# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 875744f3-c30d-5edd-ba8c-f4c5b27f0e5d
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-11
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 11.02.2021 BK 2020 202
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2020-202_2021-02-11.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Schriftliche Begründung des 
Beschlusses vom 11. Febru-
ar 2021
BK 20 202

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. März 2021

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichterin Bratschi, 
Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiberin Kurt  

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Verurteilter/Beschwerdeführer

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern
v.d. Staatsanwalt C.________, Regionale Staatsanwaltschaft 
Berner Jura-Seeland, Spitalstrasse 11, 2502 Biel/Bienne

Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern, Süd-
bahnhofstrasse 14d, 3001 Bern
v.d. Fürsprecher D.________

Behörde mit Parteirechten

Gegenstand Anordnung einer Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB

Beschwerde gegen den Beschluss des Regionalgerichts Berner 
Jura-Seeland, Kollegialgericht Fünferbesetzung, vom 6. März 
2020 (PEN 18 815)

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Erwägungen:

I. Prozessgeschichte / Formelles

1. Mit Urteil vom 20. November 2013 sprach die 2. Strafkammer des Obergerichts des 
Kantons Bern A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) in drei Fällen vom 
Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung frei und stellte fest, dass er mehrfach 
den Tatbestand der versuchten vorsätzlichen Tötung und den Tatbestand der Ge-
fährdung des Lebens erfüllt hatte. Weiter wurde festgestellt, dass der Beschwerde-
führer im Zeitpunkt dieser Taten schuldunfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 des 
Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) gewesen war. Es wurde in der Folge eine sta-
tionäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet (SK 13 93; 
pag. 590 ff. Vollzugsakten). Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Bun-
desgericht am 6. Oktober 2014 ab, soweit es darauf eintrat (pag. 676 ff. Vollzugs-
akten). Am 12. Juli 2018 verfügten die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kan-
tons Bern (nachfolgend: BVD) die Aufhebung der stationären Massnahme wegen 
Aussichtslosigkeit und beantragten dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland 
(nachfolgend: Regionalgericht) am 15. August 2018 die Anordnung der Verwah-
rung des Beschwerdeführers. Mit Beschluss vom 6. März 2020 hiess das Regio-
nalgericht den Antrag der BVD auf Anordnung einer Verwahrung gemäss Art. 62c 
Abs. 4 StGB gut; der Beschwerdeführer wurde gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB ver-
wahrt und die Kosten von insgesamt CHF 50'217.70 wurden dem Beschwerdefüh-
rer auferlegt. 

2. Dagegen reichte der amtliche Anwalt des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt 
B.________, am 8. Mai 2020 Beschwerde ein und beantragte, der Beschluss der 
Vorinstanz sei aufzuheben, der Antrag der BVD vom 15. August 2018 sei abzuwei-
sen, eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung zurück-
zuweisen. Weiter wurde beantragt, der Beschwerdeführer sei aus der Sicherheits-
haft zu entlassen und der zuständigen Erwachsenenschutzbehörde seien in An-
wendung von Art. 62c StGB die Aufhebung der stationären therapeutischen Mass-
nahme gemäss Art. 59 StGB sowie die Haftentlassung des Beschwerdeführers 
mitzuteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Verfahrensleitung der Be-
schwerdekammer eröffnete am 13. Mai 2020 ein Beschwerdeverfahren und stellte 
fest, dass der Beschwerdeführer keine mündliche Verhandlung beantragt hatte. 
Der Generalstaatsanwaltschaft und den BVD wurde Frist angesetzt, um sich zur 
Frage der Durchführung einer mündlichen Verhandlung oder eines schriftlichen 
Verfahrens zu äussern (pag. 123 f. Akten Beschwerdekammer). Der Beschwerde-
führer reichte am 29. April 2020 nebst einer Eingabe an (alt) Oberrichter Stucki 
persönlich eine Beschwerde ein (Posteingang: 13. Mai 2020; pag. 133 ff. Akten 
Beschwerdekammer). Darin lehnte er sowohl den Beschluss des Regionalgerichts 
vom 6. März 2020 als auch sämtliche anderen Urteile in den bisherigen Zivil- und 
Strafprozessen ab. Er beantragte u.a., dass das gegen ihn geführte Strafverfahren 
mit neuen und unbefangenen Richtern und der Einsetzung der ursprünglichen Klä-
ger sowie der Einvernahme von Zeugen neu aufgerollt werde. Ganz allgemein solle 
das Bundesgericht untersuchen, wie sich die korrupte psychiatrische Justiz mit den 

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Grundrechten in der Bundesverfassung vertrage. Die Verfahrensleitung stellte zu-
handen des Beschwerdeführers fest, dass gestützt auf die Beschwerde seines amt-
lichen Verteidigers ein Beschwerdeverfahren eröffnet worden sei (pag. 199 f. Akten 
Beschwerdekammer). 

3. Am 4. Juni 2020 ordnete die Verfahrensleitung nach Anhörung der Parteien die 
Durchführung einer mündlichen Verhandlung an und setzte ihnen Frist zur Stellung 
von Beweisanträgen. Dem Regionalgericht wurde Gelegenheit zur Stellungnahme 
gegeben (pag. 241 Akten Beschwerdekammer). Das Regionalgericht verzichtete 
am 8. Juni 2020 auf die Einreichung einer Stellungnahme (pag. 253 Akten Be-
schwerdekammer). Die Parteien verzichteten darauf, Beweisanträge zu stellen 
(pag. 259 ff. Akten Beschwerdekammer). Die Verfahrensleitung holte am 23. Juli 
2020 im Hinblick auf den ursprünglich geplanten Verhandlungstermin vom 12. und 
13. November 2020 einen aktuellen Führungsbericht ein (pag. 361 Akten Be-
schwerdekammer), welcher am 20. Oktober 2020 bei der Beschwerdekammer ein-
traf. Mit Verfügung vom 10. November 2020 nahm und gab die Verfahrensleitung 
davon Kenntnis, dass sich der Beschwerdeführer derzeit auf der Bewachungsstati-
on am Inselspital befinde und aufgrund seines aktuellen gesundheitlichen Zustands 
mit Isolationsmassnahmen nicht verhandlungsfähig sei. Gleichentags wurde der 
Verhandlungstermin vom 12. und 13. November 2020 abgesetzt (pag. 413 ff., 
429 ff. Akten Beschwerdekammer). Der neue Verhandlungstermin wurde mit Ver-
fügung vom 18. November 2020 auf den 10. und 11. Februar 2021 (Hauptverhand-
lung und Beschlusseröffnung) angesetzt. Gleichentags gab die Verfahrensleitung 
mit Blick auf den neuen Verhandlungstermin einen neuen Führungsbericht in Auf-
trag. Dieser datiert vom 18. Januar 2021 und traf am 19. Januar 2021 bei der 
Kammer ein (pag. 537 f. Akten Beschwerdekammer). 

4. Die oberinstanzliche Hauptverhandlung wurde am 10.  Februar 2021 eröffnet. Glei-
chentags noch vor der Verhandlungseröffnung war ein Schreiben des Beschwerde-
führers vom 8. Februar 2021 bei der Verfahrensleitung eingetroffen. Er teilte darin 
mit, dass er nicht an der Verhandlung teilnehmen werde, und beantragte, dass 
«dieser Prozess von einer unabhängigen Instanz neu aufgerollt» werde. Wie seine 
Ausführungen zeigen, ging es ihm dabei um den bzw. die ursprünglichen Zivil- 
und/oder Strafprozesse und nicht um das vorliegende Verfahren betreffend Anord-
nung der Verwahrung. Entsprechend machte er auch keine Befangenheit der 
Kammer geltend. Anlässlich der Verhandlung wurde den Parteien Gelegenheit ge-
geben, sich zur Abwesenheit des Beschwerdeführers zu äussern. Rechtsanwalt 
B.________ stellte den Antrag auf Durchführung eines Abwesenheitsverfahrens. 
Fürsprecher D.________ und Staatsanwalt C.________ schlossen sich diesem An-
trag an. Die Kammer fällte hierauf folgenden Beschluss:

«Es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer unentschuldigt nicht erschienen ist. Das Verfahren 

wird fortgeführt und auf eine Teilnahme des Beschwerdeführers an der oberinstanzlichen Verhand-

lung wird verzichtet.»

Gemäss Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2 war 
im vorliegenden Fall (unentschuldigtes Fernbleiben des Beschwerdeführers im 
Rahmen eines dem Berufungsverfahren angenäherten Verfahrens [BGE 141 IV 

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396 E. 4.4]) kein Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO durchzuführen. 
Zwar hätte sich das Gericht gerne einen persönlichen Eindruck vom Beschwerde-
führer verschafft. Sein Erscheinen erschien aber nicht absolut zwingend, zumal 
zahlreiche persönliche Eingaben des Beschwerdeführers sowie Gutachten akten-
kundig sind. Die Vorführung wurde als nicht zielführend beurteilt. Der Beschwerde-
führer hatte sich in Kenntnis der Umstände entschieden, nicht zu kommen. 

Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte Rechtsanwalt B.________ die Begeh-
ren gemäss schriftlicher Beschwerde vom 8. Mai 2020 (vgl. E.I.2. dieses Beschlus-
ses). Die Staatsanwaltschaft sowie die BVD beantragten die Abweisung der Be-
schwerde unter Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdeführers bzw. des Staates.

5. Der angefochtene Beschluss erging im Verfahren der selbstständigen nachträgli-
chen Entscheide gemäss Art. 363 ff. der Schweizerischen Strafprozessordnung 
(StPO; SR 312.0). Das Rechtsmittel gegen derartige Entscheide ist die Beschwer-
de. Dies entspricht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 141 IV 396 E. 
4.7). Zur Beurteilung der Beschwerde ist die Beschwerdekammer in Strafsachen 
zuständig (Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und 
der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisati-
onsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Die Beschwerde ist in-
nert 10 Tagen seit der Zustellung des schriftlich begründeten Entscheides einzurei-
chen (Art. 396 Abs. 1 StPO i.V.m. 384 Bst. b StPO). Der Beschwerdeführer ist 
durch die Anordnung der Verwahrung unmittelbar in seinen rechtlich geschützten 
Interessen betroffen und damit zur Beschwerde legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). 
Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten. 

II. Materielles

6. Ist bei der Aufhebung einer Massnahme, die aufgrund einer Straftat nach Art. 64 
Abs. 1 angeordnet wurde, ernsthaft zu erwarten, dass der Täter weitere Taten die-
ser Art begeht, so kann das Gericht auf Antrag der Vollzugsbehörde die Verwah-
rung anordnen (Art. 62c Abs. 4 StGB). Gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB ordnet das Ge-
richt gegenüber dem Täter, der eine der in dieser Bestimmung umschriebenen 
Straftaten begangen hat, die Verwahrung an, wenn aufgrund der Persönlichkeits-
merkmale des Täters, der Tatumstände und seiner gesamten Lebensumstände 
ernsthaft zu erwarten ist, dass er weitere Taten dieser Art begeht (Bst. a) oder 
wenn aufgrund einer anhaltenden oder lang andauernden psychischen Störung von 
erheblicher Schwere, mit der die Tat in Zusammenhang stand, ernsthaft zu erwar-
ten ist, dass der Täter weitere Taten dieser Art begeht und die Anordnung einer 
Massnahme nach Art. 59 StGB keinen Erfolg verspricht (Bst. b). 

7. Anlasstat 

Mit Urteil der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 20. Novem-
ber 2013 wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer die Tatbestände der mehr-
fachen versuchten vorsätzlichen Tötung sowie der Gefährdung des Lebens erfüllt 
hat. Dabei handelt es sich um Anlasstaten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB. Be-
treffend Vorgeschichte und Sachverhalt kann auf die Urteile des Regionalgerichts 

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Berner Jura-Seeland vom 18. Januar 2013 und der 2. Strafkammer des Oberge-
richts des Kantons Bern vom 20. November 2013 verwiesen werden, welche von 
der Vorinstanz im angefochtenen Beschluss zusammengefasst worden sind (pag. 
631 f. Akten Regionalgericht). Den Verurteilungen liegt damit folgender Sachverhalt 
zugrunde: Im Rahmen einer gerichtlich angeordneten öffentlichen Versteigerung 
der im Eigentum der «E.________ Erbengemeinschaft» stehenden Liegenschaft 
war am Nachmittag des 8. September 2010 eine Besichtigung für Kaufinteressen-
ten vorgesehen. Bei der Liegenschaft handelte es sich um das Elternhaus des Be-
schwerdeführers und seiner Schwester. Seit Anfang 2001 wurde dieses Haus vom 
Beschwerdeführer alleine bewohnt. Da angenommen werden musste, dass der 
Beschwerdeführer allfälligen Kaufinteressenten den Zutritt zur Liegenschaft nicht 
freiwillig gestatten würde, wurde zwecks Gewährleistung des Zugangs und der Si-
cherheit der Besucher die Kantonspolizei Bern beigezogen. Die geplante Besichti-
gung konnte nicht durchgeführt werden, weil sich der Beschwerdeführer am Mor-
gen des 8. September 2010 im Haus verschanzt hatte und sämtliche im Verlaufe 
des Tages erfolgten Kontakt- und Zutrittsversuche seitens der Sondereinheit Enzi-
an und der Verhandlungsgruppe der Kantonspolizei erfolglos geblieben waren. Be-
reits am Vormittag waren Schuss- bzw. Detonationsgeräusche im Innern des Hau-
ses hörbar. Am Abend eskalierte die Situation, als ein Enzian-Mitarbeiter beim Ver-
such, über ein Fenster in das Haus einzusteigen, von einem vom Beschwerdefüh-
rer aus dem Hausinnern abgegebenen Schuss nur knapp im Brustbereich verfehlt 
wurde. Während die Polizei in der Folge weitere Massnahmen traf, um ins massiv 
verbarrikadierte Haus vorzudringen, kam es kurz nach Mitternacht im Hausinnern 
zu weiteren Schussabgaben. Am 9. September 2010, kurz nach 01:00 Uhr, kletter-
te der Beschwerdeführer mit einer Langwaffe in der Hand aus einem Fenster der 
Hochparterre-Wohnung der Liegenschaft. Alsdann gab er aus dem Garten des 
Nachbargrundstücks Nr. 7 einen Schuss ab, durch den ein Enzian-Mitarbeiter 
schwer am Kopf verletzt wurde. Anschliessend gelang es dem Beschwerdeführer, 
der Polizei zu entweichen. In der darauffolgenden Nacht kehrte er mit der Langwaf-
fe zurück. Dabei kam es auf der Höhe der Liegenschaft Nr. 11 zu einem Schuss-
wechsel mit zwei Polizisten der Sondereinheit Argus der Kantonspolizei Aargau, 
bei dem niemand verletzt wurde. Der Beschwerdeführer hatte umgehend das Feu-
er auf die Polizisten eröffnet, nachdem diese versucht hatten, ihn mit vorgehaltenen 
Pistolen anzusprechen. Danach ergriff er erneut die Flucht. Am frühen Morgen des 
17. September 2010 konnte der Beschwerdeführer schliesslich unbewaffnet auf ei-
ner Wiese in der Region «F.________» in Biel mit Hilfe eines Diensthundes ange-
halten und festgenommen werden.

Der Beschwerdeführer fügte durch den Schuss aus seiner Langarmwaffe einem 
Polizisten eine schwere Kopfverletzung zu. Die übrigen Polizisten befanden sich 
teilweise in unmittelbarer Lebensgefahr. Durch diese Anlasstaten der mehrfachen 
versuchten vorsätzlichen Tötung sowie der Gefährdung des Lebens hat der Be-
schwerdeführer die physische und psychische Integrität von anderen Personen 
schwer beeinträchtigt. 

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8. Gutachten

8.1 Es liegen ein Gutachten von Prof. Dr. G.________ vom 5. Juli 2011, zwei Gutach-
ten von Prof. Dr. H.________ vom 3. März 2016 und 15. November 2019 sowie ei-
ne Stellungnahme von Prof. Dr. I.________ vom 1. November 2017 vor. In der 
Zeitspanne vom 8. Februar 2017 bis am 3. August 2017 befand sich der Be-
schwerdeführer aufgrund eines Hungerstreiks auf der Bewachungsstation des In-
selspitals und zeitweise zwecks neuerlicher diagnostischer Abklärung sowie zur 
Klärung der Behandelbarkeit und allfälligen Etablierung zweckmässiger Behand-
lungsinterventionen auf der Station Etoine der Universitären Psychiatrischen Diens-
te Bern (vgl. pag. 632 ff. Akten Regionalgericht). Prof. Dr. I.________ war während 
dieser Zeit der behandelnde Arzt des Beschwerdeführers, weshalb ihm nicht die-
selbe Unabhängigkeit und Neutralität zuerkannt wird wie dem Gerichtsgutachter 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1163/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 2.4.5 mit 
Hinweisen auch zum Folgenden). Seiner Stellungnahme kommt damit nicht der 
Beweiswert der Meinung eines unabhängigen Gutachters zu. Sie ist aber nicht un-
beachtlich, weshalb die Einschätzungen von Prof. Dr. I.________ einen Einfluss 
auf die Beurteilung und insbesondere Würdigung der aktenkundigen Gutachten 
haben können. Das erste Gutachten von Prof. Dr. H.________ erfolgte im Auftrag 
der BVD im Zusammenhang mit der Frage der medikamentösen Zwangsbehand-
lung des Beschwerdeführers. Zudem handelt es sich bei beiden Gutachten von 
Prof. Dr. H.________ um Aktengutachten, da der Beschwerdeführer nicht zu Ge-
sprächen bereit gewesen war.

8.2 Aktengutachten sind möglich, wenn sich der Proband einer Begutachtung verwei-
gert oder nicht oder nur schwer erreichbar ist (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1163/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 2.4.2; BGE 127 I 54 E. 2e–2g). Recht-
lich gilt die persönliche Verweigerung einer Untersuchung auch dann als Verzicht 
auf eine Mitwirkung bei der Beweisaufnahme, wenn die Weigerung Ausdruck der 
psychischen Störung sein sollte. Der Beschwerdeführer, der sich selbst zuzu-
schreiben hat, dass eine persönliche Untersuchung unterblieben ist, verhält sich 
widersprüchlich, wenn er rügt, das Aktengutachten sei als Expertise unverwertbar. 
Unter solchen Umständen stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit eines Akten-
gutachtens unter dem Aspekt der Beteiligungsrechte nicht (vgl. BGE 127 I 54 E. 2d; 
BGE 146 IV I E. 3.2.2). Rechtsanwalt B.________ führte anlässlich der oberin-
stanzlichen Parteiverhandlung zwar aus, dass in Anbetracht der Tragweite des 
Gutachtens zu wenig unternommen worden sei, um ein Gespräch zu ermöglichen. 
Allerdings zeigt die Reaktion des Beschwerdeführers auf die vorgängige Kon-
taktaufnahme durch den Gutachter, dass es für Letzteren unmöglich war, beim Be-
schwerdeführer eine Kooperationsbereitschaft in mündlicher oder schriftlicher Form 
herzustellen (vgl. pag. 320 Akten Regionalgericht). Es ist auch nicht ersichtlich, in-
wiefern der Beizug einer Hilfsperson an dieser Ausgangslage etwas hätte ändern 
können, zumal der Beschwerdeführer der Gerichtspsychiatrie und der Psychiatrie 
im Allgemeinen äusserst ablehnend und misstrauisch gegenübersteht. So verwei-
gerte er bereits 2016 im Zusammenhang mit der ersten Begutachtung durch Prof. 
Dr. H.________ seine Mitwirkung (pag. 804 ff., 808 ff. Vollzugsakten). Bezeichnend 
ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Beschwerdeführer selbst gegenüber 

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seinem Anwalt jegliche Kooperation verweigert und sogar Strafanzeige gegen 
Rechtsanwalt B.________ eingereicht hatte. 

Eine andere Frage ist, ob die konkreten Gutachterfragen grundsätzlich im Rahmen 
eines Aktengutachtens beantwortet werden durften. Die persönliche Untersuchung 
gehört zum Standard einer forensisch-psychiatrischen Begutachtung. Nach der 
Rechtsprechung ist es in erster Linie Aufgabe des angefragten Sachverständigen 
zu beurteilen, ob sich ein Aktengutachten ausnahmsweise verantworten lässt (BGE 
127 I 54 E. 2e, 2f; Urteil 6B_257/2018 vom 12. Dezember 2018 E. 7.6.2). Ob und 
wie sich die fehlende Unmittelbarkeit der sachverständigen Einschätzung auf den 
Beweiswert eines Aktengutachtens auswirkt, ist nach dem konkreten Gegenstand 
der Gutachterfrage differenziert zu beurteilen. Der Gutachter soll sich (gegebenen-
falls je nach Fragestellung gesondert) dazu äussern, ob eine Frage ohne Untersu-
chung gar nicht, nur in allgemeiner Form oder ohne Einschränkungen beantwortbar 
ist. Dies ermöglicht es der Strafverfolgungsbehörde, den Stellenwert der gestützt 
auf die Akten getroffenen Einschätzung im Verhältnis zu weiteren Beweismitteln zu 
bestimmen (BGE 146 IV 1 E. 3.2.2). Ob das Aktengutachten hinreichend aussage-
kräftig ist, wird gesondert im jeweils entsprechenden Zusammenhang beurteilt wer-
den. 

Da sich der Beschwerdeführer insbesondere schriftlich äussert, sind seine akten-
kundigen Eingaben zudem eine wichtige Beurteilungsgrundlage. Der Umstand, 
dass die Schriftstücke, auf welche Prof. Dr. H.________ seine Beurteilung mass-
geblich gestützt hat, im Rahmen des Strafprozesses und des Massnahmenvollzugs 
verfasst wurden, schmälert deren Bedeutung entgegen der Auffassung der Vertei-
digung nicht. Es ist auch nicht relevant, ob sie der Verteidigungsstrategie und der 
Durchsetzung der Interessen des Beschwerdeführers dienen sollen. Es liegen je-
denfalls keine Anhaltspunkte vor, dass die schriftlichen Ausführungen nicht den 
Überzeugungen oder Denkinhalten des Beschwerdeführers entsprechen, wie sich 
auch im Zusammenhang mit der psychischen Störung und Rückfallgefahr ergibt. 

9. Psychische Störung / Zusammenhang mit der Tat

9.1 Sowohl Prof. Dr. G.________ als auch Prof. Dr. H.________ stellen dem Be-
schwerdeführer übereinstimmend die Diagnose einer anhaltend wahnhaften 
Störung nach ICD-10 F22.0 (pag. 365 und pag. 788 Vollzugsakten; pag. 325 und 
pag. 344 Akten Regionalgericht). Prof. Dr. I.________ kommt hingegen zum 
Schluss, das klinische Bild werde trotz der individuellen Besonderheiten am besten 
von der sogenannten schizoiden Persönlichkeit ICD-10 F60.1 getroffen. Eine 
psychiatrische Diagnose müsse auf der Ebene einer Akzentuierung der Persönlich-
keit gestellt werden (pag. 1195 f. Vollzugsakten). Anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung sagte Prof. Dr. I.________ aus, dass eine Diagnose nach ICD-
10 gegeben sei, also eine Persönlichkeitsstörung (pag. 573 Z. 42 ff. Akten Regio-
nalgericht). Damit geht zwar auch Prof. Dr. I.________ vom Vorliegen einer psychi-
schen Störung aus, es bestehen aber Differenzen hinsichtlich der konkreten Dia-
gnose. 

Prof. Dr. I.________ vertritt die Auffassung, dass das für die Diagnose eines 
Wahns nötige Kriterium der unverrückbaren Realitätsverkennung fehle. Alle rele-

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vanten Ereignisse würden nach Aktenlage den Tatsachen entsprechen. Der Ein-
druck der Abwegigkeit entstehe nicht durch faktisch falsche Überzeugungen des 
Beschwerdeführers, sondern durch die schwerwiegenden, schlecht belegten Vor-
würfe der Schwester und die oft drastisch übertriebene Wortwahl des Beschwerde-
führers (pag. 1184 Vollzugsakten). Die Diagnose einer wahnhaften Störung mit 
systematisiertem Wahn könne er nicht bestätigen (pag. 1184 Rückseite Vollzugs-
akten). Die Psychopathologie könne in der Zusammenschau schlüssig auf der 
Ebene charakterlicher und kognitiver Eigenarten des Patienten verortet werden und 
falle nach seiner Einschätzung in den Bereich der Persönlichkeit und nicht der psy-
chotischen Erkrankung. 

9.2 Beide Gutachter und Prof. Dr. I.________ gehen übereinstimmend davon aus, 
dass eine reale Belastung durch die nach Ansicht des Beschwerdeführers unge-
rechtfertigten Vorwürfe der Schwester den Kern der Problematik bzw. Startpunkt 
der problematischen Entwicklung des Beschwerdeführers darstellen. Betreffs der 
diagnostischen Aussagekraft dieser Entwicklung geht es gemäss Prof. Dr. 
H.________ um die Frage, in welchem Mass diese für den Beschwerdeführer noch 
korrigierbar war und mit welchem Grad an Gewissheit er in diesem Konflikt seine 
Überzeugungen formuliert. Prof. Dr. H.________ skizziert in seinem Gutachten 
vom 15. November 2019 drei mögliche Entwicklungslinien und begründet, weshalb 
er von einer paranoid-querulatorischen Entwicklung («Querulantenwahn») ausgeht 
(pag. 331 f. Akten Regionalgericht). Er legt auch dar, inwiefern sich die von ihm ge-
stellte Diagnose von derjenigen von Prof. Dr. I.________ unterscheidet. Prof. Dr. 
H.________ führt aus, eine selbstkritische bzw. auch nur relativierende Auseinan-
dersetzung mit dem eigenen Denken und Handeln erschliesse sich aus den Schrif-
ten des Beschwerdeführers nicht und schon der Umfang der Schriftsätze verdeutli-
che, dass es sich um sein Lebensthema handle. Der reale und inhaltlich nachvoll-
ziehbare familiäre Konflikt sei ausserdem in einer Weise ausgebaut worden, die 
oftmals sachlich falsch sei bzw. Standpunkten entspreche, die in der Gesellschaft, 
aber auch innerhalb von Subkulturen nicht mehr anerkannt bzw. mit ähnlicher 
Überzeugung vertreten würden. Entsprechende Denkinhalte könnten aus seiner 
Sicht auch nicht als Zuspitzung von Denkweisen der 68-er Bewegung verstanden 
werden bzw. würden selbst in diesem Milieu als unrealistisch beurteilt. Das Denken 
des Beschwerdeführers sei nicht nur als Zuspitzung von aus dem Konflikt heraus 
nachvollziehbaren Denkinhalten einzuordnen, sondern durchsetzt mit unrealisti-
schen Vorstellungen und rational nicht nachvollziehbaren Bewertungen realer Vor-
gänge (pag. 333 Akten Regionalgericht). Dies illustriert Prof. Dr. H.________ an-
hand mehrerer Beispiele, welche er den zahlreichen und in verschiedenen Verfah-
ren verfassten Schriftsätzen des Beschwerdeführers entnommen hat (pag. 332 ff. 
Akten Regionalgericht). So ordne der Beschwerdeführer den Polizeieinsatz, in des-
sen Rahmen es zu den Anlasstaten gekommen sei, als Ausdruck politischer Ver-
wicklungen ein. Höchste Berner Kreise seien an Geldwäschereien seiner Schwes-
ter beteiligt gewesen und hätten seine Ermordung befohlen. Diese Ausführungen 
ordneten dem Beschwerdeführer eine unrealistisch bedeutsame Rolle in einem 
komplexen politischen Geflecht zu. Es zeige sich exemplarisch eine für wahnhafte 
Entwicklungen typische Tendenz, vielfältigste Ereignisse und mit dem Beschwerde-
führer nicht oder nur peripher befasste Personen und Institutionen in direkten Be-

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zug zur eigenen Situation zu setzen. Entsprechend erlebe sich der Beschwerdefüh-
rer als Mittelpunkt und zentrales Ziel komplexester Vorgänge, die letztlich zu seiner 
Vernichtung führen sollten. Der Beschwerdeführer gehe weiter davon aus, dass es 
Verbindungen zwischen Justiz und Frauenbewegung gebe, da beide die gleichen 
Feinde, nämlich die Psychoanalyse und den Sozialismus hätten. In seiner Stel-
lungnahme vom 26. Dezember 2018 führe der Beschwerdeführer aus, dass er nun 
seit 26 Jahren überwacht werde. Er äussere auch die Überzeugung, dass der zu-
ständige Fallverantwortliche jederzeit bereit sei, ihn erschiessen zu lassen. Prof. 
Dr. H.________ hält abschliessend fest, dass diese Überzeugungen des Be-
schwerdeführers über eine übernachhaltige Verarbeitung realer Konflikte hinaus-
gingen, da sie mit subjektiver Gewissheit vertreten würden und über Jahre hinweg 
nicht hätten in Frage gestellt werden können bzw. keiner Diskussion zugänglich 
gewesen seien. Dass diese Störung laut ICD-10 nicht durch komplett unrealistische 
Überzeugungen gekennzeichnet sei, mache die Diagnose nochmals plausibler. 
Auch die Vorgabe der DSM-5 Klassifikation, dass neben der Wahnsymptomatik 
keine wesentlichen Leistungseinbussen bestünden, sei beim Beschwerdeführer er-
füllt. Beide Gesichtspunkte grenzten seinen Fall von den Schizophrenien und von 
den in diesem Kontext auftretenden echten Wahnideen ab. Es handle sich um eine 
mittlerweile chronifizierte paranoide Entwicklung (pag. 335 Akten Regionalgericht). 

Prof. Dr. H.________ bestätigte die Diagnose einer wahnhaften Störung auch an 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 579 Z. 31 ff. Akten Regionalgericht). 
Der Beschwerdeführer vertrete seit Jahren strikte Denkinhalte, dass er verfolgt 
werde. Diese Denkinhalte hätten mittlerweile ein Ausmass angenommen, das nicht 
mehr nachvollziehbar sei. Der Grundkonflikt mit der Schwester sei zwar normal-
psychologisch noch nachvollziehbar, habe aber über die Jahre derart Einfluss ge-
nommen, dass alle weiteren Vorfälle mit diesem Konflikt in Verbindung gebracht 
worden seien (pag. 579 Z. 41 ff. Akten Regionalgericht). Man könne sagen, dass 
der Wahn auch dadurch gekennzeichnet sei, dass es keine Zufälle mehr gebe, al-
les hänge mit dem Grundkonflikt zusammen (pag. 580 Z. 1 Akten Regionalgericht).

9.3 Die Ausführungen von Prof. Dr. H.________ in seinem Gutachten sowie anlässlich 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sind schlüssig und nachvollziehbar. Auch 
Widersprüche zu seinem Gutachten vom 3. März 2016 oder innerhalb seines Gut-
achtens vom 15. November 2019 bzw. zu seinen Aussagen anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung sind nicht erkennbar. Die Kammer sieht keinen 
Grund, an seiner Diagnose einer anhaltend wahnhaften Störung zu zweifeln. Prof. 
Dr. H.________ begründet überzeugend, weshalb er von einem wahnhaften Den-
ken ausgeht und inwiefern sich seine Beurteilung von derjenigen von Prof. Dr. 
I.________ unterscheidet. Er macht deutlich, dass es um einen unstrittig unschar-
fen Bereich zwischen inhaltlich bzw. lebensgeschichtlich nachvollziehbaren «über-
wertigen» Denkinhalten («Querulantenwahn») und «echten Wahnideen» geht, die 
Ausdruck bzw. Symptom einer Erkrankung seien und vorwiegend durch diese ver-
standen werden könnten (pag. 330 Akten Regionalgericht). Dass die Differenz zwi-
schen der Einordnung von Prof. Dr. I.________, der von übernachhaltigen Denkin-
halten spricht, und derjenigen von Prof. Dr. G.________ und Prof. Dr. H.________, 
die von einer wahnhaften Störung ausgehen, gar nicht so gross ist, bestätigen auch 
die Ausführungen von Prof. Dr. I.________ in seiner Stellungnahme. Er gibt an, 

10

dass die überwertigen Ideen des Beschwerdeführers dessen Leben und Handeln 
zentral beeinflussten und somit ein erhebliches, handlungsbestimmendes Ausmass 
hätten (pag. 1195 Rückseite Vollzugskaten). Prof. Dr. H.________ untermauert 
seine Beurteilung betreffend Vorliegen wahnhafter Ideen zudem mit zahlreichen 
Beispielen aus den umfangreichen Schriftsätzen des Beschwerdeführers. Anhand 
dieser zeigt er eindrücklich die paranoide Entwicklung des Beschwerdeführers auf. 
Es ist von einem stetig wachsenden Wahnsystem auszugehen, in welches fortlau-
fend weitere Personen eingebaut wurden und werden (pag. 332 ff. Akten Regional-
gericht). So geht beispielsweise aus der Eingabe des Beschwerdeführers vom 20. 
Januar 2018 hervor, dass er im Zusammenhang mit den Unterstützungsversuchen 
von Rechtsanwalt J.________ von einer Affäre ausgeht, in deren Kontext er sich 
als Opfer einer Intrige von christlichen Fundamentalisten und rechten Politikern 
sieht (pag. 334 Akten Regionalgericht). Diese Ausführungen zeigen zudem, dass 
der Beschwerdeführer letztlich auch die ihm angebotene Hilfe zur narrativen Aufa-
rbeitung als Intrige sieht. Diese gesamten Umstände bestätigen einerseits seine 
wahnhaften Denkinhalte, andererseits auch deren Unkorrigierbarkeit, was bei der 
Rückfallgefahr und der Therapierbarkeit ebenfalls zu berücksichtigen sein wird. 

9.4 Prof. Dr. I.________ sagte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung aus, es sei 
nachvollziehbar, dass Prof. Dr. H.________ allein aufgrund der Schriften des Be-
schwerdeführers zum Schluss des «Querulantenwahns» gelangt sei. Damit rücke 
aber in Bezug auf die Persönlichkeit des Beschwerdeführers das eher Eigenbrötle-
rische und Zurückgezogene in den Hintergrund. Paranoide Personen gingen gerne 
aggressiv vor, während der Beschwerdeführer sich eher zurückziehe (pag. 575 
Z. 1 ff. Akten Regionalgericht). Auch Prof. Dr. H.________ sieht den Beschwerde-
führer nicht als aggressiven Straftäter (vgl. Ausführungen zur Rückfallgefahr). In 
seinem Gutachten vom 15. November 2019 führt er aus, dass die Einordnung 
«schizoid-zurückgezogene Persönlichkeit» angesichts des seit Jahren bis Jahrzen-
ten praktizierten sozialen Rückzugs des Beschwerdeführers und seiner Verweige-
rung von Kontakten auf der Station Etoine im Querschnitt nicht unplausibel sei, 
aber aus seiner Sicht eher eine Folge der langjährigen Schwierigkeiten und der zu-
gehörigen Strukturverformung der Persönlichkeit des Beschwerdeführers zu sein 
scheine. Schliesslich deute sich in früheren Schreiben eine stärkere Bemühung an, 
eigene Motive verständlich zu machen und auch argumentativ für sich zu werben, 
während die aktuellen Schreiben durch ihre kämpferischen und zuspitzenden Inhal-
te vorwiegend als Statements und nicht mehr als Kommunikationsversuche impo-
nierten (pag. 328 ff. Akten Regionalgericht). Prof. Dr. H.________ gab anlässlich 
seiner Einvernahme vor erster Instanz an, die Brisanz dieses Falles habe nicht 
damit zu tun, dass der Beschwerdeführer im persönlichen Kontakt ein freundlicher 
und netter Mensch sei, sondern vielmehr damit, dass er sich krankheitsbedingt in 
einer Notlage befinde und sein Vertrauen in staatliche Institutionen verloren habe. 
Es sei dabei ein Dilemma, dass genau diese staatlichen Institutionen über sein wei-
teres Schicksal zu entscheiden hätten (pag. 583 Z. 2 ff. Akten Regionalgericht). 
Ihm gehe es bei der Diagnose nicht um die pointierten Zuspitzungen in den 
Schriftsätzen des Beschwerdeführers. Wesentlich sei die unveränderte Grundhal-
tung des Beschwerdeführers, der sich immer noch als Opfer der Justiz sehe (pag. 
584 Z. 27 ff. Akten Regionalgericht). Diese Ausführungen, welche auch bei der Le-

11

galprognose relevant sein werden, sind stimmig und schlüssig und decken sich 
auch mit dem bisherigen Verhalten und Vorgehen des Beschwerdeführers im ge-
samten Verfahren. Auch aus der Stellungnahme von Prof. Dr. I.________ geht im 
Übrigen nicht hervor, dass sich diese Grundhaltung des Beschwerdeführers geän-
dert hätte. Es gibt daher keine Anhaltspunkte dafür, dass persönliche Gespräche 
mit dem Beschwerdeführer einen Einfluss auf die von Prof. Dr. H.________ gestell-
te Diagnose gehabt hätten oder aufgrund der Explorationsgespräche und des dar-
aus gewonnenen persönlichen Eindrucks eine andere Ausgangslage vorgelegen 
wäre. Dies wird durch den Umstand bestätigt, dass die Einschätzungen von Prof. 
Dr. H.________ mit den Ausführungen von Prof. Dr. G.________, welche insge-
samt 6 Explorationsgespräche mit dem Beschwerdeführer durchführen konnte, 
übereinstimmt (pag. 310 Vollzugsakten). Prof. Dr. G.________ beschreibt den per-
sönlichen Kontakt mit dem Beschwerdeführer ähnlich wie Prof. Dr. I.________ 
(pag. 351 Vollzugsakten). Dies hatte aber keinen Einfluss auf die von ihr gestellte 
Diagnose bzw. kam sie trotzdem eben zu einer anderen Diagnose als Prof. Dr. 
I.________. Prof. Dr. I.________ machte an der Hauptverhandlung vor erster In-
stanz zwar geltend, Prof. Dr. G.________ habe den Wahn nicht mit der Lebensge-
schichte nachweisen können, sondern nur mit der Beschreibung der Ausnahmesi-
tuation während des Deliktes (pag. 573 Z. 5 ff. Akten Regionalgericht), bzw. die 
Realitätsverkennung (Fehlerhaftigkeit der Überzeugung) sei bei ihr nur durch die 
beiden Beispiele aus dem Anlassdelikt belegt (vgl. pag. 577 Z. 3 ff. Akten Regio-
nalgericht). Wie sich aus den Ausführungen von Prof. Dr. G.________ ergibt, ist 
dies aber nicht zutreffend. Sie schreibt, dass die Angaben des Beschwerdeführers 
ein Denken deutlich machten, das inhaltlich von einem ausgeprägten systematisier-
ten Wahn gekennzeichnet sei, das verschiedene Facetten (Recovered Memory 
Bewegung, Missbrauchsvorwürfe und Denunziationen seitens der Schwester, Ver-
folgung durch eine korrupte Polizei und Justiz, welche mit der Schwester zusam-
men arbeiteten und seine Vernichtung wollten, Instrumente: Erbteilungsprozess 
und Entmündigung) umfasse, die eng miteinander verknüpft seien. Der Beschwer-
deführer sei felsenfest von der Richtigkeit seiner Annahmen überzeugt und nicht in 
der Lage, eine andere Sichtweise einzunehmen, auch nicht hypothetisch. Dabei 
verweist sie lediglich im Sinne eines Beispiels auf zwei Situationen anlässlich der 
Anlasstat (pag. 353 Vollzugsakten). Prof. Dr. G.________ begründet die Diagnose 
mit einem Wahnsystem, wobei sie den Wahn des Beschwerdeführers im Wesentli-
chen als Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn mit querulatorischen Kompo-
nenten beschreibt. Die Wahnentwicklung sei auf die frühen 90-er Jahre zu datieren. 
So habe der Beschwerdeführer aufgrund des Verfolgungserlebens Arbeit und fes-
ten Wohnsitz aufgegeben (pag. 358 Vollzugsakten; vgl. dazu auch überzeugend 
die Vorinstanz, pag. 675 f. Akten Regionalgericht). 

Bereits das Gutachten von Prof. Dr. G.________ aus dem Jahr 2011 zeigt somit 
den systematisierten Wahn des Beschwerdeführers. Übereinstimmungen zwischen 
Prof. Dr. G.________ und Prof. Dr. H.________ ergeben sich auch insofern, als 
Prof. Dr. G.________ ausführt, kritische Stimmen würden in das Wahnsystem ein-
bezogen. Auch die von Prof. Dr. H.________ anhand der Schriftsätze festgestellte 
Strukturverformung der Persönlichkeit des Beschwerdeführers wurde bereits von 
Prof. Dr. G.________ festgestellt. Sie führte aus, dass die soziale Kompetenz des 

12

Beschwerdeführers bis Anfang der 90-er Jahre vergleichsweise positiv zu beurtei-
len sei, sich aber seit der wahnhaften Entwicklung eine Abnahme der Kompetenz in 
dem Sinne feststellen lasse, als seitdem erhebliche Beeinträchtigungen im berufli-
chen und sozialen Leistungsbereich zu verzeichnen seien. In den letzten Jahren 
habe sich die Kommunikationsfähigkeit zunehmend als gestört erwiesen und der 
Beschwerdeführer sei als sozial desintegriert zu bezeichnen (pag. 363 Vollzugsak-
ten). 

9.5 Es gibt daher keinen Anlass, aufgrund der Ausführungen von Prof. Dr. I.________ 
an der Diagnose einer wahnhaften Störung von Prof. Dr. H.________ zu zweifeln. 
Zudem ist mit Blick auf die Aussagen von Prof. Dr. I.________ anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung fraglich, ob dieser den gesamten der Anlasstat 
zugrundeliegenden Sachverhalt mit in die Beurteilung einbezogen hat. Es mag zu-
treffen, dass sich der Beschwerdeführer unmittelbar vor der Schussabgabe in sub-
jektiver Lebensgefahr wähnte. Von einer tatsächlichen Lebensgefahr bzw. dem 
richtigen Einschätzen der damaligen Situation kann aber keine Rede sein (vgl. pag. 
576 Akten Regionalgericht). So war im Rahmen der gerichtlich angeordneten öf-
fentlichen Versteigerung der vom Beschwerdeführer bewohnten Liegenschaft am 
Nachmittag des 8. September 2010 ein Besichtigungstermin geplant. Zwecks Ge-
währleistung des Zugangs und der Sicherheit der Besucher wurde die Kantonspoli-
zei Bern beigezogen. Bereits am Morgen des 8. September 2010 verschanzte sich 
der Beschwerdeführer aber im Haus und es waren Schuss- bzw. Detonations-
geräusche hörbar. Die vom Beschwerdeführer angenommene subjektive Bedro-
hungslage entsprach zu jenem Zeitpunkt daher nicht der Realität.  

Dass sich der Beschwerdeführer in seinen Schriftsätzen allenfalls drastischer 
geäussert hat als anlässlich der persönlichen Gespräche mit Prof. Dr. I.________, 
wurde von Prof. Dr. H.________ berücksichtigt, hatte aber keinen Einfluss auf sei-
ne Beurteilung. Weiter liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Ausführungen des 
Beschwerdeführers in seinen Schriftsätzen nicht seinen Überzeugungen oder Den-
kinhalten entsprechen. Auch Prof. Dr. G.________ kam nach Durchführung von 
sechs Explorationsgesprächen zur gleichen Einschätzung wie Prof. Dr. 
H.________. Insofern ist auch die Aussagekraft des Aktengutachtens von Prof. Dr. 
H.________ nicht in Frage gestellt.

Die Kammer schliesst sich der von Prof. Dr. G.________ und Prof. Dr. H.________ 
gestellten Diagnose einer anhaltend wahnhaften Störung an. Dabei handelt es sich 
um eine chronifizierte, langandauernde und anhaltende Störung schweren Aus-
masses. Diese steht auch in engem Zusammenhang mit den Anlasstaten. Dieser 
Zusammenhang wird sowohl in der Stellungnahme von Prof. Dr. I.________ (pag. 
1196 Rückseite Vollzugsakten) als auch im Gutachten von Prof. Dr. H.________ 
bestätigt (pag. 345 Akten Regionalgericht). 

10. Hohe Rückfallgefahr

10.1 Voraussetzung für die Anordnung der Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 Bst. b 
StGB ist eine hohe Rückfallgefahr, wobei eine qualifizierte Gefährlichkeit erforder-
lich ist (BGE 140 IV 1 E. 3.2.4).

13

Das (Prognose-) Gutachten erfordert eine umfassende und in sich nachvollziehba-
re Darstellung des Erkenntnis- und Wertungsprozesses des Sachverständigen. 
Dazu gehört namentlich die Angabe der von ihm herangezogenen und ausgewerte-
ten Erkenntnismittel sowie der Untersuchungsmethode, deren Auswahl in seinem 
pflichtgemässen Ermessen liegt. Um die Nachvollziehbarkeit und Transparenz zu 
gewährleisten, hat der Sachverständige im Gutachten umfassend darzulegen, wie 
und weshalb er zu den von ihm gefundenen Ergebnissen gelangt. Das Gericht hat 
das Gutachten nach fachwissenschaftlichen Kriterien zu verstehen und zu prüfen. 
Es muss das Gutachten selbständig beurteilen und darf die Prognoseentscheidung 
nicht dem Sachverständigen überlassen. Die richterliche Überprüfung des Gutach-
tens hat sich deshalb nicht nur auf das ermittelte Prognoseergebnis als solches zu 
beziehen, sondern muss sich auf die Qualität der gesamten Prognosestellung in-
klusive der vom Sachverständigen allenfalls verwendeten Prognoseinstrumente er-
strecken. Das Gericht muss im Ergebnis eine eigenständige Beurteilung des Sach-
verständigenbeweises im Hinblick auf die Einbeziehung aller für die Begutachtung 
relevanten Umstände vornehmen, damit es gestützt darauf einen eigenverantwort-
lichen Entscheid zur Gefährlichkeit treffen kann (Urteil des Bundesgerichts 
6B_828/2018 vom 5. Juli 2019 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen). Das Bundesgericht 
anerkennt in seiner Rechtsprechung, dass bei der Begutachtung im Grundsatz Me-
thodenfreiheit besteht. Die Wahl der Methode muss aber begründet sein. Die wis-
senschaftlichen Standards müssen eingehalten und die Schlussfolgerungen trans-
parent sowie für die Verfahrensbeteiligten nachvollziehbar dargestellt werden (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_828/2018 vom 5. Juli 2019 E. 6.4 mit weiteren Hinwei-
sen). 

10.2 Sowohl die beiden Gutachter als auch Prof. Dr. I.________ sind sich einig, dass es 
sich beim Beschwerdeführer nicht um eine generell zu Straftaten entschlossene 
Person handelt. Der Beschwerdeführer handelte im Zeitpunkt der Anlasstat aus der 
Defensive heraus und es ist davon auszugehen, dass er ohne Druck von aussen 
nicht zu aggressiven Handlungsstrategien greifen wird. Eine generell erhöhte Ge-
waltbereitschaft zeichnet sich daher auch im statistischen Verfahren Violence Risk 
Appraisal (VRAG) nicht ab. Für die Individualprognose des Beschwerdeführers sind 
diese Risikofaktoren wenig relevant, was von Prof. Dr. H.________ auch entspre-
chend festgehalten worden war (pag. 320 ff. sowie pag. 582 Z. 21 ff. und pag. 584 
Z. 43 ff. Akten Regionalgericht). Prof. Dr. H.________ verwendete in seinen Gut-
achten auch das Prognoseinstrument HCR-20. Das Instrument definiert keine 
Grenzwerte, ab denen von einer Gefahr auszugehen ist. Vielmehr dient es dazu, 
strukturiert und durch ein Manual geleitet prognostisch relevante Problembereiche 
abzuklären, um auf der Basis der dabei gewonnenen Erkenntnisse über Risiken 
aber auch Interventionsmöglichkeiten nachzudenken (pag. 323 Akten Regionalge-
richt). Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, Prof. Dr. 
H.________ habe fehlende Informationen mit eigenen Interpretationen ausgefüllt. 
Dieser Auffassung kann sich die Kammer nicht anschliessen. Vielmehr erfolgte ei-
ne umfassende und nachvollziehbare Beurteilung der verschiedenen Items (pag. 
322 Akten Regionalgericht). Dass diese Items teilweise sowohl bei der Diagnose 
als auch der Rückfallgefahr eine Rolle spielten, stellt das Gutachten nicht in Frage. 
Das juristische Doppelverwertungsverbot gilt bei der Begutachtung nicht, d.h. der-

14

selbe Sachverhalt darf sowohl bei der Diagnose- als auch der Prognosestellung 
beigezogen werden. Zwar zeigen die Führungsberichte vom 15. Oktober 2020 
(pag.  379 Akten Beschwerdekammer) und 18. Januar 2021 (pag.  538 Akten Be-
schwerdekammer), dass der Beschwerdeführer Kontakte zu Aussenstehenden hat-
te, es gibt aber keine Hinweise dafür, dass es sich hierbei um stabilisierende, sozi-
ale Kontakte handelt. Der Beschwerdeführer bewohnt auf eigenen Wunsch eine 
Einzelzelle in der Eintrittsabteilung. D.h. er befindet sich nicht in der offenen Abtei-
lung, womit sich die sozialen Kontakte bereits systembedingt auf ein Minimum be-
schränken. Zudem verbringt er seine Zeit am liebsten alleine in der Zelle. Das An-
gebot der Bewährungshilfe wird vom Beschwerdeführer von Zeit zu Zeit genutzt. 
Da der Kontakt aber immer auf Initiative der zuständigen Bewährungshelferin er-
folgt und der Beschwerdeführer kein Interesse zeigt, administrative Angelegenhei-
ten mit ihr anzugehen, kann nicht von einer Zusammenarbeit mit der Bewährungs-
hilfe ausgegangen werden. Es bestehen daher auch aufgrund der aktuellen 
Führungsberichte keine Hinweise, dass der Gutachter betreffend Item H3 (instabile 
Beziehungen) falsch liegen sollte. Eine legalprognostisch günstige Sozialisierung 
hat nicht stattgefunden. Auch aus der Stellungnahme von Prof. Dr. I.________ geht 
hervor, dass der Beschwerdeführer nicht über stabile Beziehungen verfügt oder ein 
soziales Netz vorhanden ist. Vom Beschwerdeführer wird abgesehen davon auch 
nicht weiter begründet, inwiefern die Beurteilung einzelner H-, C- oder R-Items 
durch Prof. Dr. H.________ in Unkenntnis der relevanten Fakten erfolgt und nicht 
korrekt sein soll. Die Kammer erkennt keine Widersprüche. Die Beurteilung ist 
schlüssig und nachvollziehbar. Aufgrund der Prof. Dr. H.________ vorgelegenen 
Akten ist eine Beurteilung dieser Items auch ohne Explorationsgespräche möglich 
und die Kammer sieht keine Veranlassung, diese Beurteilung in Frage zu stellen. 

10.3 Prof. Dr. H.________ kommt nach Prüfung der Items zum Schluss, dass sich aus 
der festgestellten Geisteskrankheit, der fehlenden Krankheitseinsicht, der psycho-
tisch motivierten Gewalttätigkeit, der langfristigen Verweigerung suffizienter medi-
kamentöser Behandlung trotz beschriebener günstiger Behandlungseffekte im Sin-
ne einer abgeschwächten Symptomatik bei fehlender Kooperationsbereitschaft 
bzw. Ablehnung von Unterstützung und eingeschränkter Belastbarkeit ein hohes 
Risiko für erneute Gewalttätigkeiten ergibt, wenn [Hervorhebung durch die Kam-
mer] der Beschwerdeführer unter Druck gerät bzw. sich in einer Verteidigungsposi-
tion sieht (pag. 324 Akten Regionalgericht; auch zum Folgenden). Die Prognose 
hängt damit massgeblich von der Eintrittswahrscheinlichkeit und Intensität erneuter 
behördlicher Interventionen ab. Auch aus dem Gutachten von Prof. Dr. 
G.________ und der Stellungnahme von Prof. Dr. I.________ geht hervor, dass bei 
der Beurteilung der Rückfallgefahr zu berücksichtigen ist, ob und wann sich der 
Beschwerdeführer in die Enge gedrängt fühlt. 

10.3 Prof. Dr. H.________ vertritt dabei die Auffassung, dass der Beschwerdeführer in 
seiner Einschätzung, ob und wenn ja, welcher Druck von welchen Personen auf 
welche Weise auf ihn ausgeübt werde, entscheidend von seinem wahnhaften Den-
ken beeinflusst bzw. geprägt werde (pag. 338 Akten Regionalgericht). Daraus re-
sultiert auch die im Vergleich zu Prof. Dr. I.________ ungünstigere Rückfallprogno-
se. Wie bereits im Zusammenhang mit der Diagnose ausgeführt, sind die Aus-
führungen von Prof. Dr. H.________ im Zusammenhang mit dem wahnhaften Den-

15

ken des Beschwerdeführers schlüssig. Er begründet unter Einbezug der bisherigen 
Verfahren und Reaktionen des Beschwerdeführers auch überzeugend, dass die 
wahnhaften Überzeugungen des Beschwerdeführers nach wie vor handlungslei-
tend sind, der Beschwerdeführer sich weiterhin in einer Notsituation bzw. als Opfer 
behördlicher Intrigen sieht und er nicht bereit ist, sein Denken in Frage zu stellen 
oder um des Friedens willen Kompromisse einzugehen (pag. 336 Akten Regional-
gericht). Prof. Dr. H.________ legt ausserdem schlüssig dar, dass und inwiefern 
unter dem Einfluss des wahnhaft verfestigten Verfolgungserlebens auch Aktivitäten 
von Personen, die privat oder beruflich in unterstützender Funktion tätig sind, vom 
Beschwerdeführer umgedeutet werden (pag. 337 Akten Regionalgericht). Auch 
nach Ansicht der Kammer gibt es bei dieser Ausgangslage keine Hinweise, dass 
der Beschwerdeführer mit den Behörden kooperieren wird – im Gegenteil. Es ist 
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sämtliche unterstützenden Kontak-
te, welche bei einer Entlassung unvermeidbar sind, früher oder später in sein 
Wahnsystem einbauen wird (vgl. auch pag. 337 Akten Regionalgericht). 

10.4 Prof. Dr. H.________ verweist darauf, dass der Beschwerdeführer schon im Vor-
feld der Ereignisse im September 2010 von umfangreichen Überwachungsmass-
nahmen der Jusitz/Behörden ausgegangen sei. So werde aus den im Urteil vom 
18. Januar 2013 zusammengefassten Tagebucheinträgen deutlich, dass der Be-
schwerdeführer bereits 2005 davon ausgegangen sei, dass man ihn vernichten 
wolle. Die starke Anspannung und ängstliche Grundhaltung verdeutliche sich dar-
an, dass er Bewegungen in seinem Umfeld und sogar Tierspuren im Tagebuch 
vermerkt habe (pag. 338 f. Akten Regionalgericht, auch zum Folgenden). An dieser 
Auffassung halte der Beschwerdeführer bis heute fest, was sich besonders ein-
drücklich in seinem Schreiben vom 26. Dezember 2018 zeige. Darin bitte der Be-
schwerdeführer darum, ihn unter Schutz zu stellen, damit er nicht vor Beginn der 
erforderlichen Untersuchung erschossen bzw. sein Gehirn durch Medikamente zer-
stört werde. Man müsse daher davon ausgehen, dass die 2010 bestandenen Be-
lastungen unverändert, wenn nicht durch den Verlauf der Inhaftierung sogar noch-
mals akzentuiert fortbestünden. Unter diesem subjektiv erlebten Druck habe der 
Beschwerdeführer schon im Vorfeld der Anlasstat, als es um die Frage der Bei-
standschaft gegangen sei, Erkundigungen betreffend die Wohnverhältnisse der be-
teiligten Richter vorgenommen und Skizzen über zum Töten von Menschen geeig-
nete Waffen angefertigt. 

Zwar waren diese Vorbereitungen, wie von Prof. Dr. I.________ an der erstinstanz-
lichen Verhandlung ausgeführt, nicht handlungswirksam. Auch nach Ansicht der 
Kammer wird daraus aber deutlich, dass die Handlungsoptionen des Beschwerde-
führers durchaus auch Gewalthandlungen umfassten, um befürchteten Angriffen 
zuvorzukommen. Dies zeigt sich auch im Umstand, dass der Beschwerdeführer 
sein Haus verbarrikadiert und eine Langschusswaffe bereitgelegt hatte. Er war zu-
dem wieder zum Tatort zurückgekehrt und hatte beim ersten Kontakt mit der Polizei 
weitere Schüsse abgegeben (pag. 686 Akten Regionalgericht). 

10.5 Prof. Dr. H.________ stellt in seinem Gutachten vom 15. November 2019 die mög-
lichen Auswirkungen dieser oben erwähnten Problemstellungen auf die Kriminal-

16

prognose in einer individualprognostischen Sicht, kriteriengeleitet nach den Vorga-
ben des HCR-20, in drei Szenarien dar (pag. 339 Akten Regionalgericht). 

Im ersten Szenario wird davon ausgegangen, dass es gelingt, mit dem Beschwer-
deführer – wie von Prof. Dr. I.________ vorgeschlagen – an der narrativen Bear-
beitung seiner Lebenssituation zu arbeiten und es zu einem Medienecho bzw. einer 
Wahrnehmung des Beschwerdeführers in der Öffentlichkeit kommt, welche für den 
Beschwerdeführer zufriedenstellend ist, da sich verschiedene Personen bzw. Me-
dien mit seiner Sache solidarisieren. Auf diese Weise gewinnt der Beschwerdefüh-
rer Vertrauen bzw. Vertrauenspersonen, die ihn begleiten und krisenhafte Zuspit-
zungen abfangen können. Langfristig ergibt sich daraufhin die Möglichkeit, dass 
der Beschwerdeführer gegenüber behördlichen Interventionen unempfindlicher und 
gegenüber den Behörden kooperationsbereiter wird. 

Wie schon nach der Einschätzung von Prof. Dr. H.________ kann auch nach An-
sicht der Kammer dieses Szenario nicht als realistisch angesehen werden. Die 
Voraussetzungen für eine solche narrative Aufarbeitung haben sich bisher nicht 
umsetzen lassen (vgl. auch Aussagen von Prof. Dr. I.________ an der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung, pag. 574 Z. 18 ff. Akten Regionalgericht). Deren erfolg-
reiche Umsetzung ist mit Blick darauf, dass die Ablehnungshaltung des Beschwer-
deführers es selbst wohlwollenden Personen schwierig bis unmöglich macht, mit 
ihm in einen tragfähigen Kontakt zu kommen, auch nicht zu erwarten (pag. 339 f. 
Akten Regionalgericht). 

Das zweite Szenario beinhaltet die Haftentlassung ohne weitere Massnahmen bzw. 
das Fehlschlagen der von Prof. Dr. I.________ empfohlenen narrativen Aufarbei-
tung, da der Beschwerdeführer auch gegenüber Journalisten bzw. Schriftstellern in 
misstrauisch-paranoider Weise reagiert und nicht langfristig kooperiert. In dieser 
Variante wird sich der Beschwerdeführer weiterhin durch behördliche Aktivitäten 
unter Druck gesetzt sehen, darauf jedoch lediglich schriftlich reagieren bzw. darum 
bemüht sein, seine Sicht der Dinge schriftlich mitzuteilen. Zu Aggressionshandlun-
gen kommt es nicht. Eine therapeutische Behandlung ist jedoch nicht möglich, da 
der Beschwerdeführer in dieser Variante nicht mit anderen Personen kommuniziert. 
Dieses Szenario ist an die Erwartung gebunden, dass eine Eskalation der Ereignis-
se z.B. durch zukünftige Konflikte mit den Behörden ausbleibt. 

Dies ist in Übereinstimmung mit Prof. Dr. H.________ schon allein aufgrund der 
ungeklärten Wohnsituation unwahrscheinlich (pag. 340 Akten Regionalgericht). Ein 
tragfähiger sozialer Empfangsraum kann nicht skizziert werden. Vielmehr bestehen 
wesentliche vom Beschwerdeführer beschriebene Problemfelder wie der Verlust 
des Elternhauses als Rückzugsmöglichkeit, der Konflikt mit der Schwester und Dis-
kussionen über die Frage einer Beistandschaft unverändert fort. Es ist daher nicht 
zu erwarten, dass zukünftige konflikthafte Entwicklungen vermieden werden kön-
nen (pag. 338 Akten Regionalgericht). Der Beschwerdeführer hat sich bislang jeder 
Zusammenarbeit mit den Behörden entzogen. Es muss daher davon ausgegangen 
werden, dass auch zukünftig keine Möglichkeiten bestehen, den Verlauf zu monito-
risieren und ein – wie auch immer geartetes – verlässliches Risikomanagement zu 
etablieren, was eine Eskalation frühzeitig erkennen lassen könnte bzw. gar verhin-
dern liesse.

17

Prof. Dr. H.________ beurteilt aufgrund des bisherigen Verlaufs der Massnahme, 
aber auch aufgrund der langjährigen Vorgeschichte des Beschwerdeführers mit ei-
nem Untertauchen, fehlender Kooperation mit Behörden und der Missinterpretation 
polizeilicher und behördlicher Aktivitäten das Szenario 3 als wahrscheinlichste Op-
tion. D.h. der Beschwerdeführer wird auch in Zukunft nicht mit den Behörden ko-
operieren. Er wird weiterhin bemüht sein, sich durch Schriftsätze ins Recht zu set-
zen, im Verlauf aber die Erfahrung machen, dass diese Schriftsätze nicht zum ge-
wünschten Erfolg führen bzw. sogar (erneut) behördliche Überlegungen in Gang 
bringen, durch die sich der Beschwerdeführer attackiert und bedroht sieht. Bedenk-
lich hinsichtlich der Aggressionsbereitschaft des Beschwerdeführers in diesem 
Kontext stimmt vor allen Dingen seine bis zuletzt formulierten Überzeugungen, von 
den Behörden zur Tötung freigegeben worden zu sein (pag. 341 f. Akten Regional-
gericht). 

Prof. Dr. H.________ geht somit davon aus, dass sich der Beschwerdeführer wie-
der in einem vermeintlichen Notwehrzustand fühlen wird. In seinem Gutachten vom 
15. November 2019 stuft er die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer im 
Rahmen des fortbestehenden Konflikts mit den Behörden weitere Aggressions-
handlungen begeht, als hoch ein (pag. 342 und pag. 349 Akten Regionalgericht). 
Entsprechend schätzt er die Legalprognose weiterhin kritisch ein (pag. 349 Akten 
Regionalgericht). Seine Beurteilung stützt sich dabei auf eine differenzierte Einzel-
fallanalyse. Er benennt und würdigt die für ihn im Zusammenhang mit der Rückfall-
gefahr relevanten Faktoren umfassend. Wie bereits die Vorinstanz ausgeführt hat, 
entwickelte Prof. Dr. H.________, wie es den aktuellen Standards entspricht, ver-
schiedene Szenarien für das künftige Verhalten des Beschwerdeführers, diskutierte 
deren Eintrittswahrscheinlichkeit und begründete unter Einbezug aller wesentlichen 
Umstände der gesamten bisherigen Lebensgeschichte, welches Szenario aus sei-
ner Sicht am ehesten eintreten werde. Prof. Dr. H.________ hat seinen Erkenntnis- 
und Wertungsprozess umfassend und nachvollziehbar dargestellt. Seine Prognose, 
wonach mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mittel- bzw. langfristig damit zu rech-
nen ist, dass sich der Beschwerdeführer wieder in einer Notwehrsituation sieht, die 
aus seiner persönlichen Perspektive die Anwendung von Gewalt rechtfertigt (pag. 
349 Akten Regionalgericht), ist schlüssig und überzeugt die Kammer. Auch anläss-
lich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte Prof. Dr. H.________ aus, dass 
er insbesondere im Zeitraum von 1-3 Jahren ein hohes Risiko sehe, dass der Be-
schwerdeführer sich wieder in einer Situation wie beim Anlassdelikt befinde. Dabei 
bestehe auch das Risiko für Gewaltdelikte (pag. 582 Z. 42 ff. Akten Regionalge-
richt). Damit ergibt sich entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers auch 
ein hinreichendes Bild betreffend Ausprägung der Rückfallgefahr. Diese muss als 
hoch bezeichnet werden. 

10.6 Wie bereits erwähnt, geht auch Prof. Dr. I.________ nicht von einem generell tiefen 
Rückfallrisiko aus, sondern erachtet dieses bloss unter der Voraussetzung als ge-
ring, dass für den Beschwerdeführer unverständliche behördliche Interventionen 
ausbleiben (pag. 1197 Vollzugsakten). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung sagte er aus, der Beschwerdeführer sei ungefährlich, wenn man ihn nicht 
in die Enge treibe (pag. 575 Z. 35 ff. Akten Regionalgericht, auch zum Folgenden). 
Es brauche sehr viel, damit sich der Beschwerdeführer derart in die Enge getrieben 

18

sehe, dass er gefährlich werde. Bei der Anlasstat habe sich der Beschwerdeführer 
in einer schwerwiegenden emotionalen Ausnahmesituation befunden. Die Situation 
habe sich über mehrere Wochen aufgeschaukelt. Mit dem heutigen Wissen wäre 
die Reaktion des Beschwerdeführers voraussehbar gewesen. Heute könne man 
rechtzeitig deeskalierend eingreifen (pag. 576 Z. 36 ff. Akten Regionalgericht). Sei-
ne Einschätzung der Legalprognose beruht dabei einzig auf seiner langjährigen Er-
fahrung mit schwer kranken Straftätern (vgl. pag. 577 Z. 27 ff. Akten Regionalge-
richt). Dabei ist zu berücksichtigen, dass entgegen den Aussagen von Prof. Dr. 
I.________ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht davon ausge-
gangen werden kann, dass der Beschwerdeführer die Situation im Zeitpunkt der 
Anlasstat richtig eingeschätzt und sich in Lebensgefahr befunden hat (vgl. bereits 
Ausführungen zur Diagnose). Prof. Dr. H.________ teilt zwar die Auffassung, wo-
nach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der Anlasstaten 2010 vorgelegen habe, 
nicht wieder eintreten werde. Entscheidend für ihn ist aber das Wahnsystem, wel-
ches der Beschwerdeführer überall hin mitnehme. So sagte Prof. Dr. H.________ 
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung weiter aus, der Beschwerdefüh-
rer fühle sich durch Situationen unter Druck gesetzt, die für die meisten Menschen 
kein Problem seien (vgl. pag. 585 Z. 22 ff. Akten Regionalgericht). Es sei klar, dass 
man heute mit dem Beschwerdeführer anders umgehen würde, als im Zeitpunkt 
der Anlasstat. Es sei aber schwierig, eine Kooperationsbereitschaft herzustellen. 
Es sei klar, dass es bei einer Entlassung aus der Haft nicht direkt Probleme geben 
würde; sicher jedoch im weiteren Verlauf. Der Beschwerdeführer habe das Haus 
verloren und der Konflikt mit der Schwester bestehe weiterhin. Nur die staatlichen 
Behörden, denen er misstraue, könnten ihm eine Unterkunft zur Verfügung stellen. 
Die Katze beisse sich also in den Schwanz. Es sei zu befürchten, dass der Be-
schwerdeführer im Gefängnis eine Art Nische gefunden habe, in der er seine Ruhe 
habe und schreiben könne. Vielleicht sei das eine Nische, die für den Beschwerde-
führer am tragfähigsten sei (pag. 583 Z. 19 ff. Akten Regionalgericht). 

10.7 Die schriftlichen Ausführungen des Beschwerdeführers bestätigen, dass sich seine 
Überzeugung, zur Tötung freigegeben worden zu sein, durch die Vorkommnisse 
zum Zeitpunkt der Anlasstat und den bisherigen Vollzugsverlauf noch verstärkt ha-
ben. So schreibt er auch in seiner Eingabe vom 7. Juni 2020 an die Beschwerde-
kammer, er rechne jeden Tag mit einem neuen Mordversuch (pag. 289 Akten Be-
schwerdekammer). Nichts weist daraufhin, dass es zu einer Abschwächung seiner 
Grundhaltung gekommen ist – im Gegenteil. Entscheidend für die Reaktion des 
Beschwerdeführers war und ist sein Gefühl bzw. seine wahnhafte Gewissheit, einer 
vitalen Bedrohung ausgesetzt zu sein. Nach der nicht korrigierbaren, subjektiven 
Auffassung des Beschwerdeführers fand bereits ein Tötungsversuch statt und es 
sind weitere zu erwarten. Es trifft zwar zu – wie von Rechtsanwalt B.________ 
ausgeführt –, dass sich der Beschwerdeführer bereits vor der Anlasstat in Lebens-
gefahr wähnte und schwierige Situationen vorlagen (Erbteilungsprozess, Errichtung 
einer Beistandschaft), es aber dennoch nicht zu Gewalthandlungen gekommen ist. 
Aber das Elternhaus des Beschwerdeführers wurde in der Zwischenzeit zwangs-
versteigert und wird von neuen Eigentümern bewohnt. Diesen neuen Eigentümern 
hat der Beschwerdeführer bereits während des Hauptprozesses geschrieben, dass 
er keine Ruhe geben werde, bis dieser illegale Hausverkauf rückgängig gemacht 

19

worden sei und bis er ihnen den Hals umgedreht habe (pag. 687 Akten Regional-
gericht). Auch in seinem Schreiben an die Beschwerdekammer vom 19. Januar 
2021 forderte er die Rückgabe des «gestohlenen» Elternhauses (pag. 571 Akten 
Beschwerdekammer). Damit zeigt sich, wie brandaktuell die bereits vor der Anlass-
tat bestandenen Problemfelder nach wie vor sind. Ganz entscheidend ist dabei, 
dass dem Beschwerdeführer mit der Versteigerung des Elternhauses seine einzige 
Rückzugsmöglichkeit, die er mit Waffengewalt verteidigt hatte, nicht mehr zur Ver-
fügung steht. Der Beschwerdeführer verfügt auch über keine finanziellen Ressour-
cen mehr und ist somit zwangsläufig auf Unterstützung angewiesen. Der von ihm 
vor der Anlasstat gelebte Rückzug, den er auch im Gefängnis weiterlebt, ist damit 
in Freiheit nicht mehr möglich. Insofern hat sich die Situation gegenüber der Aus-
gangslage der Anlasstat sogar noch zugespitzt. Der Beschwerdeführer hat seine 
Sicherheiten verloren. Es muss daher ernsthaft befürchtet werden, dass sich der 
Beschwerdeführer auch in Zukunft in einem solchen Mass bedroht und in die De-
fensive gedrängt fühlt, dass er gewalttätig wird, zumal behördliche Interventionen 
bereits aufgrund des fehlenden sozialen Empfangsraumes vorprogrammiert und 
unvermeidbar sind (vgl. auch pag. 345 f. Akten Regionalgericht). Das in den 
Führungsberichten beschriebene Verhalten des Beschwerdeführers und seine er-
wähnten Kontakte ändern daran nichts. Wie ausgeführt ist nach wie vor von einer 
sozialen Isolierung auszugehen. Hinweise für tragfähige Aussenkontakte fehlen. 
Zudem zeigen die Hungerstreiks eindrücklich, wie die beschriebene Wahndynamik 
bei Belastungen rasch zunehmen und an Handlungsrelevanz gewinnen kann. Der 
Beschwerdeführer verhält sich so lange ruhig und defensiv, als er in Ruhe gelassen 
wird und sich ungestört seiner Schreibtätigkeit widmen kann. Dabei dreht sich alles 
um das beschriebene Wahnsystem. In Freiheit wäre eine solche Isolation nicht 
mehr möglich. Insbesondere wäre der Beschwerdeführer in Kürze subjektiven Be-
lastungen ausgesetzt (vgl. auch nachfolgende Ausführungen E. 10.9). Sowohl das 
Wahnsystem wie auch die möglichen Drucksituationen und deren Einfluss auf die 
Rückfallprognose wurden von Prof. Dr. H.________ schlüssig und nachvollziehbar 
dargelegt und auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigt. 
Seine Einschätzung der Legalprognose ist zwar kriteriengeleitet nach den Vorga-
ben des HCR-20, enthält aber, wie erwähnt, eine individualprognostische Sicht, 
weshalb auch Prof. Dr. H.________ der Einzigartigkeit dieses Falles Rechnung 
trägt. Auch Prof. Dr. I.________ konnte im Übrigen kein konkretes Risikomanage-
ment skizzieren, mit dem künftige Eskalationen verhindert, respektive das Risiko 
für neuerliche Gewaltdelikte gesenkt werden könnten. Zudem bleiben bei Prof. Dr. 
I.________ der nach wie vor bestehende Konflikt betreffend das Elternhaus des 
Beschwerdeführers sowie der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer nach wie 
vor als Mittelpunkt behördlicher Intrigen und am Leben bedroht sieht, unberücksich-
tigt. Diese Punkte erscheinen aber auch nach Ansicht der Kammer zentral für die 
subjektive Wahrnehmung einer Drucksituation durch den Beschwerdeführer und 
dessen Reaktion darauf. Die Kammer sieht damit auch aufgrund der Ausführungen 
von Prof. Dr. I.________ oder den Vorbringen von Rechtsanwalt B.________ an-
lässlich der oberinstanzlichen Parteiverhandlung keinen Grund, von der Beurteilung 
im Gutachten von Prof. Dr. H.________ vom 15. November 2019 abzuweichen.

20

10.8 Dass sich der Beschwerdeführer – wie von Prof. Dr. I.________ ausgeführt (vgl. 
pag. 574 Z. 40 ff. Akten Regionalgericht) – nicht den typisch gefährlichen Tätern 
zuordnen lässt, wird auch von Prof. Dr. H.________ nicht in Frage gestellt. Für 
Prof. Dr. H.________ sind Motive wie Rache oder Selbstjustiz nicht relevant für die 
Legalprognose (vgl. pag. 584 Z. 35 f., pag. 576 Z. 23 f. sowie pag. 342 f. Akten Re-
gionalgericht, auch zum Folgenden), was mit Blick darauf, dass der Beschwerde-
führer auch bei der Anlasstat nicht aus solchen Motiven gehandelt hat, schlüssig 
erscheint. Insofern lässt sich auch aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer 
gegenüber seiner Schwester nie gewalttätig geworden ist, nichts zu seinen Guns-
ten ableiten. Die Ausführungen von Prof. Dr. H.________, wonach sämtliche juristi-
schen Verwicklungen des Beschwerdeführers und das Anlassdelikt Ausdruck sei-
ner Überzeugung sind, überwacht und angegriffen zu werden, überzeugen die 
Kammer. Deshalb ist es auch nachvollziehbar, dass der von Prof. Dr. I.________ 
geschilderte freundliche Kontakt mit dem Beschwerdeführer für die Wahrschein-
lichkeit von Gewalthandlungen weitaus weniger bedeutsam ist als die fortbeste-
hende Überzeugung, durch Aktivitäten der Behörden hinsichtlich der eigenen Si-
cherheit und letztlich sogar das Lebens bedroht zu sein. Die unkorrigierbaren und 
wahnhaften Denkinhalte des Beschwerdeführers bzw. seine fehlende Kooperati-
onsbereitschaft und -fähigkeit zeigen sich auch anhand der von ihm in diesem Ver-
fahren eingereichten Schriftsätze (siehe Eingabe vom 29. April 2020 [Eingang Be-
schwerdekammer: 13. Mai 2020] sowie vom 19. Januar 2021 [Eingang Beschwer-
dekammer: 1. Februar 2021], pag. 133 ff. und pag. 557 ff. Akten Beschwerdekam-
mer). In seiner Eingabe vom 19. Januar 2021 nimmt der Beschwerdeführer Bezug 
auf sein Schreiben vom 28. November 2012, welches er dem damals zuständigen 
Gerichtspräsidenten zukommen liess (pag. 557 ff. und pag. 573 ff. Akten Be-
schwerdekammer). Erneut zeigt sich aus den Inhalten, wie aktuell und verfestigt die 
wahnhaften Denkinhalte nach wie vor sind. Der Beschwerdeführer ist deshalb nicht 
zur Verhandlung im Beschwerdeverfahren erschienen, weil es ihm nach wie vor 
und einzig darum geht, den ursprünglichen Prozess aufzuarbeiten und die Ver-
schwörung und Korruption aufzudecken. Prof Dr. I.________ führt in seiner Stel-
lungnahme ebenfalls aus, dass dem Beschwerdeführer in auffälligem Kontrast zu 
seiner guten Bildung und seinen intellektuellen Fähigkeiten oft die Fähigkeit gefehlt 
habe, alternative Sichtweisen anzunehmen, den kognitiven Set (d.h. die Kombina-
tion von Grundannahmen) in Frage zu stellen oder dialektisch zu diskutieren. Dies 
habe im Gespräch häufig zu Patt-Situationen geführt, in denen keine weitere Ver-
ständigung mehr möglich gewesen sei (pag. 1193 f. Vollzugsakten). Bei den Inhal-
ten des Denkens hätten die bekannten Themen, um die sich seit vielen Jahren 
praktisch die gesamte Existenz des Beschwerdeführers drehe, im Mittelpunkt ge-
standen. Es bestehen daher auch keine Hinweise, dass sich die Ausgangslage seit 
den letzten Explorationsgesprächen mit Prof. Dr. G.________ geändert hat. Jeden-
falls vermögen die fehlenden Explorationsgespräche die Aussagekraft des Akten-
gutachtens von Prof. Dr. H.________ vom 15. November 2019 auch hinsichtlich 
der Rückfallgefahr nicht in Frage zu stellen (vgl. auch Einvernahme von Prof. Dr. 
H.________ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, pag. 579 Z. 18 ff. 
Akten Regionalgericht). 

21

Es trifft zu, dass Prof. Dr. G.________ in ihrem Gutachten vom 5. Juli 2011 mit 
mindestens mittlerer Wahrscheinlichkeit mit Straftaten gegen Leib und Leben rech-
nete, dies für den Fall, dass der Beschwerdeführer sich wieder in die Ecke ge-
drängt fühle (pag. 366 Vollzugsakten). Diese Einschätzung bedeutet aber nicht 
gleichzeitig, dass keine hohe Rückfallgefahr vorliegt. Auch eine mindestens [Her-
vorhebung durch die Kammer] mittlere Wahrscheinlichkeit für Straftaten gegen Leib 
und Leben vermag eine hohe Rückfallgefahr zu begründen, was durch Prof. Dr. 
G.________ in ihrer Risikoeinschätzung bestätigt wird. So führt sie aus, das Rück-
fallrisiko sei gesamthaft und in Würdigung und Gewichtung der Einzelaspekte – 
unbehandelt – als deutlich erhöht zu erachten (pag. 364 Vollzugsakten).

10.9 Entgegen der Vorbringen des Beschwerdeführers erscheinen der Kammer die Aus-
führungen von Prof. Dr. H.________ in seinem ersten Gutachten nicht differenzier-
ter als in seinem zweiten Gutachten. Die Kammer sieht auch keine Widersprüche 
oder Unklarheiten betreffend seine Einschätzung der Rückfallgefahr. Prof. Dr. 
H.________ kam auch in seinem Gutachten vom 3. März 2016 nach Anwendung 
des Prognoseinstruments HCR-20 zum Schluss, dass ein hohes Risiko für erneute 
Gewalttätigkeiten vorliege, wenn der Beschwerdeführer unter Druck gerate bzw. 
sich in einer Verteidigungsposition sehe (pag. 788 Vollzugsakten). Dies deckt sich 
mit seinem aktuellen Gutachten vom 15. November 2019. Der Umstand, dass es 
im Vollzug nicht zu aggressiven Handlungen gekommen ist, stellt die Rückfallpro-
gnose von Prof. Dr. H.________ ebenfalls nicht in Frage. Er führte in seinem Gut-
achten vom 3. März 2016 lediglich aus, dass der Stress der Überstellung in eine fo-
rensisch-psychiatrische Massnahmeneinrichtung die Widerstandskräfte des Be-
schwerdeführers mobilisieren und gegebenenfalls auch zu aggressiv getönten 
Handlungen beitragen werde. Aus dem Umstand, dass es nicht zu solchen Hand-
lungen gekommen ist, kann nicht der Schluss gezogen werden, der Beschwerde-
führer reagiere auch ausserhalb einer Strafanstalt ohne Gewalt auf Drucksituatio-
nen. Die Ausgangslage und die Szenarien im Falle einer Entlassung des Be-
schwerdeführers sind nicht mit denjenigen im Vollzug vergleichbar, zumal gemäss 
Prof. Dr. H.________ sogar zu befürchten ist, dass der Beschwerdeführer im Ge-
fängnis eine tragfähige Nische gefunden hat, in der er seine Ruhe hat und schrei-
ben kann (pag. 583 Z. 19 ff. Akten Regionalgericht). Abgesehen davon rechnete 
auch Prof. Dr. H.________ nicht zwingend mit aggressiven Handlungen des Be-
schwerdeführers im Vollzug. Entsprechend ergeben sich aus dem Gutachten vom 
15. November 2019 oder den Aussagen von Prof. Dr. H.________ vor erster In-
stanz keinerlei Hinweise, dass die fehlenden aggressiven Handlungen im Gefolge 
der Verlegung und der Zwangsmedikation Einfluss auf seine Beurteilung der Rück-
fallgefahr gehabt hätten. Prof. Dr. H.________ behielt im Übrigen insofern Recht, 
als die Verlegung tatsächlich die Widerstandskräfte des Beschwerdeführers mobili-
siert hat. Der Beschwerdeführer trat in einen rigorosen Hungerstreik und war eher 
bereit, gesundheitliche Folgeschäden in Kauf zu nehmen als Zugeständnisse zu 
machen. Gerade diese Ereignisse bestätigen, dass die im Jahr 2016 beschriebene 
Wahndynamik bei Belastungen rasch zunehmen und an Handlungsrelevanz ge-
winnen kann (pag. 336 Akten Regionalgericht). Dabei ist zu berücksichtigen, dass 
dem Beschwerdeführer in Freiheit andere Verteidigungsstrategien als im Vollzug 
zur Verfügung stehen. Diese Strategien können dabei wiederum das Beschaffen 

22

von Waffen umfassen, zumal zumindest eine Waffe immer noch nicht sichergestellt 
werden konnte und diese für den Beschwerdeführer nach wie vor verfügbar ist (vgl. 
pag. 339 Akten Regionalgericht). 

10.10 Zwar äusserte sich Prof. Dr. H.________ in den Gutachten nicht explizit zur Art der 
zu erwartenden Gewalthandlungen, was vom Beschwerdeführer bzw. der Verteidi-
gung kritisiert wird. Angaben dazu ergeben sich aber aus den Aussagen von Prof. 
Dr. H.________ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Er gab an, es 
sei mit Gewalthandlungen zu rechnen, wobei es dem Zufall geschuldet sei, wie 
diese dann ausgingen, also ob jemand zu Tode komme oder nicht. Wie und mit 
welchen Folgen der Beschwerdeführer Gewalt anwenden werde, sei schwierig vor-
auszusagen. Er habe gezeigt, dass er in einer Notlage bereit sei, Gewalt anzuwen-
den und die Angreifer am Leben zu gefährden (pag. 583 Z. 9 ff. Akten Regionalge-
richt). Diese Ausführungen bestätigen, dass mit schweren Straftaten (schwere Kör-
perverletzung bis hin zur Tötung) zu rechnen ist. In diesem Zusammenhang ist 
auch nochmals zu erwähnen, dass der Verbleib seiner anlässlich der Flucht mitge-
führten Waffe bis heute unklar geblieben ist (pag. 338 f. Akten Regionalgericht). 

Entgegen der Vorbringen der Verteidigung hat sich Prof. Dr. H.________ auch zur 
Abschwächung der Risiken durch Alters- oder gesundheitliche Einflüsse geäussert. 
Es ist zu berücksichtigen, dass die erste massive Gewalthandlung des Beschwer-
deführers bereits in einem Altersbereich angesiedelt ist, in dem entsprechende 
Handlungen unwahrscheinlich sind. Zudem ist beim Beschwerdeführer nicht die al-
tersabhängige Impulsivität bzw. das Aktivitätsniveau deliktrelevant, sondern die 
Dynamik seiner (wahnhaften bzw. übernachhaltigen) Denkinhalte. Dass diese in 
Belastungssituationen nach wie vor hoch ist, belegen seine umfangreichen 
Schriftsätze und die Bereitschaft zum Hungerstreik. Die Inhalte seiner Schreiben 
machen zudem deutlich, dass er sich weiterhin durch politische Instanzen und 
Behörden bedroht sieht. Eine wie auch immer geartete Abschwächung der Denkin-
halte bzw. eine auf Alterseffekte zurückführbare Befundberuhigung lässt sich im 
Fall des Beschwerdeführers nicht erkennen (pag. 343 f. Akten Regionalgericht). 
Zudem bestehen bereits mit Blick auf die umfangreichen, in sauberer und genauer 
Handschrift verfassten Schriftstücke keine Hinweise auf körperliche Gebrechen, die 
es dem Beschwerdeführer verunmöglichen würden, eine Waffe abzufeuern, auch 
wenn er, wie Prof. Dr. I.________ anlässlich der erstinstanzlichen Einvernahme 
ausgeführt hat, weniger in der Lage sein wird, geordnete oder geplante aggressive 
Handlungen durchzuführen (pag. 577 Z. 35 ff. Akten Regionalgericht). Der somati-
sche Zustand des Beschwerdeführers hat vor diesem Hintergrund keinen Einfluss 
auf die Rückfallprognose. 

Die Kammer hat folglich keine Veranlassung, die Beurteilung von Prof. Dr. 
H.________ in seinem Gutachten vom 15. November 2019 in Frage zu stellen oder 
gar ein Obergutachten in Auftrag zu geben. Es ist von einer hohen Rückfallgefahr 
für weitere schwere Straftaten gegen Leib und Leben auszugehen. 

11. Therapierbarkeit

11.1 Weitere Voraussetzung für die Anordnung der Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 
Bst. b StGB ist eine Behandlungsunfähigkeit bzw. Unbehandelbarkeit des psy-

23

chisch gestörten Täters. Die Verwahrung kann mithin, auch wenn die übrigen Vor-
aussetzungen im Sinne dieser Bestimmung erfüllt sind, nur angeordnet werden, 
wenn eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB keinen Erfolg verspricht, d.h. 
wenn zum Urteilszeitpunkt eine langfristige Nichttherapierbarkeit ausgewiesen ist 
(BGE 140 IV 1 E. 3.2.4; 137 IV 59 E. 6.3; 134 IV 121 E. 3.4.2 und 315 E. 3.4 und 
3.5; Urteile 6B_257/2018 vom 12. Dezember 2018 E. 7.4; 6B_1397/2017 vom 26. 
April 2018 E. 1.1.1). Eine stationäre Behandlung verlangt vom Betroffenen ein Min-
destmass an Kooperationsbereitschaft. An die Therapiewilligkeit zum Zeitpunkt des 
richterlichen Entscheids dürfen bei der stationären Behandlung von psychischen 
Störungen nach Art. 59 StGB jedoch keine allzu hohen Anforderungen gestellt 
werden. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass es durchaus aufgrund 
der psychischen Erkrankung des Betroffenen an der Fähigkeit fehlen kann, die 
Notwendigkeit und das Wesen einer Behandlung abzuschätzen. Ein erstes Thera-
pieziel besteht daher oft darin, Einsicht und Therapiewilligkeit zu schaffen, was ge-
rade im Rahmen stationärer Behandlungen auch Aussichten auf Erfolg hat. Ent-
scheidend ist, ob beim Betroffenen eine minimale Motivierbarkeit für eine therapeu-
tische Behandlung erkennbar ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1223/2019 vom 27. 
März 2020 E. 7.2.2 mit zahlreichen Hinweisen). 

11.2 Seit dem Sachurteil, mit welchem die stationäre Massnahme angeordnet worden 
war, sind mittlerweile mehr als 7 Jahre vergangen und es ist bisher nicht gelungen, 
eine Therapie zu initiieren. Zwar gestaltete sich zu Beginn die Suche nach einem 
geeigneten, verfügbaren Therapieplatz schwierig, der Grund für die bisher erfolglo-
sen Therapieversuche liegt aber nicht darin. Der Beschwerdeführer reagierte auf 
jegliche Therapiebemühungen mit einer totalen Verweigerung. Es kann auf die zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 680 f. Akten Re-
gionalgericht). Die völlig fehlende Einsicht in die eigene Krankheit und die daraus 
folgende fehlende Behandlungsbereitschaft des Beschwerdeführers stellen ein we-
sentliches Symptom der wahnhaften Störung dar und wirken sich besonders un-
günstig im Hinblick auf eine Therapie aus. Auf entsprechende Verlegungen bzw. 
Verlegungsversuche reagierte der Beschwerdeführer mit Hungerstreiks, die mit 
äusserster Konsequenz durchgezogen worden sind. Auch eine Zwangsmedikation 
wurde mit dem Ziel in Betracht gezogen, einen Zugang in eine anschliessende wei-
tergehende psychiatrische Behandlung zu finden. Prof. Dr. H.________ prüfte in 
seinem Gutachten vom 3. März 2016 diese Möglichkeit und kam zum Schluss, 
dass eine medikamentöse Behandlung gegen den Willen des Beschwerdeführers 
mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Auswirkungen auf das Wahnsystem haben und 
auch keinen Einstieg in eine langfristig erfolgsversprechende psychotherapeutische 
bzw. optimalerweise kombinierte psychotherapeutisch/psychopharmakologische 
Therapie ermöglichen werde (pag. 800 Vollzugsakten). An dieser Auffassung von 
Prof. Dr. H.________ hat sich auch unter Berücksichtigung neuerer Literatur nichts 
geändert, wie sein Gutachten vom 15. November 2019 bestätigt (pag. 346 Akten 
Regionalgericht). Auch Prof. Dr. I.________ kam in seiner Stellungnahme zum 
Schluss, dass eine Zwangsmedikation nicht verhältnismässig sei (pag. 1196 Voll-
zugsakten; vgl. auch pag. 574 Z. 12 Akten Regionalgericht). Weiter hatte auch 
Prof. Dr. G.________ bereits ausgeführt, dass von einer Zwangsbehandlung abzu-
sehen wäre (pag. 423 Vollzugsakten). Die Kammer hat keinen Grund, an diesen 

24

Einschätzungen zu zweifeln. Eine Zwangsmedikation scheint weder geeignet noch 
mit Blick auf die Abwehrhaltung des Beschwerdeführers verhältnismässig im enge-
ren Sinne zu sein. Sowohl Prof. Dr. H.________ als auch Prof. Dr. I.________ 
kommen zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer einer Psychotherapie im Rah-
men einer Massnahme nach Art. 59 StGB nicht zugänglich sei. Der bisherige Voll-
zugsverlauf bzw. die bisherigen Therapieversuche bestätigen das. Die Behand-
lungsversuche bzw. die Versuche, überhaupt eine Therapiebereitschaft zu errei-
chen, müssen als gescheitert angesehen werden. Dass sich daran etwas ändert, 
ist nicht zu erwarten. Die zur Behandlung seiner psychischen Störung vorhandenen 
Therapiemöglichkeiten sind beim Beschwerdeführer ausgeschöpft. Wie bereits im 
Zusammenhang mit der Rückfallgefahr ausgeführt, ist auch die narrative Aufarbei-
tung weder geeignet noch durchführbar. Es liegt damit eine Untherapierbarkeit vor. 

12. Verhältnismässigkeit

12.1 Einschränkungen von Grundrechten müssen verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 3 
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]). Der 
Grundsatz der Verhältnismässigkeit gilt im gesamten Massnahmenrecht; sowohl 
bei der Anordnung von Massnahmen als auch bei den Folgeentscheidungen. Er 
wird im Strafgesetzbuch konkretisiert. Die Anordnung einer Massnahme setzt nach 
Art. 56 Abs. 2 StGB voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlich-
keitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer 
Straftaten nicht unverhältnismässig ist. Der Verhältnismässigkeitsgrundsatz ver-
langt, dass die Sicherheitsbelange der Allgemeinheit und der Freiheitsanspruch 
des Betroffenen als wechselseitiges Korrektiv gesehen und im Einzelfall gegenein-
ander abgewogen werden (BGE 142 IV 105 E. 5.4 S. 112 mit Hinweisen). Im Rah-
men der Verhältnismässigkeit ist auch der Dauer des bereits erfolgten Freiheitsent-
zugs Rechnung zu tragen (BGE 137 IV 201 E. 1.2 S. 203). Bei langandauernder 
Unterbringung gewinnt der Freiheitsanspruch des Eingewiesenen zunehmend an 
Gewicht (Urteile 6B_643/2018 vom 5. September 2018 E. 1.2.2; 6B_930/2018 vom 
21. Januar 2019 E. 1.2.3; je mit Hinweisen; 6B_109/2013 vom 19. Juli 2013 E. 
4.4.2). Erreicht die Gefährlichkeit allerdings einen Grad, der im Falle einer Unbe-
handelbarkeit eine Verwahrung rechtfertigen könnte, ist das Kriterium der Dauer 
des Freiheitsentzugs von beschränkter Tragweite (Urteile 6B_1143/2018 vom 22. 
März 2019 E. 2.5.1 und 6B_930/2018 vom 21. Januar 2019 E. 1.2.3 mit Verweis 
auf BGE 137 IV 201 E. 1.2 S. 203). Gleichwohl hebt das Bundesgericht gegebe-
nenfalls auch eine Verwahrung auf, wenn sie sich nicht als verhältnismässig er-
weist (Urteil des Bundesgerichts 6B_889/2019 vom 6. November 2019 E. 1.6.1 mit 
weiteren Hinweisen). 

12.2 Der massive Eingriff in die Grundrechte des Beschwerdeführers ist mit dessen An-
lasstaten und der Schwere der in Freiheit zu erwartenden Taten abzuwägen. Es 
kommt dabei namentlich auf den Grad der Wahrscheinlichkeit erneuter Tatbege-
hung und das Gewicht der gefährdeten Rechtsgüter an (Urteil des Bundesgerichts 
6B_150/2019 vom 19. Juni 2019 E. 2.4.5 mit Verweis auf Urteil 6B_109/2013 vom 
19. Juli 2013 E. 4.4.8). Vom Beschwerdeführer sind mit hoher Wahrscheinlichkeit 
erneut Gewalttaten zu erwarten (pag. 349 Akten Regionalgericht). Betroffen sind 
die hochrangigen Rechtsgüter Leib und Leben. Die bisher verübten und künftig zu 

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25

erwartenden Straftaten sind schwer und im oberen bis obersten Bereich des für 
eine Verwahrung erforderlichen Tatschweregrades nach Art. 64 Abs. 1 StGB 
anzusiedeln. Ein tragfähiger sozialer Empfangsraum kann aufgrund der fehlenden 
Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers und seiner verzerrten 
Wahrnehmung betreffend ihn unterstützende Privat- oder Behördenpersonen nicht 
skizziert werden. Da auch die bei der Anlasstat vorgelegenen Probleme 
fortbestehen, muss davon ausgegangen werden, dass die Ausgangsbedingungen 
des Jahres 2010 innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren wieder eintreten. 
Therapeutische Interventionen sind nicht erfolgversprechend (pag. 349 Akten 
Regionalgericht). Mit Blick auf die geschilderte Rückfallgefahr, die Schwere der zu 
erwartenden Delikte und die fehlende Therapie besteht kein Raum für eine 
bedingte Entlassung. Der Umstand, dass es sich bei der Verwahrung um die ultima 
ratio und einen massiven Eingriff in die Grundrechte des Beschwerdeführers han-
delt, kann nicht dazu führen, dass unter diesen Umständen eine bedingte Entlas-
sung im Sinne eines «Experimentes» angeordnet wird. Wie sich gezeigt hat, kann 
eine Senkung des Rückfallrisikos auch im Rahmen einer stationären Massnahme 
nicht mehr erwartet werden. Das Alter des Beschwerdeführers ändert an der 
Erforderlichkeit der Verwahrung nichts, da die deliktrelevanten Denkinhalte 
fortbestehen und der Beschwerdeführer auch körperlich in der Lage ist, eine Waffe 
abzufeuern. Die Anordnung der Verwahrung ist bei dieser Ausgangslage 
verhältnismässig. 

Das Kriterium der Dauer des Freiheitsentzugs ist vorliegend zwar von beschränkter 
Tragweite. Trotzdem kann darauf hingewiesen werden, dass der Beschwerdeführer 
in Anbetracht der ihm zur Last gelegten Straftaten eine mehrjährige Freiheitsstrafe 
erhalten hätte und nicht davon auszugehen ist, dass er diese im Fall seiner Schuld-
fähigkeit bereits verbüsst hätte. 

Die Beschwerde ist abzuweisen.

III. Kosten und Entschädigung

13. Im Rechtsmittelverfahren bestimmt sich die Kostenfolge grundsätzlich nach der 
Frage des Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschwerde-
kammer prüft daher, anders als die Vorinstanz, nicht mehr, ob das nachträgliche 
Verfahren (Antrag auf Verwahrung) durch den Beschwerdeführer adäquat kausal 
verursacht worden ist. Eine andere Ausgangslage gilt, wenn der Beschwerdeführer 
im ursprünglichen Verfahren als schuldunfähig im Sinne von Art. 419 StPO gegol-
ten hat. Gemäss Art. 416 StPO gilt der Grundsatz der uneingeschränkten Anwend-
barkeit der im 10. Titel der StPO enthaltenen Vorschriften über die Verfahrenskos-
ten, Entschädigungen und Genugtuungen (Art. 416-436 StPO) für alle Verfahren 
der Strafprozessordnung. Davon erfasst sind auch alle besonderen Verfahren, ein-
schliesslich dem Verfahren bei selbständigen nachträglichen Entscheiden des Ge-
richts gemäss Art. 363 ff. StPO (Urteil des Bundesgerichts 6B_428/2012 vom 
19. November 2012, E. 3.1 und 6B_738/2015 vom 11. November 2015, E. 1.4.1 
sowie DOMEISEN, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 
2. Aufl., 2014, N. 3 zu Art. 416 StPO; Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 

26

13 332 vom 26. März 2014 E. II, 1.3 auch zum Folgenden). Art. 419 StPO sieht ei-
ne Spezialregelung bezüglich der Kostenpflicht von Schuldunfähigen vor, wonach 
der beschuldigten Person im Falle einer Einstellung oder eines Freispruchs wegen 
Schuldunfähigkeit die Kosten nur dann auferlegt werden können, wenn dies nach 
den gesamten Umständen als billig erscheint. Art. 419 StPO kommt indes nach 
überwiegender Lehrmeinung auch dann zum Tragen, wenn einer schuldunfähigen 
Person eine Massnahme auferlegt wird, ohne dass diese vorab freigesprochen wird 
(DOMEISEN, a.a.O., N. 8 zu Art. 419 StPO und N 46 zu Art. 426 StPO, ebenso 
SCHMID, Praxiskommentar, N 6 zu Art. 375 StPO und BOMMER, in: Basler Kommen-
tar, Schweizerische Strafprozessordnung, a.a.O., N. 22 ff. zu Art. 375 StPO). Dabei 
ist insbesondere die Überlegung ausschlaggebend, wonach die Kostentragungs-
pflicht der verurteilten Person auf der Annahme gründet, dass jene, weil verurteilt, 
verschuldet Anlass zur Verfahrenseinleitung und -durchführung gegeben hat und 
deshalb die daraus erwachsenen Kosten tragen soll. Diese Vorwerfbarkeit fehlt in-
des bei jedem Verfahren gegen Schuldunfähige. In den Verfahren gemäss Art. 363 
ff. StPO geht es um die nachträgliche Abänderung oder Ergänzung der Sanktions-
folgen von rechtskräftigen Strafurteilen. Es soll damit einer späteren Entwicklung 
Rechnung getragen werden. Das ursprüngliche Verfahren wird fortgesetzt (vgl. 
BGE 141 IV 396 E. 3.1). Vor diesem Hintergrund muss die im ursprünglichen Ver-
fahren nach Art. 419 StPO festgestellte Schuldfähigkeit auch im Rahmen des 
nachträglichen Verfahrens berücksichtigt werden. Ist nach wie vor von einer Schul-
dunfähigkeit auszugehen, können dem Beschwerdeführer auch für die Anordnung 
der Verwahrung – abgesehen von Billigkeitsgründen – keine Kosten auferlegt wer-
den. Mit Blick auf das aktuelle Gutachten von Prof. Dr. H.________ bestehen keine 
Hinweise, dass sich an der aufgrund der ausgeprägten Wahndynamik fehlenden 
Einsichtsfähigkeit des Beschwerdeführers etwas geändert hat. Diese hat es dem 
Beschwerdeführer auch verunmöglicht, sich auf eine stationäre Massnahme einzu-
lassen. Art. 419 StPO bleibt damit auch in diesem Verfahren anwendbar. Folglich 
trägt der Kanton die Kosten des Beschwerdeverfahrens. An der Verlegung der erst-
instanzlichen Kosten ändern diese Ausführungen aber nichts. Die erstinstanzliche 
Kostenverlegung wurde nicht spezifisch gerügt (vgl. Art. 385 Abs. 1 StPO) und ist 
daher nicht mehr zu überprüfen. 

14. Dem amtlichen Vertreter des Beschwerdeführers ist für das vorliegende Beschwer-
deverfahren eine amtliche Entschädigung auszurichten. Einzig der Aufwand für die 
Teilnahme an der oberinstanzlichen Verhandlung (inkl. mündliche Eröffnung) ist zu 
hoch ausgefallen. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, dass die Verhandlung 
infolge Abwesenheit des Beschwerdeführers deutlich kürzer als geplant ausgefal-
len ist. Mit Blick auf die Verhandlungsdauer vom 10. Februar 2021 und die Dauer 
der mündlichen Eröffnung vom 11. Februar 2021 ist die Kostennote von Rechtsan-
walt B.________ um insgesamt 4 Stunden zu kürzen. Der übrige Aufwand von ins-
gesamt 32.10 Stunden ist nicht zu beanstanden. Gleiches gilt für die geltend ge-
machten Auslagen im Umfang von CHF 70.70. Folglich ist Rechtsanwalt 
B.________ eine amtliche Entschädigung von CHF 6'990.50 (inkl. MWST von 7.7 
Prozent) auszurichten. Eine Rück- und Nachzahlungspflicht des Beschwerdefüh-
rers entfällt. 

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28

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 3‘000.00, trägt der Kanton 
Bern.

3. Die Entschädigung des amtlichen Vertreters des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt 
B.________, wird für das vorliegende Beschwerdeverfahren wie folgt bestimmt:

Leistungen 
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 32.10 200.00 CHF 6’420.00
CHF 70.70

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 6’490.70 CHF 499.80
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 6’990.50

Auslagen MWST-pflichtig

4. Zu eröffnen:
- Rechtsanwalt B.________ (per Einschreiben)
- dem Beschwerdeführer (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft, v.d. Staatsanwalt C.________

(per Einschreiben)
- den Bewährungs- und Vollzugsdiensten, v.d. Fürsprecher D.________

(per Einschreiben)

Mitzuteilen:
- dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland, Gerichtspräsident K.________

(mit den Akten – per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Bern, 17. März 2021 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Kurt

Die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren wird durch die Beschwerdekammer in Strafsachen entrichtet. 
Es wird um Zustellung eines Einzahlungsscheins ersucht. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt.

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Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.

Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen seit Zustellung bei der 
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts, Viale Stefano Franscini 7, 6500 Bellinzona schriftlich und be-
gründet Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 Bst. b, Art. 396 Abs. 1 StPO).