# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1832aa2d-a359-591d-ae3c-a0bc47ef533c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.08.2009 E-5018/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5018-2009_2009-08-20.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5018/2009

{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  A u g u s t  2 0 0 9

Einzelrichter Walter Stöckli, 
mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher;
Gerichtsschreiberin Esther Karpathakis.

A._______,
Guinea,

Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 30. Juli 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5018/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland 
unmittelbar nach ihrer Flucht aus dem Gefängnis an einem unbekann-
ten  Datum  verliess  und  von  B._______  per  Flugzeug  in  ein 
unbekanntes Land reiste, 

dass der Kommandant, welcher ihr zur Flucht aus dem Gefängnis ver-
holfen habe, auch ihre Reise organisiert habe, wobei sie während der 
Reise in die Schweiz von einem anderen Mann begleitet worden sei,

dass sie mit dem Auto weitergereist und am 6. Juli 2009 in die Schweiz 
gelangt sei, wo sie am 6. Juli 2009 im EVZ Basel um Asyl nachsuchte,

dass sie dort  am 13. Juli  2009 summarisch zum Reiseweg und den 
Ausreisegründen befragt  (act. 1)  und am 28. Juli  2009 zu den Asyl-
gründen angehört wurde (act. 7),

dass die Beschwerdeführerin unter anderem angegeben hatte, sie sei 
nie  zur  Schule  gegangen,  sei  Analphabetin,  ihre  Muttersprache  sei 
Susu und am Arbeitsplatz habe sie französisch gelernt,

dass sowohl die summarische Befragung zum Reiseweg und zu den 
Gründen der Ausreise als auch die Anhörung zu den Ausreisegründen 
in französischer Sprache stattfanden,

dass die Beschwerdeführerin am Anfang der Kurzbefragung (Punkt 3) 
die Frage,  ob die den/die  Dolmetscher/in  gut  verstehe,  bejahte,  und 
am  Ende  der  Kurzbefragung  auf  die  Frage,  ob  sie  den/die  Dolmet-
scher/in verstanden habe, antwortete "etwas weniger gut" (Punkt 23),

dass die Hilfswerksvertretung in  ihren Beobachtungen anlässlich der 
Anhörung darauf aufmerksam machte, dass die Verständigung mit der 
Gesuchstellerin nicht einfach gewesen sei, viele Fragen mehrmals hät-
ten erläutert und Antworten wiederholt werden müssen,

dass  dies  auf  die  Verwendung  der  Fremdsprache  Französisch  und 
den tiefen Bildungsstand der Beschwerdeführerin zurückzuführen sei,

dass die Beschwerdeführerin zur Frage nach ihren Reise- und Identi-
tätspapieren angab, sie habe nur, was sie auf sich trage, da sie bis un-
mittelbar vor der Ausreise im Gefängnis gewesen sei,

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dass sie im Hause von C._______ als Köchin gearbeitet habe, 

dass dieser zwar einen Ausweis für sie besorgt habe, weil man ohne 
Ausweis nicht arbeiten dürfe,

dass sie diesen Ausweis in ihrer Tasche gehabt habe, er aber bei ihrer 
Verhaftung zu Hause zurückgeblieben beziehungsweise allenfalls von 
den Gendarmen mitgenommen worden sei,

dass  ihr  Vater  vor  seinem  Tode  alle  Papiere  bei  ihrem  Bruder 
D._______,  welcher  in  einem  etwa  eine  Tagesreise  von  B._______ 
entfernten Dorf lebe, deponiert  habe, und dass es sich um Auszüge, 
wie  etwa Geburtsurkunden  handle,  wobei  sie  allerdings  nicht  genau 
wisse, um welche Papiere es sich handle,

dass sie Papiere beschaffen könne, wenn sie sich etwas beruhigt habe 
und besser fühle,

dass  während  der  Reise  ihr  Begleiter  sich  um Reisedokumente  ge-
kümmert  habe,  ihr  diese jedoch wieder  abgenommen worden seien, 
nachdem sie in das Auto eingestiegen sei,

dass die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen angab, sie sei im 
Februar  2009  bei  sich  zu  Hause  in  B._______  von  mehreren 
Gendarmen  festgenommen,  gefesselt  und  ins  Gefängnis  gebracht 
worden,

dass die Gendarmen vorerst keinen Grund für die Verhaftung genannt, 
das Haus durchsucht und alles mitgenommen hätten,

dass ihre drei  Kinder anlässlich ihrer  Verhaftung ebenfalls zu Hause 
gewesen seien und geweint hätten, und dass sie über deren Schicksal 
nichts wisse,

dass man ihr  im Gefängnis  gesagt  habe,  es gäbe ein Papier  bezie-
hungsweise mehrere Papier, das oder die sie beschaffen müsse, und 
sie  geantwortet  habe,  sie  wisse nichts  von Papieren,  da  sie  nie  zur 
Schule gegangen sei,

dass ihr vorgeworfen worden sei, sie habe die Papiere bei C._______ 
mitgenommen und müsse sie wieder beschaffen, dabei habe sie gar 
keine Papiere weggenommen,

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dass ihre Verwandten, insbesondere ihr vom gleichen Vater stammen-
der Halbbruder E._______, nicht gut zu ihr gewesen seien,

dass E._______, welcher keiner Arbeit nachgehe und nur herumsitze, 
von ihr  Geld  verlangt  habe,  weil  sie  bei  Ousmane Conté  gearbeitet 
habe,

dass  E._______,  als  sie  dies  nicht  getan  habe,  den  Gendarmen 
gesagt habe, sie wisse von den Papieren,

dass sie im Gefängnis geschlagen und zweimal  vergewaltigt  worden 
sei  und gesundheitliche Schäden, unter  anderem an den Knien,  da-
vongetragen habe, 

dass hier in der Schweiz Röntgenaufnahmen gemacht worden seien,

dass sie im Gefängnis einen Kommandanten kennengelernt habe, wel-
chem sie 5'000 US$ gegeben habe und welcher ihr zur Flucht verhol-
fen habe,

dass sie früher, als ihr Ehemann noch gelebt habe, Zöpfe geflochten 
habe,

dass ihr Mann vor vielen Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben 
gekommen sei und ihr Bruder Georges sie nach seinem Tod mit Reis 
unterstützt habe,

dass  ihr  verstorbener  Mann  im  Hafen  von  Conakry  gearbeitet  habe 
und einer seiner Freunde sie Ousmane Conté vorgestellt habe, wo sie 
dann als Köchin zu arbeiten begonnen habe,

dass sie in Ousmane Contés Haushalt für alle Mittag- und Abendessen 
gekocht habe, noch weitere Personen im Haus gearbeitet hätten, das 
Personal aber oft gewechselt und sie Ousmane Conté nicht oft gese-
hen habe,

dass  sie  auch ein  Problem mit  dem Besitzer  ihrer  Wohnung gehabt 
habe, welcher bereits drei Frauen habe und sie habe heiraten wollen,

dass sie dies nicht gewollt habe, weshalb er sie aufgefordert habe, die 
Wohnung  zu  verlassen  und  sogar  ins  Gefängnis  gegangen  sei  und 
dort über sie geredet habe, damit sie nicht entlassen würde,

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dass das BFM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfü-
gung vom 30. Juli  2009 -  eröffnet  am selben Tag -  nicht  eintrat,  die 
Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  verfügte  und 
den Wegweisungsvollzug anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  Be-
schwerdeführerin habe den Asylbehörden innerhalb der eingeräumten 
Frist von 48 Stunden keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben 
und es lägen dafür keine entschuldbaren Gründe vor,

dass  die  Begründung,  die  Gendarmen  hätten  ihren  Arbeitsausweis 
vielleicht bei  der Festnahme mitgenommen, schon deshalb nichts zu 
ihren  Gunsten  zu  bewirken  vermöge,  weil  die  Arbeit  bei  Ousmane 
Conté  sowie  die  Festnahme  der  Beschwerdeführerin  an  sich  nicht 
glaubhaft seien,

dass die Beschwerdeführerin auch nicht nachvollziehbar und substan-
ziiert  habe schildern können, wie es ihr habe gelingen können, ohne 
gültige Papiere von ihrem Heimatstaat in die Schweiz zu gelangen,

dass schliesslich keine Hinweise vorlägen, welche Anstrengungen der 
Beschwerdeführerin  erkennen  liessen  in  Bezug  auf  die  Beschaffung 
von Ausweisdokumenten,

dass sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und keine zusätzlichen 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses erforderlich seien,

dass die Vorbringen zu ihren Asylgründen nämlich in keiner Weise zu 
überzeugen  vermöchten,  sondern  vielmehr  aufgrund  der  von 
unplausibler Unkenntnis geprägten Aussagen ausgeschlossen werden 
könne, dass sie für Ousmane Conté gearbeitet habe und als Folge die-
ser Tätigkeit festgenommen worden sei,

dass sie vorab Ousmane Conté auf einem Bild nicht habe identifizieren 
können, obschon sie behauptet habe, ihn während ihrer etwa 10-jähri-
gen Anstellung mehrmals gesehen zu haben,

dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar  und 
möglich erweise,

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dass  hinsichtlich  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  insbe-
sondere ins Gewicht falle, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um 
eine 34-jährige, soweit aktenkundig, gesunde Frau handle, welche ihr 
ganzes Leben in Conakry verbracht habe, weshalb davon auszugehen 
sei, dass sie dort über ein Beziehungsnetz verfüge,

dass sie insbesondere dort  zwei  Brüder  habe,  wobei  sie  von einem 
auch früher unterstützt worden sei,

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 5. August 2009 gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob 
und beantragte, die BFM-Verfügung vom 30. Juli 2009 sei aufzuheben, 
die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  auf  ihr  Asylgesuch  einzutreten,  ihre 
Flüchtlingseigenschaft  sei  pflichtgemäss  zu  prüfen  und  es  sei  eine 
neue Verfügung zu erlassen,

dass sie in formeller Hinsicht um Kostenbefreiung nachsuchte,

dass die Beschwerdeführerin zur Begründung ausführte, sie sei durch 
die  vielen  schlimmen  Dingen,  welche  sie  durch  ihren  Bruder 
E._______, die Gendarmen, im Gefängnis  und auf  der Flucht  erlebt 
habe,  kaum  in  der  Lage,  sich  zu  konzentrieren,  sich  kohärent 
auszudrücken und logisch zu handeln,

dass ihr die Konsultation eines Psychiaters während des Verfahrens im 
EVZ Basel nicht gestattet worden sei,

dass sie weder schlafen noch mit Weinen aufhören könne,

dass sie deshalb momentan nicht im Stande sei, etwas zu organisie-
ren,  um  die  Dokumente  von  ihrem  Bruder  zu  verlangen,  zumal  sie 
auch keine Telefonnummer von einer Person aus dem Dorf habe,

dass ihr  die Asylgründe nicht  geglaubt  worden seien,  sie  jedoch die 
Wahrheit gesagt habe,

dass sie seit  ihrer  Inhaftierung nicht mehr gut sehe und der Arzt  im 
EVZ  eine  Sehschwäche  festgestellt  habe,  und  dies  der  Grund  sei, 
dass sie die Personen auf den Fotos nicht erkannt habe,

dass sie sich auch nicht gewohnt sei, sich zu verteidigen oder Dinge 
strukturiert darzulegen, wie man es in der Schule lerne,

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dass sie nur deshalb beschuldigt worden sei,  die Papiere entwendet 
zu haben, weil ihr Bruder E._______ sie dessen beschuldigt habe,

dass E._______ und die Familie ihres verstorbenen Mannes sie aus 
dem Weg schaffen wollten,  und sie als  Frau ohne viel  Geld von der 
Polizei keine Unterstützung erhalten habe, um sich zu wehren,

dass sie schwere Verletzungen an Beinen und Armen habe, weil sie 
sich im Gefängnis gegen die Vergewaltigungen gewehrt habe und sie 
baldmöglichst einen Arztbericht nachreichen werde,

dass sie seit den beiden Vergewaltigungen an Blutungen und  Schmer-
zen leide, welche nicht mehr aufhörten und sie noch nicht untersucht 
worden sei, und dass sie auch diesbezüglich einen ärztlichen Bericht 
nachreichen werde,

dass  sie  schliesslich  anführte,  die  Anhörung  habe  auf  Französisch 
stattgefunden, eine Sprache, welche sie erst bei Ousmane bei der Ar-
beit gelernt habe, die sie nicht gut spreche und insbesondere die Nu-
ancen nicht verstehe,

dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsge-
richts  mit  Zwischenverfügung  vom  11.  August  2009  unter  anderem 
festhielt,  die  Beschwerdeführerin  dürfe  sich  bis  zum  Abschluss  des 
Verfahrens in der Schweiz aufhalten,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass die Beschwerdeführerin vor der Vorinstanz am Verfahren teilge-
nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung hat  und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 
ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

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dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG) 
und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass bei  Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide,  welche das 
BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und 3 AsylG getroffen 
hat, die Beurteilungskompetenz des Bundesverwaltungsgerichts nicht 
auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asyl-
gesuch nicht eingetreten ist, sondern auch die Flüchtlingseigenschaft 
Prozessgegenstand  bildet,  wobei  über  deren  Bestehen  beziehungs-
weise Nichtbestehen abschliessend materiell  zu entscheiden ist,  so-
weit  dies  im  Rahmen einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl. 
BVGE 2007/8 E. 2.1 und 5.6.5 mit Hinweisen),

dass die Asylgewährung demgegenüber nicht Gegenstand des vorlie-
genden Verfahrens bildet,

dass das BFM die Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvoll-
zugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht 
diesbezüglich volle Kognition zukommt,

dass gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten wird, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 
48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspa-
piere abgeben,

dass diese Bestimmung keine Anwendung findet, wenn Asylsuchende 
glaubhaft  machen können, sie seien dazu aus entschuldbaren Grün-
den nicht  in  der Lage, oder  wenn aufgrund der Anhörung sowie ge-
stützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt 
wird oder sich aufgrund der Anhörung die Notwendigkeit zusätzlicher 

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Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. a-c AsylG),

dass die Beschwerdeführerin zwar innerhalb der ihr eingeräumten Frist 
von 48 Stunden keine Reise-  oder  Identitätspapiere im Sinne deren 
Definition in Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. BVGE 2007/7) abgegeben 
hat,

dass vorliegend aber - abgesehen von formellen Mängeln, an welchen 
die angefochtene Verfügung leidet - ein Tatbestand nach Art. 32 Abs. 3 
Bst. c AsylG vorliegt, da die summarische materielle Prüfung der vor-
liegenden Akten die Notwendigkeit zusätzlicher Abklärungen zur Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft  oder eines Wegweisungsvollzugs-
hindernisses ergibt (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.6), 

dass die Beschwerdeführerin sowohl im Rahmen der summarischen Be-
fragung als auch während der späteren Anhörung als erstes auf  ihre 
körperliche Versehrtheit aufmerksam und dazu geltend machte, sie sei 
vergewaltigt und geschlagen worden (A1 S. 4; A7 S. 11),

dass sie bereits anlässlich der summarischen Befragung ausgesagt hat-
te, sie fühle sich nicht gut, habe schlaflose Nächte und könne allenfalls 
dann Papiere beschaffen, wenn sie sich etwas beruhigt habe (A1 S. 4),

dass sich auch im Protokoll der Anhörung zu den Asylgründen ein Hin-
weis auf die persönliche Betroffenheit der Beschwerdeführerin befindet, 
und zwar dort, wo sie beschreibt, weshalb die Gendarmen sie verdäch-
tigt hätten, die Dokumente zu besitzen (A7 S. 11, Klammerbemerkung: 
"GS hat Tränen in den Augen"),

dass ferner, soweit aufgrund der Lektüre von Befragungsprotokollen be-
urteilbar, die Sorge der Beschwerdeführerin um das Schicksal ihrer Kin-
der echt und nachvollziehbar scheint (A1 S. 3, 5; A7 S. 11 f.),

dass es im Rahmen der beiden Befragungen offensichtlich zu Verstän-
digungsschwierigkeiten  gekommen ist,  was  auch von der Hilfswerks-
vertretung bemerkt und als Einwand notiert wurde,

dass  der  Grund  dafür  einerseits  im geringen  Bildungsstand der  Be-
schwerdeführerin - auch das BFM hat keine Zweifel daran geäussert, 
dass die Beschwerdeführerin weder lesen noch schreiben kann - und 
der dadurch mutmasslich noch verstärkten Unsicherheit liegen dürfte,

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dass aber auch auf sprachliche Schwierigkeiten zu schliessen ist, wel-
che auf den Umstand zurückzuführen sein dürften, dass die Beschwer-
deführerin nicht in ihrer Muttersprache Susu, sondern in Französisch 
befragt worden ist,

dass zwar die Beschwerdeführerin angegeben hatte, sie habe am Ar-
beitsplatz französisch gelernt (A1 S. 2), 

dass ihre diesbezüglichen limitierten und wohl auf  einen mit  dem Ar-
beitsumfeld im Zusammenhang stehenden Wortschatz eingeschränkten 
Kenntnisse für die Befragungen nach Überzeugung des Gerichts nicht 
ausgereicht haben, 

dass die  Beschwerdeführerin  selbst am Ende der Kurzbefragung auf 
die Frage, wie sie den/die Dolmetscher/in verstanden habe, antwortete 
"etwas weniger gut" (A1 S. 7),

dass  die  Beschwerdeführerin  zwar  zu  Beginn  der  Anhörung  zu  den 
Asylgründen angab, sie verstehe die Dolmetscherin sehr gut (A7 S. 2), 
dieser Umstand aber bei einer Gesamtwürdigung nicht wesentlich ins 
Gewicht fällt, 

dass  allerdings  durchaus  Widersprüche  und  Unstimmigkeiten  in  den 
Vorbringen der Beschwerdeführerin zu finden sind,

dass diese Unstimmigkeiten aber zumindest teilweise und in wesentli-
chen Punkten durch die soeben umschriebenen Umstände erklärt wer-
den können, 

dass dies etwa für den Vorwurf des BFM zutrifft, die Beschwerdeführerin 
habe nicht schlüssig beantworten können, wieviele Angestellte im Hau-
se von Ousmane Conté tätig seien,

dass  diesbezüglich  offensichtliche  Verständigungsprobleme  aus  dem 
Protokoll hervorgehen (A7 S. 13 f., F102 - F109), wobei das BFM unter 
anderem  gerade  diese  Unstimmigkeiten  heranzieht,  um  auf  die  Un-
glaubhaftigkeit der geltend gemachten Asylgründe zu schliessen,

dass die umschriebenen Umstände auch weitere der vom BFM der Be-
schwerdeführerin entgegengehaltenen Widersprüche und Ungereimthei-
ten zu erklären vermögen, wobei es sich aus den nachfolgenden Grün-
den erübrigt, im Einzelnen näher darauf einzugehen,

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dass  es  unabhängig  vom  oben  Gesagten  weiterer  Abklärungen  zur 
Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  allfälligen Wegwei-
sungshindernisses  bedarf,  insbesondere  was  die  geltend  gemachten 
Nachteile betrifft,

dass die vorliegenden Akten auch keine abschliessende Beurteilung der 
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Schwierigkeiten im Zu-
sammenhang mit ihrer Verwandtschaft zulassen, 

dass dies insbesondere gilt für die geltend gemachten Probleme mit ih-
rem Bruders E._______, welche mit der geltend gemachten Verhaftung 
in  Zusammenhang  stehen  sollen,  aber  auch  für  diejenigen  mit  der 
Familie ihres verstorbenen Ehemannes und ihres Vermieters,

dass bei der durchzuführenden Anhörung das aus der Presse bekannte 
Faktum der Verhaftung von C._______ in der Nacht vom 23. auf den 24. 
Februar 2009 wegen Verdachts auf Drogenhandel im grossen Stil  auf 
eine Verbindung zur angeblich im gleichen Monat erfolgten Verhaftung 
der Beschwerdeführerin zu überprüfen, ihrer Verbindung zum Händler 
F._______  und  dem  Grund  ihrer  Gelddeposition  bei  selbigem  nach-
zufragen und der Herkunft ihres Geldes nachzuspüren sein wird,

dass nach dem Gesagten offen bleiben kann, ob die Verfügung bereits 
gestützt auf formelle Mängel aufzuheben wäre, etwa weil - abgesehen 
von der blossen Erwähnung der beiden Vergewaltigungen im Sachver-
halt - weder die von der Beschwerdeführerin daraus und aus den Schlä-
gen abgeleiteten physischen Beschwerden, noch die geltend gemachte 
psychische Angeschlagenheit oder die angeblichen familiären Schwie-
rigkeiten, welche sie zumindest teilweise direkt mit ihrer Verhaftung in 
Verbindung bringt, in die Verfügungsbegründung Eingang gefunden ha-
ben, geschweige denn gewürdigt worden sind,

dass zusammenfassend der vorliegende Fall einer eingehenderen Prü-
fung bedurft hätte, ein Tatbestand von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG vor-
liegt und das BFM zu Unrecht auf das Asylgesuch der Beschwerdefüh-
rerin nicht eingetreten ist (Art. 106 AsylG),

dass die angefochtene Verfügung vom 30. Juli 2009 demzufolge aufzu-
heben  ist  und  die  Angelegenheit  zur  Durchführung  des  ordentlichen 
Asylverfahrens, in dessen Verlauf weitere Abklärungen zu erfolgen ha-
ben, an das BFM zurückzuweisen ist,

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dass insbesondere  eine weitere Anhörung der  Beschwerdeführerin  in 
ihrer Muttersprache Susu zu erfolgen hat,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  zu  erheben 
sind, und das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VWVG gegen-
standslos wird,

dass der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin keine Partei-
entschädigung auszurichten ist, da ihr keine notwendigen und verhält-
nismässig hohen Kosten erwachsen sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. 
Art. 7 ff.  des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Angelegenheit wird zur Durchführung des ordentlichen Asylverfah-
rens im Sinne der Erwägungen an das BFM überwiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil  geht  an die Beschwerdeführerin,  das BFM und die zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Stöckli Esther Karpathakis

Versand: 

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