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**Case Identifier:** 4ed79984-b7a7-54ff-9c75-05559e1890fe
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 22.02.2024 IV 2023/63
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2023-63_2024-02-22.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2023/63

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 26.03.2024

Entscheiddatum: 22.02.2024

Entscheid Versicherungsgericht, 22.02.2024
Art. 28a IVG. Festsetzung des Validen- und Invalideneinkommens (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Februar 2024, IV 
2023/63).

Entscheid vom 22. Februar 2024

Besetzung

Versicherungsrichterin Michaela Machleidt Lehmann (Vorsitz), 

Versicherungsrichterinnen Mirjam Angehrn und Tanja Petrik-Haltiner; 

Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

IV 2023/63

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Advokat Stephan Müller, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, 

Postfach, 4601 Olten 1 Fächer,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich am 1. Mai 2012 (Eingang 11. Juni 2012) wegen Hörverlusts 

nach mehreren Hörstürzen erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug 

an (IV-act. 115). Nach diversen Abklärungen, beruflichen Massnahmen 

(Berufsberatung, Jobcoaching, Einarbeitungszuschuss, siehe insbesondere IV-act. 145 

ff.) und einer Begutachtung bei der MEDAS Interlaken (IV-act. 258) teilte die IV-Stelle 

der Versicherten mit Verfügung vom 4. Oktober 2018 mit, es bestehe kein Anspruch 

(mehr) auf berufliche Massnahmen (IV-act. 275). Mit Vorbescheid vom 22. November 

2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in 

Aussicht, sistierte das Rentenverfahren jedoch nach Intervention des Rechtsvertreters 

(IV-act. 280, 284 und 286). Mit Entscheid vom 8. Juli 2019 hiess das 

Versicherungsgericht St. Gallen die gegen die Verfügung vom 4. Oktober 2018 

erhobene Beschwerde teilweise gut und sprach der Versicherten weitere berufliche 

Massnahmen mit Ausnahme einer Umschulung zu (vgl. zum Ganzen auch die 

Sachverhaltsschilderung im Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 8. Juli 

2019, IV 2018/366, IV-act. 294).

A.a. 

Am 3. September 2019 teilte die IV-Stelle via zweite Anhörung erneut die 

vorgesehene Abweisung des Rentengesuchs mit und sistierte dessen Behandlung 

nach weiterer Intervention des Rechtsvertreters am 16. Oktober 2019 erneut (IV-

act. 297, 309, 311).

A.b. 

Nach beruflichen Abklärungen bei der B.___ ab Dezember 2019 (IV-act. 318 ff., 

334 und 369) sprach die IV-Stelle der Versicherten am 27. Februar 2020 

Arbeitsvermittlung inkl. Jobcoaching zu (IV-act. 331 und 379). Mit Mitteilung vom 

17. März 2021 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen mit der Begründung 

A.c. 

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ab, leider habe während der zugesprochenen Arbeitsvermittlung keine Festanstellung 

resultiert. Weitere berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt (IV-act. 392).

Nach Aktualisierung der medizinischen Aktenlage im Hinblick auf die 

Rentenprüfung ab Mai 2021 (vgl. IV-act. 395 ff.) teilte die IV-Stelle der Versicherten 

gestützt auf eine Empfehlung des RAD (IV-act. 454-2) am 25. Mai 2022 mit, dass sie 

eine (erneute) umfassende medizinische Untersuchung (Allgemeine/Innere Medizin, 

Rheumatologie, Oto-Rhino-Laryngologie [ORL], Psychiatrie) als notwendig erachte (IV-

act. 451). Mit der Begutachtung wurde die estimed AG beauftragt (IV-act. 462 f.).

A.d. 

Mit Gutachten vom 9. November 2022 stellten die estimed-Gutachter folgende 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein Fibromyalgiesyndrom, eine 

gegenwärtig höchstens leichte, anhaltende depressive Episode mit somatischem 

Syndrom und eine hochgradige Schwerhörigkeit beidseits mit rezidivierenden 

Hörstürzen (IV-act. 476-182). In der angestammten Tätigkeit (Kundenberaterin/Labor) 

bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (100 % aus ORL-Sicht), in einer angepassten 

Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % (psychiatrisch begründet; aus 

rheumatologischer Sicht wurde eine 20%ige Einschränkung attestiert; siehe zum 

Ganzen IV-act. 476-185). Eine leidensangepasste Tätigkeit sollte keine Anforderungen 

an das Sprachverstehen in Umgebungslärm und an die Geräuschortung stellen. Dies 

umfasse Tätigkeiten mit Kundenkontakt in Hintergrundlärm und Gespräche mit 

mehreren Gesprächsteilnehmern. Eine Lärmbelastung sei wegen der 

Lärmempfindlichkeit bei Hörgerätversorgung und des Risikos einer Gehörschädigung 

zu vermeiden (IV-act. 476-122).

A.e. 

Mit Stellungnahme vom 16. Dezember 2022 hielt RAD-Ärztin C.___, Fachärztin für 

Physikalische Medizin und Rehabilitation, fest, auf das estimed-Gutachten könne 

abgestellt werden. Sie gab die Konklusion aus dem estimed-Gutachten wie folgt 

wieder: "Aus interdisziplinärer Sicht bleibt es bei der bisherigen 

Arbeitsfähigkeitsbeurteilung (gemäss Gutachten MEDAS Interlaken 12/2017): 100 % 

arbeitsunfähig angestammt (Z.___, Y.___, X.___). 70 % arbeitsfähig adaptiert, 

ganztags" (IV-act. 481).

A.f. 

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B.  

Nach Vorbescheid vom 3. Januar 2023 (IV-act. 484 ff.) wies die IV-Stelle das 

Rentenbegehren der Versicherten mit Verfügung vom 17. Februar 2023 ab. Zur 

Begründung führte sie im Wesentlichen aus, zwar sei der Versicherten die bisherige 

Tätigkeit als Kundenberaterin X.___ nicht mehr zumutbar, sie könne aber in einer 

angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung der Restarbeitsfähigkeit ein 

gleichwertiges Einkommen erzielen. Der Invaliditätsgrad betrage somit 30 %. Folglich 

bestehe kein Rentenanspruch (IV-act. 485).

A.g. 

Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 23. März 2023. Die 

Beschwerdeführerin, vertreten durch Advokat Stephan Müller, Procap Schweiz, 

beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin, 

die Verfügung vom 17. Februar 2023 sei aufzuheben. Ihr sei mit Wirkung ab 1. Juli 2014 

eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. In formeller Hinsicht ersucht sie um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur 

Begründung führt die Beschwerdeführerin aus, den Vorbescheid vom 3. Januar 2022 

nicht erhalten zu haben. Die angefochtene Verfügung wäre deshalb wegen Verletzung 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör aufzuheben. Es werde aber dem Ermessen des 

Gerichts überlassen, ob dieses die Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt 

erachten wolle. Als Valideneinkommen sei das Einkommen bei der D.___ AG aus dem 

Jahr 2010 heranzuziehen (Fr. 77'800.--) und auf das Jahr 2014, in welchem der 

Rentenanspruch begonnen habe, zu indexieren, was einen Betrag von Fr. 80'399.-- 

ergebe. Die frühere Tätigkeit als Kundenberaterin sei nicht mehr zumutbar. Dies müsse 

zweifellos auch für die früher erlernten Berufe als Z.___ oder Y.___ gelten, sei doch 

auch in diesen eine mündliche Kommunikation mit Kunden bzw. […] unerlässlich. Für 

die Ermittlung des Invalideneinkommens sei deshalb auf die vom Bundesamt für 

Statistik (BSV) periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) Tabelle TA1 

2014, Total Frauen, Kompetenzniveau 1, abzustellen. Es belaufe sich demnach auf 

Fr. 53'793.-- für ein 100%-Pensum bzw. Fr. 37'655.-- für ein 70%-Pensum. Aus dem 

Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 53 %, womit die 

Beschwerdeführerin per 1. Juli 2014 Anspruch auf eine halbe Rente habe (act. G1).

B.a. 

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Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2023 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde. Sie könne nicht beweisen, dass der Vorbescheid der 

Beschwerdeführerin zugestellt worden sei, demnach sei diesbezüglich auf deren 

Sachdarstellung abzustellen. Die Beschwerdeführerin mache somit zu Recht eine 

Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Jedoch seien vorliegend die 

Voraussetzungen für die Heilung der Gehörsverletzung erfüllt. Die letzte Tätigkeit der 

Beschwerdeführerin sei adaptiert, wenn hierbei die qualitative Einschränkung von 30 % 

berücksichtigt werde. Der Beschwerdeführerin sei es während der Begutachtung ohne 

grössere Probleme möglich gewesen, mit den Gutachtenspersonen zu kommunizieren. 

Demnach könne die von Januar 2009 bis Juli 2010 ausgeübte Tätigkeit als X.___ 

weiterhin im Umfang von 70 % verrichtet werden, zumal sich der Gesundheitszustand 

der Beschwerdeführerin seit der MEDAS-Begutachtung nicht verschlechtert habe. Im 

Übrigen würden der Beschwerdeführerin auch andere ihrem Leiden angepasste 

Tätigkeiten mit vergleichbaren Verdienstmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Eine 

abgeschlossene Ausbildung im kaufmännischen Bereich sei für das Finden einer Stelle 

hilfreich, die Beschwerdeführerin habe diese Hürde jedoch bereits vor Jahren 

genommen. Mittlerweile verfüge sie über mehrjährige einschlägige Praxis. Dies sowie 

ihre Grundausbildung zur Y.___ und ihre Fremdsprachenkenntnisse, welche auch für 

die schriftliche Kommunikation genutzt werden könnten, würden aus 

berufsberaterischer Sicht eine ausreichende Basis bilden für das Finden einer 

adaptierten Stelle. Das Invalideneinkommen müsse deshalb nicht abstrakt gestützt auf 

die Tabellenlöhne berechnet werden. Im Übrigen wäre aufgrund ihrer beruflichen 

Qualifikationen auf jeden Fall das Kompetenzniveau 2 und nicht 1 zu verwenden. Bei 

Vornahme eines Prozentvergleichs resultiere ein rentenausschliessender 

Invaliditätsgrad von 30 % (act. G3).

B.b. 

Am 8. Mai 2023 bewilligt die Verfahrensleitung die unentgeltliche Rechtspflege 

(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung; act. G5).

B.c. 

Mit Replik vom 7. Juni 2023 bringt die Beschwerdeführerin vor, wegen der 

Verletzung des rechtlichen Gehörs müsse auch im Falle ihres Unterliegens die 

Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten tragen und eine Parteientschädigung zahlen, 

denn wenn sie richtig vorgegangen wäre, hätten die Argumente der 

B.d. 

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Beschwerdeführerin bereits im Einwandverfahren gewürdigt werden können, ohne dass 

ihr daraus Kosten entstanden wären. Der von der Beschwerdegegnerin erwähnte 

knappe Hinweis im ORL-Teilgutachten stehe im Widerspruch zu den ausführlich 

dargelegten Ergebnissen der audiologischen Abklärung, woraus ersichtlich sei, dass 

die Beschwerdeführerin selbst mit Hörgeräten, lauter Sprache und in einer 

schallisolierten Kabine nur 80 % der einsilbigen Wörter habe verstehen können. Die 

Gutachterin weise darauf hin, dass bei der Kommunikation eine erhöhte kognitive 

Belastung mit schnellerer Ermüdung bestehe, dies insbesondere bei längeren 

Gesprächen und unter ungünstigen akustischen Bedingungen. Ein einstündiges 

Gespräch in einer ruhigen Untersuchungsumgebung und mit einer hinsichtlich der 

Hörbehinderung sensibilisierten Gesprächspartnerin sei mit der realen Situation im 

Berufsleben nicht vergleichbar. Bei der früheren Tätigkeit würde die 

Beschwerdeführerin unter anderem wohl auch häufig mit Personen am Telefon, mit 

mehreren Personen gleichzeitig oder in einer Umgebung mit akustischen Störfaktoren 

sprechen müssen. Dies sehe offensichtlich auch die Gutachterin so, denn sie bestätige, 

dass die kommunikativen Anforderungen in der früheren Tätigkeit (zu) hoch seien und 

erachte diese explizit als nicht mehr möglich. Dem Juristen der Beschwerdegegnerin 

könne nicht gefolgt werden, wenn er sich über die nachvollziehbar begründete 

fachärztliche Expertise einfach hinwegsetze. Im psychiatrischen bzw. 

rheumatologischen Teilgutachten würden sich die Aussagen der jeweiligen Expertin, 

auf welche die Beschwerdegegnerin hinweise, jeweils nicht auf das akustische 

Verständnis, sondern offensichtlich nur auf die Sprachkenntnisse und die Sprechweise 

der Beschwerdeführerin beziehen. Es bestreite weiter niemand, dass es adaptierte 

Tätigkeiten im Bürobereich gebe, die hörbehinderte Personen ausüben könnten, wie 

dies die zuständige Berufsberaterin feststelle. Es sei jedoch nicht nachvollziehbar, 

wenn die Beschwerdegegnerin daraus sinngemäss schliesse, dass die frühere Tätigkeit 

einer solchen adaptierten Tätigkeit entspreche. Dies stehe nach wie vor im 

Widerspruch zur gutachterlichen Feststellung, dass die frühere Tätigkeit eben nicht 

mehr möglich sei. Beim Invalideneinkommen seien somit klarerweise die Tabellenlöhne 

massgeblich. Um auf das Kompetenzniveau 2 statt 1 abstellen zu können, bedürfe es 

nach der bundesgerichtlichen Praxis besonderer Fertigkeiten und Kenntnisse. Bei der 

Tätigkeit als Y.___ würden die Aspekte im Vordergrund stehen, während die daneben 

zu erledigenden Büroarbeiten – anders als z.B. bei einer W.___ – keine hohen 

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Erwägungen

1.  

Anforderungen stellen würden und relativ simple Arbeiten wie die […] oder die Planung 

von Abläufen anhand von Weisungen beinhalten würden. Dass die Beschwerdeführerin 

an der letzten Stelle auch im X.___ tätig gewesen sei, könne sicher nicht als besondere 

Kenntnisse gelten. Sie sei auch nie in einer leitenden Funktion tätig gewesen (act. G6).

Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G7 und 

G8).

B.e. 

Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung 

(IVG; SR 831.20) in Kraft (Weiterentwicklung der IV [WEIV]; Änderung vom 19. Juni 

2020, AS 2021 705, BBl 2017 2535). Entsprechend den allgemeinen 

intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis 

zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem 

Zeitpunkt ein Rentenanspruch entstanden ist. Trifft dies zu, so erfolgt ein allfälliger 

Wechsel zum neuen stufenlosen Rentensystem je nach Alter der Rentenbezügerin oder 

des -bezügers gemäss lit. b und c der Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung 

vom 19. Juni 2020. Gemäss lit. b Abs. 1 bleibt für Rentenbezügerinnen und -bezüger, 

deren Rentenanspruch vor Inkrafttreten dieser Änderung entstanden ist und die bei 

Inkrafttreten der Änderung zwar das 30., aber noch nicht das 55. Altersjahr vollendet 

haben, der bisherige Rentenanspruch solange bestehen, bis sich der Invaliditätsgrad 

nach Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ändert (Urteil des Bundesgerichts vom 

5. Juni 2023, 9C_540/2022, E. 3.1).

1.1. 

Während die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad auf Basis des Jahres 2012 

berechnet (IV-act. 483), macht die Beschwerdeführerin einen Rentenanspruch ab 2014 

geltend. Der zu prüfende Rentenanspruch ist demnach jedenfalls noch unter dem alten 

Recht einzuordnen, sodass in zeitlicher Hinsicht die materiellen Bestimmungen in der 

bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung anwendbar sind. Daran ändert nichts, dass 

über den Anspruch erst nach dem 1. Januar 2022 verfügt wurde, denn ein allfälliger 

Rentenanspruch ist dennoch bereits vor diesem Datum entstanden. Die materiellen 

Bestimmungen werden dementsprechend nachfolgend ohne Weiteres in der bis 

31. Dezember 2021 anwendbaren Fassung zitiert. Da die 1970 geborene 

Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Änderung das 30. Altersjahr zurückgelegt und 

1.2. 

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2.  

das 55. Altersjahr noch nicht erreicht hatte, bleibt ein allfälliger Rentenanspruch 

gemäss der vorstehend zitierten Übergangsbestimmung grundsätzlich so lange 

bestehen, bis sich der Invaliditätsgrad nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ändert.

Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. 

Weil bei einer Gehörsverletzung unter Umständen eine Rückweisung der Angelegenheit 

an die Beschwerdegegnerin zu prüfen ist, ist dieses Vorbringen vorab zu behandeln.

2.1. 

Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen 

Eidgenossenschaft (BV; SR 101) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. 

Dazu gehört insbesondere das Recht der betroffenen Person, sich vor Erlass des 

Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die 

Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der 

Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum 

Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen 

(BGE 132 V 368 E. 3.1 S. 370 mit Hinweisen). In diesem Sinne hat die IV-Stelle der 

versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren 

mittels Vorbescheid mitzuteilen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme durch ein 

Einwandverfahren zu gewähren. Die Nichtbeachtung der gesetzlichen Pflicht zum 

Erlass des Vorbescheids ist nach den Grundsätzen über die Verletzung des rechtlichen 

Gehörs zu sanktionieren (vgl. Art. 57a IVG; Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 

2022, 8C_736/2021, E. 4.1).

2.2. 

Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung 

des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person 

die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den 

Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Wenngleich die Heilung des 

Mangels die Ausnahme bleiben soll (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. März 2010, 

8C_1082/2009, E. 2.1, mit Hinweisen) ist unter dieser Voraussetzung selbst bei einer 

schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die 

Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen 

Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der 

Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen 

Beurteilung der Sache zu vereinbaren wären (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 

2022, 8C_736/2021, E. 4.2, mit Hinweisen).

2.3. 

Vorliegend anerkennt die Beschwerdegegnerin, dass sie die Zustellung des 

Vorbescheids nicht nachweisen kann, sodass sie zu ihren Lasten unbewiesen bleibt 

2.4. 

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3.  

(vgl. act. G3). Damit liegt unstreitig eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Die 

Beschwerdeführerin besteht indes nicht auf einer Rückweisung der Angelegenheit zur 

ordnungsgemässen Durchführung eines Vorbescheidverfahrens. Sie hatte Kenntnis der 

Vorakten und konnte sich im Rahmen des Beschwerdeverfahrens umfassend äussern. 

Aus dem Schriftenwechsel (act. G1, G3 und G6) geht sodann hervor, dass auch für den 

Fall, dass die Beschwerdeführerin ihre Einwände hätte vorbringen können, die 

Beschwerdegegnerin gleich entschieden hätte bzw. bei einer Rückweisung zur 

korrekten Durchführung des Vorbescheidverfahrens gleich entscheiden würde, sodass 

ein Weiterzug mittels Beschwerde an das Versicherungsgericht unumgänglich gewesen 

wäre bzw. eine Rückweisung lediglich einen formalistischen Leerlauf bewirken würde 

und mit dem Interesse der Beschwerdeführerin an einer beförderlichen Beurteilung 

ihres Anspruchs nicht vereinbar wäre. Aus verfahrensökonomischen Gründen 

rechtfertigt es sich deshalb, den an sich nicht gering zu schätzenden Verfahrensmangel 

mit dem vorliegenden Verfahren, in welchem das Gericht mit voller Kognition 

ausgestattet ist, zu heilen (zu den Kostenfolgen siehe E. 8.3 nachstehend).

Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG versicherte Personen, 

die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich 

die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist 

(Art. 7 Abs. 2 ATSG).

3.1. 

Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht 

3.2. 

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4.  

frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (Karenzfrist, vgl. 

Art. 29 Abs. 1 IVG).

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, 

auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob 

die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit 

Hinweisen). Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist 

abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4).

3.3. 

Im Sozialversicherungsrecht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 60 

lit. c ATSG) und das Gericht hat seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas 

Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).

3.4. 

Vorab ist zu bestimmen, ab welchem Zeitpunkt ein allfälliger Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin entstanden sein kann. Dabei ist zu beachten, dass über den 

Rentenanspruch seit Anmeldung vom 1. Mai 2012 nie verfügt wurde. Die Parteien 

äussern sich zum Zeitpunkt des Rentenbeginns nicht ausführlich. Während die 

Beschwerdegegnerin den Zeitpunkt gestützt auf das Jahr der Anmeldung (Mai 2012; 

Ablauf der sechsmonatigen Karenzfrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG demnach im November 

2012), festlegt (vgl. IV-act. 483), geht die Beschwerdeführerin davon aus, der 

Rentenanspruch sei 2014 (ein Jahr nach dem Hörsturz Anfang Juli 2013) entstanden 

(vgl. act. G1).

4.1. 

Im MEDAS-Gutachten wird der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit als Z.___ und Y.___ (Ausbildungsabschluss 1997, vgl. IV-

act. 370-2) seit Mai 2002 attestiert (IV-act. 258-28 und 258-59). Auch im estimed-

Gutachten wird festgehalten, die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit gelte seit der Untersuchung 2002. Obwohl sich das 

4.2. 

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5.  

Hörvermögen danach verbessert habe und die Hörgerätversorgung einen Gewinn 

bringe, sei die Hörleistung für eine kommunikativ anspruchsvolle Tätigkeit seither 

ungenügend geblieben (IV-act. 476-122; vgl. auch IV-act. 476-117, wonach sich das 

Hörvermögen seit 2015 sicher verschlechtert habe). In beiden Gutachten wird sodann 

von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen (vgl. IV-

act. 258-28 und 476-122). Beide Gutachten werden von den Parteien im Grundsatz als 

beweiskräftig anerkannt. Sie erfüllen denn auch grundsätzlich die Anforderungen der 

Rechtsprechung an beweiskräftige Gutachten (vgl. E. 3.3 vorstehend), sodass auf sie 

abgestellt werden kann. Im Übrigen hat das hiesige Gericht bereits im Urteil vom 8. Juli 

2019 uneingeschränkt auf das MEDAS-Gutachten abgestellt (vgl. IV-act. 294).

Die Beschwerdeführerin war somit zum Zeitpunkt ihrer Anmeldung 2012 in den 

angestammten Tätigkeiten bereits seit mehr als einem Jahr nicht mehr und in einer 

adaptierten Tätigkeit nur noch in einem Umfang von 70 % arbeitsfähig. Dass die 

Beschwerdeführerin nach 2002 noch verschiedene Vollzeiterwerbstätigkeiten ausübte 

(vgl. IV-act. 369), steht dieser Feststellung nicht entgegen. Vielmehr handelte es sich 

um jeweils auf Dauer unzumutbare, weil nicht optimal adaptierte Tätigkeiten, was sich 

denn auch insofern zeigte, als die Beschwerdeführerin keine dieser Tätigkeiten 

dauerhaft ausüben konnte. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass die 

Beschwerdeführerin die Stellen nicht immer mit der Begründung der unzureichenden 

Geeignetheit/Leistung verlor, sondern mitunter auch andere Gründe – wie etwa 

Umstrukturierung (vgl. beispielhaft IV-act. 152, Fragebogen für Arbeitgebende D.___ 

AG vom 17. April 2013) – angegeben wurden. Die Beschwerdeführerin war offenkundig 

darum bemüht, zu arbeiten und ein Einkommen zu generieren. Ihre Arbeitsbemühungen 

zeigen im vorliegenden Fall deshalb nicht eine Unstimmigkeit in den Gutachten auf, 

sondern legen dar, dass die Beschwerdeführerin ohne ihre gesundheitlichen 

Einschränkungen erfolgreich erwerbstätig sein und ein beachtliches Einkommen 

erzielen könnte.

4.3. 

Das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 IVG war nach dem Gesagten zum Zeitpunkt der 

IV-Anmeldung bereits erfüllt. Die sechsmonatige Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 IVG) lief 

gestützt auf das auf den 1. Mai 2012 datierte Anmeldeformular (IV-act. 115) im 

November 2012 aus, sodass der Beginn eines allfälligen, zu prüfenden 

Rentenanspruchs auf den 1. November 2012 zu legen ist.

4.4. 

Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird grundsätzlich das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

5.1. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 12/20

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Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG). Für den 

Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des 

Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf 

zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der 

Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 

222 E. 4.1 f. mit Hinweisen).

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte 

Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. In der Regel 

wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen 

Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer 

Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden 

fortgesetzt worden wäre. Berufliche Weiterentwicklungen, die ein Versicherter 

normalerweise vollzogen hätte, sind bei der Festsetzung des Valideneinkommens zu 

berücksichtigen, sofern ein hypothetischer beruflicher Aufstieg sehr wahrscheinlich 

erscheint. Rein theoretische Aufstiegsmöglichkeiten sind unbeachtlich (Ulrich Meyer/

Marco Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die 

Invalidenversicherung [IVG], in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl., 2022, 

Art. 28a N 48, N 50 und N 66 f.; BGE 129 V 222 E. 4.3.1 und BGE 131 V 51 E. 5.1.2). 

Bei der Prüfung der mutmasslichen beruflichen Entwicklung können unter Umständen 

aus einer besonderen beruflichen Qualifizierung im Invaliditätsfall Rückschlüsse auf die 

hypothetische Entwicklung gezogen werden, zu der es ohne Eintritt des 

Gesundheitsschadens gekommen wäre (vgl. Meyer/Reichmuth, a.a.O., Art. 28a N 68).

5.2. 

Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-

erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist 

kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte Person 

nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich 

zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der 

Rechtsprechung statistische Werte, insbesondere die LSE beigezogen werden (BGE 

139 V 592 E. 2.3; vgl. auch BGE 148 V 174 E. 9.2).

5.3. 

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6.  

Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die 

beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt 

und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der 

Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen 

ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im 

Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte 

miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht 

unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. 

Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne 

Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu 

bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren 

Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der 

Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich). Der Prozentvergleich bietet sich 

somit namentlich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen 

Tabellenlohn zu berechnen sind. Deren genaue Ermittlung erübrigt sich: Der 

Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter 

Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 

vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1, mit Hinweisen).

5.4. 

Wird das Validen- oder Invalideneinkommen anhand eines Werts aus einem Jahr 

bestimmt, welches nicht dem Jahr des Rentenbeginns entspricht, so ist es der 

Nominallohnentwicklung anzupassen. Zu diesem Zweck kann die Tabelle T39, 

Lohnentwicklung, der LSE beigezogen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 

13. Oktober 2015, 8C_233/2015, E. 3.4).

5.5. 

Vorliegend stellte die Beschwerdegegnerin für das Valideneinkommen auf den 

Fragebogen für Arbeitgeberinnen vom 17. April 2013 (IV-act. 152) ab und ging für das 

Jahr 2010 von einem Jahreslohn von Fr. 79'300.-- aus (13 x Fr. 6'100.--; siehe IV-

act. 482-3 und IV-act. 483). Dies ist insofern leicht zu korrigieren, als im Lohnjournal bei 

einem Anfangslohn (Januar 2009) von Fr. 5'950.-- als Basis für den 13. Monatslohn 

lediglich Fr. 5'800.-- hinterlegt waren (vgl. IV-act. 152-7), sodass sich das 

Jahreseinkommen nach der Lohnerhöhung auf Fr. 6'100.-- ab September 2009 auf 

Fr. 79'000.-- belief (12 x Fr. 6'100.-- + 13. Monatslohn in Höhe von Fr. 5'800.--).

6.1. 

Zwar erzielte die Beschwerdeführerin dieses Einkommen nach Eintritt der 

Invalidität (2002, vgl. E. 4.2 vorstehend), sodass es normalerweise als 

Valideneinkommen nicht in Betracht fallen würde. Die Umstände im vorliegenden Fall 

6.2. 

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7.  

sind jedoch insofern speziell, als dieses Einkommen trotz der Tatsache, dass es nach 

Eintritt der Invalidität erwirtschaftet wurde, das Erwerbspotential der 

Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall widerspiegelt. Denn die Beschwerdeführerin 

wurde von der damaligen Arbeitgeberin als gesund angesehen und entsprechend 

eingesetzt (vgl. IV-act. 152-4, wo die Arbeitgeberin angab, die Beschwerdeführerin 

habe während der gesamten Anstellungsdauer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung 

gearbeitet). Dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK, IV-act. 200) ist sodann zu 

entnehmen, dass die Beschwerdeführerin über die Jahre hinweg und über den Eintritt 

der Invalidität hinaus tendenziell steigende Einkommen erzielen konnte (1998: 

Fr. 49'380, 2005: Fr. 65'650.--, 2009: Fr. 77'800.--), wie dies auch im Gesundheitsfall 

mit zunehmender Arbeits- und Lebenserfahrung möglich gewesen wäre. Die 

Beschwerdeführerin hat sowohl ihre ersten Ausbildungen zur Z.___ wie auch die von 

der IV-Stelle finanzierte Umschulung zur Y.___ erfolgreich absolviert (vgl. IV-act. 369-10 

ff.) und war auch danach stets an Aus- bzw. Weiterbildungen interessiert (vgl. etwa IV-

act. 294 zur angestrebten neuerlichen Umschulung und IV-act. 389-15 zum 

angestrebten SRK-Kurs). Sie wird in den Arbeitszeugnissen als motiviert, interessiert, 

flexibel, sorgfältig, gewissenhaft, zuverlässig, zuvorkommend und freundlich mit 

tadellosen Umgangsformen beschrieben (vgl. IV-act. 369-1 ff.). Dies alles deutet darauf 

hin, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Einschränkungen beruflich 

erfolgreich wäre. Bei der Prüfung der mutmasslichen beruflichen Entwicklung im 

Gesundheitsfall kann deshalb vorliegend vom Einkommen, welches die 

Beschwerdeführerin bei der D.___ AG erzielt hat, auf das hypothetische 

Valideneinkommen geschlossen werden (vgl. E. 5.2 vorstehend), sodass ein 

Jahreseinkommen von Fr. 79'000.-- als Valideneinkommen durchaus realistisch ist. Wie 

die Beschwerdeführerin den von ihr angeführten Wert von Fr. 80'399.-- (act. G1) 

bestimmt hat, ist nicht gänzlich nachvollziehbar, zumal bei der Indexierung gemäss der 

Tabelle T39, Frauen, durch 2'579 zu teilen und mit 2'673 zu multiplizieren wäre, was 

einen Betrag von Fr. 80'635.65 ergeben würde. Die Frage kann jedoch offenbleiben, da 

der Unterschied zwischen Fr. 79'000.-- und Fr. 80'399.-- vorliegend nicht wesentlich 

ist.

Zum Invalideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin festgehalten, dieses 

entspreche prozentual dem Valideneinkommen (IV-act. 482-3). Sie hat somit einen 

Prozentvergleich vorgenommen (IV-act. 483; zum Prozentvergleich siehe E. 5.4 

vorstehend). Auch in der Beschwerdeantwort vertritt die Beschwerdegegnerin die 

Auffassung, die letzte Tätigkeit der Beschwerdeführerin sei adaptiert, wenn hierbei die 

7.1. 

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qualitative Einschränkung von 30 % berücksichtigt werde. Die von Januar 2009 bis Juli 

2010 ausgeübte Tätigkeit als X.___ könne weiterhin im Umfang von 70 % verrichtet 

werden (act. G3). Mit der Beschwerdeführerin ist jedoch festzuhalten, dass ihr die 

Tätigkeit als X.___ welche sie bei der D.___ AG innehatte, nicht zumutbar, da nicht 

optimal leidensadaptiert war. Die ORL-estimed-Gutachterin hielt dies in ihrem 

Teilgutachten ausdrücklich fest (Arbeitsfähigkeit als Y.___ und X.___: 0 % seit 2002, IV-

act. 476-122; vgl. auch Konsensbeurteilung, vollständige Arbeitsunfähigkeit als 

"Kundenberaterin/[…]", IV-act. 476-185). Gemäss ORL-estimed-Gutachterin sollte eine 

leidensadaptierte Tätigkeit namentlich keine Anforderungen an das Sprachverstehen in 

Umgebungslärm und an die Geräuschortung stellen. Dies umfasse Tätigkeiten mit 

Kundenkontakt in Hintergrundlärm und Gespräche mit mehreren 

Gesprächsteilnehmern. Eine Lärmbelastung sei wegen der Lärmempfindlichkeit bei 

Hörgerätversorgung und des Risikos einer Gehörschädigung zu vermeiden. Die 

angestammte Tätigkeit stelle zu hohe kommunikative Anforderungen (IV-act. 476-122 

und 476-124; vgl. auch A.e. des vorstehenden Sachverhalts). Im MEDAS-Gutachten 

wurde zwar festgehalten, die letzte Tätigkeit im X.___ einer D.___ sei auch nach 

Einschätzung der Beschwerdeführerin eine geeignete Tätigkeit (IV-act. 258-29). 

Gleichzeitig hielten die MEDAS-Gutachter aber unter anderem Verzicht auf 

lautsprachliche Kommunikation, Vermeidung von Telefonaten und keine 

Grossraumbüros als Kriterien für eine adaptierte Tätigkeit fest (IV-act. 258-28). Die 

Tätigkeit bei der D.___ AG beinhaltete jedoch lautsprachliche Kommunikation, zumal 

die Beschwerdeführerin als Kundenberaterin im X.___ angestellt war (IV-act. 152-9) und 

ihre Zweisprachigkeit, welche die Beschwerdeführerin eben gerade für lautsprachliche 

Kommunikation einsetzte, von der Arbeitgeberin sehr geschätzt wurde (vgl. IV-

act. 369-3). Es leuchtet daher ein, dass sich die Beschwerdeführerin im letzten 

Arbeitsverhältnis regelmässig selbst überforderte und die Tätigkeit mit einer 

Überstrapazierung und schnelleren Ermüdbarkeit einherging. Auch der RAD ist deshalb 

mit Stellungnahme vom 16. Dezember 2022 zur Konklusion gelangt, dass aufgrund der 

hohen kommunikativen Anforderungen die angestammte Tätigkeit als Y.___ und als 

X.___ eines D.___ nicht mehr möglich sei (IV-act. 481-2).

Die Beschwerdegegnerin führt aus, der Beschwerdeführerin sei es während der 

Begutachtung ohne grössere Probleme möglich gewesen, mit den 

Gutachtenspersonen zu kommunizieren (act. G3). Wie die Beschwerdeführerin zu 

Recht vorbringt (act. G6), kann die bloss wenige Stunden dauernde 

Gutachtenssituation jedoch nicht mit einem achteinhalbstündigen Arbeitsalltag 

gleichgesetzt werden. Insbesondere fanden die Gutachtengespräche in ruhiger 

Umgebung ohne Beteiligung Dritter statt und verfügten die Gutachter als medizinische 

7.2. 

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Fachpersonen mit Aktenkenntnis über ein besonderes Verständnis für die Situation der 

Beschwerdeführerin, was von Kunden einer Aussendienstmitarbeiterin nicht erwartet 

werden kann.

In Übereinstimmung mit beiden Gutachten und der RAD-Einschätzung ist davon 

auszugehen, dass die Tätigkeit der Beschwerdeführerin bei der D.___ AG nicht 

adaptiert war und der Beschwerdeführerin somit dauerhaft ohne Gefahr der 

Beeinträchtigung ihres Gesundheitszustands nicht zumutbar war, auch wenn sie selbst 

dies im Zeitraum der Anstellung und auch noch anlässlich der MEDAS-Begutachtung 

anders einschätzte. Die Anstellung bei der D.___ AG ist beendet. Die 

Beschwerdeführerin kann sich gestützt auf den heutigen Erkenntnisstand betreffend 

ihre gesundheitlichen Einschränkungen für diese oder eine vergleichbare Tätigkeit nicht 

mehr bewerben. Eine entsprechende Bewerbung bzw. sogar Anstellung wäre von 

Vornherein zum Scheitern verurteilt. Für das Invalideneinkommen kann deshalb nicht 

auf das zuletzt erzielte Einkommen bei der D.___ AG abgestellt werden. Da das 

Invalideneinkommen nicht konkret bestimmt werden kann, muss es anhand der 

Tabellenlöhne der LSE festgesetzt werden (vgl. E. 5.3 vorstehend).

7.3. 

Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, der Beschwerdeführerin würden auch 

andere ihrem Leiden angepasste Tätigkeiten mit vergleichbaren Verdienstmöglichkeiten 

zur Verfügung stehen. Es gebe Tätigkeiten im Bürobereich, die unter Berücksichtigung 

der Adaptionskriterien ausgeübt werden könnten. In der Broschüre "Hörbehinderte 

Mitarbeitende in der Administration", welche von der Organisation pro-audito in 

Zusammenarbeit mit dem Bund Schweizerischer Schwerhörigen-Vereine 

herausgegeben worden sei, würden folgende aufgezählt: Buchhaltung/

Rechnungswesen, Zahlungs- und Mahnwesen, technisch-kaufmännische Arbeiten, 

Dokumentationserstellung und -unterhalt, Organisationsarbeiten, Arbeiten in der 

Logistik, Arbeiten mit schriftlicher Kommunikation, Verkaufsinnendienst mit wenig 

telefonischer Kommunikation, Werbung und Marketingaufgaben, Planungsarbeiten, 

Personaladministration, Statistiken, jede Art von Stabstätigkeiten in Grossbetrieben. 

Aufgrund der beruflichen Qualifikationen der Beschwerdeführerin wäre deshalb das 

Kompetenzniveau 2 und nicht 1 zu verwenden, würden die Tabellenlöhne für die 

Bestimmung des Invalideneinkommens herangezogen (act. G3). Die 

Beschwerdeführerin hält dagegen, um auf das Kompetenzniveau 2 statt 1 abstellen zu 

können, bedürfe es nach der bundesgerichtlichen Praxis besonderer Fertigkeiten und 

Kenntnisse, über die sie nicht verfüge (act. G6).

7.4. 

Praxisgemäss rechtfertigt sich bei der Bemessung des Invalideneinkommens, 

wenn die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität nicht auf ihren angestammten 

7.5. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 17/20

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Beruf zurückgreifen kann, das Abstellen auf den Totalwert im Kompetenzniveau 2 

gemäss LSE nur dann, wenn sie über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfügt, 

beispielsweise Führungserfahrung, zusätzliche formale Weiterbildungen oder andere 

während der Berufsausübung erworbene besondere Qualifikationen. Bejaht wurde dies 

etwa beim Versicherten, der bereits verschiedene Berufe ausgeübt hatte, beim früheren 

Spengler-/Sanitärinstallateur mit überdurchschnittlichen handwerklichen Fähigkeiten 

und beim gelernten Zimmermann, welcher Ausbildungen zum Vorarbeiter und 

Projektleiter absolvierte, in diesen Funktionen auch tätig war und schliesslich sein 

eigenes Unternehmen im Bereich des Baugewerbes gründete und führte. Ansonsten 

zog das Bundesgericht den Zentralwert des Kompetenzniveaus 1 heran, so namentlich 

im Fall eines Heizungsmonteurs, der zwischenzeitlich zwar als Aussendienstmitarbeiter 

bei einer Versicherung tätig war, aber über keine kaufmännische Ausbildung verfügte 

oder bei einem 45-jährigen, seit annähernd 20 Jahren bei der gleichen Arbeitgeberin 

Angestellten, der dort zuletzt eine leitende Stellung bekleidet hatte, jedoch nur in 

diesem Beruf als Sicherheitschef – den er behinderungsbedingt nicht mehr ausüben 

konnte – über die entsprechenden Fachkenntnisse verfügte (Urteile des 

Bundesgerichts vom 5. Dezember 2022, 8C_194/2022, E. 7.4.1, und vom 2. August 

2021, 8C_131/2021, E. 7.4.1, je mit Hinweisen; siehe für weitere Beispiele auch Urteil 

des Bundesgerichts vom 28. Juni 2022, 8C_801/2021, E. 3.4).

Vorliegend ergibt sich aus dem Lebenslauf der Beschwerdeführerin (IV-act. 370) 

sowie den Ausbildungs- und Arbeitszeugnissen (IV-act. 369), dass sie eine rasche 

Auffassungsgabe, hervorragende Sprachkenntnisse (V.___, Schweizerdeutsch, Deutsch 

und Französisch, sowie Grundkenntnisse in Englisch, Russisch und Italienisch) sowie 

gute Umgangsformen besitzt, flexibel einsetzbar ist und über breit gefächerte 

Berufserfahrung verfügt. So gelang es ihr auch nach Eintritt ihrer Invalidität 2002, 

Anstellungen, welche beträchtliche Einkommen generierten, zu finden und teilweise 

über ein Jahr hinaus zu halten, obschon ihr diese aufgrund ihrer gesundheitlichen 

Einschränkungen nicht zumutbar waren. Namentlich demonstrierte sie die Fähigkeit, 

sich erforderliches Fachwissen im Rahmen einer Anstellung bzw. nebenbei anzueignen. 

Von 1997 bis 2000 war sie als Allrounderin bei der E.___ angestellt und hatte dabei eine 

breite Palette von Aufgaben inne (einige Monate Schwesternhilfe, danach Rezeption, 

Buchhaltung, Administration, Rechnungswesen, Korrespondenz, Organisation von 

Seminaren und Veranstaltungen, Durchführung von Kursen und Aktivitäten für die 

Pensionäre, Führen des hausinternen Coiffeursalons). Auch bei der F.___, der G.___, 

der H.___ SA und der I.___ SA wurde sie in einem breiten Aufgabengebiet als 

Büroangestellte in den Bereichen Rechnungswesen, Buchhaltung, Lagerverwaltung, 

Verkauf, Korrespondenz und Kundenberatung eingesetzt. In Zeiträumen, in denen sie 

7.6. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 18/20

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keine Anstellung fand, war sie auf Freiwilligenbasis tätig (z.B. Kochen im U.___, 

Einkaufsbegleitung von Pensionären, vgl. IV-act. 370-1; Freiwilligenarbeit im J.___ des 

KSSG, vgl. IV-act. 389; Begleitung eines behinderten Kindergartenkindes an fünf Tagen 

pro Woche für jeweils vier Stunden, vgl. IV-act. 476-104). Ihre Fertigkeiten und 

Kenntnisse sowie ihr Adaptionsprofil sind deshalb auch auf dem allgemeinen 

Arbeitsmarkt dergestalt verwertbar, dass sie nicht auf einfache Tätigkeiten körperlicher 

oder handwerklicher Art entsprechend dem niedrigsten Kompetenzniveau 1 beschränkt 

sind. Namentlich ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin sich trotz fehlendem Berufsabschluss dank ihrer Ausbildungen 

und Berufserfahrungen auch für kaufmännische Stellen bewerben kann (vgl. zu den 

beruflichen Abklärungen insbesondere IV-act. 261, 274 und 389), wie sie dies auch in 

der Vergangenheit erfolgreich getan hat. Zudem könnten beispielsweise EDV- und 

Buchhaltungskenntnisse auch berufsbegleitend oder durch entsprechende Einführung 

am Arbeitsplatz erworben oder vertieft werden (vgl. zum der Beschwerdeführerin 

offenstehenden Arbeitsmarkt auch die Ausführungen im Entscheid des 

Versicherungsgerichts St. Gallen vom 8. Juli 2019, IV 2018/366, E. 3.5, IV-act. 294). 

Würde dem Antrag der Beschwerdeführerin gefolgt und für das Invalideneinkommen 

auf das Kompetenzniveau 1 – welches wenig Anforderungen stellt – abgestellt, so 

würde die Beschwerdeführerin unter den gegebenen Umständen zu Unrecht mit 

Versicherten auf dieselbe Ebene gestellt, welche schlicht ungelernt sind. Für das 

Invalideneinkommen ist daher der Tabellenlohn der LSE, Tabelle TA1, total alle 

Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 2, Frauen, heranzuziehen.

Statt das Valideneinkommen aus dem Jahr 2010 auf das Jahr 2012 zu indexieren 

und für das Invalideneinkommen auf den Tabellenlohn 2012 abzustellen, wird auf eine 

Indexierung verzichtet und der Einfachheit halber der Tabellenlohn 2010 herangezogen, 

sodass beide Einkommen auf zeitidentischer Grundlage ermittelt sind. Das 

Invalideneinkommen beträgt für ein 100%-Pensum somit Fr. 64'184.65 (Fr. 5'202.-- 

gemäss Tabelle TA1 2010, total alle Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 2 bzw. 

damals noch Anforderungsniveau 3, Frauen, x 12 [Jahreseinkommen] / 40 [Annahme 

wöchentliche Arbeitszeit gemäss LSE] x 41.6 [betriebsübliche Arbeitszeit 2010]), für ein 

70%-Pensum Fr. 44'929.25 (Fr. 64'184.65 x 0.7).

7.7. 

Die Rechtsprechung sieht unter Umständen einen Abzug vom Tabellenlohn nach 

LSE vor. Mit einem solchen Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass 

gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten 

behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren 

arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit 

7.8. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 19/20

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8.  

unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Ob und in welchem Ausmass 

Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen 

Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, 

Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) ab. Bereits in 

der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche 

Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten 

Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts 

führen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach 

pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen (Urteil des Bundesgerichts vom 

20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 126 V 75; BGE 134 V 327 E. 5.2).

Vorliegend hat die Beschwerdeführerin zu Recht keinen Tabellenlohnabzug 

beantragt. Denn ihre Einschränkungen wurden vollumfänglich bereits bei der 

medizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt und dürfen 

dementsprechend nicht erneut durch eine Reduktion des LSE-Lohns in Abzug 

gebracht werden.

7.9. 

Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 79'000.-- und des 

Invalideneinkommens von Fr. 44'929.25 resultiert demnach ein Invaliditätsgrad von 

43 % (100 - [Fr. 44'929.25 / Fr. 79'000 x 100]). Die Beschwerdeführerin hat folglich 

Anspruch auf eine Viertelsrente ab 1. November 2012 (vgl. zum Rentenbeginn E. 4.4 

vorstehend). Die Beschwerde ist somit teilweise gutzuheissen und die Sache zur 

Berechnung und Auszahlung der Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

8.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegenden Angelegenheit angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen 

(vgl. betreffend Überklagung den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 

Gallen vom 19. Dezember 2011, IV 2009/459, E. 5.2 f., bestätigt im Entscheid des 

Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. April 2016, IV 2014/126, E. 6.2).

8.2. 

bis

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

8.3. 

https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75

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Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

17. Februar 2023 aufgehoben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 

1. November 2012 eine Viertelsrente zugesprochen. Zur Festsetzung und Ausrichtung 

der Rentenleistung wird die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis 

Fr. 15'000.--. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint 

eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer). Bei teilweisem Obsiegen ist dann eine ungekürzte 

Parteientschädigung zuzusprechen, wenn die versicherte Person im Grundsatz obsiegt 

und lediglich im Masslichen (teilweise) unterliegt. Dahinter steht die Überlegung, dass 

eine "Überklagung" eine Reduktion der Parteientschädigung nicht rechtfertigt, soweit 

das Rechtsbegehren keinen Einfluss auf den Prozessaufwand ausübt (Urteil des 

Bundesgerichts vom 24. Oktober 2022, 8C_281/2022, E. 7.1). Vorliegend ist deshalb 

auch die Parteientschädigung vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, 

da die Klärung der Frage, ob Anspruch auf eine halbe oder eine Viertelrente gegeben 

ist, keinen Einfluss auf den Prozessaufwand hatte. Bei diesem Verfahrensausgang 

erübrigen sich die Festsetzung einer Entschädigung für die gewährte unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung und Ausführungen zu den Auswirkungen des 

Verfahrensmangels (Verletzung rechtliches Gehör) auf die Kostenverlegung.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 22.02.2024
	Art. 28a IVG. Festsetzung des Validen- und Invalideneinkommens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Februar 2024, IV 2023/63).

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		2026-01-28T05:31:14+0100
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