# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8a4fe1c-e57b-5d00-a540-d83f71f1a7f9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-05-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.05.2022 BVGE 2022 VII/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2022-VII-2_2022-05-06.pdf

## Full Text

2022 VII/2 Familienzusammenführung 

 

 

10 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

2022 VII/2 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung VI 
i.S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

F–4073/2020 vom 6. Mai 2022 

Familiennachzug und Einschluss in die vorläufige Aufnahme bei feh-

lenden Ausweispapieren der nachzuziehenden Person. 

Art. 5 Abs. 1 Bst. a, Art. 85 Abs. 7 AIG. 

1. Der Familiennachzug und der Einschluss in die vorläufige Auf-
nahme gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG setzen grundsätzlich voraus, 

dass die Identität der nachzuziehenden Person erstellt ist. Eine 

Verweigerung des Familiennachzugs einzig gestützt auf fehlende 

Ausweispapiere der nachzuziehenden Person in Anwendung von 

Art. 5 Abs. 1 Bst. a AIG kann erfolgen, wenn ernsthafte, nicht 

anders zu behebende Zweifel an der Identität der Person bestehen 

und eine zumutbare Mitwirkung der betreffenden Person an der 

tatsächlich möglichen Identitätsabklärung unterblieben ist 

(E. 9.5–9.6).  

2. Steht der Familiennachzug zu einer vorläufig aufgenommenen 
Person mit Flüchtlingsstatus zur Debatte, ist diesem Umstand bei 

der Frage nach der Zumutbarkeit der Mitwirkung bei der Identi-

tätsfeststellung Rechnung zu tragen (E. 10). 

3. Unmöglichkeit, die Einhaltung der dargestellten Grundsätze im 
vorliegenden Fall zu überprüfen. Unklare rechtliche Natur des 

von der Vorinstanz eingeforderten Dokuments und unklare 

Rechtsfolge von dessen Beibringung (E. 11).  

Regroupement familial et inclusion dans l'admission provisoire en 

l'absence de pièces de légitimation de la personne en faveur de laquelle 

le regroupement familial est sollicité. 

Art. 5 al. 1 let. a, art. 85 al. 7 LEI. 

1. Le regroupement familial et l'inclusion dans l'admission provi-
soire au sens de l'art. 85 al. 7 LEI impliquent en principe que 

l'identité de la personne en faveur de laquelle le regroupement 

familial est sollicité soit établie. En application de l'art. 5 al. 1 let. a 

LEI, le regroupement familial ne peut être refusé au seul motif de 

Familienzusammenführung 2022 VII/2 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VII 11 

 

l'absence de pièces de légitimation que s'il existe des doutes sé-

rieux, impossibles à lever autrement, quant à l’identité de la per-

sonne et que cette dernière ne s'est pas montrée raisonnablement 

coopérative pour établir dans la mesure du possible son identité 

réelle (consid. 9.5–9.6).  

2. S'il s'agit du regroupement familial avec une personne admise à 
titre provisoire au bénéfice du statut de réfugié, il convient alors 

de tenir compte de cette circonstance pour évaluer l'exigibilité de 

la coopération dans l'établissement de l'identité (consid. 10).  

3. Impossibilité dans le cas d'espèce de vérifier le respect des prin-
cipes évoqués. Incertitude quant à la nature juridique du docu-

ment exigé par l'autorité inférieure et à la conséquence juridique 

de la production dudit document (consid. 11). 

Ricongiungimento familiare e inclusione nell'ammissione provvisoria 

se la persona da ricongiungere è priva di documenti d'identità. 

Art. 5 cpv. 1 lett. a, art. 85 cpv. 7 LStrI. 

1. Il ricongiungimento familiare e l'inclusione nell'ammissione prov-
visoria giusta l'art. 85 cpv. 7 LStrI presuppongono di principio che 

la persona da ricongiungere possa essere identificata. In virtù 

dell'art. 5 cpv. 1 lett. a LStrI, il rifiuto del ricongiungimento fami-

liare basato esclusivamente sulla mancanza di documenti d'identi-

tà della persona da ricongiungere può essere pronunciato se 

sussistono seri dubbi non altrimenti risolvibili sull'identità della 

persona interessata e se quest'ultima non ha fornito la collabora-

zione ragionevolmente esigibile per l'accertamento concreto della 

sua identità (consid. 9.5–9.6).  

2. Se si tratta del ricongiungimento familiare con una persona am-
messa provvisoriamente con statuto di rifugiato, tale circostanza 

deve essere considerata nel valutare l'esigibilità della collaborazio-

ne all'accertamento dell'identità (consid. 10).  

3. Impossibilità, nel caso specifico, di verificare il rispetto dei princi-
pi illustrati. Incertezza quanto alla natura giuridica del documen-

to richiesto dall'autorità inferiore e alla conseguenza giuridica del-

la produzione di tale documento (consid. 11). 

 

2022 VII/2 Familienzusammenführung 

 

 

12 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

Der Beschwerdeführer (geb. 1970) ersuchte in der Schweiz am 12. Okto-

ber 2011 um Asyl. Er gab an, er sei ethnischer Tibeter und in China gebo-

ren. Seit dem Jahr 1999 sei er mit B. (geb. 1967) nach Brauch verheiratet. 

Die gemeinsamen Töchter C. und D. seien 2000 beziehungsweise 2001 

geboren worden. Am 17. Februar 2014 stellte die Vorinstanz fest, dass der 

Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Gleichzeitig lehnte 

sie das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. 

Wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs wurde der Beschwerde-

führer vorläufig aufgenommen. 

Am 18. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer beim kantonalen 

Migrationsamt ein Gesuch um Familiennachzug und Einbezug in die vor-

läufige Aufnahme zugunsten seiner Ehefrau und seiner Kinder, welche 

sich in Indien aufhielten, ein. Das Migrationsamt leitete das Gesuch an die 

Vorinstanz weiter und führte in der Stellungnahme aus, die Voraussetzun-

gen für eine Gutheissung seien infolge drohender Sozialhilfeabhängigkeit 

nicht erfüllt. 

Am 5. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer der Vorinstanz das Er-

gebnis einer Abstammungsbegutachtung mittels DNA-Analyse ein. Aus 

dieser geht hervor, dass er der Vater und B. die Mutter von C. und D. ist. 

Nach Abklärungen zur finanziellen Situation des Beschwerdeführers 

reichte das kommunale Sozialamt der Vorinstanz am 13. Februar 2019 

eine Sozialhilfeberechnung ein, aus welcher ein leichter Einnahmenüber-

schuss hervorgeht. 

Aufgrund fehlender Identitäts- und Reisedokumente seiner Angehörigen 

forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer am 5. März 2019 auf, eine 

vom Bureau of His Holiness the Dalai Lama in Neu Delhi über die Person 

von B. ausgestellte Bestätigung (« bona fide letter ») einzureichen. Der 

Beschwerdeführer gab am 10. April 2019 an, ihm sei eine solche Bestäti-

gung verweigert worden.  

Mit Verfügung vom 14. Juli 2020 wies die Vorinstanz das Gesuch des Be-

schwerdeführers um Familiennachzug und Einschluss in die vorläufige 

Aufnahme zugunsten seiner Ehefrau und seiner Kinder ab. 

Am 13. August 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung und die Gutheissung seines Gesuchs um Famili-

ennachzug und Einbezug in die vorläufige Aufnahme zugunsten seiner 

Ehefrau und seiner Kinder.  

Familienzusammenführung 2022 VII/2 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VII 13 

 

Aus den Erwägungen: 

9.5 Im Zusammenhang mit der Ausstellung von Reisedokumenten an 
Schriftenlose hält das Bundesverwaltungsgericht im Weiteren in ständiger 

Rechtsprechung fest, dass die Frage, ob die Beschaffung von Reisedoku-

menten bei den Heimatbehörden von den betreffenden Personen verlangt 

werden kann, also die Zumutbarkeit gemäss Art. 10 Abs. 1 Bst. a der Ver-

ordnung vom 14. November 2012 über die Ausstellung von Reisedoku-

menten für ausländische Personen (RDV, SR 143.5), nach objektiven 

Massstäben zu beurteilen ist. Die Kontaktaufnahme mit den zuständigen 

Behörden des Heimat- oder Herkunftsstaats kann namentlich von schutz-

bedürftigen und asylsuchenden Personen nicht verlangt werden (Art. 10 

Abs. 3 RDV). Dasselbe gilt in der Regel auch für Personen, welche infolge 

Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen wur-

den (vgl. Art. 83 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 AIG [SR 142.20]). Als unmöglich 

im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV gilt die Beschaffung eines Reise-

papiers grundsätzlich dann, wenn sich die ausländische Person bei den Be-

hörden ihres Heimatstaates um dessen Ausstellung bemüht, diese aber 

ohne zureichende Gründe verweigert wird (zum Ganzen siehe BVGE 

2014/23 E. 5.2–5.4 m.w.H.). 

9.6 Schliesslich ist auf die allgemeinen verwaltungsverfahrensrecht-
lichen Grundsätze hinzuweisen, welchen auch das Familiennachzugsver-

fahren gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG grundsätzlich folgt. Für das Vorliegen 

einer Tatsache ist vorbehältlich gesetzlicher Sonderbestimmungen der 

volle Beweis zu erbringen. Gelingt der Beweis nicht, so geht die Beweis-

losigkeit nach der üblichen Beweislastregel zu Lasten dessen, der aus der 

Tatsache Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Es gilt sodann der Untersuchungs-

grundsatz, der die Verantwortung für die Ermittlung des Sachverhalts der 

Behörde auferlegt (Art. 12 VwVG). Dieser wird relativiert durch die 

Pflicht der Partei, an der Ermittlung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 13 

Abs. 1 VwVG). Wie Art. 90 AIG als spezialgesetzliche Regelung aus-

drücklich vorsieht, sind Ausländerinnen und Ausländer sowie an Verfahren 

nach dem Ausländergesetz beteiligte Dritte verpflichtet, an der Feststel-

lung des massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Sie müssen insbeson-

dere zutreffende und vollständige Angaben über die für die Regelung des 

Aufenthalts wesentlichen Tatsachen machen, die erforderlichen Beweis-

mittel unverzüglich einreichen oder sich darum bemühen, sie innerhalb 

einer angemessenen Frist zu beschaffen, sowie gültige und anerkannte 

Ausweispapiere vorlegen oder bei deren Beschaffung durch die Behörden 

2022 VII/2 Familienzusammenführung 

 

 

14 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

mitwirken. Den Parteien können jedoch nur insoweit Mitwirkungspflich-

ten auferlegt werden, als deren Erfüllung zumutbar ist. Was als zumutbar 

anzusehen ist, bestimmt sich dabei nach den konkreten Umständen (vgl. 

KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 

2016, Art. 13 N. 46 ff., S. 304 f. m.w.H.). 

10.  
Nach dem Ausgeführten ist im Sinne einer Gesamtwürdigung Folgendes 

festzuhalten: Die bisherige – zum Teil implizit angewendete – Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach allein das Fehlen gültiger 

Ausweispapiere der Nachzuziehenden kein Grund für die Verweigerung 

eines Familiennachzugs gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AIG ist (vgl. Urteil des 

BVGer F–1415/2020 vom 25. November 2021 E. 8 m.w.H.), ist zu präzi-

sieren: Der Familiennachzug nach Art. 85 Abs. 7 AIG setzt grundsätzlich 

voraus, dass die Identität der Nachzuziehenden erstellt ist (vgl. Urteil des 

BVGer E–638/2013 vom 16. Juli 2013 S. 8). Eine Verweigerung des Fami-

liennachzugs gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG einzig gestützt auf fehlende Aus-

weispapiere der nachzuziehenden Personen in Anwendung von Art. 5 

Abs. 1 Bst. a AIG kann deshalb – unter Vorbehalt der Einhaltung überge-

ordneten Rechts – dann erfolgen, wenn ernsthafte Zweifel an der Identität 

der Familienangehörigen bestehen, die auf keinem anderen Weg behoben 

werden können und eine zumutbare Mitwirkung der betreffenden Perso-

nen an der tatsächlich möglichen Identitätsabklärung unterblieben ist. 

Steht der Familiennachzug zu einer vorläufig aufgenommenen Person mit 

Flüchtlingsstatus zur Debatte, ist diesem Umstand (u.a.) bei der Frage nach 

der Zumutbarkeit der Mitwirkung bei der Identitätsfeststellung Rechnung 

zu tragen. 

11.  
11.1 Die Familienverhältnisse präsentieren sich vorliegend folgender-
massen: Gemäss einer vom Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals 

Aarau vorgenommenen Abstammungsbegutachtung mittels DNA-Analy-

se ist der Beschwerdeführer der biologische Vater und B. die biologische 

Mutter von C. und D. Belege für eine rechtsgültig geschlossene Ehe zwi-

schen dem Beschwerdeführer und B. und für eine rechtliche Elternschaft 

liegen nicht vor. Der Beschwerdeführer brachte im vorinstanzlichen Ver-

fahren vor, die Ehe in Tibet traditionell geschlossen und keine behördliche 

Registrierung veranlasst zu haben ([…]). 

11.2 Nachdem das Staatssekretariat für Migration (SEM) im Oktober 
2018 Kenntnis von der biologischen Verwandtschaft im oben erwähnten 

Sinn erhalten hatte, forderte es am 5. März 2019 vom Beschwerdeführer 

Familienzusammenführung 2022 VII/2 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VII 15 

 

eine über die Person von B. ausgestellte Bestätigung des Bureau of His 

Holiness the Dalai Lama in Neu-Delhi ein ([…]). Mit Eingabe vom 

10. April 2019 machte der Beschwerdeführer geltend, eine entsprechende 

Bestätigung sei ihm dort verweigert worden ([…]). Die Vorinstanz er-

kundigte sich daraufhin mit E-Mail vom 9. Mai 2019 bei der schweizeri-

schen Botschaft in Neu-Delhi nach dem Wahrheitsgehalt dieser Aussage. 

Mit E-Mail vom gleichen Tag antwortete diese, dass das Büro des Dalai 

Lama weiterhin solche Bestätigungen ausstelle ([…]). Im Rahmen der 

weiteren Sachverhaltsinstruktion hielt das SEM gegenüber dem Be-

schwerdeführer an dieser Auffassung fest. Sodann führte es in einem 

Schreiben vom 5. Juni 2020 aus, gemäss aktuellem Kenntnisstand sei da-

von auszugehen, dass Personen tibetischer Herkunft, welche sich in Indien 

befinden würden, über ein « Registration Certificate » (nachfolgend: RC), 

ein « Identity Certificate » (nachfolgend: IC) sowie ein « Green Book » 

verfügen würden. Der Beschwerdeführer werde deshalb aufgefordert, die 

Kopien der Identitätsdokumente bis zum 3. Juli 2020 einzureichen ([…]). 

Am 19. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer ein E-Mail vom 15. Juni 

2020 zu den Akten, in welchem ein « Protocol Officer » des Bureau of His 

Holiness the Dalai Lama ausführte, sie hätten Instruktionen, keine « bona 

fide letter » mehr auszustellen (« We have strict instruction from Kashag 

to not issue any support letter or bonafide letter for Swiss family reunion 

purposes. » […]). 

11.3 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM schliesslich aus, 
gemäss Art. 7 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und 

die Visumerteilung (VEV, SR 142.204) könnten Ausnahmen von der Rei-

sedokumentenpflicht in begründeten Fällen bewilligt werden, insbe-

sondere aus humanitären Gründen oder zur Wahrung nationaler Interessen. 

Beides sei im Fall des Beschwerdeführers nicht ersichtlich und eine Aus-

nahme damit nicht angezeigt. Er habe die Folgen der Beweislosigkeit zu 

tragen, zumal die eingeforderte Mitwirkung erfüllbar, zumutbar und zur 

Abklärung der entscheidrelevanten Tatsachen geeignet gewesen sei ([…]). 

11.4 Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde geltend, er sei 
mit der Einschätzung des SEM nicht einverstanden, dass er und seine 

Familienmitglieder ihrer Mitwirkungspflicht nicht hinreichend nachge-

kommen seien. Die Vorinstanz stelle sich auf den Standpunkt, dass laut 

einer eigenen Abklärung vom 9. Mai 2019 davon ausgegangen werden 

dürfe, dass es nicht zutreffe, dass das Tibet Bureau keine « bona fide 

letter » ausstelle. Dies könne er mit einem beigelegten E-Mail vom 

2022 VII/2 Familienzusammenführung 

 

 

16 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

15. Juni 2020 widerlegen. Sollte das SEM auf seinem Standpunkt behar-

ren, bitte er um Einsichtnahme in die genannten Abklärungen. Auch die 

pauschale Aussage, dass Tibeter in Indien ohne Probleme zu indischen 

Identitätspapieren gelangen könnten, treffe so nicht zu. Seine Angehörigen 

würden kein RC erhalten, weil sie keine Papiere, wie namentlich eine Ge-

burtsurkunde, vorlegen könnten. Das RC wiederum sei Voraussetzung, um 

ein IC zu erhalten. Aufgrund ihrer illegalen Einreise nach Indien und der 

Angst, deshalb zurück nach Nepal und von dort nach China gebracht zu 

werden, schreckten seine Frau und die beiden Töchter davor zurück, ein 

RC zu beantragen ([…]). 

11.5 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung vom 2. November 
2020 aus, sie habe sich bei ihrer Aussage, dass das Bureau of His Holiness 

the Dalai Lama im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz weiter-

hin Bestätigungen für Tibeter ausstelle, auf eine Aussage der Schweizer 

Botschaft vom 9. Mai 2019 gestützt. Diese habe zum damaligen Zeitpunkt 

explizit bestätigt, dass der Erhalt eines « bona fide letter » auch weiterhin 

möglich sei. Laut Aussagen der Schweizer Botschaft in Neu-Delhi sei der 

« bona fide letter » nicht zu verwechseln mit dem sogenannten « recom-

mendation letter », der vom Bureau of His Holiness the Dalai Lama 

weiterhin ausgestellt werde. Tibeter, die über Nepal nach Indien flöhen, 

würden durch diesen « recommendation letter » nachweisen, dass sie tat-

sächlich Tibeter und nicht etwa Nepalesen oder Nordostinder seien. Damit 

würden sie auf der indischen Botschaft in Katmandu ein sogenanntes 

« Special Entry Permit » erhalten. Diese würden in der Regel vom Tibetan 

Refugee Reception Centre in Dharamsala eingezogen. In Indien angekom-

men, ermögliche es die Bezahlung des sogenannten « Chatrel » Tibetern, 

ein « Grünes Buch » zu erhalten. Dieses Dokument sei der einzige Aus-

weis, den die « Central Tibetan Administration » (nachfolgend: CTA) zur 

Verfügung stelle, und werde derzeit für den Schulbesuch, das Schul- oder 

Universitätsstipendium und die Beschäftigung in der Exilgemeinde ver-

wendet. Jeder Tibeter, der älter als sechs Jahre sei, dürfe ein « Grünes 

Buch » besitzen. Seit Februar 2011 verteile die Polizei auch « RC » an 

tibetische Neuankömmlinge in Indien. Verfügten Tibeter in Indien noch 

über kein RC, könnten sie bei der CTA ein Empfehlungsschreiben erlan-

gen und damit bei den indischen Behörden ein RC ausstellen lassen. Soll-

ten sie von der CTA kein Empfehlungsschreiben erhalten, könnten sie sich 

dennoch für ein RC an die indischen Behörden wenden und ihre Situation 

zumindest erklären. Die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers 

würden sich seit mehreren Jahren in Indien befinden. Das SEM könne auf-

Familienzusammenführung 2022 VII/2 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VII 17 

 

grund obgenannter Ausführungen und den Auskünften der Schweizer Bot-

schaft in Indien schliessen, dass es extrem unwahrscheinlich sei, dass sie 

über keines der genannten Dokumente verfügten, zumal man offenbar bei 

Polizeikontrollen oft danach gefragt werde oder solche auch benötige, um 

eine Wohnung oder ein Haus zu mieten. Hingegen komme es regelmässig 

vor, dass die nachzuziehenden Personen die Eingabe dieser Dokumente 

verweigerten, weil sich daraus möglicherweise ableiten liesse, dass der 

vorläufig aufgenommene Flüchtling in der Schweiz aus Indien oder Nepal 

und damit aus einem sicheren Drittstaat und nicht aus Tibet in die Schweiz 

eingereist sei. Es müsse deshalb angenommen werden, dass diese Doku-

mente zwar vorlägen, vom Beschwerdeführer aber bewusst zurückbehal-

ten würden, um den eigenen Aufenthaltsstatus in der Schweiz nicht zu ge-

fährden ([…]). 

11.6 In seiner Replik vom 3. Januar 2021 wiederholte der Beschwer-
deführer, dass er sich sehr um die Beschaffung der erforderlichen Doku-

mente bemüht habe und seiner Mitwirkungspflicht mehr als hinreichend 

nachgekommen sei. Diesbezüglich verweise er auf die bereits getätigten 

Ausführungen. Es sei darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz sich nicht 

die Mühe gemacht habe, sich zum Inhalt des von ihm vorgelegten E-Mails 

vom 15. Juni 2020 zu äussern. Sie belasse es dabei, die veralteten Ausfüh-

rungen der schweizerischen Botschaft zu wiederholen ([…]). 

11.7 In ihrer Vernehmlassung vom 16. März 2021 führte die Vorin-
stanz aus, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers habe sie in der 

Vernehmlassung vom 2. November 2020 klar festgehalten, dass sie sich in 

Bezug auf den « bona fide letter » auf eine Aussage der Schweizer Bot-

schaft vom 9. Mai 2019 gestützt habe. Zudem habe sie ausführlich aufge-

zeigt, welche Dokumente in Indien lebende Tibeter üblicherweise nach-

weisen könnten und weshalb es äusserst unwahrscheinlich sei, dass man 

als Tibeter ohne eines dieser Dokumente nach Indien gelange oder gar 

längerfristig dort lebe. Der Beschwerdeführer habe für seine Angehörigen 

weder im Verlaufe des Familiennachzugsverfahrens noch im Beschwerde-

verfahren solche Dokumente eingereicht, weshalb schon aus diesem 

Grund eine Ablehnung des Familiennachzugsgesuchs gerechtfertigt sei 

([…]). 

11.8 Mit Triplik vom 27. April 2021 brachte der Beschwerdeführer 
schliesslich vor, es sei für ihn schlicht nicht nachvollziehbar, weswegen 

die Vorinstanz nicht mit einem Wort auf seinen Einwand und den Inhalt 

der E-Mail vom 15. Juni 2020 eingegangen sei ([…]). 

2022 VII/2 Familienzusammenführung 

 

 

18 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

11.9 Die Vorinstanz hat es auf Beschwerdeebene trotz wiederholter 
Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht ([…]) unterlassen, 

sich konkret zum vom Beschwerdeführer vorgelegten E-Mail vom 15. Juni 

2020 und zu dessen möglichen Implikationen für das vorliegende Verfah-

ren zu äussern. In dieser Mitteilung widerspricht ein « Protocol Officer » 

des Bureau of His Holiness the Dalai Lama in Neu-Delhi den Angaben der 

schweizerischen Botschaft vom 9. Mai 2019, dass weiterhin « bona fide 

letter » ausgestellt würden. Die vom Beschwerdeführer vorgelegten Infor-

mationen sind dabei neueren Datums als diejenigen der Vorinstanz. Unab-

hängig von der Frage nach dem Beweiswert des E-Mails vom 15. Juni 

2020 erweist es sich vor dem Hintergrund dieser widersprüchlichen Anga-

ben für das Bundesverwaltungsgericht ohne vertiefte Abklärungen als un-

möglich, zu beurteilen, ob es für den Beschwerdeführer beziehungsweise 

die nachzuziehenden Personen möglich war, die geforderte Bestätigung zu 

erhalten. Aus den vorinstanzlichen Akten und aus der angefochtenen Ver-

fügung wird sodann auch nicht konkret ersichtlich, was für eine rechtliche 

Relevanz die Vorinstanz einem « bona fide letter » einräumt – etwa als ge-

eigneter Identitätsnachweis im Rahmen einer Ausnahmeregelung zu der 

Einreisevoraussetzung gemäss Art. 5 Abs. 1 Bst. a AIG (vgl. Art. 6 Abs. 5 

und Art. 7 VEV) – und inwiefern sich die Rechtsposition des Beschwerde-

führers und seiner Angehörigen durch das Vorliegen eines solchen ge-

ändert hätte. Die fehlende Entscheidungsreife ist in dieser Situation nicht 

durch das Bundesverwaltungsgericht selbst herzustellen (Art. 61 VwVG). 

12.  
Die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen und das Verfahren zur vollstän-

digen Erhebung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur rechtsgenügli-

chen Begründung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sollte diese an einer 

Gesuchsabweisung einzig basierend auf den fehlenden Ausweispapieren 

der nachzuziehenden Personen festhalten, wären die vom Gericht darge-

legten Grundsätze ([…]) zu berücksichtigen.