# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 909fe7cd-6d7f-5dc7-8cbd-d57730b0c90e
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-24
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Aufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs Basel-Landschaft 24.04.2012 420 2012 64 (420 12 64)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_005_420-2012-64_2012-04-24.pdf

## Full Text

Entscheid der Ausichtsbehörde Schudlbetreibung und Konkurs Basel-Landschaft 

vom 24. April 2012 (420 12 64)  

____________________________________________________________________ 

 

 

 

Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) 

 

 

Betreibungsrechtliche Beschwerde 

 

 

Besetzung  Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richter René Borer (Ref.),  
Richter Dieter Freiburghaus; Aktuar i.V. Lukas Kummer 

  
 

Parteien  A.____ 
vertreten durch Amtsvormundschaft 9, Anita Schmid, Rheinsprung 
16/18, Postfach 1532, 4001 Basel,  
Beschwerdeführer 

  gegen 

  Betreibungsamt Sissach, Hauptstrasse 115, 4450 Sissach,  
Beschwerdegegner 

   

Gegenstand  Betreibungsrechtliche Beschwerde / 
Zustellung des Zahlungsbefehls 
 

A. Am 9. November 2011 stellte die B.____  AG beim Betreibungsamt Sissach ein Betrei-
bungsbegehren gegen A.____ für eine Forderung von CHF 105.00 nebst Zins und Kosten. Am 
22. November 2011 stellte das Betreibungsamt Sissach den Zahlungsbefehl aus. Dieser wurde 
dem Schuldner am 18. Januar 2012 zugestellt. Am 17. Februar 2012 erhob die Amtsvormund-
schaft 9 des Kantons Basel-Stadt namens des Schuldners Rechtsvorschlag gegen den Zah-
lungsbefehl. Mit Schreiben vom 20. Februar 2012 teilt das Betreibungsamt Sissach der Amts-
vormundschaft Basel-Stadt mit, dass der Rechtsvorschlag aufgrund der Überschreitung der 

 
 
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zehntägigen Frist nicht mehr berücksichtigt werden könne. Zudem verwies das Betreibungsamt 
Sissach auf die Möglichkeit eines Gesuchs um Wiederherstellung der Rechtsvorschlagsfrist. 

B. Mit Eingabe vom 23. Februar 2012 gelangte die Amtsvormundschaft Basel-Stadt an das 
Bezirksgericht Sissach und führte aus, dass der Schuldner in Itingen gar nie offiziellen Wohnsitz 
gehabt habe, sondern lediglich Wochenaufenthalter gewesen sei. Aufgrund seiner Bevormun-
dung sei sein Wohnsitz stets am Sitz der Vormundschaftsbehörde in Basel-Stadt gewesen. Man 
mache daher geltend, dass der Zahlungsbefehl wegen örtlicher Unzuständigkeit des Betrei-
bungsamtes Sissach als nichtig aufzuheben sei. Eventualiter sei eine Fristverlängerung zur 
nachträglichen Einreichung des Rechtsvorschlags zu gewähren. Das Bezirksgericht Sissach 
überwies die besagte Eingabe in der Folge zuständigkeitshalber an die Aufsichtsbehörde über 
Schuldbetreibung und Konkurs. 

C. In der Vernehmlassung vom 12. März 2012 machte das Betreibungsamt Sissach geltend, 
die Beschwerde sei abzuweisen. Die Zustellung der Betreibungsurkunde an die angegebene 
Adresse sei erfolgreich gewesen, der Betriebene habe dort also offensichtlich Wohnsitz gehabt, 
was durch die Einwohnerkontrolle bestätigt worden sei. Die Betreibungsfähigkeit des Schuld-
ners habe seitens des Betreibungsamtes nie rechtzeitig geprüft werden können. 

Erwägungen 

1. Mit Ausnahme der Fälle, in denen das Gesetz den Weg der gerichtlichen Klage vor-
schreibt, kann gegen jede Verfügung eines Betreibungs- oder eines Konkursamtes bei der Auf-
sichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs wegen Gesetzesverletzung oder Unange-
messenheit Beschwerde geführt werden. Wird eine Gesetzesverletzung oder Unangemessen-
heit geltend gemacht, so muss die Beschwerde gemäss Art. 17 Abs. 2 SchKG grundsätzlich 
innert zehn Tagen seit dem Zeitpunkt, in welchem der Beschwerdeführer von der massgebli-
chen Verfügung Kenntnis erhalten hat, angebracht werden. Im vorliegenden Falle wurde die 
angefochtene Verfügung betr. Verspätung des Rechtsvorschlages am 20. Februar 2012 erlas-
sen. Die Beschwerde vom 23. Februar 2012 ist somit grundsätzlich fristgerecht erfolgt, wobei 
die Übermittlung der Beschwerdeschrift an eine unzuständige Behörde, vorliegend das Bezirks-
gericht Sissach anstatt die Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs, unter Be-
rücksichtigung von Art. 32 Abs. 2 SchKG unschädlich ist. Die sachliche Zuständigkeit der Drei-
erkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts zur Behandlung der Angelegenheit er-
gibt sich aus § 6 Abs. 1 lit. b EG SchKG. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2. Es gilt zu prüfen, ob der Zahlungsbefehl vom 22. November 2011 nichtig ist, da dieser aus 
der Sicht der Amtsvormundschaft Basel-Stadt von einem örtlich unzuständigen Betreibungsamt 
erlassen worden ist. Eine Verfügung ist nichtig, wenn sie gegen Vorschriften verstösst, die im 
öffentlichen Interesse oder im Interesse von am Verfahren nicht beteiligten Personen erlassen 
worden ist. Unabhängig davon, ob Beschwerde geführt worden ist, stellen die Aufsichtsbehör-
den von Amtes wegen die Nichtigkeit einer Verfügung fest (Art. 22 Abs. 1 SchKG). In der Regel 
bewirkt die Fehlerhaftigkeit einer Verfügung nur deren Anfechtbarkeit. Nur ausnahmsweise ist 
die Nichtigkeit, das heisst die absolute Unwirksamkeit einer Verfügung, anzunehmen. Gemäss 

 
 
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der Evidenztheorie ist eine Verfügung nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders 
schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem die Rechtssicherheit 
dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird (BSK SchKG I-COMETTA/MÖCKLI, Art. 22 N 8). Gemäss 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Verfügungen, welche durch ein örtlich unzuständiges 
Betreibungs- oder Konkursamt erlassen werden, bloss anfechtbar und nicht nichtig. Ausge-
nommen sind lediglich die von einem unzuständigen Amt erlassene Pfändungsankündigung 
oder Konkursandrohung. Ein Zahlungsbefehl, der durch ein örtlich unzuständiges Betreibungs-
amt erlassen wurde, ist somit in der Regel anfechtbar, aber nicht nichtig (BGE 118 III 4 E. 2a; 
BGE 96 III 31 E. 2; zur blossen Anfechtbarkeit des Zahlungsbefehls: Urteil des Bundesgerichts 
vom 18. Juli 2003, 7B.100/2003, E. 1.2; BSK SchKG I-SCHMID, Art. 46 N 35). Anderer Ansicht 
ist das Bundesgericht hinsichtlich Betreibungshandlungen gegen nicht betreibungsfähige Per-
sonen oder Einheiten wie bspw. urteilsunfähige Personen, soweit letzterenfalls der gesetzliche 
Vertreter bzw. die Vormundschaftsbehörde nicht mitgewirkt hat (BGE 104 III 4, 6 E. 2; BSK 
SchKG I-COMETTA/MÖCKLI, Art. 22 N 12). Dabei handelt es sich um die Verletzung von Vor-
schriften, die im öffentlichen Interesse stehen, was zwingend zur Nichtigkeit führt.  

3. Im vorliegenden Fall wurde der Zahlungsbefehl vom 22. November 2011 durch das aus 
Sicht der Amtsvormundschaft Basel-Stadt gemäss Art. 46 Abs. 1 SchKG örtlich nicht zuständi-
ge Betreibungsamt Sissach erlassen und an den bevormundeten Schuldner zugestellt. Die 
Amtsvormundin macht deshalb geltend, der Zahlungsbefehl sei aufgrund örtlicher Unzuständig-
keit nichtig. Der Wohnsitz des Betriebenen sei nach Art. 25 Abs. 2 ZGB stets die Vormund-
schaftsbehörde Basel-Stadt gewesen. Bezüglich der örtlichen Unzuständigkeit ist nach dem 
Vorstehenden kein öffentliches Interesse erkennbar welches zur Nichtigkeit des Zahlungsbe-
fehls führen würde. Auch sind - im Unterschied zum Erlass einer Pfändungsankündigung oder 
einer Konkursandrohung - keine Rechte nicht beteiligter Dritter verletzt, wenn ein unzuständiges 
Betreibungsamt, wie im vorliegenden Fall, den Zahlungsbefehl erlässt (BSK SchKG I-
COMETTA/MÖCKLI, Art. 22 N 13). Allerdings erweist sich die Beschwerde der Amtsvormund-
schaft Basel-Stadt in Anwendung von Art. 68c Abs. 1 SchKG als berechtigt. Nach dieser Be-
stimmung sind die Betreibungsurkunden nämlich dem gesetzlichen Vertreter zuzustellen, wenn 
der Schuldner unter Vormundschaft steht. Das Betreibungsamt hat von Amtes wegen sowohl 
die Partei- als auch die Betreibungsfähigkeit zu prüfen. Über die Bevormundung, die zu einer 
grundsätzlichen Handlungs- und damit auch Betreibungsunfähigkeit führt, wird das Betrei-
bungsamt in der Regel Kenntnis haben, denn die Bevormundung ist entweder zu veröffentli-
chen (Art. 375 Abs. 1 ZGB) oder aber dem Betreibungsamt mitzuteilen (Art. 375 Abs. 2 ZGB). 
Selbst wenn das Betreibungsamt - wie im vorliegende Falle - keine Kenntnis über die Bevor-
mundung eines Schuldners haben sollte, so ist eine Zustellung, die gegen Art. 68c Abs. 1 
SchKG verstösst, wegen der zwingenden Natur dieser Bestimmung nichtig. Die Zustellung an 
den bevormundeten Schuldner würde eine Zustellung an einen Betreibungsunfähigen bedeu-
ten. Die Betreibung gegen einen urteilsunfähigen Schuldner ist mit anderen Worten immer nich-
tig, wenn nicht dessen gesetzlicher Vertreter bzw. die Vormundschaftsbehörde mitwirkt (BGE 
104 III 4; BSK SchKG I-KOFMEL EHRENZELLER, Art. 68c N 25 f). Aus den vorhergehenden Aus-
führungen zeigt sich somit, dass der Zahlungsbefehl nicht aufgrund der örtlichen Unzuständig-
keit nichtig ist, da diese weder im öffentlichen Interesse steht noch Rechte unbeteiligter Dritter 
dadurch tangiert sind. Vielmehr ist es die Zustellung an eine nicht betreibungsfähige Person, 

 
 
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welche die Nichtigkeit bewirkt. Die Betreibungshandlung insb. die Zustellung des Zahlungsbe-
fehls ist somit gemäss Art. 68c Abs. 1 SchKG nichtig. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen 
und der Zahlungsbefehl des Betreibungsamtes Sissach aufzuheben.  

Für das Beschwerdeverfahren werden gemäss Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 SchKG keine Kosten er-
hoben. Die Zusprechung einer Parteientschädigung ist im betreibungsrechtlichen Beschwerde-
verfahren gemäss Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG nicht vorgesehen. 
 
 
Demnach wird erkannt: 

://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Zahlungsbefehl vom 
22. November 2011 des Betreibungsamtes Sissach wird aufgehoben. 

 2. Es werden keine Kosten erhoben. 

Präsidentin 
 
 
 
Christine Baltzer-Bader 

Aktuar i.V. 
 
 
 
Lukas Kummer