# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 304f4658-6dc6-58c1-bf23-1566778f34d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.06.2009 A-1552/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1552-2006_2009-06-22.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1552/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  J u n i  2 0 0 9

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richter Thomas Stadelmann, 
Gerichtsschreiberin Sonja Bossart.

X._______ AG, ...
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV),
Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, 
Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Eigerstrasse 65, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Emissionsabgabe

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1552/2006

Sachverhalt:

A.
Die  vorerst  unter  einer  anderen  Firma  ...  ins  Handelsregister 
eingetragene X. AG (X.) bezweckt gemäss Handelsregisterauszug (...). 
Am ... schloss sie mit der Y. einen Vertrag ab, dessen Ziel die vollstän-
dige  Übernahme  der  Y.  durch  die  X.  war.  Der  vereinbarte 
Übernahmepreis von Fr. ...-- war den Y.-Aktionären dabei je zur Hälfte 
in X.-Aktien und in bar zu leisten. Der Zusammenschluss wurde mittels 
einer  so  genannten  Dreiecksfusion  ("Triangular  Merger")  vollzogen: 
Eine eigens zu diesem Zweck gegründete 100 % Tochtergesellschaft 
der X. (...)  wurde mit  der Y. verschmolzen. Deren Aktionäre erhielten 
für  die  Hingabe  ihrer  Aktien  von  der  X.  (über  einen  treuhänderisch 
tätigen "Exchange Agent") X.-Aktien im Wert  von Fr. ....--  sowie eine 
Barabgeltung in insgesamt gleicher Höhe. Die für diesen Zusammen-
schluss benötigten und verwendeten ... X.-Aktien  (...)  stammten aus 
vier Quellen, so aus einer zu diesem Zweck vorgenommenen Kapital-
erhöhung  von  Fr. ...  (...),  aus  einem Bestand  von  Vorratsaktien  (...), 
aus zurückgekauften eigenen Aktien (...) sowie aus mittels Wertschrif-
tenleihe beschafften Titeln (...).

B.
Die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV)  betrachtet  diese  Ab-
wicklung (aus näher dargelegten Gründen) als einen der Emissionsab-
gabe unterliegenden Vorgang. Es liege kein fusionsähnlicher Zusam-
menschluss vor, weshalb die in Art. 6 Abs. 1 Bst. abis des Bundesgeset-
zes vom 27. Juni 1973 über die Stempelabgaben (StG; SR 641.10; in 
der Fassung vom 4. Oktober 1991, AS 1993 222 ff.) vorgesehene Aus-
nahme von der Abgabepflicht nicht greife. Nach geführter Korrespon-
denz hielt sie mit Verfügung vom 6. Oktober 2003 fest, die X. schulde 
eine Emissionsabgabe von Fr. ...--  sowie einen Zins seit  Fälligkeit  in 
der Höhe von 5%.

C.
Die hiergegen erhobene Einsprache wies die ESTV mit Entscheid vom 
27. Januar 2006 ab. Wohl sei die Kapitalbeschaffung anlässlich einer 
Fusion oder eines der Fusion wirtschaftlich gleichkommenden Zusam-
menschlusses von der Emissionsabgabe ausgenommen. Ob ein sol-
cher  emissionsabgabebefreiter  fusionsähnlicher  Zusammenschluss 
vorliege  und  nicht  ein  steuerbares  Veräusserungsgeschäft,  sei  aus 
dem Blickwinkel der grundsätzlich emissionsabgabepflichtigen Gesell-

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schaft  zu beurteilen. Da indessen lediglich im Umfang der Neuemis-
sion und der  Hingabe der  Vorratsaktien der  "effektive Wert  bzw. der 
Nettoaktivenüberschuss  der  [...]  in  das  Eigenkapital  der  X." 
eingeflossen sei, seien die Vorgaben der einschlägigen Richtlinien der 
ESTV  für  einen  emissionsabgabebefreiten  fusionsähnlichen 
Zusammenschluss,  nämlich  das  Eingehen von mindestens  50% des 
effektiven Werts der übernommenen Gesellschaft ins Eigenkapital der 
übernehmenden  Gesellschaft,  nicht  erfüllt.  Auf  der  dergestalt  (unter 
Angabe  der  Berechnungsweise)  resultierenden  Kapitalerhöhung  sei 
deshalb die Emissionsabgabe geschuldet.

D.
Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die  X.  (Beschwerdeführerin)  am 
27. Februar 2006 Beschwerde bei der Eidgenössischen Steuerrekurs-
kommission (SRK). Sie beantragte die Aufhebung des Einspracheent-
scheids, die Feststellung, dass die streitbetroffene Transaktion von der 
Emissionsabgabe ausgenommen sei sowie die Zusprechung einer an-
gemessenen Parteientschädigung. Sie hielt  dafür,  nach der massge-
benden  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  liege  ein  fusionsähnli-
cher Zusammenschluss vor. Abgesehen davon, dass das zusätzliche 
Kriterium  gemäss  Verwaltungspraxis,  wonach  mindestens  50%  des 
Werts der übernommenen Gesellschaft ins Eigenkapital der überneh-
menden  Gesellschaft  eingehen  müsse,  von  der  bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung  abweiche,  sei  von  der  Sichtweise  der  andienenden 
Aktionäre auszugehen. Ob die von diesen erhaltenen Aktien der über-
nehmenden Gesellschaft neu geschaffen worden seien oder aus ande-
ren Quellen stammen würden, sei irrelevant. 

Die  ESTV schloss  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 25. April  2006  auf 
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Bis  zum  31.  Dezember  2006  unterlagen  Einspracheentscheide  der 
ESTV der Beschwerde an die SRK (Art. 39a StG, in der Fassung vom 
4. Oktober 1991 [AS 1992 320], aufgehoben per 31. Dezember 2006). 
Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, die 
Ende 2006 bei der SRK hängigen Rechtsmittel. Die Beurteilung erfolgt 
nach neuem Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 

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17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  [Verwaltungsge-
richtsgesetz; VGG, SR 173.32]). Soweit das VGG nichts anderes be-
stimmt, richtet  sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem 
Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 
(VwVG; SR 172.021). Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behand-
lung der Beschwerde sachlich wie funktionell zuständig (Art. 31 und 33 
Bst. d VGG). 

2.
2.1 Nach  dem  Grundsatz  der  Gesetzmässigkeit  bedarf  jedes  staat-
liche Handeln einer gesetzlichen Grundlage (Art. 5 Abs. 1 der Bundes-
verfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 
1999 [BV, SR 101]). Inhaltlich gebietet das Gesetzmässigkeitsprinzip, 
dass staatliches Handeln insbesondere auf einem Rechtssatz (gene-
rell-abstrakter  Struktur)  von  genügender  Normstufe  und  genügender 
Bestimmtheit  zu beruhen hat  (PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI,  Allge-
meines  Verwaltungsrecht,  2. Aufl.,  Bern  2005,  S. 120;  ULRICH HÄFE-
LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., 
Zürich et al. 2006, N. 381, 386, 396). 

2.2 Im Schweizer Steuerrecht kommt dem Legalitätsprinzip herausra-
gende Bedeutung zu. Bereits auf  Verfassungsebene ist  festgehalten, 
dass die Ausgestaltung der Steuern, namentlich der Kreis der Steuer-
pflichtigen, der Gegenstand der Steuer und deren Bemessung in den 
Grundzügen  im  Gesetz  selbst  zu  regeln  sind  (Art. 127  Abs.  1  BV), 
wobei unter dem Terminus "Gesetz" das sog. Gesetz im formellen Sinn 
zu verstehen ist (vgl. auch anstelle vieler BGE 128 II 112 E. 5). Wenn-
gleich  das  Gesetz  genügend  bestimmt  sein  muss,  so  dass  die  den 
Rechtsunterworfenen treffenden (Steuer-)Pflichten hinreichend voraus-
sehbar sind, so ist es unmöglich, Gesetze zu erlassen, aus denen die 
Lösung  für  jede  denkbare  Konstellation  logisch  zwingend  abgeleitet 
werden könnte. Die Konkretisierung einer Norm im Hinblick auf einzel-
ne  Lebenssachverhalte  als  Teil  der  Gesetzesanwendung  geschieht 
alsdann durch Auslegung. Deren Ziel  ist  die  Ermittlung des  Sinnge-
halts der Bestimmung. Ausgangspunkt jeder Auslegung ist  dabei der 
Wortlaut, doch kann dieser nicht allein massgebend sein. Vom Wort-
laut kann abgewichen werden, wenn triftige Gründe für die Annahme 
bestehen,  dass  er  nicht  den  wahren  Sinn  der  Vorschrift  wiedergibt. 
Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte, aus Sinn 
und Zweck der Norm oder aus dem Zusammenhang mit anderen Ge-
setzesbestimmungen  ergeben.  Das  Bundesgericht  hat  sich  bei  der 

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Auslegung von Erlassen stets von einem Methodenpluralismus leiten 
lassen (vgl. anstelle vieler BGE 131 II 13 E. 7.1 S. 31 mit Hinweisen; 
vgl.  auch  [allgemein]  THOMAS GÄCHTER,  Rechtsmissbrauch  im  öffentli-
chen  Recht,  Zürich  etc.  2005,  69 ff.,  254 ff.;  [steuerrechtsspezifisch] 
PETER LOCHER, Rechtsmissbrauchsüberlegungen im Recht der direkten 
Steuern der Schweiz, Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 
75 S. 683 ff.). Sind mehrere Lösungen denkbar, ist jene zu wählen, die 
der  Verfassung entspricht. Allerdings  findet  die  verfassungskonforme 
Auslegung – selbst bei festgestellter Verfassungswidrigkeit – im klaren 
Wortlaut und Sinn einer Gesetzesbestimmung ihre Schranke (Art. 190 
BV; BGE 131 II  710 E. 4.1; BVGE 2007/41  E. 4.2). Sodann besteht 
nachgelagert  zum richtig ausgelegten Gesetz Raum für  generell  ab-
strakte Gesetzeskonkretisierungen in Form "exekutivisch-administrati-
ven Ergänzungsrechts" (GIOVANNI BIAGGINI, Die vollzugslenkende Verwal-
tungsverordnung: Rechtsnorm oder  Faktum?,  Zentralblatt  für  Staats- 
und Verwaltungsrecht [ZBl] 98/1997 S. 13).

2.3 Verwaltungsverordnungen (Merkblätter, Richtlinien, Kreisschreiben 
etc.)  sind  Meinungsäusserungen der  Verwaltung über  die  Auslegung 
der anwendbaren Gesetzesbestimmungen. Sie dienen der Sicherstel-
lung einer einheitlichen, gleichmässigen und sachrichtigen Praxis des 
Gesetzesvollzugs  (BVGE 2007/41 E. 4.1;  MICHAEL BEUSCH,  Was Kreis-
schreiben dürfen und was nicht, veröffentlicht in Der Schweizer Treu-
händer [ST] 2005 S. 613 ff.). Als solche sind sie für die als eigentliche 
Adressaten figurierenden Verwaltungsbehörden verbindlich,  wenn sie 
nicht klarerweise einen verfassungs- oder gesetzeswidrigen Inhalt auf-
weist  (MICHAEL BEUSCH,  in: Martin  Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.],  Kom-
mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Teil I/Bd. 2b, Bundesgesetz 
über die direkte Bundessteuer [DBG], 2. Aufl., Basel 2008, ad Art. 102 
Rz. 15 ff.).  Nicht  verbindlich  sind  Verwaltungsverordnungen,  welche 
keine  von  der  gesetzlichen  Ordnung  abweichenden  Bestimmungen 
enthalten dürfen, dagegen für  die Justizbehörden,  deren Aufgabe es 
ist, die Einhaltung von Verfassung und Gesetz im Einzelfall zu überprü-
fen (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor 
dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008, Rz. 2.173 f.).  Die  Ge-
richtsbehörden  sollen  Verwaltungsverordnungen  bei  ihrer  Entschei-
dung  allerdings  mitberücksichtigen,  sofern  diese eine dem Einzelfall 
angepasste  und gerecht  werdende Auslegung der  anwendbaren ge-
setzlichen Bestimmungen zulassen. Dies gilt um so mehr, als es nicht 
ihre Aufgabe ist, als Zweitinterpreten des der Verwaltungsverordnung 
zugrunde  liegenden  Erlasses  eigene  Zweckmässigkeitsüberlegungen 

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an die Stelle des Vollzugskonzepts der zuständigen Behörde zu setzen 
(zum Ganzen statt vieler: BGE 126 II 275 E. 4, BGE 123 II 16 E. 7a; 
BVGE 2007/41 E. 3.3,  Entscheid der  SRK vom 28. Juni  2005,  veröf-
fentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 69.125 E. 3b 
mit Hinweisen). Von selbst versteht sich angesichts der herausragen-
den  Bedeutung,  welche  dem Legalitätsprinzip  im Schweizer  Steuer-
recht  zukommt,  bei  alledem, dass eine Verwaltungsverordnung unter 
keinen Umständen alleinige Grundlage für die wie auch immer ausge-
staltete  steuerliche  Erfassung  eines  Sachverhalts  darstellen  kann 
(BVGE 2007/41 E. 4.1).

3.
Der Bund erhebt  Stempelabgaben u.a. auf der entgeltlichen und un-
entgeltlichen  Begründung und  Erhöhung  des Nennwerts  von Beteili-
gungsrechten  in  Form  von  Aktien  inländischer  Aktiengesellschaften 
(Art. 5 Abs. 1 Bst. a StG). Die Abgabeforderung entsteht bei Aktien im 
Zeitpunkt  der  Eintragung  der  Begründung  oder  der  Erhöhung  der 
Beteiligungsrechte im Handelsregister (Art. 7 Abs. 1 Bst. a StG), bei 
Beteiligungsrechten,  die im Verfahren der bedingten Kapitalerhöhung 
begründet werden, im Zeitpunkt ihrer Ausgabe (Art. 7 Abs. 1 Bst. abis 

StG). Die Abgabe auf Beteiligungsrechten beträgt ein Prozent und wird 
bei deren Begründung und Erhöhung berechnet vom Betrag, welcher 
der Gesellschaft als Gegenleistung für die Beteiligungsrechte zufliesst, 
mindestens aber vom Nennwert (Art. 8 Abs. 1 Bst. a StG). Bei Einla-
gen von Sachgütern  ist  der  Verkehrswert  im Zeitpunkt  ihrer  Einbrin-
gung massgebend (Art. 8 Abs. 3 StG). Erfolgt der Zufluss über pari, 
also  über  dem Nennwert,  sind  dabei  Emissionsspesen  und  Abgabe 
selbst abzugsfähig (JEAN-BLAISE ECKERT/JÉRÔME PIGUET, in Oberson/Hinny, 
Kommentar Stempelabgaben, Zürich 2006 [Kommentar StG], ad Art. 8 
N 2 ff.). Abgabesubjekt ist u.a. die zur Begründung oder Erhöhung von 
Beteiligungsrechten  in  Form  von  Aktien  schreitende  inländische 
Aktiengesellschaft (Art. 10 Abs. 1 StG), u.a. also diejenige, welche im 
Inland statutarischen Sitz hat oder als Unternehmen im inländischen 
Handelsregister eingetragen ist (Art. 4 Abs. 1 StG).

Ausgenommen von der Emissionsabgabe sind Beteiligungsrechte, die 
in  Durchführung  von  Beschlüssen  über  Fusionen  oder  diesen  wirt-
schaftlich  gleichkommende  Zusammenschlüsse,  Umwandlungen  und 
(Auf-)Spaltungen  insbesondere  von  Aktiengesellschaften,  begründet 
oder  erhöht  werden  (Art.  6  Abs.  1  Bst.  abis StG).  Konkretisiert  wird 
diese Regelung durch die von der ESTV herausgegebenen "Richtlinien 

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für die Anwendung von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG" vom April 1997 (ver-
öffentlicht in ASA 66 S. 210 ff.; nachfolgend: Richtlinien 1997) sowie 

– als Präzisierung der bisherigen Praxis bezeichnet – im "Merkblatt 

betreffend Anwendung von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis des Bundesgesetzes 

über  die  Stempelabgaben  (StG)"  vom  Mai  2001  (veröffentlicht  in 

ASA 70 S. 83; nachfolgend: Merkblatt 2001). Schliesslich finden sich 

Ausführungen im dieses ablösenden Kreisschreiben Nr. 5 "Umstruk-

turierungen" der ESTV vom 1. Juni 2004 (vgl. den Hinweis in ASA 73 

S. 203; nachfolgend: Kreisschreiben 2004).

4.
4.1 Im  Streit  liegt  zwischen  den  Parteien,  ob  überhaupt  eine  Emis-
sionsabgabeforderung entstanden ist. Zu Recht unumstritten ist dabei, 
dass die von der X. vorgenommene Emission von ... Namenaktien à 
nominal  Fr. ...--  zum Kurswert  von Fr. ... sowie die Schaffung von ... 
Vorratsaktien à nominal Fr. ....--  zum Kurswert  von Fr. ... an sich der 
Emissionsabgabe  unterliegt.  Fraglich  ist  indessen,  ob  die  objektive 
Steuerbefreiung von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG greift, wonach von der 
Emissionsabgabe  diejenigen  Beteiligungsrechte  ausgenommen  sind, 
die  in  Durchführung  von  Beschlüssen  über  Fusionen  oder  diesen 
wirtschaftlich  gleichkommende  Zusammenschlüsse  begründet  oder 
erhöht werden.

Unbestritten ist im Rahmen dieser Fragestellung, dass im hier zu beur-
teilenden Sachverhalt keine Fusion stattgefunden hat. Ebenfalls unbe-
stritten  ist  sodann,  dass  der  Fusion  wirtschaftlich  gleichkommende 
Zusammenschlüsse (fusionsähnliche Zusamenschlüsse) grundsätzlich 
auch in Dreieckskonstellationen gegeben sein könnten. Umstritten ist 
indessen,  ob der vorliegende Fall  in  seiner konkreten Ausgestaltung 
als  von  der  Abgabepflicht  ausgenommener  fusionsähnlicher  Zusam-
menschluss im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG zu betrachten sei. 

Ob dies der Fall ist, beurteilt  sich nach dem zum Zeitpunkt des (um-
strittenen)  Entstehens  der  Emissionsabgabeforderung  geltenden 
Recht,  also  nach  demjenigen,  das  am  8. Dezember  2000  in  Kraft 
stand. Gleiches gilt für das gesetzeskonkretisierende Ergänzungsrecht 
und grundsätzlich  auch für  die  (schriftlich  in  Form von Verwaltungs-
verordnungen zusammengefasste) Praxis der Steuerbehörden. 

4.2 Die ESTV hält  dafür,  ein  fusionsähnlicher Zusammenschluss sei 
nur zu bejahen, wenn ein Teil der wirtschaftlich übernommenen Beteili-
gungsrechte in das Eigenkapital der übernehmenden Gesellschaft ein-

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fliesse, da ansonsten ein Kaufgeschäft vorliege. Was das konkret be-
deute, sei in den Richtlinien 1997 dargelegt. So seien kumulativ vier 
Voraussetzungen zu erfüllen, darunter diejenige, wonach die veräus-
sernden  Gesellschafter  oder  Genossenschafter  der  übernommenen 
Gesellschaft mit Beteiligungsrechten der übernehmenden Gesellschaft 
oder Genossenschaft abgegolten werden müssten. Den Veräusserern 
dürfe dabei maximal 50% des effektiven Werts der in die aufnehmende 
Gesellschaft oder Genossenschaft überführten Beteiligungsrechte gut-
geschrieben oder ausbezahlt  werden. Dies bedeute nach dem präzi-
sierenden Merkblatt 2001, dass mindestens 50% des effektiven Werts 
der Sacheinlage bzw. Sachübernahme ins Eigenkapital  der überneh-
menden Gesellschaft  eingehen müsse,  sei  dies in  Form von Kapital 
oder von (offenen oder stillen) Reserven. Dies sei vorliegend nicht ge-
schehen.  Betrachte  man  nämlich  den  Sachverhalt  aus  der  einzig 
massgebenden  Optik  der  Kapital  schaffenden,  übernehmenden  Ge-
sellschaft, so erkenne man, dass nur im Umfang der Neuemission und 
der Hingabe der Vorratsaktien der effektive Wert bzw. der Nettoaktiven-
überschuss der übernommenen Gesellschaft indirekt in das Eigenkapi-
tal der Beschwerdeführerin als übernehmender Gesellschaft geflossen 
sei. Im Halte der übrigen, auf dem Markt durch Rückkauf eigener Ak-
tien oder mittels Wertschriftenleihe beschaffter Titel dagegen, sei dem 
Wertzufluss  ein  vorgängiger  Abfluss  an bestehenden Mitteln  in  glei-
cher Höhe gegenübergestanden. Damit habe es sich aus der (wie er-
wähnt  einzig  massgebenden)  Optik  der  Beschwerdeführerin  diesbe-
züglich um einen Barerwerb gehandelt, und da dieser Anteil insgesamt 
(aufgrund näher dargelegten Berechnungen) 83,91% und so mehr als 
50% betrage, greife die in den Richtlinien statuierte "safe haven rule" 
nicht. Die Kapitalerhöhung der Beschwerdeführerin aus Emission von 
Aktien und die Hingabe von Vorratsaktien könnten damit nicht als im 
Rahmen  eines  fusionsähnlichen  Zusammenschlusses  erfolgt  gelten, 
weshalb die Ausnahmebestimmung von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG nicht 
zur Anwendung gelange.

4.3 Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, es 
liege ein von der Emissionsabgabe ausgeschlossener fusionsähnlicher 
Zusammenschluss im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG vor. Dies er-
gebe sich vorab bereits aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung. 
Was sodann das in Bezug auf die einschlägigen Richtlinien und Merk-
blätter der ESTV einzig umstrittene Kriterium der Abfindung der Aktio-
näre der übernommenen Gesellschaft betreffe, welche zu mindestens 
50% mit  Beteiligungsrechten der  übernehmenden Gesellschaft  erfol-

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gen müsse, sei dieses Kriterium offensichtlich auf die Sichtweise der 
andienenden Aktionäre ausgerichtet und vorliegend erfüllt. Nicht zuläs-
sig  sei  dabei  das  durch  die  ESTV  zusätzlich  eingeführte  Kriterium, 
vom Wert der übernommenen Gesellschaft müssten mindestens 50% 
in das Eigenkapital der übernehmenden Gesellschaft eingehen. Selbst 
wenn indes darauf abzustellen wäre, so wäre das entsprechende Kri-
terium  erfüllt,  da  sich  das  Eigenkapital  der  Beschwerdeführerin  im 
Ausmass von 50% der übernommenen Gesellschaft erhöht habe. Was 
sodann das von der ESTV aufgestellte Erfordernis, wonach der Netto-
aktivenüberschuss der übernommenen Gesellschaft in das Eigenkapi-
tal der übernehmenden Gesellschaft einfliessen müsse, bedeuten sol-
le, sei weder ersichtlich noch begründet. Unter diesen Umständen kön-
ne  offen  bleiben,  ob sich  die  Verwaltungspraxis  zwischen dem Zeit-
punkt der Publikation der Richtlinien 1997 und dem Erlass des Merk-
blattes 2001 geändert  habe. Immerhin sei  darauf  hingewiesen,  dass 
sowohl die Richtlinien 1997 wie auch das Merkblatt  2001 gegenüber 
der diesen vorangehenden Praxis zusätzliche, einschränkende Krite-
rien geschaffen hätten, welche – sofern nicht in Einklang mit Gesetz 
und bundesgerichtlicher Rechtsprechung – nicht gesetzmässig seien. 
Dies wäre nicht zu beanstanden, wenn die Richtlinien 1997 tatsächlich 
auch  heute  noch  als  so  genannte  "safe  haven  rules"  verstanden 
würden; dies sei indessen nicht der Fall.

4.4
4.4.1 Vorliegend umstritten ist  damit  die Frage,  ob die Beteiligungs-
rechte geschaffen wurden, um einen im Sinn von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis 

StG befreiten fusionsähnlichen Zusammenschluss zu vollziehen. Wann 
von einem solchen auszugehen ist, lässt sich grundsätzlich bereits der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum damaligen (inhaltlich für die 
vorliegend interessierenden Fragen dem ab 1. April 1993 in Kraft ste-
henden Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG entsprechenden) Art. 9 Abs. 1 Bst. a 
StG entnehmen. Eine fusionsgleiche Wirkung kann etwa erzielt werden 
durch das Einbringen von Aktien bestehender Gesellschaften in eine 
aufnehmende  Gesellschaft,  beispielsweise  eine  Holdinggesellschaft. 
Dabei  wird  der  Aktionär,  der  die  gesamte  oder  die  beherrschende 
Beteiligung  an  seiner  Gesellschaft  in  die  aufnehmende Gesellschaft 
einbringt, mit Aktien der aufnehmenden Gesellschaft entschädigt. Die 
Tätigkeit der Gesellschaft anderseits wird derart  organisiert,  dass fu-
sionsgleiche Wirkungen erzielt werden. Die aufnehmende Gesellschaft 
beschränkt  sich  nicht  darauf,  Beteiligungsrechte  innezuhaben  und 
Dividenden zu beziehen; sie richtet ihre Tätigkeit so aus, dass die inte-

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grierten,  aber selbständig gebliebenen Gesellschaften einheitlich ge-
lenkt  werden.  Massgebend  für  den  Eintritt  einer  wirtschaftlich  der 
Fusion gleichkommenden Vereinigung ist, dass die Gesellschaften, die 
bei echter Fusion in die aufnehmende Gesellschaft überführt würden, 
zwar  rechtlich  als  solche  bestehen  bleiben,  aber  wirtschaftlich  von 
einer einzigen Stelle aus geleitet werden und sich die aus der Fusion 
erwarteten  günstigen  wirtschaftlichen  Auswirkungen  auf  die  Wettbe-
werbsfähigkeit, die den Grund der Privilegierung bildet, ergeben, wie 
effektivere Leitung, Ersparnis von Verwaltungskosten, leichtere Kredit-
beschaffung u.a.m. Sind diese Wirkungen beabsichtigt oder zu erwar-
ten,  hat  der  Zusammenschluss  wirtschaftlich  grundsätzlich  die  glei-
chen  Wirkungen  wie  eine  Fusion.  Sodann  muss  die  übernehmende 
Gesellschaft  in  der Lage sein,  die integrierten Gesellschaften in  ab-
soluter Weise zu beherrschen, was eine Mehrheit von mindestens zwei 
Drittel der Stimmrechte voraussetzt. Schliesslich müssen die betroffe-
nen  Gesellschaften  wirtschaftlich  aktiv  sein  (BGE  102  Ib  140;  Ent-
scheid der SRK vom 26. August 2004, veröffentlicht in VPB 69.5 E. 3a 
[zu Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG], mit weiteren Hinweisen). Auf die Motive 
des  Zusammenschlusses  kommt  es  dabei  nicht  an  (FRANÇOIS IMBACH, 
Traitement des fusions et opérations assimilées en matière de droit de 
timbre fédéral d'émission, ASA 51 S. 10). Zentrales Abgrenzungskrite-
rium  zum  Unternehmenskauf  ist  bei  alledem,  dass  die  das  Wesen 
eines  fusionsähnlichen  Zusammenschlusses  ausmachende  kapital-
mässige Bindung der Aktionäre der übernommenen Gesellschaft  be-
stehen  bleibt,  weshalb  diese  mit  Aktien  der  übernommenen  Gesell-
schaft abzufinden sind (MAX KRAMER, Fusionen und fusionsähnliche Zu-
sammenschlüsse im Bereich der Emissionsabgabe, ASA 57 S. 15, 19).

4.4.2 Nichts der bisherigen Rechtsprechung und den von den Parteien 
angerufenen Präjudizien entnommen werden kann indessen zur Frage, 
wie gross der Anteil der Entschädigung mit Aktien der aufnehmenden 
Gesellschaft  sein muss, damit noch ein fusionsähnlicher Zusammen-
schluss  vorliegt  und der  dergestalt  emissionsabgaberechtlich  privile-
gierte  Sachverhalt  nicht  zum  schlichten  Unternehmenskauf  mutiert, 
und diejenige, ob es eine Rolle spiele, aus welcher Quelle die den Ge-
sellschaftern der übernommenen Gesellschaft angedienten Aktien der 
übernehmenden  Gesellschaft  stammen. Bei  den  Präjudizien  wurden 
nämlich  immer  nur  ausschliesslich  zu  diesem  Zweck  geschaffene 
Aktien der übernehmenden Gesellschaft abgegeben, welche von den 
Aktionären  der  übernommenen  Gesellschaft  durch  Sacheinlage  der 
Aktien der übernommenen Gesellschaft liberiert wurden.

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4.4.3 Keine  abschliessende  Klärung  der  zu  beantwortenden  Fragen 
bringt  die  ursprüngliche  ratio  legis  der  auszulegenden  Bestimmung 
von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG, wonach Fusionen und fusionsähnliche 
Zusammenschlüsse begünstigt werden und die mehrfache Belastung 
durch die schweizerische Emissionsabgabe vermieden werden sollen 
(BGE 102 Ib 140 E. 3b; bestätigt etwa in ASA 72 S. 170 E. 4.1). Keine 
weiteren Hinweise lassen sich auch aus dem Umstand gewinnen, dass 
verschiedenen späteren Gesetzesänderungen das letztgenannte Ziel, 
Mehrfachbelastungen  mit  der  Emissionsabgabe  zu  verhindern,  nicht 
mehr zugrunde lag, sondern dass es nur noch darum ging, Umstruktu-
rierungen – auch mit Auslandsbezug – als solche nicht durch Abgaben 
zu behindern (vgl. etwa ANDRÉ SERGE WIRZ, Die Quasifusion von Aktien-
gesellschaften im schweizerischen Steuerrecht, Diss. St. Gallen, Hall-
stadt 1997, S. 244). Den Materialien dagegen kann immerhin entnom-
men werden, dass als Beispiel für einen fusionsähnlichen Sachverhalt 
der Fall  genannt  wird,  wonach eine Aktiengesellschaft  gemäss (dem 
damaligen) Art. 181  des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, 
SR  220) Aktiven  und  Passiven  einer  Gesellschaft  mit  beschränkter 
Haftung  oder  einer  Genossenschaft  gegen  Ausgabe  neuer  Beteili-
gungsrechte  übernehme  (BBl  1972  II  1294;  vgl.  auch  BGE  112  Ib 
E. 3b). Weiter wird ausgeführt, die emissionsabgaberechtliche Privile-
gierung (durch den damaligen Art. 9 Abs. 1 Bst. a StG) solle "natürlich 
nur für Beteiligungsrechte gelten, die von der aufnehmenden Gesell-
schaft beim Zusammenschluss neu geschaffen und den Gesellschaf-
tern  der  aufgenommenen  Unternehmung  zugeteilt  werden,  dagegen 
nicht  auch für  nebenhergehende Kapitalerhöhungen der  aufnehmen-
den Gesellschaft für ihre alten Aktionäre" (BBl 1972 II 1294).

4.4.4 Uneinheitlich  beantwortet  werden  die  massgebenden  Fragen 
auch in der nach dem Leitentscheid BGE 102 Ib 140 erschienenen Li-
teratur, soweit sich diese dazu äussert. Die von der Vorinstanz heran-
gezogenen Literaturstellen befassen sich zwar nicht alle ausdrücklich 
mit der vorliegend interessierenden emissionsabgabrechtlichen Frage. 
Ihnen kann indessen – nur, aber immerhin – entnommen werden, dass 
bei einem fusionsähnlichen Zusammenschluss die übernehmende Ge-
sellschaft  zum  Zweck  der  Übernahme  Aktien  schafft,  welche  den 
Aktionären der übernommenen Gesellschaft zur Abgeltung von deren 
Aktien übertragen werden (URS R. BEHNISCH, Die Umstrukturierung von 
Kapitalgesellschaften,  Basel  1996,  S.  214  f.).  BEHNISCH weist  a.a.O. 
sodann (unter einkommenssteuerrechtlichen Gesichtspunkten) darauf 
hin,  bei  einer  Abfindung  der  Aktionäre  der  übernommenen  Gesell-

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schaft in bar liege eine echte Realisierung und keine Quasifusion vor. 
Auch  REICH hält  dafür,  ein  fusionsähnlicher Zusammenschluss werde 
"meistens derart abgewickelt, dass die aufnehmende Gesellschaft eine 
Kapitalerhöhung unter  Verzicht  auf  das  Bezugsrecht  ihrer  Aktionäre" 
vornehme (MARKUS REICH, in  Reich/Duss,  Unternehmensumstrukturie-
rungen im Steuerrecht, Basel/Frankfurt a.M. 1996, S. 288). REICH führt 
weiters aus, wie die Absorption von Parallelgesellschaften müsse "sich 
auch der fusionsgleiche Zusammenschluss im Sinne des Art. 6 Abs. 1 
Bst. abis StG deutlich vom schlichten Unternehmenskauf abheben. Die 
Übernahme muss auf dem Weg der Sacheinlage vollzogen werden", 
wobei  höchstens  50%  des  Werts  der  übernommenen  Beteiligungs-
rechte in anderer Form als mit Aktien der aufnehmenden Gesellschaft 
abgefunden  werden  dürften  (REICH,  a.a.O.,  S.  295).  Auf  diese  50% 
Grenze nimmt auch das von den Parteien nicht herangezogene Werk 
von WIRZ Bezug, der ausführt, die Praxis der ESTV, wonach Barabfin-
dungen bis zu 50% des Verkehrswertes der in die aufnehmende Ge-
sellschaft eingebrachten Aktien betragen dürften, sei als grosszügig zu 
bewerten (WIRZ, a.a.O., S. 16 f., 245).

Zur Frage, ob es eine Rolle spiele, aus welcher Quelle die den Gesell-
schaftern  der  übernommenen  Gesellschaft  angedienten  Aktien  der 
übernehmenden Gesellschaft stammten, äussert sich als einziger der 
vorerwähnten Autoren  WIRZ,  der festhält, die Schaffung neuer Anteile 
der  übernehmenden  Gesellschaft  mittels  Kapitalerhöhung  sei  dann 
notwendig, wenn diese nicht bereits über genügende Bestände an ei-
genen Aktien verfüge (WIRZ, a.a.O., S. 25, 31 f.). In die gleiche Rich-
tung – wenn auch an sich nicht auf den vorliegend interessierenden 
Zeitraum bezogen – gehen sodann die Aussagen von  HINNY.  Ausge-
hend vom Kreisschreiben 2004 nennt auch dieser Autor das Erforder-
nis, dass höchstens 50% des effektiven Werts der übernommenen Be-
teiligungsrechte gutgeschrieben oder  ausbezahlt  werden darf. Das – 
so  HINNY –  im Kreisschreiben  2004  ebenfalls  enthaltene  Erfordernis, 
wonach  die  übernehmende Gesellschaft  die  auszugebenden  Beteili-
gungsrechte (ausschliesslich) im Rahmen einer Kapitalerhöhung unter 
Ausschluss der Bezugsrechte der bisherigen Aktionäre schaffen müs-
se,  finde  indessen  weder  im  Gesetz  noch  in  den  Materialien  eine 
Stütze. Es müsste "durchaus auch möglich sein, dass dazu eigene Ak-
tien verwendet werden, die sich bereits vorher im Besitz der überneh-
menden Gesellschaft befanden" (PASCAL HINNY, Kommentar StG, a.a.O., 
N 90 f. zu Art. 6). In diesem grundsätzlichen Sinn – wenngleich eben-
sowenig  den  vorliegend  interessierenden  Zeitraum  betreffend  und 

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auch  nicht  ausdrücklich  auf  das  Emissionsabgaberecht  Bezug  neh-
mend – äussert sich schliesslich auch JUNG. Es sei unerheblich, ob der 
Anteilsinhaber  der  übernommenen  Gesellschaft  "seine  bisherige  In-
vestition mit  neuen (Primary Shares) oder alten (Secondary Shares) 
Anteils- oder Mitgliedschaftsrechten an der erwerbenden Gesellschaft" 
fortsetze (MARCEL R. JUNG, Steuerneutrale Unternehmens-Umstrukturie-
rungen im harmonisierten Steuerrecht, Basel etc. 2004, Rz. 366).

4.5
4.5.1 Angesichts des Umstands, dass weder der einschlägigen Recht-
sprechung (BGE 102 Ib 140) noch den Gesetzesmaterialien bzw. der 
ratio legis von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG klar die Antwort auf die Frage 
entnommen werden kann, wie gross der Anteil der Entschädigung mit 
Aktien der aufnehmenden Gesellschaft sein muss, damit noch ein fu-
sionsähnlicher Zusammenschluss vorliegt und ob es eine Rolle spiele, 
aus welcher Quelle die den Gesellschaftern der übernommenen Ge-
sellschaft angedienten Aktien der übernehmenden Gesellschaft stam-
men (vgl. oben E. 4.4.2 f.),  war die ESTV ohne weiteres berechtigt, 
ihre Auffassung der relevanten Fragen in einer Verwaltungsverordnung 
kund zu tun. Diese grundsätzliche Befugnis der Verwaltungsbehörden 
entbindet  das  Gericht  indessen  selbstverständlich  nicht  davon,  die 
Einhaltung von Verfassung und Gesetz im Einzelfall zu überprüfen (vgl. 
oben E. 2.2).

4.5.2 Ausgehend  von  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  und 
der zutreffenden und diesbezüglich einhelligen Auffassung der Lehre, 
wonach  fusionsähnliche  Zusammenschlüssen  vom  schlichten  Unter-
nehmenskauf abgegrenzt werden müssen, gelangt das Bundesverwal-
tungsgericht zum Schluss, das in den Richtlinien 1997 enthaltene Er-
fordernis,  wonach  den  Aktionären  der  übernommenen  Gesellschaft 
höchstens 50% des effektiven Werts der übernommenen Beteiligungs-
rechte gutgeschrieben oder ausbezahlt werden dürfe, gebe den richti-
gen Sinn von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG wieder (vgl. oben E. 4.4). Nur 
dergestalt  kann  nämlich  die  das  Wesen  eines  fusionsähnlichen  Zu-
sammenschlusses ausmachende kapitalmässige Bindung der Aktionä-
re  der  übernommenen  Gesellschaft  noch  hinreichend  sichergestellt 
werden (KRAMER, a.a.O., S. 15, 19; WIRZ, a.a.O., S. 16 f.; bis 1987 be-
trug der von der Verwaltung höchstens zugelassen Bar-Anteil gar nur 
25% des effektiven Werts der übernommenen Beteiligungsrechte; vgl. 
WIRZ, a.a.O., S. 245 Fn. 908). Entgegen der Auffassung der Beschwer-
deführerin kann denn auch diesbezüglich von einem Widerspruch der 

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Richtlinien  1997  zur  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  nicht  ge-
sprochen werden. 

4.5.3 Zu prüfen bleibt damit, ob die Herkunft der hingegebenen Aktien 
eine Rolle spielt. Die ESTV leitet ihre Ansicht, die hingegebenen Ak-
tien müssten mit einer Kapitalerhöhung geschaffen worden sein, aus 
dem  im  Merkblatt  2001  ausdrücklich  enthaltenen  Kriterium  her,  es 
müssten mindestens 50% des effektiven Werts der Sacheinlage bzw. 
der Sachübernahme "in das Eigenkapital der übernehmenden Gesell-
schaft eingehen, sei dies in Form von Kapital oder von (offenen oder 
stillen)  Reserven". Hiezu ist  vorab zu bemerken,  dass  allein  diesem 
Wortlaut nicht entnommen werden kann, die den Aktionären der über-
nommenen  Gesellschaft  hingegebenen  Aktien  der  übernehmenden 
Gesellschaft  hätten eigens zu dem Zweck neu emittiert  werden oder 
aus  Vorratsaktien  stammen müssen. Ob die  im Einspracheentscheid 
vertretene Auffassung der ESTV bereits im Merkblatt enthalten ist oder 
nicht, ist indessen nicht massgeblich; sie findet jedenfalls im auszule-
genden Art. 6 Abs. 1 Bst. abis StG keine hinreichende Stütze und kann 
weder dem Wortlaut der Bestimmung, den dessen Erlass vorangehen-
den Materialien noch der ratio legis der Privilegierung fusionsähnlicher 
Zusammenschlüsse entnommen werden. Klar ist – nur, aber immerhin 
–  dass  alle  in  Durchführung  von  Beschlüssen  über  Fusionen  oder 
diesen wirtschaftlich gleichkommende Zusammenschlüsse begründe-
ten  Beteiligungsrechte  den  Aktionären  der  übernommenen  Gesell-
schaft  hingegeben werden müssen (vgl. BBl  1972 II  1274; vgl. oben 
E. 4.5). Daraus kann umgekehrt aber  nicht geschlossen werden, alle 
Aktien,  die  hingegeben  werden,  müssten  eigens  hiefür  geschaffen 
werden. Solches lässt sich denn auch den von der Vorinstanz erwähn-
ten  Literaturstellen  nicht  entnehmen.  Entscheidend  ist,  dass  für  die 
Annahme eines fusionsähnlichen Zusammenschlusses und die hierfür 
nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zentrale  notwendige 
Sicherstellung der kapitalmässigen Bindung der abgefundenen Aktio-
näre der übernommenen Gesellschaft die Herkunft der hingegebenen 
Aktien irrelevant ist  und der Umfang des vorgängigen Abflusses von 
Barmitteln bei der übernehmenden Gesellschaft keine Rolle spielt.

Offen bleiben kann angesichts der mangelnden Relevanz der Herkunft 
der hingegebenen Aktien, ob – wie die Vorinstanz geltend macht – das 
entsprechende Kriterium im Merkblatt 2001 bzw. die daraus fliessende 
Auffassung der ESTV bloss eine Wiedergabe der ohnehin bereits vor-
her und damit auch im für den vorliegenden Fall massgebenden Zeit-

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punkt geübten Praxis dargestellt  habe. Angemerkt sei  lediglich, dass 
zwar nicht ausgeschlossen ist, dass sich dies bereits aus dem relevan-
ten  Passus  "durch  Ausgabe  neuer  Beteiligungsrechte"  im  sachein-
schlägigen Titel der Richtlinien 1997 ergeben könnte, dies angesichts 
der  widersprüchlichen  Ausführungen  im  Begleittext  zum  Merkblatt 
2001 aber keineswegs restlos klar erscheint ("Seit der letzten Überar-
beitung vom April 1997 hat sich die Praxis weiterentwickelt." bzw. "Das 
vorliegende Merkblatt über die Anwendung von Art. 6 Abs. 1 Bst. abis 

StG präzisiert  lediglich die geltende Praxis und findet deshalb sofort 
Anwendung"). So oder anders ist nämlich wie aufgezeigt das Erforder-
nis  der  ESTV, die  hingegebenen  Aktien  müssten  eigens  durch  eine 
Kapitalerhöhung  geschaffen  worden  sein,  bundesrechtswidrig,  womit 
sich  Ausführungen  zu  den  von  der  Beschwerdeführerin  eventualiter 
gemachten weiteren Vorbringen ebenso wie solche zur "Rückwirkung" 
der  Praxispräzisierung oder  -änderung im Merkblatt  2001 erübrigen. 
Die Beschwerde ist vollumfänglich gutzuheissen.

5.
5.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind der obsiegenden Beschwer-
deführerin  und  der  Vorinstanz  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen 
(Art. 63  VwVG).  Der  einbezahlte  Kostenvorschuss  in  Höhe  von 
Fr. 10'000.--  ist  der  Beschwerdeführerin  nach Eintritt  der  Rechtskraft 
des vorliegenden Entscheides zurückzuerstatten. 

5.2 Im Übrigen hat die Vorinstanz die obsiegende Beschwerdeführerin 
für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen. Die Par-
teientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung und allfällige wei-
tere Auslagen der Partei, inklusive Mehrwertsteuer. Das Gericht setzt 
die Parteientschädigung aufgrund der eingereichten Kostennoten oder, 
mangels Einreichung einer solchen, aufgrund der Akten fest. Das An-
waltshonorar wird dabei nach dem notwendigen Zeitaufwand bemes-
sen,  wobei  der  Stundenansatz  mindestens  Fr. 200.--  und  höchstens 
Fr. 400.--  beträgt. Die  Auslagen der  Vertretung werden aufgrund der 
tatsächlichen Kosten ausbezahlt (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

Mit  Kostennote vom 31. Januar 2009 hat die Beschwerdeführerin für 
das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  einen  Zeitaufwand  von  39 
Stunden,  gemäss  den  aufgeführten  Ansätzen  einem  Honorar  von 
Fr. 30'210.-- entsprechend, geltend gemacht. Während die Anzahl der 

Seite 15

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geltend gemachten Stunden im Lichte  der  durch das Bundesverwal-
tungsgericht mit Zurückhaltung erfolgenden Überprüfung der Notwen-
digkeit  nicht  zu  beanstanden  sind  (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O., 
N. 4.86),  ist trotz Vorliegen einer  Streitigkeit  mit  Vermögensinteresse 
im  Sinn  von  Art.  10  Abs.  3  VGKE in  der  vorliegenden  Sache  nicht 
ersichtlich,  weshalb der  grundsätzlich vorgesehene Maximalsatz  von 
Fr. 400.--  pro  Stunde  zusätzlich  erhöht  werden  sollte.  Dementspre-
chend  ist  von  einem  zu  entschädigenden  Honorar  von  Fr. 15'600.-- 
auszugehen. Die geltend gemachten Auslagen in Höhe von Fr. 240.70 
erscheinen als sodann als angemessen. Damit resultiert letztlich eine 
Parteientschädigung von Fr. 17'044.60 (inkl. Mehrwertsteuer).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  der 
ESTV vom 27. Januar 2006 wird aufgehoben und es wird festgestellt, 
dass die Beschwerdeführerin die ihr in diesem auferlegte Emissions-
abgabe von Fr. ....-- nicht schuldet.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der von der Beschwerde-
führerin  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr. 10'000.--  wird  ihr  nach 
Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zurückerstattet. 

3.
Die Vorinstanz wird verpflichtet,  der Beschwerdeführerin  eine Partei-
entschädigung von Fr. 17'044.60 zu bezahlen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

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Michael Beusch Sonja Bossart

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende  Partei  in 
Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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