# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 448a1156-d031-55c2-84aa-f6b7b906e296
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.05.2007 A-1740/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1740-2006_2007-05-30.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1740/2006
{T 0/2}

Urteil vom 30. Mai 2007

Mitwirkung: Richter Markus Metz (Vorsitz), Thomas Stadelmann 
(Kammerpräsident), Daniel Riedo. Gerichtsschreiberin Sonja 
Bossart.

X._______ AG, Waldeckstrasse 100, 4127 Birsfelden,
Beschwerdeführerin, vertreten durch Advokat Bruno Muggli, Hauptstrasse 53, 
Postfach 564, 4127 Birsfelden

gegen

Oberzolldirektion (OZD), Monbijoustrasse 40, 3003 Bern,
Vorinstanz, 

betreffend 
Zoll;
Zollpräferenzbehandlung, Ursprungsnachweis, rechtliches Gehör, 
Vertrauensschutz, Rechtssicherheit.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

2

Sachverhalt:

A. Die X.  AG ...  bezweckt  vorwiegend den Import,  Export  und Verkauf  von 
Textilien sowie den Handel mit Waren aller Art. 

B. Am 11. August 1999 deklarierte die Y. AG als Spediteurin für die X. AG ... 
Damenmäntel (...), stammend von der S., Rumänien, mit Zollbefreiung zur 
Einfuhr, dies unter der Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 (...).  

C. Am 14. September 1999 deklarierte die Y. AG als Spediteurin für die X. 
AG  ...  Damenmäntel  (...),  stammend  von  der  S.,  Rumänien,  mit 
Zollbefreiung  zur  Einfuhr,  dies  unter  der  Warenverkehrsbescheinigung 
EUR.1 (...). 

D. Da  die  Zollkreisdirektion  Basel  Zweifel  an  der  Echtheit  des 
Ursprungsnachweises EUR.1 ... hatte, leitete sie am 28. September 1999 
ein  Nachprüfungsverfahren  ein.  Die  Oberzolldirektion  (OZD)  ersuchte 
deshalb  am  16.  November  1999  das  rumänische  Finanzministerium 
(Generaldirektion  Zölle)  in  Bukarest/Rumänien,  die  EUR.1  ...  zu 
bestätigen,  was  mit  Schreiben  vom  31.  Januar  2000  umgehend  unter 
Zusendung des Originals der EUR.1 ... erfolgte, mit der Mitteilung, die der 
EUR.1  ...  entsprechende  Ware  sei  (unter  anderen)  unter  italienischen 
Ursprungszeugnissen EUR.1 Nr. ... ...  eingeführt worden. Die Zweifel der 
OZD  waren  dadurch  noch  nicht  ausgeräumt,  weshalb  sie  mit  dem 
Schreiben  vom  8.  März  2000  noch  einmal  mit  der  Bitte  um  eine 
Nachkontrolle an das rumänische Finanzministerium gelangte und dieses 
aufforderte, bei den italienischen Behörden Erkundigungen einzuziehen.

E. Am 24.  Juli  2001  teilte  das  rumänische  Finanzministerium  der  OZD die 
Resultate  der  Abklärungen  der  italienischen  Zollbehörden  mit.  Danach 
waren einige der  EUR.1 Formulare mit  korrektem italienischen Ursprung 
bezeichnet, während für andere die Untersuchungen noch liefen. Gestützt 
darauf vermerkte die OZD am 13. August 2001, dass die Zollbefreiung zu 
Recht erfolgt war. Das entsprechende Dossier ... wurde geschlossen.

F. Mit  dem Schreiben vom 15.  Juli  2003 erhielt  die OZD vom rumänischen 
Finanzministerium eine "contrôle a posteriori" der EUR.1 ... und der EUR.1 
...  wonach  für  die  unter  diesen  Dokumenten  eingeführten  Waren  die 
Zollpräferenz nicht erteilt werden könne. Die OZD bedankte sich für diese 
"spontane"  Mitteilung  am  10.  Oktober  2003  und  eröffnete  ein  neues 
Dossier  ....  Mit  Schreiben  vom  17. Oktober  2003  orientierte  die 
Zollkreisdirektion Basel die X. AG zum ersten Mal mit der Mitteilung, sie 
beabsichtige,  die  beiden  Einfuhrsendungen  vom August  und  September 
1999  auf  ihre  formelle  Richtigkeit  zu  prüfen  und  bat  die  X.  AG  um 
Zustellung  der  entsprechenden  Zollquittungen  und  Handelsrechnungen. 
Sie  orientierte  die  X.  AG  aber  nicht  über  das  Resultat  des  früheren 
Nachprüfungsverfahrens.  Am  15.  März  2004  sandte  die  rumänische 
"Autoritatea Nationala de Control" der OZD eine Kopie des Schreibens der 
italienischen  "Agenzia  delle  Dogane"  vom  13.  März  2003,  wonach 

3

insbesondere die EUR.1 ... und ... nicht korrekt seien, da die ausführende 
Firma den italienischen Ursprung der Ware nicht habe beweisen können. 
Das führe dazu, dass die Ursprungszeugnisse für die Produkte unter den 
EUR.1 ... und EUR.1 .... nicht korrekt seien. 

G. Die Zollkreisdirektion Basel forderte am 6. November 2003 von der X. AG 
wegen zu Unrecht ausgestellten Ursprungsnachweisen Fr. 70'364.30 nach. 
Die  X.  AG  weigerte  sich,  die  Rechnung  anzuerkennen;  die 
Zollkreisdirektion  Basel  erliess  deshalb  am  14.  Juli  2004  eine 
Nachbezugsverfügung über Fr. 70'364.30, gegen die die X. AG am 28. Juli 
2004 Beschwerde bei der OZD einreichte. Die OZD wies die Beschwerde 
mit einem begründeten Entscheid vom 22. März 2006 ab.

H. Am  3.  Mai  2006  reicht  die  X.  AG  (Beschwerdeführerin)  dagegen 
Beschwerde bei der Eidgenössischen Zollrekurskommission (ZRK) ein mit 
dem Begehren,  den Entscheid vom 22.  März 2006 unter  Kostenfolge zu 
Lasten  der  Eidgenossenschaft  aufzuheben.  Sie  macht  im  Wesentlichen 
geltend,  die  Nachbezugsforderung  sei  verjährt,  die  Verfügung  vom 
13. August 2001 sei in materielle Rechtskraft erwachsen, der Sachverhalt 
sei ungenügend festgestellt worden und die Vorinstanz habe die Beweise 
mangelhaft gewürdigt.

I. Die  OZD  beantragt  in  der  Vernehmlassung  vom  17.  Mai  2006  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Am  19.  Februar  2007  orientiert  das 
Bundsverwaltungsgericht  die  Parteien  über  die  Übernahme  des 
Verfahrens.

J. Auf  die  weiteren  Begründungen  in  den  Eingaben  an  die  ZRK  und  das 
Bundesverwaltungsgericht  wird  –  soweit  erforderlich  –  im  Rahmen  der 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Die angefochtene Verfügung unterliegt ab 1. Januar 2007 der Beschwerde 
an und der Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31 bzw. 
53  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]; 
Art. 109 Abs. 1 Bst. c des Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 [aZG, BS 6 
465;  AS  1973  644,  1995  1816,  1996  3371  Anhang  2  Ziff.  2]).  Die 
Beurteilung  erfolgt  gemäss  Art.  53  Abs.  2  VGG  nach  dem  neuen 
Verfahrensrecht  bzw.  dem Bundesgesetz  vom 20.  Dezember  1968  über 
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021).

1.2 Die Beschwerde erfolgte seinerzeit form- und fristgerecht an die ZRK. Die 
Beschwerdeführerin  ist  als  Adressatin  der  angefochtenen  Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Intresse  an  deren 
Aufhebung oder Änderung (Art. 48 Abs. 1 Bst. b und c VwVG). Der von der 
Beschwerdeführerin  einverlangte  Kostenvorschuss  von  Fr.  2'500.--  ist 
fristgerecht bezahlt worden. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

4

1.3 Am 1. Mai 2007 ist das Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0) in 
Kraft getreten. Der zu beurteilende Sachverhalt betrifft Einfuhren aus dem 
Jahre  1999,  so  dass  vorliegend  grundsätzlich  noch  das  alte  Zollgesetz 
(aZG) Anwendung findet (vgl. Art. 132 Abs. 1 ZG).

1.4 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Entscheid 
grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann 
neben  der  Verletzung  von  Bundesrecht  (Art.  49  Bst.  a  VwVG)  und  der 
unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhaltes  (Art.  49  Bst.  b  VwVG)  auch  die  Rüge  der 
Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; vgl. auch ANDRÉ MOSER, 
in  ANDRÉ MOSER/PETER UEBERSAX,  Prozessieren  vor  eidgenössischen 
Rekurskommissionen, Basel und Frankfurt am Main 1998, S. 59 f. Rz. 2.59 
ff.).  Im  Verwaltungsbeschwerdeverfahren  gilt  die  Untersuchungsmaxime, 
wonach der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist (Art. 12 VwVG; 
vgl.  zum Ganzen:  ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 1623 ff. und 1758 
f.;  ALFRED KÖLZ, Prozessmaximen im schweizerischen Verwaltungsprozess, 
Zürich  1974,  S.  93 ff.),  sowie  der  Grundsatz  der  Rechtsanwendung von 
Amtes  wegen (Art.  62 Abs.  4 VwVG).  Das Bundesverwaltungsgericht  ist 
verpflichtet,  auf  den  festgestellten  Sachverhalt  die  richtige  Rechtsnorm 
anzuwenden (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1632). 

2. Das  gesamte  Handeln  der  Verwaltung  untersteht  dem  allgemeinen 
Rechtsgrundsatz  der  Rechtssicherheit  (ZACCARIA GIACOMETTI, Allgemeine 
Lehren des rechtsstaatlichen Verwaltungsrechts, Zürich 1960, S. 291). Die 
Rechtssicherheit  soll  die  Voraussehbarkeit,  Berechenbarkeit  und 
Beständigkeit  des  Rechts  gewährleisten  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., 
Rz.  372,  628).  Es  ist  eine  Grundaufgabe  des  Rechts, 
zwischenmenschliches  Handeln  in  einem gewissen  Masse  voraussehbar 
und verlässlich zu machen, so dass eine wechselseitige Abstimmung und 
Koordination von Verhalten möglich ist (JÖRG PAUL MÜLLER, Grundrechte in 
der  Schweiz,  3.  Aufl.,  Bern  1999,  S.  485).  Vertrauensschutz  und 
Rechtssicherheit  wollen  gleichermassen  das  Vertrauen  in  das  Recht 
schützen,  der  Vertrauensschutz  als  individuelles  Vertrauen  des 
Betroffenen in eine konkrete Rechtslage, und die Rechtssicherheit  in die 
Beständigkeit des Rechts und die Voraussehbarkeit der Rechtsentwicklung 
(PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  Bern 
2005,  §  22  Rz.  4,  5).  Vertrauensschutz  ist  eine  Konkretisierung  des 
Grundsatzes der Rechtssicherheit; Rechtssicherheit und Vertrauensschutz 
werden oft auch parallel verwendet (vgl. statt vieler BEATRICE WEBER-DÜRLER, 
Vertrauensschutz  im  öffentlichen  Recht,  Basel  1983,  S.  47  ff.,  mit 
Hinweisen  auf  Literatur  und  Rechtsprechung).  Rechtssicherheit  und 
Vertrauensschutz  sind  Ausfluss  des  Prinzips  des  Rechtsstaates  (WEBER-
DÜRLER,  a.a.O.,  S.  49).  Der  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  als 
allgemeiner  Rechtsgrundsatz  verbietet  Behörden  und  Privaten 
rechtsmissbräuchliches  und  widersprüchliches  Verhalten  (siehe  hierzu 
Entscheid der ZRK vom 23. Mai 2005, veröffentlicht in Verwaltungspraxis 

5

der  Bundesbehörden  [VPB]  69.121,  E.  3a  und  b  mit  Hinweisen). 
Konkretisierend gebietet Art. 5 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 (BV, SR 101) der Verwaltung das 
Handeln nach rechtstaatlichen Grundsätzen (YVO HANGARTNER, in:  BERNHARD 
EHERENZELLER/PHILIPPE MASTRONARDI/RAINER J. SCHWEIZER/KLAUS A. VALLENDER, Die 
Schweizerische  Bundesverfassung,  Zürich  2002,  Art.  5  Rz.  3;  ULRICH 
HÄFELIN/WALTER HALLER,  Schweizerisches  Bundesstaatsrecht,  Zürich  2001, 
Rz.  171  f.),  wozu  auch  das  Verbot  der  Rechtsverweigerung  gehört 
(HÄFELIN/HALLER,  a.a.O.,  Rz.  832;  MÜLLER,  a.a.O.,  S.  495). 
Rechtsverweigerung muss immer dann angenommen werden,  wenn eine 
Behörde  in  einem  Verfahren  eine  ihr  obliegende  Amtshandlung  nicht 
vornimmt  (RENÉ A.  RHINOW/BEAT KRÄHENMANN,  Schweizerische 
Verwaltungsrechtsprechung,  Ergänzungsband,  Basel  1990,  S.  258). 
Insbesondere  können  aber  auch  auf  Seiten  des  Privaten  verspätete 
Vorbringen  zur  Verwirkung  eines  Anspruchs  führen  (ALFRED KÖLZ/ISABELLE 
HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes, 
Zürich 1998, Rz. 126; BGE 121 I 38 E. 6, BGE 121 I 229 E. 3).

3.

3.1 Die zu entrichtenden Einfuhrzölle bemessen sich nach dem in Art. 21 aZG 
vorgesehenen  Zolltarif  (vgl.  Zolltarifgesetz  vom  9.  Oktober  1986  [ZTG; 
SR 632.10]).  Dabei  sind  alle  Wareneinfuhren  nach  dem  Generaltarif  zu 
verzollen  unter  Vorbehalt  abweichender  Bestimmungen  namentlich  aus 
Staatsverträgen (Art. 1 ZTG und Art. 14 Ziff. 1 aZG; vgl. dazu etwa  REMO 
ARPAGAUS,  in:  HEINRICH KOLLER/GEORG MÜLLER/RENÉ RHINOW/ULRICH ZIMMERLI, 
Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht,  Zürich  1999,  Rz.  111;  RENÉ 
RHINOW, in Kommentar aBV, Rz. 63 zu Art.  28; Urteil  des Bundesgerichts 
2A.461/2003  vom  20.  Januar  2004,  E.  2.2).  Gemäss  dem  (mittlerweile 
nicht  mehr  in  Kraft  stehenden)  Abkommen  vom  10.  Dezember  1992 
zwischen  den  EFTA-Staaten  und  Rumänien  (SR  0.632.316.631.1; 
AS 2000 1693 ff.) wird für bestimmte Ursprungserzeugnisse im Sinne von 
Art. 2 des Protokolls B (Protokoll B, AS 2000 1695) gegen entsprechenden 
Nachweis  die Zoll-Präferenzbehandlung gewährt.  Der Präferenznachweis 
erfolgt  in  der  Form  einer  Warenverkehrsbescheinigung  (WVB)  EUR.1 
(AS 1998 1409).  Diese wird auf schriftlichen Antrag des Ausführers oder 
seines  Vertreters  von  der  zuständigen  Zollbehörde  des  Ausfuhrlandes 
ausgestellt (BGE 112 IV 53 E. 2) und ist im Einfuhrstaat den Zollbehörden 
nach den dort geltenden Verfahrensvorschriften vorzulegen (Art. 17-30 des 
Protokolls B). 

3.2 Bei  Vorlage  der  Nachweise  EUR.1  haben  die  Zollbehörden  des 
Einfuhrstaates  eingeführte  Waren  als  Ursprungserzeugnisse 
anzuerkennen  (BGE  114  Ib  171  E.  1c).  Haben  die  Zollbehörden 
begründete Zweifel an der Echtheit des Dokuments oder an der Richtigkeit 
der Angaben über den tatsächlichen Ursprung der betreffenden Waren, so 
können  sie  von  den  Zollbehörden  des  Ausfuhrstaates  die  nachträgliche 
Prüfung verlangen (Art. 32 Protokoll B). Die EFTA-Staaten und Rumänien 
leisten  sich  zu  diesem Zweck durch  ihre  Zollverwaltungen  Amtshilfe  bei 
der Prüfung der Echtheit der Warenverkehrsbescheinigungen EUR.1 (Art. 

6

31  Ziffer  2  Protokoll  B).  Das  Verfahren  der  nachträglichen  Prüfung 
bestimmt sich nach dem innerstaatlichen Recht  des Ausfuhrstaates (vgl. 
Art.  32 Ziffer  3 Protokoll  B).  An dessen Ergebnis  sind die Behörden des 
Einfuhrstaates gebunden (BGE 110 Ib 309 E.  1).  Diese Rechtsprechung 
des  Bundesgerichts  deckt  sich  mit  jener  des  Gerichtshofs  der 
Europäischen Gemeinschaften (EuGH. In seinem Urteil i. S. Les Rapides 
Savoyards  vom  12.  Juli  1984  (EuGH,  Slg.  1984,  S.  3105)  hat  der 
Gerichtshof  ausgeführt,  der  Ursprung  der  Waren  sei  von  den  Behörden 
des Ausfuhrstaates zu bestimmen, weil diese am besten in der Lage seien, 
die  Tatsachen,  von  denen  der  Ursprung  abhänge,  unmittelbar 
festzustellen.  Das  Funktionieren  der  Regelung  beruhe  auf  dieser 
Verteilung der Aufgaben zwischen den Zollverwaltungen der Parteien des 
Freihandelsabkommens  und  auf  dem  Vertrauen,  das  den  von  den 
beteiligten  Verwaltungen  erlassenen  Massnahmen  gebühre.  Die 
Zollverwaltung  des  Einfuhrstaates  habe  die  Entscheidung  der  Behörden 
des Ausfuhrstaates anzuerkennen (EuGH, a.a.O., S. 3123/24; BGE 114 Ib 
171 f.,  E. 1b).  Der Beweis für  die Richtigkeit  des Ursprungsnachweises, 
welcher  grundsätzlich  erst  im  Nachprüfungsverfahren  zu  erbringen  ist 
(BGE 111 Ib 326 E.  3a),  obliegt  dabei  dem Exporteur  (BGE 114 Ib 173 
E. 2b).  Kann  der  Beweis  nicht  erbracht  werden,  etwa  weil  sich  die 
Richtigkeit der Warenverkehrsbescheinigung nicht (mehr) überprüfen lässt, 
ist  die  entsprechende  Mitteilung  der  zuständigen  Behörde  des 
Ausfuhrstaates  ohne  weiteres  dem  förmlichen  Widerruf  der 
Warenverkehrsbescheinigung gleichzustellen, an welchen die Behörde des 
Einfuhrstaates ebenfalls gebunden ist (BGE 114 Ib 171 E. 1c, BGE 110 Ib 
308 E.  1;  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.461/2003 vom 20.  Januar  2004, 
E. 2.2). 

3.3 Anhand  des  Ergebnisses  der  Prüfung  muss  sich  nach  Art.  32  Ziffer  5 
Protokoll B eindeutig feststellen lassen, ob die Nachweise echt sind und ob 
die  Waren  als  Ursprungserzeugnisse  eines  EFTA-Staates,  Rumäniens 
oder eines anderen der in Artikel 4 Protokoll B genannten Länder oder der 
Europäischen  Gemeinschaft  angesehen  werden  können.  Nach  Art.  32 
Ziffer 6 Protokoll  B lehnen die ersuchenden Zollbehörden mit Ablauf  von 
zehn  Monaten,  nachdem  ein  Begehren  um  nachträgliche  Prüfung  des 
Ursprungsnachweises  gestellt  worden  ist,  die  Gewährung  der 
Präferenzbehandlung  ab,  wenn  bis  dahin  keine  Antwort  erfolgt  ist  oder 
diese nicht erlaubt,  über den tatsächlichen Ursprung der Erzeugnisse zu 
entscheiden, es sei denn, es lägen aussergewöhnliche Umstände vor.

3.4 Das  Verfahren  der  Prüfung  der  Ursprungsnachweise  und  auch  der 
zusätzlichen Auskunft an eine Zollbehörde ist in Art. 32 Protokoll  B nicht 
geregelt. Weiter findet das VwVG keine Anwendung auf das Verfahren der 
Zollabfertigung  bzw.  (nach  neuem  Wortlaut)  der  Zollveranlagung  (Art.  3 
Bst. e VwVG). Dies bedeutet jedoch nicht, dass im Zollabfertigungs- bzw. 
-veranlagungsverfahren  die  aus  der  Bundesverfassung  abgeleiteten 
Verfahrensgarantien  sowie  die  verfassungsmässigen  Rechte  nicht  zu 
beachten wären (Entscheid der ZRK vom 28. Oktober 2003, veröffentlicht 
in VPB 68.51, E. 3c; BGE 101 Ib 102 E. 2a; ferner Entscheid der ZRK vom 

7

13.  Februar  1995,  veröffentlicht  in  VPB  61.18,  E.  3a).  Dies  gilt 
insbesondere  für  das  Grundrecht  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör 
gemäss Art. 4 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV; BS 1) bzw. 
Art.  29  Abs.  2  BV.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  umfasst  unter 
anderem das Recht auf Akteneinsicht, die Gelegenheit zur Stellungnahme 
vor  Erlass  einer  Verfügung  und  das  Recht  auf  Ausübung  von 
Mitwirkungsrechten  bei  der  Beweiserhebung,  was  beispielsweise  den 
Anspruch des Betroffenen umfasst,  vom Ergebnis  des Beweisverfahrens 
Kenntnis  zu  nehmen  und  sich  dazu  zu  äussern  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 
a.a.O., Rz. 1672 ff.). 

4. Die  Beschwerdeführerin  beruft  sich  darauf,  dass  die  in  Frage  stehende 
Leistungsforderung verjährt sei. 

4.1 Die  Verjährung  gemäss  Art.  64  aZG  gilt  nach  der  bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung  nur  für  Nachforderungen  im Bereich  des  Art.  126 aZG, 
wenn also die Nachforderung auf einem Irrtum der Zollverwaltung basiert 
(BGE 115 Ib 358 E.4, 110 Ib 311 E. 3 mit Hinweisen). Für Forderungen im 
Sinne von Art. 12 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 
über  das  Verwaltungsstrafrecht  (VstrR,  SR  313.0)  gelten  nach  Art.  12 
Abs. 4 VStrR die Verjährungsfristen, welche für die Strafverfolgung gelten 
würden,  sofern  die  betreffende  Widerhandlung  gegen  die 
Verwaltungsgesetzgebung  des  Bundes  auch  in  subjektiver  Hinsicht 
verwirklicht wäre (BGE 110 Ib 311 E. 3, BGE 107 Ib 204 E. 7bb, BGE 106 
Ib 221 E. 2d). Die Strafverfolgung für den Tatbestand, des Art. 74 Ziff.  9 
aZG, wonach eine Zollübertretung begeht, wer für Waren Zollermässigung 
erwirkt, ohne dass die Voraussetzungen für die Zollbegünstigung zutreffen, 
verjährt gemäss Art. 11 Abs. 2 VStrR in fünf Jahren. 

4.2 Die Beschwerdeführerin hat den objektiven Tatbestand des Art. 74 Ziff. 9 
aZG jeweils  durch positives Tun im Sinn der falschen Einfuhrdeklaration 
erfüllt. Die Einfuhren erfolgten am 1. August und am 14. September 1999. 
Als  die  Zollkreisdirektion  Basel  am  14.  Juli  2004  eine 
Nachbezugsverfügung  gegen  die  Beschwerdeführerin  erliess,  war  damit 
die fünfjährige Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen. 

5.

5.1 Im  vorliegenden  Fall  hat  die  Zollkreisdirektion  Basel  ohne  die 
Beschwerdeführerin darüber zu orientieren schon am 28. September 1999 
ein  Nachprüfungsverfahren  über  die  Einfuhr  vom  14.  September  1999 
eingeleitet  und  dieses  am 13.  August  2001  wieder  geschlossen.  Schon 
dieses  verdeckte  Vorgehen  verletzte  den  Grundsatz  rechtstaatlichen 
Handelns,  da  dadurch  insbesondere  auch  das  Recht  der 
Beschwerdeführerin  auf  rechtliches  Gehör,  namentlich  auf  Akteneinsicht 
und  auf  Mitwirkung  bei  der  Beweiserhebung  (oben  E.  3.4),  unterlaufen 
wurde.  Da  die  erste  Antwort  der  ausländischen  Zollbehörde  vom  31. 
Januar  2000  offenbar  keine  ausreichenden  Angaben  enthielt  und  zur 
erneuten  Nachfrage  vom  8.  März  2000  führte,  war  die  schweizerische 

8

Zollbehörde  überdies  gehalten,  die  Präferenzbehandlung  abzulehnen 
(Art. 32  Ziffer  6  Protokoll  B).  Mithin  hätte  die  Zollkreisdirektion  Basel 
Anfang  Februar  2000  die  Präferenzbehandlung  ablehnen  müssen,  denn 
ausserordentliche Umstände im Sinn von Art. 32 Ziffer 6 Protokoll B lagen 
offensichtlich nicht vor, was die OZD auch nicht geltend macht.

5.2 Die  Zolldirektion  Basel  hat  mehr  als  vier  Jahre  nach  der  betreffenden 
Einfuhr, am 17. Oktober 2003, und wiederum mehr als drei Monate nach 
der  "Spontanmeldung"  der  rumänischen  Zollbehörde  vom  15.  Juli  2003 
erstmals mit der Beschwerdeführerin Kontakt aufgenommen. Die Auskunft 
war  dabei  insoweit  ungenau,  als  die  Zollkreisdirektion  nicht  erst 
beabsichtigte,  ein  Überprüfungsverfahren  einzuleiten,  sondern  dieses 
schon  vor  Jahren  einmal  eingeleitet  und  am  13.  August  2001  wieder 
geschlossen hatte. Im Oktober 2003 aber war es der Beschwerdeführerin 
nicht  mehr  zumutbar,  sich  allenfalls  im  Verfahren  vor  der  rumänischen 
oder  bei  der  italienischen  Zollbehörde  um  eine  Korrektur  der 
Warenverkehrsbescheinigungen aus dem April 1999 zu bemühen oder die 
notwendigen  Beweise  zu  erheben,  um  die  Korrektheit  der 
Warenverkehrsbescheinigungen darzulegen (vgl.  BGE 114 Ib 173 E. 2c). 
Durch ihre Unterlassung der korrekten Orientierung über eingeleitete und 
laufende  Verfahren  und  ihr  Unterlassen,  die  Präferenzbehandlung 
rechtzeitig  zurückzunehmen,  hat  es  die  Zollkreisdirektion  Basel  der 
Beschwerdeführerin  verunmöglicht,  ihre  Rechte  und  Möglichkeiten  im 
Verfahren (oben E. 3.4) in einem Zeitpunkt wahrzunehmen, als dies noch 
mit  Aussicht  auf  Erfolg  verbunden  gewesen  wäre.  Wie  übermässiges 
Zuwarten des Privaten zur Verwirkung eines Anspruchs führen kann (oben 
E. 2), kann auch entsprechendes Verhalten der Verwaltung nicht angehen; 
sie  setzt  sich  sonst  –  wie  vorliegend  –  dem  Vorwurf  der 
Rechtsverweigerung  aus.  Es  ist  nicht  vertretbar  und  widerspricht  dem 
Grundsatz des nach Art. 5 BV gebotenen rechtstaatlichen Handelns, der 
Rechtssicherheit,  dem  Grundsatz  der  Voraussehbarkeit  und  dem 
Beschleunigungsgebot  (vgl.  dazu  oben  E.  2),  Prüfungen  von 
Ursprungsnachweisen  über  mehr  als  vier  Jahre  nach  der  Einfuhr  zu 
verzögern, ohne die Betroffene darüber zu orientieren und ohne rechtzeitig 
einen  erforderlichen  Entscheid  zu  fällen,  obwohl  dies  durchaus  möglich 
und auch geboten gewesen wäre (E. 5.1). Das Recht der Zollbehörde, im 
Jahr 2004 einen Nachbezug für Einfuhren aus dem Jahr 1999 zu erheben, 
ist  aus  diesen  dargelegten  Gründen  im  vorliegenden  Fall  verwirkt.  Die 
Beschwerde ist deshalb gutzuheissen. 

6. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  die  obsiegende 
Beschwerdeführerin nach Art. 63 Abs. 1 VwVG keine Verfahrenskosten zu 
tragen.  Keine  Verfahrenskosten  werden  nach  Art.  63  Abs.  2  VwVG der 
Vorinstanz auferlegt.  Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin gemäss 
Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine  Parteientschädigung  auszurichten,  die  in 
Anwendung  der  Art.  7  bis  14 des  Reglements  vom 11.  Dezember  2006 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
(VGKE,  SR  173.320.2)  auf  Fr.  2'500.--  festgesetzt  wird.  Der  geleistete 

9

Kostenvorschuss von Fr. 2'500.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt 
der Rechtskraft dieses Urteils erstattet. 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  und  der  Entscheid  der 
Oberzolldirektion vom 22. März 2006 wird aufgehoben.

2. Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'500.--  wird  der  Beschwerdeführerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft 
dieses Urteils erstattet.

3. Die  Oberzolldirektion  hat  der  Beschwerdeführerin  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 2'500.-- auszurichten.

4. Dieses Urteil wird eröffnet: 

- der Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)

- der Vorinstanz (Ref-Nr. OZD ...) (Gerichtsurkunde)

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Stadelmann Sonja Bossart

Rechtsmittelbelehrung
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts können innert  30 Tagen seit  Eröffnung 
beim  Schweizerischen  Bundesgericht  in  Lausanne  angefochten  werden.  Die 
Beschwerde ist  unzulässig  gegen  Entscheide  über  die  Zollveranlagung,  wenn 
diese aufgrund der Tarifierung oder des Gewichts der Ware erfolgt, sowie gegen 
Entscheide über die Stundung oder den Erlass von Abgaben. Die Rechtsschrift 
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung 
mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Sie  muss 
spätestens  am letzten  Tag  der  Frist  beim  Bundesgericht  eingereicht  oder  zu 
dessen  Handen  der  Schweizerischen  Post  oder  einer  schweizerischen 
diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (vgl. Art. 42, 
48, 54, 83 Bst. l und m sowie 100 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über 
das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]).

Versand am: