# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d38219e-ee07-533b-9ed5-47957415c408
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-08
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 08.08.2023 100 2022 313
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2022-313_2023-08-08.pdf

## Full Text

100.2022.313U
STE/NUI/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil der Einzelrichterin vom 8. August 2023 

Verwaltungsrichterin Steinmann
Gerichtsschreiberin Nuspliger

A.________ ag
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführerin

gegen

1. B.________ GmbH
2. C.________
3. D.________
alle vertreten durch Rechtsanwalt … und Rechtsanwältin …

und

Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern
Rechtsamt, Reiterstrasse 11, 3013 Bern

sowie 

Einwohnergemeinde Thun
Bauinspektorat, Industriestrasse 2, Postfach 145, 3602 Thun

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 08.08.2023, Nr. 100.2022.313U, 
Seite 2

betreffend Kostenverlegung (Abschreibungsverfügung der Bau- und 
Verkehrsdirektion des Kantons Bern vom 13. September 2022; 
RA  Nr. 120/2022/9)

Prozessgeschichte:

A.

C.________ und D.________ sind Eigentümer und Eigentümerin der 
Parzelle Thun 2 (Strättligen) Gbbl. Nr. 1________ in der Wohnzone W2. 
D.________ hat im Erdgeschoss des Wohnhauses ein Gesundheitszentrum 
(B.________ GmbH) eröffnet, in dem sie Seminare, Kurse und Ausbildungen 
sowie Einzelberatungen und -behandlungen im Bereich Fitness, Heilung und 
Gesundheit anbietet. Am 9. Dezember 2021 reichte die A.________ ag, 
Eigentümerin der Parzelle Thun 2 (Strättligen) Gbbl. Nr. 2________ auf der 
gegenüberliegenden Strassenseite, bei der Einwohnergemeinde (EG) Thun 
eine baupolizeiliche Anzeige ein und beantragte namentlich ein Benützungs-
verbot. Mit Verfügung vom 31. Januar 2022 verzichtete die EG Thun auf die 
Anordnung von baupolizeilichen Massnahmen.

B.

Gegen diese Verfügung führte die A.________ ag am 3. März 2022 
Beschwerde bei der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern (BVD; 
Verfahren RA Nr. 120/2022/9). Nachdem die EG Thun mit Gesamtentscheid 
vom 16. Juni 2022 die nachträgliche Baubewilligung für die Umnutzung der 
Wohnung im Erdgeschoss von Wohnen zu stillem Gewerbe erteilt hatte, 
erhob die A.________ ag auch dagegen Beschwerde bei der BVD 
(Verfahren RA Nr. 110/2022/123). Mit Zwischenverfügung vom 26. August 
2022 entzog die BVD dieser Beschwerde die aufschiebende Wirkung und 
schrieb in der Folge das Beschwerdeverfahren betreffend Verzicht auf 
baupolizeiliche Massnahmen (Verfahren RA Nr. 120/2022/9) mit Verfügung 
vom 13. September 2022 als gegenstandslos geworden vom 
Geschäftsverzeichnis ab (Ziff. 1); die Verfahrenskosten sowie die 

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Parteikosten der Gegenpartei auferlegte sie der A.________ ag (Ziff. 2 und 
3).

C.

Gegen die Abschreibungsverfügung vom 13. September 2022 hat die 
A.________ ag am 14. Oktober 2022 im Kostenpunkt 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragt, die Ziffern 2 und 3 
der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, die Kosten für das 
Beschwerdeverfahren vor der BVD seien der B.________ GmbH, 
C.________ sowie D.________ aufzuerlegen und Letztere seien zu 
verpflichten, ihr die Parteikosten für das Verfahren vor der BVD gemäss 
ergänzter Kostennote zu ersetzen; eventuell sei die Sache zur Festlegung 
der Höhe des Parteikostenersatzes an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2022 beantragen die 
B.________ GmbH sowie C.________ und D.________, die Beschwerde sei 
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die BVD schliesst mit 
Vernehmlassung vom 3. November 2022 auf Abweisung der Beschwerde. 
Sie teilt ausserdem mit, dass sie die Beschwerde gegen die nachträgliche 
Baubewilligung mit Entscheid vom 21. Oktober 2022 abgewiesen und den 
Bauentscheid der EG Thun vom 16. Juni 2022 bestätigt hat (Verfahren RA 
Nr. 110/2022/123; vgl. auch Beschwerdeantwort unter Beilage des 
Entscheids der BVD vom 21.10.2022). Die EG Thun hat sich nicht ver-
nehmen lassen.

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Erwägungen:

1.

1.1 Gegen eine Abschreibungsverfügung steht das gleiche Rechtsmittel 
offen wie gegen den Sachentscheid (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes vom 
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21] sowie 
Art. 75 Bst. b VRPG [Umkehrschluss]). Sie kann auch nur teilweise ange-
fochten werden, z.B. im Kostenpunkt (Michel Daum, in Herzog/Daum [Hrsg.], 
Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 39 N. 29). In der Sa-
che geht es um den Verzicht auf die Anordnung von baupolizeilichen Mass-
nahmen. Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden ge-
gen solche Anordnungen als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 
i.V.m. Art. 76 und 77 VRPG zuständig (vgl. auch Art. 49 Abs. 2 des Bauge-
setzes vom 9. Juni 1985 [BauG; BSG 721.0]). Die Beschwerdeführerin hat 
am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene 
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren 
Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über 
Form und Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die 
Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Die Beurteilung von Beschwerden gegen Abschreibungsverfügungen 
fällt in die einzelrichterliche Kompetenz (Art. 57 Abs. 2 Bst. d des Gesetzes 
vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Umstritten ist die Abschreibungsverfügung der Vorinstanz vom 13. Septem-
ber 2022 nur im Kostenpunkt (Ziff. 2 und 3 der Verfügung). Ansonsten ist die 
Verfügung unangefochten geblieben und rechtsbeständig geworden (vgl. 
Beschwerdeanträge sowie S. 7 Rz. 8, S. 10 Rz. 3).

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2.1 Bei Gegenstandslosigkeit eines Verfahrens sind die Verfahrens- und 
Parteikosten nach dem Unterliegerprinzip zu verlegen, wenn eine Partei für 
die Gegenstandslosigkeit gesorgt hat (Art. 110 Abs. 1 VRPG). Wird ein Ver-
fahren ohne Zutun einer Partei gegenstandslos, so sind die Verfahrens- und 
Parteikosten nach den abgeschätzten Prozessaussichten zu verlegen; sie 
können aus Billigkeitsgründen dem Gemeinwesen auferlegt werden 
(Art. 110 Abs. 2 VRPG). Bei der Abschätzung der Prozessaussichten kommt 
es auf die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des Gegenstandsloswerdens 
an. Massgebend ist, was bis zu diesem Zeitpunkt in das Verfahren einge-
bracht worden ist; weitere Abklärungen sind nicht durchzuführen. Mit dem 
Abschätzen ist eine Prognose über den Verfahrensausgang aufgrund einer 
summarischen Prüfung der Begehren gemeint (vgl. z.B. BVR 2019 S. 128 
E. 3; Ruth Herzog, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen 
VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 110 N. 15).

2.2 Die BVD hat das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos gewor-
den abgeschrieben, weil der Betrieb der B.________ GmbH vorläufig 
zulässig gewesen sei, nachdem sie der Beschwerde gegen die nachträgliche 
Baubewilligung die aufschiebende Wirkung entzogen habe. Ein Benützungs-
verbot sei damit obsolet geworden; der Entzug der aufschiebenden Wirkung 
dürfe nicht durch ein Benützungsverbot übersteuert werden (angefochtene 
Verfügung E. 4). Somit habe die «gesetzliche Konstellation», wonach einer 
Baubeschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukomme, 
zur Gegenstandslosigkeit geführt und sei keiner Partei anzulasten. Deshalb 
seien die Verfahrens- und Parteikosten nach den abgeschätzten Prozess-
aussichten zu verteilen (angefochtene Verfügung E. 6). Die Beschwerdefüh-
rerin bestreitet diese Würdigung ebenso wenig wie die Beschwerdegegner-
schaft. Die Parteien gehen vielmehr ebenfalls davon aus, dass die Gegen-
standslosigkeit ohne Zutun einer Partei eingetreten ist und die Kosten des 
Beschwerdeverfahrens nach den abgeschätzten Prozessaussichten zu ver-
legen waren (Beschwerde S. 7 Rz. 1, S. 10 Rz. 4). Soweit die Beschwerde-
gegnerschaft geltend macht, die Kostenverlegung der BVD sei auch deshalb 
korrekt, weil die Beschwerdeerhebung gegen die nachträgliche Baubewilli-
gung als Zutun der Beschwerdeführerin zu werten sei (vgl. Beschwerdeant-
wort Rz. 15), kann dies mit Blick auf das Ergebnis offenbleiben. Umstritten 
und zu prüfen ist folglich, ob die summarische Abschätzung der Prozessaus-

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sichten durch die Vorinstanz der Rechtskontrolle standhält. Der entscheid-
wesentliche Sachverhalt ergibt sich mit genügender Klarheit aus den Akten 
des vorliegenden Verfahrens. Es kann darauf verzichtet werden, die Akten 
des Beschwerdeverfahrens vor der BVD betreffend die (nachträgliche) Bau-
bewilligung (Verfahren RA Nr. 110/2022/123) beizuziehen; der entspre-
chende Beweisantrag wird abgewiesen (vgl. Beschwerde S. 7 Rz. 9; Be-
schwerdeantwort Rz. 10 und 14). Ebenso erübrigt es sich, die Akten des 
inzwischen beim Verwaltungsgericht hängigen Verfahrens 100.2022.360 
beizuziehen.

3.

In der Sache war im Beschwerdeverfahren vor der BVD hauptsächlich strit-
tig, ob die Gemeinde zu Recht kein Benützungsverbot nach Art. 46 Abs. 1 
BauG angeordnet hat.

3.1 Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung 
einer Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines be-
willigten Vorhabens Vorschriften missachtet, kann die zuständige Baupoli-
zeibehörde ein Benützungsverbot erlassen, wenn es die Verhältnisse erfor-
dern. Das kann praxisgemäss namentlich der Fall sein, wenn durch die 
Benützung alternativ die Sicherheit oder Gesundheit von Menschen oder 
Tieren gefährdet wird, die Umwelt durch Emissionen oder Immissionen un-
zulässig belastet wird, erhebliche Sachwerte gefährdet sind oder eine bös-
gläubige Bauherrschaft aus der Nutzung einen unrechtmässigen Vorteil zie-
hen könnte (vgl. etwa VGE 2015/353 vom 7.4.2016 E. 2.1). Nicht jede bewil-
ligungsbedürftige, aber (noch) nicht bewilligte Nutzung ist sofort zu untersa-
gen. Die zuständige Behörde hat vielmehr zu prüfen, ob eine solche 
Massnahme verhältnismässig ist. Sie geniesst dabei einen gewissen Beur-
teilungsspielraum (VGE 23088 vom 1.2.2008 E. 6.2). Namentlich wenn sie 
davon ausgeht, dass der Betrieb materiell rechtmässig sein könnte, kann es 
unverhältnismässig sein, eine Benützung nur deshalb zu untersagen, weil 
dafür noch keine Bewilligung erteilt worden ist. Insofern erfordert nicht jeder 
bösgläubig erzielte unrechtmässige Vorteil zwingend den Erlass eines vor-
sorglichen (sofortigen) Benützungsverbots. Ist bereits ein nachträgliches Be-

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willigungsverfahren hängig, kann es aus Gründen der Verhältnismässigkeit 
vielmehr geboten sein, einer Bauherrschaft eine streitige Nutzung bis zum 
definitiven Entscheid im Bewilligungsverfahren vorläufig offenzuhalten 
(VGE 21570/21571 vom 22.1.2003 E. 3b; Zaugg/Ludwig, Kommentar zum 
bernischen BauG, Band I, 5. Aufl. 2020, Art. 46 N. 7).

3.2 Zur Ausgangslage ergibt sich aus den Akten Folgendes: Der Be-
schwerdegegner 2 und die Beschwerdegegnerin 3 haben die Parzelle 
Nr. 1________ am 23. Oktober 2020 erworben und sind seit dem 
21. Dezember 2020 dort wohnhaft (Akten Gemeinde pag. 21). Im 
Zusammenhang mit einer Bauvoranfrage für ein Klettergerüst im Garten 
bzw. für das Erstellen einer Firmenanschrift (Reklame) erfuhr das 
Bauinspektorat der EG Thun von der Umnutzung der Wohnräume im 
Erdgeschoss des Gebäudes zu gewerblichen Zwecken (Akten Gemeinde 
pag. 215 ff.). Es teilte der Beschwerdegegnerschaft mit, dass es sich um 
eine bewilligungspflichtige Umnutzung handle und gab ihr Gelegenheit, ein 
nachträgliches Baugesuch einzureichen (Akten Gemeinde pag. 96 ff., 110). 
Nach den übereinstimmenden Angaben der Verfahrensbeteiligten kam die 
Beschwerdegegnerschaft dieser Aufforderung am 21. Oktober 2021 nach 
und ergänzte sie ihr nachträgliches Baugesuch am 19. Dezember 2021. Am 
1. Oktober 2021 erkundigte sich die Beschwerdeführerin beim 
Bauinspektorat, ob für die Umnutzung eine Bewilligung erteilt worden sei; 
diese habe zu einer neuen Lärmbelastung erheblichen Ausmasses geführt. 
Ihr wurde mitgeteilt, dass der Sachverhalt bekannt sei und sie sich zum 
Bauvorhaben werde äussern können. Auf Nachfrage vom 28. Oktober 2021 
hin wurde sie informiert, dass ein (nachträgliches) Baugesuch für die 
Umnutzung eingereicht worden sei und nach einer weiteren Intervention am 
17. November 2021 wegen eines Fahnenmasts, den das Bauinspektorat als 
bewilligungsfreie Firmenanschrift qualifizierte, erneut darauf hingewiesen, 
dass sich die betroffene Nachbarschaft zum Bauvorhaben werde äussern 
können (vgl. Akten Gemeinde pag. 73 ff.). Hierauf erstattete die 
Beschwerdeführerin am 9. Dezember 2021 Baupolizeianzeige wegen der 
nicht bewilligten und ihrer Meinung nach zonenwidrigen gewerblichen 
Nutzung, die für sie mit untragbaren Immissionen verbunden sei. Sie ver-
langte ein Benützungs- und Vermietungsverbot für die gewerbliche Nutzung, 
die Entfernung von Reklameschildern und -fahnen und eine Anpassung der 

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Homepage der Beschwerdegegnerin 1 (Akten Gemeinde pag. 43 ff.). Die 
Gemeinde kam zum Schluss, dass die Anordnung eines Benützungsverbots 
unverhältnismässig wäre, weil sie die Umnutzung der Wohnräume zu stillem 
Gewerbe aufgrund einer summarischen Prüfung des nachträglichen Bauge-
suchs als zonenkonform und bewilligungsfähig erachte. Das Gleiche gelte, 
soweit die Entfernung der Reklamen verlangt werde; die Reklamen könnten 
gestützt auf eine summarische Beurteilung bewilligt werden bzw. seien be-
willigungsfrei. Schliesslich spreche aus öffentlich-rechtlicher Sicht nichts ge-
gen eine Vermietung der Liegenschaft oder von Teilen davon zu Wohnzwe-
cken oder für ein stilles Gewerbe (vgl. Verfügung vom 31.1.2022, Akten 
Gemeinde pag. 4 E. 1). Am 16. Juni 2022 erteilte die EG Thun denn auch 
die nachträgliche Baubewilligung (Akten BVD pag. 52 ff.).

3.3 Die Vorinstanz hat bestätigt, dass ein Benützungsverbot für die Woh-
nung im Erdgeschoss und damit einhergehend ein Vermietungs- und Rekla-
meverbot in dieser Situation nicht gerechtfertigt gewesen wäre. Zwar sei bei 
der (vorläufigen) Nutzung der Liegenschaft als Gesundheitszentrum mit ge-
wissen Lärmimmissionen zu rechnen. Diese seien aber nicht folgenschwer 
bzw. gesundheitsgefährdend, weshalb keine Gefährdung der Umwelt oder 
der Sicherheit von Menschen und Tieren ersichtlich sei. Weil das nachträgli-
che Baubewilligungsverfahren im Zeitpunkt der Baupolizeianzeige bereits 
hängig gewesen sei und die Vorinstanz das Vorhaben als möglicherweise 
bewilligungsfähig erachtet habe, wäre der Erlass eines Benützungsverbots 
unverhältnismässig gewesen (vgl. angefochtene Verfügung E. 9). Eine sum-
marische Abschätzung der Prozessaussichten führe folglich zum Schluss, 
dass die Beschwerdeführerin unterlegen wäre.

3.4 Die Beschwerdeführerin macht vorab geltend, die BVD habe eine Ge-
hörsverletzung begangen, weil sie keine eigene Beurteilung vorgenommen, 
sondern bloss die Einschätzung der Gemeinde übernommen und sich nicht 
mit den dagegen erhobenen Einwänden auseinandergesetzt habe (vgl. Be-
schwerde S. 10 Rz. 6, S. 12 Rz. 7, S. 15 Rz. 16).

3.4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 21 ff. VRPG sowie 
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 26 Abs. 2 der 
Verfassung des Kantons Bern (KV; BSG 101.1) garantiert namentlich das 
Recht, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid in ihrer Rechts-

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stellung Betroffenen tatsächlich hört, prüft und bei der Entscheidfindung be-
rücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu 
begründen (vgl. auch Art. 72 Abs. 2 i.V.m. Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG), wo-
bei sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken kann 
(statt vieler BGE 146 II 335 E. 5.1; BVR 2022 S. 51 E. 2.3; Michel Daum, 
a.a.O., Art. 21 N. 28, Art. 52 N. 6 f.).

3.4.2 Die Vorinstanz hat sich mit den wesentlichen Argumenten der Be-
schwerdeführerin auseinandergesetzt und eine summarische Beurteilung 
der Prozessaussichten vorgenommen (vgl. E. 3.3 hiervor). Sie hat darauf 
hingewiesen, dass bereits ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren hän-
gig war, als die Beschwerdeführerin ihre Anzeige einreichte, und dass die 
Gemeinde die Gewerbenutzung für bewilligungsfähig erachtete. Zwar trifft 
zu, dass die Beschwerdeführerin sich schon vor ihrer förmlichen Anzeige bei 
der Gemeinde gemeldet und eine angeblich zonenfremde Nutzung geltend 
gemacht hatte. Dass sie erst im Januar 2022, d.h. nach ihrer Anzeige, vom 
Inhalt des nachträglichen Baugesuchs erfahren hat (Beschwerde S. 13 
Rz. 10), mag ebenfalls sein. Sie wusste aber bereits bevor sie ihre Anzeige 
einreichte, dass die Gemeinde von der Umnutzung Kenntnis hatte und of-
fenbar ein sofortiges Einschreiten mittels Benützungsverbots als nicht erfor-
derlich erachtete (vgl. vorne E. 3.2). Die entsprechenden Feststellungen der 
BVD sind nicht zu beanstanden. Weiter hat die Vorinstanz anerkannt, dass 
Lärmimmissionen auftreten können. Dass sie diese anders als die Be-
schwerdeführerin bewertet und nicht als folgenschwer bzw. gesundheitsge-
fährdend eingestuft hat, stellt keine Gehörsverletzung dar. Die Vorinstanz 
hat sich für eine summarische Prüfung der Prozessaussichten ausreichend 
mit den Argumenten der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und dar-
gelegt, weshalb keine dringlichen und schwergewichtigen Interessen vorla-
gen, die ein sofortiges Benützungsverbot gerechtfertigt hätten, und die Be-
schwerdeführerin wohl unterlegen wäre. Die Beschwerdeführerin konnte den 
angefochtenen Entscheid denn auch ohne weiteres sachgerecht anfechten. 
Der Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist folglich unbegründet.

3.5 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, das verlangte Benüt-
zungsverbot hätte schon deshalb angeordnet werden müssen, weil die qua-
lifiziert bösgläubige Beschwerdegegnerschaft aus der gewerblichen Nutzung 

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ihrer Liegenschaft einen unrechtmässigen Vorteil ziehe (Beschwerde S. 14 
Rz. 12). – Zwar trifft zu, dass darin ein Grund für ein (vorsorgliches) Benüt-
zungsverbot liegen kann (vgl. vorne E. 3.1). Abgesehen davon, dass die Be-
schwerdegegnerschaft hier nicht als qualifiziert bösgläubig gelten kann, ist 
die Gemeinde allerdings zum Schluss gekommen, dass die Nutzung voraus-
sichtlich bewilligt werden kann, d.h. materiell rechtmässig und – mangels 
Baubewilligung – bloss formell rechtswidrig ist. Das nachträgliche Baubewil-
ligungsverfahren war zudem hängig und mit einem (positiven) Bauentscheid 
in absehbarer Zeit zu rechnen. Bei dieser Ausgangslage ist der Verzicht auf 
ein vorsorgliches Benützungsverbot nicht zu beanstanden (vgl. vorne 
E. 3.1).

3.6 Mit der Vorinstanz ist schliesslich festzuhalten, dass keine schwerge-
wichtigen und dringlichen Interessen ersichtlich waren, die ein sofortiges Be-
nützungsverbot erfordert hätten. Gestützt auf eine summarische Beurteilung 
durfte die BVD namentlich davon ausgehen, dass die mit dem Betrieb des 
Gesundheitszentrums verbundenen Lärmimmissionen mit den Zonenvor-
schriften vereinbar sind. In den Wohnzonen der Stadt Thun sind Wohnen 
sowie dem Wohnen gleichgestellte Nutzungsarten (Kindergärten und -tages-
stätten, Alterswohn- und Pflegeheime, Hotel- und Gastgewerbebetriebe) zu-
lässig, ausserdem stille Gewerbe gemäss Art. 90 der Bauverordnung vom 
6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) und diesen gleichgestellte Bauten und An-
lagen von Freikirchen sowie Übergangsnutzungen; für das hier interessie-
rende Gebiet gilt die Lärmempfindlichkeitsstufe II (Art. 20 Abs. 1 des Bau-
reglements sowie Zonenplan II der EG Thun vom 2. Juni 2002). Gemäss den 
Angaben der Beschwerdegegnerschaft sind die Angebote des Gesundheits-
zentrums auf ruhige Aktivitäten ausgerichtet (Ernährung, Bewegung und 
Heilung). Abends würden Yoga- und Meditationslektionen angeboten, wobei 
sich ab 22.00 Uhr keine Besucherinnen und Besucher mehr vor Ort befänden 
(vgl. Beschwerdeantwort Rz. 13 Bst. c). Obwohl teilweise Gruppenkurse im 
Garten stattfinden und davon auszugehen ist, dass die Immissionen, welche 
die Besucherinnen und Besucher vor allem draussen verursachen (Gesprä-
che, Verkehr, Zuschlagen von Autotüren), grösser sind als bei einer reinen 
Wohnnutzung, hat die BVD die Prozessaussichten der Beschwerdeführerin 
mit Recht negativ beurteilt; sie hätte die Beschwerde mit Blick auf die gross-
zügigen kommunalen Zonenvorschriften voraussichtlich nicht gutheissen 

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können. Dass und inwiefern die umstrittene Nutzung zu einer Verletzung der 
bundesrechtlichen Lärmschutzvorschriften führt, macht die Beschwerdefüh-
rerin nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich. Fehlen wie für den hier um-
strittenen Alltagslärm Belastungsgrenzwerte, sind nach ständiger Recht-
sprechung im Rahmen der Einzelfallbeurteilung dessen Charakter, Zeitpunkt 
und Häufigkeit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. 
Lärmvorbelastung der Umgebung zu berücksichtigen (BGE 146 II 17 E. 6.2, 
133 II 292 E. 3.3). Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Beurteilung zu 
einem anderen Ergebnis geführt hätte. Aus den eingereichten Fotografien 
der Beschwerdeführerin ergibt sich nichts Gegenteiliges (vgl. Beschwerde-
beilagen Nrn. 3-6 act. 1C). Im Übrigen ist nicht das subjektive Lärm-
empfinden einzelner Personen massgeblich, sondern eine objektivierte 
Betrachtung unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter 
Empfindlichkeit vorzunehmen (vgl. Art. 13 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 
7. Oktober 1983 über den Umweltschutz [Umweltschutzgesetz, USG; 
SR 814.01]; BGE 146 II 17 E. 6.2; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 12). In-
soweit musste nicht speziell auf die geltend gemachten besonderen Ruhe-
bedürfnisse des gesundheitlich beeinträchtigten Sohnes eingegangen wer-
den.

3.7 Der Vorinstanz ist weiter beizupflichten, dass das von der Beschwer-
deführerin beantragte Vermietungs- und Reklameverbot sowie die Anpas-
sung der Website hauptsächlich der Absicherung des Benützungsverbots 
dienen sollten und diesen Anträgen keine eigenständige Bedeutung zukam 
(vgl. angefochtene Verfügung E. 4 und 9). Es ist nicht ersichtlich und die Be-
schwerdeführerin begründet auch nicht, weshalb es sich anders verhalten 
sollte. Entsprechend sind die Prozessaussichten auch insoweit zum Nachteil 
der Beschwerdeführerin ausgefallen.

3.8 Nach dem Gesagten hält die Kostenverlegung in der angefochtenen 
Verfügung der Rechtskontrolle stand. Die Abschätzung der Prozessaussich-
ten durch die BVD ist nicht zu beanstanden; gestützt auf eine summarische 
Prüfung hätte sich ein vorsorgliches Benützungsverbot als unverhältnismäs-
sig erwiesen, weshalb die Beschwerde voraussichtlich abzuweisen gewesen 
wäre. Entsprechend hat die Vorinstanz die Verfahrens- und die Parteikosten 
der Beschwerdegegnerschaft zu Recht der Beschwerdeführerin auferlegt. 

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Eine Rückweisung zur Festlegung der Höhe der Parteikosten der Beschwer-
deführerin erübrigt sich (vgl. Eventualbegehren der Beschwerdeführerin; Be-
schwerde S. 4 Rz. 5; vorne Bst. C).

4.

Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. Bei die-
sem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten 
zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG) und der Beschwerdegegnerschaft die Par-
teikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die 
Kostennote der Rechtsvertretung der Beschwerdegegnerschaft gibt zu kei-
nen Bemerkungen Anlass, zumal darin berücksichtigt ist, dass die Be-
schwerdegegnerin 1 mehrwertsteuerpflichtig ist (vgl. Unternehmens-
Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <www.uid.admin.ch>), 
weshalb für den auf sie entfallenden Anteil des Parteikostenersatzes keine 
Mehrwertsteuer zu berücksichtigen ist. 

Demnach entscheidet die Einzelrichterin:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.--, werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.

3. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerschaft für das Verfah-
ren vor dem Verwaltungsgericht die Parteikosten, bestimmt auf 
Fr. 3'411.05 (inkl. Auslagen und MWSt), zu ersetzen.

4. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerin
- Beschwerdegegnerschaft

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 08.08.2023, Nr. 100.2022.313U, 
Seite 13

- Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern
- Einwohnergemeinde Thun

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.