# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 294ddc54-1147-5807-aba7-85854ef723b1
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2013-09-12
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 12.09.2013 RR.2013.112
**Docket/Reference:** RR.2013.112
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2013-112_2013-09-12

## Full Text

Auslieferung an die Ukraine. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).;;Auslieferung an die Ukraine. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).;;Auslieferung an die Ukraine. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).;;Auslieferung an die Ukraine. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).

Entscheid vom 12. September 2013  
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Nathalie Zufferey Franciolli, 

Gerichtsschreiber Miro Dangubic 

   
 

Parteien 

  

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH AUS-

LIEFERUNG, 

 

Antragsteller 

 

 gegen 

   

A. (alias B.), 

vertreten durch Rechtsanwalt Yann Moor, 

 

Antragsgegner 

 

 Gegenstand  Auslieferung an die Ukraine 

 

Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2013.112 

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Meldung vom 30. Juni 2011 ersuchte Interpol Kiew um Festnahme des 

ukrainischen Staatsangehörigen A. alias B. zwecks Auslieferung an die Uk-

raine (RH.2013.2, act. 3.1). Die Meldung erfolgte gestützt auf den Be-

schluss des Berufungsgerichts des Tscherkaser Gebiets vom 9. November 

2010 (RH.2013.2, act. 3.3, 16G). 

 

 

B. Mit Urteil vom 2. Juni 2010 des Sosniwskyj Stadtbezirksgerichts der Stadt 

Tscherkasy wurde A. wegen Raubes etc. zu einer Freiheitsstrafe von 

5 Jahren, auf Bewährung angesetzt auf 3 Jahre, verurteilt. Gemäss Urteil 

soll er am 7. Januar 2008 in einer Wohnung in Tscherkasy eine andere 

Person mit einer Axt bedroht und ausgeraubt haben. Er entwendete u.a. 

auch das Auto des Opfers (RH.2013.2, act. 3.3, 16D). A. soll im Laufe der 

Strafuntersuchung sämtliche ihm in der Anklage zur Last gelegten Strafta-

ten gestanden haben (RH.2013.2, act. 3.3, 17D). Gegen das Urteil vom 

7. Januar 2008 hat die Staatsanwaltschaft des Sosniwskyj Bezirkes der 

Stadt Tscherkasy Berufung eingelegt und eine höhere Bestrafung verlangt. 

Das Berufungsverfahren vor dem Berufungsgerichts des Tscherkaser Ge-

biets wurde sistiert und A. zur Verhaftung ausgeschrieben (RH.2013.2, 

act. 3.3, 16G). 

 

 

C. Nachdem festgestellt wurde, dass sich A. unter dem Namen B. in Zürich 

gestützt auf einen Wegweisungsentscheid des Bundesamts für Migration 

(nachfolgend "BFM") in Ausschaffungshaft befand (RH.2013.2, act. 3.6), 

ersuchte das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") mit Fax vom 25. Ja-

nuar 2013 die Kantonspolizei Zürich um Befragung im Sinne von Art. 54 

IRSG von A. (RH.2013.2, act. 3.2). Anlässlich der Einvernahme vom 

31. Januar 2013 erklärte A., mit der vereinfachten Auslieferung an die Uk-

raine nicht einverstanden zu sein (RH.2013.2, act. 3.5). 

 

 

D. Mit Auslieferungsersuchen vom 22. Januar 2013 ersuchte das ukrainische 

Justizministerium die Schweiz um Auslieferung von A. (RH.2013.2, 

act. 3.3). Daraufhin verlangte das BJ mit Schreiben vom 30. Januar 2013 

vom ukrainische Justizministerium die Abgabe von verschiedenen Garan-

tien (RH.2013.2, act. 3.4), welche mit Schreiben vom 8. Februar 2013 ab-

gegeben wurde (RH.2013.2, act. 3.9). 

- 3 - 

 

 

E. Mit Auslieferungshaftbefehl vom 1. Februar 2013 verfügte das BJ die Aus-

lieferungshaft gegen A. (RH.2013.2, act. 1.1). 

 

 

F. Mit Schreiben vom 5. Februar 2013, ergänzt am 8. Februar 2013, wies das 

BJ die Kantonspolizei Zürich an, A. erneut einzuvernehmen (RH.2013.2, 

act. 3.7 und 3.10). Anlässlich der Einvernahme vom 25. Februar 2013 er-

klärte A. nochmals, mit der vereinfachten Auslieferung nicht einverstanden 

zu sein (RH.2013.2, act. 3.14). Am 5. Februar 2013 ersuchte das BJ das 

Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten um eine 

konsolidierte Stellungnahme betreffend verschiedene für die Auslieferung 

an die Ukraine relevante Fragen (RH.2013.2, act. 3.8). Mit Schreiben vom 

13. Februar 2013 ernannte das BJ Rechtsanwalt Yann Moor zum amtlichen 

Rechtsbeistand von A. im Rahmen des Auslieferungsverfahrens. Die Er-

nennung gilt nicht für allfällige Beschwerden gegen Entscheide des BJ 

(RH.2013.2, act. 3.12). Das Eidgenössische Departement für auswärtige 

Angelegenheiten nahm am 12. März 2013 vertraulich Stellung zur Anfrage 

des BJ vom 5. Februar 2013 (RR.2013.112, act. 1.16), worauf das BJ die 

ukrainischen Behörden um eine zusätzliche Garantie im Zusammenhang 

mit dem Haftort ersuchte (RR.2013.112, act. 1.17), welche diese mit 

Schreiben vom 26. März 2013 erteilten (RR.2013.112, act. 1.20). 

 

 

G. Die eigenhändige Beschwerde von A. gegen den Auslieferungshaftbefehl 

wies die Beschwerdekammer mit Entscheid RH.2013.2 vom 13. März 2013 

ab (RR.2013.112, act. 1.19). 

 

 

H. Am 22. Februar 2013 zog das BJ die Akten des Asylverfahrens betreffend 

A. bei (RR.2013.112, act. 1.15). Mit Entscheid vom 28. März 2013 ist das 

BFM auf das zweite Asylgesuch von A. nicht eingetreten (RR.2013.112, 

act. 1.22). Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen (RR.2013.112, 

act. 1.1, S. 2). 

 

 

I. Mit schriftlicher Stellungnahme vom 8. April 2013 erhob A., vertreten durch 

Rechtsanwalt Yann Moor, u.a. die Einrede des politischen Delikts 

(RR.2013.112, act. 1.23). Das BJ beantragt am 24. April 2013 die Einrede 

des politischen Delikts sei abzulehnen (RR.2013.112, act. 1). Gleichentags 

bewilligte das BJ die Auslieferung von A. an die Ukraine unter Vorbehalt 

des Entscheides dieses Gerichts über die Einrede des politischen Delikts 

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im Sinne von Art. 55 Abs. 2 IRSG (RR.2013.112, act. 1.1). Dagegen wurde 

keine Beschwerde erhoben.  

 

 

J. Mit unaufgeforderter eigenhändiger Eingabe vom 21. Mai 2013 ergänzt A. 

seine von Rechtsanwalt Yann Moor eingereichte Stellungnahme vom 

8. April 2013 (RR.2013.112, act. 3). A. wurde daraufhin am 10. Juni 2013 

eingeladen, zum Antrag des BJ betreffend die Einrede des politischen De-

likts Stellung zu nehmen (RR.2013.112, act. 4). Rechtsanwalt Yann Moor 

teilte am 24. Juni 2013 mit, dass er weiterhin die Interessen von A. vertrete. 

Gleichzeitig stellte er den Antrag, die bei der Vorinstanz in russischer bzw. 

ukrainischer Sprache eingereichten Unterlagen seien zu übersetzen. Zu-

dem ersuchte er um eine Fristerstreckung, welche gleichentags bewilligt 

wurde (RR.2013.112, act. 6). Der Referent lehnte den Antrag auf Überset-

zung am 27. Juni 2013 ab (RR.2013.112, act. 7).  

 

 

K. Am 4. Juli 2013 bewilligte der Präsident der Beschwerdekammer eine wei-

tere von A. beantragte Fristerstreckung (RR.2013.112, act. 8). Am 

23. Juli 2013 bewilligte der Präsident der Beschwerdekammer letztmals ei-

ne Fristerstreckung bis zum 5. August 2013 (RR.2013.112, act. 9). Trotz 

dreifacher Fristerstreckung nahm A. seine Möglichkeit zur Einreichung ei-

ner Stellungnahme nicht wahr.  

 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen 

eingegangen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Für den Auslieferungsverkehr und die vorläufige Auslieferungshaft zwi-

schen der Schweiz und der Ukraine sind primär das Europäische Ausliefe-

rungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), das 

zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 ergangene erste Zusatz-

protokoll (1. ZP; SR 0.353.11) sowie das am 17. März 1978 ergangene 

zweite Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12) massgebend. 

 

Wo Übereinkommen und Zusatzprotokolle nichts anderes bestimmen, fin-

det auf das Verfahren der Auslieferung und der vorläufigen Auslieferungs-

haft ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 

- 5 - 

 

 

EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über inter-

nationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung 

vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen 

(IRSV; SR 351.11; Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG). Das innerstaatliche Recht ge-

langt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn die-

ses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 137 IV 33 

E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464). Vorbehalten bleibt die 

Wahrung der Menschenrechte (vgl. BGE 135 IV 212 E. 2.3 S. 215; 123 II 

595 E. 7c S. 616 ff.; je m.w.H.). 

 

 

2.  

2.1 Über ausländische Auslieferungsersuchen entscheidet das BJ (Art. 55 

Abs. 1 IRSG). Macht der Verfolgte geltend, er werde eines politischen De-

liktes bezichtigt, oder ergeben sich bei der Instruktion ernsthafte Gründe für 

den politischen Charakter der Tat, so entscheidet die Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichtes darüber auf Antrag des BJ und nach Einholung 

einer Stellungnahme des Verfolgten (Art. 55 Abs. 2 IRSG). 

 

Der Antragsgegner erhob im Auslieferungsverfahren die Einrede des politi-

schen Delikts (RR.2013.112, act. 1.23). Mit Eingabe vom 24. April 2013 

stellte der Antragsteller den Antrag, die Einrede sei abzuweisen 

(RR.2013.112, act. 1). In Anwendung von Art. 55 Abs. 2 IRSG ist die Be-

schwerdekammer demnach zuständig für die Beurteilung des vorliegenden 

Antrages. 

 

2.2 Mit Eingabe vom 21. Mai 2013 - innerhalb der Rechtsmittelfrist des Auslie-

ferungsentscheides vom 24. April 2013 - hält der Antragsgegner sinnge-

mäss fest, Rechtsanwalt Yann Moor habe zwei weitere Unstimmigkeiten im 

ukrainischen Strafverfahren in seiner Stellungnahme vom 8. April 2013 

vergessen anzuführen (RR.2013.112, act. 3). Da der Antragssteller explizit 

Bezug zur Stellungnahme seines Anwalts vom 8. April 2013 nimmt und in 

seiner Stellungnahme keinerlei Beschwerdewille betreffend des Ausliefe-

rungsentscheides erkennbar ist, handelt es sich dabei folglich nicht um eine 

Beschwerde gegen den Auslieferungsentscheid sondern um eine unaufge-

forderte Stellungnahme im Rahmen des Verfahrens betreffend der Einrede 

des politischen Delikts. Der Auslieferungsentscheid wurde im Übrigen auch 

Rechtsanwalt Yann Moor zugestellt.  

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen grund-

http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595
http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595

- 6 - 

 

 

sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch 

nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 

(BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; TPF 2011 97 E. 5; Entscheide des 

Bundesstrafgerichts RR.2012.175 vom 7. März 2013, E. 5; RR.2013.4 vom 

12. Februar 2013, E. 3).  

 

 

4.  

4.1 Das EAUe definiert den Begriff des politischen Deliktes nicht näher. Das 

Bundesgericht unterscheidet zwischen "absolut" politischen und "relativ" 

politischen Delikten. "Absolut" politische Delikte stehen in unmittelbarem 

Zusammenhang mit politischen Vorgängen. Darunter fallen namentlich 

Straftaten, welche sich ausschliesslich gegen die soziale und politische 

Staatsorganisation richten, wie etwa Angriffe gegen die verfassungsmässi-

ge Ordnung, Landes- oder Hochverrat. Ein "relativ" politisches Delikt liegt 

vor, wenn einer gemeinrechtlichen Straftat im konkreten Fall ein vorwie-

gend politischer Charakter zukommt (BGE 130 II 337 E. 3.2 mit Hinweisen). 

Der vorwiegend politische Charakter ergibt sich aus der politischen Natur 

der Umstände, Beweggründe und Ziele, die den Täter zum Handeln be-

stimmt haben und die in den Augen des Rechtshilferichters vorherrschend 

erscheinen. Das Delikt muss stets im Rahmen eines Kampfes um die 

Macht im Staat begangen worden sein und in einem engen Zusammen-

hang mit dem Gegenstand dieses Kampfes stehen (BGE 130 II 337 E. 3.2 

mit Hinweisen). 

 

Gemäss Art. 3 Ziff. 2 EAUe wird die Auslieferung dann nicht bewilligt, wenn 

der ersuchte Staat ernstliche Gründe hat, anzunehmen, dass das Ausliefe-

rungsersuchen wegen einer nach gemeinem Recht strafbaren Handlung 

gestellt worden ist, um eine Person aus rassischen, religiösen, nationalen 

oder auf politischen Anschauungen beruhenden Erwägungen zu verfolgen 

oder zu bestrafen, oder dass die verfolgte Person der Gefahr einer Er-

schwerung ihrer Lage aus einem dieser Gründe ausgesetzt wäre (ebenso 

Art. 2 lit. b und c IRSG).  

 

Um den Schutz der Bestimmungen von Art. 3 Ziff. 2 EAUe und Art. 2 lit. b 

IRSG beanspruchen zu können, genügt es nicht, dass die Person, deren 

Auslieferung verlangt wird, behauptet, aufgrund einer besonderen rechts-

politischen Lage bedroht zu sein. Sie muss vielmehr in glaubhafter Weise 

darlegen, inwiefern ernsthafte und objektive Risiken einer verbotenen Dis-

kriminierung bestehen sowie konkret aufzeigen, dass die strafrechtliche 

Verfolgung nur vorgeschoben und in Wirklichkeit politisch motiviert ist 

(BGE 132 II 469 E. 2.4 S. 472 f.; 129 II 268 E. 6.3 S. 272). 

- 7 - 

 

 

4.2 Dem ukrainischen Rechtshilfeersuchen liegt folgender Sachverhalt zu 

Grunde (RR.2013.112, act. 1.4): Der Antragsgegner habe am 7. Janu-

ar 2008 die Wohnung von C. in der Stadt Tscherkasy betreten und diesem 

gedroht; die Drohung sei durch Demonstration einer mitgebrachten Axt er-

folgt. Der Antragssteller habe mehrere Gegenstände aus der Wohnung von 

C. mitgenommen - u.a. auch einen Autoschlüssel. Danach sei er durch die 

Beifahrertür in das Fahrzeug von C. - Honda Civic, Kennzeichen 1 - gestie-

gen und mit diesem davon gefahren. 

 

4.3 In seiner schriftlichen Stellungnahme macht der Antragsgegner geltend, er 

sei politisch aktiv; Mitglied in einer politischen Organisation und er sei 

Wahlbeobachter (RR.2013.112, act. 1.23, S. 6). Er habe die ihm in den 

Auslieferungsunterlagen vorgeworfenen Taten nicht begangen. Das seiner 

Verurteilung zu Grunde liegende Geständnis sei erfoltert worden (act. 1.23, 

S. 6; act. 3). Die ukrainische Justiz sei instrumentalisiert worden und habe 

willkürlich geurteilt. Der mutmassliche Geschädigte C. sei als Waffenhänd-

ler tätig und habe beste Beziehungen zum politischen Establishment. In 

Bezug auf das am 7. Januar 2008 Vorgefallene führt der Antragsgegner 

aus: Er habe C. zur Tatzeit aufgesucht um ihn betreffend seiner Machtde-

monstration in Form einer sexuellen Nötigung an einer Kollegin zur Rede 

zu stellen. Dabei habe er bewusst das orthodoxe Weihnachtsfest gewählt 

um C. vor seiner Familie konfrontieren zu können. C. habe dann auch unter 

familiären Druck versprochen, sich beim Mädchen zu entschuldigen und ihr 

eine Entschädigung zu bezahlen. Danach habe C. ihm als verbindliches 

Zeichen eine Kiste mit persönlichen Dokumenten als Pfand in die Hand ge-

drückt. Zwei Tage später sei er von der besagten Freundin gebeten wor-

den, eine Bar aufzusuchen. In dieser sei er von mehreren Männer verprü-

gelt und eingesperrt worden (RR.2013.112, act. 1.23, S. 3 und 4). 

 

Seinem Asylgesuch legt der Antragssteller hingegen folgenden Sachverhalt 

zu Grunde: Er habe in Kiew bei einem bekannten Journalisten gewohnt. 

Dieser Journalist habe einen Koffer aufbewahrt, welcher die Polizei belas-

tendes Material enthielt. Er sei am 7. Januar 2007 Zeuge einer versuchten 

Vergewaltigung geworden und zwei Tage später von Polizisten inhaftiert 

und gefoltert worden. Nach seiner Freilassung seien am 11. August 2010 

drei Männer ins besagte Haus gekommen, weshalb er geflüchtet sei. Vom 

Haus sei nach diesem Tag nur noch eine Brandruine vorhanden gewesen. 

Er habe erfahren, dass er selber wegen Brandstiftung gesucht werde 

(RR.2013.112, act. 1.22). 

 

In seiner Stellungnahme macht der Antragsgegner bezüglich seiner ver-

schiedenen Sachverhaltsdarstellungen geltend, er habe aus erfundenen 

- 8 - 

 

 

Gründen Asyl beantragt, weil er sich keine falschen Vorstellungen mache. 

Die Ukraine sei zu reich an Bodenschätzen, als dass ein westeuropäisches 

Land die diplomatischen Beziehungen wegen ihm, einem einfachen Kämp-

fer gegen die Korruption, aufs Spiel setzen würde (RR.2013.112, act. 1.23 

S. 4). 

 

4.4 Die Darstellung des Antragsgegners, zu deren Stütze er einige Unterlagen 

ins Recht legt, ist nicht geeignet, eine Verfolgungssituation im Sinne von 

Art. 3 Ziff. 2 EAUe und Art. 2 lit. b und c IRSG konkret und glaubhaft aufzu-

zeigen. Er macht sinngemäss geltend, seine Verurteilung sei politisch moti-

viert. Gemäss seiner durch nichts glaubhaft gemachten Darstellung soll er 

aufgrund des Einflusses vom C. verurteilt worden sein, wobei der Ursprung 

des Konflikts eine strafbare Handlung von C. gegen die sexuelle Integrität 

seiner Kollegin gewesen sei. Inwiefern seine angeblichen politischen Aktivi-

täten mit der geltend gemachten politisch motivierten Verurteilung in Zu-

sammenhang stehen sollen, wird vom Antragsgegner weder erwähnt noch 

wirkt diese Argumentation plausibel. In Bezug auf seine angeblichen politi-

schen Aktivitäten macht der Antragsgegner lediglich geltend, er sei Mitglied 

einer Partei, Wahlbeobachter und Kämpfer gegen die Korruption, er bleibt 

damit im Vagen. Weiter erscheinen seine Ausführungen betreffend die Vor-

kommnisse vom 7. Januar 2007 - er habe am besagten Abend C. keine 

Gegenstände weggenommen, sondern dieser habe sie ihm eine Kiste mit 

persönlichen Gegenständen als Pfand überlassen - abenteuerlich und un-

glaubhaft. Überdies hat der Antragsgegner im Asylverfahren diese Vor-

kommnisse anders dargestellt, worunter die Glaubhaftigkeit seiner Aussa-

gen zusätzlich leidet.  

 

 

5. Nach dem Gesagten ist dem Antrag des Antragsstellers stattzugeben und 

die Einrede des politischen Delikts ist abzuweisen.  

 

 

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Antragsgegner kostenpflich-

tig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Für die Be-

rechnung der Gerichtsgebühren gelangt Art. 5 des Reglements des Bun-

desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-

schädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR [SR 173.713.162] i.V.m. 

Art. 63 Abs. 4
bis

 VwVG und Art. 63 Abs. 5 VwVG) zur Anwendung. Unter 

Berücksichtigung aller Umstände ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf 

Fr. 1’000.-- festzusetzen. 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Einrede des politischen Delikts wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Antragsgegner auferlegt. 

 

 

 

Bellinzona, 13. September 2013 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Yann Moor 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).