# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b1532a2-eb44-5756-9251-0c55136a17da
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2010 D-5370/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5370-2010_2010-09-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5370/2010/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Hans Schürch (Vorsitz),
Richter Walter Lang,
Richter  Gérard Scherrer, 
Gerichtsschreiberin Eva Zürcher.

A._________, geboren (...)
Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotà, Kolumbien
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 15. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5370/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer  – ein  kolumbianischer  Staatsangehöriger  aus 
B.__________  – suchte  mit  Eingabe  vom 27. Oktober  2008 bei  der 
Schweizer Botschaft in Bogotá (Eingangsstempel: 7. November 2008) 
unter  Beilage  zahlreicher  Unterlagen  um Asyl  nach. Dieses  Asylge-
such  ergänzte  er  mit  Eingabe  vom  16.  Februar  2009  (Eingangs-
stempel:  18. Februar  2009)  und  unter  Beilage  weiterer  Beweismittel 
mit Eingabe vom 23. November 2009 (Eingangsstempel: 24. November 
2009).

B.
Die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Eingaben  samt  Beilagen 
wurden  von  der  Schweizer  Botschaft  in  Bogotá  mit  Schreiben  vom 
13. Mai  2009 an das BFM weitergeleitet; sie  führte  dabei  aus,  dass 
eine  persönliche  Befragung  des  Beschwerdeführers  aus  Kapazitäts-
gründen nicht möglich sei. 

C.
Aus  den  vom Beschwerdeführer  eingereichten  Eingaben  und  Unter-
lagen ergeben sich im Wesentlichen folgende Sachverhaltsvorbringen: 
Infolge  der  schwierigen  Lage  in  Kolumbien  habe  er  sich  mit  seiner  
Familie im Jahr 2000 nach B.__________ begeben, wo er eine eigene 
Wasserabfüllanlage  eingerichtet  und  damit  den  Lebensunterhalt  für 
sich  und  seine  Familie  bestritten  habe.  In  dieser  Region  habe  die  
Fuerzas  Armadas  Revolucionarias  de  Colombia  (FARC)  die  Macht 
innegehabt und alle hätten sich an deren Gesetze halten müssen, um 
nicht umgebracht zu werden. Am 31. Januar 2003 habe die Armee das 
Dorf überwältigt. Die Guerillakämpfer hätten die Flucht ergriffen. In der 
Folge  habe das  Militär  die  Macht  übernommen und  im Dorf  sei  die 
Polizei  überall  präsent  gewesen.  Es  sei  eine  Ausgangssperre  ver-
ordnet  worden  und  ständig  zu  Kämpfen  gekommen,  weshalb  man 
nicht mehr habe in Ruhe leben können. Der Wirtschaft sei es immer 
schlechter  gegangen  und  das  Überleben  sei  stets  schwieriger  ge-
worden. Militär-  und  Polizeiangehörige  hätten  sich  täglich  an  seiner 
Wasserabfüllanlage  bedient  und  auch  die  zum  Verkauf  bestimmten 
Lebensmittel  genommen.  Die  FARC  habe  die  Leute  im  Dorf  unter 
Druck gesetzt und ihnen für den Fall einer Kollaboration mit dem Tod 
gedroht. Als ihn der Gebietschef der FARC alias „C.__________“ an 
den Dorfrand bestellt habe, sei er auf Rat eines Bekannten nicht hin -

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gegangen und habe von diesem auch erfahren,  dass er  zum militä-
rischen  Ziel  erklärt  worden  sei,   worauf  er  mit  seiner  Familie 
B.__________  schnellstens  verlassen  und  alle  Wertsachen 
zurückgelassen habe. Fortan  habe er  sich  in  D.__________ bei  der 
Familie der Ehefrau aufgehalten. Dort habe er erfahren, dass andere 
Personen aus B.__________, welche von der Guerilla als militärisches 
Ziel erklärt worden seien, umgebracht worden seien. Eines Tages, als 
er  sich  ausserhalb  D.__________s  aufgehalten  habe,  sei  ihm  vom 
Schwager  voller  Panik  mitgeteilt  worden,  dass  in  D.__________ am 
20.  Mai  einige  Männer  um  sich  geschossen  und  nach  seinem 
Aufenthaltsort gefragt hätten. Daraufhin habe er mit seiner Familie bei  
einem alten Freund in E.__________ Unterschlupf gefunden und vom 
Roten  Kreuz  Hilfe  bekommen. Zudem habe  er  erfahren,  dass  er  in 
D.__________  immer  noch  gesucht  werde.  Nachdem  er  in 
E.__________  am  28.  November  2008  einen  Guerillakämpfer  aus 
F.__________ im Bürgermeisteramt  gesehen habe, sei  er  mit  seiner 
Familie  nach  G.__________  geflohen.  Wegen  seiner 
Wasserabfüllanlage sei er den Chefs der FARC bestens bekannt. Sein 
Leben in Kolumbien sei als Folge seiner Kollaboration mit dem Staat 
und der Polizei gegen die Mafia und die Terroristen überall in Gefahr, 
weil die FARC überall in Kolumbien tätig sei.  

D.
Mit  Zwischenverfügung vom 18. Januar 2010 teilte das BFM dem Be-
schwerdeführer durch Vermittlung der Schweizer Botschaft in Bogotá 
mit,  dass  es  aufgrund  der  Akten,  namentlich  der  schriftlichen  Be-
gründung des Asylgesuchs sowie der beigelegten ausführlichen Doku-
mentation,  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  als  erstellt  erachte 
und sich daher eine Anhörung auf der Botschaft  als nicht notwendig 
erweise. Unter Berücksichtigung namentlich der Beziehungsnähe der 
Asyl  suchenden  Person  zur  Schweiz,  deren  Assimilationsmöglich-
keiten in der Schweiz, der aktuellen Gefährdung im Heimatstaat,  der 
Möglichkeit der Schutzsuche in einem anderen Staat und des öffent-
lichen Interesses der Schweiz erwäge das BFM, das Asylgesuch ab-
zulehnen  und  die  Einreisebewilligung  zu  verweigern.  Insbesondere 
erachte das BFM die Möglichkeit einer anderweitigen Schutzsuche als 
gegeben. Dazu wurde dem Beschwerdeführer eine Frist von 30 Tagen 
zur Stellungnahme gesetzt.

E.
Mit  Eingabe  vom  15.  Februar  2010  (Eingangsstempel:  16.  Februar 

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2010)  nahm  der  Beschwerdeführer  zur  Zwischenverfügung  vom 
18. Januar 2010 Stellung. Insbesondere legte er dar, dass die Mission 
der  Guerillakämpfer  im ganzen Land verteilt  sei. Er  habe mit  seiner 
Familie bereits in fünf Städte ziehen müssen und auch von dort wieder 
fliehen müssen, weil sich überall FARC-Mitglieder aufgehalten hätten. 
Nach (...)  oder  (...)  könne er  nicht  auswandern,  obwohl  er  sich  das 
überlegt  habe,  weil  diese  Möglichkeit  infolge  der  Konflikte  zwischen 
diesen Staaten und Kolumbien schwierig sei. 

F.
Mit am 3. Mai 2010 über die Schweizer Botschaft in Bogotá versandter 
Verfügung vom 15. April 2010 verweigerte das BFM dem Beschwerde-
führer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. 
Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  der  kolum-
bianische Staat  verfüge grundsätzlich  über  eine funktionierende und 
effiziente Schutzinfrastruktur,  welche vom Beschwerdeführer  zumut-
barerweise in Anspruch genommen werden könne. Ferner handle es 
sich bei ihm nicht um eine landesweit bekannte Person, weshalb da-
von auszugehen sei, dass ihm innerstaatliche Fluchtalternativen offen-
stünden. In den Schreiben vom 16. Februar 2009, vom 23. November 
2009  und  vom  15.  Februar  2010  sei  keine  Verfolgung  in 
G.__________, wo er sich zuletzt aufgehalten habe, geltend gemacht 
worden,  woraus  zu  schliessen  sei,  dass  er  dort  keiner  Gefährdung 
ausgesetzt  sei.  Schliesslich  sei  es  ihm  möglich  und  zumutbar,  ge-
gebenenfalls  in  einem  anderen  Land  als  der  Schweiz  um  Schutz 
nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der  Nachbarstaaten 
Kolumbiens, welche sowohl das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  ent-
sprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 1967 ratifiziert hätten.

G.
Mit an das Bundesverwaltungsgericht adressierter, bei der Schweizer 
Botschaft  in  Bogotá  am  2.  Juni  2010  eingereichter  Eingabe  vom 
28. Mai 2010 beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, es sei die 
angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  ihm  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren. Auf die Be-
gründung  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwä-
gungen eingegangen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG genannten  Behörden. Dazu 
gehören  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls;  das 
Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art.  105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]; 
Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Verfahren  richtet  sich  nach 
dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.2 Die  Beschwerde ist  nicht  in  einer  Amtssprache des Bundes ab-
gefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung 
kann indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten Be-
schwerdeeingabe,  welche  zudem  vom  Bundesverwaltungsgericht 
übersetzt wurde,  genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und 
deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber 
befunden werden kann.

1.3 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Angesichts 
der Tatsache, dass der Versand der angefochtenen Verfügung gemäss 
Angaben der Schweizer Bortschaft in Bogotá am 3. Mai 2010 erfolgte 
und die Beschwerdeeingabe vom 28. Mai 2010 dort am 2. Juni 2010 
einging, ist die Beschwerde indessen offensichtlich rechtzeitig erfolgt.

1.4 Der  Beschwerdeführer hat  am Verfahren vor  der  Vorinstanz teil-
genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise Änderung und ist  daher zur Einreichung der Beschwerde legi-
timiert  (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art.  48  Abs. 1  und  Art.  52  VwVG). Auf  die  –  abgesehen vom unter 
E. 1.2 festgestellten Mangel – frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist somit einzutreten.

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in 
BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung 
aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  bei  der  je-
weiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden Land 
oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Grün-
den ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung 
der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei 
gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mit -
wirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels konkreter 
Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein stan-
dardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller 
Regel nicht zu genügen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich 
eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklä-
rung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereich-
ten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden 
Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die 
Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu einem abzusehenden negativen Ent-
scheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.7).  
Schliesslich ist  das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen 
von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begrün-
den (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

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4.2
4.2.1 Im  vorliegenden  Fall  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der 
schweizerischen  Vertretung  in  Bogotá  zu  seinem  Asylgesuch  vom 
27. Oktober 2008 nicht befragt, da die Botschaft dazu gemäss Über-
weisungsschreiben vom 13. Mai 2009 aus Kapazitätsgründen nicht in 
der  Lage  war.  Der  Beschwerdeführer  wurde  indessen  zur  weiteren 
Konkretisierung  seiner  Asylgründe  aufgefordert,  was  sich  daraus 
ergibt, dass er in seiner Eingabe vom 16. Februar 2009 auf verschie-
dene  Fragen  Antworten  gab  und  seine  Asylgründe  nochmals  ein-
gehend  darlegte.  Die  in  seinem  Antwortschreiben  enthaltenen  An-
gaben  decken  sämtliche  für  die  Beurteilung  des  Asylgesuches  aus 
dem Ausland notwendigen Aspekte ab, namentlich die genauen Per-
sonalien  der  asylsuchenden  Person,  deren  verwandtschaftliche  Be-
ziehungen  ausserhalb  des  Heimatstaates,  die  Asylvorbringen,  die 
unternommenen Massnahmen zur Schutzsuche, die Möglichkeit einer 
innerstaatlichen  Fluchtalternative  sowie  die  Möglichkeit  der  Schutz-
suche  in  anderen  latein-  und  südamerikanischen  Staaten.  Der  Be-
schwerdeführer  hat  die  ihm  gestellten  Fragen  mit  Eingabe  vom 
16. Februar  2009  ausführlich  beantwortet,  seine  Angaben  aufforde-
rungsgemäss mit entsprechenden Beweismitteln unterlegt und in der 
Folge  noch  schriftlich  ergänzt.  Bei  dieser  Sachlage  ist  festzuhalten, 
dass im erstinstanzlichen Verfahren dem Anspruch des Beschwerde-
führers  auf  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  grundsätzlich  Rech-
nung getragen und der entscheidwesentliche Sachverhalt  in genügli-
cher Weise und umfassend abgeklärt wurde, zumal der Beschwerde-
führer seine Asylgründe bereits im Rahmen seines schriftlichen Asyl-
gesuchs vom 27. Oktober 2008 ausführlich dargelegt  und in  diesem 
Zusammenhang eine Vielzahl von Beweismitteln eingereicht hatte.

4.2.2 Die Vorinstanz hat allerdings den Verzicht auf eine Befragung in 
der  angefochtenen  Verfügung  nicht  begründet,  was  vor  dem Hinter-
grund der genannten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 
einer Verletzung des rechtlichen Gehörs gleichkommt. Angesichts des 
vorab deklaratorischen Charakters der diesbezüglichen Begründungs-
pflicht und unter Berücksichtigung der Gegebenheiten des konkreten 
Einzelfalles  erscheint  die  Gehörsverletzung  indessen  nicht  schwer-
wiegend; insbesondere hat sie die Möglichkeit des Beschwerdeführers, 
die Verfügung vom 15. April 2010 sachgerecht anfechten zu können, in 
keiner Weise beeinträchtigt. Eine Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung  aus  formellen  Gründen  käme  demnach  einem  blossen  pro-
zessualen  Leerlauf  gleich,  weshalb  der  Mangel  durch  die  im  vor-

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liegenden  Beschwerdeentscheid  nachgereichte  Begründung  als  ge-
heilt zu bezeichnen ist. Es bleibt somit im Folgenden zu prüfen, ob das 
Bundesamt  das  Asylgesuch  in  materieller  Hinsicht  zu  Recht  abge-
wiesen und dem Beschwerdeführer  die Einreise  in  die Schweiz  ver-
weigert hat.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt  das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, 
im  Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes 
Land auszureisen.

5.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die Möglichkeit  der  Schutzgewäh-
rung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter-
hin zutreffende Praxis  gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15, insbe-
sondere S. 131 ff., welche angesichts bloss redaktioneller Änderungen 
bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit 
hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist da-
bei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen  (vgl.  EMARK 
1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der 
Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
der Beschwerdeführer habe in seinem Gesuch keine besonders nahen 
Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Im Weiteren hat das Bun-

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desamt  zu  Recht  erwogen,  dass  es  ihm  zuzumuten  sei,  in  einem 
anderen Land um Asylgewährung nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 
AsylG). So sind beispielsweise die Nachbarstaaten Brasilien, Ecuador, 
Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch des be-
treffenden Zusatzprotokolls vom 31. Januar 1967; Venezuela wiederum 
hat zwar das Abkommen selbst nicht ratifiziert,  wohl aber das Proto-
koll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein 
eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur Anerkennung von Flücht-
lingen. Zudem halten sie sich gemäss den Erkenntnissen des Bundes-
verwaltungsgerichts grundsätzlich an das Gebot des Non-Refoulement 
von  Art.  33  FK,  auch  wenn  als  Einschränkung  festgestellt  werden 
muss,  dass  es in  den Grenzgebieten – insbesondere denjenigen zu 
Panama und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu  unkontrollierten 
Rückschiebungen  durch  die  Grenzbehörden  gekommen  ist.  Für  die 
praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen Schutz-
suche spricht  im Weiteren die  Möglichkeit  der  visumsfreien Einreise 
nach Brasilien,  Ecuador  und Peru sowie  der  Umstand,  dass jährlich 
mehrere  tausend kolumbianische  Staatsangehörige  in  den Nachbar-
ländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort zu 
einem beträchtlichen  Teil  auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt 
werden.  Insgesamt  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf 
schliessen liessen, es sei dem Beschwerdeführer praktisch unmöglich 
oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, insbesondere 
einen der Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 
Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15, Erw. 2f, S. 132). Dies gilt umso mehr, als aus 
den Akten ersichtlich ist,  dass es sich beim Beschwerdeführer nicht 
um eine landesweit bekannte Persönlichkeit handelt, die aufgrund ihrer 
besonders exponierten Stellung auch bei einer Flucht ins nahe Aus-
land  allenfalls  befürchten  müsste,  weiterhin  verfolgt  zu  werden.  An 
dieser Einschätzung vermag der Einwand des Beschwerdeführers, er 
sei den Chefs der FARC als Folge seiner Wasserabfüllanlage bestens 
bekannt,  nichts  zu  ändern,  da er  diesbezüglich  nur  mit  den lokalen 
Vertretern  der  FARC  in  Kontakt  gekommen  sein  kann,  was  eine 
landesweite  Bekanntheit  ausschliesst.  Vor  diesem  Hintergrund  ver-
mögen die  Entgegnungen des  Beschwerdeführers,  wonach  er  keine 
Möglichkeit  sehe,  in  einem  anderen  lateinamerikanischen  Staat  um 
Schutz nachzusuchen, da in diesen Ländern dieselben Probleme wie 
in  Kolumbien  herrschten,  diese  Länder  mit  Kolumbien  Probleme 
hätten,  die  FARC auch  dort  anwesend sei  und  die  Menschenrechte 
nicht geachtet würden, zu keiner anderen Einschätzung zu führen.

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6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich der Be-
schwerdeführer  den  Bedrohungen  durch  die  FARC  allenfalls  durch 
eine innerstaatliche Wohnsitzverlegung entziehen könnte. Indessen ist 
– in Übereinstimmung mit der Argumentation des BFM – festzustellen, 
dass  er  keine konkrete  Gefährdung seiner  Person in  G.__________ 
geltend  machte,  womit  er  indirekt  belegt,  dass  ihm  dort  keine 
Nachteile drohen. Zudem hat er gestützt auf die bestehende Aktenlage 
die Behörden seines Heimatlandes nicht  um Schutz ersucht,  obwohl 
keine Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  dass  ihm der  Zugang  zu 
den  Behörden  nicht  gewährt  würde  oder  nicht  als  zumutbar  zu 
erachten wäre. 

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe zur 
Schweiz verfügt, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutz-
suche  hat.  Unter  diesen  Umständen  hat  die  Vorinstanz  dem  Be-
schwerdeführer  zu  Recht  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ver-
weigert und das Asylgesuch abgewiesen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist demnach abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von  Art.  63 
Abs. 1  in  fine  VwVG und  Art.  2  und  3  Bst.  b  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht,  VGKE,  SR  173.320.2)  ist  indes  auf  die  Er-
hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer durch Vermittlung der schweizerischen Ver-
tretung in Bogotá (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung 
des Urteils  an den Beschwerdeführer  und um Zustellung der  bei-
liegenden Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungsgericht 
(per EDA-Kurier, in Kopie)

- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N (...) 
(per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Eva Zürcher

Versand: 

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