# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 756af567-4807-53d1-91cc-59eabc7259d0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.05.2010 E-3196/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3196-2010_2010-05-12.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3196/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

A._______, eigenen Angaben zufolge (...) geboren,
Guinea,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren), 
Verfügung des BFM vom 22. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3196/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 19. Dezember 2009 in der Schweiz ein 
Asylgesuch stellte,  zu  dem er  am 8. Januar  2010 im Transitzentrum 
Altstätten befragt wurde,

dass er dabei geltend machte, (...) jährig und über Mali sowie Italien in 
die Schweiz gereist zu sein und sein Asylgesuch ausschliesslich aus 
wirtschaftlichen Gründen gestellt zu haben,

dass der zuständige BFM-Sachbearbeiter  ihm bei der Befragung zur 
Kenntnis brachte, dass aufgrund widersprüchlicher Altersangaben (der 
Beschwerdeführer hatte auf dem Personalienblatt  sein Geburtsdatum 
handschriftlich mit (...) an-, bei der Summarbefragung hingegen (...) zu 
Protokoll  gegeben),  der  Nichtabgabe  von  Identitätspapieren  ohne 
überzeugende  Begründung,  der  unglaubhaften  Schilderung  der 
Reiseumstände und seines Aussehens von der Unglaubhaftigkeit der 
geltend gemachten Minderjährigkeit ausgegangen werde,

dass dem Beschwerdeführer am 8. Januar 2010 das rechtliche Gehör 
zum positiven  Ergebnis  des  Fingerabdruckvergleichs  mit  der  Daten-
bank  EURODAC  (Teneriffa  /  Spanien  am  14.  April  2009)  gewährt 
wurde und er vehement bestritt, sich jemals in Spanien aufgehalten zu 
haben,

dass das BFM mit Verfügung vom 22. April 2010 – eröffnet am 27. Ap-
ril  2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  auf das Asylgesuch nicht ein-
trat und den Beschwerdeführer nach Spanien wegwies,

dass es zur Begründung seiner Verfügung ausführte, gestützt auf die 
einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (Abkommen  vom 
26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags [Dub-
lin-Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68];  Verordnung  [EG] 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kri-
terien  und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin-II-VO];  Verordnung  [EG] 

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E-3196/2010

Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2. September  2003  mit  Durch-
führungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 
[DVO Dublin]) sei Spanien für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig,

dass Spanien auf Anfrage des BFM hin am 12. März 2010 seine Be-
reitschaft erklärt habe, den Beschwerdeführer rückzuübernehmen, und 
die Rückführung nach Spanien – vorbehältlich einer allfälligen Unter-
brechung oder Verlängerung – bis spätestens am 12. September 2010 
zu erfolgen habe,

dass die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs zur Wegweisung nach Spanien nichts an der 
Zuständigkeit dieses Staates für die Behandlung des Asylgesuchs zu 
ändern vermöchten,

dass  der  Vollzug der  Wegweisung nach Spanien zulässig,  zumutbar 
und möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe vom 4. Mai  2010  (Postauf-
gabe)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerde erhob und dabei inhaltlich die Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung,  die  Asylgewährung  (eventuell  die  vorläufige  Aufnahme) 
beantragte,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 5. Mai 2010 den Vollzug der 
angefochtenen  Verfügung  mittels  vorsorglicher  Massnahme  proviso-
risch aussetzte,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass es im Asylbereich endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

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dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
grundsätzlich  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 52 
VwVG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), weshalb auf den An-
trag auf Asylgewährung nicht einzutreten ist,

dass zunächst zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht von der Un-
glaubhaftigkeit  der geltend gemachten Minderjährigkeit  ausgegangen 
ist,

dass gemäss Rechtsprechung eine asylsuchende Person die objektive 
Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit und die Folgen der Be-
weislosigkeit  trägt und diese Beweislastregel sich zuungunsten einer 
asylsuchenden Person auswirkt, wenn die Behauptung der Minderjäh-
rigkeit tatsächlich unbewiesen bleibt, das heisst, wenn weder der asyl-
suchenden Person der Nachweis gelingt, dass sie weniger als 18 Jah-
re alt ist, noch der Behörde, dass sie 18-jährig oder älter ist (vgl. zum 
Ganzen Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30),

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dass das  Bundesverwaltungsgericht  sich  nach  Durchsicht  der  Akten 
angesichts  der  widersprüchlichen  Altersangabe  des  Beschwerdefüh-
rers,  der  offensichtlich  nicht  überzeugenden  und  widersprüchlichen 
Angaben  zu  den  Identitätsdokumenten  und  anderen  Personalaus-
weisen sowie der Angabe falscher Reiseumstände der Auffassung der 
Vorinstanz anschliesst, zumal der Beschwerdeführer sein Geburtsda-
tum im Rubrum seiner Beschwerde mit (...) angibt,

dass die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers damit nicht glaubhaft 
gemacht worden ist,

dass zu prüfen bleibt, ob das BFM zu Recht auf das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  der  vorherige  Aufenthalt  in  Spanien  in  der  Beschwerde  an-
erkannt,  hingegen  auf  schlechte  Lebensbedingungen  (Unterkunft, 
Verpflegung, Arbeit) in diesem Land hingewiesen wird, 

dass vorliegend Spanien für die Behandlung des Asylgesuchs des Be-
schwerdeführers zuständig ist,

dass  die  vom Beschwerdeführer  geäusserten  Vorbehalte  gegenüber 
den Aufenthaltsbedingungen in Spanien an dieser Feststellung nichts 
zu ändern vermögen,

dass  Spanien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 
0.142.30),  der  Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  und  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen, 
dieses Land werde sich im vorliegenden Fall nicht an die aus diesen 
Übereinkommen resultierenden Verpflichtungen halten,

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dass der Beschwerdeführer sich bezüglich seiner Rechte als Asylbe-
werber im Übrigen an die zuständigen spanischen Behörden wenden 
könnte,

dass den Akten somit keine Gründe zu entnehmen sind, die einer Zu-
ständigkeit  Spaniens für die Behandlung des Asylgesuchs entgegen-
stehen könnten,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
keine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  wurde  und 
auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die 
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen 
steht und demnach zu bestätigen ist, 

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass eine entsprechende Beurteilung soweit  notwendig vielmehr  be-
reits im Rahmen der Prüfung des Selbsteintritts stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinn  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Spanien zu Recht für zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist,

dass  mit  dem vorliegenden Entscheid  in  der  Sache  die  Anträge auf 
(definitive) Herstellung der aufschiebenden Wirkung,  um Verzicht auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos werden, 

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dass gemäss Akten bisher keine Kontaktaufnahme mit den Behörden 
des Heimatstaates stattgefunden hat und der Antrag auf Verzicht einer 
solchen  Datenweitergabe  mit  dem  vorliegenden  Urteil  ebenfalls 
gegenstandslos wird,

dass das in der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Pro-
zessführung  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG und  um  Bestellung 
eines Anwaltes gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG zufolge Aussichtslosigkeit 
der Rechtsbegehren abzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die  Gesuche  um unentgeltliche  Rechtspflege  (Art.  65  Abs. 1  und  2 
VwVG) werden abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kanto-
nale Ausländerbehörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

Versand: 

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