# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20da7252-0540-5091-8929-4e3c24859ee4
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-02-22
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 22.02.2012 SK1 2011 42
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2011-42_2012-02-22.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 22. Februar 2012 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 11 42 [nicht mündlich eröffnet]         16. April 2012

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
RichterInnen Brunner und Michael Dürst
Aktuarin ad hoc Riesen-Ryser

In der strafrechtlichen Berufung

des X., Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. 
Diego F. Schwarzenbach, Via Stredas 4, Postfach 342, 7500 St. Moritz, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos vom 22. September 2011, Urteils-
dispositiv schriftlich eröffnet am 27. September 2011, mitgeteilt am 2. November 
2011, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstras-
se 17, 7001 Chur, Anklägerin und Berufungsbeklagte, gegen den Angeklagten und 
Berufungskläger,

betreffend Verletzung von Vorschriften des Strassenverkehrsgesetzes,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. X. wurde am _ in Ort A geboren und wuchs in Ort B auf. Er ist italienischer 
Staatsangehöriger. Nach der Primar- und Realschule sowie einem 10. Schuljahr 
absolvierte er eine kaufmännische Lehre, die er im Jahre 1996 mit Erfolg ab-
schloss. In der Folge durchlief er ein Praktikum als Informatiker bei der E.. Seit 
dem Jahre 2001 ist er bei der Firma F. Europe Ltd. in Ort C als Informatiker ange-
stellt. Dabei verdient er nach eigenen Angaben monatlich rund Fr. 6'500.-- netto, 
inklusive 13. Monatslohn. X. hat weder Schulden noch Vermögen. Seine Miete, 
die er alleine bezahlt, beträgt monatlich Fr. 1'500.--. Seine sonstigen Lebenshal-
tungskosten bewegen sich im Rahmen des Üblichen. X. hat keine Unterhaltsver-
pflichtungen.

Laut ADMAS-Massnahmeregister wurde X. der Führerausweis für die Dauer von 
vier Monaten vom 1. November 2009 bis zum 28. Februar 2010 entzogen. Bereits 
zuvor wurde er, aufgrund einer Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz 
vom 2. August 2008, verwarnt.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit einer Verurteilung verzeichnet: 
Mit Strafbefehl vom 24. März 2009 sprach ihn die Staatsanwaltschaft 
See/Oberland schuldig wegen vorsätzlicher grober Verletzung der Verkehrsregeln 
im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 
Abs. 1 VRV sowie wegen (einfacher) Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von 
Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d 
VRV und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 110.--, 
bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 
1'000.--, Ersatzfreiheitsstrafe neun Tage.

B. Mit Einstellungs- und Abtretungsverfügung vom 30. August 2010 stellte die 
Staatsanwaltschaft Graubünden die Strafuntersuchung gegen X. wegen grober 
Verletzung von Verkehrsregeln ein und trat den Fall für die Verfolgung und Beur-
teilung der Übertretungsstraftatbestände von Art. 37 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 1 
SVG, Art. 35 Abs. 7 SVG, Art. 47 Abs. 2 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 4 Abs. 5 
VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG an das Kreisamt Ort D ab.

C. Mit Strafmandat vom 27. Oktober 2010, mitgeteilt am 5. November 2010, 
entschied der Kreispräsident Ort D was folgt:

„1. X. ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 34 
Abs. 1 SVG, Art. 35 Abs. 7 SVG, Art. 47 Abs. 2 SVG, Art. 3 Abs. 1 
VRV und Art. 4 Abs. 5 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

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2. Dafür wird er bestraft mit einer Busse von Fr. 300.00, ersatzweise mit 
drei Tagen Freiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung.

3. Die Verfahrenskosten, bestehend in:

Gebühr und Barauslagen der Staatsanwaltschaft Fr. 285.00
Untersuchungs- und Gerichtsgebühr Fr. 200.00
Total Fr. 485.00

gehen zulasten von X.. Busse und Kosten im Betrag von Fr. 785.00 
sind innert 30 Tagen an das Kreisamt Ort D zu überweisen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

Der Kreispräsident Ort D legte seinem Strafmandat den folgenden Sachverhalt 
zugrunde:

„Am 4. Oktober 2009, um ca. 12.15 Uhr, machte X. mit dem Motorrad April-
ia, ZH _, zusammen mit A. und B. einen Motorradausflug ins Bündnerland. 
In Ort D auf der G.strasse war bei der H.bahntalstation ein Lichtsignal auf 
rot gestellt. X. überholte den am Anhalten begriffenen Personenwagen von 
C., währenddem die beiden andern hinter ihm anhielten. Nachdem die Am-
pel auf grün gewechselt hatte, fuhr X. langsam weiter und forderte seine 
Kameraden mit Handzeichen auf, den Personenwagen ebenfalls zu über-
holen. Da seine Kollegen dieser Aufforderung nicht nachkamen und X. im-
mer noch langsam fuhr, setzte C. zum Überholen an. X. verhinderte dies 
jedoch, indem er das Motorrad stark beschleunigte und dann die Ge-
schwindigkeit wieder reduzierte, so dass C. bremsen musste. Daraufhin 
fuhr X. in Schlangenlinien auf der rechten Fahrbahn weiter. Nachdem B. 
und A. den Personenwagen von C. ebenfalls überholt hatten, fuhren die 
drei gemeinsam weiter.“

D. Mit Eingabe vom 12. November 2010 liess X. Einsprache gegen das Straf-
mandat erheben. In der Folge übermittelte das Kreisamt Ort D die Akten an den 
Bezirksgerichtspräsidenten Prättigau/Davos Dieser ergänzte alsdann die Strafun-
tersuchung, indem er X. rechtshilfeweise einvernehmen liess. Am 28. März 2011 
erging die Schlussverfügung. Mit Anklageverfügung vom 17. Juni 2011 wurde X. 
wegen Widerhandlung gegen Art. 34 Abs. 1 SVG. Art. 35 Abs. 7 SVG, Art. 47 Abs. 
2 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 4 Abs. 5 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 
SVG in Anklagezustand versetzt.

E. Zur Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos, Erstinstanz-
liches Strafgericht, am 22. September 2011 erschien X. nicht persönlich; er wurde 
jedoch von seinem privaten Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Diego F. Schwar-
zenbach, vertreten. Dieser stellte im Rahmen seines Plädoyers den Antrag, X. von 
Schuld und Strafe freizusprechen, unter gesetzlicher Kosten- und Entschädi-
gungsfolge. Begründend führte er im Wesentlichen an, es werde anerkannt, dass 
das von den Eheleuten D. geschilderte Fahrverhalten eines Motorradlenkers ver-

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fehlt sei und eine einfach Verkehrsregelverletzung (eine Übertretung) darstelle. 
Jedoch sei fraglich, wer das Motorrad des Angeklagten damals gelenkt habe. Der 
Angeklagte wisse nicht mehr, zu welchem Zeitpunkt und an welcher Örtlichkeit die 
Motorräder unter ihm und A. getauscht worden seien. Auch könne sich X. an einen 
Vorfall an einem Lichtsignal, wie er von den Eheleuten D. geschildert werde, nicht 
erinnern.

F. Mit Urteil vom 22. September 2011, mitgeteilt am 2. November 2011, er-
kannte das Bezirksgericht Prättigau/Davos, Erstinstanzliches Strafgericht, wie 
folgt:

„1. X. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 34 Abs. 1 SVG, Art. 35 
Abs. 7 SVG, Art. 47 Abs. 2 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 4 Abs. 5 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

2. Dafür wird X. bestraft mit einer Busse von CHF 300.00, ersatzweise 
mit einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft 
GR von CHF 285.00

- den Kosten des Kreisamtes Ort D von CHF 200.00

- der Gerichtsgebühr / den Gerichtskosten von CHF 1'500.00

total somit von CHF 1'985.00

gehen zu Lasten des X.. Sie sind zusammen mit der Busse (CHF 
300.00), total also CHF 2'285.00, innert 30 Tagen seit eingetretener 
Rechtskraft dieses Urteils an die Bezirksgerichtskasse, PC 70-3922-1, 
zu überweisen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

Das Urteilsdispositiv wurde am 27. September 2011 schriftlich eröffnet/mitgeteilt, 
worauf X. am 29. September 2011 beim Bezirksgericht Prättigau/Davos die Beru-
fung gegen das Urteil anmeldete. Am 2. November 2011 teilte das Bezirksgericht 
Prättigau/Davos, Erstinstanzliches Strafgericht, sein begründetes Urteil mit. Es 
hielt fest, aufgrund der Akten komme als Täter vorliegend neben X. nur A. in Fra-
ge. X. habe geltend gemacht, A. und er hätten auf der Fahrt ihre Motorräder 
mehrmals getauscht. Auf entsprechende Frage habe er erklärt, es sei unmöglich, 
dass sich A. so verhalten habe, wie in der Anzeige geschildert. Wenn aber X. eine 
Täterschaft von A. ausschliesse, müsse davon ausgegangen werden, dass X. der 
Täter gewesen sei. Das der Anklageverfügung zugrunde gelegte Fahrverhalten 
habe der Angeklagte selbst als „verfehlt“ und als „eine einfache Verkehrsregelver-
letzung“ taxiert. X. habe mit dem ihm vorgeworfenen Verhalten die ihm zur Last 

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gelegten Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz begangen. Im wei-
teren sei aktenmässig nicht erwiesen, dass X. ein rücksichtsloses oder sonst 
schwerwiegend regelwidriges Verhalten an den Tag gelegt hätte, weshalb als 
Strafnorm Art. 90 Ziff. 1 SVG zur Anwendung gelange. Als Strafe erachtete es ei-
ne Busse von Fr. 300.--, Ersatzfreiheitsstrafe drei Tage, als dem Verschulden an-
gemessen. 

G. Mit Eingabe vom 16. November 2011 reichte X. beim Kantonsgericht von 
Graubünden eine schriftliche Berufungserklärung ein mit folgendem Rechtsbegeh-
ren:

„1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Prättigau/Davos vom 22. September / 
02. November 2011 sei vollumfänglich aufzuheben.

2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Widerhandlung gegen Art. 34 
Abs. 1 SVG, Art. 35 Abs. 7 SVG. Art. 47 Abs. 2 SVG, Art. 3 Abs. 1 
VRV und Art. 4 Abs. 5 VRG [recte: VRV] in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 
1 SVG freizusprechen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.“

H. Mit Verfügung vom 17. November 2011 räumte der Vorsitzende der I. Straf-
kammer des Kantonsgerichts von Graubünden der Staatsanwaltschaft Graubün-
den sowie dem Bezirksgericht Prättigau/Davos Gelegenheit zur Stellungnahme 
ein. Mit Schreiben vom 21. November 2011 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf 
eine Stellungnahme. Am 25. November 2011 erklärte das Bezirksgericht Prätti-
gau/Davos den Verzicht auf eine eigentliche Vernehmlassung unter Hinweise auf 
die Erwägungen im angefochtenen Urteil.

I. Mit Verfügung vom 28. November 2011 ordnete der Vorsitzende der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts das schriftliche Verfahren an und forderte den 
Berufungskläger auf, eine Berufungsbegründung einzureichen. Innert erstreckter 
Frist reichte der Rechtsvertreter von X. mit Eingabe vom 3. Januar 2012 seine Be-
rufungsbegründung ein. Er hielt fest, dass der in der schriftlichen Berufungser-
klärung gestellte Antrag bestätigt werde. Begründend machte er geltend, X. habe 
von Beginn weg bestritten, sich so verhalten zu haben, wie es die Anzeigeerstatter 
geschildert hätten. Die Aussagen der Zeugen würden übereinstimmen, weshalb 
vor der ersten Instanz der angeklagte Sachverhalt nicht bestritten worden sei. Je-
doch hätten die Zeugen den Motorradlenker nicht erkennen und nur vage Aus-
führungen zu Motorradmarke beziehungsweise –modell und über die Bekleidung 
des Motorradfahrers machen können, so dass der Täter aufgrund der Zeugenaus-
sagen nicht ermittelt werden könne. Die Vorinstanz begründe die Verurteilung la-
pidar damit, dass sich X. gegenüber der Polizei auf entsprechende Frage dahin-

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gehend geäussert habe, dass es unmöglich sei, dass sich A. so verhalten habe, 
wie in der Anzeige geschildert. Daraus ziehe die Vorinstanz den Schluss, dass X. 
das Motorrad gelenkt haben müsse. Sie übersehe dabei geflissentlich, dass X. in 
derselben polizeilichen Einvernahme wie in allen weiteren Einvernahmen seine 
Täterschaft bestritten habe. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, X. müsse der 
Fahrer gewesen sein, weil er gegenüber der Polizei erklärt habe, A. würde sich 
unmöglich so verhalten, sei willkürlich und verletze die Unschuldsvermutung. Auch 
die Haltereigenschaft von X. spreche entgegen den Ausführungen der Vorinstanz 
nicht für seine Täterschaft, da keine weiteren Indizien vorhanden seien. 

J. Mit Schreiben vom 9. Januar 2012 verzichtete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden auf die Einreichung einer Vernehmlassung zur Berufungsbegrün-
dung. Das Bezirksgericht Prättigau/Davos liess sich innert Frist nicht vernehmen. 

K. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil und in der Rechts-
schrift wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. Gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz 
oder teilweise abgeschlossen worden ist, ist die Berufung ans Kantonsgericht von 
Graubünden zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 22 des Ein-
führungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; BR 
350.100]). Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen 
Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Pro-
tokoll anzumelden. Die Partei, die Berufung angemeldet hat, hat sodann innert 20 
Tagen seit Zustellung des begründeten Urteils dem Berufungsgericht eine schriftli-
che Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO). Vorliegend wurde 
der Entscheid im Dispositiv am 27. September 2011 schriftlich mitgeteilt/eröffnet 
(vorinstanzliche Akten, act. 16), woraufhin X. am 29. September 2011 und somit 
innert Frist die Berufung beim Bezirksgericht anmeldete (act. A.01). Die Mitteilung 
des schriftlich begründeten Urteils erfolgte alsdann am 2. November 2011 (act. 
E.01). In der Folge reichte X. mit Eingabe vom 16. November 2011 die Berufungs-
erklärung beim Kantonsgericht von Graubünden ein (act. A.02). Nachdem der 
Vorsitzende das schriftliche Verfahren angeordnet und X. aufgefordert hatte, eine 
schriftliche Berufungsbegründung einzureichen (act. D.03), kam X. dieser Auffor-
derung innert erstreckter Frist am 3. Januar 2012 nach. Die Berufung ist somit 
frist- und formgerecht erhoben worden, weshalb darauf einzutreten ist.

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2. Vorliegend ist das schriftliche Verfahren (Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO) ange-
ordnet worden, da ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzli-
chen Hauptverfahrens gebildet haben. Eine öffentliche Berufungsverhandlung ist 
damit von vornherein ausgeschlossen (Art. 390 Abs. 4 StPO). Im weiteren hat die 
I. Strafkammer des Kantonsgerichts auf dem Zirkularweg entschieden (Art. 390 
Abs. 4 StPO), da einerseits Einstimmigkeit vorlag und andererseits keiner der ur-
teilenden Richter eine Beratung verlangte (Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommen-
tar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, N 10 zu Art. 390 
StPO).

3. Gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzun-
gen, einschliesslich Überschreiten und Missbrauch des Ermessens, Rechtsver-
weigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. 
Bildeten – wie dies vorliegend der Fall ist – ausschliesslich Übertretungen Gegen-
stand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur gel-
tend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des 
Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. 
Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 
Abs. 4 StPO). Das Kantonsgericht als Berufungsinstanz überprüft das vorinstanz-
liche Urteil grundsätzlich nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 
StPO). Tritt es auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erst-
instanzliche ersetzt (Art. 408 StPO).

4. Mit der Berufung wird der Sachverhalt, wie er von den Anzeigeerstattern, 
welche zudem als Zeugen einvernommen worden sind, geschildert worden ist, 
nicht bestritten. Ebenso wenig wird in Frage gestellt, dass durch ein dem Sach-
verhalt entsprechendes Verhalten die zur Anklage gebrachten Bestimmungen des 
Strassenverkehrsgesetzes verletzt werden. Hingegen wird geltend gemacht, dass 
sich aus den Akten, insbesondere aus den Aussagen der Zeugen, nicht ergebe, 
dass X. sich dem Sachverhalt entsprechend verhalten habe und damit der Täter 
gewesen sei. Das Gericht hat mithin die Frage zu beantworten, ob die Akten den 
Schluss zulassen, dass X. der Motorradfahrer gewesen ist, der von den Zeugen 
beobachtet worden ist.

5. Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Ver-
fahren gewonnen Überzeugung. Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfül-
lung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht 
von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 2 und 

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3 StPO). Die Beweislast liegt dabei beim Staat. An den Beweis sind hohe Anforde-
rungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht 
aber ein absoluter Beweis. Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK 
fliessenden Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter 
nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes 
überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der 
Sachverhalt so verwirklicht hat. Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind in-
dessen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewiss-
heit nicht verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu 
unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objekti-
ven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 86 E 2a). Es ist anhand sämtlicher sich 
aus den Akten ergebender Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der An-
klage oder jene des Angeklagten den Richter zu überzeugen vermag. Erst wenn 
eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung zu 
gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den Ange-
klagten günstigere Sachverhalt angenommen werden und es hat allenfalls ein 
Freispruch zu erfolgen (PKG 1987 Nr. 12). 

6. Die Anzeigeerstatter haben in ihrer Strafanzeige vom 5. Oktober 2009 zum 
einen das von ihnen beobachtete Verhalten eines Motorradlenkers geschildert und 
zum andern das Nummernschild des Motorrades festgehalten, nämlich ZH _ (Ak-
ten der Staatsanwaltschaft, act. 3.2). Beide Anzeigeerstatter haben als Zeugen 
erklärt, dass sie das Nummernschild des Motorrades noch während des inkrimi-
nierten Vorganges abgelesen und schriftlich festgehalten hätten (untersuchungs-
richterliche Konfronteinvernahme zwischen X. und C. vom 8. Februar 2010, Akten 
der Staatsanwaltschaft, act. 3.6, S. 5 f.; untersuchungsrichterliche Einvernahme 
von D. vom 5. März 2010, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.8, S. 2 f.). Auf-
grund ihrer klaren und widerspruchsfreien Aussagen ist zweifellos davon auszu-
gehen, dass die Zeugen das Nummernschild richtig abgelesen haben. X. bestrei-
tet dies denn auch nicht. Halter des Motorrades mit dem Kontrollschild ZH _ ist 
zugestandenermassen X. (polizeiliche Einvernahme von X. vom 29. Dezember 
2009, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 1, Frage 2). X. gibt im weiteren 
zu, an dem besagten Wochenende mit seiner Freundin B. und seinem Kollegen A. 
über verschiedene Pässe bis ins Engadin und zurück gefahren zu sein (Beru-
fungsbegründung, act. A.05, S. 5 oben). In der polizeilichen Einvernahme vom 29. 
Dezember 2009 hat er erklärt, dass sie in Ort D einen Zwischenhalt gemacht hät-
ten, dann aber gleich weitergefahren seien (Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, 
S. 2, Ziff. 7). Im weiteren hat er ausgesagt, dass B. damals mit einem „L“ unter-

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wegs gewesen sei (polizeiliche Einvernahme vom 29. Dezember 2009, Akten der 
Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 2 Ziff. 8). Bereits in der Anzeige war davon die 
Rede, dass ein Motorrad der Dreiergruppe mit einem „L“ gekennzeichnet gewesen 
sei (Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.2, S. 2). Die Akten lassen mithin den 
Schluss zu, dass X. mit seiner Freundin und einem Kollegen am 4. Oktober 2009 
um ca. 12.15 Uhr im Rahmen eines Motorradausfluges auf der G.strasse in Ort D 
bei der H.bahntalstation unterwegs gewesen ist. Der Verteidiger von X. hat denn 
auch aufgrund der übereinstimmenden Zeugenaussagen in seinem Plädoyer vor 
der Vorinstanz den angeklagten Sachverhalt nicht bestritten (Berufungsbegrün-
dung vom 3. Januar 2012, act. A.05, S. 6, Ziff. 9). Auch in der Berufung wendet er 
sich nicht gegen diesen Sachverhalt. X. hat im Rahmen des Untersuchungsverfah-
rens jedoch immer bestritten, dass er sich so verhalten habe, wie es in der Anzei-
ge geschildert werde (polizeiliche Einvernahme vom 29. Dezember 2009, Akten 
der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 2 f.; untersuchungsrichterliche Konfronteinver-
nahme mit C. vom 8. Februar 2010, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.6, S. 4 
unten und S. 5 oben; untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 8. Februar 
2010, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.7, S. 1; Einvernahme durch den Statt-
halter des Bezirkes Ort A, vorinstanzliche Akten, act. 7, S. 1 f.). Er hat im weiteren 
geltend gemacht, er habe auf dieser Fahrt mit seinem Kollegen A. das Motorrad 
getauscht. Bereits in der ersten rechtshilfeweisen Einvernahme bei der Kantons-
polizei Zürich hat X. ausgesagt, es komme vor, dass sie unter Kollegen ihre Mo-
torräder mal wechseln würden auf einer Tour (polizeiliche Einvernahme vom 29. 
Dezember 2009, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 1, Ziff. 3). Gleichzeitig 
erklärte er, dass er am 4. Oktober 2009 mit seinem Motorrad unterwegs gewesen 
sei (Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 2, Ziff. 9). In der untersuchungsrich-
terlichen Konfronteinvernahme mit C. bejahte X. die Frage, ob er auf jener Fahrt 
das Motorrad zeitweise mit seinem Kollegen A. getauscht habe. Auf den Vorhalt 
des Untersuchungsrichters, er habe gegenüber der Polizei jedoch ausgesagt, er 
sei mit seinem Motorrad unterwegs gewesen, erklärte er, es sei schon richtig, 
dass jeder mit seinem eigenen Töff unterwegs gewesen sei. Bei solchen Ausfahr-
ten komme es aber immer wieder vor, dass man das Motorrad austausche (Akten 
der Staatsanwaltschaft, act. 3.6, S. 2). Gegenüber dem Statthalter des Bezirks Ort 
A schliesslich hat X. am 22. März 2011 klar ausgesagt, an jenem Tag hätten er 
und sein Kollege die Maschinen mehrmals getauscht, wobei er aber nicht sagen 
könne, wer wann genau welches Motorrad gelenkt habe (Akten der Vorinstanz, 
act. 7, S. 3). X. hat mithin in der Untersuchung geltend gemacht, dass er 
grundsätzlich mit seinem eigenen Motorrad gefahren sei, dass er und sein Kollege 
A. das Motorrad aber auch getauscht hätten. Diese Aussage kann nicht einfach 

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als Schutzbehauptung qualifiziert werden, da gemäss der Lebenserfahrung ein 
Tausch von Motorrädern unter Motorradfahrern als nichts Aussergewöhnliches 
angesehen werden muss. Im weiteren ergibt sich aus den Akten nichts, was der 
Möglichkeit, dass X. und A. ihre Motorräder getauscht haben könnten, entgegen 
stehen würde. Insbesondere konnten die Zeugen X. nicht als Fahrer des Motorra-
des identifizieren, da dieser Fahrer einen Vollintegralhelm getragen hat (untersu-
chungsrichterliche Konfronteinvernahme zwischen X. und C. vom 8. Februar 2010, 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.6, S. 3; untersuchungsrichterliche Einver-
nahme vom D. vom 5. März 2010, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.8, S. 3). 
Ebenso konnten sie bezüglich der Bekleidung des Motorradfahrers keine sicheren 
Angaben machen. C. sagte diesbezüglich aus, der Lenker habe, soweit er sich 
erinnere, einen Kombi getragen mit grünen Streifen, die Farbe des Helms könne 
er nicht mehr angeben (untersuchungsrichterliche Konfronteinvernahme mit X. 
vom 8. Februar 2010, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.6, S. 2). D. erklärte, 
soweit sie sich noch erinnere, habe der Lenker einen dunklen Kombianzug getra-
gen. Sie wisse noch, dass auf dem Anzug oder dem Helm irgendetwas geleuchtet 
habe, entweder eine grüne oder eine gelbe Farbe. Es handle sich dabei nur noch 
um eine vage Erinnerung (untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 5. März 
2010, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.8, S. 3). X. hat ausgesagt, dass er kei-
nen Kombi mit grünen Streifen habe, ebenso wenig sein Kollege A. (untersu-
chungsrichterliche Konfronteinvernahme mit X. vom 8. Februar 2010, Akten der 
Staatsanwaltschaft, act. 3.6, S. 3 oben). Aufgrund der Tatsache, dass die Zeugen 
weder das Gesicht des Motorradfahrers sehen konnten, noch in der Lage waren, 
sichere Angaben zur Bekleidung des Fahrers zu machen oder andere Hinweise zu 
Besonderheiten des Fahrers zu geben, was eine eindeutige Identifizierung des 
Fahrers erlauben würde, stehen ihre Aussagen der Möglichkeit, dass X. und A. 
ihre Motorräder unter Umständen getauscht hatten, nicht entgegen. Da X. keine 
Angaben dazu machen konnte, wo sie die Motorräder jeweils getauscht hätten, 
und auch in den übrigen Akten keine Hinweise dazu zu finden sind, kann nicht 
rechtsgenüglich ausgeschlossen werden, dass im Zeitpunkt, als C. und D. den 
Motorradfahrer beobachteten, nicht X. sein eigenes Motorrad lenkte, sondern A.. 
Es vermag daher auch die Begründung der Vorinstanz nicht zu überzeugen; sie 
verfängt insbesondere vor dem Grundsatz der Unschuldsvermutung nicht. Es trifft 
zwar zu, dass die Zeugen das Motorrad von X. gesehen haben. Weiter steht auf-
grund der Akten fest, dass entweder X. oder A. dieses Motorrad in jenem Moment 
gefahren haben. Aus der Aussage von X., er könne sich nicht vorstellen, dass A. 
sich so verhalten habe, wie es in der Anzeige geschildert werde, kann aber offen-
sichtlich und entgegen den Ausführungen im angefochtenen Entscheid nicht der 

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Schluss gezogen werden, dann müsse X. der Fahrer gewesen sein, da nur diese 
zwei Personen in Frage kämen. X. hat in seinen Aussagen nicht nur betont, er 
könne sich ein solches Verhalten bei A. nicht vorstellen, er hat vielmehr auch klar 
ausgesagt, dass er selbst sich nicht so verhalten habe, wie es in der Anzeige dar-
gestellt werde. Er bestreitet seine Täterschaft damit klar und unzweideutig. Da 
kann es für eine Verurteilung augenscheinlich nicht genügen, lediglich darauf hin-
zuweisen, dass der Angeklagte die Täterschaft eines ebenfalls am Tatort anwe-
senden Kollegen nicht für möglich halte und dass nur diese zwei Personen als 
Täter in Frage kämen. Im weiteren hat X. in den Einvernahmen auch erklärt, er sei 
den ganzen Tag hinter seiner Freundin, die noch Lernfahrerin gewesen sei, gefah-
ren und A. sei zuvorderst gefahren (polizeiliche Einvernahme vom 29. Dezember 
2009, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 2 Ziff. 8 und S. 3 Ziff. 13). Diese 
Aussagen würden klar dafür sprechen, dass A. im Zeitpunkt, als sich die in der 
Anzeige geschilderten Vorfälle ereigneten, der Fahrer des Motorrades von X. ge-
wesen ist. A. wurde aus unerfindlichen Gründen jedoch nie zu den Ereignissen 
des 4. Oktober 2009 befragt, obwohl X. schon in der ersten polizeilichen Einver-
nahme bereitwillig Name und Adresse seines Kollegen angab (polizeiliche Einver-
nahme vom 29. Dezember 2009, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 2 Ziff. 
10). Ebenso wenig wurde die Freundin von X., B., welche auf der Motorradtour 
dabei war, befragt. Ein solches Versäumnis ist schlicht unverständlich. Beide hät-
ten zweifellos unter anderem Aussagen dazu machen können, ob anfangs Okto-
ber 2009 eine Fahrt von Ort D über den G. ins Engadin stattgefunden habe, ob bei 
dieser Fahrt die Motorräder getauscht worden seien, wer jeweils zuvorderst mit 
welchem Motorrad gefahren sei, ob X. immer hinter seiner Freundin gefahren sei, 
was für Kombis am besagten Tag von wem getragen worden seien, ob sie das in 
der Anzeige geschilderte Verhalten beobachtet hätten und wenn ja bei wem, und 
andere Fragen mehr. Es kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass durch 
die Befragung der Begleiter von X. neue Erkenntnisse hätten gewonnen werden 
können, die entweder die Aussagen von X. bestätigt oder aber gegen diese ge-
sprochen hätten. Es ist daher unerklärlich, weshalb in hinreichender Zeit nahe 
beim Vorfall, das heisst insbesondere der Untersuchungsrichter, allenfalls auch 
noch der Kreispräsident darauf verzichtet haben, die beiden Begleiter von X. ein-
zuvernehmen beziehungsweise rechtshilfeweise einvernehmen zu lassen. Es stellt 
sich damit die Frage, ob die Einvernahme von A. und B. im jetzigen Zeitpunkt an-
geordnet werden soll. Diese Frage ist zu verneinen. Die Zeugen beobachteten das 
vorliegend zur Anklage gebrachte Verhalten am 4. Oktober 2009. Bis eine Einver-
nahme von A. und B. durchgeführt werden könnte, lägen die vorliegend interessie-
renden Ereignisse daher mehr als 2 ½ Jahre zurück. Nach einem solchen Zeit-

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raum aber ist das Erinnerungsvermögen erfahrungsgemäss lückenhaft oder fehlt 
gänzlich. Dies insbesondere auch unter dem Aspekt, dass sich aus den Akten kein 
Hinweis ergibt, dass die Fahrt über den G. ins Engadin für die Dreiergruppe ir-
gendwelche besonderen Umstände enthielt, die ein Erinnern begünstigen würden. 
Auch der vorliegend zu prüfende Sachverhalt kann nicht als dermassen gravie-
rend eingestuft werden, dass er ohne weiteres auch noch nach mehr als zwei Jah-
ren im Gedächtnis haften geblieben sein müsste. Das Gericht gelangt daher zum 
Schluss, dass von einer Einvernahme von A. und B. vorliegend aufgrund des Zeit-
ablaufs keine entscheidrelevanten Aufschlüsse mehr zu erwarten sind. Damit aber 
steht fest, dass die Akten die Täterschaft von X. nicht zu belegen vermögen. Es 
fehlen rechtsgenügliche Beweise, dass X. am 4. Oktober 2009 um 12.15 Uhr auf 
der G.strasse in Ort D bei der H.bahntalstation sein Motorrad selbst gelenkt und 
dabei die von den Zeugen geschilderten Verkehrsregelverletzungen begangen 
hat. Die Vorinstanz hat X. damit zu Unrecht wegen Widerhandlung gegen Art. 34 
Abs. 1 SVG, Art. 35 Abs. 7 SVG, Art. 47 Abs. 2 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 4 
Abs. 5 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG verurteilt. Das vorinstanzliche 
Urteil erweist sich damit als rechtsfehlerhaft und die Berufung von X. als begrün-
det. Das vorinstanzliche Urteil ist unter diesen Umständen aufzuheben und X. ist 
von Schuld und Strafe freizusprechen.

7. Da der Berufungskläger im Berufungsverfahren freigesprochen wird, sind 
die Kosten der Strafuntersuchung und der Vorinstanz neu zu verlegen (vgl. Art. 
428 Abs. 3 StPO). Wird eine beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr 
Verfahrenskosten nur auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die 
Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 
426 Abs. 2 StPO). X. hat weder rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des 
Strafverfahrens bewirkt, noch dessen Durchführung erschwert, weshalb ihm keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Vielmehr sind die Verfahrenskosten vom je-
weiligen Gemeinwesen zu tragen. Die Kosten des Kreisamtes Ort D von Fr. 200.-- 
gehen somit zu Lasten des Kreises Ort D. Die Untersuchungskosten der Staats-
anwaltschaft Graubünden von Fr. 285.-- hat der Kanton Graubünden zu tragen. 
Die Kosten des Bezirksgerichts Prättigau/Davos von Fr. 1'500.-- schliesslich sind 
dem Bezirk Prättigau/Davos zu überbinden. 

8. Wird eine beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf 
Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-
rensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Der Verteidiger von X. hat vor der Vorin-
stanz eine Honorarnote eingereicht, die den Zeitraum vom 26. Januar 2010 bis 
zum 22. September 2011 abdeckt (vorinstanzliche Akten, act. 14, total Fr. 

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5'831.90). Aus dieser Honorarnote lässt sich ohne weiteres errechnen, welche 
Aufwendungen der Verteidiger in welchem Stadium des Verfahrens hatte. Für das 
Untersuchungsverfahren, welches die Staatsanwaltschaft Graubünden geführt und 
das bis zum 30. August 2010 gedauert hat (Datum der Abtretung des Verfahrens 
an das Kreisamt Ort D, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 1.12), wird ein Aufwand 
von 9 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht. Unter Berücksichtigung, dass in 
diesem Aufwand die Teilnahme an den Zeugeneinvernahmen enthalten ist, die in 
Chur stattgefunden haben und daher für den Verteidiger eine längere Anreise 
nötig machten, ist dieser Aufwand der Schwierigkeit des Falles entsprechend 
durchaus angemessen. Bei einem Stundenansatz von Fr. 240.-- ergibt sich somit 
ein Aufwand von Fr. 2'260.--. Hinzukommen die Spesen, welche mit pauschal 3 % 
abgerechnet worden sind, was Fr. 67.80 entspricht, sowie die Mehrwertsteuer von 
7.6 % auf den gesamten Betrag, was Fr. 176.90 ergibt. Insgesamt sind im Unter-
suchungsverfahren damit Aufwendungen von Fr. 2'504.70 entstanden. Diese hat 
der Kanton Graubünden zu tragen. Für das Verfahren vor dem Kreispräsidenten 
Ort D ergibt sich aus der Honorarnote ein Aufwand von 2 Stunden und 10 Minu-
ten, was bei einem Stundenansatz von Fr. 240.-- Fr. 520.-- entspricht. Hinzukom-
men die Spesen von pauschal 3 %, also Fr. 15.60, sowie die Mehrwertsteuer von 
7.6 % auf den gesamten Betrag, was Fr. 40.70 ergibt. Im Verfahren vor dem 
Kreispräsidenten ist mithin ein Aufwand von insgesamt Fr. 576.30 angefallen, den 
der Kreis Ort D zu tragen hat. Im Zusammenhang mit dem Verfahren vor der Vor-
instanz wird in der Honorarnote ein Aufwand von insgesamt 10 Stunden und 10 
Minuten geltend gemacht. Dies erscheint, unter Berücksichtigung, dass eine 
mündliche Hauptverhandlung in Klosters stattgefunden hat, welche der Verteidiger 
vorbereiten musste und an welcher er teilgenommen hat, vertretbar. Bezüglich des 
Aufwandes im Verfahren vor der Vorinstanz ist im weiteren zu beachten, dass ein 
Teil im Jahre 2010 und ein Teil im Jahre 2011 angefallen ist, weshalb zwei unter-
schiedliche Mehrwertsteuersätze Anwendung finden müssen. Für das Jahr 2010 
weist die Honorarnote einen zeitlichen Aufwand von 3 Stunden und 20 Minuten 
aus, was bei einem Stundenansatz von Fr. 240.-- Fr. 800.-- ergibt. Auch hier sind 
Spesen von pauschal 3 % oder Fr. 24.-- hinzuzurechnen. Die Mehrwertsteuer auf 
den gesamten Betrag beträgt für das Jahr 2010 noch 7.6 %, was Fr. 62.60 ent-
spricht. Insgesamt ist im Jahr 2010 somit ein Aufwand von Fr. 886.60 entstanden. 
Im Jahr 2011 ist gemäss Honorarnote ein zeitlicher Aufwand von 6 Stunden und 
50 Minuten ausgewiesen. Dies entspricht bei einem Stundenansatz von Fr. 240.-- 
Fr. 1'640.--. Die Spesenpauschale von 3 % ergibt damit Fr. 49.20. Die Mehrwert-
steuer für den gesamten Betrag beträgt 8 % oder Fr. 135.10. Schliesslich sind 
noch Fahrspesen von Fr. 40.-- dazuzuzählen (in der Honorarnote werden diese 

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nicht in die Mehrwertsteuerberechnung miteinbezogen, weshalb davon auszuge-
hen ist, dieser Betrag enthalte die Mehrwertsteuer bereits). Für das Jahr 2011 wird 
somit ein Aufwand von Fr. 1'864.30 geltend gemacht. Insgesamt ist für das Ver-
fahren vor der Vorinstanz somit ein Aufwand von Fr. 2'750.90 (Fr. 886.60 + Fr. 
1'864.30) angefallen, der vom Bezirk Prättigau/Davos zu ersetzen ist. 

9. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe 
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Erwirkt die Partei, die 
ein Rechtmittel ergriffen hat, einen für sie günstigeren Entscheid, so können ihr die 
Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn die Voraussetzungen für das Obsiegen 
erst im Rechtsmittelverfahren geschaffen worden sind oder wenn der angefochte-
ne Entscheid nur unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 StPO). Vorliegend 
hat X. mit seiner Berufung erreicht, dass er vollständig freigesprochen wird, wes-
halb das vorinstanzliche Urteil nicht nur unwesentlich abgeändert wird. Im weite-
ren hat es nicht X. zu verantworten, dass seine Begleiter nicht einvernommen 
worden sind und nun aufgrund des Zeitablaufs von einer Einvernahme abgesehen 
wird. Unter diesen Umständen sind die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe 
von Fr. 2'000.-- dem Kanton Graubünden aufzuerlegen. Auch im Rechtsmittelver-
fahren hat die Partei, die freigesprochen wird, Anspruch auf Entschädigung ihrer 
Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 436 
Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Der Verteidiger von X. 
hat im Berufungsverfahren keine Honorarnote eingereicht, weshalb das Gericht 
die ausseramtliche Entschädigung ermessensweise festzusetzen hat. Rechtsan-
walt lic. iur. Diego F. Schwarzenbach musste zunächst das Urteil der Vorinstanz 
prüfen und mit seinem Mandanten besprechen. Dann hat er eine Berufungser-
klärung und eine Berufungsbegründung verfasst. Unter Berücksichtigung dieser 
notwendigen Verrichtungen, bei welchen er sich auf seine früheren Erkenntnisse 
abstützen konnte, gelangt die I. Strafkammer des Kantonsgerichts zum Schluss, 
dass eine ausseramtliche Entschädigung in Höhe von pauschal Fr. 1'200.-- (inklu-
sive Spesen und Mehrwertsteuer) der Schwierigkeit und der Bedeutung des Falles 
angemessen ist.

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III. Demnach wird erkannt

1. Die Berufung wird gutgeheissen und das angefochtene Urteil wird aufgeho-
ben.

2. X. wird von der Anklage betreffend Widerhandlung gegen Art. 34 Abs. 1 
SVG, Art. 35 Abs. 7 SVG, Art. 47 Abs. 2 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 4 
Abs. 5 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG freigesprochen.

3. a) Die Kosten des Kreisamtes Ort D von Fr. 200.-- gehen zu Lasten des 
Kreises Ort D, welcher X. mit Fr. 576.30 (inklusive Mehrwertsteuer und 
Spesen) zu entschädigen hat.

b) Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 
285.-- gehen zu Lasten des Kantons Graubünden, welcher X. für das 
Untersuchungsverfahren mit Fr. 2'504.70 (inklusive Mehrwertsteuer und 
Spesen) zu entschädigen hat.

b) Die Kosten des Bezirksgerichts Prättigau/Davos, Erstinstanzliches 
Strafgericht, von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des Bezirkes Prätti-
gau/Davos, welcher X. für das Gerichtsverfahren mit Fr. 2'750.90 (in-
klusive Mehrwertsteuer und Spesen) zu entschädigen hat.

c) Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2'000.-- gehen zu Lasten 
des Kantons Graubünden, welcher X. für das Berufungsverfahren mit 
Fr. 1’200.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Spesen) zu entschädigen 
hat.

4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesge-
richt geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Ta-
gen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der 
gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vorausserzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

5. Mitteilung an: