# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 664a7b85-5899-5889-9cd4-1ac3db75b91b
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-28
**Language:** de
**Title:** Baumassenziffer. Witterungsbereich unter vorspringendem Geschoss. Qualifikation als «freitragend».
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0068/2023
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2024-11.pdf

## Full Text

BRGE II Nr. 0068/2023 vom 28. März 2023 in BEZ 2024 Nr. 11 

3.  Das  Baugrundstück  ist  gemäss  geltender  Bau-  und  Zonenordnung  der 
Gemeinde K. (BZO) der Wohnzone W2/1.20 zugeschieden und derzeit mit einem 
Einfamilienhaus  überstellt.  Geplant  ist,  das  bestehende  Steildach  und  das 
bestehende  Wohngeschoss  abzubrechen  bis  zur  Decke  über  dem 
Untergeschoss. Darüber sollen zwei neue Vollgeschosse samt Flachdach erstellt 
werden. (…) 

7.1  Sodann  wird  von  den  Rekurrentinnen  eine  Überschreitung  der 
Baumasse  gerügt.  Der  im  Südosten  über  das  Erdgeschoss  auskragende 
Gebäudeteil  sei  über  den  Kamin  mit  dem  Boden  verbunden  und  könne  damit 
nicht  als  freitragender  Gebäudeteil  qualifiziert  werden.  Der  Raum  unter  dem 
Vorsprung sei also vollständig an die Baumasse anzurechnen. (…) 

7.2  Die  Vorinstanz  führt  diesbezüglich  aus,  der  auskragende  Teil  sei 
freitragend  und  es  liege  somit  kein  umbauter  Raum  vor.  Dies  sei  im 
Erdgeschossplan explizit erwähnt worden. Auch die private Rekursgegnerschaft 
geht  von  keiner  Abstützung  aus  und  bringt  vor,  der  Kamin  bzw.  das 
Aussencheminée  sei  für  die  Statik  des  Gebäudes  nicht  von  Bedeutung.  Die 
Baumassenberechnung sei korrekt. 

7.3.1 Gemäss § 254 Abs. 2 PBG (in der hier anwendbaren bis 28. Februar 
2017 geltenden Fassung) bestimmt die Baumassenziffer, wie viele Kubikmeter 
anrechenbaren Raums auf den Quadratmeter Grundfläche entfallen dürfen. Bei 
der  Baumassenziffer  gilt  der  oberirdische  umbaute  Raum  mit  seinen 
Aussenmassen als anrechenbar. Ausser Ansatz fallen Räume, die als öffentliche 
Verkehrsflächen  benützt  werden  oder  sich  innerhalb  des  Witterungsbereichs 
unter vorspringenden freitragenden Bauteilen befinden (§ 258 PBG).  

Das  Gesetz  verlangt 

für  die  Abzugsfähigkeit  einen  vorspringenden 
freitragenden  Bauteil.  Das  Gegenteil  hiervon  bildet  die  Abstützung  eines 
vorspringenden  Bauteils  auf  den  gewachsenen  oder  gestalteten  Boden.  Damit 
steht  schon  die  Abstützung  eines  vorspringenden  Gebäudeteils  auf  nur  einer 
Seite  mit  einem  einzigen  Pfosten  der  Annahme  eines  Witterungsbereiches  – 
auch auf den nicht abgestützten Seiten – entgegen, weil der Bauteil nicht mehr 
freitragend  ist.  Der  Begriff  «freitragend»  kann  gleichgesetzt  werden  mit  «nicht 
abgestützt»,  erfasst  also  einen  baustatisch-konstruktiven  Sachverhalt.  Auch 
profitiert ein Raum nicht mehr vom Witterungsbereich, wenn er Abschlüsse von 
mehr als 1,3 m geschlossener Höhe aufweist. Mit Abschlüssen von mehr als 1,3 
m  Höhe  wird  demnach  –  jedenfalls  dann,  wenn  der  Abschluss  gemauert  oder 
vergleichbar materialisiert ist – vollumfänglich umbauter Raum geschaffen. Dies 
selbstverständlich auch dann, wenn der Abschluss vollständig ist, d.h. eine über 
die  ganze  betreffende  Höhe  reichende  Einwandung  bildet.  Mit  andern  Worten 
spielt  es  für  die  Frage  des  Witterungsabzuges  keine  Rolle,  ob  eine  seitliche 
Einwandung  eine  tragende  Funktion  hat  oder  nicht.  Nicht  als  eigentliche 
Einwandung einzustufende Sicht- oder Windschutzabschlüsse wie zum Beispiel 
Glastrennwände  führen  demgegenüber  unbesehen  ihrer  Höhe  nicht  zur 
Anrechenbarkeit an den umbauten Raum (zum Ganzen: BRGE II Nr. 0124/2013 
vom 20. August 2013 = BEZ 2013 Nr. 40).  

 
 
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7.3.2 Unter dem auskragenden Gebäudeteil im Südosten befindet sich ein 
Aussencheminée, das  den Boden mit  der Auskragung  verbindet. Gemäss  den 
Fassadenplänen soll das Cheminée eine Länge von 2,4 m und eine Breite von 
0,5  m  aufweisen.  Es  wirkt  aus  Südwesten  optisch  wie  eine  Säule  und  aus 
Südosten wie eine Wand in diesem Bereich. Nach dem vorstehend Ausgeführten 
kann es bei Säulen ebenso wenig auf die tragende Funktion ankommen wie bei 
(z.B. seitlichen) Abschlüssen. Optisch wird das auskragende Obergeschoss auf 
dieser Säule bzw. dieser Wand abgestützt, auch wenn ihr effektiv keine statische 
Bedeutung zukommen mag.  

7.3.3 Der auskragende Gebäudeteil ist daher nach Südosten hin nicht mehr 
freitragend im Sinne von § 258 Abs. 2 PBG. Der Raum darunter ist vollumfänglich 
an die Baumasse anzurechnen. Die Baumasse vergrössert sich dadurch um rund 
54 m3, was die bestehende Baumassenreserve in der Höhe von 35,6 m3 sprengt. 
Auf das Aussencheminée kann aber ohne Weiteres verzichtet bzw. kann dieses 
ohne Verbindung zum Obergeschoss realisiert werden, zumal die Konstruktion 
gemäss  den  Plänen  wie  erwähnt  nichttragend  ist.  Dementsprechend  ist  die 
angefochtene Baubewilligung mit einer Nebenbestimmung zu ergänzen, wonach 
auf die Erstellung eines mit dem Gebäudevorsprung verbundenen Aussenche-
minées zu verzichten ist.