nach
d
er Brustkrebserkrankung mit nachfolgender Amputation der linken Brust und Entfernung der Lymphknoten im linken Brust-/Achselbereich
sowie
Chemo- und Strahlentherapie
begab
sich
die Beschwerdeführerin
in
psychiatri
sche Behandlung
. Die Brust wurde aus eigenem Gewebe wieder hergestellt,
jedoch diagnostizierte
lic
. phil.
Z.___
am
5.
Dezember 2011
Anpas
sungsstörungen
(ICD-10 F43.21) und eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen
u.a. als Folge der Krebserkrankung
(ICD-10 F32.11
;
Urk.
9/40).
3.2
Am
8.
Mai 2012 fand, nachdem der Hausarzt die Beschwerdeführerin als aus somatischer Sicht arbeitsfähig erachtet
hatt
e, eine psychiatrische Untersuchung beim RAD statt.
Dr.
med.
A.___
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie,
diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reak
tion gemischt (ICD-10 F43.22) bei psychosozialen Belastungsfaktoren mit Er
krankung und Arbeitsunfähigkeit des Ehemannes, ökonomisch problematischen Verhältnissen
und
Tod des Vaters
sowie
einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung. Sie hielt fest, es müsse noch eine organische affektive Störung (ICD-10 F06) bei unklarer kognitiver
Funktions
einschränkung
(ICD-10 F06.7) abgeklärt werden.
Sie zitierte die Angaben der behandelnden Frau
Z.___
,
wonach die Krebserkrankung und die
Erkrankung
d
es
Ehem
annes (mit nachfolgender Arbeitsunfähigkeit) bei der Beschwerde
führerin massive Ängste und eine depressive Verstimmung ausgelöst h
ätt
e
n
. Eine medikamentöse Therapie sei von Frau
Z.___
aufgrund der Medikamente der Krebstherapie als nicht möglich bezeichnet worden. Die Beschwerdeführerin habe angegeben keine Psychopharmaka einzunehmen.
Dr.
A.___
hielt fest,
die Beschwerde
führerin habe sich angespannt, deprimiert
und
hoffnungslos gezeigt. Es finde sich eine Antriebsverminderung, Erschöpfung, Freud- und Interesselosigkeit. Die psychischen Beschwerden hätten sich mit der Krebserkrankung entwickelt, ver
stärkt durch den Tod des Vaters zwei Tage nach der eigenen Brustoperation. Aufrech
t
erhalten würden die psych
is
chen Beschwerden durch psychosoziale Belastungsfaktoren durch die Erkrankung und Arbeitsunfähigkeit des Eheman
nes
. Sie hielt fest, die Abk
lä
rungen im somatischen Bereich hätten ergeben, dass die geklagten starken
Schulter
schmerzen
nicht vollständig durch physiologische Ursachen erklärt werden könnten. Der Schmerz sei aus psych
ia
tr
i
scher Sicht in Verbindung mit
den
psychosozialen Problemen un
d
der schweren Belastung durch die Krebserkrankung zu sehen, welche als
entscheidende Einflüsse
auf
die
Ausprägung und die Therapieresistenz de
r
Schmerzen gelten könnten. In diesem Sinn seien die Kriterien für eine anhaltende
somatofo
rme
Schmerzstörung erfüllt. Zus
ä
tz
lich zeige die Beschw
er
deführerin ein
e
deutliche
Komorbidität
im Sinne einer affektiven Störung. Die Ätiologie dieser Erkrankung sei nicht ein
deutig erklärbar. Einerseits könne von einer Anpassungsstörung an die ausser
gewöhnliche Lebensveränderung mit An
g
st und Depression gemischt ausgegan
gen werden (ICD-10 F43.22). Weder das Ausmass der Angstsymptome noch die
jenige
der depressiven Reaktion
würden
das Stellen einer entsprechenden
einzelne
n
Diagnose
rechtfertigen
. Andererseits zeige die Beschwerdeführerin auffällige kognitive Funktionseinschränkungen, welche vermutlich im Alltag wenig auffielen,
weil die Beschw
er
deführerin sich den lebenspraktischen Aufga
ben kaum mehr stellen müsse. Dies
e
würden von ihrer Familie übernommen.
Während der Untersuchung sei die schlechte kognitive Leistungsfähigkeit aufgefallen.
Dr.
A.___
stellte fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin deutliche funktionelle Einschränkungen aufgrund eines psychischen
Gesund
heitsschadens
fän
den. Diese führten zu einer 100
%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit in der Reinigung
wie auch in einer anderen Tätigkeit. Es bedürfe einer weiteren medizinischen Abklärung der Ätiologie der affektiven und kognitiven Störung. Ausserdem seien weitere medikamentöse
Behand
lungsmöglichkeiten
, z.B. eine schlafanstossende, antidepressive Therapie zu evaluieren, welche auch auf die Schmerzverarbeitung posit
iv wirken könne.  Unabhängig von den
empfohlenen weiteren Abklärungen sei ein deutlicher Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher zu einer längerfristigen Arbeitsun
fähigkeit in der freien Marktwirtschaft und zu wesentlichen Einschränkungen in der Haushaltstätigkeit führe (
Urk.
9/45).
3.3
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 1
1.
März 2013 eine schwere depressive Episode (ICD
10 F32.2)
.
Er hielt fest, im Vordergrund stünden depressive Elemente mit gedrückter Grundstimmung, ausgeprägter Interessenlosigkeit und Verlust von Freude, sowie eine Antriebsst
ö
rung mit Verlust von Vitalgefühlen. Ferner seien Symptome einer Depression nachweisbar: Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen,
ein
Gefühl von Sch
uld und Wertlosigkeit, negative und pessi
mistische
Zukunftsperspektiven und Schlafstörungen, Interesseverlust, Verlust der Freude an sonst angenehmen Tätigkeiten, mangelnde emotionale Rea
kti
onsfähigkeit
auf freudige Ereignisse, psychosomatische Hemmung oder Agitiert
heit und deutlicher
Libidoverlust
. Da alle drei Hauptsymptome und vier Zusatzsym
pt
ome einer Depression erfüllt seien,
müsse die Diagnose einer schwer
en depressiven Episode gemäss ICD-10 F32.2 mit somatischem Syndrom gestellt werden. Damit ergebe sich im Vergleich zur Voruntersuchung vom Mai 2012 eine klinische Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes. D
em
depressive
n
Zustandsbild und d
er
Anpassun
g
sstörung lägen die somatische Erkrankung und psychosoziale Be
las
tungsfaktoren (Arbeitsunfäh
ig
keit des Ehe
mannes, ökonomische Probleme, Belastung durch den Tod des Vaters) zu
grund
e
. Da die Anpassungsstörung länger als zwe
i Jahre bestehe, sei von einer c
hronischen Anpassungsstörung auszugehen. Auf eine Diskussion der Foerster-Kriterien verzichte er, da die Arbeitsfähigkeit durch die schwere Depression bereits maximal eingeschränkt sei und daher diese Diskussion rein akademi
schen Charakter h
ätte
.
Bezüglich Auffälligkeiten ihrer
neuropsycholo
gischen Funktionen hielt er fest, diese seien schwer ätiologisch
einordenbar
. Da kogni
tive Störungen im Sinne von Gedächtnis
-,
Aufmerksamkeits- und
Konzentra
tionsstörungen
nicht im Vordergrund stünden, sondern komplexe Funktionen und eine ausgeprägte psychomotorische Verlangsamung – die der
Erschöpftheit
zugesprochen werden könnte – betroffen seien, sei nach klinischer Erfahrung das neuropsychologische Störungsbild nicht
unbedingt
einer Depression zuord
enbar. Zum Ausschluss einer somatischen Ursache habe er ein MRT des
Neuro
kraniums
durchführen lassen, welches unauffällig verlaufen sei. Aus psychiat
rischer Sicht sei zur weiteren Abklärung und Therapieeinleitung am ehesten ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik zu empfehlen.
Die
Vor
diagnose
des Verdachts auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD
10 F45.4) könne nicht mit hinlänglicher Sicherheit bestätigt werden.
Die schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome bezeichnete er als sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkend, die chronische Anpassungsstörung dagegen nicht
. Er hielt ausdrücklich fest, dass er in seiner Beurteilung sozio
kulturelle und psychosoziale Faktoren ausgeschloss
en habe. Aufgrund des psy
chi
schen Gesundheitszustandes sei die Leistungsfähigkeit der Beschwer
deführe
rin zu 100
%
eingeschränkt. Im Vergleich zur Vorbegutachtung im Mai 2012 sei eine Progredienz der psychischen Störung zu konstatieren. Es bestehe die Gefahr einer
Chronifizierung
b
ei fehlender adäquater Behandlung
. Eine
Nach
begutachtung
sollte nach psychiatrischer stationärer Abklärung und Einleitung einer Therapie in ca. 12 Monaten erfolgen. Aus
versicherungs
medizin
is
cher
Sicht sei der Beschwerdeführerin eine entsprechende Massnahme zumutbar. Auch die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt sei mit 60
bis 70
%
deutlich eingeschränkt.
Zur Verbesserung der beruflichen
Leistungsfähigkeit sei eine stationäre psychi
atrische Behandlung angezeigt zur Abklärung und Therapieeinleitung. Eine psy
chiatrisch-psychotherapeutische Nachbehandlung sei dringend zu empfehlen
.
Er hielt fest, die Arbeitsfähigkeit betrage unter Ausschluss psychosozialer Fakto
ren 100
%
.
Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung liege nicht vor, wes
halb er die entsprechenden Fragen der Beschwerdegegnerin nicht beantworte (
Urk.
9/58)
.
4.
Aus den medizinischen Akten erhellt, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des massgeblichen Rentenbeginns (
1.
September 2011) bis auf Weiteres aus psy
chiatrischer Sicht derart eingeschränkt
war
, dass ihr die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gar nicht und die Erledigung des Haushaltes zum grossen Teil
nicht zumutbar war. Die Depression, welche zuletzt in nachvollziehbarer Weise als schwer beurteilt wurde, bewirkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Aus
führungen von
Dr.
B.___
sind überzeugend, weil er eigene Untersuchungen gemacht hat, die Ergebnisse mit der Anamnese verglich und auch die Klagen der Beschwerdeführerin sowie die Angaben der behandelnden Therapeutin berücksichtigte. Er legte anhand des Symptome-Katalogs des ICD dar, weshalb eine schwere depressive Episode vorlag und weshalb eine
somatoforme
Schmerzstörung nicht diagnostiziert werden könne. Seine Schlussfolgerungen sind daher logisch. Hinzu kommt, dass er mit seiner Einschätzung an der Mei
nung der RAD-Fachärztin anknüpft
e
, we
lche ebenfalls bereits eine 100
%ige Einschränkung aufgrund der depressiven Symptomatik festgestellt hatte.
Die
Argumentation der Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
9/77 =
Urk.
2)
, die von der Beschwerdeführerin geklag
ten Schmerzen seien überwindbar,
verfängt deshalb nicht. Eine Schmerzstörung liegt nach Meinung von
Dr.
B.___
gerade
nicht vor, weshalb sich die Frage der
Überwindbarkeit nicht stellt.
Die Beschwerdeführerin
hat
mit 65
%
Einschränkung im Haushalt und 100
%
Arbeitsunfäh
igkeit im erwerblichen Bereich Anspruch auf eine ganze Rente, ohne dass der exakte Invaliditätsgrad berechnet werden muss.
Der
Rentenbe
ginn
ist in Anwendung von
Art.
28
Abs.
1 IVG auf den
1.
September 2011, ein Jahr nach Ausbruch der Krankheit anzusetzen.
Die Beschwerde erweist sich damit als berechtigt, und die angefochtene Verfü
gung ist aufzuheben.
Aufgrund der von
Dr.
B.___
aufgezeigten Notwendigkeit und Zumutbarkeit einer intensiven psychiatrischen Therapie ist die Beschwerdeführerin auf ihre Schadenminderungspflicht hinzuweisen. Die bei Frau
Z.___
absolvierte Thera
pie genügt den Voraussetzungen einer adäquaten Therapie nicht, wie aus dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom 2
0.
Mai 2014 (
Urk.
6) her
vorgeht.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewil
ligung oder Verweigerung von
Leistungen
der Invalidenversicherung
geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
,
auf Fr. 800.
-- anzusetzen
und
ausgangsgemäss
der
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5
.2
Die Beschwerdeführer
in
hat gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
An
spruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Be
deutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzusetzen ist.
Rechtsanwalt
Beat Wachter
macht
mit sein
er Honorarnote
vom 2
5.
November 2014 (
Urk.
13) einen Aufwand von 530 Minuten, mithin 8,83 Stunden, und Barauslagen von
Fr.
68.85 geltend, was der Sache angemessen erscheint. Beim gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
200.-- und unter Berücksichtigung von 8
%
Mehrwertsteuer resultiert eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘981.6
0.
In diesem Umfang hat die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren zu entschädigen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
5.
März 2014 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
September 2011 Anspruch auf eine ganze Invali
denrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘981.60
.
--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Beat Wachter
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigNossa