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**Case Identifier:** cf024a7b-f9c4-53a7-8a26-b4ac7f9eddc9
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.08.2023 SST.2023.95
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-95_2023-08-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2023.95 
(ST.2018.21; StA.2016.49) 

 

 

Urteil vom 24. August 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Albert 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Alfred Müller,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1961, von Cham, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Janine Sommer,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Misswirtschaft usw.; Ersatzforderung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 20. Februar 2018 erhob die Oberstaatsanwaltschaft Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen mehrerer Vermögens-, Konkurs- und 

Urkundendelikte. Mit Urteil vom 11. Februar 2020 sprach ihn das 

Bezirksgericht Baden in einzelnen Anklagepunkten frei und in anderen 

schuldig. Es bestrafte ihn mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 

Monaten, dies teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts 

Baden vom 6. August 2013 und erkannte auf eine Ersatzforderung von 

Fr. 500'000.00. Hinsichtlich verschiedener beschlagnahmter Gegenstände 

und Vermögenswerte ordnete es die Einziehung und Verwertung zur 

Deckung der Verfahrenskosten resp. der Ersatzforderung an.  

 

2. 

Gegen das erstinstanzliche Urteil erhoben der Beschuldigte und A. 

Berufung ans Obergericht. Mit Urteil vom 18. Oktober 2021 bestätigte das 

Obergericht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich und wies beide 

Berufungen dagegen ab, soweit es darauf eintrat.  

 

3. 

3.1. 

Das Bundesgericht hat eine gegen das Urteil des Obergerichts vom 

18. Oktober 2021 gerichtete Beschwerde des Beschuldigten mit Urteil 

6B_1354/2021 vom 22. März 2023 teilweise gutgeheissen. Während es 

das obergerichtliche Urteil hinsichtlich der Strafzumessung bestätigte, 

erwog es im Zusammenhang mit der Ersatzforderung, das Obergericht 

habe sich nicht mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten 

auseinandergesetzt. Weil es an den entsprechenden Feststellungen 

tatsächlicher Natur fehle, sei es dem Bundesgericht verwehrt, zu 

überprüfen, ob die Vorinstanzen den bei der Festsetzung der 

Ersatzforderung bestehenden Ermessensspielraum pflichtgemäss 

ausgeübt hätten (Urteil des Bundesgerichts 6B_1354/2021 vom 22. März 

2023 E. 4.5). Gestützt darauf hob es das obergerichtliche Urteil teilweise 

auf wies die Sache zur Neubeurteilung der Ersatzforderung an das 

Obergericht zurück.  

 

3.2. 

3.2.1. 

Mit Stellungnahme vom 3. Mai 2023 beantragte der Beschuldigte, es sei 

auf eine Ersatzforderung zu verzichten und in der Konsequenz die 

beschlagnahmten Gegenstände einzuziehen und zur Deckung der 

Verfahrenskosten inkl. der Kosten der amtlichen Verteidigung zu 

verwenden. Darüber hinaus reichte er aktuelle Unterlagen zu seinen 

finanziellen Verhältnissen ein.  

 

 - 3 - 

 

 

 

3.2.2. 

Mit Stellungnahme vom 17. April 2023 beantragte die 

Oberstaatsanwaltschaft, die Ersatzforderung und die Verwendung des 

Einziehungserlöses zu bestätigen.  

 

3.2.3. 

Mit Stellungnahme vom 3. Mai 2023 beantragte die Privatklägerin, die 

Ersatzforderung und die Einziehung zu bestätigen, den Erlös daraus jedoch 

zugunsten der Privatklägerin zu verwenden. 

  

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht die Einziehung von 

Vermögenswerten, die durch eine Straftat erlangt worden sind, sofern sie 

nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands 

ausgehändigt werden. Die Einziehung setzt ein Verhalten voraus, das den 

objektiven und den subjektiven Tatbestand einer Strafnorm erfüllt und 

rechtswidrig ist (BGE 144 IV 1 E. 4.2.1). Sind die der Einziehung 

unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vorhanden bzw. verfügbar, so 

erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe 

(Art. 71 Abs. 1 StGB). Nach Art. 71 Abs. 2 StGB kann das Gericht von einer 

Ersatzforderung ganz oder teilweise absehen, wenn diese voraussichtlich 

uneinbringlich wäre oder die Wiedereingliederung des Betroffenen ernstlich 

behindern würde.  

 

Einziehung und Ersatzforderungen sind strafrechtliche sachliche 

Massnahmen; sie sind zwingend anzuordnen, wenn die gesetzlichen 

Voraussetzungen erfüllt sind (BGE 139 IV 209 E. 5.3). Die Einziehung 

bezweckt den Ausgleich deliktischer Vorteile. Der Täter soll nicht im 

Genuss eines durch strafbare Handlungen erlangten Vermögensvorteils 

bleiben. Damit dienen die Einziehungsbestimmungen der Verwirklichung 

des sozialethischen Gebots, nach welchem sich strafbares Verhalten nicht 

lohnen soll (BGE 144 IV 1 E. 4.2.1). Die gleichen Überlegungen gelten für 

Ersatzforderungen des Staates. Es soll verhindert werden, dass derjenige, 

der die Vermögenswerte bereits verbraucht bzw. veräussert hat, besser-

gestellt wird als jener, der noch über sie verfügt (BGE 140 IV 57 E. 4.1.2). 

Die Ersatzforderung entspricht daher in ihrer Höhe grundsätzlich den 

Vermögenswerten, die durch die strafbare Handlung erlangt worden sind 

und der Vermögenseinziehung unterlägen, wenn sie noch vorhanden 

wären. Dem Sachgericht steht bei der Anordnung einer Ersatzforderung ein 

grosser Ermessensspielraum zu, den es unter Beachtung aller 

wesentlichen Gesichtspunkte pflichtgemäss auszuüben hat (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_181/2021 vom 29. November 2022 E. 4.2.1; zum 

 - 4 - 

 

 

 

Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_676/2022 vom 27. Dezember 2022 

E. 3.3.2).  

 

Von der in Art. 71 Abs. 2 StGB vorgesehenen Möglichkeit des ganzen oder 

teilweisen Absehens von einer Ersatzforderung ist nach der Recht-

sprechung mit Zurückhaltung Gebrauch zu machen. Blosse Bedenken, 

dass Zahlungserleichterungen allein nicht ausreichen könnten, um der 

ernsthaften Gefährdung der Wiedereingliederung wirksam zu begegnen, 

vermögen eine Herabsetzung der Ersatzforderung nicht zu begründen. Es 

müssen vielmehr bestimmte Gründe vorliegen, die zuverlässig erkennen 

lassen, dass sie die ernsthafte Gefährdung der Resozialisierung durch 

Zahlungserleichterungen nicht beheben lässt und die Ermässigung der 

Ersatzforderung für eine erfolgreiche Wiedereingliederung des Täters 

unerlässlich ist. Fehlt es an schlüssigen Anhaltspunkten, ist im Entscheid 

über die Einziehung auf eine Herabsetzung zu verzichten. Das Gericht ist 

nicht verpflichtet, den Beweis für die Einbringlichkeit der Ersatzforderung 

zu erbringen (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_910/2019 

vom 15. Juni 2020 E. 6.3).  

 

1.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten bzw. rechtskräftig entschieden, 

dass der Beschuldigte sich mehrerer Vermögens-, Konkurs- und 

Urkundendelikte schuldig gemacht und daraus Vermögenswerte im Wert 

von gesamthaft rund Fr. 730'000.00 in strafbarer Weise angeeignet und für 

eigene Zwecke verwendet hat. Die entsprechenden Vermögenswerte sind 

nicht mehr vorhanden und können daher nicht mehr eingezogen werden, 

weshalb die Voraussetzungen für eine Ersatzforderung in entsprechendem 

Umfang grundsätzlich erfüllt sind. Fraglich und zu prüfen bleibt, ob 

aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten von einer 

Ersatzforderung abzusehen oder von der Möglichkeit einer Reduktion 

Gebrauch zu machen ist, weil eine Ersatzforderung voraussichtlich 

uneinbringlich wäre oder die Wiedereingliederung des Beschuldigten 

ernstlich behindern würde.  

 

1.3. 

Der Beschuldigte wird im November 62 Jahre alt und steht damit nur noch 

etwas mehr als drei Jahre vor Erreichen des ordentlichen Pensionsalters. 

Er ist seit mehr als zehn Jahren in zweiter Ehe mit D. verheiratet, mit der er 

eine sechsjährige Tochter hat. Die Familie lebt in einer Mietwohnung in Q.. 

Der Beschuldigte ist gelernter Kaufmann und als Geschäftsführer bei der 

E.AG angestellt. Den Aussagen des Beschuldigten anlässlich der 

Berufungsverhandlung zufolge haben er und seine Frau das Geschäft von 

seinem Bruder übernommen, gemäss Handelsregisterauszug sind beide 

als einzige Verwaltungsräte der Gesellschaft eingetragen, wobei sie das 

Präsidium innehat (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). Der 

Beschuldigte lässt sich für seine Tätigkeit als Geschäftsführer einen 

 - 5 - 

 

 

 

monatlichen Nettolohn in Höhe von gesamthaft Fr. 4'079.85 ausbezahlen 

(vgl. Beilage 2 zur Stellungnahme vom 3. Mai 2023). Zusätzlich erhält er 

eine IV-Rente in Höhe von monatlich Fr. 1'500.00 (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 4), was ein Gesamteinkommen des 

Beschuldigten von monatlich rund Fr. 5'500.00 ergibt.  

 

Abgesehen von den beschlagnahmten Vermögenswerten, welchen 

schätzungsweise einen Wert von Fr. 100'000.00 zukommt, verfügt der 

Beschuldigte eigenen Aussagen zufolge über keinerlei Vermögen mehr 

(vgl. Stellungnahme vom 3. Mai 2023 Ziff. 2.2). Gleichzeitig sind gegen ihn 

beim Betreibungsamt Siggenthal-Lägern Verlustscheine im Umfang von 

Fr. 134'545.44 sowie beim Betreibungsamt Wettingen im Umfang von 

Fr. 1'222'203.10 verzeichnet (vgl. Beilage 4 und 5 zur Stellungnahme vom 

3. Mai 2023). 

 

1.4. 

Gestützt auf das Vorstehende ergibt sich, dass der Beschuldigte in stabilen 

Verhältnissen lebt und über ein regelmässiges Einkommen verfügt, 

gleichzeitig jedoch vermögenslos und hoch verschuldet ist. Die 

Auferlegung einer Ersatzforderung von Fr. 500'000.00, wie sie die 

Vorinstanz ausgesprochen hat und worüber auch das Obergericht infolge 

des Verschlechterungsverbots (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht 

hinausgehen darf, stellt vor diesem Hintergrund gewiss eine erhebliche 

finanzielle Mehrbelastung des Beschuldigten dar. Gleichzeitig stellt die 

vorinstanzlich ausgesprochene Ersatzforderung gleichwohl eine nicht 

unwesentliche Reduktion dar, wenn man sich vor Augen hält, dass der 

Beschuldigte sich Vermögenswerte im Wert von rund Fr. 730'000.00 

unrechtmässig angeeignet hat. Die Differenz von mehr als Fr. 200'000.00 

vermögen auch die Beschlagnahmungen nicht aufzuwiegen, zumal diese 

in erster Linie – und angesichts der Höhe der bisher aufgelaufenen 

Verfahrenskosten wohl auch ausschliesslich – zur Deckung der 

Verfahrenskosten zu verwenden sind. Es gilt daher ein Gleichgewicht zu 

finden zwischen dem sozialethischen Gebot, dass strafbares Verhalten 

sich nicht lohnen soll und der Vermeidung einer ernsthaften Gefährdung 

der Wiedereingliederung nach Art. 71 Abs. 2 StGB. Von einer solchen ist 

indessen im Falle des Beschuldigten nicht auszugehen, zumal es ihm trotz 

hoher Verschuldung – die zur Diskussion stehende Ersatzforderung 

aussen vor gelassen – gelungen ist, seit mehreren Jahren erfolgreich ein 

eigenes Geschäft zu führen (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). 

Er generiert damit ein Einkommen, das zwar angesichts seiner Funktion in 

der Firma eher bescheiden ausfällt, sein Existenzminimum jedoch deutlich 

übersteigt. Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang zu 

berücksichtigen, dass er seinen sowie den Lebensunterhalt seiner Familie 

nicht alleine bestreiten muss. Wie sich aus der eingereichten 

Steuererklärung ergibt, steuert seine Ehefrau – welche im Übrigen 

ebenfalls bei der E. AG angestellt ist und sich trotz geringeren Pensums 

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einen weitaus höheren Lohn auszahlen lässt – den Grossteil des 

Familieneinkommens bei (vgl. Beilage 3 zur Stellungnahme vom 3. Mai 

2023; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). Durch die Auferlegung 

einer Ersatzforderung würde sich die finanzielle Situation des 

Beschuldigten zwar zweifelsfrei weiter verschlechtern, es bestehen vor 

diesem Hintergrund indessen keine konkreten Anhaltspunkte dafür, 

inwiefern dadurch seine bislang gelungene Wiedereingliederung gefährdet 

wäre. 

 

Ein Absehen von einer Ersatzforderung bzw. eine weitere Reduktion 

derselben ist auch mit Blick auf deren potenzielle Uneinbringlichkeit nicht 

angezeigt. Es ist zwar durchaus fraglich, ob der Beschuldigte die 

Ersatzforderung angesichts seiner bevorstehenden Pensionierung sowie 

der übrigen angehäuften Schulden vollständig wird abbezahlen können. 

Allerdings erscheint nicht ausgeschlossen, dass der Beschuldigte später 

an neues Vermögen kommt, indem er beispielsweise sein Geschäft über 

die Pension hinaus weiterführt. Sodann steht der Umstand, dass die 

Einbringlichkeit der Ersatzforderung nicht gesichert erscheint, der 

Auferlegung einer solchen nicht gemeinhin entgegen, zumal das Gericht in 

diesem Falle nicht dazu verpflichtet ist, von einer Ersatzforderung 

abzusehen, zumal der Verzicht unter diesem Titel nicht dem Betroffenen 

dient, sondern lediglich den Behörden Massnahmen ersparen soll, die von 

vornherein wenig Erfolg versprechen und nur Kosten verursachen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_910/2019 vom 15. Juni 2020 E. 6.3.3; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_986/2017 vom 26. Februar 2017 E. 7.4).  

 

1.5. 

Zusammengefasst stehen für das Obergericht der Auferlegung einer 

Ersatzforderung weder Gründe der Resozialisierung noch deren fragliche 

Einbringlichkeit entgegen, sodass darauf weder zu verzichten, noch eine 

Reduktion vorzunehmen wäre. Aufgrund des Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) ist es dem Obergericht sodann verwehrt, über die 

vorinstanzlich auf Fr. 500'000.00 festgelegte Ersatzforderung hinaus-

zugehen, weshalb es damit sein Bewenden hat.  

 

2. 

2.1. 

Beim Beschuldigten wurden diverse Vermögenswerte und Wert-

gegenstände beschlagnahmt (vgl. Erwägung 8 des Urteils des 

Obergerichts SST.2020.174 vom 18. Oktober 2021). Nachdem dem 

Beschuldigten nach wie vor eine Ersatzforderung aufzuerlegen ist, ist 

hinsichtlich der Verwendung der beschlagnahmten Vermögenswerte 

korrigierend festzuhalten, dass eine Verwertung und Verwendung einzig 

zur Deckung der erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sowie der 

Entschädigung der amtlichen Verteidigung möglich ist (vgl. Art. 268 Abs. 1 

lit. a i.V.m. Art. 442 Abs. 4 StPO). Eine direkte Verwendung zur Tilgung der 

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Ersatzforderung ist indessen unzulässig, weil dadurch Gläubiger eines 

Pfändungsverfahrens benachteiligt werden könnten (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1354/2021 vom 22. März 2022 E. 4.5.2). Sollte daher 

der Wert der beschlagnahmten Gegenstände die Verfahrenskosten 

übersteigen, ist die Beschlagnahme zur Sicherung der Ersatzforderung 

aufrechtzuerhalten (Art. 71 Abs. 2 StGB), bis sie durch eine Massnahme 

des Schuldbetreibungsrechts ersetzt wird (BGE 141 IV 360 E. 3.2).  

 

2.2. 

Die Privatklägerin hat im Verfahren nach Rückweisung durch das 

Bundesgericht beantragt, der Erlös aus der der Einziehung und aus der 

Ersatzforderung sei zu ihren Gunsten zu verwenden. Dabei übersieht sie, 

dass ihre Zivilforderung bereits im Urteil des Obergerichts vom 18. Oktober 

2021 auf den Zivilweg verwiesen worden ist, was unangefochten geblieben 

und somit in Rechtskraft erwachsen ist. Damit besteht aber auch kein 

Raum für eine Verwendung beschlagnahmter Vermögenswerte zu ihren 

Gunsten. 

 

3. 

Für den vorliegenden Entscheid nach Rückweisung durch das 

Bundesgericht sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

 

Der amtlichen Verteidigerin ist für ihren Aufwand nach Rückweisung durch 

das Bundesgericht gestützt auf die von ihr eingereichte Kostennote eine 

Entschädigung von Fr. 1'902.10 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 

auszurichten. Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzu-

fordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 StPO). Der Privatklägerin, die keine Entschädigungsforderung 

beziffert und belegt hat, ist für ihre Aufwendungen im Verfahren nach 

Rückweisung durch das Bundesgericht keine Parteientschädigung 

zuzusprechen (vgl. Art. 433 Abs. 2 StPO). 

  

 - 8 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2.  

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 3 StGB betreffend Anklageziffer 1.3 im Umfang von 

Fr. 75'000.00, 1.6 und 1.10; 

- der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB betreffend 

Anklageziffer 4.1 und 4.2 i.V.m 1.3 bis 1.7. 

 

3. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 3 StGB [Anklageziffern 1.1, 1.2, 1.3 im Umfang von 

Fr. 170'000.00, 1.4, 1.5, 1.7, 1.8 und 1.9]; 

- der mehrfachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung 

gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB [Anklageziffer 3 i.V.m 1.1, 1.2, 1.3, 1.5, 1.7 

und 1.9 im Umfang der Kaution]); 

- der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB [Anklageziffern 2.1.a), 

2.1.b) i.V.m. 1.9 im Umfang der Leasingraten, 2.1.c) und 2.2 i.V.m. 1.4 

und 1.9 im Umfang der Leasingraten]; 

- der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB [Anklageziffern 4.1 

und 4.2 i.V.m. 1.1 und 1.2]; 

- des Pfändungsbetrugs gemäss Art. 163 Ziff. 1 StGB [Anklageziffer 5] 

- der Verfügung über mit Beschlag belegter Vermögenswerte gemäss 

Art. 169 StGB [Anklageziffer 6]. 

 

4. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 48 lit. e StGB, 

Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB und Art. 40 StGB  

 

als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts Baden vom 

6. August 2013 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt.  

  

 - 9 - 

 

 

 

 

5. 

5.1. 

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden zur Deckung der 

erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sowie der Entschädigung 

der amtlichen Verteidigung verwendet: 

 

- 1 Münze Erstausgabe 1976 und 1 Münze Erstausgabe 1977 

- Goldvreneli 20 

- Ring Gravor «CB 750» und «F.» weiss-goldgelb 

- Armbanduhr Eberhard & Co Nr. hhh 

- Armbanduhr Blancpain Nr. iii 

- Armbanduhr Rolex Oyster Perpetual  

- 45 Aktien G. AG bzw. Aktienzertifikate Nr. eee 

- Aktienzertifikate H. Nr. fff 

- Aktienzertifikate I. Nr. ggg 

- Wein- und Spirituosenflaschen sowie Zigarren gemäss Verzeichnis O 3.1 act. 252-319 

- PW Porsche Cayenne Turbo, Halter E. AG 

- Gemälde von Rolf Knie «J.» und «K.» 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen.  

 

5.2. 

Der Erlös aus der Verwertung des Aston Martin V8 Vantage im Betrag von 

Fr. 41'009.20 samt allfällig aufgelaufener Zinsen sowie der Musikanlage 

Bang & Olufsen (Beolab-Geräte) im Betrag von Fr. 8'200.00 samt allfällig 

aufgelaufener Zinsen wird zur Deckung der erst- und zweitinstanzlichen 

Verfahrenskosten sowie der Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

verwendet.  

 

Das Betreibungsamt Siggenthal-Ennetbaden wird angewiesen, dem 

Obergericht den beschlagnahmten Verwertungserlös samt allfällig 

aufgelaufener Zinsen zu überweisen. 

 

5.3. 

Insofern der Wert der beschlagnahmten Gegenstände gemäss den Ziff. 5.1 

hiervor die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die 

Entschädigung der amtlichen Verteidigung übersteigt, ist die 

Beschlagnahme gestützt auf Art. 71 Abs. 3 StGB aufrechtzuerhalten.  

  

 - 10 - 

 

 

 

 

5.4.  

Die Beschlagnahme über die folgenden Gegenstände bzw. 

Vermögenswerte wird aufgehoben: 

 

- Sparkonto bei der L., Nr. aaa, lautend auf M., Q.. 

 

- Grundstücke Stockwerkeigentum bbb und ccc auf der Liegenschaft Parzelle Nr. ddd, 

[Adresse] Q., lautend auf N., R..  

 

5.5. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton Aargau eine 

Ersatzforderung von Fr. 500'000.00 zu bezahlen. 

 

6. 

Die Zivilklage der A. wird auf den Zivilweg verwiesen, soweit darauf 

eingetreten wird.  

 

7. 

7.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 8'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu 7/8 mit Fr. 7'000.00 und der A. zu 1/8 mit Fr. 1'000.00 

auferlegt.  

 

7.2. 

Die Obergerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung erfolgt ist – 

angewiesen, der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten für das 

Berufungsverfahren (inkl. Verfahren nach Rückweisung durch das 

Bundesgericht) eine Entschädigung von insgesamt Fr. 10'702.10 

(Fr. 8'800.00 + Fr. 1'902.10) auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird – insoweit keine Deckung aus dem 

Verwertungserlös möglich ist – vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald 

es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8. 

8.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden dem Beschuldigten zu 7/8 

mit Fr. 18'500.00 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 7'250.00; ohne 

Entschädigung der amtlichen Verteidigung) auferlegt und im Übrigen auf 

die Staatskasse genommen. 

 

8.2.  

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigung und der früheren 

 - 11 - 

 

 

 

amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin O., für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von insgesamt Fr. 80'879.25 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird – insoweit keine Deckung aus dem 

Verwertungserlös möglich ist – vom Beschuldigten zu 7/8 mit gerundet 

Fr. 70'769.35 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben. 

 

Der Beschuldigte hat der amtlichen Verteidigung 7/8 der Differenz 

zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar in Höhe 

von Fr. 2'100.00 zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

zulassen. 

 

 

 Zustellung an:  

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 24. August 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     Albert