# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b536f669-ea5c-5aa5-a4db-b4d8d3ad1fda
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-01
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 01.11.2022 SK 2022 34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-34_2022-11-01.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 34

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 1. November 2022 

Besetzung Oberrichter Zuber (Präsident i.V.), Oberrichterin Friederich Hörr, 
Oberrichterin Falkner
Gerichtsschreiberin Wüthrich

Verfahrensbeteiligte B.________
a.v.d. Rechtsanwältin C.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

D.________
v.d. Rechtsanwalt A.________

Strafkläger 1

und

E.________

Strafklägerin 2

und

F.________

Strafklägerin 3

2

und

G.________
v.d. Rechtsanwalt H.________

Strafkläger 4

und

I.________

Strafkläger 5

und

J.________

Strafkläger 6

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen 
Behörden und Beamte, Hinderung einer Amtshandlung etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 28.Oktober 2021 (PEN 21 103)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 28. Oktober 2021 erkannte das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kol-
legialgericht; nachfolgend: Vorinstanz) betreffend B.________ (nachfolgend: Be-
schuldigter) was folgt (pag. 1707 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen B.________

wegen Verleumdung (evtl. übler Nachrede), angeblich begangen am 13. März 2020 in AZ.________ 
(AKS Ziff. I. 1.6)

wird infolge Rückzug des Strafantrags eingestellt.

Die Verfahrenskosten trägt der Kanton (Art. 423 StPO).

II.

B.________ wird freigesprochen von den Anschuldigungen:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 28. Juni 2020 an der M.________ 
(Strasse) in Bern (N.________) zum Nachteil von G.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 
1);

2. der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte,

2.1. begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) zum Nachteil von O.________, 
I.________ und P.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 3.1.1 – 3.1.3);

2.2. angeblich begangen am 26. Februar 2020 in AZ.________ zum Nachteil vom Q.________ 
(AKS Ziff. I. 3.2);

2.3. begangen am 30. Juni 2020 in Bern zum Nachteil von J.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; 
AKS Ziff. I. 3.3);

3. der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung,

3.1. angeblich begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) (AKS Ziff. I. 4.1, 4.2, 4.5);

3.2. begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 4.3);

4. der mehrfachen Drohung,

4.1. angeblich begangen am 26. Februar 2020 in AZ.________ zum Nachteil von Q.________ 
(AKS Ziff. I. 5.1);

4.2. begangen am 3. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von D.________ 
(Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 5.2);

4.3. angeblich begangen am 11. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von 
R.________ und F.________ (AKS Ziff. I. 5.3);

4

5. der mehrfachen Beschimpfung,

5.1. begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) zum Nachteil von O.________, 
I.________, S.________ und P.________ (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 7.1.1 – I. 
7.1.4);

5.2. begangen am 3. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von D.________ 
(Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 7.2);

5.3. begangen am 7. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von T.________ 
(Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 7.3);

6. der Verunreinigung von fremdem Eigentum, mehrfach begangen am 8. August 2019 in 
AU.________ (Ort) (Art. 19 Abs. 1 StGB; AKS Ziff. I. 9).

Die Verfahrenskosten trägt der Kanton (Art. 419 und 423 StPO).

III.

B.________ wird schuldig erklärt:

des Diebstahls, begangen am 28. Juni 2020 in Bern, BE.________, zum Nachteil von U.________ 
und der V.________ (AKS Ziff. I. 2 und I. 8)

und in Anwendung der Art. 49 Abs. 2, 139 Ziff. 1 StGB

verurteilt:

zu einer Freiheitsstrafe von 13 Tagen,

als Zusatzstrafe zum Urteil des Tribunal régional Jura bernois-Seeland vom 8. Dezember 2020 und 

unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 220 Tagen (28. Juni 2020 – 2. Februar 2021) und Si-
cherheitshaft von 268 Tagen (3. Februar 2021 – 28. Oktober 2021), total ausmachend 488 Tage 
(Art. 51 StGB),

sowie ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

IV.

In Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und 3, 59 StGB; Art. 419 StPO erkennt das Gericht:

1. Es wird für B.________ eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB an-
geordnet.

2. Die Verfahrenskosten trägt der Kanton Bern.

[Zusammenstellung der Verfahrenskosten]

V.

[Festsetzung der amtlichen Entschädigung der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten sowie Fest-
setzung der amtlichen Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Strafklägers 4]

5

VI.

Die folgenden Zivilklagen werden abgewiesen:

1. Die Schadenersatzforderung des Privatklägers G.________ sowie dessen Genugtuungsforde-
rung in der Höhe von CHF 3'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 28. Juni 2020 (Art. 54 OR);

2. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers O.________ in der Höhe von CHF 300.00 (Art. 54 
OR);

3. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers I.________ in der Höhe von CHF 600.00 (Art. 54 
OR);

4. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers J.________ in der Höhe von CHF 500.00 (Art. 54 
OR); 

5. Die Parteientschädigung des Privatklägers D.________ in der Höhe von CHF 6'739.80 (Art 433 
Abs. 1 StPO e contrario).

Für die Behandlung der Zivilklagen werden keine Verfahrenskosten ausgeschieden.

VII.

Weiter wird verfügt:

1. B.________ wird in Sicherheitshaft belassen. Die Sicherheitshaft wird vorerst bis am 28. Janu-
ar 2022 befristet (Art. 231 i.V.m. Art. 227 StPO; gemäss separatem Beschluss).

2. Folgende Gegenstände werden B.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:

- 1 T-Shirt, grau;
- 1 kurze Hose, schwarz-weiss gemustert;
- Freizeitschuhe Nike, schwarz;
- 1 Kühlrucksack, grau;
- 1 Armbanduhr Marke GC;

3. Folgende Gegenstände bleiben als Beweismittel bei den Akten:

- 1 Gürteletui Victorinox;
- 1 Messeretui.

4. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN ________; ________) sowie der 
biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der Frist wird erteilt (Art. 16 Abs. 4 
DNA-ProfilG; Art. 17 Abs. 4 AFIS-VO).

5. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte bereits anlässlich der Urteilseröff-
nung vom 28. Oktober 2021 mündlich Berufung an (pag. 1630). Mit Eingabe vom 
8. November 2021 bestätigte Rechtsanwalt K.________ namens und im Auftrag 
des Beschuldigten die Berufungsanmeldung (pag. 1770 f.). Die Urteilsbegründung 

6

datiert vom 14. Januar 2022 und wurde den Parteien gleichentags mit Verfügung 
zugestellt (pag. 1970 ff.) Mit seiner form- und fristgerecht eingereichten Berufungs-
erklärung vom 7. Februar 2022 (pag. 1983 ff.) erklärte Rechtsanwalt K.________ 
die vollumfängliche Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil.

Er stellte folgende Anträge in Aussicht (pag. 1983 f.; Hervorhebungen im Original):

Es sei dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung zu bestätigen (Art. 132 StPO).

1. Hauptbegehren

1.1 In Gutheissung der Berufung sei Dispositivziffer I des Urteils vom 28.10.2021 (PEN 21 103) 
des Regionalgerichts Bern-Mittelland (hiernach Urteil) auszuheben und die Kosten seien dem 
Privatkläger W.________ aufzuerlegen. Ausserdem sei der Beschuldigte vom Vorwurf der Ver-
leumdung und unter Ausrichtung einer Genugtuung von CHF 1'500.00 zu Lasten des 
W.________ freizusprechen.

1.2 In Gutheissung der Berufung sei dem Beschuldigten eine Genugtuung in Höhe von 
CHF 200.00 pro erstandenem Hafttag auszurichten, zzgl. Zins zu 5% seit 28.06.2020.

1.3 In Gutheissung der Berufung sei Dispositivziffer IV, Ziffer 1, auszuheben und der Beschuldigte 
sei umgehend in Freiheit zu entlassen.

2. Eventualbegehren:

2.1 In Gutheissung der Berufung sei das Urteil vom 28.10.2021 vollumfänglich auszuheben und 
zur neuen Begründung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen über alle Instanzen.

Mit Beschluss vom 15. Februar 2022 wurde der Generalstaatsanwaltschaft, den 
Straf- und Zivilklägern 1-4 und den Strafklägern 1-3 die Gelegenheit eingeräumt, 
die Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen (pag. 2158 ff.).

Mit Eingabe vom 4. März 2022 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft die An-
schlussberufung. Sie beschränkte diese auf die Freisprüche infolge Schuldunfähig-
keit wegen versuchter schwerer Körperverletzung gemäss Anklageschrift (nachfol-
gend: AKS) Ziff. I. 1., mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beam-
te gemäss AKS Ziff. I. 3.1 und I.3.3, Hinderung einer Amtshandlung gemäss AKS 
Ziff. I. 4.3, Drohung gemäss AKS Ziff. I. 5.2, mehrfacher Beschimpfung gemäss 
AKS Ziff. I. 7.1.-7.3. und Verunreinigung von fremdem Eigentum gemäss AKS Ziff. 
I. 9., die Strafzumessung, die Frage nach einer Landesverweisung, die Massnah-
menfrage sowie die Kostenfolgen (pag. 2177 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft 
stellte folgende Anträge in Aussicht (pag. 2178):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 28. Oktober 2021 
in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich der Freisprüche von den Anschuldigungen der Gewalt 
und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss AKS Ziff. I. 3.2, Hinderung einer Amtshand-
lung gemäss AKS Ziff. I. 4.1, 4.2 und 4.5, mehrfacher Drohung gemäss AKS Ziff. I. 5.1 und 5.3.

2. Das Verfahren gegen B.________ wegen Verleumdung sei infolge Rückzug des Strafantrags 
einzustellen.

7

3. B.________ sei schuldig zu erklären wegen

3.1 versuchter schwerer Körperverletzung gemäss AKS Ziff. I. 1.,

3.2 mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss AKS Ziff. I. 3.1 und 
3.3,

3.3 Hinderung einer Amtshandlung gemäss AKS Ziff. 4.3,

3.4 Drohung gemäss AKS Ziff. I. 5.2,

3.5 mehrfacher Beschimpfung gemäss AKS Ziff. I. 7.1-7.3,

3.6 Verunreinigung von fremdem Eigentum gemäss AKS Ziff. I. 9.,

3.7 Diebstahls gemäss AKS Ziff. I.2. und 8.

4. B.________ sei zu verurteilen:

4.1 zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten teilweise als Zusatzstrafe zu den Urteilen des Mini-
stère public du Jura bernois-Seeland vom 20.09.2019 und des Tribunal régional Jura ber-
nois-Seeland vom 09.12.2019, wobei die vom Beschuldigten seit dem 28.06.2020 erstan-
denen Hafttage an die Freiheitstrafe anzurechnen seien;

4.2 zu einer stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 59 StGB, wobei der Vollzug 
der Freiheitsstrafe zugunsten der Massnahme aufzuschieben sei;

4.3 zu einer Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu je CHF 10.00, ausmachend total CHF 80.00;

4.4 zu einer Busse von CHF 60.00;

4.5 zu einer Landesverweisung von 10 Jahren, unter Ausschreibung der Landesverweisung im 
Schengener Informationssystem;

4.6 zur Bezahlung der auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten.

5. Es seien die gesetzlich notwendigen Verfügungen zu treffen.

Der Strafkläger 1 und der Straf- und Zivilkläger 1 verzichteten mit Eingaben vom 
9. März 2022 darauf, Anschlussberufung zu erklären oder ein Nichteintreten zu be-
antragen (pag. 2181 und 2183). Die übrigen Straf- und Zivilkläger resp. Strafkläger 
liessen sich innert Frist nicht vernehmen.

Mit Beschluss vom 22. März 2022 wurden die Straf- und Zivilkläger sowie die Straf-
kläger ersucht, sich zu ihrer weiteren Teilnahme am Verfahren zu äussern 
(pag. 2186 ff.). Nach Erhalt der diesbezüglichen Eingaben (pag. 2222, 2223, 2225, 
2227, 2229 und 2235) nahm die Verfahrensleitung in ihrer Verfügung vom 
8. April 2022 Vormerk vom Ausscheiden des Straf- und Zivilklägers 2 aus dem Ver-
fahren (ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Zusprechung von Par-
teientschädigungen) und stellte fest, dass die Straf- und Zivilkläger 1 und 4 sowie 
die Strafkläger 1, 2 und 3 auf die Ausübung von Parteirechten verzichtet haben, 
ohne jedoch aus dem Verfahren auszuscheiden und ihnen zu gegebener Zeit das 
Urteil zugestellt wird. Der Straf- und Zivilkläger 3 liess sich nicht vernehmen. Weiter 
stellte die Verfahrensleitung fest, dass die Zivilforderungen der Straf- und Zivilklä-

8

ger 1, 3 und 4 rechtskräftig abgewiesen sein dürften und diese im weiteren Verfah-
ren als Strafkläger 4, 5 und 6 bezeichnet werden (pag. 2236 ff.).

Die Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer fand am 27. Oktober 2022 statt 
(pag. 2708 ff.). Zu Beginn der Berufungsverhandlung gab Rechtsanwältin 
C.________ zu Protokoll, dass abweichend von der Berufungserklärung die Ein-
stellung des Strafverfahrens gegen den Beschuldigten wegen Verleumdung nicht 
angefochten werde (pag. 2711).

3. Wechsel der Verteidigung

Am 17. Juni 2022 ging eine Aktennotiz der Bewährungs- und Vollzugsdienste 
(nachfolgend: BVD) ein, wonach der Beschuldigte nicht mehr mit seinem aktuellen 
Verteidiger zusammenarbeiten wolle (pag. 2404). Innert der von der Verfahrenslei-
tung zur Begründung seines Gesuchs um Wechsel der amtlichen Verteidigung ein-
geräumten Frist (pag. 2405) führte der Beschuldigte mit Eingabe vom 27. Juni 2022 
zur Begründung aus, er habe das Vertrauen in Rechtsanwalt K.________ verloren 
(pag. 2411 f.). Mit Verfügung vom 29. Juni 2022 wurde Rechtsanwalt K.________ 
mit einer Kopie der Eingabe des Beschuldigten bedient und es wurde ihm Gele-
genheit zur Stellungnahme gegeben (pag. 2414 ff.). Nachdem sich Rechtsanwalt 
K.________ innert Frist nicht vernehmen liess und der Generalstaatsanwaltschaft 
am 20. Juli 2022 eine Frist zur Stellungnahme angesetzt wurde (pag. 2421 ff.), 
brachte Rechtsanwalt K.________ am 26. Juli 2022 mit elektronischer Eingabe vor, 
ihm sei das Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung nie zur Stellungnahme 
zugegangen (pag. 2429 f.). Auf Aufforderung der Verfahrensleitung, innert sieben 
Tagen den Nachweis zu erbringen, dass die Verfügung vom 29. Juni 2022 entge-
gen dem Zustellnachweis nicht ordentlich zugestellt wurde (pag. 2435 ff.), führte 
Rechtsanwalt K.________ mit ungültig signierter elektronischer Eingabe vom 
9. August 2022 sinngemäss aus, es habe sich um ein Kanzleiversehen gehandelt 
und er habe damit bewusst auf eine Stellungnahme verzichtet (pag. 2444 f.). Mit 
Verfügung vom 11. August 2022 (pag. 2451 ff.) wurde Rechtsanwalt K.________ 
eine fünftägige Frist für eine allfällige Stellungnahme zur Gültigkeit der Signatur 
oder eine allfällige Nachreichung einer korrekt unterzeichneten/signierten Eingabe 
angesetzt und das Gesuch des Beschuldigten um Wechsel der amtlichen Verteidi-
gung vor dem Hintergrund, dass Rechtsanwalt K.________ inhaltlich auf eine Stel-
lungnahme verzichtet habe, gutgeheissen. Begründet wurde die Gutheissung des 
Gesuchs zusammengefasst damit, dass die Gesamtheit von verfahrensrechtlichen 
Versäumnissen sowie die gewählte Verteidigungsstrategie die sorgfältige Mandats-
führung im Interesse des Beschuldigten tatsächlich in Frage stellen und damit das 
Vorbringen des Beschuldigten, er habe das Vertrauen in das Vorgehen seines amt-
lichen Verteidigers verloren, nachvollziehbar erscheinen lässt. Nicht zuletzt wider-
setze sich Rechtsanwalt K.________ dem Wechsel auch nicht. Mit Verfügung vom 
22. August 2022 wurde auf Antrag des Beschuldigten Rechtsanwältin C.________ 
per 19. August 2022 als neue amtliche Verteidigerin des Beschuldigten eingesetzt 
(pag. 2488 ff.). Am 24. August 2022 reichte Rechtsanwalt K.________ seine Kos-
tennote für seine Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren ein (pag. 2493 ff.). 
Die Entschädigung von Rechtsanwalt K.________ für die amtliche Verteidigung 

9

des Beschuldigten wurde mit Verfügung vom 16. September 2022 festgesetzt 
(pag. 2579 ff.). Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt K.________ am 
29. September 2022 um 23:54 Uhr elektronisch beim Bundesstrafgericht Be-
schwerde (2606 f.), wobei diese Sendung keine Anhänge enthielt. Mit Sendung 
vom 30. September 2022 um 00:00 Uhr wiederholte Rechtsanwalt K.________ 
seine elektronische Eingabe inklusive Anhänge. Eine dritte Sendung ging beim 
Bundesstrafgericht sodann am 30. September 2022 um 00:06 Uhr ein. Mit Schrei-
ben vom 4. Oktober 2022 ersuchte die Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts Rechtsanwalt K.________ bis zum 17. Oktober 2022 eine Stellungnahme zur 
Rechtzeitigkeit seiner Beschwerde einzureichen. Mit Verfügung vom 26. Oktober 
2022 trat das Bundesstrafgericht auf die Beschwerde von Rechtsanwalt 
K.________ nicht ein (pag. 2766 ff.). 

4. Haft und vorzeitiger Straf- und Massnahmenantritt

Der Beschuldigte wurde am 28. Juni 2020 von der Kantonspolizei vorläufig festge-
nommen (pag. 6 ff.) und befand sich anschliessend vom 29. Juni 2020 bis 1. No-
vember 2021, mithin für die Dauer von 492 Tagen in Untersuchungs- und Sicher-
heitshaft. Das Gesuch des Beschuldigten um vorzeitigen Strafantritt vom 6. Mai 
2021 (pag. 856 f.) wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom 7. Mai 2021 gut-
geheissen (pag. 869 f.). Der Beschuldigte trat die Strafe am 2. November 2021 
vorzeitig an (pag. 1802). Am 8. November 2021 ersuchte Rechtsanwalt 
K.________ namens des Beschuldigten um vorzeitigen Massnahmenantritt 
(pag. 1770 f.). Dieses Gesuch wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom 
19. November 2021 gutgeheissen (pag. 1801 f.). Der Beschuldigte befindet sich 
seit dem 28. Dezember 2021 im vorzeitigen Massnahmenvollzug (pag. 1975 ff.).

Die vom Beschuldigten gestellten Haftentlassungsgesuche vom 7. Februar 2022 
(pag. 1 ff. SK 22 82), vom 17. Mai 2022 (pag. 1 ff. SK 22 348) sowie vom 30. Sep-
tember 2022 (pag 1 ff. SK 22 556) wurden von der Verfahrensleitung des Beru-
fungsgerichts mit Verfügungen vom 18. Februar 2022 (pag. 25 ff. SK 22 82), vom 
31. Mai 2022 (pag. 25 ff. SK 22 348) sowie vom 12. Oktober 2022 (pag. 33 ff. SK 
22 556) begründet abgewiesen. Ebenso wurde das Versetzungsgesuch des Be-
schuldigten in den offenen Massnahmenvollzug mit begründeter Verfügung vom 
27. Juli 2022 abgewiesen (pag. 2435).

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Berufungsverhandlung beantragte Rechtsan-
walt K.________ namens und im Auftrag des Beschuldigten mit Berufungser-
klärung vom 7. Februar 2022 den Zeugen «X.________» zu identifizieren und als 
Zeugen zu befragen, ein neues forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu 
geben, die Ein- und Austrittsberichte der BEWA zu edieren sowie eine mündliche 
Berufungsverhandlung durchzuführen (pag. 1983 ff.). Mit Verfügung vom 15. Fe-
bruar 2022 räumte die Verfahrensleitung der Generalstaatsanwaltschaft sowie den 
Strafklägern die Gelegenheit ein, zu den Beweisanträgen Stellung zu nehmen 
(pag. 2158 ff.). Mit Eingabe vom 4. März 2022 beantragte die Generalstaatsanwalt-
schaft, den Antrag der Verteidigung auf Einholung eines neuen Gutachtens abzu-
weisen. Stattdessen beantragte sie, bei med. pract. Y.________ ein Ergänzungs-

10

gutachten betreffend die Frage der Schuldfähigkeit und eine Stellungnahme zu den 
Diagnosen im Bericht der BA.________ vom 4. Februar 2022 einzuholen, eventua-
liter, ihn anlässlich der Berufungsverhandlung zu befragen (pag. 2179). Weiter be-
antragte die Generalstaatsanwaltschaft, den Beweisantrag der Verteidigung auf 
Identifizierung von «X.________» abzuweisen und den Beweisantrag auf Einho-
lung der Ein- und Austrittsberichte der BEWA gutzuheissen (pag. 2180). Der Straf-
kläger 1 verzichtet mit Eingabe vom 9. März 2022 auf eine Stellungnahme zu den 
Beweisanträgen (pag. 2181). Der Strafkläger 4 führte in seiner Eingabe vom 
9. März 2022 aus, dass auf eine umfassende Stellungnahme zu den Beweisanträ-
gen verzichtet werde. Indessen wies er darauf hin, dass der Antrag des Beschul-
digten, «X.________» ausfindig zu machen, bereits vor der Vorinstanz gestellt und 
abgewiesen worden sei. Es sei unmöglich, diesen X.________ zu finden und selbst 
wenn der Zeuge gefunden werden könnte, würden dessen Aussagen keinen we-
sentlichen Beitrag zum Verfahren leisten (pag. 2183). Mit Beschluss vom 
22. März 2022 wurde der Beweisantrag der Verteidigung, «X.________» zu identi-
fizieren und als Zeugen zu befragen, abgewiesen. Hingegen wurden die Beweisan-
träge auf Einholung eines neuen forensisch-psychiatrischen Gutachtens sowie der 
Beweisantrag auf Edition der Ein- und Austrittsberichte der BEWA gutgeheissen 
(pag. 2186 ff.).

Das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. L.________ ging beim 
Obergericht am 31. August 2022 ein (pag. 2499 ff.) und wurde den Parteien glei-
chentags mit Verfügung zugestellt (pag. 2561 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft 
verzichtete mit Schreiben vom 29. September 2022 auf eine Stellungnahme und 
Ergänzungsfragen (pag. 2588), der Strafkläger 5 liess sich innert Frist nicht ver-
nehmen. Mit Eingabe vom 30. September 2022 reichte Rechtsanwältin 
C.________ namens des Beschuldigten im Hinblick auf die Hauptverhandlung Er-
gänzungsfragen zum Gutachten ein (pag. 2589 ff.), welche die Verfahrensleitung 
Dr. med. L.________ mit Verfügung vom 12. Oktober 2022 zur Kenntnisnahme zu-
kommen liess (pag. 2597 ff.).

Mit Eingabe vom 30. September 2022 beantragte Rechtsanwältin C.________ die 
Einholung eines Therapierapports des Service de médecine et psychiatrie péniten-
tiaire (SMPP) (pag. 2589 ff.). Der Beweisantrag wurde mit Verfügung vom 12. Ok-
tober 2022 gutgeheissen (pag. 2597 ff.). Der Beschuldigte weigerte sich in der Fol-
ge jedoch, die Erklärung zur Entbindung vom Arztgeheimnis zu unterzeichnen. Der 
Therapieverlaufsbericht wurde von den SMPP deshalb lediglich an die Verteidigung 
übermittelt. Rechtsanwältin C.________ reichte diesen nach vorgängiger Bespre-
chung mit dem Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung vom 27. Okto-
ber 2022 zu den Akten (pag. 2764 f.)

Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte Rechtsanwältin C.________ den Be-
weisantrag, für den Fall, dass das Gericht die Verwahrung in Betracht ziehe, ein 
drittes forensisch-psychiatrisches Gutachten in französischer Sprache einzuholen. 
Auf Hinweis des Vorsitzenden, wonach der gestellte bedingte Beweisantrag pro-
blematisch sei, weil die Kammer dadurch in die Lage gebracht werde, vorzeitig eine 
Urteilsprognose stellen zu müssen, um überhaupt über den Beweisantrag befinden 

11

zu können, und auf Aufforderung, den Beweisantrag abzuändern, zog Rechtsan-
wältin C.________ den Beweisantrag zurück (pag. 2742).

Von Amtes wegen wurden beim Forensisch-Psychiatrischen Dienst (FPD) der Uni-
versität Bern die den Beschuldigten betreffenden Akten ediert (pag. 2298 ff.), ein 
aktueller Strafregisterauszug (datierend vom 18. Oktober 2022, pag. 2618 ff.) sowie 
ein Führungsbericht bei den Z.________ datierend vom 12. Oktober 2022 eingeholt 
(pag. 2612 ff.). Zudem wurden die Strafakten PEN 22 487 des Regionalgerichts 
Berner Jura-Seeland betreffend das Strafverfahren wegen Brandstiftung gegen den 
Beschuldigten, die von med. pract. Y.________ für sein Gutachten beigezogenen 
Austrittsberichte der AA.________ sowie Unterlagen der Bewährungs- und Voll-
zugsdienste beigezogen. Schliesslich wurden der Strafkläger 4, der Beschuldigte 
sowie der Sachverständige Dr. med. L.________ anlässlich der oberinstanzlichen 
Berufungsbehandlung befragt (pag. 2714 ff., 2722 ff. und 2731 ff.).

6. Anträge der Parteien

Rechtsanwältin C.________ stellte und begründete im Rahmen der oberinstanzli-
chen Berufungsverhandlung folgende Anträge (pag. 2788 f.):

Au vu de ce qui précède, l’appelant B.________ à l’honneur de conclure, sous suite de frais et 
dépens, à ce qu’il plaise à la Cour suprême du Canton de Berne, 2è Chambre pénale, de prononcer:

I. L’appel est admis.

II. Le jugement rendu le 28 octobre 2021 par le Tribunal Régional de Berne-Mittelland est 
réformé en ce sens que le chiffre IV, chiffre 1 du dispositif est définitivement annulé et il est 
renoncé à prononcer une mesure.

III. L’Etat de Berne versera à B.________ un montant de fr. 200.- par jours de détention 
injustifiée subie dès le 28 juin 2020 avec l’intérêt à 5% l’an dès le 28 juin 2020.

IV. L’appel joint du Ministère public est rejeté sur tous les points, subsidiairement l’acquittement 
pur et simple de B.________ est confirmé sur le fond pour toutes les infractions qui lui sont 
reprochées, à l’exception du vol d’importance mineur qui est admis, subsidiairement son 
irresponsabilité pour le solde des infractions est confirmée, plus subsidiairement encore la 
peine infligée ne dépassera pas la durée de 15 mois requise par le Ministère public dans son 
appel joint, la peine subie en trop sera indemnisée à raison de fr. 200.- par jour.

V. Le jugement de première instance est confirmé dans tous les cas en ce qui concerne la 
répartition des frais qui sont laissés à la charge du Canton de Berne.

VI. L’appelant doit être immédiatement libéré.

Staatsanwältin BH.________ stellte und begründete für die Generalstaatsanwalt-
schaft folgende Anträge (pag. 2790 ff.):

II.
B.________ sei schuldig zu erklären:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 28. Juni 2020 an der 
M.________ (Strasse) in Bern zum Nachteil von G.________ (AKS Ziff. I. 1.);

12

2. der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 
8. August 2019 in AU.________ (Ort) zum Nachteil von O.________, I.________ und 
P.________ sowie am 30. Juni 2020 in Bern zum Nachteil von J.________ (AKS Ziff. I. 3.1 
und 3.3);

3. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) 
(AKS Ziff. I. 4.3);

4. der Drohung, begangen am 3. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von 
D.________ (AKS Ziff. I. 5.2);

5. der mehrfachen Beschimpfung, begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) zum 
Nachteil von O.________, I.________, S.________ und P.________ und am 3. März 2020 
im AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von D.________ sowie am 7. März 2020 im 
AB.________ (Gefängnis) zum Nachteil von T.________ (AKS ZIff. I. 7.1-7.3);

6. der Verunreinigung von fremdem Eigentum, mehrfach begangen am 8. August 2019 in 
AU.________ (Ort) (AKS Ziff. I. 9.).

III.

B.________ sei gestützt auf die anwendbaren Gesetzesbestimmungen 

zu verurteilen

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft;

2. zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 900.00.

3. zu einer Landesverweisung von 20 Jahren, unter Ausschreibung der Landesverweisung im 
Schengener Informationssystem;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemesse-
ne Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Der Beschuldigte sei in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 StGB).

2. Die beschlagnahmten Gegenstände gemäss Ziff. II./1.3.1 – II/.1.3.8. der Anklageschrift seien 
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils dem Beschuldigten herauszugeben.

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN ________; ________) sowie 
der biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sei nach Ablauf der gesetzlichen Frist vor-
zeitig zu erteilen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG; Art. 17 Abs. 4 AFIS-VO).

13

4. Das Honorar des amtlichen Verteidigers und das Honorar des amtlichen Vertreters des Pri-
vatklägers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]).

Mit Blick auf den Umfang der Berufung des Beschuldigten und der Anschlussberu-
fung der Generalstaatsanwaltschaft (vgl. dazu Ziff. 2 hiervor) ist vorab festzustellen, 
dass das erstinstanzliche Urteil insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als das Ver-
fahren gegen den Beschuldigten wegen Verleumdung (evtl. übler Nachrede), an-
geblich begangen am 13. März 2020 in AZ.________ infolge Rückzugs des Straf-
antrags eingestellt wurde und die Verfahrenskosten dem Kanton Bern zur Bezah-
lung auferlegt wurden (AKS Ziff. I. 1.6; Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs). Mangels Anfechtung sind auch die Freisprüche von den Anschuldigungen der 
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, angeblich begangen am 
26. Februar 2020 in AZ.________ zum Nachteil von Q.________ (AKS Ziff. I. 3.2; 
Ziff. II. 2.2 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), der mehrfachen Hinderung ei-
ner Amtshandlung, angeblich begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) 
(AKS Ziff. 4.1, 4.2 und 4.5; Ziff. II. 3.1 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), der 
mehrfachen Drohung, angeblich begangen am 26. Februar 2020 in AZ.________ 
zum Nachteil von Q.________ (AKS Ziff. I. 5.1; Ziff. 4.1 des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs) sowie angeblich begangen am 11. März 2020 im AB.________ 
(Gefängnis) zum Nachteil von R.________ und F.________ (AKS Ziff. 5.3; Ziff. II. 
4.3 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) in Rechtskraft erwachsen. Rechtskräftig 
sind ferner der Schuldspruch wegen Diebstahls, begangen am 28. Juni 2020 in 
Bern zum Nachteil von U.________ sowie der V.________ (AKS Ziff. I. 2. und 8.; 
Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), die Abweisung der Zivilklagen (Ziff. 
VI. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie die Verfügungen betreffend die 
Einziehung bzw. Rückgabe der beschlagnahmten Gegenstände (Ziff. VII. 2. und 3. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Durch die Kammer zu beurteilen bleiben demnach:

1. die Freisprüche zufolge Schuldunfähigkeit von den Anschuldigungen:

1.1 der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 28. Juni 2020 
an der M.________ (Strasse) in Bern (N.________) zum Nachteil von 
G.________ (AKS Ziff. I. 1.; Ziff. II. 1. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs),

1.2 der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte,

1.2.1 begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) zum Nachteil 
von O.________, I.________ und P.________ (AKS Ziff. I. 3.1.1 – 
3.1.3; Ziff. II. 2.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs),

1.2.2 begangen am 30. Juni 2020 in Bern zum Nachteil von J.________ 
(AKS Ziff. 3.3; Ziff. II. 2.3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs),

14

1.3 der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 8. August 2019 in 
AU.________ (Ort) (AKS Ziff. I. 4.3; Ziff. II. 3.2. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs),

1.4 der Drohung, begangen am 3. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) 
zum Nachteil von D.________ (AKS Ziff. I. 5.2; Ziff. II. 4.2. des erstinstanz-
lichen Urteilsdispositivs),

1.5 der mehrfachen Beschimpfung,

1.5.1 begangen am 8. August 2019 in AU.________ (Ort) zum Nachteil 
von O.________, I.________, S.________ und P.________ (AKS 
Ziff. I. 7.1.1 – 7.1.4; Ziff. II. 5.1. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs),

1.5.2 begangen am 3. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum 
Nachteil von D.________ (AKS Ziff. I. 7.2; Ziff. II. 5.2. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs),

1.5.3 begangen am 7. März 2020 im AB.________ (Gefängnis) zum 
Nachteil von T.________ (AKS Ziff. I. 7.3; Ziff. II 5.3. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs).

1.6 der Verunreinigung von fremdem Eigentum, mehrfach begangen am 
8. August 2019 in AU.________ (Ort) (AKS Ziff. I. 9.; Ziff. II. 6. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs),

2. der damit zusammenhängende Sanktionenpunkt,

3. die Anordnung einer Massnahme,

3. die Frage nach einer Landesverweisung,

4. die sich daraus ergebenden Kosten- und Entschädigungsfolgen (allfällige Rück-
zahlungen der amtlichen Entschädigung sowie die Nachzahlungspflicht gegenü-
ber der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung des 
Strafklägers 4),

5. die nicht der Rechtskraft zugänglichen Verfügungen betreffend die Löschung 
des erstellten DNA-Profils sowie der erhobenen biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten (Ziff. VII 4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Die Kammer verfügt hinsichtlich der zu überprüfenden Punkte über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 3 StPO). Infolge der Anschlussberufung der Generalstaatsanwalt-
schaft ist sie dabei nicht an das Verschlechterungsgebot gebunden gemäss Art. 
391 Abs. 2 StPO gebunden und darf das Urteil auch zu Ungunsten des Beschuldig-
ten abändern.

15

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorbemerkungen

Bezüglich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung sowie der Aussa-
genanalyse kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (pag. 1844 ff.; S. 13 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Nachfolgend ist der Sachverhalt der einzelnen zur Last gelegten Handlungen – so-
weit oberinstanzlich noch zu beurteilen – zu erstellen. Soweit verschiedene Hand-
lungen im engen Sachzusammenhang stehen, erfolgt – wie vor der Vorinstanz – 
die Beweiswürdigung gemeinsam. Weiter ist die Schuldfähigkeit des Beschuldigten 
zu prüfen.

9. Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung 

9.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 3. Februar 2021 folgendes De-
likt zur Last gelegt (pag. 618 f.; S. 2 der Anklageschrift [Hervorhebung im Original]):

1. versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB)
eventualvorsätzlich begangen kurz vor 08:00 Uhr des 28.06.2020 in Bern, M.________ (Stras-
se), Vorplatz N.________ auf der AC.________ zum Nachteil G.________.

Zur eingangs aufgeführten Zeit kam es am eingangs erwähnten Ort zu einer mehrere Minuten 
dauernden verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten B.________ und dem 
Straf- und Zivilkläger G.________, welche in Handgreiflichkeiten und schliesslich in eine ge-
genseitige körperliche Auseinandersetzung ausartete. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung 
fügte der Beschuldigte B.________ dem Straf- und Zivilkläger G.________ mit einem Messer 
mit einer Klingenlänge von 4-5 cm (wohl mit einem Sackmesser) mittels einer seitlichen 
Schwenkbewegung mit der rechten Hand eine ca. 3-4 cm tiefe Wunde entlang der Brustkorb-
wand am Rücken links zu.

Indem der Beschuldigte B.________ während der körperlichen Auseinandersetzung mit 
G.________ im Rahmen eines dynamischen unkontrollierbaren Geschehens mit einem Mes-
ser mit geöffneter Klinge mit einer Klingenlänge von 4-5 cm mit einer seitlichen Schwenkbe-
wegung gegen dessen Brustkorb im linken Rückenbereich einwirkte, nahm er lebensbedrohli-
che bzw. dauerhaft schädigende Verletzungen, wie beispielsweise einen lebensgefährlichen 
oder dauerhaft schädigenden Spannungspneumothorax oder lebensgefährliche bzw. dauerhaft 
schädigende Verletzungen von Blutgefässen, lebensgefährliche bzw. dauerhaft schädigende 
Verletzungen der Lunge oder lebensgefährliche bzw. dauerhaft schädigende Verletzungen des 
Herzens von G.________ zumindest in Kauf. Die vom Beschuldigten B.________ bei 
G.________ zugefügte Verletzung mit dem Messer hatte einen mehrtägigen Spitalaufenthalt 
von G.________ zur Folge.

9.2 Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Durch das rechtsmedizinische Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Straf-
klägers 4 im AD.________ (Spital) belegt und auch unbestritten ist, dass der Straf-
kläger 4 am Rücken links eine Hautdurchtrennung aufwies, welche durch scharfe 

16

Gewalteinwirkung hervorgerufen worden und mit einer Stichverletzung, beispiels-
weise mit einem Messer, vereinbar ist (pag. 160/4).

Der Beschuldigte bestreitet die ihm in der Anklageschrift zur Last gelegte Handlung 
vollumfänglich. Der Beschuldigte stellt sich entsprechend auf den Standpunkt, dass 
er dem Strafkläger 4 keine Stichverletzung zugefügt hat (so auch oberinstanzlich, 
vgl. pag. 2722 Rz. 29 ff. und 40 f.).

Beweismässig zu klären ist mithin, ob es am 28. Juni 2020 zur in der Anklageschrift 
umschriebenen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Straf-
kläger 4 kam, und ob der Beschuldigte im Rahmen dieser Auseinandersetzung 
dem Strafkläger 4 die später im AD.________ (Spital) festgestellte Stichverletzung 
zugefügt hat.

9.3 Beweismittel

Die Vorinstanz brachte die verschiedenen Beweismittel korrekt ins Verfahren ein 
und gab diese richtig zusammengefasst wieder (pag. 1847 ff., S. 16 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung); darauf wird vollumfänglich verwiesen.

Ergänzend ist kurz auf verschiedene Vorakten einzugehen, welche zu Vorstrafen 
beim Beschuldigten führten: So rapportierte die Polizei, ein Geschädigter werfe 
dem Beschuldigten eine Körperverletzung mit einem Messer vor. Im Anschluss an 
den Vorfall vom 12. August 2016 wurde beim Beschuldigten ein Atemalkoholgehalt 
von 0.66 Promille gemessen (Akten BJS PEN 18 594 pag. 24). Am 9. Dezem-
ber 2019 wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung mit 
gefährlichem Gegenstand freigesprochen und wegen einfacher Körperverletzung 
schuldig erklärt (Akten BJS PEN 18 594 / 19 768).

Weiter ist den Vorakten zu entnehmen, dass der Beschuldigte am 2. März 2018 im 
Rahmen eines Konflikts seinen Kontrahenten mit einem Taschenmesser bedrohte 
(Akten BJS 19 6683, pag. 1 ff.). Ein entsprechendes Taschenmesser hat die Polizei 
beim Beschuldigten festgestellt (Akten BJS 19 6683, pag. 1 ff.). Der Beschuldigte 
wurde wegen des Vorfalls am 20. September 2019 wegen Drohung und Beschimp-
fung schuldig erklärt. Bei einer Anhaltung am 17. Juli 2019 im Nachgang an eine 
Streiterei trug der Beschuldigte ebenfalls ein Taschenmesser auf sich (Akten BJS 
19 6683, pag. 23/28). 

Oberinstanzlich wurden der Beschuldigte sowie der Straf- und Zivilkläger ergän-
zend befragt (pag. 2722 ff. und 2714 ff.). Auf die entsprechenden Aussagen ist so-
weit notwendig bei der Beweiswürdigung einzugehen. Ferner wird auf die amtlichen 
Akten verwiesen.

9.4 Beweiswürdigung der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete nach einer umfassenden Beweiswürdigung folgenden 
Sachverhalt als erstellt (pag. 1875 f., S. 44 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung):

Am Morgen des 28. Juni 2020 sprach G.________ auf dem Vorplatz der N.________ einen Mann an, 
welcher an der Hand verletzt war. Dieser behauptete, dass er von der Person mit der Glasflasche und 
dem Messer in der Hand verletzt worden sei und zeigte dabei auf B.________. G.________ sprach 

17

B.________ gegen 08:00 Uhr an, woraufhin dieser G.________ mit dem Messer in die linke Flanke 
stach und die Wunde gemäss pag. 168 verursachte, welche blutete. Nach dem Stich kam es zu einer 
mehrminütigen, wechselseitigen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden, 
welche von der Polizei, die anlässlich der Auflösung einer illegalen Party vor Ort war, beobachtet wur-
de. Dabei wurden die beiden Streitenden immer wieder von Partygästen getrennt. Während der Aus-
einandersetzung wickelte G.________ sein Hemd um den Arm und nahm eine Glasflasche zur Hand. 
Als G.________ auch noch seinen Gurt auszog und damit auf B.________ losging, intervenierte die 
Polizei. Nach der Auseinandersetzung wechselte G.________ das Oberteil und warf sein blutiges T-
Shirt weg. Aufgrund der Stichverletzung wandte sich G.________ in der Folge an den Polizisten 
AE.________, welcher im ersten Moment keine Verletzung bei G.________ feststellen konnte, da er 
nicht an der richtigen Stelle geschaut hatte. Kurze Zeit später ging G.________ wiederum auf den Po-
lizisten AE.________ zu. Aufgrund des verschlechterten Gesundheitszustandes forderte der Polizist 
G.________ auf, das Oberteil auszuziehen, wobei schliesslich die Stichwunde bemerkt wurde, welche 
zu diesem Zeitpunkt kaum noch blutete. In der Folge wurde G.________ von der Sanitätspolizei vera-
rztet und anschliessend ins AD.________ (Spital) gebracht. Als Folge des Messerstichs wies 
G.________ einen drei – vier cm tiefen Stich im Brustkorb hinten links, seitlich unterhalb des Schul-
terblatts auf. Weiter lag bei ihm eine nicht interventionsbedürftige Luftbrust (Pneumothorax) ohne aku-
te Lebensgefahr vor, wobei durch einen solchen Messerangriff gegen den Brustkorb auch lebensbe-
drohliche Verletzungen wie z.B. ein Spannungspneumothorax oder Verletzungen von Blutgefässen, 
der Lunge oder des Herzens hätten verursacht werden können.

9.5 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Der Beschuldigte hat den erstinstanzlich infolge Schuldunfähigkeit erfolgten Frei-
spruch von der Anschuldigung der versuchten schweren Körperverletzung nicht 
angefochten. Soweit die Generalstaatsanwaltschaft den diesbezüglich erfolgten 
Freispruch infolge Schuldunfähigkeit in Frage stelle, beantragt die Verteidigung, der 
Beschuldigte sei auch oberinstanzlich freizusprechen (pag. 2744 ff.). Die Verteidi-
gung brachte zur Begründung dieses Antrags namens des Beschuldigten vor, dass 
der Strafkläger 4 unbestrittenermassen eine Stichverletzung erlitten habe. Es sei 
jedoch fraglich, ob der Beschuldigte der Täter gewesen sei. Nebst der Stichverlet-
zung seien noch weiter kleinere Verletzungen durch das IRM festgestellt worden, 
was zeige, dass sich der Strafkläger 4 geprügelt habe. Die Verurteilung des Be-
schuldigten stütze sich einzig auf die Aussagen des Strafklägers 4, welche vom 
Beschuldigten stets bestritten worden seien. Es handle sich mithin um eine Aussa-
ge gegen Aussage Situation. Das Gericht könne indessen nicht auf die Aussagen 
des Strafklägers 4 abstellen, da dieser sich zu häufig widerspreche. Insbesondere 
bezüglich des angeblichen Kleiderwechsels seien die Aussagen des Strafklägers 4 
widersprüchlich. Dieser habe ausgesagt, ein Freund habe die Wunde festgestellt, 
woraufhin er das T-Shirt gewechselt habe. Anlässlich seiner oberinstanzlichen Be-
fragung habe er hingegen ausgesagt, er habe sein T-Shirt ausgezogen und seine 
Jacke angezogen, ohne T-Shirt. Sodann habe der Strafkläger 4 angegeben, der 
Täter habe blonde Haare, wobei der Beschuldigte jedoch keine blonden Haare ha-
be. Weiter habe er ausgesagt, er kenne diesen «AF.________», aber den Be-
schuldigten habe er nicht kennen wollen. Der Strafkläger 4 habe auf Vorhalt eines 
Fotos durch die Polizei ausgesagt, er habe den Beschuldigten an diesem Abend 
gesehen und er habe ein spezielles Gesicht. Dabei habe er aber gerade nicht ge-
sagt, dass der Beschuldigte auch der Täter gewesen sei. Die Polizei habe insistiert 

18

und impliziert, dass es der Beschuldigte gewesen sein soll. Der Strafkläger 4 habe 
dann einfach ja zu dem gesagt, was die Polizei ihm vorgehalten habe, damit die 
Einvernahme habe beendet werden können. Hinzu komme der Umstand, dass 
auch andere Personen dabei gewesen seien, der Strafkläger 4 sich jedoch weige-
re, deren Namen zu nennen. Ferner habe die Polizei bei der Auseinandersetzung 
nur den Strafkläger 4 identifizieren können, den Beschuldigten hätten sie nicht er-
kannt. Ein Polizist habe später lediglich in die Zelle geschaut, wo sich der Beschul-
digte, von diesem weggedreht, aufgehalten habe und habe bloss gesagt, die Klei-
der würden übereinstimmen. Das Gesicht habe er hingegen gar nicht gesehen. 
Ausserdem sei das Messer nie aufgefunden worden.

Die Verteidigung argumentierte weiter, dass der Polizist AE.________ ausgesagt 
habe, dass es an diesem Abend eine Stunde zuvor noch eine andere Auseinan-
dersetzung mit einer Flasche beim Bahnhof gegeben und er den Täter dieser Aus-
einandersetzung später auch bei der N.________ wiedergesehen habe. Es sei 
demnach durchaus möglich, dass der Strafkläger 4 darin involviert gewesen sei 
und er sich die Verletzung bei dieser Auseinandersetzung zugezogen habe. Für 
diesen Ablauf der Geschehnisse spreche, dass der vom Strafkläger 4 vorgebrachte 
Kleiderwechsel, wie von ihm geschildert, gar nicht hätte vonstattengehen können, 
da die Polizei bei der Auseinandersetzung zwischen dem Strafkläger 4 und dem 
Beschuldigten bereits vor Ort gewesen sei und diese habe beobachten können. 
Der Strafkläger 4 habe damit gar keine Zeit gehabt, um seine Kleider unbemerkt zu 
wechseln. So lasse sich dann auch erklären, weshalb das Blut, das festgestellt 
werden konnte, bereits trocken gewesen sei. Aus Sicht der Verteidigung sei damit 
klar, dass sich der Strafkläger 4 die Verletzung bei einer vorangehenden Ausein-
andersetzung zugezogen habe und danach, aber noch vor der Auseinanderset-
zung mit dem Beschuldigten, seine Kleidung gewechselt habe und demzufolge auf 
dem T-Shirt des Strafklägers 4 keine Blutflecke ersichtlich gewesen seien. Dass die 
Aussagen des Strafklägers 4 widersprüchlich seien, sei darauf zurückzuführen, 
dass dieser unter dem Einfluss von MDMA und Alkohol gestanden habe. Vor die-
sem Hintergrund sei gar nicht möglich, dass er sich noch an alles erinnern könne. 
Diesen Umstand habe die Vorinstanz nicht miteinbezogen. Der Beschuldigte sei 
demzufolge von der Anschuldigung der versuchten schweren Körperverletzung 
freizusprechen (vgl. zum Ganzen pag. 2742 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft hielt dem Vorbringen der Verteidigung, wonach der 
Strafkläger 4 den Beschuldigten nicht eindeutig als Täter identifiziert habe, entge-
gen, dass dieser noch im Spital ausgesagt habe, der Täter sei männlich, zwischen 
35 und 40 Jahre alt, 185 bis 195 cm gross, habe eine schlanke Statur, sei Nordafri-
kaner, er habe ein schmales Gesicht, weisse Haut und spreche arabisch. Als mar-
kant habe er sodann die langen dunkelblonden Haare und die schlechten Zähne 
beschrieben. Zum Einwand der Verteidigung, der Beschuldigte habe keine blonden 
Haare, hielt die Generalstaatsanwaltschaft fest, dass die Unterscheidung zwischen 
dunkelblond und blond im Auge des Betrachters liege. Die übrige Beschreibung, 
insbesondere der schlechten Zähne und der Statur, passe jedoch hundertprozentig 
auf den Beschuldigten. Weiter wendete die Generalstaatsanwaltschaft gegen die 
Argumentation der Verteidigung, dass die Aussagen des Strafklägers 4 wider-

19

sprüchlich seien, ein, dass der Strafkläger 4 den Beschuldigten vor der Polizei ge-
warnt und ihm gar noch gesagt habe, er solle das Messer weglegen. Der Strafklä-
ger 4 habe denn auch keine Anzeige erstatten wollen. Diese Umstände würden klar 
gegen eine falsche Anschuldigung sprechen. Der Strafkläger 4 habe sodann aus-
gesagt, der Beschuldigte habe versucht, ihn über andere Personen zu kontaktie-
ren, um ihn um Verzeihung zu bitten, wobei es sich um eine sehr originelle Aussa-
ge handle, die man in einer erfundenen Geschichte nicht vorfinden würde. Verein-
zelt würden sich zwar auch in den Aussagen des Strafklägers 4 Widersprüche vor-
finden, insbesondere bezüglich des T-Shirt-Wechsels. Mit diesen habe sich die 
Vorinstanz aber detailliert auseinandergesetzt und diese würden der Glaubhaftig-
keit seiner Aussage keinen Abbruch tun. Der Umstand, dass der Strafkläger 4 ein 
gestohlenes Mobiltelefon auf sich trug und teilweise Aussagen verweigerte, könne 
den Beschuldigten nicht entlasten. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass 
der Strafkläger 4 seine Erstaussagen im AD.________ (Spital) bezüglich des Kern-
geschehens in allen weiteren Einvernahmen bestätigt habe. Es sei denn auch nor-
mal, dass man sich in über mehrere Jahre dauernden Verfahren teilweise wider-
spreche, was jedoch gerade für die Wahrheit spreche, da die Aussagen nicht ste-
reotyp seien. Weiter könne auch die Identifizierung durch den Polizisten 
AG.________ nicht in Abrede gestellt werden, wie dies die Verteidigung versuche. 
Der von der Verteidigung vorgebrachten Dritttäterhypothese sei sodann entgegen-
zuhalten, dass die Polizei vor Ort gewesen sei und die Auseinandersetzung beob-
achtet habe. Wäre der Strafkläger 4 tatsächlich zuvor verletzt worden, wäre zudem 
nicht nachvollziehbar, weshalb der verletzte Strafkläger 4 sich danach auch noch 
mit dem Beschuldigten in eine Auseinandersetzung verwickeln würde und diesen 
grundlos geschlagen hätte. Das Gutachten des IRM habe schliesslich auch belegt, 
dass die Wunde, trotz dem getrockneten Blut, noch frisch gewesen sei. Demge-
genüber seien die Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich. So habe er 
zunächst klar zugegeben, dass er ein schwarzes Messer zuhause habe, um dann 
später zu bestreiten, ein solches Messer zu besitzen. Sodann habe er zu Beginn 
behauptet, er kenne den Strafkläger 4 nicht, an der Berufungsverhandlung habe er 
hingegen vorgebracht, er kenne ihn seit Jahren. Zum ersten Mal erfolge darüber 
hinaus die Aussage, wonach der Strafkläger ihm unerwartet einen Schlag versetzt 
habe. Es sei nicht ersichtlich, weshalb diese Aussage an der Berufungsverhand-
lung das erste Mal gemacht werde. Auffallend sei zudem, dass der Beschuldigte 
immer wieder Übersetzungsfehler heranziehe, um seine Aussagen zu relativieren. 
Erkennbar sei zudem, dass sich der Beschuldigte mit seinen Aussagen im Verlauf 
des Verfahrens an die Aussagen des Strafklägers 4 sowie der Polizei annähere. 
Diese widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten könnten deshalb nicht her-
angezogen werden. Hingegen würden die Aussagen des Privatklägers von denje-
nigen der Polizei gestützt (pag. 2749 ff.).

9.6 Würdigung durch die Kammer

An dieser Stelle sei vorweggenommen, dass die Vorinstanz, die vorhandenen Be-
weismittel umfassend und zutreffend gewürdigt hat. Es kann auf die diesbezügli-
chen Ausführungen verwiesen werden (pag. 1865 ff.; S. 34 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). Ergänzend und zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten:

20

Gemäss den vorliegenden Rapporten der Polizei sowie der Zeugenaussagen der 
Polizisten AE.________ und AG.________ fand am entsprechenden Morgen um 
ca. 7:45 Uhr ein Einsatz der Polizei im Zusammenhang mit einer Nachtruhestörung 
statt (pag. 123/1 ff., 124 ff, 129 ff., 221/19 ff.). Dabei konnten die Beamten eine 
Schlägerei zwischen zwei Personen beim Skaterpark auf dem Vorplatz beobach-
ten. Der Strafkläger 4 war dem anwesenden Polizisten AE.________ persönlich 
bekannt und letzterer hat erkannt, dass der Strafkläger 4 in die Rangelei involviert 
war (pag. 221/20 Rz. 51 f.). Polizist AG.________ berichtete, dass der Streit meh-
rere Minuten gedauert habe und dass die Kontrahenten durch das anwesende Par-
tyvolk mehrfach getrennt worden seien. Dem Strafkläger 4 sei es gelungen, sein 
Gegenüber auf den Rücken zu legen um dieses dann mehrfach zu schlagen. Die 
Streithähne seien dann wieder getrennt worden. Nach weiteren verbalen Aktionen 
habe der Strafkläger 4 seinen Leibgurt aus den Hosen gezogen und sei wild um 
sich schlagend auf seinen Kontrahenten los. Auf Aufforderung der Polizei hätten 
sie dann voneinander abgelassen und der Kontrahent des Strafklägers 4 habe sich 
Richtung AH.________ entfernt (pag. 130 f, pag. 221/35 ff.). 

Zehn bis fünfzehn Minuten nach der Schlägerei sei der Strafkläger 4 zu 
AE.________ gekommen und habe von Schmerzen berichtet (pag. 221/21). Nach-
dem die Polizei zunächst keine Verletzung habe feststellen können, habe sich der 
Strafkläger 4 nach kurzer Zeit nochmals an AE.________ gewendet. Dieser ent-
deckte dann eine Stichwunde, die Sanität wurde alarmiert und der Verletzte ins 
AD.________ (Spital) transportiert (pag. 221/21 Rz. 64 ff.). Im AD.________ (Spi-
tal) führte der Strafkläger 4 aus, er sei in der Nacht mehrere Male auf den Täter ge-
troffen. Am Morgen habe er das Gespräch mit dem Täter gesucht, dieser habe in 
der linken Hand eine Glasflasche und in der rechten Hand ein offenes Sackmesser 
gehalten. Dabei habe der Täter unerwartet mit der rechten Hand das Messer in 
seine linke Körperseite gerammt und wieder zurückgezogen (pag. 125 f.). Den 
Täter beschrieb er als männlich, ca. 35 – 40 Jahre, 185 – 195 cm, schlanke Statur, 
Nordafrikaner, schmales Gesicht, weisse Haut, Arabisch sprechend (pag. 126). Er 
soll «AI.________» heissen und in der AJ.________ (Unterkunft) in AK.________ 
(Ort) untergebracht sein (pag. 126). Auffallend ist dabei, dass der Beschuldigte an 
diesem Ort zuletzt gemeldet war (pag. 006).

Der Beschuldigte wurde gleichentags um 9:47 Uhr in der V.________ im Haupt-
bahnhof Bern bei einem Diebstahl angehalten (pag. 126). Bei der Leibesvisitation 
auf der Polizeiwache Bahnhof kamen unter anderem ein blutiges T-Shirt sowie 
zwei leere Messeretuis zum Vorschein. Da das Äussere des Angehaltenen dem 
Signalement des Täters der Messerstecherei entsprochen habe, seien weitere Ab-
klärungen erfolgt. In der Arrestzelle der Polizeiwache Bahnhof identifizierte der Po-
lizist AG.________ den Beschuldigten anhand von dessen Kleidung (pag. 130). 
Den Kopf bzw. das Gesicht des Beschuldigten habe dieser nicht sehen können, da 
der Beschuldigte ihm gegenüber das Gesicht abgewandt habe (pag. 221/36 
Rz. 114). Aus diesem Grund habe er polizeiinterne Fotos begutachtet und den Be-
schuldigten als an der Schlägerei Beteiligten identifiziert (pag. 221/36 Rz. 115 ff.). 
Polizist AG.________ bestätigte in der Folge auch, dass er sich zu hundertprozen-
tig sicher sei, dass der Beschuldigte in die Schlägerei involviert gewesen sei 

21

(pag. 221/38 Rz. 200). Der Beschuldigte wurde darüber hinaus auch vom Strafklä-
ger 4 als Täter identifiziert (pag. 186 Rz. 203 ff.). 

Es ist auszuschliessen, dass sich sowohl der Polizist AG.________ wie auch der 
Strafkläger 4 bei der Identifikation des Beschuldigten geirrt haben: Vorab trifft es 
zu, wenn der Strafkläger 4 darauf hinweist, dass der Beschuldigte ein einprägsa-
mes Gesicht habe (pag. 186 Rz. 207). Ebenso nachvollziehbar sind die Ausführun-
gen von Polizist AG.________, wonach der Beschuldigte trotz seiner Herkunft eher 
ein europäisches Aussehen habe (pag. 221/36 Rz. 117 ff.). Weiter zeigte die rück-
wirkende Teilnehmeridentifikation des Mobiltelefons des Beschuldigte, dass sich 
von ca. 2:00 Uhr bis 7:35 Uhr im Raum AC.________, d.h. in der Region des Tat-
orts, Verbindungen aufbauten und dass sich das Mobiltelefon dann um 7:52 / 7:56 
Uhr in Richtung AH.________/Bahnhof bewegte (pag. 148/1 ff.). Rund eine Stunde 
später verband sich das Mobilgerät mit einer Antenne im AL.________ (Ort) (an 
der Buslinie AM.________). Dies zeigt, dass sich der Beschuldigte im Tatzeitraum 
am Tatort befand und dass er sich – wie von Polizist AG.________ zu Protokoll 
gegeben (pag. 130) – im Anschluss Richtung AH.________/Bahnhof entfernte.

Die anwesenden Polizisten haben bei der beobachteten Schlägerei kein Einsatz 
eines Messers erkannt. Dies erscheint vor dem Hintergrund, dass ihre Anwesenheit 
in erster Linie der Räumung der Soundanlage diente und ihre Aufmerksamkeit nicht 
ausschliesslich der Auseinandersetzung gewidmet wurde, nachvollziehbar und 
schliesst den Einsatz eines Messers – insbesondere auch vor dem Eintreffen der 
Polizei – nicht aus. Bezüglich der Herkunft der Stichverletzung liegen deshalb als 
Beweismittel vorab die Aussagen des Strafklägers 4 vor. Diese wurden von der 
Vorinstanz zutreffend zusammengefasst und anschliessend wie folgt gewürdigt 
(pag. 1870 ff; S. 39 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Aussagen von G.________ waren während des gesamten Verfahrens nicht übermässig belas-
tend. So hat er ausgesagt, dass er eigentlich gar nicht gegen B.________ vorgehen und keine Anzei-
ge gegen ihn machen wolle. Dazu kommt, dass G.________ den Beschuldigten trotz des Messer-
stichs vor der Polizei warnen wollte und ihn aufgefordert hat, das Messer wegzuwerfen. Er belastet 
sich zudem auch selber, indem er angab, dass er sich natürlich gewehrt, dem Beschuldigten Ohrfei-
gen gegeben, Drogen und Alkohol konsumiert sowie eine Flasche und seinen Gurt zur Hand genom-
men habe. Weiter konnte er das Messer sehr genau beschreiben und nachvollziehbar erklären, wes-
halb es sich um ein Schweizer Taschenmesser gehandelt haben muss. Er konnte auch seine Gedan-
kengänge nachvollziehbar wiedergeben, z.B., dass er sich gedacht habe, dies sei der Dank dafür, 
dass er einen Landsmann von B.________ in den AN.________ (Notfall) begleitet habe. Weiter stim-
men die Aussagen von G.________ mit den Aussagen der Polizisten überein: so hat G.________ die 
Auseinandersetzung am gleichen Ort eingezeichnet, wie der Polizist AG.________ und ähnlich wie 
der Polizist AE.________ (vgl. pag. 188 ff., pag. 221/41 und pag. 221/26). Auch das gesamte Ge-
schehen zwischen dem Ende der Auseinandersetzung und der Ankunft der Sanität, sagte 
G.________ gleich aus wie die Polizisten. Die Angabe von G.________, wonach dieser um ca. 08:00 
/ 08:10 Uhr die Polizei angesprochen hat, liegt ebenfalls im Bereich des Möglichen. Der Umstand, 
dass G.________ zu einer Gegenüberstellung mit B.________ bereit war und auch darauf hingewie-
sen hat, dass zur Aufklärung der Tat Kameraaufnahmen beigezogen werden sollen, spricht ebenfalls 
für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Weiter gab er jeweils an, wenn er etwas nicht mehr genau 
wusste, so z.B. ob B.________ Blut an den Händen gehabt habe (vgl. pag. 198/7, al. 215 ff.). Sein 

22

Aussageverhalten ist auch deshalb überzeugend, weil er nicht von sich aus versuchte, eine pfannen-
fertige Version abzuliefern, sondern erst bei Nachfrage nachvollziehbare Erklärungen liefert, welche 
seine Geschichte logisch und nachvollziehbar erscheinen lassen. So z.B. als er erzählte, dass er die 
Werkzeuge am Messer nicht gesehen habe, als B.________ das Messer in der Hand gehalten habe 
und auf Nachfrage wie er dann wisse, dass es sich um ein Taschenmesser gehandelt hat, erklären 
konnte, dass er das Messer gesehen habe, als es zu Boden gefallen sei. Oder als er angab, dass er 
ein Oberteil von seinem Kollegen erhalten habe und auf Nachfrage erklärte, dass sein Kollege ein T-
Shirt und einen Kapuzenpullover um die Schultern getragen habe. Ebenfalls für die Glaubhaftigkeit 
seiner Aussagen spricht, dass er bereits in seiner ersten Aussage gegenüber der Sanität angegeben 
hat, dass es sich um ein kleines Messer gehandelt hat. Insgesamt sind die Aussagen von 
G.________ zum Kerngeschehen konstant.

Dennoch finden sich auch bei ihm Widersprüche. So wird aus seinen Aussagen nicht ganz klar, ob 
vor und / oder nach dem Messerstich eine verbale Auseinandersetzung stattgefunden hat. In den bei-
den tatnächsten Einvernahmen im AD.________ (Spital) am 28. Juni 2020 (pag. 125 f.) wie auch bei 
der Polizei am 3. Juli 2020 (pag. 185, al. 137 ff., pag. 186 al. 179 ff.) gab G.________ an, dass es vor 
dem Stich keine verbale Auseinandersetzung gegeben habe und dass die Polizei erst später gekom-
men sei. Diese Version lässt sich auch am ehesten mit den Aussagen der Polizisten vereinbaren, 
gemäss welchen bei der von ihnen beobachteten verbalen Auseinandersetzung kein Messer im Spiel 
gewesen sei. Dieses Zustechen ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund lässt sich ebenfalls 
mit dem im Gutachten umschriebenen psychischen Zustand von B.________ vereinbaren (vgl. Ziff. IV 
hiernach). Weiter machte G.________ widersprüchliche Aussagen bezüglich der Frage was nach 
dem Messerangriff mit dem Messer passiert sei, was zu Recht auch von der Verteidigung bemängelt 
wurde. So gab G.________ an, er habe versucht B.________ das Messer wegzunehmen 
(pag. 198/4 f., al. 107 f.), B.________ habe das Messer versteckt (pag. 198/10, al. 241), B.________ 
habe das Messer auf dem Boden liegen lassen (pag. 198/10, al. 372), er habe B.________ das Mes-
ser aus der Hand geschlagen und es sei am Boden geblieben (pag. 198/10, al. C.________ f.), das 
Messer sei auf den Boden gefallen, er wisse nicht genau, was dann damit passiert sei (pag. 1584, al. 
34 ff.). Was letztlich genau mit dem Messer passiert ist kann offenbleiben und spielt für den Vorfall an 
sich keine entscheidende Rolle.

Weiter gab G.________ an, dass sein T-Shirt voller Blut gewesen sei, wobei es sich angesichts der 
Grösse der Wunde um eine Übertreibung handeln dürfte. Allerdings erfolgte die erste Einvernahme 
mit G.________ ohne Übersetzer und auch bei Einvernahmen mit Dolmetschern gestaltete sich die 
Befragung schwierig, was die Hauptverhandlung deutlich gemacht hat. Dass G.________ anlässlich 
der Hauptverhandlung zum ersten Mal anstelle von einem T-Shirt von einem Kapuzenpulli gespro-
chen hat, ist auch nicht ganz nachvollziehbar, dürfte jedoch ebenfalls der Übersetzung zuzuschreiben 
sein, da auch die Polizisten von einem T-Shirt gesprochen haben. Zudem wurde G.________ vor der 
Hauptverhandlung nie detailliert befragt, woher er das frische Oberteil hatte. Dass auf der Kleidung 
von G.________ zu einem Zeitpunkt deutlich ein Blutfleck zu sehen gewesen war, bestätigte auch der 
Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung. Es muss somit – wie von G.________ behauptet - vor 
der Kontaktaufnahme mit der Polizei zu einem Kleidungswechsel gekommen sein. 

An der Hauptverhandlung gab G.________ an, dass ihm die Polizei bereits im Spital und nicht erst bei 
der Einvernahme Fotos von B.________ vorgelegt habe. Das Vorlegen von Fotodokumentationen 
zwecks Wiedererkennen des Täters sollte detailliert in den Akten festgehalten werden, was vorliegend 
offenbar nicht passiert ist. Allerdings besteht gleichzeitig ein detailliertes und auf B.________ zutref-
fendes Signalement des Täters, welches G.________ bereits im Spital abgegeben hat. Zudem 

23

bestätigte G.________ mehrmals – auch an der Hauptverhandlung – dass es sich bei B.________ 
um den Täter handelt und auch AG.________ erkannte B.________ wieder. Letztlich bestritt der Be-
schuldigte auch nicht mehr, sich zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes aufgehalten zu haben, was an-
gesichts der Daten der RTI auch kaum mehr zu bestreiten war.

Die Aussagen von G.________ sind auch deswegen vorsichtig zu würdigen, da er unter dem Einfluss 
von Betäubungsmitteln gestanden hat. Dieser Einfluss war jedoch nicht sehr gross, da der Polizist 
AE.________ ihn als «klar» erlebt hat und gut mit ihm sprechen konnte (pag. 221/23, al. 133).

Vor diesem Hintergrund wird bezüglich des Kerngeschehens auf die Aussagen von G.________ ab-
gestellt.

Auf diese umfassende und zutreffende Würdigung kann, wie bereits einleitend 
festgehalten wurde, verwiesen werden. Die oberinstanzlichen Beweisergänzungen, 
insbesondere die Befragung des Strafklägers 4 und des Beschuldigten, brachten 
keine neuen Erkenntnisse ans Licht, die einen anderen Schluss aufdrängen wür-
den.

Oberinstanzlich führte der Strafkläger 4 zusammengefasst aus, dass er den Be-
schuldigten angesprochen habe, da ihn ein verletzter Mann beschuldigt habe, ihn 
mit dem Messer gestochen zu haben. Daraufhin habe der Beschuldigte auch ihn 
(den Strafkläger 4) mit dem Messer verletzt. Es seien viele Menschen dort gewe-
sen, die versucht hätten, mit dem Beschuldigten zu reden und ihn zu beruhigen. Er 
habe zunächst nicht bemerkt, dass er gestochen worden sei. Auch er habe ver-
sucht den Beschuldigten zu beruhigen, was jedoch erfolglos geblieben sei. Danach 
hätten sie sich erneut auseinandergesetzt und dann sei die Polizei gekommen, 
woraufhin sich der Strafkläger 4 entfernt habe. Wo der Beschuldigte hin sei, wisse 
er nicht. Ein Freund habe dann bemerkt, dass er (der Strafkläger 4) verletzt sei und 
habe ihm gesagt, er müsse ins Spital. Er sei deshalb zu einem Polizisten und er sei 
dann mit einer Bandage verarztet worden (pag. 2714 Rz. 25 ff.). Auf Frage präzi-
sierte der Strafkläger 4, dass er, nachdem er verletzt worden sei, nochmals zum 
Beschuldigten hin sei und ihn darauf angesprochen habe, weshalb er ihn verletzt 
habe, woraufhin dieser nochmals auf ihn losgegangen sei und sie sich erneut aus-
einandergesetzt hätten. Vor dem Stich habe es keine Auseinandersetzung gege-
ben (pag. 2715 Rz. 1 ff.). Den Beschuldigten kenne er nicht, er habe ihn zuvor 
noch niemals gesehen (pag. 2714 Rz. 43). Auf Frage nach dem Zustand des Be-
schuldigten an jenem Abend, führte der Strafkläger 4 aus, dass man nicht mit ihm 
habe reden können. Er sei nicht besoffen gewesen, sondern mehr als besoffen. 
Man habe gar nicht mit ihm reden und ihn gar nicht beruhigen können (pag. 2715 
Rz. 34 ff.). Auf Frage der Verteidigung, weshalb die Polizei kein Blut habe feststel-
len können, gab der Strafkläger 4 zu Protokoll, dass er sein T-Shirt gewechselt, 
wieder seine Jacke angezogen und es nachher nicht mehr geblutet habe. Zudem 
wies er darauf hin, dass es keine Rolle spiele, ob die Polizei das Blut gesehen ha-
be oder nicht, da sie ja offensichtlich den Stich gesehen hätten (pag. 2717 
Rz. 37 ff.). Er habe sein T-Shirt ausgezogen und dann seine Jacke darüber ange-
zogen, ohne T-Shirt (pag. 2718 Rz. 5). Zu den Aussagen der Polizei, wonach vor 
allem er auf den Beschuldigten eingeschlagen habe und nicht umgekehrt, erklärte 
der Strafkläger 4, dass dies nach dem Messerstich gewesen sei. Zum Zeitpunkt 
des Messerstichs sei die Polizei noch nicht dort gewesen, sie habe erst den zwei-

24

ten Teil der Auseinandersetzung gesehen (pag. 2718 Rz. 37 ff.). Es könne nicht 
sein, dass es sich um eine Verwechslung handle; er sei sich sicher, dass es der 
Beschuldigte gewesen sei (pag. 2719 Rz. 4 und 15). Auf Frage der Verteidigung 
wie er sich denn so sicher sein könne, erläuterte der Strafkläger 4, um 7:00/8:00 
Uhr seien nicht mehr so viele Leute anwesend gewesen und wenn jemand komme 
und steche, er wisse nicht wie man das sagen könne, dass man weiss, wer es ge-
wesen sei. Er könne das einfach sagen (pag. 2719 Rz. 19 ff.).

Der Beschuldigte hingegen bestritt oberinstanzlich weiterhin, den Strafkläger 4 ge-
stochen zu haben (pag. 2722 Rz. 30 ff.). Er sei nicht jemand Instabiles, der jeman-
den abstechen gehe (pag. 2723 Rz. 10 f.). Hingegen behauptete er erstmals, dass 
der Strafkläger 4 ihn angegriffen habe. Hierzu fügte er an, dass sogar die Polizei 
gesagt habe, dass der Strafkläger 4 ihn angerührt und er (der Beschuldigte) sich 
entfernt habe (pag. 2722 Rz. 40 f.). Der Strafkläger 4 sei zu ihm gekommen und 
habe ihm einen Faustschlag verpasst, woraufhin er hingefallen sei. Der Palästinen-
ser habe ihn weggezogen und die Polizei sei gekommen. Da sei er dann wegge-
gangen. Er kenne den Strafkläger 4 sehr gut und wisse, dass er viele Probleme 
habe und jedes Mal, wenn er ihn sehe, sei er in eine Auseinandersetzung verwi-
ckelt (pag. 2723 Rz. 1 ff.). Es sei keine Schlägerei gewesen. Der Strafkläger 4 sei 
nicht in seinem Normalzustand gewesen. Er sei rennend auf ihn zu gekommen und 
habe gesagt «mein Geld, mein Geld». Der Strafkläger 4 habe Medikamente als 
Betäubungsmittel verkauft. Das erste Mal als er ihm an jenem Abend begegnet sei, 
habe der Strafkläger 4 ihm auf die Schulter geklopft und gesagt «Salut 
AI.________». Er spreche arabisch mit ihm. Dann sei er weggegangen, wobei er 
sich sicher sei, dass er in die Ecke gegangen sei, um zu konsumieren. Dann habe 
er ihn nicht mehr gesehen bis um 5:00 Uhr. Da habe es eine Auseinandersetzung 
gegeben, die er aber nicht von Anfang an mitbekommen habe. Da sei eine Person 
gewesen, welcher der Strafkläger 4 zuvor Medikamente verkauft habe. Der Straf-
kläger 4 sei dann geflohen. Das letzte Mal sei er dem Strafkläger 4 um 06:30 oder 
7:00 Uhr begegnet. Er habe der Polizei gesagt, dass der Strafkläger 4 ihn geschla-
gen habe und er hingefallen sei. Der Strafkläger 4 habe kein T-Shirt getragen, son-
dern ein Hemd. In dem Moment sei er (der Beschuldigte) dann gegangen. Es habe 
viele Leute gehabt, die dies gesehen hätten. Sogar die Polizei habe gesagt, es ha-
be kein Messer und keine Flasche gegeben (pag. 2723 Rz. 26 ff.). 

Der Strafkläger 4 bestätigte mithin auch oberinstanzlich seine bisherigen Angaben. 
Seine Aussagen zum Kerngeschehen sind weitgehend nachvollziehbar und erfolg-
ten wie bisher im Verfahren konstant und sind insgesamt stimmig. So belastete er 
den Beschuldigten nicht übermässig. Dies manifestiert sich bereits dadurch, dass 
der Strafkläger 4 die Polizei einzig deshalb aufsuchte, weil er verletzt gewesen ist 
und nach medizinischer Versorgung gesucht hat. Hätte er den Beschuldigten be-
lasten wollen, hätte er dies sogleich tun können, als die Polizei die Auseinander-
setzung der beiden auflöste. Dies tat der Strafkläger 4 aber gerade nicht. Vor die-
sem Hintergrund erachtet die Kammer denn auch seine Aussage, wonach er dem 
Beschuldigten bei Eintreffen der Polizei gesagt haben will, er solle das Messer ver-
schwinden lassen, als glaubhaft. Ohnehin ist kein Grund ersichtlich, weshalb der 
Strafkläger 4 den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Der Strafkläger 4 hat 
weiter mehrfach und stimmig ausgesagt, die Stichverletzung sei ihm durch den Be-

25

schuldigten mit einem Taschenmesser zugefügt worden. Zum Messer, welches der 
Beschuldigte verwendet haben soll, machte der Strafkläger 4 sodann detaillierte 
Angaben. So beschrieb er das Messer als typisches Schweizer Messer, das noch 
andere Werkzeuge habe. Dabei handelt es sich aus Sicht der Kammer um ein De-
tail, welches für ein effektiv selbst erlebtes Geschehen spricht. Es sei ein kleines 
Messer gewesen, die Klinge sei ca. 5 cm lang gewesen. Was die Farbe des Mes-
sers angeht, brachte die Verteidigung zutreffend vor, dass die Aussagen des Straf-
klägers 4 nicht konstant gewesen sind. So hat er gesagt, das Messer sei nicht rot 
oder schwarz gewesen; es sei etwas zwischen grün und blau gewesen. An der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Strafkläger hingegen an, das Messer 
sei hellblau gewesen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft vorbrachte, vermögen 
diese Unklarheiten in den Aussagen des Strafklägers 4 jedoch die Glaubhaftigkeit 
seiner Aussagen nicht grundsätzlich in Frage stellen, handelte es sich doch bei der 
Auseinandersetzung um ein dynamisches Geschehen, bei dem von vornherein 
nicht alle Einzelheiten wahrgenommen werden; dies noch vermehrt nach einer lan-
gen Nacht.

Hinzu kommt, dass beim Beschuldigten bei zwei Anhaltungen in den Jahren 2018 
und 2019 ein Schweizer Taschenmesser festgestellt wurde. Ebenso ist aktenkun-
dig, dass der Beschuldigte am 2. März 2018 im Rahmen eines Konflikts seinen 
Kontrahenten mit einem Taschenmesser bedrohte (Akten BJS 19 6683, pag. 1 ff., 
23/28). Frühere Vorfälle vermögen die Schuld des Beschuldigten keineswegs zu 
belegen. Es fällt jedoch auf, dass der Strafkläger 4 ein typgleiches Messer be-
schreibt, wie es beim Beschuldigten bei früheren Gelegenheiten festgestellt werden 
konnte. Zudem ergibt sich aus der rechtskräftigen Verurteilung wegen des Vorfalls 
im Jahre 2018, dass der Beschuldigte bereit war, im Konfliktfall das Messer zu 
behändigen. Diese Umstände stellen entsprechend einen Hinweis dafür dar, dass 
die Aussagen des Strafklägers 4, wonach der Beschuldigte ein Schweizer Ta-
schenmesser behändigte, glaubhaft sind.

Zutreffend ist, dass die Aussagen des Strafklägers 4 in Bezug auf den Kleider-
wechsel teils Widersprüchlichkeiten enthalten. Zunächst war die Rede von einem 
Hemd, dann habe er ein T-Shirt getragen, später einen Kapuzenpullover und obe-
rinstanzlich gab er sodann an, sein T-Shirt ausgezogen und bloss noch seine Ja-
cke getragen zu haben. Was die Aussagen des Strafklägers 4 anbelangt, erachtet 
es die Kammer – wie die Vorinstanz – als durchaus möglich, dass die unterschied-
liche Bezeichnung der Kleidung T-Shirt/Hemd sowie Jacke/Kapuzenpulli mindes-
tens teilweise auf die Übersetzung der Aussagen des Strafklägers 4 zurückzu-
führen ist und der Unterscheidung damit keine grosse Beachtung geschenkt wer-
den kann. Ungeachtet der vorhandenen Widersprüchlichkeiten bestehen aus Sicht 
der Kammer keine Zweifel daran, dass der Strafkläger 4 – wie er vorbrachte – nach 
dem Messerstich seine Kleidung gewechselt hat, zumal auf seiner Kleidung kein 
Blut festgestellt werden konnte. Die von der Verteidigung aufgrund der Wider-
sprüchlichkeiten in Bezug auf den Kleiderwechsel vorgebrachte Alternativversion, 
wonach der Strafkläger 4 zuvor in eine andere Auseinandersetzung verwickelt ge-
wesen sei, sich dabei die Verletzung dort zugezogen haben und nach einem Klei-
derwechsel mit dem Beschuldigten aneinandergeraten sein soll, erachtet die Kam-

26

mer, in Übereinstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft, vom zeitlichen Ablauf 
her als höchst unwahrscheinlich und bloss theoretische Möglichkeit. 

In den Aussagen des Strafklägers 4 finden sich hingegen weitere Realitätskriterien. 
So präsentierte er nicht von sich aus eine chronologische Version der Geschehnis-
se, sondern erklärte seine Sicht der Dinge auf Frage der Strafverfolgungsbehörden, 
wobei er sich auch selbst belastete, indem er angab, den Beschuldigten geschla-
gen zu haben. Der Strafkläger 4 aggravierte seine Opferrolle nicht und schilderte 
auch keine übermässigen Schmerzen, obwohl es ein Leichtes gewesen wäre, den 
Vorfall dramatischer darzustellen. Der Strafkläger 4 lässt sich ferner auch nicht zu 
belastenden Aussagen verleiten, so schilderte er auf Frage der Verteidigung, wie er 
sich so sicher sein könne, ob es der Beschuldigte gewesen sei, er habe keine Ah-
nung, wie man das sagen könne, wenn jemand auf einen zukomme, dass man 
wisse, dass es derjenige gewesen sei. Dabei scheinen dem Strafkläger 4 die richti-
gen Worte zu fehlen, um Offensichtliches zu beschreiben, nämlich, dass man sein 
Gegenüber wiedererkennt. Nicht zuletzt gestand der Strafkläger 4 bestehende Er-
innerungslücken ein. Die Aussagen des Strafklägers 4 lassen sich schliesslich mit 
objektiven Beweismitteln in Verbindung bringen, so insbesondere mit der rückwir-
kenden Auswertung der Mobiltelefondaten (RTI) des Telefons des Beschuldigten 
und den beim Beschuldigten sichergestellten leeren Messeretuis.

Die Aussagen des Beschuldigten zum Vorfall sind demgegenüber widersprüchlich 
und stehen – wie die Vorinstanz richtig erkannte – auch im Widerspruch zur Akten-
lage. So stritt der Beschuldigte zunächst ab, zur fraglichen Zeit am Tatort gewesen 
zu sein – dies obwohl seine Anwesenheit nicht nur durch den Strafkläger 4, son-
dern auch durch die Aussagen des Polizisten AG.________ sowie die rückwirken-
de Auswertung der Mobiltelefondaten nachgewiesen ist. Oberinstanzlich brachte 
der Beschuldigte dann erstmals vor, er sei zur fraglichen Zeit vor Ort gewesen und 
der Strafkläger 4 sei auf ihn losgegangen. Die Aussagen des Beschuldigten sind 
durchwegs widersprüchlich, teils lebensfremd und als reine Schutzbehauptungen 
zu qualifizieren. Es kann im Weiteren auf die zutreffenden Erwägungen der Vorin-
stanz verwiesen werden.

Im Rahmen der medizinischen Untersuchungen wurde beim Strafkläger 4 eine drei 
bis vier cm tiefe Stichwunde im Brustkorb hinten links diagnostiziert, welche einen 
nicht interventionsbedürftigen Pneumothorax zur Folge hatte. Diese Verletzung 
wurde durch eine scharfe Gewalteinwirkung verursacht, beispielsweise mit einem 
Messer, einer Glasscherbe oder der Klinge einer Schere. Der Strafkläger 4 musste 
hospitalisiert werden; eine akute Lebensgefahr bestand jedoch nicht (vgl. zum 
Ganzen pag. 160/1 ff.; 957 ff.). Im rechtsmedizinischen Gutachten des Instituts für 
Rechtsmedizin (IRM) wurde schlüssig dargelegt, dass Angriffe gegen den Brust-
korb mi einem scharfen Gegenstand wie einem Messer lebensbedrohliche Verlet-
zungen wie beispielsweise ein Spannungspneumothorax oder Verletzungen von 
Blutgefässen, der Luge oder des Herzens verursachen können (pag. 160/4). 

Weshalb der Beschuldigte das Opfer mit dem Messer stach, liess sich nicht erstel-
len. Zu Gunsten des Beschuldigten ist nicht davon auszugehen, dass eine schwere 
bzw. lebensgefährliche Verletzung das eigentliche Handlungsziel war. Der Stich er-
folgte jedoch – wie sich aus der Verletzung und aus dem Ablauf ergibt – kraftvoll 

27

gegen den Oberkörper bzw. den Brustkorb des Opfers. Der Beschuldigte wollte das 
Opfer mithin verletzen. Auch musste er wissen, dass sich im Bereich des Brustkor-
bes lebenswichtige Organe befinden, welche durch einen Messerstich verletzt wer-
den können.

Die Kammer erachtete nach dem Gesagten den angeklagten Sachverhalt gemäss 
Anklageschrift als erstellt.

10. Vorfälle vom 8. August 2019

10.1 Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten werden – soweit oberinstanzlich noch relevant – in der Ankla-
geschrift vom 3. Februar 2021 folgende angeblich am 8. August 2019 begangene 
Delikte zur Last gelegt (pag. 617 ff. [Hervorhebungen im Original]):

3. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), mehrfach 
begangen

3.1 am 08.08.2019 zwischen 14.45 und 17.30 Uhr in AU.________ (Ort), AO.________ (Strasse) 
(Polizeiwache) und AP.________ (Strasse) (AQ.________ (Gefängnis))

3.1.1 Der Beschuldigte B.________ widersetzte sich den Aufforderungen der Polizisten O.________ 
und P.________, den im Haar getragenen Gummi in die dafür vorgesehene Kiste zu legen. 
Während die Polizisten O.________ und P.________ den Haargummi vom Kopf des zur Wand 
gedrehten Beschuldigten B.________ wegnahmen, schlug er mit den Füssen und Händen um 
sich und traf dabei den Oberkörper des Polizisten O.________.

3.1.2 Als die Polizisten O.________ und P.________ den Beschuldigten B.________ vom Warte-
raum im AR.________ (Gefängnis) in das AQ.________ (Gefängnis) verbringen wollten, wur-
de der Beschuldigte B.________ gegenüber ihnen tätlich, indem er sich mit körperlicher Ge-
walt seiner Anhaltung in der Zelle und seinem Verbringen ins AQ.________ (Gefängnis) durch 
körperliche Gegenwehr zu widersetzen versuchte, so dass der Beschuldigte B.________ zu 
Boden geführt und in Handschellen gelegt werden musste. Der sich am Boden befindende Be-
schuldigte B.________ verabreichte dem Polizisten P.________ mehrere Fusstritte gegen die 
Beine sowie einen Armschwung gegen den Brustkasten.

3.1.3 Während der Beschuldigte B.________ von der AS.________ (Polizeiwache) ins 
AQ.________ (Gefängnis) geführt wurde, spukte der Beschuldigte B.________ mehrere Male 
in die Richtung des Polizisten I.________, so dass seine Spuke ihn am Oberarm und an der 
Armbanduhr traf.

In der Sicherheitszelle des AR.________ (Gefängnis) leistete der Beschuldigte B.________ 
dermassen Gegenwehr, dass es mehrerer Personen bedurfte, um ihm die Handschellen ab-
nehmen zu können. Beim Abnehmen der Handschellen in der Sicherheitszelle im 
AQ.________ (Gefängnis) spukte der Beschuldigte B.________ dem Polizisten I.________ 
gegen das Gesicht. Durch rechtzeitiges Umdrehen traf die Spuke des Beschuldigten 
B.________ den Polizisten I.________ im Nacken-Hinterkopfbereich und an der Polizeiuni-
form.

Als der Beschuldigte B.________ vom Polizisten O.________ aufgefordert wurde, seine Klei-
der abzugeben, spukte er ihm an den Kopf.

28

4. Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB)
mehrfach begangen am 08.08.2019 zwischen 14:45 und 17:30 Uhr in AU.________ (Ort), 
AO.________ (Strasse) (Polizeiwache) und AP.________ (Strasse) (AQ.________ (Gefäng-
nis))

Zur eingangs erwähnten Zeit wurde der Beschuldigte B.________ an der AT.________ (Stras-
se) in AU.________ (Ort) kontrolliert. Weil sich dabei herausstellte, dass er sich aufgrund der 
Ausgrenzungsverfügung des Migrationsdienstes des Kantons Bern vom 12.07.2011 nicht dort 
hätte aufhalten dürfen und sich seit mehreren Jahren illegal in der Schweiz aufhält, wurde der 
Beschuldigte B.________ in die AS.________ (Polizeiwache) und anschliessend in das 
AQ.________ (Gefängnis) eingewiesen.

(…)

4.3 Als die Polizisten O.________ und P.________ den Beschuldigten B.________ von den Hand-
fesseln befreien wollte, drehte er sich immer wieder ab, in der Absicht, die in ihrer Amtsbefug-
nis liegende Handlung zu erschweren.

(…)

7. Beschimpfung (Art. 177 Abs. 1 StGB), mehrfach begangen

7.1 am 08.08.2019 zwischen 14:45 und 17:30 Uhr in AU.________ (Ort), AO.________ (Strasse) 
(Polizeiwache) und AP.________ (Strasse) (AQ.________ (Gefängnis))

7.1.1 In der Zelle der AS.________ (Polizeiwache) betitelte der Beschuldigte B.________ die Poli-
zisten O.________ und P.________ mit den Schimpfwörtern «vaffanculo», «raciste», «fils de 
pute» und zeigte dem Polizisten P.________ den Mittelfinger.

7.1.2 Als Polizist I.________ den Beschuldigten B.________ vom Warteraum (Zelle in der 
AS.________ (Polizeiwache)) holen ging, um ihn der erkennungsdienstlichen Behandlung zu-
zuführen, betitelte der Beschuldigte B.________ ihn während der ganzen Zeit mehrere Male 
lauthals mit den Schimpf-Ausdrücken «connard», «nique ta mêre», «sale rassiste», «fils de pu-
te».

7.1.3 Während der durch den Polizisten S.________ erfolgten polizeilichen Befragung betitelte der 
Beschuldigte den Polizisten S.________ in Beleidigungsabsicht mit den Schimpfworten «vaf-
fanculo», «connard», «coglione», «raciste», «je baise toutes vos femmes», «fils de pute» und 
«tête de cul», «Suisse de merde», «nique ta mère», alles in der Absicht, ihn zu beleidigen.

Nach der Befragung betitelte der Beschuldigte B.________ die Polizisten O.________ und 
S.________ auf dem Weg vom Befragungsbüro in den Warteraum (Zelle) des Polizeigefäng-
nisses AU.________ (Ort) wiederum mit den vorstehend aufgeführten Schimpfworten.

7.1.4 Als Polizist I.________ die Türe der Zelle, in welche B.________ eingewiesen worden war, 
öffnete, spukte ihm der Beschuldigte B.________ vor die Schuhe. Nachdem B.________ er-
klärt worden war, dass er ins AQ.________ (Gefängnis) eingewiesen wird, reagierte er ge-
genüber dem Polizisten I.________ erneut mit den Schimpfworten «connard», «fils de pute», 
«je ne me laisserai pas faire».

Während dem Transport von der AS.________ (Polizeiwache) ins AQ.________ (Gefängnis) 
beschimpfte er die involvierten Polizisten O.________, P.________ und I.________ in Beleidi-
gungsabsicht erneut mit den Worten «connard», «fils de pute», «je nique ta mère», «Suisse de 

29

merde». Zudem spukte der Beschuldigte B.________ mehrere Male in die Richtung des Poli-
zisten I.________, so dass seine Spuke ihn am Oberarm und an der Armbanduhr traf. Zudem 
beschimpfte der Beschuldigte B.________ den Polizisten I.________ weiter mit den Worten 
«fils de pute», «je vais vous enculer», «je vais vous niquer». 

9. Verunreinigung von fremdem Eigentum (Art. 8 Abs. 1 KStrG),

mehrfach begangen am 08.08.2019 zwischen 14.45 und 17.30 Uhr in AU.________ (Ort), 
AO.________ (Strasse) (Polizeiwache) und AP.________ (Strasse) (AQ.________ (Gefäng-
nis))

In der AS.________ (Polizeiwache) (vgl. Ziff. 3.1 vorstehend) urinierte der Beschuldigte 
B.________ aus Wut über seine polizeiliche Anhaltung mutwillig an die verschlossene Zellen-
türe. Sein Urin floss durch den Türspalt und verunreinigte neben der Zellentür den Zellenboden 
und den Flur ausserhalb der Zelle.

Auch die Sicherheitszelle im AQ.________ (Gefängnis) verunreinigte der Beschuldigte 
B.________ durch mutwilliges Urinieren.

10.2 Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Unbestritten und durch die Akten erstellt ist, dass die Polizisten P.________ und 
O.________ den Beschuldigten angehalten und auf die AS.________ (Polizeiwa-
che) mitgenommen haben, wo dieser in eine Zelle gebracht wurde. Weiter wurde 
ihm seine Sachen und sein Haargummi weggenommen und er wurde anschlies-
send vom Polizisten S.________ in Anwesenheit vom Polizisten O.________ ein-
vernommen. Daraufhin wurde er wieder in die Zelle gebracht, wo er urinierte. An-
schliessend wurde der Beschuldige von der AS.________ (Polizeiwache) ins 
AQ.________ (Gefängnis) gebracht.

Anlässlich seiner Einvernahme vom 28. Oktober 2020 gab der Beschuldigte zu 
Protokoll (pag. 257/44 ff.), die Polizisten hätten ihn beschimpft, woraufhin er ihnen 
gesagt habe, sie seien die Hurensöhne, wenn sie seine Mutter beschimpfen wür-
den, nicht er. Sie hätten seine Kleider in die Toilette geworfen, so dass er neben 
die Türe habe urinieren müssen. Er habe aber nicht an die Türe, sondern neben 
die Türe uriniert. Im Rahmen seiner Einvernahme an der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung gab der Beschuldigte zusammengefasst an, dass er grundlos zu Bo-
den geworfen worden sei, er habe sich nicht gewehrt. Er wiederholte sodann, dass 
die Polizei seine Kleider in die Toilette geworfen und ihn ausgelacht hätten. Ein Po-
lizist habe gar einen Hund auf ihn gehetzt, indem er dem Hund gesagt habe 
«Fass!». Man habe ihn beschimpft und mit runtergelassenen Hosen ins Gefängnis 
geführt, was für ihn sehr traumatisierend gewesen sei (pag. 1604 Rz. 3 ff.). Er habe 
sich nicht gewehrt, als man ihm den Haargummi habe abnehmen wollen (pag. 
1604 Rz. 28 f.). Er bestritt sodann auch, in den weiteren Situationen Gegenwehr 
geleistet sowie die Polizisten beschimpft und bespuckt zu haben (pag. 1604 Rz. 33 
ff.). Der Beschuldigte wies auch oberinstanzlich jegliche Anschuldigungen von sich 
und bemängelte wiederholt, dass die Überwachungskameras in den Gefängnissen 
ausgewertet werden sollten (pag. 2724 ff.).

30

10.3 Beweismittel

Die Vorinstanz brachte die verschiedenen Beweismittel korrekt ins Verfahren ein 
und gab diese richtig zusammengefasst wieder (pag. 1890 ff., S. 59 ff. der Urteils-
begründung); darauf wird vollumfänglich verwiesen. 

Oberinstanzlich wurden der Beschuldigte ergänzend befragt (pag. 2722 ff.). Auf die 
entsprechenden Aussagen ist soweit notwendig bei der Beweiswürdigung einzuge-
hen.

10.4 Beweiswürdigung durch die Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete nach einer umfassenden Beweiswürdigung folgenden 
Sachverhalt als erstellt (pag. 1902 ff., S. 71 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung):

E.3.8.a. Zum Vorwurf gemäss AKS Ziff. I. 3.1.1 

Aufgrund der Beweiswürdigung besteht für das Gericht kein Zweifel, dass sich der Beschuldigte ge-
weigert hat, das Haargummi von sich aus zu entfernen und bei der Entfernung durch die Polizei mit 
Füssen und Händen um sich geschlagen hat, wobei er den Oberkörper von Herrn O.________ getrof-
fen hat (vgl. pag. 257/15, al. 53 ff.; pag. 257/36, al. 204 ff. und pag. 1575, al. 21 ff.). Der angeklagte 
Sachverhalt gilt als erstellt. 

E.3.8.b. Zum Vorwurf gemäss AKS Ziff. I. 3.1.2

Auch bezüglich dieses Vorwurfs, hält das Gericht den angeklagten Sachverhalt für erstellt. Bei der 
Überführung ins AQ.________ (Gefängnis) wehrte sich der Beschuldigte mit körperlicher Gewalt, wo-
raufhin dieser zu Boden geführt und in Handschellen gelegt werden musste. Als er sich am Boden be-
fand, verabreichte er dem Polizisten P.________ mehrere Fusstritte gegen die Beine sowie einen 
Arm-schwung gegen den Brustkasten (vgl. pag. 241/1, pag. 257/15, al. 47 ff.; pag. 257/33, al. 65 ff. 
und pag. 257/36, al. 172 ff.). Entgegen den Ausführungen der Verteidigung kann jemand der bereits 
am Boden liegt immer noch massive körperliche Gegenwehr leisten. Umso mehr, wenn sich die be-
troffene Person wie vorliegend in der Opferrolle sieht, nicht nachvollziehen kann was genau passiert 
und sich aufgrund dessen in Rage befindet. 

E.3.8.c. Zum Vorwurf gemäss AKS Ziff. I. 3.1.3

Bei diesem Vorwurf besteht für das Gericht ebenfalls kein Zweifel, dass sich der Sachverhalt wie an-
geklagt zugetragen hat. Der Beschuldigte spuckte auf dem Weg von der AS.________ (Polizeiwache) 
ins AQ.________ (Gefängnis) in die Richtung vom Polizisten I.________ und traf diesen am Oberarm 
und an der Armbanduhr (vgl. pag. 241/1). Weiter leistete er in der Sicherheitszelle des Regionalge-
fängnisses dermassen Gegenwehr, dass es mehrerer Personen bedurfte, um ihm die Handschellen 
abnehmen zu können (pag. 257/34, al. 74 ff.). Beim Abnehmen der Handschellen spukte der Be-
schuldigte gegen das Gesicht des Polizisten I.________ und traf diesen dabei im Nacken-
Hinterkopfbereich und an der Uniform (vgl. pag. 241/1, pag. 257/22, al. 74 ff.). Als der Beschuldigte 
vom Polizisten O.________ aufgefordert wurde, seine Kleider abzugeben, spuckte ihm der Beschul-
digte an den Kopf (pag. 257/16, al. 82 ff.; pag. 1575, al. 33 f.). 

(…)

E.3.8.f. Zum Vorwurf gemäss AKS Ziff. I. 4.3

31

Die Verteidigung macht geltend, dass es keinen Sinn machen würde, dass sich der Beschuldigte bei 
der Entfesselung hätte weigern sollen. Aufgrund des äusserst aufgebrachten Zustands des Be-
schuldigten ist durchaus denkbar, dass sich dieser selbst gegen eine Handlung, die in seinem ei-
genen Interesse war, gewehrt hat. Schliesslich ist auch darauf hinzuweisen, dass das gesamte Ver-
halten des Beschuldigten am 8. August 2019 für Aussenstehende grundsätzlich nur schwer nach-
vollziehbar ist. Aufgrund dessen gilt der Sachverhalt gemäss AKS Ziff. I. 4.3 als erstellt.

(…)

E.3.8.i. Zum Vorwurf gemäss AKS Ziff. I. 7.1.1 – I. 7.1.4

Die Beschimpfungen gemäss AKS Ziff. I. 7.1.1 ergeben sich aus den Aussagen von Herrn 
O.________ (pag. 257/15, al. 49 ff.) und Herrn P.________ (pag. 257/33, al. 53 ff.).

Die Beschimpfungen gemäss AKS Ziff. I. 7.1.2 ergeben sich aus dem Bericht und den Aussagen von 
Herrn I.________ (pag. 241; pag. 257/22, al. 54 ff.). 

Die Beschimpfungen gemäss AKS Ziff. I. 7.1.3 ergeben sich aus dem Bericht und den Aussagen von 
Herrn S.________ (pag. 257/29, al. 57 ff.; pag. 243), aus den Aussagen von Herrn O.________ 
(pag. 257/15, al. 68 ff.) und teilweise aus den Aussagen des Beschuldigten selbst (pag. 248 f., al. 27 
ff.). 

Die Beschimpfungen gemäss AKS Ziff. I. 7.1.4 ergeben sich aus dem Bericht und den Aussagen von 
Herrn I.________ (pag. 241; pag. 257/22, al. 65 ff.) und aus den Aussagen von Herrn S.________ 
(pag. 257/34, al. 91 f.). Es ist darauf hinzuweisen, dass das Spucken gegen Herrn I.________, wobei 
dieser am Oberarm und an der Armbanduhr getroffen wurde bereits unter AKS Ziff. I. 3.1.3 angeklagt 
wurde. 

Aufgrund der Beweiswürdigung gelten sämtliche Beschimpfungen als erstellt. 

E.3.8.j. Zum Vorwurf gemäss AKS Ziff. I. 9

Der Beschuldigte bringt vor, dass er in der AS.________ (Polizeiwache) neben das WC uriniert habe, 
da seine Kleider ins WC gestossen worden seien und er nicht auf seine Kleider im WC habe urinieren 
wollen. Dabei handelt es sich um eine reine Schutzbehauptung. Sollten seine Kleider tatsächlich in 
die Toilette gestossen worden sein, dann wären diese komplett nass gewesen. Folglich hätte er bei 
der Überführung von der Polizeiwache ins Regionalgefängnis nicht nur behauptet, dass die Boxer-
shorts runtergerutscht seien, sondern auch, dass seine Kleider komplett nass gewesen seien. Auch 
bei diesem Vorwurf gilt der Sachverhalt bezüglich des Urinierens in der AS.________ (Polizeiwache) 
wie auch bezüglich des Urinierens im AQ.________ (Gefängnis) als erstellt.

10.5 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Verteidigung brachte oberinstanzlich zusammengefasst vor, dass die Polizei 
sehr schnell eine Person in Handschellen lege, die sich über eine Anhaltung aufre-
ge. Dabei komme es durchaus vor, dass auch Gewalt angewendet werde. Diese 
Vorgehensweise könne überraschend sein und dabei sei es auch nicht erstaunlich, 
dass man sich dann wehre. Es sei normal, dass man sich wehre, wenn einem kei-
ne Zeit gelassen werde, um zu kooperieren. Auch sei es ihm Rahmen von Verhaf-
tungen üblich, dass man Beschimpfungen ausspreche. Diese würden sich aber 
nicht gegen einzelne Beamte richten, sondern vielmehr gegen das System im All-
gemeinen. Bei den gemachten Vorwürfen handle es sich damit um Vorfälle mit der 

32

Polizei oder Gefängnisbeamten, die keine Verurteilung wegen Gewalt und Drohung 
gegen Beamte rechtfertigen würden (pag. 2747 f).

Die Generalstaatsanwaltschaft hielt dem entgegen, dass kein Komplott der Polizei 
gegen den Beschuldigten bestehe. Die diesbezüglichen Aussagen der Polizei seien 
glaubwürdig. Die Aussagen der Beteiligten seien nicht identisch, was zeige, dass 
sie sich nicht abgesprochen hätten. Dem Vorbringen der Verteidigung, wonach die 
Reaktionen des Beschuldigten normal gewesen seien, sei entgegenzuhalten, dass 
eine normale Reaktion darin bestanden hätte, nachzufragen und nicht zu spucken 
oder zu schlagen. Gewissermassen seien seine Reaktionen auch auf sein Krank-
heitsbild zurückzuführen, was jedoch im Rahmen der Strafzumessung zu berück-
sichtigen sei. Dies ändere nichts an der Erfüllung des Tatbestands. Schliesslich sei 
eindeutig, dass sich die vom Beschuldigten verwendeten Schimpfwörter nicht ge-
gen die Institution, sondern gegen die Beamte gerichtet habe (pag. 2752).

10.6 Würdigung durch die Kammer

Es kann integral auf die ausführliche und zutreffende Beweiswürdigung der Vorin-
stanz verweisen werden (pag. 1902 ff.). Die Vorinstanz hat zutreffend erkannt, dass 
das Verhalten des Polizisten S.________ nicht in jeder Hinsicht professionell war. 
Mit schlüssiger Begründung wurde jedoch der vorgeworfene Sachverhalt als erstellt 
erachtet.

Für den von der Verteidigung vorinstanzlich vorgebrachten angeblichen Komplott 
durch die Polizei gibt es keine Hinweise. Vielmehr zeigt sich, dass das vorgeworfe-
ne Verhalten des Beschuldigten einem Muster zu entsprechen scheint. Dieser wur-
de bereits fünfmal wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 
schuldig gesprochen; dazu kommen verschiedene Schuldsprüche wegen Be-
schimpfung und Hinderung einer Amtshandlung. Aus vergangenen Taten kann 
nicht auf den Sachverhalt im vorliegenden Verfahren geschlossen werden. Es zeigt 
jedoch, dass der Beschuldigte durchaus bereit ist, sich Behörden und Beamten zu 
widersetzen, wenn er dies subjektiv als geboten erachtet. Auch im vorliegenden 
Verfahren zeigt sich, dass der Beschuldigte bei verschiedener Gelegenheit – es 
wird auf die entsprechenden Anklagepunkte verwiesen, aber auch auf das Verhal-
ten nach der Festnahme am 28. Juni 2020 (pag. 126 f.) – nicht nur unkooperativ, 
sondern auch aufbrausend und aggressiv verhält. Er sieht sich stets als Opfer, er-
kennt jede Anordnung durch Behörden als (rassistischen) Angriff aus seine Person 
und lässt jegliche Frustrationstoleranz und Impulskontrolle missen. Eigenes Fehl-
verhalten streitet er meist konsequent ab und verweist stattdessen auf angebliches 
Fehlverhalten von Dritten. Es ist schlechterdings abwegig, dass der Beschuldigte 
laufend Opfer von Komplotten durch verschiedene Beamte wird. Das oberinstanzli-
che Beweisergänzungsverfahren hat diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse ge-
liefert, sondern vielmehr verdeutlicht, dass der Beschuldigte das ihm vorgeworfene 
Verhalten global bestreitet und sich selbst als Opfer sieht. Aus seiner Sicht erfolgen 
die Vorwürfe einzig als Reaktion auf seine Anzeige gegen die Beamten und seien 
rassistisch motiviert (pag. 2724 Rz. 4 ff.).

Die Kammer schliesst sich damit dem vorinstanzlichen Beweisergebnis vollumfäng-
lich an und erachtet die angeklagten Sachverhalte gemäss Ziff. 3.1.1 – 3.1.3, 4.3., 

33

7.1.1 – 7.1.4. sowie 9. der Anklageschrift betreffend die Vorfälle vom 8. August 
2019 als erstellt.

11. Vorfall vom 30. Juni 2020

11.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 3. Februar 2021 folgendes an-
geblich am 30. Juni 2020 begangenes Delikte zur Last gelegt (pag. 617 ff. [Hervor-
hebung im Original]):

3. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), mehr-
fach begangen

(…)

3.3 am 30.06.2020 in der Zeit zwischen 17:05 und 17:15 Uhr im AV.________ (Haus) Bern, 
AW.________ (Strasse), ________ Bern

Im Nachgang zu der infolge des aufgebrachten Verhaltens des Beschuldigten B.________ 
abgebrochenen Verhandlung vor dem Kantonalen Zwangsmassnahmengericht wurde Bot-
schaftsschützer J.________ vom zuständigen Gerichtspräsidenten mit der Rückführung des 
Beschuldigten B.________ in das AX.________ (Gefängnis) beauftragt. Als der Beschuldigte 
B.________ in Handschellen gelegt wurde, versuchte er dies mit sperren der Arme zu ver-
hindern, weshalb er mit einer geeigneten Technik ins Schliesszeug gelegt wurde. Als der Be-
schuldigte B.________ vom Verhandlungssaal via Lift in den 4. Stock des AV.________ 
(Haus) geführt wurde, versuchte er im Lift immer wieder, sich J.________ anzunähern, wes-
halb er von ihm mit gestrecktem linken Arm auf Distanz gehalten werden musste. Als 
J.________ im 4. Stock die Türe des Warteraums, in welchen der Beschuldigte B.________ 
eingewiesen worden war, schliessen wollte, drehte sich der Beschuldigte B.________ gegen 
J.________ und spukte ihm ins Gesicht. J.________ wurde von der Spuke des Beschuldig-
ten B.________ im Mundbereich getroffen.

Die Spukattacke hatte zur Folge, dass sich J.________ während zwei Tagen in Quarantäne 
begeben musste.

11.2 Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Vorinstanzlich bestritt der Beschuldigte nicht, gegen J.________ gespuckt zu ha-
ben. Die Spucke habe jedoch nicht sein Gesicht, sondern ein paar Tröpfchen hät-
ten seine Seite getroffen. Er habe sich auch entschuldigt (pag. 1608). Oberinstanz-
lich brachte der Beschuldigte hingegen vor, er habe J.________ gar nicht ange-
spuckt, sondern bloss vor ihn gespuckt, und dies auch bloss deshalb, weil ihm die-
ser die Hand in den Mund gehalten habe (pag. 2724 Rz. 15 ff.). J.________ sei 
hinter ihm gestanden und es sei unmöglich, dass er ihn angespuckt habe 
(pag. 2727 Rz. 35 f.).

11.3 Beweismittel

Die Vorinstanz brachte die verschiedenen Beweismittel korrekt ins Verfahren ein 
und gab diese richtig zusammengefasst wieder (pag. 1921 f., S. 90 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung); darauf wird vollumfänglich verwiesen. 

34

Oberinstanzlich wurden der Beschuldigte ergänzend befragt (pag. 2722 ff.). Auf die 
entsprechenden Aussagen ist soweit notwendig bei der Beweiswürdigung einzuge-
hen.

11.4 Beweiswürdigung durch die Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete nach einer umfassenden Beweiswürdigung den angeklag-
ten Sachverhalt als erstellt und führte hierzu Folgendes aus (pag. 1923, S. 92 der 
Urteilsbegründung):

Der Anzeigerapport, der Berichtsrapport und die Aussagen von J.________ stimmen inhaltlich übe-
rein. Herr J.________ schilderte den Ablauf chronologisch, detailliert und nachvollziehbar. Seine 
mündlichen und schriftlichen Aussagen sind konstant und in sich stimmig. Besonders hervorzuheben 
ist der Umstand, dass sich Herr J.________ anschliessend in Quarantäne begeben hat. Dergleichen 
wäre sicher nicht passiert, wenn er nicht tatsächlich im Mundbereich getroffen worden wäre. Es gibt 
keinen Grund an den Aussagen von Herrn J.________ zu zweifeln. Seine Aussagen sind glaubhaft, 
weshalb vollumfänglich darauf abgestellt werden kann. 

Der Beschuldigte war geständig, was den Kernsachverhalt angeht und entschuldigte sich beim Ge-
schädigten. Er bestritt einzig, Herrn J.________ im Gesicht getroffen zu haben und behauptete, er 
habe gar nicht gewusst, dass es Corona gibt. Mit diesen beiden Behauptungen, versuchte der Be-
schuldigte sein Verhalten zu verharmlosen. Gleichzeitig machte er diverse Gegenvorwürfe indem er 
sagte, er sei wie ein Tier behandelt worden und man habe ihn an den Haaren gepackt. Auch hier 
kann auf seine Aussagen nur insoweit abgestellt werden, als sie mit den übrigen Beweismitteln über-
einstimmen.

11.5 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Verteidigung ging oberinstanzlich nicht explizit auf den Vorfall vom 30. Ju-
ni 2020 ein. Im Zusammenhang mit den Vorfällen vom 8. August 2019 brachte die 
Verteidigung indessen im Allgemeinen vor, dass die Reaktionen des Beschuldigten 
auf die Umgangsart der Polizisten normal seien. Es sei nicht erstaunlich, dass man 
sich in solchen Situationen wehre (pag. 2747 f.). Dem hielt die Generalstaatsan-
waltschaft ebenso im Allgemeinen entgegen, dass es sich nicht um eine normale 
Reaktion handle, wenn man Beamte bespucke oder schlage (pag. 2752).

11.6 Würdigung durch die Kammer

Auch diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden (pag. 1932). Ergänzend hierzu sei festzuhalten, dass die 
oberinstanzlich vom Beschuldigten erstmals vorgebrachte Behauptung, wonach 
J.________ ihm die Hand in den Mund gehalten habe soll, aus Sicht der Kammer 
als lebensfremd zu werten ist. So ist insbesondere nicht ersichtlich, weshalb 
J.________ ein solches Verhalten an den Tag legen sollte, insbesondere in den 
Zeiten der Covid-19-Pandemie. Diese Version erscheint indessen auch deshalb 
nicht nachvollziehbar, weil der Beschuldigte zunächst zugegeben hat, dass er 
J.________ bespuckt habe und sich für sein Verhalten auch entschuldigte. Wes-
halb er dies tun sollte, hätte ihm J.________ tatsächlich seine Hand in den Mund 
gehalten, erscheint nicht logisch. Nicht logisch ist denn auch, weshalb er diese of-
fenbar entlastenden Umstände nicht sogleich vorbrachte, sondern bis zur oberin-
stanzlichen Berufungsverhandlung zuwartete. Die Ausführungen des Beschuldigten 

35

erachtet