# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4660580f-9608-5e05-a67a-083c4dd28fd1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.12.2010 D-8328/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8328-2010_2010-12-08.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8328/2010
sch/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Hans Schürch, 
mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.__________, geboren (...),
B.__________, geboren (...),
C.__________, geboren (...),
Kolumbien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 12. Oktober 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8328/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die Beschwerdeführenden mit spanischsprachiger Eingabe vom 
Januar 2009 an die Schweizerische Botschaft in Kolumbien (Bogotá) 
gelangten und unter Verweis auf gleichzeitig eingereichte Dokumente 
sinngemäss um die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um 
Asyl nachsuchten, 

dass für die Begründung des Gesuchs auf die Akten zu verweisen ist,

dass  die  Botschaft  diese Eingabe mit  Begleitschreiben vom 14. Mai 
2009  an  das  BFM  weiterleitete  und  darauf  hinwies,  dass  eine  Be-
fragung aus Kapazitätsgründen nicht möglich sei,

dass das BFM den Beschwerdeführenden mit Zwischenverfügung vom 
17. Mai 2010 mitteilte, es erachte den entscheidrelevanten Sachverhalt 
aufgrund der vorliegenden Akten, namentlich der schriftlichen Begrün-
dung des Asylgesuchs und der beigelegten ausführlichen Dokumen-
tation, als erstellt,  weshalb sich eine Anhörung auf der Botschaft  als  
nicht notwendig erweise, 

dass das BFM den Beschwerdeführenden gleichzeitig unter Ansetzung 
einer Frist von 30 Tagen zur Stellungnahme mitteilte, es erachte unter 
Berücksichtigung aller Faktoren und aufgrund der vorliegenden Akten 
die  Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben,  wes-
halb beabsichtigt werde, die Einreise in die Schweiz zu verweigern und 
das Asylgesuch abzulehnen, 

dass die Botschaft dem BFM am 16. Juli 2010 mitteilte, sie habe die 
Zwischenverfügung vom 17. Mai  2010 am 16. Juni  2010 an die Be-
schwerdeführenden versandt,  und diesem Schreiben eine Empfangs-
bestätigung beilag,  gemäss welcher  die  Zwischenverfügung den Be-
schwerdeführenden am 9. Juni 2010 eröffnet wurde,

dass die  Botschaft  dem BFM am 5. August  2010  eine  vom 14. Juli 
2010  datierende  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden  über-
mittelte, die am 19. Juli 2010 bei der Botschaft eingegangen war, wo-
bei die Botschaft erneut festhielt, sie habe die Zwischenverfügung vom 
17. Mai 2010 am 16. Juni 2010 an die Beschwerdeführenden weiter-
geleitet,

Seite 2

D-8328/2010

dass das Bundesamt mit Verfügung vom 12. Oktober 2010 – eröffnet 
am 12. November 2010 – die Einreise in die Schweiz nicht bewilligte 
und die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ablehnte, 

dass für die Begründung der angefochtenen Verfügung auf die Akten 
und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwä-
gungen zu verweisen ist, 

dass die Botschaft  mit  Begleitschreiben vom 25. November 2010 die 
in spanischer Sprache verfasste Rechtsmitteleingabe vom 13. Novem-
ber 2010 (der eine Übersetzung in die französische Sprache beilag) 
übermittelte,  mit  welcher  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss  die 
Bewilligung der Einreise in die Schweiz und die Gewährung von Asyl  
anbegehrten, 

dass für die Begründung der Beschwerde auf die Akten zu verweisen 
ist,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes 
vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-33  des  Ver-
waltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass die Beschwerdeführenden durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt  sind,  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung 
der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

Seite 3

D-8328/2010

dass die Beschwerdeschrift die Begehren, deren Begründung mit An-
gabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  des  Beschwerdeführers 
oder seines Vertreters zu enthalten hat (Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass  es  die  Beschwerdeführenden  unterlassen  haben,  die  Eingabe 
vom 13. November 2010 eigenhändig zu unterzeichnen, weshalb ihnen 
grundsätzlich  eine  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung  anzusetzen 
wäre (Art. 52 Abs. 2 und 3 VwVG i.V.m. Art. 110 Abs. 1 AsylG),

dass der Beschwerde jedoch die mit eigenhändigen Unterschriften ver-
sehene  Empfangsbestätigung  beiliegt  und  diese  von  der  schweize-
rischen  Botschaft  in  Kolumbien  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
übermittelt wurde, weshalb keine Zweifel daran bestehen, dass die Be-
schwerdeführenden persönlich Beschwerde eingereicht haben, 

dass die Eingabe deshalb als rechtsgenüglich erachtet  werden kann 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 16 E. 2 b-e S. 99 f.), zumal die 
Ansetzung  einer  Nachfrist  beim  vorliegenden  Auslandverfahren  zu 
einer Verzögerung von mindestens zwei Monaten führen würde, was 
nicht im Interesse der Beschwerdeführenden liegen kann.

dass somit auf die frist- und (mit Ausnahme des erwähnten Mangels) 
formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art.  108 Abs. 1 
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend auf-
gezeigt,  um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

Seite 4

D-8328/2010

dass  die  Verfügung  des  BFM  den  Beschwerdeführenden  am 
13. November 2010 eröffnet  wurde, weshalb die Beschwerdefrist  am 
13. Dezember 2010 abläuft,

dass vorliegend ein Entscheid während noch laufender Rechtsmittel-
frist  angezeigt  erscheint,  da  die  Beschwerde  als  abschliessend  er-
scheint und den Beschwerdeführenden angesichts des Verfahrensaus-
gangs  in  keinerlei  Hinsicht  ein  Nachteil  entsteht  (vgl.  EMARK  1997 
Nr. 13 E. 1 S. 95 ff.),

dass im Asylverfahren der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen 
festzustellen ist (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und diese behörd-
liche Untersuchungspflicht durch die den Asylsuchenden gestützt auf 
Art.  8  AsylG auferlegte  Mitwirkungspflicht  eingeschränkt  wird,  wobei 
diese insbesondere bei  der  Anhörung vollständig anzugeben haben, 
weshalb sie um Asyl nachsuchen (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG), 

dass die Asylsuchenden auch einen Anspruch auf Mitwirkung haben, 
was sich unmittelbar aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) 
ergibt, 

dass  der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  verlangt,  dass  die  ver-
fügende  Behörde  die  Vorbringen  der  betroffenen  Person  tatsächlich 
hört, prüft und bei der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich ent-
sprechend in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (Art.  35 
Abs. 1 VwVG, vgl. EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3),

dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  festhielt,  den  Be-
schwerdeführenden sei mit Zwischenverfügung vom 17. Mai 2010 das 
rechtliche Gehör bezüglich eines Verzichts  des BFM, eine Anhörung 
auf  der Botschaft  durchzuführen,  sowie der Absicht,  das Asylgesuch 
abzulehnen, gewährt worden,

dass sie die angesetzte Frist zur Stellungnahme ungenutzt hätten ver-
streichen lassen,

dass  die  schweizerische  Botschaft  in  Kolumbien  dem BFM zweimal 
mitteilte,  die  Zwischenverfügung  vom  17.  Mai  2010  sei  von  ihr  am 
16. Juni 2010 an die Beschwerdeführenden versandt worden,

Seite 5

D-8328/2010

dass die Botschaft dem BFM zudem eine von ihr auf den 16. Juni 2010 
datierte Empfangsbestätigung zustellte, die den Beschwerdeführenden 
gemäss handschriftlichem Eintrag am 9. Juni 2010 zugestellt  worden 
sein soll,

dass  es  sich  bei  der  Datierung  der  Beschwerdeführenden  (9.  Juni 
2010) offensichtlich um ein Versehen handeln muss, da sie etwas, das 
ihnen am 16. Juni 2010 zugestellt wurde, nicht eine Woche zuvor er-
halten haben können,

dass das BFM in der angefochten Verfügung auf diesen Umstand mit 
keinem  Wort  hinweist  und  ohne  weitere  Abklärungen  nicht  davon 
ausgehen  durfte,  die  vom 14. Juli  2010  datierende  und  am 19. Juli 
2010  bei  der  Botschaft  eingegangene  Stellungnahme  sei  verspätet 
eingereicht  worden  beziehungsweise  die  angesetzte  Frist  sei 
ungenutzt verstrichen,

dass das BFM, selbst wenn die Stellungnahme verspätet eingegangen 
sein  sollte,  was  angesichts  der  Aktenlage  mit  überwiegender  Wahr-
scheinlichkeit  nicht  der  Fall  sein  dürfte  (die  an  die  Beschwerde-
führenden am 21. Oktober  2010 per  Post  zugestellte  Verfügung des 
BFM vom 12. Oktober 2010 wurde ihnen gemäss Rückschein erst am 
12.  November  2010  eröffnet),  unter  dem Gesichtspunkt  von  Art.  32 
Abs. 2 VwVG hätte prüfen müssen, ob die in der Stellungnahme ver-
späteten  Parteivorbringen,  die  ausschlaggebend  erscheinen,  zu  be-
rücksichtigen wären,

dass das BFM durch diese Unterlassungen das rechtliche Gehör der 
Beschwerdeführenden verletzt, den Sachverhalt unvollständig respek-
tive unrichtig festgestellt, die Begründungspflicht und damit insgesamt 
Bundesrecht verletzt hat,

dass zwar eine Missachtung von Verfahrensvorschriften durch die Vor-
instanz aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwaltungs-
gerichts  (Art.  106  AsylG)  in  bestimmten  Schranken  geheilt  werden 
kann, 

dass die festgestellte Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, des 
Anspruchs der  Beschwerdeführenden  auf  rechtliches  Gehör  und die 
Missachtung  der  Begründungspflicht  auf  Beschwerdeebene  nicht  zu 
heilen sind, zumal es nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens 

Seite 6

D-8328/2010

vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ist,  von  der  Vorinstanz  unter-
lassene Verfahrenshandlungen nachzuholen, 

dass  gegen  eine  Heilung  insbesondere  auch  der  Umstand  spricht, 
dass  den  Beschwerdeführenden  andernfalls  eine  Instanz  verloren 
ginge (vgl. dazu EMARK 1998 Nr. 34 E. 10d S. 292),

dass  die  Beschwerde  demnach  im  Sinne  der  Erwägungen  gutzu-
heissen,  die  angefochtene  Verfügung  vom 12.  Oktober  2010  aufzu-
heben  und  das  Bundesamt  anzuweisen  ist,  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt vollständig und richtig festzustellen und in der Sache neu 
zu entscheiden, 

dass sich bei dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den Aus-
führungen in der Beschwerde beziehungsweise der Stellungnahme der 
Beschwerdeführenden vom 14. Juli 2010 erübrigt, zumal es Sache der 
Vorinstanz sein wird, sich damit zu befassen, 

dass die  Aufhebung der angefochtenen Verfügung vorliegend für  die 
Beschwerdeführenden nicht  zu  einer  Bewilligung der  Einreise  in  die 
Schweiz  führt,  da  sich  aus  den  Akten  keine  genügend  konkreten 
Anhaltspunkte  für  die Annahme ergeben,  ihnen wäre ein Verbleib in 
Kolumbien für die Dauer der weiteren, noch erforderlichen Verfahrens-
handlungen nicht zumutbar im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass aufgrund der Akten nicht  davon auszugehen ist,  den nicht ver-
tretenen  Beschwerdeführenden  seien  verhältnismässig  hohe  Kosten 
entstanden,  weshalb  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist 
(Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 7

D-8328/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 12. Oktober 2010 wird aufgehoben. Das BFM wird 
angewiesen, den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig 
festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführenden  durch  Vermittlung  der  schweizerischen 
Botschaft in Kolumbien (per EDA-Kurier) 

- die schweizerische Botschaft in Kolumbien, Ref.-Nr. (...) / N (...), mit 
der  Bitte,  das beiliegende Urteil  den Beschwerdeführenden durch 
Aushändigung  des  Originals  [Einschreiben  mit  Rückschein]  zu 
eröffnen  und  dem  Gericht  anschliessend  den  Rückschein  zu 
übermitteln (per EDA-Kurier; in Kopie)

- das BFM, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

Seite 8