# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 41cc780f-6684-524b-b876-33402b879e99
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-18
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 18.03.2025 460 2024 135 (460 24 135)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2024-135_2025-03-18.pdf

## Full Text

Seite 1   

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

18. März 2025 (460 24 135) 

____________________________________________________________________ 

 

Strafrecht 

 
 
Fahrlässige schwere Körperverletzung etc. 

 

 

Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Isabella Schibli (Ref.),  

Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Hauptabteilung Allgemeine Delikte,  

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde und Berufungsklägerin 

 

A.____,  

vertreten durch Advokat Marco Albrecht,  

Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz,  

Privatkläger und Berufungskläger 

  

gegen 

 

 B.____,  

vertreten durch Advokatin Dr. C.____,  

Beschuldigter 

 

Dr. C.____,  

Amtliche Verteidigerin und Berufungsklägerin 

 

Gegenstand Fahrlässige schwere Körperverletzung etc. 

Berufungen gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums  

Basel-Landschaft vom 31. Januar 2024 

 

 
 
 

 
 
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A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgerichts-

präsidium) vom 31. Januar 2024 wurde B.____ (nachfolgend: Beschuldigter bzw. Beurteilter) 

der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und 

Munition vom 20. Juni 1997 (Waffengesetz, WG; SR 514.54) sowie des Führens eines Motor-

fahrzeuges in fahrunfähigem Zustand schuldig erklärt und dafür zu einer bedingt vollziehbaren 

Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 140.00, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter An-

rechnung der vom 21. September 2021 bis zum 24. September 2021 ausgestandenen Untersu-

chungshaft von 3 Tagen, sowie zu einer Busse von CHF 800.00 verurteilt, wobei im Falle 

schuldhafter Nichtbezahlung der Busse an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen 

tritt (Dispositiv-Ziffer 1). Demgegenüber wurde der Beurteilte vom Vorwurf der fahrlässigen 

schweren Körperverletzung zum Nachteil von A.____ (nachfolgend: Privatkläger) freigespro-

chen (Dispositiv-Ziffer 2). Zudem entschied die Vorderrichterin über das Schicksal verschiede-

ner beschlagnahmter Gegenstände des Beurteilten, des Privatklägers sowie von D.____ (Dis-

positiv-Ziffern 3-5). Überdies wurde angeordnet, dass sämtliche im vorliegenden Verfahren fo-

rensisch gesicherten Daten, welche sich bei der Polizei Basel-Landschaft (nachfolgend: Poli-

zei), IT-Forensik, befinden, nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht werden (Dispo-

sitiv-Ziffer 6). Im Weiteren wurden die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Pri-

vatklägers sowie dessen Entschädigungsbegehren abgewiesen (Dispositiv-Ziffern 7-8). Die Ver-

fahrenskosten in der Höhe von insgesamt CHF 27'311.25, bestehend aus den Kosten des Vor-

verfahrens von CHF 23'461.25, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts Basel-Landschaft 

(nachfolgend: Zwangsmassnahmengericht) von CHF 850.00 sowie der Gerichtsgebühr von 

CHF 3'000.00, wurden im Umfang von 10 % dem Beurteilten und im Umfang von 90 % dem 

Staat auferlegt (Dispositiv-Ziffer 9). Endlich wurde das Honorar der amtlichen Verteidigerin, Ad-

vokatin Dr. C.____, auf CHF 19'140.70 (inkl. Auslagen und 7.7 % bzw. 8.1 % Mehrwertsteuer) 

festgesetzt und unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurteilten gemäss Art. 135 

Abs. 4 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (Strafprozessordnung, 

StPO; SR 312.0) aus der Gerichtskasse vorgeschossen. Der Beurteilte wurde unter Hinweis auf 

die genannte Gesetzesbestimmung dazu verpflichtet, 10 % der Verteidigungskosten an den 

Kanton Basel-Landschaft zurückzuzahlen (Dispositiv-Ziffer 10). 

 

B. Gegen das obgenannte Urteil haben die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Haupt-

abteilung Allgemeine Delikte (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), mit Schreiben vom 6. Februar 

2024, der Privatkläger mit Eingabe vom 6. Februar 2024 sowie die amtliche Verteidigerin in ei-

 
 
 

 
 
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genem Namen mit Schreiben vom 12. Februar 2024 die Berufung angemeldet. Mit Eingaben 

vom 25. Juni 2024, 26. Juni 2024 und ebenfalls 26. Juni 2024 haben sodann die Staatsanwalt-

schaft, der Privatkläger sowie die amtliche Verteidigerin dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, 

Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), ihre Berufungserklärungen übermittelt. 

 

C. Die Staatsanwaltschaft hat mit bereits begründeter Berufungserklärung vom 25. Juni 

2024 die Anträge gestellt, (1.) es sei in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 1 des vorinstanzlichen 

Urteils der Beschuldigte wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung, Vergehens gegen das 

Waffengesetz sowie Führens eines Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand schuldig zu er-

klären und hierfür zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 160 Tagessätzen, bei einer 

Probezeit von 4 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 800.00 zu verurteilen; (2.) es sei Dispo-

sitiv-Ziffer 2 des erstinstanzlichen Erkenntnisses aufzuheben und (3.) es seien in Abänderung 

von Dispositiv-Ziffer 9 des strafgerichtlichen Entscheids die Verfahrenskosten dem Beschuldig-

ten zu 100 % aufzuerlegen. Überdies stellte die Anklagebehörde den Verfahrensantrag, es sei-

en ihr sämtliche Verfahrensakten seit der Anklageüberweisung ans Strafgericht (ab act. 1971) 

mit Paginierung zuzustellen. 

 

D. Der Privatkläger seinerseits hat gemäss Berufungserklärung vom 26. Juni 2024 und 

Berufungsbegründung vom 5. September 2024 die Rechtsbegehren gestellt, (1.) es sei das 

vorinstanzliche Urteil betreffend Dispositiv-Ziffer 2 in Bezug auf den Vorwurf der fahrlässigen 

schweren Körperverletzung aufzuheben, und es sei der Beschuldigte gemäss Anklage wegen 

fahrlässigen schwerer Körperverletzung schuldig zu sprechen; (2.) es sei der Beschuldigte in 

Abänderung von Dispositiv-Ziffer 7 des genannten Urteils zu verpflichten, dem Privatkläger 

Schadenersatz in der Höhe von CHF 23'616.50 zuzüglich 5 % Zins seit dem 18. September 

2021 zu bezahlen, wobei festzustellen sei, dass es sich hierbei um eine Teilklage handelt und 

die weitere noch nicht bezifferbare Schadenersatzforderung auf den Zivilweg zu verweisen sei, 

und der Beschuldigte des Weiteren zu verpflichten sei, dem Privatkläger eine Genugtuung im 

Betrag von mindestens CHF 40'000.00 zuzüglich 5 % Zins seit dem 18. September 2021 zu 

leisten; (3.) es sei der Beschuldigte in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 8 des vorerwähnten 

Entscheids zu verpflichten, dem Privatkläger eine Parteientschädigung für das vorinstanzliche 

Verfahren in der Höhe von CHF 10'858.95 zu entrichten; (4.) im Übrigen sei der Beschuldigte zu 

verpflichten, dem Privatkläger eine Parteientschädigung gemäss noch einzureichender, aktuali-

sierter Honorarnote zu bezahlen; (5.) unter o/e-Kostenfolge. 

 
 
 

 
 
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E. Zudem hat die amtliche Verteidigerin als Berufungsklägerin in eigenem Namen gemäss 

Berufungserklärung vom 26. Juni 2024 und Berufungsbegründung vom 25. September 2024 

beantragt, (1.) es sei in teilweiser Abänderung von Dispositiv-Ziffer 10 des erstinstanzlichen 

Erkenntnisses das Honorar der amtlichen Verteidigung für Bemühungen bis zum 31. Dezember 

2023 auf CHF 19'416.66 plus eine Spesenvergütung von CHF 989.10 zuzüglich Mehrwertsteuer 

von 7.7 % im Betrag von CHF 1'571.24 sowie für Bemühungen ab dem 1. Januar 2024 auf 

CHF 5'216.66 plus eine Spesenvergütung von CHF 13.40 zuzüglich Mehrwertsteuer von 8.1 % 

im Betrag von CHF 423.63 festzusetzen, wobei im Unterschied zur Berufungserklärung vom 

26. Juni 2024 in der Berufungsbegründung vom 25. September 2024 an dieser Stelle der Zu-

satz "zuzüglich der Aufwendungen für die Teilnahme an der erstinstanzlichen Hauptverhand-

lung" angefügt worden ist; (2.) eventualiter sei in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 10 des er-

wähnten Urteils das vom Strafgericht festgelegte Honorar in Bezug auf die Mehrwertsteuersätze 

aufzuschlüsseln, und es seien die auf das Honorar anfallenden Mehrwertsteuerbeiträge zum 

Mehrwertsteuersatz von 7.7 % ziffernmässig festzuhalten und ebenso die auf das Honorar an-

fallenden Mehrwertsteuerbeitrage zum Mehrwertsteuersatz von 8.1 % ziffernmässig zu eruie-

ren; (3.) unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. Darüber hinaus stellte 

die amtliche Verteidigerin mit Berufungserklärung vom 26. Juni 2024 die Verfahrensanträge, 

(1.) es sei ihr ein Replikrecht zu allfälligen Berufungsantworten und Stellungnahmen zur vorlie-

genden Berufung einzuräumen; (2.) es seien ihr eine Kopie des Verfahrensprotokolls der erstin-

stanzlichen Hauptverhandlung sowie Kopien sämtlicher an der Hauptverhandlung eingereichter 

Unterlagen (Plädoyernotizen, Beilagen, Honorarnoten etc.) zuzustellen; (3.) es sei eine Frist zur 

schriftlichen Begründung der Berufung anzusetzen.  

 

F. Der Beschuldigte hat mit Eingabe vom 18. Juli 2024 mitgeteilt, dass weder Anschluss-

berufung erhoben noch ein Antrag auf Nichteintreten gestellt werde. Des Weiteren hat er um 

Bewilligung der amtlichen Verteidigung durch Advokatin Dr. C.____ für das Berufungsverfahren 

und schliesslich um Zustellung der vollständigen (paginierten) Verfahrensakten seit Anklageer-

hebung ersucht.  

 

G. Mit weiterer Eingabe vom 26. August 2024 hat der Beschuldigte das ausgefüllte For-

mular "Gesuch um amtliche Verteidigung" inklusive Beilagen eingereicht. Zudem hat er bean-

tragt, es sei – wie bereits im erstinstanzlichen Verfahren – auch im Berufungsverfahren dessen 

 
 
 

 
 
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aktuelle Adresse aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht an den Privatkläger und die 

Öffentlichkeit weiterzugeben.  

 

H. Mit Berufungsantwort vom 28. November 2024 hat der Beschuldigte begehrt, (1.) es 

sei das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 31. Januar 2024 in Abweisung der Berufung der 

Staatsanwaltschaft und des Privatklägers vollumfänglich zu bestätigen; (2.) unter o/e-

Kostenfolge, wobei dem Beschuldigten für das zweitinstanzliche Verfahren die amtliche Vertei-

digung mit Advokatin Dr. C.____ zu bewilligen sei. 

 

I. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 25. Juli 2024 wurde unter 

anderem festgestellt, dass der Beschuldigte weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben 

hat. Des Weiteren wurden den Parteien die gesamten Akten des strafgerichtlichen Verfahrens 

in elektronischer Form zugestellt. 

 

J. Mit weiterer Verfügung des Kantonsgerichts vom 26. September 2024 wurde mitunter 

Advokat Marco Albrecht verpflichtet, die aktuelle Adresse des Beschuldigten weder seinem 

Mandanten noch einer anderen Drittperson zur Kenntnis zu bringen. Zudem wurde dem Be-

schuldigten die amtliche Verteidigung mit Advokatin Dr. C.____ für das Rechtsmittelverfahren 

bewilligt. 

 

K. Sodann wurde mit Verfügung vom 3. Dezember 2024 unter anderem konstatiert, dass 

der Privatkläger innert mit Verfügung vom 26. September 2024 gesetzter Frist auf eine Stel-

lungnahme zur Berufungsbegründung der amtlichen Verteidigerin vom 25. September 2024 

verzichtet hat. Überdies wurde der Schriftenwechsel geschlossen, und die Staatsanwaltschaft, 

der Rechtsvertreter des Privatklägers sowie der Beschuldigte wurden zur kantonsgerichtlichen 

Hauptverhandlung geladen. Demgegenüber wurde dem Privatkläger die Teilnahme an der Be-

rufungsverhandlung in sein freies Ermessen gestellt. 

 

L. Anlässlich der vom 17. März 2025 bis zum 18. März 2025 stattfindenden Hauptverhand-

lung vor dem Kantonsgericht sind die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwalt Mark 

Balke, als Berufungsklägerin, der Privatkläger, vertreten durch Advokat Marco Albrecht, substi-

tutionsweise vertreten durch Fabian Leimgruber, ebenso als Berufungskläger, der Beschuldigte, 

vertreten durch die amtliche Verteidigerin, Advokatin Dr. C.____, sowie dieselbe Advokatin als 

 
 
 

 
 
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Berufungsklägerin in eigenem Namen erschienen. Die Parteien haben ihre bisher in Schriftform 

gestellten Anträge wiederholt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21 f., unter Hin-

weis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer der Staatsanwaltschaft, S. 6, des Privatklägerver-

treters, S. 14 f., sowie der Beschuldigtenvertreterin S. 7).  

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher 

Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gestützt auf 

Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliess-

lich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge-

rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Un-

angemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten 

umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Vorliegend bringen die Parteien zulässige 

Rügegründe vor. Die Legitimation zur Erhebung von Rechtsmitteln ergibt sich für die Staatsan-

waltschaft aus Art. 381 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. c StPO, für den Privatkläger aus 

Art. 382 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO sowie für die amtliche Verteidigerin aus 

Art. 135 Abs. 3 StPO. Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstin-

stanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzu-

melden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten 

Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 

 

2. Mit Blick auf die seitens der Parteien vor dem Strafgerichtspräsidium wie auch vor Kan-

tonsgericht gestellten Anträge ergibt sich die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsge-

richts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmit-

tels aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung vom 12. März 2009 (EG StPO; SGS 250). Die Legi-

timation der Staatsanwaltschaft, des Privatklägers sowie der amtlichen Verteidigerin ist vorlie-

gend ohne Weiteres gegeben. Aus den Akten geht hervor, dass das Urteilsdispositiv der ersten 

Instanz vom 31. Januar 2024 je am 5. Februar 2024 der Staatsanwaltschaft (act. S 289), dem 

Privatkläger (act. S 293) und der amtlichen Verteidigerin (act. S 291) zugestellt worden ist. Mit 

ihren Berufungsanmeldungen vom 6. Februar 2024 haben die Staatsanwaltschaft (act. S 449) 

 
 
 

 
 
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und der Privatkläger (act. S 453) sowie die amtliche Verteidigerin mit ihrer Berufungsanmeldung 

vom 12. Februar 2024 (act. S 457) jeweils die zehntägige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO 

eingehalten. Auch die Fristen zur Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurden 

vorliegend gewahrt: Das begründete Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 31. Januar 2024 

wurde der Staatsanwaltschaft (act. S 361), dem Privatkläger (act. S 365) und der amtlichen Ver-

teidigerin (act. S 363) je am 7. Juni 2024 zugestellt, und mit Datum vom 25. Juni 2024 hat die 

Staatsanwaltschaft sowie mit Datum vom 26. Juni 2024 haben der Privatkläger und die amtliche 

Verteidigerin ihre Berufungserklärungen eingereicht. Was schliesslich die Form betrifft, so erfül-

len die Eingaben der Berufungsklägerschaft die Anforderungen von Art. 385 Abs. 1 StPO. Es ist 

demnach auf alle drei Berufungen einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufungen 

1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Ur-

teil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Im vorliegenden Fall 

liegt eine Berufung der Staatsanwaltschaft, des Privatklägers sowie der amtlichen Verteidigung, 

Advokatin Dr. C.____, in eigenem Namen vor. Demgegenüber hat der Beschuldigte weder Be-

rufung noch Anschlussberufung erhoben. 

 

Aufgrund des Gegenstandes der erwähnten Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft, des 

Privatklägers sowie der amtlichen Verteidigung in eigenem Namen wird das Urteil des Strafge-

richtspräsidiums vom 31. Januar 2024 grundsätzlich vollumfänglich angefochten. Nicht ange-

fochten sind jedoch die folgenden Teile des vorinstanzlichen Entscheids: die Schuldsprüche 

wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie Führens eines Motorfahr-

zeuges in fahrunfähigem Zustand (Dispositiv-Ziffer 1); die Auferlegung einer Busse von 

CHF 800.00 für die begangenen Übertretungen (Dispositiv-Ziffer 1); der Entscheid über das 

Schicksal verschiedener beschlagnahmter Gegenstände des Beurteilten, des Privatklägers und 

von D.____ (Dispositiv-Ziffern 3-5) sowie die Anordnung, wonach sämtliche im vorliegenden 

Verfahren forensisch gesicherten Daten, welche sich bei der Polizei, IT-Forensik, befinden, 

nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht werden (Dispositiv-Ziffer 6). Diese unange-

fochten gebliebenen Punkte des Urteils des Strafgerichtspräsidiums vom 31. Januar 2024 sind 

bereits mit Urteilstag in Rechtskraft erwachsen (Art. 437 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 437 Abs. 2 

StPO), weshalb auf diese mit vorliegendem Urteil nicht mehr einzugehen ist.  

 
 
 

 
 
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2. Überdies ist vorliegend Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten. Demnach darf die Rechts-

mittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten Person abändern, wenn das 

Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist (Verbot der "reformatio in peius"). Diese 

Konstellation liegt in casu zufolge Vorliegens der Berufung seitens der Staatsanwaltschaft so-

wie des Privatklägers nicht vor. Demzufolge kann das Kantonsgericht das vorinstanzliche Urteil 

entweder bestätigen oder im Rahmen der Berufungsanträge der Staatsanwaltschaft und des 

Privatklägers zu Lasten des Beschuldigten verschärfen. Demgegenüber ist eine Milderung des 

Urteils zu Gunsten des Beschuldigten mangels Vorliegens einer eigenen Berufung oder An-

schlussberufung nicht möglich. 

 

3. Das Berufungsgericht ist mit umfassender Kognition ausgestattet (Art. 398 Abs. 2 und 

3 StPO). Die Grundlagen und Motive für die Entscheidung des Tatsachen- und Rechtsstreits 

müssen sich aus dem Berufungsurteil selbst ergeben, zumal dieses das erstinstanzliche Urteil 

ersetzt (Art. 408 Abs. 1 StPO). Das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999, BV; SR 101) der Person, die das 

Rechtsmittel ergriffen hat, erfordert eine vollständige Begründung (vgl. BGE 141 IV 244 

E. 1.2.3). Aus dem Berufungsentscheid muss mithin hervorgehen, welche Tatsachen das Ge-

richt für erwiesen hält, welche es verwirft oder als zweifelhaft einstuft; bestrittene Tatsachen und 

sich widersprechende Beweismittel sind zu würdigen und einer schlüssigen Sachverhaltsfest-

stellung zuzuführen (vgl. GRÉGORY BOVEY, Commentaire de la LTF, 3. Aufl. 2022, Art. 112 des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] N 24 ff.). Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Gericht nicht auf sämtliche, 

sondern nur auf die relevanten Argumentationspunkte einzugehen hat. Denn in Beachtung des 

Anspruchs der Parteien auf rechtliches Gehör folgt zwar die Verpflichtung der Behörde, ihren 

Entscheid zu begründen. Indes ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten 

einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr 

kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGer 

1B_273/2022 vom 22. November 2022 E. 3, unter Hinweis auf BGE 142 II 49 E. 9.2; 136 I 229 

E. 5.2; je mit Hinweisen). Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den 

Rechtsmittelinstanzen zudem, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage ste-

henden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser bei-

pflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, 

die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO 

 
 
 

 
 
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NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Schweizerische Strafprozessordnung, Zürcher Kommentar, 

3. Aufl. 2020, Art. 82 N 10). Bei strittigen Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie bei 

rechtlichen Subsumtionen des konkreten Falls kommen Verweisungen nur dann in Frage, wenn 

die Rechtsmittelinstanz den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichtet. Art. 82 

Abs. 4 StPO entbindet die Rechtsmittelinstanzen somit nicht von deren Begründungspflicht und 

findet seine Grenzen, wenn sich nicht mehr ohne Weiteres feststellen lässt, was die massge-

benden tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen der Zweitinstanz sind (BGE 141 IV 244 

E. 1.2.3; BGer 6B_310/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 2.2.1; 6B_130/2022 vom 8. Dezember 

2022 E. 1.3; 6B_275/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.1). Stimmt die Rechtsmittelinstanz 

grundsätzlich zu und hat sie bloss nebensächliche Vorbehalte, kann sie indes punktuelle Kor-

rekturen formulieren und im Übrigen auf die vorinstanzliche Begründung verweisen vgl. 

(DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, a.a.O., N 11). 

 

Vorliegend wird in sämtlichen angefochtenen Punkten des erstinstanzlichen Urteils, welchen die 

Berufungsinstanz folgt, grundsätzlich – allenfalls durch vereinzelte Hervorhebungen und Ergän-

zungen – auf die Begründung der Vorinstanz verwiesen und überdies nur auf im Berufungsver-

fahren vorgebrachte Argumente, welche zudem für die Urteilsbildung ausschlaggebend sind, im 

Einzelnen eingegangen. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Vorfrage (Art. 339 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 405 Abs. 1 StPO) /  

 Begehren des Beschuldigten 

1.1 Bereits im strafgerichtlichen Verfahren ist dem Begehren der amtlichen Verteidigerin 

des Beschuldigten anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung entsprechend (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Strafgericht, S. 2, act. S 155) weder der Öffentlichkeit noch dem Privatkläger 

die dem Gericht bekannte Adresse des Beschuldigten preisgegeben worden (vgl. Rubrum des 

strafgerichtlichen Urteils vom 31. Januar 2024). Wie vorstehend in der Prozessgeschichte (lit. G 

und J) dargestellt, wurde auf entsprechendes, aufrechterhaltenes Ersuchen des Beschuldigten 

vom 26. August 2024 hin mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 26. September 2024 Advokat 

Marco Albrecht verpflichtet, die aktuelle Adresse des Beschuldigten weder seinem Mandanten 

noch einer anderen Drittperson zur Kenntnis zu bringen. Vor den Schranken des Kantonsge-

richts wiederholt die amtliche Verteidigerin diesen Antrag mit der Begründung, dass das Straf-

 
 
 

 
 
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verfahren für den Beschuldigten sehr belastend und dessen Privatsphäre zu schützen sei (vgl. 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 9). 

 

1.2.1 Art. 30 Abs. 3 BV verankert das auch in Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum 

Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) 

und Art. 14 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte vom 16. Dezem-

ber 1966 (UNO-Pakt II; SR 0.103.2) vorgesehene Prinzip der Justizöffentlichkeit. Diese erlaubt 

Einblick in die Rechtspflege und sorgt für Transparenz gerichtlicher Verfahren. Damit dient sie 

einerseits dem Schutze der direkt an gerichtlichen Verfahren beteiligten Parteien im Hinblick auf 

deren korrekte Behandlung und gesetzmässige Beurteilung. Andererseits ermöglicht die Justiz-

öffentlichkeit auch nicht verfahrensbeteiligten Dritten nachzuvollziehen, wie gerichtliche Verfah-

ren geführt werden, das Recht verwaltet und die Rechtspflege ausgeübt wird. Die Justizöffent-

lichkeit bedeutet eine Absage an jegliche Form der Kabinettsjustiz, will für Transparenz der 

Rechtsprechung sorgen und die Grundlage für das Vertrauen in die Gerichtsbarkeit schaffen. 

Der Grundsatz ist von zentraler rechtsstaatlicher und demokratischer Bedeutung. Die demokra-

tische Kontrolle durch die Rechtsgemeinschaft soll Spekulationen begegnen, die Justiz benach-

teilige oder privilegiere einzelne Prozessparteien ungebührlich oder die Ermittlungen würden 

einseitig und rechtsstaatlich fragwürdig geführt (BGE 143 IV 194 E. 3.1, unter Hinweis auf BGE 

139 I 129 E. 3.3; 137 I 16 E. 2.2; 134 I 286 E. 5.1 und E. 6.1; 133 I 106 E. 8.1; 124 IV 234 E. 3b; 

119 Ia 99 E. 4a;  117 Ia 387 E. 3; 113 Ia 309 E. 4c). Der Grundsatz der Justizöffentlichkeit wird 

für gerichtliche Strafverfahren in Art. 69 Abs. 1 StPO präzisiert (BGE 143 IV 194 E. 3.1, unter 

Hinweis auf die Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozesses, 

BBl 2006 1085, 1152 Ziff. 2.2.8.2). Nach dieser Bestimmung sind die Verhandlungen vor dem 

erstinstanzlichen Gericht und dem Berufungsgericht sowie die mündliche Eröffnung von Urteilen 

und Beschlüssen dieser Gerichte mit Ausnahme der Beratung öffentlich. Der allgemeinen Zu-

gänglichkeit und der Möglichkeit der Kenntnisnahme staatlicher Tätigkeit kommen im Strafpro-

zess besondere Bedeutung zu, werden in solchen Verfahren doch Entscheide mit potenziell 

weitreichenden und schweren Konsequenzen für die Betroffenen gefällt (BGE 143 IV 194 

E. 3.1, m.w.H.). Mit Bezug auf den Umfang des Öffentlichkeitsprinzips in subjektiver Hinsicht ist 

zwischen der Partei-, der Publikums- und der Medienöffentlichkeit zu unterscheiden (vgl. URS 

SAXER/MASCHA SANTSCHI/SIMON THURNHEER, Schweizerische Strafprozessordnung, Basler 

Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 69 N 5 ff.). 

 

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Seite 11   

Ausnahmsweise kann das Gericht die Öffentlichkeit von Gerichtsverhandlungen ganz oder teil-

weise ausschliessen, wenn die öffentliche Sicherheit oder Ordnung oder schutzwürdige Interes-

sen einer beteiligten Person, insbesondere des Opfers, dies erfordern (vgl. Art. 70 Abs. 1 lit. a 

StPO). Dabei ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren: Publikumsöffentlichkeit ist 

die verfassungsrechtliche Regel, der Öffentlichkeitsausschluss dagegen die legitimationsbedürf-

tige Ausnahme (vgl. URS SAXER/MASCHA SANTSCHI/SIMON THURNHEER, a.a.O., Art. 70 N 3, 

m.w.H., u.a. auf BGE 143 IV 194 E. 3.1). Ein Öffentlichkeitsausschluss ist nur bei schutzwürdi-

gen gegenläufigen Interessen zulässig. Schutzwürdig sind zum Beispiel die durch Art. 8 

EMRK sowie Art. 10 und 13 BV geschützten Geheimnisse und Umstände, aber je nachdem 

auch weitere Interessen beteiligter Personen. Das Gericht hat eine Interessenabwägung bezüg-

lich des völker- und verfassungsmässigen Gebots auf Öffentlichkeit der Gerichtsverhandlung 

mit insbesondere den verschiedenen Interessen des Opfers, des Beschuldigten sowie des Pub-

likums und der Medien vorzunehmen. Der Ausschluss der Öffentlichkeit muss verhältnismässig 

sein, d. h. geeignet und erforderlich. Zudem hat ein angemessenes Verhältnis zwischen den 

Gründen für den Ausschluss der Öffentlichkeit und dem Interesse an der öffentlichen Verhand-

lung zu bestehen. Wer den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt, muss darlegen, inwiefern 

seine schutzwürdigen Interessen durch die Gerichtsöffentlichkeit verletzt würden. Das Gericht 

hat sodann konkret zu prüfen und abzuwägen, ob solche Interessen bei einer am Verfahren 

beteiligten Person in einer Weise vorliegen, dass sich ein teilweiser oder gänzlicher Öffentlich-

keitsausschluss rechtfertigt (vgl. URS SAXER/MASCHA SANTSCHI/SIMON THURNHEER, a.a.O., N 9, 

m.w.H., u.a. auf BGer 6B_350/2012 vom 28. Februar 2023 E. 1.5 f.). Die erwähnten Güterab-

wägungen erfolgen teilweise nach Beteiligtenkategorie und Deliktsart differenziert. So ist ge-

genüber dem Öffentlichkeitsausschluss im Interesse der beschuldigten Person Zurückhaltung 

angebracht. Zwar geniesst auch sie grundsätzlich den Schutz ihrer Persönlichkeit; allerdings 

besteht die Verfahrensöffentlichkeit auch im öffentlichen Interesse. Daher muss eine beschul-

digte Person die mit einer öffentlichen Verhandlung möglicherweise verbundene psychische 

Belastung grundsätzlich erdulden und kann namentlich keine Empfindlichkeit ihres Rufs geltend 

machen. Indessen kann es durchaus Gründe für einen Öffentlichkeitsausschluss auch zum 

Schutz der beschuldigten Person geben, wie z. B. deren (psychische) Gesundheit oder Ge-

schäftsgeheimnisse (vgl. URS SAXER/MASCHA SANTSCHI/SIMON THURNHEER, a.a.O., N 10, 

m.w.H., u.a. auf BGE 137 I 209 E. 4.9). 

 

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Seite 12   

1.2.2 Besteht Grund zur Annahme, eine Zeugin oder ein Zeuge, eine Auskunftsperson, eine 

beschuldigte Person, eine sachverständige Person oder eine Übersetzerin oder ein Übersetzer 

könnte durch die Mitwirkung im Verfahren sich oder eine Person, die mit ihr oder ihm in einem 

Verhältnis nach Artikel 168 Absätze 1–3 StPO steht, einer erheblichen Gefahr für Leib und Le-

ben oder einem anderen schweren Nachteil aussetzen, so trifft die Verfahrensleitung auf Ge-

such hin oder von Amtes wegen die geeigneten Schutzmassnahmen (Art. 149 Abs. 1 StPO). 

Die Verfahrensleitung kann dazu die Verfahrensrechte der Parteien angemessen beschränken, 

namentlich indem sie die Anonymität zusichert (Art. 149 Abs. 2 lit. a StPO). 

 

Dass Art. 149 StPO auch den Schutz einer beschuldigten Person ermöglicht, ist darauf zurück-

zuführen, dass es zulässig sein soll, eine Person, die in ihrem eigenen Verfahren beschuldigt 

ist, im Verfahren gegen Mittäter, Drahtzieher oder Hintermänner zu schützen (vgl. STEFAN 

WEHRENBERG, Schweizerische Strafprozessordnung, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 149 

N 1, unter Hinweis auf DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, 

Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 149 N 1). Die Gefahr für Leib und Leben oder die Gefahr, 

einem anderen schweren Nachteil ausgesetzt zu sein, muss von einiger Bedeutung sein. Eine 

solche Gefährdung liegt etwa vor, wenn Morddrohungen gegen den Verfahrensbeteiligten 

selbst oder einen Angehörigen ausgestossen werden oder solche ernsthaft zu befürchten sind. 

Andere schwere Nachteile liegen etwa in der Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz oder in 

der Drohung, das Ferienhaus in die Luft zu sprengen. Implizit muss auch vorausgesetzt sein, 

dass es sich um eine ernsthafte Gefahr handelt. Es hat sich mit anderen Worten um eine kon-

krete Gefahr zu handeln, eine bloss entfernte oder abstrakte Gefahr sollte für Schutzmassnah-

men nicht genügen. Allgemeiner psychischer Druck, mögliche Nachteile in persönlicher oder 

finanzieller Hinsicht sowie denkbare Einschüchterungsversuche genügen genauso wenig wie 

die nicht konkrete Angst vor Hass oder Wut (vgl. STEFAN WEHRENBERG, a.a.O., N 12, m.w.H., 

u.a. auf DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N 2 f.; BGE 139 IV 268, 133 I 33 E. 2.3). 

 

1.3 Im vorliegenden Fall wird seitens des Beschuldigten die Geheimhaltung seiner Adresse 

nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber dem Privatkläger als Partei des 

vorliegenden Verfahrens beantragt, womit implizit sowohl ein partielles Abweichen vom in 

Art. 69 Abs. 1 StPO statuierten Öffentlichkeitsgrundsatz gemäss Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO wie 

auch ein Anwendungsfall für eine Schutzmassnahme nach Art. 149 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a 

StPO geltend gemacht wird.  

 
 
 

 
 
Seite 13   

Dem Begehren des Beschuldigten, es sei seine aktuelle Adresse auch im Berufungsverfahren 

geheim zu halten, wurde vorerst im schriftlichen Instruktionsverfahren mit Verfügung vom 

26. September 2024 auf Zusehen hin nachgekommen (vgl. vorstehend Erw. III.1.1). Im Stadium 

der öffentlichen Berufungsverhandlung stellt das Kantonsgericht indessen fest, dass weder 

schutzwürdige Interessen des Beschuldigten i.S.v. Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO noch eine erhebli-

che Gefahr für Leib und Leben oder ein anderer schwerer Nachteil ersichtlich sind, sollte die 

Adresse des Beschuldigten der Öffentlichkeit wie auch dem Privatkläger zur Kenntnis gelangen. 

Der Beschuldigte macht denn auch vor den Schranken der zweiten Instanz nicht einmal an-

satzweise spezifische oder konkret substantiierte Gründe, wie beispielsweise Morddrohungen 

oder die Gefahr eines anderen schweren Nachteils für ihn selbst oder eine ihm nahestehende 

Person, geltend. Vielmehr beschränkt er sich darauf, allgemein auf das belastende Strafverfah-

ren sowie seine Privatsphäre hinzuweisen. Hierbei handelt es sich aber um einen grundsätzlich 

für jede beschuldigte Person in einem Strafverfahren hinnehmbaren Umstand, welcher keine 

Besonderheit darstellt. Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang zusätzlich auf das Gebot, 

dass die Strafbehörden alle Verfahrensbeteiligten gleich zu behandeln haben (Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO), zu verweisen, beantragt doch im Gegenzug der Privatkläger keine derartige Geheimhal-

tung gegenüber dem Beschuldigten oder der Öffentlichkeit. In Würdigung der vorliegenden kon-

kreten Verhältnisse lässt sich somit in Bezug auf den Beschuldigten weder ein ausnahmswei-

ses Abweichen vom Grundsatz der Justizöffentlichkeit noch eine irgendwie geartete Schutz-

massnahme rechtfertigen. Aus den genannten Gründen ist der vor dem Berufungsgericht wie-

derholt gestellte Antrag, es sei die Adresse des Beschuldigten vor der Öffentlichkeit wie auch 

vor dem Privatkläger geheim zu halten, deshalb abzuweisen. 

 

2. Fahrlässige schwere Körperverletzung (Dispositiv-Ziffern 1 und 2) /  

 Berufungen der Staatsanwaltschaft und des Privatklägers 

2.1 Mit Anklageschrift vom 20. Juni 2023 warf die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten 

unter anderem was folgt vor: 

 

"Am Abend des 17. September 2021 besuchte A.____ seine Freunde B.____ und D.____ an 

deren Wohnort, an der X.____ Strasse 39 in Y.____. Er traf dort zwischen 21:00 und 21:30 Uhr 

ein, als B.____ und D.____ auf der vor dem Wintergarten befindlichen Terrasse sassen und 

Bier tranken. A.____, der davor bereits mehrere Biere getrunken hatte, gesellte sich zu ihnen 

und gemeinsam verbrachten sie den Abend. Sie tranken eine unbekannte, grössere Menge Bier 

 
 
 

 
 
Seite 14   

und A.____ sowie D.____ rauchten einen von A.____ gebauten Joint. Aufgrund der kühler wer-

denden Temperaturen begaben sich A.____, B.____ und D.____ gegen Mitternacht in den Win-

tergarten, wo sie noch mehr Bier konsumierten, B.____ sass auf der Sitzbank mit dem Rücken 

zur Hauswand, D.____ sass rechts von ihm, an der Schmalseite des Tisches, und A.____ sass 

mit dem Rücken zur Fensterfront, gegenüber von B.____ auf einem Stuhl. 

 

lm weiteren Verlaufe des Abends sprachen B.____ und A.____, beide waffeninteressierte Waf-

fenbesitzer, über Waffen, woraufhin B.____ in sein und D.____s Schlafzimmer ging und dort 

seine auf ihn eingelöste Pistole, Glock 21C, holte. Er nahm die Waffe, welche er hinter dem 

Bettpfosten verstaut hatte, hervor und machte eine persönliche Sicherheitskontrolle, bevor er 

das mit 11 Patronen gefüllte Magazin, welches er im Kleiderschrank aufbewahrte, in die Glock 

21C einsetzte. Danach ging er mit der Pistole in den Wintergarten und überreichte diese A.____ 

oder legte diese auf den Tisch. Alternativ brachte B.____ die Pistole und das Magazin separat 

in den Wintergarten und überreichte die Waffe zweiteilig an A.____ oder legte die Waffe zwei-

teilig auf den Tisch. 

 

lm Anschluss drehte sich das Gespräch wieder um andere Themen und möglicherweise wech-

selte D.____ den Platz und setzte sich links neben B.____ auf die Sitzbank. Kurz vor 01:47 Uhr 

an diesem 18. September 2021, als B.____ gerade im Begriff war, vom Wintergarten durch die 

Glastür in die Küche zu gehen, behändigte A.____ die samt eingesetztem Magazin auf dem 

Tisch liegende Pistole, hielt sich diese mit der linken Hand an die linke Wange und sagte: 

"Komm wir spielen Russisches Roulette", dann drückte er ab und es kam zur Schussabgabe. 

Das Projektil trat bei der linken Wange von A.____ unterhalb der Augenhöhle ein, durchstiess 

die vordere Schädelgrube, trat rechts hoch oben an der Stirn wieder aus und bohrte sich in der 

Folge in die Decke des Wintergartens. 

 

A.____ zog sich durch diesen Kopfdurchschuss eine Hirngewebszerstörung entlang des 

Schusskanals mit Einblutungen ins umgebende Hirngewebe und Blutungen unterhalb der wei-

chen Hirnhäute zu, was zu einer unmittelbaren Lebensgefahr führte. Nur die notfallmässige 

neurochirurgische Operation, mit welcher ein Teil der Schädelkalotte entfernt und die harte 

Hirnhaut erweitert wurde, konnte die lebensbedrohlichen Folgen der Hirnschwellung und des 

Anstiegs des Hirndrucks abwenden und den Tod durch zentrales Regulationsversagen verhin-

dern. Durch die Verletzung und Zerstörung von Hirngewebe sind noch nicht abschliessend be-

 
 
 

 
 
Seite 15   

stimmbare funktionelle und neurologische Schäden entstanden, wie beispielsweise der kom-

plette Verlust des Geruchssinnes. lm Weiteren führte der Kopfdurchschuss zu einem vollständi-

gen Verlust der Sehkraft des linken Auges, was zu einer endgültigen Erblindung dieses Auges 

führte. Ebenso entstand am rechten Auge ein irreparabler Schaden, weshalb die Sehkraft von 

A.____ auf dem rechten Auge ebenfalls nur noch 50 % aufweist. Schliesslich wird A.____ für 

den Rest seines Lebens mit einer künstlichen Schädeldecke leben. 

 

B.____ brachte in dieser Nacht, circa um Mitternacht, in stark alkoholisiertem Zustand seine 

Pistole mit eingesetztem Magazin, das mit 11 Patronen bestückt war, in den Wintergarten, wo 

sich der stark alkoholisierte und unter Betäubungsmitteleinfluss stehende A.____ sowie die 

ebenfalls stark alkoholisierte und unter Betäubungsmitteleinfluss stehende D.____ befanden. 

Alternativ brachte er die Pistole und separat das mit 11 Patronen bestückte Magazin in den 

Wintergarten. lndem B.____ A.____ die Waffe samt Magazin, mit darin enthaltener Munition, in 

diesem Zustand übergab, alternativ ihm diese Waffe samt Munition überliess, hat er pflichtwid-

rig unvorsichtig gehandelt und ohne Grund eine erhebliche Gefahr für die körperliche Unver-

sehrtheit von A.____ und D.____ geschaffen, welche sich in der Folge durch den Kopfdurch-

schuss von A.____ auch verwirklichte. B.____ hätte aufgrund seiner militärischen Ausbildung 

an der Waffe und seiner allgemeinen Lebenserfahrung beziehungsweise seiner spezifischen 

waffenbezogenen Lebenserfahrung die Gefahr einer Schussabgabe aufgrund der beträchtli-

chen Mengen Alkohol und Betäubungsmittel, die im Verlaufe des Abends konsumiert worden 

waren, erkennen müssen und hätte diese Gefahr bei pflichtgemässer Vorsicht verhindern kön-

nen, indem er das mit 11 Patronen bestückte Magazin respektive die Waffe und das Magazin 

nicht in den Wintergarten gebracht respektive dieses unmittelbar nach dem Vorzeigen der Waf-

fe wieder zurück ins Schlafzimmer verbracht hätte, stattdessen vertraute B.____ pflichtwidrig 

darauf, dass sich die Gefahr einer Schussabgabe nicht verwirklicht und beliess die Waffe samt 

Munition während des weiteren Verlaufs des Abends frei zugänglich auf dem Tisch im Winter-

garten." 

 

2.2 Das Strafgerichtspräsidium erachtete nach Würdigung der vorliegenden Beweise in 

tatsächlicher Hinsicht den angeklagten Sachverhalt als grundsätzlich erstellt, wobei es davon 

ausging, dass der Beschuldigte die Pistole mit eingesetztem Magazin in den Wintergarten ge-

bracht und dem Privatkläger übergeben habe. Des Weiteren nahm die Vorderrichterin an, dass 

der Beschuldigte die Pistole in unterladenem Zustand in den Wintergarten gebracht und den 

 
 
 

 
 
Seite 16   

Privatkläger darüber aufgeklärt habe. Es sei schliesslich der Privatkläger selbst gewesen, wel-

cher die Ladebewegung vorgenommen habe (vgl. Erw. II.1 auf S. 3-10 des angefochtenen Ur-

teils). 

 

In rechtlicher Hinsicht gelangte die Vorinstanz zum Schluss, der Beschuldigte habe nicht damit 

rechnen müssen, dass sich der Privatkläger mit der Pistole vorsätzlich in den Kopf schiesse. 

Die zielgerichtete und bewusst selbstschädigende Handlung des Privatklägers erscheine als 

Mitursache für die schwere Schädigung des Körpers als derart intensiv, dass sie die Sorgfalts-

pflichtwidrigkeit des Beschuldigten in Bezug auf das Zugänglichmachen der Waffe samt Muniti-

on verdränge und als unbedeutend erscheinen lasse. Da folglich der Kausalzusammenhang 

zwischen Sorgfaltswidrigkeit und Schädigung unterbrochen worden sei, sei der Beschuldigte 

vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung freizusprechen (vgl. Erw. III.1 auf 

S. 12-14 des angefochtenen Urteils).  

 

2.3 Demgegenüber begehrt die Anklagebehörde in ihrer bereits begründeten Berufungser-

klärung vom 25. Juni 2024 (Rechtsbegehren 1) einen Schuldspruch zusätzlich wegen fahrlässi-

ger schwerer Körperverletzung. Sie vertritt dabei die Auffassung, der Beschuldigte habe auf-

grund des unsorgfältigen Umgangs mit der Waffe nicht nur den Tatbestand der Zuwiderhand-

lung gegen das Waffengesetz, sondern auch der fahrlässigen schweren Körperverletzung er-

füllt. Denn er habe den Geschehensablauf voraussehen müssen und für die schweren Verlet-

zungen des Privatklägers die Hauptursache gesetzt. In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht 

bleibt die Staatsanwaltschaft bei diesem Standpunkt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer).  

 

2.4 Auch der Privatkläger spricht sich in seiner Berufungserklärung vom 26. Juni 2024 und 

in seiner Berufungsbegründung vom 5. September 2024 (jeweils Rechtsbegehren 1) dafür aus, 

dass der Beschuldigte zusätzlich der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig zu spre-

chen sei. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich der Privatkläger, welcher kei-

nerlei Suizidabsichten gehegt habe, bewusst selbst in den Kopf geschossen habe. Selbst wenn 

dem so wäre, sei es nur aufgrund des unsorgfältigen und verantwortungslosen Verhaltens des 

Beschuldigten zum folgenschweren Unfall gekommen. In seinem Plädoyer vor Kantonsgericht 

wiederholt der Rechtsvertreter des Privatklägers diese Argumentation (vgl. Prot. Hauptverhand-

lung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer). 

 
 
 

 
 
Seite 17   

2.5 Der Beschuldigte wiederum ist in seiner Berufungsantwort vom 28. November 2024 der 

Auffassung, das Strafgerichtspräsidium habe sowohl tatsächlich als auch rechtlich betrachtet 

richtig entschieden. Denn einerseits sei der Geschehensablauf für den Beschuldigten nicht vor-

hersehbar gewesen und andererseits habe das Verhalten des Privatklägers zu einer Unterbre-

chung des Kausalzusammenhangs geführt. Diesen Standpunkt behält die Rechtsvertreterin des 

Beschuldigten im Rahmen ihres Parteivortrages bei (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 22, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer). 

 

2.6 Das Kantonsgericht beurteilt den Anklagefall in tatsächlicher und in rechtlicher Hinsicht 

wie folgt: 

 

2.6.1 In Bezug auf die Sachverhaltsfeststellung und die Beweiswürdigung im Allgemeinen 

wird zunächst auf die zutreffenden dogmatischen Ausführungen der Vorderrichterin in 

Erw. II.1.1 auf S. 3 f. des angefochtenen Urteils verwiesen.  

 

Gemäss Art. 10 Abs. 1 StPO gilt jede Person bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als un-

schuldig. Nach Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem 

gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Er-

füllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für 

die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Die in Art. 10 Abs. 1 

StPO garantierte Unschuldsvermutung stützt sich auf Verfassungs- und Völkerrecht, welches 

unter anderem in Art. 32 Abs. 1 BV, in Art. 14 Abs. 2 UNO-Pakt II sowie in Art. 6 Ziffer 2 EMRK 

das vorgenannte Prinzip verankert (vgl. ESTHER TOPHINKE, Schweizerische Strafprozessord-

nung, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 10 N 4).  

 

In konstanter Rechtsprechung hat das Bundesgericht aus dem Grundsatz "in dubio pro reo", 

wie er nun in Art. 10 Abs. 3 StPO geregelt ist, eine sog. Beweiswürdigungsregel abgeleitet. Da-

nach darf sich das Gericht nicht von der Existenz eines für die beschuldigte Person ungünstigen 

Sachverhalts überzeugt erklären, "wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu un-

terdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Der Grundsatz ist 

verletzt, wenn das Gericht an der Schuld hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewiss-

heit nicht verlangt werden kann" (vgl. BGer 6B_1428/2017 vom 24. April 2018 E. 1, m.w.H., u.a. 

 
 
 

 
 
Seite 18   

auf BGE 138 IV 74, 81 f. E. 7). In BGE 144 IV 345 hat das Bundesgericht diese Regel präzisiert 

und festgehalten, dass diese erst nach Abschluss der (freien) Beweiswürdigung eingreife und 

die Anforderungen zum Beweismass festlege. Der Grundsatz stelle gerade keine Beweiswürdi-

gungsregel dar (BGE a.a.O., E. 2.2.3.2). Das Bundesgericht verwendet denn auch eine leicht 

geänderte Formel (Der Grundsatz "in dubio pro reo" verbietet es, bei der rechtlichen Würdigung 

eines Straftatbestandes von einem belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver 

Würdigung der gesamten Beweislage ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tat-

sächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion 

vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt 

somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch eine absolute Gewissheit nicht verlangt werden; 

abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen, vgl. BGE 144 IV 345, 347 

f. E. 2.2.1, m.w.H.), die sich von der Tragweite her jedoch nicht von der bisherigen Formel un-

terscheiden dürfte. In der neueren Rechtsprechung hält das Bundesgericht am Begriff der Be-

weiswürdigungsregel fest, weist jedoch auf die Präzisierungen hin, die es in BGE 144  IV  

345 vorgenommen hat (vgl. BGE 145 IV 154, 156 E. 1.1; BGer 6B_894/2021 vom 28. März 

2022 E. 2.2). Aus der Unschuldsvermutung nach Art. 14 Abs. 2 UNO-Pakt II folgt, dass das 

Strafgericht nur verurteilen darf, wenn der Schuldbeweis über jeden vernünftigen Zweifel hinaus 

erbracht ist ("proof beyond reasonable doubt"). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrech-

te (EGMR) leitet aus der Unschuldsvermutung nach Art. 6 Ziff. 2 EMRK ab, dass sich eine Ver-

urteilung auf eine genügende Beweisgrundlage ("preuves suffisantes") stützen muss (vgl. 

ESTHER TOPHINKE, a.a.O., N 82). Materielle Unterschiede zwischen der bundesgerichtlichen 

Formel der erheblichen und nicht zu unterdrückenden bzw. ernsthaften Zweifel, dem vom Ge-

setzgeber in Art. 10 Abs. 3 StPO gebrauchten Ausdruck der unüberwindlichen Zweifel und dem 

aus Art. 14 Abs. 2 UNO-Pakt II folgenden und auch aus dem Grundsatz der freien Beweiswür-

digung (Art. 10 Abs. 2 StPO) ableitbaren Begriff der vernünftigen Zweifel lassen sich keine oder 

höchstens in Nuancen ausmachen. Es geht letztlich immer um dasselbe: Das Strafgericht darf 

sich nicht nach Gutdünken und rein subjektivem Empfinden von der Schuld der angeklagten 

Person überzeugt erklären. Vielmehr muss die Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung 

gestützt auf eine Gesamtwürdigung aller vorhandenen und verwertbaren Beweise begründbar 

und für einen verständigen Menschen objektiv nachvollziehbar sein. Eine Verurteilung darf nur 

ergehen, wenn das Strafgericht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus überzeugt ist, dass 

sämtliche Strafbarkeitsvoraussetzungen in tatsächlicher Hinsicht vorliegen. Eine überwiegende 

Wahrscheinlichkeit reicht hierfür nicht. Auf der anderen Seite ist absolute Gewissheit angesichts 

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der Unvollkommenheit der Erkenntnismittel und des menschlichen Urteilvermögens nicht er-

reichbar. Gefordert ist indessen ein sehr hoher Grad an Wahrscheinlichkeit, wobei oft die For-

mel der "mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" verwendet wird (vgl. BGE 144 IV 

345, 351 E. 2.2.3.3). Wichtige Bedeutung für die Nachvollziehbarkeit der Sachverhaltsfeststel-

lung haben neben der Urteilsbegründung Denk- und Naturgesetze, Erfahrungssätze, technische 

und wissenschaftliche Erkenntnisse, gesicherte empirische Befunde, Lebenserfahrung und 

nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand (vgl. ESTHER TOPHINKE, a.a.O., N 83, m.w.H., u.a. 

auf BGer 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 13.1; BGE 144 IV 345, 351 E. 2.2.3.3; 137 IV 

122, 127 E. 3.3). 

 

2.6.2 Im vorliegenden Fall existieren an Beweisen und Indizien im Wesentlichen der Polizei-

rapport vom 8. April 2022 (act. 621 ff.), der polizeiliche Forensikbericht vom 18. Juli 2022 samt 

Fotodokumentation (act. 1403 ff., 1421 ff.), die Aussagen des Beschuldigten anlässlich dessen 

Einvernahmen vom 18. September 2021 (act. 1529 ff.), 19. September 2021 (act. 1555 ff.) und 

22. März 2023 (act. 1745 ff.), anlässlich der am 4. Februar 2022 durchgeführten Tatrekonstruk-

tion (act. 1343 ff., 1351 ff.) und vor Strafgericht (Prot. Hauptverhandlung S. 4 ff., act. S 159 ff.), 

die Angaben der Partnerin des Beschuldigten, D.____, anlässlich deren Einvernahmen vom 

18. September 2021 (act. 1543 und act. 1549 ff.) und 22. September 2021 (act. 1581 ff.), der 

Zeugeneinvernahme vom 10. Dezember 2021 (act. 1675 ff.) und anlässlich der am 4. Februar 

2022 durchgeführten Tatrekonstruktion (act. 1389 ff.), die Depositionen des Privatklägers an-

lässlich der Einvernahmen als Auskunftsperson vom 30. September 2021 (act. 1657 ff.) und 

23. Februar 2023 (act. 1703 ff.), die Aussagen der Mitbewohnerin des Beschuldigten und von 

D.____, E.____, anlässlich deren Einvernahmen als Auskunftsperson vom 18. September 2021 

(act. 1535 ff.) und 22. September 2021 (act. 1597 ff.), die Angaben des Vaters des Privatklä-

gers, F.____, in dessen Einvernahme als Auskunftsperson vom 20. September 2021 (act. 

1565 ff.), die Aussagen der Freundin des Privatklägers, G.____, in deren Zeugeneinvernahme 

vom 22. September 2021 (act. 1607 ff.), die polizeiliche Untersuchung (Atemalkoholmessung) 

des Beschuldigten vom 18. September 2021 (act. 1807 ff.), das Blutalkohol-Gutachten des Insti-

tuts für Rechtsmedizin (IRM) H.____ betreffend den Privatkläger vom 24. September 2021 (act. 

981 f.), der polizeiliche Forensikbericht betreffend DNA-Spuren an der Waffe vom 8. Dezember 

2021 (act. 985 ff.), das Gutachten des Forensischen Instituts I.____ betreffend Schmauchana-

lyse vom 26. Oktober 2021 (act. 1043 ff.) sowie die anlässlich der Hauptverhandlung vor Straf-

 
 
 

 
 
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gericht durch die Verteidigerin des Beschuldigten eingereichten Fotos auf dem Facebook-Profil 

des Privatklägers (act. S 179 ff.). 

 

In Bezug auf den Inhalt dieser Beweismittel wird vorab auf die ausführliche Wiedergabe durch 

die Vorinstanz in Erw. II.1.2-1.4 auf S. 4-10 sowie Erw. III.1.2 auf S. 13 f. des angefochtenen 

Urteils verwiesen, weshalb an dieser Stelle darauf verzichtet wird, diese in globo zu wiederho-

len. Vielmehr wird nachfolgend nur soweit erforderlich auf die einzelnen Beweismittel im Detail 

eingegangen. Hinzu kommen die Angaben des Beschuldigten anlässlich der zweitinstanzlichen 

Hauptverhandlung (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 12 ff.), welche ebenfalls 

nachstehend nur wo nötig konkret beleuchtet werden, zumal der Beschuldigte vor zweiter In-

stanz grundsätzlich auf seine früheren Aussagen verweist.  

 

2.6.3.1 In Bezug auf die Beweiswürdigung im konkreten Fall hat die Vorinstanz zunächst in 

Erw. II.1.1 auf S. 3 f. richtig festgestellt, dass zur Beantwortung der Frage, wie es zur Schuss-

abgabe kam, die Angaben der Beteiligten, insbesondere des Beschuldigten und von D.____, 

von zentraler Bedeutung sind, zumal der Privatkläger selbst keine Erinnerungen an das Ge-

schehen hat. Ebenso folgt das Kantonsgericht der durch die Vorderrichterin vorgenommenen 

Beweiswürdigung in Erw. II.1.4 auf S. 9 f. des angefochtenen Urteils, weshalb in Anwendung 

von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die dort gemachten Feststellungen verwiesen werden kann. Dem-

nach ist grundsätzlich auf die als insgesamt glaubhaft einzustufenden Aussagen des Beschul-

digten abzustellen. In diesem Zusammenhang weist der Privatkläger (vgl. Prot. Hauptverhand-

lung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 6-9) zwar 

durchaus zu Recht auf gewisse Widersprüche in den Aussagen des Beschuldigten und von 

D.____ hin, so betreffend den Zustand der Waffe beim Bringen in den Wintergarten (vgl. act. 

1555 und 1559), das Behändigen der Waffe und der Munition durch den Privatkläger (vgl. act. 

1391, 1551, 1675 und 1681) sowie die Sitzordnung am fraglichen Abend (vgl. act. 1549, 1553, 

1583, 1595, 1611, 1613, 1675 und 1697). Insbesondere erklärte D.____ zunächst in der Ein-

vernahme vom 18. September 2021 als Auskunftsperson, sie habe nicht mitbekommen, ob der 

Privatkläger mit der Pistole etwas Spezielles gemacht habe. Sie habe erst aktiv bemerkt, dass 

eine Waffe auf dem Tisch gelegen sei, als jener danach gegriffen habe (act. 1551). Demgegen-

über gab D.____ am 10. Dezember 2021 als Zeugin an, der Privatkläger habe das Magazin in 

die Hände genommen und eine Patrone herausgenommen (act. 1675, 1681). Im Rahmen der 

Tatrekonstruktion vom 4. Februar 2022 machte D.____ als Zeugin gar geltend, der Privatkläger 

 
 
 

 
 
Seite 21   

habe die Patronen aus dem Magazin genommen, und auch D.____ habe sie angefasst und 

befunden, dass sie schwer seien. Darauf habe der Privatkläger die Patronen wieder ins Maga-

zin gelegt (act. 1391 ff.). Trotz diesen Unstimmigkeiten ist aber – entgegen der Auffassung des 

Privatklägers (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schrift-

lich eingereichte Plädoyer, S. 4 und 11) – unter Zugrundelegung der Maxime "in dubio pro reo" 

im Einklang mit der Vorinstanz zusammengefasst davon auszugehen, dass der äussere Ge-

schehensablauf gemäss Anklageschrift im Kern insofern erstellt ist, als der Beschuldigte die 

Pistole Glock 21C mit eingesetztem Magazin aus dem Schlafzimmer in den Wintergarten ge-

bracht und dem Privatkläger übergeben hat, wobei der Beschuldigte aber den Privatkläger über 

die Unterladung der Pistole aufgeklärt und es zudem der Privatkläger selbst war, welcher die 

Ladebewegung vorgenommen hat. 

 

2.6.3.2 Im Zusammenhang mit der ebenfalls zutreffenden, vorinstanzlich getroffenen Feststel-

lung an derselben Stelle, wonach die Aussagen des Beschuldigten und diejenigen von D.____ 

betreffend das Kerngeschehen übereinstimmend seien, ist gleichwohl darauf hinzuweisen, dass 

diese beiden Personen vor ihren jeweiligen Einvernahmen die Gelegenheit hatten, sich abzu-

sprechen. Denn wie den Angaben der in der fraglichen Nacht ausgerückten Polizistin, Kpl 

J.____, zu entnehmen ist, gab der Privatkläger unmittelbar nach der Schussabgabe und vor Ort 

ihr gegenüber zweimal an, dass er den Abzug nicht betätigt habe ("ich ha nit abdruckt"), son-

dern eine andere männliche Person, ohne deren Namen zu nennen ("er het gschosse"), es ge-

wesen sei (vgl. Polizeirapport vom 8. April 2022, act. 621 ff., 627; Aktennotiz der Staatsanwalt-

schaft vom 20. September 2021, act. 661; Bericht von Kpl J.____ vom 1. November 2021, act. 

663 f.; Zeugeneinvernahme von Kpl J.____ vom 30. September 2021, act. 1627 ff., 1631), wo-

mit als einzige anwesende männliche Person nur der Beschuldigte gemeint gewesen sein kann. 

Desgleichen bestätigte der ebenfalls ausgerückte Polizist, Kpl K.____, anlässlich seiner Einver-

nahme vom 30. September 2021 als Zeuge (act. 1641 ff., 1645) sowie in seinem Bericht vom 

1. November 2021 (act. 667 f.), er habe die ersten Worte des Privatklägers "ich ha nit abdruckt" 

gehört, währenddem er die weiteren Worte, wonach "er" abgedrückt habe, nicht vernommen 

habe, da er sich um andere Belange gekümmert habe (vgl. ebenso Aktennotiz der Staatsan-

waltschaft vom 20. September 2021, act. 661). Die durch die Polizisten vorgefundene Situation, 

wonach der schwerverletzte Privatkläger am Boden in der Wohnung des Beschuldigten lag und 

zuvor mit der Waffe des Beschuldigten geschossen worden war (vgl. Polizeirapport vom 8. April 

2022, act. 621 ff.), hätte als sofortige Beweismassnahme erfordert, dass der Beschuldigte und 

 
 
 

 
 
Seite 22   

seine Partnerin D.____ – allenfalls verbunden mit einer Verhaftung des Beschuldigten – vonei-

nander getrennt und diese nacheinander einvernommen werden, was in casu indessen nicht 

geschehen ist. Zutreffend weist der Privatkläger vor Kantonsgericht auf diesen Umstand hin 

(vgl. S. 3-5 der Berufungsbegründung vom 5. September 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 1 und 3 f.). 

 

2.6.3.3 Somit ist unter Hinweis auf die vorstehend in Erw. III.2.6.3.2 gemachten Feststellungen 

festzuhalten, dass in casu dem in Art. 6 StPO statuierten Untersuchungsgrundsatz, wonach die 

Strafbehörde alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tat-

sachen von Amtes wegen abklären und dabei die belastenden und entlastenden Umstände mit 

der gleichen Sorgfalt untersuchen muss, nicht hinreichend nachgekommen worden ist, wurde 

doch die ebenfalls im Raum stehende Sachverhaltsvariante dahingehend, dass der Beschuldig-

te den Schuss abgegeben haben könnte, nicht umfassend untersucht. Dies gilt umso mehr, als 

vorliegend gemäss dem polizeilichen Forensikbericht betreffend DNA-Spuren an der Waffe vom 

8. Dezember 2021 (act. 985 ff.) und dem Gutachten des Forensischen Instituts I.____ betref-

fend Schmauchanalyse vom 26. Oktober 2021 (act. 1043 ff.) nicht erstellt werden kann, wer 

geschossen hat, worauf die Staatsanwaltschaft auch vor Kantonsgericht zutreffend hinweist 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22).  

 

2.6.3.4 Nichtsdestotrotz sieht sich das Kantonsgericht gehalten, vom Sachverhalt gemäss An-

klageschrift auszugehen, wonach der Privatkläger nach der Aufforderung, man möge Russi-

sches Roulette spielen, sich selbst zielgerichtet – die von der Vorinstanz in Erw. III.1.2 auf S. 13 

f. des angefochtenen Urteils gewählte Formulierung "vorsätzlich" ist insofern unpassend, als es 

sich hier nicht um die Handlung einer beschuldigten Person handelt – in den Kopf geschossen 

hat. Denn gemäss Art. 350 Abs. 1 StPO ist das Gericht an den in der Anklage umschriebenen 

Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden. Der je-

derzeit anwaltlich vertretene Privatkläger hätte entweder nach Art. 329 StPO (Prüfung der An-

klage; Sistierung und Einstellung des Verfahrens) oder Art. 333 StPO (Änderung und Erweite-

rung der Anklage) eine Änderung der Anklageschrift beantragen können, was er aber unterlas-

sen hat. Im Gegenteil schliesst selbst der Privatkläger auch im Berufungsverfahren auf einen 

Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und nicht auf einen solchen we-

gen vollendeter schwerer Körperverletzung oder gar versuchter Tötung. Nunmehr liegt es am 

Kantonsgericht, gestützt auf Art. 350 Abs. 1 StPO nach einer Würdigung der Beweise auch eine 

 
 
 

 
 
Seite 23   

rechtliche Subsumtion des angeklagten Sachverhalts, von welchem nicht mehr abgewichen 

werden kann (so zutreffend auch der Beschuldigte auf S. 6 f. der Berufungsantwort vom 

28. November 2024 sowie in Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22, unter Hinweis auf 

das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 3), vorzunehmen. Aus diesem Grund ist den Ausfüh-

rungen bzw. Mutmassungen des Privatklägers, wonach der Beschuldigte oder eine andere 

Drittperson, nicht aber der Privatkläger selbst sich in den Kopf geschossen haben könnte (vgl. 

S. 2 f. der Berufungsbegründung vom 5. September 2024), nicht weiter nachzugehen. 

 

2.6.4 In Bezug auf den Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss 

Art. 125 Abs. 1 und 2 StGB wird zunächst auf die korrekten theoretischen Ausführungen der 

Vorinstanz in Erw. III.1.1 auf S. 12 f. des angefochtenen Urteils verwiesen. 

 

Nach der vorgenannten Bestimmung macht sich strafbar, wer fahrlässig einen Menschen am 

Körper oder an der Gesundheit schwer schädigt. Es handelt sich mithin um ein Fahrlässigkeits-

delikt i.S.v. Art. 12 Abs. 3 StGB. Danach begeht ein Verbrechen oder Vergehen fahrlässig, wer 

die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf 

nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht 

beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflich-

tet ist.  

 

Damit ein Fahrlässigkeitsdelikt erfüllt ist, braucht es gemäss Lehre und Rechtsprechung zusam-

mengefasst neben (1.) dem Erfolgseintritt – hier in Form einer schweren Körperverletzung – (2.) 

eine Sorgfaltspflichtverletzung bzw. pflichtwidrige Unvorsichtigkeit, welche die Elemente (2.1) 

Vorhersehbarkeit des Erfolges, (2.2) Vermeidbarkeit des Erfolges, (2.3) unerlaubtes Risiko, (2.4) 

Übernahmeverschulden und (2.5) Risikozusammenhang umfasst, sowie (3.) eine natürliche und 

adäquate Kausalität zwischen Tathandlung und Erfolg (vgl. GÜNTER STRATENWERTH/FELIX 

BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 5. Aufl. 2024, S. 457; STEFAN 

TRECHSEL/PETER NOLL/MARK PIETH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 7. Aufl. 2017, 

S. 260, m.w.H.; STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 12 N 23 ff., m.w.H.). 

 

 
 
 

 
 
Seite 24   

2.6.4.1 Was im hier zu beurteilenden Fall zunächst den Erfolgseintritt in Form einer schweren 

Körperverletzung des Privatklägers angeht, so ist diese, wie sie in Anklageschrift umschrieben 

wird (vgl. vorstehend Erw. III.2.1) unbestritten, weshalb sich weitere Ausführungen erübrigen. 

 

2.6.4.2 Bei der Prüfung einer Sorgfaltspflichtverletzung ist zu beachten, dass sich die zu be-

achtende Sorgfalt gestützt auf Art. 12 Abs. 3 StGB nicht nur nach den konkreten Umständen, 

sondern auch nach den persönlichen Verhältnisse des Täters bemisst. Denn die Berücksichti-

gung der persönlichen Verhältnisse muss sich auch dahin auswirken, dass beispielsweise er-

höhte Vorsicht aufzubringen hat, wer dank seiner Intelligenz, seiner Bildung oder Ausbildung, 

seiner (beruflichen) Erfahrung oder sozialen Stellung über Fähigkeiten oder Fachkenntnisse 

verfügt, die anderen fehlen und ihn somit in die Lage versetzen, ein Mehr an Gefahren zu er-

kennen und auszuschliessen (vgl. MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MÄDER, Strafrecht I, Bas-

ler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 12 N 100, unter Hinweis u.a. auf BGE 121 IV 207, 211 f, 312; 

118 IV 130, 134), womit der Massstab an die Sorgfalt individualisiert wird. Zusätzlich gilt es zu 

berücksichtigen, dass einerseits nicht jeder Verstoss gegen eine gesetzliche oder für bestimmte 

Tätigkeiten allgemein anerkannte Verhaltensnorm den Vorwurf der Fahrlässigkeit begründet, 

und andererseits ein Verhalten sorgfaltswidrig sein kann, auch wenn nicht gegen eine bestimm-

te Verhaltensnorm verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, wird letztlich 

durch die konkreten Umstände und seine persönlichen Verhältnisse bestimmt, weil naturge-

mäss nicht alle tatsächlichen Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können (vgl. BGE 

148 IV 39, 44 E. 2.2.3, unter Hinweis auf BGE 135 IV 56 E. 2.1; 133 IV 158 E. 5.1; je mit Hin-

weisen). 

 

Vorab ist im vorliegenden Fall fraglos dem Beschuldigten zuzurechnen, dass er am fraglichen 

Abend eine Waffe samt vollem abgespitztem Magazin, welche er zuvor in seinem Schlafzimmer 

gelagert hatte, in den Wintergarten gebracht und ohne Bedenken auf den Tisch gelegt hat, wo 

neben dem Beschuldigten auch dessen Partnerin D.____ und der Privatkläger anwesend wa-

ren. Ebenso ist aufgrund eines in den Akten liegenden Fotos (act. 1141) erstellt, dass der Be-

schuldigte am Abend des 17. September 2021 um 22:14 Uhr zusammen mit dem Privatkläger 

mit der Waffe posiert hat, wobei aber entgegen der Auffassung des Privatklägers (vgl. S. 3 der 

Berufungsbegründung vom 5. September 2024) kein direktes Zielen der Waffe auf den Privat-

kläger zu erkennen ist (so zutreffend der Beschuldigte auf S. 7 der Berufungsantwort vom 

28. November 2024). Laut dem Beschuldigten soll der Privatkläger erst gegen 21:30 Uhr bei 

https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=2000&to_year=2025&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=nat%FCrliche+Kausalit%E4t&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-IV-56%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page56
https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=2000&to_year=2025&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=nat%FCrliche+Kausalit%E4t&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-158%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page158

 
 
 

 
 
Seite 25   

diesem und D.____ angekommen sein (vgl. Einvernahme des Beschuldigten vom 19. Septem-

ber 2021, act. 1555). Der Schuss fiel dann am 18. September 2021 um 01:47 Uhr. Der Be-

schuldigte hat zudem selbst ausgesagt, dass er manchmal zwecks Toilettengangs den Raum 

verlassen und damit die Waffe zumindest kurzzeitig aus den Augen verloren hat (vgl. zuletzt 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 15 und 19 f.). Somit hat der Beschuldigte seine mit 

Munition versehene Pistole mehrere Stunden lang, mithin über eine verhältnismässig lange 

Zeit, teilweise unbeaufsichtigt auf dem Tisch im Wintergarten liegen gelassen, weshalb sowohl 

D.____ als auch der Privatkläger jederzeit ungehinderte Zugriffsmöglichkeit auf diese Waffe 

hatten. Das Strafgerichtspräsidium hat bereits rechtskräftig, d.h. seitens des Beschuldigten un-

angefochten, festgehalten, dass der Beschuldigte seine Pflicht als Waffenbesitzer, die fragliche 

Pistole sorgfältig aufzubewahren und sie vor dem unberechtigten Zugriff Dritter zu schützen, 

verletzt hat (vgl. Erw. II.2 auf S. 10 des angefochtenen Urteils) und ihn hierfür der mehrfachen 

Zuwiderhandlung gegen das Waffengesetz i.S.v. Art. 34 Abs. 1 lit. e WG schuldig gesprochen 

(vgl. Erw. III.2 auf S. 14 f. sowie Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen Urteils). Angesichts die-

ser offensichtlich feststehenden Verletzung von Pflichten, denen der Beschuldigte als Waffen-

besitzer unterlag, liegt zusätzlich eine Verletzung von Sorgfaltspflichten, welche für das Vorlie-

gen eines Fahrlässigkeitstatbestands erforderlich ist, nahe. Dies gilt umso mehr, als sich der 

Beschuldigte laut eigenen Aussagen an der Tatrekonstruktion vom 4. Februar 2022 (vgl. act. 

1367) privat wie auch vom Militär her gut mit Waffen auskannte und über einen grossen Erfah-

rungsschatz im Umgang mit denselben verfügte, worauf auch der Privatkläger (vgl. S. 3 f. der 

Berufungsbegründung vom 5. September 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, 

S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 11) hinweist. Überdies war der 

Beschuldigte am betreffenden Abend über den Alkohol- und Cannabiskonsum seitens des Pri-

vatklägers und von D.____ im Bilde. Bis vor Kantonsgericht hat der Beschuldigte keine Erklä-

rung für sein damaliges Verhalten (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, 16 und 

19) bzw. bezeichnet dieses als "absoluten Blödsinn" (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 14 und 16). Gleichwohl gilt es aber zu beachten, dass – wie vorstehend ausgeführt – 

nicht jeder Verstoss gegen eine gesetzliche Norm den Vorwurf der Fahrlässigkeit begründet. 

Vielmehr müssen zur Annahme einer Sorgfaltspflichtverletzung im Zusammenhang mit einem 

Fahrlässigkeitsdelikt wie demjenigen der fahrlässigen schweren Körperverletzung kumulativ die 

Teilelemente der Vorhersehbarkeit des Erfolges, der Vermeidbarkeit des Erfolges, des uner-

laubtes Risiko, des Übernahmeverschuldens sowie des Risikozusammenhangs gegeben sein 

(vgl. vorstehend Erw. III.2.6.4), was es nachfolgend zu prüfen gilt. 

 
 
 

 
 
Seite 26   

a) In einem ersten Punkt ist Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflicht 

bei der bewussten Fahrlässigkeit die Voraussehbarkeit des Erfolgs. Umstritten ist die Frage, wie 

konkret der Täter den Erfolg voraussehen muss. Das Bundesgericht lässt bisweilen einen ho-

hen Abstraktionsgrad genügen. Es reiche, wenn der Täter überhaupt die Möglichkeit des ent-

sprechenden Erfolgs habe voraussehen können. Dabei könne es nicht darauf ankommen, ob 

der spätere Geschehensablauf in allen seinen Einzelheiten zu erwarten gewesen sei (vgl. 

STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, a.a.O., N 38, unter Hinweis u.a. auf BGE 129 IV 

119 E. 2.1; GÜNTER STRATENWERTH/FELIX BOMMER, a.a.O., S. 461, N 15, unter Hinweis u.a. auf 

BGE 114 IV 100, 102; 99 IV 127, 132; 122 IV 145, 148; 115 IV 199, 207). Voraussehbarkeit 

wird dabei auch im Fall von sehr komplexen und aussergewöhnlichen Kausalabläufen bejaht 

(vgl. STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, a.a.O., unter Hinweis u.a. auf BGE 87 IV 64 

E. 2; BGer 6B_287/2014 E. 3.3). In der herrschenden Doktrin wird hingegen Voraussehbarkeit 

des Geschehensablaufs in seinen wesentlichen Grundzügen bzw. Umrissen gefordert, sonst 

könne niemand die Pflicht haben, sich auf ihn einzustellen. Diese Formulierung findet sich in 

der Zwischenzeit auch in diversen höchstrichterlichen Entscheiden (vgl. GÜNTER 

STRATENWERTH/FELIX BOMMER, a.a.O., unter Hinweis u.a. auf BGE 145 IV 154, 158; 135 IV 56, 

64; STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, a.a.O., unter Hinweis u.a. auf BGE 120 IV 169 

E. 2c; STEFAN TRECHSEL/PETER NOLL/MARK PIETH, a.a.O., S. 267). So wurde in der Praxis unter 

anderem das überraschende Begeben einer Person in den Gefahrenbereich eines Busses un-

mittelbar vor der Anfahrt als nicht voraussehbar angesehen (vgl. STEFAN TRECHSEL/BIJAN 

FATEH-MOGHADAM, a.a.O., unter Hinweis auf BGer 6B_1056/2016). Mithin sei betreffend das 

Teilelement der Vorhersehbarkeit des Erfolgs zu beachten, dass Sorgfaltspflichten nicht gebie-

ten könnten, den Eintritt bestimmter Erfolge als solchen, sondern nur die zu ihnen führenden 

Geschehensabläufe zu verhindern (vgl. GÜNTER STRATENWERTH/FELIX BOMMER, a.a.O.). Der 

Täter müsse den Erfolg vorausgesehen oder doch die Möglichkeit gehabt haben, den Erfolg 

vorauszusehen, und zwar gerade den Erfolg, der tatsächlich eingetreten sei (vgl. STEFAN 

TRECHSEL/PETER NOLL/MARK PIETH, a.a.O., m.w.H., u.a. auf BGE 99 IV 127). Das Kantonsge-

richt folgt der letztgenannten, überzeugenden Auffassung. Es ist demnach zu fordern, dass der 

Täter den zum Erfolg führenden Geschehensablauf zumindest in seinen groben und konkreten 

Zügen voraussehen konnte. 

 

In casu fragt sich somit, ob es nach allen tatsächlichen Umständen und den persönlichen Ver-

hältnissen für den Beschuldigten voraussehbar war, dass der Privatkläger am 18. September 

 
 
 

 
 
Seite 27   

2021 um 01:47 Uhr die geladene Pistole des Beschuldigten an sich nimmt, sie sich an seine 

linke Wange hält, zum Spielen von Russischem Roulette auffordert und hernach zielgerichtet 

sowie zum eigenen schweren Schaden abdrückt, wie dies die Staatsanwaltschaft (vgl. S. 4 der 

Berufungsbegründung vom 25. Juni 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, 

unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 3 f.) und der Privatkläger (vgl. S. 4 

der Berufungsbegründung vom 5. September 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 13) teilweise unter Hin-

weis auf diverse bundesgerichtlich Entscheide sehen. Das Kantonsgericht verneint eine Vo-

raussehbarkeit dieses genauen konkreten Geschehensverlaufs indessen – im Einklang mit der 

Vorderrichterin in Erw. III.1.2 auf S. 13 f. des angefochtenen Urteils – bereits aufgrund der vor-

liegend äusserst ungewöhnlichen Abläufe der Geschehnisse. Umso mehr liegt diese Schluss-

folgerung unter Berücksichtigung der nachfolgenden, für den Beschuldigten entlastenden Ele-

mente nahe: 

 

aa) Zunächst gab der Privatkläger anlässlich seiner Einvernahme vom 30. September 

2021 (act. 1661 f.) explizit zu Protokoll, er habe schon zuvor unter starkem Alkohol- und Dro-

geneinfluss zwei- bis dreimal Russisches Roulette gespielt, dabei sogar einmal mit geladener 

Waffe, womit bereits ein analoges Vorkommnis zum hier zu beurteilenden Fall besteht. Zutref-

fend weist der Beschuldigte auf S. 3 f. der Berufungsantwort vom 28. November 2024 sowie in 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte 

Plädoyer, S. 1, auf diesen Umstand hin. Es ist in casu nicht nachgewiesen, dass der Beschul-

digte und D.____ Kenntnis von diesen einschlägigen Erfahrungen des Privatklägers hatten, 

weshalb dessen Aufforderung zum Spielen von Russischem Roulette für jene überaus überra-

schend gekommen sein muss. Der Einwand der Staatsanwaltschaft, wonach dieser Umstand 

für die Beurteilung keinerlei Rolle spielen soll (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, 

S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S.  6), ist daher nicht zu hören. 

 

ab) Es kommt hinzu, dass sich der Privatkläger laut eigenen, klaren Aussagen ganz allge-

mein mit Waffen, d.h. mit deren Prinzip und Grundaufbau, auskennt. Er hat sich mithin – entge-

gen den Ausführungen der Staatsanwaltschaft (vgl. S. 4 der Berufungsbegründung vom 

25. Juni 2024) – selbst nicht als blossen "extremen Waffennarr", sondern als "Waffenkenner" 

bzw. "waffenaffin" bezeichnet, zumal er zu Protokoll gab, selbst kundiger Waffenbesitzer zu 

sein, was er auch dem Beschuldigten mitgeteilt hatte (vgl. Einvernahme vom 23. Februar 2023 

 
 
 

 
 
Seite 28   

als Auskunftsperson, act. 1721). Ebenso habe er bereits ein bis zwei Monate zuvor schon die 

Waffe des Beschuldigten in der Hand gehabt (vgl. Einvernahme vom 30. September 2021 als 

Auskunftsperson, act. 1663 f.), was vom Beschuldigten bestätigt worden ist (vgl. Einvernahme 

anlässlich der Tatrekonstruktion vom 4. Februar 2022, act. 1363). In seiner Einvernahme vom 

23. Februar 2023 als Auskunftsperson erklärte der Privatkläger sogar, er habe vom Beschuldig-

ten gewusst, dass die hier zur Diskussion stehende Waffe keine aktive Sicherung hat (vgl. act. 

1715). Diese Ausführungen des Privatklägers werden gestützt durch die Angaben seines Va-

ters, F.____, welcher anlässlich dessen Einvernahme als Auskunftsperson vom 20. September 

2021 zu Protokoll gab, der Privatkläger sei ein "extremer Waffennarr", der sich sehr gut aus-

kenne (vgl. act. 1567). Zutreffend weist der Beschuldigte auf S. 4 f. der Berufungsantwort vom 

28. November 2024 auch auf diesen Umstand hin. Sodann schilderte die Freundin des Privat-

klägers, G.____, als Zeugin anlässlich der Einvernahme vom 22. September 2021 ebenso, 

dass der Privatkläger von Waffen fasziniert sei, ein Waffenliebhaber sei und sich sehr gut aus-

kenne (vgl. act. 1619). Vor Kantonsgericht führt der Beschuldigte schliesslich aus, er habe kei-

ne Zweifel gehabt, dass sich der Privatkläger mit der fraglichen Waffe ausgekannt habe. Darum 

habe für ihn auch das Gefahrenpotential nicht auf der Hand gelegen (vgl. Prot. Hauptverhand-

lung Kantonsgericht, S. 18 f.). Unterstrichen werden die vorstehenden Aussagen durch Veröf-

fentlichungen des Privatklägers auf seinem Facebook-Profil, auf welchen er unter anderem mit 

verschiedenen Waffen in der Hand abgebildet ist (vgl. act. S 179 ff.). Der Hinweis des Privatklä-

gervertreters darauf, dass es sich bei den dort ersichtlichen Waffen lediglich um Luftgewehre 

und Waffen mit Plastikkugeln gehandelt haben soll (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 22), vermag daran nichts zu ändern. Bei diesem Beweisergebnis konnte der Beschul-

digte somit nachvollziehbarerweise davon ausgehen, dass der Privatkläger mit Waffen und ins-

besondere mit derjenigen des Beschuldigten umzugehen imstande ist und dabei auch die ein-

schlägigen Sicherheitsvorschriften kennt (vgl. Einvernahme des Beschuldigten anlässlich der 

Tatrekonstruktion vom 4. Februar 2022, act. 1365 f.). Nachdem der Privatkläger somit über ein 

relevantes Fachwissen nicht nur allgemein in Bezug auf Waffen, sondern auch ganz konkret auf 

die Funktionsweise der hier eingesetzten Pistole verfügte, kann er sich ebenso wenig darauf 

berufen, der leichtfertige Umgang mit der Waffe durch den Beschuldigten am fraglichen Abend 

habe ihm signalisiert, dass keine Gefahr von der Pistole ausgehe (vgl. S. 5 der Berufungsbe-

gründung vom 5. September 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, unter 

Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 12). Vielmehr muss auch dem Privatkläger 

die Gefährlichkeit der Situation am betreffenden Abend bekannt gewesen sein. Dieser Umstand 

 
 
 

 
 
Seite 29   

macht den Geschehenslauf, wie er vorliegend zur Beurteilung steht, für den Beschuldigten um-

so weniger vorhersehbar, zumal Russisches Roulette mit einer geladenen Pistole – im Gegen-

satz zu einem Revolver, welcher mit einer Trommel versehen ist – gar nicht "gespielt" werden 

kann, ohne dass sich mit Sicherheit ein Schuss löst. Dieses triviale Wissen ist nicht nur einem 

Durchschnittsbürger, sondern erst recht dem Privatkläger als einer waffenkundigen Person oh-

ne Weiteres zuzurechnen (so zutreffend der Beschuldigte auf S. 3 f. der Berufungsantwort vom 

28. November 2024 sowie in Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22, unter Hinweis auf 

das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 2), was nicht zuletzt selbst der Privatkläger anerkennt 

(vgl. S. 2 f. der Berufungsbegründung vom 5. September 2024). So spricht der Privatkläger 

denn auch davon, es sei "widersprüchlich" bzw. "nicht schlüssig", dass sich eine im Umgang mit 

Waffen sichere Person bewusst selbst in den Kopf schiesse (vgl. S. 3 der Berufungsbegrün-

dung vom 5. September 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, unter Hin-

weis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 12), womit sogar der Privatkläger ein geradezu 

irrationales und absurdes Verhalten seinerseits – welches für den Beschuldigten nicht vorher-

sehbar sein konnte – feststellt. 

 

ac) Im Weiteren ist zwar aktenmässig belegt, dass der Privatkläger zum Tatzeitpunkt so-

wohl unter Alkohol- als auch Cannabiseinfluss stand. So geht aus dem Blutalkohol-Gutachten 

des IRM H.____ vom 24. September 2021 zum Ereigniszeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration 

von minimal 1.31 und maximal 1.82 Gewichtspromille hervor (vgl. act. 983). Auch D.____ gab 

am 22. September 2021 als Auskunftsperson zu Protokoll, dass der Privatkläger bereits leicht 

angetrunken an ihrem und dem Domizil des Beschuldigten erschienen sei und vor Ort eine un-

bestimmte Menge Bier getrunken sowie mit ihr einen Joint geteilt habe (act. 1585). Zwar führt 

Alkoholkonsum notorischerweise zu einer gewissen Enthemmung (so zutreffend die Staatsan-

waltschaft auf S. 3 f. der Berufungsbegründung vom 25. Juni 2024 sowie in Prot. Hauptver-

handlung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer S. 3). 

Der Privatkläger selbst hat aber laut eigenen Angaben gemäss Einvernahme vom 23. Februar 

2023 regelmässig in grösseren Mengen Bier getrunken und dazu Cannabis geraucht (act. 

1729), weshalb die Vorinstanz zu Recht von einer erhöhten Toleranz desselben beim Konsum 

derartiger Substanzen und damit auch zum Tatzeitpunkt ausgegangen ist (vgl. Erw. III.1.2 auf 

S. 14 des angefochtenen Urteils). Im Einklang dazu gab der Privatkläger anlässlich seiner 

oberwähnten Einvernahme in Bezug auf seinen Alkohol- und Cannabiskonsum zudem an, dass 

der Konsum einer grösseren Menge bei ihm in der Regel eine beruhigende Wirkung habe (act. 

 
 
 

 
 
Seite 30   

1727 f.). D.____ hat den Zustand des Privatklägers am fraglichen Abend überdies nicht als von 

aussen erkennbar unkontrolliert beschrieben (vgl. Einvernahme als Auskunftsperson vom 

22. September 2021, act. 1585). Übereinstimmend dazu führte der Beschuldigte anlässlich der 

Tatrekonstruktion vom 4. Februar 2022 aus, es sei ihm zwar bewusst gewesen, dass der Pri-

vatkläger stark angetrunken gewesen sei, er sei jedoch nicht "unzurechnungsfähig" gewesen, er 

habe weder geschwankt noch gelallt; er sei auch nicht "völlig neben den Schuhen" gewesen 

(act. 1369). Schliesslich gab auch die Freundin des Privatklägers, G.____, als Zeugin anlässlich 

der Einvernahme vom 22. September 2021 zu Protokoll, dass der Privatkläger nach dem Kon-

sum von Alkohol "nie völlig weg", sondern "immer noch so weit bei der Sache" sei (act. 1615). 

Somit wirkt sich zusammenfassend der Faktor des Alkohol- und Cannabiskonsums des Privat-

klägers zum Ereigniszeitpunkt – entgegen der Einschätzung durch die Staatsanwaltschaft (vgl. 

S. 3 f. der Berufungsbegründung vom 25. Juni 2024) – eher entlastend, sicherlich aber nicht 

belastend für den Beschuldigten, d.h. in Bezug auf die Waffenkenntnisse des Privatklägers und 

damit die Vorhersehbarkeit der Geschehensabläufe, aus. 

 

ad) Abrundend ist darauf hinzuweisen, dass alle befragten Personen übereinstimmend 

ausgesagt haben, es seien beim Privatkläger im September 2021 keinerlei Suizidabsichten er-

kennbar gewesen. So habe man laut D.____ in der Tatnacht vielmehr einen "gemütlichen, lusti-

gen und geselligen Abend" verbracht (vgl. Einvernahme als Auskunftsperson vom 22. Septem-

ber 2021, act. 1581). Auch die Staatsanwaltschaft (vgl. S. 3 der Berufungsbegründung vom 

25. Juni 2024) und der Privatkläger selbst (vgl. S. 4 der Berufungsbegründung vom 5. Septem-

ber 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich 

eingereichte Plädoyer, S. 10) machen geltend, dass seitens des Privatklägers keine Selbst-

mordgedanken gehegt worden seien. Abgesehen davon haben weder der Beschuldigte (vgl. 

zuletzt Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 16 f.) oder D.____ noch deren Mitbewohne-

rin E.____ in ihren vorerwähnten Aussagen Streitigkeiten oder Zerwürfnisse am fraglichen 

Abend erwähnt. Auch dieser Umstand spricht gegen eine irgendwie geartete Vorhersehbarkeit 

der Abläufe am Ereignisabend. Der Privatkläger selbst hält es schliesslich an obgenannter Stel-

le für "absolut unlogisch", dass sich eine "waffenaffine" Person ohne Suizidabsichten bewusst 

mit einer Pistole in den Kopf schiesst. 

 

ae) Wie aus den vorstehenden Ausführungen erhellt, lag der konkrete Sachverhalt, wie er 

sich in casu zugetragen hat, bereits per se klarerweise ausserhalb eines normalen menschli-

 
 
 

 
 
Seite 31   

chen Vorstellungsvermögens. Ein solcher Geschehensablauf war aber auch konkret für den 

Beschuldigten selbst bei grösster Gewissensanspannung vernünftigerweise nicht vorhersehbar, 

was umso weniger in Berücksichtigung der in Erw. III.2.6.4.2 lit. aa-ad aufgeführten Umstände 

anzunehmen ist. Es wäre freilich vorhersehbar gewesen, dass der Privatkläger nach der Waffe 

greift und ebenso, dass allenfalls versehentlich ein Schuss – von wem auch immer – abgege-

ben wird, weshalb insofern der Staatsanwaltschaft mit der Auffassung, in einer derartigen Situa-

tion sei mit einem Unfall zu rechnen gewesen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, 

S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 3 f.), beizupflichten ist. Dar-

über hinausgehend hingegen ist die Abfolge der Ereignisse dergestalt, dass sich der Privatklä-

ger die Waffe bewusst und zielgerichtet an seinen Kopf hält und abdrückt, als derart ausserge-

wöhnlich und überraschend zu qualifizieren, dass der Beschuldigte schlichtweg nicht damit 

rechnen konnte, wie er dies zuletzt vor Kantonsgericht (vgl. S. 6 der Berufungsantwort vom 

28. November 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung, S. 22, unter Hinweis auf das schriftlich ein-

gereichte Plädoyer, S. 2) plausibel geltend macht. Schlüssig erklärt der Beschuldigte daher 

nochmals vor Kantonsgericht dazu befragt, die Aufforderung zum Spielen von Russischem 

Roulette und die unmittelbar darauffolgende Schussabgabe seitens des Privatklägers seien 

"aus dem Nichts" bzw. "ohne Vorlauf, null, völlig überraschend" (vgl. Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 16 f.) passiert. Demgegenüber ist die Auffassung der Staatsanwaltschaft, 

wonach der Geschehensablauf alles andere als überraschend, sondern geradezu eine "logi-

sche oder zwingende Konsequenz" gewesen sein soll (vgl. S. 4 der Berufungsbegründung vom 

25. Juni 2024), klarerweise zu verwerfen. Würde dieser Argumentation gefolgt, so wären nahe-

zu alle theoretisch denkbaren Geschehensabläufe im Umgang mit Waffen vorhersehbar. Dies 

kann jedoch nicht im Sinn des Strafrechts, welches mit dem Element der Vorhersehbarkeit eine 

Begrenzungsfunktion erfüllt, sein. Endlich können auch die seitens der Staatsanwaltschaft und 

des Privatklägers angerufenen bundesgerichtlichen Entscheide (vgl. beispielsweise BGE 103 IV 

12) nicht zur Beurteilung des vorliegenden Falles herangezogen werden, da sich die dort beur-

teilten Konstellationen mit Kindern oder Jugendlichen als Opfern bzw. Tätern, welche über ei-

nen längeren Zeitraum abwesend waren, weitgehend anders gestalteten als in casu. 

 

b) Nachdem vorliegend bereits die Vorhersehbarkeit zu verneinen ist, erübrigt sich eine 

Prüfung der weiteren Elemente einer Sorgfaltspflichtverletzung, d.h. des Risikozusammen-

hangs, der Vermeidbarkeit des Erfolgs, des unerlaubten Risikos sowie des Übernahmever-

schuldens (vgl. vorstehend Erw. III.2.6.4). Gerade an einem Risikozusammenhang, der zwi-

 
 
 

 
 
Seite 32   

schen dem Sorgfaltsverstoss und dem Eintritt des Erfolgs bestehen muss, fehlt es hier ohnehin, 

wo die zum Erfolg führende Handlung aus einem anderen Grund sorgfaltswidrig war als wegen 

des für den Täter nicht erkennbaren Risikos (vgl. GÜNTER STRATENWERTH/FELIX BOMMER, 

a.a.O.). Denn damit ein Risikozusammenhang bejaht wird, muss der Eintritt des tatbestands-

mässigen Erfolgs die Auswirkung gerade der Gefahr sein, die der Täter durch sein sorgfalts-

pflichtwidriges Handeln geschaffen hat (vgl. GÜNTER STRATENWERTH/FELIX BOMMER, a.a.O., 

S. 464, N 21, unter Hinweis u.a. auf BGE 134 IV 193, 209 f.). 

 

c) Die vorstehend in Erw. III.2.6.4.2 lit. a gemachten Feststellungen haben zur Folge, 

dass trotz der erfolgten Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, wofür der Beschuldigte 

bereits rechtskräftig verurteilt worden ist, eine darüber hinausgehende Sorgfaltspflichtverlet-

zung, wie sie zur Erfüllung eines Fahrlässigkeitstatbestands vorzuliegen hat, konkret zu vernei-

nen ist. Bereits damit ist der Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss 

Art. 125 Abs. 1 und Abs. 2 StGB nicht erfüllt und der Beschuldigte dementsprechend – wie be-

reits durch die Vorderrichterin, wenn auch mit abweichender Begründung – von der Anklage 

freizusprechen. 

 

2.6.4.3 Im Sinne eines obiter dictum ist überdies festzustellen, dass selbst bei einer Bejahung 

sämtlicher Elemente einer Sorgfaltspflichtverletzung – im Einklang mit der Vorinstanz (vgl. Erw. 

III.1.1 und 1.2 auf S. 12-14 des angefochtenen Urteils) – ein rechtserheblicher Kausalzusam-

menhang zwischen Tathandlung und Erfolg verneint werden müsste, und zwar aus den nach-

stehenden Gründen: 

 

a) Zunächst besteht gemäss der sog. Bedingungs- oder Äquivalenztheorie ein natürlicher 

Kausalzusammenhang immer dann, wenn das schadensstiftende Verhalten für den eingetrete-

nen Schaden eine notwendige Bedingung (conditio sine qua non) bildet, d.h. nicht hinwegge-

dacht werden könnte, ohne dass auch der eingetretene Erfolg entfiele. In Bezug auf diese na-

türliche Kausalität gilt es zudem, die sog. Adäquanztheorie zu beachten. Demnach muss die 

natürliche Ursache auch geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfah-

rungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu be-

günstigen (vgl. MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MADER, a.a.O., N 94, mit Hinweis auf die 

ständige bundesgerichtliche Rechtsprechung u.a. in BGE 130 IV 7, 10; 68 IV 16, 19; 110 IV 42, 

44 f. und 135 IV 56, 64; BGE 142 IV 237 E. 1.5.2). Dieser adäquate Kausalzusammenhang 

 
 
 

 
 
Seite 33   

kann unterbrochen werden, wenn zu einer an sich adäquaten Ursache eine andere hinzutritt, 

die einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise 

als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint. Entscheidend ist die Intensität der beiden Ursa-

chen (vgl. BGE 130 III 182 E. 5.4 mit Hinweisen). So vermag das Verhalten eines Dritten den 

Kausalzusammenhang nur, aber immerhin dann zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache 

derart ausserhalb des normalen Geschehens liegt und derart unsinnig ist, dass damit nicht zu 

rechnen war (vgl. BGE 116 II 519 E. 4b mit Hinweisen). Oder anders gesagt: Am erforderlichen 

rechtserheblichen Kausalzusammenhang fehlt es, wenn die Folge soweit ausserhalb der nor-

malen Lebenserfahrung liegt, dass sie nicht zu erwarten war, d.h. ganz aussergewöhnliche 

Umstände hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste, und die derart 

schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache alle anderen mitver-

ursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten des Angeschuldigten – in den Hintergrund 

drängen (vgl. MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MADER, a.a.O., unter Hinweis u.a. auf BGE 98 

IV 168, 173; 101 IV 28, 31; 130 IV 7, 10; 115 IV 100, 102; 133 IV 158, 168). 

 

b) Im vorliegenden Fall wäre mit der Vorinstanz (vgl. Erw. III.1.2 auf S. 13 des angefoch-

tenen Urteils) zunächst ohne Weiteres eine natürliche Kausalität zwischen dem Handeln des 

Beschuldigten (wäre dieses als Sorgfaltspflichtverletzung einzustufen gewesen) und der unbe-

strittenermassen schweren Körperverletzung beim Privatkläger zu bejahen. Denn diese Ursa-

che kann nicht weggedacht werden, ohne dass auch der Erfolg entfiele. Hätte – mit anderen 

Worten – der Beschuldigte nicht die Pistole samt Munition auf den Tisch zum dort sitzenden 

Privatkläger gebracht und ihm damit zugänglich gemacht, wäre es nicht zu dessen folgen-

schweren Verletzung gekommen (so zutreffend auch der Privatkläger auf S. 3 der Berufungs-

begründung vom 5. September 2024 sowie in Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, 

unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 11 und 13 f.). 

 

c) Eine natürliche Kausalität allein genügt indessen nicht zur Annahme eines rechtser-

heblichen Kausalzusammenhangs zwischen Ursache und Erfolg. Die natürliche Kausalität hat 

vielmehr zusätzlich adäquat zu sein. Grundsätzlich wäre in casu auch eine adäquate Kausalität 

anzunehmen, wie dies die Vorderrichterin in Erw. III.1.2 auf S. 14 des angefochtenen Urteils 

implizit unter der Annahme einer "Mitursache" getan hat. Denn das vorgenannte Zugänglichma-

chen einer Waffe samt Munition stellt grundsätzlich eine geeignete Ursache dar, um nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung einen Erfolg wie den ein-

https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=2000&to_year=2025&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=Kausalzusammenhang&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-II-519%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page519

 
 
 

 
 
Seite 34   

getretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, 

dass es im konkreten Fall zu den schweren Verletzungen des Privatklägers mit der Waffe des 

Beschuldigten gekommen ist. 

 

d) Allerdings hat das Strafgerichtspräsidium an genannter Stelle ebenso korrekt festge-

stellt, dass der konkrete Geschehensablauf im vorliegenden Fall, d.h. die zielgerichtete und 

selbstschädigende Handlung des Privatklägers, als derart intensive Mitursache erscheint, dass 

sie die Sorgfaltswidrigkeit des Beschuldigten (wäre eine solche durch das Kantonsgericht zu 

bejahen gewesen) als erste Ursache für den in Gang gesetzten Kausalverlauf verdrängt und als 

unbedeutend in den Hintergrund versetzt (so zutreffend auch der Beschuldigte auf S. 6 und 9 f. 

der Berufungsantwort vom 28. November 2024). Mithin wäre diesfalls – entgegen der Ansicht 

des Privatklägers (vgl. S. 2 der Berufungsbegründung vom 5. September 2024 sowie Prot. 

Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädo-

yer, S. 14) – eine Unterbrechung des Kausalzusammenhangs anzunehmen. Dies gründet nicht 

zuletzt auch darauf, dass das massiv selbstschädigende Handeln des Privatklägers schlicht 

nicht vorhersehbar war (vgl. vorstehend Erw. III.2.6.4.2 lit. a) und im Übrigen selbst der Privat-

kläger heute nicht mehr nachvollziehen kann, wieso er auf diese Weise gehandelt hat (so zu-

treffend der Beschuldigte auf S. 10 der Berufungsantwort vom 28. November 2024; vgl. bereits 

vorstehend Erw. III.2.6.4.2 lit. ab). Damit wäre der Beschuldigte jedoch selbst unter Annahme 

einer Sorgfaltspflichtverletzung zufolge Unterbrechung des Kausalzusammenhangs vom Vor-

wurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung freizusprechen gewesen, wie dies bereits die 

Vorderrichterin in Erw. III.1.2 auf S. 14 des angefochtenen Urteils getan hat. Nicht gefolgt wer-

den kann aus diesen Gründen der Auffassung der Staatsanwaltschaft, wonach der Beschuldig-

te – und nicht der Privatkläger – die Hauptursache für den eingetretenen Erfolg gesetzt habe 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 21, unter Hinweis auf das schriftlich eingereich-

te Plädoyer, S.  4). 

 

2.6.5 Aus den vorstehend in Erw. III.2.6.4.2 und 2.6.4.3 dargelegten Gründen kann dem Be-

schuldigten somit mangels Vorhersehbarkeit des konkreten Geschehensablaufs keine Sorg-

faltspflichtverletzung angelastet werden und selbst im bejahenden Fall wäre ein natürlicher und 

adäquater Kausalzusammenhang zwischen jener und dem eingetretenen Erfolg aufgrund des 

äusserst ungewöhnlichen Verhaltens des Privatklägers als im Vordergrund stehende Mitursa-

che unterbrochen worden. Deshalb kann dem Beschuldigten strafrechtlich nicht angelastet wer-

 
 
 

 
 
Seite 35   

den, dass der Privatkläger eine schwere Verletzung seiner körperlichen Integrität davongetra-

gen hat. Als Folge davon ist der vorinstanzlich ausgefällte Freispruch des Beschuldigten vom 

Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Ergebnis zu bestätigen. Die Berufun-

gen der Staatsanwaltschaft wie auch des Privatklägers erweisen sich demnach in diesem Punkt 

als unbegründet, weshalb sie abzuweisen sind. Damit sind die Dispositiv-Ziffer 1 in Bezug auf 

den Schuldspruch – allein – wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz und 

Führens eines Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand sowie die Dispositiv-Ziffer 2 in Bezug 

auf den Freispruch von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung unverändert 

zum Bestandteil dieses Urteils zu erklären. 

 

3. Zivilforderungen (Dispositiv-Ziffer 7) / Berufung des Privatklägers 

3.1 Die Vorinstanz wies sämtliche Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Pri-

vatklägers gegenüber dem Beschuldigten aufgrund des Freispruchs vom Vorwurf der fahrlässi-

gen schweren Körperverletzung in Anwendung v