# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f34cfb5-35cb-5adf-857a-22b3851fe485
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 3. Abteilung O3V-18-17
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_003_O3V-18-17_nodate.pdf

## Full Text

Beschwerdeführer A___ 

 
vertreten durch: RA AA___  
 

 
Vorinstanz IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden , Neue Steig 15, Postfach, 

9102 Herisau 
 

 
Gegenstand Leistungen der Invalidenversicherung 

Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle Appenzell 
Ausserrhoden vom 1. März 2018 

 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden   
3. Abteilung 
 

Urteil vom 18. September 2018  
 

Mitwirkende Obergerichtspräsident E. Zingg 
Oberrichter H.P. Fischer, Ch. Wild, Dr. F. Windisch, S. Ramseyer 
Obergerichtsschreiberin A. Mauerhofer 
 
 

Verfahren Nr. O3V 18 17 
 
 

Sitzungsort Trogen 
 

Seite 2 

Rechtsbegehren 

 

a) des Beschwerdeführers: 

 1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1. März 2018 sei aufzuheben und es 

seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. 

 2. Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks Vornahme weiterer Abklärungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der 

Beschwerdegegnerin. 

 

 

b) der Vorinstanz: 

 Die Beschwerde sei abzuweisen. 

 

 

 

Sachverhalt 

 

A. Der am XX.XX.1991 geborene A___ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wurde am 

13. Januar 1999 erstmals von seinen Eltern wegen Geburtsgebrechen (infantiles POS) bei 

der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) zum Leistungsbezug 

angemeldet (IV-act. 1, S. 20 ff.) und erhielt in der Folge eine Kostengutsprache für 

medizinische Massnahmen. Nach dem Abschluss der Sekundarschule nahm der 

Beschwerdeführer eine Ausbildung zum Multimediaelektroniker in Angriff und war im dritten 

Ausbildungsjahr, als er am 4. April 2011 mit dem Motorrad verunfallte und ein Polytrauma 

mit Thorax- und Abdomenbeteiligung sowie ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt (vgl. IV-act. 

21.2). Die anschliessenden Spital- und Rehaaufenthalte wurden von der Unfallversicherung 

übernommen. 

 

B. Am 13. September 2011 meldete sich der Beschwerdeführer zum zweiten Mal bei der 

Vorinstanz zum Leistungsbezug an wegen dem längerfristigen Ausfall in der Berufsschule 

nach dem Unfall (IV-act. 11). Am 4. November 2011 sprach ihm die Vorinstanz im Rahmen 

beruflicher Eingliederungsmassnahmen rückwirkend vom 1. August 2011 bis zum 31. Juli 

2012 ein Coaching und Nachhilfeunterricht zu (IV-act. 29). Im Sommer 2012 schloss der 

Beschwerdeführer seine Berufslehre erfolgreich ab (IV-act. 32, S. 2), worauf die Vorinstanz 

die beruflichen Massnahmen einstellte (IV-act. 35). Der Unfallversicherer SUVA, welcher 

den Beschwerdeführer seit dem Unfall und auch noch nach Abschluss der 

Berufsausbildung mittels eines Coachings engmaschig betreut hatte, richtete ihm am 

Seite 3 

11. März 2014 für die nach dem Unfall verbliebene Beeinträchtigung (Verlust der Milz, 

rezidivierende Darmpassagestörung) eine Integritätsentschädigung im Betrag von 

Fr. 22‘050.-- aus (IV-act. 84.10, S. 1 f.) und schloss den Fall ebenfalls ab.  

 

C. Am 23. Februar 2015 wurde der Beschwerdeführer nach einer Medikamentenintoxikation in 

suizidaler Absicht notfallmässig ins Inselspital Bern eingewiesen (IV-act. 47, S. 11 ff.). Kurz 

zuvor hatte er seine im Anschluss an seinen Ausbildungsabschluss angetretene Stelle per 

30. April 2015 gekündigt (IV-act. 48, S. 2). Es folgte ein Aufenthalt in der Klinik Littenheid 

vom 26. Februar bis am 27. März 2015; nach Klinikaustritt kam es erneut zu einer 

depressiven Dekompensation, weshalb der Beschwerdeführer am 27. April 2015 ein 

zweites Mal in Littenheid aufgenommen wurde (IV-act. 53, S. 3 oben). 

 

D. Am 14. Juni 2015 meldete er sich infolge seiner seit dem 24. Februar 2015 andauernden 

Arbeitsunfähigkeit zum dritten Mal bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden zum 

Leistungsbezug an (IV-act. 36). Direkt im Anschluss an den Aufenthalt in der Klinik 

Littenheid wurde er aufgrund der diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung, 

gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, DD: Schizoaffektive Störung, 

paranoide Psychose, bis zum 13. August 2015 stationär in der Privatklinik Aadorf betreut 

(IV-act. 53). 

 

E. Beim Assessmentgespräch vom 9. November 2015 (IV-act. 59) äusserte der 

Beschwerdeführer den Wunsch nach beruflichen Massnahmen und Laufbahnberatung, da 

ihm die Arbeit als Multimediaelektroniker nicht mehr möglich sei. Nachdem die 

Aufrechterhaltung einer anhaltenden Tagesstruktur zu Hause gescheitert war, folgte 

zunächst ein weiterer stationärer Aufenthalt in der Privatklinik Aadorf vom 9. Dezember 

2015 bis zum 3. März 2016 (IV-act. 74; aktuelle Diagnosen: rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode; komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung nach Polytrauma und Motorradunfall 04/2011). Am 9. September 2016 

gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer berufliche Massnahmen in Form von 

Berufsberatung und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 118). 

Vom 3. Januar bis 30. Juni 2017 nahm er an einem Aufbautraining im Brüggli Romanshorn 

teil, zunächst im 30%-Pensum, danach erfolgte eine schrittweise Steigerung auf 60% (IV-

act. 127). Im Anschluss erklärte der Beschwerdeführer, er wolle sich um eine Ausbildung im 

Bereich Fotographie bemühen. Die Vorinstanz erteilte ihm hierauf mit Mitteilung vom 

28. Juni 2017 die Kostengutsprache für ein Job-Coaching vom 7. August bis 6. November 

2017 (IV-act. 142). Mitte August 2017 bestand der Beschwerdeführer die Aufnahmeprüfung 

zum Lehrgang „Gestalter Fotographie HF“ an der GBS in St. Gallen. Insbesondere zur 

Beurteilung der Zweckmässigkeit allfälliger weiterer Ausbildungsmassnahmen wurde am 

Seite 4 

24. August 2017 ein neuropsychologisches Gutachten erstellt (IV-act. 148). Gestützt auf 

dieses Gutachten kam die Vorinstanz zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer kein 

Umschulungsanspruch zustehe und es ihm zumutbar sei, seine verbleibende 

Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu verwerten (IV-act. 157). Der 

Beschwerdeführer wollte aber trotzdem die Ausbildung zum Gestalter HF Richtung 

Fotografie weiterverfolgen und erklärte sich nicht an den ihm von der Vorinstanz 

angebotenen Eingliederungsmassnahmen in Form eines Job-Coachings für die Suche 

nach einem leidensangepassten Arbeitsplatz interessiert (IV-act. 168). Entsprechend 

schloss die Vorinstanz die beruflichen Massnahmen ab; der angestammte Tätigkeitsbereich 

als Multimediaelektroniker sei zumutbar, weshalb kein Anspruch auf Umschulung bestehe 

(IV-act. 169). Mit leistungsabweisender Verfügung vom 1. März 2018 teilte sie ihm 

ausserdem mit, dass aus demselben Grund auch kein Rentenanspruch bestehe (IV-act. 

173). 

 

F. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 5. April 2018 erhobene 

Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 26. April 2018 (act. 6) 

verlangte die Vorinstanz deren Abweisung. Der Beschwerdeführer verzichtete auf die 

Einreichung einer Replik. Nachdem keine der Parteien eine mündliche Verhandlung 

verlangt hatte, wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen. Die Streitsache wurde am 

18. September 2018 in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien 

abschliessend beraten und darüber entschieden. In Gutheissung der Beschwerde wurde 

die angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 1. März 2018 aufgehoben und die Sache 

zu weiteren Abklärungen und anschliessender Neuverfügung an die IV-Stelle Appenzell 

Ausserrhoden zurückgewiesen. Die Begründung dieses Entscheids ergibt sich aus den 

nachfolgenden Erwägungen. 

 

 

 

Erwägungen 

 

1. Formelles 

 

Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. 

Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes 

(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Das 

Gesamtgericht hat Beschwerden in Sozialversicherungssachen mit medizinischen 

Fragestellungen (unter Vorbehalt der hier nicht betroffenen Zuständigkeiten des 

Seite 5 

Einzelrichters) der 3. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so publiziert im Staatskalender 

Appenzell Ausserrhoden für das Amtsjahr 2018/19, S. 83), weshalb diese zur Beurteilung 

der Beschwerde zuständig ist.  

 

Da eine Verfügung der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche 

Zuständigkeit gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung 

der weiteren Prozessvoraussetzungen ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der 

Beschwerdeberechtigung auf Seiten des Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der 

Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere 

Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG). 

 

Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

 

 

 

2. Materielles 

 

2.1 

Die Vorinstanz begründete die Abweisung der Leistungsansprüche des Beschwerdeführers 

in der angefochtenen Verfügung damit, dass gemäss den medizinischen Abklärungen dem 

Beschwerdeführer der angestammte Tätigkeitsbereich als Multimediaelektroniker zumutbar 

sei, weshalb ihm kein oder nur ein geringer Erwerbsausfall entstehe. Unter diesen 

Umständen könne weder ein Umschulungs- noch ein Rentenanspruch entstehen (IV-act. 

173). Offenbar stützte die Vorinstanz diese Begründung namentlich auf das bei Dr. B___ 

eingeholte Gutachten vom 24. August 2017 (IV-act. 148). Entscheidend ist im vorliegenden 

Fall nicht nur, ob (und falls ja, inwieweit) die Vorinstanz bei der Beurteilung der 

Leistungsansprüche des Beschwerdeführers auf dieses Gutachten abstellen durfte, 

sondern insbesondere auch, ob sich die Leistungsabweisung gestützt auf das Gutachten 

tatsächlich begründen lässt.  

 

 

2.2 

Bei der Würdigung eines Gutachtens fallen diejenigen Grundsätze ins Gewicht, welche im 

sozialversicherungsrechtlichen Verfahren auch Allgemein gelten: Es geht insbesondere 

darum, zu prüfen, ob das Gutachten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend 

ist und auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht; ob es die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt; ob es in Kenntnis und gegebenenfalls in Auseinandersetzung 

Seite 6 

mit den Vorakten abgegeben worden ist; ob es in der Darlegung der medizinischen 

Zustände und Zusammenhänge einleuchtet; ob die Schlussfolgerungen der 

sachverständigen Person in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende 

Behörde sie prüfend nachvollziehen kann und ob die sachverständige Person nicht 

auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche ihr die Beantwortung der Fragen 

erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (vgl. die 

Zusammenfassung der aktuellen einschlägigen Rechtsprechung bei UELI KIESER, ATSG-

Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 56 zu Art. 44 ATSG). 

 

a. Im Gutachten vom 24. August 2017 von Dr. B___ werden folgende Diagnosen mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gestellt (IV-act. 148, S. 11):  
 

„Leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörungen mit: mittelschweren bis schweren 

sprachlichen Lern-, Arbeits- und Langzeitgedächtnisstörungen; mittelschweren exekutiven Funktionsstörungen; 

leichten Störungen des visuell-räumlichen Vorstellungsvermögens, der Raumkonstruktion und des mündlichen 

Rechnens; mittelschwerem Apathiesyndrom.“  
 

Die Gutachterin weist darauf hin, dass sich aktuell ein völlig unselbständiger Versicherter 

zeige, der nicht in der Lage sei, eine Tagesstruktur, Essenszeiten, einen Tag-Wach-

Rhythmus selber zu planen und aufrecht zu halten. Der Beschwerdeführer dekompensiere 

im Alltag immer häufiger psychisch und benötige zunehmend mehr psychiatrische Hilfe bei 

gleichbleibender kognitiver Funktionsfähigkeit (IV-act. 148, S. 12). Nach der beruflichen 

Rehabilitation sei trotz Empfehlung keine berufsbegleitende neuropsychologisch-

verhaltenstherapeutische Behandlung durchgeführt worden; dies trotz relevanten 

Gedächtnis- und Verhaltensstörungen sowie dem Nachweis der Notwendigkeit eines 

zielorientierten Coachings innerhalb eines verhaltenstherapeutischen Settings, wozu 

sowohl realistisches Feedback als auch zielorientiertes Handeln gehörten. Aus 

neuropsychologischer Sicht ergebe sich die Notwendigkeit, sowohl alle 

Wahrnehmungskanäle als auch die emotionale Wahrnehmung und Körperwahrnehmung in 

die Therapien mit einzubeziehen sowie chronische Schmerzen und Verhaltensstörungen 

gezielt zu behandeln. Auch ein selbstschädigendes Suchtverhalten, fehlender Schlaf-

Wach-Rhythmus und geregelte Nahrungsaufnahme müssten miteinbezogen werden (IV-

act. 148, S. 13). Dr. B___ schätzte die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der 

Kündigung des Arbeitsverhältnisses im Frühling 2015 aus neuropsychologischer Sicht in 

der erlernten beruflichen Tätigkeit des Multimediaelektronikers auf 70% (IV-act. 148, S. 14). 

Dem Beschwerdeführer seien in einer leidensangepassten Tätigkeit alle Arbeiten möglich, 

welche auf visueller Wahrnehmungsorganisation und bekannten Handlungsabläufen des 

Multimediaelektronikers aufbauen. Adaptiert sei eine Tätigkeit mit nur geringen 

Anforderungen im Bereich differenzierter Kundenbetreuung und/oder Verkaufstätigkeit. 

Werde die angestammte Tätigkeit als Multimediaelektroniker entsprechend angepasst, 

Seite 7 

bestehe aus neuropsychologischer Sicht seit der Kündigung 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 

80% bezogen auf ein 100% Pensum, am besten verteilt auf zweimal zwei Tage und einem 

Tag Ruhe zwischen den Arbeitstagen (IV-act. 148, S. 15).  

 

b. Dr. B___ hat den Beschwerdeführer mit Fokus auf die Neuropsychologie umfassend 

untersucht und ihn zu seinen aktuellen Beschwerden befragt, ihr lagen die einschlägigen 

medizinischen Vorakten vor, ihre Schlussfolgerungen im Gutachten sind nachvollziehbar 

begründet. Auf ihr Gutachten und auf ihre Arbeitsfähigkeitseinschätzung kann damit 

grundsätzlich abgestellt werden. Gestützt auf Dr. B___ ist somit davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer aus neuropsychologischer Sicht grundsätzlich zu 70% arbeitsfähig in 

der angestammten Tätigkeit ist; wird die angestammte Tätigkeit an seine in 

neuropsychologischer Hinsicht festgestellten Einschränkungen angepasst, besteht gemäss 

Einschätzung von Dr. B___ eine Arbeitsfähigkeit von 80%. 

 

c. Allerdings bedeutet die grundsätzlich nachvollziehbare medizinische Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch Dr. B___ nicht automatisch, dass beim 

Beschwerdeführer insgesamt ohne weiteres davon ausgegangen werden kann, dass ihm 

die angestammte Tätigkeit weiterhin im Umfang von 70%-80% zumutbar bleibt, weshalb die 

Begründung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung:  
 

„Da wie erwähnt der angestammte Tätigkeitsbereich als Multimediaelektroniker zumutbar ist, entsteht kein- oder 

nur geringer Erwerbsausfall. Somit kann auch kein Rentenanspruch entstehen.“  
 

in dieser Form nicht überzeugt. Zum einen hat Dr. B___ dem Beschwerdeführer zum 

Vornherein keine vollständige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit attestiert 

(wovon die Vorinstanz jedoch gemäss Formulierung der Begründung in der angefochtenen 

Verfügung auszugehen scheint) und zum anderen handelt es sich beim Gutachten von Dr. 

B___ ausschliesslich um eine Beurteilung der Situation aus neuropsychologischer Sicht. 

Die Gutachterin weist im Gutachten mehrfach ausdrücklich darauf hin, dass ihre 

Untersuchungen anderweitige als neuropsychologische Einschränkungen, namentlich 

Einschränkungen durch körperliche Störungen und/oder psychiatrische Erkrankungen, nicht 

mitberücksichtigten (IV-act. 148, S. 14 unten, S. 15 Mitte). Sollte der Beschwerdeführer 

nebst den von ihr diagnostizierten neuropsychologischen Einschränkungen zusätzlich auch 

unter physischen und/oder psychischen Beeinträchtigungen leiden, wären diese im 

Rahmen der Prüfung der Leistungsansprüche selbstverständlich ebenfalls 

mitzuberücksichtigen. Der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz ist diesbezüglich nichts 

zu entnehmen.  

 

 

Seite 8 

2.3 

Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Beschwerde einen Bericht von Dr. C___ vom 

5. März 2018 (act. 2/3) ein und bemängelte, dass die Vorinstanz, der dieser Bericht noch 

vor Einreichung der Beschwerde beim Obergericht ebenfalls zur Kenntnis gebracht worden 

war (IV-act. 178), diesen bei der Beurteilung der Leistungsansprüche völlig ausser Acht 

gelassen habe. In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz in diesem Zusammenhang unter 

Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Stellenwert von Berichten von 

behandelnden Ärzten dafür, dem Bericht des Hausarztes komme, nachdem dieser zudem 

das Gutachten von Dr. B___ nicht einmal gelesen habe, zum Vornherein kein Gewicht zu. 

Dem ist so nicht zuzustimmen: 

 

a. Es trifft zwar zu, dass Dr. C___ in seinem Arztbericht vom 5. März 2018 zu einer 

Aussage in einem Gutachten Stellung nimmt, das ihm gar nicht vorlag. Der Hausarzt nahm 

allerdings auch gar nicht detailliert zum Gutachten von Dr. B___ Stellung, sondern äusserte 

sich vielmehr in allgemeiner Weise dazu, ob dem Beschwerdeführer die angestammte 

Tätigkeit als Multimediaelektroniker zumutbar sei oder nicht. Unter diesen Umständen ist 

nicht entscheidend, dass er sich mangels Kenntnis des Gutachtens gar nicht im Einzelnen 

mit diesem auseinandersetzen konnte.  

 

b. Für die Prüfung der Leistungsansprüche des Beschwerdeführers ist entscheidend, ob 

und inwieweit ihm die angestammte Tätigkeit unter Berücksichtigung aller bei ihm 

vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen weiterhin zumutbar ist. Der Hausarzt 

weist in seinem Bericht auf zwei konkrete Punkte hin, welche den Beschwerdeführer 

gemäss seiner Beurteilung in seiner bisherigen Tätigkeit einschränken: Einerseits ist dies 

die psychische Situation und andererseits sind dies körperliche Einschränkungen, welche 

mit dem Berufsprofil nicht vereinbar seien. Dr. B___ hatte bei ihrer Einschätzung allfällige 

Einschränkungen dieser Art ausdrücklich nicht mitberücksichtigt (IV-act. 148, S. 14 f.). 

Somit geht es im vorliegenden Fall letztlich gar nicht um die Frage, ob ein behandelnder 

Arzt die schlüssige Beurteilung einer Fachgutachterin ohne weiteres in Frage stellen 

können soll, da das Gutachten einerseits und die von Dr. C___ abgegebenen Hinweise 

andererseits unterschiedliche Gesichtspunkte betreffen. Die Ausführungen der Vorinstanz 

in der Vernehmlassung zu der von der Rechtsprechung anerkannten Verschiedenheit von 

Behandlungs- und Begutachtungsauftrag sind aus diesem Grund nicht zielführend.  

 

 

2.4 

Die Vorinstanz holte im Anschluss an das neuropsychologische Gutachten nähere 

Informationen zum Berufsprofil eines Mulitmediaelektronikers ein. Betrachtet man das in 

Seite 9 

den vorinstanzlichen Akten liegende Anforderungsprofil (IV-act. 153), so fällt auf, dass nicht 

nur psychische sondern auch physische Belastbarkeit für die Ausübung der Tätigkeit eines 

Multimediaelektronikers ausdrücklich gefordert sind. Vorausgesetzt sind bei der vorwiegend 

kopflastigen Tätigkeit mit je nach Fachgebiet grosser Verantwortung namentlich 

Belastbarkeit und die Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten, ein 

hohes Mass an Selbständigkeit, ebenso wie das Vorhandensein einer körperlichen 

Grundfitness im Zusammenhang mit dem Tragen schwerer Audiokomponenten. Ob bzw. 

inwieweit der Beschwerdeführer diese Anforderungen tatsächlich alle zu erfüllen vermag, 

kann das neuropsychologische Gutachten allein nicht abschliessend beantworten, sollten 

beim Beschwerdeführer zusätzlich auch psychische und/oder physische Einschränkungen 

bestehen. Dass in dieser Hinsicht nähere Abklärungen angezeigt sind, zeigt sich nicht nur 

im Arztbericht von Dr. C___, sondern auch anhand folgender Unterlagen: 

 

a.  Im RAD-Bericht vom 12. Mai 2016 (IV-act. 96) hatte Dr. D___ festgehalten, auf Dauer 

bestehe beim Beschwerdeführer kein Eingliederungspotential in der angestammten 

Tätigkeit aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen als Unfallfolge (wovon 

entsprechend auch in der Zielvereinbarung für Integrationsmassnahmen zwischen dem 

Beschwerdeführer, der Berufsberatung der Vorinstanz und dem Brüggli ausgegangen 

wurde, vgl. IV-act. 127, S. 2). Im RAD-Bericht vom 24. Juni 2016 (IV-act. 102) bestätigte Dr. 

D___ diese Einschätzung erneut ausdrücklich. Die Begründung in der angefochtenen 

Verfügung, wonach dem Beschwerdeführer der angestammte Tätigkeitsbereich als 

Multimediaelektroniker zumutbar sein soll, weshalb ihm kein oder nur ein geringer 

Erwerbsausfall entstehe, kann daher bereits bei Berücksichtigung der vom RAD 

abgegebenen Einschätzungen nicht ohne weiteres nachvollzogen werden. Auch die 

Betreuer im Brüggli stellten während der beruflichen Eingliederungsmassnahmen beim 

Beschwerdeführer Einschränkungen in der körperlichen Konstitution fest (IV-act. 135, S. 2 

unten). Der Beschwerdeführer selbst berichtete ebenfalls von physischen Grenzen im 

erlernten Beruf, die seit dem Unfall bestanden und sich offenbar zunehmend verstärkten, 

was ihn schliesslich dazu bewogen habe, seine Stelle zu kündigen (IV-act. 148, S. 7). Dass 

die Vorinstanz unter diesen Umständen entgegen der medizinischen Einschätzung in den 

RAD-Berichten und entgegen dem Hinweis von Dr. C___ in seinem Arztbericht ohne 

weiteres davon auszugehen scheint, dass dem Beschwerdeführer die angestammte 

Tätigkeit physisch zumutbar sei, kann nicht nachvollzogen werden.  

 

b. Dr. D___ beschrieb im RAD-Bericht vom 24. Juni 2016 (IV-act. 102) folgendes 

Leistungsprofil als dem Beschwerdeführer angepasst:  
 

Seite 10 

„Körperlich leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne Zwangshaltungen, ohne besondere Anforderungen an 

Dauerleistungen, ohne besondere Anforderungen an das Konzentrationsvermögen, ohne besonderen Zeit- und 

Leistungsdruck, ohne überwiegende Teamarbeit und grosse Teams, keine reine Bürotätigkeiten.“  
 

Dieses Profil erfüllt das Anforderungsprofil eines Multimediaelektronikers gemäss IV-act. 

153, S. 2 auch in psychischer Hinsicht nicht bzw. jedenfalls offensichtlich nicht vollständig. 

Angesichts der aktenkundigen Krankengeschichte des Beschwerdeführers kann jedenfalls 

nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass ihm die angestammte Tätigkeit aus 

psychischer Sicht weiterhin uneingeschränkt zumutbar sein soll, nachdem er sich 

nachweislich mehrmals in stationäre psychiatrische Behandlung begeben musste und 

aktuell wöchentlich an einer psychologischen Gesprächstherapie teilnimmt (vgl. IV-act. 148, 

S. 7 unten). Im Austrittsbericht der Privatklinik Aadorf vom 15. September 2015 hielten die 

behandelnden Fachärzte die angestammte Tätigkeit aus psychiatrisch-

psychotherapeutischer Sicht nicht mehr für zumutbar und empfahlen ausdrücklich eine 

Umschulung (IV-act. 53, S. 4). Der aktuell behandelnde Therapeut Dr. E___ beantwortete 

die Fragen der Vorinstanz zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausdrücklich nicht, 

weil dies nicht in die Zuständigkeit eines forensischen Therapeuten falle und verwies 

stattdessen für weitere Auskünfte auf den Hausarzt Dr. C___ (IV-act. 164, S. 3). Damit fehlt 

eine aktuelle Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer 

Sicht in den Akten. Unter diesen Umständen kann nicht ohne nähere Abklärungen zum 

Vornherein einfach ausgeschlossen werden, dass das Anforderungsprofil an eine dem 

Beschwerdeführer zumutbare Tätigkeit in psychischer Hinsicht Einschränkungen zu 

unterwerfen wäre.  

 

 

2.5 

Zusammengefasst ist es nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz in der angefochtenen 

Verfügung ohne weiteres davon ausgeht, dass dem Beschwerdeführer sein angestammter 

Tätigkeitsbereich als Multimediaelektroniker zumutbar sei, weshalb er zum Vornherein 

keine Umschulungs- oder Rentenansprüche haben könne. Während Dr. B___ dem 

Beschwerdeführer in ihrem Gutachten notabene gar keine vollständige Arbeitsfähigkeit 

angestammt attestierte, sondern davon ausging, unter bestimmten Voraussetzungen 

könnte er auch in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80% erreichen, 

lässt sich den vorhandenen medizinischen Unterlagen nicht abschliessend entnehmen, 

inwieweit der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit allenfalls zusätzlich aus 

psychiatrischer und körperlicher Sicht eingeschränkt wird. Für die abschliessende 

Beurteilung der Leistungsansprüche des Beschwerdeführers - wozu auch die Beurteilung 

der Zweckmässigkeit der ihm angebotenen beruflichen Massnahmen gehört, siehe dazu 

nachfolgend, E. 2.6 - ist es unter den gegebenen Umständen unerlässlich, zunächst auch 

Seite 11 

zu allfälligen psychischen und/oder physischen Einschränkungen des Beschwerdeführers 

vertiefte Abklärungen in geeigneter Form zu treffen. Dies sollte in erster Linie durch 

Einholung aktueller Arztberichte bei den behandelnden Ärzten und einer abschliessenden 

konkreten Beurteilung durch den RAD sowie, sollte es sich im Rahmen der weiteren 

Abklärungen als notwendig erweisen, allenfalls durch Einholung zusätzlicher 

Fachgutachten geschehen.  

 

 

2.6 

Der Beschwerdeführer bemängelt nebst der fehlenden konkreten Rentenanspruchsprüfung 

durch die Vorinstanz in seiner Beschwerdeschrift überdies, dass die Vorinstanz sich 

weigere, die von ihm begonnene Ausbildung zu unterstützen. Hierzu ist folgendes 

anzumerken: 

 

a. Ein Versicherter hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die 

Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit 

voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Dem Erfordernis 

der Invalidität gleichgestellt ist die unmittelbare Bedrohung durch eine solche (Art. 18 Abs. 

1 IVG). Als invalid im Sinn von Art. 17 IVG gilt somit mit anderen Worten, wer nicht 

hinreichend eingegliedert ist, weil der Gesundheitsschaden eine Art und Schwere erreicht 

hat, welche die Ausübung der bisherigen Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise unzumutbar 

macht. Insoweit die Vorinstanz die Unterstützung der Umschulung zum Gestalter 

Fotographie mit der Begründung verneint, er sei dem Beschwerdeführer zumutbar, seine 

Arbeitsfähigkeit in seinem angestammten Tätigkeitsbereich als Multimediaelektroniker zu 

verwerten, werden erst die noch vorzunehmenden Abklärungen zeigen, inwieweit dies im 

konkreten Fall tatsächlich auf den Beschwerdeführer zutrifft. 

 

b. Selbst wenn die ergänzenden Abklärungen ergeben sollten, dass dem 

Beschwerdeführer eine Wiedereingliederung im angestammten Beruf aus psychischen oder 

physischen Gründen nicht oder nicht mehr in vollem Umfang zumutbar ist, so führt dies 

nicht per se zu einem Umschulungsanspruch. Um tatsächlich einen Umschulungsanspruch 

zu begründen, muss der Invaliditätsgrad vielmehr ein bestimmtes erhebliches Mass 

erreichen. Nach der Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn der Versicherte in den ohne 

zusätzliche berufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder 

längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet (vgl. anstelle vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 8C_716/2016 vom 1. Februar 2017, E. 4.1.3; BGE 124 V 108, E. 2b; je 

m.w.H.). Für die Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit bzw. der daraus resultierenden 

Erwerbseinbusse wird dabei auf die gesundheitlich bedingte Einschränkung nicht nur in der 

Seite 12 

bisherigen Tätigkeit, sondern auf dem gesamten in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt abgestellt. Die versicherte Person ist aufgrund der Schadenminderungspflicht 

gehalten, im Rahmen des Zumutbaren eine andere als die angestammte Tätigkeit 

auszuüben, sofern sich dadurch die verbleibende Arbeitsfähigkeit finanziell besser 

verwerten lässt (Urteil des Bundesgerichts 9C_169/2010 vom 19. April 2010, E. 2.1). Sollte 

der Beschwerdeführer insgesamt (d.h. nicht nur aus neuropsychologischer, sondern auch 

aus psychischer und physischer Sicht) weiterhin zu 80% als Multimediaelektroniker 

arbeitsfähig sein, würde ein Umschulungsanspruch zum Vornherein nur dann in Frage 

kommen, wenn der Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ohne 

Umschulung nicht weiterhin 80% seines bisherigen Einkommens verdienen könnte (wobei 

das zuletzt vom Beschwerdeführer verdiente Jahreseinkommen gemäss IV-Akten im Jahr 

2014 bei der Firma G___ AG Fr. 55‘800.-- betrug [vgl. IV-act. 48, S. 8] und somit unter dem 

Durchschnittslohn gemäss LSE für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher 

Art [LSE 2014, Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und 

Geschlecht] lag). Je nachdem, inwieweit der Beschwerdeführer in seiner angestammten 

Tätigkeit insgesamt eingeschränkt ist, was die noch zu treffenden ergänzenden 

medizinischen Abklärungen zeigen werden, ist es möglich, dass im konkreten Fall im 

Resultat tatsächlich kein Umschulungsanspruch des Beschwerdeführers in Frage kommt.  

 

c. Bei der konkreten Festlegung allfälliger weiterer beruflicher Massnahmen wird zu 

berücksichtigen sein, dass dem Beschwerdeführer gemäss der Einschätzung von Dr. B___ 

jedenfalls längerdauernde Umschulungen aufgrund der exekutiven Funktionsstörungen und 

des Apathiesyndroms weder möglich noch zumutbar seien (IV-act. 148, S. 13 und S. 16). 

Empfohlen werden aus neuropsychologischer Sicht stattdessen gezielte fachliche 

Weiterbildungen entsprechend den Ressourcen und Interessen des Versicherten. Inwieweit 

die vom Beschwerdeführer gewünschte längerfristige Umschulung zum Gestalter 

Fotographie mit den bereits festgestellten neuropsychologischen Einschränkungen 

vereinbar wäre, wird allenfalls zusammen mit den Fachpersonen der Berufsberatung 

nochmals genauer zu prüfen sein, sollte sich eine Umschulung aus psychischer und/oder 

physischer Sicht trotz den erwähnten Vorbehalten aus neuropsychologischer Sicht als 

erforderlich erweisen. Der Beschwerdeführer wird an dieser Stelle allerdings bereits 

vorsorglich darauf hingewiesen, dass selbst für den Fall, dass bei ihm von einem 

Umschulungsanspruch auszugehen wäre, die Vorinstanz keine Pflicht trifft, ihm jede 

beliebige Umschulung zu bezahlen. Insbesondere die von den Fachpersonen der 

Berufsberatung der Vorinstanz geäusserten Bedenken bezüglich der vom 

Beschwerdeführer gewünschten Umschulung (vgl. z.B. IV-act. 165) können dazu führen, 

dass dem Beschwerdeführer gegebenenfalls andere berufliche Massnahmen anzubieten 

sind. Sofern der Beschwerdeführer in diesem Fall auf ihm angebotene geeignete berufliche 

Seite 13 

Massnahmen verzichtet, wird ein Abschluss der beruflichen Massnahmen durch die 

Vorinstanz nicht zu beanstanden sein.  

 

 

 

3. Kosten und Entschädigung 

 

3.1 

Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung 

oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen 

rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 

9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem 

Verfahrensausgang entsprechend beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu 

erheben (vgl. auch Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]). Die Gerichtskasse ist anzuweisen, ihm den 

geleisteten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.-- zurückzuerstatten. 

 

 

3.2 

 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten; diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Im Übrigen ist die Bemessung der 

Parteientschädigung dem kantonalen Recht überlassen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_11/2016 vom 22. Februar 2016, E. 3.1). Gestützt auf Art. 13 Abs. 1 lit. c Anwaltstarif 

(Verordnung über den Anwaltstarif, bGS 145.53) kommt im vorliegenden Fall die pauschale 

Bemessung zur Anwendung. Unter Berücksichtigung von Art und Umfang der 

Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und der wirtschaftlichen Verhältnisse der 

Beteiligten erscheint das in vergleichbaren Fällen ausgerichtete Honorar im Betrag von 

Fr. 2‘500.-- als angemessen. Unter Hinzurechnung einer Barauslagenpauschale von 4% 

sowie der Mehrwertsteuer von 7.7% hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine 

Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2‘800.20 auszurichten. 

  

Seite 14 

Demnach erkennt das Obergericht:  
 
 
1. In Gutheissung der Beschwerde von A___ wird die Verfügung vom 1. März 2018 

aufgehoben und die Sache zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und 
anschliessender Neuverfügung an die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden zurückgewiesen. 

 
 
2. Es werden keine Kosten erhoben. Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem 

Beschwerdeführer den Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten. 
 
 
3. Die IV-Stelle wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von 

pauschal Fr. 2‘800.20 (inklusiv Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 
 
 
4. Rechtsmittel: 
 Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde 
richtet sich nach Art. 82 ff. Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist 
beim Schweizerischen Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, schriftlich 
einzureichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der 
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 
Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 BGG). 
Die Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 

 
 
5. Zustellung an den Beschwerdeführer über dessen Anwalt sowie an Berufsbeistand F___; 

an die Vorinstanz und an das Bundesamt für Sozialversicherungen sowie nach Eintritt der 
Rechtskraft an die Gerichtskasse. 

 
 
 
 
Im Namen der 3. Abteilung des Obergerichts 
 
 
Der Obergerichtspräsident: 

 

 

lic. iur. Ernst Zingg 

Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

lic. iur. Annika Mauerhofer 

 
 
 
 
 
 
versandt am: 6.11.18