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**Case Identifier:** 6f21ca19-a37c-5a64-b047-6386d052d2af
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-07
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 07.07.2020 IV 2018/228
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2018-228_2020-07-07.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2018/228

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 27.08.2021

Entscheiddatum: 07.07.2020

Entscheid Versicherungsgericht, 07.07.2020
Überzeugendes zweites bidisziplinäres Gutachten nach Observation. Kein 
Rentenanspruch (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 7. Juli 2020, IV 2018/228).

Entscheid vom 7. Juli 2020

Besetzung

Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann (Vorsitz), Miriam Lendfers und 

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Beatrix Zahner

Geschäftsnr.

IV 2018/228

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy Landolt, Schweizerhof-strasse 14, 

Postfach 568, 8750 Glarus,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. April 2008 unter ihrem 

Geburtsnamen B.___ bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Als 

Grund nannte sie seit einem Jahr bestehende Beschwerden am linken Knie (IV-act. 1). 

Die Versicherte hatte im dritten Ausbildungsjahr als Gebäudereinigerin gestanden, als 

sie ab dem 2. November 2007 wegen chronischer, therapieresistenter 

Kniebeschwerden (Chondropathia patellae bei Genua valga rechts mehr als links) für 

diese und andere im Knien auszuführende Arbeiten zu 100 % arbeitsunfähig 

geschrieben worden war (Bestätigung Dr. med. C.___, Facharzt für Allgemeine Medizin 

FMH, vom 28. März 2008, IV-act. 2; Gesprächsprotokoll RAD mit Dr. C.___ vom 

11./14. April 2008, IV-act. 11; Angaben D.___ AG, vom 15. April 2008, IV-act. 10; 

Bericht Dr. med. E.___, Rheumatologie FMH, vom 4. Juli 2007, IV-act. 16).

A.a. 

Die IV-Stelle sprach der Versicherten Berufsberatung zu (Mitteilung vom 16. Juni 

2008, IV-act. 21) und erteilte ihr Kostengutsprache für die erstmalige berufliche 

Ausbildung zur Kauffrau, Profil B (Mitteilung vom 16. September 2008, IV-act. 31). Am 

17. August 2009 war die Versicherte an einem Verkehrsunfall beteiligt (vgl. Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 26. Januar 2010, IV-act. 158). Die 

Versicherte musste die Ausbildung per 30. September 2009 wegen ungenügender 

Leistungen abbrechen und begründete dies mit gesundheitlichen Folgen des Unfalles 

(Berichte Eingliederungsverantwortliche vom 4. November 2009, IV-act. 40, und vom 

5. März 2010, IV-act. 46; vgl. auch IV-act. 47-2). Im Arztbericht vom 25. März 2010 

erwähnte Dr. C.___ als zusätzliche Diagnosen eine depressive Verstimmung mit 

psychosomatischer Symptomatik seit August 2009 sowie gastrointestinale 

Beschwerden (ausgedehnt abgeklärt ohne pathologischen Befund) seit Oktober 2009 

und bezweifelte das Vorhandensein eines Arbeitswillens der Versicherten (IV-act. 50).

A.b. 

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Da die Versicherte in den Kanton Zürich zog, delegierte die IV-Stelle den 

Berufsberatungsauftrag an die dortige IV-Stelle (Triage-Protokoll vom 3. Mai 2011, IV-

act. 70; Delegation vom 13. Mai 2011, IV-act. 72). Die Versicherte besuchte ab Mai 

2011 das Tagesprogramm bei der F.___. Nach Auskunft der Institution war das 

Commitment sehr schlecht, die Präsenz unzuverlässig (Verlaufsprotokoll 

Berufsberatung vom 30. Juni 2011, IV-act. 80-4 f.). Die Versicherte hatte aus 

verschiedenen Gründen eine Vielzahl von Absenzen, so dass sich im Gespräch mit der 

zuständigen Mitarbeiterin des Sozialamtes abgezeichnet habe, dass sie das Programm 

mangels Eigenmotivation nicht weiter besuchen könne. Auch eine Teilzeitlösung habe 

nicht geklappt, so dass es zum Programmabbruch gekommen sei (Verlaufsprotokoll 

Berufsberatung vom 19. August 2011, IV-act. 88-4 f.). Der Berufsberater gelangte zum 

Schluss, die Versicherte sei nicht eingliederungsfähig, wobei unklar sei, ob dies 

invaliditätsbedingt erklärt werden könne. Auszuschliessen sei die Wiederaufnahme 

einer kaufmännischen Ausbildung, da die Versicherte davon objektiv schulisch-

intellektuell überfordert sei. Dass einzig der Autounfall mit ihrem Freund eine 

vorübergehende Krise verursacht habe, könne nicht bestätigt werden. Der Unfall sei 

eher "eine Lappalie" gewesen, sei in seiner Entstehung aber ein Hinweis auf eine 

erhebliche Verhaltens-/Beziehungsproblematik. Die Versicherte zeige seit Jahren ein 

Vermeidungsverhalten, Somatisierungstendenzen und fehlende Compliance in einem 

äusserst ungünstigen psychosozialen Umfeld. Es gelte sicher auch zu beachten, dass 

sie von gehörlosen Eltern aufgezogen worden sei. Eine berufliche Eingliederung sei mit 

Fokus auf die somatische Aktenlage mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt, und es 

stelle sich die Frage, ob ihr allenfalls Ausbildungsmassnahmen im betreuten Rahmen 

einer IV-Ausbildungsstätte erschlossen werden könnten (Verlaufsprotokoll 

Berufsberatung vom 19. August 2011, IV-act. 88-4 f.; vgl. auch Verlaufsprotokoll 

Berufsberatung vom 30. Juni 2011, IV-act. 80-3 ff. und Schlussbericht berufliche 

Eingliederung vom 4. Juli 2011, IV-act. 76).

A.c. 

Vom 27. September bis 7. Oktober 2011 wurde die Versicherte in der Klinik G.___ 

stationär behandelt. Während des Klinikaufenthaltes wurde unter anderem die 

Diagnose Anpassungsstörungen: Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10: 

F43.22) gestellt und ausgeführt, die Diagnose einer posttraumatischen 

Belastungsstörung sei trotz typischer klinischer Symptome aufgrund des erstmaligen 

A.d. 

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Auftretens im Rahmen der kürzlich stattgehabten Trennung vom Lebenspartner nicht 

zu stellen. Da die Versicherte nach wenigen Tagen des Aufenthalts die 

partnerschaftliche Beziehung zum ehemaligen Partner wiederaufgenommen habe, sei 

es zu einer raschen Stimmungsbesserung gekommen. Die Versicherte habe das 

Angebot zur Unterstützung einer beruflichen Wiedereingliederung ausgeschlagen, da 

sie lieber als Hausfrau leben wolle. Gegen ärztlichen Rat sei die Versicherte in stark 

verbessertem Zustand am 7. Oktober 2011 ausgetreten (Arztbericht, Eingang 16. Mai 

2012, IV-act. 103; vgl. auch den im Gutachten vom 27. Februar 2012 zitierten 

Austrittsbericht, IV-act. 93-10, 14 f.)

Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die Medas Ostschweiz 

polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 27. Februar 2012, Dr. med. H.___, Innere 

Medizin/Rheumatologie FMH; Dr. med. I.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH; 

Untersuchungen 24. und 26. Oktober 2011, IV-act. 93). Die Gutachter hielten fest, die 

Versicherte habe einen ersten Termin für die ambulante psychiatrische Behandlung am 

9. November 2011 und sei motiviert, diese durchzuhalten (IV-act. 93-10). Als 

Gesundheitsschäden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte der 

psychiatrische Gutachter eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), 

eine Angst- und depressive Störung, gemischt (ICD-10: F41.2), sowie eine 

Panikstörung (ICD-10: F41.0; IV-act. 93-13). Aus (interdisziplinär führender) 

psychiatrischer Sicht wurde ausgeführt, aufgrund des aktuellen instabilen 

Gesundheitszustandes bzw. der vorhandenen akuten Symptome einer 

posttraumatischen Belastungsstörung könne der Versicherten keine Arbeitstätigkeit in 

der freien Wirtschaft zugemutet werden. Die Gefahr der Dekompensation, 

insbesondere beim Auftreten von männlichen Mitarbeitern, sei noch sehr gross (IV-act. 

93-14, 16). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei erst nach der Einweisung in die 

Klinik G.___ am 27. September 2011 erfasst worden. Die Arbeitsfähigkeit in einer 

angepassten Tätigkeit und deren Beginn könne erst nach Beendigung der adäquaten 

Fachbehandlung evaluiert werden (IV-act. 93-14).

A.e. 

RAD-Ärztin Dr. med. J.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, äusserte sich am 

30. August 2012, der Abbruch der Ausbildung zur Gebäudereinigerin sowie der 

Leistungseinbruch während der erstmaligen beruflichen Ausbildung seien medizinisch 

nachvollziehbar und aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Der Gutachter sowie der 

A.f. 

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RAD seien der Ansicht, dass eine engmaschige psychiatrische Behandlung dringend 

indiziert sei. Erst nach abgeschlossener adäquater psychiatrischer Behandlung könne 

eine Einschätzung zur Arbeits- und Ausbildungsfähigkeit abgegeben werden. 

Spätestens seit Abbruch der erstmaligen beruflichen Ausbildung bestehe anhaltend 

eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 106).

In der Folge wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen ab, da 

solche aufgrund des Gesundheitszustandes nicht möglich seien. Sie stellte eine 

separate Rentenverfügung in Aussicht (Mitteilung vom 4. September 2012, IV-act. 108).

A.g. 

RAD-Ärztin Dr. J.___ untersuchte die Versicherte am 7. Januar 2013. Sie führte 

aus, objektiv sei im Vergleich zur Begutachtung durch Dr. I.___ derzeit eine Beruhigung 

der akuten Angstsymptomatik festzustellen. Bis zur aktuellen RAD-Untersuchung sei 

spätestens seit Abbruch der IV-unterstützten Ausbildung von einer vollständigen 

Arbeitsunfähigkeit in der freien Markwirtschaft auszugehen. Seither sei in geeigneter, 

angepasster Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % zumutbar. 

Angepasst sei eine wechselbelastende Tätigkeit ohne erhöhte Anforderungen an die 

emotionale Belastbarkeit, an die Frustrations- und Stresstoleranz und an die soziale 

Kompetenz, ohne erhöhten Zeit- oder Termindruck in einem weiblichen und 

wohlwollenden Mitarbeiterteam ohne gehäufte Kontakte zu männlichen Kunden oder 

Vorgesetzten (IV-act. 113-6).

A.h. 

Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 26. März 2013 und am 22. Mai 2013 zur 

Aufnahme einer psychiatrischen Behandlung auf (IV-act. 120 f.). Am 4. November 2013 

(Posteingang) teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, sie wohne seit dem 20. Oktober 

2013 in K.___, Kanton Glarus (IV-act. 128).

A.i. 

Dr. med. L.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, behandelte die Versicherte 

ab dem 19. Februar 2014. Im Arztbericht vom 1. Mai 2014 erhob er unter anderem den 

Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (IV-act. 140). Im Verlaufsbericht 

vom 18. August 2014 hielt er fest, aufgrund des subjektiven Beschwerdebildes müsste 

eine schwere posttraumatische Belastungsstörung vorliegen, welche jedoch nicht 

objektivierbar sei. Gemäss eigenanamnestischen Angaben habe die Versicherte eine 

ausgeprägte Männerphobie entwickelt, allerdings sei das auffällige Auftreten und 

A.j. 

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Erscheinungsbild völlig diskrepant dazu und schwer nachvollziehbar, ebenso wie ihre 

Aussagen, so dass er den Verdacht eines Münchhausensyndroms nicht habe 

loswerden können. Zudem habe sie massive somatische Beschwerden entwickelt, was 

die ganze Situation noch diffuser habe erscheinen lassen. Sie beklage, auch im 

Arbeitsprogramm M.___ belästigt und von der Vorgesetzten nicht weiter ernst 

genommen worden zu sein. Der zuständige Sozialarbeiter habe sie von den Arbeiten/

Arbeitszeiten im Zusammenhang mit Männern entlastet, sie sei jedoch weiterhin nicht 

zur Arbeit erschienen. Aufgrund der äusserst unbefriedigenden Motivation mit sehr oft 

nicht wahrgenommenen Terminen und wenig nachvollziehbaren Alibis sei die 

Versicherte seit 22. Mai 2014 nicht mehr bei ihm in Behandlung (IV-act. 142).

Die Verdachtsdiagnose eines Münchhausensyndroms (vgl. Mitteilung der 

Sachbearbeitung vom 19. Dezember 2014, IV-act. 151) sowie Widersprüche und 

Diskrepanzen in der Aktenlage (vgl. Bericht Dr. med. N.___, Mitarbeiterin IV-Stelle, IV-

act. 156) veranlassten die IV-Stelle, eine Observation in Auftrag zu geben (Antrag 

Personenobservation vom 7. Mai 2015, IV-act. 161; Überwachungsauftrag vom 7. Mai 

2015, IV-act. 160). Die Versicherte wurde am 20. Mai, 8. Juni, 15. Juni und 25. Juni 

2015 tagsüber überwacht (Observationsbericht vom 2. Juli 2015, IV-act. 170). Am 

8. Juni 2015 war die Versicherte bei der IV-Stelle zu einem Standortgespräch geladen 

(IV-act. 166-1 ff.). Dr. N.___ kommentierte das Observationsmaterial, das 

dokumentierte Funktionsniveau im "unbeobachteten Alltag" sei deutlich höher als das 

geltend gemachte sehr tiefe Funktionsniveau. Das äussere Erscheinungsbild mit 

figurbetonten Kleidern und modischer Frisur passe nicht gut zum Bild einer 

pathologischen Angst vor Männern. Verschiedene Angaben im Gespräch bei der SVA 

würden nicht ohne weiteres plausibel erscheinen, so beispielsweise die Aussage, dass 

sie während zwei Wochen bei Kollegen ihres Ehemannes übernachtet habe (IV-

act. 172).

A.k. 

In einem weiteren Standortgespräch auf der IV-Stelle am 12. August 2015 wurde 

die Versicherte mit den Observationsergebnissen konfrontiert. Nach Darlegung der 

verschiedenen Diskrepanzen (IV-act. 175-12) räumte sie ein, nicht zu wissen, was sie 

wolle, immer wieder umzuziehen, die Ärzte zu wechseln und zu sagen, dass die 

Therapien nicht helfen würden, sich "verrannt" zu haben. Schliesslich sah sie den 

A.l. 

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Abschluss des Verfahrens als Entlastung und war mit der voraussichtlichen Abweisung 

des Gesuchs einverstanden (IV-act. 175-16 f.).

Die Versicherte meldete sich am 21. April 2016 erneut zum Leistungsbezug an. 

Das ausgefüllte Formular wurde durch die sozialen Dienste O.___ eingereicht (IV-

act. 176, 178). Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren nach entsprechendem 

Vorbescheid vom 30. Mai 2016 (IV-act. 183) mit Verfügung vom 7. Juli 2016 ab (IV-

act. 184). Gegen diese erhob die Versicherte am 5. September 2016 Beschwerde. Sie 

rügte das Fehlen eines genügenden Anfangsverdachts für die Observation und forderte 

im Wesentlichen eine neue Begutachtung (IV-act. 190). Mit Verfügung vom 

18. November 2016 widerrief die IV-Stelle diejenige vom 7. Juli 2016 (IV-act. 197) und 

das Versicherungsgericht schrieb das hängige Verfahren (IV 2016/288) am 

19. Dezember 2016 ab (IV-act. 214).

A.m. 

Nachdem die IV-Stelle der Versicherten das rechtliche Gehör gewährt hatte (IV-

act. 217), beauftrage sie am 17. Februar 2017 die Medas Bern mit der Erstattung eines 

bidisziplinären Gutachtens (Psychiatrie/Orthopädie; IV-act. 217 f.).

A.n. 

Lic. phil. P.___, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, und med. pract. Q.___, 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Beratungs- und Therapiestelle R.___, 

hielten in einem Bericht zuhanden der Gutachterstelle fest, das Erstgespräch habe im 

März 2016 stattgefunden. Die Versicherte leide an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und einer generalisierten Angststörung (ICD-10: 

F41.1). Aktuell unternehme sie den zweiten Versuch einer tagesklinischen Therapie. 

Dass ihren Berichten wenig Glaube geschenkt worden sei, habe dazu beigetragen, 

dass sich der Prozess der Verarbeitung und Integration ihrer traumatischen 

Erfahrungen verzögert und verlangsamt habe. Aufgrund des geschilderten 

Krankheitsverlaufs, der nicht abgeschlossenen Berufsausbildung und der langjährigen 

Arbeitslosigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aktuell nicht 

gegeben. Die Weiterführung des begonnenen Therapieprozesses und die Möglichkeit, 

sich in einem geschützten Arbeitsbereich zurechtzufinden, auszubilden und zu 

bewähren seien von den Behandelnden und der Versicherten gewünscht (IV-

act. 226-47 ff.).

A.o. 

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Im Gutachten vom 21. August 2017 (Bidisziplinäres Gutachten Medas Bern, 

Dr. med. S.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; Dr. med. T.___, 

Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates 

FMH; Untersuchungen 21. und 30. März 2017; IV-act. 226) kam die psychiatrische 

Gutachterin zum Schluss, angesichts der vielfachen Inkonsistenzen in Bezug auf ihre 

Schilderung diverser Vorkommnisse mit mehrfach behaupteten Übergriffen (mit 

wechselnden Zeitangaben, unterschiedlichen Angaben zu den Ereignissen) müssten 

hochgradige Zweifel geäussert werden. Diese seien umso mehr berechtigt, als die 

Versicherte behaupte, eine Tätigkeit für zwei Stunden anzustreben, sich dabei wohl 

eher zu überschätzen. Gleichwohl sei die Versicherte - wie auch in der 

Videodokumentation ersichtlich - durchgängig über vier Stunden Beobachtungsphase 

hochdynamisch, energievoll und erstaunlich aktiv, wenn man ihr so gering 

angenommenes Leistungsvermögen von zwei Stunden dagegen betrachte (IV-

act. 226-18). Die Versicherte verstehe es durchaus, ihre Ziele machtvoll durchzusetzen, 

auch mithilfe von manipulativen Projektionen. Sie zeige sich als schutzbedürftig, was in 

Gesamtschau der Anamnese, der widersprüchlichen Befunde, der objektiv im 

Lebensalltag ableitbaren Beobachtungen und der aktuellen anamnestischen Angaben 

nicht objektiviert werden könne. Vielmehr blieben zweckgebundene Verhaltensweisen 

und Inkonsistenzen, ohne dass dafür aber eine versicherungsmedizinisch 

krankheitswertige Diagnose gestellt werden könne (IV-act. 226-23). Es bestehe auch 

retrospektiv in sämtlichen Tätigkeiten eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act- 226-25). 

Die orthopädische Gutachterin befand, das gesundheitliche Hauptproblem der 

Versicherten liege nicht bei Diagnosen auf orthopädischem Fachgebiet, obwohl das 

Geburtsgebrechen Nr. 183 (Hüftgelenksdysplasien beidseits, vgl. dazu auch IV-

act. 226-38) vorliege. Die aktuelle Untersuchung ergebe weitgehend 

altersentsprechende Befunde an Wirbelsäule und den grossen/kleinen Gelenken der 

oberen/unteren Extremitäten. Bei Haltungsschwäche und pathologischen Schwielen 

der Füsse ergebe sich Behandlungsbedarf. Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit lägen 

auch retrospektiv nicht vor. Die Versicherte könne aus orthopädischer Sicht ab sofort 

körperlich leichte und durchschnittlich mittelschwere Tätigkeiten des allgemeinen 

Arbeitsmarktes verrichten, die für Frauen geeignet seien (IV-act. 226-42 f.).

A.p. 

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Dr. N.___ nahm am 16. Oktober 2017 Stellung, das Gutachten sei umfassend und 

weise keine formellen Mängel auf. Die Ableitung der objektivierbaren Diagnosen und 

die sich daraus ergebenden Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit seien - auch im 

gesamten Verlauf - widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar begründet. Die 

Auseinandersetzung mit den früheren ärztlichen Einschätzungen und den "Indikatoren" 

sei differenziert, nachvollziehbar, schlüssig und umfassend. Da der Konsistenzprüfung 

ein hoher Stellenwert zukomme, werde der fehlende objektivierbare Krankheitswert der 

geltend gemachten Einschränkungen ausführlich thematisiert und durch eingehende 

Analyse der zahlreichen Inkonsistenzen schlüssig begründet (IV-act. 227).

A.q. 

Mit Vorbescheid vom 21. März 2018 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das 

rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 230). 

Dagegen erhob die Versicherte am 2. Mai 2018 Einwand. Sie machte geltend, das 

Gutachten der Medas Bern stehe im Widerspruch zum Gutachten der Medas 

Ostschweiz vom 27. Februar 2012 sowie zu den Berichten der behandelnden Ärzte und 

äussere sich nicht dazu, weshalb diese unzutreffend sein sollen. Unabhängig von der 

Diagnose stehe fest, dass sie in ihrer psychischen Gesundheit beeinträchtigt und nicht 

mehr in der Lage sei, einer ganztägigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Weiter 

bestünden somatische Beschwerdebilder, die das funktionelle Leistungsvermögen im 

erwerblichen Bereich einschränkten. Unter Berücksichtigung dieser somatischen 

Beschwerden sei insgesamt von einer mindestens 50 %-igen Erwerbsunfähigkeit 

auszugehen (IV-act. 231).

A.r. 

Mit Verfügung vom 6. Juni 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Zur 

Begründung führte sie an, die erneute Begutachtung sei in Auftrag gegeben worden, 

weil die bisherigen Begutachtungen unter Berücksichtigung der vervollständigten 

Aktenlage an Überzeugungskraft verloren hätten. Entgegen dem Einwand habe die 

Gutachterin der Medas Bern zu den anderslautenden Einschätzungen der Medas 

Ostschweiz und der behandelnden Ärzte ausführlich Stellung genommen. Sie habe 

explizit festgehalten, dass das Vorliegen einer depressiven Störung, einer 

Angststörung, einer relevanten PTBS-Symptomatik oder gar einer 

Persönlichkeitsstörung jeglicher erkennbaren Grundlage entbehre. Die geschilderte 

Problematik sei aus gutachterlicher Sicht nicht plausibel. Ein Täuschungsverhalten 

könne nicht ausgeschlossen werden. Damit sei davon auszugehen, dass die früheren 

A.s. 

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B.  

Beurteilungen auf unzutreffenden Annahmen beruht hätten. Die aktuelle Begutachtung 

sei somit aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar (IV-act. 232).

Gegen die Verfügung vom 6. Juni 2018 lässt A.___ (im Folgenden: 

Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. H. Landolt, LL.M., am 

27. Juni 2018 Beschwerde erheben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und ein Obergutachten 

einzuholen. Eventualiter sei die Angelegenheit "im Sinne der Erwägungen" an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter ersucht sie um Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung. Die (der angefochtenen Verfügung 

zugrundeliegende) medizinische Beurteilung (der Medas Bern) stehe im Gegensatz zur 

Einschätzung der behandelnden Psychiater bzw. Psychologen. Lic. phil. P.___ und 

med. pract. Q.___ hielten im Bericht vom 5. April 2017 fest, dass bei ihr psychiatrische 

Störungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Nicht zuletzt aufgrund der 

lange andauernden Arbeitslosigkeit seien sie der Auffassung, dass keine verwertbare 

Arbeitsfähigkeit bestehe. Das Medas-Gutachten weiche sowohl in Bezug auf die 

Diagnosestellung als auch die Einschätzung des funktionellen Leistungsvermögens 

derart stark von derjenigen der behandelnden Ärzte ab, dass Zweifel mehr als 

angebracht seien. Die posttraumatische Belastungsstörung werde vollständig 

ausgeblendet und die von mehreren Fachärzten im Verlauf der vergangenen Jahre 

unabhängig voneinander gestellten Diagnosen würden verharmlost. Als nicht objektiv 

nachweisbares Leiden seien die funktionellen Auswirkungen nach der Rechtsprechung 

gemäss BGE 141 V 281 ff. durch eine umfassende Begutachtung zu beurteilen. 

Entgegen der Rechtsprechung gehe der angefochtene Entscheid davon aus, dass die 

kritische Beurteilung von Dr. L.___ beweiskräftiger sei als das Medas-Gutachten (vom 

27. Februar 2012) und die RAD-Beurteilung (von Dr. J.___ vom 7. Januar 2013). Auch 

die Verdachtsdiagnose eines Münchhausensyndroms sei kritisch zu hinterfragen. Das 

neu eingeholte Medas-Gutachten begründe nicht in nachvollziehbarer Weise, warum 

die im Rahmen der Medas-Begutachtung im Jahr 2012 gestellten Diagnosen nicht 

zutreffend sein sollten (act. G 1).

B.a. 

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Erwägungen

1.  

Die vorsitzende Richterin bewilligt am 1. Oktober 2018 die unentgeltliche 

Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung; act. G 8).

B.b. 

Mit Beschwerdeantwort vom 26. September 2018 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dr. L.___ habe Zweifel an der 

Authentizität des Beschwerdebildes geäussert. Er habe daraufhin versucht, in Bezug 

auf die erlebten Traumatisierungen ergänzende Akten beizuziehen. Die Befragung vom 

8. Juni 2015 habe sich um den gesundheitlichen und sozialen Werdegang der 

Beschwerdeführerin sowie um ihre gesundheitliche Entwicklung gedreht, aber auch um 

die Umstände der angeblichen Traumatisierungen, mithin um Themen, die bei der 

geltend gemachten psychischen Krankheit relevant seien. Mit der Äusserung des 

Verdachts auf ein Münchhausensyndrom habe Dr. L.___ in erster Linie ausgesagt, dass 

er ein absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen 

Symptomen vermute. Dass er von einer ernsthaften Erkrankung ausgegangen sei, 

ergebe sich daraus gerade nicht. Der Sachverhalt sei ausreichend abgeklärt. Die 

Beschwerdeführerin leide an keiner invalidisierenden Krankheit (act. G 7).

B.c. 

Die Beschwerdeführerin verzichtet am 17. Oktober 2018 auf eine Replik und hält 

an den Ausführungen der Beschwerde fest (act. G 10).

B.d. 

Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich 

bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und 

nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar 

ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/26

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Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf 

objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem 

wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und 

E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 

8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden 

objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und 

vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch 

unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte 

Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der 

Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 

141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und 

erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet 

betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen 

einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen 

Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 

V 427, E. 6 a. E.).

1.2. 

Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 

831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person 

mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine 

halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).

1.3. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

1.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/26

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2.

Zu prüfen ist der Sachverhalt seit der IV-Anmeldung vom 3. April 2008 (IV-act. 1). Die 

weitere Anmeldung vom 21. April 2016 erfolgte während des noch laufenden 

Verfahrens und hat damit keine eigenständige Wirkung (IV-act. 176). Mit inzwischen 

rechtskräftig gewordener Mitteilung vom 4. September 2012 abgeschlossen wurde das 

Verfahren betreffend die beruflichen Massnahmen (IV-act. 108), weswegen vorliegend 

der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zur Diskussion steht.

3.

Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet das bidisziplinäre 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen 

Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind 

(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie 

ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen 

Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 

Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 

Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft 

zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).

Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und 

Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). 

Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den 

streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben 

Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen 

stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der 

Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte 

hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt 

der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen 

die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen 

Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; 

BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).

1.5. 

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Gutachten der Medas Bern vom 21. August 2017 (IV-act. 226). Die psychiatrische 

Gutachterin hob die Inkonsistenz zwischen den beklagten Defiziten und den anlässlich 

der Observation gemachten Feststellungen ausdrücklich hervor (IV-act. 226-16 f., 24), 

so dass vorab die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse zu prüfen ist.

Zur Verwertbarkeit von ohne genügend bestimmte gesetzliche Grundlage 

erhobenem Observationsmaterial hielt das Bundesgericht in einem Leitentscheid vom 

14. Juli 2017 mit Blick auf das Urteil 61838/10 des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) vom 18. Oktober 2016 (endgültig am 18. Januar 2017) fest, 

diese sei in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren grundsätzlich zulässig, es sei 

denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen 

überwögen letztere. Videoaufnahmen, die im Rahmen einer unrechtmässigen 

Observation erhoben worden seien, seien verwertbar, solange Handlungen der 

versicherten Person aufgezeichnet würden, die sie aus eigenem Antrieb und ohne 

äussere Beeinflussung gemacht habe, und ihr keine Falle gestellt worden sei. Ein 

Verwertungsverbot gelte betreffend Handlungen im nicht öffentlich frei einsehbaren 

Raum (BGE 143 I 385 ff. E. 5; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2019, 

8C_837/2018, E. 5.1, vom 22. Oktober 2018, 9C_908/2017/ 9C_3/2018, E. 5.2, und 

vom 20. Oktober 2017, 8C_305/2017, E. 4.2).

3.1. 

Eine Observation ist objektiv geboten, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die 

Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend 

gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können 

beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person 

oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben 

und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen 

Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung und Ähnlichem (Urteil 

des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 8C_634/2018, E. 5.2, mit weiteren 

Verweisen). Vorliegend hatte Dr. L.___ im Bericht vom 18. August 2014 festgehalten, 

aufgrund des subjektiven Beschwerdebildes müsste eine schwere posttraumatische 

Belastungsstörung vorliegen, welche jedoch nicht objektivierbar sei. Gemäss 

eigenanamnestischen Angaben habe die Beschwerdeführerin eine ausgeprägte 

Männerphobie entwickelt, allerdings sei das auffällige Auftreten und Erscheinungsbild 

völlig diskrepant dazu und schwer nachvollziehbar, ebenso wie ihre Aussagen, so dass 

er den Verdacht eines Münchhausensyndroms nicht habe loswerden können. Auch im 

Arbeitsprogramm im M.___ sei sie gemäss ihren Aussagen belästigt und von der 

Vorgesetzten nicht weiter ernst genommen worden. Der zuständige Sozialarbeiter habe 

sie von den Arbeiten/Arbeitszeiten im Zusammenhang mit Männern entlastet, sie sei 

3.2. 

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4.

Zu befinden ist über die Beweistauglichkeit des Gutachtens, auf welches sich die 

Beschwerdegegnerin für die Abweisung des Rentenanspruches stützt. Nicht 

angezweifelt wurden die Erkenntnisse des orthopädischen Teilgutachtens und es sind 

auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass dieses nicht den Anforderungen der 

Rechtsprechung genügt oder inhaltliche Mängel aufweist. Aus orthopädischer Sicht ist 

beim Fehlen von die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Diagnosen mithin von einer 

vollumfänglich erhaltenen Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 

226-42 f.).

jedoch weiterhin nicht zur Arbeit erschienen. Er schätze die Wiedereingliederung als 

unwahrscheinlich ein. Die Beschwerdeführerin müsste zwecks Therapiefähigkeit und 

zielgerichteter Behandlung sehr genau überprüft werden (IV-act. 142). Weiter fand 

Dr. N.___, die Aktenlage weise zahlreiche Widersprüche und Diskrepanzen auf. So 

variierten nicht nur die geltend gemachten Beeinträchtigungen, sondern auch die 

Schilderungen des Verlaufs und dies bei verschiedenen Ärzten (IV-act. 156). Diese sind 

auch Gegenstand des zu prüfenden Gutachtens, weshalb sie dort erörtert werden (vgl. 

E. 3). Weiter wurde als fragwürdig erachtet, dass die Beschwerdeführerin bei den 

geltend gemachten Traumatisierungen eine Partnerschaft habe eingehen und 

aufrechterhalten können (Überwachungsauftrag vom 7. Mai 2015, IV-act. 160). Ein 

ausreichender Anfangsverdacht war damit gegeben. Auch wenn beim 

Münchhausensyndrom die unterschiedlichen Angaben krankheitsbedingt zu erklären 

wären, bestanden doch Unstimmigkeiten, die es erforderlich machten, das tatsächliche 

Funktionsniveau der Beschwerdeführerin durch eine Observation abzuklären. Diese 

fand ausschliesslich an öffentlich zugänglichen bzw. von dort einsehbaren Orten statt 

und war auch in zeitlicher Hinsicht verhältnismässig (vgl. als Richtlinie den seit 

1. Oktober 2019 geltenden Art. 43a Abs. 5 Satz 1 ATSG, wonach die Observation an 

höchstens 30 Tagen innerhalb von sechs Monaten ab dem ersten Observationstag 

erfolgen darf). Mithin ist das Observationsmaterial vorliegend verwertbar.

In psychiatrischer Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, es sei nicht auf 

die Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin abzustellen, da die sie aktuell 

behandelnden lic. phil. P.___ und med. pract. Q.___ psychiatrische Störungen mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt hätten und zudem aufgrund der lang 

dauernden Arbeitslosigkeit der Auffassung seien, dass keine verwertbare 

Arbeitsfähigkeit bestehe. Die formellen Anforderungen der Rechtsprechung sind auch 

4.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/26

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für das psychiatrische Teilgutachten als erfüllt anzusehen. Nachfolgend ist dieses 

inhaltlich zu prüfen.

 4.2. 

Die psychiatrische Gutachterin kommentierte ausführlich die Videosequenz vom 

8. Juni 2015: Die Beschwerdeführerin unterhalte sich fast durchgehend sehr angeregt 

mit sehr expressiver Gestik und Mimik, durchaus offensichtlich der Gesprächspartnerin 

höchst selbstbewusst ihre Meinung mitteilend, dominiere das Gespräch fast 

durchgehend, mimisch höchst ausdrucksstark, temperamentvoll, fast durchgängig 

offensichtlich schimpfend, die "Meinung sagend", mit einer Mimik, welche sichtlich 

Entwertung und Nichtverständnis, fast Ekel signalisierend, dieses meinungsstark von 

kräftiger weiträumiger Gestik mit beiden Armen untermalt, mit dynamischen 

Kopfbewegungen und mit teils theatralisch weiten, fast furios wirkenden Augen 

begleitet. Zugleich aber rauche sie, trinke Kaffee. Insgesamt sei der Dialog sehr 

dynamisch, über lange Strecken offensichtlich kräftig intoniert. Sie wirke dabei 

durchwegs hoch energievoll, durchsetzungsstark, höchst selbstbewusst und die eigene 

Position offensichtlich echauffiert besserwissend über die Gesprächsthemen stellend, 

im mimischen Ausdruck abfällig entwertend, schimpfend wirkend - in keiner Weise 

ängstlich, selbstunsicher und sicher nicht schutzbedürftig und schon gar nicht 

emotional stumpf wirkend. Vielmehr zeige sie sich in Szene setzend, von figurbetonter 

Präsentation angefangen (enge Kleidung, rote Schuhe, blondierter Bubikopf, 

burschikos), nehme eine absolut dominante Rolle in der Gesprächsführung ein (das 

Gegenüber scheine kaum zu Wort zu kommen). Für den Betrachter ergebe sich fast 

durchgehend der Eindruck einer angreifend-attackierenden Haltung der 

Beschwerdeführerin, was teils in der Gegenübertragung Unwohlgefühl auslöse, 

zumindest das Gegenteil von Schutzbedürftigkeit oder Hilflosigkeit signalisiere. Die 

Beschwerdeführerin wirke scharf die Meinung vertretend, sich höchst selbstbewusst in 

Szene setzend in Präsentation, Redeführung und Handlung/Gestik, dominiere und 

kontrolliere die Situationen durchgängig hochgradig effektiv (IV-act. 226-16).

4.2.1. 

Es entsteht zwar der Eindruck, dass der Gutachterin eventuell nicht bewusst war, 

dass die Beschwerdeführerin in der beschriebenen Videosequenz mit ihrer gehörlosen 

Mutter in Gebärdensprache kommunizierte; dies ergibt sich aus der geäusserten 

Vermutung einer kräftigen Intonation. Das Videomaterial wurde über einen Zeitraum 

von vier Stunden aufgenommen und die fragliche Sequenz dauert immerhin eine halbe 

Stunde. Es ist davon auszugehen, dass die Gemütslage einer Person sich auch in 

Gebärdensprache beispielsweise als ruhig, aufgeregt, depressiv oder energisch 

4.2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/26

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erkennen lässt. So wurde auch im Bericht festgehalten, dass die Beschwerdeführerin 

zusammen mit einer weiblichen Person, bei der es sich offenbar um ihre Mutter handle, 

im Gartenrestaurant gesessen habe. Die beiden hätten sich unterhalten und die 

Beschwerdeführerin habe einen gelösten und zufriedenen Eindruck hinterlassen. Sie 

habe sich bei der Aussprache viel Mühe gegeben und ab und zu mit den Händen 

gestikuliert. Sie habe mit ihrer Mutter offenbar in Gebärdensprache kommuniziert (IV-

act. 170-7). Dr. N.___ beschrieb die Szene wie folgt: Man sehe eine sehr deutliche 

Aussprache und teilweise auch Gebärdensprache. Die Beschwerdeführerin wirke 

zugewandt und interessiert. Sie lache zwischendurch, wirke gelöst. Locker. Eine 

psychomotorische Anspannung lasse sich nicht beobachten, auch keine Zeichen von 

Unsicherheit und Angst (IV-act. 182-2).

Insgesamt interpretierte Dr. N.___ das Observationsmaterial ausführlich und legte 

dar, dass die geltend gemachten Einschränkungen sich nicht in Einklang mit den 

gemachten Beobachtungen bzw. dem Auftreten, dem Erscheinungsbild sowie dem 

Verhalten der Beschwerdeführerin sowie insbesondere den Aussagen anlässlich des 

Standortgespräches bringen lassen würden (IV-act. 172-3f.).

4.2.3. 

 4.3. 

Weiter stellte die Gutachterin fest, auch angesichts der vielfachen Inkonsistenzen 

in Bezug auf ihre Schilderung diverser Vorkommnisse mit mehrfach behaupteten 

Übergriffen (mit wechselnden Zeitangaben, unterschiedlichen Angaben zu den 

Ereignissen) müssten hochgradige Zweifel geäussert werden. Diese seien umso mehr 

berechtigt, als die Beschwerdeführerin behaupte, eine Tätigkeit für zwei Stunden 

anzustreben, sich dabei wohl eher zu überschätzen. Gleichwohl sei die 

Beschwerdeführerin - wie auch in der Videodokumentation ersichtlich - durchgängig 

über vier Stunden Beobachtungsphase hochdynamisch, energievoll und erstaunlich 

aktiv, wenn man ihr so gering angenommenes Leistungsvermögen von zwei Stunden 

dagegen betrachte (IV-act. 226-18). Dass hier irgendwelche Zeichen einer depressiven 

Störung, Angststörung oder gar eine relevante posttraumatische 

Belastungssymptomatik oder gar eine Persönlichkeitsveränderung nach PTBS 

bestehen sollte, entbehre jeglicher erkennbaren Grundlagen in Anbetracht der 

Inkonsistenzen, des bei unbemerkter Beobachtung erkennbaren dominant 

kontrollierenden, energischen Verhaltens, des Erscheinungsbildes respektive des 

aktuellen psychopathologischen Befundes. Es sei lediglich eine 

Persönlichkeitsakzentuierung anzunehmen im Sinne einer Borderline-

Persönlichkeitsorganisation mit teils narzisstischen, histrionischen und teils asozialen 

4.3.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/26

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Zügen (IV-act. 226-19). Die Behauptung, sich kaum im Umfeld mit Männern aufhalten 

zu können, könne in keiner Weise nachvollzogen werden angesichts des doch recht 

selbstbewusst-dominanten Auftretens. Eine solche Äusserung lasse angesichts der 

vielfachen Inkonsistenzen vielmehr an eine zweckorientierte Darstellung denken zur 

Erzielung von Vorteilen. Auffallend sei auch eine gewisse enge zeitliche Korrelation z.B. 

der stationären Behandlung (Selbsteinweisung in die Klinik G.___ vor der Medas-

Begutachtung im Oktober 2011, Aufnahme einer Psychotherapie erst im September 

2016 vor der aktuellen Begutachtung). Mit durchaus sehr sensiblen Anschuldigungen 

seien auffallend gehäuft entsprechende Abbrüche der Lehr-/Arbeitstätigkeit oder der 

Integrationsmassnahmen begründet worden und würden im Rahmen der aktuellen 

Begutachtung weiterhin ins Feld geführt. Sie zeige sich als Opfer, obwohl sie in keiner 

Weise schutz- und wehrlos erscheine, meine aber doch, infolge einer subjektiv 

mangelnden Arbeitsfähigkeit Rentenanspruch mit 28 Jahren stellen zu wollen (IV-

act. 226-19). Der Befundbericht von lic. phil. P.___ sei geprägt durch eine ausgeprägte 

protektive Haltung, die durch die Beschwerdeführerin in manipulativer Weise induziert 

worden sei, und stütze letztendlich die Gesamtbewertung, dass es die 

Beschwerdeführerin durchaus verstehe, ihre Ziele machtvoll durchzusetzen, auch 

mithilfe von manipulativen Projektionen. Sie zeige sich als schutzbedürftig, was in 

Gesamtschau der Anamnese, der widersprüchlichen Befunde, der objektiv im 

Lebensalltag ableitbaren Beobachtungen und der aktuellen anamnestischen Angaben 

nicht objektiviert werden könne. Vielmehr blieben zweckgebundene Verhaltensweisen 

und Inkonsistenzen, ohne dass dafür aber eine versicherungsmedizinisch 

krankheitswertige Diagnose gestellt werden könne (IV-act. 226-23).

Die Gutachterin weist auf diverse Anhaltspunkte, die ihrer Ansicht nach auch 

retrospektiv gegen einen invalidisierenden Gesundheitsschaden und eine damit 

einhergehende Arbeitsfähigkeit sprechen, hin. So seien die Zeitangaben und die 

Angaben zu den Ereignissen der Beschwerdeführerin uneinheitlich (IV-act. 226-18). Die 

von etwa 2003 bis 2005 stattgefundenen Ereignisse seien erst 2011 (IV-act. 226-21) 

und die Mehrfachvergewaltigung sei erst anlässlich der ambulanten Behandlung 2014 

thematisiert worden (IV-act. 226-20). Je mehr die Beschwerdeführerin zu den sexuellen 

Übergriffen befragt werde, desto mehr hinzutretende Ereignisse würden berichtet, so 

auch im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung (IV-act. 226-27). Schliesslich sei 

nicht plausibel, dass die Vorfälle durch Dritte nicht bemerkt worden sein sollten (IV-

act. 226-23) und die zum fraglichen Zeitpunkt noch minderjährige Beschwerdeführerin 

keine Unterstützung erhalten habe (IV-act. 226-20). Dies bedarf einer näheren 

Betrachtung.

4.3.2. 

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Sowohl beim Berufsberater, in der Klinik G.___ als auch anlässlich der 

Begutachtungen im Jahr 2011 und 2017 schilderte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen, ihr Vater habe von ihr verlangt, dass sie die Lehre zur Gebäudereinigung 

absolviere bzw. abschliesse. Die männlichen Mitarbeiter seien zunehmend 

zudringlicher geworden bis hin zum sexuellen Missbrauch. Ein Mitarbeiter des 

Lehrbetriebs hätte sie während einer Zugfahrt an der Brust berührt und ihr T-Shirt 

zerrissen. Dies sei nicht der einzige Vorfall gewesen (IV-act. 80-2; IV-act. 93-3; IV-

act. 103; IV-act. 226-11). Seitens des Lehrbetriebs wurde mitgeteilt, eine Mitlernende 

habe sich über sexuell gefärbte Sprüche eines Mitarbeiters beschwert, worauf dieser 

abgemahnt worden und nicht mehr diesbezüglich in Erscheinung getreten sei (IV-

act. 80-4). Während sie bei der Berufsberatung und der Begutachtung 2011 noch 

angegeben hatte, sie habe die Lehre effektiv wegen der sexuellen Übergriffe 

abgebrochen, die Kniebeschwerden seien vorgeschoben gewesen bzw. gelegen 

gekommen (IV-act. 80-2; IV-act. 93-10, 12), äusserte sie später, sie habe sich wegen 

der Kniebeschwerden zum Leistungsbezug angemeldet, die Übergriffe seien erst 

später erfolgt (Standortgespräch vom 8. Juni 2015, IV-act. 166; vgl. auch Angabe bei 

der Begutachtung 2017, wonach sie die Lehre wegen der Kniebeschwerden 

abgebrochen habe, IV-act. 226-10 ff.). Diese Aussagen sind insofern widersprüchlich, 

als die Anmeldung erst nach dem Abbruch der Lehre, während welcher die Übergriffe 

stattgefunden hätten, erfolgte. Allerdings bestanden die Kniebeschwerden laut 

Anmeldung vom 3. April 2008 seit einem Jahr (IV-act. 1; Gutachten 2017; IV-

act. 226-11).

4.3.3. 

Die Beschwerdeführerin berichtete über die Übergriffe im Lehrbetrieb (in den 

Jahren 2005 bis Ende 2007) erst anlässlich der Berufsberatung in Zürich (Bericht vom 

30. Juni 2011, IV-act. 80-2). Erst bei der RAD-Abklärung durch Dr. J.___ am 7. Januar 

2013 schilderte sie, im gleichen Zeitraum durch einen Mann ausserhalb des 

Arbeitsumfeldes mit einer Waffe bedroht und vergewaltigt worden zu sein (IV-act. 113). 

Sie habe aus Angst, er würde sie oder ihre Familie umbringen, niemandem davon 

erzählt (IV-act. 113; vgl. auch Arztbericht Dr. L.___ vom 1. Mai 2014, IV-act. 140). Im 

Standortgespräch bei der Beschwerdegegnerin vom 12. August 2015 relativierte sie: 

Der Betreffende habe sie immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass er eine 

Schusswaffe besitze. Sie sei aus Dummheit mitgegangen, der Sex sei (aber) nicht 

freiwillig gewesen. Sie habe über die Vorfälle aus Angst mit niemandem gesprochen. 

Sie sei selber schuld (Standortgespräch 12. August 2015, IV-act. 175-8 f.). Anlässlich 

der Begutachtung 2017 sagte sie aus, die Vergewaltigungen hätten nicht täglich 

4.3.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/26

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stattgefunden. Der Täter habe von ihr verlangt, dass sie ihn liebe und er ihr Freund sei 

(IV-act. 226-11).

Während des Aufenthaltes der Beschwerdeführerin in der Klinik G.___ vom 

27. September bis 7. Oktober 2011 wurden unter anderem Anpassungsstörungen: 

Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10: F43.22) und ein Zustand nach lang 

andauernder sexueller Belästigung durch Arbeitskollegen am Arbeitsplatz (ICD-10: 

Y07.8) diagnostiziert. Zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung wurde 

festgehalten, diese sei trotz typischer klinischer Symptome aufgrund des erstmaligen 

Auftretens im Rahmen der kürzlich stattgehabten Trennung vom Lebenspartner nicht 

zu stellen (IV-act. 103). Dr. I.___ hielt im psychiatrischen Teilgutachten der Medas 

Ostschweiz vom 27. Februar 2012 demgegenüber fest, nach wiederholten 

Bedrängungen und sexuellen Übergriffen leide die Beschwerdeführerin im Vordergrund 

an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Im Zusammenhang damit bestünden 

auch Panikattacken und eine Angst- und depressive Störung, gemischt. Bei den 

sexuellen Übergriffen handle es sich um Situationen aussergewöhnlicher Bedrohung, 

welche sich bald tagtäglich über eine Zeitspanne von drei Jahren wiederholt habe, was 

einer Folterungssituation gleichkomme. Typische Merkmale der posttraumatischen 

Belastungsstörung seien das wiederholte Erleben des Traumas (Nachhallerinnerungen), 

sobald sie sich in der Nähe von Männern ungeschützt bzw. alleine fühle. Sie vermeide 

solche Situationen, laufe davon. Nachts werde sie regelmässig von Albträumen 

geplagt. Es bestehe ein andauernder Zustand vegetativer Übererregtheit mit 

Vigilanzsteigerung sowie eine übermässige Schreckhaftigkeit. Aufgrund der 

posttraumatischen Belastungsstörung sei die Beschwerdeführerin in ihrer 

Willensanstrengung und in jeglicher Erwerbstätigkeit erheblich eingeschränkt. Der 

psychopathologische Zustand sei instabil und verunmögliche derzeit die Aufnahme 

jeglicher Arbeitstätigkeit in der freien Wirtschaft. Doch sei der Gesundheitszustand 

durch adäquate Behandlung besserungsfähig (IV-act. 93-12 f.). Zur Beurteilung der 

psychiatrischen Klinik G.___ äusserte sich Dr. I.___, der Austrittsbericht sei vorläufig. Es 

"liege auf der Hand" und werde sich spätestens nach einer geeigneten 

Langzeitbehandlung herausstellen, dass die (dort diagnostizierte) Angst und depressive 

Reaktion auf die traumatisierenden sexuellen Übergriffe zurückzuführen seien (IV-

act. 93-14 f.).

4.3.5. 

Im Wissen darum, dass die Beschwerdeführerin ihr gegenüber gravierendere 

Vorfälle schilderte als gegenüber Dr. I.___, diagnostizierte auch RAD-Ärztin Dr. J.___ im 

Bericht vom 10. Januar 2013 eine posttraumatische Belastungsstörung bei sexuellem 

Missbrauch in der Adoleszenz (ICD-10: Z61.5) und sexueller Belästigung an der 

4.3.6. 

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Lehrstelle sowie unter anderem eine Störung der Persönlichkeitsentwicklung mit 

selbstunsicheren, abhängigen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61.0) bei 

atypischer Situation in der Herkunftsfamilie (ICD-10: Z60.1; IV-act. 113-4 f.). Das 

Befinden der Beschwerdeführerin habe sich bis zum Umzug in die Nähe des früheren 

Lehrbetriebs verbessert und seither wieder verschlechtert (IV-act. 113-3), sie leide aber 

nicht mehr unter Albträumen oder regelmässigen Flashbacks (IV-act. 113-4). Objektiv 

sei im Vergleich zur Begutachtung durch Dr. I.___ derzeit eine Beruhigung der akuten 

Angstsymptomatik festzustellen. Weiterhin finde sich eine depressive Verstimmung mit 

Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen, vermindertem Antrieb, verminderter 

Freudfähigkeit, Insuffizienzgefühlen, Selbstunsicherheit und Ratlosigkeit. Die 

vorhandenen Ängste bezögen sich auf das Zusammenarbeiten mit Männern. Aus 

versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht sei ein psychischer 

Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher zu einer relevanten Einschränkung der 

Funktionsfähigkeit führe. Diagnostisch im Vordergrund stünden noch 

Residualsymptome der posttraumatischen Belastungsstörung mit depressiver und 

ängstlicher Symptomatik, die Persönlichkeitsstörung und die psychogen gekoppelten 

Schmerzen. Bis zur RAD-Untersuchung vom 7. Januar 2013 sei spätestens seit 

Abbruch der IV-unterstützten Ausbildung von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in 

der freien Marktwirtschaft auszugehen. Seit der RAD-Untersuchung sei in geeigneter, 

angepasster Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % zumutbar (IV-

act. 113-6).

Die Beschwerdeführerin musste ein Integrationsprogramm bei der F.___ wegen 

zu vieler unklarer Absenzen bzw. mangels Eigenmotivation abbrechen (Protokolle 

Berufsberatung vom 30. Juni und 19. August 2011, IV-act. 80-5; IV-act. 88-4). 

Anlässlich der Begutachtung 2017 führte sie dazu aus, "einer" habe angefangen, ihre 

Hand zu berühren (IV-act. 226-12). Dr. L.___ hielt in seinen Arztberichten vom 1. Mai 

und vom 18. August 2014 fest, die Beschwerdeführerin sei vom Sozialdienst in ein 

Arbeitstraining im M.___ vermittelt worden. Sie habe dieses nicht ausgehalten wegen 

täglicher unerwünschter Kontakte mit männlichen Mitarbeitern. Zudem habe sie im 

öffentlichen Verkehr Panikattacken erlitten (IV-act. 140). Sie schildere, auch hier 

belästigt und von der Vorgesetzten nicht ernstgenommen worden zu sein, sei jedoch 

auch weiterhin nicht zur Arbeit erschienen, nachdem sie von der Zusammenarbeit mit 

Männern befreit worden sei (IV-act. 142). In den Standortgesprächen vom 8. Juni 2015 

und vom 12. August 2015 erklärte sie, sie sei alleine mit Männern in der Küche 

eingeteilt gewesen und von einem der Männer betatscht worden. Sie sei nach Hause 

gegangen. Als man den Anschuldigungen nachgegangen sei, sei der Betreffende nicht 

4.3.7. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/26

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mehr dort gewesen und die Chefin habe den Vorfall nicht bestätigt (IV-act. 166-4; IV-

act. 175-7). Gegenüber der Gutachterin erklärte sie, für die Benutzung des Busses, um 

zum M.___ zu gelangen, habe sie Temesta nehmen müssen und sei selbst dann 

manchmal nach Hause zurückgegangen (IV-act. 226-12).

Aus dem von der Beschwerdeführerin anschliessend eingeholten Arztbericht der 

Klinik G.___ vom 16. Mai 2012 (Posteingang SVA) geht hervor, dass der Eintritt freiwillig 

erfolgt sei; die aufgrund der sexuellen Belästigungen am Ausbildungsplatz bestehende 

Belastung habe sich durch die Trennung von ihrem Freund rund drei Wochen vor 

Eintritt zugespitzt. Nach einer Versöhnung sei die Beschwerdeführerin gegen ärztlichen 

Rat trotz Empfehlung zur Fortsetzung der stationären Behandlung auf einer 

Psychotherapiestation zur Traumabewältigung bereits am 7. Oktober 2011 in subjektiv 

stark verbessertem Zustand wieder ausgetreten. Sie habe auch das Angebot 

ausgeschlagen, mit Hilfe des Sozialdienstes an einer beruflichen Wiedereingliederung 

zu arbeiten, da sie lieber als Hausfrau leben wolle (IV-act. 103). Anlässlich der 

Begutachtung durch Dr. I.___ gab sie an, der Eintritt sei auf Veranlassung des 

Hausarztes und des Sozialamtes erfolgt (IV-act. 93-10). Im Anschluss an die stationäre 

Behandlung in der Klinik G.___ vom 27. September bis 7. Oktober 2011 war eine 

ambulante Fortsetzung der Therapie geplant (Arztbericht vom 16. Mai 2012, IV-

act. 103). Zwar äusserte die Beschwerdeführerin gegenüber RAD-Ärztin Dr. J.___ am 

7. Januar 2013, sie sei seit dem Klinikaustritt insgesamt bei ca. sechs verschiedenen 

Behandlern gewesen (IV-act. 113). Eine Psychologin habe sie nicht mehr weiter 

betreut, nachdem sie sich selbständig gemacht habe, und ein Psychologe habe sie 

nicht mehr therapiert, nachdem das Sozialamt die Rechnung nicht beglichen habe 

(Gutachten 2017, IV-act. 226-12). Aktenkundig ist indes erst die ambulante Behandlung 

durch Dr. L.___, welche erst am 19. Februar 2014 aufgenommen wurde (Arztbericht 

vom 1. Mai 2014, IV-act. 140). Die Therapie wurde aufgrund der äusserst 

unbefriedigenden Motivation mit sehr oft nicht wahrgenommenen Terminen am 22. Mai 

2014 vom Behandler abgebrochen (Arztbericht vom 18. August 2014, IV-act. 142). Das 

Erstgespräch bei lic. phil. P.___ fand im März 2016 statt (Therapiebericht vom 5. April 

2016, IV-act. 226-47 ff.). Offenbar stand die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der 

Begutachtung im März 2017 nach wie vor in ihrer Behandlung (IV-act. 226-12).

4.3.8. 

Im Standortgespräch vom 12. August 2015 relativierte die Beschwerdeführerin 

die Schwere der Übergriffe im Nachhinein stark. Passend dazu vermögen ihre 

Erklärungen für das Fehlen von Akten betreffend die Vorfälle sowie für das mehrfache 

Scheitern von Eingliederungsversuchen und Therapien in ihrer Anhäufung nicht 

vollends zu überzeugen. Dr. I.___ und Dr. J.___ stellten zwar übereinstimmend die 

4.3.9. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/26

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Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung und berichteten ein ganz 

anderes Auftreten der Beschwerdeführerin als die Gutachterin Dr. S.___. Gemäss 

Dr. I.___ war die Beschwerdeführerin konfus und weinte während der Untersuchung 

(IV-act. 93-11 f.). Dr. J.___ fand selbstunsichere, abhängige Persönlichkeitsanteile, eine 

Ratlosigkeit und ein vermindertes Selbstwertgefühl (IV-act. 113-4 f.). Ein zum 

subjektiven Beschwerdebild diskrepantes Auftreten und Erscheinungsbild beschrieb 

Dr. L.___ im Bericht vom 18. August 2014 (IV-act. 142). Dazu hielt die Gutachterin 

zudem überzeugend fest, dass sich die Beschwerdeführerin durchaus eher als 

reizgebend als reizverbergend präsentiere, was bei den angegebenen Übergriffen 

sowie der beschriebenen Wehrlosigkeit sehr widersprüchlich sei (IV-act. 226-15).

Gesamthaft hat die psychiatrische Gutachterin nachvollziehbar dargelegt, 

warum sie zu welchen Schlüssen kommt. Mit Inkonsistenzen, abweichenden 

Einschätzungen der Behandler sowie den erhobenen Befunden hat sie sich ausführlich 

auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar dargetan. Ab dem 

Gutachtenszeitpunkt ist von einer vollumfänglich erhaltenen Arbeitsfähigkeit für 

sämtliche Tätigkeiten auszugehen.

4.3.10. 

Eine nähere Prüfung der auch für den mehrere Jahre rückwirkenden Zeitraum ab 

der IV-Anmeldung vom 3. April 2008 attestierten vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit ist 

nachfolgend noch vorzunehmen.

4.4. 

Dr. I.___ erachtete eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem Eintritt in die 

Klinik G.___ am 27. September 2011 als nachgewiesen (IV-act. 93-14). RAD-Ärztin 

Dr. J.___ nahm anlässlich ihrer Untersuchung vom 7. Januar 2013 sogar eine 100 %-

ige Arbeitsunfähigkeit bereits ab Abbruch der IV-unterstützten Ausbildung Mitte 2011 

an (IV-act. 113-6). Die Beschwerdeführerin machte zu jenem Zeitpunkt jedoch noch 

keine psychischen Beschwerden aufgrund der erlittenen Übergriffe geltend, weshalb 

auch keine echtzeitlichen medizinischen Berichte vorliegen. Nach Ansicht der 

Berufsberatung war die Beschwerdeführerin mit der gewährten ersten beruflichen 

Ausbildung im KV-Bereich schulisch überfordert (IV-act. 80, 88), so dass ein 

psychischer Gesundheitsschaden bis zum Eintritt in die Klinik G.___ als beweislos 

anzusehen ist. Ein anderweitiger, somatischer Gesundheitsschaden konnte nicht 

festgestellt werden und insbesondere die Kniebeschwerden begründeten keine 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Sowohl im Gutachten der Medas 

Ostschweiz als auch in jenem der Medas Bern konnten keinerlei Anhaltspunkte für 

irgendeine Beeinträchtigung durch ein Knieleiden erkannt werden (vgl. IV-act. 93-16 

und IV-act. 226-42).

4.4.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 24/26

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Gemäss RAD-Untersuchung vom 7. Januar 2013 bestand ab diesem Datum eine 

50 %-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 113-6). Die Behandler der Klinik G.___ hatten jedoch 

angegeben, dass ab Oktober 2011 eine Arbeitsfähigkeit 4 Stunden täglich bzw. von 

50% in behinderungsangepassten Tätigkeiten möglich sein sollte und sie eine 

kontinuierliche ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung für 

notwendig hielten, um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu verbessern. 

Dabei solle ein verbesserter Umgang mit Angst in Belastungssituationen durch Erlernen 

von Copingstrategien, Erhöhung von Leistungs- und Anpassungsvermögen sowie 

Verbesserung der Ich-Stärke erreicht werden (IV-act. 103). Zudem äusserte auch der 

frühere Hausarzt der Beschwerdeführerin Dr. C.___ in seinem Bericht vom 23. März 

2010 den Verdacht, dass sie nicht arbeiten wolle und zudem ein psychisches Problem 

habe. Er hatte die Ursache für die geltend gemachten Knieprobleme nicht finden 

können und weitere Abklärungen empfohlen (IV-act. 50). Den Akten der Berufsberatung 

lässt sich weiter entnehmen, dass in dieser Zeit psychosoziale Belastungen aufgetreten 

sind (Drängen des Vaters in die ungewollte Lehre, Verlassen des Lehrbetriebes durch 

den Cousin, Trennung der Eltern und Auszug der Mutter im ersten Lehrjahr, IV-act. 

80-3). Danach zog sie mit ihrem Freund zusammen, mit dem sie seit 2007 zusammen 

war und welchen sie nach einer Trennung und Wiederversöhnung im Rahmen des 

Klinikaufenthaltes im G.___ im September 2011 schliesslich am 13. Dezember 2011 

heiratete (IV-Anmeldung vom 21. April 2016, IV-act. 176-2). Anlässlich der RAD-

Untersuchung am 10. Januar 2013 erwähnte sie einen seit fünf Jahren unerfüllt 

gebliebenen Kinderwunsch (IV-act. 235), wohingegen sie gegenüber Dr. L.___ am 1. 

Mai 2014 angab, noch nicht bereit für Kinder zu sein (IV-act. 140). Anlässlich des 

zweiten Standortgespräches gab die Beschwerdeführerin an, sich durch das IV-

Verfahren belastet zu fühlen, sich insgesamt etwas verrannt zu haben, mit der 

voraussichtlichen Ablehnung des Rentenanspruches einverstanden zu sein und sich 

selbst eine Stelle suchen zu wollen (IV-act. 175-13 ff.).

4.4.2. 

Zusammenfassend sind die wiedergegebenen Schlussfolgerungen der 

psychiatrischen Gutachterin, insbesondere auch die retrospektive 

Arbeitsfähigkeitsschätzung, überzeugend. Die anderslautenden Einschätzungen der 

behandelnden Ärzte müssen als zu stark von den Angaben der Beschwerdeführerin 

geprägt angesehen werden. Die Einschätzungen des psychiatrischen Vorgutachters 

sowie der RAD-Psychiaterin sind zu wenig überzeugend begründet und widersprechen 

teilweise den echtzeitlichen Einschätzungen. Insgesamt ist festzuhalten, dass die 

Inkonsistenzen massgeblich sind. Es ist zudem nicht nachvollziehbar, dass bei 

Einschränkungen, wie sie die Beschwerdeführerin geltend macht, sie bis anhin keine 

grösseren Anstrengungen unternommen hat, von behandelnden Fachpersonen 

4.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 25/26

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5.  

empfohlene medizinische Massnahmen auch nur ansatzweise umzusetzen. 

Unabhängig davon, ob die von der Beschwerdeführerin berichteten Ereignisse 

stattgefunden haben, kann aufgrund der festgehaltenen Befunde, früherer 

Feststellungen diverser behandelnder Arztpersonen, des Auftretens der 

Beschwerdeführerin sowie der vielfach zutage getragenen fehlenden Motivation zur 

adäquaten medizinischen Behandlung der behaupteten massiven Einschränkungen 

sowie zur Umsetzung von beruflichen Massnahmen jeglicher Art davon ausgegangen 

werden, dass die Schlussfolgerungen der psychiatrischen Gutachterin korrekt sind. 

Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass bei der 

Beschwerdeführerin seit ihrer Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen keine 

Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten vorlag. Bei dieser Sachlage besteht kein 

Anlass für die von der Beschwerdeführerin beantragten weiteren Abklärungen. Die 

abweisende Verfügung der Beschwerdeführerin erweist sich damit als korrekt.

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.5.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Zufolge 

unentgeltlicher Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der Bezahlung zu befreien.

5.2. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

5.3. 

Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der 

Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 

61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor 

Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) 

pauschal Fr. 1'500.-- bis 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat ein 

Leistungsjournal eingereicht (act. G 12.1). In der vorliegend zu beurteilenden 

Angelegenheit erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- 

angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 2 des Anwaltsgesetzes, 

sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 

pauschal mit Fr. 1'200.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu 

entschädigen.

5.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 26/26

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Gerichtsgebühr beträgt Fr. 600.-- und ist der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie 

wird von der Bezahlung zufolge unentgeltlicher Rechtspflege befreit.

3.

Der Staat entschädigt den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zufolge 

unentgeltlicher Rechtsverbeiständung mit Fr. 1'200.-- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer).

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen 

Zivilprozessordung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).

5.5. 

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	Entscheid Versicherungsgericht, 07.07.2020
	Überzeugendes zweites bidisziplinäres Gutachten nach Observation. Kein Rentenanspruch (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juli 2020, IV 2018/228).

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