# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 259020b4-653b-54cd-ba6b-c7179fe38437
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-12
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 12.08.2020 SK 2019 428
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-428_2020-08-12.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 19 428+429

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 12. August 2020 

Besetzung Oberrichterin Falkner (Präsidentin i.V.), Oberrichter Vicari, 
Oberrichter Gerber
Gerichtsschreiberin Ragonesi

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. B.________

Beschuldigte/Anschlussberufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, Diebstahl 
sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Einzelgericht) vom 29. Juli 2019 (PEN 18 294)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Einzelgericht), fällte am 29. Juli 2019 
folgendes Urteil (pag. 281 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln, angeblich begangen am 05.05.2016, ca. 
22.45 Uhr, in C.________ BE, D.________ (Strasse), Parkplatz E.________, durch unvorsich-
tiges Rückwärtsfahren

2. wegen pflichtwidrigen Verhalts bei Unfall, angeblich begangen am 05.05.2016, ca. 22.45 
Uhr, in C.________ BE, D.________ (Strasse), Parkplatz E.________

3. wegen geringfügigen Diebstahls, angeblich begangen am 01.04.2017 in F.________, 
G.________ (Strasse), H.________, z.N. von I.________ (Privatklägerin) (Deliktssumme: ca. 
CHF 220.50)

wird infolge Eintritt der Verfolgungsverjährung (Ziff. 1 und 2) bzw. Rückzugs des Strafantrags (Ziff. 3) 
eingestellt

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/4), sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 1‘837.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 
1‘684.90, insgesamt bestimmt auf CHF 3‘522.40, an den Kanton Bern.

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Kosten der Untersuchung CHF 1'312.50
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 525.00
Total CHF 1'837.50

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Entschädigung für Zeugen CHF 24.00
Kosten für die amtliche Verteidigung CHF 1'395.75
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 265.15
Total CHF 1'684.90

Total Verfahrenskosten CHF 3'522.40

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 150.00. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 3‘372.40.

Für die amtliche Verteidigung von A.________ wird Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ eine Ent-
schädigung von CHF 1‘395.75 ausgerichtet. 

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II.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz, durch Vereite-
lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, angeblich begangen am 05.05.2016, 
ca. 22.45 Uhr, in C.________ BE, D.________ (Strasse), Parkplatz E.________,

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/4), sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 1‘837.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von 
CHF 1‘684.90, insgesamt bestimmt auf CHF 3‘522.40, an den Kanton Bern (vgl. Tabelle unter Ziff. I 
hiervor).

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 150.00. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 3‘372.40.

Für die amtliche Verteidigung von A.________ wird Rechtsanwältin Dr. iur. 
B.________ eine Entschädigung von CHF 1‘395.75 ausgerichtet. 

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen in der Zeit vom 
01./02.04.2017 in F.________ und anderswo, im Einzelnen:

1. des Fahrens ohne Berechtigung (trotz entzogenen Führerausweises), begangen am 
01./02.04.2017, ca. 23.55 Uhr bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und anderswo, 

2. des Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand (qualifiziert mind. 2.88 
‰), begangen am 01./02.04.2017, ca. 23.55 Uhr bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und an-
derswo, 

3. der versuchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, 
begangen am 01./02.04.2017, ca. 23.55 Uhr bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und anders-
wo, 

4. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln, begangen am 01./02.04.2017, ca. 23.55 
Uhr bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und anderswo, durch Nichtbeachten von polizeilichen 
Haltezeichen, 

5. der groben Verletzung der Verkehrsregeln, begangen am 01./02.04.2017, ca. 23.55 Uhr 
bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und anderswo, durch ungenügendes Rechtsfahren, 

6. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln, begangen am 01./02.04.2017, ca. 23.55 
Uhr bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und anderswo, durch wiederholtes Überfahren einer 
Sicherheitslinie,

7. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln, begangen am 01./02.04.2017, ca. 23.55 
Uhr bis ca. 00.10 Uhr, in F.________ und anderswo, durch mehrfaches Unterlassen der 
Richtungsanzeige, 

und

in Anwendung der
Art. 22 Abs. 1, 47, 49 StGB

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Art. 426 ff. StPO
Art. 2 Abs. 1, 28 Abs. 1 VRV 
Art. 27 Abs. 1, 31 Abs. 1 und 2, 34 Abs. 1 und Abs. 2, 39 Abs. 1, 55 Abs. 1 und Abs. 3 lit. b und Abs. 
6, 90 Abs.1 und Abs. 2, 91 Abs. 2 lit. a, 91a Abs. 1, 92 Abs. 1, 95 Abs. 1 lit. b SVG
Art. 66, 73, 75 SSV
Art. 1 und 2 lit. a Verordnung der Bundesversammlung über die Alkoholgrenzwerte im Strassenver-
kehr

verurteilt:

1. Zu einer unbedingten Geldstrafe von 165 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total 
CHF 4‘950.00.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 7 Tage festgesetzt.

3. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten (1/2), sich zusammensetzend 
aus Gebühren von CHF 3‘675.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von 
CHF 3‘345.80, insgesamt bestimmt auf CHF 7‘020.80 (ohne Kosten für die amtliche Verteidi-
gung auf CHF 4‘229.25).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Kosten der Untersuchung CHF 2'625.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 1'050.00
Total CHF 3'675.00

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Entschädigung für Zeugen CHF 24.00
Kosten für die amtliche Verteidigung CHF 2'791.55
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 530.25
Total CHF 3'345.80

Total Verfahrenskosten CHF 7'020.80

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 300.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 6‘720.80 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung CHF 3‘929.25).

IV.

1. Der A.________ mit Urteil der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 18.07.2016 für eine 
Geldstrafe von 105 Tagessätzen zu je CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug wird nicht wider-
rufen.

2. A.________ wird verwarnt.

3. Die Probezeit wird um 1 Jahr verlängert.

4. A.________ werden folgende Weisungen auferlegt:

- Der Beschuldigten wird verboten, während der Probezeit ein Motorfahrzeug zu führen
- Die Beschuldigte wird angewiesen, während der Probezeit regelmässig, d.h. einmal pro Mo-

nat, der behandelnden Ärztin, Frau Dr. J.________, betreffend Alkoholkonsums vorstellig zu 
werden.

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5. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 werden A.________ aufer-
legt.

6. Auf die Ausrichtung einer Entschädigung wird verzichtet.

V.

Die auf den Schuldspruch entfallende amtliche Entschädigung (1/2) und das volle Honorar für die 
amtliche Verteidigung von A.________ (1/2) durch Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ werden wie 
folgt bestimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 12.125 200.00 CHF 2'425.00
Reisezuschlag CHF 37.50

CHF 100.30
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 2'562.80 CHF 197.35

CHF 31.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 2'791.55

volles Honorar CHF 3'031.25
Reisezuschlag CHF 37.50

CHF 100.30
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 3'169.05 CHF 244.00

CHF 31.40
Total CHF 3'444.45

nachforderbarer Betrag CHF 652.90

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 2‘791.55. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ die Differenz von CHF 652.90 zwischen der amtlichen Entschädi-
gung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 
135 Abs. 4 StPO).

VI.

Weiter wird verfügt:

1. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt 
(Art. 17 Abs. 1 lit. f i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken-
nungsdienstlicher Daten).

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern mit Schrei-
ben vom 6. August 2019 form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 299). Nach 
Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung vom 18. November 
2019 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft mit Eingabe vom 5. Dezember 2019 
form- und fristgerecht die (teilweise) Berufung (pag. 399 ff.). Mit Verfügung vom 
6. Dezember 2019 wurde der Beschuldigten Gelegenheit geboten, innert Frist An-

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schlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu 
beantragen. Gleichzeitig wurden die Parteien aufgefordert, mitzuteilen, ob sie mit 
der Durchführung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden seien (pag. 368). 
Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte sich mit Schreiben vom 10. Dezember 2019 
mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden (pag. 372). 

Mit Eingabe vom 20. Dezember 2019 erhob Rechtsanwältin Dr. B.________ na-
mens und im Auftrag der Beschuldigten Anschlussberufung. Angefochten wurde 
ausschliesslich die Bemessung der unbedingt ausgesprochenen Geldstrafe. 
Gleichzeitig stellte die Verteidigung den Antrag, es sei ein ärztlicher Bericht über 
den Gesundheitszustand der Beschuldigten und den Verlauf der Alkoholproblema-
tik bei der behandelnden Ärztin einzuholen. Unter Vorbehalt der Gutheissung des 
Beweisantrags erklärte sie sich sodann mit der Durchführung des schriftlichen Ver-
fahrens einverstanden (pag. 373 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte – innert 
der ihr mit Verfügung vom 23. Dezember 2019 angesetzten Frist – sie sehe keinen 
Grund für ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung. Gegen den Beweisantrag 
der Verteidigung wurden indes keine Einwände vorgebracht (pag. 379 f.). Mit Be-
schluss vom 13. Januar 2020 wurde der besagte Beweisantrag gutgeheissen. 
Gleichzeitig wurde die Generalstaatsanwaltschaft aufgefordert, innert Frist eine 
schriftliche Begründung der Berufung einzureichen (pag. 381 f.). Der Arztbericht 
von Frau Dr. med. J.________ vom 23. Januar 2020 wurde den Parteien mit Ver-
fügung vom 27. Januar 2020 zugestellt (pag. 393 f.). Die schriftliche Berufungsbe-
gründung der Generalstaatsanwaltschaft vom 4. März 2020 ging – nach einmalig 
gewährter Fristerstreckung – gleichentags beim Obergericht des Kantons Bern ein 
(pag. 399 ff.). Der Verteidigung wurde mit Verfügung vom 4. März 2020 Gelegen-
heit geboten, innert Frist eine schriftliche Stellungnahme einzureichen. Zudem wur-
de sie aufgefordert, ihre Anschlussberufung zu begründen (pag. 407 f.). Die Stel-
lungnahme bzw. Begründung der Anschlussberufung vom 24. April 2020 ging – 
nach einmalig gewährter Fristerstreckung – am 27. April 2020 beim Obergericht 
des Kantons Bern ein (pag. 414 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft nahm die ihr 
mit Verfügung vom 27. April 2020 gebotene Gelegenheit zur Stellungnahme mit 
Eingabe vom 18. Mai 2020 wahr (pag. 434 ff.). Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 
wurde festgehalten, dass kein weiterer Schriftenwechsel stattfinde und allfällige 
Gegenbemerkungen innert 10 Tagen einzureichen seien (pag. 439 f.). Mit Eingabe 
vom 2. Juni 2020 reichte die Verteidigung ihre Gegenbemerkungen zu den Akten 
(pag. 442 f.). Der Schriftenwechsel wurde mit Verfügung vom 3. Juni 2020 als ab-
geschlossen erachtet und ein schriftlicher Entscheid in Aussicht gestellt (pag. 445 
f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Der Kammer liegt ein Arztbericht von Frau Dr. med. J.________ vom 23. Januar 
2020 vor (pag. 389 f.; vgl. Beweisantrag Ziff. 2 hiervor). Von Amtes wegen wurde 
sodann ein aktueller Strafregisterauszug, datierend vom 27. Januar 2020, über die 
Beschuldigte eingeholt (pag. 392). 

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4. Anträge der Parteien

Im Rahmen der Berufungsbegründung vom 4. März 2020 stellte die Generalstaats-
anwaltschaft folgende Anträge (pag. 399 f.):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 29. Juli 
2019 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als

1.1. Das Verfahren gegen die Beschuldigte wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln 
und pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, angeblich begangen am 5. Mai 2019 in 
C.________ infolge Eintritt der Verjährung eingestellt wurde;

1.2. sie der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen in der 
Zeit vom 1./2. April 2017 in F.________ und anderswo, schuldig erklärt wurde, im Einzel-
nen:

1.2.1. des Fahrens ohne Berechtigung;

1.2.2. des Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand (qualifiziert, mind. 
2.88‰);

1.2.3. der versuchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähig-
keit;

1.2.4. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtbeachten von polizeili-
chen Haltezeichen;

1.2.5. der groben Verletzung der Verkehrsregeln durch ungenügendes Rechtsfahren;

1.2.6. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln durch wiederholtes Überfahren der 
Sicherheitslinie;

1.2.7. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln durch mehrfaches Unterlassen der 
Richtungsanzeige; und

1.3. Sie zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00 verurteilt wurde.

2. Die Beschuldigte sei zusätzlich zu den in Rechtskraft erwachsenen Schuldsprüchen wegen Ver-
eitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, begangen am 5. Mai 2016 in 
C.________, und wegen Diebstahls, begangen am 1. April 2017 in F.________, schuldig zu 
sprechen.

3. Die mit Urteil der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 18. Juli 2016 bedingt ausgespro-
chene Geldstrafe von 105 Tagessätzen zu je CHF 30.00 sei zu widerrufen.

4. Die Beschuldigte sei unter Einbezug der zu widerrufenen Strafe zu einer unbedingten Geldstrafe 
von 360 Tagessätzen zu je CHF 30.00 zu verurteilen.

5. Die Beschuldigte sei zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu verurteilen.

Die Verteidigung stellte im Rahmen ihrer Stellungnahme bzw. Begründung der An-
schlussberufung vom 24. April 2020 folgende Anträge (pag. 416 f.; Hervorhebun-
gen im Original):

1) Die Anträge 2-5 der Generalstaatsanwaltschaft seien abzuweisen.

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2) In Übereinstimmung mit Antrag 1 der Generalstaatsanwaltschaft sei festzustellen, dass das Ur-
teil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 29.07.2019 insofern in Rechtskraft erwach-
sen ist, als

a. das Verfahren gegen die Beschuldigte wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln 
und pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, angeblich begangen am 09.05.2019 in 
C.________, infolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt wurde;

b. die Beschuldigte der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach 
begangen, in der Zeit vom 01./02.04.2017 in F.________ und anderswo, schuldig erklärt 
wurde, im Einzelnen:

1. des Fahrens ohne Berechtigung;

2. des Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand (qualifiziert, mind. 
2.88‰);

3. der versuchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit;

4. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtbeachten von polizeilichen 
Haltezeichen;

5. der groben Verletzung der Verkehrsregeln durch ungenügendes Rechtsfahren;

6. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln durch wiederholtes Überfahren einer 
Sicherheitslinie;

7. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln durch mehrfaches Unterlassen der 
Richtungsanzeige; und

c. die Beschuldigte zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00 verurteilt wurde.

3) Die Beschuldigte sei wegen Vereitelung von Massnahmen zur Verhinderung zur Feststellung der 
Fahrunfähigkeit, angeblich begangen am 05.05.2016 im C.________, freizusprechen.

4) Das Strafverfahren gegen die Beschuldigte wegen geringfügigen Diebstahls, angeblich began-
gen am 01.04.2017 in F.________, z.N. I.________ sei einzustellen.

Eventuell sei die Beschuldigte wegen dieses angeblich begangenen Diebstahls freizusprechen.

5) Gestützt auf die Schuldsprüche sei die Beschuldigte

a. zu einer bedingten Geldstrafe von 135 Tagessätzen à CHF 10.00 zu verurteilen. Die Pro-
bezeit sei auf eine Dauer von zwei Jahren festzulegen.

b. zu einer Verbindungsbusse von CHF 280.00 zu verurteilen. Die Ersatzfreiheitsstrafe sei 
durch das Gericht festzusetzen.

6) Der Beschuldigten seien folgende Weisungen zu erteilen:

a. Der Beschuldigten wird verboten, während der Probezeit ein Motorfahrzeug zu führen.

b. Die Beschuldigte wird angewiesen, während der Probezeit regelmässig, d.h. einmal pro 
Monat, der behandelnden Ärztin, Frau Dr. J.________, betreffend Alkoholkonsum vorstel-
lig zu werden.

7) Auf den Widerruf der mit Urteil vom 18. Juli 2016 ausgefällten Strafe sei zu verzichten unter Ver-
längerung der Probezeit um ein weiteres Jahr sowie Erteilung der Weisungen gemäss Ziff. 6

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Eventuell sei das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigen.

8) Der Kostenentscheid der ersten Instanz sei zu bestätigen.

9) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Staat aufzuerlegen.

10) Die amtliche Verteidigung durch die Unterzeichenende sei auch im obergerichtlichen Verfahren 
zu bewilligen respektive zu bestätigen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sei gemäss Kos-
tennote festzusetzen.

11) Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Kammer hat infolge beschränkter Berufung der Generalstaatsanwaltschaft und 
Anschlussberufung der Beschuldigten (vgl. Ziff. 2 und 4 hiervor) die erstinstanzliche 
Verfahrenseinstellung betreffend die Anschuldigung des geringfügigen Diebstahls 
(Ziff. I. 3.), den erstinstanzlichen Freispruch von der Anschuldigung der Widerhand-
lung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Vereitelung von Massnahmen zur 
Feststellung der Fahrunfähigkeit (Ziff. II.), den Sanktionenpunkt (Ziff. III; davon 
ausgenommen ist die Übertretungsbusse), den gesamten Kosten- und Entschädi-
gungspunkt (Ziff. I. bis III. und Ziff. V.), den Widerruf (Ziff. IV. gesamthaft ) sowie 
die praxisgemäss ohnehin neu zu erlassene Verfügung betreffend die erhobenen 
biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. VI. 1.) zu überprüfen. Die Ver-
fahrenseinstellungen betreffend einfache Verletzung der Verkehrsregeln (Ziff. I. 1.) 
und pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall (Ziff. I. 2.), die Schuldsprüche der Wider-
handlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz (Ziff. III. 1 bis 7) sowie die ausge-
sprochene Übertretungsbusse von CHF 700.00 (Ziff. III) sind hingegen in Rechts-
kraft erwachsen (Art. 404 Abs. 1 der Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). 

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO) und ist infolge der 
staatsanwaltschaftlichen Berufung nicht an das Verschlechterungsverbot gemäss 
Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil auch zu Ungunsten der be-
schuldigten Person abändern.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorfall vom 5. Mai 2016 (Ziff. 1.3 der Anklageschrift bzw. Ziff. II des erstin-
stanzlichen Dispositivs)

6.1 Ausgangslage

Der Beschuldigten wird im Rahmen der Anklageschrift (Ziff. I.1.3) zusammenge-
fasst vorgeworfen, sie habe am 5. Mai 2016 um ca. 22:45 Uhr in C.________ BE 
nach einem Fahrmanöver einen Personenwagen beschädigt und daraufhin den Un-
fallort verlassen, obwohl sie aufgrund der Umstände mit der Anordnung von Mass-
nahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit habe rechnen müssen.

Die Vorinstanz gelangte im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zum Ergebnis, dass 
erhebliche Zweifel bestehen würden, ob der Schaden – sofern ein solcher über-
haupt vorliege – am Abend des fraglichen Vorfalls entstanden und durch die Be-

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schuldigte verursacht worden sei. Es sei daher – in Anwendung des Grundsatzes 
in dubio pro reo – davon auszugehen, dass die Beschuldigte den Unfall nicht ver-
ursacht habe. Sie habe damit auch nicht mit Massnahmen zur Feststellung der 
Fahrunfähigkeit rechnen müssen, weshalb sie von diesem Vorwurf freizusprechen 
sei (S. 19 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 320 f.).

6.2 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Generalstaatsanwaltschaft bringt im Rahmen ihrer Berufungsbegründung zu-
sammengefasst vor, die Aussagen der Zeugin seien – entgegen der Auffassung 
der Vorinstanz – in den wesentlichen Punkten kongruent und müssten bei der Be-
urteilung des Sachverhalts insoweit mitberücksichtigt werden (pag. 401 f.). 

Die Verteidigung entgegnet hierzu im Wesentlichen, es sei nicht erwiesen, dass der 
angebliche Schaden tatsächlich durch das Rückwärtsmanöver der Beschuldigten 
verursacht worden sei. Es sei daher in dubio pro reo davon auszugehen, dass die 
Beschuldigte den Unfall nicht verursacht habe. Sie habe demnach auch nicht mit 
Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit rechnen müssen (pag. 418 f.).

6.3 Unbestrittener / Bestrittener Sachverhalt

Vorliegend ist unbestritten, dass sich die Beschuldigte am Abend des 5. Mai 2016 
im E.________ in F.________ aufgehalten und dabei Alkohol konsumiert hat. Nach 
Verlassen des Pubs hat sie sich in ihr Auto (blauer K.________) gesetzt, in wel-
chem sich überdies ihr Hund befunden hatte und welches auf dem Parkplatz bei 
besagtem Pub abgestellt gewesen war. Unbestritten ist ferner, dass die Beschul-
digte in ihrem Auto vom Parkplatz des E.________ fahren wollte und daraufhin von 
der Zeugin L.________ auf einen von der Beschuldigten angeblich verursachten 
Unfall hingewiesen worden ist. Der Besitzer des parkierten und angeblich beschä-
digten Fahrzeugs, M.________, war zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort. Die Be-
schuldigte ist daraufhin ohne auszusteigen weggefahren. Umstritten ist, ob die Be-
schuldigte beim Wegfahren vom Parkplatz des besagten Pubs rückwärts in das 
parkierte Auto von M.________ gefahren ist und hierbei einen Schaden verursacht 
hat bzw. ob sie von einer allfällig von ihr verursachten Kollision etwas mitbekom-
men hat.

6.4 Beweismittel

Als objektive und subjektive Beweismittel liegen der Kammer der Anzeigerapport 
vom 11. August 2016 inkl. Unfallaufnahmeprotokoll vom 5. Mai 2016 (pag. 43 f.; 
pag. 45 ff.) sowie die Aussagen der Beschuldigten (pag. 2 ff.; 56 ff.; pag. 262 ff.) 
und diejenigen der Zeugin L.________ vor (pag. 50; pag. 51 ff.; pag. 268 ff.). Wei-
ter befinden sich zwei ärztliche Berichte von Dr. med. J.________ in den Akten 
(vgl. Ziff. 7.4.2 hiernach).

Die Vorinstanz brachte die hiervor genannten Beweismittel korrekt ins Verfahren 
ein und gab diese richtig zusammengefasst wieder. Darauf wird vollumfänglich 
verwiesen (S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 309 ff.). Auf die 
entsprechenden Beweismittel wird – soweit relevant – direkt im Rahmen der nach-
folgenden Beweiswürdigung durch die Kammer eingegangen.

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6.5 Allgemeines

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen 
und der Aussagenanalyse im Speziellen wird auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen (S. 14 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 
315 ff.).

6.6 Beweiswürdigung der Kammer

Die Beschuldigte wurde insgesamt drei Mal zum Vorfall vom 5. Mai 2016 befragt. 
Anlässlich der ersten Einvernahme gab sie gegenüber der Polizei an, dass sie sich 
nicht genau an den Abend des 5. Mai 2016 erinnere (pag. 57, Z. 27 ff.) und sie zu 
einem Unfall «nicht unbedingt» etwas sagen könne (pag. 57, Z. 51). Sie präzisierte, 
dass sich beim Starten ihres Fahrzeugs jeweils die Musik automatisch einschalte 
und ihr Hund, welchen sie jeweils hinten im Fahrzeug mitführe, ab und zu belle 
(pag. 57, Z. 54 ff.). Sie hielt aber fest, dass sie denke, sie hätte eine Kollision ge-
spürt, wobei sie auch hier relativierte («ausser wenn es vielleicht beim Rückwärts-
fahren passiert wäre»; pag. 57, Z. 56 f.). Trotzdem konnte sie einen Schaden zu 
diesem Zeitpunkt nicht ausschliessen (pag. 58, Z. 88). Anlässlich der (über ein Jahr 
späteren) Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vermochte sich die Beschuldig-
te wieder an den fraglichen Abend zu erinnern (pag. 3, Z. 36). So gab sie etwa zu 
Protokoll, dass es – als sie habe wegfahren wollen – geheissen habe, sie habe ein 
Auto beschädigt (pag. 3, Z. 39 f.). Sie betonte aber wiederum, dass sie «von dem 
allem» nichts wisse (pag. 3, Z. 42), sie nie eine Rechnung erhalten (pag. 3, Z. 47) 
und sie keine Kollision bemerkt habe (pag. 4, Z. 65). Auch anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Beschuldigte ihre diesbezüglichen 
Aussagen (pag. 263, Z. 3, 30 f. und 41 f.). Sie erklärte auf Vorhalt der Aussagen 
der Zeugin L.________, wonach sie «volle Pulle» rückwärts aus dem Parkfeld ge-
fahren sei, dass dies nicht ihre Meinung sei, in solch einem Fall das Auto sicherlich 
eine Beule bzw. einen Kratzer hätte (pag. 2, Z. 61 f.; pag. 263, Z. 29 ff.). Die Be-
schuldigte bestätigte im Rahmen ihrer Einvernahmen sodann, dass sie von der 
Zeugin L.________ auf einen Unfall angesprochen worden sei (pag. 3, Z. 39 f.; 
pag. 263, Z. 41 f.). Ausgestiegen, um die Situation zu klären bzw. näher zu über-
prüfen, ist die Beschuldigte allerdings (unbestrittenermassen) nicht. Wie die Vorin-
stanz richtigerweise festhält, war die Beschuldigte bemüht, sich an den fraglichen 
Abend zu erinnern und belastete sich darüber hinaus auch selber (in dem sie etwa 
angab, Alkohol getrunken zu haben, pag. 58, Z. 77 ff.). Sie war sodann auch um 
die Klärung der Sachlage bemüht und gab etwa an, dass sie die Angelegenheit un-
ter Umständen noch mit ihrer Rechtsschutzversicherung besprechen wolle (pag. 
18, Z. 95 f.). Mit Blick auf die von der Beschuldigten im gesamten Verfahren ge-
machten Aussagen kann festgehalten werden, dass sie einen Unfall zwar nicht ka-
tegorisch ausschloss, allerdings durchwegs darauf bestand, dass sie keine Kollisi-
on wahrgenommen habe bzw. eine solche gehört hätte. In der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung wird sodann festgehalten, dass die Beschuldigte im Rahmen der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung einen aufrichtigen und glaubwürdigen Eindruck 
hinterliess (S. 17 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 318). Auch die 
Kammer teilt – gestützt auf die vorliegenden Unterlagen – den Eindruck zumindest 
in der Hinsicht, dass die Beschuldigte um die Klärung des Vorfalls vom 5. Mai 2016 

12

bemüht war. Hinzu kommt, dass die Beschuldigte auch im Rahmen der nunmehr 
rechtskräftigen Delikte mehrheitlich geständig war. Daran vermag auch das von der 
Generalstaatsanwaltschaft vorgebrachte Beispiel nichts zu ändern, wonach die Be-
schuldigte betreffend den angeblichen Diebstahl des Portemonnaies eben gerade 
nicht durchwegs geständig gewesen sei (vgl. Ausführungen in Ziff. 7.5 hiernach). 
Auch die Kammer erachtet die Aussagen der Beschuldigten im Zusammenhang mit 
den Geschehnissen vom 5. Mai 2016 als grundsätzlich glaubhaft.

Die Aussagen der Zeugin L.________ fielen demgegenüber mehrheitlich wider-
sprüchlich aus und weisen starke Aggravierungstendenzen auf. So führte sie 
zunächst etwa noch aus, dass sie am fraglichen Abend mit einem Kollegen draus-
sen vor dem Pub gestanden sei und diesem über die Beschuldigte noch gesagt 
habe «Muesch luege, die fahrt sicher no M.________ is Outo» (pag. 52, Z. 28 f.). 
Später gab sie demgegenüber zu Protokoll, dass sie sich nicht darauf geachtet ha-
be, ob andere Personen den Unfall auch beobachtet hätten bzw. weitere Personen 
hätten sich «sobald etwas war» entfernt und hätten nichts damit zu tun haben wol-
len (pag. 269, Z. 23 ff.; pag. 269, Z. 33). Es ist davon auszugehen, dass die Zeugin 
L.________ sich an die Anwesenheit ihres Kollegen erinnern würde, wäre dieser 
tatsächlich anwesend gewesen. Sodann sprach weder die Beschuldigte von weite-
ren Zeugen noch wurden solche bzw. ein solcher im Unfallaufnahmeprotokoll er-
wähnt. Nicht zuletzt ist es denn auch als wirklichkeitsfremd zu betrachten, dass alle 
angeblich vor dem Pub anwesenden Personen sich nach dem eigentlichen Vorfall 
direkt entfernt haben sollen. Die Zeugin L.________ machte darüber hinaus auch 
unterschiedliche Angaben in Bezug auf die Geschehnisse kurz vor dem angebli-
chen Unfall. So gab sie anfänglich noch zu Protokoll, dass sie den Hund der Be-
schuldigten erst nach dem Unfall gesehen habe, als sie diese habe ansprechen 
wollen (pag. 52, Z. 33 f.). Später gab sie demgegenüber an, dass sie in einem par-
kierten Auto einen Hund gesehen habe, die Beschuldigte ihr entgegengekommen 
und sie verbal attackiert habe (pag. 268, Z. 24 ff.). Sie habe der Beschuldigten ge-
sagt, dass sie den Hund am Nachmittag nicht in der prallen Sonne im Auto lassen 
könne (pag. 268, Z. 28 f.). Abgesehen davon, dass die verbale Auseinanderset-
zung erst im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vorgebracht und ei-
ne solche von der Beschuldigten im Weiteren auch nicht erwähnt wurde, ist der 
Kammer überdies unklar, wie die Zeugin L.________ darauf gekommen ist, dass 
sich der Hund bereits am Nachmittag im Auto befunden habe. Der eigentliche Vor-
fall ereignete sich erst spät abends und den Akten sind keine Hinweise zu entneh-
men, wonach die Beschuldigte den Pub bereits am Nachmittag besucht hätte. Die 
Aussagen der Zeugin L.________ betreffend die angebliche verbale Auseinander-
setzung lassen sich denn auch nicht mit ihren Schilderungen vereinbaren, wonach 
sie mit ihrem Kollegen vor dem Pub eine Zigarette geraucht und die Beschuldigte 
beim Wegfahren beobachtet habe. Sodann gab die Zeugin L.________ zunächst 
noch zu Protokoll, dass die Beschuldigte – nach dem Vorfall – die Fahrertüre kurz 
geöffnet, diese aber dann ohne etwas zu sagen wieder geschlossen habe (pag. 
50). Später änderte sie ihre diesbezüglichen Aussagen dahingehend, dass die Be-
schuldigte etwas ihr Unverständliches «leierte» (pag. 52, Z. 34 f.) bzw. es sogar 
«Schlämperlige» gewesen sein könnten (pag. 269, Z. 12 f.). Wie die Vorinstanz 
richtigerweise festhielt, bestehen bereits nach dem Gesagten erhebliche Unsicher-

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heiten in dem von der Zeugin geschilderten Geschehensablauf des fraglichen 
Abends bzw. insbesondere betreffend das Zusammentreffen der Beschuldigten 
und der Zeugin L.________. Merkwürdig muten sodann auch die Aussagen der 
Zeugin L.________ an, wonach sie nicht gewusst habe, ob die Beschuldigte 
Deutsch verstehe (pag. 269, Z. 18). Gab sie doch selber an, dass die Beschuldigte 
Gäste angepöbelt (pag. 36, Z. 26 f.) bzw. es zwischen ihnen beiden eine verbale 
Auseinandersetzung gegeben habe (pag. 268, Z. 27 f.). Auch diese Ausführungen 
der Zeugin sind daher nicht nachvollziehbar. 

Wie die Vorinstanz weiter richtigerweise festhält, zeigen sich im Aussageverhalten 
der Zeugin L.________ sodann starke Aggravierungstendenzen. Hierfür ist einer-
seits auf die bereits erwähnten Beispiele zu verweisen (etwa betreffend die verbale 
Auseinandersetzung, den Hund in der prallen Sonne oder was die Beschuldigte 
beim Öffnen der Türe zu ihr gesagt habe). Andererseits kommt hinzu, dass die 
Zeugin L.________ im Rahmen ihrer tatnächsten Befragung zunächst noch aus-
führte, dass die Beschuldigte ihr Auto «zurücksetzte» (pag. 50), später will sie aber 
dann beobachtet haben, wie die Beschuldigte «volle Pulle rückwärts» aus dem 
Parkplatz gefahren sei (pag. 52, Z. 30; pag. 268, Z. 32). Festzuhalten ist schliess-
lich, dass sich die Zeugin L.________ offenbar am Verhalten bzw. dem Auftreten 
der Beschuldigten gestört hat (nach eigenen Angaben der Zeugin: wiederholte 
Songwünsche an den DJ, Gäste anpöbeln, Barfuss gehen, Federohrringe; pag. 50, 
Z. 22 ff.; pag. 268, Z. 19 ff.). Aufgrund des Aussageverhaltens der Zeugin 
L.________ bestehen erhebliche Zweifel daran, ob sich die von ihr geschilderten 
Geschehnisse des fraglichen Abends tatsächlich wie von ihr behauptet abgespielt 
haben. Nach dem Gesagten geht auch die Kammer davon aus, dass auf die Aus-
sagen der Zeugin L.________ eher nicht abgestellt werden kann, sofern diese nicht 
ohnehin unbestritten sind (insbesondere Begegnung auf dem Parkplatz des Pubs, 
Hinweis auf den angeblichen Unfall und Wegfahrt der Beschuldigten). 

Gestützt auf die Aussagen der Zeugin L.________ kann demnach nicht ohne er-
hebliche Zweifel auf einen von der Beschuldigten verursachten Unfall geschlossen 
werden. Der Kammer liegt weiter das Unfallaufnahmeprotokoll vom 5. Mai 2016 vor 
(pag. 45 ff.). Diesem ist zu entnehmen, dass das Auto von M.________ am fragli-
chen Abend einen Kratzer bzw. eine Delle an der Fahrzeugfront aufwies und der 
Schaden auf ca. CHF 1‘000.00 geschätzt wurde (pag. 49). Weitere Beweismittel 
bzw. Belastungstatsachen sind den vorliegenden Akten allerdings nicht zu entneh-
men. So wurde M.________ nicht befragt (etwa zu einem allfällig vorbestandenen 
Schaden etc.), es finden sich keine Fotografien der angeblich beteiligten Unfall-
fahrzeuge in den Akten, es wurde kein Lackabgleich vorgenommen (oder zumin-
dest erklärt, weshalb darauf verzichtet wurde) und es liegen keine Hinweise vor, ob 
der Schaden am Fahrzeug von M.________ behoben wurde bzw. wer allenfalls 
dafür aufgekommen ist (die Beschuldigte hat – gemäss eigenen Angaben – nie ei-
ne Rechnung erhalten; pag. 3, Z. 43 und 47; pag. 263, Z. 31). Entsprechende Ab-
klärungen bzw. Beweiserhebungen wären aber ohne Weiteres möglich gewesen. 
Damit kann – gestützt auf das Unfallaufnahmeprotokoll vom 5. Mai 2016 – zwar als 
erstellt betrachtet werden, dass das Fahrzeug von M.________ am fraglichen 
Abend einen Kratzer bzw. eine Delle an der Fahrzeugfront aufwies (wobei die ef-
fektive Höhe des Schadens nicht eruierbar ist), es liegen jedoch keine objektiven 

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Beweismittel vor, welche (ohne erhebliche Zweifel) darauf schliessen lassen, dass 
der Schaden durch ein Fahrmanöver der Beschuldigten verursacht wurde. Daran 
vermag auch die Tatsache nichts zu ändern, dass die Zeugin L.________ hierzu 
angab, sie habe «Plastik auf Plastik» gehört (pag. 269, Z. 2) und es habe am Auto 
ihres Kollegen einen «Riss vorne im Plastik» auf der Höhe des Nummernschildes 
gehabt (pag. 269; Ergänzung nach Verlesen des Protokolls). Zum einen kann auf 
die Aussagen der Zeugin L.________ nicht ohne Weiteres abgestellt werden und 
zum anderen stellt die Kammer auch nicht in Abrede – wie hiervor bereits erwähnt 
– dass ein Schaden am Fahrzeug von M.________ bestanden hat. 

Es ist durchaus auch denkbar, dass die Zeugin L.________ nur dachte, einen Un-
fall beobachtet zu haben und später ein (vorbestandener) Schaden am Fahrzeug 
von M.________ festgestellt wurde. Zumindest kann (lediglich) gestützt auf die von 
der Zeugin L.________ geschilderten (und als mehrheitlich unglaubhaft betrachte-
ten) Geschehnisse und den Vermerk eines Schadens in Höhe von ca. 1‘000.00 in 
besagtem Unfallaufnahmeprotokoll nicht ohne Zweifel darauf geschlossen werden, 
dass die Beschuldigte am fraglichen Abend tatsächlich einen Unfall bzw. einen 
Schaden am Fahrzeug von M.________ verursacht hat. Der Vollständigkeit halber 
ist festzuhalten, dass – laut Unfallaufnahmeprotokoll – offenbar Fotografien des 
Fahrzeugs von M.________ gemacht wurden. Abgesehen davon, dass der Kam-
mer nicht klar ist, weshalb diese dem besagten Protokoll respektive den Akten nicht 
ohnehin bereits beiliegen, würde eine Sichtung der Fotografien zum heutigen Zeit-
punkt keinen Sinn mehr machen. So ist einerseits unwahrscheinlich, dass diese 
Fotografien sichere Rückschlüsse auf das unfallverursachende Fahrzeug zulassen 
würden, andererseits wurde das Fahrzeug der Beschuldigten (K.________) in der 
Zwischenzeit ohnehin sichergestellt und verwertet.

6.7 Beweisergebnis

Die Kammer erachtet nach dem Gesagten als erstellt, dass sich die Beschuldigte 
am 5. Mai 2016 im E.________ in F.________ aufgehalten hat und gegen 22:45 
Uhr mit ihrem Auto aus dem Parkplatz beim besagten Pub fahren wollte. Dabei 
wurde sie von der Zeugin L.________ auf einen angeblich verursachten Unfall an-
gesprochen. In Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ist allerdings nicht 
erstellt, dass die Beschuldigte einen Unfall bzw. eine Kollision verursacht hat. 

Damit besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem angeklagten und dem er-
wiesenen Sachverhalt. Sofern die Generalstaatsanwaltschaft vorbringt, es könne – 
aufgrund der gegebenen Umstände – dennoch ein Schuldspruch wegen Vereite-
lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit erfolgen, ist auf die 
nachfolgenden rechtlichen Ausführungen zu verweisen (vgl. Ziff. 8.2 f. hiernach).

7. Vorfall vom 1. April 2017 (Ziff. 2. der Anklageschrift bzw. Ziff. I. 3. des erstin-
stanzlichen Dispositivs)

7.1 Ausgangslage

Der Beschuldigten wird im Rahmen der Anklageschrift (Ziff. I.2.) weiter vorgewor-
fen, sie habe sich am 1. April 2017 im H.________ F.________ die Handtasche der 
Geschädigten (I.________), welche auf der Fussablage der Bar deponiert gewesen 

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sei, behändigt, habe nach Verlassen des Lokals das Portemonnaie daraus entfernt 
und die Handtasche in einem Blumenbeet hinterlassen (Deliktssumme ca. 220.50).

Abweichend zur Anklageschrift würdigte die Vorinstanz den Sachverhalt als gering-
fügiges Vermögensdelikt (vgl. Würdigungsvorbehalt, pag. 258) und stellte das Ver-
fahren in diesem Punkt aufgrund des Rückzugs des Strafantrags durch die Privat-
klägerin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ein (Ziff. I.3. des erstin-
stanzlichen Dispositivs, S. 8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 309). 

7.2 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Generalstaatsanwaltschaft hielt hierzu im Wesentlichen fest, zufolge fehlender 
Gegenindizien sei davon auszugehen, dass der Vorsatz der Beschuldigten auf über 
CHF 300.00 gerichtet gewesen sei (pag. 404).

Die Verteidigung entgegnete kurz zusammengefasst, die Beschuldigte wisse nichts 
darüber, dass sie ein Portemonnaie gestohlen habe. Dieses sei jedoch in ihrem Au-
to gefunden worden. Es seien keine Indizien vorhanden, wonach sie einen höheren 
Deliktsbetrag als CHF 300.00 habe anstreben wollen (pag. 421 f.).

7.3 Unbestrittener / Bestrittener Sachverhalt

Vorliegend ist unbestritten, dass sich sowohl die Beschuldigte als auch die Ge-
schädigte am 1. April 2017 im H.________ in F.________ aufgehalten haben und 
Letzterer an besagtem Abend die Handtasche inkl. des sich darin befindlichen Por-
temonnaies gestohlen wurde. Die Handtasche wurde anschliessend in einem Blu-
menbeet vor dem Lokal aufgefunden. Unbestritten ist weiter, dass die Beschuldigte 
daraufhin von der Polizei angehalten wurde und sich das fragliche Portemonnaie 
auf dem Beifahrersitz des Fahrzeugs befand. Die Beschuldigte bestreitet nicht, das 
Portemonnaie an sich genommen zu haben. Umstritten ist demgegenüber, ob die 
Beschuldigte das Portemonnaie bewusst an sich genommen hat und ob sie dabei 
eine möglichst hohe Beute angestrebt hat.

7.4 Beweismittel

7.4.1 Vorbemerkungen

Die Vorinstanz hat die vorliegenden Beweismittel zufolge Verfahrenseinstellung 
nicht aufgeführt bzw. wiedergegeben. Der Diebstahl ist an sich unbestritten. Die 
Kammer wird sich bei der nachfolgenden Zusammenfassung der relevanten Be-
weismittel daher kurz fassen. Sie werden – soweit relevant – im Rahmen der dar-
auffolgenden Beweiswürdigung der Kammer nochmals aufgegriffen.

7.4.2 Objektive Beweismittel

Zusammenfassend ist dem Anzeigerapport vom 12. Juli 2017 (pag. 94 ff.) zu 
entnehmen, dass anlässlich einer Verkehrskontrolle in dem von der Beschuldigten 
gefahrenen Fahrzeug ein grünes Portemonnaie aufgefunden und sichergestellt 
worden sei. Zeitgleich sei bei der Zentrale Biel eine Meldung eingegangen, wonach 
es im H.________ in F.________ zu einem Diebstahl gekommen sei.

Dem Anzeigerapport vom 30. August 2017 (pag. 64 ff.) ist hinsichtlich des hier 
relevanten Sachverhalts zu entnehmen, dass bei der Anhaltung auf dem Beifahrer-
sitz der Beschuldigten ein Portemonnaie zum Vorschein gekommen sei.

16

Dem Polizeiprotokoll bei Verdacht auf Fahrunfähigkeit vom 2. April 2017 (pag. 
71 f.) ist u.a. ein Resultat der Atemalkoholprobe der Beschuldigten von 1.16 mg/l 
zu entnehmen (00:40 Uhr).

Dem Bericht zur forensisch-toxikologischen Alkoholbestimmung vom 21. 
April 2017 (pag. 76 ff.) und dem forensisch-toxikologischen Abschlussbericht 
vom 3. Mai 2017 (pag. 73 ff.) ist eine minimale, rückgerechnete Blutalkoholkonzen-
tration (BAK) im Blut der Beschuldigten von 2.93 Gewichtspromille zu entnehmen 
(rückgerechnete minimale BAK 2.93 Gewichtspromille, rückgerechnete maximale 
BAK 3.80 Gewichtspromille).

Schliesslich liegen der Kammer zwei ärztliche Berichte von Dr. med. J.________ 
vor. Dem Bericht vom 29. März 2019 ist zusammengefasst zu entnehmen, dass die 
Beschuldigte in einem sehr guten gesundheitlichen Allgemeinzustand sei und eine 
formelle psychiatrische Beurteilung einer Alkoholabhängigkeit nicht stattgefunden 
habe. Bei Erstvorstellung im April 2017 habe klar ein erhöhter (schädlicher) Alko-
holkonsum vorgelegen. Es habe – soweit dies beurteilt werden könne – von ca. 
April 2017 bis April 2018 eine Behandlung wegen Alkoholabhängigkeit stattgefun-
den. Die Betreuung sei im April 2018 abgeschlossen worden, die Prognose der Be-
schuldigten sei aufgrund ihrer Reintegration in die Berufswelt günstig (pag. 216 f.). 
Dem Bericht vom 23. Januar 2020 ist zu entnehmen, dass die Beschuldigte unter 
Schulterschmerzen leide und weiterhin nicht bekannt sei, dass seit April 2018 Pha-
sen mit erhöhtem Alkoholkonsum aufgetreten seien (pag. 389). 

7.4.3 Subjektive Beweismittel

Als subjektive Beweismittel liegen der Kammer die Aussagen der Beschuldigten 
(pag. 2 ff.; pag. 82 ff.; pag. 85 ff.; pag. 102 ff.; pag. 262 ff.) sowie die Aussagen der 
Geschädigten vor (pag. 99 ff.; pag. 259 ff.).

Die Beschuldigte gab im Rahmen ihrer Einvernahme bei der Polizei vom 2. April 
2017 unter anderem zu Protokoll, sie sei am 1. April 2017 ins H.________ in 
F.________ und habe dort Weisswein getrunken. Wie viel wisse sie nicht mehr ge-
nau. Bei der Heimfahrt sei sie von der Polizei angehalten worden (pag. 83, Z. 18 
ff.). Das grüne Portemonnaie, welches auf ihrem Beifahrersitz aufgefunden worden 
sei, kenne sie nicht. Sie habe auf dem Parkplatz beim Pub noch einen Mann im Au-
to gehabt, welchen sie nicht kenne. Sie habe ihn vorher noch nie gesehen, es sei 
ein Mann mit längeren Haaren gewesen, etwas älter als sie, er habe graue Haare 
gehabt (pag. 83, Z. 32 ff.). Im Rahmen ihrer Einvernahmen bei der Polizei vom 
5. Mai 2017 gab die Beschuldigte u.a. an, sie habe nach der Wegfahrt beim 
H.________ plötzlich blaues Licht hinter sich gesehen und realisiert, dass sie 
«Scheisse» gebaut habe. Sie habe gewusst, dass sie ohne Führerausweis gefah-
ren sei und Alkohol konsumiert habe (pag. 86, Z. 25 ff.). Sie habe im Pub Alkohol 
getrunken. Ob dies zu viel gewesen sei, wisse sie nicht. Sie trinke keine «harten» 
Sachen. Sie habe dort Weisswein getrunken (pag. 87, Z. 77 ff.). An den Zeitraum 
und die Menge erinnere sie sich nicht mehr (pag. 87, Z. 90 f.). Sie könne sich nicht 
mehr erinnern, was mit dem Portemonnaie gewesen sei. Sie sei mit Begleitung im 
H.________ gewesen und habe getanzt. Zwischendurch sei sie – wie auch ihre 
Kollegen – nach draussen gegangen zum Rauchen. Sie könne sich nicht erklären, 

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woher das Portemonnaie stamme, wem es gehöre und wie es in ihr Auto gekom-
men sei (pag. 103, Z. 21 ff.). Falls sie die Handtasche gestohlen hätte, so hätte sie 
sicher auch diese dabeigehabt und nicht nur das Portemonnaie (pag. 38, Z. 35 f.). 
Auf Frage, ob sie die Handtasche und später das Portemonnaie daraus gestohlen 
habe, erklärte die Beschuldigte, es könne möglich sein, dass sie aufgrund eines fi-
nanziellen Engpasses das Portemonnaie mitgenommen habe. Sie habe dies offen-
bar im «Alkoholrausch» getan. Es könne leider sein (pag. 103, Z. 46 ff.). Dass die 
Handtasche vor dem Pub in einem Gefäss aufgefunden worden sei, davon wisse 
sie nichts (pag. 103, Z. 55). Im Rahmen ihrer Einvernahme bei der Staatsanwalt-
schaft vom 13. Oktober 2017 gab die Beschuldigte u.a. zu Protokoll, dass sie am 1. 
April 2017 ziemlich viel Alkohol konsumiert habe (pag. 7, Z. 201; pag. 8, Z. 205). 
Weshalb sie das Portemonnaie auf dem Beifahrersitz gehabt habe, wisse sie nicht. 
Dies sei für sie unerklärlich (pag. 10, Z. 279 ff.). Es sei noch jemand das neue Auto 
anschauen gekommen. Sie wisse wirklich nicht, weshalb das Portemonnaie auf 
dem Beifahrersitz gewesen sei (pag. 10, Z. 283 ff.). Schliesslich gab die Beschul-
digte im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 29. Juli 2019 u.a. 
an, sie wisse nicht mehr, was sie alles getrunken habe, sie sei ziemlich angetrun-
ken gewesen (pag. 264, Z. 14 ff.; pag. 264, Z. 35). Sie habe ein Blaulicht gesehen 
und es habe Sirenen und eine Art Verfolgungsjagd gegeben. Sie wisse nur noch, 
dass sie in O.________ nicht angehalten habe, sondern weitergefahren sei (pag. 
264, Z. 40 ff.).

Die Geschädigte gab anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme vom 12. April 
2017 zu Protokoll, sie sei am besagten Abend mit ihrem Partner und einem be-
freundeten Paar im H.________ gewesen. Sie hätten sich an die Bar gesetzt, bei 
welcher es für die Füsse eine Ablage habe. Dort habe sie ihre Tasche zwischen ih-
ren Beinen deponiert. Zu ihrer linken habe sich eine Dame hingesetzt (pag. 100, Z. 
23 ff.). Als sie kurz vor 23:15 Uhr auf die Toilette gegangen sei, habe sie die Hand-
tasche ihrer Kollegin zur Bewachung übergeben bzw. zu dieser hinübergeschoben. 
Als sie von der Toilette zurückgekehrt sei, sei die Handtasche weg gewesen. Die 
Kollegin habe nichts bemerkt, habe sich später aber daran erinnern können, dass 
die Dame, welche links von ihr gesessen habe, das Lokal mit einer Tasche kurz 
verlassen habe. Später sei diese aber auf ihrem ursprünglichen Platz gesessen. 
Zusammen mit anderen Leuten hätten sie die Handtasche im Pub und draussen 
gesucht, wobei auch diese Dame geholfen habe. Eine Angestellte habe die Tasche 
draussen gefunden, auf den ersten Blick habe nichts gefehlt. Sie sei durch ihre Kol-
legin darauf aufmerksam gemacht worden, dass ihr grünes Portemonnaie fehle. Ihr 
Partner habe daraufhin die Polizei angerufen. Noch während des Anrufs sei die 
andere Dame verschwunden. Diese Frau habe längere, gerade schwarze Haare 
gehabt und sei etwa in ihrem Alter gewesen (pag. 100, Z. 34 ff.). Sie habe das Ge-
fühl, dass die Frau während des Abends oder kurz vor dem Verschwinden nicht in 
Begleitung gewesen sei. Sie habe nie jemanden festgestellt, mit welchem sie zu-
sammen dort gewesen sei (pag. 101, Z. 69 f.). Anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung vom 29. Juli 2019 wiederholte die Geschädigte, sie habe die 
Handtasche ihrer Kollegin gegeben, als sie auf die Toilette gegangen sei. Als sie 
wieder nach oben gekommen sei, sei die Tasche weg gewesen. Bei der nachfol-
genden Suche habe auch die Beschuldigte geholfen. Die Handtasche sei von einer 

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Serviceangestellten in einer Blumenkiste gefunden worden. Es sei Osterzeit gewe-
sen und zum Spass hätten sie Eier in die Tasche getan. Sie habe dann etwas Grü-
nes in ihrer Tasche gesehen, sie habe ein grünes Portemonnaie (pag. 259, Z. 26 
ff.). Ihr Partner habe ihr daraufhin gesagt, sie solle nochmals in ihre Handtasche 
schauen. Es sei dann nicht ihr Portemonnaie, sondern die zwei grünen Eier gewe-
sen (pag. 259, Z. 37 ff.). Es habe zum fraglichen Zeitpunkt viele Menschen im Lo-
kal gehabt, die Beschuldigte sei links neben ihr gesessen. Sie habe diese im Ver-
dacht gehabt, da sie neben ihr gesessen sei und sich auffällig verhalten habe. Sie 
sei schon angetrunken gewesen. In diesem Lokal werde auch viel «berichtet» (pag. 
260, Z. 7 ff.). 

7.5 Beweiswürdigung der Kammer

Betreffend die Aussagen der Geschädigten ist festzuhalten, dass diese die Rah-
menhandlung in beiden Einvernahmen im Wesentlichen klar und gleichbleibend 
schilderte. So gab sie übereinstimmend zu Protokoll, dass sie ihre Handtasche bei 
der Fussablage platziert und diese ihrer Kollegin gegeben habe, als sie auf die Toi-
lette gegangen sei. Bei ihrer Rückkehr sei die Handtasche weg gewesen und erst 
nach einer Suche im Pub aufgefunden worden, wobei dann ihr Portemonnaie ge-
fehlt habe. Sie schilderte sodann übereinstimmend, dass die Beschuldigte – als sie 
selber auf der Toilette gewesen sei – offenbar ihren Platz an der Bar kurz verlassen 
(pag. 100, Z. 39 f.; pag. 259, Z. 31) und sich anschliessend auch an der Suche be-
teiligt habe (pag. 100, Z. 41 ff.; pag. 259, Z. 32). Die Geschädigte versuchte damit 
nicht, die Beschuldigte übermässig zu belasten. Sie gab sodann auch an, dass sie 
die Beschuldigte vor besagtem Abend zwar schon gesehen, sie allerdings nicht ge-
kannt habe (pag. 100, Z. 29 ff.). Ein Widerspruch zu ihren Erstaussagen ist darin zu 
sehen, dass die Geschädigte zunächst etwa angab, dass sie von ihrer Kollegin auf 
das Fehlen des Portemonnaies hingewiesen worden sei (pag. 100, Z. 47 f.), 
während sie später ausführte, ihr Partner habe ihr gesagt, sie solle noch einmal in 
die Handtasche schauen (pag. 259, Z. 37 f.). Dabei handelt es sich nach Ansicht 
der Kammer allerdings um eine durch den Zeitablauf erklärbare Abweichung, lagen 
zwischen der ersten Befragung und der Befragung im Rahmen der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung doch über zwei Jahre. Darüber hinaus handelt es sich 
auch um einen vernachlässigbaren Nebenpunkt. Sodann sprach die Geschädigte 
erst im Rahmen ihrer zweiten Einvernahme von grünen Eiern, welche sie – eigenen 
Angaben zufolge – aufgrund der Osterzeit in ihrer Tasche hatte (pag. 259, Z. 36 
ff.). Auch hier kann jedoch von einem unwichtigen Nebenpunkt ausgegangen wer-
den, zumal die Geschädigte den Rahmenablauf bzw. die Geschehnisse des fragli-
chen Abends ansonsten detailliert, ohne wesentliche Widersprüche und überein-
stimmend schilderte. Nach Ansicht der Kammer lassen die beiden (kleinen) Abwei-
chungen noch keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Geschädig-
ten aufkommen. 

Während die Beschuldigte zwar von Beginn weg nicht kategorisch ausschloss, die 
Handtasche genommen bzw. das darin befindliche Portemonnaie entwendet zu 
haben, bestand sie jedoch gleichbleibend darauf, sich nicht mehr daran zu erinnern 
(pag. 83, Z. 32; pag. 103, Z. 21 ff.; pag. 10, Z. 279 ff.). Gestützt auf den nachge-
wiesenermassen hohen Alkoholkonsum der Beschuldigten am fraglichen Abend 

19

(rückgerechnete BAK von mind. 2.93 Gewichtspromille; pag. 73 ff.) bezweifelt die 
Kammer nicht, dass sich diese nicht an alle Geschehnisse im Detail zu erinnern 
vermag. Der Kammer ist denn auch bekannt, dass bereits eine erheblich tiefere 
Blutalkoholkonzentration unter Umständen ein sogenanntes «Blackout» bewirken 
kann. Dass solches aber bei der Beschuldigten der Fall gewesen ist, ist aus nach-
folgenden Gründen nicht nachvollziehbar. So konnte die Beschuldigte einerseits 
durchaus Details zum besagten Abend zu Protokoll geben. Sie gab etwa an, nur 
Weisswein getrunken zu haben (pag. 83, Z. 20 f.; pag. 103, Z. 24). Weiter konnte 
sie sich auch daran erinnern, dass es im H.________ an besagtem Abend viele 
Leute gehabt habe, dass sie getanzt habe, es drinnen heiss gewesen sei und sie 
zum Abkühlen zwischendurch nach draussen gegangen sei. Ihre Kollegen seien 
auch nach draussen gegangen zum Rauchen (pag. 103, Z. 21 ff.). Auch betreffend 
die anschliessende Verfolgungsjagd mit der Polizei führte die Beschuldigte etwa 
aus, dass ihr dabei ein Fahrzeug entgegengekommen sei (O.________ Richtung 
Ausfahrt P.________/Q.________; pag. 8, Z. 220) und das Blaulicht bereits ange-
schaltet gewesen sei, bevor die Polizei sie «rausgenommen» habe (pag. 8, Z. 228). 
Es mutet seltsam an, dass sich die Beschuldigte – obwohl sie teilweise detaillierte 
Angaben zu besagtem Abend machen konnte – genau an den vorgeworfenen 
Diebstahl bzw. die damit in Zusammenhang stehenden Geschehnisse (etwa auch 
die Suche nach besagter Handtasche) nicht zu erinnern vermag. Hinzu kommt, 
dass die Beschuldigte an besagtem Abend offenbar doch noch eine gewisse Selbs-
treflektion und Einschätzungsfähigkeit aufwies. So gab sie – im Zusammenhang 
mit der darauffolgenden Verfolgungsjagd – selbst zu Protokoll, sie habe realisiert, 
dass sie «total Scheisse gebaut» habe (pag. 86, Z. 27). Sie habe Panik vor den 
Konsequenzen gehabt (pag. 86, Z. 32 f.). Zu erwähnen ist weiter, dass die Be-
schuldigte – nachdem sie sich gemäss den glaubhaften Aussagen der Geschädig-
ten zunächst noch an der Suche nach der Handtasche beteiligt haben solle – das 
Pub etwa dann verlassen hat, als die Polizei durch den Partner der Geschädigten 
telefonisch über den Diebstahl informiert wurde. Die Meldung ging laut Anzeige-
rapport vom 12. Juli 2017 um 23:48 Uhr bei der Regionalzentrale Biel ein (pag. 94). 
Gemäss Anzeigerapport vom 30. August 2017 wurde die Polizei in einem zivilen 
Einsatzfahrzeug um 23:55 Uhr auf die Beschuldigte in ihrem Fahrzeug aufmerksam 
(pag. 64). Schliesslich ist festzuhalten, dass das Portemonnaie im Rahmen der po-
lizeilichen Anhaltung auf dem Beifahrersitz der Beschuldigten aufgefunden wurde 
und diese keine nur ansatzweise nachvollziehbare Erklärung hierzu liefern konnte. 
Dass sie tatsächlich noch in Begleitung eines ihr unbekannten Mannes im Auto 
gewesen sei (pag. 83, Z. 33 ff.), ist als Schutzbehauptung zu werten. So konnte die 
Beschuldigte hierzu keine näheren Angaben machen und es sind den Akten auch 
keine Hinweise zu entnehmen, wonach die Beschuldigte das Pub mit einem unbe-
kannten Mann verlassen hätte. Der Beschuldigten kann nach dem Gesagten nicht 
geglaubt werden wenn sie behauptet, sie könne sich an alles im Zusammenhang 
mit der Handtasche bzw. dem Portemonnaie nicht erinnern. Es handelt sich nach 
Ansicht der Kammer hierbei um eine Schutzbehauptung. Da sie die Geschädigte – 
unbestrittenermassen – nicht kannte, konnte sie allerdings auch nicht wissen, wel-
chen Wert die Handtasche bzw. das sich darin befindliche Portemonnaie (inkl. In-
halt) hatte.

20

7.6 Beweisergebnis

Zusammenfassend erachtet die Kammer die Aussagen der Geschädigten als 
glaubhaft. Sie ergaben sowohl in zeitlicher als auch betreffend die inhaltliche Ge-
staltung des Abends ein stimmiges Gesamtbild. Die Aussagen der Beschuldigten, 
wonach sie sich an alles im Zusammenhang mit der Handtasche bzw. dem Porte-
monnaie nicht mehr erinnern könne, sind demgegenüber als Schutzbehauptungen 
zu werten. Auch im Übrigen konnte die Beschuldigte zur Bestimmung des erwiese-
nen Sachverhalts nichts Wesentliches beitragen. Für die Kammer ergibt sich nach 
Würdigung sämtlicher Beweismittel ein Gesamtbild, das dem Sachverhalt gemäss 
Anklageschrift (Ziff. 2; pag. 134) entspricht: Am Abend des 1. April 2017 befanden 
sich sowohl die Geschädigte als auch die Beschuldigte im H.________ in 
F.________. Die Beschuldigte behändigte die Handtasche der Geschädigten, wel-
che auf der Fussablage der Bar deponiert war und hinterliess diese, nachdem sie 
das Portemonnaie daraus entfernt hatte, in einem Blumenbeet vor dem Lokal. Das 
Portemonnaie legte sie bei der Wegfahrt vom Pub in ihrem Fahrzeug auf den Bei-
fahrersitz, wo es im Rahmen der Anhaltung durch die Polizei später auch aufge-
funden wurde. Aus dem Portemonnaie wurde nichts entfernt.

III. Rechtliche Würdigung

8. Vereiteln von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Art. 91a 
Abs. 1 SVG)

8.1 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Generalstaatsanwaltschaft bringt hierzu zusammengefasst vor, dass die in Art. 
51 Abs. 1 und 3 SVG genannten Pflichten zum Verbleiben am Unfallort und zur 
Benachrichtigung des Geschädigten erst entfallen würden, wenn zweifelsfrei aus-
geschlossen werden könne, dass ein fremder Sachschaden eingetreten sei. Wenn 
der Lenker Zweifel an der Beteiligung an einem Unfall habe, verletze er Art. 51 
Abs. 1 SVG, wenn er ohne anzuhalten wegfahre. Die Beschuldigte habe die Zeugin 
wahrgenommen und habe überdies zur Kenntnis genommen, dass Letztere davon 
ausgegangen sei, dass die Beschuldigte rückwärts in ein stehendes Auto gefahren 
sei. Das stehende Fahrzeug habe sodann Schäden aufgewiesen. Unter diesen 
Umständen sei die Beschuldigte verpflichtet gewesen, vor Ort zu bleiben und die 
Ursache des Schadens zu klären. Im Übrigen werde für die Vereitelung von Mass-
nahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit keine Meldepflicht vorausgesetzt. Ein 
Fahrzeuglenker könne den Tatbestand der Vereitelung von Massnahmen zur Fest-
stellung der Fahrunfähigkeit auch durch die Verletzung einer sich aus Art. 56 Abs. 
2 VRV ergebenden Pflicht erfüllen, wenn der Geschädigte die Polizei (trotz fehlen-
der Meldepflicht) beiziehen wolle. In Anbetracht der Aussagen der Zeugin sei unter 
den konkreten Umständen bei einem Beizug der Polizei die Anordnung von Mass-
nahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit wahrscheinlich gewesen. Damit sei 
der objektive Tatbestand erfüllt. Indem die Beschuldigte sodann die Tür zuschlug 
und davongefahren sei, habe sie in Kauf genommen, sich einer Abklärung ihrer 
Fahrfähigkeit zu entziehen (pag. 402 f.).

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Die Verteidigung bringt dagegen vor, es könne nicht davon ausgegangen werden, 
dass der angeblich Geschädigte die Polizei habe beiziehen wollen, da dieser nicht 
dort gewesen oder gekommen sei. Es sei weiter erstellt, dass die Beschuldigte das 
Fahrzeug angehalten und sich nach einem allfälligen Schaden erkundigt habe. Ei-
ne Verletzung der Pflichten im Sinne von Art. 51 Abs. 3 SVG liege indes aber nur 
vor, wenn tatsächlich ein Sachschaden entstanden sei. Das Vorliegen eines Scha-
dens habe die Beschuldigte allerdings nicht bemerkt bzw. eine allfällige Kollision 
nicht realisiert. Sie sei sich einer Meldepflicht daher nicht bewusst gewesen. Sie 
habe sich damit überhaupt nicht wegen Art. 91a SVG strafbar machen können.

Für weitergehende Ausführungen wird auf die jeweiligen Eingaben der Parteien 
verwiesen.

8.2 Rechtliche Ausführungen

Für die theoretischen Ausführungen zum Tatbestand der Vereitelung von Mass-
nahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit kann vorweg auf die (allerdings in ei-
nem anderen Zusammenhang gemachten) Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (S. 25 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 326 f.). Ergänzend 
(bzw. teilweise wiederholend) ist Folgendes festzuhalten:

Der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit gemäss Art. 
91a Abs. 1 SVG macht sich schuldig, wer sich als Motorfahrzeugführer vorsätzlich 
einer Blutprobe, einer Atemalkoholprobe oder einer anderen vom Bundesrat gere-
gelten Voruntersuchung, die angeordnet wurde oder mit deren Anordnung gerech-
net werden musste, oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt 
oder entzogen hat oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt hat. 

Die Tatbestandsvariante des «Sich-Entziehens» kann sowohl in einem aktiven 
Handeln als auch in einem Unterlassen bestehen, wobei die Begehung durch Un-
terlassung (d.h. die Konstellation, in denen ein Täter die Meldung eines Unfalls un-
terlässt und auf diese Weise einen Kontakt mit der Polizei vermeidet bzw. die An-
ordnung einer Untersuchungsmassnahme verunmöglicht) in der Praxis sehr viel 
bedeutsamer ist (RIEDO, Basler Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Art. 91a N 
169 ff.). Ist bei dem zu beurteilenden Verhalten von einer Unterlassung auszuge-
hen, so kann dieses den Tatbestand – gemäss den allgemeinen strafrechtlichen 
Grundsätzen zu den unechten Unterlassungsdelikten – nur dann erfüllen, wenn ei-
ne Rechtspflicht zum Handeln besteht, mithin etwa eine Mitteilungspflicht nach Art. 
51 Abs. 3 SVG oder eine Mitwirkungspflicht im Sinne von Art. 56 Abs. 2 VRV 
(WEISSENBERGER, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussenge-
setz, 2. Aufl 2014, Art. 91a N 9 ff.; RIEDO, a.a.O., Art. 91a SVG N 172 ff.; BGE 126 
IV 53 E. 2a). Art. 51 SVG knüpft an den Begriff des Verkehrsunfalls an, welcher im 
Gesetz allerdings nicht definiert wird. Nach der Rechtsprechung gilt als Strassen-
verkehrsunfall jedes schädigende Ereignis, das geeignet ist, einen Personen- 
und/oder Sachschaden herbeizuführen (Urteil des Bundesgerichts 6B_322/2015 
vom 26. November 2015 E. 2.1; BGE 122 IV 356 E. 3a; WEISSENBERGER, a.a.O., 
Art. 51 SVG N 5). Ein tatsächlicher Schadenseintritt wird – für die eigentliche Quali-
fizierung als Strassenverkehrsunfall – nach dem Gesagten nicht verlangt. Es 
genügt, wenn die Möglichkeit eines entsprechenden Schadens naheliegt. Die sich 

22

aus Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG ergebenden Verhaltenspflichten sind deshalb auch 
bereits dann angezeigt, wenn jemand aufgrund der Umstände annehmen musste, 
etwa einen Sachschaden verursacht zu haben (WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 51 N 
5). Dementsprechend macht sich der Unfallbeteiligte, der weiterfährt, ohne sich zu 
vergewissern, ob ein Sach- und/oder Personenschaden eingetreten ist, unabhängig 
davon strafbar, ob sich nachträglich herausstellt, dass kein Schaden entstanden ist. 
Die entsprechenden Pflichten entfallen nur, wenn von vornherein zweifelsfrei fest-
steht, dass kein Schaden entstanden ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_322/2015 
vom 26. November 2015 E. 3). Eine Pflicht zur Anhaltung im Sinne von Art. 51 Abs. 
1 SVG kann sich ferner sogar ohne eigentliche «Kollision» ergeben, etwa wenn ein 
vortrittsberechtigter Lenker aufgrund eines anderen unvorsichtigen Verkehrsteil-
nehmers brüsk abbremsen muss und Ersterer dabei zu Fall kommt (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_1027/2013 vom 14. April 2014). 

Eine Verurteilung wegen Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der 
Fahrunfähigkeit kommt bei der Verletzung der Meldepflicht im Sinne von Art. 51 
Abs. 3 SVG indes nur in Betracht, wenn der Fahrzeuglenker verpflichtet war, sich 
der Polizei zur Verfügung zu halten, was einen Drittschaden erfordert (WEISSEN-
BERGER, a.a.O., Art. 91a N 10). Insofern ist ein allfällig entstandener (Sach-
)Schaden als objektives Merkmal für den Vereitelungstatbestand massgebend, da 
das Vorliegen einer Melde- bzw. Mitteilungspflicht (etwa Art. 51 Abs. 3 SVG) als 
objektives Tatbestandsmerkmal von Art. 91a Abs. 1 SVG erachtet wird (RIEDO, 
a.a.O., Art. 91a SVG N 173 ff.; vgl. etwa auch Urteil des Kantonsgerichts Graubün-
den SK1 17 42 vom 26. Juni 2018 E. 3.1.5 f. m.w.H.).

8.3 Subsumtion

Auch beim vorliegend zu beurteilenden Verhalten wäre allenfalls von einer Unter-
lassung auszugehen, weshalb der Tatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG – gemäss 
den allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen zu den unechten Unterlassungsde-
likten – nur erfüllt sein kann, wenn eine Rechtspflicht zum Handeln besteht bzw. 
bestanden hat (etwa Art. 51 Abs. 3 SVG oder Art. 56 Abs. 2 VRV). Eine entspre-
chende Melde- bzw. Mitwirkungspflicht stellt in der zu beurteilenden Konstellation – 
wie hiervor bereits erwähnt – daher ein objektives Tatbestandsmerkmal der Verei-
telung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit dar.

Wie das Beweisergebnis im vorliegenden Fall gezeigt hat, ist in Anwendung des 
Grundsatzes in dubio pro reo nicht erstellt, dass die Beschuldigte am Abend des 
1. April 2017 einen Unfall und damit einen Schaden am Fahrzeug von M.________ 
verursacht hat, als sie mit ihrem Auto unbestrittenermassen rückwärts aus dem 
Parkplatz vor dem H.________ in F.________ gefahren ist. Entsprechend hatte sie 
– wie bereits die Vorinstanz richtigerweise festgehalten hat – auch keine sich aus 
Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG ergebenden Pflichten. Es mag zwar zutreffen, dass einer 
unfallverursachenden Person – wie dies die Generalstaatsanwaltschaft vorbringt – 
auch gewisse Pflichten obliegen, selbst wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass 
kein Schaden entstanden ist. Die Kammer stellt daher nicht in Abrede, dass sich 
eine unfallverursachende Person (zweifelsfrei) vergewissern muss, dass aufgrund 
eines (durch sie verursachten) Vorfalls kein Personen- und/oder Sachschaden ent-
standen ist, damit die hiervor genannten Pflichten entfallen. Allerdings ist diese Va-

23

riante im vorliegenden Fall eben gerade nicht einschlägig, da es – laut Beweiser-
gebnis – in dubio pro reo keinen Unfall bzw. Vorfall gegeben hat. Ein solcher «Vor-
fall» bzw. Unfall stellt gemäss Ansicht der Kammer allerdings eine notwendige Vor-
aussetzung für die sich aus Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG ergebenden Pflichten dar. 
Daran vermag auch die Tatsache nichts zu ändern, dass die (notabene überwie-
gend) unglaubhafte Zeugin L.________ angeblich eine Kollision, d.h. einen Unfall 
im Sinne der obgenannten Rechtsprechung, beobachtet haben will und die Be-
schuldigte – unbestrittenermassen – darauf angesprochen hat. Die Stellung der 
Beschuldigten wird dadurch nicht in negativer Weise beeinflusst. Nach dem Gesag-
ten steht fest, dass sich aus Art. 51 Abs.1 und 3 SVG nichts zu Ungunsten der Be-
schuldigten ableiten lässt. Sofern die Generalstaatsanwaltschaft weiter vorbringt, 
eine Verletzung könne sich auch aus Art. 56 Abs. 2 VRV ergeben, so ist dem zwar 
grundsätzlich – nicht so aber betreffend den vorliegenden Fall – zuzustimmen. Der 
angeblich Geschädigte M.________ war erst später vor Ort bzw. die Beschuldigte 
ist ihm nicht begegnet. Es wäre daher verfehlt, sich auf Art. 56 Abs. 2 VRV abzu-
stützen und eine sich hieraus ergebende Pflicht anzunehmen.

Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass der Nachweis eines 
durch die Beschuldigte verursachten Unfalls und damit der Schadensnachweis 
nicht erbracht wurde. Auch war der Inhaber des angeblich beteiligten Fahrzeugs – 
zumindest zu diesem Zeitpunkt – nicht vor Ort. Damit fehlt es an einer objektiv not-
wendigen Melde- bzw. Mitwirkungspflicht und der objektive Tatbestand von Art. 91a 
Abs. 1 SVG ist nicht erfüllt. Ausführungen zum subjektiven Tatbestand erübrigen 
sich nach dem Gesagten. Entsprechend entfällt die Strafbarkeit der Beschuldigten 
wegen einer angeblichen Verletzung von Art. 91a Abs. 1 SVG. 

9. Diebstahl, evtl. geringfügig (Art. 139 Ziff. 1 / Art. 172ter aStGB)

9.1 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Generalstaatsanwaltschaft bringt hierzu im Wesentlichen vor, dass für den An-
wendungsbereich von Art. 172ter StGB nicht der eingetretene Erfolg, sondern der 
Vorsatz des Täters massgebend sei. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung könne bei einem Taschendiebstahl – sofern keine konkreten Gegenindizien 
vorliegen würden – davon ausgegangen werden, dass der Eventualvorsatz auf ei-
nen Deliktsbetrag von über CHF 300.00 gerichtet gewesen sei. Die Privilegierung 
komme im vorliegenden Fall daher nicht zur Anwendung, weshalb auch das Erfor-
dernis des Strafantrags entfalle und die Vorinstanz das Verfahren nicht habe ein-
stellen dürfen. Betreffend Zurechnungsfähigkeit sei festzuhalten, dass nach der 
Rechtsprechung des Bundesgerichts der Blutalkoholkonzentration nicht alleinige 
Bedeutung zukomme und diese lediglich eine Orientierungshilfe darstelle. Die mi-
nimale BAK zum Zeitpunkt des Diebstahls habe mit Sicherheit deutlich unter 3,0 
Gewichtspromille gelegen, es sei daher maximal von einer verminderten Schuld-
fähigkeit auszugehen. Die weiteren Indizien würden sodann, wenn überhaupt, nicht 
auf eine starke Einschränkung der Schuldfähigkeit hinweisen.

Die Verteidigung entgegnet hierzu im Wesentlichen, dass nicht nur der objektive 
Wert für die Anwendung von Art. 172ter StGB massgebend sei, sondern, was sich 
die Beschuldigte subjektiv erhofft habe zu erbeuten. Sofern der Beschuldigten volle 

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Zurechnungsfähigkeit zugesprochen werde, sei zu berücksichtigen, dass die Hand-
tasche draussen vor dem Pub hinterlegt worden sei und es der Beschuldigten si-
cherlich nicht um die Tasche oder deren Inhalt, sondern höchstens um das Bargeld 
aus dem Portemonnaie gegangen sei. Es sei lebensfremd anzunehmen, dass sich 
eine betrunkene, über 50-jährigen Frau, welche von Sozialhilfe lebe, einen Betrag 
von über CHF 300.00 erhofft habe. Es sei denn auch keineswegs üblich, mehr als 
CHF 300.00 Bargeld in seinem Portemonnaie im Ausgang zu haben. Schliesslich 
sei davon auszugehen, dass bei der Beschuldigten im Zeitpunkt des angeblichen 
Diebstahls eine BAK von rund 3 Gewichtspromille vorgelegen habe, womit sie nicht 
mehr schuldfähig und gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe freizu-
sprechen sei.

Für weitergehende Ausführungen wird auf die jeweiligen Eingaben der Parteien 
verwiesen.

9.2 Rechtliche Ausführungen zu Art. 139 Ziff. 1 StGB / Art. 172ter aStGB

Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich 
oder einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern, macht sich des Diebstahls 
schuldig. Subjektiv erfordert der Tatbestand des Diebstahls vorsätzliches, d.h. 
gemäss Art. 12 aStGB wissentliches und willentliches Handeln sowie eine Aneig-
nungs- und unrechtmässige Bereicherungsabsicht (Art. 139 Ziff. 1 aStGB). Richtet 
sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert oder auf einen geringen Scha-
den, so wird der Täter, auf Antrag, mit Busse bestraft (Art. 172ter aStGB). Der ge-
ringe Wert/Schaden ist ein gewöhnliches objektives Tatbestandsmerkmal. Das 
Bundesgericht hat die objektive Grenze für den geringen Vermögenswert oder 
Schaden auf je CHF 300.00 festgesetzt, und zwar unabhängig von der Person und 
den Verhältnissen des jeweiligen Opfers (WEISSENBERGER, Basler Kommentar 
Strafgesetzbuch/Jugendstrafgesetz, 4. Aufl. 2019, Art. 172ter StGB N 29). Liegt die 
Deliktssumme unter dem Grenzwert von CHF 300.00, scheidet eine Privilegierung 
nach Art. 172ter StGB allerdings aus, wenn der Vorsatz des Täters auf eine den 
Grenzwert übersteigende Summe gerichtet war (WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 
172ter StGB N 37). Insbesondere bei Taschen- und Einbruchdiebstählen ist gemäss 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne konkrete Gegenanzeichen in der Regel 
davon auszugehen, dass der Täter möglichst viel erbeuten wollte und einen De-
liktsbetrag von über CHF 300.00 zumindest in Kauf nahm (Urteile des Bundesge-
richts 6B_158/2018 vom 14. Juni 2018 E. 2.2; 6B_1250/2014 vom 29. September 
2015 E. 3.3; BGE 123 IV 197 E. 2c). Art. 172ter aStGB kann aber Anwendung fin-
den, wenn der Täter weiss, dass das Opfer weniger als CHF 300.00 auf sich trägt, 
oder wenn er nur einen bestimmten Gegenstand von geringem Wert entwenden 
will (BGE 123 IV 197 E. 2c, WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 172ter N 40).

9.3 Subsumtion

Aufgrund des Beweisergebnisses ist erstellt, dass die Beschuldigte der Geschädig-
ten die Handtasche entwendet, das Portemonnaie daraus entfernt und die Handta-
sche daraufhin in einem Blumenbeet vor dem Pub hinterlassen hat. Beim besagten 
Portemonnaie (inkl. Inhalt), welches später von der Polizei auf dem Beifahrersitz 
neben der Beschuldigten aufgefunden wurde, ist von einem Deliktswert von mind. 

https://www.swisslex.ch/doc/aol/5faf2c27-f161-46fc-81ee-1668643f2c87/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link

25

CHF 220.50 auszugehen (pag. 95). Bei der Handtasche inkl. des sich darin befind-
lichen Portemonnaies handelt es sich unbestrittenermassen um fremde bewegliche 
Sachen, welche die Beschuldigte – gemäss Beweisergebnis – der Geschädigten 
weggenommen hat. Dabei wurde der Gewahrsam der geschädigten Person an der 
Handtasche inkl. Portemonnaie gebrochen und – wenn an der Handtasche auch 
nur vorübergehend – eigener Gewahrsam begründet. Die objektiven Tatbestands-
voraussetzungen von Art. 139 Ziff. 1 aStGB sind nach dem Gesagten als erfüllt zu 
betrachten. Die Vorinstanz hat sich im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung vorbehalten, den besagten Diebstahl unter dem Aspekt der Geringfügig-
keit im Sinne von Art. 172ter aStGB zu würdigen (pag. 258) und das Verfahren 
diesbezüglich sodann eingestellt, da die Geschädigte im Rahmen ebendieser Ver-
handlung ihren Strafantrag zurückgezogen hat (pag. 261). Die Einstellung erfolgte, 
wie die Generalstaatsanwaltschaft richtigerweise vorbringt, allerdings zu Unrecht. 

Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis immer wieder festgehalten, dass ins-
besondere bei Taschen- und Einbruchdiebstählen ohne konkrete Gegenanzeichen 
in der Regel davon auszugehen ist, dass der Täter möglichst viel erbeuten wollte 
und einen Deliktsbetrag von über CHF 300.00 zumindest in Kauf nahm (Urteile des 
Bundesgerichts 6B_158/2018 vom 14. Juni 2018 E. 2.2;  6B_1250/2014 vom 
29.  September 2015 E. 3.3). Entgegen der (impliziten) vorinstanzlichen Auffassung 
besteht auch heute kein Grund, von dieser Rechtsprechung abzuweichen, zumal 
die von der Beschuldigten geltend gemachten situativen Gegebenheiten (Alkohol-
pegel, Alter und finanzielle Verhältnisse, keine einschlägigen Vorstrafen) nicht als 
konkrete Gegenindizien zu genügen vermögen (BGE 123 IV 197 E. 2c). Zwar las-
sen sich kaum genaue Aussagen darüber treffen, wieviel Bargeld Personen in ei-
nem Pub bzw. einer Bar mit sich tragen und es ist ebenfalls davon auszugehen, 
dass bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs vermehrt elektronische Zahlungs-
mittel (Kreditkarten und dergleichen) eingesetzt werden. Ein grosser Teil der Be-
völkerung hält aber zumindest bei der Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen 
des alltäglichen Bedarfs und im Rahmen seiner abendlichen Freizeitbeschäftigun-
gen (wie etwa beim Besuch von Bars und Pubs) an der Verwendung von Bargeld 
fest. Dass jemand in seiner Handtasche bzw. seinem Portemonnaie mehr als 300 
Franken mitführt, erscheint deshalb nach wie vor nicht aussergewöhnlich. Jeden-
falls ist nicht anzunehmen, dass die Chance für einen Dieb, mehr als 300 Franken 
in einem Portemonnaie zu finden (insbesondere, wenn sich dieses in einer Handta-
sche befindet, welche ebenfalls entwendet wird), generell derart gering ist, dass 
von einem Vorsatz auf einen diese Summe übersteigenden Deliktsbetrag nicht 
ausgegangen werden kann. Zudem ist sowohl bei einer Handtasche als auch bei 
einem Portemonnaie an sich ebenfalls von einem gewissen (Sach-)Wert auszuge-
hen. Diese Überlegungen gelten auch für den vorliegenden Fall. Es ist damit davon 
auszugehen, dass die Beschuldigte mit der Wegnahme der Handtasche inkl. des 
sich darin befindlichen Portemonnaies eventualvorsätzlich einen Deliktsbetrag von 
über CHF 300.00 in Kauf genommen hat. Damit bestand im Zeitpunkt dieser Weg-
nahme eine Aneignungsabsicht (Tasche bzw. entsprechender Inhalt) und es lag ei-
ne (auf über CHF 300.00 ausgerichtete) Bereicherungsabsicht der Beschuldigten 
vor, die darauf abzielte, sich selbst durch den Diebstahl besserzustellen bzw. sich 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/88e82f15-4fe4-44ff-8174-c89f64b5d861/citeddoc/529ff0a4-8733-4159-84dc-92156f972815/source/document-link

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einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Entsprechend sind auch die subjektiven 
Tatbestandsmerkmale von Art. 139 Ziff. 1 aStGB erfüllt.

9.4 Rechtfertigungsgründe und Schuldfähigkeit

Es sind keine Rechtfertigungsgründe ersichtlich. Zu prüfen ist weiter die von der 
Beschuldigten vorgebrachte Schuldunfähigkeit.

War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat eizusehen oder 
gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1 aStGB). 
Handelte der Täter im Zustand einer verminderten Schuldfähigkeit, so mildert das 
Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 aStGB). Nach der Rechtsprechung liegt zwar bei 
einer Blutalkoholkonzentration über 3 Promille in der Regel Schuldunfähigkeit und 
ab 2 Promille grundsätzlich verminderte Schuldfähigkeit vor. Dabei handelt es sich 
allerdings um eine Faustregel. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beurtei-
lung der Schuldfähigkeit keine ausschlaggebende Bedeutung zu. Sie bietet ledig-
lich eine ungefähre Orientierungshilfe (BGE 117 IV 292 E. 2d, BGE 119 IV 120 E. 
2b, BGE 122 IV 49 E. 1b). Vorrang haben stets konkrete Feststellungen über Alko-
holisierung oder Nüchternheit. Allein aus den Werten der Blutalkoholkonzentration 
lässt sich somit das Ausmass einer alkoholtoxischen Beeinträchtigung nicht ablei-
ten. Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung von Einsichts- oder Steuerungs-
fähigkeit ist mithin der psycho-pathologische Zustand (der Rausch), und nicht des-
sen Ursache, die Alkoholisierung, die sich in der Blutalkoholkonzentration wider-
spiegelt. Es besteht eine erhebliche Variabilität, die von der konkreten Situation, 
der Alkoholgewöhnung und weiteren Umständen abhängt (Urteil des Bundesge-
richts 6B_957/2016 bzw. 6B_1022/2016 vom 22. März 2017 E. 3.3; BGE 122 IV 49 
E. 1b; Urteil 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.2, nicht publ. in BGE 141 IV 
34; je mit Hinweisen). Folgt aus dem täterschaftlichen Verhalten vor, während und 
nach der Tat, dass ein Realitätsbezug vorhanden ist, sodass sich der Täter an 
wechselnde Anforderungen der Situation anpassen kann, ist nicht von einer derart 
schweren Beeinträchtigung auszugehen (BGE 133 IV 147 f., Urteil des Bundesge-
richts 6B_254/2014 E.5.2 vom 18. August 2014).

Das IRM nahm im Rahmen der forensisch-toxikologischen Alkoholbestimmung vom 
21. April 2017 eine Rückrechnung zur Bestimmung der minimalen und maximalen 
BAK der Beschuldigten im Ereigniszeitpunkt vor. Ausgehend von einem Trinkende 
von 23:20 Uhr und einer Ereigniszeit von 23:55 Uhr errechnete das IRM für das 
«Ereignis» (Fluchtfahrt) für die Beschuldigte eine Blutalkoholkonzentration von 
mind. 2.93 Gewichtspromille und max. 3.80 Gewichtspromille. Der nunmehr zu be-
urteilende Diebstahl erfolgte kurz vor oder spätestens kurz nach Trinkende und 
damit vor Abschluss der Resorptionsphase. Wie die Generalstaatsanwaltschaft 
richtigerweise festhält, ist es daher nicht zulässig, ausgehend vom gemessenen 
Blutalkohol rückwärts je Stunde 0,1 bis 0,2 Gewichtspromille dazuzurechnen. Es 
kann sodann auch nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob und in welchem Masse 
die Beschuldigte nach dem Diebstahl noch Alkohol konsumierte. Diesfalls müsste 
für eine entsprechende Berechnung die Alkoholmenge des sogenannten 
«Nachtrunks» ermittelt und von den festgestellten Werten der BAK abgezogen 
werden (vgl. Weisungen des Bundesamts für Strassen [ASTRA] vom 2. August 
2016 betreffend die Feststellung der Fahrunfähigkeit im Strassenverkehr, Anhang 

https://www.swisslex.ch/doc/aol/4b54f31b-82db-47ba-b79d-a95559167648/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/4b54f31b-82db-47ba-b79d-a95559167648/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/1ca03166-5bf2-409d-bbb5-74bbb7104dbc/citeddoc/da8ba715-0293-49b7-a14e-187c1f6564bb/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/72e7c068-2022-4271-8752-6e2fac2c264a/citeddoc/fe300431-e246-4650-96cf-382db4bbdb31/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/72e7c068-2022-4271-8752-6e2fac2c264a/citeddoc/fe300431-e246-4650-96cf-382db4bbdb31/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/0b4d532b-7724-4bcb-897b-561386ba3044/citeddoc/9e66b5b4-bdcf-4ea8-b82a-2d8c3a6c159a/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/0b4d532b-7724-4bcb-897b-561386ba3044/citeddoc/1e7b7235-a2cc-461d-a05b-89a6ff891a74/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/0b4d532b-7724-4bcb-897b-561386ba3044/citeddoc/1e7b7235-a2cc-461d-a05b-89a6ff891a74/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f2d9460-b379-4a63-bc5e-978f3abdb014/citeddoc/eae2ddb4-8b6f-4508-b764-2b7aaf952acc/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2117c274-ac0c-450c-8e4b-f5621d11733b/citeddoc/d9570b21-6079-4f0d-b8d7-6aca01759961/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2117c274-ac0c-450c-8e4b-f5621d11733b/citeddoc/d9570b21-6079-4f0d-b8d7-6aca01759961/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/48c6eb92-f5ec-4915-9c7a-9c2a3514c1f8/citeddoc/95b32e4a-39f1-4a10-91ad-fa9202da2cbc/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/c64c0af5-c006-4f85-8cb2-564477525ecd/citeddoc/2df18241-6075-4d2c-aa73-64bb10a68cad/source/document-link

27

3, Ziff. 3.4 und 4). Solches lässt sich zum heutigen Zeitpunkt allerdings nicht mehr 
eruieren. Selbst wenn sich die vom IRM festgestellten Werte (von welchen in dubio 
nunmehr auch für den Diebstahl auszugehen ist) überwiegend in einem über 3 
Gewichtspromille liegenden Bereich befinden (mind. 2.93 Gewichtspromille / max. 
3.80 Gewichtspromille), kann von aufgehobener Schuldfähigkeit der Beschuldigten 
aber nicht die Rede sein. Die Beschuldigte muss als geübte Trinkerin gelten. Hier-
für spricht zunächst, dass sie in der Lage war, die Handtasche der Geschädigten 
unbemerkt bzw. in einem günstigen Moment zu entwenden und einzuschätzen, 
was sich Wertvolles (Portemonnaie) darin befindet bzw. den Rest zu deponieren. 
Weiter war es der Beschuldigten auch möglich, das Pub bzw. dessen Parkplatz in 
ihrem Fahrzeug zu verlassen und im Rahmen ihrer anschliessenden Fluchtfahrt die 
Umwelt doch noch in nicht unerheblichem Masse wahrzunehmen. So war ihr – 
gemäss eigenen Angaben – etwa bewusst, dass sie – bei Anhaltung durch die Po-
lizei – Massnahmen zu erwarten hatte. Weiter nahm sie auch das Blaulicht und die 
Sirene wahr und empfand das Überholen der Polizei als «Bedrängen» (pag. 83, Z. 
41 ff.). Hinzu kommt weiter, dass die Beschuldigte im Zeitpunkt der Blutentnahme – 
wo sie notabene eine BAK von 3.04 Gewichtspromille aufwies (Vertrauensbereich 
2.88 Gewichtspromille bis 3.20 Gewichtspromille) – bei klarem Bewusstsein war, 
zwar leicht schwankte, hinsichtlich der Sprache, dem Verhalten und weiteren 
Merkmalen demgegenüber keine besonderen Auffälligkeiten zeigte. Insofern wurde 
der Beeinträchtigungsgrad nach Einschätzung des behandelnden Arztes denn 
auch nicht als «deutlich», sondern als «mittel» eingeschätzt (pag. 78). Nach dem 
Gesagten geht auch die Kammer davon aus, dass von einer Schuldunfähigkeit 
nicht die Rede sein kann. Zumindest eine marginale verschuldensmindernde Wir-
kung kann dem Alkoholkonsum der Beschuldigten aber nicht abgesprochen wer-
den. Diese wird allerdings im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen sein 
(vgl. Ziff. 14.2, 15.2, 17.1 und 18.1 hiernach).

10. Fazit

Nach dem Gesagten steht fest, dass sich die Beschuldigte des Diebstahls im Sinne 
von Art. 139 Ziff. 1 aStGB schuldig gemacht hat.

IV. Strafzumessung

11. Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-
ten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst 
nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn 
dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnor-
men ist nach der sog. konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende 
Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzu-
stellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das 
alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist aus-
geschlossen. Hat der Täter mehrere selbständige strafbare Handlungen begangen, 

28

so ist in Bezug auf jede einzelne Handlung gesondert zu prüfen, ob das alte oder 
das neue Recht milder ist. Gegebenenfalls ist eine Gesamtstrafe zu bilden (BGE 
134 IV 82, S. 88, E. 6.2.1 und 6.2.3). Ausschlaggebend ist, nach welchem der bei-
den Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt (vgl. 
zum Ganzen Trechsel/Vest, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 3. Aufl. 
2018, N 11 zu Art. 2 StGB mit Hinweisen; Donatsch, Schweizerisches Strafgesetz-
buch, 19. Aufl., S. 34 N 10 sowie BGE 126 IV 5 S. 8 – je mit Hinweisen). Vorlie-
gend hat die Beschuldigte sämtliche Delikte (auch die rechtskräftigen) vor Inkraft-
treten des Strafgesetzbuches in der Fassung vom 1. Januar 2018 begangen, die 
Beurteilung erfolgt aber erst nachher. 

Mit den neu in Kraft getretenen Änderungen des Sanktionenrechts sollte vor allem 
der Anwendungsbereich der Geldstrafe eingeschränkt und derjenige der Freiheits-
strafe ausgeweitet werden. In diesem Zuge wurde das gesetzliche Höchstmass der 
Geldstrafe von 360 auf 180 Tagessätze reduziert. Sodann wurde mit der Ein-
führung des neuen Rechts Art. 46 Abs. 1 aStGB dahingehend geändert, dass das 
Gericht bei Widerruf der bedingten ausgesprochenen Strafe zwingend eine Ge-
samtstrafe zu bilden hat, sofern Gleichartigkeit der Strafarten vorliegt. Wie nachfol-
gend zu sehen sein wird, kommt die (Gesamt-)Strafe genau bei dem mit neuem 
Recht eingeführten Maximalwert der Geldstrafe zu liegen (vgl. Ziff. 20 hiernach). 
Sodann wird die mit Urteil vom 18. Juli 2016 bedingt ausgesprochene Strafe nicht 
widerrufen (vgl. Ziff. 21.3 hiernach). Weil beide Gesetzesversionen damit zu einer 
gleichwertigen Strafe führen, sind integral die im Tatzeitpunkt geltenden alten Be-
stimmungen des StGB (aStGB) anzuwenden (Art. 2 Abs. 2 StGB e contrario).

12. Allgemeine Grundlagen zur Strafzumessung

Für die allgemeinen Grundlagen zur Strafzumessung und insbesondere der Ge-
samtstrafenbildung kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(S. 34 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 335 f.).

Ergänzend ist festzuhalten, dass die Richtlinien für die Strafzumessung des Ver-
bands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte 
(VBRS) zur Orientierung bei der Strafzumessung dienen. Diese sind in der zum 
Tatzeitpunkt geltenden Fassung vom 1. Juli 2015 zu berücksichtigen.

13. Methodik im vorliegenden Fall

Folgende Delikte sind in die oberinstanzliche Strafzumessung miteinzubeziehen: 
Führen eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand (rechtskräftig), Fahren 
ohne Berechtigung (rechtskräftig), grobe Verkehrsregelverletzung durch ungenü-
gendes Rechtsfahren (rechtskräftig), versuchte Vereitelung von Massnahmen zur 
Feststellung der Fahrunfähigkeit (rechtskräftig) sowie Diebstahl. Bereits an dieser 
Stelle kann vorweggenommen werden, dass die Kammer für die hiervor genannten 
Schuldsprüche einzig eine Geldstrafe als angemessene und zweckmässige Sank-
tion erachtet (vgl. auch Ziff. 21.1 hiernach). Das Asperationsprinzip gemäss Art. 49 
Abs. 1 aStGB gelangt somit zur Anwendung.

Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist zunächst die schwerste 
Straftat anhand der abstrakten Strafandrohung zu bestimmen und alsdann die Ein-

29

satzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen (BGE 
144 IV 217 E. 3.5.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_157/2014 vom 26. Januar 2015 
E. 2.2). Die (abstrakt) schwerste Straftat ist vorliegend der Diebstahl mit einer 
Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe (Art. 139 Ziff. 
1 aStGB). In einem zweiten Schritt ist die Einsatzstrafe aufgrund der weiteren 
Schuldsprüche in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 aStGB angemessen zu erhöhen. 
Ist die Einsatzstrafe wesentlich geringer als eine zu asperierende zusätzliche Stra-
fe, ist diese zu einem Grossteil anzurechnen, da ansonsten eine unzulässige Privi-
legierung erfolgt (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, Rz. 507). Es 
sind keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich, aufgrund welcher der ordent-
liche Strafrahmen zu verlassen wäre.

14. Einsatzstrafe für den Diebstahl

14.1 Objektive Tatschwere

Die VBRS-Richtlinien empfehlen für einen einfachen Diebstahl aus einem Elektro-
nikfachgeschäft im Deliktsbetrag von CHF 2‘000.00 sowie für einen Einschleich-
diebstahl (Diebstahl von CHF 1'000.00 aus den Kleidern in einer Garderobe) ein 
Strafmass von 30 Strafeinheiten (VBRS-Richtlinien, S. 47). Objektiv gesehen han-
delt es sich beim vorliegenden Deliktsbetrag – CHF 220.50 – zwar um einen ge-
ringfügigen Fall, der Vorsatz der Beschuldigten war jedoch auf eine den Grenzwert 
von CHF 300.00 übersteigende Summe gerichtet (vgl. Ziff. 9.2 f. hiervor). Es ist 
noch von einer leichten Tatschwere auszugehen. Von einem besonders raffinierten 
Vorgehen kann sodann nicht gesprochen werden. Die Beschuldigte hat die Hand-
tasche der Geschädigten – in einem wohl günstigen Moment – an sich genommen 
und später das Portemonnaie daraus entfernt. Dieses Vorgehen zeugt nicht von ei-
ner erhöhten kriminellen Energie oder einem planmässigen Vorgehen. Die Kammer 
geht vielmehr davon aus, dass sich die Beschuldigte im Verlauf des Abends spon-
tan für den Diebstahl entschieden hat. Von einem in besonderem Masse verwerfli-
chen Vorgehen kann nach dem Gesagten nicht gesprochen werden. Die Kammer 
geht daher von einem leichten Verschulden aus, welches unter den in den VBRS-
Richtlinien aufgeführten Referenzsachverhalten liegt.

14.2 Subjektive Tatschwere

Die Beschuldigte handelte (eventual-)vorsätzlich und einzig aus finanziellen Be-
weggründen. Nach Art. 47 Abs. 2 aStGB bemisst sich das Verschulden schliesslich 
auch danach, wie weit der Täter nach den Umständen in der Lage war, die Gefähr-
dung oder Verletzung der Rechtsgüter zu vermeiden. Nichts für sich ableiten kann 
die Beschuldigte in diesem Zusammenhang aus der geltend gemachten finanziel-
len Notlage. Es ist wohl nicht von der Hand zu weisen, dass die Beschuldigte in 
knappen finanziellen Verhältnissen lebt(e). Eine schwere finanzielle Bedrängnis 
oder eigentliche Notlage, die eine erheblich reduzierte Entscheidungsfreiheit nach 
sich ziehen würde, ist allerdings nicht zu erkennen. Wie bereits erwähnt, wies die 
Beschuldigte im Zeitpunkt der Tat sodann eine beträchtliche Alkoholisierung auf. 
Dass sie aufgrund dessen zumindest leichtgradig beeinträchtigt war (in dem etwa 
ihre Hemmschwelle für den Diebstahl herabgesetzt war), stellt die Kammer daher 
nicht in Abrede. Im Übrigen liegen auch keine Hinweise vor, welche die Vermutung 

30

einer (zumindest) leichten Einschränkung der Schuldfähigkeit umstossen könnten. 
Wie die Verteidigung richtigerweise vorbringt, ist im Rahmen des nunmehr zu beur-
teilenden Diebstahls nicht von einem Fall der sog. «actio libera in causa» (Erläute-
rungen hierzu in Ziff. 15.2 hiernach) gemäss Art. 19 Abs. 4 aStGB auszugehen, 
zumal keine Hinweise darauf bestehen, dass die Beschuldigte bei Trinkbeginn den 
späteren Diebstahl mindestens für ernsthaft möglich gehalten und in Kauf genom-
men hat (vorsätzliche «actio libera in causa») und die fahrlässige Begehung eines 
Diebstahls ohnehin straflos bleibt (Art. 12 Abs. 1 aStGB; BOMMER, Basler Kommen-
tar Strafgesetzbuch/Jugendstrafgesetz, 4. Aufl. 2019, Art. 19 StGB N 112). Nach 
dem Gesagten hat sich die Alkoholisierung im Umfang von 5 Strafeinheiten als 
leicht verschuldensmindernd auszuwirken, womit die Kammer für den Diebstahl 
von einer angemessenen Strafe von 15 Strafeinheiten ausgeht.

14.3 Fazit Einsatzstrafe

Nach dem Gesagten erachtet die Kammer eine Einsatzstrafe von 15 Strafeinhei-
ten als angemessen.

15. Strafe für das Führen eines Motorfahrzeugs in qualifiziert angetrunkenem 
Zustand

15.1 Objektive Tatschwere

Die VBRS-Richtlinien gehen wiederum von einem Referenzsachverhalt aus 
(S. 16): Gutbeleumdeter Beschuldigter besucht mit dem Auto eine Wirtschaft und 
fährt nach Wirtschaftsschluss über eine Strecke von 4 - 8 km nach Hause. Vorstra-
fen: 2-3 Verkehrsübertretungen (ohne FiaZ). In Bezug auf diesen Referenzsach-
verhalt sehen die Richtlinien für Fahren mit qualifizierter Blutalkoholkonzentration 
ab 2.5 Gewichtspromille 110 Strafeinheiten vor. Im Weiteren wird in den VBRS-
Richtlinien unter Vorbemerkungen festgehalten, dass Verurteilungen wegen 
Fahrunfähigkeit (FiaZ, FuD, FuM) sowie Vereitelung wechselseitig als einschlägige 
Vorstrafen zu betrachten seien und ein Wiederholungsfall innert fünf Jahren i.d.R. 
zu einer Verdoppelung der nach den Richtlinien auszusprechenden Strafe führe 
(VBRS-Richtlinien, S. 16). Die einschlägigen Vorstrafen sind nachfolgend allerdings 
erst im Rahmen der Täterkomponenten zu berücksichtigen (vgl. Ziff. 19 hiernach).

Der zu beurteilende Sachverhalt ist nicht gänzlich mit dem Referenzsachverhalt 
vergleichbar. Die Beschuldigte legte vorliegend eine etwas längere Distanz, näm-
lich eine Strecke von ungefähr 20 km (vom Pub in C.________ via O.________ 
und Q.________ nach R.________, S.________ (Strasse)), in alkoholisiertem Zu-
stand zurück. Es entstand vorliegend weder Personen- noch Sachschaden. Zu 
berücksichtigen ist jedoch die qualifizierte Blutalkoholkonzentration von mindestens 
2.93 Gewichtspromille (massgebend ist dabei der rückgerechnete Wert im Tatzeit-
punkt [sog. «Ereignis»] und nicht der minimale Vertrauenswert [2.88 Promille] zum 
Zeitpunkt der Blutentnahme; pag. 76 f.) sowie die Tatsache, dass die Beschuldigte 
in ihrem Fahrzeug noch rund 15 Minuten vor der Polizei flüchtete. Diese Fluchtfahrt 
hatte in jedem Fall eine erhöhte abstrakte Gefährdung zur Folge. Anhaltspunkte für 
eine konkrete Gefährdung bestehen demgegenüber nicht. Im Vergleich zum Refe-
renzsachverhalt der VBRS-Richtlinien liegt hier wegen der zurückgelegten (länge-
ren) Strecke, der Fluchtfahrt und der höheren BAK ein – im Vergleich zum Refe-

31

renzsachverhalt – erhöhtes Verschulden vor. Dieses wird von der Kammer etwas 
stärker gewichtet als von der Vorinstanz. 

15.2 Subjektive Tatschwere

Die Beschuldigte handelte vorsätzlich. Sie war sich ihrer Fahrunfähigkeit nach 
mehreren Gläsern Wein bewusst und wollte dennoch nach Hause fahren. Wie hier-
vor bereits erwähnt (Ziff. 14.2), geht die Kamer von einer leicht verminderten 
Schuldfähigkeit der Beschuldigten am besagten Abend aus. Eine Milderung der 
Strafe gemäss Art. 19 Abs. 2 aStGB ist für das vorliegend zu beurteilende Delikt al-
lerdings nicht angezeigt, zumal die Beschuldigte die Schuldfähigkeit oder die Ver-
minderung der Schuldfähigkeit vermeiden und dabei die in diesem Zustand began-
gene Tat voraussehen konnte (Art. 19 Abs. 4 aStGB, auch «actio libera in causa» 
genannt). Entscheidend bei der actio libera in causa ist, dass der Täter die Wei-
chen für den ins Delikt führenden Geschehensablauf schon in einem Zeitpunkt 
stellt, in dem ihm sein Verhalten zugerechnet werden kann; eine Absicht, im schul-
dunfähigen Zustand zu delinquieren, ist nicht erforderlich (TRECHSEL/JEAN-
RICHARD, Praxiskommentar zum StGB, 3. Aufl. 2017, Art. 19 N 20). Die Unter-
scheidung zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger actio libera in causa richtet sich 
danach, ob zu Beginn der schuldhaften Defektherbeiführung der Täter die spätere 
Tatbegehung mindestens für ernsthaft möglich gehalten und in Kauf genommen 
hat (vorsätzliche), oder ob er auf ihr Ausbleiben vertraut hat oder sie für ihn gar nur 
vorhersehbar war, er sie aber nicht vorhergesehen hat. Die Haftung erfordert, dass 
der Täter im Zeitpunkt der vollen Schuldfähigkeit voraussehen konnte, er werde ein 
bestimmtes Delikt begehen. Nicht notwendig ist, dass der Täter den späteren Ge-
schehensablauf in all seinen Einzelheiten voraussehen konnte. Mindestens in den 
wesentlichen Zügen musste er für ihn aber voraussehbar sein, da er sonst nicht die 
Pflicht haben konnte, sich darauf einzustellen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_58/2012 vom 10. September 2012 E. 5.3; BGE 120 IV 169 E. 2c). Die Beschul-
digte trank an besagtem Abend eine erhebliche Menge Alkohol und war dennoch 
mit einem Personenwagen unterwegs. Sie traf keine Vorkehrungen, um nicht mehr 
selbständig mit dem Fahrzeug nach Hause zu fahren. Der Beschuldigten war bei 
der Menge, welche sie konsumierte, zweifellos bewusst, sich in einen Zustand zu 
versetzen, in welchem sie nicht mehr fahrfähig war («Ich realisierte dabei, dass ich 
total Scheisse gebaut habe»; «und sicher wusste ich auch, dass ich Alkohol kon-
sumiert hatte», pag. 86 Z. 27 ff.; «ich wollte einfach nur nach Hause fahren, es 
wären ja nur 5 Minuten von F.________ nach O.________», pag. 87 Z. 86 f.). Für 
die Beschuldigte war klar voraussehbar, dass sie alkoholisiert fahren würde und 
dass in diesem Zustand Unfälle passieren können. Zweifellos wären der Alkohol-
konsum und die anschliessende Fahrt vermeidbar gewesen. Zusammenfassend 
liegt damit eine vorsätzliche actio libera in causa vor, weshalb der Beschuldigten 
keine Verschuldensmilderung zugestanden werden kann. Die Kammer erachtet 
nach dem Gesagten eine Strafe von 145 Strafeinheiten als angemessen.

15.3 Asperation

Ausgehend von der Einsatzstrafe von 15 Strafeinheiten für den Diebstahl ist nun-
mehr die ausgefällte Strafe für das Führen eines Motorfahrzeugs in qualifiziert an-
getrunkenem Zustand zu asperieren. Da die zu asperierende Strafe in diesem Fall 

32

höher ist als die Einsatzstrafe, würde eine Asperation zu einem Faktor von 2/3 zu 
einer nicht gerechtfertigten Privilegierung führen (MATHYS, a.a.O., N 507). Die 
Kammer rechnet die Strafe für das Führen eines Motorfahrzeugs in qualifiziert an-
getrunkenem Zustand im Umfang von 120 Strafeinheiten an die Einsatzstrafe an.

16. Strafe für das Fahren ohne Berechtigung

16.1 Objektive und subjektive Tatschwere

Die Vorinstanz verweist für die Strafzumessung auf die entsprechenden VBRS-
Richtlinien, welche für das Führen eines Motorfahrzeuges trotz entzogenen 
Führerausweises bzw. trotz untersagter Fahrberechtigung eine Referenzstrafe ab 
18 Strafeinheiten vorsehen. Die Beschuldigte lenkte am fraglichen Abend bzw. in 
der fraglichen Nacht (1. bzw. 2. April 2017) einen Personenwagen, obwohl sie über 
keinen Führerausweis verfügte bzw. ihr dieser bereits vorgängig entzogen wurde 
(pag. 247). Die Beschuldigte setzte sich über diesen Entzug hinweg und verzichte-
te nicht auf das Autofahren. Im Ergebnis ist in Bezug auf das Rechtsgut der Ver-
kehrssicherheit von einem leichten objektiven Verschulden sowie hinsichtlich des 
Rechtsguts des Gehorsams gegenüber amtlichen Anordnungen von einem etwas 
schwerer wiegenden Verschulden auszugehen. Die Beschuldigte handelte vorsätz-
lich. Sie wusste um den Führerausweisentzug. Dennoch entschied sie sich, ein 
Fahrzeug zu lenken und die besagte Strecke von ca. 20 km zurückzulegen. Auch 
wenn die Beschuldigte im massgebenden Zeitraum keine konkrete Unfallgefahr 
bewirkt hat, hat sie durch das Fahren ohne Berechtigung ein Risiko geschaffen, 
welches weder nötig noch sinnvoll gewesen ist und damit ohne Weiteres hätte 
vermieden werden können. Sie gewichtete ihr Interesse am Führen eines Fahr-
zeugs höher als den Verstoss gegen die Rechtsordnung. Insgesamt ist in Bezug 
auf den Strafrahmen noch von einem leichten subjektiven Tatverschulden auszu-
gehen. Die Kammer schliesst sich der Vorinstanz an, wonach – entsprechend dem 
Referenzsachverhalt der VBRS-Richtlinien – von 18 Strafeinheiten ausgegangen 
werden kann.

16.2 Asperation

Von den hiervon erwähnten 18 Strafeinheiten sind rund 10 Strafeinheiten zu aspe-
rieren.

17. Strafe für die grobe Verkehrsregelverletzung durch ungenügendes Rechts-
fahren

17.1 Objektive und subjektive Tatschwere

Die Vorinstanz verweist für die Strafzumessung auf die entsprechenden VBRS-
Richtlinien, welche für grobe Verkehrsregelverletzungen eine Strafe ab 12 Strafein-
heiten vorsehen. Nach den Feststellungen der Vorinstanz ist die Beschuldigte im 
Rahmen ihrer Fluchtfahrt vom 1. bzw. 2. April 2017 ungenügend auf der rechten 
Seite der Strasse gefahren, wobei sie in einer Kurve beinahe einen Unfall verur-
sacht habe, ihr auch andere Verkehrsteilnehmer entgegengekommen seien und die 
Sichtverhältnisse auf besagter Strecke auch geeignet gewesen seien, die Gefähr-
lichkeit der Fahrt zu erhöhen. Auch wenn die Beschuldigte keinen Unfall verursacht 

33

hat, so schuf sie dennoch eine erhebliche (wenn auch abstrakte) Gefahr für andere 
Verkehrsteilnehmer. Dies muss jedoch als tatbestandsimmanent betrachtet wer-
den. Die Beschuldigte handelte mi