# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c284417a-8e71-53af-b083-7f461de34d3c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-11-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 15.11.2011 SK1 2011 20
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2011-20_2011-11-15.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 15. November 2011 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 11 20 [nicht mündlich eröffnet]          15. Oktober 2012

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
RichterInnen Brunner und Michael-Dürst
Aktuarin Mosca

In der strafrechtlichen Berufung

des X., Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Die-
ter Jann, Löwenstrasse 2, 8022 Zürich, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtes Prättigau/Davos vom 31. März 2011, mitgeteilt am 
7. Juni 2011, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Senn-
hofstrasse 17, 7001 Chur, Berufungsbeklagte, und der Y., Adhäsionsklägerin und 
Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Schnyder, Gelbes 
Haus, 7220 Schiers, gegen den Angeklagten und Berufungskläger,

betreffend mehrfache Schändung/sexuelle Handlungen mit Kindern/versuchte Por-
nographie,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 17. August 1971 in E. geboren. Zusammen mit seinen Ge-
schwistern wuchs er bei seinen Eltern mehrheitlich in C. und während zwei Jahren 
in F. in geordneten Verhältnissen auf. Nach der Schulentlassung absolvierte er eine 
Bäcker-/Konditorlehre bei der Bäckerei G. in H. und arbeitete nach dem Lehrab-
schluss bei der Bäckerei I. in J.. In der Folge absolvierte X. eine kaufmännische 
Lehre bei der K. Versicherung und bildete sich zum Versicherungsfachmann mit 
eidgenössischem Fachausweis weiter. Diese Ausbildung schloss er im Jahr 2001 
ab. Seit dem Jahr 1992 arbeitet er bei der K. Versicherung. Von 2001 bis 2004 war 
er Geschäftsleiter und stellvertretender Geschäftsleiter in L.. Dabei erzielte er ein 
monatliches Nettoeinkommen von Fr. 10‘000.--. Seit dem 1. Januar 2010 war X. 
Mandatsleiter bei einem Consulting Unternehmen in J.. Das Einkommen betrug im 
Jahr 2010 Fr. 108‘000.-- (inkl. Kinderzulagen). Anlässlich der mündlichen Hauptver-
handlung vor Kantonsgericht gab X. zu Protokoll, er arbeite zurzeit von zu Hause 
aus für die M. in N.. Eigenen Angaben zu Folge verfügt er über ein Vermögen von 
Fr. 30‘000.--. In C. ist er Eigentümer eines Einfamilienhauses, welches mit einer 
Hypothek von Fr. 780‘000.-- belastet ist. Zudem hat er Darlehensschulden in Höhe 
von Fr. 180‘000.--.

Im Jahr 1998 verheiratete sich X. mit O.. Aus dieser Ehe, welche im Jahr 2003 ge-
schieden wurde, ging im Jahr 1999 eine Tochter hervor. Für seine Tochter bezahlt 
er monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 1‘020.--. X. lebt mit seiner neuen Lebens-
partnerin und deren zwei Kindern in C.. 

Im Schweizerischen Strafregister ist X. nicht verzeichnet. 

Am 29. April 2009 wurde X. von der Kantonspolizei Graubünden festgenommen und 
gleichentags aus der Polizeihaft entlassen. 

B. X. ist gemäss Anklageverfügung vom 5. August 2010 angeklagt der mehrfa-
chen Schändung gemäss Art. 191 StGB, der sexuellen Handlungen mit Kindern 
gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie der versuchten Pornographie gemäss Art. 197 
Ziff. 3 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

C. Der Anklage liegt gemäss Anklageschrift vom 5. August 2010 folgender 
Sachverhalt zugrunde (vgl., act. 1.41, Ziff. II):

„X. wird angeklagt

1. der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB.

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1.1 Im August 2005, anlässlich eines Festes der Musikgesellschaft C. in einem 
Stall in C., fühlte sich P. plötzlich unwohl, sehr müde und schlapp. Sie legte 
sich deshalb auf einen Strohballen. X. bemerkte den Zustand von P.. Des-
halb ging er zu ihr hin und deckte sie mit einer Jacke zu. Dann griff er vom 
Bund her in ihre Hose und berührte sie mit der Hand an den Schamlippen. 
Danach zog er die Hand zurück. P. konnte sich aufgrund ihres gesundheitli-
chen Zustandes nicht gegen den Übergriff wehren.

1.2 Im März 2006 erlitt P. nach einem Konzert der Musikgesellschaft C. in der 
Mehrzweckhalle in C. erneut einen solchen Anfall. Sie setzte sich daher im 
Foyer auf den Boden. Von dort wurde sie zum Sanitätszimmer getragen. 
Während des Wegtragens griff X. unter den Rock von P. und berührte sie 
vorsätzlich mit der Hand über der Strumpfhose am Gesäss. Wegen dieser 
Berührung begann P. plötzlich zu schreien und zappeln.

P. hatte von August 2005 bis März 2007 mehrfach solche Zusammenbrüche. 
Sie fühlte sich dabei jeweils sehr müde und schlapp und konnte sich daher 
kaum mehr bewegen.

Gemäss dem Arztbericht von Dr. med. Q. vom 2. August 2009 war P. bei 
solchen Anfällen meistens nicht ansprechbar und konnte auch keine 
selbständigen Bewegungen ausführen. Ihre Muskeln waren schlaff (act. 5.3).

2. der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB und der 
Schändung gemäss Art. 191 StGB.

Am Samstag, 25. April 2009, ging Y., geb. 30. Dezember 2005, zusammen 
mit X. – ein Nachbar und langjähriger Bekannter ihrer Eltern – und dessen 
Tochter R. in das Haus von X. an der D. in C., um dort eine Puppe zu holen. 
Im Haus musste sich Y. auf den Deckel des WC’s setzen. X. stand vor ihr 
und sagte ihr, dass sie die Augen schliessen solle, was sie auch tat. Dann 
steckte ihr X. sein Glied in den Mund. Als Y. die Augen wieder öffnete, be-
merkte sie, dass X. ihr sein Glied in den Mund gesteckt hatte. Dann gingen 
sie in das Zimmer von R., um die Puppe zu holen. Noch am gleichen Tag 
erzählte Y. ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer Grossmutter davon.

Mit Schreiben vom 4. November 2009 liess Y. eine Adhäsionsklage einrei-
chen mit folgenden Rechtsbegehren:

„1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin eine Genugtuung in der 
Höhe von Fr. 5‘000.-- nebst Zins zu 5% seit dem 25.04.2009 zu bezah-
len.

 2. Es sei dem Grundsatz nach festzustellen, dass der Beklagte der Kläge-
rin für den Schaden aufgrund der Ereignisse vom April 2009, insbeson-
dere vom 25.04.2009, voll ersatzpflichtig ist.

 3. Dem Beklagten sei unter Androhung der Straffolgen von Art. 292 StGB 
zu untersagen, sich der Klägerin zu nähern. Es sei ihm insbesondere 
unter Androhung der Straffolgen von Art. 292 StGB jede Kontaktauf-
nahme, sei es durch Worte, Gebärden oder auf anderem Wege, zu un-
tersagen.

 4. Die Instanzierung einer Nachklage wird ausdrücklich vorbehalten.

 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge inklusive 7.6% Mehrwertsteuer 
zu Lasten der Beklagten.“

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3. der versuchten Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

X. wollte am Montag, 27. April 2009, zehn Videodateien mit kinderpor-
nographischem Inhalt über das FileSharing Programm LimeWire auf sei-
nen Computer herunterladen. Dazu wählte er, nach Eingabe einschlägi-
ger Suchbegriffe, die zehn Videodateien aus der entsprechenden Tref-
ferliste aus. In der Trefferliste waren die Dateinamen, welche den jewei-
ligen Suchbegriff enthalten, ersichtlich. Sämtliche ausgewählte Dateina-
men setzten sich aus mehreren kinderpornographisch einschlägigen 
bzw. eindeutigen Bezeichnungen wie r@ygold, hussyfan, lolita, pedo 
und preteen zusammen. X. wusste somit im Zeitpunkt, als er die Dateien 
auswählte und dann herunterlud, dass es sich dabei um kinderporno-
graphisches Material handelte. Bevor diese Dateien vollständig auf den 
Computer von X. heruntergeladen waren, löschte er sie wieder.

Der Computer wurde anlässlich der Hausdurchsuchung vom 29. April 
2009 sichergestellt und mit Verfügung vom 29. Mai 2009 beschlagnahmt 
(act. 1.2).“

D. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 31. März 2011 vor dem Bezirksgericht 
Prättigau/Davos stellte die Staatsanwältin, lic. iur. Corina Collenberg, in ihrem Plä-
doyer folgende Anträge:

„1. X. sei der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 
StGB, der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB sowie der ver-
suchten Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 22 Abs.1 
StGB schuldig zu sprechen.

 2. Er sei dafür mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt, bei einer 
Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von Fr. 5‘000.--, ersatz-
weise mit einer Freiheitsstrafe von 20 Tagen, zu bestrafen. Die Polizei-
haft von einem Tag sei der Freiheitsstrafe anzurechnen.

 3. Der sichergestellte und beschlagnahmte Computer sei gestützt auf Art. 
197 Ziff. 3 StGB gerichtlich einzuziehen.

 4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“

Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Schnyder hielt als Vertreter von Y. an den Anträgen 
gemäss Adhäsionsklage vom 4. November 2009 unverändert fest.

Der private Verteidiger stellte einleitend in seinem Plädoyer folgende Anträge:

„1. Die beschuldigte Person sei vollumfänglich freizusprechen.

 2. Die Zivilklage sei abzuweisen, soweit sie nicht auf den Zivilweg verwie-
sen wird.

 3. Die Verfahrenskosten seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.

 4. Der beschlagnahmte Laptop sei dem Beschuldigten herauszugeben. 
Die Kantonspolizei sei zu beauftragen, zuvor alle LimeWire-Programme 
zu deinstallieren und dann sämtlich LimeWire-Dateien zu entfernen (zu 
überschreiben).

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 5. Die beschuldigte Person sei für ihre Aufwendungen für die angemes-
sene Ausübung ihrer Verfahrensrechte entsprechend der eingereichten 
Kostennoten zu entschädigen.

 6. Es sei der beschuldigten Person eine angemessene Genugtuung zuzu-
sprechen.“

E. Mit Urteil vom 31. März 2011, mitgeteilt am 7. Juni 2011, erkannte das Be-
zirksgericht Prättigau/Davos:

„1. X. ist schuldig der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 
Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB sowie 
der versuchten Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

 2. Dafür wird X. verurteilt zu und bestraft mit:

a) einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Der Vollzug dieser Freiheits-
strafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 
Jahren;

b) einer Busse von Fr. 4‘000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe 
von 16 Tagen.

 3. Bei einem allfälligen Vollzug der Freiheitsstrafe wird die Polizeihaft von 
einem Tag angerechnet.

 4. Der sichergestellte und beschlagnahmte Computer wird gestützt auf Art. 
197 Ziff. 3 StGB gerichtlich eingezogen.

 5. Die Zivilklage von Y. wird teilweise gutgeheissen wie folgt:

a) X. wird verpflichtet, Y. eine Genugtuung von Fr. 5‘000.-- zuzüglich 
5% Zins seit dem 25. April 2009, zu bezahlen.

b) Es wird festgestellt, dass X. gegenüber Y. für die Folgen der straf-
baren Handlungen gemäss Anklageschrift vom 5. August 2010, 
Seite 4, II./Ziffer 2 (sexuelle Handlungen mit Kindern gemäss Art. 
187 Ziff. 1 StGB und Schändung gemäss Art. 191 StGB) vollum-
fänglich schadenersatzpflichtig ist.

c) X. wird unter Androhung der Straffolgen von Art. 292 StGB unter-
sagt, sich Y. zu nähern. Ferner wird X. unter Androhung der Straf-
folgen von Art. 292 StGB jede Kontaktaufnahme mit Y., sei es durch 
Worte, Gebärden oder auf anderem Wege, untersagt.

d) X. wird verpflichtet, Y. ausseramtlich mit Fr. 4‘879.-- zu entschädi-
gen.

 6. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

-     den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft                                                   
von Fr. 5‘285.00
-     den Barauslagen der Staatsanwaltschaft von Fr. 7‘829.00
-     der Gerichtsgebühr von Fr. 7‘500.00
total somit Fr.       20‘614.00

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gehen zulasten des X. und sind von diesem zusammen mit der Busse, 
total somit Fr. 24‘614.00 (Fr. 20‘614.00 + Fr. 4‘000.00), innert 30 Tagen 
seit Rechtskraft dieses Urteils der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos 
zu überweisen (PC …).

Die Kosten der Untersuchungshaft (Verpflegung und Unterkunft) von Fr. 
19.00 trägt der Kanton Graubünden.

7. (Rechtsmittelbelehrung)

8. (Mitteilung)“

F. Gegen dieses Urteil liess X. beim Bezirksgericht Prättigau/Davos mit Schrei-
ben vom 8. April 2011 Berufung erheben. Am 7. Juni 2011 wurde das begründete 
Urteil mitgeteilt und mit Schreiben vom 27. Juni 2011 liess X. mitteilen, dass er an 
der Berufung gegen das Urteil der Bezirksgerichts Prättigau/Davos vom 8. April 
2011 festhalte (Art. 399 Abs. 3 StPO). Er beantragte die Aufhebung des vorinstanz-
lichen Urteils und einen Freispruch in allen Anklagepunkten, unter den entsprechen-
den Kosten- und Entschädigungsfolgen.

Mit Schreiben vom 5. Juli 2001 verzichtete die Staatsanwaltschaft Graubünden auf 
eine Vernehmlassung im Sinne von Art. 400 Abs. 3 StPO. Y. und das Bezirksgericht 
Prättigau/Davos reichten innert Frist keine Stellungnahme gemäss Art. 400 Abs. 3 
StPO ein.

G. An der Berufungsverhandlung vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden vom 15. November 2011 waren X. und sein Rechtsvertreter, 
Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Jann, sowie als Vertreter der Anklage der Stellvertre-
tende Erste Staatsanwalt, lic. iur. Corsin Capaul, zugegen. Für das Opfer Y. war ihr 
Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Schnyder, anwesend. Ebenfalls im Ge-
richtssaal befanden sich die Eltern und gesetzlichen Vertreter von Y., S. und T. so-
wie ein Kantonspolizist.

X. liess folgende Anträge stellen und begründen:

„1. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Freispruch hinsichtlich des 
Anklagevorwurfes Ziff. 1.2 rechtskräftig geworden ist.

 2. Die beschuldigte Person sei vollumfänglich freizusprechen.

 3. Die Zivilklage sei abzuweisen.

 4. Der beschlagnahmte Laptop sei dem Beschuldigten herauszugeben. 
Die Kantonspolizei sei zu beauftragen, zuvor alle LimeWire-Programme 
zu deinstallieren und dann sämtliche LimeWire-Dateien zu entfernen (zu 
überschreiben). Auf jeden Fall seien die persönlichen Daten (Familien-
fotos etc.) herauszugeben.

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 5. Die Verfahrenskosten beider Instanzen seien auf die Gerichtskasse zu 
nehmen.

 6. Die beschuldigte Person sei für ihre Aufwendungen im erst- und zweit-
instanzlichen Verfahren für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-
rensrechte entsprechend der eingereichten Kostennoten zu entschädi-
gen.

 7. Es sei der beschuldigten Person eine angemessene Genugtuung zuzu-
sprechen.“

Nach den Vorträgen des Stellvertretenden Ersten Staatsanwalts sowie des Vertre-
ters von Y. und nachdem dem Angeklagten das letzte Wort erteilt worden war, 
wurde die mündliche Berufungsverhandlung geschlossen. Die Parteien verzichteten 
auf eine mündliche Urteilsverkündung, weshalb das Urteilsdispositiv ihnen innert 5 
Tagen zugesendet wurde (Art. 69 Abs. 2 StPO und Art. 84 Abs. 2 StPO).

Auf das Ergebnis der persönlichen Befragung des Angeklagten durch den Vorsit-
zenden der I. Strafkammer, auf die weitere Begründung der Anträge anlässlich der 
mündlichen Berufungsverhandlung sowie auf die Erwägungen im angefochtenen 
Urteil wird, soweit erforderlich, im Folgenden eingegangen.

II. Erwägungen

1.a) Wie Art. 454 Abs. 1 der auf den 1. Januar 2011 in Kraft gesetzten Schweize-
rischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) für das Rechtsmittelverfahren be-
stimmt, gilt neues Recht für Rechtsmittel gegen erstinstanzliche Entscheide, die 
nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt werden. Demnach ist für das vorlie-
gende Rechtsmittelverfahren gegen das am 31. März 2011 gefällte Urteil die neue 
StPO anwendbar.

b) Die Vorinstanz hat bereits das angefochtene Urteil gestützt auf die neue 
StPO gefällt (E. 1), was von keiner Seite beanstandet wurde. Gemäss Art 448 Abs. 
1 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten der StPO hängig sind, vorbehältlich 
anderslautender Regelungen nach neuem Recht fortgeführt. Unter demselben Vor-
behalt werden am 1. Januar 2011 hängige Verfahren von den nach neuem Recht 
zuständigen Behörden weitergeführt (Art. 449 Abs. 1 StPO). Ist jedoch bei Inkraft-
treten der StPO die Hauptverhandlung bereits eröffnet, so wird sie nach bisherigem 

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Recht, vom bisher zuständigen erstinstanzlichen Gericht, fortgeführt (Art. 450 
StPO). Nach richtiger Auffassung ist mit der Eröffnung der Hauptverhandlung im 
Sinne von Art. 450 StPO nicht die Rechtshängigkeit gemeint, sondern ist aufgrund 
des klaren Wortlauts des Gesetzes die - nach altem Recht zu beurteilende - Eröff-
nung der Hauptverhandlung massgebend (Botschaft zur Vereinheitlichung des 
Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005 S. 1351; Lieber, in: Donatsch/Hansja-
kob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 
2010, Art. 450 N 2). Der von Schmid (Schweizerische Strafprozessordnung, Praxis-
kommentar, Zürich 2009, Art. 450 N 1; ders., Handbuch des schweizerischen Straf-
prozessrechts, Zürich 2009, N 1864; sich daran anschliessend Uster, in: Nig-
gli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessord-
nung, Basel 2011, Art. 450 N 2) und Riklin (Kommentar Schweizerische Strafpro-
zessordnung, Zürich 2010, Art. 450 N 1) vertretenen gegenteiligen Auffassung steht 
nicht nur der klare Wortlaut des Gesetzes entgegen. Auch der Sinn und Zweck der 
Übergangsbestimmungen, die kantonalen Strafprozessordnungen möglichst rasch 
durch die neue StPO abzulösen (Botschaft S. 1350, Fingerhuth, in: Donatsch/Hans-
jakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 
2010, Art. 448 N 2), erheischt eine auf die Eröffnung der Hauptverhandlung abstel-
lende Auslegung des Gesetzestextes. Im vorliegenden Fall fand die Hauptverhand-
lung vor Vorinstanz am 31. März 2011 und somit nach Inkrafttreten der StPO statt. 
Nach dem Gesagten hat sich das Bezirksgericht Prättigau/Davos im angefochtenen 
Urteil zu Recht auf die neurechtlichen Verfahrens- und Zuständigkeitsbestimmun-
gen gestützt.

2. a) Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen 
das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 StPO). 
Die Berufung bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und Zivilfragen 
materiell befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie Urteile, die 
auf Verurteilung oder Freispruch lauten und der Fall vor der ersten Instanz damit 
abgeschlossen wird (Eugster, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommen-
tar Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2010, Art. 398 N 2). Gemäss Art. 
399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit 
Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden, worauf das 
erstinstanzliche Gericht die Anmeldung nach Ausfertigung des begründeten Urteils 
zusammen mit den Akten dem Kantonsgericht als Berufungsgericht übermittelt (Art. 
399 Abs. 2 StPO; Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [EGzStPO; BR 350.100]). Nach Art. 399 Abs. 3 StPO reicht die Partei, 
die Berufung angemeldet hat, dem Kantonsgericht innert 20 Tagen seit der Zustel-

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lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie an-
zugeben hat, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche 
Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Beweis-
anträge sie stellt (lit. c).

Gegen das am 1. April 2011 im Dispositiv schriftlich mitgeteilte Urteil des Bezirks-
gerichts Prättigau/Davos vom 31. März 2011 meldete X. am 8. April 2011 die Beru-
fung an. Nach Mitteilung des begründeten Urteils am 7. Juni 2011 reichte X. frist-
gemäss am 27. Juni 2011 seine Berufungserklärung ein. Da auch alle anderen 
Zulässigkeitsvoraussetzungen gegeben sind, ist auf die Berufung einzutreten.

b) Als Berufungsgericht kann das Kantonsgericht das erstinstanzliche Urteil in 
allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Die 
Berufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit welchem erstinstanzliche Ur-
teile in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hinsicht mit freier Kognition 
überprüft werden (vgl. Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskom-
mentar, Zürich 2009, Art. 398 N 1; Hug, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 398 N 14). 
Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches 
das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Weist das erstinstanzliche Ver-
fahren aber wesentliche Mängel auf, die im Berufungsverfahren nicht geheilt werden 
können, so hebt das Berufungsgericht das angefochtene Urteil auf und weist die 
Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und zur Fällung eines 
neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurück (Art. 409 Abs. 1 StPO).

3. Vorab ist der einfache verfahrensleitende Entscheid der I. Strafkammer vom 
15. November 2011 zu begründen, womit die Publikumsöffentlichkeit im Sinne von 
Art. 70 Abs. 2 StPO vom Verfahren ausgeschlossen wurde.

a) Die Verhandlungen vor dem erstinstanzlichen Gericht und dem Berufungs-
gericht sowie die mündliche Eröffnung von Urteilen und Beschlüssen dieser Ge-
richte sind mit Ausnahme der Beratung öffentlich (Art. 69 Abs. 1 StPO). Das Gericht 
kann die Öffentlichkeit von Gerichtsverhandlungen jedoch unter anderem dann 
ganz oder teilweise ausschliessen, wenn die öffentliche Sicherheit oder Ordnung 
oder schutzwürdige Interessen einer beteiligten Person im Sinne von Art. 104 f. 
StPO, insbesondere des Opfers, dies erfordern (Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO). Auch 
Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK; SR 0.101) statuiert den Grundsatz der öffentlichen Verhandlung und Ur-

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teilsverkündung. Dieser Grundsatz bedeutet eine Absage an jede Form geheimer 
Kabinettsjustiz und soll durch die Kontrolle der Öffentlichkeit dem Angeschuldigten 
und den übrigen am Prozess Beteiligten eine korrekte und gesetzmässige Behand-
lung gewährleisten (BGE 124 IV 234 E. 3.b). Beim Ausschluss oder der Beschrän-
kung der Öffentlichkeit ist das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten. Daher darf 
der Ausschluss in zeitlicher, sachlicher und personaler Hinsicht nicht weiter gehen, 
als es das Interesse, welches damit verfolgt wird, erfordert. Ausserdem muss eine 
Güterabwägung zwischen dem Interesse am Ausschluss der Öffentlichkeit  und 
dem Interesse an der Öffentlichkeit des Verfahrens vorgenommen werden. Diese 
Güterabwägung erfolgt teilweise nach Beteiligtenkategorie und Deliktsart differen-
ziert, weshalb gegenüber dem Öffentlichkeitsausschluss im Interesse der beschul-
digten Person Zurückhaltung angebracht ist: Zwar geniesst diese grundsätzlich den 
Schutz ihrer Persönlichkeit, jedoch steht die Verfahrensöffentlichkeit auch im öffent-
lichen Interesse (Saxer/Thurnheer, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 
Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2010, Art. 70 N 9 und 13).

b) Vorliegend gebieten es schutzwürdige Interessen der Opfer P. und Y., die 
Öffentlichkeit mindestens teilweise vom Verfahren auszuschliessen. Die Opfer sind 
noch jung: Y. wurde am 30. Dezember 2005 und P. am 9. Oktober 1988 geboren. 
Sodann handelt es sich um Straftaten gegen die sexuelle Integrität der beiden Op-
fer. Es erscheint deshalb angezeigt, die Identität und die Privatsphäre der beiden 
Opfer zu schützen. Ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen, so können sich die be-
schuldigte Person, das Opfer und die Privatklägerschaft von höchstens drei Ver-
trauenspersonen begleiten lassen (Art. 70 Abs. 2 StPO). Diese Auflage wurde be-
folgt. Gerichtsberichterstatter nahmen an der Verhandlung nicht teil (Art. 70 Abs. 3 
StPO).

4. Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Jann hat das Protokoll über die Hauptverhand-
lung vor Vorinstanz vom 31. März 2011 angefordert (act. 10 Kantonsgericht). Dieses 
wurde ihm in der Folge zugestellt. Der Berufungskläger rügt, das Verfahren vor Be-
zirksgericht Prättigau/Davos sei nicht nach den Regeln der eidgenössischen StPO 
durchgeführt worden. So sei kein eigentliches Protokoll geführt worden. Die Vorin-
stanz habe sich auf eine Check-Liste beschränkt, die inhaltlich auf das Urteil ver-
weise. Im Urteil seien aber die Ausführungen der beschuldigten Person nur in sehr 
verkürzter Form wiedergegeben, ebenso jene der Parteivertreter. Es fehle auch ein 
unterzeichnetes Protokoll mit der beschuldigten Person (Art. 78 Abs. 5 StPO). Die 
Urteilsbegründung könne nicht auf Übereinstimmung mit den in der Hauptverhand-
lung gemachten Aussagen und Ausführungen überprüft werden und Protokollbe-

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richtigungsbegehren seien somit ausgeschlossen. Die fehlende Protokollierung 
stelle eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs und damit eine formelle Rechts-
verweigerung dar. Der Berufungskläger räumt aber ein, dass nach der Praxis des 
Bundesgerichts eine formelle Rechtsverweigerung ausnahmsweise geheilt werden 
könne. Aufgrund der vollen Kognition des Berufungsgerichts (Art. 398 Abs. 2 und 3 
StPO) verzichte er auf einen Rückweisungsantrag.

Der Argumentation des Berufungsklägers ist insofern zu folgen, als das Kreuzchen-
protokoll der Vorinstanz mit Hinweisen auf die Plädoyers und die Bemerkungen im 
Urteil selbst tatsächlich nicht den Anforderungen von Art. 76 f. StPO entspricht. So 
gilt der Grundsatz, dass die Aussagen der Parteien, die mündlichen Entscheide so-
wie alle Verfahrenshandlungen, die nicht schriftlich durchgeführt werden, zu proto-
kollieren sind (Art. 76 Abs. 1 StPO). Entscheidende Fragen und Antworten sind in 
einem Einvernahmeprotokoll wörtlich zu protokollieren (Art. 78 Abs. 3 StPO). Ein 
Protokoll – ob Verfahrensprotokoll (Art. 77 StPO) oder Einvernahmeprotokoll (Art. 
78 StPO) - ist schliesslich von der protokollierenden Person und von der Verfah-
rensleitung zu unterzeichnen (Art. 76 Abs. 2 StPO). Das Protokoll-Raster der Vor-
instanz ist zwar ein durchaus taugliches Mittel um die Verfahrensabläufe festzuhal-
ten, jedoch fehlt die Protokollierung über Aussagen der angeschuldigten Person. 
Diese dürfen nicht lediglich im Urteil festgehalten werden (vgl. Art. 77 lit. e StPO), 
sondern die Fragen und Antworten sind wörtlich zu protokollieren, wenn sie ent-
scheidend sind (Art. 78 Abs. 3 StPO). Aus Abs. 3 ergibt sich e contrario, dass Fra-
gen und Antworten grundsätzlich nicht in jedem Fall wortwörtlich, sondern auch un-
ter Weglassung der Frage nur die Antwort oder zusammenfassend mehrere Ant-
worten protokolliert werden können (vgl. Brüschweiler, in: Donatsch/Hansjakob/Lie-
ber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), Zürich 
2010, N 5 zu Art. 78 StPO). Nach Abschluss der Einvernahme/Befragung wird der 
Person das Protokoll vorgelesen oder zum Lesen vorgelegt; sie hat das Protokoll 
nach Kenntnisnahme zu unterzeichnen und jede Seite zu visieren (Art. 78 Abs. 5 
StPO). Auch in diesem Punkt ist die Vorinstanz ihrer Verpflichtung nicht nachge-
kommen. Unter diesen Umständen wäre dem Berufungskläger aber die Möglichkeit 
offen gestanden, ein Gesuch um Protokollberichtigung bei der vorinstanzlichen Ver-
fahrensleitung im Sinne von Art. 79 Abs. 2 StPO einzureichen. Darauf hat er aber 
ausdrücklich verzichtet, weshalb auf die Mängel im Protokoll der Vorinstanz nicht 
weiter einzugehen ist. Über die Hauptverhandlung vor der I. Strafkammer des Kan-
tonsgerichts wurde im Übrigen sowohl ein Verfahrensprotokoll als auch ein Einver-
nahmeprotokoll erstellt. Das Einvernahmeprotokoll über die Befragung von X. 
wurde nach Kenntnisnahme unterzeichnet und jede Seite visiert.

Seite  12 — 56

5. Im Weiteren macht der Berufungskläger geltend, die Vorinstanz habe ihn hin-
sichtlich des Anklagepunktes 1.2 freigesprochen. Dieser Freispruch sei aber nicht 
in das Dispositiv aufgenommen worden und sei auch bei den Kostenfolgen nicht 
berücksichtigt worden. 

Es ist zutreffend, dass der Freispruch hinsichtlich des Anklagevorwurfes gemäss 
Ziff. 1.2 der Anklageschrift vom 5. August 2010 (Schändung gemäss Art. 191 StGB) 
im vorinstanzlichen Dispositiv nicht Eingang gefunden hat. Es wird deshalb Vormerk 
genommen, dass der Freispruch hinsichtlich des besagten Anklagevorwurfes 
gemäss Ziff. 1.2 rechtskräftig geworden ist. Über die Frage, ob dieser Freispruch 
Berücksichtigung bei den Kostenfolgen zu finden hat, wird bei der Verteilung der 
vorinstanzlichen Kosten zu befinden sein. 

6.a) Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach seiner 
aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis zu 
ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (Art. 10 Abs. 1 StPO). Bestehen 
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der 
angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstige-
ren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus der derart 
statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldigten Person ist, 
ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden verpflichtet sind, den 
Nachweis der Schuld zu führen (Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/ Lieber [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 10 N 6). 
An diesen Nachweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als 
eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. 
Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO flies-
senden Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter jedoch 
nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes über-
zeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Vor-
aussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 86 E. 2.a). 
Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil sol-
che immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es 
muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, 
das heisst um solche, die sich nach der objektiven Rechtslage aufdrängen (BGE 
120 Ia 31 E. 2.c). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung an Beweisregeln die 
an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen be-
stimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung objekti-
vier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Angeklagten muss sich dabei 

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auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in ausschliess-
licher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Schmid, Strafprozess-
recht, Eine Einführung auf der Grundlage des Strafprozessrechts des Kantons 
Zürich und des Bundes, 4. Aufl., Zürich 2004, N. 294 f.). Diese allgemeine Rechts-
regel kommt nicht schon dann zur Anwendung, wenn Aussage gegen Aussage 
steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher sich aus den Akten ergebenden Umstände 
zu untersuchen, ob die Darstellung der Anklage oder jene des Angeklagten den 
Richter zu überzeugen vermag. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der 
einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz 
„in dubio pro reo“ der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen 
werden (PKG 1978 Nr. 31). In diesem Fall hat ein Freispruch zu erfolgen.

 b) Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung (Schmid, Praxiskommentar, a.a.O., Art. 
10 N 5). Vielmehr schliesst der strafprozessuale Grundsatz der Ermittlung der ma-
teriellen Wahrheit eine Bindung an die Anträge und Vorlagen der Parteien aus (ZR 
90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen und 
Angeklagten vollgültige Beweismittel mit derselben Beweiseignung. Auch wenn der 
Angeklagte am Verfahren direkt beteiligt ist, stellt seine Aussage gleichwohl ein Be-
weismittel dar und sind seine Aussagen richterlich auf ihre materielle Richtigkeit hin 
zu würdigen. Bei der Beweiswürdigung ist nicht die Form, sondern der Gesamtein-
druck, das heisst die Art und Weise der Bekundung, sowie die   Überzeugungskraft 
der Beweismittel im Einzelfall, entscheidend (Hauser/Schwe-ri/Hartmann, Schwei-
zerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, § 54 N 5), wobei nicht in erster 
Linie die Glaubwürdigkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit 
seiner konkreten Aussage im Vordergrund steht. Mehrere Indizien, die, einzeln be-
trachtet, immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 
die Tat hinweisen, können zusammen vollen Beweis und volle Überzeugung brin-
gen und jeden vernünftigen Zweifel ausschliessen. In diesem Fall sind sie nicht ein-
zeln, sondern in ihrer Gesamtheit zu würdigen (Urteil des Bundesgerichts 
1P.87/2002 vom 17. Juni 2002, E. 3.4). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussa-
gen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung 
des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebten zu 
werten (vgl. im Detail: Arntzen/Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, 
System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993).

7. Die Vorinstanz hat den Berufungskläger der sexuellen Handlungen mit Kin-
dern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 

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StGB sowie der versuchten Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB für schuldig befunden. 

a) X. wird im Hauptanklagepunkt vorgeworfen, am 25. April 2009 an seinem 
Wohnort in C., die damals dreienhalbjährige Y. aufgefordert zu haben, sich auf den 
Deckel der Toilette zu setzen und die Augen zu schliessen, und ihr sodann sein 
Glied in den Mund geschoben zu haben. Die Vorinstanz kam in diesem Anklage-
punkt zu einem Schuldspruch und stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Aus-
sagen von Y. und das hierzu erstellte Gutachten und die Aussagen der Angehöri-
gen. 

b) Zum Zeitpunkt der Befragung von Y. am 1. Mai 2009 galt da Opferhilfegesetz 
(OHG) vom 23. März 2007. Die vorliegend interessierenden Bestimmungen des Art. 
43 aOHG wurde im Wesentlichen in die neue eidgenössische StPO (Art. 154 StPO) 
überführt.

c) Der Berufungskläger rügt, bei der Einvernahme von Y. am 1. Mai 2009 sei 
gegen wesentliche prozessuale Vorschriften verstossen worden. Im Gegensatz zur 
ermittelnden Staatsanwältin, handle es sich bei U. nicht um eine Spezialistin im 
Sinne des Gesetzes. Laut Staatskalender sei sie Sozialberaterin bei der Fachstelle 
Kinderschutz. Ein besonderer Erfahrungsausweis sei nicht aktenkundig, auch fehle 
von ihr ein Bericht. U. falle bei der Videobefragung als Störfaktor auf und greife gar 
aktiv und suggestiv in die Befragung ein. Die Befragung von Y. sei deshalb unver-
wertbar. Einen Antrag auf Wiederholung der Befragung habe die Staatsanwältin in 
ihrer damaligen Funktion als Untersuchungsrichterin abgelehnt. Die Vorinstanz 
habe auf eine Wiederholung verzichtet, obwohl die Aussagen von zentraler Bedeu-
tung seien und es Sache des Gerichts sei, sich in solchen Fällen selber einen Ein-
druck zu verschaffen. Diese Rüge zielt, wie noch zu zeigen sein wird, ins Leere.

Was den organisatorischen Ablauf der Befragung von Y. betrifft, verlief dieser kor-
rekt. Es wurde eine Videobefragung sechs Tage nach dem Vorfall durchgeführt (Art. 
43 Abs. 2 aOHG). Die Einvernahme erfolgte in einem geeigneten Raum in Anwe-
senheit von lic.iur. Corina Collenberg, U. und Y. (Art. 43 Abs. 5 OHG). X. hat in 
einem separaten Raum und ohne Gegenüberstellung an der Befragung teilgenom-
men und konnte Ergänzungsfragen stellen (Art. 43 Abs. 4 OHG). Das Prozedere ist 
in der Aktennotiz vom 1. Mai 2009 festgehalten worden (act. 4.7).

Gemäss Art. 43 Abs. 4 OHG wird die Einvernahme eines Kindes von einer zu die-
sem Zweck ausgebildeten Ermittlerin oder einem entsprechenden Ermittler durch-

Seite  15 — 56

geführt, im Beisein einer Spezialistin oder eines Spezialisten. Die Parteien üben ihre 
Rechte durch die befragende Person aus. Die Einvernahme erfolgt in einem geeig-
neten Raum. Sie wird auf Video aufgenommen. Die befragende Person und die 
Spezialistin oder der Spezialist halten ihre besonderen Beobachtungen in einem 
Bericht fest (Art. 43 Abs. 5 aOHG). Die Spezialistin muss über eine Ausbildung zur 
Betreuung von Kindern, die Opfer von Straftaten geworden sind, verfügen. Es kann 
eine Psychologin, eventuell auch eine Sozialarbeiterin sein. Sie hat die Aufgabe, im 
Hintergrund zu bleiben, das Kind zu beobachten und darauf zu achten, dass die 
Befragung kindgerecht erfolgt. Sie kann allfällige Zusatzfragen an die befragende 
Person weitergeben, darf also nicht selber Fragen stellen (vgl. Vogt, in: 
Gomm/Zehntner [Hrsg.], Opferhilfegesetz, 3. Aufl., Bern 2009, N 8 zu Art. 43 aOHG 
mit weiteren Hinweisen). Vorliegend gilt es zu beachten, dass die Mutter und somit 
die gesetzliche Vertreterin von Y., schriftlich den Verzicht auf die Anwesenheit einer 
Spezialistin bei der Videobefragung bestätigt hat (vgl. act. 4.6). Wie die Vorinstanz 
zu Recht ausgeführt hat, verfolgen Art. 41 bis Art. 44 aOHG den Zweck, den Schutz 
minderjähriger Opfer, nicht jenen der beschuldigten Person zu verbessern (vgl. 
Vogt, a.a.O., N 12 und N 15 zu Art. 43 aOHG). Somit durfte S. ohne Weiteres auf 
die Anwesenheit einer Spezialistin im Sinne von Art. 43 Abs. 4 aOHG verzichten. 
Hat die Mutter des Opfers auf die Anwesenheit einer Spezialistin verzichtet, so 
konnte auch kein Bericht im Sinne von Art. 43 Abs. 5 aOHG verfasst werden. Dass 
die befragende Person, Corina Collenberg, als Mitglied der Fachkommission Kin-
desschutz über die erforderliche Erfahrung und Fachkompetenz verfügte, steht aus-
ser Zweifel. U. ist Sozialarbeiterin bei der Fachstelle Kindesschutz. Sie ist als Be-
treuungsperson für das Kind und nicht als Spezialistin bei der Befragung beigezo-
gen worden.

d) Ebenfalls unbehelflich ist der Einwand des Berufungsklägers, die Staatsan-
wältin habe in ihrer damaligen Funktion als Untersuchungsrichterin einen Antrag auf 
Wiederholung der Befragung abgelehnt und die Vorinstanz habe zu Unrecht auf 
eine Wiederholung der Einvernahme verzichtet. Zwar hat der damalige private Ver-
teidiger der beschuldigten Person am 24. November 2009 tatsächlich den Antrag 
gestellt, es sei Y. ein zweites Mal zu befragen (act. 1.17, S. 1). Mit Verfügung vom 
16. Dezember 2009 lehnte die zuständige Untersuchungsrichterin diesen Antrag je-
doch ab. Dagegen erhob der damalige Verteidiger Beschwerde bei der Staatsan-
waltschaft Graubünden (act. 1.20). Rechtsanwalt Dr. iur. V. stimmte in der Folge 
dem Vorschlag des Staatsanwalts zu, dass ein Glaubwürdigkeitsgutachten bezüg-
lich der Aussagen von Y. eingeholt und erst dann über den Antrag einer zweiten 
Befragung entschieden werde. Allenfalls erübrige sich dieser Antrag sogar (act. 

Seite  16 — 56

1.21). Am 15. April 2010 übermittelte die Untersuchungsrichterin dem neuen priva-
ten Verteidiger von X. das Glaubhaftigkeitsgutachten, wobei dieser ersucht wurde, 
eine Mitteilung zu machen, ob am Antrag auf eine weitere Befragung von Y. festge-
halten werde (act. 1.29). Gemäss Aktennotiz vom 7. Mai 2010 teilte Rechtsanwalt 
lic. iur. Dieter Jann in der Folge der zuständigen Untersuchungsrichterin telefonisch 
mit, er könne zur Zeit nicht sagen, ob an der Beschwerde festgehalten werde, da 
geprüft werde, ob ein Privatgutachten erstellt werde. Mit Verfügung vom 7. Mai 2010 
setzte die Untersuchungsrichterin dem privaten Verteidiger Frist bis zum 21. Mai 
2010 an, um mitzuteilen, ob an der Beschwerde festgehalten werde (act. 1.34). Am 
18. Mai 2010 teilte der private Verteidiger mit, er verzichte derzeit auf eine zweite 
Befragung von Y., unter Vorbehalt, den Antrag gegebenenfalls vor Gericht wieder 
einzubringen (act. 1.35). Mit Entscheid vom 9. Juni 2010 wurde die Beschwerde von 
der Staatsanwaltschaft Graubünden als gegenstandslos abgeschrieben (act. 1.36). 
Vor Bezirksgericht Prättigau/Davos liess X. keinen Antrag stellen, Y. nochmals zu 
befragen und auch vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts fehlt ein entspre-
chender Antrag. Somit ist nicht zu beanstanden, dass keine zweite Befragung des 
Opfers stattgefunden hat.

e)aa) Der Berufungskläger macht sodann geltend, gemäss der Rechtsprechung 
des Bundesgerichts zu Art. 29 BV und Art. 6 EMRK hätte die Verfahrensleitung die 
notwendige Verteidigung sicherstellen müssen, wenn eine unbedingte Strafe in 
Aussicht gestanden habe. Gemäss dem geltenden Art. 130 StPO sei dies unter an-
derem bereits dann der Fall, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr 
drohe. Massgeblich sei nicht die abstrakte, sondern die konkrete Strafandrohung. 
Im Zeitpunkt der Befragung von Y. sei sehr konkret mit einer unbedingten Freiheits-
strafe zu rechnen gewesen. Somit sei ein Fall von notwendiger Verteidigung vorge-
legen. Die Befragung von Y. sei damit wegen Verletzung des Anspruches auf not-
wendige Verteidigung unverwertbar. Die Vorinstanz habe übersehen, dass die Ver-
teidigung nicht erst an der Hauptverhandlung sicherzustellen gewesen sei. Gemäss 
Rechtsprechung des Bundesgerichts sei die Verteidigung in Fällen der notwendigen 
Verteidigung in jedem Stadium des Verfahrens, jedenfalls bei jeder Beweisauf-
nahme sicherzustellen. Die Vorinstanz sei schliesslich auch fälschlicherweise da-
von ausgegangen, die beschuldigte Person habe darauf verzichtet, einen Verteidi-
ger beizuziehen, obwohl sie darauf aufmerksam gemacht worden sei. Wenn Ver-
fassung und Gesetz verlangen würden, dass die Verteidigung sichergestellt werde, 
könne die beschuldigte Person nicht darauf verzichten. Der Verzicht sei unbeacht-
lich. Notfalls sei ihr gegen ihren Willen ein Verteidiger beizugeben (Urteil des Bun-

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desgerichts 6B_753/2008 vom 1. Mai 2009). Dieser Argumentation kann, wie noch 
zu zeigen sein wird, nicht gefolgt werden.

bb) Als besondere Garantie für den Angeschuldigten im Strafprozess gewähr-
leistet Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK die unentgeltliche Bestellung eines amtlichen Vertei-
digers, falls dies im Interesse der Rechtspflege erforderlich erscheint und der Ange-
schuldigte mittellos ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes hat die be-
dürftige Partei aber auch schon gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV einen Anspruch auf 
unentgeltliche Rechtsverbeiständung, wenn ihre Interessen in schwerwiegender 
Weise betroffen sind und der Fall in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwie-
rigkeiten bietet, die den Beizug eines Rechtsvertreters erforderlich machen. Falls 
das in Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechtsposition des Betrof-
fenen eingreift, ist die Bestellung eines amtlichen Rechtsvertreters nach der Praxis 
des Bundesgerichtes grundsätzlich geboten. Dies trifft insbesondere im Strafpro-
zess zu, wenn dem Angeschuldigten eine schwerwiegende freiheitsentziehende 
Massnahme oder eine Strafe droht, deren Dauer die Gewährung des bedingten 
Strafvollzuges ausschliesst (vgl. Pra 92 [2003] Nr. 23 mit weiteren Hinweisen). 
Gemäss Art. 76a Abs. 2 der am 1. Mai 2009 (Datum der Videobefragung) gültigen 
StPO GR bestellte der Untersuchungsrichter dem Angeschuldigten auf dessen Be-
gehren und unter Berücksichtigung seiner berechtigen Wünsche einen amtlichen 
Verteidiger, wenn

„a) die amtliche Verteidigung im Gerichtsverfahren zwingend vorgeschrieben ist 
(was nach Art. 102 Abs. 1 aStPO GR der Fall war, wenn

a)   die Anklage vor Gericht mündlich vertreten wird;

b) die Anklage eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren oder eine 
Massnahme im Sinne der Art. 59, 60, 61 und 64 StGB beantragt oder

c) die tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeit des Falles es rechtfer-
tigt),

b) der Angeschuldigte mehr als 30 Tage in Untersuchungshaft gehalten wird 
oder

c) die tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeit der Strafsache es rechtfertigt.“

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Im Gegensatz zu Art. 102 lit. a bis c aStPO GR, wo die amtliche Verteidigung im 
Gerichtsverfahren obligatorisch vorgeschrieben ist, ist im Untersuchungsverfahren 
eine amtliche Verteidigung zu bestellen, wenn der Angeschuldigte sie wünscht und 
die Voraussetzungen von lit. a bis c gegeben sind (Padrutt, Kommentar zur Straf-
prozessordnung des Kantons Graubünden (StPO), 2. Aufl., J. 1996,N 2.3 zu Art. 
76a StPO GR). Die aStPO GR kannte somit keine notwendige Verteidigung im 
Sinne von Art. 130 StPO CH. 

cc) X. wurde am 27. April 2009 verzeigt (act. 4.1). Einen Tag später wurde gegen 
ihn formell die Eröffnung einer Strafuntersuchung verfügt wegen sexueller Handlun-
gen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB (act. 1.1). Am 29. April 2009 wurde 
bei X. eine Hausdurchsuchung durchgeführt (act. 4.3) und dabei ein PC beschlag-
nahmt (act. 1.2). Gleichentags wurde der Berufungskläger von der Untersuchungs-
richterin zu Protokoll einvernommen. Anlässlich dieser Einvernahme wurde ihm ein-
leitend eröffnet, dass er in Strafuntersuchung stehe wegen sexuellen Handlugen mit 
Kindern und er das Recht habe, die Aussage zu verweigern sowie für das Verfahren 
einen privaten Verteidiger beizuziehen (act. 4.9). Am 1. Mai 2009 wurde die Video-
befragung von Y. durchgeführt. Die beschuldigte Person hielt sich im Technikraum 
auf und verfolgte die Befragung via Monitor mit. Anlässlich der Videobefragung darf 
die beschuldigte Person nicht direkt Fragen stellen (Art. 43 Abs. 4 OHG, Art. 154 
Abs. 4 lit. e StPO). Die Videobefragung ersetzt die direkte Konfrontation. Am 
Schluss wurde ihm Gelegenheit geboten, Ergänzungsfragen zu stellen, wovon er 
keinen Gebrauch machte (act. 4.7 und 4.10, S. 2). Die Verteidigungsrechte können 
auch dadurch gewahrt werden, dass Einsichtsrecht in das Protokoll gewährt wird 
und die Möglichkeit besteht, schriftlich Ergänzungsfragen zu stellen (Vogt, a.a.O., 
N 9 zu Art. 43 OHG). Am 20. Oktober 2009 mandatierte X. Rechtsanwalt lic. iur. V. 
(act. 1.6). In der Folge konnte der Berufungskläger seine Verteidigungsrechte um-
fassend durch RA V. und anschliessend RA Jann wahrnehmen, was diese denn 
auch taten. Die Verteidiger stellten jedoch keine schriftlichen Ergänzungsfragen und 
auf eine zweite Befragung von Y. wurde – wie bereits ausgeführt - schliesslich ver-
zichtet. 

Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, fiel vorliegend die Bestellung eines 
amtlichen Verteidigers gestützt auf Art. 76a Abs. 2 aStPO GR ausser Betracht, zu-
mal die beschuldigte Person nicht mehr als 30 Tage in Untersuchungshaft gehalten 
wurde (Art. 76a Abs. 2 lit. b aStPO GR). Am 29. April 2009 wurde X. nämlich von 
der Kantonspolizei Graubünden festgenommen und gleichentags aus der Polizei-
haft entlassen. Am 1. Mai 2009 konnte sodann auch noch nicht damit gerechnet 

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werden, dass die Anklage vor Gericht vertreten würde und im Falle einer Anklage 
eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren oder eine Massnahme im Sinne der 
Art. 59, 60, 61 und 64 StGB ausgesprochen würde. Es stand ja einzig der Sachver-
halt mit Y. in Frage und X. war nicht vorbestraft. Vom Tatbestand der mehrfachen 
Schändung und/oder versuchter Pornographie war noch nicht die Rede. Schliess-
lich war die Untersuchungsrichterin auch nicht aufgrund von Art. 76a Abs. 2 lit.c 
aStPO gehalten, X. einen amtlichen Verteidiger zu bestellen, zumal die tatsächliche 
oder rechtliche Schwierigkeit der Strafsache nicht dergestalt war, dass angenom-
men werden musste, es sei zwingend eine amtliche Verteidigung zu bestellen. X. 
hinterliess nicht den Eindruck, als würden ihm die intellektuellen und psychischen 
Fähigkeiten abgehen, sich selber zu verteidigen, versah er doch zum damaligen 
Zeitpunkt als Leiter einer bedeutenden Versicherungsagentur in L. eine verantwor-
tungsvolle Führungsaufgabe. Zudem verlangte er auch nicht nach einer Verteidi-
gung, obwohl er, wie bereits ausgeführt, bei der ersten Einvernahme darauf auf-
merksam gemacht wurde, dass er das Recht habe, die Aussage zu verweigern und 
für das Verfahren einen privaten Verteidiger beizuziehen. Die Prozesshandlung der 
Videobefragung ist somit – zumal X. seine Rechte unmittelbar, aber auch danach 
durch seine Verteidiger umfassend wahrnehmen konnte – nicht ungültig, sondern 
verwertbar.

8. Wie bereits ausgeführt, hat die Vorinstanz X. der sexuellen Handlungen mit 
Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 
StGB sowie der versuchten Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB für schuldig befunden. 

a) Die Vorinstanz erachtete den dem Berufungskläger in Ziff. 2 der Anklage-
schrift vom 5. August 2010 (act. 1.41) vorgeworfenen Sachverhalt als erwiesen, wo-
nach Y. am Samstag, 25. April 2009 das Nachbarshaus von X. betrat, um dort eine 
Puppe zu holen. Im Haus musste sich Y. auf den Deckel des WC’s setzen. X. stand 
vor ihr und sagte ihr, dass sie die Augen schliessen solle, was sie auch tat. Dann 
steckte ihr X. sein Glied in den Mund. Als Y. die Augen wieder öffnete, bemerkte 
sie, dass X. ihr sein Glied in den Mund gesteckt hatte. Dann gingen sie in das Zim-
mer von R., um die Puppe zu holen. Noch am gleichen Tag erzählte Y. ihrem Vater, 
ihrer Mutter und ihrer Grossmutter von dem Vorfall.

Der Berufungskläger rügt, die Vorinstanz habe zu Unrecht auf die Aussagen von Y. 
und das dazu erstellte Gutachten sowie auf die Aussagen der Angehörigen abge-
stellt.

Seite  20 — 56

b) Y. führte in der Videobefragung vom 1. Mai 2009 aus:“Amol Mul müassa of-
fatua und d Auga zua und denn hät er ds Zipfeli ins Mul tua“ (Wortprotokoll, act. 
4.15, S. 11). Die Untersuchungsrichterin fragte in der Folge, wie dies erfolgt sei. Y. 
sagte „so“ und steckte die Finger ihrer rechten Hand in den Mund. Die Untersu-
chungsrichterin fragte sodann, wer dies gemacht habe, worauf Y. bestätigte, dass 
es X. gewesen sei. Kurz darauf fügte das Mädchen hinzu, sie habe dies nicht gewollt 
(act. 4.15, S. 12). Die Untersuchungsrichterin fragte, ob sie denn sagen könne, wo 
das Zipfeli genau gewesen sei. Y. antwortete „Jo. Do dina isch as gsi. Do,“ und 
zeigte bei sich zwischen die Beine. Sie habe nicht gemerkt, dass X. das Zipfeli in 
den Mund getan habe. Weiter sagte sie:“Denn hani d Auga dörfa off macha. Denn 
hanis no gschwind gseh, wo er ds Zipfeli wieder dritua hät. (…l)“. Sie verneinte in 
der Folge die Frage, ob sie denn wisse, wie das Zipfeli ausgesehen habe. Und auf 
die Frage, ob es denn irgendwie gerochen habe, sagte sie, „jo, grusig“. Sie habe 
nicht gewusst, wieso sie die Augen habe schliessen müssen (act. 4.15, S. 13). Die 
Untersuchungsrichterin stellte auch die Frage, ob X. gestanden sei, wo er dies ge-
macht habe. Y. bejahte dies und ergänzte: „Jo, er isch gstanda und i han müassa 
uf em Deckel vum WC sitza“ (Wortprotokoll, act. 4.15 S. 15).

c) Mit Schreiben der zuständigen Untersuchungsrichterin lic. iur. C. Collenberg 
vom 13. Januar 2010 wurde Dr. phil. Revila Ludewig beauftragt, ein Glaubhaftig-
keitsgutachten über die Aussagen von Y. zu erstellen. Das Gutachten datiert vom 
14. April 2010 (act. 4.23). 

aa) Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Sache der Gerichte. 
Auf Begutachtungen ist nur bei besonderen Umständen zurückzugreifen. Das Ge-
richt würdigt Gutachten grundsätzlich frei. Es darf in Fachfragen nicht ohne triftige 
Gründe vom Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen. Das Ab-
stellen auf nicht schlüssige Gutachten kann gegen Art. 9 BV verstossen, so wenn 
gewichtige zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft 
des Gutachtens ernstlich erschüttern. Willkür liegt vor, wenn die Behörde in ihrem 
Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation im klaren Wi-
derspruch stehen, auf einem offenkundigen Fehler beruhen oder in stossender 
Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen. Dabei genügt es nicht, wenn 
das Urteil sich nur in der Begründung als unhaltbar erweist; eine Aufhebung recht-
fertigt sich erst, wenn es im Ergebnis verfassungswidrig ist. Gemäss dem in Art. 32 
Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Grundsatz in dubio pro reo ist bis 
zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafba-
ren Handlung Angeklagte unschuldig ist (BGE 128 I 81 E. 2 mit weiteren Hinweisen).

Seite  21 — 56

bb) BGE 128 I 81 E. 2 folgend bestehen im Besonderen für die Abklärung des 
Wahrheitsgehalts von kindlichen Zeugenaussagen bei Verdacht auf sexuellen 
Kindsmissbrauch fachliche Standards. Neben der Überprüfung von Motivationslage 
und kognitiven Fähigkeiten der kindlichen Zeugen hat sich die in der erwähnten Li-
teratur beschriebene, ursprünglich von Undeutsch entwickelte Aussageanalyse 
heute weitgehend durchgesetzt. Nach dem empirischen Ausgangspunkt der Aussa-
geanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche geistige 
Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die aussagende 
Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit 
und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund ma-
chen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im 
Rahmen eines hypothesegeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageim-
manente Qualitätsmerkmale, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der 
Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des Aussageverhaltens insgesamt ge-
wonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und die persönliche Kompetenz der 
aussagenden Person analysiert werden. Bei der Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist 
immer davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein 
kann. Ergibt die Prüfung, dass die Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erho-
benen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. 
Es gilt dann die Alternativhypothese, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist 
dafür besonders auch die Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte 
der Aussage (Aussagegenese). Streng abgegrenzt werden die allgemeine Glaub-
würdigkeit, die sich auf die Person bezieht, und die Glaubhaftigkeit, die nur gerade 
die spezifische Aussage betrifft und eigentlicher Gegenstand der aussagepsycho-
logischen Begutachtung ist.

cc) Dr. phil. Revital Ludewig führt in ihrem Glaubhaftigkeitsgutachten vom 14. 
April 2010 in einer Gesamtbewertung der Aussagequalität folgendes aus (act. 4.23, 
S. 31):

„Wenn eine Aussage in ihrer Gesamtbeurteilung neben Anzeichen der Eigenstän-
digkeit eine Vielzahl qualitativ schwerwiegender inhaltlicher Realkennzeichen auf-
weist, die nicht additiv, sondern in ihrer Kombination als Merkmalskomplexe zu be-
trachten sind und deren diagnostische Valenz hoch einzuschätzen ist, dann spricht 
dies für die Wahrscheinlichkeit, dass die Äusserungen auf eigenen Erlebnissen be-
ruhen und die Hypothese, es handle sich nicht um Berichte über Selbsterlebtes, 
verworfen werden kann.

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Vorschulkinder produzieren durchschnittlich weniger Detailangaben als ältere, was 
durch ihre gering ausgeprägte Fähigkeit bedingt ist, eine Vielzahl unterschiedlicher 
Wahrnehmungen innerhalb einer komplexen Situation gleichzeitig zu verarbeiten 
(Raskin & Yuille 1989).

Im vorliegenden Fall ist das angebliche Opfer sehr jung, beziehungsweise 3.5 Jahre 
alt. Die angebliche Tat in dem vorliegenden Fall ist nicht komplex. Y.s sprachliche 
Fähigkeiten sind für eine 3.5 jähriges Mädchen gut (aber naturgemäss geringer als 
die eines 7 oder 10 jähriges Mädchens). Wenn wird dies betrachten, enthält die 
Aussage von Y. eine hohe Qualität, die man von einem Kind dieser Altersgruppe 
nur nach real Erlebtem erwarten kann. Ihre Aussage zielt offensichtlich nicht darauf 
ab, Herrn X. zu beschuldigen. Sie erzählt viel mehr nur das, nach dem sie befragt 
wird, zuerst ohne den Angeschuldigten überhaupt zu belasten (Verneinung der Fra-
gen nach der Tat) und später ohne dabei die Belastungen des Beschuldigten jeweils 
zu erweitern. In Y.s Aussage kann eine multimodale Erzählung von Sinneswahr-
nehmungen beobachtet werden (Augen schliessen und Mund öffnen, Geruch des 
Gliedes). Eine solche multimodale Erzählung kann nur bei Aussagen gemacht wer-
den, die auf realen Erlebnissen basieren.“

Zusammenfassend führt die Gutachterin sodann aus (act. 4.23, S.37):

„Die Aussage von Y. enthält eine belegkräftige Qualität und ist von Eigenständigkeit 
geprägt. Die Aussage entspricht einer Darstellung, die auf eine Erlebnisgrundlage 
hinweist.

In Y.s Aussage finden sich weder Widersprüche noch Hinweise auf suggestive Ein-
flüsse aus Familie oder weiterem sozialen Umfeld. Die direkten Fragen in der offizi-
ellen Befragung haben sich auf die eigenständigen Aussagen des Mädchens nicht 
ausgewirkt. Eine Motivation für eine Falschbezichtigung ist bei Y. nicht zu finden. 
Es gibt keine Hinweise auf eine Personenverwechslung oder-übertragung.

Anhaltspunkte für eine Falschbezichtigung liegen nicht vor. Zu bemerken ist, dass 
die Konstanz der Aussage von Y. nicht vollständig beurteilt werden konnte, da es 
nicht möglich war, das Kleinkind ein zweites Mal zu befragen. Dieser Aspekt stellt 
dabei kein Hindernis, um ein fachgerechtes Fazit zu ziehen.

Die „Leitfrage der Glaubwürdigkeitsbeurteilung“ (Volbert, 1995), ob Y. mit ihren ge-
gebenen individuellen Voraussetzungen unter den gegebenen Befragungsumstän-
den und unter Berücksichtigung der im konkreten Fall möglichen Einflüssen von 

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Dritten diese spezifische Aussage hätte machen können, ohne dass sie auf einem 
realen Erlebnishintergrund basiert, ist zu verneinen.

Aus aussagepsychologischer Sicht bestehen daher keine Vorbehalte dagegen, Y.s 
Aussagen als wesentliche Grundlage eines Strafverfahrens zu verwerten.“

dd) Der Berufungskläger rügt in Bezug auf das Glaubhaftigkeitsgutachten von Dr. 
phil. Revital Ludewig, diese habe sich einzig mit der Aussagepsychologie Erwach-
sener befasst, und gehe nur in einem kleinen Exkurs auf die Besonderheiten bei 
Kindern ein. Es würden ihr die Erfahrungen im Bereich der Kinderpsychologie feh-
len. Auch methodisch, inhaltlich und im Ergebnis sei das Gutachten zu beanstan-
den. Methodisch falsch sei, dass die Gutachterin die Aussagen des Umfeldes des 
Kindes unbesehen und unkritisch als wahr übernommen habe, obwohl diese selbst-
verständlich auch nach aussagepsychologischen Grundsätzen zu würdigen gewe-
sen wären. Die Aussage der Mutter von Y. sei zudem wegen fehlender Verteidigung 
unverwertbar. Die Gutachterin behaupte sodann, die Erwähnung des Geschlechts-
teils des Beschuldigten sei ohne Beeinflussung erfolgt. Dies treffe nicht zu. Die erste 
aktenkundige Erwähnung des Geschlechtsteils sei anlässlich der Befragung von Y. 
durch die Untersuchungsrichterin erfolgt. Diese habe erstmals das Wort Zipfeli er-
wähnt (Transkript S. 11). Gar keine Beachtung habe die Gutachterin dem Umstand 
geschenkt, dass das Mädchen bei der Untersuchungsrichterin bejaht habe, es sei 
ihm schon einmal „so etwas“ erzählt worden. Angesichts der Tatsache, dass die 
Schlüsselwörter in der Befragung von den befragenden Personen stammten und 
das Kind selber angegeben habe, aus Erzählungen von solchen Dingen zu wissen, 
könne keineswegs ausgeschlossen werden, dass das Kind eben kein reales Erle-
ben wiedergegeben habe, sondern in der Befragungssituation das Richtige habe 
sagen wollen und dabei auf eine Erzählung zurückgegriffen habe, ohne dass es sich 
der Tragweite bewusst gewesen wäre. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt 
werden.

ee) Es trifft nicht zu, dass die Gutachterin sich einzig mit der Aussagepsychologie 
Erwachsener auseinandergesetzt hat und darum für die Begutachtung von Kindern 
nicht genügend qualifiziert ist. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ist Frau 
Dr. phil. Revital Ludewig, Rechtspsychologin FSP, eine ausgewiesene Fachkraft auf 
dem Gebiete der Rechtspsychologie. Sie ist von der Universität St. Gallen mit der 
Durchführung einer Lehrveranstaltung zum Thema „Psychologische Begutachtung 
für die Rechtspraxis“ betraut worden und das vorliegende Gutachten beweist, dass 
sie sich durchaus der besonderen Konstellation der Begutachtung eines Kleinkin-

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des bewusst war. So hat sie auf Seite 15 des Gutachtens einen Exkurs über die 
Gedächtnispsychologie und das Aussageverhalten bei Kleinkindern angefügt und 
ist in der Folge konkret auf die Situation der damals 3 1/3-jährigen Y. eingegangen. 
Regelmässig weist sie darauf hin, dass Y. im Zeitpunkt der Aussage noch sehr jung 
war und beispielsweise darum nicht erwartet werden konnte, dass sie viele Details 
wiedergibt (S. 22 des besagten Gutachtens). Im Weiteren weist die Gutachterin dar-
auf hin, dass es in diesem Alter schwierig sei, spontane Erzählungen in sprunghafter 
Art zu erzählen, da die kognitiven Fähigkeiten noch nicht ganzheitlich ausgebildet 
seien (Gutachten, S. 22). Sodann schildert die Gutachterin auf S. 26, dass bei Kin-
dern gelegentlich zu beobachten sei, dass sie eine Wahrnehmung, für die sie kein 
Schema besitzen, im Sinne einer Assimilation (Piaget, 1983) einem vorhandenen 
Schema zuordnen würden. Dr. phil. Revital Ludewig führt in dem hier interessieren-
den Zusammenhang auf S. 27 des Gutachtens aus, in der Regel sei es so, dass 
Kleinkinder, welche keine schI.liche Tat erfahren hätten, nur wenig eigene psychi-
sche Vorgänge in ihren Aussagen beschreiben würden. Auch in der Gesamtbewer-
tung der Aussagequalität (S. 31 des Gutachtens) geht die Gutachterin auf die spe-
zielle Konstellation des jungen Alters der Befragten ein. Somit kann keine Rede 
davon sei, dass die Gutachterin auf die Besonderheiten der Aussagen eines Kindes 
nicht eingegangen sei.

ff) Überdies ist die Gutachterin auch methodisch genau so vorgegangen, wie es 
in BGE 128 I 81, E. 2 umschrieben ist: Im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vor-
gehens werden durch Inhaltsanalyse und Bewertung der Aussage sowie des Aus-
sageverhaltens insgesamt das gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen und Motiva-
tionsanalyse überprüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person 
analysiert (Gutachten S. 5). Ebenfalls verweist die Gutachterin auf die Relevanz der 
Nullhypothese (Unwahrhypothese) sowie der Alternativhypothese (Gutachten S. 6) 
hin. Der Berufungskläger beanstandet in methodischer Hinsicht, die Gutachterin 
habe die Aussagen des Umfeldes des Kindes unbesehen und unkritisch als wahr 
übernommen obwohl diese selbstverständlich auch nach aussagepsychologischen 
Grundsätzen zu würdigen gewesen wären. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt 
werden, zumal es nicht Aufgabe der Gutachterin war, die Aussagen von S., T. und 
W. einer Begutachtung zu unterziehen. Ihre Aufgabe bestand darin, ein Glaubhaf-
tigkeitsgutachten von Y. (vgl. act. 4.21) zu erstellen. Es gilt auch zu berücksichtigen, 
dass die Einvernahmen des Umfeldes von Y. erst stattgefunden haben, nachdem 
Y. bereits ausgesagt hatte. Selbstverständlich hat die Gutachterin aber untersucht, 
ob die Aussagen von Y. durch Suggestion oder versuchte Beeinflussung durch 
Dritte zustande gekommen sind. Sie kam zum Schluss, dass im Falle der Geburts-

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stunde der Aussage von Y. es keine Belege für Suggestion oder versuchte Beein-
flussung durch Dritte gebe (act. 4.23, S. 18).

gg) Zum Vorwurf des Berufungsklägers, die Aussage der Mutter von Y., S., vom 
19. Mai 2009 sei ohnehin wegen fehlender Verteidigung unverwertbar, gilt es zu 
bemerken, dass die Bestellung eines amtlichen Verteidigers gestützt auf Art. 76a 
Abs. 2 aStPO GR – wie bereits oben dargelegt -  ausser Betracht fiel, zumal die 
beschuldigte Person nicht mehr als 30 Tage in Untersuchungshaft gehalten wurde 
(Art. 76a Abs. 2 lit. b aStPO GR). Am 19. Mai 2009 konnte auch noch nicht damit 
gerechnet werden, dass die Anklage vor Gericht vertreten würde und im Falle einer 
Anklage eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren oder eine Massnahme im 
Sinne der Art. 59, 60, 61 und 64 StGB StGB ausgesprochen würde, zumal einzig 
der Sachverhalt mit Y. im Raum stand und X. nicht vorbestraft war. Vom Tatbestand 
der mehrfachen Schändung und/oder versuchter Pornographie war noch nicht die 
Rede. Schliesslich war die Untersuchungsrichterin auch nicht aufgrund von Art. 76a 
Abs. 2 lit.c aStPO verpflichtet, X. einen amtlichen Verteidiger zu bestellen, da die 
tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeit der Strafsache nicht dergestalt war, dass 
angenommen werden musste, es sei zwingend eine amtliche Verteidigung zu be-
stellen. X. verlangte auch nicht nach einer Verteidigung, obwohl er, wie bereits 
mehrfach ausgeführt, bei der ersten Einvernahme darauf aufmerksam gemacht 
wurde, dass er das Recht habe, die Aussage zu verweigern und für das Verfahren 
einen privaten Verteidiger beizuziehen. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass der 
private Verteidiger des Berufungsklägers in der Folge anlässlich der Zeugenaussa-
gen des Vaters und der Grossmutter von Y. anwesend war (vgl. act. 4.17 und 4.19) 
und die Aussagen von S. im Wesentlichen mit den Aussagen des Vaters und der 
Grossmutter des Mädchens identisch sind. Die Prozesshandlung der Zeugenein-
vernahme von S. ist – zumal X. seine Rechte unmittelbar, aber auch danach durch 
seine Verteidiger umfassend wahrnehmen konnte – verwertbar (vgl. dazu auch un-
ter 7e). 

hh) Der Berufungskläger rügt sodann, es treffe nicht zu, dass die Erwähnung des 
Geschlechtsteils des Beschuldigten ohne Beeinflussung erfolgt sei. Die erste akten-
kundige Erwähnung des Geschlechtsteils sei anlässlich der Befragung von Y. durch 
die Untersuchungsrichterin erfolgt (Transkript S. 11). Auch in Bezug auf das Wort 
„grusig“ sei festzustellen, dass es Frau U. gewesen sei, welche das Wort zuerst 
verwendet habe. In der Folge hätten Mutter, Vater und Grossmutter in ihren Aussa-
gen den Inhalt der Befragung von Y. wiedergegeben, zumal sie Kenntnis von deren 
Aussagen gehabt hätten. Dem Berufungskläger ist insofern zuzustimmen, als es die 

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Untersuchungsrichterin war, welche das Geschlechtsteil anlässlich der Befragung 
von Y. zuerst erwähnte, indem sie das Mädchen fragte, ob sie denn einmal das 
Zipfeli des Berufungsklägers gesehen habe (act. 4.15 und 4.16, je S. 11). Y. ant-
wortete darauf – und dies ist wesentlich - nicht einfach mit ja oder nein, sondern 
führte aus, sie habe einmal den Mund aufmachen und die Augen schliessen müssen 
und dann habe er das Zipfeli in den Mund getan (act. 4.15 und 4.16, je S. 11). Sie 
fasste somit das Geschehen in eigenen Worten und bestätigte nicht nur die Frage 
der Untersuchungsrichterin. Gemäss den Zeugenaussagen von S. (act. 4.11 S. 3), 
T. (act. 4.17 S. 2) und W. (act. 4.19 S. 2) war es denn auch Y., welche unmittelbar 
nach dem Vorfall das Wort „Zipfeli“ verwendet habe. Das Gericht hat keinen Anlass, 
um an den Aussagen der Angehörigen von Y. zu zweifeln. Zutreffend ist schliesslich 
auch, dass Frau U. zuerst das Wort „grusig“ erwähnt hat (act. 4.15 S. 11). Auf die 
Frage der Untersuchungsrichterin, ob denn noch jemand etwas mit ihr gemacht 
habe, was sie nicht so gerne gehabt habe und Y. diese Frage mit „Nein“ beantwortet 
hatte, ergänzte Frau U. die ursprüngliche Frage in dem Sinne, ob etwas „grusig“ 
gewesen sei. Y. verneinte auch diese Frage. Erst später (vgl. act. 15 S. 13 unten), 
als die Untersuchungsrichterin Y. fragte, ob es denn irgendwie gerochen habe, ant-
wortete das Mädchen mit „ja, grusig“. Y. hat demnach nicht unmittelbar auf das frag-
liche Stichwort reagiert, sondern erst später. Sodann gilt es auch in diesem Zusam-
menhang zu berücksichtigen, dass gemäss Zeugenaussagen ihrer Angehörigen 
(S., act. 4.11 S. 3, W., act. 4.19 S.2), es wiederum Y. war, welche unmittelbar nach 
dem Vorfall das fragliche Wort zuerst ausgesprochen hat. Ihre Aussage lautete wie 
folgt:“Dr Zipfel vum X. stinkt denn grusig“(act. 4.19 S. 2). Entgegen der Auffassung 
des Berufungsklägers ist es der Gutachterin nicht entgangen, dass die Befragerin 
direkte Fragen gestellt hat (vgl. act. 4.23, S. 33 f.). Die Befragung eines Kleinkindes 
im Alter von 3.5 Jahren berge eine zentrale Schwierigkeit in sich. Das Dilemma ent-
stehe, da ein Kleinkind in der Regel ohne Fragen nicht in der Lage sei, ein Ereignis 
vollständig wiederzugeben. Da vorliegend der Versuch der Befragerin mit offenen 
Fragen zu tatrelevanten Informationen zu gelangen, fehlgeschlagen habe, habe die 
Befragerin direkte Fragen gestellt. In der Folge überprüfte die Gutachterin, ob diese 
Fragen einen suggestiven Einfluss hatten und gelangte zum Schluss, dass die Aus-
sage von Y. nicht von dem Verlangen nach Erfüllung von Erwartungen der Erwach-
senen geprägt sei. Gegen eine Beeinflussung durch Suggestion und für die Erleb-
nisbasis einer Aussage spreche die Eigenständigkeit der Aussage. Die Eigenstän-
digkeit der Aussage liege insbesondere vor, wenn es zu einer Spontanpräzisierung 
der Aussage komme. Wenn diese Spontanpräzisierung dazu auch bedeutsame 
Glaubhaftigkeitsmerkmale wie phänomengebundene Schilderungen unverstande-
ner Handlungselemente“, „Schilderung von Sinnesempfindungen oder Ergänzun-

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gen, die die logische Konsistenz und Anschaulichkeit einer Aussage erhöhen“, ent-
halte, dann würden aussageimmanennte Merkmale vorliegen, die sich weder theo-
retisch noch empirisch als potenzielles Suggestionsprodukt interpretieren liessen 
(Greuel, 1997). Die suggestiven Elemente in Y.s Befragung hätten sich auf die ei-
genständigen Aussagen des Kindes nicht ausgewirkt. Die Aussage von Y. enthalte 
auch die oben genannten Glaubhaftigkeitsmerkmale, was ebenfalls die Eigenstän-
digkeit und die Qualität der Aussage belege. Y. bejahe nicht einfach eine Frage 
innerhalb der Befragung, sondern schildere von sich aus eine selbständige Antwort. 
Beispielsweise sage sie auf die Frage, ob sie X. Zipfeli gesehen habe: „Amol Mul 
müessa offatua und d Auge zua und denn hät er ds Zipfeli ins Mul tua“ (Wortproto-
koll, act. 4.15 S. 11). Sie antworte nicht darauf, ob sie es gesehen habe, sondern 
produziere eine eigenständige Aussage, dessen Qualität hoch einzuschätzen sei. 
Es bestehe kein Grund zu der Annahme, dass das Kind genau wisse, weshalb es 
befragt werde und dementsprechend eine „gute Leistung“ erbringen wolle. Zusam-
menfassend könne gesagt werden, dass in der offiziellen Befragung keine Hinweise 
auf Verfälschung der Aussage bezüglich des Kerngeschehens durch Suggestion 
haben gefunden werden können. Die einzige Beeinflussung, die im Rahmen der 
Befragung habe beobachtet werden können, bestehe darin, dass die Interviewerin 
betone, man könne sich nicht immer an alles erinnern, was Y. selber im Verlauf des 
Interviews einige Male aufbringe (Wortprotokoll, act. 4.15 S. 12 und S. 16). Diese 
Beeinflussung, so die Gutachterin, könnte zur Begünstigung der Nullhypothese 
führen, da dadurch weniger Informationen über die mögliche Tat gewonnen werden 
könnten. Diese Beeinflussung resultiere jedoch nicht in Verfälschung der tatrelevan-
ten Information.

ii) Der Berufungskläger bringt sodann vor, die Gutachterin habe dem Umstand, 
dass das Mädchen bei der Untersuchungsrichterin die Frage bejaht habe, ob ihm 
schon einmal „so etwas“ erzählt worden sei, gar keine Beachtung geschenkt. Die 
Gutachterin habe dieses zentrale Element übergangen. Die Vorinstanz habe es sich 
allzu einfach gemacht, wenn sie der Gutachterin unterstelle, sie habe die Aussage 
sehr wohl zur Kenntnis genommen, die Sache aber einfach auf sich beruhen lassen, 
weil sie nicht geeignet gewesen sei, das Resultat zu beeinflussen. Bei der Erstellung 
eines aussagepsychologischen Gutachtens sei gemäss Rechtsprechung von der 
Unwahrhypothese auszugehen, das heisst, es werde zum Ausgangspunkt genom-
men, dass die Aussage auch nicht realitätsbegründend sein könne. Dazu gehöre 
auch, den Erfahrungshintergrund des Kindes auszuleuchten. Hier habe die Gutach-
terin versagt. Das Gutachten sei damit unvollständig und ungenügend. Es ist dem 
Berufungskläger insofern zu folgen, als die Gutachterin nicht ausdrücklich zu der 

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Aussage von Y. Stellung genommen hat, wonach sie die Frage bejaht hat, dass 
andere Leute ihr „so etwas“ erzählt hätten (vgl. act. 4.15 S.16). Dr. phil. Revital Lu-
dewig wurde aber bei der Mandatierung ausdrücklich auf die entsprechende Stelle 
bei der Einvernahme von Y. hingewiesen (act. 4.20). Es ist somit davon auszuge-
hen, dass die Gutachterin Kenntnis von der fraglichen Aussage von Y. genommen 
hat, dieser Aussage aber nicht weitergehende Bedeutung zugemessen hat. Die 
Gutachterin hielt denn auch dafür, dass eine zweite Befragung von Y. keine ver-
wertbaren Informationen zutage fördern könne (act. 4.23 S. 15), zumal die Wahr-
scheinlichkeit immer grösser werde, dass Kleinkinder im Vergleich zu ihrer Erinne-
rung unmittelbar nach dem Ereignis wichtige Informationen auslassen oder Infor-
mationen anfügen, die plausibel, aber nicht zutreffend seien. Wie die Vorinstanz 
zutreffend ausgeführt hat, enthalten die Akten keinerlei Hinweis, wonach Y. vor dem 
fraglichen 25. April 2009 von einer Person oder von anderer Stelle (beispielsweise 
Fernsehen) von einem „in den Mund Nehmen“ des Glieds jemals erfahren haben 
könnte. Keiner der Angehörigen machte Aussagen, welche in diese Richtung ge-
deutet werden könnten. Aufgrund der gesamten Umstände ist auszuschliessen, 
dass sie diesen Vorgang auf ihren Nachbarn X. übertragen haben könnte, ohne ihn 
selber erlebt zu haben.

jj) Der Berufungskläger hält sodann dafür, die Gutachterin habe die Aussagen 
des Kindes behandelt, als seien es solche eines Erwachsenen. Deutlich werde dies 
auf S. 30, wo ausgeführt werde, Y. habe den Beschuldigten deliktsspezifisch ent-
lastet. Dies möge objektiv zutreffen. Entscheidend könne dies aber nur sein, wenn 
sich die Aussageperson dieses Umstandes bewusst sei. Anhaltspunkte dafür wür-
den in der Videobefragung fehlen. Diese Rüge ist unbegründet. Wie bereits unter 
E. 8. c.ee ausgeführt, waren der Gutachterin immer die besonderen Umstände der 
Einvernahme eines Kleinkindes bewusst. Die Gutachterin ist im fraglichen Zusam-
menhang der Frage nachgegangen, ob Y. mit ihren Antworten X. auch entlastet und 
nicht nur belastet hat und ist dabei zum Schluss gekommen, dass sie ihn auch ent-
lastet. In der Rechtspsychologie wird dies als Hinweis auf eine sachliche, nicht vor-
eingenommene Aussagehaltung gedeutet (act. 4.23, S. 30). Wie die Vorinstanz 
auch in diesem Zusammenhang zutreffend ausgeführt hat, war es die Expertin, wel-
che die Antworten des Mädchens deutete und zum Schluss kam, Y. habe die be-
schuldigte Person damit deltiksspezifisch entlastet. Dieser Schluss ist nachvollzieh-
bar, zumal Y. zu Beginn der Videobefragung die Frage verneinte, ob etwas anderes 
gewesen sei, als sie die Puppe holen gegangen sei, und sie auch die weitere Frage 
verneinet, ob sie bei X. einmal etwas gemacht habe, was sie nicht gewollt habe. 
Das Mädchen hat damit die beschuldigte Person bezüglich möglicher weiterer Se-

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xualstrafvorfälle entlastet. Dass sich Y. des Umstandes bewusst war, dass sie mit 
diesen Aussagen den Berufungskläger deliktsspezifisch entlastet, wird nicht voraus-
gesetzt.

kk) Schliesslich behauptet der Berufungskläger, so klar könnten die Aussagen 
des Mädchens gegenüber dem Vater nicht gewesen sein, ansonsten die Eltern nicht 
mit einer Anzeige gezögert hätten. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. 
Der Vorfall ereignete sich am Samstag, 25. April 2009, um rund 17.00 Uhr. Noch 
am selben Tag kontaktierte der Bruder von S. mit Ermächtigung der Eltern des Mäd-
chens die Fachstelle Kindesschutz (act. 4.24). Am Montag, 27. April 2009, 14.55 
Uhr, machten die Eltern des Mädchens eine Anzeige bei der Fahndung in J. (vgl. 
act. 4.1). Dass diese Anzeige zwei Tage nach dem Geschehen erfolgt ist, ist nach-
vollziehbar, weil vor allem die Mutter und die Grossmutter von Y. auch Hemmungen 
hatten, eine Anzeige gegen den Nachbarn und Kollegen zu erstatten. Wie S. an-
lässlich ihrer Einvernahme vom 19. Mai 2009 (vgl. act. 4.11) zudem glaubhaft ver-
sichert hat, wollten sie mit Rücksicht auf R., der Tochter des Berufungsklägers, die 
zum fraglichen Zeitpunkt bei ihrem Vater weilte, mit der Anzeige zuwarten. Sie woll-
ten nicht, dass die Polizei in Anwesenheit des Mädchens zu Hause bei X. erscheint.

ll) Im Resultat kann somit festgestellt werden, dass die Kritik des Berufungsklä-
gers an der Person und am Gutachten von Dr. phil. Revital Ludewig unberechtigt 
ist. Das Gutachten ist in sich schlüssig, stimmig und überzeugend. Die Vorgehens-
weise von Dr. phil. Revital Ludewig entspricht der in BGE 128 I 81 E. 2 umschrie-
benen und für die Abklärung des Wahrheitsgehalts von kindlichen Zeugenaussagen 
dargelegten Methodik. Wie bereits ausgeführt (E. 8.c.aa), darf das Gericht in Fach-
fragen nicht ohne triftige Gründe vom Gutachten abweichen und vorliegend hat die 
I. Strafkammer des Kantonsgerichts denn auch keinen Grund, um an den kompe-
tenten Ausführungen der Gutachterin zu zweifeln. Es ist somit davon auszugehen, 
dass der Sachverhalt sich so abgespielt hat, wie ihn die Staatsanwaltschaft in ihrer 
Anklageschrift vom 5. August 2010 (act. 1.41) dargelegt hat. 

d)aa) Kommt hinzu, dass Y. unmittelbar nach dem Geschehen den Übergriff zuerst 
ihrem Vater, sodann ihrer Mutter und später auch noch ihrer Grossmutter geschil-
dert hat. 

bb) S., die Mutter von Y., erklärte in ihrer Zeugeneinvernahme vom 19. Mai 2009 
(act. 4.11), dass sie mit X. immer ein gutes Verhältnis hatte. Sie würden sich seit 
ihrer Kindheit kennen, seien zusammen in den Kindergarten und in die Schule ge-

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gangen. Auch als Nachbaren hätten sie ein gutes Verhältnis gehabt. Zwar hätten 
sie sich nicht so oft gesehen, da X. während des Tages arbeite, jedoch hätten sie 
zwei bis dreimal zusammen ein Nachtessen eingenommen. Am besagten Tag sei 
Y. draussen im Sandkasten am Spielen gewesen. X. und seine Tochter R. seien 
ebenfalls draussen gewesen. R. habe mit ihrem Vater gesprochen, sie glaube, R. 
habe gefragt, ob sie ihre Puppe Y. geben dürfe. Danach sei R. auf sie zugekommen 
und habe sie ebenfalls gefragt, ob sie die Puppe Y. geben könne. Sie sei damit 
einverstanden gewesen, worauf Y. mit R. und X. ins Haus gegangen seien. Sie sel-
ber sei zuerst noch zum Sandkasten gegangen, um AA., ihren kleinen Sohn zu ho-
len. Dies sei höchstens fünf Minuten später gewesen. Sie sei dann mit AA. bei X. in 
das Badezimmer gegangen, um AA. noch die Hände zu waschen. Zuerst sei sie zur 
Hauseingangstüre gelaufen und habe gerufen. Da habe ihr X. geantwortet, sie solle 
um das Haus herum laufen und über die Terrasse das Haus betreten. Als sie das 
Haus betreten habe, sei Y. bereits im oberen Stock gewesen. Der Berufungskläger 
sei unten gewesen und sei mit ihr ins Badezimmer gegangen. Danach seien sie 
gemeinsam ins obere Stockwerk gegangen. Nachdem Y. die Puppe erhalten hatte, 
seien sie gemeinsam nach Hause gegangen. Y. sei sodann zu ihrem Vater ins 
Wohnzimmer geschritten und habe zu diesem gesagt:“Du Papi, dr X. hät miar das 
Zipfeli ins Muul to.“ Ihr Mann sei dann ausgerastet. Bereits zwei Wochen zuvor hatte 
Y. erzählt, dass X. ihr seine Hände in die Hose gehalten habe. Damals habe ihr 
Mann gesagt, dass er nicht wolle, dass Y. alleine bei X. sei. Auf die Frage, ob Y. 
noch andere Personen vom fraglichen Vorfall erzählt habe, führte S. aus, Y. habe 
es auch ihrer Mutter erzählt. 

T., der Vater von Y. sagte am 12. Januar 2010 (vgl. act. 4.17) als Zeuge aus, sie 
hätten mit X. ein relativ gutes Verhältnis gehabt. Am besagten Nachmittag habe er 
Y. in der Stube vorgefunden. Diese habe folgendes gesagt:“Papi, X. hät miar ds 
Zipfeli ins Mul getan.“ Er sei damals alleine mit Y. in der Stube gewesen. Danach 
habe er seine Frau gesucht und sie gefragt, ob sie bei X. gewesen sei. Sie habe 
ausgeführt, sie sei für fünf Minuten dort gewesen. Danach habe er ihr erzählt, was 
Y. ihm berichtet hatte. Er sei geschockt gewesen und habe X. aufsuchen wollen. 
Seine Ehefrau habe ihm aber gesagt, sie sollten zuwarten. Zwischenzeitlich sei die 
Schwiegermutter eingetroffen. Sie fragte, ob Y. vom Vorfall mit X. erzählt habe. Er 
habe die Polizei informieren wollen. Die Schwiegermutter habe aber auch gemeint, 
es sei besser, zuzuwarten und vorerst mit X. zu reden. 

Die Grossmutter von Y., W., führte anlässlich ihrer Befragung als Zeugin aus (act. 
4.19), sie kenne X. seit er zwei Jahre alt gewesen sei. Am besagten Tag seien Y. 

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und ihr Bruder in der Stube gewesen, als sie zwischen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr bei 
der Familie S.T. eingetroffen sei. Y. sei auf sie zugekommen und habe gesagt: “Dr 
Zipfel vum X. stinkt denn grusig“. Sie habe sofort gefragt, woher sie denn dies 
wüsste, worauf Y. folgendes geantwortet habe:“ Will er na miar ins Mul gstreckt hät“. 
Sie habe dann bemerkt, dies sei nicht wahr. Y. habe sie dann mit grossen Augen 
angeschaut und habe ganz bestimmt hervorgehoben, dass dies wahr sei. Ansch-
liessend sei ihr in den Sinn gekommen, dass etwa vor zwei Jahren über Vorfälle in 
einem Musiklager geredet worden sei. Sie hatte sich damals sehr für X. eingesetzt. 
Danach habe sie Schritte im oberen Stockwerk gehört. S. sei ihr in der Folge ent-
gegengekommen und habe verweinte Augen gehabt. T. sei ausser sich gewesen 
und habe auch geweint. Sie hätten ihn zurückhalten müssen, damit er sich nicht 
sofort zu X. begeben hätte. Dies hätten sie nicht gewollt, zumal R., die Tochter des 
Berufungsklägers, sich damals bei ihm aufgehalten habe.

cc) X. führte am 29. April 2009 aus (vgl. act. 5.4), er habe keinen Kontakt zu Y.. 
Er sehe sie manchmal draussen, weil er ja ihr Nachbar sei. Am besagten Tag seien 
alle gemeinsam, also S., Y. und seine Tochter R. in das Zimmer von R. gegangen 
und hätten die Sachen angeschaut, welche Y. habe mitnehmen wollen. Diese hätten 
dann die Sachen mitgenommen, die sie gewollt hätten und seien gegangen. Er sei 
nie allein mit Y. gewesen. S. habe immer Blickkontakt zu ihm gehabt. Y. sei nie 
alleine bei ihm gewesen. Auf die Frage, ob Y. ihn einmal nackt gesehen habe, ant-
wortete er:“ Nein, nicht das ich wüsste. Dann hätte sie durchs Fenster schauen müs-
sen.“ Auch die Frage, ob Y. sein Glied schon einmal gesehen habe, beantwortete 
er mit nein. Auf den Vorhalt, Y. behaupte, er habe ihr sein Glied in den Mund ge-
steckt, sagte er, dies stimme nicht, Y. habe ihn noch nie nackt gesehen. Er verneinte 
schliesslich die Frage, ob er sich zu Kindern sexuell hingezogen fühle. Am 27. Mai 
2009 (act. 5.7) wurde X. polizeilich einvernommen, nachdem er die Gelegenheit 
hatte, der Videoeinvernahme von Y. sowie der Befragung von S. beizuwohnen. Zu 
den Aussagen von Y. äusserte er sich dahingehend, er nehme diese zur Kenntnis. 
In Bezug auf die Aussagen von S. meine er, gewisse Differenzen festgestellt zu 
haben. So stimme das Datum nicht. S. habe ausgesagt, das fragliche Ereignis habe 
am Samstag, 25. April 2009, stattgefunden, während er die Meinung vertrete, Y. 
habe am Sonntag, 26. Mai 2009, die Puppe abgeholt. Ihm sei auch aufgefallen, 
dass S. ausgeführt habe, sie sei von hinten über die Terrasse ins Haus gekommen. 
Richtig sei, dass sie durch die Haupteingangstüre gekommen sei. S. habe ansch-
liessend noch die Hände ihres kleinen Jungen im Toilettenraum gewaschen. S. 
habe ihre Tochter höchstens einige Augenblicke nicht im Blickfeld gehabt. Dies aus 
dem Grund, weil Y. und R. etwas früher zum Haus geschritten seien und S. noch 

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ihren Jungen geholt habe. Er sei nie alleine mit Y. gewesen und habe ihr auch die 
Hände nicht gewaschen. Er habe nicht darauf geachtet, ob Y. schmutzige Hände 
gehabt habe, als sie zu ihm gekommen sei.

dd) Der Berufungskläger behauptete anlässlich seiner Einvernahme bei der Un-
tersuchungsrichterin und der Polizei, nie mit Y. alleine gewesen zu sein. Demge-
genüber führt S. in ihrer Einvernahme vom 19. Mai 2009 (act. 4.11) aus, Y. sei mit 
X. ins Haus gegangen, während sie zuerst noch zum Sandkasten gelaufen sei, um 
AA., den kleinen Bruder von Y., zu holen und erst danach habe sie sich zum Haus 
des Berufungsklägers begeben. Dies sei höchstens fünf Minuten später gewesen. 
Auf die Frage der Untersuchungsrichterin, ob es höchstens fünf Minuten gedauert 
habe, bis sie zusammen mit AA. zum Haus von X. geschritten sei, antwortete S., es 
sei schon möglich, dass es fünf Minuten gedauert habe. Sie habe sich zum Sand-
kasten begeben und habe AA. geholt. Ein anderes Mädchen sei auch dort gewesen. 
Diesem Mädchen habe sie erklärt, dass sie rasch weggehen würden. Allenfalls habe 
es sieben Minuten gedauert. Sie könne sich in diesem Punkt nicht festlegen (act. 
4.11, S. 3). X. selbst hat sodann in der Einvernahme vom 27. Mai 2009 (act. 4.12, 
S. 3, Frage 18) in diesem Zusammenhang ausgesagt, er sei mit Y. und R. etwas 
früher nach Hause gelaufen, da S. noch ihren Jungen geholt habe. Somit bestätigt 
selbst der Berufungskläger, dass die Mutter des Mädchens erst etwas später bei 
ihm zu Hause eingetroffen ist und er sich ohne ihre Gegenwart mit Y. in seinem 
Haus aufgehalten hat.

ee) Der Berufungskläger rügt sodann, die Aussagen der Mutter könnten nichts 
direkt zur Frage beitragen, was das Kind erlebt habe. Sie würden nur etwas darüber 
aussagen, was das Kind gesagt habe. Die Aussagen würden auch in Widerspruch 
zu den Videoaussagen stehen. Die Aussagen von Vater und Grossmutter seien 
rund neun Monate nach der Einvernahme der Mutter erfolgt. Die drei fraglichen Per-
sonen seien in dieser Zeit in stetigem Kontakt gestanden und hätten sich gegensei-
tig beeinflusst. Die Aussagen seien deshalb von geringem Wert. Die Grossmutter 
gebe sodann an, das Kind sei absolut aufgebracht gewesen. Davon sei in der Vi-
deobefragung nichts zu spüren. 

Der Argumentation des Berufungsklägers kann in diesem Punkt nicht gefolgt wer-
den. Auch wenn die Einvernahmen von Vater und Grossmutter rund neuen Monate 
nach dem fraglichen Ereignis stattgefunden haben, gilt es zu beachten, dass die 
Aussagen sich in den wesentlichen Punkten decken und kein Grund ersichtlich ist, 
weshalb sich die drei Personen zu Ungunsten von X. hätten äussern sollen. Die 

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Eheleute S.T. haben beide berichtet, dass sie zum Berufungskläger ein gutes Ver-
hältnis pflegten (act. 4.11 und act. 4.17) und W. erklärte, sie kenne X. seit er zwei 
Jahre alt sei. Sie habe den Berufungskläger sehr gerne gehabt (act. 4.19). Als über 
Vorfälle an einem Musiklager geredet worden sei, habe sie sich sehr stark für X. 
eingesetzt. Es ist kaum anzunehmen, dass die Eltern und die Grossmutter von Y. 
in Kenntnis des guten nachbarschaftlichen Verhältnisses die Angelegenheit zur An-
zeige gebracht hätten, wenn sie nicht davon überzeugt gewesen wären, dass das 
von ihnen zu Protokoll gegebene auch tatsächlich so passiert ist. Im Weiteren kann 
keine Rede davon sein, dass die Aussagen der Angehörigen sich nicht mit den Aus-
sagen des Mädchens decken würden. Vielmehr ist der Kerngehalt aller Aussagen 
identisch und widerspruchsfrei, was ebenfalls dafür spricht, dass der Übergriff in der 
von der Anklagebehörde behaupteten Weise stattgefunden haben muss. Schliess-
lich ist darauf hinzuweisen, dass die Videobefragung des Mädchens am 1. Mai 2009 
stattgefunden hat, während der fragliche Vorfall sich am 25. April 2009 zugetragen 
hat. Am gleichen Tag hat Y. der Grossmutter vom Übergriff berichtet. Es ist deshalb 
nicht aussergewöhnlich, wenn sie am Tag des Geschehens bei der Grossmutter 
einen aufgebrachten Eindruck hinterlassen hat, während dies bei der später statt-
gefundenen Videobefragung nicht mehr der Fall war.

ff) Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass die Aussagen der 
Angehörigen von Y. im Kerngehalt übereinstimmen und widerspruchsfrei sind und 
den Sachverhalt bestätigen, den Y. selbst bei der Videobefragung geschildert hat. 
Auch wenn die Angehörigen beim fraglichen Übergriff nicht zugegen waren, so wur-
den sie unmittelbar danach von Y. darüber in Kenntnis gesetzt. Wie die Vorinstanz 
zutreffend ausgeführt hat, ist es nicht vorstellbar, dass ein 3 1/3-jähriges Kind Aus-
sagen zu sexuellen Handlungen macht, welche es nicht selber erlebt hat, und zwar 
gegenüber den Eltern und der Grossmutter in gleicher Weise. Zudem ist kein Grund 
ersichtlich, weshalb die Eltern und die Grossmutter des Kindes das freundschaftli-
che Verhältnis zum Berufungskläger ohne Grund hätten zerstören und das Kind 
dem Druck eines Verfahrens hätten aussetzen wollen, wenn sie nicht überzeugt 
gewesen wären, dass sich alles so zugetragen hat, wie Y. dies geschildert hat.

e)aa) Gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB wird unter anderem mit Freiheitsstrafe bis zu 
fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine se-
xuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen sexuellen Handlung verleitet oder 
es in eine sexuelle Handlung einbezieht. Da der Tatbestand nach bundesrechtlicher 
Rechtsprechung nur das Rechtsgut „Sexuelle Entwicklung von Unmündigen“ 
schützt, findet keine Unterscheidung nach Art und Umfang des Zwanges statt, den 

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der Täter auf das Kind ausübt (BGE 120 IV 6,9). Sexuelle Handlungen sind bei-
spielsweise der Beischlaf; orale und anale Penetration; Einführung von Gegenstän-
den in Vagina oder Anus; Reiben des Geschlechtsteils des Täters oder der Täterin 
an den Genitalien oder an die Brust des Opfers; leichte Griffe an die Genitalien über 
den Kleidern eines Kindes. Auch im Zusammenhang mit den oben aufgeführten 
Sachverhalten sind die gesamten objektiven Umstände des sexuellen Übergriffes 
zu berücksichtigen (vgl. Philipp Maier, in Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II: Art. 
111-401 StGB [Hrsg. Marcel Alexander Niggli/Hans Wiprächtiger], Basel 2003, N 7 
ff. zu Art. 187 StGB). In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz verlangt, wobei Eventual-
vorsatz genügt. Dabei braucht der Täter keine exakte Vorstellung darüber zu haben, 
welche Bedeutung sein Verhalten für das betroffene Opfer hat. Der Täter sollte sich 
aber die zugrundeliegende soziale Wertung seines Verhaltens in groben Zügen vor-
stellen können. Zudem ist erforderlich, dass der Täter weiss oder zumindest in Kauf 
nimmt, dass das Kinder unter 16 Jahre alt ist und mehr als 3 Jahre jünger ist als er 
(Philipp Maier, in Balser Kommentar, a.a.O. N 15 zu Art. 187 StGB).

bb) Wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in 
Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer 
anderen sexuellen Handlung missbraucht, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn 
Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 191 StGB). Als Opfer kommen grundsätzlich 
alle Personen, unabhängig von Alter und Geschlecht in Frage. Das Gesetz verlangt 
aber, dass das Opfer im Moment der Tat entweder zum Widerstand unfähig oder 
urteilsunfähig ist. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Urteilsunfähig-
keit des Opfers nach relativen Kriterien zu bestimmen. Konkret ist abzuklären, „ob 
das Opfer in bezug auf die sexuellen Handlungen seelisch in der Lage war, sich 
gegen diese zu wehren [ … ] und ob es darüber entscheiden konnte, die sexuellen 
Kontakte haben zu wollen oder nicht“ (BGE 120 IV 194, 198). Die Anforderungen 
an die Kenntnis der Tragweite der sexuellen Handlungen sind nicht allzu hoch an-
zusetzen. Es genügt, wenn das Opfer in der Lage ist, die ungefähre Bedeutung der 
sexuellen Handlung und ihrer Folgen zu erfassen sowie einen Willen bezüglich des 
fraglichen sexuellen Kontaktes zu bilden und auch zu äussern. Das Opfer ist wider-
standsunfähig, wenn es physisch nicht in der Lage ist, sich gegen den sexuellen 
Übergriff des Täters zur Wehr zu setzen. Beim Zustand kann es sich um dauernde 
oder vorübergehende, chronische oder situationsbedingte Ausfallerscheinungen 
handeln wie zum Beispiel während schweren psychischen Defekten (hochgradige 
Intoxikation durch Alkohol oder Drogen), bei körperlicher Invalidität, während einer 
Fesselung oder in einer besonderen Lage (gynäkologische Untersuchung in einem 
Behandlungsstuhl, Behandlung beim Zahnarzt). Erforderlich ist stets, dass die Wi-

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derstandsunfähigkeit gänzlich aufgehoben und nicht nur in irgendeinem Grade be-
einträchtigt oder eingeschränkt ist. Auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren 
können Opfer einer Schändung werden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung ist in der Ausnützung der durch die Urteilsunfähigkeit bedingten Hilflosigkeit 
eines Kindes eine weitergehende Rechtsgutverletzung zu sehen, welche nicht vom 
Schutzbereich des Art. 187 StGB umfasst wird. Entscheidend – so das Bundesge-
richt – ist, ob das Kind im Tatmoment in Bezug auf die sexuellen Handlungen see-
lisch in der Lage war, darüber zu entscheiden, ob es die sexuelle Handlung wollte 
oder nicht. Die Anwendung von Art. 191 StGB setzte bei einem Kind voraus, dass 
zur Ausnützung der mangelnden Reife offenkundig ein Missbrauch der Urteilsun-
fähigkeit oder eine anders begründete Widerstandsunfähigkeit des Kindes hinzu-
komme. Eine allein altersbedingte Urteilsunfähigkeit dürfe nur zurückhaltend ange-
nommen werden (BGE 120 IV 194). Konkret wurde bei einem 4 Jahre und 11 Mo-
nate alten Kind eine vollständige, altersbedingte Urteilsunfähigkeit bejaht. In sub-
jektiver Hinsicht wird vorsätzliches Handeln verlangt, wobei Eventualvorsatz 
genügt. Die Formulierung „in Kenntnis ihres Zustandes“ soll sicherstellen, dass der 
Täter die Widerstandsunfähigkeit beziehungsweise die Urteilsunfähigkeit des Op-
fers auch wahrgenommen hat (vgl. Philipp Maier, in: Basler Kommentar, a.a.O., N 
4 ff. zu Art. 191 StGB, mit weiteren Hinweisen).

cc) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht zwischen Art. 191 
StGB und 187 StGB Idealkonkurrenz. Begründet wird dies mit dem Umstand, dass 
Art. 187 StGB die ungestörte sexuelle Entwicklung junger Menschen, Art. 191 StGB 
jedoch die Selbstbestimmung in sexueller Hinsicht schützt (vgl. Philipp Maier, in: 
Basler Kommentar, a.a.O., N 4 ff. zu Art. 191 StGB, mit Hinweis auf BGE 120 IV 
194).

dd) Es besteht kein Zweifel, dass die Aufforderung an die damals 3 1/3-jährige 
Y., die Augen zu schliessen und den Mund zu öffnen, und das daraufhin erfolgte 
Einschieben des Glieds in den Mund des Mädchens, eine sexuelle Handlung mit 
einem Kind im Sinne von Art. 187 StGB darstellt. X. wusste, dass es sich bei Y. um 
ein Kind unter 16 Jahren handelt. Ebenso war ihm zweifellos die sexuelle Bedeu-
tung seiner Handlung bewusst. Demnach hat X. – wie dies die Vorinstanz zutreffend 
erkannt hat – den Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB in objektiver und subjektiver 
Hinsicht erfüllt.

Im Weiteren war die zum Tatzeitpunkt 3 1/3 Jahre alte Y. in Bezug auf die sexuelle 
Handlung, in die sie X. mit einbezog, weder seelisch in der Lage, sich gegen diese 

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zu wehren, noch konnte sie darüber entscheiden, ob sie den sexuellen Kontakt ha-
ben wollte oder nicht. X. hat neben der Ausnützung der mangelnden Reife von Y. 
offenkundig auch deren Urteilsunfähigkeit missbraucht. Er hat die Urteilsunfähigkeit 
des Kindes zweifellos wahrgenommen, weshalb er neben Art. 187 Ziff. 1 StGB auch 
den Tatbestand von Art. 191 StGB in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt hat 
(vgl. BGE 120 IV 194, E. 2.c).

9. Gemäss Anklageschrift Seite 3, II/Ziffer. 1.1 wird X. vorgeworfen, im August 
2005, anlässlich eines Festes der Musikgesellschaft C. in einem Stall in C. der auf 
einem Strohballen liegenden P. sexuell motiviert vom Bund her in die Hose gegriffen 
und sie mit der Hand an den Schamlippen berührt zu haben.

a) Der Berufungskläger rügt, der Text der Anklageschrift und die zugrundelie-
gende Aussage der Geschädigten würden an einem Widerspruch leiden. Es sei 
nicht möglich, dass der Beschuldigte der Geschädigten in die Hose gegriffen habe, 
wenn er sie noch eben mit einer Jacke zugedeckt haben soll. Die Jacke hätte min-
destens beiseite geschoben werden müssen. Der ganze Vorgang habe sich jeden-
falls nicht so abgespielt, wie er geschildert worden sei. Um das angebliche Gesche-
hen in beweiskräftiger Form nachvollziehen zu können, würde es an den nötigen 
Details fehlen. Die notwendigen Fragen seien nicht gestellt worden. Zudem seien 
die Aussagen von P. äusserst vorsichtig zu würdigen. Dies zeige ein anderer Vorfall, 
welcher in der Anklageschrift unter Ziff. 1.2 beschrieben worden sei, nämlich dass 
der Berufungskläger P. unter dem Rock vorsätzlich am Gesäss berührt habe. Ur-
sprünglich habe aber P. angegeben, die beschuldigte Person habe sie nach einem 
Schwächeanfall alleine hochgehoben und weggetragen. Dabei habe er unter den 
langen Rock gelangt und ihr in sexueller Absicht zwischen die Beine gegriffen (act. 
5.5, S. 3). Soweit sie wisse, habe dies niemand beobachtet. Als Zeugin habe sie 
jedoch angegeben, die beschuldigte Person habe sie alleine getragen und sie unter 
dem Rock an den Gesässbacken berührt. Es seien noch viele Leute anwesend ge-
wesen (act. 5.9, S.5). Diese beiden Aussagen seien nicht in Übereinstimmung zu 
bringen. Die Zeugen hätten denn auch das Geschehen ganz anders geschildert, 
weshalb die widersprüchlichen Aussagen von P. sich nicht haben bestätigen lassen 
und die Vorinstanz in diesem Punkt zu einem Freispruch gekommen sei. Thema-
tisch betreffe der vorliegende Anklagepunkt das Gleiche. Ausgangspunkt sei jeweils 
das Berühren an den Schamlippen. Im eben geschilderten Anklagepunkt habe dies 
nicht aufrecht erhalten werden können. In der zur Debatte stehenden Anklageziffer 
1.1 habe es aber keine Zeugen gegeben. Dieser Argumentation kann – wie noch zu 
zeigen sein wird – nicht gefolgt werden.

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b)aa) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme von P. vom 5. Mai 2009 (vgl. act. 
5.5) führte diese im hier interessierenden Zusammenhang aus, im August 2005 
habe in einem Stall in C. (Örtlichkeit FF.) ein Fest stattgefunden. Während des 
Nachtessens habe sie sich plötzlich unwohl gefühlt und sie habe sich nach unten 
begeben, wo sie sich auf eine Strohballe gelegt habe. Anfänglich habe sie sich dort 
alleine aufgehalten. Plötzlich sei X. erschienen und habe sich unaufgefordert um sie 
gekümmert. Sie habe ihn aufgefordert zu gehen, da sie alleine sein wollte. Der Be-
rufungskläger habe sie jedoch mit einer Jacke zugedeckt. Dabei habe er ihr mit der 
Hand in die Hose gegriffen. Sie sei auf dem Rücken gelegen. X. habe ihr mit der 
flachen Hand vom Bauch her unter ihre Jeans und Unterhosen gegriffen. Mit der 
Hand habe er ihre Schamlippen berührt. Dieser Vorgang habe nur einige Sekunden 
gedauert, das heisst, X. habe die Hand sofort wieder zurückgezogen. In der Folge 
sei X. wieder nach oben gegangen. Kurze Zeit später seien andere Mitglieder der 
Musikgesellschaft gekommen und hätten sie nach Hause und anschliessend ins 
Spital gebracht. Sie sei damals viel zu schlapp gewesen, um sich gegen X. wehren 
zu können. Sie habe niemandem etwas von dem Vorfall erzählt und habe auch mit 
ihm nie darüber gesprochen. Sie sei total überrascht gewesen von dem, was pas-
siert sei und habe nicht gewusst, wie sie darauf hätten reagieren sollen. Zudem 
habe sie X. damals nicht gut gekannt und Angst vor seiner Reaktion gehabt, sollte 
sie von dieser Sache erzählen.

bb) X. führte am 27. Mai 2009 aus (vgl. act. 5.7, S. 5), er glaube, sich an das Fest 
zu erinnern. P. habe an diesem Fest eine Art Zusammenbruch erlitten. Genau 
könne er sich jedoch nicht daran erinnern. P. sei mehrmals, auch an Musikproben, 
zusammengeklappt. Auf Vorhalt hin, P. sei anlässlich dieses Festes ebenfalls von 
einem Unwohlsein betroffen gewesen und habe sich hingelegt, worauf er sich zu ihr 
begeben und ihr zwischen die Beine gegriffen habe, meinte X., daran könne er sich 
nicht erinnern. Er sei nie mit ihr alleine gewesen, er höre heute von diesem konkre-
ten Vorwurf zum ersten Mal. Anlässlich der Konfrontbefragung vom 10. Juni 2009 
(act. 5.9) erklärte P., sie habe wie einen Anfall einer Bewusstlosigkeit gehabt. Weil 
sie sich unwohl gefühlt habe, habe sie sich auf einen Strohballen hingelegt. Dann 
sei X. hinzugekommen. Sie habe ihm jedoch gesagt, er müsse nicht bei ihr bleiben, 
sie könne alleine bleiben. Er habe sie jedoch in der Folge mit einer Jacke zugedeckt. 
Danach habe er mit einer Hand in ihre Hose gefasst. Er habe dazu seine Hand 
unter den Bund von vorne in ihre Hose gesteckt und wirklich runter, das heisst bis 
an die Schamlippen. Dies sei unterhalb der Unterhose gewesen. Die Berührung an 
der Schamlippe sei nur ganz kurz gewesen. Alles sei sehr schnell