# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 45660a81-117b-520a-b49f-e0ca97152559
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 02.02.2024 VBE.2023.229
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-229_2024-02-02.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.229 / lc / nl 
Art. 12 

 

 

Urteil vom 2. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Peterhans 

Gerichtsschreiberin i.V. Comiotto 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch lic. iur. Michèle Wehrli Roth, Rechtsanwältin, 

Kirchplatz 14, 4800 Zofingen 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   Swiss Life BVG-Sammelstiftung, General Guisan-Quai 40, 8022 Zürich 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 12. April 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1972 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 31. März 2022 

infolge körperlicher Beschwerden (Ereignis vom 29. Juli 2021) bei der Be-

schwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, 

Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwer-

degegnerin tätigte in der Folge medizinische sowie erwerbliche Abklärun-

gen. Nach Rücksprache mit dem internen Regionalen Ärztlichen Dienst 

(RAD) stellte die Beschwerdegegnerin mit Vorbescheid vom 30. Juni 2022 

die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Unter Berücksichtigung 

der dagegen am 12. und 29. August 2023 erhobenen Einwände sowie der 

zusätzlich eingereichten medizinischen Berichte hielt die Beschwerdegeg-

nerin erneut Rücksprache mit dem RAD und entschied mit Verfügung vom 

12. April 2023 wie vorbeschieden. 

 

2. 

2.1. 

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 16. Mai 2023 

Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

" 1. Die Verfügung vom 12. April 2023 sei aufzuheben. 

 

 2. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei abzuklären und im Nachgang sei 

nochmals über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu ent-

scheiden. 

 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-

gegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 30. Juni 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 6. Juli 2023 wurde die Swiss 

Life BVG-Sammelstiftung, Zürich, als berufliche Vorsorgeeinrichtung der 

Beschwerdeführerin im Verfahren beigeladen. Diese verzichtete mit 

Schreiben vom 11. Juli 2023 auf eine Stellungnahme. 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlichen Verfügungen vom 20. September bzw. 21. No-

vember 2023 wurden die Akten der Krankentaggeldversicherung C._____ 

AG beigezogen. 

 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Im vorliegenden Verfahren ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerde-

gegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung 

vom 12. April 2023 zu Recht verneint hat (Vernehmlassungsbeilage [VB] 

47). 

 

2. 

In der angefochtenen Verfügung vom 12. April 2023 stützte sich die Be-

schwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Ak-

tenbeurteilung des RAD-Arztes Prof. Dr. med. B._____, Facharzt für Ortho-

pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 

9. März 2023. Dieser ging in seiner Stellungnahme von folgenden Diagno-

sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aus (VB 45): 

 

" - lumbal radikuläres Schmerzsyndrom S1 rechts 
 - depressive Episoden" 

 

Durch das Schreiben aus der Neurochirurgie D._____ sei Klarheit in das 

Krankheitsbild der Beschwerdeführerin gekommen, wobei objektive Be-

funde mit den geklagten Beschwerden nicht zur Deckung gebracht werden 

könnten, auch in den nur wenige Monate alten MRI-Bildgebungen. Von ei-

ner langjährigen relevanten psychiatrischen Erkrankung (z.B. schwere De-

pression), die fachärztlich behandelt werde, könne im vorliegenden Fall 

nicht gesprochen werden. Eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit, vorzugs-

weise auf Tischebene, keine Arbeiten in vorgeneigter Haltung mit Gewicht 

heben, sitzende Arbeiten ganztags, zusätzlich Pausen Bedarf zum Lockern 

bis maximal eine Stunde, sei der Beschwerdeführerin zumutbar (VB 45/3). 

 

3. 

3.1. 

Nach dem Untersuchungsgrundsatz haben Versicherungsträger und Sozi-

alversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibegeh-

ren für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; vgl. 

BGE 146 V 240 E. 8.1 S. 248 mit Hinweisen; BGE 133 V 196 E. 1.4 

S. 200; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 

ATSG). Der Sachverhalt muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit festgestellt werden (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit 

Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181). Verwaltungsbehörden und So-

zialversicherungsgericht haben zusätzliche Abklärungen stets vorzuneh-

men oder zu veranlassen, wenn hierzu auf Grund der Parteivorbringen oder 

anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender An-

lass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a S. 283). 

 - 4 - 

 

 

3.2. 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser 

für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.3. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 

122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3.4. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen (Urteile des 

Bundesgerichts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 

vom 22. Dezember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, die Beschwerdegeg-

nerin habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem der medizinische 

Sachverhalt nicht genügend erstellt worden sei. Zum einen habe der RAD-

Arzt Prof. Dr. med. B._____ das Vorliegen von psychischen Beschwerden 

verneint, obwohl er zu deren Beurteilung nicht die erforderliche Fachkom-

petenz aufweise. Zum anderen seien, unter Berücksichtigung des medizi-

nischen Berichts der Neurochirurgie D._____, die körperlichen Beschwer-

den ebenfalls nicht eingehend abgeklärt worden. Auch habe die Beschwer-

degegnerin die Akten der Krankentaggeldversicherung nicht eingeholt, ob-

wohl sie über deren Involvierung informiert gewesen sei. Aus diesen Akten 

hätte die Beschwerdegegnerin erkennen können, dass die Krankentag-

geldversicherung eine medizinische Beurteilung bei der E._____ AG in Auf-

trag gegeben habe. Diese Ergebnisse hätten zur Eruierung des Sachver-

halts beitragen können. Aus diesen Gründen hätte keine reine Aktenbeur-

teilung von Prof. Dr. med. B._____ vorgenommen werden dürfen (vgl. Be-

schwerde S. 5 ff.). 

 - 5 - 

 

 

4.2. 

4.2.1. 

Im Austrittsbericht des Spitals B._____ vom 5. Oktober 2021 wurde unter 

anderem die Diagnose "depressive Episoden" gestellt. Die Beschwerde-

führerin habe über bekannte depressive Episoden geklagt. Sie sei "unter 

psychologischer Behandlung", allerdings hätten sich ihre Beschwerden 

noch nicht deutlich gebessert (VB 12/7 f.). 

 

4.2.2. 

RAD-Arzt Prof. Dr. med. B._____ hielt in seiner Stellungnahme vom 

9. März 2023 fest, dass bis auf den medizinischen Bericht des Spitals 

B._____ vom 5. Oktober 2021 keine weiteren "psychiatrische Auffälligkei-

ten" in den Akten ersichtlich seien. Auch sei die (erhebliche) Schmerzmedi-

kation, wie sie im Oktober 2021 praktiziert worden sei, nicht kombiniert z.B. 

mit einem Psychopharmakon. Von einer invaliditätserheblichen psychiatri-

schen Erkrankung, wie zum Beispiel einer schweren Depression, die fach-

ärztlich behandelt werden würde, könne im vorliegenden Fall nicht gespro-

chen werden (VB 45/3). 

 

4.2.3. 

Dr. med. G._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in 

seinem von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen psychi-

atrischen Gutachten vom 28. April 2023 aus, die Beschwerdeführerin habe 

am Anfang der Exploration fliessend und ohne Verzögerung über ihre ak-

tuelle gesundheitliche Situation berichten können, was auf ganz unauffäl-

lige Gedächtnisfunktionen, Konzentrationsvermögen, Merkfähigkeit und 

Aufmerksamkeit hindeute. Sie habe insgesamt leicht bedrückt gewirkt, je-

doch nicht depressiv, intermittierend leicht affektlabil, die affektive Schwin-

gungsfähigkeit und Elan vitae seien erhalten gewesen, affektiv sei sie 

knapp modulierbar und ein affektiver Rapport sei gut herstellbar gewesen. 

Die Beschwerdeführerin habe im Rahmen des MADRS-Testverfahrens 

(Montgomery and Asberg Depression Rating Scale) eine Gesamtpunktzahl 

von acht erreicht, was nicht auf eine depressive Symptomatik mit Krank-

heitswert hindeute. Gemäss Mini-ICF-APP könne von einer leichten Beein-

trächtigung der Flexibilitäts- und Umstellungsfähigkeit ausgegangen wer-

den. In weiteren Bereichen seien keine Beeinträchtigungen festzustellen 

gewesen. Aufgrund der anamnestischen Angaben habe sie nie unter psy-

chischen Beschwerden mit Krankheitswert und in behandlungsbedürftigen 

Ausmass gelitten. Sie sei aufgrund von Hitzewallungen seit einem Jahr in-

termittierend mit dem Antidepressiva Venlafaxin und Escitalopram behan-

delt worden. Die jahrelangen beruflichen Tätigkeiten, die regelmässigen 

und langjährigen sozialen Kontakte sowie die Verantwortungsgefühle ihren 

Kindern gegenüber würden definitiv schwerwiegende strukturelle Persön-

lichkeitsdefizite im Sinne einer Persönlichkeitsstörung ausschliessen. Auf-

grund der veränderten Lebenssituation könne nach langjähriger Arbeitsun-

 - 6 - 

 

 

fähigkeit aus somatischer Sicht sowie der schmerzbedingten Durchschlaf-

störungen von einem Ausbruch einer leichten generalisierten Angststörung 

mit inneren Anspannungen, gereizter Grundstimmung und vegetativer 

Übererregbarkeit ausgegangen werden, welche allerdings das Leistungs-

niveau der Beschwerdeführerin im Haushalt, bei der Gestaltung der Frei-

zeitaktivitäten bzw. Erholungsphasen und der Gestaltung der sozialen Kon-

takte nie nachhaltig eingeschränkt hätten. Dr. med. G._____ stellte keine 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und führte aus, die Be-

schwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht in angestammter sowie an-

gepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (vgl. S. 6 ff. des psychiatrischen 

Gutachtens vom 28. April 2023 aus den Akten der C._____ AG). 

 

4.2.4. 

Dem Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach eine fachärztliche Beur-

teilung zu den psychischen Beschwerden fehle und deshalb kein festste-

hender medizinischer Sachverhalt vorliege, kann damit nicht gefolgt wer-

den. Bei den von der Beschwerdeführerin vorgebrachten psychischen Be-

schwerden handelt es sich lediglich um subjektive Angaben (vgl. Be-

schwerde S. 5), ohne dass sich hierzu in den Akten ein Hinweis oder ein 

korrelierender, fachärztlich schlüssig feststellbarer Befund findet. Der psy-

chiatrische Gutachter Dr. med. G._____ hielt in seinem Gutachten vom 

28. April 2023 nachvollziehbar fest, dass bei der Beschwerdeführerin keine 

psychischen Beschwerden vorliegen würden, welche die Arbeitsfähigkeit 

beeinträchtigen könnten (vgl. psychiatrisches Gutachten vom 28. April 

2023 aus den Akten der C._____ AG). Auch wenn dieses von der Kranken-

taggeldversicherung in Auftrag gegebene Gutachten dem RAD-Arzt Prof. 

Dr. med. B._____ im Rahmen der Aktenbeurteilung vom 9. März 2023 nicht 

vorgelegen hat, ergibt sich daraus keine vom RAD-Arzt abweichende Be-

urteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin. 

Wie der RAD-Arzt in seiner Stellungnahme vom 9. März 2023 zu Recht 

feststellte, sind bis auf die im Arztbericht des Spitals B._____ vom 5. Okto-

ber 2021 erwähnten depressiven Episoden psychiatrische Auffälligkeiten in 

den Akten nicht zu ersehen und eine relevante psychiatrische Erkrankung, 

die fachärztlich behandelt wird, liegt ausweislich der Akten nicht vor. Aus 

dem Umstand, dass sich in den Akten dazu keine Berichte finden, kann die 

Beschwerdeführerin nicht ableiten, die Beschwerdegegnerin habe den Un-

tersuchungsgrundsatz verletzt. Es ist nämlich nicht Aufgabe der IV-Stelle, 

versicherte Personen einer fachärztlichen Behandlung zuzuführen (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_210/2019 vom 11. Juli 2019 E. 4.1.2). Dass der 

RAD-Arzt nicht über eine fachärztliche Ausbildung im Fachbereich der Psy-

chiatrie verfügt, spricht im Übrigen vorliegend nicht gegen dessen Beurtei-

lungen der medizinischen Aktenlage, bedarf er doch rechtsprechungsge-

mäss keiner solchen, wenn er – wie hier – keinen Untersuchungsbericht im 

Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV erstellt, sondern lediglich den bestehenden 

medizinischen Sachverhalt würdigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

 - 7 - 

 

 

9C_550/2020 vom 30. November 2020 E. 5.3; 8C_406/2017 vom 6. Sep-

tember 2017 E. 4.1). Auch unter Beizug der Akten der Krankentaggeldver-

sicherung sind im Übrigen keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die 

Beschwerdeführerin – entgegen der Einschätzung von Prof. Dr. med. 

B._____ – an psychischen Beschwerden leidet und dadurch die Arbeitsfä-

higkeit eingeschränkt wäre.  

 

4.3. 

4.3.1. 

Was die körperlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin betrifft, führte 

Dr. med. H._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo-

gie des Bewegungsapparates, in seinem Bericht vom 17. August 2021 aus, 

der objektivierbare Befund aus dem MRT des Spitals B._____ (kleiner und 

initialer OD Herd am lateralen Kondylus rechts) passe nicht ganz zu den 

von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden. So würden die 

Beschwerden nicht lateral bestehen, sondern vor allem im vorderen Knie-

bereich angegeben. Zudem sei es unklar, ob dieser Befund mit dem Unfall 

zusammenhänge und überhaupt so starke Beschwerden auslösen könne 

(VB 12/12 f.). 

 

4.3.2. 

Aus dem Austrittberichts des Spitals B._____ vom 5. Oktober 2021 geht 

hervor, dass die Beschwerdeführerin seit drei Jahren an Rückenschmerzen 

leide und bei ihrem Hausarzt in Behandlung sei. In diesem Zeitraum seien 

bereits zehn Infiltrationen lumbal paravertebral rechts durchgeführt worden. 

Diese würden normalerweise für vier Wochen zu einer guten Beschwerde-

besserung führen. Die letzte Infiltration sei eine Woche zuvor durchgeführt 

worden und hätte einzig für drei Tage zu einer Besserung der Beschwerden 

geführt. In den letzten drei Wochen habe die Intensität der Schmerzen stark 

zugenommen. Insbesondere sei das Heben des rechten Beines mit uner-

träglichen Schmerzen verbunden. Die Schmerzen seien paravertebral lum-

bal rechts lokalisiert und würden über das Gesäss bis zum lateralen Knie 

ausstrahlen (VB 13/7). Aufgrund exazerbierter rechtsseitiger lumbaler Rü-

ckenschmerzen habe sich die Beschwerdeführerin notfallmässig selbst ins 

Spital B._____ eingewiesen und sei dort vom 30. September bis 5. Oktober 

2021 hospitalisiert worden. In der klinischen Untersuchung habe sich eine 

Druckdolenz paravertebral lumbal rechts wie auch in reduzierter Form über 

dem ISG rechts gezeigt. Die Wirbelsäulenextension habe sich schmerzbe-

dingt eingeschränkt gezeigt; das Lasègue-Zeichen sei negativ. Die Be-

funde würden sich am ehesten im Rahmen einer Schmerzexazerbation des 

bekannten lumbospondylogenen Schmerzsyndroms des Segments S1 

rechts interpretieren lassen (VB 13/4). 

 

4.3.3. 

Dr. med. I._____, Fachärztin für Rheumatologie, subsumierte in ihrem Be-

richt vom 14. Oktober 2021 die körperlichen Beschwerden einerseits unter 

 - 8 - 

 

 

die Diagnose eines klinisch lumboradikuläres Syndroms S1 rechts und an-

dererseits unter chronischen Knieschmerzen rechts. Infolge der von der 

Beschwerdeführerin empfundenen "Platzangst" habe kein MRI oder CT 

durchgeführt werden können. Ohne entsprechende Bildgebungen gehe sie 

von einer Diskushernie aus (VB 12/6). 

 

4.3.4. 

Dr. med. J._____, Facharzt für Radiologie, stellte in seinem Bericht vom 

28. Dezember 2021 – nach Durchführung einer MRT der LWS – die Diag-

nose einer beginnenden Chondrose der Bandscheiben LWK 3/4 sowie 

LWK 4/5 mit leichter Spondylarthrose LWK 3/4 bis LWK 5/SWK 1 ohne fo-

raminale oder rezessale Enge. Es liege kein Hinweis für eine Wurzelkom-

pression vor (VB 12/4). 

 

4.3.5. 

Dem Bericht der Dres. med. K._____ und D._____, Fachärzte für Neuro-

chirurgie, Neurochirurgie D._____, vom 23. September 2022 sind die Diag-

nosen eines chronischen lumbovertebralen und whs. lumbospondylogenen 

Schmerzsyndroms, aktuell rechtsdominant, sowie eines Status nach Vor-

derer-Kreuzbandplastik rechts zu entnehmen. Klinisch fänden sich keine 

sensomotorischen Ausfälle der unteren Extremitäten. Der Lasègue sei 

beidseitig negativ. Es fände sich eine leichte Druckdolenz im Bereich der 

Dornfortsätze L4 und L5 wie auch paravertebral rechts. Lumbosakral rechts 

bestehe eine ausgeprägte Hyperalgesie, jedoch würden sich keine wesent-

lichen Muskelverspannungen tasten lassen. Auf den von der Beschwerde-

führerin mitgebrachten MR-Aufnahmen der LWS vom 17. Dezember 2021 

seien lediglich leichtgradige degenerative Veränderungen in den Segmen-

ten LWK3/4 und LWK4/5 mit Chondrosen sowie Fazettarthrosen zu erken-

nen. Ob diese LWS-Befunde eine zufriedenstellende Erklärung für die 

Schmerzsymptomatik der Beschwerdeführerin darstellen würden, könne er 

nicht abschliessend beurteilen. Ein Zusammenhang zwischen den lumba-

len Beschwerden mit einem Schonverhalten wegen der operierten Kreuz-

bandruptur könne nicht ausgeschlossen werden, ebenso wenig ein spon-

dylogenes Schmerzsyndrom (VB 38/2 f.). 

 

4.3.6. 

In der RAD-Stellungnahme vom 9. März 2023 gelangte Prof. Dr. med. 

B._____ zum Schluss, die vorliegenden klinischen Befunde seien regelhaft 

in der allgemeinen Population bei 50-Jährigen zu sehen und würden mithin 

den physiologischen Alterungsprozess der Wirbelsäule darstellen; ein 

grösserer Krankheitswert sei darin nicht zu sehen. Vom Spezialisten habe 

für die Schmerzsymptomatik der Beschwerdeführerin keine zufriedenstel-

lende Erklärung angeboten werden können. Es seien Facettengelenksinfi-

ltrationen sowie die Weiterführung der Physiotherapie vorgeschlagen wor-

den. Durch den medizinischen Bericht der Neurochirurgie D._____ vom 

 - 9 - 

 

 

23. September 2023 sei Klarheit in das Krankheitsbild der Beschwerdefüh-

rerin gekommen, wobei die objektiven Befunde nicht mit den von der Be-

schwerdeführerin geklagten Beschwerden zur Deckung hätten gebracht 

werden können. Das Knieleiden der Beschwerdeführerin sei im Schutz-

raum des LWS-Leidens und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

berücksichtigt worden (VB 45/2 f.). 

 

4.3.7. 

Aus dem im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstellten Bericht der 

E._____ AG, PD Dr. med. L._____, Facharzt für Physikalische Medizin und 

Rehabilitation sowie Rheumatologie, vom 16. Mai 2023 ergibt sich, dass 

bei der Beschwerdeführerin ein chronisches lumbospondylogenes Syn-

drom rechts im Rahmen einer Segmentdegeneration L4-S1 bestehe, je-

doch ohne Nervenwurzelkompression, Hinweise auf eine Nervenreizung 

oder ein Ausfallsyndrom. Der radiologisch sichtbare, relativ enge Spinalka-

nal habe ebenfalls klinisch kein Korrelat. Im Zusammenhang mit den vor-

liegenden Rückenbeschwerden bestehe aber eine reduzierte Belastungs- 

und Stabilisierungsfähigkeit im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Im 

Hinblick auf das rechte Knie dominiere aktuell eher ein vorderer Knie-

schmerz im Rahmen einer Femoropatellararthrose sowie wahrscheinlicher 

muskulärer Insuffizienzen der Quadrizepsmuskulatur. Das Erreichen einer 

Ganztagestätigkeit in der angestammten Tätigkeit sei auch bei Umsetzung 

der empfohlenen medizinisch-therapeutischen Massnahmen wenig wahr-

scheinlich, weshalb ein Wechsel auf eine wechselbelastende Tätigkeit im 

Vordergrund stehe. Die Leistungsbereitschaft der Beschwerdeführerin sei 

im Wesentlichen als zuverlässig zu beurteilen, obwohl in einigen Tests eine 

Selbstlimitierung vorliege. Zudem sei die Konsistenz der Tests mässig ge-

wesen. Die abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der ange-

stammten Tätigkeit müsse ärztlich-medizinisch erfolgen. In einer ange-

passten Tätigkeit (mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit, mit seltenen 

Gewichtsbelastungen bis 20 kg und mit vorgeneigtem Stehen, Knien sowie 

Treppensteigen für maximal drei Stunden am Tag) sei aus rheumatologi-

scher Sicht eine ganztägige Arbeitsfähigkeit zumutbar (vgl. S. 3 ff. des 

FOMA-Berichts der E._____ AG vom 16. Mai 2023 aus den Akten der 

C._____ AG). 

 

4.3.8. 

Ausweislich der Akten zeigt sich, dass die medizinischen Berichte, insbe-

sondere der von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene Be-

richt zur medizinischen Abklärung bei der E._____ AG vom 16. Mai 2023, 

nicht wesentlich von der Beurteilung des RAD-Arztes Prof. Dr. med. 

B._____ abweichen, zumal beide eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer 

angepassten leichten bis mittelschweren Tätigkeit als zumutbar beurteilen 

(vgl. VB 45 und S. 2 ff. des FOMA-Berichts der E._____ AG vom 16. Mai 

2023 aus den Akten der C._____ AG). Dabei ist insbesondere darauf hin-

 - 10 - 

 

 

zuweisen, dass gerade bei Gesundheitsschäden im Bereich der Wirbel-

säule die klinische – und nicht die bildgebende – Untersuchung die wich-

tigste Prüfung darstellt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2016 vom 

13. März 2017 E. 4.3; 9C_804/2015 vom 21. Juni 2016 E. 3.1; 

9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 4.2.2). Bildgebend nachgewie-

sene (pathologische) Befunde lassen für sich alleine nicht den Schluss auf 

eine Arbeitsunfähigkeit zu; es besteht keine Korrelation zwischen ärztlich 

gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit. Auch wenn radiologisch erho-

bene Veränderungen im Wirbelsäulenbefund ersichtlich sind, schlagen sich 

diese nicht zwingend im Ausmass der funktionellen Einschränkung nieder 

(Urteile des Bundesgerichts 9C_284/2022 vom 11. April 2023 E. 4.3.2 mit 

Hinweisen; 9C_284/2022 vom 11. April 2023 E. 4.3.3). Eine andere Beur-

teilung der Arbeitsfähigkeit ergibt sich aus den übrigen medizinischen Be-

richten nicht. Auch unter Berücksichtigung der strengen Anforderungen an 

reine Aktenbeurteilungen durch versicherungsinterne medizinische Fach-

personen als Entscheidungsgrundlage bestehen damit vorliegend keine 

auch nur geringen Zweifel an der Vollständigkeit und Zuverlässigkeit der 

Aktenbeurteilung von RAD-Arzt Prof. Dr. med. B._____. Die besagte Beur-

teilung erfüllt demnach die Anforderungen der Rechtsprechung an beweis-

kräftige medizinische Stellungnahmen (vgl. E. 3.2. hiervor). Indem die Be-

schwerdegegnerin daher in der Verfügung auf die RAD-Beurteilung vom 9. 

März 2023 abgestellt hat, hat sie den Untersuchungsgrundsatz nicht ver-

letzt. 

 

4.4. 

Zusammenfassend erweist sich der für die Beurteilung des Rentenan-

spruchs der Beschwerdeführerin massgebende medizinische Sachverhalt 

im Lichte der Untersuchungsmaxime als rechtsgenüglich erstellt. Weder 

aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin noch aus den medizini-

schen Akten ergeben sich auch nur geringe Zweifel an der Schlüssigkeit 

und Vollständigkeit der Einschätzung des RAD-Arztes. Auf weitere Abklä-

rungen kann in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden, da von 

solchen keine entscheidrelevanten weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind 

(vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69; 136 I 229 E. 5.3 S. 236). Es ist demnach 

davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tä-

tigkeit (leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, vorzugsweise auf Tischebene, 

gelegentliche Hebearbeiten sowie Arbeiten in vorgeneigter Haltung mög-

lich, jedoch ohne Gewichte) zu 100 % arbeitsfähig ist. 

 

4.5. 

Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich 

(vgl. VB 47 / 1 f.) wird von der rechtskundig vertretenen Beschwerdeführe-

rin nicht gerügt (BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.) und ist ausweislich der 

Akten nicht zu beanstanden. Die Beschwerdegegnerin hat folglich einen 

Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 12. April 

2023 zu Recht verneint. 

 - 11 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

  

 - 12 - 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 2. Februar 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Kathriner     Comiotto