# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be54f357-3a01-5ec4-959b-d7103825e7aa
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-17
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 17.01.2023 UV.2022.37 (SVG.2023.94)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_UV-2022-37_2023-01-17.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 17.
Januar 2023

 

 

Mitwirkende

 

Dr. A. Pfleiderer (Vorsitz), lic.
phil. D. Borer, Dr. med. R. von Aarburg     

und
Gerichtsschreiberin Dr. K. Zimmermann 

 

 

 

 

Parteien

 

A____

[...]  

vertreten durch lic. iur. B____, Advokat,
[...]   

                                                                                                 Beschwerdeführer

 

 

 

SUVA

Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1,
Postfach, 6002 Luzern   

                                                                                            Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

UV.2022.37

Einspracheentscheid vom 14.
Oktober 2022

Fehlende Kausalität;
Beschwerdeabweisung.

 

Tatsachen

I.        

Der [...] geborene Beschwerdeführer arbeitete seit dem 1.
Oktober 2012 als [...] für die C____ AG und war in dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin
unfallversichert. Am 20. September 2016 erlitt er einen Auffahrunfall (SUVA-Akte
2). Im Austrittsbericht des [...]spitals vom 22. September 2016 wurden als
Diagnosen eine Kontusion der BWS und eine Schulterkontusion rechts festgehalten.
Eine röntgendiagnostische Abklärung ergab keinen pathologischen Befund (vgl.
SUVA-Akte 22). Da der Beschwerdeführer über fortbestehende Schmerzen (insb. der
LWS; vgl. SUVA-Akte 10) klagte, wurde am 29. September 2016 eine MRI LWS/ISG
vorgenommen. Diese erbrachte keinen Hinweis für ein akutes diskäres oder
knöchernes Trauma (vgl. SUVA-Akte 11). Eine weitere MRI-Abklärung von Becken
und der BWS fand am 13. Juni 2017 statt. In diesem Zusammenhang wurde unter
anderem eine leichte bis mässige rechts überwiegende Coxarthrose festgestellt
(vgl. den entsprechenden Bericht D____, SUVA-Akte 46).

Im weiteren Verlauf holte die Beschwerdegegnerin bei ihrem Kreisarzt
verschiedene Beurteilungen ein (vgl. SUVA-Akten 61 und 70) und stellte mit Verfügung
vom 25. September 2017 die bislang in Anerkennung ihrer Leistungspflicht gewährten
Leistungen (vgl. dazu u.a. SUVA-Akten 14-17) per 9. Oktober 2017 ein (vgl.
SUVA-Akte 84). Eine hiergegen erhobene Einsprache wurde mit Einspracheentscheid
vom 9. Mai 2018 abgewiesen (SUVA-Akte 118). Die in der Folge erhobene
Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt mit Urteil vom 25.
September 2018 (UV.2018.17) gut, hob den Einspracheentscheid vom 9. Mai 2018
auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück
(SUVA-Akte 136). 

Der von der Beschwerdegegnerin beauftragte Prof. Dr. E____,
Spezialist für Traumatologie, Wirbelsäulen-, Becken- und Hüftchirurgie, [...]
in [...], erstattete sein Gutachten am 9. Dezember 2019 (SUVA-Akte 185) und
ergänzte seine Beurteilung am 22. Juni 2020 (SUVA-Akte 210). Gestützt auf diese
Abklärungen verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 31. Januar 2022 eine
Leistungspflicht für die geltend gemachten Hüftbeschwerden (SUVA-Akte 232). Der
Beschwerdeführer erhob dagegen Einsprache und reichte ein Schreiben seines
behandelnden Arztes med. pract. F____ ein. Dieses legte die Beschwerdegegnerin dem
Versicherungsmediziner Dr. G____, Facharzt für Chirurgie und Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vor, welcher sich am 22.
März 2022 dazu äusserte (SUVA-Akte 242). Daraufhin wies die Beschwerdegegnerin
die Einsprache mit Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2022 ab (SUVA-Akte 244).

II.       

Mit Beschwerde vom 21. Oktober 2022 werden beim
Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt folgende Rechtsbegehren gestellt:

1.   
In Aufhebung des
Einspracheentscheids der Suva [...], Rechtsabteilung, vom 14. Oktober 2022
seien die gesetzlichen Leistungen rückwirkend wiederzuzusprechen.

2.   
Alles unter o/e
Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 11.
November 2022 auf Abweisung der Beschwerde.

Die Parteien halten mit Replik vom 17. November 2022 resp.
Duplik vom 22. November 2022 an den gestellten Rechtsbegehren fest.

III.     

Die Urteilsberatung der Kammer des Sozialversicherungsgerichts
Basel-Stadt findet am 17. Januar 2023 statt.

Entscheidungsgründe

1.              
 

1.1.         
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale
Instanz zuständig zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit (§ 82 Abs. 1
des Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation der Gerichte und der
Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SG 154.100). Die
örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 58 Abs. 1
des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).

1.2.         
Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf
die rechtzeitig erhobene Beschwerde einzutreten.

2.              
 

2.1.         
Mit der durch den Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2022 bestätigten
Verfügung vom 31. Januar 2022 verneinte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht
für die geltend gemachten Hüftbeschwerden rechts mit der Begründung, diese
seien nicht mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 20. September
2016 zurückzuführen (SUVA-Akte 232). Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei
auf das eingeholte Gutachten von Prof. Dr. E____ vom 9. Dezember 2019 (SUVA-Akte
185) sowie dessen Ergänzungsbericht vom 22. Juni 2020 (SUVA-Akte 210) und die
Stellungnahme des Versicherungsmediziners Dr. G____, Facharzt für Chirurgie und
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 22.
März 2022 (SUVA-Akte 242).

2.2.         
Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der Auffassung, dass auf das
eingeholte Gutachten von Prof. Dr. E____ vom 9. Dezember 2019 und auf dessen
ergänzende Beurteilung vom 9. Dezember 2019 nicht abgestellt werden könne. Es bestünden
unfallkausale Beeinträchtigungen und dementsprechend auch eine Leistungspflicht
der Beschwerdegegnerin (Replik, S. 2). 

2.3.         
Zu prüfen ist nachfolgend, ob zwischen den vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Hüftbeschwerden rechts und dem Unfall vom 20. September 2016 ein überwiegender
Kausalzusammenhang und damit eine Leistungspflicht der SUVA besteht. 

3.              
 

3.1.         
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) werden Versicherungsleistungen bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Als Unfall
gilt nach Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper,
die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.

3.2.         
Die Unfallversicherung haftet für einen Gesundheitsschaden nur
insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zu
einem versicherten Ereignis steht (vgl. BGE 129 V 177, 181 E. 3.1 und 3.2).
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht
als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
werden kann. Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist daher
nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache
gesundheitlicher Störung ist. Vielmehr genügt es, wenn das schädigende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall folglich nicht weggedacht
werden kann, ohne dass die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE
129 V 177, 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Auch eine Teilursache muss überwiegend
wahrscheinlich den Schaden bewirkt haben (Bundesgerichtsurteil vom 28. Juli
2009, 8C_456/2009, E. 5.1). Im Bereich organisch objektiv, d.h.
apparativ/bildgebend, ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als
rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier
die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109,
111 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). 

3.3.         
Die vom Unfallversicherer einmal anerkannte Leistungspflicht
entfällt, wenn dieser nachweist, dass der Gesundheitszustand erreicht ist, wie
er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder wie er sich
nach dem schicksalmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne
Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine; Urteil des
Bundesgerichts 8C_484/2014 vom 1. April 2015 E. 2.1.). Mit dem Erreichen des
Status quo sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch
bestehenden Beschwerden. Bis zum Erreichen dieses Status hat die versicherte
Person Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung, welche auch operative
Eingriffe umfassen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_956/2011 vom 20. Juni
2012 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).

3.4.         
Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge ist die
rechtsanwendende Behörde naturgemäss auf Angaben ärztlicher Fachpersonen
angewiesen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend,
ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und
der medizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 351, 352 E. 3a).

3.5.         
In medizinisch-theoretischer Hinsicht stützt sich die
Beschwerdegegnerin auf die Einschätzung eines Vertrauensarztes ab. Das
Bundesgericht anerkennt nach ständiger Praxis den grundsätzlichen Beweiswert
solcher Abklärungen. Jedoch kommt ihnen praxisgemäss nicht dieselbe hohe
Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG
vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen externen Gutachten zu (BGE 125 V
351, 352 E. 3a und 3b/bb). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines
externen Gutachtens entschieden werden, sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465, 470 E.
4.4; 122 V 157, 162 E. 1d). 

3.6.         
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforderungen
nicht. Das Gericht hat jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von
allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste erachtet (BGE 126
V 353, 360 E. 5b mit weiteren Hinweisen).

4.              
 

4.1.         
Die Beschwerdegegnerin verneint die Unfallkausalität gestützt auf
die Beurteilung des für sie als Vertrauensarzt wirkenden Prof. Dr. E____. Dieser
stellte in seinem Gutachten vom 9. Dezember 2019 (SUVA-Akte 185) folgende
Diagnosen:

-        
beginnende
Coxarthrosen rechts mehr als links bei Offsetstörung, vor allem rechts mit im
axialen Bild Nachweis einer Herniation pit, 

-        
Status nach
Auffahrunfall mit Kontusion der BWS ohne Frakturnachweis an der HWS, BWS und
ohne Schädel-Hirn-Trauma, 

-        
LWS-Degenerationen
mit Osteochondrose an der Vorderkante L4 sowie Spondyloarthrosen rechtsbetont
L3/4 und L4/5, 

-        
Adipositas sowie

-        
Psoriasis
(SUVA-Akte 185, S. 7).

4.2.         
Im Einzelnen führte er auf die Frage, welche Beschwerden nach dem
Unfall im Bereich der rechten Hüfte resp. dem ISG nachgewiesen werden konnten aus,
der Versicherte klage über Schmerzen in der rechten Leiste wie auch dorsal im
Bereich des Iliosakralgelenkes mit VAS 7-8 Punkten in der Leiste. Die
Beschwerden würden vor allem bei Belastung auftreten. Danach müsse der
Versicherte ca. eine Stunde sitzen (SUVA-Akte 185, S. 7). Im
Dokumentationsbogen vom 20. September 2016 seien ein Druckschmerz am Rücken wie
auch Rücken- und Schulterschmerzen mit Ausstrahlungen in die Hüftgelenke
beschrieben worden. Im Austrittsbericht des [...]spitals sei nur von einer
Kontusion der BWS gesprochen worden. In einem ärztlichen Zwischenbericht vom 5.
Oktober 2016 seien ebenfalls nur LWS-Schmerzen dokumentiert worden, wobei vom
29. September 2016 ein MRI vorhanden sei, wo die Spondyloarthrosen L3/4 und
L4/5 beschrieben worden seien (SUVA-Akte 185, S. 8). Im Bericht der [...] F____
vom 19. Mai 2017 sei erstmalig die Diagnose von Hüftgelenksarthrosen beidseits (mit
Rotationseinschränkung mehr rechts als links) gestellt worden, also praktisch
acht Monate nach dem Unfall. Es seien auch Schmerzen im lumbosakralen Übergang
beschrieben worden. Die MRI-Untersuchung vom 19. Juni 2017 zeige entsprechend das
Cam-Typ-Impingement an der Hüfte rechts mehr als links (a.a.O.). Auf die Frage,
ob die Ursachen der Hüftbeschwerden bildgebend nachweis- oder objektivierbar
seien, vermerkte Prof. Dr. E____, gemäss Bildgebung seien Zeichen einer
Hüftpathologie erstmalig am 19. Juni 2017 in einer MRI-Untersuchung richtig nachgewiesen
worden, also praktisch neun Monate nach dem Unfall (a.a.O.). Obwohl der
Versicherte im Rahmen der Konsultation angebe, eigentlich sofort gewisse
Leistenschmerzen gehabt zu haben und dies auch im Dokumentationsbogen vom 20.
September 2016 dokumentiert sei, müsse davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdedruck relativ tief gewesen sei, da entsprechend eine MRI-Untersuchung
erst am 19. Juni 2017 vom Becken durchgeführt worden sei mit entsprechendem
Nachweis des Cam-Impingements (SUVA-Akte 185, S. 8). Beim Unfallhergang mit Auffahrunfall
müsse angenommen werden, dass eine 90°-Position (sitzende Position) eher zu
einer Art dashboard-injury geführt hätte, was von der Traumatologie mit
dorsalen Hüftluxationen durch die entsprechende Stellung bekannt sei. Mit
Sicherheit sei es bei vorhandenem Impingement nicht zu einem signifikanten Innenrotationsmechanismus
und damit nicht zu einer signifikanten Labrumläsion gekommen. Weiter müsse
davon ausgegangen werden, dass vorbestehend eine Cam-Deformität vorhanden
gewesen sei. Sowohl nach eigener Ansicht von Prof. E____ als auch aufgrund der
verzögerten Diagnostik seien die Beschwerden nicht durch den Unfall akzeleriert
worden (SUVA-Akte 185, S. 9).

4.3.         
Hinsichtlich der Frage, ob die Schädigungen überwiegend
wahrscheinlich durch den Unfall verursacht worden seien, gab Prof. Dr. E____
an, durch die verzögerte Diagnostik sei darauf zu schliessen, dass nicht das
Hüftgelenk, sondern eher die BWS-Kontusion im Vordergrund gestanden sei
(a.a.O.). Die Hüftgelenksbeschwerden seien wahrscheinlich ausschliesslich
degenerativer Natur. Das Cam-Impingement sei vorbestehend gewesen. Der Auffahrunfall
habe im Sinne einer dashboard-injury nicht zu einer Akzeleration mit z.B.
Labrumläsion geführt. Bei einer signifikanten Labrumläsion müsste ein schwerer
Innenrotationsmechanismus vorhanden sein und die Schmerzen müssten unmittelbar
so stark sein, dass umgehend eine MRI-Untersuchung veranlasst worden wäre (a.a.O.).
Die Frage, ob das Ereignis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen
richtungsweisenden Effekt auf die Hüftgelenksbeschwerden gehabt oder zu einer
richtungsgebenden Verschlimmerung geführt habe, verneinte er (a.a.O.). Die Hüftgelenksbeschwerden
seien (erst) im Verlauf entstanden, was auch die verzögerte Diagnostik der
MRI-Untersuchung zeige, welche nicht wenige Wochen, sondern erst am 13. Juni 2017,
also praktisch neun Monate nach dem Unfall durchgeführt worden sei (SUVA-Akte
185, S. 10). Falls eine Verschlimmerung der Hüftgelenksbeschwerden durch einen
Unfall wirklich entstanden wäre, was aber aufgrund von starken Schmerzen
unmittelbar zu weiterer Diagnostik geführt hätte, wäre wahrscheinlich bei klar
vorbestehender Cam-Komponente mit beginnender Coxarthrose der Vorzustand nicht
wieder erreicht worden und es hätte wahrscheinlich frühzeitig eine Intervention
stattfinden müssen (a.a.O.). Zusammenfassend kam Prof. Dr. E____ zum Schluss,
dass der Verlauf mit verzögerter Diagnostik, das Beschwerdebild und der
Unfallmechanismus keinen Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den
Hüftgelenksschmerzen zeigen würden. Diese seien degenerativer Natur (SUVA-Akte
185, S. 10). 

4.4.         
Nachdem die Beschwerdegegnerin Prof. Dr. E____ die
Konsultationsberichte der [...] F____ vom 7. Januar 2020, 21. Januar 2020, vom
4. Februar 2020 sowie den Kommentar von med. pract. F____ vom 27. Januar 2020
zum Gutachten vom 9. Dezember 2019 vorgelegt hatte, nahm Prof. Dr. E____ am 22.
Juni 2020 eine ergänzende Beurteilung vor (SUVA-Akte 210). Darin führte er aus,
dass die Liste der diversen Diagnosen aufzeige, dass es sich um diffuse
Schmerzen mit mehreren Ursachen wie LWS-Degeneration, BWS-Schmerzen,
ISG-Schmerzen und auch den aktivierten Coxarthrosen beidseits handle. In den
Berichten würden subjektive Äusserungen bezüglich der Schmerzsymptomatik beschrieben.
Die objektiven Fakten lägen bei den bildgebenden Verfahren, wobei die Cam-Typ-Problematik
der Hüfte rechts mehr als links (erst) in der MRI-Untersuchung vom 19. Juni
2017 also ca. neun Monate nach dem Unfall nachgewiesen worden sei (SUVA-Akte
210, S. 2). Bei der Frage, ob sich der Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit ebenfalls ohne Unfallereignis bezüglich des Hüftgelenks in
gleicher Richtung entwickelt hätten, müsse unterschieden werden, ob das Cam-Impingement,
das auch mit Nachweis der Herniation pit mit höchster Wahrscheinlichkeit
bereits vor dem Unfallereignis bestand, möglicherweise durch das Unfallereignis
akzentuiert wurde resp. zu Symptomen geführt hat oder ob das bereits
vorbestehende Cam-Impingement erst deutlich nach dem Unfall zu den Symptomen führte.
Seiner Ansicht nach hätten die Schmerzen, wenn sie durch das Cam-Impingement
mit dem zusätzlichen Unfallereignis zu einem z.B. schweren Labrumschaden
geführt hätten, unmittelbar zu schwersten Leistenschmerzen führen müssen
(a.a.O.). Ein Cam-Impingement, das mit dem Nachweis der Herniation pit schon
länger bestehe, könne langfristig zu einer Arthrose führen. Ob nun das
Unfallereignis noch zusätzlich auslösend gewesen sei, um die Symptomatik und
die Arthrose zu aktivieren, sei hypothetischer Natur. In dieser Hinsicht sei er
der Meinung, dass vorbestehend ein Cam-Impingement bestanden habe. Zu wieviel
Prozent das Unfallereignis mit Nachweis des Cam-Impingement erst nach
neunmonatiger Verzögerung mit MRI-Diagnostik zu den Symptomen geführt habe,
könne er nicht abschliessend beurteilen. Dies werde auch nie abschliessend beurteilbar
sein (a.a.O.).

4.5.         
Bei einer Gesamtwürdigung der Akten ist festzustellen, dass mit dem
Gutachten von Prof. Dr. E____ vom 9. Dezember 2019 (SUVA-Akte 185) sowie dessen
ergänzender Beurteilung vom 22. Juni 2020 (SUVA-Akte 210) ausreichend
schlüssige, nachvollziehbar begründete sowie in sich widerspruchsfreie Berichte
vorliegen (vgl. E. 3.5 vorstehend), um mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit die Unfallkausalität bezüglich der geltend gemachten
Hüftbeschwerden des Beschwerdeführers zu verneinen. Insbesondere sprechen der
Hergang des Unfalls, die mehrere Monate nach den Unfällen bildgebend
dokumentierte Beschwerdesymptomatik und der ausgeprägte degenerative Vorzustand
gegen eine unfallbedingte Genese der Hüftbeschwerden. Der vom Gutachter in
diesem Zusammenhang vorgebrachte Hinweis auf die am 19. Juni 2017 und damit
neun Monate nach dem Unfall stattgehabte MRI-Untersuchung leuchtet vollumfänglich
ein. Diese Ansicht wird weiter durch die biomechanische Kurzbeurteilung der
Arbeitsgruppe für Unfallmechanik (AGU) vom 21. Dezember 2020 gestützt, worin
festgehalten wurde, dass der Personenwagen des Versicherten durch den Heckanprall
beim Unfall eine Geschwindigkeitsänderung (delta-v) in Vorwärtsrichtung
erfahren habe, welche unterhalb oder innerhalb des Harmlosigkeitsbereichs
(Bereich von 10-15 km/h) gelegen hat (SUVA-Akte 223).

4.6.         
Darüber hinaus werden die Ausführungen von Prof. Dr. E____ auch
durch die Ausführungen von Dr. G____, Facharzt für Chirurgie, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, bestätigt. Dieser hielt fest, aufgrund
der vorhandenen Dokumentation könne festgehalten werden, dass das
Unfallereignis vom 20. September 2016 nicht zu unfallkausalen Veränderungen
seitens beider Hüftgelenke (rechts > links) geführt habe. Wäre es am 20.
September 2016 zu einer schwerwiegenden Verletzung der Hüftgelenke gekommen,
hätte der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall beziehungsweise kurze
Zeit danach über Beschwerden der Hüftgelenke geklagt. Vorliegend sei es zu
keiner Dash Board-Verletzung gekommen, dies bestätige auch die biomechanische
Kurzbeurteilung vom 21. Dezember 2020. Unter Hinweis darauf, dass es sich bei
den festgestellten Veränderungen seitens beider Hüftgelenke (rechts > links)
um schwere degenerative Substanzveränderungen der Hüftgelenke aufgrund des
femoroacetabulären Impingements (FAI) vom Cam-Typ handle, schloss sich Dr. G____
den Schlussfolgerungen von Prof. Dr. E____ vom 9. Dezember 2019 und 22. Juni 2020
aus versicherungsmedizinischer Sicht vollumfänglich an und führte
zusammenfassend aus, dass nach erneuter Analyse der zur Verfügung stehenden ärztlichen
Berichte, der Bildgebung, der biomechanischen Beurteilung und der angefertigten
Polizeiprotokolle festgehalten werden könne, dass die geltend gemachten
Hüftbeschwerden rechts mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den
Unfall vom 20. September 2016 zurückzuführen seien. Es handle sich um
degenerative Veränderungen beider Hüftgelenke (rechts > links). Somit sei
die Unfallkausalität nicht gegeben (SUVA-Akte 242).

4.7.         
Was der Beschwerdeführer gegen die gutachterliche Einschätzung
vorbringt, vermag keine andere Beurteilung der Sachlage zu bewirken. Insoweit
als der Beschwerdeführer auf die Einschätzung seines behandelnden Arztes med.
pract. F____ verweist, ist festzuhalten, dass dieser stets einen "Zustand
nach Verkehrsunfall" beschreibt (vgl. SUVA-Akte 192, S. 1; Bericht vom
1.07.2020, SUVA-Akte 211, S. 1; Bericht vom 28.02.2020, SUVA-Akte 212, S. 1;
Bericht vom 8.12.2020, SUVA-Akte 222), obwohl dieser Terminus keine Diagnose
darstellt, sodass der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten
kann. Im Übrigen ist nach Lage der Akten nicht mit dem Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass das Unfallereignis vom 20. September 2016 "zumindest
prozentual" zu den Hüftbeschwerden geführt hat, wie der Beschwerdeführer
geltend macht (Beschwerde, S. 4). 

4.8.         
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass es sich im Zusammenhang
mit den Hüftbeschwerden um rechtsaufhebende Tatsachen handle (vgl. Replik, S.
2), kann ihm nicht gefolgt werden. Im Falle von Beweislosigkeit fällt der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 126 V 319, 322 E. 5a). Nachdem es sich
bei der Kausalität um eine anspruchsbegründende Tatsache handelt und der
Beschwerdeführer aus der behaupteten Unfallkausalität der Hüftbeschwerden rechts
ab dem Unfalldatum vom 20. September 2016 Ansprüche aus der obligatorischen
Unfallversicherung ableiten will, trägt er die Beweislast. 

4.9.         
Im Ergebnis sind die rechtsseitigen Hüftbeschwerden des
Beschwerdeführers nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
durch den Unfall vom 20. September 2016 verursacht worden. Sie sind
degenerativer Natur, wofür keine Leistungspflicht der SUVA besteht. Demnach hat
die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 31. Januar 2022 bzw. mit
Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2022 zu Recht eine Leistungspflicht für die
rechtsseitigen Schulterbeschwerden verneint.

5.              
 

5.1.         
Den obigen Ausführungen zufolge ist die Beschwerde abzuweisen und
der Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2022 zu bestätigen. 

5.2.         
Das Verfahren ist kostenlos. 

5.3.         
Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen.

Demgemäss erkennt das Sozialversicherungsgericht:

://:        Die Beschwerde wird abgewiesen.

            Das Verfahren ist kostenlos.

            Die ausserordentlichen Kosten werden
wettgeschlagen.

            

 

Sozialversicherungsgericht
BASEL-STADT

 

Die Präsidentin                                                         Die
Gerichtsschreiberin

 

 

 

Dr. A. Pfleiderer                                                        Dr.
K. Zimmermann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die
Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die
Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht
verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführer

–          Beschwerdegegnerin

–   Bundesamt
für Gesundheit

 

Versandt am: