# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5242c1b1-3830-5f0b-9e4c-881ef5e6ba85
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.06.2010 D-5443/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5443-2008_2010-06-17.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5443/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u n i  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Maurice 
Brodard, Richterin Nina Spälti Giannakitsas;
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______ Irak,
vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 18. August 2008 / N_______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5443/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  -  ein  nach  eigenen  Angaben  aus  der 
Provinz  B._______  stammender  irakischer  Staatsangehöriger  mit 
letztem Wohnsitz in C._______ - am 18. Januar 1999 in der Schweiz 
erstmals  um  Asyl  nachsuchte  und  dabei  im  Wesentlichen  geltend 
machte,  wegen  Schwierigkeiten  mit  Familienangehörigen  seinen 
Heimatstaat verlassen zu haben,

dass das BFM mit Verfügung vom 9. November 2001 das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers wegen fehlender Asylrelevanz der Vorbringen 
abwies, wobei es den Wegweisungsvollzug - unter Ausschluss in den 
zentralstaatlich  kontrollierten  Teil  des  Iraks  –  in  den  Nordirak  als 
zulässig, zumutbar und möglich erachtete, 

dass  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission 
(ARK)  mit  Urteil  vom  18.  Dezember  2001  auf  eine  gegen  diese 
Verfügung  gerichtete  Beschwerde  nicht  eintrat,  womit  die  Verfügung 
des BFM vom 9. November 2001 in Rechtskraft erwuchs,

dass der Beschwerdeführer seit  dem 25. Februar 2002 unbekannten 
Aufenthaltes war, 

dass der Beschwerdeführer am 21. Juli 2008 in der Schweiz ein zwei -
tes Asylgesuch stellte,

dass  er  dabei  im  Rahmen  der  Erstbefragung  vom 28.  Juli  2008  im 
Empfangs- und Verfahrenszentrum D._______ und der Anhörung nach 
Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
vom 12.  August  2008  unter  anderem angab,  zirka  Ende  Dezember 
2001 sei er über Italien in die Türkei gelangt, wo er sich den dortigen 
Behörden gestellt  habe, welche ihn nach E._______überstellt  hätten, 
wo er drei Tage lang inhaftiert gewesen sei,

dass  er  nach  seiner  Freilassung  nach  B._______  zu  seiner  Familie 
zurückgekehrt sei,

dass wegen fehlender Arbeit,  dem mutmasslich aufgrund eines 2001 
erlittenen Autounfalls  schlechten  Gesundheitszustands seines Vaters 
und den daraus resultierenden Schulden, die zur Aufgabe des eigenen 
Hauses und zum Bezug eines Mietshauses geführt hätten, die ganze 

Seite 2

D-5443/2008

Familie anfangs 2004 in C._______ in ein leer stehendes Haus eines 
Verwandten gezogen sei,

dass der  Beschwerdeführer  in  C._______ eine eigene Autowerkstatt 
betrieben  habe  und  zu  seinem  grossen  Kundenkreis  auch  einige 
Islamisten mit Kontakt zu Terroristen gehört hätten,

dass  die  Islamisten  zirka  ab  April  2008  den  Beschwerdeführer  zur 
Zusammenarbeit aufgefordert hätten, wobei er am 13. Juni 2008 von 
einem Kurden und zwei Arabern mit dem Tod bedroht worden sei,

dass eine diesbezügliche vom Vater bei der örtlichen Polizei gemachte 
Anzeige - der Beschwerdeführer habe sich aus Angst versteckt gehabt 
- erfolglos geblieben sei, 

dass der Beschwerdeführer am 20. Juni 2008 C.______ verlassen und 
über die Türkei und ihm unbekannte Länder am 21. Juli 2008 illegal in 
die Schweiz gelangt sei, 

dass das BFM mit Verfügung vom 18. August 2008 in Anwendung von 
Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  auf  das  zweite  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers  vom  21.  Juli  2008  nicht  eintrat  sowie  die 
Wegweisung und deren Vollzug anordnete,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 
26. August 2008 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erhob und unter anderem beantragte, es sei ihm die 
unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten,

dass der Rechtsvertreter im Weiteren um Einsicht in die Akten des ers-
ten Asylverfahrens und um eine damit verbundene Frist zur Beschwer-
deergänzung ersuchte und die Einreichung von Beweismitteln in Aus-
sicht stellte,

dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom 
2. September 2008 antragsgemäss Einsicht in die wesentlichen Akten 
des  ersten  Asylverfahrens  und  eine  damit  verbundene  Frist  zur 
Beschwerdeergänzung gewährte,

Seite 3

D-5443/2008

dass  er  das  weitere  Gesuch  um  Gewährung  einer  Nachfrist  zur 
Beibringung von Beweismitteln mangels erforderlicher Substanziierung 
ablehnte,

dass im Weiteren auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzich-
tet wurde mit dem Hinweis, auf das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werde zu 
einem späteren Zeitpunkt entschieden, 

dass dem Rechtsvertreter am 8. September 2008 auf dessen Antrag 
vom 3. September 2008 hin Einsicht in weitere Akten des ersten Asyl-
verfahrens gewährt wurde,

dass der Rechtsvertreter mit ergänzender Eingabe vom 9. September 
2008  unter  anderem  die  Einreichung  polizeilicher  Akten  im  Zusam-
menhang mit  der  vom Vater  des  Beschwerdeführers  im Heimatstaat 
eingereichten Strafanzeige in Aussicht stellte, 

dass er im Weiteren mit Eingabe vom 16. September 2008 eine Für-
sorgebestätigung  des  E.________  vom  11.  September  2008 
einreichte,

dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2008 die 
Abweisung der Beschwerde beantragte und dabei unter anderem auf 
eine im Rahmen eines Fingerabdruckvergleichs per Telefax eingelang-
ter  Mitteilung der  schwedischen Behörden vom 19. September  2008 
(vgl. B 27) hinwies, wonach der Beschwerdeführer am 2. Januar 2002 
in Schweden um eine Aufenthaltsbewilligung ersucht habe, 

dass der Rechtsvertreter mit Eingabe vom 3. November 2008 ein Be-
stätigungsschreiben  des  Polizeipräsidiums  C._______  vom  14.  Juni 
2008  im  Original  samt  Übersetzung  einreichte  und  in  seiner  Replik 
vom 17. November 2008 unter anderem um Einsicht in das genannte 
Schreiben der schwedischen Behörden vom 19. September 2008 und 
einer damit verbundenen Frist zur Stellungnahme ersuchte, 

dass  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  17.  März 
2010 das beim BFM per Telefax eingelangte Schreiben der schwedi-
schen Behörden vom 19. September 2008 in Kopie zugestellt  wurde 
und  er  Gelegenheit  erhielt,  sich  bis  zum  1.  April  2009  zu  diesem 
Schreiben zu äussern, 

Seite 4

D-5443/2008

dass  im  Weiteren  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege sowie um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG gutgeheissen und der Rechtsvertreter 
des Beschwerdeführers als amtlicher Anwalt eingesetzt wurde, 

dass  der  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  9.  April  2009  zum 
Schreiben  der  schwedischen  Behörden  vom  19.  September  2008 
Stellung bezog,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m.  Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt  ist,  ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwer-
de  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  sowie  Art. 6  AsylG  i.V.m. Art. 52 
VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass das BFM den Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 
Bst. e AsylG getroffen hat,

dass die Beurteilungszuständigkeit der Beschwerdeinstanz in solchen 
Verfahren grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz 
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

Seite 5

D-5443/2008

dass bei Begründetheit der Beschwerde, die angefochtene Verfügung 
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission / EMARK 2004 Nr. 24 E. 2.1. S. 240 f.),

dass gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf ein Asylgesuch nicht ein -
getreten wird, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylver-
fahren erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asyl -
verfahrens  in  den  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  zurückgekehrt  sind, 
ausser  es  gebe  Hinweise,  dass  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse 
eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu 
begründen  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes 
relevant sind,

dass unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer das vorangegangene 
Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat,

dass sich die Prüfung von Verfolgungshinweisen im Sinne dieser Be-
stimmung insbesondere von der  Glaubhaftigkeitsprüfung im Rahmen 
einer  materiellen  Beurteilung  unterscheidet  und  gestützt  auf  Art.  32 
Abs. 2 Bst. e AsylG nur dann ein Nichteintretensentscheid auszufällen 
ist,  wenn  die  Unglaubhaftigkeit  der  Verfolgungshinweise  bereits  auf 
den ersten Blick erkennbar ist (vgl. EMARK 2000 Nr. 14), 

dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers, nach sei-
ner  Rückkehr  in  den Irak als  Betreiber  einer  Tankstelle  in  C.______ 
von Islamisten unter Todesdrohung zur Zusammenarbeit  aufgefordert 
worden  zu  sein  und  deswegen  den  Nordirak  erneut  verlassen  zu 
haben,  aufgrund  fehlender  Substanziierung  und  angesichts  teils 
widersprüchlicher,  teils  realitätsfremder  Angaben als  'offensichtliches 
Konstrukt' erachtete, 

dass  es  hierzu  unter  anderem  ausführte,  nach  Angaben  des  Be-
schwerdeführers sei die ultimative Aufforderung zur Mitarbeit mit den 
Terroristen  zwar  mit  Todesdrohungen,  indessen  aber  ohne  jegliche 
Fristangabe, bis wann diese Mitarbeit  erfüllt  sein müsse, erfolgt (vgl. 
BFM-Protokoll B12, S. 11), was als realitätsfremd zu erachten sei,

dass  zum  Anderen  der  Beschwerdeführer  angegeben  habe,  seine 
Reise sei von seinem Vater mit einer Summe von siebentausend Dollar 
finanziert worden (vgl. B1, S. 7; B12, S. 10), was im Widerspruch zur 
weiteren  Angabe  des  Beschwerdeführers  stehe,  sein  Vater  habe 

Seite 6

D-5443/2008

wegen grosser Schulden sein Haus in B._______ verkaufen müssen 
(vgl. B1, S. 9),

dass  schliesslich  auch  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zum 
Reiseweg und zum Verbleib seiner Identitätspapiere (vgl. B12, S. 3) in 
Zweifel zu ziehen seien,

dass  der  Rechtsvertreter  auf  Beschwerdeebene  entgegnete,  die 
islamistischen  Terroristen  hätten  zwar  keine  Frist  zur  Erfüllung  der 
Forderung nach Zusammenarbeit gesetzt, indessen bereits bei ihrem 
ersten Kontakt mit  dem Beschwerdeführer erklärt,  dass sie ihn töten 
würden, wenn er nicht kooperiere,

dass der Vater des Beschwerdeführers zwar wegen grösseren Schul-
den gezwungen gewesen sei,  sein Haus in B._______ zu verkaufen, 
der Verkauf aber bereits im Jahr 2002 erfolgt sei und der Beschwerde-
führer  aufgrund  eigener  Erwerbstätigkeit  entsprechende  Ersparnisse 
habe machen können, mit denen er die Kosten der Ausreise selber fi-
nanziert habe, 

dass hinsichtlich der Feststellung in der angefochtenen Verfügung, wo-
nach der Beschwerdeführer seine Vorbringen unsubstanziiert geschil-
dert habe, auf die Tatsache hinzuweisen sei, dass die Anhörung vom 
12. August 2008 lediglich knapp drei Stunden gedauert habe, weshalb 
fraglich sei, ob die Befragung als ausreichend gelten könne, zumal die 
Fragen anlässlich der Anhörung 'wenig tiefschürfend ausgefallen seien 
und der Befrager nicht nachgehakt habe',

dass im Weiteren die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ledig-
lich pauschal festhalte, auch die Angaben des Beschwerdeführers zum 
Reiseweg  und  zum Verbleib  seiner  Identitätspapiere  seien  als  Kon-
strukt zu erachten, ohne die Gründe, welche zu dieser Einschätzung 
geführt  hätten,  zu  nennen,  was  eine  Verletzung  der  Begründungs-
pflicht und des Anspruchs auf rechtliches Gehör bedeute,

dass vorderhand festzustellen ist,  dass die Frage, ob vorliegend wie 
geltend  gemacht  eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  und  des 
rechtlichen  Gehörs  vorliegt,  nicht  näherer  Prüfung  bedarf,  hat  der 
Beschwerdeführer  doch  nach  Kenntnisnahme  einer  Mitteilung  der 
schwedischen Behörden vom 19. September 2008 selbst nachträglich 
zugestanden, sich vom 2. Januar 2002 bis 29. April 2008 in Schweden 
aufgehalten  zu  haben,  womit  sich  die  Angaben  des  Beschwerde-

Seite 7

D-5443/2008

führers zu seinem Reiseweg und der Rückkehr in den Irak in zeitlicher 
Hinsicht,  wie  von  der  Vorinstanz  angenommen,  als  unzutreffend 
erwiesen haben,

dass die  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers durch die in  zeitli-
cher Hinsicht tatsachenwidrigen Angaben zu seiner angeblichen Rück-
kehr in den Irak erheblich herabgesetzt ist und mangels gegenteiliger 
Anhaltspunkte nicht feststeht, ob der Beschwerdeführer nach seinem 
Aufenthalt in Schweden wie geltend gemacht überhaupt in seinen Hei-
matstaat zurückgekehrt ist,

dass  das  auf  Beschwerdeebene  eingereichte  Bestätigungsschreiben 
des Polizeipräsidiums C._______ vom 14. Juni 2008 im Original nicht 
geeignet ist,  die geltend gemachte Rückkehr des Beschwerdeführers 
in den Nordirak und die nachfolgenden Behelligungen durch Islamisten 
zu stützen, 

dass  nämlich  die  Authentizität  dieses  ohne  ersichtlichen  Grund  erst 
auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Schriftstückes  aufgrund  seines 
ungewöhnlichen  Inhalts  (auffallend  ungelenke,  ja  unbeholfene  Wort -
wahl des unterzeichnenden Ermittlungsbeamten) und seiner Beschaf-
fenheit  (offensichtlich  handelt  es  sich  um  eine  Kopie  eines  Do-
kumentes  mit  beigefügtem  Stempel  und  Unterschrift)  fraglich  er-
scheint, 

dass  unabhängig  von  der  Frage  der  Authentizität  im  eingereichten 
Schreiben des Polizeipräsidiums Kirkuk vom 14. Juni 2008 lediglich die 
Tatsache  der  Einreichung  einer  Anzeige  durch  den  Vater  des 
Beschwerdeführers  bestätigt  wird,  womit  dieses  mangels 
hinreichendem  Sachzusammenhang  die  weiteren  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers,  in  den  Nordirak  zurückgekehrt  und  dort  von 
Islamisten behelligt worden zu sein, nicht zu stützen vermag, 

dass im Weiteren der Beschwerdeführer entgegen der Behauptung in 
der Beschwerde anlässlich der Anhörung vom 12. August 2008 hinrei-
chend Gelegenheit  erhielt,  seine Vorbringen frei  und ungesteuert  zu 
schildern und dessen Angaben, wie von der Vorinstanz zutreffend fest-
gehalten,  auch  bei  entsprechender  Nachfrage auffallend unbestimmt 
ausgefallen sind,

dass  die  Vorinstanz  das  angebliche  Vorgehen  der  Islamisten,  den 
Beschwerdeführer unter Todesdrohung, aber ohne Angabe einer Frist, 

Seite 8

D-5443/2008

ultimativ  zur  Kooperation  aufgefordert  zu  haben,  zutreffend  als 
realitätsfremd erachtet hat,

dass mit der Entgegnung auf Beschwerdeebene, wonach die Islamis-
ten bereits bei ihrem ersten Kontakt mit dem Beschwerdeführer erklärt  
hätten, dass sie ihn töten würden, wenn er nicht kooperiere, nicht plau-
sibel erklärt wird, weshalb die Islamisten den Beschwerdeführer ohne 
Angabe einer Frist ultimativ zur Kooperation hätten auffordern sollen,

dass  schliesslich  festzuhalten  ist,  dass  die  Angaben  des 
Beschwerdeführers zur Finanzierung seiner geltend gemachten Reise 
aus dem Irak in die Schweiz widersprüchlich ausgefallen sind, 

dass nämlich der Beschwerdeführer abweichend von seiner Aussage 
im Rahmen der Erstbefragung vom 28. Juli  2008,  wonach die Reise 
von  seinen  Angehörigen  finanziert  worden  sei  (vgl.  B1,  S.  7), 
anlässlich der Anhörung vom 12. August  2008 angab, auch er habe 
sich an der Finanzierung beteiligt (vgl. B12, S. 10),

dass  mit  der  Erklärung  in  der  Beschwerde,  wonach  der  Vater  des 
Beschwerdeführers  zwar  wegen  grösseren  Schulden  gezwungen 
gewesen sei,  sein Haus in B.______ zu verkaufen, der Verkauf aber 
bereits im Jahr 2002 erfolgt  sei  und der Beschwerdeführer aufgrund 
eigener  Erwerbstätigkeit  entsprechende  Ersparnisse  habe  machen 
können, mit denen er die Kosten der Ausreise selber finanziert habe, 
der festgestellte Widerspruch nicht entkräftet werden kann, 

dass sich die übrigen Argumente auf Beschwerdeebene, welche sich 
in blossen Behauptungen und allgemeinen Ausführungen erschöpfen, 
nicht  geeignet  sind,  die  Argumentation  der  Vorinstanz  in  Zweifel  zu 
ziehen,

dass somit das BFM in der angefochtenen Verfügung überzeugend auf 
die  offenkundig  unsubstanziierten  und  teils  realitätsfremden,  teils 
widersprüchlichen  Aussagen  hingewiesen  und  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers zutreffend als offensichtlich haltlos erachtet hat,

dass  sich  daher  aus  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  keine 
Hinweise im obenerwähnten Sinn ergeben und das BFM zu Recht auf 
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, 

Seite 9

D-5443/2008

dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf 
ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur 
Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufent-
haltsbewilligung  erteilt  hat  und  der  Beschwerdeführer  zudem keinen 
Anspruch auf Erteilung einer solchen hat (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), 
weshalb  die  verfügte  Wegweisung im Einklang  mit  den gesetzlichen 
Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht  an-
geordnet wurde,

dass,  ist  der  Vollzug der  Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder nicht möglich, das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern regelt (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän-
der [AuG, SR 142.20]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen 
völker-  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist  (Art.  83 
Abs. 3 AuG),

dass  nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  die 
Anordnung des Wegweisungsvollzugs in der Regel für alleinstehende, 
gesunde und junge kurdische Männer, welche ursprünglich aus einer 
der drei nordirakischen Provinzen stammen und dort nach wie vor über 
ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügen, als zumutbar er-
achtet wird (vgl. BVGE 2008/5), 

dass  der  Beschwerdeführer  nach  eigenen  Angaben  aus 
B._______stammt und sich bis anfangs 2004 dort aufgehalten hat,

dass  ein  Onkel  des  Beschwerdeführers  nach  wie  vor  in 
B._______wohnhaft ist und der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise 
als  Automechaniker  tätig  war,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  dass 
sich  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Heimat  wieder  in  den  Ar-
beitsmarkt wird integrieren können,

dass  somit  keine  individuellen  Wegweisungshindernisse  ersichtlich 
sind, die den Vollzug der Wegweisung im heutigen Zeitpunkt als unzu-
mutbar erscheinen lassen, 

dass es dem Beschwerdeführer obliegt, sich - sofern nicht bereits vor-
handen - bei der zuständigen Vertretung um die Ausstellung von Rei -

Seite 10

D-5443/2008

sepapiere zu bemühen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), so dass der Vollzug der 
Wegweisung auch möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG ist,

dass der Wegweisungsvollzug somit als zulässig, zumutbar und mög-
lich im Sinne von Art. 83 AuG zu erachten ist,

dass die  angefochtene Verfügung,  da diese weder  Bundesrecht  ver-
letzt noch unangemessen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von 
der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt  wurde (vgl. Art. 106 
AsylG), zu bestätigen und die Beschwerde daher abzuweisen ist,

dass,  da  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung vom 
17.  März  2010  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgelt lichen 
Rechtspflege  guthiess  und  weiterhin  von  der  Bedürftigkeit  des  Be-
schwerdeführers auszugehen ist,  keine Verfahrenskosten zu erheben 
sind,

dass  im  Weiteren  mit  Zwischenverfügung  vom  17.  März  2010  der 
Anwalt  des  Beschwerdeführers  als  dessen amtlicher  Rechtsbeistand 
eingesetzt wurde (Art. 65 Abs. 2 VwVG),

dass das Honorar der amtlichen Vertretung unabhängig vom Ausgang 
des Verfahrens festzusetzen und vom Bundesverwaltungsgericht dem 
Rechtsvertreter persönlich zu entrichten ist,

dass die Kostennote der Rechtsvertretung vom 31. Mai 2010, welche 
einen Arbeitsaufwand von 10,33 Stunden zu einem Stundenansatz von 
Fr. 240.--  sowie  Spesen  von  Fr.  162.50  ausweist,  als  angemessen 
erachtet wird,

dass  das  zu  entrichtende  Honorar  der  amtlichen  Vertretung 
gesamthaft auf Fr. 2'843.35 festzulegen ist (inklusive MWSt).

Seite 11

D-5443/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Das  Bundesverwaltungsgericht  entrichtet  dem als  amtlicher Rechts-
beistand eingesetzten Anwalt ein Honorar von Fr. 2'843.35.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben) 
- das  BFM,  Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N_______ 

(per Kurier; in Kopie)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand:

Seite 12

D-5443/2008

-

-

-

Seite 13