# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5328507-cdf1-57dd-819f-1a5a7d49cae4
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-06-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 19.06.2017 IV 2014/404
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-404_2017-06-19.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/404

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 13.12.2019

Entscheiddatum: 19.06.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 19.06.2017
Art. 12 IVG. Art. 13 IVG. Psychotherapie. Geburtsgebrechen. Medizinische 
Eingliederung. Prognose bezüglich des (späteren) Eingliederungserfolges 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Juni 
2017, IV 2014/404). Entscheid vom 19. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph 
Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt Geschäftsnr. IV 2014/404 Parteien 
A.___, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber, 
c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten, gegen IV-
Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, 
Beschwerdegegnerin, Gegenstand medizinische Massnahmen 
(Psychotherapie) Sachverhalt

Entscheid Versicherungsgericht, 19.06.2017

A.   

A.a  A.___ wurde im Juli 2004 unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen zum Bezug von 

Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). Die Kinderklinik des 

Kantonsspitals Chur berichtete im November 2004 (IV-act. 10), der Versicherte leide an 

einer Myotonia Curshmann-Steinert, an einer Leistenhernie rechts, an einer neonatalen 

Anämie sowie an einer zentralen Hypoventilationsstörung. Er sei als Frühgeburt in der 

34. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen und habe zwei neonatale Infekte 

erlitten. Mit einer Verfügung vom 13. Januar 2005 sicherte die IV-Stelle dem 

Versicherten die Vergütung der im Zeitraum von der Geburt bis zum 30. Juni 2009 

anfallenden Kosten für die zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 184 Anh. GgV 

notwendigen medizinischen Massnahmen zu (IV-act. 18).

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A.b  Am 12. Januar 2006 berichtete der B.___ (IV-act. 48), der 18 Monate alte 

Versicherte leide an einem allgemeinen Entwicklungsrückstand von acht bis elf 

Monaten. Aktuell betrage der EQ 46. Am 3. September 2009 teilte die IV-Stelle dem 

Versicherten mit, dass sie ihre Kostengutsprache bezüglich des Geburtsgebrechens 

Ziff. 184 Anh. GgV bis zum 30. Juni 2014 verlängere (IV-act. 163).

A.c  Am 28. Januar 2014 beantragte Dr. med. C.___ eine Kostenvergütung für eine 

psychotherapeutische Unterstützung des Versicherten (IV-act. 319). Zur Begründung 

führte er an, die heilpädagogische Schule, die der Versicherte besuche, habe aufgrund 

von zunehmenden Störungen im emotionalen und im psychosozialen Bereich sowie 

bezüglich der „Steuerung“ des Versicherten (Wutausbrüche, Widersetzungen, 

Rückzugsverhalten, Angstzustände) eine Psychotherapie empfohlen. Diese 

Schwierigkeiten seien aus ärztlicher Sicht eindeutig auf eine psychointellektuelle 

Retardierung im Rahmen des Geburtsgebrechens „G71.1“ zurückzuführen. Bereits am 

23. Januar 2014 hatte die Psychotherapeutin D.___ berichtet (IV-act. 321–5 f.), das 

Erstgespräch mit dem Versicherten habe im Juni 2013 stattgefunden. Dieser benötige 

eine Unterstützung in der Selbststeuerung, und zwar sowohl auf der körperlichen als 

auch auf der psychischen Ebene. Der Vater übernehme keinerlei 

Erziehungsverantwortung und die Mutter habe selbst mit gesundheitlichen Problemen 

zu kämpfen. Der therapeutische Prozess vollziehe sich nur langsam, weshalb mit einer 

längeren psychotherapeutischen Behandlung gerechnet werden müsse. Trotzdem 

seien bereits Fortschritte erzielt worden. Bezüglich ihrer Befähigung zur Durchführung 

einer Psychotherapie hatte die Therapeutin D.___ ausgeführt, sie habe ein 

Psychologiestudium absolviert und sich zur Fachpsychologin SBAP in Kinder- und 

Jugendpsychologie sowie zur Psychotherapeutin SBAP weitergebildet. Zudem habe 

sie die Praxisbewilligung in den Kantonen St. Gallen und Graubünden erworben. Am 

11. April 2014 notierte Dr. med. E.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst 

(RAD; IV-act. 328), die aktuellen Verhaltensauffälligkeiten des Versicherten und die von 

der Schule veranlasste Psychotherapie stünden in einem Zusammenhang mit dem 

Geburtsgebrechen Ziff. 184 Anh. GgV. Die Psychotherapie könne aber nicht als einfach 

und zweckmässig qualifiziert werden. Dem Versicherten fehlten die notwendigen 

Ressourcen zur hinreichenden Mitwirkung bei der Psychotherapie. Zudem sei die 

Therapie auf unbestimmte Zeit angelegt; sie werde voraussichtlich lange dauern. Eine 

dauerhafte und relevante Verbesserung der späteren Eingliederungsmöglichkeiten sei 

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nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Schliesslich fehle eine 

fachärztliche Verordnung für eine Psychotherapie. Das Gesuch um die Vergütung der 

Kosten der Psychotherapie sei deshalb abzuweisen. Mit einem Vorbescheid vom 3. 

Juni 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 337), dass sie die Abweisung 

seines Leistungsbegehrens vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, aufgrund der 

ausgeprägten psychischen und psychointellektuellen Retardierung („EQ 46“) fehlten 

dem Versicherten die notwendigen Ressourcen zur hinreichenden Mitwirkung bei der 

Psychotherapie. Die Angabe zum „EQ“ bezog sich auf den Bericht des B.___ vom 12. 

Januar 2006 (IV-act. 144). In ihrem Vorbescheid nahm die IV-Stelle sowohl auf den Art. 

13 IVG als auch auf den Art. 12 IVG Bezug.

A.d  Am 3. Juli 2014 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 347–1 f.), in der 

Psychotherapie hätten bereits erste Fortschritte erzielt werden können. Die 

Psychotherapeutin hatte in einer Stellungnahme vom 30. Juni 2014 darauf hingewiesen 

(IV-act. 347–3 ff.), dass sie zwar keine klassische Gesprächstherapie durchführen 

könne, dass aber auch bei nicht behinderten Kindern vielfältige psychotherapeutische 

Methoden angewandt werden müssten. Sie habe mit verschiedenen Mitteln aus der 

Verhaltenstherapie und mit kreativen Methoden aus der Kinderpsychotherapie 

gearbeitet. Der Versicherte habe beispielsweise auf das therapeutische Spiel mit 

unterschiedlichen Figuren besonders gut angesprochen. Auch auf Rollenspiele habe er 

sich erstaunlich gut eingelassen. Die RAD-Ärztin Dr. E.___ notierte am 25. Juli 2014 (IV-

act. 350), die behandelnde Psychotherapeutin habe keine neuen medizinischen 

Informationen vermittelt. Mit einer Verfügung vom 4. August 2014 wies die IV-Stelle das 

Leistungsbegehren ab (IV-act. 351).

B.   

B.a  Am 11. September 2014 liess der Versicherte (nachfolgend: der 

Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 4. August 2014 

erheben (act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, die Vergütung der Kosten der Psychotherapie sowie 

eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle 

(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte sie aus, die 

Beschwerdegegnerin habe ihre Begründungspflicht verletzt, denn sie sei nicht auf die 

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Argumente der behandelnden Psychotherapeutin eingegangen. Bereits aus diesem 

Grund müsse die angefochtene Verfügung aufgehoben werden. Die Psychotherapeutin 

habe darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer bei der Therapie mitgearbeitet 

habe. Damit sei der Hinweis auf die fehlenden Ressourcen des Beschwerdeführers zur 

Mitarbeit bei der Psychotherapie widerlegt. Die Therapie wirke sich positiv auf die 

Fähigkeit des Beschwerdeführers aus, am Schulunterricht teilzunehmen. Sie sei also 

auch eingliederungswirksam.

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. November 2014 unter Hinweis auf die 

Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. E.___ vom 11. April 2014 sowie auf eine 

Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. F.___ vom 11. November 2014 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 8). Dr. F.___ hatte ausgeführt (IV-act. 361), an der fehlenden 

Eingliederungswirksamkeit der Psychotherapie könne kein Zweifel bestehen. Die 

Erfolge der Therapie seien „doch sehr bescheiden“. Die Psychotherapie bezwecke 

offenbar primär die Entlastung und Beratung des Umfeldes. Bei einem „IQ unter 50“ sei 

davon auszugehen, dass es an Abstraktionsfähigkeit und Introspektion mangle, 

weshalb es unwahrscheinlich sei, dass das Selbstwertgefühl des Beschwerdeführers 

mit der Psychotherapie nachhaltig gesteigert werden könne.

B.c  Der Beschwerdeführer liess am 16. Dezember 2014 an seinen Anträgen festhalten 

(act. G 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 14).

Erwägungen

1.   

Der Beschwerdeführer hat eine Verletzung der Begründungspflicht (Art. 49 Abs. 3 

ATSG) gerügt beziehungsweise geltend gemacht, die Beschwerdegegnerin hätte in 

ihrer Verfügungsbegründung Bezug auf die Ausführungen der Psychotherapeutin D.___ 

nehmen müssen. Die Begründungspflicht verfolgt allerdings keinen Selbstzweck. Sie 

soll vielmehr den Verfügungsadressaten in die Lage versetzen, sich in Kenntnis der 

relevanten sachlichen Erwägungen für oder gegen eine Anfechtung der Verfügung zu 

entscheiden. Für den Fall einer Anfechtung soll es die Verfügung dem 

Verfügungsadressaten erlauben, seine Beschwerde substantiiert zu begründen. Die 

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angefochtene Verfügung enthält eine in diesem Sinne vollständige Begründung. Die 

Beschwerdegegnerin ist nicht verpflichtet gewesen, sich zu jedem einzelnen Punkt in 

der Stellungnahme der Psychotherapeutin zu äussern. Den Akten lässt sich 

entnehmen, dass sich die RAD-Ärztin Dr. E.___ mit der Stellungnahme 

auseinandergesetzt hat und dass sie zum Schluss gelangt ist, diese ändere in 

medizinischer Hinsicht nichts an der bisherigen Sachverhaltswürdigung. Das hat es 

dem Beschwerdeführer erlaubt, sich für oder gegen eine Anfechtung der Verfügung zu 

entscheiden und seine Beschwerde hinreichend zu begründen. Entgegen der Ansicht 

des Beschwerdeführers liegt folglich keine Verletzung der Begründungspflicht vor.

2.   

Laut dem Art 13 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person bis zum vollendeten 20. 

Altersjahr einen Anspruch auf die zur Behandlung eines Geburtsgebrechens 

notwendigen medizinischen Massnahmen. Gemäss dem Art. 12 Abs. 1 IVG hat eine 

versicherte Person zudem bis zum vollendeten 20. Altersjahr einen Anspruch auf 

medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern 

unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben gerichtet und geeignet sind, die 

Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor einer wesentlichen 

Beeinträchtigung zu bewahren. Die Art. 12 und 13 IVG stimmen bezüglich der 

Anspruchsvoraussetzungen weitgehend überein und sehen dieselbe 

Rechtsfolgeanordnung vor, nämlich die Vergütung der Kosten von medizinischen 

Massnahmen durch die Invalidenversicherung. Der Unterschied zwischen den beiden 

Normen besteht darin, dass ein Leistungsanspruch gestützt auf den Art. 13 IVG auf 

jene Geburtsgebrechen beschränkt ist, die eine Leistungspflicht der 

Invalidenversicherung begründen können (Art. 13 Abs. 2 IVG und GgV), während der 

Leistungsanspruch gestützt auf den Art. 12 IVG auf eingliederungswirksame 

Behandlungen beschränkt ist. Im Anwendungsbereich des Art. 13 IVG spielt die 

Eingliederungswirksamkeit keine Rolle. Im Anwendungsbereich des Art. 12 IVG ist es 

dagegen unerheblich, ob es sich bei der Gesundheitsbeeinträchtigung um ein Geburts- 

oder um ein erworbenes Gebrechen handelt. Für die Prüfung eines 

Leistungsbegehrens, das auf eine medizinische Massnahme abzielt, muss in aller Regel 

geprüft werden, ob ein Anspruch gestützt auf den Art. 13 IVG oder gestützt auf den Art. 

12 IVG besteht. Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend bei der Würdigung des 

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Sachverhaltes zu Recht beide Normen berücksichtigt. Den Gegenstand dieses 

Beschwerdeverfahrens bildet folglich die Frage, ob der Beschwerdeführer gestützt auf 

den Art. 13 IVG oder gestützt auf den Art. 12 IVG einen Anspruch auf eine Vergütung 

der Kosten einer Psychotherapie hat.

3.   

3.1  Bei der Prüfung des Leistungsanspruchs gestützt auf den Art. 13 IVG ist zu 

berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin das Vorliegen eines 

Geburtsgebrechens, das eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung auslöst (Ziff. 

184 Anh. GgV), bereits verbindlich festgestellt hat. Die Frage nach dem Vorliegen eines 

anerkannten Geburtsgebrechens ist also (gemäss den vorliegenden Akten allerdings 

nur für die Zeit bis zum 30. Juni 2014) bereits bejaht und gehört folglich nicht zum 

Gegenstand dieses Verfahrens. Hier geht es vielmehr um die Frage, ob eine 

Psychotherapie eine zur Behandlung dieses Geburtsgebrechens notwendige 

medizinische Massnahme ist.

3.2  Gestützt auf die überzeugend begründeten Ausführungen der behandelnden und 

der RAD-Ärzte steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit fest, dass die emotionalen und die psychosozialen Störungen, an 

denen der Beschwerdeführer leidet, in einem engen sachlichen Zusammenhang mit 

dem anerkannten Geburtsgebrechen Ziff. 184 Anh. GgV stehen, dass es sich dabei 

also um Folgen dieses Geburtsgebrechens handelt, für die die Invalidenversicherung 

gestützt auf den Art. 13 IVG grundsätzlich leistungspflichtig ist (vgl. Rz. 11 des 

Kreisschreibens über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der 

Invalidenversicherung [KSME], mit Hinweisen). In den meisten Fällen wird eine 

Psychotherapie wohl eine einfache und zweckmässige medizinische Massnahme zur 

Behandlung von emotionalen und psychosozialen Störungen sein und damit die 

Voraussetzungen des Art. 2 Abs. 3 GgV erfüllen. Die RAD-Ärzte haben allerdings zu 

Recht darauf hingewiesen, dass diese allgemeine Erfahrung für den konkreten Einzelfall 

nicht massgebend sein kann, sondern dass vielmehr anhand der gesamten Umstände 

des Einzelfalls zu prüfen ist, ob es sich bei der Psychotherapie konkret um eine 

geeignete medizinische Massnahme im Sinne des Art. 2 Abs. 3 GgV handelt. Die RAD-

Ärzte haben im vorliegenden Fall die Auffassung vertreten, hier liege eine Ausnahme 

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von der allgemeinen Regel vor, weil der Beschwerdeführer aufgrund seines 

Entwicklungsrückstandes und mangels ausreichender intellektueller Fähigkeiten nicht 

in der Lage sei, so bei einer Psychotherapie mitzuwirken, dass diese einen Erfolg 

zeitigen könnte. Die für diese Auffassung angeführte Begründung hält allerdings einer 

kritischen Würdigung nicht stand. Die RAD-Ärztin Dr. E.___ hat massgeblich auf einen 

Bericht des B.___ abgestellt, der im Januar 2006 nach einer Untersuchung des damals 

erst 18 Monate alten Beschwerdeführers angefertigt worden war. Im Zeitpunkt des 

Erlasses der angefochtenen Verfügung ist der Beschwerdeführer aber bereits zehn 

Jahre alt gewesen. Der Bericht des heilpädagogischen Dienstes ist also veraltet und 

deshalb nicht geeignet gewesen, den massgebenden Sachverhalt im 

Verfügungszeitpunkt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu belegen. Zudem widerlegen die Akten die Annahme der RAD-

Ärzte, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen, an einer Therapie 

mitzuwirken. Der Beschwerdeführer hat nämlich im Verfügungszeitpunkt den Unterricht 

in der heilpädagogischen Schule besucht. Schon aufgrund dieser Tatsache ist damit zu 

rechnen gewesen, dass er in einem gewissen Ausmass in der Lage sei, an einer 

Therapie mitzuwirken. Die behandelnde Psychotherapeutin hat berichtet, die 

Reaktionen des Beschwerdeführers auf Rollenspiele seien „erstaunlich gut“ gewesen, 

was zum Ausdruck bringt, dass der Beschwerdeführer noch besser von der Therapie 

zu profitieren vermag, als ohnehin schon zu erwarten gewesen wäre. Die RAD-Ärztin 

Dr. F.___ hat in ihrer Stellungnahme offenbar den EQ-Wert gemäss dem veralteten 

Bericht des B.___ mit dem IQ verwechselt, denn sie hat behauptet, der IQ des 

Beschwerdeführers liege bei weniger als 50, ohne dass sich in den Akten eine Angabe 

finden würde, die diese Behauptung stützen könnte. Die Schlussfolgerung, die Dr. 

F.___ daraus gezogen hat, erweist sich ebenfalls als aktenwidrig, denn die Berichte der 

behandelnden Psychotherapeutin belegen, dass der Beschwerdeführer durchaus 

introspektions- und abstraktionsfähig ist. Der Psychotherapie kann folglich nicht zum 

Vorneherein jede Wirksamkeit in Bezug auf die Verbesserung des Selbstwertgefühls 

des Beschwerdeführers abgesprochen werden, wie dies Dr. F.___ angegeben hat. 

Schliesslich hat entgegen der anderslautenden Angabe der RAD-Ärztin Dr. E.___ auch 

eine ärztliche Verordnung für die Psychotherapie vorgelegen, denn Dr. C.___ hatte am 

28. Januar 2014 eine Psychotherapie als notwendig bezeichnet und die 

Beschwerdegegnerin um eine Vergütung der Kosten ersucht. Als Diagnose hatte er 

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eine psychointellektuelle Retardierung respektive einen Entwicklungsrückstand 

angeführt. Zusammenfassend enthalten die Akten also keinen überzeugenden Hinweis 

darauf, dass in Bezug auf den Beschwerdeführer einer Psychotherapie zum 

Vorneherein jeglicher Behandlungserfolg abgesprochen werden müsste. Im Gegenteil 

belegen die Berichte der behandelnden Psychotherapeutin, dass schon nach einer 

relativ kurzen Behandlungsphase erste Fortschritte haben erzielt werden können. 

Namentlich haben das Einschlafverhalten des Beschwerdeführers stark verbessert und 

die negativen Vorkommnisse im Schulbus reduziert werden können. Nach dem Beginn 

der Behandlung und der Erzielung der ersten Erfolge hat mit einem weiteren 

Behandlungserfolg gerechnet werden können. Der Umstand, dass auch das 

persönliche Umfeld des Beschwerdeführers (das einen relevanten Einfluss auf seine 

psychische Entwicklung hat) teilweise in die systemisch angelegte Behandlung 

miteinbezogen worden ist, ändert nichts daran, dass es sich bei der Psychotherapie in 

erster Linie um eine – einen gewissen Erfolg versprechende – medizinische 

Massnahme gehandelt hat, die als wirksam, einfach und zweckmässig zu qualifizieren 

ist. Folglich hat der Beschwerdeführer gestützt auf den Art. 13 IVG einen Anspruch auf 

die zur Behandlung seines Geburtsgebrechens notwendige Psychotherapie. Die 

angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtswidrig.

4.   

4.1  Selbst wenn der Beschwerdeführer gestützt auf den Art. 13 IVG keinen Anspruch 

auf eine Psychotherapie hätte, müsste die Beschwerdegegnerin – gestützt auf den Art. 

12 IVG – die Kosten einer solchen Therapie vergüten. Der Anspruch auf medizinische 

Massnahmen gemäss dem Art. 12 IVG setzt nämlich nur voraus, dass eine konkrete 

Massnahme nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die 

berufliche Eingliederung gerichtet und geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit dauernd und 

wesentlich zu verbessern oder vor einer wesentlichen Beeinträchtigung zu bewahren. 

Die in der Praxis teilweise vertretene Auffassung, es müsse zwischen der Behandlung 

stabiler Defektszustände und der Dauerbehandlung „nur“ stationärer Zustände zur 

Verhinderung einer Verschlimmerung unterschieden werden, ist sinnlos und 

gesetzwidrig, denn es ist nicht einzusehen, weshalb die Behandlung eines stationären 

Zustandes zum vorneherein nicht überwiegend der beruflichen Eingliederung eines 

Jugendlichen sollte dienen können, wenn diese ohne eine Dauerbehandlung 

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ausgeschlossen wäre. Es gibt offensichtlich keinen Zusammenhang zwischen der Art 

des Leidens (heilbar oder nur stationär zu halten) und der Notwendigkeit der 

Behandlung dieses Leidens als Voraussetzung einer beruflichen Eingliederung.

4.2  Die Psychotherapie ist vorliegend auf eine ausdrückliche Empfehlung der 

heilpädagogischen Schule hin begonnen worden. Sie hat also der Verbesserung der 

Fähigkeit des Beschwerdeführers gedient, am Schulunterricht teilzunehmen. Im 

weiteren Sinn hat sie also der Eingliederung gedient. Den Berichten der behandelnden 

Psychotherapeutin lässt sich zudem entnehmen, dass die Psychotherapie bereits nach 

der kurzen Dauer, während der sie durchgeführt worden war, einen positiven Effekt auf 

das Einschlafverhalten und auf das Verhalten des Beschwerdeführers im Schulbus 

gehabt hat. Das deutet darauf hin, dass die Psychotherapie die Fähigkeit des 

Beschwerdeführers, vom Schulunterricht zu profitieren, positiv beeinflussen dürfte. 

Damit ist allerdings noch nicht belegt, dass die Psychotherapie vorwiegend der 

(späteren) Eingliederung ins Erwerbsleben gedient hat. Gemäss der 

bundesgerichtlichen Praxis ist nämlich massgebend, ob die versicherte Person später 

als Arbeitskraft einen ökonomisch relevanten Mehrwert werde generieren können. Mit 

anderen Worten verlangt das Bundesgericht als zusätzliche Voraussetzung, dass die 

versicherte Person später in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden kann oder 

dass sie in einer geschützten Werkstätte einen Mehrwert generiert, der als ökonomisch 

relevant qualifiziert werden kann, was ab einem Stundenlohn von 2.55 Franken der Fall 

sein soll (vgl. Rz. 3010 des Kreisschreibens über die Eingliederungsmassnahmen 

beruflicher Art [KSBE]). Nach der Terminologie des Bundesgerichtes, die auch in der 

Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. E.___ vom 11. April 2014 verwendet worden ist, 

muss die spätere ökonomisch relevante Erwerbsfähigkeit „mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit“ feststehen. Ein solcher Nachweis kann aber nie geführt werden, 

denn es geht dabei nicht um ein Sachverhaltselement, das sich mit dem erforderlichen 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt, sondern um eine 

Prognose für die Zukunft, die naturgemäss nicht beweisbar ist. Folglich kann in Bezug 

auf die spätere Erwerbsfähigkeit nur mit Plausibilitäten operiert werden. Angesichts des 

Sinn und Zwecks der medizinischen und beruflichen Eingliederung – die Optimierung 

der Erwerbsfähigkeit – drängt es sich auf, in der Regel eher von einer späteren 

ökonomisch relevanten Erwerbsfähigkeit auszugehen, denn mit jeder verweigerten 

Eingliederungsmassnahme nimmt das Risiko zu, dass die versicherte Person später 

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tatsächlich keine ökonomisch relevante Erwerbsfähigkeit erreichen wird. Im konkreten 

Einzelfall kann daher eine Eingliederungsmassnahme nur dann mit der Begründung 

verweigert werden, die versicherte Person werde später nicht in einem ökonomisch 

relevanten Ausmass erwerbsfähig sein, wenn mit einer hohen Plausibilität davon 

ausgegangen werden muss, dass die versicherte Person nicht einmal in einer 

geschützten Werkstätte einen minimalen Leistungslohn werde erzielen können. In allen 

anderen Fällen darf eine Gefährdung einer späteren Erwerbsfähigkeit nicht mit einer 

Verweigerung von Eingliederungsmassnahmen in Kauf genommen werden. Je jünger 

die versicherte Person ist, umso weiter ist der Zeitpunkt entfernt, auf den hin die 

Eingliederungsfähigkeit prognostiziert werden muss, und umso ungewisser muss 

folglich eine entsprechende Prognose sein. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die 

ersten Lebensjahre eines Menschen in aller Regel von einer stetigen Entwicklung 

geprägt sind, was Prognosen über einen Zeitraum von vielen Jahren regelmässig 

verunmöglicht. In Bezug auf Kinder wird es daher nur in wenigen Ausnahmefällen 

möglich sein, eine spätere Eingliederungsunfähigkeit mit der notwendigen Plausibilität 

zu prognostizieren. In aller Regel wird keine zuverlässige Prognose abgegeben werden 

können. Das bedeutet, dass die Invalidenversicherung in der weit überwiegenden 

Mehrheit der Fälle die Kosten von medizinischen Eingliederungsmassnahmen vergüten 

muss. Eine blosse Entwicklungsverzögerung kann es beispielsweise bei einem 

zehnjährigen Knaben nicht rechtfertigen, eine medizinische Massnahme mit der 

Begründung zu verweigern, dieser werde später wohl kaum einen ökonomisch 

relevanten Mehrwert als Arbeitskraft generieren (anderer Meinung mit vor diesem 

Hintergrund unzutreffender Begründung: Urteil des Bundes¬gerichtes 9C_842/2016 

vom 27. April 2017, E. 5). Da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der angefochtenen 

Verfügung erst zehn Jahre alt gewesen ist und da sich seine intellektuellen Fähigkeiten 

in den Jahren vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung weiter entwickelt hatten, 

hat keine ausreichend plausible Prognose bezüglich einer späteren 

Eingliederungsfähigkeit abgegeben werden können. Folglich rechtfertigt es sich nicht, 

ihm die Vergütung der – im Verhältnis zu allfälligen späteren Rentenleistungen 

geringfügigen – Kosten der Psychotherapie vorzuenthalten und damit eine 

Begünstigung einer möglichen Invalidität zu riskieren. Auch gestützt auf den Art. 12 IVG 

bestünde folglich ein Anspruch auf eine Vergütung der Kosten der Psychotherapie.

5.   

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Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist 

aufzuheben und die die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, die Kosten für einer 

Psychotherapie zu vergüten. Dazu ist die Sache an sie zurückzuweisen. Die 

Gerichtskosten von 600 Franken sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin 

aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 

600 Franken selbstverständlich zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem 

Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Da für die Vertretung im 

vorliegenden Verfahren nur wenige Akten haben studiert werden müssen und da sich 

die Vertretung auf eine Würdigung dieser wenigen Akten hat beschränken können, ist 

im Beschwerdeverfahren nur ein deutlich unterdurchschnittlicher Vertretungsaufwand 

angefallen. Die Parteientschädigung wird deshalb auf 2'500 Franken (einschliesslich 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.   

In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung aufgehoben und die 

Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, die Kosten einer Psychotherapie zu vergüten; 

die Sache wird zur neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.   

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; dem 

Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.   

Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Fr. 2'500.-- zu entschädigen.

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