# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08850e2b-f8e4-5580-8460-8b5ff17fab14
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 14.07.2023 SB210520
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210520_2023-07-14.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210520-O/U/jv 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

M. Knüsel und Ersatzoberrichterin lic. iur. S. Nabholz sowie  

die Gerichtsschreiberin MLaw J. Bischof 
 

Urteil vom 14. Juli 2023 

in Sachen 
 

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin MLaw R. Meier,  

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 
 

sowie 
 

A._____,  
Privatklägerin und II. Berufungsklägerin (Rückzug) 
 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 
 

gegen 
 

B._____, 
Beschuldigte und III. Berufungsklägerin 
 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 
 
betreffend Menschenhandel etc.  
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 11. Juni 2021 
(DG190074) 
  

- 2 - 

Anklage: 
(Urk. 23) 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

10. September 2019 ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:  
(Urk. 98 S. 104 ff.) 

"Das Gericht erkennt: 

1. Das Verfahren wird in Bezug auf Anklage-Ziffer 1/IV (Beschimpfung) definitiv ein-

gestellt. 

2. Die Beschuldigte B._____ ist schuldig 

− des Menschenhandels im Sinne von Art. 182 Abs. 1 StGB; 

− des Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; 

− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB; 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf die Privatklägerin A._____); 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG (in Be-

zug auf die Privatklägerin A._____); 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Alters- 

und Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG. 

3. Von folgenden Vorwürfen wird die Beschuldigte B._____ freigesprochen: 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf C._____, D._____ und E._____); 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG (in Be-

zug auf C._____, D._____, E._____, F._____ und G._____). 

4. Die Beschuldigte B._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, 

wovon 35 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 180 Ta-

gessätzen à CHF 30.–. 

- 3 - 

5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die 

Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

6. Auf den Antrag, wonach eine obligatorische Landesverweisung im Sinne von 

Art. 66a Abs. 1 lit. n StGB für die Dauer von 5 Jahren auszufällen sei, wird nicht 

eingetreten. 

7. Auf den Antrag, wonach die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem anzuordnen sei, wird nicht eingetreten. 

8. Die Beschuldigte B._____ wird verpflichtet, der Privatklägerin A._____, solidarisch 

mit allfälligen Mittätern, CHF 12'000.–, zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2016, als 

Genugtuung zu bezahlen. 

9. Die Beschuldigte B._____ wird gestützt auf ihre Anerkennung verpflichtet, der 

Privatklägerin A._____, solidarisch mit allfälligen Mittätern, CHF 400.–, zuzüglich 

5 % Zins ab 10. Januar 2016, sowie CHF 1'900.–, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Mai 

2016, zu bezahlen. 

Weiter wird die Beschuldigte B._____ gestützt auf ihre Anerkennung verpflichtet, 

der Privatklägerin A._____, solidarisch mit allfälligen Mittätern, CHF 400.–, 

zuzüglich 5 % Zins ab 10. Januar 2016, zu bezahlen. 

10. Im Mehrbetrag wird auf die Zivilforderungen der Privatklägerin A._____ nicht einge-

treten. 

11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

CHF 9'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

CHF 2'100.00  Gebühr für das Vorverfahren; 

CHF 7'130.00  Auslagen Untersuchung; 

CHF 20'100.00   Kosten amtliche Verteidigung (bereits bezahlt); 

CHF 36'008.00  Kosten amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Barauslagen); 

CHF 14'127.65  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (inkl. MwSt. und Barauslagen); 

CHF 88'465.65  Total 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

- 4 - 

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die 

Entscheidgebühr auf zwei Drittel. 

12. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren, Auslagen) und des gericht-

lichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der 

unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, werden der Beschuldigten 

B._____ zu 9/10 auferlegt und zu 1/10 auf die Gerichtskasse genommen. Die auf 

sie entfallenden Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin werden indessen einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Eine Nachforderung dieser Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

und Art. 138 Abs. 1 StPO bleibt vorbehalten. 

13. (Mitteilungen) 

14. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge 
(Prot. II S. 6 ff.) 

a) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 128) 

 1. In Bezug auf Dispositiv-Ziffer 4 sei die Beschuldigte mit einer Freiheits-

strafe von 30 Monaten zu bestrafen, wovon 35 Tage durch Haft erstan-

den sind, sowie mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à CHF 30.–. 

 2. In Bezug auf Dispositiv-Ziffer 5 sei die Freiheitsstrafe im Umfang von 

24 Monaten aufzuschieben und im Umfang von 6 Monaten (abzüglich 

35 Tage, die durch Haft erstanden sind), zu vollziehen.  

Die Geldstrafe sei zu vollziehen.  

Die Probezeit für den bedingt aufgeschobenen Teil der Freiheitsstrafe 

sei auf 2 Jahre festzusetzen. 

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b) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 129 S. 1 f. und Prot. II S. 43) 

 " 1. Es sei die Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur 

vom 11. Juni 2021 aufzuheben und die Berufungsklägerin wegen Wi-

derhandlung AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 lit. a 

AIG und Art. 117 Abs. 1 AIG (in Bezug auf die Privatklägerin) sowie 

Widerhandlung AHVG im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG (in Bezug auf 

die Privatklägerin) schuldig und im Übrigen freizusprechen. 

  2. Es seien die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 des Urteils des Bezirksgericht 

Winterthur vom 11. Juni 2021 aufzuheben und die Berufungsklägerin 

mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à CHF 30.– bei 

einer Probezeit von zwei Jahren zu bestrafen. 

  3. Es sei die Dispositiv-Ziffer 8 des Urteils des Bezirksgericht Winterthur 

vom 11. Juni 2021 aufzuheben und die Genugtuungsforderung der 

Privatklägerin abzuweisen; eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 

  4. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigten für die unrechtmässig er-

standene Untersuchungshaft von 35 Tagen eine Genugtuung von ge-

samthaft CHF 7'000.– zustünde. Diese ist mit den Ansprüchen der 

Privatklägerin sowie Verfahrens- und anderen Kosten zu verrechnen. 

Auf die Auszahlung eines allfälligen Restbetrages wird verzichtet. 

  5. Es sei die Dispositiv-Ziffer 12 des Urteils des Bezirksgericht Winterthur 

vom 11. Juni 2021 aufzuheben und die Verfahrenskosten, einschliess-

lich der Kosten der amtlichen Verteidigung, zu 19/20 definitiv auf die 

Staatskasse zu nehmen. 

  6. Die Kosten des Berufungsverfahrens einschliesslich der Kosten für die 

amtliche Verteidigung inklusive Mehrwertsteuer und der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung inklusive Mehrwertsteuer seien auf die Staatskasse 

zu nehmen. 

- 6 - 

  7. Es seien die heute gestellten Anträge im Plädoyer der Staatsanwalt-

schaft abzuweisen." 

c) Der Privatklägerin A._____: 

(Urk. 130 S. 2) 

 " 1. Die Berufung der Beschuldigten sei abzuweisen, soweit sie die straf- 

als auch zivilrechtlichen Ansprüche der Privatklägerin A._____ betref-

fen. 

  2. Das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 11. Juni 

2021 (DG190074) sei insbesondere in Bezug auf die Ziffer 8 (Genug-

tuung) zu bestätigen. 

  3. Die Kosten des Verfahrens, inklusive denjenigen der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin (gemäss eingereichter Honorarno-

te) seien der Beschuldigten aufzuerlegen." 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

1. Die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (nachfolgend "Staatsanwalt-

schaft") führte zusammen mit der Kantonspolizei Zürich (nachfolgend "Kantons-

polizei") unter dem Aktionsnamen "H._____" gestützt auf eine Meldung von 

A._____ (Geschädigte und Privatklägerin, nachfolgend "Privatklägerin") eine 

Strafuntersuchung gegen die Beschuldigte B._____ (nachfolgend "Beschuldigte") 

und deren Ehemann I._____ (nachfolgend "der Mitbeschuldigte" oder 

mitgemeinte Person der "Beschuldigten" oder der "beiden Beschuldigten"). Die 

Eheleute standen unter Verdacht auf Menschenhandel zum Zweck der Aus-

beutung der Arbeitskraft, auf Wucher und Widerhandlung gegen das AIG und das 

AHVG. Die Beschuldigte wurde zusätzlich der Drohung zum Nachteil der Privat-

klägerin verdächtigt (Urk. 1-2). Die Untersuchung wurde gegen beide 

Beschuldigten später auf weitere mögliche Opfer des Menschenhandels 

- 7 - 

ausgedehnt (Urk. 1/5). Am 10. September 2019 erhob die Staatsanwaltschaft 

gegen die Beschuldigte und den Mitbeschuldigten Anklage an das Bezirksgericht 

Winterthur (Urk. 23; SB210519, Urk. 23).  

2. Die Vorinstanz führte die Verfahren unter separaten Prozessnummern 

(DG190073-K und DG190074-K), setzte aber eine gemeinsame Hauptverhand-

lung an (Urk. 26). Nachdem die erstmals auf den 30. März 2020 bis 1. April 2020 

anberaumte Hauptverhandlung (Urk. 31) u.a. pandemiebedingt mehrmals ver-

schoben werden musste, konnte sie schliesslich an mehreren Tagfahrten im Mai 

2021 durchgeführt werden (Prot. I S. 11 ff.). Am 11. Juni 2021 fällte die Vorinstanz 

das Urteil, welches gleichentags mündlich eröffnet wurde (Prot. I S. 169 ff.). Zum 

Verfahrensgang im Einzelnen ist zur Vermeidung von Wiederholungen auf die 

Darstellung der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 98 S. 7 ff.). 

3. Gegen das Urteil vom 11. Juni 2021 meldeten die Staatsanwaltschaft 

(Urk. 90/2), die Beschuldigte (Urk. 92) sowie die Privatklägerin (Urk. 91/2) recht-

zeitig Berufung an. Die Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft (Urk. 100) 

sowie der Beschuldigten (Urk. 105) gingen innert Frist hier ein. Die Privatklägerin 

zog die angemeldete Berufung innert der Frist für die Einreichung einer Beru-

fungserklärung wieder zurück (Urk. 103). Der Vollständigkeit halber ist zu erwäh-

nen, dass auch der Mitbeschuldigte, verurteilt wegen Menschenhandels im Sinne 

von Art. 182 Abs. 1 StGB, Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, se-

xueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, Drohung im Sinne von 

Art. 180 StGB, Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a 

i.V.m. Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf die Privatklägerin A._____), Widerhandlung 

gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG (in Bezug auf die Privatklägerin 

A._____), mehrfacher Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Alters-

und Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG und der Ge-

walt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 

StGB (vgl. Prot. I S. 170 ff.), in die Berufung ging, welches Verfahren hierorts un-

ter der Prozessnummer SB210519 geführt wird. 

4. Mit Präsidialverfügung vom 25. Oktober 2021 wurde den Parteien Frist 

zur  Erhebung einer Anschlussberufung beziehungsweise zum Antrag auf Nicht-

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eintreten auf die Berufungen der Gegenparteien angesetzt. Gleichzeitig wurde der 

Privatklägerin Frist für Erklärungen im Sinne von Art. 335 Abs. 24 StPO, Art. 153 

Abs. 1 StPO und Art. 68 Abs. 4 StPO betreffend Besetzung des urteilenden 

Gerichts mit einer Person gleichen Geschlechts etc. angesetzt. Der Beschuldigten 

wurde dieselbe Frist angesetzt, um Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen 

einzureichen (Urk. 107). Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 

2. November 2021 ihren Verzicht auf Anschlussberufung (Urk. 109). Die Privat-

klägerin und die Beschuldigte liessen unter dem 16. November 2021 das Gleiche 

vermelden (Urk. 110 und Urk. 112). Innert erstreckter Frist (Urk. 112; Urk. 114) 

reichte der amtliche Verteidiger Unterlagen zu den wirtschaftlichen Verhältnissen 

der Beschuldigten ein (Urk. 116; Urk. 117). 

5. Mit Präsidialverfügung vom 6. März 2023 wurde die Publikumsöffentlichkeit 

von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen und den akkreditierten Gerichts-

berichterstattern der Zutritt unter Auflagen ermöglicht (Urk. 120). 

6. Am 28. März 2023 wurden die Parteien des vorliegenden Verfahrens und je-

ne (soweit nicht bereits hier involviert) des Verfahrens gegen den Mitbeschuldig-

ten (SB2101519) zur gemeinsamen Berufungsverhandlung auf den 

13./14. Juli 2023 vorgeladen (Urk. 122). 

7. Am 3. Juli 2023 wurde über die Beschuldigte ein neuer Strafregisterauszug 

eingeholt (Urk. 125). 

8. Zur Berufungsverhandlung erschienen die Beschuldigte in Begleitung ihres 

amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, Staatsanwältin MLaw Runa 

Meier, die Rechtsvertreterin Rechtsanwältin lic. iur. X._____ für die Privatklägerin 

sowie die übrigen Parteien des Verfahrens SB210519. Vorfragen waren anläss-

lich der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden (Prot. II S. 9). Es wurden 

abgesehen von der Befragung der Beschuldigten (Urk. 126) keine Beweise abge-

nommen (vgl. zu den Beweisanträgen sogleich unten, E. II.8). 

9. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.  

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II. Prozessuales 

1. Umfang der Berufung 

1.1 Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in 

Rechtskraft. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur 

in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

1.2 Die Privatklägerin hat ihre Berufung zurückgezogen (Urk. 103). Hiervon ist 

vorab Vormerk zu nehmen.  

1.3 Die Beschuldigte ficht das erstinstanzliche Urteil vom 11. Juni 2021 hinsicht-

lich dessen Dispositiv-Ziffern 2 (effektiv: 1.-3. und 6. Spiegelstrich), 4, 5, 8 und 12 

an (Urk. 105). Von der Staatsanwaltschaft ebenfalls angefochten ist Dispositiv-

Ziffer 4 (Urk. 100). Unangefochten sind damit einzig die Dispositiv-Ziffern 1, 2, 4. 

und 5. Spiegelstrich (Widerhandlungen gegen das AIG und das AHVG in Bezug 

auf die Privatklägerin), 3 (Freispruch betreffend Widerhandlungen gegen das AIG 

betreffend weitere Personen), 6 und 7 (Landesverweisung und Ausschreibung im 

SIS), 10 (teilweises Nichteintreten auf die Zivilforderung der Privatklägerin) und 

11 (Kostenfestsetzung), was vorab festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung 

mit Art. 402 und 437 StPO). 

1.4 Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid im Rahmen des Beru-

fungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes in den nur von 

der Beschuldigten angefochtenen Punkten gesamthaft zur Disposition (Art. 391 

Abs. 2 StPO). 

1.5 Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 

BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungs-

instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-

schränken. 

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1.6 Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit 

Erwähnung findet. 

2. Anwendbares Recht 

2.1 Am 1. Januar 2018 trat die jüngste Teilrevision des Sanktionenrechts in 

Kraft. Art. 2 StGB gilt auch für Partialrevisionen (BSK StGB I-POPP/BERKEMEIER, 

Art. 2 N 4).  

2.2 Die vorliegend zu beurteilenden strafbaren Handlungen ereigneten sich im 

Zeitraum zwischen November 2015 und 25. März 2017 und damit vor dem er-

wähnten Datum. Es stellt sich daher die Frage nach dem milderen Recht. Darauf 

ist im Rahmen der konkreten Strafzumessung einzugehen (vgl. E. V). 

2.3 Pro memoria ist darauf hinzuweisen, dass die Einführung der Landesverwei-

sung erst per 1. Oktober 2016 erfolgte, so dass eine solche – für die Katalogtat 

des Menschenhandels – schon grundsätzlich kein Thema ist. Das Nichteintreten 

der Vorinstanz auf den entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft ist denn 

auch nicht angefochten worden.  

3. Strafantrag 

Bei der vorgeworfenen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB gemäss Anklage-

ziffer III handelt es sich um ein Antragsdelikt. Es liegt – entgegen der amtlichen 

Verteidigung (Prot. II S. 52) – ein formgerecht und gerade noch fristgerecht ge-

stellter Strafantrag der Privatklägerin vom 20. Juli 2016 vor, wenn zugunsten der 

Beschuldigten davon ausgegangen wird, dass die Drohung zum frühestmöglichen 

Zeitpunkt gemäss Anklageschrift, d.h. am 20. April 2016, erfolgte (Urk. 6/2).  

4. Anklageprinzip 

4.1 Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 

BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK; BGE 143 IV 63 E. 2.2; 141 IV 132 

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E. 3.4.1; je mit Hinweisen). Wie Art. 9 Abs. 1 StPO ausdrücklich festlegt, kann ei-

ne Straftat nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen 

eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim 

zuständigen Gericht Anklage erhoben hat. Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO be-

zeichnet die Anklageschrift insbesondere möglichst kurz, aber genau die der be-

schuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit 

sowie Art und Folgen der Tatausführung (lit. f) und die nach Auffassung der 

Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwendbaren Ge-

setzesbestimmungen (lit. g). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur 

Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die 

Vorwürfe in objektiver und  subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind (BGer 

6B_171/2022 vom 29. November 2022 mit Verweis auf: BGE 147 IV 439 E. 7.2; 

141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). 

4.2 Wie oben dargelegt, entnimmt man der Anklageschrift nicht, wo das Anwer-

ben der Privatklägerin erfolgt sein soll, auch wenn anzunehmen ist, dass dies am 

Wohnort der Beschuldigten geschah (also in J._____). Dies wird den beiden 

Beschuldigten hauptsächlich vorgeworfen. Angesichts des konkreten Sachver-

halts steht aber der Vorwurf des eigentlichen Ausbeutens der Arbeitskraft der Pri-

vatklägerin im Fokus. Diesbezüglich ergibt sich aus der Anklageschrift unmissver-

ständlich als Tatort die K._____-strasse 1 in J._____. Ebenso klar umschrieben 

ist ein vorgeworfenes mittäterschaftliches Handeln der Beschuldigten und des 

Mitbeschuldigten hinsichtlich der Anklagepunkte I, II, V, VI und VII. Die Anklage ist 

zwar etwas umständlich – ohne Nummerierungen im romanartigen Sachverhalt 

und teilweise mit Begründungselementen – verfasst, aber sie hält dem Anklage-

prinzip als Ganzes noch stand. 

5. Polizeieinsatz vom 19. Juli 2016 

Nachdem die Privatklägerin über einen Nachbarn (spätere polizeiliche Aus-

kunftsperson L._____) im Mehrfamilienhaus K._____-strasse 1, J._____, die 

Polizei kontaktiert hatte, kam es am 19. Juli 2016 daselbst zu einem 

Polizeieinsatz. Dabei wurden Fotos von der Beschuldigten und der Wohnung der 

beiden Beschuldigten erstellt (Urk. 1/7). Da die Staatsanwaltschaft trotz laufender 

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Untersuchung (ab 22. Juli 2016, vgl. nachfolgende Ziff. 6.3) erst am 

7. Februar 2018 bei der Stadtpolizei Winterthur um diese ersucht hatte, 

vermochte Letztere darüber zufolge Zeitablaufs von rund 18 Monaten keinen 

Wahrnehmungsbericht mehr zu verfassen (vgl. Urk. 1/7). Immerhin ist unstrittig, 

wo und wie die Aufnahmen zu verorten sind.  

6. Polizeiliche Vorermittlungen und Eröffnung der Strafuntersuchung 

6.1.1 Die beschuldigte Person hat Anspruch darauf, dass das Verfahren in den 

vom Gesetz vorgesehenen Formen durchgeführt und abgeschlossen wird 

(vgl. Art. 2 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwaltschaft leitet das Vorverfahren (Art. 16 

Abs. 2 StPO), das aus dem Ermittlungsverfahren der Polizei und der Untersu-

chung der Staatsanwaltschaft besteht (Art. 299 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 299 

Abs. 2 StPO werden im Vorverfahren, ausgehend vom Verdacht, es sei eine 

Straftat begangen worden, Erhebungen getätigt und Beweise gesammelt, um 

festzustellen, ob gegen eine beschuldigte Person ein Strafbefehl zu erlassen 

(lit. a), Anklage zu erheben (lit. b) oder das Verfahren einzustellen ist (lit. c). 

6.1.2 Mit der Rapporterstattung und anschliessenden Untersuchungseröffnung 

endet das selbstständige Ermittlungsverfahren der Polizei und die Staatsanwalt-

schaft übernimmt auch die faktische Verfahrensherrschaft. Sie entscheidet im 

Rahmen von Art. 312 Abs. 1 StPO, ob und in welchem Umfang die Polizei noch 

weiter ermitteln muss und darf und hat ihr zu diesem Zweck konkrete Ermittlungs-

aufträge zu erteilen. Gemäss Art. 307 Abs. 1 StPO informiert die Polizei die 

Staatsanwaltschaft unverzüglich über schwere Straftaten sowie über andere 

schwerwiegende Ereignisse. Die polizeiliche Orientierung der Staatsanwaltschaft 

über schwere Straftaten und andere schwerwiegende Ereignisse führt gestützt auf 

Art. 309 Abs. 1 lit. c StPO zur Eröffnung eines Untersuchungsverfahrens (BSK 

StPO-RÜEGGER, a.a.O., Art. 307 N 4). 

6.1.3 Nach Art. 309 Abs. 3 StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft die Untersuchung 

in einer Verfügung. Die Strafuntersuchung gilt in jedem Fall als eröffnet, wenn die 

Staatsanwaltschaft Zwangsmassnahmen anordnet. Da die Vorladung als 

Zwangsmassnahme gilt, genügt es in aller Regel für die Eröffnung, wenn die 

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Staatsanwaltschaft erste Untersuchungshandlungen selber vornimmt, namentlich 

die beschuldigte Person einvernimmt oder eine Editionsverfügung erlässt (BGE 

141 IV 20 E. 1.1.4 S. 24 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_256/2017 

vom 13. September 2018 E. 2.1). Der Eröffnungsverfügung kommt lediglich 

deklaratorische Wirkung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_84/2020 vom 

22. Juni 2020 mit Hinweisen). 

6.2.1 Eine formelle Eröffnungsverfügung der Staatsanwaltschaft im Sinne von 

Art. 309 Abs. 3 StPO findet sich in den Akten nicht. Diesen ist jedoch folgender 

Gang der Untersuchung in der ersten Phase zu entnehmen:  

6.2.2 Der Polizeieinsatz vom 19. Juli 2016 führte vorerst zu einer Verhaftung der 

Privatklägerin (vgl. Polizeirapport vom 22. Juli 2016 als Bestandteil der 

"Geschädigtenakten"; Urk. 16/1) und zu einer Befragung der Privatklägerin als 

Beschuldigte betreffend Widerhandlung gegen das (damalige) Ausländergesetz 

(vgl. Urk. 15/1). Auf entsprechende Anfrage der Verteidigung der Beschuldigten 

anlässlich der Berufungsverhandlung informierte die Staatsanwaltschaft darüber, 

dass gegen die Privatklägerin ein Strafbefehl ergangen sei, mit dem die Privat-

klägerin wegen Widerhandlung gegen das AIG mit einer bedingten Geldstrafe 

sowie mit einer Verbindungsbusse sanktioniert worden sei (vgl. Prot. II S. 67). 

6.2.3 Bereits am 22. Juli 2016 rapportierte die Kantonspolizei Zürich an die 

Staatsanwaltschaft (STA II, fallführende Staatsanwältin MLaw Runa Meier) betref-

fend Menschenhandel, sexuelle Nötigung und Förderung der rechtswidrigen Ein- 

und Ausreise sowie rechtswidrigen Aufenthalts (Urk. 1/1). Sie stellte der Staats-

anwaltschaft den Antrag auf Überwachung der Rufnummer 2 (rückwirkende Teil-

nehmeridentifikation und Echtzeitüberwachung; Mobiltelefon des Mitbeschuldig-

ten). Dem Rapport, der als beschuldigte Personen die heutige Beschuldigten und 

den Mitbeschuldigten mit vollständigen Personalien und Koordinaten aufführt, la-

gen u.a. der Verhaftsrapport in Sachen der Privatklägerin vom 21. Juli 2016 

(Urk. 16/1), das Protokoll der polizeilichen Einvernahme der Privatklägerin vom 

20. Juli 2016 (Urk. 5/1) und die Aktennotiz des polizeilichen Sachbearbeiters über 

das informelle Gespräch mit der Privatklägerin vom 22. Juli 2016 (Urk. 5/2) bei.  

- 14 - 

6.2.4 Die Staatsanwaltschaft reagierte darauf umgehend und ordnete unter der 

Untersuchungsnr. A-3/2016/10024631 die Überwachung des Post- und Fernmel-

deverkehrs an (Urk. 11/1/3) und stellte erstmals einen Antrag auf deren Geneh-

migung an das Obergericht des Kantons Zürich, Zwangsmassnahmengericht 

(Urk. 11/1/2). Diesem wurde am 26. Juli 2016 entsprochen (Urk. 11/1/5).  

6.3 Mit der polizeilichen Orientierung der Staatsanwaltschaft und deren Anord-

nung der Zwangsmassnahme vom 22. Juli 2016 (Urk. 11/3) wurde die Strafunter-

suchung gegen die Beschuldigten (und den Mitbeschuldigten) demnach faktisch 

eröffnet (vgl. auch BGE 141 IV 20 E. 1.1.4.).  

6.4 Die Staatsanwaltschaft ordnete in der Folge weitere Zwangsmassnahmen an, 

so am 19. September 2016 eine Observation der Beschuldigten, welche vorerst 

bis  zum 19. März 2017 befristet war (Urk. 11/5). Auf Antrag der Kantonspolizei 

Zürich wurde diese von der Staatsanwaltschaft bis zum 31. Mai 2017 verlängert 

(Urk. 11/13/2-3). Die Staatsanwaltschaft erliess sodann am 1. Dezember 2016 ei-

ne Editionsverfügung zulasten der M._____ AG (Urk. 8/1), am 12. Mai 2017 einen 

Vorführungsbefehl für die Beschuldigte (Urk. 12/1), am 15. Mai 2017 einen Haus-

durchsuchungsbefehl für die Wohnung der Beschuldigten an der K._____-

strasse 1, J._____ (Urk. 9/1) und am 16. Mai 2017 ein Auskunftsersuchen vom 

16. Mai 2017 an die N._____ [Unternehmen] (Urk. 8/2).  

6.5 Eine Delegation an die Polizei im Sinne von Art. 312 StPO durch die Staats-

anwaltschaft erfolgte erst am 16. Mai 2017 (Urk. 2). 

7. Geheime Überwachungsmassnahmen 

Für die angeordneten geheimen Überwachungsmassnahmen (Observationen und 

verschiedene Telefonüberwachungen (Urk. 1 S. 4; 1/5 ff.; Urk. 11/6/1-14) lagen 

die entsprechenden Genehmigungen vor (Urk. 11). Die Beschuldigte wurde hier-

über am 5. Februar 2019 in Kenntnis gesetzt (Urk. 11/15). Auch wurden die dar-

aus hervorgebrachten Erkenntnisse der Beschuldigten rechtsgenügend vorgehal-

ten (vgl. Urk. 3/1, Urk. 3/3-7). Entsprechend sind die aus den geheimen Überwa-

- 15 - 

chungsmassnahmen gewonnenen Erkenntnisse verwertbar, soweit sie heute Be-

standteil der Akten bilden, was im Übrigen nicht bestritten wurde.  

8. Beweisanträge 

8.1 Anlässlich der Hauptverhandlung stellte der amtliche Verteidiger den Antrag, 

O._____ und P._____ seien als Zeugen einzuvernehmen. Diese Anträge wurden 

abgewiesen (Prot. I S. 124 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der 

amtliche Verteidiger erneut den Beweisantrag, es sei O._____ als Zeuge zu be-

fragen (Urk. 127).  

8.2 Bei O._____, geb. tt. Oktober 1962, wohnhaft Q._____ [Adresse] 3, 

R._____, Serbien, handelt es sich um den Ex-Partner der Privatklägerin und Vater 

des gemeinsamen Sohnes S._____, geb. tt.mm.2008. Gemäss Aussagen der Pri-

vatklägerin waren sie unverheiratet und zog sie am 28. Oktober 2013 bei O._____ 

aus (Urk. 5/6, F/A 45). Die Beziehung war gemäss Privatklägerin belastet durch 

das von O._____ alleine beanspruchte Sorgerecht, was ein Motiv für die Arbeits-

suche in der Schweiz war. Ein Kontakt mit ihm und dem Kind fand seither kaum 

mehr statt. 

8.3 Zur Begründung für den vorliegenden Beweisantrag führte der amtliche Ver-

teidiger aus, dass die Aussagen von O._____ geeignet seien, die Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin zu erschüttern, falls sich herausstellen würde, dass ihre Be-

hauptungen nicht der Wahrheit entsprächen und sie sich nicht in einer von ihr be-

haupteten Notlage befunden hätte (Urk. 127). 

8.4 Richtig ist zwar, dass O._____ von der Privatklägerin stark belastet wurde. 

Ausgehend davon, dass der letzte effektive Kontakt aber sehr weit zurückliegt, die 

Beziehung offenbar von Drohungen und die Elternbeziehung stark durch das Sor-

gerechtsthema belastet war (vgl. Urk. 5/1, F/A 160 ff.; Prot. I S. 29 ff.), sind keine 

sachdienlichen Aussagen für einen Jahre später sich hier abspielenden Sachver-

halt zu erwarten. Im Gegenteil wären vielmehr von grosser Emotionalität geprägte 

Aussagen zu erwarten. O._____ könnte sich zwar zum Thema der Sorgerechts-

streitigkeit äussern, was für die rechtliche Würdigung indessen nicht von Rele-

- 16 - 

vanz ist, da die Privatklägerin – wie später noch zu zeigen sein wird – den Be-

schuldigten und die Mitbeschuldigte nicht über die laufende Sorgerechtsstreitig-

keit informierte beziehungsweise ihnen davon nichts erzählte. Von einer Einver-

nahme von O._____ ist daher auch heute abzusehen (vgl. hierzu Prot. I S. 127; 

Urk. 98 S. 8). Für eine allgemeine Glaubwürdigkeitsprüfung kann eine solche Ein-

vernahme nicht dienen.  

8.5 Lediglich der Vollständigkeit halber ist hinsichtlich der Vorbringen des amt-

lichen Verteidigers, wonach O._____ Gerichtsurteile und Entscheide der Be-

hörden betreffend das Sorgerecht einreichen könnte (Prot. II S. 14), festzuhalten, 

dass solche nicht durch Zeugen erhältlich gemacht werden. Hierfür hätte vielmehr 

ein Editionsantrag gestellt werden müssen, was indessen nicht erfolgt ist.  

9. Haft 

Die Beschuldigte wurde am 16. Mai 2017, 09:20 Uhr, von der Polizei verhaftet 

(Urk. 12/2) und befand sich vom 19. Mai 2017 bis zum 19. Juni 2017, 18:18 Uhr, 

in Untersuchungshaft (Urk. 12/13). Damit sind 35 Tage durch Haft erstanden. 

III. Sachverhalt 

A. Anklagevorwurf 

Gegenstand des Strafverfahrens sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft 

gemäss Anklageschrift vom 10. September 2019 (Urk. 23). Angefochten und im 

Berufungsverfahren zu überprüfen sind nur noch die vorinstanzlichen 

Schuldsprüche betreffend Menschenhandel im Sinne von Art. 182 Abs. 1 StGB 

(D1), Wucher im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (D1), Drohung im Sinne 

von Art. 180 StGB (D1) sowie Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die 

Alters- und Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG in 

Bezug auf D._____ (D1). 

 

B. Standpunkt der Beschuldigten 

- 17 - 

1. Sowohl in der Untersuchung als auch anlässlich der Hauptverhandlung hat 

die Beschuldigte die Vorwürfe mit Ausnahme der Widerhandlungen gegen das 

AIG und das AHVG, je in Bezug auf die Privatklägerin, bestritten (vgl. nachfol-

gend). 

2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung verweigerte die Beschuldigte 

Aussagen zur Sache (Urk. 126). Die amtliche Verteidigung hielt im Wesentlichen 

an ihren bisherigen Ausführungen fest (vgl. Urk. 78; Prot. I S. 138 ff. und 

S. 165 ff., Urk. 129).  

3. Der Mitbeschuldigte berief sich heute in Bezug auf die Sache wiederum auf 

sein Aussageverweigerungsrecht (Prot. II S. 10). 

C. Grundsätze der Beweiswürdigung 

1. Auf die in allen Teilen korrekten einleitenden Erwägungen der Vorinstanz zu 

den theoretischen Grundsätzen der Beweiswürdigung sowie zur einschlägigen 

Lehre und Rechtsprechung kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 98 

S. 11 ff.). 

2. Die Vorinstanz hat auch eine eingehende Beurteilung der Glaubwürdigkeit 

sämtlicher einvernommenen Personen vorgenommen (Urk. 98 S. 34 ff.). Zu er-

innern ist in diesem Zusammenhang, dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit im 

Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft nach heutiger Erkenntnis bei der 

Würdigung von Aussagen kaum mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus 

bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die 

Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen. Dies bedeutet, dass die Privatklägerin 

aufgrund ihrer Geschädigtenrolle nicht a priori glaubwürdiger ist als die mit 

erheblichen Vorwürfen konfrontierten Beschuldigten. In diesem Sinne legte denn 

auch die Vorinstanz den Fokus auf die Aussagenanalyse (Urk. 98 S. 34 ff.).  

 

 

D. Konkrete Beweiswürdigung 

- 18 - 

1. Beweismittel 

Die Anklagebehörde stützt sich zum Nachweis des eingeklagten Sachverhalts 

hauptsächlich auf die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 5/1 und Urk. 5/3-10), so-

dann auf diejenigen der Beschuldigten (Urk. 3/1-7), jene des Mitbeschuldigten 

(Urk. 4/1-8) und von diversen Auskunftspersonen (T._____, U._____, V._____, 

W._____). An angerufenen Beweismitteln sind weiter die Erkenntnisse aus den 

Telefonkontrollen (Urk. 7), die anlässlich des Polizeieinsatzes vom 19. Juli 2016 in 

der Wohnung des Beschuldigten angefertigten Fotos (Urk. 1/7) sowie die anläss-

lich der Hausdurchsuchung vorgenommenen Sicherstellungen und die sich dar-

aus ergebenden Erkenntnisse zu erwähnen. Weitere Beweiserhebungen der 

Staatsanwaltschaft (Editionen, Observation) wurden unter den prozessualen As-

pekten bereits erwähnt (vgl. E. II). Keine relevanten Ergebnisse lieferte offenbar 

die monatelange Observation der Beschuldigten, denn es liegt kein selbständiger 

Bericht vor, sondern nur "ein als ergänzender und abschliessender Ermittlungsbe-

richt zu verstehender Polizeirapport" (Urk. 1/5 S. 4). Die Staatsanwaltschaft nahm 

in der Begründung der Anklage vor Vorinstanz denn auch keinen Bezug auf die 

Observation (vgl. Urk. 71 und Prot. I S. 129 ff.).  

2. Sachverhalt betreffend Menschenhandel und Wucher 

2.1 Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der Anklagesachverhalt in Be-

zug auf den Menschenhandel aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklä-

gerin mit den nachfolgenden Ausnahmen erstellt sei (Urk. 98 S. 57). Sie hielt da-

für, dass offen bleiben könne, ob die Beziehung der Privatklägerin zum Kindsvater 

aufgrund von psychischen und physischen Verletzungen nicht mehr auszuhalten 

gewesen und ob der Sohn tatsächlich auf Grund von Drohungen des Kindsvaters 

und/oder der finanziellen Situation der Privatklägerin beim Kindsvater verblieben 

sei, welcher es der Privatklägerin verwehrt habe, den Sohn zu sehen. Das ge-

naue Verhältnis zum Kindsvater sei vorliegend nicht weiter von Belang. Unstrittig 

habe der Sohn, dessen Existenz belegt sei, nicht bei der Privatklägerin gelebt und 

lebe er auch [heute beziehungsweise damals] nicht bei ihr. Nicht klar ergebe sich 

sodann aus den Aussagen der Privatklägerin die Tragweite ihrer Augenprobleme 

und dass diese Probleme eine Operation oder eine monatliche medizinische Be-

- 19 - 

handlung von rund EUR 100.– notwendig gemacht hätten. Ebenso unklar bleibt 

nach der Vorinstanz, ob die Privatklägerin aufgrund von Schulden über keine 

Krankenversicherung verfügt habe und jeden Arztbesuch selber habe bezahlen 

müssen, da der Kindsvater ihres Sohnes eine Firma auf ihren Namen eröffnet und 

die Pflichtbeträge im Zusammenhang mit Versicherungen (Krankenkasse, Pensi-

onskasse) nicht bezahlt habe. Ferner ergebe sich aus den Aussagen der 

Privatklägerin nicht, dass die Beschuldigten im Vorfeld ihres Arbeitsantritts 

gewusst hätten, dass die Privatklägerin arbeitslos gewesen sei. Schliesslich habe 

die Privatklägerin entgegen der Darstellung in der Anklageschrift Zugang zu ihrem 

Reisepass gehabt, auch wenn es ihr unangenehm gewesen sei, das 

Schlafzimmer der Beschuldigten zu betreten, in welchem der Pass aufbewahrt 

worden sei (Urk. 98 S. 58 f.).  

In Bezug auf den Wucher erachtete die Vorinstanz den Sachverhalt ebenfalls 

gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin als erstellt. Bezüglich 

der Augenprobleme und der ökonomischen Situation der Privatklägerin in deren 

Heimatland verwies sie auf die obigen Ausführungen im Zusammenhang mit dem 

Menschenhandel (Urk. 98 S. 64). 

2.2.1 Auch die Vorinstanz stützt sich somit im Wesentlichen auf die Aussagen der 

Privatklägerin, welche in der Untersuchung insgesamt neun Mal formell einver-

nommen (Urk. 5) und in der Hauptverhandlung als Auskunftsperson einlässlich 

befragt wurde (Prot. I S. 23-69). Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen im 

angefochtenen Urteil zusammengefasst dargestellt, worauf zur Vermeidung von 

Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk 98 S. 13 ff. und S. 36 ff.). Die Ein-

vernahmen bei der Staatsanwaltschaft wurden audiovisuell festgehalten (vgl. je-

weils Anhang zu Urk. 5/6-10). Aus diesen Aufnahmen ergibt sich auch das non-

verbale Verhalten der Privatklägerin. Dieses ist aufschlussreich und korrespon-

diert mit verbal zum Ausdruck gebrachten Belastungssituationen. Soweit Ergän-

zungen oder Korrekturen anzubringen sind, erfolgen diese im Rahmen der nach-

folgenden Beweiswürdigung. 

2.2.2 Die Aussagen der Privatklägerin fanden in der Untersuchung zwischen dem 

20. Juli 2016 (damals noch als Beschuldigte) und dem 24. Oktober 2017 statt 

- 20 - 

(Urk. 5/1 und Urk. 5/3-10). Nicht nur in jener Zeit, sondern auch an der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2019 – und damit in einer Zeitspanne von 

fast drei Jahren – hielt die Privatklägerin an ihren Vorwürfen fest. Sie schilderte 

das Kerngeschehen im Wesentlichen über die ganze Zeit (und nicht nur zwischen 

der ersten und zweiten Einvernahme) gleichlautend und stringent. Damit relativiert 

sich auch die Problematik der von ihr gewünschten Rückübersetzung in der zwei-

ten Einvernahme (vgl. oben und Urk. 5/3). Sie präzisierte in den Einvernahmen 

gewisse Vorkommnisse und versuchte auch Unklarheiten oder vermeintliche Wi-

dersprüche aufzulösen. Ihre Schilderungen waren bisweilen von starken Emotio-

nen geprägt, was teilweise auch zu Pauschalisierungen führte, wie nachfolgend 

aufzuzeigen ist. Die grosse Emotionalität kann ein Lügensignal darstellen, im 

Kontext mit wiederkehrenden und gleich beschriebenen, örtlich und zeitlich iden-

tisch verknüpften Belastungssituationen und der Schwierigkeit der Verarbeitung 

aber genauso ein Indiz für tatsächlich Erlebtes. Die Aussagen der Privatklägerin 

werden sodann durch die Erkenntnisse aus der Telefonüberwachung gestützt und 

plausibilisiert: Zahlreiche Gespräche zeigen genau das Verhalten der Beschuldig-

ten auf, worüber die Privatklägerin Aussagen machte, wie zu den erwarteten 

Haushaltsarbeiten, zur Kinderbetreuung, zu Lohnversprechen und willkürlichen 

Kürzungen oder zum abschätzigen, sexualisierten und vulgären Umgangston der 

Beschuldigten (vgl. nachfolgend). 

2.2.3 Die Beschuldigte machte in diversen Einvernahmen Aussagen zu den Vor-

würfen der Privatklägerin. Die Vorinstanz hat auch diese korrekt zusammenge-

fasst und gewürdigt, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen auf die ent-

sprechenden Erwägungen zu verweisen ist (vgl. Urk. 98 S. 27 ff. und S. 45 ff.). 

Soweit nötig, erfolgen Ergänzungen oder Abweichungen in der nachfolgenden 

Beweiswürdigung. Vorweg kann gesagt werden, dass die Beschuldigte durchaus 

Zugeständnisse machte, von denen sich aber teilweise in der Folge wieder dis-

tanzierte. Ihre Schilderungen sind geprägt von Anpassungen; sie sind unstet, wi-

dersprüchlich, oft pauschal, sie selber betreffend verharmlosend und die Privat-

klägerin betreffend auffällig herabsetzend. Zudem findet ihre Darstellung in den 

übrigen Beweismitteln kaum Bestätigung (vgl. nachfolgend). 

- 21 - 

2.2.4 Der Mitbeschuldigte verlas an der Hauptverhandlung eine kurze Erklärung, 

u.a. beinhaltend Zugeständnisse betreffend Widerhandlungen gegen das AIG und 

das AHVG in Bezug auf die Privatklägerin (Urk. 70). Er wisse nun, dass sie für die 

Beschäftigung einer Haushaltshilfe eine Bewilligung gebraucht hätten und die 

entsprechenden Anmeldungen bei den Sozialversicherungen hätten vornehmen 

müssen. Dass sie das nicht gemacht hätten, sei falsch und tue ihm aufrichtig leid 

und er sei bereit, dafür die Konsequenzen zu tragen. Sodann bestritt er, dass er 

die Privatklägerin oder sonst jemanden jemals schlecht behandelt, bedroht, aus-

gebeutet oder er sich an ihr sexuell vergriffen habe. Vielmehr habe es nie einen 

sexuellen Kontakt zur Privatklägerin gegeben. Die Privatklägerin habe gegenüber 

seiner Ehefrau (der Mitbeschuldigten) Lügengeschichten erzählt, was das Ver-

trauensverhältnis zur Privatklägerin zerstört habe. Die Situation sei damals eska-

liert und er habe die Privatklägerin vor die Türe gesetzt. Die Privatklägerin sei 

damit wohl nicht einverstanden gewesen und habe weiter Lügengeschichten über 

ihn und seine ganze Familie erzählt (Urk. 70). Ansonsten blieb es bei pauschalen 

Bestreitungen, d.h. der Mitbeschuldigte äusserte sich weder in den delegierten 

Einvernahmen bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft oder vor Vo-

rinstanz konkret zu den Tatvorwürfen. Auch an der heutigen Berufungsverhand-

lung schwieg der Mitbeschuldigte zur Sache (Prot. II. S. 10). 

2.2.5 Die Aussagen von Dritten sind im angefochtenen Urteil in zusammen-

gefasster Form zu finden (Urk. 98 S. 32 ff.), wo sie auch gewürdigt werden 

(Urk. 98 S. 49 ff.). Im Rahmen der Beweiswürdigung ist nachfolgend soweit nötig 

noch darauf einzugehen.  

2.3 Die Vorbringen der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren (Urk. 129, 

Prot. II S. 47 ff., S. 62 ff.) vermögen an den zutreffenden vorinstanzlichen Fest-

stellungen nichts zu ändern, zumal diese im Wesentlichen bereits an der erst-

instanzlichen Hauptverhandlung vorgetragen und von der Vorinstanz in die Be-

weiswürdigung einbezogen wurden. 

2.4 Rekapitulierend und in teilweiser Ergänzung zu den Erwägungen der Vor-

instanz präsentiert sich die Beweislage wie folgt, wobei hier vor allem die für die 

rechtliche Würdigung (vgl. E. IV) relevanten Aspekte aufzuzeigen sind.  

- 22 - 

2.4.1 Ausgangslage 

2.4.1.1 Die Beschuldigte äusserte sich zu allfälligen Haushaltshilfen sehr wider-

sprüchlich, anerkannte aber schliesslich ebenfalls, die Privatklägerin ohne Bewilli-

gung beschäftigt zu haben (vgl. u.a. Urk. 78 S. 1 und 21).  

2.4.1.2 Der Mitbeschuldigte zeigte sich bereits in der Hafteinvernahme vom 

17. Mai 2017 – vor allem via Verteidigung – geständig, zusammen mit seiner 

Frau, der Beschuldigten, mehrere Frauen ohne Arbeitsbewilligung als 

Unterstützung im Haushalt beschäftigt zu haben. Sklavenähnliche Zustände, wie 

dies der von der Privatklägerin an die Adresse der Beschuldigten gerichtete 

Vorwurf des Menschenhandels im Sinne von Art. 182 StGB voraussetze, wie 

auch andere Verfehlungen, wurden von ihm von Beginn weg vehement bestritten 

(vgl. Urk. 4/1-8; DG190073, Urk. 12/8).  

2.4.1.3 Der Schuldspruch in Bezug auf die Widerhandlung gegen das AIG im Sin-

ne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 3 lit. a AIG, die Widerhandlung gegen das 

AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG und die Widerhandlung gegen das Bun-

desgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 

Abs. 2 AHVG wurde in Bezug auf die Privatklägerin von beiden Beschuldigten ak-

zeptiert, mit Bezug auf D._____ hingegen bestritten.  

2.4.1.4 Der in der Anklageschrift den Beschuldigten unter dem Titel Förderung 

des rechtswidrigen Aufenthalts zur Last gelegte Sachverhalt in Bezug auf die Per-

sonen "C._____", "D._____" und "E._____" konnte gemäss Vorinstanz nicht er-

stellt werden. Zwar würden namentlich gestützt auf die Erkenntnisse aus den 

Telefonkontrollen und die Aussagen der Mitbeschuldigten Anhaltspunkte beste-

hen, dass diese Personen aus Ländern wie Nordmazedonien, Serbien und Bosni-

en stammten. Rechtsgenügend erstellt sei der Aufenthaltsstatus beziehungsweise 

die Nationalität dieser Personen jedoch nicht. Es fehlten urkundliche Nachweise 

über die Personalien der betreffenden Personen, respektive weigerten sich diese 

teilweise, ihre Personalien bekannt zu geben. Die gleich vage Beweislage zeige 

sich beim Vorwurf der Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne 

- 23 - 

Bewilligung (Urk. 98 S. 60 f.). Dies führte zu einem Freispruch in diesen beiden 

Punkten, was die Staatsanwaltschaft ihrerseits akzeptierte.  

2.4.2 Kennenlernen/Anwerbung 

2.4.2.1 Die Privatklägerin sagte bereits in ihrer ersten Einvernahme aus, dass sie 

in AA._____ [Stadt in Serbien] gelebt habe und in einer Cafe-Bar gearbeitet habe. 

Sie habe von ihrem Lohn nicht leben können. Ausserdem habe sie private Prob-

leme gehabt. Sie habe Geld benötigt, um einen Anwalt zu bezahlen, um ihren 

Sohn zu sehen. Ausserdem brauche sie eine Augenoperation. Deshalb habe sie 

ein Inserat geschaltet auf "AB._____". Dies sei eine Internetseite, auf der die Leu-

te Babysitter suchten (Urk. 5/1, F/A 12). Auf ihre Ausschreibung als normale 

Haushaltshilfe sei sie von der Beschuldigten über Viber kontaktiert worden 

(Urk. 5/1, F/A 12). An dieser Darstellung hielt sie im weiteren Verlauf des Verfah-

rens fest (Urk. 5/6, F/A 82 ff.), so letztmals vor Vorinstanz (Prot. I S. 35 f.).  

2.4.2.2 Die Beschuldigte sagte in der ersten Einvernahme vom 17. Mai 2017 

(Urk. 3/1) auf den Vorhalt, sie werde beschuldigt, Frauen illegal in ihrem Haushalt 

beschäftigt zu haben, aus, keine Haushaltshilfen, sondern nur Besuch gehabt zu 

haben, dass sie nicht arbeite und gar keine Nanny brauche, ihre Kinder seien 

gross genug (a.a.O., F/A 5 f.). Wie oben dargelegt, revidierte sie diesen Punkt 

später und konzedierte, illegal Haushaltshilfen beschäftigt zu haben. Konkret an-

gesprochen auf die Privatklägerin holte die Beschuldigte gleich zum Rundum-

schlag aus und sagte, dass die Privatklägerin ihr schon grosse Probleme gemacht 

habe, denn sie habe Geld gewollt. Sie habe "einige Sachen" gestohlen (a.a.O., 

F/A 7 f.), ohne dass die Beschuldigte diese Sachen näher bezeichnet hätte, und 

dass die Privatklägerin gesagt habe, etwas mit ihrem Mann gehabt zu haben 

(a.a.O., F/A 7 f.). In Bezug auf das Kennenlernen änderte die Beschuldigte 

mehrmals ihre Version. Sie habe die Privatklägerin über Facebook kennengelernt, 

da der Privatklägerin ihre … gefallen hätten [die Beschuldigte ist gemäss eigener 

Darstellung … [Beruf] und berühmt in Bosnien; Prot. I S. 70]. Sie seien miteinan-

der über ihren Beruf, ihre …, in Kontakt getreten (a.a.O., F/A 23). Auf Nachfrage 

wollte die Mitbeschuldigte sich nicht auf Facebook anmelden und der Polizei die 

angeblich ausgetauschten Nachrichten zeigen. Später erachtete sie die von der 

- 24 - 

Privatklägerin beschriebene Kontaktaufnahme als möglich (a.a.O., F/A 39), um 

sie gleich wieder zu relativieren ("Es ist sehr lange her, da hat sie mir eine 

Freundschaftsanfrage geschickt und erst vielleicht so ein Jahr später sind wir 

wirklich wirklich so miteinander in Kontakt getreten"; a.a.O., F/A 40). Hingegen 

räumte sie in der Folge ein, dass man vielleicht doch über die Webseite 

www.AB._____.com Kontakt aufgenommen und via Viber kommuniziert habe 

(a.a.O., F/A 22 ff.). Es sei möglich, dass die Privatklägerin mit ihrem Inserat Arbeit 

gesucht habe: "Glauben Sie mir, keine Ahnung aber es ist möglich. Als sie bei mir 

war, hat sie auch zwei Wochen lang ein Telefon benützt. Es ist schon möglich, 

dass sie so etwas gemacht hat" (a.a.O., F/A 38). 

2.4.2.3 Die konstanten Aussagen der Privatklägerin überzeugen weit mehr als die 

widersprüchliche, mit pauschalen Gegenvorwürfen und bagatellisierenden Erklä-

rungen gespickte Darstellung der Beschuldigten. 

2.4.3 Internetplattform www.AB._____.com 

2.4.3.1 Gemäss der Privatklägerin suchte sie über die Internetseite 

www.AB._____.com nach bezahlter Arbeit in der Schweiz (Urk. 5/1, F/A 12). 

2.4.3.2 Die Beschuldigte bezeichnete diese Plattform als Anzeigenwebsite. Es 

gebe Anzeigen für Verkauf, Kauf, Arbeit, alles Mögliche. Sie selber habe schon 

eine Haarglättemaschine verkauft. Sodann sagte sie: "Auf dieser Seite suchen 

auch Frauen nach Hilfe, die zum Beispiel schwer leben, die es nicht leicht haben. 

Vielleicht habe ich auch dort einmal reingeschaut" (Urk. 3/1, F/A 31). Auf die Fra-

ge, inwiefern es so eine Frau schwer habe, antwortete sie: "Sie hat Kinder, sie hat 

keine Arbeit, sie wünscht Unterstützung mit Waren, Kleider, etwas für die Kinder" 

(a.a.O., F/A 33), und auf die Frage, woher diese Frauen stammten, meinte sie: 

"Ich weiss es von den Frauen, die bei mir waren, vielleicht Serbien, Bosnien. Ich 

beachte das nicht" (a.a.O., F/A 34). Frauen suchten auf dieser Website auch Ar-

beit, z.B. als Kellnerin, oder sie selber habe jemanden gesucht, der ihr günstig die 

Nägel mache (a.a.O., F/A 37).  

- 25 - 

2.4.3.3. Nach allgemeinen – durchaus möglichen – Aussagen zum Inserate-

Spiegel dieser Plattform, beschreibt die Beschuldigte gerade jene Gruppe von In-

serierenden, wie sich die Privatklägerin selber beschreibt: Frauen, die sich in ei-

ner schwierigen wirtschaftlichen oder sozialen Situation befinden, aus ihrer prekä-

ren Situation kommen wollen und dafür eine bezahlte Arbeit suchen. 

2.4.4 Soziale und wirtschaftliche Situation der Privatklägerin in Serbien 

2.4.4.1 Aus den Akten ergibt sich, dass die Privatklägerin in AC._____/Serbien 

geboren wurde und die Kindheit zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren 

Bruder verbracht hat. Sie hätten in einer Einzimmerwohnung gelebt. Die Kindheit 

sei nicht perfekt gewesen, doch die Eltern hätten sich Mühe gegeben, ihnen so 

viel wie möglich zu bieten. Später – es wird in den Aussagen zeitlich mit dem 

Schuleintritt verknüpft – hätten die Eltern eine eigene Wohnung gekauft. Ihre El-

tern hätten keine gute Beziehung miteinander gehabt und oft gestritten. Ihr Vater 

habe ihre Mutter geschlagen und sei dem Alkohol verfallen. In alkoholisiertem Zu-

stand sei er aggressiv und unausstehlich gewesen. Ihr Bruder und sie hätten sol-

che Situationen oft miterleben müssen (Urk. 5/3, F/A 15). Sie und ihr Bruder seien 

auch geschlagen worden (Urk. 5/3, F/A 18). Geleichzeitig behauptet sie aber an 

anderer Stelle, sie und ihr Bruder seien mit einer gewissen Kultur und guter Er-

ziehung aus dem Elternhaus gegangen (Urk. 5/3, F/A 15). Die Alkoholprobleme 

habe der Vater heute noch (Urk. 5/6, F/A 15). An der Hauptverhandlung bezeich-

nete die Privatklägerin ihre Kindheit als "normal" (Prot. I S. 29). Auf Vorhalt der 

Staatsanwaltschaft, wonach die Privatklägerin in der Untersuchung von Armut, 

Vernachlässigung und Alkoholkonsum ihres Vaters gesprochen habe, sagte sie: 

"Ich sage dazu, dass das wahr ist." Die Eltern hätten ihr das gegeben, was da-

mals möglich gewesen sei, sie hätten getan, was sie hätten tun können (Prot. I S. 

54).  

2.4.4.2 Die Privatklägerin absolvierte gemäss eigenen Angaben eine 4-jährige 

wirtschaftlich-gewerbliche Mittelschule (inkl. Praktikum) mit Fachrichtung "kauf-

männisch-rechtlich", die sie im Jahre 2007 abgeschlossen hat und mit welcher sie 

in Serbien auf dem Gericht oder in der Verwaltung hätte arbeiten können 

(Urk. 5/6, F/A 16 f. und F/A 22). Auf diesem Beruf habe sie dann nicht gearbeitet, 

- 26 - 

sondern sei mit ihrem Freund, geb. 1962, zusammengezogen, und habe im 

Jahre 2008 den gemeinsamen Sohn S._____ zur Welt gebracht (Urk. 59; 

Urk. 5/6, F/A 15 ff.). Die  Privatklägerin berichtet von etlichen Jahren der 

Misshandlung seitens des  

Ex-Partners, worauf sie ihm erklärt habe, dass sie sich von ihm trennen und 

das  Kind mitnehmen werde. Dann habe er angefangen, ihr massiv zu drohen. Im 

Oktober 2013 sei sie ausgezogen. Bis Ende 2015 habe sie keinen Kontakt zum 

Kind gehabt. Der letzte Kontakt zu ihm habe in einer Nachricht im letzten Jahr [vor 

der Hauptverhandlung] bestanden, in der man ihr wieder gedroht habe (Prot. I 

S. 63). Nach der Trennung von ihrem Ex-Partner sei sie wieder zu den Eltern 

gezogen. Die Eltern hätten sie finanziell unterstützt. Sie habe sich sehr geschämt, 

dass sie mit 26 Jahren die Hilfe ihrer Eltern habe beanspruchen müssen. Dann 

habe sie sich für eine Weiterbildung entschieden und sei in die Stadt, nach 

AA._____, gezogen (Prot. I S. 30). Dort habe sie eine Barman-Ausbildung 

absolviert (Urk. 5/6 F/A 52), habe bei ihrem damaligen Freund AD._____ (Urk. 5/6 

F/A 57) gelebt und sei von diesem unterstützt worden (Prot. I S. 31). Später habe 

sie eine anständige kleine Wohnung für EUR 150.– gefunden (Urk. 5/6, F/A 55), 

aus finanziellen Gründen dann aber in eine WG gewechselt, wo ihr Mietanteil 

noch EUR 90.– betragen habe (Urk. 5/6 S. 13).  

2.4.4.3 Mit der Arbeit in AA._____ habe sie pro Monat EUR 180.– bis EUR 240.– 

(Urk. 5/6, F/A 55) beziehungsweise EUR 250.– verdient und damit Essen und die 

Wohnung finanziert (Prot. I S. 30). Eine existenzsichernde Arbeit zu finden sei 

schwierig gewesen. Zur Höhe eines durchschnittlichen Einkommens auf der Basis 

ihrer Grundausbildung z.B. an einem Gericht oder in der Verwaltung äusserte sie 

sich nicht. 

2.4.4.4 Zum Thema Schulden berichtete die Privatklägerin, dass ihr Ex-Partner 

auf ihren Namen eine Firma eröffnet, dann aber die notwendigen Beiträge nicht 

bezahlt habe, weshalb sie letztlich keine Krankenkassenversicherung gehabt und 

Bezüge in der Apotheke und beim Arzt privat und mit Bargeld habe zahlen müs-

sen. Wie hoch diese Schulden seien, wisse sie nicht, da sie seit 2013 gar keinen 

- 27 - 

Kontakt mehr habe (Prot. I S. 65). Ihrem Freund schulde sie noch eine Monats-

miete, die er für sie bezahlt habe (Urk. 5/3, F/A 63).  

2.4.4.5 Die Privatklägerin, die sich gemäss eigenen Angaben auf Serbisch (Mut-

tersprache), Russisch und Englisch verständigen kann (Urk. 5/4, F/A 35), hielt 

sich vom 2. Februar 2015 bis 16. Februar 2015 bei einem älteren, kranken Freund 

namens AE._____ in Schweden auf. Dort habe sie nichts gemacht. Die Reise sei 

von diesem bezahlt worden (Urk. 5/1, F/A 155; Prot. I S. 31).  

2.4.4.6 Gemäss Passeintrag flog die Privatklägerin am 22. Mai 2015 nach 

AF._____ und am 15. Juli 2015 wieder zurück nach Serbien. Gemäss ihren An-

gaben habe sie in dieser Zeit in AG._____ bei einer AH._____ als Babysitterin 

gearbeitet. Auf diese Stelle sei sie auf die gleiche Art und Weise wie bei den Be-

schuldigten gekommen, d.h. durch ihre eigene Annonce. Sie habe auch dafür kei-

ne Arbeitserlaubnis gehabt. AH._____ habe die Flugreise für den Hin- und Rück-

weg finanziert. Sie habe pro Monat CHF 700.– oder CHF 800.– verdient. Sie sei 

mit einem Betrag zwischen CHF 1'400.– und CHF 1'600.– nach AA._____ zu-

rückgekehrt (Prot. I S. 32 f.). Nach AG._____ sei sie gegangen, weil sie eine Au-

genoperation habe bezahlen müssen und weil sie unbedingt einen Anwalt gewollt 

habe, um das Sorgerecht für ihren Sohn zu bekommen (Prot. I S. 33). Diese 

Gründe nannte die Privatklägerin bereits in der ersten polizeilichen Einvernahme 

auch für ihren Einsatz bei den Beschuldigten, wenn auch in umgekehrter Reihen-

folge der Prioritäten (Urk. 5/1, F/A 12). Daran hielt sie durchwegs fest. Im Zeit-

punkt der Hauptverhandlung war die elterliche Sorge über ihren Sohn noch nicht 

geregelt und hatte die Privatklägerin noch keine Augenoperation vorgenommen; 

sie trug weder Brille noch Kontaktlinsen (Prot. I S. 34).  

2.4.4.7 Die Privatklägerin sagte von sich, sie sei, bevor sie die Beschuldigten 

kennengelernt habe, "ein kerngesunder Mensch" gewesen, und weiter: "Ich hatte 

nie psychische Probleme, ich musste nie Medikamente nehmen, ich war äusserst 

selbständig und voller Ideen. Ich liebte die Menschen" (Prot. I S. 62).  

2.4.4.8 Die Privatklägerin machte zu ihren Lebensumständen überwiegend über-

einstimmende Aussagen. Ein nicht aufgelöster Widerspruch liegt jedoch in Bezug 

- 28 - 

auf ihre familiären Verhältnisse vor, welche in einer Bandbereite von Ar-

mut/Vernachlässigung/häuslicher Gewalt zufolge Alkoholsucht ihres Vaters bis zu 

"normal" beschrieben werden. Dies mag mit einer eigenen Definition von Normali-

tät zusammenhängen, erstaunt aber doch, da sie durchaus differenzierend davon 

spricht, dass sie mit einer gewissen Kultur und guter Erziehung aus dem Eltern-

haus gegangen sei. Dass das Kind, zu dem ein Geburtsausweis vorliegt (Urk. 59), 

beim Kindsvater lebt und sie keinen Kontakt mit ihm pflegt, hat sie so konstant 

ausgesagt. Das Motiv der Erlangung von finanziellen Mitteln, um das Sorgerecht 

anzugehen, erscheint vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Die weiteren Um-

stände um ihren Ex-Partner, mit dem sie seit 2013 keinen Kontakt pflege, sind vor 

diesem Hintergrund nicht von zentraler Bedeutung, so auch die behauptete Fir-

menverschuldung auf den Namen der Privatklägerin, worüber die Privatklägerin 

im Übrigen kaum aussagenkräftige Angaben lieferte (Urk. 5/3, F/A 6), wie die Vo-

rinstanz zu Recht schloss (Urk. 98 S. 58). Eine eigentliche Verschuldenssituation 

ist nicht erstellt.  

2.4.5 Motiv für die Arbeitssuche  

2.4.5.1 Die Privatklägerin nannte wie oben erwähnt als Grund für die Arbeitssuche 

in der Schweiz konstant, dass sie Geld verdienen wollte, um ihre "Probleme zu lö-

sen", nämlich den Sorgerechtsstreit und eine Augenoperation. Ihre Augenärztin 

habe ihr wegen hoher Dioptrien eine Augenoperation empfohlen, die EUR 1'100.–

gekostet hätte (Urk. 5/3, F/A 50). Auf die Frage der Kantonspolizei Zürich, ob sie 

den Beschuldigten die Gründe, in der Schweiz arbeiten zu wollen, erzählt habe, 

antwortete die Privatklägerin: "Sie haben mich zu der Zeit gar nichts gefragt über 

den Grund, warum ich in die Schweiz kommen will. Sie haben nur meine Anzeige 

beantwortet. Beim ersten Kontakt nannten sie ihre Bedürfnisse, dass ich mich um 

die Kinder und den Haushalt kümmern muss. Nur als ich dann in der Schweiz 

war, habe ich beim Plaudern erwähnt, wofür ich das verdiente Geld brauche" 

(Urk. 5/3, F/A 68). Auf die Frage, wie die Beschuldigten darauf reagiert hätten, 

sagte die Privatklägerin: "Ganz normal. Sie haben nur bei den Augen nachge-

fragt. Über das Kind wollte ich keine Ausführungen machen, weil das meine Pri-

vatsache ist" (Urk. 5/3, F/A 69). Betreffend Anwalt für den Sorgerechtsstreit sagte 

- 29 - 

die Privatklägerin in der Untersuchung, sie habe noch keinen kontaktiert. Dafür 

hätte sie wahrscheinlich – für das ganze Verfahren – EUR 500.– bis EUR 600.– 

oder EUR 1'000.– benötigt (Urk. 5/6, F/A 38 ff. und 75). Vor Vorinstanz sagte sie 

auf die Frage, wieviel Geld sie für einen Anwalt gebraucht hätte, dass die An-

waltskosten in Serbien sehr stark variieren würden. Sie könne sich nicht mehr an 

die damalige Höhe der Kosten erinnern, sie denke, eine Gerichtsverhandlung hät-

te um die EUR 100.– gekostet. An der Hauptverhandlung sagte sie dann auch, 

dass Prozesse in Serbien "mehr als 10 Jahre lang" dauern würden (Prot. I S. 35).  

2.4.5.2 Dass sie ihr Kind und das damit zusammenhängende Motiv für die Ar-

beitssuche vor der Einreise nicht erwähnt hat, deckt sich mit den Aussagen der 

Beschuldigten, die sichtlich erstaunt auf den Vorhalt der Aussage der Privatkläge-

rin, wonach sie Angst um ihren Sohn gehabt habe etc., reagierte, nämlich wie 

folgt: "Ihren Sohn? Also ich höre das erste Mal, dass sie einen Sohn hat. Ich bin 

überzeugt, dass sie krankhaft lügt. Ich habe sie ein einziges Mal weinen sehen, 

das war etwa 10 Tage vor dem Eklat. Damals hat sie mir offenbart, dass sie eine 

Tochter habe und diese ins Heim gegeben habe" (Urk. 3/5, F/A 54), was ihr of-

fenbar schwer auf dem Herzen gelegen habe (a.a.O., F/A 56). Die Privatklägerin 

habe ihr gesagt, dass sie in die Schweiz gekommen sei, da ihr Exfreund sie be-

droht und sie Probleme mit ihrer Familie habe (Urk. 3/2, F/A 29 ff.). Zur Frage, ob 

sie über die finanzielle Situation der Privatklägerin Bescheid gewusst habe, sagte 

die Beschuldigte: "Sie sprach nicht so sehr darüber, dass sie Geld brauche. Dass 

es ihr eher etwas bedeute aus diesem Umfeld wegzukommen und an einen ande-

ren Ort zu kommen. Als sie ankam, hatte sie Geld" (Urk. 3/1, F/A 47).  

2.4.5.3 Aus den Aussagen der Privatklägerin ergibt sich, dass die Beschuldigten 

im Vorfeld ihres Arbeitsantritts nicht gewusst hatten, dass die Privatklägerin ar-

beitslos war, zumal sie nirgends ausführt, dass dieser Umstand thematisiert wor-

den wäre (vgl. Urk. 98 S. 58). Ebenso behielt die Privatklägerin ihren Sohn und 

die Sorge um ihn für sich, weil sie dieses Thema als Privatsache erachtete. Das 

Motiv der Erlangung von finanziellen Mitteln, um das Sorgerecht anzugehen, 

konnte den Beschuldigten damit ebenfalls nicht bekannt sein, ebenso wenig er-

- 30 - 

stellt sind die Augenprobleme und der Firmenverschuldung ihres Ex-Partners, wie 

die Vorinstanz zu Recht schloss (Urk. 98 S. 58 ff.). 

 

2.5.1 Lohn und Reisekosten 

2.5.1.1 Bezüglich Lohn für die Arbeit bei den Beschuldigten sagte die Privatkläge-

rin, die Beschuldigte habe ihr zuerst CHF 500.– pro Monat versprochen und dann 

plötzlich gesagt, sie erhalte nur CHF 400.– pro Monat (Urk. 5/1, F/A 101; Urk. 5/3, 

F/A 125) beziehungsweise CHF 350.– (Urk. 5/6, F/A 107 ff.). Den auf CHF 350.– 

gesenkten Lohn hätten die Beschuldigten dann aus Mitleid wieder auf CHF 400.– 

erhöht. Der Lohn des dritten Monats sei als Strafe nicht gezahlt worden (Urk. 5/9, 

F/A 25 ff.). Sie habe, obwohl sie in AG._____ CHF 800.– im Monat verdient habe, 

einem Lohn von CHF 500.– zugestimmt, da sie Geld gebraucht habe (Urk. 5/10, 

F/A 11): "Ich hatte absolut kein anderes Ziel, als in einer kurzen Zeit etwas Geld 

zu verdienen, um diese Probleme zu lösen." 

2.5.1.2 Wie oben dargetan, lief die Beschuldigte hinsichtlich des Vorwurfs der 

illegalen Beschäftigung von Haushaltshilfen einen Zickzackkurs. Auch zu anderen 

Themen fehlte der rote Faden. Die Staatsanwaltschaft sprach denn auch zu 

Recht davon, dass die Mitbeschuldigte einen wahrhaftigen Aussageslalom gefah-

ren sei (Urk. 71 S. 6). So machte die Beschuldigte auch in Bezug auf Lohnzah-

lungen mehrere sich widersprechende und ausweichende Aussagen. Anfangs 

sagte sie, dass die Privatklägerin kein Geld oder Lohn bekommen habe. Später 

gestand sie eine Bezahlung ein, hütete sich jedoch davor, von Lohn zu sprechen. 

Zunächst will sie der Privatklägerin CHF 500.– als Geschenk angeboten haben, 

allerdings wenn die Privatklägerin gehe, aber nicht als Lohn (Urk. 3/1, F/A 77 ff.). 

In der gleichen Einvernahme sagte sie auf Vorhalt der Behauptung der Privatklä-

gerin, dass ein Lohn von CHF 500.– pro Monat plus Kost/Logis und die Reisekos-

ten für die Hinreise vereinbart worden sei: "Ich erinnere mich und ich weiss nicht 

auf welche Art. Ich weiss nicht, wie wir zu dieser Absprache kamen. Ich kann 

mich nur erinnern, dass sie mich fragte, ob sie auf meine Hilfe zählen kann. Ich 

fragte sie, welche Hilfe sie meine. Sie fragte mich, ob ich ihr Geld leihen könne. 

- 31 - 

Ich erinnere mich, dass es um einen Betrag von CHF 450.– ging. Weil sie sagte, 

sie müsse jemandem in der Heimat etwas zurückzahlen, sei es für eine Schuld 

oder für eine Wohnung. Sie schuldete auf jeden Fall jemandem etwas. Und ich 

sagte ihr sinngemäss, ja für diese drei Monate oder so könne sie das haben. Aber 

es ging nicht um eine Zahlung. Ich hätte ihr das einfach freiwillig gegeben" 

(a.a.O., F/A 109). Und auf Nachfrage, ob eine Vereinbarung über CHF 500.– nun 

stimme, erklärte die Beschuldigte wiederum: "Ich kann mich jetzt vage erinnern, 

dass ich ihr CHF 500.– als Geschenk angeboten hatte, wenn sie geht, aber nicht 

als Lohn." (a.a.O., F/A 110). Die CHF 500.– hätte sie ihr am Schluss für alle drei 

Monate gegeben (a.a.O., F/ 111). Nachdem die Mitbeschuldigte in der vierten 

Einvernahme angekündigt hatte, ein Geständnis abzulegen (Urk. 3/4, F/A 4: "Ich 

möchte zugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich habe ein paar Frauen 

bei mir gehabt, ich weiss aber nicht mehr wieviel, die bei mir gearbeitet haben. Ich 

habe auch Besuch gehabt. Das gebe ich zu"), sagte die Beschuldigte aus, sie 

wisse auch nicht mehr, ob ein Lohn vereinbart worden sei. Die Privatklägerin ha-

be sie gefragt, wie das gehandhabt werde, und sie habe ihr gesagt, dass 

CHF 400.– oder CHF 500.– üblich seien. Sie habe ja auch bei ihnen geschlafen 

und gegessen. Daran, dass man CHF 500.– plus Kost und Logis sowie den Er-

satz der Hinreisekosten vereinbart habe, erinnere sie sich nicht mehr genau, aber 

wenn die Privatklägerin das so gesagt habe, werde diese sich besser daran erin-

nern. Beim ersten Aufenthalt sei man der Privatklägerin etwas schuldig geblieben, 

wie ihr Mann – der Mitbeschuldigte – ihr gesagt habe. Beim zweiten Aufenthalt 

habe ihr die Privatklägerin von sich aus gesagt, dass ihr der Lohn bezahlt werden 

soll, wenn sie wieder zurückreise, "… jedoch kam es wie es kam und sie ist auf-

gebrochen, ohne Lohn zu erhalten." Auf jeden Fall schulde man den Lohn für drei 

Monate des zweiten Aufenthalts (Urk. 3/4, F/A 13 ff.). Von ihrem "Geständnis" 

nahm die Mitbeschuldigte in der Einvernahme vom 31. Mai 2017 wieder Abstand, 

indem sie zu Protokoll gab, die Frauen seien grundsätzlich zu Besuch gewesen 

und hätten dabei etwas gemacht, aber nicht im Sinne davon, dass man zum Ar-

beiten komme und einen Lohn dafür erhalte. Und weiter: "Es ist etwas anderes, 

wenn mir bei Tätigkeiten geholfen wird und ich dann entscheide, der Person einen 

'Ehrenstutz' [Anm. der Dolmetscherin im Protokoll: Im Sinne einer Anerkennung] 

- 32 - 

zu geben." (Urk. 3/5, F/A 8.). Im Zusammenhang mit einer anderen Frau 

("D._____") sprach die Mitbeschuldigte von einem "Obulus", wenn sie ihr zur 

Hand gehen könne, aber nicht als Lohn gedacht mit der Pflicht zu arbeiten 

(Urk. 3/5, F/A 13 f.).  

2.5.1.3 Die Aussagen der Privatklägerin zum Lohnversprechen sind im Kern kon-

stant und glaubhaft, auch wenn sie mit Bezug auf den offenen Saldo mehrmals 

nachrechnen musste (vgl. hierzu auch Urk. 98 S. 40). Immerhin wurden sie im 

Sinne von fehlender Erinnerung von der Beschuldigten auch nicht ganz bestritten, 

so auch in Bezug auf die Reisekosten, bevor sie von ihr durch widersprüchliche 

und ausweichende Erklärungen wieder in Frage gestellt wurden. Vor diesem 

Hintergrund ist aufgrund der viel überzeugenderen Aussagen der Privatklägerin 

ebenso davon auszugehen, dass der versprochene Lohn willkürlich gekürzt wurde 

im Fall von angeblicher Schlechtleistung (Urk. 5/8, F/A 8). Von Kürzungen nach 

Gutdünken zeugen im Übrigen auch die Ausschnitte aus den Telefonkontrollen 

mit Gesprächen zwischen der Mitbeschuldigten und dem Beschuldigten, welche 

die Vorinstanz exemplarisch mit Bezug auf andere Frauen dargestellt hat (Urk. 98 

S 52):  

- A-2, 15. Dezember 2016, 15.49 Uhr, Anhänge von Urk. 4/4 und Urk. 4/8: Die 
Beschuldigten sprechen über das Kindermädchen C._____, und darüber, 
dass man ihr nur die Hälfte vom Lohn gebe (CHF 300.–);  

- A-2, 21. Februar 2017, 18.35 Uhr, Anhang zu Urk. 4/8: Sie (D._____) werde 
CHF 300.– bekommen und nicht mehr; auch das sei noch viel; wenn sie 
nicht von U._____ vermittelt worden wäre, hätte sie ihr nichts gegeben, da 
sie eine Strassengöre sei. 

2.5.1.4 Unbestritten ist, dass die Privatklägerin ihren Lohn beim ersten Einsatz 

erst am Schluss und nur zum Teil erhielt. Nach Darstellung der Beschuldigten sei 

dies auf Wunsch der Privatklägerin so gehandhabt worden, "[…] sie hat mich ex-

plizit gebeten, ihr ihren Verdienst erst auszuhändigen, wenn sie sich auf die Rück-

reise begebe und nicht vorher, damit sie es nicht verbrauche" (Urk. 3/5, F/A 83). 

Angesichts der widersprüchlichen Aussagen der Beschuldigten zum Thema Lohn 

kann auch darauf nicht abgestellt werden, zumal auch bei anderen Haushaltshil-

fen sich willkürliche Kürzungen ergaben. Unbestritten ist, dass der Lohn des zwei-

ten Einsatzes geschuldet und noch zu bezahlen ist.  

- 33 - 

2.6 Darlehen der Privatklägerin an die Beschuldigten  

Dass die Privatklägerin mit Geld in die Schweiz eingereist ist, ist unbestritten 

(Urk. 3/1, F/A 47). Dabei habe es sich um Ersparnisse beziehungsweise das ver-

bleibende Einkommen aus ihrem früheren Einsatz in AG._____ gehandelt. Die 

Privatklägerin bezifferte den Betrag auf CHF 700.– (Prot. I S. 38). Dass die Privat-

klägerin der Mitbeschuldigten später ein Darlehen gewährte, wird seitens der Be-

schuldigten anerkannt (Urk. 78). Während die Privatklägerin ausführte, die Mit-

beschuldigte sei auf sie zugekommen und habe sie um ein Darlehen gebeten 

(Prot. I S. 38), sagte die Beschuldigte, die Privatklägerin habe sich anerboten, ihr 

Geld auszuleihen, als sie irgendwohin habe gehen wollen und ihr Mann – der 

Mitbeschuldigte – gesagt habe, er habe nicht genug Geld bei sich (Urk. 3/1, F/A 

S. 6). Zum Grund für das zweite Darlehen sagte die Privatklägerin: "Ich bin mit 

CHF 500.– in die Schweiz eingereist, welche ich der Familie B._____I._____ 

gleich ausleihen musste, so dass mir kein Geld übrig blieb. Sie benötigten das 

Geld für einen Grosseinkauf in Deutschland und Frau B._____I._____ für den 

Besuch in einem Nagelstudio" (Urk. 5/3, F/A 128). Fakt und anerkannt von den 

Beschuldigten ist jedoch, dass bis zur definitiven Abreise der Privatklägerin nicht 

die ganze Rückzahlung erfolgte (in  der Einvernahme vom 28. August 2017 

sprach die Privatklägerin ihrerseits von  ausstehenden CHF 300.–; Urk. 5/8, 

F/A 22 f.). Die Beschuldigte hatte in der Hafteinvernahme anerkannt, von der 

Privatklägerin beim ersten Mal EUR 400.– (Urk. 3/2, F/A 54) und beim zweiten 

Mal CHF 500.– entgegengenommen zu haben (Urk. 3/2, F/A 80).  

2.7 Arbeitsort 

2.7.1 Die Privatklägerin verrichtete ihre Arbeit in der Wohnung der Beschuldigten. 

Erstellt ist aufgrund der Aussagen der Beschuldigten und der Fotodokumentation, 

die anlässlich des Polizeieinsatzes vom 19. Juli 2016 angefertigt wurde (Urk. 1/7), 

dass die Beschuldigte und der Mitbeschuldigte im relevanten Zeitraum mit ih-

ren drei Kindern (AI._____, geb. tt.mm.2005; AJ._____, geb. tt.mm.2007; 

AK._____, geb. tt.mm.2010), in einer 3.5-Zimmerwohnung von rund 90 qm Fläche 

im 6. Stock eines Wohnhauses in J._____ lebten. Die Wohnung verfügte über ei-

ne Waschmaschine und einen Geschirrspüler (Urk. 3/1, F/A 60) und war eingeteilt 

- 34 - 

in ein Wohnzimmer, ein Elternschafzimmer, ein Kinderzimmer, eine Küche, ein 

Bad, einen Balkon und einen kleinen Korridor, der mit dem Wohnzimmer verbun-

den war. Der Schlafplatz der Privatklägerin befand sich auf einer Matratze, ausge-

legt am Boden neben dem Kajütenbett der Kinder, welches nur zwei Matratzen für 

zwei Kinder bot (Urk. 3/7, Anhang S. 9). Die Privatklägerin musste die Matratze in 

diesem Zimmer, in dem auch die drei Kinder auf den zwei Betten schliefen, jeden 

Abend von Neuem platzieren. Aufgrund der Kinder- und Bettenzahl erscheint es 

glaubhaft, dass die Privatklägerin teilweise die Matratze mit dem jüngsten Sohn 

teilen musste.  

2.7.2 Die Beschuldigte sprach davon, dass die Privatklägerin gewählt habe, wo 

sie schlafe, manchmal im Wohnzimmer, manchmal im Zimmer mit den Kindern 

(Urk. 3/2, F/A 64). Die Privatklägerin habe auf diesem Hilfsbett und auf der Mat-

ratze geschlafen. Damit ist jedenfalls erstellt, dass die Privatklägerin über kein ei-

genes Schlafzimmer und keinen Rückzugsort verfügte. Unter diesen Umständen 

– wie die Beschuldigte – von einer "Wahl" der Privatklägerin zu sprechen, ist 

reichlich schönfärberisch.  

2.7.3 Das Gepäck der Privatklägerin, inklusive einer Tasche mit ihrem Pass, be-

fand sich im Schlafzimmer der Beschuldigten. Dort musste sie jeweils ihre Kleider 

aus dem Koffer holen. Sie hatte freien Zutritt zu diesem Zimmer (Prot. I S. 40). Ihr 

Pass und Portemonnaie befanden sich in einer Umhängetasche ebenfalls im El-

ternschlafzimmer. Auch dazu hatte sie immer Zugang (Prot. I S. 41).  

2.7.4 Die Privatklägerin hatte einen eigenen Wohnungsschlüssel (Urk. 5/3, 

F/A 102) und ging mit den Kindern auch regelmässig auf den Spielplatz (vgl. hier-

zu Urk. 5/3, F/A 78 zum typischen Tagesablauf: "Jeder Tag war gleich wie der 

andere. … Nach der Rückkehr aus der Schule [am Nachmittag] wartete ich mit 

den Kindern noch eine Stunde und dann führte ich sie alle zum Spielplatz. Am 

Spielplatz verbrachten wir zwei bis drei Stunden. Dann kamen wir nach Hause. In 

den meisten Fällen kochte B._____ das Nachtessen.").  

- 35 - 

2.8 Arbeitsmodalitäten 

2.8.1 Die Privatklägerin wohnte und arbeitete in der relevanten Zeit bei der Fami-

lie der Beschuldigten. Unbestritten ist, dass der Mitbeschuldigte damals als Kurier 

bei AL._____ arbeitete und die Beschuldigte, von Beruf …, Hausfrau war und kei-

ner Erwerbstätigkeit nachging, ausser dass sie vielleicht mal Werbeaufträge in 

Serbien hatte, wo sie für eine TV-Sendung eingeladen wurde (Urk. 3/2, F/A 56). 

Für Letztere erhielt sie kein Geld (Urk. 3/2, F/A 109).  

2.8.2 Die Arbeit schilderte die Privatklägerin zusammengefasst so, dass sie ent-

gegen den gemachten Versprechen ("Sie hat gesagt, dass es ihr am wichtigsten 

sei, dass sie eine zuverlässige Person für ihre Kinder habe, weil sie öfters mal 

verreise. Sie mache etwas mit Musik. Sie hat gesagt, dass es nicht wichtig sei, 

dass ich eine ausgezeichnete Köchin bin, sondern dass die Kinder einfach satt 

seien. Und das Haus müsse sauber sein. Ich solle mich mit den Kindern beschäf-

tigen, dass ich auch noch etwas lernen können und so", Urk. 5/1, F/A 23), den 

ganzen Tag mit der Betreuung der überaus aktiven Kinder und dem Haushalt be-

schäftigt gewesen sei. Sie habe die Wohnung putzen, die Kinder umsorgen und 

kochen müssen (Urk. 5/1, F/A 47), dies in gewissem Widerspruch zu ihrer Aussa-

ge, wonach meist die Beschuldigte das Nachtessen gekocht habe (Urk. 5/3, 

F/A 78). Die Privatklägerin schilderte über die zahlreichen Einvernahmen hinweg 

detailliert, welche Arbeiten sie im Haushalt mit den Kindern sowie darüber hinaus 

habe ausführen müssen, wozu neben in schikanierender Wiederholung von Putz-

arbeiten, wie beispielsweise dem Staubsaugen, mehrmals am Tag Wäsche wa-

schen, eben auch das Kochen des Mittagessens für die Kinder, das Einkaufen 

von Lebensmitteln, diverse Botengänge, so auch zur Tankstelle sowie das Bedie-

nen der Beschuldigten bis in die Abend- beziehungsweise teilweise Nachtstunden 

gehört habe (vgl. Urk. 5/3, F/A 78 ff., 98, 101; Urk. 5/4, F/A 58 f. und 73 ff.; 

Urk. 5/6, F/A 105 ff.; Prot. I S. 43 f.). Teilweise sei sie auch drei- bis viermal 

nachts aus dem Schlaf geholt worden, meistens von der Beschuldigten, vielleicht 

einmal vom Mitbeschuldigten (Urk. 5/3, F/A 84 f.).  

2.8.3 Die Beschuldigte liess sinngemäss einwenden, dass die vorgebrachte 

Arbeitslast gar nicht möglich gewesen sei (Urk. 78 S. 11). Dem kann so nicht 

- 36 - 

ganz gefolgt werden. Zum einen führte die Privatklägerin bereits in der ersten 

Einvernahme als Auskunftsperson aus, dass die Beschuldigte "absolut nichts" 

mache, sie schlafe bis 12 Uhr oder 13 Uhr, dann werde sie auch nicht müde und 

bleibe bis 03.00 Uhr oder 04.00 Uhr morgens wach. So habe sie ständig Kaffee 

oder Tee, oder was auch immer gewünscht, serviert und manchmal auch den Ge-

schirrspüler ausräumen müssen (Urk. 5/3, F/A 84 ff.). Zum anderen ist zu berück-

sichtigen, dass es sich um einen 6-Personen-Haushalt mit drei Erwachsenen und 

drei Kindern handelte, diese offenbar sehr lebhaft und schlecht erzogen waren, 

was die Betreuung mit den langen Arbeitsstunden und ohne Freitage als nach-

vollziehbar zeitfüllend und anstrengend erscheinen lässt. Hiervon zeugen auch 

Ausschnitte aus der Telefonkontrolle. In den nachfolgenden Telefongesprächen 

wird beispielsweise gerade der anstrengende Umfang mit den Kindern themati-

siert:  

 - A-2, 19. Februar 2017, 17.07 Uhr, Gespräch zwischen dem Mitbe-
schuldigten und AM._____, Anhänge zu Urk. 4/4, Urk. 4/8 und Urk. 3/6: 
I._____ erzählt, dass er auf diese "Kleine" gewartet habe, die gekom-
men sei, um seine Kinder zu hüten; heute weine sie den ganzen Tag; 
seine Kinder hätten sie fertig gemacht; sie sage, es sei das erste Mal, 
dass sie solche Kinder sehe. 

 - A-2, 5. Januar 2017, Gespräch zwischen den Beschuldigten, Anhänge 
zu Urk. 3/6:  
B._____:  (weint) Bitte? 
I._____:  (brüllt) Schatz! Spricht nicht mit ihnen! 
B._____:  Ich schwöre dir beim Kuran (weiter unverständlich) Ich bitte 

dich bei Gott, beim Allah, bringe ihn in ein Heim! Ich schwöre 
dir beim Kuran, bringe ihn in ein Heim! Kapierst du, dass das 
nicht mehr normal ist, beim Kuran! 

I._____:  Sprich mit keinem von ihnen! Also, sprich mit keinem! Du 
bist nicht 5 Jahre alt. Sprich mit niemandem und fertig. 

B._____:  .... 
I._____:  Also, kommuniziere mit keinem von ihnen. 
B._____:  Mich nervt mein Sohn, dieser ... 
I._____:  Ha? 
B._____:  Du musst dich nicht nerven. 
I._____:  Schatz, mich kann niemand von ihnen fertig machen, (we-

der) AI._____ (noch) AJ._____ (noch) AK._____. Konse-
quenzen ... Mach ihnen nichts zu essen, beachte sie nicht, 
und das war's. Und nicht wie du – Immer das Gegenteil! Du 
kaufst Geschenke ein, hier hast du 2.- Franken, hier hast du 
5.- Franken, hier hast du dieses und jenes – und sie werden 

- 37 - 

immer schlimmer und schlimmer. Nein! Sprich gar nichts mit 
ihnen. 

B._____:  So wird es auch sein, ich schwöre dir beim Kuran. Du wirst 
sehen. 

I._____:  Gar nichts! Sie sollten dich nicht fragen und gar nichts sa-
gen, nichts. 

B._____:  OK. Also dann ... (Kinderstreit im Hintergrund) 
I._____:  Nichts, Mensch (murmelt fromme Sprüche). Die Kinder ma-

chen dich fertig ... 
B._____:  (weint immer noch). Aber nein, das kann man nicht aushal-

ten, seit dem frühen Morgen, Ich schwöre dir beim Kuran, 
die Polizei kommt noch zu uns, die ganze Zeit nur Geschrei, 
das könnte ein Gestörter, ein Pferd nicht ertragen, hey!  

I._____:  Das könnte es, aber hast du eine Frau gefunden? 

Diese Ausschnitte zeigen vor allem eine Situation eines Kindermädchens und 

der Beschuldigten, welche mit der Erziehung der Kinder mit auffälligem Verhalten, 

v.a. eines Sohnes, überfordert sind. Darin findet auch die Behauptung der Privat-

klägerin, dass die Kinder bisweilen frech waren und deren Betreuung intensiv war 

und damit wohl auch Mehraufwand verursachte, Bestätigung. Offenbar war die 

Entwicklung des Jüngsten, der zwischenzeitlich ein Internat besucht, auch danach 

nicht problemlos (Prot. I S. 100 ff.).  

2.8.4 Zum anderen schilderte die Privatklägerin immer wieder von ihr erwartete 

Arbeiten, die ins Schikanöse gingen, z.B. das erneute Saugen, nachdem die Kin-

der sich mit Knabberzeug durch die Wohnung bewegt hätten, oder das Aufräu-

men des Kellers, der seit langer Zeit nicht mehr aufgeräumt worden war (Urk. 5/8, 

F/A 55), und nicht nur nötige Arbeiten betrafen. Anlässlich der Verhaftung der Be-

schuldigten am 16. Mai 2017 wurde eine kleine Menge Marihuana sichergestellt 

(Urk. 1/2) und anlässlich der Zollkontrolle in AN._____ im Sommer 2016 wurde 

die Beschuldigte wegen zwei Joints gebüsst (Urk. 20/1), was die entsprechenden 

Angaben der Privatklägerin – neben den einschlägigen Stellen der Protokolle der 

Telefonkontrollen (vgl. nachfolgend) – plausibilisiert. Konstant sagte die Privat-

klägerin sodann aus, dass sie in der zweiten Phase die gleichen Aufgaben habe 

verrichten müssen, diese aber extremer gewesen seien und sie sei viel mehr 

schikaniert worden als in der ersten Phase. In der zweiten Phase habe sie auch 

kein Geld erhalten (Prot. I S. 51 ff.). 

- 38 - 

Eine Relativierung der Arbeitsbelastung der Privatklägerin ergibt sich durch ihre 

Aussage, dass in den meisten Fällen die Beschuldigte das Nachtessen gekocht 

habe (Urk. 5/3, F/A 78). Erst vor Vorinstanz behauptete die Privatklägerin dann, 

dass die Beschuldigte nur ab und zu gekocht habe (Prot. I S. 43).  

2.9 Beleidigungen, Beschimpfungen, Schläge und Drohungen 

2.9.1 Die Privatklägerin berichtete ab ihrer ersten Einvernahme von Beschimp-

fungen und Aggressionen seitens der Beschuldigten und deren Kinder. Zur Frage 

nach dem Verhältnis zwischen ihr und der Familie B._____I._____, den Beschul-

digten, sagte sie (Urk. 5/1, F/A 50): "Die ersten zwei Tage ok. Ab dem vierten Tag 

bei denen wollte ich nach Hause gehen. Ich habe gesagt, dass ich mich nicht in 

diese Familie einleben kann. Weil das ist eine Familie, die dauernd schimpfen. 

Die Kinder schimpfen auch. Die Kinder sind sehr aggressiv, spucken, schlagen. 

Vor allem der Jüngere, der jetzt sechs Jahre alt ist, er heisst AK._____, war allen 

gegenüber aggressiv, spuckte und schlug". Auf die Nachfrage, ob diese Familie 

sie auch beschimpft, geschlagen oder bespuckt habe, gab die Privatklägerin zu 

Protokoll: "Ja, die haben mich auch beschimpft, geschlagen und bespuckt. Also 

mich geohrfeigt, meine Familie beschimpft" (Urk. 5/1, F/A 51). Sie sei von der Be-

schuldigten beschimpft worden, weil sie nach Hause habe gehen wollen und nicht 

zufrieden mit der Hausarbeit gewesen sei. Auf die Frage, wie oft dies passiert sei, 

sagte die Privatklägerin: "Also beschimpft hat sie mich sehr oft. Also in den ersten 

drei Monaten hat sie mich zwei- bis dreimal geschlagen. Und oft hat sie mir ge-

droht in der Art, dass sie mit mir den Boden wischt, etc." (Urk. 5/1, F/A 57 ff.). Sie 

sei als dumm, schwerhörig, als Hure und Nichtsnutz beschimpft worden (Urk. 5/9, 

F/A 33).  

2.9.2 Die aus den Aussagen der Privatklägerin vorgehaltenen Drohungen des 

Mitbeschuldigten gegenüber der Privatklägerin (Todesdrohung, Kehle aufschnei-

den, Beine brechen, mit dem Kombi überfahren) stufte die Beschuldigte als mög-

lich ein, wenn auch nur "in seiner Erregung": "Ich weiss wirklich nichts davon, ich 

glaube, das war einfach nur seine Erregung. Er war aufgebracht, nehme ich an. 

Möglich, dass er im Eifer alles Mögliche an Worten an den Kopf werfen wollte. Ich 

war nicht dabei als so etwas geschehen sein soll. Aber ich kann es mir nur so 

- 39 - 

vorstellen. In all den Ehejahren habe ich nie mitbekommen oder erlebt, dass er je 

mit einem anderen Mann eine Schlägerei gehabt hätte, geschweige denn mit ei-

ner Frau irgendwelche physischen Auseinandersetzungen. Ich glaube das war 

nur aufbrausendes Geschwätz" (Urk. 3/3, F/A /3). Die Beschuldigte konzedierte, 

sie habe die Privatklägerin im schlimmsten Fall einmal in die Haare gefasst und 

sie gerüttelt: "Sie hat mittellanges Haar, es kann sein, dass ich sie an den Spitzen 

der Haare gefasst habe oder am Oberarm und im Affekt gerüttelt habe. Bestimmt 

habe ich nicht an den Haaren gerissen oder mit der Hand ausholend sie geschla-

gen. Bestimmt nicht" (Urk. 3/5, F/A 50). Die Privatklägerin habe sich bei den Be-

schuldigten zu Hause benehmen dürfen wie eine Tochter. Es seien gegenseitig 

schon Beleidigungen und Beschimpfungen vorgekommen. Es gebe so Leute, die 

es geniessen würden, wenn sie geplagt würden (Urk. 3/5, F/A 46 ff.). Bedroht ha-

be sie die Privatklägerin nicht. Der Satz mit dem Bodenwischen könnte gefallen 

sein (Urk. 3/5, F/A 54 ff.). Die Beschuldigte erklärte in der Einvernahme vom 

19. Mai 2017 auf Vorhalt eines Gesprächs aus der Telefonkontrolle zwischen den 

Beschuldigten, in der nicht nur Allah und der Koran (Kuran) bemüht und fromme 

Sprüche gemurmelt werden, sondern sehr viele Kraftausdrücke und abschätzige 

Worte über Frauen ("Huren" etc.) fallen, dass der Beginn, der Wortschatz, da 

"nicht gerade angemessen" sei, was sie wie folgt erklärte: "Ich wiederhole, dass 

der grösste Teil dieses Gesprächs 'in einer Balkansprache', daher sehr 

umgangssprachlich, gefasst ist. Es gab da auch sicher die eine oder andere 

verbale Beleidigung. Das ist vor allem darauf zurück zu führen, dass es mir an 

diesem Tag sehr schlecht ging. Ich habe geweint und fühlte mich sehr verletzt." 

(Urk. 3/3, F/A 5). Sie erklärte später noch zum Ausdruck "Hure" oder "Nutte", wie 

er hier falle, nicht so wörtlich genommen werden sollte, nämlich: "Ich möchte 

wirklich verdeutlichen: Wenn man in der Umgangssprache von einer Hure oder 

einer Tusse spricht, heisst das nicht, dass man glaubt, dass sie als Hure oder als 

Prostituierte tatsächlich arbeiten würde, sondern es ist ein Wort wie Tusse oder 

Zicke oder 'Zwetschge'" (Urk. 3/3, F/A 42).  

2.9.3 Auch Gesprächsaufzeichnungen über körperliche Übergriffe wurden von der 

Beschuldigten erklärt. So sagte sie auf Vorhalt eines Zitats des Mitbeschuldigten 

eines überwachten Gesprächs ("Wenn die meine Frau wäre, ich schwöre dir beim 

- 40 - 

Allah, ich würde sie jeden Tag [unverständlich], also ich würde sie am Ende um-

bringen. Ich sage dir das nur, damit du weisst, was sie für eine Person ist. Also 

ich würde sie jeden Tag schlagen. Gut, dass AO._____ sie gleich, Kumpel ... "): 

"Dazu kann ich lediglich sagen, dass mein Mann ist ein Mann. Sie ist eine Frau, 

die sich als Lügnerin gezeigt hat. Sie ist verdorben. Sie ist intrigant und versucht, 

jeden Tag Streit zu säen und darum sieht er das so aus seinen Augen. Das ist 

seine Ansicht als Mann" (Urk. 3/3, F/A 59). Und auf Nachfrage, wieso er sie um-

bringen würde: "Ich muss da schmunzeln, es tut mir wirklich leid. Die Wortwahl 

und die Bildsprache ist sehr intensiv. Aber ehrlich gesagt weder mein Mann noch 

ich oder sonst jemand, den ich kenne, würde das ernst meinen und tun. Das kann 

ich unterschreiben, dass niemand das tun würde. Das ist in Aufregung, im Aufge-

brachtsein eine Sprache, die sehr bildhaft und dramatisch ist" (a.a.O., F/A 60). 

Dies seien nicht Worte mit einer realen Tragweite, und weiter: "Es ist nichts wirkli-

ches, das sind nur Worte. Ich bringe ein Beispiel. In Bosnien, wenn ein Kind et-

was falsch gemacht hat, ist eine erste Reaktion von Erwachsenen, dass sie sa-

gen: 'Ich töte dich jetzt, weil du das gemacht hast!' Aber das ist nur ein Ausruf." 

(a.a.O., F/A 61).  

2.9.4 Betreffend Drohungen des Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Vor-

fall beim Fenster, als das kleinste Kind "sehr, sehr aggressiv" gewesen sei, hatte 

die Privatklägerin ausgeführt (Urk. 5/3, F/A 66): "Ich wollte das Kind weg vom 

Fenster haben, er hat dann um sich geschlagen, mich getreten. Die Eltern haben 

das Kind dann vom Fenster aus gesehen und dann sind sie wieder zurück in die 

Wohnung gekommen. Dann kam der Vater sofort zu mir in die Küche. Und dann 

ist er sofort zu mir. Er wollte gar nicht hören, was los ist. Dann hat er mir mit der 

Hand an den Kopf gestossen und gesagt, dass ich nicht ganz normal sei und 

nicht mit den Kindern umgehen könne. Dann hat er mich bedroht. Wenn etwas 

seinem Kind passiert wäre, hätte er mich auch aus dem Fenster rausgeschmis-

sen. Er hätte mich sofort getötet. Und wenn so etwas wieder vorkommen sollte, 

würde er mich umbringen." Die Mitbeschuldigte sagte, sie wisse nichts von dem 

Vorfall, und: "Es ist möglich, dass mein Mann aufgebracht ist, wenn er ein Kind 

am Fenster sieht im 6. Stock. Aber sie blieb ja da, sie wurde auch nicht aus dem 

Fenster geworfen und ich schwöre bei meinem Leben und beim Leben meiner 

- 41 - 

Kinder, soweit mir bekannt ist, niemand wurde unter Zwang bei uns gehalten. 

Niemandem wurde gedroht. Das können auch Bekannte bezeugen. Meine Toch-

ter hat mir erzählt, dass sie, Frau A._____, gesessen habe und offenbar mit 

P._____ Nachrichten getauscht hat und nicht auf den Kleinen geachtet hat, der 

hinter ihr auf das Fenster gestiegen sei im 6. Stock. Sie hat dem Kind nicht Acht 

gegeben. Aber auch bei dieser Sache hat ihr niemand etwas angetan, obwohl ih-

rer Unachtsamkeit meinem Kind etwas hätte zustossen können" (Urk. 3/3, F/A 

77).  

2.9.5 Die Behauptung der Privatklägerin, wonach ihr der Mitbeschuldigte mit dem 

Tod gedroht habe, und dass er ihr mit einem Messer die Kehle aufschneiden wer-

de, er ihr die Beine brechen und sie mit dem Kombi überfahren werde (Urk. 5/1, 

F/A 60), wird durch die Ergebnisse der geheimen Überwachung plausibilisiert. Es 

erscheint daher sehr glaubhaft, dass solche verbalen, gewaltbezogenen Ent-

gleisungen des Mitbeschuldigten vorkamen. Dass die Gespräche im Haushalt der 

Beschuldigten eine deutliche, bildhafte Bezugnahme zu Gewalt hatten und 

Gewaltandrohungen enthielten, ergibt sich nämlich auch mit Bezug auf andere 

Frauen, die dort tätig waren. Dies erkannte die Vorinstanz richtigerweise in den 

nachfolgenden Gesprächsausschnitten, die hier aufgrund der expliziten und 

eindrücklichen Sprache nochmals anzuführen sind (Urk. 98 S. 53):  

 - A-2, 30. November 2016, 00.21 Uhr, Gespräch zwischen den Beschul-
digten, Anhänge zu Urk. 4/3 und Urk. 4/7: I._____ schlägt B._____ 
mehrmals vor, die Privatklägerin zu packen und ihr alle Knochen zu 
brechen, dass sie zu einer Behinderten werde; 

 - A-2, 15. Dezember 2016, 15.49 Uhr, Gespräch zwischen den Beschul-
digten, Anhänge zu Urk. 4/4 und Urk. 4/8: Die Beschuldigten sprechen 
über das Kindermädchen C._____, der man nur die Hälfte vom Lohn 
gebe (CHF 300.–); eine Geschichte über ein Kabel, wobei B._____ 
zugibt, dass sie ihr gegenüber damit gedroht hat, sie von der Terrasse 
zu schmeissen; sie deutet an, ihr gegenüber gesagt zu haben, sie hätte 
ihr einen Schlag versetzen sollen, damit sie in Ohnmacht falle, denn sie 
sei einfach eine dumme Bosnierin;  

 - A-2, 13. Februar 2017, 21.58 Uhr, Gespräch zwischen dem Beschul-
digten und U._____, Anhang zu Urk. 4/8: E._____ sei weggelaufen; sie 
habe die Beschuldigten bei einer Frau schlecht gemacht; ihr müsse 
man doch alle Knochen im Leibe brechen, nichts anderes; 

- 42 - 

 - A-2, 7. April 2017, 12.59 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhänge zu Urk. 4/3 und Urk. 4/8: E._____ ist offenbar nach Bosnien 
verschwunden; I._____ sagt, er würde E._____ so gerne zusammen-
schlagen; E._____ soll angelockt werden, ohne zu drohen, ganz nett. 
Und dann, wenn sie ankomme, dann könne B._____ es aussprechen: 
"Jetzt wirst Du … die Hölle erleben!", was dann auch so kommen wür-
de;  

 - A-2, 7. April 2017, 17.52 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhänge zu Urk. 4/3 und Urk. 3/3: I._____ sagt, wenn das [E._____] 
seine Frau wäre, dann würde er diese Schlampe jeden Tag schlagen 
und sie am Ende umbringen (bereits oben unter E. III.D.2.9.3. er-
wähnt); 

 - A-2, 7. April 2017, 18.43 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhänge zu Urk. 4/3 und Urk. 3/3: Ein Mädchen, das blöd sei, könne 
man schön anlocken (gemeint wahrscheinlich E._____); B._____ sagt, 
dass sie mit ihr (wohl Kindermädchen) "den Boden putzen werde" (vgl. 
ferner auch Urk. 3/5 Frage 5); ferner hasse der Beschuldigte alle (Mäd-
chen), die hier gewesen wären. 

2.9.6.1 Bei den Schilderungen der Privatklägerin betreffend den letzten Streit fällt 

zunächst auf, dass sie bei der ersten Einvernahme sagte, der Mitbeschuldigte ha-

be ihr "gestern Abend" massiv gedroht. Er habe sie geschlagen. Und dann habe 

er sie  mit den Füssen getreten und aus der Wohnung rausgeschmissen (Urk. 5/1, 

F/A 62). Sie relativierte diese Aussage im weiteren Verlauf aber dahingehend, 

dass der Mitbeschuldigte sie habe schlagen wollen, "[…] ich konnte da jedoch 

ausweichen. Er schlug dann aber seine Frau. Mich riss er einfach an den Haaren" 

(Urk. 5/1, F/A 75).  

2.9.6.2 Die Beschuldigte bestätigte die Darstellung der Privatklägerin insofern, als 

der Mitbeschuldigte auf die Privatklägerin zugegangen sei. Sie sei erschrocken ab 

seiner Reaktion und sei dazwischen getreten. Sie habe dann einen Schlag be-

kommen, es sei so ein Hin und Her und reiner Zufall gewesen. Sie sei dann um-

gefallen. Der Schlag sei von ihrem Mann gewesen, aber es sei in einer Bewegung 

gewesen, es sei nicht so, dass er sie geschlagen habe (Urk. 3/1, F/A 77).  

2.9.6.3 Im Rahmen des danach, d.h. am 19. Juli 2016, erfolgten Polizeieinsatzes 

wurde eine Fotodokumentation erstellt. Diese belegen deutliche Verletzungen der 

linken Gesichtshälfte der Beschuldigten (Urk. 1/7), womit die Darstellung der 

Privatklägerin hierzu Bestätigung findet.  

- 43 - 

2.9.6.4 Die Beschuldigte hatte behauptet, sie lebe seit bald 14 Jahren mit ihrem 

Mann (jeweils der Mitbeschuldigte gemeint) zusammen. In dieser Zeit sei es nie 

vorgekommen, dass die Polizei zu ihnen gekommen sei, dass die Nachbarn et-

was bemerkt hätten, dass Probleme da wären zwischen ihr und ihrem Mann. Es 

stimme, dass ihr Mann beim Reden impulsiv und aufbrausend werde, aber er be-

ruhige sich auch wieder schnell (Urk. 3/3, F/A 74). Es ist indessen aktenkundig, 

dass die Polizei bereits im Jahre 2009 (vgl. Ordner 5, Beizugsakten KESB, Poli-

zeirapport Stadtpolizei Winterthur vom 11. Mai 2009) und im März 2015 wegen 

häuslicher Gewalt an den Wohnort der Beschuldigten ausrücken musste (Urk. 1/1 

S. 3 und Ordner 5, Beizugsakten Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland). Dies 

zeigt auch, dass Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung im Haushalt der Beschuldig-

ten nicht unbekannt ist und die Beschuldigten nicht erst mit diesem Verfahren 

Kontakt mit der Polizei hatten. 

2.10 Sexualisierte Sprache und Zuhalten von Personen mit sexuellem Motiv 

2.10.1 Die Privatklägerin thematisierte in ihrer ersten Einvernahme bei der Polizei 

ihre erste Begegnung mit dem Mitbeschuldigten. So sei sie am 

24. November 2015 mit dem Bus eingereist. Der Mitbeschuldigte habe sie an der 

Raststätte AP._____ abgeholt. Er sei nicht nett gewesen und habe gesagt, dass 

alle Frauen, die in die Schweiz kämen, so Huren seien, die fürs Geld "ficken" 

würden, dass sie nicht Kinder hüten, sondern das Geld mit der Prostitution ver-

dienen wollten; solche wolle er nicht in seiner Wohnung. Das sei ihr natürlich nicht 

gleich gewesen, er habe sie ja zum ersten Mal gesehen, "[…] und dann hatte ich 

mich gefragt, mein Gott, wo bin ich da gelandet. Ich überlegte mir dann sogleich, 

ob ich zurückgehen soll" (Urk. 5/1, F/A 41 ff.). Die beschriebene, emotionale Re-

aktion auf die unerwartete Unterstellung wirkt erlebt.  

2.10.2 Die behauptete sexualisierte und rüde Sprache der Beschuldigten ergibt 

sich nicht nur aus den Telefonkontrollen, sie wird seitens der Beschuldigten selber 

anerkannt. Selbstredend wird das Ganze – als quasi "üblich" und nicht nur im 

Umgang mit der Privatklägerin angewendet – relativiert (Urk. 77 S. 44; Urk. 78 

S. 19). Auch der amtliche Verteidiger der Beschuldigten betonte, diese rede nicht 

- 44 - 

nur mit ihrem Ehemann so, sondern auch mit Freunden. Dies gehe auch aus den 

TK-Protokollen hervor (Urk. 78 S. 19).  

Die Verteidigung des Mitbeschuldigten führte hierzu vor Vorinstanz aus, es lasse 

sich nicht in Abrede stellen, dass die Wortwahl und die Sprache seines Klienten, 

insbesondere in Gesprächen mit seiner Frau, oftmals von sexuellen Anspielungen 

geprägt sei und als derb bezeichnet werden müsse. Aus dem Gesamtzusammen-

hang werde jedoch sofort ersichtlich, dass es sich dabei vielmehr um internes 

Flachsen, als um ernstgemeinte Gespräche handle. Dazu verwies er gleich selber 

exemplarisch auf die Konversation vom 17. Februar 2017 zwischen den Beschul-

digten, welche im Beisein einer Kinder- und Haushaltshilfe stattgefunden haben 

soll (Urk. 75, Rz. 163, mit Verweis auf TK Nr. ZHK00417 /5259; nachfolgend je-

weils: …=B._____=Mitbeschuldigte; …=I._____=Beschuldigter): 

 B._____:  (lacht, dann zur Kindehüte-Frau) «Mein Mann sagt, da wir gerne 
furchtbar reden, und uns gegenseitig auf den Arm nehmen, er 
sagt, man muss dir einen guten ... finden, hahahahah! Sie sagt, 
sie kann einen guten brauchen. Hahahah! Du wirst dich daran 
gewöhnen, an diesen Dummkopf wirst du dich am einfachsten 
gewöhnen.» 

 I._____: «Das ist zu 100% sicher. Ha?» 
 B._____:  «Ich sagte, ich entschuldige diesen „Dummkopf".» 
 I._____:  «Wer ist ein Dummkopf, ich ficke dich ... » 
 B._____:  «Ich ficke dich auch.» (lacht) 

Als anschaulich bezeichnet die amtliche Verteidigung des Mitbeschuldigten so-

dann die Konversation zwischen den Beschuldigten vom 7. April 2017 (Urk. 75, 

Rz. 164): 

 I._____:  «Jetzt siehst du mal, was Hölle ist, ich ficke dir deine Mutter in 
den Mund, deinen Vater und deine Mutter auch! Ich ficke dir al-
les.» 

 B._____:  «Aber schau mal, ich ficke ihr alles. Die Mutter, den Vater, die 
Schwester und diese Kinder, denn sieht es so aus, dass ihr Sa-
men so ist.» 

Kurzum: Die verwendete Sprache habe nichts Ernsthaftes an sich, und - wichtig -: 

In der Muttersprache des Ehepaars B._____I._____ (der Beschuldigten) werde 

der Begriff "ficken" anders verwendet als im Deutsch. Der Begriff habe dort nicht 

dieselbe für unsere Ohren klar vulgäre Bedeutung (Urk. 75, RZ 165).  

- 45 - 

2.10.3 Das von der Privatklägerin erwähnte Thema, die Beschuldigte habe ihr 

schmackhaft gemacht, mit Männern aus Geldgründen Sex zu haben (Urk. 5/3, 

F/A 105 ff.), wird gerade durch die erwähnte Passage des amtlichen Verteidigers 

des Mitbeschuldigten plausibilisiert. Weitere Stellen aus der geheimen Über-

wachung zum Thema Zuhalten von Frauen oder Vermitteln von Männern hat die 

Vorinstanz im angefochtenen Urteil angeführt. Die obszönen und kruden Konser-

vationen haben keinen Interpretationsbedarf (vgl. hierzu Urk. 98 S. 54 f.).  

2.10.4 Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung der Beschul-

digten aus, dass eine derbe Sprache in diesem Kulturkreis nicht ungewöhnlich 

sei, insbesondere wenn es sich um private Gespräche handle. Die Beschuldigte 

habe eine sehr derbe Sprache, womit man sich aber nicht strafbar mache 

(Urk. 129 S. 22). Hierzu ist anzumerken, dass die Privatklägerin, welche aus dem 

gleichen Sprachraum wie die Beschuldigte und der Mitbeschuldigte stammt, ge-

mäss ihren nachvollziehbaren Aussagen diese Äusserungen nicht als harmlos 

wahrgenommen hat und dass sie sich daran gestört hat. Dass eine derbe Spra-

che in diesem Kulturkreis nicht ungewöhnlich sei, kann daher nicht angenommen 

werden. Insbesondere geht es auch nicht um den Gebrauch bloss einzelner Wör-

ter, sondern um die allgemeine Tonalität, die im Hause B._____I._____ herrschte. 

Unabhängig von den jeweiligen Empfindungen eines bestimmten Sprachraums ist 

vorliegend klarerweise davon auszugehen, dass eine derbe, sexualisierte Spra-

che den Alltag der Familie B._____I._____ prägte, welche zudem eine grob res-

pektlose und unanständige Haltung offenbarte, namentlich auch gegenüber Per-

sonen, die nicht zum Familienkreis der Beschuldigten gehörte. Dies hat auch die 

Staatsanwaltschaft überzeugend dargelegt (Prot. II S. 23 f.). 

2.10.5.1 Die Privatklägerin schilderte, dass die Beschuldigen sie in ihre eigenen 

sexuellen Aktivitäten hätten einbeziehen wollen. Sie erklärte dies auch mit Hin-

weis auf den Gras-Konsum der Beschuldigten (so u.a. in Urk. 5/4, F/A 9, "Da Frau 

B._____ jeden Tag oder sehr oft Gras rauchte, hat sie eines nachts wahrschein-

lich viel zu viel davon gehabt".). Der Mitbeschuldigte habe dazu geschwiegen. Die 

Beschuldigten hätten ihre Ablehnung akzeptiert (a.a.O, F/A 9). 

- 46 - 

2.10.5.2 Die Beschuldigte erachtete das behauptete Beiwohnen beim Sex als 

"kranke Aussage" (Urk. 3/2, F/A 82). Dass solche Äusserungen im sexualisierten 

Umfeld der Beschuldigten entgegen dieser Bestreitung sehr wohl vorkamen, 

ergibt sich aus den Ergebnissen der geheimen Überwachungsmassnahmen, wie 

nachfolgendes Gespräch zeigt:  

 - A-2, 8. März 2017, 41.02 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhang zu Urk. 4/8: Vielleicht höre man sie ab; ein AQ._____ wolle 
E._____ kennenlernen; diese habe nackte Bilder, sie solle ihm ihre 
Fotze schicken (was sie auch so zu E._____ sagt); I._____ sagt, 
B._____ solle, wenn es ihr langweilig sei und anstatt zu kiffen, mit 
E._____ einen Vibrator nehmen und sie sollen es krachen lassen. 

Dadurch wird aber genau die Aussage der Privatklägerin über die sexuellen 

Phantasien der Beschuldigten und das Kiffen der Mitbeschuldigten plausibilisiert.  

2.11 Kommunikation/Aussenkontakte 

2.11.1 Die Privatklägerin verfügte über ein eigenes Telefon und konnte über das 

WLAN-Netz der Beschuldigten gratis telefonieren (Urk. 5/4, F/A 36). Sie hatte 

gemäss eigenen Angaben regelmässigen telefonischen Kontakt mit ihrem Ex-

Freund [beziehungsweise dem damaligen Freund P._____] (Urk. 5/7, F/A 60) 

über What'sApp und Viber, wofür sie kein Geld benötigte. Sie hatte bloss dann 

keinen Zugriff auf ihr Mobiltelefon, wenn sie z.B. auf dem Spielplatz war und es zu 

Hause vergessen hatte (Urk. 5/7, F/A 103 ff.).  

2.11.2 Die Privatklägerin sagte bei der Polizei, sie sei nie alleine aus dem Haus 

gegangen, mit der Familie zwei-, drei Mal in den McDonalds (Urk. 5/3, F/A 97). 

Diese Aussage steht in teilweisem Widerspruch zu ihrer eigenen Schilderung, 

wonach sie für Kleinigkeiten