# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4331d9c-646e-54cd-8fd4-0beef2d74376
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.05.2010 E-2022/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2022-2010_2010-05-14.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2022/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._____, Nigeria,
vertreten durch lic. iur. Rebecca Moses, 
Thurgauer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfü-
gung des BFM vom 22. März 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-2022/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  Nigeria  am 
18. Februar 2010 auf dem Luftweg verlassen hat und am 19. Februar 
2010  in  die  Schweiz  gelangt  ist,  wo er  gleichentags um Asyl  nach-
suchte,

dass er am 15. März 2010 im B._____ summarisch befragt und am 22. 
März 2010 in Bern-Wabern zu seinen Asylgründen angehört wurde,

dass der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuches vor-
brachte, er sei  nigerianischer Staatsangehöriger und ethnischer Igbo 
mit letztem Wohnsitz in (...),

dass sein Vater im Jahr 2007 im Wahlkampf (Präsidentschaftswahlen) 
bei  einer Demonstration getötet  worden sei,  worauf  er  auf  den örtli-
chen Polizeiposten gegangen und dort zwei Tage festgehalten worden 
sei,

dass er im Juni 2009 Mitglied einer Geheimorganisation, die zwecks 
Lösegelderpressung Kinder, Frauen und Männer entführt habe, gewor-
den und mit der Bewachung von Entführten beauftragt worden sei,

dass er am 4. Januar 2010 einem weissen Mann zur Flucht verholfen 
und in der Folge von der Organisation gesucht worden sei,

dass seine Mutter von Mitgliedern der Organisation getötet worden sei, 
weil sie seinen Aufenthaltsort nicht habe angeben können,

dass er mit Hilfe und in Begleitung des weissen Mannes aus Nigeria 
ausgereist sei,

dass für  den Inhalt  der  weiteren Aussagen auf  die  Akten verwiesen 
wird,

dass der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren keine Rei-
se- oder Identitätspapiere zu den Akten reichte,

dass das BFM mit im Anschluss an die Anhörung zu den Asylgründen 
mündlich eröffneter Verfügung vom 22. März 2010 in Anwendung von 
Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, 

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SR 142.31)  auf  das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  eintrat 
die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug anordnete,

dass das Bundesamt den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz 
am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen, den Kanton Neuen-
burg mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung beauftragte und die 
Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis 
an den Beschwerdeführer anordnete,

dass für die Begründung auf die Akten verwiesen wird,

dass der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin mit Rechts-
mitteleingabe vom 29. März 2010 in materieller Hinsicht ausschliess-
lich die Feststellung der Nichtigkeit der vorinstanzlichen Verfügung und 
in prozessualer Hinsicht unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses  die  Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  bean-
tragt,

dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren,  soweit  für  den  Ent-
scheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen 
wird,

dass der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 1. April 2010 den Ein-
gang der Beschwerde bestätigte, dem Beschwerdeführer mitteilte,  er 
dürfe den Ausgang des Verfahren in der Schweiz abwarten, und den 
Entscheid  über  die  Verfahrensanträge  auf  einen  späteren  Zeitpunkt 
verlegte,

und erwägt,

dass das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli- 
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines  zweiten  Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfol-
gend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  kein  Schriften-
wechsel durchgeführt wurde,

dass gemäss Rechtsprechung eine Verfügung dann nichtig ist,  wenn 
ihr ein besonders schwerer und offensichtlicher oder zumindest leicht 
erkennbarer Mangel anhaftet und die Rechtssicherheit durch die Nich-
tigkeit  nicht  ernsthaft  gefährdet  wird  (vgl.  ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/ 
Basel/Genf 2006, Rz. 956, mit weiteren Hinweisen),

dass  zu  prüfen  ist,  ob  die  angefochtene  Verfügung  des  BFM  vom 
22. März 2010,  wie  vom Beschwerdeführer  gerügt,  einen besonders 
schweren Mangel aufweist,

dass gemäss Art. 34 Abs. 1 VwVG Verfügungen von der Behörde den 
Parteien grundsätzlich schriftlich zu eröffnen sind,

dass indessen Art. 13 Abs. 1 AsylG als Lex specialis  vorsieht,  dass 
Verfügungen und Entscheide in  geeigneten Fällen  mündlich  eröffnet 
und summarisch begründet werden können,

dass mit der Einführung dieser Bestimmung bezweckt wurde, nament-
lich  im  Falle  von  Nichteintretensentscheiden  schnelle  Entscheide  in 
vereinfachter  Form fällen  zu  können,  wenn sich  ein  Entscheid  ohne 
grossen Aufwand begründen lässt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts D-4210/2009 vom 12. Februar 2010 E. 3.2),

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dass die mündliche Eröffnung samt Begründung protokollarisch festzu-
halten und den asylsuchenden Personen ein Protokollauszug auszu-
händigen ist (Art. 13 Abs. 2 AsylG), der den Anforderungen von Art. 35 
Abs. 1 VwVG für schriftliche Verfügungen entsprechen muss,

dass  zwar  im  Asylgesetz  nicht  näher  geregelt  ist,  welche Form  der 
auszuhändigende Protokollauszug aufzuweisen hat,

dass aber die Zusammenlegung dieses Protokolls mit demjenigen der 
Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG aus Grün-
den der Rechtssicherheit angezeigt sein kann,

dass es bei einer solchen Vereinigung der beiden Protokolle nicht not-
wendig ist, die bereits im Anhörungsprotokoll festgehaltenen Angaben 
(insbesondere das Datum und die Angaben zur Identität  der asylsu-
chenden Person) im Entscheidprotokoll zu wiederholen,

dass bei dieser Konstellation auch der Umstand, dass die mündlich er-
öffnete  Verfügung  des  BFM  im  ausgehändigten  Protokoll  nicht  aus-
drücklich  als  solche  bezeichnet  wird,  keine Verletzung  der  Formvor-
schriften  darstellt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  a.a.O. 
E. 3.3),

dass es sich bei der angefochtenen Verfügung vom 22. März 2010 um 
einen Nichteintretensentscheid handelt,  der sich aufgrund der klaren 
Sach- und Rechtslage ohne grossen Aufwand summarisch begründen 
liess,  weshalb  die Voraussetzungen für  dessen mündliche Eröffnung 
erfüllt waren,

dass zudem die dem Beschwerdeführer ausgehändigte schriftliche Ur-
teilsbegründung den anzuwendenden Formvorschriften entspricht,

dass sich nach dem Gesagten das in materieller Hinsicht ausschliess-
lich gestellte Rechtsbegehren auf Feststellung der Nichtigkeit der Ver-
fügung des BFM vom 22. März 2010 als offensichtlich unbegründet er-
weist, und sich bei dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den 
Ausführungen in der Beschwerde erübrigt, zumal diese nicht geeignet 
sind, eine andere Beurteilung herbeizuführen,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist, darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 

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oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass mit der Abweisung der Beschwerde ohne vorgängigen Entscheid 
über die Verfahrensanträge der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung 
eines Kostenvorschusses hinfällig geworden ist,

dass  sich  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  das  gestellte  Rechts-
begehren als aussichtslos erweist, weshalb der Antrag auf Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist und bei diesem Aus-
gang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.− (Art.  1-3  des  Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Be-
schwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.− werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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