# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0fbd0767-4ed4-5e61-aa3a-6d9ca35665b4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.05.2010 D-3593/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3593-2010_2010-05-25.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3593/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 5 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.__________, geboren (...),
Bosnien-Herzegowina,
(...)
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 5. Mai 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3593/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das  BFM mit Verfügung vom 5. Mai 2010 – eröffnet am 11. Mai 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  der 
Beschwerdeführerin  vom  15.  Januar  2010  nicht  eintrat,  die  Weg-
weisung nach Slowenien verfügte, die Beschwerdeführerin – unter An-
drohung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen,  den Kanton Luzern  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung 
zu  vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vor-
liegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und der Be-
schwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich-
nis aushändigte,

dass die Beschwerdeführerin mit  Eingabe vom 19. Mai  2010 (Datum 
Poststempel) gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  einreichte  und  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung 
sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen, Asyl zu ge-
währen,  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des 
Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen,

dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei die unent-
geltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 des 
Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren,  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten und eventuell die aufschiebende Wir-
kung der Beschwerde wiederherzustellen,

dass  die  zuständige  Behörde  ferner  im  Sinne  einer  vorsorglichen 
Massnahme anzuweisen sei,  die  Kontaktaufnahme mit  dem Heimat-
staat  sowie  jegliche  Weitergabe  von  Daten  an  denselben  zu  unter-
lassen und sie bei einer eventuell bereits erfolgten Datenweitergabe in 
einer separaten Verfügung zu informieren,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf  Art. 56  VwVG  mit  Verfügung vom 20. Mai 2010 vorsorglich 
aussetzte,

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – 
unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), 

dass  die  Verfügung  als  Anfechtungsgegenstand  in  der  Bundesver-
waltungsrechtspflege den äusseren Rahmen bildet, innerhalb welchem 
die Parteien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur Beurtei-
lung unterbreiten können,

dass der  durch  die  Parteibegehren definierte  Streitgegenstand nicht 
über  den  Anfechtungsgegenstand  hinaus  reichen  darf,  Gegenstand 
des  Beschwerdeverfahrens  somit  grundsätzlich  nur  sein  kann,  was 
Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger 
Gesetzesauslegung  hätte  sein  sollen  (vgl.  ANDRÉ MOSER,  in: 
Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Zürich  2008,  Rz. 3 zu  Art. 52, 
CHRISTOPH AUER,  Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld 
der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 63; ALFRED 
KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege 
des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149),

dass die angefochtene Verfügung vom 17. März 2010 keine Regelung 
betreffend Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl enthält,

dass mit den Begehren, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen 
und  Asyl  zu  gewähren,  der  Streitgegenstand  in  unzulässiger  Weise 
über  den  in  der  angefochtenen  Verfügung  geregelten  Anfechtungs-

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gegenstand hinaus erweitert wird (vgl. AUER, a.a.O., S. 63; BGE 110 V 
51 E. 3c), weshalb auf dieses Begehren nicht einzutreten ist, 

dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren mithin einzig zu prüfen ist, 
ob das BFM gestützt auf  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 
Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  das  BFM  aufgrund  des  festgestellten  EURODAC-Treffers  in 
Slowenien  vom 18. Januar  2010  (vgl.  act.  A5/1)  und  dem Umstand, 
dass Slowenien am 12. April  2010 dem Übernahmegesuch des BFM 
vom 24. Februar 2010 gestützt auf Art. 9 Abs. 4 Bst. o der Verordnung 
[EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO), entsprach (vgl. act. 
A17/1),  Slowenien  zu  Recht  als  für  die  Durchführung  des  Asylver-
fahrens zuständig erachtet hat,

dass  Slowenien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30),  der  Konvention  vom 4. November  1950  zum  Schutze 
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des 
Übereinkommens vom 10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen, 
Slowenien  würde  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  Verpflich-
tungen halten,

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dass die Beschwerdeführerin um Durchführung des Asylverfahrens in 
der Schweiz bittet und geltend macht, sie sei in Slowenien zweimal in 
Behandlung gewesen (gemeint sind wohl Behandlungen auf der ortho-
pädischen Abteilung in einem Spital in Ljubljana [vgl. Act. A1/14 S. 8], 
Anm. des Gerichts), sie sei aber schlecht behandelt worden, man habe 
nur ihr Geld genommen, sei nicht daran interessiert gewesen, dass es 
ihr  besser  gehe,  und  man habe  sie  auch  als  Mensch  unhöflich  be-
handelt, weil sie Bosnierin sei, 

dass  sich  aus  diesen  Ausführungen und dem wenig  substanziierten 
Einwand, wonach sie wegen der dort erlittenen Behandlung und ihrer 
Erlebnisse Angst habe, nach Slowenien zurückzukehren, nicht ableiten 
lässt, dass die Beschwerdeführerin in Slowenien schutzlos Menschen-
rechtsverletzungen im Sinne Art. 3 EMRK ausgeliefert ist,

dass  die  Beschwerdeführerin  ferner  geltend  macht,  sie  habe  in 
Slowenien  keine  Verwandten  oder  Freunde,  während  ihre  in  der 
Schweiz  lebende  Tante  sie  in  den  vergangenen Wochen  unterstützt 
und ihr als alleinstehender Frau viel Sicherheit und Geborgenheit ge-
geben habe,

dass die Tante B.___________ (vgl. act.1/14 S. 4)  nicht zum in Art. 2 
Bst.  i  der  Dublin-II-VO  als  "Familienangehörige"  bezeichneten  Per-
sonenkreis  gehört,  weshalb sich eine Zuständigkeit  der  Schweiz zur 
Durchführung des Asylverfahrens auch nicht aus  Art. 7 der  Dublin-II-
VO ableiten lässt,

dass  aufgrund  der  Angaben  der  Beschwerdeführerin  nicht  ge-
schlossen werden kann, zwischen ihr  und ihrer  Tante bestehe nebst 
einer  nahen,  echten  und  tatsächlich  gelebten  Beziehung ein  beson-
deres Abhängigkeitsverhältnis (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.), wel-
chem allenfalls  unter Berücksichtigung von Art. 8 EMRK im Rahmen 
des Selbsteintrittsrechts gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Rechnung 
zu tragen wäre,

dass  aus  den  Akten  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die 
einen Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahelegen wür-
den

dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von  Art. 34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht einge-
treten ist,

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dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang 
mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundes-
amt zu Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Auslände-
rinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach  Slowenien  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  be-
zeichnet hat,

dass das BFM gemäss Aktenlage bisher keine Daten an die heimat-
lichen  Behörden  weitergeleitet  hat,  weshalb  der  Eventualantrag  der 
Beschwerdeführerin, es sei darüber in einer separaten Verfügung zu 
informieren, abzuweisen ist,

dass es der Beschwerdeführerin demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, soweit auf diese einzutreten ist, 

dass der Antrag auf Anordnung vorsorglicher Massnahmen durch das 
Bundesverwaltungsgericht – solche können nur für die Dauer des Be-
schwerdeverfahrens Wirkung entfalten – und das Gesuch um Verzicht 
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses aufgrund des direkten Ent-
scheids in der Hauptsache gegenstandslos geworden sind,

dass die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 
und  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  – 

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unabhängig  von  der  Frage  der  prozessualen  Bedürftigkeit  –  zufolge 
Aussichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art.  63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.

2.
Der  Antrag,  es  sei  über  vom  BFM  an  die  heimatlichen  Behörden 
weitergeleitete  Daten  in  einer  separaten  Verfügung  zu  informieren, 
wird abgewiesen.

3.
Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 
Rechtsverbeiständung werden abgewiesen.

4.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage:  vorinstanzliche 
Verfügung im Original und Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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