# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70fddb3d-7da8-524c-914b-6397a7da1b04
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.01.2012 D-6703/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6703-2011_2012-01-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­6703/2011

U r t e i l   v om   3 1 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli,
mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;  
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

Parteien A._______, geboren am (…),
Eritrea,
c/o schweizerische Vertretung in Khartoum
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;
Verfügung des BFM vom 7. November 2011 / N _______.

D­6703/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  der  Beschwerdeführer  am  6.  Februar  2011  (Posteingang  der 
Schweizer Vertretung in Khartoum) ein Asylgesuch stellte,

dass  er  darin  im Wesentlichen  vorbrachte,  er  stamme  aus  Eritrea  und 
halte sich gegenwärtig im Sudan auf, 

dass  er  nach  dem  militärischen  Training  im  Jahr  2003  am  Institut  für 
Krankenpflege und Gesundheitstechnologie B._______ im Jahr 2007 das 
Diplom  für  Radiologie  gemacht  und  danach  weiterhin  im  Rahmen  des 
Nationalen Dienstes im C._______ Spital gearbeitet habe,

dass  er  wegen  des  geringen  Verdienstes  desertiert  sei  und  sich  am 
21. Februar 2010 von D._______ aus Richtung Sudan begeben habe, wo 
er drei Tage später angekommen sei,

dass er dort vom UNHCR registriert und  ins Flüchtlingslager E._______ 
transferiert worden sei, 

dass  er  nach  zwei Monaten wegen  den misslichen  Zuständen  und  aus 
Angst vor einer Entführung nach F._______ gegangen sei, wo ihn seine 
Verlobte unterstützt habe, da er selber keine Arbeit habe finden können,

dass  er  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  seinen  Flüchtlingsausweis  des 
UNHCR  in  Kopie  sowie  seine  Zeugnisse  vom  Institut  und  sein  Diplom 
zum Radiologen in Kopie zu den Akten reichte,

dass dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 14. Juni 2011 mitgeteilt 
wurde,  es  sei  der  Schweizer  Vertretung  in  Khartoum  unter 
kapazitätsmässigen  Aspekten  sowie  aufgrund  fehlender 
Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht 
möglich,  eine  Befragung  vor  Ort  durchzuführen,  weshalb  von  einer 
solchen abgesehen werden müsse,

dass das BFM dem Beschwerdeführer gleichzeitig die Gelegenheit gab, 
bis  zum  14.  Juli  2011  zur  Vervollständigung  des  Sachverhalts mehrere 
konkrete Fragen zu beantworten,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  7.  Juli  2011 
(Eingangsstempel  der  Schweizer  Vertretung  in  Khartoum)  eine 
entsprechende Stellungnahme zu den Akten reichte,

D­6703/2011

Seite 3

dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung 
vom  7.  November  2011  ablehnte  und  ihm  die  Einreise  in  die  Schweiz 
verweigerte,

dass das BFM zur Begründung  im Wesentlichen anführte, aufgrund des 
vollständig erstellten Sachverhalts könne davon ausgegangen werden, es 
liege keine unmittelbar Gefährdung vor, welche die sofortige Einreise des 
Beschwerdeführers als notwendig erscheinen lassen würde,

dass  zwar aufgrund der Akten  zu  schliessen  sei,  der Beschwerdeführer 
habe  in  Eritrea  asylbeachtliche  Schwierigkeiten  mit  den  heimatlichen 
Behörden gehabt, 

dass der Beschwerdeführer jedoch im Sudan vom UNHCR als Flüchtling 
registriert  sei  und  vorliegend  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür 
vorlägen,  ein  weiterer  Verbleib  des  Beschwerdeführers  im  Sudan  sei 
nicht zumutbar oder nicht möglich,

dass  das  BFM  die  Befürchtung  des  Beschwerdeführers,  nach  Eritrea 
verschleppt zu werden, als unbegründet erachte,

dass  das  BFM  namentlich mit  der  Schweizer  Botschaft  im  Sudan  über 
sehr  gute  Informationen  über  die  Lage  vor  Ort  verfüge,  und  gemäss 
gesicherten  Erkenntnissen  das  Risiko  einer  Deportation  oder  einer 
Verschleppung  für  Eritreer,  die  im  Sudan  vom  UNHCR  als  Flüchtlinge 
anerkannt seien, gering sei,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  vergleichbaren  Fällen  bezüglich 
der  Situation  eritreischer  Flüchtlinge  und  Asylsuchender  im  Sudan  zum 
Schluss gekommen sei, es komme teilweise zur Deportierung eritreischer 
Asylsuchender  und  Flüchtlinge  durch  die  sudanesischen  Behörden,  die 
Rückführungen würden aber nicht flächendeckend erfolgen, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  vorinstanzlichen  Ablehnungen 
von  Asylgesuchen  aus  dem  Sudan  bestätige  und  die  Beschwerden  als 
offensichtlich  unbegründet  abweise  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgericht  D­2047/2010  vom  29.  April  2010  sowie  D­
7225/2010 vom 14. Februar 2011),

dass  die  vom  UNHCR  registrierten  Flüchtlinge  im  Sudan  einem 
Flüchtlingslager zugeteilt würden, wo sie sich aufzuhalten hätten und wo 
sie die nötige Versorgung erhielten,

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Seite 4

dass Flüchtlinge im Sudan demnach nicht über ein freies Aufenthaltsrecht 
für  das  ganze  Land  verfügten,  ihnen  aber  zuzumuten  sei,  in  das  ihnen 
zugewiesene Flüchtlingslager zurückzukehren,

dass  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  entschieden  habe,  für 
somalische  Flüchtlinge  sei  der  Aufenthalt  in  äthiopischen 
Flüchtlingslagern  grundsätzlich  zumutbar  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­145/2010  vom  11.  Februar  2010),  und 
diese Schlussfolgerung auch für Flüchtlinge im Sudan gelten müsse, weil 
diesen  den  gleichen  Aufenthaltspflichten  unterstünden  wie  Flüchtlinge 
aus Äthiopien,

dass der Beschwerdeführer nach dem Gesagten den subsidiären Schutz 
der  Schweiz  nicht  benötige  und  es  ihm  zuzumuten  sei,  weiterhin  im 
Sudan zu bleiben,

dass  für die weitere Begründung der vorinstanzlichen Verfügung auf die 
Akten zu verweisen ist,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  5.  Dezember  2011 
(Eingangsstempel der Schweizer Vertretung  in Khartoum) gegen diesen 
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei 
sinngemäss beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 
es sei ihm die Einreise in die Schweiz zu gewähren,

dass  er  auf  Beschwerdeebene  erstmals  geltend  machte,  er  sei  wegen 
seines christlichen Glaubens im Sudan benachteiligt,

dass er auf einen in Deutschland lebenden Verwandten verwies, dessen 
E­Mail­Adresse  sowie  dessen  Telefonnummer  angab  und  sinngemäss 
geltend  machte,  dieser  könne  ihn  vertreten  und  allenfalls  finanziell 
unterstützen,

dass auf den Inhalt der Beschwerde, soweit entscheidwesentlich,  in den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,

und zieht in Erwägung,

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Seite 5

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme in casu nicht vorliegt,

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 
111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

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Seite 6

dass es nicht Sache des Bundesverwaltungsgerichts ist, die Postadresse 
des  angeblich  in  Deutschland  lebenden  Verwandten  des 
Beschwerdeführers ausfindig zu machen,

dass  zudem  aus  den  Akten  kein  Vertretungsverhältnis  zwischen  dem 
Beschwerdeführer und seinem angeblichen Verwandten hervorgeht,

dass  deshalb  das  vorliegende Urteil  dem Beschwerdeführer  zuzustellen 
ist,

dass  das  Bundesamt  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen 
kann, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen 
kann, oder  ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann 
(Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG),

dass  das  Bundesamt  Asylsuchenden  die  Einreise  in  die  Schweiz  zur 
Abklärung  des  Sachverhalts  bewilligt,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein 
anderes Land auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG),

dass  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  der  Einreisebewilligung 
grundsätzlich  restriktiv  zu  handhaben  sind,  wobei  den  Behörden  ein 
weiter  Ermessensspielraum  zukommt,  indem  neben  der  erforderlichen 
Gefährdung  im Sinne  von Art.  3 AsylG  namentlich  die Beziehungsnähe 
zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen 
Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische 
Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche 
sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmöglichkeiten  in Betracht  zu ziehen sind  (vgl. die weiterhin 
gültige Praxis gemäss EMARK 1997 Nr. 15,  insbes. S. 131  ff., 2005 Nr. 
19 E. 4 S. 174 ff.),

dass der Beschwerdeführer den Akten zufolge in Eritrea desertiert ist und 
sich in der Folge in den Sudan begeben hat,

dass  daher  nicht  auszuschliessen  ist,  er wäre  bei  einer Rückkehr  nach 
Eritrea  einer  asyl­  respektive  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Gefährdung 
ausgesetzt,

dass  er  sich  jedoch  eigenen  Aussagen  zufolge  seit  Februar  2010  im 
Sudan aufhält, wo er vom UNHCR als Flüchtling registriert wurde,

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dass  die  Situation  für  eritreische  Flüchtlinge  im  Sudan 
anerkanntermassen  generell  schwierig  ist  (vgl.  die  Auskunft  der  SFH­
Länderanalyse vom 16. Juni 2011 betreffend Familiennachzug über den 
Sudan in die Schweiz),

dass  seitens  des  Beschwerdeführers  indessen  lediglich  Befürchtungen 
und  Behelligungen  geltend  gemachten  werden,  die  asylrechtlich  nicht 
relevant sind,

dass  demnach  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  der 
Beschwerdeführer  sei  im  Sudan  aktuell  von  konkreter  Gewalt  betroffen 
oder  habe  eine  unmittelbar  drohende  Deportation  nach  Eritrea  zu 
befürchten,

dass  es  ihm  ohne weiteres  zuzumuten  ist,  sich wieder  in  das  ihm  vom 
UNHCR zugewiesene Flüchtlingscamp zu begeben, sollte er den von ihm 
selbst gewählten Aufenthaltsort in F._______ als untragbar erachten,

dass  der  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  ausserhalb  eines 
Flüchtlingscamps  im  Übrigen  auf  eine  gewisse  Selbstständigkeit 
seinerseits  hinweist  und  zudem  darauf  schliessen  lässt,  er  verfüge  im 
Sudan durchaus über ein gewisses Beziehungsnetz,

dass insbesondere in F._______ eine grosse eritreische Diaspora besteht 
und  der  Beschwerdeführer  bei  Bedarf  diese  Gemeinschaft  um  Hilfe 
angehen könnte,

dass  er  darüber  hinaus,  seinen  eigenen  Aussagen  zufolge,  von  seiner 
Verlobten finanziell unterstützt wird,

dass  dem  Beschwerdeführer  somit  der  weitere  Verbleib  im  Sudan 
zuzumuten  ist  und  ihm  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Einreise  in  die 
Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt hat,

dass  die  angefochtene  Verfügung  demnach  Bundesrecht  nicht  verletzt, 
den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und 
angemessen  ist  (Art.  106 AsylG), weshalb  die Beschwerde  abzuweisen 
ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des Verfahrens  dessen Kosten  grundsätzlich 
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (art. 63 Abs. 1 VwVG),

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Seite 8

dass  indessen  aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  in  Anwendung 
von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist. 

(Dispositiv nächste Seite)

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die Schweizer 
Vertretung in Khartoum.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

Versand: