# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98775606-f05f-5728-b225-e1ab52a3cd43
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 13.12.2022 SK.2022.6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2022-6_2022-12-13.pdf

## Full Text

Urteil vom 13. Dezember 2022 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichterin Sylvia Frei, Einzelrichterin 

Gerichtsschreiber David Heeb 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch 

Staatsanwältin des Bundes Sabrina Beyeler 

 

gegen 

1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Elif Sen-

gül, 

 

2. B., iranischer Staatsangehöriger, amtlich verteidigt 

durch Rechtsanwältin Laura Jetzer,  

 

3. C., iranischer Staatsangehöriger, amtlich verteidigt 

durch Rechtsanwalt Burim Imeri,  

 

4. D., iranische Staatsangehörige, amtlich verteidigt 

durch Rechtsanwalt Alex de Capitani 

 

 

Gegenstand  
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, 

eventualiter Hinderung einer Amtshandlung, einfache 

Körperverletzung und Beschimpfung 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2022.6 

- 2 - 

SK.2022.6 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

 

I. 

1. C. sei schuldig zu sprechen der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB sowie der einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 StGB. 

 

2. C. sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten, wovon 1 Tag durch Haft 

erstanden sei. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei bedingt aufzuschieben, unter An-

setzung einer Probezeit von 3 Jahren. 

 

3. C. sei zudem mit einer Verbindungsbusse von Fr. 3'000.-- zu bestrafen, bei schuld-

haftem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 50 Tagen. 

 

II. 

1. A. sei schuldig zu sprechen der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB. 

 

2. A. sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, wovon 1 Tag durch Haft 

erstanden sei. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei bedingt aufzuschieben, unter An-

setzung einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

3. A. sei zudem mit einer Verbindungsbusse von Fr. 3'000.-- zu bestrafen, bei schuld-

haftem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 30 Tagen. 

 

III. 

1. B. sei schuldig zu sprechen der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB. 

 

2. B. sei wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von 

Art. 285 Ziff. 1 StGB und wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten zu bestrafen, wovon 1 Tag durch 

Haft erstanden sei. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei bedingt aufzuschieben, unter 

Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

3. B. sei wegen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB mit einer Geldstrafe 

von 30 Tagessätzen zu je Fr. 60.--, entsprechend Fr. 1'800.--, zu bestrafen. Der Voll-

zug der Geldstrafe sei bedingt aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 

2 Jahren. 

- 3 - 

SK.2022.6 

4. B. sei zudem mit einer Verbindungsbusse von Fr. 3'600.-- zu bestrafen, bei schuld-

haftem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 60 Tagen. 

 

IV. 

1. D. sei schuldig zu sprechen der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB. 

 

2. D. sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 80.--, entspre-

chend Fr. 4'800.--. Der Vollzug der Geldstrafe sei bedingt aufzuschieben, unter An-

setzung einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

3. D. sei zudem mit einer Verbindungsbusse von Fr. 800.-- zu bestrafen, bei schuldhaf-

tem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 10 Tagen. 

 

Eventualantrag: 

 

1. D. sei schuldig zu sprechen der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 

StGB. 

 

2. D. sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 80.--, entspre-

chend Fr. 1'600.--. Der Vollzug der Geldstrafe sei bedingt aufzuschieben, unter An-

setzung einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

3. D. sei zudem mit einer Verbindungsbusse von Fr. 240.-- zu bestrafen, bei schuldhaf-

tem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen. 

 

V. 

1. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von 

Fr. 12'000.-- und den gerichtlich zu bestimmenden Kosten des Hauptverfahrens, 

seien C., A., B. und D. je zu einem Viertel, unter solidarischer Haftung, aufzuerlegen 

(Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

2. Es sei der Kanton Zürich als Vollzugskanton zu bestimmen (Art. 74 Abs. 2 StBOG 

i.V.m. Art. 31 Abs. 1 StPO). 

 

Anträge der Verteidigung von A.: 

 

1. Es sei A. vollumfänglich freizusprechen. 

 

2. Die Kosten des gesamten Verfahrens inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung 

seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

- 4 - 

SK.2022.6 

3. A. sei für die frühere Verteidigung mit Fr. 2'700.-- zu entschädigen. 

 

Anträge der Verteidigung von B.: 

 

1. Das Strafverfahren gegen B. betreffend einfache Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB sei einzustellen. 

 

2. Im Weiteren sei B. von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

Anträge der Verteidigung von C.: 

 

1. C. sei vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte von Schuld 

und Strafe freizusprechen. 

 

2. 

2.1 Das Verfahren gegen C. wegen einfacher Körperverletzung sei einzustellen. 

 

2.2 Eventualiter sei C. vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung von Schuld und 

Strafe freizusprechen. 

 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Kosten der früheren Verteidigung seien 

C. zu ¼ gemäss beiliegender Honorarnote von Rechtsanwalt N. vom 6. Oktober 2021 

zu entschädigen. Der amtliche Verteidiger sei aus der Staatskasse gemäss Kosten-

note zu entschädigen. 

 

Anträge der Verteidigung von D.: 

1. D. sei vollumfänglich freizusprechen. 

 

2. Die Kosten des gesamten Verfahrens inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung 

seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

3. D. sei für ihre früheren Verteidigungskosten mit Fr. 2'700.--zu entschädigen. 

  

- 5 - 

SK.2022.6 

Sachverhalt: 

A. Am 25. Januar 2021 erstattete die Eidgenössische Zollverwaltung EZV (nachfol-

gend: EZV) Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland gegen 

A., B., C. und D. wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

(Art. 285 Ziff. 1 StGB) und weiterer Delikte zum Nachteil der Beamten des Grenz-

wachtkorps E. und F. Es bestand der Verdacht, dass die Beschuldigten am 

22. Januar 2021 bei einer Zollkontrolle am Flughafen Zürich die Beamten unter 

anderem tätlich angegriffen hätten. (BA pag. 05-01-0003, -0009) 

B. Am 5. Februar 2021 stellte die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland eine Ge-

richtsstandsanfrage zu Handen der Bundesanwaltschaft, worauf Letztere am 

24. Februar 2021 bestätigte, das Verfahren in Bundeskompetenz weiterzuführen 

(BA pag. 02-01-0001, -0004). 

C. Am 26. Februar 2021 eröffnete die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung 

gegen C., A., B. und D. wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-

amte sowie weiterer Delikte. Gleichzeitig vereinigte sie die Verfahren gegen die 

Beschuldigten gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO in der Hand der Bundesbehörden 

(BA pag. 01-00-0001, -0003). 

D. Am 1. Februar 2022 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts Anklage gegen C. wegen Gewalt und Drohung gegen Be-

hörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB) und einfacher Körperverletzung 

(Art. 123 Ziff. 1 StGB), gegen A. wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), gegen B. wegen Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), einfacher Körperverletzung 

(Art. 123 Ziff. 1 StGB) und Beschimpfung (Art. 177 Abs. 1 StGB) und gegen D. 

wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), 

eventualiter Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB). 

E. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte das Bundesstrafgericht von Amtes 

wegen die erforderlichen Beweismittel zu den persönlichen und finanziellen Ver-

hältnissen der Beschuldigten (Auszüge aus dem Schweizerischen Strafregister; 

Betreibungsregisterauszüge; Steuerunterlagen) sowie die Akten des gegen die 

Grenzwachtbeamten F. und E. eröffneten militärgerichtlichen Verfahrens ein 

(TPF pag. 3.231.1.001 ff; 3.262.1.002 ff.). 

F. Die Einzelrichterin setzte die Hauptverhandlung auf den 27. April 2022 fest. Mit 

Schreiben vom 20. April 2022 verzichtete die Bundesanwaltschaft auf eine Teil-

nahme an der Hauptverhandlung unter der Voraussetzung, dass die Beschuldig-

ten weiterhin nicht anwaltschaftlich verteidigt seien (TPF pag. 3.510.002 f.). 

- 6 - 

SK.2022.6 

Gleichzeitig stellte sie ihre Anträge, unter anderem zum Strafmass, für die Haupt-

verhandlung. 

G. Am 21. April 2022 übermittelte das Gericht den Beschuldigten die Eingabe der 

Bundesanwaltschaft vom 20. April 2022 mit den darin gestellten Anträgen. Mit 

Schreiben vom 24. April 2022 teilte Rechtsanwältin Elif Sengül mit, dass sie die 

Beschuldigten verteidige und ersuchte um Verschiebung der Hauptverhandlung. 

Die Einzelrichterin verschob die Hauptverhandlung und teilte der erbetenen Ver-

teidigerin mit Schreiben vom 26. April 2022 mit, dass eine Mehrfachverteidigung 

aufgrund potenzieller Interessenkollisionen nicht möglich ist und dass aufgrund 

der Teilnahme der Bundesanwaltschaft an der neu anzusetzenden Hauptver-

handlung ein Fall notwendiger Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. d StPO 

vorliegt (TPF pag. 3.400.009 f.). 

H. Am 11. Mai 2022 teilte Rechtsanwältin Sengül mit, dass sie A. vertrete (TPF pag. 

3.522.008). Mit Schreiben der Einzelrichterin vom 24. Mai 2022 erhielten die Mit-

beschuldigten Gelegenheit, eine Wahlverteidigung zu bestimmen (TPF pag. 

3.200.001). 

I. Mit Verfügungen vom 30. Juni 2022 wurden die von den Beschuldigten ge-

wünschten Wahlverteidiger als amtliche Verteidiger eingesetzt (TPF pag. 

3.911.1.001. ff.). 

J. Die Hauptverhandlung fand am 15. November 2022 in Anwesenheit der Bundes-

anwaltschaft sowie der Beschuldigten und ihrer Verteidigerinnen und Verteidiger 

am Sitz des Bundesstrafgerichts statt. Die Parteien verzichteten auf eine münd-

liche Urteilseröffnung. Die Einzelrichterin wies darauf hin, dass das Dispositiv und 

schriftlich begründete Urteil später zugestellt werden. Das Urteil (Dispositiv) der 

Einzelrichterin der Strafkammer vom 13. Dezember 2022 wurde den Parteien 

gleichentags zugestellt (TPF pag. 3.721.001, -005). 

K. Am 16. Dezember 2022 meldete die Bundesanwaltschaft fristgerecht Berufung 

gegen das Urteil an (Art. 399 Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 1 StPO). 

 

  

- 7 - 

SK.2022.6 

Die Einzelrichterin erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Bundesgerichtsbarkeit und Zuständigkeit 

Die Bundesgerichtsbarkeit ist vorliegend gestützt auf Art. 23 Abs. 1 lit. h und 

Art. 26 Abs. 2 StPO gegeben. 

Die Kompetenz des Einzelgerichts der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 des Bundesgesetzes 

über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010 (Straf-

behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71). 

1.2 Beweisverwertbarkeit 

1.2.1 Verwertbarkeit der Zeugenaussagen bei der Polizei 

1.2.1.1 Die Verteidigerin von B. und der Verteidiger von C. rügen im Zusammenhang mit 

den polizeilichen Einvernahmen der Grenzwachtbeamten F., E. und G. vom 

22. Januar 2021 eine Verletzung des Konfrontationsrechts. Sie machen geltend, 

dass die Einvernahmeprotokolle nach Art. 147 Abs. 1 und 4 StPO nicht zulasten 

der Beschuldigten verwertbar seien (TPF pag. 3.721.053 f.; 3.721.063). 

1.2.1.2 Ein Beschuldigter hat in einem Strafverfahren gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK 

Anspruch darauf, bei der Befragung von Belastungszeugen anwesend zu sein 

und diesen Fragen zu stellen (BGE 125 I 127 E. 6c/ee). Mit Art. 6 Ziff. 3 lit. d 

EMRK soll ausgeschlossen werden, dass ein Strafurteil auf Aussagen von Zeu-

gen abgestützt wird, ohne dass dem Beschuldigten wenigstens einmal im Ver-

fahren eine angemessene und hinreichende Gelegenheit gegeben wurde, das 

Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Zeugen zu stellen (BGE 118 Ia 

462 E. 5.a; 116 Ia 289 E. 3.a; 113 Ia 422 E. 3.c). Dem Anspruch, den Belastungs-

zeugen Fragen zu stellen, kommt insofern grundsätzlich absoluter Charakter zu; 

er erfährt aber in der Praxis in zweifacher Hinsicht eine gewisse Relativierung: 

So gilt er nur, wenn dem streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlaggebende Be-

deutung zukommt, dieses also den einzigen oder den wesentlichen Beweis dar-

stellt (BGE 131 I 476 E. 2.2; 129 I 151 E. 3.1). Sodann ist zu berücksichtigen, 

dass gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO die Parteien das Recht haben, bei Beweiser-

hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und 

einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Kein solches Teilnahmerecht be-

steht hingegen im polizeilichen Ermittlungsverfahren, soweit es sich um selbst-

ständige Ermittlungen gemäss Art. 306 StPO handelt. Vor Eröffnung einer Unter-

suchung durch die Staatsanwaltschaft besteht der Anspruch auf Parteiöffentlich-

keit somit nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 

- 8 - 

SK.2022.6 

E. 5.2). Bei Beweiserhebungen durch die Polizei, etwa bei polizeilichen Einver-

nahmen von Auskunftspersonen gestützt auf Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO, sind die 

Parteien mit anderen Worten nicht zur Teilnahme berechtigt (Art. 147 Abs. 1 

StPO e contrario; BGE 143 IV 397 E. 3.3.2; 139 IV 25 E. 5.4.3; Urteile des Bun-

desgerichts 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.2, 6B_1385/2019 vom 

27. Februar 2020 E. 1.1, 6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2). Diese Ein-

schränkung der Teilnahmerechte gilt analog bei der Einvernahme von Zeugen. 

Ein Teilnahmerecht der Parteien besteht lediglich bei polizeilichen Einvernah-

men, welche von der Staatsanwaltschaft an die Polizei delegiert wurden (Urteil 

des Bundesstrafgerichts SK.2019.71 vom 11. September 2020 E. 4.1.2). Be-

weise, die in Verletzung der Bestimmungen von Art. 147 StPO erhoben wurden, 

dürfen übrigens nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend 

war (Art. 147 Abs. 4 StPO). 

1.2.1.3 Was die Verwertbarkeit der nicht parteiöffentlichen Aussagen der Grenzwacht-

beamten bei der Polizei vom 22. Januar 2021 anbelangt, ergibt sich folgendes: 

Am 26. Februar 2021 eröffnete die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung 

gegen die Beschuldigten. Da die belastenden Aussagen der Zeugen vor Eröff-

nung der Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten, aber in einem selbststän-

digen Ermittlungsverfahren der Polizei und nicht im Auftrag der Bundesanwalt-

schaft getätigt wurden, standen ihnen an den fraglichen Einvernahmen keine 

Teilnahmerechte zu und die dort gemachten Aussagen können unbeschränkt 

verwertet werden (vgl. SCHLEIMINGER METTLER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, 

Art. 147 StPO N. 7a; BGE 139 IV 25 E. 5.4.3; Urteil des Bundesstrafgerichts 

SK.2019.71 vom 11. September 2020 E. 4.1.3.1). Sodann ist zu berücksichtigen, 

dass die Grenzwachtbeamten nach Eröffnung der Strafuntersuchung am 1. und 

2. Juni 2021 bei der Bundesanwaltschaft parteiöffentlich einvernommen wurden 

(BA pag. 12-01-0014 ff.; 12-02-0011 ff.; 12-03-0010 ff.). Das Konfrontationsrecht 

und rechtliche Gehör wurden den Beschuldigten somit gewährt. 

1.2.2 Verwertbarkeit der Zeugenaussagen ohne Aussageermächtigung 

1.2.2.1 Die Verteidigerin von B. und der Verteidiger von C. machen geltend, die Aussa-

gen der Grenzwachtbeamten F., E. und G. bei der Bundesanwaltschaft vom 

1. und 2. Juni 2021 seien aufgrund fehlender Entbindungen vom Amtsgeheimnis 

und Aussageermächtigungen nicht verwertbar. Die Zeugenaussagen seien ent-

gegen den in Art. 170 Abs. 1 und 2 StPO statuierten Ermächtigungsvorausset-

zungen rechtswidrig erhoben worden. Sie würden daher dem strikten Verwer-

tungsverbot im Sinne von Art. 141 Abs. 1 Satz 2 StPO unterliegen. (TPF pag. 

3.720.011; 3.721.056 f.) 

1.2.2.2 a) Zunächst ist festzustellen, dass die Grenzwachtbeamten als solche (Art. 110 

Abs. 3 StGB) dem Amtsgeheimnis im Sinne von Art. 320 StGB unterstehen. Die-

ses bildet Grundlage der Zeugnisverweigerungspflicht von Art. 170 Abs. 1 StGB 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_511/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 3). Sie dürfen 

- 9 - 

SK.2022.6 

mit anderen Worten Geheimnisse, die sie in Ausübung ihres Amtes wahrgenom-

men haben, grundsätzlich nur mit schriftlicher Einwilligung ihrer vorgesetzten Be-

hörde offenbaren. 

b) Die Grenzwachtbeamten F., E. und G. haben in den Einvernahmen bei der 

Bundesanwaltschaft vom 1. bzw. 2. Juni 2021 als Zeugen ausgesagt, ohne von 

der vorgesetzten Behörde gemäss Art. 170 Abs. 3 StPO vom Amtsgeheimnis 

entbunden worden zu sein. Dies war der Bundesanwaltschaft bekannt, wurden 

sie doch zu Beginn ihrer Einvernahmen jeweils danach gefragt, ob sie «über eine 

diesbezügliche schriftliche Entbindung» verfügen würden. Die Grenzwachtbeam-

ten verwiesen allesamt auf die Entbindung vom Amtsgeheimnis durch die Eidge-

nössische Zollverwaltung vom Ereignistag vom 22. Januar 2021. Diese benötig-

ten sie für die polizeilichen Einvernahmen vom Januar 2021. Daraufhin wurden 

sie von der Verfahrensleitung darüber informiert, «dass die Entbindung für den 

Einvernahmetermin vom 22. Januar 2021 für die Funktion als Geschädigte und 

Auskunftsperson von H. erstellt» worden sei. Die Bundesanwaltschaft und die 

Zeugen kamen überein, «nach der Einvernahme» eine «schriftliche Entbindung» 

beim Vorgesetzen» zu organisieren und nachzuliefern (BA pag. 12-01-0016 [F.]; 

12-02-0013 [E.]; 12-03-0012 [G.]). Die aktenkundigen schriftlichen Entbindungen 

datieren vom 3. Juni 2021 (BA pag. 12-01-0034 [F.]; 12-02-0045 [E.]; 12-03-0025 

[G.]). Sie wurden somit erst im Nachgang zu den getätigten Aussagen erteilt. 

c) Im Ergebnis unterliegen die Aussagen keinem Verwertungsverbot im Sinne 

von Art. 141 Abs. 1 Satz 2 StPO, da es sich bei der Entbindung vom Amtsge-

heimnis und Ermächtigung zur Aussage nach Ansicht des Gerichts um eine Ord-

nungsvorschrift handelt (vgl. E. 1.2.2.3). Darüber hinaus wurden die schriftlichen 

Aussageermächtigungen nachträglich eingereicht. 

Gibt ein Beamter oder das Mitglied einer Behörde als Zeuge ein Amtsgeheimnis 

preis, ohne dazu berechtigt zu sein, so ist umstritten, ob die Aussage trotzdem 

verwertbar ist. Ein Teil der Lehre spricht sich für die Verwertbarkeit aus (MOREIL-

LON/PAREIN-REYMOND, Code de procédure pénale, Petit Commentaire, 2. Aufl. 

2016, Art. 170 StPO N. 9; DONATSCH, Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 170 StPO N. 13; vgl. auch ZR 75 [1976] Nr. 38, 

116), was bedeutet, dass das Kriterium der Ermächtigung als Ordnungsvorschrift 

gemäss Art. 141 Abs. 3 StPO qualifiziert wird. Gemäss Art. 141 Abs. 3 StPO sind 

Beweise, bei deren Erhebung Ordnungsvorschriften verletzt worden sind, ver-

wertbar. Um Ordnungsnormen handelt es sich bei Vorschriften, deren Funktion 

sich darin erschöpft, die äussere Ordnung des Verfahrens zu regeln. Das gilt für 

Normen, die Interessen schützen, die mit der Beweiserhebung als solcher nichts 

zu tun haben (WOHLERS, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 

2. Aufl. 2014, Art. 141 StPO N. 25.). Der andere Teil der Lehre (HAU-

SER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl. 2005,  

§ 62 N. 25a; JEANNERET/KUHN, Précis de procédure pénale, Bern 2013, 

N. 12034; VEST/HORBER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 170 StPO N. 8) 

- 10 - 

SK.2022.6 

geht von Unverwertbarkeit (i.S.v. Art. 141 Abs. 2 StPO) aus. Gemäss Art. 141 

Abs. 2 StPO dürfen Beweise, die Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter 

Verletzung von Gültigkeitsvorschriften erhoben haben, nicht verwertet werden, 

es sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich. 

Um eine Gültigkeitsvorschrift handelt es sich insbesondere dann, wenn eine Ver-

fahrensvorschrift dazu bestimmt ist, die Grundlagen der prozessualen Subjekt-

stellung der beschuldigten Person abzusichern (WOHLERS, a.a.O., Art. 141 StPO 

N. 24). Ob im Einzelfall eine Gültigkeits- oder eine Ordnungsvorschrift vorliegt, 

bestimmt sich (sofern das Gesetz die Norm nicht selbst als Gültigkeitsvorschrift 

bezeichnet) primär nach dem Schutzzweck der Norm (Urteil des Bundesgerichts 

6B_287/2016 vom 13. Februar 2017 E. 2.3.2). 

Nach der vom Gericht vertretenen Auffassung vermag die von verschiedenen 

Stimmen in der Literatur vertretene erstere Lehrmeinung (Aussageermächtigung 

als Ordnungsvorschrift) zu überzeugen. Dafür sprechen der Schutzzweck und 

die systematische Stellung der Norm im Gesetz. Die Norm bezweckt nicht, die 

prozessualen Rechte der beschuldigten Person abzusichern. Da die Vorschrift 

betreffend Ermächtigung mit der Frage der Fairness der Beweiserhebung im 

Konkreten nichts zu tun hat, sondern dem Zweck dient, allfällige öffentliche Inte-

ressen zu schützen, handelt es sich nach dem Gesagten um eine Ordnungsvor-

schrift. Sodann dürfte in der Lehre unbestritten sein, dass Aussagen von Beam-

ten und Mitgliedern von Behörden generell verwertbar sind, wenn anstelle der 

notwendigen schriftlichen lediglich eine mündliche Ermächtigung vorliegt; diese 

kann nachträglich schriftlich bestätigt werden (DONATSCH, a.a.O., Art. 170 StPO 

N. 13). 

1.2.3 Verwertbarkeit der Zeugenaussagen trotz falscher Rollenzuweisung 

1.2.3.1 Die Verteidiger bringen vor, die Aussagen der Grenzwachtbeamten F. und E. vor 

der Bundesanwaltschaft seien aufgrund falscher Rollenzuteilung unverwertbar 

(TPF pag. 3.720.014). 

1.2.3.2 Am 27. Januar 2021 erstatteten B., A. und D. bei der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland des Kantons Zürich Gegenanzeige gegen zwei namentlich 

nicht bekannte Beamte des Zolls bzw. des Grenzschutzes wegen Körperverlet-

zung (Art. 123 StGB), Nötigung (Art. 181 StGB) und Amtsmissbrauchs (Art. 312 

StGB) (MJ 21.001133 pag. 03 001, -020; BA pag. 21-00-0027). Nach durchge-

führtem Gerichtsstandsverfahren mit der Militärjustiz eröffnete der zuständige 

Untersuchungsrichter der Untersuchungsrichterregion 2 am 19. Januar 2022 das 

Verfahren gegen die Grenzwachtbeamten F. und E. Ihnen wird unter anderem 

vorgeworfen, sie hätten am 22. Januar 2021 in der Zollhalle des Terminals 2 am 

Flughafen Zürich vorschriftswidrig eine Zollkontrolle durchgeführt. Das Verfahren 

ist zurzeit bei der Militärjustiz hängig (TPF pag. 3.262.1.003). Dem militärgericht-

lichen Verfahren liegt derselbe Lebenssachverhalt (Ereignis am Flughafen Zürich 

- 11 - 

SK.2022.6 

vom 22. Januar 2021) zugrunde. Dieses Verfahren weist einen unmittelbaren 

Sachkonnex mit den vorliegend abzuklärenden Straftaten auf. 

1.2.3.3 Wer in einem anderen Verfahren wegen einer Tat, die mit der abzuklärenden 

Straftat in Zusammenhang steht, beschuldigt ist, wird gemäss Art. 178 lit. f StPO 

als Auskunftsperson einvernommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_171/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2.1; BBl 2006 1209 Ziff. 2.4.4; DO-

NATSCH, a.a.O., Art. 178 StPO N. 34 f.). Unter den gegebenen Umständen und 

in Nachachtung von Art. 178 StPO hätte die Bundesanwaltschaft die Grenz-

wachtbeamten als Auskunftspersonen und nicht als Zeugen einvernehmen sol-

len (vgl. E. 1.2.3.4). 

1.2.3.4 Aufgrund der falschen Rollenzuweisung wurden F. und E. von der Bundesan-

waltschaft unter unzutreffender Rechts- und Pflichtbelehrung einvernommen. Es 

ist zu prüfen, ob die Aussagen von F. und E. überhaupt verwertbar sind. 

a) Mit Urteil 6B_269/2018 vom 24. Oktober 2018 erwog das Bundesgericht zur 

Verwertbarkeit von Protokollen bei falscher Rollenzuweisung (Einvernahme als 

Zeuge anstatt Auskunftsperson nach Art. 178 lit. d StPO), dass der Auskunfts-

person gemäss Art. 178 lit. d StPO im Unterschied zum Zeugen ein allgemeines 

Aussageverweigerungsrecht zusteht. Dies gilt auch für die Auskunftsperson nach 

Art. 178 lit. f StPO (Art. 180 Abs. 1 StPO «Die Auskunftspersonen nach Artikel 

Buchstaben b – g sind nicht zur Aussage verpflichtet, für sie gelten sinngemäss 

die Bestimmungen über die Einvernahme der beschuldigten Person.»). Während 

die Auskunftsperson jederzeit und ohne Begründung eine Frage nicht beantwor-

ten darf (DONATSCH, a.a.O., Art. 180 StPO N. 18 und N. 21), muss ein Zeuge 

unter Bussandrohung grundsätzlich wahrheitsgemäss aussagen und darf nur in 

bestimmten Fällen die Aussage verweigern (Art. 163 Abs. 2 und Art. 168 ff. 

StPO). Entsprechend kann das Aussageverweigerungsrecht der Auskunftsper-

son nicht mit dem Aussageverweigerungsrecht des Zeugen gleichgesetzt wer-

den (BGE 144 IV 28 E. 1.3.1), sondern geht über dieses hinaus. Weiter unter-

steht die Auskunftsperson im Gegensatz zum Zeugen nicht einer mit Strafe nach 

Art. 307 StGB bedrohten Wahrheitspflicht (Art. 177 Abs. 1 StPO). Das Aussage-

verweigerungsrecht der Auskunftsperson gründet auf der Überlegung, dass 

diese wegen ihrer tatsächlichen oder möglichen Involvierung in die abzuklärende 

Straftat nicht dem Druck ausgesetzt wird, sich selbst belasten zu müssen, falls 

sie als Täter oder Teilnehmer nicht ausgeschlossen werden kann. (Urteil 

6B_269/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 1.3; BGE 144 IV 28 E. 1.3.1). Ihre Stel-

lung im eigenen Strafverfahren soll nicht dadurch erschwert werden, dass sie im 

fremden Verfahren gegen eine mitbeschuldigte Person einer Wahrheits- und 

Aussagepflicht unterstellt wird und dadurch in Gewissenskonflikt gerät, entweder 

sich selbst zu belasten oder erneuter Straffälligkeit auszusetzen, indem sie die 

Aussage zu Unrecht verweigert oder falsche Aussagen macht. (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_171/2017 E. 3.2.2; vgl. BBl 2006 1208 f. Ziff. 2.4.4). Dem  

- 12 - 

SK.2022.6 

Beschuldigten steht es nicht zu, Vorschriften, welche den Schutz anderer Ver-

fahrensbeteiligter, wie etwa der Auskunftsperson bezwecken, in deren Namen 

als verletzt anzurufen und gestützt darauf die Unverwertbarkeit der unter falscher 

Rechts- und Pflichtbelehrung durchgeführten Einvernahme geltend zu machen. 

Mit Urteil 6B_269/2018 vom 24. Oktober 2018 erwog das Bundesgericht, dass in 

einer solchen Fallkonstellation die staatsanwaltliche Einvernahme verwertbar ist 

(E. 1.4 des Urteils). 

b) Dass die Beschuldigten durch die fehlerhafte Rechts- und Pflichtbelehrung von 

F. und E. in eigenen Rechten betroffen wären, legen die Beschuldigten nicht dar 

und ist auch nicht ersichtlich. Indem die beiden Einvernommenen durch die Bun-

desanwaltschaft darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie keine falschen 

Aussagen machen dürfen, andernfalls nach Art. 307 StGB (Falsches Zeugnis) 

bestraft würden, wurden sie sogar noch strenger belehrt als es das Gesetz für 

eine Auskunftsperson vorsieht. Unter diesen Umständen hat sich die falsche Rol-

lenzuweisung nicht nachteilig auf die Rechte der Beschuldigten ausgewirkt. Im 

Ergebnis sind die Einvernahmeprotokolle von F. und E. verwertbar. 

1.2.4 Verwertbarkeit der Wahrnehmungsberichte 

1.2.4.1 Die Verteidigerin von B. sowie der Verteidiger von C. rügen im Zusammenhang 

mit den Wahrnehmungsberichten der Grenzwachtbeamten vom 22., 24. und 

25. Januar 2021 eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Sie machen geltend, 

die Wahrnehmungsberichte seien unverwertbar, da B. sowie C. keine Gelegen-

heit erhalten hätten, den Grenzwachtbeamten Fragen zu stellen. (TPF pag. 

3.721.055; 3.721.063) 

1.2.4.2 Voraussetzung für die Verwertbarkeit von belastenden Aussagen in Wahrneh-

mungsberichten ist die Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO). In einem ähnlich gelagerten Fall mit Polizeirapporten erwog das Bundes-

gericht, dass eine belastende Zeugenaussage grundsätzlich nur verwertbar ist, 

wenn der Beschuldigte den Belastungszeugen wenigstens einmal während des 

Verfahrens in direkter Konfrontation befragen konnte (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3). 

1.2.4.3 Die Grenzwachtbeamten F., E. und G. verfassten am 22. Januar 2021 (G.), 

24. Januar 2021 (E.) und 25. Januar 2021 (F.) je einzeln Wahrnehmungsberichte 

(BA pag. 12-01-0010; 12-02-0008; 12-03-0008). Der Inhalt dieser Berichte be-

stätigten die Grenzwachtbeamten anlässlich ihrer Einvernahmen bei der Bundes-

anwaltschaft vom 1. (F. und E.) bzw. 2. (G.) Juni 2021 (BA pag. 12-01-0018;  

12-02-0015; 12-03-0014). Wie noch aufzuzeigen sein wird, waren diese Einver-

nahmen parteiöffentlich (E. 1.2.5.4). Bei den Einvernahmen waren jeweils der 

Verteidiger der Beschuldigten A. und B. anwesend. Die Beschuldigten konnten 

von ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör, insbesondere von ihrem Recht,  

- 13 - 

SK.2022.6 

Ergänzungsfragen zu stellen, vollumfänglich Gebrauch machen. Die Wahrneh-

mungsberichte von F., E. und G. sind damit als Beweismittel uneingeschränkt 

verwertbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2013 vom 3. März 2014 

E. 1.3.2; vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 

19. Dezember 2017 E. 3.4.2). Bei den Wahrnehmungsberichten der übrigen 

Grenzwachtbeamten bestand hingegen keine Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu 

stellen. Sie dürfen daher, sofern von Relevanz, nicht zulasten der Beschuldigten 

berücksichtigt werden. 

1.2.5 Verwertbarkeit der angeblich teilnahmslos erhobenen Zeugenaussagen 

1.2.5.1 Die Verteidigerin von B. macht geltend, ihr Mandant sei im Vorverfahren nicht 

ordentlich verteidigt gewesen. Es habe eine unzulässige Mehrfachverteidigung 

vorgelegen. Der damalige Verteidiger habe für B. weder rechtsgültig Vorladun-

gen empfangen (Art. 87 Abs. 3 StPO) noch rechtsgültig dessen Teilnahme- und 

Ergänzungsfragerechte wahrnehmen können (Art. 147 StPO). Als Folge davon 

seien die Zeugenaussagen der Grenzwachtbeamten bei der Bundesanwaltschaft 

vom 1. und 2. Juni 2021 teilnahmslos erhoben worden. Die Aussagen seien des-

halb nicht zum Nachteil von B. verwertbar. (TPF pag. 3.721.054 f.; 3.721.063 [vgl. 

Einwand von C.]; 3.721.085 [vgl. Einwand von D.]) 

1.2.5.2 Gemäss Art. 127 Abs. 3 StPO kann ein Rechtsbeistand in den Schranken von 

Gesetz und Standesregeln im gleichen Verfahren die Interessen mehrerer Ver-

fahrensbeteiligter wahren. In diesem Zusammenhang zu beachten ist insbeson-

dere Art. 12 lit. c des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen 

und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61), wonach Anwälte jeden Konflikt 

zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie ge-

schäftlich oder privat in Beziehung stehen, zu meiden haben. Daraus ergibt sich 

insbesondere das Verbot der Doppelvertretung: Der Anwalt darf nicht in ein und 

derselben Streitsache Parteien mit gegenläufigen Interessen vertreten, weil er 

sich diesfalls weder für den einen noch für den anderen Klienten voll einsetzen 

könnte. Bei Mehrfachverteidigungsmandaten desselben Rechtsvertreters für 

zwei oder mehrere beschuldigte Personen im gleichen oder sachlich zusammen-

hängenden Verfahren besteht gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts 

grundsätzlich ein Interessenkonflikt, der einen Verfahrensausschluss eines Ver-

teidigers rechtfertigen kann. Dies auch dann, wenn die Mandanten der Mehrfach-

verteidigung zustimmen. Bei seinem Entscheid über die Nichtzulassung bzw. Ab-

berufung von Anwälten hat der Verfahrensleiter entsprechenden Interessenkon-

flikten in jedem Verfahrensstadium vorausschauend Rechnung zu tragen. Eine 

Mehrfachverteidigung könnte allenfalls (im Interesse der Verfahrenseffizienz) 

ausnahmsweise erlaubt sein, sofern die Mitbeschuldigten durchwegs identische 

und widerspruchsfreie Sachverhaltsdarstellungen geben und ihre Prozessinte-

ressen nach den konkreten Umständen nicht divergieren (Urteile des Bundesge-

richts 1B_7/2009 vom 16. März 2009 E. 5.5; 1B_611/2012 vom 29. Januar 2013 

E. 2.2; RUCKSTUHL, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 127 StPO N. 9; 

- 14 - 

SK.2022.6 

BGE 141 IV 257 E. 2.1; 135 II 145 E. 9.1; Urteile des Bundesgerichts 

1B_263/2016 vom 4. Oktober 2016 E. 2.1; 6B_1076/2010 vom 21. Juni 2011 

E. 2.2.2; 1B_7/2009 vom 16. März 2009 E. 5.5, 5.9 und 5.11, je m.w.H.; vgl. FELL-

MANN, Kommentar zur Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 12 BGFA N. 107; LIE-

BER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014., 

Art. 127 StPO N 13; SCHMID, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 127 StPO N 4). 

Eine Doppelvertretung erachtet das Bundesgericht daher nur als zulässig, wenn 

«in Bezug auf die einzelnen Verfahrensbeteiligten keine Interessenkollision oder 

auch nur der Anschein einer solchen Kollision» besteht (Urteil des Bundesge-

richts 1B_611/2012 vom 29. Januar 2013 E. 2.1). Es lässt sich ferner nicht von 

vornherein ausschliessen, dass im Verlauf des Verfahrens ein Beschuldigter 

seine Schuld einem anderen anzulasten oder zumindest zu Lasten eines ande-

ren zu verringern versucht (BGE 141 IV 257 E. 2.1; vgl. FELLMANN, a.a.O., Art. 12 

BGFA N. 107). 

1.2.5.3 Im Vorverfahren bestand eine Mehrfachverteidigung. Der Bundesanwaltschaft 

war dieser Umstand bekannt. Dies ergibt sich aus einer Aktennotiz der zuständi-

gen Staatsanwältin betreffend ein Telefonat mit dem Voranwalt vom 5. März 2021 

(BA pag. 16-01-0019). Dieser ist zu entnehmen, dass die Staatsanwältin den 

Voranwalt auf Problematik der Mehrfachverteidigung anspricht und mit ihm über-

einkommt, einerseits Vollmachten betreffend aller vier Beschuldigten zu den Ak-

ten zu reichen und andererseits eine «Erklärung zum Thema einer allfälligen In-

teressenkollision». Die einverlangte Erklärung wurde in der Folge nie eingereicht. 

Nachgereicht wurde bloss eine von allen vier Beschuldigten unterzeichnete An-

waltsvollmacht, gemäss welcher die «Klientschaft bestätigt, dass sie hinsichtlich 

Strafanzeige wie auch ihrer Verteidigung gemeinsam von RA N. vertreten wer-

den möchte und hierin (zumindest vorderhand) keine Interessenkonflikte er-

kennt.» (BA pag. 16-01-0026). 

1.2.5.4 Das Bundesstrafgericht hatte in einer ähnlich gelagerten Konstellation (erbetene 

Verteidigung für Ehefrau und amtliche Verteidigung für Ehemann in teils gleichen 

Sachverhaltskomplexen) zu klären, ob der Anspruch auf wirksame Verteidigung 

trotz Mehrfachverteidigung gewahrt wurde, wobei es beim Entscheid eine ex ante 

Betrachtung zu Grunde legte (Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.44 vom 

30. September 2016 und 30. März 2017 E. 3.5.4.3 b). Diese Betrachtungsweise 

führt vorliegend zu folgendem Ergebnis: Für das Gericht war zu berücksichtigen, 

dass die den Beschuldigten zur Last gelegten Straftaten zwar den gleichen Sach-

verhaltskomplex betreffen, sie aber bei ihren Einvernahmen bei der Bundesan-

waltschaft den äusseren Ablauf des Geschehens nicht in allen Teilen deckungs-

gleich schilderten, ohne sich aber gegenseitig zu belasten. Vor diesem Hinter-

grund war es ex ante betrachtet jedenfalls angezeigt, dass die Einzelrichterin mit 

Schreiben vom 26. April 2022 von einer potenziellen Interessenkollision hinsicht-

lich der Mehrfachverteidigung der Beschuldigten ausging, zumal im damaligen 

- 15 - 

SK.2022.6 

Zeitpunkt nicht voraussehbar war, wie sich das Aussageverhalten der Beschul-

digten entwickeln wird. Mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens steht jedenfalls 

fest, dass den Beschuldigten aus der Mehrfachverteidigung im Vorverfahren kein 

Nachteil erwachsen ist. Die Einvernahmen der Grenzwachtbeamten vom 1. und 

2. Juni 2021 wurden somit nicht teilnahmslos, sondern parteiöffentlich unter Wah-

rung der Verteidigungsrechte erhoben. Die Einvernahmeprotokolle der Beschul-

digten sind daher verwertbar. 

1.2.6 Verwertbarkeit der Videoaufnahmen 

1.2.6.1 Der Verteidiger von C. macht geltend, die Videoaufnahmen vom inkriminierten 

Vorfall vom 22. Januar 2021 dürften nur zugunsten der Beschuldigten verwertet 

werden, da keine Beschlagnahmeverfügung erlassen worden sei. Dies wäre eine 

Gültigkeitsvorschrift gewesen. (TPF pag. 3.721.062) 

1.2.6.2 Gemäss Art. 263 Abs. 2 Satz 1 StPO ist die Beschlagnahme mit einem schriftli-

chen, kurz begründeten Befehl anzuordnen. Eine verspätete oder fehlende 

schriftliche Bestätigung einer mündlich angeordneten Beschlagnahme hat indes-

sen keine Unverwertbarkeit zur Folge, da es sich bei der betreffenden Vorschrift 

nicht um eine Gültigkeits-, sondern lediglich um eine Ordnungsvorschrift handelt 

(HEIMGARTNER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 

2014, Art. 263 StPO N. 25; in fine Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich 

UH120060 vom 25. Mai 2012 E. 3.2). Auch das Bundesgericht entschied in  

einem ähnlich gelagerten Fall, dass die Anordnung lediglich eine Ordnungsvor-

schrift darstelle. So ist nach Auffassung des Bundesgerichts das Erfordernis  

einer staatsanwaltschaftlichen Durchsuchungsanordnung eine blosse Ordnungs-

vorschrift (BGE 139 IV 128 E. 1.7; vgl. HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 263 StPO 

N. 25). 

1.2.6.3 Die fehlende Beschlagnahmeverfügung hat vorliegend zweifellos keine Unver-

wertbarkeit der Videodateien zur Folge, denn es handelt sich bei der gesetzlichen 

Grundlage für die Anordnung (Art. 263 Abs. 2 Satz 1 StPO) lediglich um eine 

Ordnungsvorschrift (vgl. E.1.2.6.2). 

1.3 Strafanträge 

1.3.1 Die Verteidigerin von B. und der Verteidiger von C. beantragen, die Verfahren 

wegen einfacher Körperverletzung seien mangels gültiger Strafanträge einzustel-

len. Zur Begründung führen sie aus, dass die Strafanträge von F. und E. nicht 

innert der Frist von drei Monaten gemäss Art. 31 StGB gestellt worden seien. 

(TPF pag. 3.721.052; 3.721.076) 

1.3.2  

1.3.2.1 Einfache Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB werden nur auf 

Antrag hin verfolgt. Gemäss Art. 304 Abs. 1 StPO muss ein Strafantrag schriftlich 

- 16 - 

SK.2022.6 

eingereicht oder mündlich zu Protokoll gegeben werden. Unabdingbar ist die  

Erklärung des Willens, dass die Strafverfolgung stattfinden soll (RIEDO, Basler 

Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 30 StGB N. 48; RIEDO/BONER, Basler Kommentar, 

2. Aufl. 2014, Art. 304 StPO N. 7). Der auf Strafverfolgung gerichtete Wille muss 

indes nicht explizit geäussert werden (RIEDO/BONER, a.a.O., Art. 304 StPO N. 7). 

Eine Strafanzeige genügt inhaltlich dann, wenn sich der entsprechende Wille aus 

der Erklärung ergibt. Das dürfte in aller Regel der Fall sein, denn der Verletzte 

erstattet nicht Anzeige bloss mit dem Ziel, die Behörden entsprechend zu infor-

mieren – er will den Täter auch verfolgt wissen (RIEDO, a.a.O., Art. 30 StGB N. 

49; RIEDO/BONER, a.a.O., Art. 304 StPO N. 7; BGE 131 IV 160, nicht publ. E. 2.2). 

Namentlich bei Laieneingaben genügt dies den gesetzlichen Vorgaben. Beste-

hen hinsichtlich des Verfolgungswillens Zweifel, wird es sich empfehlen, beim 

Antragsteller nachzufragen (RIEDO/BONER, a.a.O., Art. 304 StPO N. 7). 

1.3.2.2 Das Antragsrecht erlischt nach drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem Tag, an 

welchem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt ist (Art. 31 StGB). 

Wird die Strafantragsfrist nicht eingehalten, liegt kein für die Strafverfolgung gül-

tiger Strafantrag vor. Diesfalls ist das Verfahren mangels Prozessvoraussetzung 

einzustellen (Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2018.20 vom 15. März 2019 

E. 1.3.5). 

1.3.3 Der inkriminierte Vorfall ereignete sich am 22. Januar 2021. Die Bundesanwalt-

schaft erhob am 1. Februar 2022 gegen B. und C. Anklage wegen einfacher Kör-

perverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB). 

1.3.4 In Bezug auf die Anklagepunkte wegen einfacher Körperverletzung liegen keine 

expliziten Strafanträge vor. Der Strafanzeige der EZV vom 25. Januar 2021 ist zu 

entnehmen, dass nebst den Offizialdelikten auch eine einfache Körperverletzung 

gegen B. und C. zur Anzeige gebracht wurde (BA pag. 05-01-0003, -0017). Als 

Beweise wurden Arztberichte betreffend die Verletzungen von F. und E. bei der 

Bundesanwaltschaft eingereicht. Sodann haben F. und E. in den Einvernahmen 

bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Januar 2021 sowie in ihren Wahrneh-

mungsberichten vom 24. bzw. 25. Januar 2021 ausführlich die inkriminierten Er-

eignisse vom 22. Januar 2021, welche zu den Körperverletzungen geführt haben 

sollen, geschildert. Auf Nachfrage der Bundesanwaltschaft in den Einvernahmen 

von F. und E. vom 1. Juni 2021, ob sie sich bisher so geäussert hätten, dass sie 

die Täterschaft auch wegen einfacher Körperverletzung bestraft haben wollen, 

bestätigten sie dies (BA pag. 12-01-0023; 12-02-0022). Unter diesen Umständen 

und unter Berücksichtigung, dass es sich bei F. und E. um juristische Laien han-

delt, sind ihre Schilderungen vom Januar 2021 dahingehend zu verstehen, dass 

sie Strafantrag wegen einfacher Körperverletzung stellen wollten. Die Strafan-

tragsfrist ist eingehalten. 

1.3.5 Im Ergebnis liegen gültige Strafanträge vor. 

  

- 17 - 

SK.2022.6 

1.4 Würdigungsvorbehalte 

1.4.1 Will das Gericht den Sachverhalt rechtlich anders würdigen als die Staatsanwalt-

schaft in der Anklageschrift, so eröffnet es dies den anwesenden Parteien und 

gibt ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme (Art. 344 StPO). Ein solcher Würdi-

gungsvorbehalt will sicherstellen, dass das Gericht nicht eine rechtliche Würdi-

gung des Sachverhalts vornimmt, zu welcher der Beschuldigte und die Bundes-

anwaltschaft rechtlich nicht haben Stellung nehmen können. 

1.4.2 Die Einzelrichterin gab der Bundesanwaltschaft, Rechtsanwältin Elif Sengül so-

wie Rechtsanwältin Laura Jetzer an der Hauptverhandlung bekannt, den Haupt-

vorwurf gegen A. (Anklageziffer 1.2.1) und B. (Anklageziffer 1.3.1) wegen Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB) auch unter der 

Tatbestandsvariante der Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB) zu wür-

digen (TPF pag. 3.720.004). Die Würdigungsvorbehalte haben keine wesentliche 

Neuausrichtung der Verteidigung zur Folge. Die Bundesanwaltschaft sowie die 

Verteidigerinnen konnten sich dazu äussern, so dass die Parteirechte gewahrt 

wurden. 

2. Anklagevorwurf 

Die Bundesanwaltschaft wirft den Brüdern A. und C. sowie ihren Eltern B. und D. 

zusammenfassend vor, sie hätten am 22. Januar 2021 im Zusammenhang mit 

einer Zollkontrolle in der Zollhalle im Terminal 2 am Flughafen Zürich die Grenz-

wachtbeamten F. und E. tätlich angegriffen und sich u.a. der Gewalt und Drohung 

gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig ge-

macht. C. und B. hätten überdies die Beamten F. und E. an deren Körper verletzt 

und sich dadurch der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

StGB schuldig gemacht. Des Weiteren habe B. die Beamtin E. verbal beleidigt 

und sich der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

3. Rechtliches 

3.1 Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

3.1.1 Nach Art. 285 Ziff. 1 StGB wird bestraft, wer eine Behörde, ein Mitglied einer 

Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die 

innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder 

während einer Amtshandlung tätlich angreift. 

Art. 285 Ziff. 1 StGB umfasst somit drei Tatbestandsvarianten: Hinderung einer 

Amtshandlung mit Gewalt oder Drohung, Nötigung zu einer Amtshandlung mit 

Gewalt oder Drohung und tätlicher Angriff während einer Amtshandlung (HEIM-

GARTNER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 285 StGB N. 4; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_550/2019 vom 8. Juli 2019 E. 4.2). 

- 18 - 

SK.2022.6 

3.1.2 Geschütztes Rechtsgut von Art. 285 StGB ist das Funktionieren staatlicher  

Organe. Angriffsobjekt ist nicht der handelnde Beamte, sondern die Amtshand-

lung als solche. Träger der Amtsgewalt, gegen deren Amtshandlungen sich die 

Tat richten muss, sind Beamte und Behörden sämtlicher Gemeinwesen (Bund, 

Kantone, Bezirke, Kreise, Gemeinden) und deren Körperschaften und Anstalten 

(HEIMGARTNER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, vor Art. 285 StGB N. 3). 

3.1.3 Als Amtshandlung gilt jede Handlung, die Teil der Amtsbefugnisse eines Beam-

ten ist und in seiner örtlichen und sachlichen Zuständigkeit liegt. Eine Amtshand-

lung ist jede Betätigung in der Funktion als Beamter. Erfasst sind alle Teilakte der 

Amtstätigkeit, auch Vorbereitungs- und Begleithandlungen. Entscheidend ist, 

dass die Handlung in Zusammenhang mit der Erfüllung einer öffentlich-rechtli-

chen Funktion steht (Urteile des Bundesgerichts 6B_891/2010 vom 11. Ja-

nuar 2011 E. 3.2; 6B_132/2008 vom 13. Mai 2008 E. 3.3). Dies ist stets der Fall, 

wenn die Handlung für die Ausübung des Amtes und dessen Zweck erforderlich 

ist (HEIMGARTNER, a.a.O., Vor Art. 285 StGB N. 9 mit weiteren Hinweisen). Der 

Täter hindert eine Amtshandlung bereits, wenn diese in einer Art und Weise be-

einträchtigt wird, dass sie nicht reibungslos durchgeführt werden kann (BGE 103 

IV 186 E. 2; HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 5). 

3.1.4 Bei der Tatbestandsvariante des tätlichen Angriffs während einer Amtshandlung 

wird vorausgesetzt, dass der Angriff während der Amtshandlung erfolgt (HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 14). Der Begriff des tätlichen Angriffs nach 

Art. 285 Ziff. 1 StGB stimmt nach der Rechtsprechung mit dem Begriff der Tät-

lichkeit nach Art. 126 StGB überein. Ein tätlicher Angriff besteht mithin in einer 

unmittelbaren körperlichen Aggression im Sinne von Art. 126 StGB (HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 15; Urteil des Bundesgerichts 6B_550/2019 

vom 8. Juli 2019 E. 4.2). Eine Tätlichkeit liegt vor bei einer das allgemein übliche 

und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden physischen Einwirkung 

auf einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur 

Folge hat (BGE 134 IV 189 E. 1.2 S. 191 m.w.H.). Eine Tätlichkeit muss von einer 

gewissen Intensität sein. Vorausgesetzt wird wie bei der Gewalt eine eindeutige 

aggressive Kraftentfaltung gegen die betreffende Amtsperson (HEIMGARTNER, 

a.a.O., Art. 285 StGB N. 15; Urteil des Bundesgerichts 6B_1009/2014 vom 2. Ap-

ril 2015 E. 5.2 [Schlag gegen Knie ohne Verletzungsfolgen]; TRECHSEL/VEST, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 285 

StGB N. 8; RS 1954 Nr. 273; RS 1968 Nr. 39 [Ohrfeigen]; Urteil des Bundesge-

richts 6B_602/2009 vom 29. September 2009 [Faustschläge und Tritte]; SJZ 

1971, 24, Nr. 8 [blutend kratzen]). Das Verursachen eines deutlichen Missbeha-

gens genügt (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 6B_883/2018 vom 18. De-

zember 2018 E. 1.2). Nicht als tätliche Angriffe sind hingegen physische Gebär-

den zu qualifizieren (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 16; TRECHSEL/VEST, 

a.a.O., Art. 285 StGB N. 9). 

- 19 - 

SK.2022.6 

3.1.5 Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz; Eventualvorsatz genügt (Art. 12 

Abs. 1 und 2 StGB). Dem Täter muss bewusst sein, dass es sich bei seinem 

Gegenüber möglicherweise um einen Amtsträger handelt. Zudem muss sich sein 

Vorsatz auch auf die Amtshandlung beziehen, d.h. der Täter muss um das mög-

liche Vorliegen einer Amtshandlung wissen, wobei auch hier Eventualvorsatz 

ausreicht. Bei der Tatbestandsvariante des tätlichen Angriffs während einer 

Amtshandlung muss der Täter zumindest in Kauf nehmen, dass seine Handlung 

einem tätlichen Angriff gleichkommt (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 23). 

3.1.6 Bei Angehörigen des Grenzwachtkorps handelt es sich um Beamte i.S. von 

Art. 110 Abs. 3 StGB (TRECHSEL/VEST, Schweizerisches Strafgesetzbuch,  

Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 110 StGB N. 13 [z.B. Parkwächter, Nacht-

wächter]). Mit Bezug auf den inkriminierten Sachverhalt ist unbestritten, dass die 

Ereignisse im Rahmen von Amtshandlungen stattfanden. Die Grenzwächter führ-

ten die Amtshandlungen im Rahmen ihrer dienstlichen Eigenschaft durch und 

waren als Beamte zu erkennen. 

3.2 Hinderung einer Amtshandlung 

3.2.1 Wer eine Behörde, ein Mitglied einer Behörde oder einen Beamten an einer 

Handlung hindert, die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, wird mit Geldstrafe 

bis zu 30 Tagessätzen bestraft (Art. 286 Abs. 1 StGB). 

3.2.2 In Bezug auf das Angriffsobjekt (Amtshandlung) kann auf die Erwägungen 3.1.2 

verwiesen werden. In objektiver Hinsicht wird verlangt, dass der Täter die Amts-

handlung hindert. Der Täter hindert die Amtshandlung i.S.v. Art. 286 StGB, wenn 

er sie ohne Anwendung von Gewalt oder Drohung derart beeinträchtigt, dass sie 

nicht reibungslos durchgeführt werden kann. Dabei ist nicht erforderlich, dass der 

Täter die Amtshandlung verunmöglicht; es genügt, dass er deren Ausführung er-

schwert, verzögert oder behindert (BGE 133 IV 97 E. 4.2; 127 IV 115 E. 2;  

124 IV 127 E. 3a; HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 286 StGB N. 4). Erschöpft sich die 

Amtshandlung in einer Anordnung, liegt in deren Nichtbefolgung grundsätzlich 

noch kein Hindern. Wenn die Anordnung lediglich als Teilhandlung einer Amts-

handlung zu betrachten ist, liegt in deren Nichtbefolgung ebenfalls noch kein Hin-

dern. Hindert der Täter durch ein weiteres Verhalten die gesamte Amtshandlung, 

liegt indessen eine Hinderung vor (z.B. Weigerung Ausweise zu zeigen und an-

schliessendes Davonfahren; HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 286 StGB N. 12). Das 

aktive Störverhalten bedarf einer gewissen Intensität. Werden polizeiliche Anwei-

sungen missachtet und wird auf derartige Weise auf Beamte eingewirkt, dass die 

Durchführung der Amtshandlung wesentlich erschwert wird, liegt Tatbestands-

mässigkeit vor. Die blosse Aufforderung an einen Beamten, von einer Amtshand-

lung abzusehen, ist hingegen noch unter dieser Schwelle. (HEIMGARTNER, a.a.O., 

Art. 286 StGB N. 7; Urteil des Bundesgerichts 6B_132/2008 vom 13. Mai 2008 

E. 3.4). Aktiver Widerstand gegen eine Amtshandlung, der nicht mit den von 

- 20 - 

SK.2022.6 

Art. 285 StGB vorausgesetzten Mitteln erfolgt, bzw. nicht die dort geforderte In-

tensität aufweist, ist unter Art. 286 StGB zu subsumieren (HEIMGARTNER, a.a.O., 

Art. 286 StGB N. 7; Urteil des Bundesgerichts 6B_701/2009 vom 14. Dezem-

ber 2009 E. 1.4: Verursachen eines «Gerangels», «Rudern» mit den Armen; Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_672/2011vom 30. Dezember 2011 E. 3.3; BGE 74 IV 

63, 75: Herumfuchteln mit den Händen). Bei Art. 286 StGB handelt es sich somit 

um einen Auffangtatbestand im Verhältnis zu Art. 285 StGB. In subjektiver Hin-

sicht muss die Handlung des Täters vom Willen getragen sein, den Amtsträger 

an der Amtshandlung zu hindern. 

3.3 Körperverletzung 

3.3.1 Gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich der einfachen Körperverletzung 

schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer als schwerer Weise an Kör-

per oder Gesundheit schädigt. 

3.3.2 Art. 123 Ziff. 1 StGB erfasst alle Körperverletzungen, welche noch nicht als 

schwer im Sinne von Art. 122 StGB, aber auch nicht mehr als blosse Tätlichkeit 

im Sinne von Art. 126 StGB zu werten sind. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz 

erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (ROTH/BERKEMEIER, a.a.O., Art. 123 

StGB N. 35). 

3.4 Beschimpfung 

3.4.1 Nach Art. 177 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer jemanden in anderer Weise als 

durch üble Nachrede oder Verleumdung i.S.v. Art. 173 ff. StGB durch Wort, 

Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift.  

3.4.2 Erforderlich für die Erfüllung des Tatbestands der Beschimpfung ist, dass der 

Täter seine Verachtung gegenüber dem Betroffenen zum Ausdruck bringt. Die 

Verachtung muss dabei die sittliche Ehre betreffen. Bei der Ehre geht es um die 

Geltung als achtbarer Mensch, den Ruf, «sich so zu benehmen, wie nach allge-

meiner Anschauung ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten 

pflegt (RIKLIN, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Vor Art. 173 StGB N. 7). Bei der 

Beschimpfung handelt es sich primär um die alltäglichen Schimpfworte. Die Ka-

suistik zählt beispielsweise die Bezeichnungen «pétasse» (auf Deutsch 

«Schlampe» [Urteil des Bundesgerichts 6S.634/2001 vom 20. Dezember 2001 

E. 2]), «Schwein», «Luder», «salaud», «Hure», «Halunke», u.v.m., siehe dazu 

die Verweise auf die Rechtsprechung bei RIKLIN, a.a.O., Vor Art. 173 StGB N. 28 

und Art. 177 StGB N. 4 f.; Urteile des Bundesgerichts 6B_794/2007 vom 14. Ap-

ril 2008 E. 3.2; 6B_1270/2017 und 6B_1291/2017 vom 24. April 2018 E. 2.2). Der 

subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. 

  

- 21 - 

SK.2022.6 

4. A. 

4.1 Anklagevorwurf 

Die Anklage wirft A. konkret vor, er sei am 22. Januar 2021 in der Zollhalle Zürich 

von einer Zollkontrolle weggelaufen. Die Grenzwachtbeamtin E. sei ihm nachge-

laufen und habe gesagt, er stehe unter Zollkontrolle und dürfe sich nicht entfer-

nen. Er habe sich geweigert, deren Anweisungen Folge zu leisten und sei statt-

dessen trotzdem weggelaufen. Als E. ihn am linken Arm festgehalten und zu-

rückgezogen habe, sei er aggressiv geworden und habe sie angeschrien und 

gesagt, sie habe ihm nichts zu sagen. Als sie ihn draussen in der Ankunftshalle 

erneut aufgefordert habe, sich wieder in die Zollhalle zu begeben, habe er seine 

Jacke ausgezogen und zu Boden geworfen. Er habe dann E. tätlich angegriffen, 

indem er sie rückwärts geschubst und mit der rechten Faust zu einem Schlag 

ausgeholt habe. Sodann habe sie den Mehrzweckstock herausgeholt. In dem 

Moment habe A. die Grenzwachtbeamtin mit der linken Hand an ihrer Weste ge-

packt und sie zu sich gezogen. Er habe erneut seine rechte Faust aufgezogen, 

um E. zu schlagen. 

4.2 Beweismittel 

4.2.1 Videoaufnahmen 

Die Kantonspolizei Zürich stellte Überwachungsvideos von den Vorfällen beim 

Zollausgang sowie in der Ankunftshalle am Flughafen Zürich sicher. 

Das Videomaterial mit dem Titel «Zollausgang» zeigt, wie A. aus der Schiebetür 

beim Zollausgang hinausläuft, wobei ihn die Grenzwachtbeamtin E. festhält und 

ihm zu verstehen gibt, er müsse wieder in die Zollhalle hereinkommen. (Sequenz 

01:10 bis 01:20 [Zeitstempel 10:54:24 Uhr bis 10:54:34 Uhr]). Im Videomaterial 

mit dem Titel «Ankunft 2 Mitte» ist sodann zu sehen, wie A. in der Ankunftshalle 

unmittelbar vor der Grenzwachtbeamtin E. steht. Er zieht seine Jacke aus und 

wirft sie zu Boden. E. versucht mit dem linken Arm A. von sich wegzudrücken 

und zieht mit der rechten Hand sogleich ihren Mehrzweckstock. Daraufhin hebt 

A. seine rechte Faust und weicht gleichzeitig einen Schritt zurück. Ein körperli-

cher Kontakt zwischen der Grenzwachtbeamtin und A. – ausser ihrem Wegdrü-

cken –, ist in dieser Phase des Geschehens nicht ersichtlich (Sequenz 04:39 bis 

04:44 [Zeitstempel 10:54:42 Uhr bis 10:54:47 Uhr]). 

4.2.2 Aussagen und Wahrnehmungsberichte 

4.2.2.1 a) Anlässlich der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Ja-

nuar 2021 sagte E. als Auskunftsperson aus, dass ihr Kollege F. bei den Eltern 

von A. eine Zollkontrolle durchgeführt habe. Die Zollbeamten hätten A. zum Über-

setzen in die Zollhalle geholt. A. habe ausgerufen und sei von der Zollkontrolle 

- 22 - 

SK.2022.6 

davongelaufen. Sie sei ihm nachgegangen und habe ihm gesagt, dass er unter 

Zollkontrolle stehe und sich nicht entfernen dürfe. Da er nicht reagiert habe und 

weitergelaufen sei, habe sie seine linke Schulter gehalten und ihn zurückgezo-

gen. Er sei sehr aggressiv geworden und habe sie angeschrien. Zu den Ereig-

nissen in der Ankunftshalle sagte sie aus, dass A. die rechte Faust aufgezogen 

und sie mit der linken Hand an ihrer Schutzweste gepackt habe. Er habe sie mit 

der rechten Faust bedroht und mehrfach gestossen. Sie habe dann den Mehr-

zweckstock gezogen. Sie habe gesehen, wie A. nochmals die Faust aufgezogen 

habe. 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 1. Juni 2021 wiederholte 

die Grenzwachtbeamtin als Zeugin ihre bisherigen Aussagen im Wesentlichen 

(BA pag. 12-02-0011, -0029). Sie sagte ergänzend aus, dass A. in der Ankunfts-

halle seine Jacke zu Boden geworfen habe. Er habe angefangen sie rückwärts 

zu schubsen und habe dabei die rechte Faust erhoben. Sie habe dann den Mehr-

zweckstock gezogen. A. habe erneut die Faust hochgenommen. (BA pag. 12-02 

-0015 f., -0017) 

c) Die Darstellungen von E. im Wahrnehmungsbericht vom 24. Januar 2021 kor-

respondieren im Wesentlichen mit ihren Aussagen (BA pag. 12-02-0008, -0010). 

4.2.2.2 a) Der Grenzwachtbeamte F. schilderte am 22. Januar 2021 bei der Kantonspo-

lizei Zürich als Auskunftsperson den Ablauf der Zollkontrolle im Wesentlichen 

gleich wie E. Er habe den Eltern von A. die Einfuhrvorschriften erklärt und gesagt, 

dass die importierten Pflanzenprodukte eingezogen würden und es für das 

Fleisch eine Busse von Fr. 150.-- geben würde. A. habe sich von der Zollkontrolle 

abgewandt und sei eilig zum Zollausgang gegangen. E. habe zweimal hinterher-

gerufen: «Halt», er befände sich in einer Zollkontrolle. Er dürfe sich nicht von der 

Kontrolle entfernen. Er habe auf die Aufforderung von E. nicht reagiert und sei 

einfach weitergelaufen. E. sei ihm nachgegangen. Er habe dann sehen können, 

wie sie von A. in der Ankunftshalle bedrängt worden sei. Sie habe dann den 

Mehrzweckstock gezogen. Daraufhin habe A. die Faust gemacht und zu einem 

Faustschlag gegen E. ausgeholt (BA pag. 12-01-0003, -0006). 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 1. Juni 2021 sagte F. als 

Zeuge weitestgehend gleichbleibend aus (BA pag. 12-01-0016, -0027). Auch im 

Wahrnehmungsbericht vom 25. Januar 2021 schilderte F. die Ereignisse nahezu 

identisch wie in den Einvernahmen (BA pag. 12-01-0010, -0012). 

4.2.2.3 a) In der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Januar 2021 sagte 

A. aus, dass er von den Grenzwächtern zur Übersetzung in die Zollhalle geführt 

worden sei. Sein Vater B. habe Pflanzen und Fleisch mitgeführt, was nicht erlaubt 

gewesen sei. E. habe gesagt, dass die Waren verboten seien. Er sei deshalb 

wütend geworden und habe zum Ausgang gehen wollen, aber E. habe ihn fest-

halten wollen (BA pag. 13-01-0001 f.). 

- 23 - 

SK.2022.6 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 19. August 2021 verwies 

A. auf seine bisherigen Aussagen. Er sagte auf Vorhalt der Videoaufnahmen von 

der Ankunftshalle (Titel: «Ankunft 2 Mitte», Sequenz 04:20 bis 09:58 [bzw. Zeit-

stempel 10:54:22 Uhr bis 11:00:00 Uhr]) ergänzend aus, dass er habe weglaufen 

wollen. E. habe ihn die ganze Zeit anfassen wollen. Er habe ihr immer wieder 

gesagt, sie solle ihn nicht anfassen. Dann habe er seine Jacke ausgezogen. Als 

er gesehen habe, dass sie etwas raushole, habe er die Hand zur Faust geballt. 

(BA pag. 13-01-0030, -0035) 

c) In der Einvernahme an der Hauptverhandlung vom 15. November 2022 bestä-

tige er die bisherigen Aussagen. Er führte ergänzend aus, dass er die Jacke aus-

gezogen habe, damit ihn E. nicht habe zu Boden führen können. (TPF 

pag. 3.730.010 f.) 

4.3 Würdigung 

4.3.1 Unbestrittener Sachverhalt 

Unbestritten ist, dass die Eltern von A. am 22. Januar 2021 am Flughafen Zürich 

in der Zollhalle von den Grenzwachtbeamten F. und E. kontrolliert wurden. Auf-

grund von Verständigungsschwierigkeiten wurde A. als freiwilliger Übersetzer 

von der Ankunftshalle in die Zollhalle geholt. F. erklärte die Einfuhrvorschriften 

und gab bekannt, dass für die mitgeführten Fleischprodukte eine Ordnungsbusse 

von Fr. 150.-- zu bezahlen sei und die Pflanzen eingezogen würden. A. war damit 

nicht einverstanden und verliess fluchend die Zollhalle Richtung Zollausgang, 

woraufhin E. ihm nachlief und ihn zurückhalten wollte. Sie fasste ihn an und sagte 

mehrmals, dass er unter Zollkontrolle steht und sich nicht entfernen darf. Sie hielt 

ihn mit der einen Hand am Arm fest und forderte ihn auf, in die Zollhalle zu kom-

men. A. weigerte sich anzuhalten und ging entgegen den Anweisungen der 

Grenzwachtbeamtin durch den Zollausgang in die Ankunftshalle. Dort forderte 

die Grenzwachtbeamtin A. erneut auf, in die Zollhalle zurückzukehren, worauf er 

seine Jacke auszog und zu Boden warf. Bis zu dieser Phase des Geschehens 

fand keine physische Einwirkung auf den Körper von E. und auch keine unmittel-

bare körperliche Aggression statt. 

4.3.2 Strittiger Sachverhalt 

Vorliegend ist einzig strittig, ob A. die Grenzwachtbeamtin E. in der Ankunftshallte 

tätlich angriff, indem er sie rückwärts schubste und mit der rechten Hand zu ei-

nem Schlag ausholte, sie erneut schubste, an der Weste packte und erneut die 

rechte Faust zu einem Schlag ausholte. 

  

- 24 - 

SK.2022.6 

4.3.3 Beweiswürdigung 

Bei den Aussagen von E. fällt auf, dass sie den Ablauf des Kerngeschehens in 

einer anderen zeitlichen Abfolge schildert, als der in unmittelbarer Nähe anwe-

sende Grenzwachtbeamte F. Laut ihrer Tatversion habe A. die rechte Faust auf-

gezogen und sie mit der linken Hand an ihrer Schutzweste gepackt. Danach habe 

sie den Mehrzweckstock gezogen und er habe sie gestossen und nochmals die 

Faust aufgezogen. Der Grenzwachtbeamte F. schilderte hingegen mehrmals bei 

den Einvernahmen, dass A. die Faust erst erhoben habe, nachdem E. den Mehr-

zweckstock gezogen habe (BA pag. 12-01-0012; 12-01-0020; 12-01-0026). Die 

Tatversion von E. wird aber auch insofern nicht bekräftigt, als dass F. nicht ge-

sehen hat, dass A. die Grenzwachtbeamtin an der Uniform gepackt habe (BA 

pag. 13-01-0026). Die Aussagen von E. finden auch keine Bestätigung durch die 

Aussagen des Grenzwachtbeamten G., welcher sich ebenfalls in unmittelbarer 

Nähe des Geschehens befand (BA pag. 12-03-0001 ff.). Er schilderte vielmehr, 

dass sich E. in einem Handgemenge mit dem Vater von A. befunden habe (BA 

pag. 12-03-0015). Die Aussagen von E. finden aber vor allem keine Bestätigung 

in den Videoaufnahmen. Aufgrund der Videoaufnahmen ist einwandfrei erstellt, 

dass sich A. am 22. Januar 2021 in der Ankunftshalle am Flughafen Zürich wei-

gerte, in die Zollhalle zurückzukehren, worauf die Grenzwachtbeamtin E. ihren 

Mehrzweckstock zog. Als Reaktion darauf hob A. die rechte Faust und trat so-

gleich einen Schritt zurück. Die Sachverhaltsdarstellung von E., wonach sie den 

Mehrzweckstock erst gezogen haben will, nach dem A. die Faust geballt habe, 

ist durch den Videobeweis widerlegt. Auf der Videosequenz ist keine Angriffs-

handlung seitens von A. oder dergleichen zu sehen. Dass A. zu einem Faust-

schlag ausgeholt habe um zuzuschlagen, ist dem Video ebenfalls nicht zu ent-

nehmen. Ebenso wenig ist aufgrund des Videos das A. in der Anklageschrift vor-

geworfene Verhalten, dass er die Grenzwachtbeamtin zuerst rückwärts ge-

schubst, dann die rechte Faust erhoben und wiederum geschubst, sie mit der 

linken Hand an ihrer Schutzweste gepackt und an sich gezogen habe, beweis-

mässig erstellt. Das Gleiche gilt für den Vorwurf, er habe ein zweites Mal die 

Faust erhoben, um E. zu schlagen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf-

grund der Videoaufnahmen – entgegen den anderslautenden Angaben von E. - 

beweismässig erstellt ist, dass weder eine physische Einwirkung seitens A. auf 

den Körper von E., noch eine unmittelbare körperliche Aggression gegen sie 

stattfand. 

Die Aussagen von A. vermögen hingegen zu überzeugen, da sie sich mit den 

Videoaufnahmen decken. Er schildert im Kern immer gleichbleibend und nach-

vollziehbar die Ereignisse. Seine Aussagen geben in ihrer Gesamtheit ein ein-

deutiges, schlüssiges Bild. Sie sind homogen und deckungsgleich (vgl. ARNTZEN, 

Psychologie der Zeugenaussage, 5. Aufl. 2011, S. 34, S. 48). Die Aussagen sind 

in sich stimmig und zeichnen sich durch logische Konsistenz aus (LUDEWIG/BAU-

MER/TAVOR, Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, 2007, S. 49). Es besteht 

- 25 - 

SK.2022.6 

kein Anlass, an deren Richtigkeit zu zweifeln, zumal sie durch objektive Beweis-

mittel (Videoaufnahmen) untermauert werden. 

4.3.4 Beweisergebnis 

Gestützt auf die oben vorgenommene Beweiswürdigung ist festzuhalten, dass 

der angeklagte Sachverhalt eines tätlichen Angriffs von A. gegenüber E. nicht 

rechtsgenüglich erstellt ist. 

4.4 A. ist freizusprechen vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und 

Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB. 

4.5 Was den Würdigungsvorbehalt (Hinderung einer Amtshandlung) anbelangt (vgl. 

E. 1.4), so ist mit Blick auf den Anklagegrundsatz festzuhalten, dass die Anklage 

nicht den Tatvorwurf erhebt, A. habe die Amtshandlungen in zeitlicher Hinsicht 

erschwert und damit gehindert. Ein Schuldspruch würde somit in objektiver Hin-

sicht über den in der Anklage umgrenzten Tatvorwurf (Tätlichkeit während einer 

Amtshandlung) hinausgehen. Sodann umschreibt die Anklage auch in subjekti-

ver Hinsicht nicht, ob A. beabsichtigt habe, die Amtshandlung von E. zu hindern. 

Unter diesen Umständen wäre ein Schuldspruch wegen Art. 286 StGB in objek-

tiver und subjektiver Hinsicht mit dem Anklagegrundsatz nicht zu vereinbaren. 

5. C. 

5.1 Anklagevorwurf 

Der angeklagte Sachverhalt reiht sich chronologisch an das Geschehen zwi-

schen A. und der Grenzwachtbeamtin E. (vgl. E. 4). 

Die Bundesanwaltschaft wirft C. vor, er habe den Grenzwachtbeamten F. am 

Zollausgang angerempelt, als dieser zu seiner Kollegin E. habe gehen wollen. Er 

habe trotz dessen Aufforderung, Abstand zu halten, seinen Körper gegen dessen 

ausgestreckte offene Hand gedrückt. F. sei danach wegen des Angriffs von A. 

auf die Grenzwachtbeamtin E. zu dieser hingeeilt. F. habe A. von hinten am Kopf 

gehalten und ihn zu Boden geführt. Währenddem sei C. auf F. losgegangen. Er 

habe nach dem Kopf von F. gegriffen, dessen Hals gepackt und ihm den Kehlkopf 

zusammengedrückt. Ausserdem habe er ihm mit der Hand ins Gesicht geschla-

gen und seine Finger in dessen Unterkiefer «gegraben». Sodann habe er ver-

sucht, F. von A. wegzuziehen und habe mit dem Würgen und Schlagen des 

Grenzwachtbeamten fortgesetzt.  

Die Anklage wirft C. in diesem Konnex weiter vor, er habe durch sein gewalttäti-

ges Verhalten F. unter anderem multiple Schürfwunden im Gesicht, Würgemale 

- 26 - 

SK.2022.6 

am Hals und ein Distorsionstrauma an der rechten Hand zugefügt. C. habe wis-

sentlich und willentlich gehandelt bzw. habe die Verletzungen als Folge seines 

Verhaltens zumindest billigend in Kauf genommen. 

5.2 Beweismittel 

5.2.1 Arztberichte und Fotodokumentationen 

Gemäss Arztzeugnis von Assistenzarzt I. vom 22. Januar 2021 erlitt F. während 

der Zollkontrolle multiple Schürfwunden im Gesicht, Würgemale am Hals und ein 

Distorsionstrauma an der Hand. Er war zu 100 % während drei Arbeitstagen ar-

beitsunfähig (BA pag. 05-01-0014 f.). 

Am 22. Januar 2021 fotografierte die Kantonspolizei Zürich das Gesicht des 

Grenzwachtbeamten F. mit den Läsionen. Auf den Fotos sind im Hals- und Wan-

genbereich Kratzwunden, Würgemerkmale am Hals, Schürfwunden im Gesicht 

und gerötete Schwellungen zu erkennen. (BA pag. 10-01-0009 f., -0012) 

5.2.2 Videoaufnahmen 

Das Videomaterial mit dem Titel «Zollausgang» zeigt, wie der Grenzwachtbe-

amte F. aus dem Zollausgang kommt. Auf dem Video ist weiter zu erkennen, 

dass C. von der Ankunftshalle zum Zollausgang kommt. Die beiden Personen 

stehen sich gegenüber. C. hält mit beiden Händen seine Nichte auf dem Arm, 

ohne den Grenzwächter zu berühren. (Sequenz 01:20 bis 01:31 [Zeitstempel 

10:54:34 Uhr bis 10:54:45 Uhr]). 

Im Videomaterial mit dem Titel «Ankunft 2 Mitte» ist zu sehen, wie der Grenz-

wachtbeamte F. in das Geschehen zwischen A. und E. eingreift. Er packt A. von 

hinten mit dem rechten Arm um den Hals und führt ihn mit einem Würgegriff zu 

Boden. In der folgenden Aufnahmesequenz des Videos ist ein Teil des weiteren 

Geschehens aufgrund der tumultartigen «Auseinandersetzung», mit mehreren 

Personen, nicht klar ersichtlich. Zu sehen ist, dass C. gestikulierend zu seinem 

Bruder eilt. Auf den Aufnahmesequenzen ist kein körperlicher Kontakt zwischen 

C. und F. ersichtlich. Das weitere angeklagte Geschehen zwischen C. und F. 

verlagert sich hinter eine Trennwand beim Zolleingang, welches auf den Video-

aufnahmen nicht mehr ersichtlich ist. (Sequenz 04:45 bis 04:51 [Zeitstempel 

10:54:46 Uhr bis 10:54:54 Uhr]). 

5.2.3 Aussagen und Wahrnehmungsberichte 

5.2.3.1 a) Der Grenzwachtbeamte F. sagte am 22. Januar 2021 bei der Kantonspolizei 

Zürich als Auskunftsperson aus, dass C. zum Zollausgang gekommen sei. Er 

habe ihn mit dem ausgestreckten Arm darauf hingewiesen, dass er Abstand hal-

ten solle. C. habe mit seinem Körper gegen seine Hand gedrückt. Zum Vorfall in 

- 27 - 

SK.2022.6 

der Ankunftshalle sagte er aus, dass A. zu einem Faustschlag gegen E. ausge-

holt habe. Er habe sofort reagiert und ihn von hinten am Kopf gehalten und zu 

Boden geführt. A. habe gesagt, dass er keine Luft mehr kriege. Daraufhin sei C. 

dazugekommen und habe nach seinem Kopf gegriffen und ihn gewürgt. C. habe 

absichtlich seinen Kehlkopf zusammengedrückt. Gleichzeitig habe er immer wie-

der Schläge auf der linken Seite des Gesichts, auf der Höhe des Auges und der 

Schläfe, gespürt. C. habe weiter auf ihn eingeschlagen und ihn weiterhin ge-

würgt, bis er den Griff bei A. gelockert habe. Er habe ebenfalls gespürt, wie die 

Person mit den Fingern an seine Kieferknochen gegriffen und versucht habe, ihn 

von A. wegzuziehen (BA pag. 12-01-0003, -0007). 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 1. Juni 2021 sagte F. als 

Zeuge weitestgehend gleichbleibend aus (BA pag. 12-01-0016, -0027). Er führte 

ergänzend aus, dass C. auf seinen Kehlkopf eingewirkt habe. Daraufhin habe er 

strake Schläge auf die linke Hals- und Gesichtsseite gespürt. 

c) Im Wahrnehmungsbericht 25. Januar 2021 schilderte F. die inkriminierten Er-

eignisse nahezu identisch wie in den Einvernahmen (BA pag. 12-01-0010,  

-0012). 

5.2.3.2 a) Anlässlich der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Ja-

nuar 2021 sagte E. aus, dass der Grenzwachtbeamte F. A. gepackt und zur Seite 

gerissen habe. Daraufhin sei C. auf F. losgegangen. Sie habe gesehen, wie F. 

gewürgt worden sei (BA pag. 12-02-0002 f.). 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 1. Juni 2021 wiederholte 

die Grenzwachtbeamtin als Zeugin ihre Aussagen im Wesentlichen (BA pag.  

12-02-0011, -0029). Sie sagte ergänzend aus, dass F. mit einer Person am Bo-

den gelegen sei. Eine weitere Person sei oben auf F. gelegen und habe ihn am 

Hals gewürgt und mit der Hand auf den Hals geschlagen. (BA pag. 12-02-0015 f., 

-0017) 

c) Die Darstellungen von E. im Wahrnehmungsbericht vom 24. Januar 2021 kor-

respondieren im Wesentlichen mit ihren Aussagen (BA pag. 12-02-0008 f.). 

5.2.3.3 a) In der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Januar 2021 sagte 

der Grenzwachtbeamte G. als Auskunftsperson aus, dass F. A. festgehalten 

habe. Daraufhin sei C. auf F. losgegangen. Er könne aber nicht sagen wie. Es 

sei alles dynamisch gewesen. Er könne nicht sagen, ob C. den Grenzwachtbe-

amten F. von hinten gehalten habe. Er habe keine Faustschläge gesehen (BA 

pag. 12-03-0003). 

- 28 - 

SK.2022.6 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 2. Juni 2021 verwies G. 

als Zeuge auf seine bisherigen Aussagen und sagte weitestgehend gleichblei-

bend aus. Er sagte ergänzend aus, dass C. versucht habe, A. von F. loszulösen. 

F. sei von C. angegriffen worden (BA pag. 12-03-0015 f.). 

5.2.3.4 a) Der Beschuldigte C. sagte am 22. Januar 2021 bei der Kantonspolizei Zürich 

aus, dass der Grenzwachtbeamte F. seinen Arm fest um den Hals seines Bruders 

gedrückt und ihn zu Boden gerissen habe. Sein Bruder habe geschrien, dass er 

keine Luft bekomme. Er habe deshalb versucht, seinem Bruder zu helfen (BA 

pag. 13-02-0002 f.). 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 18. August 2021 sagte 

der Beschuldigte auf Vorhalt einer Videoaufnahme von der Ankunftshalle (Titel: 

«Ankunft 2 Mitte»; Sequenz 04:20 bis 09:58 [bzw. Zeitstempel 10:54:22 Uhr bis 

11:00:00 Uhr]) aus, dass man sehe, wie F. seinen Bruder von hinten an den Hals 

greife und auf den Boden drücke. Auf Vorhalt einer weiteren Videosequenz (Titel: 

«Zollausgang»; Sequenz 00:00 bis 06:26 [bzw. Zeitstempel 10:49 Uhr bis 10:59 

Uhr]) sagte er ergänzend aus, dass sein Bruder A. Probleme gehabt habe, nach 

Luft zu schnappen, da er von F. gewürgt worden sei. Er habe mehrmals ge-

schrien, dass er keine Luft bekomme. Er sei dann zu F. gesprungen, um seinem 

Bruder zu helfen. Dies sei der einzige Weg gewesen, um seinen Bruder von der 

tödlichen Position zu befreien. Er habe F. geschubst, um seinem Bruder zu helfen 

(BA pag. 13-02-0012, -0020). 

c) Anlässlich der Einvernahme an der Hauptverhandlung vom 15. Novem-

ber 2022 bestätige er seine bisherigen Aussagen (TPF pag. 3.730.013). 

5.2.3.5 a) In der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Januar 2021 sowie 

bei der Bundesanwaltschaft vom 19. August 2021 sagte A. aus, dass der Grenz-

wächter F. ihn von hinten am Hals gepackt und gewürgt habe. Er habe keine Luft 

bekommen. Daraufhin habe sein Bruder C. ihm geholfen (BA pag. 13-01-0001 f.; 

13-01-0030, -0038). 

b) In der Einvernahme an der Hauptverhandlung vom 15. November 2022 bestä-

tige A. seine bisherigen Aussagen. (TPF pag. 3.730.010 f.) 

5.2.3.6 Anlässlich der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 18. August 2021 

sagte B. aus, dass sein Sohn A. wahrscheinlich erstickt wäre, wenn sein Bruder 

C. ihm nicht zu Hilfe gekommen wäre. (BA pag. 13-03-0010, -0015) 

  

- 29 - 

SK.2022.6 

5.3 Würdigung 

5.3.1 Unbestrittener Sachverhalt 

Unbestritten ist, dass C. seinem Bruder zu Hilfe eilte, als dieser vom Grenzwacht-

beamten F. um den Hals gepackt und zu Boden geführt wurde. Unbestritten sind 

sodann die Verletzungen von F. (vgl. E. 5.2.1). 

5.3.2 Bestrittener Sachverhalt 

Strittig ist einzig, ob C. den Grenzwachtbeamten beim Zollausgang anrempelte 

und seinen Körper gegen dessen ausgestreckte Hand drückte. Sodann ist Be-

weisthema, ob C. den Grenzwachtbeamten F. daraufhin an den Kopf griff, des-

sen Hals packte, ihm den Kehlkopf zusammendrückte, mit der Hand ins Gesicht 

schlug, seine Finger in den Unterkiefer grub und daraufhin mit dem Würgen und 

Schlagen fortsetzte, was gemäss Anklageschrift zu den diagnostizierten Verlet-

zungen führte. 

5.3.3 Beweiswürdigung 

Beweismässig ist erstellt, dass F. seiner Kollegin E. via Zollausgang zu Hilfe eilte, 

als diese in der Ankunftshalle A. anhielt. Aufgrund der Videoaufnahmen ist er-

wiesen, dass C. den Grenzwachtbeamten F. beim Zollausgang weder angerem-

pelt noch tätlich angegriffen hat, noch dass er seinen Körper gegen die offene 

Hand von F. gedrückt hat. Die Videoaufnahmen belegen, dass F. A. von hinten 

in den Würgegriff nahm, worauf dieser keine Luft mehr bekam. Auch F. bestä-

tigte, dass A. gesagt habe, dass er keine mehr Luft kriegte (BA pag. 12-01-0004). 

In diesem Moment griff C. ins Geschehen ein (BA pag. 13-03-0015). Den Video-

aufnahmen ist nicht zu entnehmen, dass er F. körperlich berührt, geschlagen 

oder an dessen Kopf und Hals gegriffen hat, da sich das Geschehen hinter eine 

Trennwand verschob. Als Nachweis für das inkriminierte Tatgeschehen in die-

sem Bereich, wonach C. den Grenzwachtbeamten F. im Kopf- und Halsbereich 

tätlich angegriffen haben soll, stehen keine Videoaufnahmen zur Verfügung. Als 

Beweismittel stehen einzig die Aussagen der Grenzwachtbeamten F., E. und G. 

sowie diejenigen von C. zur Verfügung. Vergleicht man die Aussagen, kommt 

das Gericht zum Schluss, dass die Realitätskriterien in den Schilderungen der 

Grenzwachtbeamten mehr ausgeprägt sind, als diejenigen von C. Sie sagen de-

ckungsgleich aus, dass C. auf F. losgegangen sei. Der Grenzwachtbeamte F. 

schilderte detailreich, wie C. nach seinem Kopf griff, seinen Hals packte und den 

Kehlkopf zusammendrückte, ihm auf die linke Hals- und Gesichtshälfte schlug 

und mit den Fingern an seinen Kiefer griff. Seine Aussagen vermögen zu über-

zeugen, da sie im Kern immer gleichbleibend die Ereignisse nachvollziehbar und 

anschaulich darlegen. Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen von F. spricht auch, 

dass sie sich objektivieren lassen. Er war nach dem Vorfall vom 22. Januar 2021 

gleichentags in der O. AG in ärztlicher Behandlung. Gemäss ärztlichem Attest 

- 30 - 

SK.2022.6 

von Assistenzarzt I. wurden bei F. unter anderem multiple Schürfwunden im Ge-

sicht und Würgemale am Hals festgestellt (BA pag. 05-01-0015). Die diagnosti-

zierten Verletzungen stimmen mit dem von F. geschilderten Tathergang überein 

und ergeben ein in sich stimmiges Gesamtbild. Die Aussage von C., wonach er 

F. lediglich geschubst haben will, ist aufgrund des eben ausgeführten widerlegt. 

Ausserdem stellte er nie in Abrede, dass er F. die Verletzungen zugefügt haben 

soll. Für das Gericht ist daher erwiesen, dass C. den Grenzwachtbeamten F. 

angegriffen (an den Kopf greifen; am Hals packen; den Kehlkopf zusammendrü-

cken; mit der Hand auf das Gesicht schlagen; mit dem Finger in den Unterkiefer 

drücken; würgen) hat. Er hat ihm dadurch die Verletzungen (Schürfwunden im 

Gesicht, Würgemale am Hals, Distorsionstrauma) zugefügt. Beweismässig ist 

der angeklagte Sachverhalt in der Ankunftshalle erstellt. 

5.4 Subsumtion 

In objektiver Hinsicht ist erwiesen, dass der Beschuldigte den Grenzwachtbeam-

ten F. im Rahmen der Festnahme von A. tätlich angriff. Die von C. vorgenomme-

nen Handlungen haben die erforderliche Intensität, um tatbestandsmässig zu 

sein. Das objektive Tatbestandsmerkmal der Hinderung einer Amtshandlung 

durch einen tätlichen Angriff ist gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB vorliegend aufgrund 

des Beweisergebnisses erfüllt. 

C. hat dem Grenzwachtbeamten F. durch den tätlichen Angriff Verletzungen zu-

gefügt. Die objektiven Tatbestandsmerkmale von Art. 123 Ziff. 1 StGB sind somit 

erfüllt. 

Wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird (E. 5.6.3), ist C. freizusprechen. 

Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens kann daher offen bleiben, ob der sub-

jektive Tatbestand jeweils erfüllt ist. 

5.5 Nichtigkeit der Amtshandlung 

5.5.1 Leidet eine Amtshandlung an einem Nichtigkeitsgrund, liegt keine Amtshandlung 

im Rechtssinne vor, was die Tatbestandsmässigkeit ausschliesst. Nichtigkeit ei-

ner Amtshandlung besteht gemäss Evidenztheorie bei Vorliegen eines schwer-

wiegenden Mangels, der offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist. Ge-

mäss Lehre und Rechtsprechung sollten gesetzeswidrige Festnahmen, die den 

Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllen, als Nichtige Amtshandlungen im 

Sinne von Art. 285 StGB qualifiziert werden. (HEIMGARTNER, a.a.O., Vor Art. 285 

StGB N. 22; vgl. Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom 21. April 1972, in: 

Die Praxis des Kantonsgerichtes von Graubünden, S. 68). Die Fehleinschätzung 

in Bezug auf das Vorliegen der Festnahmevoraussetzungen ist allerdings nur bei 

eindeutiger Überschreitung des Ermessens gesetzeswidrig (HEIMGARTNER, 

a.a.O., Vor Art. 285 StGB N. 22; HEGNAUER, SJZ 1956. S. 104). Gemäss  

- 31 - 

SK.2022.6 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist allerdings eine Nichtigkeit i.S.v. Evidenz-

verstössen nicht ausreichend, um der Amtshandlung den Schutz von Art. 285 f. 

StGB zu versagen. Weiter wird vorausgesetzt, dass Rechtsmittel keinen wirksa-

men Schutz erwarten lassen und der Widerstand der Bewahrung oder Wieder-

herstellung des rechtmässigen Zustandes dient. (HEIMGARTNER, a.a.O., 

Vor Art. 285 StGB N. 24).  

5.5.2 Beweismässig ist erstellt, dass A. gegenüber der Grenzwachtbeamtin E. nicht 

tätlich wurde (E. 5.2.4.3). Es bestand somit kein rechtfertigender Anlass für den 

Grenzwachtbeamten F., A. von hinten in den Würgegriff zu nehmen und ihn zu 

Boden zu führen. A. schrie mehrmals, dass er keine Luft bekomme und drohte 

vermeintlich zu ersticken. Die Zwangsmassnahme von F. war nicht nur materiell 

rechtswidrig, sondern angesichts der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter 

(Schutz der staatlichen Funktion; Leib und Leben) eindeutig unverhältnismässig, 

zumal es bei der Zollkontrolle lediglich um eine Ordnungsbusse ging (E. 4.3.1). 

Unter diesen Umständen war die Amtshandlung schwerwiegend mangelhaft. 

Ausser Frage steht, dass C. angesichts der vermeintlich lebensbedrohlichen Si-

tuation keine Zeit blieb, sich mittels eines Rechtsmittels gegen die rechtswidrige 

Amtshandlung zur Wehr zu setzen. Es handelt sich daher um eine nichtige Amts-

handlung, was die Tatbestandsmässigkeit ausschliesst. 

5.6 Notwehrhilfe 

5.6.1 Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar bedroht, so ist der Ange-

griffene oder jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen ange-

messenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB; «rechtfertigende Notwehr»). Die 

Abwehr in einer Notwehrsituation muss nach der Gesamtheit der Umstände als 

verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen insbesondere die Schwere des 

Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art 

des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Verwendung. Art. 16 StGB be-

schreibt den Notwehrexzess. Angemessen ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht 

mit weniger gefährlichen und zumutbaren Mitteln hätte abgewendet werden kön-

nen (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017 E. 2.2.2). 

Überschreitet der Abwehrende die Grenze der Notwehr nach Art. 15 StGB, so 

mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB; «entschuldbare Notwehr»). 

Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Auf-

regung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 

Abs. 2 StGB). 

5.6.2 Der Grenzwachtbeamte F. griff den Beschuldigten A. rechtswidrig und unverhält-

nismässig an. A. befand sich im Würgegriff von F. und bekam keine Luft. Unter 

diesen Umständen war es gerechtfertigt und angemessen, dass C. helfend ein-

griff und seinen Bruder vom Würgegriff befreite. C. handelte in Notwehrhilfe 

(Art. 15 StGB). Ausser Frage steht übrigens, dass kein Notwehrhilfeexzess vor-

lag. Aber selbst eine Überschreitung der Notwehrhilfe wäre vorliegend straflos. 

- 32 - 

SK.2022.6 

Der Schuldausschluss nach Art. 16 Abs. 2 StGB liesse den Vorwurf rechtswidri-

ger Überschreitung der Notwehr vorliegend entfallen, hätte doch C. in entschuld-

barer Aufregung über den Angriff von F. gehandelt. 

5.6.3 Im Ergebnis ist C. freizusprechen vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB und der einfachen Kör-

perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB. 

6. B. 

6.1 Anklagevorwurf 

Der Anklagevorwurf hängt unmittelbar mit dem Sachverhaltskomplex zwischen 

A. und der Grenzwachtbeamtin E. zusammen (vgl. E. 4.1). 

Die Bundesanwaltschaft wirft B. vor, er sei während einer Zollkontrolle beim Zoll-

ausgang zwischen die Grenzwachtbeamtin E. und A. gegangen. Er sei auf E. 

losgegangen und habe angefangen, sie zu schubsen und zu schlagen, woraufhin 

sie versucht habe, ihn mit dem linken Arm von sich wegzudrücken. Mit der rech-

ten Hand habe sie den Mehrzweckstock hervorgeholt. Als A. vom Grenzwacht-

beamten F. weggenommen worden sei, habe er E. weiterhin mit den Händen 

gestossen und geschlagen. Ausserdem habe er mit den Füssen gegen sie ge-

kickt, woraufhin sie ihn in den Kontrollgriff genommen und auf den Boden gezo-

gen habe. Er habe sich dagegen gewehrt, weshalb sie mit ihren Knien auf den 

Boden geknallt sei. Daraufhin sei B. am Boden gesessen und habe sich weiterhin 

gewehrt, als sie ihm Handfessel habe anlegen wollen. B. habe mehrfach seine 

Arme weggezogen und sich mehrfach von ihr losgerissen, woraufhin E. ihn mit 

Hilfe vom Grenzwachtbeamten G. an die Wand habe drücken können, um ihn 

definitiv mit Handfesseln fixieren zu können. Er habe am Boden sitzend immer 

wieder die Hände von E. weggeschlagen und versucht aufzustehen. 

Die Anklage wirft B. in diesem Konnex weiter vor, er habe durch sein gewalttäti-

ges Verhalten E. unter anderem multiple oberflächliche Schürfwunden an den 

Händen und Armen und eine Prellung am Knie zugefügt. B. habe wissentlich und 

willentlich gehandelt, indem er mit Gewalt auf den Körper von E. eingewirkt habe. 

Er habe ihr dadurch bewusst Verletzungen zufügen wollen, bzw. diese zumindest 

als Folge seines Verhaltens billigend in Kauf genommen. 

  

- 33 - 

SK.2022.6 

6.2 Beweismittel 

6.2.1 Arztberichte 

Gemäss Arztzeugnis von Assistenzarzt I. vom 22. Januar 2021 erlitt E. während 

der Zollkontrolle multiple oberflächliche Schürfwunden an den Händen und Ar-

men sowie eine Prellung am linken Knie. Sie war zu 100 % während drei Arbeits-

tagen arbeitsunfähig (BA pag. 05-01-0016 f.). 

Auf die übrigen Arztberichte vom 25. Februar 2021, 7. Mai 2021 und 21. Ap-

ril 2022 (BA pag. 12-02-0031, 12-02-0037; TPF pag. 3.510.008 f.) wird, sofern 

von Relevanz, im einschlägigen Kontext eingegangen. 

6.2.2 Videoaufnahmen 

Im Videomaterial mit dem Titel «Ankunft 2 Mitte» ist zu sehen, wie sich B. mit 

offenen Händen zwischen die Grenzwachtbeamtin E. und A. stellt. B. verhält sich 

die ganze Zeit passiv. Ein körperlicher Kontakt zwischen der Grenzwachtbeamtin 

und B. ist in dieser Phase des Geschehens nicht ersichtlich (Sequenz 04:39 bis 

04:44 [Zeitstempel 10:54:42 Uhr bis 10:54:46 Uhr] betreffend die Anklagepunkte 

1.2.1 und 1.3.1). Daraufhin greift die Grenzwachtbeamtin E. B. mit dem rechten 

Arm von hinten um den Hals. B. verhält sich passiv, worauf E. und der Grenz-

wachtbeamte G. ihn zu Boden führen. Die Grenzwachtbeamtin schlägt in diesem 

Moment ohne die Einwirkung von B. mit ihren Knien auf dem Boden auf. B. wer-

den Handfesseln angelegt und er wird an eine Wand gesetzt. Er sitzt regungslos 

mit dem Rücken zur Wand und seine Hände sind hinten gefesselt. Er lässt die 

ganze Verhaftung widerstandslos über sich ergehen. (Sequenz 04:42 bis 06:42 

[Zeitstempel 10:54:44 Uhr bis 10:56:44 Uhr]). 

6.2.3 Aussagen und Wahrnehmungsberichte 

6.2.3.1 a) Anlässlich der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Ja-

nuar 2021 sagte E. aus, sie habe wegen A. den Mehrzweckstock gezogen. B. 

habe begonnen sie zu schubsen. B. habe dann versucht, sie zu stossen und zu 

kicken. Sie habe B. in den Kontrollgriff genommen und auf den Boden hinunter-

gezogen. Da er sich gewehrt habe, sei sie ziemlich heftig mit dem Knie auf den 

Boden gestossen (BA pag. 12-02-0002, -0004). 

b) In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 1. Juni 2021 wiederholte 

die Grenzwachtbeamtin als Zeugin ihre Aussagen im Wesentlichen (BA pag.  

12-02-0011, -0029). Auch ihre Darstellungen im Wahrnehmungsbericht vom 

24. Januar 2021 korrespondieren im Wesentlichen mit ihren Aussagen. Sie 

führte ergänzend aus, dass sie durch B. mehrfach gestossen und geschlagen 

worden sei (BA pag. 12-02-0008 f.). 

- 34 - 

SK.2022.6 

6.2.3.2 Der Grenzwachtbeamte F. sagte am 22. Januar 2021 bei der Kantonspolizei Zü-

rich als Auskunftsperson aus, dass B. bei A. und E. angekommen sei. Er habe 

sehen können, wie E. von B. und A. bedrängt worden sei. Sie habe dann den 

Mehrzweckstock gezogen (BA pag. 12-01-0003 ff.). 

6.2.3.3 Der Grenzwachtbeamte G. sagte am 2. Juni 2021 bei der Bundesanwaltschaft 

als Zeuge aus, dass E. in einem Handgemenge, in einer Rangelei, mit B. gewe-

sen sei. Er sei ihr sofort zur Hilfe geeilt. Er habe ihr geholfen, die Person zu kon-

trollieren. Er meine sich zu erinnern, dass er B. die Handfesseln angelegt habe. 

Er wisse aber nicht mehr, ob er das gewesen sei oder zusammen mit E. Den 

zeitlichen Rahmen könne er nicht mehr sagen, wie lange er dort gewesen sei, 

bis er zu F. gegangen sei. Auf die Frage, von wem und wie E. attackiert worden 

sei, sagte er aus, dass sie mit B. in einem Gerangel gewesen sei. Zum Gerangel 

könne er nichts mehr sagen, es sei so dynamisch gewesen und zu schnell ge-

gangen. Er könne nicht mehr sagen, wer in welcher Position gewesen sei und 

wer welchen Griff gehabt habe (BA pag. 12-03-0015 f.). 

6.2.3.4 a) Anlässlich der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 18. August 2021 

sagte der Beschuldigte aus, dass er zwischen E. und A. gegangen sei, weil er 

nicht gewollt habe, dass sie seinen Sohn angreife. In diesem Moment habe man 

ihn gepackt, die Hände nach hinten gedrückt und ihn auf den Boden gezwungen. 

Er habe niemanden angegriffen (BA pag. 13-03-0010, -0015). 

b) In der Einvernahme an der Hauptverhandlung vom 15. November 2022 bestä-

tige er seine bisherigen Aussagen (TPF pag. 3.730.011). 

6.2.3.5 In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 19. August 2021 sagte A. 

aus, dass sein Vater B. zwischen ihn und E. gekommen sei. Auf Vorhalt einer 

Videosequenz von der Ankunftshalle (Titel: «Ankunft 2 Mitte», Sequenz 04:20 bis 

09:58 [bzw. Zeitstempel 10:54:22 Uhr bis 11:00:00 Uhr]) sagte er aus, dass die 

zwei Grenzwachtbeamten seinen Vater zu Boden gebracht hätten. Er habe ge-

hört, wie er geschrien habe (BA pag. 13-01-0035, -0037). 

6.3 Würdigung 

6.3.1 Unbestrittener Sachverhalt 

Unbestritten ist, dass sich B. zwischen seinen Sohn A. und die Grenzwachtbe-

amtin E. stellte. Sie nahm B. in den Kontrollgriff, um ihn zu verhaften. Die Grenz-

wachtbeamtin und B. gingen zu Boden. In diesem Moment stiess sie mit den 

Knien auf dem Boden auf. B. wurden durch E. und den Grenzwachtbeamten G. 

Handschellen angelegt. Daraufhin wurde er am Boden an eine Wand gesetzt. 

  

- 35 - 

SK.2022.6 

6.3.2 Strittiger Sachverhalt 

Vorliegend ist einzig strittig, ob B. die Grenzwachtbeamtin E. geschubst, geschla-

gen, mit den Händen gestossen und mit den Füssen gekickt hat, was gemäss 

Anklageschrift zu den diagnostizierten Verletzungen geführt haben soll. Sodann 

ist strittig, ob er sich am Boden sitzend gegen die Verhaftung wehrte, indem er 

sich von ihr losriss, ihre Hände wegschlug und mehrfach versuchte aufzustehen. 

6.3.3 Beweiswürdigung 

Vorab ist festzustellen, dass zum inkriminierten Vorfall nur wenige Aussagen be-

stehen. Hauptbeweismittel sind die Videoaufnahmen. Bei den Aussagen der 

Grenzwachtbeamtin E. fällt auf, dass ihre Aussagen, wonach sie tätlich angegrif-

fen worden sei, durch die Aussagen der in unmittelbarer Nähe befindlichen 

Grenzwachtbeamten F. und G. keine Bestätigung finden. Aufgrund der Videoauf-

nahmen ist hingegen erstellt, dass B. mit offenen Händen, jedenfalls passiv, vor 

E. stand, als sie den Mehrzweckstock zog. Die Videoaufnahmen zeigen nicht, 

dass er, wie angeklagt, «auf E. losging und anfing, sie zu schubsen und zu schla-

gen». Schliesslich zeigen sie auch nicht, dass B., wie vorgeworfen, «E. weiterhin 

mit den Händen stiess, sie schlug, mit den Füssen gegen sie kickte, versuchte, 

mit den Händen gegen sie anzugehen». Beweismässig ist weiter erstellt, dass 

die Grenzwachtbeamtin B. von hinten um den Hals in den Kontrollgriff nahm und 

ihn mit Hilfe des Grenzwachtbeamten G. zu Boden zog. Als E. zu Boden ging, 

stürzte sie ohne die Einwirkung und Gegenwehr von B. mit dem Knie auf den 

Boden. Die beiden Beamten legten ihm Handfesseln an und setzen ihn danach 

mit dem Rücken zur Wand auf. Die Hände von B. waren auf seinem Rücken in 

Handfesseln. Die Aussagen von E., wonach sie tätlich angegriffen worden sei, 

finden somit weder durch die Aussagen der übrigen Grenzwachtbeamten noch 

durch die Videoaufnahmen Bestätigung. Der Videoaufnahme ist nicht zu entneh-

men, dass sich B. gegen die Verhaftung mit einem «Aufstossen» oder derglei-

chen gewehrt hätte. Ebenso zeigt die Videoaufnahme nicht, dass B., wie ange-

klagt, «am Boden sitzend immer wieder die Hände von E. wegschlug», ihr «mehr-

fach die Arme wegzog», sich «mehrfach von ihr losriss» oder sich von ihr weg-

gedreht hätte. Aktenmässig erstellt ist, dass die Hände von B., als er sitzend auf 

dem Boden war, mit Handschellen fixiert hinter seinem Rücken waren. Es war B. 

mithin nicht möglich, mit seinen Händen irgendwelche «Abwehrbewegungen» 

wie Schubsen, Losreissen etc. vorzunehmen. Zusammenfassend ist festzuhal-

ten, dass aufgrund der Videoaufnahmen – entgegen anderslautenden Angaben 

von E. – beweismässig erstellt ist, dass weder eine physische Einwirkung seitens 

B. auf den Körper von E. noch eine unmittelbare körperliche Aggression gegen 

sie stattfand. 

  

- 36 - 

SK.2022.6 

6.3.4 Beweisergebnis 

Die oben vorgenommene Beweiswürdigung ergibt, dass der angeklagte Sach-

verhalt eines tätlichen Angriffs und dadurch eine Hinderung der Amtshandlung 

von B. gegenüber E. nicht rechtsgenüglich erstellt ist. Ebenso wenig wurden die 

diagnostizierten Verletzungen von E. durch B. verursacht. 

6.4 B. ist freizusprechen vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und 

Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB und der einfachen Körperverletzung 

im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB. 

6.5 Was den Würdigungsvorbehalt (Hinderung einer Amtshandlung) anbelangt (vgl. 

E. 1.4), so ist mit Blick auf den Anklagegrundsatz festzuhalten, dass die Anklage 

nicht den Tatvorwurf erhebt, B. habe die Amtshandlungen in zeitlicher Hinsicht 

erschwert und damit gehindert. Ein Schuldspruch würde somit in objektiver Hin-

sicht über den in der Anklage umgrenzten Tatvorwurf (Tätlichkeit während einer 

Amtshandlung) hinausgehen. Sodann umschreibt die Anklage auch in subjekti-

ver Hinsicht nicht, ob B. beabsichtigt habe, die Amtshandlung von E. zu hindern. 

Unter diesen Umständen wäre ein Schuldspruch wegen Art. 286 StGB in objek-

tiver und subjektiver Hinsicht mit dem Anklagegrundsatz nicht zu vereinbaren. 

6.6 Beschimpfung 

6.6.1 Anklagevorwurf 

Die Bundesanwaltschaft wirft B. weiter vor, er habe E. am 22. Januar 2021 am 

Flughafen Zürich, nachdem sie ihn nach der Fixierung vom Boden aufgestellt 

habe, zu ihr gesagt, sie sei eine Schlampe und er werde sie kaputt machen. Er 

habe gewusst, dass er die Grenzwachtbeamtin durch seine Äusserungen abwer-

ten und sie in ihrer Würde, ein ehrbarer Mensch zu sein, herabsetzen würde. Er 

habe dies gewollt bzw. nahm dies als Folge seines Verhaltens zumindest billi-

gend in Kauf. 

6.6.2 Beweismittel 

6.6.2.1 a) E. sagte am 22. Januar 2021 bei der Kantonspolizei Zürich aus, B. habe sie 

im Rahmen der Verhaftung wortwörtlich als Schlampe bezeichnet und dass er 

sie kaputt machen werde (BA pag. 12-02-0005). 

b) Dem Wahrnehmungsbericht von E. vom 24. Januar 2021 ist zu entnehmen, 

dass B. sie verflucht und die Wortwahl benutzt habe: «Du Schlampe, ich mache 

dich kaputt!» (BA pag. 12-02-0009). 

- 37 - 

SK.2022.6 

c) Am 1. Juni 2021 sagte E. bei der Bundeanwaltschaft aus, dass B. sie während 

der ganzen Aktion als Schlampe bezeichnet habe (BA pag. 12-02-0018; 12-02-

0021). 

6.6.2.2 F. sagte am 22. Januar 2021 bei der Kantonspolizei Zürich aus, C. habe ihm 

gesagt: «Ich mache dich fertig.» (BA pag. 12-01-0004; 12-01-0007). Anlässlich 

der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 1. Juni 2022 sagte er gleich-

bleibend aus (BA pag. 12-01-0022). 

6.6.2.3 Anlässlich der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 2. Juli 2021 ver-

neinte G. die Frage, ob er gehört habe, von wem und wie E. beschimpft worden 

sei (BA pag. 12-03-0016). 

6.6.2.4 a) In der Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 22. Januar 2021 sagte 

B. auf die Frage, ob er E. als «Schlampe» beschimpft habe, aus, dass er das 

sicher nicht gesagt habe (BA pag. 13-03-0003). 

b) In der Hauptverhandlung vom 15. November 2022 bestritt er den Anklagevor-

wurf. Er sagte aus, dass seine Deutschkenntnisse nicht so weit seien, dass er 

Schimpfwörter hätte sagen können (TPF pag. 3.730.012). 

6.6.2.5 Im Videomaterial mit dem Titel «Ankunft 2 Mitte» ist zu sehen, wie B. mit gefes-

selten Händen auf dem Rücken in der Ankunftshalle regungslos an der Wand 

sitzt. Er verhält sich passiv. E. und der Grenzwachtbeamte G. packen B. an sei-

nen Oberarmen und sind dabei, ihn aufzustellen und abzuführen. Es ist nicht zu 

sehen, dass B. mit E. kommunizieren oder emotional aufgebracht wirken würde 

(Sequenz 09:49 bis 09:56; [Zeitstempel 10:59:51 Uhr bis 10:59:58 Uhr]). 

6.6.3 Beweiswürdigung 

Das Gericht konnte sich anlässlich der Hauptverhandlung davon überzeugen, 

dass der Beschuldigte kaum Deutsch spricht. Es erscheint daher nicht plausibel, 

dass er ausgerechnet in der Hektik seiner Verhaftung die Grenzbeamtin in einer 

ihm nicht geläufigen Sprache beleidigt haben soll. Die Aussage von B., dass er 

das inkriminierte Schimpfwort aufgrund seiner schlechten Deutschkenntnisse gar 

nicht hätte sagen können, vermag daher zu überzeugen. Vor allem ist der Um-

stand hervorzuheben, dass mehrere Grenzwachtbeamte in unmittelbarer Nähe 

von E. standen und von der Beschimpfung nichts mitbekommen haben. So ist in 

keinem Wahrnehmungsbericht der in der Ankunftshalle anwesenden Grenz-

wachtbeamten F., G., J., K. und L. erwähnt, dass sie die Beschimpfung gehört 

hätten. Aber auch ein weiterer Beweis spricht gegen die Sachverhaltsschilderun-

gen von E. So soll C. dem Grenzwachtbeamten F. gesagt haben, dass er ihn 

fertig machen werde. Dass aber sowohl C. wie auch B. die nahezu selbe Bemer-

kung gemacht haben sollen, erscheint höchst unwahrscheinlich. Es ist daher 

nicht ausgeschlossen, dass E. die Bemerkung von C. wahrgenommen und 

- 38 - 

SK.2022.6 

fälschlicherweise auf sich bezogen hat. Schliesslich ist auf den Videoaufnahmen 

nicht ersichtlich, dass B. zu E. Kontakt sucht oder emotional besonders aufgeregt 

wirkt, was ebenfalls dagegen spricht, dass er sie beschimpft haben soll. 

Zusammenfassend ist der angeklagte Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erstellt. 

In der Gesamtbetrachtung summieren sich signifikante Zweifel an der Täterschaft 

von B. Für das Gericht bestehen unüberwindliche Zweifel daran, dass die tat-

sächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Deshalb ist in dubio 

pro reo von der für den Beschuldigten günstigeren Sachlage auszugehen (Art. 10 

Abs. 3 StPO). 

6.6.4 B. ist freizusprechen vom Vorwurf der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 

StGB. 

7. D. 

7.1 Anklagevorwurf 

Die Bundesanwaltschaft wirft D. vor, sie sei während einer Zollkontrolle beim 

Zollausgang dazwischen gegangen, als ein Grenzwachtbeamter und ein Mitar-

beiter des Flughafens C. in Handfesseln hätten abführen wollen. Sie sei rund 

6 Sekunden am rechten Arm von C. gehangen bzw. habe daran gezogen. 

Dadurch habe sie bewirkt, dass der Grenzwachtbeamte mit C. habe stehen blei-

ben müssen. Sodann sei sie ohne Einwirkung von Dritten zu Boden gegangen 

und sei liegen geblieben, woraufhin sie vom Grenzwachtbeamten J. und einem 

Betreuer des Flughafens habe betreut werden müssen. Daraufhin sei sie zu A. 

gegangen, welcher am Boden gelegen sei. Sie habe die Grenzwachtbeamten 

aktiv an der Verhaftung von A. hindern wollen, indem sie die Beamten attackiert 

habe. Sie habe mehrfach versucht, die Grenzwachtbeamten wegzustossen, zu 

klammern und zu schlagen, woraufhin sie von den Grenzwachtbeamten J. und 

L. habe zurückgehalten werden müssen. 

Die Bundesanwaltschaft legt der Beschuldigten eventualiter zur Last, sie habe 

die Grenzwachtbeamten an einer Amtshandlung gehindert, welche innerhalb ih-

rer Amtsbefugnisse gelegen habe. Sie habe gewollt bzw. zumindest billigend in 

Kauf genommen, dass sie mit ihrem Verhalten die Grenzwachtbeamten an der 

Ausübung einer beruflichen Pflicht behindern würde. 

7.2 Beweismittel 

7.2.1 Videoaufnahmen 

Das Videomaterial mit dem Titel «Zollausgang» zeigt, dass ein Grenzwachtbe-

amter und ein Mitarbeiter des Flughafens C. in Handfesseln in die Zollhalle ab-

führen wollen, als D. dazwischen geht. Sie ist sichtlich aufgeregt und möchte mit 

- 39 - 

SK.2022.6 

ihrem Sohn C. sprechen. Sie hängt während rund 6 Sekunden am rechten Arm 

ihres Sohnes. Der Grenzwächter bleibt stehen, ohne aber zu intervenieren. (Se-

quenz 01:59 bis 02:26 [Zeitstempel 10:55:14 Uhr bis 10:55:41 Uhr])