# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 466bd363-ddcb-565b-9b3c-5519b33a4c7f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-05-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.05.2021 D-7224/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7224-2018_2021-05-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7224/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  M a i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher,  

Richter Gérard Scherrer,    

Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft (ohne Asyl) und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 21. November 2018 / N (…). 

 

 

 

D-7224/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Eth-

nie, reiste am 10. Juli 2018 in die Schweiz ein und suchte gleichentags im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Am 

19. Juli 2018 wurde er zu seiner Person, dem Reiseweg und summarisch 

zu seinen Fluchtgründen befragt (BzP) und am 7. November 2018 fand die 

Anhörung zu den Asylgründen statt. 

Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er stamme 

aus C._______, und habe dort seit seiner Geburt bis zu seiner Ausreise 

mit seiner Familie (Mutter und sechs Geschwister) gelebt. Seine Familie 

besitze Land und halte Vieh. Er habe die Schule bis zur achten Klasse 

besucht, in der achten aber aufgrund der Vorfälle und seiner Ausreise ab-

gebrochen. Neben der Schule habe er auf den Feldern der Familie gear-

beitet. Sein Vater sei Soldat in D._______ gewesen, allerdings sei er de-

sertiert, indem er eines Tages aus dem einmonatigen jährlichen Urlaub 

nicht mehr dorthin zurückgekehrt sei. Er habe sich dann auf den Lände-

reien und beim Vieh versteckt gehalten und der Beschwerdeführer habe 

ihn oft begleitet. Der Vater habe sich während ungefähr drei Monaten be-

ziehungsweise vier Jahren von seiner Einheit ferngehalten. Während die-

ser Zeit habe er nie zu Hause übernachtet und er sei kontinuierlich gesucht 

worden, es seien regelmässig Behördenvertreter zu ihnen nach Hause ge-

kommen. Im Oktober 2015 hätten Soldaten das Versteck des Vaters ge-

funden, der Beschwerdeführer sei bei ihm gewesen. Um vier Uhr morgens 

seien sie von drei Soldaten entdeckt worden. Sein Vater habe entkommen 

können, aber er sei festgenommen worden. Man habe ihn nach dem Auf-

enthaltsort seines Vaters gefragt, worauf er geantwortet habe, er kenne 

diesen nicht. In der Folge sei er nach E._______ gebracht und während 

zwei Wochen im Gefängnis festgehalten worden. Nach zwei Wochen habe 

sich sein Vater bei seiner Einheit zurückgemeldet und der Beschwerdefüh-

rer sei freigelassen worden. Er habe dann die Schule wieder besuchen 

wollen, dort sei er aber nicht wiederaufgenommen, sondern aufgefordert 

worden, zusammen mit seinen Eltern vorzusprechen. Nach diesen Vorfäl-

len habe er sich spontan zur Ausreise entschlossen. Am 19. Oktober 2015 

habe er sein Dorf zusammen mit vier Freunden in Richtung Äthiopien ver-

lassen. Er wisse nicht, wie lange sein Vater in der Folge inhaftiert worden 

sei, aktuell sei er wieder in D._______ im Dienst. Während des Aufenthalts 

des Beschwerdeführers in Italien (Juni 2017 bis Juli 2018) habe er von sei-

ner Mutter erfahren, dass der Vater zum ersten Mal wieder in den Urlaub 

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Seite 3 

nach Hause habe gehen dürfen. Als der Beschwerdeführer in Karthum ge-

wesen sei (Februar 2016 bis März 2017) habe er zum ersten Mal mit seiner 

Mutter telefoniert und erfahren, dass drei seiner Geschwister ebenfalls ei-

nen Fluchtversuch unternommen hätten, aber unterwegs aufgegriffen wor-

den seien. Die zwei jüngeren seien aufgrund ihrer Minderjährigkeit (14 und 

12 Jahre) freigelassen worden, der 16-jährige Bruder sei während sieben 

Monaten in F._______ festgehalten, danach ebenfalls freigelassen wor-

den. 

B.  

Mit Verfügung vom 21. November 2018 – eröffnet 24. November 2018 – 

stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei-

genschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung 

und deren Vollzug an.  

C.  

Mit Beschwerde vom 19. Dezember 2018 focht der Beschwerdeführer 

diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er, 

die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, ihm sei die Flüchtlingsei-

genschaft zuzuerkennen und er sei vorläufig aufzunehmen, eventualiter sei 

die Unzumutbarkeit und Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-

stellen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege und Beiordnung seiner Rechts-

vertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. 

D.  

Mit Instruktionsverfügung vom 10. Januar 2019 stellte die Instruktionsrich-

terin den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfah-

rens fest, hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung inklusive Befreiung von der Kostenvorschusspflicht und um amtli-

che Rechtsverbeiständung gut und ordnete ihm Frau lic. iur. Isabelle A. 

Müller als amtliche Rechtsbeiständin bei.  

E.  

Mit Vernehmlassung vom 15. Januar 2019 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 30. Januar 2019 machte der 

Beschwerdeführer von seinem Replikrecht Gebrauch. 

 

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Dabei kommen in einem sol-

chen Kontext bei der Prüfung einer begründeten Furcht vor Verfolgung be-

weiserleichternde Grundsätze zur Anwendung (vgl. dazu insbesondere  

EMARK 1993 Nr. 6, E. 4, S. 38 mit weiteren Verweisen; Weiterführung die-

ser Praxis durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, bei-

spielsweise im Urteil des BVGer E-2734/2015 vom 16. April 2018, E. 4.3, 

mit weiterem Verweis auf Urteil E-3738/2006 vom 5. Februar 2009 

E. 5.3.1).   

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, auf-

grund der Desertion des Vaters sowie der zweiwöchigen Haft des Be-

schwerdeführers, aus welcher er entlassen worden sei, könne – sofern sie 

denn überhaupt geglaubt werden könnte – nicht von einer asylrelevanten 

Verfolgung ausgegangen werden. So sei der Vater gemäss Aussagen des 

Beschwerdeführers inzwischen wieder im Militärdienst und würde sogar 

Urlaub erhalten, um seine Familie zu besuchen. Betreffend die Furcht vor 

einer Rekrutierung in den Militärdienst sei festzuhalten, dass es nicht ge-

nüge, diese lediglich mit Vermutungen zu begründen. Vielmehr müssten 

hinreichende Anhaltspunkte vorhanden sein, dass sich die erwartete Be-

drohung konkret realisieren werde und somit die Furcht davor realistisch 

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und nachvollziehbar erscheine. Gemäss eigenen Angaben habe kein be-

hördlicher Kontakt bestanden, aus dem erkennbar geworden wäre, dass er 

als damals Minderjähriger rekrutiert werden sollte. Daran ändere auch die 

Vermutung nichts, dass er wegen der Inhaftierung von der Schule verwie-

sen worden wäre oder dass er wegen seiner Verantwortung in der Land-

wirtschaft nicht mehr zur Schule hätte gehen können und daher für den 

Militärdienst aufgeboten worden wäre. Es könne daher nicht automatisch 

darauf geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer in Eritrea mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrelevant verfolgt worden 

wäre. Für die Annahme einer begründeten Furcht vor einer Rekrutierung 

reiche es nicht aus, dass eine Person zukünftig im dienstfähigen Alter sei 

und befürchte, irgendwann ausgehoben zu werden. Zudem hätten die erit-

reischen Behörden bis zu seiner Ausreise keine konkreten Schritte betref-

fend eine verfrühte Rekrutierung unternommen, so dass er sich bis anhin 

keiner staatlichen Weisung widersetzt habe. Es bestehe somit kein Grund 

zur Annahme, dass er mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-

rer Zeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten habe. 

Schliesslich mache er geltend, Eritrea illegal verlassen zu haben. Gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sei nicht mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit davon auszugehen, dass sich eritreische Staatsangehörige 

aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates kon-

frontiert sehen, die bezüglich Intensität und politische Motivation des Staa-

tes ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden. An-

dere Anknüpfungspunkte, welche ihn in den Augen des eritreischen Re-

gimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, seien ebenfalls 

nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer habe weder den Nationaldienst 

verweigert noch sei er aus diesem desertiert, sondern habe aufgrund sei-

ner Minderjährigkeit zum Zeitpunkt der Ausreise gar nie eine Aufforderung 

dafür erhalten. Da den Akten auch sonst nichts zu entnehmen sei, wonach 

er bei einer Rückkehr nach Eritrea ernsthafte Nachteile zu gewärtigen 

habe, seien die Anforderungen an die Feststellung einer begründeten 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung nicht erfüllt. Die Vorbringen bezüglich il-

legale Ausreise aus Eritrea seien somit asylrechtlich unbeachtlich.  

4.2 Dem wurde in der Beschwerde im Wesentlichen entgegnet, die Vo-

rinstanz prüfe die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers 

nicht, stelle aber dennoch fest, es seien aufgrund bestehender Widersprü-

che erhebliche Zweifel anzubringen. Der Verfügung könne somit nicht ent-

nommen werden, von welchen Widersprüchen die Vorinstanz ausgehe. Es 

werde deshalb festgehalten, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers 

bei einer Gesamtwürdigung überwiegend den Anforderungen gemäss 

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Art. 7 AsylG genügen würden. Diese Einschätzung habe auch die bei der 

vertieften Anhörung anwesende Hilfswerksvertreterin geäussert. Weiter 

spreche für die Glaubhaftigkeit, dass er seine wesentlichen Asylgründe im 

Rahmen der BzP und der Anhörung übereinstimmend vorgebracht habe, 

namentlich die Desertion des Vaters aus dem Militärdienst, die behördliche 

Suche nach dem Vater, die Festnahme des Beschwerdeführers und die 

zweiwöchige Inhaftierung in E._______, seine Freilassung, nachdem der 

Vater zu dessen Einheit zurückgekehrt sei, sowie die erstmalige Weigerung 

der Schule, den Beschwerdeführer wieder in den Unterricht aufzunehmen. 

Auch die illegale Ausreise sei übereinstimmend dargelegt worden. Ausser-

dem sei anzumerken, dass er den Fragen nie ausgewichen sei und diese 

sofern möglich detailliert und substantiiert beantwortet habe. Auch seien 

seine Aussagen im eritreischen Kontext als realistisch zu bezeichnen. Ein-

zig der vermeintliche Widerspruch bezüglich des Zeitpunktes der Desertion 

des Vaters habe nicht restlos geklärt werden können. Der Beschwerdefüh-

rer habe anlässlich der vertieften Anhörung sichtlich irritiert reagiert, da er 

sich seine vermeintliche Aussage bei der BzP beziehungsweise die ent-

sprechende Protokollierung nicht habe erklären können. Er habe ein Miss-

verständnis infolge der Stresssituation vermutet. Der Befrager habe ihm 

sodann versichert, dies könne passieren. Neben der illegalen Ausreise 

würden beim Beschwerdeführer sodann zusätzliche Anknüpfungspunkte 

vorliegen. So sei dieser bereits einmal – im Rahmen einer Reflexverfolgung 

– inhaftiert gewesen. Damals sei er noch minderjährig gewesen, was ein 

höchst zweifelhaftes Vorgehen der eritreischen Behörde aufzeige. Dass 

Reflexverfolgung von Familienangehörigen von illegal ausgereisten Perso-

nen und Wehrdienstflüchtigen in Eritrea nach wie vor stattfinde, gehe aus 

verschiedenen seriösen Quellen hervor. Aufgrund seiner Inhaftierung 

könne als erstellt gelten, dass er bei den eritreischen Behörden registriert 

sei. Durch seine illegale Ausreise habe er sich zudem dem Einzug in den 

Militärdienst entzogen. Aufgrund des Verhaltens des Vaters dürften die Be-

hörden auch dem Beschwerdeführer als dessen Sohn kritischer gegen-

überstehen. Als weiterer Anknüpfungspunkt sei zu berücksichtigen, dass 

drei jüngere Geschwister des Beschwerdeführers ebenfalls versucht hät-

ten, Eritrea illegal zu verlassen. Beim Versuch, die Grenze zu überqueren, 

seien sie verhaftet worden. Zwei der drei hätten kürzlich einen weiteren 

Ausreiseversuch gestartet, welcher geglückt sei. Sie würden sich derzeit in 

Äthiopien im Flüchtlingscamp G._______ aufhalten. Diesem Umstand sei 

ebenfalls Rechnung zu tragen. Es würden somit zusätzliche Anknüpfungs-

punkte vorliegen, welche gemäss Praxis des Gerichts zur Zuerkennung der 

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Flüchtlingseigenschaft führen müssten. Der Beschwerdeführer sei auf-

grund seines persönlichen Gefährdungsprofils in Verbindung mit der illega-

len Ausreise als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufzunehmen.  

4.3 Anlässlich der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, der Be-

schwerdeführer mache geltend, drei seiner Geschwister seien bei einem 

Ausreiseversuch verhaftet worden. Alle drei seien jedoch wieder freigelas-

sen worden, zweien sei inzwischen die illegale Ausreise gelungen. Darüber 

hinaus habe er keinerlei Ereignisse geltend gemacht, die auf eine Re-

flexverfolgung seiner Familienmitglieder aufgrund der Desertion des Vaters 

schliessen lassen würden. Die Verhaftung der Geschwister vermöge somit 

nichts daran zu ändern, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers in Er-

mangelung einer objektiv begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung 

die Anforderungen an die Asylrelevanz insgesamt nicht erfüllen würden.  

4.4 In seiner Replik legte der Beschwerdeführer dar, den Ausführungen der 

Vorinstanz, wonach neben der illegalen Ausreise keine zusätzliche An-

knüpfungspunkte bestehen würden, könne mit Hinweis auf die Ausführun-

gen in der Beschwerdeschrift nicht gefolgt werden. Ferner habe es das 

SEM erneut unterlassen, sich explizit zur Glaubhaftigkeit zu äussern. Der 

Beschwerdeführer sei im Zusammenhang mit der Suche nach seinem de-

sertierten Vater festgenommen und während zwei Wochen inhaftiert wor-

den. Er sei demnach bei den Behörden registriert. Aufgrund der Tatsache, 

dass er das Land im militärdienstpflichtigen Alter verlassen habe, sowie 

dem familiären Hintergrund sei demnach seine subjektive Furcht vor künf-

tiger Verfolgung auch objektiv begründet.  

5.  

Vorab ist festzuhalten, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers – 

entgegen den im Entscheid der Vorinstanz gemachten Andeutungen – den 

Voraussetzungen an das Glaubhaftmachen zu genügen vermögen. So hat 

dieser sämtliche Fragen sorgfältig und nach bestem Wissen beantwortet. 

Seine Aussagen enthalten zahlreiche Realkennzeichen, wie beispiels-

weise die Schilderung, wo sich das Gefängnis E._______ befindet, oder 

die Beschreibung der Zeit im Gefängnis (vgl. vorinstanzliche Akten act. A13 

F39f.). So gibt er auch spontan an, gewisse Dinge nicht zu wissen, bei-

spielsweise das Verhalten der Behörden nicht erklären zu können (vgl. act. 

A13 F53). Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer zum 

Zeitpunkt seiner Einreise sowie der BzP und der Anhörung erst 18 Jahre 

alt war und seine Ausreise und somit auch die Vorfälle, die zu seiner Aus-

reise führten, bereits drei Jahre zurücklagen, er sein Heimatland mit 15 

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Jahren und somit als Minderjähriger verlassen hat. Seine Aussagen sind in 

einer altersgerechten Substanziiertheit und Ausführlichkeit ausgefallen. Er 

hat die Kernelemente seiner Vorbringen – die Desertion seines Vaters und 

die behördliche Suche nach diesem sowie die Festnahme und Inhaftierung 

des Beschwerdeführers, bis sich der Vater gestellt habe – übereinstim-

mend dargelegt. Einzig betreffend Zeitpunkt der Desertion des Vaters wi-

derspricht er sich während der Anhörung, was ihn jedoch sichtlich beschäf-

tigte. Dieser Widerspruch wird zwar nicht aufgeklärt durch den Beschwer-

deführer, jedoch wird das Thema auch nicht weiter besprochen, sondern 

der Befrager erklärt, dies sei kein Problem, so etwas könne passieren, und 

geht zur nächsten Frage über (vgl. act. A13 F51). Schliesslich gab er auch 

spontan und bereitwillig Auskunft über Dinge, die die Familie ihm seit sei-

ner Ausreise berichtet habe, beispielsweise darüber, dass sein Vater inzwi-

schen wieder zu Hause Urlaub machen könne. Dass er nicht versucht, die 

Lage seiner Familie schlechter darzustellen, als sie ist, spricht für seine 

Glaubwürdigkeit. Ferner ist festzuhalten, dass sich die Vorbringen des Be-

schwerdeführers ohne Weiteres in den eritreischen Länderkontext einord-

nen lassen. Nach Auffassung des Gerichts vermag der eine Widerspruch 

nicht die Glaubhaftigkeit der Vorbringen insgesamt in Frage zu stellen. Ent-

sprechend wird von der Glaubhaftigkeit der Kernvorbringen des Beschwer-

deführers ausgegangen. Es ist demnach zu prüfen, ob die Vorinstanz zu 

Recht deren Relevanz für die Flüchtlingseigenschaft verneint hat.  

6.  

6.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Vorflucht-

gründe geltend macht. Mit der Beschwerde wird denn auch lediglich die 

Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft angefochten, nicht aber die 

Abweisung des Asylgesuchs. Es sind somit lediglich die geltend gemach-

ten subjektiven Nachfluchtgründe zu prüfen.  

6.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss 

Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-

men. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere das illegale 

Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), das Einreichen eines 

Asylgesuchs im Ausland oder exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Ge-

fahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Durch Republikflucht zum 

Flüchtling wird, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaa-

tes befürchten muss, die bezüglich ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im 

Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (BVGE 2009/29). 

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6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe Eritrea illegal verlassen 

und sei deswegen im Falle einer Rückkehr dorthin an Leib und Leben so-

wie in seiner Freiheit gefährdet. 

Gemäss langjähriger bisheriger Praxis der schweizerischen Asylbehörden 

begründete bereits eine (glaubhaft gemachte) illegale Ausreise aus Eritrea 

ohne weiteres die Flüchtlingseigenschaft. Das SEM verschärfte diese Pra-

xis im Sommer 2016.  

Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des Urteils 

D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) mit der 

Frage, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, 

allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das 

Gericht kam dabei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr 

aufrechterhalten lasse und vom SEM zu Recht angepasst worden sei. Für 

die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeutung, 

dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora für kurze Auf-

enthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter ihnen auch Per-

sonen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. Es sei mithin 

nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer un-

erlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-

gung droht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlings-

rechtlich begründeten Nachteilen sei nur dann auszugehen, wenn zur ille-

galen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende 

Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-

scheinen lassen (a.a.O., E. 5). 

6.4 Derartige zusätzliche Anknüpfungspunkte sind vorliegend nach Auffas-

sung des Gerichts vorhanden. Der Umstand, dass die Behörden den Be-

schwerdeführer kurz vor seiner Ausreise für zwei Wochen inhaftiert hatten, 

in der Absicht, seinen Vater dazu zu bewegen, sich zu stellen, lässt auch 

den Beschwerdeführer in einem kritischen Licht erscheinen. Es ist davon 

auszugehen, dass er in den Augen der eritreischen Behörden als eine Per-

son gilt, der eine regimekritische Haltung zumindest unterstellt wird, wes-

halb auch seine Ausreise als regimekritischer Akt erachtet werden dürfte. 

Dazu kommt, dass nach der Ausreise des Beschwerdeführers auch drei 

seiner Geschwister einen Ausreiseversuch unternommen haben und dabei 

erwischt worden sind. Zwar wurden alle drei in der Folge wieder freigelas-

sen, jedoch ist davon auszugehen, dass der Umstand, dass sie nicht härter 

bestraft wurden, auf das junge Alter der Geschwister zurückzuführen ist. 

Zwei Geschwistern ist sodann die Ausreise zu einem späteren Zeitpunkt 

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Seite 11 

gelungen. Auch dies wird den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den 

Augen der eritreischen Behörden in ein kritisches Licht rücken und stellt 

einen weiteren Anknüpfungspunkt im Sinne der Rechtsprechung dar.  

Die (frühere) Desertion des Vaters, die Inhaftierung, ein allfälliger Schul-

ausschluss und auch die inzwischen erfolgte Ausreise von zwei seiner Ge-

schwister und vorübergehende Festnahme von drei seiner Geschwister 

genügen zwar den Anforderungen an eine asylbeachtliche Vorverfolgung 

noch nicht; im Fall der Rückkehr liefern sie aber genau die zusätzlichen 

Anknüpfungspunkte – neben der illegalen Ausreise –, um eine auch objek-

tiv begründete Furcht des Beschwerdeführers vor zukünftiger flüchtlingsre-

levanter Verfolgung bejahen zu können. In vergleichbaren Konstellationen 

anerkannte das Bundesverwaltungsgericht bereits das Vorliegen zusätzli-

cher Anknüpfungspunkte für den Fall einer als Reflexverfolgung zu be-

zeichnenden Inhaftierung wegen der Desertion eines nahen Angehörigen 

(vgl. die Ausführungen zum zusätzlichen Anknüpfungspunkt im Urteil des 

BVGer E-1177/2017 vom 20. September 2017, E. 6.7). Im Fall der Rück-

kehr dürfte der Beschwerdeführer von den eritreischen Behörden als 

ebenso missliebig wie sein Vater und seine illegale Ausreise deshalb als 

politisch begründet erachtet werden, weshalb er aufgrund seines ihm min-

destens unterstellten geschärften politischen Profils bei der Rückkehr 

Nachteile zu befürchten hätte. 

6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass neben der glaubhaft gemach-

ten illegalen Ausreise zusätzliche Gefährdungselemente bestehen, wes-

halb von einer relevanten Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive 

Art. 54 AsylG auszugehen ist. 

7.  

Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach 

zu Unrecht verneint. Die Beschwerde ist bezüglich des Antrags auf Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft gutzuheissen. Nachdem keine asylre-

levanten Vorfluchtgründe bestehen (und auch nicht geltend gemacht wur-

den), ergibt sich die Flüchtlingseigenschaft aus Nachfluchtgründen, die 

eine Asylgewährung ausschliessen. Ziffer 1 sowie 4 und 5 der angefochte-

nen Verfügung sind aufzuheben und das SEM ist anzuweisen, die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihn als Flücht-

ling wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzuneh-

men. 

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Seite 12 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Feb-

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm not-

wendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Mit der Beschwerde wurde eine Kostennote eingereicht, wobei ein Auf-

wand von 390 Minuten (6.5 Stunden) angegeben war, dies bei einem Stun-

denhonorar von Fr. 193.85. Zusätzlich wurde eine einmalige Pauschale 

von Fr. 53.85 als Auslagenersatz angegeben. Nach der Beschwerde wurde 

schliesslich noch eine Replikeingabe sowie zwei Anfragen zum Verfah-

rensstand eingereicht. Die Kostennote erscheint als angemessen, wobei 

aufgrund des nach der Beschwerdeeinreichung erfolgten Aufwandes ins-

gesamt von 7.5 Stunden auszugehen, jedoch der Auslagenersatz zu kür-

zen ist, da das Gericht keine Pauschalen vergütet. Die von der Vorinstanz 

auszurichtende Parteientschädigung ist somit auf insgesamt Fr. 1'500.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 

Bst. c VGKE) festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-7224/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Ziffern 1 sowie 4 und 5 der Verfü-

gung des SEM werden aufgehoben und das SEM wird angewiesen, den 

Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'500.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Aglaja Schinzel 

 

 

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