# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3823beb9-b983-5dc6-bfde-8077ef8478c1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2010 D-8200/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8200-2010_2010-11-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8200/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Fulvio Haefeli, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiber Gert Winter.

A._______, geboren (...),
alias A._______, geboren (...),
Russland,
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 
18. November 2010 / N .

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8200/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 18. November 2010 – eröffnet am 
folgenden  Tag –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf  das Asylgesuch 
der  Beschwerdeführerin  vom  24.  September  2010  nicht  eintrat,  die 
Wegweisung  nach  Deutschland  verfügte,  die  Beschwerdeführerin 
– unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  auf-
forderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Be-
schwerdefrist  zu verlassen,  den Kanton M._______ verpflichtete, die 
Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Be-
schwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende 
Wirkung,  und  der  Beschwerdeführerin  die  editionspflichtigen  Akten 
gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 
24.  November  2010  (Poststempel  vom  25.  November  2010)  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob,  wobei  sie  sinngemäss 
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung an 
die Vorinstanz zu neuem Entscheid sowie das Eintreten auf das Asyl-
gesuch beantragte, darüber hinaus die Feststellung der Unzulässigkeit 
und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Deutschland,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
26. November 2010 vorsorglich aussetzte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  -  33  des  Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

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beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  ent-
schieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  eigenen  Angaben  mit  einem 
Schengenvisum nach Deutschland reiste, wo sie am 27. Januar 2010 
in der Empfangsstelle N._______ ein Asylgesuch gestellt hat,

dass das BFM bei dieser Sachlage aufgrund der gestützt auf Art.  16 
Abs.  1  Bst.  c  Dublin-II-VO  erfolgten  Anfrage  an  Deutschland  vom 
12. Oktober  2010  und  der  am  25.  Oktober  2010  von  Deutschland 
erfolgten  Zustimmung zu  Recht  von der  Zuständigkeit  Deutschlands 
für die Durchführung des Asylverfahrens ausging,

dass in  der  Beschwerde ausgeführt  wird,  die Akte der  Beschwerde-
führerin  sei  am  15.  November  2010  in  Deutschland  endgültig  ge-
schlossen worden, zumal sie ihren Asylantrag in  Deutschland zurück-
gezogen habe und das Verfahren nicht wieder aufgenommen werden 
könne,

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dass sie im Falle einer Rückführung nach Deutschland nach Russland 
ausgeschafft werde, wo sie um ihr Leben fürchten müsse,

dass die Beschwerdeführerin zusätzlich geltend macht, sie werde um-
fangreichere Informationen und Beweise zur Sache zu einem späteren 
Zeitpunkt  vorlegen,  da  sie  zusätzliche  Zeit  benötige,  um  die  Unter-
lagen ins Deutsche übersetzen zu lassen,

dass die Beschwerdeführerin zur Untermauerung ihrer Vorbringen im 
Wesentlichen die nachfolgend aufgeführten Beweismittel zu den Akten 
reichte: eine Kopie ihrer Rückzugserklärung vom 12. November 2010, 
eine Kopie des Einstellungsbeschlusses vom 15. November 2010 des 
Bayerischen Verwaltungsgerichts O._______ sowie weitere Kopien des 
entsprechenden Briefwechsels,

dass  diese  Einwände  an  der  Zuständigkeit  Deutschlands  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens nicht  ändern und auch keinen An-
lass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 
Dublin-II-VO,  Art.  29a  Abs.  3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 
1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) begründen,

dass das BFM bezüglich der bereits im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs  vorgebrachten  Einwände  der  Beschwerdeführerin,  sie  wolle  an 
ihrem  Asylgesuch  in  der  Schweiz  festhalten,  weil  sie  von  den 
deutschen Behörden, die ihr die notwendige medizinische Versorgung 
vorenthielten,  verfolgt  werde,  zu Recht  ausführte,  diese stellten  kein 
Hindernis zur Rückkehr nach Deutschland dar, zumal sie bei etwaigen 
Problemen  die  Möglichkeit  habe,  sich  dort  an  die  zuständigen 
Instanzen zu wenden,

dass  Deutschland  nämlich  seinen  rechtsstaatlichen  Verpflichtungen 
nachkomme und ausserdem davon auszugehen sei, Deutschland be-
handle als Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und der Konvention 
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) das Asylgesuch der Beschwerdeführerin 
gesetzeskonform, weshalb diese auch nicht damit rechnen müsse, von 
dort aus in einen möglichen Verfolgerstaat zurückgeschickt zu werden, 
wenn sie eine entsprechende Gefährdung geltend mache,

dass die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten betreffend die von 
der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  gesundheitlichen 

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Probleme in Deutschland vorhanden seien und die medizinische Ver-
sorgungslage  gemäss  Erkenntnissen  des  BFM  anderen  Ländern 
gleichwertig sei,

dass  im  Sinne  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  (vgl.  BVGE 
2008/24 E. 7.2 S. 356,  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Handbücher für die 
Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel  2008,  Rz.  3.144  S.  165)  davon  aus-
gegangen werden  kann,  die  in  Aussicht  gestellten  "umfangreicheren 
Informationen und Beweise zur Sache" würden keine Erkenntnisse zu 
Tage  fördern,  welche  diesbezüglich  zu  einer  anderen  Beurteilung 
führen könnten, 

dass deshalb der sinngemässe Antrag auf  Ansetzung einer Frist  zur 
Einreichung weiterer – ohnehin nicht näher bezeichneter – Dokumente 
abzuweisen ist,

dass auch sonst keine Gründe zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts 
der  Schweiz  (Art. 3  Abs. 2  Dublin-II-VO)  ersichtlich  sind,  zumal 
Deutschland  Signatarstaat  des  FK,  der  EMRK  und  des  Überein-
kommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) ist, und sich aus den Akten keine konkreten Hinweise 
ergeben, wonach Deutschland seine sich daraus ergebenden völker-
rechtlichen Verpflichtungen generell oder in Bezug auf die Person der 
Beschwerdeführerin nicht einhält,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung 
im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach 
vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-

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massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Deutschland zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich be-
zeichnet hat,

dass es der Beschwerdeführerin demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.- 
(Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art.  63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.- werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N  (in Kopie)
- (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

Versand: 

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