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**Case Identifier:** 5734d1ed-53c1-5189-aae0-006a00ba6791
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-05-10
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 10.05.2023 SK.2021.5
**Docket/Reference:** SK.2021.5
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2021-5_2023-05-10

## Full Text

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) und einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB);;Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) und einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB);;Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) und einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB);;Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) und einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB)

Urteil vom 10. Mai 2023 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Alberto Fabbri, Einzelrichter 

Gerichtsschreiberin Elena Inhelder  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsan-

walt des Bundes Vincens Nold 

  

 
gegen 

 

  
A., marokkanischer Staatsangehöriger, amtlich verteidigt 

durch Rechtsanwältin Sine Selman 

 

Gegenstand  
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2021.5 

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SK.2021.5 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB) 

schuldig zu sprechen. 

2. A. sei mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, entsprechend 

Fr. 1'800.--, zu bestrafen. Die Geldstrafe sei zu bezahlen. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 25 Tagen sei auf die Strafe anzu-

rechnen (Art. 51 StGB). 

3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- seien A. aufzuerlegen. 

4. Allfällige Zivilforderungen seien auf den Zivilweg zu verweisen. 

5. Der Kanton Zürich sei mit dem Vollzug der Strafe zu beauftragen. 

Anträge der Verteidigung: 

1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte (Art. 285 StGB) freizusprechen. 

2. Es sei das Strafverfahren gegen den Beschuldigten betreffend die Vorwürfe der 

Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) sowie der einfachen Körperverletzung 

(Art. 123 Abs. 1 StGB) einzustellen. 

3. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von Fr. 6'000.-- zzgl. 5 % Zins seit dem 

15. Mai 2020 zuzusprechen. 

4. Sämtliche Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens (inkl. der 

Kosten der amtlichen Verteidigung) seien definitiv auf die Staatskasse zu neh-

men. 

  

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SK.2021.5 

Prozessgeschichte: 

A. Am 15. Mai 2020 ereignete sich im Bundesasylzentrum Z. eine Auseinanderset-

zung zwischen mehreren Gesuchstellern. A. (nachfolgend: Beschuldigter), der 

den, ihn von der besagten Auseinandersetzung wegweisenden diensthabenden 

Sicherheitsmitarbeitenden der vom Bund für die Sicherheit im besagten Zentrum 

beauftragten B. SA, C., mit einem Griff an den Hals und anschliessendem Wür-

gen tätlich angegriffen haben soll, wurde in der Folge verhaftet (pag. BA 06-01-

0001 ff.). 

B. Gleichentags erstattete C. Strafanzeige wegen Gewalt und Drohung gegen Be-

hörden und Beamte beziehungsweise stellte Strafantrag wegen Tätlichkeit und 

einfacher Körperverletzung (pag. BA 15-01-0001 ff.). 

C. Am 20. Mai 2020 unterbreitete die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland des 

Kantons Zürich eine Gerichtstandanfrage an die Bundesanwaltschaft, woraufhin 

diese am 22. Mai 2020 das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen Ge-

walt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB), Tätlichkeit 

(Art. 126 StGB) und einfacher Körperverletzung (Art. 123 StGB) in der Hand der 

Bundesbehörden vereinigte (pag. BA 02-00-0001 ff.; 01-01-0001; 03-00-0003). 

D. Rechtsanwältin Sine Selman wurde am 20. Mai 2020 von der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland und nach Übernahme des Verfahrens durch die Bundesan-

waltschaft am 11. Juni 2020 rückwirkend per 15. Mai 2020 als amtliche Verteidi-

gerin des Beschuldigten eingesetzt (pag. BA 16-01-0003 ff.; -0017 ff.). 

E. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland versetzte das Zwangs-

massnahmengericht Bülach den Beschuldigten mit Verfügung vom 18. Mai 2020 

in Untersuchungshaft (pag. BA 06-01-0007 ff.; -0013 ff.). Am 28. Mai 2020 erhob 

die amtliche Verteidigerin Beschwerde gegen die vorgenannte Verfügung. Da der 

Beschuldigte am 8. Juni 2020 aus der Untersuchungshaft zuhanden des Migra-

tionsamtes des Kantons Zürich entlassen wurde (pag. BA 06-01-0033 f.), schrieb 

das Obergericht des Kantons Zürich das Beschwerdeverfahren als gegenstands-

los ab und stellte gleichzeitig eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-

hör fest (pag. BA 21-01-0030 ff.). 

F. Mit Verfügung des Staatssekretariats für Migration (SEM) vom 26. März 2020 

wurde der Beschuldigte − unter Androhung von Zwangsgewalt im Unterlassungs-

fall − angewiesen die Schweiz bis am 25. September 2020 zu verlassen (pag. 

BA 18-02-0006 ff.). Am 10. Juni 2020 verschwand der Beschuldigte aus dem 

Bundesasylzentrum Z. (pag. BA 18-02-0003). Seither ist der Aufenthalt des Be-

schuldigten unbekannt. 

G. Mit Strafbefehl vom 25. September 2020 verurteilte die Bundesanwaltschaft den 

Beschuldigten wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu 

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SK.2021.5 

einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrech-

nung der Untersuchungshaft von 25 Tagen und zur Tragung der Verfahrenskos-

ten in Höhe von Fr. 500.-- (pag. BA 03-00-0001 ff.). 

H. Die Verteidigerin erhob namens des Beschuldigten am 6. Oktober 2020 form- 

und fristgerecht Einsprache gegen den Strafbefehl und verlangte die Einstellung 

des Strafverfahrens in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO (pag. BA 03-

00-0005 ff.). 

I. In der Folge überwies die Bundesanwaltschaft am 10. Februar 2021 die Akten 

zur Durchführung eines Abwesenheitsverfahrens an die Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts, wobei der Strafbefehl als Anklageschrift gilt (TPF 2.100.001 ff.). 

J. Mit Verfügung vom 19. Februar 2021 lud der Einzelrichter der Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts die Parteien ein, bis zum 8. März 2021 Beweisanträge zu 

stellen und zu begründen (TPF 2.400.001 f.). 

K. Mit Schreiben vom 24. Februar 2021 verzichtete die Bundesanwaltschaft auf das 

Stellen von Beweisanträgen (TPF 2.510.001 f.). Die Verteidigerin beantragte mit 

Eingabe vom 8. April 2021 die Einvernahme von C. als Auskunftsperson sowie 

die Identifizierung und Befragung der zum Tatzeitpunkt arbeitenden Mitarbeiter 

des Bundesasylzentrums Z. als Zeugen (TPF 2.521.004-009). 

L. Mit Beweisverfügung vom 13. April 2021 wurden C. als Auskunftsperson und der 

am Vorfall ebenfalls anwesende D., Mitarbeiter der B. SA, als Zeuge zur Haupt-

verhandlung vorgeladen (TPF 2.250001 ff.). 

M. Die Hauptverhandlung wurde auf den 11. Mai 2021 festgelegt, im Falle des Nicht-

erscheinens des Beschuldigten wurde eine weitere Hauptverhandlung am 

12. Mai 2021 terminiert. Die Vorladung I sowie die Vorladung II − für den Fall des 

Nichterscheinens des Beschuldigten gemäss Vorladung I − wurden an die im 

Vorverfahren angegebene Zustelladresse des Beschuldigten und damit an die 

Adresse seiner Verteidigerin ordnungsgemäss versendet (TPF 2.310.007 ff.; 

2.320.001; 2.331.001 ff.; 2.331.009 ff.; 2.351.001 ff.; 2.361.001 ff.).  

N. Mit prozessleitender Verfügung vom 7. Mai 2021 hielt das Gericht fest, dass der 

gemäss dem als Anklageschrift dienenden Strafbefehl, vom Tatbestand der Ge-

walt und Drohung betroffene Sicherheitsmitarbeitende C. mit Schreiben vom 

27. April 2021 seine Strafklage betreffend die Tatbestände der einfachen Körper-

verletzung und Tätlichkeit unwiderruflich zurückzog sowie betreffend den Tatbe-

stand der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte ausdrücklich auf 

die Konstituierung als Privatkläger i.S.v. Art. 120 StPO verzichtete (TPF 

2.255.001; 2.351.010). 

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SK.2021.5 

O. Der Einzelrichter eröffnete am 11. Mai 2020 in Anwesenheit der Verteidigerin des 

Beschuldigten die Hauptverhandlung am Sitz des Bundesstrafgerichts. Die Bun-

desanwaltschaft verzichtete auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung. Der 

ordnungsgemäss vorgeladene Beschuldigte blieb der Hauptverhandlung unent-

schuldigt fern (TPF 2.720.001 f.). 

Am 12. Mai 2021 fand die zweite Hauptverhandlung in Anwesenheit der Vertei-

digerin und der Auskunftsperson C. am Sitz des Bundesgerichts statt. Der Be-

schuldigte blieb auch dieser Hauptverhandlung unentschuldigt fern, worauf diese 

in seiner Abwesenheit durchgeführt wurde (Art. 336 StPO; [TPF 2.720.003 ff.]). 

Der Zeuge D. blieb seiner Einvernahme anlässlich der Hauptverhandlung eben-

falls unentschuldigt fern und wurde in der Folge mit einer Ordnungsbusse nach 

Art. 64 StPO belegt (TPF 2.913.001 ff.). Die Auskunftsperson C. erklärte im Rah-

men der Hauptverhandlung nochmals sein Desinteresse (TPF 2.771.006). 

Der Einzelrichter sistierte das Verfahren gleichentags in Anwendung von Art. 367 

Abs. 3 StPO, da die zu diesem Zeitpunkt bestehende Beweislage (Aus- 

sage-gegen-Aussage-Konstellation), die Ermittlung des Kerngeschehens man-

gels Sachbeweisen nicht zuliess und ein Urteil entsprechend nicht ergehen 

konnte (TPF 2.933.001 ff.). 

P. Mit Verfügung vom 13. Februar 2023 hob der Einzelrichter der Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts die Sistierung angesichts neuer bundesgerichtlicher Recht-

sprechung zur Beamteneigenschaft von Sicherheitsmitarbeitenden in Bundes-

asylzentren, die in vorliegendem Verfahren ein Urteil ohne Anwesenheit des Be-

schuldigten zulässt, auf und nahm das Verfahren von Amtes wegen wieder auf 

(TPF 2.933.008 ff.). 

Q. Gleichentags ordnete der Einzelrichter der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

das schriftliche Verfahren an, unter Einräumung einer Frist zur Stellungnahme 

an die Parteien (TPF 2.400.003).  

R. Die Verteidigerin reichte am 16. Februar 2023 ihre diesbezügliche Stellung-

nahme ein und stellte die eingangs genannten Anträge (TPF 2.521.010 ff.). Die 

Bundesanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 2. März 2023 auf die Einrei-

chung einer Stellungnahme (TPF 2.510.003).  

  

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SK.2021.5 

Der Einzelrichter erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Zuständigkeit 

Die Bundesgerichtsbarkeit ist vorliegend gestützt auf Art. 35 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 

19. März 2010 (Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG, SR 173.71) i.V.m. 

Art. 23 Abs. 1 lit. h StPO und Art. 26 Abs. 2 StPO gegeben. 

Die Kompetenz des Einzelrichters der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 StBOG. 

1.2 Gültigkeit des Strafbefehls und der Einsprache 

Hinsichtlich der Gültigkeit des Strafbefehls und der Einsprache, die das Gericht 

vorfrageweise zu prüfen hat (Art. 356 Abs. 2 StPO), stellen sich keine Fragen; 

Strafbefehl und Einsprache sind gültig. 

2. Materielles 

2.1 Anklagevorwurf 

2.1.1 Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, er habe 

am 15. Mai 2020, dem diensthabenden Sicherheitsbeamten C., welcher die Be-

wohner eines Bundesasylzentrums, darunter auch den Beschuldigten, daran zu 

hindern versuchte, sich einer dort stattfindenden Auseinandersetzung anzu-

schliessen, mit beiden Händen an den Hals gegriffen und zugedrückt, wodurch 

es ihm gelungen sei, C. für einige Sekunden zu würgen, bevor dieser den Angriff 

habe abwehren und den Beschuldigten zu Boden führen können. In der so be-

schriebenen Weise habe der Beschuldigte gehandelt, obschon er gewusst habe, 

dass es in die Zuständigkeit der im Bundesasylzentrum diensthabenden B.-Mit-

arbeitenden falle, für Ordnung und Sicherheit vor Ort besorgt zu sein. Der Be-

schuldigte habe gewusst bzw. zumindest billigend in Kauf genommen, dass er 

mit seinem Verhalten C. an der Ausübung seiner beruflichen Pflichten hindere 

und habe ihn darüber hinaus tätlich angegriffen. 

2.2 Rechtliches 

2.2.1 Nach Art. 285 Ziff. 1 StGB wird bestraft, wer eine Behörde, ein Mitglied einer 

Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, 

die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt 

oder während einer Amtshandlung tätlich angreift.  

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SK.2021.5 

2.3 Als Beamte gelten die Beamten und Angestellten einer öffentlichen Verwaltung 

und der Rechtspflege sowie die Personen, die provisorisch ein Amt bekleiden 

oder provisorisch bei einer öffentlichen Verwaltung oder der Rechtspflege ange-

stellt sind oder vorübergehend amtliche Funktionen ausüben (Art. 110 

Abs. 3 StGB). Der strafrechtliche Beamtenbegriff im Sinne von Art. 110 Abs. 3 

StGB erfasst sowohl institutionelle als auch funktionelle Beamte. Erstere sind die 

Beamten im öffentlich-rechtlichen Sinn sowie Angestellte im öffentlichen Dienst. 

Bei Letzteren ist es nicht von Bedeutung, in welcher Rechtsform diese für das 

Gemeinwesen tätig sind. Das Verhältnis kann öffentlich-rechtlich oder privat-

rechtlich sein. Entscheidend ist vielmehr die Funktion der Verrichtungen. Beste-

hen diese in der Erfüllung öffentlicher Aufgaben, so sind die Tätigkeiten amtlich 

und die sie verrichtenden Personen Beamte im Sinne des Strafrechts (BGE 141 

IV 329 E. 1.3; 135 IV 198 E. 3.3). 

Als Amtshandlung gilt jede Handlung, die innerhalb der Amtsbefugnisse des Be-

amten fällt und in seiner örtlichen und sachlichen Zuständigkeit liegt. Eine Amts-

handlung ist jede Betätigung in der Funktion als Beamter. Erfasst sind alle Teil-

akte der Amtstätigkeit, auch Vorbereitungs- und Begleithandlungen. Entschei-

dend ist, dass die Handlung im Zusammenhang mit der Erfüllung einer öffentlich-

rechtlichen Funktion steht (Urteile des Bundesgerichts 6B_891/2010 vom 11. Ja-

nuar 2011 E. 3.2; 6B_132/2008 vom 13. Mai 2008 E. 3.3). Innerhalb der Amts-

befugnis liegt die Handlung nach der Bestimmung des Art. 285 StGB dann, wenn 

die Behörde oder der Beamte zu ihrer Vornahme örtlich und sachlich zuständig 

ist (BGE 95 IV 172 E. 3; HEIMGARTNER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Vor 

Art. 285 StGB N. 12). Der tatbestandmässige Erfolg liegt in der Beeinträchtigung 

der Amtshandlung durch Einsatz der vom Gesetz genannten qualifizierten Mittel 

der Gewalt oder Drohung (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 5).  

2.3.1 Die Bestimmung stellt mehrere Tatvarianten unter Strafe, u.a. die Hinderung ei-

ner Amtshandlung mittels Gewalt oder durch einen tätlichen Angriff.  

Unter Gewalt ist jede physische Einwirkung auf den Amtsträger zu verstehen. 

Diese muss indessen eine gewisse Intensität aufweisen, um tatbestandsmässig 

zu sein (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 6 m.w.H.). Zu beachten ist, dass 

relative Kriterien zur Bestimmung der vorausgesetzten Intensität massgebend 

sind. Insbesondere ist auf die Konstitution, das Geschlecht und die Erfahrung 

des Opfers abzustellen. Vorausgesetzt wird eine eindeutige aggressive Kraftent-

faltung gegen die betreffende Amtsperson. Entscheidend ist die Gesamtwürdi-

gung bzw. -wirkung des Verhaltens des Beschuldigten (zum Ganzen HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 6 f.; Urteil des Bundesstrafgerichts 

SK.2018.50 vom 25. Januar 2019 E. 2.2.4; je m.w.H.). 

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Der tätliche Angriff besteht in einer unmittelbaren, auf den Körper zielenden Ag-

gression im Sinne der Verübung einer Tätlichkeit nach Art. 126 StGB, wobei die 

Tätlichkeit von einer gewissen Intensität sein muss (HEIMGARTNER, a.a.O., 

Art. 285 StGB N. 14 f.). 

2.3.2 Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz, Eventualvorsatz genügt (Art. 12 

Abs. 1 und 2 StGB). Dem Täter muss bewusst sein, dass es sich bei seinem 

Gegenüber möglicherweise um einen Amtsträger handelt. Zudem muss sich sein 

Vorsatz auch auf die Amtshandlung beziehen, d.h. der Täter muss um das mög-

liche Vorliegen einer Amtshandlung wissen, wobei auch hier Eventualvorsatz 

ausreicht. Die Handlung des Täters muss weiter vom Willen getragen sein, den 

Amtsträger an der Amtshandlung zu hindern (Urteil des Bundesgerichts 

6B_132/2008 vom 13. Mai 2008 E. 3.3; HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB 

N. 23 sowie Art. 286 StGB N. 15). 

2.4 Tatsächliche und rechtliche Würdigung 

2.4.1 Erstellt und unbestritten sind vorliegend einzig die Gegebenheiten, welche die 

Rahmenbedingungen betreffend die im Bundesasylzentrum Z. stattgefundene 

Auseinandersetzung bilden, d.h. Ort, Zeit und involvierte Personen. Der Beschul-

digte weist den Anklagevorwurf von sich und bestreitet, C. angegriffen zu haben. 

Da der Beschuldigte den beiden terminierten Hauptverhandlungen fernblieb, der 

Zeuge D. als dritte, am Vorfall anwesende, aber nicht am anklagegegenständli-

chen Kerngeschehen direkt involvierte, Person seiner Vorladung ebenfalls keine 

Folge leistete, war die Ermittlung des Kerngeschehens in der bestehenden Aus-

sage-gegen-Aussage-Konstellation mangels Sachbeweisen nicht möglich. Des-

halb wurde das Verfahren im Rahmen der Hauptverhandlung vom 12. Mai 2021 

sistiert (siehe vorne Prozessgeschichte Lit. O). An der, der Sistierung zu Grunde 

liegenden Beweislage hat sich nichts geändert und es kann bzw. muss offenblei-

ben, was sich tatsächlich zugetragen hat. Anders verhält es sich mit den rechtli-

chen Gegebenheiten, hat sich − wie nachfolgend zu zeigen sein wird − die Recht-

sprechung zur Beamteneigenschaft von Sicherheitsmitarbeitenden in Bundes-

asylzentren seit dem Zeitpunkt der Sistierung geändert, weshalb in casu ein Urteil 

ergehen kann, ohne dass die Anwesenheit des Beschuldigten erforderlich ist. 

2.4.2  

2.4.2.1 Das Bundesgericht hielt in BGE 148 II 218 zusammengefasst fest, dass die Ge-

währleistung von Sicherheit in einer vom Bund errichteten und geführten Asylun-

terkunft als öffentlich-rechtliche Aufgabe des Bundes zu qualifizieren sei und für 

die Auslagerung sicherheitspolizeilicher Aufgaben namentlich in Bezug auf die 

formellgesetzliche Grundlage (Art. 178 Abs. 3 BV) besonders hohe Anforderun-

gen gelten. Im zu beurteilenden Zeitpunkt, so das Bundesgericht, fehlte es an 

einer hinreichend bestimmten formellgesetzlichen Grundlage für die Auslagerung 

von Sicherheitsaufgaben in Asylzentren des Bundes, insbesondere genügte der 

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SK.2021.5 

damals noch massgebende aArt. 26 AsylG (in der Fassung vom 1. Juli 2013) den 

hohen Anforderungen an die Normbestimmtheit der formellgesetzlichen Rege-

lung für die Übertragung sicherheitspolizeilicher Aufgaben nicht (BGE 148 II 218 

E. 4.3 f. m.w.H. und E. 5.3.6). 

2.4.2.2 Mit Urteil vom 14. Juli 2022 hielt die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts 

zusammengefasst mit Bezug auf BGE 148 II 218 fest, dass die Übertragung der 

polizeilichen und damit öffentlichen Aufgabe der Gewährung von Ruhe und Ord-

nung in der vom Bund errichteten und geführten Asylunterkunft Z. an die E. AG 

durch das SEM ohne formellgesetzliche Grundlage erfolgt sei, die E. AG daher 

nicht für sich beanspruchen könne, eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen und die 

vom Sicherheitsunternehmen eingesetzten Hilfspersonen den Beamtenbegriff 

von Art. 110 Abs. 3 StGB nicht erfüllen, womit die von den durch die E. AG ein-

gesetzten Hilfspersonen ausgeführten Verrichtungen mangels funktionellem Be-

amtenstatus keine Amtshandlungen darstellen und diese mangels übertragenen 

Kompetenz zudem nicht befugt seien, polizeiliche Massnahmen durchzuführen 

oder polizeilichen Zwang auszuüben (CA.2022.9 E. 3.2.5). 

2.4.2.3 Die von der Bundesanwaltschaft gegen den vorgenannten Entscheid der Beru-

fungskammer des Bundesstrafgerichts erhobene Beschwerde wies das Bundes-

gericht mit Urteil 6B_947/2022 vom 6. Dezember 2022 ab. Das Bundesgericht 

hielt fest, dass die Vorinstanz zu Recht von der in BGE 148 II 218 ausgeführten 

Rechtsprechung ausging, wonach das SEM keine Befugnis hat, polizeiliche  

Massnahmen oder polizeilichen Zwang auszulagern und von einem betrauten 

Dritten ausführen zu lassen, da der heute massgebende Art. 24b AsylG − dessen 

Wortlaut soweit relevant jenem von aArt. 26 AsylG entspricht − die hohen Anfor-

derungen an die Normbestimmtheit der formellgesetzlichen Regelung zur Über-

tragung sicherheitspolizeilicher Aufgaben nicht zu genügen vermag und es somit 

an einer Delegationsnorm im Gesetz fehlt. Folglich bestand nach damals gelten-

dem Recht kein Raum für die Anwendung polizeilichen Zwangs und polizeilicher 

Massnahmen durch die E. AG, womit deren Hilfspersonen bei der Verrichtung 

polizeilichen Zwangs nicht als Beamte i.S.v. Art. 110 Abs. 3 bzw. Art. 285 Ziff. 1 

StGB handelten und die Fixierung, nicht der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe, 

sondern der privaten Gefahrenabwehr diente und damit keine amtliche Tätigkeit 

darstellt (Urteil 6B_947/2022 E. 3.2 ff. m.w.H.). 

2.4.3  

2.4.3.1 Im Lichte der vorgenannten bundesgerichtlichen Rechtsprechung hatte das SEM 

mangels genügender formellgesetzlicher Grundlage keine Befugnis dazu, poli-

zeiliche Massnahmen oder polizeilichen Zwang auszulagern und von einem be-

trauten Dritten ausführen zu lassen, womit die vom betrauten Dritten eingesetz-

ten Hilfspersonen nicht als Beamte i.S.v. Art. 110 Ziff. 3 bzw. Art. 285 Ziff. 1 StGB 

handelten und deren ausgeführte Verrichtungen mangels Beamteneigenschaft 

nicht als Amtshandlungen zu qualifizieren sind. 

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2.4.3.2 Vorgenanntes trifft auch auf das hier gegenständliche Verfahren zu, insbeson-

dere mangelte es im hier relevanten Tatzeitraum an einer genügenden formell-

gesetzlichen Grundlage im oben erläuterten Sinne, die es dem SEM ermöglicht 

hätte, die polizeiliche und damit öffentliche Aufgabe der Gewährleistung von 

Ruhe und Ordnung in der vom Bund errichteten und geführten Asylunterkunft Z. 

an die B. SA zu übertragen, hatte das SEM doch keine Befugnis dazu, polizeili-

che Massnahmen oder polizeilichen Zwang auszulagern und von einem betrau-

ten Dritten ausführen zu lassen. Bestand somit kein Raum für die Anwendung 

polizeilichen Zwangs und polizeilicher Massnahmen durch die B. SA, handelte 

deren Hilfspersonen, mitunter C., bei der Wegweisung und der anschliessenden 

Fixierung des Beschuldigten, die eine polizeiliche Massnahme im Sinne von 

Art. 6 lit. a ZAG darstellte, die mit körperlicher Gewalt, also polizeilichem Zwang 

im Sinne von Art. 5 lit. a ZAG durchgesetzt worden ist, nicht als Beamte im Sinne 

von Art. 110 Abs. 3 bzw. Art. 285 Ziff. 1 StGB.  

2.4.3.3 Nach dem Gesagten ist der vorliegend vom Tatbestand der Gewalt und Drohung 

betroffene diensthabende Sicherheitsmitarbeiter C. nicht als Beamter und seine 

Handlungen in Zusammenhang mit der Durchsetzung bzw. Wahrung von Ruhe 

und Ordnung im Bundesasylzentrum Z., insbesondere die Wegweisung vom Ort 

der Auseinandersetzung und die anschliessende Fixierung des Beschuldigten, 

nicht als Amtshandlungen i.S.v. Art. 285 Ziff. 1 StGB zu qualifizieren. In Anbe-

tracht dieser Faktoren ist der Beschuldigte im Ergebnis vom Vorwurf der Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte freizusprechen. 

3. Hinsichtlich des Antrags der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens wegen 

der in der Anklageschrift aufgeführten Tatbestände der Tätlichkeit gemäss 

Art. 126 StGB und einfachen Körperverletzung nach Art. 123 StGB, infolge Rück-

zugs der entsprechenden Strafanträge (siehe dazu vorne Prozessgeschichte 

Lit. N), gilt was folgt: 

Dem Tatbestand der Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB liegt derselbe Lebens-

sachverhalt zugrunde wie dem hier gegenständlichen Freispruch vom Vorwurf 

der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, wobei der Unrechtsgeh-

alt des Letzteren jenen der Tätlichkeit mitumfasst und dieser insofern konsumiert 

wäre, weshalb sich eine separate Erledigung erübrigt. Hingegen ist das Verfah-

ren gegen den Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 StGB infolge Rückzugs des Strafantrags in Anwendung von Art. 319 

Abs. 1 lit. d StPO einzustellen. 

  

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4. Verfahrenskosten 

4.1 Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen, so 

können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie 

rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen 

Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). 

Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung handelt es sich bei der Kostenpflicht 

des freigesprochenen oder aus dem Verfahren entlassenen Beschuldigten nicht 

um eine Haftung für ein strafrechtliches Verschulden, sondern um eine an zivil-

rechtliche Grundsätze angenäherte Haftung für ein fehlerhaftes Verhalten. Ver-

langt wird die klare Verletzung einer geschriebenen oder ungeschriebenen Ver-

haltensnorm aus der gesamten schweizerischen Rechtsordnung, durch welche 

die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert 

wurde (BGE 144 IV 202, E. 2.2 m.H.; Urteile des Bundesgerichts 6B_1314/2016 

vom 10. Oktober 2018, E. 9.2; 1B_180/2012 vom 24. Mai 2012, E. 2.2; 1B_39 

und 43/2012 vom 10. Mai 2012, E. 3.3 und 1B_21/2012 vom 27. März 2012, 

E. 2.1, je m.w.H.). In tatsächlicher Hinsicht darf sich die Kostenauflage nur auf 

unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen (Urteile des 

Bundesgerichts 1B_180/2012 vom 24. Mai 2012, E. 2.2; 1B_39 und 43/2012 vom 

10. Mai 2012, E. 3.3 und 1B_21/2012 vom 27. März 2012, E. 2.1, je m.w.H.). 

4.2 Vorliegend sind die Umstände weder klar nachgewiesen noch unbestritten, wo-

mit eine Kostenauflage zum vornherein ausser Betracht fällt. 

5. Entschädigung und Genugtuung des Beschuldigten 

5.1  

5.1.1 Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person bei Freispruch 

oder Einstellung des Verfahrens Anspruch auf Genugtuung für besonders 

schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, namentlich bei Freiheits-

entzug. Gemäss Art. 429 lit. c StPO ist eine schwere Verletzung anzunehmen 

und eine Genugtuung zuzusprechen, wenn sich die beschuldigte Person unge-

rechtfertigt in Untersuchungshaft befand (Botschaft zur Vereinheitlichung des 

Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1329; WEHREN-

BERG/FRANK, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 429 StPO N. 27; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_502/2020 vom 6. Mai 2021 E. 2.2). Der Anspruch ist nach 

Art. 429 Abs. 2 StPO von Amtes wegen zu prüfen. Die Festlegung der Höhe der 

Genugtuung beruht auf richterlichem Ermessen. Bei dessen Ausübung kommt 

den Besonderheiten des Einzelfalls grosses Gewicht zu (WEHRENBERG/FRANK, 

a.a.O., Art. 429 StPO N. 28).  

- 12 - 

SK.2021.5 

5.1.2 Das Bundesgericht erachtet bei kürzeren Freiheitsentzügen Fr. 200.-- pro Tag 

als angemessene Genugtuung, sofern nicht aussergewöhnliche Umstände vor-

liegen, die eine höhere oder eine geringere Entschädigung zu rechtfertigen ver-

mögen (statt vieler Urteil des Bundesgerichts 6B_502/2020 vom 6. Mai 2021 

E. 2.2). Dieser Tagessatz ist indes nur ein Kriterium für die Ermittlung der Grös-

senordnung der Entschädigung. In einem zweiten Schritt sind auch die Beson-

derheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen wie namentlich die Dauer des Frei-

heitsentzugs, die Auswirkungen des Strafverfahrens auf die betroffene Person 

und die Schwere der ihr vorgeworfenen Taten (zum Ganzen: BGE 143 IV 339 

E. 3.1 S. 342; Urteile des Bundesgerichts 6B_974/2020 vom 31. März 2021 E. 

2.1 ff.; 6B_531/2019 vom 20. Juni 2019 E. 1.2.2; 6B_506/2015 vom 6. Au-

gust 2015 E. 1.3.1; mit Hinweisen). 

5.1.3 Die Lebenshaltungskosten am Wohnsitz der anspruchsberechtigten Person ha-

ben bei der Festsetzung der Genugtuung im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO 

grundsätzlich unberücksichtigt zu bleiben (BGE 125 II 554 E. 4a). Von diesem 

Grundsatz darf abgewichen werden, wenn die wirtschaftlichen und sozialen Ge-

gebenheiten am Wohnsitz der anspruchsberechtigten Person von den hiesigen 

Verhältnissen markant abweichen und eine Entschädigung nach dem üblichen 

Ansatz daher eine krasse Besserstellung der anspruchsberechtigten Person zur 

Folge hätte. Sind die am Wohnort tieferen Lebenshaltungskosten bei der Fest-

setzung der Genugtuung im Sinne von Art. 431 Abs. 2 StPO ausnahmsweise zu 

berücksichtigen, darf indes nicht schematisch auf das (ungefähre) Verhältnis zwi-

schen den Lebenshaltungskosten am Wohnsitz der anspruchsberechtigten Per-

son und in der Schweiz abgestellt werden. Das Bundesgericht liess eine gewisse, 

nicht schematische Genugtuungsreduktion in Fällen zu, in denen die Lebenshal-

tungskosten am Wohnsitz der anspruchsberechtigten Person viel niedriger lagen 

als in der Schweiz (BGE 125 II 554 E. 4a: Vojvodina, autonome Provinz in der 

Republik Serbien, 18-mal tiefere Kaufkraft lässt eine Reduktion der Genugtuung 

um die Hälfte als angemessen erscheinen, wobei die mögliche Wohnsitznahme 

der zu Entschädigenden in der Schweiz berücksichtigt wurde; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_502/2020 vom 6. Mai 2021 E. 2.2: Serbien, dessen Lebenshaltungs-

kosten-Index bei 51.5 und die Kaufkraft rund 75 % tiefer als in der Schweiz liegen 

und das Lohnniveau weniger als 1/12 des schweizerischen Lohnniveaus beträgt, 

rechtfertigt eine Reduktion des Tagessatzes um 40 %; Urteil des Bundesgerichts 

6B_974/2020 vom 31. März 2021 E. 2.1.2 ff.: Georgien, um 3.6-mal tiefere Le-

benshaltungskosten und ca. 18.4-mal tieferer Durchschnittslohn rechtfertigt die 

Kürzung des üblichen Tagessatzes um 80 %, von Fr. 100.-- auf Fr. 20.--; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_531/2019 vom 20. Juni 2019 E. 1.2.2: Polen, Reduktion 

der Genugtuung auf Fr. 160.-- pro Tag infolge der 60 % tieferen Kaufkraft im Ver-

gleich zur Schweiz und einem Lohnniveau von 1/5 des schweizerischen Lohn-

niveaus; Urteil 6B_242/2019 vom 18. März 2019 E. 2: Algerien, Reduktion der 

Genugtuung von Fr. 100.-- auf Fr. 70.-- infolge des 20-mal tieferen BIP pro Kopf; 

Urteil des Bundesgerichts 1A.299/200 vom 30. Mai 2001 E. 5c: Bosnien und 

- 13 - 

SK.2021.5 

Herzegowina, Reduktion der Haftentschädigung um 75 % bei sechs- bis sieben-

fach tiefere Lebenshaltungskosten; je mit Hinweisen). 

5.2 Die Verteidigerin macht unter Berücksichtigung der Gesamtumstände (fehlende 

Bestellung einer anwaltlichen Vertretung zu Beginn des Verfahrens trotz offen-

sichtlicher Notwendigkeit; krasse Gehörsverletzung im Haftverfahren vor dem 

Zwangsmassnahmengericht; systematische Schlechtbehandlung des Beschul-

digten als Asylsuchender) eine Entschädigung von total Fr. 6'000.-- für 25 Tage 

Haft und damit Fr. 240.-- pro Hafttag geltend (TPF 2.521.014 ff.). 

5.3  

5.3.1 Der Beschuldigte hat sich vom 15. Mai 2020 bis am 8. Juni 2020 und somit für 

eine Dauer von 25 Tagen in Untersuchungshaft befunden (pag. BA 06-01-0001; 

-0033). Grundsätzlich ist vom üblichen Tagessatz von Fr. 200.-- auszugehen. 

Eine Erhöhung desselben aufgrund der Verfahrensdauer, wie von der Verteidi-

gung geltend gemacht, rechtfertigt sich nicht, zumal die Verfahrensverzögerung 

durch das Untertauchen des Beschuldigten gleich im Anschluss an seine Haft-

entlassung wesentlich mitverursacht wurde. Ebenso wenig vermag die von der 

Verteidigung vorgebrachte «fehlende Bestellung einer anwaltlichen Vertretung 

zu Beginn des Verfahrens trotz offensichtlicher Notwendigkeit» eine Erhöhung 

des Tagessatzes zu rechtfertigen, wurde die notwendige Verteidigung doch am 

20. Mai 2020, als sich abzeichnete, dass sich der Beschuldigte länger als 

10 Tage in Untersuchungshaft befinden und somit die Voraussetzung zur Anord-

nung einer amtlichen Verteidigung i.S.v. Art. 130 Abs. 1 lit. a StPO erfüllt sein 

werde, bestellt. Schliesslich ist die von der Verteidigung vorgebrachte systema-

tische Schlechtbehandlung des Beschuldigten als Asylsuchender im konkreten 

Fall nicht ersichtlich, geschweige denn erstellt, und fällt daher zum vornherein als 

genugtuungserhöhender Faktor ausser Betracht. Der vom Obergericht des Kan-

tons Zürich mit Beschluss vom 11. Juni 2020 festgestellten Gehörsverletzung ist 

als in casu vorliegender Besonderheit mit einer leichten Erhöhung des Tagessat-

zes Rechnung zu tragen. Ins Gewicht fällt indes weiter, dass die Haft nicht dazu 

geführt hat, dass dem Beschuldigten (enge) soziale Bindungen entzogen oder er 

aus einer normalen beruflichen Tätigkeit gerissen wurde, wie dies einem Frei-

heitsentzug ansonsten inhärent ist, schliesslich wurde der Beschuldigte bereits 

mit Entscheid vom 26. März 2020 aus der Schweiz weggewiesen (siehe dazu 

Prozessgeschichte Lit. F), was wiederum genugtuungsmindernd zu berücksich-

tigen ist (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_974/2020 vom 31. März 2021 

E. 2.2 f.). Unter Berücksichtigung der vorgenannten gesamten Umstände ist es 

angemessen, den Tagsatz bei Fr. 150.-- festzusetzen. 

5.3.2 Indes ist eine Reduktion der Genugtuung mit Blick auf die Lebenshaltungskosten 

im Herkunftsland und damit dem mutmasslichen (und rechtmässigen) Wohnsitz 

des Beschuldigten, der mittels Boot über Spanien illegal in die Schweiz eingereist 

- 14 - 

SK.2021.5 

und derzeit unbekannten Aufenthalts ist (pag. BA 18-02-0001 ff.), vorzunehmen, 

weichen diese − wie nachfolgend zu zeigen sein wird − markant von den hiesigen 

ab, weshalb eine Entschädigung nach dem üblichen Ansatz eine krasse Besser-

stellung von A. zur Folge hätte. 

Die Lebenshaltungskosten sind in Marokko unter Berücksichtigung des Lebens-

haltungskosten-Index, der für Marokko bei 48.2 liegt, rund dreimal und damit mar-

kant tiefer als in der Schweiz. Entsprechend belegt die Schweiz in einem Ver-

gleich der weltweiten Lebenshaltungskosten den zweiten Platz, Marokko Platz 

60 (<https://www.laenderdaten.info/lebenshaltungskosten.php>; zuletzt aufgeru-

fen am 9. Mai 2023). Während das durchschnittliche Minimaleinkommen in der 

Schweiz im Jahr 2022 bei US-Dollar 4'216 lag, belief sich dieses 2021 in Marokko 

auf US-Dollar 315 und lag somit 13.4-mal tiefer, mit anderen Worten, verdient 

man in der Schweiz in einem Monat mehr als während einem Jahr in Marokko 

(<https://ilostat.ilo.org/topics/wages/>; zuletzt aufgerufen am 9. Mai 2023). 

Schliesslich lag das BIP in Marokko im Jahr 2018 bei US-Dollar 7'928, jenes der 

Schweiz im Jahr 2020 bei US-Dollar 71'705 und damit rund 9-mal höher 

(<https://www.oecd.org/berlin/statistiken/bruttoinlandsprodukt.htm>; zuletzt be-

sucht 9. Mai 2023).  

Im Lichte dieser Faktoren und unter Berücksichtigung, der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, die namentlich aufgrund des 18.4-mal tieferen Lohndurch-

schnitts eine Reduktion des Tagessatzes um 80 % und mit Bezug auf die auto-

nome Provinz Serbiens Vojvodina eine Reduktion der Haftentschädigung um die 

Hälfte als angemessen erachtet hat (siehe dazu vorne E. 5.1.3), der durchschnitt-

liche Minimallohn in Marokko rund 13.4-mal tiefer liegt als in der Schweiz und 

sich Marokko in Bezug auf die Lebenshaltungskosten im internationalen Ver-

gleich hinter Serbien (Platz 50 im Vergleich der weltweiten Lebenshaltungskos-

ten) befindet, rechtfertigt sich in casu eine Reduktion des Tagessatzes auf einen 

Drittel. Diese Tagessatzhöhe hat nach dem Gesagten etwa die gleiche wieder-

herstellende Wirkung wie ein Tagessatz von Fr. 150.-- für einen in der Schweiz 

lebenden Genugtuungsberechtigten. Nach dem Gesagten ist der Tagessatz auf 

Fr. 50.-- zu reduzieren.  

5.3.3 Der Zinssatz beträgt gemäss Art. 73 OR 5 % (BGE 129 IV 149 E. 4.1 - 4.3 mit 

Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_534/2018 vom 21. Februar 2019 

E. 4.2). Die ungerechtfertigte Untersuchungshaft stellt im Falle der Genugtuung 

nach Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO das zinsauslösende schädigende Ereignis im 

Sinne der dargelegten Rechtsprechung dar (Urteile des Bundesgerichts 

6B_20/2016 vom 20. September 2016 E. 2.5.1; 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 

E. 2.2). Sofern – wie vorliegend – eine für jeden Hafttag gleichbleibende Genug-

tuungssumme zuzusprechen ist, kann der Zins ab einem mittleren Verfalltag zu-

gesprochen werden (BGE 131 III 12 E. 9.5; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 2.2). 

https://www.laenderdaten.info/lebenshaltungskosten.php
https://ilostat.ilo.org/topics/wages/
https://www.oecd.org/berlin/statistiken/bruttoinlandsprodukt.htm

- 15 - 

SK.2021.5 

5.4 Insgesamt ist A. eine Haftentschädigung von Fr. 1’250.-- (25 Tage x Fr. 50.--), 

zzgl. Zins zu 5 % seit dem 27. Mai 2020 auszurichten. 

6. Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

6.1 Mit Verfügung vom 11. Juni 2020 setzte die Bundesanwaltschaft Rechtsanwältin 

Sine Selman in Anwendung von Art. 132 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 130 lit. a und c 

StPO rückwirkend per 15. Mai 2020 als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten 

ein (pag. BA 16-01-0017). Die Bestellung der amtlichen Verteidigung im Vorver-

fahren erstreckt sich auch auf das gerichtliche Verfahren (Art. 134 StPO in fine), 

womit die Strafkammer zur Festlegung der Entschädigung der amtlichen Vertei-

digung zuständig ist (Art. 135 Abs. 2 StPO). 

6.2 Mit Verfügung vom 12. Mai 2021 wurde Rechtsanwältin Selman für ihre bisheri-

gen Aufwendungen in Anwendung des Anwaltstarifs des Bundes gemäss BStKR 

(SR.173.713.162) mit insgesamt Fr. 8'338.35 (inkl. MWST), davon 7 h à  

Fr. 200.-- Reisezeit, 25.6 h à Fr. 230.-- Arbeitszeit sowie Auslagen in der Höhe 

von Fr. 454.20, entschädigt (TPF 2.821.005 ff.). 

6.3 Die seit dem Erlass der Sistierungsverfügung ergangen Aufwendungen beziffert 

Rechtsanwältin Selman mit Fr. 1'244.85, davon 5 h Arbeitszeit à Fr. 230.-- sowie 

Fr. 5.85 Barauslagen, zzgl. der Mehrwertsteuer in Höhe von Fr. 89.--. Der geltend 

gemachte Arbeitsaufwand erscheint angemessen. 

6.4 Im Ergebnis ist Rechtsanwältin Selman für die amtliche Verteidigung des Be-

schuldigten mit insgesamt Fr. 9'583.20 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zu ent-

schädigen, wobei die bereits geleistete Zahlung in Höhe von Fr. 8'338.35 auf 

diesen Betrag angerechnet wird. Zu entrichten sind somit noch Fr. 1'244.85 (inkl. 

7.7 % MWST).  

- 16 - 

SK.2021.5 

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. Das Verfahren gegen A. wegen einfacher Körperverletzung (Art. 123 StGB) wird 

eingestellt. 

2. A. wird freigesprochen vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte (Art. 285 StGB). 

3. Die Kosten des Verfahrens trägt die Eidgenossenschaft. 

4. Die Eidgenossenschaft bezahlt A. Fr. 1’250.--, zuzüglich 5 % Zins seit dem 

27. Mai 2020, als Genugtuung. 

5. Rechtsanwältin Sine Selman wird für die amtliche Verteidigung von A. mit 

Fr. 9'583.20 (inkl. MWST) durch die Eidgenossenschaft entschädigt, unter An-

rechnung ausgerichteter Zahlungen. 

6. Dieser Entscheid wird den Parteien schriftlich eröffnet. 

 

Im Namen der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter   Die Gerichtsschreiberin 

- 17 - 

SK.2021.5 

Eine vollständige schriftliche Ausfertigung wird zugestellt an 

− Bundesanwaltschaft 

− Rechtsanwältin Selman 

Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an 

− Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde (vollständig) 

− Staatssekretariat für Migration (Art. 68 Abs. 1 StBOG) 

− Fedpol (Art. 1 Ziff. 9 Mitteilungsverordnung) 

Rechtsmittelbelehrung 

Berufung an die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts 

Gegen Urteile der Strafkammer des Bundesstrafgerichts, die das Verfahren ganz oder teilweise abschliessen, 

kann innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts mündlich oder 

schriftlich Berufung angemeldet werden (Art. 399 Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 1 StPO; Art. 38a StBOG). 

 

Mit der Berufung kann das Urteil in allen Punkten umfassend angefochten werden. Mit der Berufung können 

gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechts-

verweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes so-

wie Unangemessenheit (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).  

 

Die Berufung erhebende Partei hat innert 20 Tagen nach Zustellung des begründeten Urteils der Berufungs-

kammer des Bundesstrafgerichts eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Sie hat darin anzugeben, 

ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils 

sie verlangt und welche Beweisanträge sie stellt. Werden nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich 

anzugeben, auf welche sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). 

Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen schriftlich und begrün-

det Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a und 

Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). 

 

Mit der Beschwerde können gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-

brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; die unvollständige oder unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO). 

Einhaltung der Fristen 

Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist bei der Strafbehörde abgegeben oder zu deren Handen 

der Schweizerischen Post, einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung oder, im 

Falle von inhaftierten Personen, der Anstaltsleitung übergeben werden (Art. 91 Abs. 2 StPO). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Versand: 10. Mai 2023