# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64c1de55-2db2-5d16-97a2-72f579151f02
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.07.2021 E-2984/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2984-2021_2021-07-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2984/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; 

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Michèle Byland,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2021 / N (…). 

 

 

 

E-2984/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein Paschtune aus der Provinz Laghman – 

verliess den Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Anfang 2020 und ge-

langte am 1. April 2021 in die Schweiz, wo er tags darauf ein Asylgesuch 

stellte. Am 23. April 2021 führte die Vorinstanz mit dem minderjährigen Be-

schwerdeführer eine Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (nach-

folgend EB UMA) im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertreterin durch. 

Seine vertiefte Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG 

(SR 142.31) fand am 18. Mai 2021 statt.  

A.b Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen 

wie folgt: Er habe mit der Familie im Distrikt B._______ gelebt und die 

Schule bis zur (…) Klasse besucht, diese dann aber aus Sicherheitsgrün-

den abbrechen müssen. Sein Vater sei viele Jahre bei der afghanischen 

Armee gewesen und habe im Rang eines Obersts mit Ausländern, nament-

lich mit den Amerikanern, gearbeitet und Terroristen bekämpft. In dieser 

Funktion sei der Vater auch immer wieder in den Medien aufgetreten, habe 

wiederholt Interviews für Zeitungen gegeben oder im Fernsehen Anspra-

chen gehalten. Aus diesem Grund hätten ihn die Taliban mehrmals mit dem 

Tod bedroht. Der Vater habe diese Drohungen ignoriert und sei weiterhin 

seiner Arbeit nachgegangen. 

Etwa zwei oder zweieinhalb Jahre vor seiner Ausreise sei der Vater in  

C._______ von den Taliban angeschossen und verletzt worden. Trotz der 

eindringlichen Bitte von Frau und Kindern habe er seine Arbeit nicht aufge-

geben. Nach einer Versetzung des Vaters nach D._______ sei sein (Be-

schwerdeführer) älterer Bruder im Heimatdorf von den Taliban erschossen 

worden, weil er eine Mitarbeit mit diesen verweigert habe. Trotz der Tötung 

seines Sohnes habe der Vater seine Arbeit weitergeführt. Etwa ein Jahr vor 

der Ausreise sei er (Beschwerdeführer) von zwei unbekannten Personen 

auf einem Motorrad angehalten und gefragt worden, ob er der Sohn von 

E._______ sei. Er habe bejaht, woraufhin diese gesagt hätten, der Vater 

solle seine Arbeit für die Ungläubigen aufgeben und er solle mit ihnen ar-

beiten und in den Jihad ziehen, damit wenigstens er ins Paradies komme. 

Er habe sofort der Mutter von diesem Vorfall erzählt, die den Vater telefo-

nisch informiert habe. Auf Anweisung des Vaters sei er fortan nicht mehr 

zur Schule gegangen. Wenige Monate später sei der Vater in D._______ 

bei einem zweiten Anschlag von fünf Schüssen getroffen worden. Er habe 

den Vater im Krankenhaus besucht und sei etwa zwei Wochen lang bei ihm 

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Seite 3 

geblieben, anschliessend sei er ins Dorf zurückgekehrt. Der Vater habe 

nach der Genesung seine Arbeit fortgeführt.  

Als er (Beschwerdeführer) später einmal im Dorf zum Einkaufen unterwegs 

gewesen sei, sei er erneut von den beiden Unbekannten auf dem Motorrad 

angehalten und zum Mitkommen aufgefordert worden. Diese hätten ge-

droht, andernfalls werde er wie der Bruder getötet. Er habe den Vater über 

diesen Vorfall unterrichtet. Dieser habe nun Angst um das Leben des Soh-

nes bekommen und endlich seine Arbeit aufgegeben. Der Vater habe die 

Taliban auch gebeten, ihn und seine Familie künftig in Ruhe zu lassen. 

Diese hätten jedoch von ihm den Beweis verlangt, dass er nun tatsächlich 

nicht mehr für die Regierung arbeite, indem er oder sein Sohn (Beschwer-

deführer) künftig für sie arbeite. Der Vater habe erklärt, sein Sohn sei noch 

zu jung und er selber sei verletzt, weshalb sie beide nicht für sie arbeiten 

könnten. Die Taliban hätten jedoch weiterhin Drohungen geschickt. Ein 

paar Monate später sei ein Schreiben gekommen; darin sei ihm (Beschwer-

deführer) vorgeworfen worden, er habe den Befehl des Islamischen Emi-

rates missachtet und müsse sich bis zu einem bestimmten Datum bei ihnen 

melden und sich bereithalten, ansonsten er getötet werde. Der Vater habe 

das Schreiben zerrissen und ihn zu trösten versucht; daraufhin habe er ihn 

und seinen jüngeren Bruder zur Grossmutter nach F._______ geschickt. 

Die Grossmutter habe seine Ausreise finanziert, die dann mit Unterstüt-

zung eines Onkels organisiert worden sei. 

A.c Zum Beleg seiner Identität reichte der Beschwerdeführer die Fotogra-

fie seiner Tazkira in Kopie zu den Akten. Zur Untermauerung seiner Vor-

bringen reichte er eine Vielzahl von Fotografien seines Vaters ins Recht, 

darunter auch Aufnahmen, die ihn mit diesem zeigen würden.  

B.  

Nach Zustellung der entscheidrelevanten Akten wurde der Rechtsvertre-

tung am 26. Mai 2021 auch der Entscheidentwurf zur Stellungnahme über-

mittelt. Diese wurde am Folgetag beim SEM eingereicht.  

C.  

Mit (gleichentags eröffneter) Verfügung vom 28. Mai 2021 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Zu-

folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde der Beschwerde-

führer jedoch vorläufig in der Schweiz aufgenommen.  

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Seite 4 

D.  

Mit Eingabe vom 28. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer, handelnd 

durch seine amtliche Rechtsbeiständin, beim Bundesverwaltungsgericht 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. Mai 2021 ein. Er bean-

tragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen Verfü-

gung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von 

Asyl. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht bean-

tragt.  

E.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

29. Juni 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

F.  

Am 1. Juli 2021 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der Be-

schwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

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Seite 5 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Mass-

nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-

19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Flüchtlingseigen-

schaft, der Asylpunkt sowie die verfügte Wegweisung. Der Wegweisungs-

vollzug ist zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer zu-

folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen 

hat. 

2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich begründet. Über sie ist des-

halb im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu entscheiden (Art. 111 

Bst. e AsylG), wobei das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

  

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Seite 6 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft. 

5.2 Zur Begründung führte sie massgeblich aus, die Aussagen des Be-

schwerdeführers zur beruflichen Tätigkeit des Vaters, Oberst G._______, 

seien von Unkenntnis geprägt. Abgesehen von der Zusammenarbeit mit 

Ausländern respektive Amerikanern und dem Kampf gegen Terroristen 

habe er nichts über die Arbeit des Vaters sagen können. Die Schilderung 

der beiden Anschläge, bei denen der Vater verletzt worden sei, seien auf-

fallend vage ausgefallen. Aufgrund dieser unsubstanziierten Aussagen zur 

Tätigkeit des Vaters und zu den gegen diesen verübten Anschlägen be-

stünden grundsätzliche Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer der 

Sohn von Oberst G._______ sei. Folglich sei auch die mit diesem Ver-

wandtschaftsverhältnis begründete Verfolgungssituation durch die Taliban 

mit Zweifeln behaftet. Die Verwandtschaft werde auch durch die Fotogra-

fien nicht erhärtet, zumal diese allenfalls auch nur eine Bekanntschaft mit 

dem bekannten Oberst belegen könnten. Die zum Beleg der Identität ein-

gereichte Tazkira sei gemäss gefestigter Erkenntnis und Rechtsprechung 

leicht zu fälschen und daher von geringem Beweiswert. Dies gelte vorlie-

gend umso mehr, da der Beschwerdeführer nur die Kopie des Dokuments 

eingereicht habe. Auch mit diesem könne daher die Abstammung von 

Oberst G._______ nicht belegt werden.  

5.3 Sodann würden die Schilderungen seiner Probleme mit den Taliban, 

die ihn zweimal angehalten hätten, diverse Unstimmigkeiten aufweisen. 

Diese liessen eine persönliche Betroffenheit respektive spezifische Details 

vermissen. Die Beschreibung der beiden Männer sei stereotyp ausgefallen 

und er habe den Ablauf, wie er auf diese beiden Männer gestossen sei, 

unterschiedlich geschildert. Sodann habe er den Drohbrief in der Erstbe-

fragung nicht erwähnt und sich bezüglich dessen Inhalts widersprüchlich 

geäussert. Ebenfalls habe er nicht realitätskonform begründen können, 

weshalb die Taliban seinem bekannten Vater nicht geglaubt haben sollten, 

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dass er tatsächlich seine Arbeit bei der Armee beendet habe, wäre dies 

doch ohne Weiteres überprüfbar gewesen. Er habe auch nicht darlegen 

können, warum die Taliban überhaupt ein Interesse am damals erst (…)-

jährigen Beschwerdeführer gehabt haben sollten, wären sie doch eigent-

lich an einer Zusammenarbeit mit dem Vater interessiert gewesen. Auch 

die bedauernswerte Ermordung des Bruders lasse keine Rückschlüsse auf 

eine Verfolgung des Beschwerdeführers zu, zumal er diesbezüglich seine 

Aussagen bei vertieften Nachfragen relativiert habe. 

5.4 Die Vorbringen in der Stellungnahme der Rechtsvertretung vom 

27. Mai 2021 würden keine Änderung des Standpunktes des SEM recht-

fertigen. 

5.5 Insgesamt würden die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaf-

tigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, deren Asylrelevanz müsse 

daher nicht geprüft werden. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-

eigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei abzulehnen.  

6.  

6.1 In der Beschwerdeschrift wird einleitend nachdrücklich darauf hinge-

wiesen, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen unbegleiteten min-

derjährigen Asylsuchenden handle. Dies habe das SEM bei seiner Glaub-

haftigkeitsbeurteilung offensichtlich nicht genügend berücksichtigt. 

6.2  

6.2.1 Sodann wird festgehalten, das erstinstanzliche Verfahren müsse be-

stimmten Anforderungen genügen, um der speziellen Situation eines Min-

derjährigen gerecht zu werden: Diese Asylgesuche müssten prioritär be-

handelt werden, es müsse eine Rechtsvertretung als Vertrauensperson zu-

gewiesen sein, bei der Anhörung müsse den besonderen Aspekten der 

Minderjährigkeit Rechnung getragen werden; namentlich müsse ein Klima 

des Vertrauens geschaffen werden, die Befragung in einer altersgerechten 

Sprache erfolgen und in besonderer Weise auf die Wahrheitspflicht hinge-

wiesen werden. Die befragende Person müsse neutral und unvoreinge-

nommen auftreten und ein authentisches Interesse an den Aussagen des 

oder der Minderjährigen haben. In diesem Zusammenhang sei bereits das 

grundsätzliche Anhörungssetting der EB UMA nicht kindsgerecht ausge-

staltet. Die Fragetechnik müsse dem Alter und Wissensstand der Jugend-

lichen angepasst sein. 

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Seite 8 

6.2.2 Vorliegend sei die EB UMA in keiner Art und Weise kindsgerecht 

durchgeführt worden, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs be-

deute. So sei insbesondere der Umfang der Befragung zu umfassend und 

überfordernd gewesen. In der viereinhalb Stunden dauernden Erstbefra-

gung seien viele verschiedene Themenbereiche angesprochen worden, 

wobei sehr schnell zwischen den Themen gewechselt worden sei. Trotz 

mehrmaliger Intervention der Rechtsvertreterin sei der Beschwerdeführer 

bereits hier abschliessend zu den Asylgründen befragt und er sei wieder-

holt aufgefordert worden, nun sämtliche Gründe für sein Asylgesuch zu 

nennen. Selbst nach einer entsprechenden Intervention der Rechtsvertre-

terin sei der Beschwerdeführer noch zweimal explizit gefragt worden, ob er 

nun alle Asylgründe genannt habe. Damit sei die EB UMA weit über die 

vom Gesetzgeber vorgesehene summarische Befragung zu den Asylgrün-

den hinausgegangen. Die Vorinstanz verkenne mit diesem Vorgehen, dass 

Jugendliche genügend Zeit benötigen würden, um sich auf Befragungen 

vorzubereiten, um über das Erlebte frei berichten zu können. Zudem habe 

sie als Rechtsvertreterin aufgrund der Vorladung zu einer EB UMA nicht 

damit rechnen müssen, dass die Asylgründe abschliessend erfragt würden 

und in der kurzen vorangehenden Vorbereitungszeit mit dem Beschwerde-

führer die Asylgründe gar nicht thematisieren und sich entsprechend vor-

bereiten können. Sie sei in der Folge als Rechtsvertreterin und Vertrauens-

person nicht in die Befragung einbezogen worden, habe sich kaum einbrin-

gen können und ihre Einwände seien bloss formal aufgenommen worden, 

ohne diese jedoch weiter zu beachten. Damit habe die befragende Sach-

bearbeiterin kein Interesse daran gezeigt, ein für die Befragung kindsge-

rechtes Klima zu schaffen. Kindsgerechte Befragungen würden besondere 

Kompetenzen und Fähigkeiten sowie ein hohes Mass an Empathie erfor-

dern. Die Anhörung vom 18. Mai 2021 sei ebenfalls nicht kindsgerecht 

durchgeführt worden. Auch hier seien keine altersgerechten Fragen ge-

stellt worden; die Fragen seien teilweise im Gegenteil sehr kompliziert und 

anscheinend darauf ausgelegt gewesen, Aussagewidersprüche zu provo-

zieren. Die Anhörung habe mit sechseinhalb Stunden wiederum sehr lange 

gedauert; dabei sei bekannt, dass sich Jugendliche nur über eine kurze 

Zeitspanne wirklich genügend konzentrieren könnten. Es stelle sich daher 

die Frage, weshalb die Vorinstanz bei einem so komplizierten und belas-

tenden Sachverhalt nicht eine zweite Anhörung anberaumt habe. 

6.3 Der Beschwerdeführer sei wegen seines Vaters, der ein hoher Offizier 

bei der afghanischen Armee gewesen sei, von den Taliban verfolgt worden. 

Die Vorinstanz habe hierbei in verschiedenen Punkten Widersprüche zwi-

schen den Aussagen in der EB UMA und der Anhörung zu konstruieren 

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versucht und darauf angespielt, er hätte dies schon in der summarischen 

Erstbefragung ausführen müssen. Dabei diene gerade eine EB UMA nicht 

der abschliessenden Befragung zu den Asylgründen. Es sei stossend, 

dass das SEM trotz Intervention der Rechtsvertreterin und entgegen der 

diesbezüglichen Rechtsprechung weiterhin die "summarische" Befragung 

bei einer EB UMA so weit ausgedehnt habe. Die von der Vorinstanz er-

kannten Widersprüche dürften daher insoweit nicht beachtet werden.  

6.4 Die Würdigung der Vorinstanz, wonach der Beschwerdeführer der 

Sohn von G._______ sein könne, erstaune und sei nicht überzeugend. Mit 

dem Argument der fehlenden Verwandtschaft wolle die Vorinstanz sämtli-

che Aussagen des Beschwerdeführers von vornherein in Frage stellen. In-

dessen müsste die Vorinstanz eine solche Schlussfolgerung sorgfältig prü-

fen und begründen können. Eine eigentliche Begründung sei jedoch nicht 

ersichtlich und der Beschwerdeführer sei mit diesem einschneidenden Vor-

halt an der Anhörung nicht konfrontiert worden. Zudem argumentiere die 

Vorinstanz widersprüchlich, wenn sie gleichzeitig das Verwandtschaftsver-

hältnis des Beschwerdeführers zu seinem Bruder respektive dessen Ver-

wandtschaft zum Vater nicht in Frage stelle. 

6.5 Der Beschwerdeführer habe verschiedene Fotografien von seinem Va-

ter abgegeben. Auf einigen Aufnahmen sei er auch erkennbar. Insbeson-

dere sei zu sehen, wie er den Vater im Spital besucht habe und dass er 

nach der Spitalentlassung mit dem Vater und dem Chauffeur vor dem Mili-

tärspital von D._______ stehe. Weitere Fotografien würden die Tätigkeit 

des Vaters bei der Armee zeigen. Der Beschwerdeführer habe zudem die 

Kopie seiner Tazkira abgegeben, aus der hervorgehe, dass er der Sohn 

von E._______ sei. Dabei habe er nachvollziehbar erklären können, wo die 

Original-Tazkira verblieben sei. 

6.6 Seine Angaben zur Tätigkeit des Vaters bei der Armee seien nachvoll-

ziehbar und altersgerecht. Der Beschwerdeführer sei im fraglichen Zeit-

raum noch ein Kind gewesen, und es könne nicht von ihm erwartet werden, 

Details der Arbeit des Vaters zu kennen. Dasselbe gelte für die Anschläge, 

auf diesen in deren Anschluss als Erstes im Zentrum gestanden sei, dass 

der Vater überlebt habe. Im Übrigen sei im Länderkontext davon auszuge-

hen, dass afghanische Armeeangehörige ihren Familien nicht alles über 

ihre Arbeit erzählen würden, schon nur um diese zu schützen und nicht 

erpressbar zu machen. 

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Seite 10 

6.7 Die Vorinstanz zweifle nicht daran, dass G._______ ein hoher Offizier 

bei der afghanischen Armee gewesen sei. Zusammen mit den eingereich-

ten Fotos und den Schilderungen würde sich ein stimmiges Bild der Vater-

Sohn-Beziehung ergeben. Dabei sei darauf hinzuweisen, dass Angehörige 

des afghanischen Militärs einem verstärkten Risiko ausgesetzt seien, von 

den Taliban als Verräter und Kollaborateure mit den im Land agierenden 

ausländischen Streitkräften angesehen zu werden. Gemäss dem Amt des 

Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) würden 

Armeeangehörige und deren Angehörige zu den Risikogruppen zählen und 

sollten als Flüchtlinge anerkannt werden. 

6.8 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe der Beschwerdeführer 

stimmige und substanziierte Aussagen zu den beiden Vorfällen mit den 

zwei Unbekannten auf den Motorrädern gemacht. Sodann habe er die Tö-

tung des Bruders beziehungsweise der Täterschaft nicht relativiert und 

auch nie behauptet, die Tötung des Bruders miterlebt zu haben.  

6.9 Insgesamt seien die Asylgründe glaubhaft vorgebracht worden. Der 

Beschwerdeführer sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu 

gewähren.  

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Sichtung der Akten zu fol-

genden Schlussfolgerungen: 

7.2  

7.2.1 Der heute […]jährige Beschwerdeführer hat sowohl in der EB UMA 

als auch in der vertieften Anhörung angegeben, er sei der Sohn von 

G._______, eines hohen Offiziers der afghanischen Armee, und deswegen 

von den Taliban verfolgt worden.  

7.2.2 Bereits eine kurze Internetrecherche ergibt eine Fülle von Dokumen-

ten und Bildern über Oberst G._______ (alternative Schreibweise: […]). 

Dieser wird in vielen afghanischen Medienberichten als "Spokesman" des 

(…). Armeekorps – auch als "(…) Corps" bekannt – zitiert (vgl. etwa […], 

[…] oder […]; alle Internetquellen abgerufen am 7. Juli 2021). In einer Bro-

schüre des "(…) Corps" aus dem Jahr 2010 wird Oberst G._______ bei der 

Auflistung der Kaderangehörigen an zweiter Stelle als "(…)" erwähnt.  

7.2.3 Die via Google auffindbaren Bilder von G._______ (vgl. etwa […]) 

zeigen den gleichen Mann wie auf den vielen vom Beschwerdeführer ein-

gereichten Fotografien. 

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Seite 11 

7.2.4 Die bei den Akten liegenden Bilder zeigen unter anderem den Be-

schwerdeführer zusammen mit G._______. Die Argumentation des SEM, 

diese Fotos würden "lediglich eine Bekanntschaft, nicht aber eine Ver-

wandtschaft belegen" (vgl. angefochtene Verfügung S. 4) wirkt gesucht, 

besonders angesichts der gänzlich ungestellt wirkenden Fotografie, die 

den Jugendlichen in informell-vertrauter alterstypischer Körperhaltung auf 

einem Stuhl neben dem Krankenbett von G._______ abbildet. Das SEM 

verkennt in diesem Zusammenhang offenbar, dass im Asylverfahren nicht 

strikter Beweis zu führen ist, sondern das Glaubhaftmachen genügt. 

7.2.5 Die eingereichte Tazkira des Beschwerdeführers erwähnt in der 

Rubrik "Name des Vaters" diesen Text: "(…)". Zwar trifft es zu, dass afgha-

nische Tazkiras nicht fälschungssicher sind (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2) und 

Kopien grundsätzlich geringere Beweiskraft haben als Originaldokumente. 

Dies bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche afghanischen Tazkiras ge-

fälscht und für das Asylverfahren unbeachtlich sind. Vorliegend wurde zwar 

nur eine Fotografie des Dokuments eingereicht; indessen erachtet das Ge-

richt die diesbezüglichen Ausführungen und Erklärungen des Beschwerde-

führers, wann und wie ihm die Tazkira ausgestellt und insbesondere unter 

welchen Umständen ihm das Originaldokument abhandengekommen sei, 

als grundsätzlich nachvollziehbar (vgl. Protokoll EB UMA S. 3). Unter den 

gegebenen Umständen wertet das Gericht die eingereichte Fotografie der 

Tazkira des Beschwerdeführers als schwaches Indiz für seine Abstam-

mung von G._______. 

7.2.6 Die Schilderungen der persönlichen und familiären Lebensumstände 

des jungen Beschwerdeführers und die Angaben zu seinem Vater wirken 

insgesamt lebensecht und stimmig. Entgegen der von der Vorinstanz ver-

tretenen Auffassung hat er zu den Aktivitäten des Vaters hinreichende 

Kenntnisse an den Tag gelegt, wenn sein damaliges Kindsalter berücksich-

tigt (beim ersten Attentat auf den Vater war der Beschwerdeführer 

[…] Jahre alt) und zudem in Betracht gezogen wird, dass der Vater auf-

grund seiner Stellung und Tätigkeit innerhalb der afghanischen Armee die 

Angehörigen mit Sicherheit nicht detailliert über seinen Aufgabenbereich 

hat informieren dürfen. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Vater auf-

grund seiner militärischen Funktion und seinen Stationierungsorten immer 

nur alle paar Wochen für ein bis zwei Tage nach Hause kam (vgl. Protokoll 

Anhörung F53). Die vom SEM vertretene Auffassung, die entsprechenden 

Kenntnisse des Beschwerdeführers seien von einer "unplausiblen Un-

kenntnis" geprägt (vgl. angefochtene Verfügung S. 4), überzeugt das Ge-

richt nicht. 

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Seite 12 

7.2.7 Zusammenfassend hält das Bundesverwaltungsgericht fest, dass 

aus seiner Sicht kein vernünftiger Zweifel am Vater-Sohn-Verhältnis von 

Oberst G._______ und dem Beschwerdeführer besteht. 

7.3 Die Vorinstanz hat ihren Asylentscheid nach dieser Feststellung auf ei-

ner unzutreffenden Sachverhaltsannahme abgestützt und – soweit die an-

gebliche Unglaubhaftigkeit der Abstammung des Beschwerdeführers von 

einem prominenten Kaderangehörigen der afghanischen Armee betref-

fend – Bundesrecht verletzt (Art. 7 AsylG).  

7.4 Die Feststellung der Glaubhaftigkeit der Vater-Sohn-Beziehung ist ge-

eignet, sich auf die Beurteilung seiner übrigen Vorbringen (Behelligungen/ 

Bedrohungen durch die Taliban, Ermordung seines Bruders) auszuwirken. 

Zudem wird nun die Frage zu beantworten sein, ob nicht bereits die enge 

familiäre Beziehung zu Oberst G._______ in Afghanistan zur Gefahr einer 

Reflexverfolgung führen könnte (zumal die Erschiessung dessen anderen 

Sohnes, des Bruders des Beschwerdeführers, vom SEM offenbar nicht als 

unglaubhaft angesehen wird; vgl. angefochtene Verfügung S. 6: "Anzufü-

gen ist, dass sich auch von der bedauernswerten Ermordung Ihres Bruders 

keine Rückschlüsse auf Ihre eigene Verfolgung ableiten lassen"). 

7.5 Unter diesen Umständen erscheint es sachgerecht, die angefochtene 

Verfügung aufzuheben und die Akten zur korrekten Durchführung des Asyl-

verfahrens des Beschwerdeführers an das SEM zurückzuweisen (vgl. 

BVGE 2015/30 E. 8.1).  

7.6 Bei dieser Sachlage braucht die Berechtigung der übrigen Beschwer-

devorbringen vom Bundesverwaltungsgericht nicht beurteilt zu werden. 

Das Gericht beschränkt sich in diesem Zusammenhang auf die Feststel-

lung, dass die Kritik an der Art und Weise der Durchführung der Befragun-

gen (des damals […]-jährigen) Beschwerdeführers jedenfalls nicht klar von 

der Hand zu weisen sind. Falls das SEM gestützt auf die heutige Aktenlage 

keinen positiven Asylentscheid ausfällt, dürfte sich eine erneute Anhörung 

– unter vollumfänglicher Beachtung der für unbegleitete Minderjährige gel-

tenden Befragungsregeln (vgl. BVGE 2014/30 E. 2.3) – aufdrängen. 

8.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, soweit die teilweise 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 28. Mai 2021 beantragt wor-

den ist.  

  

E-2984/2021 

Seite 13 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird das in der Beschwerde gestellte 

Begehren um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gegen-

standslos. 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung 

(nach Art. 64 VwVG) auszurichten, weil es sich bei seiner Rechtsvertreterin 

um die zugewiesene unentgeltliche Rechtsbeiständin gemäss Art. 102h 

AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k 

AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2984/2021 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die teilweise Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung beantragt worden ist. 

2.  

Die Dispositivziffern 1–3 der Verfügung vom 28. Mai 2021 werden aufge-

hoben; die Akten werden im Sinn der Erwägungen zur Weiterführung des 

Asylverfahrens und zum neuen Entscheid über das Asylgesuch an das 

SEM zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay 

 

 

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