# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 81c7a9c2-597f-5fd7-9c57-740e923b64ff
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 04.03.2025 SBK.2024.323
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2024-323_2025-03-04.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2024.323
(STA.2024.3556)
Art. 62

Entscheid vom 4. März 2025

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichterin Schär
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führerin

A._____, […]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach,
Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG

Beschuldigter B._____, […]

Anfechtungs-
gegenstand

Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach
vom 25. Oktober 2024

in der Strafsache gegen B._____

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Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
Die Beschwerdeführerin bezichtigte den Beschuldigten am 26. August
2024 bei der Kantonspolizei Aargau (Stützpunkt Brugg) wegen eines we-
nige Tage zuvor in der Liegenschaft Q-Strasse […], 5200 Brugg AG, statt-
gefundenen Vorfalls des Hausfriedensbruchs und der Nötigung.

2.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach erliess in dieser Strafsache am
25. Oktober 2024 eine Nichtanhandnahmeverfügung. Diese wurde von der
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau am 30. Oktober 2024 geneh-
migt und der Beschwerdeführerin am 6. November 2024 zugestellt.

3.
3.1.
Mit Beschwerde vom 14. November 2024 beantragte die Beschwerdefüh-
rerin (unter Kostenfolgen) die Aufhebung der Nichtanhandnahmeverfügung
und die Fortsetzung des Strafverfahrens. Die von der Verfahrensleiterin der
Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts mit Verfügung vom
2. Dezember 2024 einverlangte Kostensicherheit von Fr. 1'000.00 leistete
sie am 6. Dezember 2024.

3.2.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach beantragte mit Beschwerdeantwort
vom 16. Dezember 2024 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfol-
gen.

3.3.
Die Beschwerdeführerin erstattete am 20. Januar 2025 (Datum Postauf-
gabe) eine Stellungnahme zur Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft
Brugg-Zurzach. An ihren mit Beschwerde gestellten Anträgen hielt sie sinn-
gemäss fest.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
1.1.
Die Parteien können eine Nichtanhandnahmeverfügung innert 10 Tagen
mit Beschwerde anfechten (Art. 310 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 322 Abs. 2
StPO; Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Partei ist u.a. die Privatklägerschaft
(Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO), mithin die durch eine (behauptete) Straftat in
ihren Rechten unmittelbar geschädigte Person (Art. 115 Abs. 1 StPO), die
ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu

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beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO), oder die einen Strafantrag stellt
(Art. 118 Abs. 2 StPO).

1.2.
Gemäss Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 27. August 2024 erklärte
die Beschwerdeführerin am 26. August 2024 einzig, Anzeige wegen Haus-
friedensbruchs und Nötigung zu erstatten. Dass sie damals einen Strafan-
trag gestellt oder eine Erklärung i.S.v. Art. 118 Abs. 1 StPO abgegeben
hätte, lässt sich dem besagten Rapport nicht entnehmen. Auch ihrer Be-
schwerde lässt sich nicht entnehmen, dass sie sich durch Abgabe einer
entsprechenden Erklärung als Privatklägerin konstituiert hätte. Vielmehr
bezeichnete sie sich auch mit Beschwerde als Anzeigerin. Ob sie dennoch,
wie von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach in der angefochtenen Nicht-
anhandnahmeverfügung festgehalten, Privatklägerin ist, kann offenbleiben.
Weil nicht ersichtlich ist, dass sie von der Staatsanwaltschaft Brugg-
Zurzach in Beachtung von Art. 118 Abs. 4 StPO auf ihr Konstituierungs-
recht nach Art. 118 Abs. 1 StPO aufmerksam gemacht wurde, kann sie die
Nichtanhandnahmeverfügung so oder anders im Umfang ihrer
Geschädigtenstellung anfechten (vgl. hierzu BGE 141 IV 380 E. 2.2).

Die Beschwerdeführerin akzeptierte mit Beschwerde die von der Staatsan-
waltschaft Brugg-Zurzach hinsichtlich des Vorwurfs des Hausfriedens-
bruchs verfügte Nichtanhandnahme ausdrücklich und focht die Nichtan-
handnahmeverfügung einzig im Hinblick auf die von ihr beanzeigte Nöti-
gung an. Diesbezüglich ist die Beschwerdeführerin in Berücksichtigung
ihrer Vorbringen mit Beschwerde (wie nachfolgend in E. 2.2 dargelegt)
ohne Weiteres als geschädigte Person zu betrachten (vgl. hierzu BGE
129 IV 6 E. 2.1, wonach als geschütztes Rechtsgut des Nötigungstatbe-
stands [Art. 181 StGB] die Handlungsfreiheit bzw. die Freiheit der Willens-
bildung und Willensbetätigung des Einzelnen gilt). Auf ihre gültig erhobene
Beschwerde ist einzutreten.

2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach ging in ihrer Nichtanhandnahmever-
fügung von der Annahme aus, dass der Beschuldigte beim fraglichen Vor-
fall trotz einer ersten Absage auf einem Gespräch mit der
Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann bestanden habe. Hinweise, dass
dieses Insistieren von strafrechtlicher Relevanz im Sinne einer Beschrän-
kung der Handlungsfreiheit gemäss Art. 181 StGB gewesen wäre, bestün-
den allerdings nicht. Solch eine Beschränkung der Handlungsfreiheit setze
voraus, dass das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in
ähnlicher Weise wie durch Gewalt oder Drohung eindeutig überschritten
werde. Dies sei vorliegend nicht der Fall gewesen. Zwar hätten die Be-
schwerdeführerin und ihr Ehemann den Lift wegen des Verhaltens des Be-
schuldigten nicht völlig ungestört nutzen können. Aufgrund der

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Schilderungen der Beschwerdeführerin sei aber davon auszugehen, dass
die Nutzungseinschränkung bloss von kurzer Dauer gewesen sei. Sie
dürfte vom Beschuldigten auch nicht beabsichtigt gewesen sein, habe sich
dieser doch gemäss Schilderung der Beschwerdeführerin für ein Gespräch
in den Lift begeben wollen. Als dem Beschuldigten der Beizug der Polizei
in Aussicht gestellt worden sei, sei ihm klar geworden, dass die Beschwer-
deführerin und ihr Ehemann wirklich kein Gespräch wünschten, und habe
er den Lift umgehend freigegeben.

2.2.
Die Beschwerdeführerin führte mit Beschwerde aus, dass der Beschuldigte
sie und ihren Ehemann verfolgt habe. Bei der Haustüre sei es zu einem
Gerangel zwischen ihrem Hund und demjenigen des Beschuldigten gekom-
men. Der Beschuldigte sei ihnen durch die Haustüre gefolgt. Als sie den
Lift betreten und den Wohnungsschlüssel gesteckt hätten, um direkt in die
oberste Wohnung (zu ihrer Tochter) zu gelangen, habe der Beschuldigte
mit seinem Fuss und dem Kopf seines Hundes die Lifttüre blockiert. Sein
Gesicht und sein Körper seien direkt vor ihnen gewesen. Sie hätten Angst
vor dem Beschuldigten und seinem Hund gehabt und eine Eskalation der
Situation befürchtet. Der Beschuldigte habe ein Gespräch erzwingen wol-
len, an welchem sie nicht interessiert gewesen seien. Sie hätten rasch zu
ihrem kranken Enkelkind gelangen wollen. Der Beschuldigte, der im Haus
nebenan in der Wohnung seiner Eltern wohne, sei in der Überbauung "für
schwieriges Verhalten" bekannt. Zudem sei seine Stimmung, wie auch die-
jenige seines Hundes, höchst aggressiv gewesen. Er habe im Hauseingang
erklärt, er "komme gleich mit" und "er fahre mit". Weil er und sein Hund die
Türe ausgefüllt hätten, habe es kein Entrinnen gegeben. Der Lift sei
definitiv zu klein für drei Erwachsene und zwei sich nicht verstehende
Hunde gewesen. Der Beschuldigte hätte auch nicht in die Wohnung mitfah-
ren sollen. Weil ihre Einwände nichts gefruchtet hätten, habe ihr Ehemann
mit dem Mobiltelefon versucht, die Polizei anzurufen. Erst nach wiederhol-
ten Erklärungen, jetzt die Polizei anzurufen, habe der Beschuldigte abge-
lassen. Sie wisse nicht sicher, wie lange "die Aktion" effektiv gedauert habe,
aber sicher mehr als zwei Minuten und länger als nur "kurzfristig". Die
Blockade und der Versuch des Eindringens seien eine klare Nötigung. Der
Beschuldigte habe sie und ihren Ehemann an der Benutzung des Lifts ge-
hindert. Er habe die Zugangssituation der Attika-Wohnung gekannt und
kein Recht auf Blockade, Behinderung oder Zutritt in die Wohnung gehabt.
Nötigung setze keine Minimaldauer voraus. Sie sei erfüllt, wenn die Opfer
einfach warten müssten, bis der Täter mit seiner nötigenden Handlung
nachlasse. Es gebe kein "übliches Mass", das zu erdulden wäre. Durch die
Enge der Örtlichkeit und wegen der zwei Hunde, die vorher eine Rauferei
gehabt hätten, sowie durch die unangenehme Tuchfühlung mit dem Be-
schuldigten und dessen penetranter, lautstarker Forderung und Blockade
sei die Situation für sie und ihren Ehemann absolut unerträglich und be-
ängstigend gewesen. Man habe damit rechnen müssen, dass der

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Beschuldigte noch handgreiflich werde. Die Behauptung der Staatsanwalt-
schaft Brugg-Zurzach, wonach der Beschuldigte keine Nutzungseinschrän-
kung beabsichtigt habe, sei unverständlich. Der Beschuldigte habe sie und
ihren Ehemann an der Liftnutzung gehindert, weil er sie zum Gespräch
habe stellen wollen. Er habe auf Mitfahren entschieden und in den Lift ge-
drängt. Die Ankündigung, die Polizei zu rufen, habe ihn jedenfalls zu Be-
ginn nicht im Mindesten beeindruckt. Er habe erst zur Besinnung kommen
müssen, bevor er sich zurückgezogen habe.

2.3.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hielt mit Beschwerdeantwort daran
fest, dass das Verhalten des Beschuldigten, wenngleich die Situation für
die Beschwerdeführerin sicherlich unangenehm gewesen sei, nicht die not-
wendige Intensität einer strafrechtlich relevanten Nötigung erreicht habe.
Der Beschuldigte habe keine Drohungen ausgesprochen und keine Gewalt
ausgeübt. Es sei notorisch, dass es in Fahrstühlen eng sei, insbesondere
wenn sie mit fremden Personen geteilt werden müssten. Der Beschuldigte
habe den Fahrstuhl aber gar nie betreten, sondern nur für eine kurze Zeit
mit dem Fuss offengehalten. Nach Ankündigung, die Polizei beizuziehen,
habe er ihn wieder freigegeben. Der Tatbestand von Art. 181 StGB sei nicht
erfüllt.

2.4.
Die Beschwerdeführerin bestritt mit Stellungnahme vom 20. Januar 2025
die Feststellung, dass es "nur kurz" gedauert habe. Der Beschuldigte habe
sie bereits ins Treppenhaus bis zum Lift verfolgt und sei in dieser Zeit mehr-
mals gebeten worden, umzukehren. Auch als er die Lifttüre blockiert habe,
sei er mehrmals gebeten worden, wegzutreten. Die Staatsanwaltschaft
Brugg-Zurzach habe auch nicht dargelegt, wie lange die Blockade hätte
dauern müssen, damit sie aus ihrer Sicht strafbar gewesen wäre. Sie sei
mit ihrem Ehemann im kleinen Lift blockiert gewesen und habe nicht ent-
rinnen können. Sie seien dem Beschuldigten völlig ausgeliefert gewesen.
Er habe die Dauer des Gefangenseins bestimmt. Sein Kopf und die
Schnauze seines Hundes seien nicht einmal 20 cm entfernt gewesen. Er
habe darauf bestanden, im Lift mitzufahren. Das sei absolut undenkbar ge-
wesen, weil der Lift direkt in die Wohnung geführt habe. Der Beschuldigte
sei echauffiert gewesen und die Hunde hätten vor der Haustüre miteinan-
der gerauft. Dies sei Nötigung gewesen. Der Wunsch des Beschuldigten
mitzufahren, habe als Drohung verstanden werden müssen. Zudem habe
der Beschuldigte sie seither mit dem Zähne bleckenden und knurrenden
Hund bis auf die R-Strasse verfolgt und ein anderes Mal beim […]-Steg
abgepasst und seinen Hund losgelassen. Er sei unverbesserlich.

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3.
3.1.
Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder
durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun,
zu unterlassen oder zu dulden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft (Art. 181 StGB).

Die Anwendung des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner
Handlungsfreiheit beeinträchtigen. Das Zwangsmittel der "anderen Be-
schränkung der Handlungsfreiheit" muss, um tatbestandsmässig zu sein,
das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise
eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich genannten
Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt. Es
muss ihnen mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare
Zwangswirkung zukommen (BGE 141 IV 437 E. 3.2.1). Die weite Um-
schreibung des Nötigungstatbestandes (in Form der Tatbestandsvariante
der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit") hat zudem zur Folge,
dass nicht jedes tatbestandsmässige Verhalten bei Fehlen von Rechtferti-
gungsgründen auch rechtswidrig ist. Vielmehr bedarf die Rechtswidrigkeit
bei Art. 181 StGB einer zusätzlichen, besonderen Begründung. Eine Nöti-
gung ist nur unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist
oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis
steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel
und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist
(BGE 129 IV 6 E. 2.2 und 3.4).

3.2.
Dass der Beschuldigte bei besagtem Vorfall Gewalt gegen die Beschwer-
deführerin angewandt oder ihr ernstliche Nachteile (etwa auch mittels sei-
nes Hundes, der sich gemäss Beschwerdeführerin einzig für ihren Hund
interessiert zu haben scheint) angedroht haben könnte, kann ohne Weite-
res ausgeschlossen werden. Er kann deshalb die Handlungsfreiheit der Be-
schwerdeführerin höchstens durch das Zwangsmittel der "anderen Be-
schränkung der Handlungsfreiheit" beeinträchtigt haben.

3.3.
Zweck des Verhaltens des Beschuldigten war es offensichtlich, mit der Be-
schwerdeführerin ein Gespräch zu führen. Mit einer anderen Person ein
Gespräch zu suchen, ist per se aber nicht unrechtmässig, selbst wenn es
dem Ansprecher einzig um eine verbale Provokation geht oder die ange-
sprochene Person – wie vorliegend die Beschwerdeführerin – erkennbar
zum Ausdruck bringt, kein Interesse an einem solchen Gespräch zu haben.
Insofern kann sich der Beschuldigte der Nötigung höchstens schuldig ge-
macht haben, wenn er das von ihm angestrebte Gespräch mit unrechtmäs-
sigen, unverhältnismässigen, rechtsmissbräuchlichen oder sittenwidrigen
Mitteln zu erzwingen versucht haben sollte.

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3.4.
Nachdem die Beschwerdeführerin die Nichtanhandnahmeverfügung hin-
sichtlich des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs akzeptierte und der Be-
schuldigte weder Gewalt anwandte noch drohte, ist nicht ersichtlich, inwie-
fern er auf unrechtmässige Weise versucht haben könnte, mit der Be-
schwerdeführerin ins Gespräch zu kommen. Weder das (anfängliche)
Nacheilen noch das (finale) Blockieren der Lifttüre sind dementsprechend
als unrechtmässige Handlungen zu werten. Dass sich diese Handlungen
als rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig qualifizieren liessen, erscheint
ebenfalls ausgeschlossen. Damit verbleibt die Möglichkeit, dass der Be-
schuldigte seinen Gesprächswunsch in unverhältnismässiger Weise durch-
zusetzen versucht haben könnte. Dies könnte namentlich der Fall gewesen
sein, wenn sein Verhalten als nicht mehr sozialadäquat bezeichnet werden
könnte, mithin wenn es nicht mehr einem Verhalten entsprechen würde, mit
welchem in vergleichbaren Situationen üblicherweise zu rechnen ist und
welches – selbst wenn unerwünscht – noch hinnehmbar erscheint.

3.5.
Zwar ist nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin sowohl das (an-
fängliche) Nacheilen als auch die (finale) Blockade der Lifttüre als unange-
nehme Belästigung empfand, nachdem sie gegenüber dem Beschuldigten
deutlich gemacht hatte, sich mit ihm nicht unterhalten zu wollen. Es ist aber
nicht ersichtlich, inwiefern gerade das (anfängliche) Nacheilen über eine
kurze Wegstrecke geeignet gewesen sein könnte, die Beschwerdeführerin
in ihrer Willensbildung oder -betätigung in nötigender Weise zu beeinträch-
tigen. Dies tat es denn auch nicht, konnte sie sich doch losgelöst vom Ver-
halten des Beschuldigten entsprechend ihrer ursprünglichen Absicht zum
Lift begeben. Ein eigentliches Stalking, bei welchem der Täter dem Opfer
vielfach und über längere Dauer nachgeht und welches auch eine einzelne
(minderschwere) Belästigung als Nötigung erscheinen lassen könnte, ist
darin nicht zu sehen (vgl. hierzu BGE 129 IV 262 Regeste sowie beispiel-
haft auch E. 2.5, wonach eine einmalige Anwesenheit auf einem Parkplatz,
ein einmaliges Nachfahren oder eine einmalige kurzfristige Verhinderung
an oder Erschwerung der Weiterfahrt für sich allein noch keine Beschrän-
kung der Handlungsfreiheit im Sinne von Art. 181 StGB darstellen). An die-
ser Beurteilung ändern auch die von der Beschwerdeführerin mit Stellung-
nahme vom 20. Januar 2025 geschilderten späteren Vorkommnisse nichts.
Die Beschwerdeführerin begründete ihren Nötigungsvorwurf denn auch
hauptsächlich nicht mit diesem Verhalten des Beschuldigten, sondern im
Wesentlichen einzig mit seiner Blockade der Lifttür.

3.6.
Dass der Beschuldigte die Lifttüre in der von der Beschwerdeführerin be-
schriebenen Weise blockierte, erscheint zumindest nicht ausgeschlossen.
Ebenso wenig, dass der Beschuldigte die Beschwerdeführerin während
dieser Blockade objektiv betrachtet daran hinderte, den Lift zu benutzen

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oder zu verlassen. Die Blockade der Lifttüre zielte aber offensichtlich nicht
darauf ab, die Beschwerdeführerin an der Benutzung des Lifts zu hindern
oder sie darin festzusetzen, sondern einzig darauf, auch in den Lift gelas-
sen zu werden, was – wie dem von der Beschwerdeführerin eingereichten
Foto unschwer zu entnehmen ist – die Beschwerdeführerin oder ihr Ehe-
mann verhinderten, indem sie sich in der Türöffnung entsprechend
positionierten. Weil es bei diesem weitgehend passiven, sich gegenseitig
blockierenden Verhalten aller Beteiligten blieb und es auch nicht ansatz-
weise zu Gewalttätigkeiten oder Drohungen kam, ist von einem noch mit
sozialadäquaten Mitteln ausgetragenen Streit auszugehen, bei welchem
sich beide Seiten zwar nahe gegenüberstanden, sich ansonsten aber ähn-
lich wie bei einem rein verbal geführten Streit durchzusetzen versuchten.
Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann, indem sie den Beschuldigten
nicht in den Lift liessen und mit der Polizei drohten, der Beschuldigte, indem
er mit seinem Fuss ein Schliessen der Lifttüre verhinderte. Der Streit unter-
schied sich hinsichtlich seines Verlaufs nicht wesentlich von einem (typi-
scherweise zu keinen Weiterungen führenden) Bagatellstreit, wie er häufig
vorkommen dürfte, wenn Uneinigkeit darüber besteht, ob eine wartende
Person noch in einen Lift zu lassen ist. Dies auch deshalb nicht, weil der
Beschuldigte bereits nach kurzer Zeit nachgab, führte die Beschwerdefüh-
rerin gegenüber der Kantonspolizei Aargau (gemäss deren Rapport vom
27. August 2024) doch selbst aus, dass der Beschuldigte die Lifttüre "viel-
leicht" zwei Minuten blockiert habe. Dass sich die Beteiligten dabei im Be-
reich der Türöffnung offenbar derart nahe gegenüberstanden, dass die Be-
schwerdeführerin dies als bedrohlich empfand, ändert am Gesagten nichts.
Diese Nähe war offensichtlich eine zwingende Folge der (engen) räumli-
chen Gegebenheiten sowie der Streitfrage, ob der Beschuldigte in den Lift
zu lassen ist, weshalb darin kein Hinweis auf eine vom Beschuldigten be-
wusst eingesetzte Drohgebärde zu sehen ist.

Der auf diese Art und Weise geführte und wohl nicht länger als wenige Mi-
nuten andauernde Streit dürfte zwar für die Beschwerdeführerin, die diesen
Streit sicherlich nicht gesucht hat, bemühend und ärgerlich gewesen sein.
Der vom Beschuldigten dabei aufgebaute Druck ist aber nicht annähernd
vergleichbar mit einer Situation, in welcher er zur Erreichung seines Ziels
auf Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile gesetzt hätte, weshalb
darin keine Nötigung zu sehen ist. Dies auch dann nicht, wenn man mit der
Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass der Beschuldigte nicht berechtigt
war, den Lift zu benutzen, und dies auch wusste. Wer jemanden im Rah-
men eines sozialadäquat geführten Streits wenige Minuten aufhält, macht
sich grundsätzlich auch dann nicht der Nötigung schuldig, wenn er sich
nicht im Recht befindet oder wenn er den Streit gar im Wissen darum, nicht
im Recht zu sein, aus rein provokativen Gründen vom Zaun bricht. Nicht
jedes provokative oder bemühende Verhalten, welches einer anderen Per-
son aufgezwungen wird, stellt nämlich eine Nötigung dar. Weshalb es sich

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vorliegend ausnahmsweise anders verhalten sollte, ist nicht einsichtig. Die
Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.

4.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Dement-
sprechend sind die Kosten dieses Beschwerdeverfahrens der mit ihrer Be-
schwerde unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Entschädi-
gungen sind keine auszurichten.

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 76.00, zusammen
Fr. 1'076.00, werden der Beschwerdeführerin auferlegt und im Umfang von
Fr. 1'000.00 mit der geleisteten Kostensicherheit verrechnet. Die Be-
schwerdeführerin hat der Obergerichtskasse noch Fr. 76.00 zu bezahlen.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

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Aarau, 4. März 2025

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard