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**Case Identifier:** c872cbb8-cff3-5d2f-a0da-e4dfbddef3d6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2022 BVGE 2023 V/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2023-V-1_2022-11-07.pdf

## Full Text

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

2023 V/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF V 1 

 

2023 V/1 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung II 
i.S. X. Sàrl gegen Bundesamt für  

Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen 
B-3862/2022 vom 7. November 2022 

Rechtmässigkeit einer in der PSMV geregelten Dauer der Ausver-

kaufs- und der Verwendungsfrist eines Pflanzenschutzmittels. 

Art. 5 Abs. 2 BV. Art. 148a, Art. 158-160a LwG. Art. 6, Art. 11 

ChemG. Art. 1 Abs. 1, Art. 26-29 USG. Art. 1 Abs. 4, Art. 10, Art. 86h, 
Anhang 1 PSMV. 

1. Die Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels ergibt sich aus direkt anwendbaren Ver-

ordnungsvorschriften. Unmittelbarer Prüfmassstab ist das Ver-

waltungsrechtsverhältnis, das sich aus der PSMV ergibt. Grund-

rechte sind nur mittelbarer Prüfmassstab, es sei denn, die PSMV 

als Verfügungsgrundlage wird infrage gestellt (E. 2). 

2. Voraussetzungen einer vorfrageweisen Überprüfung einer Bun-
desratsverordnung (E. 3.1). 

3. Gesetzliche Grundlagen für den Umgang mit Pflanzenschutzmit-
teln (E. 3.2 und 3.3). Eigenheiten des transnationalen Verwal-

tungsakts, Zumutbarkeitsprüfung (E. 3.4). 

Légalité de la durée, telle que réglée par l'OPPh, du délai d'écou-

lement de stocks et du délai d'utilisation d'un produit phytosanitaire. 

Art. 5 al. 2 Cst. Art. 148a, art. 158-160a LAgr. Art. 6, art. 11 LChim. 

Art. 1al. 1, art. 26-29 LPE. Art. 1 al. 4, art. 10, art. 86h, annexe 1 

OPPh. 

1. La durée du délai d'écoulement de stocks et du délai d'utilisation 
d'un produit phytosanitaire est dictée par les prescriptions de l'or-

donnance directement applicables. Le rapport de droit adminis-

tratif qui découle de l'OPPh est le critère direct de contrôle. Les 

droits fondamentaux ne sont qu'un critère indirect de contrôle, à 

moins que l'OPPh ne soit remise en question en tant que base lé-

gale de la décision (consid. 2). 

2023 V/1 Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

 

 

2 V BVGE / ATAF / DTAF  

 

2. Conditions pour l'examen préjudiciel d'une ordonnance du 
Conseil fédéral (consid. 3.1). 

3. Bases légales applicables à l'utilisation des produits phytosani-
taires (consid. 3.2 et 3.3). Caractéristiques de l'acte administratif 

transnational, examen de l'exigibilité (consid. 3.4). 

Legalità della durata del termine di vendita e del termine di utilizzo 

di un prodotto fitosanitario disciplinata dall'OPF. 

Art. 5 cpv. 2 Cost. Art. 148a, art. 158-160a LAgr. Art. 6, art. 11 

LPChim. Art. 1 cpv. 1, art. 26-29 LPAmb. Art. 1 cpv. 4, art. 10, 

art. 86h, all. 1 OPF. 

1. La durata del termine di vendita e del termine di utilizzo di un 
prodotto fitosanitario è disciplinata dalle disposizioni dell'ordi-

nanza direttamente applicabili. Il rapporto di diritto amministra-

tivo risultante dall'OPF è il metro di giudizio diretto. I diritti fon-

damentali costituiscono solamente un metro di giudizio indiretto, 

a meno che l'OPF sia messa in discussione come base legale della 

decisione (consid. 2). 

2. Presupposti per l'esame pregiudiziale di un'ordinanza del Consi-
glio federale (consid. 3.1). 

3. Basi legali applicabili alla gestione dei prodotti fitosanitari (con-
sid. 3.2 e 3.3). Caratteristiche di un atto amministrativo transna-

zionale, esame dell'esigibilità (consid. 3.4). 

 

X. Sàrl ist die schweizerische Tochtergesellschaft des international tätigen 

Konzerns Y. Sie ist für die Pflanzenschutzmittelzulassungen und deren 

Vertrieb in der Schweiz zuständig. Sie ist Bewilligungsinhaberin für das 

Inverkehrbringen des seit 2014 zugelassenen Pflanzenschutzmittels Am-

mate, das den Wirkstoff Indoxacarb enthält. 

Nach Art. 10 Abs. 1 der Pflanzenschutzmittelverordnung vom 12. Mai 

2010 (PSMV, SR 916.161) streicht das Eidgenössische Departement des 

Innern (EDI) einen Wirkstoff aus Anhang 1, wenn der Wirkstoff in der Eu-

ropäischen Union (EU) aus der Durchführungsverordnung Nr. 540/2011 

der Kommission vom 25. Mai 2011 zur Durchführung der Verordnung 

(EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates hin-

sichtlich der Liste zugelassener Wirkstoffe, ABl. L 153/1 vom 11.6.2011; 

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

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zuletzt geändert durch die Durchführungsverordnung (EU) 2020/1293 der 

Kommission vom 15. September 2020 zur Änderung der Durchführungs-

verordnung (EU) Nr. 540/2011 hinsichtlich der Bedingungen für die Ge-

nehmigung des Wirkstoffs Azadirachtin, ABl. L 302/24 vom 16.9.2020, 

gestrichen wird. In diesem Fall legt es gleichzeitig Ausverkaufs- und Ver-

wendungsfristen in der PSMV fest. Gegenstand eines solchen Verord-

nungsänderungsprozesses bildete der Wirkstoff Indoxacarb. Das EDI in-

formierte im Frühjahr 2022 die X. Sàrl darüber. Die PSMV wurde auf den 

1. Juli 2022 geändert: Indoxacarb wurde aus Anhang 1 der PSMV ge-

strichen und entsprechende Ausverkaufs- und Verwendungsfristen wurden 

mit Art. 86h PSMV erlassen (AS 2022 338). Mit Verfügung vom 1. Juli 
2022 hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen 

(BLV) die Bewilligung der X. Sàrl für das Inverkehrbringen des Produktes 

Ammate widerrufen (Ziff. 1) und für den Abbau von Lagervorräten eine 

Ausverkaufsfrist bis 1. Oktober 2022 gewährt (Ziff. 2). 

Mit Beschwerde vom 5. September 2022 beantragt die X. Sàrl, Ziffer 2 der 

Verfügung vom 1. Juli 2022 aufzuheben sowie Frist für das Inverkehrbrin-

gen der Lagervorräte des Pflanzenschutzmittels Ammate bis 30. Juni 2023 

und für dessen Verwendung bis 31. August 2023 zu gewähren. Im Wesent-

lichen macht sie eine Verletzung von Bundes- (Art. 49 Bst. c VwVG) und 

Verfassungsrecht (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV) geltend. 

Mit Vernehmlassung vom 30. September 2022 beantragt das BLV die Ab-

weisung der Beschwerde und den Entzug der aufschiebenden Wirkung. 

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

2.  
2.1  
Strittig ist die Dauer der Ausverkaufs- und Verwendungsfristen. Diese sind 

Folge des Widerrufs des bewilligten Inverkehrbringens des Pflanzen-

schutzmittels. Allerdings wiederholt die Verfügung vom 1. Juli 2022 ledig-

lich, was bereits aufgrund der direkt anwendbaren Verordnungsvorschrift 

(Art. 86h Bst. a und b PSMV) gilt. Ist der Widerruf rechtmässig, was vor-
liegend zutrifft, da die Beschwerdeführerin diesen unbestrittenermassen 

nicht angefochten hat, gelten die direkt anwendbaren Art. 86h Bst. a und 
b PSMV ohne Umsetzung durch eine Verfügung. Insofern steht auch die 

Frage der Unangemessenheit der Befristung nach Art. 49 Bst. c VwVG 

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Pflanzenschutzmittels 

 

 

4 V BVGE / ATAF / DTAF  

 

nicht zur Disposition. Das Wiederholen der in der Verordnung 

vorgesehenen Fristen ist deshalb – entgegen der beschwerdeführerischen 

Auffassung – nicht unangemessen, sondern Ausdruck des 

Legalitätsprinzips (Art. 5 Abs. 1 BV). Dasselbe gilt für das 

Verhältnismässigkeitsprinzip. In diesem Zusammenhang kommt auch die 

von der Beschwerdeführerin angerufene Verletzung der 

Eigentumsgarantie nur als mittelbarer Prüfungsmassstab in der Form der 

grundrechtskonformen Auslegung von Art. 86h PSMV zur Anwendung. 
Den unmittelbaren Prüfmassstab bildet das Verwaltungsrechtsverhältnis, 

das sich aus der PSMV ergibt (vgl. BGE 144 II 194 E. 4.4.2 m.w.H.; 

PIERRE TSCHANNEN, Systeme des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 2008, 

Rz. 101). Als unmittelbarer Prüfmassstab wirkt das genannte Grundrecht 

nur dann, wenn die Verfügungsgrundlage infrage gestellt würde (Urteil des 

BGer 2C_377/2016 vom 16. April 2018 E. 3.2). 

2.2 Die Beschwerdeführerin nimmt in ihrer Beschwerde Bezug auf 
das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-3969/2021 vom 28. März 

2022, welches eine analoge Rechtsfrage im Rahmen einer akzessorischen 

Normenkontrolle (E. 13.2) geprüft hat. Insofern kann davon ausgegangen 

werden, dass die Beschwerdeführerin weniger das in der Verfügung darge-

stellte Rechtsverhältnis rügt, sondern eher die Verfügungsgrundlage, das 

heisst die PSMV, infrage stellt. Aus gewissen Passagen zur gerügten Ver-

letzung der Eigentumsgarantie lässt sich Gleiches schlussfolgern. Dies ist 

nachfolgend zu prüfen. 

3.  
3.1 Im Rahmen der Beschwerde kann das Bundesverwaltungsgericht 
untersuchen, ob eine Rechtsverordnung des Bundesrates als solche bun-

desrechtskonform ist (vorfrageweise bzw. konkrete Normenkontrolle; 

BGE 144 II 454 E. 3.2 m.H.; Urteil B-3969/2021 E. 13.2 in initio; s. auch 

ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 

3. Aufl. 2022, Rz. 2.177 f.). Bei unselbstständigen Verordnungen, die sich 

auf eine gesetzliche Delegation stützen (Art. 164 Abs. 2 BV), bezieht sich 

die bundesverwaltungsgerichtliche Kontrolle zunächst auf die Gesetz-

mässigkeit. Erweist sich die Verordnung als gesetzmässig und ermächtigt 

das Gesetz den Bundesrat nicht, von der Bundesverfassung abzuweichen, 

prüft das Bundesgericht auch die Verfassungsmässigkeit der Rechts-

verordnung (BGE 144 II 454 E. 3.2 m.H.; MOSER et al., a.a.O., Rz. 2.177). 

Räumt die gesetzliche Delegationsnorm dem Bundesrat einen sehr weiten 

Spielraum für die inhaltliche Ausgestaltung der unselbstständigen 

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

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Verordnung ein, so ist dieser Gestaltungsbereich für das Bundesverwal-

tungsgericht verbindlich (BGE 144 II 454 E. 3.3 m.H.; MOSER et al., 

a.a.O., Rz. 2.178). Dabei setzt das Bundesverwaltungsgericht bei der 

Überprüfung der Verordnung nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle 

desjenigen des Bundesrates, sondern beschränkt sich auf die Prüfung, ob 

die Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat im Gesetz delegierten 

Kompetenzen offensichtlich sprengt oder aus anderen Gründen gesetzes- 

oder verfassungswidrig ist (BGE 144 II 454 E. 3.3 m.H.; MOSER et al., 

a.a.O., Rz. 2.178). Die Zweckmässigkeit der getroffenen Anordnung 

entzieht sich der gerichtlichen Kontrolle (BGE 144 II 454 E. 3.3 m.H.; 

MOSER et al., a.a.O., Rz. 2.178). Es ist nicht Sache des Gerichts, sich zur 

Sachgerechtigkeit einer Verordnungsbestimmung etwa in politischer oder 

wirtschaftlicher Hinsicht zu äussern (vgl. BGE 144 II 454 E. 3.3 m.H.; 

MOSER et al., a.a.O., Rz. 2.178). Im Folgenden ist in einem ersten Schritt 

die Gesetzmässigkeit der Verordnungsbestimmung, in einem zweiten 

Schritt deren Verfassungsmässigkeit zu prüfen. 

3.2 Pflanzenschutzmittel sind landwirtschaftliche Produktionsmittel. 
Sie dienen der landwirtschaftlichen Produktion (Art. 158 Abs. 1 des Land-

wirtschaftsgesetzes vom 29. April 1998 [LwG, SR 910.1]). Produktions-

mittel müssen, damit sie der landwirtschaftlichen Produktion dienen 

können, gewisse materielle Anforderungen erfüllen (Art. 159 LwG; s. 

auch Art. 159a LwG), welche in formellen Verfahren überprüft werden 

(Art. 160 LwG). Pflanzenschutzmittel können allerdings die Umwelt und 

die Gesundheit des Menschen gefährden. Aus diesem Grund hat der Ge-

setzgeber zum Schutz der Gesundheit des Menschen vor stofflichen Pflan-

zenschutzmitteln Regelungen in Art. 6 Bst. b und Art. 11 des Chemi-

kaliengesetzes vom 15. Dezember 2000 (ChemG, SR 813.1) und in 

Art. 26 ff. USG (SR 814.01) und zum Schutz der Umwelt (i.S.v. Art. 1 

USG) getroffen, worauf der Ingress der Pflanzenschutzmittelverordnung 

verweist, dem allerdings kein normativer Gehalt zukommt (vgl. BGE 144 

II 454 E. 4.3.1). Die Vorschriften des LwG, des ChemG und des USG 

regeln gleiche Sachverhalte (hier: Inverkehrbringen) nach unterschiedli-

chen Gesichtspunkten beziehungsweise verfolgen unterschiedliche Ziele; 

es liegt eine positive oder kumulative Normenkonkurrenz beziehungs-

weise Normenkumulation vor (vgl. BGE 141 II 66 E. 2.4.1). Diese Nor-

men gelangen deshalb nebeneinander zur Anwendung und schliessen sich 

gegenseitig nicht aus (vgl. BGE 141 II 66 E. 2.4.1). Der Verordnungsgeber 

hat deshalb die materiellen Vorschriften aller drei Gesetze in der PSMV 

konkretisiert. Auch die verschiedenen Verfahren, welche den drei Erlassen 

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Pflanzenschutzmittels 

 

 

6 V BVGE / ATAF / DTAF  

 

zufolge im Prinzip von verschiedenen Behörden geführt würden, hat der 

Gesetzgeber geregelt. Art. 11 Abs. 2 ChemG verweist auf die Landwirt-

schaftsgesetzgebung. Nach Art. 41 Abs. 2 USG ist sodann die Bundesbe-

hörde, die ein anderes Bundesgesetz vollzieht, bei der Erfüllung dieser 

Aufgabe auch für den Vollzug des Umweltschutzgesetzes zuständig. Eig-

net sich dieses Verfahren für bestimmte Aufgaben hingegen nicht, regelt 

der Bundesrat den Vollzug durch die betroffenen Bundesstellen (Art. 41 

Abs. 3 USG). In Art. 71 ff. PSMV hat der Bundesrat deshalb die Zulas-

sungsstelle und die Beurteilungsstellen mit deren Aufgaben bezeichnet 

(zum Ganzen auch Urteil des BVGer B-5025/2021 vom 30. Juni 2022 

E. 5.1). 

3.3  
3.3.1 In Bezug auf das Zulassungsverfahren normiert das LwG in 
seinem Art. 160 detaillierte Vorgaben: In Art. 160 Abs. 1 LwG erhält der 

Bundesrat die generelle Kompetenz, Vorschriften über die Einfuhr und das 

Inverkehrbringen von Produktionsmitteln zu erlassen, dabei kann er auch 

gewisse Akteure einer Zulassungspflicht unterstellen (Art. 160 Abs. 2 

LwG). Art. 160 Abs. 3-5 LwG betrifft die oben erwähnte Verfahrenskoor-

dination (E. 3.2). Nach Art. 160 Abs. 6 LwG werden ausländische Zulas-

sungen oder deren Widerruf sowie ausländische Prüfberichte und Konfor-

mitätsbescheinigungen, die auf gleichwertigen Anforderungen beruhen, 

anerkannt, soweit die agronomischen und umweltrelevanten Bedingungen 

für den Einsatz der Produktionsmittel vergleichbar sind. Der Bundesrat 

kann Ausnahmen vorsehen. Art. 160a LwG enthält zudem eine direkt an-

wendbare Vorschrift, wonach Pflanzenschutzmittel, die im räumlichen 

Geltungsbereich des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft 

über den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen (SR 0.916.026.81) 

rechtmässig in Verkehr gebracht worden sind, in der Schweiz in Verkehr 

gebracht werden dürfen. Bei der Gefährdung öffentlicher Interessen kann 

der Bundesrat Einfuhr und Inverkehrbringen beschränken oder unter-

sagen. 

3.3.2 Angesichts der Möglichkeit, ausländische Entscheidungen über 
Zulassung oder Widerruf ohne eigenes Zulassungs- beziehungsweise 

Widerrufsverfahren anzuerkennen (transnationaler Verwaltungsakt [dazu 

CHRISTINE BREINING-KAUFMANN, Internationales Verwaltungsrecht, ZSR 

125/2006 II S. 28 f.; umfassend MARTIN KMENT, Grenzüberschreitendes 

Verwaltungshandeln, 2010, Tübingen, S. 446 ff.]), räumt die gesetzliche 

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

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Delegationsnorm dem Bundesrat einen sehr weiten Spielraum für die in-

haltliche Ausgestaltung des Zulassungs- beziehungsweise Widerrufsver-

fahrens ein (s. auch Botschaft vom 29. Mai 2002 zur Weiterentwicklung 

der Agrarpolitik [Agrarpolitik 2007; BBl 2002 4721, 4843]). Mit Art. 10 

PSMV und dem Festlegen entsprechender Ausverkaufs- beziehungsweise 

Verwendungsfristen in den Übergangsfristen (Art. 86f ff. PSMV, in casu: 
Art. 86h Bst. a und b PSMV) bleibt der Bundesrat klar innerhalb des Dele-
gationsrahmens, denn er setzt die Vorgaben des Art. 160 Abs. 6 LwG wort-

genau um. Andere Gründe für eine Gesetzeswidrigkeit sind nicht erkenn-

bar. Dies trifft auch auf den in Art. 10 PSMV vorgesehenen Mechanismus 

zu: Es ist weder ersichtlich noch wird ansatzweise gerügt, dass dieser nicht 

gesetzeskonform abgelaufen sei. Zu prüfen ist deshalb, ob die gerügten 

Verordnungsbestimmungen (Art. 86h Bst. a und b PSMV) verfassungs-
widrig sind. 

3.4  
3.4.1  
3.4.1.1 Die Beschwerdeführerin macht unter Bezug auf das Urteil 
B-3969/2021 E. 13.9 zunächst geltend, dass die Ausverkaufsfrist von 

Art. 86h Bst. a PSMV unverhältnismässig sei. Sie führt dabei aus, dass 
auch im vorliegenden Fall keine als unannehmbar zu erachtende, poten-

ziell gefährliche Wirkung im Sinne von Art. 31 Abs. 1 PSMV vorliege. 

Dies entspreche dem Sachverhalt des erwähnten Urteils des Bundesver-

waltungsgerichts, weshalb im vorliegenden Fall das dort gefällte Urteil auf 

diesen Fall übertragen werden könne. Mit anderen Worten seien die in 

Art. 86h PSMV formulierten Übergangsfristen durch längere zu ersetzen. 

3.4.1.2 Die Vorinstanz geht in ihrer Vernehmlassung davon aus, dass der 
strittige Fall aus zwei Gründen nicht mit demjenigen im Urteil 

B-3969/2021 behandelten Fall übereinstimme. Erstens sei das Verfahren 

nach Art. 10 PSMV etabliert, weshalb die Beschwerdeführerin ohne Wei-

teres davon hätte ausgehen müssen, dass eine Nichterneuerung des Wirk-

stoffs Indoxacarb in der EU zu einem Vorgehen nach Art. 10 PSMV führen 

musste. Zweitens habe der Beschwerdeführerin als international tätiges 

Unternehmen im Pflanzenschutzmittelbereich nicht entgehen können, dass 

die EU den strittigen Wirkstoff nicht erneuert hatte. 

3.4.2 Nach Art. 5 Abs. 2 BV muss das gesamte staatliche Handeln unter 
anderem verhältnismässig sein (BGE 145 V 116 E. 5.1). Insofern betrifft 

es neben der Rechtsanwendung auch die Rechtssetzung (BGE 135 V 172 

E. 7.3.3). Staatliches Handeln ist verhältnismässig, wenn es erforderlich, 

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Pflanzenschutzmittels 

 

 

8 V BVGE / ATAF / DTAF  

 

die vorgesehene Massnahme zur Erreichung des Ziels geeignet ist und das 

gewählte Mittel nicht in einem Missverhältnis zu anderen zu beachtenden 

Interessen steht. Zu beachten ist, dass im Rahmen der Rechtssetzung der 

Rechtssetzer in einem induktiven Verfahren viele Einzelfälle in einer gene-

rell-abstrakten Norm zusammenfasst, weshalb ein gewisser Schematismus 

unvermeidlich ist (BGE 100 Ia 41 E. 2d in fine). Mit einer Übergangsbe-

stimmung im Sinne von Art. 86h PSMV soll altes Recht noch während 
einer gewissen Frist nachwirken, um Investitionen nicht nutzlos werden 

zu lassen. Insofern haben die Übergangsfristen nicht den Zweck, die Be-

troffenen möglichst lange von der günstigeren bisherigen Regelung profi-

tieren zu lassen, sondern einzig, ihnen eine angemessene Frist einzuräu-

men, um sich an die neue Regelung anzupassen (BGE 134 I 23 E. 7.6.1; 

Urteil B-3969/2021 E. 13.9.3). Die konkrete Ausgestaltung der Über-

gangsfrist ist Resultat der Interessenabwägung zwischen den privaten und 

öffentlichen Interessen (Zumutbarkeit). 

3.4.3  
3.4.3.1 Bevor die Verhältnismässigkeit geprüft werden kann, ist zunächst 
das öffentliche Interesse festzumachen, sollen doch die Massnahmen im 

Hinblick auf die durch das öffentliche Interesse angeleitete gesetzliche 

Zielsetzung geeignet und erforderlich sein. Mit der gesetzlichen Regelung 

wurde der Grundsatz umgesetzt, dass Zulassungen und Widerrufe der EU, 

die auf gleichwertigen Anforderungen wie inländische Zulassungen und 

Widerrufe basieren, anerkannt werden sollen (vgl. BBl 2002 4721, 4843; 

dazu auch CHRISTOPH OHLER, Europäisches und nationales Verwaltungs-

recht, in: Verwaltungsrecht der Europäischen Union, 2. Aufl. 2022, Baden- 

Baden, S. 376 f., Rz. 27). Damit sollen unnötige parallele Verfahren und 

Doppelspurigkeiten verhindert werden (vgl. BREINING-KAUFMANN, 

a.a.O., S. 29; OHLER, a.a.O., Rz. 27). Konsequenz einer solchen gesetzli-

chen Anerkennungsnorm (BREINING-KAUFMANN, a.a.O., S. 29; OHLER, 

a.a.O., Rz. 28 in fine) bildet der Umstand, dass die Eidgenössische Ver-

waltung die materielle Beurteilung des Pflanzenschutzmittels grundsätz-

lich nicht mehr überprüfen darf (vgl. BREINING-KAUFMANN, a.a.O., S. 29; 

OHLER, a.a.O., Rz. 28; Art. 160 Abs. 6 LwG sieht Ausnahmen vor). Inso-

fern ist entscheidend, was der Herkunftsstaat, beziehungsweise hier die 

EU, entschieden hat. 

3.4.3.2 Die Europäische Kommission hat in der Durchführungsverord-
nung (EU) 2021/2081 vom 26. November 2021 zur Nichterneuerung der 

Genehmigung für den Wirkstoff Indoxacarb gemäss der Verordnung (EG) 

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

2023 V/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF V 9 

 

Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über das Inver-

kehrbringen von Pflanzenschutzmitteln und zur Änderung der Durchfüh-

rungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 der Kommission, ABl L 426/28 vom 

29.11.2021 (nachfolgend: DV Indoxacarb) Gründe für die Nichterneue-

rung des Wirkstoffs aufgelistet. Zunächst stellte die Kommission in Bezug 

auf das hohe langfristige Risiko für wild lebende Säugetiere, insbesondere 

das langfristige Risiko für kleine pflanzenfressende Säugetiere, ein 

kritisches Problemgebiet fest (Erwägungsgrund 9). Darüber hinaus wurde 

ein hohes Risiko für Verbraucher und Arbeitnehmer für die repräsentative 

Verwendung in Kopfsalat festgestellt, und es wurde ein hohes Risiko für 

Bienen für die repräsentative Verwendung in Mais, Zuckermais und Salat 

für die Saatguterzeugung festgestellt (Erwägungsgrund 10). Ausserdem 

konnten mehrere Bereiche der Risikobewertung nicht abgeschlossen wer-

den, da die Daten im Dossier unzureichend waren. Insbesondere konnte 

die Risikobewertung für die Verbraucher nicht abgeschlossen werden, da 

es an Daten über den Metabolismus in Folgekulturen, den Metabolismus 

bei Geflügel, das Ausmass der Rückstände in Primär- und Folgekulturen 

und an Daten über die Auswirkungen von Wasseraufbereitungsverfahren 

auf die Art der Rückstände im Trinkwasser fehlte. Darüber hinaus konnte 

die Bewertung der Grundwasserexposition für den Bodenmetaboliten IN-

U8E24 aufgrund fehlender Daten zum Abbau und zur Adsorption im 

Boden nicht abgeschlossen werden. Auch die ökotoxikologische Risikobe-

wertung für mehrere Metaboliten konnte nicht abgeschlossen werden (Er-

wägungsgrund 11). Diese Befunde (s. auch die Peer review of the pesticide 

risk assessment of the active substance indoxacarb der EFSA, EFSA Jour-

nal 2018;16(1):5140, 36 pp. doi:10.2903/j.efsa.2018.5140 [online abruf-

bar unter:  www.efsa.europa.eu > Publikationen]) sind unbestritten, hat 

doch die Beschwerdeführerin die Streichung des Wirkstoffs aus Anhang 1 

beziehungsweise den Widerruf des strittigen Pflanzenschutzmittels nicht 

angefochten. 

Aus den Erwägungsgründen ergibt sich somit, dass erstens ein langfris-

tiges und hohes Risiko für die menschliche und tierische Gesundheit und 

für die Umwelt besteht. Zweitens besteht ein ausgesprochen hohes Risiko 

für die Gesundheit von Bienen, welche essenziell für die Bestäubung sind 

(dazu jetzt DAVE GOULSON, Stumme Erde, Warum wir die Insekten retten 

müssen, 2022, passim; AKADEMIE DER NATURWISSENSCHAFTEN, Insekten-

vielfalt in der Schweiz, Bedeutung, Trends, Handlungsoptionen, 2021, 

S. 24, 27 f., 60; BUNDESRAT, Nationaler Massnahmenplan für die Gesund-

heit der Bienen, Bericht vom 21. Mai 2014 in Erfüllung der Motion der 

2023 V/1 Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

 

 

10 V BVGE / ATAF / DTAF  

 

Kommission Umwelt, Raumplanung und Energie [UREK] vom 6. Mai 

2013 [13.3372], passim; Eidgenössisches Departement für Umwelt, Ver-

kehr, Energie und Kommunikation [UVEK], Bericht vom 19. August 

2019, Das Insektensterben stoppen – eine Auslegeordnung zuhanden der 

UREK-N, Ursachen, Handlungsbedarf, Massnahmen, passim). Drittens 

kommt hinzu, dass mangels Daten unzählige Risikobewertungen gar nicht 

vorgenommen werden konnten, also unklar ist, wie sich der Wirkstoff 

sonst wie verhält, weshalb ein aktuelles Risiko für Mensch, Tier und Um-

welt vorhanden ist. Schliesslich darf auch nicht vergessen werden, dass 

nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Bereich des Gewässer-, 

Natur-, Heimat- und Umweltschutzrechts zwingende Gründe für eine so-

fortige Anwendung des neuen Rechts sprechen (vgl. BGE 135 II 384 E. 2.3 

m.H.). Angesichts dieser Umstände und entsprechend dem für solche 

Situationen geschaffenen Vorsorgeprinzip (Art. 1 Abs. 2 USG; Art. 148a 

LwG; Art. 1 Abs. 4 PSMV) ist mit der Vorinstanz und entgegen der Auf-

fassung der Beschwerdeführerin einig zu gehen, dass ein Verbot des In-

verkehrbringens und des Verwendens dringlich ist. Insofern ist – entgegen 

der beschwerdeführerischen Auffassung – der Sachverhalt im Verfahren 

B-3969/2021 nicht mit dem vorliegenden Sachverhalt vergleichbar. Wäh-

rend dort von einem nicht dringlichen Fall gesprochen wurde, handelt es 

sich hier – wie ausgeführt – um das Gegenteil (Urteil B-3969/2021 

E. 13.9.6). 

3.4.4  
3.4.4.1 Das Verbot des Inverkehrbringens bis zum 1. Oktober 2022 und 
des Verwendens von Pflanzenschutzmitteln bis zum 1. April 2023, die den 

Wirkstoff Indoxacarb enthalten, bildet eine geeignete und notwendige 

Massnahme zum Schutz von Mensch und Tier. Dies ist unbestritten. Zu 

prüfen ist somit die Zumutbarkeit der Massnahme. 

3.4.4.2 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, dass im 
hier strittigen Fall – wie im Verfahren B–3969/2021 – keine unannehmbare 

Gefährdung für Mensch und Tier oder Umwelt vorliege, weshalb ein 

dringliches Verbot des Inverkehrbringens beziehungsweise Verwendens 

nicht notwendig sei. Hier wie dort würden infolgedessen Ausverkaufs- und 

Verwendungsfristen, die bereits von vornherein nicht geeignet seien, einen 

geordneten Abbau der Lagervorräte zu ermöglichen, da bei deren Inkraft-

treten keine Vegetationsperiode mehr zur Verfügung stehe, klar gegen das 

Verhältnismässigkeitsprinzip verstossen. Im vorliegenden Fall sei das Ver-

bot auf den 1. Juli 2022 in Kraft gesetzt worden, der Anwendungszeitraum 

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

2023 V/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF V 11 

 

für das entsprechende Pflanzenschutzmittel sei Frühling und Sommer, 

weshalb beim Inkrafttreten der Ausverkaufsfrist keine Vegetationsperiode 

mehr gegeben gewesen sei. Infolgedessen verstosse die Regelung gegen 

das Verhältnismässigkeitsprinzip und es seien die Fristen zu verlängern. 

3.4.4.3 In Bezug auf die privaten Interessen ist der besondere Mechanis-
mus des transnationalen Verwaltungsakts zu berücksichtigen, worauf die 

Vorinstanz implizit auch hinweist. Aus diesem folgt, dass eine Entschei-

dung der Europäischen Kommission im Bereich der Wirkstoffe von Pflan-

zenschutzmitteln automatisch auch in der Schweiz gilt. Ausländisches Ver-

waltungsrecht gilt in der Schweiz (vgl. BREINING-KAUFMANN, a.a.O., 

S. 28; OHLER, a.a.O., Rz. 29 [transnationale Geltungserstreckung]). Dies 

ist Folge der Anerkennungsnorm nach Art. 160 Abs. 6 LwG. In Art. 10 

PSMV sind nur noch die Kompetenzen für den Anerkennungsprozess 

geregelt – ähnlich wie in der EU. Wenn also die DV Indoxacarb die Nicht-

erneuerung des Wirkstoffs Indoxacarb verordnet, wird dies notwendiger-

weise auch in der Schweiz eintreten. Insofern erfolgt mit dem transnatio-

nalen Verwaltungsakt ein Import von Rechtswirkungen aus dem Ausland 

(BREINING-KAUFMANN, a.a.O., S. 29; OHLER, a.a.O., Rz. 27 ff.). Ange-

sichts dieses Umstands kommt der DV Indoxacarb für die Schweiz eine 

Art von « faktischer » Vorwirkung zu. 

Die Beschwerdeführerin ist ein international im Bereich des Pflanzen-

schutzes tätiger Konzern. Sie agiert auch in der EU. Ihr war bekannt, dass 

der Wirkstoff Indoxacarb nicht erneuert wurde und deshalb die Zulassun-

gen für « indoxacarb-haltige Produkte » widerrufen werden. Sie hat dies 

gegenüber ihren deutschen Kunden auf ihrer Website frühzeitig kundgetan 

(…) und musste als Akteurin im schweizerischen Pflanzenschutzmittelbe-

reich davon wissen, dass Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Indoxa-

carb angesichts der Fristen in Art. 10 PSMV demnächst in der Schweiz 

verboten würden. Die DV Indoxacarb datiert vom 26. November 2021, der 

Widerruf von Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln, die Indoxacarb als 

Wirkstoff enthalten, musste bis spätestens am 19. März 2022 durch die 

Mitgliedstaaten erfolgen (Art. 3 DV Indoxacarb). Eine Aufbrauchfrist, die 

sowohl eine Ausverkaufs- und Verbrauchsfrist umfasst, wurde auf den 

19. September 2022 festgesetzt (Art. 4 DV Indoxacarb). In Kenntnis die-

ser Fristen musste die Beschwerdeführerin davon ausgehen, dass sie die 

Produktion solcher Pflanzenschutzmittel einstellen musste. Angesichts der 

automatischen Übernahme und angesichts der auf die EU abgestimmten 

2023 V/1 Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

 

 

12 V BVGE / ATAF / DTAF  

 

Fristenregelung von Art. 10 Abs. 1 Satz 2 PSMV musste die Beschwerde-

führerin ebenfalls folgern, dass die Produktion einzustellen sein wird und 

eine Ausverkaufsfrist kurz bemessen sein würde. Im Gegensatz zur EU 

konnte die Beschwerdeführerin ihr Produkt sechseinhalb Monate länger 

verkaufen und können die Kunden der Beschwerdeführerin das Produkt 

ebenfalls sechseinhalb Monate, bis 1. April 2023, länger verwenden. Der 

Beschwerdeführerin blieben also bei klugem Verkaufsmanagement somit 

sechs Monate mehr Zeit als ihren Schwestergesellschaften in der EU, um 

das Produkt abzusetzen. Dem privaten Interesse der Beschwerdeführerin 

kommt angesichts dieser Ausführungen geringes Gewicht zu. 

Was das öffentliche Interesse betrifft, trifft es – wie bereits oben erwähnt 

– nicht zu, dass die Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt nicht hoch 

und deren Schutz nicht dringlich ist. Kommt hinzu, worauf die Vorinstanz 

ebenfalls zutreffend hinweist, dass mit der von der Beschwerdeführerin 

beantragten Regelung die Schweiz zum Entsorgungshof von Pflanzen-

schutzmitteln für Europa würde, was aber mit dem transnationalen Verwal-

tungsakt gerade verhindert werden sollte. Denn mit diesem sollen die 

Rechtswirkungen der EU in die Schweiz importiert werden (vgl. BREI-

NING-KAUFMANN, a.a.O., S. 29; OHLER, a.a.O., Rz. 27 ff.) und es soll 

diesbezüglich ein europaweiter Rechtsraum geschaffen werden (vgl. OH-

LER, a.a.O., Rz. 27 f.). Pflanzenschutzmittel mit verbannten Wirkstoffen 

sollen überall verboten werden (vgl. dazu auch OHLER, a.a.O., Rz. 28). In-

sofern ist das öffentliche Interesse an einer kurzen Frist sehr hoch. 

Insgesamt überwiegt vorliegend das öffentliche Interesse an kurzen, wie 

in Art. 86h PSMV vorgesehenen Fristen das private Interesse: Angesichts 
der langen Vorlaufzeit, welche sich aus dem Mechanismus des transnatio-

nalen Verwaltungsakts ergibt, und der um sechs Monate längeren Verwen-

dungsfrist, die auch noch die nächste Vegetationsperiode teilweise 

abdeckt, und angesichts des mit dem transnationalen Verwaltungsakt ge-

schaffenen einheitlichen Rechtsraums und des besonders gewichtigen 

Umstands, dass die Schweiz nicht zum Entsorgungshof für ausrangierte 

Pflanzenschutzmittel werden darf, ist die Regelung von Art. 86h PSMV 
verhältnismässig. Mit Art. 10 PSMV soll – wie dargelegt – eine Har-

monisierung mit der EU angestrebt werden (s. auch Urteil des BVGer 

B-3826/2021 vom 28. März 2022 E. 5.3.2). Um diesem engen Zusammen-

hang zwischen der EU- und der schweizerischen Regelung und der Abhän-

gigkeit dieser von jener nachzukommen, haben die in den Prozess nach 

Art. 10 PSMV involvierten Amtsstellen in Zukunft die Anpassung der 

Dauer der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist eines 
Pflanzenschutzmittels 

2023 V/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF V 13 

 

PSMV (Anhang 1) und den Widerruf entsprechender Zulassungen zeitlich 

enger an die Anpassungen im EU-Recht vorzunehmen. Es ist kein Grund 

ersichtlich, weshalb die Umsetzungsfristen in der Schweiz gegenüber dem 

EU-Rechtssetzungsprozess derart verzögert sind. Mit den publizierten 

Durchführungsverordnungen werden auch die schweizerischen Amtsstel-

len auf den gleichen Stand gesetzt wie die EU-Mitgliedsstaaten. 

3.5 Die Beschwerdeführerin macht ferner eine Verletzung der Eigen-
tumsgarantie geltend. Ob sich die untersagte Handlung überhaupt im 

Schutzbereich der Eigentumsgarantie befindet, kann offengelassen wer-

den. Jedenfalls können Grundrechte eingeschränkt werden (Art. 36 BV). 

Vorliegend bestehen eine gesetzliche Grundlage (Art. 160 Abs. 6 LwG; 

Art. 86h PSMV) und ein öffentliches Interesse, sowie – wie dargelegt – 
sind die staatlichen Massnahmen verhältnismässig. Inwiefern im vorlie-

genden Fall Besonderheiten im Vergleich zu Art. 5 Abs. 2 BV bestehen 

würden, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend und es sind auch 

keine sichtbar.