# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 554a8590-5220-5589-9255-28c06fe9b591
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-12-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 08.12.2025 VBE.2025.21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2025-21_2025-12-08.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2025.21 / ms / nl 
(Vers.-Nr.: 756.9957.5219.05)  

Art. 174 

 

 

Urteil vom 8. Dezember 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichterin Hausherr  

Gerichtsschreiber Schweizer          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch B._____ 

 

     

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

     

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG allgemein; 

medizinische Massnahmen 

(Verfügung vom 3. Dezember 2024) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 3. Dezember 2024 verneinte die Beschwerdegegnerin 

– in Bestätigung ihres Vorbescheids vom 1. Oktober 2024 – einen An-

spruch der 2007 geborenen Beschwerdeführerin auf medizinische Mass-

nahmen (ambulante Psychotherapie) mangels Vorliegens eines Geburts-

gebrechens nach Ziff. 405 GgV-EDI-Anhang bzw. mangels Erfüllung der 

Voraussetzungen für eine entsprechende Kostengutsprache gestützt auf 

Art. 12 IVG. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 3. Dezember 2024 erhob die Beschwerdeführe-

rin mit Eingabe vom 12. Januar 2025 fristgerecht Beschwerde und bean-

tragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 3. Dezember 2024 

und die Anerkennung des Vorliegens eines Geburtsgebrechens nach 

Ziff. 405 GgV-EDI-Anhang und die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin 

zur Übernahme der Kosten diesbezüglicher medizinischer Massnahmen. 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 17. Februar 2025 beantragte die Beschwerdegegnerin, 

die Beschwerde sei als gegenstandslos abzuschreiben, und reichte eine 

gleichentags ergangene Verfügung ein, mit welcher sie die Verfügung vom 

3. Dezember 2024 pendente lite aufgehoben und der Beschwerdeführerin 

eine neue Verfügung über deren Anspruch auf medizinische Massnahmen 

nach nochmaliger Prüfung des Sachverhalts in Aussicht gestellt hatte. 

 

2.3. 

Die Instruktionsrichterin forderte die Beschwerdeführerin mit Verfügung 

vom 20. Februar 2025 zur Stellungnahme dazu auf, ob das Verfahren als 

erledigt von der Kontrolle abgeschrieben werden könne.  

 

2.4. 

Die Beschwerdeführerin hielt mit zwei Eingaben vom 22. Februar 2025 an 

der Beschwerde fest und beantragte, dass auf die Beschwerde eingetreten 

und diese nicht als erledigt betrachtet werde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Gemäss Art. 53 Abs. 3 ATSG kann der Versicherungsträger eine Verfü-

gung, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange wiedererwägen, bis 

er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Beinhaltet eine 

 - 3 - 

 

 

lite pendente erlassene Verfügung eine Schlechterstellung, stellt die ent-

sprechende Verfügung lediglich einen Antrag an das Gericht dar, und es 

bleibt der Partei die Möglichkeit offen, das Rechtsmittel zurückzuziehen. 

Entspricht die Wiedererwägung sonst nicht dem im Beschwerdeverfahren 

gestellten Antrag, kommt sie bloss einem Antrag an das Gericht gleich  

(DIANA OSWALD, in: Kieser/Kradolfer/Lendfers [Hrsg.], Kommentar zum 

Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

5. Aufl. 2024, N. 83 zu Art. 53 ATSG). Die Wiedererwägung der angefoch-

tenen Verfügung während eines hängigen Verfahrens führt nur dann zur 

Gegenstandslosigkeit, wenn mit der Wiedererwägung den im Beschwerde-

verfahren gestellten Rechtsbegehren vollumfänglich entsprochen worden 

ist oder das Streitobjekt dahinfällt (Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2012 

vom 19. September 2012 E. 4.2 mit Hinweis; MIRIAM LENDFERS, in: Kie-

ser/Kradolfer/Lendfers [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 5. Aufl. 2024, N. 135 zu 

Art. 61 ATSG). 

 

1.2. 

Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung vom 3. Dezem-

ber 2024 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 55) mit Verfügung vom 17. Feb-

ruar 2025 vor dem Hintergrund, dass sie die Durchführung weiterer Abklä-

rungen und einen Neuentscheid über den strittigen Anspruch gestützt auf 

deren Ergebnisse für notwendig befand, pendente lite aufgehoben. Die Be-

schwerdeführerin beantragte vorliegend jedoch neben der Aufhebung der 

Verfügung vom 3. Dezember 2024 die Anerkennung des Vorliegens des 

Geburtsgebrechens Ziff. 405 GgV-EDI-Anhang und die Zusprache diesbe-

züglicher medizinischer Massnahmen gestützt auf die Berichte ihrer behan-

delnden Ärzte (vgl. auch Eingabe vom 22. Februar 2025). Somit wurde den 

Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin nicht vollumfänglich entsprochen 

(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_22/2019 vom 7. Mai 2019 

E. 3.1 f.), weshalb die Wiedererwägung der Beschwerdegegnerin bloss ei-

nem Antrag an das Gericht gleichkommt. Zu prüfen ist daher, ob die Be-

schwerdegegnerin gestützt auf die vorliegenden Akten zu verpflichten ist, 

die Kosten der von der Beschwerdeführerin beantragten medizinischen 

Massnahmen (ambulante Psychotherapie) aufgrund deren Erforderlichkeit 

zur Behandlung eines Geburtsgebrechens nach Ziff. 405 GgV-EDI-Anhang 

bzw. wegen der Erfüllung der Voraussetzungen nach Art. 12 IVG zu über-

nehmen. 

 

1.3. 

Mit Bericht vom 13. Juni 2024 stellte Dr. med. F._____, Fachärztin für Psy-

chiatrie und Psychotherapie, unter anderem die Diagnosen eines Asperger-

Autismus (ICD-10: F84.5) respektive einer Autismusspektrumsstörung 

(ASS) sowie einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vom un-

aufmerksamen Erscheinungsbild (ADHS; ICD-10: F98.8; vgl. VB 37 S. 5, 

35). Dr. med. C._____, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie 

 - 4 - 

 

 

für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt mit Schreiben vom 18. Dezember 

2024 sodann fest, er könne die Diagnose einer ASS gemäss ICD-10: F84.5 

bestätigen (VB 60 S. 16). 

 

Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass die behandelnden Ärztinnen 

und Ärzte sich in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. 

Daher verfolgen deren Berichte nicht den Zweck einer den abschliessen-

den Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven 

Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die 

materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a 

S. 352. Zudem ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass be-

handelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau-

ensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen 

(BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen). Daher wird im 

Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben 

der behandelnden Ärzte denn auch kaum je in Frage kommen 

(BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 f.). RAD-Ärztin Dr. med. D._____, Fachärz-

tin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, hielt mit Stellungnahme vom 3. De-

zember 2024 zur Einschätzung von Dr. med. F._____ fest, die von dieser 

beschriebenen Schwierigkeiten würden sich mit den Diagnosen einer So-

zialen Phobie und einer mittelgradigen depressiven Episode erklären las-

sen, welche im Rahmen der stationären Abklärung und Behandlung vom 

25. August 2022 bis 9. Februar 2023 in der Klinik für Kinder- und Jugend-

psychiatrie (vgl. VB 8 S. 4 ff.) gestellt worden seien (VB 56 S. 2). Demge-

genüber führte Dr. med. F._____ gestützt auf die von ihr festgestellte 

Symptomatik aus, es sei klar eine autistische Trias mit Störung der sozialen 

Interaktion, der sozialen Kommunikation und mit repetitivem Verhalten/ein-

geengten Interessen erfüllt und zudem liege eine Aufmerksamkeitsdefi-

zitstörung vor. Des Weiteren habe die mit der während langer Zeit nicht 

erkannten Neurodivergenz einhergehende chronische Überforderung zu 

einer depressiven Episode geführt (VB 37 S. 35). Insofern bestehen wider-

sprüchliche fachärztliche Einschätzungen bezüglich der Diagnostik. Dem 

Schreiben von Dr. med. C._____ lassen sich sodann keine Befunde ent-

nehmen, weshalb dessen Angaben für eine direkte Leistungszusprache 

ebenfalls nicht genügen. Gestützt auf die vorhandenen medizinischen Be-

richte lässt sich überdies auch nicht zuverlässig beurteilen, ob die Be-

schwerdeführerin allenfalls gestützt auf Art. 12 IVG Anspruch auf Über-

nahme der Kosten einer ambulanten Psychotherapie hat. Die RAD-Ärztin 

Dr. med. D._____ gelangte in ihrer Stellungnahme vom 11. Februar 2025 

(VB 62) demnach zu Recht zum Schluss, dass weitere Abklärungen erfor-

derlich seien. Dafür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu-

weisen. Danach wird die Beschwerdegegnerin erneut über das Leistungs-

begehren der Beschwerdeführerin zu entscheiden haben. 

 

 - 5 - 

 

 

2. 

2.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzu-

heissen, dass die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember 2024 aufzu-

heben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

2.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Kosten Fr. 400.00. Sie sind gemäss dem Verfah-

rensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

2.3. 

Der durch ihre Eltern vertretenen Beschwerdeführerin steht mangels ent-

schädigungspflichtigen Aufwandes (vgl. BGE 129 V 113 E. 4.1 S. 116; 127 

V 205 E. 4b S. 207; 110 V 132 E. 4d S. 134 f.) keine Parteientschädigung 

zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 3. De-

zember 2024 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne 

der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 400.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

 - 6 - 

 

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 8. Dezember 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Schweizer