# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72460505-1e44-58f9-b60e-35ea7bbea21f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-30
**Language:** de
**Title:** Zürich Verwaltungsgericht 30.08.2023  VB.2023.00301
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Verwaltungsgericht/ZH_VG_001_-VB-2023-00301_2023-08-30.html

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				Geschäftsnummer: 	VB.2023.00301	 
	Entscheidart und -datum: 	Endentscheid vom 30.08.2023
	Spruchkörper: 	4. Abteilung/4. Kammer
	Weiterzug: 	Dieser Entscheid ist rechtskräftig.
	Rechtsgebiet: 	Ausländerrecht
	Betreff: 

	Familiennachzug (zum Vater)

	
[Famliennachzug der 17-jährigen Tochter aus Ghana]

Die Nachzugsfrist für die Beschwerdeführerin ist bereits seit mehreren Jahren abgelaufen (E. 3.3). Die Beschwerdeführenden vermögen die hohen Anforderungen an den Nachweis fehlender Betreuungsmöglichkeiten in Ghana nicht zu erbringen. Insbesondere sind die gesundheitlichen Beschwerden des Onkels der Beschwerdeführerin nicht derart gravierend, dass er seiner bald volljährigen Nichte nicht punktulell und beratend zur Seite stehen könnte (zum Ganzen E. 3.5 f.).

Abweisung.

			 	
				Stichworte:
	
						FAMILIENNACHZUG
NACHTRÄGLICHER FAMILIENNACHZUG

					
	
	Rechtsnormen:
	
						Art. 44 Abs. 1 AIG
Art. 47 Abs. 1 AIG
Art. 47 Abs. 4 AIG
Art. 12 KRK
Art. 73 VZAE
Art. 73 Abs. 3 VZAE
Art. 75 VZAE

					
	
	Publikationen:
	
						- keine -
					
	Gewichtung:

					(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
	
						Gewichtung: 4
					

			 

	 	
			

			

	
  Verwaltungsgericht

  des
  Kantons Zürich

  4. Abteilung

  	
   

  	
  

  

VB.2023.00301

 

 

Urteil

 

 

 

der 4. Kammer

 

 

 

vom 30. August 2023

 

 

 

Mitwirkend: Abteilungspräsidentin Tamara Nüssle (Vorsitz), Verwaltungsrichter Marco Donatsch, Verwaltungsrichter
Martin Bertschi, Gerichtsschreiber
David Henseler. 

 

 

 

In Sachen

 

 

1.    A, 

 

2.    B, 

 

       Beschwerdeführerin 1 gesetzlich vertreten durch den 

       Beschwerdeführer 2,

 

dieser vertreten
durch MLaw C, 

Beschwerdeführende, 

 

gegen

 

 

Migrationsamt des Kantons Zürich, 

Beschwerdegegner,

 

 

betreffend Familiennachzug
(zum Vater),

hat sich ergeben: 

I.  

A.
B ist ein 1978 geborener Staatsangehöriger Ghanas. Aus
seiner Beziehung mit D, einer 1990 geborenen Landsfrau, ging am 12. Juli
2006 Tochter A hervor. Sie lebt in Ghana. 

Auf zwei Asylgesuche von B vom
24. Dezember 2011 und vom 20. März 2012 trat das Bundesamt für
Migration (heute: Staatssekretariat für Migration [SEM]) nicht ein und wies ihn
jeweils nach Italien weg. Am 7. Mai 2013 heiratete B in Dänemark eine 1973
geborene Schweizer Bürgerin. Mit Urteil vom 9. Februar 2016 schied das
Bezirksgericht Dielsdorf die Ehe. 

Am 15. Juni 2016 anerkannte B das
von der Schweizerin E (geboren 1983) 2016 zur Welt gebrachte Kind F als seine
Tochter an. Aus einer Beziehung mit der Schweizerin G (geboren 1995, verstorben
im Oktober 2018) ging 2017 Sohn H hervor. Dieser wohnt gemeinsam mit B in Zürich. 

B. Am
4. April 2016 ersuchte B (erneut) um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung. Mit Verfügung vom 11. August 2017 wies das
Migrationsamt das Gesuch ab. Mit Entscheid vom 18. Mai 2018 hiess die
Sicherheitsdirektion den dagegen erhobenen Rekurs von B
gut und wies das Migrationsamt an, diesem eine Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen. Die Bewilligung erhielt er am 20. August 2018 und diese wurde in
der Folge regelmässig verlängert, zuletzt mit Gültigkeit bis am 2. Dezember
2023. 

C. Am
29. Juni 2020 stellte B für seine Tochter A ein
Gesuch um Einreisebewilligung. Mangels Mitwirkung schrieb das Migrationsamt das
Gesuch am 11. September 2020 formlos ab. Am 29. März 2021 stellte B ein weiteres Gesuch um Einreisebewilligung und am
28. April 2021 sowie am 20. Juni 2022 ein solches um Erteilung eines
Visums für den langfristigen Aufenthalt. Mit Verfügung vom 16. November
2022 wies das Migrationsamt die Gesuche ab. 

II.  

Einen dagegen gerichteten Rekurs wies die
Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 26. April 2023 ab. 

III.  

Mit Beschwerde vom 29. Mai 2023 liessen B und A dem Verwaltungsgericht beantragen, unter
Entschädigungsfolge sei der Rekursentscheid aufzuheben und Letzterer eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen; subsidiär sei die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Mit Präsidialverfügung vom 1. Juni 2023
wurde B aufgrund seiner Schulden aus Verfahren vor
zürcherischen Behörden aufgefordert, eine Kaution zu leisten; diese ging
fristgerecht beim Verwaltungsgericht ein. Die Sicherheitsdirektion verzichtete
am 5. Juni 2023 auf eine Vernehmlassung; das Migrationsamt reichte keine
Beschwerdeantwort ein. 

Mit Schreiben vom 22. Juni 2023 wandte sich I, der
Grossvater von H, an das Verwaltungsgericht und drückte seine Unterstützung für
den Nachzug von A in die Schweiz aus. 

Die Kammer erwägt:

1.
 

Das Verwaltungsgericht ist
für Beschwerden gegen Rekursentscheide der Sicherheitsdirektion über Anordnungen
des Migrationsamts betreffend das Aufenthaltsrecht nach §§ 41 ff. des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2)
zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
Beschwerde einzutreten.

2.
 

2.1 Die
Beschwerdeführenden rügen zunächst eine Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April
1999 (BV, SR 101) sowie von Art. 12 Abs. 1 des Übereinkommens
vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) und
Art. 73 Abs. 3 Satz 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE, SR 142.201). Sie
bringen vor, die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, die
Beschwerdeführerin 1 persönlich anzuhören. 

2.2 Gemäss Art. 73 Abs. 3 Satz 2 VZAE werden Kinder zum
Familiennachzug angehört, sofern dies erforderlich ist. Nach Art. 12
Abs. 1 KRK sichern die Vertragsstaaten dem Kind, das fähig ist, sich eine
eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind
berührenden Angelegenheiten frei zu äussern, und berücksichtigen die Meinung
des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife. Gemäss
Art. 12 Abs. 2 KRK wird dem Kind zu diesem Zweck insbesondere
Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berührenden Gerichts- oder
Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine
geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften
gehört zu werden. Eine persönliche Anhörung eines Kindes ist jedoch nicht in
jedem Fall unerlässlich; wenn ein Kind durch die Eltern bzw. ein Elternteil
vertreten wird und beider Interessen gleichläufig sind, kann die Ansicht des
Kindes auch ohne persönliche Anhörung durch die Eltern bzw. ein Elternteil
eingebracht werden, sofern der rechtserhebliche Sachverhalt auch ohne diese
Anhörung rechtsgenüglich festgestellt werden kann (BGE 147 I 149 E. 3.2). Ist
dies der Fall, liegt auch keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
vor (zum Ganzen BGr, 19. April 2023, 2C_837/2022,
E. 3.1). 

2.3 Die Interessen der Beschwerdeführerin 1 sind mit denjenigen ihres
Vaters gleichläufig. Die rechtskundig vertretenen Beschwerdeführenden hatten
ausserdem die Möglichkeit, alle von ihnen als relevant erachteten
Umstände und insbesondere auch die Ansicht der Beschwerdeführerin 1 in das
Verfahren einzubringen. Ausserdem liegt eine handschriftliche Stellungnahme von
ihr bei den Akten. Insgesamt ist der rechtserhebliche Sachverhalt rechtsgenüglich
erstellt; es ist nicht ersichtlich, welche neuen Erkenntnisse sich durch eine persönliche
Anhörung der Beschwerdeführerin 1 ergeben könnten. Folglich durfte die
Vorinstanz auf eine persönliche Anhörung verzichten und geht auch die in diesem Zusammenhang erhobene Gehörsrüge der Beschwerdeführenden fehl.
Aus denselben Gründen kann schliesslich auch im Beschwerdeverfahren von einer
persönlichen Anhörung der Beschwerdeführerin 1 abgesehen werden. 

3.
 

3.1 Nach Art. 44 Abs. 1 des
Ausländer- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG,
SR 142.20) kann ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern unter
18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung unter bestimmten
Voraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden. 

3.2 Anders als die Nachzugsbestimmungen betreffend Ehegatten und Kinder von
Schweizerinnen und Schweizern und Personen mit Niederlassungsbewilligung (Art. 42
bzw. 43 AIG) räumt Art. 44 AIG keinen Nachzugsanspruch ein; die
Behörden entscheiden vielmehr nach pflichtgemässem Ermessen (BGE 137 I 284
E. 1.2 und E. 2.3.2). Hingegen lässt sich aus dem in Art. 8 Abs. 1
der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 0.101) bzw. Art. 13
Abs. 1 BV garantierten Schutz des Familienlebens ein Anspruch auf Nachzug
des Ehegatten bzw. der Ehegattin und der minderjährigen Kinder ableiten, soweit
die familiäre Beziehung intakt ist und tatsächlich gelebt wird und der sich
hier aufhaltende Familienangehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht
verfügt (BGE 139 I 330 E. 1.2, 137 I 284 E. 1.3; VGr, 6. April
2023, VB.2022.00459, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Ein
solches liegt praxisgemäss vor, wenn die sich hier aufhaltende Person das Schweizer
Bürgerrecht oder die Niederlassungsbewilligung besitzt oder sie über eine
Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestigten
Rechtsanspruch beruht (BGE 144 I 266 E. 3.3 mit Hinweisen). 

Die Vorinstanz ging zu Recht davon aus, dass dem
Beschwerdeführer 2 – insbesondere aufgrund der Beziehung zu seinem
Schweizer Sohn H – ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz zukommt.
Ebenso bejahte sie eine intakte und tatsächlich gelebte familiäre
Beziehung zwischen den Beschwerdeführenden.

3.3 Gesuche um
Familiennachzug von Kindern von Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung
müssen innerhalb von fünf Jahren eingereicht werden. Das Gesuch für den Nachzug
von Kindern über zwölf Jahren muss innerhalb von zwölf Monaten eingereicht
werden (Art. 73 Abs. 1 VZAE). Diese Fristen beginnen nach
Art. 73 Abs. 2 VZAE mit der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung oder
mit der Entstehung des Familienverhältnisses zu laufen. 

Vorliegend ist unbestritten,
dass die Nachzugsgesuche verspätet eingereicht wurden. Die Beschwerdeführenden
bringen jedoch vor, die Voraussetzungen für einen nachträglichen
Familiennachzug seien erfüllt. 

3.4  

3.4.1 Ausserhalb der ordentlichen Nachzugsfristen
kommt ein Familiennachzug nach Art. 73 Abs. 3 Satz 1 VZAE nur in
Betracht, wenn wichtige familiäre Gründe geltend
gemacht werden. Solche sind gemäss Art. 75 VZAE gegeben, wenn das
Kindswohl nur durch einen Familiennachzug gewahrt werden kann. Es bedarf
diesbezüglich einer Gesamtsicht unter Berücksichtigung aller relevanten
Elemente. Dabei ist auch dem Sinn der Fristenregelung in Art. 73
Abs. 1 und 2 VZAE Rechnung zu tragen, wonach die Integration der
Kinder bzw. Jugendlichen möglichst frühzeitig erfolgen soll. Wenn die
Fristenregelung nicht ihres Sinns entleert werden soll, hat die Bewilligung des
Nachzugs ausserhalb der Fristen die Ausnahme zu bleiben (vgl. zum Ganzen BGr,
8. Juni 2021, 2C_60/2021, E. 4.2, und 22. Mai 2017, 2C_1/2017,
E. 4.1.3, je mit Hinweisen). 

Ein wichtiger
Grund liegt gemäss Rechtsprechung beispielsweise vor, wenn die weiterhin
notwendige Betreuung eines Kinds im Herkunftsland wegen des Tods oder der
Krankheit der betreuenden Person nicht mehr gewährleistet ist und keine
sinnvolle andere Alternative in der Heimat gefunden werden kann. Für den
Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland bestehen umso höhere
Anforderungen, je älter das nachzuziehende Kind ist und je grösser die
Integrationsschwierigkeiten erscheinen, die ihm in der Schweiz drohen (BGr, 18. November 2021, 2C_513/2021,
E. 3.4.1, und 8. Juni 2021, 2C_60/2021, E. 4.2; vgl. BGE 137 I 284 E. 2.2 und E. 2.3.1). Es
obliegt im Rahmen ihrer Mitwirkungspflichten der nachzugswilligen Person, die
wichtigen familiären Gründe nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen
(vgl. Art. 90 AIG; BGr, 14. April 2022, 2C_970/2021, E. 4.2, und
25. März 2020, 2C_917/2019, E. 5.1.2 mit weiteren Hinweisen).

3.4.2
Dass das Gesetz Nachzugsfristen statuiert,
ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts grundsätzlich mit Art. 8
EMRK und Art. 13 BV vereinbar. Mit Art. 73 VZAE wird legitimen
öffentlichen Interessen Ausdruck verliehen, und die Norm dient als gesetzliche
Grundlage für einen Eingriff nach Art. 8 Abs. 2 EMRK in diese. Was
die umfassende Interessenabwägung nach Art. 8 Abs. 2 EMRK betrifft,
ist eine solche regelmässig nicht dann (nochmals) vorzunehmen, wenn wichtige
familiäre Gründe im Sinn von Art. 73 Abs. 3 VZAE verneint werden,
wobei Art. 73 Abs. 3 VZAE
dabei so zu handhaben ist, dass der Anspruch auf Schutz des
Familienlebens nach Art. 8
Abs. 1 EMRK nicht verletzt wird (zum Ganzen BGr, 7. Mai
2020, 2C_979/2019, E. 4.2, und 21. April 2020, 2C_1011/2019,
E. 3.3; VGr, 25. August 2022, VB.2022.00319, E. 4.4 mit weiteren
Hinweisen).

3.5 Zur
Betreuungssituation der Beschwerdeführerin 1 in Ghana lässt sich den Akten
Folgendes entnehmen: Ihre Mutter sei verheiratet und habe mit ihrem Ehemann
sechs Kinder. Die Beschwerdeführerin 1 habe zu ihrer Mutter kaum Kontakt;
ausserdem sei es bereits kulturell bedingt ausgeschlossen, dass die
Beschwerdeführerin 1 bei ihrer Mutter und deren Familie unterkomme. Die
Beschwerdeführerin 1 sei durch ihre Grossmutter väterlicherseits betreut
worden, bis diese im Februar 2014 verstorben sei. Anschliessend habe sich ein
Bruder des Beschwerdeführers 2, J (geboren 1972), um sie gekümmert. Dieser
lebe aber inzwischen von seiner Frau getrennt und befinde sich in einem
"Scheidungsstreit"; er könne sich deshalb nicht mehr um die Beschwerdeführerin 1
kümmern. Ausserdem habe J "auch vermehrte gesundheitliche Beschwerden,
ausgehend von einer Herzattacke vor einigen Jahren". Gemäss einem
ärztlichen Attest hat sich der Onkel der Beschwerdeführerin 1 nur
teilweise von seinem Schlaganfall erholt und leidet auch an Bluthochdruck. 

3.6
 

3.6.1
Die Beschwerdeführerin 1 ist heute 17 Jahre alt und bestreitet ihren Alltag folglich bereits selbständig; es sind somit
hohe Anforderungen an den Nachweis fehlender Betreuungsmöglichkeiten zu stellen
(vorn, E. 3.4.1 Abs. 2). Diese Anforderungen vermögen die
Beschwerdeführenden bzw. die von ihnen beigebrachten Belege nicht zu erfüllen.
Aus dem Arztbericht vom 5. Dezember 2022 betreffend den heute rund
50-jährigen Onkel der Beschwerdeführerin 1 geht hervor, dass dieser aufgrund
seiner Beschwerden Ruhe brauche und keine anstrengenden Tätigkeiten ausüben
sollte. Diese Beeinträchtigungen stehen einer (weiteren) Betreuung der
Beschwerdeführerin 1 jedoch nicht entgegen, zumal es ausreicht, wenn ihr J
beratend zur Seite steht. Ob dessen Scheidungsprozess weiterhin andauert, geben
die Beschwerdeführenden nicht an. Doch selbst wenn dieser noch nicht
abgeschlossen wäre, verhinderte dieser die weitere Betreuung der
Beschwerdeführerin 1 durch ihren Onkel nicht. Mit der Vorinstanz ist daher
festzuhalten, dass keine massgebliche Veränderung der Betreuungssituation
ersichtlich ist. Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, die
Beschwerdeführerin 1 würde bei "Mädchen in K leben", die sie
"manchmal rauswerfen, wenn ihre Freunde zum Schlafen kommen" vermögen
sie damit nichts Gegenteiliges zu belegen. Ohnehin gab der
Beschwerdeführer 2 in seinem Gesuch um Bewilligung des (nachträglichen)
Familiennachzugs an, es sei "der beste Moment, um meine Kinder zusammen zu
bringen"; die gesundheitlichen Probleme des Bruders wurden erstmals im Mai
2021 erwähnt, nachdem der Beschwerdeführer 2 rechtliche Beratung in
Anspruch genommen hatte. 

3.6.2
Ergänzend ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin 1 ihr ganzes
bisheriges Leben in Ghana verbrachte, wo sie auch die Schule besucht. Sie war
bisher noch nie in der Schweiz. Entsprechend sollte sie nur mit Zurückhaltung
aus ihrer gewohnten Umgebung und aus ihrem bestehenden Beziehungsnetz entfernt
werden (BGr, 1. April 2016, 2C_781/2015, E. 4.2, und 22. Februar
2013, 2C_578/2012, E. 4.2; vgl. BGE 137 I 284 E. 2.2). Gleichzeitig
wäre eine Übersiedlung in die Schweiz für die Beschwerdeführerin 1 mit
grossen Herausforderungen verbunden, da sie mit der hiesigen Sprache und Kultur
nicht vertraut ist. Diese erheblichen Integrationsschwierigkeiten würden zwar
durch die glaubhaft dargelegte Unterstützung durch I und dessen Ehefrau
relativiert. Dennoch dürfte sich insbesondere das Finden einer
Ausbildungsstelle für die Beschwerdeführerin 1 sehr schwierig erweisen,
zumal sie nicht Deutsch spricht. 

Bezüglich der Betreuung der Beschwerdeführerin 1 in
Ghana geht sodann aus den Akten hervor, dass neben J noch weitere Geschwister
des Beschwerdeführers 2 in Ghana leben, die sich an der Betreuung der
Beschwerdeführerin 1 beteiligen könnten. In einem "Letter of
Releasing A" gibt etwa eine Schwester des Beschwerdeführers 2, L
(geboren 1980), an, sie habe erneut geheiratet und könne die Beschwerdeführerin 1
deshalb nicht weiter betreuen. Aus dem Wortlaut ihres Briefes lässt sich
schliessen, dass sie sich (zumindest in der Vergangenheit) aktiv an der
Betreuung der Beschwerdeführerin 1 beteiligte. M, ein älterer Bruder des
Beschwerdeführers 2, führt aus, dass er nicht für die
Beschwerdeführerin 1 sorgen könne, da er selbst keine eigene Unterkunft
habe und bei einem Freund wohne. Dort gebe es aber nicht genug Platz für seine
Nichte. Ausserdem sei er arbeitslos und er sei deshalb nicht in der besten
Position, um die Beschwerdeführerin 1 zu betreuen. Neben J leben somit
noch mindestens zwei weitere enge Familienangehörige der Beschwerdeführenden in
Ghana, die punktuelle Betreuungsaufgaben übernehmen könnten. Da der
Beschwerdeführer 2 im Mai 2021 angegeben hatte, mit insgesamt sechs
Geschwistern aufgewachsen zu sein, ist sodann nicht ausgeschlossen, dass sich
neben L und M noch weitere Personen grundsätzlich um die Betreuung der
Beschwerdeführerin 1 kümmern könnten. Es wäre im Rahmen ihrer
Mitwirkungspflicht an den Beschwerdeführenden gelegen, darzutun, weshalb auch
die weiteren Geschwister des Beschwerdeführers 2 die Betreuung der
Beschwerdeführerin 1 nicht wenigstens unterstützend übernehmen könnten. In
der Beschwerde beschränken sie sich jedoch auf das Vorbringen, es scheine
"offensichtlich", dass sich keines der Geschwister des
Beschwerdeführers 2 um die Beschwerdeführerin 1 "kümmern kann
oder will". 

Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer 2 seit seiner Ausreise aus Ghana (offenbar bereits im
Jahr 2008) die Betreuung und Erziehung seiner Tochter während mehr als zehn
Jahren anderen Personen überliess. In dieser Zeit konnte er die Beziehung
zur Beschwerdeführerin 1 lediglich besuchsweise und über die modernen
Kommunikationsmittel leben. In diesem Umfang können die
Beschwerdeführenden ihre Beziehung auch fortan aufrechterhalten. Ausserdem kann
der Beschwerdeführer 2 die Beschwerdeführerin 1 weiterhin von der
Schweiz aus finanziell unterstützen. Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen
kann ihm aber nicht vorgeworfen werden, er habe den Behörden "während langer
Zeit" die Existenz der Beschwerdeführerin 1 verschwiegen. Denn
bereits am 29. Mai 2013 gab der Beschwerdeführer 2 gegenüber der
Kantonspolizei Zürich an, er habe eine achtjährige Tochter, die in Ghana lebe.
Dies ändert jedoch vorliegend nichts am Verfahrensausgang. 

3.7 Insgesamt
liegen keine wichtigen familiären Gründe für einen nachträglichen
Nachzug der Beschwerdeführerin 1 in die Schweiz vor. Die Vorinstanzen haben
die Gesuche um Erteilung einer Einreisebewilligung bzw. um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung für die Beschwerdeführerin 1 damit zu Recht abgelehnt.
Der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 Abs. 1 EMRK
bzw. Art. 13 Abs. 1 BV wurde dadurch nicht verletzt.

4.  

Bei diesem Verfahrensausgang braucht nicht abschliessend
geprüft zu werden, ob weitere Gründe, wie etwa die Beglaubigung ghanaischer
Urkunden, einer Zulassung der Beschwerdeführerin 1 entgegenstehen. Aus den
Akten geht diesbezüglich insbesondere hervor, dass die schweizerische
Vertretung in Accra es bisher ablehnte, die Geburtsurkunde der
Beschwerdeführerin 1 und die vor einem ghanaischen Gericht abgegebene
eidesstattliche Erklärung ihrer Mutter zur Sorgerechtsübertragung zu
beglaubigen, da sie diese für ungültig erachtet. Anzumerken ist schliesslich,
dass der Beschwerdeführer 2 in der vorliegenden Konstellation nicht über
das alleinige Sorgerecht verfügen muss (vgl. BGr, 16. Oktober 2020,
2C_489/2020, E. 6.2, und 21. Dezember 2018, 2C_550/2018,
E. 2.1). 

5.  

Schliesslich ist die Verweigerung einer Härtefallbewilligung
im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG in Verbindung mit
Art. 31 Abs. 1 VZAE durch die Vorinstanzen nicht rechtsverletzend.
Ein schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinn dieser Bestimmungen liegt
entgegen den Ausführungen in der Beschwerde nicht vor. Der persönlichen und
familiären Situation der Beschwerdeführerin 1 wurde bereits bei der
Beurteilung der wichtigen familiären Gründe für einen nachträglichen Nachzug
Rechnung getragen. 

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde
abzuweisen. 

7.
 

Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer 2 aufzuerlegen und es ist den
Beschwerdeführenden keine Parteientschädigung zuzusprechen (§ 65a
Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG sowie § 17
Abs. 2 VRG).

8.
 

Zur
Rechtsmittelbelehrung des nachstehenden Dispositivs ist Folgendes zu erläutern:
Soweit ein Anwesenheitsanspruch geltend gemacht wird, ist die Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) zulässig.
Ansonsten steht die subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss
Art. 113 ff. BGG offen (Art. 83 lit. c Ziff. 2
e contrario und Ziff. 4 BGG). Werden beide Rechtsmittel ergriffen,
hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1
BGG).

Demgemäss erkennt die
Kammer:

1.    Die
Beschwerde wird abgewiesen. 

2.    Die
Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

Fr. 2'000.--;    die übrigen Kosten betragen:

Fr.      70.--     Zustellkosten,

Fr. 2'070.--     Total der Kosten.

3.    Die
Gerichtskosten werden dem Beschwerdeführer 2 auferlegt. 

4.    Eine
Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 

5.    Gegen
dieses Urteil kann im Sinn der Erwägungen Beschwerde erhoben werden. Die
Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

6.    Mitteilung an:

a)    die Parteien;

b)    die Sicherheitsdirektion; 

c)    das Staatssekretariat für Migration.