# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed03c2b8-199f-53fe-a4fc-8747fda6ca9e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-19
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung; volle Arbeitsfähigkeit ein Jahr nach Unfall; Frage nach invalidisierender Wirkung einer dissoziativen Bewegungsstörung i.c. offengelassen, da selbst bei Annahme einer 20%igen Leistungsminderung im angestammten Beruf die Anspruchsvoraussetzungen für eine IV-Rente nicht gegeben sind.
**Docket/Reference:** IV.2014.00140
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00140.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00140
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Buchter
Urteil
vom
19. März 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Dr.
iur.
O.___
Dreifuss & Bollag, Law Office
Splügenstrasse 11, Postfach 2129, 8022 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1972,
arbeitete nach
einer von 1992 bis 1994 bei einer Bank absolvierten Bürolehre
und einer
anschliessenden
Phase der Arbeitslosigkeit bei verschiedenen
Arbeitgebern im Bankensektor. Zu
letzt war er
im Rahmen eines befristeten Arbeitsverhältnisses
vom 6. Juni bis
30. No
vember 2006
in einem
80 %
-Pensum
als „
Sachbearbeiter Corporate Actions
“
be
i der
Privatbank
Y.___
angestellt
,
als er
sich
am 20.
Sep
tember 2006 beim Hallenfussball
eine Luxationsfraktur des rechten obe
ren Sprunggelenks (OSG)
zuzog
und
seine Arbeit nicht wieder aufnahm
.
Am 6.
Ja
nuar 2009 meldete
er sich
wegen einer Algodystrophie bei Malleolar-Frak
tur rechts
bei der Invalidenversicherung
zum Leistung
sbezug
an (
Urk.
8/3).
Die So
zialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf
daraufhin
erwerb
lich-berufliche und medizinische Abklärungen
, wobei sie
den Versicherten in
der
Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
Z.___
,
A.___
,
begutachten liess. Gestützt auf deren Expertise
vom
22.
Januar 2013 (
Urk.
8/60/2-29)
verneinte sie
,
wie am 22. Februar 2013 vorbe
schieden (Urk. 8/75)
,
mit Verfügung vom 3. Januar 2014 (Urk. 2) den Renten
anspruch des Versicherten basierend auf einem Invaliditätsgrad von 20 %.
Zu
dem entschied sie, dass mangels einer gesundheitsbedingten Einschränkung bei der Stellensuche kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehe.
2.
Hier
gegen erhob
X.___
am
5. Februar 2014
unter Auflage
verschiedener
Arztberichte, unter anderem des Berichts des Zentrums für Schmerzmedizin,
B.___
, vom 31. Januar 2014 (Urk. 3/3)
Beschwerde
mit
dem
folgende
n
Rechtsbegehren
(Urk. 1 S. 2)
:
„1.
Es sei dem Versicherten eine IV-Rente auszurichten, welche seiner tat
sächlichen Erwerbsunfähigkeit entspricht.
2.
Die Kosten für die Untersuchung des
B.___
vom 31.
Januar 2014 sind von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen.
3.
Eventualiter seien weitere Untersuchungen, insbesondere eine neuro
logische Untersuchung vorzunehmen, um die Diagnose einer Small-fibre Polyneuropathie zu erhärten oder eine andere Ursache für die vorliegende Polyneuropathie zu suchen.
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
geg
ne
r
in.“
Die IV-Stelle schloss in
ihrer Beschwerdeantwort vom 10. März 2014 (Urk.
7) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwer
deführer am 14. März 2014 (Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Mit
Verfügung vom 7. April 2010 (Urk. 8/19), bestätigt durch Einspracheent
scheid vom 13. Januar 2012 (Urk. 8/42), stellte der für das Ereignis vom 20. Septem
ber 2006 zuständige Unfallversicherer die
Heilbehandlungs- und Tag
geldleistungen per 7.
April beziehungsweise 30.
Juni 2010
ein und verneinte
einen Anspruch auf
weitere Geldleistungen in Form
eine
r
Invalidenrente und/oder eine
r
Integritätsentschädigung.
Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 8/47
)
wies das hiesige Gericht mit unangefochten gebliebenem Urteil vom
7.
August 2013
ab
(
Urk. 8/80; Prozess UV.2012.00046).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
tels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine In
va
li
den
rente.
2.2
Die Beschwerdegegnerin
ging
in ihrer Verfügung vom 3. Januar 2014 (Urk. 2)
davon aus
,
dass
das
Ereignis
vom 20. September 2006
zu einer erheblichen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit geführt habe, de
r
Beschwerdeführer jedoch
ein Jahr nach
dem
Unfall
in der
bisherige
n
und
in jeder
andere
n
angepasste
n
Tätig
keit wieder voll
arbeitsfähig
gewesen sei
.
Seit 1. August 2008 sei ihm die bis
he
rige Tätigkeit w
egen einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
aus psy
chiatrischer Sicht
nur
noch
im Umfang von
80 %
zumutbar
.
Folglich sei von einem
nicht rentenbegründenden
Invali
ditätsgrad von 20 % auszugehen
.
Die Be
schwerdegegnerin
stützte sich dabei in medizinischer Hinsicht im Wesentli
chen auf das
Z.___
-Gutachten vom 22. Januar 2013 und hielt im vorliegenden Verfahren an
ihrem
Standpunkt fest (Urk. 7).
2.
3
Dagegen wandte
der Beschwerdeführer
ein
,
die Gutachter hätten den Grund für
seine
Beschwerden in der Psyche gesucht, weil sie nichts hätten objektivieren können beziehungsweise er nicht gründlich untersucht worden sei. Richtig sei, dass er heute
wegen
der langen Leidensgeschichte psychische Probleme
habe
, wobei die dadurch bedingte Arbeitsunfähigkeit unterschiedlich eingeschätzt und teilweise gar mit 100 % beziffert worden sei.
Anhand
der
Ergebnisse der Ende Januar 2014
im Zentrum für Schmerzmedizin in
B.___
durchgeführten Unter
suchung
en
sei erstellt, dass eine objektivierbare Störung der dünnen (Schmerz-)
Fasern vorliege und somit ein Korrelat für das Schmerzempfinden vorhanden se
i
(Urk. 1 S. 2 ff.).
3.
3.1
Im
von der Beschwerdegegnerin als massgebend erachteten
Z.___
-Gutachten vom
22. Januar 2013 (Urk. 8/60/2-29), beruhend auf allgemein-internistischen (S. 7 ff.), psychiatrischen (S. 10 ff.), orthopädischen (S. 14 ff.) und neurologi
schen
(S. 21 ff.) Unte
rsuchungen,
stellten
die
Sachverständigen die
folgenden Diagno
sen
(S. 24
f.):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Chronische Fuss-, Unterschenkel- und Kniebeschwerden rechts (ICD-10 T93.2/M79.60)
-
Status nach OSG-Luxationsfraktur Typ Weber B, Syndesmosenruptur und knöchernem Ausriss de
r dorsalen Syndesmose am 20. September
2006
-
Status nach Plattenosteosynthese und Zugschraube, Naht der ventra
len Kapsel
und vorderen Syndesmose am 2
6.
September
2006
-
Komplexes regionales Schmerzsyndrom (ICD-10 G56.4), residuell, bei Verdacht auf früheren Morbus Sudeck bei Zustand nach d
istaler Un
terschenkelfraktur
i
m September
2006
-
S
tatus nach Thrombose der Vena fibularis auf Höhe des mittleren Un
terschenkels (Sonographie
vom
10. November
2006)
-
radiologisch Knocheninfarkt der distalen Tibia posteromedial, im Ver
lauf nicht m
ehr nachweisbar (MRI
vom
22. November 2006 und 11. Mai
2010)
-
kein objektiver Hinweis für längerdauernde Schonung dieser Extremi
tät
-
Seit zwei Monaten auftretende Lumbalgie (ICD-10
M
54.
5
)
-
Dissoziative Störung (ICD-10 F44.4)
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomausweitung und dysphori
scher Verstimmung (ICD-10 F54)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge histrionisch (ICD-10 Z73.1)
-
Chronische Beschwerden an der linken unteren Extremität (ICD-10 M79.60)
-
klinisch unauffälliger Befund im Hüft-, Knie- und Fussbereich
-
Metabolisches Syndrom
-
Adiposita
s (BMI 33 kg/m2; ICD-10 E66.0)
-
arterielle Hypertonie (ICD-10 I10)
,
unter medikamentöser Behandlung ungenügend eingestellt
-
Hyperurikämie (ICD-10 E79.0), keine Hinweise auf Gichtarthritis
In
d
er Gesamtbeurteilung (S. 25
ff.) führten die Gutachter aus, der Beschwerde
führe
r habe am 20.
September 2006 eine OSG-Luxationsfraktur rechts erlitten,
wobei der Verlauf durch ein
Complex
Regional Pain S
yndrome (
CRPS
)
kompli
zier
t gewesen sei. Der Beschwerdeführer
klage
über seither andaue
rnde Schmer
zen im rechten Bein und gebe an,
zunehmend auch
an
Rückenschmerzen
zu lei
den
.
In
der
orthopädischen Untersuchung seien
am Bewegungsapparat
bis auf eine leichte Schwellung und Rötung des rechten Sprunggelenks weitgehend
un
auffällig
e Befunde erhoben worden
.
Es hätten diverse Diskrepanzen zwischen
spontanen Bewegungen
des Beschwerdeführers
und de
ssen
Verhalten während der Un
tersuchungssituation bestanden.
Sodann seien v
ier von fünf Waddel-Zei
chen als Hinweise auf eine nicht organische Schmerzursache positiv gewesen. Aus orthopädischer Sicht seien gewisse Beschwerden bei Belastung des
rechten Beins nachvollziehbar,
jedoch bestehe
für
eine körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit wie
der Beschwerdeführer
sie
vor dem Unfall bei einer Bank ausgeübt
habe
, eine
volle
Arbeitsfähigkeit.
Dasselbe gelte aus neurologischer Sicht. Denn in der neurologischen Untersuchung
seien
zwar
ebenfalls Zeichen
eines residuellen komplexen regionalen Schmerzsyndroms
(insbesondere leich
ter
Schwellungszustand, vgl.
S. 22 f.)
festgestellt worden, es bestehe aber keine orga
nisch-neurologische Ursache für die
angegebenen Beschwerden
.
Von psy
chia
trischer Seite
sei eine dissoziative Störung diagnostiziert worden
, dere
twe
gen die Arbeitsfähigk
eit des Beschwerdeführers um 20
% eingeschränkt sei.
Dessen
Klagen
über sein Gefühlsleben stünden in Kontrast zu den
objektiven psy
chia
tri
schen Befunden. Eine depressive Symptomatik bestehe nicht. Zusätz
lich sei eine Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomausweitung diagnosti
ziert wor
den,
welche die vom Beschwerdeführer angegebenen
und aus somati
scher Sicht nicht objektivierbaren Beschwerden
erkläre. Als Grundlage für die psychische
Störung stünden akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge, wel
che aber nicht
das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung erreich
t
en.
A
llgemein-internistisch
sei
ein metabolisches Syndrom mit Adipositas, arterieller Hyperto
nie und Hyperuri
kämie diagnostiziert worden. Im Labor seien die Entzündungs
parameter etwas
erhöht, Zeichen einer manifesten Entzündung hätten sich kli
nisch nicht ge
fun
den.
Eine mögliche Erklärung seien das metabolische Syndrom und der Resi
dual
zustand des CRPS. Aus allgemein-internistischer Sicht bestehe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte bis mittel
schwere Tätigkeit.
Aus polydisziplinärer Sicht habe nach dem Unfall vom 20. September 2006 bis Juni 2007 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten bestan
den. Von Juli 2007
bis Juli 2008 sei die Arbeitsfähigkeit für die angestammte
Tätigkeit bei einer Bank und andere körperlich angepasste Tätigkeiten nicht mehr
eingeschränkt gewesen.
Die psychische Störung wirke sich seit der erst
maligen Erwähnung im
August 2008
auf die Arbeitsfähigkeit aus. Seither be
stehe
aus polydisziplinärer Sicht
in der
bisherige
n
Tätigkeit
bei
einer Bank wie auch
in
andere
n
vorwiegend sitzende
n
, körperlich leichte
n
Tätigkeiten
eine Ar
beits- res
pek
tive Leistungsfähigkeit von
80
%
, verwertbar in einem ganztägigen Pensum mit vermehrten Pausen.
3.2
Der den
Beschwerdeführer
ab 19.
Juli 2010
(Urk. 8/40/1)
schmerztherapeutisch
mitbetreuende
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Anästhesiologie,
Klinik D.___
,
stellte
in dem
im
Zuge
des
Vorbescheid
verfahrens eingereichten
Be
richt
vom
10.
November 2013 (
Urk.
8/85)
die Diagnose
eines n
europathische
n
Schmerzsyndrom
am rechten
Fuss bei
bekanntem Status, wobei er zusätzlich von einer
Peron
a
eus- und Tibialis
-L
äsion rechts nach Osteosynthese und
an
schliessender
Ruhigstellung im Gips mit Residualatrophie der Fussmuskulatur
ausging.
Dr.
C.___
kritisierte das
im unfallversicherungsrechtlichen
Prozess
ergang
ene
Urteil des hiesigen Gerichts vom 7. August 2013
respektive
die
die
sem
zugrunde liegenden
medizinischen Entscheidungsgrundlagen
und erklärte
,
mit kei
nem der bislang durchgeführten Tests seien die für die Schmerzleitung ver
antwortlichen Nervenfasern (C- und A-Delta-Fasern) untersucht worden
. D
ie ein
zige Methode, welche neuropathische Schmerzen nachweisen könne, sei eine quantitative sensorische Testung (QST)
. Eine solche sei gestützt auf den Unter
suchungsgrundsatz durchzuführen,
vo
rzugsweise im
Zentrum für Schmerzme
dizin
in
B.___
.
3.3
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
hielt
am 28. Dezember 2013 (Urk. 8/88
S. 2)
fest
, dass der Bericht der
Klinik D.___
vom 10. November 2013
im Rahmen der kurativen Medizin, speziell für eine zielgerichtete Schmerz
the
rapie, zu würdigen sei. Daraufhin
verzichtete
die Beschwerdegegne
rin
auf
er
gän
zende Abklärungen und erliess am 3. Januar 2014 die angefoch
tene Ver
fü
gung (Urk. 2).
3.4
In der Folge
wurde der
Beschwerdeführer auf
Zuweisung
von Dr.
C.___
am 30.
Januar 2014 im
Zentrum für Schmerzmedizin in
B.___
untersucht.
Dessen Ärzte stellten im
beschwerdeweise
auf
gelegten Bericht vom 3
1.
Januar 2014 (Urk. 3/3)
die folgende Diagnose
:
-
Verdacht auf unspezifischen Fussschmerz und Unterschenkelschmerz rechts (ICD-10 M95.8)
;
Differentialdiagnose (DD)
: Restzustand eines CRPS rechts mit/bei
-
Status nach CRPS I Fuss rechts 2006 nach
-
Status nach Osteosynthese einer Luxa
tionsfraktur OSG rechts am 26. September
2006 n
ach Unfall beim Fussball am 20. September
2006
-
Knocheninfarkt distale
Tibia postero-medial (MRI 22. November
2006)
-
Thrombose der Vena fibularis Höhe mittlerer Unterschenkel
In
ihrer zusammenfassenden Beurteilung
führten die Ärzte aus
, die Ursache des aktuell präsentierten Fussschmerzes sei neurologisch nicht zuordenbar. Am ehesten handle es sich um einen Residualzustand eines laut Aktenlage
im Jahr
2006 nach Fusstrauma aufgetretenen CRPS Typ I. Differentialdiagnostisch sei auch ein chronischer unspezifischer Fus
sschmerz in Betracht zu ziehen.
A
ktuell könne
neurographisch keine Schädigung der grossen Nerven wie
N.
tibialis mo
torisch,
N.
peronaeus sensibel und
N.
suralis
sensibel
festgestellt werden. Die
Neurographie des
N.
peronaeus sei beidseits pathologisch, möglicherweise als Aus
druck einer Polyneuropathie, welche anhand des Befundes
des
Laserdoppler-Imaging (
LDI;
Funktionstest für C-Fasern),
der QST
sowie auch anhand der Nichtableitbarkeit der sympathischen Hautantwort beidseits zu vermuten sei. Eine explizit rechtsseitige
Schädigung der
Small-fibre
r
(C- und A-delta-Faser
n
)
könne bei beidseitigen Befunden für LDI und QST nicht diagnostiziert werden. Diese Befundkonstellation sei zusätzlich auch nicht
als
typisch für ein CRPS zu
werten. Der vorwiegende Nachweis sensorischer Positiv-Phänomene beidseits im
QST sei eher als unspezifischer Befund zu werten, beispielsweise im Rahmen der chronischen
unspezifischen Schmerzkrankheit
bei auch häufigen Bein
schmerzen links. Die Diagnosekriterien für ein CRPS seien
– wie im
Einzelnen
dargelegt –
nicht eindeutig erfüllt.
3.
5
Dr.
C.___
verfasste
a
m 4. Februar 2014
einen „Erläuterungsb
ericht
“
(Urk. 3/4)
bezüglich der im Zentrum für Schmerzmedizin
in
B.___
getätigten Abklärun
gen und erklärte, wichtig sei, dass der Beschwerdeführer eine objektivierbare Stö
rung der dünnen (Schmerz-)Fasern habe und somit ein Korrelat für ein
Schmerzempfinden vorhanden sei.
Es bestehe eine erhebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
.
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass sich das hiesige Gericht in dem im unfallversiche
rungsrechtlichen
Prozess
UV.2012.00046 ergangenen, unangefochten in Rechts
kraft erwachsenen Urteil vom 7. August 2013 in Sachen des Beschwerdeführers (Urk. 8/80) mit den gesundheitlichen Folgen des
E
reignisses vom 20. September 2006 befasste
. Dabei stellte
das Gericht
nach Darlegung der medizinischen Ak
tenlage
insbesondere
fest, die am 26. September 2006 in der Klinik für Unfall
chirurgie des
E.___
osteosynthetisch versorgte OSG-Luxa
tionsfraktur
rechts sei
regel- und zeitgerecht abgeheilt. Im Zeitpunkt der Leis
tungseinstel
lung durch den Unfallversicherer per 7. April respektive 30. Juni 2010
sei das vormals diagnostizierte CRPS I längst abgeheilt gewesen. Trotz umfassender medizinischer Abklärungen habe kein organisch klar fassbares, unfallbedingtes Korrelat nachgewiesen werden
können, insbesondere sei eine
(un
fallbedingte)
Nervenschädigung nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt (vgl. dortige E. 4.1).
4.2
4.2.1
Aus den
im
Verfahren
der Invalidenversicherung
neu
hinzugekommenen Arzt
berichte
n ergibt sich
, dass
es auch an krankhaften organischen Befunden fehlt,
welche die beim Beschwerdeführer im Vordergrund stehenden Beschwerden an der rechten unteren Extremität hinreichend zu erklären vermöchten.
Namentlich
gingen
auch
die
Z.___
-Gutachter
(vgl. E. 3.1 hiervor)
–
deren Expertise
die
pra
gemässen
Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungs
grundlage (vgl. E. 1.
3 hiervor
)
erfüllt
–
in
orthopädischer und neurologischer
Hinsicht
abgesehen von
eine
r
leichte
n
Schwellung
und Rötung
im Bereich
des rechten Sprunggelenks
im Wesentlichen
von
unauffällige
n
Befunde
n
aus
und
schlossen auf eine
erhebliche nicht-organische
Beschwerdek
omponente (vgl. ins
besondere S. 19 Mitte und S. 24 oben)
.
Entsprechend wurden die Beschwer
den
gutachterlich
von
p
sychiatrischer
S
eit
e
hauptsächlich
im Rahmen einer dis
so
ziativen Störung und einer Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomaus
wei
tung interpretiert
(vgl. insbesondere S. 13)
.
4.2.2
A
us
den Ergebnissen der
im Zentrum für Schmerzmedizin
in
B.___
durchge
führten Untersuchungen
vermag der Beschwerdeführer
nichts
zu seinen Guns
ten abzuleiten
.
Laut
Bericht vom 31. Januar 2014 (vgl. E.
3.4
hiervor) konnten die
Beschwerden neurologisch nicht auf eine spezifische Ursache zurückgeführt werden
.
Insbesondere konnte eine Nerven
läsion nicht objektiviert werden.
Ent
spre
chend gingen die Ärzte verdachtsweise von unspezifischen Fuss- und Unter
schenkelschmerzen rechts aus und zogen differentialdiagnostisch einen Restzu
stand eines CRPS in Betracht,
ohne eine
Arbeits
un
fähigkeit
anzugeben
.
Der Be
schwerdeführer
scheint
sodann
zu verkennen
, dass die
Polyneuropathie ledigl
ich
als Möglichkeit respektive
im Sinne einer
Vermutung in Betracht
gezogen wurde,
nachdem die
durchgeführten
Untersuchungen keine signifikanten Werte erg
e
ben
hatten.
Somit handelt es sich trotz eingehender Abklärungen lediglich um eine Verdachtsdiagnose, welche
allerdings
für die Belange der In
validenversicherung nicht
massgebend sein
kann.
Hieran
vermag
weder der
„Erläuterungsb
ericht
“
von Dr.
C.___
(vgl. E.
3.5
hier
vor)
noch der
wenig ergiebige
Bericht von Dr. med.
F.___
, Fach
arzt für Or
tho
pädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Chefarzt Kli
nik
G.___
,
vom 29. Januar 2014 (Urk. 3/5)
etwas
zu ändern.
Entge
gen dem Dafürhalten des behandelnden Schmerztherapeuten und des Beschwer
deführers (Urk. 1 S. 1 und
S.
5) lassen zusätzliche medizinische Abklärungen
insbesondere hinsichtlich der Polyneuropathie
keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse erwarten, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 124 V 94 E. 4b; 122 V 162 E.
1d
) davon abzusehen ist.
4.2.3
Dass die
geklagten
Rückenbeschwerden
ein invalidisierendes Ausmass anneh
men,
ist ebenfalls nicht ausgewiesen und wurde
denn auch
vom Beschwerde
führer nicht geltend gemacht.
4.
3
4.3.1
In
psychiatrischer
Hins
icht
wurde im
Z.___
-Gutachte
n
(vgl. E. 3.1 hiervor)
aus
gehend von einer dissoziativen Störung (ICD-10 F44.4)
ab August 2008
eine Mi
nderung der
Leistungsfähigkeit
von 20 %
angenommen
.
Dabei
legte
der psyc
hi
atrische Sachverständige ausführlich und nachvollziehbar dar
(S. 14 Ziff. 4.1.8)
,
weshalb
den
vom Beschwerdeführer
(Urk. 1 S. 3 f.) angerufenen
Ein
schätzungen des
Spitals H.___
vom 18. August 2009
(
Urk. 8/17/2-26
S. 18 f., 23 und 25) und von Dr. med.
I.___
vom 25. November 2011 (Urk. 8/39), welche zudem als Praktische Ärztin nicht über die erforderliche Sachkunde verfügt,
nicht
gefolgt
werden kann
.
4.3.2
Bei
einer
dissoziative
n
Bewegungsst
örung
findet
sich ein Verlust
oder
eine Ver
änderung von Bewegungsfunktionen, ohne
dass eine körperliche Ursache zur Erklärung der Symptome nachweisbar ist (vgl.
dazu
Dilling
/
Mombour
/
Schmidt
[Hrsg.], Internationale Klassifikation psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel
V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9. Auflage 2014
, S.
219
)
.
Demzufolge
ge
hört sie wie unter anderem auch die anhaltende somatoforme Schmerzstörung
zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, welche
gemäss der mit BGE 130 V 352
begründeten Rechtsprechung
nur ausnahmsweise
zu einer
Invalidität im Rechts
sinne
führen
vermögen (
BGE 139 V 547 E. 2.2, 137 V 64 E.
4.2
mit Hin
weis auf
Urteil des Bundesgerichts
9C
_903/2007 vom 30. April 2008 E.
3.4).
Ob vorlie
gend
die
für eine Unüber
windbarkeit
der
S
ymptomatik massgebenden rechtlichen Kri
terien
gegeben sind und mithin
de
r
von den
Sachverständigen des
Z.___
atte
stierte
n
Arbeits
un
fähigkeit auch
versicherungsrechtliche
Relevanz
zu
zuerkennen
ist,
erscheint als fraglich,
kann
aber letztlich
offenbleiben.
Denn selbst
bei Be
rücksichtigung
eines ganztags zu realisierenden beruflichen Leis
tungsver
mögen
s von 80 % im angestammten Beruf
ab August 2008
sind die Voraussetzungen für
die Zusprache einer Invalidenrente
nicht
gegeben
.
Konkret
fehlt es bereits an
einer während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch andauernden Arbeits
unfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40 %
(vgl. E. 1.2 hiervor)
, womit das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 l
it. b IVG
nicht er
füllt ist.
4.3.3
Es besteht
daher keine Notwendigkeit, einen Invaliditätsgrad
zu ermitteln.
Da
mit erübrigt sich auch eine nähere Be
fass
ung
mit
de
m
von der Beschwerde
gegne
ri
n angenommenen Valideneinkommen
, welches deutlich über den im
für
den Beschwerdeführer geführten Individuellen Konto
(
IK; Auszug vom 15. Janu
ar 2009,
Urk. 8/9) verbuchten Erwerbseinkünften liegt.
Indes ist gegen den Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach bei einer
zumutbaren
Leistungs
fähigkeit
von
80 %
in der bisherigen Tätigkeit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 20
%
besteht,
grundsätzlich
nichts einzuwenden.
4.4
Folglich
ist
die
d
en Rentenanspruch verneinende Verfügung der Beschwerde
gegnerin vom
3. Januar 2014
(Urk.
2)
nicht zu beanstanden
, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Nach dem
Dargelegten
kann dem Antrag des Beschwerde
führers (Urk. 1 S. 2 und S. 5)
, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die – unbeziffert ge
bliebenen – Kosten für die Untersuchungen im Zentrum für Schmerzmedizin in
B.___
von Ende Januar 2014 zu vergüten, nicht
stattgegeben werden
.
D
ie Rechtsprechung hat die notwendigen Expertenkosten stets als Bestandteil des Parteientschädigungsanspruches
nach Art. 61 lit. g ATSG
betrachtet
, wobei vorausgesetzt wird
, dass die
entsprechende B
egutachtung notwendig
war
und einen unerlässlichen Bestandteil der m
ateriellen Beurteilung bildete (Urteil
des Bundesgerichts 9C_178/2010 vom 14.
April 2010 E. 2 mit Hinweis auf BGE
115 V 62).
Mangels Obsiegens des
Beschwerdeführers
fällt eine Verpflichtung der
Beschwerdegegnerin
zur Vergütung der
Abklärungskosten ausser Betracht, zu
mal die
entsprechenden
Untersuchungsergebnisse
für den vorliegenden Pro
zess
keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn gebracht haben.
6
.
Die
Kosten
des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Dr.
iur.
O.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubBuchter