# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21dc3e03-1471-585f-a5cd-7207d6e8b958
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-01
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 01.04.2016 OG.2015.00022 (OGS.2016.31)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2015-00022_2016-04-01.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 1. April 2016

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2015.00022

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter,
  Berufungskläger

  und Anschlussberufungsbeklagter

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch D.______ 

  

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1.
  Staatsanwaltschaft

  
	
  Anklägerin, Berufungsbeklagte 1

  und Anschlussberufungsklägerin

  
	
   

  
	
  2. Kantonspolizei

  
	
  Privatklägerin, Berufungsbeklagte 2

  und Anschlussberufungsklägerin

  
	
   

  
	
  3. B.______

  
	
  Privatklägerin
  und Berufungsbeklagte 3

  
	
   

  
	
  4. C.______

  
	
  Privatkläger und
  Berufungsbeklagter 4

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Mehrfache
  Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc.

  
	
   

  
	
  Anträge
  des
  Beschuldigten, Berufungsklägers und Anschlussberufungs-beklagten (gemäss
  Berufungserklärung vom 4. Mai 2015 [act. 36] sowie den Ausführungen
  des Verteidigers an der Verhandlung vom 11. September 2015
  [act. 49], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es seien die Dispositiv Ziff. 1
    sowie Ziff. 3 – 9 des angefochtenen Urteils der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 23. Dezember 2014 im Verfahren
    SG.2014.00066 vollumfänglich aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei der Berufungskläger von Schuld und
    Strafe freizusprechen (Ziff. 1 und 3 des angefochtenen Urteils).

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Es sei auf die Vollziehbarerklärung
    früherer Strafen zu verzichten (Ziff. 4 und 5 des angefochtenen Urteils).

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Es sei auf den Einzug und die Vernichtung
    des Klappmessers zu verzichten (Ziff. 6 des angefochtenen Urteils).

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Die vorinstanzlichen Untersuchungs- und
    Gerichtskosten seien vollumfänglich dem Staat aufzuerlegen (Ziff. 7 und 8
    des angefochtenen Urteils).

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Es sei dem Berufungskläger zulasten der
    Gerichtskasse für das Verfahren vor Vorinstanz eine volle
    Parteientschädigung von CHF 3‘000.– zuzusprechen (Ziff. 9 des
    angefochtenen Urteils).

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge für das obergerichtliche Verfahren zu Lasten des
    Staates.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge
  der Anklägerin, Berufungsbeklagten 1 und Anschlussberufungsklägerin
  (gemäss Anschlussberufungserklärung vom 27. Mai 2015 [act. 44]
  sowie den Ausführungen des Ersten Staatsanwalts an der Verhandlung vom
  11. September 2015 [act. 49], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei Dispositiv Ziff. 3, 8 und 9 des
    Urteils der Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom
    23. Dezember 2014 im Verfahren SG.2014.00066 aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Der Beschuldigte sei wegen mehrfacher
    Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte i.S.v. Art. 285 Ziff. 1 StGB,
    mehrfacher Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Ziff. 1 StGB und Beschimpfung
    i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB zu verurteilen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Dem Beschuldigten sei keine
    Parteientschädigung zuzusprechen; eventualiter sei diese mit den
    Gerichtskosten zu verrechnen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Dem Beschuldigten seien die
    vorinstanzlichen Untersuchungs- und Gerichtskosten aufzuerlegen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe
    von 80 Tagessätzen zu je CHF 60.–, unter Anrechnung von einem Tag
    Untersuchungshaft, sowie zu einer Busse von CHF 200.–, unter Ansetzung
    einer Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen zu bestrafen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge für das obergerichtliche Verfahren zu Lasten des Beschuldigten.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge
  der Privatklägerin,
  Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberufungs-klägerin
  (gemäss Anschlussberufungserklärung vom 21. Mai 2015 [act. 43]
  sowie den Ausführungen des F.______, Chef Spezialdienste, an der Verhandlung
  vom 11. September 2015 [act. 49], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Berufung sei abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Der Beschuldigte sei wegen mehrfacher
    Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB und Beschimpfung i.S.v.
    Art. 177 Abs. 1 StGB zu bestrafen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Vorstrafen des Beschuldigten seien
    für vollziehbar zu erklären (Ziff. 4 und 5 des vorinstanzlichen Urteils
    seien zu bestätigen).

    

  

  
	
  ____________________

  
	
  Das Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  Prozessverlauf und Gegenstand der Berufung

  
	
   

  
	
                     1.
  Dem vorliegend zu beurteilenden Berufungs- bzw. den Anschlussberufungsverfahren
  liegt ein Ereignis vom 22. Juni 2013 zugrunde. Die Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus wirft A.______ vor (act. 2), an jenem Datum den Eingangsbereich
  des Polizeipostens Schwanden sowie dessen Arrestzelle verwüstet zu haben. Überdies
  soll er die Motorhaube des Privatfahrzeuges der Polizeibeamtin B.______ beschädigt
  und die Polizeibeamten C.______ und B.______ wiederholt beschimpft haben.
  A.______ soll sich so aggressiv verhalten haben, dass er die Polizeibeamten
  in Angst und Schrecken versetzt und diese an Amtshandlungen gehindert habe. 

  
	
   

  
	
                     2.
  A.______ wurde mit Urteil der Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts des
  Kantons Glarus vom 23. Dezember 2014 (act. 21 und 27) der Gewalt
  und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB und
  der Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB (B.______) schuldig gesprochen.
  Hingegen wurde er vom Vorwurf der geringfügigen Sachbeschädigung
  i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter
  Abs. 1 StGB freigesprochen und das Verfahren wurde betreffend mehrfacher
  Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB sowie Beschimpfung i.S.v.
  Art. 177 Abs. 1 StGB (C.______) eingestellt. A.______ wurde zu einer
  unbedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 60.– verurteilt. Sodann
  wurden die Vorstrafen von A.______ (Urteil des Kantonsgerichts Glarus vom 17.
  November 2010: 60 Tagessätze zu je CHF 70.–; Strafbefehl der
  Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus vom 13. Dezember 2011: 119 Tagessätze
  zu je CHF 30.–) widerrufen und für vollziehbar erklärt. Es wurde angeordnet,
  dass das polizeilich sichergestellte Klappmesser von A.______ eingezogen und
  vernichtet werde. Im Übrigen wurden A.______ die Verfahrenskosten zur Hälfte
  auferlegt und wurde ihm eine reduzierte Parteientschädigung in Höhe von CHF
  1‘500.– zugesprochen. 

  
	
   

  
	
                     3.
  Das vorinstanzliche Urteil (act. 21) wurde den Parteien am 14./15. Januar
  2015 zugestellt (act. 22-26). Mit Eingabe vom 26. Januar 2015 (act. 26) meldete
  der Verteidiger des Beschuldigten rechtzeitig die Berufung an. Das begründete
  Urteil (act. 27) wurde dem Verteidiger des Beschuldigten am 13. April 2015
  zugestellt (act. 35 i.V.m. act. 34). Mit Eingabe vom 4. Mai 2015 (act.
  36) reichte der Verteidiger des Beschuldigten innert Frist die begründete
  Berufungserklärung ein. Daraufhin erhoben sowohl die Staatsanwaltschaft als
  auch die Kantonspolizei Glarus fristgerecht Anschlussberufung (vgl. act. 41 –
  44). In ihren Berufungs- (act. 36) bzw. Anschlussberufungserklärungen (act.
  43 und 44), respektive anlässlich der am 11. September 2015 abgehaltenen
  Berufungsverhandlung (act. 49), liessen die Parteien die eingangs erwähnten Anträge
  stellen.

  
	
   

  
	
                     4.
  Im Nachgang zur Berufungsverhandlung zog das Obergericht zwecks Ergänzung der
  Beweise die Bildaufzeichnungen der Überwachungskamera des Polizeipostens
  Schwanden bei (act. 51 und 52). Diese Videoaufzeichnungen wurden dem Verteidiger
  des Beschuldigten sowie der Anklägerin zwecks Gewährung des rechtlichen
  Gehörs am 25. September 2015 gezeigt und diesen Frist zu allfälliger Stellungnahme
  bis am 23. Oktober 2015 angesetzt (act. 52 – 54). Der Verteidiger des Beschuldigten
  liess sich hierzu mit Eingabe vom 1. Oktober 2015 vernehmen, ebenso reichte
  die Anklägerin am 6. Oktober 2015 eine entsprechende Vernehmlassung ein.

  
	
   

  
	
  II.

  Prozessuales

  
	
   

  
	
                     1.
  a) Am 15. Oktober 2013 erliess die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen
  A.______ wegen einfacher Körperverletzung (häusliche Gewalt), mehrfacher
  Sachbeschädigung, geringfügiger Sachbeschädigung, mehrfacher Beschimpfung und
  mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden oder Beamte (act. 1/I/18),
  wogegen A.______ am 24. Oktober 2013 (Poststempel) Einsprache erhob (act.
  1/IV/1 und 2). Daraufhin (Eingang am 13. November 2013) erklärte E.______,
  Ehefrau des Beschuldigten und mutmassliches Opfer der einfachen
  Körperverletzung, ihr Desinteresse i.S.v. Art. 55a Abs. 1 Bst. a Ziff. 1 StGB
  am Strafverfahren gegen ihren Ehemann in Bezug auf die einfache
  Körperverletzung (act. 1/IV/4). Mit Eingabe vom 18. November 2013 (Poststempel)
  zog A.______ seine Einsprache gegen den Strafbefehl vom 15. Oktober 2013
  zurück (act. 1/IV/9; siehe dazu nachstehend Ziff. II.1.b). Die Staatsanwaltschaft
  erliess am 20. Dezember 2013 eine Sistierungsverfügung betreffend die einfache
  Körperverletzung (häusliche Gewalt) (act. 1/IV/16) und gleichzeitig
  einen neuen Strafbefehl (unter Weglassung des Straftatbestands der einfachen
  Körperverletzung), welcher jenen vom 15. Oktober 2013 ersetzen sollte (act.
  1/IV/15). Dieser Strafbefehl wurde von A.______ innerhalb der siebentägigen
  Abholfrist nicht bei der Schweizerischen Post abgeholt. In der Folge liess
  die Staatsanwaltschaft den Strafbefehl am 13. Februar 2014 ein zweites Mal –
  diesmal polizeilich – zustellen (act. 1/IV/17; siehe dazu nachstehend Ziff.
  II.1.c). Gegen den neuen Strafbefehl vom 20. Dezember 2013 erhob A.______
  durch seinen beigezogenen Verteidiger D.______ am 24. Februar 2014 Einsprache
  (act. 1/IV/18).

  
	
                     b)
  Nach dem Rückzug der Einsprache gegen einen Strafbefehl wird dieser zum
  rechtskräftigen und vollstreckbaren Urteil (Riklin,
  BSK StPO II, Art. 354 N 18). In Analogie zu Art. 437 Abs. 2 StPO
  tritt die Rechtskraft rückwirkend auf den Tag ein, an dem der Entscheid
  gefällt bzw. der Strafbefehl erlassen wurde. Erklärt das Opfer das
  Desinteresse i.S.v. Art. 55a Abs. 1 StGB, so kann die Staatsanwaltschaft das
  diesbezügliche Verfahren sistieren, muss dies aber nicht. Immerhin soll die
  Staatsanwaltschaft nur dann an der Strafverfolgung festhalten, wenn sie nach
  Untersuchungen zum Schluss kommt, der Antrag auf Verfahrenseinstellung
  (Desinteresseerklärung) entspreche nicht dem freien Willen des Opfers (BGer
  6S.454/2004 vom 21. März 2006 E. 3; Riedo/Allemann,
  BSK StGB I, Art. 55a N 131). Vorausgesetzt wird, dass das Desinteresse
  während hängigem Verfahren erklärt wird. Dies bedeutet, dass eine Sistierung
  nach Abschluss des Verfahrens ausgeschlossen ist (Riedo/Allemann, BSK StGB I, Art. 55a N 118).

  
	
  Mit
  Einsprache-Eingabe vom 18. November 2013 an die Staatsanwaltschaft
  (act. 1/IV/9) gab A.______ seinen Unmut über die eingesetzte
  unentgeltliche Verteidigerin kund und machte kurze Ausführungen zum
  Tatgeschehen. Im letzten Absatz des Schreibens schrieb A.______ „[…] ziehe
  ich meinen Einspruch [recte: Einsprache] zurück […]“. Weiter hielt A.______
  fest, dass der gesamte Betrag in Rechnung gestellt werden solle, da er seine
  Ruhe haben wolle. In der Grussformel schrieb er überdies „[…] auf nie mehr
  Wiedersehen“. Diese klaren und unzweideutigen Worte lassen an sich keinen
  Zweifel daran, dass A.______ seine Einsprache zurück ziehen wollte, weil er
  mit der Sache abschliessen und nichts mehr damit zu tun haben wollte. Damit
  wäre der Strafbefehl (act. 1/I/18) rückwirkend auf den Tag seines Erlasses
  (15. Oktober 2013) in Rechtskraft erwachsen. Die Desinteresseerklärung vom
  13. November 2013 beruhte – wie Abklärungen der Staatsanwaltschaft ergaben
  (act. 1/IV/12–14) – auf dem freien Willen von E.______. In der Folge
  betrachtete die Staatsanwaltschaft das Schreiben des Beschuldigten vom 19.
  November 2013 nicht als Rückzug, sondern sie erliess unter Berücksichtigung
  der Desinteresseerklärung vom 13. November 2013 einen neuen Strafbefehl vom
  20. Dezember 2013 und gleichentags gestützt auf Art. 55a Abs. 1 StGB
  eine Sistierungsverfügung. Weshalb die Staatsanwaltschaft auf diese Weise vorging
  lässt sich aufgrund der Akten nicht nachvollziehen und ist fragwürdig. 

  
	
  Die
  vorgenannten Erwägungen sind als Anmerkung zu verstehen, widerspräche es doch
  dem Grundsatz von Treu und Glauben im jetzigen Verfahrensstadium auf diese
  Fragestellung zurückzukommen und den Strafbefehl vom 15. Oktober 2013
  für rechtskräftig und alle nachfolgenden Prozesshandlungen, Verfügungen und
  Entscheide für ungültig zu erklären (vgl. dazu auch die zutreffenden
  Erwägungen des Verteidigers des Beschuldigten im vorinstanzlichen Verfahren,
  act. 18 Ziff. 2). Auch wenn man – anders als die Vorinstanz (act. 27 E. I.4.)
  – die Eingabe von A.______ vom 19. November 2013 als Rückzug seiner
  Einsprache werten und den Strafbefehl vom 15. Oktober 2013 daher an sich als
  rechtskräftig betrachten würde, wäre dieser gleichsam ungültig bzw. nichtig.
  So war der Sachverhalt weder eingestanden (vgl. act. II/2), noch anderweitig
  ausreichend geklärt (vgl. dazu die folgenden Erwägungen, insbesondere E.
  III.1.d-g), sodass die Voraussetzungen gemäss Art. 352 Abs. 1 StPO zum
  Erlass eines Strafbefehls klar nicht gegeben waren. Folglich hätte die
  Staatsanwaltschaft keinen Strafbefehl erlassen dürfen, sondern hätte Anklage
  erheben müssen (Art. 324 Abs. 1 2. Satzteil StPO). 

  
	
                     c)
  Gemäss Art. 85 Abs. 4 Bst. a StPO gilt eine eingeschriebene Postsendung, die
  nicht bei der Schweizerischen Post abgeholt wurde, am siebten Tag nach dem
  erfolglosen Zustellungsversuch als zugestellt, sofern die Person mit einer
  Zustellung rechnen musste (sog. Zustellfiktion). Dies ist der Fall, wenn der
  Adressat Kenntnis von der Eröffnung eines gegen ihn geführten Strafverfahrens
  hat. Die
  Begründung eines Verfahrensverhältnisses verpflichtet die Parteien, nach Treu
  und Glauben unter anderem dafür zu sorgen, dass ihnen behördliche Sendungen
  zugestellt werden können (BGer 6B_940/2013 vom 31. März 2014 E. 2.2.1; Arquint, BSK StPO I, Art. 85 N
  9). Die Zustellfiktion gilt auch dann, wenn allfällig ein zweiter Versand und
  spätere Entgegennahme der Sendung erfolgt (BGE 111 V 101 E. 2 b). Ein zweiter
  Versand ist somit rechtlich grundsätzlich unbeachtlich, es sei denn, es
  erfolge zugleich eine erneute Rechtsmittelbelehrung mit Fristansetzung, was
  den Vertrauensschutz i.S.v. Art. 9 BV begründet (BGer 6B_511/2010 vom 13.
  August 2010 E. 4; BGE 119 V 94 E. 4 b aa). Die Rechtsmittelfrist beginnt also
  grundsätzlich mit Ablauf der siebentägigen Abholfrist; sie kann sich aber
  gestützt auf den verfassungsmässigen Anspruch auf Vertrauensschutz dann
  verlängern, wenn eine entsprechende vertrauensbegründende Auskunft – d.h.
  eine erneute Zustellung mit vorbehaltloser Rechtsmittelbelehrung – erteilt
  wird (BGE 115 Ia 20 E. 4 c). A.______ wurde bei der polizeilichen Einvernahme
  vom 22. Juni 2013 von der Rapporterstattung an die Staatsanwaltschaft in
  Kenntnis gesetzt (act. 1/I/2/Frage 31) und wusste zudem aufgrund
  des Schriftenwechsels mit dem zuständigen Staatsanwalt (letztmals am 19.
  November 2013), dass ein Strafverfahren gegen ihn hängig war. Daher hätte er
  aufgrund von Treu und Glauben dafür sorgen müssen, dass er vom neuen
  Strafbefehl (act. 1/IV/15), welcher am 20. Dezember 2013 der Post aufgegeben
  wurde, Kenntnis erhält. Da er dies jedoch nicht tat, gilt gemäss der
  Zustellfiktion der Strafbefehl am 28. Dezember 2013 als zugestellt. Es ist
  nicht nachvollziehbar, weshalb die Staatsanwaltschaft trotz formgültig
  fristauslösender Eröffnung den Strafbefehl mit vorbehaltloser
  Rechtsmittelbelehrung und Fristansetzung ein zweites Mal förmlich mittels
  polizeilicher Zustellung eröffnete (vgl. zum Ganzen act. 1/IV/17). Indem die
  Staatsanwaltschaft A.______ den Strafbefehl noch einmal ohne Vorbehalt
  bezüglich der darin enthaltenen Rechtmittelbelehrung zustellte, schuf sie damit
  ein berechtigtes Vertrauen. A.______ durfte daher unter dem Gesichtspunkt von
  Treu und Glauben davon ausgehen, dass die Rechtsmittelfrist erst mit der
  polizeilichen Zustellung am 13. Februar 2014 zu laufen begann und er daher
  fristgerecht Einsprache erhob (vgl. BGer 1C_129/2015 vom 9. Juli 2015
  E. 3.4). 

  
	
   

  
	
                     2.
  a) Die Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus beschloss mit
  Urteil vom 23. Dezember 2014, dass das Verfahren wegen mehrfacher Sachbeschädigung
  i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB sowie wegen Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1
  StGB (C.______) eingestellt werde. Im Urteil erkannte sie A.______ der Gewalt
  und Drohung gegen Behörden und Beamte i.S.v. Art. 285 Ziff. 1 StGB und der
  Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB (B.______) für schuldig. Vom Vorwurf
  der geringfügigen Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m.
  Art. 172ter Abs. 1 StGB sprach sie ihn frei (vgl. act. 21). 

  
	
                     b)
  Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
  StPO). Die von der Berufungserklärung bzw. von den Anschlussberufungserklärungen
  nicht erfassten Aspekte des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs erwachsen
  rückwirkend auf den Tag der Urteilsfällung in Rechtskraft (Art. 437 StPO).
  Vom Moment des Ablaufs der Fristen zur Berufungserklärung bzw. Erklärung der
  Anschlussberufung an kann der Berufungsumfang durch eine weitere Erklärung
  bzw. weitere Anträge zwar noch eingeschränkt, aber nicht mehr ausgedehnt
  werden (zum Ganzen: Eugster, BSK
  StPO II, Art. 399 N 6 und Art. 402 N 2). 

  
	
                     c)
  Der Verteidiger des Beschuldigten focht mit seiner Berufungserklärung (act.
  36) die Beschluss-Dispositiv-Ziff. 1 (Verfahrenseinstellung betr. mehrfacher
  Sachbeschädigung und Beschimpfung von C.______) sowie
  Urteils-Dispositiv-Ziff. 2 (Freispruch betr. geringfügige Sachbeschädigung in
  Bezug auf den Personenwagen von B.______) des vorinstanzlichen
  Beschlusses/Urteils (act. 27) nicht an. Die Beschluss-Dispositiv-Ziff. 1
  betreffend Beschimpfung von C.______ bildete ebenso nicht Gegenstand der
  Anschlussberufungen (vgl. die eingangs wiedergegebenen Anträge der Parteien),
  hingegen die Verfahrenseinstellung wegen mehrfacher Sachbeschädigung (vgl.
  Art. 401 Abs. 2 StPO). Die Urteils-Dispositiv-Ziff. 2 bildete zunächst
  Gegenstand der Anschlussberufungen (act. 43 und 44); von den
  diesbezüglichen Anträgen wurde anlässlich der Berufungsverhandlung jedoch
  Abstand genommen (act. 49 S. 21 und S. 23). Der Kantonspolizei fehlt es ohnehin
  an der Legitimation zur Anschlussberufung in Zusammenhang mit der allfälligen
  geringfügigen Sachbeschädigung am privaten Personenwagen der Privatklägerin
  B.______ (Art. 382 Abs. 1 StPO). Die Privatkläger B.______ und C.______ haben
  keine Anschlussberufung erhoben. Es ist somit vorab mit Beschluss
  festzustellen, dass die Beschluss-Dispositiv-Ziff. 1 betreffend Beschimpfung
  von C.______ und Urteils-Dispositiv-Ziff. 2 betreffend geringfügige
  Sachbeschädigung in Rechtskraft erwachsen sind.

  
	
   

  
	
                     3.
  a) Anlässlich des Vorfalls vom 22. Juni 2013 beim Polizeistützpunkt Schwanden
  füllten die beteiligten Polizeibeamten C.______ und B.______ sowie F.______
  je ein Formular „Strafantrag / Privatklage“ aus. F.______ (handelnd für die
  Kantonspolizei Glarus, vgl. dazu nachstehend E. II.3.c.cc) liess den
  Abschnitt Strafantrag leer, kreuzte aber die Abschnitte Strafklage und
  Zivilklage mit „ja“ an für den Vorfall/Delikt „Sachbeschädigung Art. 144
  Abs. 3 StGB“ (act. 1/II/3). Genau gleich füllte C.______ das Formular aus,
  aber betreffend den Vorfall/Delikt „Hinderung einer Amtshandlung/Nichtbefolgen
  einer Anordnung“ (act. 1/II/4). Einzig B.______ füllte – neben den
  Abschnitten der Straf- und Zivilklage – auch den Abschnitt Strafantrag
  betreffend „Sachbeschädigung/Hinderung einer Amtshandlung/Nichtbefolgen einer
  Anordnung/Beschimpfung“ aus (act. 1/II/5). Gestützt auf diese Formulare
  klagte die Staatsanwaltschaft A.______ wegen mehrfacher Sachbeschädigung,
  geringfügiger Sachbeschädigung, mehrfacher Beschimpfung sowie mehrfacher
  Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte an (act. 3 i.V.m. act. 2). 

  
	
                     b)
  Die Vorinstanz zog in Erwägung, im von F.______ ausgefüllten Formular werde
  in der Zeile „Vorfall/Delikt“ der qualifizierte Tatbestand der
  Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 3 StGB aufgeführt, obwohl es sich um
  einen Fall von Abs. 1 des nämlichen Artikels handle. Daher könnte der
  Strafantrag ungültig sein. Insbesondere jedoch fehle auf diesem Formular eine
  Unterschrift mit Ort und Datum im Feld „Strafantrag“; eine solche fände sich
  nur in den Abschnitten „Strafklage“ und „Zivilklage“. Daher müsse davon
  ausgegangen werden, dass für die Sachbeschädigung im Eingangsbereich und in
  der Arrestzelle des Polizeipostens gar kein gültiger Strafantrag vorliege. Es
  erscheine zudem fraglich, ob F.______ zur Stellung eines Strafantrages namens
  des Kantons Glarus (recte: Kantonspolizei Glarus) überhaupt legitimiert sei.
  Mangels Vorliegens eines gültigen Strafantrages und folglich Fehlens einer
  Prozessvoraussetzung sei das Verfahren betreffend die Sachbeschädigung i.S.v.
  Art. 144 Abs. 1 StGB einzustellen (vgl. zum Ganzen act. 27 Ziff. 5.3 und
  Ziff. 5.4).

  
	
  c)
  aa) Bei dem zur Anklage gebrachten Straftatbestand der mehrfachen Sachbeschädigung
  i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein Antragsdelikt. Ist eine
  Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie verletzt
  worden ist, die Bestrafung des Täters mittels Strafantrag beantragen (vgl.
  Art. 30 Abs. 1 StGB). Als Verletzter gilt nur, wer materiellrechtlich Träger
  des unmittelbar angegriffenen Rechtsgutes ist, was sich wiederum erst aus der
  Auslegung des betreffenden Tatbestandes ergibt (BGE 118 IV 211 E. 2). Nach
  der Rechtsprechung ist nicht nur der Eigentümer antragsberechtigt, sondern
  überdies auch der Mieter bzw. jeder Berechtigte, der die Sache nicht mehr
  gebrauchen kann, dessen schutzwürdige Interessen durch die Sachbeschädigung
  also beeinträchtigt wurden (BGE 117 IV 439 E. 1 b; Weissenberger, BSK StGB II, Art. 144 N
  96). Der Strafantrag muss nicht als solcher benannt sein und auch eine
  falsche Bezeichnung schadet nicht (Riedo,
  BSK StGB I, Art. 30 N 53). Der Strafantrag braucht lediglich eine
  Umschreibung des zu verfolgenden Sachverhalts, wobei dessen rechtliche
  Würdigung den Behörden obliegt. Nennt der Antragsteller dennoch einen
  Straftatbestand, der seines Erachtens erfüllt worden ist, so ist die Behörde
  an diese rechtliche Qualifikation nicht gebunden (BGE 131 IV 98 E. 3.1). Eine
  falsche rechtliche Qualifikation macht den Strafantrag somit nicht ungültig (Riedo, BSK StGB I, Art. 30 N 54).

  
	
  bb)
  Erklärt die geschädigte Person, sich am Strafverfahren als Straf- oder
  Zivilkläger zu beteiligen, konstituiert sie sich als Privatklägerin (Art. 118
  Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist dieser Erklärung gleichgestellt (Art. 118
  Abs. 2 StPO). Wer Strafklage erhebt, d.h. sich im Strafpunkt als Privatkläger
  konstituiert hat, will offenkundig die Verfolgung der Tat und des Täters,
  weshalb eine Erklärung nach Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO als Strafantrag zu
  qualifizieren ist (Riedo, BSK
  StGB I, Art. 30 N 50, mit weiteren Verweisen).

  
	
  Aus
  diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Kantonspolizei als verletzt i.S.v.
  Art. 30 Abs. 1 StGB gilt, unabhängig davon, ob sie Eigentümerin,
  Mieterin oder auch nur Gebrauchsberechtigte der Räumlichkeiten des
  Polizeipostens Schwanden ist. Weitere Abklärungen zu den
  Berechtigungsverhältnissen an den Räumlichkeiten des Polizeipostens Schwanden
  erübrigen sich daher. Zudem ist erstellt, dass für die Sachbeschädigungen der
  Strafantrag als gestellt gilt, auch wenn auf dem Formular nur die Felder
  Straf- und Zivilklage angekreuzt und unterschrieben wurden. Weiter ist zu
  folgern, dass der Strafantrag nicht nur für qualifizierte Sachbeschädigung
  i.S.v. Art. 144 Abs. 3 StGB, sondern auch für den Grundtatbestand derselben
  Norm gilt, da eine falsche rechtliche Qualifizierung des fraglichen
  Sachverhalts unbeachtlich ist.

  
	
  cc)
  Gemäss Art. 26 Abs. 3 der Verordnung über die Organisation des Regierungsrates
  und der Verwaltung (RVOV; GS II A/3/3) sind die Leiter bzw. die Stellvertreter
  der Hauptabteilungen, Abteilungen und Fachstellen zeichnungsberechtigt. Die
  Kantonspolizei, bestehend aus drei Abteilungen (Spezialdienste,
  Regionalpolizei, Kriminalpolizei), bildet eine der Hauptabteilungen des
  Sicherheits- und Justizdepartementes (Anhang II Art. A2-6 Abs. 1 lit. b
  RVOV). Der Regierungsrat hat die Organisation der Kantonspolizei gestützt auf
  Art. 34 Abs. 1 des Polizeigesetzes (PolG; GS V A/11/1) in der Polizeiverordnung
  (PolV; GS V A/11/2) geregelt. Demnach ist die Kantonspolizei dem Departement
  für Sicherheit und Justiz unterstellt (Art. 1 Abs. 1 PolV). Den Führungsstab
  der Kantonspolizei bilden der Polizeikommandant zusammen mit den ihm direkt
  unterstellten Abteilungsleitern und Stabsmitarbeitern (Art. 3 Abs. 1 PolV).
  Die Stellvertreter des Polizeikommandanten rekrutieren sich aus den
  Direktunterstellten (Art. 3 Abs. 2 PolV). F.______ ist gemäss Staatskalender
  2012/2014 sowie gemäss Organigramm des Sicherheits- und Justizdepartements
  des Kantons Glarus (Stand 1. August 2015) seit mindestens November 2012 Chef
  bzw. Leiter der Abteilung Spezialdienste der Kantonspolizei Glarus. Diese
  Abteilung steht dem ganzen Korps als Logistik- und Dienstleistungsbetrieb
  planend, beratend und unterstützend zur Seite und erfüllt unter anderem
  Aufgaben wie Liegenschaftsunterhalt sowie Unterhalt von technischen Anlagen
  (www.gl.ch > Kantonspolizei > Spezialdienste).

  
	
  Somit
  ist auch erstellt, dass F.______ als Chef bzw. Leiter der Abteilung
  Spezialdienste vertretend für die Kantonspolizei Glarus das Formular
  „Strafantrag / Privatklage“ ausfüllen und unterzeichnen durfte. Dies gilt
  umso mehr, als gerade die Abteilung Spezialdienste den Unterhalt von
  Liegenschaften und technischen Anlagen der Kantonspolizei Glarus zur Aufgabe
  hat.

  
	
   

  
	
  III.

  Materielles

  
	
   

  
	
                     1.
  a) Der im Schweizerischen Strafprozessrecht geltende Untersuchungsgrundsatz
  schreibt vor, dass die Strafbehörden von Amtes wegen alle für die Beurteilung
  der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen abklären und dabei
  belastende und entlastende Umstände berücksichtigen (Art. 6 StPO). Die Staatsanwaltschaft
  klärt den Sachverhalt tatsächlich und rechtlich so weit ab, dass das Vorverfahren
  abgeschlossen werden und bei allfälliger Anklageerhebung die Untersuchung dem
  Gericht die für die Beurteilung von Schuld und Strafe wesentlichen Grundlagen
  liefern kann (Art. 308 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). Grundsätzlich obliegt es
  somit der Staatsanwaltschaft, die notwendigen Beweise zu erheben und ist es
  sie, die die Hauptverantwortung für die Beweiserhebung trägt. Aufgrund des
  Prinzips der beschränkten Unmittelbarkeit der Beweise vor Gericht kommt der
  Untersuchung im Vorverfahren eine besondere Bedeutung zu (BGer 1B_304/2011
  vom 26. Juli 2011 E. 3.2.1). 

  
	
                     b)
  Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c
  StPO). Im Beweiserhebungsverfahren bedeutet dies konkret, dass die Parteien –
  insbesondere die beschuldigte Person – das Recht haben, anwesend zu sein und
  einvernommenen Personen Fragen zu stellen (Art. 147 Abs. 1 StPO, Grundsatz
  der Parteiöffentlichkeit des Vorverfahrens). Dieses Recht stellt eine
  Konkretisierung des verfassungsrechtlich geschützten rechtlichen Gehörs (Art.
  29 Abs. 2 BV, vgl. auch Art. 32 Abs. 2 BV) dar und entspricht dem Konfrontationsrecht
  gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK. Die Partei erhält damit Gelegenheit, die
  Beweiserhebung beeinflussen, die Glaubhaftigkeit einer Aussage prüfen und den
  Beweiswert in Frage stellen zu können (Schleiminger
  Mettler, BSK StPO I, Art. 147 N 3). Von hier nicht zutreffenden Ausnahmen
  abgesehen, in denen eine Konfrontation (aus objektiven, von der Staatsanwaltschaft
  nicht zu vertretenden Gründen) nicht möglich war, ist eine belastende Aussage
  von Zeugen oder Auskunftspersonen deshalb grundsätzlich nur verwertbar, wenn
  die beschuldigte Person wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene
  und hinreichende Gelegenheit hatte, diese Aussage in Zweifel zu ziehen und
  Ergänzungsfragen zu stellen (BGer 6B_620/2014 vom 25. September 2014
  E. 1.3.2 m.w.H.; BGer 6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3; BGE 133 I 41
  E. 3.1). Dem Teilnahmerecht kann bei Einholung eines schriftlichen Berichts
  anstelle einer mündlichen Einvernahme (Art. 145 StPO) nur mittelbar Rechnung
  getragen werden. Immerhin hat die Partei Anspruch darauf, vom Inhalt des
  schriftlichen Berichts Kenntnis zu nehmen und sich dazu zu äussern und Ergänzungsfragen
  zu stellen, was wohl in einer mündlichen Einvernahme geschehen muss. Werden
  die Teilnahmerechte nicht gewahrt, darf ein schriftlicher Bericht nicht –
  auch nicht als Indiz – zu Lasten der “abwesenden“ Partei verwertet werden
  (Art. 147 Abs. 4 StPO; Häring,
  BSK StPO I,
  Art. 145 N 11; BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014 E. 1.3.1.; vgl. zum Ganzen auch Schleiminger
  Mettler, BSK StPO I, Art. 147 N 29 ff., v.a. N 33 und
  Fn. 58).
  Allgemein sollten schriftliche Berichte i.S.v. Art. 145 StPO nur sehr
  zurückhaltend und ausnahmsweise eingeholt werden (BGer 6B_690/2015 vom 25.
  November 2015 E. 3.3.1). Insbesondere bei entscheidenden und wesentlichen
  Zeugen ist zumindest einmal eine mündliche Einvernahme durchzuführen, da es
  auf den persönlichen Eindruck der Person ankommt (Häring, BSK StPO I, Art. 145 N 6). Im Übrigen sind bei
  Einholung eines schriftlichen Berichts auch die formellen Erfordernisse, die
  bei der mündlichen Einvernahme gelten, zu beachten und hat demnach eine
  fehlende Rechtsbelehrung ein Verwertungsverbot des schriftlichen Berichts zur
  Folge (Häring, BSK StPO I, Art.
  145 N 10).

  
	
                     c)
  Trotz des geltenden Untersuchungsgrundsatzes wird über Tatsachen, die
  unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits
  rechtsgenügend erwiesen sind, kein Beweis geführt (sog. antizipierte
  Beweiswürdigung, Art. 139 Abs. 2 StPO). So darf die Staatsanwaltschaft
  trotz ihrer grundsätzlichen Beweisführungsobliegenheit auf weitere
  Beweiserhebungen verzichten, wenn sie in willkürfreier Würdigung der bereits
  abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche
  Sachverhalt sei genügend abgeklärt und sie zudem in antizipierter Würdigung
  weiterer möglicher Beweise annimmt, ihre Überzeugung werde auch durch diese
  nicht geändert. Die Staatsanwaltschaft hat sich also zu fragen, ob sich an
  ihrer Einschätzung des Beweisergebnisses etwas ändern würde, wenn der Beweis
  erbracht wäre (BGer 6B_690/2015 vom 25. November 2015 E. 3.3.2 und E.
  3.4). Jedoch darf die Staatsanwaltschaft Fragen der beschuldigten Person an
  einen Belastungszeugen nicht auf dem Weg der antizipierten Beweiswürdigung
  für entbehrlich erklären (BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014 E. 1.3.2).

  
	
  d) In Bezug auf die Vorwürfe der Gewalt und
  Drohung gegen Behörden und Beamte, der mehrfachen Sachbeschädigung sowie der
  Beschimpfung, liegen im Wesentlichen folgende Beweismittel bei den Akten:
  Polizeirapport vom 18. August 2013 (act. 1/II/1), polizeiliche Einvernahme
  von A.______ vom 22. Juni 2013 (act. 1/II/2), Fotodokumentation vom
  Polizeiposten Schwanden und der Arrestzelle (act. 1/II/6), zwei schriftliche
  Berichte der betreffenden Polizeibeamten (act. 1/II/12 und 13; als Reaktion
  auf den Ermittlungsauftrag an die Polizei [vor Eröffnung] zur Befragung der
  Polizeibeamten B.______ / C.______ [act. 1/II/11]), Strafregisterauszug von
  A.______ (act. 1/III/1). Nach erfolgter Einsprache vom 24. Oktober 2013 war –
  in Bezug auf die obgenannten Delikte – der Ermittlungsauftrag an die Polizei
  (nach Eröffnung) zur Befragung der Polizeibeamten B.______ / C.______ als
  Auskunftspersonen sowie allfälliger weiterer Zeugen (act. 1/IV/7) die
  einzige Verfahrenshandlung, die die Staatsanwaltschaft zur Erlangung weiterer
  Beweise unternahm, doch gab die Kantonspolizei den Auftrag unter Hinweis auf
  Art. 56 StPO wegen Befangenheit unerledigt wieder zurück (act. 1/IV/8).
  Bezüglich der drei erwähnten Straftaten bestanden die Untersuchungshandlungen
  der Staatsanwaltschaft somit einzig in der Erteilung zweier
  Ermittlungsaufträge an die Polizei sowie der Einholung eines
  Strafregisterauszuges. Insbesondere nahm der Staatsanwalt die im
  Ermittlungsauftrag vom 13. November 2013 als notwendig erachtete Befragung
  der beiden Polizeibeamten B.______ und C.______ sowie eines weiteren Polizeifunktionärs
  als Zeugen nach unerledigter Rückgabe des Ermittlungsauftrags durch die
  Kantonspolizei nicht mehr vor.

  
	
  e) Betreffend die Sachbeschädigung beim
  Polizeiposten Schwanden sowie dessen Arrestzelle stellt die detaillierte
  Fotodokumentation (act. 1/II/6) zusammen mit dem Polizeirapport (act. 1/II/1)
  ein gutes und genügendes Beweismittel dar, um A.______ die erwähnte Straftat
  nachzuweisen. Dennoch hätte sich – spätestens nach erfolgter Einsprache –
  aufgedrängt, das Videomaterial vom Eingangsbereich des Polizeipostens
  beizuziehen und als Beweisstück zu den Akten zu nehmen. Videoaufzeichnungen
  dokumentieren Straftaten hervorragend und eignen sich als Beweisstücke bestens,
  weswegen es nicht nachvollziehbar ist, dass die Staatsanwaltschaft die Videoaufzeichnungen
  nicht zu den Untersuchungsakten nahm (vgl. dazu die zutreffenden Ausführungen
  des Verteidigers von A.______, act. 56 Ziff. 1) 

  
	
  Die
  zwei schriftlichen Berichte der involvierten Polizeibeamten (sowie der Polizeirapport)
  sind – aus den nachfolgenden Gründen – nicht geeignet, die A.______ vorgeworfenen
  Straftaten rechtsgenüglich nachzuweisen: So wird in keinem dieser Aktenstücke
  der Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte i.S.v. Art.
  285 StGB, sondern der Tatbestand der Hinderung einer Amtshandlung i.S.v.
  Art. 286 StGB erwähnt. Entsprechend äussern sich die Polizeibeamten auch
  nicht zu einer allfälligen Drohung und dadurch verursachten Angst oder
  Schrecken i.S.v. Art. 285 Ziff. 1 StGB. Dennoch schreibt die
  Staatsanwaltschaft im Strafbefehl vom 20. Dezember 2013 (act. 2), dass
  „die Polizeibeamten in Schrecken versetzt“ wurden. Die Vorinstanz hingegen
  sah den objektiven Tatbestand durch Anwendung von Gewalt als erfüllt (act. 27
  Ziff. 6.8). Dies zeigt umso deutlicher, dass die schriftlichen Berichte
  teilweise unklar und zu wenig präzise sind, als dass die Staatsanwaltschaft
  diese ohne weitere Abklärungen als Beweisstücke hätte heranziehen dürfen.
  Kommt noch hinzu, dass A.______ diese Berichte der Polizeibeamten gar nie vorgelegt
  wurden und er folglich dazu keine Stellung nehmen konnte. Weiter wurde ihm im
  Vorverfahren nie der Vorhalt der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
  sowie der Beschimpfung gemacht. Immerhin konnte sich A.______ anlässlich der
  Hauptverhandlung vor der Vorinstanz zu diesen Anschuldigungen äussern, womit
  zumindest dieser Mangel (Verletzung von Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO) als geheilt
  gelten kann (vgl. dazu auch die Erwägungen der Vorinstanz, act. 27 Ziff.
  6.3 ff.). Jedoch wurde A.______ auch vor der Vorinstanz nicht mit den
  schriftlichen Berichten der Polizeibeamten konfrontiert, sodass diese
  Berichte nicht gegen ihn verwendet werden dürfen (vgl. E. III.1.b).
  Folglich kann offen bleiben, ob die schriftlichen Berichte mangels Erfüllung
  der formellen Erfordernisse (vgl. act. 1/II/11, wonach die
  Polizeibeamten „unterschriftlich als Auskunftspersonen zu befragen“ seien)
  überhaupt verwertbar wären. Weiter erhielt A.______ – ebenso wie die weiteren
  Verfahrensbeteiligten – nie Gelegenheit, sich zu den Zivilansprüchen bzw.
  -forderungen zu äussern. Es ist zudem nicht nachvollziehbar, weshalb die
  Staatsanwaltschaft nach Einsicht in den Strafregisterauszug die Akten der
  Strafverfahren, aus welchen die einschlägigen Vorstrafen von A.______
  herrühren, nicht einholte, können diese doch einen entscheidenden Einfluss
  auf den Entscheid über den Widerruf haben. 

  
	
  f) Zusammenfassend ist zu konstatieren,
  dass die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall, insbesondere in Bezug auf
  die Straftatbestände der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie
  der Beschimpfung, in Tat und Wahrheit keine Untersuchung durchgeführt hat.
  Vielmehr begnügte sie sich mit den zwei schriftlichen Berichten der
  involvierten Polizeibeamten und stellte bei der Begründung des Strafbefehls
  vom 20. Dezember 2013 betreffend den Vorwürfen der Gewalt und Drohung gegen
  Behörden und Beamte sowie der Beschimpfung vollumfänglich auf diese ab (vgl.
  act. 2 S. 3 sowie act. 1/II/12-13). Mit anderen und/oder abweichenden
  Beweisen setzte sie sich nicht auseinander, was sie jedoch auch nicht musste
  bzw. konnte, da solche ja gar nicht vorhanden waren.

  
	
  g) Der infolge Einsprache als
  Anklageschrift geltende Strafbefehl vom 20. Dezember 2013 (act. 2)
  basiert daher auf einer offensichtlich unzureichenden Strafuntersuchung.
  Dadurch wurden das Fairnessgebot gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO
  sowie der Untersuchungsgrundsatz nach Art. 6 StPO und insbesondere
  grundlegende Rechte des Beschuldigten verletzt. Nach Massgabe von
  Art. 329 Abs. 2 StPO hätte somit die Vorinstanz das Verfahren
  sistieren und die Anklage zur Ergänzung oder Berichtigung an die
  Staatsanwaltschaft zurückweisen oder zumindest entsprechend dem beschränkten
  Unmittelbarkeitsprinzip gemäss Art. 343 Abs. 1 und Abs. 2 StPO nicht ordnungsgemäss
  oder unvollständig erhobene Beweise erheben bzw. ergänzen müssen. Ob und
  unter welchen Voraussetzungen das Gericht gestützt auf Art. 329 Abs. 2 StPO
  die Anklage zur ergänzenden Erhebung von Beweisen an die Staatsanwaltschaft
  zurückweisen kann ist umstritten. Nach der einen Meinung ist dies unzulässig,
  nach der anderen Meinung ist dies in gewissen Fällen grundsätzlich zulässig.
  Das Bundesgericht hat erkannt, dass eine solche Rückweisung zur Erhebung
  unverzichtbarer Beweise zulässig ist, wobei jedoch aufgrund der gerichtlichen
  Beweisabnahme i.S.v. Art. 343 StPO Zurückhaltung geboten sei. Eine
  Rückweisung zur Beweisergänzung sei somit nur ganz ausnahmsweise zulässig
  (vgl. zum Ganzen BGE 141 IV 39). In casu ist ein solcher Ausnahmefall
  gegeben, da hier nicht ein einzelner, ergänzender Beweis erhoben werden muss,
  sondern eine Strafuntersuchung geführt werden muss, was nicht die Aufgabe des
  Gerichts ist (vgl. dazu E. III.2.b). Indem die Vorinstanz es unterliess die
  Sache zur Beweisergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen oder
  i.S.v. Art. 343 StPO tätig zu werden, verletzte – neben der
  Staatsanwaltschaft – auch sie den Grundsatz der Wahrheitserforschung von
  Amtes wegen, da die zur Verfügung stehenden Beweismittel offensichtlich
  ungenügend ausgeschöpft wurden. Es liegt somit eine unvollständige
  Sachverhaltsfeststellung vor, weshalb der angefochtene vorinstanzliche Entscheid
  aufzuheben ist (Art. 398 Abs. 3 lit. b i.V.m. Art. 409
  Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  2.  a) Tritt das Berufungsgericht auf die
  Berufung ein, so fällt es grundsätzlich ein neues Urteil, welches an die
  Stelle des erstinstanzlichen Entscheids tritt (Art. 408 StPO). Gemäss
  Art. 409 Abs. 1 StPO ist die Sache jedoch zur Neubeurteilung zurückzuweisen,
  wenn das erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren
  nicht geheilt werden können. Werden – wie vorliegend (vgl. soeben,
  E. III.1.d-e) – Teilnahmerechte verletzt oder wird das Urteil auf nicht
  verwertbare Beweise abgestützt und/oder Zivilpunkte nicht behandelt, so handelt
  es sich um „wesentliche Mängel […], durch die in schwerwiegender Weise in die
  Rechte der beschuldigten Person oder anderer Parteien eingegriffen wird und
  die im Berufungsverfahren ohne den Verlust einer Instanz nicht mehr behoben
  werden können […]“. Eine Heilung dieses Mangels ist somit ausgeschlossen und
  eine Rückweisung gerechtfertigt (Eugster,
  BSK StPO II, Art. 409 N 1). 

  
	
                     b)
  Damit ist die Sache entsprechend dem soeben zitierten Art. 409
  Abs. 1 StPO an eine der Vorinstanzen zurückzuweisen. Gemäss dem Wortlaut
  dieser Gesetzesbestimmung wäre die Sache an das erstinstanzliche Gericht
  zurückzuweisen. Dies ist indes in Fällen wie dem Vorliegenden, in welchem es
  um die Durchführung einer eigentlichen Strafuntersuchung geht, nicht
  angängig, weil nicht mit dem in Art. 6 StPO normierten
  Untersuchungsgrundsatz vereinbar. Gemäss diesem sowie der generellen,
  grundlegenden Konzeption der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) ist
  nämlich die rechtsprechende Tätigkeit des Richters von staatsanwaltlichen Funktionen
  zu trennen (Schmid, a.a.O.,
  N 134). Aus der Strafprozessordnung ergibt sich dies daraus, dass diese
  der Staatsanwaltschaft die Hauptverantwortung für die Beweissammlung und die
  Führung einer fairen Strafuntersuchung zuweist (vgl. neben Art. 6 StPO bspw.
  auch Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO sowie Art. 16 StPO), wohingegen sie den
  Gerichten die unabhängige und unparteiliche Entscheidung über die von der
  Staatsanwaltschaft mittels Anklageschrift – welche sich auf die von ihr
  erhobenen Beweise stützt – zur Beurteilung gebrachten Straftaten auferlegt
  (vgl. u.a. Art. 30 Abs. 1 BV sowie Art. 4 und Art. 19 Abs. 1
  StPO). Vor diesem Hintergrund ist die Sache nicht an die Vorinstanz, sondern
  an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Dies, zumal Art. 329
  Abs. 2 StPO der Vorinstanz ohnehin die Möglichkeit einräumt, Straffälle
  an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, wenn das Verfahren ohne die
  Ergänzung oder Berichtigung der Anklage durch die Staatsanwaltschaft nicht
  weitergeführt und ein Sachurteil nicht gefällt werden kann (vgl. dazu E.
  III.1.g; BGE 141 IV 46 f. E. 1.6.2; BGer 1B_304/2011 vom 26. Juli 2011
  E. 3.2.2; Daphinoff, Das
  Strafbefehlsverfahren in der Schweizerischen Strafprozessordnung, Diss.
  Fribourg 2012, S. 683).

  
	
  c) Im Rahmen der weiteren Behandlung der Sache
  wird die Staatsanwaltschaft insbesondere die zwei strafantragstellenden
  Polizeibeamten als Auskunftspersonen sowie eventuell einen weiteren
  Polizeifunktionär als Zeugen einzuvernehmen haben. Sodann wird sie A.______
  einzuvernehmen und mit den Aussagen der Polizeibeamten, der Fotodokumentation
  und dem Videobildmaterial zu konfrontieren haben. Dabei dürfte die genaue
  Abklärung des Vorwurfs der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte bzw.
  vielmehr des Vorwurfs der Hinderung einer Amtshandlung den Schwerpunkt der
  Untersuchung ausmachen. Bisher wurde weder abgeklärt, ob der Straftatbestand
  der Hinderung einer Amtshandlung i.S.v. Art. 286 StGB erfüllt sein könnte,
  noch ob A.______ den involvierten Polizeibeamten im Sinne von Art. 285 Ziff.
  1 StGB “gedroht“ und inwiefern sich eine allfällige Drohung auf welche
  Amtshandlungen ausgewirkt hat. Weiter werden sich in der Strafuntersuchung
  Abklärungen zu den Zivilforderungen der Privatkläger und zu den Vorstrafen
  von A.______ aufdrängen. 

  
	
   

  
	
  3. Ausgangsgemäss erübrigen sich – von den
  nachfolgenden Erwägungen betreffend Kosten- und Entschädigungsfolgen
  abgesehen – Ausführungen zu den weiteren Vorbringen und Anträgen der Parteien
  in deren Berufungs- bzw. Berufungsantwortschriften und zum angefochtenen
  vorinstanzlichen Urteil.

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
   

  
	
  1.
  Erfolgt wie vorliegend eine Rückweisung des Verfahrens, so sind die
  Verfahrenskosten des Rechtsmittelverfahrens sowie nach Ermessen der
  Rechtsmittelinstanz auch jene der Vorinstanz auf die Staatskasse zu nehmen
  (Art. 428 Abs. 4 StPO). Demzufolge fallen die Kosten des
  Berufungsverfahrens ausser Ansatz. Angesichts der Fehlerhaftigkeit des
  vorinstanzlichen Verfahrens (vorne, E. III.1.g) sind auch die
  diesbezüglichen Kosten in Aufhebung der von der Vorinstanz getroffenen
  Kostenregelung (act. 27 Dispositiv-Ziff. 7 f.) auf die
  Staatskasse zu nehmen (vgl. Schmid, a.a.O., N 1800). Über die
  Kostenfestsetzung und -verlegung für die nunmehr gleichsam wieder
  aufzunehmende Untersuchung wird die Staatsanwaltschaft bzw. gegebenenfalls
  die Gerichte bei Erledigung derselben zu befinden haben.

  
	
   

  
	
  2.
  Sodann ist Dispositiv-Ziff. 9 des vorinstanzlichen Urteils
  (act. 27) aufzuheben und dem Beschuldigten für die ihm entstandenen
  Umtriebe im Rechtsmittelverfahren und im erstinstanzlichen Verfahren eine
  Entschädigung von pauschal CHF 5‘000.– (inkl. Auslagen und 8% MwSt)
  zuzusprechen (Art. 436 Abs. 1 und Abs. 3 i.V.m. Art. 429
  Abs. 1 und Art. 409 StPO). Über Entschädigungsfragen im Zusammenhang
  mit der Untersuchung werden die Staatsanwaltschaft bzw. gegebenenfalls die
  Gerichte bei Erledigung der Sache zu entscheiden haben.

  
	
   

  
	
  V.

  
	
  Bemerkung

  
	
   

  
	
  Rückweisungsentscheide
  wie der Vorliegende gelten im Bereich des Bundesgerichtsgesetzes (BGG)
  grundsätzlich als Zwischenentscheide, welche nur unter den einschränkenden
  Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 BGG beim Bundesgericht mit Beschwerde
  (hier: Beschwerde in Strafsachen) anfechtbar sind. Endentscheide im Sinne von
  Art. 90 BGG stellen Rückweisungsentscheide dann dar, wenn der unteren
  Instanz kein Beurteilungsspielraum mehr verbleibt (BGE 134 II 137
  E. 1.3.2; BGE 134 II 124 E. 1.3; VG ZH, VB.2012.00428 vom
  5. Oktober 2012 E. 4).

  
	
   

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    In
    Gutheissung der Berufung wird das Urteil der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 23. Dezember 2014 (SG.2014.00066) – unter
    Vorbehalt von Ziffer 2 nachstehend – vollumfänglich aufgehoben und das gegen
    den Beschuldigten wegen mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und
    Beamte etc. geführte Verfahren an die Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus
    zurückgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es wird festgestellt, dass die
    Beschluss-Dispositiv Ziffer 1 betreffend Beschimpfung (C.______) sowie die
    Urteils-Dispositiv Ziffer 2 betreffend geringfügiger Sachbeschädigung
    (Personenwagen von B.______) des Urteils der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 23. Dezember 2014 (SG.2014.00066)
    unangefochten in Rechtskraft erwachsen sind.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die
    Kosten für das Berufungsverfahren und das vorinstanzliche Verfahren fallen
    ausser Ansatz. Über die Kostenfestsetzung und -verlegung für das Untersuchungsverfahren
    haben die Staatsanwaltschaft bzw. gegebenenfalls die Gerichte im Rahmen der
    Erledigung der Sache zu entscheiden.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Dem
    Beschuldigten wird für das vorinstanzliche Verfahren und für das Berufungsverfahren
    zu Lasten der Gerichtskasse eine Entschädigung von insgesamt
    CHF 5‘000.– (inkl. 8 % MwSt) zugesprochen. Über eine allfällige
    Entschädigung für das Untersuchungsverfahren haben die Staatsanwaltschaft
    bzw. gegebenenfalls die Gerichte im Rahmen der Erledigung der Sache zu entscheiden.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Schriftliche
    Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]

    

  

  
	
   

  
	
  Rechtsmittelbelehrung

  
	
   

  
	
  Gegen
  den vorliegenden Entscheid kann im Sinne der Erwägungen (E. V) in der in
  Art. 42 BGG vorgeschriebenen Weise beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14,
  Beschwerde in Strafsachen im Sinne von Art. 78 ff. BGG erhoben
  werden. Dabei können die Beschwerdegründe gemäss Art. 95 ff. BGG
  geltend gemacht werden. Die Beschwerdelegitimation richtet sich nach
  Art. 81 BGG. Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage, gerechnet ab
  Zustellung dieses Entscheides.

  
	
   

  
	
   

  
	
  Obergerichtspräsident                                                 Gerichtsschreiberin