# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0653ca23-4141-56e8-b910-cba6ef7a8b32
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.10.2010 D-3541/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3541-2010_2010-10-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3541/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter François Badoud, Richter Hans Schürch, 
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

X._______, geboren _______,
Iran,
vertreten durch Dr. iur. Reza Shahrdar, _______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreisebewilligung und Familienzusammenführung zu-
gunsten von Y._______, geboren _______; Verfügung 
des BFM vom 20. April 2010 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3541/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer am 11. November 2002 in der Schweiz ein 
Asylgesuch stellte, 

dass das BFM sein Gesuch mit Verfügung vom 5. Februar 2004 abwies 
und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug 
anordnete, 

dass das BFM im Rahmen des Beschwerdeverfahrens auf seinen Ent-
scheid  teilweise  zurückkam  und  den  Beschwerdeführer  am 
4. November 2005 wegen subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling 
in der Schweiz vorläufig aufnahm, 

dass der Beschwerdeführer seinen Rekurs in der Folge im noch hängi -
gen Asylpunkt zurückzog, 

dass er gemäss eigenen Angaben am 26. Juli 2008 seine im Iran ver-
bliebene  Verlobte  Y.,  geboren  _______,  im  Abwesenheitsverfahren 
heiratete, 

dass er  bei  der  Vorinstanz am 1. Oktober  2008 die  Bewilligung des 
Familiennachzugs zugunsten seiner Ehefrau beantragte, 

dass  die  Vorinstanz  das  Gesuch  mit  Verfügung  vom 18. September 
2009 abwies,

dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Eingabe  vom 
14.  Oktober  2009  durch  seine  Rechtsvertretung  beim  Bundesver-
waltungsgericht anfechten liess,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerde  mit  Urteil  vom 
7. Dezember 2009 im Sinne der Erwägungen guthiess und die Sache 
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückwies, 

dass das BFM das Gesuch vom 1. Oktober 2008 mit Verfügung vom 
20. April 2010 erneut abwies, 

dass der Beschwerdeführer diese Verfügung mit Eingabe vom 17. Mai 
2010  durch  seine  Rechtsvertretung  beim  Bundesverwaltungsgericht 
anfechten liess,

Seite 2

D-3541/2010

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
20. Mai 2010 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtete 
und die Vorinstanz zur Vernehmlassung einlud, 

dass das BFM mit Vernehmlassung vom 14. Juni 2010 ohne detail lierte 
Erwägungen  die  vollumfängliche  Abweisung  der  Beschwerde  be-
antragte, 

dass  die  vorinstanzliche  Stellungnahme  dem  Beschwerdeführer  am 
16. Juni 2010 zur Kenntnis gebracht wurde, 

dass der Beschwerdeführer am 15. Juli 2010 die Kopie eines Arbeits-
vertrags  einreichte  und  erklärte,  aktuell  auf  der  Suche  nach  einer 
grösseren Wohnung zu sein, 

dass auf die Argumente des BFM, die Beschwerdevorbringen und die 
Beweismittel – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen 
einzugehen ist, 

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom 
20. Dezember  1968 [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM auf  dem Gebiet 
des Asylrechts entscheidet  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998  [AsylG,  SR  142.31] i.V.m. Art.  31,  32  und  33  Bst. d  des  Ver-
waltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]; 
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass der  Entscheid vom 20. April  2010 eine Verfügung des BFM im 
Bereich  des  Asylrechts  darstellt,  die  mit  Beschwerde  an  das  letzt-
instanzlich zuständige Bundesverwaltungsgericht angefochten werden 
kann,

dass die Beschwerde innert der gesetzlichen Frist von 30 Tagen in gül-
tiger Form eingereicht  wurde (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 und 
Art. 52 VwVG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor dem BFM teilgenommen 
hat und durch die Verfügung vom 20. April 2010 besonders berührt ist,

Seite 3

D-3541/2010

dass  er  entsprechend  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Auf-
hebung  beziehungsweise  Änderung  hat  (Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 48 
Abs. 1 VwVG), weshalb die Beschwerdelegitimation gegeben ist, 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG),

dass das BFM den angefochtenen Entscheid nicht mehr gestützt auf 
Art. 51  Abs. 4 AsylG (vgl. die  Verfügung vom 18. September  2009), 
sondern  gestützt  auf  Art.  Art.  85  Abs.  7  des  Bundesgesetzes  vom 
16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG; 
SR 142.20) erlassen hat, 

dass dies mit der zu berücksichtigenden Gesetzeslage übereinstimmt, 

dass nämlich der vormals in Kraft stehende Artikel 39 Abs. 1 der Asyl -
verordnung  1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV1, 
SR 142.311) im Rahmen der Verordnungskompetenz des Bundesrates 
gestützt auf  Art. 51 Abs. 5 AsylG am 1. Januar 2007 durch Art. 14c 
Abs. 3bis des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und 
Niederlassung der Ausländer ([ANAG, SR 142.20) abgelöst und eine 
dreijährige Wartefrist gesetzlich verankert wurde, 

dass diese Regelung im  seit  dem 1. Januar  2008 geltenden Art. 85 
Abs.  7  AuG;  SR 142.20)  übernommen  wurde  und  das  Gesuch  um 
Familiennachzug vom 1. November 2008 stammt, 

dass sich vorliegend zunächst die Frage stellt, ob betreffend Ehefrau 
des  Beschwerdeführers  allenfalls  ein  Asylgesuch  aus  dem  Ausland 
vorliegt,  was  zur  Prüfung  ihrer  originären  Flüchtlingseigenschaft 
führen würde (vgl. BVGE 2007/19), 

dass zwar verschiedentlich auf eine unsichere Situation der Ehefrau im 
Iran hingewiesen wird, 

dass diese Vorbringen jedoch eher vage blieben und namentlich auch 
in der Beschwerdeschrift vom 17. Mai 2010 überzeugende diesbezüg-
liche Ausführungen fehlen, 

Seite 4

D-3541/2010

dass das BFM somit in zulässiger Weise von einer Prüfung im Sinne 
von  Art.  20  AsylG  absah  und  eine  Verletzung  der  Untersuchungs-
maxime zu verneinen ist, 

dass  im  Folgenden  entsprechend  die  Voraussetzungen  von  Art.  85 
Abs. 7 AsylG zu prüfen sind, 

dass gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG Ehegatten und ledige Kinder unter 
18 Jahren von vorläufig aufgenommenen Personen und vorläufig auf-
genommenen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anordnung der 
vorläufigen  Aufnahme  nachgezogen  und  in  diese  eingeschlossen 
werden können, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Bst.  a), eine 
bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (Bst. b) und die Familie nicht 
auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c),

dass gemäss den verfügbaren Akten eine rechtsgültige Ehe zwischen 
dem Beschwerdeführer  und  Y. (vgl. dazu auch die  Ausführungen im 
Kassationsurteil  vom 7. Dezember 2009), weshalb auf die Erwägung 
des  BFM  im  angefochtenen  Entscheid  zur  allfälligen  Rechtsmiss-
bräuchlichkeit der Ehe nicht näher einzugehen ist, 

dass die dreijährige Wartefrist unbestrittenermassen abgelaufen ist, 

dass das Erfordernis des Zusammenwohnens im vorliegenden Kontext 
nur  so  verstanden  werden  kann,  die  nachzuziehende  Person  be-
absichtige,  nach  der  Einreise  in  die  Schweiz  mit  der  vorläufig  auf-
genommenen  Person  zusammenzuleben,  da  die  nachzuziehende 
Person regelmässig noch im Ausland weilt (vgl. dazu das Bundesver-
waltungsgerichtsurteil E-7236/2007 vom 25. Januar 2010 E. 4.6),

dass die kantonale Behörde in ihrem Bericht vom 25. Januar 2010 das 
Vorliegen einer bedarfsgerechten Wohnung verneint, 

dass es sich bei der tatbeständlichen Voraussetzung "bedarfsgerechte 
Wohnung" um einen unbestimmten Gesetzesbegriff  handelt,  welcher 
im konkreten Fall ausgelegt werden muss, 

dass die ausgewiesene Wohnfläche von ungefähr 27 Quadratmetern 
als für zwei Personen doch sehr klein erscheint, 

dass  die  Beschwerdevorbringen,  die  Anmietung  einer  grösseren 
Wohnung  allein  im  Hinblick  auf  die  allfällige  (und  eventuell  Jahre 

Seite 5

D-3541/2010

später erfolgende) Gutheissung des Gesuchs sei abwegig, zwar eine 
gewisse Berechtigung aufweist, 

dass  aber  die  Tatsache  der  aktuell  fehlenden  bedarfsgerechten 
Wohnung bestehen bleibt, 

dass  dies  insbesondere  auch  in  Berücksichtigung  der  fehlenden 
wirtschaftlichen Unabhängigkeit relativ schwer wiegt, 

dass  der  Beschwerdeführer  zwar  seit  dem  12.  Juli  2010  offenbar 
wieder  über  eine  Arbeitsstelle  verfügt  und  nicht  mehr  auf  Arbeits-
losenunterstützung angewiesen ist, 

dass in Anbetracht der Aktenlage respektive des erwähnten Berichts 
der  kantonalen  Behörde  aber  fraglich  ist,  ob  damit  bereits  ein  auf 
längere  Zeit  gesichertes  Einkommen  besteht,  zumal  sich  der  Be-
schwerdeführer noch in der Probezeit befindet,

dass die Voraussetzungen von Art. 85 Abs. 7 Bst. b und c mithin aus 
heutiger Sicht noch nicht erfüllt sind,

dass  bei  dieser  Sachlage  eine  weitere  Auseinandersetzung  mit  den 
Beschwerden und den Beweismitteln mangels Relevanz unterbleiben 
kann und die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr.  600.-- 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesver-
waltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 6

D-3541/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertretung  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Bei-
lage: Einzahlungsschein)

- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den  Akten  Ref-Nr. N _______ 
(per Kurier; in Kopie)

- _______

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand:

Seite 7

D-3541/2010

-

Seite 8