# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11b6a42b-9d49-5988-ac44-1f7135966fdc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-10-02
**Language:** de
**Title:** Autounfall mit Überschlag. Die von der Unfallversicherung zugesprochene Invalidenrente von 25 % erweist sich als rechtens. Adäquater Kausalzusammenhang zwischen Ereignis und allfälligen psychischen Beschwerden verneint.
**Docket/Reference:** UV.2018.00110
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2018.00110.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2018.00110
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichterin Senn
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
2. Oktober 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Kaspar Saner
schadenanwaelte.ch AG
Alderstrasse 40, Postfach, 8034 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1984 geborene
X.___
erlitt am 22. November 2012 bei seiner Tätigkeit als Maurer einen Arbeitsunfall. Er geriet mit der rechten (dominanten) Hand in eine Fräsmaschine, was beinahe zur Abtrennung von vier Fingern (Zeigefinger bis Kleinfinger) führte
.
Der Versicherte musste notoperiert werden
(vgl. die Schadenmeldung vo
m 29. November 2012 [Urk. 9/6], die Bilder vom 22. November
sowie 4. und 14. Dezember
2012
[Urk. 9/18], den Opera
tions
bericht vom 23. November 2012 [Urk. 9/16],
den Polizeirapport
vom 28. Novem
ber 2012 [Urk. 9/29
]
sowie den Austrittsbericht der
Y.___
vom 25. April 2013 [Urk. 9/55]
). Mit Verfügung vom 29. August 2014 sprach ihm die Suva ab dem 1. Juni 2014 eine Invalidenrente der Unfallvers
icherung von monat
lich Fr. 434.1
0 bei einer Erwerbsunfähigkeit von 10 % zu. Ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung wurde indessen verneint (Urk. 9/153). Die Verfügung der Suva vom 29. August 2014 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Ab dem 2. Juni 2014 erfüllte
X.___
die Anspruchs
vor
aussetzungen zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung und war dadurch bei der
Suva gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen versichert.
Im Zwischenverdienst war er als Kurier für das Restaurant
Z.___
angestellt. Am 2
3
. August 2014
(um 02.00 Uhr nachts)
erlitt er einen Autounfall in der Dominikanischen Republik; sein Fahrzeug überschlug sich und er wurde durch das Seitenfenster aus dem Fahrzeug geschleudert, da er keine Sicherheits
gurte getragen hatte.
Er
erlitt ein Polytrauma
und
zog sich ein stumpfes Abdo
minal- und Thoraxtrauma sowie eine Humerusfraktur an der Schulter links zu. Die Erstversorgung erfolgte in der Dominikanischen Republik; es wurde via explo
rative Laparotomie eine Dünndarmresektion von 30
cm durchgeführt. Die Repatri
i
erung erfolgte am 4. September 201
4.
Zur Versorgung der Humerus
frak
tur begab sich der Versicherte ins
A.___
. Es wurde sodann eine Luxationsfraktur an der Halswirbelsäule C2/3 im Sinne einer trauma
tischen Spondylolyse C2 festgestellt, weshalb eine Reposition und operative Stabi
lisation durchgeführt
werden musste
. Sodann wurde eine Läsion des Plexus brachialis links diagnostiziert (vgl. die telefonische Meldung des Versicherten vom 5. September 2014 [Urk. 8/1], die Schadenmeldung UVG für arbeitslose Per
sonen vom 12. September 2014 [Urk. 8/2], die Zusammenfassung der Kranken
geschichte im Verlegungsbericht
des
A.___
vom 11. September 2014 [Urk. 8/10 S. 3], die O
perationsberichte des
A.___
vom 11
. September 2014
[Urk. 8/60] und 12. September 2014
[Urk. 8/46
]
sowie den
Austrittsbericht des
A.___
vom 10. Okto
ber 2014 [Urk. 8/47]). Die Suva erbrachte die Versicherungsleistungen und veranlasste eine kreisärztliche Untersuchung, welche am 19. November 2015 stattfand (vgl. den entsprechenden Bericht
vom 19. November 2015
[Urk. 8/109]).
Die kreisärztliche Untersuchung
ergab, dass es bezüglich der Wirbelfraktur, der Rippenfrakturen und der abdominalen Verletzung zu einem guten Resultat mit praktisch folgenloser Ausheilung gekommen sei. Das Hauptproblem stelle die Läsi
on des Plexus brachialis links dar. Die Behandlung könne noch nicht abge
schlossen werden (Urk. 8/109 S. 8). In der Folge persistierten Schmerzen im lin
ken Arm (Urk. 8/119). Am 7. April 2016 wurde eine erneute Operation an der linken Schulter vorgenommen (Urk. 8/140) mit gutem Verlauf (Urk. 8/157). Eine weitere kreisärztliche Untersuchung wurde
für
den 5. April 2017
vorgesehen
. Der Versicherte erschien jedoch nicht (Urk. 8/185), da er sich ab dem 17. März 2017 in Untersuchungshaft befand (Urk. 8/189). Die kreisärztliche Untersuchung fand schliesslich am 21. Juni 2017 statt (vgl. den entsprechenden Bericht
vom 21. Juni
2017
[Urk. 8/205] sowie die medizinische Beurteilung des Integritätsschadens v
om 22. Juni 2017 [Urk. 8/206]). Mit
Schreiben
vom 27. Juni 2017 stellte die Suva die Heilkostenleistungen ein und terminierte die Einstellung der Taggeldleistungen auf den 31. August 2017 (Urk. 8/210). Sie sprach
dem Versicherten
mit Verfü
gung vom 28. Juni 2017 eine Integritätsentschädigung von Fr. 31'500.-- bei einer Integritätseinbusse von 25 % zu (Urk. 8/212). Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 26. Juli 2017 Einsprache und beantragte die Zusprechung einer Inte
gritätsentschädigung
basierend auf einer Einbusse
von
mindestens
40 % (Urk. 8/220), woraufhin am 3. August 2017 eine kreisärztliche Stellungnahme erfolgte (Urk. 8/223). Mit Verfügung vom 10. August 2017 sprach die Suva dem Versicherten sodann eine Invalidenrente der Unfallversicherung von monatlich Fr. 1'113.80 bei einer Erwerbsunfähigkeit von 25 % zu (Urk. 8/226). Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 14. September 2017 ebenfalls Einsprache und beantragte die Zusprechung einer Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 100 %
(Urk. 8/232). Mit Entscheid vom 12. April 2018 wies die Suva die beiden Einsprachen vom 26. Juli 2017 und vom 14. September 2017 ab (Urk. 2 [= Urk. 8/247]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 14. Mai 2018 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine Inva
lidenrente der Unfallversicherung aufgrund eines Invaliditätsgrads von 100 %
zuzusprechen. Eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen,
damit diese den entscheidrelevanten Sachverhalt abkläre (Urk. 1). Mit Be
schwer
deantwort vom 25. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6).
Die Parteien hielten im Rahmen des durchgeführten zweiten Schriftenwechsels
an
ihren
Anträgen fest (
Replik vom 27. August 2018 [
Urk. 11
] und Duplik vom
1. Oktober 2018
[Urk. 14]), was der jeweiligen Gegen
partei angezeigt wurde
(Urk.
12 und Urk.
15).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am
9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
si
che
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Das hier zu beur
teilende Ereignis hat sich am 23
. August 2014 ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den entspre
chen
den Sach
verhalt Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 10 Abs.
1
UVG
hat die versicherte Person Anspruch auf die z
weckmäs
sige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsun
fähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
% invalid (Art.
8 des Bundesges
etzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialver
sicherungsrechts [ATSG])
, so h
at sie An
spruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs.
1 UVG). Der Rentenanspru
ch ent
steht, wenn von der
Fort
setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Ge
sund
heitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und di
e Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs.
1 UVG).
1.3
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird g
emäss
Art.
16 ATSG das Er-
werbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliede
rungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeit
s
markt
lage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
1.4
1.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver
lässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erheb
liche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt,
ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, dem Beschwer
de
führer seien Tätigkeiten, bei denen die linke obere Extremität nur noch als Hilfs
hand eingesetzt werde, weiterhin ganztags zumutbar. Realistisch seien vor
wie
gend sehr leichte Tätigkeiten ganztags. Selten könnten mit der rechten Hand Gewichte zwischen 5-10 kg gehoben und getragen werden. Das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie das fein- und grobmotorische Hantieren mit Werk
zeugen seien dem Beschwerdeführer infolge beider Unfälle nicht mehr zumutbar. Für psychische Beeinträchtigungen sei die Beschwerdegegnerin nicht leistungs
pflichtig. Zur Ermittlung des Invalideneinkommens sei die schweizerische Lohn
strukturerhebung (LSE 2014) heranzuziehen und abzustellen sei auf die Tabelle 1, Sektor Dienstleistungen, Kompetenzniveau
1.
Es resultiere ein Jahreseinkommen von Fr. 63'187.--, von welchem ein 20%iger Abzug vorzunehmen sei. Das Invalideneinkommen betrage somit Fr. 50'550.--. Der Validenlohn betrage Fr. 67'183.--. Eine Gegenüberstellung der beiden Einkommen ergebe einen Inva
liditätsgrad von gerundet 25 %
(Urk. 2 S. 4 und S. 7)
.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor, die Beschwerdegegnerin habe das Invalideneinkommen zu hoch angesetzt. Er könne den linken Arm und die linke Hand praktisch nicht mehr einsetzen. Die linke Hand diene nur noch als Hilfshand. Zusammen mit der ebenfalls starken Einschränkung in der rechten Hand und der Schulter habe dies zur Folge, dass er nicht einmal eine (leichte) Schachtel tragen könne. Die oberen Extremitäten seien faktisch nicht mehr ein
setzbar. Er könne sodann weder fein- noch grobmotorische Handtätigkeiten ver
richten. Für eine Verweistätigkeit im Dienstleistungssektor fehle ihm die entspre
chende Ausbildung. Es liege somit keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vor, weshalb
das Invalideneinkommen auf Fr. 0.-- festzusetzen sei. Sofern das Gericht diese Ansicht nicht teile, sei ein maximaler Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren, was zu einem Invaliditätsgrad von 29 % führe. Der Beschwerdeführer rügte sodann, angesichts des multimorbiden Beschwerdebildes reiche die kreisärztliche Beurtei
lung durch eine Neurochirurgin nicht aus. Ihre Ausführungen zum Zumutbar
keits
profil seien wenig nachvollziehbar. Ausserdem habe die Beschwerdegegnerin nicht dazu Stellung genommen, inwiefern auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt tatsächlich Stellen vorhanden seien, welche der Beschwerdeführer mit seinen körperlichen Einschränkungen verrichten könne. Weiter habe die Beschwerde
geg
nerin die adäquate Kausalität der psychischen Unfallfolgen zu wenig abge
klärt und sich ungenügend dazu geäussert. Es stelle sich die Frage, ob nicht ein schwerer Unfall vorliege und der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen
sei. Die Beschwerdegegnerin habe somit nicht nur den Untersuchungsgrundsatz ver
letzt, sondern auch
den
Gehörsanspruch
des Beschwerdeführers
(Urk. 1)
.
2.3
In der Replik vom 27. August 2018 betonte der Beschwerdeführer erneut, es liege keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vor. Er habe den Unfallhergang sodann nicht zu beweisen. Fraglich sei nur, ob seine Schilderungen
(
überwiegend
)
wahrschein
lich plausibel seien. Sein Fahrzeug habe sich mehrmals überschlagen und er sei aus dem Fahrzeug geschleudert worden. Es liege ein
schwerer Unfall, jedenfalls aber ein
mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfallereig
nissen vor. Selbst wenn von einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne aus
gegangen werde, sei die Adäquanz zu bejahen. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sei erfüllt. Dasselbe gelte für das Krite
rium
der Dauerbeschwerden. Sodann lä
gen ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen vor. Weiter liege eine ausgeprägte physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
vor (
Urk. 11
).
3.
Im Bericht vom 22. Juni 2017 über die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 21. Juni 2017 wurden die folgenden Diagnosen festgehalten
(Urk. 8/205 S.
8
)
:
1.
Status nach Autounfall am 22
. August
2014
(richtig: 23. August 2014
; vgl. Urk. 8/23 S. 1
)
mit/bei
-
Luxationsfraktur C2/3 mit Status nach geschlossener Reposition und ventraler
Spondy
lodese C2/3 mit Beckenka
mmspan und Platte am 10. September
2014
-
aktuell intermittierende Nackenbeschwerden bei starker Beanspru
c
hung oder häuf
igen Inklinationsbewegungen
-
d
islozierte mehrfragmentäre proximale metaphysäre
Humerusfraktur mit Weichteilkon
tusion un
d Hautnekrose mit Status nach Dé
bridement und Deckung mittels Spalthaut vom Oberschenkel links und überbrückender Osteo
synthese der proximalen Humerusfraktur links am 12. September
2014 u
nd Status nach Dekortikation, Dé
bridement und Anfrischen der Frakturzone bei Pseudarthrose pro
ximaler Humerus links vom
4. Juli
201
6
-
Traumatische Läsion des Plexus brachialis links mit ele
ktrophysio
logi
schem Nachweis ei
ner Plexusschädigung mit Beteiligung des Fascicu
lus p
osterior und lateralis am 21. Januar
2015
-
Res
i
duelle sensomotorische Defizite am linken Arm
-
Status nach stumpfem Abdominaltrauma mit explor
ativer Laparotomie und Dünndarm
resektion 2014 in der Dominikanischen Republik
-
Status nach operativer Versorgung einer Narbenhernie 2016
-
Status nach Thoraxtrauma mit wenig dislozierten Rippenserienfrakturen 7-10 dorsal
links
-
Status nach gering dislozierter Jochbeinfraktur links
2.
Fräs
verletzung rechte Hand am 22. November
2012 mit/bei
-
Status nach Implantation einer Swanson Prothese rech
ter Zeigefinger MCP-Gelenk, Kap
selnaht und Naht der Kollateralbänder sowie der Streckerhaube am rechten Zeigefinger und Mittelfinger, am Ringfinger Naht der Streckerhaube,
am Kleinfinger Naht des Mittelzügels und Defekt
deckung am 22. November
2012
-
Status nach Arthrolyse MCP II und III rechts bei Extensionskontraktur MCP II und III rechts
am 27. Mai
2013
K
reisärztin Dr. med.
B.___
, Fachärztin FMH für Neurochirurgie, führte sodann aus
(Urk. 8/205 S. 8 f.)
, s
ubjektiv
sei es
seit der letzten kreisärzt
l
ichen Unter
suchung
im Jahr
2013 zu einer Zunahme der Beschwerden an der rechten Hand
gekommen
. Neu zeig
t
en sich ein Streckdefizit des rechten Mittel-
und Zeige
fingers von 20° sowie eine Einschränkung der Beugung vom rechten Mittel-
und Zeigefinger im proximalen und distalen Interphalangealgelenk. Der Beschwe
r
de
führer
habe
sich im Januar 2016 nochmals in der Handchirurgie des
C.___
vor
gestellt
wegen der
anhaltenden Schmerzen an
der rechten Hand. Eine
weitere Diagnostik
habe
nicht statt
gefunden
, da vom
Beschwerde
füh
rer
keine we
iteren Termine vereinbart worden seien
. Bei entsprechendem Leidens
druck
werde
eine Wiedervorstellung im
C.___
empfohlen.
Weiter führte Dr.
B.___
aus, s
eit d
em Unfall im
August 2014 leide
der
Beschwer
deführer
unter anhaltenden Beschwerden im Bereich des linken Arms sowie unter gelegentlichen Beschwerden im Bereich des
Nackens. Zwischenzeitlich sei
er
im Jahr
2016
nochmals wegen einer Narbenhernie am Bauch operiert
worden
. So
wohl die viszeral-chirurgische Behandlung der Narbenhernie als auch die Be
hand
lung betre
ffend die
Humerusfraktur links
seien im Jahr
2016 abgeschlossen
worden;
gleichfalls
sei
die Physiotherapie 2016 beendet
worden
. Für den
Be
schwer
deführer stünden
Schmerzen im Bereich der linken Schulter, des linken Oberarms bi
s in das Schulterblatt ziehend i
m Vordergrund sowie ein unan
ge
nehmes Schweregefühl im gesamten linken Arm. Die Beweglichkeit im linken Schultergelenk sowie die K
raft im gesamten linken Arm seien
eingeschränkt. In der heutig
en klinischen Untersuchung zeige
sich eine Einschränkung der
Abduk
tion und Elevation im rechten Schultergelenk
infolge der Paresen, jedoch könne
schmerzbedingt das Schultergel
enk auch pass
iv
nicht weiter bewegt werden. Im Vergleich zur letzten neurol
ogischen Untersuchung durch Dr.
D.___
im September 2016 zeige
sich
der Befund betreffend sensible
n
Ausfall und Motorik
etwas aus
geprägter, was
in Anbetracht der Untersuchungssituation einerseits als Symptom
verdeutlichung
zu
interpretiere
n sei. A
nd
e
rerseits
sei
noch eine
schmerzbedingte Komponente zu
berücksichtigen. Insgesamt zeige
sich das Bild einer Läsion des Plexus brachialis mit Beteiligung des post
erioren und lateralen Faszikels;
die
Ulnaris-versorgte Muskulatur sei
im Wesentlichen nicht mitbetroffen. Eine wei
tere Verbesserung seit der letzten
neurologischen Untersuchung könne
nicht fest
gestellt werden. K
napp drei
Jahre nach Plexusläsion mit
Durchführung
physio
therapeutischer
Übungen bis Ende 2016 sei
mittlerweile nicht mehr von einer versicherungsmedizinisch relevanten Verbess
erung auszugeben. Betreffend den
Nacken
finde
sich eine relativ gute Beweglichkeit der Halswir
belsäule,
es be
st
ün
den
intermittierende Beschwerden bei starker Beanspruchung bzw. bei häuf
iger oder anhaltender Ink
linationsbewegung. Im Alltag habe
der
Beschwerdeführer
sonst keine wesentlichen Nackenbes
chwerden. Insgesamt sei
ein stabiler medizi
nischer Zustand
nach dem Polytrauma vor knapp drei Jahren eingetreten;
die medizinischen Voraussetzun
gen für einen Fallabschluss seien
gegeben.
Infolge des Unfalls vom 23
. August 2014 seien
dem
Beschwerdeführer
Tätigkeiten ge
mäs
s Zumutbarkeitsprofil vom 14. Oktober
2013 nicht mehr
zumutbar. Dem Ver
sicherten seien
aktuell Tätigkeiten ga
nztags, bei denen der linke Arm
/die linke Hand nur no
ch als Hilfshand eingesetzt werde
, weit
erhin zumutbar. Realistisch
seien vorwiegend sehr leichte Tätigkeiten ganztags. Selten könnten mit der recht
en
Hand Gewichte zwischen 5-10
kg gehoben/getragen werden. Das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie das Hantieren mit Werkzeug (wede
r fein- noch grobmotorisch) seien
dem
Beschwerdeführer
infolge beider Unfälle nicht mehr zumutbar.
4.
4.1
Die Kreisärztin tätigte sorgfältige,
umfassende Abklä
rungen, berücksichtigte
die geklagten Beschwerden und begründete ihre Einschätzung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den Vorakten. Hinweise, welche gegen die Verwertbarkeit der
kreisärztlichen Beurteilung spre
chen, sind
n
icht ersichtlich.
Insbesondere verfügt Dr.
B.___
über einen Facharzttitel der Neurochirurgie. Diese Disziplin umfasst die
Erkennung und operative Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen des zentralen Nervensystems mit seinen Hüllen und Gefässen, des Hirnschädels und der Wirbelsäule sowie des peripheren und vegetativen Nervensystems sowie die entsprechenden Voruntersuchungen, kon
ser
va
tiven Behandlungsverfahren und die Rehabilitation sowie die allgemeine Schmerztherapie dieser Strukturen (www.fmh.ch). Damit
ist beziehungsweise war Dr.
B.___
befähigt,
den Beschwerdeführer somatisch zu untersuchen
und seinen Gesundheitszustand zu beurteilen
.
Weshalb eine zusätzliche orthopädische Untersuchung notwendig gewesen wäre, lässt sich nicht nachvollziehen, zumal nach dem 13. September
2016 (vgl. Urk. 8/158, Urk. 8/161 und Urk. 8/179) im
A.___
keine orthopä
dische Kontrolle mehr stattfand.
V
orgesehen wurde gemäss Angaben des Beschwerdeführers ledig
lich ein weiterer Termin bei der Neurologie nach circa sechs Monaten (Urk. 8/169)
, was belegt, dass eine
neurochirurgische
Überprüfung des Gesund
heits
zustands des Beschwerdeführers
genügend war
.
Sodann war
– entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 10) –
keine psychiatrische Untersuchung indiziert, nachdem
er
sich weder in psychologische noch in ps
ychiatrische Behandlung begeben hatte
. Der Beschwerdeführer hatte zwar am 16. Juli 2015 angegeben, es gehe ihm psychisch nicht gut. Einen Psy
chiater oder Psychologen wollte er aber nicht aufsuchen (Urk. 8/85)
.
Auch am 16. Dezember 2015 gab er an, psychologische Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen und den Psychologen bekannt zu geben (Urk. 8/115). Eine entsprechende Meldung blieb aber aus. Am 23. Juni 2016 gab er an, es gehe ihm nicht mehr so schlecht (Urk. 8/151).
Anlässlich der Besprechung vom
1. Dezember 2016 erfolgte
die Rüc
kmeldung, dass es ihm psychisch
nicht so gut gehe
(Urk. 8/169)
.
Den ärzt
lichen Berichten
lassen
sich
allerdings
keine Anhaltspunkte für eine psychische Beeinträchtigung entnehmen, abgesehen von der einmal gestellten und dann ohne Begründu
ng stets wiederholten Diagnose posttraumatic stress disorder
.
Die Diagnose posttraumatic stress disorder wurde erstmals i
m Austrittsbericht der
Y.___
vom 30. Oktober 2014
aufgeführt, wobei gleichzeitig fe
stge
halten
wurde, es werde diesbezüglich kein separater Bericht erstellt,
da keine psy
chische Stör
ung von Krankheitswert bestehe
(Urk. 8/32 S. 3).
Zusammen
fassend
ist daher zu schliessen
, dass aufgrund der ärztlichen Berichte
keine psychische Beeinträchtigung des Beschwerdeführers ausgewiesen ist. Damit vermag er auch mit seiner Rüge,
die Beschwerdegegnerin habe die adäquate Kausalität der psy
chischen Unfallfolgen zu wenig abgekl
ärt (Urk. 1 S. 10), nicht durchzudringen.
4.2
4.2.1
Selbst wenn aber eine psychische Beeinträchtigung vorläge, wäre diese nicht unfallkausal, was sich aus der nachstehenden Adäquanzprüfung ergibt.
4.2.2
Bei psychischen Beeinträchtigungen
ist – anders als bei Gesundheits
schädi
gung
e
n mit einem klaren unfallbedingten organischen Substrat, bei welchen der adäquate
Kausalzusammenhang in der Regel mit dem natürlichen bejaht werden kann (BGE 127 V 102 E. 5b/bb mit Hinweisen) – eine besonder
e Adäquanzprüfung vorzu
nehmen.
Ob die Adäquanzprüfung nach den in BGE 115 V 133 genannten Krite
rien (Psycho-Praxis) oder nach den für die Folgen eines Schleudertraumas der HWS, eines Schädelhirntraumas oder einer dem Schleudertrauma ähnlichen Ver
letzung in BGE 117 V 359 entwickelten und in BGE 134 V 109 präzisierten Regeln zu erfolgen hat, kann offenbleiben, da auch die Beurteilung nach
der für den Beschwerdeführer vorteilhafteren letzteren Praxis – wie im F
olgenden zu zeigen ist – zur Verneinung der Adäquanz führt.
4.2.3
Zum Unfallhergang
geben
lediglich die Angaben des Beschwerdeführers
Auf
schluss
; ein Polizeirapport liegt nicht vor. Gemäss Angaben des Beschwerde
füh
rers vom 5. September 2014 soll sich sein Fahrzeug mehrfach überschlagen habe
n, nachdem dieses von einem Lastwagen seitlich touchiert worden sei. Da er (der Beschwerdeführer) keine Sicherheitsgurte getragen habe, sei er aus der Seiten
scheibe des Fahrzeuges geschleudert worden (Urk. 8/1). In Diskrepanz dazu wurde in der Zusammenfassung der Krankengeschichte im Bericht des
A.___
vom 11. September 2014 gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers festgehal
ten, der Beschwerdeführer sei nach einer Kollision mit einem Strassenpoller aus dem sich überschlagenden Fahrzeug katapultiert worden, da er nicht angegurtet gewesen sei (Urk. 8/10 S. 3).
Mit welcher Geschwindigkeit der Beschwerdeführer unterwegs gewesen war, lässt sich nicht eruieren.
Die Unfallschwere des Ereignisses vom
23. August 2014
ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise auf Grund des augenfälligen Geschehensab
laufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen. Nicht massgebend sind die Folgen des Unfalles oder Begleitumstände
, die nicht direkt dem Unfall
ge
schehen zugeordnet werden können. Derart
igen, dem eigentlichen Unfallge
scheh
en nicht zuzuordnenden Faktoren
ist gegebenenfalls bei den Adäquanz
kri
terien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die – ein eigenes Kriterium bil
denden – Verl
etzungen, welche sich die versi
cherte Person zuzog, aber auch für – unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatisch
en Begleitumstände oder be
sonde
ren Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende –
äussere Umstände, wie eine all
fällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Ve
rletzungs- respektive gar Todes
folgen,
die der Unfall für andere Perso
nen nach sich zog (SVR 2008 UV Nr. 8 S.
26 E.
5.3.1 [U 2/07]; Urteil des Bun
desgerichts 8C_799/2008 vom 1
1.
Februar 2009 E. 3.2.1). Das Ereignis vom
23. August 2014
ist
aufgrund des mehrfachen Überschlag
en
s des Fahrzeuges
als mittelschweres Ereignis
im engeren Sinne zu qualifizieren (vgl. die Kasuistik in
den Urteilen
des Bundesgerichts
8C_624/2010 vom 3. Dezember 2010 E. 4.1.3 und 8C_398/2012 vom 6. November 2012
E. 5.2.2
,
vgl
.
auch Bundesgerichtsurteil 8C_568/2015 vom 15. Januar 2016 E. 3.2
).
Bei der Einordnung des Unfalls als mittelschwer im engeren Sinne kann die Adä
quanz nur dann bejaht werden, wenn mindestens drei der sieben Adäquanz
kriterien in einfacher Form erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt vorliegt (BGE 134 V 109 E. 10.3
, Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2018 vom 22. August 2018 E. 5.3.3
).
4.2.4
Der zu beurteilende Unfall hat sich
weder
unter besonders dramatischen Be
gleit
umständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit.
Die beiden
Mit
fahrer des Beschwerdeführers, welche Sicherheitsgurte getragen hatten, wurden
nicht schwer verletzt
(Urk. 8/23 S. 1 und Urk. 8/34).
Der Beschwerdeführer selbst verlor zudem das Bewusstsein und erlangte dieses erst wieder auf der Notfall
station (Urk. 8/23 S. 1).
Im Lichte der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. das Urteil 8C_398/2012 vom 6. November 2012 E. 6.2)
ist das Kriterium der Schwere oder besonderen
Art der erlittenen Verletzungen
i
m vorliegenden Fall aufgrund des
erlittenen
Poly
traumas
allenfalls
als erfüllt zu betrachten. Es liegen aber keine Gesichtspunkte vor, welche den Schluss auf eine besondere Ausprägung des Kriteriums gestatten könnten.
Nicht erfüllt sind die übrigen
Kriterien
der
fortgesetzt
en
spezifische
n
, belastende
n
ärztliche
n Behandlung,
der erheblichen Beschwerden
,
der ärztlichen Fehlbehand
lung, des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen so
wie der erheblichen Ar
beitsunfähigkeit.
Der Beschwerdeführer war bereits im September 2015 wieder in der Lage, für zwanzi
g Tag
e
zusammen mit einem Kollege
n in die Dominikanische Republik zu reisen
, um dort Ferien zu verbringen (Urk. 8/97 S. 2).
Ausserdem konnte
er im Jahr 2015 wieder ein Motorfahrzeug
lenken
, was aus der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin vom 16. November 2015
hervorgeht. Darin wurde festgehalten, der Beschwerdeführer habe keinen Anspruch
auf eine Umschulung. Im Sinne einer Frühintervention seien die Kosten für die Lastwagen-Fahrprüfung übernommen worden. Diese Prüfung habe der Beschwer
de
führer aber nicht geschafft, und mittlerweile sei ihm auch der Fahrzeugausweis entzogen worden (Urk. 8/105).
Am 19. November 2015 gab der Beschwerdeführer an, er habe allenfalls die Möglichkeit, eine Arbeit anzunehmen; er müsse Medi
kamente verteilen. Das würde sich im Dezember klären. Ebenso müsse er Sozial
dienst leisten, um die Busse
(höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit dem vorgenannten Fahrausweisentzug) teilweise zurückzuerstatten (Urk. 8/107).
Selbst wenn aber allenfalls das Kriterium der
fortgesetzten spezifischen, belasten
den ärztlichen Behandlung
zu bejahen wäre
, da sich der Beschwerdeführer am 7. April 2016 erneut einer Operation unterziehen musste, weil ohne Intervention nicht mehr mit einem ossären Durchbau im Bereich der Humerusfraktur zu rechnen war (Urk. 8/140)
, lägen
höchstens
zwei der sieben Adäquanzkriterien in einfacher Form vor.
4.2.5
Nach dem Gesagten
ist mangels Vorliegens von mind
estens drei der sieben Adä
quanz
kriterien in einfacher Form oder ei
nes Adäquanzkriteriums in beson
ders ausgeprägter
Weise
ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis
vom
23. August 2014
und allfälligen psychischen Beschwerden zu verneinen.
Di
es bedeutet, dass bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers allfällige aus psychiatrischer Sicht bestehende Einschränkungen nicht zu berück
sichtigen sind.
4
.3
Wenn die Kreisärztin in ihrer Beurteilung
vom
22. Juni 2017
zum Schluss ge
langte, das Zumutbarkeitsprofil vom 14. Oktober 2013 sei nicht mehr gültig, kann daraus kein Widerspruch zu dem von ihr neu beschriebenen Zumutbarkeitsprofil erkannt werden (vgl. das Vorbringen in Urk. 1 S. 9). Sie berücksichtigte die Ein
schränkungen der linken Extremität ebenso wie die Einschränkungen der rechten Extremität.
Im Vergleich zum Zumutbarkeitsprofil, welches nach dem ersten Un
fall erhoben worden war, schränkte die Kreisärztin die Tätigkeiten, welche mit der rechten Hand noch verrichtet werden können, zusätzlich ein. Sie hielt ledig
lich noch
sehr leichte Tätigkeiten ganztags
für zumutbar
. Selten könnten mit der rechten Hand Gewichte zwischen
5-10 kg gehoben/getragen werden
.
Das Bestei
g
en von Leitern und Gerüsten sowie das Hantieren mit Werkzeug (weder fein- noc
h grobmotorisch) seien
dem
Beschwerdeführer
infolge bei
der Unfälle nicht mehr zumutbar
(E. 3).
Im Bericht vom 14. Oktober 2013 über die gleichentags erfolgte kreisärztliche Untersuchung des Beschwerdeführers nach dem ersten Un
fall war noch festgehalten worden, zumutbar seien leichte bis mittelschwere Arbeiten für die rechte Hand, ohne das Heben von Gewichten über 10 kg, ohne festes Zu
packen mit der rechten Hand, ohne das Besteigen von Leitern und Gerüsten wegen der erhöhten Absturzgefahr und ohne höhere Anforderungen an die Fei
n
motorik der rechten Hand
(Urk. 9/100 S. 5).
Nach dem Gesagten kann auf
das
kreisärztliche
Zumutbarkeitsprofil
vom
22. Juni 2017
abgestellt werden
, zumal es sich aufgrund der Befunde als nachvollziehbar
erweist und
keine ärztlichen Berichte vorliegen, welche
dazu
im Widerspruch stehen.
4
.4
4.4
.1
Die Ansicht des Beschwerdeführers, es liege angesichts seiner Einschränkungen
keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vor, kann nicht geteilt werden.
Eine
faktische Einhändigkeit oder die Beschränkung der
dominanten Hand als Zudienhand
stellen nach der Rechtsprechung
zwar
Tatbestände einer erheblich erschwerten Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt dar. Dennoch wurde von der Rechtsprechung wiederholt bestätigt, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten für Personen, welche funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten können, zu finden sind. Längst nicht alle im Arbeitsprozess im weitesten Sinne notwendigen Aufgaben und Funktionen im Rahmen der Überwachung und Prüfung werden durch Computer und automa
ti
sche Maschinen ausgeführt. Abgesehen davon müssen solche Geräte auch bedient und ihr Einsatz ebenfalls überwacht und kontrolliert werden. Zu denken ist dem
nach an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Be
die
nung und Überwachung von (halb-)automatischen Maschinen oder Produk
tions
einheiten, die keinen Einsatz
der dominanten
Hand voraussetzen (
Urteil des
Bundesgerichts 8C_1050/2009 vom 28. April 2010 E. 3.4 mit weiteren Hinwei
sen
)
.
Eine faktische Einarmigkeit liegt
beim Beschwerdeführer zwar nicht vor
, weil
seine
dominante rechte Hand
durchaus noch für sehr leichte Tätigkeiten ein
gesetzt werden kann.
Da
aber auch die linke adominante obere Extremität
erheb
liche Ein
schränkungen
aufweist, ist seine Situation mit der oben beschrie
benen Situa
tion
grundsätzlich
vergleichbar.
Nicht vergleichbar ist die Situation – entge
gen der Ansicht des Beschwerdeführers – hingegen mit dem Sachverhalt, welcher dem
Urteil des Bundesgerichts 8C_248/2014 vom 29. August 2014 zugrundelag, konnte
doch
der dortige Beschwerdeführer, welcher sich bereits im fortgeschrittenen Alter
befand, seine
beiden Hände nicht mehr einsetzen
.
Im Falle des Beschwerdeführers fragt sich allerdings, ob er nicht in einer Tätigkeit in einem Callcenter uneingeschränkt einsatzfähig wäre. Er spricht gemäss eigenen Angaben Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Deutsch und Englisch (Urk. 8/97 S. 3). Allerdings erscheint seine Motivation, eine derartige Tätigkeit auf
zunehmen, höchst fraglich, gab er anlässlich des Standortgesprächs vom
31. August
2015 an, für Büroarbeiten und Telefonverkauf kein Interesse zu haben
, obwohl er verschiedene Sprachen spreche (Urk. 8/97 S. 2).
Als Fazit ist
daher
festzuhalten, dass die
zumutbare Tätigkeit vorliegend nicht nur in so eingeschränkter Form möglich
ist
, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Ar
beitgebers ausgeübt werden kann. Am
rein hypothetischen Charakter des ausgeglichenen Arbeitsmarktes
ist
festzuhalten, weil nur so die Risiken Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abgegrenzt werden können. So geht es beim als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt nicht um reale, ge
schweige denn offene Stellen, sondern um (gesundheitlich zumutbare) Beschäf
ti
gungsmöglichkeiten, welche der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, jedoch abstrahiert von den konjunkturellen Verhältnissen
, umfasst
.
De
r Begriff des
ausge
glichenen Arbeitsmarkts dient einzig zur Abgrenzung der Leistungsan
sp
rüche von Invaliden
- und Arbeitslosenversi
cherung (Urteil des ehemaligen E
id
ge
nössischen Versicherungsgerichts I 758/02 vom 16.
Juli 2003
E. 3.3).
4.4
.2
Nach dem Gesagten ist
von
einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit des Beschwer
de
führers unter Berücksichtigung des kreisärztlichen Belastungsprofils auszugehen und
ein Einkommensvergleich vorzunehmen
.
4.4
.3
Die Parteien sind sich bezüglich der Höhe des Valideneinkommens einig. Dieses beträgt Fr. 67‘183.-- (Urk. 2 S. 7 und Urk. 1 S. 6), was
sich
aufgrund der Angaben der bisherigen Arbeitgeberin nachvollzieh
en lässt
(Urk. 8/215).
4.4
.4
Was die Ermittlung des Invalideneinkommens anbelangt, hat die Beschwerde
gegnerin zugunsten des Beschwerdeführers den standardisierten Lohn der LSE 2014, Tabelle TA1, Sektor 3 Dienstleistungen, Kompetenzniveau 1, Männer, her
an
gezogen.
Die Rechtsprechung wendet
aber
in der Regel die Monatsl
ö
hne ge
m
ä
ss LSE-Tabelle TA1, Zeile
«
Total
Privater Sektor
»
, an. Nur ausnahmsweise hat das Bundesgericht bei Personen, die vor der
Gesundheitssch
ä
digung lange Zeit in
einem spezifischen
Bereich t
ä
tig gewesen waren
und bei denen eine Arbeit in
anderen Bereichen kaum in Frage kommt, auf das statistische Durchschnitts
ein
kommen einzelner Branchen abgestellt, wenn dies als sachgerecht erschien, um de
r im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung
der verbleibenden Arbeits
f
ä
higkeit Rechnung zu tragen (in
BGE 133 V 545
nicht p
ublizierte E.
5.1 des
Urteils 9C_237/2007 vom 24.
A
ugust 2007; 8C_457/2017 vom 11.
Oktober 2017
E. 6.2).
Vorliegend
rechtfertigt sich
ein solches Vorgehen
angesichts des jungen Alters des Beschwerdeführers
und der mangelnden
jahrelangen Tätigkeit in einem spezifischen Bereich
(vgl. den Lebenslauf in Urk. 8/97 S. 5)
jedoch nicht. Es
ist
zudem
nicht ersichtlich, weshalb einzelne Branc
hen ausgenommen werden so
llten, sind Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten doch auch im Produktions-Sektor möglich.
Das zur Bemessung des Invalideneinkommens heranzuziehende
standardisierte monatliche Einkommen für männliche Hilfskräfte (LSE 201
4
, TOTAL in der Ta
belle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer)
beträgt Fr. 5‘312.--
. Dieses monatliche E
inkommen ist u
nter Berücksichtigung der durchschnit
t
lichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41,7
Stunden pro Woche
(vgl. Bundesamt für Statistik, Betrie
bsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stun
den pro Woche, 2004-2017
,
TOTAL
) sowie der Nominall
ohnentwicklung bis ins Jahr 2017
(Index
stand 2220 [2014] auf 2249 [2017
], vgl. Bundesamt für
Statistik, Schweizerischer Lohnindex, T 39
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne,
2010-2017
, Nominallöhne Männer)
auf ein Jahreseinkommen für eine 100
%ige Tätigkeit hochzurechnen. Es resultiert somit ein
Jahreseinkommen
von Fr.
67
’
321.
-- (Fr.
5‘
312
.-- x 12 : 40 x 41,7:
2220
x
2249
).
Selbst bei einem maximal
zulässig
en
Abzug von 25 %
und einem Invalideneinkommen von Fr.
50
’491
.
-- (Fr.
67
’
321.
-- x 0.75)
resultier
t kein höherer Invaliditätsgrad
als die Beschwerdegegnerin ermittelt hat, was sich aus
einer Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens
in der
nachstehenden
Erwägung 4.
4.5
er
gibt.
An dieser Stelle
drängt sich
jedoch noch
der Hinweis auf, dass ein maxi
maler Abzug von 25 % im Falle des Beschwerd
eführers kaum gerechtfertigt erscheint
, insbesondere deshalb nicht, da er in einer Tätigkeit
in einem Callcenter (vgl. E. 4.4
.1) kaum in einem derart hohen Masse
l
ohnmässig benachteiligt
wäre.
4.4
.5
Bei Berücksichtigung eines maximalen leidensbedingten Abzugs von 25 %
be
trüge die
Erwerbseinbusse Fr.
16
’
692
.--
(Valideneinkommen von
Fr. 67‘183.
--
ab
züg
lich Invalideneinkommen von Fr.
50
’491
.
--
), was einem Invaliditätsgrad von gerundet
25
%
und damit dem von der Beschwerdegegnerin ermittelten Erwerbsunfähigkeitsgrad
e
ntspräche
.
Ein höherer Invaliditätsgrad lässt sich nicht rechtfertigen.
5.
Demgemäss erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Kaspar Saner
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelMuraro