# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71fd96f1-b554-5c48-8815-a91b1b36c719
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.02.2022 D-4451/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4451-2021_2022-02-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4451/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley, Richterin Susanne Bolz-Reimann,  

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kamerun,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl) zugunsten von 

B._______, 

geboren am (…), Kamerun; 

Verfügung des SEM vom 6. September 2021 / N (…).  

 

 

 

D-4451/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Verfügung vom 30. Juli 2013 anerkannte die Vorinstanz den Beschwer-

deführer als Flüchtling und gewährte ihm Asyl. 

B.  

Mit Eingabe an das SEM vom 25. April 2020 beantragte der Beschwerde-

führer, es sei seiner Tochter B._______, welche zurzeit in Kamerun lebe, 

zwecks Familienzusammenführung und Gewährung von Familienasyl die 

Einreise zu bewilligen. Zur Begründung führte er aus, er habe vor seiner 

Flucht aus Kamerun (im Jahr […]) mit seiner Mutter und seiner Tochter zu-

sammengelebt. Nachdem seine Mutter im März (…) verstorben sei, habe 

seine Cousine für seine Tochter gesorgt. Aus ihm unbekannten Gründen 

sei seine Tochter im Juni (…) in ein Waisenhaus gebracht worden. Er habe 

sie schliesslich dort ausfindig machen können und per Gerichtsurteil ihre 

Entlassung aus dem Waisenhaus erwirkt. Seither lebe seine Tochter bei 

seinem Bruder C._______ und dessen Ehefrau. Die Situation seiner Toch-

ter in Kamerun sei jedoch nicht zufriedenstellend. Er habe zu seiner Toch-

ter über all die Jahre eine enge Beziehung aufrechterhalten (per Telefon 

und Whatsapp) und ihr auch regelmässig Geld geschickt. Aufgrund einer 

Fehlinformation sei er davon ausgegangen, er müsse zunächst von der 

Sozialhilfe unabhängig sein, um ein Familiennachzugsgesuch zu stellen; 

daher habe er dieses erst jetzt eingereicht.  

Dem Gesuch lagen zwei Passfotos der Tochter, mehrere weitere Fotos, 

eine beglaubigte Fotokopie der Geburtsurkunde der Tochter, eine Seite des 

Reisepasses der Tochter, zwei Seiten eines Gerichtsurteils aus Kameruns 

sowie mehrere Quittungen von Geldüberweisungen (alles – teilweise 

schlecht lesbare – Kopien) bei. 

C.  

Das SEM forderte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 15. Mai 2020 

auf, innert Frist seine Eingabe vom 25. April 2020 zu verbessern und wei-

tere Beweismittel einzureichen.  

D.  

Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 23. Juni 2020 ein verbes-

sertes Gesuch, welches von seinem Bruder C._______ mitunterzeichnet 

worden war, ein. Ausserdem reichte er weitere Beweismittel zu den Akten: 

ein Identitätsdokument von C._______ (Kopie), ein Bestätigungsschreiben 

D-4451/2021 

Seite 3 

seines vormaligen Betreuers vom 15. Juni 2020 sowie qualitativ bessere 

Kopien der bereits zuvor eingereichten Beweismittel. 

E.  

Das SEM ersuchte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 13. Juli 2020 

um Beantwortung mehrerer Fragen sowie um Einreichung der Originale 

der Geburtsurkunde und des Gerichtsurteils innert Frist.  

F.  

Der Beschwerdeführer beantwortete mit Eingabe vom 19. August 2020 die 

ihm gestellten Fragen. Er führte dabei namentlich aus, seine Tochter sei 

nach ihrem Aufenthalt im Waisenhaus gestützt auf den eingereichten «ad-

ministrativen Überweisungsentscheid» an ihn zurückgegeben worden und 

lebe nun zusammen mit C._______ in der Wohnung, in welcher auch er 

früher – zusammen mit der Tochter sowie seiner Mutter – gelebt habe. 

Seine Tochter sei nicht von ihm adoptiert worden, sondern sei seine leibli-

che Tochter. Seine Mutter habe seine Homosexualität nicht akzeptieren 

können und ihn seinerzeit genötigt, Geschlechtsverkehr mit seiner 

Schwester D._______ zu haben, worauf diese schwanger geworden sei. 

Am (…) sei die schwangere D._______ infolge eines Verkehrsunfalls ums 

Leben gekommen, die Tochter habe jedoch gerettet werden können. Im 

Februar 2010 habe ein DNA-Test seine Vaterschaft bestätigt. Das Sorge-

recht sei nicht offiziell geregelt, eigentlich sollte das Kind bei ihm sein, der 

Aufenthalt bei seinem Bruder sei lediglich eine Notlösung. Das Geld für 

seine Tochter schicke er jeweils der Frau eines Cousins. Mit seiner Tochter 

spreche er in der Regel täglich oder zumindest alle 2-3 Tage.  

Der Eingabe lagen eine Todesurkunde betreffend die Mutter des Be-

schwerdeführers, die Geburtsurkunde der Tochter, ein Foto sowie hand-

schriftliche Notizen des Beschwerdeführers bei.  

G.  

Am 22. Oktober 2020 hörte das SEM den Beschwerdeführer persönlich an. 

Er brachte dabei vor, im Februar 2010 sei ein DNA-Test gemacht worden, 

aber es sei ihm nicht gelungen, den Testbericht erhältlich zu machen. Seine 

Tochter lebe bei seinem Halbbruder und besuche eine Privatschule, wel-

che er finanziere. Sie habe zunächst zusammen mit ihm und seiner Mutter 

in Douala gelebt. Nach seiner Ausreise sei sie bei der Grossmutter geblie-

ben, bis diese im März (…) verstorben sei. Anschliessend habe sie – wei-

terhin im selben Haus – mit seinem jüngeren Bruder C._______ zusam-

mengelebt, wobei sich auch seine Cousine (welche denselben Namen 

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Seite 4 

trage wie seine verstorbene Schwester, nämlich […]) um das Kind geküm-

mert habe. Im Juni (…) sei die Tochter verschwunden, es sei eine Entfüh-

rung vermutet worden. Im Jahr (…) sei sie in einem Waisenhaus wieder-

aufgetaucht. Ein Gericht habe dann auf seine Klage hin mit Entscheid vom 

(…) verfügt, dass das Kind an ihn zurückgegeben werden müsse. Er er-

warte diesbezüglich noch die definitive Urteilsausfertigung. Seine Tochter 

sei daraufhin seinem Bruder C._______ – als seinem Stellvertreter – über-

geben worden und lebe seither wieder bei diesem. Seine Schwester 

D._______ sei die leibliche Mutter seiner Tochter. Sie habe am (…) einen 

Verkehrsunfall gehabt und sei dabei verstorben, weshalb die Geburt not-

fallmässig habe eingeleitet werden müssen. Auf der Geburtsurkunde sei 

eine andere Frau, nämlich E._______, als Mutter eingetragen. Es handle 

sich um eine Freundin seiner Mutter. Seine Mutter habe dafür gesorgt, dass 

diese Frau auf der Geburtsurkunde als Mutter eingetragen worden sei, um 

die inzestuöse Zeugung zu vertuschen. Nachforschungen zum Verschwin-

den seiner Tochter im Jahr (…) hätten ergeben, dass E._______ diese mut-

masslich entführt und danach im Waisenhaus abgegeben habe. Mit seiner 

Tochter stehe er mehrmals pro Woche in telefonischem Kontakt. Er habe 

immer Geld nach Hause geschickt, um sie finanziell zu unterstützen, aktu-

ell seien es ungefähr Fr. 300.– pro Monat. Er wäre auch in der Lage, ihren 

Aufenthalt in der Schweiz zu finanzieren. Bei der Betreuung der Tochter 

könnte er sich zudem auf die Unterstützung durch eine befreundete Familie 

verlassen. Es sei auch der Wunsch seiner Tochter, bei ihm in der Schweiz 

zu leben.  

H.  

Mit Schreiben vom 27. Oktober 2020 schlug das SEM dem Beschwerde-

führer vor, sich einem DNA-Test zu unterziehen, um seine Vaterschaft 

zweifelsfrei festzustellen. Ausserdem forderte es ihn zur Einreichung von 

weiteren Beweismitteln auf.  

I.  

Mit Eingabe vom 20. Januar 2021 reichte der Beschwerdeführer ein Gut-

achten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität F._______ vom 23. 

Dezember 2020 betreffend DNA-Analyse, ein Schreiben seines Bruders 

C._______ vom 8. Januar 2021 sowie ein Schreiben seiner Tochter vom 4. 

Januar 2021 zu den Akten.  

J.  

Nachdem ihm vom SEM zweimalig eine Nachfrist für die Einreichung von 

D-4451/2021 

Seite 5 

weiteren Beweismitteln eingeräumt worden war, erklärte der Beschwerde-

führer mit Schreiben vom 1. März und 7. April 2021, er habe weder den 

Todesschein der leiblichen Kindsmutter noch ein Bestätigungsschreiben 

der befreundeten Familie erhältlich machen können. Er reichte indessen 

Auszüge aus WhatsApp-Unterhaltungen mit seiner Tochter zu den Akten.  

K.  

In der Folge ersuchte das SEM die Schweizer Vertretung in Kamerun mit 

E-Mail vom 30. April 2021 um die Vornahme von Abklärungen. Die Bot-

schaft antwortete mit E-Mail vom 25. Juni 2021. Mit Verfügung vom 8. Juli 

2021 brachte das SEM dem Beschwerdeführer den wesentlichen Inhalt der 

Anfrage sowie der Botschaftsantwort zur Kenntnis. Der Beschwerdeführer 

reichte dazu keine Stellungnahme ein.  

L.  

Mit Verfügung vom 6. September 2021 lehnte das SEM das Gesuch um 

Gewährung von Familienasyl ab und verweigerte B._______ die Einreise 

in die Schweiz. 

M.  

Der Beschwerdeführer focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 7. Ok-

tober 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte sinngemäss, 

die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Familienzusammen-

führung zu bewilligen.  

Der Beschwerde lagen die erste Seite eines Gerichtsurteils, das Vater-

schaftsgutachten vom 23. Dezember 2020 (mit Beilagen) sowie ein Schrei-

ben von (…) vom April 2015 (alles in Kopie) bei.  

N.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2021 forderte die Instruktionsrich-

terin den Beschwerdeführer auf, bis am 29. Oktober 2021 einen Kosten-

vorschuss zu leisten und bis am 15. November 2021 weitere Unterlagen 

betreffend die Frage des Sorgerechts für seine Tochter (namentlich das 

Original oder zumindest eine notariell beglaubigte Kopie des Gerichtsur-

teils sowie den Todesschein der Kindsmutter) nachzureichen. 

O.  

Mit Eingaben vom 27. Oktober und 25. November 2021 ersuchte der Be-

schwerdeführer um Bewilligung der ratenweisen Bezahlung des erhobe-

nen Kostenvorschusses und Einräumung einer zusätzlichen Frist von 15 

Arbeitstagen zwecks Einreichung des verlangten Gerichtsurteils.  

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Seite 6 

P.  

Mit Verfügung vom 1. Dezember 2021 wurde der Beschwerdeführer aufge-

fordert, das fragliche Gerichtsurteil bis am 23. Dezember 2021 einzu-

reichen.  

Q.  

Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 21. Dezember 2021 eine 

beglaubigte Kopie eines Urteils des erstinstanzlichen Zivilgerichts von (…) 

vom (…) sowie ein Schreiben des Spitals (…) vom 13. Dezember 2021 zu 

den Akten.  

R.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Dezember 2021 hiess die Instruktionsrich-

terin das sinngemässe Gesuch um unentgeltliche Prozessführung vom 

27. Oktober 2021 unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestä-

tigung gut und verzichtete wiedererwägungsweise auf die Erhebung des 

Kostenvorschusses. Gleichzeitig forderte sie den Beschwerdeführer auf, 

innert Frist einen Beleg für die geltend gemachte prozessuale Bedürftigkeit 

nachzureichen.  

S.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 13. Januar 2022 vollumfäng-

lich an seiner Verfügung fest. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwer-

deführer am 17. Januar 2022 zur Kenntnis gebracht.  

T.  

Am 26. Januar 2022 leistete der Beschwerdeführer einen Kostenvorschuss 

von Fr. 750.–.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer  

Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das 

Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. 

Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung 

von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls, 

und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend 

– endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

D-4451/2021 

Seite 7 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Ehegatten von asylberechtigten Flüchtlingen und deren minderjährige 

Kinder werden gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ihrerseits als Flüchtlinge aner-

kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegenspre-

chen (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.2 ff.; Art. 1a Bst. e Asylverordnung 1 

[AsylV 1]). 

3.2 Anspruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben ge-

mäss Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebe-

willigung, sofern sie sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten 

und durch die Flucht des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings ge-

trennt wurden (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1). Die Erteilung einer Einreisebe-

willigung setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft sowie die fest 

beabsichtigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus. Zweck der Be-

stimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist demnach einzig die Wiedervereini-

gung von im Zeitpunkt der Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandenen 

Familiengemeinschaften (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.1, 2017 VI/4 E. 3.1, 

m.w.H.). Als «Zeitpunkt der Flucht» gilt dabei die asylrechtlich relevante 

Ausreise aus dem Heimatland. 

3.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Gewährung von 

Familienasyl ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehö-

rigen zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene 

Familiengemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die 

fest beabsichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigten nach-

zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. 

  

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Seite 8 

4.  

4.1 Zur Begründung seines Entscheids führte das SEM aus, der Beschwer-

deführer habe bezüglich des Todes der angeblichen Kindsmutter wider-

sprüchliche Angaben gemacht: Anlässlich der Asylanhörung vom 26. März 

2013 habe er ausgesagt, seine Schwester sei im Jahr (…) bei einem Auto-

unfall ums Leben gekommen. In der Anhörung vom 22. Oktober 2020 habe 

er dagegen erklärt, sie sei am (…)  bei einem Motorradunfall verletzt wor-

den und daraufhin – nachdem ein Notkaiserschnitt vorgenommen worden 

sei – verstorben. Der Verbleib respektive Tod der angeblichen Mutter sei 

daher unklar, zumal der Beschwerdeführer keinen entsprechenden Todes-

schein eingereicht habe. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer ausge-

sagt, die auf dem Geburtsschein als Mutter eingetragene Frau sei nicht 

sorgeberechtigt. Die Schweizer Vertretung habe dazu jedoch ausgeführt, 

diese Aussage sei angesichts der in Kamerun herrschenden Sorgerechts-

praxis nicht nachvollziehbar, es müsste vielmehr ein Gerichtsurteil vorlie-

gen, welches dem Beschwerdeführer das Sorgerecht zuspreche. Der Be-

schwerdeführer habe indessen kein entsprechendes, definitives Urteil ein-

gereicht, weshalb es ihm nicht gelungen sei, sein ausschliessliches Sorge-

recht glaubhaft zu machen. Demnach seien die Familienverhältnisse zwi-

schen der Tochter, der leiblichen Mutter und der auf dem Geburtsschein 

eingetragenen Mutter ungeklärt und es fehle der Nachweis, dass dem Be-

schwerdeführer das ausschliessliche Sorgerecht zukomme. Das Gesuch 

um Familiennachzug sei daher abzuweisen. Dies widerspreche im Übrigen 

weder dem Kindeswohl noch Art. 8 EMRK.  

4.2 Der Beschwerdeführer verweist in der Beschwerde zunächst darauf, 

dass er seine Tochter bereits bei seiner allerersten Befragung in der 

Schweiz erwähnt habe. Er erklärt ferner, die eingereichten Zivilstandsdo-

kumente seien zweifellos authentisch, da diese nur gegen Vorlage einer 

Geburtsurkunde ausgestellt würden. Im Weiteren komme es wohl auf die 

Perspektive an, ob ein Unfall, an welchem ein Auto und ein Motorrad be-

teiligt gewesen seien, als Motorrad- oder Autounfall bezeichnet werde. Die 

Beschaffung weiterer Dokumente gestalte sich als langwierig, weil er nicht 

über gültige kamerunische Identitätspapiere verfüge und die Behörden teil-

weise für die Ausstellung von offiziellen Dokumenten nur schon aufgrund 

der Erwähnung des Wortes «Schweiz» absurd hohe Gebühren verlangen 

würden. Das definitive Urteil (betreffend Sorgerecht) existiere; er habe die 

erste Seite beigelegt und um Ausstellung eines vollständigen Exemplars 

ersucht. Er führte ausserdem aus, er habe das Familiennachzugsgesuch 

nicht früher gestellt, weil er von seiner Sozialbetreuerin hinsichtlich dessen 

Voraussetzungen falsch informiert worden sei. Es sei aber insbesondere 

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Seite 9 

auch der Wunsch seiner Tochter, bei ihm zu leben, und er könne ihr hier 

ein besseres Leben bieten, als sie es aktuell in Kamerun habe. 

5.  

5.1 Gemäss dem Vaterschaftsgutachten des Instituts für Rechtsmedizin 

der Universität F._______ vom 23. Dezember 2020 gilt die Vaterschaft des 

Beschwerdeführers an B._______ als praktisch erwiesen; die berechnete 

Wahrscheinlichkeit beträgt mehr als 99.999999%. Es ist daher davon aus-

zugehen, dass er der leibliche Vater ist.  

5.2 Der Beschwerdeführer hat im Verlauf des Beschwerdeverfahrens die 

beglaubigte Kopie eines rechtskräftigen Urteils des erstinstanzlichen Zivil-

gerichts von (…) vom (…) zu den Akten gereicht. Es besteht kein Grund, 

an der Authentizität dieses Dokuments zu zweifeln, zumal auch das SEM 

in der Vernehmlassung keine Vorbehalte diesbezüglich angebracht hat. 

Dem Gerichtsurteil ist zu entnehmen, dass E._______ das Kind im Wai-

senhaus abgegeben hatte. Der Beschwerdeführer klagte gegen 

E._______ sowie das Waisenhaus (…) auf Herausgabe seiner leiblichen 

Tochter. Das Gericht ordnete mit besagtem Urteil gegenüber dem Waisen-

haus sowie E._______ die Herausgabe von B._______ an den Beschwer-

deführer an und sprach diesem das Sorgerecht für seine Tochter zu. Ange-

sichts dieser gerichtlichen Übertragung des (alleinigen) Sorgerechts an 

den Beschwerdeführer und des Umstandes, dass die – den Angaben des 

Beschwerdeführers zufolge – leibliche Mutter D._______ im besagten Ur-

teil nicht erwähnt wird und sich auch im Schreiben der Tochter vom 4. Ja-

nuar 2021 (vgl. A14 S. 4) kein Hinweis auf diese Frau findet, ist es für das 

vorliegende Beschwerdeverfahren nicht von Bedeutung, ob D._______ tat-

sächlich die leibliche Kindsmutter und zwischenzeitlich verstorben ist oder 

nicht. Im Ergebnis ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt das alleinige Sorgerecht für 

B._______ innehat. 

5.3 Die Tochter des Beschwerdeführers lebt den Akten zufolge aktuell in 

G._______, Kamerun, beim Bruder des Beschwerdeführers (vgl. das Vor-

haben (…) A1 S. 1, A11 F23 sowie die als Beweismittel eingereichten 

Schreiben von C._______ und der Tochter; A14 S. 3 und 4). Der Beschwer-

deführer hat sodann glaubhaft dargelegt, dass er vor seiner Flucht aus Ka-

merun im Jahr (…) mit seiner Tochter in einer Familiengemeinschaft zu-

sammengelebt hat (vgl. dazu A1 S. 2 und A11 F23 und F66 f. sowie die im 

D-4451/2021 

Seite 10 

vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Fotos). Damit sind die Vorausset-

zungen der vorbestandenen Familiengemeinschaft und Trennung durch 

Flucht als erfüllt zu erachten.  

5.4 Aufgrund der Aktenlage bestehen sodann keine Zweifel daran, dass die 

Familienvereinigung fest beabsichtigt wird. Insbesondere kann im vorlie-

genden Fall aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer das Familien-

nachzugsgesuch – aufgrund einer Fehlinformation (vgl. dazu entspre-

chende Bestätigungsschreiben von G._______ vom 15. Juni 2020; A3 S. 

1) – erst sieben Jahre nach Erhalt seines positiven Asylentscheids gestellt 

hat, nicht auf einen fehlenden Willen zur Familienvereinigung geschlossen 

werden. Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargetan, dass er sich seit 

seiner Ausreise aus Kamerun bemüht hat, das Vater-Tochter-Verhältnis so 

gut es geht (insbesondere via Telefon und Whatsapp) von der Schweiz aus 

zu pflegen und seine Tochter finanziell zu unterstützen (vgl. dazu A1 S. 2, 

A6 S. 2, A11 F15, F18 und F50 ff. sowie die als Beweismittel eingereichten 

Geldüberweisungsquittungen und WhatsApp-Auszüge), und dass er in der 

Schweiz mit seiner Tochter zusammenleben und ihr ein gutes Leben bieten 

will (vgl. dazu namentlich A6 S. 2, A11 F72 f. sowie die Ausführungen in der 

Beschwerde). Die Tochter vermisst den Beschwerdeführer offenbar sehr 

und hat ebenfalls den Wunsch geäussert, in der Schweiz mit diesem zu-

sammenleben (vgl. das von ihr persönlich verfasste Schreiben vom 4. Ja-

nuar 2021; A14 S. 4).  

5.5 Nach dem Gesagten sind sämtliche Voraussetzungen für eine Famili-

envereinigung erfüllt. Zudem ergeben sich aus den Akten keine Hinweise 

auf besondere Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG (vgl. zur Aus-

legung dieses unbestimmten Rechtsbegriffs BVGE 2015/40 E. 3.4.4.3 so-

wie beispielsweise das Urteil D-5374/2019 vom 9. April 2021 E. 5.1).  

6.  

Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. Die vorinstanzliche Verfügung 

vom 6. September 2021 ist aufzuheben, und das SEM ist anzuweisen, die 

Einreise von B._______ zu bewilligen, sie anschliessend in die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers einzubeziehen und ihr Asyl zu gewäh-

ren.  

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 26. Januar 2022 nachträglich geleis-

tete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 

D-4451/2021 

Seite 11 

7.2 Mangels anderweitiger Hinweise ist nicht davon auszugehen, es seien 

dem nicht vertretenen Beschwerdeführer durch die Beschwerdeführung 

notwendige und verhältnismässig hohe Kosten entstanden, weshalb keine 

Parteientschädigung auszurichten ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 1 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4451/2021 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 6. September 2021 wird aufgehoben, 

und das SEM wird angewiesen, die Einreise von B._______ zu bewilligen, 

sie in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers einzubeziehen 

und ihr Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der geleistete Kostenvor-

schuss von Fr. 750.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

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