# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d503c1a7-7c67-56f2-a11d-19e1c1527292
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-04-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.04.2015 D-1570/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1570-2014_2015-04-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1570/2014 /wua 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  A p r i l  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richter Hans Schürch,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

und ihre Tochter 

B._______, geboren (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Hansjörg Trüb, 

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 22. Januar 2014 / N (…). 

 

 

D-1570/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Eingabe an die Schweizerische Botschaft in Colombo (nachfolgend: die 

Botschaft) vom 3. April 2012 (dort eingegangen am 6. April 2012) ersuchte 

die Beschwerdeführerin um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und 

die Gewährung von Asyl. Nach entsprechender Aufforderung reichte sie 

mit Eingabe an die Botschaft vom 25. April 2012 (dort eingegangen am 

30. April 2012) ergänzende Ausführungen nach. Am 15. Mai 2012 wurde 

sie in den Räumen der Botschaft zu ihren Asylgründen angehört.  

Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin gel-

tend, (…) sei ihr Bruder während seines Dienstes für die Liberation Tigers 

of Tamil Eelam (LTTE) als Kämpfer bei der C._______ gestorben. Durch 

seinen Einfluss sei sie (…) auch den LTTE beigetreten, habe ein dreimo-

natiges militärisches Training bei den D._______ absolviert und sei dann 

an verschiedenen Orten im Einsatz gewesen. 1998 sei sie nach 

E._______, Mannar gegangen, wo sie am (…) geheiratet habe. Nach der 

Heirat habe sie den LTTE gesagt, sie wolle nicht mehr bei ihnen weiterma-

chen, woraufhin sie mit einem einmonatigen Kochdienst bestraft worden 

sei. Ihr Ehemann habe für die LTTE in der Sektion von Kommandant 

F._______ als Arzt gearbeitet und die Verletzten auf dem Schlachtfeld ge-

pflegt. Seit dem (…) Januar 2000 sei er verschwunden. Die LTTE hätten 

ihr gesagt, er sei am Leben, sie würden ihn wieder finden und sie solle ihn 

nicht über das Rote Kreuz suchen. Zwischen (…) und (…) habe sie selber 

eine bezahlte Anstellung bei den LTTE in der G._______ gehabt. Sie sei 

zuständig gewesen für (…). Am (…) Mai 2009 habe sie sich der Regierung 

ergeben und sei in ein IDP-Camp gebracht worden. Sie sei dort verhört 

worden, habe aber ihre LTTE-Vergangenheit verheimlichen können und 

daher keine Probleme gehabt. Am (…) Oktober 2009 sei sie wieder entlas-

sen worden und nach H._______ zurückgekehrt, wo sie seither lebe. 

Im November 2009 sei der Ehemann ihrer Schwester, der Fahrer bei den 

LTTE gewesen sei, vor ihren Augen unter Folter vom Criminal Investigation 

Department (CID) festgenommen worden. Ihre Schwester sei danach be-

fragt worden. Sie hätten den Vorfall an verschiedenen Stellen gemeldet. 

Am (…) Januar 2010 sei er nach einem Gerichtsverfahren entlassen wor-

den. Nachdem er zuerst ein Asylgesuch bei der schweizerischen Botschaft 

gestellt habe, sei er im Dezember 2011 nach Malaysia geflüchtet. Nach 

seiner Verhaftung im November 2009 sei sie zu Hause vom CID befragt 

worden. Seither werde sie alle zwei bis drei Wochen von Unbekannten in 

Zivil, vermutlich mit den Sicherheitskräften verbandelte Personen, verhört 

D-1570/2014 

Seite 3 

und nach ihrem Mann befragt, weil diese dächten, er würde noch leben. 

Deshalb wohne sie nicht mehr zu Hause und verstecke sich tageweise bei 

verschiedenen Freunden und Verwandten in Mannar. Doch auch dort 

werde sie befragt. Die Tochter habe sie bei ihren Eltern gelassen und be-

suche sie regelmässig. Auch anlässlich dieser Besuche werde sie aufge-

sucht und befragt. Seit ihr Bruder, welcher (…) von den LTTE zwangsre-

krutiert worden sei, 2009 in die Schweiz geflüchtet sei, werde sie auch nach 

diesem befragt und wo er seine Waffen versteckt habe. Sie drohten ihr, sie 

würden sie und ihre Tochter entführen. Sie hätten sie auch aufgefordert, 

sich in ihrem Büro zu melden, aus Angst sei sie aber nicht hingegangen. 

Auch ihre Tochter und ihre Eltern würden befragt. Sie sei überzeugt, ihr 

Ehemann sei noch am Leben, habe aber nie eine Suchaktion nach ihm 

gestartet, weil sie Angst habe, dass sich ihre Probleme dadurch verschlim-

mern würden. Als sie am (…) Mai 2012 von der Botschaftsanhörung zu-

rückgekehrt sei, seien zwei Personen in Zivil zu ihrem Haus gekommen 

und hätten sie gefragt, wo sie gewesen sei und hätten auch ihre Eltern 

bedroht. Ihre Tochter werde auf dem Schulweg angehalten und nach ihrem 

Vater befragt. Am (…) Juni 2012 seien wieder zwei Personen in Zivil zu 

ihrem Elternhaus gekommen und hätten gesagt, sie seien vom CID und 

würden gegen ihren Bruder und sie ermitteln, weshalb sie sich bei der Po-

lizei zu melden hätte. Am (…) Juli 2012 sei ihre Tochter wieder auf dem 

Schulweg angehalten und gefragt worden, weshalb sie der Polizei nicht 

gemeldet habe, dass ihr Vater und ihr Onkel bei den LTTE gewesen seien. 

Am (…) August 2012 hätten fünf Männer in Zivil, die sich als CID-Beamte 

ausgegeben hätten, auf dem Weg von Mannar nach H._______ ihre Per-

sonalien aufgenommen und sie nach ihrem Bruder befragt. Am (…) August 

2012 seien sie wieder gekommen. 

Zur Stützung ihres Asylgesuches reichte sie ein Schreiben einer Kirche 

vom 19. Oktober 2012, worin eine Verfolgung bestätigt wird, zu den Akten.  

B.  

Mit Begleitschreiben vom 16. Mai 2012 wurden die Akten von der Botschaft 

ans BFM weitergeleitet, wo sie am 24. Mai 2012 eintrafen. 

C.  

Am 18. Juni 2012, 30. Juli 2012, 25. August 2012 und 24. Oktober 2012 

reichte die Beschwerdeführerin ergänzende Eingaben zu den Akten. Mit 

Schreiben vom 23. April 2013 (Eingang Botschaft) erkundigte sie sich nach 

dem Stand ihres Verfahrens. 

D-1570/2014 

Seite 4 

D.  

Mit Verfügung vom 22. Januar 2014, durch die Botschaft am 17. Februar 

2014 versandt, verweigerte das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise 

in die Schweiz und wies ihr Asylgesuch ab. 

E.  

Mit Eingabe vom 17. Februar 2014 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter 

sein Mandat an und bat um Akteneinsicht. 

F.  

Mit Verfügung vom 21. Februar 2014 wurde dem Rechtsvertreter die bean-

tragte Akteneinsicht gewährt. 

G.  

Mit Eingabe vom 24. März 2014 erhob die Beschwerdeführerin – handelnd 

durch ihren Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid Beschwerde und 

beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Bewilligung 

der Einreise in die Schweiz und die Asylgewährung. In formeller Hinsicht 

ersuchte sie um Einbezug ihrer minderjährigen Tochter in ihr Verfahren, um 

eine Frist von drei Wochen zur Beschwerdeergänzung und um Verzicht auf 

die Erhebung von Verfahrenskosten sowie eines Kostenvorschusses. 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2014 wurde die minderjährige Tochter 

der Beschwerdeführerin in das Verfahren der Mutter einbezogen, auf die 

Erhebung von Verfahrenskosten und eines Kostenvorschusses verzichtet 

und der Beschwerdeführerin Gelegenheit eingeräumt, bis zum 17. April 

2014 eine Beschwerdeergänzung einzureichen. 

I.  

Nach gewährter Fristerstreckung reichte die Beschwerdeführerin mit Ein-

gabe vom 29. April 2014 (Poststempel) eine Beschwerdeergänzung zu den 

Akten. 

J.  

In seiner Vernehmlassung vom 2. Juni 2014 hielt das BFM an seinen Er-

wägungen vollumfänglich fest. 

K.  

Mit Replik vom 30. Juni 2014 nahm die Beschwerdeführerin zur Vernehm-

lassung des BFM Stellung und beantragte eine Frist, zur Einreichung wei-

terer Beweismittel. 

D-1570/2014 

Seite 5 

L.  

Mit Verfügung vom 2. Juli 2014 trat die Instruktionsrichterin auf das Gesuch 

um Fristerstreckung zufolge Verspätung nicht ein und verwies für nachträg-

liche Vorbringen auf Art. 32 Abs. 2 VwVG. 

M.  

Mit Eingabe vom 7. Oktober 2014 reichte die Beschwerdeführerin die an-

gekündigten Beweismittel zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Aufgrund der derzeitigen Aktenlage lässt sich der Zeitpunkt der Eröff-

nung der angefochtenen Verfügung nicht genau bestimmen. Der Rück-

schein der sri-lankischen Post fehlt. Gemäss dem von der Beschwerdefüh-

rerin eingereichten Briefumschlag, auf dem Stempel vom 20., 22. und 

24. Februar 2014 zu sehen sind, dürfte der Brief am 22. Februar 2014 in 

Mannar und am 24. Februar 2014 in I._______ eingetroffen sein. Somit 

dürfte das in der Beschwerdeergänzung angegebene Eröffnungsdatum 

vom 24. Februar 2014 zutreffend sein. Auch wenn dies schon zum Zeit-

punkt des ersten Stempels (20. Februar 2014) geschehen wäre, wäre die 

Frist mit der Beschwerdeeingabe vom 24. März 2014 gewahrt. Zudem liegt 

die Beweislast für die Rechtsmittelfrist ohnehin bei den Behörden (vgl. Zwi-

schenverfügung vom 2. April 2014). Insgesamt ist somit weiterhin von der 

Rechtzeitigkeit der Beschwerde auszugehen. 

D-1570/2014 

Seite 6 

1.4 Die Beschwerde ist somit frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1 Im Rahmen der von der Bundesversammlung am 14. Dezember 2012 

beschlossenen Asylgesetzrevision (AS 2013 4383; in Kraft getreten am 

1. Februar 2014) wurde aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG – die Rüge der Un-

angemessenheit – ersatzlos gestrichen. Im asylrechtlichen Beschwerde-

verfahren kann demnach im Sinne von Art. 106 Abs. 1 AsylG neu lediglich 

die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch, Über- und 

Unterschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 

Abs. 1 Bst. a und b AsylG).  

2.2 Gestützt auf Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des 

Asylgesetztes vom 14. Dezember 2012 gilt für die im Zeitpunkt des Inkraft-

tretens hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2 - 4 das neue 

Recht. Die Absätze 2 - 4 sind für das vorliegende Verfahren nicht von Be-

achtung.  

2.3 Der revidierte Art. 106 Abs. 1 AsylG mit Inkrafttreten per 1. Februar 

2014 ist gemäss Wortlaut auch auf jene Beschwerdeverfahren anwendbar, 

die im Zeitpunkt der Rechtsänderung bereits hängig waren. In Anbetracht 

der nachfolgenden Erwägungen kann vorliegend jedoch offen gelassen 

werden, ob eine solche übergangsrechtliche Normierung mit den einschlä-

gigen verfassungsrechtlichen Grundsätzen, insbesondere Art. 5, 8 und 9 

BV, vereinbar ist. 

2.4 Soweit mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 

28. September 2012 (AS 2012 5359; in Kraft getreten am 29. September 

2012; angenommen durch die Volksabstimmung vom 9. Juni 2013 [BBl 

2013 6613]) die Möglichkeit der Asylgesuchstellung im Ausland abge-

schafft wurde, kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da 

gemäss Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 

http://www.admin.ch/ch/d/as/2013/4375.pdf

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Seite 7 

für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung ge-

stellt worden sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in 

der bisherigen Fassung gelten. 

3.  

Wird ein Asylgesuch im Ausland bei einer Schweizerischen Vertretung ge-

stellt, so führt diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be-

fragung durch und überweist das Gesuch anschliessend an das SEM (vgl. 

dazu aArt. 19 und aArt. 20 Abs. 1 AsylG sowie aArt. 10 Abs. 1 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 

142.311]). Ist die Durchführung einer Befragung nicht möglich, so wird die 

asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe 

schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Im vorliegenden Verfahren 

hat die Botschaft mit der Beschwerdeführerin eine Anhörung zu den Ge-

suchsgründen durchgeführt. 

4.   

4.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz 

zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden 

kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen 

Staat auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na-

mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutz-

bedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimat-

staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Reli-

gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 

wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer-

den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, 

Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychi-

schen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

4.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und 

damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hinweise 

auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr 

zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 

Abs. 2 AsylG).  

4.3 Bei der Beurteilung der Elemente der Flüchtlingseigenschaft im Sinne 

von Art. 3 AsylG und deren Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG 

handelt es sich um Rechtsfragen respektive um einen Beweismassstab, 

der mittels Gesetzesauslegung zu konkretisieren ist. Dem BFM kommt 

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Seite 8 

diesbezüglich kein Ermessen zu (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts D-103/2014 vom 21. Januar 2015 E. 7.3 

und auch schon BVGE 2010/54 E. 7.7). Die vorliegend zu beurteilende 

Frage nach der Gefährdung der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 3 

AsylG ist gestützt auf Art. 106 Abs. 1 AsylG somit nach wie vor vollumfäng-

lich überprüfbar.  

5.  

5.1 Das BFM hielt in seiner ablehnenden Verfügung fest, aufgrund der er-

wähnten Vorfälle sei es zwar verständlich, dass sich die Beschwerdeführe-

rin vor Verfolgungsmassnahmen fürchte und in die Schweiz ausreisen 

wolle. Vorliegend gelange das BFM aber zum Schluss, dass sie – bei einer 

objektivierten Betrachtungsweise – nicht akut gefährdet sei. Belegt werde 

dies unter anderem dadurch, dass sie freigelassen worden sei und seither 

keine weitere Anklage erhoben worden sei. Es bestünden keine Anhalts-

punkte, dass sie aufgrund ihrer Inhaftierung in absehbarer Zukunft erneut 

staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein könnte. Nicht auszu-

schliessen sei zwar, dass sie auch nach ihrer Entlassung aus dem IDP-

Camp weiterhin unter Beobachtung der sri-lankischen Behörden stünde. 

Derartigen Massnahmen, die im Zusammenhang mit der allgemeinen Be-

kämpfung des Terrorismus der LTTE zu sehen seien, komme indessen be-

reits aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter zu. Sodann 

genüge allein die subjektive Angst vor einer allfällig künftig möglichen Be-

drohung nicht, um auf das Vorliegen einer begründeten Furcht vor künftiger 

Verfolgung zu schliessen. Wären die sri-lankischen Behörden nach wie vor 

überzeugt, dass die Beschwerdeführerin in irgendeiner Weise eine Gefahr 

darstelle, wäre sie zweifellos nach ihrer Freilassung erneut inhaftiert wor-

den, was jedoch nicht der Fall sei. Ihre damaligen Schwierigkeiten müssten 

vor dem Hintergrund der zu jener Zeit allgemein angespannten Situation 

betrachtet werden. Der Krieg zwischen der sri-lankischen Regierung und 

den LTTE sei im Mai 2009 zu Ende gegangen. Die Sicherheits- und Men-

schenrechtslage habe sich inzwischen erheblich verbessert. Auf eine Zu-

sammenarbeit der Regierung mit bewaffneten Organisationen oder Grup-

pierungen bestünden zudem keinerlei Hinweise mehr. Die geltend ge-

machten Aufsuchungen und Befragungen durch Unbekannte würden nicht 

als derart intensiv gewertet, dass sie eine Bewilligung der Einreise recht-

fertigen würden. Den Akten sei auch nicht zu entnehmen, dass sie seit April 

2013 noch irgendwelche Schwierigkeiten gehabt habe oder ihr solche dro-

hen würden. In Anbetracht dieser Ausführungen sowie aufgrund des Um-

standes, dass sie kein Gefährdungsprofil aufweise, das im heutigen Zeit-

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Seite 9 

punkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit auf eine Verfolgung des sri-lanki-

schen Staates schliessen lassen würde, seien die geltend gemachten Vor-

bringen nicht einreiserelevant. An diesen Erwägungen vermöchten auch 

die eingereichten Dokumente nichts zu ändern, stützten sie doch lediglich 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin, deren Glaubhaftigkeit vorliegend 

nicht in Frage gestellt würden. 

5.2 In ihrer Beschwerdeeingabe hielt die Beschwerdeführerin dem entge-

gen, die Feststellung der Vorinstanz, den Akten sei nicht zu entnehmen, 

dass sie seit April 2013 noch Schwierigkeiten gehabt habe, greife zu kurz. 

Angesichts der überlangen Verfahrensdauer und dem völlig unbekannten 

Entscheidzeitpunkt habe nicht von ihr verlangt werden können, dass sie 

stets über alle Begebenheiten informiere. Vielmehr wäre es Aufgabe der 

Vorinstanz gewesen, vor der Entscheidfällung durch Vermittlung der Bot-

schaft nach einem Update zu fragen. Durch dieses Versäumnis habe es 

den Sachverhalt nicht richtig ermittelt und das rechtliche Gehör verletzt. 

Folgende Ereignisse hätten sich seit Oktober 2012 zugetragen. Im Novem-

ber 2012 seien Armeeangehörige mit einem Mann tamilischer Ethnie zu 

ihnen nach Hause gekommen und hätten gesagt, sie hätten durch diesen 

Mann erfahren, dass ihr Bruder Mitglied der LTTE gewesen und gestorben 

sei, somit seien sie eine War Heroes Family und hätten mit den LTTE zu 

tun gehabt. Erneut sei sie nach ihrem Mann und ihrem Bruder befragt und 

aufgefordert worden, zur Armee zu kommen. Als sie sich mit ihrer Familie 

dort gemeldet habe, sei ein anderer Mann tamilischer Ethnie auch dort ge-

wesen. Dieser sei auch LTTE-Mitglied und ein Kollege ihres Mannes ge-

wesen (Hilfspersonal bei der medizinischen Versorgung). Die Armeeange-

hörigen hätten gesagt, dass sie diesen Mann kenne. Gemäss seinen Infor-

mationen sei ihr Mann Arzt bei den LTTE gewesen, lebe immer noch und 

habe Kontakt zu den LTTE. Sie sei gefragt worden, ob sie das alles ge-

wusst habe. Als sie dies verneint habe, hätten sie an ihren Haare gezerrt 

und sie mit den Kampfstiefeln getreten. Sie hätten ihr gedroht, falls sie das 

Versteck ihres Mannes nicht verrate, würden sie ihre Tochter auf der Stelle 

umbringen. Sie hätten auch ihre Tochter geschlagen. Sie habe den Mann 

weinend gefragt, warum er sie verraten hätte. Nach den Vorfällen hätten 

sie sich bei der Armeebasis beklagt, aber keine Antwort erhalten. Später 

seien sie erneut zu einer Befragung eingeladen worden und seien mit dem 

Pfarrer hingegangen. Auch danach seien die Sicherheitskräfte zu ihnen ge-

kommen und hätten sie geschlagen. In der letzten Zeit kämen Armeeange-

hörige immer wieder mit der Begründung "Enquiry" zu ihnen. Am (…) No-

vember 2013, (…) vor dem Heroes Day der LTTE, hätten sie eine Haus-

durchsuchung bei ihnen gemacht und nach Bildern, Kerzen oder LTTE-

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Seite 10 

Fahnen gesucht. Da sie keine solchen Materialien gehabt hätten, hätten 

sie erneut mit "Enquiry" begonnen. Dabei seien sie sehr aggressiv vorge-

gangen und hätten ihrer Tochter, ihren Eltern und ihr mit dem Gewehr auf 

den Kopf- und Brustbereich gezielt. Da sie nicht habe sagen können, wo 

ihr Mann sich zurzeit befinde, hätten sie versucht, sie zu vergewaltigen. Sie 

hätten ihre Kleider zerrissen und sie überall angefasst (inklusive weibliche 

Zonen), sie umarmt und aggressiv geschlagen. Sie sei fast nackt gewesen 

und ihre Tochter und ihre Eltern hätten zuschauen müssen. Sie habe flie-

hen können und sei in einen Wasserbrunnen gesprungen. Durch irgendei-

nen Lärm aufgeschreckt,  oder weil sie ihren Tod nicht hätten verantworten 

wollen, seien die Armeeangehörigen verschwunden. Ihre Familie habe sie 

mit Hilfe von Nachbarn aus dem Brunnen retten können. Da die Armee 

immer wieder ihren Routine-Marsch von I._______ nach J._______ ma-

che, komme sie immer wieder ohne Vorankündigung zu ihnen. Auch ihre 

Tochter sei weiter befragt, auf dem Schulweg aufgehalten und gegen ihren 

Willen im Brustbereich berührt worden. Im Januar 2013 habe die Tochter 

im Rahmen einer Befragung bei ihr zu Hause zugegeben, dass sie (die 

Beschwerdeführerin) LTTE-Mitglied gewesen sei und ihren Mann mit Zu-

stimmung der LTTE geheiratet habe. Seither hätten ihre Probleme zuge-

nommen. Auch im Januar 2013 sei die Tochter auf dem Schulweg sexuell 

belästigt worden. Als sich der Pfarrer eingemischt habe, hätten sie aufge-

hört. Im März 2013 sei ihre Tochter mit ihrem Vater auf dem Schulweg von 

der Armee aufgehalten worden. Sie hätten die Tochter zu einer Befragung 

mitgenommen und den Vater geschlagen. Der Vater habe die Tochter mit 

Hilfe eines moslemischen Mannes mit guten Beziehungen zur Armee zu-

rückgeholt, sonst wäre sie wahrscheinlich vergewaltigt und umgebracht 

worden. Seither sei die Tochter depressiv, habe Angst, gehe nur noch un-

regelmässig zur Schule und sei in ärztlicher Behandlung. Auch ihre Eltern 

seien bei den Befragungen jeweils geschlagen worden. Ehemalige LTTE-

Mitglieder würden staffelweise verhaftet und verschwänden. Darum hätten 

auch sie Angst, dass sie verhaftet, gefoltert, vergewaltigt und umgebracht 

würden. Die Regierung mache Propaganda, dass sich die LTTE reformie-

ren wollten. Gemäss BVGE gehörten Personen wie sie, die verdächtigt 

würden, mit den LTTE in Kontakt zu stehen oder gestanden zu haben, zu 

einer Risikogruppe mit einer erhöhten Verfolgungsgefahr. Die Vorstellung 

des BFM, eine Verfolgung könne einzig durch eine Inhaftierung erfolgen, 

greife zu kurz. Insbesondere der Umkehrschluss, bei ausgebliebener In-

haftierung bestehe keine Verfolgung, sei nicht zulässig. Personen, welche 

bekanntermassen Kontakte zu den LTTE gehabt hätten, würden oft massiv 

behelligt, um mögliche Informationen aus ihnen zu pressen. Die Beschul-

digungen gegen sie würden kaum einem Gerichtsverfahren standhalten. 

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Seite 11 

Deshalb sei es für die Armee wirksamer, sie mit Druckmitteln zu nützlichen 

Aussagen zu zwingen. Und nicht zuletzt würden sie und ihre Tochter als 

Sexobjekte missbraucht. Neben der aufgezeigten Tatsache, dass sich die 

Situation für sie selber verschlechtert habe, habe sich auch die allgemeine 

Situation in Sri Lanka verschlechtert. 

Zur Stützung ihrer Beschwerde reichte die Beschwerdeführerin Berichte 

zur allgemeinen Lage in Sri Lanka ein. 

5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das BFM fest, es scheine nicht nach-

vollziehbar, wieso die Beschwerdeführerin, nachdem sie im Jahr 2012 in 

verschiedenen Eingaben konkrete Nachstellungen geltend gemacht habe, 

die nun geltend gemachten (sexuellen) Übergriffe durch die sri-lankische 

Armee in der Eingabe an die Botschaft vom April 2013 nicht erwähnt habe 

und nur allgemeine Zukunftsängste formuliert habe. Die Vorfälle müssten 

demnach als nachgeschoben und somit nicht glaubhaft qualifiziert werden. 

Sie scheine ihre Situation übersteigert darzustellen. Insbesondere hinsicht-

lich des Verschwindens ihres Ehemannes, welches bereits vierzehn Jahre 

zurück liege, und weder von der sri-lankischen Regierung untersucht, noch 

von der Beschwerdeführerin gemeldet worden sei. Zudem gebe die Be-

schwerdeführerin an, das Haus ihrer Eltern liege an einer Strecke, auf wel-

cher die sri-lankische Armee routinemässig patrouilliere. Ein vermehrter 

Kontakt mit Armeeangehörigen scheine daher wahrscheinlich. Aus den Ak-

ten ergäben sich jedoch keine Anhaltspunkte für eine glaubhafte, konkrete 

Nachstellung der Beschwerdeführerin oder ihrer Familienangehörigen. 

Dies werde auch dadurch belegt, dass die Tochter weiterhin zur Schule 

gehe. 

5.4 Die Frist zur Einreichung einer Replik liess die Beschwerdeführerin un-

benutzt verstreichen. Mit einer nachträglichen Eingabe vom 7. Oktober 

2014 reichte sie zur Stützung ihrer Aussagen ein Schreiben des Citizen's 

Commitee Mannar District vom 16. Juli 2014 und ein Schreiben gleichen 

Datums eines Pfarrers, der das Dorf und die Familie von seiner Zeit als 

Caritas-Direktor der Diözese kenne, zu den Akten, worin bestätigt wird, 

dass die Beschwerdeführerin und ihre Tochter verfolgt würden. 

6.   

6.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung die Glaubhaf-

tigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht in Frage; respektive 

führte mit Bezug auf die eingereichten Beweismittel aus, diese würden ihre 

Vorbringen stützen, deren Glaubhaftigkeit nicht in Frage gestellt werde.  

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Seite 12 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die protokollierten Aussa-

gen der Beschwerdeführerin viele Realitätskennzeichen aufweisen und 

sich in den allgemeinen Kontext in Sri Lanka einfügen lassen. Insgesamt 

ist das SEM zu Recht von der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Be-

schwerdeführerin, wie sie sie im Rahmen der Anhörung geltend gemacht 

wurden, ausgegangen. 

7.   

Die Argumentation der Vorinstanz – die Beschwerdeführerin habe keine 

begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG – 

kann aufgrund der aktuellen Aktenlage allerdings nicht bestätigt werden.  

7.1 Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

sind unter anderem Personen, die verdächtigt werden mit den LTTE in Ver-

bindung gestanden zu haben, einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausge-

setzt (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1). 

7.1.1 Die Beschwerdeführerin war selber für die LTTE tätig. Sie ist (…) den 

LTTE beigetreten, hat ein dreimonatiges militärisches Training bei den 

D._______ absolviert und ist dann an verschiedenen Orten eingesetzt wor-

den. Im Jahr (…) hat sie ihr Engagement für die LTTE aufgrund ihrer Heirat 

beendet. Zwischen (…) und (…) hatte sie dann eine bezahlte Anstellung 

bei den LTTE in der G._______ gehabt. Sie war zuständig für (…). Erst 

im Mai 2009 hat sie sich der Regierung ergeben und wurde in ein IDP-

Camp gebracht. Dort wurde sie verhört, konnte aber ihre LTTE-Vergangen-

heit offenbar verheimlichen und wurde im Oktober 2009 wieder entlassen.  

7.1.2 Auch der Ehemann der Beschwerdeführerin spielte bei den LTTE 

keine unbedeutende Rolle. Er arbeitete bis zu seinem Verschwinden als 

Arzt für die LTTE in der Sektion von Kommandant F._______ und pflegte 

die Verletzten auf dem Schlachtfeld. Seit dem (…) Januar 2000 ist er ver-

schwunden. Die LTTE hatten der Beschwerdeführerin gesagt, er lebe, sie 

würden ihn wieder finden und sie solle ihn nicht über das Rote Kreuz su-

chen. Dies wurde ihr 2006 noch einmal so bestätigt (vgl. Akten des SEM 

A5 S. 11).  

7.1.3 Im Übrigen verfügt die Beschwerdeführerin auch über weitere famili-

äre Beziehungen zu den LTTE. Der Bruder der Beschwerdeführerin starb 

(…) während seines Dienstes für die LTTE als Kämpfer bei der C._______. 

Ein weiterer Bruder wurde (…) von den LTTE zwangsrekrutiert und ist 2009 

D-1570/2014 

Seite 13 

in die Schweiz geflüchtet. Der Schwager der Beschwerdeführerin war Fah-

rer bei den LTTE und wurde im November 2009 vom CID festgenommen. 

Am (…) Januar 2010 wurde er nach einem Gerichtsverfahren entlassen, 

stellte ein Asylgesuch bei der schweizerischen Botschaft und flüchtete 

schliesslich im Dezember 2011 nach Malaysia. 

7.1.4 Unter den gegebenen Umständen, kann eine Gefährdung der Be-

schwerdeführerin trotz Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen 

nicht zum Vornherein ausgeschlossen werden. Die Regierung Sri Lankas 

setzte bisher alles daran, die Reformierung der LTTE zu verhindern, wes-

halb Personen, die wie die Beschwerdeführerin enge Verbindungen zur 

LTTE hatten beziehungsweise aus entsprechend bekannten Familien kom-

men unter erheblichen Druck gesetzt wurden. Dies muss umso mehr gel-

ten, wenn verschiedene Familienangehörige sich ins Ausland absetzen 

konnten oder, wie beim Ehemann, deren Schicksal ungeklärt blieb. Auch 

sehen sich namentlich im Zusammenhang mit der Militärpräsenz im Nor-

den von Sri Lanka nach dem Kriegsende insbesondere jüngere Witwen 

und alleinstehende Frauen ernsthaften sexuellen Übergriffen und weiteren 

Diskriminierungen auch durch Sicherheitskräfte ausgesetzt. Die sri-lanki-

schen Behörden sind in diesem Zusammenhang gegenüber Frauen tami-

lischer Ethnie in der Regel schutzunwillig (vgl. zum Ganzen Bericht des 

BFM vom 1. Mai 2014, Focus Sri Lanka, La condition des femmes au Sri 

Lanka).  

7.2 Anlässlich der Befragung vom 15. Mai 2012 schilderte die Beschwer-

deführerin denn auch verschiedene Behelligungen im Zusammenhang mit 

ihrem Ehemann, ihrem Bruder sowie ihrem Schwager. Aus dem Begleit-

schreiben der Botschaft geht sodann hervor, die Beschwerdeführerin be-

stehe praktisch nur aus Haut und Knochen. Sie habe bei der Befragung 

öfters geweint und einen verwirrten, gehetzten Eindruck gemacht. Es sei 

gut vorstellbar, dass diese Unbekannten sie ständig plagten, was sie zu 

zermürben scheine. Zwar sei sie bisher nie tätlich angegriffen worden, aber 

wegen der stetigen mentalen Tortur sei sie heute nur noch ein Häufchen 

Elend. Diese Ereignisse liegen aber mittlerweile mindestens zweieinhalb 

Jahre zurück und die Bewilligung der Einreise in die Schweiz kann nicht 

dem Ausgleich vergangenen Unrechts dienen.  

7.3 Entsprechend der Lehre und Praxis ist vielmehr massgeblich, ob die 

geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist. Es stellt sich somit 

vorliegend die Frage, ob die geltend gemachte Verfolgung durch die sri-

lankischen Behörden weiterhin besteht.  

D-1570/2014 

Seite 14 

7.3.1 In der Beschwerde erwähnte die Beschwerdeführerin, sie sei im No-

vember 2012 erneut von Armeeangehörigen aufgesucht, befragt und auf-

gefordert worden, zur Armee zu kommen. Auf dem Stützpunkt sei ihr mit-

geteilt worden, gemäss ihren Informationen sei ihr Mann Arzt bei den LTTE 

gewesen, lebe immer noch und habe Kontakt zu den LTTE. Sie und ihre 

Tochter seien misshandelt und es sei gedroht worden, falls sie das Ver-

steck ihres Mannes nicht verrate, würden sie und ihre Tochter umgebracht. 

Am (…) November 2013 sei sie bei einer Hausdurchsuchung im Vorfeld 

des Heroes Day der LTTE beinahe vergewaltigt worden. Ihrer Tochter, ih-

ren Eltern und ihr sei mit dem Gewehr auf den Kopf- und Brustbereich ge-

zielt worden. Zudem komme die Armee auf ihren Routine-Märschen immer 

wieder ohne Vorankündigung zu ihnen. Auch ihre Tochter sei weiter auf 

dem Schulweg aufgehalten, befragt und gegen ihren Willen im Brustbe-

reich berührt worden.  

7.3.2 Die Vorinstanz führte hierzu in seiner Vernehmlassung aus, diese 

Vorbringen könnten nicht geglaubt werden, da insbesondere die sexuellen 

Übergriffe in der Eingabe an die Botschaft vom April 2013 nicht erwähnt 

worden seien. Dabei verkennt die Vorinstanz, dass die von der Beschwer-

deführerin neu geltend gemachte beinahe erfolgte Vergewaltigung von die-

ser auf den (…) November 2013 datiert wird. Somit hat sie nach dem 

Schreiben an die Botschaft vom April 2013 stattgefunden und konnte dort 

gar nicht erwähnt werden. Allerdings muss aber festgehalten werden, dass 

die Wiedergabe der Ereignisse im Jahr 2012 und 2013 dem Gericht ledig-

lich in schriftlicher, über den Rechtsvertreter beziehungsweise den Bruder 

der Beschwerdeführerin übermittelter Form vorliegt. Für die Frage der Ak-

tualität der Gefährdungslage sind diese Ereignisse aber zentral und müs-

sen deshalb in einer eingehenden Anhörung vertieft abgeklärt werden. In 

diesem Sinne kann der Sachverhalt im Zusammenhang mit den geltend 

gemachten Ereignissen im Jahr 2012 und 2013 – dabei sind vor allem auch 

die geltend gemachten sexuellen Übergriffe vom (…) November 2013 mas-

sgeblich – nicht als rechtsgenüglich erstellt gelten.  

7.3.3 Hinzu kommt jedoch insbesondere auch, dass die Anhörung der Be-

schwerdeführerin im Jahr 2012 erfolgte und der Erlass der Verfügung der 

Vorinstanz erst im Jahre 2014. Dazwischen sind knapp zwei Jahre und bis 

zum heutigen Zeitpunkt sogar drei Jahre vergangen, in der sich die Lage 

für LTTE nahe Personen nicht wesentlich verbessert hat. Zwar wandte sich 

die Beschwerdeführerin seit August 2012 nicht erneut mit inhaltlichen Vor-

bringen an die Botschaft in Colombo, was ihr bis zu einem gewissen Masse 

D-1570/2014 

Seite 15 

vorgehalten werden kann. Auf der anderen Seite kommt aber der Vo-

rinstanz die Pflicht zu, den Sachverhalt genügend abzuklären, und es wäre 

angesichts des Profils der Beschwerdeführerin angezeigt gewesen, die ak-

tuelle Situation nach einer derart langen Zeitspanne nach der Befragung 

vor Entscheiderlass zu erfragen. Angesichts der politischen Lage in Sri 

Lanka kann ein weiterhin andauerndes Interesse der Sicherheitsbehörden 

wie erwähnt nicht ausgeschlossen werden. Ohne aber die aktuelle Situa-

tion zu kennen, kann sodann auch das Bestehen einer innerstaatlichen 

Schutzalternative nicht abschliessend beurteilt werden.   

7.3.4 Ebenfalls als nicht rechtsgenüglich erstellt muss der Sachverhalt in 

Bezug auf die Tätigkeiten des Ehemannes der Beschwerdeführerin für die 

LTTE gelten und insbesondere auch in Bezug auf dessen Verschwinden 

vor 15 Jahren, das vorliegend als Ausgangspunkt einer nach der Verhaf-

tung des Schwagers der Beschwerdeführerin im November 2009 begin-

nenden Verfolgung relevant ist. Auch hierzu sind in einer Anhörung vertiefte 

Fragen zu stellen. 

7.3.5 Schliesslich gilt es auch bezüglich der minderjährigen Tochter, die in 

der angefochtenen Verfügung keine Berücksichtigung fand und erst auf 

Beschwerdeebene in das Verfahren einbezogen wurde, weitere Abklärun-

gen zu treffen. So wird in verschiedenen Beschwerdeeingaben geltend ge-

macht, auch sie sei Übergriffen und Drohungen ausgesetzt gewesen und 

leide deshalb an psychischen Problemen.  

7.3.6 Nach dem Gesagten ist der Sachverhalt von der Vorinstanz nicht in 

genügender Weise erstellt worden und das SEM hat damit das rechtliche 

Gehör der Beschwerdeführerin verletzt. 

 

8.  

8.1 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich – das heisst 

ungeachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin 

ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung aus pro-

zessökonomischen Gründen auf Beschwerdeebene ist jedoch möglich, so-

fern das Versäumte nachgeholt wird, die Beschwerdeführerin dazu Stel-

lung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie 

Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zu-

kommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist 

D-1570/2014 

Seite 16 

und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertret-

barem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2009/53 E. 7.3 und 

BVGE 2008/47 E. 3.3.4 beide mit weiteren Hinweisen). 

8.2  Vorliegend ist der rechtserhebliche Sachverhalt nicht richtig und voll-

ständig festgestellt worden. Es kann nicht Sinn des Beschwerdeverfahrens 

sein, für eine vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

zu sorgen, zumal diese Abklärungen in ihrem Umfang und ihrer Dauer den 

für das Bundesverwaltungsgericht vertretbaren Aufwand überschreiten. 

Demzufolge kann der vorliegende Mangel auf Beschwerdeebene nicht ge-

heilt werden. Gegen eine Heilung des Verfahrensmangels spricht insbe-

sondere auch der Umstand, dass der Beschwerdeführerin andernfalls eine 

Instanz verloren ginge.  

8.3 In der neuen Verfügung wird neben der aktuellen persönlichen Lage 

ausserdem auch auf die aktuelle Lage in Sri Lanka und die Frage, ob die 

subjektive Furcht der Beschwerdeführerin weiterhin objektiv begründet ist, 

einzugehen sein. In seinem Urteil D-1470/2014 vom 5. Juni 2014 stellte 

das Bundesverwaltungsgericht in E. 6.4.4 mit Verweis auf Berichte interna-

tionaler Organisationen zwar fest, die Lage in Sri Lanka habe sich seit dem 

Ende des Krieges im Jahr 2009 in menschenrechtlicher Hinsicht nicht ver-

bessert. Ebenso sei keinesfalls von einem abnehmenden Verfolgungsinte-

resse des Staates gegenüber Personen mit vermeintlichen oder tatsächli-

chen LTTE Verbindungen auszugehen. Im Januar 2015 hat sich jedoch 

Maithripala Sirisena überraschend bei der Präsidentschaftswahl gegen 

Mahinda Rajapaksa durchgesetzt, welcher das Land neun Jahre mit harter 

Hand regiert hatte. Dies hat Optimismus ins Land gebracht und lässt die 

Bevölkerung, auch die tamilische, auf Frieden und Reformen hoffen (vgl. 

etwa The Guardian, 'The fear has gone' – Sri Lankans hope for peace and 

reform under new president, 19. Februar 2015).  

8.4 Vor diesem Hintergrund erscheint es sachgerecht, das Verfahren an 

die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die nötigen Massnahmen 

(Sachverhaltsabklärung mittels einer erneuter Anhörung) vornimmt und die 

Sache im Rahmen eines neuen beschwerdefähigen Entscheides einer 

rechtlichen Würdigung unterzieht. 

9.  

Angesichts der obigen Erwägungen und auch der Tatsache, dass die Be-

schwerdeführerin ihre Gefährdungslage, welche seit 2009 bestehe, erst 

2012 bei der Botschaft vorbrachte, wird davon abgesehen, die sofortige 

D-1570/2014 

Seite 17 

Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes zu gewähren. Das SEM ist je-

doch angehalten, das Verfahren prioritär an die Hand zu nehmen. 

10.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die vorinstanzliche 

Verfügung vom 22. Januar 2014 aufzuheben und die Sache im Sinne der 

Erwägungen zur rechtsgenüglichen Feststellung des Sachverhaltes und 

zur erneuten Beurteilung ans SEM zurückzuweisen. 

11.   

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

11.2 Der Beschwerdeführerin sind bei diesem Ausgang des Verfahrens 

eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und ver-

hältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 VwVG i.V.m. Art. 37 

VGG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Auf 

entsprechende Nachforderung kann verzichtet werden, da der notwendige 

Vertretungsaufwand aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden 

kann. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren 

(Art. 8, 9 und 11 VGKE) ist die Parteientschädigung auf Fr. 800.– (inkl. Aus-

lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, 

der Beschwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrich-

ten.  

(Dispositiv nächste Seite)  

D-1570/2014 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, die vorinstanzliche Verfügung vom 

22. Januar 2014 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen ans 

SEM zurückgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädi-

gung von Fr. 800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die schweize-

rische Vertretung in Colombo. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner 

 

 

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