# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 66217fd3-4960-5a78-bca9-31725b671f56
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.09.2011 D-3696/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3696-2011_2011-09-14.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­3696/2011

U r t e i l   v om   1 4 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richter Markus König, 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

Parteien A._______, geboren am (…),
Sri Lanka, 
(…)
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 29. April 2011 / N (…).

D­3696/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer – ein sri­lankischer Staatsangehöriger  tamilischer 
Ethnie mit Wohnsitz  in B._______ – ersuchte mit an die schweizerische 
Vertretung  in Colombo gerichtetem,  englischsprachigem Schreiben  vom 
27. September 2008 (eingegangen am 9. Oktober 2008) sinngemäss um 
Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Asylgewährung. 

Zur Begründung brachte er – unter Einreichung diverser Dokumente – im 
Wesentlichen vor, er stamme ursprünglich aus C._______, lebe aber seit 
dem  Jahr  1995  in  B._______.  Er  sei  seit  dem  Jahr  1995  Mitglied  der 
Gesellschaft "D._______", die sich um das Wohlergehen der Eigentümer 
und  Fahrer  dreirädriger  Fahrzeuge  kümmere.  Im  Jahr  2004  sei  er  zum 
Sekretär  der  besagten  Gesellschaft  ernannt  worden.  Während  seiner 
Amtszeit  hätten  die  "Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam"  (LTTE),  die  das 
Gebiet um B._______ kontrolliert hätten, eine Sitzung einberufen und alle 
Gesellschaftsmitglieder  aufgefordert,  das militärische  Training  der  LTTE 
zu absolvieren. Ihnen sei nichts anderes übrig geblieben, als dem Befehl 
nachzukommen.  Ohne  ihr  Wissen  seien  Videoaufnahmen  des  LTTE­
Trainings im Internet publiziert und an die Presse weitergegeben worden. 
Als  Folge  davon  seien mehrere Gesellschaftsmitglieder  getötet  worden. 
Er  habe untertauchen müssen und  sich mehrere Monate  lang  versteckt 
gehalten. Am 28. Januar  2006  sei  er  zum Präsidenten der  "D._______" 
gewählt worden. Bei der Gesellschafterversammlung vom 14. September 
2008 sei er im Amt bestätigt worden. Am folgenden Tag seien alle, die ein 
Amt innegehabt hätten, von unbekannten, bewaffneten Personen entführt 
und  zum Rücktritt  von  den  Ämtern  gezwungen worden.  Er  sei  bis  spät 
abends festgehalten und mit dem Tod bedroht worden; erst nachdem er 
das entsprechende Rücktrittsschreiben verfasst habe, sei er freigelassen 
worden,  wobei  er  aufgefordert  worden  sei,  B._______  zu  verlassen.  Er 
habe  diese  Vorfälle  beim  Internationalen  Komitee  vom  Roten  Kreuz 
(IKRK) und bei der sri­lankischen Menschenrechtskommission gemeldet. 
Gegenwärtig halte er sich im Haus von Freunden auf, jedoch sei niemand 
gewillt, ihm auf Dauer Unterschlupf zu gewähren. 

B. 
Mit  Schreiben  vom  24. Oktober  2008  bestätigte  die  schweizerische 
Vertretung  in  Colombo  dem  Beschwerdeführer  den  Empfang  seines 
Gesuchs  und  forderte  ihn  gleichzeitig  auf,  seine  Vorbringen  bis  zum 

D­3696/2011

Seite 3

9. Dezember 2008 näher zu begründen und allfällige weitere Beweismittel 
einzureichen. 

C. 
Mit englischsprachigem Schreiben vom 1. November 2008 (eingegangen 
bei  der  schweizerischen Vertretung  am  19. November  2008)  bekräftigte 
der  Beschwerdeführer  den  Wunsch,  Sri  Lanka  zu  verlassen.  Er  werde 
von  unbekannten,  bewaffneten  Personen,  bedroht,  die  ihn  der 
Unterstützung  der  LTTE  beschuldigten.  Er  habe  diesbezüglich  keine 
Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet,  da  ihm  mit  schwerwiegenden 
Konsequenzen gedroht worden sei,  sollte er dies  tun. Stattdessen habe 
er  Klage  beim  Amt  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten 
Nationen  (UNHCR)  und  –  wie  bereits  erwähnt  –  bei  der  sri­lankischen 
Menschenrechtskommission eingereicht. Einen Wohnsitzwechsel müsste 
er bei der Polizei melden; er befürchte jedoch, dass ihn die Polizei dann 
innert Kürze zu Hause aufsuchen würde. 

D. 
Am  21. November  2008  überwies  die  schweizerische  Vertretung  in 
Colombo die Akten zuständigkeitshalber an das BFM.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom 9. August  2010  –  am 19. August  2010  von 
der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  an  den  Beschwerdeführer 
weitergeleitet  –  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit,  es  erachte 
den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen 
Begründung  des  Asylgesuchs  und  der  beigelegten  Dokumentation  als 
erstellt, weshalb sich eine Anhörung auf der Botschaft als nicht notwendig 
erweise.  Im Weiteren  erwäge  es  unter  Berücksichtigung  aller  Faktoren 
(Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  hiesige  Assimiliationsmöglichkeiten, 
aktuelle  Gefährdung  im  Heimatstaat,  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in 
einem  anderen  Staat,  öffentliches  Interesse  der  Schweiz),  das 
Asylgesuch  abzulehnen und die Einreise  zu  verweigern,  da  er  nicht  als 
schutzbedürftig  im Sinne des Asylgesetzes erscheine. Das BFM  räumte 
dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  ein,  sich  dazu  innert  dreissig 
Tagen ab Erhalt der Verfügung zu äussern, verbunden mit dem Hinweis, 
dass  bei  ungenutztem  Fristablauf  aufgrund  der  bestehenden  Aktenlage 
entschieden werde. 

Der Beschwerdeführer liess sich nicht vernehmen. 

D­3696/2011

Seite 4

F. 
Mit  Verfügung  vom  29. April  2011  –  am  6. Juni  2011  von  der 
schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  an  den  Beschwerdeführer 
weitergeleitet – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise 
in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. 

Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  die 
Voraussetzungen  für  ein  Absehen  von  einer  Anhörung  des 
Beschwerdeführers  seien  angesichts  der  schriftlichen  Darlegung  der 
Asylgründe  und  der  Einräumung  des  rechtlichen  Gehörs,  auf  dessen 
Ausübung  der  Beschwerdeführer  verzichtet  habe,  gegeben.  Der 
Sachverhalt werde als  rechtsgenüglich erstellt  erachtet. Massgeblich  für 
die Beurteilung des Gesuchs um Bewilligung der Einreise in die Schweiz 
sei  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Entscheids.  Vergangene 
Verfolgungsmassnahmen  seien  nur  insoweit  beachtlich,  als  sie  noch 
andauerten,  oder  konkrete  Hinweise  auf  eine  künftige  Verfolgung 
bestünden;  eine  Einreisebewilligung  habe  nicht  die  Entschädigung  für 
erlittene Nachteile, sondern den Schutz vor aktueller Verfolgung zum Ziel. 
Zudem könnten nur Nachteile eine Einreisebewilligung  rechtfertigen, die 
von  einer  solchen  Intensität  seien,  dass  ein  würdiges  Leben  im 
Verfolgerstaat  unmöglich  sei.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
würden  diesen  Anforderungen  nicht  genügen.  Die  Bedrohung  im 
September 2008 und der Umstand, dass er sich über  längere Zeit habe 
versteckt  halten müssen,  vermöchten  die Bewilligung  der Einreise  nicht 
zu begründen, da diese – wie ausgeführt – nicht der Wiedergutmachung 
erlittener  Nachteile  dienen  könne.  Zudem  erfüllten  die  Vorbingen  des 
Beschwerdeführers  –  Drohungen  von  Seiten  der  LTTE  und  von 
unbekannter  Seite  sowie  die  Befürchtung,  die  Polizei  könnte  ihn  zu 
Hause  aufsuchen  –  die  Anforderungen  an  die  Intensität  der 
Verfolgungsmassnahmen nicht. Es  lägen auch keine Anhaltspunkte vor, 
die  darauf  schliessen  lassen  würden,  der  Beschwerdeführer  wäre  in 
seinem  Heimatland  aktuell  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  oder 
müsste solche befürchten. Die eingereichten Dokumente vermöchten an 
dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  Da  der  Beschwerdeführer  nicht 
schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
(AsylG, SR 142.31) sei, sei das Asylgesuch abzulehnen und die Einreise 
in die Schweiz zu verweigern. 

G. 
Mit  am  20. Juni  2011  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo 
eingetroffener und von dieser am 21. Juni 2011 zuständigkeitshalber an 

D­3696/2011

Seite 5

das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter,  englischsprachiger 
Beschwerdeschrift  vom  9. Juni  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer 
sinngemäss  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung.  Seine 
Situation  habe  sich  nicht  verändert.  Wie  die  beiliegende  Kopie  der 
Kandidatenkarte  für  die  Stadtratswahlen  von  B._______  im  Jahr  2009 
zeige, habe er beabsichtigt gehabt, bei diesen Wahlen anzutreten, jedoch 
hätten  ihn Drohungen von behördlicher Seite daran gehindert. Aufgrund 
der  Mitgliedschaft  bei  der  "D._______"  stehe  er  im  Visier  ihm 
unbekannter Personen, wobei er davon ausgehe, dass es sich dabei um 
Agenten der Behörden handle. Er werde somit nicht von Seiten der LTTE, 
sondern  von  behördlicher  Seite  bedroht.  Die  sri­lankische  Regierung 
betone  zwar,  dass  im  Land  mittlerweile  Frieden  herrsche,  aber  dies 
entspreche  nicht  der  tatsächlichen  Lage.  Viele Menschen  würden  nach 
wie vor vermisst. Einige seiner Freunde befänden sich auch immer noch 
in unrechtmässiger Haft. Er wechsle regelmässig den Wohnort, aus Angst 
vor  seinen  Verfolgern.  Da  er  um  sein  Leben  fürchte,  habe  er  nunmehr 
beschlossen, nach E._______ zu fliehen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet 
angeht,  ist nicht gegeben  (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  im Bereich  des Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110)].

1.2. Die Beschwerde ist nicht einer Amtssprache des Bundes abgefasst. 
Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  entsprechenden 
Beschwerdeverbesserung  im Sinne  von Art. 52 VwVG  kann  jedoch  aus 

D­3696/2011

Seite 6

prozessökonomischen  Gründen  verzichtet  werden,  da  die 
englischsprachige  Beschwerdeeingabe  verständlich  ist,  so  dass  ohne 
weiteres darüber befunden werden kann.

1.3.  Die  Beschwerde  ist  demnach  –  mit  Ausnahme  des  genannten, 
jedoch nicht als wesentlich erachteten Mangels  (vgl. E.  1.2) –  frist­  und 
formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 
VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist daher zur Einreichung der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist mithin einzutreten. 

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3. 
3.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art. 19  AsylG  im  Ausland  bei  einer 
schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 
das  Bundesamt  überweist  (Art. 20  Abs. 1  AsylG).  Hinsichtlich  des 
Verfahrens bei  der  schweizerischen Vertretung  im Ausland  sieht Art. 10 
der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
(AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in 
der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art. 10  Abs. 1  AsylV 1).  Ist  dies 
nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre 
Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1).  Eine 
Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann 
sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten 
Asylgesuchs  als  entscheidreif  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist 
aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, 
sich  zu  einem  abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich 
zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 

3.2.  Vorliegend  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der  schweizerischen 
Vertretung in Colombo nicht zu seinem Asylgesuch befragt. Er hat seine 
Vorbringen  jedoch bereits  in seinem Asylgesuch und dessen Ergänzung 
schriftlich  dargelegt  und  dokumentiert,  und  erhielt  danach  mit 
Zwischenverfügung  des  BFM  vom  9. August  2010  die  Gelegenheit  zur 
weiteren Konkretisierung seiner Asylgründe; gleichzeitig wurde ihm auch 

D­3696/2011

Seite 7

das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  die  in  Erwägung  gezogene 
Abweisung  des  Asylgesuchs  gewährt,  wobei  er  von  seinem  Recht  auf 
Stellungnahme keinen Gebrauch gemacht hat. Der entscheidwesentliche 
Sachverhalt  erscheint  –  wie  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung 
zutreffend  ausführt  –  angesichts  der  schriftlichen  Darlegung  und 
Dokumentierung  der  Asylgründe  soweit  erstellt,  dass  die 
entscheidrelevanten  Elemente  vorliegen.  Das  BFM  hat  den 
verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken  (Art. 3 AsylG). Das Bundesamt kann ein  im Ausland gestelltes 
Asylgesuch  ablehnen, wenn  die  asylsuchende Person  keine Verfolgung 
glaubhaft machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem Drittstaat  zugemutet 
werden  kann  (Art. 3,  Art. 7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20 
Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur 
Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land 
auszureisen. 

4.2.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive 
Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3 
AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit 
der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe 
zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur 
anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­ 
und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr. 15,  E. 2.e.­g.  S. 131  ff.; 
angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision 
des  Asylgesetzes  hat  diese  Praxis  nach  wie  vor  Gültigkeit). 
Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die 

D­3696/2011

Seite 8

Schutzbedürftigkeit  der  betreffenden  Person  (vgl.  EMARK  1997  Nr. 15 
E. 2c  S. 130),  mithin  die  Prüfung  der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im 
Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am 
Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet 
werden  kann. Eine Verfolgungssituation muss überdies aktuell  sein,  um 
gemäss Art. 3 AsylG als asylrelevant zu gelten. 

5. 
5.1. Das BFM erachtete den Beschwerdeführer als nicht schutzbedürftig 
im  Sinne  von  Art. 3  AsylG.  Dieser  Einschätzung  ist  beizupflichten;  zur 
Vermeidung  von  Wiederholungen  kann  vorab  auf  die  nicht  zu 
beanstandenden  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung 
verwiesen werden. Der Rechtsmitteleingabe des Beschwerdeführers sind 
keine stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen, die die Argumentation 
des BFM in Zweifel zu ziehen vermöchten. 

5.2. Massgeblich  für  die  Beurteilung  des  Gesuchs  um  Bewilligung  der 
Einreise in die Schweiz ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids. Der 
Beschwerdeführer machte  geltend,  er  sei  im September  2008  aufgrund 
der  Mitgliedschaft  bei  der  "D._______"  und  der  damit  in  Verbindung 
stehenden  zwangsweisen  Absolvierung  des  militärischen  Trainings  der 
LTTE  von Unbekannten  entführt  und erst  nach der Unterzeichnung des 
Rücktrittsschreibens  betreffend  sein  Amt  als  Präsident  der  Gesellschaft 
wieder  freigelassen  worden.  Wie  das  BFM  in  seiner  Verfügung  vom 
29. April  2011  diesbezüglich  zutreffend  festgestellt  hat,  kann  die 
Bewilligung der Einreise respektive die Gewährung des Asyls nicht dazu 
dienen,  einen Ausgleich  für  vergangenes Unrecht  zu  schaffen,  sondern 
bezweckt  vielmehr,  Schutz  vor  künftiger  Verfolgung  zu  gewähren. 
Hinweise, dass der Beschwerdeführer aktuell ernsthaften Nachteilen von 
so erheblicher Intensität ausgesetzt wäre oder solche befürchten müsste, 
dass ihm ein Verbleib im Heimatstaat unmöglich wäre, liegen indes nicht 
vor. Den  in der Beschwerdeeingabe neu geltend gemachten Drohungen 
im  Jahr  2009  (Verhinderung  Stadtratskandidatur)  fehlt  es  wie  den  im 
Asylgesuch vorgebrachten Drohungen an der geforderten  Intensität. Die 
Aktenlage  weist  den  Beschwerdeführer  zudem  nicht  als  eine  in 
speziellem  Mass  exponierte  Persönlichkeit  mit  einem  hervorgehobenen 
politischen  Profil  aus,  so  dass  eine  zielgerichtete  Vorgehensweise  der 
Behörden  gegen  ihn  wegen  der  geschilderten  Umstände  im  Sinne 
drohender  ernsthafter  Nachteile  nicht  als  wahrscheinlich  erscheint.  Die 
"D._______"  ist  gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  eine 
Handelsgesellschaft,  die sich um das Wohlergehen der Eigentümer und 

D­3696/2011

Seite 9

Fahrer  dreirädriger  Fahrzeuge  kümmere;  die  alleinige  Mitgliedschaft 
begründet damit kein besonderes Gefährdungsprofil, das eine zukünftige 
Verfolgung  als  überwiegend  wahrscheinlich  erscheinen  liesse 
beziehungsweise  zu  einreiserelevanten  Schwierigkeiten  führen  könnte. 
Die  Annahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Beschwerdeeingabe,  es 
handle sich bei den Drittpersonen, die  ihn bedrohten, wohl um Agenten 
der Behörden, stellt lediglich eine Vermutung dar und findet in den Akten 
keine Stütze. Bestünde tatsächlich der ernsthafte Verdacht der Behörden, 
dass  der  Beschwerdeführer  eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  des  sri­
lankischen Staates darstellen würde, wäre er im September 2008 – sollte 
er  damals  durch  staatliche  Akteure  entführt  worden  sein  –  kaum  nach 
kurzer  Zeit  wieder  freigelassen  und  seither  auch  nicht  mehr 
festgenommen worden. Gehen  Bedrohungen  indes  von  nichtstaatlichen 
Akteuren aus, so ist festzuhalten, dass die heutige politische Situation in 
Sri  Lanka  es  grundsätzlich  zulässt,  Übergriffe  seitens  Dritter  bei  der 
Polizei  zu melden. Den Akten sind auch keine Hinweise zu entnehmen, 
die  generell  auf  die  Schutzunwilligkeit  des  sri­lankischen  Staates 
hindeuten  würden.  Die  vorinstanzlichen  Erwägungen,  wonach  die 
Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG zu 
verneinen sei, erweisen sich somit als zutreffend.

5.3. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer 
nicht gelungen ist, eine aktuelle Gefährdung aus asylrechtlich relevanten 
Motiven  aufzuzeigen,  die  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz 
rechtfertigen würden. Die Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers  im 
Sinne  von  Art. 20  i.V.m.  Art. 3  AsylG  ist  als  nicht  gegeben  zu 
qualifizieren.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  der 
Beschwerde  einzugehen,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern 
vermögen. Das BFM hat dem Beschwerdeführer zu Recht die Einreise in 
die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt.

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im 
Ergebnis  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106 
Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 

7. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 
dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 65  Abs. 1  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 

D­3696/2011

Seite 10

des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

D­3696/2011

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige schweizerische Vertretung.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand: