# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36133420-66b6-5ec1-9d70-741215eef4f4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.12.2017 E-6715/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6715-2017_2017-12-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6715/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  D e z e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;   

Gerichtsschreiberin Denise Eschler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Äthiopien,   

vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kano-

nengasse, (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Wegweisung und Wegweisungsvollzug  

(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); 

Verfügung des SEM vom 16. November 2017 / N (…). 

 

 

 

E-6715/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 15. Januar 2013 in der Schweiz um 

Asyl nach und machte dabei im Wesentlichen geltend, ihr Onkel habe sie 

in Äthiopien zwangsverheiraten wollen. Das SEM wies das Asylgesuch mit 

Verfügung vom 29. April 2015 ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Die gegen diesen Entscheid erho-

bene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-

3549/2015 vom 17. Juli 2015 abgewiesen. 

B.  

Am 15. Januar 2016 ersuchte die Beschwerdeführerin das SEM um Wie-

dererwägung des ablehnenden Asylentscheids und beantragte die Anord-

nung der vorläufigen Aufnahme aufgrund von Unzulässigkeit und Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Sie leide aufgrund ihrer Vergangen-

heit an einem schweren posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer 

chronifizierten Depression und sei auf regelmässige psychotherapeutische 

sowie auf eine medikamentöse Behandlung angewiesen. Als Ursache die-

ses Zustands gab sie an, in Äthiopien Gewalt erlitten zu haben. Die Vo-

rinstanz wies das Wiedererwägungsgesuch mit Verfügung vom 21. Januar 

2016 ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwal-

tungsgericht mit Urteil E-1042/2016 vom 4. März 2016 ab. 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 8. November 2017 ersuchte die Beschwerdeführerin 

die Vorinstanz erneut um Wiedererwägung ihrer Verfügung vom 29. April 

2015 betreffend den Vollzug der Wegweisung. 

Mit dem Wiedererwägungsgesuch reichte sie einen Arztbericht vom 1. Ok-

tober 2017 ein. 

C.b Das SEM trat mit Verfügung vom 16. November 2017 – eröffnet am 

20. November 2017 – auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein, erklärte 

die Verfügung vom 29. April 2015 für rechtskräftig und vollstreckbar, erhob 

eine Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde 

komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

C.c Mit Eingabe vom 27. November 2017 erhob der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und be-

antragte, die Verfügung der Vorinstanz vom 16. November 2017 sei voll-

umfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Gesuch 

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Seite 3 

einzutreten. Ferner ersuchte er darum, der Beschwerde die aufschiebende 

Wirkung zu erteilen. Eventualiter sei die Eingabe vom 8. November 2017 

als neues Asylgesuch durch die Vorinstanz, subeventualiter als Revisions-

gesuch durch das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen. Des Weiteren be-

antragte er die Anordnung der vorläufigen Aufnahme aufgrund Unzulässig-

keit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Be-

willigung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. Zudem sei ihr in der Person des Unter-

zeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. 

C.d Mit Verfügung vom 28. November 2017 (per Telefax übermittelt) wurde 

der Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstwei-

len ausgesetzt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (vgl. Art. 83 Bst d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der 

Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 

  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BGE 2014/26 E. 5). 

  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

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Seite 4 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

  

4.1 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid beschränkt 

sich die Kompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage, 

ob die Vorinstanz auf das Gesuch zu Recht nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 

2012/4 E. 2.2 m.w.H.). 

4.2 Eine eingehende Rechtsschrift ist als jenes Rechtsmittel entgegenzu-

nehmen, dessen gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sind, und nicht als 

jenes, als welches es von der Partei unrichtigerweise bezeichnet worden 

ist. 

  

5.1 Ein Wiedererwägungsgesuch ist dem SEM gemäss Art. 111b Abs. 1 

AsylG innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes 

schriftlich und begründet einzureichen. Im Übrigen richtet sich das Verfah-

ren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG. 

In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-

gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine 

nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-

fochten blieb oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blos-

sen Prozessentscheid abgeschlossen wurde, können auch Revisions-

gründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen. Ein solchermas-

sen als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechts-

mittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu be-

handeln (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Eine Wiedererwägung fällt 

hingegen dann nicht in Betracht, wenn lediglich eine neue Würdigung der 

beim früheren Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt wer-

den soll, oder Gründe angeführt werden, die bereits in einem ordentlichen 

Beschwerdeverfahren gegen die frühere Verfügung hätten geltend ge-

macht werden können (vgl. EMARK 2003/17 E. 2b S. 104). Aufgrund des 

klaren Wortlauts von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG stellt ein nachträglich (nach-

Abschluss des ordentlichen Beschwerdeverfahrens) entstandenes Be-

weismittel, welches eine unbewiesen gebliebene Tatsachenbehauptung 

belegen soll, keinen Revisionsgrund dar (BVGE 2013/22), sondern ist wie-

dererwägungsrechtlich zu prüfen. Was die Abgrenzung zwischen Wieder-

erwägungsgesuch und Folgeasylgesuch betrifft, beschlägt nach gefestigter 

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Seite 5 

Praxis die klassische Konstellation der Wiedererwägung die nachträgliche 

Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Asyl-und Wegweisungsverfü-

gung an nachträglich eingetretene Wegweisungshindernisse. Werden da-

gegen nachträgliche erhebliche Gründe in Bezug auf die Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft vorgetragen, stellt dies ein Asylfolgegesuch dar 

(BVGE 2014/39 E. 39 m.w.H.). 

  

6.1 In ihrer am 8. November 2017 an die Vorinstanz gerichteten, als „Ge-

such um Wiedererwägung betreffend den Vollzug der Wegweisung“ be-

zeichneten explizit mit einer wesentlich veränderten Sachlage (sexuelle 

Misshandlung durch den Onkel) begründeten Eingabe (S. 2 f. des Ge-

suchs) zielt die Beschwerdeführerin darauf ab, die ursprünglich fehlerfreie 

Asyl- und Wegweisungsverfügung an nachträglich eingetretene Wegwei-

sungsvollzugshindernisse anzupassen. Die Beschwerdeführerin begrün-

dete das Wiedererwägungsgesuch vom 8. November 2017 mit dem Vorlie-

gen psychischer Probleme (posttraumatische Belastungsstörung und eine 

chronifizierte Depression gemischt mit Ängsten). Der beigelegte ärztliche 

Bericht vom 1. Oktober 2017 bestätige dieselben psychischen Erkrankun-

gen wie jener vom 7. Dezember 2015, führe die Ursache jedoch nicht nur 

auf den vom Onkel ausgehenden psychischen Druck sondern (neu) auch 

auf den regelmässigen sexuellen Missbrauch durch diesen zurück. Obwohl 

die Beschwerdeführerin seit Oktober 2015 in ärztlicher Behandlung sei, 

habe sie sich erst nach nunmehr zwei Jahren Behandlung ihrer Ärztin dies-

bezüglich offenbart.  

Der Vollzug der Wegweisung erweise sich aufgrund der realen Gefahr, er-

neut Opfer sexueller Gewalt durch ihren Onkel zu werden, als unzulässig. 

Ein Wegweisungsvollzug sei auch unzumutbar, da sich die Beschwerde-

führerin im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien in eine medizinische und 

persönliche Notlage begeben würde. 

6.2 Die Vorinstanz trat auf das Wiedererwägungsgesuch mit der Begrün-

dung nicht ein, dass zum einen mit dem eingereichten Arztbericht vom 

1. Oktober 2017 keine veränderte Sachlage geltend gemacht werde, son-

dern dieselben psychischen Erkrankungen diagnostiziert würden wie im 

Bericht vom Dezember 2015, weshalb (implizit) kein Wiedererwägungs-

grund vorliege, um die ursprünglich fehlerfreie Asyl- und Wegweisungsver-

fügung an nachträglich eingetretene Wegweisungsvollzugshindernisse an-

zupassen, und aufgrund dessen auf das Gesuch nicht einzutreten sei. Zum 

andern hielt das SEM fest, aufgrund der Verheimlichung des neu geltend 

E-6715/2017 

Seite 6 

gemachten Sachverhalts, der bereits zum Zeitpunkt des Urteils durch das 

Bundesverwaltungsgericht bestanden habe, womit eine ursprüngliche Feh-

lerhaftigkeit geltend gemacht werde, liege kein neuer Prozessgegenstand 

vor. Beim neu vorgebrachten sexuellen Missbrauch handle es sich damit 

um keine wesentliche Veränderung der Sachlage, welche ein Wiedererwä-

gungsgesuch zu begründen vermöchte. Die Frage der Zulässigkeit und der 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hinsichtlich der sexuellen Miss-

handlung und der psychischen Verfassung sei unter revisionsrechtlich re-

levanten Punkten durch das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen. 

6.3 In der Rechtsmitteleingabe hält die Beschwerdeführerin am Vorliegen 

eines Wiedererwägungsgrundes fest und führt dazu aus, die neue Ursache 

(sexuelle Misshandlung) der – bereits bekannten – psychischen Erkran-

kungen habe bereits vor dem ordentlichen Verfahren bestanden, seien 

aber aus Angst und Scham nicht geltend gemacht worden. Der neue Arzt-

bericht belege somit einen dem ordentlichen Verfahren vorbestehenden 

Sachverhalt, der ein ganz anderes Licht auf das vorliegende Verfahren 

werfe. Dieses neue Beweismittel, welches nach Abschluss des vorherge-

henden Verfahrens entstanden sei, belege eine vorbestandene Tatsache, 

dass die Beschwerdeführerin von ihrem Onkel sexuell missbraucht worden 

sei, und stelle somit gemäss Rechtsprechung (BVGE 2013/22) einen Wie-

dererwägungs- und nicht einen Revisionsgrund dar. Das neu geltend ge-

machte Vorbringen der sexuellen Gewalt sei der unmittelbare Grund ihrer 

Flucht gewesen, weshalb es die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde-

führerin begründe. Das SEM hätte die Beschwerdeführerin deshalb dazu 

anhören müssen. Wegen dieses Unterbleibens sei der Anspruch der Be-

schwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt worden. Weiter wurde be-

antragt, ihr das rechtliche Gehör zu gewähren. Im Fazit sei zu Unrecht nicht 

auf das Wiedererwägungs- beziehungsweise Asylgesuch eingetreten und 

das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt worden. Zudem 

habe das SEM es unterlassen, das Gesuch zur revisionsrechtlichen Prü-

fung im Sinne von Art. 8 VwVG an das Bundesverwaltungsgericht weiter-

zuleiten.  

  

7.1 Das SEM hat die Eingabe vom 8. November 2017 zurecht nicht als 

Asylfolgegesuch beziehungsweise Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c 

AsylG entgegengenommen, da das Vorbringen eines allfälligen Miss-

brauchs durch den Onkel kein seit dem ordentlichen Verfahren eingetrete-

nes Ereignis betrifft, sondern gemäss Beschwerdeführerin vor ihrer Flucht 

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Seite 7 

stattfand. Für das SEM bestand deshalb keinerlei Veranlassung, die Vor-

bringen der Beschwerdeführerin als neues Asylgesuch entgegenzuneh-

men beziehungsweise zu prüfen. Das diesbezügliche Eventualbegehren in 

der Beschwerde ist abzuweisen.  

7.2 Folglich geht auch die formelle Rüge, das SEM habe den Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt, indem es sie über die 

neuen Fluchtgründe nicht angehört habe, fehl. 

7.3 Das SEM hat ferner zurecht festgestellt, dass der neu geltend ge-

machte Sachverhalt des sexuellen Missbrauchs, der bereits vor der Flucht 

stattgefunden haben soll, nicht wiedererwägungsrechtlich- beziehungs-

weise in einem Folgeasylgesuch sondern revisionsrechtlich zu prüfen ist, 

zumal diese Tatsache noch keiner Prüfung unterzogen werden konnte. Der 

Arztbericht vom 1. Oktober 2017 ist somit nicht als neues Beweismittel zu 

qualifizieren, das eine bereits gewürdigte Tatsache in ein anderes Licht rü-

cken könnte, auch wenn es nach dem letzten materiellen Entscheid ent-

standen ist.    

7.3.1 Der Beschwerdeführerin ist indessen darin beizupflichten, dass die 

ans SEM gerichtete Eingabe vom 8. November 2017 nicht als Zuständig-

keitsbehauptung zu werten war, aus welcher ersichtlich gewesen wäre, sie 

opponiere einer formlosen Überweisung an eine andere Behörde und ver-

lange stattdessen den Erlass einer formellen Verfügung. Sie führte in der 

Rechtsmitteleingabe weiter aus, in ihrer an die Vorinstanz gerichteten Ein-

gabe sei zwar das Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes dargelegt, 

hingegen nicht auf die (Nicht-) Existenz eines Revisionsgrundes eingegan-

gen worden. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung grund-

sätzlich richtig erkannt hat, stellt die blosse Eingabe an eine Behörde für 

sich allein genommen keine Behauptung der Zuständigkeit dieser Behörde 

dar, welche als zwingende Rechtsfolge den Erlass einer Nichteintretens-

verfügung zur Folge hätte (vgl. THOMAS FLÜCKIGER, in: Waldmann/Weis-

senberger (Hrsg.), Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, zu Art. 9 Abs. 2 

VwVG). Viel mehr wäre das SEM gehalten gewesen, die Sache, für die sie 

sich als unzuständig erachtete, ohne Verzug der zuständigen Behörde zu 

überweisen (Art. 8 Abs. 1 VwVG), zumal es sich bei den Vorbringen der 

Beschwerdeführerin bezüglich der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen im Asyl-

verfahren auch um neue Tatsachen (sexueller Missbrauch) handelt, nicht 

lediglich um ein Ersuchen um neue Würdigung bekannter Tatsachen, die 

bereits rechtskräftig beurteilt wurden. 

E-6715/2017 

Seite 8 

7.3.2 Aus dem fehlerhaften Verlauf sind der Beschwerdeführerin indessen 

keine Nachteile entstanden. Das beim Bundesverwaltungsgericht gestellte 

Eventualbegehren, den sexuellen Missbrauch allenfalls unter revisions-

rechtlich relevanten Punkten zu prüfen, wird entgegengenommen und in 

einem separaten Verfahren (E-6899/2017) unter revisionsrechtlichem 

Blickwinkel behandelt. 

7.4 Das Vorbringen im Wiedererwägungsgesuch, wonach der gesundheit-

liche Zustand der Beschwerdeführerin einem Wegweisungsvollzug entge-

genstehe, unterscheidet sich nicht vom bisher bekannten Sachverhalt. Der 

ärztliche Bericht vom 1. Oktober 2017 hält fest, die schwere posttraumati-

sche Belastungsstörung sowie die chronische Depression bestünden seit 

2012, wobei hinsichtlich der Untersuchungsbefunde ausdrücklich auf den 

Bericht vom Dezember 2015 verwiesen wurde. Unverändert zeigt sich in 

beiden Berichten auch die notwendige und angemessene Behandlung. So-

wohl derjenige vom Dezember 2015 (S. 3) als auch jener vom Oktober 

2017 (S. 2) sehen eine regelmässige psychotherapeutische Behandlung 

mit einer wöchentlichen Sitzung bei einer auf Gewaltopfer spezialisierten 

Psychotherapeutin, subsidiär die medikamentöse Behandlung mit Antide-

pressiva vor. Die beiden Berichte unterscheiden sich einzig in der aufge-

führten Ursache der Erkrankung. Ob diese flüchtlingsrechtlich relevant ist, 

ist – wie oben dargelegt – nicht im Rahmen eines Wiedererwägungsge-

suchs zu prüfen.  

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Urteil E-1042/2016 materiell mit 

den gesundheitlichen Aspekten – sowohl unter dem Titel der Zulässigkeit 

als auch der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs – auseinanderge-

setzt (vgl. a.a.O. E. 5.4). Dem SEM ist daher zu folgen, dass die erneut 

geltend gemachten Krankheitsbilder des posttraumatischen Belastungs-

syndroms und der chronifizierten Depression keine wiedererwägungs-

weise Überprüfung rechtfertigen.  

7.5 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das 

Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist. Es erübrigen sich daher 

weitere Ausführungen zu den Vorbringen betreffend die Frage der Unzu-

lässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 3 EMRK bezie-

hungsweise der Unzumutbarkeit.  

  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

E-6715/2017 

Seite 9 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-

weisen. 

  

Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Aussetzung des Wegweisungs-

vollzugs gemäss Art. 111b Abs. 3 AsylG gegenstandslos, weshalb der mit 

Verfügung vom 28. November 2017 gestützt auf Art. 56 VwVG angeord-

nete Vollzugsstopp aufzuheben ist. 

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1500.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

9.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Beiordnung eines unentgeltlichen 

Rechtsbeistands im Sinne von Art. 110a AsylG sind –  unbesehen der nicht 

ausgewiesenen Bedürftigkeit – abzuweisen, da die Beschwerde gemäss 

den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es 

daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zur Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung fehlt.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6715/2017 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

  

Der mit Verfügung vom 27. November angeordnete Vollzugsstopp im 

Sinne einer superprovisorischen Massnahme wird aufgehoben. 

  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und un-

entgeltlicher Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1500.– werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

Muriel Beck Kadima Denise Eschler 

 

 

Versand: