# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2cfbfe3-2801-50c7-9bad-31a71f951f4e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 D-6155/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6155-2011_2011-11-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­6155/2011 
law/auj

U r t e i l   v om   2 8 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Walter Lang,
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; 
Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger.

Parteien A._______, geboren am […], 
dessen Ehefrau 
B._______, geboren am […],
und deren Töchter 
C._______, geboren am […],
D._______, geboren am […],
Armenien, 
[…],  
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 18. Oktober 2011 / N […].

D­6155/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass  die  beschwerdeführenden  Eltern  –  armenische  Staatsangehörige 
aus Erevan – am 25. Dezember 2010 für sich und  ihre beiden Kinder  in 
der Schweiz um Asyl nachsuchten, 

dass  das  BFM  am  29. Dezember  2010  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe  die  Personalien  der  Eltern  und  der 
[…]­jährigen Tochter erhob und sie zum Reiseweg sowie – summarisch – 
zu den Asylgründen befragte, 

dass  das Bundesamt  die  Beschwerdeführenden mit  Zwischenverfügung 
vom 30. Dezember  2010  für  die Dauer  des Asylverfahrens  dem Kanton 
X._______ zuwies,

dass  das BFM  die  Eltern  und  die  […]­jährige  Tochter  am  24. Mai  2011 
einlässlich zu den Asylgründen anhörte, 

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  im 
Wesentlichen vorbrachte, er sei als Mitarbeiter des […] in Erevan für die 
Ausstellung von […] und […] zuständig gewesen, 

dass  sein  Vorgesetzter  in  seiner  Abwesenheit  im  Jahr  2006  einem 
einflussreichen  russischen  Geschäftsmann  armenischer  Herkunft 
eigenmächtig einen […] ausgestellt habe, 

dass  er  im Februar  2007  diesen Korruptionsfall  der  […]  gemeldet  habe 
und  anschliessend  von  einem  […]  befragt worden  sei, worauf man  den 
Vorgesetzten zum […] degradiert habe, 

dass  er  in  der  Folge  von  Kumpanen  oder  Leibwächtern  des 
Geschäftsmannes  wiederholt  telefonisch  und  mündlich  bedroht,  zum 
Widerruf  seiner  Aussagen  aufgefordert  und  einmal  mit  Messerstichen 
verletzt worden sei, 

dass er während 18 Jahren an dieser Stelle gearbeitet habe und in zwei 
Jahren in Rente hätte gehen können, 

dass  der  degradierte  […]  im Oktober  2008 wieder  befördert worden  sei 
und  ihn  an  den  […]  versetzt  und  zur  Kündigung  seiner  Arbeitsstelle 
gedrängt habe, 

D­6155/2011

Seite 3

dass man  ihn täglich bedroht habe und er  in Angst zur Arbeit gegangen 
sei, 

dass  er  2008  beziehungsweise  im  März  2009  seine  Stelle  gekündigt 
habe, jedoch auch nach der Kündigung bedroht worden sei, 

dass der […] beziehungsweise der […] Probleme mit dem korrupten […] 
gehabt  und  dafür  ihn,  den  Beschwerdeführer,  verantwortlich  gemacht 
habe, und er zwischen dem […] auf der einen Seite und dem […] sowie 
dem Geschäftsmann auf der anderen Seite gestanden sei, 

dass  der  […]  ihn  vor  der  Ausreise  vier  Mal,  letztmals  im  Juli  2010, 
vorgeladen habe, er diese Vorladungen jedoch jeweils ignoriert habe, um 
sich  und  seine  Familie  nicht  durch  weitere  Aussagen  zu  kriminellen 
Machenschaften beziehungsweise zur Korruption zu gefährden, 

dass  die  Beschwerdeführenden  Armenien  schliesslich  am  9. Dezember 
2010  verlassen  hätten,  zunächst  in  der  Absicht,  sich  in  Minsk 
(Weissrussland) niederzulassen, 

dass  der  Beschwerdeführer  dort  in  den  eineinhalb  Tagen  ihres 
Aufenthaltes  erfahren  habe,  dass  die  Verfolger  Kenntnis  von  der 
Anwesenheit der Familie  in Minsk erhalten hätten, und sie deshalb über 
die Ukraine, Polen und Deutschland in die Schweiz weitergereist seien, 

dass  seine  Ehefrau  und  die  Tochter  keine  eigenen  Asylgründe  geltend 
machten  und  angaben,  ihren  Heimatstaat  wegen  der  Probleme  ihres 
Ehemannes beziehungsweise Vaters verlassen zu haben, 

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  9. August  2011  –  eröffnet  am 
11. August  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche 
nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug 
der Wegweisung anordnete, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diesen  Entscheid  am 
17. August  2011  erhobene  Beschwerde  mit  Urteil  D­4531/2011  vom 
3. Oktober  2011  gutgeheissen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  9. August 
2011  aufgehoben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz 
zurückgewiesen hat, 

D­6155/2011

Seite 4

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  18. Oktober  2011  –  eröffnet  am 
20. Oktober  2011  –  feststellte,  die  Beschwerdeführenden  würden  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  die  Asylgesuche  ablehnte,  die 
Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug der Wegweisung 
anordnete, 

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die 
Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Gefährdung 
liessen  Realkennzeichen  weitgehend  vermissen  und  seien 
widersprüchlich,  realitätsfremd  sowie  in  wichtigen  Punkten 
nachgeschoben  und  daher  unglaubhaft,  weshalb  ihre  asylrechtliche 
Relevanz nicht geprüft werden müsse, 

dass  der  Beschwerdeführer  widersprüchliche  Angaben  zu  den  ihn 
bedrohenden Personen ([…] beziehungsweise Leibwächter des dubiosen 
Geschäftsmannes)  zu  seiner Anzeige  (bei  […]  oder  der  […])  und deren 
Konsequenzen  (sofortige  Degradierung  des  Vorgesetzten  respektive 
Untätigkeit der Behörden wegen der Hochrangigkeit des betroffenen […]) 
sowie zum Zeitpunkt der Kündigung seiner Arbeitsstelle (2008 oder März 
2009) gemacht habe, 

dass der Beschwerdeführer an der Erstbefragung im EVZ die Person des 
[…] und dessen Rolle nicht erwähnt habe, obwohl er von diesem gemäss 
seiner Aussage an der Anhörung angeblich vier Mal vorgeladen worden 
sei und sich durch ihn bedroht gefühlt habe, 

dass  er  im  EVZ  auch  nicht  erwähnt  habe,  dass  die  ihn  bedrohenden 
Leibwächter ihn mit Messerstichen verletzt hätten, 

dass  die  Beschwerdeführenden  ferner  bis  zu  ihrer  Ausreise  trotz  der 
angeblich  täglich  drohenden  Übergriffe  und  der  behaupteten 
Behelligungen  durch  die  staatlichen  Untersuchungsorgane  ohne 
ersichtlichen  Grund  eineinhalb  Jahre  bis  zur  Ausreise  aus  Armenien 
hätten  verstreichen  lassen  und  ein  solches  Verhalten  in  keiner  Weise 
demjenigen  von  tatsächlich  verfolgten  Personen  entspreche  sowie  mit 
dem geltend gemachten Ausmass der Übergriffe nicht zu vereinbaren sei, 

dass  sie  während  dieser  Zeit  auch  keine  Anzeige  bei  den  staatlichen 
Organen  erstattet  hätten,  obwohl  ihnen  die  Täterschaft  und  die 
Hintergründe der Bedrohung bekannt gewesen seien, 

D­6155/2011

Seite 5

dass dem Beschwerdeführer angesichts der angeblichen Befürchtungen 
und  der  beabsichtigten  Flucht  aus  Armenien  nicht  geglaubt  werden 
könne, er habe in der Schule seiner Kinder sein beabsichtigtes Reiseziel 
Minsk  erwähnt,  hätte  er  dadurch  doch  den  Fluchtort  unnötig 
preisgegeben, wofür gar kein Grund bestanden habe, 

dass  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  die  Leibwächter  des 
dubiosen  Geschäftsmannes  hätten  ihn  durch  ihre  Drohungen  zum 
Widerruf  seiner  Aussage  bewegen  wollen  und  damit  die  Ursachen  der 
angeblichen Gefährdung  kaum  nachzuvollziehen  seien,  da  ein  späterer 
Widerruf  der  bereits  aktenkundigen  Aussage  am  Ergebnis  der 
durchgeführten Untersuchung gar nichts mehr hätte ändern können, 

dass  schliesslich  die  Kündigung  der  Arbeitsstelle  asylrechtlich  nicht 
relevant  sei,  habe  sie  doch  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  keine 
Zwangssituation begründet, welcher sich der Beschwerdeführer nur durch 
Flucht ins Ausland hätte entziehen können,

dass  die  Beschwerdeführenden  sodann  keine  Reisepapiere  eingereicht 
hätten  und  deshalb  weder  das  genaue  Ausreisedatum  noch  die 
tatsächliche Reiseroute feststünden, 

dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  11. November  2011 
gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
erhoben, 

dass  aus  der  Beschwerdebegründung  hervorgeht,  dass  sie  an  der 
geltend  gemachten  Gefährdung  in  ihrer  Heimat  festhalten  und 
sinngemäss die Gewährung von Asyl beantragen, 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  Beschwerde 
führende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]; 

D­6155/2011

Seite 6

Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 
und Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird 
(Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) 

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1 
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder 
im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft 
gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

D­6155/2011

Seite 7

dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde 
ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben 
hält,

dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in 
wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 
oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden,

dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  den  Befragungsprotokollen  den 
Korruptionsfall  der  […]  gemeldet  hat  (vgl.  BFM­act.  A17/21  S. 8  Frage 
75), und er fünf bis sechs Tage später durch einen […] zur Sache befragt 
worden  ist  (vgl.  act.  A  17/21  S. 8  Fragen  78­80)  beziehungsweise 
gegenüber  […]  eine  Aussage  gemacht  hat  (vgl.  act. A8/10  S. 5),  und 
darin entgegen der Einschätzung der Vorinstanz keine Widersprüche zu 
erkennen sind, 

dass  auch  die  Aussage  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  sich 
widersprüchlich  zu  den  ihn  bedrohenden  Personen  geäussert,  so  nicht 
zutrifft,  hat  er doch bereits an der Befragung  im EVZ nicht  nur den  […] 
erwähnt, sondern auch andere Personen (vgl. act. A8/10 S. 5 f.), wobei er 
erst  an  der  Anhörung  präzisierte,  es  habe  sich  dabei  um  Leute 
beziehungsweise  Leibwächter  des  Geschäftsmannes  gehandelt  (vgl. 
act. A17/21 S. 8 Frage 82, S. 9 Frage 93), 

dass  indessen  die  übrigen  Erwägungen  des  BFM  vollumfänglich  zu 
bestätigen sind, 

dass die Widersprüche  in  den Aussagen des Beschwerdeführers  in  der 
Tat unauflösbar sind, wenn er an der Anhörung angibt, der Vorgesetzte 
sei  nach  Bekanntwerden  des  Korruptionsfalles  umgehend  degradiert 
worden  (vgl.  act.  A17/21  S. 8  Frage  78),  während  er  bei  der 
Erstbefragung  im  EVZ  ausgesagt  hat,  die  Behörden  seien  untätig 
geblieben,  da  es  sich  beim  korrupten  Beamten  um  eine  hochrangige 
Person gehandelt habe (vgl. act. A8/10 S. 5), 

dass  der  Auffassung  des  BFM  beizupflichten  ist,  dass  der 
Beschwerdeführer  auch  nicht  in  der  Lage  war,  den  Zeitpunkt  seiner 
Kündigung widerspruchsfrei anzugeben, 

dass  die  in  der  Beschwerde  erfolgende  Beschreibung  der  angeblichen 
tätlichen Übergriffe auf den Beschwerdeführer mit einem Messer im Jahr 

D­6155/2011

Seite 8

2008  auf  offener  Strasse  –  "die  Unbekannten  hatten  sich  von  hinten 
angeschlichen und durch meine Kleidung hindurch gestochen und dabei 
Drohungen ausgesprochen"  (vgl. Seite  3  der Beschwerde)  –  konstruiert 
wirkt und ausserdem in der Anhörung nicht von unbekannten Tätern die 
Rede  war,  sondern  von  Leibwächtern  des  Geschäftsmannes  (vgl. 
act. A17/21 S. 9 Frage 93), 

dass  ferner  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  die  Beschwerdeführenden, 
wären sie denn tatsächlich verfolgt gewesen, vor der Flucht ihre Kinder in 
der  Schule  abgemeldet  und  den  zunächst  vorgesehenen  Zufluchtsort 
Minsk (Weissrussland) bekanntgegeben hätten, dies auch nicht mit der in 
der Beschwerde  (auf Seite  3)  nachgeschobenen Begründung,  sie  seien 
verpflichtet gewesen, der Schule zu sagen, wo sie hinreisen würden, und 
sie hätten erst im Nachhinein gemerkt, dass es ein Fehler gewesen sein 
könnte, da die Verfolger so ihren Aufenthaltsort herausfinden könnten, 

dass des Weiteren nicht nachvollziehbar  ist, dass der Beschwerdeführer 
vier  angeblichen  Vorladungen  des  […]  keine  Folge  geleistet  (vgl. 
act. A17/21  S. 16  Fragen  175­178),  dafür  aber  die  ihn  bedrohenden 
Leibwächter  des  Geschäftsmannes  über  die  Vorladungen  informiert 
haben  will,  anlässlich  derer  er  gegen  seinen  Vorgesetzten  und  den 
Geschäftsmann  hätte  aussagen  sollen  (vgl.  act.  A17/21  S. 16  Fragen 
171­173), 

dass sich zudem die Darstellung in der Beschwerde, da die Verfolger den 
Aufenthaltsort der Familie herausgefunden hätten, hätten sich ihre Pläne 
bezüglich  des  Ziellandes  "im  Laufe  der  Zeit"  geändert,  nicht  mit  den 
Angaben  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Anhörung  vereinbaren 
lässt,  wonach  die  Familie  bereits  nach  einem  eineinhalbtägigen 
Aufenthalt  in  Minsk  in  Richtung  Schweiz  weitergereist  sei  (vgl.  act. 
A17/21 S. 18 Frage 188), 

dass vor diesem Hintergrund auch die für die verzögerte Ausreise in der 
Beschwerde  abgegebene  Erklärung,  sie  hätten  erst  nach  eineinhalb 
Jahren über die finanziellen Mittel für die kostspielige Reise verfügt, nicht 
zu  überzeugen  vermag,  ist  aus den Akten  doch  zu  schliessen,  dass es 
sich bei den Beschwerdeführenden um wohlhabende Leute handelt (vgl. 
act. A8/10 S. 2, A17/21 S. 3 Fragen 17 ff.), für welche die Reise bis nach 
Minsk,  ihrem  angeblich  ursprünglichen  Zielland,  ohne  Weiteres 
erschwinglich gewesen wäre, 

D­6155/2011

Seite 9

dass  das  BFM  sodann  zutreffend  festgehalten  hat,  die  Ursachen  der 
angeblichen  Gefährdung  seien  kaum  nachzuvollziehen,  war  der 
Beschwerdeführer doch an der Anhörung nicht  in der Lage, hinreichend 
detailliert und konkret anzugeben, inwiefern er auch nach der Kündigung 
seiner Arbeitsstelle bedroht worden sei (vgl. act. A17/21 S. 14­16), 

dass er sich stattdessen mit wenig ergiebigen Antworten begnügte, indem 
er  beispielsweise  auf  die  Frage,  inwiefern  er  für  die  ihn  bedrohenden 
Leute interessant gewesen sei, ausführte: "Ja, irgendeine Bedeutung hat 
das  ja, dass sie mich bedrohen.  Ich muss  ja aus  irgendeinem Grund für 
diese Leute wichtig sein." (vgl. act. A17/21 S. 15 Frage 160), 

dass  sich  sodann  für  den  Einwand  in  der  Beschwerde,  es  sei  dem 
Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen "oft nicht gestattet worden 
frei  zu erzählen"  (Beschwerde S. 3),  er  sei  häufig unterbrochen worden 
und habe auf Fragen oft  kurz mit  "ja"  oder  "nein" antworten müssen,  in 
den Akten keine Bestätigung findet, 

dass  vielmehr  aus  dem  Anhörungsprotokoll  hervorgeht,  dass  der 
Beschwerdeführer auf die zahlreich gestellten offenen Fragen auffallend 
wenig  konkrete,  dafür  umso  zahlreichere  ausweichende Antworten  gab, 
beispielsweise,  wenn  er  auf  die  Frage,  vor  wem  er  denn  Angst  habe, 
entgegnete: "Ich habe Angst vor diesen Leuten. Ich will, dass diese Leute 
mich vergessen, dass  ich nicht mehr existiere, es gibt mich nicht mehr." 
(vgl. act. A17/21 S. 15 Frage 159), oder auf die Frage, was man von ihm 
nach seiner Kündigung gewollt habe, antwortete: "Rufen, Fragen stellen, 
mich in eine schlechte Position bringen, alles Mögliche." (vgl. act. A17/21 
S. 14 Fragen 151 f.), 

dass seine Vorbringen schliesslich auch deshalb unglaubhaft sind, weil er 
sich  in  unauflösbare  Widersprüche  verstrickt,  indem  er  einerseits  zu 
Protokoll gibt, der  […] kenne die Geschichte ganz genau und könne die 
Sache  jederzeit ohne  ihn zum Abschluss bringen (vgl. act. A17/21 S. 14 
Frage  150),  andererseits  aber  darauf  beharrt,  man  habe  ihn  mit  den 
Drohungen zu einem Rückzug seiner Aussagen zwingen wollen (vgl. act. 
A17/21 S. 14 Frage 153), auf Nachfrage hin aber nicht  in der Lage war, 
zu präzisieren, welche Aussagen er denn hätte zurückziehen sollen (vgl. 
act. A17/21 S. 14 Frage 156), 

dass auch die in der Beschwerde vorgebrachten diffusen Befürchtungen, 
die Beschwerdeführenden würden bei einer Rückkehr nach Armenien  in 

D­6155/2011

Seite 10

eine  bedrohliche  Lage  geraten,  weil  sich  die  Situation  in  keiner  Weise 
verbessert  habe  und  die  genannten  Personen  noch  Macht  und  Kraft 
besässen, um die Drohungen in die Tat umzusetzen, nicht geeignet sind, 
zu einer anderen Einschätzung zu führen, 

dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelingt,  die 
Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu 
machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt 
hat,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus 
der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton 
keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf 
Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733, 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, 

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 

D­6155/2011

Seite 11

(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 
da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich 
erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, 
weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet 
und  auch  keine  Anhaltspunkte  für  eine  den  Beschwerdeführenden  in 
Armenhien  drohende menschenrechtswidrige  Behandlung  im Sinne  von 
Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, 

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass weder  die  allgemeine  Lage  in  Armenien  noch  individuelle Gründe 
auf  eine  konkrete Gefährdung  der Beschwerdeführenden  im Falle  einer 
Rückkehr  schliessen  lassen,  zumal  sich  aus  den  Akten  keine 
Anhaltspunkte  ergeben,  die  darauf  schliessen  liessen,  sie  würden  im 
Falle  der  Rückkehr  nach  Armenien  aus  sozialen,  wirtschaftlichen  oder 
gesundheitlichen Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten,

dass  es  sich  beim  beschwerdeführenden  Ehemann  und  Vater  gemäss 
Aktenlage  um  einen  diplomierten  Ökonomen  und  wohlhabenden  Mann 
mit  langjähriger Berufserfahrung handelt, der nach der Kündigung seiner 
[…]stelle als Grossist im Handel mit […] und […] tätig war (vgl. act. A8/10 
S. 2) und daher  in der Lage sein wird,  für sich und seine Familie erneut 
eine  wirtschaftliche  Lebensgrundlage  zu  schaffen,  so  dass  nicht  zu 
befürchten  ist,  die  Beschwerdeführenden  würden  nach  einer  Rückkehr 
nach Armenien in eine existenzbedrohende Situation geraten,

D­6155/2011

Seite 12

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach 
Armenien schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen 
(Art. 83 Abs. 2 AuG), und es  ihnen obliegt, bei der Beschaffung gültiger 
Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch 
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.),

dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzen,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellen 
oder  unangemessen  sein  sollte  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die 
Beschwerde abzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.– 
(Art. 1 ­ 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

D­6155/2011

Seite 13

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Jacqueline Augsburger

Versand: