# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f11d164-000d-5cc8-ae9a-ac4c1714e847
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.08.2008 A-1714/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1714-2006_2008-08-11.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1714/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), 
Richter Daniel Riedo, Richter Thomas Stadelmann,
Gerichtsschreiber Johannes Schöpf.

X._______, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Oberzolldirektion OZD,
Hauptabteilung Recht und Abgaben, Monbijoustrasse 40, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Steuer auf der Einfuhr, Verzugszinsen, Erlass.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1714/2006

Sachverhalt:

A.
Am 21. Februar 1997 liess die X._______ ein Flugzeug der Marke ... 
zur  Einfuhr  deklarieren.  Das  Zollamt  fertigte  das  Flugzeug  ab  und 
erhob  die  Einfuhrsteuer  im  Betrage  von  Fr. ....  Die  X._______  liess 
diese  Abgabeforderung  in  der  Folge  durch  alle  Instanzen  hindurch 
erfolglos anfechten, bis schliesslich das Bundesgericht am 26. Februar 
2001  ihre  entsprechende  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  mit  Urteil 
2A.90/1999 abwies, soweit es darauf eintrat. Am 27. März 1998 hatte 
die X._______ ein weiteres Flugzeug der Marke ... einführen lassen, 
worauf das Zollamt eine Einfuhrsteuer von Fr. ... erhoben hatte.

B.
Nach umfangreicher  Korrespondenz der  Verfahrensbeteiligten in  den 
Jahren 1999 bis 2002 über das Inkasso der Abgaben und der darauf 
geltend gemachten Verzugszinsen (z.B. Mahnungen, Gesuche um Er-
streckung der  Zahlungsfrist,  Fristerstreckungen)  liess  die  X._______ 
am 20. August 2002 die Verzugszinspflicht betreffend die Einfuhrsteuer 
auf  dem  Import  der  Flugzeuge  bestreiten.  Mit  Verfügung  der 
Oberzolldirektion  (OZD)  vom  22.  Oktober  2003  wurde  sie  jedoch 
verpflichtet, die sich aufgrund der genannten Einfuhrabfertigungen bis 
am 20. Oktober 2003 ergebenden Verzugszinsen im Betrag von Fr. ... 
innert  30 Tagen zu bezahlen. Die Verwaltung stellte gleichzeitig  fest, 
dass  bei  nicht  rechtzeitiger  Bezahlung  die  Verzugszinspflicht  weiter 
bestehe  und  sich  die  Verzugszinsforderung  entsprechend  dem 
Zeitraum des Verzugs erhöhe.

Gegen diesen Entscheid liess die X._______ am 21. November 2003 
Beschwerde bei der Eidgenössischen Zollrekurskommission (ZRK) er-
heben und beantragen,  die angefochtene Verfügung sei  aufzuheben. 
Sie berief sich auf einen angeblich gleichgelagerten Fall (Y._______), 
in  dem  die  Zollverwaltung  auf  die  Erhebung  von  Verzugszinsen 
verzichtet  habe  und  verlangte  Gleichbehandlung  im  Unrecht. 
Eventualiter liess sie beantragen, die mit der angefochtenen Verfügung 
erhobenen  Verzugszinsen  seien  ihr  zu  erlassen.  Die  ZRK  wies  die 
Beschwerde mit Entscheid vom 20. Oktober 2004 (ZRK 2003-201) ab, 
soweit sie darauf eintrat, verneinte das Vorliegen der Voraussetzungen 
für  eine  Gleichbehandlung im Unrecht  und überwies im Übrigen die 
Sache  der  OZD  zum  Entscheid  über  das  Erlassgesuch.  Dieser 
Entscheid der ZRK wurde nicht angefochten.

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C.
In ihrer Stellungnahme gegenüber der OZD vom 14. März 2005 liess 
die  X._______  einerseits  ausführen,  dass  die  Verzugszinsen  nach 
Art. 127 Abs. 1 Ziff. 4  des (alten) Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 
(aZG, AS 42 287 und BS 6 465) zu erlassen seien, weil diese falsch 
berechnet  seien. Andererseits  berief  sie  sich auf  den Grundsatz der 
Gleichbehandlung im Unrecht  und verwies, wie bereits vor der ZRK, 
auf die Behandlung der Y._______ durch die OZD.

Mit Entscheid vom 2. September 2005 wies die OZD das Erlassgesuch 
ab.  Sie  liess  zwar  die  Frage  offen,  ob  Verzugszinsen,  weil  es  sich 
weder um Zoll- noch um Mehrwertsteuerbeträge handle, überhaupt er-
lassen werden können, verneinte aber sowohl das Vorliegen besonde-
rer Verhältnisse nach Art. 127 Abs. 1 Ziff. 3 aZG als auch die beson-
dere  Härte  nach Art. 127 Abs. 1 Ziff. 4  aZG. Auf  die Rüge der  Un-
gleichbehandlung  gegenüber  der  Y._______ und  der  unrichtigen 
Berechnung  der  Verzugszinsen  trat  sie  mit  Verweis  auf  den 
rechtskräftigen Entscheid der ZRK nicht ein.

D.
Gegen  diesen  Entscheid  liess  die  X._______  (nachfolgend 
Beschwerdeführerin)  am  3.  Oktober  2005  Beschwerde  bei  der  ZRK 
einreichen  mit  dem  Hauptantrag,  der  Entscheid  der  OZD  vom 
2. September  2005  sei  aufzuheben  und  die  mit  Verfügung  vom 
22. Oktober  2003  erhobene  Verzugszinsforderung  von  Fr. ...  sei 
vollumfänglich  zu  erlassen,  und  dem  Eventualantrag,  der  Entscheid 
der  OZD  vom  2. September  2005  sei  aufzuheben  und  die  mit 
Verfügung vom 22. Oktober 2003 erhobene Verzugszinsforderung von 
Fr. ...  sei  teilweise  zu  erlassen,  unter  Kosten-  und 
Entschädigungsfolge. Sie wiederholte dabei die in der Stellungnahme 
vom 14. März 2005 vorgebrachte Begründung. Die OZD beantragte in 
ihrer  Vernehmlassung  vom  25.  November  2005  die  kostenpflichtige 
Abweisung der Beschwerde, brachte jedoch in der Begründung keine 
neuen Argumente vor.

E.
Am 1. Januar 2007 übernahm das Bundesverwaltungsgericht die Be-
handlung der Beschwerde, was den Parteien am 31. Januar 2007 zu-
sammen mit  der Besetzung des Spruchkörpers mitgeteilt  wurde. Am 
18. Dezember 2007 orientierte das Bundesverwaltungsgericht die Par-
teien über den Wechsel des zuständigen Gerichtsschreibers.

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Auf die weiteren Begründungen der Eingaben wird - soweit entscheid-
wesentlich  -  im  Rahmen  der  nachstehenden  Erwägungen  einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen erstinstanzliche Verfügun-
gen oder Beschwerdeentscheide der OZD der Beschwerde an die ZRK 
(Art. 109  Abs.  1  Bst.  c  aZG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  über-
nimmt, sofern es zuständig ist, die zu diesem Zeitpunkt bei der ZRK 
hängigen  Rechtsmittel.  Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem  Ver-
fahrensrecht  (Art. 53  Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 
über das Bundesverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, 
SR 173.32]). Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich ge-
mäss  Art. 37  VGG  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Beschwerden an das Bundesverwaltungsgericht sind zu-
lässig gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5  VwVG (Art. 31 VGG). 
Entscheide der OZD sowohl betreffend den Erlass der Einfuhrsteuern 
als auch den Zollnachlass unterliegen der Beschwerde an das Bun-
desverwaltungsgericht (Art. 33 Bst. d VGG in Verbindung mit 109 Abs. 
1 Bst. c aZG und in Verbindung mit Art. 84, 92 und Art. 93 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer 
[Mehrwertsteuergesetz,  MWSTG,  SR  641.20]).  Das  Bundesver-
waltungsgericht ist somit sachlich und funktionell zuständig.

1.2 Am 1. Januar 2001 sind das MWSTG  sowie die zugehörige Ver-
ordnung (Verordnung vom 29. März 2000 zum Bundesgesetz über die 
Mehrwertsteuer  [MWSTGV,  SR  641.201])  in  Kraft  getreten.  Nach 
Art. 93  Abs.  1  MWSTG  bleiben  jedoch  die  Bestimmungen  der  Ver-
ordnung  vom  22. Juni  1994  über  die  Mehrwertsteuer  (MWSTV, 

AS 1994 1464)  weiterhin auf alle während deren Geltungsdauer ein-
getretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwend-
bar. Bei der Einfuhrsteuer ist  die massgebende Tatsache die Einfuhr 
(FELIX GEIGER,  mwst.com,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  die 
Mehrwertsteuer,  Basel  2000,  Rz. 4,  11 und  22 zu  Art. 93). Die  Ver-
zugszinsen, um deren Erlass nachgesucht wird, entstanden aus der 

Nichtbezahlung  der  Einfuhrsteuern  für  Einfuhren  am  21.  Februar 

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1997 und  27.  März  1998,  somit  zur  Zeit  der  Geltung der  MWSTV, 

weshalb  auf die vorliegende Beschwerde grundsätzlich noch bisheri-
ges  Recht  anwendbar  ist  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1701/2006  vom  1.  Oktober  2007  E.  1.2,  Entscheid  der  ZRK 
2001-011 vom 7. Juni 2002 E. 1b und 1c).

Am  1. Mai  2007  sind  das  Zollgesetz  vom  18. März  2005  (ZG, 
SR 631.0)  sowie  die  dazugehörige  Zollverordnung  vom 1. November 
2006 (ZV, SR 631.01) in Kraft getreten. Zollveranlagungsverfahren, die 
zu diesem Zeitpunkt hängig waren, werden gemäss Art. 132 Abs. 1 ZG 
nach dem bisherigen Recht und innerhalb der nach diesem gewährten 
Frist abgeschlossen.

1.3 Voraussetzung sowohl für den Erlass der Mehrwertsteuer als auch 
für den Zollerlass ist, dass die Mehrwertsteuer- bzw. Zollschuld nach 
Abschluss des Veranlagungsverfahrens rechtskräftig feststeht. Mit an-
deren Worten bilden Mehrwertsteuer- und Zollerlass Massnahmen der 
Vollstreckung an sich rechtskräftiger Entscheide und nicht der Veran-
lagung. Eine  allfällige  Unbegründetheit  der  Erhebung  der  Mehrwert-
steuer  oder  der  Zölle  bzw.  die  Fehlerhaftigkeit  des  Veranlagungs-
verfahrens sind im entsprechenden Rechtsmittelverfahren geltend zu 
machen  und  dürfen  im  Rahmen  des  Erlasses  nicht  mehr  geprüft 
werden (PETER A. MÜLLER,  mwst.com,  Kommentar  zum Bundesgesetz 
über  die  Mehrwertsteuer,  Basel  2000,  Rz.  3  zu  Art.  84;  ERNST 
BLUMENSTEIN/PETER LOCHER,  System des schweizerischen Steuerrechts, 
6. Aufl., Zürich 2002, S. 347; für das Zollverfahren: Urteil des Bundes-
gerichts vom 9. Juni 2004, veröffentlicht in Archiv für Schweizerisches 
Abgaberecht [ASA] 74 246 ff., E. 3.3; Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1701/2006 vom 1. Oktober 2007 E. 2.4.1, A-1699/2006 vom 
13. September  2007  E. 2.3.1,  A-1694/2006  vom  7. Februar  2007 
E. 3.1).

Die ZRK hat in ihrem Entscheid vom 20. Oktober 2004 festgehalten, 
dass die Beschwerdeführerin  im damaligen Verfahren die grundsätz-
liche  Verzugszinspflicht  sowie  die  rechnerische  und  sachverhalts-
mässige Ermittlung der geforderten Verzugszinsen nicht bestritten hat 
(E. 1c). Demzufolge ist die Verfügung der OZD vom 22. Oktober 2003 
in dieser Beziehung in Rechtskraft erwachsen. Auf die Ausführungen 
der Beschwerdeführerin auf den S. 8 und 9 der Beschwerde kann inso-
weit nicht eingetreten werden, als diese die Berechnung der Höhe der 
Verzugszinsen betreffen.

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Rechtskräftig entschieden hat die ZRK im eben genannten Entscheid 
auch, dass sich die Beschwerdeführerin nicht mit Erfolg auf die Gleich-
behandlung im Unrecht berufen kann. Insoweit sind die Ausführungen 
auf den Seiten 10 und 11 der Beschwerde ebenfalls nicht zu hören.

1.4 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Ent-
scheid grundsätzlich in  vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerde-
führerin  kann neben  der  Verletzung von Bundesrecht  (Art. 49  Bst. a 
VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des 
rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge 
der  Unangemessenheit  erheben  (Art. 49  Bst. c  VwVG;  vgl.  ANDRÉ 
MOSER, in: Moser/Uebersax, Prozessieren vor eidgenössischen Rekurs-
kommissionen,  Basel  und  Frankfurt  am Main  1998,  Rz. 2.59;  ULRICH 
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
5. Aufl.,  Zürich  Basel  Genf  2006,  Rz. 1632  ff.).  Das  Bundesver-
waltungsgericht  hat  den Sachverhalt  von Amtes wegen festzustellen 
und ist  dabei nicht  ausschliesslich an die Parteibegehren gebunden. 
Die Beschwerdeinstanz hat das Recht von Amtes wegen anzuwenden; 
sie  ist  an  die  vorgebrachten  rechtlichen  Überlegungen  der  Parteien 
nicht gebunden (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, 
Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes, 
2. Aufl., Zürich 1998, S. 39 Rz. 112).

2.

2.1 Für  die  Steuer  auf  der  Einfuhr  von  Gegenständen  gilt  die  Zoll-
gesetzgebung, soweit  die Bestimmungen des 3. Titels der Mehrwert-
steuerverordnung nichts Anderes anordnen (Art. 65 MWSTV). Anders 
als  bei  der  Inlandsteuer  (vgl.  Art.  38  Abs. 2  MWSTV)  enthalten  die 
Art. 65 ff. MWSTV keine Bestimmung über die Verzugszinsen. Demzu-
folge richten sich diese nach der Zollgesetzgebung. Aufgrund des Um-
standes,  dass  bezüglich  der  Pflicht  zur  Zahlung  von  Verzugszinsen 
und  deren  Höhe  ein  rechtskräftiges  Urteil  vorliegt,  erübrigt  es  sich, 
weiter auf die Verzugszinsregelung im Zollrecht einzugehen (vgl. dazu 
Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 1999, ASA 68 S. 518 E. 3).

2.2 Hingegen ist  der Erlass der  Mehrwertsteuer auf  der Einfuhr von 
Gegenständen in Art. 76 MWSTV ausdrücklich geregelt.

Ein  ganzer  oder  teilweiser  Erlass  der  Mehrwertsteuer  kommt  nach 
dieser Bestimmung – abgesehen von den hier offensichtlich nicht zu-
treffenden Fällen von Abs. 1 Bst. a, b und d – zur Anwendung, wenn 

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eine  Nachforderung  mit  Rücksicht  auf  besondere  Verhältnisse  die 
steuerpflichtige  Person unbillig  belasten würde (Art. 76 Abs. 1 Bst. c 
MWSTV).  Diese  Regelung  wurde  wörtlich  in  Art. 84  Abs. 1  Bst. c 
MWSTG übernommen, so dass auf Literatur und Rechtsprechung zu 
jener Bestimmung verwiesen werden kann. Sie entspricht  derjenigen 
über den Zollerlass gemäss Art. 127 Abs. 1 Ziff. 3 aZG. Ihre Anwen-
dung  setzt  voraus,  dass  die  Zollverwaltung  eine  Nachforderung  ge-
stützt auf Art. 126 aZG geltend macht, das heisst dass infolge eines 
Irrtums der Zollverwaltung eine Abgabe gar nicht oder zu niedrig oder 
eine Rückvergütung zu hoch festgesetzt ist und die Differenz nachge-
fordert  wird  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1676  vom 
9. Oktober  2007  E. 3.2  und  4.2  sowie  A-1701/2006  vom 1. Oktober 
2007 E. 2.4.2 und 2.5.2, Entscheid der ZRK vom 29. Juli 2004 [ZRK 
2004-052] E. 3a/bb, PETER A. MÜLLER, a.a.O., Rz. 7 zu Art. 84). Obwohl 
der Wortlaut von Art. 76 MWSTV davon spricht, die Steuer  könne er-
lassen werden, besteht bei gegebenen Voraussetzungen ein Rechts-
anspruch  auf  Erlass  (PETER A.  MÜLLER ,  a.a.O.,  Rz.  2  zu  Art.  84; 
BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 348).

2.3 Ein  ganzer  oder  teilweiser  Zollnachlass  ist,  abgesehen  von den 
hier ausser Frage stehenden Fällen von Art. 127 Abs. 1 Ziff. 1 und 2 
aZG, in Ziff. 3 dieses Absatzes vorgesehen, wonach ein Zollbetrag er-
lassen werden kann, wenn eine Nachforderung mit Rücksicht auf be-
sondere Verhältnisse den Zollpflichtigen unbillig belasten würde. Wie 
Art. 76 Abs. 1 Bst. c MWSTV ist dieser Erlassgrund ausschliesslich für 
Nachforderungen gemäss Art. 126 aZG bestimmt (BGE 94 I 478 E. 2; 
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1676 vom 9. Oktober 2007 
E. 3.2 und A-1701/2006 vom 1. Oktober 2007 E. 2.4.2, Entscheid der 
ZRK 2004-052 vom 29. Juli  2004 E. 3a.aa; vgl.  HANS BEAT NOSER,  Der 
Zollnachlass nach Art. 127 ZG - wozu, wie, wann?, in: Zollrundschau 
3/90, S. 47).

Ziff. 4  von  Art. 127  Abs. 1  aZG  enthält  ferner  eine  Härteklausel, 
welche als allgemeiner Auffangtatbestand konzipiert ist, und subsidiär 
zur  Anwendung  kommt,  das  heisst  nur  dann,  wenn  der  Sachverhalt 
nicht bereits von den Ziff. 1 bis 3 erfasst wird. Gemäss Ziff. 4 muss ein 
Zollnachlass gewährt werden, wenn aussergewöhnliche, nicht die Be-
messung  der  Abgaben  betreffende  Verhältnisse  den  Bezug  der  Ab-
gabe als besondere Härte erscheinen lassen. Die drei Voraussetzun-
gen müssen kumulativ erfüllt sein, damit einem Zollerlassgesuch statt-
gegeben  werden  kann.  Liegen  sie  vor,  greift  kein  behördliches  Er-

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messen, sondern es besteht ein Anspruch auf Nachlass (vgl. Urteile 
des Bundesverwaltungsgerichts  A-1676 vom 9. Oktober 2007 E. 3.3, 
A-1701/2006 vom 1. Oktober 2007 E. 2.4.3 – 2.4.5, A-1699/2006 vom 
13. September  2007 E. 2.3.2  und A-1698/2006 vom 7. Februar  2007 
E. 3).

2.4 Ein Erlass ist ausschliesslich dann und nur insoweit möglich, wie 
er im Gesetz explizit  vorgesehen ist. Ein "gnadenweiser" Erlass über 
den gesetzlich geregelten hinaus, ist ausgeschlossen (Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-1682/2006 vom 19. März 2007 E. 4; MICHAEL 
BEUSCH,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht  Bd. II/2, 
Basel  [etc.]  2005,  Art.  14  VStG  Rz.  3;  BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O., 
S. 347 f.; PETER A. MÜLLER, a.a.O., N 2; HANS BEAT NOSER, a.a.O., S. 79; 
XAVIER OBERSON, droit fiscal suisse, 3. Aufl., Basel [etc.], § 25 Rz. 32 f.).

2.5 Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  ist  eine 
Gesetzesbestimmung in erster Linie nach ihrem Wortlaut auszulegen. 
An einen klaren und unzweideutigen Gesetzeswortlaut ist die rechts-
anwendende  Behörde  gebunden,  sofern  dieser  den  wirklichen  Sinn 
der Norm wiedergibt (BGE 125 III 57 E. 2b, BGE 120 II 112 E. 3a). Ist 
eine Bestimmung trotz ihres scheinbar klaren Wortlauts unklar, so ist 
nach dem wahren Sinn und Zweck der Norm zu suchen. Dieser ergibt 
sich in erster Linie aus der Entstehungsgeschichte und dem Willen des 
Gesetzgebers. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten 
zu  lassen,  dass  nicht  schon  der  Wortlaut  die  Rechtsnorm  darstellt, 
sondern erst das an Sachverhalten angewandte und konkretisierte Ge-
setz. Gefordert  ist  die  sachlich  richtige  Entscheidung  im normativen 
Gefüge,  ausgerichtet  auf  ein  befriedigendes  Ergebnis  aus  der  ratio 
legis. Massgebend ist  damit  der Rechtssinn des Rechtssatzes (BGE 
122 V 362 E. 4a; vgl. zur Auslegung allgemein: HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 
a.a.O., Rz. 214 ff., mit weiteren Hinweisen; ERNST A. KRAMER, Juristische 
Methodenlehre, 2. Aufl., Bern 2005, S. 47 ff.).

Bei der Auslegung gelangen die grammatikalische, historische, zeitge-
mässe,  systematische und teleologische Auslegung zur  Anwendung. 
Nach herrschender Meinung kommt keiner  dieser Auslegungsmetho-
den  ein  grundsätzlicher  Vorrang  zu.  Vielmehr  befolgt  das  Bundes-
gericht  einen  "pragmatischen  Methodenpluralismus"  (BGE  128  I  34 
E. 3b, BGE 125 II 206 E. 4a, BGE 124 III 266 E. 4, mit weiteren Hin-
weisen  auf  die  Rechtsprechung;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., 

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Rz. 214 ff.,  HANS PETER WALTER, Der Methodenpluralismus des Bundes-
gerichts bei der Gesetzesauslegung, recht 1999, S. 157 ff.).

Durch  Auslegung  ist  vorab  zu  ermitteln,  ob  das  Fehlen  einer  An-
ordnung eine bewusst negative Antwort des Gesetzgebers, ein soge-
nanntes qualifiziertes Schweigen, darstellt. Kann dies verneint werden 
und erweist sich eine gesetzliche Regelung als unvollständig, da sie 
auf eine bestimmte Frage keine (befriedigende) Antwort gibt, so liegt 
eine Lücke des Gesetzes vor.

3.
Es stellt sich im vorliegenden Verfahren zum Einen die Frage, ob sich 
der Erlass von Verzugszinsen auf der Einfuhrsteuer nach den Erlass-
bestimmungen der MWSTV oder der Zollgesetzgebung richtet  (dazu 
nachfolgend  3.1).  Zum  Anderen  ist  zu  entscheiden,  ob  die  Voraus-
setzungen der auf Grund dieser Überlegungen anwendbaren Erlass-
bestimmungen erfüllt sind (dazu nachfolgend 3.2).

3.1

3.1.1 Die OZD ist  der  Auffassung,  dass,  weil  die  Verzugszinsen ge-
stützt auf das Zollrecht erhoben wurden, nach Art. 65 MWSTV auch 
die  Erlassbestimmungen  des  Zollrechts  anwendbar  seien.  Die  Be-
schwerdeführerin hingegen stellt sich auf den Standpunkt, der Erlass 
der Verzugszinsforderung sei in Art. 76 MWSTV geregelt, doch komme 
auch Art. 127 Abs. 1 Ziff. 4 aZG zur Anwendung, weil dieser Erlass-
grund in Art. 76 MWSTV nicht vorgesehen und demzufolge aufgrund 
der Verweisung von Art. 65 MWSTV die Zollgesetzgebung anwendbar 
sei. Das Bundesverwaltungsgericht stimmt weder der einen, noch der 
anderen Auffassung zu.

Die Argumentation der Zollverwaltung geht insofern fehl, als sie in den 
Verzugszinsen Zollabgaben sieht. Auch wenn sich die Pflicht zur Zah-
lung  von Verzugszinsen  auf  eine  zollrechtliche  Bestimmung abstützt 
(dazu E. 2.1), haben die Verzugszinsen ihren Ursprung in der verspä-
teten  Zahlung  einer  Mehrwertsteuerforderung  und  dienen  dazu,  den 
der Steuerverwaltung auf dieser Mehrwertsteuerforderung entstande-
nen Zinsverlust auszugleichen. Sie treten zu dieser hinzu und teilen ihr 
Schicksal. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass die Verzugszins-
pflicht endet, sobald die Mehrwertsteuerforderung bezahlt ist. Demzu-
folge handelt es sich auch bei den Verzugszinsen im weiteren Sinn um 
geschuldete Mehrwertsteuer, und auf ihren Erlass ist grundsätzlich die 

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Art. 76 MWSTV anwendbar (so auch PETER A. MÜLLER, a.a.O., Rz. 3 zu 
Art. 84; vgl. auch BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 348).

3.1.2 Fragt  sich  weiter,  ob  –  wie  die  Beschwerdeführerin  geltend 
macht – aufgrund von Art. 65 MWSTV auch Art. 127 Abs. 1 Ziff. 4 aZG 
neben Art. 76 MWSTV zur Anwendung kommt. Die ZRK hat sich im 
Urteil vom 29. Juli 2004 (ZRK 2004-052) auf den Standpunkt gestellt, 
dass in den Erlassnormen der MWSTV und des MWSTG ein Art. 127 
Abs. 1 Ziff. 4 aZG entsprechender Steuererlass gänzlich fehle; der Ge-
setzgeber habe ganz bewusst keinen Erlass für besondere Härtefälle 
einführen  wollen  (E. 3b/cc).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  aus-
drücklich – jedoch ohne Begründung –  dafür  gehalten,  dass  Art. 76 
MWSTV eine abschliessende Aufzählung enthält, die keine ergänzen-
de  Anwendung  des  Zollrechts  zulässt;  aussergewöhnliche,  nicht  die 
Bemessung der Abgaben betreffende Verhältnisse, welche den Bezug 
als besondere Härte erscheinen lassen, seien kein Grund für den Er-
lass  der  Mehrwertsteuer  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes 
A-1676/2006 vom 9. Oktober 2007 E. 4.3). An dieser Auffassung ist, 
wie im Folgenden gezeigt wird, festzuhalten.

Bei der Auslegung von Art. 76 Abs. 1 MWSTV ist festzustellen, dass 
der  Einleitungssatz  „Die  Steuer  auf  der  Einfuhr  von  Gegenständen 
kann ganz oder teilweise erlassen werden, wenn: Bst. a – d ...“ keinen 
Hinweis darauf enthält, dass sich ein Steuererlass neben den genann-
ten Konstellationen auch auf andere Gründe stützen könnte. Er bein-
haltet kein relativierendes Adverb oder keinen relativierenden Zusatz 
wie  „insbesondere“  oder  „zum  Beispiel“.  Schon  aufgrund  des  Wort-
lautes  drängt  sich  daher  der  Schluss  auf,  dass  die  Aufzählung  ab-
schliessend ist. Diese Folgerung wird durch den Kommentar des Eid-
genössischen Finanzdepartementes zur MWSTV gestützt, welcher zu 
Art.  76  MWSTV  ausführt:  „Abs.  1  regelt  abschliessend,  in  welchen 
Fällen die Steuer auf  der Einfuhr von Gegenständen ganz oder teil-
weise  erlassen  werden  kann“.  Das  historische  Auslegungselement 
wird durch ein systematisches ergänzt: Es ist nicht einzusehen, wes-
halb der Verordnungsgeber, hätte er Ziff. 4 von Art. 127 Abs. 1 aZG 
auch übernehmen wollen, in Art. 76 Abs. 1 Bst. a – c MWSTV nur die 
Bestimmungen von Art. 127 Abs. 1 Ziff. 1 - 3 aZG praktisch wortwört-
lich wiedergegeben hat und nicht auch dessen letzte Ziffer. Demnach 
liegt keine Lücke, sondern ein qualifiziertes Schweigen vor, das heisst 
der  Verordnungsgeber  wollte  bewusst  diesen  Erlassgrund  nicht  ins 
Mehrwertsteuerrecht  übernehmen.  Auf  die  Ausführungen  der  Be-

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schwerdeführerin, mit denen diese darzulegen beabsichtigt, dass eine 
„besondere Härte“ im Sinne von Art. 127 Abs. 1 Ziff. 4 aZG vorliege, 
muss somit nicht eingegangen werden.

3.2 Demzufolge ist zu prüfen, ob das Erlassgesuch der Beschwerde-
führerin die Voraussetzungen eines Erlassgrundes nach Art. 76 Abs. 1 
MWSTV erfüllt,  wobei  dessen Bst. a,  b  und d  unbestrittenermassen 
von vornherein ausser  Betracht  fallen. Die  Beschwerdeführerin  kann 
sich  aber  auch  nicht  auf  Art.  76  Abs. 1  Bst. c  MWSTV berufen,  da 
diese Bestimmung voraussetzt, dass eine Nachforderung im Sinn von 
Art. 126 aZG vorliegt (dazu E. 2.2), was zu verneinen ist. Weder wurde 
eine Abgabe nicht oder zu niedrig festgesetzt, noch liegt ein Irrtum der 
Zollverwaltung vor. Vielmehr forderte die OZD mit der Verfügung vom 
22. Oktober 2002 schlicht die aus der verspäteten Zahlung einer Mehr-
wertsteuerforderung resultierenden Verzugszinsen ein.

Mangels Vorliegens eines Erlassgrundes und weil ein „gnadenweiser“ 
Erlass unzulässig ist (E. 2.4), muss die Beschwerde, soweit darauf ein-
getreten werden konnte, bezüglich Haupt- und Eventualbegehren voll-
ständig abgewiesen werden.

4.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin als unter-
liegende Partei die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (vgl. 
Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskosten werden gestützt auf Art. 4 
des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  auf  Fr. ...  festgesetzt  und  mit  dem  Kostenvorschuss 
gleicher  Höhe  verrechnet.  Aus  denselben  Gründen  ist  keine 
Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

5.
Dieser Entscheid kann nicht mit  Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 
Bst. m  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das  Bundes-
gericht [BGG, SR 173.110]).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

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1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. ...  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. ... 
verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an:

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Gerichtsurkunde)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Salome Zimmermann Johannes Schöpf

Versand:

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