# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 981d6c82-0ff4-586d-ae7b-98af67f4ee45
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-12-30
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 30.12.1994 JAAC 59.110
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-59-110--_1994-12-30.pdf

## Full Text

JAAC 59.110

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 30. Dezember 1994

in Sachen R. gegen O.-B., O. und Bundesamt für

Landwirtschaft; 94/6K-007

Centre collecteur de lait; modification de l’arrêté sur le statut du lait
et ses effets; importance des critères retenus dans l’examen d’une
demande de changement de centre collecteur.

1. Art. 5 al. 1 ASL: effets de la modification du 1er août 1994.

Les principes développés jusqu’à maintenant par la jurisprudence
concernant la question de savoir si le lait doit être livré au centre
collecteur habituel du domaine ou au centre le plus proche demeu-rent
toujours valables en dépit de la nouvelle formulation de l’art. 5 al. 1 ASL
(«en règle générale» a été remplacé par «doivent») (consid. 3.1).

2. Art. 5 al. 4 ASL: changement de centre collecteur.

- Il n’y a pas à proprement parler d’accord sur un changement de centre
collecteur si l’exploitant du centre collecteur habituel n’a consenti qu’à
une livraison provisoire dans un autre centre collecteur, consentement
de surcroît assorti d’une réserve (consid. 5).

- En cas de changement de centre collecteur, il y a lieu de recourir aux
mêmes critères d’appréciation que lors d’une nouvelle livraison; on
prend d’abord en compte la distance entre l’exploitation et les différents
centres collecteurs et, lorsqu’elle est identique, on compare les autres
caractéristiques des chemins; les motifs subjectifs ne sont pas retenus
(consid. 6).

- Examiner l’état et le caractère approprié des chemins menant de
l’exploitation aux centres collecteurs revient à apprécier des conditions
locales; l’autorité inférieure qui a entrepris des mesures d’instruction,
en particulier une vision locale, dispose d’une latitude de jugement
(consid. 7.2).

1

- Examen, sous l’angle de la jurisprudence du TF, du rapport entre
la règle légale qui attribue l’exploitation au centre collecteur le plus
proche et celle de l’utilisation prioritaire du lait (consid. 8.1-8.2).

Milchsammelstelle; Auswirkungen der Änderung des Milchbeschlusses;
massgebende Kriterien und deren Gewichtung bei der Prüfung eines
Gesuches umWechsel der Sammelstelle.

1. Art. 5 Abs. 1 MB: Auswirkungen der Änderung per 1. August 1994.

Es ist davon auszugehen, dass - obwohl die Formulierung «in der
Regel» durch «müssen» ersetzt worden ist - die bisher von der
Rechtsprechung entwickelten Grundsätze bezüglich Milcheinlieferung in
die angestammte oder nächstgelegene Sammelstelle weiterhin Geltung
haben (E. 3.1).

2. Art. 5 Abs. 4 MB: Wechsel der Milchsammelstelle.

- Bei vorübergehender Einlieferung der Verkehrsmilch in eine
andere Sammelstelle mit Einverständnis und gleichzeitigem
Widerrufsvorbehalt des Inhabers der angestammten Sammelstelle kann
nicht von einem eigentlichen einvernehmlichen Sammelstellenwechsel
ausgegangen werden (E. 5).

- Bei einem Sammelstellenwechsel sind die gleichen
Beurteilungskriterien beizuziehen wie bei der Neuaufnahme der
Lieferung; massgebend ist primär die Länge des Hüttenweges und
bei gleich langen Wegstrecken sind es die übrigen Wegverhältnisse;
subjektive Motive sind unbeachtlich (E. 6).

- Bei der Frage des Hüttenweges, dessen Zustandes und der
Zweckmässigkeit der zur Diskussion stehenden Wege geht es um die
Würdigung örtlicher Verhältnisse; hat die Vorinstanz Abklärungen
mittels Augenschein getroffen, ist ihr ein Beurteilungsspielraum
zuzuerkennen (E. 7.2).

- Verhältnis zwischen der gesetzlichen Zuteilungsregel der räumlichen
Nähe und der prioritätsgerechten Milchverwertung gemäss
Rechtsprechung des BGer (E. 8.1-8.2).

Centro di raccolta del latte; modificazione del decreto sullo statuto del
latte e suoi effetti; importanza dei criteri considerati nell’esame di una
domanda di cambiamento del centro di raccolta.

1. Art. 5 cpv. 1 DSL: effetti della modificazione del 1° agosto 1994.

I principi sviluppati finora dalla giurisprudenza relativi alla questione
intesa a sapere se il latte deve essere fornito al centro di raccolta che
acquista abitualmente la produzione dell’azienda o al centro più vicino
all’azienda rimane tuttora valido malgrado la nuova formulazione
dell’art. 5 cpv. 1 DSL («di regola» è stato sostituito con «devono»)
(consid. 3.1).

2

2. Art. 5 cpv. 4 DSL: cambiamento del centro di raccolta.

- Non vi è un accordo propriamente detto su un cambiamento del
centro di raccolta, se il titolare del centro di raccolta che acquista
abitualmente la produzione ha dato il suo consenso unicamente per
una fornitura provvisoria ad un altro centro di raccolta, consenso
corredato inoltre di una riserva di revoca (consid. 5).

- In caso di cambiamento del centro di raccolta, occorre che i criteri
di valutazione siano gli stessi di quelli utilizzati per una nuova
fornitura; si prendono innanzitutto in considerazione le distanze
che separano l’azienda dei centri di raccolta e, se sono identiche, si
paragonano le altre caratteristiche dei tragitti; i motivi soggettivi non
sono considerati (consid. 6).

- Esaminare lo stato e il carattere appropriato dei tragitti che
conducono dall’azienda ai centri di raccolta significa valutare
condizioni locali; l’autorità inferiore che ha proceduto a chiarimenti,
in particolare mediante un sopralluogo, dispone di un margine di
apprezzamento (consid. 7.2).

- Esame, dal profilo della giurisprudenza del TF, del rapporto fra la
norma legale che attribuisce l’azienda al centro di raccolta più vicino
e quella dell’utilizzazione prioritaria del latte (consid. 8.1 e 8.2).

Aus dem Sachverhalt:

Der Verkehrsmilchproduzent O.-B. ersuchte am 6. Dezember 1993 das
Bundesamt für Landwirtschaft um Bewilligung zumWechsel der Sammelstelle
von X nach Z. Mit Entscheid vom 8. März 1994 entsprach das Bundesamt
dem Gesuch und teilte das Heimwesen des O.-B. dem Einzugsgebiet der
Sammelstelle Z. des O. zu.

Gegen diesen Entscheid gelangte R., Pächter der Sammelstelle X, am 7. April
1994 an die Rekurskommission EVD und beantragt sinngemäss, der Entscheid
des Bundesamtes sei aufzuheben und das Gesuch des O.-B. umWechsel der
Sammelstelle abzuweisen.

Aus den Erwägungen:

1. (Zuständigkeit)

2. (Beschwerdelegitimation, vgl. REKO/EVD 93/6K-003 E. 1, veröffentlicht in:
VPB 59.107[20])

3. Zum Zeitpunkt der Einreichung des Gesuches um Sammelstellenwechsel
(6. Dezember 1993) und dem Erlass der angefochtenen Verfügung (8. März
1994) galt der Beschluss der Bundesversammlung vom 29. September 1953
über Milch, Milchprodukte und Speisefette (Milchbeschluss, SR 916.350) in der

3

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002381.pdf?ID=150002381

alten Fassung. Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens sind am 1. August 1994
die Änderungen des Milchbeschlusses vom 18. März 1994 (AS 1994 1648) in
Kraft getreten. Diese sehen keine besondere übergangsrechtliche Ordnung vor.

3.1. Der neue Art. 5 Abs. 1 des Milchbeschlusses regelt die Milcheinlieferung in
die Sammelstellen wie folgt:

«Die Milchproduzenten müssen die Milch, die sie in Verkehr bringen, der
angestammten Milchsammelstelle des Heimwesens abliefern. Nimmt ein
Produzent die Lieferung neu auf, so hat er die Milch der nächstgelegenen
Milchsammelstelle abzuliefern.»

Damit stellt die Änderung der angeführten Bestimmung wie deren alte
Fassung auf die Begriffe der «angestammten» oder «nächstgelegenen»
Milchsammelstelle ab. In der alten Fassung war allerdings die Formulierung
der Einlieferungspflicht in dem Sinne weniger streng, als durch die
Wendung «die Milchproduzenten haben in der Regel (...)» nicht ausdrücklich
allfällige Ausnahmen vom Grundsatz ausgeschlossen wurden. Aus
der Botschaft (Botschaft vom 21. April 1993 über die Änderung des
Milchwirtschaftsbeschlusses 1988 und des Milchbeschlusses, BBl 1993 II
635 f.) folgt diesbezüglich, dass die Änderung des gesamten Art. 5 keine
zusätzliche Reglementierung, sondern vielmehr eine Lockerung des
bisherigen starren Systems bezweckte. Damit steht im Einklang, dass der
Milchbeschluss in der geänderten Fassung von Art. 5 Abs. 4 nach wie vor
die Möglichkeit eines Gesuches umWechsel der Sammelstelle vorsieht. Die
parlamentarische Beratung bezüglich Sammelstellenwechsel (Amtl. Bull.
N 1993 1671 ff.; S 1993 924 f.) ergab, dass der Gesetzgeber beabsichtigte,
das bisherige System - mit Ausnahme des neu als Bewilligungsinstanz
vorgesehenen Zentralverbandes schweizerischer Milchproduzenten (hiernach:
Zentralverband) - beizubehalten und nicht einer umfassenden Liberalisierung,
wie von einigen Parlamentariern gewünscht, zustimmte. Dementsprechend
kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die bisher entwickelte
Rechtsprechung bezüglich Milcheinlieferung unter Herrschaft des Art. 5 des
Milchbeschlusses in seiner alten Fassung weiterhin Geltung hat.

3.2. Bezüglich des Wechsels einer Sammelstelle (Art. 5 Abs. 4 Milchbeschluss)
sieht die neue Fassung eine inhaltliche Änderung in verfahrensrechtlicher
Hinsicht vor. Gemäss der geänderten Bestimmung muss der Milchproduzent,
wenn er die Sammelstelle wechseln oder in ein anderes Einzugsgebiet liefern
will, beim Zentralverband die entsprechende Bewilligung einholen. Damit ist
nicht nur die Möglichkeit weggefallen, die Sammelstelle im Einverständnis
mit alter und neuer Sammelstelle ohne weitere behördliche Überprüfung
zu wechseln (vgl. AS 1953 1109), da der Wechsel neu einer Bewilligung
unterliegt. Neu ist auch, dass das Gesuch um Sammelstellenwechsel nicht
mehr dem Bundesamt zum Entscheid zu unterbreiten ist (Art. 5 Abs. 4 i.V.m.
Art. 9 Milchbeschluss in der alten Fassung), sondern der Zentralverband als
Bewilligungsinstanz vorgesehen ist. Dessen Entscheid kann dann an das
Bundesamt (Art. 36 Abs. 1 Milchbeschluss, AS 1993 1650) und anschliessend
an die Rekurskommission EVD (Art. 37 Abs. 1 Milchbeschluss) weitergezogen
werden.

4. Vorliegend erging die angefochtene Verfügung des Bundesamtes vor
Inkrafttreten der Änderungen des Milchbeschlusses (1. August 1994, AS
1993 1651). Da bezüglich der Zuständigkeit der Rekurskommission EVD

4

als Beschwerde- und des Bundesamtes als Vorinstanz keine Änderungen
eingetreten sind, haben die neuen Verfahrensbestimmungen beimWechsel
einer Milchsammelstelle keinen Einfluss auf die vorliegend zu beurteilende
Streitsache. Es ist demnach zu prüfen, ob aufgrund der weiterhin geltenden
Rechtsprechung bezüglich Milcheinlieferung die Vorinstanz zu Recht für das
Heimwesen des O.-B. die Sammelstelle Z. als zuständig erklärt hat.

5. Unbestritten ist, dass zumindest bis 1986 die Sammelstelle X des
Beschwerdeführers als angestammt für die Verkehrsmilcheinlieferung
vom Betrieb O.-B. galt und die Einlieferung auch dort erfolgte. Gemäss
einer vom Beschwerdegegner O. zu den Akten gegebenen Aufstellung der
Milcheinlieferungen in seine Sammelstelle Z. hat O.-B. seine Verkehrsmilch
in den Jahren 1986 und 1987 teilweise sowie seit 1988 vollumfänglich in
die Sammelstelle Z. gebracht. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass
zuletzt im April 1988 das Milchgeld an O.-B. ausgezahlt worden sei, da er
die Verkehrsmilch des Betriebes O.-B. zeitweise wieder selbst abgeholt habe.
Nicht ganz klar ist demnach, seit wann die Verkehrsmilch vollumfänglich in
Z. eingeliefert wird. Der genaue Zeitpunkt ist jedoch von untergeordneter
Bedeutung. Denn abgesehen von dieser Unklarheit kann festgehalten werden,
dass zumindest seit Mitte 1988 die Verkehrsmilcheinlieferung mit dem
Einverständnis des Beschwerdeführers in Z. erfolgte. Unbestritten ist auch,
dass es sich dabei nicht um einen definitiven, sondern lediglich um einen
vorübergehenden Zustand handeln sollte. Dass sich der Beschwerdeführer
dabei den jederzeitigen Widerruf seines Einverständnisses vorbehielt,
geht auch aus den Feststellungen des Bundesamtes hervor, wonach
das Milchkontingent weiterhin bei der Sammelstelle X blieb und im
Verwertungsrapport der Sammelstelle Z. die Einlieferung vom Betrieb O.-B.
als zugekaufte Milch aufgeführt wurde. Aufgrund dieses Sachverhaltes kann
nicht behauptet werden, dass mit der Einlieferung der Verkehrsmilch in Z.
ein eigentlicher einvernehmlicher Wechsel der Sammelstelle, welcher nach
Art. 5 Abs. 4 des Milchbeschlusses in seiner alten Fassung möglich war (E. 3.2),
stattgefunden hat, da von einem hierzu erforderlichen Einverständnis des
bisherigen Sammelstelleninhabers keine Rede sein kann. Es ist somit davon
auszugehen, dass für den Betrieb des O.-B. weiterhin die Sammelstelle X als
angestammte Sammelstelle zu betrachten ist.

6. Die angestammte Sammelstelle X hat dem vorliegend zu beurteilenden
Gesuch des Produzenten umWechsel der Milcheinlieferung in die
Sammelstelle Z. nicht entsprochen. Demzufolge hatte nach dem damals
geltenden Recht das Bundesamt über das Gesuch zu befinden. Ob es das
Gesuch zu Recht gutgeheissen hat, gilt es im folgenden zu prüfen.

6.1. Der Milchbeschluss bestimmt in Art. 5 Abs. 4 nicht ausdrücklich, nach
welchen Gesichtspunkten ein Gesuch um Bewilligung des Wechsels der
Sammelstelle zu beurteilen ist. Aus Art. 5 Abs. 1 folgt jedoch, dass bei
Neuaufnahme der Milchlieferung für die Bestimmung der zuständigen
Sammelstelle das Kriterium der räumlichen Nähe massgebend ist. In
einem unveröffentlichten Entscheid hat das BGer festgehalten, dass ein
Sammelstellenwechsel bei einer bestehenden Lieferungsbeziehung auf gleiche
Weise zu behandeln ist, wie die Zuteilungsfrage bei einer Neulieferung. «Die
Beurteilungskriterien müssen in beiden Fällen notwendig übereinstimmen;

5

es wäre unlogisch, wenn bei einem Umteilungsgesuch kurz nach der
ursprünglichen Bestimmung der Sammelstelle andere Gesichtspunkte den
Ausschlag gäben» (Urteil vom 3. Juli 1984 i. S. K.).

6.2. Bei der Prüfung von Gesuchen umWechsel der Sammelstelle ist somit die
nächstgelegene Sammelstelle zu bestimmen. Im Vordergrund steht demnach
das Kriterium der räumlichen Nähe zum betreffenden Heimwesen und
massgebend ist die Länge des Hüttenweges (unveröffentlichtes Urteil des
BGer vom 21. November 1986 i. S. K.). Gemäss BGer ist damit verbindlich
festgelegt, dass primär die Wegstrecke und - bei gleich langen Distanzen
(oder nur unwesentlichen Differenzen) - auch die übrigen konkreten
Wegverhältnisse (Zustand der fraglichen Strecken, Befahrbarkeit bei
besonderen Witterungsverhältnissen, Verkehrsverhältnisse usw.) zu
berücksichtigen sind (BGE 117 Ib 162 E. 3a). Die Formulierung «in der
Regel» (Art. 5 Abs. 1 Milchbeschluss in seiner alten Fassung; E. 3.1) bezieht
sich dabei nicht nur auf das Ablieferungsobligatorium, sondern auf den
ganzen Inhalt der Bestimmung. Sie bringt zum Ausdruck, dass Ausnahmen
möglich sind und neben dem (gesetzlichen) Kriterium der räumlichen Nähe
andere Gesichtspunkte mitberücksichtigt werden können. Von erheblichem
Gewicht ist insbesondere das milchwirtschaftliche Interesse an einer
kostensparenden Milchverwertung (BGE 115 Ib 52 E. 4a und c). Wo die übrigen
Voraussetzungen für eine Zuteilung bei mehreren Sammelstellen in etwa
gleichwertig sind, kann das Kriterium der prioritären Milchverwertung den
Ausschlag geben (BGE 117 Ib 162 E. 3c; vgl. nachfolgend E. 8.2). Unbeachtlich
für die Zuteilungsfrage sind dagegen subjektive Motive (vgl. Botschaft vom
13. Februar 1953 zum Milchbeschluss, BBl 1953 I 389 ff., insbesondere 429; BGE
117 Ib 162 E. 6b).

7. Im folgenden gilt es vorab abzuklären, welche der beiden Sammelstellen
das gesetzliche Kriterium der räumlichen Nähe besser erfüllt. Da in die
Sammelstelle X vom Heimwesen O.-B. aus neben dem direkten Weg über
den Nachbarhof auch der Weg über F. zur Diskussion steht, sind insgesamt
drei Hüttenwegvarianten zu berücksichtigen.

7.1. Im vorliegenden Fall hat das Bundesamt die örtlichen Verhältnisse
durch einen Augenschein abgeklärt. Seine Abklärungen haben ergeben,
dass der direkte Hüttenweg zur Sammelstelle des Beschwerdeführers mit
1,75 km um 600 m kürzer wäre, als derjenige in die Sammelstelle Z. mit
2,35 km. Der Umweg über F., welcher an der Sammelstelle Z. vorbeiführe,
betrage dagegen 4,6 km. Auf dem direkten Weg in die Sammelstelle X müsse
der Beschwerdegegner O.-B. eine 1988 erstellte Privatstrasse benützen,
durch welche das Nachbarheimwesen unterhalb des Betriebes O.-B.
erschlossen worden sei. Da O.-B. sich an der Flurgenossenschaft, welche
zum Zweck des Strassenbaus gebildet worden sei, nicht beteiligt habe,
stehe ihm kein Durchfahrtsrecht zu. Der Beschwerdeführer habe ihm
allerdings ein Durchfahrtsrecht für die Milchablieferung zugesichert. Das
benachbarte Heimwesen, welches durch die Privatstrasse erschlossen
worden sei, liege 200 m entfernt und rund 30 m tiefer als das Heimwesen
des Beschwerdegegners O.-B. Um die neu erstellte Privatstrasse erreichen
zu können, müsse der Produzent einen steilen Feldweg benützen, welcher
zwei schmale Fahrtrinnen - stellenweise mit Betonbelag - aufweise und
dessen Benützung insbesondere bei Regenwetter und während des Winters
erhebliche Schwierigkeiten bereite. Der Hüttenweg nach Z. sei dagegen

6

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_Ib_162&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_Ib_52&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_Ib_162&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_Ib_162&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_Ib_162&resolve=1

problemlos befahrbar. Er führe zwar auch über einen 550 m langen
Privatweg, an dessen Unterhalt der Beschwerdegegner O.-B. jedoch zu 75%
beteiligt sei. Unter Berücksichtigung der bereits 7½ Jahre bestehenden
Ablieferungsverhältnisse nach Z., des bei allen Witterungsverhältnissen
problemlosen Hüttenweges ohne nennenswerte Höhendifferenzen nach
Z. und der bestehenden Strassenlücke für die Benützung der neuen Strasse in
Richtung X, könne dem vorliegenden Gesuch umWechsel der Sammelstelle
entsprochen werden.

7.2. Bei der Frage des Hüttenweges, dessen Zustandes und der
Zweckmässigkeit der zur Diskussion stehenden Wege geht es um die
Würdigung örtlicher Verhältnisse, welche von der sachkundigen Behörde
besser beurteilt werden können. Dem Bundesamt, welches seine Abklärungen
zudemmittels Augenschein getroffen hat, ist demzufolge als Fachinstanz
ein Beurteilungsspielraum zuzuerkennen (vgl. unveröffentlichtes Urteil des
BGer vom 15. März 1991 i. S. Z. gegen H., E. 4b). Solange die Beurteilung der
Verwaltungsbehörde als vertretbar erscheint, erfolgt kein Eingriff (Rhinow
René A. / Krähenmann Beat, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,
Ergänzungsband, Basel und Frankfurt a. M. 1990, Nr. 66 B II b).

7.3. Was die genannte Privatstrasse angeht, so machte der Beschwerdeführer
in seiner Eingabe vom 12. Dezember 1993 an die Vorinstanz geltend, er
habe O.-B. ein Durchfahrtsrecht für die neu erstellte Strasse zugesichert.
Beweismittel, welche sein Vorbringen bestätigen würden, liegen nicht vor.
Vielmehr wird seine Behauptung durch das Schreiben des Meliorationsamtes
vom 10. Mai 1994, wonach die zuständige Flurgenossenschaft zugunsten von
O.-B. kein Durchfahrtsrecht erteilt hat, widerlegt. Dieses Schreiben wurde
vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Ist demnach davon auszugehen, dass
der Beschwerdegegner O.-B. den an sich kürzeren Hüttenweg aufgrund des
fehlenden Fahrrechts auf der Privatstrasse gar nicht benützen kann, kommt
diese Wegvariante nicht in Betracht. Die andere Hüttenwegvariante in die
Sammelstelle X, jene über F., führt dagegen an der Sammelstelle Z. vorbei.
Da diese Wegstrecke beinahe doppelt so lang ist wie jene nach Z., spricht das
Kriterium der räumlichen Nähe eindeutig für einen Wechsel der Einlieferung
in die Sammelstelle Z..

7.4. Selbst wenn ein Benützungsrecht der Privatstrasse zugunsten des
O.-B. bestehen würde, gilt es, den an sich kürzeren Hüttenweg nach X mit
den Wegverhältnissen abzuwägen. Die diesbezüglichen Ausführungen
des Bundesamtes, wonach die Benutzung des Verbindungsstückes
zwischen dem Betrieb O.-B. und der Privatstrasse bei schwierigen
Witterungsverhältnissen problematisch sei und zudem eine beträchtliche
Höhendifferenz bestehe, wurden nicht bestritten. Es ist demnach davon
auszugehen, dass die Tatsache der erschwerten Benützung des Feldweges
durchaus geeignet ist, den Vorteil des an sich kürzeren Hüttenweges über
die neue Privatstrasse nach X aufzuheben. Dass sich das steilste Wegstück -
wie der Beschwerdeführer vorbringt - unmittelbar unter dem Stall von
O.-B. befinden soll, ist unbeachtlich. Handelt es sich doch dabei gemäss
unbestrittener Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz um die mit einem
Betonbelag versehene 30 bis 40 m lange Zufahrt zum Stall, die der Produzent
unabhängig von der jeweiligen Sammelstelle benützen muss. Nach dem

7

Gesagten vermag der Beschwerdeführer aus der weiteren Behauptung, einzig
O.-B. besitze ein Fahrrecht auf dem Feldweg zum Nachbarhof, nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten.

7.5. Demnach ist festzuhalten, dass die Beurteilung des Bundesamtes sich auf
sachlich vertretbare Gründe stützt und nicht zu beanstanden ist. Es ist somit
festzustellen, dass sowohl die Länge des Hüttenweges wie auch die übrigen
Wegverhältnisse einen Sammelstellenwechsel nach Z. rechtfertigen würden.

8. Im folgenden gilt es zu prüfen, ob weitere Argumente für oder gegen einen
Wechsel der Sammelstelle von X nach Z. sprechen, und wie diese allenfalls zu
gewichten sind.

8.1. Was das Verhältnis zwischen dem Kriterium der räumlichen Nähe
und weiteren Merkmalen angeht, so ist auf die Kürze des Hüttenweges
beziehungsweise die Wegverhältnisse abzustellen und Abweichungen von
dieser Zuteilungsregel sind nur in Ausnahmefällen - beispielsweise bei
Vorliegen von Betriebsbedürfnissen oder besonderen Umständen - zulässig.
«Diese Praxis trägt unmittelbar dem vom Gesetzgeber vorgegebenen Kriterium
Rechnung und verhindert gleichzeitig, dass durch zu starke Berücksichtigung
anderer Gesichtspunkte das Schwergewicht gegenüber dem gesetzlichen
Kriterium unzulässig verschoben wird (BGE 117 Ib 162 E. 5a).

8.2. Bezüglich des Verhältnisses zwischen der gesetzlichen Zuteilungsregel
und dem Kriterium der prioritären Milchverwertung im Speziellen ist
letztere für sich allein betrachtet kein Entscheidkriterium für die Zuweisung
an eine Sammelstelle. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
kommt diesem Kriterium bei der Ermittlung der zuständigen Sammelstelle
nur dann erhebliches Gewicht zu, wenn besondere, in den konkreten
Betriebsbedürfnissen begründete Umstände vorliegen, deren Nichtbeachtung
eine prioritätsgerechte Milchverwertung geradezu verunmöglichen würde. In
solchen Fällen kann sogar von der Regel der Lieferung in die nächstgelegene
Sammelstelle abgewichen werden (BGE 117 Ib 162 E. 5). Als Beispiel führt
das BGer den Umstand an, dass eine Sammelstelle genau auf die Milch aus
dem fraglichen Betrieb dringend angewiesen ist, weil ohne diese Milch die
bisherige prioritäre Verwertung beziehungsweise die Existenz der diese
gewährleistenden Sammelstelle unmittelbar gefährdet wäre.

8.3. Im vorliegenden Fall befinden sich die Einzugsgebiete beider
Sammelstellen in der Silozone. Was die Milchverwertung angeht, so wird
die in die angestammte Sammelstelle X eingelieferte Milch zum grossen
Teil zu Pulver verarbeitet, während die in Z. eingelieferte Milch dem
Milchverband zur Verfügung gestellt wird. Das Bundesamt hat diesbezüglich
festgehalten, dass dem Verwertungsverhältnis der bisherigen Sammelstelle
X gegenüber demjenigen der Sammelstelle Z. keine Priorität zukomme. Da
abgesehen von dieser unbestritten gebliebenen Feststellung der Vorinstanz
der Beschwerdeführer zu Recht nicht behauptet, er sei im Sinne von E. 8.2
dringend auf die Verkehrsmilch des O.-B. angewiesen, vermag selbst ein
allfälliger Verwertungsunterschied in den beiden Sammelstellen das Kriterium
des kürzeren Hüttenweges in die Sammelstelle Z. nicht zu entkräften.

(...)

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde ab)

[20] Vgl. oben S. 893.

8

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_Ib_162&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_117_Ib_162&resolve=1

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.110 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 30.

Dezember 1994 in Sachen R. gegen O.-B., O. und Bundesamt für Landwirtschaft; 94/6K-

007

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
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Band 59
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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 30. Dezember 1994 in Sachen R. gegen O.-B., O. und Bundesamt für Landwirtschaft; 94/6K-007
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: