# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 630f9018-0bdc-5eda-b1c5-2b6b6cd5e3ef
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-25
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung; RAD-Aktenbeurteilung überzeugt nicht, sowohl medizinische als auch erwerbliche Situation ungenügend abgeklärt, Rückweisung
**Docket/Reference:** IV.2019.00586
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00586.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00586
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiber Frischknecht
Urteil
vom
2
5.
Februar 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Stefan
Galligani
Anwaltskanzlei
Galligani
Ruederstrasse
8, Postfach 1, 5040
Schöftland
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der
1983 geborene
X.___
war vom 27.
Mai
2009 bis 31. Juli 2011 als Reinigungsmitarbeiter bei der
Y.___
AG
angestellt. Am
29. Oktober 2012
mel
dete er sich unter Hinweis, dass eine Belastung des linken Beins
nach Unfall vom 13. Februar 2011
nicht möglich sei,
bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1, Urk. 7/5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und
gewährte dem Ver
sicherten mit Schreiben vom 28.
März 2013 (Urk. 7/16) Früh
interventionsmassnahmen in Form einer Ausbildung zur Erlangung des Büro
fachdiplom
s
VSH.
Am 23. Dezember 2014 (Urk. 7/32)
teilte der Versicherte telefonisch mit, dass er am 5. November
(richtig: September)
2014 einen
Rückfall erlitten
habe und erneut vollständig a
rbeitsunfähig sei.
In der Folge tätigte die IV-Stelle w
e
itere medizinische Abklärungen,
zog
insbesondere die Akten des
Unfallversiche
rers
bei
und wurde mit Schreiben vom 12. Juni 2017 (Urk. 7/71) über ein erneutes Unfallereignis vom 31. März 2017 in Kenntnis gesetzt.
Nach weiteren medizinischen und erwerblichen Abklärungen stellte sie dem Versicher
ten mit
Vorbescheid vom 30. August 2018 (Urk. 7/81) die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
Auf
am
1. Oktober 2018 (Urk. 7/91) mit ergän
zender Begründung vom 30. Oktober 2018 (Urk. 7/96)
erhobene
n
Einwand
verfügte die IV-Stelle am 29. Juli 2019 (Urk. 2) im angekündigten Sinne
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2
9.
August 2019
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 29. Juli 2019 sei aufzu
heben, er sei zu berenten, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss am 30. September 2019 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer
mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde. Mit Verfügung vom 7. September 2020 (Urk. 10) zog das hiesige Geri
cht die vollständigen Akten des Unfallversicherers (Suva;
Urk. 13-17) bei und stellte diese den Parteien
mit Verfügung vom 13. Oktober 2020 (Urk. 18)
zur Einsicht zu.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über
die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 29. Juli 2019 (Urk. 2) zur Hauptsache, dass dem Beschwerdeführer sei
t
13. Februar 2011 die bisherige Tätigkeit als Chefreinige
r nicht mehr zumutbar sei.
Während der Zeit der Arbeitsunfähigkeit sei ihm eine Ausbildung
zum Büro
angestellten bezahlt worden. Somit sei de
m
Beschwerdeführer ab Juli 2013 eine optimal angepasste Tätigkeit, wie die Tätigkeit eines Büroangestellten, zu 100 % zumutbar. Aufgrund der nachfolgenden Unfälle
hätten keine langandauernden Arbeitsunfähigkeiten bestanden
,
weshalb diese
nicht berücksichtigt
könnten
(S. 2).
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer (Urk. 1) im Wesentlichen ein,
die Beschwerdegegnerin stütze sich auf die Beurteilung des Suva
-
Kreisarztes vom 4. April 2019 (Urk.
17/221
; S. 8). Bestünden auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit kreisärztlicher Berichte, so seien ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Solche Zweifel seien vorliegen
d
gegeben (S. 12).
Die Beschwerdegegnerin wäre gehalten gewesen, den Sachverhalt mit einer neutralen Begutachtung abzuklären (S. 13).
3.
3.1
Am 13. Februar 2011 fiel dem Beschwerdeführer eine Bodenreinigungs
maschine auf den linken Fuss (Urk. 13/1). Der gleichentags konsultierte erstbe
handelnde Dr. med.
Z.___
, Assistenzarzt
der Chirurgischen Klinik des Stadtspitals
A.___
,
stellte als vorläufige Diagnose
ein stumpfes Quetschtrauma Fuss links
(Bericht vom
3. Mai 2011
; Urk.
13/12
)
.
3.1.1
Mit Bericht der Schmerzsprechstunde vom 6. Oktober 2013 (Urk. 13/138)
attes
tierte die behandelnde Ärztin dem Beschwerdeführer bei
-
im Übrigen unauffälligen Befunden
-
erhobene
r
Schwellung lateral im Bereich des oberen Spr
unggelenks (OSG) und Fussrücken
s
(S. 1) eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit noch leichten Einschränkungen hinsichtlich schneller Bewegungsabläufe wie beispielsweise Joggen oder schnelles Treppensteigen (S. 2).
3.1.2
Nach zwischenzeitlichem
Misstritt
mit Bänderriss und dem Tragen eines Gipses vom 17. Februar bis 31. März 2014
(Urk. 13/151 f.) stellte Kreisärztin Dr. med.
B.___
, Fachärztin für Chirurgie FMH, bei
anschliessende
r kreisärztlicher
Unter
suchung am 5. Juni 2014 (Urk. 13/159) fest, die Gesamtsituation bezüglich linkem Fuss habe sich wesentlich verbessert. Bei der heutigen klinischen Unter
suchung seien keine
floriden
CRPS-Symptome mehr
erhebbar
. Es bestehe weiter
hin noch eine mässige Schwellung im Bereich des linken Sprunggelenks. Auch sei die
Propriozeption
und Stabilität des linken Fusses im Seitenvergleich einge
schränkt. Die Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk habe sich im Verlauf leicht verbessert, jedoch
sei sie
im Seitenvergleich immer noch um 5-10º eingeschränkt.
Der
Beschwerdeführer
arbeite seit Mai 2014 als Bürofachmann,
was
er als eine wechselbelastende Tätigkeit schildere und aktuell diese Tätigkeit auch gut ausführen könne. Aus medizinischer Sicht sei eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar (S. 4).
3.2
Mit Bericht vom 5. September 2014 (Urk. 14/17) diagnostizierten die zuständigen Ärzte des Stadtspital
s
A.___
ein OSG
Supinationstrauma
mit Verdacht auf eine laterale Bandläsion. Der Beschwerdeführer habe sich bei der Arbeit bei einem Sprung von der Hebebühne den linken Fuss vertreten.
3.2.1
Am 1
8.
Juni 2015 (
Urk.
7/80) nahm der Regional
e
Ärztliche Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin erstmals zur Sache Stellung.
Dr. med.
C.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
hielt fest, bei dem 31-jährigen Beschwerdeführer sei der somatische Gesundheitsschaden ausgewiesen, einschliesslich einer daraus sich ableitenden Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit. Dieser rein unfallbedingte Gesundheitsschaden sei noch nicht stabil. Letztlich handle es sich um zwei zeitlich weit auseinanderliegende Unfallereignisse mit
Betroffensein
jeweils des linken Sprunggelenks und Fusses, nämlich zunächst das Ereignis vom 1
3.
Februar 2011 mit danach andauernder Arbeitsunfähigkeit
von
100
%
bis mindestens Juni 2013 und daraus abgeleiteter Indikation zur Umschulung, welche inzwischen erfolgreich absolviert
und
abge
schlossen worden sei. Mit Verfügung der Suva vom
5.
Juni 2014 sei dieser Fall abgeschlossen worden. Danach sei es am
5.
September 2014 zu einem weiteren Unfallereignis gekommen, dessen Behandlung offensichtlich noch nicht abge
schlossen sei. Die Arbeits
u
nfähigkeit
von
100 %
sei bisla
ng ab dem Unfalltag bis zum 31. Januar
2015 attestiert worden (S. 5).
3.2.2
Vom 19. August bis 23. Se
ptember 2015
befand sich
der Beschwerdeführer in der Rehaklinik
D.___
. Im Austrittsbericht vom 24. September 2015 (Urk. 7/46) stellten die unterzeichnenden Ärzte die Hauptdiagnosen eines
Supinations
trauma
s
O
SG
links und einer depressiven Episode zumindest mittelgradiger bis schwerer Ausprägung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11; S. 1).
Sie legten dar, in der Untersuchung präsentiere sich ein gereiztes, in der Beweglichkeit leicht eingeschränktes OSG links (hier sei besonders die Supination schmerzhaft), mit einer ventral vom
Malleolus
medialis
beginnende
n
, entlang des Gelenkspaltes bis dorsal des
Malleolus
lateralis
reichende
r
Druckdolenz
, die auch über dem Caput
des Os
metatarsale
III angegeben werde
. Die Schwellung betreffe den gesamten rechten
(richtig wohl: linken)
Fuss. Eine leicht livide Verfärbung bestehe nach Angaben des
Beschwerdeführer
s am medi
a
len
Fussrand
links seit 201
1.
Diese Problematik würde gesamthaft betrachtet am ehesten zu den Befunden der im SPECT vom 27. August 2015 festgestellten CRPS des linken Fusses und Unter
schenkel
s
passen. Auch klinisch würden die Budapester Kriterien für das Vorliegen einer CRPS, wenn auch knapp, erfüllt. In der neurologischen Unter
suchung werde eine Taubheit im Bereich des
Dermatom
5 über dem
Dorsum
Pedis
links angegeben. Während der Rehabilitation sei eine psychosomatische Abklä
rung erfolgt.
Es sei wahrschein
lich, dass die erheblich ausgep
rägte Depression das Schmerzerleben intensiviere und zur
Chronifizierung
der Fussproblematik beitrage. Als psychosoziale Belastungsfaktoren seien Spannungen mit der psychisch seit einer Kopfverletzung offenbar alterierten Ehefrau sowie finanzielle Probleme (mit Schulden) zu nennen, wogegen die sehr enge Beziehung zu seinen drei noch kleinen Kindern die wichtigste Ressource darstelle (S. 3). Gesamthaft betrachtet könne man aufgrund der Diagnosen, klinischen und radiologischen Befunde die aktuellen Beschwerden und Funktionseinschränkungen bei dem insgesamt leistungsbereiten und motivierten
Beschwerdeführer
aus rein somatisch-ärztlicher Sicht im Wesentlichen erklären, ein gewisser Anteil der Schmerzproblematik dürfte jedoch im Rahmen der dargelegten psychischen Problematik überlagert sein (S. 4).
Die festgestellte psychische Störung
(Depressive Episode zumindest mittel
gradiger bis schwerer Ausprä
gung mit somatischem Syndrom; I
C
D
-10: F32.11)
begründe aktuell eine schwere arbeitsrelevante Leistungsminderung. Aufgrund der noch deutlich reduzierten psychischen Belastbarkeit sei derzeit das Leistungsvermögen für eine berufliche Tätigkeit so stark vermindert, dass noch keine Vermittlung im ersten Arbeitsmarkt möglich sei und vorgängig ein Arbeitstraining in einem geschützten Rahmen erfolgen sollte. Aufgrund der schweren depressiven Symp
tomatik
bestünden Einschränkungen im Bereich vo
n
Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Antrieb. Im weiteren Verlauf müsse die Arbeitsfähigkeit durch die nachbehandelnde Psychiaterin erneut evaluiert werden. Eventuell sollte eine stationäre psychiatrische Behandlung zur Kompensation der depressiven Störung erwogen werden.
Ab dem 24. September 2015 bestehe eine ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit für die berufliche Tätigkeit als Hotelangestellter in der Qualitätskontrolle von 100 %. Die Zumutbarkeit für andere berufliche Tätigkeiten werde aktuell noch nicht festgelegt, da sich der
Beschwerdeführer
derzeit noch immer in der medi
zinischen Phase befinde (S. 2).
3.2.3
Am 13. Oktober 2016 (Urk. 14/159) hielt Kreisarzt Dr. med.
E.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, fest, aktuell zeige sich eine eindrückliche ödematöse Schwellung der Knöchelregion und des linken Fusses, daneben fänden sich auch deutliche Temperaturdifferenzen zur Gegenseite, ein vermehrtes Schwitzen und Schmerzen, welche organisch nicht erklärbar seien.
Auch im Vergleich mit der Vorunter
suchung vom Juli 2015 scheine es zu einer Verschlechterung und einer deutlichen Zunahme der Schwellung gekommen zu sein. Auch sei die Atrophie des linken Beines nun evident, dies sei bei der Voruntersuchung noch nicht so gewesen. Eine zielführende Untersuchung habe wegen der deutlichen Schmerzäusserung des
Beschwerdeführer
s nicht durchgeführt werden können (S. 8). Die Behandlung könne noch nicht abgeschlossen werden, da im Moment noch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargelegt werden könne, dass keine
behandlungsbedürftigen
Unfallfolgen mehr bestünden (Verdacht auf CRPS
).
Die Erstellung eines Zumutbarkeitsprofils könne somit noch nicht erfolgen (S. 9).
3.2.4
In seiner Beurteilung vom 22. März 2017 (Urk. 14/197) führte
Kreisarzt
Dr.
E.___
aus, Temperaturdifferenzen zwischen den Füssen seien momentan nicht objektivierbar, auch wenn der
Beschwerdeführer
darauf hinweise. Kein vermehrtes Schwitzen. Keine Hypertrichose. Eine MRI-Untersuchung im Verlauf habe keine Anhaltspunkte für ein CRPS gezeigt, auch in der Schmerzabklärung in der Schmerzmedizin
A.___
habe kein CRPS bestätigt werden können. Die Atrophie des linken Beines
sei
in etwa gleich gegenüber der Voruntersuchung, eine diskrete
Besserung bezüglich Fuss-Schmerzen
sei
im Vergleich zur Vor
untersuchung von
Oktober 2016
festzustellen.
Der
Beschwerdeführer
äussere
zwar immer noch Schmerzen, aber nicht mehr so, dass - wie anlässlich
der letzten Untersuchung - die klinische Untersuchung nicht hätte komplettiert werden können.
Mit
weiteren Behandlungen könnten mit überwiegender Wahrschein
lichkeit keine Verbesserungen mehr erreicht werden. Ein CRPS habe sowohl klinisch als auch radiologisch (MRI) ausgeschlossen werden können, aktuell sei ein Vorliegen eines solchen klinisch nicht evident (S. 10).
Es werde ein Zumutbarkeitsprofil erstellt: Die Haltung während der Arbeit solle auf das Sitzen betont sein (80:20). Das Verwenden eines Stockes solle dem
Beschwerdeführer
gewährt werden. Das Sitzen könne vorgeneigt durchgeführt werden, es sei dabei keine besondere Haltung einzunehmen. Arbeiten, welche Knien oder Kniebeugen erforderten, dürften nicht durchgeführt werden. Im Bereich der Hände könne normal und nicht eingeschränkt mit Werkzeugen hantiert werden. Das Heben und Tr
agen von Lasten müsse aber auf «leicht»
limi
tiert werden, da der
Beschwerdeführer
sich vorwiegend im Sitzen befinden solle. Überkopfarbeiten dürften selbstverständlich nicht durchgeführt werden. Das
Gehen bis 50 m könne durchgeführt werden, das Gehen über längere Strecken solle nur selten durchgeführt werden. Auf das Gehen auf unebenem Gelände sei zu verzichten. Treppensteigen könne der Versicherte gelegentlich, das
Leitern
besteigen
dürfe nicht durchgeführt werden. Arbeiten, welche ein Gleichgewicht oder Balancieren erforderten, dürften nicht durchgeführt werden. Eine zeitliche Einschränkung bestehe nicht (S. 11).
3.3
Gemäss telefonischer Mitteilung vom 4. April 2017 (Urk. 16/1)
zuhanden der Unfallversicherung
erlitt der Beschwerdeführer am 31. März 2017 einen Verkehrsunfall mit dem Motorrad.
3.3.1
Dem Austrittsbericht vom 3. Mai 2017 (Urk. 16/11) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vom 31. März bis 28. April 2017 im
Universitätspital
F.___
hospitalisiert war. Die verantwortlichen Ärzte diagnostizierten zur Hauptsache eine dislozierte
Unterschenkelmehrfragmentschaftfraktur
rechts, eine
undislo
zierte
Fraktur Grundphalanx
Dig
I links sowie ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma
,
jeweils vom 31. März 2017 (S. 1).
3.3.2
Mit Stellungnahme vom 1
4.
Juni 2018 (Urk. 7/80
/14
) gelangte RAD-Ärztin Dr. med.
G.___
zum Schluss, dass bei Status nach Unfall vom 31. März 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in bisheriger Tätigkeit als
Hausabwart
seit Unfalltag und eine 60%ige Arbeitsfähigkeit seit 7. Juli 2017 bestehe. In angepasster Tätig
keit als Bürokaufmann bestehe seit 7. Juli 2017 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Eine reaktive Depression gelte als behandelbar und begründe keine länger
dauernde Arbeitsunfähigkeit. Leichte Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit könnten in den ersten Wochen (bei Einstieg in die Tätigkeit) möglich sein. Unter adäquater Schmerztherapie und bedarfsweise psychiatrischer Begleitung sei die Tätigkeit als Bürokaufmann im üblichen Belastungsprofil ganztags umsetzbar. Der Einstieg werde
s
tufenweise empfohlen (S. 15).
3.3.3
Am
1
2.
Juli 2018 (
Urk.
17/164)
diagnostizierte
der
explorierende Facharzt für Neurologie der Universitätsklinik
H.___
die Nerven betreffend eine
Nervus
peroneus
communis
Schädigung
subtotal
mittlerer Unterschenkel sowie eine
Nervus
saphenus
Neuropathie mit neuropathischem Schmerzsyndrom rechts,
Allodynie
(S. 1)
,
und stellte fest,
klinisch und neurophysiologisch fänden sich nachweisbare schwere Schäden des
Nervus
peroneus
rechts grösser
als
links, rechts
subtotal
bei distal nicht mehr ableitbarem
cMAP
. Auch links bestehe im Rahmen des vorbekannten CRPS eine umschriebene Nervenschädigung, so dass von der kleinen Fussmuskulatur nicht abgeleitet werden könne, hier jedoch auch
ödembedingt
. Auf eine EMG-Untersuchung sei rechts aufgrund der ausgeprägten Atrophie, klinischen Schwäche und neurographisch fehlendem Antwortpotential
verzichtet worden. Zusammen mit der sensiblen Ausfallssymptomatik sei di
e
Peroneusläsion
rechts distal des Abgangs zum
Musculus
tibialis
anterior
klinisch und neurophysiologisch bewiesen
. Zusätzlich bestehe klinisch eine eindeutige
Saphenus
-Neuropathie rechts, ebenfalls mit Zeichen sensibler Ausfälle und plausiblem Schädigungsmechanis
mus
angesichts der Interposition des Nervs im Bereich der Osteosynthese im mittleren Unterschenkelbereich
(S. 3).
3.3.
4
In seiner abschliessenden Stellungnahme vom 7. November 2018 (Urk. 7/112
/
4-8
)
wies
Dr.
C.___
vom RAD darauf hin,
dass
mittlerweile die neueste Akte der Suva vor
liege
, woraus ersichtlich sei, dass zwar einerseits der
Beschwerdeführer
seine Umschulung
zum Bürofachmann (Oktober 2013 bis Oktober 2014) nicht abge
schlossen habe, andererseits die aktuelle, seit Oktober 2017 durchgehend bestehende und auch seitens der Uniklinik
H.___
zuletzt nochmals bestätigte Arbeitsunfähigkeit von 40 % sich ausdrücklich auf die derzeitig ausgeübte
Tätig
keit als Haus-/
Vereinsabwart
beziehe. Aus versicherungsmedizinisch-orthopä
discher Sicht sei diese Bewertung uneingeschränkt plausibel. Die letzte RAD-Stellungnahme vom 14. Juni 2018 (
E. 3.3.2
) habe sich allerdings hinsichtlich der angegebenen Arbeitsfähigkeit von 100 % ausdrücklich auf eine (optimal!) ange
passte Tätigkeit als Bürokaufmann bezogen, was auch aus heutiger Sicht unter Berücksichtigung der aktuellsten Arztberichte weiterhin nachvollzieh
bar und zu bestätigen sei (S. 6).
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdegegnerin stütz
t
ihre Auffassung, dass dem Beschwerdeführer ab Juli 2013 eine optimal angepasste Tätigkeit, wie die Tätigkeit eines Büroan
gestellten, zu 100 % zumutbar sei, auf
die Einschätzungen ihres RADs.
D
ie massgeblichen Stellungnahmen des RAD basieren ausschliesslich auf einer Würdigung der bekannten medizinischen Aktenlage aus versicherungsmedizi
nischer Sich
t
, eigene Untersuchungen wurden keine vorgenommen.
Hierbei gelangte RAD-Arzt Dr.
C.___
mit
finaler Stellungnahme vom 7. November 2018 (E. 3.3.4) unter Verweis auf die Beurteilung von Dr.
G.___
(E. 3.3.2) zum Schluss, dass auch bei Berücksichtigung der aktuellsten Ar
z
tberichte nach wie vor von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit auszugehen ist.
Dabei
fällt auf,
dass Dr.
G.___
die von der Suva beurteilten und dokumentier
ten Zeiten der Arbeitsunfähigkeit zwar als nachvollziehbar erachtete (Urk. 7/80 S. 14)
, indes weder sie noch Dr.
C.___
dies in schlüssiger Weise begründeten. Namentlich nahmen sie weder Bezug auf das Unfallereignis
vom
4. April 2017
(E. 3.3)
und
auf die daraus resultierenden massgeblichen Beschwerden
,
noch legten sie dar, inwiefern solche die Leistungsfähigkeit einschränken beziehungs
weise
sie
lassen die Definition eines Leistungsprofils vollständig missen.
Ebenso bleibt
der
postulierte
Zeitpunkt einer
vollständige
n
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit als
Bürokaufmann ab dem 7. Juli 2017
(
Urk.
7/112
und
Urk.
7/80/14)
unbegründet und damit letztlich zweifelhaft.
Dies gilt umso mehr, als
Kreisarzt Dr. med.
I.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, in seiner Beurteilung vom
4. April 2019 (Urk. 17/22
1
)
das am 22. März 2017 (E. 3.2.4) kreisärztlich erstellte Zumutbarkeitsprofil
nach dem Unfall vom 4. April 2017
erst
ab Erreichen des stabilen medizinischen Endzu
standes am 2. Mai 2019 für voraussichtlich wieder
vollumfänglich gültig erklärte
. Ferner ersuchte Dr.
I.___
um das Einholen weiterer medizinischer Berichte (S. 16)
,
um
hernach
am 30. April 2019 (Urk. 17/226)
eine vorwiegend sitzende Tätigkeit als vollzeitig zumutbar zu
befinden
, ohne sich
aber
mit den umfang
reicheren Einschränkungen des vorgenannte
n
Profils nachv
ollziehbar ausei
nanderzusetzen. Zuletzt erfolgte die
T
erminierung des Erreichens des Endzustan
des per 2. Mai 2019 ohne Darlegung der zugrundeliegenden medizin
isch-
theore
tischen Ü
berlegungen und scheint demnach
auf blossen, für den Rechtsanwender nicht nachvollziehbaren Erfahrungswerten zu beruhen.
4.1.2
Sodann übernahm RAD-Arzt Dr.
C.___
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
die Einschätzung der Universitätsklinik
H.___
einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit in der gegenwärtig ausgeübten Tätigkeit als
Haus-/
Vereinsabwart
und bewertete dies aus
versicherungsmedizinisch-orthopädischer Sicht
als
uneingeschränkt
plausibel
(E. 3.3.4)
.
Wiederum unklar bleibt derweil
das
dieser Tätigkeit zugrunde liegende Anforderungsprofil.
Hausärztin Dr. med.
J.___
, FMH Allgemeine Innere Medizin, führte am 8. Juni 2019 (Urk. 17/235) hierzu aus, dass der Beschwerde
führer während
der Bürozeiten mit zum Teil hoch
gelagerten Beinen arbeiten
,
aber auch jederzeit aufstehen und sich bewegen kann und die aktuelle Tätigkeit als ideal und leidensangepasst zu bezeichnen ist (S. 2).
Eine Konkretisierung hätte an dieser Stelle einen höheren Detailgrad erheischt, lassen die Ausführungen
Dr
.
J.___
s
doch nicht erkennen, inwiefern eine Tätigkeit als
Bürokaufm
ann besser angepasst sein soll und
Dr.
C.___
die diesbezügliche Einschätzung der
Universitätsklinik
H.___
vorbehaltlos
anerkannte
.
Zu beachten ist dabei, dass der Beschwerdeführer keine «klassische» Hausabwartstätigkeit bei seinem Arbeit
geber (Verein)
aus
führt.
Eine über ein Pensum von 60 % hinausgehende Steigerung
- bei der als überwiegend sitzend durchführbaren
Arbeitstätigkeit
-
schloss der
zuständige Orthopäde am 23. Juli 2018 (Urk. 17/166)
jedoch
(noch)
aus
(S. 2).
4.1.3
Endlich
erscheint auch die Annahme einer
uneingeschränkten
Arbeits
fähigkeit als Bürokaufmann ohne nachvollziehbare Ausführungen hierzu als zweifelhaft. Abgesehen davon, dass das erforderliche Tätigkeitsprofil abermals unbestimmt bleibt,
ist
das Abstellen auf die Tätigkeit als Bürokaufmann als angepasste Tätig
keit bereits grundsätzlich in Frage zu stellen.
So ist der
Beschwerdegegnerin
zwar dahingehend
beizupflichten
, dass dem Beschwerdeführer eine
Ausbildung zur Erlangung des Bürofachdiplom VSH
mit Mitteilung vom 28. März 2013 (Urk. 7/16) gewährt wurde
und er im von der
S
chule
K.___
vom 13. Oktober 2013 bis 4. Oktober 2014 angebotenen Bildungsgang eingeschrieben war (Urk. 7/95).
Entgegen ihrer Auffassung
bleiben die Umstände der Beendigung
indes ungewiss. Während
die Suva als involvierter Unfallver
sicherer
selbst noch
von
eine
m
mit
Note 4.8
erfolgreichen
Abschluss des Büro
fachdiploms
ausging
(vgl. Urk. 13/158 S. 1)
,
teilte die
S
chule
K.___
der Beschwerdegegnerin am 7. Januar 2019 (Urk. 7/103)
mit, der Beschwerdeführer habe die Ausbildung nicht bestanden
, wobei sie vorhergehend ohne weitere Erläuterung auf eine
«
komplizierte Angelegenheit
»
hin
gewiesen hatte
(Urk. 7/102).
Der Schluss der
Beschwerdegegnerin
auf ein
Sc
heitern aus iv-fremden Gründen, mithin Überlastung
(vgl. Urk. 7/112 S.
7
)
,
ist bei dieser Aktenlage
nicht haltbar,
da
weder eine Überlastung erstellt ist, geschweige denn iv-fremde Ursachen.
4.2
In medizinischer Hinsicht
verwies Dr.
C.___
auf den Unfall des
Beschwerdeführer
s vom 31. März 2017 (vgl. Urk. 7/112) und stellte fest, dass die dabei erlittene schwere Verletzung des rechten Unterschenkels Ursache für die derzeitige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist (S. 5).
Im Weiteren fehlt es den Ausfüh
rungen des RAD jedoch
an
einer
nachvollziehbare
n
, schlüssige
n
Herleitung der
zu stellenden
Diagnosen sowie
an
eine
r
Auseinandersetzung mit den daraus abzulei
tenden Funktionseinschränkungen. Faktisch attestierte der RAD
ei
ne aus versicherungsmedizinisch
-orthopädischer Sicht plausible Einschränkung in der derzeitig ausgeübten Tätigkeit als Haus-/
Vereinsabwart
sowie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als Bürokaufmann
,
ohne jedoch die dieser Einschätzung zugrun
deliegenden Pathologien
und
deren
Einwirkung auf die Leistungsfähigkeit schlüssig darzulegen. Gänzlich unberücksichtigt blieb
en
hierbei
die in der Universitätsklinik
H.___
am 1
2.
Juli 2018 (E. 3.3.3) und damit nach dem letzten Unfall vom 31. März 2017 nachgewiesene
n
Peroneusläsion
sowie
Saphenus
-Neuropathie rechts
mit sensible
r
Ausfalls
symptomatik
.
In diesem Sinne hätte die s
eitens des RAD postulierte volle Leistungsfähigkeit als Bürokaufmann einer umso detaillierte
re
n Auseinandersetzung bedurft, zumal einem medizinischen Laien die mit Bericht der Universitätsklinik
H.___
vom 23. Juli 2018 (Urk. 17/166)
dokumentierten Schmerzen
mit Einschränkungen
der Leistungs
fähigkeit
selbst
bei überwiegend sitzend ausgeführten Tätigkeiten
(S. 2) bei ausgewiesener Schädigung der Nerven nachvollziehbar erschein
en
.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, das Dr.
C.___
als Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
praxisgemäss
von vornherein nicht über die notwendige Quali
fikation verfügt, um neurologische Leiden beweiskräftig zu beurteilen.
4.3
Ebenso
wenig
kann gestützt auf die übrigen medizinischen Unterlagen in rechts
genügender Weise auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers geschlossen werden. Während bezüglich
den kreisärztlichen Schilderungen auf vorstehende Ausführungen
verwiesen werden kann (E. 4.1.1
), mangelt es
auch
den Berichten der Universitätsklinik
H.___
entweder
an
einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Befundung
und
an der
Erstellung eine
s
Leistungsprofils (E. 3.3.3)
oder einer aktuellen Einschätzung der medizi
nischen Situation nach
erfolgtem
Hinweis, dass vermutlich noch kein Endzustand zum Beurteilungszeitpunkt vorlag (vgl. Urk. 17/166
/
3). Selbiges trifft auch auf den Bericht der Hausärztin Dr.
J.___
vom 8.
Juni 2019 (Urk. 17/235) zu, wobei es grundsätzlich
dem Umstand Rechnung zu tragen
gilt
, dass die auftragsrecht
liche Vertrauensstellung der behandelnden Ärzte zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss, weshalb hier eine gewisse Zurückhaltung bei der Würdigung ihrer Berichte angebracht ist (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
4.4
Zusammenfassend
lässt sich
der
aktuelle Gesundheitszustand
sowie die z
umut
bare Arbeitsfähigkeit in qualitativer und quantitativer Hinsicht
anhand der vorl
iegenden Akten nicht schlüssig b
eurteilen.
5.
5.1
Schliesslich stellt sich die Beschwerdegegnerin in zeitlicher Hinsicht auf den Standpunkt, dass
dem
Beschwerdeführer
ab Juli 2013 eine optimal angepasste Tätigkeit zumutbar ist und die nachfolgenden Unfälle keine langandauernden Arbeitsunfähigkeiten nach sich zogen (Urk. 2 S. 1). Dem ist entgegenzuhalten, dass bei einem ersten Unfall am 13. Februar 2011 (E. 3.1) und Anmeldung zum Leistungsbezug am 29. Oktober 2012 Leistungen der Invalidenversicherung frühestens ab April 2013 zu diskutieren wären (Sachverhalt 1.). Abgesehen davon, dass Rentenzahlungen während der gewährten und grundsätzlich vom 13. Oktober 2013 bis 4. Oktober 2014 dauernden Frühinterventionsmassnahme in Form einer Ausbildung zur Erlangung des Bürofachdiplom VSH von vorn
herein ausser Betracht
fallen
, sind – wie erwogen – die Umstände und auch der Zeitpunkt der Beendigung dieser Massnahme nicht erstellt. Sodann kann den vorliegenden echtzeitlichen medizinischen Dokumentationen entnommen
werden
, dass der Beschwerdeführer erstmal
s
im Rahmen der Schmerzsprech
stunde vom
6. Oktober 2013
(E. 3.1.1) bei kreisärztlicher Bestätigung vom 5. Juni 2014 (E. 3.1.2) für wieder voll leistungsfähig befunden wurde. Demnach bestehen Hinweise darauf, dass ab April 2013 bis November 2013
allenfalls
befristete Leistungen in Betracht zu ziehen sind.
5.2
Selbiges gilt für den zweiten vom Beschwerdeführer
erlittenen
schwerwiegenden
Unfall vom 5. September 2014 (E. 3.2) mit hernach instabilem Gesundheits
zustand. Namentlich
wies der RAD der Beschwerdegegnerin mit Stellungnahme vom 18. Juni
2015
(E. 3.2.1) selber auf die nicht abgeschlossene Behandlung und die bislang bis zum 31. Januar
2015 attestiert
e
Arbeitsunfähigkeit hin.
Im Folgenden begab sich der Beschwerdeführer vom 19. August bis 23. Septem
ber 2015 zur stationären Behandlung in die Rehaklinik
D.___
(E. 3.2.2), wobei der festgestellten psychischen Störung eine schwere arbeitsrelevante Leistungs
minderung zugemessen wurde. Ebenso attestierte Kreisarzt Dr.
E.___
noch am 13. Oktober 2016 (E. 3.2.3) eine im Vergleich mit der Voruntersuchung vom Juli 2015 stattgehabte Verschlechterung des Gesundheitszustandes zufolge eines möglicherweise bestehenden CRPS und sah von der
Erstellung eines Zumutbar
keitsprofils
ab. Da auch hier jede schlüssige Beurteilung der gesundheitlichen Entwicklung
beim
Beschwerdeführ
er
sowie dessen Leistungsfähigkeit
mit Differenzierung zwischen angestammter und angepasster Tätigkeit
fehlt, ist
der pauschale Schluss der Beschwerdegegnerin
auf
keine langandauernde Arbeits
fähigkeit
seit Juli 2013 nicht nachvollziehbar und es sind
auch hier
zumindest befristete Leistungen zu prüfen.
Dies gilt umso mehr, als Dr.
G.___
vom RAD die von der Suva dokumentierten Zeiträume der Arbeitsunfähigkeit (vgl. E. 4.1.
1
)
als nachvollziehbar beurteilte und Dr.
C.___
zumindest die bis 31. Januar 2015 attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht in Zweifel zog.
6.
Der IV-Stelle obliegt die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz richtig und vollständig abzuklären (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
Aus
dem Gesagten erhellt, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrem Vorgehen dieser ihr obliegenden Abklärungspflicht nicht ausreichend nachge
kommen ist. Die angefochtene Verfügung vom 29. Juli 2019 (
Urk.
2) ist deshalb in Gutheissung der Beschwerde
bzw. des Eventualantrags
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, d
amit sie
sowohl den medizinischen als auch den erwerblichen Sachverhalt
rechtsgenüglich
abkläre
.
Zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat die Beschwerde
gegnerin ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen, bei welchem zumindest
Ärztinnen und/oder Ärzte der Fachrichtungen
Neurologie, Psychiatrie und
Ortho
pädie beteiligt sind.
Das Gutachten muss eine Beurteilung nach Massgabe der Standardindikatoren gemäss der mit BGE 141 V 281 begründeten Rechtsprechung
ermöglichen und sich insbesondere auch zum retrospektiven Verlauf unter Einbezug sämtlicher Unfälle äussern.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
1’000.--
fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Dem Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss eine Prozessent
schädigung zu. Diese ist ermessensweise auf
Fr.
2
‘
3
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 2
9.
Juli 2019 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1’000
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung von
Fr.
2
’
3
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Stefan
Galligani
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubFrischknecht