# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84714c2d-2e8b-549a-b6cd-3193efdb45b4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.06.2023 D-6554/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6554-2020_2023-06-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6554/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; 

Gerichtsschreiber Markus Ruhe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Nigeria,   

B._______, geboren am (…), 

Nigeria,   

C._______, geboren am (…), 

alle vertreten durch Joël Naef, Advokatur von Blarer,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. November 2020 / N (…). 

 

 

 

D-6554/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ - eine nigerianische Staatsangehörige aus D._______, 

E._______ - suchte am 17. Januar 2019 gemeinsam mit ihrem damaligen 

Partner F._______ (separates Verfahren D-6556/2020) beim EVZ 

G._______ um Asyl nach. Dort wurde sie am 13. Februar 2019 summarisch 

zur Person befragt (BzP). 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 19. März 2019 trat die Vorinstanz auf das Asylge-

such nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an 

und forderte die Beschwerdeführerin auf, die Schweiz spätestens am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Eine gleichartige Verfügung 

erliess die Vorinstanz gegenüber F._______. 

B.b  

Die Beschwerdeführenden und F._______ erhoben hiergegen beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde, welche mit den Entscheiden F-

1563/2019 und F-1565/2019 vom 15. April 2019 abgewiesen wurden.  

C.  

C.a Die Beschwerdeführerin und F._______ ersuchten die Vorinstanz am 

23. Juli 2019 in einer gemeinsamen Eingabe um Wiedererwägung der Ver-

fügungen vom 19. März 2019. Zur Begründung führten sie an, A._______ 

sei in der 12 Woche schwanger. Vater des Kindes sei F._______. Überdies 

habe A._______ nach ihrer Einreise von Italien in die Schweiz eine Totge-

burt mit Zwillingen erlitten. Aufgrund dieser Vorgeschichte sei von einer Ri-

sikoschwangerschaft auszugehen.  

C.b  

Mit separaten Verfügungen vom 5. August 2019 teilte die Vorinstanz der 

Beschwerdeführerin und F._______ mit, dass die Wiedererwägungsgesu-

che als aussichtslos zu betrachten seien, weshalb für deren Behandlung je 

ein Kostenvorschuss von Fr. 600.– erhoben werde.  

C.c  

Hiergegen erhoben sie mit gemeinsamer Eingabe vom 18. August 2019 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen unter Ande-

rem, die Vorinstanz sei anzuweisen, das Wiedererwägungsgesuch materi-

ell zu behandeln, es sei festzustellen, dass die Wiedererwägungsgesuche 

nicht aussichtslos seien, und die Kostenvorschüsse von je Fr. 600.– seien 

D-6554/2020 

Seite 3 

zurückzubezahlen. Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerden 

gut, hob die angefochtenen Verfügungen auf und wies die Sache im Sinne 

der Erwägungen (Eintreten der Vorinstanz ohne Erhebung eines Kosten-

vorschusses zur materiellen Prüfung der Wiedererwägungsgesuche) an 

die Vorinstanz zurück (Urteil F - 4138/2019 vom 10. September 2019). 

D.  

Am 17. Januar 2020 kam der Sohn der Beschwerdeführerin zur Welt, wel-

cher in das Verfahren seiner Mutter einbezogen wurde.  

E.  

Am 21. September 2020 hob die Vorinstanz die Nichteintretensentscheide 

vom 19. März 2019 auf und ordnete die Durchführung der Asyl- und Weg-

weisungsverfahren in der Schweiz an. 

F. Am 30. Oktober 2020 wurde die Beschwerdeführerin zu den Asylgrün-

den angehört. 

G.  

Am 26. November 2020 verfügte die Vorinstanz, dass die Flüchtlingseigen-

schaft der Beschwerdeführenden nicht zuerkannt, ihr Asylgesuch abge-

lehnt, die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet und der Kanton 

H._______ mit dem Wegweisungsvollzug beauftragt werde. Gleichentags 

wurde gegenüber F._______ in selber Weise verfügt. 

H.  

Die Beschwerdeführenden und im separatem Verfahren D-6556/2020 

F._______ erhoben am 28. Dezember 2020 gegen diese Verfügung Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen darin, der vo-

rinstanzliche Entscheid vom 26. November 2020 sei aufzuheben, es sei 

ihnen Asyl zu gewähren, ihnen eventualiter wegen Unzulässigkeit oder Un-

zumutbarkeit die vorläufige Aufnahme zu gewähren oder subeventualiter 

die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen die Beschwerdeführenden, 

dass ihnen Gelegenheit zur Nachreichung eines ärztlichen Berichts zu ge-

ben sei, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen sei und die 

Behandlung der Beschwerde mit derjenigen von F._______ (D-

6556/2020). Weiter ersuchen sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Bestellung ihres Rechtsvertreters als unentgeltlichen 

Rechtsbeistand.  

D-6554/2020 

Seite 4 

Mit der Beschwerde wurden folgende Beweismittel eingereicht: 

- Bericht über Konflikte zwischen Hirten und sesshaften Bauern in Nige-

ria vom 30. Juli 2019 

- Bericht über Konflikte mit Fulani-Hirten in Edo State vom 21. Juni 2020 

- Bericht von Ecoi.net, Nigeria: Sicherheitslage, 2. September 2020 

- Bericht von Amnesty International, Nigeria: Rise in Cult related killings 

vom 9. Januar 2020 

- Todesanzeigen der Zwillinge I._______ and J._______ (gemeinsamen 

Kinder des Beschwerdeführers und A._______), Fotoaufnahme von 

A._______ mit den totgeborenen Kindern, Arztbericht der Gynäkologin 

Dr. med. K._______ vom 22. Juli 2019, Anmeldebestätigung Bestat-

tungsamt 

- Entschliessung des Europäischen Parlaments zu Nigeria vom 16. Ja-

nuar 2020, 2020/2503 (RSP) 

- Bericht World Economic Forum: Here’s how COVID-19 has battered 

Africa’s largest economy vom 28. August 2020 

- (…) 

- Berichte Schweizerische Flüchtlichshilfe, Nigeria: Psychiatrische Ver-

sorgung, 22. Januar 2014 und Devex, Ifeanyi Nsofor, Opinion: Only 1 

percent of Nigerians have health insurance. Here’s how to change that, 

4. April 2018 

I.  

Am 29. Dezember 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde.  

J.  

Mit Eingabe vom 19. Februar 2021 reichte der Rechtsvertreter der Be-

schwerdeführenden einen psychiatrischen Bericht vom 17. Februar 2021 

nach, wonach A._______ an einer schweren depressiven Episode leide. 

Ferner bestehe der Verdacht einer posttraumatischen Belastungsstörung 

und einer Somatisierungsstörung.  

K.  

Am 1. Juni 2021 teilte er mit, dass B._______ nach einem Unfall ärztlicher 

Behandlung bedürfe. Dazu sandte er am 5. März 2021 Fotoaufnahmen 

vom Verletzungsbild bei B._______ sowie einen psychiatrischen Bericht 

der UPK G._______ vom 9. Februar 2021 betreffend die ambulante Be-

handlung der Beschwerdeführerin ein. Mit Eingabe vom 8. Juli 2021 infor-

mierte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden darüber, dass die 

D-6554/2020 

Seite 5 

Beschwerdeführerin erneut ein Kind erwarte, und legte seinem Schreiben 

eine ärztliche Bescheinigung vom 2. Juli 2021 bei. Am 19. August 2021 

ergänzte er dies mit einem Arztbericht der behandelnden Frauenärztin vom 

15. August 2021. Das Kind kam gemäss am 22. Dezember 2021 einge-

reichten Geburtsbericht vom 16. Dezember 2021 gleichentags auf die Welt. 

Gemäss Anzeige des Zivilgerichts H._______ anerkannte F._______ die 

Vaterschaft des Beschwerdeführers 2 am 16. Juni 2021. Mit Mitteilung vom 

30. November 2022 teilte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden 

mit, dass A._______ und F._______ sich getrennt hätten und der gemein-

same Haushalt aufgelöst worden sei. 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. Februar 2022 wies der Instruktionsrichter 

die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und die Bestellung eines un-

entgeltlichen Rechtsvertreters ab und forderte die Beschwerdeführenden 

auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– bis zum 9. März 

2023 zu leisten. Der Kostenvorschuss wurde am 24. Februar rechtzeitig 

geleistet.  

M.  

Am 30. März 2023 liess der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden 

dem Bundesverwaltungsgericht einen aktuellen psychologischen Bericht 

vom 22. März 2023 betreffend A._______ zukommen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

D-6554/2020 

Seite 6 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist unter nachfolgendem Vorbehalt einzutreten. 

1.3 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung 

zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG), so dass auf die Anträge um vorsorgliche Anord-

nung vollzugshemmender Massnahmen sowie auf Erteilung der aufschie-

benden Wirkung mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 

1.4 Das am 16. Dezember 2021 geborene Kind ist in das Verfahren ihrer 

Mutter sowie ihres Bruders aufzunehmen.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das 

Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet. 

4.  

Es ist angezeigt, die Rechtsmittelverfahren der Beschwerdeführenden und 

des früheren Partners respektive Vaters F._______ zu koordinieren. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

D-6554/2020 

Seite 7 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung zum Flüchtlings-

punkt aus, A._______ könne sich zum Schutz vor Übergriffen durch die 

sogenannten Fulani-Hirten an die nigerianischen Polizeikräfte wenden, die 

sich in der Vergangenheit bereits schutzwillig gezeigt hätten. Ausserdem 

hätte in urbanen Gebieten wie Benin City, Lagos oder Abuja, wo teils Ver-

wandte der Beschwerdeführerin leben, eine innerstaatliche Schutzalterna-

tive bestanden, da die geltend gemachte Bedrohung durch die Fulani-Hir-

ten lokal begrenzt sei. Soweit die Beschwerdeführerin von interreligiösen 

Konflikten zwischen Christen und Muslimen in Nigeria berichte, sei darauf 

hinzuweisen, dass sich diese Konflikte auf den Norden des Landes bezö-

gen und die aus dem Süden (L._______ State) stammende Beschwerde-

führerin die nigerianischen Behörden beiziehen könne, wenn sich verein-

zelt Übergriffe ereignen sollten. Zusammenfassend wiesen die Vorbringen 

der Beschwerdeführerin auf keine im Sinne von Art. 3 AsylG relevanten 

Fluchtgründe hin. Die beschwerdeführerischen Beweismittel – die die In-

anspruchnahme polizeilicher Hilfe belegten – bestätigten gerade die tat-

sächliche Hilfeleistung durch den nigerianischen Staat zu ihren Gunsten. 

6.2 Zum Asylpunkt bringen die Beschwerdeführenden auf Beschwerde-

ebene vor, dass A._______ in einer erheblichen Gefahr durch die Fulani-

Hirten gewesen sei, nachdem der Schutz durch die Polizei erschöpft ge-

wesen sei, zumal nach ihr gesucht worden sei und sie mit ihrer Familie 

bereits körperliche Angriffe habe erdulden müssen. Damit sei bei einer 

Rückkehr erneut zu rechnen. Entgegen der vorinstanzlichen Darstellung 

fehle es den nigerianischen Polizeikräften an der Fähigkeit, A._______ vor 

solchen Angriffen zu schützen. Das zeige sich insbesondere darin, dass 

die Behörden gerade nicht die Fulani-Hirten festgenommen hätten, 

D-6554/2020 

Seite 8 

sondern der Beschwerdeführerin lediglich für begrenzte Zeit sichere Unter-

kunft geboten hätten. Die Polizei sei demnach offensichtlich nicht in der 

Lage sich gegenüber den Fulani-Hirten durchzusetzen. Soweit die Vor-in-

stanz auf das Bestehen innerstaatlicher Fluchtalternativen in Nigeria ver-

weise, bestehe auch dort Gefahr: In Abuja und Lagos sei es wiederholt zu 

erheblichen Ausschreitungen mit zahlreichen Toten gekommen. Selbst bei 

einem Rückgang der Proteste – die zu dem sehr harten polizeilichen Vor-

gehen führten – sei die Sicherheitslage im Land nachhaltig destabilisiert. 

Auch könnten die Beschwerdeführenden nicht mit F._______ in dessen 

Heimatregion gehen, da dort im Streit um Rohstoffe im Nigerdelta von so-

genannten «Cults» eine erhebliche allgemeine Gefahr ausgehe. 

7.  

7.1 Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die vorinstanzlichen Ausfüh-

rungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen. Demnach ist fest-

zuhalten, dass die geltend gemachte Bedrohung durch die Fulani-Hirten 

von Dritten ausgeht und der nigerianische Staat jedenfalls schutzwillig ge-

genüber A._______ auftrat und ihr Schutz bot. Die Vorinstanz hält zutref-

fend fest, dass davon auszugehen ist, dass dies auch in Zukunft der Fall 

sein dürfte, wobei darauf hingewiesen wird, dass kein Staat in der Lage ist, 

jeden Bürger jederzeit vor jedweden Übergriffen zu schützen. Ebenfalls 

hält die Vorinstanz richtig fest, dass, selbst wenn die Beschwerdeführerin 

lokal flüchtlingsrechtlich relevant verfolgt wäre, in den urbaneren Gebieten 

(Benin City, Abuja und Lagos) innerstaatliche Fluchtalternativen bestehen. 

Die geltend gemachten Ausschreitungen und Auseinandersetzungen mit 

Polizeikräften oder gewaltbereiten religiösen Gruppen in diesen Städten 

erreichen bei Weitem nicht eine solche Intensität, dass diese Städte als 

Fluchtalternative ausser Betracht fielen. 

 

7.2 Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 19. Februar 2021 

vorbringt, sie fürchte sich vor einer drohenden Genitalverstümmelung in 

ihrem Heimatstaat, ist festzuhalten, dass dieses Vorbringen erst nachträg-

lich auf Beschwerdeebene vorgebracht und mithin unglaubhaft nachge-

schoben wurde. Überdies substantiiert sie es in keiner Weise und es ist 

somit nicht ersichtlich, inwiefern sie davon aktuell bei einer Rückkehr nach 

Nigeria bedroht sein soll. 

 

7.3 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die Be-

schwerdeführenden nicht glaubhaft machen, zum Zeitpunkt der Ausreise, 

zum heutigen Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft in flüchtlingsrechtlich 

relevanter Weise im Heimatland verfolgt zu werden. Die Vorinstanz hat 

D-6554/2020 

Seite 9 

demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch 

abgelehnt. 

 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).   

9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 

3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 

und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung 

oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand 

der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-

lung unterworfen werden. 

D-6554/2020 

Seite 10 

9.4 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-

schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen von A._______ noch aus 

den Akten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden für den 

Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe 

oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen 

Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-

terausschusses müssten sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen 

oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 

124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat lässt den Wegweisungsvoll-zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen. 

9.5 Das Verfahren D-6556/2020 betreffend F._______ wird mit diesem Ver-

fahren koordiniert geführt. Im Urteil D-6556/2020 wird dessen Beschwerde 

gegen die ihn betreffende Verfügung gleichentags abgelehnt. Die Berück-

sichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie steht somit auch in Be-

zug auf F._______ und die gemeinsamen Kinder der Zulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs nicht entgegen. 

9.6 Die Wegweisung und der Vollzug der Wegweisung wurden unter Be-

rücksichtigung des Aspekts der Familieneinheit daher von der Vorinstanz 

zurecht und mit der zutreffenden Begründung angeordnet. Nach dem Ge-

sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der landes- als 

auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.7 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. In Bezug auf Nigeria geht das 

D-6554/2020 

Seite 11 

Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass keine Situation allgemeiner 

Gewalt herrscht (vgl. statt vieler die Urteile des BVGer D-5131/2020 vom 

26. Mai 2021 E. 7.2, E-3115/2019 vom 12. Mai 2021 E. 7.3.1). 

9.8 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens machen die Beschwerdefüh-

renden insbesondere geltend, dass sie in ihrem Heimatstaat in eine wirt-

schaftlich absolut prekäre Situation kämen. Ausserdem sei zu berücksich-

tigen, dass die Kinder (gemeinsam mit F._______) in Nigeria einem gewalt-

samen Umfeld ausgesetzt wären und überdies die begründete Furcht be-

stehe, dass der Wegweisungsvollzug die Kindsmutter psychisch derart be-

lasten würde, dass diese in der Erfüllung ihrer elterlichen Aufgaben beein-

trächtigt wäre. Die Beschwerdeführenden hätten keine andere Wahl als an 

ihren früheren Wohnort zurückzukehren, wo ihre Eltern sie beherbergen 

und ernähren könnten. 

9.9 Bezugnehmend auf die psychiatrischen Beschwerden von A._______ 

ist festzuhalten, dass diese wohl nicht unerheblich sind und allenfalls nicht 

ausschliesslich auf den mit dem Asylverfahren verbundenen Druck zurück-

zuführen sind. Gemäss konstanter Praxis kann aus gesundheitlichen Grün-

den nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinn von 

Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen werden, wenn eine absolut notwendige 

medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und 

eine fehlende Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr zu 

einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-

heitszustands, zur Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person füh-

ren würde. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Heimat-

staat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizini-

sche Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 

2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). Die 

von der Rechtsprechung für die Unzumutbarkeit des Vollzugs geforderte 

hohe Schwelle der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist aufgrund der Ak-

tenlage nicht erfüllt. Zudem ist die medizinische Grundversorgung in Nige-

ria gewährleistet. Etwa in Lagos praktizieren Fachärzte und die benötigten 

Arzneimittel sind vorhanden und mithin die vorliegenden Gesundheitsprob-

leme grundsätzlich behandelbar. Allerdings ist erforderlich, dass die Be-

schwerdeführerin ihre benötigte Gesundheitsversorgung in tatsächlicher, 

das heisst insbesondere in finanzieller Hinsicht, beziehen kann. Üblicher-

weise sind die Gesundheitskosten selbst oder mit Hilfe der Familie zu fi-

nanzieren. Folglich ist von zentraler Bedeutung, ob die Beschwerdeführe-

rin nach der Rückkehr einer Erwerbstätigkeit nachgehen und sich dadurch 

den Lebensunterhalt inklusive medizinischer Versorgung für sich und ihre 

D-6554/2020 

Seite 12 

Kinder finanzieren kann oder allenfalls eine ausreichende familiäre Unter-

stützung vorhanden ist. Hiervon ist auszugehen, zumal die Beschwerde-

führerin über Ausbildung verfügt und grundsätzlich in Nigeria einem Erwerb 

nachgehen kann. Die dokumentierten psychiatrischen Behandlungen sind 

nicht sehr häufig und mithin quantitativ nicht besonders intensiv. Vor die-

sem Hintergrund ist das Beschwerdebild von A._______ auch nicht als der-

art gravierend einzuschätzen, dass der Schweregrad gemäss Art. 83 Abs. 

4 AIG erreicht würde. 

9.10 Hinsichtlich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers 2 ist 

festzustellen, dass bis zum heutigen Urteil seit dem Arztbericht vom 3. Mai 

2021 keine weiteren ärztlichen Unterlagen eingereicht worden sind. Das 

Bundesverwaltungsgericht erachtet die Folgen der Verbrühung nicht als 

derart gravierend, dass sie der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung 

entgegenstünden. Es ist davon auszugehen, dass die im letzten Bericht 

erwähnte spezialisierte ärztliche Behandlung, die das Kind, bis es erwach-

sen ist, benötigt, auch in Nigeria erhältlich ist, auch wenn sie nicht dem 

schweizerischen Standard entsprechen sollte. Mangels anderer Hinweise 

und der vergangenen Zeit ist davon auszugehen, dass die notwendigen 

akuten und lebensnotwendigen Folgebehandlungen durchgeführt wurden. 

Die von der Rechtsprechung für die Unzumutbarkeit des Vollzugs gefor-

derte hohe Schwelle ist angesichts der geschilderten Beschwerden nicht 

erfüllt. In antizipierter Würdigung besteht für das Gericht folglich auch keine 

Veranlassung, weitere Abklärungen zu treffen. 

9.11 Unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls, welches im Rahmen der 

Zumutbarkeitsprüfung mitzuberücksichtigen ist (vgl. Art. 3 Abs. 1 des Über-

einkommens über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 [KRK, 

SR 0.107]), ist festzustellen, dass es sich bei den Beschwerdeführenden 2 

und 3 um sehr junge Kinder handelt, deren Bezugsperson in erster Linie 

ihre Mutter ist. Eine selbständige Eingewöhnung an hiesige Lebensum-

stände hat noch kaum stattgefunden und von einer Entwurzelung bei einer 

Rückkehr zusammen mit ihrer Mutter in deren Heimatstaat kann nicht ge-

sprochen werden.  

9.12 Entgegen den beschwerdeführerischen Vorbringen ist nicht ersicht-

lich, dass sie nach einer Rückkehr nach Nigeria in eine schwere Notlage 

gerieten. Zunächst ist zu berücksichtigen, dass A._______ über ausrei-

chende Schuld- und berufliche Bildung verfügt, um in Nigeria einer Er-

werbstätigkeit nachgehen zu können. Ausserdem arbeitete sie vor ihrer 

Ausreise bereits in einer Wäscherei und im Verkauf und verfügt mit ihren 

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Seite 13 

Eltern und weiteren Verwandten über ein soziales Netz, das ihr bei der 

Reintegration behilflich sein könnte. Nach dem Gesagten erweist sich der 

Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 

9.13 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu-

ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi-

gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.14 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung auszu-

richten und sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 

63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag 

ist mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu begleichen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Simon Thurnheer Markus Ruhe