# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9cc02ddb-c58b-5e1f-942c-8b76f98818e5
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 19.03.2024 S 2023 136
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2023-136_2024-03-19.pdf

## Full Text

Kies

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 23 136

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Zanolari Hasse

Richterinnen Pedretti und von Salis

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 19. März 2024

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Christian Thöny, 

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, Jahrgang 1969, gelernter Maschinenzeichner, arbeitete bis ins 

Jahr 2007 als Konstrukteur und Sachbearbeiter, als er sich aufgrund eines 

Burnouts bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-

Stelle) zum Leistungsbezug anmeldete. Die IV-Stelle unterstützte ihn bei 

der Eingliederung. Diese Bemühungen mündeten in ein unbefristetes 

Arbeitsverhältnis als Konstrukteur, weshalb die IV-Stelle mit Verfügung 

vom 27. März 2009 den Anspruch auf Rentenleistungen ablehnte.

2. Am 23. Dezember 2013 meldete sich A._____ erneut bei der IV-Stelle zum 

Leistungsbezug an; dies aufgrund der Aufgabe des Arbeitsplatzes nach 

wechselnden Arbeitsverhältnissen infolge Überforderung und den 

Diagnosen einer mittelschweren Depression sowie der psychischen 

Störungen als auch Verhaltensstörungen durch Alkohol, welche im 

Rahmen mehrerer stationärer Aufenthalte in der B._____, C._____ gestellt 

wurden.

3. Nach Einholung der Beurteilung des Arztes des Regionalen Ärztlichen 

Dienstes (RAD), Dr. med. D._____, vom 28. April 2014, wies die IV-Stelle 

den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen mit Verfügung vom 29. Juli 

2014 ab. Ein Rentenanspruch wurde anschliessend gestützt auf die 

Beurteilung von Dr. med. D._____ vom 30. Oktober 2014 mit Verfügung 

vom 27. Januar 2015 erneut abgelehnt. Die Abklärungen hätten ergeben, 

so die IV-Stelle, dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängig-

keitsverhalten begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des 

Gesetzes vorliege. Invalidität bei Sucht würde nur dann vorliegen, wenn 

die Sucht Folge eines Gesundheitsschadens sei und dies treffe beim 

Versicherten nicht zu.

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4. Seither war A._____ ohne Beschäftigung und es folgten bis im Juli 2019 

mehrere stationäre Aufenthalte in der B._____.

5. Am 12. Juli 2019 reichte A._____ bei der IV-Stelle ein weiteres Mal ein 

Leistungsgesuch ein. Als Grund gab er eine mittelschwere Depression und 

multiple Hirnschläge an. Er reichte auf Verlangen der IV-Stelle einen 

Bericht des behandelnden Arztes, Dr. med. E._____, Chefarzt Akut-

psychiatrie und Rehabilitation der C._____, vom 25. November 2019 

nach.

6. Mit Aufforderung vom 6. März 2020 verlangte die IV-Stelle ein Nachweis 

der Alkoholabstinenz alle zwei Wochen.

7. Mit Vorbescheid vom 26. Juni 2020 stellte die IV-Stelle die Abweisung des 

Leistungsbegehrens (kein Anspruch auf eine Invalidenrente) in Aussicht, 

da die geforderten Abstinenznachweise nicht erbracht worden seien, 

weshalb A._____ als voll arbeitsfähig gelte. Auch nach dem Einwand vom 

16. Juli 2020 hielt die IV-Stelle, nach vorgängiger Einholung zweier 

Einschätzungen des RAD-Arztes Dr. med. D._____ vom 31. Januar 2020 

und 3. März 2020, Vorbereitungsmassnahmen bei ChurPlus, während-

dessen er Taggelder der IV bezog, und dem Scheitern des Wechsels in 

den ersten Arbeitsmarkt aufgrund Überforderung, dem Scheitern von 

Eingliederungsmassnahmen sowie nach Einholung eines psychiatrischen 

Gutachtens bei Dr. med. G._____ vom 10. April 2023, im Vorbescheid 

vom 12. April 2023 daran fest, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente 

bestünde. Auch gegen diesen Vorbescheid erhob A._____ am 2. Mai 

2023, mit Ergänzung vom 31. Mai 2023, Einwand.

8. Mit Verfügung vom 23. November 2023 lehnte die IV-Stelle gestützt auf 

das psychiatrische Gutachten von Dr. med. G._____ vom 10. April 2023 

und die neuropsychologische Abklärung von lic. phil. H._____ vom 

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30. November 2022 angesichts eines Invaliditätsgrades von 20 % die 

Erbringung von Leistungen ab.

9. Dagegen liess A._____ (fortan Beschwerdeführer) am 6. Dezember 2023 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben, 

mit den folgenden Rechtsbegehren:

1. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu 

verpflichten, dem Beschwerdeführer eine IV-Rente auszurichten.

2. Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerde-

gegnerin zu verpflichten, die Angelegenheit durch ein externes Gutachten 

nochmals abklären zu lassen und daraufhin den Rentenanspruch des 

Beschwerdeführers neu zu entscheiden.

3. Dem Beschwerdeführer sei im vorliegenden Verfahren die unentgeltliche Rechts-

pflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren und der unterzeichnende Rechts-

vertreter sei als sein Anwalt einzusetzen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.

Begründend führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, es sei 

nicht nachvollziehbar, weshalb der Gutachter resp. die Beschwerde-

gegnerin, trotz klarer gegenteiliger Einschätzung des langjährigen 

behandelnden Psychiaters Dr. med. E._____, zum Ergebnis gelangten, 

der Beschwerdeführer sei in hohem Masse arbeitsfähig und deshalb 

weit entfernt auch nur von einer Teilrente. Der Gutachter stelle wieder-

holt den zum Teil gegebenen schweren Grad der Depression in Frage. 

Er übersehe dabei, dass diese nach ICD-10 auch bei Besserung einer 

Episode weiter als schwergradig bezeichnet werde. Ausserdem sei 

beim Beschwerdeführer wiederholt eine Elektrokonvulsionsbehandlung 

durchgeführt worden, die nur bei Therapieresistenz und schwerer 

Symptomatik zum Zuge komme, wenn medikamentös und 

psychotherapeutisch kein Erfolg erzielt werden könne. Der Gutachter 

habe zudem die Einschränkungen des Beschwerdeführers im Alltag 

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nicht abgebildet. Auch von einer Remission der Depression könne nicht 

gesprochen werden. Der Beschwerdeführer sei zurzeit als auch zum 

Zeitpunkt der Begutachtung nicht arbeitsfähig gewesen, wobei die 

Depression im Vordergrund stünde, sekundär in depressiven Phasen 

auch der Alkoholkonsum. Zumindest müsse die Arbeitsfähigkeit durch 

ein neues Gutachten beurteilt werden.

10. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2024 schloss die IV-Stelle (fortan 

Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und verwies 

vollumfänglich auf die angefochtene Verfügung vom 23. November 2023.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen 

Entscheid vom 23. November 2023 sowie die eingereichten Beweismittel 

wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen einge-

gangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der 

Beschwerdegegnerin vom 23. November 2023 (vgl. IV-act. 258), worin 

das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen wurde (kein 

Anspruch auf IV-Leistungen). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundes-

gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind 

Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs-

gericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales Versicherungs-

gericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden für die 

Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch sachlich 

zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und 

Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; 

BR 370.100]). Der Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen 

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Verfügung, weshalb er durch die angefochtene Verfügung unmittelbar 

betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 

Änderung hat. Er ist demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 

Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht 

(Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde 

ist somit einzutreten.

2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

23. November 2023 zu Recht einen Rentenanspruch des Beschwerde-

führers verneinen durfte.

3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Der Beschwerdeführer macht im 

Rahmen der im Jahr 2019 erfolgten Neuanmeldung eine Verschlechterung 

des Gesundheitszustandes resp. der Arbeitsfähigkeit geltend. Da der hier 

umstrittene Rentenanspruch seine Begründung noch vor dem 1. Januar 

2022 findet, finden die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Bestimmungen Anwendung (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungs-

gerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 22 28 vom 7. Juni 2022 E.3; 

Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 

[KSIR], Stand: 1. Januar 2022, Rz. 9101 f.). Dies ergibt sich auch aus den 

allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich 

massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 148 V 174 E.4.1 mit 

weiteren Hinweisen).

4.1. Im Allgemeinen setzt der Anspruch auf Leistungen der Invaliden-

versicherung unter anderem voraus, dass die versicherte Person invalid 

oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Invalidität ist gemäss Art. 8 

Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

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ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und 

Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs-

möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität gilt als eingetreten, 

sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung 

erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Für die 

Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich 

die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht 

nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

4.2. Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu 

betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder 

herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a); während eines Jahres 

ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % 

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b); und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind. Die Rente wird 

nach Art. 28 Abs. 2 aIVG nach dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: 

bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine 

Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % Anspruch 

auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % 

Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente der Invaliden-

versicherung. Der Rentenanspruch entsteht im Übrigen gemäss Art. 29 

Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend-

machung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.

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4.3. Eine Neuanmeldung wird nur geprüft, wenn die Voraussetzungen nach 

Art. 87 Abs. 2 IVV erfüllt sind. Danach ist bei einem Gesuch um Revision 

durch den Versicherten glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der 

Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. 

Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der 

versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne 

weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die 

Neuanmeldung ein, so hat sie die Angelegenheit materiell abzuklären und 

sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft 

gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich 

eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem 

Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen. Stellt sie fest, dass 

der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung 

keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. 

Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Verän-

derung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu 

bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die 

gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E.3a, 

vgl. auch BGE 133 V 108 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 

vom 21. September 2020 E.3.1 mit Hinweisen).

4.4. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Untersuchungs-

grundsatz, wobei die Auskunfts- und Mitwirkungspflicht der Leistungen 

beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde hat, wo 

notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzu-

klären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl. 

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich et 

al. 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die Untersuchungspflicht gilt sowohl 

im Verwaltungsverfahren wie auch grundsätzlich im kantonalen Gerichts-

verfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Die Untersuchungspflicht dauert so 

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lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs 

erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Wenn der 

Versicherungsträger oder das kantonale Sozialversicherungsgericht im 

Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen, objektiven und 

inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, dass ein 

bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich sei, steht dies einer 

antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen. Bleiben jedoch erhebliche 

Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der getroffenen 

Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von 

zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkennt-

nisse zu erwarten sind (vgl. BGE 146 V 240 E.8.1 f.; vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 9C_475/2022 vom 4. Dezember 2023 E.4.2 mit weiteren 

Hinweisen, 8C_414/2022 vom 24. Januar 2023 E.4.1 f. und 9C_58/2022 

vom 7. Juni 2022 E.4.1.1 f.; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 ff. und 29 f.). 

Kommt die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht oder genügend nach, 

kann die Sache aus diesem Grund an die Verwaltung zurückgewiesen 

werden (vgl. BGE 132 V 368 E.5).

4.5. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen. 

Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven 

Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose 

zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 

hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 

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nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt 

eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich 

begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2022 vom 13. März 2023 E.4.1). 

Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 

Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (vgl. BGE 145 V 361 E.3.2.1 f., 140 V 193 

E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021 vom 

2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2 und 

8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4).

4.6.1. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozial-

versicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung 

(vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne 

Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss 

zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle 

Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu 

prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen 

eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. 

Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen 

Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial 

zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht 

auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 143 V 124 E.2.2.2 

und 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist 

demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend 

ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-

den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in 

der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die 

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Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. 

BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 

9C_488/2022 vom 13. März 2023 E.4.1, 9C_528/2022 vom 11. Februar 

2022 E.4.1 und 8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2). Ausschlag-

gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft 

eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 

Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. 

BGE 125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c).

4.6.2. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf 

bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für 

die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusammen-

stellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit zahlreichen 

Hinweisen). So kommt den Berichten und Gutachten versicherungs-

interner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, 

nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine 

Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache allein, dass 

der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger 

steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit 

schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das 

Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet 

erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den 

Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die 

Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab 

anzulegen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Trotz dieser 

grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungs-

interner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe 

Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 

ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger 

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Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines 

externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis-

würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch bloss 

geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der 

versicherungsinternen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen 

vorzunehmen (vgl. BGE 145 V 97 E.8.5, 142 V 58 E.5.1 und 139 V 225 

E.5.2; Urteile des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 

E.5.2.1, 8C_629/2022 vom 27. November 2023 E.3.2 und 8C_596/2022 

vom 11. Januar 2023 E.2.3).

4.6.3. In Bezug auf behandelnde (Fach-)Ärztinnen und Ärzte, insbesondere 

Hausärzte, ist zu beachten, dass sie in einem auftragsrechtlichen Verhält-

nis zur versicherten Person stehen. Da sie sich zudem in erster Linie auf 

die Behandlung zu konzentrieren haben, verfolgen deren Berichte nicht 

den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungs-

ansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheits-

zustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an 

ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E.3a. Aus diesen Gründen und 

aufgrund der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte 

mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im 

Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 

465 E.4.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_401/2022 vom 31. Januar 2023 

E.4, 8C_549/2021 vom 7. Januar 2022 E.7.2 und 8C_819/2019 vom 

26. Februar 2020 E.6.3.3), wird im Streitfall eine direkte Leistungs-

zusprache einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen 

und Ärzte kaum je in Frage kommen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_549/2021 vom 7. Januar 2022 E.7.2). Diese Erfahrungstatsache 

befreit das Gericht indessen nicht von seiner Pflicht zu einer korrekten 

Beweiswürdigung, bei der auch die von der versicherten Person 

aufgelegten Berichte mitzuberücksichtigen sind. Diese sind daraufhin zu 

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prüfen, ob sie auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der Feststellungen versicherungsinterner Ärztinnen und 

Ärzte zu wecken vermögen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5 f.; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_658/2020 vom 14. Januar 2021 E.7, 8C_499/2020 

vom 19. November 2020 E.4.2 und 8C_397/2019 vom 6. August 2019 

E.4.2).

4.7. Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streitsache 

in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen 

Verwaltungsverfügung eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 215 

E.3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen 

im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein 

(BGE 121 V 362 E.1b; Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2017 vom 

7. August 2017 E.3). Ärztliche Berichte, die sich über den vorliegend 

massgebenden Zeitraum aussprechen, hat das Gericht auch dann zu 

berücksichtigen, wenn sie nach dem Verfügungserlass datieren (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 9C_175/2018 vom 16. April 2018 E.3.3.2 mit weiteren 

Hinweisen). Vorliegend zu prüfen ist zunächst, ob eine wesentliche 

Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die geeignet 

ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. 

Massgebend für die Prüfung einer Änderung des Gesundheitszustandes 

ist hier der Zeitraum vom 27. Januar 2015 (Datum der letzten 

rechtskräftigen Verfügung mit materieller Prüfung des Rentenanspruchs) 

bis zum 23. November 2023 (Datum der angefochtenen Verfügung). 

Dieser Phase gingen die nachfolgenden medizinischen Akten als 

Grundlage zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeits- und Leistungs-

fähigkeit des Beschwerdeführers voraus.

4.7.1. Ein erster stationärer Aufenthalt in der psychiatrischen B._____ erfolgte 

vom 11. August 1999 bis 15. Oktober 1999 (1. Hospitalisation) aufgrund 

einer mittelgradigen depressiven Episode, psychische und Verhaltens-

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störungen durch Alkohol und Kokain sowie Abhängigkeitssyndrom (vgl. 

Austrittbericht Dr. med. I._____ vom 18. Oktober 1999 [IV-act. 15]).

4.7.2. Im Austrittsbericht der B._____ vom 5. November 2001 (vgl. IV-act. 73 

S. 4) über den stationären Aufenthalt vom 19. September 2001 bis 

2. November 2001 (2. Hospitalisation) hielt Dr. med. J._____ folgendes 

fest: "Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode; 

Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet; Psychische und 

Verhaltensstörung durch Kokain. Schädlicher Gebrauch; Psychische und 

Verhaltensstörung durch Cannabinoide. Schädlicher Gebrauch".

4.7.3. Ein weiterer Aufenthalt erfolgte vom 4. Juli 2005 bis zum 26. August 2005 

(3. Hospitalisation) zwecks Alkoholentzug in der K._____, anlässlich 

dessen Störungen durch Alkohol/Abhängigkeitssyndrom F10.2 sowie eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert F33.4, diagnos-

tiziert wurden (vgl. Austrittsbericht Dres. med. L._____ und M._____ vom 

6. September 2005 [vgl. IV-act. 15 S. 5]).

4.7.4. Mit Arztbericht vom 7. Januar 2008 (vgl. IV-act. 15 S. 1) diagnostizierte 

Hausarzt Dr. med. N._____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

rezidivierende depressive Störungen sowie rezidivierende psychische 

Verhaltensstörungen durch Alkohol, früher auch Cannabis und Kokain, 

bestehend seit dem Jahr 1998.

4.7.5. Die dipl. Psychologin O._____ hielt in ihrem Bericht vom 7. Februar 2008 

(vgl. IV-act. 24) über die neuropsychologischen Abklärungen in der 

K._____ vom 31. Januar 2008 zusammenfassend fest: "Leicht- bis 

mittelgradige Beeinträchtigungen fanden sich in der geteilten Aufmerk-

samkeit (Fehlerkontrolle reduziert) und im Bearbeiten einer komplexen 

Planungsaufgabe (erhöhter Zeitaufwand, Hinweise zum Bearbeiten der 

Aufgabe nötig). Das Arbeitstempo war zum Teil verlangsamt (komplexe 

- 15 -

Planungsaufgabe), die Fehlerkontrolle bei mehreren Aufgaben reduziert." 

Auffällig sei die subjektive Mühebekundung trotz normgerechtem Resultat. 

Die Psychologin wies überdies auf das Defizit im Bereich Strukturierung 

hin.

4.7.6. Im Bericht vom 14. Februar 2008 über die Untersuchung vom 1. Februar 

2008 (vgl. IV-act. 22) diagnostizierte RAD-Arzt Dr. med. P._____ eine 

rezidivierende depressive Störung; gegenwärtig seien die ICD-10-

Kriterien für die Annahme einer leichten depressiven Episode (oder einer 

höhergradigen depressiven Episode) nicht erfüllt (ICD-10 F33.4). Es 

bestehe eine Alkoholabhängigkeit. Der Patient sei seit August 2005 

abstinent, aber in Behandlung mit aversiven oder hemmenden 

Medikamenten (ICD-10 F10.23); Status nach Kokain- und Cannabis-

konsum (1999 Diagnose einer Kokainabhängigkeit. Zusammenfassend 

beurteilte Dr. med. P._____ folgendes: "[…]. Bei sowohl klinisch 

eruierbaren als auch im BDI abbildbaren milden Symptomen eines 

depressiven Syndroms ist insgesamt von einem Rest-Syndrom der letzten 

depressiven Episode auszugehen, wobei die ICD-10-Kriterien für das 

Vorliegen einer leicht- (oder höher-)gradigen depressiven Episode aktuell 

nicht mehr erfüllt sind. Bei der am 31.01.2008 durchgeführten 

neuropsychologischen Testung zeigten sich in einigen Teilbereichen 

leicht- bis mittelgradig beeinträchtigte Ergebnisse (geteilte Aufmerk-

samkeit, Planung einer komplexen Aufgabe, z.T. reduzierte Fehler-

kontrolle). Auch die Auffälligkeiten in der neuropsychologischen Testung 

könnten durch die noch nicht völlig remittierte depressive Rest-

Symptomatik erklärt werden. Insofern sind die im November und 

Dezember 2007 beobachteten und beschriebenen Probleme bei der Tätig-

keit im angestammten Beruf als Maschinenzeichner durchaus nachvoll-

ziehbar. […].". Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit 

beurteilte er wie folgt: "Bei dem offensichtlich eigenverantwortlichen 

- 16 -

Anforderungsprofil des Kleinbetriebs, bei dem der Versicherte zuletzt 

angestellt war, ist die ärztlicherseits attestierte verminderte Leistungs-

fähigkeit retrospektiv plausibel. In einem klarer strukturierten Umfeld mit 

klar definierten Aufgaben und Tätigkeitsprozessen wäre auch in der 

angestammten Tätigkeit als Maschinenzeichner von einer Arbeitsfähigkeit 

von 100 % auszugehen. Bei – zu erwartender – weiterer Rückbildung der 

depressiven Rest-Symptomatik besteht eine Arbeitsfähigkeit von 100 %." 

Bezüglich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig-

keit schloss Dr. med. P._____ auf eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit 

in Bezug auf allgemeine Hilfstätigkeiten, zum Beispiel auf dem Bau, 

Gärtnerei, Lager/Magazin etc. und stufte die versicherte Person als 

eingliederungsfähig ein.

4.7.7. Im Austrittsbericht der K._____ vom 4. Januar 2010 (vgl. IV-act. 73 S. 9) 

über den stationären Aufenthalt vom 21. November 2009 bis 

27. November 2009 (4. Hospitalisation) zum Alkoholentzug diagnostizierte 

Dr. med. Q._____ Störungen durch Alkohol/Abhängigkeitssyndrom F10.2 

und mittelgradige depressive Episoden F32.1.

4.7.8. Dr. med. E._____ hielt im Austrittsbericht der B._____ vom 24. Januar 

2013 (vgl. IV-act. 73 S. 11) über den stationären Aufenthalt vom 

14. Dezember 2012 bis 11. Januar 2013 (5. Hospitalisation) die Haupt-

diagnose schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome 

F32.2 und die Nebendiagnose psychische und Verhaltensstörungen durch 

Alkohol: Abhängigkeitssyndrom F10.2, fest.

4.7.9. Mit Austrittsbericht der B._____ vom 27. Juni 2013 (vgl. IV-act. 73 S. 15) 

betreffend den stationären Aufenthalt vom 9. Mai 2013 bis 24. Mai 2013 

(6. Hospitalisation) stellten die Dres. med. R._____ und S._____ die 

Diagnosen psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: 

Abhängigkeitssyndrom F10.2; psychische und Verhaltensstörungen durch 

- 17 -

Alkohol: Akute Intoxikation F10.0, sowie rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig leichte Episode F33.0.

4.7.10. Im Austrittsbericht der B._____ vom 21. Oktober 2013 (vgl. IV-act. 73 

S. 18) hielt Dr. med. T._____ betreffend den stationären Aufenthalt vom 

8. August 2013 bis 20. September 2013 (7. Hospitalisation) die Diagnosen 

einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige 

Episode F33.1; sowie psychischen und Verhaltensstörungen durch 

Alkohol: Nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung 

F10.9, fest.

4.7.11. Auch im Austrittsbericht vom 23. Januar 2014 (vgl. IV-act. 73 S. 23) über 

den stationären Aufenthalt vom 5. Dezember 2013 bis 13. Januar 2014 

(8. Hospitalisation) hielt Dr. med. T._____ an den Diagnosen psychische 

und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom F10.2 

und rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 

Episode F33.1, fest.

4.7.12. Mit Bericht vom 20 Januar 2014 (vgl. IV-act. 49) über die ambulante 

Behandlung vom 16. Januar 2014 bis auf Weiteres und die Kontrolle vom 

23. Januar 2014 erachteten die Dres. med. E._____ und T._____ als 

Ursache der Arbeitsunfähigkeit die Diagnosen F10.2 Psychische und 

Verhaltensstörung durch Alkohol und F33.1 rezidivierend depressive 

Störung, gegenwertig mittelgradige Episode als gegeben. Gestützt auf die 

stationären Aufenthalte vom 14. Dezember 2012 bis 11. Januar 2013, 

9. Mai 2013 bis 24. Mai 2013 und 8. August 2013 bis 20. September 2013 

in der B._____ befundeten sie folgendes: "Konzentrationsstörungen, 

Verlangsamung, starke Grübeleien, affektive Störungen im Sinne von 

Gefühl der Gefühllosigkeit, Störungen der Vitalgefühle, Deprimiertheit, 

Hoffnungslosigkeit, gelegentliche Gereiztheit sowie Insuffizienzgefühlen. 

Es besteht ein eingeschränkter Antrieb und eine Neigung zu starkem 

- 18 -

sozialem Rückzug. Neben der depressiven Symptomatik neigt der Patient 

dazu, bei Krisen Antabus abzusetzen und wieder vermehrt Alkohol zu 

trinken." Als Prognose hielten sie fest, "[…]. Aufgrund der deutlichen 

Verbesserung der bei Eintritt vorbestehenden Symptome ist die Prognose 

bezüglich Depression aktuell als gut zu bewerten, da es sich jedoch um 

eine Comorbide Störung handelt, ist die Prognose als eher verschlechtert 

zu bewerten. Sollte es jedoch zu vermehrten Rezidivs (z.B. durch 

Absetzen des Antabus und erneutem Konsum von Alkohol) in der Zukunft 

kommen, muss die Prognose als schlecht eingeschätzt werden." Sie 

hielten weiter fest, betreffend die bisherige Tätigkeit bestünden diverse 

Einschränkungen, soziale Ängste, innere Angespanntheit, Konzen-

trations- und Aufmerksamkeitsschwächen sowie Ermüdbarkeit. Die 

anspruchsvolle Tätigkeit mit grosser Verantwortung löse beim Patienten 

eine grosse Unsicherheit und Angst aus, welche sich auch auf die 

Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung auswirke. Der Patient sei 

bis Ende Januar 2014 zu 100 % krankgeschrieben, danach gingen sie von 

einer mehrmonatigen 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus. Die Arbeits-

fähigkeit könne bei einer krankheitsangepassten Tätigkeit mit sukzessiver 

Steigerung des Arbeitspensums in Abhängigkeit des Krankheitsbildes 

gesteigert werden.

4.7.13. In seiner Einschätzung vom 28. April 2014 (vgl. IV-act. 78 S. 6 f.) führte 

RAD-Arzt Dr. med. D._____ aus, wesentliche Krankheit sei die Alkohol-

krankheit. Die depressive Stimmungslage könne als sekundäre 

Erkrankung angesehen werden. Allerdings müsse unter Wegdenken der 

Sucht von einer schnellen psychischen Rehabilitation und vollen Arbeits-

fähigkeit ausgegangen werden. Es sei zu entscheiden, ob bei gleichzeitig 

vorliegender Sucht sowie Depression von einer anerkennenswerten 

Krankheit (Depression) auszugehen sei. Aus rein medizinischer Sicht sei 

eine Begleitung der versicherten Person zu begrüssen; auf alle Fälle sei 

- 19 -

aber ein Mahn- & Bedenkzeitverfahren einzuleiten unter Einforderung von 

Abstinenz. Möglicherweise könnte in einer strukturierten Umgebung ein 

Aufbau der Arbeitsfähigkeit erfolgen. Sollte die versicherte Person sich im 

Rahmen der Integrationsmassnahmen bewähren, könnte auf ein 

Gutachten verzichtet werden. Sollte die Integrationsmassnahme nicht 

erwartungsgemäss zu einer deutlichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit 

führen, sei ein Gutachten jedoch unausweichlich.

4.7.14. Die Beschwerdegegnerin stellte für ihre Verfügung vom 27. Januar 2015 

auf die Einschätzung ihres RAD-Arztes Dr. med. D._____ (vgl. IV-act. 78 

S. 8) ab, der mit Abschlussbeurteilung vom 30. Oktober 2014 folgendes 

festhielt: Es sei weiterhin von einer Sucht und damit nicht von einer IV-

relevanten Erkrankung auszugehen. Die möglicherweise ebenfalls 

vorliegende depressive Störung sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

durch den Alkoholmissbrauch bedingt und somit keine eigenständige 

Erkrankung. Des Weiteren habe sich die versicherte Person nach dem 

Gespräch mit der Eingliederungsberatung am 24. Juni 2014 den weiteren 

Eingliederungsbemühungen der IV Stelle Graubünden entzogen, weshalb 

der Fallabschluss empfohlen werde. Das im April 2014 empfohlene 

Gutachten erscheine derzeit nicht erforderlich zu sein, da zum jetzigen 

Verfahrensstand eher die Rechtsfrage (inklusive Mitwirkungspflichten), 

denn die Tatfrage (Differenzierung nicht IV-relevante Sucht gegen 

möglicherweise vorhandene Begleiterkrankung Depression) zu klären sei.

4.8. Seit der letzten materiellen Prüfung des Rentenanspruchs vom 27. Januar 

2015 sind folgende wesentliche Berichte aktenkundig:

4.8.1. Im Austrittsbericht der B._____ vom 3. November 2015 (vgl. IV-act. 239 

S. 124) über den stationären Aufenthalt vom 17. Oktober 2015 bis 

21. Oktober 2015 (9. Hospitalisation) hielten die Dres. med. E._____ und 

- 20 -

U._____ die Diagnose "gegenwärtig mittelgradige Episode bei 

rezidivierender depressiver Störung und Alkoholabhängigkeit" fest.

4.8.2. Mit Austrittsbericht vom 20. Juni 2016 (vgl. IV-act. 98 S. 8) über den 

Aufenthalt in der B._____ vom 27. April 2016 bis 19. Mai 2016 

(10. Hospitalisation) diagnostizierte Dr. med. T._____ eine rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und 

Alkoholabhängigkeit.

4.8.3. Vom 1. Mai 2017 bis 23. Mai 2017 hielt sich der Beschwerdeführer erneut 

stationär in der B._____ auf (11. Hospitalisation). Die Dres. med. R._____ 

und Furrer hielten im Bericht vom 13. Juni 2017 (vgl. IV-act. 239 S. 127) 

dazu fest, der Patient sei freiwillig zur medikamentösen Einstellung 

(Antabus) und aufgrund psychosozialer Belastungssituation eingetreten. 

Sie diagnostizierten psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: 

Abhängigkeitssyndrom F10.2; Rezidivierende depressive Störung, gegen-

wärtig mittelgradige Episode F33.1; Psychische und Verhaltensstörungen 

durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom F17.2; Adipositas durch über-

mässige Kalorienzufuhr: Body-Mass-Index [BMI] von 30 bis unter 35 

E66.00; Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: 

Schädlicher Gebrauch F12.1.

4.8.4. Die Dres. med. E._____ und U._____ hielten im Austrittsbericht vom 

6. Februar 2018 (vgl. IV-act. 98 S. 12) über den stationären Aufenthalt 

vom 26. Januar 2018 bis 4. Februar 2018 in der B._____ 

(12. Hospitalisation) fest, der Patient habe beschlossen, gegen die 

Alkoholsucht vorzugehen. Es sei zu einem Krampfanfall gekommen, es 

hätten Hinweise für gravierende psychosoziale Belastungen vorgelegen. 

Sie diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode F32.1 sowie 

psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits-

syndrom F10.2.

- 21 -

4.8.5. Am 12. April 2018 äusserte Dr. med. W._____, Leitender Arzt Neurologie 

am X._____ den Verdacht auf TIA [=transitorische ischämische Attacken], 

klinisch rechts-hemisphärisch. Der Radiologe Dr. med. Y._____ beurteilte 

am 20. April 2018 (vgl. IV-act. 239 S. 132) gestützt auf das am Vortag 

erstellte MRI mehrere spätakute/frühsubakute embolische kortikale 

Ischämien im linken Mediastromgebiet (operkulär, präzentral), keine 

signifikante Gefässstenose, kein Gefässverschluss der basalen Hirn-

arterien bzw. der hirnzuführenden Halsgefässe.

4.8.6. Mit Austrittsbericht vom 9. Juli 2018 (vgl. IV-act. 98 S. 15) berichteten die 

Dres. med. E._____ und U._____ über den stationären Aufenthalt vom 

30. Mai 2018 bis 21. Juni 2018 in der B._____ (13. Hospitalisation) zwecks 

Krisenintervention nach multiplen Schlaganfällen im April, vorwiegend 

rechts. Als Diagnosen hielten sie "psychische und Verhaltensstörungen 

durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom F10.2; Adipositas durch über-

mässige Kalorienzufuhr E66.00; mittelgradige depressive Episode F32.1; 

zerebrale transitorische Ischämie, nicht näher bezeichnet: Komplette 

Rückbildung innerhalb von 1 bis 24 Stunden G45.92; Obstruktives 

Schlafapnoe-Syndrom G47.31." fest.

4.8.7. Im Austrittsbericht vom 21. Februar 2019 (vgl. IV-act. 98 S. 19) über den 

stationären Aufenthalt in der B._____ vom 14. Januar 2019 bis 

12. Februar 2019 (14. Hospitalisation) hielt Dr. med. Z._____ folgende 

Diagnosen fest: "Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: 

Abhängigkeitssyndrom F10.2; mittelgradige depressive Episode F32.1; 

psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeits-

syndrom F17.2; Adipositas durch übermässige Kalorienzufuhr: […] 

E66.00; zerebrale transitorische Ischämie, nicht näher bezeichnet: 

Komplette Rückbildung innerhalb von 1 bis 24 Stunden G45.92; 

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom G47.31; Mangel an sonstigen näher 

- 22 -

bezeichneten Vitaminen des Vitamin-B-Komplexes E53.8 und Vitamin-D-

Mangel, nicht näher bezeichnet E55.9."

4.8.8. Mit Austrittsbericht vom 26. Juli 2019 (vgl. IV-act. 98 S. 27) berichteten die 

Dres. med. E._____ und AA._____ über den stationären Aufenthalt in der 

B._____ vom 25. Juni 2019 bis 22. Juli 2019 (15. Hospitalisation) zwecks 

Anwendung der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und parallel dazu 

Wiedereinführung der Antabusbehandlung, nachdem der Beschwerde-

führer das Antabus abgesetzt und wieder mit Alkohol angefangen hatte. 

Sie diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode F32.1; 

psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits-

syndrom F10.2; psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: 

Abhängigkeitssyndrom F17.2; bei Zustand nach cerebralen Insult 2018 

sowie obstruktives Schlafapnoe-Syndrom G47.31 und Adipositas durch 

übermässige Kalorienzufuhr E66.00.

4.8.9. Mit Bericht vom 25. November 2019 (vgl. IV-act. 98 S. 1) hielt Dr. med. 

E._____ fest, der Patient hätte im Vorjahr einen Schlaganfall mit 

Hemisymptomatik rechts erlitten; derzeit bestünden noch diskrete 

Störungen der Feinmotorik und Koordination. Er diagnostizierte eine 

schwere depressive Störung ohne psychotische Symptome (F32.2), 

Status nach cerebralem Insult (I63.9). Dr. med. E._____ erachtete den 

Patienten als derzeit nicht arbeitsfähig, nach einer Eingliederung wären 

4-6 Stunden in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit vorstellbar.

4.8.10. RAD-Arzt Dr. med. D._____ führte in seiner Beurteilung vom 

19. Dezember 2019 (vgl. Case Report BM/RE in IV-act. 260 S. 4 f.) 

folgendes aus: "Die Bescheinigung C._____ Dr. E._____ stellt eine 

Andersbeurteilung eines im Wesentlichen unveränderten 

Gesundheitszustand dar. Die vP leidet seit sehr vielen Jahren an einer 

Alkohol- (und früher auch Drogen-)Problematik mit intermittierenden 

- 23 -

depressiven Episoden. […]. Selbst der beschriebene Schlaganfall vom 

Frühjahr 2018 (korrekterweise eine transitorische ischämische Attacke 

TIA) wird im C._____ Austrittsbericht vom 09.07.2018 mit Zerebrale 

transitorische Ischämie, nicht näher bezeichnet: Komplette Rückbildung 

innerhalb von 1 bis 24 Stunden G45.92 bezeichnet – hat aber (folgt man 

C._____ Dr. E._____, Psychiatrie!) auch heute noch neurologische Folgen 

(die jedoch nicht näher beschrieben werden können, da sie bereits 

vergangen sind…)." Dr. med. D._____ zog folgendes Fazit: "Der 

Gesundheitszustand mit Auswirkung auf die AF hat sich – verglichen mit 

dem Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des letzten materiellen 

Entscheides am 27.01.2015 – nicht wesentlich verändert."

4.8.11. Im Austrittsbericht vom 18. Februar 2020 (vgl. IV-act. 114) über den 

stationären Aufenthalt in der B._____ vom 16. Januar 2020 bis 

11. Februar 2020 (17. Hospitalisation) hielten die Dres. med. R._____ und 

AB._____ fest, Grund für den Eintritt sei die Zunahme einer depressiven 

Symptomatik mit sozialem Rückzug und Existenz- sowie Zukunftsängsten, 

Schlafproblemen bei bekannter Depression gewesen. Ebenfalls 

konsumiere der Patient wieder vermehrt Alkohol und habe die Antabus-

therapie selbständig abgesetzt. Die depressive Symptomatik habe 

stabilisiert werden können und eine erneute Installation der Antabus-

therapie sei erfolgt. Als Hauptdiagnose hielten sie eine mittelgradige 

depressive Episode F32.1 fest. Weiter wurden folgende Nebendiagnosen 

festgehalten: "Adipositas durch übermässige Kalorienzufuhr: Adipositas 

Grad I (WHO) bei Patienten von 18 Jahren und älter E66.00. Störung des 

Lipoproteinstoffwechsels, nicht näher bezeichnet E78.9. Psychische und 

Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom F10.2. 

Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeits-

syndrom F17.2. Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom G47.31. Folgen eines 

Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet I69.4."

- 24 -

4.8.12. In den RAD-Abschlussberichten vom 31. Januar 2020 und 3. März 2020 

(vgl. Case Report BM/RE in IV-act. 260 S. 11 f.]) erläuterte Dr. med. 

D._____, auch wenn die ärztlichen Bescheinigungen (aus Versicherungs-

gründen) die Sucht in den Hintergrund stellten, erscheine die Sucht 

(Alkoholabhängigkeit) nach wie vor führend bzw. krankheitsbestimmend 

zu sein. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass sich der 

Gesundheitszustand bei fortgesetzter Therapie bessern würde, trotz der 

bisherigen 15 Hospitalisationen. So sei die versicherte Person zumindest 

teilzeitig im Einsatzprogramm beschäftigt gewesen, was gegebenenfalls 

als nutzbare Ressource zu qualifizieren sei. In der jetzigen Gesundheits-

situation liege im angestammten Beruf mangels der nötigen Ressourcen 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Arbeitsfähigkeit vor. 

Vermutlich werde innerhalb absehbarer Zeit auch keine Arbeitsfähigkeit 

mehr zu erreichen sein. Die Integrationsfähigkeit in geschützter 

Umgebung dürfte möglich sein (Einsatzprogramm). Bei konsequenter 

Therapie und Coaching im Einsatzprogramm dürfte innerhalb von ca. 

einem Jahr eine mindestens 50%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeits-

markt zu erreichen sein; unter Berücksichtigung der verminderten 

Durchhaltefähigkeit/Konzentrationsfähigkeit und der langen Zeit, die für 

ein Work-Hardening zu kalkulieren sei. Auf längere Sicht von zwei Jahren 

gesehen könnte die Arbeitsfähigkeit möglicherweise auch 100 % 

erreichen. Dr. med. D._____ empfahl als erforderliche Massnahme die 

Auflage einer Abstinenz und die Kontrolle der Abstinenz durch 

regelmässige Laborkontrollen für einen Zeitraum von sechs Monaten. 

Danach sollte der Entscheid bezüglich berufliche Massnahmen ergehen, 

wenn Abstinenz eingehalten worden sei. Ansonsten empfahl er die 

Ablehnung.

- 25 -

4.8.13. Gestützt auf das MRI vom 9. Juni 2020 beurteilte Dr. med. AC._____ (vgl. 

IV-act. 239 S. 133): "zur Voruntersuchung unverändert leichte Akzen-

tuierung der Liquorräume frontoparietal im Sinne einer diskreten Atrophie. 

Keine Hinweise für eine frische Ischämie, keine Blutung. Leichte Schleim-

hautschwellung am Boden des linken Sinus maxillaris sowie der 

Ethmoidalzellen anterior links."

4.8.14. Im Austrittbericht der B._____ (vgl. IV-act. 239 S. 134) über den 

stationären Aufenthalt vom 9. Juli 2020 bis 4. August 2020 

(18. Hospitalisation) wurde eine Einweisung anlässlich Krisenintervention 

zwecks Alkoholentgiftung sowie Reetablierung Antabus festgehalten. Der 

Entzug habe sich unproblematisch gestaltet und sei äusserst kurz 

gewesen. Als Hauptdiagnose wurde eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome 

F33.2 festgehalten. Als Nebendiagnose ein Mangel an sonstigen näher 

bezeichneten Vitaminen des Vitamin-B-Komplexes E53.8; Vitamin-D-

Mangel, nicht näher bezeichnet E55.9; Adipositas durch übermässige 

Kalorienzufuhr: Adipositas Grad I (WHO) bei Patienten von 18 Jahren und 

älter E66.00; Hyperlipidämie, nicht näher bezeichnet E78.5; Psychische 

und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom F10.2; 

Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Entzugssyndrom 

F10.3; Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeits-

syndrom F17.2.

4.8.15. Gemäss Bericht des Hausarztes, Dr. med. AD._____, vom 20. August 

2020 (vgl. IV-act. 113) verweigerte die versicherte Person die Blutent-

nahme.

4.8.16. Mit E-Mail vom 7. Juli 2021 (vgl. IV-act. 179) an die IV-Stelle legte Dr. med. 

E._____ dar, aufgrund der einjährigen Abstinenz könne aus psychiat-

rischer Sicht auf den Abstinenznachweis verzichtet werden. Nicht zuletzt 

- 26 -

handle es sich um ein sekundäres Alkoholproblem bei einer depressiven 

Grunderkrankung, die sich aktuell deutlich gebessert habe.

4.8.17. Mit Austrittsbericht der B._____ vom 17. November 2021 (vgl. IV-act. 239 

S. 138) über den stationären Aufenthalt vom 27. Oktober 2021 bis 

10. November 2021 (19. Hospitalisation) wurden folgende Diagnosen 

festgehalten: "Hauptdiagnose: F33.1 Rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig mittelgradige Episode. Nebendiagnose: Psychische und 

Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom F17.2; 

Adipositas durch übermässige Kalorienzufuhr: Adipositas Grad I (WHO) 

bei Patienten von 18 Jahren und älter E66.00; St.n. Apoplex vor zirka 

2 Jahren; Hyperlipidämie, nicht näher bezeichnet E78.5; F10.1 

Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Schädlicher 

Gebrauch (aktuell unter Antabus-Therapie)." Der Patient erlebe aufgrund 

zunehmendem Stresserleben, ausgelöst durch berufliche Anforderungen 

und lange Arbeitswege, zunehmende Schlafprobleme und daraus 

resultierende Tagesmüdigkeit. Aufgrund dessen erlebe er Panikzustände, 

am ehesten erklärbar mit Angst, den an ihn gestellten Anforderungen nicht 

gerecht werden zu können. Er bewältige dies durch sozialen Rückzug und 

sporadischen Alkoholkonsum als Selbstmedikation. Die vordergründige 

Symptomatik lasse sich diagnostisch als eine depressive Episode 

einordnen.

4.8.18. Dr. med. E._____ führte im Verlaufsbericht vom 8. Januar 2022 (vgl. IV-

act. 207) aus, dass es beim Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt zu einer 

Überforderungssituation mit erneuter depressiver Symptomatik 

gekommen sei, u.a. aufgrund diverser Widerstände und v.a. durch die 

zusätzliche Fahrtzeit von AE._____ ins AF._____. Die letzte Kontrolle sei 

am 22. Dezember 2021 erfolgt. Das Arztzeugnis vom 19. November 2021 

(vgl. IV-act. 204) sei aufgrund deutlich depressiver Symptomatik und 

stationären Aufenthalts vom 27. Oktober 2021 bis 10. November 2021 

- 27 -

erlassen worden. Mittelfristig sei eine Wiedereingliederung auf dem ersten 

Arbeitsmarkt sinnvoll und realistisch. Dr. med. E._____ attestierte am 

10. Februar 2022 (vgl. IV-act. 210) eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 

zum 1. März 2022.

4.8.19. Die Vorinstanz stützte sich im Rahmen des Erlasses der angefochtenen 

Verfügung auf das monodisziplinäre Gutachten von Dr. med. G._____, 

Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter med. 

Gutachter SIM, vom 10. April 2023 (vgl. IV-act. 239) nach psychiatrischer 

Exploration vom 3. Februar 2023 sowie auf die neuropsychologische 

Testung vom 28. November 2022. Von Letzterer berichtete der Neuro-

psychologe lic. phil. H._____ in seinem Bericht vom 30. November 2022 

(vgl. IV-act. 239 S. 100 ff.), welcher ebenfalls in das psychiatrische 

Gutachten vom 10. April 2023 einfloss. Lic. phil. H._____ bekundete keine 

neuropsychologischen Auffälligkeiten. Er beschreibt bei einer norm-

varianten Intelligenz mit einem Gesamt-IQ von 102 ein überwiegend 

ausgeglichenes Profil und hält fest, dass sich keine Hinweise auf eine 

relevante neuropsychologische Funktionsschwäche gefunden hätten (vgl. 

IV-act. 239 S. 115). Die Symptomvalidierung verlief unauffällig (vgl. IV-act. 

239 S. 114).

4.8.20. Dr. med. G._____ stellte in seinem Gutachten folgende Diagnosen (IV-act. 

239 S. 90):

- Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4),

- ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Psychische und 

Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 

F10.2).

Dr. med. G._____ führt aus, der Explorand leide zwar an einer 

rezidivierenden (wiederkehrenden) depressiven Störung, in der 

- 28 -

Vergangenheit meistens aber höchstens mittelgradig, gemäss Austritts-

berichten der Kliniken hätte sich die Symptomatik bei Behandlung jeweils 

gebessert. Nur ganz selten sei von einer schweren Episode ausgegangen 

worden. Aktuell seien die Kriterien einer depressiven Episode aber nicht 

erfüllt. Er gehe nicht vom Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung oder von 

akzentuierten Persönlichkeitszügen aus und finde keine Hinweise für das 

Vorliegen einer neurotischen Belastungs- oder somatoformen Störung (IV-

act. 239 S. 89 f.). Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe damit nur 

die rezidivierende depressive Störung, die gegenwärtig aber abgeklungen 

(remittiert) sei. Die Alkoholabhängigkeit könne nicht sicher eingeordnet 

werden. Es sei von einer sehr schweren Abhängigkeit auszugehen. Der 

aktuelle Konsum von Alkohol gefährde die Eingliederung, weshalb die 

Abstinenzkontrolle in regelmässigen Abständen durchgeführt und mittels 

Antabus-Medikation unterstützt werden müsse. Da nur eine sehr diskrete 

depressive Symptomatik bestünde, sei keine Therapieanpassung 

notwendig. Die depressive Störung habe keinen direkten Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit; angesichts der Anamnese und der wiederkehrend 

auftretenden depressiven Episoden der Vergangenheit könnten solche 

aber auch künftig nicht ausgeschlossen werden; allein deshalb bestünde, 

grob geschätzt, eine 10-20%ige Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit; 

dem Exploranden sei immer wieder auch über längere Zeit eine 100%ige 

Eingliederung gelungen. Diese begrenzte Einschränkung in der Arbeits-

fähigkeit bestünde wahrscheinlich seit 1999 (IV-act. 239 S. 90 ff.).

4.8.21. Mittels LC-MS vom 3. Februar 2023 konnte ein Metabolit von THC im Urin 

nachgewiesen werden und das CDT war deutlich erhöht (IV-act. 239 

S. 74). Laut Labor treten pathologische Werte beim CDT in der Regel bei 

täglicher Einnahme von mehr als 60 Gramm Alkohol (entspricht ca. 

7 Deziliter Wein) während einer Woche auf. Dr. med. G._____ hielt dazu 

- 29 -

fest, dass auch die Angaben des Exploranden zur konsumierten Alkohol-

menge nicht zutreffen könnten (IV-act. 239 S. 84 f.).

5.1. Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforder-

ungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweis-

wert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig-

keit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E.2.2.2, 135 V 465 E.4.4).

Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte der Beschwerdeführer 

eine Stellungnahme des behandelnden Arztes Dr. med. E._____ vom 

27. Mai 2023 (IV-act. 250) ein. Jener hielt fest, Dr. med. G._____ stelle 

wiederholt den z.T. gegebenen Schweregrad in Frage. Hierbei übersehe 

er, dass nach ICD 10 auch bei Besserung einer Episode diese weiter 

schwergradig bezeichnet werde, wenn anfangs die Kriterien dafür erfüllt 

seien. Die Diskussion hinsichtlich der sekundären Alkoholabhängigkeit 

erscheine akademisch. Der Beschwerdeführer trinke derzeit regelmässig, 

wie auch laborchemisch nachgewiesen. Hinsichtlich der Folge trinke er vor 

allem in depressiven Phasen; in stabilen Phasen, zuletzt 2021, sei dies 

nicht der Fall. Während den stationären Behandlungen sei wiederholt eine 

Elektrokonvulsionsbehandlung (EKT) durchgeführt worden. Dieses 

aufwendige Verfahren werde nur bei Therapieresistenz und bei schwerer 

Symptomatik angewendet, wenn medikamentös und psychotherapeutisch 

kein Erfolg erzielt werden könne. Hinsichtlich des Funktionsniveaus seien 

derzeit vor allem die erheblichen morgendlichen Einschränkungen 

hinsichtlich des Antriebs und des sozialen Rückzugs zu betrachten. Der 

Beschwerdeführer benötige morgens nach dem Erwachen mehrere 

Stunden um sich anzukleiden und sinnvolle Tätigkeiten durchzuführen. 

Hier sei eine Teilnahme am Erwerbsleben nicht vorstellbar. Auch bei 

Integrationsmassnahmen sei dies in der Vergangenheit immer wieder der 

Fall gewesen. Nicht nachvollziehbar sei, warum der Gutachter hier von 

- 30 -

einer Remission der Depression ausgehe. Um eine Arbeit aufzunehmen 

bedürfe es einer gewissen Stabilität und Fähigkeit, auch morgens regel-

mässig pünktlich zur Arbeit zu gehen, was dem Beschwerdeführer in 

letzter Zeit (Monate bis Jahre) nicht möglich gewesen sei. Für eine 80 % 

Erwerbsfähigkeit sollten diese Einschränkungen nicht vorhanden sein. Er 

erachtete den Beschwerdeführer derzeit und zum Zeitpunkt der 

Begutachtung als nicht arbeitsfähig. Das Scheitern der Arbeitsversuche 

sei Ausdruck der Erkrankung und nicht aufgrund fehlenden Willens. Die 

Depression stünde im Vordergrund, sekundär in depressiven Phasen 

dann auch der Alkoholkonsum. Die Argumentation [des Gutachters], dass 

bei Klinikaufenthalten die Diagnose der Alkoholabhängigkeit zum Teil 

zuerst genannt worden sei, sei nicht für diese Sache beweisend, da dort 

der Fokus oft auf die im Vordergrund stehende Symptomatik gerichtet 

werde und da sei natürlich der Alkoholkonsum offensichtlicher als eine 

depressive Symptomatik. Insgesamt würden sich die Symptome der 

beiden Diagnosen verstärken.

5.2. In seiner Stellungnahme vom 9. Oktober 2023 (IV-act. 253) führte 

Dr. med. G._____ aus, niemand stelle in Frage, dass der Explorand an 

einer rezidivierenden depressiven Störung leide. Das heisse aber, dass im 

Verlauf eine depressive Symptomatik in unterschiedlichem Ausmass 

bestanden habe, unterbrochen von symptomfreien oder symptomarmen 

Intervallen. So sei die Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung 

definiert. Gestützt auf die Akten sei praktisch nie von einer schweren 

depressiven Episode ausgegangen worden und "zumindest einmal" habe 

er die Ausprägung der depressiven Symptomatik in Frage gestellt. 

Üblicherweise werde in Austrittsberichten der Zustand zu Beginn der 

Behandlung diagnostisch erfasst und nicht der Zustand am Ende des 

stationären Aufenthaltes. Im ICD-10 sei das aber nicht geregelt. Im ICD-

10 werde gegenwärtig als tatsächlich gegenwärtig angenommen. Wenn 

- 31 -

das tatsächlich so wäre, wie Dr. med. E._____ schreibe, würde beispiels-

weise die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-

10: F33.4), nicht vorkommen.

5.3. Der Beschwerdeführer führt im vorliegenden Verfahren unter Berufung auf 

die von ihm im Vorbescheidverfahren eingebrachten Stellungnahmen von 

Dr. med. E._____ am 6. Dezember 2023 aus (vgl. Beschwerde [Gerichts-

akte A1]), wohl kaum jemand könne seine psychische Situation besser 

einschätzen als Dr. med. E._____. Der Beschwerdeführer arbeite seit 

neun Jahren nicht mehr. Er habe in dieser Zeit insgesamt 

15 Hospitalisationen in der Psychiatrischen Klinik absolviert und 

gleichzeitig seien mehrere IV-Gesuche negativ beantwortet worden. Die 

umfangreichen Akten zeigten, wie schwer sich die Beschwerdegegnerin 

mit dieser Angelegenheit tue und wie kontrovers der Fall auch intern 

diskutiert und beurteilt worden sei. Der RAD habe rasch einmal eine 

Suchtproblematik angenommen und betrachte den fehlenden Willen des 

Beschwerdeführers, sich behandeln zu lassen, als Ursache seines 

Scheiterns und seiner Arbeitsunfähigkeit; er nehme deshalb an, bei 

Verzicht auf Alkohol und andere Drogen wäre der Beschwerdeführer 

weitestgehend arbeitsfähig. Es fehle nur am Wollen und nicht am 

"Könnenwollen". Nur widerstrebend habe der RAD schliesslich in eine 

Begutachtung eingewilligt und dass er dann Dr. med. G._____ als 

Gutachter beauftragt habe, scheine angesichts dessen bekannter Haltung 

gegenüber Suchtpatienten folgerichtig. Die Beschwerdegegnerin wisse, 

dass das Verwaltungsgericht denn auch in der Vergangenheit Dr. med. 

G._____ Gutachten auch schon den Beweiswert abgesprochen und nicht 

darauf abgestellt habe. Es sei deshalb schwer verständlich, weshalb die 

Beschwerdegegnerin trotzdem Dr. med. G._____ auch in diesem Fall 

beauftragt habe. Letztem Argument kann nach Auffassung des Gerichts 

insofern nicht gefolgt werden, als im konkreten Einzelfall der Beweiswert 

- 32 -

des Gutachtens zu prüfen ist; unabhängig davon, welches Beweisergebnis 

in anderen durch das Verwaltungsgericht beurteilten Konstellationen 

resultierte.

Das Gutachten, so der Beschwerdeführer weiter, sei zwar umfangreich, 

doch der wesentliche Teil bestehe aus einer ausführlichen Zusammen-

fassung der medizinischen Vorakten. Dr. med. G._____ lasse den 

Exploranden zwar ausführlich zu Worte kommen, ohne aber daraus 

Schlüsse zu ziehen, zumindest nicht die richtigen: Obwohl der Explorand 

seinen Tagesablauf detailliert beschreibe und daraus hervorgehe, wie 

schwer es ihm falle, diesen zu organisieren (IV-act. 239, S. 68-70), komme 

der Gutachter zum Ergebnis, die geschilderten Schwierigkeiten seien 

überwindbar, da er sie ja während der Begutachtung bei ihm und beim 

Neuropsychologen, welche jeweils am Vormittag stattfanden, habe 

überwinden können; eine Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und 

Belastungen fehle im Gutachten, zumindest eine materielle. Die 

zahlreichen Austrittsberichte der psychiatrischen Kliniken zeigten einen 

vereinsamten Menschen mit sehr wenigen sozialen Kontakten, der sich in 

der Klinik jeweils am wohlsten fühle. Die Akten würden auch zeigen, dass 

er stets motiviert sei, immer wieder zu versuchen, seine Depression und 

die damit zusammenhängende Alkoholabhängigkeit therapieren zu 

lassen. Dr. med. G._____ sehe dies als einziger anders; er trage ebenfalls 

den ins Auge springenden Komorbiditäten keine Rechnung: Bei 

aufkommenden bzw. sich verstärkenden Depressionen habe der 

Beschwerdeführer sein Alkoholproblem nicht im Griff und könne seine 

Abstinenz nicht durchhalten, was er als deprimierendes Scheitern 

empfinde; die Depression und das Abhängigkeitssyndrom verstärkten sich 

somit wechselseitig. Die Berichte zeigten, dass der Beschwerdeführer 

gegen seine Krankheit kämpfe und von sich aus eine intensive Behand-

lung suche. In keinem Bericht oder Gutachten, werde ein inadäquates 

- 33 -

Verhalten moniert. Es werde vielmehr durchwegs von aktiver, kooperativer 

und bemühter Mitarbeit und einem hohen Anspruch an die eigenen 

Leistungen gesprochen. Nicht einmal Dr. med. G._____ gehe von einer 

Aggravation oder gar Simulation aus. Es sei nicht nachvollziehbar, 

weshalb der Gutachter und die Beschwerdegegnerin angesichts dessen 

zum Ergebnis gelangten, der Beschwerdeführer sei im hohen Masse 

arbeitsfähig.

5.4. Nach Auffassung des Gerichts vermochten die Ausführungen von 

Dr. med. G._____ allenfalls unter der bisherigen Rechtsprechung zur 

Überwindbarkeitsvermutung zu überzeugen (vgl. BGE 142 V 106 E.31 mit 

Hinweis auf BGE 141 V 281). So sind die vom behandelnden Arzt Dr. med. 

E._____ beschriebenen Antriebsschwierigkeiten beim Vorliegen 

depressiver Episoden, wie sie anlässlich der unzähligen Hospitalisationen 

gestellten Diagnosen als gesichert gelten, durchaus aussagekräftig. Auch 

erweisen sich die durch den behandelnden Arzt beschriebenen Wechsel-

wirkung und die Komorbidität als nachvollziehbar. Damit gilt es zu prüfen, 

ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das Gutachten von Dr. med. 

G._____ abgestellt hat oder ob im Lichte der medizinischen Vorakten 

konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen bzw. dieses von 

den übrigen medizinischen Akten derart in Zweifel gezogen wird, dass von 

den gutachterlichen Einschätzungen abzuweichen wäre.

6.1. In BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den 

Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerz-

störungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine renten-

begründende Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht 

und teilweise geändert (vgl. BGE 142 V 106 E.3.1). Zuvor begründeten 

psychosomatische Beschwerdebilder, mithin pathogenetisch-ätiologisch 

unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische 

Grundlage als solche noch keine Invalidität, sondern es galt die 

- 34 -

Vermutung, dass psychosomatische Beschwerdebilder respektive deren 

Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien. Die 

Unzumutbarkeit der willentlichen Schmerzüberwindung und des Wieder-

einstiegs in den Arbeitsprozess war nur in Ausnahmefällen anzunehmen, 

wenn verschiedene Voraussetzungen, die sogenannten "Foerster-

Kriterien", erfüllt waren (vgl. BGE 130 V 352 E.2.2.3). Mit BGE 141 V 281 

hat das Bundesgericht nun anstelle des bis dahin geltenden 

Regel/Ausnahme-Modells einen strukturierten, normativen Prüfraster 

eingeführt. Demnach liegt Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2 

ATSG nur vor, wenn mittels objektivierbarer Indikatoren nachgewiesen 

werden kann, dass einer versicherten Person keine Arbeitsleistung mehr 

zugemutet werden kann. Die nach wie vor nötige objektivierte 

Beurteilungsgrundlage liefern die medizinischen Sachverständigen, 

welche das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen 

Person anhand eines Katalogs von Indikatoren – unter Berücksichtigung 

leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und 

Kompensationspotentialen respektive Ressourcen anderseits – ergebnis-

offen und symmetrisch zu beurteilen haben (vgl. BGE 141 V 281 E.3.6). 

Mit dem Entscheid BGE 143 V 418 weitete das Bundesgericht den 

Anwendungsbereich des strukturierten Beweisverfahrens nach 

BGE 141 V 281 auf sämtliche psychischen Erkrankungen aus, unab-

hängig von ihrem Schweregrad (vgl. BGE 143 V 418 E.6 und 7). Der vom 

Bundesgericht entwickelte Indikatorenkatalog sieht für den Regelfall 

folgendermassen aus (vgl. BGE 141 V 281 E.4.1.3): Die Kategorie 

"Funktioneller Schweregrad" umfasst den Komplex "Gesundheits-

schädigung" (mit den Indikatoren "Ausprägung der diagnoserelevanten 

Befunde", "Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz" und 

"Komorbiditäten"), den Komplex "Persönlichkeit" (Persönlichkeits-

diagnostik, persönliche Ressourcen) und den Komplex "Sozialer Kontext". 

Die Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) umfasst die 

- 35 -

Komplexe "gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen 

vergleichbaren Lebensbereichen" und "behandlungs- und eingliederungs-

anamnestisch ausgewiesener Leidensdruck".

6.2. Voraussetzung für eine Anspruchsberechtigung bleibt eine lege artis 

gestellte Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 141 V 

281 E.2.1.2). Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits 

dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen im 

konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 

V 418 E.8.1). Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis bekräftigt, dass 

die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden 

Invalidität nicht absolut entgegenstehe. So sage die Behandelbarkeit für 

sich allein betrachtet nichts über den invalidisierenden Charakter einer 

gesundheitlichen Störung aus. Demgemäss müsse eine Beeinträchtigung 

der Erwerbsfähigkeit in jedem Einzelfall unabhängig von der diagnos-

tischen Einordnung eines Leidens, wie auch unbesehen der Ätiologie 

ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Die entscheidende 

Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu 

erbringen, beurteilt sich nach einem weitgehend objektivierten Massstab 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_327/2022 vom 10. Oktober 2023 E.4.2 mit 

Hinweisen).

6.3. Hinsichtlich der Alkoholthematik gilt es zu beachten, dass das Bundes-

gericht mit BGE 145 V 215 die bisherige Rechtsprechung, wonach primäre 

Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen zum Vornherein 

keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden 

darstellen konnten und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner 

näheren Abklärung bedurften, fallen gelassen hat. Es hat entschieden, 

dass fortan – gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen 

(BGE 143 V 409 und 418) – auf der Grundlage eines strukturierten 

Beweisverfahrens (Standardindikatorenprüfung) nach BGE 141 V 281 zu 

- 36 -

ermitteln ist, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich 

diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeits-

fähigkeit der versicherten Person auswirkt. Zur Klärung der invaliden-

versicherungsrechtlichen Relevanz ist grundsätzlich ein strukturiertes 

Beweisverfahren durchzuführen (vgl. BGE 145 V 215 E.6.2 f. und 7; 

Urteile des Bundesgerichts 8C_166/2022 vom 13. Oktober 2022 E.5, 

8C_53/2022 vom 5. Juli 2022 E.4.2 und 8C_103/2022 vom 10. Mai 2022 

E.2.3). Dabei kann und muss im Rahmen des strukturierten Beweis-

verfahrens insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im 

konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Aus Gründen der 

Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten 

Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht 

geeignet ist (BGE 145 V 215 E.7, 143 V 418 E.7.1; vgl. dazu auch Urteile 

des Bundesgerichts 8C_43/2023 vom 29. November 2023 E.5.2, 

8C_705/2022 vom 23. August 2023 E.5.2.1 und 9C_38/2022 vom 24. Mai 

2022 E.4.6). Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich 

nach dem konkreten Beweisbedarf. Ein strukturiertes Beweisverfahren 

bleibt etwa dann entbehrlich, wenn für eine – länger dauernde (Art. 28 

Abs. 1 lit. b IVG) – Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine 

Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärzt-

licher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und 

allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifi-

kation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden 

kann (BGE 145 V 215 E.7, 143 V 409 E.4.5.3). Diese neue Recht-

sprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht 

erledigten Fälle anzuwenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_701/2020 

vom 17. Februar 2021 E.4) und somit auch im vorliegenden Fall mass-

gebend.

- 37 -

6.4. Die Beschwerdegegnerin hat beide Begutachtungen vorgenommen. Der 

Grund für die Anmeldung zum Leistungsbezug waren einzig psychische 

Beschwerden, weshalb die Beschwerdegegnerin eine Begutachtung 

einzig in der Fachdisziplin Psychiatrie einholte, zumal aus neuro-

psychologischer Sicht gestützt auf das Gutachten von lic. phil. H._____ 

keine kognitiven Einschränkungen vorlagen. Im Gutachten von lic. phil. 

H._____ findet sich nur eine kurze Auseinandersetzung mit den neuro-

psychologischen Vorbefunden (IV-act. 239 S. 116); beurteilt wurden 

lediglich die aktuellen Ergebnisse der neuropsychologischen Unter-

suchung, obwohl in der Vergangenheit leichte bis mittelgradige Funktions-

einschränkungen resultierten. Eine Einschätzung früher erzielter 

Resultate, v.a. in den Phasen akuter Depressivität/Suchterkrankung, fehlt. 

Damit liegt keine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus 

neuropsychologischer Sicht vor. Fest steht immerhin, dass keine 

bleibenden Folgeschäden aufgrund der Alkoholabhängigkeit vorliegen.

6.5. Mit Blick auf die allgemeinen Beweisanforderungen (BGE 134 V 231 

E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c mit Hinweisen; vgl. auch BGE 144 

V 50 E.4.3 betreffend die ärztliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung im 

strukturierten Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 für die Prüfung 

der funktionellen Auswirkungen einer psychischen Erkrankung) ist 

festzustellen, dass das Gutachten in Kenntnis der Vorakten sowie auf 

eingehende Exploration ergangen ist. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das 

psychiatrische Gutachten von Dr. med. G._____ im Lichte der Recht-

sprechung (Indikatorenkatalog hiervor) eine schlüssige Beurteilung 

erlaubt:

6.6.1. Auf den "funktionellen Schweregrad" bezogene Indikatoren bilden das 

Grundgerüst der Folgenabschätzung (BGE 141 V 281 E.4.3 mit Hinweis 

auf KOPP/MARELLI, «Somatoforme Störungen, wie weiter?», in: SZS 2012 

S. 255). Die daraus gezogenen Folgerungen müssen einer Konsistenz-

- 38 -

prüfung standhalten (BGE 141 V 281 E.4.3). Zum Komplex "Gesundheits-

schädigung" ergeben sich folgende Bemerkungen: Im Indikator 

"Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome" gilt es 

unter anderem, die Schwere des Krankheitsgeschehens anhand aller 

verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätiologie und 

Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E.4.3.1.1). Im Rahmen 

der Untersuchung konstatierte der Gutachter – nebst unauffälligen 

Befunden – Merkfähigkeitsstörungen sowie das Berichten von Grübeln 

und Gedankenkreise (Zukunftsängste) und Stimmungsschwankungen mit 

Morgentief (regelmässige depressive Gefühle am Morgen; Lebens-

überdruss), regelmässige Durchschlafstörungen, eine höchstens diskret 

zum depressiven Pol hin verschobene Grundstimmung, einen am Morgen 

reduzierten Antrieb, eine diskret eingeschränkte Mimik (IV-act. 239 

S. 72 f.). Damit lagen zum Zeitpunkt der Begutachtung Elemente für eine 

psychische Störung vor, wie der Gutachter in der Diagnose mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit selber festhält (vgl. IV-act. 239 S. 90), 

weshalb sich dem Gericht nicht erschliesst, dass diese remittierend sein 

soll. Nicht nachvollziehbar ist damit auch der vom Gutachter festgehaltene 

Psychostatus vom 3. Februar 2023 (IV-act. 239 S. 72 ff.), sind doch in der 

Vergangenheit durchaus auch schwere depressive Episoden und ein 

schweres Abhängigkeitssyndrom verzeichnet. Überdies fehlt eine vertiefte 

Würdigung des Verlaufs der psychischen Störung samt möglicher 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 239 S. 80 f.). Trotzdem 

gelangt der Gutachter dann zum Schluss, dass seit 1999 eine Arbeits-

fähigkeit von 80 % bestand, da seither immer wieder eine depressive 

Symptomatik beschrieben worden sei (vgl. IV-act. 239 S. 92). Aufgrund 

der genannten Episoden war die Arbeitsunfähigkeit hingegen mehrmals 

bei 100 %, sodass der seitens des Gutachters ins Feld geführte Durch-

schnitt von 80 % nicht hinlänglich begründet ist und entsprechend nicht 

nachvollzogen werden kann. Die Einstufung des diagnoserelevanten 

- 39 -

Befundes der depressiven Störung als nicht schwer ist aufgrund der 

mehrmals diagnostizierten mittelschweren depressiven Störung nicht 

ohne weiteres schlüssig.

6.6.2. Bezüglich der Problematik der Abhängigkeit von Alkohol und anderer 

Suchtmittel ist erkennbar, dass der Gutachter Mühe mit der Einordnung 

bekundet. Dies zumal auch aufgrund des Umstandes, dass anlässlich der 

Exploration der Konsum von Cannabis (IV-act. 239 S. 74) nachgewiesen 

wurde, was sich in den medizinischen Akten seit dem Jahr 2008 (IV-act. 

22) nicht mehr manifestiert hat. Insofern krankt auch die seitens des 

Gutachters gestellte Diagnose, welche sich ausschliesslich auf den 

Konsum von Alkohol beschränkt, trotz der Befundlage anderer 

Substanzen, an Vollständigkeit. Nicht gewürdigt hat der Gutachter im 

Weiteren die Wechselwirkung zwischen der psychischen Störung und dem 

Alkoholkonsum. Der Gutachter begnügt sich mit der Feststellung, dass 

sich keine Hinweise für eine Abhängigkeit fänden, weder in den Akten 

noch bei der aktuellen Untersuchung und in der Anamnese (IV-act. 239 

S. 89). Bezüglich der Alkoholproblematik selbst, gehen aus dem 

Gutachten keine Hinweise für das Bestehen von alkoholsuchtbedingten 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen hervor. Gänzlich fehlt eine 

Würdigung des Verlaufs des Abhängigkeitssyndroms im hier relevanten 

Zeitraum ab 2020 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Insbesondere 

werden keine kognitiven Einschränkungen festgestellt (IV-act. 293 S. 85), 

was auf eine nicht über längere Zeit schwere Abhängigkeit hindeutet. 

Gleichzeitig stellt jedoch der Gutachter fest, aufgrund des erhöhten 

pathologischen Werts beim CDT könnten die Angaben des Exploranden 

zur konsumierten Alkoholmenge nicht zutreffen (IV-act. 239 S. 85). Aus 

den Akten ist ausserdem bekannt, dass sich der Beschwerdeführer bei 

Rückfällen mehrmals selbst zum Entzug meldete und über längere Zeit in 

- 40 -

Verbindung mit der Einnahme von Antabus auch über längere Phasen 

abstinent war.

6.6.3. Sodann ist auf die "Behandlungs- und Eingliederungserfolge oder –

resistenz" als wichtige Indikatoren für den "funktionellen Schweregrad" 

einzugehen (BGE 141 V 281 E.4.3.1.2). Zur Behandlung berichtet der 

Gutachter, aktuell werde eine ambulante psychiatrische Behandlung in 

Anspruch genommen und der Explorand nehme regelmässig 

Medikamente ein (IV-act. 239 S. 85). Der psychiatrische Gutachter führt 

aus, auf die Behandlung der rezidivierenden depressiven Störung habe 

der Explorand jeweils gut angesprochen und auch der ambulante Behand-

ler beschreibe in der letzten Zeit eine Stabilisierung. Aktuell sei die Störung 

remittiert, weshalb sie darum keinen direkten Einfluss auf die Arbeits-

fähigkeit habe. Im langjährigen Durchschnitt sei die Arbeitsfähigkeit 

aufgrund der wiederholten auftretenden depressiven Episoden und auch 

nicht auszuschliessender depressiver Episode in Zukunft sowie dann 

allenfalls notwendigen Entzugsbehandlungen im Schnitt grob geschätzt 

um 10 bis 20 % eingeschränkt (IV-act. 239 S. 91). Aus den medizinischen 

Unterlagen ergeben sich aber Phasen kompletter Arbeitsunfähigkeit, was 

die Einschätzung des Gutachters von 10-20 % Arbeitsunfähigkeit als nicht 

überzeugend erscheinen lässt. Weiter führt der Gutachter aus, der 

Konsum von Alkohol gefährde eine Eingliederung, weshalb Abstinenz-

kontrollen durchzuführen seien sowie allenfalls unterstützend dazu eine 

Antabus-Medikation (IV-act. 239 S. 90 f.).

6.6.4. Was den Indikator "Komorbiditäten" (vgl. BGE 141 V 281 E.4.3.1.3) 

anbelangt, stuft der Gutachter den Alkoholkonsum mit Bezugnahme auf 

die Berichte des behandelnden Arztes Dr. med. E._____ als sekundär ein 

(IV-act. 239 S. 81, 83 und 84) und verneint damit eine Wechselwirkung 

zwischen der Depression und der Alkoholabhängigkeit. Wie bereits 

festgehalten, fehlt aber eine entsprechende Würdigung der Wechsel-

- 41 -

wirkung zwischen der depressiven Störung und der Alkoholabhängigkeit. 

Das ist insofern widersprüchlich, als er bezüglich des zeitlichen Verlaufs 

der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit festhält, die häufigen Einbrüche seien 

aufgrund der depressiven Episoden seit vielen Jahren dokumentiert, was 

jedoch nicht in die Entscheidfindung eingeflossen sei, weil man damals 

von einem reinen Suchtgeschehen ausgegangen sei (IV-act. 239 S. 93).

6.6.5. Mit dem stärkeren Einbezug der Ressourcenseite gewinnt der Komplex 

"Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen [vgl. 

BGE 141 V 281 E.4.3.2]) an Bedeutung. Betreffend den Komplex 

"Persönlichkeit" stellte der Gutachter keine Hinweise für eine Persönlich-

keitsakzentuierung oder gar eine Persönlichkeitsstörung fest (IV-act. 239 

S. 83 und 90). Im Lichte der Vorakten erscheint dies schlüssig.

6.6.6. Zum Komplex "Sozialer Kontext" (vgl. BGE 141 V 281 E.4.3.3) hält der 

Gutachter fest, der Beschwerdeführer wohne alleine mit zwei Katzen und 

pflege einen guten Kontakt zu seinem nunmehr erwachsenen Sohn, der 

ebenfalls in AG._____ lebe, und es finde kein sozialer Rückzug statt (IV-

act. 239 S. 83 f.). Entgegen dieser Aussage ist seit spätestens 2019 ein 

sozialer Rückzug dokumentiert, was selbst RAD-Arzt Dr. med. D._____ 

dazu bewog, festzustellen, dass der Beschwerdeführer zweitweise nicht 

über die geforderten Ressourcen verfüge (vgl. Case Report BM/RE in IV-

act. 260 S. 11 f.). Der Gutachter macht keine Angaben zu den aktuellen 

Ressourcen. Es lässt sich somit nicht abschliessend beurteilen, ob 

allenfalls ein krankheitsbedingter Rückzug zusätzlich Ressourcen 

vermindert (vgl. JEGER, Die persönlichen Ressourcen und ihre 

Auswirkungen auf die Arbeits- und Wiedereingliederungsfähigkeit – Eine 

kritische Auseinandersetzung mit der Überwindbarkeitspraxis, in: RIEMER-

KAFKA [Hrsg.], Psyche und Sozialversicherung, Zürich et al. 2014, 

S. 168 f.).

- 42 -

6.6.7. Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie "Konsistenz". Darunter 

fallen verhaltensbezogene Kategorien (vgl. BGE 141 V 281 E.4.4). Zum 

Indikator der "gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in 

allen vergleichbaren Lebensbereichen" (BGE 141 V 281 E.4.4.1) machte 

der Gutachter keine Feststellungen, Ebenso wenig über den Leidensdruck 

(vgl. BGE 141 V 281 E.4.4.2). Eine vertiefte Überprüfung der seitens des 

Gutachters gemachten Ausführungen zur Konsistenz, welche im Wesent-

lichen die Angaben des Exploranden zum Alkoholkonsum bewerten, ist 

somit nicht möglich.

6.6.8. In der Gesamtbetrachtung sind die geltend gemachten funktionellen 

Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beein-

trächtigung anhand der Standardindikatoren nicht restlos beantwortet, 

weshalb das Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Gesundheits-

schadens weder abschliessend verneint noch bejaht werden kann. Dieser 

Umstand ist darauf zurückzuführen, dass der Sachverhalt im vorliegenden 

Fall unvollständig abgeklärt wurde. Einerseits ist das Gutachten bezüglich 

der Indikatoren des funktionellen Schweregrades, Komorbidität sowie 

Ressourcen unvollständig und schweigt sich über die Indikatoren 

Aktivitätsniveau und Leidensdruck aus. Eine schlüssige Erklärung für im 

Vergleich zu den medizinischen Akten abweichende Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vermag der Gutachter nicht zu 

geben. Auf der anderen Seite ist das Untätigbleiben der Beschwerde-

gegnerin bezüglich des positiven Befunds auf Cannabis nicht 

nachvollziehbar. In der hier massgebenden Zeitspanne wurde der 

Beschwerdeführer stets auf Alkoholgrenzwerte getestet (vgl. Alkohol-

bluttests vom 9. September 2020 [IV-act. 119], 22. September 2020 [IV-

act. 123], 5. Oktober 2020 [IV-act. 125], 21. Oktober 2020 [IV-act. 127], 

4. November 2020 [IV-act. 128], 23. November 2020 [IV-act. 130], 

7. Dezember 2020 [IV-act. 131], 4. Januar 2021 [IV-act. 134], 1. Februar 

- 43 -

2021 [IV-act. 136], 4. Januar 2021, 18. Januar 2021, 1. Februar 2021, 

15. Februar 2021 [IV-act. 142], 1. März 2021 [IV-act. 144], 31. März 2021 

[IV-act. 155], 12. April 2021 [IV-act. 156], 25. April 2021 [IV-act. 162], 

10. Mai 2021 [IV-act. 166] und 21. Mai 2021 [IV-act. 168], allesamt unter 

Grenzwert), jedoch nicht auf Cannabis, da diese Problematik in den 

Hintergrund gerückt schien. Hier gilt es vertiefter Abklärungen 

vorzunehmen, welche als Grundlage für eine erweiterte Prüfung und Beur-

teilung der Indikatoren dient.

6.7. Erachtet das zuständige Sozialversicherungsgericht eine Sache in 

medizinischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt und somit auch die 

seitens der Verwaltung vorgenommene Beweiswürdigung als unvoll-

ständig, verbleibt ihm auch nach der neuen bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung die Möglichkeit, die Sache an den zuständigen 

Versicherungsträger zurückzuweisen, anstatt ein gerichtliches Gutachten 

zur Klärung einer offenen Frage in Auftrag zu geben. In der Regel ist ein 

Gerichtsgutachten einzuholen, wenn ein (im Verwaltungsverfahren 

anderweitig) erhobener medizinischer Sachverhalt überhaupt für 

"gutachterlich abklärungsbedürftig" gehalten wird oder eine Administrativ-

expertise in rechtserheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig ist 

und dieser Mangel nicht alleine durch eine Klarstellung, Präzisierung oder 

Gutachtensergänzung behoben werden kann (siehe FURRER, Rechtliche 

und praktische Aspekte auf dem Weg zum Gerichtsgutachten in der 

Invalidenversicherung, in: SZS 1/2019 S. 3 ff. S 4 f.; BGE 137 V 210 

E.4.4.1.4 f.). Eine Rückweisung an den Versicherungsträger steht dem 

Versicherungsgericht weiterhin offen, wenn sie in der Erhebung einer 

bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich 

eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen 

Ausführungen erforderlich ist (siehe BGE 137 V 210 E.4.4.1.4; KIESER, 

a.a.O., Art. 44 Rz. 71).

- 44 -

6.8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin 

vorliegend nicht auf weitere medizinische Abklärungen hätte verzichten 

dürfen. Vielmehr sind die Auswirkungen des bestehenden Gesundheits-

schadens auf die funktionelle Leistungsfähigkeit im Einzelfall für die 

Rechtsanwendenden nachvollziehbar ärztlich festzustellen. Im Rahmen 

des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss somit insbesondere 

dem Schweregrad der Gesundheitsstörung, den Ressourcen, der 

Komorbidität sowie der Konsistenz im konkreten Einzelfall Rechnung 

getragen werden. Damit ist die Beschwerde im Eventualantrag in dem 

Sinne gutzuheissen, als dass die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit 

diese nach ergänzenden Abklärungen des medizinischen Sachverhalts 

mittels neuer Begutachtung (monodisziplinär; unter Gewährung des 

rechtlichen Gehörs) – nach vorgängigem Einigungsverfahren – gestützt 

auf die dannzumal vollständigen, medizinischen Unterlagen über den 

Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheidet. Bei diesem 

Ergebnis ist auf die weiteren Rügen des Beschwerdeführers nicht weiter 

einzugehen.

7.1. Gemäss Bundesgericht gilt für die Frage der Kostenverlegung und Partei-

entschädigung als (vollständiges) Obsiegen, soweit eine Rückweisung für 

neue Abklärungen (mit noch offenem Ausgang) erreicht werden konnte 

(vgl. dazu BGE 146 V 28 E.7, 141 V 281 E.11.1 und 137 V 210 E.7.1), was 

hier der Fall ist. Damit erübrigt sich die Prüfung des Gesuchs um unent-

geltliche Rechtspflege und Verbeiständung infolge Gegenstandslosigkeit. 

Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das Beschwerde-

verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der Invalidenversicherung 

vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von CHF 200.00 bis CHF 1'000.00 festgelegt. Bei Fällen wie dem 

- 45 -

vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, 

setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen 

Kostenrahmens auf CHF 700.00 fest. Infolge des Ausgangs des 

Beschwerdeverfahrens sind die Gerichtskosten von CHF 700.00 demnach 

der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).

7.2. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die 

Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig 

von der Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird 

die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG 

nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_455/2022 vom 13. November 2023 E.11.3.1, 8C_360/2022 vom 

24. August 2022 E.3.1, 9C_47/2021 vom 18. März 2021 E.3.1, 

9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 [in BGE 144 V 380 nicht 

publizierte] E.9.2). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über 

die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte 

(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach 

Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der 

Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) 

Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter 

des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 17. Januar 

2024 ein Honorar von CHF 3'122.95 (11.26 h à CHF 250.00 zzgl. 3 % 

Spesenpauschale und MWST) geltend. Der Aufwand im Jahr 2023 beträgt 

11.01 h, derjenige im Jahr 2024 0.25 h. Insgesamt erweist sich somit eine 

(gerundete) Entschädigung von CHF 3'123.00 (11.01 h x CHF 250.00 

[CHF 2'752.50] zzgl. 3 % Spesenpauschale [CHF 82.60] und 7.7% MWST 

[CHF 218.30] sowie 0.25 h x CHF 250.00 [CHF 62.50] zzgl. 3 % 

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Spesenpauschale [CHF 1.90] und 8.1 % MWST [CHF 5.20]) als 

angemessen.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 

23. November 2023 aufgehoben. Die Angelegenheit wird im Sinne der 

Erwägungen zu neuen ergänzenden Abklärungen und zu neuem 

Entscheid an die IV-Stelle des Kantons Graubünden zurückgewiesen.

2. Die Kosten von CHF 700.00 gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt A._____ ausser-

gerichtlich mit CHF 3'123.00 (inkl. Spesen und MWST).

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]