# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 623177a0-18c4-5b17-9730-7b6fec4522ae
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-08
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 08.12.2017 OG.2016.00065 (OGS.2018.39)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2016-00065_2017-12-08.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  und Urteil vom 8. Dezember 2017

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2016.00065

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter und 

  
	
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Anklägerin
  und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Verletzung
  der Verkehrsregeln

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge des Beschuldigten und
  Berufungsklägers (gemäss Eingaben vom 26. Dezember 2016 und
  31. Januar 2017 [act. 13 und 20], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die Dispositiv-Ziffer 1
    des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 6. Dezember 2016 im
    Verfahren SG.2016.00064 aufzuheben und der Beschuldigte und Berufungskläger
    sei stattdessen

    
	
     

    	
    des Führens eines nicht
    betriebssicheren Fahrzeuges im Sinne von Art. 93 Abs. 2
    lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV und
    Art. 58 Abs. 4 VTS (Sachverhalt Reifen) schuldig zu sprechen
    sowie

    
	
     

    	
    von den Vorwürfen des Führens
    eines nicht betriebssicheren bzw. nicht vorschriftsgemässen Fahrzeuges im
    Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
    Art. 57 Abs. 1 VRV, Art. 75 Abs. 3 VTS, Art. 109
    Abs. 1 lit. b VTS und Art. 112
    Abs. 1 und Abs. 3 VTS sowie des ungenügenden
    Sicherns der Ladung im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG
    i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57
    Abs. 1 VRV (Sachverhalte Ladungssicherung, Rückspiegel und
    Rücklicht) freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei die Dispositiv-Ziffer 3
    des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 6. Dezember 2016 im
    Verfahren SG.2016.00064 aufzuheben und der Beschuldigte und Berufungskläger
    sei stattdessen mit einer reduzierten Busse zu bestrafen.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge der
  Anklägerin und Berufungsbeklagten (gemäss Eingabe vom 20. Februar
  2017 [act 23], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Berufungsklägers.

    

  

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  Prozessverlauf

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Staatsanwaltschaft des
    Kantons Glarus erkannte A.______ mit Strafbefehl vom 29. Juli 2016 für
    schuldig des Lenkens eines Fahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand
    (Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
    Art. 57 Abs. 1 VRV und diversen Bestimmungen der VTS) sowie des
    ungenügenden Sicherns der Ladung (Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG
    i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57
    Abs. 1 VRV) und bestrafte ihn dafür mit einer Busse von
    CHF 700.–. Sie wirft A.______ vor, am 24. Juni 2016 um zirka
    09:50 Uhr mit einem Lieferwagen samt Anhänger auf der Autobahn A3 im
    Bereich Obstalden in Richtung Sargans gefahren zu sein, wobei das rechte
    Rücklicht des Anhängers nicht funktioniert habe, ein Rückspiegel des
    Lieferwagens defekt gewesen sei, zwei Reifen links auf der Hinterachse des
    Lieferwagens zu geringe Profiltiefen aufgewiesen hätten und weder auf dem
    Lieferwagen noch auf dem Anhänger die Ladungssicherung korrekt erstellt
    worden sei (zum Ganzen: act. 1).

    
	
    2.

    	
    Nach Einsprache
    von A.______ (act. 3/6 und 3/9) überwies die Staatsanwaltschaft in
    Anwendung von Art. 356 Abs. 1 StPO die Angelegenheit zur gerichtlichen
    Beurteilung an den zuständigen Präsidenten (Art. 14 Abs. 2 GOG)
    der Strafkammer des Kantonsgerichts (act. 2).

    
	
    3.

    	
    Der
    Kantonsgerichtspräsident hielt am 28. Oktober 2016 die Hauptverhandlung
    ab (act. 5-9) und fällte am 6. Dezember 2016 sein Urteil
    (act. 10). Darin sprach er A.______ des Lenkens
    eines Fahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand im Sinne von
    Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
    Art. 57 Abs. 1 VRV, Art. 58 Abs. 4 VTS, Art. 109
    Abs. 1 lit. b VTS, Art. 112 Abs. 1 und Abs. 3 VTS
    und Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS sowie des ungenügenden
    Sicherns der Ladung im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG
    i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57
    Abs. 1 VRV schuldig. In Bezug auf die von der Staatsanwaltschaft im
    Strafbefehl aufgeführte Verletzung von Art. 75 Abs. 3 VTS fällte
    der Kantonsgerichtspräsident hingegen einen Freispruch aus. Weiter
    verurteilte er A.______ zu einer Busse von CH 700.– und auferlegte ihm die Verfahrenskosten (act. 10).

    
	
    4.

    	
    Gegen diesen
    Entscheid erklärte A.______ am 26. Dezember 2016
    fristgerecht (act. 12 i.V.m. act. 13 und Art. 90 Abs. 2
    StPO) schriftlich und bereits in begründeter Form Berufung (act. 13)
    mit den vorne (S. 2) sinngemäss wiedergegebenen Anträgen. Mit Eingabe
    vom 31. Januar 2017 ergänzte er die Berufungsbegründung
    (act. 20). Die Staatsanwaltschaft beantragte die
    vollumfängliche Abweisung der Berufung (act. 23).

    

  

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  Prozessuales

  
	
   

  
	
  	
    1.
    a)

    	
    Nach erhobener Einsprache und
    Festhalten am Strafbefehl seitens der Staatsanwaltschaft gilt dieser als
    Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). Die Anklageschrift
    bestimmt den Gegenstand des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens wie auch
    des Berufungsverfahrens. Das Gericht ist an den in der Anklageschrift wiedergegeben
    Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung
    gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Die rechtliche Würdigung des
    durch die Anklageschrift bestimmten Prozessgegenstandes ist ausschliesslich
    Aufgabe des Gerichts. Es kann daher von den Anträgen der Parteien
    abweichen. Eine allfällige abweichende Beurteilung des Anklagesachverhalts
    durch das Gericht zieht dabei keinen Freispruch oder Teilfreispruch
    hinsichtlich des angeklagten Tatbestandes nach sich, sondern es hat
    lediglich eine Verurteilung wegen des vom Gericht bejahten Tatbestandes zu
    ergehen (zum Ganzen: BGer 6B_254/2015 vom 27. August 2015,
    E. 3.1. f. m.w.H.).

    
	
    b)

    	
    Die Vorinstanz erwog in Bezug
    auf den dem Beschuldigten vorgeworfenen Sachverhalt des nicht
    funktionierenden rechten Rücklichts des Anhängers (vgl. act. 1
    S. 1) sinngemäss, es liege eine Verletzung von Art. 109 VTS und
    Art. 57 Abs. 1 VRV vor. Hingegen sei „nicht ersichtlich,
    inwiefern der von der Staatsanwaltschaft angeklagte Art. 75
    Abs. 3 VTS betreffend die Bremslichter für den vorliegenden
    Sachverhalt relevant“ sei. In der Folge sprach die Vorinstanz den
    Beschuldigten „vom Vorwurf des Lenkens eines Fahrzeugs in nicht
    vorschriftsgemässem Zustand im Sinne von Art. 75 Abs. 3 VTS
    i.V.m. Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG“ frei (act. 10
    E. III.1.1.-1.3. und Dispositiv-Ziff. 2).

    
	
    c)

    	
    Dieser Freispruch ist im Lichte
    der soeben (E. II.1a) dargestellten Rechtslage zu Unrecht ergangen,
    hat doch die Vorinstanz den Anklagesachverhalt des nicht funktionierenden
    Rücklichts bloss rechtlich anders gewürdigt als die Staatsanwaltschaft. Die
    Vorinstanz hätte es somit insofern bei der von ihr vorgenommenen
    Verurteilung des Beschuldigten wegen des von ihr bejahten Tatbestandes der
    Verletzung von Art. 109 VTS und Art. 57 Abs. 1 VRV bewenden
    lassen müssen und nicht noch zusätzlich einen Freispruch in Bezug auf den
    von ihr verneinten Tatbestand von Art. 75 Abs. 3 VTS ausfällen
    dürfen. Im vorliegenden Fall bleibt dies indes folgenlos. Denn die von der
    Berufungserklärung nicht erfassten Aspekte des vorinstanzlichen
    Entscheiddispositivs – mit Ausnahme der Kostenregelung (vgl. Art. 428
    Abs. 3 StPO) – erwachsen rückwirkend auf den Tag der Entscheidfällung
    in Rechtskraft (Art. 437 Abs. 2 StPO). Da keine der Parteien die
    den erwähnten Freispruch anordnende Dispositiv-Ziffer 2 des
    vorinstanzlichen Urteils vom 6. Dezember 2016 (act. 10) anfocht,
    ist vorab mit Beschluss festzustellen, dass diese in Rechtskraft erwachsen
    ist. Die Dispositiv-Ziffern 4-6 betreffen die vorinstanzliche Kostenregelung,
    die zwar nicht angefochten wurde, über die jedoch die Berufungsinstanz in
    ihrem Urteil zu entscheiden hat (Art. 428 Abs. 3 StPO).

    
	
    2.

    	
    Da ausschliesslich
    Übertretungen Gegenstand des vorinstanzlichen Urteils bilden und mit der
    Berufung nicht ein Schuldspruch wegen eines Verbrechens oder Vergehens
    beantragt wird, behandelt das Obergericht die Berufung in einem
    schriftlichen Verfahren (Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO).

    
	
    3.

    	
    Weiter hat dieser Umstand, dass
    ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des vorinstanzlichen
    Hauptverfahrens bildeten, zur Folge, dass mit der Berufung nur geltend
    gemacht werden kann, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung
    des Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer
    Rechtsverletzung. Auch dürfen in der Berufung keine neuen Behauptungen und
    Beweise vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO).

    

  

  
	
  III.

  
	
  Sachverhalt

  
	
   

  
	
  Der Beschuldigte hat die im
  Strafbefehl vom 29. Juli 2016 (act. 1) umschriebenen Sachverhalte
  (nicht funktionierendes rechtes Rücklicht am Anhänger; defekter Rückspiegel
  am Lieferwagen; Profiltiefe von 1.2 mm bzw. 1.4 mm bei zwei Reifen
  der Hinterachse des Lieferwagens; Art und Weise der Beladung von Lieferwagen
  und Anhänger) anerkannt (vgl. act. 3/6, 3/9, 9, 13, 20). Ferner sind
  diese Sachverhalte auch aufgrund der bei den Akten liegenden Beweismittel,
  insbesondere des Polizeirapports samt Fotodokumentation vom 25. Juni
  2016 (act. 3/1) und der ergänzenden Fotodokumentation vom 26. Juli
  2016 (act. 3/3) erstellt. Hingegen beanstandet der Beschuldigte die
  rechtliche Würdigung der genannten Sachverhalte (mit Ausnahme des
  Sachverhalts der Reifenprofiltiefen) sowie die Strafzumessung (act. 13,
  20).

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  Rechtliche
  Würdigung

  
	
   

  
	
  A.
  Defektes Rücklicht des Anhängers; defekter Rückspiegel des Lieferwagens

  
	
  	
    1.
    a)

    	
    Die Vorinstanz erwog, indem ein
    Rücklicht des Anhängers am 24. Juni 2016 beim Befahren der Autobahn A3
    nicht funktioniert habe, seien die Art. 109 Abs. 1 lit. b
    VTS i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV und Art. 219
    Abs. 1 lit. a VTS verletzt worden (act. 10
    E. III.1.1.-1.3.).

    
	
    b)

    	
    In Bezug auf den Sachverhalt
    des defekten Rückspiegels am Lieferwagen führt die Vorinstanz im
    angefochtenen Entscheid sinngemäss Folgendes aus: Wenngleich am Lieferwagen
    oberhalb des unstrittig defekten Rückspiegels ein zusätzlicher Rückspiegel
    angebracht gewesen sei, sei Art. 112 VTS verletzt worden. Dieser zusätzliche
    Rückspiegel könne nicht dieselbe Funktion wahrnehmen wie der defekte
    Rückspiegel, da er nicht in jedem Fall gewährleiste, dass die Fahrbahn seitlich
    und nach hinten leicht und sofort überblickbar ist. So werde ein Fahrzeugführer
    beispielsweise bei einem Verkehrsgeschehnis mit raschem Hergang seinen
    Blick quasi aus Gewohnheit regelmässig in den mehrfach gerissenen und somit
    kein verzerrungsfreies Bild ermöglichenden, gewöhnlichen Rückspiegel und
    nicht in den Zusatzspiegel richten (act. 10 E. III.2.).

    
	
    2.
    a)

    	
    Der Beschuldigte bringt
    bezüglich des defekten Rücklichts des Anhängers vor, es sei zu
    berücksichtigen, dass es sich um eine unverschuldete, erst zu Hause
    behebbare „Unterwegspanne“ gehandelt habe. Eine Weiterfahrt bis zur Behebung
    des Defekts zu Hause wäre verhältnismässig gewesen. Ausserdem hätten noch
    immer drei Lichter (linkes Schlusslicht sowie zwei Positionslichter) funktioniert
    und nach hinten geleuchtet, womit keine Gefährdung des übrigen Verkehrs
    vorgelegen habe (act. 13 und act. 20; vgl. auch bereits
    act. 3/6, 3/9, 9).

    
	
    b)

    	
    Was den defekten Rückspiegel
    anbelangt, macht der Beschuldigte geltend, dieser sei ausser Betrieb
    gewesen. Stattdessen sei unmittelbar oberhalb desselben ein
    funktionstüchtiger Ersatzrückspiegel vorhanden gewesen, der den Anforderungen
    der VTS entsprochen und die Funktion des defekten Rückspiegels wahrgenommen
    habe. Der Lieferwagen sei somit zu jeder Zeit auch auf der rechten Seite
    mit einem funktionierenden Rückspiegel ausgerüstet und daher betriebstüchtig
    gewesen. Die Vorinstanz habe die Anklage unzulässigerweise erweitert:
    Angeklagt gewesen sei das Vorliegen eines mangelhaften bzw. nicht
    ordentlich benutzbaren Rückspiegels, neu werde ihm unterstellt, dass er –
    obwohl ein funktionierender Rückspiegel vorhanden sei – „zu blöd wäre um
    auch tatsächlich in den richtigen Spiegel zu blicken“ (act. 13 und
    act. 20; vgl. auch bereits act. 3/6, 3/9, 9).

    
	
    3.
    a)

    	
    Nach Art. 93 Abs. 2 SVG wird
    mit Busse bestraft, wer ein Fahrzeug führt, von dem er weiss oder bei pflichtgemässer
    Aufmerksamkeit wissen kann, dass es den Vorschriften nicht entspricht. Ob
    das Abweichen vom vorschriftsgemässen Zustand tatsächlich eine Unfallgefahr
    bewirkt oder nicht, ist unerheblich. In Art. 219 Abs. 1 VTS wird definiert,
    wann ein Fahrzeug als nicht vorschriftsgemäss gilt und Art. 93 Ziff. 2 SVG
    zur Anwendung gelangt. Dies ist u.a. der Fall, wenn dauernd, zeitweilig
    oder für bestimmte Fälle vorgeschriebene Teile fehlen oder den Vorschriften
    nicht entsprechen (Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS; zum Ganzen Weissenberger,
    Komm. SVG und OBG, Art. 93 N 19 f. m.w.H.).

    
	
    b)

    	
    Art. 93 Abs. 2 SVG
    sanktioniert indessen nicht nur das Führen vorschriftswidriger Fahrzeuge im
    Sinne von Art. 219 VTS, sondern bezieht sich darüber hinaus auch auf
    Art. 29 SVG. Der Begriff des vorschriftsgemässen Zustandes im Sinne
    von Art. 93 Abs. 2 SVG umfasst also auch jenen der
    Betriebssicherheit nach Art. 29 SVG (Weissenberger, Komm. SVG und OBG,
    Art. 93 N 24 m.w.H.). Gemäss ebendiesem Art. 29 SVG dürfen
    Fahrzeuge nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand
    verkehren. Sie müssen so beschaffen und unterhalten sein, dass die
    Verkehrsregeln befolgt werden können und dass Führer, Mitfahrende und andere
    Strassenbenützer nicht gefährdet und die Strassen nicht beschädigt werden.
    Der Führer hat sich zu vergewissern, dass Fahrzeug und Ladung in
    vorschriftsgemässem Zustand sind (Art. 57 Abs. 1 VRV). Bei Anhängern hat
    der Fahrzeugführer vor dem Wegfahren zu prüfen, ob u.a. die Bremsen und die
    Beleuchtung einwandfrei wirken (Art. 70 Abs. 1 VRV).

    
	
    c)

    	
    Motorfahrzeuge müssen während
    der Fahrt stets beleuchtet sein (Art. 41 Abs. 1 SVG). Die
    Beleuchtung bei Motorfahrzeugen erfolgt grundsätzlich und insbesondere in
    Tunnels durch die Abblendlichter (Art. 30 Abs. 1 und 2 VRV;
    Hagenstein, BSK SVG, Art. 41 N 67). Anhänger sind gleichzeitig
    mit dem Zugfahrzeug zu beleuchten, ausser wenn am Zugfahrzeug nur
    Tagfahrlichter verwendet werden (Art. 32 Abs. 1 VRV). Als
    obligatorische Beleuchtungsvorrichtungen müssen für Anhänger neben den
    Rückstrahlern nach hinten wirkend namentlich zwei Schlusslichter und zwei
    Bremslichter fest angebracht sein (Art 192 Abs. 1 lit. b
    VTS). Nach dem Gesagten ist die Funktionstüchtigkeit der
    Beleuchtungsvorrichtungen erforderlich für die Befolgung der Verkehrsregeln
    und zur Vermeidung von Gefährdungen anderer Strassenbenützer (Hagenstein,
    BSK SVG, Art 41 N 59).

    
	
    d)

    	
    Unter den Begriff der
    Betriebssicherheit (Art. 29 SVG) respektive den deckungsgleichen
    Begriff der Verkehrssicherheit (Art. 11 Abs. 1 SVG) fallen alle Bestandteile
    und tragenden Teile des Fahrzeuges wie Motor, Lenkung, Aufhängung, Bremsen,
    Reifen, Lichter, Scheiben, Rückspiegel etc., die einer sicheren Fahrt dienen
    (Weissenberger, Komm. SVG und OBG, Art. 93 N 3). Motorwagen
    müssen links und rechts aussen je einen Rückspiegel tragen, womit der
    Führer die Fahrbahn seitlich neben dem Aufbau und nach hinten mindestens
    100 m weit leicht überblicken kann (Art. 112 Abs. 1 VTS).
    Rückspiegel müssen möglichst erschütterungsfrei angebracht sein und ein
    verzerrungsfreies Bild ergeben (Art. 112 Abs. 3 Satz 1 VTS).
    

    
	
    4.

    	
    Indem das rechte Rücklicht des
    vom Beschuldigten am 24. Juni 2016 auf der Autobahn A3 geführten
    Anhängers nicht funktionierte (vgl. act. 1 S. 1 sowie vorne,
    E. III.), war es nicht so beschaffen, dass die Verkehrsregeln, wonach
    – auch tagsüber und in Tunnels – mit Licht gefahren werden muss und
    Anhänger unter anderem zwei Schlusslichter aufweisen müssen (vgl. soeben,
    E. IV.3c), eingehalten werden konnten. Der Beschuldigte wusste bereits
    vor Antritt der Fahrt, dass das Rücklicht defekt war (vgl. dessen eigene
    unterschriftliche Aussagen vom 24. Juni 2016 in act. 3/1, wonach
    der Mangel am Tag zuvor entstanden ist) und dass ein Fahren in diesem
    Fahrzeugzustand nicht vorschriftsgemäss ist (vgl. ebenda, wonach er sich
    seiner Fehler bewusst sei). Unter diesen Umständen gelangt entgegen seiner
    Auffassung auch nicht der Rechtfertigungsgrund von Art. 57 Abs. 3
    VRV zur Anwendung, handelt es sich doch bei einem bereits am Vortag
    bemerkten defekten Schlusslicht nicht um einen unterwegs aufgetretenen
    leichten Mangel im Sinne dieser Rechtsnorm (so bereits die Vorinstanz in
    act. 10 E. III.1.2., worauf ergänzend verwiesen wird). Damit hat
    der Beschuldigte den Straftatbestand des Lenkens eines Fahrzeugs in nicht
    vorschriftsgemässem Zustand im Sinne von Art. 93 Abs. 2
    lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV und
    Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS erfüllt. Daran ändert der vom
    Beschuldigten behauptete Umstand, dass am Anhänger neben dem noch
    funktionierenden linken Rücklicht zwei nach hinten gerichtete Positionslichter
    wirkten, nichts. Denn erstens stellen derartige Positionslichter auch in
    Kombination mit einem Rücklicht jedenfalls in Tunnels keine genügende
    Beleuchtung im Sinne der einschlägigen Vorschriften dar (Hagenstein, BSK
    SVG, Art. 41 N 80; BGE 88 II 131 E. 1) und zweitens liegt
    bei nicht funktionierendem Schlusslicht ungeachtet dieser Positionslichter
    eine Abweichung des Anhängers vom vorschriftsgemässen Zustand vor. Dabei
    ist in Bezug auf die Strafbarkeit nach Art. 93 Abs. 2 SVG wie
    erwogen (E. IV.3a) auch nicht erheblich, ob der Mangel tatsächlich
    eine Unfallgefahr bewirkte oder nicht.

    
	
    5.
    a)

    	
    Was den rechten Rückspiegel des
    Lieferwagens anbelangt, so ist erstellt, dass dieser defekt war (vgl.
    act. 1 S. 1 und vorne, E. III.) und somit nicht der
    Vorschrift von Art. 112 Abs. 3 Satz 1 VTS entsprach (vorne,
    E. IV.3d). Zwar findet sich am Lieferwagen oberhalb dieses
    ursprünglichen Rückspiegels ein kleiner Zusatzspiegel (vgl. Fotos in
    act. 3/1). Doch entgegen den Vorbringen des Beschuldigten und wie die
    Vorinstanz sinngemäss zutreffend erwog (act. 10 E. III.2.),
    ändert dies an der Vorschriftswidrigkeit des Fahrzeugzustands nichts: Denn
    bei plötzlich eintretenden Ereignissen, die einen Blick in den Rückspiegel
    notwendig machen, wird der Fahrzeugführer aus Gewohnheit reflexartig
    (zunächst) nicht zum kleinen Zusatzspiegel hochschauen, sondern zum
    gewöhnlichen (defekten) Rückspiegel hinüberblicken. Somit war die leichte,
    rasche Überblickbarkeit der Fahrbahn seitlich des Aufbaus und nach hinten
    im Sinne von Art. 112 Abs. 1 VTS allein mit diesem Zusatzspiegel
    nicht gewährleistet. Wiederum wusste der Beschuldigte um den Mangel beim
    Rückspiegel (vgl. dessen eigene unterschriftliche Aussagen vom
    24. Juni 2016 in act. 3/1) und er musste als langjährig als
    (Aushilfs-)Chauffeur tätige Person (vgl. z.B. act. 3/9 unten) wissen,
    dass ein Fahren in diesem Fahrzeugzustand nicht vorschriftsgemäss ist. Der
    Beschuldigte hat somit auch insofern den Straftatbestand des Lenkens eines
    Fahrzeugs in nicht vorschriftsgemässem Zustand im Sinne von Art. 93
    Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 57
    Abs. 1 VRV und Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS erfüllt.

    
	
    b)

    	
    Der Anklagegrundsatz
    (Art. 9 und 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art.
    6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK) ist entgegen der diesbezüglichen
    sinngemässen Rüge des Beschuldigten (vorne, E. IV.2b) nicht verletzt:

    
	
     

    	
    Teilgehalt des
    Anklagegrundsatzes bildet die Informationsfunktion. Die beschuldigte Person
    muss aus der Anklage (bzw. aus dem im Falle einer Einsprache als Anklageschrift
    geltenden Strafbefehl) ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Dies bedingt
    eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene
    genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten
    rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig
    vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst an der
    Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGE
    143 IV 63, E. 2.2 m.w.H.).

    
	
     

    	
    Vorliegend ist im Strafbefehl
    festgehalten, dass der (rechte) Rückspiegel des Lieferwagens am
    24. Juni 2016 „mehrfach gerissen und defekt [war], sodass die Einsicht
    in den Spiegel schlecht war und nicht den Vorschriften entsprach“
    (act. 1). Damit wurde dem Beschuldigten hinreichend genau mitgeteilt,
    welcher Sachverhalt der im Strafbefehl ausgesprochenen Verurteilung
    zugrunde liegt. Die Sachverhaltsumschreibung im Strafbefehl ermöglichte es
    ihm sodann, sich umfassend und wirksam zu verteidigen, brachte er doch
    seine Argumentation mit dem angeblich zum provisorischen Hauptspiegel
    umfunktionierten Zusatzspiegel bereits vor der Staatsanwaltschaft vor (vgl.
    act. 3/6 S. 1; act. 3/9).

    

  

  
	
  B.
  Ungenügende Sicherung der Ladung

  
	
  	
    1.
    a)

    	
    Die Vorinstanz erwog, ein im
    Lieferwagen mitgeführtes Metallteil hätte sich – wie aus der
    Fotodokumentation der Kantonspolizei vom 5 Juni 2017 (act. 3/1
    Foto Nr. 4) ersichtlich sei – bei starken Bewegungen des Lieferwagens
    mutmasslich bewegen können, dies auch in Richtung Seitenblache. Das
    Metallteil hätte somit die Seitenblache gar zerreissen können, wodurch
    Ladungsverlust gedroht hätte. Demnach genüge die „Sicherung“ des
    Metallteils den Anforderungen von Art. 29 SVG i.V.m. Art. 30
    Abs. 2 SVG und Art. 57 Abs. 1 VRV nicht (act. 10
    E. IV.2.).

    
	
    b)

    	
    Was die im Strafbefehl erwähnte
    (act. 1 S. 2), zirka 5.5 Meter lange, im Anhänger des
    Lieferwagens aufgehängte Stange anbelangt, hält die Vorinstanz im
    angefochtenen Urteil fest, der Fotodokumentation der Kantonspolizei
    (act. 3/1) sei zu entnehmen, dass die Stange mit einer Zurrgurte lose
    aufgehängt und vorne in der Plane des Anhängers eingeklemmt worden sei.
    Selbst wenn man mit dem Beschuldigten davon ausgehe, dass es sich bei
    dieser Stange um ein Kartonrohr gehandelt habe, sei nicht ersichtlich, wie
    dieses „Einklemmen“ des Rohres in der Plane zur Ladungssicherung
    beigetragen haben soll. Ein Verrücken oder Herausfallen des Rohres hätte
    damit nicht verhindert werden können. Auch in diesem Punkt seien daher die
    Anforderungen an die Ladungssicherung nicht erfüllt worden (act. 10
    E. IV.3.).

    
	
    2.

    	
    Der Beschuldigte vertritt den
    Standpunkt, die Vorwürfe der ungenügenden Ladungssicherung seien haltlos.
    So wie die Waren geladen gewesen seien, hätten diese in keiner Weise
    Schaden anrichten können. Das Metallteil sei genügend gesichert gewesen und
    habe in einem Stapel gesteckt. Eine Pflicht zur Sicherung gegen oben bestehe
    nicht. Damit dieses stumpfe, zirka 120 cm lange und 8 kg schwere
    Metallteil die Seitenplane durchzustossen vermöchte, müssten derart starke
    Kräfte herrschen, die „das ganze Auto wegblasen“. Auch die vorne und hinten
    aus dem Anhänger hinausragende Kartonröhre mit einem Gewicht von maximal
    15 kg habe unverrückbar in der Plane festgesteckt. Hinten sei sie
    ebenfalls zwischen Hebebühne und Plane eingeklemmt gewesen. Hin- und
    hergebaumelt habe die Röhre somit nur bei geöffneter Hebebühne, also nicht
    während der Fahrt (act. 13 und act. 20; vgl. auch bereits
    act. 3/6, 3/9, 9).

    
	
    3.

    	
    Gemäss Art. 30 Abs. 2 SVG
    dürfen Fahrzeuge nicht überladen werden. Die Ladung ist so anzubringen,
    dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann.
    Nach der Rechtsprechung genügt es nicht, die Stabilität der Ladung nur für
    den normalen Verkehr, zu dem plötzliches Bremsen gehört, sicherzustellen.
    Sie muss auch bei leichten Unfällen (z.B. leichtere Kollisionen, Rutschen
    auf nassem oder eisigem Untergrund, das in seitlichen Zusammenstoss mit
    Objekten mündet) gewährleistet sein. Diese haben zwar oft keine
    schwerwiegenden Auswirkungen auf den Zustand des Fahrzeugs. Die Instabilität
    der Ladung, die herunterfallen und andere Verkehrsteilnehmer treffen kann,
    kann jedoch schwere Folgen haben (BGer 1C_223/2008 vom 8. Januar 2009,
    E. 2.3 m.w.H.; Weissenberger, Komm. SVG und OBG, Art. 30
    N 20; Schenk, BSK SVG; Art. 30 N 42). Wer Art. 30
    Abs. 2 SVG zuwiderhandelt, verletzt zugleich auch Art. 29 SVG
    (Betriebssicherheit; Weissenberger, Komm. SVG und OBG, Art. 30
    N 10).

    
	
    4.
    a)

    	
    Aus der von der Kantonspolizei
    erstellten Fotodokumentation ist ersichtlich, dass das fragliche rote
    Metallteil entgegen den Ausführungen des Beschuldigten nicht in andere
    Teile hineinragte bzw. nicht in diese verkeilt war. Vielmehr lag es
    zuoberst auf einem Stapel solcher Metallteile und war bloss mit einem
    Karton teilweise bedeckt. Sodann lag das Metallteil auf dem Seitenbrett des
    Lieferwagens auf und zwei Ecken des Metallteils berührten unmittelbar die
    Seitenplane des Lieferwagens (zum Ganzen: Foto in act. 3/1). Mit
    dieser Ladungsweise ist die Stabilität der Ladung entgegen der Auffassung
    des Beschuldigten klarerweise nicht sichergestellt. So besteht
    beispielsweise bereits im Falle eines plötzlichen Ausweichmanövers und
    nicht – wie der Beschuldigte meint – erst, wenn ausserordentlich starke
    Kräfte herrschen, insbesondere die Gefahr, dass das Metallteil teilweise (mit
    den die Plane berührenden Ecken) oder gänzlich die Seitenplane durchstösst
    bzw. aufschlitzt und in der Folge andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. In
    Bezug auf den Sachverhaltsabschnitt „rotes Metallteil“ hat der Beschuldigte
    somit den Tatbestand des ungenügenden Sicherns der Ladung im Sinne von
    Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
    Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57 Abs. 1 VRV erfüllt.

    
	
    b)

    	
    In Bezug auf die im Anhänger
    des Lieferwagens geladene Kartonröhre ist Folgendes festzuhalten: Es ist
    fotografisch dokumentiert, dass diese Kartonröhre vorne beim Anhänger um
    zirka 65 cm aus der Plane herausragte und im Innern des Anhängers
    mittels eines Spannsets aufgehängt war (Fotos in act. 3/1). Hingegen
    liegen bei den Akten keine Beweismittel (z.B. Fotos), aus denen hervorgeht,
    wie die Kartonröhre an deren Ende bzw. am unmittelbaren Ende des Anhängers
    gesichert war. Die Frage, ob die Kartonröhre derart stabil gesichert war,
    dass sie niemanden gefährdet und nicht herunterfallen kann, lässt sich
    daher aufgrund der vorhandenen Beweismittel nicht verlässlich beurteilen.
    Unter diesen Umständen hat in Nachachtung der Unschuldsvermutung
    (Art. 10 StPO) hinsichtlich dieses Sachverhaltsteils „Kartonröhre“ und
    des diesbezüglichen Vorwurfs des ungenügenden Sicherns der Ladung im Sinne
    von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
    Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57 Abs. 1 VRV ein
    Freispruch zu ergehen. Eine Verurteilung in Bezug auf diesen
    Sachverhaltsteil infolge eines anderen Straftatbestandes (z.B. eventuelle
    Überlänge des Kartonrohrs) fällt erstens aufgrund des Anklageprinzips
    (Art. 9 StPO) und zweitens aufgrund des Verschlechterungsverbots
    (Art. 391 Abs. 2 StPO) ausser Betracht. Der Staatsanwaltschaft
    muss auch nicht Gelegenheit gegeben werden, den als Anklageschrift geltenden
    Strafbefehl zu ändern (BGer 6B_963/2015 vom 19. Mai 2016,
    E. 1.5.).

    

  

  
	
  C.
  Zwischenfazit

  
	
  Nach dem Gesagten und zuzüglich
  der nicht beanstandeten sowie von der Vorinstanz zutreffend rechtlich
  gewürdigten (vgl. z.B. nur BGer 1C_310/2014 vom 5. Februar 2015,
  E. 4.3.) SVG-Widerhandlung wegen zu geringer Profiltiefen zweier Reifen
  ist der Beschuldigte des Lenkens eines Fahrzeugs in nicht vorschriftsgemässem
  Zustand im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m.
  Art. 29 SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV, Art. 58 Abs. 4 VTS,
  Art. 109 Abs. 1 lit. b VTS, Art. 112 Abs. 1 und 3
  VTS und Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS (Sachverhalte „Rücklicht
  Anhänger“, „Rückspiegel Lieferwagen“ und „Reifen Lieferwagen“) sowie des
  ungenügenden Sicherns der Ladung im Sinne von Art. 93 Abs. 2
  lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 30 Abs. 2 SVG und
  Art. 57 Abs. 1 VRV (Sachverhalt „rotes Metallteil“) schuldig zu
  sprechen. Ob dabei in Bezug auf den erstgenannten Tatbestand eine mehrfache
  Tatbegehung vorliegt, braucht hier infolge des Verschlechterungsverbots
  (Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht geprüft zu werden. Hinsichtlich des
  Sachverhalts „Kartonrohr“ hat ebenso wie hinsichtlich des im
  Berufungsverfahren nicht mehr strittigen Sachverhaltsteils „lose geladene
  Metallstangen und Kartonschachteln“ (vgl. hierzu act. 1 S. 2;
  act. 10 E. IV.4.) je ein Freispruch vom Vorwurf des ungenügenden
  Sicherns der Ladung im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG
  i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57
  Abs. 1 VRV zu ergehen.

  
	
   

  
	
  V.

  
	
  Strafzumessung

  
	
   

  
	
  	
    1.
    a)

    	
    Der Straftatbestand von Art. 93
    Abs. 2 lit. a SVG sieht als Strafe eine Busse vor, die bis
    CHF 10‘000.– betragen kann (Art. 106 Abs. 1 StGB i.V.m.
    Art. 102 Abs. 1 SVG). Busse und Ersatzfreiheitsstrafe sind je
    nach den Verhältnissen des Täters so zu bemessen, dass dieser die Strafe
    erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB
    i.V.m. Art. 102 Abs. 1 SVG).

    
	
    b)

    	
    Das Verschulden bestimmt sich
    dabei entsprechend den in Art. 47 StGB enthaltenen Regeln
    (Art. 104 StGB i.V.m. Art. 102 Abs. 1 SVG). Massgebend sind
    insbesondere die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen
    Rechtsguts, die Verwerflichkeit des Handelns, die Beweggründe und Ziele des
    Täters sowie der Grad, zu welchem der Täter nach den inneren und äusseren Umständen
    in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47
    Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 102 Abs. 1 SVG). Zu unterscheiden ist bei der
    Strafzumessung mithin zwischen einer Tatkomponente, die die Modalitäten des
    zu beurteilenden Delikts berücksichtigt, und einer Täterkomponente, die das
    Vorleben, die persönlichen Verhältnisse des Täters und das Verhalten des
    Täters nach der Tat und im Strafverfahren umfasst (vgl. u.a. Hug, OFK-StGB,
    Art. 47 N 6 ff.; BGE 136 IV 56, je m.w.H.).

    
	
    c)

    	
    Die “Verhältnisse“ im Sinne von
    Art. 106 Abs. 3 StGB beziehen sich lediglich auf die wirtschaftliche
    Leistungsfähigkeit des Täters, womit sie sich von den “persönlichen
    Verhältnissen“ im Sinne von Art. 47 StGB – wozu etwa Familienstand, Beruf,
    Gesundheit etc. zählen (mithin täterbezogene Komponenten, die für das Mass
    des Verschuldens relevant sind) – unterscheiden (Heimgartner,
    BSK-StGB I, Art. 106 N 20 f.; BGE 134 IV 60
    E. 7.3.3; Trechsel/Bertossa, PK StGB, Art. 107 N 3; nicht
    differenzierend Hug, OFK-StGB, Art. 106 N 4). Der Richter hat die finanziellen
    Verhältnisse so zu würdigen und die Bussenhöhe so zu bemessen, dass der
    Täter die Busse in einer Intensität spürt, die seinem Verschulden
    entspricht (Heimgartner, BSK-StGB I, Art. 106 N 20 f.
    m.w.H.). 

    
	
    2.
    a)

    	
    Ausgangspunkt bei der
    Tatkomponente bildet die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der
    Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft
    verursachte Erfolg sowie die Art und Weise der Tatbegehung (Hug, OFK-StGB,
    Art. 47 N. 7). 

    
	
    b)

    	
    Hinsichtlich der objektiven
    Tatschwere ist festzuhalten, dass der Lieferwagen und der Anhänger des
    Beschuldigten gleich mehrere, nicht miteinander zusammenhängende Mängel
    aufwies (Rücklicht, Rückspiegel, Reifen, Ladungssicherung). Jedenfalls in
    ihrer Gesamtheit wiegen diese Mängel doch erheblich und bewirkten eine
    nicht unbedeutende Gefahr für die Sicherheit des Beschuldigten und anderer
    Verkehrsteilnehmer.

    
	
    c)

    	
    Mitberücksichtigt werden muss
    die subjektive Tatschwere. Diese ergibt sich aus der Willensrichtung, mit
    der der Täter gehandelt hat, also der Intensität des deliktischen Willens
    sowie den Beweggründen für die Tat (Hug, OFK-StGB, Art. 47 N. 7; Mathys,
    Zur Technik der Strafzumessung, in: SJZ 100 [2004] S. 181). 

    
	
    d)

    	
    Der Beschuldigte legte eine
    erhebliche Gleichgültigkeit an den Tag, indem er am 24. Juni 2016 die
    Autobahn befuhr, obwohl er nach eigenen Angaben wusste, dass das rechte
    Rücklicht des Anhängers und der rechte Rückspiegel des Lieferwagens defekt
    waren (vgl. seine Aussagen in act. 3/1). Demgegenüber handelte er in
    Bezug auf die Aspekte der zu geringen Reifenprofile und des ungenügenden
    Sicherns der Ladung mit Eventualvorsatz, was leicht strafmindernd zu gewichten
    ist.

    
	
    e)

    	
    Insgesamt liegt allein in
    Betrachtung der Tatkomponente ein nicht mehr leichtes Verschulden des
    Beschuldigten vor.

    
	
    3.

    	
    Hinsichtlich der
    Täterkomponente ist aus dem Vorleben des Beschuldigten nichts bekannt, was
    für die Strafzumessung von Bedeutung wäre. Auch das Nachtatverhalten des
    Berufungsklägers wirkt sich weder straferhöhend noch strafmindernd aus.

    
	
    4.
    a)

    	
    Was die finanziellen
    Verhältnisse anbelangt, so kann das Gericht bei der Bemessung der Busse auf
    diesbezügliche glaubhafte Angaben des Beschuldigten abstellen (zum Ganzen:
    Heimgartner, BSK StGB I, Art. 106 N 33).

    
	
    b)

    	
    Die Vorinstanz erwog, der
    alleine lebende, keine Unterstützungspflichten aufweisende Beschuldigte
    verfüge gemäss eigenen Aussagen über eine monatliche AHV-Rente von
    CHF 1‘500.– zuzüglich Einkommen aus Nebenerwerb bzw. Aushilfstätigkeit
    (act. 10 E. V.). Der Beschuldigte bringt im Berufungsverfahren vor,
    infolge des hier zu beurteilenden Vorfalls sei bei ihm das Zusatzeinkommen
    inzwischen entfallen. Als Einkommen falle bei ihm somit einzig die
    AHV-Rente von monatlich knapp CHF 1‘500.– an (act. 13 S. 2).
    Ungeachtet dessen, ob der Beschuldigte aktuell noch ein gewisses
    Zusatzeinkommen erzielt oder nicht, lebt er in sehr bescheidenen
    finanziellen Verhältnissen, zumal er allenfalls auch noch Schulden im
    Betrag von rund CHF 50‘000.– aufweist (act. 3/2).

    
	
    5.

    	
    In Anbetracht des nicht mehr
    leichten Verschuldens, der engen finanziellen Verhältnisse des
    Beschuldigten sowie des möglichen Strafrahmens (Busse bis zu
    CHF 10‘000.–, Art. 106 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 102 Abs. 1 SVG) ist
    dieser mit einer Busse von CHF 500.– zu bestrafen. Für den Fall der
    schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von
    fünf Tagen auszusprechen.

    

  

  
	
  VI.

  
	
  Kosten-
  und Entschädigungsfolgen

  
	
   

  
	
  	
    1.
    a)

    	
    Trifft die Rechtsmittelinstanz
    selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der
    Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Der
    Beschuldigte trägt die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn er
    verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Für diese Kostenauflage
    sind nicht die rechtliche Würdigung und/oder die Anzahl der angeklagten
    Tatbestände, sondern die zur Anklage gebrachten Lebenssachverhalte
    massgebend (BGer 6B_803/2014 vom 15. Januar 2015, E. 3.5.). Dies
    gilt, soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar auseinanderhalten
    lassen. Hingegen kann die beschuldigte Person auch bei einem nur teilweisen
    Schuldspruch für die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich
    kostenpflichtig werden, wenn die ihr zur Last gelegten Handlungen in einem
    engen und direkten Zusammenhang stehen und alle Untersuchungshandlungen
    hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren (vgl. z.B. BGer
    6B_904/2015 vom 27. Mai 2016, E. 7.4.).

    
	
    b)

    	
    Vorliegend ergehen in Bezug auf
    die Sachverhalte „Rücklicht Anhänger“, „Rückspiegel Lieferwagen“, „Reifen
    Lieferwagen“ und „rotes Metallteil“ Verurteilungen. Hingegen resultieren in
    Bezug auf die Sachverhalte „Kartonrohr“ sowie „lose geladene Metallstangen
    und Kartonschachteln“ Freisprüche. Indes beschlagen die beiden
    letztgenannten Sachverhalte wie der in einem Schuldspruch mündende
    Sachverhalt „rotes Metallteil“ den Untersuchungskomplex der ungenügenden
    Sicherung der Ladung. Auch sonst stehen sie in unmittelbarem Zusammenhang
    zu den übrigen Anklagesachverhalten. Daher rechtfertigt es sich, die Kosten
    des erstinstanzlichen Verfahrens sowie der Untersuchung vollumfänglich dem
    Beschuldigten aufzuerlegen. Die betragsmässige Festsetzung der
    Untersuchungsgebühr (CHF 400.–) sowie der erstinstanzlichen
    Gerichtsgebühr (CHF 800.–) durch die Vorinstanz (act. 10
    Dispositiv-Ziff. 4) wurde nicht angefochten und erscheint angemessen. 

    
	
    2.
    a)

    	
    Im Berufungsverfahren tragen
    die Parteien die Kosten grundsätzlich nach Massgabe ihres Unterliegens oder
    Obsiegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Bei teilweisem Obsiegen werden
    die Verfahrenskosten nach Massgabe der gutgeheissenen bzw. abgewiesenen
    Anträge dem Beschuldigten und dem Kanton überbunden (Domeisen, in: Basler
    Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 196-457 StPO,
    2. Aufl., N 7 zu Art. 428).

    
	
    b)

    	
    Der Beschuldigte unterliegt im
    Berufungsverfahren mit seinen Anträgen auf Freispruch hinsichtlich der
    Sachverhalte „Rücklicht Anhänger“, „Rückspiegel Lieferwagen“ und „rotes
    Metallteil“. Jedoch obsiegt er insofern teilweise, als hinsichtlich des
    Sachverhalts „Kartonrohr“ ein Freispruch ergeht und die Strafe in nicht
    unerheblichem Masse gesenkt wird. Bei diesem Verfahrensausgang sind die
    Gerichtskosten des Berufungsverfahrens – die auf insgesamt angemessene
    CHF 900.– festzusetzen sind (Art. 6 i.V.m. Art. 8
    Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Zivil- und Strafprozesskostenverordnung;
    GS III A/5) – zu zwei Dritteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu einem
    Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen.

    
	
    3.

    	
    Dem Beschuldigten ist infolge
    Geringfügigkeit seiner Aufwendungen weder für das Untersuchungs- und das
    vorinstanzliche Verfahren noch für das Berufungsverfahren eine
    Entschädigung zuzusprechen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429
    Abs. 1 StPO und Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO; zum
    Begriff der Geringfügigkeit vgl. z.B. OG ZH UH150011 vom 23. März
    2015, E. 3c).

    

  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    wird festgestellt, dass die Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des
    Kantonsgerichtspräsidenten vom 6. Dezember 2016 im Verfahren
    SG.2016.00064 unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Schriftliche
    Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

    

  

  
	
   

  
	
  Das Gericht erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______ ist schuldig

    
	
     

    	
    des Lenkens eines
    Fahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand im Sinne von Art. 93
    Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 57
    Abs. 1 VRV, Art. 58 Abs. 4 VTS, Art. 109 Abs. 1
    lit. b VTS, Art. 112 Abs. 1 und Abs. 3 VTS und
    Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS (Sachverhalte „Rücklicht
    Anhänger“, „Rückspiegel Lieferwagen“ und „Reifen Lieferwagen“),

    
	
     

    	
    des ungenügenden
    Sicherns der Ladung im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG
    i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57
    Abs. 1 VRV (Sachverhalt „rotes Metallteil“). 

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    A.______ wird freigesprochen
    von den Vorwürfen des ungenügenden Sicherns der Ladung im
    Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
    Art. 30 Abs. 2 SVG und Art. 57 Abs. 1 VRV (Sachverhalte
    „Kartonrohr“ und „lose geladene Metallstangen und Kartonschachteln“).

    
	
    3.

    	
    A.______ wird bestraft mit
    einer Busse von CHF 500.–. Die Busse ist zu bezahlen. Wird die Busse
    schuldhaft nicht bezahlt, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe
    von 5 Tagen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Kosten des
    erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens von CHF 800.– und die
    Untersuchungsgebühr von CHF 400.– werden vollumfänglich A.______ auferlegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Die zweitinstanzliche
    Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 900.–.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Die Kosten des
    Berufungsverfahrens werden zu zwei Dritteln A.______ auferlegt und zu einem
    Drittel auf die Gerichtskasse genommen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Für die Untersuchung, für das
    erstinstanzliche Verfahren und für das Berufungsverfahren werden keine
    Entschädigungen zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    8.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    […]