# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8c70cc6-1606-5530-900e-50a59ba3cbfb
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 28.06.2018 SB180139
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180139_2018-06-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB180139-O/U/mc-cw 
 

 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterinnen lic. iur. Was-

ser-Keller und lic. iur. Bertschi sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

Guennéguès 

 

Beschluss vom 28. Juni 2018 
 

in Sachen 

 

A._____,  
Geschädigte und Erstberufungsklägerin 

 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

gegen 

 

B._____,  
Beschuldigter und Zweitberufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

betreffend versuchte Nötigung etc.   

 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 25. Oktober 2017 (GG170164) 
 

- 2 - 

 

Erwägungen: 

1. Prozessverlauf 

Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung - Einzelgericht, vom 25. Okto-

ber 2017 wurde der Beschuldigte der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 

StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 2 StGB 

schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 

Fr. 30.-- sowie einer Busse von Fr. 300.-- bestraft. Gegen das Urteil haben sowohl 

die Geschädigte als auch der Beschuldigte fristgerecht Berufung angemeldet 

(Urk. 39 und Urk. 40) und ihre Berufungserklärungen eingereicht (Urk. 52 und 

Urk. 54). 

Hinsichtlich der Geschädigten stellt sich die Frage ihrer Berufungslegitimation, da 

sie mit Verfügung der Vorinstanz vom 25. Oktober 2015 nicht als Privatklägerin 

zugelassen wurde (Prot. I S. 10 f.; Urk. 41). Gegen diese Verfügung hat die Ge-

schädigte beim Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, Beschwerde 

eingereicht. Mit Beschluss der III. Strafkammer vom 22. Dezember 2017 wurde 

das Beschwerdeverfahren bis zum Vorliegen eines Entscheids des Berufungsge-

richts betreffend Berufungslegitimation der Beschwerdeführerin und deren Zulas-

sung als Privatklägerin sistiert (Urk. 50). 

Mit Präsidialverfügung vom 18. April 2018 wurde dem Beschuldigten und der 

Staatsanwaltschaft Frist zur freigestellten Stellungnahme zur Eintretensfrage be-

treffend Zulassung der Geschädigten als Privatklägerin angesetzt (Urk. 55). Die 

Staatsanwaltschaft hat auf Vernehmlassung verzichtet (Urk. 57), der Beschuldigte 

liess die Frist unbenutzt verstreichen.  

Gestützt auf Art. 403 StPO ist über das Eintreten auf die Berufung der Geschädig-

ten im schriftlichen Verfahren zu entscheiden. 

2. Konstituierung als Privatklägerschaft 

2.1. Allgemeines 

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Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich 

am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligen, wobei der Strafantrag 

dieser Erklärung gleichgestellt ist (Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO).  

In ihrer Erklärung kann die geschädigte Person die Verfolgung und Bestrafung 

des Täters verlangen und/oder adhäsionsweise privatrechtliche Ansprüche gel-

tend machen, die aus der Straftat abgeleitet werden (Art. 119 StPO). 

Die geschädigte Person kann jederzeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll er-

klären, sie verzichte auf die ihr zustehenden Rechte. Der Verzicht ist endgültig 

(Art. 120 Abs. 1 StPO). Die Verzichtserklärung muss eindeutig und vorbehaltlos 

erfolgen (Schmid /Jositsch, StPO Praxiskommentar, 3. A., Art. 120 N 3). Bei Ver-

wendung von Formularen müssen diese verständlich ausgestaltet sein, die 

Rechtslage korrekt wiedergeben, und es müssen sich aus der Unterzeichnung 

des Formulars eindeutige Rückschlüsse auf den Willen der Betroffenen ergeben 

(Urteile des Bundesgerichts vom 19. Mai 2014 6B_978/2013 E 2.4. und vom 

9. Februar 2016 1B_188/2015 E 4.3.). 

2.2. Sachverhalt 

Die Geschädigte hat mit Bezug auf die Vorfälle vom 17. Juli 2016 am 24. August 

2016 Strafantrag gegen den Beschuldigten betreffend Tätlichkeiten (Drohung) ge-

stellt (Urk. 2). Das Strafantragsformular wurde nicht von der Geschädigten selbst 

unterzeichnet, sondern durch den Polizeibeamten Det Wm mbA C._____, welcher 

die Stellung des Strafantrages durch die Geschädigte protokolliert hat. Gleichen-

tags hat die Geschädigte das Formular betreffend die Geltendmachung von Rech-

ten als Privatklägerschaft unterzeichnet (Urk. 7/2). In diesem Formular wurde an-

gekreuzt, dass sie sich nicht am Verfahren beteiligen und als Privatklägerschaft 

Parteirechte ausüben wolle. Auch alle weiteren Fragen betreffend Strafklage, 

Teilnahme an Einvernahmen sowie Zivilklage wurden mit "Nein" beantwortet, ob-

wohl entsprechend den Anweisungen auf dem Formular nach der Verneinung der 

ersten Frage direkt hätte zur Unterschrift geschritten werden können.  

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Aus dem Polizeirapport geht hervor, dass die Geschädigte durch Det Wm mbA 

C._____ über die Strafantragsformalitäten sowie die Opferhilfe orientiert wurde 

(Urk. 1 S. 3). Kein Vermerk findet sich, dass der Geschädigten Erläuterungen be-

treffend Konstituierung als Privatklägerschaft abgegeben wurden. 

Den Akten ist zu entnehmen, dass die Staatsanwaltschaft nicht von einem Ver-

zicht auf Konstituierung als Privatklägerschaft ausging. Dies ergibt sich daraus, 

dass dem mit Eingabe vom 10. Mai 2017 von der Geschädigten gestellten Ge-

such um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft (Urk. 18/4) mit 

Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft vom 23. Mai 2017 stattgegeben wurde 

(Urk. 18/7). Entsprechend erfolgte die Einvernahme der Geschädigten durch die 

Staatsanwaltschaft vom 5. Juli 2017 nicht als Zeugin sondern als Auskunftsper-

son im Sinne von Art. 178 lit. a StPO (Urk. 16/3), und wurde die Geschädigte im 

Verzeichnis zur Anklage von der Staatsanwaltschaft als Geschädigte mit Konstitu-

ierung als Privatklägerschaft aufgeführt (Urk. 22).  

2.3. Würdigung 

Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass mit Stellung eines Strafantrags der Wille 

zur strafrechtlichen Verfolgung und Verurteilung der beschuldigten Person zum 

Ausdruck gebracht wird, damit aber nicht zwingend auch der Wille oder die Be-

reitschaft verbunden ist, sich am entsprechenden Verfahren als Partei zu beteili-

gen, und dass ein Strafantragsteller auf seine Parteistellung als Privatkläger ver-

zichten kann, ohne dass damit der Strafantrag dahinfällt (Urk. 41 S. 6/7). Die Er-

klärungen betreffend Strafantragstellung und Konstituierung als Privatklägerschaft 

sind juristisch unabhängig voneinander.  

Zu prüfen bleibt, ob das von der Geschädigten unterzeichnete Formular betref-

fend Geltendmachung von Rechten als Privatklägerschaft im Sinne der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung verständlich ausgestaltet ist, die Rechtslage korrekt 

wiedergibt, und sich aus der Unterzeichnung des Formulars eindeutige Rück-

schlüsse auf den Willen der Betroffenen ergeben (Urteile des Bundesgerichts vom 

19. Mai 2014, 6B_978/2013, E 2.4. und vom 9. Februar 2016, 1B_188/2015, 

E 4.3.). Dass das verwendete Formular die Rechtslage korrekt wiedergibt, steht 

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ausser Frage. Entgegen der von der Geschädigten vertretenen Auffassung ist es 

grundsätzlich auch verständlich ausgestaltet. Im Anschluss auf die erste Frage, 

ob sich die betreffende Person am Verfahren beteiligen will und als Privatkläger-

schaft Parteirechte ausüben will, steht unmissverständlich, dass ein "Nein" ein 

endgültiger Verzicht bedeutet und in diesem Fall direkt zur Unterschrift geschritten 

werden kann. Trotz dieses Hinweises hat die Geschädigte auch die nachfolgen-

den Fragen alle beantwortet. Ihre Antworten lauten als Konsequenz der Vernei-

nung der ersten Frage folgerichtig in allen weiteren Punkten "Nein". Es besteht 

aufgrund der Antworten kein Anhaltspunkt für irgendwelche Missverständnisse 

seitens der Geschädigten. Es bestehen keine Zweifel, dass die Geschädigte auf 

eine Konstituierung als Privatklägerschaft verzichten wollte. Fraglich erscheint 

dagegen, ob sie einen definitiven Verzicht erklären wollte. Sie lässt diesbezüglich 

geltend machen, der Hinweis im Formular unmittelbar vor der Unterschriftenzeile, 

wonach der betreffenden Person das Recht zustehe, ihre Begehren bis zur 

Hauptverhandlung abzuändern, auch dann Zivilklage erhoben werden könne, 

wenn auf Strafklage verzichtet wurde und umgekehrt, stehe in einem Widerspruch 

zum Hinweis in der ersten Rubrik, wonach ein "Nein" einen endgültigen Verzicht 

darstelle. Dieser Einwand der Geschädigten erscheint aus der Sicht eines juristi-

schen Laien durchaus nachvollziehbar. Unter diesem Aspekt lässt sich aus der 

Unterzeichnung des Formulars nicht eindeutig schliessen, dass die Geschädigte 

einen definitiven Verzicht auf eine Konstituierung als Privatklägerschaft erklären 

wollte. Dass dies nicht ihrem Willen entsprach, ergibt sich denn auch aus dem 

Umstand, dass sie rund 9 Monate später ein Gesuch um Bestellung einer unent-

geltlichen Rechtsbeistandschaft stellte, welchem auch stattgegeben wurde. Zu-

dem wurde der Geschädigten von der Staatsanwaltschaft während des ganzen 

Vorverfahrens und auch bei der Anklageerhebung die Stellung als Privatklägerin 

eingeräumt. Dadurch wurde die Geschädigte in ihrer Annahme bestätigt, dass der 

im Formular erklärte Verzicht auf Konstituierung als Privatklägerschaft nicht end-

gültig war und hat die Staatsanwaltschaft einen Vertrauenstatbestand geschaffen. 

Zusammenfassend lässt der für Laien unklare Wortlaut des Formulars keinen ein-

deutigen Rückschluss auf den Willen des Betroffenen zu, wie dies gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung gefordert wird. Es liegt kein unmissverständli-

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cher endgültiger Verzicht der Geschädigten auf eine Konstituierung als Privatklä-

gerschaft vor. Mit der Stellung des Strafantrages hat sie sich als Privatkläger-

schaft konstituiert (Art. 118 Abs. 2 StPO), diesen Willen mit ihrem Gesuch um Be-

stellung einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung erneut zum Ausdruck ge-

bracht und durch ihr Verhalten und ihre Anträge bis zum heutigen Zeitpunkt weiter 

dokumentiert. 

3. Fazit 

Die Geschädigte A._____ ist mangels eindeutigem definitivem Verzicht auf diese 

Parteistellung im vorliegenden Strafverfahren als Privatklägerin zuzulassen. Damit 

kommt ihr auch die Rechtsmittellegitimation im Berufungsverfahren zu. Vor Vo-

rinstanz wurde sie in der Hauptverhandlung zu Unrecht nicht als Privatklägerin 

zum Beweisverfahren und den Parteivorträgen zugelassen (Prot. I S. 10 ff.). Da-

mit wurde ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Zur Wahrung der Partei-

rechte und zur Vermeidung eines Instanzverlustes ist das vorinstanzliche Urteil 

gestützt auf Art. 409 Abs. 1 StPO aufzuheben und die Sache zur Durchführung 

einer neuen Hauptverhandlung und Fällung eines neuen Urteils an die Vorinstanz 

zurückzuweisen.  

Über die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters der Privatklägerin 

für das gesamte Verfahren ist mit dem (vorinstanzlichen) Endentscheid zu befin-

den.  

Es wird beschlossen: 

1. Die Geschädigte A._____ wird im vorliegenden Strafverfahren als Privatklä-

gerin zugelassen. 

2. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung - Einzelgericht, vom 

25. Oktober 2017 wird aufgehoben und die Sache zur Durchführung einer 

neuen Hauptverhandlung und Fällung eines neuen Urteils an die Vorinstanz 

zurückgewiesen. 

3. Schriftliche Mitteilung an 

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− den amtlichen Verteidiger im Doppel für sich und den Beschuldigten 
− den Rechtsvertreter der Privatklägerin im Doppel für sich und die  

Privatklägerin 
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 
− das Obergericht, III. Strafkammer, betreffend Verfahren UH170401 

sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung allfäl-

liger Rechtsmittel an  

− die Vorinstanz (unter Rücksendung der Akten).  

4. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann unter den einschränkenden Voraussetzungen 

von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes bundesrechtliche Beschwerde in 

Strafsachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen 

Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des 

Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 28. Juni 2018 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Spiess 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw Guennéguès 
 

 
 
 

	Erwägungen:
	Es wird beschlossen:
	1. Die Geschädigte A._____ wird im vorliegenden Strafverfahren als Privatklägerin zugelassen.
	2. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung - Einzelgericht, vom 25. Oktober 2017 wird aufgehoben und die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und Fällung eines neuen Urteils an die Vorinstanz zurückgewiesen.
	3. Schriftliche Mitteilung an
	 den amtlichen Verteidiger im Doppel für sich und den Beschuldigten
	 den Rechtsvertreter der Privatklägerin im Doppel für sich und die  Privatklägerin
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 das Obergericht, III. Strafkammer, betreffend Verfahren UH170401
	 die Vorinstanz (unter Rücksendung der Akten).

	4. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann unter den einschränkenden Voraussetzungen von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorges...
	Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes.