# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aad1aa77-0cfc-52fb-88d0-ea9ee4657527
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.07.2021 D-2285/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2285-2019_2021-07-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2285/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima,  

Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…) 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Céline Benz-Desrochers,  

Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende,   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 17. April 2019 / N (…). 

 

 

 

D-2285/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein afghanischer 

Staatsangehöriger der Ethnie der Hazara, aus B._______, C._______ 

stammend, Ende 2014 legal sein Heimatland in Richtung Iran, wo er auf 

dem Landweg am (…) Oktober 2015 in die Schweiz einreiste und gleichen-

tags ein Asylgesuch stellte.  

Am 2. November 2015 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

EVZ in D._______ zu seiner Person, seinem Reiseweg und summarisch 

zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 18. Au-

gust 2016 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer vor, er 

sei im Jahr 2003 nach Kabul gezogen und habe dort nach der Heirat bei 

seinem Schwiegervater im Verkauf gearbeitet. Im Jahr 2010 sei er nach 

einem Besuch auf dem Land bei seiner Tante mit einem Minibus nach Ka-

bul zurückgefahren und habe dort während eines kurzen Halts einen 

Freund, welcher bei der Armee gearbeitet habe, getroffen. Dieser habe ihm 

anlässlich dieses unverhofften Treffens Geld für dessen Familie in Kabul 

mitgegeben. Kurz vor Kabul sei der Bus erneut angehalten worden, wobei 

in Folge zwei von den drei mitfahrenden Paschtunen von der Polizei mit-

genommen worden seien. Einige Tage später, am 10. Juli 2010, habe er 

einen Drohbrief in Paschtu erhalten. Darin sei er beschuldigt worden, die 

zwei festgenommenen Paschtunen aus dem Bus an die Behörden verraten 

zu haben. Er sei aufgefordert worden, (…) Dollar zu zahlen, ansonsten 

würde man ihn umbringen. Eine Anzeige bei der Polizei habe keinen Erfolg 

gebracht. Deshalb sei er mit seiner Familie innerhalb von Kabul in ein an-

deres Quartier gezogen. Zwei Jahre lang sei er abgesehen von diversen 

Drohanrufen von ungekannten Nummern, auf welche er nicht geantwortet 

habe, nicht behelligt worden. Am 27. August 2012 seien mitten in der Nacht 

drei ihm unbekannte Personen in sein Haus eingedrungen und hätten auf 

ihn geschossen. Trotz einer weiteren Anzeige und einer umgehend einge-

leiteten Untersuchung durch die Polizei seien die Täter nicht gefunden wor-

den. Einen Tag nach diesem Überfall habe er erneut einen Anruf erhalten, 

er solle das vormals verlangte Geld nun endlich bezahlen. Deshalb sei er 

mit seiner Familie ein weiteres Mal umgezogen. Am 12. Oktober 2014 habe 

er einen weiteren Brief mit denselben Drohungen erhalten, weshalb er sich 

dazu entschlossen habe auszureisen. Auf der Flucht sei er an der Grenze 

zur Türkei von seiner Familie getrennt worden. Diese sei danach wieder 

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Seite 3 

nach Kabul zurückgekehrt. Er habe nach wie vor telefonischen Kontakt mit 

seiner Ehefrau, diese berichte ihm, sie erhalte immer noch Anrufe von un-

bekannten Nummern.  

Als Beweismittel legte er seine Tazkera sowie diejenige seiner Ehefrau und 

seiner Tochter, zwei Drohbriefe, zwei Strafanzeigen sowie diverse Fotos zu 

den Akten. 

Mit Eingabe vom 26. Oktober 2016, respektive 15. Dezember 2016 reichte 

der Beschwerdeführer ein Schreiben bei der Vorinstanz ein, gemäss wel-

chem sein Bruder entführt worden und für seine Freilassung ein Lösegeld 

gefordert worden sei. Drei Tage nach dieser Drohung sei dessen kopflose 

Leiche auf der Strasse bei Kabul gefunden worden. Die afghanischen Be-

hörden hätten den Angehörigen des Beschwerdeführers keine Unterstüt-

zung geboten.  

B.  

Mit Entscheid vom 29. Dezember 2016 lehnte das SEM das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers ab und verfügte gleichzeitig die Wegweisung so-

wie deren Vollzug. 

C.  

Dagegen wurde am 29. Januar 2017 Beschwerde vor dem Bundesverwal-

tungsgericht erhoben. Der Beschwerdeführer machte subjektive Nach-

fluchtgründe geltend. Die Ablehnung des Asylgesuchs sowie die Wegwei-

sung wurden jedoch nicht angefochten und erwuchsen in Rechtskraft.  

D.  

Mit Schreiben vom 25. Januar 2018 wurde die Taufurkunde des Beschwer-

deführers – datiert vom 16. April 2017 – sowie ein Referenzschreiben des 

Pfarrers E._______ der Freien Evangelischen Gemeinde (…) zu den Akten 

gereicht. 

E.  

Mit Urteil D-626/2017 vom 18. Dezember 2018 wies das Bundesverwal-

tungsgericht die Sache zur Neubeurteilung betreffend subjektive Nach-

fluchtgründe an die Vorinstanz zurück. 

F.  

Am 5. Februar 2019 fand eine ergänzende Anhörung zu den Asylgründen 

statt. 

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Seite 4 

In dieser machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, seine 

Ehefrau, seine Tochter und ihre Familie seien im (…) 2017 nach Pakistan 

geflüchtet, da sein Bruder am 13. Oktober 2016 von den Taliban zuerst 

entführt sowie in Folge geköpft worden sei und sie deshalb befürchtet hät-

ten, selber in Gefahr zu geraten, da die Polizei, welche zwar umgehend 

verständigt worden sei, nicht geholfen habe. Zudem habe sich die allge-

meine Sicherheitslage in Afghanistan zunehmend verschlechtert. Sie wür-

den nun als illegale Flüchtlinge in Pakistan leben. Auch eine seiner 

Schwestern sei wegen der allgemeinen Sicherheitslage im Heimatland in 

den Iran ausgereist.  

Seit ungefähr Ende 2017 habe er jedoch keinen Kontakt mehr zu seiner 

Familie und seiner Ehefrau. Sie hätten den Kontakt zu ihm abgebrochen, 

als sie erfahren hätten, dass er konvertiert sei. Er sei von seiner Ehefrau 

als Ungläubiger beschimpft und von seiner Mutter sowie einem seiner Brü-

der verflucht worden.  

G.  

Mit Verfügung vom 17. April 2019 – eröffnet am 18. April 2019 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch erneut ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an.  

H.  

Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

13. Mai 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an 

und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei in den Dispositivpunkten 

1 bis 5 aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu 

gewähren oder eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 

Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. Weiter beantragte er die Beiordnung rubrizierter Rechts-

vertreterin als amtliche Rechtsbeiständin gemäss aArt. 110a lit. a und Abs. 

3 AsylG (SR 142.31). 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 29. Mai 2019 wurde das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 

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Seite 5 

Abs. 1 VwVG mangels Bedürftigkeit abgewiesen und der Beschwerdefüh-

rer aufgefordert, einen Kostenvorschuss zu leisten. Das Gesuch um amtli-

che Rechtsverbeiständung wurde ebenfalls abgewiesen.  

J.  

Die Vorinstanz hielt mit ihrer Vernehmlassung vom 20. Juni 2019, vollum-

fänglich an ihren Erwägungen fest.  

K.  

Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 9. Juli 2019 zur 

Kenntnis gebracht.  

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. März 2021 wurde dem Beschwerdeführer 

die Gelegenheit eingeräumt, allfällige Ergänzungen und Beweismittel ein-

zureichen. 

M.  

Mit den Eingaben vom 31. März 2021 und 6. April 2021 reichte der Be-

schwerdeführer einen Arbeitsvertrag (datiert vom 2. März 2021), einen 

Kursnachweis Deutsch, einen Lernfahrausweis, einen Nothelferkurs-Aus-

weis, ein Schreiben von Pfarrer E._______ (vom 5. April 2021), eine Mail-

nachricht von F._______ (vom 2. April 2021), ein Zwischenzeugnis seines 

Arbeitsgebers (vom 5. April 2021), ein weiteres Referenzschreiben von 

G._______ (vom 5. April 2021) sowie zwei Fotos zu den Akten. Weiter 

wurde eine Vollmacht eingereicht und MLaw Rachel Brunnschweiler der 

Bündner Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende als neue Rechtsvertre-

tung bezeichnet.   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1. 

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

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Seite 6 

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts Anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist nach erfolgter Einzahlung des Kostenvorschusses vom 

4. Juni 2019 einzutreten. 

 

1.5 Nachdem die Verfügung der Vorinstanz vom 29. Dezember 2016 be-

treffend Asyl und Wegweisung in Rechtskraft erwachsen ist, bilden vorlie-

gend lediglich die Frage der Flüchtlingseigenschaft und des Vollzugs der 

Wegweisung Prozessgegenstand, zumal seit dem letzten Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts vom 18. Dezember 2019 keine neuen Asylgründe 

geltend gemacht wurden.  

 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26, E.5). 

 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen damit, die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers seien nicht glaub-

haft sowie in einigen Punkten widersprüchlich. Ausserdem sei es fraglich, 

ob er aufgrund seiner Konversion bei einer Rückkehr ins Heimatland asyl-

rechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt wäre. Schliesslich sei es frag-

lich, ob seine Familie tatsächlich nach Pakistan ausgereist sei.  

Sie führte an, die Annahme des Beschwerdeführers, er habe nach der Bus-

fahrt im Jahr 2010 die Aufmerksamkeit der Taliban erregt, vermöge nicht 

zu überzeugen. So sei seinen Aussagen zufolge der Bus überfüllt gewesen 

und die drei Paschtunen, welche hinter ihm gesessen hätten, hätten sich 

nicht mit ihm unterhalten, so dass nicht ersichtlich sei warum gerade er 

verdächtigt worden sei, verantwortlich für die beiden Festnahmen gewesen 

zu sein. Auch würden seine Vermutungen in keiner Weise erklären, warum 

er später während mehreren Jahren von den Taliban bedroht worden sei. 

Zudem habe es verschiedene Widersprüche im Zusammenhang mit den 

Drohungen und Verfolgungen gegeben, welche nicht aufgelöst hätten wer-

den können. Deshalb seien seine Darlegungen der geltend gemachten 

Verfolgungen durch die Taliban als nicht glaubhaft einzustufen.  

Wenngleich seine Konversion nicht grundsätzlich bezweifelt werde, da er 

sich bereits vor dem Ergehen des Entscheids mit dem Christentum be-

schäftigt habe, sei an seiner persönlichen Motivation zu zweifeln. Auch sei 

es fraglich, ob er bei einer Rückkehr in sein Heimatland einer asylrelevan-

ten Verfolgung ausgesetzt wäre. Er habe anlässlich der ergänzenden Be-

fragung zu Protokoll gegeben, er verheimliche bereits in der Schweiz seine 

Konversion grösstenteils vor seinen Landsleuten und könne aufgrund sei-

ner Arbeitstätigkeit lediglich sporadisch an Gottesdiensten teilnehmen, 

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weswegen es ihm auch im Heimatland möglich wäre, seinen neuen Glau-

ben im Geheimen zu praktizieren. Ferner sei seine Vorgehensweise, wie 

er seiner Ehefrau seine Konversion gestanden habe stereotyp, weltfremd 

und unsubstanziiert ausgefallen, so dass ihm in diesem Punkt sowie dem 

anschliessend vollständigen Kontaktbruch mit der Ehefrau und seinen Fa-

milienangehörigen nicht geglaubt werden könne. Vielmehr bestünden 

Zweifel daran, dass er sich ihnen diesbezüglich überhaupt offenbart habe, 

da nicht anzunehmen sei, er habe seine Ehe aufs Spiel setzen wollen, zu-

mal er eine negative Reaktion von seiner Familie bereits erwartet habe. 

Auch erscheine es nicht logisch, warum er sich im heutigen Zeitalter der 

modernen Technologien nicht darum bemüht habe, den Aufenthalt seiner 

Familie ausfindig zu machen, um diese in Pakistan kontaktieren zu können.  

Ebenfalls erscheine es unlogisch, dass die Flucht der Familie erst ungefähr 

ein halbes Jahr nach der Ermordung des Bruders erfolgt sei. Vielmehr sei 

davon auszugehen, dass die Furcht vor den Taliban nicht sehr gross ge-

wesen sei. Ausserdem sei es auch wahrscheinlich, dass sich seine Familie 

bereits viel länger als angegeben in Pakistan aufhalte oder aber zwischen-

zeitlich wieder nach Kabul zurückgekehrt sei.  

Schliesslich sei eine Wegweisung zumutbar, da er in Kabul übe+r ein fami-

liäres Netz verfüge, jung und gesund sei sowie über Berufserfahrung ver-

füge. 

4.2 Dagegen wendete der Beschwerdeführer ein, dass es – entgegen der 

Argumentation der Vorinstanz – durchaus nachvollziehbar erscheine, dass 

er sich in den Augen von Extremisten als Hazara bei der Entgegennahme 

einer grösseren Menge Geld von einem Armeeangehörigen verdächtig ge-

macht habe. Die Vorinstanz verkenne im Zusammenhang mit der an-

schliessenden jahrelangen Verfolgung, dass die Taliban stark vernetzt 

seien und es für eine solche Organisation nicht schwierig sei, eine Person 

sowie auch deren Handynummer problemlos ausfindig zu machen. Des-

halb sei er trotz reichlicher Vorsichtsmassnahmen während mehrerer Jahre 

immer wieder bedroht und verfolgt worden. Auch habe er seine geltend 

gemachten Asylvorbringen in beiden Anhörungen konsistent und nachvoll-

ziehbar dargelegt, deshalb müsse von einem insgesamt glaubhaften Sach-

verhalt ausgegangen werden. Die angeblichen Widersprüche seien auf un-

genaue Formulierungen und seine subjektive Erzählweise zurückzuführen. 

Zudem könne ihm nicht vorgeworfen werden, er habe gewisse Details in 

der BzP nicht erwähnt.  

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Weiter erläuterte er, die Vorinstanz missachte in ihrem Entscheid, dass 

seine Familie sehr konservativ und religiös sein, weshalb sie sich nach der 

Offenlegung seiner Konversion umgehend von ihm abgewendet und jegli-

chen Kontakt abgebrochen habe. Es sei ihm nicht zuzumuten, unter diesen 

Umständen seinen Glauben im täglichen Leben verstecken zu müssen, zu-

mal die Vorinstanz seine Konversion nicht anzweifle. Bei einer Rückkehr 

müsste er einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne des Asylge-

setzes aushalten. Ausserdem habe er glaubhaft dargelegt, wie er seine 

Ehefrau telefonisch mit seinem neuen Glauben konfrontiert und wie diese 

anschliessend mit einem vollständigen Kontaktabbruch reagiert habe.  

Ferner sei es nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz einerseits von ihm 

verlangt habe, er müsse nachgereichte Beweismittel auf eigene Kosten 

übersetzen lassen, sie anderseits diese im Entscheid als leicht käuflich und 

somit als nicht verwertbar eingestuft habe.  

Schliesslich kritisierte er, dass der Umstand, dass seine Familienangehöri-

gen aufgrund der allgemeinen unsicheren Lage sowie wegen der Ermor-

dung des Bruders aus Afghanistan ausgereist seien, im Zusammenhang 

mit den Wegweisungshindernissen nicht berücksichtigt worden sei, da 

seine diesbezüglichen Erläuterungen bezweifelt würden. Dies obwohl er 

verschiedene Beweismittel eingereicht habe, welche belegen würden, 

dass sich seine Ehefrau in Pakistan und seine Schwester im Iran befinden 

würden. Er habe kein Sozialnetz mehr in Afghanistan, was gekoppelt mit 

seiner Konversion, auch verhindere, sich ein neues Beziehungsnetz auf-

bauen zu können. Auch habe die Vorinstanz nicht berücksichtigt, dass er 

als der Hazara zugehörigen Ethnie auch in Kabul besonders exponiert sei 

und von den Taliban als solcher gezielt entführt und getötet werden könne.  

4.3 In der Stellungnahme vom 31. März 2021 betonte der Beschwerdefüh-

rer seine hervorragende Integration in der Schweiz und legte dar, er würde 

täglich beten und sich regelmässig mit dem Lesen der Bibel beschäftigen. 

Ausserdem habe er nach wie vor keinen Kontakt mit seinen Familienange-

hörigen. 

5.  

5.1 Einleitend ist festzuhalten, dass im Urteil D-626/2017 vom 18. Dezem-

ber 2018 (vgl. E.1.5) festgestellt worden war, dass der Beschwerdeführer 

in seiner Beschwerde vom 29. Januar 2017 die Asylgewährung nicht expli-

zit beantragte, weshalb der Asylpunkt in Rechtskraft erwuchs. Somit ist es 

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Seite 10 

nicht zulässig, dass die Vorinstanz ein zweites Mal in derselben Sache ent-

schied, zumal die Eingabe nicht als Mehrfachgesuch bei ihr eingegangen 

ist. Auf den Antrag der Asylgewährung ist deshalb nicht einzutreten, son-

dern nur, die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund seiner Konver-

sion im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen zu beurteilen.  

 

5.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. 

Art. 54 AsylG). Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere ille-

gales Verlassen des Heimatlandes (sogenannte Republikflucht), Einrei-

chung eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaat-

lichen Behörden unerwünschte exilpolitische Betätigung, wenn sie die Ge-

fahr einer zukünftigen Verfolgung begründet. Subjektive Nachfluchtgründe 

begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, füh-

ren jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls (Art. 2 AsylG), 

unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-

setzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach-

fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge 

vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1; 2009/28, 

beide mit weiteren Hinweisen). 

5.3 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer gel-

tend gemachte Konversion zum Christentum als glaubhaft zu erachten ist.  

5.3.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im 

Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdar-

stellung der Gesuchstellerin sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen 

Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie 

und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-

gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn-

zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere 

Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins-

besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach-

geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht 

es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg-

lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der 

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Seite 11 

Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die Ge-

suchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn 

die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es 

demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 

in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2012/5 E. 2.2). 

5.3.2 Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit stellt bei einer geltend gemachten 

Konversion zu einer neuen Religion oft das zentrale Element einer Prüfung 

des Asylgesuches in diesem Bereich dar. Aufgrund des ausgeprägten 

inneren Charakters dieses Vorbringens ist diese Prüfung besonders heikel 

und schwierig. Die religiöse Zugehörigkeit kann – im Vergleich zu anderen 

Asylvorbringen – praktisch nur anhand der eigenen Aussagen der 

asylsuchenden Person beurteilt werden. Gegebenenfalls können zwar 

gewisse Schlüsse aus externen Anhaltspunkten wie Besuche von 

Gottesdiensten, Bescheinigungen und Aussagen privater Dritter gezogen 

werden. Solche Urkunden sind im Gesamtkontext zusammen mit den 

Aussagen der asylsuchenden Person zu berücksichtigen, vermögen in der 

Regel alleine jedoch die Konversion nicht glaubhaft zu machen. Die 

asylsuchende Person muss hingegen in jedem Fall mit ihren Aussagen den 

Behörden glaubhaft machen können, dass sie sich aufgrund ihrer inneren 

Überzeugung zum einen von ihrer früheren Religion ab und – 

gegebenenfalls – zum anderen einer neuen Religion zugewandt hat. Eine 

lediglich formelle Konversion (z.B. durch die Taufe) ohne Hinweise auf 

innere Überzeugung reicht für die Glaubhaftmachung in der Regel nicht 

aus. In den Befragungen während des Asylverfahrens können offene 

Fragen zum (familiären) Hintergrund der Person, zum Prozess der 

Konversion mit Hinblick auf die damit verbundenen Risiken (u.a. Auslöser, 

Kritik an der ursprünglichen Religion, Geschwindigkeit, Vorbereitung, 

Ablauf der eigentlichen Konversion, Reaktionen des Umfelds) sowie 

Kenntnisse der neuen Religion und deren Bedeutung und Ausübung im 

Alltag Hinweise auf diese innere Überzeugung geben. Dabei müssen aber 

immer die persönlichen Umstände, wie der soziale, wirtschaftliche und 

schulische Hintergrund, besonders berücksichtigt werden. Zudem ist in 

diesem speziellen Kontext der offenen Fragestellung und der freien 

Erzählung über das innere Vorgehen gegenüber Wissensfragen mehr 

Gewicht beizumessen. Das nicht sofortige Geltendmachen der Konversion 

in den Befragungen muss nicht zwingend gegen die Glaubhaftigkeit des 

Vorbringens sprechen, wenn diese Verspätung durch besondere 

Umstände erklärt werden kann. (vgl. Referenzurteil des Bundes-

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Seite 12 

verwaltungsgerichts D-4952/2014 vom 23. August 2017, E. 6.2, mit 

weiteren Hinweisen).  

5.4 Die Glaubhaftigkeit der Konversion des Beschwerdeführers wird von 

der Vorinstanz grundsätzlich nicht bezweifelt. Hingegen führte sie an, es 

würden Zweifel an seiner persönlichen Motivation bestehen.  

 

Hinsichtlich den Erklärungen in der ergänzenden Anhörung fällt auf, dass 

der Beschwerdeführer sich in detaillierter und anschaulicher Weise zu sei-

ner Motivation in Bezug auf seine Konversion äusserte. In reflektierter 

Weise legte er zunächst seine einstige Glaubensüberzeugung aus der 

Sicht des Islams über das Christentum dar und erklärte, wie er sich seit 

seiner Einreise in die Schweiz stetig mehr mit dem Christentum befasst 

habe und sich sein aus Afghanistan beeinflusstes Bild von Christen anhand 

eigener Erfahrungen zusehend geändert habe, dies obwohl er zuvor, wie 

alle anderen Moslems in Afghanistan schlecht von den Christen gedacht 

habe (vgl. act. A34/23, F86). Er stellte auch verschiedentlich kritische Ver-

gleiche zwischen der Anschauung beider Religionen an, was durchaus auf 

eine Auseinandersetzung mit dem Christentum schliessen lässt. Ausführ-

lich beschrieb er ferner, wie er mit verschiedenen Christen in der Schweiz 

in Kontakt getreten sei und auch konvertierte afghanische Freunde gefun-

den habe (vgl. act. A34/23, F87-92, F130). Anzunehmen ist zudem, dass 

er sich bereits vor dem Ergehen seines negativen Asylentscheides mit dem 

Christentum befasst hat (vgl. act. A34/ 23, F88 und Schreiben von Herrn 

E._______ vom 18. Januar 2018). Schliesslich schilderte er in nachvoll-

ziehbarer Weise, wie er sich anfänglich lediglich über das Christentum in-

formiert und Fragen gestellt habe, um sich später bewusst dafür zu ent-

scheiden, sich taufen zu lassen und Christ zu werden, da für ihn das Chris-

tentum das Gute in den Menschen betonen und sich die christliche Religion 

nicht wie der Islam über alle anderen Glaubensrichtungen hinwegsetzen 

würde. Hingegen wirkt es etwas erstaunlich, welch kurze Zeit – nämlich 

rund vier Monate – zwischen dem erstmaligen Kontakt mit dem Christen-

tum und seiner Konversion respektive seiner Taufe vergangen ist. Ange-

sichts dieser kurzen Zeitspanne sowie der Tatsache, dass er in einem sehr 

konservativen familiären Umfeld aufgewachsen sein soll, überrascht diese 

äusserst schnelle Entscheidung, sich kurzerhand vom Islam abzuwenden 

respektive zum Christentum zu konvertieren.  

 

5.5 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass seine Dar-

legungen in Bezug auf seine Konversion zum Christentum dennoch insge-

samt zu überzeugen vermögen. 

D-2285/2019 

Seite 13 

6.  

6.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei 

einer Rückkehr in sein Heimatland infolge seines Glaubenswechsels Nach-

teile im Sinne einer asylrelevanteren Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG zu 

befürchten hätte.  

 

6.2 Eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinn von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt dann vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme be-

steht, Letztere werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-

sehbarer Zeit verwirklichen (vgl. statt vieler BVGE 2011/51 E. 6.1). 

 

6.3  

6.3.1 In seinem Referenzurteil D-4952/2014 vom 23. August 2017 hat das 

Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass die afghanische Verfassung 

den Islam als offizielle Staatsreligion bezeichne, und andere Religionsan-

schauungen lediglich in den gesetzlichen Grenzen frei ausgeübt werden 

könnten, wobei sie den Grundsätzen des Islam nicht zuwiderlaufen dürften. 

Apostasie werde zwar im afghanischen Strafgesetzbuch nicht explizit als 

Straftat definiert, falle aber nach afghanischer Rechtsauffassung unter die 

nicht weiter definierten «ungeheuerlichen Straftaten», welche gemäss dem 

Strafgesetzbuch nach der Hanafi-Rechtslehre bestraft würden. Gemäss 

dieser Lehre würden Frauen lebenslang respektive bis zum Widerruf der 

Konversion in Haft genommen und Männer enthauptet. Auch wenn die To-

desstrafe nicht verhängt werde, seien die rechtlichen sowie gesellschaftli-

chen Konsequenzen äusserst hart. Die Äusserung von nicht-religiösen 

Überzeugungen werde verfolgt oder schlicht durch soziale Zwänge verun-

möglicht. Die soziale Kontrolle und der soziale Druck in Afghanistan seien 

gross, so dass die diesbezüglichen familiären Konflikte dazu führen könn-

ten, dass die Konversion in einem breiteren Umfeld bekannt wird (vgl. 

E. 7.5.2). Es sei daher davon auszugehen, dass Personen, deren Aposta-

sie in Afghanistan öffentlich bekannt werde, eine objektiv begründete 

Furcht vor Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten haben (vgl.  

D-4952/2014 E. 7.5.5). 

 

6.3.2 Gemäss Rechtsprechung unterliegen konvertierte Christen de-jure in 

Afghanistan keiner Kollektivverfolgung, wobei jeweils eine individuelle Prü-

fung der Gefährdung im Einzelfall vorzunehmen ist. In diesem Sinn ist auch 

das in der Beschwerde erwähnte Referenzurteil D-4952/2014 vom 23. Au-

gust 2017 zu sehen, gemäss welchem eine Konversion flüchtlingsrechtlich 

relevant sein kann, was jedoch einzelfallbezogen zu prüfen ist. Zudem wird 

D-2285/2019 

Seite 14 

im Referenzurteil festgehalten, dass die Frage der Zumutbarkeit des Ge-

heimhaltens einer Apostasie im Heimatstaat insbesondere vor dem jeweils 

bestehenden Umfeld zu prüfen sei (vgl. D-4952/2014 E. 7.7.2). 

 

6.3.3 Die Quellenlage zu den zum Christentum konvertierten Personen be-

züglich ihres Alltags in Afghanistan ist eher dünn (vgl. Landinfo-Report-Af-

ghanistan-Christian-Converts-070402021.pdf (ecoi.net), Kapitel 1.1, abge-

rufen am 1. Juni 2021). Unbestritten ist jedoch, dass Konvertiten und Kon-

vertitinnen neben massiven strafrechtlichen Konsequenzen sozialen Sank-

tionen respektive Ausgrenzungen seitens der afghanischen Gesellschaft 

ausgesetzt sind. Gemäss Landinfo stelle der Islam einen integralen Be-

standteil der traditionellen afghanischen Familie sowie der gesamten Ge-

sellschaft dar und beherrsche den Alltag sowie das Denken der afghani-

schen Gesellschaft. In den Grossstädten sei es zwar einfacher als in länd-

lichen Gebieten, islamische Rituale zu umgehen, da dort eine weniger 

starke soziale Kontrolle und generell ein weniger traditionelles Umfeld herr-

sche, dennoch bedeute Konversion Stigmatisierung in allen Bereichen des 

Lebens und führe oftmals zum Bruch mit der Familie, der lokalen Gemein-

schaft und der persönlichen Identität als Afghane oder Afghanin. Der ei-

gentliche Druck, welchem konvertierte Personen ausgesetzt seien, käme 

im Regelfall zuerst von den Familienangehörigen, welche mit verschiede-

nen Mitteln versuchten, die konvertierte Person regelmässig unter psychi-

schen Druck zu setzen, sich erneut dem Islam zuzuwenden, um sie danach 

vom Familienverband auszuschliessen, oder in extremen Fällen zu bedro-

hen, zu denunzieren oder körperlicher Gewalt gegen sie anzuwenden (vgl. 

Landinfo, Kapitel 2.1 und 4). Das Austrian Centre for Country of Origin & 

Asylum Research and Documentation (ACCORD) schreibt in seinem Be-

richt, dass ein Leben als Konvertit oder Konvertitin auch in Kabul aufgrund 

der gesellschaftlichen Kontrolle und Stigmatisierung schwierig sei. Obwohl 

die Wahrscheinlichkeit von gesellschaftlichen Sanktionen in den Gross-

städten geringer als in entlegenen ländlichen Regionen sei, müsse zumin-

dest der sozioökonomische Schutz der erweiterten Familie vorhanden sein 

und setze auch die Bereitschaft voraus, das Risiko von Übergriffen in Kauf 

zu nehmen. Ansonsten müsse auch in den Städten Kabul, Herat und Ma-

zar-e Sharif mit massiven gesellschaftlichen Konsequenzen und Gefahren 

gerechnet werden (vgl. Afghanistan: Apostasie, Konversion, Blasphemie 

(ecoi.net), S. 8f., S. 15, abgerufen am 1. Juni 2021).  

 

6.3.4 Afghanische Christen und Christinnen, welche ihren Glauben den-

noch öffentlich oder in sozialen Medien ausüben, würden alle ausnahmslos 

im Ausland leben. Obwohl es in der diplomatischen Enklave in Kabul eine 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2050251/Landinfo-Report-Afghanistan-Christian-Converts-070402021.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2050251/Landinfo-Report-Afghanistan-Christian-Converts-070402021.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2031618/Afghanistan_Apostatsie_Konversion_Blasphemie.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2031618/Afghanistan_Apostatsie_Konversion_Blasphemie.pdf

D-2285/2019 

Seite 15 

(einzige) offizielle katholische Kirche gebe, sei der Zugang für afghanische 

Staatsangehörige jedoch verboten. Weiter kommt Landinfo in ihrem Bericht 

zum Schluss, dass in Grossstädten das Internet regelmässig benutzt und 

die Bibel sowie weiteres christliches Material unentgeltlich vom Internet 

heruntergeladen werden könne. Auch sei es möglich, Messen zu verfolgen 

oder an Foren teilzunehmen. Es seien keine Hinweise darauf zu finden, 

dass die afghanische Regierung Internetseiten zensiere oder blockiere. 

Zudem hätten vor allem in den grösseren afghanischen Städten viele Leute 

eigene Mobiltelefone, welche privat seien und es sei unwahrscheinlich, 

dass die Zugriffe von privaten Mobiltelefonen kontrolliert oder überwacht 

würden (vgl. Landinfo-Report-Afghanistan-Christian-Converts-07040 

2021.pdf ecoi.net, Kapitel 5).  

 

6.4 Vorliegend ist aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass  

der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat Afghanistan zu befürchten 

hätte, dass sein Glaubenswechsel öffentlich bekannt geworden ist oder in 

absehbarer Zeit bekannt werden würde. Gemäss seinen letzten Kenntnis-

sen seien seine Ehefrau, die Tochter, die Schwiegereltern sowie seine 

Schwester im Sommer 2017 ins benachbarte Pakistan ausgewandert. Aus 

dem Anhörungsprotokoll geht hervor, dass zu dieser Zeit seine Verwandten 

noch nichts von seinem Glaubenswechsel erfahren hatten. Erst ungefähr 

sechs Monate später – also erst Ende 2017 – habe er seine Konversion, 

welche mit einem vollständigen Kontaktbruch zu seinen Familienangehöri-

gen einherging, seiner Ehefrau gestanden (vgl. act. A34/23, F43, 44, 97). 

Entgegen der Argumentation der Vorinstanz, er habe nicht glaubhaft und 

beweiskräftig darlegen können, dass seine Familie im Jahr 2017 aus Af-

ghanistan ausgereist sei, erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als 

durchaus realistisch und nachvollziehbar, dass diese aufgrund der sich ver-

schlechterten allgemeinen Lage in Afghanistan sowie auch der Stadt Kabul 

Afghanistan verlassen hat und nach Pakistan geflohen ist, zumal der 

Schwiegervater des Beschwerdeführers über genügend Geld verfügt und 

es ihm möglich ist, seiner Familie das Leben in Pakistan zu finanzieren 

(vgl. act. A34/23, F43, 48, 49, 113, 115). Auch in der aktuellen Eingabe vom 

März 2021 bestätigt der Beschwerdeführer, weiterhin keinen Kontakt zu 

seinen Familienangehörigen zu haben.  

In Anbetracht der genannten Umstände ist deshalb nicht davon auszuge-

hen, dass das Wissen um seine Konversion über die Grenzen von Pakistan 

bis nach Kabul und so an die Öffentlichkeit gelangt sein konnte. Auch die 

Tatsache, dass seine Mutter, welche auch über seine Konversion informiert 

ist, in Kabul wohnhaft ist, lässt den Schluss nicht zu, dass diese über die 

D-2285/2019 

Seite 16 

Glaubensänderung seines Sohnes in der Öffentlichkeit gesprochen hat, zu-

mal davon auszugehen ist, dass sie sich aus seiner bekanntwerdenden 

Konversion selber in einen zweifelhaften Ruf zuziehen würde.  

6.5 Angesichts der vorhergehenden Erwägungen ist nicht davon auszuge-

hen, dass die Apostasie und anschliessende Konversion zum Christentum 

des Beschwerdeführers in der Öffentlichkeit in Afghanistan bekannt wurde. 

Es bestehen auch keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine diesbezüg-

liche individuelle asylrelevante Verfolgung, welche sich bei seiner Rück-

kehr in absehbarer Zukunft verwirklichen würden. 

 

6.6 In der Beschwerde machte der Beschwerdeführer weiter geltend, es 

könne ihm im Falle seiner Rückkehr nach Afghanistan nicht zugemutet wer-

den, seinen neuen Glauben zu verheimlichen; denn ein solches Verhalten 

würde einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG bewirken.  

 

6.7 Im Urteil des EGMR A.A. vs. Suisse kommt der Gerichtshof zum 

Schluss, dass es massgebend sei zu wissen, wie eine konvertierte Person 

ihren Glauben in Afghanistan auszuüben gedenke, wobei eine Abklärung 

der Situation ex nunc im Einzelfall zu erfolgen habe (vgl. Urteil des EGMR 

A.A. vs. Suisse vom 5. November 2019, no. 32218/17, Ziff. 58). Im Lichte 

dieser Rechtsprechung wurde dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein-

geräumt, sich zu seiner aktuellen Situation, insbesondere in Bezug auf 

seine Glaubensausübung, zu äussern. Dabei führte er bereits im Vorfeld 

aus, er habe, seitdem er arbeitstätig sei, lediglich zwei Male und nur wäh-

rend seiner Ferien an Gottesdiensten teilgenommen. Auch seien die konti-

nuierlichen Austauschgespräche auf der Internetplattform, welche er zuvor 

regelmässig konsultiert habe, kaum mehr möglich, da er abends häufig ar-

beiten müsse, was ihm die Teilnahme an Diskussionen auf der Internet-

plattform verunmögliche (vgl. act. A34/23, F123-129). Seine jetzige Situa-

tion habe sich in beruflicher Hinsicht nicht verändert und da er vollzeitig 

arbeitstätig sei, könne er lediglich unregelmässig an Gottesdiensten teil-

nehmen. Dennoch widme er sich täglich dem Gebet und der regelmässigen 

Bibellektüre. Zudem würde er sich regelmässig mit seinen christlichen 

Freunden zu Diskussionsrunden treffen und Bibelstellen besprechen. Dies 

wird auch durch die Schreiben vom 5. April 2021 von E._______ und 

G._______ bestätigt. Andere regelmässige Handlungen zur religiösen Aus-

übung des Christentums werden vom Beschwerdeführer nicht dargelegt. 

Zudem sind keine Hinweise vorhanden, dass er sich in der Schweiz missi-

D-2285/2019 

Seite 17 

onarisch betätigen, sich an öffentlichen Veranstaltungen zu seinem christ-

lichen Glauben oder sich öffentlich in kritischer Weise zum Islam äussern 

würde. Hingegen ist festzustellen, dass er seinen neuen Glauben in der 

Schweiz mit Zurückhaltung und nicht in strenger Regelmässigkeit ausübt 

sowie sich gegenüber seinen nicht-konvertierten Landsleuten unauffällig in 

Bezug auf seine Konversion verhält. Daher erscheint es durchaus zumut-

bar, seinen neuen Glauben auch bei einer Rückkehr nach Afghanistan in 

ähnlicher Weise auszuleben, ohne dass für ihn deshalb ein unerträglicher 

psychischer Druck entstehen würde, zumal es ihm auch möglich ist, aus 

allen Ländern an Diskussion auf der Internetplattform respektive an den 

religiösen «Teamspeaks» teilzunehmen (vgl. act. A34/23, F124). Daran 

vermag auch die Tatsache, dass er seinen Vornamen ändern und 

«G._______» streichen lassen möchte, da dieser unnötiger- und fälschli-

cherweise auf den islamischen Glauben schliessen lasse, nichts zu än-

dern. 

Auf die geltend gemachten Integrationsbemühungen ist nicht weiter einzu-

gehen, da der Grad der Integration als solcher grundsätzlich weder asylre-

levant noch ein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt (vgl. BVGE 

2009/52 E. 10.3 am Ende; EMARK 2006 Nr. 13 E. 3.5 S. 142 f.; Urteile des 

BVGer D-2453/2014 vom 12. August 2015 E. 7.3.2.4 sowie E-5563/2018 

vom 30. Oktober 2018 E. 8.3).  

6.8 Nach einer gründlichen Prüfung kommt das Gericht zum Schluss, dass 

der Beschwerdeführer keinem unerträglichen psychischen Druck aufgrund 

seiner Familienangehörigen ausgesetzt sein wird, zumal diese sich perma-

nent im Ausland aufhalten (vgl. E. 6.3.3 und E. 6.4). Obwohl sich gemäss 

dem Gericht verfügbaren Quellen im Zusammenhang mit Konversion in Af-

ghanistan eine christliche Glaubensausübung als schwierig erweist und 

auch in den afghanischen Grossstädten wie Kabul Vorsicht geboten ist, 

erscheint es angesichts der persönlichen, äusserst massvollen Ausübung 

des christlichen Glaubens sowie der Möglichkeit, islamische Rituale (in Ka-

bul) zu umgehen, dem Beschwerdeführer möglich, seinen Glauben im ähn-

lichen Rahmen wie bisher auszuüben. Es besteht für ihn weiterhin die Mög-

lichkeit, sich auf sozialen Medien auszutauschen, an Foren teilzunehmen 

und sich eingehender über den christlichen Glauben zu informieren. 

6.9 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten sub-

jektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrelevante 

D-2285/2019 

Seite 18 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre-

chende Furcht vor einer Verfolgung glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz 

hat deshalb zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

verneint. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

 

8.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

8.4 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

D-2285/2019 

Seite 19 

8.5 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.6 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

9. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe-

rinnen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müssten die Beschwerdeführerinnen eine konkrete Gefahr ("real risk") 

nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-

bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat lässt den Wegweisungsvoll-zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-

sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-

gen zulässig. 

10. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-

dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläu-

fige Aufnahme zu gewähren. 

10.1 Die Sicherheitslage als auch die humanitäre Situation in Kabul hat 

sich im Vergleich zu der in BVGE 2011/7 beschriebenen Situation eindeutig 

D-2285/2019 

Seite 20 

verschlechtert und ist grundsätzlich als existenzbedrohend und somit un-

zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren. Der Vollzug der 

Wegweisung kann ausnahmsweise zumutbar sein, wenn im Einzelfall be-

sonders günstige Voraussetzungen vorliegen und die nach Kabul zurück-

kehrende Person nicht in eine existenzbedrohende Lage geraten würde. 

Solche günstigen Voraussetzungen können grundsätzlich namentlich dann 

gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden 

Mann handelt. Unabdingbar ist in jedem Fall ein soziales Netz, das sich im 

Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrenden 

als tragfähig erweist. Dieses soziale Netz muss dem Rückkehrenden ins-

besondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe 

zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Allein auf-

grund von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch Mitglie-

dern der Kernfamilie, bei welchen insbesondere das wirtschaftliche Fort-

kommen sowie die Unterbringung ungeklärt sind, ist nicht von einem trag-

fähigen sozialen Beziehungsnetz auszugehen. Ebenso ist entscheidrele-

vant, über welche Berufserfahrung die rückkehrende Person verfügt bezie-

hungsweise inwiefern eine wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer 

bezahlten Arbeit im Zusammenspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt 

werden kann. Angesichts der festgestellten Verschlechterung der Lage in 

Kabul, versteht es sich von selbst, dass das Vorliegen dieser strengen An-

forderungen in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft wird und diese erfüllt sein 

müssen, um einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu qua-

lifizieren (vgl. Referenzurteil D 5800/2016 vom 13. Oktober 2017).  

10.2 Aus den vorhergehenden Erwägungen (vgl. E. 6.4) ergibt sich, dass 

das Bundesverwaltungsgericht davon ausgeht, dass sich die Familienan-

gehörigen des Beschwerdeführers aufgrund der sich allgemeinen ver-

schlechterten Sicherheitslage in Afghanistan seit Sommer 2017 dauerhaft 

in Pakistan befinden. Ausgehend von der der Tatsache, dass ihm aus-

schliesslich sein Schwiegervater in Kabul ein existenzsicherndes Einkom-

men ermöglicht hatte, welches nun mit dessen Ausreise nach Pakistan 

weggefallen ist und angesichts dessen, dass sich nur noch seine (neu ver-

heiratete) Mutter in Kabul befindet, kann vorliegend nicht mehr von beson-

ders begünstigenden Faktoren, welche eine Rückkehr nach Kabul ermög-

lichen würden, ausgegangen werden.  

11.  

Nach dem Gesagten erweist sich die Wegweisung und der Vollzug als un-

zumutbar. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer vorläufig 

D-2285/2019 

Seite 21 

aufzunehmen (Art. 83 Abs. 8 AIG [SR 142.20]). Im Übrigen ist die Be-

schwerde abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist.  

 

12.  

12.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen auf-

zuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Be-

schwerdeführer ist bezüglich seines Antrags auf Feststellung der Flücht-

lingseigenschaft unterlegen. Bezüglich der Anerkennung der Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs hat er obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies 

ein hälftiges Obsiegen, weshalb die Verfahrenskosten grundsätzlich zur 

Hälfte dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

Der einbezahlte Kostenvorschuss wird hälftig zur Bezahlung der Verfah-

renskosten verwendet. Der restliche Betrag wird dem Beschwerdeführer 

durch das Gericht zurückerstattet.  

 

12.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines hälftigen 

Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine um die Hälfte 

reduzierte Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Par-

teikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote eingereicht. Gestützt 

auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) 

und dem vom Gericht als angemessen erscheinenden Zeitaufwand von 

insgesamt sieben Stunden à Fr. 200.–, ist dem Beschwerdeführer eine 

hälftige Parteientschädigung von Fr. 700– (inkl. Auslagen) zuzusprechen.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2285/2019 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird betreffend Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffern 

4 und 5) der angefochtenen Verfügung gutgeheissen. Im Übrigen wird die 

Beschwerde abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.  

2. . 

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzuneh-

men.  

3.  

Die Verfahrenskosten sind dem Beschwerdeführer hälftig aufzuerlegen. 

Dieser Betrag wird dem Kostenvorschuss entnommen. Der Restbetrag von 

Fr. 375.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 700.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Martina Von Wattenwyl 

 

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