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**Case Identifier:** d11e7082-057b-5ae7-90a2-524bd58b9a47
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.03.2025 CA.2022.25
**Docket/Reference:** CA.2022.25
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_CA-2022-25_2025-03-25

## Full Text

Berufung (vollumfänglich) der Bundesanwaltschaft vom 17. Oktober 2022 und Anschlussberufung (vollumfänglich) der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) vom 11. November 2022 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2021.48 vom 8. Juli 2022;;Berufung (vollumfänglich) der Bundesanwaltschaft vom 17. Oktober 2022 und Anschlussberufung (vollumfänglich) der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) vom 11. November 2022 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2021.48 vom 8. Juli 2022;;Berufung (vollumfänglich) der Bundesanwaltschaft vom 17. Oktober 2022 und Anschlussberufung (vollumfänglich) der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) vom 11. November 2022 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2021.48 vom 8. Juli 2022;;Berufung (vollumfänglich) der Bundesanwaltschaft vom 17. Oktober 2022 und Anschlussberufung (vollumfänglich) der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) vom 11. November 2022 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2021.48 vom 8. Juli 2022

Urteil vom 25. März 2025 
ausserordentliche Berufungskammer 

Besetzung  Roland Hofmann, Vorsitzender 

Marc Siegwart, Richter  

Thomas Flückiger, Richter  

Nicole Schneider, Gerichtsschreiberin  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsan-

walt des Bundes Thomas Hildbrand 

Berufungsführerin / Anklagebehörde 

und 

 

FÉDÉRATION INTERNATIONALE DE FOOTBALL 

ASSOCIATION (FIFA), vertreten durch Rechtsanwältin 

Catherine Hohl-Chirazi 

Anschlussberufungsführerin / Privatklägerin 

 

gegen 

 1. Joseph S. BLATTER, erbeten verteidigt durch Rechts-

anwalt Lorenz Erni 

Berufungsgegner / Anschlussberufungsgegner /  

Beschuldigter 

 2. Michel François PLATINI, erbeten verteidigt durch 

Rechtsanwalt Dominic Nellen 

Berufungsgegner / Anschlussberufungsgegner /  

Beschuldigter 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Rub.9.100.023-110 

Geschäftsnummer:  CA.2022.25 

 

- 2 - 

Gegenstand 1. Betrug, eventualiter Veruntreuung, subeventualiter un-

getreue Geschäftsbesorgung, und Urkundenfälschung 

(Joseph S. Blatter) 

 

 2. Betrug, eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung, 

subeventualiter Gehilfenschaft zu ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung, und Urkundenfälschung (Michel 

François Platini) 

 

 Berufung (vollumfänglich) der Bundesanwaltschaft vom 

17. Oktober 2022 und Anschlussberufung (vollumfänglich) 

der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) 

vom 11. November 2022 gegen das Urteil der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 

 

  

- 3 - 

Sachverhalt: 

A. Prozessgeschichte und erstinstanzliches Urteil  

A.1 Am 18. November 2014 reichte die Fédération Internationale de Football Asso-

ciation (fortan: FIFA) bei der Bundesanwaltschaft (fortan: BA) Strafanzeige ge-

gen Unbekannt ein wegen Verdachts, dass Einzelpersonen inkriminierte Vermö-

genswerte via Schweiz verschoben hätten. Zur Begründung verwies die FIFA auf 

den «Report on the lnquiry into the 2018/2022 FIFA World Cup™Bidding Pro-

cess» und übermittelte der BA gleichentags mit separatem Schreiben Teile des 

sog. Garcia-Berichts. Die BA eröffnete am 10. März 2015 ein Verfahren 

(SV.15.0088) gegen Unbekannt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung 

(Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) und Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) aufgrund des 

Verdachts, dass im Zusammenhang mit der Vergabe der FIFA Fussball-Welt-

meisterschaft (fortan: FIFA-WM) für die Jahre 2018 und 2022 Unregelmässigkei-

ten begangen bzw. Personen unrechtmässig bereichert worden seien. 

A.2 Am 26. Mai 2015 erliess der damals leitende Staatsanwalt des Bundes Olivier 

Thormann eine Verfügung betreffend Edition und Beweismittelbeschlagnahme 

und führte daraufhin am 27. Mai 2015 eine begleitete Edition am Sitz der FIFA in 

Zürich durch, an welcher verschiedene Akten sichergestellt wurden. In der Folge 

verlangte die BA mit Verfügung vom 23. Juli 2015 gegenüber der Bank A. die 

Herausgabe von Unterlagen über zwei auf Michel François Platini (fortan: Platini) 

lautende bzw. ihn begünstigende Konten. Am 10. September 2015 übermittelte 

die Bank A. Detailbelege betreffend die Kundendossiers der FIFA sowie von Pla-

tini mit internen Notizen über Hintergrundabklärungen.  

A.3 Mit Verfügung vom 24. September 2015 eröffnete die BA eine Strafuntersuchung 

(SV.15.1013) gegen Joseph S. Blatter (fortan: Blatter) wegen ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung (Art. 158 StGB), eventualiter Veruntreuung (Art. 138 StGB). In 

der Eröffnungsverfügung hielt sie fest, es bestehe der Verdacht, dass Blatter als 

FIFA-Präsident unter Verletzung seiner Treuepflichten bewirkt oder zugelassen 

habe, dass die FIFA am Vermögen geschädigt werde, indem diese am 1. Feb-

ruar 2011 eine Zahlung über CHF 2 Millionen an Platini getätigt habe.  

A.4 Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 dehnte der als Verfahrensleiter neu eingesetzte 

Staatsanwalt des Bundes Thomas Hildbrand die wegen der Zahlung vom 1. Feb-

ruar 2011 in Höhe von CHF 2 Millionen gegen Blatter geführte Strafuntersuchung 

auf Platini wegen Verdachts auf Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesor-

gung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 25 StGB), eventualiter Gehilfen-

schaft zu Veruntreuung (Art. 138 i.V.m. Art. 25 StGB), sowie Urkundenfälschung 

(Art. 251 StGB) aus. 

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A.5 Am 29. Oktober 2021 erhob die BA bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

Anklage (TPF 266.100.001 ff.) gegen Blatter wegen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 

StGB), eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB), subeventualiter 

ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB), sowie Ur-

kundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB) und gegen Platini wegen 

Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung 

(Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 StGB), subeventualiter Gehilfenschaft zu 

ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 25 

StGB), und Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB). Den Be-

schuldigten wurde zusammengefasst vorgeworfen, zum Nachteil der FIFA un-

rechtmässig eine Zahlung von CHF 2 Millionen sowie Sozialversicherungsbei-

träge in Höhe von CHF 229'126.00 zugunsten von Platini erwirkt zu haben. 

A.6 Die erstinstanzliche Hauptverhandlung vor der Strafkammer fand am Sitz des 

Bundesstrafgerichts in Bellinzona in der Zeit vom 8. bis 21. Juni 2022 und in 

Anwesenheit der BA, der Rechtsbeistandschaft der FIFA sowie der Beschuldig-

ten Blatter und Platini in Begleitung ihrer Verteidiger statt. 

A.7 Mit Urteil SK.2021.48 vom 8. Juli 2022, gleichentags im Dispositiv mündlich er-

öffnet und summarisch begründet (TPF 266.720.071 f.), stellte die Strafkammer 

das Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB mit Bezug auf Blatter resp. Gehilfenschaft dazu mit Bezug auf 

Platini ein. Von den weiteren Tatvorwürfen sprach es Blatter und Platini frei. Die 

Anträge der FIFA auf Restitution bzw. Einziehung beschlagnahmter Vermögens-

werte sowie auf Begründung von Ersatzforderungen und Zusprechung von Ver-

mögenswerten wurden abgewiesen, daraus folgend die Herausgabe des be-

schlagnahmten Guthabens auf dem Konto […] der Eidgenössischen Finanzver-

waltung von CHF 2'229’788.55 (per 30. April 2022) an Platini beschlossen und 

die Zivilklagen der FIFA gegen Blatter und Platini auf den Zivilweg verwiesen.  

A.8 Die BA, mit Schreiben vom 15. Juli 2022 (TPF 266.940.001 f.), sowie die FIFA, 

mit Schreiben vom 18. Juli 2022 (TPF 266.940.003), meldeten Berufung gegen 

das Urteil der Strafkammer vom 8. Juli 2022 an und verlangten die Zustellung des 

schriftlich begründeten Urteils. 

A.9 Nach Eingang der Berufungsanmeldung gegen das Urteil der Strafkammer vom 

8. Juli 2022 erklärte der Präsident der Berufungskammer des Bundesstrafge-

richts, Olivier Thormann, gegenüber der Vizepräsidentin der Berufungskammer 

mit Eingabe vom 28. Juli 2022 (CAR 1.100.003), dass er in den Ausstand trete. 

A.10 Am 28. September 2022 wurde das schriftlich begründete Urteil an die Parteien 

versandt (TPF 266.940.007 f.) und von der BA am 30. September 2022 

- 5 - 

(CAR 1.100.110) bzw. von der Vertreterin der FIFA, Rechtsanwältin Catherine 

Hohl-Chirazi, am 29. September 2022 (CAR 1.100.111) postalisch entgegenge-

nommen. 

B. Verfahren vor der Berufungskammer  

B.1 Mit Eingabe vom 17. Oktober 2022 erklärte die BA vollumfängliche Berufung ge-

gen das Urteil der Strafkammer vom 8. Juli 2022 (CAR 1.100.128-134) und stellte 

folgende Anträge: 

«1. Das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts vom 08. Juli 2022 sei voll-

umfänglich aufzuheben. 

 2. Joseph Sepp BLATTER sei schuldig zu sprechen 

 - des Betruges gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, eventualiter der Veruntreuung ge-

mäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, subeventualiter der ungetreuen Geschäftsbe-

sorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB und der Urkundenfälschung 

gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB. 

 2.1 Er sei dafür zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Mo-

naten.  

 2.2 Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug für eine Probezeit von zwei 

Jahren zu gewähren. 

 2.3 Es seien dem Beschuldigten die Kosten des Vorverfahrens, des erstinstanzlichen 

Gerichtsverfahrens und des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. 

 3. Michel François PLATINI sei schuldig zu sprechen 

 - des Betruges gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, eventualiter der Teilnahme an Ver-

untreuung, namentlich in Form der Gehilfenschaft gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 

StGB i.V.m. Art. 25 StGB sowie in i.V.m. Art. 26 StGB, subeventualiter der Teil-

nahme an ungetreuer Geschäftsbesorgung namentlich in Form der Gehilfen-

schaft gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB i.V.m. Art. 25 StGB sowie i.V.m. 

Art. 26 StGB und der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 

StGB. 

 3.1 Er sei dafür zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Mo-

naten. 

 3.2 Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug für eine Probezeit von zwei 

Jahren zu gewähren. 

 3.3 Es seien dem Beschuldigten die Kosten des Vorverfahrens, des erstinstanzlichen 

Gerichtsverfahrens und des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. 

 3.4 Ersatzforderung 

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 3.4.1 Die vorsorglich mit Verfugungen vom 24.11.2020 und 01.03.2021 angeordnete 

Beschlagnahme von Vermögenswerten in Höhe von CHF 2'229’126.00 sei auf-

recht zu erhalten. 

 3.4.2 Michel François PLATINI sei zur Bezahlung einer Ersatzforderung in Höhe von 

CHF 2'229’126.00 zu verpflichten. 

 3.4.3 Die vorsorglich beschlagnahmten Vermögenswerte seien im Umfang von 

CHF 2'229’126.00 zu Gunsten des Staates einzuziehen. 

 3.4.4 Dies unter Vorbehalt der Verwendung zugunsten der Geschädigten Fédération 

Internationale de Football Association (FIFA) und unter Vorbehalt der Rücküber-

tragung auf den Beschuldigten, sofern und soweit dieser der Geschädigten Scha-

denersatz geleistet hat.» 

B.2 Mit Eingangsanzeige vom 21. Oktober 2022 (CAR 1.200.001 f.) informierte die 

Berufungskammer die Parteien über den Eingang der Berufungserklärung der 

BA vom 17. Oktober 2022 gegen das erstinstanzliche Urteil sowie über die Zu-

sammensetzung des Spruchkörpers der Berufungskammer, verbunden mit dem 

Hinweis, dass gegen jedes Mitglied des Spruchkörpers bei der Verfahrensleitung 

ein allfälliges Ausstandsgesuch gestellt werden könne. 

B.3 Mit Eingabe vom 31. Oktober 2022 (CAR 2.104.001-015) beantragte Platini, dass 

die zuvor bekanntgegebenen Mitglieder des Spruchkörpers der Berufungskam-

mer in den Ausstand versetzt werden. Dieses Ausstandsgesuch wurde mit 

Schreiben vom 3. November 2022 (CAR 2.200.001 f.) an den Präsidenten des 

Bundesstrafgerichts zur Durchführung des Procederes gemäss Art. 38c StBOG, 

d.h. der Auslosung von drei ausserordentlichen nebenamtlichen Richterinnen 

und Richtern zwecks Entscheidung der Ausstandsfrage und nötigenfalls in der 

Hauptsache, übermittelt.  

B.4 Mit Eingabe vom 11. November 2022 (CAR 1.400.003-016) erklärte die FIFA 

vollumfängliche Anschlussberufung gegen das erstinstanzliche Urteil vom 8. Juli 

2022. Sie stellte darin Rechtsbegehren zum Straf- und Zivilpunkt und beantragte 

Massnahmen im Sinne von Art. 70 ff. StGB. Die Anschlussberufungserklärung 

der FIFA wurde mit Schreiben vom 15. November 2022 (CAR 1.400.019 f.) an 

die Parteien weitergeleitet, mit dem Hinweis auf die Möglichkeit, einen Antrag auf 

Nichteintreten gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. a StPO zu stellen.  

B.5 Mit Eingabe vom 14. November 2022 stellte Platini insgesamt 16 begründete Be-

weisanträge (CAR 1.104.067-077).  

- 7 - 

B.6 Mit Eingaben vom 6. Dezember 2022 beantragten Blatter (CAR 1.400.034-037) 

und Platini (CAR 1.400.021-033), dass auf die Anschlussberufung der FIFA vom 

11. November 2022 nicht einzutreten sei. 

B.7 Mit Beschluss der Berufungskammer CN.2022.15 vom 12. Dezember 2022 

(CAR 8.101.001-008) wurde das Berufungsverfahren CA.2022.25 bis zum Ent-

scheid des im Sinne von Art. 38c StBOG definierten ausserordentlichen Richter-

gremiums über das Ausstandsgesuch vom 31. Oktober 2022 sistiert. 

B.8 Mit Verfügung GL.2022.7 vom 14. November 2022 ernannte der Präsident des 

Bundesstrafgerichts in Anwendung von Art. 38c StBOG für den Entscheid über 

das Ausstandsgesuch von Platini vom 31. Oktober 2022 sowie erforderlichenfalls 

für das Berufungsverfahren CA.2022.25 Roland Hofmann, Marc Siegwart und 

Thomas Flückiger als ausserordentliche Richter der Berufungskammer des Bun-

desstrafgerichts (fortan: ausserordentliche resp. a.o. Berufungskammer), setzte 

mit Verfügung vom 13. Dezember 2022 Stephan Ebneter als Gerichtschreiber für 

den Entscheid über das Ausstandsgesuch von Platini im Berufungsverfahren 

CA.2022.25 ein und übergab der a.o. Berufungskammer, ebenfalls am 13. De-

zember 2022, das Ausstandsgesuch zur Beurteilung. 

C. Verfahren vor der a.o. Berufungskammer des Bundesstrafgerichts 

C.1 Die a.o. Berufungskammer hiess das Ausstandsgesuch von Platini mit Beschluss 

CN.2022.16 vom 25. April 2023 (CAR 8.102.001-020) teilweise gut und ordnete 

an, dass sämtliche Gerichtsschreiberinnen und Gerichtsschreiber der Berufungs-

kammer im Berufungsverfahren CA.2022.25 in den Ausstand zu treten haben.  

C.2 Mit Urteil des Bundesgerichts 7B_173/2023 vom 15. März 2024 (CAR 8.102.021-

041) wurde das Ausstandsgesuch von Platini auf dessen Beschwerde in Straf-

sachen hin vollumfänglich gutgeheissen und sämtliche Richterinnen und Richter 

der ordentlichen Berufungskammer des Bundesstrafgerichts im Berufungsver-

fahren CA.2022.25 in den Ausstand versetzt. Die a.o. Berufungskammer eröff-

nete am 12. April 2024 (CAR 8.103.001-002) ein neues Verfahren CN.2024.11 

zwecks Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des Ausstands-

verfahrens und entschied mit Beschluss vom 10. Mai 2024 (CAR 8.103.003-009) 

über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des besagten Verfahrens.  

C.3 Mit Beschluss vom 4. Juni 2024 (CAR 4.200.001-007) nahm die a.o. Berufungs-

kammer das sistierte Berufungsverfahren CA.2022.25 wieder auf und setzte der 

BA Frist zur Begründung ihrer Berufung resp. der FIFA Frist zur Begründung ihrer 

Anschlussberufung und forderte die genannten Parteien zur Einreichung allfälli-

ger Beweisanträge auf.  

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C.4 Die BA stellte zunächst innert erstreckter Frist mit Schreiben vom 16. Juli 2024 

(CAR 4.200.046-051) mehrere Beweisanträge und reichte in der Folge mit Ein-

gabe vom 22. Juli 2024 (CAR 4.200.203-267) eine ausführliche Berufungsbe-

gründung ein. 

C.5 Die FIFA reichte mit Schreiben vom 7. August 2024 (CAR 4.200.272), ebenfalls 

innert erstreckter Frist, eine am 10. Juli 2024 von C., Chief Legal and Compliance 

Officer sowie von EE., Secretary General unterzeichnete Anwaltsvollmacht für 

Rechtsanwältin Catherine Hohl-Chirazi (CAR 4.200.273) ein und teilte gleichzei-

tig mit, dass sie zurzeit («… à ce stade …») keine schriftliche Begründung der 

Anschlussberufung einreichen wolle.  

C.6 Mit Schreiben vom 6. September 2024 (CAR 4.200.281) teilte Blatter, vertreten 

durch Rechtsanwalt Lorenz Erni, mit, dass er zurzeit keine Beweisergänzungs-

anträge stelle, auf eine Stellungnahme zu den Beweisanträgen der BA verzichte 

und anlässlich der Berufungsverhandlung auf die Berufungsbegründung der BA 

antworten werde.  

C.7 Mit Eingabe vom 14. Oktober 2024 (CAR 4.200.296-307) teilte Platini, vertreten 

durch Rechtsanwalt Dominic Nellen, innert erstreckter Frist zunächst mit, dass 

die Stellungnahme zur Berufungsbegründung anlässlich der Berufungsverhand-

lung erfolgen werde. Platini legte sodann nochmals dar, weshalb die mit Eingabe 

vom 14. November 2022 beantragten Beweiserhebungen zwingend notwendig 

seien und stellte einen weiteren neuen Beweisantrag sowie einen Verfahrensan-

trag. Zu den Beweisanträgen der BA äusserte er sich nicht. 

C.8 Die BA nahm zum neuen Beweisantrag sowie zum Verfahrensantrag von Platini 

mit Eingabe vom 31. Oktober 2024 (CAR 4.200.315-319) Stellung, während von 

Seiten der FIFA innert der gesetzten Frist keine schriftliche Stellungnahme zu 

den neuen Anträgen von Platini bei der a.o. Berufungskammer eingereicht 

wurde. 

C.9 Mit Verfügung vom 14. November 2024 entschied der Vorsitzende der a.o. Be-

rufungskammer über die von der BA und Platini unterbreiteten Beweisanträge. 

Dabei verfügte er den Beizug diverser von der BA unterbreiteter Akten sowie der 

von Platini beantragten Unterlagen und ordnete die Einvernahme von zwei Zeu-

gen an. 

C.10 Mit Schlussverfügung vom 6. Dezember 2024 informierte der Vorsitzende der 

a.o. Berufungskammer die Parteien über die zeitlichen und örtlichen Modalitäten 

sowie den Ablauf der Verhandlung im Berufungsverfahren CA.2022.25 und wies 

- 9 - 

sie darauf hin, dass FF., der bereits im erstinstanzlichen Verfahren als Dolmet-

scher im Einsatz gewesen war, wiederum für die Übersetzung von Deutsch auf 

Französisch und umgekehrt beigezogen werde.  

C.11 Zur Berufungsverhandlung, die am Strafjustizzentrum Muttenz/BL stattfand und 

vom 3. bis 6. März 2025 dauerte, erschienen der Staatsanwalt des Bundes 

Thomas Hildbrand für die BA sowie die Beschuldigten bzw. Berufungsgegner 

Blatter und Platini, beide in Begleitung ihrer Verteidiger. Zu Beginn der Verhand-

lung stellten die Verteidiger von Blatter und Platini diverse Vorfragen, zum einen 

zum Verbleib der FIFA im Berufungsverfahren, zu derer Legitimation sowie derer 

Zivilklage und zum anderen zur Verjährung des Verfahrens betreffend den 

Grundtatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Platini beantragte so-

dann vorfrageweise, dass der BA vom Gericht eine kurze Nachfrist zur Einrei-

chung sämtlicher – möglicherweise nicht vollständig übermittelter – Untersu-

chungsakten in elektronischer Form gesetzt werde. Zudem stellte er den Antrag 

auf Durchführung einer Quasi-Simultanübersetzung der Hauptverhandlung 

(CAR 5.200.001-011). Diesem letztgenannten Ersuchen entsprach das Gericht 

nach kurzer Beratung und Einholung der Zustimmung der anderen Parteien. Der 

Antrag von Platini betreffend Zustellung der elektronischen Akten wurde hinge-

gen abgewiesen. Die a.o. Berufungskammer stellte sodann fest, dass hinsichtlich 

des Grundtatbestands der ungetreuen Geschäftsbesorgung die Verjährung be-

reits eingetreten ist, die Strafverfolgung bezüglich des qualifizierten Tatbestands 

gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB jedoch weiterhin in Frage komme, und dass 

die Anschlussberufung der FIFA im Sinne von Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO als 

zurückgezogen gelte (CAR 5.100.001-023, S. 8 f.). Auf diesen Punkt sowie auf 

die Vorfrage betreffend die Legitimation und die Zivilklage der FIFA wird nachfol-

gend unter Erwägung 3 eingegangen.  

C.12 Nach der Behandlung der Vorfragen wurden zunächst die Beschuldigten Blatter 

(CAR 5.300.001-006) und Platini (CAR 5.300.007-011) einvernommen. Die BA 

stellte sodann den Beweisantrag (CAR 5.200.013-014), den in der Zeitung «[…]» 

vom […] publizierten Artikel mit dem Titel «[…]» (CAR 5.200.015-024) zu den 

Akten zu nehmen und zudem durch den anwesenden Dolmetscher in die deut-

sche Verfahrenssprache übersetzen zu lassen. Im Weiteren beantragte die BA, 

den Verfasser des Zeitungsartikels GG. an der Hauptverhandlung als Zeuge ein-

zuvernehmen. Nach erfolgter Stellungnahme seitens der Beschuldigten und Be-

ratung des Gerichts wurde der Dolmetscher mit der Übersetzung des Zeitungs-

berichts beauftragt und der Artikel sowohl in der französischen Originalfassung 

als auch auf Deutsch zu den Akten genommen. Über die beantragte Einver-

nahme von GG. wurde unter Hinweis auf Art. 349 StPO nicht entschieden (CAR 

5.100.001-023). In der Folge wurden die Zeugen D. (CAR 5.300.012-021) bzw. 

am darauffolgenden Verhandlungstag Olivier Thormann (CAR 5.300.036-046) 

- 10 - 

einvernommen. Anlässlich dieser zweiten Zeugeneinvernahme reichte Platini ein 

Dokument mit der Überschrift «Aktualisiertes Original-Verzeichnis nach Entsie-

gelungsverfahren vom 26.06.2015» (CAR 5.300.067-069) ein, verbunden mit 

dem Antrag an die a.o. Berufungskammer, Olivier Thormann dazu zu befragen. 

Das besagte Dokument wurde als Beweis zu den Akten genommen. Auf die An-

gaben der Parteien und die Depositionen der Zeugen wird, soweit erforderlich, in 

den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

C.13 Vor dem Schluss des Beweisverfahrens stellte der Verteidiger von Platini die mit 

Eingabe vom 14. Oktober 2024 bereits eingereichten Beweisanträge erneut zu-

handen des Spruchkörpers, der nach kurzer Beratung die diesbezüglichen Ent-

scheide des Vorsitzenden gemäss Verfügung vom 14. November 2024 bestä-

tigte. Im Rahmen der Parteivorträge wiederholte die BA ihre mit Berufungserklä-

rung vom 17. Oktober 2022 bereits deponierten Anträge mit folgenden Anpas-

sungen (CAR 5.200.035-104 S. 68):  

 

«1. … 

 2. … 

 3.     

 3.4 Ersatzforderung 

 3.4.1 Die vorsorglich mit Verfugungen vom 24.11.2020 und 01.03.2021 angeordnete 

Beschlagnahme von Vermögenswerten in Höhe von CHF 2'229’126.00 zuzüg-

lich der seit der Beschlagnahme aufgelaufenen Zinsen sei aufrecht zu erhal-

ten. 

 3.4.2 Michel François PLATINI sei zur Bezahlung einer Ersatzforderung in Höhe von 

CHF 2'229’126.00 zuzüglich der seit der Beschlagnahme aufgelaufenen Zin-

sen zu verpflichten. 

 3.4.3 Die vorsorglich beschlagnahmten Vermögenswerte seien im Umfang von 

CHF 2'229’126.00 zuzüglich der seit der Beschlagnahme aufgelaufenen Zin-

sen zu Gunsten des Staates einzuziehen.  

 3.4.4. ….» 

C.14 Der Verteidiger von Blatter stellte an der zweitinstanzlichen Hauptverhandlung 

folgende Anträge (CAR 5.200.105-151 S. 47):  

«1. Herr Blatter sei freizusprechen. 

 2. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv sei zu bestätigen. 

 3. Die Herrn Blatter erstinstanzlich zugesprochene Genugtuung sei zu bestätigen.  

- 11 - 

 4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen, und 

es sei Herr Blatter für die Verteidigungskosten angemessen zu entschädigen. 

 5. Die Zivilklage der FIFA sei abzuweisen.» 

C.15 Platini stellte die nachfolgenden Anträge (CAR 5.200.152-214 S. 62 f.):  

«I 

Es sei festzustellen, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 II 

 1. Das Verfahren gegen PLATINI Michel wegen Gehilfenschaft zu ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung, angeblich begangen gemäss Ziff. 1.3 ff. z.N. der Fédération 

lnternationale de Football Association (FIFA), sei in Folge Verjährung einzustel-

len; 

 2. PLATINI Michel sei freizusprechen des Betrugs, angeblich begangen gemäss 

Ziff. 1.1 ff. der Anklageschrift, eventualiter der Gehilfenschaft zur Veruntreuung, 

angeblich begangen gemäss Ziff. 1.2 ff. z.N. der Fédération lnternationale de 

Football Association (FIFA); 

 3. PLATINI Michel sei freizusprechen der Urkundenfälschung angeblich begangen 

gemäss Ziff. 1.4 ff. der Anklageschrift. 

unter Auferlegung der Verfahrenskosten zu Lasten der Eidgenossenschaft und unter 

Ausrichtung einer Entschädigung und Genugtuung in der nachfolgend beantragten Höhe. 

 III 

PLATINI Michel sei infolge Einstellung und Freispruchs eine Entschädigung gemäss fol-

gender Aufstellung auszurichten: 

 1. Entschädigung für die Auslagen im Strafverfahren (Hotelübernachtung) in der 

Höhe von CHF 4'660.80; 

 2. Entschädigung für Anwaltskosten inkl. Verpflegung in der Höhe von 

CHF 68'330.75. 

 IV 

PLATINI Michel sei eine angemessene Genugtuung für das oberinstanzliche Verfahren 

auszurichten. 

 V 

lm Zivilpunkt sei Folgendes zu verfügen: 

 1. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil betreffend Zivilklage auf-

grund des Rückzugs der Anschlussberufung in Rechtskraft erwachsen ist und die 

Zivilforderung der Fédération lnternationale de Football Association (FIFA) auf 

den Zivilweg verwiesen worden ist; 

- 12 - 

2. Eventualiter sei auf die Privatklage der Fédération lnternationale de Football 

Association (FIFA) nicht einzutreten; 

 3. Subeventualiter sei die Privatklage abzuweisen respektive auf den Zivilweg zu 

verweisen; 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8.1 % MWST. 

 

 VI 

Weiter sei zu verfügen: 

 1. Die sichergestellten Vermögenswerte in der Höhe von CHF 2'229'126.00 zzgl. 

5% Zins seit 24. November 2020 (CHF 483'079.10), total ausmachend 

CHF 2'712'205.10, seien vollumfänglich an PLATINI Michel herauszugeben (auf 

das Klientengelderkonto von Rechtsanwalt Dominic Nellen IBAN 4 bei der 

Bank LL.); 

 2. Eventualiter zu Ziff. 1 vorstehend sei der Saldo des Kontos […] vollumfänglich, 

d.h. zzgl. der aufgelaufenen Zinsen, mindestens jedoch ausmachend 

CHF 2'263'855.85, an PLATINI Michel herauszugeben (auf das Klientengelder-

konto von Rechtsanwalt Dominic Nellen IBAN 4 bei der Bank LL.). 

 3. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.» 

C.16 Das Urteil der a.o. Berufungskammer wurde den Parteien am 25. März 2025 

mündlich mit einer kurzen Begründung eröffnet und ihnen das Urteilsdispositiv 

direkt nach der Urteilseröffnung ausgehändigt resp. an die abwesende An-

schlussberufungsführerin postalisch versendet (CAR 9.100.007-012).  

Die a.o. Berufungskammer erwägt: 

I. Formelle Erwägungen 

1. Zuständigkeit der a.o. Berufungskammer  

1.1 Die Berufung der BA richtet sich gegen das Urteil der Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts (fortan: Vorinstanz) SK.2021.48 vom 8. Juli 2022. Die Vorinstanz 

hat die Frage ihrer Zuständigkeit für das vorliegende Verfahren auf den Einwand 

von Platini hin, wonach die angeklagten Straftaten nicht der Bundesgerichtsbar-

keit unterstünden, eingehend geprüft und diese bejaht (TPF 266.930.018-021 

E. 1.1). Damit ist die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts in der Beset-

zung mit drei Richtern für die Beurteilung der Berufung grundsätzlich zuständig 

(Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO, Art. 33 lit. c, Art. 38a und Art. 38b StBOG).  

- 13 - 

1.2 Im vorliegenden Berufungsverfahren CA.2022.25 sind mit Urteil des Bundesge-

richts 7B_173/2023 vom 15. März 2024 sämtliche Richterinnen und Richter der 

ordentlichen Berufungskammer des Bundesstrafgerichts zufolge vollumfängli-

cher Gutheissung des Ausstandsgesuchs von Platini in den Ausstand versetzt 

und mit Verfügung GL.2022.7 des Präsidenten des Bundesstrafgerichts vom 

14. November 2022 in Anwendung von Art. 38c StBOG stattdessen Roland Hof-

mann, Marc Siegwart und Thomas Flückiger als ausserordentliche Richter für die 

Beurteilung der hängigen Berufung ernannt worden. Mit Verfügung GL.2024.3 

vom 22. Mai 2024 ist schliesslich Nicole Schneider als Gerichtsschreiberin der 

a.o. Berufungskammer für das Berufungsverfahren CA.2022.25 eingesetzt wor-

den.  

2. Eintreten auf die Berufung der Bundesanwaltschaft 

Die Berufungsanmeldung der BA vom 15. Juli 2022 sowie ihre Berufungserklä-

rung vom 17. Oktober 2022 sind frist- und formgerecht bei der Berufungskammer 

des Bundestrafgerichts (Art. 399 Abs. 1-3 StPO) eingegangen (CAR 1.100.001 f.; 

1.200.001 f.). Die BA ist zur Rechtsmittelerhebung legitimiert (Art. 381 StPO). Auf 

die Berufung der BA kann daher eingetreten werden. 

3. Eintreten auf die Anschlussberufung der FIFA – Vorfrage der Legitimation  

3.1 Die Anschlussberufungserklärung der FIFA, die als unterliegende Privatklägerin 

ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung des erstinstanzlichen Ur-

teils hat und damit über eine hinreichende Rechtsmittellegitimation verfügt 

(Art. 382 StPO), ist mit Eingabe vom 11. November 2022 (CAR 1.400.003-018) 

rechtzeitig innert der 20-tägigen Frist (Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO) seit Empfang 

der Berufungserklärung der BA (CAR 1.400.001 f.) bei der Berufungskammer 

des Bundesstrafgerichts eingegangen. Bei der mit Beschluss der a.o. Berufungs-

kammer vom 4. Juni 2024 erfolgten Wiederaufnahme des zuvor sistierten Beru-

fungsverfahrens ist die FIFA zur Begründung ihrer Anschlussberufung aufgefor-

dert worden. Mit Eingabe vom 7. August 2024 hat die Vertreterin der Privatklä-

gerin innert erstreckter Frist für die Begründung ihrer Anschlussberufung mitge-

teilt, «… que ma mandante … ne souhaite pas déposer des déterminations  

écrites complémentaires à ce stade» (CAR 4.200.272). Sie hat die a.o. Beru-

fungskammer somit darüber informiert, dass die FIFA zurzeit keine schriftlichen 

Ausführungen deponieren wolle. Mit Verfügung der a.o. Berufungskammer vom 

8. August 2024 ist festgestellt worden, dass die FIFA zurzeit auf eine schriftliche 

Begründung ihrer Anschlussberufungserklärung verzichtet habe 

(CAR 4.200.275-280). Mit Eingabe vom 16. Januar 2025 hat die Vertreterin der 

FIFA die Dispensation von der Teilnahme an der Hauptverhandlung für sich und 

ihre Mandantin beantragt (CAR 4.200.649). Dieser Antrag ist mit Verfügung vom 

- 14 - 

10. Februar 2025 und dem Hinweis bewilligt worden, dass hinsichtlich der Privat-

klägerin und ihrer Anliegen von einem einfachen Fall (Art. 405 Abs. 2 Satz 2 

StPO) auszugehen sei, da der Entscheid über ihre Zivilklage vom Ausgang des 

Berufungsverfahrens resp. vom Erfolg oder Scheitern der Berufung, die von der 

Bundesanwaltschaft geführt werde, abhängig sei. Die FIFA und ihre Rechtsver-

treterin sind daher von der Teilnahme zur Berufungsverhandlung dispensiert wor-

den. In der Folge sind weder die FIFA noch ihre Vertreterin zur zweitinstanzlichen 

Hauptverhandlung erschienen. Die Anschlussberufung der FIFA vom 11. No-

vember 2022 und die dort gestellten Anträge sind somit weder schriftlich anläss-

lich der im Berufungsverfahren eingeräumten Gelegenheit noch mündlich anläss-

lich der Hauptverhandlung begründet worden.  

3.2 Im zweistufig konzipierten Berufungsverfahren (Art. 399 Abs. 1-3 StPO) kann die 

Berufungserklärung zunächst unbegründet eingereicht werden. Danach muss 

die Berufungserklärung jedoch entweder im mündlichen oder im schriftlichen 

Verfahren (Art. 405 und 406 Abs. 3 StPO) begründet werden (BÄHLER, BSK 

StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 385 StPO N 4). Die Person, die ein Rechtsmittel ergreift, 

hat zuhanden der Berufungsinstanz genau anzugeben, welche Punkte des Ent-

scheids sie anficht, welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen und wel-

che Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 lit. a-c StPO). Die im schriftlichen 

Verfahren verlangte schriftliche Begründung der Berufung (Art. 406 Abs. 3 StPO) 

ist Gültigkeitserfordernis und ersetzt die Parteivorträge im mündlichen Verfahren 

(BGer 6B_684/2017 vom 13. März 2018 E. 1.4.2; KELLER, BSK StPO, 3. Aufl. 

2023, Art. 406 StPO N 9). Im Berufungsverfahren, das weitgehend der Disposi-

tion der Parteien unterliegt, muss die rechtsmittelführende Partei während des 

gesamten zweitinstanzlichen Verfahrens fortlaufend ihren Willen kundtun, dass 

eine Überprüfung des angefochtenen Entscheids durch das Berufungsgericht er-

folgen soll (BGE 149 IV 259 E. 2.4.2). Bei Fehlen dieser Willensäusserung, die – 

wie erwähnt – entweder mittels schriftlicher Eingabe im Verlaufe des Berufungs-

verfahrens oder anlässlich der Berufungsverhandlung mündlich erfolgen kann, 

gilt die rechtsmittelführende Partei als säumig bzw. das von ihr eingereichte 

Rechtsmittel als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 407 Abs. 1 

lit. b StPO liegt insbesondere dann Säumnis vor, wenn eine Partei, die auf ihr 

Gesuch hin nach Art. 405 Abs. 2 StPO von der Teilnahme an der Berufungsver-

handlung dispensiert worden ist, das von ihr eingelegte Rechtsmittel nicht mittels 

einer schriftlichen Eingabe begründet (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 

3. Aufl., 2017, N. 1572; KELLER, BSK StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 407 StPO N 3a).  

3.3 Die in Frage stehende Anschlussberufungserklärung der FIFA vom 11. Novem-

ber 2022 enthält zwar Anträge, die aber weder schriftlich bei der im Berufungs-

verfahren eingeräumten Gelegenheit noch mündlich an der Berufungsverhand-

lung begründet worden sind. Die Anforderungen nach Art. 385 Abs. 1 StPO sind 

- 15 - 

daher nicht erfüllt. Die Privatklägerin hat mit dem Verzicht auf eine schriftliche 

Äusserung zur Sache innert der im Berufungsverfahren dafür gesetzten resp. er-

streckten Frist und mit der nachfolgend beantragten Dispensation vom Erschei-

nen zur Berufungsverhandlung überdies zum Ausdruck gebracht, dass sie an der 

weiteren Behandlung des von ihr eingelegten Rechtsmittels nicht mehr interes-

siert ist. Zudem hat sie sich auch nach der Dispensation in keiner Weise zur Sa-

che geäussert. Die Anschlussberufung der FIFA vom 11. November 2022 gilt 

daher von Gesetzes wegen als zurückgezogen. Diese Feststellung hat zur Folge, 

dass sich eine Stellungnahme der a.o. Berufungskammer zum Antrag der Be-

schuldigten, wonach auf die Anschlussberufung der FIFA vom 11. Novem-

ber 2022 nicht einzutreten sei (B.6), erübrigt. Nichtsdestotrotz ist auf die im erst-

instanzlichen Verfahren bereits aufgeworfene Frage der Legitimation und gülti-

gen Konstituierung der FIFA als Privatklägerin einzugehen, weil der Verteidiger 

von Blatter diese auch im zweitinstanzlichen Verfahren in Abrede stellt und unter 

Hinweis auf seine Eingabe vom 6. Dezember 2022 (CAR 1.400.034-037) anläss-

lich der Berufungsverhandlung erneut beantragt, die FIFA sei als Privatklägerin 

nicht zuzulassen (CAR 5.100.001-023 S. 5). Zur Begründung macht Blatters Ver-

teidiger geltend, dass es für die Konstituierung der FIFA als Privatklägerin im 

vorliegenden Strafverfahren einen Beschluss des Vereinsvorstands oder einen 

Entscheid des Vereinspräsidenten brauche. Da dies nicht vorliege, sei die FIFA 

als Partei aus dem Rubrum zu streichen. Angesichts dieser Vorfrage hat die Be-

rufungsinstanz das erstinstanzliche Urteil auch in diesem Punkt zu überprüfen.  

3.4 Die Vorinstanz hat sich aufgrund der Einwendungen der Beschuldigten mit der 

Frage der Legitimation der FIFA als Privatklägerin eingehend auseinanderge-

setzt und ist nach Darlegung der gesetzlichen Grundlagen sowie des konkreten 

Sachverhalts zum Schluss gekommen, dass die Vollmacht vom 7. März 2019, 

mit der Rechtsanwältin Catherine Hohl-Chirazi als Rechtsvertreterin der FIFA 

eingesetzt und zur Erhebung der Privatklage in deren Namen bevollmächtigt wor-

den sei, von B. (Deputy Secretary General Administration) und C. (Chief Legal & 

lntegrity Officer), mithin von zwei laut Handelsregistereintrag im Zeitpunkt der 

Vollmachtserteilung kollektiv zeichnungsberechtigten und zur Vertretung der 

FIFA legitimierten Kadermitarbeitern unterzeichnet worden sei. In den internen 

FIFA-Zuständigkeitsvorschriften sei nicht vorgesehen, dass es für die Erhebung 

einer Privatklage die Zustimmung einer übergeordneten Instanz, namentlich des 

Vereinsvorstands oder der Vereinsversammlung brauche, selbst wenn sich die 

Privatklage gegen den ehemaligen Präsidenten der FIFA richte. Die Rechtsver-

treterin der FIFA habe daher mit Eingabe vom 16. Dezember 2019 im Auftrag der 

FIFA der BA gegenüber rechtsgültig sowie frist- und formgerecht die Teilnahme 

am Strafverfahren gegen Blatter resp. – nach Ausdehnung des Strafverfahrens 

auf Platini – mit Eingabe vom 24. August 2021 auch gegen letzteren erklärt. Im 

Übrigen sei die gegen die Beschuldigten anhängig gemachte Privatklage bis 

- 16 - 

zum Urteil der Vorinstanz weder von der FIFA noch von ihren Organen zu-

rückgezogen worden (TPF 266.930.022-024 E. 1.2).  

3.5 Das Berufungsgericht teilt die Sichtweise der Vorinstanz und schliesst sich den 

erstinstanzlichen Erwägungen an. Dabei ist insbesondere die Feststellung her-

vorzuheben, dass die von der FIFA-Rechtsvertreterin gestützt auf die «Power of 

Attorney» (BA 15.101-0098) mit Eingabe vom 16. Dezember 2019 (BA 15.101-

0289) gegen Blatter resp. mit Eingabe vom 24. August 2021 (BA 15.101-767 ff.) 

gegen Platini anhängig gemachte Privatklage von der FIFA resp. ihren Organen 

nicht zurückgezogen worden ist. Mit diesem Festhalten an der Privatklage wäh-

rend des gesamten Strafverfahrens hat die FIFA ihre Zustimmung zum Vorgehen 

von Rechtsanwältin Catherine Hohl-Chirazi unmissverständlich zum Ausdruck 

gebracht. Selbst wenn also von einer mangelhaften Vertretungsvollmacht resp. 

einer fehlenden Ermächtigung zur Stellvertretung ausgegangen werden müsste, 

wäre angesichts dieses Festhaltens an der Privatklage von einer stillschweigen-

den bzw. konkludenten Genehmigung der FIFA im Sinne von Art. 38 OR auszu-

gehen (WATTER, BSK OR I, 7. Aufl. 2020, Art. 38 OR N 8a). Im vorliegenden 

Berufungsverfahren hat die Vertreterin der FIFA zudem mit Eingabe vom 7. Au-

gust 2024 (CAR 4.200.272) eine neue Vollmacht (CAR 4.200.273) eingereicht, 

die am 10. Juli 2024 von C. und EE. unterzeichnet und bis zum Schluss der Be-

rufungsverhandlung von der FIFA nicht zurückgezogen worden ist.  

4. Verfahrensgegenstand und Kognition  

Die BA hat mit Eingabe vom 17. Oktober 2022 (CAR 1.100.128-134) vollumfäng-

liche Berufung gegen das Urteil der Vorinstanz SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 er-

klärt. Das erstinstanzliche Urteil wird damit sowohl im Schuld- und Strafpunkt als 

auch hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen angefochten. Das an-

gefochtene Urteil ist folglich im Grundsatz umfassend zu überprüfen. In Anbe-

tracht dessen, dass die BA keinerlei Begehren hinsichtlich der Zivilklage der FIFA 

stellt – wobei sie auch gar keine Herrschaft über diese hat – und die Anschluss-

berufung der FIFA – wie zuvor unter Erwägung 3 dargelegt – ohnehin als zurück-

gezogen gilt, erübrigt sich eine Überprüfung des erstinstanzlichen Urteils in die-

sem Punkt. Es kann vielmehr festgestellt werden, dass der Entscheid der Vor-

instanz in Dispositivziffer IV., wonach die Zivilforderungen der FIFA gegen Blatter 

und gegen Platini auf den Zivilweg verwiesen werden, in Rechtskraft erwachsen 

ist.  

  

- 17 - 

II. Materielle Erwägungen 

1. Vorbemerkungen 

1.1 Allgemeine Beweisgrundsätze / Grundsatz in dubio pro reo / Indizienbeweis 

1.1.1 Die Strafbehörden, die gemäss dem in Art. 6 Abs. 1 StPO verankerten Untersu-

chungsgrundsatz von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der be-

schuldigten Person bedeutsamen Tatsachen abzuklären haben, setzen zur 

Wahrheitsfindung sämtliche nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung 

geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig sind. Über Tatsachen, die un-

erheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend 

erwiesen sind, wird indessen nicht Beweis geführt (Art. 139 Abs. 1 und 2 StPO; 

vgl. auch Art. 318 Abs. 2 StPO). Art. 139 Abs. 2 StPO schränkt die gerichtliche 

Pflicht zur Beweisführung demnach wieder ein. Bestimmte Tatsachen müssen 

nicht bewiesen werden oder dürfen bereits vor dem Verfahren als bewiesen gel-

ten. Art. 139 Abs. 2 StPO erlaubt damit in engen Grenzen eine antizipierte Be-

weiswürdigung, die mit übergeordneten rechtsstaatlichen Garantien vereinbar 

ist, wenn das Gericht ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung da-

von ausgeht, dass seine aufgrund der bereits abgenommenen Beweise gebildete 

Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (Entscheid 

des Bundesgerichts (fortan: BGer) 6B_655/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.3; 

vgl. auch GLESS, BSK, 3. Aufl. 2023, Art. 139 StPO N 31; vgl. auch N 48 ff. und 

LANGENEGGER, Antizipierte Beweiswürdigung und die Ablehnungsgründe nach 

Art. 139 StPO, Entwicklung, Verhältnis und Anwendung, Zürich - Basel - Genf 

2023, S. 128 ff.). 

1.1.2 Gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner 

aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Das Gericht soll frei 

von Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung aufgrund ge-

wissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber entscheiden, ob es eine 

Tatsache für bewiesen hält oder nicht. Es trifft sein Urteil unabhängig von der 

Anzahl der Beweismittel, die für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne 

Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Massgebend ist allein dessen Stichhal-

tigkeit. Das Gericht ist schliesslich bei der Würdigung der Beweise nicht nur an 

(objektivierende) Denk-, Natur- und Erfahrungssätze sowie wissenschaftliche Er-

kenntnisse gebunden, sondern darf sich auch von seiner eigenen Intuition leiten 

lassen (TOPHINKE, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 10 StPO N 60; vgl. auch 

BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1). 

1.1.3 Der Nachweis des «angeklagten» Sachverhalts kann mittels direkten oder indi-

rekten Beweises erbracht werden. Bei Letzterem, dem sog. lndizienbeweis wird 

- 18 - 

aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen 

sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache 

geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, die für sich alleine nur mit einer gewis-

sen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen, können in ih-

rer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel 

bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGer 6B_1427/2016 

vom 27. April 2017 E. 3 mit weiteren Hinweisen; Urteil des BStGer SK.2018.26 

vom 9. August 2018 E. 3.4.4.4). Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis 

gleichgestellt (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4).  

1.1.4 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-

son günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, 

dass die tatsächlichen Voraussetzungen der «angeklagten» Tat erfüllt sind. 

Diese Bestimmung konkretisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Un-

schuldsvermutung (in dubio pro reo; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziffer 2 EMRK). 

Der Grundsatz in dubio pro reo verbietet demnach, bei der rechtlichen Würdigung 

eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn 

nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, 

ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine für die 

beschuldigte Person günstigere Tatversion (Alternativsachverhalt) vernünftiger-

weise nicht ausgeschlossen werden kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit ge-

nügt somit nicht (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1). Ein Schuldspruch darf nur dann er-

folgen, wenn die Schuld der angeklagten Person mit hinreichender Sicherheit 

erwiesen ist, mithin Beweise dafür vorliegen, dass sie den ihr zur Last gelegten 

Straftatbestand mit ihrem Verhalten objektiv und subjektiv erfüllt hat. Dabei kann 

nicht verlangt werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und 

unter allen Aspekten unwiderlegbar feststeht (TOPHINKE, a.a.O., Art. 10 StPO 

N 83). Was die beschuldigte Person gewusst und gewollt oder in Kauf genom-

men hat, gehört zum subjektiven Tatbestand. Beweggründe eines Täters sowie 

Motivationszusammenhänge sind Bestandteil der Sachverhaltsabklärung, wobei 

sie als innere Vorgänge häufig nur anhand einer eingehenden Würdigung des 

äusseren Verhaltens sowie allenfalls weiterer Umstände erschlossen werden 

können (Urteil des BStGer CA.2021.13 vom 21. Januar 2022 E. 1.2.1.1). 

1.1.5 Nicht anwendbar ist der Grundsatz in dubio pro reo auf die Frage, welche Be-

weismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenenfalls zu würdigen sind. Das 

Gericht darf daher bei sich widersprechenden Beweismitteln nicht unbesehen auf 

den für die angeklagte Person günstigeren Beweis abstellen. Bei einer uneinheit-

lichen, widersprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichts-

punkte vielmehr gegeneinander abwägen und – als Resultat dieses Vorgangs – 

das Beweisergebnis feststellen, das je nachdem ob die Widersprüche bereinigt 

werden können, als gesichert erscheint oder aber mit Unsicherheiten behaftet 

- 19 - 

bleibt. Die In-dubio-Regel kommt erst dann zur Anwendung, wenn alle aus Sicht 

des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet wor-

den sind und das – im Rahmen der freien Beweiswürdigung gewonnene – Be-

weisergebnis keinen zweifelsfreien Schluss darauf zulässt, dass sich die für ei-

nen Schuldspruch vorausgesetzten Tatsachen verwirklicht haben. Das Beweis-

ergebnis kann namentlich deshalb zweifelhaft sein, weil es durch ernsthaft in Be-

tracht fallende Sachverhaltsalternativen relativiert wird. Der Grundsatz in dubio 

pro reo verlangt auch in diesem Fall, ernsthaften Anhaltspunkten für alternative 

Sachverhalte nachzugehen und zu prüfen, ob sich daraus allenfalls ein unüber-

windlicher Zweifel ergibt, der es verbietet, den tatbestandsmässigen Sachverhalt 

anzunehmen. Ungewissheiten und ernsthafte Zweifel wirken sich zum Nachteil 

des Staates aus, der mit der Anklage den Strafanspruch der Rechtsgemeinschaft 

geltend macht und bei Nichterweislichkeit der Anspruchsvoraussetzungen die 

entsprechenden Folgen trägt (TOPHINKE, a.a.O., Art. 10 StPO N 78 und 

BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2.). Die In-dubio-Regel übernimmt damit die Funktion 

eines Korrektivs hinsichtlich des rechtstatsächlichen Phänomens, dass die An-

klagebehörde mit Blick auf die am Anfang der Untersuchung stehende Schuld-

hypothese sowie den im Untersuchungsverfahren geltenden Grundsatz in dubio 

pro duriore geneigt sein kann, belastende Tatsachen stärker zu gewichten als 

entlastende, und die Gerichte anschliessend aus entscheidungspsychologischen 

Gründen dazu tendieren, Informationen, welche die Anklage bestätigen, zu über-

schätzen und gegen die Schuldhypothese sprechende Informationen zu unter-

schätzen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.6). 

1.2 Beweisgrundsätze im Berufungsverfahren / Hinweis auf Art. 82 Abs. 4 StPO 

1.2.1 Das Rechtsmittelverfahren beruht gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO auf den Bewei-

sen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Verfahren erhoben worden 

sind. Das Beweisverfahren vor dem Berufungsgericht wird damit eingeschränkt. 

Es geht im Berufungsverfahren nur noch um Beweisergänzungen. Beweisabnah-

men des erstinstanzlichen Gerichts sind im Rechtsmittelverfahren nur dann zu 

wiederholen, wenn Beweisvorschriften verletzt worden sind, die Beweiserhebun-

gen unvollständig waren oder die Akten über die Beweiserhebungen unzuverläs-

sig erscheinen (Art. 389 Abs. 2 lit. a-c StPO) oder wenn im mündlichen Beru-

fungsverfahren die unmittelbare Kenntnis des Beweises für die Urteilsfällung not-

wendig erscheint (JOSITSCH/SCHMID, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 389 

StPO N 1). So ist etwa eine kürzere oder längere Einvernahme der beschuldigten 

Person auch zweitinstanzlich in aller Regel geboten (KELLER, BSK StPO, 3. Aufl. 

2023, Art. 389 StPO N 2). Zusätzliche Beweise erhebt die Rechtsmittelinstanz 

nach Art. 389 Abs. 3 StPO nur, wenn dies in der Sache erforderlich ist. Der Nut-

zen der zusätzlichen Beweiserhebung muss erkennbar sein (LANGENEGGER, 

a.a.O., S. 250). Im Berufungsverfahren sind neue Tatsachenbehauptungen und 

- 20 - 

Beweise somit zulässig, was sich aus dem Charakter der Berufung als vollkom-

menes Rechtsmittel ergibt (Art. 398 Abs. 2 StPO) und aufgrund des Untersu-

chungs- und Wahrheitsgrundsatzes auch geboten ist (JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., 

Art. 389 StPO N 7 und Art. 398 StPO N 7). Beweisanträge sind im Berufungsver-

fahren – Noven vorbehalten – in der Berufungserklärung (vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. c 

StPO) oder spätestens vor Abschluss des Beweisverfahrens zu stellen (BGE 143 

IV 214 E. 5.4). 

1.2.2 Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht mit Blick auf die Prozessökonomie 

für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten Sachverhalts 

auf die Begründung der Vorinstanz verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Bei neuen 

tatsächlichen oder rechtlichen Vorbringen entfällt die Möglichkeit des Verwei-

ses (STOHNER, BSK StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 82 StPO N 13). Gemäss bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung muss sich die urteilende Instanz sodann nicht mit 

allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vor-

bringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid we-

sentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz 

die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten lässt und auf welche sich ihr 

Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1; vgl. auch BGer 1A.59/2004 vom 16. Juli 

2004 E. 5.2, mit weiteren Hinweisen). 

1.3 Würdigung der Aussagen von Beschuldigten und Zeugen  

1.3.1 Erfolgt die Beweisführung gestützt auf die Aussagen von Beteiligten, ist zwischen 

der allgemeinen Glaubwürdigkeit der Aussageperson und der Glaubhaftigkeit der 

konkreten Aussagen zu unterscheiden. Während sich die Glaubwürdigkeit einer 

Person an ihrer Persönlichkeit, ihren möglichen Motiven und der Aussagesitua-

tion abschätzen lässt, ist die Glaubhaftigkeit einer Aussage nach ihrem Inhalt zu 

bestimmen. Je detaillierter, individueller und in sich verflochtener eine Aussage 

ist, desto glaubhafter ist sie (ZWEIDLER, Die Würdigung von Aussagen, in ZBJV 

132/1996, S. 115 ff.). Der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person kommt un-

tergeordnete Bedeutung zu, da niemand immer die Wahrheit sagt und keiner im-

mer lügt. Die «Glaubwürdigkeit der Person» stellt somit keine überdauernde Ei-

genschaft dar und darf nicht Gegenstand der Untersuchung sein. Es ist daher 

immer nur die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Zeugen und Beschuldigten zum 

konkreten Sachverhalt zu beurteilen (LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Aussagepsycho-

logie für die Rechtspraxis, Zürich 2017, S. 2; vgl. auch BGer 6B_692/2011 vom 

9. Februar 2012 E. 1.4. und BGE 133 I 33 E. 4.3).  

1.3.2 Damit eine Aussage als zuverlässig erachtet werden kann, ist sie besonders auf 

das Vorhandensein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von 

Phantasiesignalen zu überprüfen; dabei hat auch eine Einordnung sogenannter 

- 21 - 

Warnmerkmale zu erfolgen (vgl. LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Einführung in die Aus-

sagepsychologie, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern 

und Staatsanwälten helfen?, in Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussagepsycho-

logie für die Rechtspraxis, Zürich 2017, S. 46 ff.; DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit 

von Zeugenaussagen, in plädoyer 2/1997, S. 33 ff.). Nach dem empirischen Aus-

gangspunkt der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen un-

terschiedliche geistige Leistungen. Überprüft wird in erster Linie die Hypothese, 

ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektu-

ellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne rea-

len Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung so vorge-

nommen, als das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens durch In-

haltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, sogenannte Realkennzei-

chen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des Aus-

sageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und 

die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert wird (BGE 129 I 

49 E. 5; 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen). Bei der Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist 

immer davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein 

kann. Ergibt die Prüfung, dass sich diese Unwahrhypothese (Nullhypothese) auf-

grund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt bzw. mit den 

erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie ver-

worfen. Dann gilt die Alternativhypothese, dass die Aussage also wahr ist (BGer 

6B_308/2024 vom 22. Mai 2024 E. 1.1.3; vgl. auch BGE 133 I 33 E. 4.3 und BGer 

6B_542/2019 vom 28. August 2019 E. 2.3.1). Gegenüber den Realitätskriterien 

sind demnach in jedem Fall auch mögliche Anhaltspunkte für eine Falschaus-

sage abzuwägen (vgl. DITTMANN, a.a.O., S. 34 f.). 

1.3.3 Folgende Realitätskriterien oder Realkennzeichen haben sich in der Praxis etab-

liert: Logische Konsistenz, Homogenität, ungeordnet sprunghafte Darstellung, 

quantitativer Detailreichtum, Schilderung ausgefallener sowie nebensächlicher 

Einzelheiten, Nachschieben von Details, räumlich-zeitliche Verknüpfung, phäno-

mengemässe Schilderung unverstandener Handlungselemente, Schilderung von 

Komplikationen im Handlungsablauf, Beschreibung von Interaktionen, Wieder-

gabe von Gesprächen, auch in direkter Rede, Schilderung innerpsychologischer 

Vorgänge (bei sich selbst und beim Täter), Einräumen von Erinnerungslücken, 

spontane Verbesserung der eigenen Aussage, Einwände gegen die Richtigkeit 

der eigenen Aussage, Selbstbelastung, keine übermässige Belastung des Täters 

bzw. sogar Entlastung desselben sowie Konstanz und Homogenität der Aussa-

gen (auch über mehrere Befragungen hinweg). In die Würdigung der Aussage-

qualität ist neben diesen inhaltlichen Gesichtspunkten stets auch die Entste-

hungs- und Entwicklungsgeschichte (Aussagegenese) und damit die Motivlage 

- 22 - 

der aussagenden Person miteinzubeziehen (LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Wie kön-

nen aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwäl-

ten helfen?, in AJP 11/2011, S. 1424 ff.). 

1.3.4 Bei der Würdigung einer Aussage hat das Gericht anhand sämtlicher Umstände, 

die aus den Akten ersichtlich sind, zu untersuchen, ob die in Frage stehende 

Sachdarstellung überzeugend ist. Der Grundsatz in dubio pro reo zwingt dabei 

nicht dazu, jede entlastende Angabe der beschuldigten Person, für deren Rich-

tigkeit oder Unrichtigkeit kein spezifischer Beweis vorhanden ist, als unwiderlegt 

zu betrachten. Nicht jede aus der Luft gegriffene Schutzbehauptung braucht 

durch einen hieb- und stichfesten Beweis widerlegt zu werden (vgl. BGer 

6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010 E. 2.1). Ein «Gegenbeweis» der Strafbehör-

den ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse Anhaltspunkte wie konkrete Indi-

zien oder eine natürliche Vermutung für die Richtigkeit der Behauptung sprechen 

oder wenn die beschuldigte Person sie sonst wie glaubhaft macht. Andernfalls 

könnte jede Anklage mit einer abstrusen Schutzbehauptung zu Fall gebracht wer-

den (JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., Art. 10 StPO N 2a; Urteil des BStGer CA.2021.13 

vom 21. Januar 2022 E. 1.2.1.2). 

1.4 Grundsätze des Vertragsrechts 

1.4.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 OR ist für den Abschluss eines Vertrags die übereinstim-

mende gegenseitige Willensäusserung der Parteien erforderlich. Diese Willens-

erklärung kann eine ausdrückliche oder stillschweigende sein (Art. 1 Abs. 2 OR). 

Die Parteien sind somit grundsätzlich frei, in welcher Form sie ihren Verpflich-

tungswillen kundtun. Art. 11 Abs. 1 OR sieht vor, dass Verträge zu ihrer Gültigkeit 

nur dann einer besonderen Form bedürfen, wenn das Gesetz eine solche vor-

schreibt. Diese Bestimmung statuiert das Prinzip der Formfreiheit der Rechtsge-

schäfte, das seinerseits ein wesentliches Element der in Art. 19 Abs. 1 OR gere-

gelten Vertragsfreiheit darstellt und Ausfluss der Privatautonomie ist (WIE-

GAND/HURNI, KUKO OR, 1. Aufl. 2014, Art. 11 OR N 1). Ohne Formvorschrift kann 

ein Vertrag demnach entweder schriftlich, durch mündliche Übereinkunft oder 

konkludente Willensäusserung zustande kommen. Massgebend ist nur, dass die 

Willenserklärungen der Parteien übereinstimmend sind. Haben die Parteien ihre 

wechselseitigen Erklärungen so verstanden, wie sie von der Gegenseite gemeint 

waren, liegt ein sog. natürlicher oder tatsächlicher Konsens vor (WIEGAND/HURNI, 

a.a.O., Art. 1 OR N 4 f.). Die Parteien können den ursprünglich geschlossenen 

Vertrag – wiederum durch übereinstimmende Erklärungen – auch abändern oder 

durch weitere Vereinbarungen ergänzen. Aufgrund der Vertragsfreiheit, d.h. der 

Freiheit jeder Person, innerhalb der Schranken des Gesetzes Verträge jeder Art 

und jedem beliebigen Inhalt abzuschliessen (HERZOG, KUKO OR, 1. Aufl. 2014, 

Art. 19 OR N 1), und der Formfreiheit kann ein bestehender Vertrag jederzeit im 

- 23 - 

gegenseitigen Einvernehmen mündlich, schriftlich oder gar konkludent ange-

passt oder erweitert werden. So können die Parteien neben einem schriftlich ab-

gefassten Vertrag weitere mündliche Abreden treffen, die aufgrund gemeinsamer 

Übereinkunft ebenfalls Vertragsbestandteil werden. Ist eine besondere Formvor-

schrift für Abschluss und Vertragsänderung vorbehalten worden, gilt gemäss 

Art. 16 Abs. 1 OR jedoch die Vermutung, dass die Parteien vor Erfüllung der 

Form nicht verpflichtet sein wollen. Die gewillkürte Form dient dabei in aller Regel 

der Beweissicherung (WIEGAND/HURNI, a.a.O., Art. 16 OR N 1). Werden die ver-

traglichen Leistungen trotz Nichteinhaltung der Form aber über eine längere Zeit-

dauer vorbehaltlos erbracht bzw. von den Parteien widerspruchslos entgegenge-

nommen, ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung von einer konkluden-

ten Zustimmung zur Vertragsänderung und damit verbunden von einem konklu-

denten Verzicht auf den Formvorbehalt auszugehen (RIEMER-KAFKA, Einseitige 

Arbeitszeitveränderungen durch den Arbeitgeber, in AJP 2017 S. 319). 

1.4.2 Wer eine Forderung aus Vertrag behauptet, hat das Zustandekommen des Ver-

trags und dessen Inhalt, wozu insbesondere die allenfalls strittige Vergütung 

zählt, zu beweisen. Die beweispflichtige Partei kann sich zum Beweis des Ver-

trags auf einen tatsächlichen oder einen normativen, in Auslegung nach dem 

Vertrauensprinzip ermittelten Konsens berufen (JUNGO, Zürcher Kommentar, Be-

weislast, 3. Aufl. 2018, Art. 8 ZGB N 391 f.). Angesichts des Grundprinzips der 

vertragsrechtlichen Inhalts- oder Gestaltungsfreiheit ist der so zustande gekom-

mene Vertrag mit den konkreten, mündlichen und/oder schriftlichen Vereinbarun-

gen der Parteien gültig, solange diese nicht gegen zwingende resp. unabänder-

liche Vorschriften, die öffentliche Ordnung, die guten Sitten oder gegen das Recht 

auf Persönlichkeit verstossen (HERZOG, a.a.O., Art. 19 OR N 4 ff.). 

2. Hinreichender Tatverdacht und Verwertbarkeit der Beweismittel  

2.1 Einwände der Beschuldigten und Erwägungen der Vorinstanz  

2.1.1 Im erstinstanzlichen Verfahren haben die Beschuldigten die Frage aufgeworfen, 

ob für die Erhebung einer Anklage überhaupt ein hinreichender Tatverdacht vor-

gelegen habe und ob die Beweise anlässlich der Edition vom 27. Mai 2015 recht-

mässig erhoben worden und mithin verwertbar gewesen seien. So hat insbeson-

dere der Verteidiger von Platini unter Hinweis auf die Angaben des damaligen 

Verfahrensleiters Olivier Thormann anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung, wonach der FIFA-Finanzdirektor D. ihn an der begleiteten Edition vom 

27. Mai 2015 auf die Zahlung vom 1. Februar 2011 von CHF 2 Millionen aufmerk-

sam gemacht habe, moniert, dass unklar sei, wie die Bundesanwaltschaft von 

der inkriminierten Zahlung erfahren habe (TPF 266.721.484 ff.).  

- 24 - 

2.1.2 Die Vorinstanz hat sich eingehend mit diesem Einwand auseinandergesetzt und 

ist zum Schluss gekommen, dass es im vorliegenden Fall genügend Anhalts-

punkte gegeben habe, um eine Strafuntersuchung zu eröffnen. Die tatbezogenen 

Verdachtsmomente würden sich aus den Unterlagen, die anlässlich der begleite-

ten Edition vom 27. Mai 2015 beschlagnahmt und nicht versiegelt worden seien, 

ergeben. Darin werde zusammengefasst festgehalten, dass die FIFA am 1. Feb-

ruar 2011 einen Betrag von CHF 2 Millionen zugunsten von Platini für dessen in 

den Jahren 1998-2002 erbrachte Tätigkeit für die FIFA bezahlt habe. Diese Zah-

lung wirke, wie im Entwurf der Eröffnungsverfügung ausgeführt werde, bereits 

aufgrund der Höhe des ausbezahlten Betrags sowie der zeitlich lang zurücklie-

genden Dauer der angeblich damit vergüteten Dienstleistungen Platinis verdäch-

tig. Verdachtserhöhend wirke sich zudem der Umstand aus, dass der Zahlungs-

grund aus den damaligen Unterlagen nicht klar ersichtlich gewesen sei 

(TPF 266.930.032 f., E. 1.4.3.2). Was die täterbezogenen Verdachtsmomente 

betreffe, so sei es nachvollziehbar, dass die Untersuchung zunächst nur gegen 

Blatter eröffnet worden sei. Aus den beschlagnahmten Unterlagen und den öf-

fentlich zugänglichen Medienberichten sei ersichtlich gewesen, dass es sich bei 

der von Platini in den Jahren 1998-2002 erbrachten und mit den CHF 2 Millionen 

vergüteten Tätigkeit um Beraterdienstleistungen zugunsten des damaligen FIFA-

Präsidenten Blatter gehandelt habe. Da Blatter sodann über eine entsprechende 

Zeichnungsberechtigung für die FIFA verfügt habe, sei damals nur er als mut-

masslicher Täter in Frage gekommen. Für die Ausdehnung der Strafuntersu-

chung auf Platini sei sodann ebenfalls ein hinreichender Tatverdacht zu bejahen, 

zumal er die inkriminierte Zahlung erhalten habe (TPF 266.930.033 f., E. 1.4.3.3). 

Zur Frage der Verwertbarkeit der verdachtsbegründenden Unterlagen führt die 

Vorinstanz aus, dass sich die Eröffnung der Strafuntersuchung am 24. Septem-

ber 2015 auf ein FIFA-internes Factsheet betreffend Platini, ein FIFA-internes 

Accountsheet betreffend Platini sowie zwei Schreiben der FIFA an Platini vom 

30. Oktober 2009 und 19. November 2012 abgestützt habe. Aus diesen vier Un-

terlagen, die in einem an der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 von den Ver-

tretern der FIFA übergebenen blauen Ordner mit der Aufschrift «EXCO 2009-

2011» gelegen seien, gehe hervor, dass die FIFA am 1. Februar 2011 einen Be-

trag von CHF 2 Millionen zugunsten von Platini für dessen in den Jahren 1998-

2002 erbrachte Tätigkeit für die FIFA bezahlt habe. Im Factsheet betreffend Pla-

tini seien zudem dessen Geschäftsbeziehungen bei der Bank A. vermerkt. Zu 

Beginn der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015, die von 7:50 bis 21:30 Uhr 

gedauert habe, sei zwar auf der Bestätigung des Empfangs der Editions- und 

Beschlagnahmeverfügung vom 26. Mai 2015 von den Vertretern der FIFA hand-

schriftlich «Wir erklären Siegelung» vermerkt worden. Im Verlauf der begleiteten 

Edition sei diese vorläufig erklärte Siegelung jedoch insoweit präzisiert worden, 

als sie bei einigen Unterlagen konkret bekräftigt bzw. wiederholt, bei anderen 

hingegen widerrufen worden sei. Keine Siegelung sei namentlich für den blauen 

- 25 - 

Ordner mit der Aufschrift «EXCO 2009-2011» erklärt worden, so dass die darin 

befindlichen Unterlagen folglich für die am 24. September 2015 formell verfügte 

Eröffnung der Untersuchung gegen Blatter verwertbar gewesen seien. Im An-

schluss an die begleitete Edition vom 27. Mai 2015 habe die BA von der Bank A. 

mit Verfügung vom 23. Juli 2015 die Herausgabe von Bankunterlagen zu den im 

vorgenannten Factsheet betreffend Platini vermerkten Bankkonten verlangt. 

Diese Unterlagen seien mit Schreiben der Bank A. vom 28. Juli 2015 inkl. einer 

für das Kundendossier von Platini erstellten internen Notiz vom 23. März 2011 

übermittelt worden. Mit Verfügung vom 9. September 2015 habe die BA von der 

Bank A. weitere Unterlagen zur Identifizierung der inkriminierten Zahlung an Pla-

tini verlangt. Aus der Chronologie der Verfahrenshandlungen ergebe sich, dass 

die Zahlung vom 1. Februar 2011 von CHF 2 Millionen an Platini spätestens am 

9. September 2015 in den Fokus der Ermittlungen der BA gerückt sei, als spezi-

fische Bankunterlagen von der Bank A. hierzu verlangt worden seien. Unklar 

bleibe jedoch, wann und aufgrund welcher Ursache die BA von der inkriminierten 

Zahlung erfahren habe, insbesondere ob die Transaktion bereits am Tag der be-

gleiteten Edition vom 27. Mai 2015 aufgrund eines Hinweises von D. – wie der 

ehemalige Verfahrensleiter Olivier Thormann als Zeuge ausgesagt habe, was 

von D. indes bestritten werde – bekannt geworden sei. Ohne die Szenarien eines 

allfälligen Hinweisgebers eindeutig ausschliessen zu können, spreche die vorge-

nannte Chronologie eher dafür, dass die BA die inkriminierte Zahlung auch ohne 

entsprechenden Hinweis entdeckt hätte. Wenn die BA nämlich bereits am 27. Mai 

2015 oder anlässlich des nicht protokollierten Treffens vom 8. Juli 2015 auf die 

besagte Zahlung aufmerksam gemacht worden wäre, hätte sie schon mit ihrer 

ersten Verfügung vom 23. Juli 2015 und nicht erst mit Verfügung vom 9. Septem-

ber 2015 spezifische Auskünfte und Detailbelege zur inkriminierten Zahlung bei 

der Bank A. verlangt. Die Vorinstanz hat die Frage, ob die BA explizit auf die 

Zahlung hingewiesen worden ist, schliesslich offengelassen, weil im Sinne eines 

hypothetischen Ermittlungsverlaufs eine grosse Wahrscheinlichkeit bestehe, 

dass die BA unabhängig von einem mangels Protokollierung allenfalls nicht ver-

wertbaren Hinweis aufgrund der am 27. Mai 2015 sichergestellten, nicht versie-

gelten und demnach verwertbaren Unterlagen, namentlich aufgrund der vorge-

nannten vier Dokumente betreffend Platini im blauen Ordner mit der Aufschrift 

«EXCO 2009-2011», auf die inkriminierte Zahlung gestossen wäre 

(TPF 266.930.028 ff., E. 1.4.3.1). 

  

- 26 - 

2.2 Rügen der Berufungsgegner im Berufungsverfahren zum Tatverdacht etc. 

2.2.1 Der hinreichende Tatverdacht und die Verwertbarkeit der Beweismittel werden 

auch im Berufungsverfahren thematisiert. So hält der Verteidiger von Platini in 

der Berufungsantwort vom 14. Oktober 2024 fest, dass die Frage der Unabhän-

gigkeit und Rechtmässigkeit der Ermittlungen für ihn auch im Berufungsverfahren 

einen zentralen Punkt darstelle. Es gebe ernsthafte Zweifel an der Objektivität 

der Ermittlungen. Die Siegelung und Entsiegelung der FIFA-Daten seien unter 

fragwürdigen Umständen erfolgt. Aufgrund dieser Verfahrensmängel erachte er 

die von der BA vorgelegten Beweise als unverwertbar (CAR 4.200.296-307 

S. 2 ff.). An der Berufungsverhandlung stellt er sodann in Abrede, dass es im 

vorliegenden Fall genügend Hinweise für einen Anfangstatverdacht gegeben 

habe, und weist erneut darauf hin, dass die Zeugen D. und Olivier Thormann im 

erstinstanzlichen Verfahren widersprüchliche Angaben dazu gemacht hätten. 

Schliesslich macht er unter Berufung auf die Aussagen von Olivier Thormann im 

Berufungsverfahren sowie auf ein neues Dokument mit dem Titel «Aktualisiertes 

Original-Verzeichnis nach Entsiegelungsverfahren vom 26.06.2015» geltend, 

dass die am 27. Mai 2015 sichergestellten Unterlagen umfassend gesiegelt ge-

wesen seien und die Verfahrenseröffnung damit aufgrund von versiegelten Do-

kumenten erfolgt sei (CAR 5.200.152-214 S. 9 ff. und S. 33 ff.). 

2.2.2 Mit Verfügung vom 14. November 2024 (CAR 4.200.322-351) ist der Antrag von 

Platini, Olivier Thormann sowie D. anlässlich der Berufungsverhandlung erneut 

als Zeugen einzuvernehmen, gutgeheissen und deren Vorladung zur Berufungs-

verhandlung angeordnet worden. An der Verhandlung vor der a.o. Berufungs-

kammer sind beide Zeugen nochmals – jeweils unter Bezugnahme auf ihre Aus-

sagen im erstinstanzlichen Verfahren – zum Ablauf der Edition vom 27. Mai 2015, 

insbesondere zur Übergabe des blauen Ordners mit der Aufschrift «EXCO 2009-

2011» sowie zur offenen Frage nach einem diesbezüglichen Hinweis von D. an 

Olivier Thormann einvernommen worden.  

2.3 Erwägungen der a.o. Berufungskammer zum Tatverdacht etc.  

2.3.1 D. gibt anlässlich der Einvernahme vor der a.o. Berufungskammer vom 3. März 

2025 zu Protokoll, dass er an der Edition vom 27. Mai 2015 Olivier Thormann 

keinen Hinweis auf die Zahlung der FIFA an Platini vom 1. Februar 2011 und 

auch keine Aktennotiz dazu gegeben habe. Es sei damals darum gegangen, die 

Informationsanfragen der BA abzuarbeiten und ihr die verlangten Dokumente zu 

übergeben. Da die fragliche Zahlung seiner Meinung nach in Ordnung gewesen 

sei, habe es auch überhaupt keinen Anlass gegeben, Olivier Thormann speziell 

darauf hinzuweisen. Zur Frage nach der anderweitigen Darstellung des ehemali-

gen Verfahrensleiters erklärt D., es sei damals ein langer Tag gewesen und viele 

- 27 - 

Dokumente seien übergeben worden. Es könne daher sein, dass sich Olivier 

Thormann vielleicht nicht mehr genau erinnere. Im Übrigen habe der ehemalige 

Verfahrensleiter auch gar keinen spezifischen Hinweis von ihm gebraucht, da die 

Details bei einem Blick in die Unterlagen ersichtlich gewesen seien 

(CAR 5.300.012-021 S. 6 f.). 

2.3.2 Olivier Thormann erklärt anlässlich seiner Einvernahme vom 4. März 2025 vor 

zweiter Instanz auf konkrete Frage hin, dass er an der Edition vom 27. Mai 2015 

von D. einen blauen Ordner mit Unterlagen betreffend die EXCO-Mitglieder er-

halten habe. In diesem Zusammenhang habe er den Begriff «Aktennotiz» ge-

braucht. Eigentlich habe er damit das Blatt resp. die Liste mit den Informationen 

über die Zahlungen gemeint, die Platini in demjenigen Jahr von der FIFA erhalten 

habe, das für die BA aufgrund der WM-Vergabe relevant gewesen sei. Dazu habe 

er von D. auch den Hinweis erhalten. Auf die Bemerkung des Vorsitzenden hin, 

dass D. dies in Abrede stelle, führt Olivier Thormann aus, er sei mehrfach zu 

diesem Thema befragt worden und habe immer ausgesagt, dass er sich daran 

erinnern könne, auch wenn dies andere nicht mehr könnten. Zudem sei auch von 

anderen Leuten bestätigt worden, dass diese Zahlung durchaus ein Gesprächs-

thema innerhalb der FIFA gewesen sei. Auch die Tatsache, dass an der Edition 

vom 27. Mai 2015 ein Abteilungsleiter auf ihn persönlich zugekommen sei, statt 

wie zuvor kommuniziert über die dafür vorgesehene Erfassungsstrasse zur Bun-

deskriminalpolizei (fortan: BKP) zu gelangen, sei ziemlich aussergewöhnlich ge-

wesen. Nachdem er seinen assistierenden Staatsanwalt darauf hingewiesen 

habe, dass es da noch ein Thema gebe, das angeschaut werden müsse, habe 

er die an ihn persönlich ausgehändigten Unterlagen dann selbst an die BKP über-

geben. Auf die Frage des Verteidigers von Platini, weshalb dieser Vorgang resp. 

der Hinweis von D. nirgends protokolliert worden sei, erklärt der Zeuge, dass dies 

nicht verfahrensrelevant gewesen sei, sondern nur, dass die von der FIFA einge-

reichten Akten, auch wenn dies wegen der Übergabe an ihn persönlich über Um-

wege erfolgt sei, von der BKP richtig sichergestellt und erfasst worden seien. Auf 

die Anschlussfrage, weshalb er in der späteren, von ihm selbst durchgeführten 

Einvernahme von D. vom 25. September 2015 nichts zu diesem Hinweis gefragt 

habe, gibt Olivier Thormann zu Protokoll, dass er in seiner Eigenschaft als Staats-

anwalt ein Verfechter des Verbots von «Leading Questions» gewesen sei und 

daher in seinen Einvernahmen nichts thematisiert habe, das nicht aktenkundig 

gewesen sei. Mit Bezug auf die weiteren Fragen betreffend die Siegelung der 

anlässlich der Edition vom 27. Mai 2015 beschlagnahmten Unterlagen führt Oli-

vier Thormann zunächst aus, dass die verschiedenen Entsiegelungsprotokolle in 

den Akten korrekt wiedergegeben worden seien. Was sodann das neue, von Pla-

tinis Verteidiger anlässlich seiner Einvernahme unterbreitete Dokument mit der 

Überschrift «Aktualisiertes Original-Verzeichnis nach Entsiegelungsverfahren 

vom 26.06.2015» (CAR 5.300.067-069) betreffe, so müsse es ein Protokoll dazu 

- 28 - 

geben. Am Tag der Edition selbst seien die Akten grosszügig bzw. auf Empfeh-

lung der FIFA-Anwälte vollumfänglich gesiegelt und danach Teilentsiegelungsü-

bungen durchgeführt worden. Er gehe dabei – wie Olivier Thormann abschlies-

send zu Protokoll gibt – davon aus, dass aufgrund der späteren Entsieglung auch 

die hier relevanten Akten zunächst versiegelt gewesen seien (CAR 5.300.036-

046 S. 6 ff.). 

2.3.3 Angesichts dieser Aussagen ist zunächst festzustellen, dass die Zeugen auch im 

zweitinstanzlichen Verfahren konträre Angaben zur Frage machen, ob an der 

Edition vom 27. Mai 2015 ein konkreter Hinweis auf die inkriminierte Zahlung der 

FIFA an Platini erfolgt sei oder nicht. Während D. erneut bestreitet, Olivier Thor-

mann auf die besagte Zahlung, die seiner Meinung nach in Ordnung und mithin 

auch nicht besonders erwähnenswert gewesen sei, hingewiesen zu haben, er-

klärt der damalige Verfahrensleiter, dass er sich an einen solchen Hinweis erin-

nern könne. Der im erstinstanzlichen Verfahren aufgetauchte Widerspruch kann 

somit auch im Berufungsverfahren nicht aufgelöst werden, was angesichts der 

Tatsache, dass seit der fraglichen Edition vom 27. Mai 2015 fast 10 Jahre ver-

gangen sind, nicht weiter verwundert und vorliegend auch nicht entscheidend ist. 

Im Ergebnis kann diese Frage nämlich – wie bereits die Vorinstanz richtig fest-

gehalten hat – offenbleiben, weil im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsver-

laufs davon auszugehen ist, dass die BA aufgrund der am 27. Mai 2015 sicher-

gestellten Unterlagen, namentlich aufgrund der bekannten vier Dokumente be-

treffend Platini im blauen Ordner mit der Aufschrift «EXCO 2009-2011» 

(TPF 266.262.2.918; BA B07.201.002-0103 ff.), mit grosser Wahrscheinlichkeit 

und unabhängig von einem allfälligen, wegen mangelnder Protokollierung nicht 

verwertbaren Hinweis auf die inkriminierte Zahlung gestossen wäre. Die Edition 

vom 27. Mai 2015 ist damals – wie sich aus der Kurzbegründung der Verfügung 

der BA vom 26. Mai 2015 betreffend Edition und Beweismittelbeschlagnahme 

(TPF 266.262.2.875 f.) ergibt – mit dem Ziel durchgeführt worden, Zahlungen der 

FIFA, die im Zusammenhang mit den Vergaben der WM 2018 und 2022 an die 

Mitglieder ihres Exekutivkomitees erfolgt sind, aufzufinden. Mit der Überreichung 

des erwähnten blauen Ordners muss für die BA angesichts des Ermittlungsauf-

trags klar gewesen sein, dass die darin befindlichen Factsheets über die Exeku-

tivkomitee-Mitglieder mit den an sie erfolgten Entschädigungen genau und prio-

ritär zu sichten sind. Dabei wird gerade die Zahlung an Platini im Betrag von 

CHF 2 Millionen besonders aufgefallen sein (BA B07.201.002-0107), sodass gar 

kein expliziter, wie auch immer motivierter Hinweis darauf erforderlich gewesen 

ist. Dies wird im Übrigen durch die Aussagen von D. im zweitinstanzlichen Ver-

fahren genauso bestätigt (CAR 5.300.012-021 S. 7).  

2.3.4 In Bezug auf die Siegelung der beschlagnahmten Akten ist sodann festzuhalten, 

dass auf der zu Beginn der Edition vom 27. Mai 2015 von den Vertretern der 

- 29 - 

FIFA, E. und D., unterschriebenen Bestätigung des Erhalts der Verfügung vom 

26. Mai 2015 betreffend Edition und Beweismittelbeschlagnahme 

(TPF 266.262.2.874 ff.) zwar zunächst «Wir erklären Siegelung» vermerkt wor-

den ist (TPF 266.262.2.877). Wie sich aber aus dem Editionsprotokoll vom 

27. Mai 2015 und den dazugehörenden Verzeichnissen über die sichergestellten 

Gegenstände (TPF 266.262.2.893 ff.) sowie aus dem Bericht über den Vollzug 

der Edition vom 2. Juni 2015 (TPF 266.262.2.881 ff.) ergibt, ist diese vorläufig 

erklärte Siegelung im Verlauf der Edition präzisiert und nur in Bezug auf einen 

Teil der konkret übergebenen Unterlagen bestätigt worden. Keine Siegelung ist 

namentlich für den blauen Ordner mit der Aufschrift «EXCO 2009-2011» 

(TPF 266.262.2.902) bzw. dessen Inhalt erklärt worden. Daran vermag weder die 

anderweitige Aussage von Olivier Thormann, wonach an der Edition für sämtliche 

beschlagnahmten Akten integral Siegelung erklärt worden sei (CAR 5.300.036-

046 S. 9 ff.), noch das anlässlich der Berufungsverhandlung von Platinis Vertei-

diger eingereichte Dokument mit dem Titel «Aktualisiertes Original-Verzeichnis 

nach Entsiegelungsverfahren vom 26.06.2015» etwas zu ändern. Die Aussage 

des Zeugen kann sich gar nicht auf den blauen Ordner mit den für das vorlie-

gende Verfahren massgeblichen Unterlagen beziehen, weil sie dem klaren Hin-

weis im bereits erwähnten Verzeichnis über die sichergestellten Gegenstände 

vom 27. Mai 2015 (TPF 266.262.2.902), das von Marco Villiger, dem damaligen 

Leiter Rechtsdienst der FIFA, unterzeichnet worden ist, widerspricht und sich da-

mit als aktenwidrig erweist. In Anbetracht, dass seit der Edition bald 10 Jahre 

vergangen und die damaligen Vorgänge in diversen Verfahren mit jeweils unter-

schiedlichem Fokus thematisiert worden sind, erscheint es nicht weiter erstaun-

lich, dass sich Olivier Thormann nicht mehr an alle Details korrekt erinnern kann, 

was er im Übrigen selbst implizit einräumt, indem der Zeuge seinen Depositionen 

entsprechende Anmerkungen, wie etwa «Irrtum vorbehalten …» oder «in meiner 

Erinnerung» (CAR 5.300.036-046 S. 9) voranstellt und damit von sich aus eine 

gewisse Unsicherheit zum Ausdruck bringt. Auf seine Angaben zur Siegelung 

kann daher nicht abgestellt werden, weil sie zumindest in gewissen Punkten er-

wiesenermassen nicht mit den Tatsachen übereinstimmen. Zum Dokument mit 

dem Titel «Aktualisiertes Original-Verzeichnis nach Entsiegelungsverfahren vom 

26.06.2015» ist sodann festzuhalten, dass es darin um sichergestellte Gegen-

stände, wie etwa Harddisks und USB-Sticks, geht, die in keinem erkennbaren 

Zusammenhang mit dem für die vorliegende Verfahrenseröffnung relevanten 

Verzeichnis stehen. Zusammenfassend ist demnach – wie bereits die Vorinstanz 

und damit entgegen der Vorbringen bzw. Mutmassungen der Verteidigung – da-

von auszugehen, dass die im blauen Ordner enthaltenen Unterlagen an der Edi-

tion vom 27. Mai 2015 nicht versiegelt wurden und folglich für die am 24. Sep-

tember 2015 formell verfügte Eröffnung der Untersuchung gegen Blatter verwert-

bar waren. 

- 30 - 

3. Schuldpunkt 

3.1 Anklagevorwurf und Standpunkt der Beschuldigten 

3.1.1 Der zu beurteilende Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift der BA 

vom 29. Oktober 2021 (TPF 266.100.001 ff.). Gemäss Zusammenfassung im an-

gefochtenen erstinstanzlichen Urteil wird Blatter und Platini in der Hauptsache 

Betrug vorgeworfen, indem sie aufgrund gemeinsamer Entschlussfassung und 

Planung sowie durch Zusammenwirken bei der Tatausführung Mitarbeitende der 

FIFA über den Bestand einer aus der von Platini in der Zeit von Juli 1998 bis 

Juni 2002 zugunsten des damaligen FIFA-Präsidenten Blatter erbrachten Bera-

tertätigkeit resultierenden – in Wahrheit indes nicht bestehenden – Forderung in 

Höhe von CHF 2 Millionen getäuscht hätten. Erfolgt seien die Täuschungshand-

lungen einerseits durch mehrfache wahrheitswidrige mündliche Angaben von 

Blatter als damaliger FIFA-Präsident und von Platini als damaliger FIFA-Vizeprä-

sident im Jahr 2010/2011, wonach sich die Forderung auf eine zwischen ihnen 

im Jahr 1998 mündlich abgeschlossene Vereinbarung stütze, sowie andererseits 

durch die von Platini vorgenommene Einreichung einer fiktiven Rechnung vom 

17. Januar 2011 über CHF 2 Millionen und die von Blatter auf dieser Rechnung 

unterschriftlich vorgenommene Bestätigung der Forderung. Als Folge dieser arg-

listigen täuschenden Handlungen seien durch die mit der Abwicklung dieser an-

geblichen Forderung befassten und irrtümlicherweise von deren Bestand ausge-

henden Mitarbeitenden der FIFA am 1. Februar 2011 von einem Konto der FIFA 

CHF 2 Millionen auf ein Konto von Platini sowie am 24. März 2011 Sozialversi-

cherungsbeiträge in Höhe von CHF 229’126.00 zugunsten von Platini an die So-

zialversicherungsanstalt des Kantons Zürich überwiesen worden. In der Höhe der 

genannten Beträge seien die FIFA geschädigt und Platini unrechtmässig berei-

chert worden. Eventualiter wird den Beschuldigten vorgeworfen, sich der Verun-

treuung (Blatter) bzw. der Gehilfenschaft dazu (Platini) oder subeventualiter der 

ungetreuen Geschäftsbesorgung (Blatter) bzw. der Gehilfenschaft dazu (Platini) 

strafbar gemacht zu haben (TPF 266.930.035 Ziff. 2.1).  

Den beiden Beschuldigten wird zudem Urkundenfälschung vorgeworfen, indem 

Platini am 17. Januar 2011 und Blatter am 18. Januar 2011 die vorgenannte, für 

die Buchhaltung der FIFA bestimmte Rechnung unterschrieben und damit deren 

unrichtigen Inhalt bekräftigt hätten. Mit der Einreichung und Unterzeichnung der 

Rechnung hätten die Beschuldigten die mit der Abwicklung der Zahlung befass-

ten Mitarbeitenden der FIFA über den wahren Hintergrund der Leistung täuschen 

wollen und die Auszahlung der CHF 2 Millionen und der Sozialversicherungsbei-

träge von CHF 229’126.00 angestrebt (TPF 266.930.035 Ziff. 2.1.1). 

- 31 - 

3.1.2 Die Beschuldigten machen demgegenüber zusammengefasst geltend, sie hätten 

mündlich vereinbart, dass Platini im Anschluss an die Wahl von Blatter zum FIFA-

Präsidenten als Berater für ihn tätig und dafür mit CHF 1 Million jährlich entschä-

digt werden solle. Da die FIFA damals nicht über ausreichende Mittel zur Zahlung 

dieser Entschädigung verfügt habe, sei dann im schriftlichen Vertrag vom 25. Au-

gust 1999 eine Teilzahlung von CHF 300'000.00 pro Jahr vereinbart und die Be-

gleichung der zuvor mündlich abgemachten Summe auf später verschoben wor-

den. Bei der von Platini am 17. Januar 2011 in Rechnung gestellten Forderung 

in Höhe von CHF 2 Millionen handle es sich daher um eine aufgeschobene Lohn-

zahlung von jährlich CHF 500'000.00 für dessen Beratertätigkeit in den Jahren 

1998-2002, die ihm nebst der Entschädigung aus dem schriftlichen Vertrag vom 

25. August 1999 von CHF 300'000.00 pro Jahr aufgrund der zwischen Blatter und 

Platini getroffenen mündlichen Vereinbarung zustehe (TPF 266.721.434 ff.; 

266.721.490 ff.). 

3.2 Erwägungen der Vorinstanz und Parteistandpunkte im Berufungsverfahren 

3.2.1 Die Vorinstanz kam nach Würdigung aller Beweise und Indizien zum Schluss, 

dass es bei objektiver Betrachtung ernsthafte Zweifel gebe, ob sich der gemäss 

Anklageschrift umschriebene Sachverhalt tatsächlich verwirklicht habe. Demge-

genüber könne der von den Beschuldigten vorgebrachte Alternativsachverhalt, 

wonach sie im Jahr 1998 vereinbart hätten, dass Platini für seine Beratertätigkeit 

zugunsten der FIFA bzw. ihres Präsidenten ab Juli 1998 mit jährlich CHF 1 Million 

vergütet werden solle, vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden. Blatter 

sei sowohl als Generalsekretär und – nach seiner Wahl am 8. Juni 1998 – auch 

als Präsident der FIFA einzelzeichnungsberechtigt und damit befugt gewesen, 

sich mit Platini rechtsgültig über diese Entschädigung für dessen Beraterdienste 

zu einigen. Durch die übereinstimmende gegenseitige Willensäusserung der Be-

schuldigten sei eine mündliche Vereinbarung zwischen der FIFA und Platini gültig 

zustande gekommen und gestützt darauf von diesem für seine Beratertätigkeit 

eine Vergütung von CHF 1 Million pro Jahr verlangt worden. Es gebe im schriftli-

chen Vertrag, der am 25. August 1999 zwischen der FIFA und Platini abgeschlos-

sen worden sei, keine Anhaltspunkte dafür, dass die zuvor getroffene mündliche 

Vereinbarung damit aufgehoben oder ersetzt worden sei. Die mündlich verein-

barte Abrede betreffend die jährliche Vergütung von CHF 1 Million habe daher 

auch nach Abschluss des schriftlichen Vertrags vom 25. August 1999 ihre Gül-

tigkeit behalten, sodass Platini zu Recht gestützt darauf eine jährliche Vergütung 

von CHF 1 Million für seine Beratertätigkeit verlangt habe. Da die FIFA bis zum 

1. Februar 2011 erst eine Vergütung von CHF 1.2 Millionen für seine Beratertä-

tigkeit in der Zeit von Juli 1998 bis Juni 2002 bezahlt habe, sei Platini im Zeitpunkt 

- 32 - 

der inkriminierten Zahlung von CHF 2 Millionen noch eine Restforderung gegen-

über der FIFA von CHF 2.8 Millionen zugestanden. Die FIFA habe ihm die über-

wiesenen CHF 2 Millionen folglich geschuldet (TPF 266.930.086 ff. E. 3.5.3.3 ff.).  

3.2.2 Die BA macht mit ihrer Berufung zum Schuldpunkt zusammengefasst geltend, 

dass die Vorinstanz verschiedentlich falsche und aktenwidrige Feststellungen ge-

troffen, ohne sachlichen Grund wichtige, entscheidrelevante Beweismittel und 

damit aktenmässig abgestützte Tatsachen nicht oder nicht richtig berücksichtigt 

und auf der Grundlage der festgestellten Tatsachen unhaltbare Schlussfolgerun-

gen gezogen habe (Berufungsbegründung CAR 4.200.203-267 Ziff. III. 2 f., IV. 

1.2 ff. insb. 2.14.2 und V. 2 ff.; Plädoyer CAR 5.200.035-104). Die Bundesanwalt-

schaft hält entsprechend ihrer Anklage somit daran fest, dass die inkriminierte 

Zahlung von CHF 2 Millionen ohne rechtliche Grundlage geleistet worden sei und 

es sich bei der behaupteten mündlichen Vereinbarung lediglich um eine Schutz-

behauptung der Beschuldigten handle, die zur Plausibilisierung der unrechtmäs-

sigen Zahlung aufgestellt worden sei. In Tat und Wahrheit stelle aber das Vorge-

hen der Beschuldigten ein strafrechtlich relevantes Verhalten dar, das insbeson-

dere den Tatbestand des Betrugs erfülle.  

3.2.3 Die Beschuldigten halten ebenfalls an ihrer Sachverhaltsversion fest, wonach sie 

im Jahr 1998 mündlich eine Entschädigung von CHF 1 Million pro Jahr für die 

Beratertätigkeit von Platini in den Jahren 1998-2002 vereinbart hätten, deren Be-

gleichung jedoch aufgrund der damals schlechten finanziellen Situation der FIFA 

zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen sollte.  

3.3 Beweisthema / Feststellung des unbestrittenen Sachverhalts  

3.3.1 Unbestritten und damit nicht beweisbedürftig ist zunächst die Tatsache, dass Pla-

tini nach der Wahl von Blatter zum FIFA-Präsidenten – der genaue Beginn seines 

Engagements ist umstritten – bis zum 30. Juni 2002 als dessen Berater tätig ge-

wesen ist (BA 11.101-0027). Feststeht sodann, dass Platini und die FIFA, vertre-

ten durch Blatter, am 25. August 1999 einen schriftlichen Vertrag zur Regelung 

dieser Beratertätigkeit abgeschlossen haben, der rückwirkend auf den 1. Ja-

nuar 1999 in Kraft getreten ist (BA B07.301.002-0003 ff.). Als Entschädigung für 

Platini haben die Parteien in diesem Vertrag CHF 300'000.00 pro Jahr vereinbart. 

Die FIFA hat in der Folge für die Beratertätigkeit von Platini bis 30. Juni 2002 

insgesamt CHF 1'050'000.00 gezahlt (BA 11.102-0017 f.).  

Ebenfalls unbestritten sind sodann die in der Anklageschrift als Täuschungs-

handlungen beschriebenen konkreten Aktionen der Beschuldigten, nämlich die 

Einreichung der Rechnung vom 17. Januar 2011 über CHF 2 Millionen durch 

- 33 - 

Platini und die von Blatter als Vertreter der FIFA auf dieser Rechnung unter-

schriftlich erfolgte Bestätigung dieser Forderung (BA B07.301.002-0201 f.) sowie 

die in der Folge von der FIFA am 1. Februar 2011 in Auftrag gegebene Zahlung 

von CHF 2 Millionen (BA B08.101.059-0006 ff.) auf ein Konto von Platini und 

schliesslich die am 24. März 2011 ebenfalls zu seinen Gunsten erfolgte Überwei-

sung der Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von CHF 229’126.00 an die Sozi-

alversicherungsanstalt des Kantons Zürich (BA B07.201.115-0001 ff.).  

Damit steht fest, dass Platini für seine Beratertätigkeit, die unbestrittenermassen 

vom 1. Januar 1999 bis zum 30. Juni 2002 und damit mindestens 3½ Jahre ge-

dauert hat, die im schriftlichen Vertrag vom 25. August 1999 vereinbarte Entschä-

digung von total CHF 1'050'000.00 erhalten hat. Im Weiteren ist festzustellen, 

dass Platini mit Rechnung vom 17. Januar 2011 für diese Beratertätigkeit eine 

zusätzliche Entschädigung von insgesamt CHF 2 Millionen, zuzüglich Sozialver-

sicherungsbeiträge, gefordert hat (BA B07.301.002-0201). Nach Eingang dieser 

Rechnung bei der FIFA hat Blatter diese am 18. Januar 2011 als Vertreter der 

FIFA unterzeichnet (BA B07.301.002-0202). Die FIFA hat daraufhin am 1. Feb-

ruar 2011 einen Betrag von CHF 2 Millionen auf ein Konto von Platini (BA 

B08.101.059-0006 ff.) und am 24. März 2011 Sozialversicherungsbeiträge zu-

gunsten von Platini in Höhe von CHF 229’126.00 an die Sozialversicherungsan-

stalt des Kantons Zürich überwiesen (BA B07.201.115-0001 ff.). Diese Tatsa-

chen müssen somit nicht besonders bewiesen werden. 

3.3.2 Strittig und damit Beweisthema ist folglich zum einen die Dauer der Beratertätig-

keit von Platini, ob er also – wie von den Beschuldigten geltend gemacht – bereits 

im Jahr 1998 und mithin vor dem 1. Januar 1999, der im schriftlichen Vertrag als 

Datum des Inkrafttretens genannt wird, für die FIFA in massgeblichem und ent-

schädigungswürdigem Umfang tätig gewesen ist. Zum anderen ist die Frage 

streitig, ob Blatter, als Vertreter der FIFA, und Platini nebst der im schriftlichen 

Vertrag vom 25. August 1999 erwähnten Entschädigung von CHF 300'000.00 

mündlich eine weitere Vergütung für die Dienste von Platini von mindestens zu-

sätzlichen CHF 500'000.00 pro Jahr gültig vereinbart, deren Bezahlung jedoch 

aufgeschoben haben. Ebenfalls umstritten ist schliesslich die Rechtmässigkeit 

der Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von CHF 229’126.00, die 

als Folge der Vergütung von CHF 2 Millionen an Platini geleistet worden sind. 

3.3.3 Im vorliegenden Fall steht das angeklagte Szenario des Betrugs, eventualiter der 

Veruntreuung resp. der ungetreuen Geschäftsführung, demjenigen einer ver-

tragskonformen und strafrechtlich unproblematischen Zahlung von CHF 2 Millio-

nen gegenüber. Für einen Schuldspruch der Beschuldigten wegen Betrugs, dem 

Hauptanklagepunkt, muss demnach zum einen deren Darstellung bezüglich des 

- 34 - 

mündlichen Vertrags betreffend die Beratertätigkeit von Platini widerlegt resp. be-

wiesen werden, dass es sich dabei um eine reine Schutzbehauptung handelt und 

ausschliesslich der von den Parteien geschlossene schriftliche Vertrag vom 

25. August 1999 massgebend sein kann. Zum anderen muss bewiesen werden, 

dass die Beschuldigten die Mitarbeitenden der FIFA in arglistiger Weise wissent-

lich und willentlich über den Bestand der von Platini für seine Beratertätigkeit in 

der Zeit von Juli 1998 bis Juni 2002 geltend gemachten und von Blatter geneh-

migten Forderung von CHF 2 Millionen getäuscht haben.  

4. Zur mündlichen Vereinbarung zwischen der FIFA und Platini 

4.1 Erwägungen der Vorinstanz – Würdigung der Aussagen der Beschuldigten 

4.1.1 Die Vorinstanz des Bundesstrafgerichts hat in ihrem Urteil alle Beweise, die nach 

ihrem Dafürhalten im Zusammenhang mit der umstrittenen mündlichen Verein-

barung zwischen der FIFA und Platini massgebend sind, ausführlich dargelegt 

(TPF 266.930.050 ff. E. 3.5.2). Darauf wird im vorliegenden Urteil verwiesen, so-

fern aufgrund der konkreten Rügen der BA für die spezifische Überprüfung eine 

erneute detaillierte Wiedergabe des einen oder anderen Beweises nicht als er-

forderlich erscheint.  

4.1.2 Bei der anschliessenden Würdigung der Beweise ist die Vorinstanz zunächst auf 

die einzigen direkten Beweise, die Aussagen der Beschuldigten zum geltend ge-

machten Abschluss der mündlichen Vereinbarung, insbesondere auf ihre Erst-

aussagen vom 25. September 2015 eingegangen und hat Folgendes dazu fest-

gestellt: Die Beschuldigten hätten noch bevor ihnen der schriftliche Vertrag zwi-

schen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 vorgehalten worden sei, über-

einstimmend geltend gemacht, dass Platini für seine Beratertätigkeit eine jährli-

che Vergütung von «1 Million», ohne die Währung zu präzisieren, verlangt habe. 

Ihre Aussagen seien auch dahingehend übereinstimmend, als vereinbart worden 

sei, die Vergütung in Schweizer Franken auszurichten. Dies sei zwar lediglich 

von Platini explizit zu Protokoll gegeben worden, ergebe sich aber implizit aus 

den Erstaussagen von Blatter, indem er bereits zu Beginn der ersten Einver-

nahme die Währung der in den Jahren 1998-2002 effektiv bezahlten Vergütung 

genannt habe. Die Beschuldigten hätten ferner übereinstimmend zu Protokoll ge-

geben, dass die jährliche Vergütung von CHF 1 Million damals aufgrund der fi-

nanziellen Situation der FIFA nicht habe bezahlt werden können und Platini des-

halb nur CHF 500'000.00 (recte: CHF 300'000.00) pro Jahr erhalten habe. Un-

klarer seien die Erstaussagen darüber, was in Bezug auf die Differenz zwischen 

den geforderten CHF 1 Million und der effektiv bezahlten Vergütung vereinbart 

worden sei. Während Platini – laut seinen Aussagen – auf diesen Betrag nicht 

verzichtet habe und die Differenz folglich offengeblieben sei, habe sich Blatter zu 

- 35 - 

Beginn seiner ersten Einvernahme nicht ausdrücklich dazu geäussert, sondern 

lediglich ausgesagt, dass Platini seine Beratertätigkeit dann dennoch – obwohl 

die jährliche Vergütung von CHF 1 Million nicht habe bezahlt werden können – 

aufgenommen habe. Zu dieser Thematik sei Blatter damals von der BA auch 

nicht ausdrücklich befragt worden. Auf die gleich im Anschluss daran gestellte 

Frage nach der Zahlung vom 1. Februar 2011 habe Blatter indes angegeben, 

dass es sich dabei um eine Zahlung für Platinis Beratertätigkeit in den Jahren 

1998-2002 gehandelt habe. Gemäss Blatter habe Platini diesen Betrag für seine 

Beratertätigkeit mit der Begründung geltend gemacht, dass er entgegen der Zu-

sage von Blatter nur CHF 500'000.00 in diesen vier Jahren verdient habe, anstatt 

der angeblich versprochenen Million. Da Platini im Jahr 2011 nochmals gesagt 

habe, dass er «1 Million wert sei», habe die FIFA die Differenz, insgesamt also 

CHF 2 Millionen, bezahlt. Blatter habe sich mit dieser Aussage offenbar daran 

erinnert, dass die FIFA die Differenz zwischen der effektiv bezahlten und der von 

Platini geforderten Vergütung schuldig geblieben sei. Dass Blatter von der «an-

geblich versprochenen Million» gesprochen habe, ändere nichts daran. Aus die-

ser singulären Verwendung des Begriffs «angeblich» könne im Gesamtzusam-

menhang nichts zulasten der Beschuldigten abgeleitet werden, zumal ihre Aus-

sagen ansonsten im Kern in sich kongruent seien und daraus hervorgehe, dass 

sich sowohl Platini als auch Blatter daran erinnert hätten, dass Platini für seine 

Tätigkeit mit jährlich CHF 1 Million vergütet werden sollte. Schliesslich seien die 

Aussagen der Beschuldigten auch mit Bezug auf den Grund für die späte, erst 

im Jahr 2011 erfolgte Zahlung von CHF 2 Millionen im Kern übereinstimmend. 

Beide hätten diesbezüglich angegeben, dass Platini erst zu diesem Zeitpunkt 

eine Rechnung gestellt und erst dann die Bezahlung der Restforderung verlangt 

habe. Im Ergebnis wirke der von den Beschuldigten geschilderte Sachverhalt für 

das Gericht zwar objektiv etwas ungewöhnlich, jedoch weder von Vorneherein 

unrealistisch noch unplausibel. Die Schilderungen der Beschuldigten seien im 

Kern in sich kongruent und nachvollziehbar und daher nicht per se als unglaub-

haft einzustufen. Da die Beschuldigten ihre Aussagen in zeitgleich und unabhän-

gig voneinander durchgeführten Einvernahmen gemacht hätten, sei eine Kollu-

sion zwischen ihnen ausgeschlossen, da diesfalls ohnehin zu erwarten gewesen 

wäre, dass Blatter kongruenter zu Platinis Erstaussagen ausgesagt hätte 

(TPF 266.930.071 f. E. 3.5.3.1 a).  

4.1.3 Die Vorinstanz hat sich sodann mit den weiteren Aussagen der Beschuldigten 

befasst, die nach Vorlage des schriftlichen Vertrags zwischen der FIFA und Pla-

tini vom 25. August 1999 immer noch im Rahmen der ersten Einvernahme vom 

25. September 2015 zu Protokoll gegeben worden sind. Aufgrund der Aussagen 

der Beschuldigten seien beide unabhängig voneinander davon ausgegangen, 

dass Platini während seiner Beratertätigkeit bereits mit jährlich CHF 500'000.00 

- 36 - 

und nicht, wie im schriftlichen Vertrag festgehalten, mit CHF 300'000.00 entschä-

digt worden sei. In diesem Kontext stehe auch Blatters Antwort «Das ist das Rät-

sel der Sache» auf die Frage, weshalb die Nachzahlung bewilligt worden sei, 

obwohl die Parteien im schriftlichen Vertrag eine Vergütung von CHF 300'000.00 

vereinbart hätten. Diese Äusserung sei in zeitlicher Hinsicht erst nach Blatters 

vorgenannten Erstaussagen erfolgt, in denen er die jährliche Vergütung von Pla-

tini mit CHF 1 Million beziffert habe, und zudem unmittelbar nach Vorhalt des 

schriftlichen Vertrags sowie der von Blatter zu Protokoll gegebenen Annahme, 

dass Platini während seiner Beratertätigkeit bereits CHF 500'000.00 pro Jahr er-

halten habe. Inwiefern Blatters Äusserung «vielsagend» sei bzw. ein «Geständ-

nis» für dessen Schuld darstelle, sei für die Vorinstanz nicht nachvollziehbar. Es 

erscheine vielmehr nicht per se unglaubhaft, dass die Beschuldigten im Jahr 

2010 bzw. 2011 sowie während ihrer ersten Einvernahme von einer bereits be-

zahlten jährlichen Vergütung von CHF 500'000.00 und folglich von einer mündlich 

vereinbarten Restforderung von insgesamt CHF 2 Millionen ausgegangen seien 

(TPF 266.930.072 f. E. 3.5.3.1 b). 

4.1.4 Mit Bezug auf die nachfolgenden Befragungen hat die Vorinstanz weiter festge-

stellt, dass die vorgenannten Ausführungen von den Beschuldigten jeweils be-

stätigt worden seien, ohne davon in inhaltlicher Hinsicht abzuweichen. Bei der 

Anhörung im FIFA-Ethikverfahren vom 1. Oktober 2015 hätten beide in Bezug 

auf die vertraglichen Grundlagen der Beratertätigkeit ausgeführt, dass zwischen 

einer mündlichen Vereinbarung – von Blatter als Gentlemen's Agreement be-

zeichnet – und dem schriftlichen Vertrag vom 25. August 1999 zu differenzieren 

sei. Platini habe die späte Geltendmachung seiner Restforderung zudem bereits 

während der vorgenannten Anhörung vom 1. Oktober 2015 sowie in den nach-

folgenden Einvernahmen damit begründet, dass die FIFA im Jahr 2010 finanziell 

gut aufgestellt gewesen sei und ehemalige FIFA-Mitarbeitende (X. und W.) da-

mals komfortable Abfindungszahlungen erhalten hätten. Teilweise uneinheitlich 

seien indes – wie von der BA zu Recht vorgebracht – die Angaben der Beschul-

digten zum Zeitpunkt des Abschlusses der mündlichen Vereinbarung, namentlich 

ob dieser vor oder nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten erfolgt sei. Solche 

uneinheitlichen Aussagen in Bezug auf einen wesentlichen Sachverhaltskomplex 

würden sich zwar grundsätzlich belastend auswirken. Vorliegend dürfe aber nicht 

ausser Acht gelassen werden, dass es mehrere Gespräche zwischen den Be-

schuldigten betreffend die geplante Beratertätigkeit von Platini gegeben habe. Im 

Übrigen seien die Beschuldigten erstmals rund 17-24 Jahre nach dem Abschluss 

der mündlichen Vereinbarung dazu befragt worden. Aus teilweise uneinheitlichen 

Aussagen und Erinnerungslücken könne folglich nichts zu ihren Lasten abgeleitet 

werden (TPF 266.930.074 E. 3.5.3.1 c).  

- 37 - 

4.1.5 Die Vorinstanz ist schliesslich zu folgendem Ergebnis gelangt: Die Beschuldigten 

hätten über mehrere Jahre hinweg im Kern übereinstimmend zu Protokoll gege-

ben, dass sie nach mehreren Gesprächen im Jahr 1998 vor oder nach Blatters 

Wahl zum FIFA-Präsidenten eine mündliche Vereinbarung betreffend Platinis Be-

ratertätigkeit abgeschlossen hätten, mit der eine jährliche Vergütung in Höhe von 

CHF 1 Million vereinbart worden sei. Gestützt darauf habe Platini nach der Wahl 

von Blatter zum FIFA-Präsidenten seine Beratertätigkeit aufgenommen. Auf-

grund der damaligen finanziellen Lage der FIFA habe in den Jahren 1998-2002 

indes nicht der gesamte Betrag bezahlt werden können, weshalb Platini gemäss 

dem später abgeschlossenen schriftlichen Vertrag vom 25. August 1999 vorerst 

mit lediglich CHF 300'000.00 pro Jahr vergütet worden sei. Die entsprechende 

Restforderung sei die FIFA aber schuldig geblieben und von Platini mittels Rech-

nung vom 17. Januar 2011 geltend gemacht worden. Dieser Sachverhalt er-

scheine zwar aus objektiver Sicht etwas ungewöhnlich, sei aber weder von Vor-

neherein unrealistisch noch unplausibel. Die entsprechenden Schilderungen der 

Beschuldigten seien daher auch nicht per se als unglaubhaft einzustufen 

(TPF 266.930.074 E. 3.5.3.1 d). 

4.2 Rügen der Bundesanwaltschaft zur Würdigung der Vorinstanz  

4.2.1 Die BA rügt die erstinstanzliche Würdigung der Aussagen der Beschuldigten. Die 

Feststellung der Vorinstanz, wonach deren Angaben im Kern übereinstimmend 

und damit nicht unglaubhaft seien, entspreche nicht der Aktenlage. Es treffe ins-

besondere nicht zu, dass die Beschuldigten über mehrere Jahre hinweg im Kern 

übereinstimmend ausgesagt hätten. Blatter und Platini seien erstmals am 

25. September 2015 von der BA einvernommen worden. Am 1. Oktober 2015, 

also sechs Tage später, habe eine Anhörung durch die Untersuchungskammer 

de