# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1cf372b3-3abc-5891-aa9d-a208741a9400
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230615-O1
**Docket/Reference:** SB230615-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230615-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB230615-O/U/bs

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, Oberrichter lic. iur. 

M. Langmeier und Ersatzoberrichter lic. iur. T. Engler sowie der 

Gerichtsschreiber MLaw J. Stegmann

Urteil vom 5. Februar 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,

Anklägerin und I. Berufungsklägerin

sowie

A._____,

Privatkläger und II. Berufungskläger

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur., LL.M. X._____,

gegen

B._____,

Beschuldigter und Berufungsbeklagter sowie Anschlussberufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____,

betreffend Raub etc. und Widerruf

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung,

vom 27. September 2023 (DG230107)

-   2   -

Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom  15. Juni 2023 

(Urk. D1/14) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

(Urk. 59 S. 84 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren betreffend Sachbeschädigung und geringfügigen Diebstahl zum Nachteil der 

Privatklägerin C._____ AG (Dossier 3) wird eingestellt.

2.

Der Beschuldigte B._____ ist schuldig













der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,

des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,

der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB,

der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB,

der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB,

des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 172ter Abs. 1 StGB.

3.

Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen













des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,

des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB,

der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit 

Dossier 6,

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbin-

dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit Dossier 6,

des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit Dossier 1,

der Verletzung des Schriftgeheimnisses im Sinne von Art. 179 Abs. 1 StGB im Zu-

sammenhang mit Dossier 1.

-   3   -

4.

Vom Widerruf des mit Entscheid der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 18. Mai 2021 

für den Freiheitsentzug von 70 Tagen angeordneten bedingten Vollzugs wird abgesehen. 

Der Beschuldigte wird diesbezüglich verwarnt.

5.

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 12. April 2022 für die 

Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je Fr. 30.– angeordnete bedingte Vollzug wird wider-

rufen.

6.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 8 Monaten Freiheitsstrafe sowie unter Einbezug der 

widerrufenen Geldstrafe mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 30.– als Ge-

samtstrafe, wovon 43 Tage durch Haft erstanden sind, und mit einer Busse von Fr. 50.–.

7.

8.

Die Geldstrafe wird vollzogen.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben. Die Probezeit wird auf vier Jahre an-

gesetzt.

9.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag.

10.

Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.

11.

Auf das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._____ AG wird nicht eingetreten.

12.

Die Privatklägerin D._____ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen.

13.

Der Privatkläger A._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen.

14.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin E._____ wird abgewiesen.

15.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger F._____ Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins 

ab 15. April 2022 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen.

16.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 15. Juni 2023 be-

schlagnahmten Gegenstände werden dem Privatkläger A._____ nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf ei-

ner dreimonatigen Frist der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung (z.B. Vernich-

tung) überlassen:

-

Shirt (Asservat-Nr. A017'101'369),

-   4   -

-

Herrenhose (Asservat-Nr. A017'101'370).

17.

Das vom Beschuldigten erstellte DNA-Profil wird nicht vernichtet.

18.

Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des 

Beschuldigten mit pauschal Fr. 26'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) vorab aus der Ge-

richtskasse entschädigt.

19.

Der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers A._____, Rechtsanwalt lic. iur. 

X._____, wird mit pauschal Fr. 7'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichts-

kasse entschädigt.

20.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr.

Fr.

Fr.

Fr. 

Fr.

Fr.

Fr.

5'100.–

; die weiteren Kosten betragen:

2'500.–

  Gebühr für das Vorverfahren

231.60   Auslagen (Ärztliche Befunde)

1'200.–

  Entscheidgebühr Obergericht III. StrK.; G. Nr. UB230035-O

511.10   Entschäd. amtl. Verteid. RA lic. iur. Y2._____ 

7'500.–

  Entschäd. URB des Privatklägers A._____

26'500.–

  Entschäd. amtl. Verteid. RA Dr. iur. Y1._____

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

21.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklägers 

A._____, werden dem Beschuldigten zur Hälfte auferlegt.

22.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden vorerst auf die Gerichtskasse genommen; 

vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten im Umfang der Hälfte gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO.

23.

Die Kosten des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklägers A._____ werden definitiv 

auf die Gerichtskasse genommen.

24.

[Mitteilungen]

25.

[Rechtsmittel]"

  
-   5   -

Berufungsanträge:

a)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 89; vgl. Urk. 60 und Prot. II S. 6 ff.)

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

Es  seien  die  vorinstanzlichen  Schuldsprüche  gemäss  Dispositiv 
Ziff. 2 zu bestätigen.

Der Beschuldigte sei zusätzlich

 des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB

 des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB

 der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB

 sowie  der  geringfügigen  Sachbeschädigung  im  Sinne  von 
Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB

im Zusammenhang mit Dossier 6 schuldig zu sprechen (Dispositiv 
Ziff. 3 al. 1 bis 4).

Der  mit  Entscheid  der  Jugendanwaltschaft  Limmattal/Albis  vom 
18. Mai 2021 für einen Freiheitsentzug von 70 Tagen gewährte be-
dingte Vollzug sei zu widerrufen (Dispositiv Ziff. 4).

Es sei der Widerruf des bedingten Vollzugs für eine Geldstrafe von 
80 Tagessätzen zu Fr. 30.– gemäss Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft I  des  Kantons  Zürich  vom  12. April  2022  zu  bestätigen 
(Dispositiv Ziff. 5).

Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, als 
teilweise Zusatzstrafe zu den Urteilen der Jugendanwaltschaft Lim-
mattal/Albis vom 18. Mai 2021 und der Staatsanwaltschaft I für den 
Kanton Zürich vom 12. April 2022, sowie, unter Einbezug der wi-
derrufenen Geldstrafe, mit einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen 
zu Fr. 30.– als Gesamtgeldstrafe sowie einer Busse von Fr. 400.– 
zu bestrafen (Dispositiv Ziff. 6).

Es sei der unbedingte Vollzug der Geldstrafe zu bestätigen (Dispo-
sitiv Ziff. 7).

Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen (Dispositiv Ziff. 8).

Die  Busse  sei  zu  bezahlen.  Bei  schuldhafter  Nichtbezahlung  sei 
eine  Ersatzfreiheitsstrafe  von  4 Tagen  anzuordnen  (Dispositiv 
Ziff. 9).

Der Beschuldigte sei für 5 Jahre des Landes zu verweisen (Dispo-
sitiv Ziff. 10).

10. Es sei über die Zivilansprüche des Privatklägers A._____ zu ent-

scheiden (Dispositiv Ziff. 13).

-   6   -

11. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Hauptver-
fahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und 
des unentgeltlichen Rechtsbeistandes des Privatklägers A._____, 
seien  dem  Beschuldigten  vollumfänglich  aufzuerlegen  (Dispositiv 
Ziff. 21).

12. Die  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  seien  vorerst  auf  die  Ge-
richtskasse  zu  nehmen,  unter  Vorbehalt  einer  vollumfänglichen 
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Dispositiv Ziff. 22).

13. Es sei das Urteil im Übrigen zu bestätigen (Dispositiv Ziff. 1, 11, 12, 

14-20 und 22 ff.).

b)

Des Privatklägers 5 (A._____):

(Urk. 90; vgl. auch Urk. 62 und Prot. II S. 6 ff.)

1.

2.

3.

4.

Der  Beschuldigte  sei  betreffend  das  Dossier 6  gemäss  der  An-
klageschrift  vom  15. Juni  2023  schuldig  zu  sprechen  und  ange-
messen zu bestrafen;

Der  Beschuldigte  sei  zu  verpflichten,  den  Privatkläger 5  einen 
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2'800.– sowie eine Genugtuung 
von Fr. 6'000.– zu bezahlen, jeweils zzgl. 5 % Zins seit dem 20. Fe-
bruar 2023;

Es sei zudem vorzumerken, dass die spätere Geltendmachung von 
Schadenersatzforderungen ausdrücklich vorbehalten bleibt;

Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  –  gemäss  den  beiden 
eingereichten Honorarnoten von heute – zulasten des Beschuldig-
ten.

c)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 91; vgl. auch Urk. 71 und Prot. II S. 6 ff.)

1.

2.

3.

4.

Es  sei  die  Berufung  der  I. Berufungsklägerin  abzuweisen  soweit 
darauf einzutreten ist.

Es  sei  die  Berufung  des  II. Berufungsklägers  abzuweisen  soweit 
darauf einzutreten ist.

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 2 sowie Dispositiv-Ziff. 3 sei der 
Beschuldigte  B._____  von  der  einfachen  Körperverletzung  im 
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vollständig von Schuld und 
Strafe freizusprechen.

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 2 sowie Dispositiv-Ziff. 3 sei der 
Beschuldigte  B._____  von  der  Drohung  im  Sinne  von  Art. 180 
StGB vollständig von Schuld und Strafe freizusprechen.

5.

6.

7.

8.

9.

-   7   -

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 6 sei der Beschuldigte mit einer 
Freiheitsstrafe von eineinhalb Monaten sowie unter Einbezug der 
widerrufenen Geldstrafe mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen 
zu Fr. 30.– als Gesamtstrafe, wovon 43 Tage durch Haft erstanden 
sind, und mit einer Busse von Fr. 50.– zu bestrafen.

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 8 sei der Vollzug der Freiheits-
strafe aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre anzusetzen.

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 15 sei das Genugtuungsbegeh-
ren des Privatklägers 4 (F._____) abzuweisen, eventualiter auf den 
Zivilweg zu verweisen.

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 21 seien die Kosten der Unter-
suchung  und  des  gerichtlichen  Verfahrens,  ausgenommen  die-
jenigen  der  amtlichen  Verteidigung  und  des  unentgeltlichen 
Rechtsbeistands 
dem 
des 
Beschuldigten zu einem Viertel aufzuerlegen.

Privatklägers 5 

(A._____), 

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 22 seien die Kosten der amtli-
chen  Verteidigung  vorerst  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen  und 
eine  vorbehaltliche  Nachforderung  beim  Beschuldigten  gemäss 
Art. 135 Abs. 4 StPO auf einen Viertel zu beschränken.

10. Die  Zivilforderungen  des  Privatklägers 5  seien  abzuweisen  bzw. 

auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten 
der I. Berufungsklägerin ev. des II. Berufungsklägers.

-   8   -

Erwägungen:

I.  Verfahrensgang und Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Mit  Eingabe  vom  15. Juni  2023  erhob  die  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl 

gegen B._____ beim Bezirksgericht Zürich Anklage (Urk. D1/14). Der Verfahrens-

gang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem Entscheid vom 27. Sep-

tember 2023 (Urk. 59 E. I/1 S. 7).

1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 27. September 2023 wurde den 

Parteien  gleichentags  mündlich  eröffnet  (Urk. 45;  Prot. I  S. 42  ff.).  Die  Staats-

anwaltschaft  meldete  mit  Eingabe  vom  2. Oktober  2023  und  der  Privatkläger 

A._____ (nachfolgend: Privatkläger 5) mit Eingabe vom 5. Oktober 2023 innert Frist 

Berufung an (Urk. 47; Urk. 48).

1.3. Nach  Zustellung  des  begründeten  Urteils  (Urk. 50  =  Urk. 59  [vgl.  auch 

Urk. 53/1-5];  Urk. 56/1-2  [vgl.  auch  Urk. 57/1-4])  liess  der  Privatkläger 5  mit  Ein-

gabe  vom  12. Dezember  2023  fristgerecht  seine  Berufungserklärung  einreichen 

(Urk. 62).  Mit  Eingabe  vom  18. Dezember  2023  reichte  die  Staatsanwaltschaft 

– ebenfalls fristgerecht – ihre Berufungserklärung ein (Urk. 60).

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 4. Januar 2024 wurde dem Beschuldigten, der 

Staatsanwaltschaft  sowie  der  Privatklägerschaft  ein  Doppel  der  Berufungser-

klärungen  der  Staatsanwaltschaft  sowie  des  Privatklägers 5  zugestellt  und  Frist 

angesetzt,  um  gegebenenfalls  Anschlussberufung  zu  erheben  oder  ein  Nichtein-

treten auf die Berufung zu beantragen. Überdies wurde dem Beschuldigten sowie 

den  Privatklägern 1-4  Frist  angesetzt,  um  zum  mit  den  Berufungserklärungen 

gleichlautend  gestellten  Beweisantrag  –  auf  Einvernahme  von  Frau  G._____ 

(nachfolgend: Zeugin G._____) anlässlich der Berufungsverhandlung als Zeugin – 

der Staatsanwaltschaft und des Privatklägers 5 Stellung zu nehmen. Gleichzeitig 

wurde  der  Beschuldigte  unter  Hinweis  auf  sein  Aussageverweigerungsrecht 

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aufgefordert,  ein  Datenerfassungsblatt  auszufüllen  und  seine 

finanziellen 

Verhältnisse darzulegen (Urk. 65).

1.5. Mit Eingabe vom 9. Januar 2024 erklärte die Staatsanwaltschaft Verzicht auf 

Erklärung  der  Anschlussberufung  bei  gleichzeitigem  Festhalten  an  der  eigenen 

Hauptberufung  (Urk. 67).  Mit  Eingabe  vom  29. Januar  2024  beantragte  die 

Verteidigung das Nichteintreten auf die Berufungen der Staatsanwaltschaft und des 

Privatklägers 5. Überdies beantragte die Verteidigung – sofern das Gericht auf die 

Berufungen  eintrete  –  die  Abweisung  der  (gleichlautenden)  Beweisanträge  der 

Staatsanwaltschaft sowie des Privatklägers 5. Als Eventualantrag erklärte die Ver-

teidigung Anschlussberufung (Urk. 68). Mit Verfügung vom 12. Februar 2024 wurde 

auf die Berufungen der Staatsanwaltschaft und des Privatklägers 5 eingetreten und 

der  Beweisantrag  auf  Einvernahme  von  Frau  G._____  als  Zeugin  gutgeheissen. 

Dem Beschuldigten wurde zudem eine Frist angesetzt, um die Anschlussberufung 

zu verdeutlichen (Urk. 69). Mit Eingabe vom 4. März 2024 liess der Beschuldigte 

sodann Anschlussberufung erklären (Urk. 71).

1.6. Am 17. Oktober 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 5. Februar 

2025  vorgeladen  (Urk. 72;  vgl.  auch  Urk. 74-76).  Sowohl  der  Privatkläger 5  als 

auch der Beschuldigte wurden auf deren Ersuchen hin von der Teilnahme an der 

Berufungsverhandlung  dispensiert  (Urk. 82  und  83).  Zur  Berufungsverhandlung 

erschienen  der  amtliche  Verteidiger  des  Beschuldigten  (Rechtsanwalt  Dr. iur. 

Y1._____), der Leitende Staatsanwalt (lic. iur. H._____), der Rechtsvertreter des 

Privatklägers 5 (Rechtsanwalt lic. iur. LL.M. X._____) sowie die Zeugin G._____. 

Vorfragen waren keine zu entscheiden und abgesehen von der Einvernahme der 

Zeugin G._____ waren auch keine weiteren Beweise abzunehmen (Prot. II S. 9 f.).

Das Verfahren ist spruchreif.

2.

Umfang der Berufung

2.1. Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang  der  Berufungsanträge  gehemmt,  während  die  von  der  Berufung  nicht 

-   10   -

erfassten  Punkte  in  Rechtskraft  erwachsen  (vgl.  BSK  StPO-EUGSTER,  Art. 402 

N 1 f.).

2.2. Die Staatsanwaltschaft hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung auf den 

Freispruch  bezüglich  Raub,  Angriff,  Beschimpfung  sowie  geringfügige  Sachbe-

schädigung im Zusammenhang mit Dossier 6 (Dispositivziffer 3, Spiegelstrich 1-4), 

den Verzicht auf den Widerruf des mit Entscheids der Jugendanwaltschaft Limmat-

tal/Albis angeordneten bedingten Vollzugs für einen Freiheitsentzug von 70 Tagen 

(Dispositivziffer 4),  die  Bemessung  der  Strafe  (Dispositivziffer 6  und  9),  den 

(bedingten)  Vollzug  der  Freiheitsstrafe  (Dispositivziffer 8),  den  Verzicht  auf  die 

Anordnung der Landesverweisung (Dispositivziffer 10) sowie den Entscheid über 

die Kostenauflage (Dispositivziffer 21 bis 23) beschränkt (Urk. 60 S. 2).

Der  Privatkläger 5  liess  die  Berufung  in  seiner  Berufungserklärung  auf  die 

Dispositivziffern 2 bis 10 (ohne die Dispositivziffern 5 und 7) betreffend den Frei-

spruch in Zusammenhang mit dem Dossier 6, die Zivilforderung des Privatklägers 5 

(Dispositivziffer 13)  sowie  die  Kostenauflage  (Dispositivziffer 21)  beschränken 

(Urk. 62 S. 1 f.).

Der Beschuldigte liess seine Anschlussberufung auf den Schuldspruch bezüglich 

einfache Körperverletzung sowie Drohung (Dispositivziffer 2, Spiegelstrich 1 und 3 

[bezüglich Dossier 2 und 4), die Sanktion (Dispositivziffer 6), die Festsetzung der 

Probezeit  hinsichtlich  der  Freiheitsstrafe  (Dispositivziffer 8),  die  Zusprache  von 

Genugtuung  an  den  Privatkläger  F._____ 

(nachfolgend:  Privatkläger 4 

[Dispositivziffer 15])  sowie  die  Kostenauflage  (Dispositivziffern 21  und  22)  be-

schränken (Urk. 71 S. 2).

2.3. Somit  ist  im  Berufungsverfahren  Dispositivziffer 2  (Spiegelstrich 1  und  3), 

Dispositivziffer 3 (Spiegelstrich 1-4), Dispositivziffer 4, Dispositivziffer 6, Dispositiv-

ziffer 8-10,  Dispositivziffer 13,  Dispositivziffer 15  sowie  Dispositivziffern 21-23 

explizit  angefochten  (damit  haben  auch  die  Dispositivziffern 5  und  7  als  mit-

angefochten zu gelten), während die anderen Dispositivziffern des vorinstanzlichen 

Urteils unangefochten blieben. Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist 

-   11   -

vorab festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO 

sowie Art. 404 StPO).

2.4.

In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid grundsätzlich zur 

Disposition.  In  den  angefochtenen  Punkten  überprüft  das  Berufungsgericht  das 

erstinstanzliche Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

3.

Anwendbares Recht

3.1. Per 1. Januar 2024 ist die revidierte StPO in Kraft getreten. Gemäss Art. 448 

Abs. 1 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes hängig sind, 

nach neuem Recht fortgeführt, soweit die nachfolgenden Bestimmungen nichts an-

deres vorsehen. Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes an-

geordnet oder durchgeführt worden sind, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 

StPO). Ist ein Entscheid vor Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt worden, so wer-

den Rechtsmittel dagegen nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen Be-

hörden,  beurteilt  (Art. 453  Abs. 1  StPO).  Das  Verfahren  richtet  sich  folglich  nach 

bisherigem Recht.

3.2.

Laut Anklageschrift soll der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Delikte am 

8. November  2021  (Dossier 1),  am  15. April  2022  (Dossier 2),  am  7. Juli  2022 

(Dossier 4),  am  7. Juli  2022  (Dossier 5)  und  am  20. Februar  2023  (Dossier 6) 

begangen  haben.  Per  1. Juli  2023  wurde  das  Bundesgesetz  vom  17. Dezember 

2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen (AS 2023 259) in Kraft gesetzt. Die 

revidierten Bestimmungen des Strafgesetzbuches kommen auch auf Straftaten zur 

Anwendung, die vor ihrem Inkrafttreten begangen wurden, aber erst nachher beur-

teilt werden, sofern das neue Recht das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB).

Im  Rahmen  der  seit  1. Juli 2023  geltenden  Harmonisierung  der  Strafrahmen  hat 

sich hinsichtlich der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB eine 

Änderung in Bezug auf Ziff. 1 Abs. 2 ergeben. Das alte Recht sah in aArt. 123 Ziff. 1 

Abs. 2 StGB eine privilegierte Form für leichte Fälle vor. Als leichter Fall einer ein-

fachen Körperverletzung sind Angriffe auf die körperliche Integrität zu verstehen, 

die  in  der  untersten  Bandbreite  des  Grundtatbestandes  liegen  (BSK  StGB-

-   12   -

ROTH/BERKEMEIER, Art. 123 N 8). Vorliegend ist aufgrund des Vorgehens des Be-

schuldigten  –  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  sein  wird  (vgl.  nachfolgend  E. II/2) – 

und der erlittenen Verletzungen des Privatklägers 4 indessen nicht von einem leich-

ten Fall auszugehen. Im Übrigen sind das alte Recht (aArt. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) 

und das neue Recht (Art. 123 Ziff. 1 StGB) im Wortlaut gleichlautend, weswegen 

sich  die  Gesetzesänderung  für  den  Beschuldigten  nicht  milder  auswirkt  und  das 

alte Recht anzuwenden ist (in Bezug auf Dossier 2).

Keine (Gesetzes-)Änderungen ergaben sich hinsichtlich der weiteren hier zu beur-

teilenden Straftatbestände (Dossier 1-2 und 4-6).

4.

Formelles

4.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

4.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 

lit. c  StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  und  muss  sich  nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen  und  diese  widerlegen.  Es  kann  sich  mithin  auf  die  für  den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 

EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument 

gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil  des  Bundesgerichts  6B_689/2019  vom  25. Oktober  2019  E. 1.5.2,  mit 

Hinweisen).

-   13   -

II.  Sachverhalt und rechtliche Würdigung

1. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung, Glaubwürdig-

keit und Motivlage

1.1. Die Vorinstanz legte die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltserstel-

lung sowie die Beweiswürdigungsregeln (Urk. 59 E. II/A/1-3 S. 9 f.) zutreffend dar. 

Ergänzt werden kann zum Indizienbeweis noch das Folgende: Der Indizienbeweis 

ist  dem  direkten  Beweis  gleichgestellt,  wobei  die  Gesamtheit  der  einzelnen  Indi-

zien, deren "Mosaik", zu würdigen ist. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen 

Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln be-

trachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält es daher auch den Zweifel. 

Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je 

für  sich  allein  betrachtet  nur  mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  auf  eine  be-

stimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf 

den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat und/oder Täter zu schliessen. Der 

Indizienprozess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus 

ihr  abgeleiteten  Teilrechte.  Der  Grundsatz  "in  dubio  pro  reo"  findet  auf  das  ein-

zelne Indiz keine Anwendung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4; BGer 6B_360/2016 vom 

1. Juni  2017  E. 2.4,  nicht  publ.  in  BGE 143  IV 361;  BGer 6B_605/2016  vom 

15. September 2016 E. 2.8 und 6B_1021/2016 vom 20. September 2017 E. 4.1; je 

mit Hinweisen). Er entfaltet seine Wirkung bei der Beweiswürdigung als Ganzes. 

Massgebend  ist  nicht  eine isolierte  Betrachtung  der  einzelnen  Beweise,  sondern 

deren gesamthafte Würdigung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4; BGer 6B_90/2019 vom 

7. August 2019  E. 4.3;  6B_699/2018  vom  7. Februar 2019  E. 2.3.2;  ZK  StPO-

WOHLERS,  Art. 10  N 27;  zum  Ganzen  vgl.  auch  KRUMMENACHER,  Der  Entscheid-

(find)ungsprozess des Strafrichters, in: "Justice - Justiz - Giustizia" 2023/4).

1.2.

Zur Glaubwürdigkeit hob die Vorinstanz hervor, dass der Beschuldigte nicht 

der  Wahrheitspflicht  bzw.  der  Strafandrohung  von  Art. 307  StGB  unterliege.  Als 

vom  Verfahren  direkt  Betroffener  habe  er  "ein  –  durchaus  legitimes  –  Interesse 

daran, sich selbst nicht zu belasten bzw. die Geschehnisse in einem für ihn güns-

tigen  Licht  darzustellen".  Weiter  erwog  die  Vorinstanz,  dass  konkrete  Anhalts-

punkte,  welche  die  Glaubwürdigkeit  des  Beschuldigten  massgeblich  erschüttern 

-   14   -

würden,  vorliegend  jedoch  nicht  ersichtlich  seien  (Urk. 59  E. II/B/2.4  S. 13  [mit 

mehreren  Verweisen  auf  diese  Passage,  wobei  hier  lediglich  E. II/C/5  S. 19, 

E. II/D/3.4 S. 25 und E. II/F/4.1.1 S. 48 relevant bzw. noch zu beurteilen sind). Und 

hinsichtlich des Privatklägers 5 erwähnte die Vorinstanz unter anderem die an ihn 

bei  den  Einvernahmen  ergangene  Strafandrohung  (Folgen  einer 

falschen 

Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege bzw. Begünstigung im Sinne von 

Art. 303–305  StGB)  sowie den  Umstand,  dass  er  gegenüber  dem  Beschuldigten 

eine  Zivilklage  geltend  machen  lasse,  wodurch  er  ein  finanzielles  Interesse  am 

Strafverfahren offenbare (vgl. Urk. 59 E. II/F/4.1.2 S. 48-49).

Zur  Unterscheidung  von  wahren  und  erfundenen  Aussagen  ist  die  prozessuale 

Stellung ein untaugliches Kriterium – mit Blick auf den Beschuldigten, weil eine un-

schuldige Person dasselbe Interesse hat; oder es ist ein Zirkelschluss, indem von 

vornherein – tendenziell zumindest – von der Schuld des Beschuldigten ausgegan-

gen wird. Ausserdem ist das Recht tangiert, sich nicht selbst belasten zu müssen 

(Art. 113 Abs. 1 StPO). Die prozessuale Stellung einer Partei vermag für die Sach-

verhaltserstellung  nie  etwas  beizutragen,  weder  im  positiven  noch  im  negativen 

Sinne  (vgl.  Urteile  der  erkennenden  Kammer  SB180079-O/U  vom  18. Oktober 

2018  E. II/3.1  S. 9  und  SB230003-O/U  vom  20. November  2023  E. II/3.4.2; 

BGE 147 IV 409 E. 5.4.3). Richtig erwog die Vorinstanz somit, dass dem Beschul-

digten und dem Privatkläger 5 grundsätzlich Glaubwürdigkeit zu attestieren sei und 

die Überzeugungskraft der Aussagen selbst, deren Glaubhaftigkeit, im Vordergrund 

stehe.  Hierbei  kann  allenfalls  die  Motivlage  eine  Rolle  spielen  –  wie  von  der 

Vorinstanz  mit  Bezug  auf  den  Privatkläger 5  zutreffend  abgehandelt  (Urk. 59 

E. II/F/4.1.2 S. 48 f.) –, die prozessuale Stellung aber nicht.

2.

Einfache Körperverletzung (Dossier 2)

2.1. Verfahrensgegenstand  bezüglich  Dossier 2  bildet  der  nachstehend  umris-

sene  Tatvorwurf  (Urk. D1/14  S. 6):  Der  Beschuldigte  habe  am  Freitag,  15. April 

2022, ca. 21.34 Uhr, in der Wohnung seiner Mutter in I._____, dem Freund seiner 

Mutter (dem Privatkläger 4) nach einem kurzen verbalen Streit mindestens zweimal 

stark mit der Faust gegen den Mund geschlagen. Als sich der Privatkläger 4 etwas 

nach hinten, weg vom Beschuldigten, begeben habe, habe der Beschuldigten den 

-   15   -

Privatkläger 4  mehrmals  von  vorne  mit  der  Faust  gegen  den  Kopf  (im  Bereich 

Mund/Nase/Kinn) in Form von kombinierten Schlagabfolgen ("Combos") geschla-

gen. Daraufhin habe der Privatkläger 4 sich zu schützen versucht, indem er sich 

umgedreht  habe,  woraufhin  der  Beschuldigte  den  Privatkläger 4  nochmals  ca. 

neun-  bis  zehnmal  mit  der  Faust  gegen  den  Hinterkopf  und  Nacken  geschlagen 

habe.  Ausserdem  habe  der  Beschuldigte  den  Privatkläger 4  mehrfach  gegen 

dessen  Gesäss  gekickt.  Durch  die  Schläge  des  Beschuldigten  habe  der  Privat-

kläger 4 rechts am Hinterkopf, seitlich am Kopf über dem Ohr und links im Gesicht 

im  seitlichen  Wangenbereich  geringfügige  Schürfwunden,  Rötungen  und  Häma-

tome erlitten. Im Mundbereich habe der Privatkläger 4 dadurch eine Rissquetsch-

wunde  und  Wurzelfraktur  der  beiden  oberen  Schneidezähne  erlitten,  welche  er 

schliesslich verloren habe. Dies habe der Beschuldigte mit seinem Tun bezweckt, 

eventualiter zumindest billigend in Kauf genommen.

2.2.

Insoweit die Vorinstanz betreffend den Tatbestand der einfachen Körperver-

letzung (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; Dossier 2) erwog, dass es sich diesbezüglich 

um  ein  Offizialdelikt  handle,  welches  von  Amtes  wegen  verfolgt  werde  (Urk. 59 

E. I/3  S. 8),  ist  sie  zu  korrigieren.  Bei  der  einfachen  Körperverletzung  gemäss 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein Antragsdelikt. Der nötige Straf-

antrag wurde jedoch auch in Bezug auf das Dossier 2 form- und fristgerecht gestellt 

(Urk. D2/2/1).

2.3. Die  Vorinstanz  hat  die  massgeblichen  Beweismittel,  namentlich  die  Aus-

sagen  des  Beschuldigten  (Urk. D1/3/1-2;  Prot. I  S. 25  ff.),  den  Polizeirapport  der 

Kantonspolizei Zürich (Urk. D2/1/1 [inkl. Nachtragsrapport, D2/1/2]), den ärztlichen 

Befund von Dr. med. dent. J._____ (Urk. D2/5/4), die Aussagen des Privatklägers 4 

(Urk. D2/3/1)  sowie  die  Aussagen  der  Auskunftsperson  K._____  ([Mutter  des 

Beschuldigten] Urk. D2/4/1) genannt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen 

verwiesen werden kann (Urk. 59 E. II/C/3 S. 17).

Die vorhandenen Beweismittel sind grundsätzlich uneingeschränkt verwertbar. Be-

treffend die Einvernahmen des Privatklägers 4 sowie der Auskunftsperson K._____ 

muss indessen – mit der Vorinstanz (Urk. 59 E. II/C/3 S. 17 f.) – festgehalten wer-

den,  dass  diesbezüglich  einzig  je  eine  polizeiliche  Einvernahme  stattfand,  ohne 

-   16   -

spätere Wahrung des Konfrontationsanspruchs des Beschuldigten. Letztlich kann 

die Frage der Verwertbarkeit der genannten Einvernahme jedoch offen gelassen 

werden, da sich der Sachverhalt – wie nachfolgend zu zeigen sein wird und mit der 

Vorinstanz (vgl. Urk. 59 E. II/C/6 S. 19 f.) – aufgrund der (weitgehenden) Anerken-

nung des Beschuldigten (und auch ohne die hier zur Frage stehenden Einvernah-

men des Privatklägers 4 sowie der Auskunftsperson K._____) erstellen lässt (vgl. 

zur  Frage  der  Verwertbarkeit  aber  auch  nachfolgend  E. II/3.3;  vgl.  auch  Urk. 91 

S. 5).

2.4. Die  Vorinstanz  erachtete  den  Anklagesachverhalt  gestützt  auf  die  mass-

geblichen Beweismittel im Wesentlichen als erstellt. Sie hielt dazu fest, dass sich 

das  in  der  Anklageschrift  umschriebene  Verletzungsbild  des  Privatklägers 4  aus 

dem  ärztlichen  Befund  von  Dr. med.  dent. J._____  ergebe  und  sich  der  übrige 

Anklagesachverhalt – mit der Einschränkung, dass der Beschuldigte dem Privat-

kläger 4  zwei  frontale  Faustschläge  ins  Gesicht  und,  als  sich  der  Privatkläger 4 

umgedreht  habe,  ca.  vier  weitere  Schläge  mit  der  Faust  gegen  den  Hinterkopf 

verpasst  habe  –  mit  dem  Geständnis  des  Beschuldigten  erstellen  lasse  (Urk. 59 

E. II/C/4-6  S. 18  ff.).  Es  kann  festgehalten  werden,  dass  den  von  der  Vorinstanz 

aus dem Beweismaterial gezogenen Schlüssen zur Sachverhaltserstellung vollum-

fänglich zu folgen ist, weshalb zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen darauf 

zu verweisen ist (vgl. Urk. 59 E. II/C/4-6 S. 18-20; zu diesem Schluss kam auch die 

Verteidigung anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung [Ukr. 44 S. 19 ff., 

wobei diese hinsichtlich der Schläge gegen den Hinterkopf sogar von "höchstens" 

zehn Schlägen ausging]; so auch heute [Urk. 91 S. 5 ff.]).

2.5. Rechtliche Würdigung

2.5.1. Die  ausführliche  rechtliche  Würdigung  der  Vorinstanz  (Urk. 59  E. II/C/7 

S. 20-23) ist in allen Teilen zutreffend, worauf vorab vollumfänglich zu verweisen 

ist. So sah auch die Verteidigung anlässlich der Hauptverhandlung sowohl den ob-

jektiven als auch den subjektiven Tatbestand der einfachen Körperverletzung als 

(durch den Beschuldigten) erfüllt an (Urk. 44 S. 22; so auch heute [Urk. 91 S. 5 ff.]).

-   17   -

2.5.2. Wie vor Vorinstanz machte die Verteidigung jedoch auch heute (rechtferti-

gende) Notwehr des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 StGB, eventualiter Putativ-

notwehr im Sinne von Art. 15 StGB i.V.m. Art. 13 Abs. 1 StGB bzw. (für die Schläge 

gegen den Hinterkopf) einen (entschuldbaren) Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 

Abs. 2 StGB geltend (Urk. 44 S. 22 ff.; so auch heute in Urk. 91 S. 5 ff.). Die Ver-

teidigung  führte  aus,  dass  zwischen  dem  Beschuldigten  und  dem  Privatkläger 4 

eine  heftige  verbale  Auseinandersetzung  stattgefunden  habe.  Der  Privatkläger 4 

habe beabsichtigt, den Beschuldigten  –  unter  Anwendung physischen  Zwangs  – 

aus der Wohnung (der Mutter des Beschuldigten) zu werfen. Der Privatkläger 4 sei 

diesbezüglich geständig gewesen, den Beschuldigten am Arm angefasst zu haben; 

er habe den Beschuldigten wegzerren wollen, was diesem auch wehgetan habe. 

Damit habe der Privatkläger 4 gezeigt, dass er den Beschuldigten physisch aus der 

Wohnung habe werfen wollen. Der Beschuldigte selber habe angegeben, dass der 

Privatkläger 4 gar zum Schlag angesetzt habe. Erstellt sei damit, dass der Privat-

kläger 4 den Beschuldigten mindestens grob am Arm gepackt habe sowie – auf-

grund seines Auftretens und seiner vorherigen Androhung, ihn aus der Wohnung 

zu werfen – eine gewisse Gewaltbereitschaft gezeigt habe, wobei der Beschuldig-

ten  den  Umständen  entsprechend  auch  davon  habe  ausgehen  dürfen,  dass  der 

Privatkläger 4 ihn möglicherweise schlagen würde (Urk. 44 S. 21 und S. 22-25; vgl. 

auch Urk. 91 S. 5 ff.). Der Beschuldigte habe nachvollziehbare Angst vor dem ihm 

körperlich  überlegenen  Privatkläger 4  gehabt,  insbesondere  vor  dessen  alkoholi-

sierten Zustand (1.3 Promille). Der Privatkläger 4 habe sein aggressives Auftreten 

auch bei der Polizei offenbart. Überdies habe der Beschuldigte die Situation nicht 

herbeigeführt,  sondern  lediglich  (auf  das  Verhalten  des  Privatklägers 4)  reagiert. 

Die reine Möglichkeit des Weggehens habe keinen Einfluss darauf, ob eine Not-

wehrsituation bestehe oder nicht. Aus den Aussagen des Beschuldigten, dass er 

einfach hätte weggehen können, könne nicht geschlossen werden, dass sich der 

Beschuldigte nicht vom Privatkläger 4 bedroht gefühlt habe. Mit Blick auf diese eine 

konkrete Aussage des Beschuldigten sei anzuführen, dass dieser während der ge-

samten Einvernahme nicht immer zuverlässig bzw. stellenweise und insbesondere 

dann, wenn es um sein Verhältnis zum Privatkläger 4 gegangen sei, "angeberisch" 

gewirkt  habe,  mithin  seine  Fassade  habe  wahren  müssen  und  keine  Schwäche 

-   18   -

gegenüber  dem  Privatkläger 4  habe  offenbaren  können.  Es  bestünden  überdies 

keinerlei Hinweise darauf, dass der Beschuldigte dem Privatkläger 4 einen Denk-

zettel  habe  verpassen  wollen,  wie  von  der  Vorinstanz  angenommen.  Insgesamt 

habe die Vorinstanz die Umstände der Tat des Beschuldigten unzureichend oder 

gar nicht berücksichtigt (Urk. 91 S. 5 ff.).

Der Beschuldigte stellte sich in der polizeilichen Einvernahme auf den Standpunkt, 

dass  seine  Mutter  zu ihm gesagt  habe,  dass  er eine  Stunde nach Hause  – zum 

Essen  und  Duschen  –  kommen  könne.  Er  habe  gegessen  und  habe  noch  eine 

halbe Stunde im Zimmer "hängen" wollen. Dann sei der Privatkläger 4 gekommen, 

welcher voll besoffen gewesen sei, und habe zu ihm gesagt, dass er gehen solle. 

Er  habe  dies  abgelehnt  und  gesagt,  dass  er  erst  gehe,  wie  es  ihm  seine  Mutter 

gesagt  habe.  Der  Privatkläger 4  sei  dann  ausgerastet  und  er  (der  Beschuldigte) 

habe ihn (den Privatkläger 4) geschlagen. Er habe schon immer ein schlechtes Ver-

hältnis zum Privatkläger 4 und schon oft verbalen Streit mit ihm gehabt. Der Privat-

kläger 4  sei  voll  ausgerastet  und  habe  ihn  richtig  laut  angeschrien.  Der 

Privatkläger 4 sei voll zu gewesen und er (der Beschuldigte) habe es witzig genom-

men und ihn ausgelacht. Der Privatkläger 4 wohne nicht einmal da und habe ihm 

nichts zu sagen. Der Privatkläger 4 habe zu ihm gesagt, dass wenn er nicht raus-

gehe, dann werde er ihn zum Rausgehen bewegen. Der Privatkläger 4 habe An-

stalten auf Gewalt gemacht, dieser habe ihn schlagen wollen. Er (der Beschuldigte) 

sei  dann  ausgewichen  und  habe  ihm  eine  "Links-Rechts,  bam-bam"  gegeben 

(Urk. D1/3/1 F/A 9 ff.). Auf Frage, wie der Privatkläger 4 ihn zu schlagen versucht 

habe, erklärte der Beschuldigte: "Wie soll ich sagen. Er ist ein 100-Kilo-fetter, ein 

besoffener Fettsack. Einfach so komisch." (Urk. D1/3/1 F/A 18). Der verbale Streit 

vor dem Fight habe ungefähr 20 Minuten gedauert. Er (der Beschuldigte) sei zuerst 

im Gang herumgelaufen und dann in sein Zimmer gegangen. Er habe zum Privat-

kläger 4 "Leck meine Eier" gesagt. Seine Mutter habe dem Privatkläger 4 den Mund 

zugehalten, weil sie gemerkt habe, dass er (der Beschuldigte) es nicht mehr lange 

aushalten würde. Der Privatkläger 4 habe nicht damit gerechnet, dass er ihn tat-

sächlich schlagen könnte. Der Privatkläger 4 sei auch voll geschockt gewesen, als 

er (der Beschuldigte) ihn geschlagen habe. Auf die Frage, wie er auf den aufgezo-

genen Arm des Privatklägers 4 reagiert habe, erklärte der Beschuldigte, dass er mit 

-   19   -

einem  Schritt  zurück  ausgewichen  sei.  Er  erklärte  weiter,  dass  er  schon  einfach 

hätte weggehen können und es sein lassen können, er sei aber so ausgerastet, 

weil  der  Privatkläger 4  es  probiert  habe.  Er  habe  ihm  einfach  zwei  reindrücken 

müssen.  Anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen  Einvernahme  erklärte  der  Be-

schuldigte, dass der Privatkläger 4 der Grund sei, weshalb er nicht zu Hause (bei 

seiner  Mutter)  sein  dürfe,  der  Privatkläger 4  habe  seine  Mutter  voll  im  Griff.  Der 

Privatkläger 4 habe seine Mutter schon so weit überredet, dass er obdachlos sei. 

Er  habe  eh  schon  einen  Hass  auf  den  Privatkläger 4  gehabt.  Der  Privatkläger 4 

habe zu ihm gesagt, dass wenn er (der Beschuldigte) nicht gehe, dann würde er 

(der  Privatkläger 4)  ihm  zum  Gehen  bewegen.  Dann  habe  er  zum  Privatkläger 4 

gesagt: "Fass mich einmal an, dann erlebst du etwas, so etwas hast du noch nie 

gesehen.". Der Privatkläger 4 habe vor seiner Mutter eins auf "Rambo" gemacht 

und habe ihm eins (einen Schlag) geben wollen. Er sei ein bisschen zurückgegan-

gen  und  habe  dem  Privatkläger 4  eine  links  und  eine  rechts  gegeben.  Auf  die 

Frage, wie der Privatkläger 4 ihn zu schlagen versucht habe, erklärte der Beschul-

digte, dass dieser einfach besoffen gewesen sei und probiert habe, einen "Schwin-

ger" mit der Faust zu machen (Urk. D1/3/2 F/A 25 ff.). Anlässlich der erstinstanz-

lichen  Hauptverhandlung  erklärte  der  Beschuldigte,  dass  der  Privatkläger 4  den 

Kampf  begonnen  habe  und  er  (der  Beschuldigte)  sich  nur  gewehrt  habe.  Der 

Privatkläger 4 habe ihn schon sehr oft verbal angeschrien. An diesem Abend sei er 

betrunken gewesen und hätte ihn das erste Mal tätlich angreifen wollen. Auf Frage, 

ob es nicht gereicht hätte, sich verbal zu wehren, verneinte dies der Beschuldigte 

mit der Begründung, dass der Privatkläger 4 ihn zu schlagen probiert hätte. Er er-

klärte weiter, dass es zwar gereicht hätte, wenn er einmal zugeschlagen hätte. Er 

sei dann aber ein bisschen ausgerastet, da der Privatkläger 4 sich überhaupt ge-

traut habe, ihn anzufassen. Aus diesem Grund habe er ihm weitere drei Schläge 

verpasst, was er nicht hätte tun sollen (Prot. I S. 25).

Auch hinsichtlich der Notwehr, der Putativnotwehr bzw. des Notwehrexzesses kann 

vorab  auf  die  zutreffenden  rechtlichen  Ausführungen  sowie  die  entsprechende 

Würdigung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 E. II/C/7.3 S. 21-23). Ledig-

lich rekapitulierend bzw. teilweise ergänzend kann noch das Nachfolgende ange-

fügt werden:

-   20   -

Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, 

so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Um-

ständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Notwehr ist ein Recht-

fertigungsgrund. Eingriffe in die Rechtsgüter eines Angreifers sind straflos, sofern 

folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Erstens muss eine Notwehrlage gegeben sein. Diese besteht aus einem rechtswid-

rigen Angriff durch menschliches Handeln auf ein rechtlich geschütztes Gut. Der 

Angriff muss im Gange sein oder unmittelbar bevorstehen. Dies ist der Fall, wenn 

Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen, insbe-

sondere dann, wenn es bei weiterem Zuwarten für eine Verteidigung zu spät sein 

könnte (Urteil des Bundesgerichts 6B_269/2023 vom 30. Juni 2023 E. 2.1). Solche 

Anzeichen liegen namentlich vor, wenn der Angreifer eine drohende Haltung ein-

nimmt, sich zum Kampf vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem Sinne 

gedeutet werden können. Abwehr ist zulässig, sobald mit einem Angriff ernstlich zu 

rechnen ist und jedes weitere Zuwarten die Verteidigungschance gefährdet (Urteile 

des  Bundesgerichts  6B_402/2022  vom  24. April  2023  E. 2.2;  6B_303/2018  vom 

2. November 2018 E. 2.3).

Zweitens  muss  die  Abwehr  gegen  den  Angreifer  gerichtet  sein  und  nach  der 

Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen vor 

allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr bedrohten 

Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Verwendung. Bei 

der  Verwendung  von  gefährlichen  Gegenständen  zur  Abwehr  (Messer,  Schuss-

waffen  etc.)  ist  besondere  Zurückhaltung  geboten,  da  deren  Einsatz  stets  die 

Gefahr  schwerer  oder  gar  tödlicher  Verletzungen  mit  sich  bringt  (Urteile  des 

Bundesgerichts  6B_269/2023  vom  30. Juni  2023  E. 2.1;  6B_402/2022  vom 

24. April 2023 E. 2.2).

Die Aussagen des Beschuldigten zum vom Privatkläger 4 gegen ihn erfolgten – an-

geblichen – Angriff überzeugen nicht. Den Aussagen des Beschuldigten zu seiner 

Reaktion zum – von ihm geltend gemachten – aufgezogenen Arm des Privatklä-

gers 4 ("Ich wich mit einem Schritt zurück aus. Ich hätte schon einfach weggehen 

können und es sein lassen, aber ich bin so ausgerastet, weil er es probiert hatte. 

-   21   -

Ich musste ihm einfach zwei reindrücken." [Urk. D1/3/1 F/A 21]) ist bereits zu ent-

nehmen, dass er das – von ihm geltend gemachte – Gebaren des Privatklägers 4 

nicht als eigentlichen Angriff wahrnahm und sich ohne Weiteres bzw. ohne Gefahr 

– und ohne einen ihm drohenden Angriff des Privatklägers 4 – aus der Wohnung 

hätte begeben können. Der Beschuldigte rechnete nicht mit einem ernstlichen An-

griff  des  Privatklägers 4,  bei  Zuwarten  wären  seine  Verteidigungschancen  somit 

auch nicht gefährdet gewesen, weshalb seine Schläge nicht als Abwehr zu werten 

sind. Davon zeugen auch die Aussagen des Beschuldigten zum von ihm seitens 

des  Privatklägers 4  geltend  gemachten  Schlages  ("Wie  soll  ich  sagen.  Er  ist  ein 

100-Kilo-fetter, ein besoffener Fettsack. Einfach so komisch." [Urk. D1/3/1 F/A 18]; 

"Er  war  einfach  besoffen  und  probierte  so  einen  "Schwinger"  zu  machen." 

[Urk. D1/3/2 F/A 29]). Den Aussagen des Beschuldigten ist vielmehr zu entnehmen, 

dass er sich erbost und gereizt über das bestimmte Auftreten des Privatklägers 4 

zeigte, welcher ihn zum Verlassen der Wohnung (der Mutter des Beschuldigten) 

bewegen wollte, und gewaltsam dagegen aufbegehrte. Anders können die Aussa-

gen des Beschuldigten ("[…]. Er war schockiert nach meinem Schlag. Bis jetzt habe 

ich seine Figgerei immer über mich ergehen lassen. Ich hatte ihn die ganze Zeit 

ausgelacht. Ich fand es easy lustig. […]"; Urk. 3/1 F/A 27) nicht interpretiert werden, 

da sich bereits aus diesen ergibt, dass er sich vom Privatkläger 4 nicht im Sinne 

eines (drohenden) Angriffs bedroht fühlte (vgl. dazu auch Urk. D1/3/2 F/A 25, 29 f.). 

Auch die Aussagen des Beschuldigen, welchen darauf abzielen, den Privatkläger 4 

als Schwächling, minderwertig oder schwerbetrunken abzutun (Urk. D1/3/1 F/A 12: 

"Er war voll zu. Ich nahm es witzig und lachte ihn aus. […]. Er ist voll der Lutscher. 

[…]"; F/A 18: "[…] Er ist ein 100-Kilo-fetter, ein besoffener Fettsack. […]"; F/A 30: 

"[…]  Er  ist  wirklich  eine  Susi,  […]";  F/A 31:  "[…]  Er  war  so  besoffen.  Er  war  am 

Lallen. Er wusste nicht mehr, was er sagte. Wie ein englischer Fussballfan." [vgl. 

auch  Urk. D1/3/2  F/A 25,  29,  39,  43])  sind  dahingehend  zu  werten,  als  dass  der 

Beschuldigte keineswegs mit einem Angriff des Privatklägers 4 rechnete, sondern 

als  Reaktion  auf  die  –  vom  dazu  aus  Sicht  des  Beschuldigten  nicht  legitimierten 

und von ihm nicht akzeptierten Privatklägers 4 – ausgesprochene Wegweisung aus 

der Wohnung mehrere Schläge gegen den Kopf des Privatklägers 4 richtete. Dies 

wird auch durch die Aussagen des Beschuldigten, in welchen er den Privatkläger 4 

-   22   -

als  Grund  für  seine  Obdachlosigkeit  verortete  und  seinen  vorbestehenden  Hass 

gegenüber  diesem  beleuchte,  offenbart  (vgl.  Urk. D1/3/2  F/A 25).  An  dieser  Ein-

schätzung vermögen sodann auch die Ausführungen der Verteidigung anlässlich 

der Berufungsverhandlung nichts zu ändern. Wenn diese ausführt, dass aufgrund 

der Umstände der Tat – der Beschuldigte habe nachvollziehbare Angst vor dem 

ihm körperlich überlegenen und alkoholisierten (und dadurch aggressiven) Privat-

kläger 4 gehabt, dann findet dies keine Stütze in den Aussagen des Beschuldigten. 

Auch dass die – angeblich – zulasten des Beschuldigten ausfallenden Kräftever-

hältnisse  zur  Bedrohungslage  des  Beschuldigten  beigetragen  hätten,  ergibt  sich 

keineswegs  aus  den  Aussagen  des  Beschuldigten  (daran  vermag  auch  der  Ver-

merk in Urk. D2/1/2 S. 3 nichts zu ändern). Und auch der Ausgang dieses körperli-

chen  Übergriffs  für  den  Privatkläger 4  mit  erheblichen  Verletzungen  spricht  eine 

klar andere Sprache. Vor diesem Hintergrund sind auch die Aussagen des Beschul-

digten – wie von der Verteidigung weiter vorgebracht – nicht als "angeberisch" zu 

werten. Demzufolge war es keineswegs so, dass ein rechtswidriger Angriff gegen 

den  Beschuldigten  im  Gange  gewesen  wäre  oder  unmittelbar  bevorgestanden 

hätte.  Vielmehr  erscheinen  die  Schläge  des  Beschuldigten  als  Vergeltung  bzw. 

recht eigentliche "Abreibung" und mithin selbst als Angriff. Es lag somit keine Not-

wehrlage des Beschuldigten vor.

Auch kann sich der Beschuldigten nicht auf die Bestimmungen der entschuldbaren 

Notwehr im Sinne von Art. 16 Abs. 1 und 2 StGB berufen, da für diese Bestimmun-

gen ebenfalls eine Notwehrlage des Beschuldigten vorgelegen haben müsste, was 

mit Verweis auf die vorstehenden Erwägungen klar verneint werden muss. Auch ist 

mit gleichen Verweis nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte irrtümlich von 

einem Angriff (des Privatklägers 4) ausgegangen ist (und dabei gegebenenfalls die 

Grenzen der Notwehr überschritten hätte; im Sinne der Putativnotwehr bzw. eines 

Putativnotwehrexzesses).

2.6.

Fazit (Dossier 2)

Der Beschuldigte ist somit hinsichtlich des Dossiers 2 – mangels Vorliegens von 

Rechtfertigungs-  und/oder  Schuldausschlussgründen  –  der  einfachen  Körper-

-   23   -

verletzung  im  Sinne  von  im  Sinne  von  Art. 123  aZiff. 1  Abs. 1  StGB  schuldig  zu 

sprechen.

3.

Drohung (Dossier 4)

3.1. Verfahrensgegenstand bezüglich Dossier 4 bildet – sofern im vorliegenden 

Verfahren  noch  angefochten  (vgl.  vorstehend  E. I/2.2-2.3  sowie  nachfolgend 

E. II/3.2) – der nachstehend umrissene Tatvorwurf (Urk. D1/14 S. 7 f.): Am 7. Juli 

2022  habe  der  Beschuldigte  –  von  einem  unbekannten  Ort  aus  –  von  seinem 

Mobiltelefon per Textnachricht auf "Telegram" an die sich in Zürich befindliche Ge-

schädigte L._____ (nachfolgend: Geschädigte L._____) "ich nimm dich usenander 

morn" geschrieben, was diese in Sorge um ihr körperliches Wohl versetzt habe.

3.2. Hinsichtlich  des  Dossiers 4  waren  im  erstinstanzlichen  Verfahren  noch 

Sachverhalte  bezüglich  Beschimpfung  und  üble  Nachrede  zum  Nachteil  der  Ge-

schädigten  L._____  Verfahrensgegenstand.  Die  diesbezüglichen  Schuldsprüche 

der Vorinstanz wurden von der Verteidigung mit ihrer Anschlussberufung nicht an-

gefochten  (vgl.  vorstehend  E. I/2.2-2.3),  weshalb  sich  weitere  Ausführungen  zu 

diesen Anklagekomplexen des Dossiers 4 erübrigen.

3.3. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel, namentlich die Aussa-

gen des Beschuldigten (Urk. D1/3/2; Prot. I S. 26 f.), den Polizeirapport der Stadt-

polizei  Zürich  (Urk. D4/1/1  [inkl.  Fotodokumentation  zum  Polizeirapport,  D4/1/2]) 

sowie die Aussagen der Geschädigten L._____ (Urk. D4/3/1) genannt, worauf zur 

Vermeidung  von  Wiederholungen  verwiesen  werden  kann  (Urk. 59  E. II/D/3 

S. 24 f.).

Die  vorhandenen  Beweismittel  sind  grundsätzlich  uneingeschränkt  verwertbar. 

Betreffend die Einvernahmen der Geschädigten L._____ muss – mit der Vorinstanz 

(Urk. 59  E. II/D/3.2  S. 25)  –  wiederum  festgehalten  werden,  dass  diesbezüglich 

einzig  eine  polizeiliche  Einvernahme  stattfand,  ohne  spätere  Wahrung  des 

Konfrontationsanspruchs des Beschuldigten. Eine belastende Zeugenaussage ist 

grundsätzlich  nur  verwertbar,  wenn  die  beschuldigte  Person  wenigstens  einmal 

während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, das 

-   24   -

Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu stellen. Auf 

das  Konfrontationsrecht  kann  vorgängig  oder  auch  im  Nachhinein  ausdrücklich 

oder stillschweigend verzichtet werden, wobei der Verzicht des Beschuldigten auch 

von  seinem  Verteidiger  ausgehen  kann.  Die  beschuldigte  Person  kann  den  Be-

hörden grundsätzlich nicht vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Konfrontation nicht 

vorgeladen  zu  haben,  wenn  sie  es  unterlässt,  rechtzeitig  (d.h.  spätestens  im 

Berufungsverfahren)  und  formgerecht  entsprechende  Anträge  zu  stellen  (vgl. 

anstatt  vieler  die  Urteile  des  Bundesgerichts  6B_1110/2023  vom  23. Mai  2024 

E. 3.3.5; 7B_259/2022 vom 8. April 2024 E. 2; 7B_253/2022 vom 8. Februar 2024 

E. 2.3.5; je mit Hinweisen). Entscheidend ist nämlich, dass es sich beim Konfron-

tationsrecht  um  ein  Mitwirkungsrecht  der  beschuldigten  Person  handelt.  Dessen 

Ziel  ist  die  Wahrung  der  Waffengleichheit  und  die  Gewährung  eines  fairen 

Verfahrens (BGE 131 I 476 E. 2.2, mit Hinweis). Nicht eigentlicher Sinn und Zweck 

des  Konfrontationsrechts  ist  es  dagegen,  der  beschuldigten  Person  bei  unter-

lassener Konfrontation die Entfernung eines womöglich belastenden Beweismittels 

aus  den  Akten  zu  ermöglichen.  Ob  die  beschuldigte  Person  das  Recht  auf 

Konfrontation  effektiv  wahrnehmen  will,  steht  ihr  demnach  frei  (vgl.  Urteil  des 

Bundesgerichts  7B_253/2022  vom  8. Februar  2024  E. 2.3.5,  mit  weiteren  Hin-

weisen).

Nachdem im gesamten Verfahren und bis heute kein Beweisantrag auf (erneute) 

Befragung der Geschädigten L._____ gestellt wurde und die Verteidigung selber 

auf  die  Aussagen  der  Geschädigten  L._____  in  ihrem  Plädoyer  abstellte  (vgl. 

Urk. 91  S. 13  ff.;  und  nachdem  der  Verteidigung  die  entsprechende  Rechtspre-

chung bekannt zu sein scheint [vgl. Prot. I S. 11] und vorliegend somit bewusst kein 

entsprechender Antrag gestellt wurde), ist von einem impliziten Verzicht des Be-

schuldigten  auf  Ausübung  des  Konfrontationsrechts  auszugehen,  was  zur  Folge 

hat, dass die polizeiliche Einvernahme der Geschädigten L._____ (Urk. D4/3/1) un-

eingeschränkt verwertbar ist.

3.4. Die  Vorinstanz  erachtete  den  Anklagesachverhalt  gestützt  auf  die 

massgeblichen  Beweismittel  –  mithin  insbesondere  aufgrund  des  Geständnisses 

des  Beschuldigten  (Urk. D1/3/2  F/A 57  ff.;  Prot. I  S. 26  f.)  und  der  Fotodoku-

-   25   -

mentation zu den Textnachrichten des Beschuldigten an die Geschädigte L._____ 

(Urk. D4/1/2)  –  als  erstellt.  Das  Geständnis  des  Beschuldigten  ist  glaubhaft  und 

deckt  sich  mit  dem  übrigen  Untersuchungsergebnis.  Und  auch  die  Verteidigung 

stimmte dieser Würdigung zu (Urk. 44 S. 28; vgl. dazu auch Urk. 91 S. 13 ff.). Er-

gänzt werden kann, dass die Textnachricht "ich nimm dich usenander morn" die 

Geschädigte L._____ in Sorge um ihr körperliches Wohl versetzte. Davon zeugen 

die Aussagen der Geschädigten L._____, dass es sie nervös mache, sie nicht ein-

schätzen könne, was er (der Beschuldigte) machen werde, sie würde es (das Wahr-

machen  des  Angedrohten)  ihm  schon  zutrauen  und  es  würde  in  ihr  schon  auch 

Angst  auslösen  (Urk. D4/3/1  F/A15).  Eindrücklich  schilderte  die  Geschädigte 

L._____ – angesprochen darauf, wo sie an diesem Abend sein werde – weiter, dass 

sie mit einer Kollegin abgemacht habe und bei dieser schlafen werde. Die vergan-

gene Nacht habe sie extrem schlecht geschlafen. Sie wolle nicht jedes Mal, wenn 

sie  den  Lift  höre,  das  Gefühl  haben,  dass  es  der  Beschuldigte  sei  (Urk. D4/3/1 

F/A 21).  Der  Sachverhalt  ist  somit  –  mit  der  Vorinstanz  (Urk. 59  E. II/D/3.5-3.6 

S. 26) – rechtsgenügend nachgewiesen, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu 

erübrigen.

3.5. Rechtliche Würdigung

3.5.1. Die Vorinstanz hat hinsichtlich der hier zu beurteilenden Drohung den Tatbe-

stand von Art. 180 Abs. 1 StGB erfüllt gesehen. Dabei hat sie die entsprechenden 

rechtlichen Voraussetzungen richtig zusammengefasst (Urk. 59 E. II/D/4.1.1 sowie 

4.2.1 S. 46/47 S. 27 und 29). Herauszustreichen ist zum konkreten Fall namentlich, 

dass unwesentlich ist, ob der Drohende seine Drohung ernst meint. Sie muss aber 

als ernstgemeint in Erscheinung treten (BGE 105 IV 120 E. 2a; 122 IV 322 E. 1a) 

und als Taterfolg den Geschädigten tatsächlich in Angst und Schrecken versetzen, 

was sich im Verlust des Sicherheitsgefühls des Bedrohten niederschlägt (PK StGB-

TRECHSEL/MONA,  Art. 180  N 3  m.w.H.;  BSK  StGB-DELNON/RÜDY,  Art. 180  N 10; 

BGE 141 IV 1). Subjektiv muss der Täter mindestens in Kauf nehmen, dass das 

Opfer durch die fraglichen Äusserungen oder Handlungen in Angst und Schrecken 

-   26   -

versetzt bzw. seines Sicherheitsgefühls verlustig geht (PK StGB-TRECHSEL/MONA 

2021, Art. 180 N 4 m.w.H.; BSK StGB-DELNON/RÜDY 2019, Art. 180 N 33).

3.5.2. Die  ausführliche  rechtliche  Würdigung  der  Vorinstanz  (Urk. 59  E. II/D/4 

S. 27-29) ist in allen Teilen zutreffend, worauf zur Vermeidung unnötiger Wieder-

holungen vorab verwiesen werden kann. Hinsichtlich der Drohung ist mit der Vor-

instanz  (Urk. 59  E. II/D/4  S. 27-29;  und  entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung 

[Urk. 44 S. 29 ff. und Urk. 91 S. 13 ff.]) nochmals festzuhalten, dass der Beschul-

digte mit seiner Textnachricht "Ich nimm dich usenander morn" der Geschädigten 

L._____ offenkundig einen schweren Nachteil, nämlich körperliche Gewalt, in Aus-

sicht stellte. Es ist deshalb ohne Weiteres nachzuvollziehen, wenn die Geschädigte 

L._____ sagt, es mache sie nervös, sie könne nicht einschätzen, was er (der Be-

schuldigte) machen werde, sie würde es (das Wahrmachen des Angedrohten) ihm 

schon  zutrauen  und  es  würde  in  ihr  schon  auch  Angst  auslösen  (Urk. D4/3/1 

F/A15). Auch der Umstand, dass die Geschädigte L._____ in der Nacht nach der 

polizeilichen Einvernahme nicht bei sich zu Hause übernachten wollte, aus Angst 

vor dem Beschuldigten, ist so zu werten, dass die Geschädigte L._____ durch die 

Nachricht des Beschuldigten in Angst und Schrecken versetzt wurde (a.M. die Ver-

teidigung in Urk. 91 S. 15 f.). Wie eingangs gesehen, reicht das zur Erfüllung des 

Tatbestands; die Geschädigte L._____ beschreibt denn damit auch klar einen Ver-

lust ihres Sicherheitsgefühls. Dem Einwand der Verteidigung, dass die hier zur Dis-

kussion stehende Textnachricht nicht kausal für die mögliche Angst der Geschä-

digten L._____ gewesen sei (Urk. 44 S. 30; Urk. 91 S. 13 ff.), ist nicht zu folgen. 

Die Geschädigte L._____ erklärte anlässlich ihrer Einvernahme denn auch, dass 

die  Drohungen  mehrheitlich  via  M._____  zu  ihr  gekommen  seien  (Urk. D4/3/1 

F/A 14). Damit erklärt sie im Umkehrschluss jedoch auch, dass sie auch anderwei-

tig – nämlich durch die hier zur Diskussion stehende Textnachricht (vgl. dazu auch 

Urk. D4/3/1 F/A 8: "Aber er droht in ganz verschiedenen Bereichen. Auf WhatsApp, 

Telegram. […]) – bedroht worden ist. Dass der Beschuldigte seine Drohung durch-

aus ernst meinte, ergibt sich auch aus seiner Aussage "Ich wollte sie schon aus-

einander  nehmen  […].  (Urk. D1/3/2  F/A 63)".  Dass  auch  dem  Beschuldigten  be-

wusst war, dass er die Geschädigte L._____ mit seiner Textnachricht in Angst und 

Schrecken  versetzte,  ist  sodann  seinen  weiteren  Aussagen  zu  entnehmen.  Auf 

-   27   -

Frage, was die hier zur Diskussion stehende Textnachricht bei der Geschädigten 

L._____ auslöse, antwortete der Beschuldigte: "Nichts. Dass sie denkt, scheisse er 

ist zurück. Dass ihr etwas passiert […]" (Urk. D1/3/2 F/A 66 f.). Nach dem Darge-

legten ergibt sich, dass die Drohung des Beschuldigten ernstgemeint in Erschei-

nung  trat  und  die  Geschädigte  L._____  damit  in  Angst  und  Schrecken  versetzt 

wurde.  Zutreffend  hob  die  Vorinstanz  auch  hervor,  dass  der  Beschuldigte  seine 

Textnachricht "Ich nimm dich usenander morn" direkt an die Geschädigte L._____ 

richtete und diese damit in Angst und Schrecken versetzen wollte, wobei dem Be-

schuldigten auch bewusst gewesen sein musste, dass seine Drohung bei der Ge-

schädigten L._____ diese Wirkung hervorruft.

3.5.3. Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich.

3.6.

Fazit (Dossier 4)

Der Beschuldigte ist somit hinsichtlich des Dossiers 4 (zusätzlich) der Drohung im 

Sinne von im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

4.

Raub, Angriff, Beschimpfung, (geringfügige) Sachbeschädigung (Dossier 6)

4.1. Verfahrensgegenstand  bezüglich  Dossier 6  bildet  der  nachstehend  umris-

sene Tatvorwurf (Urk. D1/14 S. 3 ff.): Der Beschuldigte habe am 20. Februar 2023, 

um ca.10.00 Uhr, seinen (ehemaligen) Zimmergenossen (den Privatkläger 5) in der 

… [Unterkunft] N._____ in Zürich aufgefordert, mit ihm auf die Strasse zu gehen. 

Der Beschuldigte habe sodann auf dem Trottoir (Höhe O._____-gasse 1 in Zürich) 

mit zwei weiteren unbekannten, männlichen Personen – welche dort hinzugekom-

men seien – auf den Privatkläger eingeschlagen. Während den Schlägen habe der 

Beschuldigte den Privatkläger "Hurensohn" genannt. Nachdem dem Privatkläger 5 

– mutmasslich durch den Beschuldigten – das Bein gestellt worden sei, sei dieser 

auf  den  Boden  aufgeschlagen.  Die  drei  Täter  hätten  in  der  Folge  den  auf  dem 

Rücken liegenden Privatkläger 5 mit Tritten gegen den ganzen Körper traktiert, wo-

bei ein "Kick" – mutmasslich des Beschuldigten – den Privatkläger 5 am Hinterkopf 

getroffen habe, wobei der Privatkläger 5 während ca. drei Sekunden "Sternchen" 

gesehen habe. Der Beschuldigte habe mit einem Fuss ausserdem von oben herab 

-   28   -

auf den Bereich zwischen Bauchnabel und Brust des Privatklägers gestampft. Der 

Beschuldigte  und  die  beiden  unbekannten  Mittäter  hätten  in  der  Folge  versucht, 

das Portemonnaie aus der Hosentasche des Privatklägers 5 zu nehmen. Als dies 

nicht gelungen sei, habe mutmasslich der Beschuldigte die vordere rechte Hosen-

tasche des Privatklägers 5 abgerissen und dessen Portemonnaie – welches Bar-

geld  in  der  Höhe  von  ca.  Fr. 2'500.–  beinhaltet  habe  –  an  sich  genommen.  Der 

Privatkläger 5 habe während des Vorfalls Todesangst gehabt, mehrere Blutergüsse 

an den Armen sowie eine mittelgrosse Beule im vorderen oberen Kopfbereich erlit-

ten, und während ca. drei Tagen an Schmerzen an seiner Körperseite und am rech-

ten Arm sowie am linken grossen Zeh, an Kopfschmerzen sowie an Appetitlosigkeit 

gelitten.  Der  Beschuldigte  habe  bei  diesem  Vorfall  mehrfach  stark  mit  der  Faust 

und mit dem Fuss gegen den Privatkläger 5 geschlagen. Anlässlich dieser Gewalt-

tätigkeiten sei sich der Beschuldigte bewusst gewesen, dass auch die Mittäter ge-

gen den Privatkläger 5 vorgehen und sich dieser dabei verletzten könnte. Der Be-

schuldigte habe sich bewusst und gewollt an den (Angriffs-)Handlungen, bei wel-

chen er und die beiden unbekannten Mittäter mitgewirkt hätten, beteiligt und habe 

durch sein Handeln zumindest billigend in Kauf genommen oder habe gar gewollt, 

dass  der  Privatkläger 5  dadurch  wie  beschrieben  verletzt  worden  sei  sowie 

Schmerzen und Angst erlitten habe, wobei er mit dem Vorgehen der beiden unbe-

kannten Mittäter (zumindest konkludent) einverstanden gewesen sei. Ausserdem 

hätten  der  Beschuldigte  und  seine  unbekannten  Mittäter  in  der  Folge  das  Porte-

monnaie  des  Privatklägers 5  samt  Inhalt  an  sich  genommen,  um  dieses  –  ohne 

eigenen Anspruch – für sich zu verwenden oder sonst wie Eigentümer darüber zu 

verfügen. Durch das Abreissen der Hosentasche sei dem Privatkläger 5 an dessen 

Jeans  ein  Sachschaden  in  der  Höhe  von  ca.  Fr. 200.–  entstanden,  was  der 

Beschuldigte  mit  seinem  Tun  bezweckt,  eventualiter  zumindest  billigend  in  Kauf 

genommen  habe.  Ausserdem  habe  sich  der  Privatkläger 5  durch  die  Worte  des 

Beschuldigten  in  seiner  Ehre  verletzt  gefühlt,  was  der  Beschuldigte  bezweckt, 

eventualiter zumindest billigend in Kauf genommen habe.

4.2. Der Beschuldigte bestritt vor Vorinstanz in vollem Umfang, was ihm die An-

klage vorwirft (Prot. I S. 20 ff.). Der Beschuldigte stellte sich auf den Standpunkt, 

dass er aus der … [Unterkunft] N._____ gelaufen sei und gesehen habe, wie sich 

-   29   -

der Privatkläger 5 mit zwei bzw. drei Leuten am Prügeln gewesen sei, wobei der 

Privatkläger 5 vor allem eingesteckt habe. Er habe die Schlägerei etwa 20 Sekun-

den beobachtet, sei dann aber irgendwann gegangen, da der Privatkläger 5 kein 

derart  guter  Freund  von  ihm  sei,  dass  er  diesem  geholfen  hätte.  Es  seien  noch 

diverse andere Personen anwesend gewesen, welche die Schlägerei ebenfalls be-

obachtet hätten (Urk. D1/3/5 F/A 4; Prot. I S. 20 ff.). Entsprechend fordert die Ver-

teidigung  einen  vollumfänglichen  Freispruch  (Urk. 91  S. 16  ff.;  vgl.  auch  Prot. II 

S. 6 ff.).

4.3. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel, namentlich die Aussa-

gen  des  Privatklägers 5  (Urk. D6/2/1-2)  und  des  Beschuldigten  (Urk. D1/3/3-5; 

Prot. I S. 20 ff.), den Polizeirapport der Stadtpolizei Zürich (Urk. D6/1/1 [inkl. Foto-

dokumentation zum Polizeirapport, D6/1/2, sowie den Nachtragsrapporten, D6/1/3-

4]) sowie den ärztlichen Befund von Dr. med. P._____ über den Privatkläger 5 ge-

nannt, deren Ergebnisse und den Inhalt umfassend und zutreffend wiedergegeben, 

worauf  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  verwiesen  werden  kann  (Urk. 59 

E. II/F/3.1-3.5 S. 42-48).

Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurde – auf Antrag der Staatsan-

waltschaft  und  des  Privatklägers 5  (Urk. 60  S. 3  f.  und  Urk. 62  S. 2  f.)  –  Zeugin 

G._____ (ehemalige Bereichsleiterin Betreuung/Pflege, stellvertretende Geschäfts-

leiterin der … [Unterkunft] N._____) einvernommen (Urk. 86; vgl. dazu auch nach-

folgend  E. II/4.4.3).  Das  Berufungsgericht  hat  von  Amtes  wegen  diejenigen  Be-

weise zu erheben, welche in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht für die Urteilsfäl-

lung notwendig sind (Art. 389 Abs. 3 StPO). Der Berufungserklärung des Vertreters 

des Privatklägers 5 ist zu entnehmen, dass er erst einen Tag nach der Urteilsfällung 

der Vorinstanz, demnach am 28. September 2023, davon erfahren hat, dass sich 

aus der Befragung der Zeugin G._____ gegebenenfalls wesentliche Umstände für 

die Beurteilung des Anklagesachverhalts ergeben könnten (Urk. 63/1; mitgeteilt an 

die  Staatsanwaltschaft  am  2. Oktober  2023  [Urk. 60  S. 4];  vgl.  auch  Urk. 61/3). 

Deshalb wurde der Beweisantrag um Einvernahme der Zeugin G._____ erst an-

lässlich des Berufungsverfahrens gestellt.

-   30   -

Die vorhandenen Beweismittel sind – mit der Vorinstanz (Urk. 59 E. II/F/3.1 S. 42) – 

uneingeschränkt verwertbar.

4.4. Würdigung der Beweismittel

4.4.1. Die Vorinstanz kam in ihrer Beweiswürdigung zum Schluss, dass die Aussa-

gen des Privatklägers 5 insgesamt als wenig überzeugend, sehr widersprüchlich, 

lebensfremd und kaum glaubhaft erscheinen würden. Insgesamt würden zu viele 

und damit unüberwindbare Zweifel an den Vorbringen des Privatklägers – insbe-

sondere in Bezug auf die Täterschaft des Beschuldigten – verbleiben. Weiter seien 

keine  Beweismittel  aktenkundig,  welche  eine  Tatbeteiligung  des  Beschuldigten 

untermauern würden. Folglich könne es genauso gut gewesen sein, dass der Be-

schuldigte, welcher damals ebenfalls in der … [Unterkunft] N._____ logiert habe, 

den fraglichen Angriff auf den Privatkläger tatsächlich zufällig nur als Unbeteiligter 

beobachtet habe. Die Wahrnehmung bzw. das Erkennen der Täterschaft in einem 

derart hochdynamischen Geschehen mit Gewaltausübung – so die Vorinstanz wei-

ter – dürfte für den Privatkläger in seiner zugegebenermassen misslichen Situation 

verständlicherweise  nicht  ungetrübt  gewesen  sein.  Die  Vorinstanz  kam  deshalb 

zum Schluss, dass sich der Anklagesachverhalt hinsichtlich des Dossiers 6 nicht 

rechtsgenügend erstellen lasse, weshalb sie den Beschuldigten von den Vorwürfen 

des Raubes, des Angriffs, der Beschimpfung sowie der geringfügigen Sachbeschä-

digung  in  Anwendung  des  Grundsatzes  in  dubio  pro  reo  freisprach  (Urk. 59 

E. II/F/4.2.3 und 5 S. 54). Die Vorinstanz hat die Aussagen des Privatklägers 5 und 

des Beschuldigten ausführlich und zutreffend wiedergegeben, worauf zur Vermei-

dung  unnötiger  Wiederholungen  verwiesen  werden  kann  (Urk. 59  E. II/F/3.4-3.5 

S. 43-48).

4.4.2. Vorab  ist  festzuhalten,  dass  bereits  aus  den  Aussagen  des  Beschuldigten 

hervorgeht, dass es am fraglichen Morgen zu einem körperlichen Übergriff auf den 

Privatkläger 5  kam  (Prot. I  S. 20  ff.);  dies  steht  somit  ausser  Frage.  Klärungsbe-

dürftig sind daher insbesondere die Tatbeteiligung des Beschuldigten und der ge-

naue Ablauf und die Umstände im Einzelnen.

-   31   -

4.4.3. Mit der Berufungserklärung reichten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch 

die  Rechtsvertretung  des  Privatklägers 5  eine  E-Mail  der  Zeugin  G._____  (ehe-

malige Bereichsleiterin Betreuung/Pflege, stellvertretende Geschäftsleiterin der … 

[Unterkunft] N._____) ein, welche diese am 21. Februar 2023 – somit einen Tag 

nach  dem  hier  zu  beurteilenden  Vorfall  –  an  die  Beiständin  sowie  den  Jugend 

Coach des Beschuldigten schrieb (Urk. 60 i.V.m. Urk. 61/1-2 sowie Urk. 62 i.V.m. 

Urk. 63/1-2). In dieser E-Mail schrieb die Zeugin G._____ u.a.: "[…]. Zum Delikt; 

Herr  B._____  schildert,  dass  sein  Zimmernachbar  (Hr. A._____)  ihm  dauernd 

THC/CBD  und  Gras  stahl.  Im  Wert  von  mehreren  hundert  Franken.  Hr. B._____ 

wiederum hat Dealer Schulden bei den Kumpels. Darum habe er 2 Dealer Kollegen 

angeheuert, dann den Bewohner Hr. A._____ auf die O._____-gasse gelockt, wo 

die  2  Schläger  warteten,  um  den  Mitbewohner  Herr A._____  zu  prügeln  und 

auszurauben.  Er  habe  dies  'nur  organisiert',  nicht  aktiv  geschlagen.  Gemäss 

Hr. B._____  wurde  dem  Opfer  2800  Franken  geraubt,  wovon  Herr B._____  200 

Fr. als 'Provision' erhielt. Ich habe Herr B._____ motiviert, sich bei der Polizei selber 

zu stellen. Er wird aktiv gefahndet, dies habe ich Herr B._____ auch mitgeteilt. […]." 

(Urk. 61/3 = letzte Seite Urk. 63/2).

Anlässlich  der  heutigen  Zeugenbefragung  erklärte  die  Zeugin  G._____  insbe-

sondere,  dass  sie  im  E-Mail  vom  21. Februar  2023  (Urk. 61/3  =  letzte  Seite 

Urk. 63/2) das niedergeschrieben habe, was der Beschuldigte am Tag nach dem 

Vorfall zu ihr gesagt habe. Am Tag des Vorfalls sei der Beschuldigte nicht (mehr) 

in der … [Unterkunft] N._____ aufgetaucht, weder zum Essen noch für die Über-

nachtung. Der Beschuldigte sei am Tag nach dem Vorfall zu ihr an den Schalter 

gekommen,  um  Effekten  aus  seinem  Zimmer  abzuholen.  In  diesem  Zusammen-

hang habe sie den Beschuldigten auf den Vorfall des Vortags angesprochen. Dann 

habe er ihr das geschildert, was schliesslich Eingang in die E-Mail vom 21. Februar 

2023 gefunden habe. Der Beschuldigte habe auf ihre Frage hin ausdrücklich ge-

sagt, dass er den Privatkläger 5 nicht geschlagen habe. Sie könne sich vorstellen, 

dass der Beschuldigte nur der Organisator gewesen sei und er den Privatkläger 5 

nicht angefasst habe. Sie habe den Beschuldigten zu motivieren versucht, sich der 

Polizei  zu  stellen.  Der  Beschuldigte  habe  sich  das  kurz  überlegt  und  habe  dann 

aber zu ihr gesagt, dass er einfach abtauchen und schauen müsse, dass man ihn 

-   32   -

nicht finde. Er habe ihr weiter gesagt, dass er ihr nicht sagen werde, wohin er gehe. 

Das sei auch das letzte Mal gewesen, dass sie den Beschuldigten gesehen habe. 

Der Privatkläger 5 habe ihr unmittelbar nach dem Vorfall gesagt, dass er vom Be-

schuldigten auf die Gasse gebeten worden sei und er dort von drei Personen – dem 

Beschuldigten und zwei unbekannten Personen – überrascht worden sei, welche 

auf ihn eingeschlagen, ihn auf den Boden geworfen und ihm mehrfach Hiebe und 

Tritte gegeben hätten. Auch hätten sie ihn ausgesackt. Der Beschuldigte habe da-

bei die beiden anderen Personen angeleitet, in welchen Jackentaschen, Hosensä-

cken etc. nach Bargeld zu suchen gewesen sei. Das Bargeld hätten sie dann auch 

gefunden, hätten von ihm abgelassen und sie seien dann weggerannt. Der Privat-

kläger 5 habe zu ihr gesagt, dass er nicht gesehen habe, wer alles auf ihn einge-

schlagen habe, weil er sich schützend die Kapuze, den Jackenrand bzw. die Arme 

über den Kopf bzw. vor das Gesicht gehalten habe. Der Beschuldigte habe ihn (den 

Privatkläger 5)  auf  die  O._____-gasse  gebeten,  er  habe  zudem  die  Stimme  des 

Beschuldigten gehört, wie dieser die beiden anderen angehalten habe, das Geld 

bei  ihm  zu  suchen,  der  Beschuldigte  sei  also  bei  dieser  Tat  involviert  gewesen 

(Urk. 86 S. 2 ff.).

Die Aussagen der Zeugin G._____ erweisen sich insgesamt als äusserst glaubhaft. 

Es ergeben sich mithin weder aus den Akten noch aus ihrer Einvernahme anläss-

lich der Berufungsverhandlung (Urk. 86)  irgendwelche Hinweise darauf, dass sie 

nicht die Wahrheit sagen würde. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb sie als 

(damalige) Bereichsleiterin Betreuung/Pflege und stellvertretende Geschäftsleiterin 

der … [Unterkunft] N._____ – womit sie sowohl den Beschuldigten als auch den 

Privatkläger 5  kannte  –  den  Beschuldigten  derart  falsch  belasten  würde.  Solche 

Gründe wurden denn heute auch von der Verteidigung nicht geltend gemacht (vgl. 

Urk. 91 und Prot. II S. 6 ff.). Der Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen wird dadurch un-

termauert, dass sie die heute deponierten Aussagen – in den Grundzügen – auch 

bereits in ihrer E-Mail vom 21. Februar 2023 an die Beiständin sowie den Jugend 

Coach  des  Beschuldigten  –  und  somit  vor  ihrer  Involvierung  in  das  vorliegende 

Strafverfahren – festhielt (Urk. 61/3 = letzte Seite Urk. 63/2). Dass es zu diesem 

Treffen des Beschuldigten und der Zeugin G._____ nach dem hier zu beurteilenden 

Vorfall kam, anlässlich welchem sie diesem die fristlose Kündigung aushändigte, 

-   33   -

ergibt sich sodann aus den Aussagen des Beschuldigten selbst (Urk. D1/3/3 F/A 20 

i.V.m. Urk. D1/3/5 F/A 12). Auf die Aussagen der Zeugin G._____ und ihr E-Mail 

vom 21. Februar 2023 ist somit abzustellen und diese sind in die nachfolgende Aus-

sagewürdigung der Aussagen des Privatklägers 5 sowie des Beschuldigten einzu-

beziehen.

4.4.4. Der Privatkläger 5 hat in beiden Einvernahmen den Vorfall in den Grundzü-

gen gleichlautend geschildert. Er sei vom Beschuldigten aufgefordert worden, nach 

draussen zu kommen. Der Beschuldigte sei der Meinung gewesen, dass er (der 

Privatkläger 5) ihm "Gras" gestohlen hätte. Er sei dann mit dem Beschuldigten nach 

draussen  gegangen.  Dann  seien  zwei  weitere  männliche  Personen  dazugekom-

men. Er sei dann von den zwei Unbekannten und dem Beschuldigten eingekreist 

worden und sie hätten mit Faustschlägen auf ihn eingeschlagen. Der Beschuldigte 

habe ihm dann seine rechte vordere Hosentasche aufgerissen und ihm daraus sein 

Portemonnaie,  welches  ungefähr  Fr. 2'500.–  bis  Fr. 2'700.–  enthalten  habe,  ent-

wendet (Urk. D6/2/1 F/A 5-6, 9, 15-16, 27, 47; D6/2/2 F/A 11).

Die Aussagen des Privatklägers 5 werden in zentralen Punkten durch die neuen 

Depositionen  der  Zeugin  G._____  –  welche  sich  aufgrund  eines  gegenüber  ihr 

geäusserten (teilweisen) Geständnisses des Beschuldigten ergaben – validiert. So 

sind  den  Aussagen  und  dem  E-Mail  der  Zeugin  G._____  Hinweise  auf  das  vom 

Beschuldigten dem Privatkläger 5 vorgeworfene Stehlen von "Gras", das Heraus-

locken des Privatklägers 5 auf die O._____-gasse durch den Beschuldigten – somit 

auf  die  Tatbeteiligung  des  Beschuldigten  –,  die  Beteiligung  von  zwei  weiteren 

Tätern am geltend gemachten Vorfall, das Rauben von Fr. 2'800.–, auf das Prügeln 

(gegen dem Privatkläger 5) sowie auf ein Motiv des Beschuldigten ("Dealer Schul-

den bei den Kumpels") zu entnehmen.

Es ist festzuhalten, dass sich die Aussagen des Privatklägers 5 zum Kerngesche-

hen als glaubhaft und damit verlässlich erweisen, da diese insbesondere durch das 

E-Mail und die Aussagen der Zeugin G._____ untermauert werden. Die diesbezüg-

lichen  Aussagen  des  Privatklägers 5  erscheinen  konsistent,  authentisch  und 

lebensnah.  Die  auch  von  der  Vorinstanz  festgestellten  (Urk. 59  S. 49  ff.)  Abwei-

chungen in den Aussagen des Privatklägers 5 bei der Polizei und der Staatsanwalt-

-   34   -

schaft  –  beispielsweise  zur  Dauer  des  körperlichen  Übergriffs  (20-30  Sekunden 

[D6/2/1  F/A 6]  oder  1 Minute  und  15  Sekunden  [D6/2/2  F/A 51]  oder  dazu  aus 

welcher Hosentasche sein Portemonnaie entwendet worden sei [aus der rechten 

vorderen Hosentasche [D6/2/1 F/A 6, 16] oder aus der rechten hinteren Hosenta-

sche [D6/2/2 F/A 11, 52 f.], da dies insbesondere fotografisch festgehalten wurde 

[D6/1/2 S. 5] – und der Umstand, dass seine Aussagen zur an ihm verübten Gewalt 

insbesondere  in  der  staatsanwaltschaftlichen  Befragung  übertrieben  erscheinen 

und sich nicht mit dem bei ihm festgestellten Verletzungsbild in Einklang bringen 

lassen (vgl. dazu nachfolgend E. II/4.4.6), vermögen an diesem Bild nichts zu än-

dern. Gewisse Abweichungen in verschiedenen Aussagen – insbesondere bei Aus-

sagen zu einem hochdynamischen Geschehen – sind im Gegenteil völlig normal.

4.4.5. Der Beschuldigte äusserte – nachdem er sich anfänglich (grossmehrheitlich) 

auf sein Aussageverweigerungsrecht berief (Urk. D1/3/3-4) – das aus seiner Sicht 

Vorgefallene  ebenfalls  zweimal  grossmehrheitlich  gleichlautend.  So  erklärte  der 

Beschuldigte,  dass  er  gesehen  habe,  wie  der  Privatkläger 5  eine  Schlägerei  mit 

zwei oder drei ihm unbekannten Leuten gehabt habe. Er habe die Schlägerei nicht 

von  Anfang  an  gesehen.  Er  habe  ca.  20 Sekunden  der  Schlägerei  gesehen  und 

dann seien sie die Gasse hoch geflüchtet. Er sei zum Q._____ gegangen und habe 

im Park einen Joint geraucht (Urk. D1/3/5 F/A 4 ff.; Prot. I S. 20 ff. und S. 28 f.).

Bei genauerer Betrachtung der vom Beschuldigten spärlich deponierten Aussagen 

fällt auf, dass es nicht überzeugt, wenn er zufällig – nach konkreter Belastung durch 

den Privatkläger 5 – exakt an diese "Schlägerei" herangelaufen sein will und zwar 

just in diesem Moment, als diese kurze Auseinandersetzung noch im Gange war. 

Dabei  fällt  insbesondere  auf,  dass  der  Beschuldigte  anlässlich  der  staatsanwalt-

schaftlichen  Einvernahme  noch  geltend  machte,  dass  der  Privatkläger 5  in  eine 

"Schlägerei" mit zwei weiteren Personen verwickelt gewesen sei, wohingegen er 

anlässlich  der  Hauptverhandlung  vorbrachte,  dass  nebst  dem  Privatkläger 5  drei 

weitere Personen verwickelt gewesen seien (Urk. D1/3/5 F/A 4; Prot. I S. 21 und 

29). Dieser Widerspruch erstaunt insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Be-

schuldigte – gemäss eigenen Aussagen – selbst nicht am Vorfall beteiligt war und 

er den Vorfall aus einer gewissen Entfernung beobachtet haben will. Dies spricht 

-   35   -

für  eine  Angleichung  an  die  Aussagen  des  Privatklägers 5,  da  dieser  geltend 

machte, dass nebst dem Beschuldigten noch zwei weiteren unbekannte Personen 

beteiligt gewesen seien. Die pauschalen Bestreitungen des Beschuldigten wirken 

vor diesem Hintergrund insgesamt platt und inhaltsleer.

Das Motiv für eine Falschbelastung, welches der Beschuldigte beim Privatkläger 5 

zu  erkennen  glaubt,  überzeugt  auch  nicht.  Der  Privatkläger  sei  "angepisst"  und 

auch  "hässig"  auf  ihn  gewesen,  weil  er  die  Schlägerei  gesehen  habe  und  ohne 

etwas zu machen, gegangen sei (D1/3/5 F/A 4; so anlässlich der Hauptverhandlung 

nicht mehr geäussert: "Ich weiss nicht, wieso Herr A._____ mich belastet." [Prot. I 

S. 21]).  Dass  eine  Person  jemanden  einzig  aufgrund  des  vom  Beschuldigten 

geltend  gemachten  Untätigbleibens  einer  solch  erheblichen  Straftat  bezichtigen 

würde, erscheint gänzlich unplausibel.

Die  Aussagen  des  Beschuldigten  zielen  grossmehrheitlich  darauf  ab,  die  Glaub-

haftigkeit des Privatklägers 5 zu untergraben bzw. seine Person ganzheitlich zu dis-

kreditieren ("Ja, dass er ein Dealer ist, woher sollte ein Junkie sonst 2500.– Franken 

haben." [Urk. D1/3/3 F/A 28]; "Er ist ein ekliger Typ", "Er duscht 2 Mal im Monat. Er 

trinkt jeden Tag einen ganzen Wodka. Ausserdem raucht er Crack.", "Eines nachts, 

es war der ausschlaggebende Grund, weshalb ich in der … [Unterkunft] gekündet 

habe, ich habe es auch gefilmt. […]. Er stand auf und lief im Zimmer herum, […], 

hatte die die Augen geschlossen […] und pisste in die Ecke des Zimmers und zog 

sich  nackt  aus."  [Urk. D1/3/5  F/A 4];  "Er  hat  mich  wirklich  herausgeekelt." 

[Urk. D1/3/5 F/A 7]; "Er stinkt sehr krass, weil er nur 2 Mal pro Monat duscht. Er 

raucht  Crack,  deshalb  stinkt  er  auch."  [Urk. D1/3/5  F/A 8].  Deshalb  seien  –  aus 

Sicht des Beschuldigten (vgl. u.a. Urk. D1/3/5 F/A 4) – auch die Vorwürfe des Pri-

vatklägers 5 nicht glaubhaft. Daraus ergibt sich sogleich auch die Aussagestrategie 

des  Beschuldigten,  welche  jedoch  entlarvend  ist.  Der  Beschuldigte  geht  auf  die 

spezifischen Vorwürfe nicht ein, sondern versucht die Glaubhaftigkeit des Privat-

klägers 5 von vornherein auszuschliessen, was ihm keineswegs gelingt (vgl. auch 

Urk. 24, wonach der Privatkläger 5 nicht im Strafregister verzeichnet ist). Die Aus-

sagen des Beschuldigten – die darauf abzielen, die Glaubhaftigkeit des Privatklä-

gers 5 zu untergraben bzw. diesen zu diskreditieren – zielen ins Leere und sind als 

-   36   -

Schutzbehauptungen zu qualifizieren, zumal er auch keine plausiblen Gründe an-

geben  konnte,  weshalb  dieser  ihn  –  ohne  erkennbaren  Grund  –  falsch  belasten 

sollte.

Die Aussagen des Beschuldigten stehen sodann auch im klaren Widerspruch zu 

den  zum  Kerngeschehen  glaubhaften  Aussagen  des  Privatklägers 5  und  der 

Zeugin G._____ (vgl. dazu vorstehend E. II/4.4.3 und 4.4.4).

4.4.6. Die  massive  Gewalttätigkeit,  welche  vom  Beschuldigten  und  den  beiden 

unbekannten weiteren Täter ausgegangen sein soll (wie in der Anklageschrift zu 

Dossier 6  gestützt  auf  die  Aussagen  des  Privatklägers 5  insbesondere  in  der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme umschrieben), kann jedoch nicht in diesem 

Umfang  erstellt  werden.  So  auch  nicht  die  vom  Privatkläger 5  geltend  gemachte 

Todesangst.  Die  diesbezüglichen  Aussagen  des  Privatklägers 5  anlässlich  der 

staatsanwaltschaftlichen  Einvernahme  wirken  –  mit  der  Vorinstanz  (vgl.  Urk. 59 

E. II/F/4.2.2  S. 49  ff.)  –  wesentlich  detaillierter  und  umschreiben  insgesamt  ein 

massiv gewalttätigeres Vorgehen insbesondere des Beschuldigten als noch in der 

polizeilichen Befragung. Es ist nicht zu verkennen, dass der Privatkläger 5 bei der 

Staatsanwaltschaft – bewusst oder unbewusst – teilweise etwas "dick aufgetragen" 

hat.  Insbesondere  lassen  sich  diese  Aussagen  auch  nicht  mit  den  beim  Privat-

kläger 5  dokumentierten  –  leichten  –  Prellungen  und  Schürfungen  in  Einklang 

bringen. Bei der vorliegenden Beweislage ist deshalb davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte  und  die  beiden  weiteren  Täter  den  Privatkläger 5  mit  mehreren 

Faustschlägen und Fusstritten traktierten, um ihm in der Folge das Portemonnaie 

zu entwenden. Davon zeugen sodann auch die beim Privatkläger durch die Foto-

dokumentation der Stadtpolizei Zürich (Urk. D6/1/2) und den ärztlichen Befund von 

Dr. med.  P._____  (Urk. D6/3/3)  festgestellten  Verletzungen  (Schürfwunden  am 

rechten  Ellbogen  und  an  der  rechten  Schulter;  mehrere  blaue  Blutergüsse  an 

beiden  Unterarmen  [links  an  der  Streckseite  und  auf  der  Innenseite  unmittelbar 

beim Handgelenk, rechts über dem Ellbogen]; ein weiterer Bluterguss im Bereich 

des rechten Knies). In Bezug auf die Verletzungsfolgen des Privatklägers 5 lässt 

sich der Anklagesachverhalt, soweit dieser beim Privatkläger 5 eine mittelgrosse 

Beule  im  vorderen  oberen  Kopfbereich,  Schmerzen  an  seiner  Körperseite  und 

-   37   -

Kopfschmerzen festhält, aber nicht erstellen, da sich diese nicht mit dem ärztlichen 

Befund  und  der  Fotodokumentation  der  Polizei  in  Einklang  bringen  lassen  (vgl. 

Urk. D6/1/2,  D6/3/3;  vgl.  auch  Urk. D6/2/1  F/A 7  und  D6/2/2  F/A 72)  und  vom 

Privatkläger 5 erst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme so geschil-

dert  wurden.  Dass  der  Beschuldigte  und  die  beiden  weiteren  unbekannten 

Personen  aber  nicht  gerade  zimperlich  mit  dem  Privatkläger 5  umgingen,  ergibt 

sich auch aus dem Umstand, dass dessen Hosentasche bei der Wegnahme des 

Portemonnaies  partiell  abgerissen  wurde  (Urk. D6/1/2).  Der  Anklagesachverhalt 

kann deshalb in Bezug auf die vom Beschuldigten und den beiden weiteren Täter 

ausgeübte Gewalt nur in diesem Umfang erstellt werden.

Davon, dass der Beschuldigte die beiden unbekannten Täter lediglich "angeheuert" 

und er selbst aber nicht aktiv geschlagen habe – wie von ihm gegenüber der Zeugin 

G._____  ausgeführt  (vgl.  Urk. 61/2)  –,  ist  nicht  auszugehen.  Vielmehr  ist  sein 

gegenüber  der  Zeugin  G._____  geäussertes  "Geständnis"  als  beschönigender 

(Schuld-)Ablass  zu  werten,  um  gegenüber  der  von  ihm  geschätzten  Zeugin 

G._____  sein  Gesicht  nicht  (vollends)  zu  verlieren  (vgl.  dazu  Urk. 61/2:  "Ich 

schwöre Frau G._____, für Sie würde ich alles machen"). Es ist nicht anzunehmen, 

dass der Beschuldigte zwei Personen zur Begehung eines Raubes angeheuert und 

sich dann aber trotzdem für den Privatkläger 5 erkennbar in die Nähe des Tatortes 

begeben haben sollte, ohne ihn aber mit Schlägen zu traktieren. Mit diesem Vorge-

hen hätte der Beschuldigte unnötig eine Tatbeteiligung suggeriert, ohne erkennba-

ren Mehrwert seiner Präsenz in Tatortnähe. Umgekehrt kann nachvollzogen wer-

den, dass er – offenbar davon ausgehend, dass die Zeugin G._____ ihn mit der Tat 

in  Verbindung  brachte  –  es  als  "weniger  schlimm"  empfand,  der  Bereichsleiterin 

gegenüber zu beteuern, er habe die Täter "nur" organisiert und sich nicht eigen-

händig am Raub beteiligt, als zuzugeben, seinen Zimmergenossen selbst tatkräftig 

zusammengeschlagen  zu  haben.  Mit  Blick  auf  die  Vorstrafen  des  Beschuldigten 

(vgl. Urk. 77 und Beizugsakten [Urk. 49/57/2]) und seine hier weiter zu beurteilende 

Delinquenz (Dossier 2; vgl. dazu vorstehend E. II/2) muss weiter konstatiert wer-

den, dass Gewalt des Beschuldigten gegenüber Dritten (und ihm bekannten Per-

sonen) keineswegs wesensfremd ist und er auch bereits einmal einen (in Mittäter-

schaft begangenen) Raub unter Anwendung von Körpergewalt (Faustschläge und 

-   38   -

einen Tritt gegen den Kopf) beging. In Bezug auf die Frage, ob auch der Beschul-

digte Schläge/Tritte gegen ihn ausgeteilt habe, waren die Aussagen des Privatklä-

gers 5  konsistent,  weshalb  diesbezüglich  darauf  abzustellen  ist.  Daran  vermag 

auch die diesbezügliche Diskrepanz zu den Aussagen der Zeugin G._____ – wel-

che  erstmals  rund  zwei  Jahre  nach  dem  Vorfall  Aussagen  dazu  deponierte  (vgl. 

Urk. 86 S. 5) – nichts zu ändern. Vorliegend ist somit davon auszugehen, dass auch 

der Beschuldigte den Privatkläger 5 mit Faustschlägen und Fusstritten traktierte.

4.4.7. Ohne unüberwindbare Zweifel kann dagegen nicht erstellt werden, dass der 

Beschuldigte  anlässlich  des  hier  zu  beurteilenden  Vorfalles  zum  Privatkläger 5 

"Hurensohn" sagte. Der Privatkläger 5 brachte dies erstmals anlässlich der zweiten 

(staatsanwaltschaftlichen)  Einvernahme  vor  (Urk. D6/2/2  F/A 28),  wohingegen  er 

anlässlich der ersten (polizeilichen) Einvernahme – welche noch am Tag des Vor-

falles  durchgeführt  wurde  –  erklärte,  dass  ausser  "hebeden  und  Portemonnaie" 

nichts gesprochen worden sei (Urk. D6/2/1 F/A 30). Zusammen mit dem Umstand, 

dass die Aussagen des Privatklägers 5 bei der Staatsanwaltschaft – wie gesehen – 

generell aggravierter ausfielen als bei der Polizei, kann nicht mit der erforderlichen 

Sicherheit davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte den Privatkläger 5 

bei  diesem  Vorfall  als  "Hurensohn"  betitelt  hätte.  Diesbezüglich  kann  der  Sach-

verhalt somit auch nicht erstellt werden.

4.4.8. Letztlich  bestehen  keine  unüberwindbaren  Zweifel  daran,  dass  sich  der  in 

der Anklage umschriebene Sachverhalt (bezüglich Dossier 6) so wie dort beschrie-

ben – mit den vorstehend dargelegten Einschränkungen hinsichtlich der angewen-

deten  Gewalt  des  Beschuldigten  und  den  beiden  weiteren  (unbekannten)  Täter 

sowie der angeklagten Beschimpfung (vgl. vorstehend E. II/4.4.6 und 4.4.7) – zu-

getragen hat. Er ist damit in diesem Umfang erstellt.

4.5. Rechtliche Würdigung

4.5.1. Da dem Privatkläger 5 gemäss erstelltem Sachverhalt keine (einfache) tat-

bestandsmässige Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB zugefügt wurde, 

fehlt es der objektiven Strafbarkeitsbedingung des angeklagten Angriffs im Sinne 

von  Art. 134  StGB,  weshalb  eine  diesbezügliche  Verurteilung  des  Beschuldigten 

-   39   -

von  vornherein  ausgeschlossen  ist  (vgl.  zum  Verhältnis  des  Raubes  zu  anderen 

Strafbestimmungen aber auch BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, Art. 140 N 118, N 167 und 

N 186).  Nicht  erstellt  werden  konnte  weiter,  dass  der  Beschuldigte  "Hurensohn" 

zum Privatkläger 5 sagte, weshalb sich auch weitere Ausführungen zur angeklag-

ten Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB erübrigen. Nachfolgend ist deshalb 

zu prüfen, ob sich der Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB  sowie  der  geringfügigen  Sachbeschädigung  im  Sinne  von  Art. 144  Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat.

4.5.2. Den Tatbestand des Raubes erfüllt in objektiver Hinsicht, wer mit Gewalt ge-

gen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben 

oder  nachdem  er  den  Betroffenen  zum  Widerstand  unfähig  gemacht  hat,  einen 

Diebstahl begeht (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).

Der  objektive  Tatbestand  des  eigentlichen  Raubes  ist  dadurch  gekennzeichnet, 

dass  ein  Diebstahl  begangen  wird,  nachdem  zu  diesem  Zweck  eine  Nötigungs-

handlung begangen wurde, welche die Duldung dieses Diebstahles bezweckt. Die 

Nötigungshandlung muss sich gegen eine Person richten, die in Bezug auf die zu 

stehlende  Sache  eine  Schutzposition  einnimmt.  Unter  der  vorliegend  relevanten 

Nötigungshandlung der Gewalt gegen eine Person versteht man die unmittelbare 

physische Einwirkung auf den Körper einer Person. Dabei ist nicht vorausgesetzt, 

dass  das  Opfer  durch  die  Gewaltanwendung  widerstandsunfähig  wird.  Allemal 

muss mithin die Gewalt nicht nur darauf gerichtet sein, den Widerstand des Opfers 

zu brechen; sie muss auch eine Intensität aufweisen, die dies grundsätzlich auch 

ermöglichen würde, wobei allerdings auch die Widerstandskraft des Opfers zu be-

rücksichtigen ist (BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, Art. 140 N 16, N 20, N 24, N 25, N 28).

Subjektiv  ist  Vorsatz  erforderlich,  der  sich  insbesondere  auf  die  Ausübung  der 

Nötigungshandlung  (Gewalt,  Drohung,  Bewirken  der  Widerstandsunfähigkeit) 

gegenüber  dem  Opfer  zum  Zwecke  der  Begehung  eines  Diebstahles  beziehen 

muss,  sowie  natürlich  auf  alle  objektiven  Tatbestandsmerkmale  des  Diebstahls 

selbst.  Zusätzlich  müssen  auch  Aneignungsabsicht  sowie  die  Absicht  unrecht-

mässiger Bereicherung bestehen (BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, Art. 140 N 44 f.).

-   40   -

Ob ein Beteiligter Mittäter ist, entscheidet sich nach der Art seines Tatbeitrages. 

Nach  der  Rechtsprechung  gilt  als  Mittäter,  wer  bei  der  Entschliessung,  Planung 

oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgeblicher Weise mit ande-

ren Tätern zusammenwirkt, sodass er als Hauptbeteiligter dasteht. Entscheidend 

ist, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan 

für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. 

Mittäterschaft kann auch durch die tatsächliche Mitwirkung bei der Ausführung be-

gründet werden. Konkludentes Handeln genügt. Auch an spontanen, nicht geplan-

ten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten ist Mittäterschaft möglich. Es ist nicht 

erforderlich, dass der Tat ein gemeinsamer Tatentschluss oder eine allenfalls still-

schweigende Vereinbarung zur  Hilfestellung vorausgingen. Es genügt, dass sich 

der  Täter  später  den  Vorsatz  seiner  Mittäter  zu  eigen  macht.  Die  Inkaufnahme 

durch  Billigen  oder  Einverständnis  im  Sinne  des  Eventualvorsatzes  erfasst  auch 

den unerwünschten, aber um des Handlungsziels Willen hingenommenen Erfolg. 

In Mittäterschaft begangene Tatbeiträge werden jedem Mittäter zugerechnet (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1054/2023 vom 19. Februar 2024 E. 4.1.1 m.H.).

4.5.3. Der  Beschuldigte  und  die  beiden  unbekannten  Täter  kreisten  den  Privat-

kläger 5 ein und schlugen diesen mehrmals mit der Faust und den Füssen, um ihm 

in  der  Folge  das  ca.  Fr. 2'500.–  beinhaltende  Portemonnaie  zu  entwenden.  Die 

dabei vom Beschuldigten und den zwei unbekannten Täter angewendete Gewalt, 

insbesondere  auch  unter  Berücksichtigung  ihrer  kräftemässigen  Überzahl,  wies 

damit  auch  eine  Intensität  auf,  welche  dazu  geeignet  war,  den  Widerstand  des 

Privatklägers 5  zu  brechen,  was  die  drei  Täter  damit  auch  erreichten.  Zur  Ent-

wendung des Portemonnaies rissen der Beschuldigte und die beiden unbekannten 

Täter dem Privatkläger 5 sodann auch noch die rechte vordere Hosentasche partiell 

ab. Der Beschuldigte wusste dabei, dass er (und die beiden unbekannten Täter) 

keinen  Rechtsanspruch  auf  das  ca.  Fr. 2'500.–  beinhaltende  Portemonnaie  des 

Privatklägers 5 hatten.

Die drei Täter – der Beschuldigte und die beiden unbekannten Täter – handelten in 

arbeitsteiliger  und  koordinierter  Weise  zusammen.  Da  der  Beschuldigte  den 

Privatkläger 5 von der … [Unterkunft] N._____ auf die Strasse lockte und die beiden 

-   41   -

unbekannten Täter just in diesem Moment hinzukamen – um den Privatkläger 5 zu 

dritt mit Schlägen und Tritten einzudecken und ihm in der Folge das Portemonnaie 

zu entwenden – kann nur von einer vorherigen Absprache ausgegangen werden. 

Auch bei der Tatausführung – bei der Gewaltanwendung und beim Entwenden des 

Portemonnaies  –  wirkten  die  drei  Täter  vorsätzlich  und  in  massgeblicher  Weise 

zusammen. Damit ist die Mittäterschaft – entgegen der Ansicht der Verteidigung 

(vgl. Urk. 91 S. 16 ff. und Prot. II S. 6 ff.) – zu bejahen.

Der Beschuldigte ist somit des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen.

4.5.4. Wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutznies-

sungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, wird, auf Antrag, 

mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 144 Abs. 1 StGB 

StGB). Richtet sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert oder auf einen 

geringen  Schaden,  so  wird  der  Täter,  auf  Antrag,  mit  Busse  bestraft  (Art. 172ter 

StGB). Das Bundesgericht hat die objektive Grenze für den geringen Vermögens-

wert  oder  Schaden  auf  Fr. 300.–  festgesetzt  (BSK  StGB-WEISSENBERGER, 

Art. 172ter N29). Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt 

(BSK StGB-WEISSENBERGER, Art. 144 N 81).

Wie bereits vorstehend dargelegt, rissen der Beschuldigte und die beiden Mittäter 

zur Entwendung des Portemonnaies die vordere rechte Hosentasche des Privat-

klägers 5  partiell  ab,  wodurch  diesem  ein  Sachschaden  in  unbekannter  Höhe, 

jedenfalls aber von unter Fr. 300.–, entstand. Der Beschuldigte und seine beiden 

Mittäter wollten, um dem Privatkläger 5 das Portemonnaie aus der Tasche zu ent-

nehmen, die Hosentasche des Beschuldigten aufreissen.

Damit ist der Beschuldigte auch der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von 

Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB schuldig zu spre-

chen.

-   42   -

4.6.

Fazit (Dossier 6)

Der Beschuldigte ist hinsichtlich des Dossiers 6 somit des Raubes im Sinne von 

Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne 

von  Art. 144  Abs. 1  StGB  in  Verbindung  mit  Art. 172ter  Abs. 1  StGB  schuldig  zu 

sprechen und von den Vorwürfen des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB sowie 

der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB freizusprechen.

5.

Fazit

Der Beschuldigte ist somit (zusätzlich zu den in Rechtskraft erwachsenen Schuld- 

und Freisprüchen)









des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 6),

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 6),

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 aZiff. 1 Abs. 1 StGB 

(Dossier 2) sowie

der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Dossier 4)

schuldig zu sprechen und von den Vorwürfen





des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB (Dossier 6) sowie

der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB (Dossier 6)

freizusprechen.

1.

Ausgangslage, Strafrahmen, Grundsätze der Strafzumessung

III.  Sanktion

1.1. Die  Vorinstanz  bestrafte  den  Beschuldigten  (bei  teilweise  abweichenden 

Schuld- bzw. Freisprüchen) mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten so-

wie  –  unter  Einbezug  des  widerrufenen  bedingten  Vollzugs  einer  Geldstrafe  von 

80 Tagessätzen – mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer 

Busse von Fr. 50.–. Die Freiheitsstrafe wurde von der Vorinstanz unter Ansetzung 

-   43   -

einer Probezeit von 4 Jahren aufgeschoben und die Geldstrafe für vollziehbar er-

klärt (Urk. 59 S. 85).

1.2. Die Staatsanwaltschaft beantragt im Berufungsverfahren die Bestrafung des 

Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten – als teilweise Zusatzstrafe 

zu  den  Strafbefehlen  der  Jugendanwaltschaft  Limmattal/Albis  vom  18. Mai  2021 

und der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 12. April 2022 – sowie, unter 

Einbezug der widerrufenen Geldstrafe, mit einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen 

zu  Fr. 30.–  als  Gesamtgeldstrafe  sowie  einer  Busse  von  Fr. 400.–  (Urk. 60  S. 3; 

Urk. 89 S. 2).

1.3. An  der  heutigen  Berufungsverhandlung  machte  die  Verteidigung  zusam-

mengefasst folgende Vorbringen zur Sanktion: Der Beschuldigte sei mit einer (be-

dingten) Freiheitsstrafe von eineinhalb Monaten sowie unter Einbezug der wider-

rufenen  Geldstrafe  mit  einer  (unbedingten)  Geldstrafe  von  100 Tagessätzen  zu 

Fr. 30.– als Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 50.– zu bestrafen (Urk. 71 

S. 3; Urk. 91 S. 2 und S. 19 ff.).

1.4. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB, namentlich der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-

dung  des  Asperationsprinzips,  sowie  die  Begründungsanforderungen  wiederholt 

dargelegt (siehe z.B. BGE 144 IV 313 E. 1; 142 IV 365 E. 2.4.3; 141 IV 61 E. 6.1.1; 

136  IV  55  E.  5.4  ff.;  BGer  6B_676/2022  vom  27. Dezember  2022,  E. 2.2;  je  mit 

Hinweisen).  Darauf  kann  vorab  verwiesen  werden.  Auch  die  Erwägungen  der 

Vorinstanz zu den allgemeinen Strafzumessungsregeln (Urk. 59 E. III/4.1 f. S. 57) 

brauchen nicht wiederholt zu werden.

1.5. Als einschlägige Straftatbestände sind vorliegend zu beurteilen:

 Raub (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; Dossier 6),

 einfache Körperverletzung (Art. 123 aZiff. 1 Abs. 1 StGB; Dossier 2),

 Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB; Dossier 1 und 5),

 Drohung (Art. 180 Abs. 1 StGB; Dossier 4),

 üble Nachrede (Art. 173 Ziff. 1 StGB; Dossier 4),

-   44   -

 Beschimpfung (Art. 177 Abs. 1 StGB; Dossier 4),

 geringfügiger Diebstahl (Art. 139 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB; 

Dossier 5),

 geringfügige Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 

StGB; Dossier 6).

Der Raub ist von all diesen die schwerste Straftat, denn schwerste Tat im Sinne 

von  Art. 49  Abs. 1  StGB  ist  primär  diejenige,  welche  unter  den  mit  der  höchsten 

Strafe bedrohten Tatbestand fällt (OFK/StGB-HEIMGARTNER, Art. 49 N 3; BGE 116 

IV 304). Der ordentliche Strafrahmen bei Raub erstreckt sich von einer Freiheits-

strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Bei der einfachen Körperverletzung, 

Hausfriedensbruch und Drohung lautet der Strafrahmen Freiheitsstrafe bis zu drei 

Jahren oder Geldstrafe. Die üble Nachrede wird mit Geldstrafe und die Beschimp-

fung mit Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen bestraft. Für die geringfügigen Vermö-

gensdelikte wird eine Busse auszufällen sein.

2.

Strafart

2.1. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten hinsichtlich der einfachen Kör-

perverletzung,  der  Hausfriedensbrüche  und  der  Drohung  zu  einer  Freiheitsstrafe 

als Gesamtstrafe. Sie erwog diesbezüglich im Wesentlichen, dass aufgrund der Be-

denken hinsichtlich der Legalprognose des Beschuldigten, insbesondere aufgrund 

seiner einschlägigen Delinquenz trotz laufender Probezeit, einer bereits auferlegt 

erhaltenen bedingten Geldstrafe und aufgrund seiner misslichen finanziellen Lage, 

welche  einen  Vollzug  einer  Geldstrafe  damit  ohnehin  unrealistisch  erscheinen 

lasse, nur eine Freiheitsstrafe in Betracht komme. Für die üble Nachrede und die 

Beschimpfung – welche lediglich eine Geldstrafe als Sanktion vorsehen – fällte die 

Vorinstanz eine Geldstrafe aus und für den geringfügigen Diebstahl (Übertretung) 

eine Busse (Urk. 59 E. III/2.3 S. 56).

2.2. Vorab kann festgehalten werden, dass für den Raub (Dossier 6) – aufgrund 

der  Strafandrohung  –  lediglich  die  Ausfällung  einer  Freiheitsstrafe  in  Betracht 

kommt (Art. 140 Ziff. 1 StGB). Was die einfache Körperverletzung (Dossier 2) be-

trifft, bewegt sich die angemessene Strafe – wie nachfolgend zu zeigen sein wird 

-   45   -

(vgl. E. III/3.2) – über dem Anwendungsbereich einer Geldstrafe (180 Tagessätze; 

vgl. Art. 34 Abs. 1 Satz 1 StGB). Für die üble Nachrede und die Beschimpfung kann 

–  ebenfalls  aufgrund  der  Strafandrohung  –  lediglich  auf  eine  Geldstrafe  erkannt 

werden (Art. 173 Ziff. 1 Abs. 3 StGB und Art. 177 Abs. 1 StGB).

Demgegenüber  wäre  es  in  Bezug  auf  die  Hausfriedensbrüche  und  die  Drohung 

– wie nachfolgend zu zeigen sein wird (vgl. E. III/3.3, 3.4 und 3.5) – denkbar, Gelds-

trafen statt Freiheitsstrafen zu verhängen. Eine kurze Freiheitsstrafe anstelle einer 

Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen ist gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB zuläs-

sig, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (lit. a); oder eine Geldstrafe voraussichtlich 

nicht vollzogen werden kann (lit. b). Angesichts dessen, dass es sich beim Beschul-

digten um einen Wiederholungstäter handelt, der noch während laufender Probe-

zeit einer Geldstrafe und eines Freiheitsentzugs sowie laufendem Strafverfahren 

erneut,  teils  einschlägig  delinquierte,  muss  ernsthaft  befürchtet  werden,  dass  er 

sich nicht belehren liesse durch eine Geldstrafe. Ausserdem scheint mit Blick auf 

die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten fraglich, ob eine Geldstrafe über-

haupt vollzogen werden könnte.

2.3. Somit  ist  für  den  Raub,  die  einfache  Körperverletzung,  den  (mehrfachen) 

Hausfriedensbruch und die Drohung eine Freiheitsstrafe auszufällen, wohingegen 

für die üble Nachrede und die Beschimpfung auf eine Geldstrafe und für den ge-

ringfügigen Diebstahl und die geringfügige Sachbeschädigung auf eine Busse zu 

erkennen sein wird.

2.4.

Für das schwerste Delikt (hinsichtlich der einzelnen Strafarten) ist somit die 

Strafe – die Einsatzstrafe – zu bestimmen, wobei sämtliche Tat- und Täterkompo-

nenten zu berücksichtigen sind. Für die weiteren Delikte sind (gedanklich) Einzel-

strafen  zu  bestimmen,  woraus  in  Anwendung  des  Asperationsprinzips  eine 

Gesamtstrafe zu bilden ist.

-   46   -

3.

Strafzumessung Freiheitsstrafe: Raub (Dossier 6), einfache Körperverletzung 

(Dossier 2), Drohung (Dossier 4), Hausfriedensbrüche (Dossier 1 und 5)

3.1. Raub als Hauptdelikt (Dossier 6)

3.1.1. Tatverschulden

3.1.1.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Be-

schuldigte mit der Tat in erheblicher Weise in das Sicherheitsempfinden des dem 

Beschuldigten bekannten Privatklägers 5 eingriff, indem er diesen zuerst aus der 

… [Unterkunft] N._____ lockte und dann – zusammen mit zwei unbekannten Mittä-

tern –  mit  Faustschlägen  und  Fusstritten  traktierte.  Dies  namentlich,  um  dessen 

Portemonnaie (ca. Fr. 2'500.– beinhaltend) zu erbeuten, was den Unrechtsgehalt 

der Tat erheblich erscheinen lässt. Weiter zu berücksichtigen gilt, dass der Beschul-

digte zusammen mit zwei unbekannten Mittätern, somit in einem kräftemässigen 

Übergewicht, gegen Privatkläger 5 vorging. Diese Unterzahl und das Eingekreist 

werden durch diese drei Personen schuf für den Privatkläger 5 eine Situation, aus 

welcher er sich nur schwerlich hätte befreien können; dies lässt die hier zu beurtei-

lende Tat umso einschneidender und verwerflicher erscheinen. Insgesamt legte der 

Beschuldigte aber kein besonders ausgeklügeltes oder geplantes Handeln an den 

Tag. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Tat von langer Hand geplant war; 

eine  gewisse  Planung  und  Koordination  mit  den  beiden  unbekannten  Mittätern 

muss der Tat jedoch vorausgegangen sein. Es kann jedoch nicht von einem raffi-

nierten Vorgehen ausgegangen werden, da sich der Beschuldigte einerseits – dem 

ihm bekannten Privatkläger 5 – zu erkennen gab und die Tat in unmittelbarer Nähe 

zur … [Unterkunft] N._____ beging. Das Ausrauben des eigenen Mitbewohners am 

helllichten Tag und im öffentlichen Raum zur Erbeutung von ca. Fr. 2'500.–, wobei 

der Privatkläger 5 vom Beschuldigten und den zwei weiteren Mittätern mit Schlägen 

und Tritten traktiert wurde, zeigt aber eine erhebliche Hemmungs- bzw. Skrupel-

losigkeit. In Anbetracht des Dargelegten wiegt das Verschulden des Beschuldigten 

– im Spektrum aller möglicher Raube – in objektiver Hinsicht gleichwohl noch leicht.

3.1.1.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte direktvorsätz-

lich  handelte.  Vorliegend  stehen  klarerweise  finanzielle  Motive  im  Vordergrund, 

-   47   -

wurde  der  Beschuldigte  doch  gemäss  erstelltem  Sachverhalt  mit  einem  unbe-

kannten Anteil des erbeuteten Bargelds am Raub beteiligt. Das Vorgehen des Be-

schuldigten war von einer erheblichen kriminellen Energie geprägt, hat stark in die 

Willensfreiheit des Privatklägers 5 eingegriffen und dessen Sicherheitsempfinden 

nachhaltig zerrüttet.

Die subjektiven Aspekte der Tat vermögen das objektive Verschulden somit nicht 

zu relativieren. Insgesamt ist von einem leichten Tatverschulden auszugehen. Dem 

Tatverschulden angemessen ist eine Strafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe.

3.1.2. Täterkomponenten

3.1.2.1. Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten anbelangt, kann auf 

die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 59 E. III/5.5.1 S. 62) verwiesen werden. An-

lässlich der Berufungsverhandlung ergab sich noch, dass sich der Beschuldigte seit 

Herbst 2024  in  Finnland  aufhält  und  seit  dem  2. Januar  2025  dort  eine  Arbeits-

integration absolviert, welche bis am 30. Mai 2025 dauert. Danach werde er sich 

um  den  Zivildienst  (ebenfalls  in  Finnland)  kümmern,  welcher  347 Tage  dauern 

werde  (Urk. 91  S. 4  f.;  vgl.  auch  Urk. 87).  Eine  gesteigerte  Strafempfindlichkeit 

weist  der  Beschuldigte  nicht  auf.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  die  Lebensge-

schichte  oder  der  Werdegang  des  Beschuldigten  Auswirkungen  auf  die  Strafzu-

messung  zeitigen  sollten.  Aus  der  Biografie  und  den  persönlichen  Verhältnissen 

des Beschuldigten lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten.

3.1.2.2. Vorstrafen  kommt  bei  der  Strafzumessung  allgemein  eine  wichtige  Rolle 

zu  (BSK  StGB  I-WIPRÄCHTIGER/KELLER,  Art.  47  N  130).  Wer  ungeachtet  früherer 

Verurteilungen wiederum straffällig wird, erscheint als unbelehrbar und als unein-

sichtig. Die Gültigkeit der Rechtsnormen ist dem Beschuldigten bereits persönlich 

verdeutlicht worden. Als Wiederholungstäter kennt er die Schädlichkeit seines Tuns 

wie  auch  die  entsprechende  soziale  Missbilligung.  Dies  gilt  umso  mehr  für  ein-

schlägige  Vorstrafen.  Erneute  Delinquenz auf dem  gleichen Gebiet  indiziert  eine 

besondere  Unbelehrbarkeit  und  Uneinsichtigkeit  (MATHYS,  Leitfaden  Strafzu-

messung,  2. Aufl.,  Basel  2019,  N  320  und  322,  mit  Hinweisen  auf  die  bundes-

gerichtliche Rechtsprechung).

-   48   -

Der Beschuldigte wurde

 mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 18. Mai 2021 (Ge-

schäfts-Nr. …) wegen mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Vergehens 

und  mehrfacher  Übertretung  im  Sinne  des  Betäubungsmittelgesetzes,  Nöti-

gung, Handlungen zum Eigenkonsum harter Pornografie mit tatsächlichen se-

xuellen Handlungen mit Minderjährigen, Raufhandels, Raubs, Vergehens ge-

gen das Waffengesetz, mehrfachen (teils versuchten) Diebstahls, Erwerb oder 

Besitz von Gewaltdarstellungen sowie mehrfacher Übertretung des Eisenbahn-

gesetzes

zu einem bedingten Freiheitsentzug von 70 Tagen, einer Busse nach Jugendstraf-

recht von Fr. 100.–, einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 14 JStG sowie 

persönlicher Betreuung im Sinne von Art. 13 JStG verurteilt (Urk. 77).

Überdies wurde der Beschuldigte

 mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 12. April 2022 

(Geschäfts-Nr. …) wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, Hand-

lungen  zum  Eigenkonsum  harter  Pornografie  (als  Jugendlicher  begangen), 

Verbreitung von Gewaltdarstellungen (als Jugendlicher begangen) und mehr-

facher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes

zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt (Urk. 77).

Der Beschuldigte beging die hier zu beurteilenden Delikte während der mit den ge-

nannten  Strafbefehlen  angesetzten  Probezeiten  (ausser  den  Hausfriedensbruch 

gemäss Dossier 1, welcher lediglich in die Probezeit des Strafbefehls der Jugend-

anwaltschaft fiel). Den Hausfriedensbruch gemäss Dossier 1 beging der Beschul-

digte bereits rund sechs Monate nach Ansetzung der Probezeit durch die Jugend-

anwaltschaft. Die Delikte gemäss Dossier 4 und 5 beging der Beschuldigte lediglich 

rund drei Monate nach Ausfällung des Strafbefehls durch die Staatsanwaltschaft I.

Die  (teilweise  einschlägigen)  Vorstrafen  des  Beschuldigten  sowie  die  neuerliche 

Delinquenz  während  (teilweise  erst  kurz)  laufenden  Probezeiten  und  laufendem 

Strafverfahren sind spürbar straferhöhend zu berücksichtigen. Deren Ausmass hat 

sich  vornehmlich  nach  den  bisherigen  Strafen  zu  richten,  welche  ihre  Wirkung 

-   49   -

offenkundig verfehlt haben (MATHYS, a.a.O., N 325). Gerechtfertigt erscheint eine 

merkliche Erhöhung der Strafe.

3.1.2.3. In Bezug auf das Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

in weiten Teilen (bei teilweise erdrückender Beweislage) geständig war (mehrheit-

lich hinsichtlich des Dossiers 1 [soweit der Schuldspruch erging], 4 und 5). In Bezug 

auf  das  Dossier 2  war  der  Beschuldigte  ebenfalls  (mehrheitlich)  geständig,  liess 

jedoch eine Notwehrsituation geltend machen. Hinsichtlich des Dossiers 6 bestritt 

der Beschuldigte den Sachverhalt beinahe vollumfänglich.

3.1.2.4. Insgesamt  –  unter  Berücksichtigung  der  persönlichen  Verhältnisse  des 

Beschuldigten, der Straferhöhung aufgrund der zahlreichen und hier teils einschlä-

gigen  Vorstrafen  sowie  mit  Blick  auf  das  Nachtatverhalten  des  Beschuldigten 

hinsichtlich des Dossiers 6 – ist unter dem Titel der Täterkomponente eine Strafer-

höhung im Umfang von 2 Monaten Freiheitsstrafe vorzunehmen.

3.1.3. Zwischenfazit

In Anbetracht aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint in Würdigung der 

objektiven und subjektiven Komponenten der begangenen Straftat sowie in Berück-

sichtigung der Täterkomponenten für den Raub eine Freiheitsstrafe von 14 Mona-

ten als Einsatzstrafe angemessen.

3.2. Nebendelikt: einfache Körperverletzung (Dossier 2)

3.2.1. Was die objektive Tatschwere anbelangt, handelt es sich vom Verletzungs-

bild im Rahmen der einfachen Körperverletzung um einen nicht mehr leichten Fall. 

Die Verletzungen des Privatklägers 4 waren zweifellos schmerzhaft und es waren 

insbesondere hinsichtlich der Zahnverletzung umfangreiche ärztliche Behandlun-

gen  notwendig.  Der  Beschuldigte  fügte  diese  Verletzungen  dem  Privatkläger 4, 

dem Verlobten seiner Mutter zu, indem er ihm im Rahmen einer Auseinanderset-

zung  in  der  Wohnung  der  Mutter  des  Beschuldigten  und  in  deren  Anwesenheit, 

wutentbrannt  mehrmals  mit  Wucht  ins  Gesicht  schlug;  so  stark,  dass  der  Privat-

kläger 4 dabei u.a. eine Fraktur an den beiden oberen Schneidezähne erlitt. Dem 

gewalttätigen  Übergriff  des  Beschuldigten  ging  zwar  keine  eigentliche  Planung 

-   50   -

voraus, dies vermag das Verschulden des Beschuldigten aber nicht in einem güns-

tigeren Licht erscheinen. Die Wut des Beschuldigten entlud sich nach einer zuerst 

verbalen  Auseinandersetzung  gegenüber  dem  ihm  auch  aus  seiner  Sicht  klar 

unterlegenen Privatkläger 4. Die Heftigkeit der Faustschläge gegen den Kopf des 

Privatklägers 4 – einem äusserst sensiblen Körperteil – zeugt von einer besonde-

ren Rücksichts- und Skrupellosigkeit. Durch sein gewalttätiges Verhalten missach-

tete der Beschuldigte die physische und psychische Integrität des Privatklägers 4 

massiv. Dass er noch nicht einmal vom Privatkläger 4 abliess, als sich dieser von 

ihm  abwandte  und  ihm  den  Rücken  zukehrte,  zeigt  die  erhebliche  Gewaltbereit-

schaft  des  Beschuldigten  und  seine  Geringschätzung  gegenüber  dem  Privatklä-

ger 4.  Der  Vorinstanz  ist  zuzustimmen,  wenn  sie  festhält,  dass  es  sich  um  eine 

völlig unangemessene Reaktion des Beschuldigten gehandelt habe, welcher sich 

provoziert gefühlt habe und zu einem äusserst unbeherrschten Verhalten habe hin-

reissen lassen. Das objektive Tatverschulden ist damit als nicht mehr leicht einzu-

stufen.

3.2.2. Betreffend die subjektive Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

den Privatkläger 4 willentlich mehrmals gegen den Kopf (insbesondere zweimal mit 

der Faust ins Gesicht) schlug und dabei Verletzungen der eingetretenen Art beim 

Privatkläger 4 herbeiführen wollte. Der Beschuldigte handelte mithin direktvorsätz-

lich. Wenn die Vorinstanz festhält, dass die Beweggründe des Beschuldigten dabei 

teils unreif, aber auch niederträchtig und getrieben von Vergeltung erscheinen (vgl. 

Urk. 59 E. III/5.1.2 S. 59), dann ist ihr zuzustimmen. Mit der Vorinstanz ist jedoch 

zu berücksichtigen, dass der Gewaltausbruch des Beschuldigten in einer konflikt-

geladenen Situation und nach einer vorangehenden verbalen Auseinandersetzung 

erfolgte.  Dies  lässt  die  vom  Beschuldigten  ausgehende  Gewalteskalation  jedoch 

nicht in einem relevant milderen Licht erscheinen, hätte er sich doch – wie von ihm 

ausgeführt – ohne Weiteres aus der Wohnung seiner Mutter entfernen können. Die 

Tat erfolgte demnach aus einem nichtigen und nicht nachvollziehbaren Anlass. Das 

objektive Tatverschulden des Beschuldigten wird demnach durch die subjektiven 

Verschuldensaspekte nicht relativiert. Es bleibt somit bei einem nicht mehr leichten 

Tatverschulden.

-   51   -

3.2.3. In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zum Raub verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/3.1.2). Die Täterkomponenten 

wirken sich hier – unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnissen des Be-

schuldigten,  des  hier  vorliegenden  teilweisen  Geständnisses  des  Beschuldigten 

und seiner in Bezug auf Dossier 2 einschlägigen Vorstrafen – insgesamt strafzu-

messungsneutral aus.

Nur  für  sich  betrachtet  wäre  hierfür  mit  der  Vorinstanz  eine  Freiheitsstrafe  von 

7 Monaten angemessen.

3.3. Nebendelikt: Drohung (Dossier 4)

3.3.1. In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass es sich bei der hier zu be-

urteilenden  Drohung  "ich  nimm  dich  usenand  morn"  nicht  um  eine  besonders 

schwerwiegende  Drohung  handelt.  Darüber  hinaus  gilt  festzuhalten,  dass  der 

Beschuldigte  seine  per  Textnachricht  versandte  Drohung  durch  keine  weiteren 

drohenden  Handlungen  unterstrichen  hat.  Der  Drohung  des  Beschuldigten  ging 

keine eigentliche Planung voraus, sondern gründet auf einer Kurzschlussreaktion 

des Beschuldigten. Durch seine ernstgemeinte Drohung versetzte der Beschuldigte 

die Geschädigte L._____ in Angst und Schrecken, was sich in deren Verlust des 

Sicherheitsgefühls niederschlug. In Anbetracht des Dargelegten und des gesamten 

Spektrums  möglicher  Drohungen  liegt  in  objektiver  Hinsicht  ein  sehr  leichtes 

Verschulden vor.

3.3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Er formulierte die Textnachricht 

bewusst  und  wollte  die  Geschädigte  L._____  damit  in  Angst  und  Schrecken 

versetzen.  Der  vermeintlich  vorausgehende  Diebstahl  von  Teilen  seiner  Hab-

seligkeiten durch die Geschädigte L._____ – wie vom Beschuldigten kolportiert – 

vermag  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  Mit  der  Vorinstanz  ist  zwar 

festzuhalten, dass der Beschuldigte sich durch die Geschädigte L._____ ungerecht 

behandelt  fühlte.  Dass  er  aber  in  einer  gewissen  emotionalen  Aufwühlung 

gehandelt hätte, ist ihm nicht zugute zu halten, erfolgte die Drohung doch räumlich 

getrennt per Textnachricht. Die subjektiven Aspekte der Tat vermögen das objek-

-   52   -

tive Verschulden somit nicht zu relativieren. Insgesamt ist von einem sehr leichten 

Tatverschulden auszugehen.

3.3.3. In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zum Raub verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/3.1.2). Die Täterkomponenten 

wirken sich in Bezug auf das Dossier 4 – weitgehendes Geständnis (bei erdrücken-

der Beweislage), wenig Einsicht oder Reue und einer einschlägigen Vorstrafe – ins-

gesamt strafzumessungsneutral aus.

Nur für sich betrachtet wäre hierfür mit der Vorinstanz eine Strafe von 1 ½ Monaten 

angemessen.

3.4. Nebendelikt: Hausfriedensbruch (Dossier 1)

3.4.1. Mit der Vorinstanz kann hinsichtlich der objektiven Tatschwere festgehalten 

werden, dass sich der Beschuldigte nur kurze Zeit im Eingangsbereich und damit 

dem  teilöffentlichen  Gemeinschaftsbereich  der  Liegenschaft  an  der  R._____-

strasse  in  Zürich  aufhielt.  Das  Sicherheitsgefühl  der  Privatklägern 1  (E._____) 

sowie der weiteren Bewohner der Liegenschaft war dadurch nicht besonders stark 

betroffen.  Dass  grössere  Zugangshindernisse  zum  Betreten  der  Liegenschaft 

hätten überwinden werden müssen, ist mit der Vorinstanz nicht ersichtlich (Urk. 59 

E. III/5.3.1 S. 60 f.). Die objektive Tatschwere ist folglich als sehr leicht einzustufen.

3.4.2. Der  Beschuldigte  handelte  direktvorsätzlich.  Mit  der  Vorinstanz  gilt  zu  be-

rücksichtigen, dass der damals obdachlose Beschuldigte sich in die Liegenschaft 

begab, um sich aufzuwärmen. Eine eigentliche Notlage des Beschuldigten ist darin 

jedoch nicht zu sehen. Das objektive Tatverschulden des Beschuldigten wird dem-

nach durch die subjektiven Verschuldensaspekte nicht relativiert, weshalb es bei 

einem sehr leichten Tatverschulden bleibt.

3.4.3. In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zum Raub verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/3.1.2). Die Täterkomponenten 

wirken sich in Bezug auf das Dossier 1 – weitgehendes Geständnis (bei erdrücken-

der  Beweislage),  kaum  Einsicht  oder  Reue  und  keine  einschlägige  Vorstrafe – 

insgesamt strafzumessungsneutral aus.

-   53   -

Nur für sich betrachtet wäre hierfür mit der Vorinstanz eine Strafe von 1 Monat an-

gemessen.

3.5. Nebendelikt: Hausfriedensbruch (Dossier 5)

3.5.1. Der  Beschuldigte  betrat  am  7. Juli  2022  zusammen  mit  zwei  unbekannten 

Personen  unbefugt  den  D._____  Shop  am  S._____-Platz  in  Zürich  (D7/2/1),  um 

mehrere  Lebensmittel  zu  entwenden.  Er  verweilte  lediglich  kurz  im  genannten 

Shop. Dabei gilt überdies zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte das Ladenge-

schäft ohne Anwendung von Gewalt betrat, sondern darauf wartete, bis jemand den 

Shop verliess, und sich deshalb die Tür öffnete. Der Beschuldigte hat den Shop zu 

später Stunde betreten, wobei sich keine anderen Personen im Ladengeschäft be-

funden haben. Das objektive Tatverschulden ist im Spektrum aller möglicher Haus-

friedensbrüche als sehr leicht einzustufen.

3.5.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Mit der Vorinstanz kann berück-

sichtigt werden, dass der damals obdachlose Beschuldigte Lebensmittel entwen-

dete,  welche  für  den  Verzehr  vorgesehen  waren.  Dass  eine  eigentliche  Notlage 

beim Beschuldigten vorgelegen hätte, ergibt sich wiederum aber nicht. Das objek-

tive  Tatverschulden  des  Beschuldigten  wird  demnach  durch  die  subjektiven 

Verschuldensaspekte nicht relativiert, weshalb es bei einem sehr leichten Tatver-

schulden bleibt.

3.5.3. In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zum Raub verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/3.1.2). Die Täterkomponenten 

wirken sich hinsichtlich des Dossiers 5 – weitgehendes Geständnis (bei erdrücken-

der Beweislage), kaum Einsicht oder Reue und aber keine einschlägige Vorstrafe – 

insgesamt strafzumessungsneutral aus.

Nur  für  sich  betrachtet  wäre  hierfür  mit  der  Vorinstanz  eine  Freiheitsstrafe  von 

1 Monat angemessen.

-   54   -

4.

Strafzumessung  Geldstrafe:  Üble  Nachrede  (Dossier 4)  und  Beschimpfung 

(Dossier 4)

4.1. Üble Nachrede als Hauptdelikt (Dossier 4)

4.1.1. In objektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz zu berücksichtigen, dass der Be-

schuldigte der Geschädigten L._____ einen Diebstahl unterstellte und sie damit ei-

ner erheblichen Straftat bezichtigte. Der Beschuldigte verunglimpfte die Geschä-

digte L._____ jedoch einzig gegenüber dem Nachbarn "M._____". Der Adressaten-

kreis der ehrverletzenden Äusserung erweist sich damit – mit der Vorinstanz – als 

äusserst beschränkt, weshalb die bei der Geschädigten L._____ erfolgte Ehrverlet-

zung nicht besonders gravierend erscheint. Auch der Zeitraum, in welchem die Ver-

unglimpfung erfolgte, war mit einem Tag äusserst kurz. In Anbetracht des Darge-

legten und des gesamten Spektrums möglicher übler Nachreden liegt in objektiver 

Hinsicht ein leichtes Verschulden vor.

4.1.2. Zur  subjektiven  Tatschwere  ist  auszuführen,  dass  der  Beschuldigte  direkt-

vorsätzlich  handelte.  Der  Beschuldigte  handelte  nicht  planmässig,  sondern  aus 

einer Kurzschlussreaktion heraus. Wenn die Vorinstanz festhält, dass der Beschul-

digte aufgrund von Bildern in den sozialen Medien vorschnell davon ausgegangen 

sei, dass die Geschädigte L._____ ihn bestohlen habe, und sich der Beschuldigte 

deshalb ungerechtfertigt im Recht gewähnt habe, dieses vermeintliche Unrecht an-

zuprangern, was ihm jedoch nicht zugute zu halten sei, dann ist ihr zuzustimmen. 

Die subjektiven Aspekte der Tat vermögen das objektive Verschulden somit nicht 

zu relativieren. Insgesamt ist von einem leichten Tatverschulden auszugehen.

4.1.3. In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zum Raub verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/3.1.2). Die Täterkomponenten 

wirken sich hinsichtlich des Dossiers 4 – weitgehendes Geständnis, kaum Einsicht 

oder Reue und keine einschlägige Vorstrafe – insgesamt strafzumessungsneutral 

aus.

4.1.4. In  Anbetracht  aller  relevanten  Strafzumessungsgründe  erscheint  in  Würdi-

gung der objektiven und subjektiven Komponenten der begangenen Straftat sowie 

-   55   -

in Berücksichtigung der Täterkomponenten für die üble Nachrede eine Geldstrafe 

von 25 Tagessätzen als Einsatzstrafe angemessen.

4.2. Nebendelikt: Beschimpfung (Dossier 4)

4.2.1. In  objektiver  Hinsicht  gilt  zu  berücksichtigen,  dass  der  Beschuldigte  die 

Geschädigte  L._____  –  seine  damalige  Nachbarin  –  mit  der  Textnaricht  "Fotze" 

derb,  abwertend  und  wüst  beschimpfte.  Obwohl  eine  solche  Beschimpfung  eine 

gewisse persönliche Komponente innewohnt, ist "Fotze" eine relativ generische Be-

schimpfung und nicht besonders schwerwiegend. Das objektive Tatverschulden ist 

somit als leicht zu veranschlagen.

4.2.2. In subjektiver Hinsicht ist von Direktvorsatz des Beschuldigten auszugehen. 

Er  handelte  aus  einem  Impuls  heraus  und  sein  Vorgehen  ist  wiederum  als  eine 

Kurzschlussreaktion  zu  werten.  Den  Ausführungen  der  Vorinstanz,  dass  der  Be-

schuldigten damals angenommen habe, dass die Geschädigte ihn bestohlen habe 

und  dem  Beschuldigten  seine  Beschimpfung  deshalb  gerechtfertigt  erschienen 

habe, dies jedoch nicht positiv zu veranschlagen sei, gibt es nichts hinzuzufügen. 

Die subjektiven Tatkomponente vermögen das objektive Verschulden somit nicht 

zu relativieren. Insgesamt ist von einem leichten Tatverschulden auszugehen.

4.2.3. In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zum Raub verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/3.1.2). Die Täterkomponenten 

wirken sich betreffend Dossier 4 – weitgehendes Geständnis (bei erdrückender Be-

weislage), kaum Einsicht oder Reue und keine einschlägige Vorstrafe – insgesamt 

strafzumessungsneutral aus.

Nur für sich betrachtet wäre hierfür eine Strafe von 10 Tagessätzen angemessen.

4.3.

Tagessatzhöhe

Auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz zu  den rechtlichen  Grundlagen 

hinsichtlich der Bemessung der Tagessatzhöhe kann verwiesen werden (Urk. 59 

E. III/6.4.1 S. 86). Die Vorinstanz setzte den Tagessatz auf Fr. 30.– fest, unter Be-

rücksichtigung der zuletzt bekannten Einkommens- und Vermögensverhältnissen 

-   56   -

des  Beschuldigten  sowie  dessen  Lebensaufwand  (vgl.  Urk. 59  E. III/6.4.2 f. 

S. 67 f.).  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  haben  sich  diesbezüglich  keine 

Neuerungen  ergeben  (vgl.  Urk. 91  und  Prot. II  S. 6  ff.;  vgl.  auch  Urk. 87).  Somit 

erweist sich die von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatzhöhe von Fr. 30.– noch 

immer als angemessen (auch die Verteidigung teilte diese Einschätzung: Urk. 71 

S. 3 und Urk. 91 S. 2).

5.

Strafzumessung  Busse:  Geringfügiger  Diebstahl  (Dossier 5)  geringfügige 

Sachbeschädigung (Dossier 6)

5.1. Geringfügiger Diebstahl (Dossier 5)

In objektiver Hinsicht gilt zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte (zusammen mit 

zwei  unbekannten  Tätern)  Lebensmittel  im  Betrag  von  Fr. 45.15  aus  dem 

D._____ Shop entwendete. Der Deliktsbetrag ist als gering einzustufen und der Be-

schuldigte hielt sich lediglich kurz im Verkaufsgeschäft auf. Der Beschuldigte drang 

überdies nicht mit Gewalt in das Verkaufsgeschäft ein. Des Weiteren war der Shop 

zu diesem Zeitpunkt weder von einer Verkaufsperson bedient noch von einkaufen-

den  Personen  frequentiert.  Besondere  Raffinesse  oder  geplantes  Handeln  legte 

der Beschuldigte bei seinem Vorgehen nicht an den Tag.

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Der damals obdachlose Beschuldigte 

entwendete  Lebensmittel  zum  Verzehr.  Von  einer  eigentlichen  Notlage  des  Be-

schuldigten ist jedoch nicht auszugehen. Insgesamt ist von einem sehr leichten Tat-

verschulden auszugehen.

Unter  Berücksichtigung  der  persönlichen  und  finanziellen  Verhältnisse  des  Be-

schuldigten und seines Geständnisses (bei jedoch erdrückender Beweislage) und 

seiner einschlägigen Vorbestrafung ist die Busse für den geringfügigen Diebstahl 

auf Fr. 150.– festzusetzen.

-   57   -

5.2. Geringfügige Sachbeschädigung (Dossier 6)

In  objektiver  Hinsicht  gilt  festzuhalten,  dass  der  Beschuldigte  oder  einer  seiner 

beiden  Mittäter  die  Hose  des  Privatkläger 5  im  Zuge  des  Raubes  –  beim 

Herausreissen  des  Portemonnaies  –  beschädigten,  wodurch  dem  Privatkläger 5 

ein geringfügiger Sachschaden entstand. Dabei stand nicht die Beschädigung der 

Hose des Privatklägers 5 im Vordergrund, sondern das (gewaltsame) Entwenden 

dessen mit Bargeld gefüllten Portemonnaies. Der Beschuldigte handelte wiederum 

direktvorsätzlich.  Insgesamt  ist  von  einem  sehr  leichten  Tatverschulden  auszu-

gehen.

Unter  Berücksichtigung  der  persönlichen  und  finanziellen  Verhältnisse  des 

Beschuldigten und seiner einschlägigen Vorbestrafung ist die Busse für die gering-

fügige Sachbeschädigung nur für sich betrachtet auf Fr. 100.– festzusetzen.

5.3.

Fazit

Das Gericht bildet bei mehrfachen Übertretungen in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 104 StGB bei mehreren Bussen eine "Gesamtbusse", 

wobei  die  einzelnen  Strafen  nicht  kumuliert  werden,  sondern  die  Strafe  für  die 

"schwerste Straftat" lediglich angemessen zu erhöhen ist. Die Busse für den ge-

ringfügigen Diebstahl (Dossier 5) von Fr. 150.– ist somit um Fr. 50.– (für die Busse 

für die geringfügige Sachbeschädigung; Dossier 6) auf Fr. 200.– zu erhöhen.

6.

Nichtbewährung / Widerruf des Aufschubs der Vorstrafen

6.1. Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 12. April 2022

6.1.1. Der Beschuldigte beging die einfache Körperverletzung vom 15. April 2022 

(Dossier 2), die Drohung, Beschimpfung und üble Nachrede vom 7. Juli 2022 (Dos-

sier 4), den Hausfriedensbruch vom 7. Juli 2022 (Dossier 5) sowie den Raub vom 

20. Februar 2023 (Dossier 6) während der noch laufenden Probezeit für die aufge-

schobene  Geldstrafe  von  80 Tagessätzen  gemäss  Strafbefehl  der  Staatsanwalt-

schaft I des Kantons Zürich vom 12. April 2022 (Aktenzeichen …, vgl. Urk. 77). Es 

liegt somit ein Fall der Nichtbewährung im Sinne von Art. 46 StGB vor.

-   58   -

6.1.2. Hinsichtlich  der  Ausgangslage  (Vorstrafe,  erneute  Delinquenz),  der  recht-

lichen Grundlagen betreffend die Nichtbewährung des Täters innerhalb der Probe-

zeit  und  der  damit  einhergehenden  Frage  des  Widerrufs  einer  Vorstrafe  kann 

vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(vgl. Urk. 59 E. V/1-2, 3, 5 S. 70 f.).

6.1.3. Den erstinstanzlichen Überlegungen zum Widerruf der hier zu beurteilenden 

Vorstrafe  ist  auch  hinsichtlich  der  Beurteilung  im  konkreten  Fall  (Urk. 59  E. V/6 

S. 71) zu folgen. Es kann nicht gesagt werden, dass vom Beschuldigten keine wei-

teren  Straftaten  zu  erwarten  wären  oder  dass  eine  Probezeitverlängerung 

(allenfalls  mit  Bewährungshilfe  oder  Weisungen)  ausreichen  würde.  Vielmehr 

bestehen  aufgrund  der  Nichtbewährung  und  der  neuerlichen  mehrfachen  Delin-

quenz während laufendem Strafverfahren (vgl. dazu vorstehend E. III/3.1.2.2; und 

teilweise kurz nach Ansetzung der Probezeit) erhebliche Bedenken hinsichtlich der 

Legalprognose. Gegen den vorinstanzlich angeordneten Widerruf dieser Vorstrafe 

opponierte sodann auch die Verteidigung nicht (vgl. Urk. 71 S. 3; Urk. 91 S. 2 [vgl. 

jedoch Urk. 91 S. 23 f., wo entgegen der eigenen Anträge der Verteidigung auch 

der Widerruf der hier zu beurteilenden Vorstrafe abgelehnt wurde]).

6.1.4. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I 

des  Kantons  Zürich  vom  12. April  2022  ausgefällten  Geldstrafe  von  80 Tages-

sätzen ist demnach zu widerrufen, und die Geldstrafe ist für vollziehbar zu erklären.

6.2. Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 18. Mai 2021

6.2.1. Die Vorinstanz sah vom Widerruf des mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft 

Limmattal/Albis vom 18. Mai 2021 für den Freiheitsentzug von 70 Tagen angeord-

neten bedingten Vollzugs ab (Urk. 59 E. V/3, 4, 5 und 7 S. 70 ff. und S. 85). Die 

Staatsanwaltschaft beantragte auch im Berufungsverfahren den Widerruf des be-

dingten Vollzugs der hier zu beurteilenden Vorstrafe (Urk. 60 S. 2 f.; so sinngemäss 

auch der Privatkläger 5 [Urk. 62]).

-   59   -

6.2.2. Der  Beschuldigte  beging  den  Hausfriedensbruch  vom  8. November  2021 

(Dossier 1),  die  einfache  Körperverletzung  vom  15. April  2022  (Dossier 2),  die 

Drohung,  Beschimpfung  und  üble  Nachrede  vom  7. Juli  2022  (Dossier 4),  den 

Hausfriedensbruch vom 7. Juli 2022 (Dossier 5) sowie den Raub vom 20. Februar 

2023  (Dossier 6)  während  der  noch  laufenden  (und  mit  Strafbefehl  der  Staats-

anwaltschaft I  des  Kantons  Zürich  vom  12. April  2022  um  ein  Jahr  verlängerten) 

Probezeit  für  den  aufgeschobenen  Freiheitsentzug  von  70 Tagen  gemäss  Straf-

befehl  der  Jugendanwaltschaft  Limmattal/Albis  vom  18. Mai  2021  (Aktenzeichen 

…, vgl. Urk. 77).

6.2.3. Die  mit  Strafbefehl  der  Jugendanwaltschaft  Limmattal/Albis  vom  18. Mai 

2021  abgeurteilten  Straftaten  beging  der  Beschuldigte  in  den  Jahren  2019  und 

2020, im Alter von 16 bzw. 17 Jahren. Anwendbar war daher das Jugendstrafrecht 

(Art. 3 Abs. 1 JStG). Die Beurteilung eines allfälligen Widerrufs des Vollzugs der 

damals ausgesprochenen Jugendstrafe hat ebenfalls in Anwendung des Jugends-

trafgesetzes zu erfolgen. Art. 35 Abs. 2 JStG verweist für aufgeschobene Strafen 

sinngemäss auf die Artikel 29-31 JStG, welche die Probezeit, die Bewährung und 

Nichtbewährung bei einer bedingten Entlassung aus dem Freiheitsentzug behan-

deln. Für den Fall der Nichtbewährung sieht Art. 31 Abs. 5 JStG vor, dass wenn für 

die Beurteilung der neuen Tat das StGB anwendbar ist, die urteilende Behörde be-

züglich des Widerrufs Art. 89 StGB anwendet.

6.2.4. Ob der bedingte Vollzug des Freiheitsentzugs von 70 Tagen (unter Anrech-

nung der erstandenen Haft von sechs Tagen) zu widerrufen ist, bestimmt sich somit 

nach Art. 89 StGB. Diese Bestimmung bezieht sich auf die Nichtbewährung eines 

bedingt Entlassenen und spricht daher anstelle des Widerrufs von der Rückverset-

zung. Gemäss Art. 89 Abs. 1 StGB ordnet das für die Beurteilung der neuen Tat 

zuständige Gericht die Rückversetzung an, wenn der bedingt Entlassene während 

der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht. Ist trotz des während der Pro-

bezeit  begangenen  Verbrechens  oder  Vergehens  nicht  zu  erwarten,  dass  der 

Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf eine Rü-

ckversetzung (Art. 89 Abs. 2 StGB).

-   60   -

6.2.5. Der  Beschuldigte  beging  die  hier  zu  beurteilenden  Straftaten  –  wie 

vorstehend  dargelegt  (E. III/6.2.2)  –  innerhalb  der  dreijährigen  Probezeit.  Der 

Beschuldigte  delinquierte  nach  der  vorerwähnten  Verurteilung  mehrfach  und 

(teilweise) einschlägig. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ist die in diesem 

Verfahren auszufällende Freiheitsstrafe von 21 Monaten zu vollziehen (vgl. nach-

folgend E. III/8). Der Beschuldigte wird mit der hier auszufällenden Freiheitsstrafe 

erstmals  je  zu  einer  unbedingten  Freiheits-  und  Geldstrafe  verurteilt.  Es  darf 

angenommen werden, dass insbesondere der Vollzug der Freiheitsstrafe und auch 

der Geldstrafe genügend Warnwirkung zeitigen werden, um den Beschuldigten von 

der Verübung weiterer Straftaten abzuhalten. Der Widerruf von einer im Vergleich 

zum  Erwachsenenstrafrecht  milden  Jugendstrafe  im  Umfang  70  (bzw.  64  voll-

ziehbaren)  Tagen  Freiheitsentzug  erscheint  im  vorliegenden  Kontext  demnach 

nicht erforderlich.

Es stellt sich überdies die Frage, ob der Vollzug einer Jugendstrafe bei einem Er-

wachsenen überhaupt zweckmässig ist. Je älter der Täter ist, desto fragwürdiger 

erscheint es, angesichts des Zwecks der Jugendstrafe, diese zu vollziehen. Das 

Jugendstrafrecht  ist  ein  Täterstrafrecht,  welches  gemäss  Art. 2  Abs. 1  JStG  als 

wegleitend für die Anwendung des Gesetztes, den Schutz und die Erziehung des 

Jugendlichen festhält. Die Strafen im Erwachsenenstrafrecht sind demgegenüber 

nicht  vorwiegend  täterorientiert.  Die  Gleichartigkeit  des  mit  Strafbefehls  der  Ju-

gendanwaltschaft  Limmattal/Albis  vom  18. Mai  2021  (bedingt)  ausgesprochenen 

Freiheitsentzugs von 70 Tagen gemäss JStG sowie einer Freiheitsstrafe gemäss 

StGB  ist  überdies  zu  verneinen,  da  der  Freiheitsentzug  in  einer  Einrichtung  für 

Jugendliche  zu  vollziehen  ist,  in  der  jeder  Jugendliche  entsprechend  seiner  Per-

sönlichkeit  erzieherisch  betreut  und  insbesondere  auf  die  soziale  Eingliederung 

nach der Entlassung vorbereitet wird (Art. 27 Abs. 2 JStG; vgl. dazu auch Urteil des 

Obergerichts des Kantons Zürich SB220504-O vom 21. April 2023 E. VI/4). Es er-

scheint bei der vorliegenden Ausgangslage weder sinnvoll noch angemessen, eine 

Strafe zu widerrufen und in der Folge zu vollziehen, welche hauptsächlich die Er-

ziehung  des  Beschuldigten  –  in  einer  speziell  dafür  vorgesehenen  Einrichtung  – 

bezwecken soll (vgl. zum Ganzen auch Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich 

SB160458-O vom 24. Februar 2017 E. V/4.5).

-   61   -

6.2.6. Damit ist auf den Widerruf des mit Strafbefehls der Jugendanwaltschaft Lim-

mattal/Albis vom 18. Mai 2021 für den Freiheitsentzug von 70 Tagen angeordneten 

bedingten Vollzugs zu verzichten.

7.

Festsetzung der Gesamtstrafe

7.1. Da für den Raub (Dossier 6), die einfache Körperverletzung (Dossier 2), die 

Drohung  (Dossier 4)  und  die  Hausfriedensbrüche  (Dossier 1  und  5)  gleichartige 

Strafen, nämlich Freiheitsstrafen auszusprechen sind, ist in Anwendung von Art. 49 

Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe auszufällen. Unter Berücksichtigung des Asperati-

onsprinzips erscheint folgende Rechnung angemessen:

Delikt:

Raub (Dossier 6)

Einfache Körperverletzung (Dossier 2)

Drohung (Dossier 4)

Hausfriedensbruch (Dossier 1)

Hausfriedensbruch (Dossier 5)

Einsatzstrafe bzw. 
bei Einzelbetrachtung

14 Mt.

7 Mt.

1 ½ Mt.

1 Mt.

1 Mt.

24 ½ Mt.

asperiert

(14 Mt.)

5 Mt.

1 Mt.

½ Mt.

½ Mt.

21 Mt.

Es erscheint somit für die genannten Delikte eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten 

angemessen.

7.2. Da  für  die  üble  Nachrede  (Dossier 4)  und  die  Beschimpfung  (Dossier 4) 

ebenfalls gleichartige Strafen, nämlich Geldstrafen auszusprechen sind, ist in An-

wendung  von  Art. 49  Abs. 1  StGB  auch  diesbezüglich  eine  Gesamt(geld-)strafe 

auszufällen.

In Nachachtung von BGE 145 IV 146 E. 2.4.2 ist methodisch in einem ersten Schritt 

gedanklich  eine  Gesamtstrafe  aus  den  während  der  Probezeit  verübten  Delikten 

auszufällen. In einem zweiten Schritt ist diese als "Einsatzstrafe" anzusehen, und 

es ist mit der widerrufenen bedingten Vorstrafe (Geldstrafe) eine Gesamtstrafe zu 

bilden. Was die Asperation bei der jeweiligen Gesamtstrafenbildung betrifft, ist den 

mehreren Vorgängen angemessen Rechnung zu tragen, sodass sich das Aspera-

tionsprinzip nicht mehrmals voll auswirkt.

Schritt 1:

Delikt:

Üble Nachrede (Dossier 4)

Beschimpfung (Dossier 4)

Schritt 2:

Delikt:

"Einsatzstrafe" aus Schritt 1

widerrufene bed. Vorstrafe (…)

-   62   -

Einsatzstrafe bzw. 
bei Einzelbetrachtung

25 Ts.

10 Ts.

35 Ts.

"Einsatzstrafe" bzw. 
bei Einzelbetrachtung

30 Ts.

80 Ts.

110 Ts.

asperiert

(25 Ts.)

5 Ts.

30 Ts.

asperiert

(30 Ts.)

70 Ts.

100 Ts.

Es erscheint somit für die genannten Delikte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen 

angemessen.

7.3. Der heute zu beurteilende Hausfriedensbruch gemäss Dossier 1 wurde vor 

der  Verurteilung  gemäss  dem  bereits  erwähnten  Strafbefehl  der  Staatsanwalt-

schaft I des Kantons Zürich vom 12. April 2022 begangen (Urk. 77). Da sich – wie 

vorstehend dargelegt (vgl. E. III/2) – für den hier zu beurteilenden Hausfriedens-

bruch (Dossier 1) eine Freiheitsstrafe aufdrängt, muss keine Gesamt(geld-)strafe 

in Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB gebildet werden (vgl. dazu auch vorstehend 

E. III/7.1).

8.

Vollzug

8.1. Grundlagen

Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe oder 

einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbe-

dingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Verbrechen  oder  Vergehen  abzuhalten.  Für  den  bedingten  Vollzug  nach  Art. 42 

Abs. 1 StGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das heisst die Abwe-

senheit  der  Befürchtung,  der  Täter  werde  sich  nicht  bewähren  (BGE 134  IV 1 

E. 4.2.2 S. 5 f.). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu 

-   63   -

einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten ver-

urteilt, so ist nach Art. 42 Abs. 2 StGB der Aufschub nur zulässig, wenn besonders 

günstige Umstände vorliegen. Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters 

ist  anhand  einer  Gesamtwürdigung  aller  wesentlichen  Umstände  vorzunehmen 

(vgl. dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5 mit Hinweisen).

Nach Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von 

mindestens  einem  Jahr  und  höchstens  drei  Jahren  teilweise  aufschieben,  wenn 

dies  notwendig  ist,  um  dem  Verschulden  des  Täters  genügend  Rechnung  zu 

tragen. Für die Festsetzung des aufzuschiebenden und des zu vollziehenden Straf-

teils gemäss Art. 43 StGB gelten die gleichen Massstäbe. Als Bemessungsregel ist 

das Ausmass des Verschuldens zu beachten, dem in genügender Weise Rechnung 

zu  tragen  ist.  Das  Verhältnis  der  Strafteile  ist  so  festzusetzen,  dass  darin  die 

Wahrscheinlichkeit  der  Legalbewährung  des  Täters  einerseits  und  dessen 

Einzeltatschuld  anderseits  hinreichend  zum  Ausdruck  kommen.  Je  günstiger  die 

Prognose  und  je  kleiner  die  Vorwerfbarkeit  der  Tat,  desto  grösser  muss  der  auf 

Bewährung  ausgesetzte  Strafteil  sein.  Der  unbedingte  Strafteil  darf  das  unter 

Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten 

(BGE 134 IV 1 E. 5.6 S. 15).

Die  teilbedingte  Strafe  ist  als  Mittellösung  zwischen  dem  vollständigen  Aufschub 

der  Strafe  und  deren  Vollzug  eingeführt  worden.  Grundvoraussetzung  für  eine 

teilbedingte Strafe gemäss Art. 43 StGB ist wie bei Art. 42 StGB, dass die Legalpro-

gnose  des  Täters  nicht  schlecht  ausfällt.  Der  Hauptanwendungsbereich  der 

teilbedingten Strafe liegt bei Freiheitsstrafen zwischen zwei und drei Jahren. Fällt 

die  Legalprognose  nicht  negativ  aus,  tritt  der  teilbedingte  Freiheitsentzug  an  die 

Stelle  des  in  diesem  Bereich  nicht  mehr  möglichen  vollbedingten  Strafvollzuges 

(BGE 144 IV 277 E. 3.1.1 S. 280 f. mit Hinweisen).

8.2.

Freiheitsstrafe

8.2.1. Da der Beschuldigte heute mit einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten zu be-

strafen ist, fällt in objektiver Hinsicht sowohl der bedingte als auch der teilbedingte 

Vollzug der Freiheitsstrafe in Betracht (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB).

-   64   -

8.2.2. Unter  Verweis  auf  die  (teilweise  einschlägigen)  Vorstrafen,  die  rasche  Ab-

folge  von  Delikten  (alle  hier  zu  beurteilenden  Delikte  beging  der  Beschuldigte 

innerhalb von 14 Monaten) während laufenden Probezeiten (teils kurz nach ergan-

gener Verurteilung) bzw. teilweise laufendem Strafverfahren ist dem Beschuldigten 

eine ungünstige Legalprognose zu stellen.

Zwar  wurde  der  Beschuldigte  innerhalb  der  letzten  fünf  Jahre  vor  den  heute  zu 

beurteilenden  Taten  nicht  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  mehr  als  sechs  Monaten 

verurteilt  (vgl.  Art. 42  Abs. 1  und  2  StGB),  die  hier  zu  beurteilende  Deliktsserie 

während  laufenden  Probezeiten  zeugt  jedoch  von  einer  besonderen  Unbelehr-

barkeit  des  Beschuldigten;  diese  zeigt  exemplarisch  auf,  dass  die  bisher  ausge-

sprochenen  Strafen  keine  genügende  Warnwirkung  zeitigten,  um  den  Beschul-

digten von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten.

Die  jüngsten  Delikte  erfolgten  im  Februar 2023  und  liegen  damit  noch  nicht  weit 

zurück,  wobei  dem  Beschuldigten  zugute  zu  halten  ist,  dass  er  sich  in  der 

Zwischenzeit – soweit bekannt – nichts hat zuschulden kommen lassen, wobei aber 

zu berücksichtigen gilt, dass sich der Beschuldigte – gemäss eigenen Angaben – 

seit  Herbst 2024  in  Finnland  aufhält.  Der  Beschuldigte  zeigte  im  vorliegenden 

Verfahren jedoch keinerlei Einsicht in das Unrecht seiner Delinquenz oder Reue. 

Seine  aktuellen  Lebensumstände  sind  heute  –  gemäss  eigenen  Angaben  (vgl. 

Urk. 91  S. 4  f.  und  Urk. 87)  –  zwar  verändert,  es  verbleiben  aber  gewichtige 

Bedenken an der Legalbewährung des Beschuldigten. Dem Beschuldigten ist somit 

eine  Schlechtprognose  zu  stellen,  welche  einen  vollständig  unbedingten  Vollzug 

der Freiheitsstrafe erforderlich macht.

8.2.3. Damit ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen.

8.3. Geldstrafe

8.3.1. Da der Beschuldigte heute des Weiteren mit einer Geldstrafe zu bestrafen 

ist, fällt diesbezüglich in objektiver Hinsicht der bedingte Vollzug der Geldstrafe in 

Betracht (Art. 42 Abs. 1 StGB).

-   65   -

8.3.2. Den  erstinstanzlichen  Überlegungen  zum  vollständig  unbedingten  Vollzug 

der  Geldstrafe  ist  auch  hinsichtlich  der  Beurteilung  im  konkreten  Fall  (Urk. 59 

E. IV/3 S. 69) zu folgen. Mit Verweis auf die vorstehenden Erwägungen zum Voll-

zug der Freiheitsstrafe ist dem Beschuldigten aufgrund der Vorstrafen, der (neuer-

lichen)  und  teilweise  einschlägigen  Delinquenz  während  den  laufenden  Probe-

zeiten sowie laufendem Strafverfahren eine Schlechtprognose zu stellen, welche 

einen vollständig unbedingten Vollzug der Geldstrafe erforderlich macht. Insbeson-

dere die neuerliche teilweise einschlägige Straffälligkeit des Beschuldigten zeugt 

von  dessen  besonderen  Unbelehrbarkeit  (so  wurde  der  unbedingte  Vollzug  der 

Geldstrafe auch von keiner Partei angefochten [vgl. Urk. 60, 62, 71, 89 und 91).

8.3.3. Damit ist auch die Geldstrafe zu vollziehen.

8.4. Busse

Die Busse ist schon von Gesetzes wegen zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für 

den  Fall,  dass  der  Beschuldigte  diese  schuldhaft  nicht  bezahlen  sollte,  ist  in 

Anwendung von Art. 106 Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen fest-

zusetzen.

9.

Fazit

Im  Ergebnis  ist  der  Beschuldigte  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  21 Monaten  sowie 

– unter  Einbezug  der  widerrufenen  Geldstrafe –  mit  einer  Geldstrafe  von 

100 Tagessätzen zu Fr. 30.– als Gesamtstrafe zu bestrafen sowie mit einer Busse 

von Fr. 200.–.

Der Geldstrafe und die Freiheitsstrafe sind zu vollziehen.

Gemäss Art. 51 StGB rechnet das Gericht die während dieses oder eines anderen 

Verfahrens ausgestandene Untersuchungshaft auf die Strafe an. Der Beschuldigte 

befand  sich  vom  21. Februar  2023,  12.55 Uhr,  bis  zum  5. April  2023,  16.42 Uhr 

(Urk. D6/6/2  und  D6/6/23  S. 23),  somit  44 Tage  in  Untersuchungshaft.  Dement-

sprechend sind dem Beschuldigten 44 Tage als durch Haft erstanden an die Strafe 

anzurechnen (Art. 51 StGB).

-   66   -

IV.  Landesverweisung

1.

Ausgangslage, Standpunkt der Parteien und rechtliche Grundlagen

1.1. Die  Vorinstanz  sah  von  der  Anordnung  einer  (fakultativen)  Landesverwei-

sung ab (nachdem sie den Beschuldigten nicht wegen einer Katalogtat im Sinne 

von Art. 66a Abs. 1 StGB verurteilte [Urk. 59 E. VI/1-7 S. 72-75]).

1.2. Seitens  der  Verteidigung  wurde  auch  im  Berufungsverfahren  beantragt, 

dass  mangels  Vorliegens  einer  Katalogtat  im  Sinne  von  Art. 66a  Abs. 1  StGB 

– eventualiter  aufgrund  Vorliegens  eines  Härtefalls  im  Sinne  von  Art. 66a  Abs. 2 

StGB – von der Anordnung einer Landesverweisung abgesehen werden soll. Der 

Beschuldigte  sei  in  der  Schweiz  geboren  und  habe  seine  gesamte  Kindheit  und 

Jugend in der Schweiz mit seiner Mutter verbracht. Er pflege keinerlei soziale Kon-

takte in seinem Ursprungsland. Alle seine Freunde und Bekanntschaften würden 

sich in der Schweiz befinden. Er habe hier die Schule abgeschlossen, spreche die 

Landessprache mit örtlichem Dialekt akzentfrei und sehe sich selbst als Schweizer. 

Dies ändere sich auch nicht dadurch, dass der Beschuldigte sich eine Perspektive 

in Finnland aufzubauen versuche. Es sei noch nicht klar, ob dies durchschlagend 

klappe. Für den Beschuldigten sei Finnland ein fremdes Land und er wolle, spätes-

tens  nach  Absolvierung  der  Lehre  in  die  Schweiz  zurückkommen  und  hier  sein 

Leben aufbauen. Auch wolle er, sobald es ihm finanziell möglich sei, seine Mutter 

und seine Freunde in der Schweiz besuchen. Wenn er nicht mehr in die Schweiz 

reisen  könne,  dann  sei  dem  Beschuldigten  der  persönliche  Kontakt  mit  seiner 

Mutter massiv erschwert, wenn nicht sogar verunmöglicht (Urk. 44 S. 3 und 42 ff.; 

Urk. 91 S. 21 ff.; vgl. auch Prot. II S. 6 ff.).

1.3. Die Staatsanwaltschaft beantragte im Berufungsverfahren wiederum, dass 

der Beschuldigte für die Dauer von 5 Jahren des Landes zu verweisen sei (Urk. 60; 

Urk. 89 S. 2 und 6).

1.4. Das Gericht verweist den Ausländer, der – wie der Beschuldigte – wegen 

Straftaten im Sinne von Art. 140 (Raub) verurteilt wird, unabhängig von der Höhe 

der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB). Die obli-

gatorische  Landesverweisung  wegen  einer  Katalogtat  im  Sinne  von  Art. 66a 

-   67   -

Abs. 1  StGB  greift  grundsätzlich  unabhängig  von  der  konkreten  Tatschwere 

(BGE  146  IV  105  E. 3.4.1).  Sie  muss  zudem  unabhängig  davon  angeordnet 

werden, ob  die Strafe bedingt, unbedingt  oder teilbedingt ausgesprochen wird 

(BGE  146  IV 105  E. 3.4.1;  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_560/2020  vom 

17. August 2020 E. 1.1.1).

1.5. Gemäss  Art. 66a  Abs. 2  Satz 1  StGB  kann  das  Gericht  von  einer 

Landesverweisung  ausnahmsweise  und  unter  den  kumulativen  Voraussetzun-

gen  absehen,  dass  diese  (1)  für  den  Ausländer  einen  schweren  persönlichen 

Härtefall bewirken würde und (2) die öffentlichen Interessen an der Landesver-

weisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der 

Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern 

Rechnung  zu  tragen,  die  in  der  Schweiz  geboren  oder  aufgewachsen  sind 

(Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB). Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden. Das 

Gericht  hat  dabei  die  öffentlichen  und  privaten  Interessen  gegeneinander 

abzuwägen. Dies kann kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den "schwer-

wiegenden  persönlichen  Härtefall"  in  Art. 31  Abs. 1  der  Verordnung  vom 

24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE;  SR 

142.201)  erfolgen.  Art. 31  Abs. 1  VZAE  ist  indes  nicht  abschliessend.  Da  die 

Landesverweisung strafrechtlicher Natur ist, sind auch strafrechtliche Elemente 

wie  die  Aussichten  auf  soziale  Wiedereingliederung  des  Täters  in  die  Interes-

senabwägung  miteinzubeziehen  (BGE  146  IV  105  E. 3.4.2  S. 108  mit  Hin-

weisen).  Zu  berücksichtigen  sind  namentlich  der  Grad  der  (persönlichen  und 

wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre Bindungen des Ausländers 

in  der  Schweiz  bzw.  in  der  Heimat,  Aufenthaltsdauer  und  Resozialisierungs-

chancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholten Delinquenz Rechnung 

zu tragen. Dabei darf das Gericht auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB 

begangene  Straftaten  berücksichtigen  (BGE  144  IV  332  E.  3.3.2;  Urteil 

6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.2).

1.6. Das  FZA  berechtigt  den  Beschuldigten  als  Bürger  Finnlands,  eines  Mit-

gliedstaates der EU, grundsätzlich zum Aufenthalt und zur Erwerbstätigkeit in der 

Schweiz (Art. 1 lit. a und Art. 4 FZA, Art. 6 ff. Anhang I FZA). Gemäss Art. 5 Abs. 1 

-   68   -

Anhang I FZA kann das Recht aber eingeschränkt werden. Art. 5 Abs. 1 Anhang I 

FZA ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eng auszulegen. Es handelt 

sich  dabei  im  Wesentlichen  um  die  Prüfung  der  Verhältnismässigkeit  staatlichen 

Handelns bei der Einschränkung der Freizügigkeit im Sinne des Art. 5 Abs. 1 An-

hang I FZA (BGE 145 IV 364 E. 3.8 und E 3.9). Die EU-binnenrechtliche Freizügig-

keitsrechtsprechung  ist  nach  der  aktuellen  Rechtslage  für  die  Schweiz  straf-

massnahmenrechtlich  nicht  massgebend  (Rückweisungsurteil  6B_48/2019  vom 

9. August 2019 E. 2.8.1-2.8.3). In casu kann auf die ausführlichen Darstellungen 

der Rechtsprechung zum FZA verwiesen werden (Urteile 6B_177/2020 vom 2. Juli 

2020 E. 2.4.5 und 6B_736/2019 vom 3. April 2020 E. 1.1.3).

2. Würdigung

2.1. Beim Beschuldigten liegt kein schwerer persönlicher Härtefall vor. Dies er-

gibt sich aus den nachfolgenden Ausführungen:

2.1.1. Was  die  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  anbelangt,  so  ist  zu  bemerken, 

dass  der  heute  21-jährige  Beschuldigte,  Staatsangehöriger  von  Finnland,  in  der 

Schweiz geboren und aufgewachsen ist. Er verfügt über eine Niederlassungsbewil-

ligung  C  (Urk. 77).  Es  liegt  offensichtlich  eine  lange  Aufenthaltsdauer  in  der 

Schweiz vor.

2.1.2. Zur familiären Situation des Beschuldigten in der Schweiz ist festzuhalten, 

dass  er  bei  seiner  Mutter  und  teilweise  im  Kinderheim  aufwuchs.  Der  Vater  des 

Beschuldigten stammt aus Namibia und lebt – soweit ersichtlich – auch dort. Der 

Beschuldigte  hat  Halbgeschwister,  welche  in  T._____  [USA]  leben.  Weder  zu 

seinem  Vater  noch  zu  seinen  Halbgeschwistern  pflegt  der  Beschuldigte  Kontakt 

(Prot. I S. 14; Urk. 49/49/8 S. 21 ff.). Überdies gilt festzuhalten, dass zwar ein Teil 

seiner Kernfamilie – seine Mutter – und überdies seine Tante in der Schweiz leben, 

zu welchen er jedoch keinen besonders guten oder engen Kontakt pflegt (Prot. I 

S. 16  f.).  Der  Beschuldigte  wuchs  zwar  teilweise  bei  seiner  Mutter  auf,  das 

Verhältnis zu ihr ist aber konfliktbehaftet. Weitere Freund- oder Bekanntschaften 

wurden vom Beschuldigten nicht weiter konkretisiert. Es erhellt aus den Aussagen 

des  Beschuldigten  und  den  Akten  nicht,  dass  er  mit  diesen  Personen  eine 

-   69   -

besonders intensive Beziehung pflegen würde oder diese von ihm abhängig wären. 

Der Beschuldigte verfügt somit zwar über familiäre Beziehungen in der Schweiz. 

Indes pflegt er hierzulande keine besonders enge familiäre Beziehungen im Sinne 

von Art. 13 BV und Art. 8 EMRK. Im Übrigen ist es für ihn ohne Weiteres möglich 

und zumutbar, von Finnland aus mit den herkömmlichen und modernen Mitteln der 

Kommunikation  den  Kontakt  mit  den  in  der  Schweiz  lebenden  Verwandten  und 

Freunden zu pflegen. Ein Besuch in Finnland und/oder im grenznahen Ausland der 

Schweiz wäre überdies – insbesondere für die Mutter des Beschuldigten, welche 

ebenfalls  Staatsangehörige  von  Finnland  ist  –  ohne  Weiteres  möglich  und  zu-

mutbar  (insbesondere  auch  vor  dem  Hintergrund,  dass  der  Beschuldigte  bereits 

seit Herbst 2024 in Finnland lebt und auch für weitere knapp eineinhalb Jahre dort 

leben möchte [vgl. dazu nachfolgend E. IV/2.1.5]).

2.1.3. Zur  beruflichen  Integration  ist  zu  bemerken,  dass  der  Beschuldigte  die 

obligatorische  Schulzeit  –  mit  der  Sekundarschule B  –  abgeschlossen  hat 

(Urk. D1/3/2 F/A 100; Prot. I S. 14). Nach Abschluss der Sekundarschule B habe 

er  das  10. Schuljahr  begonnen,  während  er  nach  einer  Lehrstelle  gesucht  habe. 

Die Personen von der KESB hätten ihm mitgeteilt, dass er eine hundertprozentige 

Anwesenheit einhalten müsse, um dort in die Schule zu gehen. Er sei jedoch nur 

70-80 % anwesend gewesen, weshalb er für fünf Monate in die Durchgangsstation 

U._____ in den geschlossenen Vollzug geschickt worden sei (Prot. I S. 14). Nach 

Absolvieren der Sekundarschule B hat der Beschuldigte keine weitere Ausbildung 

absolviert  und  ist  auch  keiner  Erwerbstätigkeit  nachgegangen.  Der  Beschuldigte 

wurde – soweit ersichtlich – weitgehend vom Sozialamt unterstützt. Insgesamt ist 

der Beschuldigte keineswegs gut in den Schweizer Arbeitsmarkt integriert: Er ver-

fügte nie (länger) über eine Arbeitsstelle. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung erklärte der Beschuldigte, dass er eine Praktikumsstelle als Coiffeur per 

Oktober 2023 in Aussicht habe (Prot. I S. 15 f. und 20). Diese Arbeitsstelle habe 

der  Beschuldigte  –  aus  wirtschaftlichen  Gründen  –  aber  nie  angetreten.  Der  Be-

schuldigte habe sich danach mit etlichen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. 

Es sei ihm in der Folge nicht gelungen, in der Schweiz einen Ausbildungsplatz zu 

bekommen  (Urk. 91  S. 4).  Die  schlechte  Integration  des  Beschuldigten  in  den 

Schweizer  Arbeitsmarkt  ist  zu  einem  hohen  Grad  selbstverschuldet,  denn  ein 

-   70   -

objektiv  nachvollziehbarer  Grund,  weshalb  der  Beschuldigte  nach  Abschluss  der 

Sekundarschule  B  keine  Lehre  in  Angriff  nahm  bzw.  sich  anderweitig  ordentlich 

ausbilden liess, wurde vom Beschuldigten nie geltend gemacht und lässt sich auch 

den  Akten  nicht  entnehmen.  Es  ist  den  Akten  zwar  zu  entnehmen,  dass  der 

Beschuldigte  eine  schwierige  Kindheit  hatte,  weshalb  es  zu  mehreren  Fremd-

platzierungen  kam.  Es  gilt  diesbezüglich  jedoch  zu  konstatieren,  dass  der  Be-

schuldigte  viele  ihm  zur  Verfügung  gestellten  Hilfsinstrumente  nicht  nutzte  bzw. 

aktiv  ablehnte  (vgl.  insb.  Urk. 49/49/8  und  Urk. 78;  vgl.  auch  Prot. I  S. 14).  Auch 

unter  Berücksichtigung  der  schweren  Kindheit  wären  intensivere  Integrations-

bemühungen  zu  erwarten  gewesen  (vgl.  dazu  auch  Urteil  des  Bundesgerichts 

6B_771/2022 vom 25. Januar 2023 E. 1.4). Zu betonen ist zudem, dass gerade bei 

einem  in  der  Schweiz  aufgewachsenen  Ausländer,  der  hierzulande  die  Schule 

besucht,  die  Sprache  erlernt  und  das  Privileg  gehabt  hat,  nach  Ende  der  obli-

gatorischen  Schulzeit  aus  einer  breiten  Palette  an  Möglichkeiten  zur  praktischen 

und/oder  theoretischen  Ausbildung  zu  wählen,  das  Fehlen  jeglicher  vertiefter 

Ausbildung mit Blick auf die berufliche Integration in einem deutlich ungünstigeren 

Licht  erscheint  als  etwa  bei  einem  Immigranten,  der  im  Teenageralter  ohne 

Kenntnisse der deutschen Sprache und ohne Ausbildung aus einem Kriegsgebiet 

eingewandert ist. Zusammenfassend ist die berufliche Integration im Vergleich zu 

anderen  in  der  Schweiz  geborenen  und  aufgewachsenen  Ausländern  als  klar 

unterdurchschnittlich zu bezeichnen. Angesichts seiner Vorgeschichte ist keines-

falls  sicher,  dass  der  Beschuldigte  nach  dem  Ende  des  Verfahrens  und  nach 

Verbüssen der heute auszufällenden erheblichen Freiheitsstrafe, eine neue Stelle 

in  der  Schweiz  finden  würde,  zumal  sich  der  Beschuldigte  nunmehr  freiwillig  in 

Finnland aufhält (vgl. nachfolgend E. IV/2.1.5).

2.1.4. Überdies  verfügt  der  Beschuldigte  über  Schulden  in  unbekannter  Höhe 

(Urk. D1/3/1 F/A 47: ca. EUR 3'000.–; Urk. D1/3/3 F/A 36: Fr. 15'000.–; vgl. auch 

Prot. I S. 16). Der Beschuldigte kann vor diesem Hintergrund nicht als erfolgreich 

finanziell integriert gelten (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 6B_994/2020 

vom 11. Januar 2021 E. 2.2.2.).

-   71   -

2.1.5. Zu den Möglichkeiten einer beruflichen und gesellschaftlichen Integration im 

Herkunftsland  erklärte  der  Beschuldigte  vor  Vorinstanz,  dass  er  gut  Finnisch 

spreche, er aber nicht so gut schreiben könne (Prot. I S. 17). Er habe viele Ver-

wandte in Finnland, wobei er lediglich zu seinem Cousin Kontakt habe (Urk. D1/3/6 

F/A 23 f.; anders die Verteidigung in Urk. 91 S. 22). Der Beschuldigte befindet sich 

seit  Herbst  2024  freiwillig  in  Finnland.  Seit  dem  2. Januar  2025  absolviert  er 

– gemäss eigenen Angaben – dort eine Arbeitsintegration, welche bis am 30. Mai 

2025  dauert.  Danach  wolle  er  sich  noch  um  den  (obligatorischen)  Zivildienst  (in 

Finnland) kümmern, welcher nochmals 347 Tage dauert. Der Beschuldigte bewies 

damit  selbständig  und  freiwillig,  dass  es  ihm  ohne  Weiteres  möglich  ist,  sich 

beruflich und sozial in Finnland zu integrieren. Seine vielen Verwandten könnten 

ihn sicherlich auch bei der (weiteren) sozialen Integration in Finnland unterstützen. 

Nach  dem  Gesagten  war  und  ist  es  dem  Beschuldigten  ohne  Weiteres  möglich, 

sich in seinem Heimatland beruflich und gesellschaftlich zu integrieren.

2.1.6. Was  die  soziale  Integration  in  der  Schweiz  anbelangt,  so  ist  anhand  der 

Akten  und  Aussagen  des  Beschuldigten  nicht  erkennbar,  dass  er  unter  diesem 

Aspekt  hierzulande  besonders  verwurzelt  ist.  Der  Beschuldigte  beteuerte  zwar, 

dass er in Zürich geboren, sein ganzes Leben hier gewesen sei und nichts anderes 

kenne bzw. all seine Bezugspersonen hier seien (Prot. I S. 16). Insbesondere vor 

dem  Hintergrund,  dass  der  Beschuldigte  seine  Zelte  in  der  Schweiz  freiwillig 

abbrach  und  nach  Finnland  umsiedelte,  ist  nicht  erkennbar,  dass  er  sozial 

besonders stark in der Schweiz verwurzelt wäre.

2.1.7. Aufgrund  des  Gesagten  sind  keine  besonderen  Umstände  dargetan,  die 

dazu  führen,  dass  eine  Landesverweisung  den  Beschuldigten  in  besonderem 

Masse persönlich hart treffen würde. Es ist nicht ersichtlich, dass ein Verlassen der 

Schweiz bei objektiver Betrachtung zu einem nicht hinnehmbaren Eingriff in seine 

Lebensbedingungen führt, dies insbesondere deshalb, weil der Beschuldigte sich 

freiwillig und selbständig dazu entschloss, seinen Wohnsitz für geraume Zeit (weit 

über ein Jahr [geplant]) nach Finnland zu verlegen. Es liegt kein schwerer Eingriff 

in sein Privat- und Familienleben vor. Ein schwerer persönlicher Härtefall liegt damit 

nicht vor. Eine Interessenabwägung zwischen dem privaten Interesse des Beschul-

-   72   -

digten am Verbleib in der Schweiz und dem öffentlichen Interesse an einem Ver-

lassen der Schweiz erübrigt sich damit. Selbst wenn jedoch von einem schweren 

persönlichen  Härtefall  ausgegangen  würde,  könnte  aufgrund  der  überwiegenden 

öffentlichen Interessen an einer Wegweisung des Beschuldigten aus der Schweiz 

nicht auf die Anordnung einer Landesverweisung verzichtet werden. Zu benennen 

ist zunächst das auf der Hand liegende öffentliche Interesse an der Landesverwei-

sung  aufgrund  der  wiederholten  (und  teilweise  erheblichen)  Delinquenz  des  Be-

schuldigten. Von wesentlicher Bedeutung für den vorliegenden Entscheid ist hier-

bei,  dass  bei  der  Interessenabwägung  nicht  nur  das  Anlass  bildende  Delikt  (die 

Katalogtat, hier der Raub), sondern auch die weiteren Straftaten des Betroffenen 

einzubeziehen sind (die einfache Körperverletzung [Dossier 2], die Drohung, Be-

schimpfung  und  üble  Nachrede  [Dossier 4],  der  mehrfache  Hausfriedensbruch 

[Dossier 1  und  5];  vgl.  auch  die  beiden  Übertretungen  [Dossier 5  und  6];  vgl. 

BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 3.3.2; BGer 6B_932/2021 vom 7. Septem-

ber 2022 E. 1.3.2; 6B_155/2023 vom 2. Oktober 2023 E. 1.4.5; je mit Hinweisen). 

Ausserdem  hat  der  Beschuldigte  bereits  zwei  (teilweise  einschlägige)  Vorstrafen 

erwirkt und hat die hier zu beurteilenden Delikte allesamt während diesen Verfahren 

angesetzten Probezeiten und teilweise während bereits laufendem Strafverfahren 

begangen (ausser den Hausfriedensbruch gemäss Dossier 1, welcher lediglich in 

die Probezeit des Strafbefehls der Jugendanwaltschaft fiel). Aus alledem lässt sich 

auf eine erhebliche kriminelle Energie des Beschuldigten schliessen. Den Raub – 

die Katalogtat, welche rund zwei Jahre, also noch nicht lange zurückliegt – verübte 

er am 20. Februar 2023, indem er den Privatkläger 5 zuerst auf die Strasse lockte, 

um ihn dann mit zwei Mittätern mit Schlägen und Tritten zu traktieren, um ihm dann 

in der Folge das Portemonnaie zu entwenden. Auch die einfache Körperverletzung 

zum Nachteil des Privatklägers 4 – dem Verlobten der Mutter des Beschuldigten – 

gilt es hier auch nochmals speziell zu erwähnen, anlässlich welcher der Beschul-

digte ungehemmt mit den Fäusten ins Gesicht und den Hinterkopf des Privatklä-

gers 4 schlug und diesen dabei erheblich verletzte. Der Beschuldigte hat bei diesen 

Taten eine ernstzunehmende Gewaltbereitschaft gezeigt. Es besteht eine beträcht-

liche Rückfallgefahr; es ist von einer eigentlichen Schlechtprognose auszugehen. 

Die privaten Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz sind 

-   73   -

– wie vorstehend dargelegt – nicht als besonders hoch zu gewichten, zumal er nun 

seinen Wohnsitz freiwillig nach Finnland verlegte und dort eine Arbeitsintegration 

in Angriff nimmt und danach den Zivildienst von weiteren 347 Tagen absolvieren 

möchte. Das Sicherheitsbedürfnis der Schweiz als gewichtiges öffentliches Inter-

esse muss im Vergleich jedenfalls deutlich höher gewichtet werden. Der Gesetzge-

ber wollte mit der Schaffung von Art. 66a StGB fraglos die Ausschaffung krimineller 

– und unbelehrbarer – Personen aus dem Land erreichen, um damit die hiesige 

Bevölkerung zu schützen. Die Landesverweisung bei Katalogtaten sollte damit nur 

in absolut unverhältnismässigen Ausnahmefällen nicht angeordnet werden. Ein sol-

cher Ausnahmefall liegt hier wie gezeigt nicht vor.

2.2. Die Anordnung der Landesverweisung ist auch unter Berücksichtigung des 

FZA als völkerrechtlich zulässig zu beurteilen (vgl. Urteil 6B_149/2021 vom 3. Fe-

bruar 2022 E. 2.7.2; Urteil 2C_529/2019 vom 31. Oktober 2019 E. 5.2.2; BGE 145 

IV 55 E. 3.).

Mit  seinem  Verhalten  gefährdete  der  Beschuldigte  die  öffentliche  Ordnung  und 

Sicherheit der Schweiz. Künftiges Wohlverhalten ist nicht zu erwarten, was auch 

die  bereits  mehrfach  gescheiterten  Versuche  im  Hinblick  auf  rechtskonformes 

Leben  zeigen.  Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  kann  schon  ein 

geringes  Rückfallsrisiko  für  eine  aufenthaltsbeendende  Massnahme  genügen, 

sofern dieses Risiko eine schwere Verletzung hoher Rechtsgüter wie namentlich 

die  körperliche  Unversehrtheit  beschlägt 

(vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 

6B_75/2020 vom 19. Januar 2021 E. 2.5.1). Das FZA berechtigt lediglich zu einem 

doppelt  bedingten  Aufenthalt  in  der  Schweiz,  nämlich  einerseits  nach  Massgabe 

der spezifischen Vertragsvereinbarungen als Voraussetzung eines rechtmässigen 

Aufenthalts und andererseits nach Massgabe des rechtskonformen Verhaltens im 

Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA. Durch sein gezeigtes Verhalten hat sich der 

Beschuldigte evidentermassen nicht an die Konformitätsbedingungen im Sinne von 

Art. 5  Abs. 1  Anhang I  FZA  gehalten  (BGE 145  IV  364  E. 3.4.4;  Urteile  des 

Bundesgerichts 6B_177/2020 vom 2. Juli 2020 E. 2.4.5; 6B_736/2019 vom 3. April 

2020  E. 1.1.3).  Auch  das  FZA  gewährleistet  Straftätern  keinen  Aufenthalt  in  der 

Schweiz (Urteil des Bundesgerichts 6B_378/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.5).

-   74   -

2.3. Da  der  Beschuldigte  finnischer  Staatsangehöriger  ist,  ist  keine  Ausschrei-

bung im Schengener Informationssystem vorzunehmen (Art. 3 lit. d SIS-II-Verord-

nung e contrario).

3.

Dauer der Landesverweisung

Die  Bemessung  der  Dauer  der  Landesverweisung  liegt  gemäss  Botschaft  im 

Ermessen des Gerichts, das sich  dabei  insbesondere am Verhältnismässigkeits-

grundsatz zu orientieren hat (Botschaft, BBl 2013, 5975 ff., 6021). Die Dauer der 

Landesverweisung ist unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls, namentlich 

des Verschuldens der beschuldigten Person, der Schwere des Delikts sowie der 

persönlichen  Verhältnisse  des  Betroffenen  und  seiner  allfälligen  Bindung  zur 

Schweiz zu bemessen (vgl. BGer 2C_881/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 4.1).

All diesen Umständen wird durch eine Dauer der Landesverweisung von 5 Jahren 

– wie von der Staatsanwaltschaft beantragt (vgl. Urk. 89 S. 2) – adäquat Rechnung 

getragen.

1.

Allgemeines

V.  Zivilansprüche

1.1. Aufgrund des Schuldspruchs hinsichtlich der Dossiers 2 und 6 ist über die 

adhäsionsweise geltend gemachten zivilrechtlichen Ansprüche zu entscheiden 

(Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Der Entscheid über die anhängig gemachte Zivilklage 

ist, soweit sie hinreichend begründet und beziffert ist, bei dieser Konstellation zwin-

gend. Dies gilt auch – anders als im Falle eines Freispruchs (Art. 126 Abs. 1 lit. b 

StPO) – dann, wenn der Sachverhalt nicht spruchreif ist. Das Gericht hat in diesem 

Fall – gestützt auf die rechtzeitig gestellten Beweisanträge der Zivilpartei – nötigen-

falls  ein  Beweisverfahren  durchzuführen  (BGE  146  IV  211  E. 3.1  S. 214  mit 

Hinweisen).  Die  Voraussetzungen  betreffend  den  Anspruch  auf  Leistung  von 

Schadenersatz und Genugtuung sowie die Bemessungskriterien dieser Leistun-

gen finden sich im angefochtenen Urteil (Urk. 59 E. VII/1.1-1.3 S. 75 f.).

-   75   -

1.2. Der  Rechtsvertreter  des  Privatklägers 5  beantragte  im  Berufungsverfahren, 

dass der Beschuldigte hinsichtlich des Dossiers 6 zu verpflichten sei, dem Privat-

kläger 5 Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2'800.– sowie eine Genugtuung in der 

Höhe  von  Fr. 6'000.–  zu  bezahlen,  jeweils  zzgl.  5 %  Zins  seit  dem  20. Februar 

2023. Es sei zudem vorzumerken, dass die spätere Geltendmachung von Scha-

denersatzforderungen ausdrücklich vorbehalten bleibe (Urk. 62; Urk. 90).

1.3. Die Verteidigung beantragte hinsichtlich des Dossiers 2, dass das Genugtu-

ungsbegehren  des  Privatklägers 4  abzuweisen,  eventualiter  auf  den  Zivilweg  zu 

verweisen sei. Hinsichtlich des Dossiers 6 beantragte die Verteidigung, dass das 

Schadenersatz-  und  Genugtuungsbegehren  des  Privatklägers 5  abzuweisen  sei. 

Im Eventualstandpunkt erklärte die Verteidigung, dass eine Genugtuung im Grund-

satz und in der Höhe von Fr. 2'000.– anerkannt sei (Urk. 71; Urk. 91 i.V.m. Prot. II 

S. 13 und 16).

2. Genugtuung hinsichtlich des Privatklägers 4 (Dossier 2)

Die Vorinstanz hat die Genugtuungsforderung des Privatklägers 4 von Fr. 10'000.– 

mit  der  Zusprechung  von  Fr. 1'500.–  nur,  aber  immerhin  teilweise  gutgeheissen 

(Urk. 59 E. VII/3.4.1-3.4.6 S. 77-79).

Der Privatkläger 4 sah davon ab, gegen den erstinstanzlichen Entscheid in Beru-

fung zu gehen, sei dies selbstständig oder im Rahmen einer Anschlussberufung. 

Immerhin,  dass  dem  Privatkläger 4  angesichts  der  durch  den  Beschuldigten 

verursachten  Unbill  grundsätzlich  eine  Genugtuung  zuzusprechen  ist,  erscheint 

völlig klar. Bezüglich ihres schlüssig begründeten Entscheids kann der Vorinstanz 

gefolgt werden, und es ist dem Privatkläger 4 mit Blick auf die Art und Schwere der 

Verletzung, die Intensität und die Dauer der Auswirkungen auf seinen Körper und 

seine Persönlichkeit sowie das Verschulden des Beschuldigten eine Genugtuung 

von Fr. 1'500.– zuzusprechen (Urk. 59 E. VII/3.4.1-3.4.6 S. 77-79).

3.

Schadenersatz und Genugtuung hinsichtlich des Privatklägers 5 (Dossier 6)

3.1. Der Privatkläger 5 macht Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2'800.– (zzgl. 

Zins) geltend. Dies, weil der Beschuldigte und die beiden unbekannten Mittäter dem 

-   76   -

Privatkläger 5 Bargeld in genannter Höhe geraubt hätten (Urk. 42 und 90 S. 1 und 

4 f.).

Der Beschuldigte ist mit heutigem Urteil wegen Raubes zum Nachteil des Privat-

klägers 5 schuldig zu sprechen. Gemäss erstelltem Sachverhalt wurde dem Privat-

kläger 5 das Portemonnaie (beinhaltend ca. Fr. 2'500.–) entwendet. Im Polizeirap-

port  wurde  unter  dem  Deliktsbetrag  Fr. 2'700.–  Bargeld  aufgeführt  (D6/1/1  S. 5). 

Der Privatkläger 5 erklärte anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme, dass 

ihm  Bargeld  in  der  Höhe  von  Fr. 2'500.–  bis  Fr. 2'700.–  entwendet  worden  sei 

(Urk. D6/2/1 F/A 9). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erklärte 

er, dass es über Fr. 2'000.– gewesen seien (Urk. D6/2/2 F/A 50; vgl. zum Ganzen 

auch Urk. 91 i.V.m. Prot. II S. 16 f.). Im E-Mail der Zeugin G._____ (so auch ge-

mäss  ihren  diesbezüglichen  Aussagen  anlässlich  der  heutigen  Zeugeneinver-

nahme; Urk. 86) war von einem Bargeldbetrag von Fr. 2'800.– die Rede (Urk. 61/1-

2). Dieser Betrag gründet auf Aussagen des Beschuldigten gegenüber der Zeugin 

G._____. Auf diese Aussagen ist abzustellen, da davon auszugehen ist, dass der 

Beschuldigte  (und  die  beiden unbekannten  Mittäter) das erbeutete Bargeld nach 

dem Vorfall zur Teilung zählten und dementsprechend die Aussage des Beschul-

digten  gegenüber  der  Zeugin  G._____  einen  Tag  nach  dem  Vorfall  deponiert 

wurden.  Der  Betrag  ist  zu  spezifisch  und  zu  nah  am  vom  Privatkläger 5  geltend 

gemachten  Deliktsbetrag,  als  dass  er  unpräzise  oder  gerundet  sein  könnte.  Die 

Zivilforderung  des  Privatklägers 5  ist  somit  hinreichend  begründet  und  beziffert. 

Dem  Privatkläger 5  ist  somit  Schadenersatz  in  der  Höhe  von  Fr. 2'800.–  zuzu-

sprechen.

In Bezug auf allfällige zukünftige Behandlungs- und Therapiekosten (vgl. Urk. 42 

S. 3, Urk. 43/3 und Urk. 90 S. 5 f.; vgl. auch Urk. 88/7) ist die adäquate Kausalität 

zwischen dem haftungsbegründenden Umstand und dem Schaden ohne Weiteres 

zu bejahen. Die grundsätzliche Schadenersatzpflicht ist festzustellen und der Pri-

vatkläger 5 zur genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs 

auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).

Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, dem Privatkläger 5 Schadenersatz von 

Fr. 2'800.–  zuzüglich  5 %  Zins  ab  20. Februar  2023  zu  bezahlen.  Im  Übrigen  ist 

-   77   -

festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 5 aus dem ein-

geklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen 

Feststellung  des  Umfanges  des  (weiteren)  Schadenersatzanspruches  ist  der 

Privatkläger 5 auf den Weg des Zivilprozesses zu verwiesen.

3.2. Der Privatkläger 5 erlitt durch den Übergriff – soweit erstellt – mehrere blaue 

Blutergüsse an beiden Unterarmen (links an der Streckseite und auf der Innenseite 

unmittelbar  beim  Handgelenk  sowie  rechts  über  dem  Ellbogen;  vgl.  Urk. D6/3/3) 

und Schürfwunden am rechten Ellbogen und der rechten Schulter (vgl. Urk. D6/1/2; 

insoweit aber in der Anklageschrift nicht vorgeworfen). Die (physischen) Verletzun-

gen fielen somit nicht gravierend aus. Gemäss ärztlichem Befund hatten diese Ver-

letzungen – ausser Schmerzen und leichten vorübergehenden Einschränkungen – 

keine Folgen und sind ohne bleibenden Schäden ausgeheilt. Ein Arbeitsunfähig-

keitszeugnis  musste  nicht  ausgestellt  werden,  da  der  Privatkläger 5  keiner  Er-

werbstätigkeit nachging (Urk. D6/3/3). Der Beschuldigte begab sich am 8. Septem-

ber  2023  –  knapp  sieben  Monate  nach  dem  Übergriff  –  im  "arud",  Zentrum  für 

Suchtmedizin, in Behandlung (neben der Therapie hinsichtlich der Alkoholproble-

matik habe sich der Privatkläger 5 eine Behandlung der Symptome, die mit belas-

tenden Ereignissen in der Vergangenheit im Zusammenhang stehen, gewünscht). 

In Bezug auf die Folgen des Raubüberfalls habe der Privatkläger 5 einerseits eine 

Zunahme der bereits vorbestehenden posttraumatischen Symptomatik (Probleme 

bei der emotionalen Selbstregulation, sozialer Rückzug, dissoziative Symptomatik) 

und  andererseits  das  Auftreten  von  neuen  Symptomen  (Albträume,  nächtliches 

Einnässen, Vertrauensverlust, Ängste, Flashbacks vom Überfall, Abnahme/Sistie-

rung von vorbestehenden Interessen) geschildert. Aufgrund des klinischen Bildes, 

der  geschilderten  Symptomatik  sowie  der  testdiagnostisch  erhobenen  Befunde 

seien die Kriterien einer Posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) er-

füllt, zudem bestehe der hohe Verdacht einer komplexen posttraumatischen Belas-

tungsstörung,  welche  im  Verlauf  bestätigt  resp.  ausgeschlossen  werden  müsse. 

Aufgrund  der  kongruenten  Schilderung  über  mehrere  Sitzungen  hinweg  (3)  sei 

davon auszugehen, dass der Raubüberfall sich massiv auf das (bereits deutlich) 

beeinträchtigte Befinden des Privatklägers 5 ausgewirkt habe (Zunahme der Sym-

ptome der Traumafolgestörungen sowie Auftreten einer zusätzlichen Symptomatik; 

-   78   -

vgl. zum Ganzen Urk. 43/3; vgl. auch Urk. 88/7). Gewisse dieser Folgen (sozialer 

Rückzug,  Albträume,  nächtliches  Einnässen,  Vertrauensverlust,  Ängste,  Flash-

backs  vom  Überfall)  konnten  auch  von  der  Zeugin  G._____  (direkt  nach  dem 

Vorfall) beobachtet werden (vgl. Urk. 86 S. 11 ff.). Aufgrund des Berichts der Ober-

psychologin 

lic. phil. V._____  des  "arud"  vom  22. September  2023  (unter 

Berücksichtigung der Ausführungen der Zeugin G._____ anlässlich der Berufungs-

verhandlung [Urk. 86]; vgl. zum Ganzen auch Urk. 90 S. 6 ff. i.V.m. Prot. II S. 11 ff. 

sowie  Urk. 88/7) 

ist  somit  von  einer  massgeblichen  Traumatisierung  des 

Privatklägers 5 durch den Raubüberfall auszugehen. Es erscheint nachvollziehbar, 

dass der Privatkläger 5 psychisch unter diesem Vorfall litt. Damit – und mit Blick auf 

vergleichbare Fälle – erscheint eine Genugtuung von Fr. 2'000.– als angemessen.

Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, dem Privatkläger 5 eine Genugtuung von 

Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 20. Februar 2023 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist 

das Genugtuungsbegehren abzuweisen.

VI.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens

Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  ist  das  erstinstanzliche  Kostendispositiv 

(Dispositivziffer 21-23)  anzupassen,  da  der  Beschuldigte  –  in  Abweichung  zum 

vorinstanzlichen  Urteil  –  überdies  auch  des  Raubes  und  der  (geringfügigen) 

Sachbeschädigung hinsichtlich des Dossiers 6 schuldig zu sprechen ist. Vorliegend 

erscheint nachfolgende Kostenregelung für die Untersuchung und das erstinstanz-

liche  Verfahren  angemessen,  da  in  allen  Dossiers  –  ausser  in  Dossier 3  und  7 

(Verfahrenseinstellung) – ein Schuldspruch gegen den Beschuldigten erfolgte:

Die  Kosten  der  Untersuchung  und  des  erstinstanzlichen  Gerichtsverfahrens,  mit 

Ausnahme  der  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  und  der  unentgeltlichen  Ver-

tretung des Privatklägers 5, sind zu 7/8 dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu 

1/8 auf die Gerichtskasse zu nehmen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Pri-

vatklägers 5 für die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren sind 

-   79   -

zu  7/8  einstweilen  und  zu  1/8  definitiv  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Die 

Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt im Umfang von 7/8 gemäss Art. 135 

aAbs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten.

2.

Kosten des Berufungsverfahrens / Entschädigung der amtlichen Verteidigung

2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzuset-

zen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). Die Kosten des Rechtsmittelverfah-

rens  tragen  die  Parteien  nach  Massgabe  ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens 

(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft dringt mit ihren Berufungsanträgen 

grossmehrheitlich durch. Lediglich in Bezug auf den Schuldspruch wegen Angriffs 

und  Beschimpfung  (Dossier 6),  den  Widerruf  des  bedingten  Vollzugs  einer  Vor-

strafe und die vollständige Kostenauflage an den Beschuldigten dringt sie nicht voll-

ständig durch. Auch der Privatkläger 5 obsiegt in grossen Teilen, lediglich in Bezug 

auf die Höhe der Genugtuung dringt er mit seinen Anträgen nicht gänzlich durch. 

Der Beschuldigte dringt mit seinen in der Anschlussberufung gestellten Anträgen 

nicht  durch.  Es  rechtfertigt  sich  somit,  die  zweitinstanzlichen  Kosten  zu  3/4  dem 

Beschuldigten  aufzuerlegen.  Im  Übrigen  (1/4)  sind  die  Kosten  auf  die  Gerichts-

kasse zu nehmen.

2.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten machte für das Berufungsver-

fahren einen Aufwand von Fr. 14'502.05 geltend (Urk. 84). Der Schwierigkeitsgrad 

des Falles ist als eher tief einzustufen: Der Aktenumfang des Verfahrens ist eher 

gering. Es stellten sich auch keine komplexen formellen oder prozessualen Fragen. 

Dies gilt auch für die Beweiswürdigung und Rechtsfragen. Der notwendige Zeitauf-

wand für deren Analyse ist deshalb im unteren Drittel des Spektrums anzuordnen. 

In  rechtlicher  Hinsicht  bot  der  Fall  keine  besonderen  Anforderungen.  Es  ist  aber 

insbesondere mit Blick auf die Landesverweisung zu konstatieren, dass der Fall für 

den Beschuldigten bedeutsam ist, was mit entsprechender Verantwortung für die 

Verteidigung einhergeht. Zusammenfassend gilt jedoch festzuhalten, dass im ge-

samten Spektrum möglicher amtlicher Mandate zur Führung eines Strafprozesses 

die Verantwortung sowie der notwendige Zeitaufwand der amtlichen Verteidigung 

und die Schwierigkeit des Falls lediglich knapp über dem unteren Wert liegen. Dem-

entsprechend ist auch die Entschädigung festzusetzen. Der amtliche Verteidiger ist 

-   80   -

nach dem Dargelegten für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren – unter Be-

rücksichtigung  der  geltend  gemachten  Aufwandspositionen  (Urk. 84;  vgl.  auch 

Urk. 91  und  Prot. II  S. 6  ff.)  und  der  tatsächlichen  Dauer  der  Berufungsverhand-

lung – pauschal mit Fr. 11'000.– (inkl. 7,7 % bzw. 8,1 % MwSt. und Barauslagen) 

zu entschädigen.

2.3. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers 5 machte für das Beru-

fungsverfahren  einen  Aufwand  von  Fr. 6'197.45  geltend  (Urk. 85/1-2;  zzgl.  Ent-

schädigung für die Hauptverhandlung, Weg- und Wartezeiten, Studium des Urteils 

sowie der Nachbesprechung [Urk. 90 S. 13]; vgl. auch Prot. II S. 6 ff.). Unter Be-

rücksichtigung  der  geltend  gemachten  Aufwandpositionen  und  der  tatsächlichen 

Dauer  der  Berufungsverhandlung  (Prot. II  S. 6  und  18;  inkl.  Wegpauschale  und 

Nachbesprechung)  ist  der  unentgeltliche  Rechtsvertreter  des  Privatklägers 5  für 

seine Bemühungen und Auslagen im Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 7'000.– 

(inkl. 7,7 % bzw. 8,1 % MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen.

2.4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 5, sind zu 

3/4 dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu 1/4 auf die Gerichtskasse zu nehmen.

Die  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  und  der  unentgeltlichen  Vertretung  des 

Privatklägers 5 im Berufungsverfahren sind zu 3/4 einstweilen und zu 1/4 definitiv 

auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Die  Rückzahlungspflicht  des  Beschuldigten 

bleibt im Umfang von 3/4 gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO 

vorbehalten.

-   81   -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 27. Sep-

tember 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1.

Das  Verfahren  betreffend  Sachbeschädigung  und  geringfügigen  Diebstahl  zum 

Nachteil der Privatklägerin C._____ AG (Dossier 3) wird eingestellt.

2.

Der Beschuldigte B._____ ist schuldig



[…],

 des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,



[…],

 der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB,

 der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB,

 des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.

3.

Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen









[…],

[…],

[…],

[…],

 des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit Dossier 

1,

 der  Verletzung  des  Schriftgeheimnisses  im  Sinne  von  Art. 179  Abs. 1  StGB  im 

Zusammenhang mit Dossier 1.

4.-10.

[…]

11.

Auf  das  Schadenersatzbegehren  der  Privatklägerin  C._____  AG  wird  nicht  einge-

treten.

12.

Die Privatklägerin D._____ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

-   82   -

13.

[…]

14.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin E._____ wird abgewiesen.

15.

[…]

16.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 15. Juni 2023 

beschlagnahmten Gegenstände werden dem Privatkläger A._____ nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbe-

nutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist der Lagerbehörde zur gutscheinenden 

Verwendung (z.B. Vernichtung) überlassen:

-

-

Shirt (Asservat-Nr. A017'101'369),

Herrenhose (Asservat-Nr. A017'101'370).

17.

Das vom Beschuldigten erstellte DNA-Profil wird nicht vernichtet.

18.

Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-

ger des Beschuldigten mit pauschal Fr. 26'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

vorab aus der Gerichtskasse entschädigt.

19.

Der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers A._____, Rechtsanwalt lic. iur. 

X._____, wird mit pauschal Fr. 7'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Ge-

richtskasse entschädigt.

20.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr. 

Fr.

Fr.

Fr.

5'100.–

; die weiteren Kosten betragen:

2'500.–

  Gebühr für das Vorverfahren

231.60   Auslagen (Ärztliche Befunde)

1'200.–

  Entscheidgebühr Obergericht III. StrK.; G. Nr. UB230035-O

511.10   Entschäd. amtl. Verteid. RA lic. iur. Y2._____

7'500.–

  Entschäd. URB des Privatklägers A._____

26'500.–

  Entschäd. amtl. Verteid. RA Dr. iur. Y1._____

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

21.-23. […]

24.

[Mitteilungen]

25.

[Rechtsmittel]"

  
-   83   -

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil und an die Privatklägerin-

nen 1-3 mit separatem Auszug.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte B._____ ist ferner schuldig









des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 6),

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 aZiff. 1 Abs. 1 

StGB (Dossier 2),

der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Dossier 4) sowie

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 6).

2.

Der Beschuldigte wird zudem freigesprochen von den Vorwürfen





des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB (Dossier 6) sowie

der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB (Dossier 6).

3.

Der bedingte Vollzug bezüglich des mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft 

Limmattal/Albis vom 18. Mai 2021 ausgefällten Freiheitsentzugs von 

70 Tagen wird nicht widerrufen.

4.

Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I 

des Kantons Zürich vom 12. April 2022 ausgefällten Geldstrafe von 

80 Tagessätzen zu je Fr. 30.– wird widerrufen.

5.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten, wo-

von 44 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, und unter Einbezug 

der widerrufenen Strafe gemäss Ziff. 4 mit einer Geldstrafe von 100 Tages-

sätzen zu je Fr. 30.– als Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 200.–.

6.

Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen.

-   84   -

7.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.

8.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für die Dauer von 5 Jah-

ren des Landes verwiesen.

9.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 4 (F._____) Fr. 1'500.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 15. April 2022 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

10. a)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 5 (A._____) Scha-

denersatz von Fr. 2'800.– zuzüglich 5 % Zins ab 20. Februar 2023 zu bezah-

len. Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Pri-

vatkläger 5 aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schaden-

ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des (weiteren) 

Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 5 auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 5 eine Genug-

tuung von Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 20. Februar 2023 zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

11. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, 

mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlich-

en Vertretung des Privatklägers 5 (A._____), werden zu 7/8 dem Beschul-

digten auferlegt und zu 1/8 auf die Gerichtskasse genommen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung 

des Privatklägers 5 für die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichts-

verfahren werden zu 7/8 einstweilen und zu 1/8 definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt im 

Umfang von 7/8 gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO 

vorbehalten.

-   85   -

12. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

200.–   Zeugenentschädigung (G._____)

11'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. 7,7 % resp. 8,1 % MwSt.)

7'000.–   unentgeltliche Vertretung des Privatklägers 5 (inkl. 

7,7 % resp. 8,1 % MwSt.).

13. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 5 

(A._____), werden zu 3/4 dem Beschuldigten auferlegt und zu 1/4 auf die 

Gerichtskasse genommen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung 

des Privatklägers 5 im Berufungsverfahren werden zu 3/4 einstweilen und zu 

1/4 definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten bleibt im Umfang von 3/4 gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO und 

Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten.

14. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an











die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (versandt)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (versandt)

die Vertretung des Privatklägers 5 (A._____) im Doppel für sich und 
zuhanden des Privatklägers 5 (versandt)

den Privatkläger 4 (F._____; versandt)

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 
dem Privatkläger 4 nur zugestellt, sofern er dies innert 10 Tagen nach 
Erhalt des Dispositivs verlangt.)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl

die Vertretung des Privatklägers 5 (A._____) im Doppel für sich und 
zuhanden des Privatklägers 5

-   86   -

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an















die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Migrationsamt des Kantons Zürich (mit Vermerk der Rechtskraft)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und Formular B

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis, in die Akten … (hinsichtlich 
Dispositivziffer 3)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, in die Akten … (hinsicht-
lich Dispositivziffer 4).

15. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 5. Februar 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. S. Volken

MLaw J. Stegmann