# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1f98c0a3-0127-5b87-9b81-12bb4d250cda
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-19
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 19.12.2023 SST.2022.298
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-298_2023-12-19.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

 
SST.2022.298 
(ST.2022.108; STA.2021.6984) 

 

 

Urteil vom 19. Dezember 2023 
 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Cotti  

Oberrichterin Möckli  

Gerichtsschreiberin Wanner 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

Privatkläger   A._____, 

[…]  

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1950, von Lauterbrunnen, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dominik Probst,  

[…]   

 

 

 
 

Gegenstand  Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau sprach den Beschuldigten mit 

Strafbefehl vom 25. April 2022 wegen Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte sowie Beschimpfung schuldig und bestrafte ihn 

nach Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 13. Mai 2020 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 40.00 

gewährten bedingten Strafvollzugs zu einer unbedingten Gesamtgeldstrafe 

von 130 Tagessätzen zu Fr. 40.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 130 Tage). Dem 

Strafbefehl liegt folgender Sachverhalt zugrunde: 

 

Am Dienstag, 24.08.2021, 16:55 Uhr, fuhr der Beschuldigte im Bus der 
C._____ AG innerhalb von Q._____. Der Privatkläger, A._____, ging zu 
dieser Zeit seinem Beruf als Mitarbeiter der C._____ AG für Stichkontrolle 
und Sicherheit nach. Aufgrund dessen wollte der Privatkläger den 
Beschuldigten im Bus kontrollieren, ob dieser über ein gültiges Fahrbillett 
verfügt. Da der Beschuldigte den Privatkläger während der ganzen Fahrt 
ignorierte, entschloss sich dieser, den Beschuldigten bei dessen 
Aussteigen bei der Bushaltestelle R._____ in Q._____ in Bezug auf ein 
gültiges Fahrbillett zu kontrollieren. Als der Privatkläger den Beschuldigten 
bei der Bushaltestelle R._____ ansprach, um ihn zu kontrollieren, verhielt 
sich der Beschuldigte renitent, sprach in aggressiver Art und Weise mit 
dem Privatkläger und wies sich nicht aus. In der Folge wollte sich der 
Beschuldigte der Kontrolle entziehen, wendete sich vom Privatkläger ab, 
weshalb der Privatkläger den Beschuldigten am Arm anfasste. Daraufhin 
drehte sich der Beschuldigte zum Privatkläger um und schlug ihn mit seiner 
rechten Hand an die linke Wange. Durch diesen Schlag des Beschuldigten 
erlitt der Privatkläger keine sichtbaren Verletzungen, hatte aber 
anschliessend Kopfschmerzen. 
 
Ausserdem betitelte der Beschuldigte den Privatkläger, als dieser die 
Ticket-Kontrolle bei ihm durchführen wollte, diesen mit den Worten 
«Sauhund». Durch die Äusserung des Beschuldigten fühlte sich der 
Privatkläger in seinem Gefühl, ein ehrbarer Mensch zu sein, verletzt. 

 

1.2. 

Gegen diesen ihm am 27. April 2022 zugestellten Strafbefehl erhob der 

Beschuldigte am 2. Mai 2022 Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt am 

Strafbefehl fest und überwies diesen am 18. Mai 2022 samt Akten zur 

Durchführung des Hauptverfahrens an das Bezirksgericht Aarau. 

 

2. 

2.1. 

Mit Urteil vom 28. Juni 2022 verfügte der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau nach gleichentags durchgeführter Hauptverhandlung mit Befragung 

des Privatklägers, der Zeugen D._____ (Busmitreisender) und E._____ 

(Mitarbeiter C._____ AG) sowie des Beschuldigten, dass das Verfahren in 

 - 3 - 

 

 

Bezug auf den Vorwurf der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB 

eingestellt wird und erkannte: 

 

«1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss 

Art. 285 Ziff. 1 StGB. 
 

2. 
2.1 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmung 
und gestützt auf Art. 34, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 120 Tagessät-
zen Geldstrafe verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 40.00 festgesetzt. Die 
Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 4'800.00. 
 
2.2 
Die Untersuchungshaft von 1 Tag wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die 
Geldstrafe angerechnet. Der nicht verbüsste Teil der Geldstrafe beträgt 
119 Tagessätze und beläuft sich auf Fr.  4'760.00. 
 
2.3 
Wird die Geldstrafe nicht bezahlt, so wird gestützt auf Art. 36 StGB eine 
Ersatzfreiheitsstrafe von 119 Tagen vollzogen. 
 
3. 
Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 13. Mai 
2020 für 90 Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 40.00 
(90 Tagessätze abzüglich 1 Tagessatz für die ausgestandene Untersu-
chungshaft) gewährte bedingte Vollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 
Satz 1 StGB widerrufen.  
 
Die widerrufene Geldstrafe bildet zusammen mit der neuen Strafe die Ge-
samtstrafe gemäss Ziff. 2. 
 
4. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von  Fr. 1'200.00 
b) der Anklagegebühr von Fr. 1'300.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 2'084.00 
d) andere Auslagen Fr. 195.00 
Total Fr.  4'779.00 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr 
sowie die Kosten gemäss lit. d im Gesamtbetrag von Fr. 2'695.00 auferlegt. 
 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 2'084.00 (inkl. Fr. 149.00 
MwSt.) werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschul-
digte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Ver-
teidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
5. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung 
von Fr. 2'084.00 (inkl. Fr. 149.00 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse 
zugesprochen.» 

 

 - 4 - 

 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 5. Juli 2022 meldete der Beschuldigte gegen das ihm 

gleichentags zugestellte Urteilsdispositiv Berufung an. Das begründete 

Urteil wurde ihm in der Folge am 1. Dezember 2022 eröffnet.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. Dezember 2022 forderte der Beschuldigte, 

dass er von Schuld und Strafe freizusprechen sei. Dementsprechend sei 

das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich, unter Ausschluss der Einstellung 

betreffend den Tatvorwurf der Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB, 

aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

3.2. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 20. Dezember 2022 wurde u.a. 

das mündliche Verfahren angeordnet.  

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 22. Dezember 2022 verzichtete die Staatsanwaltschaft 

darauf, einen Nichteintretensantrag zu stellen und Anschlussberufung zu 

erklären.  

 

3.4. 

Am 4. Januar 2023 verlangte der Privatkläger das Nichteintreten auf die 

Berufung und reichte Aufzeichnungen aus dem betreffenden Bus (inkl. CD-

Rom) ein. Zudem beantragte er, dass bei Notwendigkeit F._____, 

Fahrtdienstleiter des Busbetriebes, sowie G._____, Stv. Bereichsleiter der 

C._____ AG, als Auskunftspersonen zu befragen seien. 

 

3.5. 

Der Beschuldigte reichte am 27. Februar 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein und hielt darin an 

seinen mit der Berufungserklärung gestellten Anträgen fest. In formeller 

Hinsicht stellte er zudem den Antrag, dass die Stellungnahme des 

Privatklägers (inkl. CD-Rom) vom 4. Januar 2023 aus den Akten zu weisen 

sei. 

 

3.6. 

Der Privatkläger beantragte mit Berufungsantwort vom 7. März 2023 die 

Abweisung der Berufung und die Zulassung der Stellungnahme vom 

4. Januar 2023.  

 

3.7. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 21. März 2023 ihre Berufungsantwort 

ein, mit folgenden Anträgen: 

1.  Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen. 

 - 5 - 

 

 

 
2.  Die Stellungnahme des Zivil- und Strafklägers (inkl. der eingereichten 

Beweise) sei zuzulassen.  
 
3.  Sämtliche Videoaufzeichnungen innerhalb des Busses vom 24.08.2021 

zwischen 16:53:00 Uhr und 16:59:00 Uhr, insbesondere die 
Aufzeichnungen der Türe 2 für den Zeitraum vom 24.08.2021 zwischen 
16:55:00 Uhr und 16:57:30 Uhr seien beizuziehen.  

 
4.  Unter Kostenfolge. 

 

3.8. 

Mit Eingabe vom 11. April 2023 verzichtete der Beschuldigte auf die 

Einreichung einer Stellungnahme zu den beiden Berufungsantworten.  

 

3.9. 

Die Berufungsverhandlung mit der Befragung des Beschuldigten und des 

Privatklägers fand am 19. Dezember 2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den vorinstanzlichen 

Schuldspruch und die damit zusammenhängenden Punkte (Strafe, Kosten- 

und Entschädigungsfolgen).  

 

Nicht angefochten und somit nach Art. 404 Abs. 1 StPO grundsätzlich nicht 

zu prüfen ist demgegenüber die Einstellung des Verfahrens betreffend den 

Tatvorwurf der Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB, welche in 

Rechtskraft erwachsen ist. 

 

2. 

2.1. 

Der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 

Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer eine Behörde, ein Mitglied einer 

Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer 

Handlung, die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer 

Amtshandlung nötigt oder während eine Amtshandlung tätlich angreift 

(Abs. 1). Als Beamte gelten u.a. auch Angestellte von Unternehmen nach 

dem Personenbeförderungsgesetz vom 20. März 2009 (SR 745.1) 

(Abs. 2). 

 

Auf die zutreffenden rechtlichen Erwägungen der Vorinstanz zum 

Angriffsobjekt und der Tathandlungen i.S.v. Art. 285 Ziff. 1 StGB sowie zum 

Vorsatz wird verwiesen (vorinstanzliches Urteil E. 3.1 f.; Art. 82 Abs. 4 

StPO).  

 - 6 - 

 

 

2.2. 

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt aufgrund der überein-

stimmenden Zeugenaussagen und der glaubhaften Schilderungen des 

Privatklägers als erstellt und verurteilte den Beschuldigten wegen Gewalt 

gegen Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB) zu einer Gesamtgeldstrafe von 

120 Tagessätzen. 

 

Der Beschuldigte bestreitet die Tat und verlangt einen Freispruch von 

Schuld und Strafe (Berufungserklärung vom 19. Dezember 2022; 

Berufungsbegründung vom 27. Februar 2023).  

 

Der Privatkläger verlangt die Abweisung der Berufung (Eingabe 

Privatkläger vom 4. Januar 2023). 

 

Die Staatsanwaltschaft verweist auf die ihrer Meinung nach zutreffende 

Urteilsbegründung der Vorinstanz (Berufungsantwort der Staats-

anwaltschaft vom 21. März 2023).  

 

2.3. 

Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am 24. August 2021 um 16:55 Uhr 

im Bus der C._____ AG innerhalb von Q._____ gefahren ist. An der 

Haltestelle R._____ ist der Beschuldigte ausgestiegen. Der Privatkläger hat 

ihn daraufhin am Arm gepackt, worauf sich der Beschuldigte aus diesem 

Griff befreien wollte (vgl. Berufungsbegründung S. 3). Unbestritten ist 

ferner, dass beim Privatkläger im Anschluss an die Auseinandersetzung 

mit dem Beschuldigten keine Verletzungen sichtbar waren (vgl. Foto 

[act. 11] und Bericht des Kantonsspitals Aarau vom 25. August 2021 

[act. 20]). Strittig und zu prüfen ist mit Blick auf die Anklage und die weiteren 

Beweise, ob der Beschuldigte den Privatkläger mit seiner rechten Hand an 

die linke Wange geschlagen hat.  

 

2.4. 

2.4.1. 

Der Privatkläger sagte anlässlich seiner Befragungen konstant und 

anschaulich aus, dass er am besagten Tag im Bus Nr. 2 in Q._____ 

Richtung S._____ unterwegs gewesen sei. Als er den Beschuldigten habe 

kontrollieren wollen, habe dieser ihn einfach ignoriert und sein Billett nicht 

vorgezeigt. Der Beschuldigte sei bei der Bushaltestelle R._____ 

ausgestiegen und er sei ebenfalls ausgestiegen, um die Kontrolle draussen 

durchzuführen. Der Beschuldigte habe sich weder ausweisen noch das 

Ticket vorzeigen wollen, sondern sei einfach weggelaufen (act. 20, 74, 77, 

157; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3). Daraufhin habe er ihn mit 

seiner rechten Hand an seinem rechten Oberarm bzw. Schulter 

festgehalten (anlässlich seiner Befragung vor Obergericht nannte er es 

"angetütscht" [Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 und S. 5]) und 

gesagt, dass er jetzt warten und zuerst sein Ticket vorzeigen müsse 

 - 7 - 

 

 

(act. 74 f., 79, 157 f.). Der Beschuldigte habe sich dann umgedreht und ihn 

mit seiner rechten Faust auf seine linke Wange bzw. auf sein linkes 

Jochbein geschlagen (act. 20, 75, 158). Der Schlag habe ein wenig weh 

getan, aber er habe keine sichtbaren Verletzungen erlitten (act. 17 f.; 79; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3). Der Arbeitskollege des 

Privatklägers sei dann ebenfalls ausgestiegen und sie hätten gemeinsam 

beide Arme des Beschuldigten festgehalten und ihm zu seinem Schutz 

Handfesseln angelegt, da er sich nicht beruhigt und sich weiterhin gewehrt 

habe (act. 75, 158). Er habe dann seine Body-Cam aktiviert, welche zwei 

Minuten rückwirkend aufnehme. Der dritte Arbeitskollege habe die Polizei 

zur Unterstützung angefordert (act. 75).  

 

Der Privatkläger konnte anschaulich und detailgetreu umschreiben, wie 

sich der Vorfall zugetragen hat. Die in allen Einvernahmen getätigten 

übereinstimmenden Aussagen des Privatklägers, wie sich der Beschuldigte 

im Bus während der Kontrolle, beim Aussteigen und auch nach dem Vorfall 

mit dem Schlag verhalten habe, wie auch die Erklärung des Schlags des 

Beschuldigten im Detail (das Umdrehen des Beschuldigten und mit welcher 

Hand er wohin geschlagen habe) lassen seine Aussagen sehr plausibel 

und authentisch erscheinen. Indizien für bewusst oder unbewusst falsche 

Aussagen (bspw. grobe Widersprüche in den Schilderungen, Zurücknahme 

oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen Schilderungen, 

Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe mehrerer Einver-

nahmen, unklare oder ausweichende Antworten) sind im Aussageverhalten 

des Privatklägers nicht auszumachen. Es ist denn auch kein Grund 

ersichtlich, weshalb der Privatkläger den Beschuldigten zu Unrecht hätte 

beschuldigen sollen. Auch die Vorinstanz wies bei der Würdigung der 

Aussagen des Privatklägers darauf hin, dass die Aussagen des 

Privatklägers glaubhaft wirken und sich anhand seiner Angaben der Ablauf 

des damaligen Geschehens ohne Weiteres nachvollziehen lässt (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 2.12). 

 

2.4.2. 

Der Zeuge D._____ (Busmitreisender) erklärte anlässlich seiner 

Einvernahmen übereinstimmend mit dem Privatkläger, dass der 

Beschuldigte im Bus mehrfach aufgefordert worden sei, das Billett 

vorzuweisen (act. 65, 154). Der Beschuldigte habe ein bisschen aggressiv 

reagiert. Der Zeuge gab detailgetreu zu Protokoll, dass die «Kontis» 

versucht hätten, den Beschuldigten zu beruhigen und dieser einfach 

weitergelaufen sei. Die «Kontis» hätten ihn dann gestoppt und gepackt, 

weil er immer weitergelaufen sei. Einer der zwei bis drei «Kontis» habe die 

Polizei angerufen. Nachdem dem Beschuldigten die Handschellen 

angelegt worden seien, sei er noch aggressiver geworden. Er (der Zeuge) 

sei auf das Ganze aufmerksam geworden, weil der Beschuldigte laut 

gewesen sei (act. 65). Die Kontrolleure hätten den Beschuldigten etwa 

viermal nach dem Billett gefragt. Als sie gemerkt hätten, dass er einfach 

 - 8 - 

 

 

weiterhin weglaufe, hätten sie ihn mit der Hand angegriffen und gesagt, 

«Stop, jetzt muesch Billet zeigen». Weil der Beschuldigte dann aggressiv 

geworden sei und sich nicht habe anfassen lassen und mit seinem Körper 

Hin- und Herbewegungen gemacht habe, hätten sie ihn mit den 

Handschellen angegriffen, um ihn zu beruhigen (act. 66). Vor dem Anlegen 

der Handschellen sei der Beschuldigte sehr aggressiv gewesen, habe sich 

gewehrt und habe dabei vielleicht einen «Konti» getroffen. Er könne sich 

aber nicht daran erinnern, ob der Beschuldigte einen «Konti» getroffen 

habe. Er wisse nur, dass der Beschuldigte sehr aggressiv gewesen sei 

(act. 67, 154). Der Zeuge D._____ beschrieb damit den Vorfall 

nachvollziehbar, schlüssig und bis auf den Schlag, welchen er nicht 

gesehen hatte, übereinstimmend mit dem Privatkläger. 

 

2.4.3. 

Der Zeuge E._____ (Mitarbeiter C._____ AG) hat einen Schlag selber nicht 

gesehen. Er konnte aber den Ablauf des Vorfalles (Ankündigung der 

Kontrolle, Weglaufen und schliesslich Festhalten des Beschuldigten), wie 

es der Privatkläger und auch der Zeuge D._____ beschrieben haben, 

bestätigen (act. 155 f.).  

 

2.4.4. 

Anlässlich seiner ersten Befragung vor Ort gab der Beschuldigte zu 

Protokoll, dass die Kontrolleure gesehen hätten, wie er beim Manor 

ausgestiegen sei, damit die anderen Personen hätten aussteigen können. 

Der Privatkläger habe ihn am Arm gepackt und er habe sich dann 

losgerissen. Geschlagen habe er ihn nicht, aber gesagt, dass er ihn nicht 

anfassen solle. Der Privatkläger habe einen anderen gerufen und sie hätten 

ihm Handschellen angelegt. Er habe etwas Mühe mit dem Gehör und der 

Kontrolleur habe schon etwas gesagt, aber er wisse nicht was (act. 14). Mit 

diesen ersten Aussagen des Beschuldigten bleibt unklar, was genau bei 

der Haltestelle R._____ passiert ist, wieso er nicht einfach sein 

vorhandenes Billett vorgewiesen hat und weshalb die Kontrolleure ihm 

Handschellen haben anlegen müssen. Diese lücken- und sprunghaften 

Aussagen des Beschuldigten vermögen daher nicht zu überzeugen.  

 

Der Beschuldigte begab sich einen Tag später notfallmässig in das 

Kantonsspital Aarau wegen Schmerzen an seiner linken Hand (vgl. act. 30 

und 37). Gemäss Austrittsbericht des Kantonsspitals Aarau vom 25. August 

2021 habe der Beschuldigte berichtet, dass er gestern gegen 17:00 Uhr im 

Bus mit drei Kondukteuren gestritten habe. Alle seien in Q._____ in der 

Nähe vom Manor ausgestiegen. Es sei eine Schlägerei erfolgt und die 

Polizei sei involviert gewesen (act. 37). Damit räumte der Beschuldigte 

gegenüber dem behandelnden Arzt implizit zum einen ein, dass 

irgendjemand zugeschlagen hatte und er aktiv an der Auseinandersetzung 

beteiligt gewesen war. Nachdem gegen die Kontrolleure der Vorwurf des 

Zuschlagens nie erhoben wurde, kann dies nur der Beschuldigte selbst 

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gewesen sein. Anlässlich einer weiteren ärztlichen Kontrolle in der Haus-

arztpraxis Sanacare vom 6. September 2021 (vgl. act. 31 und 40) 

schilderte der Beschuldigte den Ablauf der Auseinandersetzung erneut 

etwas anders, indem er gegenüber seinem Hausarzt berichtete, dass er im 

öffentlichen Nahverkehr (Bus) am 24. August 2021 von drei Kontrolleuren 

heftig attackiert worden sei.  

 

Anlässlich seiner Einsprache gegen den Strafbefehl vom 2. Mai 2022 gab 

der Beschuldige neu zu Protokoll, dass er seine Fahrkarte den drei 

Kontrolleuren schon vor dem Einsteigen gezeigt habe (act. 88). Dies 

wiederholte er auch vor Vorinstanz (act. 159 f.). Er sei schnell ausgestiegen 

und zwei Schritte von der Türe weggegangen, da er die anderen Passanten 

nicht mit seinem Einkaufs-Trolley habe behindern wollen. Der Zugriff des 

Kontrolleurs sei dann so schnell gewesen, dass er seine Fahrkarte gar nicht 

habe herausnehmen und schon gar nicht habe zuschlagen können 

(act. 89). Der Kontrolleuer [gemeint ist der Privatkläger] habe ihn, einen 

Vollinvaliden, angefallen und am Arm gepackt (act. 89). Auch vor 

Vorinstanz und vor Obergericht sagte der Beschuldigte aus, dass der 

Privatkläger ihn richtig gepackt habe und er versucht habe, sich weg-

zuziehen. Er habe eine Gelenkentzündung und das tue ihm weh. Er habe 

dann reflexartig reagiert und versucht, sich wegzuziehen. Geschlagen habe 

er nicht (act. 160; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8 ff.). Anlässlich 

seiner Befragung vor Obergericht räumte er ein, dass er im Bus einmal 

nach dem Billett gefragt worden sei und er daraufhin gesagt habe, er werde 

zuerst aussteigen und dann werde geschaut (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 10 f.). Eine plausible Erklärung, weshalb ihn der 

Privatkläger draussen gepackt haben soll, konnte er auch nach 

mehrmaligem Nachfragen nicht geben. Er reagierte mit Ausflüchten 

(Minderwertigkeitskomplex des Privatklägers [Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 11]; Hautfarbe [Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13]) 

und lauter werdender Stimme (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). 

 

Die vom Beschuldigten gemachten Aussagen zum vorgehaltenen Vorwurf 

und auch die von ihm eingereichten Arztberichte enthalten Widersprüche 

und Ungereimtheiten lassen damit fehlende Konstanz bezüglich des tat-

sächlich Vorgefallenen erkennen. Während er Minuten nach dem Vorfall 

noch davon sprach, dass der Privatkläger ihn am Arm gepackt habe und er 

sich losgerissen habe, berichtete er am nächsten Tag im Spital davon, dass 

er mit drei Kondukteuren gestritten habe und es zu einer Schlägerei 

gekommen sei. Rund zwei Wochen später sprach er dann bei seinem 

Hausarzt davon, dass er von drei Kontrolleuren heftig attackiert worden sei. 

In seiner Einsprache meinte er alsdann wiederum, dass der Privatkläger 

ihn angefallen und am Arm gepackt habe. Vor Obergericht berichtigte er 

auf Nachfrage hin den Ausdruck "Schlägerei" im Arztzeugnis dahingehend, 

dass er damals eigentlich eine Rauferei gemeint habe, wobei der Doktor es 

falsch verstanden habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9). 

 - 10 - 

 

 

Gleichzeitig sprach er betreffend das gleiche Ereignis wiederum davon, 

dass er richtig am Arm gepackt worden sei und er sich losgerissen habe 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8).  

 

Hinzu kommt, dass der Beschuldigte immer wieder gewisse Zu-

geständnisse machte. So gab er in der polizeilichen Einvernahme vor Ort 

zu, dass er sich losgerissen habe und es schon sein könne, dass der 

Kontrolleur etwas gesagt habe. Auch in seiner Einsprache räumte er ein, 

dass er reflexartig reagiert habe und versucht habe, sich wegzuziehen. Im 

Berufungsverfahren liess er durch seinen Verteidiger einräumen, dass es 

durchaus denkbar und keineswegs lebensfremd sei, dass er den 

Privatkläger im Rahmen des innert wenigen Sekunden abgespielten 

Gerangels versehentlich ungünstig getroffen habe. Bedingt durch die teils 

schubweise auftretenden, starken Schmerzen seien unkontrollierte und 

reflexartige Bewegungen bei an rheumatoider Arthritis erkrankten 

Personen nicht selten (vgl. Berufungsbegründung S. 5 Rz. 10; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 9 f. und S. 13). 

 

Zusammenfassend erscheinen die Aussagen des Beschuldigten wenig 

überzeugend. Sie vermögen die erlebt wirkenden Aussagen des Privat-

klägers nicht in Zweifel zu ziehen, welche zusammen mit den Aussagen 

der Zeugen ein stimmiges Bild der stattgefundenen Kontrolle ergeben. Auf 

Grundlage der obigen Beweiswürdigung bestehen keine vernünftigen 

Zweifel daran, dass sich der Vorfall vom 24. August 2021, wie im 

Anklagesachverhalt beschrieben, zugetragen hat. Damit ist erstellt, dass 

der Beschuldigte den Privatläger mit seiner rechten Hand an die linke 

Wange geschlagen hat.  

 

2.5. 

Nach dem Gesagten kann grundsätzlich offenbleiben, ob die eingereichten 

Videosequenzen aus der Videoüberwachungskamera im Bus verwertbar 

sind oder nicht, da das Obergericht aufgrund der bereits abgenommenen 

Beweise den Sachverhalt erstellen und in vorweggenommener antizipierter 

Beweiswürdigung annimmt, dass sich daran durch weitere Beweis-

erhebungen nichts ändern würde. 

 

Dennoch kann festgehalten werden, dass die Videoüberwachung im Bus 

zulässig war, da dafür eine ausreichende gesetzliche Grundlage (Art. 55 

PBG sowie die Bestimmungen in der Videoüberwachungsverordnung des 

öffentlichen Verkehrs [VüV-ÖV; SR 742.147.2]) vorhanden ist, gemäss den 

glaubhaften Angaben des Privatklägers erkenntlich gemacht wurde, dass 

Videoaufzeichnungen im Bus erstellt werden (vgl. Eingabe des Privat-

klägers vom 7. März 2023 S. 2 oben, Eingabe des Beschuldigten vom 

27. Februar 2023 S. 7 Rz. 18), an einer solchen Videoüberwachung ein 

überwiegendes öffentliches Interesse besteht (Schutz des Personals und 

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der Reisenden vor Aggressionen und Belästigungen; Schutz vor Sach-

beschädigungen und Wertgegenständen etc.) und der Eingriff verhältnis-

mässig ist (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 6B_1133/2021 vom 

1. Februar 2023 E. 2.3 f., nicht publiziert in: BGE 149 IV 153; 

DAPHINOFF/HASSLER, Der öffentliche Personenverkehr – Haftung und 

Sicherheitsfragen, in: LuT – Schriftenreihe zum Logistik- und Transport-

recht 9/2017 S. 243 ff.).  

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten ist es nicht problematisch, 

dass die Kamera im Innern des Linienbusses zur Türe ausgerichtet war und 

dadurch zwangsläufig auch einen Teil der städtischen Umgebung entlang 

der Buslinie und damit öffentlichen Grund (i.c. Bushaltestelle) erfasst hat 

(vgl. Berufungsbegründung S. 7 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 12 f.). Der Fokus der Aufnahme lag auf dem Ein- und Ausgangsbereich 

des Linienbusses und erfasste nur beschränkt einen Teil des Aussen-

bereichs bzw. des Trottoirs und der Strasse. Dies zeigt sich dann auch in 

den Bildern selber, auf welchen man die Gesichter des Privatklägers und 

des Beschuldigten an der Bushaltestelle ausserhalb des Buses nicht mehr 

sieht, da die an der Decke angebrachte Videokamera relativ steil nach 

unten ausgerichtet ist (vgl. Eingabe des Privatklägers vom 4. Januar 2023). 

Ziel und Zweck der Videokamera ist demnach nicht die Aufnahme von 

Passanten irgendwo auf öffentlichem Grund, sondern das Erfassen der 

Reisenden, welche unmittelbar den Bus betreten oder aussteigen. Die 

Aufnahme der im Bus angebrachten Kamera sind folglich verwertbar. 

 

Auf den vom Privatkläger mit Eingabe vom 4. Januar 2023 eingereichten 

Bildausschnitten aus der im Bus angebrachten Videoüberwachungs-

kamera ist zu sehen, wie der Beschuldigte seine rechte Hand zur Faust 

ballt, sein Gewicht vom rechten Fussballen auf die Fussspitze verlagert, mit 

seinem rechten Arm eine Schwungbewegung von unten nach oben 

ausführt und schliesslich aufgrund des Schwungs seinen Körper nach links 

verlagert. Den Schlag selber und die Gesichter der Beteiligten sieht man 

indes nicht. Die einzelnen Bewegungsabläufe stimmen jedoch mit den 

Aussagen des Privatklägers überein, wonach er vom Beschuldigten mit der 

rechten Hand an der linken Wange getroffen worden sei. Die Video-

aufnahmen stimmen somit mit den Aussagen des Privatklägers überein 

und untermauern den erstellten Sachverhalt weiter.  

 

2.6. 

Hinsichtlich der rechtlichen Qualifikation des festgestellten Sachverhalts 

als Verwirklichung des objektiven und subjektiven Tatbestands der Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB) kann auf 

die vom Beschuldigten nicht bestrittenen und grundsätzlich zutreffenden 

Ausführungen der Vorinstanz (E. 3) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 

StPO). Der Beschuldigte hat sich wissentlich und willentlich der Gewalt und 

 - 12 - 

 

 

Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB 

schuldig gemacht.  

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten wegen Gewalt und Drohung 

gegen Behörden und Beamte schuldig und verurteilte ihn nach Widerruf 

des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 13. Mai 

2020 für 90 Tagessätze Geldstrafe zu Fr. 40.00 (unter Anrechnung der 

erstandenen Untersuchungshaft von einem Tag) gewährten bedingten 

Vollzugs zu einer Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 40.00.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen vollumfänglichen Frei-

spruch. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Obergericht liess der 

Verteidiger ausführen, dass im Falle eines Schuldspruchs die Anzahl 

Tagessätze, die von der Vorinstanz festgelegt worden sei, als angemessen 

erachtet werde, jedoch die Höhe von Fr. 40.00 auf Fr. 10.00 reduziert 

werden solle. Die Strafe sei bedingt auszusprechen. Auf einen Widerruf des 

Strafbefehls sei zu verzichten und der Beschuldigte sei zu verwarnen 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12 f.). 

 

3.2. 

Da sich in der Berufung für den Fall der Abweisung des verlangten 

Freispruchs keine weiteren Ausführungen zur Strafzumessung finden, 

kann grundsätzlich auf die unbestritten gebliebenen Erwägungen der 

Vorinstanz zur tat- und täterangemessenen Strafe verwiesen werden (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 4.2-4.4 und 4.7). Die von der Vorinstanz 

festgesetzte Geldstrafe für die während der Probezeit neu verübte Straftat 

von 80 Tagessätzen erscheint nebst der zusätzlich neu wegen der 

Gewährung des bedingten Strafvollzugs auszusprechenden Verbindungs-

busse (vgl. dazu nachfolgend E. 3.4.4) als angemessen.  

 

3.3. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und wirt-

schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 

Abs. 2 StGB). Die Vorinstanz hat den Tagessatz nach Sichtung der 

Steuerveranlagung 2019 (act. 137), ausgehend von einer monatlichen 

AHV-Rente von Fr. 1'616.00 und unter Berücksichtigung eines Pauschal-

abzugs von 20 %, auf Fr. 40.00 festgesetzt (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. 4.5.2). Der Beschuldigte reichte anlässlich der Hauptverhandlung vor 

Obergericht einen Steuerausweis 2022 der SVA Aargau ein, welcher dem 

Beschuldigten eine Altersrente für den Zeitraum vom Januar 2022 bis 

Dezember 2022 über Fr. 19'560.00 bescheinigte. Zudem legte er ein 

Schreiben der SVA Aargau vom 21. Dezember 2022 ins Recht, wonach ab 

1. Januar 2023 der monatliche Leistungsbetrag Fr. 1'671.00 betrage. Zu 

berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte damit nahe am Existenz-

 - 13 - 

 

 

minimum lebt, weshalb das für die Berechnung des Tagessatzes 

massgebende Nettoeinkommen um 50 % zu reduzieren ist (BGE 134 IV 60 

E. 6.5.2). Der Tagessatz ist daher abgerundet auf Fr. 20.00 festzusetzen. 

 

3.4. 

3.4.1. 

Die Vorinstanz hat sich in ihren Erwägungen nicht damit befasst, ob sich 

der Widerruf des bedingten Vollzugs der Vorstrafe (oder der unbedingte 

Vollzug der Strafe für die aktuelle Straftat) bei der Prognose positiv auswirkt 

(vgl. vorinstanzliches Urteil E. 4.6; Urteil des Bundesgerichts 6B_355/2021 

vom 22. März 2023 E. 2.3.1).  

 

3.4.2. 

Das Nebeneinander von zwei Sanktionen erfordert eine Beurteilung in 

Varianten: Möglich ist, dass der Vollzug der neuen Strafe erwarten lässt, 

der Verurteilte werde dadurch von weiterer Straffälligkeit abgehalten, 

weshalb es nicht notwendig erscheine, den bedingten Vollzug der früheren 

Strafe zu widerrufen. Umgekehrt kann der nachträgliche Vollzug der 

früheren Strafe dazu führen, dass eine Schlechtprognose für die neue 

Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint und diese folglich bedingt 

ausgesprochen wird (BGE 134 IV 140 E. 4.5 mit Hinweisen; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_501/2022 vom 16. November 2022 E. 4.1; 

6B_808/2018 vom 6. Mai 2019 E. 2.3). Die Bewährungsaussichten sind 

anhand einer Gesamtwürdigung der Tatumstände, des Vorlebens, des 

Leumunds sowie aller weiteren Tatsachen zu beurteilen, die gültige 

Schlüsse etwa auf den Charakter des Täters sowie Entwicklungen in seiner 

Sozialisation und im Arbeitsverhalten bis zum Zeitpunkt des Widerrufs-

entscheids zulassen (BGE 134 IV 140 E. 4.4; Urteile des Bundesgerichts 

6B_501/2022 vom 16. November 2022 E. 4.1; 6B_808/2018 vom 6. Mai 

2019 E. 2.3).  

 

3.4.3. 

Der Beschuldigte wurde innert der zweijährigen Probezeit gemäss 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 13. Mai 2020 

erneut einschlägig straffällig (am 24. August 2021). Dass er den Ernst der 

Lage im damaligen Zeitpunkt nicht hinreichend erkannte, liegt damit – wie 

die Vorinstanz richtig ausführte (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 4.6.2) – auf 

der Hand. Der Beschuldigte scheint zudem nach wie vor nicht einsichtig. 

Um den Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten, ist daher 

notwendig, dass der mit Strafbefehl vom 13. Mai 2020 gewährte bedingte 

Strafvollzug für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 40.00 

(abzüglich eines Tages Untersuchungshaft) widerrufen wird. Dies ist jedoch 

auch hinreichend. Denn auf der anderen Seite ist auch anzumerken, dass 

der Beschuldigte sich seit dem 24. August 2021 bis heute nichts mehr hat 

zuschulden kommen lassen (vgl. aktueller Strafregisterauszug) und er 

keinen Katalog an Vorstrafen aufweist. Die widerrufene Geldstrafe sowie 

 - 14 - 

 

 

das Aussprechen einer Verbindungsbusse (siehe dazu nachfolgend 

E. 3.4.4) sollten dem Beschuldigten somit hinreichend klar vor Augen 

führen, dass sein Verhalten gegenüber Beamten nicht akzeptiert wird. Das 

Obergericht verzichtet daher auf den Vollzug der neuen Strafe, da davon 

auszugehen ist, dass der Widerruf eine genügende Warnwirkung erzeugt, 

um den Beschuldigten von weiterer Delinquenz abzuhalten. Es fehlt somit 

an einer ungünstigen Prognose mit Bezug auf die neue Strafe (vgl. Art. 42 

Abs. 1 StGB). Die Geldstrafe ist deshalb bedingt auszusprechen.  

 

Da vorliegend jedoch weder von nachhaltiger Einsicht noch von echter 

Reue des Beschuldigten die Rede sein kann und nicht zu vernach-

lässigende Bedenken an seiner Legalbewährung bestehen, ist die Probe-

zeit auf vier Jahre festzusetzen (Art. 44 StGB). 

 

3.4.4. 

Eine bedingt ausgesprochene Geldstrafe kann mit einer Busse verbunden 

werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Dabei müssen beide Sanktionen in ihrer 

Summe schuldangemessen sein. Im Rahmen der Strafkombination von 

Art. 42 Abs. 4 StGB darf die Busse nicht zu einer Straferhöhung führen 

oder eine zusätzliche Strafe ermöglichen (BGE 134 IV 53 E. 5.2). Das 

Hauptgewicht hat auf der bedingten Geldstrafe zu liegen, während der 

Busse nur untergeordnete Bedeutung im Sinne eines spürbaren 

Denkzettels zukommen kann (BGE 134 IV 1 E. 4.5). Unter Berück-

sichtigung der untergeordneten Bedeutung der Verbindungsbusse, der 

wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten und des Umstands, dass 

das Bundesgericht die Obergrenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der 

schuldangemessenen gesamten Strafe festgelegt hat (vgl. BGE 135 IV 188 

E. 3.4.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_337/2022 vom 12. Juli 

2023 E. 1.3.1, zur Publikation vorgesehen), ist die Verbindungsbusse auf 

Fr. 400.00 festzusetzen. 

 

Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, spricht das 

urteilende Gericht eine Ersatzfreiheitsstrafe aus, welche den Verhältnissen 

des Beschuldigten angemessen ist (Art. 106 Abs. 2 und 3 StGB). Gestützt 

auf einen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten ent-

sprechenden Umrechnungsschlüssel von Fr. 20.00 (vgl. BGE 134 IV 60 

E. 7.3.3) ergibt sich eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen. 

 

4. 

4.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gut-

geheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_997/2020 vom 

18. November 2021 E. 2.2).  

 - 15 - 

 

 

 

Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinem Antrag auf 

Freispruch vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und 

Beamte. Er obsiegt jedoch insofern, als dass die Strafe bedingt ausge-

sprochen und die Tagessatzhöhe angepasst wird. Die Probezeit wird 

jedoch auf vier Jahren festgesetzt und zusätzlich wird eine Verbindungs-

busse ausgesprochen. Es ist daher gerechtfertigt, die obergerichtlichen 

Verfahrenskosten zu 4/5 dem Beschuldigten aufzuerlegen und im Übrigen 

auf die Staatskasse zu nehmen. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'000.00 

festzusetzen (§ 18 VKD). 

 

4.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist gestützt auf seine als 

angemessen erachtete Kostennote mit Fr. 3'838.95 (inkl. MwSt.) aus der 

Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 und 2 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und Abs. 3bis AnwT). 

 

Wird die beschuldigte Person teilweise zu den Verfahrenskosten verurteilt, 

so ist sie gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO verpflichtet, dem Kanton die 

Entschädigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Ver-

hältnisse erlauben. Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten daher im 

Umfang von 4/5, d.h. Fr. 3'071.15, zurückzufordern, sobald es seine 

finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

5. 

5.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Die beschuldigte Person trägt gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie nur teilweise 

schuldig gesprochen, so sind ihr die Verfahrenskosten grundsätzlich nur 

anteilsmässig aufzuerlegen. Sie kann in diesem Fall aber auch vollum-

fänglich kostenpflichtig werden. Der beschuldigten Person können die 

gesamten Kosten des Untersuchungsverfahrens und des erstinstanzlichen 

Verfahrens insbesondere dann auferlegt werden, wenn die ihr zur Last 

gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen 

und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts 

notwendig waren (Urteile des Bundesgerichts 6B_580/2019 vom 8. August 

2019 E. 2.2; 6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3 f.; je mit weiteren 

Hinweisen).  

 

Die vorinstanzliche Kostenregelung durch das Bezirksgericht erweist sich 

trotz teilweiser Einstellung des Verfahrens betreffend den Vorwurf der 

Beschimpfung weiterhin als korrekt und bedarf keiner Änderung, da die 

dem Beschuldigten mit der Anklage zur Last gelegten beiden Handlungen 

in einem engen und direkten Zusammenhang stehen. Entsprechend 

 - 16 - 

 

 

rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten sämtliche Kosten des vorinstanz-

lichen Verfahrens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 

StPO).  

 

5.2. 

Der Beschuldigte war bereits im vorinstanzlichen Verfahren amtlich 

verteidigt, weshalb der amtliche Verteidiger aus der Staatskasse zu 

entschädigen ist. Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren zugesprochene Entschädigung von Fr. 2'084.00 inkl. MwSt. ist 

mit der Berufung betragsmässig nicht angefochten worden, weshalb darauf 

im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden kann (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). Der Be-

schuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 

Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren wird eingestellt in Bezug auf den Vorwurf der Beschimpfung 

gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss der in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmung sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 

Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen à Fr. 20.00, d.h. 

Fr. 1'600.00, Probezeit 4 Jahre, 

 

und zu einer Verbindungsbusse von Fr. 400.00, ersatzweise 20 Tage 

Freiheitsstrafe 

 

verurteilt. 

 

 - 17 - 

 

 

3.2. 

3.2.1. 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 13. Mai 

2020 für die Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 40.00, total Fr. 3'600.00 

gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen.  

 

3.2.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft im Umfang von einem Tag wird auf 

die widerrufene Geldstrafe angerechnet. 

 

3.2.3. 

Die vom Beschuldigten zu bezahlende Geldstrafe beträgt Fr. 3'560.00. 

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichts-

gebühr von Fr. 2'000.00 und den Auslagen von Fr. 242.00, d.h. insgesamt 

Fr. 2'242.00, werden dem Beschuldigten zu 4/5 mit Fr. 1'793.60 auferlegt 

und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.  

 

4.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 3'838.95 (inkl. MwSt.) auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von 4/5 mit d.h. 

Fr. 3'071.15, zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse 

erlauben. 

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'695.00 

werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

5.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 2'084.00 (inkl. 

7.7 % MwSt. von Fr. 149.00) auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 - 18 - 

 

 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 19. Dezember 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss     Wanner