# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c470a071-7bee-58d5-9fd9-bd08fc8121b0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2021 D-4056/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4056-2020_2021-08-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4056/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Tschad,   

vertreten durch MLaw Nora Maria Riss, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 9. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

D-4056/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge am (…), reiste am 30. April 2017 illegal in die Schweiz ein und 

suchte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

B._______ um Asyl nach. Aufgrund von Zweifeln an der Altersangabe des 

Beschwerdeführers liess das SEM am 5. Mai 2017 eine Knochenaltersana-

lyse durchführen, welche ein Knochenalter von (…) Jahren ergab. Am 

11. Mai 2017 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Identität, zum Reise-

weg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur 

Person; BzP). Das SEM gewährte ihm überdies das rechtliche Gehör zu 

einer allfälligen Wegweisung im Rahmen des sogenannten Dublin-Verfah-

rens sowie zur durchgeführten Knochenaltersanalyse und teilte ihm mit, er 

werde für das weitere Verfahren als volljährig erachtet. Zudem wurde er 

nach allfälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gefragt.  

A.b Mit Eingabe an das SEM vom 12. April 2018 ersuchte der Beschwer-

deführer unter Vorlage einer Geburtsurkunde (in Kopie) um Berichtigung 

seiner Personendaten. Das SEM wies dieses Gesuch mit Verfügung vom 

15. Juni 2018 ab. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 19. Juli 2018 

(Poststempel) wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4202/2018 

vom 22. November 2018 ab. 

A.c Die ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 28. Januar 

und 9. Juni 2020 statt. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er stamme aus (…) und gehöre der ethnischen 

Gruppe der (…) an. Während seiner Schulzeit habe er immer wieder Prob-

leme mit Angehörigen der Ethnie der Zaghawa gehabt; diese hätten ihm 

Schreibzeug gestohlen und ihn im Jahr 2009 zweimal mit einem Messer 

bedroht. Aufgrund dieser Probleme habe er im Jahr 2010 die Schule abge-

brochen. Die Zaghawa seien in Tschad sehr einflussreich, zumal auch der 

Präsident dieser Ethnie angehöre. Zwischen Zaghawa und (…) komme es 

immer wieder zu Auseinandersetzungen. Im Jahr 2013 hätten Angehörige 

der Zaghawa versucht, seiner Familie ein Grundstück wegzunehmen. Es 

sei zu einem Streit gekommen, in dessen Folge auf beiden Seiten mehrere 

Personen ums Leben gekommen seien, darunter auch seine Mutter. Um 

der Blutrache zu entgehen, sei sein Vater daraufhin ausgereist; er halte 

sich zurzeit in Libyen bei den Revolutionären des Conseil de commande-

ment militaire pour le salut de la République (CCMSR) auf. Seine beiden 

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Seite 3 

jüngeren Brüder seien aus Sicherheitsgründen zu einem Onkel aufs Land 

gezogen, und er selber habe ebenfalls befürchten müssen, im Zusammen-

hang mit der Blutrache von den Zaghawas umgebracht zu werden. Der 

Beschwerdeführer machte ferner geltend, er sei einmal mit dem Motorrad 

eines Freunds unterwegs gewesen und dabei von der Polizei angehalten 

und einen Tag lang inhaftiert worden. Die Polizisten hätten ihn geschlagen 

und ihm all seine Sachen weggenommen. Zudem sei er einmal wegen ei-

nes Streits mit Zaghawa-Jugendlichen einige Stunden lang von der Polizei 

festgehalten worden. Sodann habe er am (…) an einer Kundgebung von 

jungen Leuten gegen die Missstände im Bildungswesen teilgenommen und 

sei dabei von der Polizei verhaftet worden. Während der Haft sei er ge-

schlagen und sexuell missbraucht worden. Nach ungefähr 5 bis 7 Tagen 

sei er aufgefordert worden, Polizeiautos zu waschen. Bei dieser Gelegen-

heit sei er geflüchtet. Da er befürchtet habe, von der Polizei gesucht zu 

werden, sei er daraufhin am (…) aus dem Heimatland ausgereist und nach 

Libyen gegangen. Dort habe er sich vorübergehend dem CCMSR ange-

schlossen und eine militärische Ausbildung absolviert, sei dann aber in 

Richtung Europa weitergereist, nachdem er inhaftiert und zum Arbeiten ge-

zwungen worden sei.  

A.d Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-

fahrens seine Geburtsurkunde in Kopie ein.  

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 9. Juli 2020 fest, der Beschwerdeführer 

erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie aus dem Schengenraum und ord-

nete den Vollzug an. 

Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer 

habe unglaubhafte Angaben zu seinem Alter gemacht. Es verwies dabei 

auf das Verfahren betreffend Datenänderung im ZEMIS (vgl. vorstehend 

Bst. A.b). Ferner seien auch die Vorbringen betreffend seinen Lebenslauf 

unglaubhaft, da der Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben zu sei-

nen Wohnorten gemacht habe und nicht in der Lage gewesen sei, den Na-

men seiner Tante, bei welcher er angeblich gewohnt habe, zu nennen oder 

konkrete Angaben zu seinen übrigen Verwandten zu machen. Im Weiteren 

habe der Beschwerdeführer nichts Konkretes zu den Umständen seiner 

angeblichen Inhaftierung und der Dauer des Aufenthalts an den beiden 

Haftorten im (…) sagen können. Er habe die Haftaufenthalte nicht konkret 

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Seite 4 

beschreiben können und lediglich von Misshandlungen berichtet. Die ge-

schilderte Flucht beim Autowaschen müsse als unrealistisch erachtet wer-

den. Die Verletzungsspuren am Körper des Beschwerdeführers könnten 

auch andere als die von ihm genannten Ursachen haben. Die genannten 

Vorbringen seien daher nicht glaubhaft. Im Weiteren sei festzustellen, dass 

Angehörige der Ethnie der (…) im Tschad keiner gezielten, staatlichen Ver-

folgung ausgesetzt seien. Zudem sei bei den vom Beschwerdeführer gel-

tend gemachten Streitigkeiten keine Situation entstanden, welcher er sich 

nur durch Flucht ins Ausland habe entziehen können. Die entsprechenden 

Vorbringen seien daher nicht asylrelevant. Demnach sei die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers zu verneinen und das Asylgesuch abzu-

lehnen. Der Vollzug der Wegweisung in den Tschad erachtete die Vo-

rinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Frage der Zu-

mutbarkeit des Vollzugs hielt sie namentlich fest, der Beschwerdeführer sei 

jung und gesund, weshalb es ihm zuzumuten sei, sich im Tschad eine Exis-

tenz aufzubauen. Im Übrigen seien seine biographischen Angaben nicht 

glaubhaft, und es sei nicht Sache der Behörden, nach fiktiven Wegwei-

sungsvollzugshindernissen zu suchen. 

C.  

Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 

13. August 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die 

vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, und es sei seine Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventuell sei er als 

Flüchtling vorläufig aufzunehmen, subeventuell sei infolge Unzulässigkeit 

und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. Subsubeventuell sei die Sache zur vollständigen 

Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer 

Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

(inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses) sowie um 

unentgeltliche Verbeiständung.  

Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll-

macht vom 23. Januar 2020 sowie eine Kostennote vom 13. August 2020 

bei.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2020 hielt die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer könne den Abschluss des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Ferner forderte sie ihn auf, innert Frist entweder einen 

Beleg für die geltend gemachte prozessuale Bedürftigkeit nachzureichen 

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Seite 5 

oder einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu überweisen, andernfalls auf 

die Beschwerde nicht eingetreten werde.  

E.  

Nachdem der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. September 2020 eine 

Sozialhilfebestätigung vom 26. August 2020 eingereicht hatte, hiess die In-

struktionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und amtliche Verbeiständung mit Zwischenverfügung vom 

8. September 2020 gut und ordnete ihm antragsgemäss seine Rechtsver-

treterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig lud sie das SEM ein, 

innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. 

F.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 17. September 2020 vollum-

fänglich an seiner Verfügung fest.  

G.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 8. Oktober 2020 und 

ersuchte dabei um Gutheissung der Beschwerde. 

H.  

Mit Eingabe vom 3. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer einen Be-

richt von (…) vom 18. Januar 2021 zu den Akten und ergänzte seine Be-

schwerdevorbringen. 

I.  

Das SEM hielt in seiner zweiten Vernehmlassung vom 29. März 2021 voll-

umfänglich an seiner Verfügung fest. 

J.  

In seiner Stellungnahme vom 14. April 2020 (recte: 2021) beantragte der 

Beschwerdeführer erneut die Gutheissung seiner Beschwerdeanträge. 

K.  

Mit Eingabe vom 12. Mai 2021 machte der Beschwerdeführer weitere Aus-

führungen zuhanden seines Beschwerdeverfahrens. 

  

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer  

Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das 

Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. 

Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung 

von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls, 

und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt indes das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

demnach einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer rügt unter anderem, das SEM habe den geltend 

gemachten Sachverhalt unvollständig festgestellt und geprüft und seinen 

Entscheid ungenügend begründet. Damit sei sein Anspruch auf rechtliches 

Gehör verletzt worden. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie 

unter Umständen geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzli-

chen Verfügung zu bewirken. 

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Seite 7 

3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den 

Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei 

muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-

lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber 

ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 VwVG). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und 

aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt 

wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde 

trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen ab-

geklärt hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum-

stände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BVGE 2016/2 E. 4.3). Die Behörde 

ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfang-

reiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind viel-

mehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als ange-

zeigt erscheinen (vgl. dazu ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 

3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler 

[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 

2. Aufl., 2019, Rz. 17 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Mül-

ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 ff. zu Art. 49). 

Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 

VwVG) sowie Art. 35 Abs. 1 VwVG folgt sodann, dass alle erheblichen Par-

teivorbringen zu prüfen und zu würdigen sind. Nach den von Lehre und 

Praxis entwickelten Grundsätzen hat die verfügende Behörde im Rahmen 

der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von denen sie 

sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründung des 

Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenen-

falls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch nicht mit 

jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern kann sich 

auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. 

dazu LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schindler 

[Hrsg.], a.a.O., Rz. 7 ff. zu Art. 35; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI; a.a.O., N. 629 

ff.; BVGE 2016/9 E. 5.1; BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 

und 134 I 83 E. 4.1). 

3.3 Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde unter anderem vor, er 

habe im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens mehrfach erwähnt, er 

habe befürchtet, im Tschad Opfer von Blutrache zu werden. Die Vorinstanz 

sei in ihrem Entscheid jedoch nicht auf diesen Punkt eingegangen. Den 

Akten zufolge machte der Beschwerdeführer bereits in der BzP geltend, er 

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Seite 8 

sei ausgereist, um nicht in die Blutfehde involviert zu werden, welche mit 

dem Tod seiner Mutter in Zusammenhang stehe (vgl. A9 Ziff. 7.02). In der 

Anhörung vom 9. Juni 2020 erklärte er ebenfalls, er habe befürchten müs-

sen, im Heimatland Opfer von Blutrache zu werden, und sei auch aus die-

sem Grund ausgereist. Aufgrund der drohenden Blutrache könne er nicht 

in den Tschad zurückkehren. Schon sein Vater habe deswegen das Hei-

matland verlassen (vgl. A48 F48 ff., F52 und F82). Das SEM erwähnt die-

ses Sachverhaltselement in der angefochtenen Verfügung mit keinem 

Wort, und zwar weder in der Zusammenfassung des Sachverhalts, noch in 

den Erwägungen, und auch im Rahmen des (zweifachen) Schriftenwech-

sels ging es auf dieses Vorbringen nicht ein. Zwar führt (die glaubhaft ge-

machte) drohende Blutrache in der Regel nicht zur Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft, weil einer derartigen Verfolgung kaum je Motive im 

Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zugrunde liegen; dies muss indessen in je-

dem Einzelfall geprüft werden. Ausserdem müsste eine glaubhaft ge-

machte entsprechende Gefährdung ungeachtet ihrer Asylrelevanz im Weg-

weisungsvollzugspunkt berücksichtigt werden. Die Furcht vor Blutrache 

stellt daher grundsätzlich ein rechtserhebliches Sachverhaltselement dar. 

Dadurch, dass die Vorinstanz dieses Sachverhaltselement weder ernsthaft 

geprüft noch überhaupt erwähnt hat, hat sie demnach offensichtlich den 

Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt.  

3.4 In der Beschwerde wird ferner kritisiert, das SEM habe in seinem Ent-

scheid nicht berücksichtigt, dass der Vater des Beschwerdeführers in Li-

byen für den CCMSR tätig sei und er selber während seines Aufenthalts in 

Libyen an einer Kampfausbildung des CCSMR teilgenommen habe. Es 

handle sich beim CCMSR um eine Gruppierung von Rebellen, deren Ziel 

es sei, den tschadischen Präsidenten zu stürzen, und die daher vom tscha-

dischen Regime bekämpft werde. Der Beschwerdeführer müsse deshalb 

bei einer Rückkehr in den Tschad mit einer Verfolgung seitens der Behör-

den rechnen. Diesbezüglich ist Folgendes festzustellen: Der Beschwerde-

führer machte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens geltend, sein Va-

ter sei nach dem Tod der Mutter ausgereist und habe sich in Libyen den 

tschadischen Revolutionären des CCMSR angeschlossen. Er befinde sich 

in der Wüste, in (…) (vgl. A43 F8 und F22, A48 F53 f.). Er selber habe sich 

nach der Ausreise zunächst in Libyen aufgehalten, wo er sich ebenfalls 

dem CCMSR angeschlossen habe. Er sei in (…) gewesen und dort in 

Selbstverteidigung sowie im Umfang mit Pistolen ausgebildet worden. Er 

habe aber nicht gekämpft, da er noch zu jung gewesen sei. Weitere Ver-

wandte gehörten ebenfalls dieser Gruppierung an. Wer sich der Revolution 

anschliesse, werde als Oppositioneller betrachtet und inhaftiert (vgl. A48 

D-4056/2020 

Seite 9 

F54 ff. und F64 f.). Das SEM hat in seinem Entscheid lediglich festgestellt, 

der Vater des Beschwerdeführers habe sich dem tschadischen Widerstand 

in Libyen angeschlossen, und auch der Beschwerdeführer habe in Libyen 

Kontakt zur Widerstandsorganisation seines Vaters gehabt; seine Familie 

unterstütze den Widerstand gegen die Regierung. Um welche Wider- 

standsorganisation es sich dabei handelt, geht aus den Ausführungen des 

SEM indes nicht hervor, und auch die militärische Ausbildung, die der Be-

schwerdeführer im CCMSR-Camp erhalten haben will, erwähnt das SEM 

nicht. Es setzt sich in seinen Erwägungen zudem überhaupt nicht mit die-

sen Vorbringen auseinander, obwohl sie, ihre Glaubhaftigkeit vorausge-

setzt, grundsätzlich für die Beurteilung der Gefährdungssituation, welcher 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr ins Heimatland allenfalls ausge-

setzt wäre, relevant sein könnten. In seiner ersten Vernehmlassung wendet 

das SEM ein, der Beschwerdeführer habe weder zu seinem eigenen En-

gagement noch zur Tätigkeit seiner Verwandten beziehungsweise ihrem 

Aufenthaltsort etwas sagen können, weshalb diese angeblichen Tätigkei-

ten als unglaubhaft zu qualifizieren seien. Die Tätigkeiten für den Wider-

stand seien auch deshalb unglaubhaft, weil der Beschwerdeführer un-

glaubhafte Angaben zu seiner Verfolgung und seinem Lebenslauf gemacht 

habe. Soweit das SEM argumentiert, der Beschwerdeführer habe zur Tä-

tigkeit für das CCMSR nichts sagen können, ist vorab festzustellen, dass 

diese Bemerkung angesichts der Tatsache, dass dem Beschwerdeführer 

seitens des SEM zu diesem Punkt kaum Fragen gestellt wurden, deplat-

ziert erscheint. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer – wie vorstehend dar-

gelegt – entgegen der Darstellung des SEM durchaus konkrete Angaben 

zu seinem Aufenthalt beim CCMSR und der Tätigkeit seines Vaters für 

diese Gruppierung gemacht; dies nicht zuletzt dank der von der Rechtsver-

tretung und der Hilfswerksvertretung gestellten Folgefragen (vgl. A48 

F63 ff.). Bei dieser Sachlage vermag die erst in der Vernehmlassung an-

gebrachte, rudimentäre und pauschale Begründung für die Unglaubhaf-

tigkeit dieser Vorbringen, welcher, soweit ersichtlich, keine ernsthafte Aus-

einandersetzung mit den Aussagen des Beschwerdeführers vorausging, 

den Anforderungen an die Prüfungs- und Begründungspflicht nicht zu ge-

nügen.  

3.5 Damit ist festzustellen, dass das SEM den rechtserheblichen Sachver-

halt unvollständig festgestellt hat und seiner Pflicht, die vorgenannten 

rechtserheblichen Vorbringen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und zu 

würdigen und seinen Entscheid einlässlich und nachvollziehbar zu begrün-

den, in ungenügender Weise nachgekommen ist und damit den Anspruch 

des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat.  

D-4056/2020 

Seite 10 

4.  

4.1 Angesichts des formellen Charakters des Gehörsanspruchs führt des-

sen Verletzung grundsätzlich zur Kassation und Rückweisung der Sache 

an die Vorinstanz, unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei 

korrekter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre. Im Be-

schwerdeverfahren kann die Gehörsverletzung jedoch unter Umständen 

aus prozessökonomischen Gründen geheilt werden, wenn die Rechtsmit-

telinstanz über die volle Kognition verfügt, das Versäumte nachgeholt wird, 

die beschwerdeführende Person dazu Stellung nehmen kann und die fest-

gestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist (vgl. dazu 

BVGE 2015/10 E. 7.1 m.w.H.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 

3. Aufl. 2013, Rz. 548 ff., 645). 

4.2 Im vorliegenden Fall ist eine Heilung der festgestellten Gehörsverlet-

zung nicht in Betracht zu ziehen. Die Verfahrensmängel sind bedeutsam, 

und das SEM hat sich auch im Rahmen des Schriftenwechsels nicht be-

ziehungsweise nicht in rechtsgenüglicher Art und Weise zur Frage einer 

allfälligen Gefährdung des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der 

geltend gemachten Blutrache respektive der vorgebrachten Verbindungen 

zum CCMSR geäussert. Zudem ginge dem Beschwerdeführer bei einer 

Heilung durch das Gericht und einem daraufhin allenfalls ergehenden ab-

weisenden Entscheid eine Instanz verloren. Obwohl die Beschwerde 

grundsätzlich reformatorisch ausgestaltet ist (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG), 

erscheint aus diesen Gründen eine Kassation der angefochtenen Verfü-

gung angebracht. Das SEM erhält damit zugleich Gelegenheit, im Rahmen 

der neuen Entscheidung gegebenenfalls die in der Eingabe vom 12. Mai 

2021 geltend gemachte, nachträgliche Veränderung der allgemeinen Lage 

in Tschad sowie die Ausführungen in der Stellungnahme vom 14. April 2020 

(recte: 2021) zu berücksichtigen.  

5.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, soweit die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz beantragt 

wurde. Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzuheben, und die Sa-

che ist zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts sowie zur umfas-

senden Prüfung und Würdigung der vorgebrachten Asylgründe und neuen 

Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei dieser Sachlage ist 

auf die übrigen formellen und materiellen Rügen des Beschwerdeführers 

nicht näher einzugehen.  

D-4056/2020 

Seite 11 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Massgeblich 

sind die in Art. 8 ff. VGKE genannten Bemessungsfaktoren. Die Rechtsver-

treterin reichte eine Kostennote vom 13. August 2020 zu den Akten. Der 

darin ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 150.– bewegt sich im Rahmen 

von Art. 10 Abs. 2 VGKE, und der geltend gemachte Aufwand von 15 Stun-

den sowie die Auslagen von total Fr. 28.30 sind als angemessen zu erach-

ten. Da die erwähnte Kostennote lediglich die Aufwendungen der Rechts-

vertreterin bis und mit 13. August 2020 abdeckt, sie danach jedoch im vor-

liegenden Verfahren noch weitere aktenkundige Eingaben verfasst hat, ist 

auf dem in der Kostennote ausgewiesenen Saldo ein Zuschlag von pau-

schal Fr. 800.– zu gewähren. Im Ergebnis ist dem Beschwerdeführer zu-

lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 3’078.– 

zuzusprechen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4056/2020 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit damit die Kassation der ange-

fochtenen Verfügung beantragt wurde. 

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 9. Juli 2020 wird vollumfänglich aufge-

hoben, und die Sache wird zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen 

an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3’078.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

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