# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2f877ea-39b5-5950-9fec-7506cb0b920b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.01.2012 C-2558/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2558-2009_2012-01-10.pdf

## Full Text

C­2558/2009

Seite 1

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung III
C­2558/2009

U r t e i l   v om   1 0 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz),
Richter Andreas Trommer, Richterin Elena Avenati­Carpani,
Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn.

Parteien Z._______,
vertreten durch Katja Ammann, Rechtsanwältin, 
Trittligasse 30, Postfach 208, 8024 Zürich,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Einreiseverbot.

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Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, geboren 1965, stammt aus dem Kosovo. Er reiste 
im März 1987 als Saisonnier  in die Schweiz ein.  Im August 1990  folgte 
ihm seine Ehefrau nach. Das Ehepaar hat drei  in der Schweiz geborene 
Kinder  (1990,  1995,  1997).  Der  Beschwerdeführer  erlitt  zwei  Unfälle, 
nach denen er jeweils von der Sozialhilfe unterstützt werden musste. 

B.
Mit  Strafverfügung  vom  28.  Februar  1994  verurteilte  das  Bezirksamt 
M._______  den  Beschwerdeführer  wegen  Missachtung  von 
fremdenpolizeilichen  Vorschriften  (Stellenwechsel  ohne  Bewilligung)  zu 
einer Busse von Fr. 150.­­. 

C.
Am  12.  September  1994  wurde  er  vom  Bezirksamt  A._______  wegen 
Führens  eines  Personenwagens  in  übermüdetem  Zustand  für  schuldig 
erklärt und mit einer Busse von Fr. 600.­­ bestraft.

D.
Die  Bezirksgerichtskommission  K._______  verurteilte  den 
Beschwerdeführer  am  28.  Juni  1999  wegen  Hehlerei  zu  einer 
Gefängnisstrafe  von  zwei Monaten,  bedingt  erlassen auf  eine Probezeit 
von  zwei  Jahren.  In  der  Folge  wurde  er  am  4.  November  1999 
fremdenpolizeilich verwarnt.

E.
Mit  Strafbefehl  vom  30.  April  2003  verurteilte  ihn  das  Amtsgericht 
Konstanz  wegen  gewerbsmässigen  Einschleusens  von  Ausländern  und 
Menschenhandels  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zehn  Monaten,  bedingt 
erlassen auf eine Probezeit von drei Jahren.

F.
Das  damalige  Ausländeramt  des  Kantons  X._______  wies  den 
Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  15. Februar  2006  aus  dem 
Kantonsgebiet  weg  und  setzte  ihm  eine  Frist  zur  Ausreise  an.  Das 
Departement  für  Justiz  und  Sicherheit  des  Kantons  Thurgau  wies  den 
Rekurs  mit  Entscheid  vom  29.  November  2007  ab.  Eine  dagegen 
erhobene  Beschwerde  wies  das  Verwaltungsgericht  des  Kantons 
Thurgau mit Entscheid vom 2. April 2008 ab. Mit Urteil vom 25. November 

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2008  trat  das  Bundesgericht  auf  die  dagegen  gerichtete  Beschwerde 
mangels Bewilligungsanspruch nicht ein. 

G.
Am 7. Januar 2009 verfügte das BFM die Ausdehnung der Wegweisung 
auf die ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein und setzte die 
Ausreisefrist  auf  den  15. Januar  2009  fest.  Das  Migrationsamt  des 
Kantons Thurgau verlängerte die Ausreisefrist bis zum 31. Januar 2009. 

H.
Mit  Verfügung  vom  20. März  2009  verhängte  die  Vorinstanz  gegenüber 
dem  Beschwerdeführer  ein  Einreiseverbot  auf  unbestimmte  Zeit  (mit 
Wirkung ab 24. März 2009) und entzog einer allfälligen Beschwerde die 
aufschiebende Wirkung.  Zur  Begründung  führte  sie  unter  Bezugnahme 
auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 
(AuG,  SR  142.20;  zur  damaligen  Fassung  vgl.  AS  2007  5457)  aus, 
wegen  Schleppertätigkeit,  Verursachung  von  erheblichen  Sozialkosten, 
sexueller Belästigung und Menschenhandels habe der Beschwerdeführer 
gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  vertossen  und  gefährde 
diese. 

I.
Am  23. März  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  von  den  zuständigen 
Behörden des Kantons X._______ in Ausschaffungshaft versetzt und am 
folgenden Tag in sein Heimatland ausgeschafft.

J.
Mit  Beschwerde  vom  20. April  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
beantragt  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  des  Einreiseverbots, 
eventualiter  eine  Reduktion  des  Einreiseverbots  auf  ein  Jahr.  In 
prozessualer  Hinsicht  ersuchte  er  um  Wiederherstellung  der 
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, angemessene Entschädigung 
und  Verzicht  eines  Kostenvorschusses,  eventualiter  Bewilligung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung.  Zur  Begründung  macht  der 
Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  es  sei  ihm  aufgrund 
fehlender  kosovarischer  Vertretung  in  der  Schweiz  nicht  möglich 
gewesen, ein Reisepapier zu beschaffen. Das Migrationsamt T._______ 
habe  ihn  weder  über  das  beschaffte  Ersatzreisepapier  informiert  noch 
eine Frist zur Ausreise angesetzt, sondern direkt von der Kantonspolizei 
verhaften  lassen  und  ausgeschafft.  Das Einreiseverbot  sei  ihm  am Tag 
der  Verhaftung  ausgehändigt  worden  und  er  sei  aufgefordert  worden, 

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dieses  zu  unterschreiben.  Mit  diesem  Vorgehen  sei  der  Anspruch  auf 
rechtliches  Gehör  verletzt  worden.  1988  habe  er  einen  Arbeitsunfall 
gehabt und sei zu 33,33 Prozent erwerbsunfähig gewesen. Von 1992 bis 
1998  habe  seine  fünfköpfige  Familie  wegen  einer  weiteren 
unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit seinerseits Sozialhilfe in der Höhe von 
lediglich rund Fr. 19'000.­­ bezogen. Im April 2003 sei er vom Amtsgericht 
Konstanz  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zehn  Monaten  auf  Bewährung 
verurteilt  worden.  Ein  unbefristetes  Einreiseverbot  könne  nur  in 
schwerwiegenden  Fällen  verfügt  werden.  Ein  Bezug  von  Sozialhilfe  vor 
elf  Jahren  sowie  das  Begehen  eines  Vergehens  würden  weder  für  die 
Ansetzung  eines  befristeten  noch  eines  unbefristeten  Einreiseverbots 
genügen.  Das  Einreiseverbot  sei  zudem  angesichts  der  ihm 
vorgeworfenen Taten, der Aufenthaltsdauer von 22 Jahren in der Schweiz 
und  seines  grundsätzlichen  Verhaltens  in  der  Schweiz  nicht 
verhältnismässig.  Überdies  sei  er  bereits  mit  dem  Umstand  der 
Beantragung  eines  Visums  für  die  Schweiz,  um  seine  Familie  zu 
besuchen, schon genügend bestraft.

K.
Mit  Zwischenverfügung  vom  1.  Mai  2009  wurde  das  Gesuch  um 
Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde 
abgewiesen.

L.
Die Vorinstanz  schliesst  in  ihrer Vernehmlassung  vom 13. August  2009 
auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Bezüglich  der  geltend  gemachten 
Verletzung  des  rechtlichen Gehörs  führt  sie  aus,  der  Beschwerdeführer 
habe anlässlich der Ausdehnung der kantonalen Wegweisung ausführlich 
Stellung nehmen können.

M.
Mit Replik vom 21. September 2009 hält der Beschwerdeführer an seinen 
Rechtsbegehren  und  deren  Begründung  fest.  In  Bezugnahme  auf  die 
Vernehmlassung  führt  er  aus,  die  Vorinstanz  habe  ihm  in  ihrem 
Schreiben vom 15. Dezember 2008 eine nicht erstreckbare Frist bis zum 
5.  Januar  2009  gewährt,  um  im  Sinne  des  rechtlichen  Gehörs  zur 
beabsichtigten  Ausdehnung  der  kantonalen  Wegweisung  Stellung  zu 
nehmen.  Dass  mit  der  Wegweisung  auch  noch  ein  auf  unbestimmte 
Dauer geltendes Einreiseverbot verhängt werden sollte, sei  jedoch nicht 
erwähnt worden.

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N.
Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG, 
SR 172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu 
gehört auch das BFM, welches mit der Anordnung eines Einreiseverbotes 
eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges 
Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt 
nicht vor.

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 
sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

1.3 Der Beschwerdeführer  ist als Verfügungsadressat  legitimiert  (Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 
somit einzutreten (vgl. Art. 49 ff. VwVG). 

2.
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung 
von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des 
Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale 
Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 
Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist 
gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht 
gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 

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gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 
2011/1 E. 2 mit Hinweis).

3.
3.1 Vor einer allfälligen materiellen Beurteilung ist in formeller Hinsicht zu 
prüfen,  ob  die  Vorinstanz  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  verletzt 
hat,  indem sie dem Beschwerdeführer keine Möglichkeit eingeräumt hat, 
sich zum Einreiseverbot zu äussern. 

3.2  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör,  wie  ihn  Lehre  und 
Rechtsprechung  aus  Artikel  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101) 
ableiten und wie er sich für das Bundesverwaltungsverfahren aus den Art. 
29  ff.  VwVG  ergibt,  umfasst  eine  Anzahl  verschiedener 
verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien  (vgl.  aus  der  Literatur  etwa 
MICHELE  ALBERTINI,  Der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches 
Gehör  im  Verwaltungsverfahren  des  modernen  Staates,  Bern  2000,  S. 
202  ff.;  ANDREAS  AUER/GIORGIO  MALINVERNI/MICHEL  HOTTELIER,  Droit 
constitutionnel  suisse  Vol.  II.,  Les  droits  fondamentaux,  2.  Aufl.,  Bern 
2006, S.  606  ff.; BENOIT BOVAY, Procédure administrative, Bern 2000, S. 
207  ff.;  ULRICH  HÄFELIN  /GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht,  6.  vollständig  überarbeitete  Aufl.,  Zürich/St. Gallen 
2010, Rz. 1672 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und 
Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2.  Aufl.,  Zürich  1998,  Rz.  129  ff. 
und  292  ff.;  JÖRG  PAUL  MÜLLER/MARKUS  SCHEFER,  Grundrechte  in  der 
Schweiz, Bern 2008, S. 846 ff.). Zunächst – und für die Prozessparteien 
regelmässig  im  Vordergrund  stehend  –  gehört  dazu  das  Recht  auf 
vorgängige Äusserung und Anhörung (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG), welches 
den  Betroffenen  einen  Einfluss  auf  die  Ermittlung  des  wesentlichen 
Sachverhaltes sichert. Dabei kommt der von einem Verfahren betroffenen 
Person  der  Anspruch  zu,  sich  vorgängig  einer  behördlichen  Anordnung 
zu  allen  wesentlichen  Punkten,  welche  die  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  betreffen,  zu  äussern  und  von  der 
betreffenden  Behörde  alle  dazu  notwendigen  Informationen  zu  erhalten 
(vgl. BVGE 2010/35    E. 4.1.2 mit Hinweisen).

3.3 Einen  weiteren  wichtigen  Teilgehalt  des  Anhörungsrechts  bildet  die 
Pflicht  der  Behörden,  die  Äusserungen  der  Betroffenen  tatsächlich  zur 
Kenntnis  zu  nehmen  und  sich  damit  in  der  Entscheidfindung  und              
­begründung  sachgerecht  auseinanderzusetzen.  Diese  Prüfungs­  oder 

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Berücksichtigungspflicht  liegt  bereits  Art.  30  VwVG  zu  Grunde,  kommt 
aber  besonders  deutlich  in  Art.  32  Abs.  1  VwVG  zum  Ausdruck,  der 
bestimmt,  dass  die  Behörde  alle  erheblichen  und  rechtzeitigen 
Vorbringen  der  Parteien  würdigt,  bevor  sie  verfügt  (BERNHARD 
WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.], 
Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 29 N 80  ff. u. Art. 32 N 7  ff.; 
KÖLZ/HÄNER, a.a.O., S. 119). Daraus  folgt schliesslich die grundsätzliche 
Pflicht der Behörden, ihren Entscheid entsprechend zu begründen (siehe 
BVGE 2007/21 E. 10.2 mit Hinweisen).

3.4 Auf  den Gehörsanspruch  als  solchen  kann  nicht  verzichtet  werden. 
Ob das rechtliche Gehör gewährt wurde, ist im Beschwerdeverfahren von 
Amtes wegen zu überprüfen (vgl. KÖLZ/HÄNER. a.a.O., S. 46).

4.
4.1 Die Vorinstanz bringt vor, der Beschwerdeführer habe anlässlich der 
Ausdehnung  der  kantonalen  Wegweisung  ausführlich  Stellung  nehmen 
können.  Den  Akten  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Vorinstanz  dem 
Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  15.  Dezember  2008  jedoch 
lediglich  das  rechtliche  Gehör  zur  beabsichtigten  Ausdehnung  der 
kantonalen Wegweisung  auf  das  ganze  Gebiet  der  Schweiz  sowie  das 
Fürstentum Liechtenstein gewährt hat. Zu einem Einreiseverbot hat sich 
die  Vorinstanz  weder  in  diesem  Schreiben  noch  anderswo  geäussert. 
Dementsprechend  konnte  der  Beschwerdeführer  mit  seinem  Schreiben 
vom 5. Januar 2009 ausschliesslich  zur beabsichtigten Ausdehnung der 
kantonalen  Wegweisung  Stellung  nehmen.  In  den  Akten  des 
Migrationsamtes  des  Kantons  Thurgau  befindet  sich  ein  Schreiben, 
datiert  vom  20.  März  2009,  mit  dem  Titel  "Rechtliches  Gehör 
Einreiseverbot",  welches  jedoch  leer  geblieben  ist.  Das  am  selben  Tag 
erlassene Einreiseverbot wurde dem Beschwerdeführer drei Tage später, 
am  Tag  seiner  Festnahme,  von  der  Kantonspolizei  Thurgau  eröffnet. 
Demzufolge  hatte  der  Beschwerdeführer  keine  Gelegenheit,  zur 
verhängten  Fernhaltemassnahme  Stellung  zu  nehmen.  Besagtes 
Vorgehen  der  Vorinstanz  befremdet  sehr,  war  ihr  doch  seitens  der 
kantonalen Behörden weder zugesichert worden, dem Beschwerdeführer 
werde das rechtliche Gehör gewährt noch war sie im Besitz eines solchen 
Schreibens. Sie wäre deshalb gehalten gewesen, den Beschwerdeführer 
selbst  über  das  laufende Verfahren  zu  orientieren  und  ihm Gelegenheit 
zu  geben,  sich  dazu  zu  äussern  und  diese  Äusserung  zur  Kenntnis  zu 
nehmen oder durch entsprechende Nachforschungen bei den kantonalen 

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Behörden  sicherzustellen,  dass  ihm  das  Anhörungsrecht  rechtzeitig 
gewährt wird bevor anschliessend verfügt wird.

4.2 Darauf, dass die vorgängige Gewährung des Anhörungsrechts nicht 
erforderlich oder aufgrund zeitlicher Dringlichkeit  nicht möglich gewesen 
wäre  (vgl. Art.  30 Abs.  2 Bst.  a – e VwVG),  könnte  sich die Vorinstanz 
unter  den  vorliegenden  Begebenheiten  nicht  berufen.  Der 
Beschwerdeführer  wurde  am  23.  März  2011  in  Ausschaffungshaft 
versetzt  und  am  folgenden  Tag  in  sein Heimatland  ausgeschafft.  Zuvor 
hielt  er  sich  den  Behörden  zur  Verfügung  und  bemühte  sich  aktiv,  ein 
Reisepapier  zu  beschaffen.  Gemäss  einer  Aktennotiz  der  Vorinstanz 
erkundigte sich am 26. Januar 2009 ein Freund des Beschwerdeführers 
darüber, was der Beschwerdeführer machen müsse, um ein Reisepapier 
zu  erhalten.  Am  20. Februar  2009  hat  das  Migrationsamt  des  Kantons 
T._______  bei  der  Vorinstanz  ein  Laissez­Passer  beantragt  und  um 
raschmöglichste  Erledigung  gebeten.  Mit  E­Mail  vom  6. März  2009  hat 
das  Migrationsamt  bei  der  Vorinstanz  nachgefragt,  wann  mit  der 
Ausstellung  eines  Laissez­Passer  gerechnet  werden  könne.  Die 
Vorinstanz wurde am 13. März 2009 und das Migrationsamt am 19. März 
2009  darüber  informiert,  dass  die  kosovarischen  Behörden  mit  der 
Rückreise  des  Beschwerdeführers  einverstanden  seien.  Vom  Zeitpunkt 
der  Zustimmung  der  kosovarischen  Behörden  bis  zur  Ausschaffung 
vergingen  somit  elf  Tage.  Hätte  das  BFM  die  kantonalen  Akten 
herangezogen,  hätte  es  zudem  feststellen  können,  dass  der 
Beschwerdeführer  seit  dem 27.  Februar  2009  von  einer Rechtsanwältin 
vertreten  ist.  Seine  Erreichbarkeit  war  somit  stets  gewährleistet.  Vor 
diesem Hintergrund  ist nicht einzusehen, warum es der Vorinstanz nicht 
hätte  möglich  sein  sollen,  das  Verfahren  auf  Erlass  einer  allfälligen 
Fernhaltemassnahme so zu  terminieren, dass alle Voraussetzungen der 
sachgerechten  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  erfüllt  gewesen 
wären. Demzufolge bestand  keine  zeitliche Dringlichkeit  bzw. war  keine 
Gefahr  im  Verzuge  (vgl.  Art.  30  Abs.  2  Bst.  e  VwVG),  welche  es  dem 
BFM  erlaubt  hätte,  von  einer  erforderlichen  vorgängigen  Anhörung 
abzusehen. Es liegt mithin eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches 
Gehör vor. 

4.3  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ist  formeller  Natur.  Seine 
Verletzung  führt  grundsätzlich  ungeachtet  der  Erfolgsaussichten  der 
Beschwerde  in  der  Sache  selbst  zur  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung. Ob eine Gehörsgewährung im konkreten Fall für den Ausgang 
der  Streitsache  in  materieller  Hinsicht  von  Bedeutung  ist,  d.h.  ob  die 

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Behörde  dadurch  zu  einer  Änderung  veranlasst  werden  könnte,  spielt 
also  keine  Rolle  (vgl.  PATRICK  SUTTER  in:  Christoph  Auer/Markus 
Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über 
das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 16 zu Art. 
29  VwVG;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER, 
Prozessieren  vor  dem Bundesverwaltungsgericht,  Lausanne/Zürich/Bern 
2008, S. 153 Rz. 3.110; BGE 132 V 387 E. 5 S. 390; BGE 127 V 431 E. 
3d.aa; BVGE 2007/30 E. 5.5.1). 

Dieser Grundsatz wird allerdings dadurch relativiert, dass die Verletzung 
des  Gehörsanspruchs  gegebenenfalls  durch  die  Rechtsmittelinstanz 
geheilt  werden  kann.  Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  ist  nach 
ständiger  Praxis  des  Bundesgerichts  ausnahmsweise  einer  Heilung 
zugänglich, wenn die betroffene Partei die Möglichkeit hat, sich vor einer 
Beschwerdeinstanz zu äussern, die zur freien Prüfung aller Sachverhalts­ 
und  Rechtsfragen  befugt  ist,  welche  der  unteren  Instanz  hätten 
unterbreitet  werden  können.  Von  der  Rückweisung  der  Sache  an  die 
Verwaltung  zur  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  kann  in  solchen 
Fällen  nach  dem  Grundsatz  der  Verfahrensökonomie  dann  abgesehen 
werden, wenn die Rückweisung zu einem "formalistischen Leerlauf" und 
damit  zu  einer  unnötigen  Verlängerung  des  Verfahrens  führen  würde 
(BGE 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197 f. mit Hinweisen; BGE 133 I 201 E. 2.2 S. 
204 f.; BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390 und ebenso bereits BGE 116 V 182 
E.  1b  S.  185  f. mit  Hinweisen  sowie  E.  3d  S.  187).  Nach  in  der  Lehre 
vertretener  Auffassung  fällt  eine  Heilung  dabei  nur  in  Fällen  nicht 
besonders schwerwiegender Verletzungen von Parteirechten  in Betracht 
(vgl. WALDMANN/BICKEL, a.a.O., N 115 f. zu Art. 29; SUTTER, a.a.O., Rz. 21 
ff.  zu  Art.  29;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz.  3.112). 
Demgegenüber hat das Bundesgericht in jüngeren Entscheiden die eben 
dargelegten Grundsätze auch  im Zusammenhang mit  schwerwiegenden 
Verletzungen  des  rechtlichen  Gehörs  anwendbar  erklärt  und  damit 
grundsätzlich  die Auffassung  vertreten,  auch  solche Verletzungen  seien 
einer  Heilung  zugänglich  (vgl.  BGE  133  I  201  E.  2.2  S.  204  f.  mit 
Hinweis). Diesen Entscheiden ist seitens der Lehre teilweise heftige Kritik 
erwachsen  (vgl.  insb.  SUTTER,  a.a.O.,  Rz.  21  zu  Art.  29;  vgl.  auch 
WALDMANN/BICKEL,  a.a.O.,  N  116  sowie  N  125  ff.  zu  Art.  29).  Den 
verfahrensökonomischen  Überlegungen  ist  aber  jedenfalls  dann  kein 
entscheidendes  Gewicht  beizumessen,  wenn  ein  Verfahren  keinen 
Einzelfall  belegt,  sondern  für  eine  Vielzahl  anderer  Fälle  mit 
vergleichbaren Konstellationen von Bedeutung  ist. Es gilt zu verhindern, 
dass die Vorinstanz darauf vertraut, von ihr missachtete Verfahrensrechte 

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würden systematisch nachträglich geheilt. Ansonsten verlören die gerade 
für das erstinstanzliche Verfahren vorgesehenen prozessualen Garantien 
ihren  Sinn  (vgl.  SUTTER,  a.a.O.,  Rz.  18  zu  Art.  29  VwVG;  vgl.  ebenso 
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz.  3.113  mit  weiteren  Hinweisen; 
WALDMANN/BICKEL,  a.a.O., N 126 zu Art.  29; BGE 126  II  111 E.  6b/aa S. 
123  f.  mit  weiteren  Hinweisen  sowie  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  C­913/2009  vom  24.  Juni  2011  E.  5.3,         
C­1181/2009 vom 8. September 2010 E. 4.3, C­1098/2009 vom 10. Mai 
2010, C­6862/2010 vom 26. April 2010, C­31/2007 vom 14. Oktober 2009 
E. 5.3.1, C­8304/2007 vom 2. September 2009 E. 4.2, C­8027/2008 vom 
2.  September  2009 E.  5.3,  C­1618/2007  vom  27.  Februar  2009 E.  3.3,    
C­3985/2007 vom 2. Februar 2009 E. 4.3 und C­7180/2007 vom 8. April 
2008 E. 2.1). 

4.4  Das  Bundesverwaltungsgericht  verfügt  im  vorliegenden  Verfahren 
über die gleiche Kognition wie die Vorinstanz und  ist  zur  freien Prüfung 
aller Sachverhalts­ und Rechtsfragen befugt. Eine Voraussetzung für die 
(ausnahmsweise) Heilung der Verletzung des Anspruchs auf  rechtliches 
Gehör  wäre  somit  gegeben.  Andererseits  ist  hier  von  einer  besonders 
schwerwiegenden  Verletzung  der  Parteirechte  auszugehen.  Mit  ihrem 
Vorgehen hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer einen wesentlichen 
Bestandteil  des  Gehörsrechts  vorenthalten.  Dass  sich  das  BFM  auf 
Vernehmlassungsstufe  fadenscheinig  doch  noch mit  dem  Anspruch  auf 
rechtliches  Gehör  befasste,  vermag  an  der  Schwere  der  Verletzung 
nichts  zu  ändern.  Gegen  die  Zulässigkeit  der  Heilung  des 
Verfahrensmangels  spricht  ferner  der  Umstand,  dass  der  Entscheid 
betreffend  Anordnung  und  Dauer  des  Einreiseverbots  eine  grosse 
Ermessenskomponente beinhaltet (vgl. BGE 104 Ib 129 E. 7 S. 137). Die 
Gehörsverletzung stellt sodann keinen Einzelfall dar (siehe etwa die oben 
unter E. 4.3 in fine erwähnten Urteile des Bundesverwaltungsgerichts). 

5.
Bei dieser Sachlage ist auf die übrigen formellen und materiellen Rügen 
nicht  weiter  einzugehen.  Fest  steht,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  verletzt  (Art.  49  Bst.  a  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  daher 
gutzuheissen,  die  Verfügung  vom  20. März  2009  aufzuheben  und  die 
Sache  im  Sinne  der  Erwägungen  an  das  BFM  zur  Neubeurteilung 
zurückzuweisen. 

6.
Entsprechend  dem  Verfahrensausgang  sind  dem  Beschwerdeführer 

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keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Für die  im Verfahren 
vor dem Bundesverwaltungsgericht erwachsenen notwendigen Kosten ist 
ihm zudem eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.­ zuzusprechen  (Art. 
64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Mit  der  Ausrichtung 
einer  Parteientschädigung  sind  die  Auslagen  des  Beschwerdeführers 
gedeckt, womit sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege hinfällig wird 
(vgl.  MARCEL  MAILLARD  in  Praxiskommentar  VwVG,  a.a.O.,  N  46  zu  Art. 
65).  Unterliegenden  Bundesbehörden  werden  keine  Verfahrenskosten 
auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).

7. 
Das  vorliegende  Urteil  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 
20. März 2009 wird aufgehoben.

2.
Die Sache wird zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.
Die  Vorinstanz  wird  verpflichtet,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 1'500.­­ (inkl. MWST) zu bezahlen.

5.
Dieses Urteil geht an:

– den Beschwerdeführer (Einschreiben) 
– die Vorinstanz (Akten Ref.­Nr. […])
– das Migrationsamt des Kantons X. (Akten Ref.­Nr. […])

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn

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