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**Case Identifier:** 1f5ef830-780e-5a5d-872c-cdc65467d821
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-08-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.08.2019 BVGE 2019 VI/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2019-VI-4_2019-08-28.pdf

## Full Text

2019 VI/4 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren) 

 

 

42 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2019 VI/4 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung VI  
i.S. B. gegen Staatssekretariat für Migration  

F‒184/2019 vom 28. August 2019 

Nichteintreten auf Asylgesuch (Dublin-Verfahren). Fristen im Dublin-

Verfahren. Remonstrationsverfahren. Verspätete Zuständigkeitser-

klärung. Praxisänderung. Grundsatzurteil. 

Art. 5 Abs. 2 Verordnung (EG) Nr. 1560/2003. 

1. Darstellung der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäi-
schen Union (EuGH) zur zweiwöchigen Antwortfrist im Remons-

trationsverfahren gemäss Art. 5 Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003 

(E. 8.3.1‒8.3.2). 

2. Weil keine triftigen Gründe gegen die Übernahme der Recht-
sprechung des EuGH sprechen, ist die Praxis des Bundesver-

waltungsgerichts dahingehend anzupassen, dass der im Re-

monstrationsverfahren ersuchte Mitgliedstaat seine Zustimmung 

rechtswirksam nur innerhalb der zweiwöchigen Antwortfrist des 

Art. 5 Abs. 2 Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 erteilen kann. Lehnt 

der ersuchte Mitgliedstaat seine Zuständigkeit ab oder antwortet 

er nicht innert dieser Frist, wird der ersuchende Mitgliedstaat zum 

zuständigen Mitgliedstaat, es sei denn, die zwingenden Fristen der 

Art. 21 Abs. 1 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 23 Abs. 2 

Dublin-III-VO für die Stellung eines erneuten Gesuchs um Auf-

nahme und Wiederaufnahme sind noch nicht abgelaufen. In die-

sem Fall kann der ersuchende Mitgliedstaat ein neues Aufnahme- 

oder Wiederaufnahmegesuch an einen anderen Mitgliedstaat 

richten (E. 8.4). 

Non-entrée en matière sur une demande d'asile (procédure Dublin). 

Délais dans la procédure Dublin. Procédure de réexamen. Acceptation 

de compétence tardive. Changement de jurisprudence. Arrêt de prin-

cipe. 

Art. 5 par. 2 règlement (CE) no 1560/2003. 

1. Rappel de la jurisprudence de la Cour de justice de l'Union euro-
péenne (CJUE) concernant le délai de réponse de deux semaines 

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  
(Dublin-Verfahren) 

2019 VI/4 

 

 

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dans la procédure de réexamen au sens de l'art. 5 par. 2 du règle-

ment no 1560/2003 (consid. 8.3.1‒8.3.2). 

2. En l'absence de raisons valables pour ne pas reprendre la ju-
risprudence de la CJUE, le Tribunal administratif fédéral est 

amené à adapter sa pratique en n'accordant à l'Etat membre re-

quis dans la procédure de réexamen ne dispose que du délai de 

réponse de deux semaines prévu à l'art. 5 par. 2 du règlement (CE) 

no 1560/2003 pour accepter sa propre compétence de manière 

valable. Si l'Etat membre requis rejette sa compétence ou ne ré-

pond pas dans ce délai, la compétence passe à l'Etat membre re-

quérant, à moins que les délais impératifs des art. 21 par. 1 et 

art. 23 par. 2 du règlement Dublin III pour présenter une nouvelle 

requête aux fins de prise ou de reprise en charge ne soient pas en-

core échus. Dans ce cas, l'Etat membre requérant peut adresser 

une nouvelle requête aux fins de prise ou de reprise en charge à un 

autre Etat membre (consid. 8.4). 

Non entrata nel merito di una domanda d'asilo (procedura Dublino). 

Termini applicabili nella procedura Dublino. Procedura di riesame. 

Accettazione tardiva della competenza. Modifica della prassi. Senten-

za di principio. 

Art. 5 par. 2 regolamento (CE) n. 1560/2003. 

1. Sintesi della giurisprudenza della Corte di giustizia dell'Unione 
europea (CGUE) sul termine di risposta di due settimane nella 

procedura di riesame secondo l'art. 5 par. 2 del regolamento (CE) 

n. 1560/2003 (consid. 8.3.1‒8.3.2). 

2. In assenza di fondati motivi che si oppongono al recepimento della 
giurisprudenza della CGUE, la prassi del Tribunale amministra-

tivo federale deve essere adeguata, accordando allo Stato membro 

richiesto nella procedura di riesame soltanto il termine di risposta 

di due settimane, previsto all'art. 5 par. 2 del regolamento (CE) 

n. 1560/2003, per riconoscere validamente la propria competenza. 

Se lo Stato richiesto nega la propria competenza o non risponde 

entro tale termine, la competenza passa allo Stato richiedente, a 

meno che i termini cogenti previsti agli art. 21 par. 1 e art. 23 

par. 2 del regolamento Dublino III per la presentazione di una 

nuova domanda di ammissione o riammissione non siano ancora 

2019 VI/4 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren) 

 

 

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spirati. In tal caso, lo Stato richiedente può presentare a un altro 

Stato membro una nuova domanda di ammissione o riammissione 

(consid. 8.4). 

 

Die Beschwerdeführerin, eine äthiopische Staatsangehörige, suchte am 

30. Juli 2018 in der Schweiz um Asyl nach. 

Abklärungen des Staatssekretariats für Migration (SEM) ergaben, dass der 

Beschwerdeführerin am 12. Juni 2018 von der italienischen Vertretung in 

Äthiopien ein bis 4. Juli 2018 gültiges Schengen-Visum ausgestellt wor-

den war. 

Am 18. September 2018 ersuchte das SEM (nachfolgend auch: Vorin-

stanz) die italienischen Behörden um Aufnahme der Beschwerdeführerin 

gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. a der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Euro-

päischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 

Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in 

einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zustän-

dig ist (Neufassung), ABl L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-

III-VO). Diese lehnten das Gesuch am 14. November 2018 ab. 

Am 15. November 2018 gelangte das SEM abermals an die italienischen 

Behörden und ersuchte um eine Überprüfung ihrer negativen Antwort 

(sog. Remonstrationsgesuch). Rechtsgrundlage bildete Art. 5 Abs. 2 der 

Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 

mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des 

Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 

Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist, ABI. L 222/3 

vom 5.9.2003 (nachfolgend: Verordnung Nr. 1560/2003), welcher das so-

genannte Remonstrationsverfahren regelt. 

Am 18. Dezember 2018 stimmten die italienischen Behörden dem Re-

monstrationsgesuch ausdrücklich zu. 

Mit Verfügung vom 19. Dezember 2018 trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin nicht ein und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz 

nach Italien. 

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Das Bundesverwaltungsgericht heisst die dagegen erhobene Beschwerde 

gut und weist die Vorinstanz an, sich für das Asylverfahren der Beschwer-

deführerin zuständig zu erklären und das nationale Verfahren durchzu-

führen. 

Aus den Erwägungen: 

8.3.1 Zur rechtlichen Tragweite der zweiwöchigen Antwortfrist gemäss 
Art. 5 Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003 hält der Gerichtshof der Euro-

päischen Union (EuGH; Urteil des EuGH vom 13. November 2018  

C‒47/17 und C‒48/17 X und X/Staatssecretaris van Veiligheid en Justitie) 

einleitend fest, dass das Ausbleiben einer fristgerechten Antwort des 

ersuchten Mitgliedstaats nicht als Zustimmung gewertet werden könne, 

wie es Art. 22 Abs. 7 und Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO für das Aufnahme- 

beziehungsweise Wiederaufnahmeverfahren vorsähen (Rn. 77‒79). Er er-

innert jedoch daran, dass Art. 5 Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003 im Ein-

klang mit den Vorschriften der Dublin-III-VO und den mit dieser verfolg-

ten Ziele auszulegen sei, insbesondere dem in den Erwägungsgründen 4 

und 5 dieser Verordnung genannten Ziel, eine klare und praktikable For-

mel für die rasche Bestimmung des für die Prüfung eines Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständigen Mitgliedstaats festzulegen, um den effek-

tiven Zugang zu den Verfahren zur Gewährung eines solchen Schutzes zu 

gewährleisten und das Ziel einer zügigen Bearbeitung der Anträge auf 

internationalen Schutz nicht zu gefährden. Dieses Ziel würde, so der 

EuGH, nicht beachtet, hätte die zweiwöchige Antwortfrist gemäss Art. 5 

Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003 nur hinweisenden Charakter (Rn. 81, 

82). Vor diesem Hintergrund legt der EuGH Art. 5 Abs. 2 Verordnung 

Nr. 1560/2003 abweichend vom Bundesverwaltungsgericht im Grundsatz-

urteil BVGE 2018 VI/2 dahingehend aus, dass sich der mit einem Remons-

trationsgesuch konfrontierte Mitgliedstaat im Geist der loyalen Zusam-

menarbeit bemühen müsse, das Gesuch innerhalb einer Frist von zwei 

Wochen zu beantworten. Antworte er nicht innerhalb dieser Frist, sei das 

Remonstrationsverfahren endgültig abgeschlossen und der ersuchende 

Mitgliedstaat sei als zuständiger Mitgliedstaat zu betrachten, es sei denn, 

ihm stehe die für die Stellung eines erneuten Gesuchs um Aufnahme oder 

Wiederaufnahme erforderliche Zeit innerhalb der dazu in Art. 21 Abs. 1 

beziehungsweise Art. 23 Abs. 2 Dublin-III-VO vorgesehenen zwingenden 

Fristen zur Verfügung (Rn. 86, 87, 90). 

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8.3.2 Zum Vorbehalt der nicht abgelaufenen Frist für ein erneutes Auf-
nahme- beziehungsweise Wiederaufnahmegesuch äussert sich der EuGH 

nicht. Wie aber der Generalanwalt in seinen Schlussanträgen festhält, le-

gen Art. 22 Abs. 1 und 6 und Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO die Rechts-

folgen einer ablehnenden Antwort des ersuchten Mitgliedstaats auf ein 

Aufnahme- oder Wiederaufnahmegesuch nicht fest. Der ersuchende Mit-

gliedstaat wird daher mit der Ablehnung nicht automatisch zuständig. 

Zwei Optionen verbleiben ihm. Zum einen kann er, sofern die in den 

Art. 21 Abs. 1 und Art. 23 Abs. 2 Dublin-III-VO geregelten zwingenden 

Fristen eingehalten werden, ein neues Aufnahme- oder Wiederaufnahme-

verfahren bei einem anderen Mitgliedstaat als dem ersuchten Mitgliedstaat 

stellen, das gegebenenfalls zur Zuständigkeit dieses anderen Mitglied-

staates führt. Zum anderen kann er gestützt auf Art. 5 Abs. 2 Verordnung 

Nr. 1560/2003 mit einem Remonstrationsgesuch an den zuerst ersuchten 

Mitgliedstaat gelangen (Schlussanträge des Generalanwalts M. Wathelet 

vom 22. März 2018 C‒47/17 und C‒48/17 X und X/Staatssecretaris van 

Veiligheid en Justitie Rn. 108‒110). Die erste Option bleibt ihm erhalten, 

wenn der im Remonstrationsverfahren ersuchte Mitgliedstaat die Zustim-

mung erneut verweigert oder nicht innert der zweiwöchigen Frist des 

Art. 5 Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003 antwortet. Dass sich ein neues 

Aufnahme- beziehungsweise Wiederaufnahmegesuch an einen anderen 

Mitgliedstaat richten muss, ergibt sich im Übrigen bereits aus der Tat-

sache, dass ansonsten dem Remonstrationsverfahren, welches im Gegen-

satz zum Aufnahme- beziehungsweise Wiederaufnahmeverfahren (vgl. 

Art. 22 Abs. 7 und Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO) keine für den ersuchten 

Mitgliedstaat nachteiligen Rechtsfolgen vorsieht, falls er nicht oder nicht 

innert Frist antwortet, weitgehend der Anwendungsbereich entzogen wäre. 

8.4 Obwohl die Rechtsprechung des EuGH für die Schweiz grund-
sätzlich nicht verbindlich ist, weicht das Bundesverwaltungsgericht im In-

teresse einer möglichst einheitlichen Anwendung und Auslegung des Dub-

lin-Rechts nicht ohne triftige Gründe von ihr ab (vgl. dazu BVGE 2017 

VI/9 E. 5.3 m.H.). Solche triftigen Gründe sind nicht ersichtlich, sodass 

die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts derjenigen des EuGH 

im Urteil X und X/Staatssecretaris van Veiligheid en Justitie anzugleichen 

ist: Abweichend vom Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/2 kann demnach der 

ersuchte Mitgliedstaat seine Zustimmung zu einem Remonstrationsgesuch 

rechtswirksam nur innerhalb der zweiwöchigen Antwortfrist des Art. 5 

Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003 erteilen. Lehnt der ersuchte Mitglied-

staat seine Zuständigkeit ab oder antwortet er nicht innert der genannten 

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  
(Dublin-Verfahren) 

2019 VI/4 

 

 

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zweiwöchigen Frist des Art. 5 Abs. 2 Verordnung Nr. 1560/2003, wird der 

ersuchende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat, es sei denn, die 

zwingenden Fristen der Art. 21 Abs. 1 beziehungsweise Art. 23 Abs. 2 

Dublin-III-VO für die Stellung eines erneuten Gesuchs um Aufnahme und 

Wiederaufnahme sind noch nicht abgelaufen. Sofern diese eingehalten 

werden können, kann der ersuchende Mitgliedstaat noch ein neues 

Aufnahme- oder Wiederaufnahmegesuch bei einem anderen Mitgliedstaat 

als dem ersten ersuchten Mitgliedstaat stellen, das gegebenenfalls zu des-

sen Zuständigkeit für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz 

führt. Gegenüber dem ersten ersuchten Mitgliedstaat, der das Aufnahme- 

beziehungsweise Wiederaufnahmegesuch ablehnte und das nachfolgende 

Remonstrationsgesuch ebenfalls ablehnte beziehungsweise darauf nicht 

fristgerecht antwortete, besteht eine solche Möglichkeit nicht (insoweit 

unrichtig: Urteil des BVGer E‒6184/2018 vom 10. Dezember 2018 oder 

Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 17. Dezember 2018, 

22 L 3360/18.A).