# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ead9d313-28cc-552b-8777-180fd5386b4a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.08.2008 A-1572/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1572-2006_2008-08-21.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1572/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 
Richterin Salome Zimmermann, 
Richter Thomas Stadelmann, 
Gerichtsschreiberin Jeannine Müller.

X._______, 
vertreten durch Y._______ AG, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (1. Quartal 1998 - 4. Quartal 2000).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1572/2006

Sachverhalt:

A.
X._______ (Steuerpflichtige) betrieb bis 30. Juni 1999 das Erotikstudio 
"A._______"  in  ...  und  ab  dem  1.  Oktober  1999  das  Erotikstudio 
"B._______" in ... . Am 30. April 2003 führte die Eidgenössische Steu-
erverwaltung (ESTV) bei ihr bzw. bei ihrer Treuhänderin eine Kontrolle 
durch. Gestützt auf deren Ergebnis trug die Verwaltung sie rückwirkend 
per 1. Januar 1998 ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen ein (Lö-
schung per 30. September 2001). Zudem erhob sie mit  Ergänzungs-
abrechnung (EA) Nr. ... vom 30. April 2003 für die Zeit vom 1. Januar 
1998  bis  31.  Dezember  2000  (1. Quartal  1998  bis  4. Quartal  2000) 
eine Steuernachforderung von Fr. 92'200.--, zuzüglich Verzugszins. Die 
Nachforderung  umfasste  einerseits  die  bislang  nicht  entrichtete 
Mehrwertsteuer auf den verbuchten bzw. für das Jahr 1998 mangels 
Buchhaltung  geschätzten  Umsätzen  im  Umfang  von  Fr.  44'007.10 
sowie  die  Steuer  auf  dem  Verkauf  der  Einrichtungen  des  Studios 
"A._______"  am  2.  August  1999  in  der  Höhe  von  Fr. 4'186.05.  Die 
übrigen Fr. 44'007.10 resultierten aus dem Vorhalt, die Steuerpflichtige 
habe nicht nur die Umsätze aus den selbst erbrachten Dienstleistun-
gen, sondern auch das Entgelt, welches die in den Studios tätigen Da-
men erzielten, in die Steuerbemessungsgrundlage fliessen zu lassen. 
Mit Gutschriftsanzeige (GS) Nr. ... vom 30. Juli 2003 schrieb die ESTV 
der  Steuerpflichtigen  aufgrund  der  eingereichten  Unterlagen  anre-
chenbare Vorsteuern im Umfang von Fr. 10'029.-- gut. Per Saldo ergab 
sich daraus eine Steuerschuld von insgesamt Fr. 82'171.--.

B.
Am 28. August 2003 erliess die ESTV einen Entscheid und bestätigte 
ihre Steuernachforderung von Fr. 82'171.--. Mit Eingabe vom 29. Sep-
tember 2003 liess die Steuerpflichtige Einsprache erheben und bean-
tragen,  die  Nachforderung  um Fr. 44'007.10  zu  reduzieren.  Zur  Be-
gründung trug sie im Wesentlichen vor, der Umsatz, den die Prostitu-
ierten erzielten, dürfe nicht ihr zugeordnet werden. Die Frauen seien 
als selbständigerwerbend zu betrachten. 

C.
Mit  Einspracheentscheid  vom 27. Februar  2006 hielt  die  ESTV fest, 
der  Entscheid  vom  28.  August  2003  sei  für  den  Betrag  von 
Fr. 38'163.90 (Fr. 48'192.90 gemäss EA Nr. ... abzüglich Fr. 10'029.-- 
gemäss GS Nr. ...), zuzüglich Verzugszins, in Rechtskraft erwachsen, 

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und wies die Einsprache ab. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen 
dafür, die in den Salons mitarbeitenden Damen seien mehrwertsteuer-
rechtlich nicht  als selbständig zu betrachten mit  der Folge,  dass die 
durch diese Frauen erzielten Umsätze als Umsätze der Steuerpflichti-
gen zu qualifizieren seien.

D.
Am 31. März 2006 lässt X._______ (Beschwerdeführerin) bei der Eid-
genössischen  Steuerrekurskommission  (SRK)  Beschwerde  erheben 
und die Aufhebung der EA Nr. ... beantragen. Eventualiter sei auf die 
Steuernachbelastung gemäss Ziff. 4 der genannten EA zu verzichten 
und der Steuerbetrag entsprechend zu reduzieren. 

Mit Vernehmlassung vom 30. Juni 2006 schliesst die ESTV auf kosten-
fällige Abweisung der Beschwerde.

E.
Am 7. Februar  2007 teilt  das  Bundesverwaltungsgericht  den Verfah-
rensbeteiligten mit, es habe das vorliegende Verfahren zuständigkeits-
halber übernommen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis  zum 31. Dezember  2006 konnten  Einspracheentscheide der 
ESTV auf dem Gebiet der Mehrwertsteuer nach Art. 44 ff. des Bundes-
gesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) innert 30 Tagen nach Eröffnung mit Beschwerde 
bei der SRK angefochten werden (aArt. 65 des Bundesgesetzes vom 
2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.201], 
in der Fassung vom 1. Januar 2001 [AS 2000 1300]; aufgehoben per 
31. Dezember  2006).  Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  so-
fern es zuständig ist,  die Ende 2006 bei  der SRK hängigen Rechts-
mittel. Die Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (Art. 53 des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 über das Bundesverwaltungsge-
richt  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR 172.32]).  Das  Verfahren 
richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt 
(Art. 37 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der 
Beschwerde  sachlich  wie  funktionell  zuständig  (Art. 31,  32  und  33 

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Bst. d  VGG). Auf  die  im  Übrigen  form-  und  fristgerecht  eingereichte 
Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Der zu beurteilende Sachverhalt verwirklichte sich in den Jahren 
1998 bis 2000. Die Bestimmungen der Verordnung vom 22. Juni 1994 
über die Mehrwertsteuer (MWSTV, AS 1994 1464) bleiben im vorlie-
genden Fall anwendbar (Art. 93 und 94 MWSTG).

1.3

1.3.1 Unter  dem  Anfechtungs-  oder  Beschwerdeobjekt  ist  der  Ge-
genstand des Anfechtungsverfahrens, d. h. der angefochtene Akt der 
Verwaltung,  zu  verstehen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1391/2006 vom 16. Januar 2008 E. 1.4.1 mit  Hinweisen). Streitge-
genstand  vor  Bundesverwaltungsgericht  bildet  das  Rechtsverhältnis, 
das  Gegenstand  der  angefochtenen  Verfügung  bildet,  soweit  es  im 
Streit liegt (Urteil des Bundesgerichts 2A.121/2004 vom 16. März 2005 
E. 2.1). Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann ferner nur sein, 
was Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens war oder nach rich-
tiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen (Urteil  des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1368/2006 vom 12. Dezember 2007 E. 1.3). 

1.3.2 Im Hauptbegehren beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhe-
bung der EA Nr. ... vom 30. April 2004. 

Vorab ist  festzuhalten,  dass eine EA grundsätzlich nie formelles An-
fechtungsobjekt eines Rechtsmittelverfahrens darstellen kann, sondern 
lediglich der förmliche Entscheid (unter Einschluss der zugrunde lie-
genden EA) bzw. der allenfalls folgende Einspracheentscheid (vgl. ALO-
IS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER,  Handbuch zum Mehr-
wertsteuergesetz [MWSTG], Bern 2003, 2. Aufl., Rz. 1678). Ungeach-
tet dessen wird aufgrund der Beschwerdebegründung indes klar, dass 
die Beschwerdeführerin von vornherein nur einzelne Positionen der mit 
der erwähnten EA vorgenommenen Steuernachforderungen beanstan-
det: Soweit die ESTV die Mehrwertsteuer auf den Umsätzen, welche 
die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer eigenen Tätigkeit als Sexarbei-
terin erzielte, nachgefordert hat, wird dies – wie bereits im Einsprache-
verfahren – in keiner Weise bestritten. Dieser Punkt liegt demnach – 
entgegen der Formulierung des Hauptbegehrens – nicht im Streit. 

Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  jedoch  die  Rechtmässigkeit  der 
Steuernachforderung im Zusammenhang mit den Beträgen, welche die 

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übrigen  Sexarbeiterinnen für  die  Infrastrukturbenützung etc. abzulie-
fern haben (in Ziff. 1 und 2 der EA betreffend die Nachforderung der 
bislang nicht entrichteten Mehrwertsteuer auf den verbuchten bzw. für 
das Jahr 1998 mangels Buchhaltung geschätzten Umsätzen im Um-
fang von insgesamt Fr. 44'007.10 enthalten), sowie der Nachforderung 
hinsichtlich des Verkaufs der Einrichtungen des Studios "A._______" 
vom 2. August 1999 im Umfang von Fr. 4'186.05 (Ziff. 3 der EA, "Be-
triebsmittelverkauf"). Aus den Akten geht hervor, dass diese Rügen im 
Beschwerdeverfahren  erstmals  vorgebracht  werden.  In  der  Stellung-
nahme an die ESTV vom 10. Juli 2003 wurden diese Nachbelastungen 
jedenfalls  nicht  beanstandet  bzw. sogar weitgehend ausdrücklich ak-
zeptiert. Auch in der Einsprache vom 29. September 2003 bestritt die 
Beschwerdeführerin diese Nachbelastungen nicht; vielmehr führte sie 
Folgendes aus: "Den Ausführungen im angefochtenen Entscheid vom 
28. August 2003 betreffend die Ziff. 1 bis 3 der EA Nr. ... stimmen wir 
hiermit  zu."  Mangels  Anfechtung der  vorgenannten Steuernachforde-
rungen im vorinstanzlichen Verfahren gehören diese Fragen demnach 
nicht (mehr) zum Streitgegenstand. In dieser Hinsicht ist die Nachbe-
lastung  in  Rechtskraft  erwachsen  und  kann  auf  die  Beschwerde 
folglich nicht eingetreten werden (vgl. hierzu BGE 131 V 407 E. 2.2.1, 
BGE 119 V 347 E. 1b). 

Streitgegenstand bildet aufgrund der vorstehenden Darstellungen ein-
zig die – grundsätzliche und betragsmässige – Aufrechnung der Mehr-
wertsteuer  auf  den  Umsätzen,  welche  die  übrigen  Damen  in  den 
Erotikstudios  der  Beschwerdeführerin  aus  der  Erbringung  sexueller 
Dienstleistungen erzielt haben. 

2.

2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen u.a. die im Inland gegen Entgelt 
erbrachten  Lieferungen  von  Gegenständen  und  Dienstleistungen 
(Art. 4 Bst. a und b MWSTV). Als Dienstleistung gilt jede Leistung, die 
keine Lieferung eines Gegenstandes ist (Art. 6 Abs. 1 MWSTV).

2.2 Steuerpflichtig  ist,  wer  eine  mit  der  Erzielung  von  Einnahmen 
verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt, 
auch wenn die Gewinnabsicht fehlt, sofern seine Leistungen im Inland 
jährlich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen (Art. 17 Abs. 1 MWSTV). 
Steuerpflichtig  sind  insbesondere  natürliche  Personen,  Personenge-
sellschaften,  juristische  Personen  des  privaten  und  öffentlichen 
Rechts,  unselbständige öffentliche Anstalten sowie Personengesamt-

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heiten ohne Rechtsfähigkeit,  die  unter  gemeinsamer Firma Umsätze 
tätigen (Art. 17 Abs. 2 MWSTV).

Wichtige Kriterien für die erforderliche Selbständigkeit sind beispiels-
weise, dass die steuerbare Tätigkeit im eigenen Namen, auf eigenes 
wirtschaftliches  und  unternehmerisches  Risiko,  in  betriebswirtschaft-
licher  oder  arbeitsorganisatorischer  Unabhängigkeit  von  einem  Ar-
beitgeber  erbracht  wird  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesgerichts 
2C_518/2007 /  2C_519/2007 vom 11. März 2008 E. 2.2,  2A.47/2006 
vom 6. Juli 2006 E. 3, vom 27. Oktober 2000, veröffentlicht in Revue 
de  Droit  Administratif  et  de  Droit  Fiscal  [RDAF]  2001  II  56  und  in 
Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 71 S. 653 f.; Entschei-
de der SRK vom 21. Februar 2000, veröffentlicht in Verwaltungspraxis 
der Bundesbehörden [VPB] 64.113 E. 3a, vom 23. März 1999, veröf-
fentlicht in VPB 63.91 E. 3b). Ob der Leistungserbringer selbständig im 
mehrwertsteuerlichen Sinn handelt, ist aber aufgrund der Gesamtheit 
der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  zu  beurteilen.  Angesichts  des  We-
sens der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer ist der Selb-
ständigkeitsbegriff  eher  weit  auszulegen  (Urteil  des  Bundesverwal-
tungsgerichts A-1580/2006 vom 16. Mai 2007 E. 2.2; vgl. DANIEL RIEDO, 
Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und 
von  den  entsprechenden  Wirkungen  auf  das  schweizerische  Recht, 
Bern 1999, S. 115, 175).

Die Frage, ob ein Unternehmer im eigenen Namen auftritt oder nicht, 
ist aber nicht nur für den Tatbestand der Selbständigkeit massgeblich, 
sondern  nach  konstanter  Rechtsprechung  auch  dafür,  ob  der  Un-
ternehmer  überhaupt  als  mehrwertsteuerlicher  Leistungserbringer 
oder -empfänger zu gelten hat. Denn das Handeln wird grundsätzlich 
demjenigen  mehrwertsteuerlich  zugerechnet,  der  nach  aussen,  ge-
genüber Dritten im eigenen Namen auftritt  (Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1341/2006 vom 7. März 2007 E. 2.3.1; Entscheide der 
SRK vom 4. Dezember 2003, veröffentlicht in VPB 68.71 E. 2b, vom 
15. November 2002, veröffentlicht in VPB 67.50 E. 2b, vom 21. Januar 
1997, veröffentlicht in VPB 64.46 E. 3a und b).

In wessen Namen aufgetreten wird, ist ferner von zentraler Bedeutung 
beim  mehrwertsteuerlichen  Stellvertretungstatbestand  von  Art. 10 
MWSTV. Denn als blosser Vermittler einer Leistung gilt nur, wer diese 
ausdrücklich im Namen und für  Rechnung des Vertretenen tätigt,  so 
dass das Umsatzgeschäft direkt zwischen dem Vertretenen und dem 

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Dritten zustande kommt (Abs. 1). Handelt bei einer Leistung der Vertre-
ter zwar für fremde Rechnung, tritt  er aber nicht ausdrücklich im Na-
men des Vertretenen auf,  so liegt  sowohl zwischen dem Vertretenen 
und dem Vertreter als auch zwischen dem Vertreter und dem Dritten 
eine mehrwertsteuerliche Leistung vor (Abs. 2).

2.3 Die Steuer wird vom Entgelt berechnet. Dazu gehört alles, was der 
Leistungsempfänger oder ein Dritter für ihn als Gegenleistung für die 
Leistung aufwendet. Die Gegenleistung umfasst auch den Ersatz aller 
Kosten,  selbst  wenn  diese  gesondert  in  Rechnung  gestellt  werden 
(Art. 26 Abs. 1 und 2 MWSTV).

2.4 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in 
erster Linie aus einer zivil-,  sprich vertragsrechtlichen Sicht, sondern 
nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien  zu  erfolgen  (Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.304/2003  vom  14.  November  2003  E.  3.6.1,  mit 
Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1434/2006  vom 
14.  Mai  2007  E. 2.3;  Entscheide  der  SRK  vom  5.  Juli  2005,  veröf-
fentlicht in VPB 70.7 E. 2a, vom 18. November 2002, veröffentlicht in 
VPB 67.49 E. 3c/aa; ausführlich: RIEDO, a.a.O., S. 112).

2.5

2.5.1 Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt 
nach  dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art. 37 f.  MWSTV;  vgl.  ERNST 
BLUMENSTEIN/PETER LOCHER,  System des  schweizerischen  Steuerrechts, 
6. Aufl.,  Zürich  2002,  S. 421 ff.). Der  Steuerpflichtige  hat  selbst  und 
unaufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und 
innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode den ge-
schuldeten Mehrwertsteuerbetrag (Steuer vom Umsatz abzüglich Vor-
steuern)  an  die  ESTV  abzuliefern.  Das  Selbstveranlagungsprinzip 
bedeutet auch, dass der Leistungserbringer selbst für die Feststellung 
der Mehrwertsteuerpflicht verantwortlich ist  (vgl. Urteile des Bundes-
gerichts  2A.109/2005  vom  10.  März  2006  E. 2.1,  2A.304/2003  vom 
14. November 2003 E. 3.5; Entscheid der SRK vom 16. Juni 2004, ver-
öffentlicht in VPB 68.157 E. 2b/aa mit Hinweisen; Urteil  des Bundes-
verwaltungsgerichts A-1429/2006 vom 29. August 2007 E. 2.1 mit Hin-
weisen).  Die  Verwaltung  ermittelt  die  Höhe  des  geschuldeten  Mehr-
wertsteuerbetrags nur dann an Stelle des Steuerpflichtigen, wenn die-
ser seinen Pflichten nicht nachkommt (Art. 48 MWSTV; vgl. CAMENZIND/

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HONAUER/VALLENDER,  a.a.O.,  S.  569 ff.).  Ein  Verstoss  des  Steuerpflich-
tigen gegen diesen Grundsatz ist als schwerwiegend anzusehen, da er 
durch die Nichtbeachtung die ordnungsgemässe Erhebung der Mehr-
wertsteuer gefährdet (vgl. Entscheid der SRK vom 19. Mai 2004, ver-
öffentlicht in VPB 68.131 E. 2b; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1531/2006 vom 10. Januar  2008 E. 2.2,  A-1397/2006 vom 19. Juli 
2007 E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen).

2.5.2 Der  Mehrwertsteuerpflichtige  hat  seine  Geschäftsbücher  ord-
nungsgemäss zu führen und so einzurichten, dass sich aus ihnen die 
für  die  Feststellung  der  Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die  Berech-
nung  der  Steuer  und  der  abziehbaren  Vorsteuern  massgebenden 
Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen  (Art. 47  Abs. 1 
MWSTV). Die ESTV kann hierüber nähere Bestimmungen aufstellen. 
Von dieser Befugnis hat sie mit dem Erlass der Wegleitung für Mehr-
wertsteuerpflichtige  (vom  Herbst  1994  [Wegleitung  1994]  und  der 
Wegleitung  1997  für  Mehrwertsteuerpflichtige  (vom  Frühling  1997 
[Wegleitung 1997]) Gebrauch gemacht. Darin sind genauere Angaben 
enthalten,  wie  eine derartige  Buchhaltung auszugestalten  ist.  Insbe-
sondere  müssen  alle  Geschäftsfälle  fortlaufend,  chronologisch  und 
lückenlos aufgezeichnet werden (Wegleitung 1994, Rz. 870 ff., Weglei-
tung 1997, Rz. 874; vgl. zu den Anforderungen an die Aufzeichnungs-
pflicht  ferner:  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.693/2006  vom  26.  Juli 
2007 E. 3.1; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1550/2006 vom 
16.  Mai  2008  E.  2.2,  A-1527/2007  vom  6.  März  2008  E.  2.2, 
A-1531/2006  vom 10.  Januar  2008  E.  2.3;  Entscheid  der  SRK  vom 
24. Oktober 2002, veröffentlicht in ASA 73 S. 233 E. 2c.aa, mit Hinwei-
sen).

2.5.3 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor, oder 
stimmen  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen  Sach-
verhalt offensichtlich nicht überein, so nimmt die ESTV eine Schätzung 
nach  pflichtgemässem  Ermessen  vor  (Art. 48  MWSTV).  Die  Ermes-
sensveranlagung  wird  unabhängig  von  den  Ursachen  vorgenommen 
und hat keinen Strafcharakter, sondern ist lediglich ein Mittel  zur Er-
reichung einer  vollständigen und richtigen Veranlagung (UELI MAUSER, 
mwst.com,  Kommentar  zum Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer, 
Basel 2000, N. 3 Art. 60). Gegebenenfalls hat die Verwaltung diejenige 
Schätzungsmethode zu wählen, die den individuellen Verhältnissen im 
Betrieb der Steuerpflichtigen soweit  als möglich Rechnung trägt,  auf 
plausiblen Angaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situa-

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tion möglichst nahe kommt (Urteile des Bundesgerichts 2C_426/2007 
vom  22. November  2007  E. 3.2,  2A.253/2005  vom  3. Februar  2006 
E. 4.1; Entscheid der SRK vom 24. Oktober 2005, veröffentlicht in VPB 
70.41  E. 2d.aa;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1397/2006 
vom 19. Juli  2007 E. 2.4). In Betracht fallen einerseits Methoden, die 
auf eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buchhal-
tung  hinauslaufen,  andererseits  Umsatzschätzungen  aufgrund  unbe-
strittener  Teil-Rechnungsergebnisse  in  Verbindung  mit  Erfahrungs-
sätzen.  Die  Anwendung  von  Erfahrungszahlen  kommt  namentlich  in 
Betracht,  wenn  die  Lohnsumme unbestritten  feststellbar  ist.  Bei  der 
Anwendung von Erfahrungszahlen ist  allerdings deren Streubreite zu 
beachten, wenn eine den individuellen Verhältnissen gerecht werden-
de  Schätzung  erfolgen  soll  (Urteile  des  Bundesgerichts  vom 4. Mai 
1983,  veröffentlicht  in  ASA 52 S. 234 E. 4,  vom 31. März 1983,  ver-
öffentlicht in ASA 50 S. 669 E. 2; Entscheid der SRK vom 24. Oktober 
2005, veröffentlicht in VPB 70.41 E. 2d.aa und E. 4e.bb.aaa; vgl. zum 
Ganzen  auch  PASCAL MOLLARD,  TVA  et  taxation  par  estimation,  ver-
öffentlicht in ASA 69 S. 526 ff.; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 2.3, A-1397/2007 vom 19. Juli 2007 
E. 2.4). Die brauchbaren Teile der Buchhaltung und allenfalls vorhan-
dene  Belege  sind  soweit  als  möglich  bei  der  Schätzung  mitzube-
rücksichtigen.  Sie  können  durchaus  als  Basiswerte  der  Ermessens-
taxation  fungieren  (vgl.  HANS GERBER,  Die  Steuerschätzung  [Veranla-
gung nach Ermessen], in Steuer Revue [StR] 1980, S. 307).

2.5.4 Ob  die  Voraussetzungen  für  die  Vornahme  einer  Ermessens-
veranlagung  gegeben  sind,  überprüft  das  Bundesverwaltungsgericht 
uneingeschränkt; es auferlegt sich allerdings bei der Überprüfung von 
zulässigerweise erfolgten Ermessensveranlagungen eine gewisse Zu-
rückhaltung und führt  so die gefestigte Praxis der SRK weiter (Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1454/2006  vom  26.  September 
2007 E. 2.1 mit  Hinweisen). Sind die Voraussetzungen einer Ermes-
senstaxation erfüllt,  obliegt es dem Steuerpflichtigen, den Beweis für 
die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen. Erst wenn er den Nach-
weis dafür erbringt, dass der Vorinstanz bei der Schätzung erhebliche 
Ermessensfehler  unterlaufen  sind,  nimmt  das  Bundesverwaltungs-
gericht eine Korrektur der vorinstanzlichen Schätzung vor (Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1531/2006  vom  10. Januar  2008 
E. 2.5.2, A-1429/2006 vom 29. August 2007 E. 2.4, A-1397/2006 vom 
19. Juli  2007  E. 2.5.2;  vgl.  Entscheid  der  SRK vom 5. Januar  2000, 
veröffentlicht  in  VPB 64.83  E. 2). Insoweit  erfolgt  somit  eine  Abkehr 

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von der allgemeinen Beweislastregel,  wonach die Steuerbehörde die 
Beweislast  für  Tatsachen  trägt,  welche  die  Steuerpflicht  als  solche 
begründen oder die Steuerforderung erhöhen, das heisst für die steu-
erbegründenden und -mehrenden Tatsachen, währenddem der Steuer-
pflichtige für  die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen be-
weisbelastet  ist,  das  heisst  für  solche  Tatsachen,  welche  Steuerbe-
freiung oder Steuerbegünstigung bewirken (statt vieler: Urteil des Bun-
desgerichts  vom  14. Juli  2005,  veröffentlicht  in  ASA  75  S. 495 ff. 
E. 5.4; Entscheid  der  SRK vom 18. November  2002,  veröffentlicht  in 
VPB  67.49,  E. 3b/bb;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1503/2007 vom 5. Dezember 2007 E. 1.3, A-1373/2006 vom 16. No-
vember 2007 E. 2.1 und A-1429/2006 vom 29. August 2007 E. 2.4, je 
mit Hinweisen).

3.
Im  vorliegenden  Fall  betrieb  die  Beschwerdeführerin  für  die  mass-
gebliche Zeit bis zum 30. Juni 1999 das Erotikstudio "A._______" und 
ab dem 1. Oktober 1999 das "B._______". Den neben ihr in ihren Stu-
dios tätigen Sexarbeiterinnen stellte  sie  ihre  Infrastruktur  (Räumlich-
keiten, Toiletten, Duschen, Handtücher, etc.) zur Verfügung.  

3.1 Zunächst betrieb die Beschwerdeführerin für die Studios bzw. für 
sich und die Damen Werbung. Bei den Akten liegende Kopien von ein-
schlägigen  Zeitungsinseraten  verdeutlichen,  dass  die  Beschwerde-
führerin jeweils im eigenen Namen (des Salons) die Dienstleistungen 
bzw. die  Möglichkeit,  Dienstleistungen  in  Anspruch  zu  nehmen,  an-
preist:  „A._______. Weil ich es mir wert  bin! Tel-Nr. ...“,  „Neu! Blond, 
vollbusig  und  blankrasiert.  Nur  mittwochs  im  A._______. Tel-Nr. ...“. 
Nach  eigenen  Ausführungen  handelt  es  sich  bei  der  beschriebenen 
Person  im  zweiten  Inserat  nicht  um  die  Beschwerdeführerin  selber, 
sondern um eine andere im Salon tätige Sexarbeiterin. Augenfällig ist, 
dass ausschliesslich der Name "A._______" erscheint. Bezeichnender-
weise  ist  eine  Kontaktaufnahme  –  wie  bei  den  übrigen  Inseraten  – 
denn auch ausschliesslich über die Telefon-Nummer des Salons mög-
lich. Dasselbe gilt mit Bezug auf den Erotiksalon "B._______". In den 
entsprechenden Annoncen mit dem Text: „"B._______" ... Weil ich es 
mir wert bin! ...“ wird einzig auf die Adresse und die Telefon-Nummer 
sowie die Homepage des Salons verwiesen. Eine Direktkontaktnahme 
mit den übrigen Sexarbeiterinnen ohne Zuhilfenahme der Beschwerde-
führerin  bleibt  dem Kunden  also  –  wie  auch  im  "A._______"  –  ver-
wehrt. Im Übrigen wird das gegen aussen vermittelte Bild der Zugehö-

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rigkeit der Damen zum Salon durch die gewählte Internet-Adresse "..." 
noch zusätzlich unterstrichen. In den seitens der ESTV eingereichten, 
aus  den  Archiven  des  Internets  stammenden  Ausdrucken  des 
Homepage-Auftritts werden die Sexarbeiterinnen als "unsere Damen" 
bezeichnet und stets die Formulierungen "wir" und "unser" verwendet. 
Die Beschwerdeführerin  bestreitet  zwar, dass dieser Homepage-Auf-
tritt  von  ihr  stammt.  Sie  räumt  jedoch  selber  ein,  dass  die  Ver-
wechslung  nicht  entscheidend  sei,  da  die  Internetauftritte  praktisch 
aller Erotiksalons im Wesentlichen übereinstimmen würden: Einerseits 
werde für den Salon geworben, gleichzeitig würden aber auch die ein-
zelnen Prostituierten mit ihren Dienstleistungen angepriesen. Bei die-
ser  Sachlage  kann  offen  bleiben,  wie  es  sich  mit  dem  Verwechs-
lungsvorwurf verhält. Immerhin sei angemerkt, dass es sich dabei um 
eine in keiner Weise nachgewiesene Behauptung handelt, was insbe-
sondere auch aus dem Umstand hervorgeht, dass die Internet-Adres-
se mit  der in den Zeitungsinseraten angegebenen Adresse identisch 
ist  und  die  Ausdrucke überdies  auch aus der  vorliegend  massgebli-
chen  Zeit  stammen.  Die  Beschwerdeführerin  macht  ausserdem  gel-
tend,  die ESTV habe die von den anderen Prostituierten  betriebene 
Werbung nicht berücksichtigt, was ein einseitiges Bild entstehen lasse. 
Dass die übrigen Sexarbeiterinnen für ihre Leistungen in den Salons 
der  Beschwerdeführerin  überhaupt  Werbung  in  eigenem  Namen  je 
einzeln  mit  Möglichkeit  der  direkten Kontaktaufnahme etc. betrieben 
haben,  ist  indes  ebenfalls  eine  reine  Behauptung.  Vielmehr  liegen 
ganz  generell  keine  Hinweise  bzw.  Belege  (namentlich  auf  Damen 
ausgestellte  Rechnungen,  Geschäftspapiere  mit  eigenem  Briefkopf, 
eigene Prospekte  usw.) dafür  vor,  dass die Frauen nach aussen als 
selbständige Unternehmerinnen, unter eigener Firma, in Erscheinung 
getreten  sind.  Folglich  fehlt  es  für  die  Annahme  der  mehrwert-
steuerlichen Selbständigkeit  der  übrigen Sexarbeiterinnen mit  Bezug 
auf  die  durch  die  Beschwerdeführerin  angepriesenen  Leistungen 
zunächst  am  rechtsgenügenden  Auftritt  der  einzelnen  Damen  nach 
aussen  im  eigenen  Namen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_518/2007 / 2C_519/2007  vom  11. März  2008  E. 3.2,  in  Bestäti-
gung  der  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1382/2006  und 
A-1383/2006 vom 19. Juli 2007 E. 3.1; Entscheid der SRK vom 15. No-
vember 2002, a.a.O., E. 3; E. 2.2 hievor).

3.2 Ferner  kann  nicht  gesagt  werden,  die  übrigen  Sexarbeiterinnen 
hätten in völliger betriebswirtschaftlicher und arbeitsorganisatorischer 
Unabhängigkeit gehandelt. Es waren jeweils mehrere Frauen, welche 

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die Infrastruktur und die weiteren Betriebsmittel gleichzeitig oder nach-
einander, innerhalb der Betriebs- und Öffnungszeiten der Salons, für 
ihr Sexangebote genutzt haben. Umfang und Zeitpunkt der Leistungs-
erbringung  der  einzelnen  Dame  waren  folglich  direkt  von  der  Be-
legungsdichte  der  beschwerdeführerischen  Betriebsmittel  abhängig. 
Leistungsumfang und -zeit konnten die Sexarbeiterinnen dementspre-
chend  nur  bedingt  frei  wählen.  Sie  bestimmten  sich  vielmehr  nach 
Massgabe der  betrieblichen Möglichkeiten und weitgehend auch der 
Bedürfnisse bzw. des Willens der Beschwerdeführerin (Urteil des Bun-
desgerichts vom 11. März 2008, a.a.O., E. 3.2, in Bestätigung der Ur-
teile des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juli 2007, a.a.O., E. 3.2; 
Entscheid der SRK vom 15. November 2002, a.a.O., E. 3; noch nicht 
rechtskräftige  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  30.  April 
2008,  a.a.O.,  E.  3.2.2,  vom  6.  Februar  2008,  a.a.O.,  E.  3.2,  vom 
29. Oktober 2007, a.a.O.,  E. 4.2). Es stand im ureigensten Interesse 
der  Beschwerdeführerin,  dass  die  Zimmer  bestmöglich  ausgelastet 
waren und dass Friktionen weitestgehend vermieden wurden, weshalb 
sich die Damen zwangsläufig einer entsprechenden betrieblichen Ord-
nung unterziehen mussten. 

3.3 Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  durch  die  übrigen 
Sexarbeiterinnen  angebotenen  Dienstleistungen  aufgrund  des  nach 
aussen  sichbaren  Erscheinungsbildes  einen  integrierten  Zweig  der 
Erotikstudios der Beschwerdeführerin darstellten. Sie und die Frauen 
erschienen als unternehmerische Einheit, wobei massgebend ist, dass 
die Beschwerdeführerin nach aussen im eigenen Namen auftrat. Die 
Umsätze der Sexarbeiterinnen sind ihr  mehrwertsteuerlich zuzurech-
nen.  Allenfalls  daneben  bestehende  gewisse  Anhaltspunkte  für  eine 
Selbständigkeit wären nicht so bedeutend, dass damit die obgenann-
ten,  hier  relevanten  Indizien  in  den  Hintergrund  treten  würden  (vgl. 
auch Urteil  des Bundesgerichts vom 11. März 2008,  a.a.O, E. 3.2 in 
fine). 

3.4 Es bleibt, auf die übrigen Argumente der Beschwerdeführerin ein-
zugehen, soweit sie nicht bereits durch die vorangehenden Erwägun-
gen ausdrücklich oder implizit widerlegt sind. 

3.4.1 Sie macht geltend, die Prostituierten seien nicht angestellt  ge-
wesen im Sinne des Arbeitsrechts, da sie ja keinen Lohn bezogen und 
das  ganze  Unternehmerrisiko  getragen  hätten.  Der  Beschwerdefüh-
rerin ist entgegenzuhalten, dass die Analyse der Frage nach der Selb-

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ständigkeit unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten höchstens eine Aus-
legungshilfe – mithin  ein  Indiz  – darstellt,  jedenfalls  nicht  allein  ent-
scheidend sein kann (E. 2.4 hievor). Im vorliegenden Fall wird den Da-
men die  mehrwertsteuerliche  Selbständigkeit  jedoch  nicht  etwa  auf-
grund der Annahme abgesprochen, sie stünden in einem arbeitsrecht-
lichen Verhältnis  zur Beschwerdeführerin,  sondern weil  auch für  ihre 
sexuellen Dienstleistungen in  den Salons nicht  sie,  sondern  die Be-
schwerdeführerin im eigenen Namen nach aussen in Erscheinung tritt 
und sie zu ihr in einer betrieblichen und arbeitsorganisatorischen Ab-
hängigkeit  stehen  (Urteil  des  Bundesgerichts  vom  11.  März  2008, 
a.a.O., E. 3.3.2, in Bestätigung der Urteile des Bundesverwaltungsge-
richts vom 19. Juli 2007, a.a.O., jeweils E. 3.4.2, noch nicht rechtskräf-
tige  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  6. Februar  2008, 
a.a.O., E. 3.4.1, vom 29. Oktober 2007, a.a.O., E. 4.3). Als mehrwert-
steuerliche  Leistungserbringerin  hat  folglich  die  Beschwerdeführerin 
zu gelten (E. 2.2 hievor). Aus demselben Grund kommt es unter den 
gegebenen Umständen nicht darauf an, inwieweit die kantonalen Aus-
gleichskassen Prostituierte als Selbständigerwerbende behandeln und 
von  ihnen  die  entsprechenden  AHV-Beiträge  verlangen.  Abgesehen 
davon, dass die Beschwerdeführerin den Beweis schuldig bleibt, dass 
die übrigen Sexarbeiterinnen vorliegend von den Sozialversicherungen 
als Selbständigerwerbende behandelt worden sind, ist sie zudem da-
rauf  hinzuweisen,  dass  die  Art  der  Abrechnung  der  Sozialversiche-
rungsbeiträge zwar ein ebenfalls nicht unbedeutendes, aber dennoch 
nicht allein ausschlaggebendes Indiz für die mehrwertsteuerliche Be-
handlung bildet (Urteile des Bundesgerichts vom 14. November 2003, 
veröffentlicht  in  ASA  76  S.  627  E.  3.3.2,  vom  27.  Oktober  2000, 
veröffentlicht  in  ASA 71 S. 651 E. 4a und b; nicht  publiziertes Urteil 
2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2). Es können sich somit Abweichun-
gen zwischen der Beurteilung nach mehrwertsteuerlichen Überlegun-
gen  und  jener  betreffend  Sozialversicherungsrecht  ergeben.  Es  ist 
durchaus möglich, dass ein und dieselbe Person in den verschiedenen 
Bereichen unterschiedlich  eingestuft  wird  (Urteil  des  Bundesgerichts 
von 15. Oktober 1993, veröffentlicht in ASA S. 732 E. 3d; Entscheid der 
SRK vom 23. Juni 2006 [SRK 2004-124] E. 2a.bb mit Hinweisen; Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-3822/2007  vom  3.  Juni  2008 
E. 2.1.4). 

3.4.2 Die  Beschwerdeführerin  bringt  des  Weitern  an,  die  Sexarbei-
terinnen  hätten  sowohl  den  Leistungsinhalt  als  auch  den  dafür  ge-
schuldeten  Preis  direkt  zusammen  mit  dem  Kunden  festgelegt.  Sie 

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hätten  jederzeit  die  Möglichkeit  gehabt,  eine  derart  intime  Leistung 
nicht erbringen zu müssen; es habe insbesondere kein Weisungsrecht 
bestanden.  Abgesehen  davon,  dass  die  Beschwerdeführerin  auch 
dieses Vorbringen nicht belegt, kommt es im vorliegenden Fall darauf 
nicht  im  Wesentlichen  an.  Massgebend  ist  zunächst  wiederum  die 
Frage,  wie  das  Sexangebot  für  die  Allgemeinheit,  für  den  neutralen 
Dritten objektiv erkennbar in Erscheinung tritt (Entscheid der SRK vom 
15. November 2002, a.a.O., E. 4d; Urteile des Bundesverwaltungsge-
richts  vom  19.  Juli  2007,  a.a.O.,  E.  3.4.1  3.  Abschnitt;  noch  nicht 
rechtskräftige  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  30.  April 
2008,  a.a.O.,  E. 3.2.4.3,  vom 6. Februar 2008,  a.a.O.,  E. 3.4.2,  vom 
29. Oktober  2007,  a.a.O.,  E.  4.3  3.  Abschnitt).  Unter  diesem 
Blickwinkel  erscheint  –  wie  gezeigt  (E.  3.1  hievor)  –  jeweils  die 
Beschwerdeführerin als Anbieterin der sexuellen Dienstleistungen am 
Markt. Selbstverständlich vereinbarte der Kunde letztlich mit  der ein-
zelnen  Dame  die  Einzelheiten  der  zu  erbringenden  Leistung.  Dies 
verändert jedoch genau so wenig wie die Möglichkeit der Frauen, eine 
Leistung allenfalls nicht zu erbringen, das nach aussen vermittelte Ge-
samtbild, wonach die Beschwerdeführerin mit der Zuhilfenahme der in 
den  Salons  anwesenden  Damen  als  Leistungserbringerin  auftrat. 
Denn, soweit die Sexarbeiterinnen in den Salons der Beschwerdefüh-
rerin tätig gewesen sind, unterlagen sie der beschriebenen betriebs-
wirtschaftlichen und arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit (vgl. E. 3.2 
hievor). Unter diesen Umständen ist ferner die direkte Bezahlung der 
Dienstleistung bei den Damen (soweit sie denn tatsächlich in bar er-
folgte) ebenfalls nicht entscheidend; ein solches System ist auch in an-
deren Branchen,  namentlich solchen Berufssparten verbreitet,  in  de-
nen die Leistungen ohne schriftliche Fakturierung erbracht werden und 
die  Entschädigung  in  bar  eingenommen  wird  (Urteil  des  Bundesge-
richts vom 11. März 2008,  a.a.O.,  E. 3.3.2). Bei diesem Ergebnis ist 
eine  Auseinandersetzung mit  den zivilrechtlichen Ausführungen zum 
Verhältnis zwischen den Sexarbeiterinnen und den Kunden nicht erfor-
derlich (vgl. auch E. 2.4 hievor).  

3.4.3 Ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwer-
deführerin  aus  dem Vorhalt,  ein  Betreiber  eines  Erotiksalons  mache 
sich sehr schnell strafbar, wenn er die vollumfängliche Handlungsfrei-
heit  und  die  Intimsphäre  einer  Prostituierten  nicht  sehr  weitgehend 
respektiere.

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Laut  Art.  195  Abs.  3  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom 
21. Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  wird  jemand,  der  die  Hand-
lungsfreiheit  einer  Person,  die  Prostitution  betreibt,  dadurch  beein-
trächtigt,  dass  er  sie  bei  dieser  Tätigkeit  überwacht,  oder  Ort,  Zeit, 
Ausmass oder andere Umstände der Prostitution bestimmt,  mit  Frei-
heitsstrafe  bis  zu  zehn  Jahren  oder  Geldstrafe  bestraft.  Gemäss 
Rechtsprechung  setzt  die  Strafbarkeit  voraus,  dass  auf  die  Prosti-
tuierte  ein  gewisser  Druck  ausgeübt  wird,  dem  sie  sich  nicht  ohne 
weiteres entziehen kann,  so dass sie in  ihrer  Entscheidung,  ob und 
wie sie dem Gewerbe nachgehen will,  nicht mehr vollständig frei  ist, 
und  dass  die  Überwachung  oder  die  bestimmende  Einflussnahme 
ihrem  Willen  oder  ihren  Bedürfnissen  zuwiderläuft  (BGE  129  IV  81 
E. 1.2, BGE 126 IV 76 E. 2, BGE 125 IV 269 E. 1). 

Inwieweit  das Verhalten der Beschwerdeführerin in ihren Salons den 
Sexarbeiterinnen  gegenüber  in  irgendeiner  Weise  im  Sinne  von 
Art. 195 Abs. 3 StGB strafrechtlich relevant gewesen sein könnte, ist 
nicht vom Bundesverwaltungsgericht zu beurteilen und ohnehin nicht 
massgebend für  das  vorliegende Verfahren. Die mehrwertsteuerliche 
Selbständigkeit wird den Damen nicht abgesprochen, weil auf sie ein 
unzulässiger Druck ausgeübt wurde, sondern weil sie sich in die Orga-
nisation der Beschwerdeführerin einfügten und gegen aussen letztere 
für  die durch die Dienstleistungen der  Frauen erzielten Umsätze als 
mehrwertsteuerliche Leistungserbringerin in Erscheinung trat. Wie die 
Gegebenheiten  im Innenverhältnis  zwischen der  Beschwerdeführerin 
und den Frauen allenfalls  in  strafrechtlicher  Hinsicht  zu qualifizieren 
wären,  ist  dabei  ebenso wenig entscheidend wie die Natur  des Ver-
tragsverhältnisses.

3.4.4 Die Beschwerdeführerin beruft sich schliesslich auf den Grund-
satz der Gleichbehandlung im Unrecht. 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird ein Anspruch auf 
Gleichbehandlung  im  Unrecht  nur  ausnahmsweise  anerkannt  (BGE 
132 II 485 E. 8.6, BGE 127 I 1 E. 3a); dann nämlich, wenn eine rechts-
anwendende Behörde eine gesetzwidrige Praxis  pflegt  und überdies 
zu  erkennen  gibt,  dass  sie  davon  auch  in  Zukunft  nicht  abweichen 
werde. Grundbedingung für eine ausnahmsweise Gleichbehandlung im 
Unrecht ist in jedem Fall, dass sich die betroffene Person in einer glei-
chen oder vergleichbaren Lage befindet wie der Dritte, dem der rechts-
widrige Vorteil  gewährt  wurde. In aller Regel geht jedoch der Grund-

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satz  der  Gesetzmässigkeit  der  Verwaltung  der  Rücksicht  auf  die 
gleichmässige Rechtsanwendung vor (vgl. BGE 122 II  446 E. 4a mit 
Hinweisen,  BGE  112  Ib  381  E.  6;  vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.047/2005 vom 7. Juni 2007 E. 4; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-1493/2006 vom 30. August 2007 E. 3.3). 

Die ESTV hat angegeben, in den Jahren 2000 bis 2004 in diesem Ge-
werbe verschiedene Kontrollen durchgeführt zu haben, die im Zusam-
menhang mit den erotischen Dienstleistungen zu Steuernachforderun-
gen geführt hätten. Das Bundesverwaltungsgericht hat betreffend die-
se Dienstleistungen denn auch bereits verschiedene Fälle zu beurtei-
len gehabt (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juli 2007, 
a.a.O.,  bestätigt  durch  das  Urteil  des  Bundesgerichts  vom 11. März 
2008, a.a.O., noch nicht rechtskräftige Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts vom 30. April 2008, a.a.O., vom 6. Februar 2008, a.a.O. sowie 
vom 29. Oktober 2007, a.a.O.). Entgegen der Ansicht der Beschwer-
deführerin ist das Bestehen einer gesetzwidrigen Praxis somit nicht er-
sichtlich. Im Übrigen kann sie auch keine Beispiele von vergleichbaren 
Fällen nennen, wo die Verwaltung gesetzeswidrig gehandelt hätte. An-
gesichts der vorstehenden Darstellungen könnte zudem in keiner Wei-
se geschlossen werden, die ESTV habe zu erkennen gegeben, eine – 
wenn  sie  denn  früher  einst  bestanden  hätte  –  rechtswidrige  Praxis 
auch in Zukunft zur Anwendung bringen zu wollen. Die Voraussetzun-
gen für die Anwendbarkeit des Grundsatzes der Gleichbehandlung im 
Unrecht sind demnach offensichtlich nicht gegeben. Bei diesem Ergeb-
nis ist der Beweisantrag, die ESTV zu befragen, ob eine interne Pra-
xisfestlegung oder Weisung bestand und nach wie vor besteht, wonach 
die  Erhebung  der  Mehrwertsteuer  im  Bereich  der  Prostitution  nicht 
durchgesetze werden soll, bzw. was die Gründe sind, dass nur bei der 
Beschwerdeführerin  eine  entsprechende  Nachbelastung  vorgenom-
men wurde, ohne weiteres abzuweisen. 

3.5 Der  Vollständigkeit  halber  sei  schliesslich  darauf  hingewiesen, 
dass sich von vornherein nicht die Frage nach einer allfälligen mehr-
wertsteuerlichen Stellvertretung durch die Beschwerdeführerin, ob nun 
in direkter (als blosse Vermittlerin) oder indirekter Form, stellen kann 
(vgl. E. 2.2 letzter Abschnitt hievor), da es den übrigen Sexarbeiterin-
nen in Bezug auf die in den Salons der Beschwerdeführerin erbrach-
ten sexuellen Dienstleistungen an der mehrwertsteuerlichen Selbstän-
digkeit mangelt und die entsprechenden Umsätze der Beschwerdefüh-
rerin zuzurechnen sind.

Seite 16

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4.
Da feststeht, dass die Beschwerdführerin für die Dienstleistungen der 
übrigen Sexarbeiterinnen in ihren Erotiksalons in mehrwertsteuerlicher 
Hinsicht als Leistungserbringerin zu betrachten ist, ist als Nächstes die 
Rechtmässigkeit  der  von der  ESTV vorgenommenen Ermessensein-
schätzung dieses Umsatzes zu beurteilen (Ziff. 4 der EA Nr. ... vom 
30. April 2003). 

4.1 Die  Beschwerdeführerin  hat  unbestrittenermassen  die  von  den 
Prostituierten  vereinnahmten Umsätze nirgends in  ihrer  Buchhaltung 
bzw. ihren Geschäftsbüchern und -unterlagen erfasst. Auch hat sie der 
ESTV  diesbezüglich  keinerlei  Belege  vorgelegt.  Die  Buchhaltungs-
unterlagen  entsprechen  demzufolge  nicht  den  gesetzlichen  Anforde-
rungen; sie sind nicht vollständig und die ausgewiesenen Ergebnisse 
stimmen  mit  dem wirklichen  Sachverhalt  offensichtlich  nicht  überein 
(vgl. E. 2.5.2 und 2.5.3). Unter diesen Umständen war die ESTV kla-
rerweise dazu berechtigt und verpflichtet, den fraglichen Umsatz durch 
Schätzung zu ermitteln. 

4.2 Die  ESTV ging  bei  ihrer  Schätzung  von  der  Annahme aus,  die 
seitens der Beschwerdeführerin verbuchten Einnahmen, d.h. ihre eige-
nen Umsätze aus den erotischen Dienstleistungen sowie die Einnah-
men aus den "Infrastrukturgebühren",  würden 50% aller  steuerbaren 
Umsätze  ausmachen. Dies  erweise  sich  unter  Berücksichtigung  der 
Erfahrungswerte  der  Sittenpolizei  der  Stadt  ...,  wonach  die  Pros-
tituierten in der Regel zwischen 40 und 50% ihrer erzielten Umsätze 
an die Studiobetreiber für die Inanspruchnahme der Infrastruktur und 
der übrigen von dem Studiobetreiber bezogenen Leistungen abliefern 
müssten,  als  gerechtfertigt. Die  Beschwerdeführerin  wehrt  sich  nicht 
grundsätzlich  gegen  die  von  der  Vorinstanz  herangezogene  Ver-
gleichsgrösse  von  40  bis  50%  betreffend  die  "Infrastrukturgebühr". 
Vielmehr rügt sie, dass durch die vorgenommene Ermessenseinschät-
zung  (Annahme,  die  verbuchten  Einnahmen  entsprächen  50%  aller 
steuerbaren  Umsätze)  ihre  eigenen  Einnahmen  zu  Unrecht  doppelt 
besteuert würden. 

4.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass in mehreren vergleichbaren Fällen, 
die bereits vom Bundesgericht bzw. vom Bundesverwaltungsgericht zu 
beurteilen  waren,  der  von den Sexarbeiterinnen abzuliefernde Anteil 
40  bis  45%  ihres  Gesamtumsatzes  aus  der  Erbringung  erotischer 
Dienstleistungen betrug (Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2008 

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a.a.O.,  E. 3.1,  in  Bestätigung  der  Urteile  des  Bundesverwaltungs-
gerichts vom 19. Juli 2007, a.a.O.; noch nicht rechtskräftige Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1545/2006  und  A-1546/2006  vom 
30. April 2008 E. 4.2.1, A-1399/2006 und A-1400/2006 vom 6. Februar 
2008 E. 3.4.1). Die Annahme der ESTV von 40 bis 50% ist demnach 
insoweit grundsätzlich nicht zu beanstanden, zumal ein Abstellen auf 
50% gegenüber den bis anhin richterlich bestätigten 45% zu Gunsten 
der  Beschwerdeführerin  einen  geringeren  Gesamtumsatz  zur  Folge 
hätte. Im Übrigen macht die Beschwerdeführerin keine Angaben zum 
Anteil,  welchen  die  Prostituierten  ihr  konkret  abgeliefert  haben. 
Schliesslich liegen auch keine Hinweise auf das Vorliegen von beson-
deren Verhältnissen vor, die ein Abweichen von den genannten Zahlen 
nahelegen würden.

4.2.2 Die ESTV hat  untersucht,  wie sich der steuerbare Gesamtum-
satz  verändert,  wenn  angenommen  wird,  dass  von  den  verbuchten 
Einnahmen Fr. 50'000.--,  Fr. 75'000.--  bzw. Fr. 100'000.--  auf  die von 
der Beschwerdeführerin  selbst  erbrachten Dienstleistungen entfallen. 
Ausgehend  vom  verbuchten  Umsatz  für  das  Jahr  1998  von 
Fr. 285'480.-- und einem von den Prostituierten abzuliefernden Anteil 
von 40% ergibt  sich bei  Fr. 50'000.--  ein  steuerbarer  Gesamtumsatz 
von Fr. 638'700.--, bei Fr. 75'000.-- ein solcher von Fr. 601'200.-- und 
bei Fr. 100'000.-- schliesslich Fr. 563'700.--. Bei einem abzuliefernden 
Anteil von 50% beträgt dieser je nachdem Fr. 520'960.--, Fr. 495'960.-- 
oder  Fr. 470'960.--.  Der  so  ermittelte  steuerbare  Gesamtumsatz 
schwankt zwischen Fr. 470'960.-- und Fr. 638'700.--. 

Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ihre eigenen 
Einnahmen sowie  die  Abgaben der  übrigen Sexarbeiterinnen in  den 
Geschäftsbüchern  nur  als  Total  ausgewiesen  hat;  Belege  betreffend 
die Zusammensetzung sind nicht vorgelegt worden. Ebenso wenig hat 
sie diesbezüglich irgendwelche Angaben gemacht. Eine effektive Aus-
scheidung ihrer  eigenen Einnahmen war demzufolge von vornherein 
nicht  möglich.  Nachvollziehbar  erscheinen  die  Ausführungen  der 
ESTV, wonach die Beschwerdeführerin in ihrer Eigenschaft als Studio-
besitzerin nebst der Erbringung sexueller Dienstleistungen wohl weite-
re Funktionen ausgeübt  hat,  welche nicht  direkt  zu einem Geldfluss 
geführt  haben. Dies wird denn von ihr  auch gar nicht  in Abrede ge-
stellt. Dass die ESTV mit  dem Heranzug von Fr. 50'000.-- als Unter-
grenze sowie von Fr. 100'000.-- als Obergrenze bzw. von Fr. 75'000.-- 
als mittlerem Betrag betreffend die eigenen Einnahmen der Beschwer-

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deführerin von unrealistischen Grössen ausgegangen wäre bzw. diese 
offensichtlich  falsch  sind,  ist  aufgrund  der  Akten  jedenfalls  nicht  er-
sichtlich  und in  keiner  Weise von der  Beschwerdeführerin  dargetan. 
Sind, wie im vorliegenden Fall, die Voraussetzungen einer Ermessens-
taxation gegeben, hätte es indes ihr oblegen, den Nachweis dafür zu 
erbringen, dass die Schätzung der Vorinstanz unrichtig ist bzw. dieser 
dabei erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind (E. 2.5.4).  

4.2.3 Die Annahme der ESTV, wonach die verbuchten Einnahmen der 
Beschwerdeführerin 50% des steuerbaren Gesamtumsatzes betragen, 
ergibt für das Jahr 1998 einen mehrwertsteuerlich relevanten Umsatz 
von insgesamt Fr. 570'960.--. Dieser Betrag liegt somit ungefähr in der 
Mitte der durch die ESTV ermittelten Extremwerte von Fr. 470'960.-- 
und Fr. 638'700.--. Angesichts  der  gesamten Umstände erweist  sich 
dieses Ergebnis weder als sachwidrig noch als mit den konkreten Ver-
hältnissen des vorliegenden Falles unvereinbar. Vielmehr bewegt sich 
die  Verwaltung  mit  ihrer  Kalkulation  innerhalb  ihres  Ermessensspiel-
raums (E. 2.5.3 und 2.5.4). Insbesondere hat die Vorinstanz darin auch 
die  eigenen  Umsätze  der  Beschwerdeführerin  angemessen  berück-
sichtigt. Nicht gehört werden kann das Begehren, den verbuchten Um-
satz lediglich um 50% zu erhöhen. Der so ermittelte steuerbare Ge-
samtumsatz für  das Jahr 1998 würde Fr. 428'220.-- betragen. Dieser 
läge somit  mehr  als  Fr. 40'000.--  unterhalb des tiefsten Ergebnisses 
des  vorinstanzlichen  Berechnungsmodells.  Angesichts  der  Tatsache, 
dass die Beschwerdeführerin diesen Ansatzpunkt in keiner Weise er-
klären und belegen kann, sieht das Bundesverwaltungsgericht keinen 
Grund, von der Schätzungsmethode der ESTV bzw. von den ermittel-
ten Durchschnittswerten abzuweichen.

4.2.4 Insgesamt misslingt der Beschwerdeführerin der Nachweis, dass 
der Vorinstanz bei  der  Schätzung erhebliche Ermessensfehler  unter-
laufen sind. Im Übrigen sind gewisse Fehlerquellen bzw. Unschärfen 
einer  Schätzung  grundsätzlich  inhärent.  Es  wäre  Aufgabe  der  Be-
schwerdeführerin gewesen, durch ordnungsgemäss geführte, vollstän-
dige Aufzeichnungen von vornherein  Klarheit  über  sämtliche von ihr 
erzielten  Einnahmen  zu  schaffen.  Dieser  Obliegenheit  ist  sie  nicht 
nachgekommen und sie hat die sich allfällig daraus ergebenden nach-
teiligen Konsequenzen zu tragen. 

5.
Nach dem Gesagten ist  die  Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. 

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A-1572/2006

Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 2'500.--  sind der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem geleisteten 
Kostenvorschuss von Fr. 3'500.-- zu verrechnen. Der Überschuss von 
Fr. 1'000.-- ist nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuer-
statten. Eine Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin ist nicht 
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 3'500.--  verrechnet.  Der  Überschuss  von  Fr.  1'000.--  wird  nach 
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.

3.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Riedo Jeannine Müller

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A-1572/2006

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die  Be-
gehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un-
terschrift  zu enthalten. Der  angefochtene Entscheid und die Beweis-
mittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, 
beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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