# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93b0143c-1d24-50c8-a4ab-5137afbecf16
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 24.08.2010 S 2010 76
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-76_2010-08-24.pdf

## Full Text

S 10 76

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 24. August 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, geboren 1965, reiste 1988 zusammen mit ihrem Ehemann in die Schweiz 

ein. Sie ist Mutter dreier Töchter (1985, 1987, 1990) und eines Sohnes (2000). 

Ungeachtet einer fehlenden Berufsausbildung, arbeitete sie unter anderem im 

Gastgewerbe und als Produktionsmitarbeiterin bis 2003 zu 100% bei 

verschiedenen Arbeitgebern, zuletzt bei der Firma … Netzwerke, wo ihr 

wegen Produktionsrückgang per 31. August 2003 gekündigt wurde. Ab 1. 

September 2003 bis 31. August 2005 war sie bei der Arbeitslosenkasse … 

gemeldet. Seit Anfangs 2006 arbeitet … als Reinigungshilfe im … in … zu 5.6 

h pro Woche und seit April 2006 als Raumpflegerin bei der … GmbH in … im 

Stundenlohn. 

2. Am 1. Juni 2006 meldete sich … bei der Invalidenversicherung (IV) 

Graubünden zum Bezug von IV-Leistungen an wegen chronischer Schmerzen 

in den Gelenken und im Rücken sowie wegen Veränderungen des Blutbildes 

und Blutmangels. Die IV-Stelle beauftragte in der Folge das ärztliche 

Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) in Basel zur Beurteilung der Versicherten. 

Mit Verfügung vom 22. Januar 2009 wurde der Anspruch auf eine 

Invalidenrente verneint. Anhand der Begutachtung durch das ABI vom 6. 

November 2008 sei festgestellt worden, dass die Versicherte in 

Berücksichtigung ihrer Beschwerden eine 80%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar 

sei. Daraus habe sich ein IV-Grad von 12% ergeben. 

3. Dagegen erhob … am 23. Februar 2009 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht Graubünden mit dem Antrag auf Zusprechung 

mindestens einer halben Rente. Dr. med. …, behandelnder Psychiater, 

unterstützte die Beschwerde von … mit Schreiben vom 12. März 2009, indem 

er ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, bestehend seit dem 8. Dezember 

2008, attestierte. Nachdem … die Beschwerde am 9. März 2009 

zurückgezogen hatte, wurde das Verfahren mit Verfügung vom 10. März 2009 

abgeschrieben.

4. Mit Schreiben vom 13. Juli 2009 beantragte der behandelnde Arzt Dr. med. 

… eine erneute Überprüfung des Rentenentscheides. Eine rheumatologische 

Spezialuntersuchung bei Dr. med. … habe gezeigt, dass es sich vorliegend 

um eine Fibromyalgie handle. Die Schmerzen seien sehr ausgeprägt, trotz 

starker Schmerztherapie sowie physikalischer Therapie. Die 

Arbeitsunfähigkeit habe ab dem 1. Dezember 2008 50%, vom 31. März bis 6. 

Juni 2009 100% und ab dem 7. Juni 2009 80% betragen. Die 

Verschlechterung habe sich ab Mitte März 2009 zu zeigen begonnen. Ebenso 

beantragte Dr. med. … mit Schreiben vom 12. August 2009 die Patientin 

bezüglich einer möglichen IV-Berentung noch einmal zu begutachten. 

5. Die IV-Stelle gab in der Folge am 21. August 2009 eine Neubegutachtung 

beim ABI in Auftrag, worauf … am 13. Januar 2010 untersucht wurde. Gemäss 

Gutachten vom 11. Februar 2010 handle es sich aus rheumatologischer Sicht 

um ein chronisches lumbal und zervikal betontes Panvertebralsyndrom mit 

sekundärer Schmerzgeneralisierung und Symptomausweitung im Sinne eines 

Fibromyalgiesyndroms, womit für körperlich schwere Tätigkeiten seit dem 29. 

April 2005 bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für körperlich 

anhaltend mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit von 60%, für körperlich leichte, wechselbelastende 

Tätigkeiten von 20%. Die leichte Verschlechterung aus psychiatrischer Sicht 

verändere die Gesamteinschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht. Die Prognose 

bezüglich einer weiteren Integration in den Arbeitsprozess sei aufgrund der 

subjektiven Krankheitsüberzeugung der Versicherten als sehr ungünstig zu 

bezeichnen. 

6. In der Abschlussbeurteilung vom 11. März 2010 bestätigte Andreas Jansen, 

Facharzt für Allgemeinmedizin, zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM), 

RAD Ostschweiz, das Gutachten des ABI vom 11. Februar 2010. Mit 

Vorbescheid vom 15. März 2010 teilte die IV-Stelle … mit, dass die 

medizinischen Abklärungen wiederum eine Arbeitsfähigkeit von 80% in einer 

den Beschwerden angepassten Tätigkeit ergeben hätten. Unter diesen 

Umständen ergäbe sich ein IV-Grad von 16%, wodurch kein Rentenanspruch 

entstehe. Das Leistungsbegehren werde daher abgewiesen. 

7. Mit Schreiben vom 24. März 2010 erhob … Einwand gegen den Vorbescheid 

vom 15. März 2010. Sowohl Dr. med. … (23. März 2010) als auch Dr. med. 

… (29. März 2010) äusserten sich negativ zum Vorbescheid. … ergänzte mit 

Schreiben vom 7. April 2010 ihren Einwand. 

8. Die IV-Stelle bestätigte mit Verfügung vom 13. April 2010 den Vorbescheid 

und blieb bei der Abweisung des Leistungsbegehrens. Die Einwände der 

behandelnden Ärzte seien berücksichtigt worden. Im Hinblick auf die 

Rechtsprechung zur Beweiswürdigung von Gutachten, könne vorliegend 

ausschliesslich auf das ABI Gutachten vom 11. Februar 2010 abgestellt 

werden, da es im Ergebnis schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei 

sei. Es sei noch zu erwähnen, dass die Gutachter festgestellt hätten, dass die 

Versicherte zum Zeitpunkt der Untersuchung das verordnete Antidepressivum 

(Remeron) nicht eingenommen habe, worauf aufgrund des kaum 

nachweisbaren Medikamentenspiegels geschlossen werden müsse. 

9. Mit Schreiben vom 10. Mai 2010 erhob … Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht Graubünden mit dem sinngemässen Begehren um 

Aufhebung der Verfügung. Sie verwies darin auf das Schreiben von Dr. med. 

… (11. Mai 2010) sowie auf weitere Arztberichte. Demgemäss sei das kaum 

nachweisbare Remeron vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie 

Fremdwirkstoffe schnell abbaue. Sie habe dem Schreiben den Beweis 

beigebracht, dass sie ihre Medikamente genommen habe. Höhere Dosen 

würde sie nicht vertragen. Eine irgendwie strukturierte Tätigkeit sei nicht 

realistisch, denn sie leide seit mindestens 10 Jahren an einer chronisch 

depressiven Erkrankung. Des Weiteren leide sie an Fibromyalgie, was ihr kein 

normales Leben gestatte. Praktisch ununterbrochene Schmerzen würden sie 

in den alltäglichsten und einfachsten Sachen behindern. Ebenso schränke sie 

ein Ekzem an beiden Händen seit Jahren ein. 

10. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2010 stellte die IV-Stelle Antrag auf 

Abweisung der Beschwerde. Sie halte vollumfänglich an ihrer Verfügung fest. 

Das ABI-Gutachten vom 11. Februar 2010 stelle einen Gesamtwert der 

Arbeitsfähigkeit dar, beruhe auf der Vorgeschichte, den bisherigen Akten und 

mehreren persönlichen (internistischen, rheumatologischen und 

psychiatrischen) Untersuchungen der Versicherten. Sowohl die von der 

Versicherten geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden als auch die 

medizinische Einschätzung von Dr. med. … seien dem ABI bei Erstellung des 

Gutachtens bereits bekannt gewesen. Die Frage der Medikamenteneinnahme 

habe keinen Einfluss auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gehabt, weshalb 

die Frage offen bleiben könne, was zu den besagten Werten geführt habe. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie 

auf weitere Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen 

eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechtes [ATSG] und Art. 4 des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Bei erwerbstätigen 

Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel nach der 

Methode des Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG). Bei dieser Methode 

wird das gegenwärtig trotz Behinderung noch zumutbare Erwerbseinkommen 

mit jenem ohne Behinderung verglichen, wobei die daraus resultierende 

Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. Ist ein Versicherter danach mind. 

40% invalid, so hat er Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mind. 50% auf eine 

halbe Rente, bei mind. 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine 

ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Ohne zuverlässige und beweistaugliche 

Bestimmung der graduellen Erwerbsfähigkeit durch die Ärzte als 

Beurteilungsgrundlage ist eine seriöse Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-

Grad) zum voraus nicht möglich. 

2. Streitig ist die für die Berechnung des IV-Grades entscheidende Frage, 

welche Arbeitsleistungen der Beschwerdeführerin in welchem Umfang noch 

zugemutet werden können. Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 

13. April 2010 auf die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit durch das ABI-

Gutachten vom 11. Februar 2010. Aufgrund eines chronischen lumbal und 

zervikal betonten Panvertebralsyndroms mit sekundärer 

Schmerzgeneralisierung und Symptomausweitung im Sinne eines 

Fibromyalgiesyndroms sei funktionell eine mässiggradig eingeschränkte 

physische Belastbarkeit mit einer Leistungseinschränkung von 20% gegeben. 

Aus psychiatrischer Sicht liege eine leichte depressive Episode vor, welche 

zusammen mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ebenfalls 

eine Leistungseinschränkung von 20% bewirke. Die Einschränkungen aus 

psychiatrischer und rheumatologischer Sicht würden sich jedoch bezüglich 

Pausen und Erholungsphasen ergänzen, es entstehe kein additiver Effekt und 

so betrage die Resterwerbsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten 

Tätigkeit gesamthaft 80%. Demgegenüber beurteilte Dr. med. …, gestützt auf 

das spezialärztliche Gutachten von Dr. med. … vom 19. Mai 2009, die 

Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin zuletzt lediglich auf 20% (Schreiben 

vom 13. Juli 2010). Gemäss seiner Beurteilung handle es sich bei der 

Beschwerdeführerin um eine Fibromyalgie mit ausgeprägten Schmerzen. Dr. 

med. … ging ebenfalls von einer Fibromyalgie aus, begleitet von einer 

chronischen Form einer zur Somatisierung neigenden Depression und 

bezeichnete eine Steigerung der Erwerbsfähigkeit, welche zum damaligen 

Zeitpunkt 0% betragen habe, als nicht denkbar (Schreiben vom 12. August 

2010). Es stellt sich in der Folge die Frage, ob die gesundheitliche Situation 

der Beschwerdeführerin genügend abgeklärt worden ist und ob die IV-Stelle 

in ihrer Verfügung zu Recht dem Gutachten des ABI gefolgt ist. 

3. a) Um den IV-Grad nach Art. 16 ATSG ermitteln zu können, sind die Verwaltung 

und im Beschwerdefall das Gericht zunächst auf die Unterlagen angewiesen, 

die ihnen Ärzte oder allenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen 

haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 

welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen 

Auskünfte und Befunde sind eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 

Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können 

(BGE 125 V 261 E. 4, 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1; EVG-

Urteil I 640/02 E. 2 vom 6. Mai 2003). Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtend und ob die 

Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den 

Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels 

noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen 

Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a). Den im 

Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen 

Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 

Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 

der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist in der 

Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 

Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 104 V 212). 

Bezüglich der Atteste von Hausärzten gilt es jedoch der Erfahrungstatsache 

Rechnung zu tragen, dass sie aufgrund des besonderen 

Vertrauensverhältnisses zu ihren Patienten eher zu Gunsten, denn zu Lasten 

derselben aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc).

b) Das Gutachten des ABI vom 11. Februar 2010 erfolgte in Kenntnis sämtlicher 

medizinischer Unterlagen bis Ende August 2009. So wurden sowohl die 

Beurteilungen durch Dr. med. … und Dr. med. … als auch die Beurteilungen 

durch Dr. med. … in der Begutachtung gewürdigt. Ebenso nimmt das 

Gutachten Bezug auf die im vorgängigen Verfahren erfolgte Begutachtung 

durch das ABI vom 6. November 2008. Sämtliche Beschwerden der 

Beschwerdeführerin wurden abgeklärt und gewürdigt, woraus letztlich auf 

eine Resterwerbsfähigkeit von 80% in einer körperlich leichten, 

wechselbelastenden Tätigkeit erkannt wurde. Daran ändern weder die anders 

lautenden Schätzungen des Hausarztes Dr. med. … (13. Juli 2009, 29. März 

2010) noch des Psychiaters Dr. med. … (12. März 2009, 12. August 2009, 23. 

März 2010, 11. Mai 2010) etwas. Während Dr. med. … anfänglich eine 

chronische reaktive Depression, vor allem sich somatisch äussernd auf dem 

Boden einer chronischen Schmerzsymptomatik bei Kollagenose 

diagnostizierte und eine 50%ige Erwerbsunfähigkeit attestierte (Schreiben 

vom 12. März 2009), schloss er etwas später im gleichen Jahr (Schreiben vom 

12. August 2009) aufgrund der chronischen Form einer zur Somatisierung 

neigenden Depression bei langjähriger Fibromyalgie eine Erwerbsfähigkeit 

aus. Den Zustand der Patientin beschreibt er als einigermassen stabilisiert, 

die Schmerzen würden sich nur noch sporadisch auf die Nachtruhe auswirken 

und die Stimmung tagsüber sei einigermassen stabil. Entgegen der 

Einschätzung der Erwerbsfähigkeit deutet diese Beschreibung des Zustandes 

eher auf eine Verbesserung denn auf eine Verschlechterung hin. Eine 

Begründung für die gesunkene Erwerbsfähigkeit oder ein Nachweis einer 

Verschlechterung des Gesundheitszustandes fehlen hingegen gänzlich. Auch 

vermag sein Schreiben vom 11. Mai 2010, in welchem er die Frage des 

Remeronspiegels erklärt, die Beurteilung nicht zu beeinflussen. So wurde die 

Erwerbsfähigkeit im ABI-Gutachten, unabhängig von einer allfällig nicht 

erfolgten Medikamenteneinnahme, allein in Bezug auf den damaligen 

Gesundheits- und Schmerzzustand der Beschwerdeführerin gemacht. Sollte 

der tiefe Remeronspiegel entgegen seiner Begründung, dass die 

Beschwerdeführerin das Remeron aussergewöhnlich schnell abbaue, auf 

mangelnde Einnahme zurückzuführen sein, so hätte eine regelmässigere 

Einnahme des Medikamts wohl einen besseren Therapieeffekt erzielt, jedoch 

keine Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit bewirkt. Der Grund für den tiefen 

Remeronspiegel kann somit offen gelassen werden. 

Was die Beurteilung von Dr. med. … betrifft, so kann sie weder in Bezug auf 

die Anamnese noch auf die Vollständigkeit der durchgeführten Abklärungen 

mit demjenigen des ABI verglichen werden. Eine Begründung für seine 

Einschätzung der Erwerbsfähigkeit fehlt. Er verweist in seinem Schreiben vom 

13. Juli 2009 lediglich auf die Begutachtung durch Dr. med. … vom 19. Mai 

2009 und schliesst sich dessen Diagnose einer Fibromyalgie an. Ausser Acht 

lässt er jedoch, dass Dr. med. … der Beschwerdeführerin aus 

rheumatologischer Sicht eine 100%ige Erwerbsfähigkeit attestierte und damit 

in seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit über das ABI-Gutachten vom 11. 

Februar 2010 hinaus ging. Ebenso hat die durch Dr. med. … in Auftrag 

gegebene Begutachtung durch den Dermatologen Dr. med. … (Schreiben 

vom 11. Januar 2010) keine Einschränkung der Erwerbsfähigkeit ergeben. 

Gemäss ABI-Gutachten reflektiere die höhere Einschätzung der 

Erwerbsfähigkeit durch Dr. med. … die Selbsteinschätzung der 

Beschwerdeführerin. Diese gehe davon aus, sich vollständig gesund fühlen 

zu müssen und zu keiner Zeit Schmerzen verspüren zu dürfen, um einer 

beruflichen Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, wogegen die 

Einschränkung der Erwerbsfähigkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht auf 

einer anderen Grundlage festgelegt werde.

c) Der Begutachtung durch das ABI vom 11. Februar 2010 kommt unter diesen 

Umständen volle Beweiskraft zu. Die Vorinstanz hat sich in ihrer Verfügung 

vom 13. März 2010 zu Recht auf die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit im ABI-

Gutachten abgestützt. Im konkreten Fall gibt es daher an der Höhe der 

Erwerbsunfähigkeit (20%) bzw. der noch verwertbaren Erwerbsfähigkeit 

(80%) nichts auszusetzen. Die Beschwerde erweist sich in dieser Hinsicht als 

unbegründet und ist abzuweisen. 

4. a) Mit dem Vorbringen der Beschwerdeführerin mit der Verfügung vom 13. April 

2010 nicht einverstanden zu sein, beanstandet sie indirekt auch den von der 

Beschwerdegegnerin berechneten IV-Grad. Nachfolgend bleiben folglich 

sowohl das Invaliden- als auch das Valideneinkommen zu klären. 

Für die Ermittlung des Einkommens, welches die Versicherte ohne Invalidität 

erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im Zeitpunkt 

des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte 

und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Dabei wird in der Regel am 

zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen 

Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es 

empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne 

Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 224 E. 4.3.1; 

RKUV 2006 U 568 S. 66 E. 2). Die Beschwerdegegnerin stellte bei Erlass der 

Verfügung vom 13. April 2010 auf das Einkommen ab, welches sie anlässlich 

der Verfügung vom 22. Januar 2009 für das Jahr 2008 ermittelt hatte. Somit 

habe die Beschwerdeführerin ein hypothetisches Valideneinkommen, 

aufindexiert für das Jahr 2010 von Fr. 47'347.95. Dieses Vorgehen ist 

grundsätzlich nicht zu beanstanden und entspricht der geltenden 

höchstrichterlichen Rechtsprechung. Die Berechnung selbst weist jedoch den 

Fehler auf, dass vorliegend nicht eine Teuerung von 1% für die Jahre 2008 

und 2009 zu berücksichtigen ist. Vielmehr betrug die Nominallohnentwicklung 

für das Jahr 2008 2% und für das Jahr 2009 2.1% (Bundesamt für Statistik, 

Schweizerischer Lohnindex (SLI), Entwicklung der Nominallöhne, der 

Konsumentenpreise und der Reallöhne, Schweiz 1990 - 2009 

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/key/lohnent

wicklung/nominal_und_real.html [Stand: 15. November 2010]). Diese 

Korrekturen berücksichtigend hätte die Beschwerdeführerin ein 

hypothetisches Valideneinkommen von Fr. 48'337.50.

b) Hat die Beschwerdeführerin nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine 

oder jedenfalls keine ihr an sich noch zumutbare neue Erwerbstätigkeit 

aufgenommen, können – namentlich im Hinblick auf eine Gleichbehandlung 

aller Versicherten – für die Bezifferung des Invalideneinkommens die sog. 

Tabellenlöhne beigezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/bb; AHI 1998 290 

f. E. 3b; ZAK 1991 S. 321 E. 3c). Auszugehen ist dabei von den vom Bund 

statistisch erfassten Lohnstrukturerhebungen (LSE), welche die Zentralwerte 

des standardisierten monatlichen Bruttolohnes wiedergeben. Gestützt auf die 

LSE 2008 (Tabelle TA1, Total aller Wirtschaftszweige, Anforderungsniveau 4 

[einfache und repetitive Tätigkeiten auf dem Privatsektor], für Frauen) ist die 

Beschwerdegegnerin zu Recht von einem monatlichen Erwerbseinkommen 

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/key/lohnentwicklung/nominal_und_real.html
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/key/lohnentwicklung/nominal_und_real.html

von Fr. 4'116.-- ausgegangen. Die Berechnung der Beschwerdegegnerin ist 

jedoch auch hier dahingehend zu beanstanden, als dass nicht eine Teuerung 

von jeweils 1% zu berücksichtigen ist sondern für das Jahr 2008 2% und für 

das Jahr 2009 2.1% (vgl. Ziff.4a). Diese Korrekturen berücksichtigend wäre 

der Beschwerdeführerin (umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 

41.6 Stunden pro Woche und angepasst an die jährliche Teuerung für die 

Jahre 2008 und 2009) bei einer Erwerbsfähigkeit von 80% ein zumutbares 

Gehalt von Fr. 42'796.30 (Fr. 4'116.-- / 40 x 41.6 x 12 x 1.02 x 1.021 x 0.8) 

anzurechnen. 

c) Wenn eine versicherte Person in derjenigen Tätigkeit, die sie als Gesunde 

ausgeführt hat, einen deutlich unterdurchschnittlichen Lohn erzielt, weil ihre 

persönlichen Eigenschaften (namentlich fehlende Ausbildung oder 

Sprachkenntnisse, ausländerrechtlicher Status) die Erzielung eines 

Durchschnittslohnes verunmöglichen, dann ist nicht anzunehmen, dass sie 

mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung behaftet einen (anteilsmässig) 

durchschnittlichen Lohn erzielen könnte (BGE 135 V 301 E. 5.1, 135 V 61 E. 

3.4.3). Der Erheblichkeitsgrenzwert der Abweichung des tatsächlich erzielten 

Verdienstes vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn ab welchem sich eine 

Parallelisierung der Vergleichseinkommen rechtfertigen kann, wurde vom 

Bundesgericht auf mind. 5% festgesetzt (BGE 135 V 303 E. 6.1.2). Es ist in 

der Folge in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale 

Abweichung den Erheblichkeitsgrenzwert von 5% übersteigt (BGE 135 V 304 

E. 6.1.3). Ausgehend vom hypothetischen Jahreseinkommen von Fr. 

48'337.50 besteht im Vergleich mit dem durchschnittlichen Einkommen in der 

Branche von Fr. 53'495.35 (Fr. 4'116.-- / 40 x 41.6 x 12 x 1.02 x 1.021) eine 

Differenz von rund 10%, aufgrund dessen eine Parallelisierung im Umfang 

von 5% möglich ist. Für die Berechnung des Invalideneinkommens hat die 

Beschwerdegegnerin somit zu Recht einen Abzug von 5% gewährt. Unter 

Berücksichtung des unterdurchschnittlichen Verdienstes wäre der 

Beschwerdeführerin somit ein Invalideneinkommen für das Jahr 2010 von Fr. 

40'656.50 (Fr. 4'116.-- / 40 x 41.6 x 12 x 1.02 x 1.021 x 0.8 x 0.95) 

anzurechnen. Setzt man das Invalideneinkommen von Fr. 40'656.50 dem 

Valideneinkommen von Fr. 48'337.50 gegenüber, resultiert daraus eine 

Erwerbseinbusse von Fr. 7'681.-- und somit nicht rentenbegründender, 

korrigierter IV-Grad von 15.89% (gerundet wiederum 16%). Die 

Beschwerdegegnerin hat demnach zu Recht einen Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin verneint. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

5. Anlässlich der Untersuchung zum ABI-Gutachten vom 11. Februar 2010 

wurde festgestellt, dass alle Tenderpoints der Fibromyalgie druckdolent 

waren, jedoch ebenfalls bei 2 von 3 Kontrollpunkten. Obschon unter diesen 

Umständen das Vorliegen einer Fibromyalgie verneint wurde und lediglich von 

Beschwerden im Sinne eines Fibromylagiesyndroms auszugehen ist, sei noch 

darauf hingewiesen, dass gemäss Rechtsprechung des eidgenössischen 

Versicherungsgerichts eine Fibromyalgie analog einer somatoformen 

Schmerzstörung nur dann zu einer Invalidität führt, wenn die willentliche 

Schmerzüberwindung und der Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess 

ausnahmsweise unzumutbar ist (BGE 132 V 70 E. 4.2.1 f., 130 V 354 E. 

2.2.3). Denn eine somatoforme Schmerzstörung oder eine Fibromyalgie 

vermag in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende 

Einschränkung der Erwerbsfähigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu 

bewirken. Ein Abweichen von diesem Grundsatz fällt nur in jenen Fällen in 

Betracht, in denen die festgestellte somatoforme Schmerzstörung oder die 

Fibromyalgie nach Einschätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweist, 

dass der versicherten Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft 

auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrachtung sozial-praktisch nicht mehr 

zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist (BGE 130 V 354 E. 

2.2.3, 127 V 298 E. 4c, 102 V 165).

Dr. med. …, der von einer Fibromyalgie ausging, nahm keine 

Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit an. Im Gegenteil beurteilte er die 

Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin trotz Fibromyalgie auf 100%. Selbst 

wenn nun eine Fibromyalgie vorliegen würde, bestünde wegen mangelnder 

Schwere kein Rentenanspruch. 

6. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von 

Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung 

von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. 

Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig 

vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. 

Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es sich vorliegend, der 

unterliegenden Beschwerdeführerin Kosten von Fr. 700.-- zu überbinden. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

Die dagegen an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde am 11. März 2011 

abgewiesen (8C_3/2011).