# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** edeae547-18ac-5ecc-b77a-d1bdf2003309
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP ARGVP 1988 2005
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_ARGVP-1988-2005_nodate.pdf

## Full Text

B. Entscheide der Steuerrekurskommission 2005

2005

Gewinnungskosten. Die Kosten für die mittäglichen Fahrten vom 
Arbeitsort zum Wohnort und zurück stellen keine gemäss Art. 25 
Abs. 3 StG abzugsfähigen Gewinnungskosten dar.

1. Die Steuergesetze von Bund und Kantonen sehen mit in groben Zügen 
gleichlautenden Regeln den Abzug der sog. Gewinnungskosten von den 
Einkünften der Steuerpflichtigen vor. Unter die Gewinnungskosten fallen 
grundsätzlich jene Aufwendungen, die der Steuerpflichtige zur Erhaltung 
und Sicherung der Einkommensquelle vornehmen muss. Es muss sich 
demnach um Kosten handeln, die zur Erzielung der Einkünfte notwendig 
sind. Als eine besondere Art der Gewinnungskosten bei unselbständig Er­
werbenden gelten nach Art. 25 Abs. 3 StG AR u.a. die notwendigen Ausla­
gen für die Fahrt zum Arbeitsort und die Mehrauslagen wegen auswärti­
ger Verpflegung und Unterkunft. Im wesentlichen gleich lauten Art. 22 bis 
Abs.1 lit. a und lit. b des BRB über die Erhebung einer direkten Bundes­
steuer (BdBSt) (SR 642.11).
2. In der schon mehrere Jahre zurückliegenden Praxis von Bund und Kan­
tonen wurden die Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort nur dann 
als Gewinnungskosten anerkannt, wenn zwingende Gründe für däs Aus­
einanderfallen von Wohndomizil und Arbeitsstätte geltend gemacht wer­
den konnten. Heute werden diese Kosten allgemein als Gewinnungs­
kosten angesehen, wenn die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort 
die Benützung eines Verkehrsmittels überhaupt rechtfertigt. Das ist zwi­
schen Gais und St.Gallen fraglos der Fall.
3. Nach ständiger Praxis können die Kosten für die Benützung des Privat­
wagens nur unter der Voraussetzung zum Abzug zugelassen werden, dass 
dem Steuerpflichtigen die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels 
nicht zugemutet werden kann. Benützt der Steuerpflichtige zur Ausübung 
seiner Berufstätigkeit sein eigenes Motorfahrzeug, ist ihm der Regel nach 
nicht zuzumuten, das Fahrzeug am Arbeitsplatzzu garagieren. Auch unre­
gelmässige Arbeitszeiten, die auf Fahrpläne nicht Rücksicht nehmen las­
sen, rechtfertigen mitunter die Benützung von Privatfahrzeugen. Im vorlie­
genden Fall teilt die Steuerrekurskommission die Auffassung der kantona­
len Steuerverwaltung, dass dem Rekurrenten die Benützung der SGA 
jedenfalls für die Hinfahrt zum Arbeitsplatz am Morgen und die Rückfahrt 
zu gelegentlich oft später Abendstunde nicht zumutbar ist. Insofern ist in

274

B. Entscheide der Steuerrekurskommission 2005

diesem besonderen Fall darin entgegen der Auffassung der kantonalen 
Steuerverwaltung kein Entgegenkommen zu sehen. Der Anspruch auf 
diese von der Steuerverwaltung zugestandenen Gewinnungskosten ist 
vielmehr ausgewiesen.

Im Streit steht, ob des weitern auch die Kosten der mittäglichen Heim­
fahrt mit dem Auto als Gewinnungskosten zu gelten haben, wie das der 
Rekurrent begehrt und die Steuerverwaltung im Einspracheentscheid ver­
neint.

Im Bund und in einer ganzen Reihe von Kantonen geht die Praxis dahin, 
dass die mit der Benützung des privaten Automobils zur mittäglichen 
Heimfahrt verbundenen Kosten nicht in Abzug gebracht werden können 
(vgl. Känzig Ernst, Wehrsteuer [Direkte Bundessteuer], 2. Auflage, I. Teil, N6 
zu Art. 22bis BdBSt). Eine Ausnahme macht der Kanton Zürich, der die Ko­
sten zum Abzug zulässt, sofern dem Steuerpflichtigen nicht die Benüt­
zung der öffentlichen Verkehrsmittel zugemutet werden kann (vgl. bei­
spielsweise Zbl. Bd. 68/107). Die Steuerrekurskommission hat sich in 
mehreren Entscheiden zur strengeren Praxis von Bund und einer Mehrzahl 
der Kantone bekannt und den Grundsatz aufgestellt, dass die täglichen 
Heimfahrten bei Distanzen von über 20km (Retourfahrten inbegriffen) 
nicht als üblich und selbstverständlich zu gelten hätten und deshalb nicht 
als notwendige Auslagen zum Abzug zuzulassen seien. Vielmehr handle 
es sich bei den Aufwendungen zur Bestreitung derart langer Wegstrecken 
um allgemeine Lebenskosten, nicht aber um Gewinnungskosten zur Erzie­
lung der Arbeitseinkünfte. In solchen Fällen fehle es am Erfordernis der 
Notwendigkeit und des unmittelbaren Zusammenhangs mit der Einkom­
menserzielung.

Es besteht auch im vorliegenden Fall kein besonderer Grund, von der 
ständigen Praxis der Steuerrekurskommission abzuweichen. Die Weg­
strecke St.Gallen -  Gais -  St.Gallen beträgt 28km. Wenn der Rekurrent 
trotzdem die Strapazen auf sich nimmt, jeden Mittag 28 km zurückzule­
gen, um sich die Lebensqualität des Mittagessens im Kreise der Familie zu 
gönnen, so finanziert er damit eine Annehmlichkeit, die sich als Einkom­
mensverwendung darstellt und mit der Berufsausübung in keinem direk­
ten Zusammenhang steht. Dazu kommt, dass die Zugsverbindungen über 
die zeitlich fixierte Mittagspause von St.Gallen nach Gais durchaus günstig 
sind. In Anbetracht der vielen Überstunden, vorab abends, wird der Rekur­
rent als Mitarbeiter in gehobener Stellung wohl wenige Minuten vor 
12 Uhr mittags die Arbeitsstelle verlassen dürfen und auch in Kauf neh­

275

B. Entscheide der Steuerrekurskommission 2005, 2006

men, erst kurz nach 14 Uhr wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen. Das 
erlaubte ihm, über die Mittagszeit, auch bei Benützung der SGA, eine 
knappe Stunde im Kreise der Familie zu verbringen. Das heisst, dass selbst 
nach der largeren Praxis des Kantons Zürich die geltend gemachten Kosten 
für das Privatfahrzeug vermieden werden könnten. Schliesslich ist -  wenn 
auch nur als obiter dictum -  nicht zu übersehen, dass aus Gründen des 
Umweltschutzes keine Veranlassung besteht, die Benützung von Privat­
fahrzeugen steuerreohtlich zu begünstigen. Das ist denn auch der Grund, 
weshalb die Steuerrekurskommission in diesen Fällen dem Ruf familien­
freundlicher Ausgestaltung des Steuerrechts nicht zu folgen vermag.

Sind die Kosten für die mittäglichen Heimfahrten mit dem Privatfahr­
zeug nicht Gewinnungskosten, muss folgerichtig der Abzug für die aus­
wärtige Verpflegung zugestanden werden (vgl. auch StRK 8.9.1980, 
Nr. 263; StRK 22.10.1982, Nr. 309).

StRK 15.3.1985 (Nr. 344)

2006

Naturallohnbesteuerung im Konkubinatsfall. Der Leistungsgeber kann 
keinen Gewinnungskostenabzug im Sinne von Art. 25 StG geltend 
machen.

Die Auffassung der Steuerverwaltung, wonach für die Haushaltsführung 
ein Naturallohn in die Steuerberechnung einzustellen ist, wird von der 
Rekurrentin grundsätzlich nicht bestritten. Sie hält in ihrem Rekursschrei­
ben lediglich dafür, das sei nur dann gerecht, wenn Herr [] dieselbe 
Summe als Gewinnungskosten abrechnen könne, da er ja um mindestens 
diesen Betrag weniger verdienen könnte, wenn er diese Haushaltsarbeiten 
selber ausführen müsste. Hier befindet sich nun freilich die Rekurrentin in 
einem Irrtum. Entschädigungen für die Haushaltsbesorgung, beispiels­
weise auch Löhne für Hausangestellte u.dgl.m ., zählen nach ständiger 
Praxis auch der Steuerrekurskommission zu den sog. Lebenshaltungsko­
sten und sind nicht Gewinnungskosten beim Leistungsgeber, hier Herrn []. 
Da nicht bestritten ist, dass die Rekurrentin Herrn [] unentgeltlich den 
Haushalt besorgt, ist grundsätzlich die Aufrechnung eines Naturallohnes 
durchaus gerechtfertigt.

StRK 8.7.1983 (Nr. 331)

276