# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be2d8808-792b-51d8-acb3-89b691931c40
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2018 D-6017/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6017-2018_2018-11-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6017/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;   

Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kolumbien,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (Mehrfachgesuch);  

Verfügung des SEM vom 24. September 2018 / N (…). 

 

 

 

D-6017/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin reiste am 10. November 2017 gemeinsam mit 

ihren Eltern und ihren drei Schwestern sowie dem damals (…) Neffen in 

die Schweiz ein und suchte am 14. November 2017 um Asyl nach.  

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen geltend, sie sei kolumbianische Staatsangehörige und 

stamme aus B._______ (C._______). Nachdem ihr Vater Probleme be-

kommen habe, habe ihre Familie mehrfach ihren Wohnort gewechselt. 

Auch an ihrem letzten Wohnort, in D._______ (E._______, F._______) 

habe es Drohungen gegen ihren Vater und Belästigungen gegeben. Aus-

serdem hätten Unbekannte einmal versucht, ihre Schwester G._______ zu 

entführen. Wegen der ständigen Gefahr habe sie schliesslich am 9. No-

vember 2017 zusammen mit ihren Eltern, ihren drei Schwestern und ihrem 

Neffen Kolumbien in Richtung Spanien verlassen. 

A.b Mit Verfügung vom 8. Februar 2018 stellte das SEM fest, die Be-

schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 

am 14. November 2017 gestellte Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es 

die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug 

an. 

Mit separaten Verfügungen vom 8. Februar 2018 lehnte das SEM die Asyl-

gesuche der Eltern, der drei Schwestern und des Neffen der Beschwerde-

führerin ebenfalls ab und ordnete deren Wegweisung sowie den Wegwei-

sungsvollzug an. 

A.c Die am 19. Februar 2018 dagegen erhobene Beschwerde wurde mit 

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1046/2018 vom 26. Juni 2018 ab-

gewiesen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Be-

schwerdeführerin sowie ihre Eltern und ihre Schwester G._______ hätten 

widersprüchliche Aussagen zu den Ereignissen, die schlussendlich zu ihrer 

Ausreise geführt haben sollen, gemacht, wobei auch die eingereichten Be-

weismittel nicht geeignet seien, zu einer anderen Beurteilung des Sachver-

halts zu führen. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung nach Kolumbien 

zulässig, zumutbar und möglich. 

 

Mit Urteilen D-1040/2018 und D-1045/2018 vom gleichen Tag wurden auch 

die Beschwerden der Eltern, der drei Schwestern und des Neffen der Be-

schwerdeführerin abgewiesen. 

D-6017/2018 

Seite 3 

 

A.d Das SEM setzte die Ausreisefrist der Beschwerdeführerin neu auf den 

27. Juli 2018 an.  

 

B.  

B.a Am 10. September 2018 reichte die Beschwerdeführerin durch ihre da-

malige Rechtsvertreterin beim SEM eine als "Wiedererwägungsgesuch" 

betitelte Eingabe ein und ersuchte um Neubeurteilung des Entscheids des 

Bundesverwaltungsgerichts vom 26. Juni 2018 und um Feststellung, dass 

der Vollzug der Wegweisung nach Kolumbien unzulässig, unzumutbar und 

unmöglich sei, sowie – in verfahrensrechtlicher Hinsicht – um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses und um Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als un-

entgeltliche Rechtsbeiständin. 

Zur Begründung dieses Gesuchs machte die Beschwerdeführerin geltend, 

am 16. August 2018 hätten einige Männer gegenüber ihrer Cousine 

H._______ in Bucaramanga Todesdrohungen gegen ihren Vater ausge-

sprochen. Zudem sei ihr Vater Mitglied der politischen Partei "(…)", und 

aus aktuellen Pressemittelungen gehe hervor, dass die Parteimitglieder der 

"(…)" als militärische Zielscheiben deklariert worden seien. Sie selber sei 

auch bedroht worden, weil gegen Menschenrechtsaktivisten allgemeine 

Morddrohungen ausgesprochen worden seien. 

Zur Untermauerung der Vorbringen wurden ein USB-Stick mit Audioauf-

nahmen sowie Kopien eines Zeitungsauschnitts, einer öffentlichen Mittei-

lung der "(…)", eines UNO-Berichts und einer Fürsorgeabhängigkeitsbe-

stätigung eingereicht. 

 

B.b Die Eltern und die drei Schwestern der Beschwerdeführerin wandten 

sich gleichentags mit identischen Eingaben an das SEM. Der vorstehend 

erwähnte USB-Stick befindet sich bei den Akten der Eltern (N 574 924). 

C.  

C.a Das SEM behandelte die Eingabe vom 10. September 2018 als Mehr-

fachgesuch und stellte mit Verfügung vom 24. September 2018 fest, die 

Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das 

Mehrfachgesuch ab, ordnete die Wegweisung sowie den Wegweisungs-

vollzug an und forderte die Beschwerdeführerin auf, die Schweiz bis zum 

19. November zu verlassen, andernfalls sie in Haft genommen und unter 

D-6017/2018 

Seite 4 

Zwang in ihren Heimatstaat zurückgeführt werden könne. Gleichzeitig er-

hob es eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– und lehnte das Gesuch um 

unentgeltliche Verbeiständung ab. 

 

C.b Mit separaten Verfügungen vom gleichen Tag lehnte das SEM die 

Mehrfachgesuche der Eltern, der Schwestern und des Neffen der Be-

schwerdeführerin ebenfalls ab und ordnete die Wegweisung und den Weg-

weisungsvollzug an. 

 

D.  

D.a Die nunmehr nicht mehr vertretene Beschwerdeführerin beantragte mit 

Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 22. Oktober 2018 die Auf-

hebung der SEM-Verfügung vom 24. September 2018 und die Rückwei-

sung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz, eventualiter die 

Feststellung, dass der Vollzug der Wegweisung nach Kolumbien unzumut-

bar und unzulässig sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und es sei "als superprovi-

sorische Massnahme der Wegweisungsvollzug" zu stoppen.  

 

Auf die Begründung der Anträge wird, soweit für den Entscheid wesentlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

D.b Mit Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht vom 22. Oktober 2018 

erhoben auch die Eltern und Schwestern der Beschwerdeführerin Be-

schwerde gegen die ablehnenden Verfügungen des SEM (Beschwerdever-

fahren D-6013/2018 und D-6018/2018). 

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte der Beschwerdeführerin am 

25. Oktober 2018 den Eingang ihrer Beschwerde. Dem Migrationsamt des 

Kantons Zürich liess es eine Kopie des Schreibens zukommen. 

 
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

D-6017/2018 

Seite 5 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Eingabe vom 22. Oktober 

2018 in materieller Hinsicht lediglich die Aufhebung der SEM-Verfügung 

vom 24. September 2018 und die Rückweisung der Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz, eventualiter die Feststellung, dass der Vollzug der 

Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei. Der Beschwerdebegründung 

ist jedoch zu entnehmen, dass sich die Rechtsmitteleingabe der nicht ver-

tretenen Beschwerdeführerin auch gegen die Nichtzuerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft und die Verweigerung des Asyls richtet, weshalb die 

angefochtene Verfügung im Rahmen der Beschwerdebegründung vollum-

fänglich zu prüfen ist. 

1.4 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde ist 

insoweit frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 

VGG, Art. 50 Abs. 1 VwVG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist somit – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – 

einzutreten. 

1.5 Über die Beschwerde der Eltern und der beiden jüngeren Schwestern 

(D-6013/2018) sowie die Beschwerde ihrer älteren Schwester und deren 

Sohn (D-6018/2017) wird mit zwei Urteilen vom gleichen Tag und insoweit 

koordiniert entschieden. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

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Seite 6 

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich hier um eine solche, weshalb das 

Urteil nur summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf 

Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schrif-

tenwechsels verzichtet. 

4.  

Anders als einer Beschwerde gegen einen Wiedererwägungsentscheid 

(vgl. Art. 111b Abs. 3 AsylG) kommt der vorliegenden Beschwerde gegen 

den Entscheid über ein Mehrfachgesuch aufschiebende Wirkung zu (vgl. 

Art. 111c AsylG). Auf den Antrag auf Anordnung einer superprovisorischen 

Massnahme (Anordnung eines Vollzugsstopps) ist deshalb mangels 

Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 

5.  

Die in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 4 unten) geäusserte Rüge, die Be-

schwerdeführerin sei vom SEM nicht darüber informiert worden, dass ihre 

als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichnete Eingabe als neues Asylgesuch 

betrachtet würde, was einen Verfahrensmangel darstelle, geht fehl. Mass-

gebend für die Behandlung einer Eingabe ist deren Inhalt, nicht eine – al-

lenfalls – unzutreffende Betitelung. Das SEM war weder verpflichtet, der 

Beschwerdeführerin zur rechtlichen Qualifikation ihrer Eingabe vorgängig 

das rechtliche Gehör zu gewähren, zumal ihr durch die Behandlung der 

Eingabe als Mehrfachgesuch (mit weiterer, auch die Vorbringen im ersten 

Asylverfahren umfassenden Prüfungskognition) kein Nachteil entstanden 

ist, noch die Beschwerdeführerin erneut anzuhören (vgl. BVGE 2014/39 

E. 4.3). 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Den 

frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 

AsylG). 

 

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Seite 7 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder 

zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, bei einer 

objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2). 

6.2  

6.2.1 Das SEM stellte in seiner angefochtenen Verfügung vom 24. Sep-

tember 2018 fest, die Beschwerdeführerin stütze ihre Aussagen auf dieje-

nigen ihres Vaters, weshalb für ihre Asylvorbringen dieselben Feststellun-

gen gelten würden und daher in diesem Zusammenhang auf den Entscheid 

gleichen Datums in der Sache N 574 924 verwiesen werden könne. 

 

Hinsichtlich der geltend gemachten Drohung gegen Menschenrechtsakti-

visten sei aber festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nie geltend ge-

macht habe, sich aktiv für Menschenrechte in Kolumbien eingesetzt zu ha-

ben.  

 

6.2.2 Dieser Einschätzung der Vorinstanz kann sich das Bundesverwal-

tungsgericht vollumfänglich anschliessen. Zur Vermeidung von Wiederho-

lungen kann bezüglich der dazu in der Beschwerde vom 22. Oktober 2018 

(vgl. S. 2–4) gemachten Einwendungen auf die Ausführungen in dem die 

Eltern und die beiden jüngeren Schwestern der Beschwerdeführerin betref-

fenden Urteil D-6013/2018 (vgl. E. 6.2.2) verwiesen werden. 

6.2.3 Insgesamt ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin auch 

unter Berücksichtigung der nach Abschluss des ersten Asylverfahrens vor-

gebrachten Probleme und der zur Untermauerung derselben eingereichten 

Beweismittel nicht gelungen ist, die von ihr geschilderten Fluchtgründe 

glaubhaft zu machen und – wie in der angefochtenen Verfügung zu Recht 

bemerkt wurde – auch keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Be-

schwerdeführerin mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-

kunft eine gezielte, gegen sie persönlich gerichtete Verfolgung asylrelevan-

ten Ausmasses zu befürchten hätte.  

D-6017/2018 

Seite 8 

6.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM den erheblichen Sach-

verhalt ausreichend erstellt (weshalb keine Veranlassung besteht, die an-

gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen, und der entsprechende Antrag abzuwei-

sen ist) und zu Recht auch das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin 

abgelehnt hat.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über ausländerrechtliche Auf-

enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung von solchen. 

Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

 

Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG nicht zulässig, 

wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der 

Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen 

Drittstaat entgegenstehen.  

Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das 

flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 

5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzuges beurteilt sich viel-

mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-

mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

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Seite 9 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Gemäss 

Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die 

Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien, 

Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 7201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Das ist vorliegend jedoch nicht der Fall, zumal die geltend ge-

machte Verfolgungssituation nach wie vor nicht als glaubhaft erachtet 

wurde und auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Kolumbien den 

Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen lässt. 

Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl- als auch 

der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  

8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

8.3.1 In Kolumbien herrscht im jetzigen Zeitpunkt weder Krieg noch Bür-

gerkrieg und es liegt auch keine Situation allgemeiner Gewalt vor; es kann 

dazu auf das Urteil D-1046/2018 vom 26. Juni 2018 (Erw. 6.3.1) verwiesen 

werden. Es ist nach wie vor davon auszugehen, dass der Wegweisungs-

vollzug nach Kolumbien aufgrund der allgemeinen Lage auch in absehba-

rer Zukunft als zumutbar bezeichnet werden kann.  

8.3.2 Es bleibt im Folgenden zu prüfen, ob allenfalls individuelle – insbe-

sondere auch gesundheitliche – Gründe gegen die Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs sprechen. 

Anders als zu Beginn des ersten Asylverfahrens (vgl. dazu Urteil BVGer  

D-1046/2018 E. 6.3.2) werden weder in der Eingabe vom 10. September 

2018 noch in der Beschwerde vom 22. Oktober 2018 gesundheitliche Stö-

rungen geltend gemacht, und es ergeben sich auch aus den Akten keine 

Hinweise auf derartige Probleme der Beschwerdeführerin. Im Übrigen ist 

an dieser Stelle (nochmals) festzustellen, dass Kolumbien insbesondere in 

den Städten und grösseren Ortschaften über eine vergleichsweise gute 

Gesundheitsversorgung verfügt. 

D-6017/2018 

Seite 10 

In Bezug auf die individuellen Gründe kann ebenfalls auf das Urteil 

D-1046/2018 vom 26. Juni 2018 (Erw. 6.3.2) verwiesen werden, zumal von 

der Beschwerdeführerin keine Veränderungen geltend gemacht werden. 

Es muss daher auch im heutigen Zeitpunkt nicht befürchtet werden, die 

Beschwerdeführerin könnte nach ihrer Rückkehr nach Kolumbien in wirt-

schaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende Situation geraten.  

8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar.  

8.4 Die Beschwerdeführerin ist im Besitz gültiger, beim SEM abgegebener 

Reisepapiere, weshalb der Vollzug der Wegweisung ohne weiteres als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

9.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 

richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies-

bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, 

soweit darauf einzutreten ist. 

10.  

10.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, 

weshalb sich der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG) als gegenstandslos erweist. 

 

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6017/2018 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Kathrin Mangold Horni 

 

 

Versand: