# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d77990f-d763-5587-a8a4-3c425d9f0768
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.03.2010 E-120/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-120-2010_2010-03-02.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-120/2010/kuc
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  M ä r z  2 0 1 0

Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz),
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Richter Markus König;
Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener.

A._______,
Türkei,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2009 / (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-120/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 25. August 2009 bei der Schwei-
zerischen  Vertretung  in  Ankara  um  Bewilligung  der  Einreise  in  die 
Schweiz und um Gewährung von Asyl. Am 20. Oktober 2009 fand in 
der  Schweizerischen  Botschaft  in  Ankara  die  Anhörung  des  Be-
schwerdeführers zu seinen Asylgründen statt.

Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, 
er habe in der Türkei keine Lebenssicherheit mehr und habe ein lan-
ges Gefängnisleben vor sich. Es seien gegen ihn acht  verschiedene 
Verfahren eingeleitet worden, wovon sieben noch hängig seien. Er sei 
wegen Organisation von Demonstrationen, Teilnahme an Kundgebun-
gen, Beschädigung von Privat- und Staatseigentum sowie wegen Mit-
gliedschaft in der DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front) 
und Propaganda für die DHKP-C angeklagt worden. In einem Urteil sei 
er zu sechs Jahren Haft und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. 
Er sei mehrmals inhaftiert und dabei gefoltert worden. Er sei zur Zeit 
auf freiem Fuss, mehrere Verfahren seien jedoch vor dem Kassations-
hof hängig und er erwarte eine Bestätigung der Urteile, insbesondere 
der  ausgesprochenen Gefängnisstrafen. Er gehöre einem Verein an, 
der  sich  für  die  Menschenrechte,  Demokratie  und  Freiheit  einsetze, 
wobei er als deren Führungsmitglied aktiv an verschiedenen Anlässen 
(Podiumsdiskussionen,  Pressekundgebungen,  Protestaktionen,  etc.) 
mitwirke. Zudem sei er wegen des Drucks seitens der Behörden Mit-
glied der DHKP-C gewesen. 

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verweisen.

Der Beschwerdeführer reichte folgende Gerichtsunterlagen im Original 
zu den Akten:

- Verfahren Nr. 1: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in B._______ 
vom (...)  (Anklage wegen  Beschädigung öffentlichen und privaten 
Eigentums  sowie  wegen  Widerstand  gegenüber  Staatsbeamten, 
begangen  am  (...))  mit  Urteil  des  Friedensstrafgerichts  in 
B._______ vom (...) (Freispruch mangels Beweisen),

- Verfahren Nr. 2: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in B._______ 
vom  (...)  (Anklage  wegen  Verstoss  gegen  das  Demons-
trationsgesetz,  begangen  am  (...))  mit  Urteil  des  Frie-

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densstrafgerichts  in  B._______  vom  (...)  (zehn  Monate  Haft  und 
Geldstrafe unbedingt),

- Verfahren Nr. 3: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in B._______ 
vom  (...)  (Anklage  wegen  Beschimpfung  und  Verunglimpflichung 
des Staates, begangen am (...)) mit Urteil des Friedensstrafgerichts 
in  B._______  vom  (...)  (Freispruch  mangels  Erfüllen  des 
Straftatbestands),

- Verfahren Nr. 4: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in B._______ 
vom  (...)  (Anklage  wegen  Aufhetzung  des  Volks  zu  Hass  und 
Feindlichkeit, begangen am (...)) mit Urteil des Friedensstrafgerichts 
in B._______ vom (...) (zehn Monate Haft unbedingt),

- Verfahren Nr. 5: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in C._______ 
vom (...)  (Anklage wegen Mitgliedschaft  bei  der Terrororganisation 
DHKP-C und wissentliche und willentliche Unterstützung der DHKP-
C,  begangen  am  (...))  mit  Urteil  des  3. Gerichts  für  schwere 
Straftaten in C._______ vom (...) (sechs Jahre und 3 Monate Haft) 
sowie Revisionsbegehren der Staatsanwaltschaft  in B._______ an 
den  Kassationshof  vom (...)  (Korrektur  in  Urteil,  Bestätigung  des 
Strafurteils),

- Verfahren Nr. 6: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in B._______ 
vom (...)  (Anklage  wegen  öffentlicher  Beleidigung  der  Türkei  und 
verschiedener  Staatsorgane,  begangen  am  (...))  mit  Urteil  des 
Friedensstrafgerichts  in  B._______  vom (...)  (Freispruch  mangels 
Beweisen)  und  Revisionsbegehren  der  Staatsanwaltschaft  in 
B._______ an den Kassationshof (Antrag Verurteilung),

- Verfahren Nr. 7: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in C._______ 
vom  (...)  (Anklage  wegen  Propaganda  für  die  Terrororganisation 
DHKP-C, begangen am (...)) mit Urteil des 3. Gerichts für schwere 
Straftaten in C._______ vom (...) (zehn Monate Haft mit bedingtem 
Aufschub).

Die  Schweizerische  Vertretung in  Ankara  übermittelte  dem BFM mit 
Begleitbrief vom 20. Oktober 2009 (Eingang BFM: 6. November 2009) 
das Anhörungsprotokoll und die Beweismittel (Gerichtsunterlagen) im 
Original samt deutscher Übersetzung. Die Botschaft hielt zudem fest, 
der Beschwerdeführer verfüge über einen gültigen Pass.

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B.
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2009 - zugestellt am 23. Dezember 
2009 - verweigerte das BFM die Einreise des Beschwerdeführers und 
wies sein Asylgesuch ab. Auf die Begründung im Einzelnen wird, so-
weit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

C.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2010 an das Bundesverwaltungsgericht be-
antragte  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen 
Verfügung und die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und sinnge-
mäss die Überprüfung seiner Asylgründe. Auf die Begründung im Ein-
zelnen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen ein-
gegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Gemäss ständiger Praxis er-
streckt sich sodann die Zuständigkeit der Beschwerdeinstanz aufgrund 
des  engen  sachlichen  Zusammenhangs  auch  auf  die  Verweigerung 
der  Einreisebewilligung  im Sinne  von Art.  20  Abs. 2  AsylG (vgl.  die 
weiterhin geltende Rechtsprechung in Entscheidungen und Mitteilun-
gen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2000 
Nr. 12). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-

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hungsweise Änderung; er  ist  daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert  (Art. 108 AsylG sowie  105  AsylG i.V.m. Art.  37  VGG und 
Art. 48 Abs. 1, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.

4.1 Nach den Bestimmungen des Völkerrechts gilt  eine Person dann 
als Flüchtling, wenn sie das Land verlassen hat, in dem sie eine Verfol-
gung  befürchtet.  Bei  Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  als  Verfol-
gungsstaat bezeichneten Land bleibt somit aus diesem Grund kein An-
lass für  eine  Prüfung der Flüchtlingseigenschaft. Trotzdem kann das 
BFM gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung  des  Sachverhaltes  bewilligen,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu bleiben oder  in 
ein  anderes  Land  auszureisen.  Dabei  hat  die  asylsuchende  Person 
eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  Art.  7 
AsylG). Ferner kann das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemu-
tet  werden kann,  sich in  einem Drittland um Aufnahme zu bemühen 
(vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG).

4.2 Beim Entscheid  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  sind  die 
Voraussetzungen grundsätzlich  restriktiv  zu umschreiben,  wobei  den 
Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erfor-
derlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die 
Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung 
durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, 
die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweiti-
gen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As-
similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiterhin gel-
tende Praxis der ARK in EMARK 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131 ff., 
welcher angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten To-
talrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). Zusammen-

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fassend ist für die Erteilung der Einreisebewilligung die Schutzbedürf-
tigkeit der betroffenen Personen ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 
Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefähr-
dung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft  gemacht wird und ob der 
Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann. Eine Verfolgungssituation muss überdies ak-
tuell sein, um gemäss Art. 3 AsylG als asylrelevant zu gelten. Dies be-
deutet, dass zwischen dem Ereignis und der Flucht, mithin dem Asyl-
gesuch, ein zeitlicher Kausalzusammenhang bestehen muss.

5.

5.1 Das BFM begründete seinen negativen Entscheid im Wesentlichen 
damit,  die  strafrechtliche  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  wegen 
Mitgliedschaft und Unterstützung der DHKP-C sei im Kern als rechts-
staatlich legitim zu beurteilen. Zwar habe der Beschwerdeführer ange-
geben, für die DHKP-C nichts getan zu haben. Dazu sei festzustellen, 
dass  im  Rahmen  einer  rechtsstaatlich  legitimen  Strafverfolgung  die 
Frage, ob die beschuldigte Person das ihr angelastete Delikt tatsäch-
lich  begangen  habe  oder  nicht,  keinen  Einfluss  auf  die  Frage  der 
Schutzbedürftigkeit bei einem Einreise- und Asylgesuch habe. Der Be-
schwerdeführer sei  nicht schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes. 
Es würden auch keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, wonach die Ver-
urteilung zu einer Freiheitsstrafe aus asylrechtlich relevanten Motiven 
erfolgt wäre oder die ausgesprochene Strafe aus einem solchen Grund 
unverhältnismässig hoch ausgefallen wäre. Schliesslich sei es nicht im 
Interesse der Schweiz, gewaltbereiten Personen aus dem Umfeld der 
DHKP-C eine Einreisebewilligung zu erteilen. Im Übrigen bestehe für 
ihn die Möglichkeit, in ein anderes Land auszureisen und dort ein Asyl-
gesuch zu stellen. Als  Alternative zur  Schweiz stünde ihm als  türki-
scher Staatsangehöriger die Möglichkeit offen, visumsfrei nach Kroa-
tien zu reisen und dort  ein Asylverfahren zu durchlaufen. Aus diesen 
Gründen sei die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen und sein 
Asylgesuch abzulehnen. 

5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe führt  der Beschwerdeführer an,  er 
habe wegen seiner Mitgliedschaft  und seinem Engagement in einem 
Verein,  der  sich  mit  Menschenrechten,  Demokratie  und  Freiheit  be-
fasse, Todesdrohungen erhalten. Er habe sich für kurze Zeit  als Mit-
glied der DHKP-C engagiert  in der Hoffnung, sich so vom Druck auf 
ihn und seine Familie zu befreien. In der Folge sei er von einem ehe-

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maligen Mitglied bei der Polizei denunziert worden, was zu einer An-
klageerhebung  beim 3. Gericht  für  schwere Straftaten in  C._______ 
geführt habe. Er sei aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, in ein 
anderes Land auszureisen, um dort ein Asylgesuch zu stellen.

6.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM zu Recht eine unmittelbare 
Gefahr im Sinne von Art. 20 AsylG verneinte und die Einreise des Be-
schwerdeführers in die Schweiz verweigerte.

6.1 Den  Angaben  des  Beschwerdeführers  sowie  den  vorliegenden, 
auszugsweise angefertigten Übersetzungen der von ihm eingereichten 
Gerichtsunterlagen  kann  entnommen  werden,  dass  sich  der  Be-
schwerdeführer in der Türkei als Mitglied eines politischen Vereins (Te-
mel Haklar ve Özgürlükler Dernegi) engagiert hat und durch seine Teil-
nahme an  Diskussionen,  Pressekundgebungen,  Protestaktionen  und 
Demonstrationen sowie durch Organisieren von Aktionen ins Visier der 
Strafverfolgungsbehörden von B._______ geraten ist. Zwischen Januar 
2005 und Mai 2007 wurden gegen ihn sieben Strafverfahren - fünf vor 
dem  Friedensstrafgericht  und  zwei  vor  dem  3.  Gericht  für  schwere 
Straftaten  in  C._______  -  eingeleitet  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  A, 
Beweismittelcouvert,  Akte  A5).  Dabei  wurde  er  vom 
Friedensstrafgericht in B._______ in drei Verfahren mangels Beweisen 
respektive mangels Erfüllen des Straftatbestandes freigesprochen. In 
zwei  weiteren  Verfahren  wurden  ihm  bedingte  Freiheitsstrafen 
auferlegt.  In  drei  anderen  Strafverfahren  -  davon  zwei  vor  dem  3. 
Gericht  für  schwere  Straftaten  in  C._______  -  folgten  unbedingte 
Gefängnisstrafen, so wegen Verstosses gegen das Demonstrationsge-
setz (zehn Monate), wegen Aufhetzung des Volks zu Hass und Feind-
lichkeit  (zehn  Monate)  sowie  wegen  Mitgliedschaft  bei  der  DHKP-C 
und Unterstützung derselben (sechs Jahre und drei Monate). Im letz-
teren Verfahren wurde er im Zeitpunkt der Urteilsverkündung unter Be-
rücksichtigung der Straftat, der bereits in Haft verbrachten Zeit und der 
Verhältnismässigkeit bedingungslos aus der Haft entlassen. 

Die Frage, ob die in drei der sieben eingeleiteten Strafverfahren erfolg-
ten  Verurteilungen  des Beschwerdeführers  zu  Recht  erfolgt  sind,  ist 
hier nicht zu prüfen; es bestehen diesbezüglich keine Hinweise auf ein 
unrechtmässiges  Handeln. Zudem erscheint  das  Strafmass der  aus-
gesprochenen  Gefängnisstrafen  nicht  als  unverhältnismässig.  In  ge-
wissen  Punkten  wurde  der  Beschwerdeführer  gar  freigesprochen. 

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Auch betreffend das Strafverfahren beim 3. Gericht für schwere Straf-
taten  in  C._______  wegen  Mitgliedschaft  bei  der  DHKP-C  und 
Unterstützung der DHKP-C erscheint die ausgesprochene Strafe von 
sechs  Jahren  und  drei  Monaten  in  Anbetracht  der  in  diesem 
Strafverfahren  dem  Beschwerdeführer  vorgeworfenen  Straftaten  - 
Mitgliedschaft  bei  der  DHKP-C  und  Unterstützung  derselben  -  nicht 
unverhältnismässig  streng.  Abgesehen  davon  wurde  er  nach  14 
Monaten  Gefängnis  bedingungslos  auf  freien  Fuss  gesetzt.  Auch 
liegen  keine  Anhaltspunkte  dafür  vor,  dass  diese  Verurteilung  aus 
asylrechtlich  relevanten  Motiven  erfolgt  wäre.  So  ist  insbesondere 
darauf  hinzuweisen,  dass  es  sich  bei  der  marxistisch-leninistisch 
orientierten DHKP-C um eine illegale Organisation handelt, deren Ziel 
es  ist,  das  bestehende  türkische  Staatsgefüge  durch  bewaffnete 
Revolution  zu  zerschlagen  und  ein  sozialistisches  System 
einzurichten. Die Organisation war massgeblich an den Hungerstreiks 
und  Todesfasten  in  türkischen  Gefängnissen  ab  Oktober  2000  bis 
2007 beteiligt. Daneben führte sie aber auch Anschläge durch, die sich 
gegen  Personen  und  Einrichtungen  der  türkischen  Regierung  und 
Sicherheitskräfte sowie gegen „Zeichen des Imperialismus“ richteten. 
Zwar kam es in letzter Zeit zu keinen spektakulären Operationen mehr. 
Dennoch  geht  von  der  DHKP-C  weiterhin  eine  erhöhte 
Gewaltbereitschaft  aus  (vgl.  SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGS-HILFE,  Türkei  - 
Update:  Aktuelle  Entwicklungen,  9. Oktober  2008).  Wie  den  einge-
reichten Gerichtsunterlagen betreffend das Verfahren Nr. 5 zudem ent-
nommen  werden  kann,  ist  der  Beschwerdeführer  am  (...) 
festgenommen worden, als er zwei verdächtige Personen transportiert 
habe. Dabei hätten die Aussagen und die Identifizierung einer Person 
ergeben, dass er verschiedenen Mitgliedern der DHKP-C Waffen und 
anderes  Material  übergeben  haben  soll.  Er  habe  sich  selber  der 
DHKP-C angeschlossen und eine Waffe erhalten. Unter  diesem Ge-
sichtspunkt ist eine strafrechtliche Verfolgung durch die türkischen Be-
hörden als grundsätzlich legitim zu qualifizieren. Soweit der Beschwer-
deführer dazu einwendet, er sei wegen des Drucks seitens der Behör-
den Mitglied der DHKP-C geworden, ohne sich jedoch aktiv betätigt zu 
haben,  vermag dies  an  obiger  Betrachtungsweise nichts  zu  ändern, 
zumal nicht ersichtlich ist,  weshalb er deswegen dieser Organisation 
beigetreten ist und sich - wie in der Beschwerdeschrift  erwähnt - für 
diese  engagiert  habe.  Im  Weiteren  ist  hervorzuheben,  dass 
entsprechend  dem Antrag  des  zuständigen  Staatsanwalts,  der  beim 
Kassationshof die Revision des diesbezüglichen Urteils beantragt hat, 
nicht  mit  einer  höheren  Strafe  zu  rechnen  sein  dürfte.  Vielmehr 

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beantragte dieser in seiner Eingabe die Anpassung eines Absatzes im 
Urteil,  gleichzeitig  aber  die  Bestätigung  des  Strafurteils.  Insgesamt 
deuten  die vom Beschwerdeführer  eingereichten  Gerichtsunterlagen 
auf  rechtsstaatlich  korrekt  durchgeführte  Verfahren hin. Zudem kann 
mangels entsprechender Anhaltspunkte davon ausgegangen werden, 
dass die  Rechte  des  Beschwerdeführers  in  den beim Kassationshof 
hängigen  Verfahren  ebenso  gewahrt  werden.  Jedenfalls  liegen 
diesbezüglich keine Hinweise dafür vor, wonach der Beschwerdeführer 
im  heutigen  Zeitpunkt  asylrechtlich  relevante  Nachteile  zu  erwarten 
hätte.  Was die in der Rechtsmitteleingabe gemachten Einwände des 
Beschwerdeführers,  wegen  seines  politischen  Engage-ments  mit 
häufigen Todesdrohungen konfrontiert worden zu sein, betrifft, können 
den  Akten  keine  derartigen  Angaben  entnommen  wer-den,  weshalb 
seine diesbezüglichen Befürchtungen vor  weiteren Dro-hungen nicht 
begründet sind. 

6.2 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, 
eine  aktuelle  Gefährdung  aus  asylrelevanten  Motiven  aufzuzeigen, 
welche die Bewilligung der Einreise in die Schweiz rechtfertigen wür-
de. Im Übrigen ist  eine Beziehungsnähe des Beschwerdeführers zur 
Schweiz zu verneinen. Insgesamt liegen somit  keine überwiegenden 
Anhaltspunkte für eine Einreise in die Schweiz vor (vgl. EMARK 2005 
Nr. 19 m.w.H.). Das BFM hat somit zu Recht die Bewilligung der Ein-
reise  des  Beschwerdeführers  in  die  Schweiz  verweigert  und  das 
Asylgesuch abgelehnt.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG, Art. 1-3 des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). Aus ver-
waltungsökonomischen  Gründen  wird  indessen  auf  deren  Erhebung 
verzichtet (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizerische Ver-
tretung in Ankara und das BFM.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener

Versand: 

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