# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e0a5841e-5892-51e6-b9fc-69f388688341
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.03.2021 F-1182/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1182-2021_2021-03-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1182/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Fulvio Haefeli, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

alias B._______, geboren am (…), 

und dessen Ehefrau 

C._______, geboren am (…), 

alias D._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Mag. iur. Denis Arestov, 

(…), 

Beschwerdeführende, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 3. März 2021 / N (…). 

 

F-1182/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a. Gemäss eigenen Angaben verliessen die Beschwerdeführenden ihr 

Heimatland im Jahr 2019 und reisten am 22. Dezember 2020 illegal in die 

Schweiz ein, wo sie am 25. Dezember 2020 um Asyl nachsuchten. 

A.b. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zen-

traleinheit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführenden am 26. August 

2019 in E._______ aufgegriffen worden waren und dort am 4. September 

2019 ein Asylgesuch eingereicht hatten. Ausserdem ergab der Abgleich, 

dass die Beschwerdeführerin am 27. November 2020 in Kroatien um Asyl 

ersucht hatte. 

A.c. Am 7. Januar 2021 reichten die Beschwerdeführenden dem SEM ihre 

kroatischen Asylgesuchsausweise zu den Akten. 

A.d.  

A.d.a. Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 8. Januar 2021 (Akten der 

Vorinstanz [SEM-act.] 24/3) gab der Beschwerdeführer namentlich an, er 

sei von Afghanistan via F._______, G._______, H._______, I._______, 

(…), Kroatien, J._______ und K._______ in die Schweiz gelangt. In 

E._______ habe er kein Asyl beantragen wollen. Man habe ihm mitgeteilt, 

dass er entweder Asyl beantragen müsse oder (…) ausgeschafft würde. Er 

habe aber nicht (…) zurückgehen wollen. Von G._______ sei er nach 

E._______ gegangen und anschliessend nach H._______. Auch in Kroa-

tien habe er nicht um Asyl nachsuchen wollen. Man habe ihm dort ebenfalls 

gesagt, falls er nicht Asyl beantrage, würde man ihn nach (…) zurückschi-

cken. Sein Ziel in Europa sei die Schweiz. Er sei von Anfang bis zum 

Schluss mit seiner Ehefrau gereist. Einzig von der Insel (…) aus nach 

L._______ sei seine Ehefrau einen Monat vor ihm gereist, ansonsten seien 

sie auf der Reise immer zusammen gewesen. In K._______ habe er kein 

Asylgesuch eingereicht. 

A.d.b. Anlässlich des ihm von der Vorinstanz gleichzeitig gewährten recht-

lichen Gehörs zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin 

und zu einem Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG (SR 142.31) machte der Beschwerdeführer geltend, sein Zielland 

sei die Schweiz. In Kroatien würden die Leute und auch die Polizei mit den 

Asylsuchenden nicht gut umgehen. Die Geflüchteten würden sehr schlecht 

behandelt. Auch er sei schlecht behandelt worden. Er möchte gerne in der 

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Schweiz bleiben. Kroatien könne man gar nicht mit der Schweiz verglei-

chen. In (…) habe er drei Mal versucht, nach Kroatien zu gelangen. Zwei 

Mal sei er aufgegriffen worden. Man habe ihm sein Mobiltelefon und seine 

übrigen Sachen weggenommen. Er sei von der Grenzpolizei an der Grenze 

entkleidet und ohne Kleider über das Wasser nach (…) zurückgeschickt 

worden. Man habe zu ihm gesagt, in Kroatien gebe es keinen Platz für 

Asylsuchende. Mit alleinstehenden Männern seien die kroatischen Behör-

den sehr schlecht umgegangen, man habe sie geschlagen. Er selber sei 

auch geschlagen, aber nicht inhaftiert worden. Er sei jeweils nach (…) zu-

rückgebracht worden. Im Wald habe ihn ein Polizist geschubst, sodass er 

sich an einem Baum gestossen habe. In Kroatien sei er die ganze Zeit über 

mit seiner Ehefrau zusammen gewesen. 

A.d.c. Nach dem medizinischen Sachverhalt befragt, erklärte der Be-

schwerdeführer, körperlich gehe es ihm gut. Psychisch habe er einige 

Probleme. Er habe auf dem Reiseweg vieles erlebt, habe Hunger und Durst 

leiden und viel zu Fuss gehen müssen. In Kroatien und H._______ sei er 

von der Polizei aufgegriffen worden. In H._______ habe er Geld bezahlt 

und sei wieder freigekommen. Dies alles habe sich auf seine Psyche aus-

gewirkt. Er habe sich bereits bei der medizinischen Betreuung im Camp 

gemeldet wegen seiner psychischen Probleme. Man habe ihm ein paar 

Fragen gestellt und mitgeteilt, seine Probleme seien nicht dermassen 

schwerwiegend, weshalb kein Termin vereinbart worden sei. 

A.e.  

A.e.a. Beim Dublin-Gespräch vom 8. Januar 2021 (SEM-act. 26/3) machte 

die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei von Afghanistan 

über F._______, G._______, E._______, H._______, I._______, (…), Kro-

atien und K._______ in die Schweiz gelangt. Sie habe in E._______ keinen 

Asylentscheid erhalten. Auf der Insel (…) sei sie ein Jahr lang gewesen. 

Sie habe nur auf der Insel bleiben und nicht einmal nach L._______ reisen 

dürfen. Sie habe einen Asylausweis erhalten, aber nie den Flüchtlingssta-

tus. Kranke und alte Leute sowie Familien mit Kindern seien bevorzugt be-

handelt worden. Sie und ihr Ehemann hätten keine Kinder, um sie habe 

man sich nicht gekümmert. Sie sei dann einen Monat vor ihrem Ehemann 

von der Insel (…) nach L._______ gereist. Dort habe sie mit anderen 

Frauen ein Zimmer gemietet, bis ihr Ehemann habe nachkommen können. 

In Kroatien habe man sie kurz vor J._______ aufgegriffen. Man habe ihr 

dann gesagt, dass sie entweder Asyl beantragen respektive die Fingerab-

drücke für die Polizei abgeben müsse oder sie nach (…) zurückgeschickt 

werden würde. Es sei ihr mitgeteilt worden, dass sie sich frei in Kroatien 

bewegen könne, falls sie die Fingerabdrücke abgebe. Etwa zwanzig Tage 

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habe sie sich daraufhin in Kroatien in einem geschlossenen Camp aufge-

halten. Danach sei sie über K._______ in die Schweiz gekommen. 

A.e.b. Im Rahmen des ihr von der Vorinstanz gleichzeitig gewährten recht-

lichen Gehörs zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin 

und zu einem Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG führte die Beschwerdeführerin aus, sie möchte nicht nach Kroatien 

zurückkehren. Kroatien sei kein Ort für Asylsuchende. Die Polizei gehe mit 

Asylsuchenden sehr schlecht um. Es werde nicht beachtet, ob Frau oder 

Mann, jung oder alt. Die Polizei schlage alle. Sie habe drei Mal versucht, 

nach Kroatien zu gelangen, zwei Mal sei sie aufgegriffen worden. Die Po-

lizei an der Grenze habe ihr ihr Mobiltelefon und ihre Sachen weggenom-

men und sie über das Wasser wieder nach (…) zurückgeschickt. Der eine 

Versuch sei nachts erfolgt, sie seien drei Familien gewesen, insgesamt 13 

Personen. Ihr Ehemann sei weggeschubst worden. Er habe sich an einem 

Baum gestossen, die Stelle an seiner Stirne sehe man immer noch. Bei 

dem Übergang nach (…) habe sie die Brücke nicht benutzen dürfen, son-

dern durch das Wasser waten müssen. Als sie sich geweigert habe, habe 

ein Polizist ihr die Jacke ausgezogen und sie hingeschmissen. Sie habe 

dem Polizisten gesagt, es sei kalt. Er habe sie dann mit einem Stock an 

der Schulter geschlagen, woraufhin sie über das Gewässer auf die andere 

Seite habe gelangen müssen. Es sei dem Polizisten egal gewesen, was ihr 

im Wasser passiere und ob sie überleben würde. Sie habe dann die Nacht 

ohne Jacke in der Kälte verbringen müssen. Erst am nächsten Morgen sei 

sie in (…) wieder in die Unterkunft gegangen. Das zweite Mal, als sie auf-

gegriffen worden sei, sei sie lediglich zurückgeschickt worden. Es sei ihr 

nichts abgenommen worden. Das dritte Mal sei sie kurz vor der Grenze zu 

J._______ gewesen, als man sie aufgegriffen habe. Die Polizisten hätten 

ihr gesagt, sie solle aus Sicherheitsgründen die Fingerabdrücke abgeben 

oder würde nach (…) zurückgeschickt werden. Im Camp in Kroatien sei sie 

in Quarantäne gewesen. Das Essen sei vor die Türe gestellt worden. Da 

das Essen so schlecht gewesen sei, habe sie einkaufen gehen wollen. 

Draussen habe keiner mit ihr gesprochen, als sie sich nach einem Laden 

erkundigt habe. Der Umgang in Kroatien sei generell nicht gut gewesen. 

Beim dritten Aufgriff seien sie für eine Nacht auf das Polizeirevier gebracht 

worden. Dort habe man ihren Ehemann vernommen und ihm sehr viele 

seltsame Fragen gestellt. Nur er habe Englisch gesprochen. Ungeachtet 

seiner Antworten sei ihm mitgeteilt worden, dass es gelogen sei.  

 

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A.e.c. Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts erklärte die Beschwer-

deführerin, sie habe wegen des schwierigen Reisewegs und des einjähri-

gen Aufenthalts auf der Insel (…) sehr viel erlebt. Auf (…) seien die Bedin-

gungen sehr schwierig gewesen. Dies alles habe Auswirkungen auf ihre 

Psyche gehabt. In der Schweiz ziehe sie sich zurück. Sie vermute, an De-

pressionen zu leiden. Bei der medizinischen Betreuung im Camp habe sie 

sich diesbezüglich bereits gemeldet. Das Pflegepersonal habe ihr mitge-

teilt, sie solle dringende medizinische Probleme momentan melden, der 

Rest werde mit der Zeit behandelt werden. Zuerst habe sie einen Juckreiz 

behandeln lassen. Weitere gesundheitliche Probleme habe sie keine. 

 

B.  

Gestützt auf den Eurodac-Treffer und die kroatischen Asylgesuchsaus-

weise ersuchte die Vorinstanz am 18. Februar 2021 die kroatischen Behör-

den um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 18 

Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufas-

sung), ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO).  

 

Die kroatischen Behörden stimmten diesem Ersuchen am 3. März 2021 

gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu. 

C.  

Mit Verfügung vom 3. März 2021 – eröffnet am 9. März 2021 (vgl. Emp-

fangsbestätigung [SEM-act. 48/1]) – trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführen-

den vom 25. Dezember 2020 nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Kro-

atien, forderte die Beschwerdeführenden – unter Androhung von Zwangs-

mitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der 

Beschwerdefrist zu verlassen, beauftragte den Kanton M._______ mit dem 

Vollzug der Wegweisung, händigte den Beschwerdeführenden die editi-

onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, eine all-

fällige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine aufschiebende Wir-

kung. 

 

Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, die Abnahme der 

Fingerabdrücke von Personen, die illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-

Staaten einreisten oder um Asyl ersuchten, stütze sich auf die Eurodac-

Verordnung, womit das Vorgehen der kroatischen Behörden auf einer 

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rechtlichen Grundlage beruhe. Dem SEM würden zudem keine Hinweise 

vorliegen, wonach die kroatischen Behörden Personen zur Eingabe eines 

Asylgesuchs zwingen würden.  

 

Gestützt auf die Dublin-III-VO sei Kroatien für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens zuständig. Es obliege somit den zuständigen 

kroatischen Behörden, nach Abschluss des Asylverfahrens den Aufent-

haltsstatus der Beschwerdeführenden zu regeln oder gegebenenfalls eine 

Wegweisung ins Heimatland anzuordnen. Es gebe keine Anhaltspunkte 

dafür, dass Kroatien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nach-

kommen und das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchfüh-

ren würde.  

 

Die kroatischen Behörden würden seit mehreren Monaten von zahlreichen 

nationalen und internationalen Organisationen dahingehend kritisiert, Mig-

rantinnen und Migranten keine Möglichkeit zur Einreichung eines Asylge-

suchs zu bieten und sie ohne individuelle Prüfung der Fluchtgründe sowie 

teilweise unter Anwendung von Gewalt unter anderem nach Bosnien und 

Herzegowina zurückzuführen (sog. Push-backs). Den vorliegenden Hin-

weisen zufolge seien von dieser Problematik Personen betroffen, welche 

in Kroatien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten einreisten, in 

diesem Zusammenhang von den kroatischen Polizei- und Grenzbehörden 

angehalten würden und sich dabei keine Fingerabdrücke abnehmen las-

sen wollten, zumal sie an einem Asylverfahren in Kroatien nicht interessiert 

seien und in einen anderen Dublin-Staat weiterreisen wollten. Nach aktu-

ellen Erkenntnissen des SEM könne die geschilderte Problematik im kroa-

tischen Grenzgebiet nicht mit Rückführungen nach Kroatien gestützt auf 

die Dublin-III-VO in Verbindung gebracht werden.  

 

Die Schweizer Botschaft habe in Kroatien mehrfach abgeklärt, ob und in-

wiefern Personen, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien zu-

rückgeführt würden (sog. Dublin-Rückkehrer) von der geschilderten Prob-

lematik betroffen seien. Nebst der Konsultation von öffentlich zugänglichen 

Quellen seien persönliche Gespräche mit Vertretern des kroatischen In-

nenministeriums, mit internationalen Organisationen (UNHCR, IOM), mit 

lokalen NGO (Centre for Peace Studies, Are You Syrious?) und anderen 

Vertretungen vor Ort, sowie mit der Ombudsstelle der Republik Kroatien 

geführt worden. Im Rahmen der mehrmalig durchgeführten und umfangrei-

chen Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien hätten bis 

heute keine Hinweise auf generelle systemische Schwachstellen im kroa-

tischen Asyl- und Aufnahmesystem festgestellt werden können.  

 

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Bei Personen, die im Rahmen des Dublin-Assoziierungsabkommens von 

der Schweiz nach Kroatien überstellt würden, erfolge die Überstellung auf 

legalem Weg und ausnahmslos in die Hauptstadt Zagreb. Nach Erkennt-

nissen des SEM hätten Dublin-Rückkehrer in Kroatien Zugang zu einem 

rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren, unabhängig davon, ob 

die Personen zuvor in Kroatien bereits um Asyl nachgesucht hätten oder 

nicht. Zudem gebe es keine Hinweise, dass den Dublin-Rückkehrern eine 

Rückschiebung nach Bosnien und Herzegowina (Kettenabschiebung) oder 

systematisch Gewalt seitens der kroatischen Polizeibehörde drohe. Im 

Rahmen der jüngsten Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroa-

tien sei die Einschätzung von den Gesprächspartnern – inklusive den ge-

genüber dem kroatischen Innenministerium kritisch eingestellten NGO – 

geteilt worden, wonach es kaum denkbar sei, dass Dublin-Rückkehrern un-

mittelbar nach ihrer Ankunft in Zagreb eine Kettenabschiebung drohe. Auch 

seitens der kroatischen Ombudsstelle würden die Beschwerden aus-

schliesslich Personen betreffen, die geltend machten, direkt nach ihrer ille-

galen Einreise im kroatischen Grenzgebiet abgeschoben worden zu sein. 

 

Der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln sei gewährleistet. Sollten die Be-

schwerdeführenden der Ansicht sein, dass ihr Asylverfahren in Kroatien 

nicht korrekt durchgeführt werden würde oder sollten sie sich durch die 

kroatischen Behörden oder Dritte ungerecht oder rechtswidrig behandelt 

fühlen, könnten sie sich auf dem Rechtsweg an die zuständige Behörde in 

Kroatien wenden.  

 

Zusammenfassend bestehe aus Sicht des SEM trotz der besorgniserre-

genden Berichte aus dem kroatischen Grenzgebiet kein Grund zur An-

nahme, die kroatischen Behörden, die der Rückübernahme der Beschwer-

deführenden gemäss der Dublin-III-VO zugestimmt hätten, würden ihnen 

den Zugang zum Asyl- beziehungsweise einem allfälligen Beschwerde- 

oder Wiederaufnahmeverfahren unter Einhaltung der Regeln der Verfah-

rensrichtlinie verweigern respektive den Grundsatz des Non-Refoulement 

missachten. Diese Einschätzung werde im Übrigen auch von den Partner-

behörden Deutschlands und Österreichs geteilt.  

 

Im Weiteren hielt das SEM fest, es gehe nicht davon aus, dass die Be-

schwerdeführenden bei einer Überstellung nach Kroatien gravierenden 

Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und 

Art. 3 EMRK ausgesetzt würden, in eine existenzielle Notlage gerieten oder 

ohne Prüfung ihres Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Refoule-

ment-Gebots in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt würden. Zu-

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dem würden keine systemischen Mängel in Kroatiens Asyl- und Aufnahme-

system vorliegen. Es bestünden ferner auch keine Gründe gemäss Art. 16 

Abs. 1 Dublin-III-VO, die die Schweiz verpflichten würden, das vorliegende 

Asylgesuch zu prüfen. Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kro-

atien hätten ergeben, dass vulnerable Dublin-Rückkehrer wie beispiels-

weise Minderjährige, behinderte Personen oder Familien von den kroati-

schen Behörden bei der Unterbringung, Betreuung, Schulung sowie In-

tegration besondere Unterstützung erhielten. Die Unterbringung erfolge mit 

finanzieller Unterstützung im Asylzentrum in Zagreb, wo die Unterbrin-

gungssituation derzeit entspannt sei. Die Beschwerdeführenden könnten 

zusätzlich bei einer der in Kroatien zahlreich vorhandenen karitativen Or-

ganisationen um Hilfe ersuchen. Bei einer allfälligen vorübergehenden Ein-

schränkung seien sie gehalten, sich nötigenfalls selbstständig an die kroa-

tischen Behörden zu wenden, um die ihnen zustehenden Ansprüche auf 

dem Rechtsweg einzufordern. Kroatien sei ein Rechtsstaat mit einem funk-

tionierenden Justizsystem, welcher über eine Polizeibehörde verfüge, die 

sowohl als schutzwillig wie auch als schutzfähig gelte. Der Zugang zu wirk-

samen Rechtsmitteln sei daher gewährleistet. Was den medizinischen 

Sachverhalt anbelange, so sei festzuhalten, dass Kroatien über eine aus-

reichende medizinische Infrastruktur verfüge. Es würden keine Hinweise 

vorliegen, wonach dieses Land seinen Verpflichtungen im Rahmen der 

Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht nicht nachkommen würde und den 

Beschwerdeführenden eine medizinische Behandlung verweigert hätte 

oder zukünftig verweigern würde. Eine allfällig erforderliche medizinische 

oder psychologische Behandlung könne demnach auch in Kroatien in An-

spruch genommen werden. In Würdigung der Akten und der von den Be-

schwerdeführenden geäusserten Umstände würden keine Gründe vorlie-

gen, welche die Schweiz veranlassten, die Souveränitätsklausel anzuwen-

den. 

D.  

Mit Eingabe vom 15. März 2021 (Poststempel vom 16. März 2021) liessen 

die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

erheben und beantragen, es sei die Verfügung des SEM vom 3. März 2021 

vollständig aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf ihr Asylgesuch ein-

zutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. 

Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 3. März 2021 vollständig auf-

zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung 

zu erteilen. Im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme 

seien die Vollzugsbehörden unverzüglich anzuweisen, von einer Überstel-

lung nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die 

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Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Es sei die unent-

geltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten. 

Auf die Begründung der Beschwerde wird – soweit entscheidrelevant – in 

den Erwägungen eingegangen. 

E.  

Der zuständige Instruktionsrichter setzte am 17. März 2021 gestützt auf 

Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. 

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

17. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- 

und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 

Abs. 3 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

2.3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorlie-

gend handelt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, 

weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriften-

wechsel verzichtet. 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

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men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-

genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel 

III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

3.3. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

 

Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-

schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-

losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er 

nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung 

zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und 

das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-

tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre. Stehen völkerrechtliche Vollzugshinder-

nisse einer Überstellung entgegen, ist ein Selbsteintritt zwingend. 

4.  

Auf Beschwerdeebene wird im Wesentlichen geltend gemacht, entgegen 

der Ansicht des SEM gingen die Mängel im kroatischen Asylsystem und die 

polizeiliche Gewaltanwendung gegenüber den Geflüchteten aus ver-

schiedensten Berichten internationaler Organisationen als zuverlässige 

Quellen eindeutig hervor. Von Push-backs und Polizeigewalt könnten prin-

zipiell auch Dublin-Rückkehrende betroffen sein. 

Die Argumentation des SEM zur Lage in Kroatien sei zu oberflächlich, pau-

schal und greife zu kurz, um die faktische Situation im Aufnahmestaat zu 

beurteilen, was in der Beschwerde mit diversen Berichten dargelegt werde. 

Im Jahr 2019 habe bei insgesamt 250 Asylgesuchen von afghanischen 

Staatsangehörigen die Anerkennungsquote bei 0% und die Ablehnungs-

quote bei 100% gelegen. Zudem sei das Konzept des sicheren Drittstaates 

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im Jahr 2018 auf 29 Personen aus Afghanistan angewendet worden. Es 

sei anzunehmen, dass die Beschwerdeführenden bei einer Dublin-Über-

stellung nach Kroatien ohne rechtsgenügliche Prüfung ihres Asylgesuchs 

und ohne faires Verfahren nach Afghanistan beziehungsweise in einen 

(nicht sicheren) Drittstaat weggewiesen würden. 

Die Vermutung der Beschwerdeführerin, an Depressionen zu leiden, sei 

trotz ihrer Meldungen bei der medizinischen Betreuung im Camp unüber-

prüft und ohne weitere Abklärung geblieben. Das SEM hätte vielmehr im 

Rahmen seiner gesetzlichen Untersuchungspflicht die ärztlichen Berichte 

anfordern müssen, um die besondere Verletzlichkeit der Beschwerdefüh-

renden festzustellen. Dass sie psychisch angeschlagen seien, sei offen-

sichtlich und völlig nachvollziehbar, weshalb die Überprüfung der zu ge-

währleistenden Unterbringung und Gesundheitsversorgung in Kroatien 

vom SEM als Nächstes geschehen sollte. Der European Council on Refu-

gees and Exiles (ECRE) empfehle den Staaten, individuelle Garantien be-

züglich des Zugangs zu adäquater Unterbringung und nötigenfalls medizi-

nischer Versorgung für die im Wege der Dublin-III-VO zu überstellenden 

Personen einzuholen. Bei der komplexen Thematik beschränke sich das 

SEM auf substanzlose Argumente, ohne eine notwendige, individualisierte 

und auf die aktuelle Situation in Kroatien Bezug nehmende Prüfung, ob die 

Beschwerdeführenden im Falle einer Überstellung nicht in eine Notlage ge-

raten könnten, vorzunehmen.  

 

Im Weiteren habe es das SEM im Zusammenhang mit den in der ange-

fochtenen Verfügung angeführten Abklärungen der Schweizer Botschaft in 

Kroatien hinsichtlich Push-backs und Dublin-Rückkehrer unterlassen, die 

detaillierten Fragen an die Botschaft und die konkreten Antworten darauf 

offenzulegen sowie die Vorgehensweise bei den befragten Personen zu 

schildern. Es sei deshalb nicht möglich zu beurteilen, ob bei der Botschafts-

abklärung die notwendige Sorgfalt angewendet worden sei. Aus diesem 

Grund sei auch eine Quellen- und Methodenkritik sowie eine Widerlegung 

der Beurteilung des SEM ausserhalb des Machbaren. Somit liege eine Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs sowie der Begründungspflicht vor. 

Zudem sei der Sachverhalt unvollständig festgestellt worden, womit eine 

Verletzung der Untersuchungspflicht vorliege, was vom Bundesverwal-

tungsgericht in seiner aktuellen Rechtsprechung zu Dublin-Fällen bezüg-

lich Kroatien bereits mehrmals bemängelt worden sei.  

 

 

F-1182/2021 

Seite 13 

5.  

5.1. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral-

einheit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin am 27. November 

2020 in Kroatien um Asyl nachgesucht hatte. Gestützt darauf und die ein-

gereichten kroatischen Asylgesuchsausweise ersuchte das SEM die kroa-

tischen Behörden am 18. Februar 2021 um Wiederaufnahme der Be-

schwerdeführenden. Die kroatischen Behörden hiessen dieses Ersuchen 

am 3. März 2021 gut. Vor diesem Hintergrund ist die grundsätzliche Zu-

ständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-

fahrens gegeben.  

 

Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, sind die dargelegten Vorbrin-

gen nicht geeignet, an dieser Zuständigkeit etwas zu ändern. Sie begrün-

den auch keinen Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der 

Schweiz (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO, Art. 29a Abs. 3 AsylV 1). 

5.2. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es 

wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden. 

5.2.1. Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) sowie der FK, 

und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezügli-

chen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem 

davon ausgegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, 

die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parla-

ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen 

Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-

onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 

5.2.2. Die Vermutung, Kroatien beachte als Mitglied des Gemeinsamen 

Europäischen Asylsystems und Signatarstaat der vorstehend erwähnten 

völkerrechtlichen Abkommen die Menschenrechte, kann im Einzelfall wi-

derlegt werden. Die antragstellende Person hat dazu jedoch konkret dar-

zulegen respektive mindestens glaubhaft zu machen, dass eine aktuelle 

und ernsthafte Gefahr einer Verletzung einer direkt anwendbaren Norm 

F-1182/2021 

Seite 14 

des Völkerrechts droht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 und 7.5). Die Beschwer-

deführenden machen mit Verweis auf ihre Erlebnisse an der (…) Grenze 

und diverse Berichte internationaler Organisationen Mängel im kroatischen 

Asylsystem geltend. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts lie-

gen indessen im heutigen Zeitpunkt, auch unter Würdigung der in der Be-

schwerde erwähnten kritischen Berichterstattung zu Kroatien, keine 

Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-

gungen für Antragstellende in Kroatien wiesen systemische Schwachstel-

len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf (vgl. dazu 

beispielsweise die Urteile des BVGer D-644/2021 vom 18. Februar 2021 

E. 7.2.2; E-5910/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 7.2 und F-5436/2020 

vom 10. November 2020 E. 5.2). Vor diesem Hintergrund vermögen die 

Beschwerdeführenden auch aus der mit der Rechtsmitteleingabe einge-

reichten Notiz der Schweizerischen Flüchtlingshilfe betreffend "Aktuelle Si-

tuation in Kroatien" vom 6. August 2018 (vgl. Akten des Bundesverwal-

tungsgerichts [BVGer-act.] 1, Beilage 4) nichts zu ihren Gunsten abzulei-

ten. 

5.2.3. Für den vorliegenden Fall ist ausserdem festzustellen, dass das 

SEM in Beachtung des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts  

E-3078/2019 vom 12. Juli 2019 E. 5.5–5.8 eine Einzelfallprüfung vorge-

nommen hat und dabei unter Verweis auf die mehrfachen Abklärungen 

durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zum Schluss gekommen ist, 

dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien 

zurückgeführt werden, nicht von der problematischen Push-back-Praxis 

betroffen sind. Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholungen 

auf die ausführlichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie-

sen werden (vgl. BVGer-act. 1, Beilage 1, S. 4). Das SEM hat in der Verfü-

gung die Erkenntnisse aus den Abklärungen der Schweizer Botschaft in 

Kroatien zu den Push-backs und zu Dublin-Rückkehrern in zusammenge-

fasster Form widergegeben und nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen 

Überlegungen es sich hat leiten lassen (vgl. oben Sachverhalt, Bst. C). Da-

mit ist es entgegen der Beschwerde seiner Begründungspflicht in ausrei-

chender Weise nachgekommen; zusätzlicher Informationen oder Quellen-

angaben bedurfte es nicht (vgl. Urteil des BVGer D-5691/2020 vom 9. Ja-

nuar 2021 E. 4.3 m.H.). Eine sachgerechte Anfechtung war denn auch 

möglich, wie die vorliegende Beschwerde zeigt. Eine Verletzung der Be-

gründungspflicht respektive des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt so-

mit nicht vor. 

Nach dem Gesagten ist auch unter Berücksichtigung der von den Be-

schwerdeführenden geschilderten Erlebnisse nicht davon auszugehen, 

F-1182/2021 

Seite 15 

dass Kroatien systematisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen 

verstösst. Im Übrigen haben die Beschwerdeführenden gemäss den Anga-

ben der kroatischen Behörden dort bereits Asylgesuche gestellt, welche 

weiterhin hängig sind (vgl. Zustimmungsschreiben [SEM-act. 37/1, 39/1]: 

"The procedure is still ongoing"), weshalb davon auszugehen ist, dass die 

Verfahren bei der Rückkehr weitergeführt werden. Sodann lassen die auf 

Beschwerdeebene monierten geringen Chancen von afghanischen Asylsu-

chenden auf einen positiven Asylentscheid in Kroatien keine Rückschlüsse 

auf die Qualität des kroatischen Asylsystems zu, weshalb dieser Einwand 

ebenfalls nicht auf Schwachstellen im kroatischen Asylsystem schliessen 

lässt. Die Beschwerdeführenden haben ferner auch nicht konkret dargetan, 

die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien seien 

derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-

rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Wie Abklärun-

gen der Schweizer Botschaft in Kroatien ergeben haben, werden vul-

nerable Dublin-Rückkehrer bei der Unterbringung, Betreuung, Schulung 

sowie Integration besonders unterstützt. Ausserdem ist die Unterbrin-

gungssituation im Asylzentrum in Zagreb, wo die Unterbringung erfolgt, 

zurzeit entspannt (vgl. BVGer-act. 1, Beilage 1, S. 6). Vor diesem Hinter-

grund ist auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden 

bei einer Wegweisung nach Kroatien in eine existenzielle Notlage geraten 

könnten. 

5.2.4. Unter den genannten Umständen ist die Anwendung von Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. Es sind ferner auch keine indivi-

duellen völkerrechtlichen Überstellungshindernisse gegeben. 

5.3.  

5.3.1. Hinsichtlich des Gesundheitszustands ergibt sich aus den Akten fol-

gender Sachverhalt:  

 

Bei der migrationsmedizinischen Abklärung vom 5. Januar 2021 erklärte 

die Beschwerdeführerin, sie leide an Übelkeit, Juckreiz, Depressionen, 

Freud- und Lustlosigkeit, habe gynäkologische Probleme und Albträume. 

Der Beschwerdeführer seinerseits gab an, an Juckreiz, Depressionen, 

Freud- und Lustlosigkeit, Haarausfall und Nasenlaufen zu leiden (vgl. SEM-

act. 44/2, 45/2).  

 

Anlässlich der Dublin-Gespräche machten die Beschwerdeführenden psy-

chische Probleme geltend. Die Beschwerdeführerin erwähnte zudem, sie 

sei wegen Juckreiz behandelt worden.  

 

F-1182/2021 

Seite 16 

Gemäss den Behandlungseinträgen der (…) wurden bei der Beschwerde-

führerin folgende Diagnosen gestellt: Zustand nach Adnexitis, Verdacht auf 

Verwachsungen, intermittierend Unterbauchbeschwerden links, Oli-

gomenorrhoe, Stresssyndrom, Untergewicht und Scabies. Beim Be-

schwerdeführer wurde ebenfalls Scabies diagnostiziert (vgl. SEM-act. 

30/3, 31/2, 32/1, 43/2). 

Mit E-Mail vom 3. März 2021 stellte die (…) dem SEM die medizinischen 

Unterlagen der Beschwerdeführenden zu und teilte mit, dass das Ehepaar 

aktuell keine Arzttermine habe. Laut den vorliegenden Unterlagen sei keine 

psychologische Abklärung erfolgt (vgl. SEM-act. 41/1). 

5.3.2. Die vorliegenden gesundheitlichen Probleme stellen offensichtlich 

kein völkerrechtliches Vollzugshindernis im Sinne von Art. 3 EMRK dar, 

welches zwingend zu einem Selbsteintritt führen müsste. Die fraglichen 

Beeinträchtigungen können nicht als schwerwiegend bezeichnet werden. 

Demnach war das SEM – entgegen anderslautender Einschätzung – we-

der gehalten, weitere medizinische Abklärungen zu treffen noch individu-

elle Garantien bei den kroatischen Behörden einzuholen. Ausserdem ist 

festzuhalten, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infra-

struktur verfügt und gemäss Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie verpflichtet 

ist, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung zugäng-

lich zu machen. Konkrete Hinweise, wonach den Beschwerdeführenden 

eine adäquate medizinische Behandlung verweigert würde, liegen nicht 

vor. Ihre Überstellung nach Kroatien ist nach dem Gesagten als zulässig 

zu erachten. 

5.4. Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, in Würdigung 

der Akten und der von den Beschwerdeführenden geäusserten Umstände 

bestünden keine Gründe, die die Schweiz veranlassen würden, die Souve-

ränitätsklausel anzuwenden. Es hat diesen Umständen Rechnung getra-

gen und sich mit der Situation der Beschwerdeführenden, auch in medizi-

nischer Hinsicht, hinreichend auseinandergesetzt (vgl. BVGer-act. 1, Bei-

lage 1, S. 6-7). Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung er-

weist sich damit als unbegründet.  

 

5.5. Die Beschwerdeführenden möchten in der Schweiz bleiben. Mit ihrer 

Begründung können sie insgesamt nicht das gewünschte Verfahrensziel – 

die Behandlung ihrer Asylgesuche in der Schweiz – erreichen, zumal die 

Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag 

prüfenden Staat selbst auszuwählen. In ihrem Fall sind ebenso keine 

Gründe ersichtlich, welche die Vorinstanz zu einem Selbsteintritt gemäss 

F-1182/2021 

Seite 17 

Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 hätten ver-

pflichten können. 

6.  

Die Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu Recht und ohne Ermessensfeh-

ler auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und 

hat ihre Wegweisung verfügt (vgl. Art. 31a Abs. 1 Bst. b und Art. 44 AsylG). 

Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.  

 

Angesichts dessen fällt eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur 

Neubeurteilung ausser Betracht, weshalb der entsprechende Eventualan-

trag abzuweisen ist. 

7.  

Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Ertei-

lung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

Der am 17. März 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem 

Urteil dahin und die Vorinstanz hat den Beschwerdeführenden eine neue 

Frist zur Ausreise anzusetzen. 

8.  

8.1. Die Begehren waren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen 

ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen, weshalb das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG un-

besehen der geltend gemachten Bedürftigkeit abzuweisen ist. 

8.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).  

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

 

 

 

 

 

 

F-1182/2021 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig 

 

 

Versand: