# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5ffc0229-ff6b-52e7-a8ee-735d75df30ce
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-05-22
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 22.05.2019 OG.2019.00006 (OGS.2019.48)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2019-00006_2019-05-22.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  und Urteil vom 22. Mai 2019

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2019.00006

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter und

  Berufungskläger

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Anklägerin und

  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Sachbeschädigung
  etc.

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschuldigten (gemäss Berufungserklärung vom
  14. Januar 2019 [act. 28] und Ausführungen anlässlich der
  Berufungsverhandlung vom 12. April 2019 [vgl. act. 41], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei das Urteil der
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 15. Oktober 2018 im
    Verfahren SG.2018.00057 vollumfänglich aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei der Beschuldigte
    vollumfänglich freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Es sei anstelle der von der
    Vorinstanz gegen den Beschuldigten ausgesprochenen Freiheitsstrafe eine
    Geldstrafe auszufällen; eventualiter sei die Freiheitsstrafe zu reduzieren.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  Prozessverlauf
  und Gegenstand der Berufung

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Die Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus erliess gegen A.______ am 4. Dezember 2017 einen
  Strafbefehl. In diesem sprach sie A.______ der mehrfachen Missachtung der Ausgrenzung
  im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AuG (heute AIG) i.V.m. Art. 74
  Abs. 1 und Abs. 2 AuG, des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von
  Art. 115 Abs. 1 Bst. b AuG und der Sachbeschädigung im Sinne
  von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig. Hierfür bestrafte sie A.______
  mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 180 Tagen, unter Anrechnung eines
  Tages Haft (act. 3 = Untersuchungsakten [nachfolgend:
  "U-act."] act. 14.1.01).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Nach Einsprache von A.______
  (U-act. 14.1.05) überwies die Staatsanwaltschaft in Anwendung von
  Art. 356 Abs. 1 StPO die Angelegenheit zur gerichtlichen
  Beurteilung an die Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus
  (Art. 11 Abs. 1 GOG/GL; act. 1).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Die Strafgerichtskommission hielt
  am 12. September 2018 die Hauptverhandlung ab (act. 9-15). Am
  15. Oktober 2018 fällte sie ihr Urteil. Darin bestätigte sie sowohl die
  bereits im einsprachegegenständlichen Strafbefehl ausgefällten drei
  Schuldsprüche als auch die dort gegen A.______ ausgesprochene Strafe. Zudem
  auferlegte sie ihm die Verfahrenskosten, dies mit Ausnahme der
  Übersetzungskosten (act. 17 [unbegründet] und act. 24 [begründet]).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Gegen diesen Entscheid erklärte
  A.______ (nachfolgend auch: "Beschuldigter") beim Obergericht
  fristgerecht Berufung mit den eingangs (S. 2) sinngemäss wiedergegebenen
  Anträgen (act. 28). Anschlussberufungen gingen keine ein. Am 12. April
  2019 fand die Berufungsverhandlung statt (act. 41 f.).

  
	
   

  
	
   

  
	
  II.

  Prozessuales / Vorbemerkungen

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Zu prüfen ist zunächst, welche
  Aspekte des vorinstanzlichen Entscheiddispositivs (act. 24) von der
  Berufungserklärung des Beschuldigten (act. 28) erfasst sind.

  In ebendieser Berufungserklärung führt der Beschuldigte zunächst aus, dass er
  "die Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB nicht
  gutheisse". Weiter schreibt er: "Auch die Missachtung der
  Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AuG in Verbindung mit
  Art. 74 Abs. 1 und Abs. 2 AuG sowie des rechtswidrigen
  Aufenthalts erachte ich als unverhältnismässig." Er werde dauernd für
  das gleiche Vergehen bestraft und habe nicht gewusst, dass die in Frage
  stehenden Ausgrenzungsverfügungen noch immer gültig gewesen seien.
  Abschliessend ersucht der Beschuldigte in seiner Berufungserklärung, das
  Strafmass zu mildern (act. 28).

  Aus diesen Formulierungen ergibt sich, dass der Beschuldigte das
  vorinstanzliche Urteil (act. 24) nicht etwa bloss in Bezug auf die
  Strafzumessung, sondern auch in Bezug auf den Schuldpunkt anficht. Die vorinstanzliche
  Kostenregelung (act. 24 Dispositiv-Ziff. 3-5), beanstandet der Beschuldigte
  zwar nicht ausdrücklich. Über diese hat die Berufungsinstanz jedoch in ihrem
  Urteil von Amtes wegen zu entscheiden (Art. 428 Abs. 3 StPO). Als
  Folge seines sinngemässen Antrags auf Freispruch in allen Anklagepunkten
  bildet auch die Frage der Zusprechung von Parteientschädigungen für die
  Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren (vgl. die Vorinstanz in
  act. 24 E. VII und Dispositiv-Ziff. 6) Gegenstand der Berufung
  (vgl. hierzu BGer 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019; E. 2.3. f.).

  Insgesamt ficht demnach der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil vom
  15. Oktober 2018 (act. 24) vollumfänglich an. Keine Teile desselben
  sind also in Rechtskraft erwachsen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. Beim Tatbestand der
  Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB handelt es sich
  um ein Antragsdelikt. Der als Prozessvoraussetzung erforderliche,
  entsprechende Strafantrag des Kantons Glarus, Fachstelle Justizvollzug, liegt
  vor und wurde rechtzeitig gestellt (vgl. U-act. 3.1.01 und
  Art. 30 ff. StGB; dazu, dass die Leiterin der Fachstelle
  Justizvollzug hier für den Kanton Glarus antragsbefugt ist, vgl. Donatsch,
  OFK StGB, Art. 30 N 7 am Schluss).

  
	
   

  
	
  2.2.
  Der
  Kanton Glarus, Fachstelle Justizvollzug, hat sich im Untersuchungsverfahren
  als Zivilkläger konstituiert (vgl. U-act. 3.1.01). Er hat – wie die
  Strafgerichtskommission zutreffend erwog (act. 24 E. VII.) – die
  mit der Zivilklage geltend gemachte Forderung zwar beziffert
  (CHF 3'505.10), diese jedoch nicht begründet und mittels Beweismitteln
  belegt (vgl. U-act. 3.1.01). Die vom Beschuldigten in seiner
  polizeilichen Einvernahme vom 4. Juli 2017 zur Schadenssumme gemachten
  Aussagen lassen sich nicht dahingehend interpretieren, dass dieser die
  Zivilklage anerkannt hätte (vgl. U-act.8.1.04 S. 4 Fragen 25-27).
  Aus diesen Gründen hätte die Staatsanwaltschaft die Zivilklage des Kantons
  Glarus, Fachstelle Justizvollzug, im Strafbefehl vom 4. Dezember 2017
  auf den Zivilweg verweisen müssen (Art. 353 Abs. 2 und
  Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO), was sie jedoch nicht tat (vgl.
  act. 3 = U-act. 14.1.01). Die Strafgerichtskommission ihrerseits
  erwog bloss und ohne im Dispositiv diesbezüglich etwas anzuordnen (vgl.
  act. 24 E. VII. und Dispositiv), auf die Zivilklage sei mangels
  hinreichenden Belegs der Forderung "vorliegend nicht weiter […] einzugehen".
  Mit Blick auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO ist diese Erwägung
  so zu verstehen, als dass die Strafgerichtskommission die Zivilklage implizit
  auf den Zivilweg verwies. Diesen impliziten vorinstanzlichen Verweis der
  Zivilklage auf den Zivilweg focht keine Partei beim Obergericht an. Der
  Klarheit halber und insbesondere, da ein solcher bloss impliziter Verweis der
  Zivilklage auf den Zivilweg ungenügend bzw. unzulässig ist (vgl. Art. 81
  Abs. 4 lit. b StPO), ist dieser Verweis im vorliegenden Entscheiddispositiv
  vorzumerken. 

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Das Urteil der
  Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts vom 15. Oktober 2018 stellt
  ein taugliches Anfechtungsobjekt dar. Der Beschuldigte ist
  rechtsmittellegitimiert, hat die Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt
  zulässige Rügen. Auf die Berufung ist ohne Weiteres einzutreten (vgl. v.a.
  Art. 381 und Art. 398 f. StPO i.V.m. act. 27-28 und
  act. 41).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Im als Anklageschrift geltenden
  Strafbefehl vom 4. Dezember 2017 (U-act. 14.1.01 = act. 3)
  werden dem Beschuldigten vier Sachverhalte zur Last gelegt. Im Folgenden
  werden diese zum Teil stichwortartig mit "Betreten des Kantons
  Zürich", "Betreten des Kantons Luzern", "Aufenthalt in
  der Schweiz nach Haftentlassung" respektive "Vorfall im Gefängnis
  Glarus" bezeichnet.

  
	
   

  
	
   

  
	
  III.

  Sachverhalt Betreten des Kantons Zürich

  
	
   

  
	
  1.
  Anklagevorwurf 

  
	
  Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten im
  als Anklageschrift geltenden Strafbefehl vom 4. Dezember 2017 zunächst
  vor, am 28. Oktober 2017 um 00:30 Uhr den Kanton Zürich betreten zu
  haben, obwohl gegen ihn für dieses Gebiet eine vom 28. November 2014
  datierende Ausgrenzungsverfügung gegolten habe (U-act. 14.1.01
  S. 2= act. 3 S. 2).

  
	
   

  
	
  2.
  Beweismittel und Beweiswürdigung

  
	
  2.1. Dass sich der
  Beschuldigte am 28. Oktober 2017 im Kanton Zürich aufhielt, hat er
  selber eingestanden (U-act. 8.3.02 S. 3 Fr. 19 f.;
  act. 15 S. 4 Fr. 12 f.; act. 41 S. 8). Ferner
  ist dies auch aufgrund eines Polizeirapports vom 28. Oktober 2017
  (U-act. 8.3.01) erstellt.

  
	
   

  
	
  2.2. Ebenfalls ist
  erstellt, dass das Migrationsamt des Kantons Zürich am 28. November 2014
  gegen den Beschuldigten eine auf Art. 74 AuG gestützte
  Ausgrenzungsverfügung erliess, die das gesamte Gebiet des Kantons Zürich
  umfasste, ausdrücklich als "unbefristet" (U-act. 8.3.01c)
  bezeichnet wurde und mit einem Kartenausschnitt versehen war. Diese Verfügung
  wurde dem Beschuldigten übersetzt und ausgehändigt (vgl. zum Ganzen
  U-act. 8.3.01.a-c; vgl. auch act. 41 S. 8 f.). Somit ist
  auch erstellt, dass der Beschuldigte den Inhalt dieser Ausgrenzungsverfügung
  kannte. Der Beschuldigte bestätigte sodann ausdrücklich, dass diese
  Ausgrenzungsverfügung unangefochten in Rechtskraft erwuchs (act. 41
  S. 15 unten). 

  
	
   

  
	
  3.
  Fazit zum Sachverhalt

  
	
  Nach dem soeben Gesagten ist der Sachverhaltspunkt
  "Betreten des Kantons Zürich" so, wie er im Strafbefehl vom
  4. Dezember 2017 umschrieben ist, erstellt. Zudem ist – wie ausgeführt –
  erstellt, dass der Beschuldigte den Inhalt der Ausgrenzungsverfügung des
  Migrationsamts des Kantons Zürich vom 28. November 2014 kannte. Auf die
  Frage nach der Verbindlichkeit der genannten, als unbefristet erlassenen
  Ausgrenzungsverfügung wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung eingegangen
  (vgl. hinten, E. VII.).

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV.

  Sachverhalt Betreten des Kantons Luzern

  
	
   

  
	
  1.
  Anklagevorwurf 

  
	
  Im als Anklageschrift geltenden Strafbefehl vom
  4. Dezember 2017 wird dem Beschuldigten zudem vorgeworfen, sich am
  15. September 2017 um 20:23 Uhr in der Stadt Luzern aufgehalten zu
  haben, obwohl er aufgrund einer Ausgrenzungsverfügung vom 2. Februar
  2010 den Kanton Luzern nicht habe betreten dürfen (U-act. 14.1.01
  S. 3 = act. 3 S. 3).

  
	
   

  
	
  2.
  Beweismittel und Beweiswürdigung

  
	
  2.1. Wiederum ist der
  Beschuldigte geständig, am 15. September 2017 in der Stadt Luzern gewesen zu
  sein (act. 15 S. 4 Fr. 14; act. 41 S. 9) und ist
  dies auch aufgrund eines Polizeirapports vom 19. September 2017 erstellt
  (U-act. 8.2.01).

  
	
   

  
	
  2.2. Erstellt ist
  weiter, dass das Amt für Migration des Kantons Luzern am 2. Februar 2010
  gegen den Beschuldigten hinsichtlich des gesamten Gebiets des Kantons Luzern
  eine Ausgrenzung im Sinne von Art. 74 AuG verfügte. Diese
  Ausgrenzungsverfügung wurde ausdrücklich als "bis auf Weiteres"
  dauernd bezeichnet. Die Verfügung wurde dem Beschuldigten übersetzt und
  ausgehändigt (vgl. zum Ganzen U-act. 8.2.03; vgl. auch act. 41
  S. 9). Somit ist auch erstellt, dass der Beschuldigte den Inhalt dieser
  Ausgrenzungsverfügung kannte. Der Beschuldigte bestätigte sodann
  ausdrücklich, dass diese Ausgrenzungsverfügung unangefochten in Rechtskraft
  erwuchs (act. 41 S. 15).

  
	
   

  
	
  3.
  Fazit zum Sachverhalt

  
	
  Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass
  der Sachverhaltspunkt "Betreten des Kantons Luzern" so, wie er im
  Strafbefehl vom 4. Dezember 2017 umschrieben ist, erstellt ist.
  Ausserdem ist – wie ausgeführt –  erstellt, dass der Beschuldigte den Inhalt
  der Ausgrenzungsverfügung des Amts für Migration des Kantons Luzern vom
  2. Februar 2010 kannte. Auf die Frage nach der Verbindlichkeit der
  genannten, "bis auf Weiteres" erlassenen Ausgrenzungsverfügung wird
  im Rahmen der rechtlichen Würdigung eingegangen (vgl. hinten, E. V.II.).

  
	
   

  
	
  V.

  Sachverhalt Aufenthalt in der Schweiz nach Haftentlassung

  
	
   

  
	
  1.
  Anklagevorwurf 

  
	
  Gemäss einem weiteren im Strafbefehl vom
  4. Dezember 2017 aufgeführten Vorwurf sei der Beschuldigte nach einer
  Haftentlassung im Zeitraum vom 13. September 2017 bis 28. Oktober
  2017 als illegal Anwesender rechtswidrig in der Schweiz verweilt. Dabei hätte
  er die Schweiz spätestens am 10. September 2008 verlassen müssen, nachdem er
  sein Asylgesuch am 9. September 2008 zurückgezogen habe (U-act. 14.1.01
  S. 3 = act. 3 S. 3).

  
	
   

  
	
  2.
  Beweismittel und Beweiswürdigung

  
	
  Der Beschuldigte ist geständig, sich im Zeitraum
  vom 13. September 2017 bis 28. Oktober 2017 in der Schweiz
  aufgehalten zu haben (U-act. 8.3.02 S. 2 Fr. 9 ff.;
  act.15 S. 5 Fr. 15 f.; vgl. auch act. 41
  S. 10 f.). Zudem hat er eingestanden und ist erstellt, dass seine
  Anwesenheit in der Schweiz in diesem Zeitraum illegal war und ihm dies
  bewusst war (act. 15 S. 5 Fr. 15 f.; U-act. 8.3.01
  S. 3 Mitte/unten; U-act. 8.3.02 S. 2 Fr. 13;
  U-act. 8.3.04 S. 3; U-act. 8.3.09 S. 2 Fr. 13;
  U-act. 8.3.10).

  
	
   

  
	
  3.
  Fazit zum Sachverhalt

  
	
  Nach dem Gesagten ist der Sachverhaltspunkt
  "Aufenthalt in der Schweiz nach Haftentlassung" so, wie er im
  Strafbefehl vom 4. Dezember 2017 umschrieben ist, erstellt.

  
	
   

  VI.

  Sachverhalt Vorfall im Gefängnis Glarus

  
	
   

  
	
  1.
  Anklagevorwurf

  
	
  Schliesslich enthält der als Anklageschrift
  geltende Strafbefehl vom 4. Dezember 2017 den Vorwurf, dass der
  Beschuldigte am 3. März 2017 die Zelle 1 im 1. Obergeschoss
  sowie die Arrestzelle im Untergeschoss des Kantonsgefängnisses in Glarus
  (Panzerglas, Aluminiumabdeckung, Verputz) bzw. sich in diesen Räumen
  befindliche Gegenstände (Wasserkocher, Überwachungskamera, Rauchmelder)
  beschädigt habe. Zudem habe er die Zelle mit Wasser geflutet, den Abflusses
  der Stehtoilette verstopft sowie die Arrestzelle mit eigenem Kot
  verschmiert). Aufgrund seiner Handlungen sei ein Sachschaden in der Höhe von
  CHF 3'505.10 entstanden (act. 3 S. 3).

  
	
   

  
	
  2.
  Beweismittel

  
	
  2.1. Der Beschuldigte
  gestand anlässlich seiner polizeilichen Befragung vom 4. Juli 2017 einen
  Grossteil der ihm vorgeworfenen Tathandlungen bzw. -erfolge ein (Fluten der
  Zelle mit Wasser, Abnehmen der Aluminiumabdeckung, Beschädigen des Verputzes
  und des Wasserkochers, Beschmieren der Arrestzelle und der dortigen
  Überwachungskamera mit Kot; U-act. 8.1.04 S. 2 ff. Fr. 5,
  7, 9, 14, 16 f., 19, 21). In Abrede stellte er hingegen, mit der
  Aluminiumabdeckung der Arrestzelle gegen die Überwachungskamera geschlagen,
  den Abfluss der Stehtoilette verstopft sowie einen Rauchmelder beschädigt zu
  haben (U-act. 8.1.04 S. 2 ff. Fr. 7, 9). Auch die
  Schadenssumme bestritt der Beschuldigte jedenfalls zunächst
  (U-act. 8.1.04 S. 4 Fr. 25 f.).

  
	
   

  
	
  2.2. Aus einem Fotobogen
  der Kantonspolizei Glarus vom 29. Mai 2018 zum fraglichen Vorfall sind
  insbesondere Schäden am Verputz der Arrestzelle und Verschmierungen der
  Arrestzelle (Überwachungskamera, Wände, Glas, Türe) mit Kot ersichtlich
  (U-act. 8.1.05 Fotos 3-6).

  
	
   

  
	
  2.3. Anlässlich der
  Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte auf Vorhalt des soeben
  erwähnten Fotobogens, er sei sich bewusst, dass er "diesen Schaden"
  angerichtet habe (act. 41 S. 13).

  
	
   

  
	
  2.4. Vor Vorinstanz
  äusserte sich der Beschuldigte nicht konkret zu den einzelnen ihm
  vorgeworfenen Tathandlungen. Unspezifisch sagte der Beschuldigte immerhin, er
  habe "dies" getan, um sich für die Wegnahme von Geld durch das
  Gefängnispersonal zu rächen (act. 15 S. 5 Fr. 17).

  
	
   

  
	
  3.
  Beweiswürdigung und Fazit zum Sachverhalt

  
	
  Aufgrund der teilweisen Geständnisse des
  Beschuldigten (soeben, E. VI.2.1.) sowie des polizeilichen Fotobogens
  (soeben, E. VI.2.2.) ist der objektive Sachverhalt zwar nicht in Bezug
  auf sämtliche im Strafbefehl umschriebene Tathandlungen bzw. -erfolge, aber
  doch weitgehend (Beschädigen des Verputzes und des Wasserkochers, Abnehmen
  der Aluminiumabdeckung, Beschmieren der Zelle inkl. Überwachungskamera mit
  Kot, Fluten der Zelle mit Wasser) erstellt. Dieser erstellte objektive
  Sachverhalt ist der nachfolgenden rechtlichen Würdigung (hinten,
  E. VII.3.) zu Grunde zu legen. 

  Zu beachten ist indes erstens, dass entgegen den
  Angaben im Strafbefehl (act. 3 S. 3) nicht sämtliche Tathandlungen
  am 3. März 2017, sondern ein Teil derselben am 6. März 2017
  stattfanden (vgl. z.B. U-act. 8.1.02 und U-act. 8.1.04 v.a.
  S. 2 f. Fr. 5 und 9). Dies stellt aber eine bloss
  untergeordnete, einer Verurteilung unschädliche Abweichung dar.

  Zweitens ist die genaue betragsmässige
  Schadenshöhe – gemäss Strafbefehl insgesamt CHF 3'505.10 (act. 3
  S. 3) – nicht bewiesen: In einer bei den Akten liegenden
  Zusammenstellung der Fachstellenleiterin Justizvollzug wird zwar ein
  Sachschaden von CHF 800.– genannt (U-act. 8.1.02 S. 2). Doch
  mangels beigefügter Belege kommt dieser Aufstellung höchstens ein geringer
  Beweiswert zu. Im Übrigen liegt auch die im Polizeirapport vom
  4. September 2017 erwähnte "Rechnung der
  Arrestzellen-Renovation" über behauptete CHF 2'705.10
  (U-act. 8.1.01 S. 2 Mitte/unten) nicht bei den Akten. Immerhin
  aber ergibt sich aus der Fotodokumentation der Kantonspolizei Glarus vom
  29. Mai 2018 (U-act. 8.1.05), dass der Schaden bzw. der
  Reinigungsaufwand jedenfalls ein nicht unerhebliches Ausmass annahm.

  
	
   

  
	
   

  
	
  VII.

  Rechtliche Würdigung

  
	
   

  
	
  1.
  Betreten der Kantone Zürich und Luzern

  
	
  1.1.
  Wer
  eine Ein- oder Ausgrenzung (Art. 74 AIG, vormals AuG) nicht befolgt, wird mit
  Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (Art. 119
  Abs. 1 AIG). Die zuständige kantonale Behörde kann einer Person die Auflage
  machen, ein ihr zugewiesenes Gebiet nicht zu verlassen oder ein bestimmtes
  Gebiet nicht zu betreten, u.a. wenn sie keine Kurzaufenthalts-, Aufenthalts-
  oder Niederlassungsbewilligung besitzt und sie die öffentliche Sicherheit und
  Ordnung stört oder gefährdet (Art. 74 Abs. 1 lit. a AIG).
  Massnahmen der Ein- oder Ausgrenzung unterliegen dem Prinzip der
  Verhältnismässigkeit. Sie müssen geeignet und erforderlich sein. Überdies
  müssen Zweck und Mittel in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen,
  was insbesondere bei der Festlegung und Grösse des Rayons und der Dauer der
  Massnahme zu beachten ist. Dabei sind aber unbefristete Ausgrenzungsverfügungen nicht
  per se unverhältnismässig und damit rechtswidrig. Denn der Betroffene behält
  immer noch die Möglichkeit, deren Aufhebung zu beantragen. Dies, indem er den
  Nachweis erbringen kann, dass er keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
  und Ordnung mehr darstellt (zum Ganzen: BGer 6B_808/2011 vom 24. Mai 2012,
  E. 1.2 f. m.w.H.).

  
	
   

  
	
  1.2.

  
	
  1.2.1. Die beiden im
  Strafbefehl (act. 3 S. 2 f.) erwähnten Ausgrenzungsverfügungen
  wurden von den zuständigen Behörden erlassen (vgl. Art. 74 Abs. 2
  AIG i.V.m. § 1 Abs. 1 VZA/ZH bzw. § 2 EG AIG/LU) und sind in
  Rechtskraft erwachsen (vgl. vorne, E. III.2.2. und E. IV.2.2.).
  Mangels Befristung waren sie ferner zu den hier relevanten Zeitpunkten (15.
  September 2017 bzw. 28. Oktober 2017, vgl. act. 3
  S. 2 f.) nach wie vor gültig (vgl. soeben, E. VII.1.1.; zur
  Frage, inwiefern das Strafgericht die Rechtmässigkeit der
  Ausgrenzungsverfügungen überhaupt vorfrageweise überprüfen darf, vgl. z.B.
  ausführlich KGer GR, SK1 12 17 vom 22. August 2012, E. II.2.e).
  Dies insbesondere, zumal der Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen nie deren
  Aufhebung verlangte (act. 41 S. 9 oben [explizit für den Vorfall
  Zürich] und S. 10 oben [implizit für den Vorfall Luzern]). Wie vorne
  (E. III. und E. IV.) erwogen, ist erstellt, dass sich der
  Beschuldigte zu den im Strafbefehl angegebenen Zeiten (act. 3
  S. 2 f.) in Zürich bzw. in Luzern aufhielt. Diese Orte, in denen
  der Beschuldigte polizeilich angehalten wurde, liegen in den Gebieten (Kanton
  Zürich bzw. Luzern), die von den verfügten Ausgrenzungen erfasst sind.

  
	
   

  
	
  1.2.2. Dem Beschuldigten
  wurden die beiden Ausgrenzungsverfügungen vorgelesen, übersetzt und
  ausgehändigt. Sodann wurde er zuvor bereits mehrmals wegen Missachtung einer
  Ein- oder Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AIG i.V.m.
  Art. 74 AIG schuldig gesprochen (vgl. U-act. 1.1.05). Daher war ihm
  die Bedeutung der Ausgrenzungsverfügungen klar (vgl. ergänzend die
  zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in act. 24 E. III.2.3.). Der
  Beschuldigte kannte somit Bestand sowie Inhalt der Ausgrenzungsverfügungen
  und wusste, dass er sich im Gebiet der Kantone Zürich und Luzern nur in
  bestimmten Ausnahmesituationen aufhalten durfte. Ein Sachverhaltsirrtum im
  Sinne von Art. 13 StGB ist – entgegen der Auffassung des Beschuldigten
  (act. 28) – nicht gegeben. Denn ihm waren – wenig aufwändige –
  Erkundigungen bei den zuständigen Behörden dazu, ob die beiden
  Ausgrenzungsverfügungen noch gültig sind, zumutbar (vgl. u.a. dessen Aussage
  in act. 41 S. 7 f., wonach Französisch seine zweite
  Muttersprache sei und er zudem etwas hochdeutsch und italienisch spreche).
  Solche Abklärungen tätigte er aber gemäss eigenen Aussagen nicht
  (act. 41 S. 8 unten und act. 41 S. 10 oben). Demzufolge
  entschied er sich punkto andauernder Gültigkeit der Ausgrenzungsverfügungen
  bewusst für das Nichtwissen und kann sich daher nicht auf einen Irrtum
  berufen (Donatsch, OFK StGB, Art. 13 N 1 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  1.2.3.
  Nach
  dem Gesagten hat der Beschuldigte mit seinen Aufenthalten in Zürich und
  Luzern im Wissen um die beiden Ausgrenzungsverfügungen objektiv und subjektiv
  den Tatbestand von Art. 119 Abs. 1 AIG erfüllt. Rechtfertigungs- und
  Schuldausschliessungsgründe liegen keine vor. Insbesondere liegt kein
  unvermeidbarer Rechtsirrtum im Sinne von Art. 21 StGB vor, da der
  Beschuldigte angesichts der Ausgrenzungsverfügungen an der Rechtmässigkeit
  seines Verhaltens zumindest hätte zweifeln müssen (vgl. Donatsch, OFK StGB,
  Art. 21 N 4 m.w.H.). Ebenso ist Art. 119 Abs. 2 AIG nicht
  einschlägig. Der Beschuldigte ist daher der mehrfachen Missachtung einer
  Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 74
  Abs. 1 lit. a AIG schuldig zu sprechen.

  
	
   

  
	
  2.
  Aufenthalt in der Schweiz nach Haftentlassung

  
	
  2.1.

  
	
  2.1.1. Nach Art. 115 Abs.
  1 lit. b AIG (bzw. vormals AuG) macht sich strafbar, wer sich rechtswidrig,
  namentlich nach Ablauf des bewilligungsfreien oder des bewilligten
  Aufenthalts, in der Schweiz aufhält. Die Rechtswidrigkeit ergibt sich aus der
  Pflicht zur Bewilligung des Aufenthalts nach Art. 10 ff. AIG. In der Schweiz
  verweilt daher rechtmässig, wer entweder durch gesetzliche Vorschrift oder
  durch eine individuelle Bewilligung aufenthaltsberechtigt ist. Wer ein
  Asylgesuch gestellt hat, darf sich bis zum rechtskräftigen
  Verfahrensabschluss in der Schweiz aufhalten (Art. 42 AsylG,
  "gesetzliches Anwesenheitsrecht des Asylbewerbers"). Mit dem
  definitiven Wegweisungsentscheid und dem Ablauf der Ausreisefrist (vgl.
  Art. 44 f. AsylG) besteht keine Aufenthaltsberechtigung mehr (zum
  Ganzen: BGer 6B_482/2010 vom 7. Oktober 2010, E. 3.2.1.).

  
	
   

  2.1.2.
  Art.
  115 Abs. 1 lit. b AIG gelangt nicht zur Anwendung, wenn es der betroffenen
  ausländischen Person objektiv unmöglich ist, legal aus der Schweiz
  auszureisen bzw. rechtmässig in das Heimatland zurückzukehren. Von einer
  solchen objektiven Unmöglichkeit im Sinne des Schuldprinzips ist gemäss der
  Rechtsprechung auszugehen, wenn für die Undurchführbarkeit des Vollzugs der
  Wegweisung triftige Gründe sprechen oder praktisch feststeht, dass sich die
  Ausreise kaum realisieren lassen wird. Dies ist in der Regel nur der Fall,
  wenn die Ausreise trotz Mitwirkung bei der Papierbeschaffung mit grosser
  Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen erscheint. Zu denken ist etwa an eine
  längerdauernde Transportunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen bzw. an eine
  ausdrückliche oder zumindest klar erkennbare und konsequent gehandhabte
  Weigerung eines Staates, gewisse Staatsangehörige zurückzunehmen bzw. ihnen
  Ausweispapiere auszustellen (zum Ganzen z.B. BGer 6B_1081/2017 vom 21. Dezember
  2017, E. 2.2. und BGer 6B_118/2017 vom 14. Juli 2017, E. 5.3.1., je m.w.H.).

  
	
   

  
	
  2.1.3.
  Strafbarkeit
  im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG ist hingegen gegeben, wenn die
  freiwillige Rückkehr in den Heimatstaat grundsätzlich möglich ist. Das ist
  der Fall, wenn eine legale Ausreise nicht an äusseren Umständen scheitert,
  die ausserhalb der Einflussmöglichkeiten der zur Mitwirkung verpflichteten,
  rechtskräftig weggewiesenen Person und der zuständigen Behörden liegen,
  sondern eine solche nur deshalb nicht zustande kommt, weil die betroffene
  ausländische Person die Schweiz nicht verlassen will und die rechtmässige
  Rückkehr in das Heimatland bzw. eine legale Ausreise aus der Schweiz
  vereitelt. Dies, indem sie zum Beispiel untertaucht und keine Papiere
  beschafft bzw. den Behörden die insoweit mögliche und zumutbare Mithilfe
  versagt. Unter diesen Umständen, wenn also kein Fall objektiver Unmöglichkeit
  vorliegt und deswegen auch eine vorläufige Aufnahme im Sinne von Art. 83
  ff. AIG ausser Betracht fällt, kann die Ausländerin oder der Ausländer das
  Verbleiben in der Schweiz nicht damit rechtfertigen, dass das Gesetz die
  illegale Ausreise in Art. 115 Abs. 2 AIG unter Strafe stellt. Diese Strafnorm
  bietet insoweit keine Rechtsgrundlage, um rechtmässig in der Schweiz bleiben zu
  können. Die betroffene Person kann daraus mit Bezug auf die Frage der
  Vorwerfbarkeit des rechtswidrigen Aufenthalts folglich nichts für sich
  ableiten, sofern sie eine legale Ausreise durch ihr eigenes Verhalten
  "verunmöglicht". Der Aufenthalt in der Schweiz ist bzw. bleibt in
  einem solchen Fall rechtswidrig (zum Ganzen: BGer 6B_482/2010 vom
  7. Oktober 2010, E. 3.2.3.).

  
	
   

  
	
  2.1.4. Bringt ein
  Beschuldigter vor, dass ihm die legale Ausreise aus der Schweiz nicht möglich
  gewesen sei, so macht er damit einen Schuldausschlussgrund geltend. Vom
  Beschuldigten behauptete Schuldausschlussgründe (wie auch
  Rechtfertigungsgründe) sind von den Strafbehörden beweismässig nur zu
  widerlegen, wenn sie von jenem mit einem Mindestmass an Glaubhaftigkeit
  belegt werden (BGer 6B_1055/2017 vom 9. November 2017, E. 2.3.2.).

  
	
   

  
	
  2.2.
  Ausländische
  Personen müssen während ihres gesamten Aufenthalts in der Schweiz über
  gültige, heimatliche Ausweispapiere verfügen (Art. 89 AIG). Zweck dieser
  Regelung ist die Sicherstellung der jederzeitigen Rückkehr in den
  Heimatstaat. Kraft Art. 89 AIG sind ausländische Personen u.a. verpflichtet,
  bei den heimatlichen Behörden die Erneuerung oder Verlängerung ihrer Papiere
  zu beantragen oder nötigenfalls bei deren Beschaffung mitzuwirken, wenn die
  Ausweispapiere während ihres Aufenthalts ihre Gültigkeit verlieren.
  Ausdrücklich statuiert wird diese Pflicht sodann in Art. 90 lit. c AIG (vgl.
  auch Art. 13 Abs. 1 AIG). Zudem wird sie durch eine in
  Art. 120 Abs. 1 lit. e AIG verankerte Strafandrohung verstärkt
  (zum Ganzen: Göksu, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], SHK AuG, Bern 2010,
  Art. 89 N 2 f.).

  
	
   

  
	
  2.3.

  
	
  2.3.1.
  Wie vorne aufgezeigt (E. V.), ist erstellt, dass sich der
  Beschuldigte im hier interessierenden Zeitraum vom 13. September
  2017 bis 28. Oktober 2017 ohne Aufenthaltstitel in der
  Schweiz aufhielt. Dies war dem Beschuldigten offenkundig damals auch bewusst
  (vgl. z.B. U-act. 8.3.02
  S. 2 Fr. 13; act. 15 S. 5 Fr. 16;
  act. 41 S. 10 Mitte). Der Beschuldigte hat somit den objektiven und den
  subjektiven Tatbestand des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von
  Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG erfüllt.

  
	
   

  
	
  2.3.2. Konkrete
  Anhaltspunkte dafür, dass es dem Beschuldigten damals im Sinne
  eines Schuldausschlussgrundes objektiv unmöglich war, legal aus der Schweiz
  auszureisen bzw. rechtmässig in sein Heimatland Algerien zurückzukehren, sind
  keine ersichtlich:

  Zwar kann als erstellt gelten, dass der
  Beschuldigte während seines gesamten bisherigen Aufenthalts in der Schweiz
  weder heimatliche Ausweispapiere noch sonstige offizielle Dokumente wie z.B.
  eine Geburtsurkunde bei sich hatte (vgl. U-act. 8.3.09 S. 1
  Fr. 3, S. 2 Fr. 13; U-act. 8.3.01 S. 3 Mitte;
  act. 41 S. 10 unten, S. 15 unten). Doch es sind keine
  eigenständigen und ernsthaften Bemühungen des Beschuldigten zur Beschaffung
  von Ausweispapieren zu erkennen. Im Gegenteil sagte dieser in seiner
  polizeilichen Befragung selber aus, er habe seit dem
  3. März 2016 bzw. seit seiner Haftentlassung am 13. September 2017
  keine Anstrengungen unternommen, um sich Reisepapiere zu beschaffen (U-act. 8.3.02
  S. 2 Fr. 16 f.; vgl. auch seine unklare Antwort
  "Nein" auf die Frage, was er unternommen habe, um Reisepapiere zu
  beschaffen, in U-act. 8.3.09 S. 1 Fr. 4). Im
  Berufungsverfahren erklärte er gar, sich nie um Reisepapiere bzw. eine Ausreise
  aus der Schweiz bemüht zu haben, insbesondere keinen Kontakt mit der
  algerischen Botschaft aufgenommen zu haben (act. 41 S. 10 unten,
  S. 11 oben).

  Hinweise dafür, dass es dem Beschuldigten aus
  eigenem Antrieb nicht möglich bzw. zumutbar gewesen wäre, Ausweispapiere zu
  beschaffen, sind nicht ersichtlich. Im Gegenteil hätte er sich
  zwecks Papierbeschaffung im Hinblick auf eine legale Ausreise – auch vom
  Gefängnis aus – problemlos (z.B. zunächst telefonisch oder über eine
  Mittelsperson, später mittels einer Erlaubnis für allfällige, unter Umständen
  begleitete Behördengänge) an die zuständige Behörde seines Heimatlands oder
  zumindest an die schweizerischen Migrationsbehörden wenden können. Auf diese
  Weise hätte er gültige Ausweis- oder Reisepapiere erhältlich machen können.

  
	
  Dass der Beschuldigte seine Ausreise aus der
  Schweiz aus anderen Gründen als unmöglich erachtete (z.B. etwa, weil er in
  seiner Heimat in Gefahr geraten würde), machte er nicht
  geltend und ist aus den Akten auch nicht ersichtlich (zur hier einschlägigen
  Beweislastregel vgl. soeben, E. VII.2.1.4.). Zwar erklärte der
  Beschuldigte, an Herzbeschwerden zu leiden und nahm er zumindest zeitweise
  die Medikamente Seroquel und Rivotril ein (act. 41 S. 5 unten,
  S. 6 f.; U-act. 8.3.08). Doch dass sein Gesundheitszustand im
  tatrelevanten Zeitraum vom 13. September 2017 bis 28. Oktober 2017
  eine längerdauernde Transportunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen
  begründet und dadurch die Ausreise verhindert hätte, ist nicht erstellt.
  Vielmehr attestierte ein Arzt am 28. Oktober 2017 dessen
  Hafterstehungsfähigkeit (U-act. 8.3.08). Ausserdem sagte der
  Beschuldigte gleichentags selber aus, er sei gewillt, auszureisen – zwingende
  Gründe, die gegen eine Rückführung in sein Heimatland Algerien sprechen, gebe
  es nicht (U-act. 8.3.09 S. 2 Fr. 11 f.; ähnlich seine
  Aussage anlässlich der Berufungsverhandlung, vgl. act. 41
  S. 7 Mitte/unten).

  Ohnehin hätte sich der Beschuldigte, sofern er
  eine Ausreise aus irgendwelchen Gründen als grundsätzlich unmöglich
  erachtete, mit den Migrationsbehörden in Verbindung setzen und sich um die
  vorläufige Aufnahme (Art. 83 ff. AIG) bemühen müssen. Denn nachträglich
  auftretende Vollzugshindernisse eines Wegweisungsentscheids sind im Rahmen
  eines Wiedererwägungsgesuchs zu prüfen. Es liegt nicht im
  Zuständigkeitsbereich der Strafbehörden, die von den zuständigen
  ausländerrechtlichen Behörden mit ihrem Wegweisungsentscheid an sich
  abschliessend und verbindlich beurteilte Frage der Wegweisung grundsätzlich
  zu überprüfen (zum Ganzen: BGer 6B_1055/2017 vom 9. November 2017,
  E. 2.4.3. m.w.H.).

  
	
   

  
	
  2.3.3. Zusammengefasst
  liegen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass es dem Beschuldigten im hier
  relevanten Zeitraum trotz eigenständigen und ernsthaften Bemühungen nicht
  möglich gewesen wäre, legal aus der Schweiz auszureisen. Insofern und
  angesichts der fehlenden Mitwirkung bei der Beschaffung von Ausweispapieren
  scheiterte seine Ausreise an seinem eigenen Verhalten und nicht an äusseren
  Umständen. Ein Schuldausschlussgrund ist also nicht gegeben. Auch Rechtfertigungsgründe
  sind keine ersichtlich. Der Beschuldigte ist folglich des rechtswidrigen
  Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG schuldig
  zu sprechen.

  
	
   

  
	
  3.
  Handlungen im Gefängnis Glarus

  
	
  3.1. Gemäss Art. 144
  Abs. 1 StGB wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
  Geldstrafe bestraft, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-,
  Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder
  unbrauchbar macht.

  
	
   

  
	
  3.2.

  
	
  3.2.1. In objektiver
  Hinsicht verlangt der Tatbestand der Sachbeschädigung eine – bewegliche oder
  unbewegliche – körperliche Sache als Angriffsobjekt (Donatsch, Donatsch, OFK
  StGB, Art. 144 N 1 f. und Art. 137 N 1 ff.). lm
  Vordergrund stehen dabei fremde Sachen, das heisst solche, an denen ein
  Eigentumsrecht eines anderen besteht (Stratenwerth/Jenny/Bommer, StGB
  BT I, 7. Aufl., Bern 2010, § 14 N 44). Als
  Sachbeschädigung ist jede Zustandsveränderung aufzufassen, sofern sie den
  Berechtigten in schützenswerten Interessen beeinträchtigt und nicht ohne nennenswerten
  Aufwand wieder rückgängig gemacht werden kann (BGE 128 IV 250, E. 2;
  Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen, 9. Aufl., Zürich
  2008, S. 183). Eine Beschädigung ist mit anderen Worten gegeben, wenn in
  die Substanz der Sache eingegriffen wird oder wenn ihre Ansehnlichkeit
  gemindert, respektive ihr äusseres Erscheinungsbild beeinträchtigt wird (BGE
  115 IV 26, E. 2b; Stratenwerth/Jenny/Bommer, a.a.O., .nbsp;14
  N 45 ff.).

  
	
   

  
	
  3.2.2.
  Der
  Beschuldigte hat in der Arrestzelle des Kantonsgefängnisses Glarus einen Teil
  des Verputzes abgekratzt, eine Aluminiumabdeckung abgerissen sowie Wände,
  Türe und Überwachungskamera mit Kot beschmiert. Ausserdem flutete er die
  Zelle 1 dieses Gefängnisses mit Wasser und beschädigte einen
  Wasserkocher (vgl. zum Ganzen vorne, E. VI.). Bei diesen beiden
  Gefängniszellen und den sich darin befindlichen, soeben genannten
  Gegenständen handelt es sich offenkundig und unstrittig um Sachen, die zum
  Tatzeitpunkt im Eigentum des Kantons Glarus standen. Mit seinen Handlungen (Verputz
  abkratzen, Abdeckung abreissen, Sachen mit Kot beschmieren, Zellen mit Wasser
  fluten, Wasserkocher gegen andere Gegenstände werfen) griff er in die
  Substanz dieser fremden Sachen ein. Darüber hinaus bewirkten die genannten
  Handlungen zweifellos Minderungen der Ansehnlichkeit und/oder der
  Funktionsfähigkeit dieser Sachen. Der Beschuldigte hat demzufolge den
  objektiven Tatbestand der Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1 StGB erfüllt.

  
	
   

  
	
  3.3.

  
	
  3.3.1. In subjektiver
  Hinsicht erfordert der Tatbestand der Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1
  StGB direktvorsätzliches bzw. zumindest eventualvorsätzliches Handeln (vgl.
  zu beidem Art. 12 Abs. 2 StGB). Insbesondere muss sich der Täter bewusst sein
  oder mit der Möglichkeit rechnen, dass die Sache einem anderen gehört, und
  stets ist auch der Wille erforderlich, den Zustand der Sache im vorher
  umschriebenen Sinne zu verändern (Donatsch, Strafrecht III, a.a.O., S. 183).

  
	
   

  
	
  3.3.2.
  Vorliegend
  war dem Beschuldigten das fremde Eigentumsrecht an der Arrestzelle sowie der
  Zelle 1 des Kantonsgefängnisses Glarus wie auch an der dort
  installierten Überwachungskamera zweifelsohne bekannt. Indem er den Verputz
  abkratzte, eine Abdeckung demontierte, eigenen Kot an Wände, an die Türe und
  an die Überwachungskamera schmierte und eine Zelle mit Wasser flutete,
  manifestierte er seinen Willen, diese Sachen zu beschädigen bzw. in ihrer
  Ansehnlichkeit zu beeinträchtigen. Demzufolge erfüllt der Beschuldigte auch
  den subjektiven Tatbestand der Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1 SIGB.

  
	
   

  
	
  3.4. Der Beschuldigte
  hat somit wissentlich und willentlich eine fremde Sache beschädigt und
  dadurch tatbestandsmässig im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
  gehandelt. Der erforderliche Strafantrag liegt vor (vgl. vorne,
  E. II.2.).

  
	
   

  
	
  3.5. Rechtfertigungsgründe
  sind keine ersichtlich. Insbesondere ist kein rechtfertigender Notstand im
  Sinne von Art. 17 StGB gegeben: Notstand liegt vor, wenn die
  Tat begangen wurde, um ein eigenes oder das Rechtsgut einer anderen Person
  aus einer unmittelbaren, nicht anders abwendbaren Gefahr zu retten (Mona/Leu,
  recht 2011, S. 189). Wer zur Duldung von Eingriffen in Rechtsgüter
  verpflichtet ist, kann diese nicht unter Berufung auf Notstand abwenden
  (Donatsch, OFK StGB, Art. 17 N 3 m.H. auf BGE 104 IV 229, E. 4).
  Gemäss Art. 29b Abs. 1 Ziff. 6 EG StGB/GL stellt im Kantonsgefängnis Glarus u.a.
  das Einführen sowie der Besitz von "nicht bewilligtem Geld" unter
  Umgehung der Kontrolle eine disziplinarische Verfehlung dar. Eine solche kann
  z.B. mittels zeitweisen Entzugs oder Beschränkung der Verfügung über
  Geldmittel geahndet werden (Art. 29c Abs. 1
  Ziff. 2 EG
  StGB/GL). Somit war der Beschuldigte verpflichtet, den Eingriff in seine
  Vermögensinteressen durch Beschlagnahme des bei ihm gefundenen Geldes zu
  dulden. Eine Notstandsituation ist daher zu verneinen. Damit entfällt nicht
  nur ein rechtfertigender Notstand im Sinne von Art. 17 StGB, sondern
  auch ein entschuldbarer Notstand im Sinne von Art. 18 StGB. Ein
  rechtfertigender Notstand würde im Übrigen selbst dann ausscheiden, wenn man
  entgegen den vorstehenden Erwägungen eine Notstandsituation bejahen würde: Gemäss
  eigenen Aussagen wollte der Beschuldigte mit seinen Beschädigungshandlungen
  gegen das seines Erachtens unrichtige Vorgehen des Gefängnispersonals
  protestieren, bei ihm versteckt in einer Shampooflasche gefundenes Geld zu
  beschlagnahmen (vgl. v.a. U-act. 8.1.04
  S. 1 f. Fr. 2-4, S. 3 Fr. 12; act. 15 S. 5
  Fr. 17; act. 28; act. 41 S. 13). Insoweit im
  Verhalten des Beschuldigten überhaupt eine Notstandshandlung erblickt werden
  kann, handelte er also nach eigenen Aussagen nicht – wie für die Anwendung
  von Art. 17 StGB vorausgesetzt (vgl. BGer 6B_495/2016 vom
  16. Februar 2017, E. 2.1.1.; BGer 6B_808/2011 vom 24. Mai 2012, E. 2.1;
  Donatsch, OFK StGB, Art. 18 N 8 f., je m.w.H.) – zum Schutz
  höherwertiger Interessen, sondern ging es – wie andererseits auch bei den
  durch von ihm verursachten Sachschäden – um das Rechtsgut des Vermögens.

  
	
   

  
	
  3.6.

  
	
  3.6.1. Im Rapport der
  Kantonspolizei Glarus vom 4. September 2017 zum Vorfall im
  Kantonsgefängnis Glarus heisst es, der Beschuldigte sei nach dem
  Polizeieinsatz aufgrund seines "psychopathischen Verhaltens"
  (Selbstgefährdung) zunächst zur Wundversorgung ins Spital Glarus gebracht und
  danach in die Psychiatrische Klinik Wil SG transportiert worden (U-act. 8.1.01
  S. 2 Mitte, S. 4). Der Beschuldigte bestätigte diesen Sachverhalt (U-act. 8.1.04
  S. 4 Fr. 23). Weiter gab der Beschuldigte in seiner polizeilichen
  Befragung vom 4. Juli 2017 zu Protokoll, die ihm zur Last gelegten
  Handlungen seien dadurch zu erklären, dass er wegen der Wegnahme von Geld
  wütend gewesen sei, in der kleinen Gefängniszelle nicht mehr klar habe denken
  können und "durchgedreht" sei (U-act. 8.1.04
  S. 2 ff. Fr. 2, 8, 18, 20).

  Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Schuldfähigkeit des
  Beschuldigten im Tatzeitraum (3. bis 6. März 2017; vgl.
  act. 3 S. 3, U-act. 8.1.02 und U-act. 8.1.04
  S. 2 f. v.a. Fr. 5 und 9) ausgeschlossen oder eingeschränkt
  war.

  
	
   

  
	
  3.6.2. War
  der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen
  oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19
  Abs. 1 StGB). War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht
  seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das
  Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Besteht ernsthafter Anlass, an der
  Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln, so ordnet die Untersuchungsbehörde
  oder das Gericht die Begutachtung durch einen Sachverständigen an (Art. 20
  StGB).

  Ein Gutachten ist anzuordnen,
  wenn das Gericht nach den Umständen des Falles ernsthafte Zweifel an der
  Schuldfähigkeit hat oder haben sollte. Bei der Prüfung dieser Zweifel ist zu
  berücksichtigen, dass nicht jede geringfügige Herabsetzung der Fähigkeit,
  sich zu beherrschen, genügt, um verminderte Zurechnungsfähigkeit anzunehmen.
  Der Betroffene muss vielmehr in hohem Masse in den Bereich des Abnormen
  fallen. Seine Geistesverfassung muss nach Art und Grad stark vom Durchschnitt
  nicht bloss der Rechts-, sondern auch der Verbrechensgenossen abweichen. Die
  Notwendigkeit, einen Sachverständigen zuzuziehen, ist erst gegeben, wenn
  Anzeichen vorliegen, die geeignet sind, Zweifel hinsichtlich der vollen
  Schuldfähigkeit zu erwecken, wie etwa ein Widerspruch zwischen Tat und
  Täterpersönlichkeit oder ein völlig unübliches Verhalten. Zeigt das Verhalten
  des Täters vor, während und nach der Tat, dass ein Realitätsbezug erhalten
  war, dass er sich an wechselnde Erfordernisse der Situation anpassen, auf
  eine Gelegenheit zur Tat warten oder diese gar herbeiführen konnte, so hat
  eine schwere Beeinträchtigung nicht vorgelegen (zum Ganzen: BGer 6B_254/2014
  vom 18. August 2014, E. 5.2 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  3.6.3.
  Wie
  sich insbesondere aus dem Fotobogen der Kantonspolizei Glarus vom
  29. Mai 2018 (U-act. 8.1.05) ergibt, setzen zumindest die vom Beschuldigten im
  Kantonsgefängnis Glarus verübten Beschädigungshandlungen des Abnehmens einer
  Aluminiumabdeckung und des Beschmierens der an der Zellendecke
  montierten Überwachungskamera mit Kot (vgl. vorne, E. VI.) einiges an
  Koordinationsvermögen voraus. Wer hierzu fähig ist, ist auch fähig, die
  nötige Willensanstrengung aufzubringen, um diese Handlungen zu unterlassen
  und damit sein Verhalten normgemäss zu steuern. Hinzu kommt, dass der
  Beschuldigte aussagte, dass er mit seinem Verhalten gegen die unrichtige
  Behandlung im Gefängnis protestieren habe wollen (U-act. 8.1.04
  S. 3 Fr. 12; act. 15 S. 5
  Fr. 17). Auch dies belegt, dass der Beschuldigte bewusst und
  mit Realitätsbezug bei der Sache war sowie koordiniert und
  zielgerichtet handelte. Sein Verhalten erweist sich nicht als völlig
  unüblich, sodass an seiner Schuldfähigkeit zu zweifeln wäre. Insgesamt
  besteht also aufgrund der Umstände objektiv kein ernsthafter Anlass zu
  Zweifeln an der Schuldfähigkeit des Beschuldigten.

  
	
   

  
	
  3.6.4. Aus diesen Erwägungen
  folgt, dass beim Beschuldigten vom 3. bis 6. März 2017, dem Zeitraum der
  Vorfälle im Kantonsgefängnis Glarus (vgl. act. 3 S. 3,
  U-act. 8.1.02 und U-act. 8.1.04 S. 2 f. v.a. Fr. 5
  und 9), keine Verminderung der Schuldfähigkeit, geschweige denn eine
  Schuldunfähigkeit, vorlag. Der Beschuldigte machte denn auch selber im
  Strafverfahren nie (auch bloss sinngemäss) geltend (vgl. v.a.
  U-act. 8.1.04 sowie act. 13 f, act. 28 und act. 41), nicht vollumfänglich
  fähig zur Einsicht in das Unrecht seiner Handlungen sowie nicht vollumfänglich
  fähig, nach dieser Einsicht zu handeln, gewesen zu sein. Unter den gegebenen
  Umständen kann auf die Einholung eines Gutachtens verzichtet werden.

  
	
   

  
	
  3.7. Nach dem Gesagten
  ist der Beschuldigte der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
  StGB schuldig zu sprechen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  VIII.

  Strafzumessung

  
	
   

  
	
  1. Grundsätze; Strafrahmen

  
	
  1.1. Wie aufgezeigt, ist
  der Beschuldigte der mehrfachen Missachtung einer Ausgrenzung im Sinne von
  Art. 119 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 74 Abs. 1 lit. a
  AIG, des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1
  lit. b AIG sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
  StGB schuldig zu sprechen. Somit ist im Folgenden zu prüfen, welche Strafe
  hierfür gegen ihn auszusprechen ist.

  
	
   

  
	
  1.2.
  Das Gericht hat in einem begründeten Urteil die für die Zumessung der
  Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten (Art. 50
  StGB). Zunächst ist ausgehend von den vom Beschuldigten erfüllten
  Tatbeständen der allgemeine Strafrahmen festzulegen. Dieser ergibt sich aus
  der abstrakten Strafandrohung für das begangene Delikt und erweitert sich bei
  Vorliegen von Strafmilderungsgründen gemäss Art. 48 StGB nach unten
  (Strafmilderung) sowie bei Konkurrenz gemäss Art. 49 StGB nach oben
  (Strafschärfung). Innerhalb dieses so festgestellten Strafrahmens ist in
  einem zweiten Schritt die Strafe nach der Regel von Art. 47 StGB
  festzulegen (im Einzelnen: BGE 136 IV 55, E. 5.8; Heimgartner, OFK StGB,
  Art. 47 N 2-5).

  
	
   

  
	
  1.3.

  
	
  1.3.1. Hat
  der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere
  gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49
  Abs. 1 StGB zur Strafe der schwersten Straftat (Einsatzstrafe) und
  erhöht sie in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen (Gesamtstrafe).
  Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist indes nur
  bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu
  verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige
  Strafen ausgesprochen werden. Geld- und Freiheitsstrafe sind keine
  gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Gericht kann
  auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für
  jeden einzelnen Normverstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde. Dass die
  anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen vorsehen,
  genügt nicht (zum Ganzen z.B. BGer 6B_210/2017 vom 25. September 2017,
  E. 2.2.1. und BGer 6B_1011/2014 vom 16. März 2015, E. 4.3.2.,
  je m.w.H.). Da indes diese konkrete Methode nicht in jedem Fall adäquat ist,
  lässt die bundesgerichtliche Rechtsprechung zahlreiche Ausnahmen von diesem
  Grundsatz zu (vgl. Heimgartner, OFK StGB, Art. 49 N 5; Mathys,
  Leitfaden Strafzumessung, Basel 2016, u.a. N 411; grundlegend zum
  Ganzen: BGE 144 IV 217 und BGer 6B_241/2018 vom 4. Oktober 2018,
  E. 1.3.2. ff.).

  
	
   

  
	
  1.3.2. Das andauernde und
  ununterbrochene rechtswidrige Verweilen in der Schweiz im Sinne von Art. 115
  Abs. 1 lit. b AIG (bzw. vormals AuG) ist ein Dauerdelikt. Fehlt es nach einem
  ersten Schuldspruch für eine zweite Verurteilung an einem neuen
  Tatentschluss, ist bei der Strafzumessung zu beachten, dass die Summe der
  wegen des Dauerdelikts ausgesprochenen Strafen dem Gesamtverschulden
  angemessen sein muss und die im Gesetz angedrohte Höchststrafe von
  einem Jahr Freiheitsstrafe nicht überschreiten darf (zum Ganzen z.B. BGer
  6B_118/2017 vom 14. Juli 2017, E. 5.3.2.; Albrecht, Asyl 4/14,
  S. 4 f., je m.w.H.).

  Im vorliegenden Fall ist davon
  auszugehen, dass der Beschuldigte nach seiner Haftentlassung am
  13. September 2017 keinen neuen Tatentschluss gefasst hat, weiterhin
  illegal in der Schweiz zu leben: Seit dem Rückzug seines zweiten Asylgesuches
  im September 2008 (vgl. U-act. 8.3.05 und act. 41 S. 5)
  verblieb er ohne Aufenthaltsrecht in der Schweiz und liess sich auch von
  mehreren Strafverfahren und Freiheitsstrafen (vgl. U-act. 1.1.05) nicht
  davon abhalten, hier zu bleiben. Offensichtlich fällte der Beschuldigte den
  Entscheid, nicht in sein Heimatland Algerien zurückzugehen bzw. ohne Aufenthaltsrecht
  in der Schweiz zu bleiben, also bereits im Herbst 2008 und hielt seither
  ununterbrochen an diesem fest. Dies, zumal sich seit den
  abschlägigen Asylentscheiden vom August bzw. September 2008 (vgl.
  U-act. 8.3.05 und act. 41 S. 5) an der Ausgangslage für den Beschuldigten nie
  etwas änderte.

  Wie sich aus den bei den Akten liegenden Strafregisterauszügen
  ergibt, wurde der Beschuldigte in früheren Strafverfahren schon 14 Male
  wegen rechtswidrigen Aufenthalts in der Schweiz im Sinne von Art. 115
  Abs. 1 lit. b AIG (bzw. vormals AuG) verurteilt. In sämtlichen
  diesbezüglichen Strafentscheiden wurde er zugleich noch weiterer Delikte
  schuldig gesprochen und mit Ausnahme seiner ersten Verurteilung (bedingte
  Geldstrafe und Busse) mit Freiheitsstrafen von zwischen 40 und 120 Tagen
  (insgesamt für die jeweils abgeurteilten Delikte) belegt (zum Ganzen:
  U-act. 1.1.02-05). Aufgrund des Umstands, dass in den Strafentscheiden
  betreffend rechtswidrigen Aufenthalt jeweils auch noch Schuldsprüche wegen
  anderer Delikte enthalten sind, lässt sich zwar die für das Delikt des
  rechtswidrigen Aufenthalts allein gegen den Beschuldigten bislang insgesamt
  ausgesprochene Strafe nicht genau ermitteln. Dennoch ist aufgrund der
  zahlreichen früheren Verurteilungen doch anzunehmen, dass insofern die in
  Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG vorgesehene Höchststrafe von einem Jahr
  Freiheitsstrafe insgesamt bereits überschritten ist. Infolgedessen ist der
  Beschuldigte im vorliegenden Verfahren zwar wegen rechtswidrigen Aufenthalts
  in der Schweiz im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG
  schuldig zu sprechen (vgl. vorne, E. VII.2.), eine Strafe ist hierfür
  aber nicht auszufällen.

  
	
   

  
	
  1.3.3. Wie nachfolgend
  näher dargelegt wird, rechtfertigt es sich sowohl für die vom Beschuldigten
  begangene mehrfache
  Missachtung einer Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AIG
  i.V.m. Art. 74 Abs. 1 lit. a AIG als auch für die von ihm
  verübte Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,
  eine Freiheitsstrafe auszufällen. Damit gelangt strafschärfend Art. 49
  Abs. 1 StGB zur Anwendung. Es ist mithin eine Gesamtstrafe zu bilden.
  Die Strafe der schwersten Straftat (Einsatzstrafe) ist angemessen zu erhöhen,
  wobei das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte
  erhöht werden darf (Art. 49 Abs. 1 StGB).

  
	
   

  
	
  1.3.4. In Bezug auf den
  Vorfall im Kantonsgefängnis Glarus fragt sich, ob ein Strafmilderungsgrund im
  Sinne von Art. 48 StGB vorliegt. Dies ist zu verneinen: Der
  Strafmilderungsgrund des Handelns in schwerer Bedrängnis (Art. 48
  lit. a Ziff. 2 StGB) ist nur gegeben, wenn Abhilfe nicht auf andere
  Weise möglich war (Wiprächtiger/Keller, BSK StGB II, Art. 48
  N 15). Dies ist hier nicht der Fall, hätte doch der Beschuldigte gegen
  die Beschlagnahme des bei ihm gefundenen Gelds den Rechtsweg beschreiten
  können. Auch der Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48 lit. c StGB
  gelangt nicht zur Anwendung. Zwar mag beim Beschuldigten eine heftige
  Gemütsbewegung bestanden haben, doch beruhte diese überwiegend auf eigener
  Schuld, weil er entgegen den im Kantonsgefängnis Glarus geltenden Regeln sein
  Geld nicht an die Gefängnisleitung abgab bzw. von dieser dessen Besitz
  bewilligen liess (vgl. vorne, E. VII.3.5.). Unter diesen Umständen
  scheidet der Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48 lit. c StGB aus
  (vgl. Wiprächtiger/Keller, BSK StGB I, Art. 48 N 28). Weitere
  Strafmilderungsgründe, sei es gemäss Art. 48 StGB, sei es gemäss anderen
  Bestimmungen des StGB (vgl. hierzu Heimgartner, OFK StGB, Art. 48a
  N 1) sind ebenfalls nicht gegeben. Insbesondere lag beim Beschuldigten
  bei keinem der Delikte eine verminderte Schuldfähigkeit vor (vgl. vorne,
  E. VI.3.6.).

  
	
   

  
	
  1.3.5. Die tat- und
  täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen
  Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Der
  ordentliche Strafrahmen wird durch Strafschärfungs- oder
  Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert. Der ordentliche Rahmen ist
  nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die
  betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde
  erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8.; Mathys, a.a.O., N 213 f.,
  309 ff.; Heimgartner, OFK StGB, Art. 48a N 4). 

  
	
   

  
	
  1.3.6. Missachtung einer
  Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 74
  Abs. 1 lit. a AIG wie auch Sachbeschädigung im
  Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sind mit Freiheitsstrafe
  bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bedroht. Ausserordentliche Umstände,
  aufgrund derer es angezeigt wäre, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen,
  liegen nicht vor. Die vorliegend gegebenen Strafschärfungsgründe der
  Deliktsmehrheit und der mehrfachen Tatbegehung sind somit innerhalb des
  ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen.

  
	
   

  
	
  1.4.

  
	
  1.4.1. Innerhalb des
  Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters,
  wobei es dessen Vorleben und persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der
  Strafe auf sein Leben berücksichtigt (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das
  Verschulden bestimmt sich nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des
  betroffenen Rechtsguts, der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen
  und Zielen des Täters sowie dem Grad, zu dem der Täter nach den inneren und
  äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu
  vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Zu unterscheiden ist bei der
  Strafzumessung also zwischen einer Tatkomponente, welche die Modalitäten des
  zu beurteilenden Delikts berücksichtigt, und einer Täterkomponente, die das
  Vorleben, die persönlichen Verhältnisse des Täters und das Verhalten des
  Täters nach der Tat sowie im Strafverfahren umfasst (Heimgartner, OFK StGB,
  Art. 47 N 6 ff. m.w.H.; vgl. zum Ganzen bspw. auch BGE 141 IV
  61 E. 6.1.1, BGer 6B_699/2018 vom 7. Februar 2019, E. 5.3.1.,
  BGer 6B_98/2017 vom 1. September 2017, E. 3.1 und BGE 136 IV 55
  E. 5.4 ff.).

  
	
   

  
	
  1.4.2. Ausgangspunkt bei
  der Tatkomponente bildet die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der
  Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. das Ausmass des
  schuldhaft verursachten Erfolges sowie die Art und Weise der Tatbegehung.
  Mitberücksichtigt werden muss die subjektive Tatschwere. Diese ergibt sich
  aus der Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat, also der
  Intensität des deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat (BGer
  6B_98/2017 vom 1. September 2017, E. 3.1). Zu beurteilen ist, wie dem
  Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Egoistische
  Beweggründe, Handeln aus eigenem Antrieb und dergleichen wirken
  verschuldenserhöhend, während beispielsweise ein Handeln mit Eventualvorsatz
  statt direktem Vorsatz oder die in Art. 48 StGB genannten
  Strafmilderungsgründe strafmindernd zu gewichten sind (Mathys, a.a.O., v.a.
  N 99 ff.).

  
	
   

  
	
  1.4.3. Als täterbezogene
  Elemente (Täterkomponente) zu beachten sind das Vorleben, die persönlichen
  Verhältnisse, die Strafempfindlichkeit sowie das Nachtatverhalten. Unter dem
  letztgenannten Gesichtspunkt sind allenfalls gezeigte Reue und Einsicht,
  Geständnisse, Kooperation mit den Untersuchungsbehörden, Wiedergutmachung
  etc. strafmindernd zu berücksichtigen. Hingegen wirken z.B. Vorstrafen (insb.
  zahlreiche und einschlägige), verwerfliche Gesinnung, schlechter Leumund und
  extreme Uneinsichtigkeit straferhöhend (BGer 6B_98/2017 vom 1. September
  2017, E. 3.1; Heimgartner, OFK StGB, Art. 47 N 14 ff.).

  
	
   

  
	
  1.4.4. Bei der Bildung der
  Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat das Gericht zunächst die
  Einsatzstrafe für die schwerste Tat unter Einbezug aller diesbezüglicher
  straferhöhender und strafmindernder Umstände (Tatkomponenten und – soweit ein
  Bezug [einzig] zu dieser Tat besteht – Täterkomponenten) festzulegen. In
  einem weiteren Schritt sind im gleichen Sinn die übrigen Delikte zu beurteilen.
  Unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände und des Asperationsprinzips
  ist die hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche Delikte festzulegen. Dabei
  sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr
  Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die
  Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und
  Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen
  Delikts ist dabei in der Regel geringer zu veranschlagen, wenn die Delikte
  zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen. Nach der
  Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind
  schliesslich die Täterkomponenten, die zu allen Delikten einen Bezug haben,
  zu berücksichtigen. So ergibt sich die definitive Gesamtstrafe (zum Ganzen:
  BGer 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010, E. 3.2; BGer 6B_865/2009 vom
  25. März 2010, E 1.6.1; BGer 6B_496/2011 vom 19. November
  2012, E. 2 und E. 4.2; OG ZH, SB150294 vom 15. November 2015,
  E. II.3.3.2.; Mathys, a.a.O. N 356-378).

  
	
   

  
	
  2. Einsatzstrafe
  (Sachbeschädigung)

  
	
  2.1. Zunächst ist die
  Einsatzstrafe für die vom Beschuldigten begangene Sachbeschädigung
  (Art. 144 StGB) als schwerstem Delikt zu bemessen.

  
	
   

  
	
  2.2. Der Beschuldigte hat
  eine Mehrzahl von Beschädigungen verursacht (vgl. vorne, E. VI.), dies
  in zwei verschiedenen Gefängniszellen. Damit liegt eine ernstliche
  Rechtsgutsbeeinträchtigung vor und das Vorgehen des Beschuldigten zeugt von einer
  bemerkenswerten Hartnäckigkeit sowie Gleichgültigkeit. Die betragsmässig
  genaue Höhe des vom Beschuldigten bewirkten Schadens ist zwar nicht erstellt,
  jedenfalls ist dieser aber nicht unwesentlich hoch (vgl. vorne,
  E. VI.3.), Insgesamt ist die objektive Tatschwere demnach als erheblich
  zu qualifizieren.

  
	
   

  
	
  2.3. Der Beschuldigte
  handelte mit direktem Vorsatz, was nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck kommt,
  dass er als Motiv angab, er habe damit gegen die – seines Erachtens –
  ungerechte Behandlung protestieren wollen (U-act. 8.1.04
  S. 1 f. Fr. 2, S. 3 Fr. 12; act. 15 S. 5
  Fr. 17). Der Beschuldigte agierte daher auch gleichsam aus Frustration
  bzw. Wut (vgl. auch U-act. 8.1.04 S. 3 Fr. 18). Ferner wären
  die Beschädigungshandlungen im Kantonsgefängnis Glarus für den Beschuldigten
  grundsätzlich vermeidbar gewesen, wenngleich andererseits seine Frust- bzw.
  Wutreaktion angesichts der im Gefängnis zweifelsohne herrschenden psychischen
  Drucksituation ein Stück weit nachvollziehbar ist. In subjektiver Hinsicht
  liegt demnach insgesamt eine nicht mehr leichte Tatschwere vor.

  
	
   

  
	
  2.4. Gesamthaft betrachtet
  ist das Tatverschulden nach dem Gesagten als mittelschwer einzustufen. Es
  erscheint verschuldensangemessen, für die vom Beschuldigten begangene
  Sachbeschädigung eine Einsatzstrafe von rund 100 Tageseinheiten festzulegen.

  
	
   

  
	
  3. Provisorische Gesamtstrafe

  
	
  3.1. Die objektive
  Tatschwere bezüglich der zwei Missachtungen der Ausgrenzungen ist als eher
  leicht zu betrachten. Dies insbesondere, da seit Erlass der massgebenden Ausgrenzungsverfügungen
  bereits die lange Zeitdauer von rund drei bzw. siebeneinhalb Jahren
  verstrichen war (vgl. act. 3 S. 2 f.). Ausserdem hielt sich
  der Beschuldigte – gemäss eigenen Aussagen (U-act. 8.3.02 S. 3
  Fr. 19 i.V.m. act. 3 S. 1; Gegenteiliges ist nicht bewiesen) –
  bis zu seiner Festnahme bloss etwas mehr als zweieinhalb Stunden in Zürich
  auf. Wie lange er sich unzulässigerweise im Kanton Luzern aufhielt, ist weder
  im Strafbefehl umschrieben (vgl. act. 3 S. 3 oben) noch aufgrund
  der Akten bewiesen. Verschuldenserhöhend fällt demgegenüber die mehrfache
  Tatbegehung ins Gewicht.

  
	
   

  
	
  3.2. Unter dem
  Gesichtspunkt der subjektiven Tatschwere wirkt sich bei den beiden
  Missachtungen der Ausgrenzungen je merklich verschuldensmindernd aus, dass
  der Beschuldigte nicht direkt-, sondern „nur“ eventualvorsätzlich handelte.
  Über die eigentlichen Motive seiner Aufenthalte in Zürich bzw. Luzern ist
  sehr wenig (U-act. 8.3.02 S. 3 Fr. 20: er habe in Zürich den
  Abend verbringen wollen) bis nichts bekannt (vgl. U-act. 8.3.02,
  act. 15 und act. 41). Die subjektive Tatschwere ist demnach als
  leicht zu werten.

  
	
   

  
	
  3.3. Insgesamt ist
  aufgrund der vorstehenden Erwägungen für das Delikt der mehrfachen
  Missachtung einer Ausgrenzung – bereits unter Berücksichtigung des
  Asperationsprinzips (vgl. vorne, E. VIII.1.3.1.) – lediglich eine mässige
  Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um 20 Tageseinheiten auf 120
  Tageseinheiten vorzunehmen.

  
	
   

  
	
  4. Täterkomponenten

  
	
  4.1. Der Beschuldigte
  wurde am [...] geboren und wuchs in Algerien auf. Er besuchte dort bis zum
  8. Schuljahr die Schule. In der Folge absolvierte er weder eine
  Ausbildung noch hatte er jemals eine Arbeitsstelle inne. Im Jahr 2007
  flüchtete er nach Frankreich und drei Monate später kam er in die Schweiz.
  Auf ein erstes von ihm gestelltes Asylgesuch traten die schweizerischen
  Behörden nicht ein, ein zweites Asylgesuch zog der Beschuldigte zurück. Auch
  nach diesen Entscheiden wohnte der Beschuldigte indes in diversen Asylheimen
  in der Schweiz. Derzeit und noch bis am 28. Mai 2019 ist der
  Beschuldigte in der Strafanstalt Gmünden in Niederteufen AR inhaftiert, um
  eine früher gegen ihn ausgesprochene Freiheitsstrafe zu vollziehen. Vor
  seinem Eintritt ins Gefängnis bezog er pro Tag CHF 8.– Nothilfe.
  Schulden weist der Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen keine auf. Vielmehr
  gab er an, im Gefängnis rund CHF 2'400.– angespart zu haben. Der ledige
  und kinderlose Beschuldigte verfügt über keine in der Schweiz lebende
  Bezugspersonen. Hingegen pflegt er – soweit umständehalber möglich – Kontakt
  zu in Algerien lebenden Verwandten (insbesondere Bruder, Tante und Onkel).
  Seine Eltern sind in den Jahren 2002 bzw. 2017 verstorben (zum Ganzen v.a.
  U-act. 1.1.01, act. 15 S. 3 Fr. 6 ff., act. 40,
  act. 41 S. 4 ff.). Aus dem Vorleben und den persönlichen
  Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich weder straferhöhende noch
  strafmindernde Momente. Insbesondere kann die aufgrund seiner illegalen
  Anwesenheit gewiss nicht einfache Lebenssituation des Beschuldigten nicht
  entlastend berücksichtigt werden, da er diese letztlich selbst zu vertreten
  hat (vgl. insbesondere vorne, E. VI.2.2. ff., betreffend seinen
  Mitwirkungspflichten).

  
	
   

  
	
  4.2. Gemäss
  Strafregisterauszug (U-act. 1.1.05) weist der Beschuldigte
  29 Vorstrafen auf, davon viele unbedingte Freiheitsstrafen von 30 Tagen
  bis 10 Monaten Dauer. Wie soeben erwähnt (E. VIII.4.1.), befindet er
  sich auch gegenwärtig und noch bis am 28. Mai 2019 im Strafvollzug. Ein
  Gesuch um vorzeitige, bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug wurde am
  15. Januar 2019 abgewiesen (act. 40). Angesichts der zahlreichen,
  in Bezug auf das Delikt der mehrfachen Missachtung einer Ausgrenzung
  teilweise einschlägigen Vorstrafen ist die theoretische Einsatzstrafe spürbar
  zu erhöhen. 

  
	
   

  
	
  4.3. Bezüglich des
  äusseren Sachverhalts der Sachbeschädigung hat der Beschuldigte von Beginn an
  ein Teilgeständnis in grösserem Umfang abgelegt (vgl. U-act. 8.1.04).
  Dieses hat das Strafverfahren in einem gewissen Masse vereinfacht. Daher ist
  es dem Beschuldigten leicht strafmindernd anzurechnen. In Bezug auf die
  mehrfache Missachtung einer Ausgrenzung gab der Beschuldigte zwar zu, zu den
  fraglichen Zeitpunkten in den von den beiden Ausgrenzungsverfügungen
  erfassten Gebieten (Kantone Zürich und Luzern) gewesen zu sein. Dies
  erleichterte jedoch die Strafuntersuchung nicht, da der Beschuldigte ohnehin
  beide Male von der Polizei angehalten wurde. Ein Geständnis ist ferner in
  seiner Zugabe auch deshalb nicht zu erblicken, weil er sich auf den
  Standpunkt stellt, rechtmässig gehandelt zu haben.

  
	
   

  
	
  4.4. Insgesamt führen die
  dargelegten täterbezogenen Elemente zu einer nicht unerheblichen Erhöhung der
  Einsatzstrafe.

  
	
   

  
	
  5. Definitive Gesamtstrafe

  
	
  In Würdigung sämtlicher
  Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte für die von ihm verwirklichten
  Tatbestände insgesamt mit einer Strafe von 150 Tageseinheiten zu
  bestrafen.

  
	
   

  
	
  6. Sanktionsart und Vollzug

  
	
  6.1.

  
	
  6.1.1. Der Beschuldigte
  hat die Delikte der Sachbeschädigung und der mehrfachen Missachtung einer
  Ausgrenzung nach Inkrafttreten des revidierten Strafgesetzbuches am 1. Januar
  2007, aber vor Inkrafttreten der per 1. Januar 2018 wirksamen StGB-Revision
  begangen.

  
	
   

  
	
  6.1.2. Wer vor dem 1.
  Januar 2018 eine Tat verübt hat, aber erst nachher verurteilt wird, wird nach
  dem alten Recht beurteilt, es sei denn, das neue Recht sei das mildere
  (Art. 2 StGB). Ob das neue im Vergleich zum alten Gesetz milder ist,
  bestimmt sich nach der konkreten Methode. Der Gesetzesvergleich hat sich nach
  einem objektiven Massstab zu richten. Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit
  sind gegenüber einer Freiheitsstrafe milder (zum Ganzen: Heimgartner, OFK
  StGB, Art. 34 N 7 m.w.H.; BGE 134 IV 82).

  
	
   

  
	
  6.2.

  
	
  6.2.1. Das Gericht schiebt
  den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei
  Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig
  erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen
  abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB [alte und neue Fassung insofern
  identisch]). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu
  einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten
  oder zu einer Geldstrafe von mehr als 180 Tagessätzen verurteilt, so ist
  der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen
  (Art. 42 Abs. 2 StGB neue Fassung [und dazugehörige Übergangsbestimmung],
  Art. 2 Abs. 2 StGB).

  
	
   

  
	
  6.2.2. Neben anderen
  Bestrafungen wurde der Beschuldigte am 29. September 2015 durch das
  Kreisgericht See-Gaster zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von
  10 Monaten verurteilt (U-act. 1.1.05 S. 9 f.). Aufgrund
  von Art. 42 Abs. 2 StGB ist daher zu prüfen, ob besonders günstige
  Umstände vorliegen, die es rechtfertigen, den Vollzug der auszusprechenden
  Geldstrafe oder Freiheitsstrafe aufzuschieben. Dies ist zu verneinen. Denn
  bei den Vorstrafen des Beschuldigten handelt es sich zumindest teilweise um
  einschlägige Vorstrafen (vgl. U-act. 1.1.05). Ausserdem haben sich
  dessen Lebensumstände nach den Taten nicht entscheidend positiv in dem Sinne
  verändert, als dass trotz seiner Vortaten eine begründete Aussicht auf Bewährung
  angenommen werden könnte (nach wie vor illegaler Aufenthalt in der Schweiz in
  Gefängnissen bzw. Asylunterkünften).

  
	
   

  
	
  6.2.3. Nach dem Gesagten
  fällt ein bedingter Strafvollzug ausser Betracht.

  
	
   

  
	
  6.3.

  
	
  6.3.1. Gemäss Art. 41 Abs.
  1 StGB in der vor dem 1. Januar 2018 in Kraft gestandenen Fassung darf
  das Gericht auf eine kurze unbedingte Freiheitsstrafe nur erkennen, wenn der
  Vollzug der Geldstrafe oder der gemeinnützigen Arbeit voraussichtlich nicht
  möglich ist. Art. 41 Abs. 1 StGB (frühere Fassung) verankerte somit für
  Strafen unter sechs Monaten eine gesetzliche Prioritätsordnung zugunsten
  nicht freiheitsentziehender Sanktionen (BGer 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018,
  E. 1.3.2. und BGer 6B_118/2017 vom 14. Juli 2017, E. 4.2.1.,
  je m.w.H.).

  Demgegenüber kann nach Art. 41 Abs. 1 StGB in der aktuell geltenden
  Fassung das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe
  erkennen, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung
  weiterer Verbrechen

  oder Vergehen abzuhalten oder wenn eine Geldstrafe voraussichtlich nicht
  vollzogen werden kann.

  Demzufolge kommen nach neuem
  Recht (bedingte oder) unbedingte Freiheitsstrafen unter sechs Monaten nicht
  nur noch ausnahmsweise in Betracht, wie es nach zwischen dem 1. Januar
  2007 und dem 31. Dezember 2017 geltenden Recht (bei unbedingten Strafen)
  der Fall war (Heimgartner, OFK StGB, Art. 41 N 2). Letzteres Recht
  ist also insofern milder, sodass sich vorliegend nach diesem beurteilt,
  welche Sanktionsart gegen den Beschuldigten auszusprechen ist.

  
	
   

  
	
  6.3.2. Zum Vornherein ausser Betracht fällt die Anordnung
  von gemeinnütziger Arbeit (gemäss vor dem 1. Januar 2018 geltenden Recht
  eine eigenständige Strafart, nun blosse Vollzugsform, vgl. Art. 79a StGB
  und Art. 37 aStGB) gegenüber dem sich illegal in der Schweiz
  aufhaltenden Beschuldigten (vgl. BGer 6B_118/2017 vom 14. Juli 2017,
  E. 4.2.2. m.w.H.). 

  
	
   

  
	
  6.3.3. Gemäss der
  bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur hier massgeblichen (vgl. soeben,
  E. VIII.6.3.1.), früheren Fassung von Art. 41 Abs. 1 StGB ist
  die Möglichkeit, ausnahmsweise eine unbedingte Freiheitsstrafe von weniger
  als sechs Monaten zu verhängen, in den Fällen gerechtfertigt, in denen
  gewährleistet werden muss, dass der Staat seinen Strafanspruch durchsetzen
  kann. Um die von Art. 41 Abs. 1 StGB (frühere Fassung) verlangte
  Vollstreckungsprognose stellen zu können, muss vorab die voraussichtliche
  Geldstrafe in den Grundzügen feststehen. Die Anzahl und die Höhe der
  Tagessätze sind nach den Grundsätzen von Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB
  festzusetzen. Erst aufgrund der so festgelegten Geldstrafe kann eine konkrete
  Vollstreckungsprognose gestellt werden. Wenn sie ungünstig ausfällt, muss auf
  eine kurze unbedingte Freiheitsstrafe erkannt werden.

  Bei der Abschätzung der
  Vollzugschancen ist nebst den Vollzugsmodalitäten auch die
  Aufenthaltsberechtigung des Betroffenen in die Prognose zu integrieren. Eine
  im Urteilszeitpunkt rechtskräftige Wegweisung kann den Vollzug einer
  Geldstrafe fraglich erscheinen lassen. Allerdings darf selbst von einer
  sicher bevorstehenden Ausschaffung nicht unbesehen auf die Unvollziehbarkeit
  der Geldstrafe geschlossen werden. Wenn die Geldstrafe sofort bzw. bis zum
  Ablauf der Ausreisefrist vollständig vollzogen werden kann, ist eine
  Gefährdung des Geldstrafenvollzugs ausgeschlossen. Das Gericht hat daher zu
  prüfen, ob der Verurteilte die Geldstrafe innert dieser Zeitspanne – mit
  seinem Einkommen oder allenfalls unter Rückgriff auf das Vermögen – bezahlen
  oder dafür entsprechende Sicherheiten leisten kann.

  Im Übrigen sind bei der Wahl der Sanktionsart ganz generell als wichtige
  Kriterien die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen
  auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu
  berücksichtigen. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ
  zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten
  Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die
  persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart
  trifft. Bei fehlender präventiver Effizienz der Geldstrafe kann das Gericht
  jedoch ungeachtet der Vollzugsprognose eine Freiheitsstrafe aussprechen (zum
  Ganzen: BGer 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018, E. 1.3.2., 1.3.5., m.w.H.).

  
	
   

  
	
  6.3.4. Der Beschuldigte
  wird die Schweiz nach Vollzug seiner Freiheitsstrafen bei nächster
  Gelegenheit verlassen müssen, da er sich illegal hier aufhält. Im Lichte der
  soeben dargelegten Rechtsprechung ist daher zu prüfen, ob er eine Geldstrafe
  sofort bezahlen könnte.

  Sofern eine Geldstrafe auszufällen
  sein sollte, wäre der Tagessatz beim mittellosen und nicht erwerbstätigen
  Beschuldigten (vgl. vorne, E. VIII.4.1.) auf den vom Bundesgericht auf
  CHF 10.– angesetzten Mindestansatz (BGer 6B_610/2009 vom 13. Juli 2010,
  E. 1.5, m.w.H.; vgl. für das neue Recht Art. 34 Abs. 2 StGB)
  festzulegen. Dies würde beim Vollzug der ihm aufzuerlegenden 150 Tagessätze
  eine Zahlung von CHF 1'500.– bedeuten.

  Der Beschuldigte gab zwar an,
  über im Gefängnis angespartes Bargeld im Betrag von rund CHF 2'400.– zu
  verfügen (act. 41 S. 6). Allerdings wird er mit dem vorliegenden
  Entscheid zur Zahlung von Verfahrenskosten in erheblichem Umfang verpflichtet
  (vgl. hinten, E. X.1.2. f.). Dies berücksichtigend ist klar zu
  verneinen, dass der Beschuldigte eine unbedingte Geldstrafe von CHF 1'500.–
  umgehend zu begleichen oder abzusichern in der Lage ist. Denn es ist nicht
  ersichtlich, wie sich der illegal in der Schweiz anwesende Beschuldigte auf
  legale Weise einen solchen Geldbetrag zu beschaffen vermögen soll.

  Damit bleibt als letzte Möglichkeit
  nur noch, eine unbedingte Freiheitsstrafe von 150 Tagen anzuordnen.
  Ohnehin drängt sich eine solche Freiheitsstrafe in Bezug auf sämtliche
  Delikte auch ungeachtet der soeben angestellten Vollstreckungsprognose aus
  Gründen der präventiven Effizienz und der Zweckmässigkeit auf (vgl. die
  zahlreichen, teils einschlägigen Vorstrafen sowie die bereits erfolgte
  Verbüssung längerer Freiheitsstrafen [siehe vorne, E. VIII.4.2., und
  U-act. 1.1.05]). 

  
	
   

  
	
  6.4. Anzufügen bleibt,
  dass der Verhängung einer Freiheitsstrafe für das vom
  Beschuldigten begangene Delikt der mehrfachen Missachtung einer Ausgrenzung (Art. 119
  Abs. 1 AIG) auch die EU-Rückführungsrichtlinie (Richtlinie 2008/115/EG
  des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über
  gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung
  illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger; ABl. L 348 vom 24. Dezember
  2008, S. 98 ff.) nicht entgegensteht. Denn die bundesgerichtliche
  Rechtsprechung, wonach zwecks Rückführungsrichtlinienkonformität im
  Ausländerstrafrecht unter Umständen auf die Verhängung und den Vollzug von
  Freiheitsstrafen verzichtet und an deren Stelle Geldstrafen verhängt werden
  müssen, ist vorliegend nicht einschlägig. Dies, weil die hier relevanten
  Ausgrenzungen gestützt auf Art. 74 Abs. 1 lit. a AIG bzw. AuG (Schutz
  der öffentlichen Sicherheit und Ordnung) und nicht etwa gestützt auf
  Art. 74 Abs. 1 lit. b oder lit. c AIG bzw. AuG ergingen
  (vgl. U-act. 8.2.03 und U-act. 8.3.01.a; zur Thematik vgl. BGer
  6B_118/2017 vom 14. Juli 2017, E. 4.4. und BGE 143 IV 249, je
  m.w.H.). 

  
	
   

  
	
  7. Fazit

  
	
  Nach dem Gesagten ist der
  Beschuldigte unter Berücksichtigung aller relevanter Strafzumessungsgründe
  mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 150 Tagen zu bestrafen. Der
  Beschuldigte befindet sich gegenwärtig im ordentlichen Vollzug früher
  ausgesprochener Freiheitsstrafen und nicht etwa im vorzeitigen Strafvollzug
  in Bezug auf das vorliegende Strafverfahren (vgl. act. 40). An die
  Freiheitsstrafe anzurechnen ist somit ein Tag erstandene Untersuchungshaft
  (vgl. U-act. 8.3.05 und U-act. 8.3.12; Art. 51 StGB alte und neue
  Fassung).

  
	
   

  
	
   

  
	
  IX.

  Appell betreffend Zuführung an Migrationsbehörden

  
	
   

  
	
  Abschliessend sieht sich das Obergericht zu
  folgender Anmerkung veranlasst: Der Beschuldigte befindet sich seit über zehn
  Jahren illegal in der Schweiz und bezieht hier Nothilfe. In dieser langen
  Zeit wurde er immer wieder u.a. wegen rechtswidrigen Aufenthalts und/oder
  Missachtung von Ausgrenzungen verurteilt sowie – meist mit unbedingten
  Freiheitsstrafen – bestraft. Kaum hatte er eine Strafe verbüsst, machte er
  sich gleichsam wieder strafbar. Dabei erklärte er jedenfalls im vorliegenden
  Strafverfahren wiederholt, aus der Schweiz ausreisen zu wollen (v.a.
  act. 15 S. 5 Fr. 16, S. 6 Fr. 22; act. 41
  S. 12). Zudem gab er zu Protokoll, dass die Migrationsbehörden ein
  einziges Mal, nämlich am 13. September 2017, von ihm verlangt hätten,
  sich Reisepapiere zu beschaffen, in der Folge aber nicht mehr in Erscheinung
  getreten seien (act. 41 S. 11). Es scheint somit durchaus
  erfolgsversprechend, dass der weder für den Beschuldigten (v.a. Leben in
  Illegalität, Freiheitsentzug) noch für den Staat (v.a. Kosten Nothilfe,
  Strafjustiz und Strafvollzug) vorteilhafte Pönalisierungs-Teufelskreis
  illegaler Aufenthalt – Bestrafung – illegaler Aufenthalt – Bestrafung etc.
  durchbrochen werden könnte, würden die zuständigen Behörden dem Beschuldigten
  bei der Beschaffung von Reisepapieren behilflich sein (Begleitungen zu
  Ämtern, evtl. Bestellung eines Rechtsbeistands zu diesem Zweck, usw.). Das
  Obergericht appelliert daher an die involvierten Strafvollzugsbehörden, den
  Beschuldigten bereits während Verbüssung der mit dem vorliegenden Entscheid
  ausgefällten Freiheitsstrafe der zuständigen Migrationsbehörde zuzuführen,
  damit diese entsprechende Anordnungen und Hilfeleistungen tätigen kann (vgl.
  auch U-act. 8.3.11).

  
	
   

  X.

  Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
   

  
	
  1. Kostenfolgen Untersuchung
  und erstinstanzliches Verfahren

  
	
  1.1. Trifft die
  Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch
  über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
  Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 454 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
  trägt die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn er verurteilt wird
  (Art. 426 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 454 Abs. 1 StPO). Für
  diese Kostenauflage sind nicht die rechtliche Würdigung und/oder die Anzahl
  der angeklagten Tatbestände, sondern die zur Anklage gebrachten
  Lebenssachverhalte massgebend (BGer 6B_803/2014 vom 15. Januar 2015,
  E. 3.5.).

  
	
   

  
	
  1.2. Der Beschuldigte wird
  mit vorliegendem Urteil in Bezug auf alle im Strafbefehl vom 4. Dezember
  2017 (act. 3 = U-act. 14.1.01) umschriebenen Sachverhalte schuldig
  gesprochen. Demzufolge sind ihm die Kosten der Untersuchung und des
  erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen. 

  
	
   

  
	
  1.3. Die Vorinstanz hat
  die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und der Strafuntersuchung auf
  insgesamt CHF 3'200.– festgesetzt (act. 24
  Dispositiv-Ziff. 3). Dies erscheint als zu hoch. Denn laut Art. 6
  Abs. 1 der Zivil- und Strafprozesskostenverordnung (GS III A/5) sind die
  Kosten unter Berücksichtigung des Zeit- und Verwaltungsaufwandes und der
  wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person festzusetzen.
  Sowohl der Untersuchungsbehörde als auch der Vorinstanz fiel im vorliegenden
  Strafverfahren ein noch eher geringer Arbeitsaufwand an. Ausserdem sind die
  wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten wie dargelegt (vorne,
  E. VIII.4.1.) schlecht. Aus diesen Gründen erscheint es angemessen, die
  Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und der Strafuntersuchung auf
  insgesamt CHF 2'400.– festzusetzen.

  
	
   

  
	
  1.4. Die Vorinstanz hat
  zutreffend festgehalten (act. 24 Dispositiv-Ziff. 5), dass der
  Beschuldigte die ihn betreffenden Übersetzungskosten nicht zu tragen hat
  (Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO).

  
	
   

  
	
  2. Kostenfolgen
  Berufungsverfahren

  
	
  2.1. Im Berufungsverfahren
  tragen die Parteien die Kosten grundsätzlich nach

  Massgabe ihres Unterliegens oder Obsiegens (Art. 428 Abs. 1 StPO
  i.V.m. Art. 454 Abs. 1 StPO. Bei teilweisem Obsiegen werden die
  Verfahrenskosten nach Massgabe der gutgeheissenen bzw. abgewiesenen Anträge
  dem Beschuldigten, der Privatklägerschaft und dem Bund bzw. Kanton auferlegt
  (Domeisen, BSK StPO, Art. 428 N 5-12; Griesser, ZK StPO,
  Art. 428 N 5).

  
	
   

  
	
  2.2. Der Beschuldigte
  obsiegt im Berufungsverfahren im Wesentlichen insofern, als dass die Strafe
  verglichen mit dem erstinstanzlichen Entscheid (act. 24) gesenkt wird.
  Jedoch unterliegt er dahingehend, dass er in sämtlichen Punkten des als
  Anklageschrift geltenden Strafbefehls schuldig gesprochen wird (vgl. zum
  Ganzen seine Anträge vorne, S. 2). Bei diesem Verfahrensausgang sind die
  Gerichtskosten des Berufungsverfahrens – die auf insgesamt angemessene
  CHF 1‘600.– festzusetzen sind (Art. 6 i.V.m. Art. 8
  Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung) – zu drei Vierteln dem Beschuldigten
  aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Aufgrund seiner
  schlechten finanziellen Verhältnisse ist jedoch der auf den Beschuldigten
  entfallende Kostenanteil definitiv abzuschreiben (Art. 425 StPO).

  
	
   

  
	
  2.3. Auch im
  Berufungsverfahren hat der Beschuldigte die ihn betreffenden
  Übersetzungskosten nicht zu tragen (Art. 426 Abs. 3 lit. b
  StPO).

  
	
   

  
	
  3. Entschädigungsfolgen

  
	
  Angesichts dessen, dass der
  Beschuldigte in allen im Strafbefehl vom 4. Dezember 2017 (act. 3 =
  U-act. 14.1.01) umschriebenen Punkten schuldig gesprochen wird, hat er,
  was die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren anbelangt,
  zum Vornherein keinen Anspruch auf Entschädigung (Art. 429 Abs. 1
  StPO). Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldigte zwar insofern, als dass
  sich die Strafe im Vergleich zum vorinstanzlichen Entscheid verringert.
  Insoweit hätte er an sich Anspruch auf Entschädigung (Art. 436
  Abs. 3 StPO). Indes ist nicht ersichtlich, dass dem derzeit inhaftierten
  Beschuldigten im Berufungsverfahren nennenswerte Aufwendungen erwachsen sind.
  Auch er selbst machte solche nicht geltend (vgl. v.a. act. 28 und
  act. 41). Dem Beschuldigten ist daher auch für das Berufungsverfahren
  keine Entschädigung zuzusprechen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es wird vorgemerkt, dass die
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus mit Urteil vom
    15. Oktober 2018 im Verfahren SG.2018.00057 die Zivilklage des Kantons
    Glarus, Fachstelle Justizvollzug, auf den Zivilweg verwiesen hat, und diese
    Anordnung unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Schriftliche Mitteilung mit
    nachfolgendem Urteil.

    

  

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______ ist schuldig

    
	
     

    	
    der mehrfachen Missachtung
    einer Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AIG in Verbindung
    mit Art. 74 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AIG,

    
	
     

    	
    des rechtswidrigen Aufenthalts
    im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG sowie

    
	
     

    	
    der Sachbeschädigung im Sinne
    von Art. 144 Abs. 1 StGB.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    A.______ wird bestraft mit
    einer Freiheitsstrafe von 150 Tagen, unter Anrechnung von einem Tag
    Haft. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Kosten für das
    erstinstanzliche Verfahren und für die Strafuntersuchung werden auf
    insgesamt CHF 2'400.– festgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Kosten des
    erstinstanzlichen Verfahrens und der Strafuntersuchung werden
    vollumfänglich A.______ auferlegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Die Gerichtskosten für das
    Berufungsverfahren werden auf insgesamt CHF 1'600.– festgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Die Kosten des
    Berufungsverfahrens werden zu drei Vierteln A.______ auferlegt, jedoch
    definitiv abgeschrieben, und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Sämtliche A.______ betreffenden
    Übersetzungskosten gehen zu Lasten des Kantons Glarus.

    
	
     

    	
     

    
	
    8.

    	
    Für die Untersuchung, für das
    erstinstanzliche Verfahren und für das Berufungsverfahren werden keine
    Entschädigungen zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    9.

    	
    Schriftliche Mitteilung an

    [...]