# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dd013baa-416c-5987-b89c-e5e1b7124f4d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-10-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 21.10.2008 AB 2008 36
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_AB-2008-36_2008-10-21.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

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Ref.: Chur, 21. Oktober 2008 Schriftlich mitgeteilt am: 
AB 08 36

Beschluss
Justizaufsichtskammer 

Vorsitz Präsident Brunner
RichterInnen Rehli, Sutter-Ambühl, Tomaschett-Murer und Giger
Aktuar Engler

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Zum Gesuch

des Z., Gesuchsteller I, sowie

der Y., Gesuchstellerin II,

beide vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Felix Stieger, Archstrasse 2, Postfach 
2416, 8401 Winterthur,

gegen

den K r e i s p r ä s i d e n t e n  X . , Gesuchsgegner I, sowie

V., Gesuchsgegner II,

U., Gesuchsgegner III, und

S. und T., Gesuchsgegner IV,

alle vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Hermann Just, Salishaus, Masan-
serstrasse 35, Postfach 414, 7001 Chur,

betreffend den Ausstand des Kreispräsidenten

(in dem von den Gesuchsgegnern II-IV gegen die Gesuchsteller angestrengten 
Verfahren betreffend Besitzesschutz und Friedensbürgschaft),

hat sich ergeben:

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A. Beim Kreisamt X. ist ein Verfahren betreffend Besitzesschutz und 
Friedensbürgschaft anhängig, welches V., U. sowie S. und T. angestrengt haben. 
In Zusammenhang mit dem Begehren um Erlass eines Amtsbefehls wird dabei Z. 
und Y. vorgeworfen, auf den Parzellen ihrer Nachbarn am R.-Weg in Q. einen Teil 
des Strassenbelags (Pflästerung) entfernt zu haben.

B. Mit einem an das Kreisamt X. gerichteten Schreiben vom 25. Sep-
tember 2008 verlangte Z., dass der Kreispräsident X. (W.) in der genannten An-
gelegenheit in den Ausstand zu treten habe. Die Eingabe ist über weite Strecken 
ungehörigen Inhalts. Insbesondere werden in ihr gegenüber der Bündner Justiz 
und W. persönlich völlig haltlose und ungerechtfertigt verletzende Anschuldigun-
gen erhoben.

C. Am 29. September 2008 übermittelte der Kreispräsident X. diese 
Eingabe Rechtsanwalt Alexander R. Lecki in Winterthur, der in jüngerer Zeit in 
prozessualen Auseinandersetzungen die Interessen von Z. und Y. wahrnimmt. Er 
überliess es ihm, allenfalls ein neues (verbessertes) Ausstandsbegehren einzurei-
chen.

D. Mit Schreiben vom 03. Oktober 2008 wandte sich Rechtsanwalt Felix 
Stieger an den Kreispräsidenten X. und forderte ihn im Namen von Z. und Y. auf, 
in der hängigen Angelegenheit betreffend Besitzesschutz und Friedensbürgschaft 
ohne Verzug in den Ausstand zu treten.

E. Der Kreispräsident überliess das Ausstandsbegehren zur Weiterbe-
handlung seiner Stellvertreterin P.. Sowohl W. wie der Rechtsvertreter der Nach-
barn V., U. und S. und T. bestritten ihr gegenüber, dass dem Gesuch entsprochen 
werden müsse.

F. Mit Verfügung vom 13. Oktober 2008, mitgeteilt am 14. Oktober 
2008, übermittelte schliesslich die Stellvertreterin des Kreispräsidenten X. die Ein-
gabe von Rechtsanwalt Stieger vom 03. Oktober 2008 der Justizaufsichtskammer 
des Kantonsgerichts.

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G. W. und der Rechtsvertreter der Nachbarn V., U. und S. und T. erhiel-
ten auch vor der Justizaufsichtskammer Gelegenheit, sich zum Ausstandsbegeh-
ren zu äussern. In ihren Schreiben vom 16. Oktober 2008 verzichteten sie indes-
sen auf die Einreichung einer näheren Vernehmlassung.

Die Justizaufsichtskammer zieht in Erwägung:

1. Über bestrittene Ausstandsbegehren, welche sich gegen einen 
Kreispräsidenten oder dessen Stellvertreterin richten, hat gemäss Art. 46 Abs. 3 
des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG) das Kantonsgericht (genauer dessen 
Justizaufsichtskammer) zu befinden. Es ist also nicht zu beanstanden, dass sich 
die Stellvertreterin des Kreispräsidenten X. nach Eingang des Ausstandsbegeh-
rens vom 03. Oktober 2008 gestützt auf Art. 45 GOG vergewissert hat, ob es be-
stritten werde, und dass sie die Angelegenheit schliesslich, als dem so war, der 
Aufsichtsbehörde zum Entscheid unterbreitet hat. Auf das von Rechtsanwalt Stie-
ger verfasste Gesuch ist somit einzutreten.

Nicht weiter zu beschäftigen hat sich die Justizaufsichtskammer hingegen 
mit der ursprünglichen, Verunglimpfungen enthaltenden Eingabe von Z. persön-
lich. Rechtsanwalt Stieger war es zuzumuten, ein eigenständiges, alle wesentli-
chen Umstände berücksichtigendes Ausstandsbegehren einzureichen, statt bloss 
eine Ergänzung zur Eingabe seines Klienten vom 25. September 2008 zu verfas-
sen und damit deren zum Teil ungehörigen Inhalt gleichsam zu bekräftigen.

2. Nach der materiell unverändert von Art. 58 aBV in Art. 30 Abs. 1 BV 
überführten, ebenfalls in Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltenen Garantie des verfas-
sungsmässigen Richters hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine Sache von 
einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter  ohne 
Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Liegen bei objektiver Be-
trachtungsweise Gegebenheiten vor, die den Anschein der Befangenheit und die 
Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen, ist die Garantie verletzt 
(BGE 131 I 113 E. 3.4 S. 116, 127 I 196 E. 2b S. 198). – Zur Umsetzung dieser 
Grundsätze im kantonalen Recht siehe die Regelung in Art. 42 lit. a-g GOG (vor 
dem 01.01.2008 Art. 18 lit. a-g GVG) sowie die Praxis der Justizaufsichtskammer, 
welche zu der in lit. g enthaltenen Generalklausel ergangen ist (PKG 1992-13-64 
f.; Beschluss AB 02 26 vom 17. Dezember 2002 E. 2).

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Misstrauen gegenüber einem Gericht aus einer gewissen Besorgnis der 
Voreingenommenheit kann bei den Parteien etwa dann entstehen, wenn einzelne 
Gerichtspersonen in einem früheren Verfahren mit der konkreten Streitsache 
schon einmal befasst waren. In einem solchen Fall so genannter Vorbefassung 
stellt sich die Frage, ob sich die betreffenden Richterinnen und Richter durch die 
Mitwirkung an früheren Entscheidungen in einzelnen Punkten bereits in einem 
Mass festgelegt haben, dass sie nicht mehr als unvoreingenommen angesehen 
werden können und das Verfahren somit als nicht mehr offen erscheint (BGE 131 
I 113 E. 3.4 S. 116).

Anzumerken ist überdies, dass eine Mängel aufweisende richterliche Ent-
scheidung – sei es wegen Verfahrensfehlern oder unrichtiger Anwendung materi-
ellen Rechts – noch nicht ohne weiteres die Ablehnung des betreffenden Amtsin-
habers erlaubt; nur sehr schwere oder wiederholt begangene Fehler, die eine ei-
gentliche Amtspflichtverletzung darstellen, vermögen den Anschein der Befangen-
heit zu begründen (Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 17. März 
2003 1P.76/2003 E. 3.5; BGE 115 Ia 400 E. 3b S. 404; PKG 1992-17-82).

3. Die nicht näher belegte Behauptung, zwischen dem Kreispräsiden-
ten X. und Z. herrsche ein frostiges Klima, seit gegen Ersteren eine Strafanzeige 
eingereicht worden sei, lässt ihn noch nicht als voreingenommen erscheinen, und 
schon gar nicht wird dadurch ein eigentliches Feindschaftsverhältnis glaubhaft ge-
macht. Z. und Y. vermögen denn auch keine Anhaltspunkte zu nennen, welche 
den Verdacht erwecken könnten, dass W. sie bei seinen Entscheidungen aus Ab-
neigung ungerechtfertigt benachteilige.

Nach der Darstellung von Rechtsanwalt Stieger sind sowohl der Kreisprä-
sident X. wie die Nachbarn von Z. und Y. (V., U. und S.) in der Baubranche tätig. 
Dies führt indessen noch nicht zum Ausstand des Amtsträgers, zumal nichts dar-
auf hindeutet, dass er mit ihnen überhaupt geschäftliche Beziehungen unterhält 
oder dass zwischen ihnen gar ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht. 
Dabei kann es auch nicht etwa Aufgabe der Justizaufsichtskammer sein, die Akten 
all jener Verfahren beizuziehen, die im hier interessierenden Nachbarstreit bislang 
vor verschiedenen Instanzen geführt wurden, um in ihnen nach angeblichen Auf-
fälligkeiten in den beruflichen und sonstigen Beziehungen von W. zu einzelnen 
Beteiligten zu suchen.

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Dass sich W. sowie V., U. und S. offenbar duzen, ist in kleinräumlichen 
Verhältnissen nichts Aussergewöhnliches und stellt noch keinen Ausstandsgrund 
dar. Möglicherweise ist der Kreispräsident X. im Übrigen mit Z. oder Y. ebenfalls 
per Du.

Angesichts des zerrütteten nachbarschaftlichen Verhältnisses zwischen Z. 
und Y. auf der einen sowie von V., U. und S. und T. auf der anderen Seite hat sich 
der Kreispräsident X. seit Jahren immer wieder mit den Auseinandersetzungen 
am R.-Weg in Q. zu befassen. Mit der pauschalen Behauptung, er sei somit vor-
befasst, lässt sich indessen sein Ausstand noch nicht erzwingen. Z. und Y. ver-
mögen keine Umstände zu nennen, wonach seine Verhandlungsführung und Ent-
scheidfindung den Eindruck erwecken würden, dass er in diesem Streit unter 
Nachbarn nicht mehr in der Lage oder gar nicht mehr gewillt sei, sich von sachli-
chen Gesichtspunkten leiten zu lassen, und es ist wiederum nicht Aufgabe der 
Justizaufsichtskammer, von sich aus nach allfälligen Fehlleistungen von W. zu su-
chen. Selbst wenn sich im Übrigen solche finden liessen, gälte es immer noch die 
Vielzahl der Verfahren sowie den Umstand zu berücksichtigen, dass der Kreisprä-
sident sie als juristischer Laie zu bewältigen hat. Es dürfte also nicht leichthin auf 
Voreingenommenheit geschlossen werden.

Konkret gerügt wird in diesem Zusammenhang denn auch einzig, dass der 
Kreispräsident X. die Eingabe von Z. vom 25. September 2008 als ungehörig 
zurückgewiesen und zur allfälligen Verbesserung an den mutmasslichen Rechts-
vertreter weitergeleitet hat. Angesichts des zum Teil verwerflichen Inhalts dieses 
Schreibens war ein solches Vorgehen indessen durchaus vertretbar. Von fehlen-
der Gelassenheit im Umgang mit unangenehmen Eingaben und schwierigen 
Rechtsuchenden kann jedenfalls nicht gesprochen werden.

4. In Verfahren um den Ausstand von Gerichtspersonen werden den 
Beteiligten in aller Regel keine Gebühren in Rechnung gestellt. – Ebenso wenig 
steht ihnen eine Umtriebsentschädigung zu; Z. und Y. schon deshalb nicht, weil 
sie mit ihrem Ausstandsbegehren keinen Erfolg zu erzielen vermochten.

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Demnach beschliesst die Justizaufsichtskammer:

1. Das Gesuch wird abgewiesen.

2. Die Kosten dieses Beschlusses gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.

3. Gegen diesen selbständigen Vorentscheid über eine Ausstandsfrage kann 
gemäss Art. 92 in Verbindung mit Art. 72 Abs. 1 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in Zivilsachen an das Schweizerische Bundesge-
richt geführt werden. Sie ist dem Bundesgericht innert 30 Tagen seit Eröff-
nung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung schriftlich in der 
gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und 90 ff. 
BGG.

4. Mitteilung an:

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Für die Justizaufsichtskammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden 

Der Präsident Der Aktuar