# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b385b6b-b6d1-5b29-91ae-c429527a05bf
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.05.2021 SK 2020 259
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-259_2021-05-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
Du canton de Berne

1re Cchambre pénale

Urteil
SK 20 259

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. Mai 2021 

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), Oberrichter Guéra, Oberge-
richtssuppleantin Meyes
Gerichtsschreiberin López

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________

Strafklägerin 1

und

D.________

Strafkläger 2

und

E.________

Strafklägerin 3

und

F.________

2

Strafkläger 4

und

G.________

Strafklägerin 5

und

H.________

Strafkläger 6

und

I.________

Strafklägerin 7

und

J.________

Strafklägerin 8

und

K.________

Strafkläger 9

und

L.________

Strafkläger 10

und

X.________

Strafklägerin 11 

und

M.________

3

Strafkläger 12

und

N.________

Strafklägerin 13

Gegenstand gewerbsmässiger Betrug, Betrug sowie Widerrufs- und Rückver-
setzungsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 13. Februar 2020 (PEN 19 180)

4

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau, Kollegialgericht in Dreierbesetzung, 
fällte am 13. Februar 2020 folgendes Urteil (pag. 4135 ff.):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfach begangen 

1.1. in der Zeit von 11.08.2017 bis 20.10.2017 in 3366 Y.________, z.N. von 37 Geschädigten 
(Gesamtdeliktsbetrag CHF 10‘268.30); sowie

1.2. in der Zeit von 11.05.2018 bis 05.11.2018 in 4539 Z.________, z.N. von 67 Geschädigten 
(Gesamtdeliktsbetrag CHF 16‘753.30);

2. des Betrugs, begangen am 03./04.07.2017 in 3366 Y.________, z.N. von C.________ (Delikts-
betrag CHF 5‘000.00).

II.

Der mit Urteil des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts Bern vom 30.06.2014 für eine Freiheitsstrafe von 
18 Monaten gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen.

Bezüglich der mit Verfügung des Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug vom 12.06.2017 aufgescho-
benen Reststrafe von 2 Monaten und 1 Tag Freiheitsstrafe wird die Rückversetzung in den Strafvollzug 
angeordnet.

III.

A.________ wird

in Anwendung der Art. 2 Abs. 2, 40, 47, 49 Abs. 1, 146 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 426 Abs. 1, 433 Abs. 1 
lit. a StPO

sowie unter Einbezug der seinerzeit bedingt aufgeschobenen und nunmehr zu vollziehenden Sanktio-
nen (gemäss Ziff. II hiervor) im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 und Art. 89 Abs. 1 und 
6 StGB

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Die Untersuchungshaft von 237 Tagen wird im Umfang von 237 Tagen auf die Freiheitsstrafe 
angerechnet.

2. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 34‘344.00 und Aus-
lagen (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 1‘500.00, insgesamt bestimmt auf 
CHF 35‘844.00.

5

Kosten der Untersuchung CHF 26’344.00
Kosten des Gerichts CHF 7’500.00
Kosten Widerrufs- und Rückversetzungsverfahren CHF 500.00
Total CHF 34’344.00

Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 1’500.00
Total CHF 1’500.00

Total Verfahrenskosten CHF 35’844.00

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

3. Zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 44.00 (Auslagen Hauptverhandlung) an die 
Strafklägerin N.________.

IV.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Rechtsanwältin B.________ werden wie folgt bestimmt:

 

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 78.65 200.00 CHF 15’730.00
Reisezuschlag CHF 1’425.00

CHF 3’264.70
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 20’419.70 CHF 1’572.30
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 21’992.00

volles Honorar CHF 18’089.50
Reisezuschlag CHF 1’425.00

CHF 3’264.70
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 22’779.20 CHF 1’754.00
Total CHF 24’533.20

nachforderbarer Betrag CHF 2’541.20

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 21‘992.00. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwältin B.________ die Differenz von CHF 2‘541.20 zwischen der amtlichen Entschädi-
gung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 StPO).

V.

Im Zivilpunkt wird erkannt:

1. Es wird festgestellt, dass A.________ anerkannt hat, 

1.1. der Straf- und Zivilklägerin C.________ einen Betrag von CHF 4‘924.10 (Schadenersatz) zu 
schulden;

1.2. dem Straf- und Zivilkläger D.________ einen Betrag von CHF 500.00 (Schadenersatz) zu 
schulden;

1.3. dem Zivilkläger P.________ einen Betrag von CHF 160.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

6

1.4. der Straf- und Zivilklägerin E.________ einen Betrag von CHF 100.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.5. der Zivilklägerin Q.________ einen Betrag von CHF 200.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.6. dem Zivilkläger R.________ einen Betrag von CHF 690.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.7. dem Straf- und Zivilkläger F.________ einen Betrag von CHF 500.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.8. der Straf- und Zivilklägerin G.________ einen Betrag von CHF 450.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.9. der Zivilklägerin S.________ einen Betrag von CHF 159.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.10.dem Zivilkläger T.________ einen Betrag von CHF 120.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.11.dem Straf- und Zivilkläger H.________ einen Betrag von CHF 600.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.12.dem Zivilkläger U.________ einen Betrag von CHF 150.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.13.dem Zivilkläger V.________ einen Betrag von CHF 220.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.14.der Straf- und Zivilklägerin I.________ einen Betrag von CHF 181.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.15.der Straf- und Zivilklägerin J.________ einen Betrag von CHF 350.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.16.dem Straf- und Zivilkläger K.________ einen Betrag von CHF 225.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.17.dem Zivilkläger W.________ einen Betrag von CHF 300.00 (Schadenersatz) zu schulden;

1.18.der Straf- und Zivilklägerin L.________ einen Betrag von CHF 700.00 (Schadenersatz) zu 
schulden; 

1.19.der Zivilklägerin X.________ einen Betrag von CHF 450.00 (Schadenersatz) zu schulden; 

1.20.dem Straf- und Zivilkläger O.________

2. Soweit weitergehend (darüberhinausgehender Schadenersatz und Genugtuung) werden die Zi-
vilklagen abgewiesen.

3. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden und keine Entschädigungen gesprochen.

VI.

Weiter wird beschlossen:

1. A.________ wird in Sicherheitshaft versetzt. Die Dauer der Sicherheitshaft wird vorerst auf 6 
Monate, d.h. bis 12. August 2020, befristet (Art. 231 Abs. 1 i.V.m. Art. 226 f. StPO).

2. Mit Blick auf die Betreuung des Sohnes der Beschuldigten wird die KESB Oberaargau über die 
Anordnung der Sicherheitshaft benachrichtigt (Art. 274 Abs. 3 StPO).

3. Die KESB Oberaargau wird zudem mit Blick auf eine allfällige Errichtung einer Beistandschaft für 
die Beschuldigte in finanziellen Belangen eingeladen, die Strafakten, namentlich das forensisch-
psychiatrische Gutachten, zu edieren (Art. 75 Abs. 2 StPO).

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4. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN 15 568438 90) nach Ablauf der gesetz-
lichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometri-
scher erkennungsdienstlicher Daten).

5. Schriftlich zu eröffnen:

- den Parteien

Schriftlich mitzuteilen:

- der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv, nach Eintritt der Rechtskraft)
- dem Amt für Justizvollzug, Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD, vorab per Fax)
- der KESB Oberaargau (vorab per Fax)
- dem Kantonalen Wirtschaftsstrafgericht, Gerichtspräsidentin CJ.________, infolge Wider-

rufs des mit Urteil WSG 14 7 vom 13.08.2014 gewährten teilbedingten Vollzugs (nach Eintritt 
der Rechtskraft, unter Rücksendung der edierten Akten)

2. Berufung

Gegen dieses Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau (nachfolgend:    
Vorinstanz) meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigte), amtlich verteidigt 
durch Rechtsanwältin B.________, am 20. Januar 2020 fristgerecht die Berufung an 
(pag. 4191).

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 17. Juni 2020 (pag. 4327 ff.) und 
wurde der Beschuldigten mit Verfügung vom 18. Juni 2020 (pag. 4381 f.) am 19. Juni 
2020 (pag. 4387) zugestellt.

Mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 30. Juni 2020 (pag. 4389 ff.) 
focht die Beschuldigte das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich an, «namentlich in Bezug 
auf die Schuldsprüche des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfach begangen (Urteilsdispositiv Ziff. I/1.) 
und des Betrugs (Urteilsdispositiv Ziff. I/2.), des Widerrufs und der Rückversetzung in den Strafvollzug 
(Urteilsdispositiv Ziff. II), der Bemessung der Strafe (Urteilsdispositiv Ziff. III/1.), der Auferlegung der 
Verfahrenskosten (Urteilsdispositiv Ziff. III/2.) und einer Parteientschädigung an N.________ (Urteils-
dispositiv Ziff. III/3) (pag. 4390). Die Verteidigung der Beschuldigten stellte in der Sache 
folgende Anträge (pag. 4390 ff.):

1. In Abänderung der Ziff. I/1. des Urteilsdispositivs sei das Verfahren in den Fällen von Ziff. 1.1, 
1.2., 1.7, 1.8, 1.9, 1.10, 1.11, 1.12, 1.14, 1.18, 1.20, 1.21, 1.22, 1.23, 1.24, 1.25, 1.26, 1.27, 1.33, 
1.34, 1.42, 1.50, 1.54, 1.63, 1.64, 1.69, 1.71, 1.72, 1.73, 1.74, 1.76, 1.77, 1.78, 1.83, 1.85, 1.86, 
1.87, 1.90, 1.96, 1.97, 1.98, 1.101, 1.102 und 1.103 der Anklageschrift mangels Vorliegens eines 
gültigen Strafantrags einzustellen

sowie

sei die Berufungsführerin in den Fällen von Ziff. 1.3 bis 1.6., 1.13, 1.15, 1.16, 1.17, 1.19, 1.28, bis 
1.32, 1.35 bis 1.41, 1.43 bis 1.49, 1.51 bis 1.53, 1.55 bis 1.62, 1.65, bis 1.68, 1.70, 1.75, 1.79 bis 
1.82, 1.84, 1.88, 1.89, 1.91 bis 1.95, 1.99, 1.100, 1.104 der Anklageschrift freizusprechen vom 
Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfach begangen.

2. In Abänderung von Ziff. I/2. des Urteilsdispositivs sei die Berufungsführerin freizusprechen vom 
Vorwurf des Betrugs (Ziff. I/2.).

8

3. In Abänderung von Ziff. II des Urteilsdispositivs sei auf einen Widerruf des Urteils des Kantonalen 
Wirtschaftsstrafgerichts vom 30. Juni 2014 und auf eine Rückversetzung in den Strafvollzug be-
züglich der Verfügung des Amtes für Straf- und Massnahmevollzug vom 12. Juni 2017 zu verzich-
ten.

4. In Abänderung von Ziff. III/1. sei der Berufungsführerin für die ausgestandene Untersuchungshaft, 
die anschliessend an die Hauptverhandlung vor erster Instanz verfügte Sicherheitshaft sowie die 
weitere durch das Verfahren hervorgerufene Verletzung ihrer persönlichen Verhältnisse eine Ge-
nugtuung in noch zu beziffernder Höhe auszurichten.

5. In Abänderung von Ziff. III/2. und Ziff. III/3. des Urteilsdispositivs seien die Verfahrenskosten sowie 
die Parteientschädigung an N.________ dem Staat aufzuerlegen.

6. In Abänderung von Ziff. VI/1. sei die Berufungsführerin aus der Sicherheitshaft zu entlassen.

Eventualiter

7. In Abänderung der Ziff. I/1. des Urteilsdispositivs sei das Verfahren in den Fällen von Ziff. 1.1, 
1.2., 1.7, 1.8, 1.9, 1.10, 1.11, 1.12, 1.14, 1.18, 1.20, 1.21, 1.22, 1.23, 1.24, 1.25, 1.26, 1.27, 1.33, 
1.34, 1.42, 1.50, 1.54, 1.63, 1.64, 1.69, 1.71, 1.72, 1.73, 1.74, 1.76, 1.77, 1.78, 1.83, 1.85, 1.86, 
1.87, 1.90, 1.96, 1.97, 1.98, 1.101, 1.102 und 1.103 der Anklageschrift mangels Vorliegens eines 
gültigen Strafantrags einzustellen

sowie

sei die Berufungsführerin in den Fällen von Ziff. 1.3 bis 1.6., 1.13, 1.15, 1.16, 1.17, 1.19, 1.28, bis 
1.32, 1.35 bis 1.41, 1.43 bis 1.49, 1.51 bis 1.53, 1.55 bis 1.62, 1.65, bis 1.68, 1.70, 1.75, 1.79 bis 
1.82, 1.84, 1.88, 1.89, 1.91 bis 1.95, 1.99, 1.100, 1.104 der Anklageschrift von der gewerbsmäs-
sigen und mehrfachen Begehung des Betrugs freizusprechen.

8. In Abänderung von Ziff. III/1. sei die angeordnete Freiheitsstrafe von 30 Monaten entsprechend 
herabzusetzen.

9. In Abänderung von Ziff. III/2. und Ziff. III/3. seien die Verfahrenskosten und die Parteientschädi-
gung an N.________ entsprechend verhältnismässig auf den Staat bzw. die Berufungsführerin zu 
verlegen.

Subeventualiter

10. In Abänderung von Ziff. III/1. sei die angeordnete Freiheitsstrafe von 30 Monaten angemessen 
herabzusetzen und es sei der Berufungsführerin für die ausgestandene Untersuchungshaft, die 
anschliessend an die Hauptverhandlung vor erster Instanz verfügte Sicherheitshaft sowie die wei-
tere durch das Verfahren hervorgerufene Verletzung ihrer persönlichen Verhältnisse eine Genug-
tuung in noch zu beziffernder Höhe auszurichten.

- Unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

Unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 2. Juli 2020 (pag. 4409 ff.) teilte die Ge-
neralstaatsanwaltschaft mit Schreiben vom 7. Juli 2020 (pag.4432 f.) einerseits mit, 
dass kein Nichteintreten auf die Berufung der Beschuldigten beantragt werde. Ande-
rerseits wurde Anschlussberufung erhoben mit folgenden Anträgen:

1. A.________ sei in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils schuldig zu erklären 

1.1. des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfach begangen

9

1.1.1. in der Zeit vom 11. August 2017 bis 20. Oktober 2017 in Y.________ z. N. von 37 
Geschädigten (Gesamtdeliktsbetrag: CHF 10'268.30); sowie

1.1.2. in der Zeit vom 11. Mai 2018 bis 5. November 2018 in Z.________ z. N. von 67 Ge-
schädigten (Gesamtdeliktsbetrag CHF 16’753.30);

1.2. des Betrugs, begangen am 3./4. Juli 2017 in Y.________, z. N. von C.________ (Deliktsbe-
trag: CHF 5’000.00).

2. Der mit Urteil des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts Bern vom 30. Juni 2014 für eine Freiheits-
strafe von 18 Monate gewährte bedingte Vollzug sei zu widerrufen.

3. Bezüglich der mit Verfügung des Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug von 12. Juni 2017 
aufgeschobenen Reststrafe von zwei Monaten und einem Tag Freiheitsstrafe sei die Rückverset-
zung in den Strafvollzug anzuordnen.

4. A.________ sei in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen sowie unter Einbezug der sei-
nerzeit bedingt aufgeschobenen und nunmehr zu vollziehenden Sanktionen im Sinne einer Ge-
samtstrafe zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten. Die ausgestandene Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft sei an die Freiheitsstrafe anzurechnen.

5. Ihr seien die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten aufzuerlegen.

Gestützt auf die Verfügung vom 7. August 2020 (pag. 4444 ff.) erklärte die Beschul-
digte mit Schreiben vom 27. August 2020 (pag. 4454), dass kein Nichteintreten auf 
die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft beantragt werde.

3. Gang des oberinstanzlichen Verfahrens inkl. Verlängerung und Entlassung 
aus der Sicherheitshaft

Mit Schreiben vom 24. Februar 2020 (pag. 4199) stellte die Beschuldigte ein Gesuch 
um Wechsel der amtlichen Verteidigung. Mit Verfügung vom 27. April 2020 (pag. 
4233) wies der Vorsitzende der Vorinstanz den entsprechenden Antrag der Beschul-
digten ab (pag. 4234). Weiter wurde mit Beschluss der Beschwerdekammer des 
Obergerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020 (pag. 4298 ff.) die Rechtsverzö-
gerungsbeschwerde der Beschuldigten vom 19. Mai 2020 abgewiesen (pag. 4304). 

Die Verfahrensleitung verfügte am 14. Juli 2020 den Verbleib der Beschuldigten in 
Sicherheitshaft (pag. 25 ff. der Akten betreffend Verlängerung Sicherheitshaft SK 20 
276). Dagegen führte die Beschuldigte erfolgreich Beschwerde beim Bundesgericht: 
Mit Urteil 1B_406/2020 vom 28. August 2020 (pag. 73 ff. der Akten betreffend Ver-
längerung Sicherheitshaft) hob das Bundesgericht die Verfügung der Verfahrenslei-
tung des Obergerichts des Kantons Bern vom 14. Juli 2020 auf und wies die Sache 
zum neuen Entscheid im Sinne der Erwägungen an den Verfahrensleiter zurück 
(pag. 91 der Akten betreffend Verlängerung Sicherheitshaft).

Daraufhin wurde das Verfahren betreffend Verlängerung Sicherheitshaft (SK 20 389) 
mit Verfügung vom 2. September 2020 wieder aufgenommen (pag. 95 f.) und den 
betroffenen Parteien das rechtliche Gehör gewährt. Mit Haftentscheid vom 15. Sep-
tember 2020 wurde die Beschuldigte aus der Sicherheitshaft entlassen (pag. 147 der 
Akten betreffend Verlängerung der Sicherheitshaft). 

10

Nachdem gestützt auf die Verfügung vom 7. Oktober 2020 (pag. 4474 ff.) keine Ein-
wände vorgebracht worden sind, wurde mit Beschluss vom 12. November 2020 u.a. 
Folgendes erkannt (pag. 4511 ff.):

1. […]

2. Es wird festgestellt, dass Ziff. V (Zivilpunkt) des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaar-
gau vom 13. Februar 2020 in Rechtskraft erwachsen ist, als:

a. die Beschuldigte/Berufungsführerin anerkannt hat:

1.1. der Straf- und Zivilklägerin C.________ einen Betrag von CHF 4‘924.10 (Schadener-
satz) zu schulden;

1.2. dem Straf- und Zivilkläger D.________ einen Betrag von CHF 500.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.3. dem Zivilkläger P.________ einen Betrag von CHF 160.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.4. der Straf- und Zivilklägerin E.________ einen Betrag von CHF 100.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.5. der Zivilklägerin Q.________ einen Betrag von CHF 200.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.6. dem Zivilkläger R.________ einen Betrag von CHF 690.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.7. dem Straf- und Zivilkläger F.________ einen Betrag von CHF 500.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.8. der Straf- und Zivilklägerin G.________ einen Betrag von CHF 450.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.9. der Zivilklägerin S.________ einen Betrag von CHF 159.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.10.dem Zivilkläger T.________ einen Betrag von CHF 120.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.11.dem Straf- und Zivilkläger H.________ einen Betrag von CHF 600.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.12.dem Zivilkläger U.________ einen Betrag von CHF 150.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.13.dem Zivilkläger V.________ einen Betrag von CHF 220.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.14.der Straf- und Zivilklägerin I.________ einen Betrag von CHF 181.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.15.der Straf- und Zivilklägerin J.________ einen Betrag von CHF 350.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

11

1.16.dem Straf- und Zivilkläger K.________ einen Betrag von CHF 225.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.17.dem Zivilkläger W.________ einen Betrag von CHF 300.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.18.der Straf- und Zivilklägerin L.________ einen Betrag von CHF 700.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

1.19.der Zivilklägerin X.________ einen Betrag von CHF 450.00 (Schadenersatz) zu schul-
den;

1.20.dem Straf- und Zivilkläger O.________ einen Betrag von CHF 450.00 (Schadenersatz) 
zu schulden;

b. soweit weitergehend (darüberhinausgehender Schadenersatz und Genugtuung) die Zivilkla-
gen abgewiesen wurden;

c. für den Zivilpunkt keine Kosten ausgeschieden und keine Entschädigungen gesprochen wur-
den.

d. Die neun Zivilklägerinnen und Zivilkläger werden aus dem oberinstanzlichen Verfahren ent-
lassen (ohne Kostenfolgen zu ihren Lasten).

e. Die bisherigen Straf- und Zivilklägerinnen und -kläger werden bloss noch als Strafklägerin-
nen und -kläger im Verfahren belassen.

f. […]

4. Beweisergänzungen

Mit Berufungserklärung vom 30. Juni 2020 stellte Rechtsanwältin B.________ fol-
gende Beweisanträge (pag. 4392): 

1. Es sei das Lohnblatt 2017 und die Lohnabrechnungen Oktober 2017, Dezember 2017, April 2018 
und August 2018 zu den Akten zu erkennen. 

2. Es sei der Betreibungsregisterauszug vom 15. Juni 2020 zu den Akten zu erkennen. 

Nachdem die Parteien Gelegenheit erhalten hatten zu den Beweisanträgen der Ver-
teidigung Stellung zu nehmen, wurden die Beweisanträge gutgeheissen und die ein-
gereichten Unterlagen (Lohnblatt 2017; Lohnabrechnungen 10/2017, 12/2017, 
04/2018 und 08/2018; Betreibungsregisterauszug vom 15. Juni 2020) zu den Akten 
erkannt (pag. 4444 ff.). 

Von Amtes wegen wurden oberinstanzlich ein aktueller Strafregisterauszug (datie-
rend vom 9. April 2021 [pag. 4557 ff.]), ein aktueller Leumundsbericht (datierend vom 
7. April 2021 [pag. 4562 ff.]) inkl. Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse (ein-
schliesslich Betreibungsregisterauszug vom 19. März 2021) sowie ein Führungsbe-
richt beim Regionalgefängnis Bern vom 24. Dezember 2020 (bis Entlassung vom 15. 
September 2020; pag. 4528) über die Beschuldigte eingeholt. 

Überdies wurden mit Verfügung vom 30. April 2021 die von der Verteidigung mit 
Eingabe vom 29. April 2021 eingereichten Unterlagen (Arbeitsvertrag vom 27. Okto-
ber 2020, Lohnabrechnungen und Lohnausweis vom November 2020 bis April 2021; 
pag. 4562 ff.) zu den Akten erkannt (pag. 4573 ff.). 

12

Schliesslich wurde die Beschuldigte in der oberinstanzlichen Verhandlung ergän-
zend zur Person und zur Sache einvernommen.

5. Anträge der Parteien

5.1. der Beschuldigten

Die Verteidigung verwies oberinstanzlich in ihrem Parteivortrag (pag. 4591) auf die 
bereits eingereichten Anträge respektive auf die Berufungserklärung vom 30. Juni 
2020 (pag. 4390 ff.). Infolge der Entlassung der Beschuldigten aus der Sicherheits-
haft entfalle aber Ziff. 6 ihrer Anträge. Im Weiteren bezifferte sie mit Verweis auf Ziff. 
4 der Berufungserklärung die Genugtuungssumme auf CHF 46'300.00.

5.2. der Generalstaatsanwaltschaft

Die oberinstanzlich eingereichten Anträge der Generalstaatsanwaltschaft lauten wie 
folgt (pag. 4604; Hervorhebungen im Original):

I.

A.________ sei schuldig zu erklären

1. des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfach begangen

1.1 in der Zeit vom 11. August 2017 bis 20. Oktober 2017 in Y.________ z. N. von 37 
Geschädigten (Gesamtdeliktsbetrag: CHF 10'268.30); sowie

1.2. in der Zeit vom 11. Mai 2018 bis 5. November 2018 in Z.________ z. N. von 67 Ge-
schädigten (Gesamtdeliktsbetrag CHF 16’753.30);

2. des Betrugs, begangen am 3./4. Juli 2017 in Y.________, z. N. von C.________ (Deliktsbe-
trag: CHF 5’000.00).

II.

Der mit Urteil des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts Bern vom 30. Juni 2014 für eine Freiheitsstrafe 
von 18 Monate gewährte bedingte Vollzug sei zu widerrufen.

Bezüglich der mit Verfügung des Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug von 12. Juni 2017 aufge-
schobenen Reststrafe von zwei Monaten und einem Tag Freiheitsstrafe sei die Rückversetzung in den 
Strafvollzug anzuordnen.

III.

A.________ sei in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen sowie unter Einbezug der seinerzeit 
bedingt aufgeschobenen und nunmehr zu vollziehenden Sanktionen im Sinne einer Gesamtstrafe zu 
verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten. Die ausgestandene Untersuchungs- und Sicher-
heitshaft sei an die Freiheitsstrafe anzurechnen.

Ihr seien die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten aufzuerlegen (inkl. eine Gebühr gemäss Art. 
21 VKD).

5.3. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Kammer hat das erstinstanzliche Urteil zufolge des Umfangs der Berufung durch 
die Beschuldigte gesamthaft (mit Ausnahme des Zivilpunktes [Ziff. V. des erstin-

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stanzlichen Urteildispositivs]) zu überprüfen. Die Kammer verfügt bei der Überprü-
fung des erstinstanzlichen Urteils über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO) und ist 
aufgrund der Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft nicht an das Ver-
schlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, das heisst sie darf 
das Urteil auch zu Ungunsten der Beschuldigten abändern.

5.4. Anklagegrundsatz

Die Verteidigung rügte erstinstanzlich die Verletzung des Anklagegrundsatzes, weil 
die gewerbsmässige Begehung im angeklagten Sachverhalt nicht genügend um-
schrieben worden sei (pag. 4095). Im oberinstanzlichen Parteivortrag unterblieben 
hierzu weitere Ausführungen.

Die Kammer verweist sowohl hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum An-
klagegrundsatz als auch hinsichtlich der konkreten Subsumtion vollumfänglich auf 
die korrekten vorinstanzlichen Urteilserwägungen (pag. 4333 ff., S. 7 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). 

Die Kammer stellt ergänzend und präzisierend fest, dass die Anklageschrift gemäss 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sämtliche Tatbestandselemente der Gewerbs-
mässigkeit, insbesondere die Zeit, die Mittel und die Häufigkeit der Einzelakte inner-
halb eines bestimmten Zeitraumes sowie die erzielten Einkünfte rechtsgenügend 
umschreibt (Urteile BGer 6B_18/2017 vom 17. Mai 2017 E. 1.2; 6B_959/2013 vom 
28. August 2014 E. 3.1; 6B_462/2014 vom 27. August 2015 E. 2.3.1). Wie die Vor-
instanz zutreffend festhielt, ist es nicht erforderlich, dass die Anklageschrift explizit 
ausführt, dass die durch die deliktischen Handlungen erzielten Einkünfte einen nam-
haften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung ihrer Lebensgestaltung darstellen. 
Dies würde nämlich die Anforderungen an die Umgrenzungs- und Informationsfunk-
tion der Anklageschrift im vorliegenden Fall sprengen. Im Weiteren war der Beschul-
digten stets auch klar, dass ihr die berufsmässige Begehung vorgeworfen wurde re-
spektive wird, zumal sie auch früher bei identischem Tatvorgehen bereits wegen ge-
werbsmässigen Betruges rechtskräftig verurteilt worden ist (pag. 4333 ff.; S. 7 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Ergänzend zu den vorinstanzlichen Aus-
führungen kann diesbezüglich zudem auf das Bundesgerichtsurteil 6B_767/2019 E. 
1.3. vom 7. April 2020 verwiesen werden. Dort hielt das Bundesgericht fest: «Die An-
klageschrift listet detailliert auf, an welchen Tagen und an welchem Ort B.A.________ oder dessen 
Kurier C.________ vom Geschädigten welchen Betrag erhielt (S. 10 f.). Entgegen der Darstellung des 
Beschwerdeführers trifft es daher nicht zu, dass die Anklageschrift diesbezüglich keine Angaben ent-
halte. Darüber hinaus wird dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen, an den Geldübergaben persön-
lich teilgenommen zu haben, weshalb die Anklageschrift sich hierzu nicht äussern musste. Die Anwe-
senheit allfälliger Dritter anlässlich der Geldübergaben oder eine mögliche Opfermitverantwortung sind 
keine Verhaltensweisen, welche dem Beschwerdeführer angelastet werden und geeignet wären, den 
Tatbestand des Betrugs zu begründen. Entsprechend waren auch diese Umstände nicht in der Ankla-
geschrift aufzuführen. Schliesslich enthält die Anklageschrift eine Beschreibung der Pfarrer 
B.________ erzählten Lügen (S. 8 ff.) sowie der Verwendung der erlangten Gelder (S. 13). Damit 
sind sämtliche Umstände, die zur Beurteilung der Arglist sowie der Gewerbsmässigkeit von Be-
deutung sind, hinreichend umschrieben. Der Beschwerdeführer konnte anhand der in der Anklage 

14

beschriebenen Täuschungen wissen, wessen er angeklagt war. Eine genaue Zuordnung der verschie-
denen Lügen zu den einzelnen Zahlungen war deshalb nicht erforderlich. Die Rüge, der Anklagegrund-
satz sei verletzt worden, ist unbegründet.». Auch aus diesem Entscheid folgt, dass vorlie-
gend die Anklageschrift den rechtlichen Anforderungen zweifelsohne genügt. Im Üb-
rigen ergibt sich allein aus den von der Verteidigung eingereichten Unterlagen zur 
wirtschaftlichen Situation der Beschuldigten im Deliktszeitraum (Lohnbelege, Betrei-
bungsregisterauszug, etc.) sowie den detaillierten Ausführungen im Parteivortrag, 
dass keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vorliegt.

5.5. Strafantragserfordernis?

Die Verteidigung beantragte sowohl erst- wie auch oberinstanzlich bezüglich den un-
tenstehend aufgeführten 44 Anklagepunkten des Internetbetrugs die Einstellung des 
Verfahrens mangels gültiger Strafanträge (pag. 4094, 4390 ff.). Die Strafanträge 
seien entweder verspätet erfolgt, zurückgezogen oder es sei von Anfang an darauf 
verzichtet worden (vgl. untenstehende Zusammenstellung). Die Verteidigung führte 
aus, dass der Deliktsbetrag in diesen Fällen weniger als CHF 300.00 betragen habe 
und demnach geringfügige Vermögensdelikte vorliegen würden, deren strafrechtli-
che Verfolgung zwingend eines gültigen Strafantrags bedürften (Art. 172ter StGB, 
pag. 4586 f.).

Im Einzelnen wurde erstinstanzlich folgende Zusammenstellung der Verteidigung zu 
den Akten genommen (pag. 4094, 4121 ff.):

Ziff. 1.1 AA.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 275)

Ziff. 1.2 AB.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 283)

Ziff. 1.7 Der von AC.________ geltend gemacht Tatzeitpunkt ist der 23. August 2017. 
AC.________ hat im Befragungsbogen der Polizei angegeben, er habe die Verkäuferin 
mehrfach per E-Mail kontaktiert und Geld auf das Postfinancekonto der Verkäuferin über-
wiesen. Er sei immer wieder vertröstet worden. Mangels anderer Erkenntnisse (der E-Mail-
Verkehr ist nicht in den Akten) ist davon auszugehen, dass AC.________ die Person der 
Täterin bereits im Tatzeitpunkt bekannt war, sie mithin nicht unter falschem Namen agierte. 
Die Einreichung eines Strafantrags am 16.3.18 erfolgte demnach verspätet (pag. 385).

Ziff. 1.8 AD.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 392)

Ziff. 1.9 AE.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 406).

Ziff. 1.10 Dem E-Mail-Verkehr in den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschuldigte Herrn 
M.________ ihren Namen, ihren Wohnort sowie die IBAN ihres Postfinancekontos am 
7.10.2017 bekannt gegeben hat (pag. 415). Der Strafantrag am 3.3.18 erfolgte damit zu 
spät.

Ziff. 1.11 Die Beschuldigte hat AF.________ am 8. Oktober 2017 ihren Namen, ihren Wohnort und 
ihre IBAN-Nummer bekannt gegeben (pag. 424). Der Strafantrag am 14. März 2018 er-
folgte verspätet.

Ziff. 1.12 Die Beschuldigte gab AG.________ am 7. Oktober 2017 ihren Namen, ihren Wohnort und 
ihre IBAN-Nummer bekannt (pag. 436). Der Strafantrag am 2. März 2018 erfolgte zu spät.

15

Ziff. 1.14 Ebenso verhielt es sich im Fall von AH.________. Die Beschuldigte gab ihm Name, Wohn-
ort und IBAN bereits im Tatzeitpunkt (Oktober 2017) bekannt. Er betrieb die Beschuldigte 
zudem am 19. Januar 2018 (pag. 484). Die Beschuldigte war ihm demnach zweifelsfrei 
bekannt und der Strafantrag am 2. März 2018 erfolgte zu spät.

Ziff. 1.18 AI.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 551).

Ziff. 1.20 AJ.________ waren Name, Wohnort und IBAN-Nr. der Beschuldigten seit 19. Oktober 
2017 bekannt (pag. 594). Der Strafantrag am 13.3.18 erfolgte verspätet (pag. 592).

Ziff. 1.21 Auch im Fall von AK.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor, weil der Geschädigte das 
Geld zurückerhalten hat (pag. 604).

Ziff. 1.22 AL.________ war bei Überweisung des Geldes am 7.9.17 ebenfalls in Kenntnis von Name, 
Wohnadresse und IBAN-Nr. (pag. 614). Er hat aufgrund der ihm bekannten Angaben auch 
die Betreibung eingeleitet (pag. 610). Der Strafantrag am 3.3.18 erfolgte zu spät.

Ziff. 1.23 AM.________ war am 6.9.17 in Besitz von Name, Adresse, Wohnort und IBAN-Nr. der 
Beschuldigten (pag. 634). Der Strafantrag am 23.3.18 erfolgte zu spät.

Ziff. 1.24 AN.________ war am 6.9.17 in Besitz von Name, Strasse und Wohnort und IBAN-Nr. der 
Beschuldigten (pag. 648). Der Strafantrag erfolgte am 16.3.18 verspätet.

Ziff. 1.25 Bei AO.________ ist der Mail-Verkehr unvollständig. Es ist in Analogie zu den übrigen 
Fällen jedoch davon auszugehen, dass auch sie anlässlich der Überweisung Name, 
Adresse und IBAN-Nr. der Beschuldigten kannte. Auch hier erfolgte der Strafantrag zu spät 
(pag. 657).

Ziff. 1.26 Bei R.________ liegt kein Strafantrag vor (pag. 666).

Ziff. 1.27 AP.________ war am 11.9.17 in Kenntnis von Name, Strasse, Wohnort und IBAN-Nr. (pag. 
678). Der Strafantrag erfolgte zu spät (pag. 673).

Ziff. 1.33 Nach demselben Muster dürfte der Fall von AQ.________ abgelaufen sein. Der E-Mail-
Verkehr fehlt. Der Strafantrag erfolgte erst im März 2018 und damit mit Sicherheit zu spät.

Ziff. 1.34 AR.________ kannte vollständige Adresse und IBAN seit dem 2.10.17 (pag. 755). Der 
Strafantrag am 3.3.18 erfolgte zu spät (pag. 753).

Ziff. 1.42 Im Fall von AS.________ fehlt ein gültiger Strafantrag (pag. 949).

Ziff. 1.50 Im Fall von AT.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 1181).

Ziff. 1.54 Im Fall von N.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (der Antrag auf pag. 1298 ist 
nicht datiert, derjenige auf pag. 1299 ist verspätet).

Ziff. 1.63 Im Fall von AU.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 1575).

Ziff. 1.64 Im Fall von K.________ findet sich kein gültiger Strafantrag in den Akten.

Ziff. 1.69 Der Strafantrag von AV.________ ist zu spät erfolgt (pag. 1839).

Ziff. 1.71 Im Fall von AW.________ ist kein gültiger Strafantrag vorhanden (pag. 1874).

Ziff. 1.72 Im Fall von AX.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 1885).

Ziff. 1.73 Im Fall von AY.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 1915).

Ziff. 1.74 Der Strafantrag von AZ.________ ist zu spät erfolgt (pag. 1932).

16

Ziff. 1.76 Der Strafantrag von BA.________ ist zu spät erfolgt (pag 1954).

Ziff. 1.77 BB.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 1966).

Ziff. 1.78 Im Fall von BC.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 1979).

Ziff. 1.83 Im Fall von BD.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2037).

Ziff. 1.85 Der Strafantrag von BE.________ erfolgte verspätet (pag. 2059).

Ziff. 1.86 Im Fall von BF.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2071).

Ziff. 1.87 Im Fall von BG.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2080).

Ziff. 1.90 Im Fall von BH.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2122).

Ziff. 1.96 Im Fall von BI.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2223).

Ziff. 1.97 Im Fall von BJ.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2240).

Ziff. 1.98 BK.________ hat ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet (pag. 2250).

Ziff. 1.101 Im Fall von BL.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2342.6).

Ziff. 1.102 Im Fall von BM.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor.

Ziff. 1.103 Im Fall von BN.________ liegt kein gültiger Strafantrag vor (pag. 2342.34).

Die Kammer stellt fest, dass die im Berufungsverfahren wortwörtlich gleich lautenden 
sachverhaltlichen Vorbringen der Verteidigung in Bezug auf die Frage des Strafan-
trags korrekt sind. Zur Diskussion steht demgemäss einzig die Frage, ob es sich bei 
diesen angeklagten Teilsachverhalten von weniger als CHF 300.00 in rechtlicher 
Hinsicht überhaupt um Antragsdelikte handelt. 

Die Vorinstanz führte diesbezüglich aus (pag. 4333, S. 7 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung), dass das Bundesgericht die Grenze für den objektiv geringen Ver-
mögenswert oder Schaden auf je CHF 300.00 festgesetzt habe (BSK StGB II-WEIS-
SENBERGEr, 4. Aufl. 2019, Art. 172ter N 29). Entscheidend für die Privilegierung sei 
zudem nicht der Taterfolg, sondern der Vorsatz des Täters, welcher sich auf einen 
Schaden von weniger als CHF 300.00 gerichtet haben müsse (BSK StGB II-WEIS-
SENBERGE, a.a.O., Art. 144 N 108). Die Vorinstanz erläuterte mit Verweis auf die 
herrschende Lehre und Rechtsprechung, dass die Anwendung von Art. 172ter StGB 
bei Delikten ausgeschlossen sei, die durch das Merkmal der Gewerbsmässigkeit 
qualifiziert würden. Dazu gehöre auch der gewerbsmässige Betrug gemäss Art. 146 
Abs. 2 StGB (BSK StGB II-WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 172ter N 11). Dies werde 
damit begründet, dass sich der Wille bei der qualifizierten Begehungsform eben nicht 
auf einen geringfügigen Vermögenswert richte, sondern auf ein Erwerbs- bzw. zu-
mindest Nebenerwerbseinkommen im Sinne eines namhaften Beitrags an die Le-
benshaltungskosten (vgl. Urteil BGer 6B_793/2019 vom 12. September 2019 E. 1.3). 
Infolge Vorliegens einer gewerbsmässigen Deliktsbegehung finde Art. 172ter StGB 
demnach im vorliegenden Fall keine Anwendung.

Die Kammer stützt sich vollumfänglich auf die korrekten Ausführungen der Vor-
instanz ab. Ergänzend und präzisierend ist festzuhalten, dass mit dem Argument der 
Gewerbsmässigkeit grundsätzlich auch Folgendes einhergeht: 

17

Eine Gesamtbetrachtung im Sinne einer Summierung der Deliktsbeträge setzt 
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein «andauerndes pflichtwidriges Ver-
halten» voraus, die Gleichartigkeit der Begehungsweise und die Beeinträchtigung 
desselben Rechtsguts (BGE 127 IV 56 f.). In BGE 6B_472/2011 E. 13 vom 14. Mai 
2012 hielt das Bundesgericht sodann fest, dass keine Addition der einzelnen gering-
fügigen Deliktsbeträge erfolgen dürfe, wenn die Taten in grösseren Zeitabschnitten 
verübt wurden. Mit BGE 131 IV 83 ff. wurde die verjährungsrechtliche Einheit aufge-
geben. Die Addition ist aber gerechtfertigt, wenn die einzelnen Delikte Teilakte eines 
einheitlichen Geschehens darstellen und von einem Gesamtvorsatz getragen wer-
den (vgl. bspw. BGE 6S.531/2000 E. 2a vom 27. Dezember 2000; zum Ganzen: 
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar-TRECHSEL/CRAMERI, 3. Aufl. 
2017, Art. 172ter N 3). 

Die Kammer stellt fest, dass die erste Deliktsserie gut zwei Monate und die zweite 
Deliktsserie – nach einem Unterbruch von sieben Monaten – knapp sechs Monate 
dauerte. Die Beschuldigte konnte vorliegend den Unterbruch zwischen diesen zwei 
Deliktsserien von sieben Monaten nicht wirklich erklären (vgl. pag. 2465 Z. 676 ff., 
pag. 2486 Z. 326 ff.). Die Vorinstanz vermutete, dass die Beschuldigte in der ersten 
Deliktsphase wahrscheinlich deshalb von ihrem Tun abgelassen habe, da Anzeigen 
eingegangen seien und Aussicht auf Electronic Monitoring bestanden habe (pag. 
4355, S. 29 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). In der zweiten Deliktsphase 
wurde sie sodann erst durch die Verhaftung gestoppt. 

Die Kammer stellt demnach fest, dass die Beschuldigte die gesamthaft 106 delikti-
schen Einzelhandlungen in zwei Phasen über insgesamt gut acht Monate beging. In 
der ersten Deliktsphase (11. August 2017 bis Oktober 2017, ausmachend 70 Tage) 
wurde die Beschuldigte 35 Mal bzw. durchschnittlich jeden zweiten Tag straffällig. In 
der zweiten Phase (11. Mai 2018 bis 5. November 2018, ausmachend 178 Tage) 
summierte sich ihre Straffälligkeit auf 65 Fälle, womit sie durchschnittlich alle 2.7 
Tage eine Straftat beging. Infolge des unerklärlichen Unterbruchs von sieben Mona-
ten geht die Kammer – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – davon aus, dass 
die Beschuldigte mit Beginn der zweiten Deliktsphase einen neuen Tatentschluss 
gefasst hat (pag. 4355 f., S. 29 f. des erstinstanzlichen Urteils). Dementsprechend 
liegt ein Gesamtvorsatz betreffend die Delikte in der ersten Deliktsphase und ein 
weiterer Gesamtvorsatz betreffend die Delikte in der zweiten Deliktsphase vor. In-
folge Vorliegens zweier Tatentschlüsse handelt es sich damit um eine sogenannte 
Tatmehrheit (vgl. Erw. III. 14.1.8 nachfolgend). Dementsprechend sind die Delikts-
beträge in der ersten und zweiten Phase je getrennt voneinander zu addieren.

Die Kammer hält zusammenfassend fest, dass für die Anwendung von Art. 172ter 
StGB aus zwei Gründen vorliegend kein Raum bleibt: Einerseits handelt es sich um 
eine – im rechtlichen Teil zu begründende – (mehrfache) gewerbsmässige Delikts-
begehung, bei welcher gestützt auf die herrschende Lehre und Rechtsprechung Art. 
172ter StGB keine Anwendung findet, da sich der Wille bei der deliktischen Tätigkeit 
eben gerade nicht auf einen geringfügigen Vermögenswert richtet. Andererseits wer-
den die Deliktsbeträge sowohl in der ersten als auch in der zweiten Deliktsphase je 
untereinander addiert, weil ein Gesamtvorsatz betreffend die Delikte in der jeweiligen 
Phase vorliegt. Eine getrennte Addition der Deliktsbeträge erfolgt wegen Vorliegens 

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zweier Tatentschlüsse respektive wegen Vorliegens einer Tatmehrheit. In der ersten 
als auch in der zweiten Phase resultiert damit ein Deliktsbetrag weit über CHF 
300.00.

Da vorliegend in den von der Verteidigung aufgeführten 44 Fälle demnach keine ge-
ringfügigen Vermögensdelikte vorliegen, entfällt auch das Strafantragserfordernis.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorbemerkungen

Die Kammer erachtet es in Anbetracht der gesamten Umstände als dienlich, im Rah-
men der Beweiswürdigung vorweg einige Ausführungen zur Person der Beschuldig-
ten vorzunehmen:

Aus dem Strafregisterauszug vom 9. April 2021 (pag. 4557 ff.) ergibt sich, dass die 
Beschuldigte seit der ersten Verurteilung vom 30. Juni 2014 sieben weitere Male 
wegen Vermögensdelikten (Veruntreuung, [gewerbsmässiger] Betrug) verurteilt wor-
den ist, letztmals am 30. Juni 2016 durch die Staatsanwaltschaft CN.________. Mit 
Ausnahme des Urteils vom 30. Juni 2014 des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts 
Bern (Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten unter Gewährung des 
bedingten Strafvollzugs für eine Teilstrafe von 18 Monaten; Gegenstand des Wider-
rufsverfahrens bezüglich 18 Monaten) und des Strafbefehls vom 20. Juli 2015 der 
Staatsanwaltschaft CN.________ (Verurteilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 
von sechs Monaten; Gegenstand des Rückversetzungsverfahrens bezüglich des 
Strafrest von zwei Monaten und einem Tag) wurde die Beschuldigte jeweils zu 
Geldstrafen verurteilt.

Zur Person der Beschuldigten und deren Lebensgeschichte sind interessant und auf-
schlussreich einerseits die Ausführungen in der schriftlichen Urteilsbegründung des 
Wirtschaftsstrafgerichts betreffend Urteil vom 30. Juni 2014 (Akten WSG 14 7, pag. 
3313 ff.) und andererseits das forensisch-psychiatrische Gutachten von 
EL.________ vom 13. Februar 2019 (pag. 3144 ff., insb. die Zusammenfassung un-
ter Ziff. 1.3 «Ärztliche Berichte / Therapieberichte / Vorgutachten» [pag. 3165 ff.]).

Am 24. August 2015 trat die Beschuldigte ihre Strafe an. Am 31. August 2015 konnte 
sie in die JVA Hindelbank eintreten. Per 29. September 2016 fand der Übertritt in die 
Aussenwohngruppe CP.________ statt. Mit Verfügung vom 30. November 2016 
wurde der Beschuldigten die Progressionsstufe des Electronic Monitorings (Backdoor-
Variante) gewährt; ausserdem musste sie die ambulante Therapie, welche während 
des Strafvollzugs mit Verfügung vom 17. Dezember 2015 angeordnet wurde, beim 
Psychiatrischen Dienst Regionalspital Emmental in Burgdorf weiterführen. Die letzte 
Sitzung datiert auf den 3. Juli 2018. Mit Verfügung vom 12. Juni 2017 wurde die 
Beschuldigte per 24. Juni 2017 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen. Der Strafrest 
betrug zwei Monate und einen Tag, und die Probezeit wurde auf ein Jahr festgesetzt, 
dies unter Anordnung von Bewährungshilfe, verbunden mit der Weisung, sich 
während der Dauer der Probezeit der vorerwähnten ambulanten psychotherapeuti-
schen Behandlung zu unterziehen (vgl. zum Ganzen: pag. 3387 ff. sowie Vollzugs-
akten).

19

7. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

1. Ziff. I.1 der Anklageschrift

Der Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 26. Juli 2019 (pag. 3878 ff.) Betrug, 
gewerbsmässig, evtl. mehrfach gewerbsmässig begangen in der Zeit ab sicher 11. 
August 2017 bis 5. November 2018 im Deliktsbetrag von mindestens CHF 27'021.60 
(Anklageschrift Ziff. 1.1), einzeln aufgelistet in 104 Ziffern mit Einzeldeliktsbeträgen 
bis maximal CHF 700.00 (Anklageschrift Ziff. 1.1.88), vorgeworfen. Dabei handelt es 
sich um insgesamt 103 Geschädigte (R.________ wurde zwei Mal geschädigt [je 
einzeln angeklagt in Anklageschrift Ziff. 1.1.26 und 1.1.30]) bei insgesamt 106 delik-
tischen Einzelhandlungen/Verkäufen (M.________ wurde drei Mal geschädigt [drei 
Teilsachverhalte in Anklageschrift Ziff. 1.1.10]).

Die Beschuldigte soll auf der Internetplattform «tutti.ch» sowie in zwei Fällen auf 
«anibis.ch» (Anklageschrift Ziff. 1.1.41 und 1.1.80) mehrere Benutzerkonti mit unter-
schiedlichen E-Mail-Adressen unterhalten haben, über welche sie berufsmässig di-
verse Waren zum Verkauf angeboten habe, die sie aber nicht besessen habe. Auch 
nachdem die Käufer den Kaufpreis auf das von der Beschuldigten angegebene 
Konto überwiesen hätten, habe sie die Waren trotz Vorauszahlung nicht geliefert. 
Die Beschuldigte sei nachher teilweise nicht mehr erreichbar gewesen, habe auf 
Kontaktversuche nicht reagiert oder durch Vertröstungs- und Hinhaltemails den fal-
schen Eindruck erweckt, sie werde die Ware – wenn auch verspätet – noch liefern. 
In einigen wenigen Fällen (total 10) habe die Beschuldigte, wenn die Geschädigten 
hartnäckig gewesen seien und/oder mit rechtlichen Schritten gedroht hätten, die von 
diesen erhaltenen Geldbeträge zurückerstattet (Anklageschrift Ziff. 1.1.1, 1.1.2, 
1.1.4, 1.1.5, 1.1.8, 1.1.9, 1.1.18, 1.1.21, 1.1.38 und 1.1.77). Die Beschuldigte habe 
die Käufer arglistig über ihren Erfüllungswillen getäuscht resp. habe den Käufern 
vorgespiegelt, sie sei im Besitze der jeweils angebotenen Waren bzw. sie werde 
diese liefern, und sie habe diese so zu Vorauszahlungen veranlasst. Sie habe vor-
sätzlich und in Bereicherungsabsicht gehandelt, so namentlich um mit dem erbeute-
ten Geld offene Rechnungen/Schulden begleichen zu können resp. Geld zu gene-
rieren, um damit ins Casino zu gehen, in der Hoffnung, mittels Glückspiels einen 
grossen Gewinn zu erzielen, um so die offenen Rechnungen/Schulden bezahlen zu 
können sowie ihre Spielleidenschaft zu finanzieren.

Diese als gewerbsmässig, evtl. mehrfach gewerbsmässig aufgelisteten Betrüge in 
den 104 Ziffern der Anklageschrift lassen sich in zwei Phasen aufteilen,

• eine erste Phase in der Zeit vom 11. August 2017 bis 20. Oktober 2017 mit 37 
geschädigten Personen mit 39 Verkäufen im Deliktsbetrag von CHF 10'268.30 
(abzüglich Rückerstattungen von CHF 2'244.00), d.h. ausmachend netto CHF 
8'024.30,

• eine zweite Phase in der Zeit vom 11. Mai 2018 bis 5. November 2018 mit 66 
geschädigten Personen mit 67 Verkäufen im Deliktsbetrag von CHF 16’7532.30 
(abzüglich Rückerstattung von CHF 70.00), d.h. ausmachend netto CHF 
16'683.30.

Die Kammer führt hierzu ergänzend an, dass bereits mit Strafbefehlen der Staatsan-
waltschaft CN.________ vom 22. Januar 2015 (pag. 2946 f.), 11. Februar 2015 (pag. 

20

2948 f.), 26. März 2015 (pag. 2950 f.), 20. Juli 2015 (pag. 2952 ff.), 21. August 2015 
(pag. 2994 f.) und 30. Juni 2016 (pag. 2996 ff.) die Beschuldigte jeweils wegen Be-
trugs verurteilt worden ist, begangen nach dem gleichen modus operandi auf den 
Internetplattformen tutti.ch und anibis.ch (sowie in einem Fall auf ricardo.ch).

2. Ziff. I.2 der Anklageschrift

Betreffend diesen Vorwurf verweist die Kammer vollumfänglich auf die Anklage-
schrift vom 26. Juli 2019 (pag. 3878 ff.):

Betrug, begangen am 03./04.07.2017, indem die Beschuldigte ihrer Nachbarin, C.________, vorspie-
gelte, bei ihren Eltern CHF 5'000.00 vergessen zu haben, welche ihr dieses Geld für einen Autokauf 
gegeben hätten. Ihre Eltern seien nun zwei Wochen in den Ferien und sie habe keinen Schlüssel, um 
das Geld bei den Eltern holen zu gehen. Ausserdem könne der Verkäufer des Autos dieses nicht so 
lange reservieren und sie brauche das Auto für den Arbeitsweg. Durch die Vorspiegelung dieser Tat-
sachen, rief die Beschuldigte bei Frau C.________ den Irrtum hervor, sie sei im Besitz der vorgenann-
ten Summe und habe lediglich vorübergehend keinen Zugang dazu. In der irrigen Annahme, die Be-
schuldigte könne/werde ihr die vorgenannte Summe nach den Ferien der Eltern ohne weiteres wieder 
zurückzahlen, schloss die Geschädigte mit der Beschuldigten einen Darlehensvertrag über CHF 
5000.00. Tatsächlich hatte die Beschuldigte jedoch nie Geld von ihren Eltern für einen Autokauf erhal-
ten, geschweige denn überhaupt genügend Geld zur Verfügung gehabt und hatte auch nie die Absicht, 
geschweige denn die reale Möglichkeit, Frau C.________ das Darlehen zurückzuzahlen. Die Beschul-
digte hat Frau C.________ arglistig über ihren Erfüllungswillen getäuscht resp. ihr vorgespiegelt, sie 
sei in Besitz der CHF 5'000.00 bzw. werde ihr die CHF 5000.00 nach den Ferien der Eltern zurückzah-
len, und diese so zur Vorauszahlung veranlasst. Sie handelte vorsätzlich und in Bereicherungsabsicht, 
namentlich um sich ein Auto zu kaufen. Nachdem Frau C.________ Anzeige erstattet hatte, hat die 
Beschuldigte ihr CHF 600.00 zurückbezahlt.

8. Beweisergebnis der Vorinstanz

1. Ziff. I.1 der Anklageschrift

Die Vorinstanz gelangte hinsichtlich Ziff. I.1 der Anklageschrift zu folgendem Bewei-
sergebnis (pag. 4339 f., S. 13 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Aus den Akten geht hervor, dass die Beschuldigte die Ware tatsächlich vereinzelt geliefert hat 
(BO.________: SodaStream; BP.________ Dosenbachgutschein; BQ.________: unbekannte Ware; 
BR.________ Salomonschuhe [p. 250], : 2 Toten Hosen Tickets [p. 858.1]). In allen 104 angeklagten 
Fällen gemäss Ziffer I.1. der Anklageschrift haben die Geschädigten jedoch bestätigt, die Ware nicht 
erhalten zu haben (p. 269 – 2342.36). Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte auch N.________ 
erneut, dass ihr die SodaStream nie geliefert worden sei (p. 4074 Z. 9 ff.). Dass dies der Wahrheit 
entspricht, zeigt sich anhand der von N.________ eingereichten Korrespondenz zwischen ihr und der 
Beschuldigten (vgl. p. 1300). Die Beschuldigte hatte zwar behauptet, unter anderem eine SodaStream 
versandt zu haben (p. 2490 Z. 484 f.). Wie oben erwähnt, hat jedoch BO.________ den Erhalt einer 
SodaStream bestätigt, weshalb es einleuchtet, dass diese nicht an N.________ verschickt worden war. 
Auch wenn die Beschuldigte in einzelnen Fällen Waren an andere Personen lieferte, so ist erstellt, dass 
sie es von Anfang an darauf angelegt hatte, das gleiche Produkt mehrfach zu verkaufen. Dies zeigt sich 
zunächst durch die Vertröstungs- und Hinhaltetaktik der Beschuldigten (vgl. u.a. p. 280, 296, 319, 326, 
389, 676). Die Beschuldigte hat zudem weiteren Interessenten geantwortet, dass die Ware noch ver-
fügbar sei, obwohl sie bereits verkauft worden war. Exemplarisch sei auf Ziffer I.1.27 der Anklageschrift 

21

zum Nachteil von AP.________ verwiesen (p. 3884). Die Beschuldigte liess sich noch 5 Tage nach dem 
Verkauf der Konzertkarten an DV.________ und Erhalt des Entgelts am 07.09.2017 (p. 855) – von 
AP.________ Geld überweisen, und dies nota bene für 4 (anstatt der ursprünglich vorhandenen 2) 
Konzerttickets. Trotz des bereits erfolgten Verkaufs schrieb sie am 11.09.2017 an AP.________: „Ja 
sind noch zu haben momentan! Total 4 Stk hätte ich zum vergeben!???“ und sie sollte das Geld per 
Vorkasse so schnell wie möglich haben, weil es noch andere Interessenten gebe (p. 679). Die Beschul-
digte hat zudem selber ausgesagt, sie habe die Ware zum Teil zweimal verkauft und nur einmal geliefert 
(p. 2488 Z. 422 ff.). In denjenigen Fällen, in denen die Beschuldigte zwar über die angebotene Ware 
verfügt, diese jedoch an mehrere Personen verkauft hat, hat sie den Käufern gegenüber somit den 
Besitz in genügender Anzahl vorgespiegelt.

Entgegen den Ausführungen in der Anklageschrift handelt es sich nicht um 104 sondern 103 Geschä-
digte, da R.________ zweimal geschädigt wurde (vgl. Ziffern I.1.25 und I.1.30 der Anklageschrift). 
M.________ (Ziff. 1.10 AK) wurde dreimal geschädigt, so dass von insgesamt 106 deliktischen Verkäu-
fen auszugehen ist.

Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist erwiesen. Zu ergänzen ist, dass die Beschuldigte in einigen 
Fällen zwar im Besitz der Ware gewesen ist, dies jedoch nicht in ausreichender Menge, um sämtliche 
Käufer, die eine Zahlung geleistet hatten, zu beliefern. Dabei hat sie die Ware bewusst mehrfach ver-
kauft. Sämtliche Geschädigten gemäss Anklageschrift haben die gekaufte Ware nicht erhalten.

Auf die in der Anklageschrift enthaltenen Aspekte der rechtlichen Qualifikation wird bei der rechtlichen 
Subsumtion eingegangen.

2. Ziff. I.2 der Anklageschrift 

Die Vorinstanz gelangte hinsichtlich Ziff. I.2 der Anklageschrift beweismässig zu fol-
genden Schlüssen (pag. 4344, S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Das Gericht hat keine Zweifel, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat, wie in der Anklageschrift 
umschrieben. Aus den Gesamtumständen geht klar hervor, dass die Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt 
willens und fähig war, C.________ das Geld entsprechend der Frist des Darlehensvertrages vom 
03.07.2017 zurückzuzahlen. Sie hat der Geschädigten gegenüber wahrheitswidrig behauptet, sie habe 
von ihren Eltern bereits CHF 5‘000.00 für den Autokauf erhalten. Die Beschuldigte hatte gleichzeitig nie 
die Absicht, ihre Eltern nach dem Geld zu fragen und rechnete zudem auch nicht damit, das Geld von 
diesen zu erhalten. Ob die Beschuldigte allenfalls in der Lage gewesen wäre, C.________ den ausge-
liehenen Betrag entsprechend der später von ihr selbst angebotenen Ratenzahlungen zurückzuzahlen, 
ist unerheblich. Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist erstellt.

9. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien 

1. Verteidigung

Die Verteidigung unterteilte ihre Argumentation betreffend Ziff. I.1 der Anklageschrift 
(pag. 4586 ff.) nicht strikt nach Sachverhalt/Beweiswürdigung und rechtlicher Würdi-
gung. Deshalb werden die Hauptargumente an dieser Stelle zusammenfassend dar-
gestellt. Es könne festgestellt werden, dass die Berufungsführerin immer nach dem-
selben Muster vorgegangen sei. «Tutti.ch» schliesse den Käuferschutz in den AGBs 
gänzlich aus, sodass die Käufer das Risiko, dass sie die Ware nicht erhielten, be-
wusst eingingen. Der Käufer kenne zudem von seinem Vertragspartner in der Regel 
nur die E-Mail-Adresse, weitere Abklärungen betreffend den Erfüllungswillen oder 

22

die Bonität des Vertragspartners würden weder seitens der Plattform noch seitens 
der Käuferschaft vorgenommen. Im Weitern führte die Verteidigung aus, dass die 
der Beschuldigten zur Verfügung gestandenen finanziellen Mittel zu dieser Zeit ge-
reicht hätten, um ihren Lebensunterhalt zu decken. Eine Abzahlung von Schulden 
habe nicht stattgefunden. Die Beschuldigte habe mit dem erlangten Geld lediglich 
ihre Spielsucht befriedigen wollen.

Hinsichtlich Ziff. I.2 der Anklageschrift (pag. 4589 f.) führte die Verteidigung aus, dass 
die Geschichte rund um den Vertragsabschluss irrelevant sei und es sich hierbei um 
einen handelsüblichen Vertrag gehandelt habe. Die Geschädigte habe gewusst, 
dass die Berufungsführerin zur Tatzeit nicht gearbeitet habe. Die Berufungsführerin 
habe aus einer finanziellen Notlage heraus gehandelt, da sie das Geld für das Auto 
dringend benötigt habe. Die Berufungsführerin sei vermutlich etwas zu optimistisch 
gewesen, dass ihre Eltern ihr das Geld geben würden, dennoch habe sie dies erwar-
tet. Die Geschädigte sei sodann auf den vorgeschlagenen Abzahlungsvertrag nicht 
eingegangen.

2. Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft führte in ihrem Parteivortrag vor oberer Instanz hin-
sichtlich Ziff. I.1 der Anklageschrift aus (pag. 4591 f.), dass die Beschuldigte über 
«tutti.ch» Ware verkauft habe, über welche sie nicht verfügt habe. Sie sei raffiniert 
vorgegangen und habe einiges an Aufwand betrieben, um ihren Gegenübern ihren 
Erfüllungswillen vorzuspiegeln. Zwischen der Beschuldigten und den Käufern habe 
zwar kein besonderes Vertrauensverhältnis bestanden, dennoch habe die Erstge-
nannte gewusst, dass die Vorauszahlung üblich sei und in Anbetracht der geringen 
Beträge die Käufer keine weiteren Abklärungen treffen würden. Massgeblich sei in 
diesem Zusammenhang, dass die Beschuldigte stets ihre wahren Kontoangaben 
den Käufern angegeben habe. Im Weiteren habe die Beschuldigte hinsichtlich des 
Kaufs bei den Käufern teilweise Druck ausgeübt, damit dieser schneller habe abge-
wickelt werden können. Die Beschuldigte habe mit ihrer Vorgehensweise im Schnitt 
pro Tag CHF 100.00 bis CHF 300.00 verdient. Hinsichtlich des Motivs habe sie ei-
nerseits angegeben, dass sie das Geld gebraucht habe, um ihren Lebensunterhalt 
zu decken und andererseits habe sie angegeben, dass sie das Geld für die Casino-
Besuche verwendet habe, in der Hoffnung einen grossen Gewinn zu realisieren, um 
damit die Bussen bezahlen zu können. Aus den Kontoauszügen sei ersichtlich, dass 
die Beschuldigte mit dem Geld, welches sie von den Geschädigten auf ihr Konto 
erhalten habe, teilweise direkt und teilweise auch indirekt Rechnungen bezahlt habe.

Hinsichtlich Ziff. I. 2 (pag. 4593 f.) führte die Generalstaatsanwaltschaft oberinstanz-
lich beweiswürdigend aus, dass die Aussagen der Geschädigten sehr glaubhaft 
seien und mit den objektiven Beweismitteln übereinstimmten. Die Beschuldigte habe 
hingegen stark widersprüchlich ausgesagt, ob sie das Geld ihrer Eltern mit Bestimmt-
heit erhalten hätte oder nicht. Die Beschuldigte habe genau gewusst, dass sie auf 
das Mitgefühl der ebenfalls alleinerziehenden Mutter, C.________ (nachfolgend: 
Strafklägerin 1), habe setzen können. Im Weiteren habe die Beschuldigte auf die 
Strafklägerin 1 vertrauenserweckend gewirkt, da sie als Buchhalterin gearbeitet, in 
einem Mehrfamilienhaus gelebt und einen Alimentenanspruch gegen ihren angeblich 

23

reichen Ex- Mann gehabt habe. Deshalb sei es für die Strafklägerin 1 nachvollziehbar 
gewesen, dass die Beschuldigte genügend finanzielle Mittel gehabt habe, um den 
geliehenen Betrag zurückzahlen zu können. Dass die Beschuldigte zu dieser Zeit 
von der Sozialhilfe gelebt und hohe Schulden gehabt habe, habe die Strafklägerin 1 
nicht wissen können. Zusammenfassend käme man zum Schluss, dass die Beschul-
digte eine perfide Geschichte aufgebaut, die eine Notlage beinhaltet habe, welche 
von der Vorgenannten nicht habe überprüft werden können. Die Beschuldigte habe 
dies bewusst ausgenutzt. Die Beschuldigte habe in der Folge unter erheblichem 
Druck der Strafklägerin 1 CHF 600.00 zurückbezahlt.

10. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

1. Ziff. I.1 der Anklageschrift

Betreffend den unbestrittenen und bestrittenen Sachverhalt kann auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz verweisen werden (pag. 4339, S. 13 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Demnach stellt die Kammer fest, dass die Beschul-
digte den Sachverhalt gemäss Anklageschrift, mit Ausnahme der darin enthaltenen 
rechtlichen Würdigung, anerkennt. Unbestritten ist insbesondere auch, dass die Be-
schuldigte mit dem eingenommenen Geld aus den Verkäufen ins Casio gegangen 
ist und es nach eigenen Angaben zum Teil auch für den Lebensunterhalt verwendet 
hat (pag. 2473 Z. 160 ff.). Sie beabsichtigte zudem damit die «Busse von Luzern» 
[recte: Geldstrafen mit drohender Umwandlung in Freiheitsstrafen] zu bezahlen (pag. 
2485 Z. 310 ff.). Im Grundsatz hat die Beschuldigte auch eingestanden, weder die 
Absicht noch die Möglichkeit gehabt zu haben, den Käufern die Ware zu liefern (pag. 
4087 Z. 19 f.).

2. Ziff. I. 2 der Anklageschrift

Auch diesbezüglich verweist die Kammer auf die korrekten Ausführungen der Vor-
instanz (pag. 4341, S. 15 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Unbestritten ist 
demnach, dass die Beschuldigte und die Geschädigte einen Darlehensvertrag über 
CHF 5'000.00 abgeschlossen haben zwecks Kaufs eines Autos (vgl. pag. 4086 
Z. 17 ff. und pag. 2478 Z. 49 ff.). In der Folge war es der Beschuldigten jedoch nicht 
möglich den Darlehensbetrag zurückzuzahlen. Bis dato hat die Beschuldigte der Ge-
schädigten CHF 600.00 zurückbezahlt (pag. 4086 Z. 4 f.).

Bestritten ist hingegen, ob die Beschuldigte zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses 
über den Geldbetrag von ihren Eltern bereits verfügt hat oder nicht, und ob die Straf-
klägerin 1 in Kenntnis dieses Umstandes gewesen ist. Im Weiteren wird von der Be-
schuldigten die vereinbarte Darlehenshöhe bestritten. Mündlich seien lediglich CHF 
4'500.00 vereinbart worden, wobei anschliessend die Strafklägerin 1 der Beschul-
digten eigenwillig CHF 5'000.00 geliehen haben soll.

11. Beweismittel

Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Beweismittel korrekt ins Verfahren 
eingebracht und zutreffend aufgelistet (pag. 4338, S. 12 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung betreffend Ziff. I.1 der Anklageschrift; pag. 4341 ff., S. 15 ff. der 

24

erstinstanzlichen Urteilsbegründung betreffend Ziff. I.2 der Anklageschrift); eine er-
neute Aufzählung erübrigt sich und auf eine bloss inhaltliche Wiedergabe wird ver-
zichtet.

12. Beweiswürdigung durch die Kammer

1. Theoretische Grundlagen

Bezüglich die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussageana-
lyse kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 4335 ff., S. 9 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

2. Oberinstanzliche Beweiswürdigung hinsichtlich Ziff. I.1 der Anklageschrift: 
Gewerbsmässiger Betrug, evtl. mehrfach gewerbsmässig begangen

Der Vorwurf gemäss Ziff. I.1 der Anklageschrift vom 26. Juli 2019 wurde bereits vor-
anstehend unter Ziff. II. 8.1 summarisch wiedergegeben; es wird darauf verwiesen. 

Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass sich die Kammer der erstinstanzlichen Beweis-
würdigung hinsichtlich Ziff. I.1 der Anklageschrift vom 26. Juli 2019 im Wesentlichen 
anschliessen kann. Die erstinstanzliche Urteilsbegründung ist sorgfältig verfasst und 
die Vorinstanz hat das Wesentliche erfasst sowie die verschiedenen (allenfalls mög-
lichen) Varianten eingehend beleuchtet. In diesem Sinne kann vorweg auf die Be-
weiswürdigung der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 4339 ff., S. 13 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung).

Die Vorinstanz führte aus, dass die Beschuldigte geltend gemacht habe, die Ware in 
einzelnen Fällen geliefert zu haben, sie es aber von Anfang an darauf angelegt habe, 
das Produkt mehrmals zu liefern (pag. 4339). Dem ist zuzustimmen und ergänzend 
ist anzuführen, dass die Beschuldigte in der Hauptverhandlung vom 10. Februar 
2020 den Einwand, dass sie die Ware teilweise doch geliefert habe, indes nicht mehr 
vorbrachte und auf den generellen Vorhalt hin, ob es sich mindestens um 104 Ge-
schädigte gehandelt habe, zu Protokoll gab «Ich habe es gemacht, ja. Aber ob es 
104 Fälle sind, weiss ich nicht» (pag. 4007). Auch die Verteidigung verzichtete erst- 
wie auch oberinstanzlich darauf im Rahmen ihres Parteivortrages weitere Ausführun-
gen hierzu zu machen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, ist – auch wenn die 
Beschuldigte in einzelnen Fällen die Ware geliefert haben soll – erstellt, dass sie es 
von Anfang an darauf angelegt hatte, das gleiche Produkt mehrfach zu verkaufen, 
was sich auch durch ihre Vertröstungs- und Hinhaltetaktik zeigt (vgl. u.a. pag. 280, 
296, 319, 326, 389, 676). Die Beschuldigte sagte zudem selbst aus, sie habe die 
Ware zum Teil zweimal verkauft und nur einmal geliefert (pag. 2488 Z. 422 ff.). In 
denjenigen Fällen, in denen die Beschuldigte zwar über die angebotene Ware ver-
fügte, diese jedoch an mehrere Personen verkaufte, spiegelte sie den Käufern ge-
genüber somit den Besitz in genügender Anzahl vor.

Die Vorinstanz führte im Weiteren zutreffend aus, dass entgegen den Ausführungen 
in der Anklageschrift es sich nicht um 104, sondern um 103 Geschädigte handelt, da 

25

R.________ zweimal geschädigt wurde (vgl. Ziffern I.1.25 und I.1.30 der Anklage-
schrift). M.________ (Ziff. 1.1.10 der Anklageschrift) wurde dreimal geschädigt, so 
dass von insgesamt 106 Verkäufen auszugehen ist.

Ergänzend und präzisierend ist Folgendes festzuhalten: Entgegen den Ausführun-
gen der Vorinstanz ist in den beiden Fällen, in welchen die Interessenten mehrfach 
von der Beschuldigten geschädigt wurden, eine genauere Betrachtung vorzuneh-
men. Es handelt sich hierbei einerseits um M.________ mit drei Geldüberweisungen 
(Anklageschrift Ziff. 1.1.10) und andererseits um R.________ mit zwei Geldtransfers 
(Anklageschrift Ziff. 1.1.26 und 1.1.30):

• M.________ (nachfolgend: Strafkläger 12) überwies am 7. und 16. Oktober 2017 
den Betrag von je CHF 160.00 auf das EB.________ Konto der Beschuldigten 
für den «Coop Gutschein» (pag. 2551) bzw. die «Coop Geschenkkarte 200» 
(pag. 2554) im Wert von je CHF 200.00, welche die Beschuldigte auf tutti.ch zum 
Verkauf inseriert hatte. Die Kontakt-E-Mail-Adresse lautete «BS.________». Am 
7. Oktober 2017 bestätigte der Strafkläger 12 den Kauf, woraufhin ihm die Be-
schuldigte die IBAN des Postkontos angab, verbunden mit dem Hinweis «Zu 
Gunsten A.________ (Der erste Buchstabe im Nachnamen ist falsch) 3366 
Y.________». Am 4. November 2017 fragte der Strafkläger 12 nach: «Guten Tag 
Wann schicken Sie mir die Geschenkkarte? 1 Monat????? Wie lange muss ich 
noch warten? Ich werde bald zur Polizei gehen und eine Anzeige machen. Ich 
habe Ihren Namen und Kontonummer» (pag. 415). Am 28. Mai 2018 überwies 
der Strafkläger 12 CHF 126.30 für eine «Migros Geschenkkarte» auf das 
EO.________-Bankkonto der Beschuldigten (pag. 2741). Weitere sachverhaltli-
che Informationen liegen nicht vor. Damit ist festzustellen, dass die zweite Zah-
lung über CHF 160.00 (für die «Geschenkkarte Coop 2200») offensichtlich noch 
erfolgt war, obwohl der Strafkläger 12 den «Coop Gutschein» nicht erhalten 
hatte. Gleich verhält es sich mit der «Migros Geschenkkarte», wofür am 28. Mai 
2018 CHF 126.30 bezahlt worden sind, obwohl der Strafkläger 12 auch zu die-
sem Zeitpunkt weder den «Coop Gutschein» noch die «Coop Geschenkkarte 
200» erhalten hatte. Das Inserat muss gemäss Anklage wiederum auf tutti.ch 
geschaltet worden sein, und die Beschuldigte hatte weiterhin in Y.________ ge-
wohnt; einzig war es im dritten Fall nicht mehr ein Konto bei der EB.________, 
sondern bei der EO.________ Bank Oberaargau, mithin erfolgte die Zahlung auf 
eine andere IBAN-Nummer. Hinzu kommt, dass der Strafkläger 12 mit Schreiben 
der Kantonspolizei Bern vom 23. Februar 2018 mit dem Titel «Abklärungen Be-
trugstatbestand im Internet» (pag. 410) das beigefügte Formular am 3. März 
2018 ausgefüllt der Polizei retourniert und dabei noch geschrieben hat: «Ich habe 
es über tutti.ch gekauft. Bei Ricardo weiss ich gibt es Käuferschutz. Bei tutti.ch 
habe ich keine Ahnung» (pag. 412). Entsprechend ist festzustellen, dass der 
Strafkläger 12 die Zahlung vom 28. Mai 2018 nach diesen polizeilichen Ermitt-
lungen getätigt hat. Der Strafkläger 12 gab als Beruf «Postbote» an.

• R.________ (nachfolgend: Geschädigter) überwies am 7. September 2017 (über 
die BT.________ GmbH) CHF 200.00 für «2x Tote Hosen Stehplatz» den Betrag 
von CHF 200.00 auf das Konto der Beschuldigten bei der EP.________ Bank 
(pag. 2630). Am 25. September 2017 überwies er gleichermassen den Betrag 

26

von CHF 490.00 für «2x Alicia Keys 2. Kat 1.11.17», mit dem Hinweis «Merciii» 
auf das gleiche Konto (pag. 2632), dies 18 Tage nach der ersten Zahlung und 
obschon er offenkundig nicht im Besitze der zwei Tickets für das Konzert der 
Gruppe «Die Toten Hosen» gewesen war. In beiden Fällen waren die Tickets auf 
tutti.ch zum Verkauf ausgeschrieben. Am 6. Dezember 2017 verlangte die 
Rechtsschutzversicherung des Geschädigten die Rückerstattung von CHF 
490.00 für die zwei Tickets für das Konzert von Alicia Keys; von den Tickets für 
die Gruppe «Die Toten Hosen» ist nichts zu lesen (pag. 719). In beiden Fällen 
füllte der Geschädigte das beim Strafkläger 12 erwähnte Formular der Kantons-
polizei Bern per 20. März 2018 aus und retournierte diese (pag. 662 ff., 714 ff.), 
im ersten Fall versehen mit der Bemerkung «Erst Geld dann Ware» (pag. 663) 
und im zweiten Fall «Die Zahlung ist angekommen und er schickt die Tickets» 
(pag. 715). Weitere sachdienliche Unterlagen liegen nicht vor. Der Beruf des Ge-
schädigten ist angegeben mit «Kaufmännischer Angestellter».

Die Kammer erachtet es im Weiteren als notwendig, bereits an dieser Stelle mit Blick 
auf die Rechtsfrage der Arglist weitere sachverhaltliche Ausführungen zu treffen. Die 
Vorinstanz führte diesbezüglich (pag. 4348 f., S. 22 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung) zutreffend aus, dass die Beschuldigte auf «tutti.ch» sowie auch in zwei 
Fällen auf «anibis.ch» mehrere E-Mail Adressen verwendete, die mehrheitlich keinen 
Rückschluss auf ihre Identität zuliessen (BU.________; BV.________; 
BS.________; BW.________; BX.________). Sie spiegelte die Verfügbarkeit der 
Ware vor, indem sie diese mit Fotos versah, die sie zumindest teilweise aus dem 
Internet heruntergeladen hatte (pag. 1321, 1309, 1448, 791, 3197). Im Weiteren trat 
sie mit den Kaufinteressenten in Korrespondenz und bejahte explizit die Frage, ob 
der Artikel noch verfügbar sei. Teilweise bot sie sogar die persönliche Abholung an, 
um Vertrauen zu schaffen (z.B. bei E.________ [Strafklägerin 3], pag. 539, und 
AP.________, pag. 678). In der Korrespondenz verwendete sie u.a. den Namen 
„BY.________“ (pag. 679), „BZ.________“ (pag. 719) oder „CA.________“ (pag. 
1294 und 2342.2). Mit dem Hinweis auf weitere Interessenten drängte sie die inter-
essierten Personen zu einer Zusage bzw. zu einer zeitnahen Überweisung (z.B. 
AP.________, pag. 678). Für die Zahlung gab sie dann ihre richtige Adresse und das 
Konto, lautend auf ihren richtigen Namen, an.

Die Kammer erachtet es an dieser Stelle ebenfalls als angezeigt, zur wirtschaftlichen 
Situation und zur Verwendung des deliktisch erlangten Geldes sachverhaltliche Aus-
führungen zu treffen, dies mit Hinblick auf die Rechtsfrage der Gewerbsmässigkeit. 
Diesbezüglich kann vorab vollumfänglich auf die erstinstanzliche Urteilsbegründung 
verwiesen werden (pag. 4350 ff., S. 24 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 
Die Vorinstanz kam betreffend die Eruierung der legalen Einkünfte der Beschuldigten 
zum Schluss, dass diese während der beiden voranstehend erwähnten Deliktspha-
sen gestützt auf ihre Aussagen (pag. 2453) über ein legales Erwerbseinkommen von 
netto ungefähr CHF 2'500.00 pro Monat bzw. ausgehend von den eingereichten Kon-
toauszügen teilweise wohl etwas weniger, verfügt habe. Hinzukämen zudem die vom 
Ex-Mann geleisteten Alimente im Umfang von CHF 1'100.00 (pag. 4350 ff., S. 24 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Ergänzend und präzisierend ist oberin-
stanzlich diesbezüglich festzuhalten, dass zusammen mit der Berufungserklärung 
der Beschuldigten ein Lohnblatt 2017 sowie Lohnabrechnungen der Monate Oktober 

27

und Dezember 2017 sowie April und August 2018 eingereicht worden sind (pag. 
4395 ff.). Diese Unterlagen wurden verbunden mit dem Hinweis, dass in der delikts-
relevanten Zeit der Beschuldigten der Lohn mehrmals auch in bar ausbezahlt worden 
sei (pag. 4393). Dies erachtet die Kammer als zutreffend, zumal sich eine entspre-
chende Differenz aus dem Vergleich der Kontoauszüge mit den Lohnabrechnungen 
ergibt. Gemäss Lohnblatt 2017 (pag. 4395) sollen der Beschuldigten pro Monat (inkl. 
Anteil 13. Monatslohn) bei einem Bruttolohn von CHF 3'000.00 CHF 2'689.35 aus-
bezahlt worden sein, demgegenüber ergibt sich aus den Lohnabrechnungen (pag. 
4396 ff.), dass offenbar auf Stundenlohnbasis abgerechnet wurde, wobei in den 
Lohnabrechnungen für die Monate Oktober 2017 und Dezember 2017 nicht einmal 
Sozialabzüge ersichtlich sind (pag. 4396 f.) – inwieweit angesichts dieser Differen-
zen zwischen «Berechnung Sage» (durchschnittlich CHF 2'722.40/Monat) und «Kor-
rekte Berechnung» (CHF 2'689.35/Monat) überhaupt auf dieses Lohnblatt abgestellt 
werden kann, muss offenbleiben. Der Durchschnittslohn von August bis Dezember 
2017 ist zwar mit CHF 2'722.40 etwas über den «ca. CHF 2'500.00», indes liegt das 
Nettogehalt im April und August 2018 deutlich darunter. Jedenfalls für die Monate 
Oktober und Dezember 2017 sowie April und August 2018 ist der Beschuldigten ein 
Lohn von gesamthaft CHF 10'106.40 vergütet worden, d.h. pro Monat durchschnitt-
lich CHF 2'526.60, und zwar unabhängig von den offenbar teilweise als Lohnvor-
schuss in bar ausbezahlten Beträge von jeweils CHF 700.00. Im Weiteren geht aus 
den Akten hervor, dass die Beschuldigte nebst den monatlichen Alimenten von CHF 
1'100.00 ihres Ex-Mannes auch Kinderzulagen im Umfang von CHF 230.00 erhalten 
hat (vgl. pag. 2540, 2547). An der Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass die Be-
schuldigte zu keinem Zeitpunkt der beiden Phasen über ein legales Nettoeinkommen 
von mehr als CHF 3'600.00 pro Monat inklusive Alimente von CHF 1'100.00 verfügt 
habe, ergibt sich gestützt auf die oberinstanzlich eingereichten Unterlagen keine we-
sentliche Differenz. Die Kammer stützt sich demnach auf die Berechnungen der Vor- 
instanz ab. 

Die Vorinstanz führte betreffend den Verwendungszweck der deliktisch erlangten 
Gelder korrekt aus, dass diese der Beschuldigten hauptsächlich zur Finanzierung 
der Casino-Besuche gedient haben (pag. 4350 ff., S. 24 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Diese Casino-Besuche haben jedoch nicht nur der Befriedigung 
ihrer Spielleidenschaft gedient, sondern die Beschuldigte erhoffte sich einen Gewinn 
zu generieren, um davon ihre Geldstrafen bezahlen zu können, damit sie den Vollzug 
von Ersatzfreiheitsstrafen abwenden konnte (vgl. Vollzugsakten pag. 258; Aussagen 
der Beschuldigten: pag. 4088 Z. 27 ff. und pag. 2490 Z. 473 ff.). Eine Schuldensa-
nierung gelang ihr nicht. Ganz im Gegenteil haben sich die Schulden sogar markant 
erhöht. Die Vorinstanz führte im Weiteren auch korrekt aus, dass diese Einnahmen 
zu einem gewissen Teil auch direkt zur Deckung der Kosten für den Lebensunterhalt 
verwendet wurden. So wurden über die Konti der Beschuldigten, auf welche die Be-
träge aus den betrügerischen Verkäufen flossen, auch Einkäufe gedeckt und Rech-
nungen bezahlt (vgl. pag. 2501 ff.; 2739; 2544). Zudem gab die Beschuldigte selbst 
an, dass ihre Einkünfte für den Lebensunterhalt kaum ausgereicht hätten (pag. 2473 
Z. 161). In der Folge stritt die Beschuldigte diese Aussage respektive diesen Ver-
wendungszweck jedoch ab, was eindeutig als Schutzbehauptung zu werten ist.

28

Zusammen mit der Berufungserklärung wurde im Weiteren ein Betreibungsregister-
auszug, datierend auf den 15. Juni 2020, eingereicht (pag. 4400). Die Verteidigung 
führte diesbezüglich aus, dass sich die in Betreibung gesetzten Schulden der Be-
schuldigten seit dem Betreibungsregisterauszug vom 28. Juni 2019 (pag. 3936 ff.) 
weiter erhöht hätten (pag. 4393). Nichts anderes ergibt sich – wie bereits voranste-
hend erwähnt – aus dem Vergleich mit demjenigen vom 19. März 2021 (pag. 4547 
ff.). Die Verteidigung zog sodann daraus den Schluss, dass das über die Internetak-
tivitäten generierte Geld demnach nicht zur Rückzahlung von Schulden verwendet 
worden sei (pag. 4393). Das ist zutreffend. Dennoch kann daraus nicht der Schluss 
gezogen werden, dass die illegalen Vermögenswerte ausschliesslich für Zwecke, 
welche nicht der Deckung der Lebenshaltungskosten dienten, verwendet wurden. 
Aus diesem Umstand lässt sich sodann deutlich schliessen, dass die Beschuldigte 
offenbar über ihren Verhältnissen gelebt hat.

Erst nach Abschluss der rechtlichen Würdigung kann – infolge noch zu begründen-
der Freisprüche – festgestellt werden, wie viel Geld die Beschuldigte tatsächlich de-
liktisch erworben hat. Sodann kann auch erst im Anschluss dazu begründet werden, 
ob diese deliktisch erlangten Gelder in einem namhaften Betrag zur Bestreitung der 
Lebenshaltungskosten der Beschuldigten verwendet wurden oder nicht. Es wird 
demzufolge auf die nachfolgenden rechtlichen Ausführungen verwiesen (vgl. Erw. 
III. 14.1.6).  

12.2.1. Fazit zum erwiesenen Sachverhalt

Die Kammer stellt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz fest, dass der angeklagte 
Sachverhalt damit erwiesen ist (pag. 4340, S. 14 des erstinstanzlichen Urteils). 

Die Beschuldigte war demnach in einigen Fällen zwar im Besitz der Ware, dies je-
doch nicht in ausreichender Menge, um sämtliche Käufer, die eine Zahlung geleistet 
hatten, zu beliefern. Dabei verkaufte sie die Ware bewusst mehrfach. Ein Leistungs-
willen war demzufolge bei der Beschuldigten nicht vorhanden. 

Die Kammer verweist zudem hinsichtlich der sachverhaltlichen Erläuterungen betref-
fend die angeklagten Fälle von Ziff. 1.1.10, 1.1.26 und 1.1.30 auf das voranstehend 
Ausgeführte.

Auf die in der Anklageschrift enthaltenen Aspekte der rechtlichen Qualifikation wird 
bei der rechtlichen Subsumtion eingegangen.

12.3. Oberinstanzliche Beweiswürdigung hinsichtlich Ziff. I.2 der Anklageschrift: 
Betrug

Der Vorwurf gemäss Ziff. I.2 der Anklageschrift vom 26. Juli 2019 wurde bereits vor-
anstehend unter Ziff. II. 8.2 summarisch wiedergegeben; es wird darauf verwiesen. 

Vorweg ist auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die Kammer der erst-
instanzlichen Beweiswürdigung hinsichtlich Ziff. I.2 der Anklageschrift vom 26. Juli 
2019 im Wesentlichen anschliessen kann. Die erstinstanzliche Urteilsbegründung ist 
sorgfältig verfasst und die Vorinstanz hat das Wesentliche erfasst sowie die verschie-
denen (allenfalls möglichen) Varianten eingehend beleuchtet. In diesem Sinne kann 

29

vorweg auf die Beweiswürdigung der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 4341 ff., S. 
15 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Der Vorinstanz ist demnach zu folgen, wenn sie ausführte, dass die Aussagen der 
Strafklägerin 1 konstant, originell und detailreich seien (pag. 4342, S. 16 f. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung). Die Vorgenannte konnte wirklichkeitsnah und 
nachvollziehbar darlegen, dass sie der Beschuldigten das Darlehen über den Betrag 
von CHF 5'000.00 deshalb gewährte, weil diese ihr versicherte, über das Geld be-
reits zu verfügen, sie es aber momentan physisch nicht erhältlich machen könne. Die 
Beschuldigte gab der Strafklägerin 1 nämlich an, dass sie die CHF 5'000.00 von 
ihren Eltern für den Autokauf bereits erhalten, den Umschlag mit dem Geld aber in 
deren Wohnung vergessen habe. Da ihre Eltern in der Folge in die Ferien verreist 
seien, habe sie in den nächsten zwei Wochen keinen Zugriff auf dieses Geld. Die 
Strafklägerin 1 führte aus, dass die Beschuldigte angab, dass sie das Geld dringend 
benötigt habe, um ein Auto zu kaufen, welches sie für die Bewältigung ihres Arbeits-
wegs unbedingt brauche. Das ideale Auto sei aber in zwei Wochen, bis ihre Eltern 
wieder von den Ferien zurück seien, nicht mehr verfügbar. Nach einer kurzen Be-
denkzeit seitens der Strafklägerin 1 hätten sie und die Beschuldigte am Folgetag 
einen Darlehensvertrag aufgesetzt. Sie habe der Beschuldigten die CHF 5‘000.00 
anschliessend in bar gegeben (pag. 260 f. Z. 21 ff.). Sie sei davon ausgegangen, 
dass sich die Beschuldigte in mittelständischen Verhältnissen befinde, zumal diese 
die Nachbarswohnung bezahlen konnte, eine Stelle als Buchhalterin gehabt sowie 
Alimente von ihrem angeblichen reichen Ex-Mann erhalten habe. Deshalb sei sie 
davon ausgegangen, dass diese ihr den geliehenen Geldbetrag auch zurückerstat-
ten könne (pag. 4077 Z. 29 ff.). Im Weiteren zeugen die Aussagen der Strafklägerin 
1 von originellen Details, so habe sie die Beschuldigte gefragt, weshalb sie nicht 
ihren angeblich reichen Ex-Mann um das Geld bete. Diese habe darauf geantwortet, 
dass sie ihn damit nicht belasten möchte (pag. 261 Z. 56 ff.). Die Strafklägerin 1 
gestand sich auch ein, dass bei ihr teilweise Zweifel aufgekommen seien. Die Be-
schuldigte habe sich nämlich partout nicht von ihr zum Autohändler fahren lassen 
wollen (pag. 261 Z. 41 ff., vgl. auch 4078 Z. 15 ff.). Die Aussagen der Strafklägerin 
1 betreffend das Kern- und das Rahmengeschehen werden überdies vom Inhalt des 
Darlehensvertrags vom 3. Juli 2017 gestützt (pag. 255). In diesem hielten die Par-
teien fest, dass die Beschuldigte das Geld bei den Eltern vergessen habe und sie 
dieses nach deren zweiwöchigen Ferienabwesenheit erhalten werde. Das Darlehen 
wurde gestützt auf die kurze Rückzahlungsfrist von 13 Tagen unverzinslich verein-
bart. 

Hinsichtlich der Würdigung der Aussagen der Beschuldigten hielt die Vorinstanz zu-
treffend fest, dass diese flach, wenig detailreich und lebensfremd seien (pag. 4343 
f., S. 16 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die Beschuldigte sagte insbe-
sondere hinsichtlich ihrer bestehenden respektive nicht bestehenden Verfügungs-
macht über den Geldbetrag zum Zeitpunkt des Abschlusses des Darlehensvertrags 
sowie hinsichtlich der Darlehenshöhe widersprüchlich und teilweise nicht nachvoll-
ziehbar aus. So gab sie in der Einvernahme vom 28. März 2019 und an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung an, dass sie die Eltern erst nach deren Ferien habe 
um das Geld bitten wollen und dass sie darüber zum Zeitpunkt des Vertragsschlus-
ses noch nicht verfügt habe. Der Darlehensvertrag sei deshalb in der Folge falsch 

30

aufgesetzt worden (pag. 266 Z. 44 ff., pag. 268 Z. 92 ff.; pag. 4085 Z. 13 f. und pag. 
4085 Z. 22 ff.). Die Beschuldigte behauptete anlässlich der Hauptverhandlung zu-
dem, sie sei sicher gewesen, dass sie das Geld von ihren Eltern erhalten werde (pag. 
4085 Z. 44 ff.). Gegenüber dem Gutachter führte die Beschuldigte hingegen aus, sie 
habe schon gewusst, dass ihre Eltern ihr nichts geben würden (pag. 3193). Demnach 
stellt die Kammer fest, dass die Beschuldigte wissentlich und willentlich einen Darle-
hensvertrag unterschrieb, in welchem offensichtlich wahrheitswidrig festgehalten 
wurde, dass sie bereits über den Geldbetrag verfüge. Demgegenüber decken sich 
aber die Aussagen der Strafklägerin 1 vollständig mit dem Inhalt des abgeschlosse-
nen Vertrages. Es ist nicht nachvollziehbar, inwiefern die Strafklägerin 1 die Beschul-
digte hätte falsch verstanden haben sollen und weshalb die Beschuldigte einen Ver-
trag über einen Darlehensbetrag von CHF 5'000.00 unterzeichnete, obwohl ihrer An-
sicht nach mündlich nur CHF 4'500.00 vereinbart worden seien.

Betreffend die Höhe der gewährten Darlehenssumme führte die Beschuldigte aus, 
dass sie mit der Strafklägerin 1 lediglich vereinbart habe, dass diese ihr ein Darlehen 
im Betrag von CHF 4'500.00 gewähren werde. Als sie bei der Bank gewesen seien, 
habe die Strafklägerin 1 aber CHF 5'000.00 bezogen und der Beschuldigten eigen-
händig den gesamten Betrag ausgehändigt (pag. 4086 Z. 27 ff.). In Anbetracht des 
Umstandes, dass vor dieser Geldübergabe der schriftliche Darlehensvertrag über 
CHF 5'000.00 vereinbart worden ist, erscheint die Aussage der Beschuldigten, dass 
eigentlich nur CHF 4'500.00 vereinbart gewesen sein sollen, wirklichkeitsfremd und 
nicht nachvollziehbar. In der Hauptverhandlung gab die Beschuldigte weiter an, dass 
das Auto nur CHF 2'500.00 gekostet habe, was mit Erhalt eines Darlehens über den 
doppelten Betrag, eine betrügerische Absicht unterstreicht, zumal diese nach Aus-
sagen der Strafklägerin 1 mit dem Restbetrag nicht mal ihren Stellplatz für das Auto 
bezahlte (pag. 261 Z. 59 f.).

Die Verteidigung machte erst- und oberinstanzlich in ihrem Parteivortrag geltend, 
dass es sich beim Darlehensvertrag um einen handelsüblichen Vertrag handle. Nicht 
unüblich ist hierbei, dass unter Bekannten mitunter für Darlehensbeträge von weni-
gen tausend Franken mit kurzer Laufzeit kein Zins verlangt wird. Die Verteidigung 
geht allerdings mit ihren Ausführungen fehl, wenn sie weiter geltend machte, dass 
die vorgenannten Umstände für den Vertragsschluss unerheblich seien. Vielmehr ist 
im Hinblick auf das Tatbestandsmerkmal der Arglist festzuhalten, dass der fehlende 
Rückzahlungswille der Beschuldigten durch die Strafklägerin 1 nicht überprüfbar 
war, zumal diese ihr vertrauenserweckend angab, dass sie über das Geld – im recht-
lichen Sinne – bereits verfüge. Im Weiteren stellte die Beschuldigte die Strafklägerin 
1 unter Druck, indem sie angab, dass sie das Geld dringend brauche, da das Ange-
bot für das von ihr ins Auge gefasste Auto in zwei Wochen nicht mehr stehen werde. 
Ausserdem erweckte die Beschuldigte bei der Strafklägerin 1 Mitleid, da sie beide 
das gleiche Schicksal von alleinerziehenden Müttern tragen. Auch der Umstand, 
dass die Beschuldigte angab vom reichen Ex-Mann Alimente zu erhalten, bestärkte 
die Strafklägerin 1 in ihrer Annahme, dass die Beschuldigte fähig sei, ihr das Geld 
wieder zurückzuzahlen.

Die Verteidigung führte oberinstanzlich weiter aus, dass sich die Strafklägerin 1 die-
sen ganzen Strafprozess hätte ersparen können, wäre sie auf den Vorschlag der 

31

Beschuldigten der ratenweisen Rückzahlung eingegangen. Festzuhalten ist, dass im 
Darlehensvertrag explizit die «Rückzahlung der gesamten Summe spätestens am 
20. Juli 2015» (recte: 2017) stipuliert worden ist (pag. 255). Eine Verpflichtung sei-
tens der Strafklägerin 1, einer solchen Rückzahlungsart zuzustimmen, bestand nicht. 
In Anbetracht dessen, dass sich die Beschuldigte schon im Juli 2017 in einer deso-
laten finanziellen Situation befand und sie den Angaben zufolge von der Sozialhilfe 
unterstützt wurde und erst ab August 2017 eine 50%-Anstellung bei der 
EQ.________ antrat, ist nicht ersichtlich mit welchen Mitteln sie diese Raten hätte 
bezahlen wollen (pag. 2453). 

Die Vorbringen der Beschuldigten sind gestützt auf das voranstehend Ausgeführte 
als Schutzbehauptungen zu werten. Diese lassen ohne Weiteres auf den fehlenden 
Rückzahlungswillen und die Unfähigkeit zur Rückzahlung schliessen. Unterstützt 
wird dieser Schluss im Weiteren damit, dass die Strafklägerin 1 in ihrer polizeilichen 
Befragung vom 14. August 2017 ausführte – wie bereits obenstehend erwähnt – die 
Beschuldigte bezahle nicht einmal ihren Stellplatz für das Auto (pag. 261), welche 
diese ab Juli 2017 für monatlich CHF 60.00 gemietet habe (pag. 3570). An dieser 
Beurteilung vermag der Umstand, dass die Beschuldigte während hängiger Betrei-
bung der Strafklägerin 1 CHF 600.00 zurückbezahlt hat, nichts zu ändern. Nur am 
Rande und das Gesamtbild abrundend sei vermerkt, dass gemäss Berichtsrapport 
der Kantonspolizei Bern vom 24. November 2017 (pag. 258 f.), sich stützend auf 
Angaben der Strafklägerin 1, eine weitere Nachbarin einen ähnlich gelagerten Vorfall 
geschildert habe, wonach die Beschuldigte angab ihr Portemonnaie bei den Eltern 
vergessen zu haben, und sie keine Möglichkeit habe dies in den nächsten Tagen zu 
holen. Sie benötige deshalb dringend CHF 500.00.

Die Aussagen der Beschuldigten sind sowohl hinsichtlich der Umstände der Darle-
hensgewährung als auch hinsichtlich des vereinbarten Betrags sowie hinsichtlich 
des Kaufpreises des Autos äusserst widersprüchlich und wirklichkeitsfremd. Auf die 
Aussagen der Beschuldigten kann mangels Glaubhaftigkeit nicht abgestellt werden.

Die Kammer erachtet hingegen die Aussagen der Strafklägerin 1 als nachvollzieh-
bar, stimmig und wirklichkeitsnah. Im Weiteren stimmen ihre Aussagen mit dem 
schriftlich vereinbarten Darlehensvertrag überein. Infolge Vorliegens etlicher Real-
kriterien sind die Aussagen der Strafklägerin 1 – in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz – als glaubhaft zu werten. Die Kammer stellt demnach auf ihre Aussagen ab.

12.3.1. Fazit zum erwiesenen Sachverhalt

Die Beschuldigte gab der Strafklägerin 1 wahrheitswidrig an, dass ihre Eltern ihr be-
reits CHF 5'000.00 für einen Autokauf gegeben hätten, sie den Umschlag mit dem 
Geld aber in deren Wohnung vergessen habe und diesen zeitgerecht nicht erhältlich 
machen könne. In der Folge schloss die Beschuldigte mit der Strafklägerin 1 einen 
Darlehensvertag über die Summe von CHF 5'000.00 ab. Die Rückzahlungsfrist 
wurde dahingehend so vereinbart, dass sobald die Beschuldigte das Geld von ihren 
Eltern nach deren Rückkehr aus den Ferien erhalten werde, diese der Strafklägerin 
1 den vollen Betrag zurückbezahlt. Die Beschuldigte hatte jedoch weder ihre Eltern 

32

vorgängig um das Geld gefragt noch hätte sie dies vorgehabt. Es geht klar hervor, 
dass die Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt willens und fähig war, der Strafklägerin 1 
das Geld entsprechend der Frist des Darlehensvertrages vom 3. Juli 2017 zurück-
zuzahlen. Ob die Beschuldigte allenfalls in der Lage gewesen wäre, der Strafklägerin 
1 den ausgeliehenen Betrag entsprechend der später von ihr selbst angebotenen 
Ratenzahlungen zurückzuzahlen, ist unerheblich. Die Kammer erachtet demnach 
den angeklagten Sachverhalt als erstellt.

III. Rechtliche Würdigung

13. Betrug und Gewerbsmässigkeit: generell-abstrakte Ausführungen

Für die generell-abstrakten Ausführungen zum Tatbestand des Betrugs im Allgemei-
nen und zur Gewerbsmässigkeit im Speziellen kann vorab auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 4344 ff. und 4349 f., S. 18 ff. und 
23 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

13.1.  Objektiver und subjektiver Tatbestand

Ergänzend und präzisierend hält die Kammer zum objektiven und subjektiven Tat-
bestand von Art. 146 StGB Folgendes fest:

Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB begeht einen Betrug, wer in der Absicht, sich oder 
einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Un-
terdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig 
bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich 
selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. 

Die erste Voraussetzung bildet demnach das Vorliegen einer Täuschung. Täu-
schung ist jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der 
Wirklichkeit abweichende Vorstellung hervorzurufen, sei es durch die Mittel der 
(mündlichen oder schriftlichen) Sprache, durch Gesten oder durch konkludentes Ver-
halten (Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar-TRECHSEL/CRAMERI, 
a.a.O., Art. 146 N 2). Gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung sind fol-
gende Täuschungsarten zu unterscheiden: a) Ausdrückliche und konkludente Vor-
spieglung von Tatsachen b) Verschweigen und Unterdrücken von Tatsachen c) 
Bestärken in einem Irrtum, und d) Täuschung durch Unterlassen (BSK StGB II-NIG-
GLI/RIEDO, a.a.O., Art. 139 N 41 ff.). Die Täuschung muss sich demnach auf Tatsa-
chen beziehen. Tatsachen sind Äusserungen, deren Bezugsgegenstand dem Be-
weis zugänglich ist (BSK StGB II-NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 139 N 41). Nicht mass-
gebend ist, ob die Täuschung auch tatsächlich gelingt (Urteil BGer 6B_1071/2010 
vom 21. Juni 2011 E. 6.2.2 mit Verweis auf BGE 135 IV 76 E. 5.2). 

Massgebend ist im Weiteren, dass die Täuschung durch den Täter arglistig erfolgt 
ist. Unterschieden wird hierbei zwischen den einfachen und den qualifizierten Lügen. 
Im Gegensatz zu den qualifizierten Lügen vermögen die einfachen Lügen grundsätz-
lich keine Arglist zu begründen. Das Bundesgericht hat diesen Grundsatz jedoch 
relativiert und einzelne Fallgruppen gebildet bei deren Vorliegen auch bloss einfache 
Lügen als arglistig i.S.v. Art. 146 StGB zu betrachten sind:

33

Eine einfache – in dem Sinne qualifizierte – Lüge gilt demnach als arglistig,

a) wenn das Opfer die Angaben nicht oder nur mit besonderer Mühe überprüfen 
kann. Diese erschwerte Überprüfbarkeit findet sich regelmässig bei Täuschun-
gen über innere Tatsachen (Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar-
TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., Art. 146 N 7), sowie beispielweise im Urteil des Bun-
desgerichts 6S.414/2004 E. 2.2 vom 28. Februar 2005, in welchem das Bundes-
gericht die Frage zu klären hatte, ob die unterbliebene Rückzahlung eines Dar-
lehens aufgrund des fehlenden Rückzahlungswillens des Täters – dieser war 
hoch verschuldet und demzufolge nicht rückzahlungsfähig – arglistig war. Nach 
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Vorspiegelung des Leistungswil-
lens grundsätzlich arglistig im Sinne von Art. 146 StGB, weil sie eine innere Tat-
sache betrifft, die vom Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht direkt überprüft 
werden kann. Dies gilt jedoch nur dann, wenn der Erfüllungswille auch mittels 
Nachforschungen nicht überprüfbar ist. Im vorgenannten Entscheid ist es dem 
Opfer gemäss Bundesgericht aufgrund des ausgeübten Zeitdrucks, seiner er-
kennbar schlechten psychischen Verfassung und dem familiären Vertrauensver-
hältnis, das zwischen dem Täter und dem Opfer bestand, nicht zumutbar gewe-
sen, solche Nachforschungen zu tätigen, was zur Bejahung der Arglist führte.

b) wenn dem Opfer eine Überprüfung nicht zumutbar ist, insbesondere aufgrund 
des Fehlens besonderer Fachkenntnisse (Schweizerisches Strafgesetzbuch, 
Praxiskommentar-TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., Art. 146 N 7; BGE 96 IV 145 E. 2 
S. 147).

c) wenn der Täter voraussieht, dass das Opfer die Überprüfung unterlassen wird. 
In BGE 107 IV 169 wurde präzisierend festgehalten, dass das Opfer nur dann 
geschützt werde, wenn zwischen Täter und Opfer ein besonderes Vertrauens-
verhältnis vorliege oder dieses Verhältnis auf klaren Regelungen bzw. Zusiche-
rungen beruhe.

d) wenn der Täter das Opfer von einer möglichen Überprüfung abhält (BGE 72 IV 
156 S. 159; BGE 99 IV 80 E. 4b S. 86; älteres Kriterium, da kaum eigenständige 
Funktion).

In der Lehre und Rechtsprechung gelten nebst der einfachen qualifizierten Lüge die 
sogenannten qualifizierten Lügen als arglistig. Hierbei geht es um sogenannte «Lü-
gengebäude» und um «besondere Machenschaften». 

Das Bundesgericht führt in seiner Rechtsprechung betreffend die Qualifikation der 
«Lügengebäude» aus, dass ein Lügengebäude und damit die Arglist bei der Sum-
mierung von mehreren Lügen nicht ohne Weiteres anzunehmen sei. Ein Lügenge-
bäude sei nämlich erst dann gegeben, wenn die Lügen von besonderer Hinterhältig-
keit zeugen und derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind, dass sich auch das 
kritische Opfer täuschen lasse (BGE 119 IV 28 E. 3c S. 36).

Als «besondere Machenschaften» gelten gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung Erfindungen und Vorkehren sowie das Ausnützen von Begebenheiten, die al-
lein oder gestützt durch Lügen oder Kniffe geeignet sind, das Opfer irrezuführen. «Es 
sind eigentliche Inszenierungen, die durch intensive, planmässige und systemati-
sche Vorkehren, nicht aber notwendigerweise durch eine besondere tatsächliche     

34

oder intellektuelle Komplexität gekennzeichnet sind» (BGE 135 IV 76, 81; vgl. auch 
BGE 122 IV 197, 205; 126 IV 165, 171; 132 IV 20, 28).

Betreffend die mit der Arglist eng zusammenhängende respektive daraus resultie-
rende Opfermitverantwortung kann auf das von der Vorinstanz Ausgeführte verwie-
sen werden (pag. 4345 f., S. 19 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Mit dem Tatbestandsmerkmal der Arglist verleiht das Gesetz dem Gesichtspunkt der Opfermitverant-
wortung wesentliche Bedeutung. Wer sich mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit selbst hätte 
schützen bzw. den Irrtum durch ein Mindestmass an zumutbarer Vorsicht hätte vermeiden können, wird 
strafrechtlich nicht geschützt (Urteil BGer 6S.219/2006 vom 01.02.2007 E. 3.3). Bei der Konkretisierung 
derjenigen Vorsicht, die vom Getäuschten unter dem Stichwort "Opfermitverantwortung" verlangt wer-
den kann, ist nicht aufgrund einer rein objektiven Betrachtungsweise darauf abzustellen, wie ein durch-
schnittlich vorsichtiger und erfahrener Dritter auf die Täuschung reagiert hätte. Vielmehr ist die jeweilige 
Lage und Schutzbedürftigkeit des Opfers im Einzelfall zu berücksichtigen, soweit der Täter diese kennt 
und ausnützt. Relevant ist die Frage, ob das betreffende Opfer unter Einsatz gebührender Aufmerk-
samkeit den Irrtum hätte vermeiden können (BGE 126 IV 165 E. 2a; BGE 128 IV 18 E. 3a, je m.w.H.). 
Die vom Opfer erwartete Aufmerksamkeit richtet sich somit nach einem individuellen Massstab. So sind 
allfällige besondere Fachkenntnisse und Geschäftserfahrung des Opfers in Rechnung zu stellen. Auch 
unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Eigenverantwortlichkeit des Betroffenen erfordert die Er-
füllung des Tatbestands indes nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten 
lässt und alle erdenklichen ihm zur Verfügung stehenden Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, 
wenn das Opfer die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entsprechend entfällt der 
strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei besonderer Leichtfer-
tigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt. Die zum Aus-
schluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opferverantwortung kann daher nur in Ausnahme-
fällen bejaht werden (Urteil BGer 6B_1071/2010 vom 21.06.2011 E. 6.2.2 mit Verweis auf BGE 135 IV 
76 E. 5.2).

Im Weiteren führte die Vorinstanz mit Verweis auf Urteil 6B_184/2017 bzw. BGE 143 
IV 302 hinsichtlich der Mitverantwortung von Opfern im Geschäftsbereich zutreffend 
aus, dass bei einfachen falschen Angaben Arglist trotzdem gegeben sein kann, wenn 
im betreffenden Geschäftsbereich eine nähere Überprüfung nicht üblich ist. Dies 
etwa weil sie unverhältnismässig erscheint oder die konkreten Verhältnisse weitere 
Vorkehrungen nicht nahelegen.

Die Vorinstanz verwies sodann auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_147/2009 E. 
1.6 vom 9. Juli 2009 betreffend Internetauktionen, gemäss welchem eine beschul-
digte Person auf einer Internetauktionsplattform ein Konto im Namen einer AG er-
richtete und während eines Monats nicht vorhandene Mobiltelefone und Notebooks 
anbot. Die Gewinner der Auktion veranlasste sie zur Überweisung auf Vorauszah-
lung. Die entsprechenden Geräte wurden nie geliefert. Das Bundesgericht führte 
diesbezüglich aus, dass bei Internetauktionen Vorauszahlungen üblich seien und 
solche auf gegenseitigem Vertrauen beruhten. Auch wenn die Bieter die Seriosität 
des Anbieters nicht näher überprüft hätten, reiche dies für die Bejahung der zum 
Ausschluss der Arglist führenden Opfermitverantwortung nicht aus. Das Verhalten 
der Geschädigten sei zwar fahrlässig, ein Ausnahmefall, bei welchem der strafrecht-
liche Schutz entfalle, sei demgegenüber nicht gegeben. Die Täuschung über die Ver-
tragserfüllung stellt demnach nicht lediglich eine einfache Lüge dar, sondern ist als 

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgm2v62lwl43tm
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgizf62lwl4ytsny
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgi3f62lwl4ytmni
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgmzf62lwl4zda

35

arglistig zu qualifizieren, auch wenn die Seriosität der Anbieter nicht überprüft wird, 
zumal es sich nicht um grössere Kaufsummen handelt (Urteil BGer 6B_147/2009 
vom 9. Juli 2009 E. 1.6).

In diesem Zusammenhang ist sodann auch auf BGE 142 IV 153 zu verweisen, 
gemäss welchem eine Person via Internet einer anderen Person einen Drucker für 
CHF 2'200.00 verkauft hatte. Die Verkäuferin lieferte den Drucker, wogegen der Käu-
fer den Kaufpreis nie beglich. Das Bundesgericht führte aus, dass es sich in Anbe-
tracht des hohen Kaufpreises nicht mehr um ein Alltagsgeschäft handle, bei welchem 
die Voraussetzungen betreffend die Überprüfung der Liquidität der Geschäftspartei 
herabgesetzt sei (E. 2.2.4). Der Preis des dem Beschwerdeführer gelieferten Dru-
ckers belief sich demnach auf rund einen Drittel des damals pro Monat verfügbaren 
Einkommens eines Privathaushaltes. Die Lieferung auf Rechnung bei über das In-
ternet bestellter Ware sei generell eher unüblich, jedenfalls bei Bestellungen von Pro-
dukten mit einem – wie vorliegend – höheren Warenwert. Es wäre der Verkäuferin 
indes ohne erheblichen zusätzlichen Aufwand möglich gewesen, das Gerät erst nach 
gesicherter Bezahlung zu versenden oder die Bonität des Beschwerdeführers zu-
mindest rudimentär zu prüfen. Eine entsprechende Prüfung hätte gezeigt, dass der 
Beschwerdeführer angesichts seiner finanziellen Verhältnisse zur Erfüllung des 
Kaufvertrags offensichtlich nicht fähig war und somit auch nicht ernsthaft leistungs-
willig sein konnte. Eine überwiegende Opfermitverantwortung wurde vom Bundes-
gericht in diesem Fall bejaht (E. 2.2.4).

Die Vorinstanz zitierte ebenfalls, ohne näher auszuführen, das Urteil des Appellati-
onsgerichts Basel-Stadt SB.2013.117 vom 9. September 2014: Der Beschuldigte bot 
in diesem Fall im Internet (auf ricardo.ch) iPhones zum Verkauf gegen Vorauszah-
lung an, obwohl er zu diesen keinen Zugang hatte. Die Geschädigten hielt er mit 
irgendwelchen Geschichten hin (E. 3.1.). Das Appellationsgericht Basel-Stadt führte 
diesbezüglich aus, dass Geschäfte über das Internet, insbesondere auch über Platt-
formen wie ricardo oder ebay, zum alltäglichen Konsumverhalten der Bevölkerung 
gehörten. Gerade weil der Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer meist nur elek-
tronisch zustande komme, sei es ess