# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d500b14-f257-5440-a3d5-aa3f8ae8998d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.06.2020 D-2778/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2778-2017_2020-06-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2778/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley, Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

und deren Kinder, 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

alle vertreten durch lic. iur. Semsettin Bastimar,  

Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 11. April 2017 / N (…). 

 

 

D-2778/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge im (…) 2008 und gelangten – unter anderem und mit teilweise län-

geren Aufenthalten – über den Iran und die Türkei im Jahr 2014 nach Grie-

chenland.  

A.a Daraufhin reiste die Beschwerdeführerin B._______ (nachfolgend: Be-

schwerdeführerin) alleine per Flugzeug und Taxi und mit falschen Ausweis-

papieren über Italien in die Schweiz, wo sie am 16. November 2014 ein 

Asylgesuch stellte. Die Beschwerdeführerin wurde am 24. November 2014 

summarisch befragt und am 16. Juli 2015 einlässlich zu ihren Asylgründen 

angehört. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs und zu ihrem persönlichen Hintergrund 

machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei afghanische Staatsangehö-

rige, gehöre zur Ethnie der Sayed und stamme aus F._______, wo sie ge-

boren und aufgewachsen sei und ihre ganze Familie auch heute noch lebe. 

Sie sei nie zur Schule gegangen und ihr familiäres Umfeld sei sehr konser-

vativ. Ihr Vater sei drogenabhängig und ihre Mutter und ihre Schwester hät-

ten den Lebensunterhalt der Familie durch das Knüpfen von Teppichen be-

stritten. Im Alter von (…) Jahren sei sie gegen ihren Willen für 10‘000 Dollar 

als Drittfrau an einen (…)-jährigen Kommandanten namens G._______ 

verkauft und mit ihm religiös verheiratet worden. Nach der Heirat habe sie 

bei der Familie des Ehemanns gewohnt, der sie vergewaltigt habe, und 

dessen ganze Familie sie habe bekochen müssen. Sie sei mehrmals von 

den beiden ersten Frauen des Kommandanten und dessen Sohn misshan-

delt worden und habe am ganzen Körper Verbrennungen und Verbrühun-

gen erlitten. Als sie nach (…) Monaten von ihrer Mutter und ihrem Bruder 

zur Pflege ihrer Verletzungen in ein Spital und schliesslich für einige Tage 

in ihr Elternhaus verbracht worden sei, habe ihre Mutter ihr zur Flucht mit 

dem Beschwerdeführer – einem im Iran aufgewachsenen Verwandten, der 

vor der Hochzeit erfolglos um ihre Hand angehalten hatte – verholfen. Sie 

seien im (…) über H._______ in den Iran gereist, wo sie während (…) Jah-

ren gelebt hätten. Dann hätten sie jedoch von Verwandten erfahren, dass 

ihr vormaliger Ehemann und ihr Bruder sie im Iran gesucht hätten, um we-

gen der Ehrverletzung Rache zu nehmen. In der Folge sei sie zusammen 

mit ihrem Mann in die Türkei gegangen, wo sie während (…) Jahren gelebt 

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hätten. Schliesslich sei der Beschwerdeführer in der Türkei von ihrem an-

deren Bruder mit einem Messer angegriffen und verletzt worden. Daraufhin 

seien sie mit dem Boot nach Griechenland ausgereist. 

Zur Stützung ihrer Vorbringen legte sie drei Fotos ihrer Hochzeit mit dem 

Kommandanten, eine in I._______ ausgestellte und auf sie und den Be-

schwerdeführer lautende Hochzeitsbescheinigung sowie verschiedene 

das erstgeborene Kind betreffende Dokumente (Geburtsurkunde, Impfaus-

weis, Spitalbericht aus dem Iran) ins Recht.  

A.b Der Beschwerdeführer A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) 

hielt sich mit dem im Jahr (…) geborenen Kind C._______ während einiger 

Monate in Griechenland auf, bevor sie zu Fuss und mit dem Zug über Ma-

zedonien, Serbien, Ungarn und Österreich am 8. Juni 2015 in die Schweiz 

gelangten, wo sie am darauffolgenden Tag ebenfalls ein Asylgesuch stell-

ten. Er wurde am 22. Juni 2015 summarisch befragt und am 13. Februar 

2017 vertieft zu seinen Asylgründen angehört. 

Zur gemeinsamen Geschichte im Nachgang der Flucht aus Afghanistan 

machte er weitgehend dieselben Angaben. Auf allfällige Widersprüche oder 

Ungereimtheiten wird – soweit entscheidrelevant – im Rahmen der ent-

sprechenden Erwägungen eingegangen. Zu seinen persönlichen Flucht-

gründen brachte er zudem vor, er sei afghanischer Staatsbürger tadschiki-

scher Ethnie und im Iran als Kind afghanischer Flüchtlinge geboren und 

aufgewachsen. Sein in der Partei (…) aktiver Vater sei im Jahr (…) nach 

Afghanistan zurückgekehrt, wo er schliesslich aufgrund seiner politischen 

Aktivität im Jahr (…) von den Taliban getötet worden sei. Er sei – weil er 

nach einem Stadtwechsel keine gültigen iranischen Papiere mehr gehabt 

habe und von den Behörden erwischt worden sei – im (…) 2006 nach Af-

ghanistan deportiert worden. Dort habe er kaum jemanden gekannt, sei 

aber in F._______ beim Bruder der Beschwerdeführerin – der selber meh-

rere Jahre im Iran gearbeitet und während dieser Zeit bei seiner Familie 

gewohnt habe – untergekommen. Am Wochenende sei er oft bei der Fami-

lie der Beschwerdeführerin zu Gast gewesen. Nach ungefähr eineinhalb 

Jahren Aufenthalts sei er schliesslich mit der Beschwerdeführerin geflohen. 

Er reichte eine ebenfalls in I._______ ausgestellte afghanische Nationali-

tätenbescheinigung, einen IKRK-Gefangenenausweis betreffend seinen 

Vater (Kopie), eine Mitgliederbestätigung der Partei (...), vier Fotos seines 

Vaters und Bruders zusammen mit dem Parteiführer der obengenannten 

Bewegung, zwei Hochzeitsfotos der Ehefrau, ein Foto eines im Jahr (…) in 

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H._______ getöteten Cousins sowie eine diese Tötung betreffende CD zu 

den Akten. 

B.  

Am (…) wurde D._______ in der Schweiz geboren. 

C.  

Mit Schreiben vom 20. Februar 2017 benachrichtigte das SEM die zustän-

dige kantonale Migrationsbehörde, die Dossiers der Beschwerdeführerin 

und des inzwischen geborenen Kindes würden aufgehoben und mit dem 

Dossier des Beschwerdeführers zusammengelegt. 

D.  

Mit Verfügung vom 11. April 2017 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-

renden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche 

ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig wurde 

deren Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen 

Aufnahme aufgeschoben. 

E.  

Mit Eingabe vom 15. Mai 2017 erhoben die Beschwerdeführenden – han-

delnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen den Entscheid des SEM Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten zur Hauptsa-

che die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der 

Sache zur neuen Abklärung und Feststellung des asylrelevanten Sachver-

halts sowie zur Neubeurteilung. Eventualiter seien die Dispositivziffern 1 

bis 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft 

festzustellen und Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Flüchtlingsei-

genschaft und daraus folgend die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzu-

ges festzustellen und ihnen die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge zu ge-

währen. In formeller Hinsicht sei in die Aktenstücke B16/3 und A17/2 sowie 

in alle von ihnen zuhanden der Vorinstanz eingereichten Beweismittel Ein-

sicht zu gewähren und eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung 

anzusetzen. Zuletzt ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

in Verbindung mit aArt. 110a AsylG (SR 142.31) sowie um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden einen auf 

sie lautenden Leistungsentscheid der sozialen Dienste der Stadt 

J._______ zu den Akten. 

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Seite 5 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2017 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung 

und Rechtsverbeiständung gut, ordnete den rubrizierten Rechtsvertreter 

als amtlichen Rechtsbeistand bei und verzichtete auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. Ferner wies sie das Akteneinsichtsgesuch betreffend 

die Aktenstücke B16/3 und A17/2 (recte: B17/2) ab, wobei sie gleichzeitig 

das Gesuch um Akteneinsicht in die von den Beschwerdeführenden einge-

reichten Beweismittel guthiess und die Vorinstanz anwies, die entspre-

chende Akteneinsicht zu gewähren. Den Beschwerdeführenden wurde 

– ab gewährter Akteneinsicht – eine Frist zur Beschwerdeergänzung ge-

setzt. 

G.  

Mit Eingabe vom 9. Juni 2017 reichten die Beschwerdeführenden eine Be-

schwerdeergänzung zu den Akten. 

Der Beschwerdeergänzung lagen zwei Fotos der Hochzeit der Beschwer-

deführerin im Original, eine Schnellrecherche der Schweizerischen Flücht-

lingshilfe (nachfolgend: SFH) zum Thema Blutrache und Blutfehde vom 

7. Juni 2017 sowie eine Kostennote bei.  

H.  

Mit Verfügung vom 12. Juni 2017 wurde das SEM eingeladen, sich zu den 

Beschwerdevorbringen vernehmen zu lassen. 

I.  

Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 reichte das SEM seine Vernehmlassung zu 

den Akten, wobei es auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung 

verwies, an denen vollumfänglich festgehalten werde. 

Zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Fotos bemerkte das SEM, 

diese würden zwar die Heirat der Beschwerdeführerin belegen, nicht je-

doch die Identität des Bräutigams oder den Zeitpunkt und die Örtlichkeit 

der Hochzeit. Es könne sich daher auch um die Hochzeit mit dem Be-

schwerdeführer handeln. Folglich vermöchten die Fotos die Unglaubhaf-

tigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht zu widerlegen. 

J.  

Mit Verfügung vom 16. Juni 2017 erhielten die Beschwerdeführenden Ge-

legenheit, eine Replik zu den Akten zu reichen. 

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Seite 6 

K.  

Mit Eingabe vom 30. Juni 2017 reichten die Beschwerdeführenden ein wei-

teres Beweismittel – einen Haftbefehl der Sicherheitsbehörde der Provinz 

K._______ im Duplikat samt deutscher Übersetzung – zu den Akten. 

L.  

Mit Eingabe vom 13. Juli 2017 reichten die Beschwerdeführenden zwei 

weitere Beweismittel – eine iranische Impfkarte sowie ein iranisches Schul-

zeugnis des Beschwerdeführers, beide ohne Übersetzung – zu den Akten. 

M.  

Am (…) wurde E._______ in der Schweiz geboren.  

N.  

Mit Eingabe vom 22. August 2018 erkundigte sich der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführenden nach dem Verfahrensstand und dem Zeithorizont 

der Verfahrensbehandlung. Ferner teilte er dem Gericht mit, dass er inzwi-

schen über das Anwaltspatent verfüge, wobei er um entsprechende Be-

rücksichtigung im Rahmen der Berechnung der Parteientschädigung res-

pektive des amtlichen Honorars ersuchte.  

O.  

Mit Eingabe vom 30. August 2018 reichten die Beschwerdeführenden die 

Kopie der Anzeige des Beschwerdeführers beziehungsweise des polizeili-

chen Berichts der Polizei der Gemeinde L._______/M._______ ein, wel-

cher vom ehemaligen Vermieter N._______ auf die Bitte des Beschwerde-

führers besorgt worden sei. Dieses Beweismittel belege dessen Aussagen 

betreffend seine Verletzung durch ein Messer seines Schwagers 

O._______.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht 

zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-

chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 7 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.3 Das während des hängigen Beschwerdeverfahrens geborene Kind 

E._______ ist in das Beschwerdeverfahren seiner Eltern miteinzubezie-

hen.  

1.4 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 

2015).  

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

Die vorliegende Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen die Ableh-

nung der Asylgesuche, die Feststellung der Vorinstanz, die Beschwerde-

führenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, sowie die Anordnung 

der Wegweisung. Die Frage des Vollzugs der Wegweisung bildet damit 

nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens.  

4.   

4.1  

Die Beschwerdeführenden haben verschiedene verfahrensrechtliche Be-

gehren gestellt, die vorab zu behandeln sind. So wird gerügt, trotz entspre-

chender Hinweise der Hilfswerksvertretung sei nicht berücksichtigt worden, 

dass die Anhörung der Beschwerdeführerin sehr kurz vor der Geburt derer 

Tochter stattgefunden habe. Ebenfalls ausser Acht gelassen worden sei die 

Tatsache, dass seit der Flucht der Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der 

Anhörungen mehr als (…) Jahre vergangen seien. Auch liege zu viel Zeit – 

19 Monate – zwischen der Befragung und der Anhörung des Beschwerde-

führers. Überdies sei die Aktenführung der Vorinstanz mangelhaft, indem 

verschiedene Beweismittel nicht im Aktenverzeichnis aufgeführt worden 

seien, und die Vorinstanz habe nicht vollständige Akteneinsicht gewährt. 

Da es sich dabei um gravierende Verletzungen des rechtlichen Gehörs 

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handle, sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur 

Feststellung des asylrelevanten Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen.  

4.2 Nachdem das Akteneinsichtsgesuch mit Zwischenverfügung vom 

23. Mai 2017 behandelt wurde, ist darauf nicht weiter einzugehen. Auch die 

Aufnahme der Beweismittel im Aktenverzeichnis ist inzwischen erfolgt. Be-

treffend den Vorwurf, es sei nicht berücksichtigt worden, dass die Be-

schwerdeführerin zum Zeitpunkt der Anhörung hochschwanger gewesen 

sei, ist festzuhalten, dass dem Anhörungsprotokoll zu entnehmen ist, dass 

dieser Umstand sehr wohl berücksichtigt wurde. Die Beschwerdeführerin 

gab an, dass die Durchführung der Anhörung kein Problem sei (vgl. vo-

rinstanzliche Akten act. A18 F7). Es lassen sich weder aus dem besagten 

Protokoll noch aus dem Entscheid des SEM Hinweise darauf entnehmen, 

dieser Umstand sei nicht berücksichtigt worden oder die Beschwerdefüh-

rerin habe sei in irgendeiner Art in eingeschränkt gewesen. Dasselbe gilt 

für den Zeitablauf. Dieser ist bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berück-

sichtigen, vermag aber keine Rückweisung an die Vorinstanz zu begrün-

den. Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefoch-

tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag um Rückweisung 

an das SEM ist daher abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün-

den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

6.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM im Wesentlichen 

aus, dass das Vorbringen der Beschwerdeführerin, in Afghanistan zwangs-

verheiratet worden und daraufhin mit dem Beschwerdeführer geflüchtet zu 

sein, als konstruiert und daher unglaubhaft beurteilt werde. Die Beschwer-

deführenden hätten sich zur Art und Weise des Heiratsantrags, zum 

Schmieden der Fluchtpläne sowie zum Ablauf der Flucht widersprüchlich 

geäussert. Zudem seien die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend 

den Besuch ihrer Mutter und ihres Bruders in sich widersprüchlich. Weitere 

Widersprüche würden sich sodann aus den Erzählungen über den Aufent-

halt im Iran ergeben. Die zahlreichen Widersprüche würden ausserdem 

durch realitätsferne Punkte in den Aussagen der Beschwerdeführenden 

unterstrichen. Es sei nicht logisch, dass die Beschwerdeführerin verschie-

dene Ereignisse beschreibe, bei welchen sie nicht anwesend gewesen sei. 

Etwas realitätsfern und merkwürdig erscheine auch die vorgebrachte Für-

sorge des Bruders der Beschwerdeführerin. Der Vorfall in M._______, bei 

welchem der Beschwerdeführer von seinem Schwager mit einem Messer 

niedergestochen worden sei, wirke ebenfalls konstruiert und wenig glaub-

haft. Im Weiteren sei auch die Beschreibung der Hochzeit stereotyp und 

wenig detailliert ausgefallen. Es würden sich keine Realkennzeichen oder 

besondere Details darin finden lassen, die darauf hinweisen würden, dass 

die Beschwerdeführerin das Erzählte auch tatsächlich erlebt habe. Die ein-

gereichten Fotos der angeblichen Hochzeit vermöchten die zahlreich auf-

geführten Unglaubhaftigkeitselemente nicht aufzuheben. Insgesamt seien 

die Vorbringen im Zusammenhang mit der Zwangsheirat mangels Glaub-

haftigkeit nicht auf deren Asylrelevanz zu überprüfen.  

Betreffend das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er aufgrund 

der Vergangenheit seines Vaters von den Taliban bedroht werde, wurde 

ausgeführt, dass dieses als asylirrelevant zu beurteilen sei, zumal Perso-

nen mit einer innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines 

Drittstaates angewiesen seien. Mit dem problemlosen Aufenthalt in 

F._______ habe der Beschwerdeführer bewiesen, dass er den Schutz der 

Schweiz nicht bedürfe.  

6.2 In der Beschwerde wurde dieser Einschätzung im Wesentlichen entge-

gengehalten, die Verweise der Vorinstanz auf Fragen und Antworten seien 

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nicht ganz zutreffend und beträfen andere Themen oder Sachverhaltsteile, 

was ein Indiz für eine unsorgfältige und mit Vorurteilen belastete Arbeit sei. 

Ferner wurde die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz in Frage gestellt. 

Hinsichtlich der angeführten Widersprüche wurde unter anderem ausge-

führt, es sei nicht berücksichtigt worden, dass die Beschwerdeführerin bei 

der Anhörung hochschwanger gewesen und das erwähnte Ereignis fast 

über (…) Jahre her sei. Insbesondere die unterschiedliche Wahrnehmung 

der Flucht sei ein starkes Indiz dafür, dass es sich bei der dargestellten 

Flucht um keine konstruierte beziehungsweise abgesprochene Geschichte 

handle. Das SEM habe bei seiner Beurteilung die sozio-kulturellen Fakto-

ren völlig ausser Acht gelassen. Entgegen der Behauptung des SEM, dass 

die Beschwerdeführerin den Eindruck vermittelt habe, das Geschilderte 

nicht selbst erlebt zu haben, habe die Hilfswerkvertreterin in ihrer Notiz 

festgehalten, die Beschwerdeführerin habe in ihrem Vorbringen sehr glaub-

haft (recte: glaubwürdig) gewirkt, was durch ihre Mimik oft unterstrichen 

worden sei.  

6.3 Mit ihrer Beschwerdeergänzung reichten die Beschwerdeführenden 

weitere Hochzeitsfotos nach und trugen vor, dass in der afghanischen Ge-

sellschaft eine sehr klare Geschlechtertrennung herrsche. Bei Hochzeiten 

würden Frauen und Männer getrennt feiern. Es sei undenkbar beziehungs-

weise unvorstellbar, dass sich ein männlicher Familienangehöriger, wie der 

Vater, mit der Braut so abbilden lasse, als ob er der Bräutigam wäre. Blut-

rache könne auch nach Jahren oder Jahrzenten ausgeübt werden. Staatli-

che Institutionen würden keinen Schutz davor bieten. Die vorinstanzliche 

Behauptung, dass die Verfolgung der Familie des Beschwerdeführers lokal 

beschränkt sei, treffe nicht zu. Damals habe niemand von seinem Aufent-

halt in F._______ gewusst.  

6.4 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, dass die Fotos der Hoch-

zeit der Beschwerdeführerin zwar belegen würden, dass sie geheiratet 

habe, jedoch nicht wen, wann und wo. Es könnte sich daher auch um ihre 

Hochzeit mit dem Beschwerdeführer handeln, weshalb die Fotos die Un-

glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen nicht zu widerlegen vermöchten.  

6.5 In ihrer Replik führten die Beschwerdeführenden aus, das ins Recht 

gelegte Duplikat des Haftbefehls der Sicherheitsbehörde der Provinz 

K._______, das der Cousin des Beschwerdeführers mit Hilfe der Mutter 

der Beschwerdeführerin besorgt und in die Schweiz geschickt habe, stelle 

ein offizielles Dokument dar und belege ihre Flucht.   

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Seite 11 

7.  

7.1 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol-

gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanzi-

ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der 

dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat-

sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi-

nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft 

wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi-

dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der 

Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamtbeurteilung aller 

Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, 

Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-

keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. Glaub-

haft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente über-

wiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der 

Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten 

Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-

brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 

2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).  

7.2 Nach Prüfung der Akten kann sich das Bundesverwaltungsgericht den 

vorinstanzlichen Ausführungen zur Unglaubhaftigkeit der Vorbringen der 

Beschwerdeführenden zwar nur teilweise anschliessen, kommt aber im Er-

gebnis zum gleichen Resultat.  

7.3 Zwar erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Beschreibung der 

ersten Hochzeit der Beschwerdeführerin entgegen der Ansicht des SEM 

nicht als stereotyp und wenig detailliert. Zugegebenermassen hat die Be-

schwerdeführerin nicht ausführlich über die Heirat mit ihrem ersten Ehe-

mann berichtet (vgl. act. A18 F50-55), jedoch wurde sie von der Vorinstanz 

diesbezüglich auch nicht konkreter befragt. Ihr Aussageverhalten ist denn 

auch nicht erstaunlich, da in Berücksichtigung der kulturellen Gegebenhei-

ten die Frauen in Afghanistan in dieser Hinsicht oft kein Mitspracherecht 

haben (vgl. unten E. 8.2). Umso ausführlicher kann die Beschwerdeführe-

D-2778/2017 

Seite 12 

rin aber über die Zeit in der Familie ihres Ehemanns erzählen. Sie berich-

tete anschaulich, wie schwierig das Leben in der neuen Grossfamilie ge-

wesen sei, obwohl sie sich eigentlich gewohnt gewesen sei, mit einer 

Grossfamilie unter einem Dach zu leben. Ferner kann sie im Detail aufzäh-

len, wie sich die neue Familie zusammengesetzt habe. Eindrücklich be-

schreibt sie ausserdem, wie der erste Monat noch einigermassen gut ge-

gangen sei, aber sich die Umstände verschlimmert hätten, nachdem der 

Kommandant mutmasslich aufgrund von Kampfhandlungen ausser Haus 

gewesen sei. So hätten kleinste Missgeschicke ihrerseits, wie das falsche 

Würzen der Speisen, dazu geführt, dass sie von den anderen zwei Ehe-

frauen – die ausserdem neidisch auf sie gewesen seien – an den Unterar-

men und im Brustbereich verbrannt oder am Fussgelenk verbrüht worden 

sei. Vom ältesten Sohn des Kommandanten sei sie zudem wiederholt mas-

siv verprügelt worden, wenn sie versucht habe, sich gegen die schlechte 

Behandlung zu wehren (a.a.O. F46, F60, F78 f.). Die Beschwerdeführerin 

trägt sodann Narben am Körper, die auf diese Misshandlungen hindeuten. 

Des Weiteren sind die eingereichten Hochzeitsfotos ein weiteres Indiz für 

die Heirat mit dem um viele Jahre älteren Mann. Denn, wie die Beschwer-

deführerin in der Rechtsmitteleingabe ausführt, erscheint es eher unwahr-

scheinlich, dass ein anderes männliches Familienmitglied ein Foto mit der 

Braut macht, auf dem die Braut und der Mann einander einen Ring anste-

cken. Das Argument des SEM, die Beschwerdeführerin könne nicht darle-

gen, woher sie genau wisse, dass ihre männlichen Familienmitglieder mit 

dem Heiratsantrag des Kommandanten sofort einverstanden gewesen 

seien, erscheint ebenfalls gesucht. Bereits an anderer Stelle im Protokoll 

erwähnt die Beschwerdeführerin, dass ihr Vater ein Brautgeld von 10‘000 

Dollar verlangt habe, welches der Beschwerdeführer nicht habe aufbringen 

können. Es ist daher naheliegend, dass sie davon ausgehen konnte, dass 

ihre männlichen Familienmitglieder mit der Heirat einverstanden gewesen 

seien, nachdem der Kommandant bereit gewesen sei, das verlangte Braut-

geld zu bezahlen (a.a.O. F48, F57).  

7.4 Allerdings vermögen die Angaben der Beschwerdeführenden zu den 

weiteren Ereignissen im Heimatland nicht zu überzeugen. So ist der Vo-

rinstanz darin beizupflichten, dass die Beschwerdeführenden zu wesentli-

chen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht haben. Beispielsweise 

erklärte die Beschwerdeführerin, der Beschwerdeführer habe sie zu Hause 

abgeholt und sie seien zusammen geflüchtet, während der Beschwerde-

führer geltend machte, die Beschwerdeführerin beim Nachtessen vor der 

Flucht das erste Mal wiedergesehen und dort übernachtet zu haben, wobei 

die Beschwerdeführerin und deren Mutter ihn geweckt hätten, woraufhin er 

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den Schlepper kontaktiert habe. Ferner behauptete die Beschwerdeführe-

rin, keine Kleider mitgenommen zu haben, der Beschwerdeführer aber 

sagte, seine Schwiegermutter habe ihm eine Tasche mit Kleidern für die 

Beschwerdeführerin mitgegeben. Schliesslich schilderte die Beschwerde-

führerin, ihre Mutter habe die Flucht in Absprache mit dem Beschwerde-

führer geplant, während dieser aussagte, er sei erst am Tag der Flucht ge-

fragt worden, ob er mit der Beschwerdeführerin flüchten wolle. Auch betref-

fend Besuchen der Beschwerdeführerin bei ihrer Familie während der ers-

ten Ehe äusserten sich die Beschwerdeführenden widersprüchlich, indem 

sie aussagte, drei Monate lang keinen Kontakt mit ihrer Familie gehabt zu 

haben, er jedoch geltend machte, sie sei während dieser drei Monate 

mehrmals von ihrem Vater und Bruder nach Hause gebracht worden.  

Auch im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt im Iran fielen die Schilderun-

gen der Beschwerdeführenden widersprüchlich aus. So legte die Be-

schwerdeführerin dar, sie sei von einem entfernten Verwandten des Be-

schwerdeführers darüber informiert worden, dass ihr Bruder und ihr erster 

Ehemann sie im Iran suchen würden, der Beschwerdeführer aber, seine 

Mutter habe ihn informiert. Ebenfalls zuzustimmen ist der Vorinstanz darin, 

dass der Vorfall in Istanbul konstruiert und wenig glaubhaft wirkt. So er-

scheint es unwahrscheinlich, dass der Schwager sich zufällig zur gleichen 

Zeit im gleichen Park aufgehalten haben soll und ihn dann augenblicklich, 

umrundet von zahlreichen Zeugen, mit einem Messer niedergestochen ha-

ben soll. Diesbezüglich widersprach sich der Beschwerdeführer zudem, in-

dem er einmal aussagte, sein Schwager sei in der Folge von der Polizei 

festgenommen, verurteilt und ausgeschafft worden, später aber angab, 

nicht zu wissen, ober er tatsächlich verurteilt und ausgeschafft worden sei. 

Es kann davon ausgegangen werden, dass, hätte sich dieses Ereignis tat-

sächlich zugetragen, der Beschwerdeführer sich genau darüber informiert 

hätte, was mit seinem Schwager geschehen ist, zumal er sich ansonsten 

weiterhin in Lebensgefahr befunden hätte, schliesslich hielt er sich danach 

noch zwei Jahre lang in Istanbul auf.  

Die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung nichts 

zu ändern. Insbesondere das Dokument aus der Türkei kann unter Berück-

sichtigung dessen, dass der Beschwerdeführer angegeben hat, es habe 

keine Unterlagen zur Messerstecherei gegen (vgl. vorinstanzliche Akten 

act. B30 F124) nicht überzeugen. 

7.5 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Vorbringen der 

Beschwerdeführenden zu deren Flucht sowie zu den Vorkommnissen in 

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Seite 14 

Istanbul den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Die 

erste Ehe und die durch die Familie des ersten Ehemannes erlittenen Schi-

kanen können der Beschwerdeführerin indessen geglaubt werden. Nicht 

glaubhaft darzulegen vermochten die Beschwerdeführenden somit, dass 

sie Afghanistan tatsächlich gegen den Willen des ersten Ehemannes und 

der Familie der Beschwerdeführerin verlassen haben. Dass die Trennung 

der Beschwerdeführerin beziehungsweise deren Auszug aus dem Haus-

halt ihres ersten Ehemannes unter den dargestellten Umständen stattge-

funden hat, erscheint nicht glaubhaft. Es ist somit auch nicht erstellt, dass 

dies gegen den Willen der Familie der Beschwerdeführerin und ihres ers-

ten Ehemannes geschehen ist. Aufgrund der unglaubhaften Aussagen 

diesbezüglich kann nicht von einer asylrelevanten Verfolgung aufgrund die-

ser ersten Ehe ausgegangen werden.  

7.6 Schliesslich machte der Beschwerdeführer zusätzlich geltend, auf-

grund der Vergangenheit seines Vaters von den Taliban bedroht zu werden. 

Diese Vorbringen sind – ebenfalls in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

– als nicht asylrelevant zu beurteilen. So konnte er gemäss eigenen Anga-

ben während eineinhalb Jahren in Mazar-i-Sharif, wo er über ein breites 

Familiennetz verfügt, leben, ohne Probleme zu haben. So gab er denn 

auch selber an, sich weniger aufgrund der Probleme seines Vaters vor ei-

ner Rückkehr nach Afghanistan zu fürchten, als aufgrund der Probleme mit 

seiner Frau. Die von ihm befürchteten Nachteile leiten sich sodann aus lo-

kal oder regional beschränkten Verfolgungsmassnahmen ab, welchen er 

sich durch einen Wegzug in einen anderen Teil des Landes entziehen kann, 

wie er dies schon einmal mit seinem problemlosen Aufenthalt in Mazar-i-

Sharif getan hat. Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip sind Personen mit ei-

ner innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf en Schutz eines Drittstaates 

angewiesen.  

7.7  

Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden somit nicht gelungen, 

asylrelevante Fluchtgründe nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die 

Vorinstanz hat folglich zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und 

ihre Asylgesuche abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

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Seite 15 

8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]. 

9.2 Nachdem die Beschwerdeführenden von der Vorinstanz infolge Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenom-

men worden sind, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen weiterer Voll-

zugshindernisse (Unzulässigkeit und Unmöglichkeit) heute nicht, da diese 

alternativer Natur sind: Ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als 

undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

9.3 Die vom SEM in seiner Verfügung vom 11. April 2017 angeordnete vor-

läufige Aufnahme tritt mit dem Erlass des heutigen Urteils formell in Kraft. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit 

der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege mit Verfügung vom 23. Mai 2017 gutgeheissen wurde, wer-

den keine Verfahrenskosten auferlegt. 

11.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde das Gesuch um Beigabe 

des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand (Art. 110a 

Abs. 1 Bst. A und Abs. 3 AsylG) gutgeheissen. Die Festsetzung des amtli-

chen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8-11 sowie Art. 12 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

D-2778/2017 

Seite 16 

dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Der Rechtsvertre-

ter hat zwei Kostennoten zu den Akten gereicht, in der Höhe von gesamt-

haft Fr. 3610.25. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungs-

faktoren (Art. 9–13 VGKE) erscheinen die Kostennoten als etwas überhöht 

und sind deshalb zu kürzen. Dem Rechtsvertreter ist vom Bundesverwal-

tungsgericht ein Honorar im Umfang von Fr. 2'778.50 (inkl. Auslagen und 

MWSt) aus der Gerichtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 

VGKE).  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem eingesetzten amtlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichts-

kasse eine Entschädigung von Fr. 2'778.50 zugesprochen.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Aglaja Schinzel 

 

 

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