# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b104a153-c010-5e86-b571-5118cabb1cb3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.10.2023 E-5605/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5605-2023_2023-10-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5605/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; 

Gerichtsschreiberin Carolina Bottini. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Kerstin Krüger, 

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…), (…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); 

Verfügung des SEM vom 4. Oktober 2023 / N (…). 

 

 

 

E-5605/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste zusammen mit seinem Cousin am 25. Mai 

2023 in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl, dies unter An-

gabe des Geburtsdatums (…) (SEM-Akten […] [A] 1). Auf dem Formular 

«Questionnaire Europa» vermerkte er, im Juli 2022 aus seinem Heimat-

staat ausgereist zu sein (A2). 

B.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi-

schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) vom 30. Mai 

2023 ergab, dass er am 23. Mai 2023 in Kroatien ein Asylgesuch einge-

reicht hatte. 

C.  

Am 16. Juni 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden gemäss 

Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO), um Informationen betreffend das dort angegebene Geburts-

datum, allfällig abgegebene Ausweisdokumente und Familienangehörige 

in Mitgliedstaaten. Das Informationsersuchen blieb unbeantwortet. 

D.  

Die Erstbefragung UMA (Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende) fand 

am 25. Juli 2023 in Anwesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung statt 

(A17). Der Beschwerdeführer gab dabei das Geburtsdatum (…) und ge-

mäss afghanischem Kalender (…) an. Weiter führte er aus, seine Tazkira 

sei ihm von der türkischen Polizei weggenommen worden, allerdings habe 

ihm seine in B._______ lebende Familie jene seiner Zwillingsschwester 

geschickt. Im Jahr (…), als sie drei Jahre alt gewesen seien, habe ihr Vater 

ihre Tazkira ausstellen lassen. Seiner Familie sei es nicht möglich, sich zu 

seiner Schule zu begeben und Dokumente des Beschwerdeführers erhält-

lich zu machen. Er selber besitze keine anderen Ausweispapiere, insbe-

sondere habe er auch keinen Geburtsschein. Im Alter von (…) Jahren sei 

er eingeschult worden und als die Taliban die Macht ergriffen hätten, habe 

er in C._______ die neunte Klasse besucht. Am Folgetag habe er Afgha-

nistan verlassen. Schliesslich gab er an, keine gesundheitlichen Probleme 

zu haben. 

E-5605/2023 

Seite 3 

E.  

Am 28. Juli 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden gestützt auf 

Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Übernahme des Beschwerdeführers. 

Dieser habe sein Alter nicht belegen können, weshalb ein Altersgutachten 

in Auftrag gegeben worden sei und allenfalls eine Altersanpassung erfol-

gen werde. Gleichzeitig forderte das SEM Akten zum kroatischen Asylver-

fahren an. 

F.  

Der Beschwerdeführer wurde am 2. August 2023 begutachtet, wobei ein 

Mindest- beziehungsweise Durchschnittsalter von (…) beziehungsweise 

(…)Jahren festgehalten wurde. Das angegebene Alter von (…) sei ausge-

schlossen. 

G.  

Mit Schreiben vom 11. August 2023 lehnten die kroatischen Behörden das 

Übernahmeersuchen zufolge Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ab. 

In Kroatien sei er mit dem Geburtsdatum (…) registriert.  

H.  

Am 14. August 2023 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das recht-

liche Gehör zum Alter. Es führte aus, dass sein Auftreten anlässlich der EB 

UMA selbstsicher und reif gewesen sei, seine Angaben betreffend Doku-

mente, die seine Identität und sein Alter belegen würden, nicht überzeug-

ten und er die angeforderte Tazkira seiner Schwester nicht eingereicht 

habe. Überdies widersprächen sich seine Angaben zum Ausreisezeitpunkt 

anlässlich der EB UMA einerseits und anlässlich der Registrierung ande-

rerseits. Schliesslich seien die Resultate der forensischen Untersuchung 

als starkes Indiz für die Volljährigkeit zu werten, da die Entwicklung der 

Zähne abgeschlossen sei und trotz der limitierten Datenlage über jeden 

vernünftigen Zweifel hinaus angenommen werden könne, ihre Entwicklung 

entspreche demjenigen des Skeletts. Gegen die Glaubhaftigkeit der in der 

Schweiz gemachten Altersangaben spreche schliesslich, dass er sich in 

Kroatien gemäss Antwort der kroatischen Behörden vom 11. August 2023 

mit dem Geburtsdatum (…) registriert habe. Entsprechend beabsichtige 

das SEM seine Daten im ZEMIS anzupassen. Hierzu sowie zu einer allfäl-

ligen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens habe er Gelegenheit, sich schriftlich zu äussern. 

I.  

In der Stellungnahme vom 24. August 2023 liess der Beschwerdeführer 

E-5605/2023 

Seite 4 

festhalten, dass dem Formular bei der Registrierung kein Beweiswert zu-

komme. Es sei weder unterschrieben noch rückübersetzt worden noch 

gehe ihm eine Rechtsmittelbelehrung voraus. Überdies sei er von der 

Reise erschöpft gewesen und habe den europäischen Kalender nicht ge-

kannt. Im Rahmen der EB UMA sei er sodann weder auf diesen Wider-

spruch angesprochen noch ausführlich zum Reiseweg befragt worden. Er 

habe circa vier oder fünf Monate in Pakistan gelebt, zehn oder elf Monate 

im Iran, drei Monate in der Türkei und schliesslich habe er zwei Monate für 

die Reise in die Schweiz gebraucht. Ebensowenig sei ihm Gelegenheit ge-

boten worden, zum in Kroatien registrierten Geburtsdatum Stellung zu neh-

men. Dort habe er sich lediglich einen Tag aufgehalten und ein beliebiges 

Datum sei für ihn ausgewählt worden. Was seine Angaben zu seinen Aus-

weisedokumenten anbelange, sei die «Push-Back»-Praxis der türkischen 

Polizei an der Grenze zum Iran allgemein bekannt und er habe bereits an-

lässlich der EB UMA ausgeführt, dass nach seinem Vater sowie nach sei-

nem Schwager gesucht werde und sich seine Mutter deswegen abwechs-

lungsweise bei seiner Tante und seinem Onkel verstecke. Unter grossen 

Bemühungen sei es dem Onkel des Beschwerdeführers mütterlicherseits 

zwischenzeitlich gelungen, die an der Schule hinterlegten Dokumente er-

hältlich zu machen. Das auf seinem Geburtsschein festgehaltene Geburts-

datum (…) stimme mit dem vom Beschwerdeführer angegebenem überein. 

Auch ergebe sich aus der Tazkira, dass er im Jahre (…) (…) Jahre alt ge-

wesen sei. Dass er bei der Beantwortung der Fragen zu seinem Alter, das 

er kenne, selbstsicher aufgetreten sei, sei entgegen dem Argument des 

SEM gerade ein Indiz für die Glaubhaftigkeit. 

Weiter bestreite er das im Gutachten festgehaltene Mindestalter von 

(…) Jahren. Das Gutachten sei widersprüchlich, ungenau und sein Be-

weiswert fraglich. Es komme zu unterschiedlichen Zwischenergebnissen 

des Mindestalters und anhand der Zahnröntgenuntersuchung könne nicht 

einmal ein Durchschnittsalter angegeben werden. Weiter handle es sich 

um eine Lebensaltersschätzung, die weder auf aktuellen Daten beruhe 

noch ethnologisch zutreffend sei. Im Gutachten werde denn auch festge-

halten, es lägen keine Referenzstudien für eine männliche Population aus 

Afghanistan vor. 

Gegen eine Wegweisung nach Kroatien spreche, dass die Polizisten ihn 

während seines eintägigen Aufenthalts eingesperrt, mit einem Stock ge-

schlagen und gezwungen hätten, seine Fingerabdrücke abzugeben. Er 

habe in Kroatien kein Asylgesuch stellen wollen. Durch die Erlebnisse sei 

sein Vertrauen in die kroatischen Behörden zerstört. 

E-5605/2023 

Seite 5 

Mit seiner Stellungnahme reichte der Beschwerdeführer fremdsprachige 

Dokumente ein, bei denen es sich um seine Tazkira, seinen Geburtsschein, 

ein Bestätigungsschreiben seiner Schule in C._______ sowie (Schul)no-

tenblätter handle. Weitere, teilweise auf Englisch verfasste Dokumente, be-

träfen seine Schwestern. 

J.  

Am 30. August 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden gestützt 

Art. 5 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 

2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) 

Nr. 343/2003 des Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig 

ist (nachfolgend: DVO) erneut um Übernahme des Beschwerdeführers.  

K.  

Mit Schreiben vom 8. September 2023 hiessen die kroatischen Behörden 

das Ersuchen des SEM gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. 

L.  

Mit Verfügung vom 4. Oktober 2023 (am 6. Oktober 2023 eröffnet) trat das 

SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus 

der Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Kroatien weg und ord-

nete den Wegweisungsvollzug an (Dispositivziffern 1 und 3–5). Es hielt 

fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu 

(Dispositivziffer 7). Gleichzeitig stellte es fest, im ZEMIS sei als Geburts-

datum der (…) mit Bestreitungsvermerk registriert worden (Dispositivzif-

fer 2). 

M.  

Mit Beschwerde vom 13. Oktober 2023 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragt der Beschwerdeführer, es seien die Ziffern 1 und 3 der Verfü-

gung vom 4. Oktober 2023 aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, 

auf sein Asylgesuch einzutreten. Weiter sei die Ziffer 2 aufzuheben und das 

im ZEMIS geführte Geburtsdatum auf den (…) abzuändern. Eventualiter 

sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeur-

teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht bean-

tragt er, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung inklusive Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses zu gewähren, der Beschwerde die 

aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vorinstanz anzuweisen, ihn in 

den Wohnstrukturen für UMA unterzubringen. Weiter seien die Akten der 

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Seite 6 

Vorinstanz beizuziehen. Der Beschwerde beigelegt war insbesondere ein 

Verlaufsbericht der D._______ unbekannten Datums mit Angaben zu einer 

(einzigen) Untersuchung vom 12. September 2023. 

N.  

Am 16. Oktober 2023 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die vo-

rinstanzlichen Akten vor. Gleichentags verfügte die Instruktionsrichterin su-

perprovisorisch einen Vollzugsstopp. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht für Beschwer-

den gegen Verfügungen des SEM nach Art. 5 VwVG zuständig und ent-

scheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend 

– endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3  Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist im Umfang des Verfahrensgegenstandes (vgl. 

nachfolgend E. 2) einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 

Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung respektive Korrektur der 

Feststellung des SEM, in ZEMIS sei der (…) mit Bestreitungsvermerk als 

sein Geburtsdatum registriert worden. Das Geburtsdatum sei wieder auf 

den (…) anzupassen. 

Das Verfahren betreffend ZEMIS-Datenbereinigung wird praxisgemäss 

vom vorliegend zu behandelnden Dublin-Verfahren getrennt und separat 

unter der Verfahrensnummer E–5609/2023 geführt. Das Begehren auf Än-

derung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums bildet somit nicht Ge-

genstand des vorliegenden Verfahrens. 

 

E-5605/2023 

Seite 7 

3.  

3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens 

(Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständig-

keitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen 

BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

4.3 Im Falle eines UMA ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem an-

deren Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zu-

ständig, in welchem der Antrag auf internationalen Schutz gestellt wird, wo-

bei von der Situation zum Zeitpunkt der ersten Antragstellung in einem Mit-

gliedstaat ausgegangen wird (vgl. Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Als Minder-

jähriger gilt ein Drittstaatsangehöriger unter 18 Jahren (Art. 2 Bst. i Dublin-

III-VO; Art. 1a Bst. d der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 

1, SR 142.311]). Unbegleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahme-

verfahren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 

2014, Kap. 15 f. zu Art. 8, m.H.). 

E-5605/2023 

Seite 8 

5.  

5.1 Nach dem Gesagten bestünde bei glaubhafter Minderjährigkeit des Be-

schwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit 

Kroatiens entgegenstehende vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. 

statt vieler etwa die Urteile des BVGer F-6213/2020 vom 5. Januar 2021 

E. 3.4; F-5625/2020 vom 18. November 2020; F-3255/2020 vom 2. Juli 

2020 E. 5.2). 

5.2 Die Minderjährigkeit ist von der gesuchstellenden Person zumindest 

glaubhaft zu machen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Asylre-

kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 31 E. 5, 6.2 und 7.3; 2004 Nr. 30 E. 5-

6; 2001 Nr. 23 E. 6c; 2000 Nr. 19 E. 8b). 

6.  

6.1 Das SEM qualifiziert die Angaben des Beschwerdeführers zur geltend 

gemachten Minderjährigkeit als unglaubhaft und begründet dies wie folgt: 

Bei den vom ihm eingereichten Dokumenten, darunter die nachgereichte 

Kopie der Tazkira, handle es sich nicht um rechtsgenügliche Identitätsdo-

kumente, weshalb eine Gesamtbeurteilung sämtlicher Indizien vorzuneh-

men sei (BVGE 2018 VI/3). Seine Angaben zu den Ausweisdokumenten 

seien wenig glaubhaft, betreffend das Ausreisedatum widersprüchlich und 

er sei an der Befragung sehr selbstsicher aufgetreten. Zudem seien die 

Resultate der forensischen Untersuchung als starkes Indiz für seine Voll-

jährigkeit zu werten, da die Entwicklung der Zähne abgeschlossen sei und 

somit trotz der limitierten Datenlage über jeden vernünftigen Zweifel hinaus 

angenommen werden könne, dass die Entwicklung der Zähne derjenigen 

des Skelettes entspreche. Ein weiteres Indiz für die fehlende Glaubhaf-

tigkeit der in der Schweiz gemachten Altersangaben sei, dass sich der Be-

schwerdeführer in Kroatien als Volljähriger registriert habe. 

Zu den Einwänden in der Stellungnahme vom 24. August 2023 hält das 

SEM zunächst fest, es habe das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers 

nicht verletzt. Obwohl es die kroatischen Behörden bereits am 16. Juni 

2023 um Informationen ersucht habe, habe es erst nach der EB UMA von 

dem in Kroatien angegebenen Alter Kenntnis erhalten. Weiter seien sämt-

liche Widersprüche und Inkonsistenzen im rechtlichen Gehör vom 14. Au-

gust 2023 aufgeführt worden und der Beschwerdeführer habe hierzu aus-

führlich Stellung genommen. Die ergänzenden Informationen in der Stel-

lungnahme anerkennend seien seine Angaben im bisherigen Verfahren 

zwar relativ oberflächlich, aber konsistent gewesen. Gleichzeitig 

E-5605/2023 

Seite 9 

unterschieden sich jene in Kroatien bezüglich des Namens leicht und be-

züglich des Geburtsdatums erheblich, was kein Indiz für seine Volljährigkeit 

sei, aber Beleg dafür, dass seine Aussagen nicht in jedem Fall glaubwürdig 

(richtig: glaubhaft) seien. Dass in Kroatien ein beliebiges Geburtsdatum 

ausgewählt worden sei, decke sich nicht mit den Erfahrungen und Abklä-

rungen des SEM. Die nachgereichten Dokumente seien einer materiellen 

Prüfung nicht zugänglich, erfahrungsgemäss nicht fälschungssicher und im 

Nachhinein mit den erbetenen Angaben leicht käuflich erwerbbar. Selbst 

wenn es sich bei der von ihm eingereichten Tazkira um ein echtes Doku-

ment handeln würde, wäre das darauf vermerkte Alter eine Schätzung an-

hand des Aussehens (BVGE 2019/6 E. 6.2; 2013/30 E. 4.2.2). Überdies 

überrasche, dass er eine Kopie seines Geburtsscheins eingereicht habe, 

nachdem er anlässlich der EB UMA explizit gesagt habe, keinen Geburts-

schein erhalten zu haben. Es sei auch nicht ersichtlich, wie die weiteren 

eingereichten Unterlagen als Hinweis für seine Minderjährigkeit gewertet 

werden könnten. Vielmehr belegten sie weitere Inkonsistenzen in seinen 

Ausführungen beziehungsweise die äussert beschränke Aussagekraft von 

afghanischen Dokumenten bezüglich Alter. So habe er an der EB UMA zu 

Protokoll gegeben, dass seine Schwester E._______ ungefähr 26 Jahre alt 

sei. Gemäss drei der eingereichten Zertifikate sei sie jedoch knapp 

28 Jahre alt. Schliesslich würden sich die im Altersgutachten genannten 

Zahlen nicht widersprechen, setze man sie gemäss ihrer Bedeutung in Ver-

bindung. Die Schlussfolgerungen darin bezögen sich auf das festgestellte 

maximale Mindestalter, womit die Ergebnisse der Zahnuntersuchungen 

vereinbar seien. Mit Gutheissung seiner Rückübernahme hätten die kroa-

tischen Behörden bestätigt, dass sie der Einschätzung des SEM folgten. 

 

6.2 In seiner Beschwerde wiederholt der Beschwerdeführer die anlässlich 

der Stellungnahme vom 24. August 2023 gemachten Ausführungen und 

ergänzt, dass die subjektive Bewertung seines Verhaltens kein Indiz für 

seine Volljährigkeit sei, sondern ein Realkennzeichen. Bereits die Durch-

führung des Altersgutachtens habe auf einer konstruierten und ungerecht-

fertigten Begründung basiert. Weiter bleibe offen, welche Belege ein afgha-

nischer Beschwerdeführer denn vorlegen müsse, um sein Geburtsdatum 

glaubhaft machen zu können. Es erscheine abwegig, dass alle eingereich-

ten Belege auf derart authentische Weise und in kürzester Zeit gefälscht 

worden wären. Dass das Alter auf der Tazkira nach dem Aussehen ge-

schätzt worden sei, überzeuge nicht, da weitere Dokumente vorgelegt wor-

den seien. Die Diskrepanzen betreffend das Alter seiner Schwester hätten 

keinen Einfluss auf das belegte eigene Geburtsdatum, vielmehr untermau-

erten sie seine Schätzung und Glaubwürdigkeit. In Bezug auf den im 

E-5605/2023 

Seite 10 

vorgehaltenen angeblichen Widerspruch zum Bestehen einer Geburtsur-

kunde wendet er ein, es sei durchaus üblich, dass Kinder nicht alle sie be-

treffenden, von den Behörden ausgestellten Dokumente kennen würden. 

Das Altersgutachten sei kein starkes Indiz für die Volljährigkeit. Bereits auf-

grund des fehlenden Mindestalters anhand der Zähne sei eine Beurteilung 

seines Beweiswerts nicht möglich. In Ermangelung eines solchen sei die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2018 VI/3) nicht 

anwendbar. Das SEM stelle hinsichtlich des Mindestalters einzig auf das 

Ergebnis des Schlüsselbeines ab und stütze dieses – entgegen dem Fazit 

im Gutachten – mit der Einschätzung der untersuchbaren Zähne. 

Es entspreche den Erfahrungswerten und decke sich mit sämtlichen Be-

richten von Asylsuchenden, dass die Behörden in Kroatien nicht nach dem 

Geburtsdatum der Asylsuchenden fragen würden. Dass die Schreibweise 

seines Namens leicht abweichen würde, sei der phonetischen Schreib-

weise der Behörden oder Mitgeflüchteten geschuldet.  

6.3 Das Gericht kommt im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Um-

stände (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4) zum Schluss, dass es dem Be-

schwerdeführer nicht gelingt, seine Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. 

6.3.1 Massgebend ins Gewicht fällt das Gutachten zur Altersschätzung des 

Instituts für Rechtsmedizin der F._______ vom 3. August 2023, das auf ei-

ner körperlichen, zahnröntgenologischen und radiologischen Untersu-

chung (Röntgenbild der linken Hand sowie Computertomografie-Untersu-

chung der medialen Anteile der Schlüsselbeine) beruht. 

Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten Me-

thoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respek-

tive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch 

die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu-

chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per-

son geeignet. Relevant sind die Ergebnisse betreffend das jeweils festge-

stellte Mindestalter. Je nach Ergebnis stellen medizinische Altersabklärun-

gen unterschiedlich zu gewichtende Indizien dar. So stellt eine medizini-

sche Altersabklärung ein starkes Indiz für die Volljährigkeit dar, wenn das 

Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse oder 

der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand 

der beiden Analysen ergebenden Altersspannen überlappen. Überlappen 

sie sich hingegen nicht und gibt es dafür eine plausible medizinische 

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Seite 11 

Erklärung, stellt die Altersabklärung ein schwaches Indiz dar. Im Gutachten 

vom 3. August 2023 wurde in der Beurteilung festgehalten, dass die radio-

logischen Untersuchungen der linken Hand und der medialen Anteile der 

Schlüsselbeine in einem durchschnittlichen Alter von (…) Jahren resultie-

ren würden und das Mindestalter mit (…) Jahren zu benennen sei. Die 

Zähne betreffend könne anhand der Zahnröntgenuntersuchungen weder 

ein Durchschnittsalter noch ein Mindestalter angegeben werden (A24). Da-

mit fehlt ein Indikator, der notwendig ist, um zu bestimmen, ob es sich bei 

der durchgeführten medizinischen Altersabklärung nach der zitierten 

Rechtsprechung um ein starkes oder um ein schwaches Indiz für die Voll-

jährigkeit handelt. Wie der Beschwerdeführer zutreffend vorbringt, lässt 

sich der vorliegende Fall unter keine der im genannten Entscheid aufge-

zählte Varianten subsumieren. Somit sind die üblichen verfahrensrechtli-

chen Regeln der Beweiswürdigung anwendbar (vgl. E. 4.2.2 a.a.O). Bei 

medizinischen Befunden zur Altersbestimmungen gilt es zu beachten, dass 

die Feststellungen von fachkundigen Personen getroffen worden sind, so-

dass von ihnen nur abgewichen werden darf, wenn konkrete Anhaltspunkte 

vorliegen, die Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit begründen (vgl. BVGE 2019 

I/6 E. 5.7). 

Gemäss dem Methodendokument der Schweizerischen Gesellschaft für 

Rechtsmedizin (SGRM) ist bei der Frage nach der Volljährigkeit die medi-

ale Schlüsselbeinepiphyse das massgebende Element. Diese erfülle als 

einzige Säule die Voraussetzung für eine Alterseinschätzung «mit an Si-

cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit», wobei mindestens das Ossifika-

tionsstadium 3c nach KELLINGHAUS erforderlich sei (vgl. SGRM, Forensi-

sche Altersdiagnostik, Ausgabe Juni 2022, S. 7). Dieses Ossifikationssta-

dium ist vorliegend gegeben (vgl. A24). Angesichts dessen ist das im Gut-

achten angegebene Mindestalter von (…) Jahren ohne Weiteres nachvoll-

ziehbar. Dass die Weisheitszähne beziehungsweise die Anatomie des Be-

schwerdeführers keine Durchschnittsaltersbestimmung zulassen, spricht 

offensichtlich nicht gegen die Qualität des Gutachtens. In diesem Zusam-

menhang ist festzuhalten, dass der vom SEM gezogene Schluss, die vor-

handenen Zähne seien in ihrer Entwicklung abgeschlossen und es könne 

über jeden vernünftigen Zweifel angenommen werden, dass die Entwick-

lung der Zähne derjenigen des Skeletts entspreche, unhaltbar ist, liegt es 

doch an den Gutachtern, dies zu beurteilen. Gemäss der einschlägigen 

Literatur ergeben sich sodann keine Anhaltspunkte für gravierende inter-

ethnische Differenzen im zeitlichen Verlauf der Skelettreifung, so dass die 

Ergebnisse der einschlägigen Referenzstudien auch auf andere ethnische 

Gruppen übertragbar sind (vgl. Urteile des BVGer E-3718/2023 vom 

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Seite 12 

10. Juli 2023, D-455/2019 vom 27. Februar 2019). Schliesslich liegt in den 

unterschiedlichen Angaben zum Mindestalter kein Widerspruch, beträgt 

doch das höchste Mindestalter, das sich durch eine Röntgenuntersuchung 

der Hand ermitteln lässt, nach Tisè et. al. 16.1 Jahre für Männer (vgl. 

SGRM, a.a.O. S. 10). Angesichts des Fazits des Gutachtens, insbeson-

dere des festgestellten Mindestalters von (…) Jahren aufgrund der media-

len Anteile der Schlüsselbeine, ist das Altersgutachten im Rahmen der Ge-

samtwürdigung als gewichtiges Indiz für die Volljährigkeit des Beschwer-

deführers zu berücksichtigen, wenngleich es unbestrittenermassen keinen 

strikten Beweis zu liefern vermag und eine Altersschätzung bleibt (vgl. 

BVGE 2018 VI/3 E. 4.4). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, sind allerdings 

die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Alter auch nicht geeignet, 

das Gericht von seiner Minderjährigkeit zu überzeugen. 

6.3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Identi-

tätspapiere im Sinne von Art. 1a Bst. c AsylV1 zu den Akten gereicht hat, 

mit welchen er sein Geburtsdatum beweisen kann. Die eingereichte Kopie 

einer Tazkira, welche im Jahr (…) ausgestellt worden sein soll und dem 

Beschwerdeführer ein Alter von (…) Jahren zum Ausstellungszeitpunkt und 

damit ein zum Zeitpunkt der Asylgesuchstellung mögliches Alter von (…) 

Jahren bescheinigen soll, ist wenig geeignet, sein Alter zu beweisen oder 

glaubhaft zu machen, zumal es sich bei der Tazkira an sich schon nicht um 

ein fälschungssicheres Dokument handelt, wie das SEM zutreffend fest-

stellt. Hinsichtlich der Frage der Identität von Inhabern eines solchen Do-

kuments ist daher praxisgemäss von einem reduzierten Beweiswert einge-

reichter Tazkira auszugehen (vgl. BVGE 2013/30 E. 4.2.2). Was seine Er-

klärungen zum Verlust des Originals betrifft, muss die Art, wie sie ihm ab-

handengekommen sei, nicht bestritten werden. Indessen erstaunt, gerade, 

da er sich ihrer Bedeutung bewusst gewesen sei (A17 F1.06), dass er nach 

der geltend gemachten Abschiebung in den Iran nicht mit der Hilfe seines 

dort befindlichen Vaters versucht hat, Dokumente, insbesondere solche, 

die seine Identität belegen könnten, zu beschaffen. Beispielsweise bei sei-

ner in Pakistan lebenden Schwester, mit der der Beschwerdeführer vor ih-

rer gemeinsamen Ausreise aus ihrem Heimatstaat zweieinhalb Jahre zu-

sammengelebt haben soll. Die mit der Stellungnahme vom 24. August 

2023 nur in Kopie eingereichten fremdsprachigen Unterlagen sind, wie das 

SEM zutreffend feststellt, einer materiellen Prüfung nicht zugänglich und 

es kommt ihnen nur ein tiefer Beweiswert zu. Sie sind jedenfalls nicht ge-

eignet, das Alter und insbesondere die Minderjährigkeit des Beschwerde-

führers rechtsgenüglich zu belegen und die Zweifel des Gerichts auszuräu-

men. Die Dokumente seiner Schwestern sind ebenso wenig geeignet, das 

E-5605/2023 

Seite 13 

geltend gemachte Alter des Beschwerdeführers zu belegen, was er implizit 

anerkennt, wenn er festhält, die darin enthaltenen Diskrepanzen hätten kei-

nen Einfluss auf das von ihm belegte Geburtsdatum. 

6.3.3 Die Zweifel des Gerichts vermag ferner nicht auszuräumen, dass der 

Beschwerdeführer anlässlich der EB UMA in sich schlüssige Angaben zu 

seiner Biografie sowie zum chronologischen Ablauf seiner Schulbildung 

machte und dem Formular «Questionnaire Europa» in Bezug auf den Aus-

reisezeitpunkt jedenfalls beschränkter Beweiswert zukommt. Diesbezüg-

lich ist festzuhalten, dass die Rüge der Gehörsverletzung unbegründet ist, 

zumal der Beschwerdeführer Gelegenheit erhielt, sich zu den unterschied-

lichen Ausreisedaten im Rahmen seiner Stellungnahme vom 24. August 

2023 zu äussern. Unglaubhaft hingegen ist seine Aussage, die kroatischen 

Behörden hätten ihn nicht nach dem Geburtsdatum gefragt und ein belie-

biges eingetragen. Es gibt keine Hinweise auf eine solche Praxis der kroa-

tischen Behörden. Die von der in der Schweiz abweichende Schreibweise 

seines Namens kann ihm allerdings nicht entgegengehalten werden, 

kommt eine unter den Staaten divergierende Schreibweise doch sehr häu-

fig vor. 

6.3.4 Die kroatischen Behörden stimmten sodann in Kenntnis aller zweck-

dienlichen Informationen dem Gesuch um Wiederaufnahme zu und hegten 

somit keine Zweifel an der Volljährigkeit des Beschwerdeführers. 

7.  

7.1 Da die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers nicht glaubhaft ist, fällt 

Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO (Minderjährige) nicht als Kriterium zur Bestim-

mung des für das Asylverfahren zuständigen Mitgliedstaats in Betracht. Zu 

Recht geht das SEM von der Zuständigkeit Kroatiens aus, nachdem es 

dem Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers im Rahmen 

des Remonstrationsverfahrens am 8. September 2023 fristgerecht gestützt 

auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zugestimmt hat (vgl. Urteil des BVGer F–

1157/2023 vom 7. März 2023). Dem Einwand des Beschwerdeführers, er 

sei in Kroatien zur Abgabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden und 

habe dort kein Asylgesuch stellen wollen, ist entgegenzuhalten, dass sich 

die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden ausländischen 

Personen und Asylsuchenden auf Art. 14 Abs. 1 der Verordnung (EU) 

Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 (Eurodac-Verordnung) stützt. Zudem ist ein Mitgliedstaat auch dann 

für die Prüfung eines Antrags um internationalen Schutz zuständig, wenn 

die betreffende Person – ohne einen Asylantrag gestellt zu haben – illegal 

E-5605/2023 

Seite 14 

eingereist und erfasst worden ist (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO). Aus Art. 16 

Dublin-III-VO kann der Beschwerdeführer schon deshalb nichts zu seinen 

Gunsten ableiten, da die Beziehung zu seinem Cousin nicht unter die in 

diesem Artikel aufgezählten familiäre Beziehungen fällt, in denen zwischen 

den Beteiligten ein Abhängigkeitsverhältnis bestehen muss. 

7.2 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wei-

sen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen auf (Urteile des BVGer F–5409/2023 vom 

18. Oktober 2023 E. 5; E–4734/2023 vom 6. Oktober 2023 E. 7.2, je mit 

Hinweisen auf das Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 

2023 E. 9.5). Demnach sind Dublin-Überstellungen nach Kroatien grund-

sätzlich sowohl in «take-charge» (Aufnahme) als auch in «take-back» 

(Wiederaufnahme) Verfahren zulässig. Die in der Beschwerdeschrift zitier-

ten Berichte verschiedener Organisationen aus einer Zeit von vor dem Re-

ferenzurteil vermögen nichts daran zu ändern. Eine Übernahme der Zu-

ständigkeit zur Behandlung des Asylgesuchs durch die Schweiz in Anwen-

dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO fällt somit nicht in Betracht. 

7.3  

7.3.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

E-5605/2023 

Seite 15 

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. 

BVGE 2015/9 E. 8.2.1).  

Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommen vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 

0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nach. Im Weiteren darf davon ausgegangen werden, Kroatien an-

erkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den 

Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

7.3.2 Die vom Beschwerdeführer geschilderten Übergriffe anlässlich seiner 

illegalen Einreise in Kroatien müssen nicht in Abrede gestellt werden und 

sie sind rechtswidrig, allerdings wird er sich bei einer Rückkehr im Rahmen 

des Dublin-verfahrens in einer anderen Situation befinden. Zudem hat er 

kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die kroatischen Behörden 

würden sich weigern, ihn wieder aufzunehmen und seinen Antrag auf in-

ternationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie 

zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu 

entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refou-

lement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein 

Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 

AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein 

solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdefüh-

rer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingun-

gen in Kroatien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von 

Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen 

könnten. Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die 

Annahme dargetan, Kroatien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-

merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei 

einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übri-

gen nötigenfalls an die kroatischen Behörden wenden und die ihm 

E-5605/2023 

Seite 16 

zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. 

Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

7.3.3 Der Beschwerdeführer hat keine Erkrankung geltend gemacht, die 

aufgrund ihrer Schwere einer Wegweisung nach Kroatien unter dem As-

pekt von Art. 3 EMRK entgegenstehen würde. Dem erstmals auf Be-

schwerdestufe eingereichten undatierten und nicht unterschriebenen Ver-

laufsbericht der D._______ ist zu entnehmen, dass er an (…) leide. Kon-

krete Gedanken an den Tod habe er nicht. Am 18. August 2023 sei er zur 

psychologischen Sprechstunde angemeldet worden, die am 12. Septem-

ber 2023 stattgefunden habe. Dabei sei dem Beschwerdeführer zusätzlich 

zum eingenommenen Redormin (500mg) Relaxane verordnet und eine 

PMR-Übung [Progressive Muskelentspannung] gezeigt worden. Ein Fol-

getermin sei auf den 18. September 2023 anberaumt (Beschwerdebei-

lage 3). Gemäss Ausführungen in der Beschwerdeschrift hätten sodann 

weitere Sprechstunden am 22. September und am 6. Oktober 2023 statt-

gefunden. Ohne seine gesundheitlichen Beschwerden verharmlosen zu 

wollen, handelt es sich beim Beschwerdeführer offensichtlich nicht um eine 

schwerkranke Person im Sinne der massgeblichen Rechtsprechung zu 

Art. 3 EMRK (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. De-

zember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). Die Vo-

rinstanz hat auch nicht ihre Untersuchungspflicht verletzt, indem sie sich 

beim Bundesasylzentrum nicht über allfällige Behandlungen und Arztbesu-

che des Beschwerdeführers erkundigt habe. Hierfür bestand kein Anlass, 

gab er anlässlich der EB UMA an, keine gesundheitlichen Probleme zu ha-

ben (A17, h). Es hätte ihm im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht sowie ins-

besondere seiner Rechtsvertretung oblegen, das SEM über eine allfällige 

Veränderung seines Gesundheitszustands zu informieren. Der Eventu-

alantrag des Beschwerdeführers ist demnach abzuweisen. 

7.4 Im Übrigen ist bekannt, dass Kroatien über eine ausreichende medizi-

nische Infrastruktur verfügt (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 10.2 und 

E. 10.3), sollte der Beschwerdeführer darauf angewiesen sein. 

7.5 Eine Überstellung nach Kroatien ist nach Massgabe der einschlägigen 

völkerrechtlichen Bestimmungen demnach als zulässig zu qualifizieren, 

womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das Asylge-

such des Beschwerdeführers nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO vorliegen.  

7.6 Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asylgesuchs des Be-

schwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Kroatien 

E-5605/2023 

Seite 17 

ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 wiederauf-

zunehmen.  

7.7 Schliesslich ist die angefochtene Verfügung auch unter dem Blickwin-

kel der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 – 

hinsichtlich derer das SEM über einen (durch das Bundesverwaltungsge-

richt lediglich eingeschränkt überprüfbaren) Ermessensspielraum verfügt – 

nicht zu beanstanden (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f. und Art. 106 Abs. 1 Bst. a 

und b AsylG). Der Sachverhalt ist hinreichend erstellt und den Akten sind 

keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch zu entnehmen.  

8.  

Zusammenfassend ist das SEM zu Recht in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers eingetreten und hat gestützt auf Art. 44 AsylG seine Überstellung nach 

Kroatien angeordnet. 

 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.   

Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-

halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-

genstandslos erweist. Der angeordnete superprovisorische Vollzugsstopp 

fällt dahin. 

11.  

Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses erübrigt sich mit dem vorliegenden abschliessenden Urteil in 

der Sache. Angesichts des Unterliegens des Beschwerdeführers sind die 

Kosten des Verfahrens grundsätzlich ihm aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG). 

12.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist unab-

hängig von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen, zumal 

sich seine Begehren von vornherein als aussichtlos im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG erwiesen. Demnach hat der Beschwerdeführer die Verfah-

renskosten von Fr. 750.– zu tragen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. 

E-5605/2023 

Seite 18 

Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-

waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5605/2023 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Carolina Bottini 

 

 

Versand: