# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5d34b3d-80c0-5131-8c42-37093b542ed2
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-04-08
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 08.04.2013 HG100334
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG100334_2013-04-08.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    

 
 

Geschäfts-Nr.: HG100334-O U 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter Peter Helm, Präsident, und Oberrichterin Dr. Franziska 

Grob, die Handelsrichter Dr. Thomas Lörtscher, Dr. Alexander Mül-

ler, Patrik Howald sowie die Gerichtsschreiberin Katja Diethelm 

 

Urteil vom 8. April 2013 

 

in Sachen 

 

Eidgenössische Invalidenversicherung,  
Klägerin 

 

vertreten durch X._____ 

 

gegen 

 

A._____ AG,  
Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend Forderung 
 

- 2 - 

Rechtsbegehren: 
(act. 1 S. 2) 

"1. Die Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin Fr. 302'945.– zuzüg-
lich Zins zu 5 %, ausmachend 

 - für die Zeit vom 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2010 Fr. 89'543.– 
 - und auf Fr. 302'945.– seit dem 1. Juli 2010 

 zu bezahlen. 

 2. Unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beklagten." 

Das Gericht zieht in Erwägung: 

I. 
Einleitung und 

Gegenstand des Verfahrens 

 1.1. Die Klägerin ist die Eidgenössische Invalidenversicherung, handelnd 

durch das Bundesamt für Sozialversicherungen.  

 1.2. Bei der Beklagten handelt es sich um eine Versicherungsgesellschaft 

mit Sitz in Zürich. Ihr Zweck ist der Betrieb aller Arten von Versicherungs- und 

Rückversicherungsgeschäften mit Ausnahme der direkten Lebensversicherung. 

 2. B._____ (im Folgenden: Geschädigte), geboren am tt.mm.1968, erlitt am 

28. April 1998 einen Auffahrunfall. Unfallverursacherin war eine bei der Beklagten 

versicherte Lenkerin. Die Geschädigte wurde in der Folge krank geschrieben. 

Zum Unfallzeitpunkt war die Geschädigte als Primarschullehrerin im Rahmen ei-

nes 80%-Pensums tätig. Die Geschädigte hatte jedoch bereits vor dem Unfall ihre 

Arbeitsstelle auf Ende August 1998 gekündigt, da sie geplant hatte, an einer an-

deren Schule als Lehrerin in einem 50%-Pensum tätig zu sein und daneben ein 

vierjähriges Psychologiestudium zu absolvieren (act. 1 Rz. 1). Die Geschädigte 

erlitt am 5. April 2000 erneut einen Auffahrunfall, welcher indes nach Angabe der 

Klägerin bloss zu einer kurzzeitigen und geringfügigen Verschlechterung des Ge-

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sundheitszustandes führte (act. 1 Rz. 2). Die Beklagte beruft sich darauf, dass 

das besagte zweite Unfallereignis im absoluten Harmlosigkeitsbereich liege. Das 

von der Klägerin behauptete komplexe Beschwerdebild sei nicht Folge des mini-

malsten Unfallereignisses vom 5. April 2000. Eine allfällige Symptomatik, welche 

allenfalls vom Unfallereignis vom 28. April 1998 herrühre, sei durch den Unfall im 

Jahre 2000 weder verstärkt noch sonst wie negativ beeinflusst worden (act. 9 

Rz. 13). Da die Parteien dem Unfallereignis vom 5. April 2000 mithin keine Be-

deutung beimessen, ist vorliegend einzig das Unfallgeschehen vom 28. April 1998 

prozessrelevant. 

 3. Die Klägerin macht mit der vorliegenden Klage regressweise Schadener-

satz geltend. Dabei stellt sie sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass die 

Geschädigte anlässlich des Unfalls vom 28. April 1998 ein Schleudertrauma der 

Halswirbelsäule (im Folgenden: HWS-Trauma) erlitten habe. Aufgrund dieses 

Krankheitsbildes habe sich eine von ihr angestrebte Ausbildung zur Psychologin 

um vier Jahre verschoben und die Geschädigte habe daher nicht bereits ab Juli 

2002 als Psychologin tätig sein können. Der der Geschädigten dadurch entstan-

dene Erwerbsschaden sei von ihr (der Klägerin) im Rahmen der Gewährung von 

beruflichen Massnahmen mittels Taggeldleistungen in der Höhe von 

CHF 302'945.– in der Zeitspanne vom 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2006 gedeckt 

worden (act. 1 S. 3 Rz. 3). Die Beklagte ihrerseits habe sie als Haftpflichtversiche-

rer der Unfallverursacherin im Umfang der erbrachten Taggeldleistungen schad-

los zu halten. 

 4. Die Beklagte verwahrt sich gegen sämtliche Ansprüche. Sie bestreitet das 

Vorliegen gesetzlicher Leistungen, das Vorliegen eines HWS-Traumas, den natür-

lichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den gel-

tend gemachten Beschwerden, die Kongruenz sowie die Höhe des von der Kläge-

rin geltend gemachten Schadens. Die Beklagte zweifelt die Beweiskraft diverser 

von der Klägerin ins Recht gelegter Arztberichte an und stützt sich insbesondere 

auf ein MEDAS-Gutachten, welches ihrer Ansicht nach die natürliche Kausalität 

zwischen dem Unfallgeschehen und den im Zeitpunkt der Begutachtung im Feb-

ruar 2002 bei der Geschädigten vorliegenden Beschwerden klar verneine. 

- 4 - 

 5. Unbestritten ist der eigentliche Unfallhergang, stützen sich doch sowohl 

die Klägerin als auch die Beklagte in den von ihnen in Auftrag gegebenen Gutach-

ten zum Unfallgeschehen auf den gleichen Sachverhalt (vgl. act. 4/3 sowie 

act. 4/4). Des Weiteren ist auch unbestritten, dass bei der Klägerin nach dem Un-

fall vom 28. April 1998 keine organisch nachweisbaren Befunde aufgetreten wa-

ren (act. 1 S. 13 Rz. 26). 

II.  
Prozessverlauf 

 Mit Einreichung der Klageschrift vom 17. Dezember 2010 und des Wei-

sungsscheins vom 27. September 2010 machte die Klägerin die Klage am 

17. Dezember 2010 (Datum Poststempel) hierorts rechtshängig (act. 1; act. 3). 

Die Beklagte erstattete am 29. März 2011 die Klageantwort (act. 9). Am 

3. November 2011 fand eine Referentenaudienz und Vergleichsverhandlung statt 

(Prot. S. 3 f.), anlässlich welcher keine Einigung erzielt werden konnte (Prot. S. 4). 

Die Klägerin reichte die Replik in der Folge am 27. Februar 2012 ein (act. 16). Die 

Beklagte erstattete ihre Duplik am 29. Mai 2012 (act. 20). Mit Verfügung vom 

31. Mai 2012 wurde die Duplik der Klägerin zugestellt (Prot. S. 7). Das Verfahren 

erweist sich als spruchreif (§ 188 Abs. 1 ZPO/ZH). 

III. 
Prozessuales 

 1. Am 1. Januar 2011 ist die eidgenössische Zivilprozessordnung (ZPO) in 

Kraft getreten. Nach deren Art. 404 Abs. 1 gilt für Verfahren, die bei Inkrafttreten 

dieses Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis zum Ab-

schluss vor der betroffenen Instanz. Für das vorliegende Verfahren ist demnach 

das frühere kantonale Prozessrecht (ZPO/ZH und GVG) massgebend. Das 

Rechtsmittel richtet sich hingegen nach dem Recht, das bei der Eröffnung des 

Entscheides in Kraft ist, mithin nach dem neuen Prozessrecht (Art. 405 Abs. 1 

ZPO). 

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 2. Das Gericht prüft von Amtes wegen, ob die Prozessvoraussetzungen er-

füllt sind (§ 108 ZPO/ZH). Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach dem 

neuen Recht, wobei eine bestehende Zuständigkeit nach dem alten Recht erhal-

ten bleibt (Art. 404 Abs. 2 ZPO). Vorliegend ergibt sich die örtliche Zuständigkeit 

aus Art. 26 Abs. 1 GestG. Die sachliche Zuständigkeit ist in Erfüllung der in § 62 

und § 63 GVG genannten Voraussetzungen zu bejahen. 

 3. Die Prozessvoraussetzungen sind damit im Ergebnis erfüllt (§ 108 

ZPO/ZH). Dem Eintreten auf die Klage steht nichts entgegen. 

IV. 
Subrogation des Sozialversicherers 

 1. Der zu beurteilende Sachverhalt hat sich vor Inkrafttreten des Bundesge-

setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; in Kraft 

seit 1. Januar 2003) zugetragen. Damit sind die materiellrechtlichen Bestimmun-

gen dieses Erlasses nicht anwendbar (Art. 82 Abs. 1 Satz 1 ATSG). Als materielle 

Bestimmungen sind u.a. die Regressbestimmungen (Art. 72 ff. ATSG) anzusehen. 

Das ATSG hat im Übrigen nicht zu einer inhaltlichen Änderung der für die Beurtei-

lung massgeblichen Bestimmungen und Grundsätze geführt (BGE 134 V 109 

E. 2.2; KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Art. 82 N 10 und N 12 m.H. sowie 

Art. 72 N 12). Gemäss Art. 52 aIVG trat die Klägerin im Zeitpunkt des Unfallereig-

nisses am 28. April 1998 bis auf die Höhe der gesetzlichen Leistungen in die An-

sprüche des Geschädigten ein. Art. 52 aIVG verweist für den Regress der Invali-

denversicherung auf die Bestimmungen des AHVG. Nach Art. 48ter aAHVG ge-

hen die Ansprüche des Geschädigten gegenüber einem Haftpflichtigen im Zeit-

punkt des Schadenereignisses bis auf die Höhe der gesetzlichen Leistungen auf 

die Sozialversicherung über (BGE 124 V 174). 

 2.1. Das Subrogations- und Regressrecht der Klägerin wird von der Beklag-

ten in der Klageantwortschrift mit Hinweis auf fehlende gesetzliche Leistungen 

bestritten. Die Beurteilung sei in Wiedererwägung zu ziehen respektive zu revidie-

ren, da genügend Hinweise für eine ungesetzliche Leistung der Klägerin vorliegen 

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würden (act. 9 Rz. 7). Die Beklagte führt ins Feld, dass sich die Geschädigte be-

reits vor dem Unfallgeschehen dafür entschieden habe, sich zur Psychologin um-

schulen zu lassen. Zum Zeitpunkt der Absolvierung der Ausbildung sei sie im Leh-

rerberuf zu 50% und in angepasster Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig gewesen. 

Aufgrund dieser Leistungsfähigkeit hätte sie ohne Weiteres - wie ursprünglich 

auch geplant - zu 50% einer Arbeit nachgehen und in der verbleibenden restli-

chen Zeit ihr Studium absolvieren können. Auch dadurch, dass die Geschädigte 

ihre Ausbildung erst vier Jahre später habe absolvieren können, sei ihr kein 

Schaden entstanden. Es bestehe daher kein haftpflichtrelevanter Schaden, zumal 

die Verdienstmöglichkeiten als Psychologin unter denjenigen im Lehrerberuf lie-

gen würden. Eine Unterstützung der Geschädigten durch die Klägerin sei daher 

nicht angezeigt gewesen (vgl. act. 9 Rz. 7; act. 20 Rz. 14).  

 In Abweichung zu den Ausführungen in der Klageantwort verlangt die Be-

klagte in ihrer Duplik nicht mehr, dass eine Wiedererwägung der Verfügungen der 

Klägerin erfolgen solle (vgl. act. 20 Rz. 155). 

 2.2. Eine Verfügung ist in Wiedererwägung zu ziehen, wenn diese zweifellos 

unrichtig ist respektive an einer ursprünglichen oder nachträglichen Fehlerhaf-

tigkeit leidet und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. An den 

Bestand der Zweifellosigkeit ist ein hoher Massstab anzusetzen. Es darf kein ver-

nünftiger Zweifel mehr daran bestehen, dass eine Unrichtigkeit vorliegt (vgl. zum 

Ganzen KIESER, ATSG-Kommentar, a.a.O., Art. 53 N 31; BGE 110 V 176 E. 2a). 

Soweit die Beklagte überhaupt an einer Wiedererwägung festhält, unterlässt sie 

es, hinreichend konkrete Behauptungen vorzubringen, aufgrund derer die klägeri-

sche Verfügung als zweifellos unrichtig angesehen werden müsste. Es liegen mit-

hin keine genügenden Anhaltspunkte für eine angezeigte Wiedererwägung oder 

Revision der Verfügung der IV betreffend Kostengutsprache für berufliche Mass-

nahmen vom 28. Oktober 2003 (act. 4/40) oder hinsichtlich der Verfügungen be-

treffend das IV-Taggeld vor (act. 4/41-48). Die Klägerin ist folglich grundsätzlich 

subrogations- und regressberechtigt. Falls die Haftungsvoraussetzungen im vor-

liegenden Fall allesamt bejaht werden, ist mit der Schadensberechnung zu prü-

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fen, in welche Leistungen die Klägerin eintritt bzw. welche Leistungen von ihr re-

gressweise geltend gemacht werden können. 

V. 
Zahlung im Direktschaden 

 1. Die Klägerin macht geltend, dass die Beklagte der Geschädigten im Di-

rektschaden CHF 250'000.– zuzüglich der Anwaltskosten bezahlt habe. Es sei of-

fensichtlich, dass die besagte Zahlung auch in den Zeitraum vom 1. Juli 2002 bis 

zum 30. Juni 2006 gefallen sei, womit die Beklagte die Voraussetzungen ihrer 

Haftpflicht selber bejaht habe. Der Direktschaden und der Regressanspruch wür-

den auf dem vollkommen identischen Sachverhalt basieren. Wenn der Haftpflich-

tige im Direktschaden die Sozialversicherungsleistungen vom Gesamtschaden in 

Abzug bringe und der Direktgeschädigten bloss die Differenz bezahle, könne er 

(der Haftpflichtige) den Bestand von gesetzlichen Leistungen im Regressprozess 

nicht bestreiten, ohne dass er sich dem Vorwurf des widersprüchlichen Verhaltens 

aussetze (act. 1 Rz. 4 sowie Rz. 34 ff.; act. 16 Rz. 1 ff., act. 16 Rz. 47). 

 2. Die Beklagte führt demgegenüber ins Feld, dass die an die Geschädigte 

geleistete Entschädigung zuzüglich der Anwaltskosten als Vergleichszahlung oh-

ne Anerkennung einer Rechtspflicht erfolgt sei und dem Prozessauskauf gedient 

habe (act. 9 Rz. 55 ff.; act. 20 S. 3 ff.). 

 3.1. Der Vergleich ist ein Innominatkontrakt, in welchem die Parteien einen 

Streit oder eine Ungewissheit über ein bestehendes Rechtsverhältnis durch ge-

genseitige Zugeständnisse beseitigen (BGE 105 II 277; 111 II 350; 121 IV 323) 

und dadurch den umstrittenen oder unsicheren Rechtszustand zu einem sicheren 

oder unbestreitbaren machen (GAUCH, Der aussergerichtliche Vergleich, in: Inno-

minatverträge, FS Schluep, Zürich 1988, S. 3 ff.). Die Wirkung des Vergleiches 

beschränkt sich dabei grundsätzlich lediglich auf den Rechtskreis der Vergleichs-

parteien (GAUCH, a.a.O., S. 15). 

 3.2. In die Vereinbarung über die Auszahlung von Versicherungsleistungen 

(vgl. act. 4/38) fand folgende Anmerkung Eingang: "In Haftpflichtfällen geschieht 

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die Erledigung unter Offenlassung der Haftpflichtfrage…". Beim Betrag von 

CHF 235'000.– verwiesen die Parteien überdies auf folgenden Satz: "Vergleichs-

weise Erledigung per Saldo aller Ansprüche und unter allen Titeln". 

 Es handelt sich bei der fraglichen Vereinbarung gemäss deren Wortlaut um 

eine vergleichsweise Erledigung aller Ansprüche zwischen der Geschädigten 

B._____ und der jetzigen Beklagten. Besagter Vergleich entfaltet einzig zwischen 

den involvierten Parteien Rechtswirkung. Aus der Zahlung, welche die Beklagte 

der Geschädigten im Direktschaden im Rahmen eines Vergleiches leistete, kann 

aufgrund der alleinigen Wirkung des Vergleiches zwischen den involvierten Par-

teien für das vorliegende Verfahren nichts abgeleitet werden. Der Beklagten kann 

mangels präjudizierender Wirkung der Vergleichsvereinbarung entgegen der An-

sicht der Klägerin auch nicht der Vorwurf gemacht werden, dass sie sich im vor-

liegenden Verfahren widersprüchlich respektive rechtsmissbräuchlich verhalte. 

Aus dem Verhalten der Beklagten gegenüber der Geschädigten ein rechtsmiss-

bräuchliches Verhalten gegenüber der Klägerin ableiten zu wollen, geht zu weit 

und würde einer Partei den Abschluss eines Vergleiches, welcher naturgemäss 

gegenseitige Zugeständnisse bedingt, im Hinblick auf ein künftiges haftpflicht-

rechtliches Regressverfahren erschweren oder gar verunmöglichen. 

VI. 
Gesundheitszustand der Geschädigten 

 1. Als Personenschaden wird derjenige Schaden bezeichnet, welcher durch 

die Beeinträchtigung der Gesundheit der natürlichen Person entsteht. Dement-

sprechend umfasst der Personenschaden alle durch Körperverletzung oder Tö-

tung eines Menschen verursachten materiellen Einbussen. Körperverletzung ist 

dabei die Beeinträchtigung der körperlichen oder psychischen Integrität einer na-

türlichen Person. Haftpflichtrechtlich relevant ist eine Körperverletzung nur dann, 

wenn sie einen Schaden oder eine immaterielle Unbill bewirkt (REY, Ausserver-

tragliches Haftpflichtrecht, Zürich 1995, N 219 ff.). 

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 2.1. Die Klägerin macht geltend, die Geschädigte habe im Anschluss an den 

Unfall an Kopf- und Nackenschmerzen gelitten. Die Geschädigte habe bereits im 

Unfallprotokoll vom 29. April 1998 angeführt, dass sie nach dem Unfall unter star-

ken Kopfschmerzen und Nackenproblemen gelitten habe (act. 16 S. 49 Rz. 63). 

Falsch und bestritten sei, dass sich die Geschädigte erstmals bei Dr. C._____ 

über eine eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule und über Druckdo-

lenzen beklagt habe (act. 16 S. 19 Rz. 29 und S. 49 Rz. 63). 

 Die Klägerin stellt in Abrede, dass ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch 

Beschwerden psychogener Natur vorgelegen haben sollen (act. 1 Rz. 26 und 

Rz. 48). Sie bestreitet das Vorliegen neurasthenischer Beschwerden respektive 

die von den MEDAS-Gutachtern vertretene Ansicht, dass die zunächst bestehen-

den somatischen Unfallfolgen in rein psychogene Unfallfolgen übergegangen sei-

en (act. 1 Rz. 25). Auch wenn für die persistierenden Kopf- und Nackenbe-

schwerden aus orthopädisch-traumatologischer Sicht kein organisches Korrelat 

gefunden werden könne, so dürfe daraus nicht der Schluss gezogen werden, 

dass trotz klinisch eindeutiger Befunde keine somatisch begründeten Beschwer-

den bzw. keine Unfallfolgen vorgelegen hätten (act. 1 Rz. 26; act. 16 Rz. 41).  

 2.2. Die Beklagte bestreitet das Vorliegen eines HWS-Traumas und führt ins 

Feld, dass gar keine verwertbaren medizinischen Unterlagen vorliegen würden, 

welche den praxisgemässen Bedürfnissen einer ersten genügenden ärztlichen 

Abklärung entsprechen würden (act. 20 Rz. 52). Im ersten Moment nach dem Un-

fall seien nur Kopfschmerzen vorgelegen und zu keinem Zeitpunkt weitere Be-

schwerden bzw. das für ein HWS-Trauma typische bunte Beschwerdebild (act. 20 

Rz. 56 sowie Rz. 173). Ein HWS-Trauma sei daher zu verneinen (act. 20 Rz. 58 

sowie Rz. 62). Die Behauptung der Klägerin, wonach unmittelbar nach dem Un-

fallereignis nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch Nackenprobleme bei der Ge-

schädigten aufgetreten seien, würde nicht zutreffen (act. 20 Rz. 70). Dass ent-

zündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) vom erstbehandelnden Arzt verab-

reicht worden seien, sei üblich, und beweise noch nicht, dass tatsächlich Nacken-

beschwerden vorgelegen hätten (act. 20 Rz. 71 sowie Rz. 75). 

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 Die Beklagte stützt sich im Weiteren auf die Einschätzungen der Gutachter 

des Zentrums für Medizinische Begutachtung …, gemäss welchen bei der Ge-

schädigten im Begutachtungszeitpunkt (28. Januar 2002 bis 1. Februar 2002) 

neurasthenische Beschwerden vorlagen, d.h. eine rein psychogene Problematik 

dominierte (act. 9 Rz. 40; act. 20 Rz. 109). 

 3.1. Im Unfallprotokoll, datierend vom 29. April 1998, gab die Geschädigte 

an, dass sie nach dem Unfall "starke Kopfschmerzen und Nackenprobleme" ge-

habt und deshalb einen Arzt aufgesucht habe (act. 4/7). 

 3.2.1. Der am 29. April 1998 aufgesuchte Arzt war der langjährige Hausarzt 

der Geschädigten, Dr. med. D._____ (Behandlung seit April 1990; vgl. act. 4/19). 

Dr. D._____ untersuchte die Geschädigte am 29. April 1998, mithin einen Tag 

nach dem Unfallgeschehen. Ein ärztlicher Bericht zu besagter Untersuchung exis-

tiert nicht. Es besteht in diesem Kontext lediglich ein Arztzeugnis, welches 

Dr. D._____ zuhanden der Unfallversicherung am 4. Juni 1998 erstellte (act. 4/9). 

In besagtem Zeugnis stellte Dr. med. D._____ die Diagnose "minimales HWS-

Trauma" bei absolut uneingeschränkter HWS-Beweglichkeit, verordnete das Tra-

gen eines Halskragens und verabreichte ein schmerzstillendes sowie entzün-

dungshemmendes Schmerzmittel (NSAR; nichtsteroidales Antirheumatika). Die 

Arbeitsunfähigkeit der Geschädigten setzte er vom 11. Mai 1998 bis zum 21. Mai 

1998 auf 100% an. Dr. med. D._____ gab zudem an, dass sich die Geschädigte 

von sich aus zu Dr. med. C._____, einem Facharzt für Rheumatologie, begeben 

habe.  

3.2.2. Dr. med. D._____ gab in seinem Schreiben vom 18. Februar 1999 

(act. 10/2) an die Beklagte an, dass er die Geschädigte zwischen dem 29. April 

1998 und dem 19. Mai 1998 insgesamt fünfmal gesehen habe. Die Geschädigte 

habe an Kopfweh gelitten, indes habe bei der Erstkonsultation am 29. April 1998 

eine absolut uneingeschränkte HWS-Beweglichkeit vorgelegen. Er habe die Di-

agnose "einfaches HWS-Trauma" gestellt. Infolge Zunahme der Kopfschmerzen 

in den ersten Tagen habe er am 4. Mai 1998 einen Halskragen verordnet, welcher 

indes von der Geschädigten nicht abgeholt worden sei. Er habe die Geschädigte 

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bei der dritten Konsultation darauf hingewiesen, dass keine Besserung eintreten 

werde, wenn seine Verordnungen nicht eingehalten würden. 

 3.3. Die Geschädigte begab sich am 22. Mai 1998 in die Behandlung von 

Dr. med. C._____, einem Facharzt für Rheumatologie. Dieser diagnostizierte in 

seinem Bericht vom 25. Juni 1998 (act. 4/10) ein therapieresistentes subakutes 

cervico-cephales Syndrom nach HWS-Trauma. Hinsichtlich der Anamnese be-

schrieb er Kopfschmerzen innerhalb von 15 Minuten nach der Auffahrkollision, 

welche in der Folge im Sinne von Dauerschmerzen persistierten. Es lägen Visus-

störungen und diffuser Schwindel vor. Diese Beschwerden würden im Verlaufe 

des Arbeitstages als Lehrerin zunehmen. 

 Bezüglich der klinischen Befunde hielt Dr. med. C._____ fest, dass der in-

ternmedizinische und neurologische Status ohne relevante pathologische Befun-

de sei. Hinsichtlich des Bewegungsapparates beschrieb er eine ausgesprochen 

schmerzhafte Inklination aktiv und passiv mit subtotal eingeschränkter Beweglich-

keit sowie eine Bewegungseinschränkung der Kopfgelenke bezüglich Rotation 

nach beiden Seiten um einen Drittel (act. 4/10). 

 3.4. Vom 20. Juli 1998 bis zum 7. August 1998 liess sich die Geschädigte in 

der Klinik E._____ ambulant behandeln. Im Austrittsbericht der Klinik E._____ 

vom 21. August 1998 wurde die Diagnose chronisches cervicospondylogenes und 

cervicocephales Syndrom bei/mit Status nach Distorsion Halswirbelsäule, Dys-

funktion CS und muskulärer Dysbalance gestellt. Es wurde festgehalten, dass die 

sehr differenzierte und ängstliche Geschädigte nach wie vor über Kopfschmerzen 

geklagt habe, die bei geringsten seelischen und körperlichen Belastungen auftre-

ten würden. Der Schwindel habe hingegen vor dem Eintritt schon deutlich gebes-

sert (act. 4/11 S. 1). In den ersten Tagen der Behandlung sei es zu einer Ver-

schlechterung der Symptome gekommen, in der Folge jedoch bis zum Austritt der 

Patientin zu einem Rückgang derselben. Die Kopfschmerzen seien indes nicht 

verschwunden (act. 4/11. S. 2). 

 3.5. Aus den ärztlichen Zwischenberichten von Dr. med. C._____ vom 

19. Oktober 1998 (act. 4/12), vom 11. Januar 1999 (act. 4/13) vom 24. Februar 

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1999 (act. 4/14), vom 27. Juni 1999 (act. 4/16) sowie vom 2. November 2011 

(act. 4/17) geht hinsichtlich der Diagnose hervor, dass die Geschädigte an einem 

rezidivierenden cervico-cephalen Syndrom nach HWS-Trauma leide. Der Verlauf 

wurde wieder als langwierig, insgesamt aber als tendenziell günstig beschrieben 

(vgl. act. 4/16; act. 4/17). 

 Die Psychotherapeutin F._____ beschrieb in ihrem Bericht vom 28. April 

1999 (act. 4/15), dass die Geschädigte seit dem 3. November 1998 in Behand-

lung bei ihr sei, um ihre Lebenssituation nach dem HWS-Trauma bewältigen zu 

können. Sie leide seit dem Unfall permanent unter Kopfschmerzen in unterschied-

licher Intensität, ihre Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sei stark eingeschränkt 

und sie verspüre extreme Erschöpfbarkeit. Durch diese Beschwerden würden ihr 

Einschränkungen der sozialen Beziehungen erwachsen und die Schwankungen 

ihrer Befindlichkeit würden für die Geschädigte zunehmend zu einer enormen 

psychischen Belastung. Dazu würden starke Angst- und Verzweiflungsgefühle, 

Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie Gedankenkreisen sowie Angst gehö-

ren, die Lebensanforderungen mit diesen Schmerzzuständen nicht mehr bewälti-

gen zu können. Die Geschädigte habe das Gefühl, nicht zu genügen durch die 

eingeschränkte Leistungsfähigkeit und daraus würden sich Schuldgefühle entwi-

ckeln. 

 Frau F._____ diagnostizierte eine längere depressive Reaktion sowie einen 

leichten depressiven Zustand auf eine länger anhaltende Belastungssituation 

(ICD 10: F43.21). 

 3.6. Dr. med. G._____, Vertrauensarzt der … [Versicherung], diagnostizierte 

in seinem Bericht vom 19. April 2000 (act. 4/21) ebenfalls ein chronisches cer-

vicospondylogenes und cervicocephales Syndrom (Schmerzen im Nackenbereich 

mit Ausstrahlung in den Kopf). Daneben bestünden Schwindelzustände, Schlaf-

probleme sowie Konzentrationsschwierigkeiten. Die Geschädigte ermüde sehr 

rasch und sei wenig belastbar. Aufgrund des protrahierten Heilverlaufs empfehle 

er eine neuropsychologische Begutachtung sowie eine nochmalige intensive sta-

tionäre Therapie. Die Arbeitsfähigkeit der Geschädigten sei auf 35% ab Oktober 

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1998 anzusetzen. Ab August 2000 sei mit einer vollen (d.h. 50%igen) Tätigkeit zu 

rechnen.  

 3.7. In seinem ärztlichen Bericht vom 12. Januar 2001 bestätigte Dr. med. 

C._____ seine bereits im Mai 1998 gefasste Diagnose. Er diagnostizierte ein be-

lastungsindiziertes cervikales/cerviko-cephales Syndrom beidseits bei Status 

nach HWS-Distorsionstrauma am 28. April 1998, rasche Ermüdbarkeit durch intel-

lektuelle Anforderungen sowie eine depressive Entwicklung (act. 4/23). 

 3.8.1. Im Fragebogen vom 16. Februar 2001 zuhanden der Sozialversiche-

rungsanstalt des Kantons Zürich stellte Dr. med. H._____ folgende Diagnose: 

"Status nach zweimaligem Parotrauma der Halswirbelsäule. Chronisches post-

traumatisches Zervikalsyndrom und chronisches posttraumatisches Spannungs-

typkopfweh sowie posttraumatische Belastungsstörung. Depressive Episode." 

(act. 4/24 S. 2 f.). 

 3.8.2. Mit Schreiben vom 25. Oktober 2001 führte Dr. med. H._____ aus, 

dass seine Antworten auf den Fragebogen vom 16. Februar 2001 gleich lauten 

müssten. Er wies darauf hin, dass die Geschädigte in sehr langsamer Besserung 

begriffen sei. Dies indes mit häufigen kürzeren Rückfällen, die an der allgemeinen 

Besserungstendenz nichts zu ändern vermöchten. Die Geschädigte unternehme 

alle Anstrengungen, die ihre sehr stark verminderte Leistungsfähigkeit zulasse, 

um schliesslich zu einer Reintegration in den Arbeitsprozess zu gelangen 

(act. 4/25). 

 3.9.1. Im MEDAS-Gutachten zuhanden der I._____ vom 4. April 2002 führte 

der Orthopäde Dr. J._____ aus, dass im Vordergrund die persistierenden Kopf-

Nackenbeschwerden stehen würden, für welche aus orthopädisch-

traumatologischer Sicht kein organisches Korrelat gefunden werden könne. An-

gesichts der Tatsache, dass die HWS stabil sei und keine organisch fassbaren 

Verletzungsfolgen vorliegen würde, müsse die Geschädigte darin bestärkt wer-

den, die Beschwerden aktiv anzugehen (act. 4/26 S. 14). 

- 14 - 

3.9.2. Der Neurologe Dr. K._____ hielt fest, dass die Beweglichkeit der 

Halswirbelsäule schmerzhaft eingeschränkt bei Rotation auf 70° nach rechts und 

links sei (act. 4/26 S. 15) und diagnostizierte einen Status nach Unfall mit Distor-

sionstrauma der Halswirbelsäule am 28. April 1998 mit cervicocephalem 

Schmerzsyndrom ohne radikuläre Irritation oder Läsion sowie ohne traumatische 

Myelopathie (act. 4/26 S. 16). Dr. K._____ kam des Weiteren zum Schluss, dass 

Hinweise auf eine radikuläre oder spinale Läsion sowohl zum Begutachtungszeit-

punkt als auch in den anamnetischen Angaben seit dem ersten Unfall 1998 fehlen 

würden (act. 4/26 S. 16). 

3.9.3. Der Psychiater Dr. L._____ gelangte zu folgender Beurteilung: "Die 

Geschädigte zeigt im Psychostatus eine leichte Depressivität, mit einer leichten 

Apathie, Antriebslosigkeit und Klagsamkeit, weiter besteht auf psychopathologi-

scher Ebene ein neurotisches Dissoziationsphänomen mit Gefühlen der Distan-

ziertheit [...]. Im somatischen Teilbereich finden sich multiple somatische Be-

schwerden, wie Muskelschmerzen, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und 

Schlafstörungen. Weiter finden sich Klagen über eine erhöhte Ermüdbarkeit nach 

geistiger Anstrengung, körperliche Schwäche und Erschöpfung nach geringsten 

Anstrengungen. Betrachtet man diese Symptome, so decken sie sich mit den di-

agnostischen Leitlinien der ICD-10 für eine Neurasthenie. Natürlich kann man di-

agnostisch auch eine somatoforme Schmerzstörung und eine leichte depressive 

Episode sowie dissoziative Phänomene diskutieren, die von ihrer Zusammenset-

zung und Charakteristik her, auch von ihrem Verlauf her und ihrer Abhängigkeit 

zu Belastungen eindeutig für eine psychosomatische Symptomatik bzw. Überla-

gerung sprechen." (act. 4/26 S. 19 f.). 

3.9.4. Der Neuropsychologe Dr. M._____ führte nach der neuropsychologi-

schen Untersuchung aus, dass die neuropsychologischen Leistungsbeeinträchti-

gungen, welche bei der Geschädigten vorlägen, vor allem im Rahmen von leich-

ten kognitiven Störungen, wie sie in der Folge von Schmerzen auftreten, zu erklä-

ren sein dürften (act. 4/26 S. 24). 

3.9.5. Zusammenfassend ist dem Gutachten zu entnehmen, dass die Ge-

schädigte an einem cervicocephalen Syndrom, d.h. unter Kopf- und Nacken-

- 15 - 

schmerzen, leide, die mit somatisch-medizinischen Methoden nicht verifiziert oder 

falsifiziert werden könnten. Im somatischen Bereich würden keine objektivierbaren 

pathologischen Befunde vorliegen, die überwiegend auf den Unfall im Jahre 1998 

zurückführbar seien. Der Unfall sei wahrscheinlich Reaktivator einer bereits zwi-

schen 1992 und 1995 von der Psychologin, Frau Dr. N._____, beschriebenen 

psychosomatischen Problematik. Nach den den Gutachtern zur Verfügung ste-

henden Unterlagen seien damals verschiedene neurasthenische Beschwerden 

vorgelegen, wie beispielsweise Durchschlafstörungen, Kopfweh und Nervosität im 

Zusammenhang mit Belastungen am Arbeitsplatz. Am wahrscheinlichsten sei 

heute eine Kausalisierung der Beschwerden als eine durch den Unfall ausgelöste 

Symptomatik (act. 4/26 S. 26 f.). 

 3.9.6. Bezüglich des Zustandekommens der psychogenen Störung führen 

die Gutachter aus, dass es sich bei der Geschädigten um eine sehr sensible Per-

sönlichkeit handle, die gemäss den ihnen vorliegenden Dokumenten bereits vor 

den Unfällen gewisse psychische und psychosomatische Probleme gehabt habe 

(act. 4/26 S. 33). 

 3.10. In seiner Stellungnahme vom 19. November 2002 zum MEDAS-

Gutachten führte Dr. phil. O._____ aus, dass der Psychiater Dr. L._____ die diffe-

renzierte Darstellung von Frau N._____ völlig verzerrt wiedergebe. Ferner seien 

die Symptome, welche Dr. L._____ bei der Diagnosestellung der Neurasthenie 

zusammenfasse, völlig aus dem Zusammenhang mit den zwei Schleudertraumata 

gerissen. Es bestehe eine grosse Gefahr der Verwechslung der Symptome bei 

chronischen Schmerzen mit Symptomen der Depression. Diese würden sich in 

verschiedenen Punkten überschneiden. Werde dies nicht beachtet, so führe dies 

zu Fehldiagnosen. Nach seiner Kenntnis und Erfahrung würden die Symptome 

der Geschädigten die Kriterien eines Status nach einem HWS-

Beschleunigungstrauma voll und ganz erfüllen (act. 4/27 S. 5 f.). 

 3.11. Dr. med. H._____ monierte in seiner Stellungnahme vom 

10. Dezember 2002 zum MEDAS-Gutachten, dass der Bericht von Dr. phil. 

N._____ falsch wiedergegeben werde und die Informationen von vier Fachpsy-

chologen nicht beachtet würden (act. 4/28 S. 2 f.). Des Weiteren bemängelte er, 

- 16 - 

dass die objektiven Befunde anlässlich der gutachterlichen Untersuchung sowie 

die in den Akten beschriebenen objektiven Befunde nicht beachtet würden und 

die vorhandenen Belege für eine posttraumatische Belastungsstörung nicht be-

achtet würden (act. 4/28 S. 3 f.). Bei der Diagnose Neurasthenie handle es sich 

um eine Konstruktion, denn die objektiv fassbare Schmerzsymptomatik sei aus 

dem Gesamtbild kurzerhand ausgeklammert worden (act. 4/28 S. 5). Dr. med. 

H.____ gelangte zur Schlussfolgerung, dass das MEDAS-Gutachten seiner An-

sicht nach aufgrund diverser Mängel für die Feststellung der Leistungspflicht der 

Kostenträger nicht verwertbar sei (act. 4/28 S. 6). 

 4.1. Vorweg ist festzuhalten, dass sich die Parteien selber auf den Stand-

punkt stellen, dass die sich im vorliegenden Fall stellenden medizinischen Fragen 

zum Gesundheitszustand der Geschädigten, aber auch zur Frage des natürlichen 

und adäquaten Kausalzusammenhanges sowie des haftpflichtrechtlichen Vorzu-

standes auf der Grundlage der im Recht liegenden medizinischen Akten beant-

worten lassen würden. Auch eine neuerliche medizinische Beurteilung könne zu 

keinerlei neuen Erkenntnissen führen, stehe doch der Zeitraum vom Juli 2002 bis 

und mit Juni 2006 zur Diskussion (act. 16 Rz. 45; act. 20 Rz. 132). 

 Die Einschätzung der Parteien hinsichtlich des Bedarfs und des Nutzens ei-

nes allfälligen Beweisverfahrens zur Frage des Gesundheitszustandes der Ge-

schädigten in den Jahren 2002 bis 2006 trifft zu. Weder eine neue Begutachtung 

der Geschädigten noch allfällige Ergänzungsfragen an die Gutachter des … in …, 

welche im Frühjahr 2002 ein Gutachten zuhanden der Unfallversicherung der Ge-

schädigten erstatteten, würden im vorliegenden Verfahren zu neuen aussagekräf-

tigen Erkenntnissen bzw. Ergebnissen führen. Die sich im vorliegenden Verfahren 

stellenden Fragen sind daher auf der Basis der bestehenden medizinischen Be-

richte und Gutachten zu beantworten. Eine erneute medizinische Begutachtung 

der Geschädigten respektive eine neuerliche medizinische Expertise sowie Er-

gänzungsfragen an die MEDAS-Gutachter erscheinen im Sinne der antizipierten 

Beweiswürdigung nicht erforderlich, da sie am Beweisergebnis zweifellos nichts 

mehr zu ändern vermöchten (vgl. hierzu FRANK/STRÄULI/MESSMER, Kommentar zur 

Zürcherischen Zivilprozessordnung, § 140 N 4). 

- 17 - 

 4.2. Erstellt und unbestritten ist, dass die Geschädigte einen Tag nach dem 

Unfallgeschehen an Kopfweh litt (act. 20 Rz. 56). Die Geschädigte gab im Unfall-

protokoll vom 29. April 1998 an, dass sie nach dem Unfall unter starken Kopf-

schmerzen und Nackenproblemen gelitten und deshalb einen Arzt aufgesucht ha-

be (act. 4/7). Aus dem Arztzeugnis von Dr. med. D._____ vom 4. Juni 1998 geht 

demgegenüber lediglich hervor, dass die Geschädigte anlässlich der Erstkonsul-

tation, welche einen Tag nach dem Unfallgeschehen stattfand, an Kopfweh gelit-

ten hatte. Nackenschmerzen finden demgegenüber keine explizite Erwähnung 

(vgl. act. 4/9). Dr. med. D._____ diagnostizierte ein minimales HWS-Trauma, alles 

bei frei beweglicher Halswirbelsäule. 

 4.3. Entgegen den Ausführungen der Beklagten (act. 20 Rz. 58) muss das 

für ein HWS-Distorsionstrauma typische Beschwerdebild nicht innerhalb von 

72 Stunden vorliegen. Nach ständiger bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt 

die 72 Stunden-Regel vorab für das Auftreten von Nackenschmerzen, weil es 

medizinischer Erkenntnis entspricht, dass sich solche Beschwerden innert einer 

Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall manifestieren. Die 

Regel bedeutet indes nicht, dass sämtliche der zum typischen Beschwerdebild ei-

nes HWS-Distorsionstraumas gehörenden und im Einzelfall festgestellten Symp-

tome innert dieser Latenzzeit aufgetreten sein müssen (U 167/06 vom 31. Januar 

2007, E. 3.2; Urteil 8C_574/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 5.3.1 m.H.; Urteil 

8C_1021/2009 vom 3. November 2010 E. 5.2). 

 4.4. Auch wenn Dr. med. D._____ lediglich Kopfschmerzen notierte, so ist 

festzuhalten, dass er das Vorliegen eines - wenn auch nur leichten - HWS-

Traumas bejahte. Aufgrund dieser Diagnose muss davon ausgegangen werden, 

dass Dr. med. D._____ die Nackenbeschwerden der Geschädigten in seine Über-

legungen zu deren Gesundheitszustand nach dem Unfallgeschehen miteinbezog, 

ansonsten er nicht zur Diagnose "HWS-Trauma" gelangt wäre. Dies umso mehr, 

als die Geschädigte im Unfallprotokoll starke Kopfschmerzen und Nackenproble-

me geschildert hatte. Es besteht kein Anlass, diese zeitnahe Schilderung der 

Symptomatik seitens der Geschädigten in Zweifel zu ziehen. Auch die Abgabe ei-

ner Halskrause und das Verabreichen eines schmerzstillenden und entzündungs-

- 18 - 

hemmenden Schmerzmittels (NSAR) weisen entgegen den Ausführungen der 

Beklagten (vgl. act. 20 Rz. 75) darauf hin, dass Nackenbeschwerden vorgelegen 

haben. Dr. med. D._____ beschrieb in seinem Bericht vom 18. Februar 2002 

(act. 10/2) zwar den Umstand, dass er der Geschädigten aufgrund der Zunahme 

ihrer Kopfschmerzen einen Halskragen verordnet habe. Es leuchtet allerdings 

nicht ein, weshalb der behandelnde Arzt das Tragen eines Halskragens aufgrund 

von Kopfschmerzen verordnet haben soll. Bei alleinig vorliegenden Kopfschmer-

zen scheint eine rein medikamentöse Behandlung jedenfalls näher zu liegen. Die 

Abgabe eines Halskragen kann daher nur damit erklärt werden, dass diese im 

Rahmen des diagnostizierten HWS-Traumas und damit einhergehenden Nacken-

beschwerden erfolgte, liegt der Sinn und Zweck eines Halskragens doch notorisch 

darin, die Nackenmuskulatur zu entlasten und damit eine Linderung der Nacken-

beschwerden herbeizuführen. Den Ausführungen der Beklagten, wonach inner-

halb von 72 Stunden im Anschluss an das Unfallgeschehen keine Nackenbe-

schwerden bei der Geschädigten vorgelegen hätten und daher auch kein HWS-

Trauma bejaht werden könne, ist vor diesem Hintergrund nicht zu folgen. 

 Der Beklagten ist des Weiteren auch dahingehend nicht zu folgen, dass die 

ärztliche Erstabklärung im vorliegenden Fall im Lichte der neueren Bundesge-

richtsrechtsprechung nicht genüge, um eine HWS-Distorsion bejahen zu können. 

Es trifft zwar zu, dass die neueste Rechtsprechung des Bundesgerichts hinsicht-

lich der Anforderungen an eine genügende ärztliche Erstabklärung grundsätzlich 

auch auf das vorliegende Verfahren anwendbar ist, ohne dass hierin eine unzu-

lässige Rückwirkung liegen würde. Das vorliegende Verfahren wurde erst nach 

der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts bezüglich den Anforderungen 

an den Nachweis eines HWS-Distorsionstraumas eingeleitet. Der Regressprozess 

gegen die Haftpflichtversicherung stellt ein neues und von den sozialversiche-

rungsrechtlichen Belangen unabhängiges Verfahren dar, weshalb die Beachtung 

der in BGE 134 V 109 genannten Grundsätze im vorliegenden Fall nicht willkürli-

cher Natur ist. Indes gilt es zu bedenken, dass der Unfall im Jahre 1998, mithin 

rund 10 Jahre vor der fraglichen neusten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, 

stattfand. Im vorliegenden Fall ist auch der Kenntnisstand der Ärzteschaft im Jah-

re 1998, als die medizinische Erstabklärung bei der Geschädigten erfolgte, und 

- 19 - 

nicht allein der neuste Kenntnisstand im Jahre 2008, als der zitierte Bundesge-

richtsentscheid erging, zu berücksichtigen. Es darf der Geschädigten respektive 

der Klägerin zum heutigen Zeitpunkt nicht zum Nachteil gereichen, dass sich ihre 

Erstabklärung nicht nach einem zukünftigen Kenntnisstand der Ärzteschaft richten 

konnte. Dies ist auch im Rahmen der zitierten bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung ohne Weiteres möglich, da diese die hohen Anforderungen an die medizi-

nische Erstabklärung nicht zur absoluten Voraussetzung eines Anspruchs erhebt, 

sondern ihnen "lediglich" grosses Gewicht beimisst (BGE 134 V 109 E. 9.2.). Vor 

diesem Hintergrund sind die Anforderungen an eine genügende medizinische Er-

stabklärung im vorliegenden Fall als genügend respektive erfüllt zu erachten. 

 4.5. Die nach der Konsultation von Dr. med. D._____ durch die Geschädigte 

aufgesuchten Ärzte gingen allesamt davon aus, dass die Geschädigte aufgrund 

des Unfallgeschehens vom 28. April 1998 ein HWS-Distorsionstrauma erlitten hat-

te und in der Folge aufgrund des besagten Unfalles an Nackenbeschwerden und 

Kopfweh litt. Sowohl Dr. med. C._____ als auch Dr. med. G._____ und Dr. med. 

H._____ stellten übereinstimmend die Diagnose chronisches cervicospondyloge-

nes und cervicocephales Syndrom nach HWS-Trauma. 

 4.6. Auch der Psychiater Dr. L._____, Gutachter beim … in …, beschrieb 

sowohl auf S. 32 in Ziff. 5.4. als auch auf S. 34 in Ziff. 5.6.2. des MEDAS-

Gutachtens den Umstand, dass die Geschädigte zu Beginn, d.h. im Anschluss an 

das Unfallgeschehen, an somatisch tatsächlich vorhandenen Beschwerden gelit-

ten hatte (act. 4/26). Die vom Orthopäden Dr. J._____ diagnostizierten persistie-

renden Kopf- und Nackenschmerzen nach Auffahrunfall (act. 4/26 S. 14) sowie 

der Befund (act. 4/26 S. 15) und die Diagnose des Neurologen Dr. K._____ 

(act. 4/26 S. 16) bestätigen ebenfalls das Vorliegen eines HWS-

Distorsionstraumas. 

 Zum Gesundheitszustand der Geschädigten im für die Klage relevanten 

Zeitraum vom Juni 2002 bis Juli 2006 ist festzuhalten, dass die Gutachter bei der 

Geschädigten im Begutachtungszeitpunkt im Februar 2002 keine objektivierbaren 

pathologischen Befunde ausmachten, sondern nunmehr eine rein psychogene 

Problematik diagnostizierten. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass bei der 

- 20 - 

Geschädigten im Begutachtungszeitpunkt Neurasthenie mit anhaltender somato-

former Schmerzstörung sowie eine leichte depressive Episode mit dissoziativen 

Phänomenen vorlagen (act. 4/26 S. 19 f. sowie S. 26 Ziff. 4.4.). 

 4.7. Zunächst gilt es festzuhalten, dass einem polydisziplinären Gutachten 

der medizinischen Abklärungsstelle der Eidgenössischen Invalidenversicherung 

(MEDAS) nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts volle Beweiskraft zu-

kommt, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (BGE 125 V 351 E. 3). Da beide Parteien sich auf das MEDAS-

Gutachten abstützen, brauchen die Vorbehalte betreffend Geltungskraft im vorlie-

genden Verfahren (vgl. act. 16 Rz. 42) und Unabhängigkeit der Gutachter (vgl. 

BGE 136 V 376) nicht näher untersucht zu werden. 

 4.8. Die Klägerin führt aus, dass es nicht überzeuge, dass die Gutachter das 

Vorliegen somatischer Beschwerden im unmittelbaren Anschluss an das Unfall-

geschehen vom 28. April 1998 zunächst bejahen und später dann - bei gleichblei-

benden bzw. stets gleichen Beschwerden - nunmehr nur noch psychische Ursa-

chen im Beschwerdebild ausmachen würden (vgl. act. 1 S. 12 f. Rz. 25, mit Ver-

weis auf die Stellungnahme von Dr. phil. O._____ und Dr. med. H._____; 

act. 4/27-28).  

 4.9.1. Die klägerische Kritik an der Diagnose Neurasthenie mit anhaltender 

somatoformer Schmerzstörung sowie eine leichte depressive Episode mit disso-

ziativen Phänomenen im Zeitpunkt der Begutachtung der Geschädigten im Feb-

ruar 2002 geht fehl. Besagte Diagnose wurde nach eingehenden Untersuchungen 

der Geschädigten durch den Psychiater Dr. med. L._____ gestellt, weshalb nicht 

von einer rein spekulativen oder per se unzulässigen Diagnose ausgegangen 

werden kann. Die besagte Diagnose deckt sich bezüglich der beschriebenen 

leichten depressiven Episode auch mit der Diagnose der Psychotherapeutin 

F._____, welche in ihrem Bericht vom 28. April 1999 ebenfalls zum Schluss ge-

kommen war, dass die Geschädigte an einer längeren depressiven Reaktion res-

pektive an einem leichten depressiven Zustand aufgrund einer länger anhalten-

den Belastungssituation leide (vgl. act. 4/15). Der Kritik von Dr. phil. O._____ und 

Dr. med. H._____, wonach die Diagnosestellung Neurasthenie völlig aus dem Zu-

- 21 - 

sammenhang mit den zwei Schleudertraumata gerissen sei und eine grosse Ge-

fahr der Verwechslung der Symptome bei chronischen Schmerzen mit Sympto-

men der Depression bestehe, kann vor diesem Hintergrund nicht gefolgt werden. 

Sowohl Dr. med. L._____ als auch die Psychotherapeutin F._____ beschrieben 

Symptome im Zusammenhang mit einer Depression, weshalb an diesem Befund 

nicht zu zweifeln ist. 

 4.9.2. Dr. med. L._____ berücksichtigte im Hinblick auf seine psychiatrische 

Diagnose insbesondere die Anamnese der Geschädigten. Bezüglich der Krank-

heitsgeschichte der Geschädigten ist zunächst auf den Bericht der Psychologin 

Dr. phil. N._____ vom 10. April 1999 abzustellen (act. 4/20). Dr. phil. N._____ 

hielt fest, dass die Geschädigte über verschiedene psychosomatische Beschwer-

den, wie beispielsweise Durchschlafschwierigkeiten sowie zum Teil auch über 

Kopfweh und Nervosität, geklagt hatte. Grund dafür seien Belastungen am Ar-

beitsplatz gewesen. Die Geschädigte habe sich "selbst unter Druck gesetzt" und 

so hätten sich "die entsprechenden Spannungen auch körperlich manifestiert". 

Die Gutachter kommen ausgehend von den damals gegenüber Dr. N._____ ge-

schilderten Beschwerden der Geschädigten zum Schluss, dass diese als neuras-

thenische Beschwerden einzustufen sind (act. 4/26 S. 26 Ziff. 4.6.1.) und mit der 

später aufgetretenen Problematik respektive den zum Begutachtungszeitpunkt 

vorliegenden Beschwerden korrelieren. Diese Einschätzung der Gutachter ist aus 

folgenden Gründen nicht als willkürlich oder unzulässig einzustufen: Auch wenn 

eine Pathologisierung der damaligen Beschwerden durch die behandelnde Ärztin 

abgelehnt wurde, so bleibt doch die Tatsache bestehen, dass die Geschädigte 

bereits vor dem Unfallgeschehen vom 28. April 1998 an psychosomatischen Be-

schwerden, insbesondere auch an Kopfschmerzen, litt. Die Geschädigte war im-

merhin zwischen 1992 und 1995, mithin während ganzer drei Jahre, bei Dr. phil. 

N._____ in psychotherapeutischer Behandlung. Auch wenn es zutreffen mag, 

dass nur wenige Gesprächsstunden im Hinblick auf die Behandlung der psycho-

somatischen Beschwerden von Nöten waren, so bestand diesbezüglich dennoch 

unzweifelhaft eine Problematik, welche sich in Durchschlafschwierigkeiten, Kopf-

weh und Nervosität manifestierte. Auch Dr. med. H._____ hielt in seinem Schrei-

ben vom 16. September 2000 fest (vgl. act. 4/22), dass die Verschlimmerung der 

- 22 - 

Beschwerden der Geschädigten auf den Unfall, aber auch auf chronische Über-

forderung am Arbeitsplatz zurückzuführen seien. Auch diese Bemerkung lässt da-

rauf schliessen, dass Belastungen am Arbeitsplatz zu einer Verschlimmerung der 

gesundheitlichen Beschwerden bei der Geschädigten beitrugen und mithin wiede-

rum eine psychosomatische Problematik nicht von der Hand zu weisen ist.  

 4.9.3. Die Geschädigte berichtete anlässlich der Ermittlung ihrer Krankheits-

anamnese gegenüber den MEDAS-Gutachtern sodann auch selber, dass sie an 

Kopfschmerzen ab dem 12. oder 13. Altersjahr gelitten habe. Sie sei daher mit 

circa 15 Jahren und erneut einige Jahre später mittels Akupunktur behandelt wor-

den. Die Kopfschmerzen seien etwa ab dem 25. Altersjahr ganz verschwunden 

(act. 4/26 S. 9 Ziff.2.3.). Auch wenn die Geschädigte angibt, dass die Kopf-

schmerzen ab dem 25. Altersjahr ganz verschwunden seien, so lag doch diesbe-

züglich lange Jahre eine gesundheitliche Problematik vor, welche im Hinblick auf 

die gutachterlichen Feststellungen nicht negiert werden kann. Der langjährige 

Hausarzt der Geschädigten, Dr. med. D._____, berichtete in einem Schreiben 

vom 27. Februar 1999 ebenfalls von Spannungskopfschmerzen sowie Konzentra-

tionsstörungen wegen Kopfwehs (vgl. act. 4/19). (Spannungs-)Kopfschmerzen, 

die infolge Stresssituationen eintreten, stellten daher offenkundig nicht nur eine 

vorübergehende oder marginale Problematik dar, sondern bildeten seit jeher eine 

konstante gesundheitliche Beeinträchtigung im Leben der Geschädigten. Auch 

der Umstand, dass die Geschädigte verschiedenste Behandlungsmethoden, wie 

beispielsweise Akupunktur und Chiropraktik (vgl. act. 4/19 Ziff. 4) in Anspruch 

nahm, um ihr Leiden zu bekämpfen, verdeutlicht, dass im Hinblick auf (Span-

nungs-)Kopfschmerzen ein grosser Leidensdruck bestand. Eine lediglich gele-

gentlich an marginalen Kopfschmerzen leidende Person würde sich kaum aus ei-

gener Initiative diversen unterschiedlichen medizinischen Behandlungen unterzie-

hen. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass Kopfschmerzen seit je-

her eine wesentliche Beeinträchtigung respektive Belastung im Leben der Ge-

schädigten darstellten. Vor diesem Hintergrund vermögen die Einwände der Klä-

gerin die Diagnose der Gutachter nicht zu erschüttern respektive zu entkräften, 

und es liegen keine konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens 

vor. Der Schluss der Gutachter, wonach im Begutachtungszeitpunkt eine psycho-

- 23 - 

gene Störung in der Form von Neurasthenie mit anhaltender somatoformer 

Schmerzstörung sowie eine leichte depressive Episode mit dissoziativen Phäno-

menen vorlag, ist überzeugend dargetan. 

 4.9.4. Auch die Stellungnahmen von Dr. phil. O._____ und Dr. med. 

H._____ schmälern die Überzeugungskraft des Gutachtens in keiner Weise. Ei-

nerseits ist zu beachten, dass besagte Stellungnahmen von der damaligen 

Rechtsvertreterin der Geschädigten, Rechtsanwältin Z._____, eingeholt wurden 

(vgl. act. 4/27 S. 1 sowie act. 4/28 S. 1), weshalb diesen als Parteigutachten nicht 

dieselbe hohe Beweiskraft zukommen kann wie dem MEDAS-Gutachten. Ande-

rerseits geht auch die in den Stellungnahmen geäusserte Kritik ins Leere. So trifft 

es nicht zu, dass die Aussagen von Dr. phil. N._____ im Gutachten gänzlich ver-

zerrt wiedergegeben wurden. Aus dem MEDAS-Gutachten geht vielmehr deutlich 

hervor, dass Dr. phil. N._____ in ihrem Bericht keine Diagnose gestellt hatte, da 

sie eine Pathologisierung des damaligen psychischen Zustandes der Geschädig-

ten für verfehlt hielt (vgl. act. 4/26 S. 3). Dem Gutachten ist sodann auch der Um-

stand zu entnehmen, dass die eigentliche Gesprächstherapie im Hinblick auf psy-

chosomatische Beschwerden nur wenige Stunden gedauert hatte (act. 4/26 

S. 27 f Ziff. 4.6.4.). Da diese Punkte an zwei verschiedenen Stellen im Gutachten 

explizit benannt wurden, kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass 

die Gutachter diese im Hinblick auf ihre Diagnosestellung berücksichtigten. Was 

die von Dr. med. H._____ diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung be-

trifft, ist sodann festzuhalten, dass er als einziger Mediziner eine derartige Ein-

schätzung getroffen hatte. Weder Dr. med. C._____, Dr. med. G._____, 

Dr. phil. O._____, die Psychotherapeutin F._____ noch die MEDAS-Gutachter 

hatten eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, weshalb auch 

nicht davon ausgegangen werden muss, dass eine solche vorlag. 

 4.10.1. Zusammenfassend kann zum Gesundheitszustand der Geschädig-

ten konstatiert werden, dass aufgrund der Angaben der Geschädigten im Unfall-

protokoll vom 29. April 1998 sowie der durch Dr. med. D._____ gestellten Diag-

nose davon auszugehen ist, dass innert der Latenzzeit Nacken- und Kopfschmer-

zen aufgetreten sind. Es ist daher davon auszugehen, dass die Geschädigte beim 

- 24 - 

Unfall vom 28. April 1998 ein HWS-Distorsionstrauma erlitten hat. Auch die späte-

ren ärztlichen Berichte, insbesondere die Berichte von Dr. med. C._____, 

Dr. med. G._____ sowie Dr. med. H._____, bestätigen die Diagnose eines Distor-

sionstraumas der Halswirbelsäule. Das Beschwerdebild, welches von verschiede-

nen Ärzten übereinstimmend beschrieben wurde, erscheint kohärent. Hervorzu-

heben ist schliesslich, dass auch die Gutachter der MEDAS in ihrem Gutachten 

vom 4. April 2002 davon ausgehen, dass kurz nach dem Unfall typische Be-

schwerden im Zusammenhang mit einem HWS-Distorsionstrauma vorgelegen 

haben (act. 4/26 S. 14, S. 16, S. 32 Ziff. 5.4. sowie S. 34 Ziff. 5.6.2.).  

 4.10.2. Dem MEDAS-Gutachten folgend, welchem gemäss ständiger Recht-

sprechung des Bundesgerichtes ein hoher Beweiswert zukommt (vgl. BGE 125 V 

352 E. 3), lagen bei der Geschädigten im Begutachtungszeitpunkt im Frühjahr 

2002 keine objektivierbaren pathologischen Befunde vor, sondern es bestand 

nunmehr eine rein psychogene Problematik. In diesem Zusammenhang wurde 

namentlich eine Neurasthenie mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung 

sowie eine leichte depressive Episode mit dissoziativen Phänomenen diagnosti-

ziert (act. 4/26 S. 19 f. sowie S. 26 Ziff. 4.4.). Das MEDAS-Gutachten erscheint 

bezüglich der Analyse des Gesundheitszustandes der Geschädigten im Begut-

achtungszeitpunkt stringent und schlüssig. Die getroffenen Feststellungen sind 

angesichts des Umstandes, dass die Geschädigte bereits in ihrer Vergangenheit 

an Kopfschmerzen sowie psychosomatischen Beschwerden gelitten hatte, nach-

vollziehbar und vermögen zu überzeugen. Es ist daher davon auszugehen, dass 

die Geschädigte spätestens ab dem Begutachtungszeitpunkt im Januar bzw. Feb-

ruar 2002 an nunmehr rein psychogenen Beschwerden litt. 

VII. 
Natürlicher Kausalzusammenhang 

 1. Die Haftung der Beklagten kann nur bejaht werden, wenn zwischen dem 

Unfallereignis vom 28. April 1998 und dem Gesundheitszustand der Geschädig-

ten, wie er sich zwischen dem 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2006 präsentierte, ein 

natürlicher Kausalzusammenhang besteht.  

- 25 - 

 2.1. Die sozialversicherungsrechtlichen Grundsätze zur natürlichen Kausali-

tät können auch für haftpflichtrechtliche Fälle zur Anwendung gelangen, zumal in-

soweit - anders als bei der Rechtsfrage der Adäquanz (BGE 123 III 110 E. 3a und 

b S. 113 f.; 134 V 109 E. 8.1 S. 119) - Gründe für eine unterschiedliche Handha-

bung im Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht nicht ersichtlich sind (Urteil des 

Bundesgerichts 4A_494/2009 vom 17. November 2009 E. 2.2; dies gilt ebenso im 

Motorfahrzeug-Haftpflichtrecht, BREHM, Motorfahrzeughaftpflicht, Basel 2008, 

N 19). 

 2.2. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle 

Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetre-

ten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten 

gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung 

des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al-

leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist. Es genügt, 

dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper-

liche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall nicht 

weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö-

rung entfiele. Insbesondere genügt es, wenn der Unfall für eine bestimmte ge-

sundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 119 V 335 E. 1 S. 337 f.). 

 2.3. Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der da-

nach eingetretenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit ist in der Regel anzuneh-

men, wenn ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert wurde und 

das für diese Verletzung sogenannte typische Beschwerdebild mit einer Häufung 

von Beschwerden, wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und 

Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Sehstörungen, Reizbarkeit 

usw. vorliegt (BGE 117 V 359 E. 4b S. 360; BGE 119 V 335 E. 1 S. 338; BGE 134 

V 109 E. 6.2.1 S. 116). Zwar wird nicht vorausgesetzt, dass sämtliche der zum ty-

pischen Beschwerdebild dieser Verletzung gehörenden Symptome innert der La-

tenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Ereignis auftreten müssen. 

Erforderlich ist aber, dass sich innert dieser Latenzzeit zumindest HWS- oder Na-

- 26 - 

ckenbeschwerden manifestieren (Urteil 8C_574/2009 vom 9. Dezember 2009 

E. 5.3.1 m.H.; Urteil 8C_1021/2009 vom 3. November 2010 E. 5.2). 

 2.4. Nach der allgemeinen Regel des Art. 8 ZGB hat der Geschädigte, der 

einen Halter bzw. dessen Haftpflichtversicherung nach Art. 58 Abs. 1 SVG belan-

gen will, zu beweisen, dass der Schaden durch den Betrieb eines Motorfahrzeu-

ges verursacht worden ist. Soweit dieser Kausalzusammenhang nicht mit wissen-

schaftlicher Genauigkeit nachgewiesen werden kann, genügt es, dass er als 

überwiegend wahrscheinlich erscheint (Urteil des Bundesgerichts 4A_494/2009 

vom 17. November 2009 E. 2.1). Die blosse Möglichkeit eines natürlichen Kausal-

zusammenhangs genügt hingegen nicht (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338). 

 2.5. Nach dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt ein 

Beweis als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objekti-

ven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare 

Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen. Umgekehrt 

ist der Beweis misslungen, wenn nach den besonderen Umständen des Falles 

neben den behaupteten weitere Ursachen ebenso ernst in Frage kommen oder 

sogar näher liegen (BGE 132 III 715 E. 3.1; HÜRZELER/TAMM/BIAGGI, Personen-

schadensrecht, Basel 2010, Rz 278). 

 2.6. Nach ständiger Rechtsprechung kann eine gesundheitliche Schädigung 

nicht schon deshalb als durch einen Unfall verursacht gelten, weil sie zeitlich nach 

diesem aufgetreten ist. Die Beweisregel post hoc ergo propter hoc im Sinne der 

natürlichen Vermutung, Beschwerden müssten unfallbedingt sein, wenn z.B. eine 

vorbestehende Erkrankung der Wirbelsäule bis zum Unfall schmerzfrei war, wird 

vom Bundesgericht als unfallmedizinisch nicht haltbar und beweisrechtlich nicht 

zulässig erachtet, jedenfalls sofern der Unfall keine strukturellen Läsionen an der 

Wirbelsäule und namentlich keine Wirbelkörperfrakturen verursacht hat (HÜRZE-

LER/TAMM/BIAGGI, a.a.O., Rz 278 und Fn 446, m.H.). 

 2.7. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müssen durch 

zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein. So bilden zuallererst medizinische 

Fakten - wie fachärztliche Erhebungen über Anamnese, objektiven Befund, Diag-

- 27 - 

nose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. - die massge-

blichen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung (BGE 119 V 335 E. 2b/aa). 

 2.8. Für die Kausalitätsbeurteilung bei länger andauernden Beschwerden 

ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle wird neben der möglichst genau-

en und verifizierbaren Dokumentation des Unfallvorgangs eine erste genügende 

ärztliche Abklärung und darüber hinaus eine eingehende medizinische inter- bzw. 

polydisziplinäre Abklärung durch Gutachter verlangt, welche hierbei über die 

Vorakten verfügen. Inhaltlich sind überzeugende Aussagen dazu erforderlich, ob 

die geklagten Beschwerden überhaupt glaubhaft sind, und bejahendenfalls, ob für 

diese Beschwerden trotz Fehlens objektiv ausgewiesener organischer Unfallfol-

gen ein beim Unfall erlittenes Schleudertrauma (Distorsion) der HWS, eine äqui-

valente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma überwiegend wahrscheinlich eine 

Teilursache darstellt. Aufgrund der Besonderheiten der Schleudertrauma-Praxis 

soll das Gutachten bei gefestigter Diagnose auch darüber Auskunft geben, ob ei-

ne bestehende psychische Problematik als Teil des für solche Verletzungen typi-

schen, einer Differenzierung kaum zugänglichen somatisch-psychischen Be-

schwerdebildes zu betrachten ist, oder aber ein von diesem zu trennendes, ei-

genständiges Leiden darstellt. Nur wenn in der Expertise überzeugend dargetan 

wird, dass die psychische Störung nicht Symptom der Verletzung ist, kann dafür 

eine andere Ursache gesehen werden (BGE 134 V 109 E. 9.4 und 9.5). Diese An-

forderungen werden damit begründet, dass Verletzungen der Halswirbelsäule kli-

nisch untersucht, aber abgesehen von ossären Läsionen und dergleichen nicht 

bildgebend objektiviert werden können, weshalb den Angaben der versicherten 

Person über bestehende Beschwerden besondere Bedeutung zukommt, was aber 

auch ein Missbrauchspotenzial bietet. Zudem können bei identischer Symptoma-

tik die erhobenen Befunde aus dem Katalog des für derartige Verletzungen als ty-

pisch erachteten Beschwerdebildes gegebenenfalls auch nicht traumatischer Ge-

nese sein. Entsprechend sind an die Grundlagen für den Schluss auf das Vorlie-

gen solcher Verletzungen hohe Anforderungen zu stellen (BGE 134 V 109 E. 9). 

 

 3.1. Die Klägerin macht geltend, dass zwischen dem Betrieb des Motorfahr-

- 28 - 

zeugs und dem Unfall bzw. zwischen dem Unfall und dem Schaden ein natürli-

cher Kausalzusammenhang bestehe (act. 1 Rz 48). Die Geschädigte habe an-

lässlich des Auffahrunfalls vom 28. April 1998 ein Schleudertrauma der Halswir-

belsäule erlitten und es liege ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild 

vor. Wenn die Beklagte moniere, dass das in der Latenzzeit typische Beschwer-

debild nicht vorliege, so verkenne sie, dass es keinesfalls erforderlich sei, dass 

sämtliche Facetten dieses typischen Beschwerdebildes innert 72 Stunden oder 

gar überhaupt auftreten müssten. Allemal sei ausreichend, wenn beispielsweise 

Kopfschmerzen oder Nackenschmerzen innerhalb von 72 Stunden auftreten wür-

den (act. 16 Rz. 28). Es treffe des Weiteren nicht zu, dass die MEDAS-Gutachter 

dem Unfallereignis die natürliche Kausalität absprechen würden (act. 16 Rz. 65). 

Hätten die Gutachter den Kausalzusammenhang verneinen wollen, so hätten sie 

dies klar und deutlich sagen können (act. 16 Rz. 65). 

 3.2. Die Beklagte stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass das 

Unfallereignis für die geltend gemachten Beschwerden nicht kausal sei. Spätes-

tens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung, mithin ab dem 2. Februar 2002, beste-

he kein natürlicher Kausalzusammenhang mehr, soweit ein solcher überhaupt je 

bestanden habe (act. 9 Rz. 54; act. 20 Rz. 163, Rz. 166 sowie Rz. 179). Es habe 

bei der Geschädigten innert der Latenzzeit kein typisches buntes Beschwerdebild 

vorgelegen, wie es nach einer HWS-Distorsion praxisgemäss zu erwarten sei 

(act. 20 Rz. 56 sowie Rz. 58). Bereits alleine aufgrund der geringen Intensität des 

Unfallereignisses bestünden ernsthafte Zweifel darüber, ob die von der Geschä-

digten über den 30. Juni 2002 hinausgehenden langwierigen Beschwerden über-

haupt auf das Unfallereignis zurückgeführt werden könnten (act. 9 Rz. 71). So-

wohl in somatischer als auch in psychosomatischer Hinsicht könne gestützt auf 

die Ausführungen im Gutachten der medizinischen Abklärungsstelle der Eidge-

nössischen Invalidenversicherung (MEDAS) nicht mit dem zum Nachweis der 

Kausalität erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit an-

genommen werden, dass die behaupteten Beschwerden spätestens ab dem 

30. Juni 2002 noch im Unfallereignis vom 28. April 1998 gründeten (act. 9 Rz. 74). 

 4.1. Dr. med. C._____ stellte sich in seinem ärztlichen Bericht vom 3. März 

- 29 - 

1999 bezüglich der Frage des Kausalzusammenhanges zwischen den im Früh-

jahr 1999 noch vorhandenen Beschwerden und dem Unfallereignis vom 28. April 

1998 auf den Standpunkt, dass er diesen als sehr wahrscheinlich erachte 

(act. 4/14). 

 4.2. Dr. med. H._____ führte in einem Schreiben an die I._____ vom 

16. September 2000 Folgendes aus: "Die gegenwärtige Verschlimmerung der 

Beschwerden ist meiner Ansicht nach eine reine Unfallfolge und ist auf chronische 

Ueberforderung am Arbeitsplatz zurückzuführen".  

 4.3. Im polydisziplinären Gutachten der medizinischen Abklärungsstelle der 

Eidgenössischen Invalidenversicherung (MEDAS) vom 4. April 2002 führten die 

Gutachter auf die Frage, ob die bei der Geschädigten im Zeitpunkt der Begutach-

tung vorliegenden Beschwerden alleine oder teilweise und mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 28. April 1998 zurückzuführen sei-

en, Folgendes aus: "Die Versicherte leidet an einem cervicocephalen Syndrom, 

d.h. unter Kopf- und Nackenschmerzen, die mit somatisch-medizinischen Metho-

den nicht verifiziert oder falsifiziert werden können. Im somatischen Bereich liegen 

keine objektivierbaren pathologischen Befunde vor, die überwiegend auf den Un-

fall von 1998 zurückführbar sind. Der Unfall war wahrscheinlich Reaktivator einer 

bereits zwischen 1992 und 1995 von der Psychologin, Frau Dr. N._____, be-

schriebenen psychosomatischen Problematik. Nach den vorliegenden Unterlagen 

lagen damals verschiedene neurasthenische Beschwerden, wie Durchschlafstö-

rungen, Kopfweh und Nervosität im Zusammenhang mit Belastungen am Arbeits-

platz vor. Am wahrscheinlichsten ist heute eine Kausalisierung der Beschwerden 

als eine durch den Unfall ausgelöste Symptomatik" (act. 4/26 S. 26 f.). 

 5.1. Wie bereits festgehalten, ist es sowohl aufgrund der im Recht liegenden 

ärztlichen Berichte und Unterlagen als auch anhand des MEDAS-Gutachtens (vgl. 

act. 4/16 Ziff. 5.4. und Ziff. 5.6.2) als erwiesen zu erachten, dass sich bei der Ge-

schädigten innert der relevanten Latenzzeit, d.h. innert 24 bis höchstens 

72 Stunden nach dem Unfallereignis vom 28. April 1998, Nackenbeschwerden 

sowie Kopfschmerzen manifestierten. Damit ist nach der erwähnten bundesge-

richtlichen Rechtsprechung bereits indiziert, dass das im Anschluss an den Auf-

- 30 - 

fahrunfall vom 28. April 1998 diagnostizierte HWS-Distorsionstrauma natürlich 

kausal auf das fragliche Unfallgeschehen zurückzuführen ist. 

 5.2. Die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang wurde erstmalig 

durch Dr. med. C._____ in seinem ärztlichen Bericht vom 3. März 1999 beantwor-

tet. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass dieser gegeben sei. 

Dr. med. H._____ bejahte den natürlichen Kausalzusammenhang in seinem 

Schreiben vom 16. September 2000 entgegen der Ansicht der Beklagten (vgl. 

act. 20 Rz. 98) ebenfalls. Wie aufgezeigt braucht das Unfallgeschehen lediglich 

eine Teilursache der Beschwerden darzustellen. Selbst wenn man sich auf den 

Standpunkt stellen wollte, dass Dr. med. H._____ sich bezüglich der Formulierung 

"Die gegenwärtige Verschlimmerung der Beschwerden ist meiner Ansicht nach 

eine reine Unfallfolge und ist auf chronische Ueberforderung am Arbeitsplatz zu-

rückzuführen." unklar oder missverständlich ausgedrückt hatte, so erweist sich 

das Unfallgeschehen vom 28. April 1998 gemäss der von Dr. med. H._____ ge-

troffenen Formulierung respektive Einschätzung zumindest als Teilursache für die 

geklagten Beschwerden - nebst der chronischen Überforderung am Arbeitsplatz. 

 5.3. Im Hinblick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach in ei-

nem polydisziplinären Gutachten inhaltlich überzeugende Aussagen dazu erfor-

derlich sind, ob die geklagten Beschwerden überhaupt glaubhaft sind, ist zu-

nächst hervorzuheben, dass der Geschädigten sowohl durch den Orthopäden 

Dr. J._____ als auch durch den Psychiater Dr. L._____ attestiert wird, dass sie 

weder bewusst aggraviere oder simuliere noch ein bewusst demonstratives Ver-

halten an den Tag lege (act. 4/26 S. 12 sowie S. 18). Die Gutachter gehen mithin 

davon aus, dass die Ausführungen der Geschädigten in Bezug auf die von ihr im 

Begutachtungszeitpunkt geltend gemachten Beschwerden glaubhaft sind. 

 5.4. Die MEDAS-Gutachter stellen eine Kausalisierung der Beschwerden als 

eine durch den Unfall ausgelöste Symptomatik fest (act. 4/26 Ziff. 4.6.1.). Der Be-

griff "Kausalisierung" beschreibt einen psychischen Prozess der individuellen At-

tribution (Zuschreibung) von Beschwerden zum Unfallgeschehen, welcher durch 

den Unfallgeschädigten vorgenommen wird (MARX, NeuroTransmitter, 2010/4, 

S. 28). Die MEDAS-Gutachter beschreiben somit den Umstand, dass die Ge-

- 31 - 

schädigte zum Begutachtungszeitpunkt im Frühjahr 2002 ("heute") ihre auf sub-

jektiver Ebene empfundenen Schmerzen dem Unfallgeschehen aus dem Jahre 

1998 zuordnet. Sie vermuten, dass das Unfallgeschehen der Geschädigten als 

Rationalisierungsgrund für ihre subjektiv auf somatischer Ebene erlebten Be-

schwerden dient und dass die zu Beginn der Symptomatik wahrscheinlich vor-

handenen Beschwerden durch psychische Komponenten weiter fortgesetzt und 

unterhalten wurden und werden (vgl. act. 4/26 Ziff. 5.6.2.). 

 5.5. Durch ihre Ausführungen erteilen die Gutachter der in Ziff. 4.6.1. des 

MEDAS-Gutachtens gestellten Frage nach der natürlichen Kausalität entgegen 

der Ansicht der Beklagten keine Absage. Indem die Gutachter im Februar 2002 

psychogene Beschwerden der Geschädigten diagnostizieren, welche die Ge-

schädigte selber dem Unfall im Jahre 1998 zuordnet, stellen sie die Kausalität 

dieser der Geschädigten attestierten psychischen Beschwerden zum Unfallge-

schehen vom 28. April 1998 nicht in Abrede. Aus dem Umstand allein, dass eine 

Kausalisierung der Beschwerden vorliegt respektive die Geschädigte einen Ratio-

nalisierungsgrund für ihre auf somatischer Ebene erlebten Beschwerden sucht, 

lässt sich nicht ableiten, dass die psychogenen Beschwerden auch in objektiver 

Hinsicht tatsächlich nicht unfallkausaler Natur sind und der natürliche Kausalzu-

sammenhang zu verneinen ist. Im Gegenteil: Die MEDAS-Gutachter gehen davon 

aus, dass der Unfall wahrscheinlich Reaktivator einer psychosomatischen Prob-

lematik gewesen ist, womit die Kausalität und gleichzeitig allenfalls eine konstitu-

tionelle Prädisposition bejaht wird. Nachdem die Gutachter sodann insbesondere 

die im Anschluss an das Unfallgeschehen aufgetretenen somatischen Beschwer-

den als überwiegend wahrscheinlich kausal zum Unfallgeschehen bezeichnen 

(act. 4/26 Ziff. 5.4.), wird im Folgenden im MEDAS-Gutachten nicht überzeugend 

genug dargetan, dass die im Jahre 2002 vorliegende psychogene Störung nicht 

Symptom der anlässlich des Unfallgeschehens vom 28. April 1998 erlittenen Ver-

letzung ist. Die Gutachter führen nicht aus, dass die psychogenen Beschwerden 

ein vom HWS-Distorsionstrauma vollständig zu trennendes, eigenständiges Lei-

den darstellen. In der gutachterlichen Expertise wird daher im Sinne der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung eben gerade nicht überzeugend genug dargetan, 

dass die psychische Störung nicht Symptom der Verletzung ist. Wie bereits auf-

- 32 - 

gezeigt muss es sich beim Unfallgeschehen lediglich um eine Teilursache der im 

Jahre 2002-2006 bestehenden psychogenen Störung handeln. Indem die Gutach-

ter in Ziff. 4.6.1. des MEDAS-Gutachtens auf die Frage nach den heute vorliegen-

den gesundheitlichen Störungen ausführen, dass die im Begutachtungszeitpunkt 

vorherrschenden Beschwerden durch eine durch den Unfall ausgelöste Sympto-

matik hervorgegangen sind, werden die im Begutachtungszeitpunkt diagnostizier-

ten psychogenen Störungen eben gerade nicht als vollumfänglich unfallfremd ein-

gestuft. Auch Ziff. 5.6.2. weist in diese Richtung, beschreiben die Gutachter doch, 

dass die zu Beginn der Symptomatik wahrscheinlich vorhandenen Beschwerden 

durch psychische Komponenten weiter fortgesetzt wurden. Aus diesen Ausfüh-

rungen der Gutachter lässt sich nicht ableiten, dass die psychogenen Störungen 

als ein vom Unfallgeschehen gänzlich isoliertes Leiden zu betrachten sind. 

 5.6. Die MEDAS-Gutachter verneinen den natürlichen Kausalzusammen-

hang zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfallgeschehen vom 

28. April 1998 nicht, sondern legen im Gegenteil an verschiedener Stelle dar, 

dass die psychogenen Beschwerden aus einer durch den Unfall ausgelösten 

Symptomatik hervorgegangen sind. In Beachtung der ärztlichen Stellungnahmen 

von Dr. med. C._____ sowie von Dr. med. H._____ ist daher zu konstatieren, 

dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den psychogenen Be-

schwerden der Geschädigten und dem Unfallgeschehen vom 28. April 1998 

überwiegend wahrscheinlich erscheint. Hinsichtlich der psychogenen Beschwer-

den der Geschädigten steht nicht fest, dass diese nicht Symptome der Verletzung 

bilden. Das besagte Unfallgeschehen stellt somit mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit zumindest eine Teilursache für das im Frühjahr 2002 nunmehr rein psy-

chogene Leiden der Geschädigten dar. 

VIII. 
Adäquater Kausalzusammenhang 

 1.1. Als Haftungsvoraussetzung muss ein adäquater Kausalzusammenhang 

zwischen dem Betrieb des Motorfahrzeugs und dem Schaden bestehen. Bei der 

Frage der Adäquanz handelt es sich um eine allein vom Richter zu beurteilende 

- 33 - 

Rechtsfrage. Die Rechtsprechung zur Motorfahrzeughaftpflicht hat sämtliche Re-

geln und Überlegungen der Adäquanztheorie übernommen (BREHM, Motorfahr-

zeughaftpflicht, a.a.O., N 231 f.). 

 1.2. Das Bundesgericht wie auch das Eidgenössische Versicherungsgericht 

gehen von derselben Umschreibung der Adäquanz aus. Danach hat ein Ereignis 

dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhn-

lichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeig-

net ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des 

Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint. Rechtspoliti-

scher Zweck der Adäquanz ist sowohl im Sozialversicherungs- als auch im Haft-

pflichtrecht eine Begrenzung der Haftung. Sie dient als Korrektiv zum naturwis-

senschaftlichen Ursachenbegriff, der unter Umständen der Einschränkung bedarf, 

um für die rechtliche Verantwortung tragbar zu sein. Beim adäquaten Kausalzu-

sammenhang im Sinne der genannten Umschreibung handelt es sich um eine 

Generalklausel, die im Einzelfall durch das Gericht gemäss Art. 4 ZGB nach 

Recht und Billigkeit konkretisiert werden muss. Die Beantwortung der Adäquanz-

frage beruht somit auf einem Werturteil. Es muss entschieden werden, ob eine 

unfallbedingte Störung billigerweise noch dem Schädiger oder Haftpflichtigen zu-

gerechnet werden darf. Das Gericht hat dabei die gesamten Umstände des kon-

kreten Einzelfalles, aber auch den Zweck einer Norm oder eines ganzen Normen-

komplexes, zu berücksichtigen. Die Umschreibung der Adäquanz ist im Sozial-

versicherungs- und im Haftpflichtrecht dieselbe, doch muss, da es sich um eine 

konkretisierungsbedürftige Generalklausel handelt, auch die unterschiedliche 

rechtspolitische Zielsetzung der beiden Rechtsgebiete berücksichtigt werden. Ei-

ne schematische Übernahme sozialversicherungsrechtlicher Kriterien ins Haft-

pflichtrecht unbesehen dieser Unterscheide würde dem Zweck, im Einzelfall eine 

billige, eben adäquate Zurechnungsentscheidung zu fällen, zuwiderlaufen. Das 

Bundesgericht hielt denn auch fest, dass an die massgebende Bedeutung der Un-

fallursache in der sozialen Unfallversicherung höhere Anforderungen gestellt wer-

den als im privaten Haftpflichtrecht und die Abgrenzung adäquater Unfallfolgen 

von inadäquaten in beiden Rechtsgebieten unterschiedlich ausfallen kann 

(BGE 115 V 413 E. 12b und c S. 414 f.; BGE 134 V 109 E. 8.1). 

- 34 - 

 1.3. Im Haftpflichtrecht genügt es grundsätzlich, dass der Haftpflichtige eine 

Schadensursache gesetzt hat, ohne die es nicht zum Unfall gekommen wäre, 

während Mitursachen den adäquaten Kausalzusammenhang in der Regel weder 

zu unterbrechen noch auszuschliessen vermögen (BGE 113 II 86 E. 1b S. 89 f.). 

Nicht von Belang ist, ob der erlittene Gesundheitsschaden somatischer, nicht so-

matischer oder gemischter Natur ist. Bildet der Unfall den Auslöser der nachher 

eingetretenen komplexen Entwicklung, ist dieser als wesentliche Ursache anzu-

sehen und der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen. Auch ein Bagatellfall 

erscheint als geeignet, psychische Probleme auszulösen (HÜRZELER/TAMM/BIAGGI, 

a.a.O., Rz. 300, m.H.). 

 1.4. Die Schwere des Unfalles spielt im Haftpflichtrecht für die Frage des 

adäquaten Kausalzusammenhanges keine Rolle. Auch die Geringfügigkeit des 

Unfallereignisses oder eine konstitutionelle Prädisposition vermögen die Adä-

quanz nicht auszuschliessen. Solche Umstände sind indes im Rahmen der Scha-

denersatzberechnung bzw. der Schadenersatzbemessung nach Art. 42-44 OR zu 

berücksichtigen (HÜRZELER/TAMM/BIAGGI, a.a.O., Rz. 299 ff..; BREHM, Berner 

Kommentar, a.a.O., Art. 4 N 564; vgl. zum Ganzen auch: BGE 123 III 110 E. 3a.; 

Urteil 4C.402/2006 vom 27. Februar 2007 E. 4.1-4.3; Urteil 4A_45/2009 vom 

25. März 2009 E. 3.3.1-3.3.2). Im Urteil 4A_171/2012 vom 25. Juni 2012 

(vgl. insbesondere E. 2.3-2.4) bestätigte das Bundesgericht einmal mehr, dass die 

Adäquanz im Haftpflichtrecht zwar weiterhin nach der allgemeinen Formel geprüft, 

indes eine weite Zurechnung beibehalten wird. 

 2.1. Die Beklagte geht fehl, wenn sie aufgrund der von den zwei verschiede-

nen Gutachtern berechneten Delta-V-Grössen im Umfang von 8-13 km/h 

(act. 4/4) respektive 9-14 km/h (act. 4/3) davon ausgeht, dass die nötige Intensität 

des Unfallgeschehens nicht gegeben war, um das bei der Geschädigten vorlie-

gende komplexe Krankheitsbild zu verursachen (act. 20 Rz. 186). Dies, da die 

Schwere des Unfalles im Hinblick auf die Bejahung der Adäquanz nach der auf-

gezeigten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ohnehin nicht ins Gewicht fällt. 

Selbst bei Bejahung einer Harmlosigkeitsgrenze, wonach bei einem Delta-V unter 

10 km/h die Adäquanz in der Regel entfällt, kann der adäquate Kausalzusam-

- 35 - 

menhang im vorliegenden Fall in Bezug auf die Unfallschwere nicht in Abrede ge-

stellt werden. Bei beiden Parteigutachten - welche sich in Bezug auf die ermittel-

ten Werte nur geringfügig unterscheiden - resultierten hinsichtlich der Delta-V-

Werte keine Zahlen, welche klar unter die Harmlosigkeitsgrenze von 10 km/h fal-

len. Der Mittelwert liegt beim Gutachten der Beklagten bei einem Delta-V von 

10,5 km/h (vgl. act. 4/4) und beim Gutachten der Klägerin bei einem solchen von 

11,5 km/h (vgl. act. 4/3). Damit kommt der Unfall vom 28. April 1998 entgegen der 

Ansicht der Beklagten nicht als reiner Bagatellunfall daher, sondern ist aufgrund 

der niedrigen kollisionsbedingten Differenzgeschwindigkeit als leichtes - wenn 

eben auch nicht als gänzlich marginales - Unfallgeschehen einzustufen. Bei ei-

nem Delta-V von 8-13 km/h respektive 9-14 km/h kann nicht von einem vollends 

unbedeutenden Unfallgeschehen ausgegangen werden, welches nach dem ge-

wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung gänzlich 

ungeeignet erscheint, ein Beschwerdebild, wie es bei der Geschädigten vorliegt, 

zu verursachen. Bei dem von der Beklagten zur Bekräftigung ihres Standpunktes 

ins Feld geführten Entscheid des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 

16. Juni 2008 (HG040046), bestätigt durch das Bundesgericht mit Urteil 

4A_494/2009 vom 17. November 2009 (wiederum mittels Entscheid vom 18. April 

2011 im Revisionsverfahren aufgehoben; Urteil 4F_8/2010), lag die kollisionsbe-

dingte Geschwindigkeitsänderung mit einer Höhe von maximal 4.5 km/h deutlich 

unter den im vorliegenden Fall durch beide Gutachten genannten Delta-V-Werten. 

Der Sachverhalt im Fall HG040046 kann daher mit dem vorliegenden Regress-

prozess in keiner Weise gleichgesetzt werden, weshalb auch die dortige Vernei-

nung des adäquaten Kausalzusammenhanges auf den vorliegenden Fall keinerlei 

Auswirkungen zeitigt. 

 2.2. Der adäquate Kausalzusammenhang ist nach dem Gesagten in casu zu 

bejahen. 

- 36 - 

IX. 
Konstitutionelle Prädisposition 

 1. Unter einer konstitutionellen Prädisposition versteht man die aus dem Zu-

stand des menschlichen Organismus resultierende, besondere Anfälligkeit des 

Geschädigten für Körperschäden oder seine Neigung zu anormal schweren Reak-

tionen auf Schädigungen (REY, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, Zürich 1995., 

N 422 und 584). Die herrschende Lehre betrachtet die konstitutionelle Prädisposi-

tion als besondere Art des Zufalls (REY, a.a.O., N 587 m.w.H.). Anders als ein 

schweres Selbstverschulden, ein schweres Drittverschulden oder höhere Gewalt 

vermag sie den adäquaten Kausalverlauf nicht zu unterbrechen (BGE 113 II 86 

E. 1.b). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann ein vorbestehender 

Krankheitszustand aber im Rahmen von Art. 42-44 OR berücksichtigt werden. 

Schäden, die auch ohne das Schadensereignis eingetreten wären, sind in An-

wendung von Art. 42 OR vom ersatzfähigen Schaden abzuziehen. Alle anderen 

Schäden sind vom Schädiger (bzw. von dessen Versicherer) zu decken. Ist der 

Schaden aber durch die konstitutionelle Prädisposition vergrössert oder der 

Schadenseintritt begünstigt worden, so kommt eine Herabsetzung des Schaden-

ersatzes gestützt auf Art. 44 OR in Betracht (BGE 113 II 86 E. 3.b; BGE 131 III 12 

E.4; Urteil 4A_45/2009 vom 25. März 2009, E. 3.3.3). 

 2. Die Klägerin bestreitet das Vorliegen von unfallfremden Faktoren und 

macht geltend, dass die Geschädigte unter keinen relevanten, insbesondere unter 

keinen krankhaften, Vorzuständen somatischer oder psychischer Art gelitten habe 

(act. 1 Rz. 27). Selbst wenn ein Vorzustand zu bejahen sein würde, sei dieser 

nach Lehre und Rechtsprechung nur mit grösster Zurückhaltung zu berücksichti-

gen. Soweit die Beklagte im vorliegenden Fall einen haftungsreduzierenden Vor-

zustand geltend mache, sei dieser nach der Rechtsprechung sowie auch nach der 

Lehre nicht beachtlich (act. 1 Rz. 48; act. 16 Rz. 35). 

 3. Nebst den Schilderungen von Dr. phil. N._____ (vgl. act. 4/20) und dem 

MEDAS-Gutachten (act. 4/26) ist im Zusammenhang mit der Frage nach der kon-

stitutionellen Prädisposition insbesondere das Schreiben von Dr. med. D._____ 

- 37 - 

vom 27. Februar 1999 auf die entsprechende Anfrage der Beklagten (vgl. 

act. 4/18 und act. 4/19) von Bedeutung. Auf die Frage, seit wann und in welcher 

Zeitdauer die Geschädigte bei Dr. D._____ in Behandlung gestanden habe, ant-

wortete Dr. med. D._____ wie folgt: "10. April bis 2. Juni 1990, 28. Februar bis 

30. Oktober 1992, 4. Juli 1994 bis 23. September 1994, 1x 1996, 1x 1997." In Be-

zug auf die von der Geschädigten geklagten Beschwerden gab er folgendes an: 

"Kopfweh Kopfweh Kopfweh". Des Weiteren beschrieb er Konzentrationsstörun-

gen wegen Kopfwehs und Rückenprobleme seit dem 16. Altersjahr. Als Diagnose 

gab er neben einer Skoliose Spannungskopfschmerzen und Rückenweh ohne 

fassbare Pathologie an. Auf die Frage nach den Behandlungen führt Dr. med. 

D._____ aus, wegen Kopfwehs sei die Geschädigte früher schon bei anderen 

Ärzten gewesen; sie mache Akupunktur, Homöopathie, Chiropraktik und Fussre-

flexzonenmassage. 

 4.1. Mit der Einschätzung, dass das Unfallgeschehen vom 28. April 1998 

wahrscheinlich Reaktivator einer bereits zwischen den Jahren 1992 und 1995 von 

der Psychologin Dr. phil. N._____ beschriebenen psychosomatischen Problematik  

sei (act. 4/26 S. 26 Ziff. 4.6.1. sowie S. 27 Ziff. 4.6.3.) gehen die MEDAS-

Gutachter entgegen der Ansicht der Klägerin von einem krankheitsbedingten Vor-

zustand der Geschädigten aus. Allerdings wollen sich die Gutachter nicht festle-

gen, inwieweit die bereits zwischen 1992 und 1995 geschilderten psychosomati-

schen Symptome sich ohne die genannten Unfälle entwickelt hätten (act. 4/26 

S. 27 Ziff. 4.6.4.). 

 4.2. Die MEDAS-Gutachter nehmen keine unzulässige Abänderung der 

Aussagen der Psychologin Dr. phil. N._____ vor, wie dies die Klägerin moniert 

(act. 1 S. 12, act. 16 S. 30 f. und S. 51). Dr. phil. N._____ hielt fest, dass die Ge-

schädigte über verschiedene psychosomatische Beschwerden wie Durchschlaf-

schwierigkeiten sowie zum Teil auch über Kopfweh und Nervosität geklagt hatte. 

Grund dafür seien Belastungen am Arbeitsplatz gewesen. Die Geschädigte habe 

sich "selbst unter Druck gesetzt" und so hätten sich "die entsprechenden Span-

nungen auch körperlich manifestiert". Das MEDAS-Gutachten gibt entgegen der 

Darstellung der Klägerin (act. 1 S. 12, act. 16 S. 30 f. und S. 51) korrekt wieder, 

- 38 - 

dass Dr. phil. N._____ in ihrem Bericht keine Diagnose gestellt hatte, da sie eine 

Pathologisierung des damaligen psychischen Zustandes der Geschädigten für 

verfehlt hielt (vgl. act. 4/26 S. 3). Aus dem Gutachten geht sodann auch der Um-

stand hervor, dass die eigentliche Gesprächstherapie im Hinblick auf psychoso-

matische Beschwerden nur wenige Stunden respektive nur kurz gedauert hatte 

(act. 4/26 S. 27 f Ziff. 4.6.4.). Da dieser Umstand an zwei verschiedenen Stellen 

im Gutachten explizit benannt wird, kann ohne Weiteres davon ausgegangen 

werden, dass die Gutachter diesen besagten Punkt sehr wohl in ihre Diagnose 

respektive in ihre Überlegungen zum vorbestehenden Gesundheitszustand der 

Geschädigten miteinbezogen haben. 

 4.3. Die Gutachter kommen ausgehend von den damals gegenüber 

Dr. N._____ geschilderten Beschwerden der Geschädigten zum Schluss, dass 

diese als neurasthenische Beschwerden einzustufen sind (act. 4/26 S. 26 

Ziff. 4.6.1.) und mit der später aufgetretenen Problematik respektive der zum Be-

gutachtungszeitpunkt vorliegenden Beschwerden korrelieren, mithin bezüglich 

psychosomatischer Beschwerden ein Vorzustand gegeben ist. Auch wenn eine 

Pathologisierung der damaligen Beschwerden durch die behandelnde Ärztin in 

den Jahren 1992 bis 1995 abgelehnt wurde, so bleibt doch die Tatsache beste-

hen, dass die Geschädigte bereits vor dem Unfallgeschehen vom 28. April 1998 

an psychosomatischen Beschwerden, insbesondere auch an Kopfschmerzen, litt. 

Die Geschädigte war immerhin zwischen 1992 und 1995, mithin während ganzer 

drei Jahre, bei Dr. N._____ in psychotherapeutischer Behandlung. Auch wenn es 

zutreffen mag, dass nur wenige Gesprächsstunden im Hinblick auf die Behand-

lung der psychosomatischen Beschwerden von Nöten waren, so bestand in Be-

zug auf Belastungssituationen im Schulalltag dennoch unzweifelhaft eine Proble-

matik, welche sich in Durchschlafschwierigkeiten, Kopfweh und Nervosität mani-

festierte und welche die Geschädigte veranlasste, eigens eine Psychotherapeutin 

aufzusuchen. Auch Dr. med. H._____ hielt in seinem Schreiben vom 

16. September 2000 fest, dass die Verschlimmerung der Beschwerden der Ge-

schädigten auf den Unfall, aber auch auf chronische Überforderung am Arbeits-

platz zurückzuführen seien (act. 4/22). Diese Bemerkung lässt ebenfalls darauf 

schliessen, dass die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz wechselseitig mit 

- 39 - 

den durch das Unfallgeschehen natürlich und adäquat kausal hervorgegangenen 

körperlichen Beschwerden zur Verschlimmerung der gesundheitlichen Beschwer-

den bei der Geschädigten beitrugen. Mithin kann auch in Bezug auf die Äusse-

rung von Dr. med. H._____ wiederum eine psychosomatische Problematik nicht 

von der Hand gewiesen werden. 

 4.4. Die Geschädigte berichtete anlässlich der Ermittlung ihrer Krankheits-

anamnese gegenüber den MEDAS-Gutachtern, dass sie ab dem 12. oder 13. Al-

tersjahr an Kopfschmerzen gelitten habe. Sie sei daher mit circa 15 Jahren und 

erneut einige Jahre später mittels Akupunktur behandelt worden. Die Kopf-

schmerzen seien etwa ab dem 25. Altersjahr ganz verschwunden (act. 4/26 

Ziff. 2.3.). Auch der langjährige Hausarzt der Geschädigten, Dr. med. D._____, 

berichtete - wie bereits ausgeführt (vgl. IX./3.) - von Spannungskopfschmerzen 

sowie Konzentrationsstörungen wegen Kopfwehs (vgl. act. 4/19). (Spannungs-) 

Kopfschmerzen, die infolge Stress- und Belastungssituationen eintraten, stellten 

somit offenkundig nicht nur eine vorübergehende oder lediglich marginale Prob-

lematik im Leben der Geschädigten dar, sondern bildeten seit jeher eine konstan-

te und beträchtliche gesundheitliche Beeinträchtigung. Dr. med. D._____ gab so-

dann an, dass sich die Geschädigte wegen Kopfwehs bereits früher schon an an-

dere Ärzte gewandt und sich diversen Behandlungen (Akupunktur, Homöopathie, 

Chiropraktik sowie Fussreflexonenmassage) unterzogen hatte, um das besagte 

gesundheitliche Problem anzugehen. Vor diesem Hintergrund kann der Klägerin 

nicht beigepflichtet werde, wenn sie ins Feld führt, dass es sich bei den stetig 

wiederkehrenden Kopfschmerzen um bagatelläre Ereignisse handle, welche wohl 

die meisten Einwohner dieses Landes bis zum 30. Altersjahr begleiten würden 

(act. 16 Rz. 35) und daher bei der Geschädigten im Vergleich zur Durchschnitts-

bevölkerung keine besondere gesundheitliche Problematik vorliege. Auch wenn 

es zutreffen mag, dass ein Grossteil der Gesamtbevölkerung mitunter an Kopf-

schmerzen leidet, so widerspricht die Aktenlage der Auffassung der Klägerin doch 

deutlich, dass es sich bei den bei der Geschädigten in der Vergangenheit aufge-

tretenen Kopfschmerzen lediglich um eine gesundheitliche Bagatelle handle. Das 

gehäufte Auftreten von Kopfschmerzen bei der Geschädigten, von welchem auf-

grund ihrer eigenen Aussagen, dem ärztlichen Bericht von Dr. med. D._____ so-

- 40 - 

wie den Schilderungen von Dr. phil. N._____ ausgegangen werden muss, ist ein-

drücklich und tritt in dieser Vehemenz und Hartnäckigkeit beileibe nicht bei jedem 

Menschen unter 30 Jahren auf. Der Leidensdruck, welcher die Geschädigte ver-

anlasste, sich diversen Behandlungen zu unterziehen, ist bei der Geschädigten 

offensichtlich erheblicher und virulenter als in durchschnittlichen Bevölkerungs-

kreisen - nimmt doch noch lange nicht jede Person, welche ab und an unter Kopf-

schmerzen leidet, die Dienste seines Hausarztes, eines Chiropraktikers, Homöo-

pathen, Fussreflexonen-Masseurs sowie Akupunkteurs in Anspruch. Auch wer 

des Öfteren mit Kopfschmerzen kämpft, steht noch nicht unter einem derart gros-

sen Leidensdruck, dass er sich nacheinander den unterschiedlichsten Behand-

lungsformen zuwendet, da die jeweilig zuvor in Anspruch genommene Behand-

lungsmethode offensichtlich keine Linderung der Beschwerden nach sich gezo-

gen hatte. 

 4.5. Vor diesem aufgezeigten Hintergrund vermögen die Einwände der Klä-

gerin die Einschätzung der MEDAS-Gutachter nicht zu entkräften. Der Schluss 

der Gutachter, wonach ein relevanter gesundheitlicher Vorzustand bei der Ge-

schädigten im Hinblick auf die geklagten Kopfschmerzen sowie die psychosoma-

tischen Beschwerden auszumachen ist, ist nicht zu beanstanden. 

 4.6. Die MEDAS-Gutachter können sich - wie bereits erwähnt - nicht festle-

gen, wie sich die bereits zwischen 1992 und 1995 geschilderten psychosomati-

schen Symptome ohne die genannten Unfälle entwickelt hätten. Demnach kann 

nicht gesagt werden, dass sich die vorbestehende Gesundheitsschädigung un-

zweifelhaft ohnehin - auch ohne Unfallgeschehen im Frühjahr 1998 - zu einem 

späteren Zeitpunkt ausgewirkt hätte. Auch der Umstand, dass der Unfall von den 

Gutachtern als Reaktivator der psychosomatischen Problematik beschrieben wird, 

lässt darauf schliessen, dass sich die besagte Problematik ohne Unfall nicht reak-

tiviert hätte. Aufgrund der aufgezeigten jahrelangen gesundheitlichen Problematik 

hinsichtlich (Spannungs-)Kopfschmerzen und der Problematik von psychosomati-

schen Beschwerden ist daher im vorliegenden Fall davon auszugehen, dass der 

krankhafte Vorzustand den Eintritt des Schadens begünstigt respektive dessen 

Ausmass vergrössert hat. Der vorbestehenden Gesundheitsschädigung der Ge-

- 41 - 

schädigten ist demnach im Rahmen der Schadenersatzbemessung im Sinne von 

Art. 44 OR Rechnung zu tragen. 

X. 
Schaden 

 1. Der Geschädigten soll ihr Schaden ersetzt werden, wobei eine Überent-

schädigung über den ihr entstandenen Schaden hinaus vermieden werden soll. 

Eine solche liegt vor, wenn derselben Person verschiedene schadenausgleichen-

de Leistungen während derselben Zeitspanne für das gleiche Schadenereignis 

ausgerichtet werden und die Summe der Leistungen den Schaden übertrifft. Das 

Überentschädigungsverbot gilt namentlich auch im Verhältnis zwischen Sozial-

versicherung und Haftpflicht (RUMO-JUNGO, Zusammenspiel zwischen Haftpflicht 

und beruflicher Vorsorge, ZBJV 138/2002 S. 434; BECK, Regress der Vorsorge-

einrichtung auf haftpflichtige Dritte, SVZ 60/1992 S. 176 ff.; BGE 132 III 321). 

 2. Die Subrogation der Klägerin erfolgt nur in kongruente Leistungen. Es 

muss sich hierbei um eine ereignisbezogene, personelle, zeitliche sowie sachliche 

Kongruenz handeln (vgl. dazu BGE 126 III 41, BGE 134 III 489 E. 4.2-4.5). Die 

funktionale oder sachliche Kongruenz liegt vor, wenn sich die zuzuordnenden 

Leistungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nach Art und Funktion ent-

sprechen (BGE 131 III 360 E. 7.2; BGE 126 III 41 E. 2; KIESER, ATSG-

Kommentar, a.a.O., Art. 74 N 2, je mit Hinweisen). In Bezug auf die sachliche 

Kongruenz ist hierbei entscheidend, dass die Renten der Invalidenversicherung 

ihrer Natur nach die Invaliditätsfolgen sowohl des Erwerbsausfalls als auch der 

Beeinträchtigung der Haushaltstätigkeit entschädigen (vgl. BGE 131 III 12 E. 7.3). 

 3. Die Klägerin macht in Bezug auf den Schaden geltend, dass sich die 

Ausbildung der Geschädigten zur Psychologin aufgrund des Unfalls um vier Jahre 

hinausgezögert habe. Hätte die Geschädigte den Unfall nicht erlitten, so wäre sie 

bereits ab Juli 2002 als Psychologin tätig gewesen. Dabei hätte sie in den vier 

Jahren als Psychologin im Kanton Zürich bei einem durchschnittlichen Bruttojah-

reslohn in der Höhe von CHF 76'000.– im Zeitraum von Juli 2002 bis Juni 2006 

- 42 - 

gesamthaft rund CHF 304'000.– brutto verdient. Dieser Lohn sei ihr entgangen. 

Die während der gleichen Zeitspanne von der Klägerin ausgerichteten Taggelder 

seien zu diesem Erwerbsschaden sachlich, zeitlich, ereignisbezogen sowie per-

sonell kongruent (act. 1 Rz. 46, act. 16 Rz. 46 und Rz. 56). Zudem hätten diese 

Taggelder auch in die Zukunft gewirkt und weiteren Schaden vermindert (act. 1 

Rz. 47).  

 4.1. Die Beklagte stellt sich demgegenüber zunächst auf den Standpunkt, 

dass die Geschädigte sich bereits vor dem Unfall entschieden habe, eine Um-

schulung zu absolvieren. Dem Unfall müsse daher die Kausalität für die Umschu-

lung abgesprochen werden (act. 9 Rz. 58; act. 20 Rz. 142).  

 4.2. Der Umstand, dass die Geschädigte die Ausbildung zur Psychologin be-

reits vor dem Unfall angestrebt hatte, kann entgegen der Ansicht der Beklagten 

nicht von Belang sein. Entscheidend erscheint in diesem Zusammenhang einzig 

und allein die Frage, ob die Umschulung nach dem Unfallgeschehen in medizini-

scher Hinsicht indiziert war. Die gesetzlichen Voraussetzungen einer Umschulung 

im Sinne von Art. 22 Abs. 1 aIVG waren im vorliegenden Fall aufgrund der durch 

das MEDAS-Gutachten attestierten 50%igen-Arbeitsunfähigkeit unzweifelhaft er-

füllt. Es ist daher nicht von Bedeutung, dass die Geschädigte die Ausbildung zur 

Psychologin bereits vor dem Unfallgeschehen anvisiert hatte. 

 5.1. Die Beklagte moniert weiter, dass die Geschädigte besser gestellt sei 

als ohne Unfall, da sie nie ein Vollzeitstudium geplant, sondern bereits vor dem 

Unfall eine Aufteilung zu je 50% ins Auge gefasst habe (act 9 Rz. 59). Somit fehle 

es an der notwendigen Kongruenz der klägerischen Leistungen (act. 9 Rz. 61; 

act. 20 Rz. 150). Zudem sei nicht erstellt, dass die Geschädigte nach der Um-

schulung 100% habe arbeiten wollen, weshalb auch in dieser Hinsicht eine Kon-

gruenz im vollen Betrage nicht bejaht werden könne (act. 9 Rz. 62; act. 20 

Rz. 152 f.). 

 5.2. Die Beklagte stellt sinngemäss lediglich die sachliche Kongruenz in Ab-

rede, auch wenn sie pauschal ebenfalls die zeitliche, ereignisbezogene sowie 

personelle Kongruenz bestreitet (vgl. act. 20 Rz. 150). Es kann indes kein Zweifel 

- 43 - 

daran bestehen, dass die drei letztgenannten Voraussetzungen vorliegend erfüllt 

sind. Die Regressforderung hinsichtlich der Taggeldzahlungen in der Zeitspanne 

vom 1. Juli 2002 bis und mit 30. Juni 2006 geht auf das Unfallgeschehen vom 

28. April 1998 zurück. Damit erscheint die Forderung ohne Weiteres ereignisbe-

zogen. In der besagten Zeitspanne erlitt die Geschädigte aufgrund der medizi-

nisch indizierten und vier Jahre verspätet erfolgten Umschulung einen Erwerbs-

schaden, da sie in der fraglichen Phase bereits als Psychologin tätig gewesen wä-

re und ein entsprechendes Erwerbseinkommen generiert hätte. Es handelt sich 

bei diesen zwei Phasen folglich um exakt dieselben Zeitspannen, weshalb auch 

die zeitliche Kongruenz zu bejahen ist. Durch die Subrogation gemäss Art. 52 a-

IVG i.V.m. Art. 48ter aAHVG, welche das Eintreten der Klägerin in die Ansprüche 

der Geschädigten gegenüber dem Haftpflichtigen bewirkte, steht zudem auch das 

Vorliegen der personellen Kongruenz ausser Frage.  

 5.3. Die Beklagte geht fehl, soweit sie aus dem von ihr aufgeworfenen Ar-

gument, dass die durch die Klägerin ausbezahlten Taggelder sich nicht nach dem 

tatsächlich eingetretenen Erwerbsschaden bemessen würden, ableiten will, es 

handle sich bei den entsprechenden Zahlungen nicht um kongruente Leistungen. 

Entscheidend ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht dieses Kri-

terium, sondern ob die Leistungen zur Deckung des Schadens bestimmt sind, den 

die Geschädigte durch das schadenbegründende Ereignis und den dadurch ver-

ursachten Erwerbsausfall während einer bestimmten Zeitperiode erlitten hat (vgl. 

BGE 132 III 321 E. 2.2.2). Dies trifft im vorliegenden Fall zu. Die Geschädigte erlitt 

aufgrund der Verzögerung der Umschulung, welche letztere den Zweck hatte, ihre 

dauernde Erwerbsfähigkeit zu erhalten, einen Erwerbsschaden, da sie ohne den 

Unfall im Frühjahr 1998 bereits ab dem Jahre 2002 als Psychologin tätig gewesen 

wäre und ein Bruttojahreseinkommen in der Höhe von CHF 79'236.– 

(vgl. act. 4/52) generiert hätte. Die Frage, ob die Taggelder, welche ausgehend 

von der Berechnungsgrundlage den Erwerbsschaden während der Umschulung 

abdecken sollten, sachlich vollumfänglich kongruent zu einem alleinigen Erwerbs-

schaden sind, ist daher zu bejahen. Es ist der Klägerin dahingehend zuzustim-

men, dass die Geschädigte im Leistungszeitraum vom 1. Juli 2002 bis 30. Juni 

2006 bereits als Psychologin gearbeitet hätte, wenn der Unfall ihre Umschulung 

- 44 - 

nicht verzögert hätte. Damit sind die durch die Klägerin ausgerichteten Leistungen 

im Umfang von CHF 302'945.– vollumfänglich erwerbsausfallbezogen und folge-

richtig auch funktional kongruent. 

 6. Die Klägerin fordert im vorliegenden Regressprozess Ersatz für die im 

Zeitraum vom 1. Juli 2002 bis am 30. Juni 2006 geleisteten Taggelder von ge-

samthaft CHF 302'945.– (act  1 Rz. 41). Bei der Bemessungsgrundlage für das 

Taggeld ist die Klägerin von dem als Primarlehrerin im Jahr 2002 im Rahmen ei-

ner 100-prozentigen Anstellung erzielbaren Einkommen von CHF 94'900.– aus-

gegangen (act. 1 Rz. 37, act. 4/41-48). 

 7.1. Die Beklagte moniert, dass eine allfällige Regressforderung basierend 

auf einem Taggeld, welches von einer 50%-Anstellung ausgehe, zu berechnen 

sei (act. 9 Rz. 62; act. 20 Rz. 152). Die Klägerin hätte sich auf das zuletzt von der 

Geschädigten erzielte Einkommen in der Höhe von CHF 57'304.– abstützen müs-

sen. Dabei hätte bei einer 100-prozentigen Anstellung ein Taggeld im Umfang von 

CHF 157.– resultiert. Da die Geschädigte lediglich zu 50% gearbeitet habe, sei 

von einem Taggeld in der Höhe von CHF 78.50 auszugehen (act. 9 Rz. 63; 

act. 20 Rz. 152 f.).  

 7.2. Die Klägerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass die 

Geschädigte die 50%-Stelle ab August 1998 eigens im Hinblick auf die ab jenem 

Zeitpunkt vorgesehene Ausbildung zur Psychologin angetreten habe, weshalb es 

unzutreffend sei, bloss von einer 50-prozentigen Arbeitstätigkeit auszugehen und 

dabei das Taggeld auf die Hälfte reduzieren zu wollen (act. 16 Rz. 52 f.). Des 

Weiteren seien die im Recht liegenden leistungsgewährenden Verfügungen der 

Klägerin allesamt in dem hierfür vom Gesetzgeber vorgesehenen, rechtsstaatli-

chen Grundsätzen entsprechenden, Verfahren ergangen (act. 16 Rz. 54). Der mit 

dem Regressanspruch befasste Zivilrichter habe nicht noch einmal denselben 

Aufwand zu betreiben, wie die zuständigen Behörden der Sozialversicherung. Der 

Zivilrichter sei daher im Regressprozess grundsätzlich an die ergangenen Verwal-

tungsverfügungen gebunden. Er dürfe bloss dann davon abweichen, wenn deren 

Unrichtigkeit offensichtlich sei (act. 16 Rz. 54). 

- 45 - 

 8.1. Die Klägerin legt nicht rechtsgenüglich dar, dass die Geschädigte nach 

Abschluss der Umschulung tatsächlich zu 100% als Psychologin gearbeitet hätte. 

Auch wenn die Geschädigte in den Jahren 1991 bis 1996 eine 100%-Stelle als 

Primarschullehrerin bekleidet hatte (vgl. act. 4/26 S. 8 Ziff. 2.2.), so ist doch unbe-

stritten, dass sie im Unfallzeitpunkt im Jahre 1998 lediglich zu 80% tätig gewesen 

war. Es kann vor diesem Hintergrund nicht einfach davon ausgegangen werden, 

dass die Geschädigte nach dem Abschluss ihrer Umschulung im Unterschied zu 

ihrem letzten Anstellungspensum plötzlich wieder eine 100%-Stelle anstrebte. 

Deshalb ist der Regress nur im Umfang dieses haftpflichtrechtlich relevanten Ver-

dienstausfalles, gerechnet auf einem 80%-Pensum, ausgewiesen. Demgegen-

über erscheint es entgegen der Ansicht der Beklagten nicht geboten, eine Arbeits-

tätigkeit von lediglich 50% anzunehmen. Der Antritt einer 50%-Anstellung im Au-

gust 1998 erfolgte unstrittig einzig und allein im Hinblick auf die ins Auge gefasste 

Weiterbildung zur Psychologin und kann im Nachhinein für sich allein nicht dahin-

gehend interpretiert werden, dass die Geschädigte als Psychologin lediglich eine 

Teilzeitbe