# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4332713d-d5f8-54e9-992e-19a5d12cb270
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-20
**Language:** de
**Title:** Keine verlässlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit angestammt und angepasst, Hausarzt- sowie RAD-Bericht genügen nicht. Rückweisung
**Docket/Reference:** IV.2018.00497
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00497.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00497
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
20. September 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwältin Kathrin Hohler, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1972, war
bis Mai 2009
als Raumpflegerin tätig (
Urk.
7/13) und meldete sich am
5.
Oktober 2009 wegen Knie- und Hüft
problemen bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/9). Die Sozialversiche
rungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklä
rungen und veranlasste eine orthopädische Begutachtung (Gutachten vom 1
9.
April
2010;
Urk.
7/22).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/33-34) verneinte die IV-Stelle mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 1
0.
Januar 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 0
%
einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
7/42).
Am 2
0.
Juni 2017 (
Urk.
7/48) meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung an.
Die IV-Stelle tätigte medizinische Abklärungen und ver
neinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/70;
Urk.
7/80;
Urk.
7/82)
mit Verfügung vom 2
3.
April 2018 einen
Leistungsanspruch
(
Urk.
7/85 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
3.
April 2018 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 2
5.
Mai 2018 Beschwerde mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Rückwei
sung der Sache zur weiteren Abklärung (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Juni 2018 die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am
3.
Juli 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
lie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuan
mel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist;
sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbe
grün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
de
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl
massgeblichen
(hypothetischen) Sachverhalts bestehen
(BGE
144 I 28 E. 2.2,
130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des
aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Es liege keine dauerhafte Einschränkung im Sinne des Gesetzes vor. Dem Einwand der Beschwerdeführerin folgend sei die Qualifikation auf zu 100
%
e
rwerbstätig zu ändern. Eine kurzzeitige Verschlechterung sei nicht ausge
schlossen. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei sicherlich derart beeinträchtigt, dass ihr die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar
sei
. Jedoch sei mit gewissen
zumutbaren
Anstrengungen ei
ne deutliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes und damit der Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Eine leidens
angepasste Tätigkeit, die vorwiegend sitzend und wechselbelastend sein müsse, sei zu 100
%
möglich (S. 1-2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen (
Urk.
1), der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) sei ohne Begründung von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen (S. 4 unten). Ihr Gesundheitszustand habe sich seit 2010 stark verschlechtert. Gemäss Beurteilung ihres Hausarztes sei sie angepasst möglicherweise zu 50
%
arbeitsfähig, jedoch noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Ihre Arbeitsunfähigkeit sei somit nach wie vor unklar. Dennoch habe die Beschwerdegegnerin keine w
eiteren Abklärungen veranlasst (S. 8). Die ange
nommene Verbesserung sei nicht nachvollziehbar. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie Anspruch auf eine Rente habe (S. 9). Die Beschwerdegegnerin habe gegen ihre Abklärungspflicht verstossen (S. 10).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand und die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin seit der letzten Verfügung vom 1
0.
Januar 2011
anspruchsrelevant verände
rt haben (vgl. vorstehend E. 1.3-1.4)
.
Dabei ist
festzu
halten
, dass mit der Änderung der Qualifikation
von bislang teilerwerbstätig (vgl.
Urk.
7/42)
auf 100
%
erwerbstätig (
Urk.
2 S. 1)
ein Revisionsgrund ausgewiesen ist (vgl. vorstehend E. 1.4
).
3.
3.1
Der rentenverneinenden Verfügung vom 1
0.
Januar 2011 (
Urk.
7/42) lag im Wesentlichen das Gutachten von
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt für ortho
pädische Chirurgie, vom 1
9.
April 2010 zugrunde (
Urk.
7/22; vgl.
Urk.
7/31/4).
Dr.
Y.___
stellte nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer Untersuchung folgende Diagnosen (S. 6):
-
symptomatisches
femoro-acetabuläres
Impingement
-Syndrom mit Labrum-Läsion beidseits (2008)
-
allgemeine
Bandlaxität
(seit vielen Jahren)
-
Dekonditionierung
der Rumpfmuskulatur (seit einigen Jahren)
-
Status nach vorübergehenden belastungsabhängigen Knieschmerzen rechts
(2009)
-
psychosoziale Belastungssituation
(seit 2006)
In der angestammten Tätigkeit im Reinigungsdienst bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
In einer bestmöglich angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 75
%
arbeitsfähig, sofern es sich um eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit
handle, die vornehmlich in Wechselbelastung ausgeübt werde, ohne länger dau
ernde vornüber geneigte Haltung, ohne asymmetrische Lasteneinwirkung und ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten (S. 6).
3.2
Der erneuten Anmeldung vom 2
0.
Juni 2017 (
Urk.
7/48) lagen
im Wesentlichen
die folgenden Arztberichte zugrunde: Die Ärzte der
Z.___
, Orthopädie, stellten mit Bericht vom 3
0.
Oktober 2014 (
Urk.
7/51/18-19) folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
Tendinopathie
der Hüftabduktoren links mit und bei
-
beginnender sekundärer
Coxarthrose
bei
femoro-acebulärem
Impingement
-
Status nach Hüftarthroskopie mit
anterolateraler
Labrumresektion, Pfannen
randtrimmung und Kopf-/Halsübergangtaillierung rechts am 3
1.
August 2010 bei
-
femoro-acebulärem
Impingement
beidseits im Sinne eines Pfannen
randsyndroms, rechts mehr als links
-
Dekonditionierung
der Rumpfmuskulatur
-
Hypermobilitätssyndrom
Im Vergleich zur MRI-Untersuchung von 2009 zeige sich eine deutliche Pro
gre
dienz der degenerativen Veränderungen. Langfristig werde lediglich die Im
plan
tation einer Hüft-Totalprothese schmerzlindernd sein, den Zeitpunkt gelte es aber möglichst hinauszuzögern (S. 2).
3.3
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie am
A.___
stellten mit Bericht vom 2
4.
März 2016 (
Urk.
7/51/12-14) folgende
,
hier
verkürzt wiedergegebene
Diagnosen (S. 1):
-
Knick-/Senkfuss beidseits
-
femoroacetabuläres
Impingement
links
-
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Hypermobilitätssyndrom
-
Status nach Hüftarthroskopie mit
anterolateraler
Labrumresektion, Pfannenrandtrimmung und Kopf-/Halsübergangtaillierung
Die Ärzte empfahlen aufgrund der mittlerweile
chronifizierten
Tendinopathie
der
Tibialissehne
und Achillessehne sowie der neu hinzugekommenen
lumboverte
bralen
Schmerzen aufgrund der Fehlbelastung ein operatives Vorgehen (S. 3).
3.4
In einem weiteren Bericht vom 2
3.
März 2017 (
Urk.
7/51/2-6)
nannten die Ärzte der Klinik für Rheumatologie am
A.___
folgende
,
hier
verkürzt wiedergegebene
Diagnosen (S. 1):
-
symptomatische Knick-/Senkfüsse beidseits
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
femoroacetabuläres
Impingement
beidseits im Sinne eines Pfannen
syn
droms (rechtsbetont)
-
Verdacht auf chronische Schmerzverarbeitungsstörung, Erstdiagnose März 2017
-
leichte
Hyperlaxizität
Ellbogen und Knie beidseits (
Beighton
Score 4/9)
Die Fussschmerzen hätten mit einer gewollten Gewichtsreduktion bereits abge
nommen. Die seit vielen Jahren bestehenden Rückenschmerzen seien klinisch auf die ungünstige Haltung, die Fehlbelastung,
myofasziale
Befunde und eine
Dekonditionierung
zurückzuführen. Womöglich bestehe zusätzlich eine
facettäre
Über
lastung. Klinisch, laborchemisch und auch bildgebend bestünden keine Anhalts
punkte für eine entzündliche Grunderkrankung. Ein psychiatrisches Konsilium habe
keine Anhaltspunkte für eine zugrundeliegende oder erschwerende Psycho
pathologie ergeben. Der Patientin werde eine Wiederaufnahme einer Arbeitstätig
keit empfohlen, zum Beispiel an der Kasse in sitzender Tätigkeit (S. 2).
3.5
Am
3.
Januar 2018 (
Urk.
7/68/12-13) erging ein weiterer Bericht der
Z.___
, Orthopädie, worin die folgenden
,
hier
verkürzt wiedergegebenen
Diagnosen genannt wurden (S. 1):
-
Knick-/Senkfuss-Deformität beidseits mit Verdacht auf
Tendino
pathie
/
Partialruptur der
Tibialis
posterior
-Sehnen beidseits, linke Seite beschwer
deführend
-
beginnende sekundäre
Coxarthrose
links bei
femoroacetabulärem
Impin
ge
ment
sowie Überlastung der
pelvitrochantären
Muskulatur Hüfte links
-
Dekonditionierung
der Rumpfmuskulatur
-
Hypermobilitätssyndrom
Erfreulicherweise
hätten sich keine Hinweise auf eine relevante Pathologie der
Tibialis
posterior
-Sehnen ergeben. Es werde versucht, mittels diagnostisch-thera
peutischer Infiltration herauszufinden, ob das untere Sprunggelenk Beschwerde
generator sei. Sollte durch die Infiltration eine relevante Beschwerdelinderung erreicht werden, so könnte mittels Schuhzurichtung auf konservativem Weg eine Behandlung erfolgen (S. 2).
3.6
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeine Medizin, Hausarzt der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
7/48
Ziff.
6.3),
stellte mit Bericht vom 2
4.
Januar 2018 (
Urk.
7/
68/1-11) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Müdigkeit multifaktorieller Genese und Erschöpfungssyndrom
-
Migräne ohne
Aurasymptomatik
kombiniert mit
Spannungscephalea
-
schwere beidseitige
Fasciitis
plantaris
und
Tendinopathie
der Achilles
sehne
-
Palindrome rheumatologische Beschwerden
-
Dermatitis
papulosa
nigris
Gesicht und Hals
-
Status nach Hüftarthroskopie rechts mit
anterolateraler
Labrumresektion
-
femoroacetabuläres
Impingement
beidseits
-
aktuell vermehrte Beschwerden Hüfte links mit mittelschwerer Arthrose
-
intermittierend Lumbago bei muskulärer
Dekonditionierung
-
intermittierend anamnestisch
Palpitationen
-
keine Synkopen und Dyspnoe
-
Adipositas
Aufgrund der chronischen Schmerzsituation sei die Beschwerdeführerin im ange
stammten Bereich weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig, dies seit
1.
Februar 2016 (
Ziff.
1.6). Es bestünden bezüglich körperlicher Belastbarkeit aufgrund der Schmerzen deutliche Einschränkungen. Längeres Gehen und Stehen sei derzeit im Servicebereich nicht zumutbar. In psychischer Hinsicht bestünden andauernde Schwierigkeiten und Konzentrationseinbussen sowie eine verminderte Belastbar
keit, unter anderem aufgrund der
überlagernden depressiven Symptomatik. Die bisherige Tätigkeit sei eher nicht, nur in reduziertem Rahmen, beispielsweise zu 25
%
, zumutbar. Es sei eine angepasste Tätigkeit erforderlich. Eine solche sei bei Stabilisierung zu maximal 50
%
denkbar. Voraussetzung sei aber eine deutliche
Besserung der aktuellen rheumatologischen und depressiven Symptomatik (
Ziff.
1.7).
3.7
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 1
2.
Februar 2018 (
Urk.
7/69/3-4) fest, es bestehe keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die genannten Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
In der bisherigen Tätigkeit als Putzfrau bestehe seit
1.
Februar 2016
eine
volle Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit, bei der Tätigkeiten mit Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, Ersteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten, in kniender oder knie
beugender Körperhaltung sowie mit überwiegender Geh- und Stehbelastung ver
mieden werden sollten, bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit seit jeher. Über
wiegend sitzend ausgeübte angepasste Tätigkeiten mit leichter Wechselbelastung seien medizinisch-theoretisch zu 100
%
zumutbar. Mit einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes sei bei
Gewichts
reduktion
und
Physiotherapie mit an Sicher
heit grenzender Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Die vorliegenden Arztbe
richte seien bedingt schlüssig, die angeführten medizinischen Fakten seien bedin
gt nachvollziehbar und es könne auf diese bedingt abgestellt werden.
3.8
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm
Dr.
C.___
wie folgt Stellung (
Urk.
7/84/2-3):
In den Arztberichten werde erwähnt, dass die Gewichtsreduktion die Fussschmerzen positiv beeinflusst habe und durch die Schmerztherapie eine gute Schmerzabnahme bewirkt worden sei, weiter sei die Arbeitsaufnahme emp
fohlen worden und es hätten sich keine Anhaltspunkte für eine Psychopathologie gefunden. Wenn eine die Lebensqualität einschränkende Schmerzproblematik bestehen würde, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätte, wäre mit Sicherheit eine aggressivere Therapie begonnen worden.
Es handle sich um subjektiv sehr starke Schmerzen. Eine kurzzeitige Verschlechterung sei nicht ausgeschlossen. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei sicherlich derart bee
inträchtigt, dass die bisherige
Tätigkeit als Putzfrau
nicht mehr zu
mutbar sei. Jedoch sei mit gewissen Anstrengungen eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit der Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Eine lei
densangepasste Tätigkeit unter strenger Berücksichtigung des genannten Belas
tungsprofils wäre auch bei den gesundheitlichen Einschränkungen vollum
fänglich
möglich, sicherlich mit vereinzelten Fehlzeiten bei kurzfristiger Verschlechterung, die aber nicht über durchschnittliche Fehlzeiten hinausgehen würden.
3.9
Mit E-Mail zuhanden der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin vom
9.
Mai 2018 (
Urk.
3/4) führte
Dr.
B.___
aus, er halte unter angepasster Tätigkeit, verminderter Belastung am Arbeitsplatz und Besserung des Verlaufs unter adäquater Therapie eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für möglich, allerdings noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Tätigkeiten im Servicebereich, wo die Be
schwerdeführerin viel gehen müsse, seien sicherlich ungünstig und kaum geeignet
.
4.
4.1
Im Vergleich zur gesundheitlichen Situation, wie sie sich
bei Erlass der Verfügung vom 1
0.
Januar 2011 präsentierte, sind zu
sätzlich zu
den bisherigen Diagnosen, welche bereits damals eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Reinigungshilfe und eine Arbeitsunfähigkeit von 25
%
in einer angepassten Tätigkeit bewirkten, die Diagnosen
einer
Tendinopathie
der Hüftab
duktoren, eines Status nach Hüftarthroskopie, eines
Hüftimpingements
beidseits
,
eines
lumbovertebralen
Schmerzsyndroms
sowie von symptomatischen Knick
/
Senkfüssen hinzugekommen, zudem ein Verdacht auf eine chronische Schmerz
verarbeitungsstörung
(vgl. vorstehend E.
3.2 f.
). Weiter wurde eine beginnende
Coxarthrose
fes
tgestellt (vgl. vorstehend E. 3.5
). Die Ärzte der
Z.___
und des
A.___
nahmen in ihren Berichte
n
keine Stellung zu den Auswirkungen dieser Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit, was möglicherweise auf den Umstand zurückzuführen ist, dass die Beschwerdeführerin seit
August 2014 nicht mehr
arbeitstätig war (vgl.
Urk.
7/48
Ziff.
5.4) und somit keine Veran
lassung für die behandelnden Ärzte bestand, sich dazu zu äussern. Dennoch ist aufgrund dieser Berichte nicht auszuschliessen, dass die Diagnosen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben.
4.2
Hausarzt
Dr.
B.___
nahm zwar eine Beurteilung der Arbeits
fähig
keit der Beschwerdeführerin vor, indem er sie als zu 100
%
, angepasst allenfalls zu 50
%
arbeitsfähig
schätzte (vgl. vorstehend E. 3.6
). Dies ist aber nicht genü
gend schlüssig begründet, denn
Dr.
B.___
führte die Arbeitsun
fähigkeit auch auf Diagnosen wie
Müdigkeit, Migräne, Dermatitis und Adipositas zurück, was nicht nachvollziehbar ist.
Die
behandelnden Ärztinnen und Ärzte
stehen
in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszu
standes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1).
4.3
RAD-Arzt
Dr.
C.___
nahm keine eigene Untersuchung, sondern lediglich eine Aktenbeurteilung vor, was von vornherein den Beweisanfo
rderungen (vgl. vor
stehend E. 1.5
) nicht zu genügen vermag.
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Auch inhaltlich überzeugt seine Beurteilung nicht:
Warum er in seiner ersten Stel
lungahme (vgl. vorstehend E. 3.7
) sämtliche
von
Dr.
B.___
gestellten Diagnosen
als ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit einschätzte, ist nicht nachvollziehbar
.
Zudem
war
Dr.
C.___
offenbar nicht bekannt, dass die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich vom
1.
November 2013 bis 3
1.
Juli 2014 in einem Pensum von 60
%
als Betriebsmitarbeiterin in einer Cafeteria tätig gewesen ist (vgl.
Urk.
7/48
Ziff.
5.4), ansonsten er diese Tätigkeit
in seine Beurteilung hätte miteinbeziehen müssen.
Eine gesamtheitliche Besserung des Gesundheitszustandes, wie sie
Dr.
C.___
postulierte,
geht aus den
medizinischen Akten
in keiner Weise
hervor
.
4.4
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Solche Zweifel bestehen vorliegend, weshalb der RAD-Bericht keinen
genügenden
Aufschluss über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
bezieh
ungsweise deren Entwicklung seit 2011
zu geben vermag. Nachdem auch den anderen Berichten keine verlässlichen Angaben entnommen werden können
und keine weiteren Angaben bei den behandelnden Ärzten eingeholt wurden
, fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
insbesondere
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/0
2 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Vorliegend wurde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit der
entscheidrelevante
Sachverhalt nicht abgeklärt.
Die
angefochtene Verfügung
ist deshalb
aufzuheben und die Sache an die Besc
hwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit diese nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägunge
n über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Ge
such der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (
Urk.
1 S. 2) ist
damit
gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 2
3.
April 2018 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannLienhard