# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78ae2776-9757-5948-90ec-347b3ef41f83
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.08.2023 E-3507/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3507-2023_2023-08-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3507/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiberin Eliane Hochreutener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Rechtsverzögerung (N […]). 

 

 

 

E-3507/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 19. November 2021 in der Schweiz um 

Asyl nach. 

B.  

Am 25. November 2021 fand die Personalienaufnahme statt.  

C.  

Mit Schreiben vom 24. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer tür-

kischsprachige Beweismittel ein.  

D.  

Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 29. Dezember 2021 zu sei-

nen Asylgründen an. 

E.  

Mit Schreiben vom 5. Januar 2022 zeigte ihm die Vorinstanz an, dass sein 

Asylgesuch im erweiterten Verfahren behandelt werde, da Abklärungsbe-

darf in Bezug auf die Plausibilität seiner Vorbringen bestehe. Ebenso kün-

digte es ihm die Zuweisung in den Kanton B._______ an. 

F.  

Mit Schreiben vom 13. Januar 2022 legte die zugewiesene Rechtsvertre-

tung des Beschwerdeführers ihr Mandat nieder und liess der Vorinstanz 

weitere Beweismittel zukommen. 

G.  

Am 27. Januar 2022 erfolgte eine interne Korrespondenz.  

H.  

Unter Anzeige ihres Mandats liess die neue Rechtsvertretung am 22. Sep-

tember 2022 der Vorinstanz weitere Informationen zukommen. 

I.  

Mit Schreiben vom 14. November 2022 erkundigte sich der Beschwerde-

führer bei der Vorinstanz nach dem Stand seines Asylverfahrens. Die Vor-

instanz liess dieses Schreiben unbeantwortet.  

J.  

Am 7. März 2023 beendigte die neue Rechtsvertretung das Mandat. 

E-3507/2023 

Seite 3 

K.  

Der Beschwerdeführer ersuchte mit E-Mail vom 15. Mai 2023 die  

Vorinstanz sinngemäss um umgehenden Erlass eines Asylentscheids.  

L.  

Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer am 7. Juni 2023 mit, dass sein 

Asylgesuch vom 19. November 2021 infolge hoher Geschäftslast nach wie 

vor hängig sei und ihm deshalb ein bestimmtes Entscheiddatum nicht in 

Aussicht gestellt werden könne. 

M.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 19. Juni 2023 sinngemäss 

eine Rechtsverzögerungsbeschwerde an das Bundesverwaltungsgericht 

und machte geltend, er sei über den Stand des Asylverfahrens zu informie-

ren, er warte seit November 2021 auf einen Asylentscheid der Vorinstanz, 

was eine «attente excessive» darstelle. 

N.  

Die Instruktionsrichterin forderte den Beschwerdeführer mit Zwischenver-

fügung vom 27. Juni 2023 auf, innert Frist – unter Androhung, bei unge-

nutzter Frist unter Kostenfolge auf die Beschwerde nicht einzutreten – die 

Eingabe zu verbessern (fehlende Rechtsbegehren und Begründung). Zu-

dem gab sie ihm Gelegenheit, innert derselben Frist seine Beschwerde 

ohne Kostenfolge zurückzuziehen. Mit Eingabe vom 7. Juli 2023 ergänzte 

der Beschwerdeführer aufforderungsgemäss seine Rechtsverzögerungs-

beschwerde.  

O.  

Mit Verfügung vom 17. Juli 2023 verzichtete die Instruktionsrichterin auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Vernehm-

lassung ein. Diese liess die angesetzte Frist ungenutzt verstreichen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das BVGer zur Beurteilung von Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Gegen das unrechtmäs-

sige Verweigern oder Verzögern einer anfechtbaren Verfügung kann bei 

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der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung einer Beschwerde gegen 

die ordnungsgemäss ergangene Verfügung zuständig wäre, Beschwerde 

geführt werden (Art. 46a VwVG, vgl. dazu auch MARKUS MÜLLER, in: 

Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das 

Verwaltungsverfahren [VwVG], 2019, Rz. 19 zu Art. 46a). Das BVGer ist 

damit zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsverzögerungsbeschwerde 

zuständig. 

1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass 

einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, 

dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer 

Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist 

anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-

deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG 

Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.). 

Der Beschwerdeführer hat in der Schweiz am 19. November 2021 ein Asyl-

gesuch eingereicht, über welches die Vorinstanz in Form einer anfechtba-

ren Verfügung zu befinden hat. Er ist zur Beschwerdeführung legitimiert. 

1.3 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund-

sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den-

noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben 

der beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz von Treu und Glauben 

ist stets zu beachten. Die beschwerdeführende Person muss zudem dar-

legen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges – 

mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzö-

gerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden 

Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER ET AL., Prozessieren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 5.23). 

Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vornahme 

der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass 

die Vorinstanz bis anhin nicht in der Sache entschieden hat. Was den Zeit-

punkt der Beschwerdeerhebung betrifft, so ist dieser nicht zu beanstanden. 

1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-

gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-

treten. 

  

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Seite 5 

2.  

Das Prüfungsergebnis beschränkt sich auf die Beantwortung der Frage, ob 

die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer 

Gutheissung der Beschwerde weist das BVGer die Sache mit verbindli-

chen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hinge-

gen ist das Gericht nicht befugt, sich dazu zu äussern, wie ein unrechtmäs-

sig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da es – Spezial-

konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Be-

hörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt und mög-

licherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl. 

BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.). 

3.  

3.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der 

allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede 

Person unter anderem Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert 

angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsga-

rantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung  

(vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). 

3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre 

und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei 

einer Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde 

nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv noch 

als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfah-

rens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu 

beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der 

Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die 

Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifi-

sche Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 f. 

m.w.H.). Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vo-

rausgesetzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann ver-

letzt, wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert an-

gemessener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 

103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be-

urteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen 

(vgl. zum Ganzen auch Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 

E. 3.2 m.w.H.). 

4.  

Der Beschwerdeführer beanstandet, er habe am 19. November 2021 sein 

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Asylgesuch eingereicht und sei am 29. Dezember 2021 zu seinen Asyl-

gründen angehört worden. Somit warte er seit zwei Jahren auf einen Asyl-

entscheid. Er habe die Vorinstanz mehrmals nach dem Verfahrensstand 

angefragt. Die Überschreitung der Behandlungsfrist sei nicht allein mit ei-

ner hohen Geschäftslast zu rechtfertigen. Die lange Wartezeit und die da-

mit verbundene Ungewissheit belaste ihn sehr. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat Kenntnis von der hohen Arbeitslast 

bei der Vorinstanz und es erachtet es grundsätzlich als nachvollziehbar, 

dass nicht alle Verfahren innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Behand-

lungsfristen, bei denen es sich um Ordnungsvorschriften handelt, abge-

schlossen werden können, sondern länger dauern, insbesondere dann, 

wenn sich noch Abklärungsmassnahmen aufdrängen. Die Vorinstanz darf 

und muss Priorisierungen vornehmen (Art. 37b AsylG), was – gerade unter 

Berücksichtigung hoher Gesuchzahlen und der ausserordentlichen Situa-

tion im Zuge der Ukraine-Krise – unweigerlich zur Überschreitung gewisser 

Behandlungsfristen führen kann. 

5.2 Nach Einreichen des Asylgesuchs vom 19. November 2021 fanden die 

Erhebung der Personalien des Beschwerdeführers und die Anhörung zu 

seinen Asylgründen zügig statt. In diesem Rahmen hat ihn die Vorinstanz 

über die geplante Zuteilung in das erweiterte Verfahren in Kenntnis gesetzt; 

infolge Abklärungsbedarfs erging am 5. Januar 2022 der Zuteilungsent-

scheid in das erweiterte Verfahren. Am 14. Januar 2022 gingen weitere Be-

weismittel bei der Vorinstanz ein. Den Akten ist sodann zu entnehmen, 

dass am 27. Januar 2022 eine interne Korrespondenz stattfand. Bis zu die-

sem Zeitpunkt ist das Vorgehen der Vorinstanz unter dem Blickwinkel des 

Verzögerungsverbots nicht zu beanstanden. Jedoch sind von da an und 

damit seit rund 19 Monaten keine Verfahrensschritte mehr erkennbar. Mit 

Schreiben vom 22. September 2022 liess der Beschwerdeführer der Vor-

instanz zwar weitere Informationen zukommen, es ist aber nicht ersichtlich, 

inwiefern dies objektiv betrachtet eine Verzögerung des Verfahrens im bis-

herigen Umfang zur Folge hatte, zumal er keine weiteren Beweismittel ein-

reichte. Er wies die Vorinstanz erstmals am 14. November 2022 und zum 

zweiten Mal am 15. Mai 2023 darauf hin, dass er an einem Abschluss des 

Verfahrens interessiert ist. Dem Antwortschreiben der Vorinstanz vom 

7. Juni 2023 ist einzig zu entnehmen, dass es im Rahmen seiner Prioritä-

tenordnung bemüht sei, das Verfahren abzuschliessen. Wie der Beschwer-

deführer zu Recht vorbringt, hat die Vorinstanz mit ihrer Untätigkeit wäh-

rend solch einer langen Zeit das Beschleunigungsgebot verletzt. Dabei ist 

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ihre allgemeine Überlastung, welcher sich das Bundesverwaltungsgericht 

bewusst ist, nicht geeignet, eine Rechtsverzögerung im vorliegenden Ein-

zelfall zu begründen (vgl. E.3.2). Die Vorinstanz führte in ihrem Antwort-

schreiben vom 7. Juni 2023 weder einen konkreten Grund für die Überlas-

tung an noch erklärte sie, aus welchen spezifischen Gründen sich das vor-

liegende Verfahren verzögert. Vor diesem Hintergrund wurde das Asylge-

such des Beschwerdeführers nicht innerhalb einer angemessenen Frist im 

Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV behandelt.  

6.  

Aufgrund des Gesagten erweist sich die Rüge der Rechtsverzögerung als 

begründet, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist und die Vorinstanz 

aufgefordert wird, die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdefüh-

rers zügig – das heisst unter Vermeidung weiterer Phasen der Nichtbear-

beitung – fortzuführen. 

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer hat mit seiner Beschwerde vollständig obsiegt. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG kann der 

obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-

gung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen 

Kosten zugesprochen werden (vgl. Art. 7 ff. des Reglements über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 

21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer ist nicht 

vertreten und macht keine notwendigen Auslagen im Sinne von Art. 13 

VGKE geltend. Auf die Ausrichtung einer Parteientschädigung ist deshalb 

zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, das Asylgesuch des Beschwerdeführers 

beförderlich zu behandeln und zeitnah einer Verfügung zuzuführen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das SEM. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Eliane Hochreutener 

 

 

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