# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 823fc18a-525b-56d2-8019-d210475e1b2a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.11.2022 E-4756/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4756-2022_2022-11-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4756/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richterin Chiara Piras,   

Richterin Muriel Beck Kadima; 

Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Katrin Henzi,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 19. September 2022 / N (…). 

 

 

 

E-4756/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 19. Juni 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 25. Juli 2022 fand die Erstbefragung unbegleitete minder-

jährige Asylsuchende (UMA) und am 9. September 2022 die Anhörung 

nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt, an welchen er im Wesentlichen aus-

führte, er sei afghanischer Staatsangehöriger pastunischer Ethnie und 

komme aus dem Dorf B._______ im Distrikt C._______ in der Provinz 

Baghlan, wo seine Familie noch heute wohnhaft sei. Das Dorf B._______ 

sei schon immer in den Händen der Taliban gewesen. Ungefähr einmal pro 

Monat oder alle 20 Tage sei ein Treffen in der Moschee abgehalten worden, 

bei welchem Leute aufgefordert worden seien, den Taliban eine Person pro 

Haushalt zur Verfügung zu stellen. In diesem Rahmen sei sein Vater auf-

gefordert worden, ihn, den Beschwerdeführer, zu ihnen zu schicken, damit 

sie diesen in den Dschihad entsenden könnten. Nachdem sein Vater dies 

nicht getan habe, hätten die Taliban diesen gefragt, weshalb er seinen 

Sohn nicht ausgehändigt habe und ob dieser ein Spion sei. Zudem hätten 

sie Drohungen gegen ihn und seinen Vater ausgesprochen. Nach einer ge-

wissen Zeit habe er, der Beschwerdeführer, einen Brief von den Taliban 

erhalten, in welchem er aufgefordert worden sei, zu ihnen zu gehen. Un-

gefähr fünf bis zehn Tage später seien die Taliban zu ihm nach Hause ge-

kommen, hätten ihn mitgenommen, ihn – als Strafe dafür, dass er nicht zu 

ihnen gegangen sei – auf den Rücken geschlagen und zwei Nächte lang 

eingesperrt. Der Kommandant der Taliban habe ihm zudem gedroht, sei-

nen Kopf abzuschneiden, wenn er ein weiteres Mal nicht zu ihnen kommen 

würde. So habe sich sein Vater an die Dorfältesten gewandt, welche die 

Taliban gebeten hätten, ihn freizulassen. Daraufhin hätten die Taliban ihn 

unter der Bedingung freigelassen, dass die Dorfältesten ihn, nachdem er 

von seinen Verletzungen genesen sei, zu den Taliban zurückbringen wür-

den. Etwa 20 Tage später sei Krieg in seinem Dorf ausgebrochen und er 

sei, gemeinsam mit seiner Familie, zu seiner Tante mütterlicherseits nach 

C._______ gegangen. Da die Dorfältesten ihn den Taliban hätten aushän-

digen müssen, hätten seine Eltern ihm geraten, nicht mit ihnen in ihr Dorf 

zurückzukehren. Daraufhin sei er ausgereist.  

A.b Im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerde-

führer eine Kopie seiner Tazkira sowie Kopien der Tazkiras seiner Eltern zu 

den Akten.  

E-4756/2022 

Seite 3 

A.c Am 15. September 2022 händigte das SEM der Rechtsvertretung des 

Beschwerdeführers den Entscheidentwurf aus und gab ihr Gelegenheit zur 

Stellungnahme. Die Rechtsvertretung reichte am 16. September 2022 eine 

solche ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 19. September 2022 stellte die Vorinstanz fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-

such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der 

Wegweisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufi-

gen Aufnahme auf.  

C.  

C.a Mit Eingabe vom 19. Oktober 2022 reichte der Beschwerdeführer 

durch seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-

richt ein und beantragte, die angefochtene Verfügung sei in den Dispositiv-

ziffern 1 bis 3 aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei 

Asyl zu gewähren, eventualiter sei die angefochtene Verfügung in den Dis-

positivziffern 1 bis 3 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses.  

Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen eingegan-

gen.  

C.b Der Beschwerde wurden die angefochtene Verfügung inklusive der 

Empfangsbestätigung, beide datiert vom 19. September 2022, eine Voll-

macht vom 23. Juni 2022, die Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 

16. September 2022, das Protokoll der Erstbefragung UMA (EB) vom 

25. Juli 2022, das Protokoll der Anhörung nach Art. 29 AsylG vom 9. Sep-

tember 2022, einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe «Afgha-

nistan: Zwangsrekrutierung von Minderjährigen durch die Taliban» vom 

12. Mai 2022 und die Unterstützungsbedürftigkeitserklärung vom 19. Ok-

tober 2022 (alle Dokumente in Kopie) beigelegt.  

D.  

Am 20. Oktober 2022 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde. 

 

 

E-4756/2022 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten.  

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 5 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht 

haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

3.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen 

der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-

motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die 

geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE 

2008/12 E. 5., 2010/57 E. 2).  

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung unter anderem 

aus, die Aufforderungen der Taliban an den Vater des Beschwerdeführers, 

diesen zu ihnen zu schicken, damit er für sie in den Dschihad ziehe, be-

ruhten auf keinem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv. Das vom Be-

schwerdeführer dargelegte Vorgehen der Taliban verfolge nicht das Ziel, 

den Beschwerdeführer aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe zu treffen beziehungsweise ihn deswegen zu verfolgen. 

Auch den Akten seien keine Hinweise betreffend zusätzliche Risikofakto-

ren zu entnehmen, wonach die Taliban ihn nicht als «normalen» Jugendli-

chen, sondern als Feind und Verräter betrachten, ihm mithin eine oppositi-

onelle Gesinnung unterstellen würden. Nachdem der Beschwerdeführer ei-

nen Drohbrief der Taliban ignoriert habe, hätten diese ihn aufgesucht und 

mitgenommen. Der Beschwerdeführer habe dazu ausgeführt, dass der 

Kommandant der Taliban ihn von seinen Männern habe schlagen lassen, 

da er nicht auf die Aufforderungen reagiert und auch den Drohbrief nicht 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12

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Seite 6 

ernst genommen habe. Zudem habe er ihm gedroht, ihm den Kopf abzu-

schneiden, wenn er sich noch einmal weigern sollte, zu den Taliban zu 

kommen. Daraus, so die Vorinstanz, werde ersichtlich, dass die Anschuldi-

gungen der Taliban, der Beschwerdeführer sei ein Spion, einzig und alleine 

darauf abzielen würden, ihn zu zwingen, für sie in den Dschihad zu ziehen. 

Die anschliessende Bestrafung sei darauf zurückzuführen, dass er nicht 

auf die Aufforderung der Taliban, für sie in den Dschihad zu ziehen, reagiert 

habe, und nicht, weil ihm eine oppositionelle Gesinnung unterstellt worden 

sei. Wäre dies der Fall gewesen, hätten die Taliban ihn nicht zur Genesung 

freigelassen. Zu diesem Verhalten passe auch, dass die Taliban ihn nie 

aufgrund von in ihren Augen nicht islamkonformen Benehmens belästigt 

oder bestraft hätten. Nach Angaben des Beschwerdeführers seien die Ta-

liban nach seiner Ausreise einmal bei seinen Eltern erschienen und hätten 

nach ihm gefragt. Nachdem seine Eltern ihnen gesagt hätten, sie wüssten 

nicht, wo er sei und dass er nach den an ihn gerichteten Drohungen von 

den Taliban verschollen sei, sei nichts Weiteres passiert.  

Zum Vorhalt des Beschwerdeführers anlässlich der Stellungnahme zum 

Entscheid vom 16. September 2022 führte die Vorinstanz weiter aus, dass, 

entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers, nichts auf eine Verfolgung 

aus religiösen Motiven schliessen lasse. Dem Beschwerdeführer könne je-

doch gefolgt werde, dass es sich bei der Kindseigenschaft sowie dem Ge-

schlecht um unabänderliche Merkmale handle. Diese würden aber auf Mil-

lionen von Personen zutreffen und seien somit ungeeignet, eine soziale 

Gruppe im Sinne von Art. 3 AsylG zu bilden.  

4.2 Der Beschwerdeführer erwidert auf Beschwerdeebene im Wesentli-

chen, er sei zum Zeitpunkt seiner Flucht minderjährig gewesen, gehöre so-

mit der sozialen Gruppe der Kinder an. Das Bundesverwaltungsgericht be-

jahe diesbezüglich im Urteil E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 bei ei-

nem Beschwerdeführer, dem als Minderjähriger eine Zwangsrekrutierung 

durch eine Miliz in Afghanistan gedroht habe, das einschlägige Verfol-

gungsmotiv. Die Verfolgungshandlung der Taliban treffe das Kind direkt in 

seinem Kindsein – in seinem Sein und nicht bloss in seinem Tun. Da die 

Verfolgungshandlung durch sein Alter beziehungsweise seine Kindseigen-

schaften motiviert gewesen sei, bestünde ein einschlägiges Verfolgungs-

motiv. Weiter bestünde aufgrund seines (männlichen) Geschlechts und sei-

nes Wohnorts ein Verfolgungsmotiv. Ferner habe er zwar in der Anhörung 

nicht explizit hervorgebracht, dass ihm eine asylrelevante Strafe aufgrund 

einer unterstellten politischen beziehungsweise religiösen Anschauung 

drohen würde, habe aber vorgebracht, die Taliban hätten den Vater gefragt, 

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wieso er, der Beschwerdeführer, nicht gekommen sei und ob er ein Spion 

sei. Aufgrund dieser Aussagen habe das SEM davon ausgehen müssen, 

dass die Taliban angenommen hätten, er habe eine verpönte politische be-

ziehungsweise religiöse Anschauung. Zudem sei es auch sehr wahrschein-

lich, dass seine Weigerung, in den Dschihad zu ziehen, von den Taliban 

als politisch verpönte Anschauung aufgenommen worden sei. Es liege aber 

auch eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung vor, da die Taliban 

seine Weigerung, sich ihnen anzuschliessen, als politischer Verrat verstün-

den und er dadurch in naher Zukunft einen schweren Nachteil erleide.  

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

Recht abgelehnt hat, da seine Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant 

im Sinne von Art. 3 AsylG seien. Zur Vermeidung von Wiederholungen 

kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung 

vom 19. September 2022 verwiesen werden. Ergänzend ist das Folgende 

festzuhalten:  

5.2 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, ihm habe als Min-

derjährigem vor der Machtübernahme der Taliban eine Zwangsrekrutierung 

mittels mündlicher Aufforderung an seinen Vater und schriftlicher Aufforde-

rung (Brief) an ihn gedroht. Aufgrund der Nichtbefolgung dieser Aufforde-

rungen sei er entführt und geschlagen worden. Nachdem er zur Genesung 

seiner Wunden freigelassen worden sei, sei er ausgereist.  

5.3 Die Zwangsrekrutierung vor seiner Ausreise erscheint im zeitlichen und 

länderspezifischen Kontext grundsätzlich plausibel. So war der Einfluss der 

Taliban in seiner Heimatprovinz Baghlan als einer der am meisten von die-

sen kontrollierten Regionen im Nordosten Afghanistans sehr hoch  

(vgl. euaa, Baghlan, <https://euaa.europa.eu/country-guidance-afghanis-

tan-2020/Baghlan>, abgerufen am 21. Oktober 2022). Die Taliban traten 

mit Zwangsrekrutierungsversuchen Minderjähriger bereits in früheren Jah-

ren in Erscheinung, was auch mit den Aussagen des Beschwerdeführers 

in der Anhörung übereinstimmt, wonach das Dorf schon immer in den Hän-

den der Taliban gewesen sei und diese hätten tun und machen können, 

was sie wollten (vgl. Akten der Vorinstanz 1176956 [nachfolgend: SEM-

act.] A22/8 F15). Verschiedene Berichte weisen zudem darauf hin, dass die 

Taliban vorwiegend junge Paschtunen aus ländlichen Gebieten zu rekru-

tieren versuchten. Diesbezüglich ist allerdings umstritten, ob sie dabei stets 

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Seite 8 

Gewalt anwandten beziehungsweise anwenden oder sich auf die Rekrutie-

rung von Freiwilligen fokussieren (vgl. UK Home Office, Afghanistan: Un-

accompanied children, April 2021, S. 45 ff., <https://www.ecoi.net/en/file/lo-

cal/2050110/Afghanistan-unaccompanied-+children-CPIN-v2.0%28Ar-

chived%29.pdf> m.w.H., abgerufen am 21. Oktober 2022).  

5.4 Die Frage, ob dem minderjährigen Beschwerdeführer im Zeitpunkt der 

Ausreise von Seiten der Taliban tatsächlich ernsthafte Nachteile aufgrund 

eines asylrechtlich relevanten Motivs drohten, kann mit Verweis auf die 

nachfolgenden Erwägungen mangels Aktualität offenbleiben. Im Übrigen 

ist festzuhalten, dass das vom Beschwerdeführer referenzierte Urteil  

E-5072/2018 weder ein Grundsatz- noch ein Koordinationsurteil darstellt 

und in diesem Zusammenhang auf weitere Urteile zu verweisen ist, in de-

nen nicht von einem diskriminierenden Ansatz im Zusammenhang mit 

Zwangsrekrutierungen ausgegangen wurde (vgl. statt vieler Urteile BVGer 

D-72/2022 vom 12. September 2022 E. 5.4; D-2116/2022 vom 5. Septem-

ber 2022 E. 7.4; E-2456/2018 vom 26. Juni 2020 m.w.H.; D-1257/2020 

vom 16. März 2020 E. 5.5.2; D-7291/2017 vom 2. April 2019 E. 5.2).  

5.5 Es ist im heutigen Zeitpunkt festzustellen, dass die Taliban nach der 

zwischenzeitlich erfolgten Machtübernahme wohl nicht mehr auf Zwangs-

rekrutierungen angewiesen sind. So beinhalten aktuelle Berichte zur Lage 

in Afghanistan keine Hinweise auf systematische Zwangsrekrutierungen, 

sie deuten vielmehr darauf hin, dass die Taliban eher Mitglieder der ehe-

maligen Sicherheitskräfte zu rekrutieren versuchen (vgl. UK Home Office, 

Afghanistan: Fear of the Taliban, April 2022, Ziff. 6.11, 

<https://www.ecoi.net/en/file/local/2068081/AFG_CPIN_Fear_of_the_Tali-

ban.pdf>, abgerufen am 21. Oktober 2022; vgl. UN Security Council, Thir-

teenth report of the Analytical Support and Sanctions Monitoring Team sub-

mitted pursuant to resolution 2611 concerning the Taliban and other asso-

ciated individuals and entities constituting a threat to the peace stability and 

security of Afghanistan, Ziff. 35, <https://www.ecoi.net/en/file/lo-

cal/2073803/N2233377.pdf>, abgerufen am 21. Oktober 2022). Zwar ist 

die aktuelle Informationslage in Bezug auf die Rekrutierungsstrategie 

schlecht und es ist davon auszugehen, dass nicht alle Vorfälle von Men-

schenrechtsverletzungen gemeldet werden. Gemäss den zur Verfügung 

stehenden Informationen ist aber nicht mehr von systematischen Zwangs-

rekrutierungen auszugehen, wie sie vor der Machtübernahme der Taliban 

offenbar in einigen Regionen – auch am Herkunftsort des Beschwerdefüh-

rers – vorkamen. Von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer möglichen zu-

https://www.ecoi.net/en/file/local/2068081/AFG_CPIN_Fear_of_the_Taliban.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2068081/AFG_CPIN_Fear_of_the_Taliban.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2073803/N2233377.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2073803/N2233377.pdf

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künftigen Rekrutierung des derzeit immer noch minderjährigen Beschwer-

deführers ist daher nicht auszugehen (vgl. Urteil des BVGer D-3480/2021 

vom 10. August 2022 E. 5.3.1). 

5.6 Nach Durchsicht der Akten liegen alsdann keine Hinweise dafür vor, 

dass der Beschwerdeführer dadurch, dass er sich der Aufforderung zur 

Einziehung durch Ausreise entzogen hat, aktuell im Fokus der Taliban 

stünde und deshalb bestraft werden könnte. Es ist zunächst darauf hinzu-

weisen, dass der Beschwerdeführer kein besonderes Risikoprofil aufweist. 

Seinen Aussagen kann nicht entnommen werden, dass er in den Augen 

der Taliban als religiöser oder politischer Oppositioneller gegolten hätte. Er 

ist weder politisch aktiv gewesen noch hat er sich anderweitig aufgrund 

seiner Familie, persönlicher Merkmale oder Aktivitäten gegenüber den Ta-

liban besonders exponiert. Zwar führte der Beschwerdeführer anlässlich 

der Anhörung aus, es hätte mit den Taliban viele andere Probleme gege-

ben. So seien diese mit etwa 10 bis 15 Personen ins Haus gekommen und 

hätten Essen verlangt, Geld eingesammelt und hätten Sachen getan, die 

sehr unmenschlich gewesen seien (vgl. SEM-act. A22/8 F23). Auf Auffor-

derung seiner Rechtsvertretung, er solle ausführen, inwiefern die Taliban 

unmenschliche Sachen gemacht hätten, führte er aus, «Wenn man bei-

spielsweise seinen Bart abrasiert, fragen sie, warum man das gemacht hat. 

Wenn man die Haare stylt, haben sie etwas dagegen. Wenn man mit je-

mandem irgendwo sitzt oder etwas spielt, fragen sie, warum man das 

macht, und sagen, dass sei gegen den Islam. Es gibt viele weitere Sachen, 

wogegen sie etwas haben. Was soll ich Ihnen jetzt alles erzählen?»  

(vgl. SEM-act. A22/8 F24). Auf Nachfrage seiner Rechtsvertretung, was die 

Taliban diesbezüglich konkret gemacht hätten, führte er weiter aus, «Sie 

halten diese Leute dann an und fragen sie: «Warum hast du das ge-

macht?» Sie stellen sie bloss und sagen: «Wenn du das in Zukunft noch-

mals tun solltest, wirst du bestraft werden.» Sie sagen «Laufe islamkon-

form herum.» Man ist dann enttäuscht – und blossgestellt vor allem.»  

(vgl. SEM-act. A22/8 F25). Auf die Frage, ob er persönlich je Probleme ge-

habt habe, weil er zum Beispiel seinen Bart rasiert oder seine Haare gestylt 

habe, führte er aus, «Nein, mir persönlich ist das nicht passiert, aber ich 

habe bei anderen gesehen, dass sie dann mit denen so umgegangen sind. 

Ich selbst war noch ein Kind und habe meinem Vater in der Landwirtschaft 

geholfen.» (vgl. SEM-act. A22/8 F27). Das Gericht stellt aufgrund der Aus-

führungen des Beschwerdeführers fest, dass er in der Vergangenheit keine 

ihn persönlich betreffenden Probleme flüchtlingsrechtlichen Ausmasses 

gewärtigen musste. Zudem machte er nicht explizit geltend, dass seine in 

Afghanistan verbliebene Familie seinetwegen ernsthaft behelligt worden 

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Seite 10 

wäre; er bringt einzig vor, die Taliban hätten nach seiner Ausreise nur ein 

einziges Mal bei seinen Eltern nach ihm gefragt. Seine Eltern hätten ihnen 

mitgeteilt, sie hätten nicht gewusst, wo er sei, und hätten ergänzt, er sei 

nach den Drohungen der Taliban verschollen (vgl. SEM-act. A22/8 F28). 

Weitere Behelligungen seiner Eltern durch die Taliban machte der Be-

schwerdeführer an der Anhörung nicht geltend. Er macht alsdann auch 

nicht geltend, nach der Ausreise von den Taliban weitergehend gesucht 

worden zu sein, was ebenfalls gegen das Vorliegen einer andauernden, 

erheblichen und gezielten Verfolgung spricht. Ferner ist dem Vorbringen in 

der Beschwerde nicht zu folgen, dass die Weigerung des Beschwerdefüh-

rers, sich den Taliban anzuschliessen, von diesen als politischer Verrat ver-

standen und er bei einer Rückkehr schwere Nachteile erleiden würde 

(vgl. Beschwerde Seite 12). Diesbezüglich ist davon auszugehen, dass 

seine in Afghanistan verbliebene Familie wohl intensiver behelligt und nach 

dem Beschwerdeführer befragt worden wäre, würde dieser im Fokus der 

Taliban stehen. Dementsprechend drohen ihm bei einer allfälligen Rück-

kehr keine gezielten Nachteile, die über die allgemeine Gefährdungslage 

hinausgingen.  

5.7 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine konkret 

drohende Verfolgung nach Art. 3 AsylG darlegen konnte. Die Frage der 

Glaubhaftigkeit seiner Angaben kann aufgrund vorstehender Erwägungen 

beziehungsweise bei dieser Ausgangslage offengelassen werden. Das 

SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu 

Recht verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-

tritt. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

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Seite 11 

7.  

Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Verfü-

gung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der 

weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-

sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht, da 

diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der 

Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist.  

9.  

Das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

wurde in der Beschwerde nicht begründet. Es sind auch keine Gründe er-

sichtlich, die eine Rückweisung rechtfertigen würden. Das Begehren ist ab-

zuweisen. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Er beantragte indes die Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Die-

ses Gesuch ist gutzuheissen, da die Beschwerde nicht von vornherein aus-

sichtslos war und er mit Eingabe vom 19. Oktober 2022 einen Nachweis 

seiner prozessualen Bedürftigkeit erbrachte. Es sind daher keine Verfah-

renskosten zu erheben. Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist 

mit dem vorliegenden Endentscheid gegenstandslos geworden.  

 

 

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E-4756/2022 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen.  

3.  

Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Stefan Trottmann 

 

 

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