# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74aa7388-0ae6-5cc6-93ed-74ea89d78316
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 23.03.2022 IV 2021/92
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2021-92_2022-03-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/92

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 21.07.2022

Entscheiddatum: 23.03.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 23.03.2022
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Rentenanspruch. Invaliditätsbemessung. 
Würdigung eines Administrativgutachtens (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. März 2022, IV 
2021/92).

Entscheid vom 23. März 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2021/92

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

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Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im April 2014 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe eine Anlehre zum B.___ 

absolviert. Zuletzt habe er als C.___ gearbeitet. Das Ambulatorium der Psychiatrischen 

Klinik D.___ berichtete am 16. April 2014 (IV-act. 13), der Versicherte leide an einer 

einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter sowie an einer 

mittelgradigen depressiven Episode. Von Mitte März 2013 bis Anfang April 2013 sei er 

stationär behandelt worden. Im Anschluss daran habe er sich bis Ende Mai 2013 in 

einer tagesklinischen Behandlung befunden. Danach sei er ambulant behandelt 

worden. Ende Juni 2013 habe er eine erneute, fünf Tage dauernde stationäre 

Krisenintervention benötigt. Aktuell sei ihm eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen 

während vier Stunden pro Tag zumutbar. Die Prognose sei gut. Die Neuropsychologin 

lic. phil. E.___ hatte nach einer dreistündigen Testung am 26. August 2013 festgehalten 

(IV-act. 20), aufgrund der Ergebnisse sei das Vorliegen einer klinisch relevanten 

depressiven Episode mit insbesondere Bestrafungsgefühlen und Selbstvorwürfen 

wahrscheinlich. Das kognitive Leistungsprofil erweise sich als leicht heterogen mit 

leichtgradigen Einbussen bei sprachlichen, attentionalen und exekutiven 

Unterfunktionen. Die Hinweise im Selbstbeurteilungsfragebogen und die 

Schulanamnese sprächen für das Vorliegen einer Aufmerksamkeitsdefizit- und 

Hyperaktivitätsstörung. Dies müsste allerdings durch fremdanamnestische Angaben 

abgesichert werden. Hinweise auf eine allfällige Persönlichkeitsstörung hätten sich 

nicht ergeben. Am 2. Oktober 2014 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine 

Kostengutsprache für eine dreimonatige berufliche Abklärung in der Werkstätte F.___ 

(IV-act. 29). Der Einsatzbetrieb berichtete im Februar 2015 (IV-act. 44), der Versicherte 

habe in der geschützten Werkstätte und auch bei einem Schnuppereinsatz in einem 

anderen Betrieb eine hohe und qualitativ gute Leistung erbracht. Er sei sehr motiviert 

gewesen und habe teilweise etwas in seinem Enthusiasmus gebremst werden müssen. 

Ihm sei es schwer gefallen, längere Zeit am gleichen Arbeitsplatz zu bleiben. Die 

Arbeitsleistung habe bei 80 Prozent gelegen. Im Anschluss an die berufliche Abklärung 

A.a. 

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konnte der Versicherte einen dreimonatigen Arbeitsversuch durchführen (vgl. IV-act. 

49). Die IV-Stelle leistete im Sinne einer Frühinterventionsmassnahme eine 

Kostengutsprache für ein „job coaching“ (IV-act. 46 und 59). Kurz vor Ende des 

Arbeitsversuchs wurde dem Versicherten von der Psychiatrischen Klinik D.___ wieder 

eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert (vgl. IV-act. 49 und 51). Im Mai 2015 

notierte Dr. med. G.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 54), 

die behandelnden Ärzte hätten überzeugend dargelegt, dass der Versicherte sich 

schlecht habe abgrenzen können, dass er dadurch in einen Anspannungszustand 

geraten sei und dass er im Sinne eines maladaptiven Bewältigungsverhaltens in einen 

Cannabismissbrauch zurückgefallen sei. Die teilweise Entlastung durch die 

Krankschreibung habe eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes zur Folge gehabt, 

was als ein weiterer Hinweis für die Richtigkeit der Ausführungen der behandelnden 

Ärzte zu qualifizieren sei. Allerdings müsse mit einer raschen Besserung und 

Steigerung der Leistungsfähigkeit gerechnet werden. Ende Mai 2015 wurde der 

Arbeitsversuch bis Ende Juni 2015 verlängert (IV-act. 56 und 58). Im Januar 2016 teilte 

der Versicherte der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle mit, er „fühle sich in 

keiner Weise arbeitsfähig“ (IV-act. 60). Diese hielt im März 2016 fest (IV-act. 64), die an 

sich geplante Anstellung des Versicherten bei der Arbeitgeberin, die den 

Arbeitsversuch angeboten habe, sei letztlich aufgrund der gesundheitlichen 

Verschlechterung nicht zustande gekommen. Aktuell sei der Versicherte nicht in der 

Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Der längst angeforderte Verlaufsbericht der 

behandelnden Ärzte sei noch immer nicht eingetroffen. Die berufliche Eingliederung 

müsse vor diesem Hintergrund abgebrochen werden.

Das Ambulatorium der Psychiatrischen Klinik D.___ berichtete im Juni 2016 (IV-

act. 70), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer 

gegenwärtig mittelgradigen Episode, an einer einfachen Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung sowie an einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach 

einer Extrembelastung respektive an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit 

schwer abhängigen, narzisstischen und emotional instabilen Anteilen vom impulsiven 

Typ auf dem Boden einer posttraumatischen Belastungsstörung bei Gewalterfahrung in 

der Kindheit. Er sei aktuell vollständig arbeitsunfähig. Man plane eine Einweisung zur 

stationären Behandlung in der Klinik H.___. Diese stationäre Behandlung fand 

A.b. 

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schliesslich in der Zeit vom 10. Oktober 2017 bis zum 15. Dezember 2017 statt. Die 

Psychiatrische Klinik H.___ berichtete am 21. Dezember 2017 (IV-act. 89), der 

Versicherte leide an einer Anpassungsstörung sowie an einer Persönlichkeitsstörung 

mit zwanghaften, selbstunsicheren, emotional-instabilen und abhängigen Anteilen. Im 

Verlauf der stationären Behandlung sei es zu einer deutlichen Reduktion der initial 

bestehenden Symptomatik gekommen. Der Psychiater med. pract. Schmitz berichtete 

am 4. Juni 2018 (IV-act. 99), es sei unwahrscheinlich, dass der Versicherte im aktuellen 

Zustand von täglich wechselnden Stimmungs- und Anspannungslagen, 

ausgesprochener Konzentrationsschwäche und Entscheidungsunfähigkeit einer 

Tätigkeit „in irgendeinem Rahmen“ nachgehen könne. Für eine 

Arbeitsintegrationsmassnahme könne versuchsweise eine Arbeitsfähigkeit für maximal 

1,5–2 Stunden attestiert werden. Mit einer Mitteilung vom 11. Juni 2018 wies die IV-

Stelle das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 102).

Bereits am 28. Februar 2018 war der Versicherte neuropsychologisch getestet 

worden. Die Neuropsychologin hatte festgehalten (IV-act. 103), im Rahmen der 

insgesamt drei Stunden und 15 Minuten dauernden Testung habe sich wie bereits bei 

der ersten Testung im Jahr 2013 ein sehr heterogenes Bild gezeigt. Im exekutiven 

Bereich, in der Planungsfähigkeit und dem Arbeitsgedächtnis sowie im mnestischen 

Bereich seien die Resultate leicht schlechter ausgefallen; die übrigen Resultate seien 

mit den damaligen Ergebnissen vergleichbar. Die Defizite könnten ätio-pathogenetisch 

nicht eindeutig zugeordnet werden. Möglicherweise habe eine Zwangsproblematik eine 

wesentliche Rolle gespielt. Die Arbeitsweise sei pedantisch gewesen. Auch die 

Handlungskontrolle sei eingeschränkt gewesen. Es habe sich eine reduzierte 

motorische Impulskontrolle gezeigt. Insgesamt hätten die Ergebnisse auf eine leichte 

bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung hingewiesen. Der IQ liege grob geschätzt 

im unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Bereich; in der früheren 

Untersuchung sei er mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent auf im Bereich von 

84–95 liegend geschätzt worden. Eine Intelligenzminderung im Sinne des ICD-10 liege 

damit nicht vor. Eine Laboranalyse im Auftrag des RAD ergab, dass der Versicherte 

Cannabis konsumiert hatte; Methylphenidat hatte nicht nachgewiesen werden können 

(IV-act. 107). Am 27. Dezember 2018 hielt die IV-Stellte den Versicherten an, bis Ende 

April 2019 kein Cannabis mehr zu konsumieren und dies mittels Laboranalysen 

A.c. 

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nachzuweisen (IV-act. 110). Die Untersuchungen am 31. Januar 2019, am 7. Februar 

2019, am 14. Februar 2019 und am 19. Februar 2019 zeigten, dass der Versicherte kein 

Cannabis mehr konsumiert hatte (IV-act. 116, 118, 120 und 122). Am 22. Februar 2019 

beauftragte die IV-Stelle den Psychiater Dr. med. I.___ mit einer psychiatrischen 

Begutachtung des Versicherten einschliesslich einer neuropsychologischen Testung 

(IV-act. 124). Am 26. Februar 2019 forderte sie den Versicherten auf, bis zum 

Begutachtungstermin weiterhin abstinent zu bleiben (IV-act. 129). Die entsprechenden 

Laboranalysen bestätigten die fortdauernde Abstinenz (IV-act. 131, 134, 137, 139, 143, 

148, 150, 152 und 154).

Am 2. September 2019 erstattete Dr. I.___ das von der IV-Stelle in Auftrag 

gegebene Gutachten (IV-act. 159). Er hielt fest, der Versicherte habe die 

Aufmerksamkeit und die Konzentration über die ganze Untersuchungsdauer 

aufrechterhalten können. Die Auffassung sei ungestört gewesen. Das 

Langzeitgedächtnis sei teilweise auffällig gewesen und es hätten sich 

Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Der formale Gedankengang sei teilweise etwas 

weitschweifig und teilweise auch sprunghaft gewesen. Die Grundstimmung sei euthym 

und nur einmal kurzzeitig zum depressiven Pol hin ausgelenkt gewesen. Die affektive 

Modulationsfähigkeit sei aber eingeschränkt gewesen. Der Versicherte habe eine 

ausgeprägte Ambivalenz, Schuldgefühle gegenüber allen Leuten um ihn herum, 

Insuffizienzgefühle, eine innere Unruhe und Gereiztheit sowie eine Angst vor sich selbst 

und starke Stimmungsschwankungen geschildert. Im Übrigen sei der objektive 

klinische Befund unauffällig gewesen. Die diagnostische Einschätzung sei sehr 

schwierig. Bei der Erhebung des Psychostatus habe sich kaum eine eindeutige 

Psychopathologie gezeigt. Die neuropsychologische Abklärung habe zwar diskrete 

Auffälligkeiten gezeigt, die im Sinne eines noch leichten ADHS interpretiert werden 

könnten. Aber die Auffälligkeiten seien nicht so ausgeprägt gewesen, dass sie die 

Schwierigkeiten des Versicherten erklären könnten. Zudem seien die Angaben des 

Versicherten häufig sehr weitschweifig, insgesamt aber doch vage und unklar sowie 

teilweise auch widersprüchlich gewesen. Auch in den Berichten der behandelnden 

Ärzte sei immer wieder darauf hingewiesen worden, wie schwierig das ständig 

schwankende Zustandsbild diagnostisch einzuordnen sei. Überdies lägen gravierende 

psychosoziale Belastungsfaktoren vor: Der Versicherte habe seit Jahren nicht mehr 

A.d. 

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gearbeitet, er lebe von seiner Familie getrennt, wohne bei seinen Eltern, zu denen er ein 

ausgesprochen schwieriges Verhältnis habe, und er habe Schulden. Aufgrund des 

Verlaufs und der zahlreichen Hinweise auf einen episodischen Missbrauch von Drogen 

und Medikamenten sei sicherlich die Diagnose von psychischen und 

Verhaltensstörungen durch einen multiplen Substanzgebrauch und den Konsum 

anderer psychotroper Substanzen bei einer gegenwärtigen Abstinenz gerechtfertigt. 

Die Symptome einer depressiven Episode hätten in der aktuellen Untersuchung nicht 

objektiviert werden können. In der Vergangenheit seien zwar immer wieder depressive 

Episoden diagnostiziert worden, aber diese Diagnosen seien nicht überzeugend 

begründet worden. Das Vorliegen einer affektiven Störung sei deshalb gesamthaft 

auszuschliessen. Eine Zwangsstörung liege nicht vor. Der behandelnde Psychiater 

Z.___ habe eine solche zwar in seinem Bericht vom 4. Juni 2018 diagnostiziert, aber er 

habe diese Diagnose nicht begründet, er habe sich nicht mit den Kriterien des ICD-10 

befasst und er habe im selben Bericht festgehalten, dass die Symptomatik zwischen 

einem ADHS und einer Zwangsstörung schwanke, ohne jedoch zu beschreiben, worin 

genau die Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken bestünden. Auch die Diagnose 

einer posttraumatischen Belastungsstörung, die wohl mit Blick auf die belastete 

Kindheit des Versicherten gestellt worden sei, überzeuge nicht. Der Versicherte habe 

nie entsprechende Symptome gezeigt. Die Diagnosekriterien für eine 

Persönlichkeitsstörung und für eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung würden 

sich teilweise überschneiden, weshalb die Differentialdiagnose diesbezüglich etwas 

schwierig sei. Da eine Persönlichkeitsstörung nur diagnostiziert werden dürfe, wenn 

das auffällige Verhalten nicht durch eine andere psychische Störung erklärt werden 

könne, sei zunächst vertieft zu prüfen, ob der Versicherte an einer Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung leide. Der consiliarisch beigezogene neuropsychologische 

Sachverständige lic. phil. Y.___, der den Versicherten am 13. August 2019 untersucht 

habe, habe test- und fragebogenbasiert Hinweise auf eine einfache Aktivitäts- und 

Aufmerksamkeitsstörung festgestellt, was sich mit der psychiatrischen Einschätzung 

nach der psychiatrischen Exploration des Versicherten sowie mit der Aktenlage decke. 

Der Gesamt-IQ liege nach der Einschätzung des Sachverständigen Y.___ bei 85. 

Zudem leide der Versicherte aus neuropsychologischer Sicht an einer leichten 

neuropsychologischen Hirnfunktionsschwäche mit Beeinträchtigungen von 

Teilbereichen der attentionalen, mnestischen und exekutiven Funktionen. Die 

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B.  

Testresultate seien weitgehend durchschnittlich ausgefallen. Weit unterdurchschnittlich 

sei nur das Ergebnis betreffend das verbale Langzeitgedächtnis gewesen. Insgesamt 

habe das Vorliegen einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung also bestätigt 

werden können. Die zusätzliche Diagnose einer Persönlichkeitsstörung lasse sich nicht 

rechtfertigen. Weder die psychischen Verhaltensstörungen durch den multiplen 

Substanzgebrauch noch die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung 

schränke die Arbeitsfähigkeit des Versicherten für leidensadaptierte Tätigkeiten ein. Als 

ideal leidensadaptiert sei eine einfache handwerkliche Tätigkeit mit konkreten 

Arbeitsmaterialien zu qualifizieren, die der Versicherte nach klaren Vorgaben ausüben 

könne. Nicht ideal seien Tätigkeiten, bei denen länger dauernde und stabile 

Aufmerksamkeitsleistungen gefordert seien, also beispielsweise Kontroll- und Über­

wachungstätigkeiten, oder Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die mnestischen 

Fähigkeiten, wie zum Beispiel die häufige Konfrontation mit neuen Produkten, Kunden­

beratung etc. Im erlernten Beruf sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig.

Mit einem Vorbescheid vom 29. April 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten 

mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 166). Dagegen liess der 

Versicherte am 27. Mai 2020 einwenden (IV-act. 172), der Einschätzung von Dr. I.___ 

könne nicht gefolgt werden. Er sei nicht arbeitsfähig und er habe deshalb einen 

Anspruch auf eine ganze Rente. Mit einer Verfügung vom 20. April 2021 wies die IV-

Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 185).

A.e. 

Am 18. Mai 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. April 2021 erheben (act. G 1). Sein Rechts­

vertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache einer 

ganzen Invalidenrente „ab wann rechtens“, spätestens ab Oktober 2014, und 

eventualiter die Rückweisung der Sache zur Fortsetzung der Sachverhaltsabklärung an 

die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er aus, 

der Beschwerdeführer habe keine gewöhnliche Berufslehre abschliessen und nie auch 

nur annähernd das von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte Valideneinkommen 

erzielen können. Das zeige, dass er schon immer an einer relevanten 

B.a. 

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Erwägungen

1.

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung 

auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen 

Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat nach dem Abschluss der 

beruflichen Eingliederungsmassnahmen am 11. Juni 2018 die Prüfung des im April 

2014 gestellten Rentenbegehrens respektive die Frage zum Gegenstand gehabt, ob 

der Beschwerdeführer in der Zeit ab dem 1. Oktober 2014 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) 

einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.

2.  

Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten habe. Die Einschätzung von Dr. I.___ 

widerspreche den zahlreichen Berichten der behandelnden Ärzte.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. August 2021 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten von Dr. I.___ sei 

in jeder Hinsicht überzeugend, weshalb feststehe, dass der Beschwerdeführer nicht 

invalid sei.

B.b. 

Am 26. August 2021 wurde dem nun nicht mehr anwaltlich vertretenen 

Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 10).

B.c. 

Am 15. Oktober 2021 hielt der Beschwerdeführer sinngemäss an seinen Anträgen 

fest (act. G 13). Er machte geltend, er verstehe nicht, weshalb Dr. I.___ die ganzen 

Probleme, mit denen der Beschwerdeführer schon sein Leben lang kämpfe, auf eine 

Suchtmittelproblematik reduziert habe. Ihm leuchte auch nicht ein, dass die 

Beschwerdegegnerin sich ausschliesslich auf das Gutachten von Dr. I.___ konzentriere 

und die Berichte der behandelnden Ärzte ignoriere.

B.d. 

Die Beschwerdegegnerin nahm keine Stellung.B.e. 

Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, deren 

Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder 

hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann, die während eines Jahres ohne 

einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig 

2.1. 

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gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid 

ist, einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der 

Invalidität wird nach Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

Der Beschwerdeführer hat zwar eine Anlehre zum B.___ absolviert, aber diese 

berufliche Ausbildung hat es ihm nicht ermöglicht, einen über dem statistischen 

Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne liegenden Lohn zu erzielen. Zudem hat der 

Beschwerdeführer nie als B.___ gearbeitet. Vielmehr hat er typische Hilfsarbeiten 

verrichtet. Zwar hat er geltend gemacht, dass er sich wegen damals schon 

bestehenden gesundheitlichen Problemen mit einer niederschwelligen Ausbildung habe 

begnügen müssen, aber diese Angabe lässt sich anhand der Akten nicht mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen. Von 

weiteren Abklärungen ist nach so langer Zeit (über 20 Jahre) kein wesentlicher 

Erkenntnisgewinn zu erwarten, weshalb diesbezüglich eine objektive Beweislosigkeit 

vorliegt, deren Folgen in einer lückenfüllenden analogen Anwendung des Art. 8 ZGB 

der Beschwerdeführer zu tragen hat. Als Valideneinkommen ist deshalb der statistische 

Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne heranzuziehen.

2.2. 

Die Höhe des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens hängt mass­

gebend davon ab, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht 

in welchem Umfang zumutbar sind. Somatische Beschwerden, die die Arbeitsfähigkeit 

beeinträchtigen würden, stehen nicht zur Diskussion. Bezüglich der relevanten 

psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung liegen verschiedene Berichte von 

Fachärzten, die den Beschwerdeführer ambulant oder stationär behandelt haben, 

sowie das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten 

von Dr. I.___ (einschliesslich der consiliarischen Beurteilung des Neuropsychologen 

Y.___) vor. Nach der bundesgerichtlichen Auffassung kommt dem Gutachten von Dr. 

I.___ schon deshalb ein (weit) höherer Beweiswert als den Berichten der behandelnden 

Ärzte zu, weil es im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattet worden ist, denn nach 

der vom Bundesgericht eingeführten Beweiskaskade handelt es sich bei einem 

Administrativgutachten um ein Beweismittel „zweiter Klasse“, während es sich bei den 

Berichten von behandelnden Ärzte nur um Beweismittel „vierter Klasse“ handelt, weil in 

2.3. 

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Bezug auf behandelnde Ärzte bereits aufgrund des Behandlungsauftrages der 

objektive Anschein der Befangenheit besteht (vgl. zum Ganzen etwa die Hinweise im 

Entscheid IV 2019/277 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. August 2021, E. 

4.1). Das Gutachten von Dr. I.___ weist allerdings auch eine deutlich höhere 

Überzeugungskraft als die Berichte der behandelnden Ärzte auf, weil Dr. I.___ den für 

seine Beurteilung massgebenden medizinischen Sachverhalt umfassend erhoben und 

ausführlich wiedergegeben hat. Er hat den Beschwerdeführer ausführlich befragt und 

untersucht und er hat sämtliche Vorakten eingehend gewürdigt. In seinem Gutachten 

hat er sowohl die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers als auch die von ihm 

erhobenen objektiven klinischen Befunde umfassend wiedergegeben, wobei er – 

anders als die behandelnden Ärzte – klar zwischen den subjektiven Angaben und den 

für die Beurteilung massgebenden objektiven klinischen Befunde unterschieden hat. Er 

hat sich auch eingehend mit der Beurteilung des Neuropsychologen Y.___ 

auseinandergesetzt und den in der neuropsychologischen Testung erhobenen 

Befunden Rechnung getragen. Seine Schlussfolgerungen bezüglich der 

Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung hat er überzeugend anhand der 

objektiven Befunde hergeleitet und begründet. Da der Beschwerdeführer in der 

neuropsychologischen Testung (wie bereits bei früheren neuropsychologischen 

Testungen) weitgehend durchschnittliche respektive nur geringfügig defizitäre 

Leistungen gezeigt hat und weil auch der in der psychiatrischen Exploration erhobene 

objektive klinische Befund weitestgehend unauffällig gewesen ist, überzeugt das Attest 

einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für den leichten neuropsychologischen 

Defiziten angepasste Tätigkeiten. Widersprüche sind nicht auszumachen. Soweit Dr. 

I.___ bezüglich der Diagnosestellung oder der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu von jenen 

der behandelnden Ärzte abweichenden Schlussfolgerungen gelangt ist, hat er 

überzeugend aufgezeigt, weshalb nicht auf die Schlussfolgerungen der behandelnden 

Ärzte abgestellt werden kann. Auch die Begründung dafür, dass Dr. I.___ die erlernte 

Tätigkeit als angelernter B.___ als ideal leidensadaptiert qualifiziert hat, überzeugt. In 

den Akten finden sich keine Hinweise, die Zweifel an der Überzeugungskraft des 

Gutachtens von Dr. I.___ wecken würden. Folglich steht gestützt auf das Gutachten 

von Dr. I.___ mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

fest, dass der Beschwerdeführer im hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. Oktober 

2014 (abgesehen von irrelevanten kurzen Unterbrüchen während der stationären 

Behandlungen) sowohl als angelernter B.___ als auch als Hilfsarbeiter durchgehend 

uneingeschränkt arbeitsfähig und damit in der Lage gewesen ist, ein dem 

Valideneinkommen entsprechendes Invalideneinkommen zu erzielen. Das bedeutet, 

dass der Beschwerdeführer nicht rentenbegründend invalid gewesen ist, weshalb sich 

die angefochtene Verfügung als rechtmässig erweist.

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3.  

Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Beschwerdeführer ist zufolge der Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtspflege von der Pflicht, die angesichts des durchschnittlichen 

Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen, 

befreit. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird er zur 

Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. 

Art. 123 ZPO).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Der Beschwerdeführer ist von der Pflicht, die Gerichtskosten von 600 Franken zu 

bezahlen, befreit.

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