# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1860758-b865-52dc-81be-4f162310bba5
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-01-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 24.01.2012 R 2011 82
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2011-82_2012-01-24.pdf

## Full Text

R 11 82

5. Kammer 

URTEIL
vom 24. Januar 2012

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baulinie

1. Die … Hotel AG (nachfolgend Beschwerdeführerin) ist Eigentümerin von 

Parzelle 20 bergseits der Via … in … Die Parzelle liegt gegenüber dem von 

ihr betriebenen Hotel … und ist mit einem Personalhaus überbaut. Mit einem 

im Jahr 2009 durchgeführten Studienauftrag ermittelte die 

Beschwerdeführerin ein Siegerprojekt für einen Ersatzneubau auf Parzelle 20. 

Am 6. Mai 2010 ersuchte sie die Gemeinde … (nachfolgend auch 

Beschwerdegegnerin) um eine vorläufige Beurteilung des Siegerprojekts 

betreffend Bewilligungsfähigkeit. Mit Vorentscheid vom 5. Juli 2010 wurde der 

Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass man den Ortsplaner konsultiert habe und 

ihrem Gesuch nicht entsprechen könne. In der dem Vorentscheid beigelegten 

ortsplanerischen Stellungnahme vom 22. Juni 2010 wurde der Bewilligung 

des Bauvorhabens insbesondere eine Überschreitung der 

Erdgeschossbaulinie um 2.5 m entgegengehalten. Die geschwungenen Teile 

der Fassade des Ersatzneubaus würden bis zur Baulinie für Hochbau 

vorstossen. Dies sei nachteilig für den Strassenraum und verhindere eine gute 

Einordnung in diesem Punkt. Die bestehenden Bauten an der Via … schafften 

mit der geschlossenen Bauweise und den linearen Fassaden ein räumlich 

ruhiges Strassenbild, das mit den Ausbuchtungen gestört würde. Auch die 

Fussgänger würden durch die geschwungenen Teile der Fassade in S-Form 

gezwungen, den direkten Weg zu verlassen und einen Umweg um diese 

Ausbuchtungen in Kauf zu nehmen. Der Ortsplaner empfahl der Gemeinde in 

seiner Stellungnahme sodann, an der Erdgeschossbaulinie festzuhalten.

2. Am 29. Oktober 2010 beantragte die Beschwerdeführerin eine 

Neubeurteilung aufgrund einer überarbeiteten Projektstudie. Das neu 

vorgelegte Vorprojekt beachtete die Erdgeschossbaulinie ebenfalls nicht. 

Gleichwohl beurteilte der Ortsplaner am 23. Dezember 2010, dass der neue 

Fassadenverlauf für den Strassenraum verträglicher sei als der S-förmige 

Verlauf in der ursprünglichen Projektstudie. Die Fussgänger seien aber nach 

wie vor gleich benachteiligt. Der neue Fassadenverlauf überschreite die 

Erdgeschossbaulinie noch immer, was nicht zulässig sei. Für die Umsetzung 

der eingereichten Erdgeschosskonzeption müsste der geltende Baulinienplan 

„…“ vom 1. Juni 1978 angespasst werden. Eine solche Anpassung sei 

allerdings nicht begründbar.

3. Am 8. Februar 2011 reichte die Beschwerdeführerin ein weiteres Vorprojekt 

für den Ersatzneubau auf Parzelle 20 ein. In Bezug auf die Einhaltung der 

Erdgeschossbaulinie hielt sie fest, dass in Anbetracht der Praxis der 

Gemeinde, in begründeten Fällen den Baulinienplan aus dem Jahre 1978 

aufzuheben, es als begründbar und verhältnismässig erachtet werde, diesen 

im Zuge des Ersatzneubaus auf Parzelle 20 anzupassen. Am 18. April 2011 

wies der Gemeindevorstand das Vorentscheidsgesuch im Sinne der 

Erwägungen zur Überarbeitung erneut zurück. Bezüglich der 

Erdgeschossbaulinie führte er aus, dass auch beim vorliegenden Projekt 

diese nicht berücksichtigt sei. Das Projekt sei entsprechend anzupassen.

4. Am 28. Juni 2011 reichte die Beschwerdeführerin ihr Baugesuch ein. 

Gleichzeitig beantragte sie die Aufhebung der bestehenden 

Erdgeschossbaulinie im Bereich von Parzelle 20. Sie begründete dies 

hauptsächlich damit, dass sich die Verhältnisse in der Via … geändert hätten 

(beruhigte Verkehrszone, Tempo 30, hochwertige Belagsgestaltung, 

Aufhebung der Parkplätze entlang der Fahrbahn). Zudem werde die gleiche 

baugesetzliche Grundlage für Baulinien in jüngster Praxis auch andernorts in 

… lokal nicht mehr eingehalten bzw. aufgehoben (Parzellen 63, 1543 und 

1544 an der …). Man verlange hier Gleichbehandlung. Am 15. August 2011 

verfügte der Gemeindevorstand, die Baulinie werde nicht aufgehoben. In der 

Via … gäbe es Baulinien, die vom Gebäude 22 bis zum Gebäude 28 sowohl 

im Erdgeschoss als auch im Hochbau festgelegt seien. Die heute 

bestehenden Gebäude hätten die Baulinien eingehalten. Die 

Erdgeschossbaulinie sei wichtig für die Fussgänger und den Verkehr in der 

Via … und sei noch immer im übergeordneten öffentlichen Interesse. Auch 

städtebaulich möchte man am Konzept festhalten. Die weit über die Baulinie 

tretenden Gebäudeteile beeinträchtigten die Fussgänger und den Verkehr. 

Zudem hätte die Aufhebung eine präjudizierende Wirkung.

5. Am 13. September 2011 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde mit dem Antrag 

um Aufhebung des Entscheides des Gemeindevorstandes vom 15. August 

2011. Die Arkadenbaulinie von 1978 sei im Bereich von Parzelle 20 

aufzuheben, eventuell sei sie auf Grundlage des Bauprojekts anzupassen. 

Eventualiter sei der Entscheid des Gemeindevorstandes aufzuheben und an 

die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Zur Begründung führte 

die Beschwerdeführerin aus, dass Baulinien gemäss Art. 57 Abs. 2 des 

Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100) 

verfahrensmässig wie Quartierpläne behandelt würden. Wenn sich die 

Verhältnisse seit dem Erlass erheblich geändert hätten, müssten Baulinien 

gemäss Art. 21 der Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden 

(KRVO; 801.110) von Amtes wegen oder auf Antrag überprüft und nötigenfalls 

angepasst werden. Unbestritten hätten sich die Verhältnisse seit 1978 in der 

Via … erheblich verändert. Verändert habe sich zum Beispiel Zone Tempo 30 

oder dass es keine Parkplätze mehr gebe. Der Baulinienplan sei zudem 33 

Jahre alt. Schon deswegen sei der Gemeindevorstand verpflichtet, eine 

Anpassung vorzunehmen. Der Plan sei in den letzten 33 Jahren nur gerade 

bei drei Bauten umgesetzt worden (bei den Gebäuden „…“, „…“ und dem …-

Gebäude). Schon deswegen sei er durch die Gemeinde anzupassen. Die 

Gemeinde habe das private Interesse der Beschwerdeführerin nicht 

berücksichtigt. Einzig gerechtfertigt seien Bedenken betreffend 

Fussgängerstrom. Beim Projekt bleibe aber für die Fussgänger noch ein 

Freiraum von 2.53 m bis zur Strassenlinie. Sie seien somit nicht gefährdet. 

Die Beschwerdeführerin habe ein privates Interesse an der Aufhebung der 

Baulinie, welche im Übrigen nicht vollkommen, sondern nur im Bereich des 

Hoteleinganges aufgehoben werden solle. Links und rechts des 

Hoteleinganges sei eine attraktive Arkadensituation entlang der Läden 

gegeben. Das private Interesse überwiege klar die öffentlichen Interessen an 

der Aufrechterhaltung der Erdgeschossbaulinie, womit die Gemeinde 

verpflichtet sei den Baulinienplan anzupassen. Erst kürzlich seien 

Erdgeschossbaulinien beim … zugunsten der Parzellen 63, 1543 und 1544 

aufgehoben worden. Bei diesen Objekten sei der Fussgängerbereich nur noch 

1.2 m breit. Man verlange hier Gleichbehandlung. In den letzten Jahren seien 

etliche Gebäude umgebaut worden, welche ebenfalls mit einer 

Erdgeschossbaulinie belastet seien. Sie hätten die Baulinie nicht einhalten 

müssen. Die Vorschrift sei somit ein Papiertiger und anzupassen. In diesem 

Zusammenhang beantragte die Beschwerdeführerin einen umfassenden 

Augenschein über alle Bauten in …, welche mit einer Erdgeschossbaulinie 

belegt sind, sowie einen Augenschein der Situation Parzelle 20 an der Via … 

(recte: …). Die Baubehörde habe ihres Wissens eine Begehung vor Ort 

vorgenommen, jedoch die Bauherrschaft dazu nicht eingeladen. Damit hätte 

sich diese kein Gehör verschaffen können, was nun durch das Gericht 

nachgeholt werden solle.

6. Am 12. Oktober 2011 beantragte die Gemeinde die Abweisung der 

Beschwerde. Das Rechtsbegehren betreffend Aufhebung bzw. Anpassung 

der Arkadenbaulinie sei unzulässig. Eine Aufhebung könnte lediglich im 

Verfahren der Quartierplanung geschehen, wozu wiederum analog Art. 18 

KRVO eine öffentliche Auflage erforderlich sei. Des Weiteren habe die 

Vornahme eines Augenscheins im Baubewilligungsverfahren ohne 

Beteiligung der Beschwerdeführerin zu keiner Verletzung des rechtlichen 

Gehörs der Beschwerdeführerin geführt. Der Augenschein am 29. März 2011 

sei von der Baubehörde anlässlich ihres Vorentscheides vom 18. April 2011 

durchgeführt worden. 

Bezüglich des Eventualbegehrens verhalte es sich so, dass für die 

Neubeurteilung der Frage der Aufhebung bzw. der Anpassung der 

Erdgeschossbaulinie im Bereich der Parzelle 20 bereits die 

Grundvoraussetzungen nicht gegeben seien. Die Verhältnisse hätten sich 

nicht erheblich geändert. Nur das Alter der Regelung allein bedeute keine 

erhebliche Veränderung der Verhältnisse. Es müssten sich die einschlägige 

Nutzungsordnung, zumindest aber die städtebaulichen Wertvorstellungen 

entscheidend geändert haben und zwar mit Bezug auf den hier 

interessierenden Bereich. Dies sei nicht der Fall. Hier gelte immer noch die 

Innere Dorfzone und auch das Verkehrsregime habe keine Änderung 

erfahren. Zwar haben das neue Verkehrskonzept und das Parkhaus sicherlich 

zu einer gewissen Verkehrsberuhigung geführt, der Verkehr sei aber immer 

noch stark. Die Fussgänger blieben besser in den seitlichen Bereichen der 

Strasse. Es könne aber offen gelassen werden, ob sich die massgebenden 

Verhältnisse tatsächlich im geforderten erheblichen Umfang verändert hätten. 

Die Baulinie sei aufgrund planerischer Erwägungen beizubehalten. Dies hätte 

der Ortsplaner der Gemeinde mit guten Argumenten dargelegt. Die 

Beschwerdeführerin habe diese Argumente nicht entkräften können. Der 

Gemeinde stehe in dieser Frage zudem gemäss Art. 2 Abs. 3 des 

Raumplanungsgesetzes des Bundes (RPG; SR 700) ein erhebliches 

Planungsermessen zu. Es sei offensichtlich, dass die Arkaden nach wie vor 

ihre Schutzwirkung erzeugten. Das sei wichtig, weil das Verkehrsaufkommen 

hier weit stärker sei als 1978. Zudem müsse man bei der im Bauprojekt 

vorgesehenen Lösung auch damit rechnen, dass zeitweise Fahrzeuge im 

Eingangsbereich abgestellt werden. Für die Fussgänger werde die Passage 

dadurch erst recht schwierig. 

Ferner sei das Rechtsgleichheitsgebot nicht verletzt. Es sei im Planungsrecht 

nur von untergeordneter Bedeutung. Zudem unterschieden sich die zum 

Vergleich herangezogenen Tatbestände vom vorliegenden wesentlich. Bei 

der … sei nie eine Arkade vorhanden gewesen. Auf den Parzellen 15, 17 und 

20 bestünden solche seit Jahrzehnten. Bei den Gebäuden Hotel … und 

Volksbank im Dorfzentrum hätten sich die erwähnten baulichen 

Veränderungen auf Umbauten beschränkt. Im Erdgeschoss seien die 

Grundmauern beibehalten worden, weswegen die Gemeinde keine Arkaden 

habe durchsetzen können. Es läge daher kein Fall vergleichbarer Verhältnisse 

vor, weshalb die Berufung der Beschwerdeführerin auf den 

Rechtsgleichheitsgrundsatz von vornherein fehl gehe.

7. Am 10. November 2011 hielt die Beschwerdeführerin replicando an ihren 

Anträgen fest. Die Bauherrschaft habe aufgrund der engen Zusammenarbeit 

mit der Gemeinde darauf vertrauen können, dass eine Lösung betreffend die 

Erdgeschossbaulinie gefunden werde. Bei anderen Projekten habe die 

Gemeinde entsprechende Anpassungen und Aufhebungen bewilligt. In … 

habe sich seit 1978 sehr viel verändert. In der Via … wiesen darüber hinaus 

die Gebäude 15, 17 und 20 heute keine Arkaden auf. Am 18. November 2011 

duplizierte die Beschwerdegegnerin und hielt an ihrem Abweisungsantrag 

fest. Schon am 29. April 2009 habe der Gemeindevorstand der 

Beschwerdeführerin mitgeteilt, der Neubau müsse nicht zwingend eine 

Arkadensituation schaffen, doch wäre es ausgeschlossen, dass eine Baute 

im Erdgeschoss bis zur Baulinie Hochbau vorstossen könne. Aus 

städtebaulichen Gründen hätte der Gemeindevorstand eine Aufhebung der 

Erdgeschossbaulinie schon damals abgelehnt. Die Gemeinde habe weder am 

30. Juli 2009 noch am 13. August 2010 Zusagen betreffend das Vorstossen 

des Erdgeschosses an die Baulinie für Hochbau gemacht. Die 

Beschwerdeführerin habe die Änderungen nicht in Absprache mit den 

Gemeindevertretern vorgenommen und die Empfehlungen der Gemeinde 

bezüglich der Erdgeschossbaulinie nicht vollumfänglich berücksichtigt oder 

nicht angemessen umgesetzt. Zudem treffe es zu, dass beim Grundstück 15 

keine Arkade bestehe. Parzellen 17 und 20 wiesen aber beide eine Arkade 

auf.

8. Am 19. Januar 2012 führte das Verwaltungsgericht (5. Kammer) einen 

Augenschein vor Ort durch, an dem die Beschwerdeführerin durch … 

(Vizedirektor des Hotels) … (Bauherrenvertreter), … (Architekt) und 

Rechtsanwalt … vertreten war. Die Beschwerdegegnerin war durch … 

(Bereichsleiter Hochamt der Gemeinde …) sowie Rechtsanwalt … vertreten. 

Allen Anwesenden wurde dabei an zwei verschiedenen Standorten (Via … 

und …) mündlich die Gelegenheit geboten, sich zu der Arkadensituation bzw. 

den Gegebenheiten vor Ort zu äussern. Von Seiten Beschwerdeführerin 

wurden Grundrisspläne (vier A4-Seiten) des geplanten Ersatzneubaus an alle 

Anwesenden abgegeben. Zudem wurden von Seiten des Gerichts insgesamt 

12 Farbfotografien erstellt (Situation … Bilder; Situation …: 5 Bilder). Diese 

Fotodokumentation und die Grundrisspläne wurden dem gerichtlichen 

Protokoll des Augenscheins beigefügt.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und im angefochtenen 

Entscheid wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt vorliegender Beschwerde bildet der Entscheid des 

Gemeindevorstandes … vom 15. August 2011. Strittig ist vorliegend, ob das 

von der Beschwerdegegnerin projektierte Bauvorhaben auf Parzelle 20 an der 

Via … in ... die dortige Erdgeschossbaulinie zu beachten hat bzw. ein 

Anspruch der Beschwerdeführerin auf Anpassung respektive Abänderung 

des entsprechenden Baulinienplanes besteht.

2. Seit der Inkraftsetzung des Baulinienplans „...“, am 1. Juni 1978, gilt es entlang 

der Via … bergseits einerseits eine Baulinie für Hochbau, andererseits eine 

2.5 m zurückversetzt verlaufende Baulinie für Erdgeschoss zu beachten. Im 

Rahmen einer Teilgebietsplanung („…“) wurden 1999/2000 die Baulinien für 

Hochbau und Erdgeschoss für die Parzelle 1482, welche direkt neben der 

Parzelle 20 liegt, aufgehoben. Massgebend hierfür war und ist der am 30. Juli 

2001 vom Gemeindevorstand erlassene Quartierplan „… Nord/Baubereich 

G“. Dies wurde der Beschwerdeführerin bereits am 29. April 2009 zuhanden 

ihres damals durchgeführten Studienauftragsverfahren mitgeteilt und ihr 

gleichzeitig zur Kenntnis gebracht, dass die Gemeinde eine Aufhebung der 

Erdgeschossbaulinie für Parzelle 20 nicht in Betracht ziehe. Für die 

Durchführung des Studienauftragsverfahrens empfahl die 

Beschwerdegegnerin:

„a) sowohl das Erdgeschoss als auch die Obergeschosse eines Neubaus 

auf die grüne ‚Baulinie für Erdgeschoss’ zu stellen, oder

 b) nur das Erdgeschoss des Neubaus wird an die grüne ‚Baulinie für 

Erdgeschoss’ gestellt, und die Obergeschosse werden an der roten 

‚Baulinie für Hochbau’ ausgerichtet (Schaffung einer Arkadensituation).“

In den Vorentscheiden vom 5. Juli 2010 und 18. April 2011 als auch im 

Entscheid vom 15. August 2011 verdeutlichte die Beschwerdegegnerin 

gegenüber der Beschwerdeführerin ihre Position betreffend Aufhebung der 

Erdgeschossbaulinie. Die heute bestehenden Gebäude hätten die 

Erdgeschossbaulinie (wie auch die Baulinie für Hochbau) eingehalten. Die 

Baulinie sei wichtig für die Fussgänger sowie für den Verkehr in der Via … Das 

Einhalten der Baulinie im Erdgeschoss sei im übergeordneten öffentlichen 

Interesse. Auch städtebaulich wolle man am Konzept festhalten. Ein 

Abweichen von der Baulinie respektive weiter über diese Linie tretende 

Gebäudeteile beeinträchtigten die Fussgänger und den Verkehr in der Via ... 

Zudem sei zu beachten, dass, wenn die Baulinie aufgehoben würde, die 

Grundeigentümer der anderen Gebäude ebenfalls die Möglichkeit besässen, 

diese Linie zu überschreiten und so den Strassenraum einzuengen. Dies 

würde zu keiner befriedigenden Lösung führen. 

Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin die Meinung, dass der 

Gemeindevorstand gemäss Art. 21 KRVO verpflichtet sei, eine Anpassung des 

Baulinienplanes vorzunehmen. Es sei nicht bestritten, dass sich die 

Verhältnisse seit dem Jahre 1978 im Bereiche der Via … erheblich verändert 

hätten. Heute bestünden veränderte Rahmenbedingungen (z.B. Zone Tempo 

30, keine Parkplätze mehr). Der Baulinienplan sei zudem in den letzten 33 

Jahren nur gerade bei drei Bauten umgesetzt worden. Diese Umsetzung zeige 

auf, dass er seine ursprünglich vorgesehene Wirkung nie entfalten konnte. Die 

Beschwerdeführerin stellte sodann beim Verwaltungsgericht die 

Rechtsbegehren um Aufhebung des angefochtenen Entscheids und 

Aufhebung, eventuell Anpassung, der Arkadenbaulinie aus dem Jahre 1978 

im Bereiche der Parzelle 20. Eventuell sei der angefochtene Entscheid 

aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen.

3. a) Bei der Erdgeschossbaulinie bergseits der Via … in … handelt es sich um 

eine eigenständige Baulinie gemäss Art. 57 Abs. 2 KRG. Das Verfahren zu 

deren Änderung richtet sich sinngemäss nach den Vorschriften über das 

Quartierplanverfahren (Art. 57 KRG und Art. 16 ff. KRVO). Dies bedeutet 

zunächst, dass auf den Antrag Ziffer 1 der Beschwerdeführerin, was das 

Begehren um Aufhebung oder Anpassung der Arkadenbaulinie im Bereich der 

Parzelle 20 anbetrifft, nicht eingetreten werden kann. Diesbezüglich hätte 

zuerst bei der Gemeinde ein Antrag auf Einleitung des entsprechenden 

Verfahrens (Art. 57 Abs. 2 KRG) gestellt werden müssen.

b) Gemäss Art. 21 KRVO werden Quartierpläne – und damit auch eigenständige 

Baulinien – von Amtes wegen oder auf Antrag überprüft und nötigenfalls 

angepasst, wenn sich die Verhältnisse seit dem Erlass erheblich geändert 

haben. Eine Anpassung ist insbesondere vorzunehmen, wenn ein noch nicht 

ausgeführter Quartierplan – respektive eine noch nicht ausgeführte Baulinie – 

geänderten Vorschriften der Grundordnung nicht mehr entspricht. Aufgrund 

des am 19. Januar 2012 durchgeführten Augenscheins in der Via … konnte 

sich das Gericht von den massgeblichen Verhältnissen vor Ort überzeugen. 

Die dort getroffenen Erkenntnisse erübrigen die Edition von weiteren 

Unterlagen, wie von der Beschwerdeführerin verlangt.

c) Zunächst kann festgehalten werden, dass die Erdgeschossbaulinie nicht als 

"nicht ausgeführt" im Sinne von Art. 21 Abs. 1 KRVO gelten kann. Es wird 

ferner auch nicht geltend gemacht, dass die Baulinie geänderten Vorschriften 

der Grundordnung nicht mehr entspricht. Diesbezüglich besteht jedenfalls 

keine Veranlassung zur Änderung. Zudem ist klar, dass, falls sich 

Verhältnisse seit dem Erlass eines Baulinienplans erheblich ändern, dies – 

nach ordentlicher Einleitung der Quartierplanung – Quartierplanbeteiligten 

lediglich einen Anspruch auf Überprüfung des Baulinienplans gibt. Es kann 

dann aber immer noch sein, dass eine Anpassung nicht erfolgt, wenn es gute 

Gründe für die Beibehaltung von Baulinien gibt. Zusammenfassend kann 

festgehalten werden, dass zum einen vorliegend kein Einleitungsverfahren 

durchgeführt wurde und zum anderen die Gemeinde gute Gründe bezüglich 

der Beibehaltung der Erdgeschossbaulinie an der Via … geltend macht. Das 

Gericht konnte sich von diesen am 19. Januar 2012 während des 45-

minütigen Augenscheins in der Via … und am … überzeugen. Unweigerlich 

kommt der Gemeinde sodann für die Entscheidung, ob sie die Baulinie 

aufheben oder belassen will, ein grosser Ermessensspielraum zu. In 

Würdigung dieser Tatsachen ist festzuhalten, dass der abweisende Entscheid 

des Gemeindevorstandes vom 15. August 2011 betreffend den Antrag zur 

lokalen Aufhebung bzw. Anpassung der Arkadenbaulinie aus dem Jahr 1978  

nicht zu beanstanden ist.

4. Angesichts der Tatsache, dass die Gemeinde schon früh zu erkennen gab, 

dass sie die Nichtbeachtung der Erdgeschossbaulinie nicht tolerieren werde 

respektive sie diese nicht aufheben werde, kann die Beschwerdeführerin auch 

keinen Anspruch auf Aufhebung oder Änderung der Baulinie aus dem Gebot 

von Treu und Glauben ableiten. Ferner kommt dem geltend gemachten 

Anspruch der Beschwerdeführerin auf Gleichbehandlung im vorliegenden Fall 

sicherlich nur abgeschwächte Bedeutung zu. Die von der Beschwerdeführerin 

herangezogenen Sachverhalte sind grundsätzlich nicht gleichgelagert – aber 

auch wenn dies zuträfe und darüber hinaus die Annahme getroffen würde, die 

Aufhebung bzw. Anpassung von Baulinien am … sei in rechtswidriger Weise 

erfolgt, so könnte die Beschwerdeführerin daraus noch immer nicht einen 

Anspruch auf Gleichbehandlung (im Unrecht) ableiten – von einer eigentlichen 

Praxis der Gemeinde bezüglich der Aufhebung von Baulinien kann nämlich 

vorliegend nicht ausgegangen werden (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix 

Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N 518 ff.).

5. Die Beschwerde ist somit abzuweisen soweit darauf eingetreten worden ist. 

Die Gemeinde hat gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG keinen Anspruch auf eine 

aussergerichtliche Parteientschädigung.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 266.--

zusammen Fr. 3'266.--

gehen zulasten der … Hotel AG und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.