# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 01d20ab0-2a86-56b7-951d-332c6a16ee0e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.06.2009 D-6938/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6938-2006_2009-06-23.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6938/2006/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 3 .  J u n i  2 0 0 9

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richter Gérard Scherrer, Richter Bendicht Tellenbach, 
Gerichtsschreiberin Milva Franceschi.

A._______, Bosnien-Herzegowina,
vertreten durch das Comité valaisan pour la défense 
du droit d'asile, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung (Wiedererwägung); 
Verfügung des BFM vom 21. Mai 2002 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6938/2006

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A.a
Die  Beschwerdeführerin  –  eine  Muslimin  mit  letztem  Wohnsitz  in 
B._______ – verliess ihre  Heimat am 3. Mai  1998 und gelangte am 
4. Mai 1998 in die Schweiz, wo sie am darauffolgenden Tag ein Asyl-
gesuch stellte.

A.b
A._______ machte im Rahmen der Kurzbefragung vom 11. Mai 1998 
und der  direkten Anhörung vom 19. Juni  1998 im  Wesentlichen gel-
tend, sie sei in C._______ (Republika Srbska) geboren, wo sie bis Mit-
te  April  1992  zusammen  mit  ihren  Eltern  (D-6993/2006)  und  Ge-
schwistern  gelebt  habe.  Anschliessend  habe  die  ganze  Familie  in 
D._______ und zwischen 1993 und 1995 bis  zur gewaltsamen Stür-
mung der Stadt durch die serbische Armee in Bosnien-Herzegowina in 
Srebrenica gelebt. Nach der Flucht aus Srebrenica habe ihre Familie 
in  B._______  im  Haus  eines  Serben  gewohnt,  der  sie  im  Dezem-
ber 1997 zum Verlassen seines Besitzes aufgefordert  habe. Die wirt-
schaftliche Lage in ihrer Heimat sei katastrophal und ihre Familie mit-
tellos. Ausserdem leide ihr Vater an einer kriegsbedingten Augenkrank-
heit. Sie hoffe, dass sie durch ihre Anwesenheit in der Schweiz in die 
Lage gesetzt werde, ihre in der Heimat verbliebene Familie finanziell 
zu unterstützen.

B.
Das BFF wies mit Verfügung vom 13. August 1998 das Asylgesuch der 
Beschwerdeführerin ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-
wie den Wegweisungsvollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde 
vom 14. September 1998 wurde am 11. März 2002 von der damaligen 
Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) abgewiesen.

C.
Am 25. April 2002 stellte die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem 
Bruder E._______ und ihren Eltern beim BFF ein Wiedererwägungs-
gesuch und beantragte, auf das Gesuch sei einzutreten, der Wegwei-
sungsvollzug sei unverzüglich auszusetzen, die kantonalen Behörden 
seien  darüber  zu  informieren  und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegwei-
sungsvollzuges sei festzustellen. Dem Gesuch legte sie folgende Un-
terlagen bei: Eine Bestätigung des FC F:_______ vom 15. April 2002 
von ihrem Bruder, eine Deklaration der Beschwerdeführerin und ihrer 

Seite 2

D-6938/2006

Eltern vom 8. April 2002, ein Schreiben des Advokaten in G._______ 
vom 15. Mai  1999,  je  ein Urteil  des  Kassationshofes der  Federation 
von  Bosnien-Herzegowina  vom  5. Dezember  1996  beziehungsweise 
des Militärgerichts G._______ vom 8. September 1995 ihren Vater be-
treffend,  Arztzeugnisse  ihrer  Mutter,  ein  Schreiben  ihrer  Schwester 
H._______  (D-6707/2006)  an  die  Polizeidirektion  in  B._______  vom 
4. April 2002  inklusive  der  Antwort  des  Innenministeriums  von 
G._______ vom 5. April 2002, je eine Bestätigung des Strafgerichts in 
B._______  vom  27. Februar  1997  respektive  der  P(...)  vom  29. Juli 
1997  hinsichtlich  ihres  Vaters. Alle  Dokumente,  die  in  einer  Fremd-
sprache eingereicht  wurden,  liegen mit  einer  französischen Überset-
zung vor. 

D.
Mit Verfügung vom 21. Mai 2002 wies die Vorinstanz das Wiedererwä-
gungsgesuch  ab,  erklärte  die  Verfügung  vom  13. August 1998  als 
rechtskräftig beziehungsweise vollstreckbar und hielt fest, einer allfälli-
gen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.

E.
Mit Eingabe vom 11. Juni 2002 beantragte die Beschwerdeführerin zu-
sammen mit ihrem Bruder E._______ und ihren Eltern bei der ARK die 
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde,  die 
diesbezügliche unmittelbare Information an die kantonale Behörde, die 
Aufhebung der  Verfügung vom 21. Mai 2002  sowie  die  Anerkennung 
der Flüchtlingseigenschaft. Zudem sei vom Wegweisungsvollzug abzu-
sehen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumut-
barkeit  des  Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  die  vorläufige 
Aufnahme anzuordnen. In prozessrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR 172.021])  und  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  bezie-
hungsweise des Kostenvorschusses. Zudem wurden medizinische Be-
richte ihrer Eltern zu den Akten gereicht.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2002 setzte die ARK im Sinne ei-
ner  vorsorglichen  Massnahme  den  Wegweisungsvollzug  einstweilen 
aus.

G.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2002 setzte die damalige Instruk-

Seite 3

D-6938/2006

tionsrichterin der ARK den Wegweisungsvollzug gemäss Art. 56 VwVG 
aus. Die  Beschwerdeführerin  wurde  zudem aufgefordert,  den  Nach-
weis ihrer Bedürftigkeit zu erbringen oder einen Kostenvorschuss ein-
zubezahlen. Weiter wurde festgestellt, dass über das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG im Endentscheid befunden werde.

H.
Am 4. Juli 2002 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsorgebestäti-
gung des Sozialamtes I._______ vom 25. Juni 2002 ein.

I.
Am 9. Juli 2002 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass ihre Eltern ge-
sundheitlich  sehr  angeschlagen  seien.  Der  Wegweisungsvollzug  der 
Eltern könnte bei ihnen ein suizidales Verhalten hervorrufen, was auch 
auf sie (die Beschwerdeführerin) Auswirkungen hätte.

J.
In der Vernehmlassung vom 10. Juli 2003 beantragte das BFF die Ab-
weisung der Beschwerde.

K.
Am 15. April 2008 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie seit meh-
reren  Jahren  arbeite  und  über  zwei  Arbeitsverträge  mit  insgesamt 
130% Stellenprozenten verfüge, was ihr erlaube, für sie und teilweise 
auch für ihre Eltern beziehungsweise ihre Schwester H._______ auf-
zukommen.

L.
Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2008 wurde der Beschwerdeführe-
rin eine Kopie der Vernehmlassung vom 10. Juli 2003 zugestellt.

M.
Am 30. April 2008 erhielt die Beschwerdeführerin infolge eines schwer-
wiegenden persönlichen Härtefalles die Aufenthaltsbewilligung B. Auf-
grund dessen wurde die  Beschwerdeführerin  mit  Zwischenverfügung 
vom  22.  Mai  2008  angefragt,  ob  sie  ihre  Beschwerde  zurückziehe. 
Gleichzeitig wurde festgehalten, dass bei ungenutzter Frist das Verfah-
ren in der gesetzlich vorgesehenen Weise fortgesetzt werde, soweit es 
nicht in Bezug zum Wegweisungsvollzug gegegenstandslos geworden 
sei. Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen.

Seite 4

D-6938/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet  betref-
fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bun-
desverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden  Beschwerde und  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  bei  gegebener  Zuständigkeit 
am 1. Januar 2007 die bei der ARK hängig gewesenen Rechtsmittel 
übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art.  53 
Abs. 2 VGG).

Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin ist durch die angefochtene Verfügung berührt  und hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung.  Die  Beschwerdeführerin  ist daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  und  50 ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten, soweit sie nicht als gegen-
standslos geworden abgeschrieben wurde.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht 
geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende 
Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender 
Lehre  und  ständiger  Praxis  des  Bundesgerichts  wird  jedoch  aus 
Art. 29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Vorausset-
zungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abge-
leitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf 

Seite 5

D-6938/2006

ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserhebli-
che Sachverhalt seit  dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise 
seit  dem Urteil  der mit  Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz 
in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche (feh-
lerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen  der 
Sachlage  anzupassen ist. Sodann können auch Revisionsgründe ei-
nen  Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf 
eine  in  materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die 
entweder unangefochten geblieben oder  deren Beschwerdeverfahren 
mit einem formellen Prozessurteil abgeschlosssen worden ist. Ein sol-
chermassen  als  qualifiziertes  Wiedererwägungsgesuch  zu  bezeich-
nendes Rechtsmittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisions-
verfahrens  zu  behandeln  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 17  E. 2a 
S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). 

4.

4.1 Nachdem  die  Vorinstanz  den  Anspruch  der  Beschwerdeführerin 
auf  Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht  in  Abrede ge-
stellt hat und auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist, hat das 
Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob die Vorinstanz das Gesuch zu 
Recht abgewiesen hat. 

4.2 Im Wiedererwägungsgesuch verwies die Beschwerdeführerin vor-
ab  auf  die  Asylvorbringen  ihrer  Eltern  (D-6993/2006).  Ihr  Vater 
K._______ habe in der bosnischen Armee gedient und sei Ende Feb-
ruar  1994  auf  dem  vereisten  Boden  ausgerutscht,  wobei  sich  ein 
Schuss aus seinem Gewehr gelöst habe. Der Schuss habe einen Waf-
fenkollegen ihres Vaters am rechten Arm derart unglücklich getroffen, 
dass der Soldat – mangels medizinischer Versorgungsmöglichkeiten – 
den  Folgen  seiner  Verletzungen  erlegen  sei.  Das  Militärgericht  in 
G._______ habe ihren Vater zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verur-
teilt. Anfang des Jahres 1999 sei er aus dem Gefängnis entlassen wor-
den. Während der Gefängnisstrafe habe ihr Vater ein Wochenende pro 
Monat nach Hause gehen können. Dabei sei er jedes Mal von mehre-
ren Angehörigen des verstorbenen Soldaten verprügelt  und mit  dem 
Tode bedroht worden. Die ganze Familie sei von den Angehörigen des 
getöteten Soldaten immer wieder belästigt  worden, insbesondere sie 
(die Beschwerdeführerin), da sie ihren Vater oft im Gefängnis besucht 

Seite 6

D-6938/2006

habe und sie somit dem Clan bekannt gewesen sei. Aufgrund dessen 
habe sie (die Beschwerdeführerin) nicht mehr gewagt, ausser Haus zu 
gehen. Obwohl sie diese Behelligungen der Polizei gemeldet habe, sei 
ihr nicht geholfen worden. In der Zwischenzeit wohnten auch gewisse 
Angehörige  des  getöteten  Soldaten  in  der  Schweiz.  Diese  wahren 
Gründe für ihre Flucht habe sie bis anhin nicht gewagt zu erzählen, da 
sich  diese  an  die  Situation  ihres  Vaters  anlehnten.  Zudem  sei  ihre 
Schwester  H._______, welche sich noch im Dorf B._______ aufhalte, 
immer wieder telefonisch belästigt worden. Am 22. März 2002 hätten 
Unbekannte dem Cousin L._______ in einem Kaffee gedroht, ihn und 
seine Kinder umzubringen. Diese Drohungen gegenüber den Familien-
mitgliedern belegten, dass sie in ihrem Heimatland nach wie vor von 
der Vendetta bedroht werde und die Heimatbehörden sie nicht schüt-
zen könnten. 

4.3 Die  Vorinstanz  begründete  ihren Entscheid,  dass  die  Vorbringen 
der  Beschwerdeführerin,  die  privaten  Racheakten  der  Angehörigen 
des durch ihren Vater getöteten Mannes, keine neuen Vorbringen sei-
en, da sie bereits im ordentlichen Verfahren von der ARK geprüft wor-
den seien. 

4.4 In  der Beschwerde machte die Beschwerdeführerin  im Wesentli-
chen das Gleiche geltend, wie im Wiedererwägungsgesuch.

5.

5.1 Die ARK stellte unter Ziffer 4 ihres Urteils vom 11. März 2002 fest, 
dass die Gesamtvorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderun-
gen an die Flüchtlingseigenschaft  nicht zu genügen vermögen.  Denn 
zum einen kämen den von der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer 
Anhörungen vor den Schweizer Behörden geltend gemachten Schwie-
rigkeiten  wirtschaftlicher  Natur  keine  asylbeachtliche  Bedeutung  zu. 
Zum anderen bleibe festzustellen, dass die von der Beschwerdeführe-
rin  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemachten  Drohungen  seitens 
Freunden eines von ihrem Vater versehentlich getöteten Armeekame-
raden schon deshalb nicht glaubhaft seien, weil sie nicht einmal an-
satzweise am 11. Mai 1998 und 19. Juni 1998 in den Befragungen der 
Beschwerdeführerin  durch  die  Schweizer  Asylbehörden  thematisiert 
worden  seien.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellt  vorliegend  fest, 
dass  die  entsprechenden  Erwägungen  im  genannten  Urteil  vom 
11. März 2002 nach wie vor ihre Gültigkeit  haben, da die Zweifel  an 
der Privatrache seitens der Angehörigen des ums Leben gekommenen 

Seite 7

D-6938/2006

Armeeangehörigen immer noch überwiegen. Mit gleichdatiertem Urteil 
wie das vorliegende stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die 
Erzählungen über die Vergeltungshandlungen von März 2002 bis Okto-
ber  2002,  welche  angeblich  die  Familienmitglieder  L._______  und 
H._______ aufgrund des getöteten Soldaten erlebt haben (u.a. telefo-
nische Belästigungen, Todesdrohungen, Abfangen vor der Universität), 
zahlreiche  Widersprüchlichkeiten  enthalten  und  demzufolge  nicht 
glaubhaft sind (vgl. E. 5 im Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes be-
treffend H._______, D-6707/2006). Überdies ist es nicht nachvollzieh-
bar, warum L._______ und die Schwester M._______ ununterbrochen 
in  Bosnien-Herzegowina leben konnten,  wenn anscheinend eine Be-
drohung für alle Familienmitglieder bestehe. Entsprechend wurde von 
der Beschwerdeführerin nie erwähnt, dass das Leben von M._______ 
in ihrem Heimatland in Gefahr sei. 

5.2 Die übrigen Beweismittel – die Bestätigungen des Strafgerichts in 
B._______ vom 27. Februar 1997 und der Strafanstalt von N._______ 
vom  29. Juli 1997,  das  Schreiben  des  Avokaten  in  G._______  vom 
15. Mai 1999, das Urteil des Kassationshofes der Federation von Bos-
nien-Herzegowina vom 5. Dezember 1996 und das Urteil  des Militär-
gerichts  von  G._______  vom  8. September  1995  – sollen  belegen, 
dass der Vater der Beschwerdeführerin effektiv im Gefängnis gewesen 
sein  soll.  Diese  Unterlagen  betreffen  nicht  die  Beschwerdeführerin, 
weshalb da-rauf nicht weiter einzugehen ist. Überdies konnte der Vater 
der  Beschwerdeführerin  mit  diesen  Dokumenten  keine  asylrelevante 
Verfolgung glaubhaft  machen,  weshalb auch die  Beschwerdeführerin 
daraus nichts ableiten kann.

5.3 Demzufolge ist  festzuhalten, dass die Feststellung der ARK vom 
11. März 2002, die Flüchtlingseigenschaft sei nicht erfüllt,  zu bestäti-
gen ist,  da die Beweismittel  und Vorbringen der Beschwerdeführerin 
nicht erheblich sind.

6.
6.1 Gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG regelt das Bundesamt das Anwesen-
heitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufi-
ge Aufnahme von Ausländern, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht 
möglich,  nicht  zulässig  oder  nicht  zumutbar  ist  (Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2006  über  die  Ausländerinnen 

Seite 8

D-6938/2006

und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 

6.2 Wie  bereits  erwähnt  hat  das  BFM  mit  Verfügung  vom  30. Ap-
ril 2008 einem Antrag der kantonalen Migrationsbehörde betreffend Er-
teilung  einer  ordentlichen  Aufenthaltsbewilligung  zugunsten  der  Be-
schwerdeführerin zugestimmt. Die Beschwerde wird somit als gegen-
standslos geworden abgeschrieben, soweit  im Eventualbegehren be-
antragt  wurde,  es sei  die Unzumutbarkeit  beziehungsweise Unzuläs-
sigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  festzustellen  (vgl.  EMARK  2001 
Nr. 21 E. 11c S. 178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251).

7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Be-
schwerde ist  demnach abzuweisen,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos 
geworden ist.

8.
8.1 Aufgrund der Aktenlage ist im heutigen Zeitpunkt davon auszuge-
hen, dass die Beschwerdeführerin nicht (mehr) bedürftig im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG ist (vgl. Sachverhalt Bst. K). Das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege ist  daher abzuweisen. Die 
Beschwerdeführerin ist sodann im vorliegenden Verfahren unterlegen, 
soweit sie im Hauptbegehren beantragt, der Entscheid des Bundesam-
tes vom 21. Mai 2002 sei aufzuheben und sie sei als Flüchtling anzu-
erkennen, weshalb sie insoweit kostenpflichtig wird (vgl. Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

Soweit  die Beschwerdeführerin  mit  ihren Begehren beantragt,  es sei 
vom Wegweisungsvollzug abzusehen respektive die vorläufige Aufnah-
me  aufgrund  der  Unzumutbarkeit  oder  Unzulässigkeit  festzustellen, 
wurde das Verfahren ohne Zutun der Partei gegenstandslos. Diesbe-
züglich sind die Kosten auf Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledi-
gungsgrundes,  mithin gestützt  auf  eine summarische Würdigung der 
Prozessaussichten bezogen auf  diesen Zeitpunkt  festzulegen (Art. 5 
des  Reglements vom 11. Dezember  2006 über  die  Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Die  Erfolgsaussichten hinsichtlich  des  Vollzugspunk-
tes  sind  in  Analogie  an  das  Verfahren  ihrer  Schwester  H._______ 

Seite 9

D-6938/2006

(D-6707/2006) als überwiegend gering zu bezeichnen, weshalb ihr die 
vollen  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  sind. Diese  sind  auf  Fr. 600.– 
festzusetzen.

8.2 Die  Ausrichtung einer  Parteientschädigung fällt  bei  diesem Aus-
gang des Verfahrens nicht in Betracht (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie 
Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-6938/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

2.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos ge-
worden ist.

3.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

4.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist mittels beiliegendem Einzahlungsschein in-
nert  30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse 
zu überweisen.

5.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beila-
ge: Einzahlungsschein; Original der Verfügung des BFF vom 21. Mai 
2002)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (...)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Milva Franceschi

Versand:

Seite 11