# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 05f57cb8-4c9e-5039-ac47-64dca674922e
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 10.02.2025 SST.2024.37
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-37_2025-02-10.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.37 
(ST.2023.163; StA.2022.8815) 

 

 

Urteil vom 10. Februar 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichterin Vasvary  

Oberrichterin Jacober 

Gerichtsschreiberin M. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

  
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.2000, von Mettauertal, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Markus Leimbacher,  

[…] 

  

 
 

Gegenstand  Angriff, versuchte schwere Körperverletzung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhob am 20. Juli 2023 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen versuchter einfacher Körperverletzung, 

versuchter schwerer Körperverletzung, Angriffs sowie Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

 

2. 

Mit Urteil vom 7. Dezember 2023 sprach das Bezirksgericht Aarau den 

Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer 

teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit einem vollziehbaren Anteil 

von einem Jahr und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von zwei 

Jahren, Probezeit drei Jahre, sowie einer Busse von Fr. 100.00. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 11. März 2024 beantragte der Beschuldigte, 

er sei von den Vorwürfen der versuchten schweren Körperverletzung und 

des Angriffs freizusprechen, der versuchten einfachen Körperverletzung 

sowie der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen und dafür zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von einem Jahr, Probezeit zwei Jahre, sowie einer Busse 

von Fr. 100.00 zu verurteilen. 

 

3.2. 

Am 24. April 2024 reichte der Beschuldigte vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Begründung ein. 

 

3.3. 

Die Staatsanwaltschaft beantragte mit vorgängiger Berufungsantwort vom 

14. Mai 2024 die Abweisung der Berufung. 

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 10. Februar 2025 statt. 

 

 
    

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Schuldsprüche 

wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriffs sowie gegen die 

Bemessung der Freiheitsstrafe. In den übrigen Punkten, namentlich hin-

sichtlich der Schuldsprüche wegen versuchter einfacher Körperverletzung 

und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG sowie der ausgesprochenen Busse, ist das vorinstanzliche 

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Urteil unangefochten geblieben und deshalb nicht zu überprüfen (Art. 404 

Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe nach 

einem Cup-Spiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel am 18. Sep-

tember 2022 im Bahnhof Aarau zusammen mit drei weiteren unbekannten 

Anhängern des FC Basel B._____ angegriffen. Der Beschuldigte habe dem 

sich passiv verhaltenden B._____ dabei mit voller Wucht einen Faustschlag 

ins Gesicht und, als dieser darauf am Boden gelegen habe, mit voller Wucht 

einen Tritt gegen den Kopf versetzt. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der versuchten schweren Körper-

verletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB sowie des Angriffs gemäss Art. 134 StGB schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte bestreitet, B._____ einen Faustschlag versetzt und ihn 

mit einem Tritt am Kopf getroffen zu haben. Weiter macht er geltend, 

B._____ und seine Gruppe seien nicht passiv geblieben (Berufungsbegrün-

dung S. 6 ff.). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Gemäss Art. 134 StGB wird bestraft, wer sich an einem Angriff auf einen 

oder mehrere Menschen beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung 

eines Angegriffenen oder eines Dritten zur Folge hat. Als Angriff gilt eine 

einseitige, von feindseligen Absichten getragene, gewaltsame Einwirkung 

auf den Körper eines oder mehrerer Menschen. Der körperliche Angriff 

muss von mindestens zwei Personen ausgehen, wobei es genügt, wenn 

sich eine Person dem bereits in Gang gesetzten Angriff eines anderen 

anschliesst. Die Beteiligung kann auf jede Art erfolgen, solange die 

Beteiligten an Ort und Stelle in das Geschehen eingreifen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_454/2022 vom 29. Juni 2022 E. 2). Der Angegriffene 

muss sich dabei passiv verhalten oder sich auf den Schutz vor dem Angriff 

beschränken, ansonsten es sich um einen Raufhandel gemäss Art. 133 

StGB handelt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1115/2022 vom 22. Novem-

ber 2023 E. 3.3.1). Als objektive Strafbarkeitsbedingung muss der Angriff 

den Tod oder eine Körperverletzung eines Angegriffenen zur Folge haben. 

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz 

genügt (Urteil des Bundesgerichts 6B_454/2022 vom 29. Juni 2022 E. 2). 

 

 

 

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2.2.2. 

Gemäss Art. 122 StGB [in der bis zum 30. Juni 2023 geltenden Fassung] 

macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer vorsätzlich einen 

Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den Körper, 

ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend 

arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines 

Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine 

andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). 

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Ver-

gehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der 

zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1159/2018 vom 18. September 2019 

E. 2.2.2; nicht publ. in: BGE 145 IV 424; je mit Hinweisen). 

 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der 

Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB; vgl. BGE 

147 IV 439 E. 7.3.1; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 133 IV 9 E. 4.1). 

 

Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von Faust-

schlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. Massge-

blich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die Verfassung 

des Opfers. Faustschläge, Fusstritte oder Schläge mit gefährlichen Gegen-

ständen gegen den Kopf eines Menschen sind geeignet, schwere Körper-

verletzungen oder sogar den Tod des Opfers herbeizuführen, wobei dieses 

Risiko umso grösser ist, wenn das Opfer ohne oder mit stark 

eingeschränkten Reaktions- oder Abwehrmöglichkeit am Boden liegt. Nach 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es der allgemeinen 

Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich 

eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt 

und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_321/2023 vom 16. Juni 2023 E. 3.2.5 mit Hinweisen). 

Es ist jedoch nicht generell davon auszugehen, dass Schläge gegen den 

Kopf regelmässig zu schweren und bleibenden Schäden oder lebens-

gefährlichen Verletzungen führen, es sind stets die konkreten Tatumstände 

zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_161/2016 vom 12. Okto-

ber 2016 E. 1.4.1 f.). 

 

 - 5 - 

 

 

2.3. 

2.3.1. 

Nachdem es beim Treppenabgang zur Bahnhofsunterführung an der Frey-

Herosé-Strasse zu einem Vorfall gekommen ist, bei dem der Beschuldigte 

C._____, einen Kollegen von B._____, mit der Faust ins Gesicht 

geschlagen hat [in Rechtskraft erwachsener Schuldspruch wegen versuch-

ter einfacher Körperverletzung] und zwei weitere unbekannte Anhänger 

des FC Basel B._____ und dessen Kollegen D._____ je einen Faustschlag 

ins Gesicht versetzt haben sollen, ist auf den Videoaufnahmen des 

Ordnungsdienstes sowie der Überwachungskamera der Bahnhofsunterfüh-

rung ersichtlich wie der Beschuldigte – mit rötlichem Bart, schwarzem 

Baseballcap und Sonnenbrille, gekleidet in eine dunkle «Muttenzerkurve»-

Jacke, helle Bluejeans und schwarze Sneakers (vgl. act. 161, 169) – 

zusammen mit drei weiteren dunkel gekleideten, teilweise vermummten 

Männern durch die Bahnhofsunterführung und danach den Perronaufgang 

zum Gleis 4/5 hochgeht (act. 140, OD Doku 1 00009, 00:54 - 01:26 und 

AA-025 18.09.2022 18_27_02, 00:02 - 00:13). Etwas später kommen 

D._____ und E._____, die Ehefrau von B._____, durch die Bahnhofs-

unterführung angerannt und schreien zwei unten an der Rampe stehende 

Unbekannte an. D._____ diskutiert darauf hitzig mit den beiden 

Unbekannten weiter, während E._____ sich zu den anwesenden Polizisten 

des Ordnungsdiensts begibt. Gleichzeitig ist im Hintergrund ersichtlich, wie 

B._____, der unter der offenen Jacke ein FC Aarau Trikot trägt, durch die 

Unterführung auf die diskutierende Gruppe zugeht (OD Doku 1 00009, 

01:39 - 01:53). In diesem Moment kommen der Beschuldigte und zwei 

seiner Begleiter – der dritte mit Fischerhut und Sonnenbrille folgt etwas 

verzögert (AA-025 18.09.2022 18_27_02, 00:27 - 00:36) – den 

Perronaufgang hinuntergerannt und stürmen auf B._____ zu. Der 

Beschuldigte, der anhand seines rötlichen Barts, des schwarzen 

Baseballcaps und der Sonnenbrille klar erkennbar ist, holt mit seinem 

linken Arm von hinten über seinen Kopf hinweg aus und schlägt mit der 

linken Faust mit voller Wucht auf das Gesicht von B._____ ein. Während 

B._____ durch den Schlag nach hinten fällt, tritt einer der Begleiter des 

Beschuldigten mit seinem Fuss gegen B._____ (OD Doku 1 00009, 01:52 

- 01:57). Der Faustschlag des Beschuldigten und der nachfolgende 

Fusstritt seines Begleiters sind auch auf der Aufnahme der Überwachungs-

kamera der Bahnhofsunterführung ersichtlich (act. 140, AA-026 

18.09.2022 18_27_01, 00:34 - 00:36). Darauf ist weiter ersichtlich, dass der 

Beschuldigte dem nach hinten fallenden B._____ folgt und, als dieser 

seitlich ihm zugewandt am Boden zu liegen kommt, aus dem Lauf heraus 

mit seinem rechten Bein ausholt und mit voller Wucht zwischen den von 

B._____ zum Schutz erhobenen Armen hindurch gegen dessen 

Kopfbereich tritt. Zwar ist das Auftreffen des Fusses auf dem Kopf von 

B._____ nicht klar erkennbar. Klar zu sehen ist jedoch, dass der Kopf von 

B._____ sich darauf nach hinten bewegt und dass die Schwungbewegung 

des Beins des Beschuldigten abrupt gestoppt wird, der Beschuldigte aus 

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dem Gleichgewicht kommt und einen kleinen Sprung zur Seite macht, 

woraus zweifelsfrei geschlossen werden kann, dass der Beschuldigte mit 

seinem Tritt den Kopf von B._____ getroffen hat. Die beiden vermummten 

Begleiter des Beschuldigten befinden sich währenddessen etwas hinter 

ihm und werden durch D._____, der sich dazwischen gestellt hat und diese 

anschreit, von B._____ ferngehalten (AA-026 18.09.2022 18_27_01, 00:35 

- 00:38). Nach dem Tritt drängen die anwesenden Polizisten und eine 

Drittperson den Beschuldigten sofort von B._____ weg und trennen die 

Gruppe des Beschuldigten von B._____ und D._____, wobei der dritte 

Begleiter mit dem Fischerhut in die Richtung der Drittperson schlägt (AA-

026 18.09.2022 18_27_01, ab 00:39). Die Gruppe des Beschuldigten zieht 

sich darauf wieder den Perronaufgang zu Gleis 4/5 hinauf zurück (OD Doku 

1 00009, ab 02:28). 

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten ist aus den Videoaufnahmen 

ersichtlich, dass der Beschuldigte B._____ in der Bahnhofsunterführung 

einen Faustschlag gegen den Kopf und, als dieser auf dem Boden gelegen 

ist, einen Fusstritt gegen den Kopf versetzt hat. Dieser Ablauf wird auch 

durch die Aussagen von B._____ gestützt, der angegeben hat, er habe 

einen Faustschlag gegen sein linkes Auge erhalten, sei dadurch zu Boden 

gefallen und, als er auf dem Boden gelegen sei, sei auf ihn eingetreten 

worden, wobei er versucht habe, seinen Kopf zu schützen (act. 66, 69). 

B._____ ist zwar von mehreren Tritten ausgegangen, hat jedoch bestätigt, 

durch einen Tritt im Gesicht getroffen worden zu sein (act. 188 f., 263). 

Dass er nicht angeben konnte, wer ihm den Schlag und den Tritt gegen den 

Kopf verpasst habe und ob es dieselbe Person gewesen sei (act. 67 f., 188, 

191, 262), ist aufgrund der schnellen und unerwarteten Attacke ohne 

Weiteres nachvollziehbar und vor dem Hintergrund der eindeutigen 

Videoaufnahmen unerheblich. Der Beschuldigte hat – im Widerspruch zu 

seinem Vorbringen im Berufungsverfahren (Berufungsbegründung S. 7) – 

denn auch selbst anlässlich seiner Einvernahme vom 11. Mai 2023 sowie 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung eingestanden, B._____ in der 

Bahnhofsunterführung mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben 

(act. 161 f., 167, 267). Anhand der eindeutigen Videoaufnahmen sowie der 

tatnahen Aussagen von B._____ ist sodann nicht von Bedeutung, dass 

B._____ den in den früheren Einvernahmen geschilderten Ablauf 

anlässlich der Berufungsverhandlung zwar im Wesentlichen bestätigt hat, 

zu den jeweiligen Einwirkungen (Faustschlag, Fusstritt) jedoch keine 

genauen Angaben mehr machen konnte (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 3, 5 f., 9), zumal sich dies mit dem Zeitablauf seit 

dem Vorfall ohne Weiteres erklären lässt. 

 

2.3.2. 

B._____ hat gemäss den medizinischen Berichten des Spitals L._____ vom 

18. September 2022 sowie der Praxis M._____ vom 28. September 2022 

durch die Vorfälle vom 18. September 2022 ein Schädel-Hirn-Trauma, eine 

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Augenkontusion mit Hyphema (Blutung in die vordere Kammer des Auges), 

rechts eine Bulbuskontusion (Augenprellung), links eine schwere 

Kontusion mit Pupillenentrundung, eine Nasenwurzelfraktur beidseits 

sowie ein Brillenhämatom erlitten (act. 141 ff.). Gemäss dem 

Verlaufsbericht der Augenklinik des Spitals L._____ vom 21. Juni 2023 

habe sich im Rahmen der weiteren Verlaufskontrollen zudem eine 

Glaskörperblutung und eine Netzhautblutung am linken Auge gezeigt. In 

der Zwischenzeit habe sich der Lokalbefund bereits deutlich gebessert, 

jedoch bestünden weiterhin subjektive Beschwerden beim Fokussieren 

(act. 41). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hat B._____ 

ausgesagt, es habe etwa drei Wochen gedauert, bis er wieder normal am 

Leben habe teilnehmen können. Er habe Schmerzen durch die 

Hirnerschütterung gehabt, die durch die Kombination mit der 

Nasenoperation noch viel schlimmer geworden seien, und habe starke 

Medikamente nehmen müssen. Er habe zudem während rund eines halben 

Jahres nach dem Vorfall schwarze Punkte im linken Auge gehabt. Aufgrund 

der beeinträchtigten Netzhaut könne er nach wie vor nicht mehr so schnell 

fokussieren und habe mit der Sicht auf Distanz Probleme. Dies sei ein 

bleibender Zustand und er habe deshalb ein Brillenrezept erhalten (act. 263 

f.). Die fortbestehenden Probleme beim Fokussieren hat B._____ 

anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt und ausgesagt, er müsse 

jedes Jahr zur Kontrolle in die Augenklinik, da er ein erhöhtes Risiko für 

eine Netzhautablösung habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 f.). 

 

B._____ hat anlässlich seiner ersten Einvernahme am 29. September 2022 

ausgesagt, er habe den Nasenbeinbruch beim ersten Vorfall beim 

Treppenabgang erlitten. Er sei dort auf die Nase geschlagen worden und 

habe sofort geblutet (act. 68). Die Augenverletzung habe er vermutlich 

durch den Faustschlag in der Bahnhofsunterführung erlitten, da er gegen 

sein linkes Auge geschlagen worden sei (act. 69). Auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung hat B._____ ausgesagt, dass seine gebrochene 

Nase auf den Faustschlag beim Treppenabgang und seine Augenverlet-

zung auf die Einwirkungen in der Bahnhofsunterführung zurückzuführen 

seien (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5 f.). E._____ hat damit 

übereinstimmend ausgesagt, B._____ habe nach dem Vorfall beim 

Treppenabgang an der Nase geblutet und nach dem zweiten Vorfall ein 

geschwollenes, blau unterlaufenes Auge gehabt (act. 103). Gestützt auf 

diese Aussagen ist für das Obergericht erstellt, dass mindestens die 

Augenverletzungen von B._____ auf die Einwirkungen gegen seinen Kopf 

während des Vorfalls in der Bahnhofsunterführung zurückzuführen sind. 

Dabei handelt es sich zweifellos um eine Schädigung des Körpers im Sinne 

einer einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB. 

 

2.4. 

Der Beschuldigte hat B._____ mit seiner Faust weit ausholend mit voller 

Wucht derart stark in das Gesicht geschlagen, dass dieser nach hinten auf 

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den Boden gefallen ist. Die Attacke erfolgte überraschend, sodass B._____ 

keine Möglichkeit hatte, sich gegen den Faustschlag zu schützen. Als 

B._____ auf dem Boden gelegen ist, hat der Beschuldigte – einem 

Fussballspieler gleich – aus dem Lauf heraus mit seinem rechten Bein 

ausgeholt und mit voller Wucht zwischen den von B._____ zum Schutz 

erhobenen Armen hindurch gegen den Kopf von B._____ getreten. Durch 

die Heftigkeit der beiden Einwirkungen gegen den Kopf und den Umstand, 

dass B._____ diesen wehrlos ausgeliefert war, war die Gefahr einer 

lebensgefährlichen Kopfverletzung besonders hoch. Dass ein derart 

wuchtiger Faustschlag und Fusstritt gegen den Kopf eines den Angriff nicht 

erwartenden bzw. am Boden liegenden Opfers zu schwerwiegenden 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen kann, entspricht der 

allgemeinen Lebenserfahrung und war dem Beschuldigten, der in seiner 

Kindheit Kickboxen praktiziert hat (act. 159), bewusst, hat er den Fusstritt 

gegen den Kopf von B._____ doch mit der Begründung bestritten, er wisse 

was passieren könne (act. 161), und wenn er ihn wirklich getroffen hätte, 

wäre B._____ definitiv nicht mehr so aufgestanden (act. 162). Aus dem 

Verhalten des Beschuldigten, der beide Male weit ausgeholt und aus dem 

Lauf heraus mit voller Wucht gezielt gegen den Kopf von B._____ 

geschlagen bzw. getreten hat, ergibt sich, dass dieser die Heftigkeit seines 

Faustschlags und Fusstritts nicht nur nicht dosieren konnte, sondern auch 

nicht dosieren wollte, womit er – im Wissen um die möglichen Konsequen-

zen – mindestens in Kauf genommen hat, B._____ lebensgefährliche 

Kopfverletzungen zuzufügen. Dass B._____ durch die Einwirkungen des 

Beschuldigten keine lebensgefährlichen Verletzungen im Sinne von 

Art. 122 StGB davongetragen hat (zu den erlittenen Verletzungen siehe 

oben), ist letztlich dem Zufall zu verdanken. Mit seinem Handeln hat der 

Beschuldigte die Schwelle zum Versuch jedoch zweifelsohne über-

schritten. Der Beschuldigte ist somit wegen versuchter schwerer Körper-

verletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB [in der bis zum 30. Juni 2023 

geltenden Fassung] i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

 

2.5. 

Der Beschuldigte ist zusammen mit drei weiteren Anhängern des FC Basel 

auf B._____ losgestürmt, wobei der Beschuldigte und einer seiner Begleiter 

B._____ körperlich durch einen Faustschlag und Fusstritt bzw. durch einen 

Fusstritt angegriffen haben. Aus den Videoaufnahmen ist ebenfalls 

ersichtlich, dass von B._____ und seiner Gruppe währenddessen keinerlei 

körperliche Einwirkungen gegen den Beschuldigten und seine Begleiter 

ausgegangen sind. Soweit sich der Beschuldigte darauf beruft, er habe 

ausgesagt, ein Kollege von ihm sei von einer halbvollen Bierdose getroffen 

worden, C._____ habe angegeben, er habe einen Anhänger des FC Basel 

bei der Treppe «touchiert», und E._____ habe ausgesagt, sie habe leere 

Bierbecher gegen den Rücken des Täters geworfen (Berufungs-

begründung S. 11 mit Verweis auf act. 167, 89 und 101), handelt es sich 

um Umstände, die den ersten Vorfall beim Treppenabgang zur Bahnhofs-

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unterführung betreffen. Nach diesem haben sich die beiden Gruppen 

getrennt und die Gruppe des Beschuldigten hat sich zum Perron 4/5 

begeben, bevor sie den Entschluss gefasst hat, B._____ (erneut) 

anzugreifen, und in die Bahnhofsunterführung zurückgerannt ist, weshalb 

die beiden Vorfälle kein untrennbares einheitliches Geschehen darstellen 

und die behaupteten Umstände im Zusammenhang mit dem ersten Vorfall 

vorliegend unbeachtlich sind. Damit kann offenbleiben, ob diese erstellt 

sind und überhaupt eine genügende Intensität im Hinblick auf eine tätliche 

Beteiligung aufweisen würden. Der Umstand, dass C._____ im 

Zusammenhang mit dem zweiten Vorfall in der Bahnhofsunterführung von 

einer «Auseinandersetzung» und einem «Handgemenge» gesprochen hat 

(act. 175), spricht sodann entgegen der Auffassung des Beschuldigten 

(Berufungsbegründung S. 11) ebenfalls nicht für eine aktive, tätliche 

Beteiligung der Gruppe von B._____, zumal die Aussage von C._____ 

gelautet hat, dass er nicht in das Handgemenge involviert gewesen sei 

(act. 175), und er in seinen Einvernahmen übereinstimmend ausgesagt hat, 

er habe nur gesehen, dass ein bis zwei Personen auf B._____ losgegangen 

seien, dieser einen Schlag erhalten habe und zu Boden gefallen sei (act. 

89, 178). Somit liegt ein Angriff im Sinne von Art. 134 StGB, d.h. eine 

einseitige, von feindseligen Absichten getragene, gewaltsame Einwirkung 

auf den Körper von B._____ vor, an der sich der Beschuldigte, der 

zusammen mit seinen Begleitern auf B._____ losgestürmt ist und diesen 

geschlagen und getreten hat, wissentlich und willentlich beteiligt hat. 

B._____ ist durch den Angriff in der Bahnhofsunterführung verletzt worden 

(siehe oben), womit auch die objektive Strafbarkeitsbedingung von Art. 134 

StGB erfüllt ist.  

 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist echte Konkurrenz 

zwischen Art. 134 StGB und den Art. 122 ff. StGB nur anzunehmen, wenn 

eine andere als die beim Angriff verletzte Person in Gefahr gebracht wurde, 

oder wenn die Person, die während des Angriffs verletzt wurde, lediglich 

einfache Körperverletzungen erlitt, obgleich sie einer weitergehenden 

Gefährdung ausgesetzt war (BGE 135 IV 152 E. 2.1). B._____ hätte durch 

den Angriff schwerer verletzt werden können und war einer grösseren 

Gefährdung ausgesetzt als derjenigen, die sich in der einfachen 

Körperverletzung tatsächlich verwirklicht hat. Zudem wurden durch den 

Angriff auch weitere Personen gefährdet, mussten doch Polizisten und eine 

Drittperson in das Geschehen eingreifen, um die Gruppe des Beschuldig-

ten von B._____ zu trennen, wobei einer der Angreifer eine Schlag-

bewegung gegen die Drittperson ausgeführt hat. Der Beschuldigte ist 

folglich auch des Angriffs gemäss Art. 134 StGB schuldig zu sprechen. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung 

gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB [in der bis zum 30. Juni 2023 geltenden 

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Fassung] i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, des Angriffs gemäss Art. 134 StGB 

sowie – was im Berufungsverfahren unangefochten geblieben ist – der 

versuchten einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen 

ist. 

 

Unangefochten geblieben und nicht mehr zu überprüfen ist die von der 

Vorinstanz für die – mit Berufung nicht angefochtene – Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

ausgesprochenen Busse von Fr. 100.00. 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die versuchte schwere Körperverletzung gemäss 

Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB als konkret schwerste Straftat 

festzusetzen. 

 

Der Tatbestand der schweren Körperverletzung nach Art. 122 StGB sieht 

eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten [in der im Tatzeitpunkt geltenden 

Fassung; seit 1. Juli 2023 beträgt die Mindeststrafe 1 Jahr] bis zu zehn 

Jahren vor. Bleibt es bei einem Versuch, so kann das Gericht die Strafe 

mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Methodisch ist zunächst die schuldangemes-

sene Strafe für das vollendete Delikt festzulegen und die derart ermittelte 

hypothetische Strafe in der Folge unter Berücksichtigung des fakultativen 

Strafmilderungsgrundes von Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: 

Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens innerhalb des 

ordentlichen Strafrahmens für das vollendete Delikt ist die Schwere der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 

StGB). Der Tatbestand der schweren Körperverletzung schützt die 

körperliche und gesundheitliche Integrität des Menschen als sein höchstes 

Gut neben dem Leben. Die Verletzungen, die B._____ infolge des 

Faustschlags und Fusstritts des Beschuldigten erlitten hat, erweisen sich 

nicht als schwer im Sinne von Art. 122 StGB, jedoch ist anzumerken, dass 

B._____ durch die erlittene Augenverletzung bleibende Probleme beim 

Fokussieren und der Sicht auf Distanz mit dem linken Auge hat, die 

Verletzungen mithin nicht völlig folgenlos abgeheilt sind. Der jeweils gegen 

den Kopf des wehrlosen B._____ gerichtete und mit voller Wucht 

ausgeführte Faustschlag und Fusstritt hätten ohne Weiteres zu einer 

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lebensgefährlichen Kopfverletzung führen können. Entsprechend schwer 

wiegt beim vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung der 

hypothetische Taterfolg, zumal es sich bei einer lebensgefährlichen 

Verletzung um eine der schwersten Formen, die vom Tatbestand der 

schweren Körperverletzung erfasst sind, handelt. 

 

Der Beschuldigte hat B._____ vor den Augen der zahlreichen in der 

Bahnhofsunterführung anwesenden Polizisten überraschend und wohl aus 

dem Grund, dass dieser durch das Tragen eines Trikots als Anhänger des 

FC Aarau erkennbar war, attackiert. Nachdem er ihn mit einem wuchtigen 

Faustschlag gegen den Kopf niedergestreckt hatte, liess er nicht vom 

wehrlos auf dem Boden liegenden B._____ ab, sondern trat mit voller 

Wucht gegen dessen Kopf. Das Verhalten des Beschuldigten zeugt von 

einer besonderen Skrupellosigkeit und Geringschätzung der körperlichen 

Integrität. Die Art und Weise der Tatbegehung und die damit einher-

gehende Verwerflichkeit des Handelns ist damit wesentlich über die blosse 

Erfüllung des Tatbestands hinausgegangen, was sich verschuldens-

erhöhend auswirkt. Verschuldensmindernd ist hingegen zu berücksichti-

gen, dass dem Beschuldigten lediglich eventualvorsätzliches Handeln 

anzulasten ist, was verschuldensmässig weniger schwer wiegt als 

direktvorsätzliches Handeln (BGE 136 IV 55 E. 5.6). 

 

Der Beschuldigte verfügte sodann über ein hohes Mass an Entscheidungs-

freiheit, was verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist. Der Beschul-

digte hat gemäss seinen Angaben einige Dosen Bier getrunken (act. 158, 

166), wodurch seine Hemmschwelle zwar leicht herabgesetzt gewesen 

sein dürfte. Er ist jedoch bewusst und ohne anderweitigen Anlass vom 

Perron 4/5 zurück in die Bahnhofsunterführung hinuntergerannt, um 

B._____ anzugreifen. Auch in leicht alkoholisiertem Zustand hätte er ohne 

Weiteres darauf verzichten können. Auch als B._____ nach dem 

Faustschlag des Beschuldigten auf dem Boden zu liegen kam, hätte er 

ohne Weiteres von ihm ablassen können. Stattdessen hat er jedoch mit 

einem Fusstritt erneut heftig auf diesen eingewirkt. Je leichter es aber für 

ihn gewesen wäre, die körperliche Integrität von B._____ zu respektieren, 

desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen (vgl. BGE 127 IV 101 

E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 

18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Im breiten Spektrum der vom Tatbestand der schweren Körperverletzung 

erfassten Sachverhalte ist – für die vollendete Tatbegehung – von einem 

mittelschweren bis schweren Verschulden und – in Relation zum 

Strafrahmen von bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe – einer dafür 

angemessenen Freiheitsstrafe von 5 Jahren auszugehen. 

 

Da es vorliegend bei einer versuchten schweren Körperverletzung 

geblieben ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 

 - 12 - 

 

 

StGB). Je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die Folgen 

der Tat waren, desto geringer hat dabei die Strafminderung auszufallen 

(BGE 121 IV 49 E. 1b). Die Folgen der Tat, d.h. die von B._____ erlittenen 

Augenverletzungen, sind deutlich vom tatbestandsmässigen Erfolg einer 

schweren Körperverletzung entfernt und wiegen demensprechend leicht. 

Dass B._____ keine lebensgefährlichen Kopfverletzungen erlitten hat, ist 

in Anbetracht der Heftigkeit des gegen den Kopf gerichteten Faustschlags 

und Fusstritts sowie der eingeschränkten Abwehrmöglichkeit von B._____ 

jedoch einzig dem Zufall zu verdanken. Der Beschuldigte hat alles getan, 

was für die Vollendung des Tatbestands der schweren Körperverletzung 

notwendig gewesen wäre. Insgesamt rechtfertigt es sich unter den 

vorliegenden Umständen, den Versuch im Umfang von 2 Jahren straf-

mindernd zu berücksichtigen, so dass die Einsatzstrafe für die versuchte 

schwere Körperverletzung auf 3 Jahre festzusetzen ist. 

 

3.3.2. 

Die Einsatzstrafe wäre nunmehr für den Angriff und die versuchte einfache 

Köperverletzung angemessen zu erhöhen oder es wäre – wo dies bei einer 

konkreten Einzelfallbetrachtung aufgrund der Schwere des Verschuldens 

möglich wäre – zusätzlich eine Geldstrafe auszufällen. Zudem würde sich 

die Täterkomponente leicht straferhöhend auswirken: Der Beschuldigte ist 

mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 7. Mai 2019 

wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG 

[in der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung] zu einer bedingten Geldstrafe 

von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00 sowie einer Busse von Fr. 200.00 verurteilt 

worden (siehe aktueller Strafregisterauszug). Auch wenn es sich nicht um 

eine einschlägige und lediglich geringfügige Vorstrafe handelt, ist diese 

leicht straferhöhend zu berücksichtigen, da der Beschuldigte keine 

genügenden Lehren daraus gezogen hat (vgl. BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Der 

Beschuldigte hat trotz eindeutiger Videoaufzeichnungen noch im 

Berufungsverfahren bestritten, B._____ einen Faustschlag und Fusstritt 

versetzt zu haben. Dies wirkt sich nicht zu seinen Lasten aus, da sich eine 

beschuldigte Person nicht selbst belasten muss (Art. 113 Abs. 1 StPO). 

Damit steht aber auch fest, dass eine Strafminderung, wie sie bei einem 

von Anfang an geständigen, nachhaltig einsichtigen und aufrichtig reuigen 

Täter möglich ist, vorliegend ausscheidet. In Anbetracht des hartnäckigen 

Bestreitens der Tat lässt sich auch aus der versuchten Kontaktaufnahme 

mit B._____ und C._____ zwecks Entschuldigung und dem Schreiben des 

Beschuldigten an B._____ (act. 331 ff.) nichts zu seinen Gunsten ableiten, 

zumal der Beschuldigte auch in seinem Schreiben an B._____ seine Taten 

nicht vollumfänglich eingestanden hat. Von einer nachhaltigen Einsicht und 

Reue des Beschuldigten kann nicht ausgegangen werden. Weitere 

relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten sind nicht 

ersichtlich. Der Beschuldigte ist 24 Jahre alt, ledig, kinderlos und lebt 

alleine (act. 165; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). Er gehe gerne 

ins Fitnesstraining und verbringe gerne Zeit mit seiner Familie und mit zwei 

 - 13 - 

 

 

guten Kollegen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). Nach dem 

Urteil der Vorinstanz sei er in ein tiefes Loch gefallen und habe sehr viel 

getrunken und Cannabis sowie gelegentlich Kokain konsumiert. Er sei sich 

wieder am Aufraffen und habe seit kurz nach Weihnachten nichts mehr 

konsumiert, psychisch gehe es ihm aber immer noch nicht gut, weshalb er 

sich in Behandlung begeben wolle und auf der Warteliste der Klinik 

N._____ sei (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11 f.). Seit November 

2024 ist er arbeitslos, hat jedoch Aussicht auf eine Stelle als 

Restaurantfachmann im O._____ (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 9 f.; Beilagen 2 und 3). Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe ist für jede 

beruflich und sozial integrierte Person mit einer gewissen Härte verbunden. 

Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist nur bei aussergewöhnlichen 

Umständen zu bejahen (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

7B_240/2022 vom 1. Februar 2024 E. 5.2.2), welche vorliegend nicht 

auszumachen sind. Die verschiedenen Zeitungsartikel über Urteile mit 

angeblich ähnlich gelagerten Sachverhalten, aus denen der Beschuldigte 

im Rahmen der Täterkomponente eine Strafreduktion ableiten will (Beru-

fungsbegründung S. 15 f.), betreffen soweit ersichtlich nicht die Person des 

Beschuldigten, womit diese im Rahmen der Täterkomponente nicht von 

Belang sind. Im Übrigen kann aus den erwähnten Urteilen hinsichtlich der 

Strafhöhe im Allgemeinen nichts zu Gunsten des Beschuldigten abgeleitet 

werden, da das Gericht die Strafe anhand der konkreten Umstände des 

betreffenden Falls festsetzt (Art. 47 StGB) und selbst gleich oder ähnlich 

gelagerte Fälle sich durchwegs massgeblich in strafzumessungsrelevanten 

Punkten unterscheiden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_681/2013 vom 

26. Mai 2014 E. 1.3.2). 

 

Insgesamt wäre eine höhere als die von der Vorinstanz ausgesprochene 

Freiheitsstrafe von 3 Jahren auszusprechen, was aufgrund des 

Verschlechterungsverbots jedoch nicht möglich ist (Art. 391 Abs. 2 StPO), 

womit es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 

3 Jahren sein Bewenden hat. 

 

3.4. 

Die Gewährung des bedingten Vollzugs gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB 

kommt vorliegend aufgrund des Strafmasses von 3 Jahren nicht in Betracht 

und auf die Gewährung des teilbedingten Vollzugs gemäss Art. 43 StGB 

durch die Vorinstanz ist aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 

Abs. 2 StPO) nicht zurückzukommen. 

 

Aufgrund der fehlenden Einsicht und Reue des Beschuldigten und seiner 

Vorstrafe bestehen gewisse Bedenken an seiner Legalbewährung. 

Aufgrund dieser Bedenken sowie dem insgesamt erheblichen Tatverschul-

den (vgl. oben), ist der zu vollziehende Anteil mit der Vorinstanz auf ein 

Jahr und der bedingt zu vollziehende Anteil auf zwei Jahre bei einer 

Probezeit von drei Jahren festzusetzen (vgl. BGE 134 IV 1 E. 5.6). 

 - 14 - 

 

 

 

3.5. 

Für die unangefochten gebliebene Busse von Fr. 100.00 für die Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG ist 

in Ergänzung des vorinstanzlichen Urteils gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB für 

den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung eine Ersatzfreiheitsstrafe von 

einem Tag festzusetzen. 

 

3.6. 

Insgesamt ist der Beschuldigte folglich mit einer teilbedingten Freiheits-

strafe von drei Jahren, mit einem zu vollziehenden Anteil von einem Jahr 

und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von zwei Jahren mit einer 

Probezeit von drei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 100.00, ersatzweise 

ein Tag Freiheitsstrafe, zu bestrafen. 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich als unbegründet und ist 

abzuweisen. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die obergericht-

lichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD; vgl. § 29 GebührD) 

vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

4.2. 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 47 

E. 4.1; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Ausgangsgemäss hat der freigewählt 

verteidigte Beschuldigte seine Parteikosten für das obergerichtliche 

Verfahren selbst zu tragen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 

StPO e contrario). 

 

5. 

5.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs.1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. 

 

Da der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig gesprochen wird, sind 

ihm die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'886.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'850.00) vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

5.2. 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 47 

E. 4.1; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte 

 - 15 - 

 

 

seine Parteikosten für das erstinstanzliche Verfahren selbst zu tragen 

(Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der versuchten einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB [in der bis zum 30. Juni 2023 geltenden Fassung] i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 

StGB [in der bis zum 30. Juni 2023 geltenden Fassung] i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB; 

- des Angriffs gemäss Art. 134 StGB; 

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG [in Rechtskraft erwachsen]. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit einem vollziehbaren 

Anteil von 1 Jahr und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von 2 Jahren, 

Probezeit 3 Jahre, und 

 

zu einer Busse von Fr. 100.00 [in Rechtskraft erwachsen], ersatzweise 1 

Tag Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

3. 

3.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte hat seine Parteikosten für das obergerichtliche Verfahren 

selbst zu tragen. 

 

 - 16 - 

 

 

4. 

4.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'886.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'850.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

4.2. 

Der Beschuldigte hat seine Parteikosten für das erstinstanzliche Verfahren 

selbst zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der teilbedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten teilbedingten Freiheitsstrafe wird der Vollzug teilweise 

aufgeschoben. Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren 

angesetzt. Hat sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die 

aufgeschobene Strafe nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass der bedingte 

Teil der Freiheitsstrafe dann nicht vollzogen wird. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB). 

 

  

 - 17 - 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der vollstän-

digen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweizerische 

Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 

Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 10. Februar 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     M. Stierli