# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7caf8a3c-54a7-56e2-9271-43562e43da98
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 16.01.2023 VBE.2022.155
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-155_2023-01-16.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.155 / TR / BR 
Art. 129 

 

Urteil vom 16. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichterin Schircks  

Gerichtsschreiberin Reimann          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Roger Vago, Rechtsanwalt, Badenerstrasse 134, 

Postfach, 8036 Zürich    

 

     
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Solida Versicherungen AG, Saumackerstrasse 35, Postfach,  

8048 Zürich   

vertreten durch Rechtsanwälte Martin Bürkle und/oder Nicola Orlando, 

Thouvenin Rechtsanwälte, Klausstrasse 44, 8024 Zürich    

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 7. März 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1.      

Die 1960 geborene Beschwerdeführerin fiel am 21. November 2003 aus 

cirka drei Metern Höhe vom Estrich auf den darunterliegenden Boden. Da-

bei zog sie sich unter anderem eine Verletzung des rechten Schulterge-

lenks zu, welches am 18. Mai 2004 operiert wurde. Die B. als obligatori-

scher Unfallversicherer (für die Kurzfristleistungen [Taggeld, Heilungskos-

ten], während die Beschwerdegegnerin für die langfristigen Leistungen [In-

tegritätsentschädigung, Invalidenrente] zuständig ist) anerkannte ihre Leis-

tungspflicht für die Folgen des fraglichen Unfalls und richtete die gesetzli-

chen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) aus. Mit Schreiben vom 

6. Dezember 2006 stellte sie die Taggeldzahlungen per 31. Dezember 

2006 ein.  

 

Am 28. Februar 2014 teilte die Beschwerdeführerin der B. mit, im Zusam-

menhang mit dem Unfallereignis vom 21. November 2003 stehe eine Ope-

ration an. Die B. bestätigte am 26. März 2014 die Leistungsübernahme für 

die Heilbehandlung und Taggelder für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Es 

folgten drei Operationen der rechten Schulter. Zuletzt wurde am 6. Juni 

2017 ein Schulterprothesenwechsel vorgenommen. In der Folge veran-

lasste die B. zusammen mit der Beschwerdegegnerin eine polydisziplinäre 

Begutachtung inklusive einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähig-

keit (EFL) der Beschwerdeführerin bei dem C., welches das Gutachten am 

11. Juli 2019 erstattete. Mit Verfügung vom 24. Juni 2021 hielt die Be-

schwerdegegnerin gestützt auf das C.-Gutachten fest, der medizinische 

Endzustand sei per 1. Juli 2021 erreicht. Die Taggeldleistungen und Heil-

behandlungskosten würden per 30. Juni 2021 eingestellt. Es bestehe ein 

Invaliditätsgrad von 20 %, der zu einer monatlichen Invalidenrente von 

Fr. 604.00 führe. Ein Anspruch auf eine über die bereits am 19. August 

2015 rechtskräftig verfügte Integritätsentschädigung bestehe nicht. Die da-

gegen gerichtete Einsprache wurde mit Einspracheentscheid vom 7. März 

2022 abgewiesen.  

 

2. 

2.1. 

Am 28. April 2022 erhob die Beschwerdeführerin innert der durch die Ge-

richtsferien verlängerten Frist Beschwerde beim Versicherungsgericht des 

Kantons Aargau und beantragte Folgendes: 

 
"1. Der Einspracheentscheid vom 7. März 2022 und die Verfügung vom 

24. Juni 2021 seien aufzuheben. 
 
2. Der Invaliditätsgrad sei auf 80 % zu bemessen, wobei bereits attes-

tiert unfallbedingt 50 % bezüglich des Rückens und 30 % bezüglich 
der Schulter darunter fallen. Die psychologische Komponente und 

 - 3 - 

 

 

 

die geschilderten Beschwerden (AC/SCGelenk) seien insbesondere 
angemessen zu berücksichtigen. 

 
Eventualiter sei der Invaliditätsgrad auf mindestens 50 % zu bemes-
sen.  

 
3. Es sei der Medianwert Salarium des Bundes bei der Berechnung 

der Rente anzuwenden und die Berechnung basierend auf einem 
möglichen erzielbaren Einkommen von rund CHF 128'700.-- mit ei-
nem Pensum von 100 % durchzuführen. Die Rente sei ein Jahr vor 
dem Rentenbeginn, mithin per 01.07.2020 (ohne Corona bedingte 
Einbussen) auszurichten [sic]. 

 
4. Es sei eine Dauerphysio- und Phsychotherapie [sic] zur Erhaltung 

der Arbeitsfähigkeit, unter Kostenübernahme durch die Solida Ver-
sicherung anzuordnen. 

 
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7 % MwSt) 

zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 
 

2.2. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 5. Septem-

ber 2022 was folgt: 

 
"Die Beschwerde vom 28. April 2021 (recte: 28. April 2022) sei vollumfäng-
lich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist." 
 

2.3. 

Mit Eingabe vom 3. Oktober 2022 reichte die Beschwerdeführerin dem Ge-

richt den (ersetzten) Vorbescheid der Eidgenössischen Invalidenversiche-

rung (IV) vom 13. Juli 2022 ein. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1.      

Der Einspracheentscheid tritt an die Stelle der Verfügung. Er ist alleiniger 

Anfechtungsgegenstand des erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens. Die 

Verfügung, soweit angefochten, hat mit Erlass des Einspracheentscheids 

jede rechtliche Bedeutung verloren (BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 S. 412 mit 

Hinweisen).  

 

Somit ist im vorliegenden Verfahren einzig über den Einspracheentscheid 

vom 7. März 2022 zu befinden (Vernehmlassungsbeilage [VB] A184). Dies-

bezüglich rügt die Beschwerdeführerin (zum Rügeprinzip: BGE 119 V 347 

E. 1a S. 349 f., 110 V 48 E. 4a S. 52 f.) den Beweiswert des C.-Gutachtens 

vom 11. Juli 2019 und die Bemessung des versicherten Verdienstes. 

2. 

2.1. 

Am 1. Januar 2017 sind die Änderungen vom 25. September 2015 des 

UVG bzw. der UVV betreffend Unfallversicherung und Unfallverhütung in 

 - 4 - 

 

 

 

Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die 

sich vor dem Inkrafttreten der besagten Änderungen ereignet haben, nach 

bisherigem Recht gewährt. Der vorliegend streitige Unfall ereignete sich 

am 21. November 2003, weshalb das bis 31. Dezember 2016 in Kraft ge-

wesene Unfallversicherungsrecht zur Anwendung gelangt. 

 

2.2. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG (Art. 6 Abs. 1 

UVG) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem 

eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal-

zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzu-

sammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der einge-

tretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. 

nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 

E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 

129 V 402 E. 4.3.1 S. 406). 

 

Über die Frage, ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ge-

sundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, hat 

die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm 

obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üb-

lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden. Die 

blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung ei-

nes Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinwei-

sen; Urteil des Bundesgerichts 8C_646/2019 vom 6. März 2020 E. 8). 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdeführerin rutschte am 21. November 2003 beim Putzen aus 

und fiel aus cirka drei Metern Höhe durch eine Luke vom Estrich auf den 

darunterliegenden Boden des Obergeschosses. Betroffene Körperteile wa-

ren die rechte Schulter, der linke Fuss und das Steissbein, zudem erlitt die 

Beschwerdeführerin gemäss Unfallmeldung diverse Prellungen (Unfallmel-

dung UVG vom 25. November 2003, VB A1). Am 18. Mai 2004 wurde das 

rechte Schultergelenk operiert (Triple verouillage rechts gem. Operations-

bericht, VB M5). Im Februar 2005 war das Gelenk ("recht gut") rehabilitiert 

mit diesbezüglich vollständiger Arbeitsfähigkeit. Im Vordergrund stand da-

mals die Rücken- und Ileosacral-Symptomatik (Bericht von Dr. med. D., 

Facharzt für Chirurgie, Q., vom 8. Februar 2005, VB M12). Diese wurde 

vom Vertrauensarzt der B. ebenfalls als unfallbedingt eingestuft, denn die 

Beschwerdeführerin habe am 21. November 2003 mit dem Gesäss und Rü-

cken auf dem Boden aufgeschlagen (Schilderung des Unfallhergangs im 

Schreiben der Beschwerdeführerin vom 19. Juni 2005 [VB A35], Stellung-

nahme des Vertrauensarztes vom 29. August 2005 [VB M21.1: Verschlim-

 - 5 - 

 

 

 

merung des pathoanatomischen Vorzustandes]). Mit Schreiben vom 6. De-

zember 2006 stellte die B. ihre Leistungen aus dem Unfallereignis vom 

21. November 2003 formlos per 31. Dezember 2006 ein (VB A41).  

 

3.2. 

3.2.1. 

Am 28. Februar 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin um Kostengutspra-

che für eine Operation, die im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 

21. November 2003 stehe (Aktennotizen, VB A42, A44). Die (von der B. 

übernommene) Arthroskopie der rechten Schulter (mit Schraubenentfer-

nung inkl. Unterlagsscheibe, Trimmung des transferierten Coracoidkno-

chenblockes und Limbuskapsel-Refixation ventrocaudal) fand am 28. März 

2014 statt (Operationsbericht VB M38). Am 4. November 2014 wurde eine 

Schulter-Totalarthroplastik rechts eingesetzt (Operationsbericht, VB M49), 

welche am 6. Juni 2017 ersetzt werden musste (Opera- 

tionsbericht, VB M57.2).  

 

Zuvor, anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung bei Dr. med. E., Fach-

arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa-

rates, R., vom 29. September 2014 hatte die Beschwerdeführerin auch 

über Rückenschmerzen geklagt (VB M46.3). Mit formlosem Schreiben vom 

23. Oktober 2014 teilte die B. der Beschwerdeführerin mit, die geltend ge-

machten Rückenbeschwerden stünden überwiegend wahrscheinlich nicht 

mehr im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 21. November 2003. 

Der status quo ante/sine sei spätestens per 29. September 2014 erreicht 

gewesen, weshalb diesbezüglich ab diesem Datum keine Leistungen mehr 

erbracht würden. Die Schulterbeschwerden seien weiterhin als (leistungs-

pflichtige) Unfallfolge zu betrachten (VB A70).  

 

3.2.2. 

Nach der Operation vom 6. Juni 2017 zeigte sich mit Blick auf die Schulter 

ein korrekter Verlauf. Im Vordergrund stand eine neurologische Problema-

tik mit einem Taubheitsgefühl im rechten Arm und in den Fingern I-III der 

rechten Hand (Bericht der F. Klinik, Q., vom 16. März 2018 [VB M66] und 

25. April 2018 [VB M68]). In der Folge veranlasste die B. eine polydiszipli-

näre Begutachtung. Die Beschwerdeführerin wurde orthopädisch, neurolo-

gisch, neuropsychologisch und psychiatrisch untersucht. Das polydiszipli-

näre C.-Gutachten wurde am 11. Juli 2019 erstattet. Als Diagnosen im Zu-

sammenhang mit dem Unfallereignis vom 23. November 2003 mit Auswir-

kung auf die Arbeitsfähigkeit wurden festgehalten (VB M76 S.30): 

 
"Chronische Schulter-Arm-Schmerzen rechts 

 Reduzierte Belastbarkeit und chronisches Schmerzsyndrom Be-
reiche der rechten Schulter 

 Status nach inverser Schulter-Prothese 06.06.2017 bei TP Locke-
rung des glenoidalen Anteils  

 - 6 - 

 

 

 

 Status nach Schulter TP rechts 04.11.2014 bei Glenohumeralar-
throse 

 Status nach arthroskopischer Trimmung eines vorstehenden 
Coracoid-Knochenblockes am 28.03.2014 

 Status nach Schulterstabilisierung rechts, modifiziert nach Latarjet 
18.05.2004 

 Posttraumatische Schulterinstabilität nach Bankart-Läsion und 
Rotatorenmanschetten-Ruptur bei Sturz am 21.11.2003 

 Leichte am ehesten schmerzmodulierende kognitive Störung im 
Rahmen einer chronischen Schmerzstörung (…)" 

 

Die EFL und das beobachtete Spontanverhalten hätten eine Selbstlimitie-

rung mit Inkonsistenzen bei den Belastbarkeitstests gezeigt. Das Schmerz-

verhalten an sich könne als kohärent beurteilt werden. Es ergäben sich 

auch gewisse Diskrepanzen hinsichtlich der tatsächlichen geschilderten 

Alltagsbelastung, welche trotz zusätzlichen Gesundheitsproblemen auf hö-

herem Niveau anzusiedeln sei (VB M76 S. 29). Für die seit längerer Zeit 

ausgeübte Tätigkeit als selbständige Anwältin/Mediatorin bestehe aus in-

terdisziplinärer Sicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom 21. November 

2003 und unter Berücksichtigung der leichten schmerzbedingten kognitiven 

Beeinträchtigung bezogen auf eine ganztägige Arbeit wie auch bezogen 

auf eine Teilzeittätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit rein unfallbedingt von 

20 %. Aus psychiatrischer und neurologischer Sicht bestehe keine Arbeits-

unfähigkeit (VB M76 S. 32, 35). Eine Verbesserung der Beschwerden und 

der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch medizinische oder 

therapeutische Massnahmen sei nicht überwiegend wahrscheinlich. Der 

medizinische Endzustand sei erreicht (VB M76 S. 35).  

 

4. 

4.1. 

Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf 

es verlässlicher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Hinsichtlich des 

Beweiswerts eines Arztberichts ist massgebend, ob er für die streitigen Be-

lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-

klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-

hänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol-

gerungen des Experten begründet und nachvollziehbar sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232).  

Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft 

eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auf-

trag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern des-

sen Inhalt. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens nach Art. 44 ATSG 

eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund ein-

gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die 

Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen 

Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu-

zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der 

 - 7 - 

 

 

 

Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). An Berichten versi-

cherungsinterner Ärzte darf kein auch nur geringer Zweifel bestehen 

(BGE 135 V 465 E. 4.6 S. 471). 

 

In Bezug auf Berichte behandelnder Ärzte darf und soll der Richter der Er-

fahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese Ärzte mitunter im Hinblick 

auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu 

Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 f.). Sie 

sind in erster Linie therapeutischen, nicht gutachterlichen Zwecken ver-

pflichtet (Urteil des Bundesgerichts 8C_498/2010 vom 18. August 2010 

E. 3.2 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung gilt auch für spezialärztlich 

behandelnde Medizinalpersonen (Urteil des Bundesgerichts 8C_316/2017 

vom 20. Juni 2017 E. 2.3.3 mit Hinweisen). 

 

4.2. 

Ausweislich der Akten (VB A101 ff.) konnte sich die Beschwerdeführerin 

vorgängig zur C.-Begutachtung nicht zu den Gutachtern und zur Fragestel-

lung vernehmen lassen. Damit wurden ihre Mitwirkungs- und Parteirechte 

gemäss BGE 137 V 210, der auch für die Unfallversicherung gilt (BGE 138 

V 318 E. 6.1.4. S. 323), verletzt. Liegt demnach kein nach Art. 44 ATSG 

eingeholtes Gutachten vor, kommt diesem der Beweiswert versicherungs-

interner Stellungnahmen zu. Folglich sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit solcher Expertisen, sind ergänzende Abklä-

rungen vorzunehmen (Urteile des Bundesgerichts 8C_131/2022 vom 

27. Juni 2022 E. 3.2.2 mit Hinweisen und 9C_668/2018 vom 5. April 2019 

E. 3.3).  

 

5. 

5.1. 

Das C.-Gutachten vom 11. Juli 2019 geht auf Untersuchungen der Be-

schwerdeführerin im November und Dezember 2018 zurück (VB M76 S. 1). 

Rechtsprechungsgemäss vermag das Alter eines Gutachtens – als formel-

les Kriterium – keinen Zweifel an dessen Beweiswert zu begründen. Mass-

gebend ist vielmehr die materielle Frage, ob Gewähr dafür besteht, dass 

sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht gewandelt 

hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2021 vom 25. Juni 2021 E. 3.2 mit 

Hinweisen, u.a. auf BGE 134 IV 246 E. 4.3 S. 254). Im Folgenden ist daher 

zuerst die Beweiskraft des C.-Gutachtens zu prüfen und anschliessend die 

Frage, ob bis zum Fallabschluss per 1. Juli 2021 Änderungen des Gesund-

heitszustands der Beschwerdeführerin eintraten, die Zweifel an der Voll-

ständigkeit oder Schlüssigkeit des C.-Gutachten vom 11. Juli 2019 erwe-

cken.  

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5.2. 

5.2.1. 

Die C.-Gutachter waren für die vorliegende Begutachtung fachkompetent. 

Sie untersuchten die Beschwerdeführerin persönlich und nahmen ihre Be-

schwerden auf. Ihre Einschätzung beruht auf den medizinischen Akten und 

den von ihnen veranlassten Untersuchungen. Sie ist begründet und nach-

vollziehbar. Somit kommt dem Gutachten grundsätzlich Beweiswert zu.  

 

5.2.2. 

Die Beschwerdeführerin rügt, die C.-Gutachter hätten weder die Akro-mi-

oklavikulargelenk-(AC)/ Sternoclaviculargelenk (SC)–Problematik noch 

diejenige des Rückens beurteilt. Die Rückenproblematik sei ausdrücklich 

ausgeklammert worden.  

 

Ausweislich der Akten wurde eine umfassende Begutachtung angeordnet. 

Insbesondere der Fragenkatalog (VB A101.1) gibt keinen Hinweis auf die 

geltend gemachte Ausklammerung der Rückenprobleme. Dementspre-

chend nahm der rheumatologische Gutachter einen Befund der Wirbel-

säule auf (VB M76 S. 26). Auch der neurologische Gutachter berücksich-

tigte die Wirbelsäule; er schloss eine periphere Nervenschädigung im Lum-

balbereich aus (VB M75 S. 33). Unabhängig davon ist aber festzuhalten, 

dass mit Schreiben vom 23. Oktober 2014 der Beschwerdeführerin mitge-

teilt worden war, dass für die geltend gemachten Rückenbeschwerden ab 

dem 30. September 2014 keine Leistungspflicht mehr bestehe (durch Er-

reichen des status quo sine vel ante, vgl. E. 3.2.1.). Da keine weiteren Ab-

klärungen angekündigt worden waren, hatte die Beschwerdeführerin von 

einem abschliessenden Entscheid auszugehen. Dennoch verlangte die als 

Juristin in der Rechtsberatung tätige Beschwerdeführerin (Stellungnahme 

der Beschwerdeführerin zum C.-Gutachten, VB A147.2) keinen Entscheid 

in Form einer Verfügung und intervenierte selbst in der Einsprache vom 

21. Juli 2021 (VB A182) nicht gegen das Schreiben vom 23. Oktober 2014. 

Somit erlangte dieser Entscheid rechtliche Wirksamkeit (Urteil des Bundes-

gerichts 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 3.4 mit Hinweisen, u.a. auf 

BGE 134 V 145 E. 5.4 S. 153). Im Folgenden sind daher die Rückenbe-

schwerden unbeachtlich. 

 

Unzutreffend ist auch das Vorbringen, die AC-/SC-Problematik sei von den 

C.-Gutachtern nicht gewürdigt worden. Die (chronischen) Schulter-Arm-

Schmerzen rechts wurden als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä-

higkeit festgehalten (vgl. E. 3.2.2.). Damit sind auch die SC-Probleme er-

fasst. Ferner wurde die Schulter-Arm-Problematik auch bei den arbeitsbe-

zogenen relevanten Problemen aufgeführt (neben den sekundären Proble-

men im Brustwirbelsäulenbereich, VB M76 S. 31). Die im Bereich des 

Schlüsselbeins bestehende Pathologie fand Eingang bei den Diagnosen 

mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (arthroskopische Trimmung des 

 - 9 - 

 

 

 

vorstehenden Coracoid-Knochenblockes, vgl. E. 3.2.2.) und bei der Beur-

teilung durch den rheumatologischen Gutachter (VB M76 S. 29). Sie ist 

folglich ebenso mit der Schulter-Arm-Problematik erfasst.  

 

5.2.3. 

Mit Blick auf die psychiatrische Begutachtung bringt die Beschwerdeführe-

rin vor, es sei nicht nachvollziehbar, dass das Vorliegen einer Depression 

verneint werde. Sie nehme das Antidepressivum Duloxetin in einer höheren 

Dosierung (90 mg) als in derjenigen, die bei einer rein schmerzbedingten 

Einnahme üblich sei (60 mg).  

 

Die Beschwerdeführerin befand sich gemäss Aktenlage nie in einer psychi-

atrischen Behandlung (VB M72 S. 8). Duloxetin in der Dosierung von 

60 mg wurde ihr von einem Neurologen zur schmerzdistanzierenden und  

-modulierenden Behandlung verschrieben (Bericht der F. Klinik, Q., vom 

28. Februar 2018, VB M67.1). Der psychiatrische Gutachter erachtete auch 

die Medikation mit 90 mg als schmerzdistanzierende und nicht antidepres-

sive Therapie im engeren Sinne (VB M72 S. 9). Medizinische Berichte, die 

dem widersprechen, liegen nicht in den Akten. Die eigenen laienhaften 

(medizinischen) Würdigungen der Beschwerdeführerin vermögen an der 

gutachterlichen Beurteilung nichts zu ändern (Urteile des Bundesgerichts 

8C_672/2020 vom 15. April 2021 E. 4.3 und 8C_794/2017 vom 27. März 

2018 E. 4.2.2). Im Übrigen sprechen die vom psychiatrischen Gutachter er-

hobenen Befunde, insbesondere die testpsychologischen, gegen das Vor-

liegen eines relevanten depressiven Geschehens (VB M72 S. 7 f.; zum 

Ausschluss anderer psychiatrischer Diagnosen: vgl. VB M72 S. 9 f.).  

 

5.2.4. 

Die neuropsychologische Testung zeigte eine minimale kognitive Störung, 

welche die Funktionsfähigkeit im Alltag und in den meisten beruflichen An-

forderungen generell nicht einschränke. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit 

sehr hohen Anforderungen an die Kognition könne die Funktionsfähigkeit 

jedoch leicht eingeschränkt sein; die Arbeit als Anwältin sei als eine eben-

solche Tätigkeit anzusehen. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tä-

tigkeit werde daher auf 90 % festgelegt. Es sei von einer mulitfaktoriellen 

Ätiologie auszugehen. Chronische Schmerzen vermöchten negative Ein-

flüsse auf die Kognition zu begründen. Auch Nebenwirkungen der einge-

nommenen zentralnervös wirksamen Medikamente seien wahrscheinlich. 

Weiter besitze auch die schlechte Schlafqualität einen ätiologischen Erklä-

rungswert (VB M74 S. 6). In der Gesamtbeurteilung wurden sodann bei der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin die leichten kog-

nitiven Beeinträchtigungen mitberücksichtigt (VB M76 S. 32).  

 

Das oben Ausgeführte zeigt zunächst, dass das Vorbringen, die Beschwer-

deführerin sei von den C.-Gutachtern als bessere Sekretärin und Sachbe-

arbeiterin eingestuft worden, aktenwidrig ist. Als angestammte Arbeit wurde 

 - 10 - 

 

 

 

im Gutachten mehrfach die Tätigkeit als "Anwältin" und/oder "Mediatorin" 

genannt (u.a. VB M74 S. 6, VB M76 S. 35). Dieser Tätigkeit wurden sodann 

sehr hohe Anforderungen an die Kognition beigemessen, weshalb der Be-

schwerdeführerin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % zuge-

standen wurde. Dies unter Berücksichtigung der Medikamenteneinnahme 

und der Schlafprobleme. Es liegen keine medizinischen Berichte vor, die 

von einer höhergradigen Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten be-

richten. 

 

5.2.5. 

Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass am C.-Gutachten vom 11. Juli 

2019 keine auch nur geringen Zweifel bestehen.  

 

5.3. 

Nach der C.-Begutachtung erfolgten weitere Untersuchungen. Laut der Be-

schwerdeführerin zeigten neurologische Untersuchungen im Kantonsspital 

G. im Mai/Juni 2021 zusätzliche Hypästhesien im Unter- und Oberarm. 

Sensible Defizite in diesen Körperbereichen waren jedoch bereits im Jahr 

2017 festgestellt worden und waren auch vom neurologischen C.-Gutach-

ter zur Kenntnis genommen worden (VB M75 S. 15 Ziff. 27, S. 31).  

 

Dem Bericht von PD Dr. med. H., Chefarzt des Kantonsspitals G., vom 

5. Juni 2019 ist als Diagnose u.a. eine Instabilität und beginnende Glenoid-

lockerung zu entnehmen. Die Spect-CT-Untersuchung habe eine deutliche 

Mehranreicherung im Bereich des AC-Gelenks gezeigt. Im Bereich der Pro-

these zeige sich lediglich im unteren Bereich eine Mehranreicherung, was 

einem Scapular-Notching entspreche. Dies erscheine ihm aber für die 

Schmerzursache im Hintergrund zu stehen (VB M79). Nicht nachvollzieh-

bar ist, warum PD Dr. med. H., der sich im Übrigen in keiner Weise auf das 

C.-Gutachten bezieht, eine beginnende Glenoidlockerung diagnostizierte, 

nachdem das Spect-CT vom 31. Mai 2019 keinen Anhaltspunkt für eine 

Prothesenlockerung ergeben hatte (VB M80). Das Scapular-Notching steht 

sodann gemäss Beurteilung von PD Dr. med. H. für die Schmerzen im Hin-

tergrund. Somit ist gestützt auf die Untersuchungen von PD Dr. med. H. 

keine Verschlechterung im Arm-Schulterbereich belegt. Das entspricht 

auch den Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich einer Konsultation 

in der F.-Klinik vom 3. Juli 2020, wonach die Situation der rechten Schul-

ter/Arm konstant sei (Sprechstundenbericht, VB M93).  

 

Ferner kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten aus dem 

Sprechstundenbericht der F.-Klinik vom 19. September 2019 ableiten, wo-

rin ausgeführt wurde, dass es mit eingeschränkter glenohumeraler Schul-

terbeweglichkeit zu Mehrbelastungen im AC- und SC-Gelenk komme, was 

diese Abnützungen, die über das altersbedingt normale Mass hinausgin-

gen, zu erklären vermöge (VB M85). Es ist unbestritten und ergibt sich auch 

 - 11 - 

 

 

 

aus dem C.-Gutachten, dass die Beschwerdeführerin unter Einschränkun-

gen im Schulter-Arm-Bereich leidet. 

 

Zu den in den Akten liegenden, durch verschiedene Ärzte ausgestellten 

Arbeitsunfähigkeitsbestätigungen von 80 % (PD Dr. med. H. u.a. 

VB M81.1; Dr. med. I., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Oberrohr-

dorf, u.a. VB M102 S. 2) bleibt festzuhalten, dass keine Auseinanderset-

zung mit dem C.-Gutachten erfolgte und es sich insbesondere nicht um 

neue Aspekte handelt, sondern um die Fortschreibung der jahrelang attes-

tierten Arbeitsunfähigkeiten (insbesondere: VB M102 S. 2). Von den Ar-

beitsunfähigkeitsbeurteilungen hatten die Gutachter Kenntnis (VB M76 S. 

2 ff.). Auch ist in diesem Zusammenhang auf die gutachterlich festgestellte 

Selbstlimitierung hinzuweisen (vgl. E. 3.2.2.), der – soweit erkennbar – von 

den behandelnden Ärzten nicht Rechnung getragen wurde. Zudem ist in 

beweisrechtlicher Hinsicht dem Umstand, dass die Arbeitsunfähigkeitsbe-

stätigungen durch die behandelnden Ärzte ausgestellt wurden, Rechnung 

zu tragen (vgl. E. 4.1.). 

 

Zu den Ausführungen des Physiotherapeuten bleibt abschliessend zu be-

merken, dass diese nicht aktenkundig sind. Im Übrigen ist die Beurteilung 

des Gesundheitszustands Aufgabe des Mediziners (BGE 140 V 193 E. 3.2 

S. 195 f.). 

 

5.4. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass am C.-Gutachten vom 11. Juli 

2019 keine auch nur geringen Zweifel bestehen. Veränderungen des Ge-

sundheitszustands nach der Begutachtung liegen sodann mit dem Beweis-

grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht vor. Daran vermag der 

dem Gericht am 3. Oktober 2022 eingereichte IV-Vorbescheid vom 13. Juli 

2022, wonach die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe IV-Rente 

habe, nichts zu ändern, denn im Gegensatz zur Unfallversicherung ist die 

Invalidenversicherung eine finale Versicherung, weshalb sie nicht nur die 

unfallkausalen Beeinträchtigungen zu berücksichtigen hat (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_261/2019 vom 8. Juli 2019 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Folg-

lich ist das C.-Gutachten beweiskräftig; es ist darauf abzustellen.  

 

6. 

6.1. 

Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte den von der Beschwerdeführerin 

im Zeitpunkt des Unfalls erzielten Verdienst von Fr. 37'960.00 bei einem 

Pensum von 40 %, passte diesen der allgemeinen Lohnentwicklung an und 

sprach der Beschwerdeführerin gestützt auf einen versicherten Verdienst 

von Fr. 45'282.00 bei einem IV-Grad von 20 % eine Invalidenrente von 

Fr. 7'245.10 pro Jahr zu. Die Beschwerdeführerin rügt die Bemessung der 

Rente und macht geltend, sie würde ohne den Unfall seit Oktober 2011 

einer 100%igen Tätigkeit als Juristin nachgehen, weshalb nicht auf das vor 

 - 12 - 

 

 

 

dem Unfall erzielte Einkommen abzustellen, sondern ein wesentlich höhe-

rer versicherter Verdienst zu berücksichtigten sei.  

 

6.2. 

Laut dem beweiskräftigen C.-Gutachten war der medizinische Endzustand 

erreicht (vgl. E. 3.2.2.). Die rechtsvertretene Beschwerdeführerin aner-

kannte explizit den Fallabschluss per 1. Juli 2021 (Beschwerde S. 13). 

Demnach war auf dieses Datum hin der Rentenanspruch festzusetzen 

(Art. 19 Abs. 1 UVG). Unerfindlich ist daher, warum der Rentenbeginn ge-

mäss dem Beschwerdeantrag Ziff. 3. auf den 1. Juli 2020 vorzuverlegen 

sei. Nachdem die Beschwerdeführerin dies auch nicht begründet, erübrigen 

sich weitere Ausführungen dazu.  

 

6.3. 

6.3.1. 

Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid 

(Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der 

Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 

Abs. 1 UVG). 

 

Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein-

gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli-

chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie-

hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). 

 

Arbeitete die versicherte Person vor dem Unfall nur teilzeitlich, so wird – 

anders als in der Invalidenversicherung oder bei der Ermittlung der Arbeits-

unfähigkeit für die Taggelder – der Lohn auf ein 100-%-Pensum umgerech-

net. Begründet wird dies damit, dass das Valideneinkommen unabhängig 

davon zu bestimmen ist, ob die versicherte Person vor dem Unfall ihre Ar-

beitskraft ganz oder nur teilweise eingesetzt hat; diesem Faktor werde 

nämlich bei der Unfallversicherung bereits dadurch Rechnung getragen, 

dass die Renten aufgrund des versicherten Verdienstes (Art. 15 UVG) fest-

gesetzt werden (RUMO-JUNGO/HOLZER, Schweizerisches Unfallversiche-

rungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 127 mit Hinweis auf BGE 119 V 475 E. 2b 

S. 481).  

 

Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Lohn zu 

berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der 

Invaliditätsgrad nämlich dem Grad der Arbeitsunfähigkeit. Dies stellt keinen 

"Prozentvergleich" im Sinne von BGE 104 V 135 E. 2b S. 137 dar, sondern 

eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteile des Bundesgerichts 

 - 13 - 

 

 

 

8C_358/2017 vom 4. August 2017 E. 2.2 und 8C_148/2017 vom 19. Juni 

2017 E. 4 mit Hinweisen). 

 

6.3.2. 

Gestützt auf das beweiskräftige C.-Gutachten vom 11. Juni 2019 ist der 

Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit als "Anwältin" bzw. Juris-

tin/Mediatorin mit einer 20%igen Einschränkung weiterhin zumutbar. Dem-

nach besteht ein Invaliditätsgrad von 20 %. 

 

6.4. 

6.4.1. 

Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte 

vor dem Unfall bezogene Lohn, für die Bemessung der Renten der inner-

halb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn (Art. 15 Abs. 2 UVG). Be-

ginnt die Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfall oder dem Ausbruch 

der Berufskrankheit, so ist der Lohn massgebend, den der Versicherte 

ohne den Unfall oder die Berufskrankheit im Jahre vor dem Rentenbeginn 

bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem Unfall oder dem 

Ausbruch der Berufskrankheit erzielte Lohn (Art. 24 Abs. 2 UVV). Diese Be-

stimmung findet auch Anwendung bei Rückfällen und Spätfolgen (Urteil des 

Bundesgerichts U 286/01 vom 8. März 2002 E. 2b). Die Bestimmung von 

Art. 24 Abs. 2 UVV bezweckt nur eine Anpassung an die Nominallohnent-

wicklung. Andere erwerbliche Faktoren, wie beispielsweise eine berufliche 

Weiterentwicklung mit entsprechender Lohnerhöhung haben unberück-

sichtigt zu bleiben. Der massgebende Jahresverdienst darf daher nicht an-

gepasst werden, wenn zwischen dem Eintritt des versicherten Ereignisses 

und der Rentenfestsetzung nach Art. 24 Abs. 2 UVV eine berufliche Verän-

derung oder Karriereschritte zu einem höheren Einkommen führen oder ein 

neues Arbeitsverhältnis mit anderem Lohnniveau angetreten wird. Nach 

der vom Gesetzgeber getroffenen Regelung sind nicht nur hypothetische, 

sondern auch effektiv eingetretene erwerbliche Veränderungen im Sinne 

einer höheren Einkommenserzielung nach dem Unfall ausser Acht zu las-

sen. Angesichts der grundsätzlichen Unabänderlichkeit des versicherten 

Verdienstes hätte die Berücksichtigung solcher Umstände eine mit der 

Rechtsgleichheit nicht zu vereinbarende Besserstellung derjenigen Versi-

cherten zur Folge, deren Rente nicht innert fünf Jahren nach dem Unfall 

festgesetzt wird (Urteile des Bundesgerichts U 286/01 vom 8. März 2002 

E. 3a mit Hinweis auf BGE 127 V 165 E. 3b S. 172 und U 286/01 vom 

8. März 2002 E. 3b/bb; 8C_12/2022 vom 14. September 2022 E. 4.2.1 und 

4.4; HÜRZELER/KIESER, Kommentar zum schweizerischen Sozialversiche-

rungsrecht, UVG, 2018, N 32 zu Art. 15 UVG). 

 

6.4.2. 

Die Beschwerdegegnerin ging von einem versicherten Verdienst im Jahr 

2003 von Fr. 37'960.00 aus, was mit den Bestätigungen der ehemaligen 

 - 14 - 

 

 

 

Arbeitgeberin (VB A1, A22.2) übereinstimmt. Angepasst an die Nominal-

lohnentwicklung zeigte sich für das Jahr 2021 ein versicherter Verdienst 

von Fr. 45'282.00, der zu einer monatlichen Rente von Fr. 604.00 führte 

(Berechnungen im Detail in der Verfügung vom 24. Juni 2021 aufgeführt, 

VB A175.3 und A175.6). Nachdem die rechtsvertretene Beschwerdeführe-

rin diese Berechnung nicht rügt und die Beschwerdegegnerin richtiger-

weise (Urteil des Bundesgerichts 8C_316/2010 vom 6. August 2010 

E. 4.3.3) nicht auf die Totalwerte aller Wirtschaftszweige, sondern auf den 

Dienstleistungssektor abstellte, hat es damit sein Bewenden. Soweit die 

Beschwerdeführerin bei der Rentenberechnung andere Faktoren als die 

Teuerung berücksichtigt haben will, insbesondere die Ausdehnung ihrer Ar-

beitstätigkeit von 40 % im Zeitpunkt des Unfalles am 21. November 2003 

auf 100 % sowie die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit nach dem Un-

fall (Beschwerde S. 22 ff.), ist sie nach dem in Erwägung 6.4.1. Aufgeführ-

ten nicht zu hören.   

 

7. 

Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen 

dahin (Art. 19 Abs. 1 Satz 2 UVG). Nach Festsetzung der Rente werden 

Pflegeleistungen vergütet, wenn die versicherte Person (Art.  21 Abs. 1 

UVG): 

  

 - 15 - 

 

 

 

a. an einer Berufskrankheit leidet; 
b. unter einem Rückfall oder an Spätfolgen leidet und die Erwerbs-
fähigkeit durch medizinische Vorkehren wesentlich verbessert oder 
vor wesentlicher Beeinträchtigung bewahrt werden kann; 
c. zur Erhaltung seiner verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der 
Behandlung und Pflege bedarf; 
d. erwerbsunfähig ist und sein Gesundheitszustand durch medizini-
sche Vorkehren wesentlich verbessert oder vor wesentlicher Beein-
trächtigung bewahrt werden kann. 
 

Die C.-Gutachter verneinten, dass mit weiteren medizinischen Massnah-

men eine Verbesserung der Beschwerden oder der Leistungsfähigkeit zu 

erreichen wäre (vgl. E. 3.2.2.). Folglich besteht kein Anspruch der Be-

schwerdeführerin auf Heilbehandlungsleistungen wie für die beantragten 

Physio- und Psychotherapien nach der Rentenfestsetzung.  

 

8. 

8.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

8.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

8.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-

zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch 

auf Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1.      

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an:  
die Beschwerdeführerin (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit  

 - 16 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 R., zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 16. Dezember 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Reimann