# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 19070030-c35a-5e49-b671-d314c473f453
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-05
**Language:** de
**Title:** Zug Verwaltungsgericht Sozialversicherungsrechtliche Kammer 05.01.2022 S 2020 77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Verwaltungsgericht/ZG_VG_001_S-2020-77_2022-01-05.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS ZUG

SOZIALVERSICHERUNGSRECHTLICHE KAMMER

Mitwirkende Richter: lic. iur. Adrian Willimann, Vorsitz
lic. iur. Jacqueline Iten-Staub und MLaw Ines Stocker
Gerichtsschreiberin: MLaw Miriam Habegger-Schneider

U R T E I L  vom 5. Januar 2022
gemäss § 29 der Geschäftsordnung

in Sachen

A.________
Beschwerdeführerin
vertreten durch RA lic. iur. B.________

gegen

IV-Stelle Zug, Baarerstrasse 11, Postfach, 6302 Zug
Beschwerdegegnerin 

betreffend

Invalidenversicherung 
(Leistungen)

S 2020 77

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Urteil S 2020 77

A. Mit dem "Meldeformular für Erwachsene: Früherfassung" wandte sich 
A.________, Jahrgang 1973, am 10. Januar 2011 an die Invalidenversicherung (IV; IV-
act. 1). Aufgrund der von ihr geltend gemachten, bereits länger dauernden 
Arbeitsunfähigkeit forderte die IV-Stelle des Kantons Zug (nachfolgend: IV-Stelle) 
A.________ dazu auf, eine Anmeldung zum Bezug von Leistungen der IV einzureichen. 
Dies tat sie trotz mehrfacher Aufforderung nicht, weshalb die IV-Stelle die Früherfassung 
mit Schreiben vom 6. April 2011 abschloss (IV-act. 5).

Am 27. Juni 2018 meldete sich A.________, unter Hinweis auf seit 2009 bestehende 
psychische und somatische Einschränkungen, bei der IV zum Leistungsbezug an (IV-
act. 7). Zuvor war bei der IV-Stelle bereits ein Bericht der behandelnden Psychiaterin vom 
22. Juni 2018 eingegangen (IV-act. 6). Die Versicherung holte zudem verschiedene 
weitere medizinische Berichte ein, tätigte erwerbliche Abklärungen und legte das Dossier 
dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Zentralschweiz vor. Mit Vorbescheid vom 
19. September 2018 (IV-act. 18) stellte sie der Versicherten schliesslich eine Abweisung 
des Leistungsbegehrens in Aussicht.

A.________ erhob dagegen Einwand und informierte über die zwischenzeitlich erfolgte 
Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses als Sozialarbeiterin bei der Klinik C.________ per 
Ende November 2018 (IV-act. 19). Daraufhin holte die IV-Stelle die Akten der involvierten 
Krankentaggeldversicherung sowie weitere Berichte der behandelnden Ärzte ein. 
Schliesslich gab sie, in Absprache mit dem RAD, eine psychiatrische Begutachtung in 
Auftrag. Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie 
und Psychotherapie, vom 28. Januar 2020 (IV-act. 52) und eine weitere Stellungnahme 
des RAD vom 31. Januar 2020 (IV-act. 53) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 
26. Mai 2020 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der IV, da kein für die IV 
relevanter Gesundheitsschaden vorliege. Eine Invalidität sei weder eingetreten noch 
drohend (IV-act. 67).

B. Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 29. Juni 2020 liess A.________ 
beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr 
Eingliederungsmassnahmen (Umschulung) und/oder eine angemessene Rente 
zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle 
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle. In 
prozessualer Hinsicht liess sie zudem die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen 
eines von ihr bestellten medizinischen Gutachtens beantragen (act. 1).

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Urteil S 2020 77

C. Als Reaktion auf die Gerichtskostenverfügung vom 30. Juni 2020 (act. 2) ersuchte 
A.________ um unentgeltliche Rechtspflege (act. 3). Mit Verfügung vom 2. Oktober 2020 
bewilligte der Vorsitzende der sozialversicherungsrechtlichen Kammer des 
Verwaltungsgerichts ihr die unentgeltliche Prozessführung und ernannte Rechtsanwalt 
B.________, für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ab dem 4. September 2020 zu 
ihrem unentgeltlichen Rechtsbeistand (act. 6).

D. In einer auf den Sistierungsantrag beschränkten Vernehmlassung vom 
19. Oktober 2020 drückte die IV-Stelle ihr Befremden über diesen aus, ohne jedoch 
dessen Abweisung zu beantragen (act. 7). Auf Nachfrage des Gerichts liess A.________ 
mit Schreiben vom 3. November 2020 erklären, sie halte am Sistierungsantrag nicht fest 
(act. 9). 

E. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 auf 
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde (act. 13).

F. Mit Replik vom 6. August 2021 liess A.________ in Ergänzung der bereits 
gestellten Rechtsbegehren beantragen, sie sei durch das Gericht medizinisch begutachten 
zu lassen. Zudem liess sie neue Verlaufsberichte der behandelnden Psychiater sowie 
einen Austrittsbericht der Klinik E.________, vom 23. März 2021 einreichen (act. 20).

G. Mit Duplik vom 10. September 2021 hielt die IV-Stelle am Antrag auf 
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde fest (act. 22).

H. Auf die weiteren Ausführungen in den jeweiligen Rechtsschriften wird – soweit 
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Verwaltungsgericht erwägt:

1. Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung eines Falls grundsätzlich 
auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (vorliegend: 26. Mai 

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Urteil S 2020 77

2020) eingetretenen Sachverhalt ab (vgl. auch BGE 121 V 362 E. 1b). Dabei sind in 
zeitlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Verwirklichung des zu 
Rechtsfolgen führenden Sachverhalts in Geltung standen (BGE 130 V 445 E. 1.2.1). 

Am 1. Januar 2021 sind die am 21. Juni 2019 verabschiedeten geänderten Bestimmungen 
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; 
SR 830.1) in Kraft getreten. Dementsprechend sieht Art. 82a ATSG vor, dass für im 
Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung vom 21. Juni 2019 beim erstinstanzlichen 
Gericht hängige Beschwerden das bisherige Recht gilt. Die hier zu beurteilende 
Beschwerde wurde am 29. Juni 2020 der Post übergeben, weshalb die bis 31. Dezember 
2020 gültigen Normen des ATSG auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in 
dieser Fassung zitiert werden. 

2. Das Verwaltungsgericht beurteilt als einzige kantonale Instanz Beschwerden aus 
dem Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG in Verbindung mit § 77 des 
Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG; BGS 162.1] und § 12 des Einführungsgesetzes 
zu den Bundesgesetzen über die Alters- und Hinterlassenenversicherung und die 
Invalidenversicherung [BGS 841.1]). Die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts 
des Kantons Zug ist vorliegend gestützt auf Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über 
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) – Zuständigkeit am Ort der IV-Stelle – 
gegeben, da die angefochtene Verfügung von der IV-Stelle Zug erlassen wurde.

Die Verfügung datiert vom 26. Mai 2020 und ist am 28. Mai 2020 im Herrschaftsbereich 
der damaligen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eingetroffen (vgl. act. 1 S. 2). In 
Anwendung von Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG ist dagegen direkt Beschwerde beim zuständigen 
Versicherungsgericht einzureichen. Die Beschwerdeschrift wurde am 29. Juni 2020 der 
Schweizerischen Post übergeben und ging am 30. Juni 2020 beim Verwaltungsgericht ein. 
Damit gilt die 30-tägige Frist gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG – unter Berücksichtigung des 
Wochenendes vom 27./28. Juni 2020 (Art. 38 Abs. 3 ATSG) – als gewahrt.

Die Beschwerdeführerin ist von der angefochtenen Verfügung direkt betroffen und hat ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung; sie ist daher zur 
Beschwerde legitimiert (Art. 59 ATSG). Die Beschwerdeschrift enthält weiter insbesondere 
einen Antrag und dessen Begründung. Damit ist den formellen Anforderungen Genüge 
getan, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.

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Urteil S 2020 77

Die Beurteilung erfolgt auf dem Zirkulationsweg gemäss § 29 der Geschäftsordnung des 
Verwaltungsgerichtes (GO VG; BGS 162.11).

3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, 
Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).

Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht 
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des 
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn 
sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

3.2
3.2.1 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinn von Art. 4 
Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die 
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. 
BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). 
Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne 
weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss 
eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose 
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt 
sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende 
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen 
(BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2; vgl. 
Art. 7 Abs. 2 ATSG).

3.2.2 Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche 
psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten 
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der 
Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis 
mittelschwere Depressionen).

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Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von 
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich 
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 
vgl. statt vieler: BGer 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines 
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen 
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im 
Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) 
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat 
die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen 
(BGE 144 V 50 E. 4.3; 141 V 281 E. 6).

3.2.3 Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann aber dort von einem strukturierten 
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch 
gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen 
beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in 
nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen 
Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein 
Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 418 E. 7.1; 143 V 409 E. 4.5.3). 
Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von 
einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als 
chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller 
Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGer 
9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).

3.3 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG jene Versicherten, die 
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern 
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).

Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, 
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).

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3.4 Bei erwerbstätigen Versicherten wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades 
gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt 
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum 
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Valideneinkommen; sog. Einkommensvergleich).

3.5 Gemäss Art. 17 IVG (i.V.m. Art. 8 ATSG) hat die versicherte Person Anspruch auf 
Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität 
notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert 
werden kann (Abs. 1).

Der Anspruch setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des 
Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche 
berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder 
längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich hierbei um 
einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2; 124 V 108 E. 2a und b mit 
Hinweisen, BGer 9C_623/2020 vom 8. März 2021 E. 2).

3.6 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht 
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der 
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen 
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien 
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben 
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen 
oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht 
(BGE 117 V 282 E. 4.a; 110 V 53 E. 4a am Schluss).

Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen 
Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (BGer 8C_641/2019 
E. 3.3.1 mit Hinweis in: SVR 2020 MV Nr. 3 S. 7). Die Verwaltung als verfügende Instanz 
und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache als bewiesen annehmen, 
wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht 
seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem 

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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines 
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat 
vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen 
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2; 138 V 218 
E. 6; BGer 8C_288/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 3.2.2 je mit Hinweisen)

3.7 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind die Verwaltung und im 
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls 
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der 
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in 
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig 
ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung 
der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 
140 V 193 E. 3.1 und 3.2; 132 V 93 E. 4).

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts oder eines Gutachtens kommt es 
entscheidend darauf an, ob die betreffenden Angaben für die streitigen Belange 
umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, auch die geklagten 
Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 
sind, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen 
Situation einleuchten und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). In Bezug auf Berichte von behandelnden 
Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese 
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu 
Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die 
unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von 
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 
124 I 170 E. 4) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu 
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte 
zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich 
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht 
rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im 
Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGer 8C_60/2020 
vom 8. April 2020 E. 3.2 und BGer 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 3.2, mit 
Hinweis).

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4.
4.1 Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Vorliegen eines für die IV 
relevanten Gesundheitsschadens bei der Beschwerdeführerin sowie deren Anspruch auf 
Leistungen der IV zu Recht verneint hat. Es stellt sich insbesondere die Frage, ob die 
medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich 
abgeklärt wurden. 

Die angefochtene Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das 
psychiatrische Gutachten von Dr. D.________ vom 28. Januar 2020 (IV-act. 52). Die 
Beschwerdeführerin spricht diesem die Beweiskraft ab und hält ihm insbesondere die 
Einschätzungen der behandelnden Ärzte entgegen.

Zum Gesundheitszustand und zur Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin 
lässt sich den Akten im Wesentlichen Folgendes entnehmen:

4.2 Im Arztbericht vom 22. Juni 2018 (IV-act. 6) zu Handen der IV hielt die behandelnde 
Ärztin, Dr. med. F.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen 
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:

 Posttraumatische Belastungsstörung, wahrscheinlich bestehend seit der Ermordung der Schwester 
der Patientin 1989 (ICD-10 F43.1).

 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, bestehend seit spätestens 
dem Behandlungsbeginn 2010 (ICD-10 F33.1)

 Ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden zudem rheumatische Beschwerden, 
Kopfschmerzen und Arthritis.

Dr. F.________ hielt fest, die Beschwerdeführerin sei seit dem 1. November 2010 bei ihr 
in ambulanter Behandlung. In dieser Zeit sei sie zweimal für mehrere Wochen in 
stationärer Behandlung in der Klinik E.________ (nachfolgend: Klinik E.________) 
gewesen, nämlich vom 13. Juli 2015 bis 25. August 2015 und vom 22. Januar 2018 bis 
zum 10. März 2018, dies jeweils um eine Erschöpfungsdepression zu behandeln (vgl. 
Austrittsberichte Klinik E.________ vom 28. August 2015 [IV-act. 16 16/20 ff.] und 
27. März 2018 [IV-act. 16 16/20 ff.]).

Zum Befund führte Dr. F.________ an, die Beschwerdeführerin habe aufgrund der 
gravierenden Mehrfachtraumatisierung in ihrer Jugend immer wieder psychische 

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Einbrüche erlebt, die schon zweimal zu einem stationären Klinikaufenthalt geführt hätten 
(wegen Erschöpfungsdepression). Als Folge der Traumatisierungen leide sie seit langem 
an Schlafstörungen und Depressionen. Von anderen Menschen fühle sie sich isoliert und 
könne keine enge Bindung eingehen. Die Beziehung zum langjährigen Partner, von dem 
sie sich im Sommer 2017 endgültig getrennt habe, sei von Krisen, Zerwürfnissen und 
Trennungsversuchen geprägt gewesen. In ihren Träumen und in unvermittelt auftretenden 
Erinnerungen werde die Beschwerdeführerin wiederholt mit der Ermordung ihrer ältesten 
Schwester konfrontiert, ebenso mit dem Verlust ihres jüngeren Bruders, für dessen Tod 
sie sich schuldig fühle. Die Beschwerdeführerin könne diese Themen kognitiv bearbeiten, 
ihre psychische, emotionale Verfassung bleibe aber labil. Sie sei in ihrer Bindungs- und 
Beziehungsfähigkeit eingeschränkt, was mit heftiger Wut, innerer Einsamkeit und Isolation 
verbunden sei. Abhängigkeit als eine Voraussetzung für emotionale Bindung, vermeide 
sie, da sie Nähe wegen der erlittenen Traumatisierungen fürchte. Wegen der 
Affektinstabilität sei die Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz besonders gefordert. Sie 
müsse die Nähe und Distanz immer wieder regulieren. Das benötige Zeit und führe bei 
einer Arbeitsbelastung von 80 % immer wieder und vermehrt zu Erschöpfungsdepression 
und Hospitalisation. Die Rekonvaleszenz nach dem letzten Klinikaufenthalt sei zudem 
durch den Verlust der langjährigen Beziehung im Sommer 2017 sowie den Tod des Vaters 
im Dezember desselben Jahres, stark belastet gewesen.

Neben Phasen von mehrwöchigen vollen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeiten als 
Sozialarbeiterin in den Jahren 2011, 2015 und 2016, attestierte Dr. F.________ der 
Beschwerdeführerin für das Jahr 2018 vom 8. Januar bis 19. März 2018 eine 100%ige und 
danach eine stufenweise bis zum 30. April 2018 auf 50 % sinkende Arbeitsunfähigkeit.

Dr. F.________ prognostizierte, die Beschwerdeführerin sei mit einer Vollbeschäftigung 
deutlich überfordert, wie die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt habe. Die 
Beschwerdeführerin sei zurzeit 50 % arbeitsunfähig und erwäge einen weiteren 
Klinikaufenthalt. Die Erschöpfungsdepression hindere sie erneut daran, ihrer Arbeit voll 
nachzugehen. Sollte sie sich von der gegenwärtigen Erschöpfung erholen, erachte man 
eine 50 % Tätigkeit im angestammten Beruf als Sozialarbeiterin als zumutbar (IV-act. 6, 
4/8). Gegenwärtig arbeite die Beschwerdeführerin 50 % (von 80 %) (IV-act. 6, 5/8). In 
Bezug auf eine angepasste Tätigkeit seien ein eingeschränktes Konzentration- und 
Auffassungsvermögen sowie die eingeschränkte Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit 
zu beachten (IV-act. 6, 7/8).

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Urteil S 2020 77

4.3 Die IV-Stelle legte die medizinischen Akten dem RAD vor. Doktor med. 
G.________, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, kam in der RAD-Stellungnahme 
vom 17. September 2018 (IV-act. 17) zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin kein 
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen 
Erwerbstätigkeit bestehe.

Er hielt fest, die von Seiten der ambulanten Psychiaterin diagnostizierte posttraumatische 
Belastungsstörung sowie die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung hätten in den 
zwei stationären Behandlungen 2015 und 2018 in der Klinik E.________ nicht bestätigt 
werden können. Beide Hospitalisationen seien in Zusammenhang mit beruflichen 
Überlastungssituationen gestanden. Im Jahr 2017/2018 sei noch eine schwierige 
ambivalente Trennungssituation vom langjährigen Partner hinzugekommen.

Auch wenn nach zwei depressiven Episoden die Diagnose einer rezidivierenden 
depressiven Störung formal korrekt erscheine, so müsse doch berücksichtigt werden, dass 
bei beiden Episoden keine leitliniengerechte medikamentöse antidepressive Behandlung 
erfolgt sei. Dennoch sei die Versicherte aktuell offenbar wieder in einem Pensum von 40 
% in der angestammten Tätigkeit tätig. Er sehe keinen zwingenden Grund, weshalb es der 
Beschwerdeführerin nicht zumutbar wäre, unter Anwendung des auch im Rahmen ihrer 
umfangreichen Ausbildung und langjährigen Therapie Erlernten bei Klärung der 
psychosozialen Belastungssituation, schrittweise bis Ende 2018 wieder ihr ursprüngliches 
Pensum von 80 % zu erreichen.

4.4 Die Anstellung als Sozialarbeiterin bei der Klinik C.________ wurde der 
Beschwerdeführerin aufgrund der langandauernden Abwesenheit wegen 
Arbeitsunfähigkeit per 30. November 2018 gekündigt (Schreiben Klinik C.________ vom 
21. August 2018 [IV-act. 19]). 

4.5 Ab 5. November 2018 bis 31. Januar 2019 attestierte Dr. F.________ der 
Beschwerdeführerin erneut eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von 100 % 
(Arztzeugnisse Dr. F.________ vom 1. November 2018 [IV-act. 28 161/193] und vom 
19. November 2018 [IV-act. 28 167/193]).

4.6 In einem Arztbericht vom 10. Dezember 2018 zu Handen der Taggeldversicherung 
stellte Dr. F.________ dieselben Diagnosen wie im Arztbericht vom 22. Juni 2018. Sie 
prognostizierte, die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als 

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Urteil S 2020 77

Sozialarbeiterin künftig höchstens in einem 50 % Pensum arbeitsfähig (IV-act. 28 175/193 
f.). Wie hoch die Arbeitsfähigkeit in einer anderen, zumutbaren Tätigkeit sein könnte, 
könne sie nicht beurteilen. Die bestehende Depression und die damit verbundene 
Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit sowie anderer Ich-Funktionen der 
Beschwerdeführerin würden eine der genannten Tätigkeiten vorerst nicht zu lassen. 
Körperlich anstrengende Tätigkeiten werde sie zudem kaum bewältigen können, da 
verschiedene somatische Beschwerden wie Rheuma (morbus bechterew) und Arthritis sie 
beeinträchtigen würden.

4.7 Ab dem 12. Februar 2019 wurde die Beschwerdeführerin zusätzlich ambulant bei 
der H.________ behandelt. In Bericht vom 5. April 2019 (IV-act. 33 3/6) hielt Dr. med. 
I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen fest:

 Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1),

 Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode (vordiagnostiziert; ICD-10 
F33.1)

 Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (vordiagnostiziert; ICD-10 F60.1).

Die Arbeitsfähigkeit werde von der ersten und zweiten Diagnose beeinflusst. Inwieweit 
auch die dritte Diagnose einen Einfluss habe, könne zurzeit nicht gesagt werden.

Dr. I.________ äusserte, die Therapie beim H.________ beschränke sich auf eine eng 
fokussierte Traumabearbeitung. In Bezug auf ihren bisherigen Beruf erscheine die 
Beschwerdeführerin aufgrund einer längeren depressiven Stimmungslage und spontan 
einschiessender Bilder schlimmer Ereignisse aktuell 100 % arbeitsunfähig. Die genannten 
Symptome führten zu einer erheblichen Unkonzentriertheit und damit zu einer erhöhten 
Fehlerwahrscheinlichkeit in jeglichem Arbeitsprozess. Über die körperlichen 
Einschränkungen wegen des Morbus Bechterew könne hingegen keine Aussage gemacht 
werden. Zurzeit erscheine jedoch keine denkbare Arbeitstätigkeit als zumutbar.

4.8 Am 8. Juli 2019 erfolgte eine zweite versicherungspsychiatrische Aktenbeurteilung 
durch den RAD. Doktor J.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie hielt fest, im 
Gegensatz zur Ausgangslage im Zeitpunkt der letzten Stellungnahme vom 17. September 
2018 zeichne sich gegenwärtig ein anderes Bild. Die Versicherte sei ab Januar 2018 
psychisch soweit dekompensiert, als dass eine seither durchgängige Arbeitsunfähigkeit 
vorliege. Seit Mitte 2018 habe sich das psychische Störungsbild verschlechtert unter 
anderem auch vor dem Hintergrund, dass die Versicherte ihren Arbeitsplatz verloren habe.

13

Urteil S 2020 77

Die neu vorgebrachten Schlafstörungen hätten nicht als somatisch begründet objektiviert 
werden können und seien daher als Ausdruck der psychischen Beeinträchtigung zu 
sehen. Diagnostisch könne weiterhin von einer posttraumatischen Belastungsstörung 
(ICD-10 F43.1), einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.1) und einer 
ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) ausgegangen werden.

Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit erachtete Dr. J.________ als 
nachvollziehbar. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bestehe 
hingegen noch Abklärungsbedarf (IV-act. 35).

4.9 Im Bericht der Klinik K.________ vom 19. Juli 2018 stellte Dr. med. L.________, 
Facharzt für Somnologie und Pneumologie, die Diagnose einer Insomnie (Ein- sowie 
Durchschlafstörung) sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung. Im Bericht vom 
9. August 2018 folgte eine Therapieempfehlung (IV-act. 34).

4.10 Mit Bericht vom 6. August 2019 hielt Dr. I.________ (H.________) an den bisher 
gestellten Diagnosen fest. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit könne bis auf weiteres keine 
günstige Prognose gestellt werden. Es zeichne sich bei der Beschwerdeführerin noch 
keine Reduktion der phobisch anmutenden Angst vor Überforderung durch an sie gestellte 
Ansprüche ab. Andere Symptome ihrer psychischen Störung seien ebenfalls noch nicht 
(teil-)remittiert. Somit sei nicht absehbar, wann die Beschwerdeführerin in der Lage sei, 
wieder an die bisherige Arbeitsfähigkeit anzuknüpfen. In Bezug auf die 
Funktionseinschränkungen und ihre Auswirkungen auf die bisherige Tätigkeit subsumiert 
Dr. I.________, vor dem Hintergrund der bestehenden Symptomatik sei nicht vorstellbar, 
dass die Beschwerdeführerin sich selbst auf einer rein sachlichen Ebene auf Menschen 
mit Schwierigkeiten einlassen und sich auch adäquat abgrenzen könne (IV-act. 36).

Befragt zum Potenzial für eine Eingliederung gab Dr. I.________ an, die bisherige 
Tätigkeit sei zurzeit nicht zumutbar. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit könnte die 
Beschwerdeführerin – bei erfolgreicher Therapie – ab Sommer 2020 eingegliedert werden, 
in einem Umfang von rund 50 %. Bis dahin sei die Fortsetzung der ambulanten 
Psychotherapie allerdings zwingend (IV-act. 36).

4.11 In einem weiteren Verlaufsbericht vom 13. November 2019 schilderte Dr. 
I.________ eine positive Entwicklung, vor deren Hintergrund ab ca. März 2020 von einer 

14

Urteil S 2020 77

Arbeitsfähigkeit von 20 % ausgegangen werde. Er meinte, ein Belastbarkeitstraining durch 
die SVA Zug per Anfang April 2020 wäre begrüssenswert (IV-act. 49).

5.
5.1 Am 28. Januar 2020 erstattete Dr. D.________, ein psychiatrisches Gutachten (IV-
act. 52).

In seiner Beurteilung schloss Dr. D.________ das Vorliegen einer eingeschränkten 
intellektuellen Leistungsfähigkeit aus. Ebenso verneint er aufgrund seiner Beobachtungen 
Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis (IV-act. 52 27/43).

Weil die Explorandin bis zum Referenzzeitpunkt der IV-Anmeldung 2018 — trotz der 
angegebenen (sexuellen) Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend — ein 
Fachhochschulstudium absolvierte, in mehrjährigen Anstellungsverhältnissen erfolgreich 
als Sozialarbeiterin tätig gewesen sei und dabei bis zum Jahr 2010 offenbar keinerlei 
krankheitswertige Verhaltensauffälligkeiten gezeigt habe, die durch objektive fachärztlich-
psychiatrische Befundberichte abgebildet worden wären, erachtete Dr. D.________ auch 
das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung (Kapitel F6 der ICD-10) sowie einer seit der 
Einreise in die Schweiz bestehenden Traumafolgestörung (Kapitel F4 der ICD-10) als sehr 
unwahrscheinlich. Gegen jedwede leistungseinschränkende IV-relevante psychische 
Störung mit überdauerndem Einfluss auf die berufliche Leistungsfähigkeit würden bereits 
die Inhalte in den Arbeitszeugnissen der Versicherten sprechen (IV-act. 52 27/43). Die 
Beschwerdeführerin sei trotz der von ihr angegebenen Traumatisierungen mehrere Jahre 
in der Lage gewesen, in einem Vollpensum beruflich tätig zu sein, was eine vor dem 
Referenzzeitpunkt der IV-Anmeldung vorliegende IV-relevante psychische 
Gesundheitsstörung mit überdauerndem Einfluss auf die berufliche Leistungsfähigkeit sehr 
unwahrscheinlich mache (IV-act. 52 28/43). Weiter führte er aus, in jedem Arbeitszeugnis 
werde vor dem Referenzzeitpunkt der IV-Anmeldung vom Jahr 2018 unauffällige 
emotionale und soziale Kompetenz abgebildet. Erst nach der Trennung vom langjährigen 
Freund, dem Tod des Vaters und beruflicher Überlastung seien zunehmend flankierende 
psychische Symptome beschrieben und unter psychiatrische Diagnosen – ängstlich-
vermeidende PersönIichkeitsstörung (ICD-10 F60.6), posttraumatischen 
Belastungsstörung (ICD-10 F43. 1) und (wiederkehrenden) depressive Episoden (Kapitel 
F3 der ICD-10) – subsumiert worden. Insofern sei eine Verschlechterung des psychischen 
Gesundheitszustands zeitlich sehr eng mit psychosozialen Belastungssituationen 

15

Urteil S 2020 77

verknüpft gewesen, wie der RAD Zentralschweiz in seiner Stellungnahme vom 
17. September 2018 richtig beurteilt habe (IV-act. 52 29/43).

5.2
5.2.1 Dr. D.________ hielt fest, die Prüfung des Indikators Persönlichkeit ergebe aus rein 
versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht, dass ausserhalb von Episoden einer 
passageren psychischen Mitreaktion aufgrund der erwähnten psychosozialen 
Belastungssituationen (- Trennung vom langjährigen Freund, Tod des Vaters und 
beruflicher Überlastung)  die Lebensgeschichte trotz der angegebenen Traumatisierungen 
im Herkunftsland M.________, bis zum Referenzzeitpunkt der IV-Anmeldung weitgehend 
unauffällig verlaufen sei, so dass bereits die lCD-10 Eingangskriterien zur Diagnose einer 
Persönlichkeitsstörung, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht festzustellen seien. 
Gerade, dass die Versicherte mit ihrer Tätigkeit am Zentrum für Folter- und Kriegsopfer 
höchste emotionale und soziale Kompetenzen nachgewiesen habe und sie flexibel und 
teamfähig sei, spreche gegen eine leistungseinschränkende, relevante 
Persönlichkeitsproblematik, da sich diese seit der Jugendzeit durch Störungen im 
Sozialverhalten in zahlreichen Lebensbereichen gezeigt haben müsste. Dies sei hier nur 
sehr unwahrscheinlich der Fall (IV-act. 52 29/43). Weiter führte er aus, die 
Beschwerdeführerin weise eine Beziehungsfähigkeit und -konstanz nach, die bei manifest 
persönlichkeitsgestörten bzw. persönlichkeitsveränderten Versicherten so nicht zu 
erwarten wären. Es hätten sich weder eine feindliche oder misstrauische Haltung 
gegenüber der Welt, ein sozialer Rückzug noch Gefühle der Leere und Hoffnungslosigkeit 
feststellen lassen. Ein Entfremdungserleben und Bedrohungsgefühl lägen bei der 
Beschwerdeführerin ebenso nicht vor. Auch aus diesen Gründen seien bereits die ICD-10-
(Eingangs-)Kriterien, um von einer spezifischen Persönlichkeitsstörung bzw. andauernden 
Persönlichkeitsänderungen sprechen zu können, nicht erfüllt (IV-act. 52 29/43 f.).

5.2.2 Weiter prüfte Dr. D.________ die Objektivierung einer etwaigen posttraumatischen 
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1/DSM-5 F43.10) nach den Diagnosekriterien des DSM-5. 
Er diskutierte jedes Kriterium und erachtete das Kriterium A "direkt erlebtes Trauma", als 
vermutlich erfüllt sowie das Kriterium H "Störungsbild ist nicht auf die psychologische 
Wirkung einer psychotropen Substanz zurückzuführen" als erfüllt. Bei den übrigen 
Kriterien B bis G war er hingegen der Auffassung, sie seien nicht erfüllt. In einer 
Gesamtschau lasse sich damit im gutachterlichen Zeitpunkt vom 15. Januar 2020 die 
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (DSM-5 F43.10) nicht stellen (IV-
act. 52 30/43 f.).

16

Urteil S 2020 77

5.2.3 Der Gutachter äusserte sich auch zu allfälligen depressiven Erkrankungen. 
Betrachte man das Stimmungsbild während der gutachterlichen Untersuchung, habe die 
Beschwerdeführerin neben fehlenden formalen Denkstörungen und fehlender Agitiertheit 
auch keine psychomotorische Unruhe präsentiert. Ferner sei weder ein überdauernder 
depressiver Affekt festzustellen gewesen, noch seien Versagensgefühle, Freudverlust, 
Schuld-, Bestrafungsgefühle, Selbstmordgedanken und Reizbarkeit bei ihr deutlich 
geworden. Die passagere – nicht auf traumatische Inhalte eingeschränkte — Affektlabilität 
habe nur einige Sekunden gedauert und sei bei einem Themenwechsel rasch zu 
unterbrechen gewesen. Zur Einordnung einer etwaigen depressiven Erkrankung seien 
bereits die Kombination von mindestens zwei ICD-10-Hauptsymptom-Clustern (depressive 
Stimmung, Freud-, Interessenlosigkeit, Antriebslosigkeit) nicht festzustellen bzw. nicht zu 
plausibilisieren gewesen. In Verbindung mit unauffälliger emotionaler Reagibilität und 
fehlendem Verlust der Wachheit während der Untersuchung, sei damit keine depressive 
Störung gemäss ICD-10 Klassifikation (Kapitel F3) zu diagnostizieren (IV-act. 52 32/41 f.). 
Zum gutachterlichen Untersuchungszeitpunkt sei auch nicht festzustellen gewesen, dass 
die Versicherte stark und überdauernd angespannt wirke. Ebenso wenig hätten ein 
ausgeprägter krankheitsbedingter sozialer Rückzug oder weitere Merkmale einer 
entsprechenden Krankheit (Selbstwertverlust, Affektstörung etc.) plausibilisiert werden 
können (IV-act. 52 33/41)

5.3 Weiter wies Dr. D.________ auf Inkonsistenzen und Widersprüche hin. Solche 
erkannte er unter anderem zwischen dem derzeitigen soziale Funktionsniveau der 
Beschwerdeführerin, das als weitgehend unauffällig geschildet werde (u.a. Autofahren, 
Haushaltführung, Treffen von Kolleginnen, Wandern in den Bergen, Schwimmkurs), und 
dem Vorliegen einer höhergradigen leistungseinschränkenden IV-relevanten psychischen 
Gesundheitsstörung. So äussere sie beispielsweise psychopathologische Symptome bei 
weitgehend unauffälligem sozialem Funktionsniveau. Weiter wäre bei einer 
posttraumatischen Belastungsstörung ein Vermeidungsverhalten, sich Situationen und 
Orten auszusetzen, die an traumatische Ereignisse erinnern, typisch. Ein solches sei bei 
der Beschwerdeführerin jedoch nicht zu belegen, so sei sie im Jahr 2017 in die 
M.________ gereist und sei jahrelang beruflich erfolgreich am Zentrum für Folter- und 
Kriegsopfer tätig gewesen. Sie zeige damit kein störungstypisches Vermeidungsverhalten, 
obgleich sie seit der Einreise in die Schweiz unter Traumatisierungen gelitten haben soll. 
Der objektiv unauffällige klinische Untersuchungsbefund vom 15. Januar 2020 und die 
nicht authentischen Angaben der Beschwerdeführerin in der Beschwerdevalidierung nach 

17

Urteil S 2020 77

Self-Report Symptom Inventory (SRSI) sprächen zudem mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit gegen die Authentizität der von der Versicherten geltend gemachten 
psychischen Beschwerden. Auch sei eine medikamentöse Behandlung bis dato nicht 
konsequent durchgeführt worden, was wesentlich gegen einen erhöhten Leidensdruck 
spreche (IV-act. 52 33/43 f.). Zudem seien frühere Behandlungen immer wieder durch 
Unterbrüche gekennzeichnet gewesen und zeitlich eng korreliert zu psychosozialen 
Belastungsfaktoren (Tod des Vaters, Trennung vom Lebenspartner, berufliche 
Überlastung, Abhängigkeit von Krankentaggeldzahlungen) in Anspruch genommen 
worden (IV-act. 52 34/43).

5.4 In seinem Fazit führte Dr. D.________ aus, aus rein versicherungsmedizinischer 
psychiatrischer Sicht könne bei der Beschwerdeführerin keine IV-relevante psychiatrische 
Gesundheitsstörung plausibilisiert bzw. objektiviert werden, die die berufliche 
Leistungsfähigkeit überdauernd höhergradig und relevant einschränken würde. Die 
Arbeitsunfähigkeiten könnten nicht überwiegend wahrscheinlich mit IV-relevanten 
Gesundheitsstörungen aus dem psychiatrischen Fachgebiet erklärt werden. Die 
psychischen Einschränkungen, die in den Befundberichten in den Akten festgehalten 
würden, könnten ferner nicht losgelöst von psychosozialen Belastungsfaktoren (Trennung 
vom langjährigen Lebenspartner, Paarkonflikte, berufliche Überlastung, Tod des Vaters, 
Abhängigkeit von Krankentaggeldzahlungen) beurteilt werden. Eine Einschränkung der 
beruflichen Leistungsfähigkeit aufgrund einer überdauernden IV-relevanten psychischen 
Erkrankung sei seit dem Referenzzeitpunkt der IV-Anmeldung bei der Versicherten nicht 
überwiegend wahrscheinlich. Im Hinblick auf die Konsistenz und Plausibilität seien keine 
gleichmässigen Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in vergleichbaren 
Lebensbereichen durch eine IV-relevante psychische Gesundheitsstörung zu beurteilen. 
Eine Behandlung mit spezifischen Arzneimitteln sei nicht zu objektivieren gewesen. Des 
Weiteren erachtete er die geklagten Symptome und Funktionsstörungen in einer 
Gesamtschau als nicht konsistent und nicht plausibel. Letztlich seien im 
Untersuchungszeitpunkt vom 15. Januar 2020 objektiv, mit dem Beweismass der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit, keine psychopathologischen Befunde zu erheben 
gewesen, die das Diagnostizieren einer psychiatrischen Gesundheitsstörung nach den 
ICD-10 bzw. DSM-5 Kriterien gestattet hätten. Eine funktionelle Leistungsprüfung sei 
daher entfallen (IV-act. 52 38/43 f., vgl. auch 27/43).

Dr. D.________ ging von einer vollschichtigen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 
sowohl in den bisherigen Tätigkeitsprofilen als auch in jedweder bildungsangepassten 

18

Urteil S 2020 77

Verweistätigkeit aus. Zudem hielt er fest, die attestierten (Teil-)Arbeitsunfähigkeiten 
könnten nicht überwiegend wahrscheinlich mit einer IV-relevanten Gesundheitsstörung 
aus dem psychiatrischen Fachgebiet (nach ICD-10/DSM-5) erklärt werden (IV-act. 52 
35/42).

6. RAD-Arzt Dr. J.________ hielt in der Folge fest, das Gutachten von Dr. D.________ 
entspreche den gängigen Qualitätsleitlinien und sprach sich auch sonst für dessen 
Beweistauglichkeit aus. Damit sei darauf abzustellen, dass gutachterlich kein IV-relevanter 
Gesundheitsschaden objektiviert werden könne (IV-act. 53). Daran hielt er auch in seiner 
späteren Stellungnahme zur in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde (act. 1) und der damit 
eingereichten "Entgegnung IV-Gutachten" des H.________ (Bf-act. 5) geäusserten Kritik 
fest.

7. Das psychiatrische Gutachten vom 28. Januar 2020 enthält eine Zusammenstellung 
der medizinischen und beruflichen Akten, die von der Beschwerdeführerin anlässlich der 
Untersuchung gemachten subjektiven Angaben sowie die von Dr. D.________ erhobenen 
objektiven Befunde (Verhalten in der Untersuchungssituation, Psychostatus und der 
psychiatrischen Untersuchung, Laborergebnissen und Beschwerdevalidierung mit SRSI). 
Es handelt sich beim Gutachter zudem um einen ausgewiesenen Facharzt der Psychiatrie, 
er diskutiert die erhobenen Befunde sowie die massgebenden Diagnosen und setzt sich – 
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – eingehend mit den medizinischen 
Vorakten, insbesondere mit den von seiner Beurteilung abweichenden Einschätzungen 
der behandelnden Ärzte auseinander (u.a. IV-act. 52 35/43 f.). Insbesondere bezüglich der 
Befunde und Diagnosen der behandelnden Psychiaterin Dr. F.________ vom 22. Juni 
2018 nahm er ausführlich Stellung, weshalb er die gestellten Diagnosen nicht bestätigen 
könne (IV-act. 52 35/43 f., vgl. vorne E. 3.7). Weiter wies er zu Recht auf den 
unterschiedlichen Auftrag von Gutachter und Therapeut hin (IV-act. 52 30/43). Seine 
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ist eingehend begründet und 
nachvollziehbar. Es wird insbesondere deutlich, dass bei der Versicherten die Kriterien 
einer posttraumatischen Belastungsstörung nach DSM-5 (ICD-10 F43.1/DSM-5 F43.10) 
nicht erfüllt sind, keine Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) vorliegt und auch keine 
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1), die sich invalidisierend auswirkt. 
Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass die klinische Untersuchung mit 
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung als wichtigste 
Grundlage gutachterlicher Feststellungen und Schlussfolgerungen nicht lege artis erfolgt 
wäre (BGer 9C_410/2016 vom 4. August 2016 E. 2.2.1). Konkrete Indizien, die gegen die 

19

Urteil S 2020 77

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen, liegen keine vor. Folglich genügt das Gutachten 
sowohl in formeller Hinsicht als auch inhaltlich den bundesgerichtlichen Anforderungen an 
eine beweiskräftige medizinische Entscheidgrundlage und es hat vollen Beweiswert (vgl. 
vorne E. 3.7). Daran ändert auch die von der Beschwerdeführerin dagegen vorgebrachte 
Kritik nichts, insbesondere vermag sie keine Zweifel an der Schlüssigkeit des Gutachtens 
zu wecken, was nachfolgend zu zeigen ist.

8.
8.1 Die Beschwerdeführerin kritisiert, die gutachterliche Anamnese und 
Befunderhebung in verschiedener Hinsicht. Sie erachtet das Explorationsgespräch als 
sehr kurz für die zur Diskussion stehende Diagnose einer posttraumatischen 
Belastungsstörung. Der Gutachter habe von Beginn weg Druck auf sie ausgeübt, ihr unter 
anderem nicht die Gelegenheit gegeben, ihre Situation frei darzustellen, sondern gleich 
mit einem strukturierten Interview begonnen und sie immer wieder dazu aufgefordert, in 
ihren Schilderungen knapp zu bleiben. Auch habe er Aussagen protokolliert, die sie nicht 
gemacht habe. Er habe sich in erster Linie darauf konzentriert, ihr Inkonsistenz und 
Widersprüchlichkeit nachzuweisen und sich ihr gegenüber feindselig verhalten.

Soweit die Beschwerdeführerin das Explorationsgespräch als zu kurz erachtet, hat sie 
bereits selbst eingeräumt, dass dies nicht erheblich ist. So kommt es praxisgemäss nicht 
in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an, massgebend ist vielmehr, ob die 
Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Immerhin muss der für die 
psychiatrische Untersuchung gebotene zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu 
beurteilenden Psychopathologie angemessen sein. Das Bundesgericht hat teilweise 
zwanzigminütige Explorationsgespräche als ausreichend für die Erstellung eines 
psychiatrischen Gutachtens erachtet; daher erscheint die vorliegende Gesprächsdauer 
von 80 Minuten nicht per se als unangemessen kurz (vgl. BGer 8C_354/2018 vom 
20. Dezember 2018 E. 4.2 mit Hinweisen). Die Kritik am Verhalten des Gutachters ist 
vorliegend zudem nicht glaubhaft, insbesondere da sie erst nach Ergehen der 
ablehnenden Verfügung geäussert wurde und nicht bei erster Gelegenheit (vgl. BGer 
9C_410/2016 vom 4. August 2016 E. 2.2.2). Es ist den Akten kein Hinweis zu entnehmen, 
dass sich die Beschwerdeführerin vorgängig bei der IV-Stelle in irgendeiner Art über die 
Vorgehensweise von Dr. D.________ anlässlich der Begutachtung beschwert hätte. 
Vielmehr reichte die Vertreterin der Beschwerdeführerin, trotz Gelegenheit im 
Verwaltungsverfahren und (mehrfach) verlängerter Frist keine Stellungnahme zum 
Gutachten ein (u.a. IV-act. 61). Auch aus der "Entgegnung zum Gutachten" von Dr. 

20

Urteil S 2020 77

I.________ der H.________ vom 18. März 2020 (Bf-act. 5) geht keine Kritik an der 
Vorgehensweise des Gutachters hervor. Letztlich finden sich auch im Gutachten selbst 
keine Hinweise, dass Dr. D.________ unsachgemäss und im Widerspruch zu den 
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen 
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (Qualitätsleitlinien SGPP, abrufbar unter 
www.sgvp.ch/leitlinien, zuletzt besucht am 22. November 2021) vorgegangen wäre. In 
Zusammenhang mit der Einhaltung der Qualitätsleitlinien SGPP ist zudem darauf 
hinzuweisen, dass ihnen laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung lediglich ergänzender 
Charakter zukommt und ein Gutachten selbst bei Nichtbeachtung der Leitlinie nicht 
automatisch seine Beweiskraft verliert (vgl. BGer 8C_778/2018 vom 20. März 2019 E. 
8.1.2; BGer 8C_55/2018 vom 30. Mai 2018 E. 6.4.1).

8.2 Auch, dass der Gutachter seiner Beurteilung neben der Anamnese, den 
Beschwerdeschilderungen und den erhobenen objektiven Befunden, die Resultate des 
durchgeführten Beschwerdenvalidierungstests SRSI zu Grunde legt, schmälert den 
Beweiswert der Expertise nicht. In den Qualitätsleitlinien SGPP ist ausdrücklich vermerkt, 
der Einsatz von Testverfahren zur Prüfung der Authentizität von Beschwerden, 
Symptomen und Leistungspräsentation könne sinnvoll sein. Die Anwendung setze jedoch 
eine diesbezügliche Kompetenz voraus (Qualitätsleitlinien SGPP, S. 20). Vorliegend ist 
ohne weiteres davon auszugehen, dass Dr. D.________, als Facharzt der Psychiatrie und 
Psychotherapie und als erfahrener Gutachter, über diese Kompetenz verfügt und folglich 
in der Lage ist, die Testergebnisse korrekt auszuwerten und sachgemäss zu 
interpretieren. Zu bemängeln ist allerdings, dass dem vorliegenden Gutachten keinerlei 
Unterlagen zum durchgeführten Test (z.B. Fragebogen, Auswertungsbogen) beiliegen, die 
es zuliessen, das Testresultat nachzuvollziehen. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass es 
sich beim SRSI um einen relativ neuen Test handelt, der erst seit 2019 in einer deutschen 
Version zur Verfügung steht (vgl. Homepage Hogrefe Verlag, 
https://www.testzentrale.de/shop/self-report-symptom-inventory-deutsche-version-
89304.html; zuletzt besucht am 22. November 2021). Aus den Angaben des Hogrefe 
Verlags ergibt sich, dass beim SRSI-Test fünf Bereiche potenziell genuiner psychischer 
Beschwerden (kognitive, depressive, Schmerz-, unspezifische somatische und 
Angstbeschwerden) fünf Bereiche von Pseudobeschwerden (kognitive, motorische, 
sensorische, Schmerz- und psychische Pseudobeschwerden) an die Seite gestellt werden 
(vgl. die bereits zitierte Homepage), was mit anderen Worten bedeutet, dass der SRSI-
Test genuine Beschwerden im Zusammenhang mit Persönlichkeitsstörungen nicht erfasst. 
Vor dem Hintergrund, dass in den medizinischen Vorakten von verschiedenen Fachleuten 

21

Urteil S 2020 77

auch eine mögliche Persönlichkeitsstörung postuliert wird, ist unsicher, ob der SRSI-Test 
vorliegend überhaupt ein geeignetes Instrument zur Beschwerdevalidierung darstellt. 
Hinzu kommt, dass laut Fachliteratur bezogen auf Symptomvalidierungstests im Bereich 
Spezifität (d.h. hinsichtlich der Genauigkeit von Testverfahren, authentische Exploranden 
zu identifizieren, vgl. Huber, Die Stellung der Neuropsychologie im Rahmen der 
polydisziplinären medizinischen Begutachtung, in: HAVE 2019 S. 203) im deutschen 
Sprachraum ein Entwicklungsbedarf besteht (vgl. Keppler et al., Beschwerdenvalidierung 
in der versicherungsmedizinischen Begutachtung, in: Fortschr Neurol Psychiatr 2017; 85: 
S. 17 ff., Thieme Verlag, abrufbar auf dem Internet, S. 29). Eine gewisse Skepsis 
gegenüber der Testung ist daher angebracht. Wie bereits erwähnt, stützt Dr. D.________ 
seine Beurteilung allerdings nicht allein auf das Ergebnis des SRSI, sondern im 
Wesentlichen auf die von ihm erhobenen biografischen Informationen sowie die Befunde 
und den durch Verhaltensbeobachtung klinisch gewonnenen Eindruck. Seine Beurteilung 
erscheint zudem, auch wenn man dem Beschwerdenvalidierungstest kaum Gewicht 
beimisst, als schlüssig. Als Mosaikstein der Begutachtung erachtet auch das 
Bundesgericht Beschwerdenvalidierungstests durchaus als hilfreich bei einer 
Begutachtung (BGer 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2.3). Von einem Beizug des 
Testmanuals, wie er von der Beschwerdeführerin beantragte wird, sind keine neuen 
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet werden kann (antizipierte 
Beweiswürdigung, vgl. BGE 134 I 148 E. 5.3; 122 V 157 E. 1d je mit Hinweisen).

8.3
8.3.1 Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, der Gutachter Dr. D.________ habe seine 
Einschätzung nicht in Kenntnis sämtlicher Vorakten abgegeben, da die Asylakten nicht 
eingeholt worden waren. Sie führt aus, ein Gutachten, welches nicht auf den vollständigen 
Akten beruhe, weil die Asylakten nicht beigezogen worden seien, und gleichzeitig die 
Schilderungen der Beschwerdeführerin für inkonsistent erkläre sowie das Vorliegen einer 
posttraumatischen Belastungsstörung verneine, verliere an Beweiskraft. Hätten dem 
Gutachter die Asylakten vorgelegen, so wäre dieser hinsichtlich der Traumatisierung zu 
einem anderen Ergebnis gekommen, zumal das traumatisierende Ereignis in der 
Untersuchungshaft nicht als "neues Narrativ" und "behauptetes Ereignis" hätte bezeichnet 
werden dürfen. Der Gutachter hätte die Ereignisse in der Untersuchungshaft objektivieren 
und der Beschwerdeführerin diesbezüglich keinen Vorwurf einer Inkonsistenz machen 
können.

22

Urteil S 2020 77

Die IV-Stelle hält dem entgegen, es treffe zu, dass Dr. D.________ die Asylakten nicht 
vorgelegen hätten. Doch selbst wenn sie ihm zur Verfügung gestanden hätten, wäre er mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu den gleichen Schlussfolgerungen gekommen. So 
habe Dr. D.________ nicht bestritten, dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Einreise in 
die Schweiz verschiedene Traumata erlebt habe. Er habe auch das Kriterium "direktes 
Trauma-Erleben", welches für die Diagnosestellung einer posttraumatischen 
Belastungsstörung erfüllt sein muss, als "vermutlich erfüllt" erachtet, hingegen andere 
Kriterien mit ausführlicher und nachvollziehbarer Begründung abgelehnt.

8.3.2 Ein Blick in das Gutachten zeigt, dass Dr. D.________ gestützt auf die 
Schilderungen der Beschwerdeführerin und die vorhandenen medizinischen Akten das 
Vorliegen verschiedener traumatischer Erfahrungen vor Einreise in die Schweiz nicht per 
se verneint. So betrachtet er im Rahmen der Abhandlung der Diagnosekriterien einer 
posttraumatischen Belastungsstörung nach DSM-5 das Kriterium A "direktes Trauma 
Erleben" als vermutlich erfüllt. Die Relativierung erklärt er damit, dass eine Objektivierung 
der traumatisierenden Vorgänge z.B. durch Migrationsakten fehle und er gewisse Zweifel 
an der Validität der Beschwerdeschilderungen hege (IV-act. 52 30/43). Da Dr. D.________ 
das Kriterium A jedoch grundsätzlich als erfüllt wertete, hätte ein Einblick in die Asylakten 
zwar allenfalls zur Objektivierung eines der vorgebrachten Traumata geführt, sich aber 
nicht auf das Verhältnis von erfüllten und nicht erfüllten Diagnosekriterien ausgewirkt. 
Beim "direkten Trauma Erleben" handelt es sich nämlich nur um eines von acht 
Diagnosekriterien nach DSM-5 für eine posttraumatische Belastungsstörung, wenn auch 
um ein zentrales.

8.3.3 Entscheidend hinsichtlich der Verneinung einer posttraumatischen 
Belastungsstörung ist vorliegend, dass der Gutachter die Mehrheit der übrigen Kriterien 
nach DSM-5 als nicht erfüllt beurteilte. So unter anderem Kriterium B "dissoziative 
Reaktionen, intensive anhaltende psychische Belastung bei Konfrontation mit 
inneren/äusseren Hinweisreizen, mindestens ein Symptom". Er hält dazu fest, die 
Beschwerdeführerin habe bei Konfrontation mit Hinweisreizen am 15. Januar 2020 jeweils 
keine wiederkehrend, sich unwillkürlich aufdrängenden belastenden Erinnerungen (= 
Intrusionen) an das Ereignis gezeigt, die durch Trigger (wie eine Untersuchung) ausgelöst 
wurden. Bei Nachfragen sei sie nicht verstummt, habe motorisch nicht angespannt 
gewirkt, keine sich in der Gegenübertragung abbildenden Ängste entwickelt und weder 
schweissnasse Hände noch eine Zunahme der Atem- und Herzfrequenz gezeigt. Auch 

23

Urteil S 2020 77

eine mit traumatischen Schilderungen verknüpfte Affektlabilität sei nicht sichtbar geworden 
(IV-act. 52 31/43).

Dieses von Dr. D.________ festgestellte "normale" Verhalten allein damit zu erklären, 
dass wiederholt traumatisierte Personen eine chronische Gefühlsvermeidung praktizieren 
würden und nicht zu erwarten sei, dass sie sich gegenüber einer fremden Person in einer 
Sitzung von 80 Minuten öffnen und damit die Kontrolle aufgeben würden, wie Dr. 
I.________ vom H.________ vorbringt, vermag nicht zu überzeugen (vgl. Entgegnung IV-
Gutachten H.________ vom 18. März 2020 [Bf-act. 5]).

8.3.4 Auch eine anhaltende Vermeidung von Reizen, die mit dem traumatischen Ereignis 
verbunden sind, konnte Dr. D.________ nicht beobachten, weshalb er das Kriterium C als 
nicht erfüllt erachtet. Die Versicherte sei ohne Symptomprovokation in der Lage, Inhalte 
der traumatischen Erlebnisse auch ohne Nachfrage zu schildern, was bei Traumaopfern, 
die in der Regel konkrete Schilderungen vermeiden würden, untypisch sei. Auch die Arbeit 
der Beschwerdeführerin am Zentrum für Folter- und Kriegsopfer, das sie mit aufbaute 
sowie ihre Reise in die M.________ sind für Dr. D.________ Beleg dafür, dass die 
Beschwerdeführerin belastende Erinnerungen nicht vermieden hat bzw. nicht vermeidet, 
um etwa das Reaktivieren belastender Gedankenerinnerungen und Gefühle zu 
unterdrücken (IV-act. 52 31/43).

Dr. I.________ der H.________ kritisiert, der Gutachter übersehe, dass eine 
posttraumatische Belastungsstörung, wie bei der Beschwerdeführerin, nicht selten mit 
einem protrahierten Beginn diagnostiziert werde. Ein Grund dafür habe sicher in den 
unbestritten hohen Ressourcen der Beschwerdeführerin gelegen. Dass eine Befassung 
mit traumatisierten Migranten für sie heikel werden könnte, sei ihr schlicht nicht bewusst 
gewesen, so stark habe sie jegliche Gefühle weggedrängt (Vermeidungsverhalten; vgl. 
Entgegnung IV-Gutachten vom H.________ vom 18. März 2020 [Bf-act. 5]). Dies vermag 
nicht zu überzeugen oder Zweifel an der Einschätzung des Gutachters zu wecken. Die von 
Dr. D.________ erhobenen Befunde ebenso wie der in den Akten dokumentierte 
Werdegang lassen sehr wohl den Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin kein 
ausgeprägtes Vermeidungsverhalten zeigt. Dass die Beschwerdeführerin bereits früher 
nicht vermied, Traumata konkret zu schildern um sich zu schonen, geht auch aus den 
Asylakten eindrücklich hervor (Bf-act. 3 S.11 f.), was die Einschätzung, es sei kein 
Vermeidungsverhalten gegeben, stützt. Auch bringt Dr. I.________ keine objektiv 
feststellbaren Gesichtspunkte vor, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung 

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Urteil S 2020 77

unerkannt geblieben und geeignet wären, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen 
(vgl. BGer 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 5.1).

Eine negative Veränderung der Kognition und Stimmung, verminderte Teilnahme an 
ausserhäuslichen Aktivitäten, die nach dem traumatischen Ereignis begonnen oder sich 
verschlimmert haben (Kriterium D), liegen gemäss Dr. D.________ nicht vor. Er führt aus, 
ersteres habe sich anlässlich der Untersuchung nicht verifizieren bzw. objektivieren 
lassen, gegen zweiteres spreche die erhaltene Reise- und Fahrfähigkeit und die Pflege 
freundschaftlicher Kontakte mit Freizeitaktivitäten (Wandern in den Bergen; IV-act. 52 
32/43).

Veränderungen des Erregungsniveaus (Kriterium E) verneinte der Gutachter ebenfalls. Die 
Beschwerdeführerin zeige bereits klinisch keine höhergradigen Konzentrations- und 
Aufmerksamkeitsschwierigkeiten. Sie präsentiere keine überdauernden krankhaften 
Veränderungen im Erregungsniveau. Zudem wirke sie nicht müde, so dass 
Schlafstörungen unwahrscheinlich seien (IV-act. 52 31/43).

Aufgrund einer Verneinung der Kriterien B, D und E lässt sich laut Dr. D.________ ein 
Störungsbild einer posttraumatischen Belastungsstörung, das länger als einen Monat 
dauerte (Kriterium F) und in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen 
vor allem im beruflichen Funktionsbereich verursacht (Kriterium G), nicht mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen, weshalb auch diese beiden Kriterien nicht 
erfüllt sind.

Damit verneint Dr. D.________ das Vorliegen von sechs der acht im DSM-5 
vorgesehenen Diagnosekriterien.

8.3.5 Die Herleitung und Begründung der Diagnose einer posttraumatischen 
Belastungsstörung bedarf einer besonderen Achtsamkeit. Dies gilt zunächst für das 
Belastungskriterium, mithin das auslösende Trauma. Dieses ist nicht in erster Linie und 
allein von der Gutachterperson bzw. vom Arzt selbst zu klären, von diesem aber zwingend 
zu referieren (BGE 142 V 342 E. 5.2.2 S. 347).

Vorliegend hat sich der Gutachter in nachvollziehbarer Weise mit den Diagnosekriterien 
der posttraumatischen Belastungsstörung nach DSM-5 auseinandergesetzt und in 
rechtsgenüglicher Weise dargelegt, dass eine entsprechende Diagnose im vorliegenden 

25

Urteil S 2020 77

Fall im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung vom 15. Januar 2020 lege artis nicht 
zu stellen war. Was die Beschwerdeführerin hiergegen vorbringt, vermag nach dem 
Gesagten keine Zweifel an der Expertise zu wecken. Wie der RAD in seiner im Rahmen 
der Vernehmlassung (act. 13) eingereichten Stellungnahme vom 8. Januar 2021 ausführt, 
schliesst das Verneinen der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht 
aus, dass Traumatisierungen stattgefunden haben und diese temporär auch zu 
psychischen Beeinträchtigungen geführt haben können. 

Ebenso ist die Einschätzung von Dr. D.________, dass auch im Referenzzeitpunkt der IV-
Anmeldung vom Juni 2018 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer 
posttraumatischen Belastungsstörung auszugehen war, schlüssig. Er stützte sich hier 
stark auf das fehlende Vermeidungsverhalten, welches ein wesentliches Merkmal der 
Diagnosekriterien gemäss DSM-5 ist (IV-act. 52 28/43), und nicht auf eine fehlende 
Traumatisierung. 

Hinzuweisen ist diesbezüglich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur 
posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10, nach der nebst der für die Bejahung 
der Diagnose bedeutsamen Schwere des Belastungskriteriums auch die Latenzzeit 
zwischen initialer Belastung und Auftreten der Störung einer eingehenden Prüfung bedarf. 
Diese beträgt nach ICD-10 wenige Wochen, bis (sechs) Monate. Besondere Begründung 
braucht es dabei in jenen Fällen, in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen 
ein späterer Beginn berücksichtigt werden soll (BGE 142 V 342 E. 5.2.2). Vorliegend 
fanden die traumatischen Erlebnisse während der Kindheit und Jugend bzw. vor der 
Einreise in die Schweiz, also vor 1995 (Bf-act. 5) statt. Dr. F.________ stellte allerdings 
erst im Bericht vom 22. Juni 2018 erstmals die Diagnose einer posttraumatische 
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), wahrscheinlich bestehend seit der Ermordung der 
Schwester der Patientin (1989). Sie machte dannzumal keine Ausführungen dazu, wieso 
sich die Störung erst mehr als 20 Jahre nach den traumatischen Erlebnissen manifestiert 
haben soll. Gerade die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Einreise in die 
Schweiz fähig war, eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin zu absolvieren und in der Folge 
den Beruf auch über mehrere Jahre ausübte, insbesondre auch beim Ambulatorium für 
Folter- und Kriegsopfer (afk) des Universitätsspitals Zürich, welches sie mit aufbaute (vgl. 
Arbeitszeugnis afk vom 31. Mai 2010; IV-act. 9 15/20), lässt die Latenzzeit als deutlich zu 
lange erscheinen. Es ist daher nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 
auszugehen, dass im Juni 2018 noch von einer posttraumatischen Belastungsstörung 
aufgrund der Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend auszugehen war. 

26

Urteil S 2020 77

8.4 Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, der Gutachter werfe ihr in verschieden 
Punkten ungerechtfertigterweise Inkonsistenz vor, ohne sie mit den Unstimmigkeiten je 
konfrontiert zu haben. Statt sich für ihre Biografie zu interessieren, habe er sich auf das 
Ergebnis des durchgeführten SRSI-Tests gestützt und die Beschwerdeschilderungen der 
Beschwerdeführerin als mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit ungültig qualifiziert. Sie 
rügt, er habe sie zu den traumatischen Ereignissen nicht näher befragt und die 
Inkonsistenz aufgrund der wenigen enthaltenen Schilderungen im Gutachten 
angenommen.

Diese Rüge trifft nicht zu. Wie bereits ausgeführt, gibt es keine Hinweise darauf, dass die 
Anamnese- und Befunderhebung durch Dr. D.________ nicht lege artis erfolgt wäre 
(hiervor E. 7 und 8.1). Aus dem Gutachten geht hervor, dass Dr. D.________ wohl eine 
gewisse Differenz zwischen den in den medizinischen Vorakten erwähnten Traumata und 
den anlässlich der Begutachtung von der Beschwerdeführerin erwähnten traumatischen 
Erlebnissen ermittelte und von einem erweiterten Narrativ ausgeht. Wie oben (E. 8.3.2) 
aufgezeigt, negiert er jedoch nicht, dass die erwähnten Traumata tatsächlich stattgefunden 
haben. Die von ihm erwähnten Inkonsistenzen und Widersprüche beziehen sich nicht auf 
allfällige Ungereimtheiten in der Sachverhaltsdarstellung. Doktor D.________ konzentriert 
sich viel mehr darauf, Inkonsistenzen zwischen den geltend gemachten 
Beschwerdebildern und dem von ihm tatsächlich erhobenen Befund aufzuzeigen. So 
erwähnt er das von der Beschwerdeführerin geschilderte aktuell unauffällige soziale 
Funktionsniveau, das fehlende störungstypische Vermeidungsverhalten in Bezug auf eine 
posttraumatische Belastungsstörung, die anlässlich der Untersuchung erhobenen objektiv 
unauffälligen klinischen Befunde, das Ergebnis des SRSI sowie die fehlende konsequente 
medikamentöse Behandlung und kommt zum Schluss, die subjektiv geäusserten 
Beschwerden der Explorandin würden mit ihrem Verhalten und den Schilderungen nicht 
durchgängig korrelieren (IV-act. 52 34/43). Es handelt sich also nicht um Inkonsistenzen in 
der eigentlichen Sachverhaltsermittlung, sondern um eine gutachterliche Würdigung der 
gesamten Sachlage im Rahmen der Konsistenzprüfung. Eine direkte Konfrontation damit 
während der gutachterlichen Untersuchung war daher gar nicht möglich. Es liegt in der 
Natur der Sache, dass die Beschwerdeführerin erst mit Zustellung des Gutachtens 
Kenntnis von der Beurteilung des Experten erfuhr. Das Vorgebrachte mag den Beweiswert 
des Gutachtens daher nicht zu schmälern.

27

Urteil S 2020 77

Was die Erwägung der Diagnose Simulation (ICD-10: Z76.5) durch den Gutachter betrifft, 
ist zudem festzuhalten, dass Dr. D.________ sie zwar in Erwägung zieht, aber nicht stellt 
und die diesbezügliche Kritik der Beschwerdeführerin schon deshalb ins Leere geht.

8.5 Auch soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die negative Einstellung des 
Gutachters ihr gegenüber zeige sich darin, dass er selbst keinen Medikamentenspiegel 
erhoben habe und ihr dann auch noch vorwerfe, selbst keinen solchen vorgelegt zu 
haben, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten.

Der Gutachter hat im Vorfeld der Begutachtung die Versicherte gebeten, aktuelle 
Laborbefunde, insbesondere auch eine Medikamentenspiegelbestimmung zeitnahe zum 
Zeitpunkt der Begutachtung erheben zu lassen und mitzubringen (Schreiben Dr. 
D.________ vom 2. November 2019; IV-act. 48). Immerhin lagen ihm aktuelle 
Laborbefunde eines Differenzialblutbilds und eines Urin-Drogenscreenings vom 13. Januar 
2020 vor (IV-act. 52 42/43 f.). Damit setzte sich Dr. D.________ auseinander und hielt 
unter anderem fest, dass das Drogen-UP-Screening bis auf Cannabinoide, was mit der 
aktenkundigen CBD-Einnahme korreliere, negativ sei (IV-act. 52 26/43). Unabhängig 
davon gab die Beschwerdeführerin in der Begutachtung an, dass sie lediglich pflanzliche 
Präparate zum Schlafen und zur Beruhigung einnehme. Auf "chemische" Antidepressiva 
verzichte sie seit April 2019 (IV-act. 52 23/43). Es ist daher nachvollziehbar und nicht zu 
beanstanden, dass der Gutachter nicht eine ergänzende Abklärung des 
Medikamentenspiegels anordnete, sondern von einer fehlenden Medikation ausgeht.

8.6 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, der Gutachter habe sich ungenügend mit 
seinem von den Vorakten deutlich abweichenden objektiven Befund auseinandergesetzt 
und insbesondere die Berichte der Klinik K.________ vom Sommer 2018 zu wenig 
beachtet, ist folgendes zu erwägen:

Doktor D.________ setzt sich in seinem Gutachten ausführlich mit den Berichten der 
behandelnden Ärzte auseinander, insbesondere mit dem der behandelnden Psychiaterin 
Dr. F.________ vom 22. Juni 2018 und zeigte nachvollziehbar auf, weshalb er die 
gestellten Diagnosen nicht bestätigen kann (IV-act. 52 35/43). Nicht nachvollziehbar ist die 
Einschätzung von Dr. D.________ in Bezug auf die Befunde von Dr. F.________ der 
H.________. Der Gutachter hält fest, der Bericht vom 5. April 2019 (IV-act. 33/3) – der 
sich weitgehend mit jenem vom 6. August 2019 (IV-act. 36) deckt – könne 
versicherungsmedizinisch nicht überzeugen, weil die objektiven Befunde nicht von den 

28

Urteil S 2020 77

subjektiven Angaben unterschieden würden. Dr. I.________ hielt unter dem Titel der 
objektiven Befunde zu jeder von der Beschwerdeführerin angegebenen 
Beschwerdesymptomatik fest, ob sie anlässlich der Behandlung/Untersuchung 
wahrnehmbar war, was eine Differenzierung zwischen objektivem Befund und subjektiven 
Beschwerden deutlich macht. So wurden unter anderem Konzentrations- und 
Merkfähigkeitsstörungen festgehalten, das Vorliegen einer Denkhemmung hingegen eher 
verneint ("nicht verlangsamt, nicht umständlich oder eingeengt"; IV-act. 36 3/8). Dass sich 
Dr. D.________ damit nicht näher auseinandersetzt, stellt ein Schwachpunkt seiner 
Würdigung dar. Nachdem die Ärzte des H.________ im Schreiben vom 13. November 
2019 (IV-act. 49) jedoch einen positiven Verlauf der von ihnen behandelten Symptomatik 
darstellten, insbesondere auch bezüglich des Schlafs, den sie als seit Wochen verbessert 
und erholsamer bezeichneten, ist es durchaus erklärbar, dass Dr. D.________ anlässlich 
seiner Begutachtung vom 15. Januar 2021 keine entsprechenden Symptome mehr 
feststellen konnte und folglich einen deutlich anderen Befund erhob, was die 
Beschwerdegegnerin gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 8. Januar 2021 zu 
Recht vorbringt. Daran ändern auch die Berichte der Klinik K.________ vom 19. Juli 2018 
(IV-act. 34 3/4) und 9. August 2018 (IV-act. 34 1/4) nichts. Es wurde bei der 
Beschwerdeführerin dannzumal eine nichtorganische Insomnie (Einschlaf- sowie 
Durchschlafstörung) diagnostiziert und behandelt. Die Behandlung beschränkte sich auf 
die Empfehlung von Verdunklung sowie der Anwendung weiterer Skills der 
Insomniebehandlung, die nicht pharmakotherapeutischer Natur waren. Zudem wurde 
Melatonin verschrieben. Die Ärzte gingen 2018 offensichtlich von einer guten und 
einfachen Behandelbarkeit aus. Eine Verbesserung der Schlafqualität bis zum Zeitpunkt 
der gutachterlichen Untersuchung ist auch vor diesem Hintergrund realistisch und lässt 
keine Zweifel an der Expertise aufkommen.

9.
9.1 Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert 
des Gutachtens von Dr. D.________ vom 28. Januar 2020 in Zweifel zu ziehen, weshalb 
in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. vgl. BGE 134 I 148 E. 5.3; 122 V 157 E. 1d je mit 
Hinweisen) auf das beantragte Gerichtsgutachten verzichtet und davon ausgegangen 
werden kann, dass die Beschwerdeführerin kein invalidisierendes psychisches Leiden 
aufweist.

9.2 Daran vermag letztlich auch der eingereichte Austrittsbericht der Klinik E.________ 
vom 23. März 2021 (BF-act.7) nichts zu ändern. Er bezieht sich auf eine deutlich nach 

29

Urteil S 2020 77

Ergehen der angefochtenen Verfügung entstandene Verschlechterung des psychischen 
Zustands der Beschwerdeführerin, weshalb er auf die Ermittlung des vorliegend 
massgebenden Sachverhalts keine Auswirkungen hat und nicht zu beachten ist (vgl. 
hiervor E. 1).

10. Aufgrund der erhobenen Befunde und des erheblichen Einflusses 
invaliditätsfremder Faktoren, ist nachvollziehbar, dass Dr. D.________ als Fazit festhält, 
es liege bei der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung kein 
invalidisierender Gesundheitsschaden vor und es bestehe eine vollschichtige 
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (IV-act. 52 38/43).

Im weiteren kann für die Zeit nach der Anmeldung bei der Invalidenversicherung im Juni 
2018 aufgrund der erhobenen Befunde und unter Berücksichtigung der ausgewiesenen 
invaliditätsfremden Faktoren, eine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit oder 
insgesamt relevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit begründet werden. Auf eine Prüfung der Indikatoren (BGE 141 V 218) 
kann aus Gründen der Verhältnismässigkeit unter den gegebenen Umständen verzichtet 
werden.

Dies führt zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin kein für die 
Invalidenversicherung relevanter Gesundheitsschaden und damit auch keine Invalidität 
vorliegt oder droht. Daher besteht weder ein Anspruch auf Umschulung noch auf eine 
Rente der Invalidenversicherung; ein Leistungsanspruch wurde mit Verfügung vom 
26. Mai 2020 zu Recht verneint. Folglich ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde 
vollumfänglich abzuweisen.

11. Abschliessend ist über die Kosten- und Entschädigungsfolgen bei diesem 
Verfahrensausgang zu befinden.

11.1 Der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 2. Oktober 2020 (act. 6) die 
unentgeltliche Prozessführung gewährt worden, weshalb ihr trotz Unterliegens für das 
vorliegende Verfahren in Abweichung von Art. 69 Abs. 1bis IVG keine Kosten 
aufzuerlegen sind.

11.2 Eine Parteientschädigung ist der Beschwerdeführerin nicht zuzusprechen, da sie 
mit ihrer Beschwerde unterliegt. Mit Verfügung vom 2. Oktober 2020 ist ihr indessen für 

30

Urteil S 2020 77

das vorliegende Verfahren ab dem 4. September 2020 für das weitere Verfahren ein 
unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person von Rechtsanwalt B.________, gewährt 
worden (act. 6). Angesichts dessen, dass der unentgeltliche Vertreter erst im Rahmen des 
zweiten Schriftenwechsels mandatiert war, folglich nur eine Rechtsschrift verfasst hat und 
mit Blick auf den Umfang der vorliegenden Akten rechtfertigt sich ermessensweise eine 
Entschädigung von Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen und MWST).

31

Urteil S 2020 77

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht:
__________________________________

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. Rechtsanwalt B.________ 
wird mit Fr. 2'000.-- (inkl. Auslagen und MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung 
beim Schweizerischen Bundesgericht in Luzern Beschwerde in öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten eingereicht werden.

5. Mitteilung an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (im Doppel), die IV-
Stelle des Kantons Zug, an das Bundesamt für Sozialversicherungen, Bern, und 
zum Vollzug von Ziffer 3 im Dispositiv an die Finanzverwaltung des Kantons Zug.

Zug, 5. Januar 2022

Im Namen der
SOZIALVERSICHERUNGSRECHTLICHEN KAMMER
Der Vorsitzende

Die Gerichtsschreiberin

versandt am