# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 987027f5-dceb-5b89-a40f-ecd069217119
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 11.12.2023 SBK.2023.169
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2023-169_2023-12-11.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2023.169  
(STA.2023.2627)  

Art. 391 

 

 

Entscheid vom 11. Dezember 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari 

Oberrichterin Schär 

Gerichtsschreiberin Groebli Arioli    

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____, […] 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Markus Zollinger,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

Beschuldigte   B._____,  

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwältin Monika Gattiker,  

[…]   

 

   

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 17. Mai 2023 

 

in der Strafsache gegen B._____ wegen schwerer Körperverletzung, evtl. 

fahrlässiger schwerer Körperverletzung, zum Nachteil von C._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 12. April 2023 erstattete A._____ bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau Strafanzeige gegen Dr. med. B._____ (fortan: Beschuldigte) wegen 

des Verdachts auf schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB, even-

tualiter wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung gemäss 

Art. 125 StGB. Sie stellte Strafantrag wegen dieser beiden Delikte. 

 

Dabei führte sie im Wesentlichen aus, das D._____ [Spital] habe ihren 

Sohn C._____, geb. tt.mm.jjjj, am 8. Juni 2022 an das J._____ [Spital] über-

wiesen mit dem Verdacht auf "Pylorusstenose". Im J._____ [Spital] sei den 

Eltern, basierend auf der Diagnose "Hypertrophe Pylorusstenose" – einer 

im Säuglingsalter auftretenden Erkrankung des Magenausgangs, die mit 

einer eingeschränkten Magenentleerung und zunehmendem Erbrechen 

einhergeht –, mit gebotenem Nachdruck geraten worden, dass ihr Sohn in 

den nächsten 24 Stunden operiert werden müsse. Sie seien nicht ord-

nungsgemäss aufgeklärt worden und hätten daher die Einwilligung in die 

Operation nicht unterschrieben. Dennoch sei ihr Sohn am 9. Juni 2022 im 

J._____ [Spital] durch die Beschuldigte einer "Pyloromyotomie" unterzogen 

worden, da es sich laut Ärzteschaft des J._____ [Spital] um einen Notfall 

gehandelt habe. Bei der Pyloromyotomie handelt es sich um einen chirur-

gischen Eingriff, bei welchem ein Teil der Muskelfasern des Schliessmus-

kels zwischen Magen und Zwölffingerdarm durchtrennt wird. Während der 

Operation sei es zu einer Komplikation (kleine Schleimhautläsion von 2 mm 

Durchmesser) gekommen, die übernäht worden sei. Postoperativ habe sich 

der Allgemeinzustand ihres Sohnes drastisch verschlechtert. Am 

10. Juni 2022 sei er aus Kapazitätsgründen in das E._____ [Spital] verlegt 

worden, wo er notoperiert worden sei, um eine Duodenalperforation von 

1 cm – dabei handelt es sich um einen Durchbruch von Darminhalt durch 

die Darmwand des Zwölffingerdarms in die Bauchhöhle – zu verschliessen. 

Bis am 14. Juni 2022 sei C._____ auf der Intensivstation gepflegt und am 

18. Juni 2022 in die häusliche Pflege entlassen worden, wobei er darauf 

erneut mehrfach wegen schwallartigen Erbrechens habe medizinisch be-

handelt werden müssen. 

 

Sie hätten von Prof. Dr. med. F._____, Facharzt für Kinderchirurgie und 

Chefarzt Kinderchirurgische Klinik des L._____[Spital], ein Sachverständi-

gengutachten erstellen lassen. Der Sachverständige weise in seinem Gut-

achten vom 15. Januar 2023 (S. 13) darauf hin, dass die Eltern nie ein Auf-

klärungsformular vorgelegt bekommen und/oder unterzeichnet hätten und 

dass es sich bei der Indikation einer Pyloromyotomie nie um eine Not-

falloperation handle. Vielmehr stehe davor immer der Ausgleich des Säure-

Basen- sowie des Elektrolyt-Status. Da es sich bei der Indikation einer Py-

loromyotomie gemäss Gutachter nie um eine Notfalloperation handle, 

könne die mutmassliche Einwilligung nicht geltend gemacht werden. Auch 

 - 3 - 

 

 

wäre die notwendige Einwilligung durch die beiden zum Zeitpunkt anwe-

senden Elternteile einholbar gewesen. Das Nichtvorliegen einer Einwilli-

gung ziehe neben zivilrechtlichen Haftungsansprüchen auch eine Körper-

verletzung (Art. 122 ff. StGB) nach sich. Bei einer Duodenalperforation von 

1 cm mit beginnender Schocksymptomatik handle es sich zudem um eine 

lebensgefährliche Verletzung im Sinne von Art. 122 Ziff. 1 StGB. Nur weil 

ihr Sohn rechtzeitig medizinisch nachbehandelt worden sei, könne eine 

schwere Körperverletzung nicht ausgeschlossen werden. Die Beschuldigte 

habe durch ihren Eingriff eine unmittelbare Lebensgefahr geschaffen. Ob-

wohl man gewusst habe, dass die gebotene Operationsnachsorge nicht 

habe gewährleistet werden können und ohne Indikation eines Notfalls sei 

ihr Sohn (im J._____ [Spital]) operiert worden. 

 

2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verfügte am 17. Mai 2023 die 

Nichtanhandnahme der Strafsache gegen die Beschuldigte, was von der 

Oberstaatsanwaltschaft am 23. Mai 2023 genehmigt wurde.  

 

3. 

3.1. 

Gegen die ihr am 26. Mai 2023 zugestellte Nichtanhandnahmeverfügung 

erhob A._____ mit Eingabe vom 2. Juni 2023 (Postaufgabe 3. Juni 2023) 

durch die Juristinnen G._____ und H._____ Beschwerde.  

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 16. Juni 2023 verlangte die Verfahrensleiterin der Be-

schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau 

von der Beschwerdeführerin die Einreichung einer auf das laufende Ge-

richtsverfahren bezogenen Originalvollmacht für die Vertreterinnen der 

I._____ AG sowie eine Leistung von Fr. 1'000.00 als Sicherheit für allfällige 

Kosten. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 21. Juni 2023 zeigte Rechtsanwalt Markus Zollinger an, 

dass er die Beschwerdeführerin vertrete. 

 

3.4. 

Am 26. Juni 2023 bezahlte die Beschwerdeführerin die verlangte Sicher-

heit. 

 

3.5. 

Mit Verfügung vom 23. Juni 2023 stellte die Verfahrensleiterin der Be-

schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau 

der Beschwerdeführerin die Beschwerde vom 3. Juni 2023 zur handschrift-

lichen Unterzeichnung durch sie oder ihren neuen Rechtsvertreter innert 

5 Tagen zu.  

 - 4 - 

 

 

3.6. 

Mit Eingabe vom 27. Juni 2023 reichte die Beschwerdeführerin die durch 

ihren neuen Vertreter unterzeichnete Beschwerde vom 2. Juni 2023 ein und 

beantragte sinngemäss die Anhandnahme des Verfahrens gegen die Be-

schuldigte wegen fahrlässiger (schwerer) bzw. eventualiter schwerer Kör-

perverletzung. 

 

3.7. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erstattete am 7. Juli 2023 die Be-

schwerdeantwort. Sie beantragte die kostenfällige Abweisung der Be-

schwerde. 

 

3.8. 

Mit Eingabe vom 25. Juli 2023 beantragte die Beschuldigte die kostenfällige 

Abweisung der Beschwerde.  

 

3.9. 

Am 14. August 2023 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme 

ein und stellte folgende Anträge: 

 

" 1. 
Es sei die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau vom 17. Mai 2023 aufzuheben. 
 
2. 
Es sei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau die Weisung zu erteilen, 
eine Strafuntersuchung gegen die vom 8.-10. Juni 2022 für die Operation 
und Nachsorge von C._____, geb. tt.mm.jjjj, verantwortliche Ärzteschaft im 
J._____ [Spital] zu eröffnen und zu führen. 
 
3. 
Es sei von der (ausdrücklichen) Konstituierung der Beschwerdeführerin als 
Straf- und Privatklägerschaft Vormerk zu nehmen. 
 
4. 
Es sei das vorliegende Beschwerdeverfahren ohne die säumige Beschul-
digte weiterzuführen. 
 
5. 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Kantons Aar-
gau und eventualiter zulasten der Beschuldigten." 

 

3.10. 

Die Beschuldigte nahm mit Eingabe vom 27. September 2023 Stellung. 

 

 

 

 

 

 

 - 5 - 

 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Parteien können eine Nichtanhandnahmeverfügung innert 10 Tagen 

bei der Beschwerdeinstanz anfechten (Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 

Abs. 2 StPO). Die Privatklägerschaft nimmt am Strafverfahren als Partei teil 

(Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Per-

son, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklä-

gerin zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist dieser Erklä-

rung gleichgestellt (Art. 118 Abs. 2 StPO). Geschädigt ist, wer durch die 

Straftat in seinen Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 

Abs. 1 StPO). Als Opfer gilt die geschädigte Person, die durch die Straftat 

in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar be-

einträchtigt worden ist (Art. 116 Abs. 1 StPO). Machen die Angehörigen des 

Opfers Zivilansprüche geltend, so stehen ihnen die gleichen Rechte zu wie 

dem Opfer (Art. 117 Abs. 3 i.V.m. Art. 116 Abs. 2 StPO). Die geschädigte 

Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als Privatkläger-

schaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122 

Abs. 1 StPO). Das gleiche Recht steht auch den Angehörigen des Opfers 

zu, sowie sie gegenüber der beschuldigten Person eigene Zivilansprüche 

geltend machen (Art. 122 Abs. 2 StPO). Die Zivilklage wird mit der Erklä-

rung nach Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO rechtshängig (Art. 122 Abs. 3 StPO). 

Die in der Zivilklage geltend gemachte Forderung ist nach Möglichkeit in 

der Erklärung nach Art. 119 StPO zu beziffern und, unter Angabe der an-

gerufenen Beweismittel, kurz schriftlich zu begründen (Art. 123 

Abs. 1 StPO). 

 

1.2. 

Die Beschwerdeführerin hat mit Strafanzeige vom 12. April 2023 Strafan-

trag gestellt. Sie ist allerdings nicht als geschädigte Person zu qualifizieren, 

welche zur Konstituierung als Privatklägerschaft berechtigt wäre (Art. 118 

Abs. 1 und 2 StPO i.V.m. Art. 115 Abs. 1 StPO). Geschädigte Person ist 

ausschliesslich derjenige, dessen körperliche oder gesundheitliche Integri-

tät angegriffen wird (GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, in: Basler 

Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 51 zu 

Art. 115 StPO), was vorliegend mutmasslich der Sohn der Beschwerdefüh-

rerin ist. Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin macht auch nicht 

geltend, als gesetzliche Vertreterin ihres Sohnes (und Opfers i.S.v. Art. 116 

Abs. 1 StPO) zu handeln, da solches weder aus der Strafanzeige noch der 

Beschwerde hervorgeht. Der Beschwerdeführerin kommt somit keine Par-

teistellung im Sinne einer Strafklägerin zu.  

 

 - 6 - 

 

 

Die Beschwerdeführerin als Angehörige des Opfers i. S. v. Art. 116 

Abs. 2 StPO kann selbständig eigene Rechte als indirektes Opfer ausü-

ben, sofern sie eigene Zivilansprüche geltend machen und begründen kann 

(Art. 117 Abs. 3 i. V. m. Art. 122 Abs. 2 StPO), z. B. eine Genugtuung bei be-

sonders schwerer Körperverletzung (vgl. dazu MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, 

a.a.O., N. 51 zu Art. 115 StPO). 

 

Mit Beschwerde äussert sich die Beschwerdeführerin nicht hinsichtlich ei-

nes eigenen Zivilanspruches. Mit Stellungnahme zur Beschwerdeantwort 

vom 14. August 2023 hat sie sich indessen (auch) als Zivilklägerin konsti-

tuiert (S. 4 bzw. Antrag Ziff. 3). Die Stellungnahme der Beschwerdeführerin 

zur Beschwerdeantwort und damit ihre (erstmalige) Konstituierung als Zi-

vilklägerin ist aufgrund der rechtzeitigen Erklärung i.S.v. Art. 118 

Abs. 3 StPO als grundsätzlich zulässig zu erachten (vgl. dazu PETER HAF-

NER/LARA GACHNANG, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess-

ordnung, 3. Aufl. 2023, N. 13 und 14a zu Art. 109 StPO; vgl. zum Zeitpunkt 

der Konstituierung auch BGE 141 IV 380 E. 2.2 sowie Urteil des Bundes-

gerichts 1B_298/2012 vom 27. August 2012 E. 2.1). 

 

Bei der angezeigten Beschuldigten handelt es sich um […] der Klinik für 

Kinderchirurgie des J._____ [Spital] und damit eine Mitarbeiterin der 

J._____ AG, einer Spitalaktiengesellschaft im Eigentum des Kantons Aar-

gau (vgl. § 9 und 11 des Spitalgesetzes vom 25. Februar 2003 [SpiG; 

SAR 331.200]). Im Kanton Aargau richten sich die Rechtsbeziehungen zwi-

schen Spitalaktiengesellschaften und privaten Dritten grundsätzlich nach 

dem Privatrecht (vgl. § 12 Abs. 1 SpiG) und nicht nach dem Haftungsge-

setz des Kantons Aargau vom 24. März 2009 (HG; SAR 150.200; vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_137/2020 vom 15. Juli 2020 E. 1.2 mit Verweis auf 

6B_1076/2018 vom 16. November 2018 E. 4 mit Hinweisen). Insoweit 

könnte die Beschwerdeführerin im Strafverfahren gegen die angezeigte Be-

schuldigte grundsätzlich Zivilansprüche geltend machen. Dennoch prüft sie 

in ihrer Erklärung vom 14. August 2023 lediglich die adhäsionsweise Gel-

tendmachung privatrechtlicher Ansprüche, d.h. es geht nicht hervor, dass 

sie dies zu tun gedenkt bzw. welche Zivilforderung ihr gegen die angezeigte 

Beschuldigte zustehen könnte. Dies ist auch nicht ohne Weiteres ersicht-

lich. Zwar ist aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführerin klar, dass 

sie der beanzeigten Beschuldigten in strafrechtlicher Hinsicht eine (fahrläs-

sige) schwere Körperverletzung vorwirft. In der Beschwerdebegründung 

hat die Beschwerdeführerin indessen keine privatrechtlichen Haftungs-

grundlagen in tatsächlicher Hinsicht dargelegt. Insbesondere hat sie kei-

nen Schaden oder die Verletzung der Persönlichkeit substantiiert und be-

legt. 

 

Ob die Beschwerdeführerin vor diesem Hintergrund zur Beschwerdelegiti-

miert ist, kann allerdings mit Blick auf die nachfolgenden Erwägungen 

 - 7 - 

 

 

(E. 2Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.) offenblei-

ben. 

1.3. 

Die Beschwerdeführerin beantragt, es sei das vorliegende Beschwerdever-

fahren ohne die säumige Beschuldigte weiterzuführen und begründet die-

sen Antrag damit, dass die Stellungnahme der Beschuldigten nach Ablauf 

der angesetzten Frist eingereicht worden sei und das Verpassen der Frist 

i.S.v. Art. 390 Abs. 2 StPO einen Rechtsverlust zur Folge habe (vgl. Stel-

lungnahme der Beschwerdeführerin vom 14. August 2023 S. 4 f. bzw. An-

trag Ziff. 4).  

 

Die Strafbehörden können den Parteien für die Vornahme von Verfahrens-

handlungen verfahrensleitende Fristen ansetzen. Die Möglichkeit zur An-

setzung von Fristen bildet Teil der den Strafbehörden obliegenden Verfah-

rensleitung (Art. 62 StPO) und ist auch Mittel, um dem Beschleunigungs-

gebot (Art. 5 StPO) Nachachtung zu verschaffen. Den verfahrensleitenden 

Fristen kommt nur die Bedeutung von Ordnungsvorschriften zu. Da der Un-

tersuchungsgrundsatz für die Strafbehörden unabhängig vom Verhalten 

der Parteien gilt, kann eine nach Fristablauf eingereichte Eingabe nicht zur 

Folge haben, dass die Strafbehörden von zur Erforschung der materiellen 

Wahrheit notwendigen Ergänzungen der Untersuchung absehen können. 

Falls die Strafbehörden Bedenken haben, dass durch unerbetene Einga-

ben der Parteien ein Verfahren verschleppt wird oder den Parteien ange-

setzte Fristen ins Leere laufen, können sie das Verfahren nach Ablauf einer 

Vernehmlassungsfrist je nach Verfahrensstand fortsetzen oder abschlies-

sen. Trifft die Strafbehörde nicht unverzüglich einen Entscheid, liegt die 

Verzögerung in ihrem eigenen Machtbereich und sie muss damit rechnen, 

dass die Parteien noch nachträglich weitere Vorbringen geltend machen 

(HAFNER/GACHNANG, a.a.O., N. 15 zu Art. 109 StPO). Bei der Fristanset-

zung zur Stellungnahme zur Rechtsmittelschrift i.S.v. Art. 390 Abs. 2 StPO 

handelt es sich um eine richterliche Frist (CHRISTOF RIEDO, in: Basler Kom-

mentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 20 zu Vor 

Art. 89 – 94 StPO), bei deren Verpassen nach dem Obgesagten kein 

Rechtsverlust eintritt. Die Stellungnahme der Beschuldigten vom 

25. Juli 2023 ist somit – auch wenn sie nach Ablauf der Frist (10. Juli 2023) 

eingereicht wurde – nicht aus dem Recht zu weisen und das Beschwerde-

verfahren entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin mit der Be-

schuldigten als Partei gemäss Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO weiterzuführen. 

 

1.4. 

Die Beschwerdeführerin wirft der Beschuldigten in ihrer Strafanzeige, Be-

schwerde und Stellungnahme eine schwere (fahrlässige) Körperverletzung 

vor. Soweit sie sich mit Stellungnahme vom 14. August 2023 (S. 16 f.) auch 

auf den Tatbestand der Aussetzung (Art. 127 StGB) bezieht, ist festzustel-

len, dass eine solche nicht Teil des angezeigten Sachverhalts bildete und 

vom Gegenstand der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung vom 

 - 8 - 

 

 

17. Mai 2023 nicht erfasst ist. Dasselbe gilt für eine Ausweitung der be-

schuldigten Personen auf alle für die Operation und Nachsorge von 

C._____ verantwortlichen Ärzte im J._____ [Spital] (vgl. Antrag Ziff. 2). Da-

rauf ist entsprechend nicht weiter einzugehen. 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Gemäss der Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau vom 17. Mai 2023 sei anhand der Akten erstellt, dass sich die 

involvierte Ärzteschaft wahrscheinlich eine Verletzung der Dokumentati-

onspflicht vorwerfen lassen müsse, da dem angeblich vollständigen Pati-

entendossier keine unterzeichnete Operationseinwilligung beiliege. Dies 

ändere jedoch nichts daran, dass aufgrund diverser Umstände (Vermerk 

der Operationsaufklärung im Operationsbericht vom 9. Juni 2022, vorhan-

denes Formular "Anästhesie-Aufklärung und -Einwilligung" mit aufgeführter 

Pyloromyotomie als vorgesehene Operation, erwähntes Gespräch mit Dr. 

med. K._____ mit Operationsempfehlung und wohl auch Aufklärung im [un-

datierten] Erfahrungsbericht der Eltern) aus strafrechtlicher Perspektive 

klarerweise vom Vorliegen einer zumindest stillschweigenden Einwilligung 

auszugehen sei, was die Tatbestandsmässigkeit des chirurgischen Ein-

griffs als schwere Körperverletzung ausschliesse. Betreffend eine fahrläs-

sige schwere Körperverletzung durch ungenügende postoperative Behand-

lung sei festzustellen, dass der Gesundheitszustand von C._____ trotz 

adäquater Behandlung einen sehr seltenen und ungünstigen Verlauf ge-

nommen habe. Der Beschuldigten könne keine Sorgfaltspflichtsverletzung 

zur Last gelegt werden. Auch das Privatgutachten komme zum Schluss, 

dass die Operation lege artis durchgeführt worden sei und das Komplikati-

onsmanagement angemessen erscheine. Die Strafanzeige sei sowohl hin-

sichtlich einer vorsätzlichen als auch einer fahrlässigen schweren Körper-

verletzung nicht an die Hand zu nehmen. 

 

2.1.2. 

Mit Beschwerde macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, 

dass sie (und der Vater von C._____) im J._____[Spital] über den Umstand 

getäuscht worden seien, dass es sich bei der an ihrem Sohn durchgeführ-

ten Operation nicht um eine Notfalloperation gehandelt habe. Eine allfällige 

Einwilligung sei aufgrund dieser Täuschung sowie aufgrund der fehlenden 

Aufklärung unwirksam. Auch könne vorliegend nicht von einer hypotheti-

schen Einwilligung bzw. einem irrelevanten Aufklärungsmangel ausgegan-

gen werden. C._____ sei durch eine medizinisch nicht indizierte Operation 

in unnötige Lebensgefahr gebracht worden. 

 

Der Operationsbericht vom 9. Juni 2022 sei in Bezug auf die Anforderung 

an die Dokumentation der Aufklärung ungenügend und betreffend den un-

 - 9 - 

 

 

datierten Erfahrungsbericht der Eltern gehe die Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau lediglich davon aus, dass Dr. med. K._____ die Eltern aufge-

klärt haben dürfte. Betreffend die Fahrlässigkeit gehe die Staatsanwalt-

schaft Lenzburg-Aarau von einer lege artis ausgeführten Operation aus. 

Dies sei nicht korrekt, da sowohl seitens des J._____ [Spital] als auch 

E._____ [Spital] von einer postoperativen, lebensgefährlichen Verletzung 

die Rede sei. Die direkte Kausalität zwischen vorgenommener Operation 

und postoperativer Duodenalperforation von 1 cm sei gegeben. Eine lege 

artis-Behandlung liege nicht vor, da jede medizinische Behandlung ohne 

Indikation als eine schwere Körperverletzung zu werten sei. Auch könne 

keine lege artis-Operation stattgefunden haben, da bereits die Einwilligung 

in die vermeintliche Notoperation nicht "rechtskräftig" gewesen sei. Davon, 

dass die Tatbestände von Art. 122 resp. 125 Abs. 1 StGB eindeutig nicht 

erfüllt seien, könne keine Rede sein. Vielmehr bestehe der hinreichende 

Verdacht, dass die Beschuldigte den Tatbestand von Art. 125 Abs. 1 StGB, 

eventualiter des 122 StGB, erfüllt habe. 

 

2.1.3. 

Mit Beschwerdeantwort vom 7. Juli 2023 macht die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau geltend, dass es sich nicht um eine Notfalloperation, son-

dern eine dringende Operation gehandelt habe. Dr. med. K._____ habe 

empfohlen, die Operation innert 24 Stunden durchzuführen. Nach dem Ge-

spräch mit ihm sei die Operation auf den Folgetag terminiert worden. Eine 

hypothetische Einwilligung sei durch die Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau nicht geprüft worden und sämtliche Ausführungen der Beschwerde-

führerin zum Thema der angeblichen Täuschung über den Charakter der 

Operation als Notoperation und zur hypothetischen Einwilligung seien ob-

solet. Für die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau sei – wie in der Nichtan-

handnahmeverfügung dargelegt worden sei – entscheidend, dass sich die 

Aufklärung und Einwilligung der Beschwerdeführerin in die dringende Ope-

ration anhand zahlreicher Aktenstellen erstellen lasse. Dies ungeachtet 

dessen, dass sich die involvierte Ärzteschaft wahrscheinlich eine Verlet-

zung der Dokumentationspflicht vorwerfen lassen müsse, da dem Patien-

tendossier keine unterzeichnete Operationseinwilligung beiliege. Eine Be-

weislastumkehr, analog zur privatrechtlichen Arzthaftpflicht, bei welcher 

der Arzt zu beweisen habe, dass er den Patienten ausreichend aufgeklärt 

habe, wobei dieser Beweis nur durch eine unterzeichnete Operationsein-

willigung erbracht werden könne, sei im Strafprozess unzulässig. Im Wei-

teren werde vollumfänglich auf die Ausführungen in der Nichtanhandnah-

meverfügung vom 17. Mai 2023 verwiesen. 

 

2.1.4. 

Die Beschuldigte führte in ihrer Beschwerdeantwort aus, dass es sich nicht 

um eine Notfalloperation gehandelt habe. Die Operation sei die Behand-

lung der Wahl gewesen. Die durchgeführte Ultraschalluntersuchung auf 

 - 10 - 

 

 

dem Notfall habe das "Bild einer hypertrophen Pylorusstenose ohne Pas-

sage" ergeben, d.h. es sei keine Nahrung vom Magen in den Darm gelangt. 

Aufgrund dieses Befundes habe der diensthabende Kinderchirurg, der Lei-

tende Arzt Dr. med. K._____, die Operation empfohlen. Dr. med. K._____ 

behaupte, eine ausführliche Aufklärung (mind. 30 Min.) durchgeführt zu ha-

ben. Es sei unbestritten, dass kein unterzeichnetes Aufklärungsformular 

vorliege. Über das Risiko einer Schleimhauteröffnung werde stets aufge-

klärt, weil es sich um ein typisches Risiko handle. Am 9. Juni 2022 sei die 

Operation durch die Beschuldigte durchgeführt worden, da Dr. med. 

K._____ an diesem Tag abwesend gewesen sei. Die Beschuldigte habe 

am Morgen früh C._____ besucht und die Eltern auf das am Vorabend 

durchgeführte Aufklärungsgespräch verwiesen und sich vergewissert, dass 

keine Fragen bezüglich der Operation noch offen seien. Die Beschwerde-

führerin habe sich nicht für die Aufklärung interessiert. Die Eltern hätten 

unbedingt und v.a. dringend die Operation gewollt. Nur wegen der drän-

genden Eltern sei C._____ bereits am 9. Juni 2022 operiert worden, denn 

es sei gar kein für die Kinderchirurgie zugeteilter Operationssaal zur Verfü-

gung gestanden. Den Eltern gegenüber sei nicht von einer Notfalloperation 

gesprochen worden, es sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass 

es keine sinnvolle Behandlungsalternative zur Operation gebe, d.h. dass 

sich die Operation nicht vermeiden liesse und sie auch möglichst zeitnah 

stattfinden sollte, solange der Zustand des Kindes stabil sei. Die vermeint-

liche Unterlassung von Befunden der BGA's (Blutgasanalysen) und/oder 

Elektrolyte im Serum gemäss Privatgutachten sei damit zu erklären, dass 

dem Gutachter nicht alle Unterlagen zur Verfügung gestellt worden seien. 

Die Beschuldigte habe tatsächlich geprüft, ob eine metabolische Alkalose 

vorliege; sie habe sogar im Operationsbericht erwähnt, dass bereits bei 

Eintritt die BGA kompensiert worden sei. Insgesamt beurteile der Gutachter 

auch die Behandlung der postoperativen Komplikation als adäquat. In der 

Beschwerde werde der zwingend als präoperative Massnahme durchzu-

führende Ausgleich des Elektrolythaushaltes mit einer konservativen Be-

handlungsalternative verwechselt. Was die Einwilligung anbelange, so sei 

die Existenz dieses Dokuments auch von der Pflege auf der "Checkliste 

Sichere OP" vermerkt worden. Im Sinne einer Eventualbegründung werde 

vorgebracht, dass in jedem Fall von der hypothetischen Einwilligung aus-

zugehen sei.  

 

2.1.5. 

Mit Stellungnahme vom 14. August 2023 führt die Beschwerdeführerin aus, 

dass nicht belegt sei und bestritten werde, dass anlässlich des Gesprächs 

mit Dr. med. K._____ eine Aufklärung – geschweige denn eine "ausführli-

che" – stattgefunden habe. Der Entscheid zur umgehenden (notfallmässi-

gen) Operation erscheine angesichts des stabilen Gesundheitszustands 

von C._____ und der gestellten Diagnose als in keiner Weise vertretbar. 

Die Beschuldigte habe den Eltern von C._____ einen dreiminütigen Besuch 

abgestattet, wobei sie gemeint habe, dass sie ja bereits aufgeklärt worden 

 - 11 - 

 

 

seien und sich keine Sorgen machen müssten. Die sofortige Operation sei 

als alternativlos angepriesen worden und der Vater von C._____ habe das 

Formular "Anästhesie-Aufklärung und -Einwilligung" in einer massiven 

Drucksituation unterschrieben. Anlässlich der Operation vom 9. Juni 2022 

sei es dann zu einer Schleimhautläsion gekommen, welche längs übernäht 

worden sei. Es gelte hier näher abzuklären, ob eine weitere Sorgfalts-

pflichtsverletzung vorliege, da gemäss Privatgutachter die Übernähung ei-

ner Darmperforation wenn immer möglich quer zu erfolgen habe. Es fehle 

sowohl an einer Aufklärung (und Einwilligung), an einer hinreichenden Vor-

versorgung und auch an einer hinreichenden Nachsorge. Eine Aufklärung 

werde nicht belegt, sondern nur behauptet. Zudem stehe C._____ unter 

gemeinsamer elterlicher Sorge und eine Unterschrift der Beschwerdefüh-

rerin suche man vergebens. Zum Thema der pflichtwidrigen Nachsorge 

äussere sich die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau lediglich mittels Ver-

weis auf die Nichtanhandnahmeverfügung. Die Beschwerdeführerin gehe 

mit der Beschuldigten einig, dass keine Notfalloperations-Indikation vorge-

legen habe. Dass über das Risiko einer Schleimhauteröffnung aufgeklärt 

worden sei, sei eine reine Parteibehauptung und werde bestritten. Das An-

liegen der Eltern um Einholung einer Zweitmeinung sei unter Vorschub an-

geblicher Dringlichkeit und dem Anschliessen von C._____ an diverse Ap-

paraturen/"Schläuche" aktiv durch Dr. med. K._____ unterbunden worden. 

Die damaligen Rechtsvertreterinnen hätten sodann dem Privatgutachter 

sämtliche Unterlagen zukommen lassen, welche sie seitens J._____ [Spi-

tal] auf erstes Verlangen erhalten hätten. Dass das J._____ [Spital] weder 

über geeignete Operationssäle noch eine für die Nachsorge geeignete Sta-

tion verfügt habe und angesichts fehlender Dringlichkeit sowie bestehender 

Verlegungsmöglichkeit gleichwohl die Operation durchgedrückt habe, sei 

sehr wohl eine potentielle Sorgfaltspflichtsverletzung, die es abzuklären 

gelte. Hinsichtlich der Voraussetzungen für eine gültige Einwilligung sei 

festzustellen, dass es angesichts der fehlenden Dringlichkeit zumutbar ge-

wesen sei, eine Einwilligung (auch) der Beschwerdeführerin einzuholen. 

Das Indiz der Unterschrift des Vaters auf der "Anästhesie-Aufklärung und -

Einwilligung" sei nicht geeignet, eine gültige Verfügung über die körperliche 

Integrität des gemeinsamen Sohnes zu belegen. Es fehle sodann nicht nur 

an einer schriftlichen Einwilligung in die Operation, sondern auch an jegli-

chen Hinweisen, worüber die Eltern durch Dr. med. K._____ angeblich auf-

geklärt worden sein sollten. Schliesslich sei eine "erzwungene" Einwilligung 

keine Einwilligung. Das J._____ [Spital] habe die Eltern einer massiven 

Drucksituation ausgesetzt und auf eine Operation am Folgetag gedrängt. 

Es sei bei ihnen der Eindruck einer Notoperation erweckt worden. Mangels 

hinreichender Abklärungen zum postoperativen Verlauf lasse sich der 

Sachverhalt in keiner Weise abschliessend beurteilen. Die Latenzphase 

nach der Operation bis zur Überweisung in ein anderes Spital bedürfe nä-

herer Abklärung, da diese hinsichtlich der geltend gemachten Tatbestände 

von zentraler rechtlicher Relevanz sei. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-

 - 12 - 

 

 

Aarau setze sich in offenkundigen Widerspruch zu den schriftlichen Anga-

ben der Eltern, ohne diese im Rahmen einer ordentlichen Beweiserhebung 

angehört zu haben. Sie tätige im Ergebnis eine Art antizipierte Beweiswür-

digung, welche bei der zweifelhaften Beweis- und Rechtslage dem zur ma-

teriellen Beurteilung zuständigen Gericht zukomme. 

 

2.1.6. 

Mit Stellungnahme vom 27. September 2023 macht die Beschuldigte gel-

tend, dass die Kritik der Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar sei. 

Selbst das Privatgutachten kritisiere weder die Operationsindikation noch 

die technische Durchführung der Operation. Es sei die medizinisch zwin-

gend notwendige Stabilisierung von C._____ als präoperative Massnahme 

durchgeführt worden. Die Beschwerdeführerin verwechsle Behandlungsal-

ternative mit präoperativer Massnahme. Es sei medizinisch grober Unsinn, 

dass das J._____ [Spital] durch intensive Überwachung und Anschliessen 

an Schläuche den Druck erhöht haben solle. Ob die (im E._____ [Spital] 

erfolgte) Längsnaht eine medizinische Sorgfaltspflichtsverletzung darstelle, 

sei in diesem Verfahren nicht von Interesse, weil diese allfällige Sorgfalts-

pflichtsverletzung zweifellos nicht der Beschuldigten angelastet werden 

könne. Die Kritik an der postoperativen Betreuung erweise sich ebenfalls 

als verfehlt. Besser und engmaschiger als auf der Neonatologie könne eine 

Patientenüberwachung gar nicht stattfinden. Für die Beschuldigte sei auf-

grund der Information der Dienstoberärztin über Fieber und ein Exanthem 

bei C._____ am 10. Juni 2022 klar gewesen, dass ein Infekt vorgelegen 

habe. Die Beschuldigte habe die notwendigen diagnostischen Massnah-

men angeordnet, um die Ursache für den Infekt zu klären, und schliesslich 

nach einem durchgeführten Ultraschall mit Hinweis auf freie Flüssigkeit – 

die Röntgenuntersuchung habe keinen Hinweis auf freie Luft ergeben – die 

Verlegung zwecks Re-Operation veranlasst. Entgegen der falschen Be-

hauptung der Beschwerdeführerin sähen die bundesgerichtliche Recht-

sprechung und die anwendbaren kantonalen Bestimmungen keine schrift-

liche Aufzeichnung der Aufklärung und/oder eine Unterschrift als Voraus-

setzung für die gültige Einwilligung vor. Die Zustimmung könne auch still-

schweigend oder konkludent erfolgen. Insofern könne die Beschwerdefüh-

rerin auch nichts daraus ableiten, dass nur der Vater das Aufklärungspro-

tokoll Anästhesie unterzeichnet habe. Wie die Beschwerdeführerin selbst 

ausführe, seien beide Elternteile beim Aufklärungsgespräch über die Anäs-

thesie anwesend gewesen und beide hätten zugestimmt. Beide Elternteile 

seien beim Gespräch mit Dr. med. K._____ anwesend gewesen. Die Be-

schwerdeführerin behaupte nicht, dass sie nicht eingewilligt habe, sondern 

nur, sie sei in Bezug auf die Dringlichkeit getäuscht worden und sie habe 

kein Aufklärungsprotokoll unterzeichnet, weshalb die Einwilligung nicht gül-

tig sei. Diese Argumente seien falsch. Die Operation sei dringlich gewesen, 

was sich auch aus den von der Beschwerdeführerin eingereichten Beweis-

mitteln ergebe. Der Privatgutachter attestiere der Beschwerdeführerin, 

dass sie die notwendigen Sorgfaltspflichtsmassnahmen vorgenommen 

 - 13 - 

 

 

habe. Die Behauptung der nicht gewährleisteten Überwachung sei unhalt-

bar. Es gebe für operierte Säuglinge im J._____ [Spital] gar keine andere 

Intensivstation zur Überwachung. Die Beschwerdeführerin bzw. ihre (da-

maligen) Rechtsvertreterinnen hätten sämtliche Akten inkl. die Laborbe-

richte erhalten. Es sei – abgesehen davon, dass es für die Einwilligung kein 

Formerfordernis gebe – vorliegend auch vom Vorliegen einer hypotheti-

schen Einwilligung auszugehen.  

 

2.2. 

Die Staatsanwaltschaft eröffnet u.a. dann eine Untersuchung, wenn sich 

aus den Informationen und den Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige 

oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt 

oder wenn sie Zwangsmassnahmen anordnet (vgl. Art. 309 Abs. 1 

lit. a−c StPO). Ein hinreichender Tatverdacht setzt voraus, dass die erfor-

derlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung konkreter Natur sind. Kon-

kret ist der Tatverdacht dann, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit für 

eine strafrechtliche Verurteilung der beschuldigten Person spricht. Die Ge-

samtheit der tatsächlichen Hinweise muss die plausible Prognose zulas-

sen, dass die beschuldigte Person mit einiger Wahrscheinlichkeit verurteilt 

werden wird. Diese Prognose geht über die allgemeine theoretische Mög-

lichkeit hinaus. Ein blosser Anfangsverdacht, d.h. eine geringe Wahr-

scheinlichkeit einer Verurteilung aufgrund vager tatsächlicher Anhalts-

punkte (z.B. ungenaue Schilderungen eines Anzeigeerstatters), genügt 

nicht (NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, in: Kommentar zur Schwei-

zerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 25 f. zu Art. 309 StPO). 

 

Sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass 

die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeu-

tig nicht erfüllt sind, verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme 

(Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). Die Situation muss sich für die Staatsanwalt-

schaft folglich so präsentieren, dass gar nie ein Verdacht hätte angenom-

men werden dürfen oder der Anfangsverdacht vollständig entkräftet wurde. 

Bei missbräuchlichen und von vornherein aussichtslosen Strafanzeigen hat 

ebenfalls eine Nichtanhandnahme zu erfolgen (LANDSHUT/BOSSHARD, 

a.a.O., N. 4 zu Art. 310 StPO). Es muss mit anderen Worten sicher sein, 

dass der Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt, was etwa der Fall 

ist bei rein zivilrechtlichen Streitigkeiten. Eine Nichtanhandnahme darf nur 

in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen. Im Zweifelsfall 

ist folglich eine Untersuchung zu eröffnen. Ergibt sich nach durchgeführter 

Untersuchung, dass kein Straftatbestand erfüllt ist, stellt die Staatsanwalt-

schaft das Strafverfahren gestützt auf Art. 319 StPO ein (BGE 137 IV 285 

E. 2.3).  

 

 - 14 - 

 

 

2.3. 

2.3.1. 

Im vorliegenden Fall stellt sich primär die Frage nach einer strafrechtlichen 

Verantwortlichkeit im Sinne eines Körperverletzungsdelikts gemäss 

Art. 122 bzw. 125 Abs. 2 StGB (auch die Beschwerdeführerin geht von ei-

ner schweren [fahrlässigen] Körperverletzung aus und ihr Hinweis auf 

Art. 125 Abs. 1 StGB in ihrer Beschwerde [S. 22] muss als Verschrieb an-

gesehen werden, nachdem die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau in der 

angefochtenen Verfügung [S. 1 und 5] die Strafanzeige wegen eventualiter 

fahrlässiger schwerer Körperverletzung nicht an Hand nimmt). 

 

Einer schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB macht sich schul-

dig, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt, wer vorsätz-

lich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstüm-

melt oder unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, 

gebrechlich oder geisteskrank macht oder das Gesicht eines Menschen arg 

und bleibend entstellt oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädi-

gung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines 

Menschen verursacht. 

 

Strafbar ist auch, wer die schwere Körperverletzung fahrlässig begeht 

(Art. 125 Abs. 2 StGB). Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, 

wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht 

bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsich-

tigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Um-

ständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 

Abs. 3 StGB).  

 

Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt somit voraus, 

dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht 

hat. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat 

aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit 

bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können 

und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos über-

schritten hat. Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, 

bestimmt sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach 

diesen Vorschriften. Dies schliesst nicht aus, dass der Vorwurf der Fahr-

lässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemei-

nen Gefahrensatz gestützt werden kann. Denn einerseits begründet nicht 

jeder Verstoss gegen eine gesetzliche oder für bestimmte Tätigkeiten all-

gemein anerkannte Verhaltensnorm den Vorwurf der Fahrlässigkeit, und 

andererseits kann ein Verhalten sorgfaltswidrig sein, auch wenn nicht ge-

gen eine bestimmte Verhaltensnorm verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der 

ein Täter verpflichtet ist, wird letztlich durch die konkreten Umstände und 

 - 15 - 

 

 

seine persönlichen Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tat-

sächlichen Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können 

(BGE 135 IV 56 E. 2.1). 

 

Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 

mithin für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Er-

folgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den kon-

kreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. 

Zunächst ist daher zu fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgü-

ter des Opfers hätte voraussehen beziehungsweise erkennen können und 

müssen. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adä-

quanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den ein-

getretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz 

ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das 

Mitverschulden des Opfers beziehungsweise eines Dritten oder Material- 

oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin 

nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als 

wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und 

so alle anderen mitverursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten 

des Angeschuldigten – in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1). 

 

Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters 

zurückzuführen ist, genügt allerdings seine Voraussehbarkeit nicht. Wei-

tere Voraussetzung ist vielmehr, dass der Erfolg auch vermeidbar war. Da-

bei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der 

Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Für 

die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters min-

destens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Er-

folgs bildete (BGE 135 IV 56 E. 2.1). 

 

2.3.2. 

Ärztliche Eingriffe erfüllen, auch wenn sie nach Auffassung des Arztes me-

dizinisch indiziert und kunstgerecht durchgeführt worden sind, jedenfalls in-

soweit den Tatbestand der Körperverletzung, als sie entweder in die Kör-

persubstanz eingreifen oder mindestens vorübergehend die körperliche 

Leistungsfähigkeit oder das körperliche Wohlbefinden des Patienten nicht 

nur unerheblich beeinträchtigen oder verschlechtern. Solche Eingriffe kön-

nen nur durch die Einwilligung des Patienten gerechtfertigt werden 

(BGE 124 IV 258 E. 2). Die Einwilligung ermächtigt den Arzt, durch Realakt 

in den Körper und die Gesundheit des Patienten einzugreifen. Mit der Ein-

willigung stimmt der Patient nicht nur dem ärztlichen Handeln, sondern 

auch den damit verbundenen Zwischen- und Enderfolgen zu (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_730/2017 vom 7. März 2018 E. 2.3). Eine rechtferti-

gende Einwilligung in die Verletzung oder in eine Gefahrenlage setzt vo-

raus, dass der Betroffene die Einwilligung vor der Tathandlung in Kenntnis 

 - 16 - 

 

 

aller wesentlichen Umstände freiwillig abgibt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_337/2012 vom 19. März 2013 E. 3.2.3, nicht publ. in: BGE 139 IV 214, 

mit Verweis auf BGE 124 IV 261 E. 3). Die Eingriffsaufklärung soll ihn in die 

Lage versetzen, aus freiem Willen in die vorgeschlagene Behandlung ein-

zuwilligen oder diese abzulehnen (Urteil des Bundesgerichts 6B_730/2017 

vom 7. März 2018 E. 2.3 mit Verweis auf BGE 117 Ib 197 E. 3b). Die Ein-

willigung kann entweder ausdrücklich oder konkludent erfolgen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_128/2013 vom 7. November 2013 E. 1.3 mit Verweis 

auf BGE 124 IV 258 E. 3).  

 

Bezüglich der Form der Aufklärung (vgl. dazu auch § 3 Abs. 1 lit. b der 

Verordnung über die Rechte und Pflichten der Patientinnen und Patienten 

vom 11. November 2009 [Patientenverordnung, PatV, SAR 333.111]: an-

gemessen und verständlich; zum Umfang vgl. CLAUDIA FINK, Aufklärungs-

pflicht von Medizinalpersonen [Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker] in: Ab-

handlungen zum schweizerischen Recht, 2008, S. 147 ff.) ist zu beachten, 

dass ein persönliches Gespräch zwischen Arzt und Patient gemäss der 

Lehre und Rechtsprechung in aller Regel als unerlässlich gilt, da nur auf 

diese Weise auf den konkreten Patienten eingegangen werden kann (vgl. 

etwa PASCAL PAYLLIER, Rechtsprobleme der ärztlichen Aufklärung, in: Zür-

cher Studien zum Privatrecht, 1999, S. 117: "De facto erfährt die grund-

sätzliche Formfreiheit jedoch Einschränkungen. Eine schriftliche Aufklä-

rung, die lediglich mittels eines Formulars durchgeführt wurde, vermag den 

Anforderungen von Lehre und Rechtsprechung in Bezug auf Inhalt und Um-

fang nicht zu genügen, da gerade allgemein gehaltene Aufklärungsformu-

lare die Besonderheiten des Eingriffs bzw. der Behandlung beim fraglichen 

Patienten nicht berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist das [verständ-

nisvolle und behutsame] Gespräch des Arztes mit dem Patienten ein un-

entbehrliches Aufklärungsmittel, das dem Arzt gleichzeitig die Möglichkeit 

bietet, sich zu vergewissern, ob seine Informationen richtig verstanden wur-

den, während der Patient allfällige weitere Fragen an den Arzt richten 

kann." Ebenso WALTER FELLMANN, in: Arztrecht in der Praxis, 2. Aufl. 2007, 

S. 195: "Lehre und Rechtsprechung haben jedoch in den letzten Jahren 

einen Katalog von Anforderungen entwickelt, denen der Arzt in aller Regel 

nur mit einem Aufklärungsgespräch genügen kann. Zwar lässt sich dieses 

durch schriftliche Informationen ergänzen; zentrales Element der Aufklä-

rung bildet jedoch das Aufklärungsgespräch zwischen Arzt und Patient." 

Vgl. ebenfalls WOLFGANG WIEGAND, Die Aufklärungspflicht und die Folgen 

ihrer Verletzung, in: Handbuch des Arztrechts, 1994, S. 153 f.; FINK, a.a.O., 

S. 178 f. mit weiteren Hinweisen). Zwar dient heute die schriftliche Informa-

tion vielerorts der Vorbereitung oder Beweissicherung des persönlichen 

Arztgesprächs, doch wird auch dieses Vorgehen aufgrund der Gefahr, dass 

bei Standardbehandlungen das persönliche Gespräch im Anschluss an die 

schriftliche Information zu kurz gehalten oder weggelassen wird, kritisiert. 

Auch die Möglichkeit des Patienten, bei Fragen zum Informationsblatt auf 

 - 17 - 

 

 

den Arzt zuzukommen, ist danach unzureichend: Der Arzt muss den Pati-

enten nochmals ausdrücklich darauf ansprechen. (…) Ansonsten droht die 

Gefahr, etwa im Falle von Routineeingriffen in der Sache die Aufklärung 

ganz auf die Aushändigung von Formularen zu verkürzen (vgl. ANTOINE 

ROGGO, Aufklärung des Patienten, Eine ärztliche Informationspflicht, in: Ab-

handlungen zum schweizerischen Recht, 2002, S. 192 ff.). 

 

Nach einer korrekten, vorausgegangenen Aufklärung akzeptiert der Patient 

mit seiner Einwilligung zur medizinischen Massnahme die mit der Behand-

lung immanent verbundenen Risiken. Dies selbstredend nur dann, wenn 

die Heilbehandlung nach dem Stand der aktuellen medizinischen Erkennt-

nisse, somit lege artis, durchgeführt wird (vgl. ROGGO, a.a.O., S. 231).  

 

Liegt keine gültige Einwilligung des Patienten vor, steht dem Arzt noch die 

Möglichkeit offen, die hypothetische Einwilligung des Patienten darzutun, 

d.h. nachzuweisen, dass der Patient bei gehöriger Aufklärung seine Einwil-

ligung erteilt hätte (BGE 117 Ib 197 E. 5; vgl. dazu auch ANDREAS EI-

CKER/STEFANIE FISCH, Die hypothetische Einwilligung im Medizinrecht – 

eine umstrittene und dem Schweizer Strafrecht (noch) fremde Rechtsfigur, 

in: Jusletter 28. April 2014). Gelingt ihm dieser Nachweis nicht und liegt 

auch kein anderer Rechtfertigungsgrund vor, so ist der Arzt wegen vorsätz-

licher oder fahrlässiger Körperverletzung zu bestrafen, je nachdem, ob die 

Aufklärungspflicht vorsätzlich oder fahrlässig verletzt worden ist 

(BGE 99 IV 208 E. 5; HANS WIPRÄCHTIGER, Die Strafbarkeit des Arztfeh-

lers, in: Die Haftung des Arztes und des Spitals, 2003, S. 250 f.).  

 

2.3.3. 

Es kann offengelassen werden, ob es sich bei der Einwilligung um einen 

Ausschluss des Tatbestandes oder um einen Rechtfertigungsgrund (vgl. 

zum Rechtfertigungsgrund bei einer Nichtanhandnahme Urteil des Bundes-

gerichts 6B_831/2016 vom 13. Februar 2017 E. 2.1.1 mit Verweis auf 

6B_1242/2014 vom 15. Oktober 2015 E. 2.3) handelt (vgl. zur umstrittenen 

systematischen Einordnung der Einwilligung MARCEL ALEXANDER NIG-

GLI/CAROLA GÖHLICH, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 7 

und 18 zu Vor Art. 14 StGB), jedenfalls schliesst sie das Unrecht der Tat 

aus. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Im vorliegenden Fall geht es um eine Pyloromyotomie, also um einen Ein-

griff, bei dem die hypertrophe Pylorusstenose (Magenpförtnerverengung) 

durch Trennung der Muskelfasern des Magenausgangs aufgehoben bzw. 

der Magenausgang vergrössert wird (vgl. dazu die Information von 

e.medpedia [Beschwerdebeilage bzw. Beschwerdeantwortbeilage 3] bzw. 

von NetDoctor.ch [Beschwerdeantwortbeilage 2; hier als Pylorotomie be-

zeichnet]). Die körperliche Unversehrtheit von C._____ wurde durch diese 

 - 18 - 

 

 

Operation dauerhaft tangiert. Der objektive Tatbestand einer schweren Kör-

perverletzung ist somit grundsätzlich erfüllt. 

 

2.4.2. 

Unbestritten (auch seitens der Beschuldigten, vgl. Beschwerdeantwort S. 3 

und 5) ist, dass keine schriftliche Einwilligung der Eltern von C._____ als 

gesetzliche Vertreter zur Vornahme der Pyloromyotomie aktenkundig ist. 

 

Aus den Akten geht hingegen genügend hervor, dass die Eltern in diese 

Operation ihres Sohnes inklusive damit verbundener Risiken eingewilligt 

haben. So ergibt sich aus dem Operationsbericht datiert vom 10. Juni 2022, 

dass die unterschriebene Operationseinwilligung vorliege und die Eltern am 

Vortag der Operation durch Dr. med. K._____ über die Operation und die 

Risiken aufgeklärt worden seien (Beilage 4.2 zur Strafanzeige). Mit dieser 

Sachlage übereinstimmend unterzeichnete einerseits der Vater von 

C._____ am 9. Juni 2022 um 9.40 Uhr (und somit vor der am Mittag durch-

geführten Operation, vgl. Beilage 3 zur Strafanzeige) das Formular "Anäs-

thesie-Aufklärung und -Einwilligung", wobei unter dem Punkt "Vorgesehene 

Operation" die gleichentags durchgeführte Pyloromyotomie aufgeführt 

wurde (Beilage 4.2 zur Strafanzeige; vgl. dazu auch Stellungnahme vom 

14. August 2023, S. 7), und wurde andererseits von der Pflege auf dem 

Formular "Checkliste sichere OP" angekreuzt, dass das unterschriebene 

OP- und Anästhesie-Aufklärungsprotokoll vorhanden sei (Beilage 4.2 zur 

Strafanzeige bzw. Beilage 7 zur Beschwerdeantwort). Auch der Privatgut-

achter geht von einer mündlichen Aufklärung der Eltern zeitgerecht am Tag 

vor der Operation aus (vgl. Privatgutachten S. 13). Insbesondere aber räu-

men die Eltern in ihrem (undatierten) Bericht zur Operation ihres Sohnes 

(vgl. Beilage 3 zur Strafanzeige) selber ein, dass am 8. Juni 2022 ein Ge-

spräch mit Dr. med. K._____ stattgefunden habe, in welchem dieser die 

Operation empfohlen habe. Offensichtlich wurde u.a. auch die Frage der 

Eltern behandelt, weshalb nicht zwei Tage (bis Freitag, 10. Juni 2022) zu-

gewartet werden könne mit der Operation, sondern diese am nächsten Tag 

(9. Juni 2022) durch die Beschuldigte stattfinden solle (vgl. dazu auch Stel-

lungnahme der Beschwerdeführerin vom 14. August 2023, S. 6). Dadurch, 

dass der (ideale) Operationszeitpunkt nachweislich Gesprächsinhalt war, 

ging Dr. med. K._____ offensichtlich auf die Behandlung der Pylorusste-

nose bzw. auf die damit inhärente Problematik ein, dass die Operation früh-

zeitig empfohlen wird, da der Allgemeinzustand des Kindes in einer frühen 

Krankheitsphase meist noch gut ist und das Risiko der Operation erheblich 

reduziere bzw. das Leiden des Kindes so kurz wie möglich ist (vgl. die In-

formation von NetDoctor.ch  [Beschwerdeantwortbeilage 2]). Da die Eltern 

selber und damit auch die Beschwerdeführerin das (Aufklärungs-)Ge-

spräch mit Dr. med. K._____ bestätigen, ist irrelevant, dass die von der Be-

schuldigten erwähnte schriftliche Bestätigung von Dr. med. K._____ über 

dieses Gespräch (vgl. Beschwerdeantwort S. 5) nicht aktenkundig ist. 

 - 19 - 

 

 

Schliesslich führten die Eltern und damit wiederum auch die Beschwerde-

führerin in ihrem Bericht aus, dass sie am Tag der Operation bzw. offen-

sichtlich vor der Operation auch von der Beschuldigten ca. 3 Minuten über 

die Operation informiert worden seien (Beilage 3 zur Strafanzeige, S. 1 un-

ten). Dies bestätigte die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 

14. August 2023 und führte diesbezüglich aus, dass die Beschuldigte ge-

meint habe, dass sie ja bereits aufgeklärt worden seien und sich keine Sor-

gen machen müssten (Stellungnahme vom 14. August 2023, S. 7). Die Be-

schuldigte, welche das (Aufklärungs-)Gespräch nicht selber geführt hat, 

durfte sich auf das Formular "Checkliste sichere OP" mit Vermerk des vor-

handenen unterschriebenen OP- und Anästhesie-Aufklärungsprotokoll 

(Beilage 4.2 zur Strafanzeige bzw. Beilage 7 zur Beschwerdeantwort) ver-

lassen. Im OP-Aufklärungsprotokoll sind unbestrittenermassen die Risiken 

der Operation auch miterfasst, wie es die Beschuldigte auch in ihrem Ope-

rationsbericht erwähnt. Dennoch informierte die Beschuldigte nach Darstel-

lung der Beschwerdeführerin selber und somit zusätzlich die Eltern über 

die Operation. 

 

Aufgrund dieser aktenkundigen Hinweise ist davon auszugehen, dass die 

Eltern von C._____ – auch wenn ein unterzeichnetes Aufklärungsprotokoll 

nicht aktenkundig ist – über die Operation und damit verbundene Risiken 

und mögliche Komplikationen aufgeklärt wurden und in die Pyloromyotomie 

zumindest konkludent eingewilligt haben. 

 

2.4.3. 

Die Beschwerdeführerin behauptet, sie sei in Bezug auf die Dringlichkeit 

der Operation getäuscht worden, weshalb eine allfällige Einwilligung nicht 

gültig sei.  

 

Dafür, dass die Beschwerdeführerin mit der Behauptung einer Notfallope-

ration unter Druck gesetzt bzw. getäuscht worden ist, bestehen keine Hin-

weise in den Akten. Dr. med. K._____ empfahl den Eltern unbestrittener-

massen eine Operation innert 24 Stunden (vgl. Bericht der Eltern, Beilage 

3 zur Strafanzeige). Die Operation wurde sodann am 8. Juni 2022 auf den 

Folgetag terminiert. Auf dem Formular "Checkliste sichere OP" wurde das 

Feld "dringender Notfall" nicht angekreuzt (Beilage 4.2 zur Strafanzeige 

bzw. Beilage 7 zur Beschwerdeantwort). Auch aus der Information von 

e.medpedia (Beschwerdebeilage bzw. Beschwerdeantwortbeilage 3) geht 

hervor, dass es sich bei der Pyloromyotomie um keine Notfalloperation 

handelt, auch wenn sie wegen der unzureichenden Nahrungsaufnahme 

bzw. schweren Stoffwechselproblemen wie Unterzuckerung oder Nähr-

stoffmangel möglichst rasch durchzuführen ist. Aus der Erwähnung einer 

Notfallkonsultation vom 8. Juni 2022 im Bericht des D._____ [Spital] vom 

9. Juni 2022 (vgl. Beilage 4.2 zur Strafanzeige) bzw. der notfallmässigen 

Zuweisung ins J._____ [Spital] (vgl. Eintrittsbericht des J._____ [Spital] 

vom 8. Juni 2022 [Beilage 4 zur Stellungnahme der Beschwerdeführerin 

 - 20 - 

 

 

vom 25. Juli 2023]) kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten 

ableiten. Vor einer Operation sorgen die Ärzte im Sinne einer präoperativen 

Massnahme dafür, dass der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Kin-

des mit Infusionen wieder ausgeglichen wird. Dabei definiert sich eine 

präoperative Massnahme als vorbereitende Massnahme zur Stabilisierung 

des Zustands des Säuglings im Hinblick auf die Narkose und die operative 

Behandlung, d.h. im Hinblick auf eine Operation. Dies geht eindeutig aus 

den Informationen von e.medpedia (Beschwerdebeilage bzw. Beschwer-

deantwortbeilage 3) bzw. von NetDoctor.ch  (Beschwerdeantwortbeilage 2) 

hervor. Soweit die Beschwerdeführerin aufgrund des Hinweises im Privat-

gutachten (S. 5) von einer unterlassenen präoperativen Ausgleichung der 

metabolischen Alkalose ausgeht, ist mit der Beschuldigten festzustellen, 

dass dem Privatgutachter nicht alle Akten vorlagen. So lagen ihm die La-

borberichte des J._____ [Spital] vom 8./9. Juni 2022 sowie der Eintrittsbe-

richt im J._____ [Spital] vom 8. Juni 2022 (Beilagen 4, 5 und 6 zur Stellung-

nahme der Beschwerdeführerin vom 25. Juli 2023) nicht vor (vgl. Gutachten 

S. 2), aus welchen die pH-, Kalium- und Chloridwerte bei Eintritt und im 

Verlauf aufgezeichnet worden sind. Aus dem Operationsbericht datiert vom 

10. Juni 2022 geht hervor, dass die Beschuldigte geprüft hat, ob eine me-

tabolische Alkalose vorliege (Hinweis auf Blutgasanalyse, die bei Eintritt 

noch kompensiert gewesen sei). Soweit die Beschwerdeführerin (in der Be-

schwerde) behauptet, sie hätte(n) sich im Wissen um die risikolose präope-

rative Massnahme (Ausgleich des Elektrolythaushaltes) für diese und nicht 

die Operation entschieden, kann ihr aufgrund der obigen Ausführungen so-

mit nicht gefolgt werden. Die Operation war wegen der drohenden massi-

ven Stoffwechsel-Entgleisung (metabolische Alkalose und Dehydration) 

dringlich, aber kein Notfall (vgl. dazu die Information von NetDoctor.ch [Be-

schwerdeantwortbeilage 2]). Die Eltern wurden somit weder unter Druck 

gesetzt noch getäuscht. 

 

Aufgrund der Akten ist somit davon auszugehen, dass die Eltern von 

C._____ gültig in die Pyloromyotomie eingewilligt haben. Es kann der Be-

schuldigten somit nicht einmal eine fahrlässige Verletzung der Aufklärungs-

pflicht vorgeworfen werden (vgl. zur vorsätzlichen oder fahrlässigen Verlet-

zung der Aufklärungspflicht E. 2.3.2 S. 17 oben). Ebenfalls scheidet nach 

dem zu den präoperativen Massnahmen Gesagten eine Sorgfaltspflichts-

verletzung der Beschuldigten im Rahmen der Vorversorgung und insofern 

eine fahrlässige Körperverletzung aus. 

 

2.4.4. 

Nach dem Gesagten muss nicht weiter auf eine hypothetische Einwilligung 

der Beschwerdeführerin eingegangen werden und kann diesbezüglich le-

diglich der Vollständigkeit halber festgehalten werden, dass die Beschwer-

deführerin angesichts der Lebensgefahr aufgrund der massiven Stoffwech-

sel-Entgleisung, wenn die Pylorusstenose nicht operiert wird (vgl. oben 

E. 2.4.3), und der konkreten (sich verschlechternden) Blutwerte von 

 - 21 - 

 

 

C._____ auch in die Operation eingewilligt hätte, wenn sie gehörig aufge-

klärt worden wäre (vgl. dazu auch Beschwerde S. 21 oben, wonach nicht 

die Durchführung des Eingriffs an sich zu hinterfragen sei). 

 

2.4.5. 

Die Beschwerdeführerin macht schliesslich eine schwere (fahrlässige) Kör-

perverletzung durch fehlende Nachversorgung geltend. 

 

Vorweg ist festzuhalten, dass nach einer korrekten, vorausgegangenen 

Aufklärung (vgl. dazu oben E. 2.4.2 und 2.4.3) die Beschwerdeführerin mit 

ihrer Einwilligung zur medizinischen Massnahme die mit der Behandlung 

immanent verbundenen Risiken (vgl. dazu E. 2.3.2) wie die tatsächlich er-

folgte akzidentelle Schleimhauteröffnung (vgl. Operationsbericht datiert 

vom 10. Juni 2022 [Beilage 4.2 zur Strafanzeige]) als häufigste intraopera-

tive Komplikation bei der Pyloromyotomie (vgl. dazu die Information von 

e.medpedia [Beschwerdebeilage bzw. Beschwerdeantwortbeilage 3] sowie 

Gutachten S. 10) akzeptierte, sofern die Behandlung lege artis durchge-

führt wurde. 

 

Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die angebliche Unangemessenheit 

im zeitlichen Kontext beruft, kann auf die von der Beschuldigten eingereich-

ten Unterlagen zum Ablauf der postoperativen Behandlung (Beilage 1 zur 

Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 27. September 2023) verwie-

sen werden. Daraus geht hervor, dass die Beschuldigte nach Auftreten von 

Fieber und eines Exanthems bei C._____ diagnostische Massnahmen an-

geordnet hat, um die Ursache für den Infekt zu klären, und schliesslich nach 

einem durchgeführten Ultraschall mit Hinweis auf freie Flüssigkeit – die zu-

vor durchgeführte Röntgenuntersuchung ergab keinen Hinweis auf freie 

Luft – die (Verlegung zwecks) Re-Operation veranlasst hat. Diese getroffe-

nen Massnahmen stimmen überein mit der vom Privatgutachten geschil-

derten Vorgehensweise. Der Privatgutachter geht sowohl von einer lege 

artis durchgeführten Operation als auch von einer adäquaten Behandlung 

der postoperativen Komplikation aus (Privatgutachten S. 6, 9 und 12). Ins-

besondere weist er auf die "Wasserprobe" bzw. darauf hin, dass die Be-

schuldigte der Pflicht nachgekommen sei, eine Darmleckage auszuschlies-

sen (Privatgutachten S. 6 und 10). Auch sei nach der Feststellung von freier 

Flüssigkeit der dringende Verdacht auf eine Darmleckage gezogen worden. 

Die Beschuldigte habe dies auch den Eltern kommuniziert (Privatgutachten 

S. 11). Hinweise auf eine zeitliche Verzögerung – der Privatgutachter 

konnte mangels exakter Zeitangaben keine abschliessende Aussage dazu 

machen (vgl. Privatgutachten S. 10) – liegen ausweislich der Akten somit 

nicht vor. Vielmehr wurden ausweislich der Akten zeitgerecht diagnostische 

Massnahmen getroffen und eine Infektbehandlung eingeleitet und Blutkul-

turen entnommen, um im Falle eines bakteriellen Infekts gezielter mit Anti-

biotika behandeln zu können. Insbesondere wurde der Ultraschall notfall-

mässig angeordnet, um freie Flüssigkeit auszuschliessen (vgl. den Auftrag 

 - 22 - 

 

 

an die Radiologie, Beilage 1 zur Stellungnahme der Beschwerdeführerin 

vom 27. September 2023). Dass es nach der Operation von C._____ im 

J._____ [Spital] keine Kapazitäten auf der neonatologischen Intensivstation 

gab und deshalb zwecks Operation eine Verlegung nach E._____ [Spital] 

erfolgte, weist genau so wenig auf eine Sorgfaltspflichtsverletzung der Be-

schuldigten hin wie eine allenfalls nicht ideal erfolgte Kommunikation zwi-

schen den Parteien (vgl. Privatgutachten S. 13). Der Verdacht der Be-

schwerdeführerin, dass die angebliche Fehlplatzierung mitursächlich für 

die mutmasslich verzögert erkannte Darmleckage gewesen sei (vgl. Stel-

lungnahme vom 14. August 2023), kann aufgrund der dargelegten zeitli-

chen Abläufe ausgeräumt werden. Schliesslich geht aus den Akten klar 

hervor, dass die (vom Privatgutachter angezweifelte und von der Be-

schwerdeführerin in der Folge als Sorgfaltspflichtsverletzung dargelegte) 

Übernähung der Darmperforation (längs statt quer, vgl. Privatgutachten 

S. 12) im E._____ [Spital] und somit nicht durch die Beschuldigte (im 

J._____ [Spital]) erfolgte. 

 

Hinweise auf eine Sorgfaltspflichtsverletzung der Beschuldigten hinsicht-

lich der Nachversorgung liegen zusammenfassend nicht vor. 

 

2.5. 

Eine Strafbarkeit nach Art. 122 oder 125 StGB ist damit nicht ersichtlich. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat die Strafsache gegen die Be-

schuldigte folglich zu Recht gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an 

die Hand genommen. Die Beschwerde ist deshalb – ohne dass die weiteren 

Tatbestandselemente noch geprüft werden müssten – abzuweisen, soweit 

darauf einzutreten ist. 

 

3. 

3.1. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und im Umfang der geleisteten 

Sicherheit mit dieser zu verrechnen. Eine Entschädigung ist ihr nicht zuzu-

sprechen. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Beschuldigte obsiegt demgegenüber mit ihrem Antrag auf Abweisung 

der Beschwerde, weshalb sie für die angemessene Ausübung ihrer Vertei-

digungsrechte in diesem Beschwerdeverfahren zu entschädigen ist 

(Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Die Entschädigung 

der beschuldigten Person für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-

rensrechte bei einer Nichtanhandnahme des Strafverfahrens oder bei ei-

nem Freispruch geht zulasten des Staats, wenn es sich um ein Offizialdelikt 

handelt (Art. 429 Abs. 1 i.V.m. Art. 310 Abs. 2 StPO), und zulasten der 

Privatklägerschaft, wenn es um ein Antragsdelikt geht (Art. 432 Abs. 2 

 - 23 - 

 

 

i.V.m. Art. 310 Abs. 2 StPO). Im Berufungsverfahren betreffend Offizialde-

likte wird die unterliegende Privatklägerschaft entschädigungspflichtig, im 

Beschwerdeverfahren hingegen der Staat. Geht es um ein Antragsdelikt, 

wird sowohl im Berufungs- als auch im Beschwerdeverfahren die Privatklä-

gerschaft entschädigungspflichtig (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 

Abs. 2 StPO; vgl.  BGE 147 IV 47 E. 4.2.6). 

 

Bei den der Beschuldigten vorgeworfenen Tatbeständen – schwere Kör-

perverletzung gemäss Art. 122 StGB und schwere fahrlässige Körperver-

letzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB – handelt es sich um Offizialdelikte. 

Folglich ist die Beschuldigte für das vorliegende Beschwerdeverfahren aus 

der Staatskasse zu entschädigen. 

 

3.2.2. 

In Strafsachen bemisst sich die Entschädigung nach dem angemessenen 

Zeitaufwand des Anwaltes (§ 9 Abs. 1 AnwT). Der Stundenansatz beträgt 

in der Regel Fr. 220.00 und kann in einfachen Fällen bis auf Fr. 180.00 

reduziert und in schwierigen Fällen bis auf Fr. 250.00 erhöht werden. Aus-

lagen und Mehrwertsteuer werden separat entschädigt (§ 9 Abs. 2bis AnwT).  

 

Die Verteidigerin der Beschuldigten hat keine Kostennote eingereicht. Für 

das Aktenstudium, die Instruktion und das Verfassen der rund zehnseitigen 

Beschwerdeantwort der Beschuldigten sowie der knapp zehnseitigen Stel-

lungnahme vom 27. September 2023 erscheint ein zeitlicher Aufwand von 

insgesamt 12 Stunden angemessen. Dieser ist mit dem Regelansatz von 

Fr. 220.00 pro Stunde zu entschädigen (§ 9 Abs. 2bis Satz 1 AnwT). Unter 

zusätzlicher Berücksichtigung einer Auslagenpauschale von 3 % und der 

Mehrwertsteuer von 7.7 % (§ 9 Abs. 2bis Satz 2 AnwT) beläuft sich die an-

gemessene Entschädigung der Beschuldigten auf gerundet Fr. 2'929.00 

(= Fr. 220.00 x 12 x 1.03 x 1.077). Die Beschuldigte ist für das Beschwer-

deverfahren folglich mit Fr. 2'929.00 zu entschädigen. 

 

   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'200.00 sowie den Auslagen von Fr. 105.00, insgesamt 

Fr.  1'305.00.00, werden der Beschwerdeführerin auferlegt und mit der von 

ihr geleisteten Sicherheit von Fr. 1'000.00 verrechnet, so dass sie der Ober-

gerichtskasse noch Fr. 305.00 zu bezahlen hat. 

 

 - 24 - 

 

 

3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der Beschuldigten für das Be-

schwerdeverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'929.00 (inkl. Auslagen 

und MWSt) auszurichten. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 11. Dezember 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Groebli Arioli