# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc05d9c7-2d2d-50d2-b9c0-cd75ac5c8c5a
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-07-16
**Language:** de
**Title:** Vertrieb von Musik: Verfügung vom 16.07.2012
**Docket/Reference:** vertrieb_von_musik
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2012/11/vertrieb_von_musik.pdf.download.pdf/vertrieb_von_musik.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Verfügung  

vom 16. Juli 2012 

in Sachen 

Untersuchung 32-0234 gemäss Art. 27 KG 
betreffend 

Vertrieb von Musik 
wegen unzulässiger Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 
und wegen unzulässiger Verhaltensweise gemäss Art. 7 KG 

gegen 

1. IFPI Schweiz, Kraftstrasse 30, 8044 Zürich 

vertreten durch Dr. Franz Hoffet und/oder Andrea Sigl, Homburger 
AG, Prime Tower, Hardstrasse 201, 8005 Zürich 

2. Mitglieder von IFPI Schweiz, Liste der Mitglieder im Anhang 

alle vertreten durch IFPI Schweiz, Kraftstrassse 30, 8044 Zürich 

3. Phononet AG, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich 

vertreten durch Dr. Marcel Meinhardt und Dr. Astrid Waser, Lenz & 
Staehelin Rechtsanwälte, Bleicherweg 58, 8027 Zürich 

4. Media Control AG, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich 

vertreten durch Klaus Neff, Vischer AG, Schützengasse 1, Postfach 
1230, 8021 Zürich 

Besetzung 

Vincent Martenet (Präsident);  
Stefan Bühler, Andreas Heinemann (Vizepräsidenten);  
Evelyne Clerc, Andreas Kellerhals, Jürg Niklaus, Armin Schmutzler, 
Henrique Schneider, Johann Zürcher  

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 

Sachverhalt ................................................................................................................ 3 

A.1  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 3 
A.2  Parteien und Marktstruktur ........................................................................................... 4 
A.3  Wertschöpfungskette ................................................................................................... 6 
A.4  Verfahren ..................................................................................................................... 7 

B 

Erwägungen ............................................................................................................... 8 

B.1  Geltungsbereich ........................................................................................................... 8 
B.2  Vorbehaltene Vorschriften ........................................................................................... 8 
B.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede................................................................................. 9 
B.3.1  Wettbewerbsabrede ................................................................................................ 9 
B.3.1.1  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken ........................................................... 9 
B.3.1.2  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung ................................ 11 
B.3.1.3  Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Stufen ..................... 12 
B.3.1.4  Verhalten von Phononet ........................................................................................ 13 
B.3.1.5  Zwischenergebnis ................................................................................................. 13 
B.3.2 
Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................. 13 
B.3.2.1  Vorliegen einer horizontalen Gebietsabrede .......................................................... 13 
B.3.2.2  Umstossung der gesetzlichen Vermutung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG ..................... 14 
B.3.2.2.1 Relevanter Markt ................................................................................................... 14 
B.3.2.2.2 Aussenwettbewerb ................................................................................................ 16 
B.3.2.2.3 Zwischenergebnis zur Umstossung der Vermutung ............................................... 17 
B.3.2.3  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ..................................................... 17 
B.3.2.3.1 Qualitatives Element ............................................................................................. 17 
B.3.2.3.2 Quantitatives Element ........................................................................................... 17 
B.3.2.3.3 Zwischenergebnis zur Beurteilung der Erheblichkeit ............................................. 18 
B.3.2.4  Rechtfertigung aus Effizienzgründen ..................................................................... 18 
B.3.2.4.1 Rechtfertigungsgründe .......................................................................................... 19 
B.3.2.4.2 Zwischenergebnis zur Beurteilung von Effizienzgründen ....................................... 19 
B.3.3 
Ergebnis ................................................................................................................ 20 
B.4  Angeblich unzulässige Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen.......... 20 
Relevante Märkte und Marktbeherrschende Stellung ............................................ 20 
B.4.1 
B.4.2 
Angeblich unzulässige Verhaltensweisen .............................................................. 21 
B.4.2.1  Offizielle Schweizer Hitparade ............................................................................... 21 
B.4.2.1.1 Einleitung .............................................................................................................. 21 
B.4.2.1.2 Erstellung des Chartsreglements und der „offiziellen Schweizer Hitparade“ .......... 22 
B.4.2.1.3 Angebliche Nichtaufnahme in die „offizielle Schweizer Hitparade“ ......................... 23 
B.4.2.1.4 Angeblicher Informationsvorteil von Mitgliedern des IFPI Marketingausschusses . 25 
B.4.2.1.5 Zwischenergebnis ................................................................................................. 26 
B.4.2.2  Aufnahme in den Verein IFPI Schweiz .................................................................. 27 
B.4.2.3  Music Promotion Network...................................................................................... 28 

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2 

 
 
 
 
 
Ergebnis ................................................................................................................ 29 
B.4.3 
B.5  Einvernehmliche Regelung ........................................................................................ 29 
B.6  Sanktionierung ........................................................................................................... 32 
Tatbestandsmerkmale von Art. 49a Abs. 1 KG ...................................................... 32 
B.6.1 
B.6.1.1  Unternehmen ........................................................................................................ 32 
B.6.1.2  Unzulässige Verhaltensweise ................................................................................ 32 
B.6.1.3  Vorwerfbarkeit ....................................................................................................... 33 
B.6.2 
Bemessung ........................................................................................................... 35 
B.6.2.1  Einleitung .............................................................................................................. 35 
B.6.2.2  Konkrete Sanktionsberechnung............................................................................. 36 

C 

D 

E 

A 

Kosten ...................................................................................................................... 37 

Ergebnis ................................................................................................................... 38 

Dispositiv ................................................................................................................. 39 

Sachverhalt 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

Am 10. Februar 2011 ging beim Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfolgend: 
1. 
Sekretariat) eine Anzeige ein.1 In der Anzeige wird geltend gemacht, dass der Verein Inter-
national Federation of the Phonographic Industry Schweiz (nachfolgend: IFPI Schweiz) den 
Schweizer  Markt  abschotte,  um  Parallelimporte  von  Ton-  und  Tonbildträgern  wie  CDs  zu 
verhindern.  Des  Weiteren  habe  IFPI  Schweiz  der  Anzeigerin  die  Aufnahme  in  den  Verein 
verweigert.  

2. 
Überdies  macht  die  Anzeigerin  geltend,  IFPI  Schweiz  manipuliere  die  „offizielle 
Schweizer  Hitparade“  (nachfolgend:  Hitparade).2  IFPI  Schweiz  verhindere  den  Einzug  von 
Musiktiteln in die Hitparade, die durch digitale Distributoren vertrieben werden. Dadurch wie-
derspiegle die Hitparade nicht die effektiven Verkaufszahlen. Welcher Distributor die Voraus-
setzungen für die Hitparade erfülle, sei im sogenannten Chartsreglement (vgl. Rz 19) festge-
halten, dieses sei jedoch geheim.  

3. 
Zusätzlich machte die Anzeigerin sinngemäss geltend, die Phononet AG (nachfolgend: 
Phononet)  würde  ihre  marktbeherrschende  Stellung  missbrauchen.  Mit  dem  Phononetsys-
tem  (vgl.  Rz  12),  welches  den  Datenaustausch  zwischen  dem  Handel  und  den  Ton-  und 
Tonbildträgerherstellern  (Labels)  ermöglicht,  und  dem  Music  Promotion  Network  (nachfol-
gend:  MPN,  Rz  20),  welches  Medienschaffenden  ein  Musikbewerbungs-  und  Musikbeliefe-
rungsportal  für  Neuheiten  in  der  Musikbranche  zur  Verfügung  stellt,  erzwinge  sie  zu  hohe 
Preise.  

4. 
Zudem  gäbe  es  personelle  Verstrickungen  zwischen  den  vier  grössten  Labels  in  der 
Schweiz (EMI Music Switzerland AG, Sony Music Entertainment Switzerland GmbH, Univer-
sal  Music  GmbH  und  Warner  Music  Switzerland  AG;  sogenannte  Majors)  und  Phononet. 
Über  MPN  würden  die  in  den  Medien  vorgestellten  und  gespielten  Neuerscheinungen  kon-
trolliert  und  deren  Marktanteil  dadurch  erhöht.  So  würden  über  80  %  der  Musikstücke  auf 

1 Akte Nr. 1.  
2 Der Vorwurf bezieht sich sowohl auf die Single- als auch auf die Albumhitparade; vgl. 
http://www.drs3.ch/www/de/drs3/sendungen/top/hitparade.html; besucht am 7. März 2012. 

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3 

 
 
 
 
                                                
MPN aufgrund der personellen Verstrickungen von Künstlern stammen, die durch die Majors 
produziert  würden.  Dies  sei  jedoch  nicht  im  Interesse  der  UNIKOM  Radios  (nicht-
kommerzorientierte Lokalradios), da diese insbesondere an Musikstücken von Künstlern in-
teressiert seien, die nicht durch die Majors produziert würden. 3 Für die wenigen Stücke von 
„Majorkünstlern“ würde sich ein MPN Abonnement einfach nicht lohnen.  

5. 
Des Weiteren sei von den Majors durchgesetzt worden, dass Journalisten ohne Abon-
nement  nicht  mehr  mit  Musiktiteln  bemustert  würden.  Dadurch  seien  Journalisten  gezwun-
gen,  MPN  zu  abonnieren.  Zusätzlich  seien  die  Künstler  von  ihren  Labels  aufgefordert  wor-
den, Journalisten ohne MPN Abonnent Interviews zu verweigern.  

6. 
Die Problematik werde zusätzlich dadurch verschärft, dass Mediamarkt und Ex Libris, 
die beiden grössten Händler in der Schweiz, froh seien, ihre Bestellungen nur über ein Sys-
tem abwickeln zu müssen. Ex Libris akzeptiere praktisch keine Musiktitel, die nicht im Pho-
nonetsystem eingespeist seien.  

A.2 

Parteien und Marktstruktur 

IFPI Schweiz ist ein Verein gemäss Art. 60 ff. ZGB4 mit Sitz in Zürich. Es handelt sich 
7. 
um den Dachverband der Ton- und Tonbildträgerhersteller in der Schweiz. Als nicht gewinn-
orientierter Verein vertritt er die Interessen seiner Mitglieder in allen Belangen des Urheber-
rechts, der Leistungsschutzrechte und der Bekämpfung von Missbräuchen. 

IFPI Schweiz hat 31 Mitglieder.5 Dabei wird zwischen A- und B-Mitgliedern unterschie-
8. 
den.  Zu  den  A-Mitgliedern  gehören  die  EMI  Music  Switzerland  AG  (nachfolgend:  EMI),  die 
Musikvertrieb AG (nachfolgend: Musikvertrieb), die Phonag Records AG (nachfolgend: Pho-
nag),  die  Sony  Music  Entertainment  Switzerland  GmbH  (nachfolgend:  Sony),  die  Universal 
Music GmbH (nachfolgend: Universal) und die Warner Music Switzerland AG (nachfolgend: 
Warner).  Bei  der  Vereinsversammlung [...]  [Geschäftsgeheimnis:  Struktur  von  IFPI-Schweiz 
und Stimmrechte].6  

9. 
Die A-Mitglieder sind im sogenannten Marketingausschuss vertreten. Dieses Gremium 
war bis anhin insbesondere für die Erstellung und die Änderung des Chartsreglementes für 
die Hitparade (vgl. Rz 19) zuständig. 

10.  Der Vorstand führt die Belange von IFPI Schweiz. Im Vorstand sind dieselben Mitglie-
der vertreten wie im Marketingausschuss mit der Ausnahme, dass an Stelle der Phonag die 
TBA AG7 (nachfolgend TBA) vertreten ist und zusätzlich die K-Tel International Switzerland 
AG dem Vorstand angehört. 

 Phononet  mit  Sitz  in  Zürich  wurde  von  der  schweizerischen  Musikindustrie  gegrün-
11. 
det.8  Phononet  stellt  insbesondere  zwei  Tools  zur  Verfügung,  das  Phononetsystem  und 
MPN.  

12.  Das Phononetsystem verbindet den Handel mit der Industrie mittels Electronic Data In-
terface (EDI) Verbindungen, um den elektronischen Datenaustausch zwischen dem Handel 
und der Industrie zu standardisieren und zu vereinfachen. Phononet stellt dem Handel einen 

3 http://www.unikomradios.ch/; besucht am 28. Februar 2012. 
4 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (Zivilgesetzbuch, ZGB; SR 210). 
5 http://www.ifpi.ch/index.php/ifpi-mitgliederliste.html; besucht am 13. Februar 2012.  
6 Akte Nr. 119.  
7 Phonag ist eine 100 %-ige Tochtergesellschaft von TBA. 
8 http://www.phononet.ch/; besucht am 7. März 2012.  

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4 

 
 
 
 
                                                
Medienkatalog  elektronisch  zur  Verfügung.  Dieses  System  entbündelt  Sammelbestellungen 
an  die  Industrie,  übermittelt  Lieferscheine,  verschickt  elektronische  Rechnungen  und  über-
mittelt Katalogdaten. Phononet fungiert dabei als offene Schnittstelle. Händler, die über keine 
EDI Verbindung verfügen, bezahlen [...] für den Zugang zum Medienkatalog. Für die anderen 
Händler ist das Phononetsystem kostenlos. Die Labels bezahlen jährlich [...] ihres Jahresnet-
toumsatzes für physische Produkte, wobei ein Minimalansatz von [...]/Monat gilt.9  

13.  Für  Medienschaffende  stellt  Phononet  MPN  zur  Verfügung.  Es  handelt  sich  um  ein 
Musikbewerbungs- und Musikbelieferungsportal für Neuheiten in der Musikbranche, die sich 
an Radios, Online- und Printmedien wendet. Musikstücke werden für 90 Tage auf MPN be-
reitgestellt. Danach gelten sie nicht mehr als Neuheit und werden wieder von MPN gelöscht.  

14.  Die im MPN vorhandenen Produkte können von den Radiosendern in CD-Qualität auf 
den Server und in das Musikarchiv heruntergeladen werden. Neben der Musik sind im MPN 
auch die Metadaten der Produkte verfügbar, die für die Meldung an die SUISA (die Genos-
senschaft der Urheber und Verleger von Musik)10 wichtig sind. Zusätzlich stellt MPN auch die 
Contentdaten  (Covers  und  Produktinformationen)  zum  Download  für  die  Internetseiten  der 
Radiosender zur Verfügung.  

15.  Für die vier Major Labels belaufen sich die Kosten für die Benutzung von MPN jährlich 
insgesamt auf [...]. Diese Kosten werden monatlich nach dem Reichweitenanteil der jeweili-
gen Firma an den im Radio gespielten Titeln aufgeteilt. Phonag bzw. TBA und Musikvertrieb 
bezahlen eine Pauschale von [...]/Monat. Alle anderen Labels bezahlen für jede Einstellung 
ins MPN [...], unabhängig davon, ob es sich um ein Album, eine Single oder um ein Interview 
handelt.11 

16.  Die  Radiosender  bezahlen  eine  Jahresgebühr  für  die  technische  Dienstleistung  von 
Phononet  zur  Bereitstellung  der  Musiktitel  auf  MPN.  Radios  mit  einer  grossen  Reichweite 
bezahlen [...]/Jahr für die Nutzung von MPN. Radios mit einer kleinen Reichweite bezahlen 
dafür [...]/Jahr, die UNIKOM Radios bezahlen [...]/Jahr. Die SRF Gruppe regelt die Kosten für 
MPN im Gesamtvertrag mit IFPI Schweiz. Phononet stellt IFPI Schweiz für die MPN Dienst-
leistungen für die SRF Gruppe [...]/Jahr in Rechnung.12 

17.  Andere Medienschaffende und die Radios, die über keinen MPN Downloadvertrag ver-
fügen,  haben  die  Möglichkeit,  die  Musikstücke  kostenlos  anzuhören.  Zusätzlich  können  die 
Contentdaten heruntergeladen werden.13 

18.  Die Media Control AG (nachfolgend: Media Control) ist ein in der Entertainmentbran-
che tätiges Marktforschungsunternehmen. Media Control erhebt kontinuierlich Verkaufszah-
len im  Musik-, Games-, Video- und Buch-Bereich und wertet diese aus. Der breiten Öffent-
lichkeit ist das Unternehmen durch die Ermittlung der Hitparade bekannt. 

19. 
Im  Auftrag  von  IFPI  Schweiz  erstellt  Media  Control  aufgrund  der  Verkaufszahlen  von 
CDs und Singles seit 1983 die Hitparade, die jeweils sonntags auf DRS 3 ausgestrahlt und 
am  darauffolgenden  Mittwoch  jeweils  im  20Minuten  publiziert  wird.  Die  Charts  werden  auf 
Basis des aktuellen Chartsreglementes erstellt, welches die Rahmenbedingungen für deren 
Erstellung  festsetzt.14  Das  Reglement  wurde  vom  Marketingausschuss  von  IFPI  Schweiz 
ausgearbeitet und ist seit 1995 in Kraft. Seither wurde es auch auf Initiative von Media Con-

9 Akte Nr. 190.  
10 http://www.suisa.ch/; besucht am 7. März 2012.  
11 Akte Nr. 190. 
12 Akte Nr. 190. 
13 Akte Nr. 190. 
14 Akte Nr. 119, Beilage 9.  

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5 

 
 
 
 
                                                
trol etliche Male geändert. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ist das schweizeri-
sche  Reglement  nicht  öffentlich  zugänglich  und  lediglich  dem  Marketingausschuss,  dem 
Vorstand  von  IFPI  Schweiz  sowie  Media  Control  bekannt.15    Allerdings  ist  IFPI  Schweiz  in 
der  Zwischenzeit  dabei,  das  Chartsreglement  zu  überarbeiten  und  verschiedene  Neuerun-
gen auszuarbeiten und umzusetzen: So soll das Chartsreglement künftig veröffentlicht wer-
den und es sollen verschiedene Interessengruppen an dessen Umsetzung beteiligt werden. 

20.  Die für die Chartserhebung von Media Control gezählten Händler sind nur ihr bekannt. 
Diese Händler müssen gewisse Kriterien erfüllen, um für die Chartserhebung berücksichtigt 
zu werden. So müssen die Händler unter anderem 3 IFPI-A-Mitgliedern bekannt sein, regel-
mässig Tonträger beziehen und über einen festen Verkaufsstandort verfügen. Wenn es sich 
um einen Downloadhändler handelt, muss er unter anderem gewährleisten, dass es sich um 
Verkäufe  an  Endverbraucher  handelt,  damit  Doppelzählungen  vermieden  werden  können. 
Zusätzlich müssen die Verkaufsmeldungen kontrollierbar sein. Des Weiteren muss das Re-
pertoire repräsentativ sein und der Downloadhändler muss eine „.ch-Domain“ haben.16 

A.3  Wertschöpfungskette 

21.  Nachfolgend  wird  die  von  IFPI  Schweiz  erstellte,  typische Wertschöpfungskette  eines 
Musikstückes vom Komponisten bis zum Konsumenten aufgezeigt.  

Quelle: IFPI Schweiz 

22.  Am  Anfang  der Wertschöpfungskette  stehen  die  Komponisten  und  Musiker.  Damit  ihr 
Stück  auf  den  Markt  gelangen  kann,  benötigen  die  Musiker  einen  Produzenten,  der  in  der 
Regel für die Finanzierung aufkommt.  

23.  Um die Musikstücke auf den Markt zu bringen, wählen die Künstler normalerweise ein 
Label, welches sich um die Herstellung und Vervielfältigung der Tonträger kümmert. Nimmt 
das Label die Künstler unter Vertrag, kommen dem Label als Ton- und Tonbildträgerherstel-
ler  Exklusivrechte  zu,  wie  z.B.  Herstellungs-,  Vervielfältigungs-  und  Veräusserungsrechte. 
Sodann übertragen die Künstler und Produzenten dem Label in der Regel gewisse ihrer ei-
genen Rechte zur exklusiven Nutzung. Für diese Rechte bezahlen die Labels Lizenzgebüh-
ren, welche teilweise von Verwertungsgesellschaften (wie z.B. SUISA) zugunsten der Recht-
einhaber (Komponisten, Interpreten) erhoben werden. 

24.  Nach der Herstellung und Vermarktung gelangen die Ton- und Tonbildträger über den 
Vertrieb in den Verkaufskanal. Die Vertriebs- und Verkaufskanäle sind demnach den Labels 
in der Wertschöpfungskette nachgelagert.  

25.  Man  unterscheidet  zwischen  physischem  und  digitalem  Vertrieb.  Der  physische  Ver-
trieb  umfasst  die  Vermarktung  und  den  Absatz  des  physischen  Produktes,  also  der  Single 
oder  CD.  Der  digitale  Vertrieb  nutzt  in  erster  Linie  das  Internet  als  Vertriebskanal  (Down-
loads). Die meisten IFPI-Mitglieder sind nicht nur Labels. Sie übernehmen gleichzeitig auch 
den digitalen und den physischen Vertrieb und beliefern daher sowohl den physischen Han-
del wie Ex Libris und Media Markt als auch die digitalen Händler wie z.B. iTunes. Dem Ver-

15 Öffentlich zugänglich ist das Chartsreglement in Deutschland, Österreich, Holland, Belgien und UK. 
Geheim ist das Chartsreglement in der Schweiz, Italien, Spanien und Irland. 
16 Akte Nr. 119, Beilage 10. 

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trieb können Zwischenhändler vorgelagert sein, die als Dienstleister agieren und den Labels 
den  Zugang  zum  Vertrieb  vermitteln.  Im  Gegensatz  zum  Vertrieb  haben  Zwischenhändler 
keine direkten Händlerbeziehungen (vgl. Skizze in Rz 21).  

26.  Die Händler verkaufen den Endkonsumenten schliesslich die Ton- und Tonbildträger. 

A.4 

Verfahren 

27.  Mit Schreiben vom 10. Februar 2011 ging beim Sekretariat eine Anzeige ein.17  

28.  Am  24.  März  2011  hat das  Sekretariat  eine  Vorabklärung gemäss  Art.  26  KG18  eröff-
net.  Gleichentags  wurden  Media  Control,  Phononet,  IFPI  International,  Musikvertrieb,  die 
Phonag AG, die TBA AG, Warner, Universal, Sony und EMI mit Fragebogen befragt. Am 4. 
April 2011 wurde auch die IFPI Schweiz mittels Fragebogen befragt.  

29.  Mit Schreiben vom 15. Mai 2011 wurden die Ex Libris AG, die Media Markt AG, die CD 
Shop AG, die Direktmedia AG sowie diverse Radiosender mit Fragebogen befragt. Sämtliche 
Fragebogen wurden beantwortet. 

30.  Am  25.  Mai  2011  haben  die  Vorstandsmitglieder  von  IFPI  Schweiz  beschlossen,  die 
Praxis der Parallelimportverzichtserklärungen künftig einzustellen.19  

31.  Mit  Schreiben  vom  30.  Mai,  31.  Mai  und  6.  Juni  2011  haben  diverse  Mitglieder  [Ge-
schäftsgeheimnis]  der IFPI dem Sekretariat die volle Kooperation zugesichert. 

32.  Am  1.  Juni  2011  hat  IFPI  Schweiz  die  Antworten  auf  den  Fragebogen  und  die  Erklä-
rungen zur Praxis der Parallelimportverzichtserklärung eingereicht.  

33.  Mit  Schreiben  vom  6.  Juni  2011  hat  das  Sekretariat  im  Einvernehmen  mit  einem  Mit-
glied des Präsidiums der Wettbewerbskommission (nachfolgend: WEKO) eine Untersuchung 
gemäss Art. 27 KG gegen IFPI Schweiz, gegen die Mitglieder von IFPI Schweiz, gegen Me-
dia Control und Phononet eröffnet.  

34.  Mit  Schreiben  vom  7.  Juni  2011  wurde  der  Anzeigerin  mitgeteilt,  dass  gegen  die  in 
Rz 33 genannten Unternehmen ein Untersuchungsverfahren eröffnet worden ist.  

35.  Am 8. Juni 2011 wurde ein Parteiverhör mit dem damaligen Geschäftsführer von IFPI 
Schweiz durchgeführt. Am 28. Juni 2011 fand ein Parteiverhör mit Phononet statt. Mit Media 
Control wurde am 6. Juli 2011 ein Parteiverhör durchgeführt.  

36.  Mittels amtlicher Publikation gemäss Art. 28 KG gab das Sekretariat am 28. Juni 2011 
die  Eröffnung  der  Untersuchung  im  Bundesblatt  und  im  Schweizerischen  Handelsamtsblatt 
bekannt.  

37.  Am  6.  Juli  2011  hat  Herr  Niessner  beantragt,  als  Vertreter  der  UNIKOM  Radios  am 
Verfahren beteiligt zu werden. Am 12. März 2012 wurde der Antrag mit der Begründung ab-
gelehnt,  der  UNIKOM-Verband  sei  bereits  als  offizieller  Vertreter  der  UNIKOM-Radios  ge-
mäss Art. 43 Abs. 1 KG am Verfahren beteiligt.  

17 Akte Nr. 1. 
18 Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kar-
tellgesetz, KG; SR 251). 
19 Akte Nr. 119, Beilage 2.  

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

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38.  Am  14.  Juli  2011  hat  Smart  Music  Distribution  mitgeteilt,  dass  sie  sich  am  Verfahren 
beteiligen  möchte.  Mit  E-Mail  vom  12.  März  2012  wurde  das  Unternehmen  als  Dritte  ohne 
Parteistellung im Verfahren anerkannt. 

39.  Am 31. Juli 2011 teilte der Verband der schweizerischen UNIKOM-Radios mit, dass sie 
sich am Verfahren beteiligen möchten. Mit Schreiben vom 7. März 2012 wurde der Verband 
als Dritter ohne Parteistellung am Verfahren beteiligt.  

Im Rahmen der Ermittlungen zeichnete sich bei IFPI Schweiz, seinen Mitgliedern und 
40. 
Phononet  die  Bereitschaft  zum  Abschluss  von  einvernehmlichen  Regelungen  im  Sinne  von 
Art. 29 KG ab. Diese wurden am 21. Mai 2012 unterzeichnet. 

41.  Den Parteien wurde der Antrag des Sekretariates am 6. Juni 2012 zur Stellungnahme 
unterbreitet (vgl. Art. 30 Abs. 2 KG).  

B 

Erwägungen 

B.1  Geltungsbereich 

42.  Das Kartellgesetz gilt für Unternehmen des privaten und öffentlichen Rechts, die Kar-
tell- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht ausüben oder sich an Unterneh-
menszusammenschlüssen beteiligen (Art. 2 Abs. 1 KG).  

43.  Als  Unternehmen  gelten  sämtliche  Nachfrager  oder  Anbieter  von  Gütern  und  Dienst-
leistungen  im  Wirtschaftsprozess,  unabhängig  von  ihrer  Rechts-  oder  Organisationsform 
(Art. 2 Abs. 1bis KG).  

44.  Die  IFPI-Mitglieder,  Media  Control  und  Phononet  stellen  ohne  weiteres  Unternehmen 
im  Sinne  des  Kartellgesetzes  dar.  Es  stellt  sich  hingegen  die  Frage,  ob  der  Verein  IFPI 
Schweiz ebenfalls unter den Unternehmensbegriff des Kartellgesetzes fällt.  

45. 
IFPI Schweiz ist als Verein eine juristische Person. Der Verein hat einen Geschäftsfüh-
rer, erbringt autonom Dienstleistungen für seine Mitglieder und ist wirtschaftlich selbständig. 
Insbesondere  berät  er  seine  Mitglieder  in  rechtlichen  Fragen,  führt  Tarifverhandlungen  mit 
der SUISA, lässt die Hitparade durch Media Control erheben und verteilt die Swissperform-
Einnahmen.20  IFPI  Schweiz  ist  daher  Anbieter  von  Dienstleistungen  im  Wirtschaftsprozess 
und stellt damit ein Unternehmen im Sinne des Kartellgesetzes dar.21  

46.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  die  in  das  vorliegende  Verfahren 
involvierten Unternehmen unter den Unternehmensbegriff gemäss Art. 2 Abs. 1bis KG fallen.  

B.2 

Vorbehaltene Vorschriften 

47.  Dem KG sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Waren oder 
Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche Markt- 
oder Preisordnung begründen, und solche, die einzelne Unternehmen zur Erfüllung öffentli-
cher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht unter 
das  Gesetz  fallen  Wettbewerbswirkungen,  die  sich  ausschliesslich  aus  der  Gesetzgebung 
über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die sich 

20 http://www.ifpi.ch/index.php/home-ifpi2010/articles/home-31.html; besucht am 21. Februar 2012. 
21 RPW 2000/2, 167 ff., Des tarifs conseillés de l’Association fribourgeoise des écoles de circulation 
(AFEC). 

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8 

 
 
 
 
                                                
auf  Rechte  des  geistigen  Eigentums  stützen,  der  Beurteilung  nach  diesem  Gesetz  (Art.  3 
Abs. 2 KG). 

48. 
In den hier zu beurteilenden Märkten gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht 
zulassen. Der Vorbehalt von Art. 3 Absätze 1 und 2 KG wird von den Parteien auch nicht gel-
tend gemacht. 

B.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede  

49.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfer-
tigen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

B.3.1  Wettbewerbsabrede 

50.  Als Wettbewerbsabreden  gelten  rechtlich  erzwingbare  oder  nicht  erzwingbare  Verein-
barungen sowie aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen gleicher oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). 

51.  Eine Wettbewerbsabrede definiert sich daher durch folgende Tatbestandselemente: (i) 
ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken der an der Abrede beteiligten Unternehmen, 
(ii) die Abrede bezweckt oder bewirkt eine Wettbewerbsbeschränkung und (iii) die an der Ab-
rede beteiligten Unternehmen sind auf der gleichen oder auf verschiedenen Marktstufen tä-
tig. 

52.  Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  die  genannten  Tatbestandselemente  von  Art.  4  Abs.  1 
KG erfüllt sind.  

B.3.1.1  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

53.  Für das Vorliegen einer Wettbewerbsabrede gemäss Art. 4 Abs. 1 KG ist erforderlich, 
dass  zwei  oder  mehrere  wirtschaftlich  voneinander  unabhängige  Unternehmen  kooperie-
ren.22 Der Beweis eines „bewussten und gewollten Zusammenwirkens“ mag am einfachsten 
gelingen,  wenn  die  Wettbewerbsabrede  in  Form  einer  ausdrücklichen  Vereinbarung  vor-
liegt.23 

54.  Bei nicht erzwingbaren Vereinbarungen liegen oftmals keine direkten Beweise wie eine 
schriftliche Übereinkunft oder ein protokollierter Beschluss vor, sondern die Beteiligten haben 
sich  mündlich  oder  sogar  nur  konkludent  über  den  Inhalt  verständigt.  Die  Beweisführung 
muss  deshalb  indirekt  über  Indizien  (Marktstrukturen,  Verhalten  der  Unternehmen,  etc.)  er-
folgen.24 

55.  Die Mitglieder von IFPI Schweiz haben spätestens seit 1999 stillschweigend vereinbart, 
keine  Parallelimporte  von  Ton-  und/oder  Tonbildträgern  anderer  IFPI-Mitglieder  in  die 
Schweiz  zu  tätigen  (vgl.  Rz  58).  Um  diese  ursprüngliche  Vereinbarung  künftig  auch  bei 
Neumitgliedern durchzusetzen, wurde von 1999 bis 2011 von sechs Neumitgliedern als Bei-

22 THOMAS NYDEGGER/WERNER NADIG, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert 
(Hrsg.), 2010, Art. 4 Abs. 1 N 81. 
23 BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 22), Art. 4 Abs. 1 N 82. 
24 BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 22), Art. 4 Abs. 1 N 97. 

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9 

 
 
 
 
                                                
trittsvoraussetzung verlangt, dass sie sich schriftlich dazu verpflichten, keine Parallelimporte 
von Ton- und/oder Tonbildträgern eines anderen IFPI-Mitgliedes in die Schweiz zu tätigen.  

56.  Zu diesem Zweck wurde den Neumitgliedern seit 1999 durch die damaligen Geschäfts-
führer (vgl. Rz 68) von IFPI Schweiz folgende Parallelimportverzichtserklärung (nachfolgend: 
Unterlassungserklärung) zur Unterschrift vorgelegt: 

„Der neu in den Verein IFPI Schweiz aufzunehmende Tonträgerhersteller, (…) , erklärt unwi-
derruflich,  keine  Ton-  und/oder  Tonbildträger,  die  dem  Repertoire  eines  anderen  IFPI-
Mitgliedes  zugeordnet  werden  können,  ohne  Zustimmung  des  Rechteinhabers  parallel  zu 
importieren, zu verkaufen oder sonst wie in Verkehr zu bringen. 

Er ist darüber informiert, dass die Zuwiderhandlung die Verpflichtung zur Zahlung einer Ver-
tragsstrafe von CHF 20‘000.– auslöst. Als Zuwiderhandlung gilt auch der Import, bzw. Ver-
kauf (in Verkehr bringen) eines einzelnen Ton- und/oder Tonbildträgers.“25  

57.  2006 wurde die Unterlassungserklärung verschärft, indem die Busse von CHF 20‘000.– 
auf  CHF  50‘000.–  erhöht  wurde.26  Überdies  wurde  eine  Passage  eingefügt,  wonach  kon-
zernzugehörige andere Firmen ebenfalls unter das Parallelimportverbot fallen. Die Unterlas-
sungserklärung lautete fortan wie folgt: 

„Die neu in den Verein IFPI Schweiz aufzunehmende Tonträgerfirma, (…) , erklärt unwider-
ruflich,  weder  selbst  noch  durch  konzernzugehörige  andere  Firmen  Ton-  und/oder 
Tonbildträger,  die  dem  Repertoire  eines  anderen  IFPI-Mitgliedes  zugeordnet  werden  kön-
nen,  ohne  Zustimmung  des  Rechteinhabers  parallel  in  die  Schweiz  zu  importieren,  zu  ver-
kaufen oder sonst wie in Verkehr zu bringen.  

Sie ist darüber informiert, dass die Zuwiderhandlung die Verpflichtung zur Zahlung einer Ver-
tragsstrafe von CHF 50‘000.– auslöst. Als Zuwiderhandlung gilt auch der Import, bzw. Ver-
kauf (in Verkehr bringen) eines einzelnen Ton - und/oder Tonbildträgers (davon ausgenom-
men sind Tonträger aus Vinyl).“27 

58.  Gemäss  Statuten  von  IFPI  Schweiz  entscheidet  die  Generalversammlung  über  die 
Aufnahme  von  neuen  Mitgliedern.28  Über  Beitrittsgesuche  von  Neumitgliedern  haben  die 
Mitglieder von IFPI Schweiz ab 1999 in der Generalversammlung jeweils unter der Voraus-
setzung  abgestimmt,  dass  die  Unterlassungserklärung  unterzeichnet  wurde.29  Dies  zeigt 
deutlich, dass sämtliche IFPI-Mitglieder über die Unterlassungserklärung nicht nur informiert 
waren, sondern dass sie diese darüber hinaus unterstützt und mitgetragen haben.30 In casu 
wird das Verhalten der IFPI-Mitglieder in der Generalversammlung als Indiz dafür gewertet, 
dass zwischen ihnen eine Abrede über die Unterlassung von Parallelimporten getroffen wur-
de.  

59.  Jene  IFPI-Mitglieder,  die  dem  Verband  vor  1999  beigetreten  waren,  haben  nie  eine 
schriftliche Erklärung unterzeichnet (vgl. Rz 55), haben aber dennoch auf Parallelimporte von 
Ton-  und/oder  Tonbildträgern  von  anderen  IFPI-Mitgliedern  verzichtet.  Es  wäre  nicht  nach-
vollziehbar, dass die ursprünglichen IFPI-Mitglieder, welche an den Generalversammlungen 
von  IFPI  Schweiz  teilgenommen  und  dort  über  Neubeitritte  abgestimmt  haben,  dieses  Ver-

25 Akte Nr. 182. 
26 Akte Nr. 182. 
27 Akte Nr. 182.  
28 Akte Nr. 119, Beilage 6, Art. 4 der Statuen des Vereins; vgl. Art. 65 Abs. 1 ZGB.  
29 Seit deren Einführung im Jahr 1999 haben sechs Neumitglieder ([...] [Geschäftsgeheimnis]) eine 
solche Unterlassungserklärung bei der Vereinsaufnahme unterzeichnet, Vgl. Akte Nr. 119.  
30 Vgl. Akte Nr. 192, S. 47.  

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halten nur von Neumitgliedern verlangt, selber aber nicht praktizierten (vgl. Rz 55), was ein 
weiteres Indiz für das Vorliegen einer Abrede zwischen allen IFPI-Mitgliedern ist.   

60.  Zusätzlich  hat  Phononet  in  sogenannten  Teilnehmerverträgen,  die  die  Rahmenbedin-
gungen für die Nutzung des Phononetsystems für die Labels regeln (vgl. Rz 12), eine Pas-
sage eingebaut, welche den Labels den Parallelimport untersagt. In § 4.1. des Teilnehmer-
vertrages steht: 

„Der Teilnehmer erklärt, dass er keine Parallelimporte tätigt (…).“31 

61.  Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die IFPI-Mitglieder an der Abrede 
zur Verhinderung von Parallelimporten beteiligt waren. Die in Fn 29 genannten Unternehmen 
haben  sogar  eine  Unterlassungserklärung  unterzeichnet.32  Die  Abrede  wurde  von  den  Mit-
gliedern im Rahmen des Verbandes IFPI Schweiz getroffen, wobei der damalige Geschäfts-
führer  die  Unterlassungserklärung  entworfen  und  dem  damaligen  Verbandsvorstand  vorge-
legt hat. So hat der Geschäftsführer den Neumitgliedern die Unterlassungserklärung zur Un-
terzeichnung unterbreitet. Deshalb hat IFPI Schweiz als Verband auch zu der Abrede beige-
tragen. Phononet hat die IFPI-Mitglieder bei der Umsetzung der Abrede unterstützt und die 
Wirkung der Abrede mit der genannten Vertragsklausel verschärft. 

62.  Das  Tatbestandselement  „bewusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken“  zwischen  den 
IFPI-Mitgliedern ist somit gegeben. 

B.3.1.2  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

63.  Gemäss Wortlaut von Art. 4 Abs. 1 KG genügt es, dass die Abrede eine Wettbewerbs-
beschränkung  bezweckt  oder  bewirkt.  Das  Gesetz  verlangt  nicht,  dass  beide  Tatbe-
standselemente  kumulativ  vorliegen  müssen.  Es  ist  jedoch  erforderlich,  dass  die  Wettbe-
werbsabrede kausal für die Wettbewerbsbeschränkung ist.33  

64.  Die  subjektive  Absicht  der  Abredebeteiligten  ist  für  das  „Bezwecken“  einer  Wettbe-
werbsbeschränkung nicht relevant. Für die Erfüllung des Tatbestandes von Art. 4 Abs. 1 KG 
genügt es, wenn der Inhalt der Abrede objektiv geeignet ist, eine Wettbewerbsbeschränkung 
durch  Ausschaltung  oder  Beseitigung  eines  Wettbewerbsparameters  herbeizuführen.  Der 
Nachweis eines Unrechtbewusstseins oder sogar eines Willens der Beteiligten, eine kartell-
rechtswidrige Abrede einzugehen, ist nicht erforderlich (objektivierter Zweckbegriff).34 

IFPI Schweiz hat geltend gemacht, dass die Unterlassungserklärung lediglich der Pira-
65. 
teriebekämpfung gedient habe und zu keinem Zeitpunkt eine Wettbewerbsbeschränkung be-
zweckt  worden  sei.  In  den  sechs  unterzeichneten  Unterlassungserklärungen  wurde  jedoch 
Pirateriebekämpfung  mit  keinem  Wort  erwähnt.  Überdies  konnte  mit  einem  Parallelimport-
verbot, an welches sich sämtliche IFPI-Mitglieder hielten, zu keinem Zeitpunkt der Handel mit 
Piraterieprodukten verhindert oder unterbunden werden. Dazu hätten geeignetere Mittel und 
Wege bestanden. Dies hat der damalige Geschäftsführer von IFPI Schweiz im Parteiverhör 
vom  8.  Juni  2011  denn  auch  eingestanden.35  Das  Vorliegen  der  Unterlassungserklärung 
spricht  dafür,  dass  ohne  diese  Parallelimporte  von  Ton-  und/oder  Tonbildträgern  durch  die 
IFPI-Mitglieder  vorgenommen  worden  wären.  Letzteres  ergibt  sich  auch  aus  der  Tatsache 

31 Vgl. Akte Nr. 250. 
32 Akte Nr. 182.  
33 BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 22), Art. 4 Abs. 1 N 68 m.w.N. 
34 BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 22), Art. 4 Abs. 1 N 71; JÜRG BORER, Kartellgesetz, 3. Auflage 2011, 
Art. 4 Abs. 1 N 4. 
35 Vgl. Akte Nr. 246, S. 14. 

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11 

 
 
 
 
                                                
dass es die IFPI-Mitglieder für notwendig hielten, die Busse für den Fall des Nichteinhaltens 
der Unterlassungserklärung von CHF 20‘000.– auf CHF 50‘000.– zu erhöhen.  

66.  Dass es sich bei der Wettbewerbsabrede um ein kartellrechtlich problematisches Ver-
halten  handelte,  muss  IFPI  Schweiz  und  seinen  Mitgliedern  spätestens  durch  die  KG-
Revision im Jahre 2003 bewusst geworden sein, da die Einführung der direkten Sanktionen 
gemäss Art. 49a KG sowie die Aufnahme von Art. 5 Abs. 4 KG und die damit bezweckte Be-
kämpfung von Gebietsabschottungen und Ermöglichung von Parallelimporten in der Presse 
ausführlich  diskutiert  worden  sind.  Sowohl  der  von  1994  bis  Oktober  2009  amtierende  Ge-
schäftsführer von IFPI Schweiz wie auch der ab November 2009 bis 2011 sind Rechtsanwäl-
te und mussten daher die kartellrechtliche Problematik einer Parallelimportverzichtserklärung 
wie  der  vorliegenden  erkannt  haben.  Darüber  hinaus  wurde  ebendieser  Geschäftsführer 
2010  durch  die  CVW  Disques  Office  S.A.  (nachfolgend:  Disques  Office)  im  Rahmen  ihres 
Beitrittsgesuchs ausdrücklich darüber orientiert, dass die Unterlassungserklärung gegen das 
Kartellgesetz  verstosse  und  IFPI  Schweiz  dies  daher  nicht  als  Voraussetzung  für  den  Ver-
einsbeitritt verlangen könne.36 

67. 
IFPI  Schweiz  hat  des  Weiteren  vorgebracht,  dass  diese  Vereinbarung  von  IFPI 
Schweiz oder seinen Mitgliedern niemals kontrolliert worden sei. Man habe die Labels auch 
nie  dazu  angehalten,  diese  Vereinbarung  einzuhalten.  Ob  dies  zutrifft,  kann  dahingestellt 
bleiben.  Aufgrund  der  angedrohten  Konventionalstrafe,  welche  im  Jahr  2006  von  CHF 
20‘000.– auf CHF 50‘000.– angehoben wurde und der zusätzlich eingefügten Passage , wo-
nach  konzernzugehörige  andere  Firmen  ebenfalls  unter  das  Parallelimportverbot  fallen,37 
gehen  die  Wettbewerbsbehörden  davon  aus,  dass  man  den  Parallelimport  von  Ton- 
und/oder Tonbildträgern in die Schweiz effektiv verhindern und dies durch die Erhöhung der 
Geldstrafe  und  das  Ausdehnen  auf  konzernzugehörige  Unternehmen  durchsetzen  wollte. 
Damit  kann  die  Frage,  ob  mit  der  Unterlassungserklärung  eine  Wettbewerbsbeschränkung 
bezweckt worden ist, bejaht werden.  

68. 
IFPI  Schweiz  macht  weiter  geltend,  lediglich  sechs  Mitglieder  hätten  die  Unterlas-
sungserklärung  unterzeichnet  und  diese  hätten  gemeinsam  einen  Marktanteil  von  weniger 
als  5  %.  Zwar  trifft  es  zu,  dass  seit  deren  Einführung  im  Jahr  1999  lediglich  sechs  IFPI-
Mitglieder die Unterlassungserklärung unterschrieben haben, an der Abrede über die Unter-
lassung  von  Parallelimporten  waren  jedoch  sämtliche  IFPI-Mitglieder  beteiligt.38  Dass  der 
Zweck  der  Unterlassungserklärung  umfassend  erreicht  wurde  zeigt  sich  daran,  dass  kein 
Mitglied von IFPI Schweiz Parallelimporte getätigt hat.  

69.  Die  Unterlassungserklärung  hat  daher  eine  Wettbewerbsbeschränkung  im  Sinne  von 
Art. 4 Abs. 1 KG bezweckt und bewirkt.  

B.3.1.3  Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Stufen 

70.  Gemäss der Begriffsbestimmung von Art. 4 Abs. 1 KG muss die eine Wettbewerbsbe-
schränkung  bezweckende  oder  bewirkende  Abrede  von  Unternehmen  gleicher  oder  ver-
schiedener Marktstufen getroffen werden.  

71.  Die Mitglieder von IFPI Schweiz, welche auf der gleichen Marktstufe tätig sind, haben 
im Rahmen des Verbands untereinander vereinbart, keine Parallelimporte von Ton- und/oder 
Tonbildträgern anderer IFPI-Mitglieder in die Schweiz vorzunehmen.  

36 Vgl. Akte Nr. 192, Beilage 3, S. 21 und 22.; Akte Nr. 239, Beilage 10. [...] [Geschäftsgeheimnis]. 
37 Akte Nr. 182.  
38 Vgl. Fn 29 sowie Rz 59. 

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B.3.1.4  Verhalten von Phononet 

72.  Ebenfalls zum Gelingen der Abrede hat Phononet mit den Teilnehmerverträgen für das 
Phononetsystem beigetragen.39 Phononet ist nicht auf demselben Markt tätig wie die Labels. 
Diese Verträge haben jedoch dazu geführt, dass die Abrede unter den Labels zusätzlich ge-
festigt und befolgt wurde. Phononet wird daher ebenfalls zur Verantwortung gezogen.40 

B.3.1.5  Zwischenergebnis 

73.  Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass zwischen den Mitgliedern von IFPI 
Schweiz – im Rahmen des Verbandes – vereinbart wurde, keine Parallelimporte von Tonbild- 
und/oder Tonbildträgern anderer IFPI-Mitglieder zu tätigen. Diese stellt eine Abrede im Sinne 
von Art. 4 Abs. 1 KG dar.   

74.  Phononet hat ebenfalls einen Beitrag zur Abrede geleistet.  

75.  Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  diese  Wettbewerbsabrede  den  Tatbestand  von  Art. 5 
Abs. 3 KG erfüllt.  

B.3.2  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

76.  Die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei Abreden über die Aufteilung von Märkten 
nach Gebieten oder Geschäftspartnern wird vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen ge-
troffen werden, die tatsächlich oder der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen 
(Art.  5  Abs.  3  lit.  c  KG).  Gemäss  Botschaft41  entsprechen  die  in  den  Vermutungstatbestän-
den von Art. 5 Abs. 3 KG erwähnten Formen horizontaler Abreden (Preis-, Mengen- und Ge-
bietsabsprachen) den sogenannten „harten Kartellen“.42  

77.  Die Aufteilung von Märkten oder Geschäftspartnern schränkt das Angebot ein und führt 
zu einer verminderten Produktion und damit letztlich zu höheren Preisen.43 

B.3.2.1  Vorliegen einer horizontalen Gebietsabrede  

78.  Wie  in  Rz 71  festgestellt  wurde,  bestand  eine  horizontale  Abrede,  welche  darauf  ab-
zielte, Parallelimporte von Ton- und/oder Tonbildträgern in die Schweiz zu verhindern. Pho-
nonet  hat  (wie  in  Rz  72  dargelegt)  durch  die  Teilnehmerverträge  für  das  Phononetsystem, 
welche  für  sich  alleine  betrachtet  als  vertikale  Abreden  zu  qualifizieren  wären,  die Wirkung 
dieser horizontalen Abrede verstärkt. Die Wirkungen ergaben sich jedoch hauptsächlich aus 
der  Abrede  zwischen  den  IFPI-Mitglieder,  weshalb  insgesamt  eine  horizontale  Abrede  vor-
liegt. 

79.  Durch  die Wettbewerbsabrede  wurde  der  Schweizer  Markt  teilweise  abgeschottet,  in-
dem  die  Bezugsmöglichkeiten  des  Handels  für  Ton-  und/oder  Tonbildträger  eingeschränkt 
wurden.  So  hatte  der  Handel  keine  Möglichkeit  über  die  Labels  parallelimportierte  Ton- 

39 Vgl. Rz 11 f. sowie Rz 60. 
40 Vgl. RPW 2011/4, 644, Rz 829, ASCOPA; Urteil des EuG vom 8. Juli 2008 T-99/04 AC-Treuhand, 
Slg. 2008 II-01501, Rz 112 ff. 
41 Botschaft vom 23. November 1994 zu einem Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbs-
beschränkungen, BBl 1995 I 468, 517.  
42 FRANZ HOFFET in: Kommentar zum schweizerischen Kartellgesetz, Homburger/Schmidhauser/Hoffet 
/Ducrey (Hrsg.), 1997, Art. 5 N 71.  
43 PATRICK L. KRAUSKOPF/OLIVIER SCHALLER, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert 
(Hrsg.), 2010, Art. 5 N 373. 

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13 

 
 
 
 
                                                
und/oder Tonbildträger aus dem Ausland zu beziehen. Dies hat dazu geführt, dass das Be-
zugsangebot von Ton- und Tonbildträgern für Händler vermindert wurde.  

80.  Die Parallelimportverzichtserklärung zielte darauf ab, den Schweizer Markt abzuschot-
ten. Daraus folgt, dass in casu eine Gebietsabsprache im Sinne von Art. 5 Abs. 3 lit. c KG 
gegeben  ist  und  damit  die  gesetzliche  Vermutung  der  Beseitigung  des  wirksamen  Wettbe-
werbs greift.  

B.3.2.2  Umstossung der gesetzlichen Vermutung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 

81.  Die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs kann umgestossen wer-
den,  falls  trotz  der  Wettbewerbsabrede  wirksamer  aktueller  und  potentieller  Wettbewerb 
durch nicht an der Abrede beteiligte Unternehmen (Aussenwettbewerb) oder Wettbewerb un-
ter den an der Abrede beteiligten Unternehmen (Innenwettbewerb) besteht. Um die Intensität 
des Aussen- sowie des Innenwettbewerbs zu prüfen, ist vorab der relevante Markt in sachli-
cher und räumlicher Hinsicht abzugrenzen. 

B.3.2.2.1  Relevanter Markt  

Sachlich relevanter Markt 

82.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich  ihrer  Eigenschaften  und  ihres  vorgesehenen  Verwendungszwecks  als  substitu-
ierbar angesehen werden.44  

83.  Die  an  der  Abrede  beteiligten  Unternehmen  sind  neben  ihrer  Haupttätigkeit  als  Ton- 
und  Tonbildträgerhersteller  mehrheitlich  auch  im  Vertrieb  dieser  Produkte  (Musik-CDs,  Mu-
sik-DVDs  etc.)  in  der  Schweiz  tätig.  Daher  sind  zu  ihrer  Marktgegenseite  u.a.  Schweizer 
Händler  von  physischen  Ton-  und  Tonbildträgern  (z.B.  Ex  Libris,  Media  Markt,  Manor  etc.) 
sowie  Anbieter  von  digitalen  Download-Produkten  (z.B.  iTunes,  Nokia,  Vodafone  etc.)  zu 
zählen (vgl. Rz 21 ff.).  

84.  Als erstes stellt sich die Frage, ob für die Marktgegenseite eine Austauschbarkeit zwi-
schen einem physischen Produkt und seinem digitalen Pendant besteht. Während eine sol-
che Art der Substitution für einen Konsumenten – zumindest bis zu einem gewissen Grad – 
durchaus denkbar ist, scheint eine analoge Möglichkeit zur Austauschbarkeit für den Handel 
eher  schwierig:  Ein  Händler  von  physischen  Ton-  und  Tonbildträgern  stellt  gemäss  seinem 
Geschäftsmodell  Verkaufsräumlichkeiten  und  Ladenfläche  für  den  Verkauf  von  Ton-  und 
Tonbildträgern zur Verfügung, pflegt den direkten Kundenkontakt und spezialisiert sich u.U. 
auf  Beratungsdienstleistungen.  Eine  Umstellung  auf  digitale  Produkte  würde  daher  bedeu-
ten, dass er Verkaufsräumlichkeiten aufgeben sowie den direkten Kundenkontakt und allfälli-
ge Beratungsleistungen einstellen oder neu organisieren müsste. Mit anderen Worten würde 
dies einen grundlegenden Wechsel des Geschäftsmodells bedeuten, welcher wohl nicht oh-
ne  weiteres  zu  vollziehen  wäre.  Analoges  gilt  für  einen  Händler  von  digitalen  Download-
Produkten.  Es  scheint  daher  plausibel,  dass  auf  der  Stufe  Handel  ein  physisches  Produkt 
nicht  so  einfach  durch  sein  digitales  Pendant  substituiert  werden  kann  (allenfalls  könnten 
sich diese beiden Produktkategorien ergänzen – Komplemente statt Substitute bilden). 

In  einem  ersten  Schritt  kann  aus  den  genannten  Gründen  festgehalten  werden,  dass 
85. 
der sachlich relevante Markt physische Ton- und Tonbildträger und keine digitalen Produkte 
umfasst.  In  einem nächsten  Schritt gilt  es  abzuklären,  inwiefern  eine  Austauschbarkeit  zwi-

44 Art. 11 Abs. 3 lit. a der Verordnung vom 17. Juni 1996 über die Kontrolle von Unternehmenszu-
sammenschlüssen (VKU; SR 251.4). 

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14 

 
 
 
 
                                                
schen unterschiedlichen physischen Ton- und Tonbildträgern (also zwischen Ton- und Ton-
bildträgern von verschiedenen Künstlern, Musikrichtungen etc.) besteht.45 

86.  Betrachtet man die Austauschbarkeit auf der Stufe Endkonsument, so wäre grundsätz-
lich eine Segmentierung des sachlich relevanten Marktes nach einzelnen Künstlern (u.a. so-
gar nach einzelnen Alben/Singles) denkbar, wobei aufgrund der einvernehmlichen Regelung 
diesbezüglich  keine  detaillierten  Abklärungen  vorgenommen  wurden.  Diese  Ansicht  kann 
dadurch  unterstützt  werden,  dass  es  gerade  im  Bereich  „Musik“  vorstellbar  scheint,  dass 
Konsumenten bei (signifikanten) Preiserhöhungen wohl nicht auf Produkte anderer Künstler 
ausweichen.  Eine  solche  „Markentreue“  würde  implizieren,  dass  es für einen  Tonträgerher-
steller  durchaus  profitabel  sein  könnte,  für  den  Ton-  oder  Tonbildträger  eines  bestimmten 
Künstlers von einem hypothetischen tiefen Preis abzuweichen (sprich den Preis zu erhöhen), 
da mit keinem massiven Nachfragerückgang zu rechnen wäre. Diese Tatsache würde für ei-
ne detaillierte Abgrenzung nach einzelnen Künstlern sprechen.46  

87.  Allerdings  gilt  es  zu  bemerken,  dass  bei  der  Betrachtung  der  Stufe  Handel  nicht  so 
sehr die Austauschbarkeit aus Sicht eines einzelnen Endkonsumenten ausschlaggebend ist, 
sondern vielmehr das resultierende Aggregat. Ein Händler möchte v.a. diejenigen Produkte 
in  sein  Sortiment  aufnehmen  und  anbieten,  welche  von  einem  Grossteil  seiner  Zielgruppe 
nachgefragt  werden.  Da  im  Bereich  Musik  verschiedene  Präferenzen  vorherrschen  und 
meist mehrere Künstler in der Gunst der Konsumenten stehen, kann für den Handel ein ge-
wisser  Spielraum  bezüglich  der  Austauschbarkeit  unterschiedlicher  Ton-  und  Tonbildträger 
bestehen (zu  dieser  Frage  wurden  im  Rahmen der  vorliegenden  Untersuchung,  welche  mit 
einer  einvernehmlichen  Regelung  abgeschlossen  werden  konnte,  keine  detaillierten  Abklä-
rungen getroffen).  

88.  Wie weit die Austauschbarkeit zwischen verschiedenen physischen Ton- und Tonbild-
trägern beim Handel geht, sprich ob schliesslich ein separater sachlicher Markt für einzelne 
Künstler, für verschiedene Musikrichtungen oder Gruppen von Künstlern oder ein umfassen-
der Markt für Ton- und Tonbildträger der Realität am besten entspricht, spielt für die Analyse 
und die Ergebnisse schliesslich keine Rolle. Die Abrede hat sämtliche physischen Ton- und 
Tonbildträger  gleichermassen  umfasst  und  daher  wären  sämtliche  potentiell  denkbaren 
Märkte  in  gleichem  Ausmass  betroffen.47  Bei  engeren  Marktabgrenzungen  wäre  für  jeden 
einzelnen  sachlich  relevanten  Markt  eine  vollständige  Analyse  bezüglich  „Umstossung  der 
Vermutung“, „Erheblichkeit“ und „Rechtfertigungsgründe“ durchzuführen. Diese würde jedoch 
für sämtliche Märkte zum gleichen Ergebnis führen und insbesondere zum gleichen wie bei 
einer  umfassenden  Gesamtbetrachtung,  da  –  wie  bereits  erwähnt  –  die  Abrede  sämtliche 
physischen Ton- und Tonbildträger in gleichem Masse betroffen hat. 

89.  Aufgrund  der  angeführten  Argumente  und  in  Anbetracht  des  Untersuchungsabschlus-
ses durch eine einvernehmliche Regelung wird davon ausgegangen, dass der sachlich rele-
vante Markt sämtliche physischen Ton- und Tonbildträger umfasst. Auf eine definitive Markt-
abgrenzung wird jedoch verzichtet. 

Räumlich relevanter Markt 

45 Ohne vertieftere Abklärungen in diesem Zusammenhang gemacht zu haben, gehen die Wettbe-
werbsbehörden davon aus, dass Ton- und Tonbildträger, welche keine musikalischen Werke enthal-
ten (z.B. Hörspiele etc.) weder für Endkonsumenten noch für Händler als Substitute für Ton- und Ton-
bildträger, welche musikalische Werke enthalten angesehen werden können. 
46 Vgl. MASSIMO MOTTA, Competition Policy, Theory and Practice, Cambridge 2009, S. 102 ff. 
47 Vgl. RPW 1999/3, 474, Rz 64, Sammelrevers 1993 für den Verkauf preisgebundener Verlagser-
zeugnisse in der Schweiz. 

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15 

 
 
 
 
                                                
90.  Der  räumliche  Markt  umfasst  das  Gebiet,  in  welchem  die  Marktgegenseite  die  vom 
sachlichen Markt umfassten Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 Abs. 3 
lit. b VKU, der hier analog anzuwenden ist). 

91.  Händler beziehen physische Ton- und Tonbildträger in erster Linie in der Schweiz von 
Schweizer Vertrieben (so z.B. von den an der Abrede beteiligen Unternehmen), weichen bei 
Bedarf  oder  günstigen  Gelegenheiten  jedoch  auch  auf  Bezugsquellen  und  Lieferanten  im 
Ausland aus. Solche Lieferanten befinden sich mehrheitlich im Raum Europa. In räumlicher 
Hinsicht ist demnach zumindest von einem schweizerischen Markt auszugehen. 

92.  Wie  nachfolgend  gezeigt  wird,  spielt  die  exakte  Abgrenzung  des  räumlich  relevanten 
Marktes keine Rolle, da unabhängig von dieser von einer den Wettbewerb erheblich beein-
trächtigenden Wettbewerbsabrede ausgegangen werden kann. 

B.3.2.2.2  Aussenwettbewerb 

93.  Nachfolgend  wird  geprüft,  inwiefern  die  an  der  Wettbewerbsabrede  beteiligten  Unter-
nehmen in ihrem Verhalten durch aktuellen oder potentiellen Aussenwettbewerb diszipliniert 
wurden. 

94.  Bei horizontalen Abreden werden in der Analyse der aktuellen und potentiellen Konkur-
renz  diejenigen  Unternehmen  betrachtet,  welche  im  gleichen  sachlichen  und  räumlichen 
Markt  auf  der  gleichen  Marktstufe  wie  die  an  der  Abrede  beteiligten  Unternehmen  agieren 
oder eintreten könnten. Im vorliegenden Fall ist es so, dass die Abrede den Import von Ton- 
und  Tonbildträgern  betroffen  hat.  Daher  sind  aktuelle  und  potentielle Wettbewerber  auf  der 
Stufe Import von physischen Ton- und Tonbildträgern zu identifizieren.  

95.  Die Abrede  wurde  innerhalb des Vereins IFPI getroffen, welchem Hersteller  von Ton- 
und/oder Tonbildträgern angehören. Die an der Abrede beteiligten Unternehmen charakteri-
sieren sich daher in erster Linie durch ihre Tätigkeit als Hersteller von Ton- und/oder Tonbild-
trägern (vgl. Rz 49 ff.). Da die Abrede jedoch nicht auf die Tätigkeit der Herstellung, sondern 
auf jene des Parallelimports und damit auf die Belieferung der Marktgegenseite mit den vom 
sachlichen  Markt  umfassten  Produkten  abgezielt  hat,  sind  nicht  nur  Hersteller  von  Ton- 
und/oder Tonbildträgern, sondern noch weitere Unternehmen zur aktuellen und potentiellen 
Konkurrenz hinzuzuzählen. 

96.  Zur aktuellen Konkurrenz sind all jene Unternehmen zu zählen, welche die vom sachli-
chen Markt umfassten Produkte an die Marktgegenseite (Schweizer Händler) liefern (selbst 
wenn  sie  nicht  als  Hersteller  von  Ton-  und/oder  Tonbildträgern  agieren).  Zur  potentiellen 
Konkurrenz  (potentielle  Wettbewerber)  sind  entsprechend  all  jene  Unternehmen  zu  zählen, 
welche mit relativ geringem Aufwand und innerhalb kurzer Zeit in der Lage wären, die vom 
sachlichen  Markt  umfassten  Produkte  an  die  Marktgegenseite  (Schweizer  Händler)  zu  lie-
fern. Aufgrund der Abgrenzung des räumlich relevanten Marktes können aktuelle und poten-
tielle Wettbewerber sowohl in der Schweiz als auch im Ausland ansässig sein. 

97.  Aus den obigen Ausführungen ist ersichtlich, dass eine relativ grosse Anzahl von Un-
ternehmen als aktuelle oder mindestens potentielle Konkurrenten der an der Abrede beteilig-
ten Unternehmen angesehen werden können. Konkret hat die Auswertung der Fragebogen, 
welche im Verlaufe der Vorabklärung an verschiedene Händler in der Schweiz (Cede-Shop 
AG,  Ex  Libris  AG,  Media  Saturn  Management  AG,  Musik  Hug,  Directmedia  AG)  versandt 
wurden, ergeben, dass diese mit diversen Bezugsquellen und  Lieferanten aus Europa oder 
den  USA  zusammenarbeiten.  Ausserdem  dürfte  der  Aufwand  für  eine  Belieferung  von 
Schweizer Händlern gerade für (ausländische) Unternehmen, welche im Bereich Musik tätig 
sind, nicht sehr gross sein. 

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16 

 
 
 
 
B.3.2.2.3  Zwischenergebnis zur Umstossung der Vermutung 

98.  Aufgrund  der  Tatsachen,  dass  (i)  mehrere  Schweizer  Händler  selber  Parallelimporte 
tätigen und dabei mit verschiedenen Lieferanten oder Bezugsquellen zusammenarbeiten und 
(ii) eine grössere Anzahl von Unternehmen mit relativ geringem Aufwand in der Lage wären, 
physische Ton- und Tonbildträger in die Schweiz zu liefern, gehen die Wettbewerbsbehörden 
davon aus, dass genügend aktuelle und potentielle Konkurrenz besteht, um die in Art. 5 Abs. 
3 KG verankerte Vermutung der Beseitigung des Wettbewerbs umzustossen. 

In den folgenden Ausführungen wird nun gezeigt, wieso die  Abrede dennoch eine er-

99. 
hebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs bewirkt hat. 

B.3.2.3  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

100.  Ob  eine  Beeinträchtigung  erheblich  im  Sinne  des  KG  ist  oder  nicht,  beurteilt  sich  an-
hand einer Gesamtbetrachtung des Einzelfalls, wobei sowohl qualitative wie auch quantitati-
ve Aspekte zu berücksichtigen sind.48 

B.3.2.3.1  Qualitatives Element 

101.  In  ihrer  jüngsten  Praxis  hat  die WEKO  darauf  hingewiesen,  dass  beim  Vorliegen  von 
sogenannten  Hardcore-Kartellen  das  qualitative  Element  der  Wettbewerbsbeeinträchtigung 
grundsätzlich als gravierend zu bewerten ist, auch wenn die Vermutung der Beseitigung des 
Wettbewerbs  umgestossen  werden  kann.49  Als  Hardcore-Kartelle  gelten  solche,  welche  die 
Tatbestandsmerkmale von Art. 5 Abs. 3 KG erfüllen.  

102.  Begründet wird diese Praxis damit, dass die in Art. 5 Abs. 3 KG explizit genannten Ab-
sprachen  unbestritten  ein  hohes  Schädigungspotential  für  den  Wettbewerb  aufweisen.  In 
casu liegen die Tatbestandsmerkmale von Art. 5 Abs. 3 lit. c KG vor, weshalb in Anlehnung 
an die jüngste Praxis von einer aus kartellrechtlicher Sicht qualitativ schwerwiegenden Wett-
bewerbsbeschränkung auszugehen ist. 

B.3.2.3.2  Quantitatives Element 

103.  An  das  quantitative  Element  sind  beim  Vorliegen  von  Hardcore-Kartellen  gemäss 
jüngster Praxis der WEKO keine allzu hohen Anforderungen zu stellen, da diese in qualitati-
ver Hinsicht grundsätzlich als gravierend bewertet werden. Das Vorliegen des quantitativen 
Elements kann aus folgenden Gründen bejaht werden: 

104.  Wie  bereits  in  Rz  49  ff.  ausgeführt,  bestand  zwischen  den  Mitgliedern  von  IFPI 
Schweiz  eine  Abrede  über  die  Unterlassung  von  Parallelimporten.  Gleichzeitig  konnte  ge-
zeigt werden, dass seit 1999 keines der an der Abrede beteiligten Unternehmen Parallelim-
porte  getätigt  hat.  Die  WEKO  leitet  aufgrund  der  Protokolle  von  IFPI  Schweiz  ab,  dass  die 
Mitglieder von IFPI Schweiz über die Beitrittsgesuche von sechs Neumitgliedern jeweils un-
ter  der  Voraussetzung  abgestimmt    haben,  dass  die  Unterlassungserklärung  unterzeichnet 
wurde  (vgl.  Rz  59).  Es  ist  unwahrscheinlich,  dass  ein  entsprechendes  Verhalten  nur  von 

48 Bekanntmachung der Wettbewerbskommission vom 28. Juni 2010 über die wettbewerbsrechtliche 
Behandlung vertikaler Abreden (Vertikalbekanntmachung; VertBek), Ziffer 12.1. Auch wenn die Verti-
kalbekanntmachung vorliegend – mangels Vorliegen einer vertikalen Wettbewerbsabrede gemäss Zif-
fer 1 VertBek – nicht direkt anwendbar ist, so kann sie bei horizontalen Wettbewerbsabreden immer-
hin als Orientierungshilfe dienen (vgl. dazu auch RPW 2012/1, 74, Vertrieb von Tickets im Hallensta-
dion Zürich).  
49 RPW 2012/1, 74, Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich; RPW 2010/4, 751 Rz 315 f., Baube-
schläge für Fenster und Fenstertüren. 

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17 

 
 
 
 
                                                
Neumitgliedern verlangt wurde, ohne dass eine stillschweigende Vereinbarung zwischen den 
bestehenden Mitgliedern bestand, wonach die gleiche Pflicht auch für sie selber gilt. Es kann 
daher davon ausgegangen werden, dass die Abrede von sämtlichen an der Abrede beteilig-
ten Unternehmen vollumfänglich umgesetzt wurde.  

105.  In diesem Zusammenhang ist weiter anzumerken, dass die Abrede zwischen den be-
teiligten Unternehmen auch insofern umfassend war, als dass sie den gesamten sachlichen 
Markt  betroffen  hat.  Die  Marktgegenseite  konnte  über  ein  an  der  Abrede  beteiligtes  Unter-
nehmen keine parallel importierten Produkte beziehen. Es ist also nicht so, dass wenigstens 
ein Teil des Sortiments über Parallelimporte der an der Abrede beteiligten Unternehmen hät-
te bezogen werden können.  

106.  Erschwerend kommt hinzu, dass für die Marktgegenseite nicht irgendein Bezugskanal, 
sondern der eigentliche Hauptbezugskanal eingeschränkt wurde. Abklärungen in diesem Zu-
sammenhang haben ergeben, dass der Bezug von physischen Ton- und Tonbildträgern über 
Schweizer  Vertriebskanäle  für  die  Händler  mit  verschiedenen  Vorteilen  verbunden  ist.  So 
sind Schweizer Vertriebskanäle an das erwähnte Logistik- und Bestellsystem von Phononet 
angeschlossen,  welches  für  den  Handel  verschiedene  Vorteile  bietet. Weiter  sind  auch  die 
„Erfahrungswerte“ mit Schweizer Vertrieben am grössten. 

107.  Schliesslich kann angemerkt werden, dass die Abrede über die Unterlassung von Pa-
rallelimporten spätestens seit 1999 bis ins Jahr 2011 wirksam war, also insgesamt mehr als 
zehn  Jahre.  Es  scheint  daher  durchaus  wahrscheinlich,  dass  aufgrund  des  langen  Beste-
hens  der  Abrede  Verhaltensweisen  von  beteiligten  Unternehmen  indirekt  beeinflusst  und 
zementiert  wurden.  Allfällige  Überlegungen  und  Gedanken  der  beteiligten  Unternehmen  zu 
Parallelimporten könnten aufgrund der Abrede bereits im Keim erstickt worden sein.  

108.  Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die Abrede über die Unterlassung 
von Parallelimporten das Verhalten der Marktteilnehmer beeinflusst und damit wettbewerbs-
schädliche Auswirkungen im relevanten Markt gezeitigt hat. Damit ist die Abrede als quanti-
tativ nicht geringfügig anzusehen. 

B.3.2.3.3  Zwischenergebnis zur Beurteilung der Erheblichkeit 

109.  Im Rahmen der Gesamtwürdigung wird die Abrede über die Unterlassung von Paralle-
limporten – da sie qualitativ eine schwerwiegende und quantitativ eine nicht geringfügige Be-
einträchtigung  des Wettbewerbs  bewirkt  hat  –  als  eine  den Wettbewerb  i.S.v.  Art.  5  Abs.  1 
KG  erheblich  beeinträchtigende  Abrede  qualifiziert.  Es  bleibt  schliesslich  zu  prüfen,  ob  die 
besagte Abrede durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt werden kann. 

B.3.2.4  Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

110.  Wettbewerbsabreden  sind  durch  Gründe  der  wirtschaftlichen  Effizienz  gerechtfertigt, 
wenn sie (i) notwendig sind, um die Herstellungs- oder Vertriebskosten zu senken, Produkte 
oder  Produktionsverfahren  zu  verbessern,  die  Forschung  oder  die  Verbreitung  von  techni-
schem oder beruflichem Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nutzen und (ii) 
den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wettbewerb 
zu beseitigen.50 

111.  Anzufügen ist, dass nicht bereits Gründe der wirtschaftlichen Effizienz vorliegen, wenn 
ein  wettbewerbsbeschränkendes  Verhalten  aus  Sicht  der  beteiligten  Unternehmen  effizient 

50 Vgl. Art. 5 Abs. 2 KG. 

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18 

 
 
 
 
                                                
ist,  vielmehr  muss  die  Abrede  gesamtwirtschaftlich  oder  aus  Sicht  der  Marktgegenseite  als 
effizient betrachtet werden können.51 

B.3.2.4.1  Rechtfertigungsgründe 

112.  Die Parteien haben keine konkreten Rechtfertigungsgründe i.S.v. Art. 5 Abs. 2 KG vor-
gebracht,  welche  dort  abschliessend  aufgezählt  sind.  Die  Parteien  haben  lediglich  geltend 
gemacht, dass mit der Unterlassungserklärung und dem damit verbundenen Parallelimport-
verbot  die  Bekämpfung  und  Eindämmung  der  Piraterieproblematik  und  keine  Behinderung 
von  Parallelimporten  im  Allgemeinen  bezweckt  wurde.  Ob  die  Parallelimportverzichtserklä-
rung jedoch überhaupt ein geeignetes Mittel zu Pirateriebekämpfung war, kann offen gelas-
sen werden. Zur Bekämpfung der Piraterie hätten mildere Mittel bestanden, weshalb die Un-
terlassungserklärung jedenfalls unverhältnismässig war. 

113.  Für  die  Beurteilung  der  Frage  nach  dem  Vorliegen  von  Rechtfertigungsgründen  sind 
ausschliesslich  ökonomische  Aspekte  zu  berücksichtigen52,  welche  Hinweise  darauf  liefern 
können, dass die Abrede gesamtwirtschaftlich effizient war. 

114.  In casu ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Abrede über die Unterlassung von Paralle-
limporten  in  irgendeiner  Form  mit  einem  der  genannten  Rechtfertigungsgründe  im  Zusam-
menhang stehen könnte und damit gesamtwirtschaftlich effizient sein sollte. Vor diesem Hin-
tergrund ist das Vorliegen von Rechtfertigungsgründen i.S.v. Art. 5 Abs. 2 KG zu verneinen. 

115.  Selbst  wenn  man  die  Bekämpfung  und  Eindämmung  der  Piraterieproblematik  als 
Rechtfertigungsgrund  i.S.v.  Art.  5  Abs.  2  KG  akzeptieren  würde,  müsste  man  letztendlich 
zum  Schluss  kommen,  dass  das  Parallelimportverbot  für  die  von  den  Parteien  geltend  ge-
machte Zweckerreichung nicht verhältnismässig war.  

116.  So kann einerseits die Eignung der ergriffenen Massnahme zur Erreichung des verfolg-
ten Zwecks – nämlich die Eindämmung der Piraterieproblematik – in Frage gestellt werden, 
da sich die Abrede über die Unterlassung von Parallelimporten auf physische Ton- und Ton-
bildträger  beschränkt  hat,  die  Piraterieproblematik  jedoch  hauptsächlich  im  digitalen  Down-
load-Bereich vorherrschend ist bzw. war.53 Ausserdem ist es fraglich, ob die durch die Abre-
de disziplinierten Unternehmen als Quelle der Piraterieproblematik gesehen werden können. 

117.  Andererseits  erscheint  das  Parallelimportverbot  auch  nicht  erforderlich,  da  es  bereits 
ausgereicht hätte, den urheberrechtsverletzenden – anstatt den allgemeinen – Parallelimport 
zu verbieten und damit ein milderes Mittel denkbar gewesen wäre.54 Ein solches Verbot  wä-
re  wiederum  überflüssig,  weil  der  Verkauf  und  Handel  mit  physischen  Piraterieprodukten  in 
der Schweiz sowieso verboten ist. Entsprechend hätten die bestehenden gesetzlichen Best-
immungen zur Bekämpfung und Eindämmung der Piraterieproblematik genügt. Man hätte ein 
fehlbares Verhalten nur bei den zuständigen Stellen anzeigen müssen. 

B.3.2.4.2  Zwischenergebnis zur Beurteilung von Effizienzgründen 

118.  Die  Abrede  über  die  Unterlassung  von  Parallelimporten  zwischen  den  beteiligten  Un-
ternehmen kann nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt werden. 

51 RPW 2010/4, 752 Rz 333 , Baubeschläge für Fenster und Fenstertüren. 
52 RPW 2010/4, 680 Rz 240, Hors-Liste Medikamente: Preise von Cialis, Levitra und Viagra. 
53 Akte Nr. 246, S. 14 ff. sowie MARTIN DRUSC/MARCO MEIER, Musik- und Filmpiraterie im Internet, in: 
Produktpiraterie, Peter Münch/Simon Brun (Hrsg.), 2009, S. 166. 
54 RPW 2010/1, 107 Rz 323, Gaba. 

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B.3.3  Ergebnis 

119.  Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es sich beim Sachverhalt betreffend die 
Unterlassungserklärung und dem damit verbundenen Parallelimportverbot um eine unzuläs-
sige Wettbewerbsabrede i.S.v. Art. 5 Abs. 3 lit. c KG handelt. Die Vermutung der Beseitigung 
des  wirksamen Wettbewerbs  kann  zwar  umgestossen  werden,  jedoch  liegt  eine  erhebliche 
Beeinträchtigung des Wettbewerbs vor, welche nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effi-
zienz gerechtfertigt werden kann (Art. 5 Abs. 1 und 2 KG). 

B.4  Angeblich unzulässige Verhaltensweisen marktbeherrschender 

Unternehmen 

B.4.1  Relevante Märkte und Marktbeherrschende Stellung 

120.  Die  Anzeigerin  wirft  IFPI  Schweiz  und  Phononet  verschiedene  Verhaltensweisen  vor, 
die  das  Sekretariat  im  Rahmen  der  Untersuchung  wegen  unzulässigen  Verhaltensweisen 
gemäss Art. 7 KG überprüft hat. Es handelt sich hierbei um die Vorwürfe gegen IFPI Schweiz 
bezüglich der „offiziellen Schweizer Hitparade“ und der Aufnahme in den Verband einerseits, 
sowie  andererseits  um  die  Vorwürfe  gegen  Phononet  bezüglich  des  Music  Promotion  Net-
works.  

121.  Bei der Untersuchung dieser Verhaltensweisen prüfen die Wettbewerbsbehörden übli-
cherweise zunächst das Vorliegen einer marktbeherrschenden Stellung, d.h., es wird geprüft, 
ob ein Unternehmen als Anbieter oder Nachfrager auf einem Markt in der Lage ist, sich von 
anderen Marktteilnehmern (Mitbewerbern, Anbietern oder Nachfragern) im wesentlichen Um-
fang unabhängig zu verhalten (Art. 4 Abs. 2 KG). Ein Unternehmen wird sich nicht in wesent-
lichem  Umfang  unabhängig  verhalten  können,  wenn  es  sich  ausreichend  starker  aktueller 
und/oder potentieller Konkurrenz gegenübersieht. Um dies zu prüfen, ist in der Regel vorab 
der  relevante  Markt  in  sachlicher  und  räumlicher  Hinsicht  abzugrenzen.  Entsprechend  den 
unter Rz 120 aufgeführten Vorwürfen wird nachfolgend auf drei Märkte eingegangen: 

122.  Bezüglich  der  Erstellung  der  „offiziellen  Schweizer  Hitparade“  stehen  verschiedene 
Marktteilnehmer mit IFPI in Verbindung. So u.a. auch die Künstler (sowie deren Labels und 
Vertriebe), welche in die „offizielle Schweizer Hitparade“ aufgenommen werden möchten. Es 
kann angemerkt werden, dass die Verbindung zwischen IFPI Schweiz und Künstlern (sowie 
deren Labels und Vertrieben) nicht einem klassischen „Angebots-Nachfrage Verhältnis“ ent-
spricht, da eine Aufnahme in die Hitparade nicht „erkauft“ werden kann (man kann sich auch 
nicht  aktiv  dafür  entscheiden,  in  die  „offizielle  Schweizer  Hitparade“  aufgenommen  zu  wer-
den). Trotzdem wäre es denkbar, Künstler (sowie deren Labels und Vertriebe) als Marktge-
genseite von IFPI anzusehen und Substitutionsmöglichkeiten daher auf dieser Stufe zu prü-
fen. 

123.  Abklärungen  haben  ergeben,  dass  neben  der  „offiziellen  Schweizer  Hitparade“  ver-
schiedene  andere  „Hitparaden“  oder  „Ranglisten“  im  Bereich  Musik  existieren  (so  erstellen 
die meisten Händler anhand ihrer Verkaufszahlen eigene „Verkaufshitparaden“55). Die Frage, 
ob die Aufnahme in solche „Erhebungen“ für Künstler (sowie deren Labels und Vertriebe) al-
lenfalls  als  Substitut  für  eine  Aufnahme  in  die  „offizielle  Schweizer  Hitparade“  angesehen 
werden könnte und ob der sachlich relevante Markt damit über die „offizielle Schweizer Hit-
parade“  hinaus  abzugrenzen  wäre,  kann  vorliegend  offengelassen  werden,  da  unabhängig 
von der Abgrenzung des relevanten Marktes und vom Vorliegen einer marktbeherrschenden 

55 Akte Nr. 238, S. 14 f. 

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Stellung die untersuchten Verhaltensweisen nicht als unzulässig im Sinne von Art. 7 KG zu 
qualifizieren sind. 

124.   Bezüglich  der  Verbandsaufnahme  kann  zunächst  angemerkt  werden,  dass  IFPI 
Schweiz als Dachverband der Ton- und Tonbildträgerhersteller in der Schweiz v.a. die Inte-
ressen  seiner  Mitglieder  vertritt  (vgl.  Rz  7).  Als  Marktgegenseite  von  IFPI  Schweiz  könnten 
daher Unternehmen betrachtet werden, welche ihre Interessen durch IFPI Schweiz vertreten 
lassen möchten. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Labels (Ton- und Tonbildträgerher-
steller). Substitutionsmöglichkeiten wären daher auf der Stufe Labels zu prüfen. 

125.  Gemäss  aktuellem  Kenntnisstand  der  Wettbewerbsbehörden  existiert  neben  IFPI 
Schweiz  kein  weiterer  Verband,  welcher  die  Interessen  von  Ton-  und  Tonbildträgerherstel-
lern vertritt. Eine marktbeherrschende Stellung könnte trotzdem nicht so einfach bejaht wer-
den,  da  sich  insbesondere  die  Frage  stellt,  ob  es  sich  bei  einer  Mitgliedschaft  in  IFPI 
Schweiz um eine sogenannte „Essential Facility“56 handelt, d.h. ob eine Mitgliedschaft unab-
dingbar für das erfolgreiche Bestehen als Label ist. Schliesslich können auch an dieser Stelle 
die  Fragen  der  Abgrenzung  des relevanten  Marktes sowie  der  Marktbeherrschung  offenge-
lassen werden, da unabhängig davon die untersuchten Verhaltensweisen nicht als unzuläs-
sig im Sinne von Art. 7 KG zu qualifizieren sind. 

126.  Bezüglich  des  Music  Promotion  Networks  agiert  Phononet  als  Plattform,  welche  die 
beiden  Marktgegenseiten  „Industrie“  (Labels  und  Vertriebe)  und  „Medien“  (u.a.  Radio  und 
Printmedien) verbindet, um die Bemusterung von Medienschaffenden mit Neuheiten aus der 
Musikindustrie  zu  gewährleisten  (vgl.  Rz  13  ff.).  Relevant  für  die  untersuchten  Verhaltens-
weisen ist ausschliesslich die  Marktgegenseite „Medien“, für welche entsprechend die Sub-
stitutionsmöglichkeiten zu prüfen wären. 

127.  Abklärungen  haben  ergeben,  dass  für  die  Medien  verschiedene  alternative  Bemuste-
rungstools existieren (häufig genannt werden u.a. Open Broadcast, iTunes, Haulix, Fat Drop 
etc.)  oder  oft  auch  die  Möglichkeit  der  direkten  Bemusterung  durch  die  Künstler  selber  be-
steht.57 Die Frage, ob solche alternativen Bemusterungsmöglichkeiten als Substitute für das 
Music Promotion Network angesehen werden könnten und wie der sachlich relevante Markt 
schliesslich  abzugrenzen  wäre,  kann  vorliegend  offengelassen  werden, da  unabhängig  von 
der  Abgrenzung  des  relevanten  Marktes  und  vom  Vorliegen  einer  marktbeherrschenden 
Stellung die untersuchten Verhaltensweisen nicht als unzulässig im Sinne von Art. 7 KG zu 
qualifizieren sind. 

B.4.2  Angeblich unzulässige Verhaltensweisen 

B.4.2.1  Offizielle Schweizer Hitparade 

B.4.2.1.1  Einleitung 

128.  Die „offizielle Schweizer Hitparade“ (nachfolgend Hitparade) ist eine wöchentliche Zu-
sammenstellung  der  meistverkauften  Singles  (Single-Hitparade),  Musikalben  (Album-
Hitparade), Compilations (Compilation-Hitparade) und DVDs (DVD-Hitparade).58 

129.  Das  Chartsreglement  der  Hitparade  (nachfolgend  Chartsreglement)  ist  ein  Dokument, 
welches die Rahmenbedingungen für die Erstellung der Hitparade festlegt. Damit sollen die 

56 MOTTA (Fn 46), S. 66 ff. 
57 Akte Nr. 99, S. 2; Akte Nr. 181, S. 4; Akte Nr. 183, S. 1 f. 
58 Vgl. Akte Nr. 119, Beilage10. 

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21 

 
 
 
 
                                                
Voraussetzungen  für  eine  möglichst  repräsentative  Ermittlung  der  Verkaufszahlen  und  die 
Erstellung einer möglichst repräsentativen Hitparade garantiert werden. 

130.  Ausgearbeitet  wurde  das  Chartsreglement  im  Jahr  1995  vom  IFPI  Marketingaus-
schuss. Dieser zeigt sich auch verantwortlich für die diversen Revisionen, welche seit der In-
kraftsetzung  vorgenommen  wurden  und  die  gemäss  IFPI  Schweiz  den  stetig  ändernden 
Marktbedingungen  Rechnung  tragen  sollten  (so  verändert  sich  der  Markt  z.B.  im  digitalen 
Bereich sehr schnell59). Das Dokument ist – im Gegensatz zu  vergleichbaren Reglementen 
in anderen Ländern – nicht öffentlich zugänglich und nur den Mitgliedern des Marketingaus-
schusses, dem Vorstand von IFPI Schweiz sowie dem Unternehmen Media Control bekannt 
(vgl. auch Rz 19). 

131.  Das Chartsreglement richtet sich in erster Linie an Media Control, welche von IFPI be-
auftragt  ist,  die  Daten  für  die  Hitparaden-Erstellung  zu  erheben  und  aufzuarbeiten.  Media 
Control  steht  damit  in  einem  Vertragsverhältnis  mit  IFPI  Schweiz,  ist  ansonsten  jedoch  un-
abhängig vom Verein und dessen Mitgliedern. Aufgrund der Auslagerung an Media Control 
hat IFPI Schweiz keinen direkten Einfluss auf die Datenerhebung und die Erstellung der Hit-
parade, sondern nur einen „indirekten“ über das Chartsreglement. 

132.  Zur  Erstellung  der  Hitparade  erfasst  Media  Control  die  Verkaufszahlen  für  die  unter 
Rz 128 aufgeführten Produkte von verschiedenen Händlern, Fachhändlern, Shops etc. in der 
Schweiz (nachfolgend unter dem Begriff Händler zusammengefasst). In dieser Erfassung der 
Verkaufszahlen  werden  sowohl  Händler  von  physischen  als  auch  von  digitalen  (Download) 
Produkten  berücksichtigt.  Gemäss  eigenen  Angaben  erreicht  Media  Control  bei  den  physi-
schen  Produkten  eine  75  %-ige  und  bei  digitalen  eine  98  %-ige  Marktabdeckung.  Nachfol-
gend werden jene Händler, welche von Media Control über die Verkaufszahlen befragt wer-
den und diese entsprechend übermitteln auch als „meldeberechtigte Händler“ bezeichnet. 

133.  Die vorliegenden Vorwürfe werden im Zusammenhang mit Art. 7 KG geprüft. Auf eine 
detaillierte Abklärung der Frage der Marktbeherrschung kann verzichtet, da – wie bereits in 
Rz 120 ff. erwähnt – selbst bei deren Vorliegen kein missbräuchliches Verhalten i.S.v. Art. 7 
KG festgestellt werden kann. 

B.4.2.1.2  Erstellung des Chartsreglements und der „offiziellen Schweizer Hitparade“ 

134.  Die  Anzeigerin  hat  zunächst  ganz  allgemein  geltend  gemacht,  die  Hitparade  würde 
durch  das  Chartsreglement  verfälscht  und  manipuliert.  Die Wettbewerbsbehörden  erachten 
es jedoch grundsätzlich als legitim, dass Rahmenbedingungen für die Hitparaden-Erstellung 
ausgebarbeitet werden und dazu ein Reglement erlassen wird. Schliesslich dürfte es gerade 
im Interesse einer glaubhaften und objektiven Hitparade sein, wenn Anforderungen, Abläufe 
und Begriffe klar definiert und geregelt sind und nicht arbiträr bestimmt werden können. Der 
Bedarf  an  einem  Reglement  zeigt  sich  ausserdem  dadurch,  dass  es gemäss  Angaben  von 
Media Control immer wieder zu Manipulationsversuchen kommt.60 Ein Reglement kann dazu 
beitragen,  solche  Manipulationen  oder  Manipulationsversuche  zu  erkennen  und  damit  zu 
verhindern oder zumindest zu erschweren. 

135.  Zudem  spricht  nichts  dagegen,  dass  ein  solches  Reglement  von  jenen  Kreisen  erlas-
sen  wird,  welche  (i)  die  Hitparade  initiieren  und  vermarkten,  (ii) für  diese  finanziell  aufkom-
men und (iii) dafür die Verantwortung übernehmen. In diesem Sinne stellt die blosse Erstel-

59 Akte Nr. 246, S. 30; Akte Nr. 263, S.11. 
60 Solche Manipulationsversuche gehen allerdings nicht von IFPI-Mitgliedern, sondern hauptsächlich 
von Künstlern aus (vgl. Akte Nr. 239, Beilage 13). 

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lung  eines  Chartsreglements  durch  den  IFPI-Marketingausschuss  keinen  Verstoss  gegen 
Art. 7 KG dar, selbst wenn eine marktbeherrschende Stellung vorliegen sollte. 

B.4.2.1.3 

 Angebliche Nichtaufnahme in die „offizielle Schweizer Hitparade“ 

136.  Im Zusammenhang mit der Hitparade hat die Anzeigerin vorgebracht, digital vertriebe-
ne Titel würden von IFPI Schweiz ausgeschlossen und fänden daher keinen Eingang in die 
Hitparade. Als Beleg für ihre Aussage nennt sie den Titel „Slow down. Take it easy“, welcher 
angeblich  nicht  in  die  (Single-)Hitparade  aufgenommen  wurde,  obwohl  die  Verkaufszahlen 
eine Aufnahme gerechtfertigt hätten.61  

137.  Die  Wettbewerbsbehörden  entnehmen  diesem  Vorwurf  mehrere  Elemente.  Einerseits 
den allgemeineren Vorwurf, dass digital distribuierte Titel generell nicht in die Hitparade auf-
genommen  werden.  Weiter  den  Vorwurf,  dass  Titel,  welche  über  die  Anzeigerin  vertrieben 
werden, nicht in die Hitparade aufgenommen werden, und schliesslich konkret den Vorwurf, 
dass der Titel „Slow Down. Take it easy“ nicht in die Hitparade gekommen sei. Aus Sicht der 
Wettbewerbsbehörden handelt es sich dabei um unterschiedliche Vorwürfe, welche nachfol-
gend einzeln geprüft werden. 

138.  Der  allgemeine  Vorwurf,  dass  digital  distribuierte  Titel  nicht  in  die  Hitparade  aufge-
nommen werden, konnte im Rahmen der Untersuchung widerlegt werden. Aus dem Charts-
reglement geht klar hervor, dass sowohl physische als auch nicht physische (digitale) Forma-
te für  die  Hitparade gewertet  werden.62  Allerdings verlangt  das  Chartsreglement  einschrän-
kend,  dass  ein  Titel,  um  für  die  Hitparade  gewertet  zu  werden,  durch  einen  „offiziellen 
Schweizer Vertrieb“ vertrieben werden muss.63 Dieses Erfordernis betrifft aber sowohl physi-
sche wie auch digital vertriebene Titel.  

139.  Bezüglich  des  Vorwurfs,  dass  Titel,  welche  über  die  Anzeigerin  vertrieben  werden, 
nicht in die Hitparade aufgenommen werden, verweist diese hauptsächlich auf die Umstände 
im  Zusammenhang  mit  dem  Titel  „Slow  down.  Take  it  easy“:  Die  Anzeigerin  behauptet,  für 
den Titel „Slow down. Take it easy“ den Vertrieb übernommen zu haben. IFPI Schweiz hin-
gegen hat nicht die Anzeigerin, sondern „Godbrain Distribution“ als Vertrieb für den besagten 
Titel  anerkannt.64  Im  Gegenzug  bezeichnet  IFPI  Schweiz  die  Anzeigerin  als  sogenannten 
Aggregator65, d.h. als einen Vermittler, der keine direkten Geschäftsbeziehungen zu den we-
sentlichen Händlergruppen unterhält.66 Gemäss Chartsreglement gilt ein Aggregator nicht als 
„offizieller Schweizer Vertrieb“, weil er die Grundvoraussetzung für einen Vertrieb – nämlich 
die  relevanten  Händlerbeziehungen  –  nicht  erfüllt.67  Aus  diesem  Grund  wäre  der  präzise 
Vorwurf, den die Anzeigerin im Zusammenhang mit der Problematik der „Nichtaufnahme von 
digital distribuierten Titeln“ machen könnte, der, dass sie von IFPI Schweiz nicht als „offiziel-
ler Schweizer Vertrieb“ anerkannt wurde. 

140.  Ob eine Einstufung der Anzeigerin als Aggregator gerechtfertigt ist oder nicht, ist eine 
technische  Frage,  welche  nicht  von  den  Wettbewerbsbehörden  beantwortet  werden  kann. 

61 Akte Nr. 1, exemplarisch Rz 77 und 80. 
62 Akte Nr. 119, Beilage 10, Ziffer 2.b sowie Ziffer 3.e. 
63 Akte Nr. 119, Beilage 10, Ziffer 2.b. 
64 http://www.hitparde.ch/, besucht am 11. April 2012 sowie, Akte Nr. 119, Beilage 12, Ziffer 2.c.2. 
65 Vgl. dazu Akte Nr. 1, Beilage 26, sowie Akte Nr. 119, Beilagen 11 und 12. 
66 Gemäss IFPI Schweiz ist ein Aggregator ein Zwischenhändler vor der Vertriebsstufe, welcher selber 
keine Händler, sondern Vertriebe beliefert. Erst ein Vertrieb beliefert dann den Handel mit den Ton- 
und/oder Tonbildträgern (vgl. Rz 21). Entsprechend seiner Tätigkeit hat ein Aggregator keine direkten 
Beziehungen zu den Händlern. 
67 Akte Nr. 119, Beilage 10, Ziffer 2.b. 

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Kartellrechtlich problematisch könnte jedoch sein, dass die Anforderungen an einen „offiziel-
ler  Schweizer  Vertrieb“  durch  das  Chartsreglement  beschrieben  werden:  „Als  offizielle 
Schweizer  Vertriebe  gelten  solche,  welche  bei  der  Phononet  AG  angeschlossen  sind 
und/oder  direkte  Geschäftsbeziehungen  zu  den  wesentlichen  Händlergruppen  in  der 
Schweiz unterhalten und diese beliefern“.68  

141.  Da  das  Chartsreglement  „geheim“  ist  und  damit  die  darin  enthaltenen  Anforderungen 
an  einen  „offiziellen  Schweizer  Vertrieb“  nicht  öffentlich  bekannt  sind,  könnte  die  Situation 
entstehen, in welcher einem Unternehmen ungerechtfertigterweise die Anerkennung als „of-
fizieller  Schweizer  Vertrieb“  verwehrt  wird.  Ein  solches  Unternehmen  könnte  sich  folglich 
nicht  gegen  einen  solchen  Entscheid  wehren,  da  ihm  –  wie  bereits  erwähnt  –  die  entspre-
chenden Anforderungen nicht bekannt sind. Der Schaden, welcher dem „falsch eingestuften“ 
Unternehmen  entstehen  würde,  wäre  der,  dass  die  über  dieses  Unternehmen  vertriebenen 
Titel keinen Eingang in die Hitparade finden könnten (vgl. Rz 137 ff.). Eine solche Situation 
wird  von  der  Anzeigerin  geltend  gemacht.  Die  Erhebungen  des  Sekretariats  haben  jedoch 
ergeben, dass der Titel „Slow down. Take it easy“ gewertet wurde, wenn auch mit einer Ver-
zögerung von einer Woche infolge unvollständiger Meldung (vgl. Rz 145 f.). 

142.  Da  das  Chartsreglement  künftig  jedoch  veröffentlicht  werden  soll  (vgl.  Rz  154)  und 
damit  auch  die  Anforderungen  an  einen  „offiziellen  Schweizer  Vertrieb“  bekannt  gemacht 
werden,  gehen  die  Wettbewerbsbehörden  davon  aus,  dass  sich  solche  Fragen  in  Zukunft 
nicht mehr stellen werden.  

143.  Ausserdem gehen die Wettbewerbsbehörden davon aus, dass es im Zusammenhang 
mit  der  „Anerkennung  von  offiziellen  Schweizer  Vertrieben“  auch  in  der  Vergangenheit  zu 
keinen  grösseren  Schwierigkeiten  gekommen  ist.  Die  Anzeigerin  hat  einen  Fall  identifiziert, 
die  Wettbewerbsbehörden  haben  jedoch  keine  Kenntnis  von  weiteren  Fällen.  Dass  jedoch 
selbst  die  Anzeigerin  keine  Benachteiligungen  aus  der  Nicht-Anerkennung  als  „offizieller 
Schweizer  Vertrieb“  hinnehmen  musste,  zeigt  sich  dadurch,  dass  sie  als  konkrete  Auswir-
kung einzig die Nichtaufnahme des Titels „Slow down. Take it easy“ in die Hitparade vorbrin-
gen kann. Dieser Vorwurf erweist sich indes als falsch. Sowohl gemäss Aussagen von Media 
Control  und 
Internetseite 
IFPI  Schweiz  als  auch  gemäss  den  Angaben  auf  der 
www.hitparade.ch69 ist dieser Titel spätestens am 20. Dezember 2009 in der Hitparade auf 
Platz 5 eingestiegen und hat sich dort während zwölf Wochen gehalten. 

144.  Media Control und IFPI Schweiz räumen ein, dass es bei besagtem Titel zu einer ein-
wöchigen Verzögerung bei der Aufnahme in die Hitparade gekommen ist.70 Diese Verzöge-
rung  sei  aber  durch  eine  unvollständige  Meldung  des  entsprechenden  Titels  entstanden. 
Media Control hat daraufhin den Fall entsprechend dem üblichem Vorgehen in solchen Fäl-
len an den IFPI Schweiz Marketingausschuss zur Abklärung und Freigabe weitergeleitet. 

145.  Gerade  die  Freigabe  von  „Slow  down.  Take  it  easy“  zeigt,  dass  der  Marketingaus-
schuss von IFPI Schweiz bereit war, das Chartsreglement zugunsten kleinerer Labels auszu-
legen, und nicht auf den darin enthaltenen Anforderungen zu beharren. Konkret hat man die 
Voraussetzung bezüglich Bekanntheit bei 3 IFPI-A-Mitgliedern im vorliegenden Fall nicht an-
gewendet.  So  ist  aus  dem  Protokoll  der  Marketingausschuss  Sitzung  vom  11.  Dezember 
2009 i.S. „Slow down. Take it easy“ zu lesen: „Für die nächste Chartwertung wird die Single 
nun berücksichtigt, da im Grundsatz alle Parameter dem Chartsreglement entsprechen (inkl. 
Labelbindung Phononet). Zudem mausert sich der Song zu einem Hit, dieser soll nicht ver-

68 Akte Nr. 119, Beilage 10, Ziffer 2.b. 
69 http://www.hitparade.ch/weekchart.asp?cat=s&date=20091220&year=2009; besucht am 11. April 
2012. 
70 Akte Nr. 246, S. 34; Akte Nr. 263, S. 15. 

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hindert  werden.  Trotzdem  gibt  es  im  Chartsreglement  einen  Punkt  dem  der  Wertung  nicht 
ganz gerecht wird: §3.e.4 (…die nicht von einem offiziellen Schweizer Vertrieb, welcher bei 
mindestens  3  IFPI-A-Mitgliedern  bekannt  ist…).  Kein  Mitglied  des  MA  [Marketingausschus-
ses] kannte den Vertrieb „Godbrain“ bevor dieser Fall eintrat.“.71 

146.  Bei  der  verzögerten  Nennung  des  Titels  „Slow  down.  Take  it  easy“  in  der  „offiziellen 
Schweizer Hitparade“ handelt es sich im Übrigen nicht um einen Manipulationsfall oder eine 
Massnahme zum Ausschluss bestimmter Künstler. Die einwöchige Verzögerung der Platzie-
rung in der Hitparade war offenbar auf mangelhafte Vertriebsangaben zurückzuführen, was 
seitens Media Control ergänzende Abklärungen erforderlich machte. Im Rahmen dieser Ab-
klärungen konnte Media Control die unvollständige Meldung mit dem Vertrieb Godbrain Dis-
tribution als „offizieller Schweizer Vertrieb“ des fraglichen Titels ergänzen und somit vervoll-
ständigen.  Für  diese  Abklärungen  reichte  jedoch  das  kurze  Zeitfenster  zwischen  Erhebung 
und Erstellung der „offiziellen Schweizer Hitparade“ nicht aus, weshalb es zu einer einwöchi-
gen Verzögerung kam.  

B.4.2.1.4  Angeblicher Informationsvorteil von Mitgliedern des IFPI Marketingausschusses 

147.  Die Anzeigerin hat weiter darauf hingewiesen, dass aufgrund der „Geheimhaltung“ des 
Chartsreglements (vgl. Rz 130) den Mitgliedern des IFPI Marketingausschusses ein Informa-
tionsvorteil  entstehen  würde.  Konkret  bestehe  dieser  Vorteil  darin,  dass  die  Mitglieder  des 
Marketingausschusses genau wüssten, welche (physischen oder digitalen) Händler ihre Ver-
kaufszahlen an Media Control übermitteln (vgl. Rz 132). Ein solcher Informationsvorteil kön-
ne nun dahingehend ausgenutzt werden, dass die Mitglieder des Marketingausschusses ihre 
Produkte „strategisch“ bei den meldeberechtigten Händlern platzieren könnten, wohingegen 
andere, v.a. kleinere Labels oder Vertriebe dieses Wissen nicht hätten und daher ihre Pro-
dukte nicht im gleichen Sinne strategisch bei den „richtigen“ Händlern positionieren könnten. 
Auch diese Tatsache würde schliesslich zu einer Verfälschung der Hitparade und einer Ver-
zerrung des Wettbewerbs führen.72  

148.  Dem kann entgegnet werden, dass die Mitglieder des Marketingausschusses die Liste 
der meldeberechtigten Händler (ob physisch oder digital) nicht kennen. Media Control stellt 
das  Händlerpanel  (so  wird  die  Liste  der  meldeberechtigten  Händler  genannt;  nachfolgend 
auch  Panel)  ohne  Einflussnahme  von  IFPI  Schweiz  und  unter  strengster  Geheimhaltung 
selbstständig zusammen. Gemäss Media Control ist dieses Panel strikt „geheim“ und Dritten 
nicht zugänglich. Die Geheimhaltung habe aber nichts mit IFPI Schweiz zu tun, sondern er-
folge  zur  Verhinderung  von  Manipulationen.  Auch  im  Ausland  werde  das  Händlerpanel  nie 
veröffentlicht.73 

149.  Jedoch  hat  das  Chartsreglement  (welches  nur  den  Mitgliedern  des  Marketingaus-
schusses  bekannt  ist)  einen  „indirekten“  Einfluss  auf  das  Händlerpanel  von  Media  Control, 
da es die grundsätzlichen Voraussetzungen für die Meldeberechtigung eines Händlers fest-
legt (u.a. muss ein Händler mindestens 3 IFPI-A-Mitgliedern bekannt sein, damit er meldebe-
rechtigt  ist74)  und  nimmt  damit  eine  „Vorselektion“  der  grundsätzlich  meldeberechtigten 
Händler  vor.  Damit  erfahren  die  Mitglieder  des  Marketingausschusses  zwar  nicht,  welche 
Händler am Schluss ins Panel aufgenommen werden, aber sie kennen immerhin einen Teil 
jener Händler, welche nicht meldeberechtigt sind.  

71 Akte Nr. 119, Beilage 12. 
72 Akte Nr. 1, Rz 70. 
73 Akte Nr. 263, S. 9 und 10. 
74 Akte Nr. 119, Beilage10, Ziffer 1.b. 

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150.  Dass dieses zusätzliche Wissen jedoch kaum ausreicht, um die Hitparade zu manipu-
lieren, zeigen folgende Überlegungen: Media Control erreicht bei der Händlerbefragung eine 
sehr  breite  Marktabdeckung  (75  %  für  physische  Produkte,  98  %  für  digitale;  vgl.  Rz  132), 
womit  die  Repräsentativität  der  Erhebung  gewährleistet  sein  sollte.  Gerade  im  Bereich  der 
digitalen  Produkte  (Download-Verkäufe),  welcher  von  der  Anzeigerin  als  besonders  kritisch 
hervorgehoben  wird75,  kann  von  einer  Vollerhebung  gesprochen  werden.  Es  scheint  daher 
höchst  unwahrscheinlich,  dass mittels  einer „strategischen  Platzierung“  von  Produkten  eine 
bessere Hitparadenplatzierung und damit eine Verfälschung erreicht werden kann.  

151.  Media  Control  hat  ausserdem  erwähnt,  dass  man  mit  einer  Abdeckung  von  75  %  bei 
den physischen Produkten an die Grenze des Machbaren gelangt sei. Dies liege nicht daran, 
dass  IFPI  Schweiz  weitere  Händlerbefragungen  erschwere  oder  gar  verhindere,  sondern 
vielmehr  daran,  dass  nicht jeder  Händler,  welcher  zwar  gemäss  Chartsreglement meldebe-
rechtigt wäre, auch die technischen Voraussetzungen erfüllen kann, um seine Verkaufszah-
len zu melden.76  

152.  Ebenfalls  angemerkt  werden  kann,  dass  sämtliche  Anbieter  von  Ton-  und  Tonbildträ-
gern (sowohl die Mitglieder des Marketingausschusses als auch alle anderen Labels) in ers-
ter Linie ein Interesse daran haben dürften, ihre Produkte möglichst breit, d.h. bei möglichst 
vielen  Händlern  abzusetzen,  und  daher  kaum  daran  interessiert  sind,  ihre  Verkaufskanäle 
eigenmächtig durch „strategische“ Platzierungen einzuschränken. 

B.4.2.1.5  Zwischenergebnis 

153.  Anhaltspunkt  für  die  Eröffnung  der  Untersuchung  war,  dass  die  Geheimhaltung  des 
Chartsreglements  sowie  gewisse  Anforderungen  darin  durchaus  das  Potential  für  Diskrimi-
nierungen  beinhalten  und  daher  kartellrechtlich  nicht  ohne  weiteres  unbedenklich  erschie-
nen. Jedoch ergab die Untersuchung keine Hinweise auf missbräuchliche Verhaltensweisen 
im  Sinne  von  Art.  7  KG  im  Zusammenhang  mit  der  „offiziellen  Schweizer  Hitparade“.  Zu-
sammenfassend kann festgehalten werden, dass bezüglich der „offiziellen Schweizer Hitpa-
rade“ kein Kartellrechtsverstoss vorliegt. 

154.  Weiter  haben  sich  IFPI  Schweiz  und  seine  Vorstandsmitglieder  dazu  bereit  erklärt, 
dass  im  Rahmen  dieser  Verfügung  die  Formulierungen  des  Chartsreglements  offen  gelegt 
werden und damit eine gewisse Transparenz geschaffen wird. Schliesslich wurde auch den 
Anmerkungen,  dass  ein  öffentlich  zugängliches  Chartsreglement  die  Transparenz  erhöhen 
und  eine  Einbindung  verschiedener  Interessengruppen  bei  der  Erstellung  und  Anpassung 
des Chartsreglements die Gefahr der einseitigen Ausgestaltung verringern würde, Rechnung 
getragen. IFPI Schweiz ist nun dabei, diese sowie verschiedene weitere Neuerungen auszu-
arbeiten und umzusetzen. 

75 Akte Nr. 1, Rz 70, wörtlich: „Das Hitparaden-Reglement ist geheim und kann nicht eingesehen wer-
den. Namentlich gilt das mit Bezug darauf, die Download-Verkäufe welcher Shops für die Hitparade 
mitgezählt werden. Die Labels, die Marketingausschuss der IFPI angehören, wissen im Gegensatz zu 
allen anderen Labels, wem sie ihre Titel zum Download zur Verfügung stellen müssen, damit die Ver-
käufe im Rahmen der Hitparade mitgezählt werden. Anderen, wie z.B. der Anzeigerin sind diese Ta-
taschen nicht bekannt“. 
76 Dazu Frau Altig von Media Control: „Nicht jeder Händler kann die Voraussetzungen ad hoc schaffen 
EAN online genau zu melden. Das muss immer gewährleistet sein. Da gibt es immer wieder Händler, 
die sich melden. Und es wird geprüft, ob sie korrekt melden, ob sie jeden Tag melden können. Das 
sind alles notwendige Kriterien. Sind die Kriterien gegeben, dann wird der Händler aufgenommen. 
Aber im Moment ist es so, dass 75 % machbar ist. Mehr Händler, die die Kriterien erfüllen, gibt es im 
Moment nicht“ (Akte Nr. 263, S. 22). 

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B.4.2.2  Aufnahme in den Verein IFPI Schweiz 

155.  Die Anzeigerin hat den Vorwurf erhoben, dass „digitale Distributoren“ (digitale Vertrie-
be) nicht in den Verein IFPI Schweiz aufgenommen werden. Als Beleg dafür nennt sie ihre 
eigene  angebliche  Nichtaufnahme  in  IFPI.  Die  vorliegenden  Vorwürfe  werden  im  Zusam-
menhang mit Art. 7 KG geprüft. Analog zur vorhergehenden Analyse kann auf eine detaillier-
te Abklärung der Frage der Marktbeherrschung verzichtet werden, da selbst bei deren Vor-
liegen  kein  missbräuchliches  Verhalten  i.S.v.  Art.  7  KG  festgestellt  werden  kann  (vgl.  auch 
Rz 120 ff.). 

156.  Grundsätzlich werden in IFPI Schweiz nur „Ton- und/oder Tonbildträgerhersteller, wel-
che mindestens ein eigenes Label führen/oder vertreten“ aufgenommen.77 Diese Vorausset-
zung  ergibt  sich  direkt  aus  dem  Vereinszweck  von  IFPI  Schweiz  (Wahrung  der  Interessen 
der  Ton-  und  Tonbildträgerhersteller,  insbesondere  Wahrung  und  Förderung  von  urheber- 
und  leistungsschutzrechtlichen  Belangen).  Vertriebe,  welche  kein  Label  führen  oder  vertre-
ten,  seien  es  physische  oder  digitale,  werden  also  nicht  in  den  Verein  aufgenommen,  weil 
solche  Unternehmen  nicht  für  eine  Aufnahme  gemäss  Vereinszweck  vorgesehen  sind  (ge-
nauso wenig nimmt IFPI Schweiz Unternehmen aus anderen Branchen oder Bereichen auf).  

157.  Es kann jedoch vorkommen, dass gewisse Mitglieder von IFPI Schweiz neben ihrer Tä-
tigkeit  als  Hersteller  auch  als  „Vertrieb“  tätig  sind.  Somit  sind  auch  „(digitale)  Distributoren“ 
Mitglied von IFPI Schweiz, nicht jedoch aufgrund ihrer Tätigkeit als solche, sondern aufgrund 
ihrer zusätzlichen Tätigkeit als Ton- und/oder Tonbildträgerhersteller. 

158.  Nur  am  Rande  sei  hier  erwähnt,  dass  gemäss  IFPI  Schweiz  die  Formulierung  „Ton- 
und/oder  Tonbildträgerhersteller“  nicht  dahingehend  zu  interpretieren  sei,  dass  zwischen 
Produzenten physischer und digitaler Tonträger unterschieden werde. Beide Arten von Her-
stellern werden grundsätzlich in den Verein aufgenommen, es existiert somit keine Diskrimi-
nierung zwischen physischen und digitalen Ton- und Tonbildträgerproduzenten. 

159.  Wie  bereits  dargelegt,  bestehen für  die  Aufnahme  in  den  Verein genau  definierte  An-
forderungen,  welche  sich  aus  dem  Vereinszweck  ergeben.  Die  Anzeigerin  ist  überzeugt, 
dass sie diese Anforderungen erfüllt und daher eine IFPI-Mitgliedschaft gerechtfertigt wäre.78 
Ob dies tatsächlich der Fall ist, wurde aus zwei Gründen nicht näher geprüft: 

160.  Erstens: Die Voraussetzungen für eine Aufnahme in IFPI Schweiz stellen grundsätzlich 
keinen Verstoss gegen das Kartellgesetz (insbesondere gegen Art. 7 KG) dar, selbst wenn 
eine  marktbeherrschende  Position  vorliegen  würde.  Schliesslich  macht  es  Sinn,  dass  im 
Verein der Ton- und Tonbildträgerhersteller ausschliesslich Ton- und Tonbildträgerhersteller 
vertreten  sind.  Es  konnte  weiter  nicht  festgestellt  werden,  dass  es  je  zu  Problemen  im  Zu-
sammenhang  mit  der  Vereinsaufnahme  gekommen  wäre  (dies  gilt  auch  für  die  Anzeigerin, 
vgl.  nachfolgend  Rz  161)  und  somit  ein  Missbrauch  einer  allfälligen  marktbeherrschenden 
Stellung vorliegen würde.  

161.  Zweitens:  Die  Anzeigerin  hat  nie  offiziell  um  Aufnahme  in  IFPI  Schweiz  ersucht.  Aus 
der  den  Wettbewerbsbehörden  vorgelegten  E-Mail  Korrespondenz  zwischen  IFPI  Schweiz 
und der Anzeigerin geht lediglich hervor, dass die Anzeigerin nachgefragt hat, ob sie grund-
sätzlich zur Aufnahme in IFPI Schweiz berechtigt wäre („Is [die Anzeigerin] eligible to beco-
me  an  IFPI  member“79)  und  daraufhin  auch  eine  allgemeine  Antwort  bekommen  hat  („To 
apply  for  membership  you  should  send  us  a  written  application  letter,  together  with  a  com-

77 http://www.ifpi.ch/, besucht am 11. April 2012. 
78 „Die Geschäftstätigkeit der Anzeigerin unterscheidet sich in gar nichts von denjenigen der anderen 
Musiklabels.“ Akte Nr. 1, Rz 55. 
79 Akte Nr. 1, Beilage 22. 

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mercial register extract giving evidence that you are present as a producer in the Swiss mar-
ket  for  at  least  2  years.  During  the  annual  general  assembly  IFPI  members  will  decide  on 
admission“80). Jedoch scheint die Anzeigerin nie ein offizielles Aufnahmegesuch eingereicht 
zu haben. Auch aus den eingesehenen Protokollen geht nicht hervor, dass der Vorstand von 
IFPI Schweiz oder die Generalversammlung je über ein Aufnahmegesuch der Anzeigerin be-
funden  hätten.  Schliesslich  bestätigte  der  damalige  Geschäftsführer  von  IFPI  Schweiz  im 
Rahmen  des  Parteiverhörs:  „Der  Vorstand  wie  auch  die  Generalversammlung  hat  nie  dar-
über befunden, ob [die Anzeigerin] in den Verein aufgenommen wird oder nicht“.81  

162.  Zusammenfassend  kann  also  gesagt  werden,  dass  auch  bezüglich  der  „Vereinsauf-
nahme“  keine  Hinweise  für  eine  missbräuchliche  Verhaltensweise  und  damit  einen  Kartell-
rechtsverstoss vorliegen. 

B.4.2.3  Music Promotion Network 

163.  Einige Radiostationen gaben an, MPN sei zu wenig auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten 
und zu teuer. Ausserdem hätten die Majors bei einer Ablehnung von MPN durch die Radio-
stationen auf diese Druck ausgeübt, um sie zu Vertragsabschlüssen zu drängen. Als Druck-
mittel seien etwa ein „Lieferstopp“ oder das Vorenthalten von Interviews mit Künstlern einge-
setzt  worden.  Bezüglich  des  „Lieferstopps“  hätten  die  Majors  gedroht,  die  Medienschaffen-
den nicht mehr physisch zu bemustern, sondern nur noch über MPN zu beliefern, und ange-
geben, dieser Punkt sei nicht verhandelbar.82 Die vorliegenden Vorwürfe werden im Zusam-
menhang  mit  Art.  7  KG  geprüft.  Auf  eine  detaillierte  Abklärung  der  Frage  der  Marktbeherr-
schung kann wiederum verzichtet werden, da selbst bei deren Vorliegen kein missbräuchli-
ches Verhalten i.S.v. Art. 7 KG festgestellt werden kann. 

164.  Der Vorwurf, dass MPN schlecht auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sei, scheint nur die  
Einschätzung gewisser Marktteilnehmer zu sein. Andere Marktteilnehmer sind hingegen mit 
der Ausgestaltung von MPN zufrieden. Von den Kritikern wird vor allem die Tatsache als stö-
rend empfunden, dass für das Funktionieren von MPN eine fixe IP-Adresse nötig ist, was zu-
sätzliche Kosten verursacht. Da Phononet aus Sicherheitsgründen eine fixe IP-Adresse ver-
langt83, kann ihr nicht vorgeworfen werden, dass ihr System nicht auf die Bedürfnisse sämtli-
cher Marktteilnehmer zugeschnitten ist. 

165.  Den Vorwurf der überhöhten Preise konnten die Wettbewerbsbehörden ebenfalls nicht 
bestätigen: So kostet MPN für die UNIKOM Radios [...] pro Jahr plus die Kosten für eine fixe 
IP-Adressen. Zu erwähnen ist weiter, dass ein ursprünglich als zu hoch empfundener Preis 
nachverhandelt und infolgedessen auf die zuvor erwähnten [...] pro Jahr reduziert wurde. Da 
die  Kosten für  die fixen  IP-Adressen  nicht  an  Phononet  erstatten  werden  müssen,  sondern 
dem jeweiligen Provider (z.B. Cablecom), betragen die tatsächlich von Phononet für MPN in 
Rechnung gestellt Kosten [...] pro Jahr ([...] pro Monat). Diese Kosten scheinen in Anbetracht 
der Tatsachen, dass MPN den Abonnenten Zugriff auf sämtliche seiner Musikdaten und In-
formationen erlaubt und die Erstellung und der Betrieb des Systems mit beträchtlichen Kos-
ten verbunden ist, nicht als überhöht. Ausserdem scheinen sich verschiedene Marktteilneh-
mer hauptsächlich an den zusätzlichen Kosten für die fixe IP-Adresse zu stören und nicht an 
den [...] für MPN an sich.   

80 Akte Nr. 1, Beilage 22. 
81 Akte Nr. 246, S. 29 f. 
82 Akte Nr. 99, S. 2; Akte Nr. 181, S. 4. 
83 Eine fixe IP-Adresse garantiert, dass der Zugriff auf die Musikdateien von Phononet besser über-
wacht werden kann. Bei urheberrechtsverletzenden Handlungen von Marktteilnehmern kann entspre-
chend effizienter reagiert werden. 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

28 

 
 
 
 
                                                
166.  Schliesslich  konnte  auch  nicht  bestätigt  werden,  dass  gewisse  Marktteilnehmer  mit 
Druck  zur  Teilnahme  an  MPN  gezwungen  wurden.  Insbesondere konnte  nicht  gezeigt  wer-
den, dass Interviews mit Künstlern aufgrund der Nichtteilnahme an MPN verweigert wurden. 

167.  Nach dem Gesagten kann MPN als eine auf dem Markt entwickelte und effiziente Lö-
sung um Musik zu bemustern betrachtet werden. MPN hat sowohl für die Musikindustrie als 
auch für seine Nutzer Vorteile. Unternehmen, die kein Interesse an diesem Tool hatten oder 
die es als zu teurer erachteten, konnten sich den Zugriff auf neue Titel oder Künstler auf an-
dere Weise verschaffen (vgl. Rz 127).  

168.  Gestützt auf die erwähnten Gründe kann in dieser Angelegenheit kein Verstoss gegen 
das Kartellgesetz festgestellt werden. 

B.4.3  Ergebnis 

169.  Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen kann zusammenfassend festgestellt wer-
den, dass keine Hinweise auf einen Verstoss gegen Art. 7 KG vorliegen. Das Verfahren wird 
daher in diesem Punkt ohne Folge eingestellt. 

B.5 

Einvernehmliche Regelung 

170.  Im  Verlauf  des  Verfahrens  zeichnete  sich  bei  IFPI  Schweiz,  seinen  Mitgliedern  und 
Phononet  die  Bereitschaft  zur  Unterzeichnung  einer  einvernehmlichen  Regelung  im  Sinne 
von Art. 29 KG ab. Diese wurden am 16. Mai 2012 beziehungsweise am 18. Mai 2012 unter-
zeichnet.  IFPI  Schweiz,  dessen  Mitglieder  sowie  Phononet  verpflichten  sich  dadurch,  ins-
künftig  Parallelimporte  von  physischen  Ton-  und/oder  Tonbildträgern  nicht  in  kartellrechts-
widriger Weise  zu  erschweren  oder  zu  unterbinden.  Die  geforderte  Kartellrechtskonformität 
ist  insbesondere so  zu  verstehen,  dass  IFPI  Schweiz  auf  die  Unterzeichnung  der  Unterlas-
sungserklärung  durch  Neumitglieder  verzichtet  und  Phononet  die  Passage,  welche  Paralle-
limporte untersagt, aus den Teilnehmerverträgen für das Phononetsystem entfernt.  Die ein-
vernehmlichen  Regelungen  lassen  jedoch  explizit  die  Möglichkeit,  insbesondere  die  Pirate-
rieproblematik mit gesetzlichen Mitteln gemäss dem Schutz des geistigen Eigentums zu be-
kämpfen. Wie  bereits  in Rz 112  ff.  dargelegt,  stellt  ein  Parallelimportverbot  jedoch kein ge-
eignetes Mittel zur Bekämpfung der Piraterieproblematik dar.  

171.  Die einvernehmlichen Regelungen lauten wie folgt:  

Für IFPI Schweiz und dessen Mitglieder: 

A.  Vorbemerkungen:  

a) Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  Kartellgesetz  (KG; 
SR  251)  erfolgt  im  übereinstimmenden  Interesse  der  Beteiligten,  das  Verfahren  32-
0234  zu  vereinfachen,  zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch 
die Wettbewerbskommission (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen.  

b)  Mit  der  Unterzeichnung  der  vorliegenden  einvernehmlichen  Regelung  soll  das  Ver-
dachtselement  betreffend  die  „Verhinderung  von  Parallelimporten  im  Bereich  physi-
scher Vertrieb von Ton- und Tonbildträgern“ gegen IFPI Schweiz und dessen Mitglie-
der,  welches  sich  aus  dem  Eröffnungsschreiben  des  Sekretariats  der WEKO  betref-
fend  Untersuchungseröffnung  vom  6. Juni  2011  ergeben  hat,  geregelt  werden.  Be-
züglich  der  weiteren  Verdachtselemente  gegen  IFPI  Schweiz,  dessen  Mitglieder  so-
wie gegen die Media Control AG, welche sich aus dem zuvor erwähnten Eröffnungs-
schreiben  vom  6.  Juni  2011  ergeben  haben  („Manipulation  der  offiziellen  Schweizer 
Hitparade“, „Verweigerung der Aufnahme in den Verband IFPI“), wird das Sekretariat 
bei  der WEKO  beantragen,  das  Verfahren  32-0234  gegen  die  erwähnten  Unterneh-
men einzustellen. 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

29 

 
 
 
 
c)  Dem Willen und der Bereitschaft von IFPI Schweiz sowie dessen Mitglieder zum Ab-
schluss  der  vorliegenden  einvernehmlichen  Regelung  wird  vom  Sekretariat  im  Rah-
men  der  Sanktionsbemessung  Rechnung  getragen.  Aufgrund  der  aktuellen  Aus-
gangslage beabsichtigt das Sekretariat, der WEKO eine Sanktion in der Grössenord-
nung von CHF 3‘000‘000.– bis CHF 3‘500‘000.– gegen IFPI Schweiz zu beantragen. 
Die  definitive  Festlegung  der  Höhe  der  Sanktion  liegt  jedoch  im  Ermessen  der 
WEKO. Sie erfolgt endgültig mit deren verfahrensabschliessenden Verfügung. 

d) Sollte  die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  von  der  WEKO  nicht  genehmigt 
werden, wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt und – bei 
Vorliegen eines Verstosses – eine Sanktion gestützt auf das KG und die Verordnung 
über  die  Sanktionen  bei  unzulässigen  Wettbewerbsbeschränkungen 
(KG-
Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5) durch die WEKO festgelegt. 

e)  IFPI Schweiz sowie dessen Mitglieder verzichten im Falle der Genehmigung der vor-
liegenden  einvernehmlichen  Regelung  durch  die  WEKO  entsprechend  den  in  den 
Vorbemerkungen  gemäss  dieser  lit. A  dargestellten  Punkten  (insbesondere  durch 
Nichtüberschreiten  des  beantragten  Sanktionsrahmens  gemäss  lit. c)  auf  die  Ergrei-
fung von Rechtsmitteln. 

f)  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  32-0234  gehen  die  Verfahrenskosten  anteils-

mässig zu Lasten von IFPI Schweiz – stellvertretend für seine Mitglieder. 

B.  Vereinbarungen: 

Die  nachfolgenden  Vereinbarungen  beziehen  sich  auf  den  Bereich  physischer  Vertrieb 
von Ton- und Tonbildträgern. IFPI Schweiz sowie dessen Mitglieder verpflichten sich,  

1)  von Neumitgliedern von IFPI Schweiz künftig keine Unterzeichnung einer Parallelim-

portverzichtserklärung zu verlangen;  

2) gegenüber sämtlichen Marktteilnehmern, welche im Bereich Vertrieb, Vermarktung, 

Herstellung, Promotion und/oder Verkauf von Ton- und/oder Tonbildträgern tätig sind 
(so z.B. Labels, Vertriebe, Aggregatoren, Händler etc.), nicht in kartellrechtswidriger 
Weise Parallelimporte von physischen Ton- und/oder Tonbildträgern zu erschweren 
oder zu unterbinden; vorbehalten bleibt die Bekämpfung von Produkten, die gegen 
geltendes Schweizer Recht verstossen (insbesondere von Piraterieprodukten). 

Für Phononet: 

A.  Vorbemerkungen:  

a) Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art.  29  Kartellgesetz  (KG; 
SR  251)  erfolgt  im  übereinstimmenden  Interesse  der  Beteiligten,  das  Verfahren  32-
0234  zu  vereinfachen,  zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch 
die Wettbewerbskommission (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen.  

b)  Mit  der  Unterzeichnung  der  vorliegenden  einvernehmlichen  Regelung  soll  das  Ver-
dachtselement betreffend die „Beihilfe zur Verhinderung von Parallelimporten im Be-
reich  physischer  Vertrieb  von  Ton-  und  Tonbildträgern“  gegen  PhonoNet,  welche 
PhonoNet im Verlaufe des Verfahrens 32-0234 dem Sekretariat freiwillig zur Kenntnis 
gebracht  hat,  geregelt  werden.  Bezüglich  der  weiteren  Verdachtselemente  gegen 
PhonoNet,  welche  sich  aus  dem  Eröffnungsschreiben  des  Sekretariats  der  WEKO 
betreffend Untersuchungseröffnung vom 6. Juni 2011 ergeben haben („Missbräuche 
im  Zusammenhang  mit  dem  Musikbelieferungs-  und  Musikbewerbungstool  MPN“), 
wird das Sekretariat bei der WEKO beantragen, das Verfahren 32-0234 einzustellen. 

c)  Dem Willen und der Bereitschaft von PhonoNet zum Abschluss der vorliegenden ein-
vernehmlichen  Regelung  und  dem  Umstand,  dass  PhonoNet  „Beihilfe  zur  Verhinde-
rung  von  Parallelimporten“  dem  Sekretariat  freiwillig  zur  Kenntnis  und  mittels  Mittei-

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

30 

 
 
 
 
lung an ihre Teilnehmer bereits im Juni 2011 freiwillig formell aufgehoben hatte, wird 
vom Sekretariat im Rahmen der Sanktionsbemessung Rechnung getragen. Aufgrund 
der aktuellen Ausgangslage beabsichtigt das Sekretariat, der WEKO eine Sanktion in 
der Grössenordnung von CHF 10‘000.– bis CHF 20‘000.– gegen PhonoNet zu bean-
tragen. Die definitive Festlegung der Höhe der Sanktion liegt jedoch im Ermessen der 
WEKO. Sie erfolgt endgültig mit deren verfahrensabschliessenden Verfügung. 

d) Sollte die vorliegende einvernehmliche Regelung von der WEKO nicht genehmigt 

werden, wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt und – bei 
Vorliegen eines Verstosses – eine Sanktion gestützt auf das KG und die Verordnung 
über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen (KG-
Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5) durch die WEKO festgelegt. 

e) PhonoNet verzichtet im Falle der Genehmigung der vorliegenden einvernehmlichen 
Regelung durch die WEKO entsprechend den in den Vorbemerkungen gemäss die-
ser lit. A dargestellten Punkten (insbesondere durch Nichtüberschreiten des bean-
tragten Sanktionsrahmens gemäss lit. c) auf die Ergreifung von Rechtsmitteln. 

f)  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  32-0234  gehen  die  Verfahrenskosten  anteils-

mässig zu Lasten von PhonoNet. 

B.  Vereinbarungen: 

1) Die nachfolgenden Vereinbarungen beziehen sich auf den Bereich physischer Ver-
trieb von Ton- und Tonbildträgern. PhonoNet verpflichtet sich, künftig weder Ver-
pflichtungen zur Unterlassung von Parallelimporten gegenüber Industrieteilnehmern 
oder Handelsteilnehmern am PhonoNet-System oder ähnliche Ausführungen in ihre 
Verträge aufzunehmen noch in kartellrechtswidriger Weise Parallelimporte zu er-
schweren oder zu unterbinden; vorbehalten bleibt die Bekämpfung von Produkten, 
die gegen geltendes Schweizer Recht verstossen (insbesondere von Piraterieproduk-
ten). 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

31 

 
 
 
 
B.6 

Sanktionierung 

172.  Die in Art. 49a KG vorgesehenen direkten Sanktionen bezwecken die wirksame Durch-
setzung  der  Wettbewerbsvorschriften  und  sollen  präventiv  Wettbewerbsverstösse  verhin-
dern. Direktsanktionen können nur mittels einer Endverfügung verhängt werden, welche die 
Unzulässigkeit der fraglichen Wettbewerbsbeschränkung feststellt.84 

173.  Die Belastung der Verfahrensparteien mit einer Sanktion setzt die Erfüllung des Tatbe-
standes von Art. 49a Abs. 1 KG voraus. 

B.6.1  Tatbestandsmerkmale von Art. 49a Abs. 1 KG 

B.6.1.1  Unternehmen 

174.  Die  Wettbewerbsbeschränkungen,  auf  die  Art. 49a  Abs. 1  KG  Bezug  nimmt,  müssen 
von einem Unternehmen im Sinne von  Art. 2 Abs. 1 und 1bis KG ausgehen.85 

175.  IFPI  Schweiz,  seine  Mitglieder  sowie  die  Phononet  AG  sind  Anbieter  von  Waren  und 
Dienstleistungen  im  Wirtschaftsprozess  und  werden  daher  vom  Unternehmensbegriff  von 
Art. 2 Abs. 1bis KG (vgl. Rz 45) erfasst. 

B.6.1.2  Unzulässige Verhaltensweise 

176.  Art. 49a  Abs. 1  KG  sieht  entsprechend  der  verfassungsrechtlichen  Ausgangslage  in 
erster Linie Massnahmen gegen harte Kartelle im Sinne horizontaler oder vertikaler Abspra-
chen gemäss Art. 5 Abs. 3 und 4 KG vor. Es handelt sich dabei um Wettbewerbsverstösse, 
welche sich für Konsumenten, Unternehmen und die Gesamtwirtschaft besonders schädlich 
auswirken und die aus diesem Grund bereits mit der gesetzlich vermuteten Beseitigung wirk-
samen  Wettbewerbs  eine  Sonderbehandlung  erfahren.86  Gemäss  Art. 49a  Abs. 1  KG  wird 
ein Unternehmen, das an einer unzulässigen Abrede nach Art. 5 Abs. 3 bzw. 4 KG beteiligt 
ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einer Sanktion belastet. Im Zusammen-
hang mit dem ersten in Art. 49a Abs. 1 KG erwähnten Tatbestand – der Beteiligung an Abre-
den – sind für die Sanktionierung zwei Voraussetzungen erforderlich:87 (i) Die Beteiligung an 
einer Abrede über Preise, Mengen oder die Aufteilung von Märkten nach Art. 5 Abs. 3 oder 
4 KG und (ii) die Unzulässigkeit dieser Abrede. 

177.  Wie vorangehend dargelegt, wurde im Rahmen des Vereins IFPI Schweiz entschieden, 
von allen Neumitgliedern die Unterzeichnung der Unterlassungserklärung zu erzwingen. Die-
sem Antrag stimmten alle Mitglieder zu.88 Daraus wird ersichtlich, dass eine unzulässige Ge-
bietsabrede i.S.v. Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG vereinbart wurde. Damit sind die Vorausset-
zungen  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  erfüllt. Wie  oben  ausgeführt (vgl.  Rz  72),  hat  die  Phononet 

84 Botschaft vom 7. November 2001 über die Änderung des Kartellgesetzes, BBl 2002, 2022 und 2033 
ff. 
85 Vgl. anstelle vieler JÜRG BORER, Kommentar zum schweizerischen Kartellgesetz, 3. Aufl., 2011, 
Art. 49a N 6. 
86 Vgl. dazu BBl 2002 2036 f. 
87 Vgl. ROGER ZÄCH, Die sanktionsbedrohten Verhaltensweisen nach Art. 49a Abs. 1 KG, insbesonde-
re der neue Vermutungstatbestand für Vertikalabreden, in: Kartellgesetzrevision 2003, Neuerungen 
und Folgen, Stoffel/Zäch (Hrsg.), 2004, 34. 
88 Vgl. Akte Nr. 192, S. 47, 98 und 106 sowie Rz 53 ff. 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

32 

 
 
 
 
 
                                                
AG  ebenfalls  zu  der  Abrede  beigetragen,  da  deren  Teilnehmervertrag  als  Instrument  zur 
Verstärkung der Behinderung von Parallelimporten betrachtet werden kann. 

178.  Der  Vollständigkeit  halber  sei  erwähnt,  dass  unzulässige  Abreden  i.S.v.  Art. 5  Abs. 1 
i.V.m. Abs. 3 KG auch sanktioniert werden können, wenn die gesetzliche Vermutung der Be-
seitigung  wirksamen  Wettbewerbs  widerlegt  werden  kann.  Das  Bundesgericht  hat  diesbe-
züglich festgehalten, dass mit dem Erlass von Art. 49a KG die Möglichkeit direkter Sanktio-
nen für die schädlichsten horizontalen und vertikalen, wettbewerbsbeschränkenden Abreden 
geschaffen wurde.89 Es kommt folglich nicht darauf an, ob der wirksame Wettbewerb durch 
eine  Gebietsabrede  i.S.v.  Art.  5  Abs.  3  KG  vollständig  beseitigt  oder  „nur“  erheblich  beein-
trächtigt  wird.  Eine  entsprechende  Präzisierung  ist  jedenfalls  auch  in  Art. 49a  Abs. 1 KG 
nicht enthalten.90 Zudem ergibt sich bereits aus dem Gesetzeswortlaut und der Entstehungs-
geschichte,  dass  das  Umstossen  der  Gesetzesvermutung  gemäss  Art. 5  Abs. 3  und  4 KG 
nicht  für  eine  Sanktionsbefreiung  genügt.91  Dafür  muss  eine  Wettbewerbsabrede  überdies 
kartellrechtlich  zulässig  sein,  also  entweder  keine  erhebliche  Wettbewerbsbeschränkung 
herbeiführen oder sich durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfertigen lassen.92 

179.  Da  die  Gesetzesvermutung  vorliegend  zwar  umgestossen  werden  kann,  die  in  Frage 
stehende  Gebietsschutzabrede  den  Wettbewerb  indes  erheblich  beschränkt  und  sich  dar-
über  hinaus  nicht  durch  Gründe  der  wirtschaftlichen  Effizienz  rechtfertigen  lässt,  ist  die  in 
Frage stehende Gebietsschutzabrede als unzulässig – und somit sanktionierbar – zu qualifi-
zieren. 

B.6.1.3  Vorwerfbarkeit 

180.  In der Botschaft zum KG 2003 wurde in Bezug auf die Sanktionen nach Art. 49a Abs. 1 
KG ausgeführt, dass es sich hierbei im Gegensatz zu den Strafsanktionen nach Art. 54 f. KG 
um Verwaltungssanktionen handle, die kein Verschulden voraussetzten.93 Ungefähr zur glei-
chen Zeit, namentlich in ihrem Entscheid vom 7. März 2002, tendierte die REKO/WEF aller-
dings in eine andere Richtung. Sie hielt  bezüglich Art. 51 KG fest, die Idee, dass eine (Ver-
waltungs-) Sanktion nicht allein aus objektiven Gründen auferlegt werden könne, werde auf-
grund ihrer vorangegangenen Ausführungen bekräftigt.94 Welche Rolle dem Element „faute“ 
(Verschulden) hinsichtlich der Sanktionierung zukomme, bräuchte allerdings nur beantwortet 
zu werden, wenn kein oder nur ein vermindertes Verschulden vorliegen würde, was hier aber 
nicht  der  Fall  sei.95  In  diesem  Zusammenhang  zitierte  die  REKO/WEF  eine  Lehrmeinung, 
wonach Verschulden vorliege, wenn der Täter wissentlich handle oder Handlungen unterlas-
se,  die  eine  vernünftige,  mit  den  notwendigen  Fachkenntnissen  ausgestattete  Person  in  ei-
ner entsprechenden Situation hätte vornehmen können oder müssen.96  

89 BGE 135 II 60, S. 63, E. 2.1. 
90 Vgl. RPW 2009/2, 155 Rz 86, Sécateurs et cisailles. 
91 BBl 2002 2037. 
92 Vgl. PETER REINERT, in: Stämpflis Handkommentar zum Kartellgesetz, Baker & McKenzie (Hrsg.) 
2007, Art. 49a N 8. 
93 Vgl. BBl 2002, 2034. 
94 Im Original: „Cela [das Vorangehende] conforte l’idée que l’on ne puisse infliger la sanction prévue 
à l’article 51 alinéa 1 LCart en se fondant uniquement sur des critères objectifs.“ (Entscheid der 
REKO/WEF, RPW 2002/2, 398 E. 3.3.1, Rhône-Poulenc S.A., Merck & Co. Inc./WEKO). 
95 Entscheid der REKO/WEF, RPW 2002/2, 398 E. 3.3.1, Rhône-Poulenc S.A., Merck & Co. 
Inc./WEKO. 
96 Entscheid der REKO/WEF, RPW 2002/2, 399 E. 3.3.2, Rhône-Poulenc S.A., Merck & Co. 
Inc./WEKO. 

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33 

 
 
 
 
                                                
181.  Die  WEKO  behandelte  in  Sachen  Sanktionsverfahren  Unique-Valet  Parking,  in  wel-
chem es um einen Verstoss gegen eine behördliche Anordnung ging (Art. 50 KG), die The-
matik des Verschuldens im Rahmen eines Kapitels zur Vorwerfbarkeit. Dabei hielt die WEKO 
fest,  es  müsse  mindestens  eine  objektive  Sorgfaltspflichtverletzung  vorliegen.97  Das  Bun-
desverwaltungsgericht bestätigte in der Folge die Rechtmässigkeit dieses Entscheids.98 

182.  Die WEKO  hat  seither  bei  jedem  Sanktionsentscheid  gemäss  Art. 49a  Abs. 1  KG  die 
Vorwerfbarkeit  geprüft.99  Diese  Praxis  der  WEKO  wurde  durch  das  Bundesverwaltungsge-
richt im Fall „Publigroupe“ bestätigt. Die WEKO stellte in der diesbezüglichen Verfügung fest, 
es  liege  seitens  der  Untersuchungsadressatinnen  ein  objektiver  Sorgfaltsmangel  im  Sinne 
einer Vorwerfbarkeit vor, nämlich zumindest eine fahrlässige Sorgfaltspflichtverletzung oder 
ein Organisationsverschulden, weshalb das subjektive Element der Vorwerfbarkeit gegeben 
sei.100 Das Bundesverwaltungsgericht hielt fest, diese Sichtweise sei nicht zu beanstanden. 
Es kam zum Schluss, dass, da die dortige Beschwerdeführerin 1 nicht alles Notwendige vor-
gekehrt habe, damit die verantwortlichen Abteilungen, Organe und Angestellten das als kar-
tellrechtlich  problematisch  angesehene  Verhalten  innerhalb  der  Übergangsfrist  gemäss 
Schlussbestimmung zur Änderung des Kartellgesetzes vom 20. Juni 2003 beendeten, sie ei-
nen  Kartellrechtsverstoss  zumindest  in  Kauf  genommen  und  damit  eventualvorsätzlich  ge-
handelt habe.101 

183.  Ist ein Kartellrechtsverstoss nachgewiesen, so ist im Regelfall auch die objektive Sorg-
faltspflichtverletzung  des  Unternehmens  gegeben.  Nur  in  seltenen  Fällen  wird  die  Vorwerf-
barkeit zu verneinen sein; so möglicherweise wenn die durch einen Mitarbeitenden ohne Or-
ganstellung  begangenen  Kartellrechtsverstösse  innerhalb  des  Unternehmens  nicht  bekannt 
waren  und  dies  auch  mit  einer  zweckmässigen  Ausgestaltung  der  Organisation  nicht  hätte 
bekannt werden können und das Unternehmen alle zumutbaren Massnahmen getroffen hat, 
den Kartellrechtsverstoss zu verhindern.102 

184.  Eine  kartellrechtsrelevante  Vorwerfbarkeit  ist  demnach  gegeben,  wenn  dem  Unter-
nehmen  der  Verstoss  gegen  Art. 49a  Abs. 1  KG  als  objektive  Sorgfaltspflichtverletzung  an-
gelastet werden kann. Eine solche liegt insbesondere vor, wenn die natürlichen Personen die 
relevanten Handlungen, welche sie für das an der unzulässigen Wettbewerbsbeschränkung 
beteiligte Unternehmen vornahmen103, vorsätzlich oder fahrlässig begingen oder für das Un-
ternehmen agierende natürliche Personen pflichtwidrig das Einschreiten gegen solche Hand-
lungen unterliessen oder das Unternehmen ein Organisationsverschulden trifft, welches da-
rin  besteht,  dass  es  nicht  alle  möglichen  und  zumutbaren  Vorkehren  getroffen  hat,  um  die 
Begehung eines Kartellrechtsverstosses innerhalb des Unternehmens zu verhindern. 

97 RPW 2006/1, 169 ff. Rz 197 ff., Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking. 
98 Urteil des BVGer, RPW 2007/4, 672 E. 4.2.6, Flughafen Zürich AG (Unique)/WEKO. 
99 Vgl. die Nachweise in RPW 2011/1, 189 Rz 557, Fn 546, SIX/Terminals mit Dynamic Currency 
Conversion (DCC). 
100 RPW 2007/2, 232 ff. Rz 306 ff., insbesondere Rz 308 und 314, Richtlinien des Verbandes schwei-
zerischer Werbegesellschaften VSW über die Kommissionierung von Berufsvermittlern. 
101 Urteil des BVGer, RPW 2010/2, 363 E. 8.2.2.1, Publigroupe SA und Mitbeteiligte/WEKO. 
102 RPW 2011/1, 189 Rz 558 m.w.H., SIX/Terminals mit Dynamic Currency Conversion (DCC). 
103 In diesem Zusammenhang ist klarzustellen, dass nicht nur Organe (so schon nur aufgrund von 
Art. 55 ZGB die Unternehmen in kartellverwaltungsrechtlich relevantem Sinne zu verpflichten vermö-
gen, sondern vielmehr zumindest alle Mitarbeitenden mit selbstständigen Entscheidungsbefugnissen 
in ihrem Tätigkeitsbereich (in diesem Sinne Art. 29 lit. c des schweizerischen Strafgesetzbuches vom 
21. Dezember 1937 [StGB; SR 311.0]). Ob noch weitere Personen eine derartige Verpflichtung des 
Unternehmens herbeiführen, braucht hier mangels Relevanz für vorliegende Untersuchung nicht be-
antwortet zu werden. 

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34 

 
 
 
 
                                                
185.  Die  Initiative  zum  Abschluss  der  Unterlassungserklärungen  durch  die  Neumitglieder 
haben die damaligen Geschäftsführer von IFPI Schweiz ergriffen. So hat der damalige Ge-
schäftsführer  die  Unterlassungserklärung  ausgearbeitet  und  dem  damaligen  Verbandsvor-
stand vorgelegt. Die Thematik wurde zudem mehrmals während der Generalversammlungen 
erwähnt und das Vorgehen durch die Mitglieder genehmigt. Auch war IFPI Schweiz die kar-
tellrechtliche  Problematik  der  gewählten  Vorgehensweise  bewusst.104  Aus  diesen  Gründen 
haben  die  Mitglieder  sowie  der  Verein  IFPI  Schweiz  ihre  objektiven  Sorgfaltspflichten  ver-
letzt. Die Frage der Vorwerfbarkeit des Verstosses gegen Art. 49a Abs. 1 KG ist somit zu be-
jahen. 

186.  Bei der Phononet AG handelt es sich um ein unabhängiges Unternehmen, welches mit 
seinen Kunden einen Teilnehmervertrag abgeschlossen hat. Die Klausel betreffend das Ver-
bot von Parallelimporten hat die Abreden zwischen IFPI Schweiz und seinen Mitgliedern ver-
schärft,  was  Phononet  bekannt  gewesen  sein  musste.  Die  Frage  der  Vorwerfbarkeit  des 
Verstosses kann somit auch gegen Phononet AG bejaht werden.  

B.6.2  Bemessung 

B.6.2.1  Einleitung 

187.  Den  folgenden  Ausführungen  ist  vorauszuschicken,  dass  sich  IFPI  Schweiz  im  Rah-
men der einvernehmlichen Regelung bereit erklärt hat, die Sanktion stellvertretend für seine 
Mitglieder zu übernehmen. Da der Verein IFPI Schweiz eine aktive Rolle bezüglich der vor-
liegenden Abrede eingenommen hat, haben sich die Wettbewerbsbehörden mit diesem Vor-
schlag einverstanden erklärt. Die Sanktionen werden daher vorliegend IFPI Schweiz – stell-
vertretend für seine Mitglieder – sowie Phononet auferlegt. 

188.  Rechtsfolge  einer  Verletzung  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des  fehlbaren 
Unternehmens mit einem Betrag von bis zu 10 Prozent des in den letzten drei Geschäftsjah-
ren in der Schweiz erzielten Umsatzes (Art. 49a Abs. 1 KG und Art. 7 SVKG105). Der Betrag 
bemisst  sich  nach  der  Dauer  und  der  Schwere  des  Verstosses,  wobei  der  mutmassliche 
Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt hat, angemessen zu berücksichtigen ist. 

189.  Zur Bemessung des Sanktionsbetrags wird in der Botschaft konkretisierend ausgeführt, 
dass  der  Sanktionsrahmen  von  0  –  10  %  in  schwerwiegenden  Fällen  eine  abschreckende 
Wirkung gewährleistet, den Behörden jedoch auch ermöglicht, in geringfügigen Fällen Sank-
tionsbeträge von lediglich symbolischem Charakter auszusprechen. Aus diesem Grund ver-
zichtete der Gesetzgeber auch auf die Formulierung eines Ausnahmetatbestandes für leichte 
Fälle: Die Höhe der Sanktion könne in solchen Fällen entsprechend herabgesetzt werden. 106 
Damit  steht  der  WEKO  von  Gesetz  wegen  ein  gewisser  Sanktionsrahmen  zur  Verfügung, 
den sie nach pflichtgemässem Ermessen auszuschöpfen hat. Dabei hat sie die Grundsätze 
der Verhältnismässigkeit und der Gleichbehandlung zu beachten.107  

190.  Die Bemessungskriterien bei der Verhängung von Sanktionen nach Art. 49a Abs. 1 KG 
werden in der SVKG näher geregelt (vgl. Art. 1 lit. a SVKG). Die SVKG geht für die konkrete 
Sanktionsbemessung  zunächst  von  einem  Basisbetrag  aus,  der  in  einem  zweiten  Schritt 

104 Vgl. Rz 58 und 66 sowie Akte Nr. 246, S. 17. 
105 Verordnung vom 12. März 2004 über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkun-
gen (KG-Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5). 
106 Vgl. BBl 2002 2037 f. 
107 Vgl. RPW 2007/2, S. 299, Rz 400, Terminierung Mobilfunk.  

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aufgrund der Dauer des Verstosses anzupassen ist, bevor in einem dritten Schritt erschwe-
renden und mildernden Umständen Rechnung getragen werden kann108. 

191.  Trotz  der  in  der  SVKG  festgelegten  Vorgehensweise  handelt  es  sich  bei  der  Sankti-
onsbemessung nicht um einen reinen Rechenvorgang, sondern um eine rechtliche und wirt-
schaftliche  Gesamtwürdigung  aller  relevanten  Umstände.109  Dabei  wiederholt  Art. 2 Abs. 2 
SVKG ausdrücklich, dass das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu beachten ist. Dies hat die 
WEKO bereits mehrfach anerkannt.110 

B.6.2.2  Konkrete Sanktionsberechnung 

192.  Ausgangspunkt  für  die  konkrete  Sanktionsbemessung  bildet  gemäss  der  SVKG  der 
Basisbetrag. Dieser beträgt je nach Schwere und Art des Verstosses bis zu 10  % des Um-
satzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäftsjahren auf den rele-
vanten  Märkten  in  der  Schweiz  erzielt  hat  (Art.  3  SVKG).  Dieser  Betrag  ist  dann  gemäss 
Art. 4 SVKG je nach Dauer des Verstosses zu erhöhen. Die Erhöhung beträgt bis zu 50  % 
bei  einer  Dauer  des  Wettbewerbsverstosses  von  1–5  Jahren,  danach  erfolgt  ein  Zuschlag 
von 10 % für jedes weitere Jahr. Schliesslich sind erschwerende (Art. 5 SVKG) und mildern-
de (Art. 6 SVKG) Umstände zu berücksichtigen, wobei die SVKG darauf verzichtet festzule-
gen,  in  welchem  Ausmass  diese  zu  einer  Erhöhung  bzw.  Minderung  der  Sanktion  führen 
können.111 

193.  Aus der dargestellten Berechnungsweise wird deutlich, dass einerseits bei der Festset-
zung des Basisbetrags und andererseits bei der Berücksichtigung von erschwerenden bzw. 
mildernden  Umständen  ein  Ermessen  der WEKO  besteht  (Verhältnismässigkeitsprinzip  ge-
mäss Art. 2 Abs. 2 SVKG). Zur Wahrung des Grundsatzes der Gleichbehandlung muss dar-
gelegt werden, aufgrund welcher Elemente die konkrete Sanktion bemessen wird (Schwere 
des Verstosses nach Art. 49a Abs. 1 KG und 2 Abs. 1 SVKG und Umstände gemäss Art. 5 
und 6 SVKG).112 

194.  Für  die  Bemessung  des  zu  berücksichtigenden  Sanktionsbetrages  ist  vorliegend  von 
Bedeutung, dass die Abrede in casu über lange Zeit bestand (vgl. Rz 55), wobei für die Fest-
legung der Sanktion die Dauer ab dem 1. April 2004 relevant ist. Weiter liegen jedoch keine 
erschwerenden  Umstände  vor.  Es  bestehen  insbesondere  keine  Indizien  dafür,  dass  durch 
den Verstoss ein besonders hoher Gewinn erzielt wurde (Art. 5 Abs. 1 lit. b SVKG).  

195.  Bezüglich der mildernden Umstände gemäss Art. 6 SVKG ist schliesslich folgendes zu 
berücksichtigen: 

108 Vgl. zum Ganzen die „Erläuterungen zur KG-Sanktionsverordnung (SVKG)“ des Sekretariats der 
WEKO (im Folgenden: Erläuterungen SVKG), publ. auf der Website der WEKO 
(http://www.weko.admin.ch/imperia/md/ images/weko/33.pdf; besucht am 17. April 2008).  
109 Vgl. RPW 2006/4, S. 662, Rz 242, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking (mit Nw. zur ver-
gleichbaren europäischen Praxis in Fn 267); RPW 2007/2, S. 235, Rz 320 Richtlinien des Verbandes 
Schweizerischer  Werbegesellschaften  VSW  über  die  Kommissionierung  von  Berufsvermittlern;  RPW 
2007/2,  S.  299,  Rz  401,  Terminierung  Mobilfunk.  Dies  stimmt  auch  mit  der  bisherigen  Praxis  des 
BVGer  überein  (vgl.  BVGer,  RPW  2007/4,  S.  673  f.,  E.  4.3.3–E.  5,  Flughafen  Zürich  AG  (Unique), 
Wettbewerbskommission (WEKO)). 
110 Vgl. RPW 2008/3, S. 408 ff., Publikation von Arzneimittelinformationen; RPW 2009/2 156 ff, Séca-
teurs et cisailles. 
111  Vgl.  RPW  2007/2  235  ff.  Richtlinien  des  Verbandes  Schweizerischer  Werbegesellschaften  VSW 
über die Kommissionierung von Berufsvermittlern; RPW 2007/2  300 ff., Terminierung  Mobilfunk, und 
die Erläuterungen SVKG (Fn. 108), S. 3.  
112 Vgl. RPW 2008/3 409, Publikation von Arzneimittelinformationen. 

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36 

 
 
 
 
                                                
•  Der  Vorstand  von  IFPI  Schweiz  hat  am  25.  Mai  2011  beschlossen,  die  Praxis 
der  Unterlassungserklärungen  per  sofort  einzustellen.  Gleichzeitig  wurden  die 
bis  dahin  unterzeichneten  Unterlassungserklärungen  für  gegenstandslos  er-
klärt.113 Dieser Beschluss wurde danach allen Mitgliedern mitgeteilt zusammen 
mit der Empfehlung, die Teilnahme am Wettbewerbsverstoss einzustellen. 

• 

IFPI  Schweiz  hat  sich  während  dem  gesamten  Verfahren  sehr  kooperativ  ge-
zeigt  und  hat  sich  bereit  erklärt,  Lösungen  für  mehr  Markttransparenz  zu  su-
chen.  

•  Verschiedene Mitglieder von IFPI Schweiz haben sich am 31. Mai 2011 spon-

tan zu einer umfassenden Kooperation bereit erklärt.114 

•  Die Phononet AG hat die Wettbewerbsbehörde spontan auf die kartellrechtliche 
Problematik  der  Teilnehmerverträge  hingewiesen  und  das  entsprechende  In-
formationsmaterial von sich aus zur Verfügung gestellt. 

•  Der Wille und die Bereitschaft der IFPI Schweiz und der Phononet AG zum Ab-
schluss  einer  einvernehmlichen  Regelung  ist  als  kooperatives  Verhalten  zu 
würdigen.115 

196.  Aufgrund des Verhältnismässigkeitsprinzips sowie der vorstehenden Erwägungen und 
unter Würdigung aller Umstände sieht die einvernehmliche Regelung eine Verwaltungssank-
tion zu Lasten von IFPI Schweiz in der Höhe von CHF 3 Mio. bis CHF 3,5 Mio. vor. Die Mög-
lichkeit,  Parallelimporte  tätigen  zu  können,  wird  gemäss  Kartellgesetz116  als  besonders 
schutzwürdig  angesehen.  Weiter  liegt  in  casu  eine  harte  horizontale  Abrede  vor,  welche 
praktisch  eine  gesamte  Branche  umfasst.  Die  WEKO  schöpft  daher  den  vorgesehenen 
Sanktionsrahmen  voll  aus  und  legt  die  Sanktion  für  IFPI  Schweiz,  stellvertretend  für  seine 
Mitglieder, auf CHF 3,5 Mio. fest. 

197.  Für  die  Phononet  AG  sieht  die  einvernehmliche  Regelung  eine  Sanktion  in  der  Höhe 
von CHF 10‘000.– bis CHF 20‘000.– vor. Aus den vorgenannten Gründen schöpft die WEKO 
den  Sanktionsrahmen  auch  hier  voll  aus,  die  Sanktion  für  die  Phononet  AG  wird  auf  CHF 
20‘000.– festgelegt. 

198.  Mit den vorliegend festgelegten Sanktionen ist der gesetzlich vorgegebene Sanktions-
rahmen gemäss Art. 49a Abs. 1 KG gewahrt. 

C 

Kosten 

199.  Nach Art. 2 Abs. 1 Gebührenverordnung KG117 ist gebührenpflichtig, wer das Verwal-
tungsverfahren verursacht hat.  

200.  Im  Untersuchungsverfahren  nach  Art.  27  ff.  KG  besteht  eine  Gebührenpflicht,  wenn 
aufgrund  der  Sachverhaltsfeststellung  eine  unzulässige  Wettbewerbsbeschränkung  vorliegt 

113 Vgl. Akte Nr. 119, Beilage 2. 
114 Vgl. Akte Nr. 107-111 sowie 113-118. 
115 Vgl. RPW 2006/4 666, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking, Rz 271; RPW 2007/2 238, 
Rz 342, TDC Switzerland AG (Sunrise)/Swisscom AG, Swisscom Fixnet AG. 
116 Vgl. RPW 2010/1, 112 Rz 359, Gaba; Verfügung Nikon AG vom 28. November 2011, Rz 562 sowie 
Verfügung BMW vom 7. Mai 2012, Rz 364 (beide einsehbar unter 
http://www.weko.admin.ch/aktuell/00162/index.html?lang=de). 
117 Verordnung vom 25. Februar 1998 über die Gebühren zum Kartellgesetz (Gebührenverordnung 
KG, GebV-KG; SR 251.2). 

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37 

 
 
 
 
                                                
oder wenn sich die Parteien unterziehen. Als Unterziehung gilt auch, wenn ein oder mehrere 
Unternehmen,  welche  aufgrund  ihres  möglicherweise  wettbewerbsbeschränkenden  Verhal-
tens ein Verfahren ausgelöst haben, das beanstandete Verhalten aufgeben und das Verfah-
ren  als  gegenstandslos  eingestellt  wurde.118  Vorliegend  ist  daher  die  Gebührenpflicht  von 
IFPI Schweiz sowie Phononet zu bejahen. 

201.  Demgegenüber entfällt die Gebührenpflicht für Unternehmen, die ein Verfahren verur-
sacht haben, sich die zu Beginn vorliegenden Anhaltspunkte jedoch nicht erhärten und das 
Verfahren aus diesem Grund eingestellt wird.119 Gegen die Media Control wird das Verfahren 
ohne Folgen eingestellt, weshalb auch keine Kosten auferlegt werden. 

202.  Nach  Art.  4  Abs.  2  GebV-KG  gilt  ein  Stundenansatz  von  CHF  100.–  bis  CHF  400.–. 
Dieser  richtet  sich  namentlich  nach  der  Dringlichkeit  des Geschäfts  und  der  Funktionsstufe 
des ausführenden Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den 
Gebühren eingeschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). 

203.  IFPI Schweiz hat den Antrag gestellt, die Verfahrenskosten je danach aufzuschlüsseln, 
ob  sie  für  die  Untersuchung  hinsichtlich  Art.  5  Abs.  3  KG  oder  jener  hinsichtlich  Art.  7  KG 
entstanden sind. Eine solche Unterteilung ist in der Praxis nicht möglich, weshalb die WEKO 
diesen Antrag abweist. Des Weiteren sind die den Parteien auferlegten Kosten in Anbetracht 
des Verfahrens und des Entscheides der WEKO angemessen. 

204.  Gestützt auf die Funktionsstufe der mit dem Fall betrauten Mitarbeiter rechtfertigt sich 
ein  Stundenansatz  CHF  130.–  bis  CHF  290.–.  Demnach  beläuft  sich  die  Gebühr  auf  CHF 
91‘753.–.  Die  Auslagen für  Porti  sowie  Telefon- und  Kopierkosten sind  in  der Gebühr  nach 
Aufwand eingeschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). 

205.  Von  den  Verfahrenskosten  von  insgesamt  CHF  91‘753.–  werden  CHF 89‘753.–  IFPI 
Schweiz - stellvertretend für seine Mitglieder – und CHF 2‘000.– der Phononet AG auferlegt. 

D 

Ergebnis 

206.  Die  Abrede  über  die  Unterlassung  von  Parallelimporten  von Ton  und/oder Tonbildträ-
gern zwischen den Mitgliedern von IFPI Schweiz im Rahmen des Verbandes und unter Bei-
hilfe der Phononet AG stellt einen Verstoss gegen Art. 5 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 1 KG 
dar.  Bezüglich  der  weiteren  Verdachtselemente  (angebliche  Manipulation  der  „offiziellen 
Schweizer  Hitparade“,  Aufnahme  in  den  Verein  IFPI  Schweiz  und  Missbräuche  im  Zusam-
menhang  mit  dem  Musikbelieferungs-  und  Musikbewertungstool  MPN)  wird  die  Untersu-
chung gegen IFPI Schweiz, dessen Mitglieder, die Media Control AG und die Phononet AG 
eingestellt. 

118 Vgl. BGE 128 II 247, 257, E.6.1, (= RPW 2002/3 546 f. Rz 6.1.), BKW FMB Energie AG sowie Art. 
3 Abs. 2 lit. b und c GebV-KG e contrario. 
119 Vgl. BGE 128 II 247, 257, E.6.1, (= RPW 2002/3 546 f. Rz 6.1.), BKW FMB Energie AG e contrario 
sowie Art. 3 Abs. 2 lit. b und c GebV-KG. 

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38 

 
 
 
 
                                                
E 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission gemäss Art. 30 Abs. 1 KG: 

1. 

Die  nachfolgende  einvernehmliche  Regelung  mit  IFPI  Schweiz  betreffend  den  physi-
schen Vertrieb von Ton- und Tonbildträgern (vgl. für den gesamten Text inklusive Vor-
bemerkungen Rz 171) wird genehmigt:  

„Die nachfolgenden Vereinbarungen beziehen sich auf den Bereich physischer Vertrieb 
von Ton- und Tonbildträgern. IFPI Schweiz sowie dessen Mitglieder verpflichten sich,  

1) von Neumitgliedern von IFPI Schweiz künftig keine Unterzeichnung einer Paralle-

limportverzichtserklärung zu verlangen;  

2)  gegenüber sämtlichen Marktteilnehmern, welche im Bereich Vertrieb, Vermark-

tung, Herstellung, Promotion und/oder Verkauf von Ton- und/oder Tonbildträgern 
tätig sind (so z.B. Labels, Vertriebe, Aggregatoren, Händler etc.), nicht in kartell-
rechtswidriger Weise Parallelimporte von physischen Ton- und/oder Tonbildträgern 
zu erschweren oder zu unterbinden; vorbehalten bleibt die Bekämpfung von Pro-
dukten, die gegen geltendes Schweizer Recht verstossen (insbesondere von Pira-
terieprodukten).“ 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

IFPI  Schweiz  –  stellvertretend  für  seine  Mitglieder  –  wird  gemäss  Art.  5  Abs.  3  lit.  c 
i.V.m. Abs. 1 sowie Art. 49a KG mit einem Betrag von CHF 3‘500‘000.– belastet.  

Die nachfolgende einvernehmliche Regelung mit der Phononet AG betreffend den phy-
sischen  Vertrieb  von  Ton-  und  Tonbildträgern  (vgl.  für  den  gesamten  Text  inklusive 
Vorbemerkungen Rz 171) wird genehmigt:  

„Die nachfolgenden Vereinbarungen beziehen sich auf den Bereich physischer Vertrieb 
von Ton- und Tonbildträgern. PhonoNet verpflichtet sich, künftig weder Verpflichtungen 
zur Unterlassung von Parallelimporten gegenüber Industrieteilnehmern oder Handels-
teilnehmern am PhonoNet-System oder ähnliche Ausführungen in ihre Verträge aufzu-
nehmen noch in kartellrechtswidriger Weise Parallelimporte zu erschweren oder zu un-
terbinden; vorbehalten bleibt die Bekämpfung von Produkten, die gegen geltendes 
Schweizer Recht verstossen (insbesondere von Piraterieprodukten)." 

Die Phononet AG wird gemäss Art. 5 Abs. 3 lit. c i.V.m. Abs. 1 sowie Art. 49a KG mit 
einem Betrag von CHF 20‘000.– belastet. 

Im  Übrigen  wird  das  Verfahren gegen IFPI-Schweiz,  dessen  Mitglieder,  die  Phononet 
AG und die Media Control AG eingestellt. 

Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verfügung  können  mit  Sanktionen  gemäss  Art.  50 
bzw. 54 KG belegt werden. 

7. 

Von den Verfahrenskosten von insgesamt CHF 91‘753.–, werden  

- CHF 89‘753.– IFPI Schweiz - stellvertretend für seine Mitglieder - auferlegt; 

- CHF 2‘000.– der Phononet AG auferlegt. 

8. 

Die Verfügung ist zu eröffnen an:  

- IFPI Schweiz, vertreten durch Dr. Franz Hoffet und/oder Andrea Sigl, Homburger AG, 

Prime Tower, Hardstrasse 201, 8005 Zürich 

- Mitglieder von IFPI Schweiz, alle vertreten durch IFPI Schweiz, Kraftstrasse 30, 8044 

Zürich (Liste der Mitglieder im Anhang) 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

39 

 
 
 
 
- Media  Control  AG,  vertreten  durch  Klaus  Neff, Vischer  AG,  Schützengasse  1,  Post-

fach 1230, 8021 Zürich 

- Phononet  AG,  vertreten  durch  Dr.  Marcel  Meinhardt  und  Dr.  Astrid  Waser,  Lenz  & 

Staehelin Rechtsanwälte, Bleicherweg 58, 8027 Zürich 

Wettbewerbskommission  

Prof. Dr. Vincent Martenet 
Präsident 

Dr. Rafael Corazza  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 
Gegen  diese  Verfügung  kann  innert  30  Tagen  beim  Bundesverwaltungsgericht,  Postfach, 
9023  St.  Gallen,  Beschwerde  erhoben  werden.  Die  Beschwerdeschrift  muss  die  Rechtsbe-
gehren und deren Begründung mit Angabe der Beweismittel enthalten und vom Beschwerde-
führer  oder  seinem  Vertreter  unterzeichnet  sein.  Die  angefochtene  Verfügung  ist  der  Be-
schwerdeschrift beizulegen. 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

40 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Anhang 

Mitglieder von IFPI Schweiz 

BRAMBUS RECORDS + VERLAG AG, Oberdorfstrasse 1, 8874 Mühlehorn 

 CLAVES RECORDS SA, 85, av. Général-Guisan, 1009 Pully 

 DISQUES VDE-GALLO, La cure, 1410 Denezy 

 DIVOX AG, Hinter den Gärten 7A, 4452 Itingen 

 EMI Music Switzerland AG, Buckhauserstrasse 24, 8048 Zürich 

 Gadget Records AG, Heinrichstrasse 269, 8005 Zürich 

 GOLD RECORDS, Seestrasse 129, 8810 Horgen 

 G. records c/o Gotthard Music GmbH, Postfach 66, 6024 Hildisrieden 

 GRÜEZI MUSIC AG, Zürcherstrasse 102, 8852 Altendorf 

 HAT HUT RECORDS LTD., Postfach 521, 4020 Basel 

 HIPPO RECORDS (Frank Valdor), Postfach 151, 6318 Walchwil 

 K-TEL International (Switzerland) AG, Blegistrasse 1, 6343 Rotkreuz 

 harmonia mundi MUSICORA AG, Blegistrasse 11 B, 6340 Baar 

 MUSIKVERTRIEB AG, Badenerstrasse 555, 8048 Zürich 

 NATION MUSIC GmbH, General Guisan Strasse 1, 5000 Aarau 

 PDU, Edizioni Discografiche e Musicali SA, Viale Cattaneo 1, 6900 Lugano 

 PHONAG RECORDS AG, Rohrstrasse 44, Postfach, 8152 Glattbrugg 

 PICK-RECORDS / Edition Melodie GmbH, Brunnwiesenstrasse 26, 8049 Zürich 

 READER'S DIGEST AG, Räffelstrasse 11, 8045 Zürich 

 SONY MUSIC ENTERTAINMENT (SWITZERLAND) GmbH, Letzigraben 89, Postfach, 8047 
Zürich 

 SOUND SERVICE WIGRA AG, Eigerweg 16, Postfach 10, 3073 Gümligen 

 STAR PRODUCTIONS GmbH, Harschwendi West 1013, 9104 Waldstatt 

 TBA AG, Rohrstrasse 44, 8152 Glattbrugg 

 TCB MUSIC SA, Cité-Centre, Grand' Rue 92/5e, 1820 Montreux  

TONSTUDIO AMOS AG, In der Rösi 5, 4207 Bretzwil 

 TUDOR RECORDlNG AG, Flurstrasse 93, 8047 Zürich 

 TURICAPHON AG, Turicaphonstrasse 31, 8616 Riedikon 

 UNIVERSAL MUSIC GmbH, Hardturmstrasse 130, Postfach, 8021 Zürich 

 VITEKA MUSIC / EXIT RECORDS, Sonnhalde 5, Postfach 80, 8602 Wangen 

 WARNER MUSIC SWITZERLAND AG, Kreuzstrasse 26, 8008 Zürich 

 ZYX MUSIC AG, Blegistrasse 1, 6343 Rotkreuz 

32/2011/00056/COO.2101.111.5.192909  

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