# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef140dc8-42d1-5198-8c47-eb868b52504c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 20.12.2023 SB220642
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220642_2023-12-20.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

  Geschäfts-Nr.: SB220642-O/U/cs-ad

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Castrovilli 

und Ersatzoberrichter Dr. Bischoff sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Brülisauer

Urteil vom 20. Dezember 2023

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,
Anklägerin und Berufungsbeklagte

sowie

1. B1._____ AG, 
2. B2._____,
3. C._____ AG,
4. D._____,
Privatklägerinnen 

4 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____

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betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc. und Widerruf  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 
9. November 2022 (DG220118)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 27. Juni 2022 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/21/2).

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 56 S. 140 ff.)

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

 der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB,

 der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst im Sinne von 
Art. 222 Abs. 1 StGB,

 der vorsätzlichen Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, 
im Sinne von Art. 239 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,

 der Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit im Sinne von Art. 261 
StGB,

 der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im 
Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB und 

 der mehrfachen Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes im 
Sinne von Art. 57 Abs. 3 PBG.

2. Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Urteil des Strafgerichts des 

Kantons Schwyz vom 7. Juli 2017 ausgefällten Geldstrafe von 180 Tages-

sätzen zu Fr. 10.– wird verzichtet. Die Probezeit wird um 1 Jahr verlängert.

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 

10 Monaten, wovon bis am 17. Februar 2022 287 Tage durch Haft erstan-

den sind, einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu Fr. 10.– und einer Busse 

von Fr. 200.–.

Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte ab dem 17. Februar 2022 im 

vorzeitigen Strafvollzug befand und er sich seit dem 2. August 2022 im vor-

zeitigen Vollzug einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB 

befindet.

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4. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen. Die Busse ist zu 

bezahlen.

5. Für den Fall, dass der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht bezahlt, wird 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen festgesetzt. 

6. Es wird eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Be-

handlung von psychischen Störungen) angeordnet. 

7. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB für 8 Jahre 

des Landes verwiesen.

8. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet. 

9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den nachfolgenden Privatklägerinnen 

Schadenersatz wie folgt zu bezahlen:

 Privatklägerin 1, B1._____ AG, Fr. 590.65;
 Privatklägerin 3, C._____ AG, Fr. 220.–.

10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 4 

(D._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-

satzanspruches wird die Privatklägerin 4 (D._____) auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen.

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 (D._____) 

Fr. 10'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 7. Mai 2021 als Genugtuung zu bezah-

len. 

12. Die nachfolgenden Sicherstellungen, Asservate, Spuren und Spurenträger 

werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur 

Vernichtung überlassen:

 A014'998'642 Mikrospuren - Klebbandasservat
 A014'998'664 DNA-Spur - Wattetupfer
 A014'998'675 DNA-Spur - Wattetupfer

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 A014'998'686 DNA-Spur - Wattetupfer
 A015'003'460 IRM-Fotografie 
 A015'005'557 DNA-Spur
 A015'005'580 Schuhsohlenvergleichsabdruck - Folie
 A015'020'641 Betäubungsmittel
 A015'020'652 Betäubungsmittel
 A014'999'838 Tatort-Fotografie 
 A015'000'632 DNA-Spur - Sceensafe FAST
 A015'000'643 DNA-Spur - Sceensafe FAST
 A015'000'665 DNA-Spur - Sceensafe FAST
 A014'998'711 DNA-Spur - Wattetupfer
 A014'998'722 DNA-Spur - Wattetupfer
 A014'998'733 Vergleichs-WSA
 A015'003'448 IRM-Fotografie 
 A014'998'744 Vergleichs-WSA
 A014'998'551 Vergleichs-WSA.

13. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 10'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 4'800.00   Gebühr Strafuntersuchung § 4 GebStrV,

Fr. 18'950.50   Auslagen (Gutachten),

Fr. 840.00   Auslagen,

Fr. 3'494.00   Auslagen Polizei,

Fr. 324.00   Entschädigung Zeugen,

Fr. 300.00   Gerichtsgebühr Zwangsmassnahmengericht   (GT210074-L),

Fr. 24'211.50   amtliche Verteidigung.

14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-

erlegt. 

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15. Die Kosten gemäss Urteil vom 31. August 2021 des Bezirksgerichts Zürich, 

Zwangsmassnahmengericht (Geschäfts-Nr. GT210074-L) werden dem Be-

schuldigten auferlegt.

16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO.

17. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen 

als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 24'211.50 (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

18. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 (D._____) für das ge-

samte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 7'713.80 (inkl. Mehr-

wertsteuer) zu bezahlen.

Berufungsanträge:

a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 57 S. 2 f.; Urk. 77 S. 1 f.)

" 1. Es seien Dispositiv-Ziffern 1 (Verurteilung), 3 (Strafmass), 7 (Landes-
verweis), 8 (Ausschreibung im Schengener Informationssystem), 
9 (Schadenersatz), sowie 14 und 16 (Kostenauflage) aufzuheben.

2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der

 einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,

 Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB,

 mehrfachen Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes im 
Sinne von Art. 57 Abs. 3 PBG,

 Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit im Sinne von Art. 261 
StGB,

 Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von 
Art. 285 Ziff. 1 StGB. 

Im restlichen Umfang sei er von Schuld und Strafe freizusprechen. 

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3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 7 Mona-
ten, einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 10.– sowie einer Busse 
von Fr. 200.– zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft.

Eventualiter sei er mit einer Freiheitsstrafe von 26 Monaten, einer 
Geldstrafe von 140 Tagessätzen à Fr. 10.– sowie einer Busse von 
Fr. 200.– zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft und 
Ansetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen bei einer schuldhaf-
ten Nichtbezahlung der Busse.

Es sei vorzumerken, dass sich der Beschuldigte ab dem 17. Februar 
2022 im vorzeitigen Strafvollzug befand und er sich seit dem 2. August 
2022 im vorzeitigen Massnahmenvollzug befindet.

4. Es sei von einem Landesverweis abzusehen.

5. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten mitsamt jenen der 
amtlichen Verteidigung seien dem Beschuldigten zur Hälfte, eventuali-
ter vollständig, aufzuerlegen, jedoch zufolge offensichtlicher Unein-
bringlichkeit sofort definitiv abzuschreiben. 

6. Die Verfahrenskosten des zweitinstanzlichen Verfahrens 
mitsamt jenen der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich und de-
finitiv auf die Staatskasse zu nehmen. 

7. Die Zivilforderung der B1._____ AG über Fr. 590.65 sei ab-
zuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.

8. Soweit auf ihre Eingabe eingetreten wird, sei der Privatklä-
gerin 4 keine Parteientschädigung, eventualiter eine von höchstens 
Fr. 500.– (zzgl. MWSt.) zuzusprechen."

b) Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 
(Urk. 62; schriftlich)

Verzicht auf Antragsstellung.

c) Der erbetenen Vertretung der Privatklägerin 4: 
(Urk. 63 S. 2; Urk. 70 S. 2; schriftlich)

" 1. Die Berufung des Beschuldigten und Berufungsklägers sei 
vollumfänglich abzuweisen und das Urteil der Vorinstanz sei zu bestäti-
gen;

2. der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin 4 
eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen (vgl. Honorar-
note);

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3. Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten und Berufungsklä-
gers."

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1. Gegen das am 9. November 2022 mündlich eröffnete (Prot. I S. 24) Urteil 

der Vorinstanz liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 10. November 2022 recht-

zeitig Berufung anmelden (Urk. 51). Nach Erhalt des begründeten Entscheids, 

welcher der Verteidigung am 7. Dezember 2022 zugestellt wurde (Urk. 55/2), 

reichte diese am 12. Dezember 2022 fristgerecht die Berufungserklärung ein 

(Urk. 57).

2. Mit Präsidialverfügung vom 16. Dezember 2022 wurde der Staatsanwalt-

schaft I des Kantons Zürich sowie der Privatklägerschaft Frist angesetzt, um An-

schlussberufung zu erklären oder einen Nichteintretensantrag zu stellen (vgl. 

Urk. 60). Daraufhin erklärten die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin 4 

(D._____) ihren ausdrücklichen Verzicht auf eine Anschlussberufung (vgl. Urk. 62; 

Urk. 63). Die Privatklägerinnen 1 bis 3 (B1._____ AG, B2._____ und C._____ AG) 

liessen sich nicht vernehmen.

3. Mit Eingabe vom 27. November 2023 reichte die Verteidigung einen Ver-

laufsbericht über die vom Beschuldigten im Rahmen der vorzeitig angetretenen 

stationären Massnahme besuchte Therapie sowie einen vom Beschuldigten ver-

fassten Lebenslauf ein (Urk. 66, Urk. 67/1-2). Auf Ersuchen der Verteidigung 

wurde zudem ein ergänzender Verlaufsbericht hinsichtlich der neusten Entwick-

lungen des Beschuldigten im vorzeitigen Massnahmenvollzug eingeholt (Urk. 68), 

welcher unter dem Datum vom 6. Dezember 2023 vorab per E-Mail einging und 

den Parteien weitergeleitet wurde (Urk. 74 f.).

4. Die Parteien wurden zur Berufungsverhandlung auf den 12. Dezember 

2023 vorgeladen (Urk. 65), wobei die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung der Be-

schuldigtenseite antragsgemäss von der persönlichen Teilnahme dispensiert 

wurde (vgl. Urk. 62 S. 2). Die Privatklägerin 4 reichte ihre Anträge im Vorfeld zur 

Berufungsverhandlung schriftlich ein (Urk. 70 f.). Zur Verhandlung sowie zur heu-

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tigen mündlichen Urteilseröffnung erschien demnach einzig der Beschuldigte in 

Begleitung seines amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 4, S. 34).

II. Prozessuales

1.1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-

kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Das Beru-

fungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen 

Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).

1.2. Gegen das vorinstanzliche Urteil wurde nur seitens des Beschuldigten ein 

Rechtsmittel erhoben. Seine Berufung richtet sich gegen die Dispositivziffern 1 

(Schuldpunkt, soweit die von der Vorinstanz gefällten Schuldsprüche von ihm 

nicht anerkannt werden), 3 bis 5 (Strafpunkt, soweit es um die Höhe der vorin-

stanzlich verhängten Freiheits- und Geldstrafe bzw. die zwangsläufig damit ver-

bundene Vollzugsregelung geht), 7 und 8 (Landesverweisung und Ausschreibung 

im Schengener Informationssystem), 9 (Zivilpunkt, soweit das Schadenersatzbe-

gehren der Privatklägerin 1 gutgeheissen wurde) und 14 bis 16 (Kostenauflage) 

des erstinstanzlichen Entscheids. In diesem Umfang steht das Urteil der Vorin-

stanz folglich im Rahmen des vorliegenden Berufungsverfahrens – unter Vorbe-

halt des strafprozessualen Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) – zur 

Disposition. In allen übrigen Punkten ist der erstinstanzliche Entscheid demge-

genüber in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist 

(BSK StPO II-BÄHLER, Art. 402 StPO N 1 f.). 

2.1. In strafprozessualer Hinsicht macht die Verteidigung geltend, die am 

8. Mai 2021 durchgeführte Hafteinvernahme sei unverwertbar, da der Beschul-

digte damals offensichtlich urteilsunfähig gewesen sei (Urk. 47 S. 4 f.; vgl. Urk. 77 

S. 12). Wie die Vorinstanz mit zutreffender Begründung erwogen hat, gab der Be-

schuldigte im Verlaufe der besagten Einvernahme indessen nicht nur offenkundig 

wahnhaft motivierte Aussagen zu Protokoll, sondern war durchaus in der Lage, 

teils auch Sachverhaltsangaben mit realem Hintergrund zu machen (Urk. 56 

S. 19). Unter diesen Umständen ist das Einvernahmeprotokoll der Hafteinver-

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nahme beweismässig verwertbar. Soweit überhaupt darauf abzustellen ist, wird 

dem erkennbar verwirrten Geisteszustand des Beschuldigten zum damaligen Zeit-

punkt bei der inhaltlichen Würdigung seiner Aussagen Rechnung zu tragen sein. 

2.2. Darüber hinaus beanstandet die Verteidigung, dass die Aufzeichnung des 

unter Anklagedossier 1 eingeklagten Geschehens am Hauptbahnhof Zürich durch 

die Überwachungskamera der B2._____, welche bei den Akten liegt, und die dar-

auf basierende Fotodokumentation, welche das Forensische Institut Zürich (FOR) 

erstellt hat, völlig unzureichend seien (Urk. 47 S. 5; vgl. Urk. 77 S. 12). In der Tat 

lässt sich bereits an dieser Stelle festhalten, dass sowohl die auf DVD einsehba-

ren Videoaufnahmen wie auch die in der Fotodokumentation des FOR abgedruck-

ten Einzelausschnitte der Videoaufzeichnung von schlechter Qualität sind, wes-

wegen sie kaum aufschlussreich sind (Urk. D1/6/2; Urk. D1/7/8 Fotos 11-21). 

Auch dies beschlägt indessen nicht die strafprozessuale Verwertbarkeit, sondern 

die Frage der Beweiskraft der genannten Beweismittel. Dasselbe gilt, soweit die 

Verteidigung damit argumentiert, dass die Aussagen der dazu einvernommenen 

Personen durch die mangelhaften Aufzeichnungen beeinflusst worden seien 

(Prot. I S. 10). 

3. Davon abgesehen wurden im Berufungsverfahren von keiner Seite Be-

weisanträge gestellt oder Vorfragen aufgeworfen. Demgemäss erweist sich die 

Sache als spruchreif. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Vielmehr kann sich das 

Berufungsgericht auf die für seinen Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte be-

schränken (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil 

Bundesgericht 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 2.5 m.w.H.).

III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

A. Einleitung

1. Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte von der Vorinstanz 

u.a. betreffend den Vorfall vom 9. Juni 2021 (Anklagedossier 9) wegen Gewalt 

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und Drohung gegen Behörden und Beamte nach Art. 285 Ziff. 1 StGB verurteilt 

worden ist (Urk. 56 S. 68 ff., S. 91 f.). Ebenso hat die Vorinstanz hinsichtlich des 

Vorfalls vom 25. Februar 2020 (Anklagedossier 6) einen Schuldspruch wegen 

Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit im Sinne von Art. 261 StGB gefällt 

(Urk. 56 S. 60 ff., S. 88) und den Beschuldigten in Bezug auf die Anklagedossi-

ers 3 und 5 wegen mehrfacher Übertretung von Art. 57 Abs. 3 des Personenbe-

förderungsgesetzes (PBG) für schuldig erklärt (vgl. Urk. 56 S. 52 f., S. 59 f., S. 86, 

S. 88). All diese Schuldsprüche blieben unangefochten und bilden somit nicht Ge-

genstand des Berufungsverfahrens.

2. Soweit für die Berufungsinstanz noch relevant wirft die Anklagebehörde 

dem Beschuldigten vor, sich der versuchten vorsätzlichen Tötung (Anklagedos-

sier 1) und damit zusammenhängend der Störung von Betrieben im Dienste der 

Allgemeinheit (Anklagedossier 7), der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte (Anklagedossiers 2 und 8) sowie der fahrlässigen Verursa-

chung einer Feuersbrunst (Anklagedossier 4) schuldig gemacht zu haben. Nach-

dem diese Tatvorwürfe vom Beschuldigten allesamt bestritten werden, wird vor-

erst in sachverhaltsmässiger Hinsicht zu prüfen sein, ob ihm die Täterschaft an-

hand der vorliegenden Beweismittel rechtsgenügend nachgewiesen werden kann. 

Hinsichtlich der dabei zu beachtenden Grundsätze kann in Anwendung von 

Art. 82 Abs. 4 StPO vorab auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen 

Entscheid verwiesen werden (Urk 56 S. 14 ff.). Zusammenfassend ist festzuhal-

ten, dass es am Staat liegt, einer beschuldigten Person die Schuld an einer Straf-

tat nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige Zweifel verbleiben. Erst wo dies 

nicht möglich ist, hat ein Freispruch zu erfolgen.

B. Vorfall vom 7. Mai 2021 (Anklagedossiers 1 und 7)

1. Dem Beschuldigten wird unter Anklagedossier 1 zunächst zur Last gelegt, 

am 7. Mai 2021 am Hauptbahnhof Zürich die Privatklägerin 4 (D._____) im Be-

reich des Perrons 4 auf die Gleise hinuntergestossen und dabei zumindest in 

Kauf genommen zu haben, dass die Privatklägerin von einem Zug überrollt wer-

den könnte, wenn diese auf den Gleisen liegen geblieben wäre und die Lokführer 

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die Bremsung des gerade einfahrenden Zugs nicht richtig durchgeführt hätten 

(Urk. D1/21/2 S. 2 f.). 

2. Die Vorinstanz hat die Beweismittel, auf denen der eingeklagte Vorwurf 

basiert, vollständig aufgelistet. Insbesondere wurden im angefochtenen Entscheid 

die Aussagen des Beschuldigten selbst, der Privatklägerin 4 sowie der Zeugen 

E._____ und F._____, die im Führerstand des einfahrenden Zugs sassen, des 

Augenzeugen G._____ und der polizeilichen Auskunftsperson H._____ in Bezug 

auf die sachlich relevanten Inhalte umfassend und ausführlich zusammengefasst 

(Urk. 56 S. 18 ff.). Ebenso wurden die massgebenden objektiven Beweismittel, 

die in erster Linie aus der Fotodokumentation und den spurentechnischen Berich-

ten des Forensischen Instituts Zürich (FOR), den Berichten zu den ärztlichen Un-

tersuchungen des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM) sowie 

der vom Zeugen E._____ eingereichten Datenaufzeichnung der B2._____ hin-

sichtlich der Fahrgeschwindigkeit des Zugs bestehen, korrekt wiedergegeben (vgl. 

Urk. 56 S. 39 ff.). Zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen kann in Anwen-

dung von Art. 82 Abs. 4 StPO vorab darauf verwiesen werden.

3.1.1. Hinsichtlich des äusseren Sachverhaltsablaufs ist der Beschuldigte ge-

ständig, die ihm völlig unbekannte Privatklägerin 4 auf die Bahngleise gestossen 

zu haben (vgl. Urk. D1/2/1 S. 5; Urk. D1/14/18 S. 3; Urk. D1/2/2 S. 1; Urk. D1/2/3 

S. 2 f.; Urk. D1/2/5 S. 8; Urk. 43 S. 4 f.; Prot. II S. 20 f.), was nach den glaubhaf-

ten Schilderungen des Opfers ohne jegliche Vorwarnung geschah (Urk. D1/3/1 

S. 3 f.; Urk. D1/3/3 S. 4). Dies stimmt denn auch mit den Depositionen der neutra-

len Aussagepersonen G._____ und H._____ überein, die zufälligerweise das Ge-

schehen mitbekommen haben (Urk. D1/4/1 S. 1 f.; Urk. D1/4/2 S. 1 f.; 

Urk. D1/4/13 S. 2 f.), sowie mit der Aussage des Beschuldigten anlässlich der Be-

rufungsverhandlung, dass er nach seiner Ankunft am Hauptbahnhof Zürich direkt 

auf das Gleis 4 gelaufen sei, die Frau gesehen und sie gestossen habe (Prot. II 

S. 21). Nach Massgabe der Erkenntnisse des FOR, die sich auf die Angaben der 

Beteiligten und die Aufzeichnungen der Überwachungskamera der B2._____ stüt-

zen, betrug die Distanz zwischen dem Ort, wo der Beschuldigte zum Stoss gegen 

die Privatklägerin 4 ansetzte bzw. sie ins Gleisbett stürzte, und dem Prellbock am 

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Kopf von Gleis 4 ca. 14.50 m (Urk. D1/7/8 S. 5, S. 9). Auf den cm genau lässt sich 

diese Distanz zwar nicht angeben, was trotz Opposition der Verteidigung (Urk. 47 

S. 3, S. 5; Urk. 77 S. 3 ff.) am Gesamtbild indessen nichts zu ändern vermag. 

3.1.2. In der Folge gelang es der Privatklägerin 4 rasch wieder, vom Gleisbett 

auf die Perronkante zu steigen, die sich auf einer Höhe zwischen 60 cm und 

100 cm befindet (vgl. Urk. D1/4/4 S. 3). Ob es wie in der Anklageschrift angege-

ben 4 sec gedauert hat, bis sich die Privatklägerin 4 wieder auf dem Perron be-

fand, kann und muss dabei letztlich offengelassen werden. Jedenfalls nahm der 

entsprechende Vorgang entgegen der Verteidigung nicht nur 2 sec (Urk. 77 

S. 4 f.), sondern bestimmt mehrere Sekunden in Anspruch, zumal die Privatkläge-

rin 4 anschaulich geschildert hat, wie sie bei der Landung nach vorne auf die Knie 

gefallen ist und nach dem Aufstehen zuerst noch ihre mitgeführte Laptoptasche 

aufs Perron hieven musste, bevor sie selber auf die Steigkante hinaufgeklettert ist 

(Urk. D1/3/3 S. 5 f.). Diese Feststellung verletzt entgegen der Verteidigung im Üb-

rigen auch nicht die Unschuldsvermutung, ist doch an dieser Stelle daran zu erin-

nern, dass "in dubio pro reo" nur und erst dann zur Anwendung gelangt, wenn 

nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzes relevante Zweifel am Vorhandensein 

oder Nichtvorhandensein eines Lebenssachverhalts oder ernsthaft in Betracht fal-

lende Sachverhaltsalternativen verbleiben (vgl. BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2; Urteil 

Bundesgericht 6B_1019/2021 vom 8. Dezember 2021 E. 1.3.3). 

3.1.3. Aufgrund des Untersuchungsergebnisses ist sodann erstellt, dass der auf 

dem besagten Gleis gerade einfahrende Zug zum Zeitpunkt des Stosses durch 

den Beschuldigten noch 50 m von der Stelle entfernt war, an der die Privatkläge-

rin 4 gestürzt war (vgl. Urk. D1/4/8 S. 5; Urk. D1/4/11 S. 3; vgl. auch Urk. D1/4/13 

S. 3). Mit der Vorinstanz ist dabei festzuhalten, dass eine Geschwindigkeit des 

Zugs von bis zu 27 km/h, wie dies in der Anklageschrift umschrieben ist, nicht an-

zunehmen ist (Urk. 56 S. 41). Vielmehr lässt sich anhand der Datenaufzeichnun-

gen des Zugs rekonstruieren, dass die Fahrgeschwindigkeit rund 23 sec vor dem 

Stillstand noch 20.88 km/h, knapp 18 sec davor noch 15.64 km/h und 10 sec da-

vor noch 10.65 km/h betrug (vgl. Urk. D1/4/10 S. 4). Nachdem die Fahrt des Zugs 

bis zum Stillstand nicht allzu lange gedauert hat, ist realistischerweise davon aus-

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zugehen, dass die Zugkomposition im Moment, als die Privatklägerin 4 auf die 

Gleise stürzte, mit einer Geschwindigkeit von kaum mehr als 10 km/h unterwegs 

war (so auch die Verteidigung, Urk. 77 S. 4). Als wesentlich erscheint in diesem 

Zusammenhang zudem, dass die beiden Lokführer, welche das einfahrende 

Schienenfahrzeug lenkten, übereinstimmend bezeugten, sie hätten den Zug auch 

ohne Einleitung einer Schnellbremsung rechtzeitig zum Stillstand bringen können, 

sei doch die Situation unter Kontrolle gewesen bzw. habe die Privatklägerin 4 den 

Gleisbereich schnell wieder verlassen (vgl. Urk. D1/4/3 S. 3; Urk. D1/4/4 S. 4; 

Urk. D1/4/8 S. 4; Urk. D1/4/11 S. 3 f.). Entsprechend ist zugunsten des Beschul-

digten davon auszugehen, dass der Zug zumindest einige Meter vor der Stelle an-

hielt, an der die Privatklägerin 4 hinuntergestossen worden war. 

3.1.4. Gleichwohl ist mit der Vorinstanz zu betonen, dass die Lokführer gemäss 

eigenen Aussagen die Bremsen nicht nochmals lösten, sondern den Zug früher 

als geplant anhielten, nachdem sie bemerkt hatten, dass sich die Privatklägerin 4 

auf dem Gleis aufhält (Urk. D1/4/3 S. 3; Urk. D1/4/4 S. 2). Der gegenteilige Ein-

wand der Verteidigung, es sei aktenwidrig, dass der Lokführer die Bremse nicht 

nochmals kurz gelöst habe (Urk. 77 S. 5), geht fehl. Der Zeuge F._____ sagte 

ausdrücklich: "Wir hielten den Zug direkt an, als wir den Vorfall beobachteten. Wir 

fuhren mit ca. 15 km/h, als wir die Frau erblickten. Ich wollte die Lokomotive kurz 

vor Erblicken der Frau wieder etwas aus der Bremsung auslösen, damit wir bis 

ganz nach vorne fahren können, dies hat sich jedoch erübrigt" (Urk. D1/4/4 F/A 7). 

Wäre es nicht zum inkriminierten Vorfall gekommen, hätte der Zug mit anderen 

Worten die Gleisstelle, an der sich die Privatklägerin 4 zwischenzeitlich befunden 

hatte, – wenn auch mit geringer Geschwindigkeit – passiert und wäre noch bis 

wenige Meter vor den Prellbock weitergefahren, was dem üblichen Vorgehen von 

Lokführern bei der Einfahrt in einen Kopfbahnhof wie dem Hauptbahnhof Zürich 

entspricht (vgl. Urk. D1/4/8 S. 6 f.; Urk. D1/4/11 S. 4 f.). Kommt hinzu, dass der 

Zeuge E._____ ausgeführt hat, dass die Privatklägerin 4 bei einem anderen Zug-

typ leichter zu übersehen gewesen wäre, was ein Überrollen wahrscheinlicher ge-

macht hätte, falls sich die Privatklägerin nicht selbst hätte rechtzeitig retten kön-

nen (Urk. D1/4/8 S. 8). Wäre sie vom Zug erfasst worden, müsste aber nach be-

gründeter rechtsmedizinsicher Einschätzung mit an Sicherheit grenzender Wahr-

- 16 -

scheinlichkeit damit gerechnet werden, dass sich die Privatklägerin 4 lebensge-

fährliche Verletzungen zugezogen hätte oder dass sie den Tod erlitten hätte 

(Urk. D1/9/1 S. 4), womit der Einwand der Verteidigung, dass es aufgrund der tie-

fen Fahrgeschwindigkeit auf den letzten Metern des Bremswegs kaum zu schwe-

ren oder tödlichen Verletzungen gekommen wäre, widerlegt wird (Urk. 77 S. 6, 

S. 34). Nicht stichhaltig ist es sodann, wenn die Verteidigung spekuliert, dass die 

Privatklägerin 4 zwischen den Bahnschienen hätte zum Liegen kommen können 

und es diesfalls überhaupt nicht erstellt sei, dass es zum Kontakt zwischen ihr 

und der Lokomotive gekommen wäre (Urk. 77 S. 7 i.V.m. Prot. II S. 27 f. sowie 

Urk. 77 S. 34). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 47 S. 7 f.; Urk. 77 

S. 6 f. i.V.m. Prot. II S. 27 f., S. 11 f. i.V.m. Prot. II S. 29) kann vor diesem Hinter-

grund mithin keine Rede davon sein, dass die Gefahr für die Privatklägerin 4, vom 

Zug überfahren zu werden, rein theoretischer bzw. abstrakter Natur gewesen 

wäre (so auch die Vorinstanz: Urk. 56 S. 42). Vielmehr lag eine durchaus kon-

krete Gefahr für Leib und Leben der Privatklägerin 4 vor.

3.2.1. Was den inneren Anklagesachverhalt anbelangt, bestehen keine Anhalts-

punkte dafür, welche die Aussage des Beschuldigten, wonach es nicht seine In-

tention gewesen sei, die ihm völlig unbekannte Privatklägerin 4 umzubringen 

(Urk. D1/2/3 S. 3) bzw. ihr bewusst zu schaden (Prot. II S. 21), rechtsgenügend 

entkräften können. Vielmehr deuten dessen Angaben darauf hin, dass sein an-

sonsten völlig sinnloses Vorgehen Ausdruck von Frust und Stress war, weil ihm 

seiner Empfindung nach niemand zuhören wollte (Urk. D1/2/3 S. 2 f.; vgl. auch 

Prot. II S. 20 f.). So spricht denn auch das psychiatrische Gutachten, das im Ver-

lauf des vorliegenden Strafverfahrens eingeholt wurde, davon, dass der Übergriff 

auf die Privatklägerin 4 auf Seiten des Beschuldigten aus dem krankheitsbeding-

ten Zusammenspiel von Verfolgungs- und Bedrohungswahn sowie aggressiver 

Gespanntheit mit enthemmender psychopathologisch bedingter Dissozialität re-

sultierte. Dem Beschuldigten ging es – so die Sachverständigen – um eine impul-

sive und diffuse Entladung von Angst, Frustration und Aggression sowie mögli-

cherweise auch um den verzweifelten Versuch, in einer subjektiv von ihm als be-

drohlich und ausweglos empfundenen Situation Aufmerksamkeit und Unterstüt-

zung zu erlangen (Urk. D1/10/62 S. 55 f.). Darüber hinaus können angesichts der 

- 17 -

Geistesverfassung des Beschuldigten ohnehin keine rational bzw. normalpsycho-

logisch zugänglichen Massstäbe bezüglich seiner inneren Einstellung zum inkrimi-

nierten Vorgehen angelegt werden. Entsprechend bleibt letztlich im Dunkeln, was 

ihn dazu bewogen hat, die Privatklägerin 4 auf die Gleise hinunterzustossen. Der 

Beschuldigte selbst ist denn auch nicht in der Lage, hierfür einen nachvollziehba-

ren Grund zu benennen (Prot. II S. 21, S. 24 f.).

3.2.2. Anders als von der Vorinstanz erwogen, kann dem Beschuldigten mit der 

Verteidigung (Urk. 77 S. 6, S. 8 ff.) sodann nicht nachgewiesen werden, dass er 

den einfahrenden Zug bemerkt hätte, bevor er zum Stoss gegen die Privatkläge-

rin 4 angesetzt hat (Urk. 56 S. 43 f.). Zwar ist zutreffend, dass das Aussagever-

halten des Beschuldigten, der sich entweder nicht dazu äussern wollte, ob er das 

Einfahren des Zugs wahrgenommen hat (Urk. D1/2/1 S. 6), oder der geltend ge-

macht hat, sich nicht daran zu erinnern, überhaupt einen Zug gesehen zu haben 

(Urk. D1/2/5 S. 10), um schliesslich zu erklären, dass es in jenem Moment auf 

Gleis 4 keinen Zug gegeben habe (Prot. II S. 21), nicht besonders glaubhaft wirkt. 

Dies ändert jedoch nichts daran, dass konkrete Umstände, die den Schluss zulas-

sen, der Beschuldigte habe den aus rund 50 m Entfernung herannahenden Zug 

tatsächlich bewusst wahrgenommen, bei der bestehenden Beweislage fehlen. 

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz können hierzu namentlich auch nicht die 

Aussagen des Augenzeugen G._____ herangezogen werden, zumal dieser aus-

drücklich festgehalten hat, dass seine Schilderung, wonach der Beschuldigte just 

in dem Moment, als er gehört habe, wie der Zug einfahre, die Privatklägerin 4 

Richtung Gleise gestossen habe, eine blosse Vermutung darstellt (Urk. D1/4/13 

S. 3). Der Umstand, dass der Zeuge eine eigene Interpretation des Geschehens 

vorgenommen und nicht von seiner Wahrnehmung berichtet hat, relativiert jeden-

falls den Beweiswert seiner Aussage in diesem Punkt entscheidend. Auf der an-

deren Seite ist gleichzeitig der Verteidigung zu widersprechen, wenn sie ins Feld 

führt, es sei in der gegebenen Situation nicht davon auszugehen gewesen, dass 

jederzeit ein Zug einfahren kann (Urk. 47 S. 11; Prot. I S. 12; vgl. Urk. 77 S. 12). 

Dem ist entgegenzuhalten, dass sich der eingeklagte Vorfall am späteren Freitag-

nachmittag, um 16.33 Uhr, am Hauptbahnhof Zürich ereignete. Dabei handelt es 

sich um einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte für den nationalen und regi-

- 18 -

onalen Bahnbetrieb. Entsprechend ist es geradezu notorisch, dass zur angegebe-

nen Zeit unzählige Züge dort ein- und wegfahren. Insofern ist daher in Überein-

stimmung mit dem Eventualsachverhalt, der in der Anklageschrift umschrieben ist 

(vgl. Urk. D1/21/2 S. 3), immerhin als erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte 

sehr wohl mit der Einfahrt eines Zugs rechnen musste, als er die Privatklägerin 4 

auf die Gleise stiess. Insoweit geht die Argumentation der Verteidigung, wonach 

der Beschuldigte einem Sachverhaltsirrtum erlegen sei (Urk. 77 S. 6), an der Sa-

che vorbei. 

3.2.3. Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte einige Kraft 

aufwenden musste, um die Privatklägerin 4, die vom Übergriff zwar völlig über-

rascht wurde, aber körperlich durchaus ebenbürtig war (Körpermasse Beschuldig-

ter: Grösse 165 cm, Gewicht 55 kg [Urk. D1/8/2 S. 1]; Körpermasse Privatkläge-

rin 4: Grösse 170 cm, Gewicht 65 kg [Urk. D1/9/1 S. 2]), zum Stürzen zu bringen, 

waren doch mehrere Stossbewegungen vonnöten, um die Privatklägerin gegen 

deren Willen aufs Gleis zu stossen (Urk. D1/14/18 S. 3; Urk. D1/3/1 S. 4; 

Urk. D1/3/3 S. 4). Ungeachtet dessen, dass der Beschuldigte wie soeben erwo-

gen jederzeit damit rechnen musste, dass ein Zug auf das betreffende Gleis ein-

fährt, handelte er also geradezu zielgerichtet darauf hin, die Privatklägerin 4 hin-

unterzustossen. Dabei gehört es fraglos zum Allgemeinwissen, dass beim Über-

fahren durch einen Zug – selbst bei geringer Fahrgeschwindigkeit – dem Opfer le-

bensgefährliche oder sogar tödliche Verletzungen drohen. So bestätigte auch der 

Beschuldigte selber, dass die Privatklägerin 4 hätte sterben können, falls sie vom 

Zug erfasst worden wäre (Urk. D1/2/1 F/A 38). Ferner erklärte er 3 Wochen spä-

ter, dass sie natürlich vom Zug überfahren worden wäre, wenn sie auf dem Gleis 

liegen geblieben wäre. Auf Nachfrage, ob er gewollt habe, dass die Frau vom Zug 

überfahren werde, gab er sodann an, dass er sie bestimmt nicht habe umbringen 

wollen (Urk. D1/2/3 F/A 10 f.). Vor diesem Hintergrund verfängt auch der Einwand 

der Verteidigung nicht, dass die Vorinstanz eine einzige Aussage des Beschuldig-

ten aus dem Kontext gerissen habe, um einen Eventualvorsatz zu kreieren 

(Urk. 77 S. 10), zumal der Beschuldigte selbst mehrfach einen Konnex zu einem 

möglichen Tod der Privatklägerin 4 herstellte. Vielmehr ergibt sich nach dem Er-

wogenen, dass der Beschuldigte mit seinem Vorgehen bewusst eine Gefahren-

- 19 -

lage geschaffen hat, die ohne weiteres geeignet gewesen wäre, bei der Privatklä-

gerin 4 schwere Verletzungen oder sogar den Tod zu verursachen, falls sich die 

Privatklägerin 4 nicht schnell wieder in Sicherheit gebracht hätte oder der einfah-

rende Zug nicht rechtzeitig hätte bremsen können. Wie sich der im dargelegten 

Umfang erstellte innere Sachverhalt letztlich auswirken wird, ist im Rahmen der 

nachstehenden rechtlichen Würdigung zu beurteilen.

4.1. Die Vorinstanz qualifizierte das Verhalten des Beschuldigten anklagege-

mäss als versuchte vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Urk. 56 S. 74 ff.). Demgegenüber plädiert die Verteidigung 

im Hauptstandpunkt auf einen Freispruch vom Vorwurf des versuchten Tötungs-

delikts und beantragt eine Verurteilung einzig wegen einfacher Körperverletzung 

im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, nachdem sich die Privatklägerin 4 beim Sturz 

aufs Gleisbett leichte Schürfungen zugezogen hat (Urk. 47 S. 8 ff.; Urk. 77 

S. 1, S. 12). Eine Subsumtion des Anklagedossiers 1 unter den Tatbestand der 

Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB schliesst die Verteidigung 

aus (Urk. 77 S. 12 i.V.m. Prot. II S. 28 f.). 

4.2. Nach Massgabe der vorstehenden Erwägungen hat der Beschuldigte mit 

seinem Stossen der Privatklägerin 4 auf die Bahngleise objektiv gesehen fraglos 

eine konkrete Lebensgefahr für sein Opfer geschaffen. Zwar konnte sich die Pri-

vatklägerin 4 innert wenigen Sekunden aufs Perron retten, sodass sie abgesehen 

von kleineren Schürfungen am linken Knie und am linken Fussgelenk keine Ver-

letzungen davontrug (vgl. dazu das rechtsmedizinische Gutachten zum körperli-

chen Untersuch der Privatklägerin; Urk. D1/9/1 S. 3). Zudem gelang es den Lok-

führern, den rund 50 m entfernt mit einer Geschwindigkeit von höchstens 10 km/h 

einfahrenden Zug kurz vor der Stelle, an der sich unmittelbar zuvor die Privatklä-

gerin 4 auf den Gleisen befunden hatte, zum Stillstand zu bringen. Dies ändert 

aber nichts daran, dass die Privatklägerin 4, wenn sie sich nicht so schnell in Ret-

tung gebracht hätte oder von den Lokführern nicht rechtzeitig bemerkt worden 

wäre, vom Zug erfasst worden wäre, was wie erwogen mit sehr hoher Wahr-

scheinlichkeit lebensgefährliche oder gar tödliche Verletzungen zur Folge gehabt 

hätte. Demzufolge war die vom Beschuldigten verursachte Lebensgefahr zwar 

- 20 -

nicht unausweichlich, sie erscheint aber insofern als akut, als der zeitlich unmittel-

bar drohende Eintritt des Todes bei der Privatklägerin 4 – einmal auf Gleis hinun-

tergestossen – nicht mehr im Einflussbereich des Beschuldigten lag, sondern nur 

noch durch das Verhalten des Opfers oder der Lokführer abgewendet werden 

konnte. 

4.3.1. Indessen hängt die rechtliche Würdigung im Weiteren davon ab, ob der 

Beschuldigte lediglich die Schaffung der soeben beschriebenen Lebensgefahr 

oder ob er darüber hinaus auch den Tod der Privatklägerin 4 in Kauf nahm. Im 

ersten Fall wäre der Tatbestand der Gefährdung des Lebens im Sinne von 

Art. 129 StGB in Betracht zu ziehen, im zweiten Fall käme dagegen – wie von der 

Anklage und der Vorinstanz vertreten – eine eventualvorsätzlich versuchte Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Tragen. 

4.3.2. Die Abgrenzung des Gefährdungsvorsatzes im Sinne von Art. 129 StGB 

vom Eventualvorsatz bezüglich eines Tötungsdelikts birgt gewisse Schwierigkei-

ten (so auch BSK StGB I-SCHWARZENEGGER, Art. 111 StGB N 14). Gemäss Lehre 

und Rechtsprechung unterscheidet sich der Gefährdungsvorsatz vom Eventual-

vorsatz auf Tötung in erster Linie dadurch, dass der Täter darauf vertrauen darf, 

der Tod des Opfers werde nicht eintreten. Dies setzt voraus, dass er annehmen 

kann, die drohende Gefahr könne durch sein eigenes Verhalten (z.B. gezielter 

Schuss am Opfer vorbei) oder durch eine Reaktion der gefährdeten Person (etwa 

mit einem Sprung zur Seite vor dem heranfahrenden Auto) abgewendet werden 

(BSK StGB I-MAEDER, Art. 129 StGB N 46). So wird zum einen die Auffassung 

vertreten, dass umso eher auf ein eventualvorsätzliches Tötungsdelikt resp. auf 

den Versuch dazu zu erkennen ist, je mehr die Vermeidung der Todesfolge dem 

Zufall überlassen bleibt (DONATSCH, Strafrecht III, 11. Aufl., Zürich 2018, S. 82 f.). 

Zum anderen wird betont, dass nicht sogleich auf Tötungsvorsatz geschlossen 

werden kann, wenn unmittelbare Lebensgefahr vorliegt. Vielmehr müssen zusätz-

liche Umstände hinzutreten, die für die Annahme sprechen, der Täter habe nicht 

nur eine unmittelbare Lebensgefahr, sondern darüber hinaus ein Todesrisiko in 

Kauf genommen. Solche Umstände sind darin zu sehen, dass der Täter das Aus-

bleiben des Tötungsrisikos in keiner Weise dosieren oder kalkulieren kann bzw. 

- 21 -

dass das Opfer keinerlei reellen Chancen hat, die drohende Todesgefahr von sich 

aus abzuwehren (BGE 133 IV 1 E. 4.5; 125 IV 242 E. 3 f. m.w.H.; Urteile Bundes-

gericht 7B_151/2022 vom 24. August 2023 E. 2.3.5; 6B_1239/2021 vom 5. Juni 

2023 E. 3.3.2; 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.2). Besonders anschaulich ist 

die in Frage stehende Unterscheidung sodann in einem älteren Bundesgerichts-

entscheid dargelegt: "Demnach ist der Gefährdungsvorsatz gegeben, wenn der 

Täter die Gefahr kennt und trotzdem handelt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass 

der Täter die Verwirklichung der Gefahr, sei es auch nur eventuell, gewollt hat, 

denn dann wäre er wegen vorsätzlicher Begehung des entsprechenden Verlet-

zungsdelikts (z.B. Tötung) strafbar. Da Gefahr die Möglichkeit des Verletzungs-

eintritts ist, schliesst freilich das Wissen um die Gefahr notwendig das Wissen um 

den möglichen Verletzungseintritt in sich. Auf der Vorstellungsseite ist die eventu-

elle Verletzung im Gefährdungsvorsatz stets enthalten. Der Unterschied zwischen 

Gefährdungsvorsatz und eventuellem Verletzungsvorsatz liegt einzig im Willensin-

halt. Weil aber als konkrete Gefahr eine nahe Möglichkeit des Verletzungseintritts 

(auch bei Art. 129) genügt, braucht der Täter, obwohl er den gefährlichen Zustand 

willentlich herbeiführt, den Verletzungserfolg nicht notwendig zu wollen" (BGE 94 

IV 60 E. 3a). 

4.3.3. Hinsichtlich der Wissenskomponente hat der Beschuldigte ausdrücklich 

anerkannt, dass ihm bewusst war, dass durch Hinunterstossen der Privatkläge-

rin 4 auf die Gleise die Gefahr des Überfahrens durch einen einfahrenden Zug 

und damit eine nahe Möglichkeit des Todes des Opfers geschaffen wird (vgl. 

Urk. D1/2/1 S. 6; Urk. D1/2/3 F/A 10 f.). Auf der anderen Seite ist jedoch zu be-

rücksichtigen, dass sich die Tat des Beschuldigten gegen eine ihm völlig unbe-

kannte Person richtete, weshalb ein allfälliges Motiv für die Tötung der Privatklä-

gerin 4 rational in keiner Weise erkennbar ist. Sein ansonsten völlig sinnloses 

Vorgehen muss wie erwogen vielmehr als Ausdruck seines Frusts und Stresses 

gedeutet werden, weil ihm seiner Empfindung nach niemand zuhören wollte, wo-

bei im psychologischen Gutachten explizit die Möglichkeit erörtert wird, dass des-

sen Aktion einen verzweifelten Versuch darstellte, Aufmerksamkeit und Unterstüt-

zung zu erlangen. Gerade bei Taten, die einer spontanen Eingebung oder einer 

emotionalen Aufwallung bzw. unreflektiert-impulsiven Aktionen entspringen, wird 

- 22 -

jedoch die Annahme eines Eventualvorsatzes in der Lehre angezweifelt (VEST, 

«Vom Zufall abhängt»?, in: AJP 2018, S. 955 ff.). Bereits dies legt also nahe, 

dass der Beschuldigte, der keinerlei Interesse haben konnte, der Privatklägerin 4 

das Leben zu nehmen, nicht die Tötung derselben in Kauf genommen hat. Zwar 

lässt das Fehlen eines Tatmotivs nicht generell auf das Fehlen eines Eventualvor-

satzes auf Tötung schliessen. Vorliegend kommt jedoch hinzu, dass der Beschul-

digte zwar fraglos eine konkrete Gefahrensituation für das Opfer geschaffen hat. 

Weil sich die herannahende Zugkomposition im Moment der Landung der Privat-

klägerin 4 auf das Gleisbett noch in einiger Entfernung befand und mit tiefer Ge-

schwindigkeit unterwegs war, eröffnete dies aber zum einen der Privatklägerin die 

reelle Chance, sich aus eigener Kraft auf das Perron zu retten, und ermöglichte 

es den betreffenden Lokführern zum anderen, den Zug rechtzeitig zum Stillstand 

zu bringen. Entsprechend konnte bei dieser Sachlage aus objektiver Sicht mit Fug 

angenommen werden, dass sich das Tötungsrisiko durch das Verhalten des Op-

fers selbst und zusätzlich auch durch das Eingreifen von Dritten (den Lokführern) 

abwenden lässt, mithin war die Vermeidung der Todesfolge nicht dem reinen Zu-

fall überlassen und der Verletzungseintritt nicht unmittelbar bevorstehend. Gewiss 

ist nicht anzunehmen, dass der Beschuldigte von alldem Kenntnis hatte oder dass 

er dies in seine Überlegungen bewusst miteinbezogen hätte, als er die Privatklä-

gerin 4 auf die Gleise hinunterstiess. Allerdings ist zu konstatieren, dass abgese-

hen vom Stoss gegen die Privatklägerin 4 umgekehrt auch keine Umstände er-

sichtlich sind, die angesichts der geschilderten besonderen Konstellation den 

Schluss zuliessen, dass er über die Schaffung einer Gefahrenlage hinaus auch 

den Vorsatz gehabt hätte, sein Opfer umzubringen. So kann ihm nach Massgabe 

der vorstehenden Erwägungen zum Sachverhalt nicht nachgewiesen werden, 

dass er im Zeitpunkt seines Übergriffs auf die Privatklägerin 4 darauf geachtet 

hat, ob ein Zug einfährt, geschweige denn, dass er bei seiner Tathandlung abge-

wartet hätte, bis der Zug so nah herangefahren war, dass es den Lokführern zum 

Bremsen nicht mehr gereicht hätte. Aufgrund des Untersuchungsergebnisses ver-

bleiben demnach begründete Zweifel daran, dass der Beschuldigte bei seinem 

Stoss gegen die Privatklägerin 4 in Richtung Gleise deren Tod eventualvorsätzlich 

in Kauf genommen hat. 

- 23 -

4.4.1. Entgegen der Auffassung der Verteidigung bedeutet dies allerdings nicht, 

dass er deswegen gänzlich freizusprechen ist bzw. nur wegen einfacher Körper-

verletzung schuldig gesprochen werden kann. Vielmehr sind im Folgenden die 

Tatbestandsmerkmale der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB zu prü-

fen. Eine entsprechende Beurteilung erscheint anders als von der Verteidigung 

geltend gemacht (Prot. II S. 29) auch in formeller Hinsicht als zulässig, weil die 

Voraussetzungen von Art. 129 StGB in der Anklageschrift ebenfalls geschildert 

sind, umfasst doch das in der Anklage umschriebene Verletzungsdelikt inhaltlich 

ohne weiteres das zu prüfende, weniger weit gehende Gefährdungsdelikt. Somit 

wäre der Anklagegrundsatz bei einer abweichenden rechtlichen Würdigung durch 

das Berufungsgericht nicht verletzt. Da es vorliegend um eine Umqualifizierung in 

einen milderen Tatbestand geht, bildet ferner das Verschlechterungsverbot (vgl. 

Art. 391 Abs. 2 StPO) ebenfalls kein Prüfungshindernis. Schliesslich wurde den 

Verfahrensbeteiligten ein entsprechender Würdigungsvorbehalt gemäss Art. 344 

StPO auch rechtzeitig mitgeteilt (Prot. II S. 26), womit die Verteidigung, die eine 

Subsumierbarkeit unter den Tatbestand der Gefährdung des Lebens ausschliesst 

(Urk. 77 S. 12 i.V.m. Prot. II S. 28 f.), hinreichend dazu Stellung nehmen konnte.

4.4.2. Der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB macht sich 

schuldig, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensge-

fahr bringt. Nach einhelliger Auffassung ist dies objektiv gesehen der Fall, wenn 

nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Mög-

lichkeit des Todeseintritts besteht. Daneben beinhaltet das tatbestandsmässige 

Element der Unmittelbarkeit, dass die Gefährdung direkt dem Verhalten des Tä-

ters zuzuschreiben ist. Nicht erforderlich ist hingegen, dass die Wahrscheinlichkeit 

des Todes grösser ist als jene seiner Vermeidung (OFK StGB-DONATSCH, Art. 129 

StGB N 2 m.w.H.). In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 129 StGB direkten Vorsatz 

in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr. Dieser ist bereits gegeben, wenn der 

Täter den deliktischen Erfolg als notwendige Folge oder als Mittel zur Erreichung 

des verfolgten Zwecks in seinen Entschluss miteinbezogen hat. Er braucht nicht 

das vom Täter erstrebte Ziel zu sein; es genügt, dass er mitgewollt ist (vgl. Urteil 

Bundesgericht 6B_480/2016 vom 5. August 2016 E. 4.3 m.w.H.). Des Weiteren 

erfordert der subjektive Tatbestand der Strafnorm ein skrupelloses Handeln. Ge-

- 24 -

meint ist damit ein qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, eine besondere Hem-

mungs- und Rücksichtslosigkeit des Täters (vgl. BGE 133 IV 1 E. 5.1; Urteil Bun-

desgericht 6B_1017/2019 vom 20. November 2019 E. 2.2). Massgeblich ist, ob 

das Verhalten des Täters angesichts des Tatmittels und der Tatmotive und unter 

Berücksichtigung der konkreten Tatsituation gemessen an den allgemein aner-

kannten Grundsätzen von Sitte und Moral als gewissenlos zu bewerten ist (Urteil 

Bundesgericht 6B_816/2007 vom 11. März 2008 E. 3.7). Nach der Rechtspre-

chung liegt Skrupellosigkeit stets vor, wenn die Lebensgefahr aus nichtigem 

Grund geschaffen wird oder deutlich unverhältnismässig erscheint, sodass sie 

von einer tiefen Geringschätzung des Lebens zeugt (vgl. Urteile Bundesgericht 

6B_758/2018 vom 24. Oktober 2019 E. 2.1; 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 

E. 4.2; 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 10.2 m.w.H.).

4.4.3. Wie bereits mehrfach erwogen, kann nicht zweifelhaft sein, dass der Be-

schuldigte die Privatklägerin 4 durch das Hinunterstossen auf die Gleise, als ein 

Zug einfuhr, in unmittelbare Lebensgefahr gebracht hat. Der objektive Tatbestand 

von Art. 129 StGB ist damit erfüllt.

4.4.4. Darüber hinaus wurde ebenfalls schon erörtert, dass das mehrfache Stos-

sen der Privatklägerin 4 durch den Beschuldigten, was mit einem grösseren 

Kraftaufwand verbunden war, auf die absichtliche Schaffung einer Gefahrenlage 

für das Opfer schliessen lässt. Unabhängig davon, worin der konkrete Beweg-

grund für den Beschuldigten lag, auf die ihm völlig unbekannte Privatklägerin 4 

loszugehen, ist der nötige direkte Vorsatz damit zu bejahen. Überdies lässt das 

Tatvorgehen des Beschuldigten, der sich die Privatklägerin 4 als reines Zufallsop-

fer ausgesucht hatte und diese aus nichtigem Grund ohne jegliche Vorwarnung 

angegriffen hat, gemessen an den allgemeinen Grundsätzen von Sitte und Moral 

derart krass jegliche Rücksicht auf ein Menschenleben vermissen, dass sein Ver-

halten ohne weiteres als skrupellos erscheint. Der dagegen erhobene Einwand 

der Verteidigung, dass aufgrund der psychischen Erkrankung des Beschuldigten 

nicht von seinen äusseren Handlungen auf seine inneren Gedanken geschlossen 

werden könne (Urk. 77 S. 7), stösst ins Leere. Die Frage des Geisteszustands 

des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt muss bei der Beurteilung des Vorsatzes aus-

- 25 -

geklammert werden, da die Frage, ob ein Täter vorsätzlich handelt, von derjeni-

gen nach der Schuldfähigkeit klar zu trennen ist, bezieht sich doch Letztere nicht 

auf die Tatbestandsmässigkeit des inkriminierten Verhaltens, sondern auf dessen 

Vorwerfbarkeit in schuldmässiger Hinsicht (zum Ganzen: Urteil Bundesgericht 

6B_1369/2019 vom 19. November 2020 E. 1.2.1 m.w.H.). Folglich ist der Tatbe-

stand auch in subjektiver Hinsicht erfüllt.

4.5. Schlussfolgernd ergibt sich, dass der Beschuldigte mit Bezug auf Ankla-

gedossier 1 der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB schuldig zu 

sprechen ist. 

5.1. Im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 7. Mai 2021 wird dem Beschul-

digten unter Anklagedossier 7 überdies vorgeworfen, durch seine zum Nachteil 

der Privatklägerin 4 begangene Tathandlung zumindest in Kauf genommen zu ha-

ben, dass der Bahnbetrieb am Hauptbahnhof Zürich erheblich gestört wird 

(Urk. D1/21/2 S. 6 f.).

5.2.1. Die Verteidigung stellt in Abrede, dass es im Anschluss an das Hinunter-

stossen der Privatklägerin 4 durch den Beschuldigten zu einer strafrechtlich rele-

vanten Störung des öffentlichen Bahnverkehrs gekommen sei. Die diesbezüglich 

eingereichte Strafanzeige der Privatklägerin 1 (B1._____ AG) sei als Beweismittel 

untauglich und eine Störung mit der nötigen Intensität folglich nicht erstellt. Zudem 

habe der Beschuldigte krankheitsbedingt gar nie einen Vorsatz gehabt, den Bahn-

betrieb zu stören (Urk. 47 S. 15 f.; Urk. 77 S. 30 f.).

5.2.2. Der Verteidigung kann insofern beigepflichtet werden, dass die schriftliche 

Strafanzeige der Privatklägerin 1 vom 10. Juni 2021 lediglich knapp begründet ist 

und keine weitergehenden Beweismittel enthält (Urk. D7/1/1). Gleichwohl ist zu 

beachten, dass der Beschuldigte durch sein Stossen der Privatklägerin 4 auf die 

Gleise des Perrons 4 augenscheinlich sogleich die Aufnahme umfangreicher poli-

zeilicher Ermittlungshandlungen ausgelöst hat. Dabei ist insbesondere die Erstel-

lung der Fotodokumentation durch das Forensische Institut Zürich (FOR) zu nen-

nen, wofür der betreffende Bereich naturgemäss vorübergehend abgesperrt wer-

den musste (vgl. dazu etwa die Aufnahme unter Urk. D1/7/8 S. 5, welche um 

- 26 -

19.21 Uhr ein leeres Gleis 4 zeigt). Im Übrigen ist in Erinnerung zu rufen, dass es 

sich beim Hauptbahnhof Zürich um ein neuralgisches Zentrum der Bahninfrastruk-

tur handelt. Infolgedessen erscheint es ohne weiteres als plausibel, wenn die Pri-

vatklägerin 1 in ihrer Strafanzeige ausführt, dass es im Nachgang zum inkriminier-

ten Ereignis bei insgesamt vier Personenzügen zu einer Verspätung gekommen 

ist. Dies reicht, um den Anklagesachverhalt in tatsächlicher Hinsicht rechtsgenü-

gend zu erstellen. 

5.3.1. Der Störung von Betrieben im Dienste der Allgemeinheit macht sich nach 

Art. 239 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig, wer vorsätzlich den Betrieb einer öffentli-

chen Verkehrsanstalt, namentlich den Eisenbahn-, Post-, Telegrafen- oder Tele-

fonbetrieb hindert, stört oder gefährdet. Die Bestimmung schützt das Interesse 

der Allgemeinheit daran, dass die öffentlichen Anstalten ungehindert ihren Dienst 

verrichten (BGE 116 IV 44 E. 2a). Das Tatverhalten besteht in der Hinderung, 

Störung oder Gefährdung des Betriebs. Ersteres ist die mindestens vorüberge-

hende Verunmöglichung und zweiteres die qualitative Beeinträchtigung des Be-

triebs (PK StGB-TRECHSEL/CONINX, Art. 239 StGB N 5).

5.3.2. Die objektive Tatbestandsmässigkeit ist gegeben. So musste der Zugver-

kehr auf dem betreffenden Gleis 4 während der Dauer, die für die kriminaltechni-

sche Ermittlungstätigkeit des FOR in Anspruch genommen wurde, vorübergehend 

eingestellt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Bahnbetrieb im Haupt-

bahnhof Zürich notorischerweise ein komplexes und diffiziles Verkehrssystem 

darstellt. Selbst Beeinträchtigungen auch nur eines Perrons können bereits erheb-

liche Auswirkungen auf mehrere Zugverbindungen haben. Angesichts dessen, 

dass als mittelbare Folge der Tathandlung des Beschuldigten vier Personenzüge 

mit zeitlicher Verspätung verkehrten, ist sodann auch die erforderliche Intensität 

ausgewiesen (vgl. Urteile Bundesgericht 6B_935/2019 vom 17. Februar 2020 

E. 2.2; 6B_217/2012 vom 20. Juli 2012 E. 3.2), zumal bei Zugverspätungen 

schnell mal eine grosse Passagierzahl betroffen ist. Anders als in dem von der 

Verteidigung (Urk. 77 S. 30 f.) angeführten Entscheid – gemeint ist wohl der in 

BGE 119 IV 302 erwähnte Freispruch – war vorliegend nicht nur ein Regionalzug, 

- 27 -

sondern waren mehrere Züge und damit auch eine grössere Passagierzahl von 

den Verspätungen betroffen. 

5.3.3. Im Übrigen mag die Beeinträchtigung des öffentlichen Bahnbetriebs, wie 

von der Verteidigung geltend gemacht, tatsächlich nicht das Primärziel der impul-

siven und spontanen Tathandlung des Beschuldigten gewesen sein. Dies ändert 

jedoch nichts daran, dass es selbst für jemanden mit dem zum Tatzeitpunkt 

krankheitsbedingt beeinträchtigten Geisteszustand des Beschuldigten ohne weite-

res erkennbar war, dass sein Verhalten, die Privatklägerin 4 auf die Gleise zu 

stossen, unweigerlich Auswirkungen auf die Zugverbindungen im Hauptbahnhof 

Zürich haben würde. Entsprechend ist die daraus resultierende Störung des 

Bahnverkehrs mit in Kauf genommen, umfasst doch der Eventualvorsatz auch die 

unerwünschte, aber um des Handlungsziels willen hingenommene Tatbestands-

verwirklichung (Urteil Bundesgericht 6B_818/2015 vom 8. Februar 2016 E. 4.3 

m.w.H.). 

5.4. Demzufolge ist die erstinstanzliche Verurteilung des Beschuldigten wegen 

Verstosses gegen Art. 239 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu bestätigen. 

C. Vorfall vom 21. Februar 2021 (Anklagedossier 2)

1. Unter Anklagedossier 2 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich der 

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte schuldig gemacht zu haben, 

indem er sich am 21. Februar 2021 auf dem Areal des Bahnhofs I._____ gegen-

über dem uniformierten Polizeibeamten J._____ abschätzig und beleidigend ver-

halten habe (Rufen von "Fuck the police" und Zeigen des Mittelfingers) sowie wild 

gestikulierend und schnellen Schrittes auf diesen zugegangen sei. Daraufhin 

habe der Polizeibeamte dem Beschuldigten die Personenkontrolle eröffnet und 

ihn in den Escortgriff genommen, wogegen sich dieser gewehrt habe, indem er 

sich um die eigene Achse gedreht und seinerseits den Polizisten an den Armen 

gepackt bzw. umfasst habe. In der Folge habe der Polizeibeamte J._____ zusam-

men mit seinem als Verstärkung herbeigeeilten Kollegen K._____ den Beschul-

digten kontrolliert zu Boden gebracht, wobei sich dieser weiterhin gewehrt habe, 

indem er mit den Armen Bewegungen gemacht habe, sodass man ihm nur mit 

- 28 -

Mühe die Handschellen habe anlegen können. Als die beiden Polizeibeamten den 

Beschuldigten dann zum Polizeiposten geführt hätten, habe dieser sie weiterhin 

beschimpft ("Fuck the police" bzw. "Terroristen"). Zudem habe der Beschuldigte 

sie aufgefordert, ihm ihre Dienstpistolen zu übergeben, damit er sie erschiessen 

könne (Urk. D1/21/2 S. 3 f.).

2. Der Beschuldigte gibt zu, den Polizeibeamten J._____ vor dem L._____-

Geschäft im Untergeschoss des Bahnhofs I._____ angepöbelt zu haben 

(Urk. D2/2/1 S. 6; Urk. D1/2/4 S. 5; Urk. 43 S. 6; Prot. II S. 22). Zudem zeigte er 

sich bei der Staatsanwaltschaft geständig, auch nach dem anschliessenden Ver-

bringen auf den Polizeiposten verbal ausfällig geworden zu sein, indem er die Po-

lizei als Terroristen bezeichnet hat (Urk. D2/2/1 S. 8), auch wenn er sich anläss-

lich der Berufungsverhandlung nicht mehr daran erinnern wollte (Prot. II S. 22). 

Das weitere eingeklagte Geschehen bestreitet er im Übrigen konstant, wenn auch 

nur halbherzig, indem er geltend machte, sich nicht mehr daran erinnern zu kön-

nen (Urk. D2/2/1 S. 6 ff.; Urk. D2/2/2 S. 2 f.; Urk. D1/2/5 S. 10; Prot. II S. 22). 

Auch seitens der Verteidigung wurden in sachverhaltsmässiger Hinsicht keine 

substantiierten Bestreitungen erhoben (Urk. 47 S. 11 f.; Urk. 77 S. 26 ff.; Prot. II 

S. 20). Ihr einziger Einwand, es müsse berücksichtigt werden, dass die beiden 

Polizisten vor ihren jeweiligen Einvernahmen zur Erinnerung den eigenen Rapport 

hätten konsultieren müssen (Urk. 77 S. 26), ist unbehilflich und vermag das Be-

weisergebnis nicht umzustossen, zumal zwischen dem Vorfall und den Einvernah-

men der Polizisten über 9 Monate lagen und sie im Übrigen offenlegten, woran sie 

sich – trotz Lesens des Rapports – nicht mehr erinnern konnten (vgl. Urk. D2/3/2 

und Urk. D2/3/4). Mit der Vorinstanz ist deshalb der Anklagesachverhalt den 

glaubhaften Aussagen der involvierten Polizeibeamten J._____ und K._____ fol-

gend als erstellt zu erachten (Urk. 56 S. 44 ff.).  

3.1. Was den eingeklagten Tatbestand anbelangt, so sind im angefochtenen 

Entscheid die rechtlichen Grundlagen betreffend Gewalt und Drohung gegen Be-

hörden und Beamte (Art. 285 StGB) korrekt aufgeführt (Urk. 56 S. 83 f.). In An-

wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO kann deshalb an dieser Stelle vorab grundsätz-

lich darauf verwiesen werden. Ergänzend dazu ist allerdings zu bemerken, dass 

- 29 -

nach wohl herrschender Lehre und Praxis für die in Art. 285 StGB genannte Ge-

walt eine gewisse Intensität der physischen Einwirkung vorausgesetzt wird, wobei 

insbesondere auch das Geschlecht, die Konstitution und die Erfahrung der Amts-

person zu berücksichtigen sind und etwa bei Polizisten die Grenze höher anzuset-

zen ist. In jedem Fall bedarf es der eindeutigen, aggressiven Einwirkung auf den 

Amtsträger, wobei eine Gesamtwürdigung der Umstände vorgenommen werden 

muss, gerade etwa bei der Situation einer Festnahme. So hat das Bundesgericht 

bei Angriffen gegen Polizisten in Form eines versuchten Faustschlags ins Gesicht 

oder eines versuchten Kopfstosses Gewalt bejaht. Aus der kantonalen Praxis 

stammen zudem Beispiele wie blutend Kratzen oder die Verabreichung eines Ell-

bogenschlags ins Gesicht mit Schürfungen (zum Ganzen: Annotierter Kommentar 

StGB-MIGNOLI, Art. 285 StGB N 10 m.w.H.). Dagegen hat das Bundesgericht 

selbst massive Gegenwehr durch einen um sich schlagenden und tretenden Täter 

nur unter die Tatbestandsvariante der Tätlichkeiten subsumiert (Urteil Bundesge-

richt 6B_708/2009 vom 14. Dezember 2009 E. 2.2 ff.). Und auch bei einem leich-

ten Gerangel mit Polizisten hat das Bundesgericht keine Gewalt im Sinne von 

Art. 285 StGB angenommen (Urteil Bundesgericht 6B_659/2013 vom 4. Novem-

ber 2013 E. 1.2). 

3.2. Der Beschuldigte hat sich zwar mit einer gewissen Heftigkeit gegen den 

Escortgriff des Polizeibeamten J._____ sowie gegen das anschliessende, unter 

Mithilfe des zur Verstärkung hinzugekommenen Kollegen K._____ erfolgte Zu-Bo-

den-bringen und das Anlegen der Handschellen zur Wehr gesetzt. Es handelte 

sich dabei aber in dieser Phase eher um den Versuch, sich aus der polizeilichen 

Anhaltung herauszuwinden, denn als Angriff gegen die beiden Polizisten. Kommt 

hinzu, dass der Beschuldigte den Polizeibeamten in jeder Hinsicht unterlegen 

war. Unter diesen konkreten Umständen ist mit der Verteidigung (vgl. Urk. 77 

S. 26 f.) das nach Art. 285 StGB tatbestandsmässige Element der Gewalt nicht 

hinreichend gegeben. 

3.3. Zu untersuchen bleibt damit die auf dem Polizeiposten getätigte verbale 

Äusserung des Beschuldigten, die Polizisten sollten ihm ihre Pistolen geben, da-

mit er sie erschiessen könne. Dies stellt eine unmissverständliche Todesdrohung 

- 30 -

dar, die schwer genug ist, um eine verständige Person in der Lage der Betroffe-

nen gefügig zu machen, weshalb sie zweifellos unter den Tatbestand von Art. 285 

StGB fällt (vgl. Urteil Bundesgericht 6B_1424/2021 vom 5. Oktober 2023 E. 8.3). 

Zudem ist offenkundig, dass die drohende Äusserung darauf ausgerichtet war, die 

Polizeibeamten an der Ausübung ihrer Tätigkeit zu hindern. Dabei darf zwar nicht 

unbeachtet bleiben, dass es praktisch ausgeschlossen erscheint, dass der Be-

schuldigte an die Dienstwaffen der Polizeibeamten gelangt wäre, womit sich die 

angekündigte Übeltat realistischerweise kaum hätte verwirklichen lassen. Zudem 

zeigten sich die Polizisten von der Drohung des Beschuldigten letztlich unbeein-

druckt und setzten ihre Amtshandlungen ungehindert fort (vgl. Urk. D2/1/1 S. 4), 

weshalb eine vollendete Tatbegehung von vornherein ausscheidet. Dies ändert 

jedoch nichts daran, dass der Beschuldigte nach seiner Vorstellung alles unter-

nommen hat, um den Tatbestand von Art. 285 StGB durch Drohung zu verwirkli-

chen. Damit hat er die Schwelle zur Tatausführung eindeutig überschritten und es 

liegt gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB ein vollendeter Versuch vor. Entsprechend geht 

es an der Sache vorbei, wenn die Verteidigung geltend macht, Polizisten würden 

für den Umgang mit renitenten Personen besonders geschult, weshalb auch die 

im hier zu beurteilenden Fall involvierten Polizeibeamten durch die absurde Dro-

hung des Beschuldigten sicher nicht in Angst und Schrecken versetzt worden 

seien (Urk. 47 S. 13; Urk. 77 S. 27 f.), ist all dies doch bei einer versuchten Tatbe-

gehung im Rahmen von Art. 285 StGB nicht vorausgesetzt. 

3.4. Schliesslich kann, nachdem der Beschuldigte immerhin eine Todesdro-

hung gegen die Polizeibeamten J._____ und K._____ ausgestossen hat, von 

vornherein nicht von einem leichten Fall im Sinne von Satz 2 von Art. 285 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB in der seit dem 1. Juli 2023 geltenden Fassung gesprochen werden. 

Entsprechend hat es bei der Anwendung des zum Tatzeitpunkt geltenden Rechts 

sein Bewenden. 

4. Im Gegensatz zur Auffassung der Anklage sowie in Abänderung des Ent-

scheids der Vorinstanz ist der Beschuldigte hinsichtlich Anklagedossier 2 infolge-

dessen nicht der vollendeten, sondern der versuchten Gewalt und Drohung gegen 

- 31 -

Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

D. Vorfall vom 7. Juni 2021 (Anklagedossier 8)

1. Mit Bezug auf Anklagedossier 8 wird dem Beschuldigten ein weiteres Mal 

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte vorgeworfen, indem er am 

7. Juni 2021 während einer im Rahmen der Untersuchungshaft erfolgten Hospita-

lisierung in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich gegenüber dem mit sei-

ner Bewachung beauftragten M._____ von der Sicherheitsassistenz der Kantons-

polizei Zürich gewalttätig vorgegangen sei (Spucken und Stossen). Überdies habe 

sich der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung schuldig gemacht, sei doch 

der Polizeibeamte durch seinen Stoss rückwärts gegen die Wand geprallt, wo-

durch dieser am Kopf verwundet worden sei (Urk. D1/21/2 S. 7 f.).

2.1. Mit Blick auf die Beweiswürdigung in diesem Anklagepunkt hält die Vorin-

stanz einleitend zu Recht fest, dass die Aussagen des Beschuldigten zur Sach-

verhaltserstellung nichts beizutragen vermögen, da dieser während des gesamten 

Strafverfahrens im Wesentlichen geltend machte, er könne sich an den inkrimi-

nierten Vorfall überhaupt nicht erinnern (vgl. Urk. 56 S. 62 f.). Bei diesen Depositi-

onen blieb der Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II 

S. 24).

2.2. Ebenso legt die Vorinstanz stringent dar, dass die Erstaussagen des Ge-

schädigten M._____ nur 1 Tag nach dem eingeklagten Vorfall plausibel, in sich 

schlüssig und lebensnah ausfielen. Anzeichen von Übertreibungen, auch bezüg-

lich der entstandenen Verletzung, sind nicht vorhanden (Urk. 56 S. 64). Anders 

als von der Verteidigung geltend gemacht, ist es im Übrigen nicht so, dass der 

Beschuldigte zum Zeitpunkt des eingeklagten Vorfalls bereits Fussfesseln trug 

(Urk. 47 S. 17; Urk. 77 S. 32). Vielmehr ist die darauf Bezug nehmende Aussage 

des Geschädigten so zu verstehen, dass der behandelnde Oberarzt das so ver-

ordnet habe, weil der Beschuldigte schon mehrmals versucht habe, das Patien-

tenzimmer zu verlassen. Aus dem Kontext ergibt sich aber klar, dass sich die ärzt-

liche Anweisung, wonach dem Beschuldigten Fussfesseln angelegt werden müs-

- 32 -

sen, für die Zukunft galt, dies also zum Zeitpunkt des eingeklagten Vorfalls noch 

nicht der Fall war (vgl. dazu den entsprechenden Transportauftrag: Urk. D8/1/3). 

Zu folgen ist der Vorinstanz sodann, als sie auch den Aussagen des Geschädig-

ten anlässlich der späteren staatsanwaltschaftlichen Einvernahme als Zeugen ei-

nen hohen Wahrheitsgehalt beimisst, sind doch weder relevante Widersprüche 

gegenüber seiner ersten Einvernahme vorhanden, noch gehen daraus irgendwel-

che Aggravationstendenzen hervor (Urk. 56 S. 65). Entgegen der Auffassung der 

Verteidigung hat sich der Geschädigte dabei auch insoweit nicht widersprochen, 

als er in der Erstbefragung noch behauptet habe, sein Kollege N._____ sei mit 

ihm ins Patientenzimmer reingegangen, während er bei der Staatsanwaltschaft 

ausgeführt habe, andere Personen sollen erst dann ins Zimmer gekommen sein, 

als er vom Beschuldigten bereits angespuckt und mit dem Kopf gegen die Wand 

gestossen worden sei (vgl. Urk. 47 S. 17; Urk. 77 S. 32). Denn unmittelbar vor der 

von der Verteidigung zitierten Stelle im staatsanwaltschaftlichen Einvernahmepro-

tokoll hatte der Geschädigte noch eingeräumt, dass er nicht wisse, ob zum Zeit-

punkt, als er angespuckt und gestossen wurde, noch jemand anders im Raum an-

wesend war (Urk. D8/3/4 S. 4). Angesichts des sehr dynamischen Ablaufs des 

Geschehens und der Tatsache, dass sein Fokus in allererster Linie auf den Be-

schuldigten gerichtet gewesen sein dürfte, ist es auch nicht verwunderlich, dass 

der Geschädigte nicht genau wiedergeben kann, wer zu welchem Zeitpunkt das 

Patientenzimmer betreten hat, in dem sich das Gerangel mit dem Beschuldigten 

abspielte. Im Übrigen erhöht diese offen vorgetragene Unsicherheit des Geschä-

digten, der von sich aus zur Sprache bringt, wenn er sich an gewisse Einzelheiten 

nicht erinnern kann, noch zusätzlich die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Soweit 

die Vorinstanz zum Schluss kommt, die Aussagen des Geschädigten wirkten ins-

gesamt glaubhaft und überzeugend, ist diese Beurteilung im Berufungsverfahren 

mithin unverändert zu übernehmen. 

2.3. Ins Gewicht fällt sodann, dass die Verletzung des Geschädigten M._____ 

(linksseitige Prellung des Hinterkopfs mit 5 mm grosser Rissquetschwunde) durch 

die bei den Akten liegende Fotodokumentation wie auch durch den beim Seespi-

tal Horgen erhobenen ärztlichen Befund belegt ist (Urk. D8/1/2; Urk. D8/6/4). 

Auch diesbezüglich fügen sich die Aussagen des Geschädigten folglich nahtlos in 

- 33 -

die objektive Beweislage ein, zumal die von ihm gemachten Angaben zum Unfall-

hergang laut medizinischer Einschätzung zur dokumentierten Verletzung passen 

(Urk. D8/6/4 S. 1), wohingegen die Hypothese der Verteidigung, der Geschädigte 

könne sich diese selber beigebracht haben (Urk. 47 S. 18), angesichts der darge-

legten Umstände geradezu lebensfremd wirkt.  

2.4. Schliesslich hat sich die Vorinstanz auch mit den durchaus vorhandenen 

Widersprüchen zwischen der Sachdarstellung des Geschädigten M._____ und 

derjenigen seines Kollegen N._____, namentlich mit Blick auf die Frage, ob die 

eingeklagten Handlungen im Patientenzimmer oder ausserhalb stattfanden, aus-

führlich und in einleuchtender Weise auseinandergesetzt. Insbesondere wies die 

Vorinstanz darauf hin, dass es in Anbetracht des Umstands, dass N._____ im Ge-

gensatz zum Geschädigten von der Tat nicht direkt betroffen war, sowie ange-

sichts des Zeitablaufs von rund einem halben Jahr zwischen dem eingeklagten 

Vorfall und seiner Zeugeneinvernahme nicht erstaunt, dass Ersterer auf Nach-

frage hin mehrmals einräumen musste, sich nicht an alle Details präzise erinnern 

zu können. Zudem lassen sich gewisse weitere Abweichungen – der Kollege 

nahm kein Anspucken des Geschädigten wahr – dadurch erklären, dass ein gros-

ser Teil des Geschehens im Patientenzimmer drin während einer Phase stattge-

funden hat, in der N._____ nicht im Raum anwesend war (zum Ganzen: Urk. 56 

S. 67). Beizufügen ist, dass es sich dabei teilweise um ausgesprochene Neben-

sächlichkeiten handelt, was insbesondere auch auf die von der Verteidigung an-

gesprochenen Diskrepanzen zwischen dem Aussageverhalten des Geschädigten 

und jenem von N._____ zutrifft, etwa wenn geltend gemacht wird, Letzterer habe 

nicht gesehen, dass Ersterer den Beschuldigten aufs Bett gelegt hat, oder wenn 

geltend gemacht wird, die beiden Polizeibeamten würden unterschiedlich schil-

dern, wer daran beteiligt war, als der Beschuldigte zum Schluss auf den Boden fi-

xiert wurde (Urk. 47 S. 16 f.; Urk. 77 S. 32). 

2.5. Zusammengefast ist demgemäss in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

festzuhalten, dass basierend auf den Aussagen des Geschädigten M._____, die 

sich in den wesentlichen Punkten mit dem übrigen Untersuchungsergebnis de-

cken, keine unüberwindbaren Zweifel daran bestehen, dass sich der inkriminierte 

- 34 -

Vorfall vom 7. Juni 2021 so abgespielt hat, wie er in der Anklageschrift umschrie-

ben ist. 

3.1. Die von der Vorinstanz gestützt auf den erstellten Sachverhalt vorgenom-

mene rechtliche Würdigung ist zutreffend und bedarf keiner wesentlichen Ergän-

zung. Wiederum ist der Präzisierung halber lediglich festzuhalten, dass kein einfa-

cher Fall im Sinne von Satz 2 des revidierten Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vorliegt, 

nachdem der Beschuldigte den Geschädigten M._____ nicht nur angespuckt, 

sondern diesen immerhin auch so heftig gegen die Wand gestossen hat, dass da-

bei eine blutende Wunde am Hinterkopf verursacht wurde. Es bleibt daher bei der 

Anwendung der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung von Art. 285 StGB. Das-

selbe gilt im Übrigen auch für den Tatbestand der einfachen Körperverletzung 

(Art. 123 Ziff. 1 StGB), bei dem das neue Recht ebenfalls nicht milder ist. Ebenso 

ist diesbezüglich zu berücksichtigen, dass der erforderliche Strafantrag vom Ge-

schädigten form- und fristgerecht gestellt wurde (Urk. D8/5/1). 

3.2. Der Beschuldigte ist daher betreffend Anklagedossier 8 auch zweitin-

stanzlich der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von 

Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB sowie der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB schuldig zu sprechen. 

E. Vorfall vom 8./9. März 2020 (Anklagedossier 4)

1. Gemäss Anklagedossier 4 soll der Beschuldigte schliesslich fahrlässig 

eine Feuersbrunst verursacht haben, indem er am 9. März 2020 (nicht 2021, wie 

dies irrtümlicherweise in der Anklageschrift angegeben ist) seine damalige Woh-

nung in O._____ SZ verlassen habe, ohne sich zu versichern, dass alle Zigaret-

tenkippen vollständig erlöscht waren, was dazu geführt habe, dass sich ein Brand 

entwickelt habe, der von der ausgerückten Feuerwehr habe gelöscht werden 

müssen (Urk. D1/21/2 S. 7 f.).

2.1. Der Tatvorwurf basiert primär auf dem Bericht des Kriminaltechnischen 

Diensts der Kantonspolizei Schwyz (KTD) vom 9. April 2020 (Urk. D4/1/2). Dies-

bezüglich wendet die Verteidigung zunächst ein, es handle sich nicht um ein Gut-

- 35 -

achten, weshalb der Bericht keine Beweiskraft habe (Urk. 47 S. 14; Urk. 77 

S. 28). Dabei verkennt sie freilich, dass es gemäss Art. 306 Abs. 2 lit. a StPO zu 

den polizeilichen Aufgaben gehört, tatrelevante Beweismittel sicherzustellen und 

auszuwerten. Zu diesem Zweck hat die Polizei im Ermittlungsverfahren die Kom-

petenz, Spezialdienste wie eine forensische Fachstelle, ein spezialisiertes Labo-

ratorium für die DNA-Analyse oder eben die Brandermittlung beizuziehen, bei de-

nen meist naturwissenschaftlich-technische Forensiker resp. Unfall- oder Krimi-

naltechniker als sachverständige Personen tätig sind (ARNOLD, Weitere Gedanken 

zur Auftragserteilung im Strafverfahren in: forumpoenale 6/2020 S. 468). Insoweit 

handelt es sich bei der genannten Bestimmung um eine Spezialnorm zu Art. 182 

StPO, welcher Gutachtensaufträge üblicherweise der Staatsanwaltschaft und den 

Gerichten vorbehält (vgl. Urteil Bundesgericht 6B_1078/2020 vom 26. Oktober 

2022 E. 4.5 m.w.H. betr. eine DNA-Analyse). Dass vorliegend zur Aufklärung des 

in Frage stehenden Vorwurfs die Ermittlung der Brandursache an sich nicht ange-

zeigt gewesen sein soll, macht die Beschuldigtenseite denn auch zu Recht nicht 

geltend. Im Übrigen wurde der aktenkundige Brandfallbericht des KTD durch 

sachverständige Mitarbeitende nach wissenschaftlichen Kriterien verfasst, sodass 

ohne weiteres (und namentlich ohne spezifische personenbezogene Vorbehalte, 

welche vorliegend von keiner Seite vorgebracht wurden) gestützt auf die Fach-

kompetenz und die Einbindung in die Spezialdienste davon ausgegangen werden 

kann, dass bei dessen Erstellung mit der erforderlichen Sachlichkeit und Neutrali-

tät vorgegangen wurde. Zudem werden die Erkenntnisse anhand nachvollziehba-

rer Methoden, logischer Schlüsse und teilweise auch fotografisch dokumentiertem 

Bildmaterial dargelegt. Auch wenn der KTD-Bericht nicht aufgrund eines förmli-

chen Gutachtensauftrags nach Art. 182 ff. StPO ergangen ist, weshalb es sich 

nicht um ein eigentliches Gutachten handelt (Urteil Bundesgericht 6B_619/2014 

vom 4. November 2014 E. 1.5), ändert dies also nichts an dessen Beweistauglich-

keit und es kommt ihm ein sehr hoher Beweiswert zu.

2.2. Inhaltlich besticht der Brandschutzbericht des KTD durch Anschaulichkeit 

und Schlüssigkeit. Darin wird nach der fachüblichen Eliminationsmethode verfah-

ren, d.h. es werden vorab alternative Brandursachen (natürliche bzw. chemische 

oder biologische Ursachen, aber auch Selbstentzündung, technische Brandursa-

- 36 -

chen sowie sonstige Feuer-, Licht- und Wärmequellen) untersucht und nach und 

nach ausgeschlossen (Urk. D4/1/2 S. 15). Aufgrund der Brandspuren, namentlich 

der zurückgebliebenen Russ- und Rauchgasniederschläge (Urk. D4/1/2 S. 10 f.) 

sowie der grossflächigen Brandauszehrung auf der Oberseite der Bettmatratze 

(Urk. D4/1/2 S. 12 f.) konnte die Brandausbruchstelle am ehesten dort lokalisiert 

werden (Urk. D4/1/2 S. 15). Zudem fanden sich auf dem Beistelltisch unmittelbar 

neben dem Bett mehrere Zigarettenkippen (Urk. D4/1/2 S. 14), die – sofern sie 

nicht vollständig gelöscht und abgekühlt sind – in Kontakt mit brennbaren Materi-

alien als Entzündungsquelle für einen Wohnungsbrand ausreichen, wobei in der 

Regel vorerst ein Glimmbrand entsteht und sich der eigentliche Flammenbrand 

erst mit zeitlicher Verzögerung entwickelt (Urk. D4/1/2 S. 15). Nach Massgabe 

des gegenwärtigen Wissensstands und der getätigten Ermittlungen, der Interpre-

tation der Brandspuren und der Berücksichtigung der Aussagen, wonach der Be-

schuldigte die Haustüre beim Verlassen der Wohnung abgeschlossen hatte 

(Urk. D4/1/2 S. 15), kommt der kriminaltechnische Spezialdienst letztlich zum 

nachvollziehbaren Schluss, dass als Brandursache der unsachgemässe Umgang 

mit Raucherwaren im Vordergrund steht (Urk. D4/1/2 S. 16). Auch wenn der KTD-

Bericht – wie von der Verteidigung ausgeführt (Urk. 47 S. 14 f.; Urk. 77 S. 29) – 

teilweise verunglückte Konjunktivformulierungen enthält, lässt sich bei gesamthaf-

ter Betrachtung des Brandfallberichts daraus vernünftigerweise letztlich doch ein-

zig ableiten, dass es ein liegengelassener und offenkundig nicht vollständig abge-

löschter Zigarettenstummel war, der in Kontakt mit der Bettmatratze kam und so 

im Verlauf des Vormittags vom 9. März 2020 den Wohnungsbrand entfachte. 

2.3. Darüber hinaus hat bereits die Vorinstanz richtigerweise festgestellt, dass 

den Erkenntnissen des KTD-Brandfallberichts auch die Aussagen des Beschul-

digten nicht entgegengesetzt werden können (Urk. 56 S. 53 ff.). Glaubhaft sind 

dessen Angaben nämlich nur, soweit sie bestätigen, dass ausser ihm niemand 

sonst Zugang zu seiner damaligen Wohnung hatte (vgl. Urk. D4/2/1 S. 2 f.; 

Urk. D4/2/3 S. 10; Urk. 43 S. 7) und dass er ein starker Raucher ist, der für ge-

wöhnlich bis zu zwei Zigarettenpackungen pro Tag verbraucht (Urk. D4/2/1 S. 5), 

handelt es sich doch dabei um generelle Angaben, über die man sich in der Regel 

auch bei Auftreten psychiatrischer Krankheitssymptome nicht irrt. Bezeichnend ist 

- 37 -

sodann, dass der Beschuldigte angegeben hat, seine Zigaretten üblicherweise in 

ein leeres Kerzenglas auszulöschen, mit Bezug auf den Vorabend des eingeklag-

ten Vorfalls (d.h. am 8. März 2020) jedoch einräumen musste, dass das von ihm 

als Aschenbecher verwendete Glas voll gewesen sei, weshalb er es im Abfallsack 

entsorgt habe und die restlichen Zigaretten, die er damals geraucht habe, auf 

dem gläsernen Beistelltisch neben dem Bett ausgedrückt habe (vgl. Urk. D4/2/1 

S. 6 f.), was im Übrigen auch mit dem Bildmaterial übereinstimmt, das nach dem 

Brand in der Wohnung angefertigt wurde (Urk. D4/1/2 S. 14). Nicht gefolgt werden 

kann dem Beschuldigten hingegen, als er sich darauf kapriziert, wiederholt gel-

tend zu machen, dass er am Morgen des 9. März 2020, als es zum Brand gekom-

men ist, keine Zigarette geraucht habe, da ihm das Geld gefehlt habe, um sich 

welche zu kaufen (vgl. Urk. D4/2/1 S. 4 f., S. 6, S. 11; Urk. 43 S. 8). Auch anläss-

lich der Berufungsverhandlung blieb er dabei, sich genau daran zu erinnern, dass 

er an jenem Morgen nicht geraucht habe (Prot. II S. 23). So fällt diesbezüglich 

zum einen auf, dass er bei seiner Erstbefragung vom 18. März 2020 keine auch 

nur rudimentären Angaben machen konnte, was er am besagten Morgen gefrüh-

stückt hatte oder ob das Ladekabel für die Lautsprecherbox eingesteckt war, als 

er die Wohnung verliess (Urk. D4/2/1 S. 3 f.), sich trotzdem aber 9 Tage nach 

dem eingeklagten Vorfall noch genau daran erinnern will, dass er an jenem Vor-

mittag entgegen seinen Gewohnheiten (Urk. D4/2/1 S. 4) keine Zigarette geraucht 

hat, nachdem er aufgestanden war. Zum anderen entbehrt die Argumentation des 

Beschuldigten auch einer inneren Logik, schilderte dieser doch, dass er am Vor-

abend in einer Bar in O._____ noch vier Zigaretten gekauft und Marihuana ge-

raucht habe (Urk. D4/2/1 S. 5), wobei er den Joint von jemandem bekommen 

habe, der damals bei ihm in der Wohnung zu Besuch war (Urk. D4/2/1 S. 9 f.), 

wohingegen auf den Aufnahmen des KTD-Berichts deutlich zu sehen ist, dass 

nicht weniger als 17 Zigarettenkippen auf dem Beistelltisch verstreut sind 

(Urk. D4/1/2 S. 14). Dies beweist, dass um das eingeklagte Zeitfenster herum 

deutlich mehr Zigaretten verfügbar waren, als der Beschuldigte dies glauben las-

sen will. Wenn er am Morgen des 9. März 2020 kein Geld mehr hatte, um sich 

neue Zigaretten zu kaufen, bedeutet dies also keineswegs, dass er nicht noch 

eine vom Vorabend hätte übrig haben können, die er nach dem Aufstehen noch 

- 38 -

geraucht hat (so auch die Vorinstanz: Urk. 56 S. 56). Aufhorchen lässt schliess-

lich, dass der Beschuldigte die Wohnung am besagten Vormittag verliess, um sich 

nach P._____ SZ zur Polizei zu begeben, wo er wirre Aussagen zu Putin, Trump, 

Erdogan und einem Flugzeugabsturz in Äthiopien deponierte, für den er sich als 

verantwortlich bezeichnete (vgl. Urk. D4/1/1 S. 5; vgl. auch Prot. II S. 22 f.). Nach-

gewiesen ist zudem, dass der Beschuldigte zum damaligen Zeitpunkt unter dem 

Einfluss von Metamphetamin und Cannabis stand (Urk. D4/3/1 S. 2). Es ist daher 

naheliegend, dass er infolge seines verwirrten Zustands und des nachwirkenden 

Substanzgebrauchs eine Zigarette unausgelöscht liess, als er am 9. März 2020 

seine Wohnung verliess. Sein Einwand, dass er mit dem Brand nichts zu tun ge-

habt haben könne, da er zum besagten Zeitpunkt auf der Polizeistation in 

P._____ gewesen sei (Prot. II S. 23), geht deshalb unter Verweis auf vorstehende 

Erwägungen fehl, hält doch der KTD-Brandfallbericht explizit fest, dass sich in ei-

nem solchen Szenario, wie es anzunehmen sei, ein eigentlicher Flammenbrand 

erst mit zeitlicher Verzögerung entwickle (Urk. D4/1/2 S. 15). Der Anklagesach-

verhalt ist daher auch unter Berücksichtigung der Aussagen des Beschuldigten 

rechtsgenügend erstellt. 

3. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung ist nicht zu beanstanden, wenn die 

Vorinstanz das Verhalten des Beschuldigten unter Anklagedossier 4 als fahrläs-

sige Verursachung einer Feuersbrunst qualifiziert (Urk. 56 S. 86 ff.). Allerdings 

wurde auch diese Strafnorm (Art. 222 Abs. 1 StGB) mit Wirkung auf den 1. Juli 

2023 revidiert und sieht neu im Gegensatz zum bisherigen Recht nicht mehr ei-

nen Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe, sondern le-

diglich noch Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder Geldstrafe vor. In Anwendung des 

in Art. 2 Abs. 2 StGB verankerten Lex-mitior-Prinzips kommt demnach als milde-

res Recht die aktuell geltende Fassung zur Anwendung.

F. Fazit

Schlussfolgernd ergibt sich, dass der Beschuldigte zusätzlich zu seiner Verurtei-

lung wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte in Anklagedos-

sier 9, Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit (Anklagedossier 6) und mehrfa-

- 39 -

cher Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes (Anklagedossiers 3 und 5) 

zweitinstanzlich der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB (Ankla-

gedossier 1), nochmals der vollendeten sowie der versuchten Gewalt und Dro-

hung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB in 

den Anklagedossiers 2 und 8, der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB (Anklagedossier 8), der Störung von Betrieben im 

Dienste der Allgemeinheit im Sinne von Art. 239 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklagedos-

sier 7) sowie der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst im Sinne von 

Art. 222 Abs. 1 StGB (Anklagedossier 4) schuldig zu sprechen ist. 

IV. Sanktion

A. Ausgangslage

1. Die Vorinstanz fällte eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 10 Monaten 

sowie eine unbedingte Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu Fr. 10.– aus. Daneben 

sprach sie eine separate Übertretungsbusse von Fr. 200.– aus, bei Ansetzung ei-

ner Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung 

(Urk. 56 S. 94 ff.). Schliesslich verlängerte sie die Probezeit für eine frühere, mit 

Urteil des Strafgerichts des Kantons Schwyz vom 7. Juli 2017 ausgefällte be-

dingte Geldstrafe um 1 Jahr (Urk. 56 S. 92 ff.). Appellationsweise fordert der Be-

schuldigte eine Freiheitsstrafe von 7 Monaten sowie eine Geldstrafe von 30 Ta-

gessätzen zu Fr. 10.–. Für den Fall der Bestätigung der vorinstanzlichen Schuld-

sprüche lässt er eventualiter eine Freiheitsstrafe von maximal 26 Monaten und 

eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu Fr. 10.– beantragen. Zur Verlängerung 

der Probezeit äussert er sich hingegen nicht (Urk. 57; Urk. 77 S. 1 f., S. 33 ff.). 

2. Im Berufungsprozess anerkennt der Beschuldigte, der als einziger ein 

Rechtsmittel ergriff, die im angefochtenen Entscheid festgelegte Höhe der separat 

auszufällenden Busse wie auch die darin vorgesehene Vollzugsregelung (so aus-

drücklich in Urk. 57 S. 2 und Urk. 77 S. 2; vgl. auch Urk. 47 S. 26). Sowohl zur 

Bussenbemessung wie auch zum Vollzug derselben hat die Vorinstanz zudem 

das Nötige ausgeführt (Urk. 56 S. 96, S. 111, S. 115 f.), weshalb sich weitere Er-

- 40 -

örterungen dazu erübrigen. Demgemäss ist der Entscheid der Vorinstanz in die-

sem Punkt (Busse von Fr. 200.– bei Ansetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 

2 Tagen im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung) zu bestätigen. 

3. Sodann blieb die vorinstanzlich angeordnete Verlängerung der Probezeit 

hinsichtlich der bedingten Geldstrafe aus dem Jahr 2017 allseits unangefochten, 

sodass die entsprechende Dispositivbestimmung im Urteil der ersten Instanz 

(Ziff. 2) für rechtskräftig zu erklären ist (s. dazu vorn Erw. II. 1.2.). 

B. Grundsätze der Strafzumessung

Mit Blick auf die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB kann vorab 

auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 56 

S. 94 ff.). Im Übrigen hat das Bundesgericht diese Grundsätze und die an sie ge-

stellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt (statt vieler: BGE 136 IV 

55 E. 5.4 ff. m.w.H.). Entsprechendes gilt für die Bildung einer Gesamtstrafe in 

Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB (BGE 144 IV 313 E. 1.1; 141 IV 61 E. 6.1.2).

C. Strafart

1. Was die Wahl der Strafart anbelangt, sprach die Vorinstanz mit Aus-

nahme des Verstosses gegen Art. 261 StGB (Störung der Glaubens- und Kultus-

freiheit), dessen Strafrahmen ausschliesslich eine Geldstrafe vorsieht, eine Ge-

samtfreiheitsstrafe aus (Urk. 56 S. 97 f.). 

2. Richtig ist, dass für das schwerste Delikt, die Gefährdung des Lebens 

nach Art. 129 StGB, bereits aufgrund der verschuldensmässigen Schwere einzig 

ein Strafmass in Frage kommt, bei dem nur eine Freiheitsstrafe ausgefällt werden 

kann. Hinsichtlich der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-

amte (Art. 285 aStGB) ist sodann zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte dies-

bezüglich gleich dreimal innerhalb eines Zeitraums von weniger als 4 Monaten 

straffällig geworden ist. Angesichts dieser kontinuierlichen und gleichartigen De-

linquenz ist mithin auch dafür von vornherein einzig eine Freiheitsstrafe in Be-

tracht zu ziehen (vgl. Urteil Bundesgericht 6B_93/2022 vom 24. November 2022 

- 41 -

E. 1.3.5). Aufgrund der eng damit verbundenen Gewaltkomponente gilt dies über-

dies auch für die begangene einfache Körperverletzung zum Nachteil des Polizei-

beamten M._____ (Art. 123 Ziff. 1 aStGB). 

3. Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz hingegen, als sie für die übrigen 

Delikte, der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst (Art. 222 Abs. 1 StGB) 

und der Störung von Betrieben im Dienste der Allgemeinheit (Art. 239 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB), ebenfalls eine Freiheitsstrafe ausgefällt hat. Zwar verfügt der Be-

schuldigte über zwei Vorstrafen aus dem Jahr 2016 und 2017 wegen Drohung, 

Beschimpfung und sexueller Nötigung, für die er jeweils mit einer bedingten 

Geldstrafe sanktioniert wurde, wobei er bereits damals vorübergehend in Untersu-

chungshaft sass (vgl. Urk. 73). Darüber hinaus fällt der von ihm verschuldete 

Wohnungsbrand in die Probezeit der bedingten Strafe vom 7. Juli 2017 und delin-

quierte er im Rahmen des aktuellen Strafverfahrens ungeachtet des bereits eröff-

neten Strafverfahrens unbeirrt weiter. Das Verhalten des Beschuldigten hinter-

lässt daher insofern den Eindruck, als liessen ihn nicht nur die früheren strafrecht-

lichen Verurteilungen samt erstandener Haft, sondern auch die laufende Strafun-

tersuchung unbeeindruckt. Auf der anderen Seite darf jedoch nicht unbeachtet 

bleiben, dass die Vorstrafen im vorliegenden Zusammenhang nicht als einschlä-

gig einzustufen sind. Vielmehr handelt es sich bei den hier zur Beurteilung ste-

henden Delikte um Straftaten, die gegen völlig andere Rechtsgüter gerichtet sind 

(Sachbeschädigung durch Feuersbrunst bzw. öffentlicher Verkehr), wobei insbe-

sondere hinsichtlich der Verursachung des Wohnungsbrands ins Gewicht fällt, 

dass der Beschuldigte nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig gehandelt hat. Kommt 

hinzu, dass sich weder bei der einen noch bei der anderen Tat aufgrund des Ver-

schuldens ein Strafmass aufdrängen würde, das von der Höhe her die Verhän-

gung einer Geldstrafe ausschliessen würde. Entsprechend besteht auch unter 

spezialpräventiven Gesichtspunkten wie etwa der Zweckmässigkeit der Sanktion, 

deren Auswirkungen auf den Beschuldigten oder der generellen Wirksamkeit der 

Bestrafung für ihn kein Anlass, von den für die beiden Einzeldelikte alternativ zur 

Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Strafar-

ten jene auszuwählen, die ihn am härtesten trifft (BGE 147 IV 241 E. 3.2; 144 IV 

313 E. 1.1.1; 138 IV 120 E. 5.2; 134 IV 82 E. 4.1). Folgerichtig ist zusätzlich zum 

- 42 -

Delikt der Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit (Art. 261 StGB) auch für die 

Tatbestände der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst und der Störung 

von Betrieben im Dienste der Allgemeinheit eine Geldstrafe auszufällen.

D. Gesamtstrafenbildung Freiheitsstrafe

1.1. Ausgangspunkt bei der Bildung der Gesamtfreiheitsstrafe bildet die Ge-

fährdung des Lebens (Anklagedossier 1), die als schwerste Tat einen Strafrah-

men von Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe vorsieht (Art. 129 StGB). 

Entgegen der Verteidigung (Urk. 77 S. 33 f.) liegen keine aussergewöhnlichen 

Umstände vor, die es rechtfertigen würden, den ordentlichen Strafrahmen zu ver-

lassen. Entsprechend sind im Folgenden sowohl die Deliktsmehrheit und die teil-

weise Mehrfachbegehung wie auch die generell verminderte Schuldfähigkeit auf 

Seiten des Beschuldigten (s. dazu hinten Erw. IV. D. 1.2.2.) innerhalb der angege-

benen Bandbreite von Art. 129 StGB straferhöhend resp. strafmindernd zu be-

rücksichtigen. 

1.2.1. Bei der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte die 

Lebensgefahr für die ihm völlig unbekannte Privatklägerin 4 (D._____) gleichsam 

aus dem Nichts heraus schuf, traf die Tat doch das wehrlose Opfer absolut unvor-

bereitet. Beim Stossen der Privatklägerin 4 auf die Bahngleise handelte der Be-

schuldigte sodann mit grosser Entschlossenheit, zumal er mehrere Stossbewe-

gungen ausführen musste, bis er sie zum Stürzen brachte. Angesichts dessen, 

dass der herannahende Zug nur langsam fuhr und in einer Entfernung war, die 

eine gerade noch genügend lange Anhaltstrecke erlaubte, verblieb der Privatklä-

gerin 4 zwar die Chance, sich unabhängig von der Reaktion der Lokführer selbst 

zu retten, was ihr glücklicherweise auch gelang. Entsprechend wies sie in physi-

scher Hinsicht ausser kleineren Schürfungen am Knie und am Fussgelenk keine 

Verletzungen auf. Gleichwohl ist nicht zu verkennen, dass es mit hoher Wahr-

scheinlichkeit den Tod der Privatklägerin 4 bedeutet hätte, wenn die Lokführer die 

Zugkomposition nicht rechtzeitig angehalten hätten und gleichzeitig die Privatklä-

gerin es nicht geschafft hätte, die Gleise bis zum Eintreffen des Zugs zu verlassen 

und aufs Perron zurückzusteigen. Die vom Beschuldigten zu verantwortende Le-

- 43 -

bensgefährdung ist daher als sehr gross anzusehen und nahe einer eventualvor-

sätzlichen Tötung (mit einer Mindeststrafe von 5 Jahren Freiheitsstrafe) zu veror-

ten. Kommt hinzu, dass die Privatklägerin 4 zum Tatzeitpunkt eigentliche Todes-

ängste durchstehen musste, geriet sie doch zwischenzeitlich in Panik, weil sie be-

fürchtete, vom heranfahrenden Zug erfasst zu werden (vgl. Urk. D1/3/1 S. 4 f.; 

Urk. D1/3/3 S. 6). Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Tat bei ihr ein tiefgrei-

fendes Trauma hinterliess, das über längere Zeit hinweg zu einer starken inneren 

Verunsicherung führte und therapeutisch aufgearbeitet werden musste (Urk. 45 

S. 4 ff.). Insgesamt betrachtet wirkt das Tatverschulden des Beschuldigten mithin 

sehr schwer, sodass die hypothetische Einsatzstrafe am oberen Ende des an-

wendbaren Strafrahmens bei 54 Monaten Freiheitsstrafe anzusiedeln ist.

1.2.2. Subjektiv kann dem Beschuldigten eine über die Gefährdung hinausge-

hende Inkaufnahme einer möglichen Tötung der Privatklägerin 4 nicht nachgewie-

sen werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass einzig aufgrund der psychischen 

Ausnahmesituation, gemäss welcher es dem Beschuldigten darum ging, behördli-

che Aufmerksamkeit und Unterstützung zu erheischen, des gänzlich spontanen 

bzw. impulsiven Tatvorgehens und des Fehlens erkennbarer Umstände, die auf 

eine Tötungsabsicht hindeuten, rechtserhebliche Zweifel daran bestehen, dass er 

den Tod der Privatklägerin 4 in Kauf nahm. Da die vorsätzliche Lebensgefährdung 

mithin nahe am Eventualvorsatz des Tötungsdelikts lag, vermag die subjektive 

Tatkomponente die objektive Tatschwere nicht zu relativieren. Verschuldensmin-

dernd ist demgegenüber zu veranschlagen, dass gemäss psychiatrischem Gut-

achten die Handlungsimpulse beim Beschuldigten mit einer krankheitsbedingt ver-

stärkten Affektivität verbunden sind. Infolge der dadurch verursachten erheblichen 

Verzerrung der Wahrnehmung, Interpretation und Handlungsplanung war seine 

Steuerungsfähigkeit hinsichtlich motivationaler Aspekte zum Tatzeitpunkt klar her-

abgesetzt, weshalb bei ihm eine schwer verminderte Schuldfähigkeit anzunehmen 

ist (Urk. D1/10/62 S. 64 f.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ver-

bleibt bei einem objektiv sehr schweren Verschulden auch unter Berücksichtigung 

einer hochgradigen Einschränkung der Schuldfähigkeit ein leichtes bis mittel-

schweres Verschulden (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.6; Urteile Bundesgericht 

6B_1177/2018 vom 9. Januar 2019 E. 2.2; 6B_1297/2015 vom 22. März 2017 

- 44 -

E. 5.3.2 m.w.H.). Damit resultiert nach der subjektiven Tatkomponente ein auf 

zwei Drittel herabgesetztes Strafmass bzw. eine Einsatzstrafe von 36 Monaten 

Freiheitsstrafe.

2.1.1. Hinsichtlich der versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden und 

Beamte (Anklagedossier 2) ist zu beachten, dass der Beschuldigte am 21. Fe-

bruar 2021 gegenüber den Luzerner Polizeibeamten J._____ und K._____ eine 

Todesdrohung ausgesprochen hat, mithin ihnen das schwerstmögliche Übel in 

Aussicht gestellt hat. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz hat der Beschul-

digte dabei nicht mit Eventualvorsatz, sondern direktvorsätzlich gehandelt 

(Urk. 56 S. 107 f.), wenn auch letztlich offenbleiben muss, was er sich von seiner 

sinnlosen Aktion versprach. Ebenso vermag der Umstand, dass die Tat im Ver-

suchsstadium geblieben ist, lediglich eine marginale Strafreduktion zu bewirken. 

Erheblich strafmindernd ist hingegen die bereits erwähnte stark verminderte 

Schuldfähigkeit zu veranschlagen. Isoliert betrachtet wäre die Sanktion innerhalb 

des anwendbaren Strafrahmens von Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Gelds-

trafe (Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB) deshalb auf 2 Monate Freiheitsstrafe festzule-

gen. 

2.1.2. Mit Bezug auf die praktisch identisch gelagerten Vorfälle vom 7. und 

9. Juni 2021 (Anklagedossiers 8 und 9) ist sodann zu berücksichtigen, dass die 

Taten des Beschuldigten gegen jene Polizeibeamten gerichtet waren, deren Auf-

gabe darin lag, ihn während der im Rahmen der Untersuchungshaft erfolgten 

Hospitalisierung in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich am Verlassen des 

Patientenzimmers zu hindern. Dabei spuckte der Beschuldigte die Polizisten 

M._____ und Q._____ an und setzte sich jeweils tätlich gegen das Zurückbringen 

ins Patientenzimmer zur Wehr. Infolge des körperlichen Angriffs des Beschuldig-

ten waren die Polizeibeamten der Gefahr ausgesetzt, sich zu verletzen, was im 

Falle des Geschädigten M._____ denn auch geschah. Zudem erscheint das Spu-

cken ins Gesicht für die Polizisten – gerade auch vor dem Hintergrund der damals 

herrschenden Pandemiesituation – als äusserst ekelhaft. In subjektiver Hinsicht 

handelte der Beschuldigte in beiden Fällen direktvorsätzlich. Letztlich war er wohl 

frustriert darüber, dass er das Patientenzimmer nicht verlassen durfte und die Po-

- 45 -

lizeibeamten ihn in Wahrnehmung ihrer Dienstaufgaben immer wieder zurückwie-

sen, was selbstredend ein nichtiges Tatmotiv darstellt. Andererseits war seine 

Schuldfähigkeit auch hier stark vermindert, was wiederum mit einer massiven 

Strafminderung zu Buche schlägt. Unter dem Aspekt der objektiven und subjekti-

ven Tatkomponente wäre bei gesonderter Beurteilung der beiden Einzeltaten eine 

Freiheitsstrafe von jeweils 3 Monaten adäquat. 

2.1.3. Zusammengerechnet belaufen sich die Strafen für die einzelnen Tathand-

lungen unter Art. 285 aStGB demzufolge auf 8 Monate (d.h. 2 Monate für Ankla-

gedossier 2 zzgl. 3 Monate für Anklagedossier 8 und 3 Monate für Anklagedos-

sier 9). Dabei stehen diese Delikte ausser hinsichtlich der gleichbleibenden Geis-

tesverfassung des Beschuldigten in keinerlei sachlichem, zeitlichem oder perso-

nellem Zusammenhang zur Tat gegenüber der Privatklägerin 4. In Anwendung 

des Asperationsgrundsatzes rechtfertigt sich diesbezüglich also eine Erhöhung 

der Einsatzstrafe für das Hauptdelikt um 6 Monate. 

2.2.1. Was das Verschulden hinsichtlich der einfachen Körperverletzung zum 

Nachteil des Polizeibeamten M._____ anbelangt (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB), 

so erfolgte diese im Verlaufe des Gerangels, welches schon Gegenstand von An-

klagedossier 8 bildet. Die vom Geschädigten erlittene Läsion – eine Hinterkopf-

prellung mit oberflächlicher Rissquetschwunde – ist innerhalb der unter dem ge-

nannten Straftatbestand möglichen Verletzungsformen zwar als eher leicht zu be-

zeichnen, war doch weder eine spezielle medizinische Behandlung notwendig, 

noch erforderte die Wundheilung längere Zeit. Aus Sicht des Geschädigten hätten 

die Folgen bei einem derart massiven Aufschlagen des Kopfes an die Wand, wie 

dies der Beschuldigte mit seinem Stoss verursacht hatte, allerdings auch gravier-

ender ausfallen können. Als Tatmotiv ist unter Verweis auf die soeben getroffenen 

Erwägungen zum Tatbestand von Art. 285 aStGB wiederum der mutmassliche 

Frust darüber zu nennen, dass der Beschuldigte am Verlassen des Patientenzim-

mers gehindert wurde. Zudem ist anzufügen, dass der Beschuldigte hinsichtlich 

des Zufügens der Verletzungen mit blossem Eventualvorsatz handelte und dass 

auch hier infolge seiner stark verminderten Schuldfähigkeit eine substanzielle 

Strafminderung greift. 

- 46 -

2.2.2. Isoliert betrachtet wäre die Sanktion für die einfache Körperverletzung ge-

genüber dem Polizeibeamten R._____ bei 3 Monaten anzusiedeln gewesen. Auf-

grund des engen Konnexes zum übrigen Tatvorgehen, welches unter Anklage-

dossier 8 eingeklagt ist, rechtfertigt sich unter dem Blickwinkel des Asperations-

grundsatzes eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 1 Monat. Insgesamt beträgt die 

Asperation für die Nebendelikte mithin 7 Monate (6 Monate für die mehrfache, teil-

weise versuchte Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zzgl. 1 Monat 

für die einfache Körperverletzung).

2.3. Aus der Strafbemessung hinsichtlich der Haupttat (36 Monate) und der 

Asperation bezüglich der Nebendelikte (7 Monate) resultiert demgemäss unter 

dem Gesichtspunkt der Tatkomponente eine Einsatzstrafe von zusammengerech-

net 43 Monaten. 

3.1. Mit Bezug auf die Täterkomponente hat die Vorinstanz die Lebensge-

schichte des heute 30-jährigen Beschuldigten eritreischer Herkunft zutreffend zu-

sammengefasst. Um Wiederholungen zu vermeiden kann an dieser Stelle vollum-

fänglich darauf verwiesen werden (Urk. 56 S. 113 f.), wobei der Beschuldigte an-

lässlich der Berufungsverhandlung korrigierend angab, nicht fünf Brüder und vier 

Schwestern, sondern fünf Schwestern und vier Brüder zu haben (Prot. II S. 8). Zu 

wiederholen ist im Übrigen, dass der Beschuldigte Ende 2014 aus Eritrea flüch-

tete und im Jahr 2015 in die Schweiz kam. Hierzulande verfügt er inzwischen über 

eine Aufenthaltsbewilligung B (Prot. II S. 8 ff.). An der Berufungsverhandlung hat 

er zu seinen persönlichen Verhältnissen sodann ergänzt, dass er sich nach wie 

vor im vorzeitigen Massnahmenvollzug in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden 

befindet. Dort werde er medikamentös behandelt und besuche verschiedenste 

Therapien. Es gefalle ihm und gehe ihm heute viel besser. Er könne seinen Auf-

enthalt in der Schweiz das erste Mal wirklich wahrnehmen und auch geniessen 

(Prot. II S. 11 f.; Urk. 67/2 S. 5; vgl. dazu auch Urk. 67/1 und Urk. 74). Ferner 

machte er ausführliche Angaben zu seiner Zeit im eritreischen Militärdienst. Na-

mentlich hielt er fest, dass er im Alter von 11 Jahren das erste Mal mit den eritrei-

schen Behörden in Kontakt gekommen und eingesperrt worden sei. Nach seiner 

Entlassung sei er zur militärischen Ausbildung nach S._____ in die Wüste ge-

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schickt worden. Anschliessend sei er ein Mitglied der militärischen Behörden ge-

wesen und habe von 2006 bis 2014 Militärdienst leisten müssen. Als Soldat sei er 

in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt worden: Er habe mit schweren Waf-

fen Wache halten, habe Materialien tragen und Häuser bauen müssen, habe ge-

holfen, Strassen zu reparieren und habe in einer Firma für Mineraliengrabungen 

gearbeitet. In eigentliche Kriegshandlungen sei er nicht involviert gewesen, jedoch 

habe er viel Folter erlebt und tote Menschen sehen müssen. Beispielsweise sei 

eines Tages ein Soldat durchgedreht und habe zu schiessen begonnen. Er habe 

einen Kollegen, der verschossen worden sei, als Schutzschild nehmen können 

und sei deshalb verschont geblie