# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 67a93080-dea8-58c6-8d57-444629573af9
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 12.04.2022 S 2021 99
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2021-99_2022-04-12.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 21 99

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterIn von Salis und Audétat

Aktuar Gross

URTEIL                

vom 12. April 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A.________, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Hablützel, 

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle,

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

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I. Sachverhalt:

1. A.________, geboren 1982, war zuletzt als Küchenhilfe und Reinigungs-

kraft im Hotel B.________ in C.________ tätig. Nachdem bereits während 

Jahren rezidivierende lumbale Schmerzen bestanden hatten, erlitt sie am 

2. Januar 2020 bei der Arbeit eine akut aufgetretene Lumboischialgie. 

Daraufhin wurde sie zu 100 % krankgeschrieben. Mit Bericht vom 

5. Februar 2020 diagnostizierte Dr. med. K.________ namentlich ein ISG-

Syndrom links.

2. Nachdem die im Februar und Juli 2020 durchgeführten Infiltrationen jeweils 

zu einer deutlichen Schmerzexazerbation geführt hatten, begab sich 

A.________ vom 24. August 2020 bis zum 19. September 2020 zur 

stationären Rehabilitation in die Kliniken D.________. Mit Austrittsbericht 

vom 15. Oktober 2020 wurde ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom 

linksbetont bei einer Fehlform und -haltung der Wirbelsäule, einer 

muskulären Dysbalance und Insuffizienz sowie leichten degenerativen 

Veränderungen der Lendenwirbelsäule und ein ISG-Syndrom 

diagnostiziert. Trotz Integration ins multimodale Therapieprogramm 

konnten insgesamt nur geringe Verbesserungen erreicht werden.

3. Bereits am 10. September 2020 hatte sich A.________ unter Hinweis auf 

ihre Rückenschmerzen und Beschwerden am linken Bein bei der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug 

angemeldet. Diese tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen. 

Dabei forderte sie den Hausarzt Dr. med. E.________ und den 

behandelnden Rheumatologen F.________ mehrmals erfolglos auf, 

Berichte einzureichen.

4. Mit Mitteilung vom 23. November 2020 schloss die IV-Stelle 

Eingliederungsmassnahmen ab, da sich A.________ zurzeit aus 

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gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage fühle, im wesentlichen Umfang 

einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

5. In ihrem Bericht vom 14. Dezember 2020 diagnostizierte Dr. med. 

G.________, leitende Ärztin Neurologie des Kantonsspitals Graubünden, 

eine unklare Beinparese links, und hielt in ihrer Beurteilung fest, die 

durchgeführten Abklärungen seien allesamt normal. Insbesondere finde 

sich weder eine periphere noch eine zentrale Ursache für die 

Beschwerden.

6. Nach Einholung der Abschlussbeurteilung des Arztes des Regionalen 

Ärztlichen Dienstes (RAD) Dr. med. H.________ vom 28. Mai 2021 stellte 

die IV-Stelle A.________ mit Vorbescheid vom 17. Juni 2021 die 

Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Den getätigten 

Abklärungen zufolge liege bei ihr eine Erkrankung vor, die nicht zu einem 

länger andauernden Ausfall der Erwerbstätigkeit führe. Auch bestünden 

zwischen den angegebenen Beschwerden bzw. Symptomen und den 

erhobenen Befunden deutliche Diskrepanzen. Es werde davon 

ausgegangen, dass die zuletzt ausgeführte Tätigkeit wie auch jegliche 

angepasste Tätigkeit spätestens ab November 2020 wiederum voll 

zumutbar sei. Dagegen erhob A.________ am 14. Juli 2021 Einwand und 

machte geltend, ihr Gesundheitszustand sei noch nicht stabil und es 

müssten weitere Untersuchungen durchgeführt werden, über welche die 

Dres. med. F.________ und E.________ Auskunft geben könnten. 

Daraufhin informierte die IV-Stelle sie, dass im Vorbescheidverfahren keine 

weiteren medizinischen Unterlagen eingeholt würden und solche bis zum 

18. August 2021 (Einwandfrist) eingereicht werden könnten. Nachdem 

keine weiteren medizinischen Berichte eingegangen waren, entschied die 

IV-Stelle mit Verfügung vom 31. August 2021 wie vorbeschieden und 

verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente und auf berufliche 

Eingliederungsmassnahmen.

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7. Dagegen liess A.________ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 30. 

September 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden erheben und in Aufhebung der Verfügung vom 31. August 

2021 beantragen, ihr seien die Leistungen nach 

Invalidenversicherungsgesetz, namentlich eine Invalidenrente, 

zuzusprechen. Eventualiter sei die IV-Stelle anzuweisen, den 

medizinischen Sachverhalt rechtsgenüglich abzuklären. Zur Begründung 

führte sie im Wesentlichen aus, aus den aktenkundigen Berichten gehe 

hervor, dass sie an invalidisierenden Rückenbeschwerden leide, welche 

ihre Leistungsfähigkeit einschränkten. Diese seien auch Grund dafür, dass 

sie seit dem Hebetrauma zu 100 % arbeitsunfähig sei. Trotz Infiltrationen, 

stationärem Rehaaufenthalt, Physiotherapie, Versuch einer 

osteopathischen Behandlung und physiotherapeutisch geleiteter 

medizinischer Trainingstherapie sei es zu Schmerzexazerbationen 

gekommen. Entsprechend seien ein ISG-Syndrom, ein 

lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und ein Verdacht auf 

Hypermobilität diagnostiziert worden. Die Beschwerden seien objektivier- 

und erklärbar. Sie sei deshalb aktuell nicht in der Lage, einer 

Erwerbstätigkeit nachzugehen. Wegen der Rückenproblematik sei sie 

nebst ihrem Hausarzt Dr. med. E.________ insbesondere beim 

Rheumatologen F.________ in Behandlung. In den Akten fänden sich 

jedoch keine Berichte dieser beiden Ärzte. Im Winter 2020 habe die IV-

Stelle zwar Erinnerungen an diese geschickt, es aber in den weiteren sechs 

Monaten bis zum Vorbescheid unterlassen, die Ärzte ein weiteres Mal an 

die Unterlagen zu erinnern. Dies obwohl in den vorliegenden Berichten 

ausgeführt worden sei, dass die Rückenschmerzen weiterhin abgeklärt 

werden müssten. Der aktuellste Bericht betreffend den Rücken datiere vom 

15. Oktober 2020; aktuellere Berichte fänden sich keine in den Akten. Es 

könne damit nicht behauptet werden, dass die vorliegenden medizinischen 

Unterlagen eine Würdigung der Rückenbeschwerden mit dem Beweisgrad 

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der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zuliessen, so dass der 

rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne. Mithin sei der 

Untersuchungsgrundsatz verletzt worden. Auch könne auf die 

Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. med. H.________ nicht abgestellt 

werden. Bei objektiv vorliegenden Befunden zu ihren Rückenbeschwerden 

und nachdem jegliche Therapieversuche gescheitert seien, könne von 

einer niedrigen Beweiskonsistenz keine Rede sein. Ihre Ärzte bestätigten 

vielmehr weiterhin die damit einhergehenden Einschränkungen und der 

hohe Leidensdruck. Der RAD-Arzt widerspreche sich auch selbst, wenn er 

zuerst ausführe, dass am Ende der vorgesehenen osteopathischen 

Behandlung mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden müsse, 

und dann nach Abbruch dieser Behandlung von keiner Arbeitsunfähigkeit 

mehr ausgehe. Schliesslich verfüge Dr. med. H.________ mangels 

Facharzttitels nicht über die erforderlichen Qualifikationen, um eine 

sachgerechte Beurteilung vornehmen zu können.

8. In ihrer Vernehmlassung vom 4. November 2021 schloss die IV-Stelle 

(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde. Den 

Vorbringen der Beschwerdeführerin entgegnete sie unter anderem, dass 

die RAD-Abschlussbeurteilung in ihren Ergebnissen schlüssig, 

nachvollziehbar und widerspruchsfrei sei. Die Beschwerdeführerin 

vermöge diese Einschätzung nicht im Geringsten zu erschüttern. So lägen 

insbesondere keine abweichenden Arztberichte vor. Dr. med. H.________ 

verfüge als medico chirurga, specialista in medicina legale e delle 

assicurazioni (IT), auch über klar genügende fachärztliche Kenntnisse, um 

die vorliegenden Rückenbeschwerden anhand der Akten zu beurteilen. 

Diesbezüglich seien seine Ausführungen nachvollziehbar: Das vorhandene 

Wirbelsäulenleiden sei ärztlicherseits übereinstimmend diagnostisch 

zugeordnet und auch die Einschätzung der dadurch bewirkten 

Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit entspreche einhelliger Auffassung. 

Rechtsprechungsgemäss könnten denn auch reine Aktengutachten 

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beweiskräftig sein, sofern – wie hier – ein lückenloser Befund vorliege und 

es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich 

feststehenden medizinischen Sachverhalts gehe. Sämtliche vorliegenden 

fachärztlichen Abklärungen hätten altersentsprechend normale Befunde 

ergeben, welche keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zu begründen 

vermöchten. Daher habe auf das Einholen der Berichte der behandelnden 

Dres. med. E.________ und F.________ verzichtet werden können. Es 

bestünden keine Zweifel an der Beurteilung des RAD, dass die 

Voraussetzungen für die Anerkennung einer bleibenden Arbeitsunfähigkeit 

nicht gegeben seien.

9. Die Beschwerdeführerin replizierte am 20. Dezember 2021 bei 

unveränderten Rechtsbegehren und vertiefte ihren Standpunkt. Sie 

widersprach der Ansicht der Beschwerdegegnerin, wonach keine 

abweichenden Arztberichte zur RAD-Beurteilung vorlägen, eine einhellige 

Auffassung zur Arbeitsfähigkeit bestünde und es nur um die Beurteilung 

eines an sich feststehenden Sachverhalts gehe. Dazu legte sie zwei 

Zuweisungsberichte ihres behandelnden Rheumatologen F.________ vom 

9. April 2021 und 8. Oktober 2021, einen Bericht von Dr. med. I.________ 

vom 22. November 2021 sowie einen solchen von Dr. med. J.________ 

vom 26. November 2021 ins Recht.

10. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu in ihrer Duplik vom 29. Dezember 

2021 in ablehnender Weise Stellung.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die ange-

fochtene Zwischenverfügung und die weiteren Akten wird, sofern erforder-

lich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

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1. Die vorliegende Beschwerde vom 30. September 2021 richtet sich gegen 

die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 31. August 2021, worin das 

Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen wurde. Eine sol-

che Anordnung, welche gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das Ver-

sicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich 

zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 

lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] 

i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche-

rung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allge-

meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als for-

melle und materielle Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von 

der angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist 

folglich zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. 

Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde überdies frist- und formgerecht 

eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. 

sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist demnach einzutreten.

2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdeführerin Anspruch 

auf Leistungen der Invalidenversicherung hat. Zu prüfen ist, ob ein invali-

disierender Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig-

keit vorliegt bzw. ob ein solcher hinreichend abgeklärt worden ist.

3. Zunächst gilt es verfahrensrechtlich festzuhalten, dass der Beschwerde-

gegnerin insoweit nicht gefolgt werden kann, als sie gewisse mit der Replik 

von der Beschwerdeführerin eingereichte medizinische Berichte pauschal 

aus dem Recht gewiesen haben möchte. Zwar ist nach ständiger Recht-

sprechung des Bundesgerichts der Zeitraum bis zum Abschluss des Ver-

waltungsverfahrens die Bezugsgrösse für den entscheidrelevanten Sach-

verhalt (BGE 143 V 409 E.2.1 m.H.). Spätere Arztberichte sind aber in die 

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Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeit-

punkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation 

erlauben (vgl. BGE 121 V 362 E.1b am Ende; Urteil des Bundesgerichts 

9C_361/2020 vom 26. Februar 2021 E.3.3 und 8C_414/2019 vom 25. 

September 2019 E.2.2.2).

4.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen. 

Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven 

Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose 

zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 

hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 

nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt 

eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich 

begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. 

Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 

Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (siehe BGE 145 V 364 E.3.2.1 f., 140 V 

193 E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021 

vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 

8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4, 8C_47/2021 vom 18. März 2021 

E.5.2.3).

4.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den 

Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien 

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Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel 

– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das 

Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von 

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 

These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 351 E.3a). 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach 

entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die 

Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. 

BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 

8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom 25. Ok-

tober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.1, 8C_225/2021 

vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4). Aus-

schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-

kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 

Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 

125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c). 

4.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be-

stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die 

Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusammenstellung 

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dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit zahlreichen Hinweisen). So 

kommt den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweis-

wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet 

sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver-

lässigkeit sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem 

Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf 

mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf viel-

mehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit 

der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf 

die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversiche-

rungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings 

ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 

E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen Feststellungen, so sind ergän-

zende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2 und E.4.4; 

Urteile des Bundesgerichts 9C_168/2020 vom 17. März 2021 E.3.2, 

8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3).

5. Im konkreten Fall sind zur Beurteilung des Gesundheitszustands bzw. der 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Wesentlichen die folgenden 

medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen:

5.1. Mit Bericht vom 5. Februar 2020 diagnostizierte Dr. med. K.________, 

Facharzt für Neurochirurgie, ein ISG-Syndrom links sowie eine milde 

Diskopathie L5/S1 bzw. fortgeschrittene Diskopathie L1/2. Zur 

Vorgeschichte führte er aus, die Beschwerdeführerin schildere eine akut 

aufgetretene Lumboischialgie links seit dem 2. Januar 2020. Aktuell liege 

eine gewisse Besserung nach Schmerzmitteleinnahme und einer 

Infiltration beim Hausarzt vor. Sie fühle sich aber weiterhin im Rücken stark 

blockiert; es bestehe ein intensiver Schmerz hauptsächlich gluteal und 

über der Dorsalseite des Beines bis zur Ferse. Das Gehen sei auf wenige 

Minuten limitiert. Im Sitzen sei es am Schlechtesten; die 

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Beschwerdeführerin könne aber auch nicht gut schlafen: Sie werde in der 

Nacht häufig aufgrund der Beschwerden wach und müsse etwas 

herumgehen. In befundlicher Hinsicht hielt Dr. med. K.________ fest, bei 

der neurologischen Untersuchung der schlanken Beschwerdeführerin in 

gutem Allgemeinzustand finde sich kein sehr ausgeprägtes 

Lumbalsyndrom, der Fingerspitzen-Boden-Abstand betrage 10 cm. Die 

Hüftrotation sei etwas eingeschränkt. Es bestehe eine deutliche 

Druckschmerzhaftigkeit interspinös und noch mehr über dem ISG. Auch 

liege ein deutlicher Hüftkompressionsschmerz und positiver Gaenslen-

Test vor. Die Sensibilität in den Füssen sei seitengleich intakt. Die grobe 

Kraft sei bei manueller Prüfung ebenfalls seitengleich. Das einbeinige 

Heben in den Zehenstand gelinge auf der linken Seite jedoch nicht, 

wahrscheinlich schmerzschonungsbedingt. In seiner Beurteilung stellte 

Dr. med. K.________ fest, die Beschwerdeführerin zeige einen hohen 

Leidensdruck. Eine Neurokompression liesse sich nicht nachweisen. Es 

bestehe kein Bandscheibenvorfall, keine Spinalkanalstenose und keine 

vertebrale Instabilität. Als Therapieversuch habe er eine ISG-Infiltration 

CT-gesteuert direkt im Anschluss an die Konsultation vorgeschlagen, was 

die Beschwerdeführerin gerne angenommen habe (siehe Akten der 

Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 9 S. 2 f.).

5.2. Am 27. Juni 2020 äusserte der behandelnde Rheumatologe F.________ 

einen hochgradigen Verdacht auf eine seronegative Spondarthropathie. In 

anamnestischer Hinsicht führte er namentlich aus, es sei nach der ISG-

Infiltration zu einer Schmerzexazerbation gekommen. Unter Steroiden 

habe eine Verringerung der Beschwerden erreicht werden können. Aktuell 

fänden sich anhaltende lumbale und linksbetonte Beckenschmerzen. 

Klinisch bestehe eine segmentale Dysfunktion der LWS und ISG-

Blockaden links > rechts. Die Beschwerden seien aufgrund der erhobenen 

Befunde erklärbar. Es bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 

In der bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin aufgrund der stark 

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verminderten Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule eingeschränkt. Es 

komme zu einer Verstärkung der Schmerzen bei Belastung. Eine sehr 

leichte, wechselbelastende Tätigkeit sei in einem Pensum von ca. 30 % 

möglich (Bg-act. 9 S. 8).  

5.3.    Zum Röntgenbefund hielt Dr. med. L.________ mit Bericht vom 11. 

September 2020 einen Verdacht auf eine geringgradige Hypermobilität 

fest. Bei Inklination bestehe ein diskretes ventrales Gleiten LWK 3 

gegenüber LWK4 sowie LWK4 gegenüber LWK5, aber kein Nachweis 

einer Instabilität. Als Diagnosen wies er ein lumbospondylogenes 

Schmerzsyndrom linksbetont bei einer Fehlform und -haltung der 

Wirbelsäule, einer muskulären Dysbalance sowie mässigen 

degenerativen Veränderungen der LWS und ein ISG-Syndrom links bei 

Status nach Infiltrationen links 02/2020 und 07/2020 mit jeweils deutlicher 

Schmerzexazerbation fest (Bg-act. 39 S. 3).

5.4. Mit Bericht vom 4. Oktober 2020 stellte Dr. med. M.________, Fachärztin 

für Urologie, eine intermittierende Harninkontinenz im Rahmen von 

lumbospondylogenen Schmerzen fest. Die Untersuchung habe einen 

urosonographisch unauffälligen Befund gezeigt. Da die Harninkontinenz 

nur im Rahmen der Rückenschmerzen auftrete, sei eine neurogene 

Ursache am wahrscheinlichsten. Insofern werde eine neurologische 

Abklärung und eine erneute Abklärung der rezidivierenden 

Rückenschmerzen empfohlen (Bg-act. 43 S. 7).

5.5. In seinem psychosomatischen Austrittsbericht vom 6. Oktober 2020 wies 

Dr. med. I.________ zum Behandlungsverlauf in den Kliniken D.________ 

darauf hin, dass die Beschwerdeführerin stets sehr engagiert trainiert und 

sich dabei durchaus als schmerzspitzentolerant erwiesen habe. 

Andererseits habe sie berichtet, von den vielen Monaten mit Schmerzen 

doch recht zermürbt zu sein, aber keinesfalls aufgeben wolle, ihre 

Probleme konservativ zu behandeln. Trotzdem plane sie mit ihrem 

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Rheumatologen F.________ gründlich zu besprechen, ob nicht allenfalls 

ein operatives Vorgehen doch von Vorteil wäre. In seiner Beurteilung 

konnte Dr. med. I.________ keine Psychopathologie erheben (Bg-act. 39 

S. 5).

5.6. Im Austrittsbericht vom 15. Oktober 2020 zu der vom 24. August 2020 bis 

zum 19. September 2020 stattgefundenen stationären Behandlung in den 

Kliniken D.________ wurde das bekannte lumbospondylogene 

Schmerzsyndrom linksbetont und ISG-Syndrom ausgewiesen. Zum 

Verlauf wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin habe im Januar 2020 

mehrere Blockierungen im lumbalen Bereich bei vorgeneigter Position 

erlitten. Die Infiltrationen hätten eine gute anhaltende Wirkung für ca. 2.5 

Monate gezeigt. Die Wiederholung habe keinen therapeutischen Effekt 

ergeben. Die aktuelle MRI-Untersuchung der LWS zeige eine leicht 

aktivierte Osteochondrose LWK1/2 sowie insgesamt leichte degenerative 

Veränderungen der LWS. Bei Eintritt habe die Beschwerdeführerin über 

starke lumbale Rückenschmerzen berichtet mit Ausstrahlung ins linke 

Bein bis zum Fuss, nicht dermatombezogen. Zusätzlich hätten 

Sensibilitätsstörungen am linken Ober- und Unterschenkel lateral sowie 

am lateralen Fuss bestanden. Die Schmerzen seien mit einer Intensität 

von 4-5/10 angegeben worden. Bei Schmerzspitzen sei es zu 

blockierenden Schmerzen mit 9/10 auf NRS gekommen. Die 

Beschwerdeführerin sei in ein multimodales intensives Therapieprogramm 

integriert worden und habe sich während des Aufenthalts sehr motiviert 

gezeigt. Insgesamt habe die Schmerzintensität unter regelmässigem 

Training zwischenzeitlich zugenommen, weshalb eine analgetische 

Therapie vorübergehend etabliert worden sei. Durch physikalische und 

physiotherapeutische Behandlung habe der Muskeltonus im 

Lumbalbereich leicht reduziert werden können. In den letzten 

Behandlungstagen sei es unter Belastungssteigerung beim Training zu 

einer Schmerzexazerbation der muskulären Genese, Muskelschwäche im 

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ganzen linken Bein und Fuss sowie Hypästhesie, nicht dermatombezogen, 

gekommen. Aus rheumatologischer Sicht sei die Ursache der anhaltenden 

Schmerzsymptomatik im Rahmen einer muskulären Dysbalance zu 

sehen. Trotz Integration ins multimodale Therapieprogramm hätten 

insgesamt nur geringe Verbesserungen erreicht werden können. Bei 

ausgeschöpftem stationären Rehapotenzial werde die 

Beschwerdeführerin in die weitere ambulante Behandlung nach Hause 

entlassen. Eine regelmässige Weiterführung des instruierten 

Heimprogramms, des physiotherapeutisch geleiteten medizinischen 

Trainingsprogramms (MTT) und der ambulanten Physiotherapie werde 

empfohlen. Für die Dauer des stationären Aufenthalts wurde eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (Bg-act. 39 S. 10). 

5.7. Mit Bericht vom 27. Oktober 2020 wies Dr. med. G.________, Fachärztin 

für Neurologie, eine unklare Beinparese links, DD Myelopahtie bzw. 

Beinplexusläsion links aus. Zur Anamnese führte sie aus, die 

Beschwerdeführerin berichte, seit dem 18. Lebensjahr an 

intermittierenden Rückenschmerzen zu leiden. Bei Exazerbationen habe 

sie jeweils Schmerzmittel eingenommen, welche zu einer Regredienz 

geführt hätten. Am 2. Januar 2020 habe die Beschwerdeführerin infolge 

eines Hebetraumas einen akuten stechenden Rückenschmerz mit 

immediater Ausstrahlung ins linke Bein entwickelt. Seitdem würden die 

Schmerzen invalidisierend persistieren. Sie habe schon mehrere 

therapeutische Versuche mit Infiltrationen hinter sich, welche bis auf eine 

einmalige Linderung keine Besserung bewirkt hätten. Sie mache wie 

verordnet auch Physiotherapie und MTT, was alles nichts bringe. Aktuell 

sei sie zu 100 % krankgeschrieben. Zum neurologischen Status führte Dr. 

med. G.________ aus, das Gehen erfolge mit Nachziehen des linken 

Beines ohne Abrollen vom Fuss. Die Fussspitze werde am Boden mit 

Extrarotation vom Bein nachgeschleift. Das Gehen für längere Strecken 

sei nur mit Stöcken möglich. Ein Fersen- und Fussspitzgang sei links nicht 

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möglich. Die Beschwerdeführerin könne vom Stuhl nur mit Unterstützung 

der Hände aufstehen, vorwiegend wegen der Rückenschmerzen. Die Kraft 

im gesamten linken Bein sei vermindert. In ihrer Beurteilung führte Dr. 

med. G.________ sodann aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine 

Beinparese links mit Lumbalgien. Die bis anhin durchgeführten MRI der 

LWS hätten kein Korrelat dazu gezeigt. Die heutige Klinik scheine nicht 

eindeutig somatoform überlagert zu sein (was aber eine solche auch nicht 

grundsätzlich ausschliesse). Es bestehe eine Indikation für weitere 

Abklärungen (Bg-act. 43 S. 9 f.).

5.8. Im MRI der HWS/BWS vom 6. November 2020 fand sich kein Nachweis 

einer Myelopathie (Bg-act. 43 S. 11).

5.9. Am 25. November 2020 berichtete Dr. med. G.________, die bislang 

durchgeführten Abklärungen hätten keine wegweisenden Befunde 

ergeben. Insbesondere habe keine Myelopathie nachgewiesen werden 

können. Auch bestünden keine Hinweise auf eine Polyneuropathie, 

motorische Radikulopathie L4-L5 oder sensible Radikulopatie S1 bilateral. 

Im heutigen Neurostatus falle auf, dass die Beschwerdeführerin relativ 

inkonstante Befunde nachweise, die auf eine mögliche somatoforme 

Ursache hindeuten könnte. Darauf angesprochen verneine die 

Beschwerdeführerin eine solche Möglichkeit vehement. Die Symptome 

könnten nicht eingeordnet werden. Eine mögliche somatoforme Ursache 

werde nicht ausgeschlossen. Zur Sicherheit würden Abklärungen für eine 

zentrale Ursache in die Wege geleitet (Bg-act. 43 S. 13). 

5.10. Am 3. Dezember 2020 berichtete Dr. med. N.________, Facharzt für 

Gastroenterologie, anlässlich der bei der Beschwerdeführerin 

gleichentags durchgeführten Koloskopie einen Polypen im Colon 

transversum abgetragen zu haben (Bg-act. 43 S. 14 f.).

- 16 -

5.11. In ihrem Bericht vom 14. Dezember 2020 führte Dr. med. G.________ bei 

bekannter Diagnose einer unklaren Beinparese links aus, dass die 

Beschwerdeführerin weiterhin an Stöcken laufe und auf der linken Seite 

hinke. Die durchgeführten Zusatzuntersuchungen hätten ein 

altersentsprechend normales MRI des Schädels (vgl. hierzu Bg-act. 57) 

und normale SSEP tibialis ergeben. In ihrer Beurteilung führte sie aus, die 

durchgeführten Abklärungen seien allesamt normal. Insbesondere finde 

sich weder eine periphere noch eine zentrale Ursache für die 

Beschwerden. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin der Überzeugung, 

dass eine organische Ursache für ihre Beschwerden vorliege und weise 

eine somatoforme Ursache weiterhin ab. Wie schon mehrmals erklärt, 

könne sie die Beschwerden der Beschwerdeführerin nicht richtig 

einordnen, merkwürdig bleibe der Temperaturunterschied zwischen den 

Extremitäten. Es spreche nichts dagegen, die Beschwerdeführerin zum 

Osteopathen gehen zu lassen. Eine neurologische Grunderkrankung habe 

nicht gefunden werden können. Es sei keine Kontrolle mehr geplant (Bg-

act. 43 S. 1 f.).

5.12. Am 28. März 2021 teilte der behandelnde Osteopathe Donckles der 

Beschwerdegegnerin auf Nachfrage mit, dass die Therapie in Absprache 

mit dem Arzt und der Beschwerdeführerin aufgrund fehlender 

Erfolgsaussichten nach zwei Sitzungen abgebrochen worden sei (Bg-act. 

54).

5.13. Im Zuweisungsbericht vom 9. April 2021 (wohl recte eher 9. Oktober 2021; 

sicherlich jedoch nach dem 12. Juli 2021) des behandelnden 

Rheumatologen F.________ an Dr. med. J.________ zur 

rheumatologischen Zweitbeurteilung diagnostizierte Ersterer neben einer 

unklaren linksseitigen passagären Visusstörung im Mai 2021 

insbesondere eine unklare, persistierende, nicht dermatomspezifische 

Sensibilitätsstörung und Beinparese im linken Bein bei intermittierender 

Harninkontinenz unklarer Ursache und als Differenzialdiagnose eine 

- 17 -

Somatisierungsstörung bzw. funktionell eine chronisch rezidivierende 

lumboradikuläre Reizsymptomatik mit Schmerzhemmung. Zudem wies er 

ein therapieresistentes, invalidisierendes lumbospondylogenes 

Schmerzsyndrom beidseits linksbetont aus bei anamnestisch initial 

vereinbar mit einem entzündlichen Rückenschmerz, mässig 

degenerativen Veränderungen (MRI 01/2020, 03/2020, 07/2020 und RX 

03/2020), ISG-Syndrom links bei St. n. ISG-Infiltrationen 04/2020 und 

07/2020 mit jeweils deutlicher Schmerzexazerbation, unklare 

Sensibilitätsstörungen links vereinbar mit dem Dermatom S1 und L5 bei 

St. n. periradikulärer Infiltration der L5-Wurzel am 12. Juli 2021 mit 

vollständiger Schmerzfreiheit für ein bis zwei Tage, Fehlform und -haltung 

der Wirbelsäule sowie einer Tendenz zur Schmerzausweitung. Dazu 

führte er aus, bis auf eine deutliche Verringerung der Beschwerden bis zur 

Schmerzfreiheit durch wiederholte Steroidstösse, welche später nicht 

mehr toleriert worden seien, seien sämtliche Therapiemassnahmen im 

Verlauf ohne Effekt gewesen. Bei anhaltenden Beschwerden sei die 

Beschwerdeführerin zur Rehabilitation nach D.________ geschickt 

worden. Während des Aufenthalts sei dann eine zunehmende Beinparese 

links aufgetreten, weshalb die Beschwerdeführerin seither auf 

Unterarmgehstöcke angewiesen sei. Sämtliche Therapieversuche seien 

seither ohne wesentlichen Effekt gewesen, auch wegen multipler 

Medikamentenunverträglichkeiten. Im Juni (wohl recte: Mai) sei dann auch 

eine unklare Visusstörung links aufgetreten. Wiederholte neurologische 

Beurteilungen hätten keine Ursache für die persistierenden 

Rückenschmerzen, die linksseitige Beinparese und Visusstörung 

ergeben. Aus neurologischer Sicht sei der Verdacht auf eine 

Somatisierungsstörung geäussert worden, weshalb er eine Zuweisung an 

Dr. med. I.________ veranlasst habe, welcher die Beschwerdeführerin 

während der Rehabilitation in D.________ beurteilt habe, mit damals 

unauffälligem Befund. Zuletzt habe er aufgrund des letzten MRI-Befunds 

vom 22. Juni 2021 mit möglicher Reizung der L5-Wurzel und dazu 

- 18 -

passenden Angaben der Beschwerdeführerin eine periradikuläre 

Infiltration L5 veranlasst. Nach der Infiltration am 12. Juli 2021 habe die 

Beschwerdeführerin für ein bis zwei Tage deutlich weniger Schmerzen 

und eine vermehrte Beinschwäche angegeben mit anschliessend wieder 

unveränderter Symptomatik. Aufgrund der Symptomatik und der 

Beschwerden sei die Beschwerdeführerin seit ihrer Entlassung aus den 

Kliniken D.________ im September 2020 anhaltend zu 100 % 

arbeitsunfähig geschrieben (vgl. Replik-Akten Beschwerdeführerin [Bf-R-

act.] 1).

5.14. Im Zuweisungsschreiben an Dr. med. I.________ vom 8. Oktober 2021 

zur erneuten psychiatrischen Beurteilung führte der behandelnde 

Rheumatologe F.________ bei unveränderten Diagnosen aus, es würden 

linksseitige lumbospondylogene Beschwerden und eine auch durch 

wiederholte Abklärungen aus neurologischer Sicht nicht erklärbaren 

Beinparese links persistieren. Diese habe sich während des 

Rehabilitationsaufenhalts in D.________ akzentuiert und persistiere 

seither. Die Beschwerdeführerin sei seither nur mit Unterarmstücken 

gehfähig. Dr. med. G.________ habe den Verdacht auf eine mögliche 

somatoforme Ursache der anhaltenden Beschwerden geäussert. Im Mai 

2021 seien zudem unklare, im Verlauf vollständig regrediente 

Visusstörungen des linken Auges aufgetreten, ohne dass sich sichere 

Hinweise auf eine MS oder andere Ursache habe finden lassen. Alle 

bisherigen Therapieversuche mit Pharmakotherapie, ambulanter 

Physiotherapie, stationärer Rehabilitationsbehandlung, MTT, Chiropraxis 

und Osteopathie hätten die Beschwerden bisher nicht verringern können 

oder deren Zunahme verursacht. Eine Somatisierungsstörung mit 

funktioneller Lähmung sei zu diskutieren. Dafür passe allerdings nicht, 

dass die lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das linke Bein 

wiederholt auf Steroidstösse und zuletzt auf eine periradikuläre Infiltration 

der L5-Wurzel links bei möglicher radikulärer L5-Reizung mit vollständiger 

- 19 -

bis parzieller Regredienz der Schmerzen reagiert hätten. Hinweise auf 

einen entzündlichen Befall der Wirbelsäule seien keine gefunden worden. 

Die Ursache bleibe unklar. Eine psychiatrische Verlaufsbeurteilung 

erscheine indiziert. Aus rheumatologischer Sicht sei die 

Beschwerdeführerin seit September 2020 aufgrund der anhaltenden 

Schmerzen und der Beinparese links mit deutlich eingeschränkter 

Gehfähigkeit zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Bf-R-act. 2). 

5.15. Mit Bericht vom 22. November 2021 hielt Dr. med. I.________ fest, es 

gelte zu berücksichtigen, dass im Verlauf der bisherigen 

Krankengeschichte verschiedene Phänomene aufgetreten und auch 

aktuell nachvollziehbar seien, welche sich aus psychosomatischer Sicht 

nicht abschliessend erklären liessen. Hierbei handle es sich um 

sogenannte psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren (ICD-10: 

F54) und die körperlich nachvollziehbaren Beschwerden würden 

zumindest punktuell von dissoziativen Störungen der Bewegung und 

Sinnesempfindlichkeit überlagert. Auch die Episode mit äthiologisch nicht 

zugeordneten Sehstörungen könnte im Sinne dieser spezifischen 

Psychopathologie interpretiert werden (Bf-R-act. 3).

5.16. In seinem Bericht vom 26. November 2021 diagnostizierte Dr. med. 

J.________ ein lumbospondylogenes Syndrom links mit intermittierender 

lumboradikulären Reizsymptomatik L5 links bei muskulärer Dysbalance, 

degenerativen Veränderungen der unteren LWS mit 

Segmentdegeneration L4/5 und L5/S1, generalisierter Hyperlaxizität und 

teilweiser funktioneller Begleitproblematik. Dazu führte er aus, die 

Symptomatik lasse sich nicht alleine auf ein organisches Korrelat 

zurückführen. Die (im Untersuch festgestellte) Fusshebeschwäche zeige 

sich in unterschiedlichen Situationen in unterschiedlichem Ausmass, so 

dass zusammen mit der ebenfalls angegebenen Urin- und leichter 

Stuhlinkontinenz ein leichtgradiges schmerzassoziiertes funktionelles 

Geschehen vermutet werden müsse. Diagnostisch würde er weitere 

- 20 -

infiltrative Massnahmen vorsehen im Sinne einer 

Facettengelenksinfiltration L4/5 und L5/S1 beidseits und allenfalls einer 

Diskographie bzw. eines Diskoblocks. Möglicherweise sei die 

Symptomatik auf eine segmentale Mikroinstabilität im Sinne eines 

intradiskalen Derangements zurückzuführen. Sollte ein solches 

segmentales Problem vorliegen, so müssten die infiltrativen 

Behandlungen an den Facettengelenken oder an der Bandscheibe zu 

einer doch deutlicheren Beschwerdelinderung führen. In dieser Situation 

wäre allenfalls mit einem erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen eine 

segmentstabilisierende Operation zu diskutieren (Bf-R-act. 4).

6. Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen 

Verfügung vom 31. August 2021 einen Anspruch auf Leistungen der 

Invalidenversicherung namentlich mit der Begründung, die bei der 

Beschwerdeführerin vorliegende Erkrankung führe nicht zu einem länger 

andauernden Ausfall der Erwerbstätigkeit; die zuletzt ausgeführte Tätigkeit 

wie auch jegliche angepasste Tätigkeit sei spätestens ab November 2020 

wiederum voll zumutbar (Bg-act. 70). Die Beschwerdegegnerin stützte sich 

dabei insbesondere auf die Abschlussbeurteilung des RAD-Arztes Dr. med. 

H.________ vom 28. Mai 2021 ab (Bg-act. 71 S. 10 [Case Report]). Dieser 

führte darin aus, es bestehe eine LWS-Problematik ohne neurologische 

Ausfälle (siehe negative EMG vom 8. Dezember 2020 und auch negative 

PESS). Auch das MRI vom 10. Dezember 2020 sei unauffällig. Laut 

neurologischem Bericht vom 14. Dezember 2020 seien die durchgeführten 

Abklärungen als normal zu bewerten. Insbesondere sei weder eine 

periphere noch eine zentrale Ursache für die Beschwerden gefunden 

worden. Es sei von Seiten des Urologen von einer intermittierenden 

Harninkontinenz im Rahmen der lumbospondylogenen Schmerzen die Rede 

(siehe Arztbericht von Dr. med. M.________ vom 4. Oktober 2020). Es seien 

keine Komorbiditäten vorhanden, ausser Kolonpolypen, wobei am 9. 

Dezember 2020 ein Polyp reseziert worden sei, ohne Auffinden von 

- 21 -

Dysplasien mit empfohlener Kontrollkoloskopie per 2023. Von 

psychiatrischer Seite gebe es anscheinend keine gesundheitliche 

Problematik (siehe Bericht vom 31. August 2020). Aufgrund dieser niedrigen 

Beweiskonsistenz des Krankheitsbildes, bei welchem eine deutliche 

Diskrepanz zwischen den angegebenen Symptomen und den Befunden 

bestehe, seien die Voraussetzungen für die Anerkennung einer bleibenden 

Arbeitsunfähigkeit sowohl in den angestammten Tätigkeiten und so mehr in 

adaptierten Tätigkeiten nicht gegeben. Auf Eingliederungsmassnahmen 

dürfte verzichtet werden. Gestützt darauf wies Dr. med. H.________ ab dem 

14. Dezember 2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und 

einer adaptierten Tätigkeit aus (Bg-act. 71 S. 11 [Case Report]). 

7. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf 

die RAD-Abschlussbeurteilung vom 28. Mai 2021 abgestellt hat oder ob die 

übrige Aktenlage daran auch nur geringe Zweifel zu wecken vermag. 

Während die Beschwerdegegnerin darin einen Gesamtwert der 

Arbeitsfähigkeit erblickt und sie in ihren Ergebnissen für schlüssig, 

nachvollziehbar und widerspruchsfrei hält, erachtet die 

Beschwerdeführerin eine Einschränkung ihrer Leistungsfähigkeit aufgrund 

der therapierefraktären Rückenbeschwerden für ausgewiesen bzw. den 

medizinischen Sachverhalt für ungenügend abklärt.

8. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der 

Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts- und Mitwirkungspflicht der 

Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde 

hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen 

abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl. 

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die 

Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch 

grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Die 

- 22 -

Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des 

streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit 

besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kantonale 

Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen, 

objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung 

gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich sei, 

steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen. Bleiben 

jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der 

getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, 

soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche 

Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1, 8C_616/2013 vom 28. Januar 

2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 ff. und 29 f.). Kommt die 

Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht oder nicht genügend nach, kann 

die Sache aus diesem Grund an die Verwaltung zurückgewiesen werden 

(vgl. BGE 132 V 368 E.5).

9. Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass auch reine 

Aktenberichte, wie dies grundsätzlich auch bei den Stellungnahmen 

Regionaler Ärztlicher Dienste der Fall ist, rechtsprechungsgemäss 

beweiskräftig sein können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_224/2020 

vom 13. Mai 2020 E.4.3, 8C_125/2020 vom 15. April 2020 E.3, 

8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3). Hierfür muss aber – auch nach der 

von der Beschwerdegegnerin zitierten Praxis – ein lückenloser Befund 

vorliegen und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung 

eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts gehen, so dass 

eine direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den 

Hintergrund rückt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_224/2020 vom 13. 

Mai 2020 E.4.3, 9C_651/2019 vom 18. Februar 2020 E.4.3 m.H.). Dies trifft 

vorliegend auf das von der Beschwerdeführerin als im Vordergrund 

stehend bezeichnete Rückenleiden indessen nicht zu. Soweit sich den 

- 23 -

Akten entnehmen lässt, waren RAD-Arzt Dr. med. H.________ mit Blick 

auf dieses Beschwerdebild einzig der Bericht von Dr. med. K.________ 

vom 5. Februar 2020 sowie der Austrittsbericht der Kliniken D.________ 

vom 15. Oktober 2020 bzw. der diesem zugrundeliegende Röntgenbefund 

vom 11. September 2020 bekannt (vgl. RAD-Beurteilung vom 17. Februar 

2021 [Bg-act. 71 S. 8 f.]). Obwohl darin ein ISG-Syndrom links und ein 

lumbospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont mit Fehlform und -

haltung der Wirbelsäule, muskulärer Dysbalance und mässigen 

degenerativen Veränderungen der LWS ausgewiesen wurden (vgl. Bg-act. 

9 S. 2 f., 39 S. 3 und S. 9 ff.), bezüglich welcher ein hoher Leidensdruck 

anerkannt wurde bzw. gestützt auf welche der behandelnde Rheumatologe 

F.________ auch nach dem Klinikaustritt im September 2020 eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (vgl. Zuweisungsberichte vom 9. 

April 2021 und 8. Oktober 2021 [Bf-act. 1 f.], Bericht vom 27. Juni 2020 [Bg-

act. 9 S. 8] und diverse ärztliche Zeugnisse ab dem 15. April 2020 [Bg-act. 

10 S. 4 ff.]), sind keine entsprechenden, im Rahmen des 

Abklärungsverfahrens eingeholten Verlaufsberichte aktenkundig. Zwar 

bemühte sich die Beschwerdegegnerin nach erfolgter Anmeldung zum 

Leistungsbezug zu Beginn noch darum, solche bei den der behandelnden 

(Fach-)Ärzten F.________ und Dr. med. E.________ erhältlich zu machen 

(vgl. Bg-act. 20, 29, 38, 40, 45). Die letzten Erinnerungen zur Einreichung 

der einverlangten Unterlagen datieren jedoch von Dezember 2020 (Bg-act. 

40 und 45), womit bis zum Erlass der Verfügung am 31. August 2021 trotz 

der klinisch und bildgebend unterlegten, therapierefraktären 

persistierenden Rückenbeschwerden mit funktionellen Auswirkungen 

keine entsprechenden Abklärungen mehr erfolgten. Da die Akten somit 

kein vollständiges Bild über die Anamnese, den Verlauf und den im 

Verfügungszeitpunkt gegenwärtigen Status ergaben, ist dem Aktenbericht 

des RAD-Arztes Dr. med. H.________ vom 28. Mai 2021 bereits aus 

diesem Grund die Beweistauglichkeit abzusprechen. Aufgrund der 

unvollständigen Abklärung des medizinischen Sachverhalts ist Dr. med. 

- 24 -

H.________ denn auch in befundlicher Hinsicht entgangen, dass die 

therapierefraktären Rückenbeschwerden persistierten und neben der im 

Mai 2021 bei der Beschwerdeführerin aufgetretenen unklaren Visusstörung 

im MRI-Befund vom 22. Juni 2021 eine mögliche Reizung der L5-Wurzel 

festgestellt worden ist (vgl. Zuweisungsberichte des behandelnden 

Rheumatologen F.________ vom 9. April 2021 und 8. Oktober 2021 [Bf-R-

act. 1 f.]), gestützt auf welche Dr. med. J.________ mit Bericht vom 26. 

November 2021 als Ursache für die Symptomatik eine segmentale 

Mikroinstabilität im Sinne eines intradiskalen Derangements vermutete, bei 

welcher – sollte sich diese diagnostisch bewahrheiten – eine 

segmentstabilisierende Operation zu diskutieren sei (Bf-R-act. 4). Auch 

insoweit kann somit entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin 

nicht von einer im Zeitpunkt der Aktenbeurteilung durch den RAD bzw. des 

Verfügungserlasses an sich feststehenden medizinischen Sachlage mit 

Blick auf die Rücken- bzw. Wirbelsäulenleidens gesprochen werden. 

Insofern hätte die Beschwerdegegnerin auch nicht in antizipierter 

Beweiswürdigung auf weitere medizinische Abklärungen, insbesondere bei 

den behandelnden (Fach-)Ärzten, verzichten dürfen.

10. Hinzu kommt, dass RAD-Arzt Dr. med. H.________ in seiner 

Abschlussbeurteilung vom 28. Mai 2021 auf die neurologischen Ausfälle 

betreffend das linke Bein fokussierte und es hinsichtlich des Rückenleidens 

beim Hinweis auf die LWS-Problematik bewenden liess, ohne sich mit den 

vorbefundlichen Diagnosen und deren Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit auseinanderzusetzen und seine abweichende 

Einschätzung in nachvollziehbarer Weise zu begründen. Denn während er 

insgesamt eine bleibende Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in der 

bisherigen und einer adaptierten Tätigkeit verneinte (Bg-act. 70 S. 10 f.), 

stellten die behandelnden Fachärzte gestützt auf die klinischen und 

bildgebenden Befunde neben einem ISG-Syndrom links insbesondere ein 

therapieresistentes, lumbospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont 

- 25 -

bei einer Fehlform und -haltung der Wirbelsäule, einer muskulären 

Dysbalance sowie mässigen degenerativen Veränderungen der LWS fest 

(vgl. Bg-act. 9 S. 2 f., 9 S. 7 f., 39 S. 3, 39 S. 9 f., Bf-R-act. 1 und 2), wobei 

der behandelnde Rheumatologe F.________ eine auch nach dem 

Rehabilitationsaufenthalt weiterhin bestehende 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit auswies (vgl. Zuweisungsberichte vom 9. April 2021 und 

8. Oktober 2021 [Bf-act. 1 f.], Bericht vom 27. Juni 2020 [Bg-act. 9 S. 8] 

und diverse ärztliche Zeugnisse ab dem 15. April 2020 [Bg-act. 10 S. 4 ff.]). 

Demnach erweist es sich als aktenwidrig, wenn die Beschwerdegegnerin 

in der Vernehmlassung ausführte, die Einschätzung des RAD der durch 

das Wirbelsäulenleiden bewirkten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit 

entspreche einhelliger Auffassung und es lägen keine abweichenden 

Berichte vor. Vielmehr hätte es diesbezüglich von Seiten von Dr. med. 

H.________ einer eingehenden und nachvollziehbaren Begründung 

bedurft, sind doch die zwischen der RAD-ärztlichen und den vorgenannten 

fachärztlichen Beurteilungen bestehenden Divergenzen unmittelbar für die 

zu klärenden Belange bedeutsam. 

11. Des Weiteren vermag die Einschätzung von Dr. med. H.________ auch 

nicht mit Blick auf die neurologisch untersuchte, letztendlich aber unklar 

gebliebenen Beinparese links zu überzeugen. Zwar stellte er in 

Übereinstimmung mit dem Bericht von Dr. med. G.________ vom 14. 

Dezember 2020 fest, dass die Ergebnisse der durchgeführten Abklärungen 

als normal zu bewerten seien und sich weder eine periphere noch eine 

zentrale Ursache für die Beschwerden habe finden lassen (Bg-act. 71 S. 

10 und 43 S. 1). Dr. med. G.________ betonte in ihren Berichten indes 

mehrmals, dass sie die Symptomatik nicht richtig einordnen könne, und 

vermutete eine mögliche somatoforme Ursache für die anhaltenden 

Beschwerden (Bg-act. 43 S. 9 f., 43 S. 13 und 43 S. 1). Mangels 

neurologisch klar fassbarer Ausfallproblematik am linken Bein hätte es Dr. 

med. H.________ daher nicht beim Hinweis auf eine niedrige 

- 26 -

Beweiskonsistenz des Krankheitsbildes und die deutliche Diskrepanz 

zwischen den angegebenen Symptomen und den Befunden bewenden 

lassen dürfen (Bg-act. 71 S. 11). Aufgrund des aus neurologischer Sicht 

geäusserten Verdachts auf eine Somatisierungsstörung hätten sich weitere 

psychiatrische Abklärungen aufgedrängt, auch wenn Dr. med. I.________ 

mit psychosomatischem Austrittsbericht vom 6. Oktober 2020 damals 

keinen auffälligen Befund erheben konnte (Bg-act. 39 S. 5), wurde er doch 

auch nicht spezifisch um eine Abklärung einer Somatisierungsstörung 

gebeten. Dies wurde erst durch den behandelnden Rheumatologen 

F.________ mit der Zuweisung vom 8. Oktober 2021 nachgeholt (Bf-R-act. 

2). In seinem Bericht vom 22. November 2021 stellte Dr. med. I.________ 

letztlich fest, dass im Verlauf der bisherigen Krankengeschichte 

verschiedene Phänomene aufgetreten und auch aktuell nachvollziehbar 

seien, welche sich aus psychosomatischer Sicht nicht abschliessend 

erklären liessen. Hierbei handle es sich um sogenannte psychologische 

Faktoren und Verhaltensfaktoren (ICD-10: F54) und die körperlich 

nachvollziehbaren Beschwerden würden zumindest punktuell von 

dissoziativen Störungen der Bewegung und Sinnesempfindlichkeit 

überlagert. Auch die Episode mit äthiologisch nicht zugeordneten 

Sehstörungen könnte im Sinne dieser spezifischen Psychopathologie 

interpretiert werden (Bf-R-act. 3). Dies blieb mit Blick auf die Beurteilung 

der medizinischen Zusammenhänge unberücksichtigt.

12. Schliesslich kann der RAD-Abschlussbeurteilung vom 28. Mai 2021 auch 

nicht hinsichtlich der Einschätzung der funktionellen Auswirkungen der 

festgestellten Ausfallproblematik im linken Bein gefolgt werden. So geht 

aus den Berichten von Dr. med. G.________ in befundlicher Hinsicht 

hervor, dass die Beschwerdeführerin beim Gehen das linke Bein nachziehe 

und nicht vom Fuss abrolle. Die Fussspitze werde am Boden mit 

Extrarotation vom Bein nachgeschleift. Das Gehen für längere Strecken sei 

nur mit Stöcken möglich. Ein Fersen- und Fussspitzgang sei links nicht 

- 27 -

möglich. Die Beschwerdeführerin könne vom Stuhl nur mit Unterstützung 

der Hände aufstehen, vorwiegend wegen der Rückenschmerzen. Die Kraft 

im gesamten linken Bein sei vermindert (Bg-act. 43 S. 9 f. und 43 S. 1). In 

Übereinstimmung damit stellte auch der behandelnde Rheumatologe 

F.________ in seinen Zuweisungsberichten vom 9. April 2021 und 8. 

Oktober 2021 fest, dass sich die Beinparese links während des 

Rehabilitationsaufenthalts in den Kliniken D.________ akzentuiert habe 

und seither persistiere, wobei die Beschwerdeführerin nur mit 

Unterarmgehstöcken gehfähig sei (Bf-R-act. 1 und 2). Vor diesem 

Hintergrund leuchtet insbesondere nicht ein, wenn Dr. med. H.________ 

die Voraussetzungen für die Anerkennung einer bleibenden 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, d.h. als Küchenhilfe und 

Reinigungsfachkraft (Bg-act. 19), verneint hat. Auch mit Blick auf mögliche 

Verweisungstätigkeiten fand keine eigentliche Auseinandersetzung mit den 

funktionellen Auswirkungen der festgestellten Einschränkungen statt. So 

wurde denn auch kein leidensangepasstes Belastungsprofil definiert (Bg-

act. 71 S. 10 f.). Zudem weist die Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, 

dass es widersprüchlich erscheint, wenn Dr. med. H.________ in seiner 

Stellungnahme vom 16. Februar 2021 in prognostischer Hinsicht zunächst 

mit einer Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit am Ende der 

vorgesehenen osteopathischen Behandlung rechnete (Bg-act. 71 S. 6), 

nach deren Abbruch mangels Erfolgsaussichten in Absprache mit dem Arzt 

nach nur zwei Sitzungen (Bg-act. 54) sodann aber von keiner 

Arbeitsunfähigkeit mehr ausging (Bg-act. 71 S. 9 f.).

13. Insgesamt vermag die RAD-Abschlussbeurteilung vom 28. Mai 2021 somit 

keinen beweiswertig genügenden, insbesondere umfassenden und 

betreffend die medizinischen Zusammenhänge und deren funktionelle 

Auswirkungen nachvollziehbaren Aktenbericht zu bilden. Da sich das 

tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin 

mangels genügender Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts auch 

- 28 -

nicht anhand der übrigen Aktenlage zuverlässig und umfassend 

einschätzen lässt, erweist sich ein reformatorischer Entscheid im Sinne 

einer Zusprache von Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere 

einer Invalidenrente, wie dies von der Beschwerdeführerin im 

Hauptrechtsbegehren beantragt wird, als verfrüht. 

Die Beschwerde ist daher im Eventualstandpunkt gutzuheissen, die 

angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach externer 

sachverständiger oder fachärztlicher Abklärung des medizinischen 

Sachverhalts (und unter Gewährung des rechtlichen Gehörs) gestützt auf 

die dannzumal vollständigen medizinischen Unterlagen über den 

Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide bzw. 

berufliche Eingliederungsmassnahmen einleite. Vor diesem Hintergrund 

erübrigen sich Weiterungen zur spezifischen fachärztlichen Qualifikation 

von RAD-Arzt Dr. med. H.________.

14. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- 

festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher 

Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung 

des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- fest. Die 

Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als vollständiges 

Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der Verteilung der 

Gerichtskosten und der Zusprache einer Parteientschädigung (vgl. BGE 

141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 132 V 215 E.6.2). Infolge des Ausgangs 

des Beschwerdeverfahrens sind die Gerichtskosten von CHF 700.-- 

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demnach der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 

VRG).

15. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die 

Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig 

von der Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die 

Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG nach 

dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. 

Oktober 2018 E.6.1, 9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). 

Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des 

Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, 

HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des 

Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote 

geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand 

sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin reichte trotz entsprechender Aufforderung durch das 

Gericht mit Schreiben vom 8. November 2021 keine Honorarnote ein. Der 

Beschwerdeführerin ist deshalb unter Berücksichtigung des praxisgemäss 

bei fehlender Honorarvereinbarung geltenden Stundenansatzes von CHF 

240.-- (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden R 17 86 vom 17. April 2018 E.5.2) eine pauschale 

Parteientschädigung in der Höhe von CHF 3'500.-- (inkl. Spesen und 

MWST) zuzusprechen. In diesem Umfang hat die Beschwerdegegnerin die 

Beschwerdeführerin aussergerichtlich zu entschädigen.

III. Demnach erkennt das Gericht:

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1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung vom 

31. August 2021 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren medizi-

nischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid 

an die IV-Stelle des Kantons Graubünden zurückgewiesen.

2. Die Kosten von CHF 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A.________ eine pauschale 

Parteientschädigung in der Höhe von CHF 3'500.-- (inkl. Spesen und 

MWST) zu bezahlen.  

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]