# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8af6b685-fa07-5c22-a185-eb9eaa5c6a6f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-09-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.09.2015 E-4617/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4617-2015_2015-09-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-4617/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  S e p t e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi, Richter Walter Stöckli,    

Gerichtsschreiber Pascal Waldvogel. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration  

(SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. Juni 2015 / N (…). 

 

 

 

E-4617/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge Eritrea am 1. Juli 

2013. Am 2. April 2014 reiste er in die Schweiz ein, wo er gleichentags um 

Asyl nachsuchte. Am 16. April 2014 fand die Befragung zur Person (BzP) 

im Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten statt. Die Vorinstanz hörte 

ihn am 27. Januar 2015 zu den Asylgründen an. 

B.  

Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei im Jahr 

2009 zum 12. Schuljahr in Sawa aufgeboten worden. Nach Abschluss der 

Schule habe er für vier Monate die militärische Grundausbildung absolviert 

und danach ein Jahr lang Urlaub gehabt. Er sei sodann erneut nach Sawa 

aufgeboten worden. Dort eingetroffen habe man ihm vorgeworfen, aus Erit-

rea flüchten zu wollen, und ihn deshalb festgenommen. Ein Jahr und neun 

Monate habe er im Gefängnis verbracht. Am 26. Juni 2013 sei ihm während 

eines Transfers von Sawa nach B._______ die Flucht gelungen. Er habe 

sich ein paar Tage in der Umgebung von B._______ versteckt, sei dann 

nach C._______ gereist und habe Eritrea am 1. Juli 2013 illegal verlassen. 

C.  

Mit Verfügung vom 26. Juni 2015 – eröffnet am 30. Juni 2015 – stellte die 

Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfülle. Sie lehnte das Asylgesuch ab, wies den Beschwerdeführer 

aus der Schweiz weg, schob den Wegweisungsvollzug zu Gunsten einer 

vorläufigen Aufnahme auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit der 

Umsetzung der vorläufigen Aufnahme. 

D.  

Mit Eingabe vom 28. Juli 2015 reichte der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, der negative Ent-

scheid des SEM vom 26. Juni 2015 sei aufzuheben und ihm sei politisches 

Asyl zu gewähren. Die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung aus 

der Schweiz sei festzustellen und als Folge sei er als Flüchtling vorläufig 

aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Rechts-

pflege zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

zu verzichten. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer drei Fotos 

aus seiner Militärzeit in Sawa sowie eine Fürsorgebestätigung ein. 

E-4617/2015 

Seite 3 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. August 2015 lud der Instruktionsrichter die 

Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. 

F.  

Mit Eingabe vom 19. August 2015 reichte die Vorinstanz ihre Vernehmlas-

sung ein. Diese wurde dem Beschwerdeführer am 24. August 2015 zur 

Kenntnisnahme zugestellt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der 

Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist insoweit 

einzutreten. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.2 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden einzig die 

Fragen Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Wegweisung. Der Wegweisungs-

vollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die vorläufige Auf-

nahme zu Gunsten des Beschwerdeführers angeordnet hat. Da die Weg-

weisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 

E. 5.4), besteht kein schutzwürdiges Interesse an der Überprüfung, aus 

welchen Gründen die Vorinstanz den Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 

Abs. 1 Bst. c VwVG). Soweit in der Beschwerdeschrift diesbezüglich Aus-

führungen gemacht werden, ist darauf nicht einzutreten. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

E-4617/2015 

Seite 4 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 3 AsylG ist nicht Flüchtling, wer wegen 

Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen 

ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt 

zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Gemäss 

BVGE 2015/3 E. 5.9 gilt die bisherige Rechtsprechung weiter. Demnach 

vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht alleinig, 

sondern nur dann die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn damit 

eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit 

anderen Worten die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten 

Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer 

Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen 

hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei-

genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub-

haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan-

densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). 

Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu 

wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht 

entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-

tel abgestützt werden (Abs. 3). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 

2010/57 E. 2.2 und 2.3). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz erkennt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli-

chen, es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die geltend gemachte 

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Seite 5 

Vorverfolgung glaubhaft zu machen. Es müsse davon ausgegangen wer-

den, dass es sich bei seinen Schilderungen grösstenteils um ein Sachver-

haltskonstrukt handle. Die Erzählungen des Beschwerdeführers würden 

gewisse Unstimmigkeiten aufweisen, die nur bedingt nachvollziehbar 

seien. So behaupte er in der BzP, er sei von sechs Soldaten festgenom-

men worden, in der Anhörung hingegen spreche er von vier Soldaten. Des 

Weiteren gebe er in der BzP zu Protokoll, er habe nach seiner Flucht auf 

Feldern übernachtet, in der Anhörung sage er jedoch, er habe die erste 

Nacht im Wald verbracht. Seinen Aufenthalt in Sawa habe er dermassen 

generell beschrieben, dass ein gewisses Mass an Misstrauen angebracht 

erscheine. Andere Aspekte, wie die Haftbedingungen in der 6. Brigade in 

Sawa, schildere er undifferenziert und vage. In der Anhörung habe er zu 

Protokoll gegeben, die Reise von D._______ nach Sawa habe drei bis vier 

Stunden gedauert. Es sei jedoch auszuschliessen, dass er die 400 Kilome-

ter lange Strecke in dieser Zeit hinter sich gebracht habe. Dass er die Orte 

auf der Strecke korrekt habe aufsagen können, reiche nicht, um seine Dar-

stellung glaubhaft erscheinen zu lassen. Bei der eritreisch-äthiopischen 

Grenze handle es sich um eine streng militärisch überwachte Region. Dass 

er bei seiner Überquerung der Grenze auf keine Truppen gestossen sei, 

würde an ein Wunder grenzen. 

In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, dass eines der einge-

reichten Fotos allem Anschein nach in Sawa aufgenommen worden sei. 

Man könne aufgrund der schlechten Qualität jedoch nicht abschliessend 

beurteilen, ob der Beschwerdeführer tatsächlich auf dem Bild zu sehen sei. 

Zudem habe man in der angefochtenen Verfügung etwas voreilig in Zweifel 

gezogen, dass der Beschwerdeführer kaum in vier Stunden von 

D._______ nach Sawa gelangt sei. Hier könne man den Erläuterungen der 

Beschwerdeschrift beipflichten. Ansonsten halte man an den Erwägungen 

vollumfänglich fest. 

4.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, es sei wissenschaftlich 

bewiesen, dass kein Mensch ein Ereignis bei der Wiederholung genau 

gleich erzähle, sondern dem einen oder anderen Teil mehr Gewicht gebe. 

Es spiele deshalb keine Rolle, ob er von vier oder von sechs Soldaten fest-

genommen worden sei, und ob er auf einem Feld oder im Wald übernachtet 

habe. Zudem habe er bei der Anhörung die Fragen nicht immer verstanden, 

weshalb er nachgefragt habe, was dem Befrager überhaupt nicht gefallen 

habe. Auf den eingereichten Fotos, welche er via Facebook von einem 

Freund erhalten habe, sehe man ihn in Militärkleidern in einem Militärlager. 

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Seite 6 

Da er seinen Urlaub immer weiter ausgedehnt habe, bis er schliesslich wie-

der aufgefordert worden sei, sich in Sawa zu melden, sei nachvollziehbar, 

dass er nach seiner Ankunft in Sawa unter dem Vorwurf der Flucht aus dem 

Militärdienst festgenommen und bestraft worden sei. Bezüglich der Reise 

von D._______ nach Sawa sei es zu einem Missverständnis gekommen. 

Er habe nicht gemeint, dass er um neun oder zehn Uhr morgens angekom-

men sei, sondern abends. Bei der Überquerung der Grenze handle es sich 

nicht um ein Wunder, sondern es würden jeden Tag viele Eritreer fliehen, 

ohne geschnappt zu werden. 

4.3 Den von der Vorinstanz gemachten Erwägungen kann nicht gefolgt 

werden. Sie führt aus, dass die Angaben des Beschwerdeführers zum Auf-

enthalt in Sawa generell ausgefallen seien. Obschon einige Angaben rich-

tig seien, beweise dies noch nicht, dass er je einen Fuss auf das Gelände 

des Trainingsgeländes gesetzt habe. Obwohl die Aussagen zu seinem 

12. Schuljahr in Sawa nicht umfassend ausfallen, ist angesichts seiner 

glaubhaften Aussagen zu seinem Gefängnisaufenthalt und der zahlreichen 

Details, die der Beschwerdeführer nennen kann, von der Glaubhaftigkeit 

seiner Schilderungen auszugehen. So beschreibt der Beschwerdeführer 

wie die Einteilung abgelaufen ist, in welche Einheit er eingeteilt worden ist, 

die Aufteilung zwischen Schule und militärischem Training, sowie dass er 

nach Abschluss der Schule wegen schlechter Noten direkt die militärische 

Ausbildung absolvieren musste (SEM-Akten, A20/18 F29 ff.). Dabei schil-

derte der Beschwerdeführer einen grossen Teil davon in freier Erzählung 

und konnte anschliessend fast sämtliche Fragen dazu befriedigend beant-

worten, sodass der Befrager es nicht für nötig erachtet haben muss, mit 

dem Beschwerdeführer weitere Details zu erörtern. Der Beschwerdeführer 

reichte im Beschwerdeverfahren drei Fotos, die ihn mit Kollegen in militäri-

scher Kleidung zeigen, ein. Auf diesen Fotos ist der Beschwerdeführer er-

kennbar, womit seine Ausführungen weiter gestärkt werden. Zudem wurde 

gemäss der Vorinstanz zumindest ein Foto in Sawa aufgenommen. 

Der Beschwerdeführer führt weiter aus, dass er nach seinem viermonati-

gen militärischen Training Urlaub bekommen habe, den er immer wieder 

verlängert habe, bis er schliesslich wiederum nach Sawa aufgeboten wor-

den sei. Dort angekommen sei er kurz darauf verhaftet und eingesperrt 

worden. Man habe ihm vorgeworfen, das Land illegal verlassen zu wollen. 

Gemäss Vorinstanz schildere er die Haftbedingungen undifferenziert und 

nur vage. Dies trifft nicht zu. So schildert der Beschwerdeführer, dass er 

zuerst zwei Monate im "Enda Safa"-Gefängnis gewesen  

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Seite 7 

sei, danach im "Enda Brigade"-Gefängnis. Diese beiden Gefängnisse exis-

tieren in Sawa tatsächlich (Unosat Report in Support of OHCHR  

Commission of Inquiry on Human Rights in Eritrea, http://www.oh-

chr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/CoIEritrea/SatelliteImages.pdf 

vom 3. Juni 2015, abgerufen am 24. August 2015). Der Beschwerdeführer 

weiss sogar noch, in welchem Gefängnis er in welchem Gebäude/Zimmer 

gewesen ist (SEM-Akten, A20/18 F55). Den Tagesablauf schildert er zwar 

nicht sehr ausführlich, jedoch darf davon ausgegangen werden, dass das 

Leben im militärischen Gefängnis in Sawa tatsächlich sehr eintönig ist. So 

führt er aus, er habe dort nichts gemacht. Zum Mittagessen seien sie raus 

gegangen und danach zurückgekehrt. Um 15 Uhr hätten sie jeweils die 

Toiletten besucht (SEM-Akten, A22/18 F54). Weiter erzählt er, dass sie 

viele Leute (30 bis 35) in einem kleinen Zimmer gewesen seien und die 

ärztliche Versorgung miserabel gewesen sei. Ab und zu habe er Autos mit 

Lebensmitteln abladen müssen. Diese seien jeweils am Ende oder am An-

fang des Monats gekommen. Er habe dies teilweise alleine und teilweise 

mit Mitgefangenen gemacht (SEM-Akten, A22/18 F58, F73 und F79 ff.). 

Ihm sei es während dieser Zeit nicht gut gegangen. Er habe Blut im Urin 

und Durchfall gehabt. Es falle ihm schwer, darüber zu reden (SEM-Akten, 

A22/18 F128 ff.). Auch wenn die Vorinstanz korrekterweise feststellt, dass 

der Befrager immer wieder nachfragen musste, um Details zu den Haftbe-

dingungen zu erhalten, ist festzustellen, dass angesichts der offenkundig 

miserablen Bedingungen und des kargen Alltags für die Insassen in diesen 

beiden Gefängnissen, der Beschwerdeführer doch in der Lage war, den 

Sachverhalt genügend klar und präzise zu schildern. Angesichts des voll-

ständigen Fehlens von Widersprüchen, des Vorliegens von Details und Re-

alkennzeichen, ist von der Glaubhaftigkeit des geschilderten Gefängnisauf-

enthalts des Beschwerdeführers auszugehen. 

Die Vorinstanz führt weiter aus, der Beschwerdeführer habe zu Protokoll 

gegeben, die Reise von D._______ bis Sawa habe drei bis vier Stunden 

gedauert. Dass er die 400 Kilometer lange Strecke tatsächlich in dieser Zeit 

bewältigt habe, sei auszuschliessen. Dies stimmt so nicht. Tatsächlich 

sagte der Beschwerdeführer aus, er sei morgens um sechs Uhr losgefah-

ren und habe um neun oder zehn Uhr Sawa erreicht (SEM-Akten, A20/18 

F30). Auf Beschwerdeebene führt er nun aus, es habe ein Missverständnis 

gegeben. Er sei zwischen neun und zehn Uhr abends in Sawa angekom-

men. Dazu sei es gekommen, weil in seiner Muttersprache das System der 

2-mal-12-Stunden-Zählung vorherrsche. Tatsächlich geht aus den Aussa-

gen des Beschwerdeführers nicht hervor, ob er mit der angegebenen Uhr-

zeit morgens oder abends gemeint hat. Mit seiner Richtigstellung in der 

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Seite 8 

Beschwerde gelingt es dem Beschwerdeführer den vermeintlichen Wider-

spruch zu klären. In ihrer Vernehmlassung spricht sodann auch die Vo-

rinstanz von einem Missverständnis. Leider geht aus der Befragung nicht 

hervor, mit welchem Verkehrsmittel er den Weg gefahren ist (Bus oder 

Auto). Dass der Beschwerdeführer die Strecke mit öffentlichen Verkehrs-

mitteln in 15 bis 16 Stunden zurückgelegt hat, scheint jedoch nicht unrea-

listisch. Zudem kann der Beschwerdeführer sämtliche grösseren Ortschaf-

ten, an denen er auf seiner Reise nach Sawa vorbeigekommen ist, korrekt 

aufzählen (SEM-Akten, A20/18 F47). 

Als weiteres Element der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwer-

deführers bringt die Vorinstanz vor, es würde an ein Wunder grenzen, wenn 

der Beschwerdeführer wie angegeben die Grenze zu Äthiopien überquert 

habe, ohne auf Truppen des Asmara-Regimes zu stossen. Er müsse nur 

schon ziemlich Glück gehabt haben, ohne Passierschein von B._______ 

nach C._______ gekommen zu sein. Es mag zwar stimmen, dass es 

schwierig ist, in Eritrea ohne Passierschein zu reisen, doch unmöglich ist 

es nicht. Die Vorinstanz kann daraus nicht auf die Unglaubhaftigkeit der 

Schilderungen des Beschwerdeführers zur illegalen Ausreise schliessen, 

zumal die weiteren Aussagen dazu glaubhaft sind. So bringt der Beschwer-

deführer vor, er sei von C._______ aus zu Fuss zum Fluss E._______ ge-

laufen und habe dort die Grenze mit Hilfe eines einheimischen Hirten über-

quert. Für die Strecke habe er etwa eine Stunde gebraucht. Unterwegs 

habe es Bäume gehabt (SEM-Akten, A20/18 F100 ff.). Der Fluss 

E._______ existiert tatsächlich. Es handelt sich dabei um den Grenzfluss 

zwischen Eritrea und Äthiopien. Ebenfalls ist die Strecke mit Bäumen ge-

säumt und eine Laufzeit von ein wenig mehr als einer Stunde ist realistisch 

(Luftlinie sieben bis acht Kilometer). Dass er sich Informationen von ge-

bietskundigen Personen geholt hat, macht seine Schilderungen umso 

mehr glaubhaft. 

Das SEM spricht in seiner Verfügung zudem kleinere Widersprüche in den 

Aussagen des Beschwerdeführers an. So habe er bezüglich seiner Fest-

nahme einmal von sechs und einmal von vier Soldaten gesprochen. Zudem 

sei nicht klar, ob er nach seiner Flucht auf Feldern oder im Wald übernach-

tet habe. Dabei handelt es sich um unbedeutende Widersprüche, die an-

gesichts der überwiegend glaubhaften Aussagen des Beschwerdeführers 

nicht weiter ins Gewicht fallen. 

E-4617/2015 

Seite 9 

4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz überspannte 

Anforderungen an das Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 7 AsylG gestellt 

und damit Bundesrecht verletzt hat. 

5.  

5.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten muss. 

Die Nachteile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

drohen oder zugefügt worden sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung der 

Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Ver-

folgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die Ver-

folgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheides noch bestehen, das 

heisst aktuell sein. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat 

zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu Gunsten und zu Las-

ten der Asylsuchenden zu berücksichtigen. Die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil 

ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann (BVGE 2010/57 E. 2 und die 

dort genannten Zitate und Literaturhinweise).  

Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – 

aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – aus heutiger Sicht 

– mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. 

Es müssen somit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung 

vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor 

Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei 

hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungs-

weise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der betroffenen Per-

son bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren 

Fällen zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, 

hat objektive Gründe für eine stärker ausgeprägte (subjektive) Furcht 

(BVGE 2010/57 E. 2.5). 

5.2 Anhand der erfolgten Beweiswürdigung ist von folgendem Sachverhalt 

auszugehen: 

E-4617/2015 

Seite 10 

Der Beschwerdeführer wurde im Jahr 2009 zum 12. Schuljahr in Sawa auf-

geboten. Nach Abschluss der Schule absolvierte er ein viermonatiges mili-

tärisches Training. Der Beschwerdeführer genoss danach Urlaub, den er 

immer wieder verlängerte, bis er nach einem Jahr wieder nach Sawa auf-

geboten wurde. Dort nahm man ihn fest, weil er verdächtigt wurde, das 

Land illegal verlassen zu wollen. Insgesamt 21 Monate verbrachte der Be-

schwerdeführer in Sawa in Gefangenschaft. Am 26. Juni 2013 gelang ihm 

während eines Transfers von Sawa nach B._______ die Flucht. Er ver-

steckte sich einige Tage in der Umgebung von B._______ und reiste dann 

nach C._______. Von dort aus überquerte er zu Fuss illegal die Grenze 

nach Äthiopien. 

5.3 Die Behörden haben den Beschwerdeführer ohne Angabe von Grün-

den oder allenfalls aus dem vorgeschobenen Grund, er wolle das Land il-

legal verlassen, verhaftet. Aufgrund der glaubhaften Aussagen des Be-

schwerdeführers ist aber davon auszugehen, dass er wieder in den Wehr-

dienst eingerückt ist, sonst wäre er nicht in der Militärkaserne inhaftiert ge-

wesen. Die behördliche Unterstellung, das Land illegal verlassen zu wol-

len, macht ihn aus Sicht des Regimes zum politischen Gegner. Seine 

Flucht aus der Gefangenschaft während des Militärdienstes werden die 

Behörden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Desertion werten und 

ihn aus politischen Gründen abermals inhaftieren und bestrafen, wenn sie 

seiner habhaft werden. Nachdem der Beschwerdeführer bereits einmal 

grundlos inhaftiert und bestraft wurde, erscheint die Furcht vor politisch 

motivierter Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG vor dem Hintergrund der 

Situation in Eritrea (BVGE 2015/3 E. 5) als objektiv begründet. 

5.4 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer im Falle seiner Rück-

kehr ins Heimatland begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen. Die Vo-

raussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG sind mithin erfüllt. Aus den Akten 

ergeben sich keine konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asylaus-

schlussgründen. Auch eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht offen-

sichtlich nicht. 

6.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und 7 

AsylG erfüllt sind. Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit darauf einzu-

treten ist, die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM ist anzu-

weisen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen 

und ihm Asyl zu gewähren. 

E-4617/2015 

Seite 11 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Die Anträge um unentgeltliche Rechtspflege 

und Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sind mit dem vorlie-

genden Urteil gegenstandslos geworden. 

7.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung 

für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 

7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht. Auf entsprechende 

Nachforderung kann verzichtet werden, da der notwendige Vertretungsauf-

wand aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann. Unter Be-

rücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 8, 9 und 11 

VGKE) ist die Parteientschädigung auf Fr. 1'400.– (inkl. Auslagen) festzu-

setzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Be-

trag als Parteientschädigung zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4617/2015 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 26. Juni 2015 wird aufgehoben und die Vor-

instanz angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'400.– aus-

zurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Daniel Willisegger Pascal Waldvogel