# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd54a40f-7d4c-5f0b-982a-8470f72eca81
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 09.03.2022 SBE.2021.50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBE-2021-50_2022-03-09.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

 

 
SBE.2021.50 / CH / va  
(STA.2020.4274)  

Art. 84 

 

 

Entscheid vom 9. März 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Massari, Vizepräsidentin 

Gerichtsschreiber Huber 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Ferhat Kizilkaya,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Baden,  

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

 

Beschuldigter   B._____,  

[…]  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Baden vom 

23. August 2021 

 

im Strafverfahren gegen B._____ betreffend Tätlichkeiten 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Vizepräsidentin entnimmt den Akten: 

 

1. 

A. reichte am 30. August 2019 bei der Kantonspolizei Aargau, Stützpunkt 

Baden, gegen B., den Ehemann ihrer damaligen Arbeitgeberin F. (Inhabe-

rin des Nagelstudios "E." in Q.), gegen F. und gegen G. Strafantrag wegen 

Tätlichkeiten, begangen am 16. Juli 2019, ein.  

 

2. 

Die Staatsanwaltschaft Baden stellte das Strafverfahren gegen B. mit Ver-

fügung vom 23. August 2021 gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ein. 

Diese Einstellungsverfügung wurde am 25. August 2021 von der Ober-

staatsanwaltschaft des Kantons Aargau genehmigt. 

 

3. 

3.1. 

Gegen die ihr am 30. August 2021 zugestellte Einstellungsverfügung erhob 

A. mit Eingabe vom 3. September 2021 (am Schalter abgegeben am 

8. September 2021) bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Ober-

gerichts des Kantons Aargau Beschwerde mit folgenden Anträgen: 

 

" 1. 
Die Einstellungsverfügung vom 23. August 2021 sei aufzuheben und die 
Angelegenheit sei zur Durchführung einer umfassenden Strafuntersu-
chung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zulas-
ten der Vorinstanz." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 21. Oktober 2021 liess die Beschwerdeführerin über ihren 

am 7. September 2021 bevollmächtigten Rechtsbeistand eine Ergänzung 

der Beschwerde einreichen. 

 

3.3. 

Die Beschwerdeführerin leistete die von der Verfahrensleiterin der Be-

schwerdekammer in Strafsachen mit Verfügung vom 25. Oktober 2021 ein-

verlangte Sicherheit von Fr. 800.00 für allfällige Kosten am 4. November 

2021.  

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft Baden ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 

15. November 2021 um Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen. 

 

3.5. 

Der Beschuldigte liess sich nicht vernehmen.  

 - 3 - 

 

 

 

   

Die Vizepräsidentin zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Verfügungen der Staatsanwaltschaft betreffend die Einstellung eines Straf-

verfahrens sind gemäss Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO 

mit Beschwerde anfechtbar. Vorliegend bestehen keine Beschwerdeaus-

schlussgründe gemäss Art. 394 StPO. Damit ist die Beschwerde zulässig.  

 

Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen 

Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist somit einzu-

treten.  

 

1.2. 

Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, was im Kanton Aargau ge-

mäss § 65 Abs. 2 GOG i.V.m. § 9 f. und Anhang 1 Ziff. 2 Abs. 5 der Ge-

schäftsordnung des Obergerichts vom 21. November 2012 der Fall ist, so 

beurteilt die Verfahrensleitung die Beschwerde gemäss Art. 395 lit. a StPO 

allein, wenn diese - wie im vorliegenden Fall - ausschliesslich Übertretun-

gen zum Gegenstand hat. 

 

1.3. 

1.3.1. 

Die Beschwerde ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Be-

schwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Diese gesetzliche 

Frist kann nicht erstreckt werden (Art. 89 Abs. 1 StPO). Die Partei, die das 

Rechtsmittel ergreift, hat in der Beschwerdeschrift genau anzugeben, wel-

che Punkte des Entscheids sie anficht, welche Gründe einen anderen Ent-

scheid nahelegen, und welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 

StPO). Erfüllt die Eingabe diese Anforderungen nicht, so weist die Rechts-

mittelinstanz sie zur Verbesserung innerhalb einer kurzen Nachfrist zurück. 

Genügt die Eingabe auch nach Ablauf der Nachfrist den Anforderungen 

nicht, so tritt die Rechtsmittelinstanz auf das Rechtsmittel nicht ein (Art. 385 

Abs. 2 StPO). 

 

Nicht jeder Begründungsmangel, der nicht mehr innert der gesetzlichen 

Rechtsmittelfrist behebbar ist, kann indessen zu einer Nachfrist nach 

Art. 385 Abs. 2 StPO führen. Es kann nicht Sinn und Zweck einer Nachfrist 

sein, grundlegend mangelhafte Rechtsschriften gegenüber prinzipiell 

rechtsgenüglichen Eingaben zu privilegieren, zumal Letztere unter Um-

ständen die inhaltlichen Eintretenserfordernisse auch nicht in allen Punkten 

erfüllen. Die Beschwerdemotive müssen daher in jedem Fall, auch in Lai-

enbeschwerden, bis zum Ablauf der zehntägigen Frist (Art. 396 Abs. 1 

StPO) so konkret dargetan sein, dass klar wird, aus welchen Gründen der 

 - 4 - 

 

 

 

angefochtene Entscheid falsch sei. Ebenso müssen sich die innert gesetz-

licher Frist gemachten Ausführungen wenigstens ansatzweise auf die Be-

gründung des angefochtenen Entscheids beziehen. Anträge indessen kön-

nen insbesondere in Laieneingaben auch aus der Begründung hervorge-

hen (Urteil des Bundesgerichts 6B_280/2017 vom 9. Juni 2017 E. 2.2.2; 

PATRICK GUIDON, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessord-

nung, 2. Aufl. 2014, N. 9c und 9e zu Art. 396 StPO). 

 

1.3.2. 

Aus der soeben zitierten Lehre und Rechtsprechung folgt, dass der Be-

schwerdeführerin entgegen ihrem in der Eingabe vom 24. September 2021 

gestellten Antrag keine Nachfrist zur Beschwerdeergänzung gewährt wer-

den konnte. Dies umso mehr, als mit Blick auf Form und Inhalt der Be-

schwerde sowie der Absenderadresse ("[…]") davon auszugehen ist, dass 

diese nicht von der Beschwerdeführerin persönlich, sondern von ihrer 

früheren Rechtsanwältin H., […], verfasst wurde, weshalb nicht von einer 

Laieneingabe gesprochen werden kann.  

 

Die Einstellungsverfügung vom 23. August 2021 wurde der Beschwerde-

führerin am 30. August 2021 zugestellt. Die zehntägige Beschwerdefrist 

begann somit am 31. August 2021 zu laufen und endete am 9. September 

2021. Nach dem 9. September 2021 war eine Ergänzung der Beschwer-

debegründung demnach nicht mehr möglich. Die Eingabe der Beschwer-

deführerin vom 21. Oktober 2021 ist daher aus dem Recht zu weisen, so-

weit mit ihr die Begründung der Beschwerde ergänzt wurde. 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden führte in der angefochtenen Einstellungsver-

fügung im Wesentlichen aus, die Aussage der Beschwerdeführerin, sie sei 

vom Beschuldigten auf den Boden gedrückt worden, stehe derjenigen des 

Beschuldigten entgegen, wonach er schlichtend eingegriffen bzw. versucht 

habe, die Beschwerdeführerin von seiner Ehefrau wegzuziehen, da die Be-

schwerdeführerin immer wieder nach deren Tasche gegriffen habe. Die 

Aussagen des Beschuldigten stimmten im Wesentlichen mit sämtlichen an-

deren Aussagen überein. Ausserdem würden die Aussagen der Beschwer-

deführerin nicht durch weitere Indizien besonders gestützt. Die gemäss 

Arztbericht festgestellten Hämatome an den Armen passten sowohl zum 

Sachverhaltsbeschrieb der Beschwerdeführerin wie auch zu jenem des Be-

schuldigten. Anlässlich der Einvernahme vom 30. August 2019 habe die 

Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass sie keine Entbindungserklärung ihres 

Arztes - den sie nach der Tätlichkeit aufgesucht habe - unterzeichne, wes-

halb hierzu auch keine Weiterungen möglich gewesen seien. Es gebe vor-

liegend keine weiteren Hinweise, die den Tatverdacht betreffend die Tät-

lichkeiten gegen den Beschuldigten erhärten würden. Nach Würdigung al-

 - 5 - 

 

 

 

ler Aussagen könne der angezeigte Sachverhalt nicht rechtsgenüglich er-

stellt werden, wonach der Beschuldigte die Beschwerdeführerin tätlich an-

gegriffen habe. Vielmehr stimmten alle weiteren Aussagen insofern über-

ein, als die Mitbeschuldigten in rechtfertigender Notwehr eingegriffen hät-

ten. Die Beschwerdeführerin selbst habe ausgesagt, sie habe der Beschul-

digten die Tasche entreissen wollen. Bei einer Anklage sei gestützt hierauf 

nicht mit einem verurteilenden Erkenntnis zu rechnen, weshalb das Straf-

verfahren gegen die Beschuldigte wegen Tätlichkeiten einzustellen sei 

(Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO).  

 

2.2. 

Die Beschwerdeführerin ersuchte in ihrer Beschwerde um Aufhebung der 

Einstellungsverfügung und Rückweisung der Sache an die Staatsanwalt-

schaft Baden "zur Durchführung einer umfassenden Strafuntersuchung". 

Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, sie habe sich gleich 

nach der Auseinandersetzung vom 16. Juli 2019 am 22. Juli 2019 ärztlich 

untersuchen lassen. Der Arztbericht der behandelnden Ärztin Dr. I. habe 

festgehalten, dass sie an ihrem Arbeitsplatz Gewalt erfahren und der Ehe-

mann ihrer Arbeitgeberin, der Beschuldigte, sie gewaltsam an den Armen 

gepackt, zu Boden geworfen und ihr auf die Brust gedrückt habe. Die fest-

gestellten Verletzungen (Hämatome auf beiden Seiten ihrer Arme und auf 

ihrer rechten Brust) stimmten mit der beschriebenen erlittenen Gewalt über. 

Sie habe eine posttraumatische Belastungsstörung. Sodann habe Dr. J. mit 

Arztzeugnis vom 27. November 2019 bestätigt, dass die Beschwerdefüh-

rerin aufgrund des Konflikts am Arbeitsplatz Panik habe und eine Depres-

sion entwickelt habe. Es bestehe eine hundertprozentige Arbeitsunfähig-

keit. Die drei Beschuldigten würden bestreiten, dass sie zu Boden gedrückt 

und festgehalten worden sei. Die von ihr beschriebene Auseinanderset-

zung spiegle sich jedoch deutlich in den Verletzungen wieder. Auch der 

Zeuge K. habe anlässlich der Einvernahme vom 1. März 2021 bestätigt, 

dass die drei Beschuldigten die Beschwerdeführerin auf den Boden ge-

drückt und festgehalten hätten. Ihre Aussagen seien einheitlich; sie habe 

den Vorfall zeitnah ihren Ärzten geschildert und in den Einvernahmen über-

einstimmende Aussagen gemacht. Demgegenüber habe der Beschuldigte 

widersprüchlich ausgesagt. Entgegen der Staatsanwaltschaft Baden stehe 

nicht einfach Aussage gegen Aussage. Aufgrund des unklaren Sachver-

halts, die Aussagen der Beschuldigten auf der einen und jene der Be-

schwerdeführerin auf der anderen Seite, wären weitere Sachverhaltsabklä-

rungen durchzuführen gewesen. Insbesondere wären die zur Tatzeit anwe-

senden Kunden zu befragen gewesen. Mit der vorliegenden Einstellung sei 

der Grundsatz "in dubio pro duriore" verletzt worden. 

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Baden verwies in ihrer Beschwerdeantwort auf die 

Begründung der angefochtenen Einstellungsverfügung. Der Beschuldigte 

nahm zur Beschwerde nicht Stellung. 

 - 6 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Nach Art. 7 Abs. 1 StPO sind die Strafbehörden grundsätzlich verpflichtet, 

im Rahmen ihrer Zuständigkeit ein Verfahren einzuleiten und durchzufüh-

ren, wenn ihnen Straftaten oder auf Straftaten hinweisende Verdachts-

gründe bekannt werden.  

 

Die Staatsanwaltschaft verfügt namentlich dann die vollständige oder teil-

weise Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der 

eine Anklage rechtfertigt (Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO). Entscheidend dafür 

ist, ob der Verdacht gegen der beschuldigten Person in der Untersuchung 

nicht in dem Masse erhärtet wurde, dass Aussicht auf eine Verurteilung 

besteht, m.a.W. ein Freispruch zu erwarten ist. Der Tatverdacht ist bereits 

dann als anklagegenügend anzusehen, wenn die Tatbeteiligung der be-

schuldigten Person und eine strafrechtliche Reaktion (Strafe oder Mass-

nahme) im Zeitpunkt des Entscheids über die Frage, ob Anklage zu erhe-

ben oder das Verfahren einzustellen ist, bloss wahrscheinlich erscheint. 

Dies bedeutet, dass auch in denjenigen Fällen Anklage zu erheben ist, in 

denen die Waagschalen von "schuldig oder unschuldig" ungefähr gleich 

stehen, insbesondere bei schweren Delikten. Anklage ist auf jeden Fall zu 

erheben, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Frei-

spruch. Die Staatsanwaltschaft hat nicht eine abschliessende Beurteilung 

darüber vorzunehmen, ob sich die beschuldigte Person einer ihr zur Last 

gelegten Tat schuldig gemacht hat, sondern nur, ob genügend Anhalts-

punkte vorhanden sind, die es rechtfertigen, das Verfahren weiterzuführen. 

In Zweifelsfällen tatsächlicher oder rechtlicher Natur darf das Verfahren 

nicht eingestellt werden, da in diesen Fällen das Urteil dem Gericht über-

lassen bleiben soll. Beim Entscheid über Anklageerhebung oder Einstel-

lung gilt der Grundsatz "in dubio pro reo" nicht. Der Grundsatz, dass im 

Zweifelsfall nicht eingestellt werden darf, ist auch bei der gerichtlichen 

Überprüfung von Einstellungsverfügungen zu beachten (NATHAN LANDS-

HUT/THOMAS BOSSHARD, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-

ordnung, 3. Aufl. 2020, N. 15 ff. zu Art. 319 StPO; BGE 138 IV 86 E. 4.1 

und 4.2 S. 90 f. sowie BGE 138 IV 186 E. 4.1 S. 190). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Wer gegen jemanden Tätlichkeiten verübt, die keine Schädigung des Kör-

pers oder der Gesundheit zur Folge haben, ist gemäss Art. 126 Abs. 1 

StGB zu bestrafen. 

 

3.2.2. 

Gemäss dem schriftlichen Arbeitsvertrag vom 17. Januar 2019 (Untersu-

chungsakten [UA] Reg. 4) und nach ihren übereinstimmenden Aussagen 

gegenüber der Kantonspolizei Aargau war die Beschwerdeführerin ab 

 - 7 - 

 

 

 

15. Januar 2019 im Nagelstudio "E." von F., der Ehefrau des Beschuldig-

ten, im L. in einem Teilzeitpensum als Naildesignerin angestellt. Während 

des Arbeitsverhältnisses kam es zu Differenzen zwischen der Beschwer-

deführerin und F. betreffend die Ausstellung von Lohnabrechnungen, die 

Auszahlung des Lohns und die Höhe der von der Beschwerdeführerin zu 

bezahlenden AHV-Beiträge. Am 2. Juli 2019 erhielt die Beschwerdeführe-

rin vom Treuhänder von F. die Lohnabrechnungen für Januar bis Juni 2019 

per E-Mail zugesandt. Wegen angeblicher Unstimmigkeiten kam es am 

16. Juli 2019 zu einer Aussprache zwischen der Beschwerdeführerin und 

F. Im Anschluss daran soll es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwi-

schen der Beschwerdeführerin einerseits sowie F., G. und dem Beschul-

digten andererseits gekommen sein.  

 

Am 17. Juli 2019 bescheinigte Dr. med. M., Facharzt für Allgemeine innere 

Medizin und Arbeitsmedizin FMH, R., der Beschwerdeführerin eine Arbeits-

unfähigkeit zu 100 % ab 17. Juli 2019 bis voraussichtlich 28. Juli 2019 (UA 

Reg. 4). In ihrem Schreiben vom 22. Juli 2019 hielt Dr. med. I., Fachärztin 

für innere Medizin FMH, S., fest, sie habe bei der Beschwerdeführerin Hä-

matome an beiden Armen und an der linken Brust festgestellt. Diese Ver-

letzungen stimmten überein mit der Schilderung der Beschwerdeführerin, 

wonach der Ehemann ihrer Arbeitgeberin sie an ihren Armen kräftig ge-

packt und, nachdem er sie auf den Boden geworfen habe, Druck auf ihren 

Brustkorb ausgeübt habe. Die Beschwerdeführerin leide gemäss ihrer Un-

tersuchung sodann an einem posttraumatischen Stresssyndrom (UA 

Reg. 4). In der Folge war die Beschwerdeführerin vom 29. Juli 2019 bis 

30. September 2019 zu 100 % arbeitsunfähig (vgl. die ärztlichen Zeugnisse 

von Dr. med. I. vom 26. Juli 2019 und des Psychiaters Dr. J., T., vom 

20. September 2019 in UA Reg. 4).  

 

Als Beweismittel für den Ablauf des Vorfalls vom 16. Juli 2019 stehen die 

gegenüber der Kantonspolizei gemachten Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin einerseits, des Beschuldigten, der Mitbeschuldigten F. und G. ande-

rerseits sowie des als Auskunftsperson befragten K. zur Verfügung.  

 

3.2.3. 

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren 

keine umfassende Beweiswürdigung und auch keine abschliessende Prü-

fung der Glaubwürdigkeit der einzelnen Beteiligten und der Glaubhaftigkeit 

ihrer Aussagen vorzunehmen ist, sondern dies nur insofern zu prüfen ist, 

als es für die Frage, ob die Untersuchung zu Recht eingestellt wurde oder 

nicht, von Bedeutung ist. 

 

 - 8 - 

 

 

 

3.2.4. 

3.2.4.1. 

Die Beschwerdeführerin sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 

30. August 2019 aus, F. habe ihr seit Beginn des Arbeitsverhältnisses kei-

nen Lohn ausbezahlt, jedoch AHV-Beiträge in bar von ihr eingezogen. An-

hand der am 2. Juli 2019 erhaltenen Lohnabrechnungen habe sie festge-

stellt, dass sie F. pro Monat höhere Beträge als in den Lohnabrechnungen 

verzeichnet abgegeben habe. Am folgenden Tag habe sie F. damit kon-

frontiert, dass sie gemäss den Lohnabrechnungen zu hohe AHV-Beiträge 

von ihr eingezogen habe und sie das Geld zurückhaben wolle. Daraufhin 

habe F. handschriftliche Quittungen erstellt, auf denen sie rückwirkend un-

terschriftlich hätte bestätigen sollen, dass sie Lohn in bar erhalten habe, 

was jedoch nicht stimme. Vielmehr habe sie bis zu diesem Zeitpunkt noch 

gar keinen Lohn erhalten. Darum habe sie sich geweigert, die handschrift-

lichen Quittungen zu unterschreiben, auch an den folgenden Tagen, als F. 

dies von ihr jeweils verlangt habe. Am 16. Juli 2019 sei F. zu ihr gekommen 

und habe ihr gesagt, dass sie ihr den Lohn nicht rückwirkend auf ihr Konto 

überweisen könne, ihr diesen für die letzten sechs Monate aber bar aus-

zahlen werde, wenn sie die Quittungen unterschreibe. Ebenfalls werde sie 

ihr die überschüssigen AHV-Beiträge zurückerstatten. Weil sie ihren Lohn 

für die letzten sechs Monate habe erhalten wollen, habe sie die Quittungen 

unterschrieben, aber mit dem aktuellen Datum. Daraufhin habe F. ihr die 

Quittungen wieder weggenommen, die Lohnabrechnungen ausgedruckt, 

die ihnen der Buchhalter geschickt habe, und von ihr die unterschriftliche 

Bestätigung verlangt, dass sie die entsprechenden Löhne am Ende jedes 

Monats erhalten habe. Weil sie endlich ihren Lohn gewollt habe und ihr F. 

versprochen habe, nach ihrer Unterschrift das Geld auszuzahlen, habe sie 

die Lohnabrechnungen rückwirkend unterschrieben. Danach habe F. die 

Lohnabrechnungen genommen, diese in ihre Handtasche gesteckt und den 

Aufenthaltsraum verlassen. Sie sei F. gefolgt und habe sie immer wieder 

gefragt, wo jetzt ihr Geld sei, doch F. habe ihr sinngemäss geantwortet, es 

gebe kein Geld. Sie sei dumm und würde sowieso den Kürzeren ziehen, 

da sie keine Beweise habe und sie die Chefin sei. Sie habe F. hinterherge-

rufen: "Hilfe, das ist Diebstahl! Raub! Raub!" Daraufhin habe F. gemeint, 

ihren Aussagen glaube sowieso niemand. Schliesslich sei sie Ausländerin, 

und ihre Angestellten würden zu ihr halten. Sie sei F. hinterhergelaufen und 

habe nochmals versucht, mit ihr zu reden, doch F. habe nicht zuhören wol-

len und versucht, den Laden zu verlassen. Sie habe daraufhin versucht, F. 

den Weg zu versperren, damit diese das Geschäft nicht habe verlassen 

können. F. habe dann den Beschuldigten, der auch im Nagelstudio anwe-

send gewesen sei, aufgefordert, sie (die Beschwerdeführerin) zu packen 

und festzuhalten, damit sie den Laden habe verlassen können. Der Be-

schuldigte habe sie von vorne an den Unterarmen gepackt und festgehal-

ten. F. habe versucht, sich an ihr vorbeizudrängen. Aus lauter Verzweiflung 

habe sie nach dem Riemen der Handtasche von F. gegriffen, welche diese 

umgehängt gehabt habe. Daraufhin habe der Beschuldigte sie zu Boden 

 - 9 - 

 

 

 

gebracht, so dass sie auf dem Rücken gelegen sei. F. habe sie ebenfalls 

auf dem Boden festgehalten. Sie habe versucht, sich zu wehren, doch sie 

habe nur ihren Kopf bewegen können. Danach sei Frau G. gekommen, die 

ebenfalls im Laden gewesen sei, und habe sie ebenfalls auf den Boden 

gedrückt. Dies habe F. die Möglichkeit gegeben, den Laden zu verlassen. 

Anschliessend hätten Frau G. und der Beschuldigte sie an den Armen fest-

gehalten und zurück in den Aufenthaltsraum befördert, wo sie ihr gesagt 

hätten, sie solle endlich ruhig sein und aufhören, so herumzuschreien. An-

dernfalls würden sie die Polizei rufen. Danach habe Frau G. sie zum Bahn-

hof Baden begleitet, wo sie den Zug in Richtung Basel genommen habe. 

Durch den Vorfall habe sie Blutergüsse an der Brust, ihren Armen und 

Schultern erlitten und sei deswegen zu einer Ärztin gegangen (UA Reg. 2, 

Einvernahmeprot. vom 30. August 2019, S. 3 ff.).  

 

Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit F. vom 25. Februar 2020 

machte die Beschwerdeführerin übereinstimmende Aussagen (UA Reg. 7, 

Einvernahmeprot. vom 25. Februar 2020, S. 5 ff., 14 f.). 

 

3.2.4.2. 

F. führte in der Einvernahme vom 5. November 2019 gegenüber der Kan-

tonspolizei Aargau aus, sie habe der Beschwerdeführerin jeweils Ende Mo-

nat den Lohn ausbezahlt. Wenn sie es verlangt habe, habe sie ihr auch 

einen Vorschuss gegeben. Sie habe ihr das Geld aber nicht überwiesen, 

sondern in bar gegeben. Dies sei zwei- oder dreimal im Monat passiert. Im 

Nachhinein habe sie von der Beschwerdeführerin deren Unterschrift ver-

langt, da sie das Geld schon erhalten habe. Die Aussagen der Beschwer-

deführerin zur Auseinandersetzung vom 16. Juli 2019 stimmten nicht. Ins-

besondere sei nicht wahr, dass sie das Geschäft habe verlassen wollen, 

was die Beschwerdeführerin habe verhindern wollen, worauf sie den Be-

schuldigten aufgefordert haben solle, die Beschwerdeführerin zu packen 

und festzuhalten, damit sie das Geschäft habe verlassen können. In ihrer 

Handtasche sei der Umsatz von drei Tagen gewesen, über Fr. 10'000.00. 

Die Beschwerdeführerin habe ihr die Handtasche entreissen wollen, was 

sie nicht habe zulassen wollen. Der Beschuldigte habe die Tasche in der 

Hand gehabt. Die Beschwerdeführerin habe sie ihm entreissen wollen. Er 

habe die Tasche schützen wollen, darum habe ihn die Beschwerdeführerin 

gebissen. Während des Vorfalls seien sie und die Beschwerdeführerin zu-

sammen auf den Boden gestürzt. Die Beschwerdeführerin habe einfach 

ihre Handtasche haben wollen. Sie habe nicht gewollt, dass die Beschwer-

deführerin ihr vor ihren Kunden die Handtasche entreisse. Sie habe ihr ge-

sagt, sie solle in aller Ruhe mit ihr reden, nicht aber ihre Handtasche weg-

nehmen. Als eine Kundin die Polizei verständigt habe, habe die Beschwer-

deführerin sofort das Geschäft verlassen (UA Reg. 5, Einvernahmeprot. 

vom 5. November 2019, S. 5 ff.).  

 

 - 10 - 

 

 

 

An der Konfrontationseinvernahme vom 25. Februar 2020 wiederholte F. 

im Wesentlichen ihre am 5. November 2019 gemachten Aussagen. Insbe-

sondere hielt sie daran fest, der Beschwerdeführerin immer den Lohn aus-

bezahlt zu haben, aber nicht per Überweisung, sondern in bar. Sie habe 

der Beschwerdeführerin wöchentlich die verlangten Lohnvorschüsse in bar 

übergeben. Die Beschwerdeführerin habe nichts unterschrieben, aber sie 

habe Augenzeugen. Dabei handle es sich um ehemalige und aktuelle An-

gestellte des Nagelstudios. Sie habe von der Beschwerdeführerin manch-

mal eine Unterschrift verlangt, in einem Buch, aber vielleicht sei es verloren 

gegangen. Die Lohnvorschüsse hätten manchmal Fr. 500.00, manchmal 

Fr. 1'000.00 betragen. Sie habe der Beschwerdeführerin von Januar bis 

Juni 2019 jeden Monat den genauen Lohnbetrag als Vorschuss ausbezahlt, 

so dass am Ende des Monats kein Lohn mehr fällig gewesen sei. Am 

16. Juli 2019 sei es wieder um die Auszahlung eines Lohnvorschusses ge-

gangen. Diesen habe sie der Beschwerdeführerin aber nicht, wie ge-

wünscht, in bar übergeben, sondern überweisen wollen. Zuerst habe sie 

gewollt, dass die Beschwerdeführerin die bereits erhaltenen Lohnzahlun-

gen unterschriftlich bestätige. Die Beschwerdeführerin habe die Belege zu-

rückhaben wollen, sie habe sie ihr jedoch nicht gegeben. Sie habe die Be-

schwerdeführerin nicht geschlagen und der Beschuldigte auch nicht. Die 

Beschwerdeführerin habe die Belege zurückholen wollen. Sie habe sie an-

geschrien und den Beschuldigten verletzt. Als die Polizei gekommen sei, 

sei die Beschwerdeführerin weggewesen (UA Reg. 7, Einvernahmeprot. 

vom 25. Februar 2020, S. 6 ff., 15).  

 

3.2.4.3. 

Der Beschuldigte wurde am 28. Mai 2020 von der Kantonspolizei Aargau 

einvernommen. Er gab an, als er in das Geschäft gekommen sei, habe er 

gesehen, dass F. mit der Beschwerdeführerin gestritten habe. Sie hätten 

eine Tasche auseinandergezogen. Er habe "Stopp" gesagt, nach den 

Handgelenken der Beschwerdeführerin gegriffen und sie von F. weggezo-

gen, wobei sich die Beschwerdeführerin extrem gewehrt habe. Gleichzeitig 

habe er auch versucht, die Finger der Beschwerdeführerin von der Hand-

tasche von F. zu lösen. Anstatt aufzuhören, habe die Beschwerdeführerin 

ihn in den linken Unterarm gebissen. Als er versucht habe, den Streit auf-

zubrechen und die Beschwerdeführerin von F. wegzuziehen, habe die Be-

schwerdeführerin immer wieder versucht, nach der Handtasche von F. zu 

greifen. Als die Beschwerdeführerin die Handtasche endlich losgelassen 

habe, sei er mit ihr zu Boden gegangen. Danach sei die Beschwerdeführe-

rin aufgestanden und habe wieder auf F. losgehen wollen. Er habe ihr ge-

sagt, sie solle damit aufhören, es seien Kunden im Geschäft. Als die Be-

schwerdeführerin erneut nach der Handtasche von F. habe greifen wollen, 

sei eine weitere Frau dazugekommen und habe sie zurückgehalten. Ca. 

fünf Minuten später hätten die Beschwerdeführerin und diese Frau das Ge-

schäft verlassen. Die Beschwerdeführerin habe ihn gebissen, bevor sie zu 

 - 11 - 

 

 

 

Boden gegangen seien. Die Beschwerdeführerin habe F. nicht aktiv ange-

griffen. Soweit er es gesehen habe, habe sie F. nur die Handtasche ent-

reissen wollen (UA Reg. 8, Einvernahmeprot. vom 28. Mai 2020, S. 4 ff.). 

 

3.2.4.4. 

K. sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 1. März 2021 aus, er sei mit 

F. befreundet und habe am 16. Juli 2019 F. und die Beschwerdeführerin in 

der Mitarbeiterräumlichkeit vis-à-vis an einem Tisch sitzen und diskutieren 

sehen. Er sei dann weggegangen, weil er das Gespräch nicht habe stören 

wollen. Etwa eine Minute später seien ihm F. und die Beschwerdeführerin 

gefolgt. Dann sei es plötzlich laut geworden. Als er hingeschaut habe, habe 

die Beschwerdeführerin mit der offenen Hand von allen Seiten her gegen 

den Oberkörper von F. geschlagen und versucht, an die Tasche zu gelan-

gen. Sie habe regelrecht herumgefuchtelt. Der Beschuldigte sei da-

zwischengegangen und habe versucht, die beiden zu trennen. Das sei ihm 

nur halbwegs gelungen und er sei dabei von der Beschwerdeführerin in den 

Arm gebissen worden. Eine weitere Person (Mann oder Frau) sei ebenfalls 

dazwischengegangen. Die Beschwerdeführerin und F. hätten in der Folge 

voneinander abgelassen und kurze Zeit später sei die Polizei gekommen. 

Wer zuerst tätlich geworden sei, habe er nicht gesehen. Er habe gewusst, 

dass es beim Disput zwischen der Beschwerdeführerin und F. um Geld ge-

gangen sei, da sie Lohnstreitigkeiten gehabt hätten. Davon, dass die Be-

schwerdeführerin F. die Handtasche habe entreissen wollen, weil Letztere 

mit den sich in der Tasche befindenden, von der Beschwerdeführerin un-

terschriebenen Lohnabrechnungen (welche als Quittungen dienen sollten) 

das Geschäft habe verlassen wollen, wisse er nichts. Er könne sich das 

auch nicht vorstellen. Nachträglich habe ihm F. gesagt, sie habe der Be-

schwerdeführerin immer den vollen Lohn überwiesen und verstehe nicht, 

warum diese so wütend sei. Es stimme, dass die Beschwerdeführerin wäh-

rend der tätlichen Auseinandersetzung von F., dem Beschuldigten und ei-

ner weiteren Frau (G.) auf den Boden gedrückt und festgehalten worden 

sei, weil sie sich so aufbrausend und aggressiv verhalten habe (UA Reg. 8, 

Einvernahmeprot. S. 2 und 4 f.).  

 

3.2.4.5. 

G. gab am 27. Dezember 2019 in der Befragung durch die Kantonspolizei 

an, sie kenne die Beschwerdeführerin seit Anfang 2018 und habe ihr gele-

gentlich mit Übersetzungen bei Anwalts- und Arztterminen geholfen. An-

fang 2019 habe sie der Beschwerdeführerin die Arbeitsstelle bei F. vermit-

telt. Am 16. Juli 2019 sei sie im Nagelstudio anwesend gewesen, weil F. 

sie gebeten habe, im Konflikt mit der Beschwerdeführerin zu schlichten. F. 

habe der Beschwerdeführerin Dokumente zum Unterschreiben gegeben. 

Dann sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den beiden 

gekommen. Dabei habe die Beschwerdeführerin F. die Handtasche ent-

reissen wollen und sich an der Handtasche festgehalten. F. habe die Hand-

tasche aber nicht losgelassen. Der Beschuldigte und sie selber hätten die 

 - 12 - 

 

 

 

Beschwerdeführerin an den Armen gegriffen und sie weggezogen, um den 

Streit zu beenden. Es stimme aber nicht, dass sie und der Beschuldigte die 

Beschwerdeführerin während der Auseinandersetzung auf den Boden ge-

drückt und festgehalten hätten. Nachdem sie die Beschwerdeführerin weg-

gezogen habe, habe sie diese gefragt, was sie denn mache und ob sie das 

Geschäft von F. zerstören wolle. Sie habe die Beschwerdeführerin aufge-

fordert, ihre Sachen zu packen, und dann mit ihr das Geschäft verlassen 

(UA Reg. 6, Einvernahmeprot. vom 27. Dezember 2019, S. 3 ff.). 

 

3.2.5. 

Dr. med. I. stellte bei der Beschwerdeführerin Hämatome an beiden Armen 

und an der linken Brust fest. Diese Verletzungen stimmen überein mit der 

Schilderung der Beschwerdeführerin, wonach sie an ihren Armen kräftig 

gepackt und auf den Boden gedrückt worden sei. Ins Bild, Opfer einer tät-

lichen Auseinandersetzung geworden zu sein, passt auch, dass die Be-

schwerdeführerin an einem posttraumatischen Stresssyndrom litt. 

 

Die Aussagen der Beschwerdeführerin zum Ablauf der Auseinanderset-

zung sind detailliert, konstant und erscheinen grundsätzlich schlüssig und 

in sich stimmig. Zudem wurden sie in den wesentlichen Punkten von den-

jenigen von G., dem Beschuldigten und K. bestätigt. Insbesondere K., der 

an der tätlichen Auseinandersetzung nicht beteiligt war, sondern diese nur 

beobachtet hatte, gab an, dass die Beschwerdeführerin während der tätli-

chen Auseinandersetzung von F., dem Beschuldigten und G. auf den Bo-

den gedrückt und festgehalten worden sei. Die Aussagen der Beschwerde-

führerin erscheinen demnach grundsätzlich nicht weniger glaubhaft als jene 

des Beschuldigten. Der nicht mitbeschuldigte K. kann von der Staatsan-

waltschaft Baden noch als Zeuge unter Wahrheitspflicht und Androhung 

der Straffolgen von Art. 307 StGB bei falschem Zeugnis befragt werden. 

Beim derzeitigen Stand der Untersuchung ist nicht ersichtlich, weshalb G., 

F. und K. den Beschuldigten zu Unrecht einer Straftat bezichtigen sollten, 

zumal sich G. und F. damit auch selbst belasten würden. Andererseits hat 

der Beschuldigte wegen der möglichen strafrechtlichen Folgen ein erhebli-

ches Interesse an der Feststellung, dass er gegenüber der Beschwerde-

führerin keine Tätlichkeiten begangen habe.  

 

Demzufolge kann beim gegenwärtigen Untersuchungsstand nicht gesagt 

werden, dass bei einer Anklage wegen Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 Abs. 1 

StGB höchstwahrscheinlich mit einem Freispruch des Beschuldigten zu 

rechnen wäre.  

 

3.3. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für eine 

Einstellung der Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten gestützt auf 

 - 13 - 

 

 

 

Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO im heutigen Zeitpunkt nicht erfüllt sind. In Gut-

heissung der Beschwerde ist die Einstellungsverfügung der Staatsanwalt-

schaft Baden vom 23. August 2021 deshalb aufzuheben. 

 

4. 

4.1. 

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-

mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Hebt 

die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist sie die Sache zu 

neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück, so trägt der Kanton die Kos-

ten des Rechtsmittelverfahrens und, nach Ermessen der Rechtsmittel-

instanz, jene der Vorinstanz (Art. 428 Abs. 4 StPO). Diese letztgenannte 

Bestimmung bezieht sich insbesondere auf kassatorische Entscheide über 

Beschwerden gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO (THOMAS DOMEISEN, in: Basler 

Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 25 zu 

Art. 428 StPO).  

 

Ausgangsgemäss sind die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfah-

rens somit auf die Staatskasse zu nehmen. Über die Tragung der Untersu-

chungskosten wird zu gegebener Zeit die Staatsanwaltschaft Baden bzw. 

das angerufene erstinstanzliche Gericht zu entscheiden haben.  

 

4.2. 

Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf angemessene Entschädigung 

für notwendige Aufwendungen richtet sich nach Art. 433 StPO und hängt 

vom Ausgang des Strafverfahrens ab. Es ist deshalb zurzeit nicht möglich, 

die Entschädigung für das vorliegende Beschwerdeverfahren festzulegen. 

Das Beschwerdeverfahren betreffend die Einstellungsverfügung wird im 

Rahmen der Regelung der Entschädigung der Parteien im Endentscheid 

zu berücksichtigen sein (Art. 421 Abs. 1 StPO; vgl. Urteil des Bundesge-

richts 1B_531/2012 vom 27. November 2012 E. 3). 

 

 
   

Die Vizepräsidentin entscheidet: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird die Einstellungsverfügung der Staats-

anwaltschaft Baden vom 23. August 2021 aufgehoben. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden auf die Staatskasse ge-

nommen. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…]  

 - 14 - 

 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 9. März 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Die Vizepräsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Massari Huber