# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b7aac0a-794c-5a49-9de8-730533020237
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.06.2010 D-1144/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1144-2010_2010-06-17.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1144/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u n i  2 0 1 0

Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richter Pietro Angeli-Busi,
Richter Thomas Wespi; 
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

A._______, geboren (...),
dessen Ehefrau
B._______, geboren (...),
sowie deren Kind
C._______, geboren (...),
Sri Lanka,
c/o schweizerische Vertretung in Colombo,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 11. Januar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1144/2010

Sachverhalt:

A.
Mit  Eingabe  vom  4. Juni  2008  stellte  die  Beschwerdeführerin  im 
Namen ihres  im  damaligen  Zeitpunkt  inhaftierten  Ehemannes  sowie 
für  sich  und  ihre  Tochter  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in 
Colombo ein Asylgesuch,  das sie – auf entsprechende Zusatzfragen 
der Schweizer Botschaft  in Colombo vom 1. Juli  2008 hin – mit  Ein-
gabe vom 26. Juli 2008 ergänzte. 

B.
Mit Schreiben vom 8. Dezember 2008 reichte die Beschwerdeführerin 
ein ebenfalls vom 8. Dezember 2008 datierendes, von ihrem Ehemann 
(nachfolgend: Beschwerdeführer) im Gefängnis verfasstes schriftliches 
Asylgesuch (Ergänzung) zuhanden der schweizerischen Vertretung in 
Colombo ein.

C.
Am  18. April  2009  teilte  die  Beschwerdeführerin  mit,  dass  ihr 
Schwiegervater,  der  sich  seit  der  behördlichen  Festnahme  des  Be-
schwerdeführers  um  sie  gekümmert  habe,  am  (Datum)  kurz  nach 
seiner  Entlassung  aus  dem  Spital  verstorben  sei,  womit  sie  voll-
kommen  auf  sich  allein  gestellt  und  als  junge  Mutter  eines  Kindes 
wehrlos  sexuellen  Annäherungsversuchen  von  Polizeioffizieren  aus-
gesetzt sei. Der Beschwerdeführer sei nicht einmal zwecks Teilnahme 
an der Beerdigung seines Vaters aus der Haft entlassen worden.

D.
Mit  Schreiben  vom  4. August  2009  wies  die  Beschwerdeführerin 
darauf hin, dass der Beschwerdeführer zwar zwischenzeitlich auf Ver-
anlassung  des  (Gerichts)  freigelassen  worden  sei,  dieser  indessen 
Racheakte  seitens  Angehöriger  eines  von  ihm  beim Gericht  als  für 
seine  unberechtigte  Festnahme  verantwortlich  bezichtigten 
Polizeioffiziers  gewärtigen  müsse,  die  an  seinem  früheren  Wohnort 
bereits Erkundigungen über seinen Verbleib angestellt hätten.

E.
Der Beschwerdeführer seinerseits hielt in der Folge mit Eingaben vom 
19. August  2009 und 9. September 2009 fest,  er  sei  während seiner 
Inhaftierung schwer  misshandelt  worden und werde seit  seiner  Frei-
lassung  von  unbekannten  Personen  gesucht.  Aus  diesem  Grunde 

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müsse er sich ständig verstecken. Falls die unbekannten Leute seiner 
habhaft  würden,  müsste  er  mit  dem  Schlimmsten  rechnen.  An  ein 
Leben in Freiheit sei vor diesem Hintergrund nicht zu denken.

F.
Mit Schreiben vom 2. November 2009 verdankte der Beschwerdeführer 
seine Vorladung zu einer persönlichen Botschaftsanhörung und merkte 
an,  er  und  seine  Familie  müssten  ständig  ihren  Aufenthaltsort 
wechseln und lebten in permanenter Angst.

G.
Am 10. November 2009 befragte eine Mitarbeiterin der Botschaft den 
Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen.

H.
Am  16.  November  2009  gingen  der  schweizerischen  Vertretung  in 
Colombo unkommentiert  mehrere den Beschwerdeführer  betreffende 
Dokumente  (namentlich  ein  Arztbericht  von  Dr.  D._______  vom 
4. November  2009  und  eine  Gerichtsurkunde  des  E._______  vom 
4. August 2009) zu.

I.
Den schriftlichen Eingaben der Beschwerdeführenden sowie der Bot-
schaftsanhörung  ist  im  Wesentlichen  folgender  Sachverhalt  zu  ent-
nehmen: Beide Beschwerdeführenden stammen ursprünglich aus dem 
Distrikt  F._______ im Nordteil  Sri  Lankas. Der Beschwerdeführer sei 
bereits im Herbst 1996 zufolge der damaligen Situation in F._______ 
zusammen mit seinem Vater nach G._______ geflohen, wo sie bis im 
Jahre  2001  an  verschiedenen  Orten  in  H._______  und  I._______ 
gelebt hätten und dort  auch behördlich registriert  gewesen seien. Im 
Jahre 2001 sei er dann zusammen mit seinem Vater nach J._______ 
gezogen,  wo er  die  Beschwerdeführerin  kennengelernt  und diese in 
der Folge am (Datum) geheiratet habe.

Am 14. September 2007 sei er zuhause in J._______ von zehn bis 15 
in  Zivil  sowie  zwei  in  Polizeiuniform  gekleideten  Männern  verhaftet 
worden.  Dabei  habe  man  ihn  beschuldigt,  Mitglied  der  LTTE 
(Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam)  zu  sein  und  einem  Selbstmord-
kommando anzugehören, was jedoch den Tatsachen in keiner Weise 
entsprochen habe. Zunächst sei er der Polizei in J._______ zugeführt 
worden,  welche  ihn  in  der  Folge  an  das  K._______  in  G._______ 
überstellt  habe,  wo  er  verhört  und  massiv  misshandelt  worden  sei. 

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Später sei er in den Örtlichkeiten des K._______ in L._______ und in 
der  Folge  im  Untersuchungsgefängnis  in  G._______  inhaftiert 
gewesen.  Schliesslich  sei  er  am  22. Juli  2009  auf  Anordnung  des 
(Gerichts)  wegen  Verletzung  elementarer  Verfahrensrechte 
(sogenannter „Fundamental Rights Case”) ohne weitere Bedingungen 
freigelassen  worden.  Als  Folge  der  während  seiner  Inhaftierung 
erlittenen Misshandlungen leide er heute an (Krankheit)  und befinde 
sich deswegen in ärztlicher Behandlung.

Nach  seiner  Freilassung  sei  er  zu  seiner  in  J._______  wohnhaften 
Familie  zurückgekehrt.  Bereits  etwa  eine  Woche  später  –  ab  dem 
29. Juli  2009 – hätten sich Unbekannte in der Nachbarschaft  seines 
Wohnortes  nach  seinem Verbleib  erkundigt.  Er  vermute,  dass  diese 
Personen  dem  beruflichen  oder  persönlichen  Umfeld  eines 
Polizeioffiziers  zuzurechnen  seien,  welcher  heute  wegen  mutwilliger 
Festnahme  des  Beschwerdeführers  in  Untersuchungshaft  sitze  und 
sich  mutmasslich  nach seiner  Entlassung an ihm rächen  wolle. Aus 
diesem  Grunde  sei  er  umgehend  (noch  am  29. Juli  2009)  nach 
G._______ gezogen, wo er in einem Haus von (...) Verwandten wohne, 
wohin ihm Ende Oktober 2009 auch seine Ehefrau und seine kleine 
Tochter  gefolgt  seien.  Er  sei  allerdings  nach  wie  vor  polizeilich  in 
J._______ registriert.

Die Beschwerdeführerin ihrerseits machte – ausser der Tatsache, dass 
sie  während  der  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  zum  Teil  von 
Angehörigen  der  M._______  belästigt  worden  sei  –  keine  eigenen 
Asylgründe geltend. 

Zur  Untermauerung  ihrer  Vorbringen  reichten  die 
Beschwerdeführenden  im  Verlaufe  des  erstinstanzlichen  Verfahrens 
nebst  Kopien  ihrer  Reisepässe,  Geburtsregisterauszügen  und  einer 
Heiratsurkunde  unter  anderem  auch  eine  Haft-  und 
Besuchsbestätigung  des IKRK sowie  mehrere  Gerichts-  und Polizei-
dokumente ein.

J.
Mit via Schweizer Botschaft am 21. Januar 2010 an die Beschwerde-
führenden versandter Verfügung vom 11. Januar 2010 verweigerte das 
BFM diesen die Einreise in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche 
ab.

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K.
K.a Mit am 12. Februar 2010 bei der Schweizer Botschaft in Colombo 
eingegangener  und  von  dieser  am  selben  Tag  an  das  Bundesver-
waltungsgericht  weitergeleiteter  englischsprachiger  Eingabe  vom 
10. Februar 2010 beantragte der Beschwerdeführer für sich und seine 
Familie sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, sein 
Asylgesuch gutzuheissen und ihm und seiner Familie die Einreise in 
die Schweiz zu bewilligen. Ergänzend hielt  er  fest,  die angefochtene 
Verfügung trage seiner  hochgradigen Gefährdungssituation  in  keiner 
Weise Rechnung. Bereits am 29. Juli 2009 – bloss eine Woche nach 
seiner  Freilassung  –  hätten  unbekannte  bewaffnete  Leute  nach  ihm 
gesucht. Er  habe  sich  deren Zugriff  gerade noch rechtzeitig  zu  ent-
ziehen  vermocht,  indem  er  durch  den  Hinterausgang  habe  fliehen 
können. Vor etwa einem Monat sei er von unbekannten Personen ent-
führt  worden,  welche  ihn  in  der  Folge  geschlagen  und  schliesslich 
liegen  gelassen  hätten.  Er  könne  von  Glück  reden,  heute  noch  am 
Leben  zu  sein.  Er  könne  sich  dem  Zugriff  der  ihn  verfolgenden 
Personen  letztlich  nur  dadurch  entziehen,  indem  er  ständig  seinen 
Aufenthaltsort  wechsle.  Da  der  für  seine  frühere  Inhaftierung  ver-
antwortliche  Polizeioffizier  –  N._______  –  zwischenzeitlich  auf 
gerichtliche Anordnung hin in  Untersuchungshaft  genommen worden 
sei, vermute er persönlich, dass die unbekannten Leute dessen beruf-
lichen  Umfeld  entstammen  könnten.  Die  anhaltende  Gefährdung 
seiner persönlichen Sicherheit sowie der Umstand, dass die lange In-
haftierungszeit  seine  Gesundheit  und  seine  Psyche  zerstört  hätten, 
lasse  es  auch  mit  Blick  auf  ein  friedvolles  Familienleben  nicht  zu,  
weiterhin in seiner Heimat verbleiben zu müssen.

K.b In einer weiteren Eingabe vom 3. Mai 2010 hielt der Beschwerde-
führer nachdrücklich fest, seine Gefährdungslage und damit auch die-
jenige seiner Familie sei zwischenzeitlich noch bedrohlicher geworden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 

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Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG genannten  Behörden. Dazu 
gehören  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls;  das 
Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art.  105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]; 
Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde ist  nicht  in  einer  Amtssprache des Bundes ab-
gefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung 
kann indessen verzichtet  werden,  da der  in  Englisch verfassten  Be-
schwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und 
deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber be-
funden werden kann.

1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung,  weshalb  sie zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  sind. Auf  die  die  frist-  und  –  vom sprachlichen 
Mangel abgesehen – formgerecht eingereichte Beschwerde ist  somit 
einzutreten (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 
und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).

1.4 Die  Tochter  C._______,  geboren  (...),  welche  vom  BFM 
fälschlicherweise  nicht  im  Rubrum  seines  Entscheides  aufgeführt 
worden ist, wird ins Asylverfahren der Beschwerdeführenden / Eltern 
aufgenommen.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 

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zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung  zu 
tragen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeb-
lich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden 
(Art. 7 AsylG).

5.  
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur 
Abklärung  des  Sachverhaltes,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden 
kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande-
res  Land  auszureisen. Gestützt  auf  Art.  20  Abs. 3  AsylG  kann  das 
Eidgenössische  Justiz-  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweize-
rische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu be-
willigen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib 
und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 
AsylG bestehe.

5.2 Bei  diesem Entscheid  gelten restriktive  Voraussetzungen  für  die 
Erteilung einer Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Er-
messensspielraum  zukommt  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 21 E. 
2b S. 137). Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 
AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglich-
keit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungs-
nähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zu-
mutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen 

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Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen 
(vgl. EMARK 2004 Nr. 21 E. 2b S. 137, EMARK 2004 Nr. 20 E. 3b S.  
130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.).

6.
6.1 Der  Beschwerdeführer  begründete  sein  Asylgesuch  im  Wesent-
lichen  damit,  er  werde  seit  dem  29. Juli  2009  von  unbekannten 
Personen  gesucht.  Er  ordne  diese  dem  beruflichen  Umfeld  eines 
Polizeioffiziers zu, welcher im Zuge seiner eigenen Freilassung durch 
(Gericht)  festgenommen  worden  sei,  weil  er  ihn  –  den  Be-
schwerdeführer  –  am  14.  beziehungsweise  29. September  2007  zu 
Unrecht, wenn nicht gar mutwillig, verhaftet habe.

Wie das BFM in seiner Verfügung vom 11. Januar 2010 indessen zu-
treffend  erwogen  hat,  weisen  die  Ausführungen  des  Beschwerde-
führers  diverse Widersprüche  beziehungsweise  Ungereimtheiten auf, 
welche daran zweifeln lassen,  dass er nach seiner am 22. Juli  2009 
erfolgten Freilassung tatsächlich von unbekannten, mutmasslich dem 
Umfeld  eines  Polizeioffiziers  stammenden  Personen  verfolgt  worden 
sein soll.

6.1.1 So  fällt  tatsächlich  auf,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich 
seiner  Botschaftsanhörung  vom  10. November  2009  einerseits  er-
klärte,  seit  drei  Wochen  (also  zweite  Hälfte  Oktober  2009)  in 
G._______ zu leben, um andererseits zu behaupten, er sei nach dem 
29. Juli  2009  nach  G._______  umgezogen  (vgl.  Botschaftsanhörung 
S. 11). Auf Vorhalt dieses Widerspruchs erklärte der Beschwerdeführer 
zwar,  er  selbst  weile  bereits  seit  dem  29. Juli  2009  in  G._______, 
während seine Frau und seine Tochter  erst  vor drei  Wochen hierhin 
gezogen  seien  (vgl.  Botschaftsanhörung  S.  11).  Letztere  Erklärung 
widerspricht  indessen  der  vom Beschwerdeführer  an  früherer  Stelle 
seiner  Botschaftsanhörung gemachten Aussage, wonach seine Frau, 
sein Kind und er selber nach G._______ gegangen seien,  nachdem 
unbekannte Leute sich am 29. Juli 2009 nach ihnen erkundigt hätten 
(vgl.  Botschaftsanhörung  S. 6).  Im  Weiteren  führte  der 
Beschwerdeführer  eingangs  seiner  Botschaftsanhörung  in 
nochmaliger  Abweichung von den vorerwähnten Angaben aus,  nach 
seiner Freilassung aus der Haft – diese erfolgte am 22.  Juli 2009 (vgl. 
Botschaftsanhörung S. 8) – zwei Wochen lang in J._______ geblieben 
zu  sein  (vgl.  Botschaftsanhörung  S. 2),  was  mit  seiner  früheren 

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Aussage, am 29. Juli  2009 nach G._______ gegangen zu sein, nicht 
vereinbar ist.

6.1.2 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer in sämtlichen, vor Er-
lass der BFM-Verfügung vom 11. Januar 2010 an die Schweizer Bot-
schaft in Colombo gerichteten Briefsendungen seine Wohnadresse in 
J._______ als Absender aufgeführt hat, was ebenfalls indiziell  gegen 
einen Wohnsitzwechsel  nach G._______,  jedenfalls  aber klarerweise 
gegen  seine  Behauptung,  seit  dem  29.  Juli  2009  von  unbekannter 
Seite an seinem Wohnort in J._______ gesucht zu werden, spricht. 

6.1.3 Nur  nebenbei  sei  deshalb  erwähnt,  dass  sich  auch  die 
Schilderungen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der am 
29. Juli 2009 von unbekannter Seite in J._______ nach ihm erfolgten 
Suche erheblich voneinander unterscheiden: So erklärte er anlässlich 
seiner Anhörung in der Schweizer Botschaft in Colombo, zwei Leute in 
Zivilkleidung seien damals in  das unmittelbar  vor seinem Wohnhaus 
gelegene Haus gegangen und hätten sich dort nach ihm, seiner Ehe-
frau  sowie  seinem  Kind  erkundigt  (vgl.  Botschaftsanhörung  S.  6). 
Demgegenüber  behauptete  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechts-
mittelschrift  vom 10. Februar  2010,  am 29. Juli  2009  hätten ihn  be-
waffnete  Männer  gesucht,  wobei  es  ihm gerade  noch  gelungen  sei, 
sich ihrem Zugriff durch die Flucht durch eine Hintertür zu entziehen 
(vgl. Beschwerde S. 1 Abs. 4). Hätte er sich jedoch einer Festnahme 
am 29. Juli 2009 tatsächlich nur noch durch Flucht zu entziehen ver-
mocht,  hätte er  diesen elementaren Umstand mit  Gewissheit  bereits 
im  Rahmen des  erstinstanzlichen  Verfahrens  und  nicht  erst  auf  Be-
schwerdeebene geltend gemacht. Aus diesem Grunde  vermag auch 
seine weitere Behauptung in der Beschwerde, etwa einen Monat vor 
deren Einreichung („even last month”,  also im Januar 2010) von un-
bekannten  Leuten  entführt,  geschlagen  und  alsdann  liegengelassen 
worden  zu  sein,  in  keiner  Weise  zu  überzeugen,  zumal  er  diesen 
Sachumstand in seiner Eingabe vom 10. Mai 2010 einfach stereotyp 
wiederholt  und  dabei  wörtlich  „even  last  month”  wiederholt,  dieser 
Sachumstand habe sich vor einem Monat (und nicht vor vier Monaten) 
zugetragen.

6.1.4 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Behauptung 
des  Beschwerdeführers,  nach  seiner  Freilassung  aus  der  Haft  von 
unbekannten  Leuten  gesucht  worden  zu  sein,  als  überwiegend  un-
glaubhaft erscheint.

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6.2 Der Beschwerdeführer vertritt  sodann die Ansicht, er habe Angst 
davor, zufolge der  nach wie  vor in  Kraft  befindlichen Bestimmungen 
des  „Prevention  of  Terrorism  Act”  (PTA)  sowie  der  „Emergency 
Regulations”  (ER)  trotz  seiner  im  Juli  2009  erfolgten  Freilassung 
abermals  verhaftet  zu  werden.  Wiewohl  die  beinahe  zweijährige  In-
haftierung  des  Beschwerdeführers  unter  dem  Vorwurf,  Selbstmord-
attentate geplant zu haben, zweifellos einen schwerwiegenden Eingriff  
in  dessen  Recht  auf  persönliche  Freiheit  und  seine  physische  wie 
psychische Integrität bedeutet und schweres seelisches und gesund-
heitliches Leid über ihn und seine ganze Familie gebracht hat, deutet 
der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  auf  Veranlassung  des 
(Gerichts)  ohne  irgendwelche  Bedingungen  auf  freien  Fuss  gesetzt 
worden  ist,  doch  untrüglich  darauf  hin,  dass  heute  aus  Sicht  der 
srilankischen Behörden keinerlei  Verdachtsmomente mehr gegen ihn 
bestehen,  der  LTTE  angehört  zu  haben  beziehungsweise  Mitglied 
eines  ihrer  Selbstmordkommandos gewesen zu sein. Gleichzeitig  ist 
den  von  den  Beschwerdeführenden  eingereichten  Unterlagen  des 
(Gerichts)  zu  entnehmen,  dass  sich  unter  den  vier  vom  Be-
schwerdeführer  der  Begehung  gravierender  Verfahrensfehler  be-
zichtigter  Personen  an  erster  Stelle  auch  der  besagte  Officer  in 
Charge der Polizeistation in J._______ befindet, was darauf schliessen 
lässt,  dass  das Gericht  die  gegen diesen erhobenen Vorwürfe einer 
einlässlichen  Prüfung  unterzogen  haben  dürfte,  zumal  dessen  Ver-
fehlungen ja allem Anschein nach mitverantwortlich für die Freilassung 
des  Beschwerdeführers  waren,  wiewohl  aufgrund  der  Ge-
richtsunterlagen unklar bleibt,  ob der fragliche Polizeioffizier  tatsäch-
lich  -  wie  vom Beschwerdeführer  behauptet  -  in  Untersuchungshaft 
gesetzt  wurde.  Nach  dem  Gesagten  geht  das  Bundesverwaltungs-
gericht  mit  der  Vorinstanz  darin  einig,  dass  aktuell  keine  konkreten 
Hinweise  bestehen,  welche  zur  begründeten  Annahme  berechtigen 
würden,  der  Beschwerdeführer  könnte  mit  beachtlicher  Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft erneut einer Verfolgung ausgesetzt 
sein. Letztere Feststellung gilt auch für die Beschwerdeführerin, soweit 
diese – als einzigen, sie persönlich betreffenden Verfolgungsgrund – 
geltend macht, während der Inhaftierung ihres Ehemannes wiederholt 
von Angehörigen des M._______ und der Polizei belästigt worden zu 
sein. 

6.3 Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  es  den  Beschwerde-
führenden nicht  gelungen ist,  eine aktuelle  Verfolgung im Sinne von 
Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich daher, auf weitere 

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Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, da diese keine neuen Be-
gründungselemente  enthalten,  welche  geeignet  wären,  die  Ein-
schätzung  des  BFM  entscheidend  zu  relativieren.  Das  BFM  hat 
demnach  den  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Einreise  in  die 
Schweiz verweigert beziehungsweise deren Asylgesuche abgelehnt.

6.4 Aus diesen Erwägungen ergibt  sich,  dass die angefochtene Ver-
fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 
richtig und vollständig feststellt  und angemessen ist  (Art. 106 Abs. 1 
AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 
Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von 
Art. 63 Abs. 1  in  fine  VwVG und Art. 6  Bst. b  des Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  allerdings  auf  die 
Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführenden (durch Vermittlung der  schweizerischen 
Vertretung in Colombo)

- die schweizerische Vertretung in Colombo (...)
- das BFM, Abteilung Asylverfahren, mit den Akten Ref.Nr. N (...) (per 

Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Philipp Reimann

Versand:

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