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**Case Identifier:** f5ff3215-49d4-51c2-b7cf-321a2c4df0b5
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-10
**Language:** de
**Title:** Grenzabstand. Berechnungsweise des Mehrlängenzuschlags.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0115/2018
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0115-2018_vom_10._august_2018.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2018.05023 
0115/2018 

Entscheid vom 10. August 2018 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Walter Linsi, Baurichter Claude Reinhardt, Baurichterin 
Beatrice Bosshard, Gerichtsschreiber Andreas Mahler     

in Sachen 

Rekurrentin 

X Immobilien AG, [….]  

gegen 

Rekursgegnerin 

Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich  

betreffend 

Bausektionsbeschluss  vom  27. Februar 2018  (Bauentscheid  Nr. 346/18); 
Baubewilligung für Mehrfamilienhaus 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 27. Februar 2018 erteilte die Bausektion des Stadtrates 

der Stadt Zürich der X Immobilien AG die baurechtliche Bewilligung für die 

Erstellung  eines  Mehrfamilienhauses  [….]  an  der  K.-Strasse in  Zürich.  In 

Dispositivziffer I.B.1.d  wurde  verfügt,  die  Bauherrschaft  habe  vor  Baube-

ginn im Sinne der Erwägungen lit. F.a. (Grenzabstand) abgeänderte Pläne 

einzureichen und bewilligen zu lassen oder entsprechende Näherbaurechte 

nachzuweisen. 

B. 

Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die  X  Immobilien  AG  mit  Eingabe  vom 

4. April 2018 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich 

und beantragte die Aufhebung der Nebenbestimmung gemäss Dispositivzif-

fer I.B.1.d  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Vor-

instanz. 

C. 

Mit Verfügung vom 5. April 2018 wurde der Rekurseingang vorgemerkt und 

das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit Eingabe vom 8. Mai 2018 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des 

Rekurses unter Zusprechung einer angemessenen Parteientschädigung. 

E. 

Mit Replik vom 31. Mai 2018 bzw. Duplik vom 25. Juni 2018 hielten die Par-

teien an ihren Anträgen fest. 

R1S.2018.05023 

Seite 2 

 
 
F. 

Auf  die  Vorbringen der Parteien  wird,  soweit  zur Entscheidbegründung  er-

forderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekurrentin ist als Eigentümerin des streitbetroffenen Grundstücks und 

als  Adressatin  des  angefochtenen  Beschlusses  im  Sinne  von  § 338a  des 

Planungs- und Baugesetzes (PBG) ohne Weiteres zur Rekurserhebung le-

gitimiert.  Da  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf 

den Rekurs einzutreten. 

2. 

Die  Rekurrentin  plant  die  Errichtung  eines  Mehrfamilienhauses,  dessen 

Baukörper auf der Nord- wie auf der Südseite abgeschrägte Fassaden auf-

weist.  In  der  Erwägung  lit. F.a.  des  angefochtenen  Beschlusses  wird  aus-

geführt,  bei  seitlich  gegliederten  Fassaden werde  die für den  Mehrlängen-

zuschlag  massgebende  Länge  für  jeden  Fassadenteil  für  sich  bestimmt 

(§ 24 Abs. 1 Allgemeine Bauverordnung [ABV]). Zurückliegende Fassaden-

teile würden durch vorspringende Teile hindurch bis zur äussersten sichtba-

ren Gebäudekante in oder vor der Fassadenflucht gemessen (Abs. 2). Zu-

dem  werde  bei  abgewinkelten  oder  abgerundeten  Fassaden  die  für  den 

Mehrlängenzuschlag  massgebende  Länge  gleich  wie  bei  den  seitlich  ge-

gliederten  Fassaden  bestimmt;  dabei  sei  die  Abwinklung  oder  Abrundung 

als seitlich gegliederte Fassade mit unendlich kleinen Abtreppungen zu be-

trachten  (Abs. 3).  Dieser  Mechanismus  sei  bei  den  abgeschrägten  Fassa-

den  des  streitbetroffenen  Gebäudes  nicht  berücksichtigt  worden.  Die 

Grenzabstände zu den Grundstücken Kat.-Nrn. [….] 0001 und 0002 würden 

deshalb nur ca. 5,30 m statt 6,88 m (Art. 13 und 14 BZO, § 24 ABV) betra-

gen.  Dies  sei  entsprechend  zu  korrigieren  oder  es  seien  die  entsprechen-
den Näherbaurechte einzureichen. 

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Seite 3 

 
 
Abb. 1:  Streitbetroffenes  Projekt.  Schematische  Dar-

stellung  der  für  die  Grenzabstände  massgebenden 

Fassaden im Grundriss 

3.1. 

Die  Rekurrentin  ist  der  Auffassung,  die  Vorinstanz  habe  die  Abstandsvor-

schriften  nicht  korrekt  angewendet.  Bei  der Süd-  wie  bei  der  Nordfassade 

handle es sich klarerweise um einen besonderen Fassadenverlauf im Sinne 

von § 24 Abs. 3 ABV. Bei einer abgewinkelten Fassade werde die für den 

Mehrlängenzuschlag  massgebende  Länge  für  jeden  Fassadenteil  für  sich 

bestimmt.  Gemäss  Absatz 3  sei  die  Abwinklung  als  seitlich  gegliederte 

Fassade mit unendlich kleinen Abtreppungen zu betrachten. Für den gera-

de  verlaufenden,  12 m  langen  Teil  der  Fassade  sei  kein  Mehrlängenzu-

schlag zu rechnen. Nach 12 m beginne die Abwinklung und sei somit die in 

§ 24  Abs. 3  ABV  vorgesehene  Treppe  vorzusehen.  In  jenem  Bereich  ab 

12 m  Gebäudelänge  sei  der  Mehrlängenzuschlag  von  1/3  der  Mehrlänge 

zum  Grundabstand  hinzuzurechnen.  Das  Projekt  halte  die  Abstandsvor-

schriften ein. 

Die Auffassung der Vorinstanz lasse sich nicht mit dem Wortlaut von § 24 

ABV in Verbindung bringen und finde keine Grundlage im Gesetz. Die Vor-

instanz  lege  auch  nicht  dar,  wie  sie  ihre  Berechnungsweise  damit  in  Ein-

klang  bringe.  Der  angefochtene  Entscheid  sei  deshalb  auch  ungenügend 

begründet. Im Weiteren sei gemäss der Berechnungsweise der Vorinstanz 

nicht der effektive Verlauf der Fassade massgebend, die für das Nachbar-

grundstück von Bedeutung sei, sondern eine fiktiv verschobene Parallellinie 
zur abgewinkelten Fassade. Dies führe z.B. dazu, dass irgendein Punkt in 

der  Westfassade  für  die  Berechnung  des  Grenzabstandes  massgebend 
werde. Für die Nachbarparzelle sei dieser Punkt aber völlig irrelevant. 

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Seite 4 

 
 
3.2. 

Die Vorinstanz führt aus, bemängelt würden die Grenzabstände der kürze-

ren,  abgewinkelten  Fassaden  an  der  Südwest-  bzw.  Nordostseite.  Wie  in 

der  Skizze  im  Anhang  der  ABV  zur  Ermittlung  des  Grenzabstandes  eines 

komplizieren  Baukörpers  handle  es  sich  dabei,  wie  im  konkret  zu  beurtei-

lenden Fall, um einen abgewinkelten Baukörper. 

Abb. 2:  Grenzabstandsbild  eines  komplizierten  Baukörpers  im 

Anhang der ABV (ergänzt mit Bezeichnung der Eckpunkte) 

Die Konstellation mit den abgeschrägten, durch die Eckpunkte F, E und D 

definierten  Fassaden  in  der  Skizze  entspreche  den  abgewinkelten  Fassa-

den des streitbetroffenen Projekts. 

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Seite 5 

 
 
Gemäss Skizze im Anhang der ABV löse die durch die Eckpunkte D und E 

begrenzte  Fassade  einerseits  den  Grundabstand  G  und  den  Mehrlängen-

zuschlag  MLZ1  aus.  Für  die  Eigentümerschaft  der  benachbarten  Parzelle 

trete visuell jedoch nicht nur die von D nach E verlaufende Fassade in Er-

scheinung, sondern auch die von den Eckpunkten E nach F verlaufende. In 

Anwendung  von  § 24  Abs. 2  ABV  werde  dies  berücksichtigt,  indem  die 

Fassade  D-E bis zur Gebäudekante  F  projiziert  werde.  Entsprechend  löse 

die Fassade F-D' nebst dem Grundabstand den Mehrlängenzuschlag MLZ2 

aus: 

                       Abb. 3 

Die Fassade F-E löse den Grundabstand G plus den Mehrlängenzuschlag 

MLZ3  aus.  Für die  Nachbarschaft  trete  aber  auch  die  Fassade  E-D  in  Er-

scheinung.  Die  Fassade F-E  werde  bis  zur  Gebäudekante D  projiziert. 

Demzufolge löse die Fassade F'-D den Grundabstand G sowie den Mehr-

längenzuschlag MLZ3 (recte MLZ4) aus: 

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        Abb. 4 

Dementsprechend  sei  beim  hier  zu  beurteilenden  Vorhaben  die  Fassade 

A-B  (s.  Abb. 1)  parallel  durch  die  Ecke  C  zu  projizieren.  Diese  Fassade 

A'-C  sei  ca.  17,65 m  lang,  was  einen  Mehrlängenzuschlag  von  1,88 m 

(= 1/3  der  Mehrlänge  von  5,65 m)  und  somit  einen  Grenzabstand  von 

6,88 m ergebe. Das in der Abbildung (s. Abb. 5 = act. 10.5) blau angelegte 

Dreieck  rage  in  die  Nachbarparzelle  hinein.  In  diesem  Bereich  werde  der 

erforderliche  Grenzabstand  von  6,88 m  nicht  eingehalten.  Analog  verhalte 

es sich hinsichtlich der Fassade E-D. 

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          Abb. 5: Ausschnitt aus Beilage 10.5 der Rekursantwort 

3.3. 

In ihrer Replik bestreitet die Rekurrentin, dass die Figur 7.7. im Anhang der 

ABV auf ihr Projekt anwendbar sei; diese sei nicht einschlägig. Die Skizzen 

im  Anhang  der  ABV  hätten  lediglich  erläuternden  Charakter,  massgebend 

sei  der  Wortlaut  des  Gesetzes.  Figur  7.8.  zeige  auf,  wie  bei  einem  abge-

rundeten bzw.  abgewinkelten  Baukörper vorzugehen  sei.  Diese  sei auf  ihr 

Projekt  anzuwenden.  Andernfalls  wäre  § 24  Abs. 3  ABV  toter  Buchstabe, 

weil dann nicht ersichtlich sei, auf welche Art von abgewinkelten Fassaden 

die  Bestimmung  anwendbar  sein  soll.  Im  Bereich  der  abgewinkelten  Fas-

sade  müsse  nach  der  Lesart  der  Vorinstanz  ein  kleinerer  Grenzabstand 

eingehalten  werden,  als  dies  mit  der  Betrachtung  der  Rekurrentin  der  Fall 

sei. Schon dies zeige, dass die Argumentation der Vorinstanz nicht korrekt 

sein  könne.  Sodann  führe  die  Auffassung  der  Vorinstanz  dazu,  dass  dort, 

wo  die  Fassade parallel zur Grenze  verlaufe,  ein  unterschiedlicher  Grenz-
abstand  eingehalten  werden  müsste  (an  der  Ecke C  7,88 m  und  an  der 

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Ecke B  5 m).  Dies  könne  mit  Blick  auf  den  wohnhygienischen  Zweck  der 

Abstandsvorschriften nicht Sinn und Zweck des Gesetzes sein.  

3.4.1. 

Nach  § 10  Abs. 1  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  (VRG)  sind  unter 

anderem schriftliche Anordnungen (Verfügungen) begründungspflichtig. Im 

Rahmen des baurechtlichen Verfahrens kommt diese Pflicht namentlich bei 

der  Verweigerung  von  Baubewilligungen  zum  Tragen.  Diese  sind  regel-

mässig begründungspflichtig. Nebenbestimmungen sind jedenfalls insoweit 

zu  begründen,  als  sie  nicht  selbsterklärend  sind.  Regelmässig  begrün-

dungspflichtig  ist  ferner  die  Erteilung  von  Ausnahmebewilligungen  (§ 320 

PBG). 

Die Begründung von Bauverweigerungen oder Nebenbestimmungen muss 

so  abgefasst  sein,  dass  sich  der  Betroffene  über  die  Tragweite  des  Ent-

scheids  Rechenschaft  zu  geben  vermag  und  in die Lage  versetzt  wird,  al-

lenfalls ein Rechtsmittel zu ergreifen bzw. die Anfechtung zu begründen. In 

diesem  Sinne  müssen  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  genannt  wer-

den, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr 

Entscheid  stützt.  Der  Betroffene  muss  die  Ausführungen  der  Behörde 

nachvollziehen  und  in  einem  allfälligen  Rechtsmittelverfahren  substantiiert 

bestreiten können (Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Ba-

sel/Genf 2014, § 10 Rz 25). 

Die Aufhebung des baurechtlichen Entscheides zufolge fehlender bzw. un-

genügender  Begründung  fällt  namentlich  dann  in  Betracht,  wenn  die  An-

fechtung  durch  den  Begründungsmangel  erheblich  erschwert  wurde  und 

dieser Mangel im Rekursverfahren nicht geheilt werden konnte.  

3.4.2. 

In Erwägung F.a. des angefochtenen Entscheides legte die Vorinstanz dar, 

bei  welchen  Fassaden  und  gegenüber  welchen  Grundstücken  die  Grenz-

abstände nicht eingehalten werden und wieviel der Grenzabstand betragen 

müsste. Auch geht aus den Erwägungen hervor, dass bei den betreffenden 

Fassaden  der  Mehrlängenzuschlag  nicht  richtig  berücksichtigt  worden  sei. 

Die  entsprechende  Bestimmung  von  § 24  ABV  wird  zitiert  und  auf  Art. 13 

und 14 BZO wird verwiesen. 

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Aus  Ziffer 6  der  Rekurseingabe  ergibt  sich,  dass  sich  die  Rekurrentin  "im 

Vorfeld" vom zuständigen Kreisarchitekten die Ermittlung des Mehrlängen-

zuschlags erklären liess (s. auch die Skizze in act. 5.5, die der Vertreter der 

Vorinstanz  im  Rahmen  einer  Besprechung  angefertigt  habe).  Demnach 

werde  der  Verlauf  der  abgewinkelten  Fassade  soweit  parallel  verschoben 

bis sich  diese  verschobene  Linie mit  dem  Eckpunkt der Fassaden  schnei-

de.  Somit  wusste  die  Rekurrentin,  wie  die  Vorinstanz  den  Mehrlängenzu-

schlag  berechnet.  Darin,  dass  die  Rekurrentin  diese  Berechnung  nicht 

nachvollziehen  kann  bzw.  nicht  versteht,  wie  sich  diese  aus  § 24  ABV  er-

geben  soll,  liegt  indes  kein  Begründungsmangel.  Sie  war  offensichtlich  in 

der Lage, die Berechnungsweise der Vorinstanz substantiiert zu bestreiten. 

Ein Begründungsmangel liegt daher nicht vor. 

3.4.3. 

Im Weiteren  geht  die  Rekurrentin  fehl  in  der  Annahme,  der  Grenzabstand 

richte  sich  nach  den  Grundstücksgrenzen,  weshalb  es  nicht  sein  könne, 

dass  entlang  einer  parallel  zur  Fassade  verlaufenden  Grenze  ein  unter-

schiedlicher  Grenzabstand  eingehalten  werden  müsse.  Der  Grenzabstand 
bestimmt  die  nötige  Entfernung  zwischen  Fassade  und  massgebender 
Grenzlinie (§ 260 Abs. 1 PBG). Der (nötige) Grundabstand wird rechtwinklig 

zu  den  Fassaden  und  radial  über  die  Gebäudeecken  gemessen  (§ 22 

Abs. 1  ABV).  Der  Mehrlängenzuschlag  wird  rechtwinklig  zu  den  Fassaden 

gemessen;  über  die  Gebäudeecken  fällt  er  ausser  Ansatz  (§ 23  Abs. 2 
ABV). Auch die Skizzen im Anhang zur ABV zeigen, dass es für die  erfor-
derlichen Abstände nicht auf den Grenzverlauf ankommt.  

3.4.4. 

Die Messweise des Mehrlängenzuschlags wird in § 23 f. ABV geregelt. Wie 

bei  einem  besonderen  Fassadenverlauf  vorzugehen  ist,  bestimmt  § 24 

ABV,  veranschaulicht  in  den  dazugehörigen  Skizzen  bzw.  Figuren  im  An-

hang der ABV. Ob die "Skizzen" in der alten Fassung der ABV oder die "Fi-

guren"  in  der  neuen,  am  1. März 2017  in  Kraft  getretenen  Fassung  an-

wendbar sind, kann offenbleiben, da sich an den §§ 23 und 24 ABV nichts 

geändert  hat  und  die  betreffenden,  vorliegend  relevanten  Darstellungen 

identisch sind. 

Entgegen der Auffassung der Rekurrentin ist im vorliegenden Fall nicht von 
einem  abgerundeten  Baukörper  auszugehen,  wie  er  im  Anhang  der  ABV 

dargestellt  ist.  Das  geplante  Gebäude  weist  keine  abgerundeten,  sondern 

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Seite 10 

 
 
abgewinkelte Fassaden auf. Die Vorinstanz geht daher zu Recht von einem 

"komplizierten Baukörper" im Sinne der Darstellung "Grenzabstandsbild ei-

nes  komplizierten  Baukörpers"  aus  und  sie  wendet  die  dort  dargestellte 

Messweise  korrekt  an.  Mit  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  die  abge-

winkelten  Fassaden  des  streitbetroffenen  Vorhabens  (Fassaden A-B/B-C 

bzw.  D-E/E-F  gemäss  Abb. 1)  den  abgewinkelten  Fassaden D-E/E-F  im 

Grenzabstandsbild  eines  komplizierten  Baukörpers  (s.  oben  Abb. 2)  ent-

sprechen.  Was  die  Vorinstanz  als  Projektion  einer  Fassade  bezeichnet 

(s. die Linien F-D' und D-F' in Abb. 3 bzw. Abb. 4), ergibt dasselbe wie die 

Betrachtung der Abwinklung als seitlich gegliederte Fassade mit unendlich 

kleinen Abtreppungen im Sinne von § 24 Abs. 3 ABV, wobei zurückliegen-

de  Fassadenteile  durch  vorspringende  Teile  hindurch  bis  zur  äussersten 

sichtbaren  Gebäudekante  in  oder  vor  der  Fassadenflucht  gemessen  wer-

den  (§ 24  Abs. 2  ABV).  Die  Messweise  der  Vorinstanz  ist  rechtmässig, 

ebenso die Anwendung auf den konkreten, hier zu beurteilenden Fall. 

Die  Rekurrentin  übersieht,  dass  der  Mehrlängenzuschlag  nicht  nur  durch 

die  längeren  Fassadenteile B-C  bzw.  E-F  mit  den  jeweils  abgewinkelten 

kürzeren  Fassadenteilen A-B  bzw.  D-E  (als  seitlich  gegliederte  Fassaden 

mit  unendlich  kleinen  Abtreppungen)  ausgelöst  wird,  wie  sie  es  in  ihrem 

Abstandsbild korrekt darstellen (act. 5.4.1., s. auch das "Schema betreffend 

Abtreppung bei angewinkelter Fassade" in act. 5.6.). Vielmehr wird ein wei-

terer Mehrlängenzuschlag dadurch ausgelöst, dass die längeren Fassaden-

teile B-C  bzw.  E-F  als  gegenüber  den  kürzeren  Fassadenteilen  A-B  bzw. 

D-E  abgewinkelt  bzw.  unendlich  klein  abgetreppt  und  in  diesem  Sinne  als 

zurückliegende  Fassadenteile  betrachtet  werden,  womit  wiederum  die  für 

den  Mehrlängenzuschlag  massgebende  Länge  wie  bei den  seitlich  geglie-

derten  Fassaden  bestimmt  wird  (§ 24  Abs. 2  ABV).  Dies  ergibt  sich  aus 

§ 24  Abs. 1  ABV,  wonach  bei  seitlich  gegliederten  Fassaden  die  für  den 

Mehrlängenzuschlag  massgebende  Länge  für  jeden  Fassadenteil  für  sich 

bestimmt  werden  muss.  Wie  das  Grenzabstandsbild  eines  komplizierten 

Baukörpers  zeigt,  ergeben  sich  die  Grenzabstände  aus  den  sich  überla-

gernden Abständen aller Fassaden. Im vorliegenden Fall wäre es willkürlich 

und  mit  § 24  ABV  nicht  zu  vereinbaren,  nur  die  kürzeren,  gegenüber  den 

Nachbarparzellen zurückweichenden  Fassaden A-B bzw. E-D als massge-

bend  für  die  Mehrlängenzuschläge  zu  betrachten,  die  bei  den  Abständen 
gegenüber den südlich bzw. nördlich benachbarten Grundstücken hinzuzu-
rechnen sind.  

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Die  Vorinstanz  hat  die  fraglichen  Mehrlängenzuschläge  im  Grundrissplan 

(act. 10.5,  s.  Abb. 5)  korrekt  eingetragen.  Schematisch  gezeichnet  ergibt 

sich mit der Vorinstanz bezüglich der Fassade B-C als zurückliegende Fas-

sade folgendes Abstandsbild (s. Abb. 6): 

    Abb. 6 

Für die Fassade B-C als gegenüber der Fassade A-B abgewinkelte Fassa-

de  wird  die  für  den  Mehrlängenzuschlag  massgebende  Länge  wie  bei  zu-

rückliegenden  Fassaden  durch  die  vorspringenden  Teile  hindurch  bis  zur 

äussersten  sichtbaren  Gebäudekante  in  oder  vor  der  Fassadenflucht  ge-

messen  (§ 24  Abs. 2  und 3  ABV),  hier  die  Linie  C-A'.  Der  einschliesslich 

Mehrlängenzuschlag resultierende Abstand wird rechtwinklig zur Linie C-A' 

gemessen.  Dies  ergibt  sich  aus  der  Betrachtungsweise  als  seitlich  geglie-

derte Fassade mit unendlich kleinen Abtreppungen (vgl. Grenzabstandsbild 

eines komplizierten Baukörpers im Anhang ABV). Demgegenüber wird der 

Grundabstand rechtwinklig zur (tatsächlichen) Fassade (und radial über die 

Ecken; in Abb. 6 nicht dargestellt) gemessen (§ 22 Abs. 1 ABV). Im hier zu 

beurteilenden Fall ergibt sich im Bereich der Mehrlänge von ca. 5,65 m ein 

gegenüber  dem  Grundabstand  von  5 m  (graue  Fläche)  um  bis  zu  ca. 
1,88 m  (Mehrlängenzuschlag)  erhöhter  Abstand  (horizontal  schraffiertes 

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Seite 12 

 
 
Dreieck).  Da  der  Abstand  der  Grundstücksgrenze  zur  südlichen  Nachbar-

parzelle  Kat.-Nr.  [….]  0001  genau  dem  Grundabstand  von  5 m  entspricht, 

wird der Grenzabstand im Bereich des in Abbildung 6 horizontal schraffier-

ten Dreiecks verletzt. Analoges gilt auf der Nordseite des Gebäudes in Be-

zug  auf  die  Fassade  E-F  und  das  nördliche  Nachbargrundstück  Kat.-Nr. 

[….] 0002.  

Somit  erweist  sich  die  im  angefochtenen  Bauentscheid  zur  Behebung  der 

Abstandsverletzung verfügte Nebenbestimmung als rechtmässig. 

4. 

Zusammengefasst ist der Rekurs abzuweisen. 

[….] 

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