# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 44b5acea-0704-5e90-84e8-8dbbaf3b0f06
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 08.04.2024 WBE.2023.157
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2023-157_2024-04-08.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2023.157 / ko / sp 
ZEMIS [***]; (E.2023.006)  

Art. 19 

 

Urteil vom 8. April 2024 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Clavadetscher  

Verwaltungsrichter Ch. Huber  

Gerichtsschreiber i.V. Okutan 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, von der Türkei 

vertreten durch MLaw Tamara De Caro, Rechtsanwältin, 

Stadtturmstrasse 19, Postfach, 5401 Baden    

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung 

und Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (Rückstufung) 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration vom 28. März 2023 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der am 6. August 1998 in der Schweiz geborene Beschwerdeführer ist 

türkischer Staatsangehöriger und seit dem 15. September 1999 im Besitz 

der Niederlassungsbewilligung (Akten des Amts für Migration und Integra-

tion [MI-act.] 1, 4.). 

 

In den Jahren 2017 bis 2021 wurde der Beschwerdeführer wiederholt straf-

fällig und wie folgt verurteilt: 

 

- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 23. August 

2017 wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Per-

sonenbeförderung vom 20. März 2009 (Personenbeförderungsgesetz, 

PBG; SR 754.1); Verurteilung zu einer Busse von Fr. 100.00 (MI-

act. 29 f.); 

- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 29. Mai 2018 

wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz vom 19. De-

zember 1958 (SVG; SR 741.01); Verurteilung zu einer Busse von 

Fr. 200.00 (MI-act. 34 f.); 

- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom 28. Juli 2021 

wegen Widerhandlungen gegen das SVG; Verurteilung zu einer Geld-

strafe von 100 Tagessätzen à Fr. 100.00, bedingt vollziehbar bei einer 

Probezeit von 2 Jahren und einer Busse von Fr. 2'000.00 (MI-

act. 44 ff.); 

- Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 24. Februar 2022 

wegen mehrfachen Widerhandlungen gegen das SVG, unter anderem 

qualifiziert grobe Verletzungen der Verkehrsregeln (sog. Raserdelikt); 

Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, bedingt vollzieh-

bar bei einer Probezeit von 3 Jahren, einer Geldstrafe von 60 Tages-

sätzen à Fr. 100.00 (Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 28. Juli 2021) 

und einer Busse von Fr. 500.00 (MI-act. 48 ff.). 

 

Mit Schreiben vom 28. Oktober 2022 stellte das Amt für Migration und In-

tegration Kanton Aargau (MIKA) fest, der Beschwerdeführer weise auf-

grund seiner strafrechtlichen Verurteilungen vom 28. Juli 2021 und 

24. Februar 2022 erhebliche Integrationsdefizite auf und erfülle die gesetz-

lichen Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG nicht, weshalb ein 

Widerruf der Niederlassungsbewilligung bei gleichzeitiger Erteilung der 

Aufenthaltsbewilligung in Aussicht gestellt werde, und gab dem Beschwer-

deführer die Möglichkeit, sich schriftlich gegen die vorgesehene Mass-

nahme zu äussern (MI-act. 63 ff.). In der Folge liess der Beschwerdeführer 

durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 14. November 2022 eine 

Stellungnahme einreichen (MI-act. 73 ff.). Am 16. Dezember 2022 verfügte 

das MIKA den Widerruf der Niederlassungsbewilligung und erteilte dem Be-

 - 3 - 

 

 

schwerdeführer zugleich eine Aufenthaltsbewilligung (Rückstufung; MI-

act. 105 ff.). 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 16. Dezember 2022 liess der Be-

schwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 16. Januar 2023 

beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache erheben (MI-

act. 114 ff.). 

 

Am 28. März 2023 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheentscheid 

(act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.  

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen.  

 

C. 

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 28. April 2023 liess der Be-

schwerdeführer beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-

tungsgericht) Beschwerde erheben und folgende Anträge stellen 

(act. 10 ff.): 

 

1. 
In Gutheissung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid des Amts für 
Migration und Integration Kanton Aargau vom 28. März 2023 aufzuheben.  
 
2. 
Eventualiter sei der Beschwerdeführer zu verwarnen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz.  

 

In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer, die Akten der 

Vorinstanz seien von Amtes wegen beizuziehen und es sei eine mündliche 

Verhandlung durchzuführen.  

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Nach Eingang des Kostenvorschusses (act. 23 f.) beantragte die 

Vorinstanz unter Festhalten an ihren Erwägungen im Einspracheentscheid 

 - 4 - 

 

 

die Abweisung der Beschwerde und reichte aufforderungsgemäss die 

Akten ein (act. 27). 

 

Mit Eingabe vom 26. März 2024 (Postaufgabe: 26. März 2024) teilte die 

Rechtsvertreterin mit, der Beschwerdeführer habe eine neue Arbeitsstelle, 

und reichte sodann den neuen temporären Einsatzvertrag ein. Weiter führte 

sie aus, der Beschwerdeführer werde in Kürze einen festen Arbeitsvertrag 

erhalten, der umgehend nachgereicht werde (act. 30 f.).  

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden 

(vgl. § 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1.  

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid 

der Vorinstanz vom 28. März 2023. Die Zuständigkeit des Verwaltungsge-

richts ist somit gegeben. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist daher einzutreten. 

 

2.  

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Be-

stimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungs-

gericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder 

Missbrauch des Ermessens und unrichtige oder unvollständige Feststel-

lung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermessens-

überprüfung steht dem Verwaltungsgericht jedoch grundsätzlich nicht zu 

(§ 9 Abs. 2 EGAR). Schranke der Ermessensausübung bildet das Verhält-

nismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: MARTINA CARONI/ 

THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar 

zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 

2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang hat das 

Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung insbe-

 - 5 - 

 

 

sondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss Art. 96 des Bundesge-

setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 

vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; 

SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche Ver-

hältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei ge-

wichtet wurden (vgl. SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu Art. 96 AuG). Schliesslich 

ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob die getroffene 

Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt 

erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn). 

 

II. 

1.  

1.1. 

Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen fest, je-

mand wie der Beschwerdeführer, der den Widerrufsgrund der längerfristi-

gen Freiheitsstrafe gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b 

AIG erfülle und darüber hinaus weitere Straftaten begangen habe, müsse 

sich vorhalten lassen, das Integrationskriterium der Beachtung der öffent-

lichen Sicherheit und Ordnung gemäss Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG nicht zu 

erfüllen. Die Delikte seien in den Jahren 2019 bis 2021 begangen worden, 

womit ein aktuelles und gewichtiges Integrationsdefizit im Sinne von Art. 63 

Abs. 2 AIG vorliege. Die Rückstufung erweise sich als geeignet und erfor-

derlich, dies insbesondere angesichts der Schwere der vom Beschwerde-

führer begangenen Verfehlungen. Auch wenn er inzwischen wieder über 

einen Führerausweis verfüge und nach seiner Auffassung eine sehr gute 

Prognose vorliege, seien Rückfälle nicht auszuschliessen. Die gravieren-

den Verstösse des Beschwerdeführers gegen die öffentliche Sicherheit und 

Ordnung würden ein sehr grosses öffentliches Interesse an einer Rückstu-

fung begründen. Zugunsten des Beschwerdeführers sei zu berücksichti-

gen, dass er die Straftaten als junger Erwachsener begangen habe und 

deshalb erwartet werden könne, dass noch ein persönlicher Reifeprozess 

erfolge. Allerdings müsse der Beschwerdeführer erst noch während eines 

längeren Zeitraums beweisen, dass er aus den Vorfällen tatsächlich die 

richtigen Schlüsse gezogen habe. Insgesamt sei daher von einem grossen 

bis sehr grossen öffentlichen Interesse an der Rückstufung auszugehen. 

Das entgegenstehende private Interesse sei insgesamt als gross einzu-

stufen. So dürfe sich der Beschwerdeführer nach wie vor in der Schweiz 

aufhalten, habe die Möglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und 

könne damit seine weitere Anwesenheit in der Schweiz sichern. Erhöhend 

zu berücksichtigen sei, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz geboren 

worden sei und seit jeher über die Niederlassungsbewilligung verfüge. 

Ferner sei er – abgesehen von der Delinquenz – gut integriert. Im Ergebnis 

erweise sich die Rückstufung somit auch als zumutbar. 

 

 - 6 - 

 

 

1.2.  

Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber zunächst auf den Stand-

punkt, für die Beurteilung einer gelungenen oder nicht gelungenen Integra-

tion gemäss Art. 58a AIG bedürfe es einer Gesamtbeurteilung aller 

Integrationskriterien. Es reiche nicht aus, wenn lediglich ein Integrations-

kriterium als nicht erfüllt qualifiziert werde. Zwar sei der Beschwerdeführer 

zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt worden und habe die 

öffentliche Sicherheit und Ordnung verletzt. Zu berücksichtigen sei aber 

auch, dass er sämtliche Delikte im noch jugendlichen Alter begangen habe. 

Er sei unbedacht und beeinflussbar gewesen. Diese Phase habe er in-

zwischen überwunden und er stehe mit beiden Beinen im Erwachsenen-

leben. Er sei seither nicht mehr delinquent geworden, habe trotz Führer-

ausweisentzugs seine Arbeitsstelle behalten können, habe die Verkehrs-

therapie erfolgreich absolviert, habe den Führerausweis wieder erlangt und 

sei auch all seinen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen. Es sei in-

zwischen von einer ausserordentlich guten Prognose auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer nicht mehr straffällig werde, was sich auch dem 

psychologischen Gutachten entnehmen lasse. Es sei erstellt, dass der Be-

schwerdeführer heute keine Gefahr mehr für die Sicherheit Ordnung dar-

stelle. Somit liege kein Rückstufungsgrund mehr vor. Selbst wenn ein sol-

cher vorliegen würde, würde nach dem Gesagten die Verhältnismässigkeit 

der verfügten Massnahme an deren Eignung scheitern. Das Ziel, den Be-

schwerdeführer durch die Massnahme an seine Integrationsverpflich-

tungen zu erinnern, sei durch die Wiedererlangung des Führerausweises 

und der fehlenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bereits 

erfüllt, weshalb die Rückstufung nicht geeignet und erforderlich sei. Er lebe 

deliktsfrei, weshalb auch das öffentliche Interesse an der Massnahme da-

hinfalle. Das private Interesse des Beschwerdeführers, die Niederlas-

sungsbewilligung zu behalten, sei als sehr hoch einzustufen, da ihm bei 

einer Rückstufung erhebliche Nachteile beim Familiennachzug erwachsen 

würden, er quellenbesteuert würde und sich die Arbeitssuche für Personen 

mit einer Aufenthaltsbewilligung als schwieriger erweise. Es liege somit 

kein überwiegendes öffentliches Interesse an einer Rückstufung vor. Über-

dies wäre aus Gründen der Verhältnismässigkeit vor einer Rückstufung 

ohnehin eine ausländerrechtliche Verwarnung auszusprechen. 

 

2.  

2.1.  

Das Verwaltungsgericht hat sich erstmals mit Entscheid WBE.2020.8 vom 

7. Juli 2020 ausführlich mit der per 1. Januar 2019 neu eingeführten Mass-

nahme der Rückstufung gemäss Art. 63 Abs. 2 AIG (Widerruf der Nieder-

lassungsbewilligung mit ersatzweiser Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-

gung) und deren Verhältnis zum Widerruf gemäss Art. 63 Abs. 1 AIG 

(Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Wegweisung) auseinander-

gesetzt und seine Rechtsauffassung unter Berücksichtigung von 

 - 7 - 

 

 

BGE 148 II 1 (zu WBE.2020.8) mit Entscheid WBE.2020.341 vom 17. No-

vember 2022 präzisiert. Zusammengefasst ergibt sich was folgt.  

 

2.2.  

Gemäss Art. 63 Abs. 2 AIG kann die Niederlassungsbewilligung einer aus-

ländischen Person widerrufen und durch eine Aufenthaltsbewilligung er-

setzt werden (Rückstufung). Die genannte Regelung wurde mit der Revi-

sion des AuG und dessen Umbenennung zum AIG (Änderung vom 16. De-

zember 2016; AS 2017 6521, 2018 3171; Bundesblatt [BBl] 2013 2397, 

2016 2821) neu ins Gesetz eingefügt und per 1. Januar 2019 in Kraft ge-

setzt. Eine Rückstufung setzt das Vorliegen eines Rückstufungsgrundes im 

Sinne von Art. 63 Abs. 2 AIG voraus. Ein solcher liegt grundsätzlich dann 

vor, wenn sich erweist, dass die betroffene Person eine oder mehrere der 

Integrationsanforderungen von Art. 58a AIG nicht bzw. nicht mehr erfüllt 

(präzisierend BGE 148 II 1, Erw. 5; zu den einzelnen Integrationskriterien 

siehe Art. 77a und 77c–77f VZAE; vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2020.401 vom 27. Juni 2022, Erw. II/5.2.2).  

 

Wie bisher kann die Niederlassungsbewilligung einer ausländischen Per-

son zudem gestützt auf Art. 63 Abs. 1 AIG (i.V.m. Art. 64 Abs. 1 lit. c AIG) 

widerrufen und die betroffene Person aus der Schweiz weggewiesen wer-

den, wenn ein Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 AIG vorliegt (Widerruf 

mit Wegweisung). Widerrufs- und Rückstufungsgründe können gleichzeitig 

erfüllt sein. Die Rückstufung stellt eine eigenständige migrationsrechtliche 

Massnahme dar und ist nicht als mildere Massnahme zum Widerruf mit 

Wegweisung zu verstehen. Vielmehr geht der Widerruf mit Wegweisung 

der Rückstufung vor, sofern ein Widerrufsgrund vorliegt und sich der 

Widerruf mit Wegweisung als verhältnismässig erweist.  

 

Da der Widerruf mit Wegweisung und die Rückstufung je eigenständige 

Massnahmen darstellen und gleichzeitig begründet sein können, sind all-

fällige Verwarnungen je separat zu prüfen und können eine Verwarnung 

unter Androhung des Widerrufs mit Wegweisung und eine Verwarnung 

unter Androhung der Rückstufung unter Umständen sogar gleichzeitig ver-

fügt werden, wenn sowohl ein Widerrufs- als auch ein Rückstufungsgrund 

vorliegt, der Widerruf mit Wegweisung und die Rückstufung jedoch unver-

hältnismässig sind. 

 

3.  

Nach dem Gesagten haben im vorliegenden Fall die Vorinstanzen zu Recht 

eine Rückstufung der ausländerrechtlichen Bewilligung des Beschwerde-

führers gemäss Art. 63 Abs. 2 AIG geprüft, nachdem sie zum Schluss ge-

langt waren, dass ein Widerruf mit einer Wegweisung rechtlich unzulässig 

wäre, da das Regionalgericht Berner Jura-Seeland in seinem Urteil vom 

24. Februar 2022 implizit auf eine Landesverweisung verzichtet hatte 

(Art. 63 Abs. 3 AIG; MI-act. 107 f., Erw. II/2; act. 4, Erw. II/2.3). 

 - 8 - 

 

 

 

Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die durch das MIKA verfügte 

Rückstufung der ausländerrechtlichen Bewilligung des Beschwerdeführers 

zu Recht für zulässig befunden hat.  

 

4.  

4.1. 

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob ein Rückstufungsgrund vorliegt. 

 

4.2.  

4.2.1.  

Wie bereits ausgeführt liegt ein Rückstufungsgrund im Sinne von Art. 63 

Abs. 2 AIG vor, wenn sich erweist, dass die betroffene Person eines oder 

mehrere der in Art. 58a Abs. 1 AIG genannten Integrationskriterien nicht 

bzw. nicht mehr erfüllt. 

 

4.2.2.  

Rückstufungen können prinzipiell auch bei Niederlassungsbewilligungen 

verfügt werden, die vor dem 1. Januar 2019 (Inkrafttreten der Rückstu-

fungsnorm) erteilt wurden (vgl. BGE 148 II 1, Erw. 2.3.1).  

 

Bei der Prüfung eines Integrationsdefizits bzw. des Vorliegens eines Rück-

stufungsgrundes darf unter gewissen Voraussetzungen auch auf Sachver-

haltselemente abgestellt werden, welche sich vor Inkrafttreten der Rückstu-

fungsnorm verwirklicht haben, da Integration und Integrationsdefizite 

Dauersachverhalte darstellen, welche mit der Einreise der betroffenen Per-

son in die Schweiz beginnen und in der Folge andauern. Wird in Anwen-

dung von Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 58a AIG das Vorliegen eines allfälligen 

Integrationsdefizits überprüft und dabei auf Umstände abgestellt, welche 

sich bereits vor Inkrafttreten der genannten Bestimmungen verwirklicht 

haben, liegt darin nach dem Gesagten eine unechte Rückwirkung (Ent-

scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.8 vom 7. Juli 2020, 

Erw. II/4.1.4; bestätigt durch BGE 148 II 1, Erw. 5.1). 

 

Beim Abstellen auf Sachverhaltselemente, welche sich vor Inkrafttreten der 

Rückstufungsnorm verwirklicht haben, ist jedoch der Rechtsnatur der alt-

rechtlichen Niederlassungsbewilligung – mithin deren grundsätzlichen 

Dauerhaftigkeit – Rechnung zu tragen. Zurückhaltung ist primär deshalb 

angezeigt, weil die Niederlassungsbewilligung bedingungsfeindlich konzi-

piert war und ist (Art. 34 Abs. 1 AuG bzw. AIG). Bis Ende 2018 mussten 

Niederlassungsberechtige deshalb nicht den Verlust der Niederlassungs-

bewilligung befürchten, wenn bei ihnen Integrationsdefizite auftraten. Sie 

durften vielmehr darauf vertrauen, dass ihre Niederlassungsbewilligung un-

angetastet blieb, solange sie keinen Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 

Abs. 1 AuG erfüllten. Hielten sie sich seit mehr als 15 Jahren ununter-

brochen und ordnungsgemäss in der Schweiz auf, konnte ihre Niederlas-

 - 9 - 

 

 

sungsbewilligung bloss noch aufgrund einer längerfristigen Freiheitsstrafe 

oder eines schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit 

und Ordnung widerrufen werden (Art. 63 Abs. 2 AuG). Ihnen ist deshalb ein 

Kontinuitätsvertrauen zuzubilligen (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2020.200 vom 8. Dezember 2020, Erw. II/3.4.4.2, und BGE 148 II 1, 

Erw. 5.3). 

 

Nach dem Gesagten ist bei der Feststellung von Rückstufungsgründen in 

zeitlicher Hinsicht primär auf Sachverhaltselemente abzustellen, die nach 

dem 1. Januar 2019 verwirklicht wurden. Das Abstellen auf Sachverhalts-

elemente, die vor dem 1. Januar 2019 verwirklicht wurden, ist nur dann zu-

lässig, wenn das vorgeworfene Verhalten nach dem 1. Januar 2019 an-

dauert bzw. angedauert hat. Zudem sollen nur ernsthafte Integrationsdefi-

zite zu einer Rückstufung führen. D.h. es muss ein aktuelles, zu einem er-

heblichen Teil (auch noch) nach dem 1. Januar 2019 verwirklichtes In-

tegrationsdefizit von einem gewissen Gewicht bestehen (vgl. BGE 148 II 1, 

Erw. 5.3; Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.440 vom 18. Juli 

2022, Erw. II/3.1 am Schluss). 

 

4.2.3.  

Im Gegensatz zum Widerruf mit Wegweisung unterliegt die Rückstufung 

nicht dem Dualismusverbot gemäss Art. 63 Abs. 3 AIG. Ein Verzicht des 

Strafrichters auf die Anordnung einer Landesverweisung hindert die Migra-

tionsbehörden nicht, eine Rückstufung zu verfügen, da die Rückstufung 

keine Wegweisung beinhaltet. Vielmehr bezweckt sie, mangelhaft in-

tegrierte niedergelassene Personen, denen unter dem bisherigen Recht die 

Niederlassungsbewilligung nicht hätte entzogen werden dürfen, auf eine 

Aufenthaltsbewilligung zurückstufen zu können, um sie verbindlich an ihre 

Integrationsverpflichtungen zu erinnern (Entscheid des Verwaltungsge-

richts WBE.2020.8 vom 7. Juli 2020, Erw. II/4.1.3, bestätigt durch BGE 148 

II 1, Erw. 4.3.2 f.). 

 

4.3.  

4.3.1.  

Gemäss Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG liegt ein Rückstu-

fungsgrund vor, wenn eine niederlassungsberechtigte ausländische Per-

son das Integrationskriterium der Beachtung der öffentlichen Sicherheit und 

Ordnung nicht bzw. nicht mehr erfüllt. 

 

4.3.2.  

Wann von einer Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung 

als Integrationsdefizit im Sinne von Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG und damit 

gleichsam von einem Rückstufungsgrund gemäss Art. 63 Abs. 2 AIG aus-

zugehen ist, wird in Art. 77a Abs. 1 VZAE konkretisiert. Danach liegt eine 

Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung insbesondere 

dann vor, wenn die betreffende Person gesetzliche Vorschriften und be-

 - 10 - 

 

 

hördliche Verfügungen missachtet (lit. a), wenn sie öffentlich-rechtliche 

oder privatrechtliche Verpflichtungen mutwillig nicht erfüllt (lit. b), oder 

wenn sie ein Verbrechen gegen den Frieden, ein Kriegsverbrechen, ein 

Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder terroristische Taten öffentlich 

billigt oder dafür wirbt oder zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufsta-

chelt (lit. c). 

 

Wie aus dem Verweis im Titel der Verordnungsbestimmung erhellt, gelten 

die Konkretisierungen von Art. 77a VZAE nicht bloss für das Integrations-

kriterium von Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG, sondern auch für die Widerrufs-

gründe von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG und Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG. Wie stark 

die öffentliche Sicherheit und/oder Ordnung durch Missachtung gesetz-

licher Vorschriften oder behördlicher Verfügungen oder durch mutwillige 

Nichterfüllung öffentlich- oder privatrechtlicher Verpflichtungen im Sinne 

von Art. 77a Abs. 1 lit. a und b VZAE beeinträchtigt sein muss, damit eine 

Nichtbeachtung im Sinne von Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG vorliegt, lässt sich 

dementsprechend in Relation zu den genannten Widerrufsgründen bestim-

men. Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG setzt für den Widerruf einer Niederlassungs-

bewilligung mit Wegweisung einen schwerwiegenden Verstoss gegen die 

öffentliche Sicherheit und Ordnung voraus, während Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG 

für den Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung mit Wegweisung einen erheb-

lichen oder wiederholten Verstoss verlangt. Für eine blosse Nichtbeach-

tung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 58a Abs. 1 

lit. a AIG – deren Feststellung zum Verlust der Niederlassungsbewilligung 

führen kann, nicht aber zur Aufenthaltsbeendigung – ist die Schwere des 

vorausgesetzten Fehlverhaltens deutlich tiefer anzusetzen als für einen 

schwerwiegenden Verstoss im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG. Sie ist 

zudem tiefer anzusetzen als für einen erheblichen oder wiederholten 

Verstoss im Sinne von Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG. Gleichzeitig kann nicht jede 

noch so geringfügige Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit und Ord-

nung Anlass geben, den Fortbestand der Niederlassungsbewilligung ge-

stützt auf Art. 63 Abs. 2 AIG in Frage zu stellen. Daher ist auch für die An-

nahme einer Nichtbeachtung im Sinne von Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG voraus-

zusetzen, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung mit einer gewissen 

Erheblichkeit beeinträchtigt wird. Die Erheblichkeit der Beeinträchtigung 

kann sich – wie bei den Widerrufsgründen von Art. 63 Abs. 1 lit. b und 

Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG – in der Schwere eines einmaligen Fehlverhaltens 

manifestieren. Eine erhebliche Beeinträchtigung kann aber auch dadurch 

zustande kommen, dass die fragliche Person die öffentliche Sicherheit 

und/oder Ordnung wiederholt weniger schwer beeinträchtigt und dadurch 

zeigt, dass sie auch künftig nicht gewillt bzw. nicht fähig sein wird, sich an 

die Rechtsordnung zu halten (vgl. Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG ["erheblich oder 

wiederholt"]; vgl. auch BGE 137 II 297, Erw. 3.3, sowie Botschaft des Bun-

desrats zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 

8. März 2002 [Botschaft AuG], BBl 2002 3709 ff., 3810; vgl. schliesslich 

 - 11 - 

 

 

Botschaft des Bundesrats zur Änderung des Ausländergesetzes [Integra-

tion] vom 8. März 2013 [Botschaft AIG], BBl 2013 2397 ff., 2428). 

 

Bezüglich Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung als 

Rückstufungsgrund gilt das Gleiche wie für alle anderen Rückstufungs-

gründe. Massgeblich ist, ob der Rückstufungsgrund durch ein Verhalten 

begründet ist, welches in erheblichem Masse nach dem 1. Januar 2019 

verwirklicht wurde. Die Berücksichtigung auch früheren Verhaltens ist nur 

bei Dauersachverhalten zulässig. Mit anderen Worten muss das vorgewor-

fene Verhalten auch nach dem 1. Januar 2019 andauern und wird früheres 

Verhalten primär berücksichtigt, um zu beurteilen, ob daraus auf eine ge-

wisse Konstanz geschlossen werden kann, wodurch die Vorwerfbarkeit des 

aktuellen Verhaltens klarer manifestiert wird. 

 

4.3.3.  

Der Beschwerdeführer wurde im Zeitraum zwischen 2017 und 2020 straf-

fällig und erwirkte, soweit aus den Akten ersichtlich, vier rechtskräftige 

Straferkenntnisse, mit welchen er insgesamt zu einer bedingten Freiheits-

strafe von 22 Monaten, zu zwei Geldstrafen von zusammengezählt 160 Ta-

gessätzen à Fr. 100.00 und zu vier Bussen von insgesamt Fr. 2'800.00 ver-

urteilt wurde (siehe vorne lit. A). Seit Inkrafttreten der Rückstufungs-

regelung von Art. 62 Abs. 2 AIG am 1. Januar 2019 wurde er zwei Mal ver-

urteilt, wobei die zugrundeliegenden Tathandlungen alle nach dem 1. Ja-

nuar 2019 begangen wurden. Insbesondere die Delikte, die zur am 

schwersten ins Gewicht fallenden Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 

22 Monaten wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenver-

kehrsgesetz führten, beging der Beschwerdeführer nach dem 1. Januar 

2019. Aus dem Strafurteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 

24. Februar 2022 geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 14. Juli 2019 

an einem nicht bewilligten Rennen teilgenommen und damit die Verkehrs-

regeln qualifiziert grob verletzt hatte (Raserdelikt). Anlässlich dieses nicht 

bewilligten Rennens kam es zu mehrfach begangenen groben Ver-

letzungen von Verkehrsregeln. So überquerte der Beschwerdeführer eine 

Sicherheitslinie bei einem Überholvorgang eines Fahrzeugs in einer Kurve, 

passte die Geschwindigkeit nicht an die Sicht- und Strassenverhältnisse an 

und missachtete den Vortritt eines anderen Fahrzeugs beim Linksabbie-

gen. Schliesslich wahrte der Beschwerdeführer nicht einen ausreichenden 

Abstand gegenüber einem anderen Fahrzeug vor einer Dorfeinfahrt und 

unterliess es mehrfach, seine Richtungsänderung mittels Zeichengebung 

anzuzeigen (MI-act. 49). Dieses schwerwiegende strafrechtliche Verhalten 

des Beschwerdeführers genügt, um ein hinreichend gewichtiges aktuelles 

Integrationsdefizit hinsichtlich der Beachtung der öffentlichen Sicherheit 

und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG 

und Art. 77a Abs. 1 lit. a VZAE zu begründen. Vorliegend ebenfalls zu be-

rücksichtigen ist die mehrfache Straffälligkeit des Beschwerdeführers (MI-

act. 29 f., 34 f., 44 ff.), namentlich im Bereich von Strassenverkehrsdelikten 

 - 12 - 

 

 

(MI-act. 34 f., 44 ff.). Zwar handelt es sich nur um drei weitere Straferkennt-

nisse, welche der Beschwerdeführer gegen sich erwirkte und für sich allein 

betrachtet nicht schwerwiegen; sie zeugen indessen von einem gewissen 

Unvermögen oder Unwillen des Beschwerdeführers, sich – insbesondere 

im Bereich des Strassenverkehrs – an behördliche Anordnungen zu halten. 

 

Nach dem Gesagten genügen die strafrechtlichen Verstösse des Be-

schwerdeführers seit Inkrafttreten der gesetzlichen Rückstufungsregelung, 

um ein hinreichend gewichtiges aktuelles Integrationsdefizit hinsichtlich der 

Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 

Abs. 2 i.V.m. Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG und Art. 77a Abs. 1 lit. a VZAE zu 

begründen. Mit seinem strafrechtlich relevanten Verhalten machte der Be-

schwerdeführer deutlich, dass er nicht Willens und/oder in der Lage war, 

sich an die Rechtsordnung zu halten. Vor diesem Hintergrund erscheint 

fraglich, ob er sich, ohne die Anordnung einschneidender migrationsrecht-

licher Massnahmen, in Zukunft an gesetzliche Vorschriften sowie behörd-

liche Verfügungen halten wird. 

 

Damit steht fest, dass beim Beschwerdeführer aufgrund seiner schwerwie-

genden Straffälligkeit im Strassenverkehr nach dem 1. Januar 2019 ein 

aktuelles und hinreichend gewichtiges Integrationsdefizit besteht. Der 

Rückstufungsgrund der Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und 

Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG und 

Art. 77a Abs. 1 lit. a VZAE ist damit erfüllt. 

 

4.4.  

Da aus den Akten nicht auf das Vorliegen weiterer Rückstufungsgründe 

geschlossen werden kann und die Vorinstanzen dem Beschwerdeführer 

sogar attestieren, dass er die anderen drei Integrationskriterien von 

Art. 58a Abs. 1 AIG erfüllt (act. 4, 7; MI-act. 109), steht fest, dass keine 

weiteren Rückstufungsgründe erfüllt sind.  

 

4.5.  

Nachdem beim Beschwerdeführer ein Rückstufungsgrund gemäss Art. 63 

Abs. 2 AIG vorliegt, erweist sich der Widerruf seiner Niederlassungsbewil-

ligung unter ersatzweiser Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (Rückstu-

fung) als begründet. 

 

5.  

5.1.  

Weiter ist zu prüfen, ob die gemäss Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 58a Abs. 1 

lit. a AIG begründete Rückstufung angesichts der gesamten Umstände ver-

hältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei-

zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]), also ob es 

im vorliegenden Fall verhältnismässig ist, die Niederlassungsbewilligung 

 - 13 - 

 

 

des Beschwerdeführers zu widerrufen und ihm stattdessen eine Aufent-

haltsbewilligung zu erteilen. 

 

Mithin ist die Eignung und Erforderlichkeit der Rückstufung zu prüfen und 

sind die entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen gegen-

einander abzuwägen. 

 

Ob diesbezüglich sämtliche relevanten Kriterien berücksichtigt und richtig 

angewandt worden sind bzw. ob sich die Massnahme als verhältnismässig 

erweist, ist als Rechtsfrage durch das Verwaltungsgericht frei zu prüfen. 

 

5.2.  

Dass der Entzug des privilegierten migrationsrechtlichen Status der Nie-

derlassungsbewilligung und die damit verbundene Verminderung der recht-

lichen Voraussetzungen für eine aufenthaltsbeendende Massnahme im 

Fall zukünftigen weiteren Fehlverhaltens grundsätzlich geeignet sind, den 

Beschwerdeführer an seine Integrationsverpflichtung zu erinnern und ihm 

anzuzeigen, dass sein bisheriges Verhalten nicht mehr toleriert wird, ist 

offenkundig. Der Beschwerdeführer hat es denn auch in der Hand, das 

rückstufungsbegründete desintegrative Verhalten einzustellen – mithin in 

Zukunft keine Straftaten mehr zu begehen. 

 

5.3.  

Nachdem der Beschwerdeführer mit Strafurteil des Regionalgerichts 

Berner Jura-Seeland vom 24. Februar 2022 verurteilt worden war, unterzog 

er sich freiwillig einer Verkehrstherapie zur Wiederherstellung der charak-

terlichen Fahreignung. Diese beinhaltete insgesamt acht Sitzungen mit 

einer Dauer von je 50 bis 60 Minuten, welche im Zeitraum vom 16. August 

bis 11. Oktober 2022 stattgefunden haben (MI-act. 81). Aus dem verkehrs-

psychologischen Gutachten vom 5. November 2022 geht hervor, dass sich 

der Beschwerdeführer während dieser verkehrspsychologischen Unter-

suchung zu seinen Widerhandlungen im Strassenverkehr sowie zu weite-

ren, für seine zukünftige Bewährung im Strassenverkehr relevanten Aspek-

ten habe äussern müssen. Er habe sich zudem über seine kognitive, ver-

kehrsbezogene Leistungskompetenz ausweisen und seine Einstellungen 

zu Fragen des Verhaltens im Strassenverkehr in Fragebogen darlegen 

können. Bei den Einstellungstests wiesen die Ergebnisse auf eine unauf-

fällige Offenheit und auffällig erhöhte Orientierung an sozialer Erwünscht-

heit hin. Zudem zeige die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers eine 

verminderte soziale Eigenständigkeit und Selbstbehauptung und ein leich-

teres Nachgeben gegenüber sozialem Druck. Neu bestehe aber keine Nei-

gung zu Gefühlsverdrängung und erhöhter Selbstsicherheit mehr. Der Be-

schwerdeführer schätze sich als überdurchschnittlich zuverlässig, diszipli-

niert und konsequent im Handeln ein. Seine Verhaltensänderung sei auf 

dem transtheoretischen Modell auf der Stufe fünf festzulegen. So habe er 

neue Verhaltensweisen seit einem längeren Zeitraum umgesetzt und 

 - 14 - 

 

 

werde er das problematische Verhalten mit grosser Wahrscheinlichkeit 

nicht mehr zeigen. Er sei bemüht, das veränderte Verhalten zu sichern, um 

nicht wieder rückfällig zu werden (MI-act. 133).  

 

Zusammenfassend ist dem Gutachten weiter zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführer eine kritische und sachliche Auseinandersetzung mit 

seinen Widerhandlungen gezeigt habe. Er habe die Sinnhaftigkeit von Ver-

kehrsregeln verstanden und erkenne mögliche Gefahren seines Verhal-

tens. Weiter sehe der Beschwerdeführer die Notwendigkeit zur Verände-

rung vor allem bei sich selbst. So habe er den Zusammenhang zwischen 

seiner Auffälligkeit im Verkehr und den persönlichen Hintergründen erken-

nen und benennen können. Schliesslich zeige der Beschwerdeführer eine 

verbesserte Anpassungsfähigkeit sowie eine ausreichende Verhaltenskon-

trolle zur Regelbefolgung, da Einstellungsveränderungen und ein Kompe-

tenzaufbau bereits zu veränderten Verhaltensweisen geführt hätten, die er 

insgesamt als zufriedenstellend erlebe. Aktuell bestünden keine Risikofak-

toren, welche eine positive Beurteilung ausschliessen würden. Für die Zu-

kunft sei vom Beschwerdeführer ein situations- und sicherheitsgerechtes 

Verhalten im Strassenverkehr zu erwarten und das Rückfallrisiko sei als 

gering einzuschätzen. Aufgrund der verkehrspsychologischen Begutach-

tung sei der Beschwerdeführer zum aktuellen Zeitpunkt als geeignet zu er-

achten, Motorfahrzeuge zu führen (MI-act. 134 f.).  

 

Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer seit seiner Verurteilung 

vom 24. Februar 2022 bereits eine Anpassung seines desintegrativen Ver-

haltens gezeigt, dies insbesondere noch vor Einleitung des vorliegenden 

ausländerrechtlichen Verfahrens, welches mit Schreiben des MIKA vom 

28. Oktober 2022 betreffend Gewährung des rechtliche Gehörs betreffend 

Rückstufung seinen Anfang nahm (siehe vorne lit. A). Die Verhaltensan-

passung ist damit nicht erst aufgrund des Drucks des vorliegenden Verfah-

rens erfolgt. Auch hat sich der Beschwerdeführer seither wohlverhalten und 

ist insbesondere nicht erneut straffällig geworden. Hinzu kommt, dass der 

Beschwerdeführer die Tathandlungen als junger Erwachsener begangen 

hatte. Angehörige dieser Altersgruppe lassen sich in ihrer Entwicklung 

regelmässig noch wesentlich beeinflussen, was grundsätzlich für eine stär-

kere Berücksichtigung ihres Wohlverhaltens seit der Tatbegehung spricht 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018, 

Erw. 4.3.2). Vor diesem Hintergrund erscheint die vom Beschwerdeführer 

geltend gemachte, bereits gezeigte und somit auch vollzogene Verhaltens-

änderung glaubhaft. Damit erweist sich die Rückstufung im Fall des Be-

schwerdeführers aktuell als nicht erforderlich. 

 

5.4.  

Die Rückstufung des Beschwerdeführers ist damit als unverhältnismässig 

zu qualifizieren. 

 

 - 15 - 

 

 

6.  

Ist eine Massnahme begründet, aber den Umständen nicht angemessen, 

kann die betroffene Person unter Androhung dieser Massnahme verwarnt 

werden (Art. 96 Abs. 2 AIG). 

 

Auch wenn mangels Notwendigkeit im heutigen Zeitpunkt von einer Rück-

stufung abzusehen ist, bedeutet dies nicht, dass damit eine entsprechende 

Massnahme künftig nicht mehr zur Diskussion stehen könnte. Dem Be-

schwerdeführer wird, unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls, 

insbesondere des im Zeitpunkt der Straftat jugendlichen Alters und der seit 

der Begehung der Straftaten verstrichenen Zeit, lediglich eine allerletzte 

Chance eingeräumt, sich weiterhin gänzlich an die Rechtsordnung zu 

halten und nicht erneut straffällig zu werden. Er wird ausdrücklich auf 

Art. 63 AIG aufmerksam gemacht, wonach eine erneute Nichtbeachtung 

der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu einer Rückstufung führen kann. 

Ein straffreies Verhalten wird vom Beschwerdeführer erwartet. Andernfalls 

müsste sich der Beschwerdeführer den Vorwurf gefallen lassen, das vorlie-

gende Verfahren habe ihn unbeeindruckt gelassen. 

 

Die Verwarnung ist in Anwendung von § 49 VRPG direkt durch das Verwal-

tungsgericht auszusprechen. 

 

7.  

Nach dem Gesagten erweist sich die Rückstufung des Beschwerdeführers 

als unzulässig, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und der Einsprache-

entscheid vom 28. März 2023 aufzuheben ist. 

 

Der Beschwerdeführer wird im Sinne von Erw. II/6 verwarnt und von ihm 

wird erwartet, nicht erneut gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu 

verstossen, ansonsten er – grundsätzlich und in den Schranken der Ver-

hältnismässigkeit – mit dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung 

unter ersatzweiser Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu rechnen hat. 

 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann von der offerierten Parteibefra-

gung bzw. der Anordnung einer mündlichen Verhandlung abgesehen wer-

den. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 31 Abs. 2 VRPG werden die Verfahrenskosten in der Regel 

nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt. 

Gleiches gilt gemäss § 32 Abs. 2 VRPG für die Parteikosten. 

 

2. 

Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt der Beschwerdeführer. Die Verfah-

renskosten sind auf die Staatskasse zu nehmen (§ 31 Abs. 2 VRPG). 

 - 16 - 

 

 

 

3. 

Als unterliegende Partei hat das MIKA dem Beschwerdeführer die Partei-

kosten für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zu ersetzen (§ 32 

Abs. 2 VRPG). 

 

Die Festsetzung der Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach dem 

Dekret über die Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (An-

waltstarif, AnwT; SAR 291.150). Migrationsrechtliche Verfahren sind soge-

nannte nicht vermögensrechtliche Streitigkeiten. Die Parteientschädigung 

setzt sich damit zusammen aus einer Grundentschädigung zwischen 

Fr. 1'210.00 und Fr. 14'740.00 (§ 8a Abs. 3 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT) 

sowie den Zu- und Abschlägen (§§ 6–8 AnwT). Innerhalb dieses Rahmens 

ist die Grundentschädigung nach dem mutmasslichen Aufwand des Anwal-

tes sowie nach der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falles festzu-

setzen (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Durch die tarifgemässe Entschädigung sind 

die in einem Verfahren notwendigen und entsprechend der Bedeutung der 

Sache üblichen Leistungen des Anwaltes einschliesslich der üblichen Ver-

gleichsbemühungen abgegolten (§ 2 Abs. 1 AnwT). Die Entschädigung ist 

als Gesamtbetrag festzusetzen. Auslagen und Mehrwertsteuer sind darin 

enthalten (§ 8c AnwT). 

 

Nachdem neben der Beschwerde keine weitere Eingabe notwendig war 

und auch keine Verhandlung durchgeführt wurde, rechtfertigt es sich, die 

Entschädigung auf Fr. 2'500.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) festzusetzen. 

Das MIKA ist dementsprechend anzuweisen, dem Beschwerdeführer die 

Parteikosten in besagter Höhe zu ersetzen. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der vorinstanzliche Einspracheent-

scheid vom 28. März 2023 aufgehoben. 

 

2. 

Der Beschwerdeführer wird unter Androhung des Widerrufs der Niederlas-

sungsbewilligung und der ersatzweisen Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-

gung verwarnt. 

 

3. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Kan-

tons. 

 

 - 17 - 

 

 

4. 

Das MIKA wird angewiesen, dem Beschwerdeführer die vor Verwaltungs-

gericht entstandenen Parteikosten in Höhe von Fr. 2'500.00 zu ersetzen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreterin, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

 - 18 - 

 

 

   

Aarau, 8. April 2024 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiber i.V.:  

 

      i.V. 

 

Busslinger Okutan