# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c47a01be-774d-5177-b05a-58fa55153c3f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-16
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Weitere Kammern 16.04.2025 DG240008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_999_DG240008_2025-04-16.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Pfäffikon
1. Abteilung  

Geschäfts-Nr.: DG240008-H / U2

Mitwirkend: Gerichtspräsidentin lic. iur. M. Sigrist-Tanner (Vorsitz)

Bezirksrichterin lic. iur. E. Casparis (Referentin)

Bezirksrichter M. Ottiger

Gerichtsschreiberin lic. iur. K. Schoch

Urteil vom 16. April 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 
Anklägerin

gegen

A._____, 
Beschuldigter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____, 

betreffend Vergewaltigung

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Privatklägerin

B._____, 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,

- 3 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland des Kantons Zürich vom 

10. September 2024 (act. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:
(Prot. S. 6)

Die Staatsanwältin MLaw C._____ für die Anklägerin, die Privatklägerin in Beglei-

tung ihrer Rechtsvertreterin RAin lic. iur. Y._____, der Beschuldigte in Begleitung 

seines amtlichen Verteidigers RA MLaw X._____. 

Anträge:

A. der Anklägerin: (act. 24)

1. Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten
3. Vollzug der Freiheitsstrafe
4. Anrechnung der erstandenen Haft
5. Anordnung einer Landesverweisung von 10 Jahren
6. Anordnung der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem
7. Entscheid über die Rückgabe der einzig als Beweismittel beschlag-

nahmten Gegenstände
8. Entscheid über Sicherstellungen, Asservate, Spuren und Spurenträger
9. Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft
10. Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von 

Fr. 19'360.75)

B. der Privatklägerin: (act. 41)

1. Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklageschrift schuldig zu spre-
chen und zu bestrafen;

2. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genug-
tuung von Fr. 20'000.00 zuzüglich 5% Zins ab 29. Juni 2023 zu bezah-
len;

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3. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin Schadener-
satz von Fr. 27.60 zuzüglich 5% Zins ab 29. Juni 2023 zu bezahlen;

4. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 
grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist und es sei vorzumerken, dass 
die spätere Geltendmachung von Schadenersatzforderungen vorbehal-
ten bleibt;

5. Die Kosten des Strafverfahrens inklusive der (unentgeltlichen) Rechts-
verbeiständung der Privatklägerin seien dem Beschuldigten aufzuerle-
gen;

6. Der Privatklägerin sei eine vollständige Ausfertigung des Urteils zuzu-
stellen.

C. des Beschuldigten: (act. 42) 

1. A._____ sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen. 
2. Es sei von einer Landesverweisung sowie Anordnung der Ausschrei-

bung im Schengener Informationssystem (SIS) abzusehen.
3. Die seitens Staatsanwaltschaft beschlagnahmten und/oder sicherge-

stellten Gegenstände im Eigentum vom A._____ seien diesem heraus-
zugeben.

4. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien vollumfänglich abzuwei-
sen, eventualiter seien diese auf den Zivilweg zu verweisen. 

5. A._____ sei eine Genugtuung für die erstandene Haft im Umfang von 
CHF 46'640.00 zzgl. Zins zu 5% ab dem 29. Juni 2023, eventualiter zzgl. 
Zins zu 5% ab mittlerem Verfall, zuzusprechen. 

6. Sämtliche durch das Strafverfahren entstandene Kosten seien auf die 
Staatskasse zu nehmen und die amtliche Verteidigung sei gemäss bei-
liegender Honorarnote zu entschädigen. 

Erwägungen:

I.
PROZESSVERLAUF

1. Nach Durchführung der Strafuntersuchung durch die Staatsanwaltschaft 

See/Oberland wurde gegen den Beschuldigten am hiesigen Bezirksgericht 

mit Anklageschrift vom 10. September 2024, hierorts eingegangen am 

13. September 2024 (act. 24), Anklage erhoben.

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2. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2024 (act. 29) liess der Beschuldigte sodann Be-

weisanträge stellen, welche mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) ab-

gelehnt wurden.

3. Mit Vorladung/Verfügung vom 4. November 2024 (act. 32) liess das hiesige 

Gericht die Anklage zu und setzte die Hauptverhandlung auf den 18. März 

2025 an. In derselben Verfügung wurde den Parteien eine Frist von 20 Tagen 

zur Stellung von (weiteren) Beweisanträgen angesetzt. (Weitere) Beweisan-

träge gingen in der Folge indes keine ein. Zudem wurde der Privatklägerin 

eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um allfällige Zivilansprüche schriftlich zu 

beziffern und detailliert zu begründen, und die Rechtsvertreter der Parteien 

wurden aufgefordert, dem Gericht ihre jeweiligen Honorarnoten bis spätes-

tens 5 Tage vor der Hauptverhandlung einzureichen.

4. Mit Eingabe vom 17. Februar 2025 (act. 36) liess die Privatklägerin ihre An-

träge innert erstreckter Frist schriftlich stellen und begründen und mit Einga-

ben vom 11./12. März 2025 (act. 38 und 39) reichten die Verteidigung sowie 

die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin auch fristgemäss ihre 

jeweiligen Honorarnoten ein.

5. Zur Hauptverhandlung erschienen Staatsanwältin MLaw C._____ für die An-

klägerin, der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers 

Rechtsanwalt MLaw X._____, die Privatklägerin per Videoübertragung in ei-

nem zweiten Gerichtssaal in Begleitung ihrer unentgeltlichen Rechtsbeistän-

din Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ sowie zwei Vertrauenspersonen (Vater 

[D._____] und Partner der Privatklägerin) und der Turkmenisch-Dolmetscher 

E._____ zur Übersetzung für den Beschuldigten (Prot. S. 6).

Zu Beginn der Verhandlung stellte die Verteidigung im Rahmen der Vorfragen 

einen Beweisantrag, welcher nach dem Gewähren des rechtlichen Gehörs der 

Parteien und eingehender Beratung seitens des Gerichts mit kurzer mündli-

cher Begründung abgewiesen wurde (Prot. S. 7 ff.).

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Daraufhin wurde sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin – je ge-

trennt voneinander und je mittels Videoübertragung zur Gewährung der ge-

genseitigen Konfrontationsrechte – eingehend zum Sachverhalt und zur Per-

son befragt (Prot. S. 10 ff.). Sodann folgten die Parteivorträge (Prot. S. 70 ff.) 

und das Schlusswort des Beschuldigten (Prot. S. 91).

Im Anschluss an die Verhandlung wurde die mündliche Eröffnung auf den 

17. April 2025 angesetzt, was mit entsprechender Anzeige vom 25. März 

2025 (act. 46) den Parteien schriftlich bestätigt wurde.

6. Zur Urteilseröffnung vom 17. April 2025 erschienen Staatsanwältin MLaw 

C._____ für die Anklägerin, der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen 

Verteidigers, die Privatklägerin in Begleitung ihrer unentgeltlichen Rechtsver-

treterin sowie dreier Vertrauenspersonen (Vater, Mutter und Partner der Pri-

vatklägerin) und der Turkmenisch-Dolmetscher E._____ zur Übersetzung für 

den Beschuldigten (act. 94). Das Urteil wurde alsdann mündlich eröffnet, kurz 

begründet und sowohl der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen 

Rechtsbeiständin im Doppel als auch der Staatsanwältin für die Anklägerin 

schriftlich im Dispositiv ausgehändigt (act. 47 und Prot. S. 94). Die amtliche 

Verteidigung liess sofort Berufung anmelden (Prot. S. 94) und bestätigte dies 

mit Eingabe vom 22. April 2025 (act. 48).

II.
VORBEMERKUNGEN

A. Antrag auf Wiederholung der Zeugeneinvernahme von D._____ und F._____

1.1 Die Verteidigung monierte im Rahmen der Vorfragen nach Beginn der Haupt-

verhandlung gestützt auf Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO, bei den Zeugeneinver-

nahmen von D._____ und F._____ sei das Konfrontationsrecht des Beschul-

digten beschnitten worden. Die Staatsanwaltschaft habe ohne Grund Ergän-

zungsfragen nicht zugelassen, was auch umgehend gerügt worden sei (vgl. 

act. 1/7/3 Frage 121 inkl. PN und act. 1/7/4, Frage 121). Die Verteidigung 

stellte insofern vorfrageweise den Antrag, den anwesenden Zeugen D._____ 

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bis zu einer erneuten Befragung von der Hauptverhandlung auszuschliessen 

(Prot. S. 7). In Bezug auf den Entwicklungsverlauf und die Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin sei es relevant, wie und wo sich die Privatklägerin in einem 

betreuten Wohnen befunden habe, ob sie sich dort stationär befunden habe, 

wie die Entwicklung gewesen sei und ob es unter Umständen Krankenakten 

gebe (Prot. S. 9).

Im Rahmen des ersten Parteivortrags stellte die Verteidigung sodann die Be-

weisergänzungsanträge der Wiederholung der beiden Zeugeneinvernahmen 

von D._____ und F._____ (act. 42 N 23 und 27). Hierzu konkretisierte sie, die 

Staatsanwaltschaft habe beim Zeugen D._____ die Ergänzungsfrage, wes-

halb und wo die Privatklägerin sich im betreuten Wohnen befunden habe, in 

Verletzung des Konfrontationsrechts des Beschuldigten und unter unzulässi-

ger Anwendung der antizipierten Beweiswürdigung abgelehnt. Es stelle sich 

indes die Frage, wie sich die Privatklägerin im betreuten Wohnen verhalten 

habe, ob sie sich in stationärer Behandlung befunden habe, ob die betreuen-

den Personen unter Umständen Angaben zur gesundheitlichen Entwicklung 

der Privatklägerin machen könnten, ob es gegebenenfalls Krankenakten gebe 

etc. (act. 42 N 21 f.). Ebenfalls habe die Staatsanwaltschaft anlässlich der 

Zeugeneinvernahme von F._____ die Frage der Verteidigung unter unzuläs-

siger Anwendung der antizipierten Beweiswürdigung nicht zugelassen, was 

der Inhalt und Vorwurf des Strafverfahrens gewesen sei, welches gegen den 

Zeugen als Beschuldigten geführt worden sei. Diese Frage sei indes sehr 

wohl von Relevanz, da ein allfälliger Vorwurf bzw. eine Verurteilung wegen 

falscher Anschuldigung, Irreführung der Rechtspflege oder falschen Zeugen-

aussage für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Zeugen von Belang wäre 

(act. 42 N 25 f.). Sowohl die Einvernahme von D._____ als auch diejenige von 

F._____ seien insofern zulasten des Beschuldigten nicht verwertbar (act. 42 

N 24 und 28).

1.2 Die Staatsanwaltschaft lehnte im Rahmen der Vorfragen den Antrag auf Wie-

derholung der Zeugeneinvernahmen von D._____ und damit einhergehend 

den Antrag auf dessen Ausschluss von der Hauptverhandlung ab, da das 

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Konfrontationsrecht nicht verletzt worden sei (Prot. S. 8). Ausserdem wendete 

sie ein, dass von der Glaubwürdigkeit einer Person nicht auf die Glaubhaftig-

keit deren Aussagen geschlossen werden dürfe (Prot. S. 9).

1.3 Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin lehnte den Antrag im 

Rahmen der Vorfragen sinngemäss ebenso ab, da die besagten Fragen der 

Verteidigung anlässlich der beiden Zeugeneinvernahmen zu Recht nicht zu-

gelassen worden seien. Die Fragen der Verteidigung in Bezug auf D._____ 

hätten ein allfälliges betreutes Wohnen der Privatklägerin betroffen, welches 

nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen sei (Prot. S. 8). Zudem ergänzte 

sie, dass die Glaubwürdigkeit im Allgemeinen bei Zeugen und Auskunftsper-

sonen nicht zu beurteilen sei. Es gehe nicht um das Vorleben der betroffenen 

Person. Deren Glaubwürdigkeit komme nur dann zum Zug, wenn die Aussa-

gen nicht glaubhaft seien und deshalb die Glaubwürdigkeit geprüft werden 

müsse. Es stelle sich insofern die Frage, ob die Aussagen glaubhaft seien 

oder ob es Hinweise dafür gebe, dass die Glaubwürdigkeit ein Problem sei. 

Vorliegend seien die Ergänzungsfragen der Verteidigung im Rahmen der Zeu-

geneinvernahme hinsichtlich eines betreuten Wohnens aber zu Recht nicht 

zugelassen worden (Prot. S. 9). Im Rahmen des zweiten Parteivortrags fügte 

sie sodann an, bei den nicht zugelassenen Ergänzungsfragen der Verteidi-

gung habe es sich um Fragen gehandelt, die nichts mit dem vorliegenden 

Verfahren zu tun hätten. Die Frage an F._____ nach einem früheren Strafver-

fahren gegen ihn wäre höchstens dann zulässig gewesen, wenn es um ein 

sog. Verfahren gegen die Rechtspflege gehandelt hätte. Es sei aber klar, dass 

auf eine solche Frage keine Antwort gegeben werden müsse. Das gleiche sei 

auch bei den Fragen betreffend dem begleiteten Wohnen der Privatklägerin 

gewesen. Auch diese Frage habe mit dem vorliegenden Verfahren nichts zu 

tun gehabt (Prot. S. 88).

1.4 Anlässlich des zweiten Parteivortrags ergänzte die Verteidigung, dass in Be-

zug auf die Zeugeneinvernahme von F._____ die abgelehnte Ergänzungs-

frage direkt dazu hätte dienen sollen zu erfahren, ob es sich um ein Verfahren 

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gegen die Rechtspflege gehandelt hat oder nicht, was dem Beschuldigten ver-

wehrt worden sei (Prot. S. 90 f.).

1.5 Das Gericht lehnte den Antrag auf Ausschluss des Zeugen D._____ von der 

Hauptverhandlung nach eingehender Beratung im Rahmen der Vorfragen mit 

kurzer Begründung umgehend ab und verzichtete auf die Wiederholung der 

besagten Zeugeneinvernahme (Prot. S. 9). Über die weiteren Beweisergän-

zungsanträge in diesem Zusammenhang war im Anschluss an die Hauptver-

handlung im Rahmen der Urteilsberatung zu entscheiden.

2.1 Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO statuiert den Grundsatz der Parteiöffentlichkeit 

der Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren und be-

stimmt, dass die Parteien das Recht haben, bei Beweiserhebungen durch die 

Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen 

Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische Teilnahme- und Mitwirkungs-

recht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1 lit. b 

StPO). Es kann nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen (vgl. Art. 108, 

Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO) eingeschränkt werden. Dieses 

Recht der beschuldigten Person gründet sich zudem auf dem Anspruch auf 

ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und wird insbesondere durch 

Art. 6 Abs. 3 lit. d EMRK garantiert. Durch das Konfrontationsrecht soll die be-

schuldigte Person in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prü-

fen und den Beweiswert auf die Probe und in Frage zu stellen (SCHNYDER, in: 

Gomm/Zehntner [Hrsg.], Handkommentar zum Opferhilferecht, 4. Auflage, 

2020, N 7 f. zu Art. 146 und 147 StPO mit Verweis auf Botschaft StPO, 

S. 1187 und BGE 139 IV 25 E 4.2 u.w.). Die Fragen der Verteidigung sind in-

des nur zuzulassen, wenn sie irgendwie erheblich sind. Die Abweisung offen-

sichtlich untauglicher Beweisanträge verletzt die verfassungsmässigen 

Rechte des Beschuldigten nicht (BGE 124 I 274 E. 5b; BGE 105 Ia 396 

E. 3b).

2.2.1Vorliegend handelt es sich einerseits in Bezug auf den Zeugen D._____ um 

eine Ergänzungsfrage der Verteidigung im Zusammenhang mit einem betreu-

ten Wohnen der Privatklägerin in der Vergangenheit (vgl. act. 7/3 Frage 121) 

https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/source/document-link

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und andererseits in Bezug auf den Zeugen F._____ um eine Ergänzungsfrage 

der Verteidigung nach dem Gegenstand eines vorausgehenden Strafverfah-

rens gegen denselben (vgl. act. 7/4 Frage 121).

2.2.2Die Ablehnung der Ergänzungsfrage nach dem Grund und Ort des betreuten 

Wohnens der Privatklägerin verletzt das Konfrontationsrecht des Beschuldig-

ten nicht, da keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dies für das vorlie-

gende Strafverfahren von Relevanz sein sollte. Gemäss Aussagen des Vaters 

der Privatklägerin, D._____, bestand diese Wohnsituation nach Abbruch der 

Lehre der Privatklägerin, da D._____ der Privatklägerin zu verstehen gegeben 

habe, dass sie ohne Aussicht auf eine Arbeitstätigkeit nicht zu Hause wohnen 

könne, worauf die Privatklägerin ausgezogen sei (vgl. act. 7/3 Frage 120). Ei-

nerseits bestehen zufolge der von D._____ angegebenen nachvollziehbaren 

Gründe für das betreute Wohnen der Privatklägerin keinerlei Hinweise dafür, 

dass die Privatklägerin damals derart psychisch angeschlagen gewesen 

wäre, dass sie aus diesem Grund stationär behandelt worden und Kranken-

akten vorhanden wären. Andererseits dürfte der Abbruch der Lehre und das 

betreute Wohnen bereits einige Jahre her und in zeitlicher Hinsicht für den 

vorliegenden Straffall kaum mehr von Belang sein, selbst wenn die Privatklä-

gerin damals ernsthaft psychisch angeschlagen gewesen wäre. Die Verwei-

gerung der entsprechenden Ergänzungsfrage(n) der Verteidigung durch die 

Staatsanwaltschaft gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung ist daher 

zufolge Unerheblichkeit nicht zu beanstanden.

2.2.3Anders ist dies in Bezug auf die abgelehnte Ergänzungsfrage der Verteidi-

gung an F._____ zu beurteilen. Die Ablehnung der Ergänzungsfrage nach 

dem Grund eines vorausgehenden Strafverfahrens gegen F._____ verletzt 

das Konfrontationsrecht des Beschuldigten, da dieses die Glaubwürdigkeit 

des Zeugen – je nach Inhalt des entsprechenden Strafverfahrens – tangieren 

kann und somit nicht unerheblich ist. Die Aussagen des Zeugen F._____ dür-

fen demzufolge nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden. Wie 

nachfolgend zu zeigen sein wird, lässt sich der Sachverhalt indes auch ohne 

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die entsprechenden Aussagen des Zeugen F._____ erstellen, weshalb auf 

eine Wiederholung seiner Zeugenbefragung zu verzichten ist.

B. Antrag auf Sicherstellung, Beschlagnahme und Auswertung des Mobiltelefons 

der Privatklägerin

1.1 Der Antrag auf Auswertung des Mobiltelefons der Privatklägerin wurde seitens 

der Verteidigung erstmals an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der 

Privatklägerin vom 20. Juli 2023 gestellt (act. 6/4 Frage 403) und damit be-

gründet, dass der Sachverhalt möglichst umfassend und objektiv aufzuklären 

sei und es gestützt auf die Befragung der Privatklägerin offensichtlich sei, 

dass sich auf deren Mobiltelefon sachdienliche Hinweise befänden. Den ent-

sprechenden Antrag stellte die Verteidigung mit Eingabe ans vorliegende 

Strafgericht vom 1. Oktober 2024 (act. 29) erneut und wiederholt diesen nun 

auch anlässlich der Hauptverhandlung, obwohl das Gericht den entsprechen-

den Beweisergänzungsantrag mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) 

ausführlich begründet bereits vor der Hauptverhandlung abgelehnt hat. Auf 

die entsprechenden Vorbringen der Verteidigung und die Feststellungen des 

hiesigen Strafgerichts in der Verfügung vom 24. Oktober 2024 kann vollum-

fänglich verwiesen werden, zumal die Verteidigung auch anlässlich der Haupt-

verhandlung auf ihre Eingabe vom 1. Oktober 2024 (act. 29) verweist, ohne 

neue Gründe für den entsprechenden Antrag anzubringen (act. 42 N 4 f.). Die 

Verteidigung ergänzte anlässlich der Hauptverhandlung lediglich, dass es – 

entgegen der gerichtlichen Feststellung in der Verfügung betreffend Ableh-

nung der Beweisanträge vom 24. Oktober 2024 – nicht korrekt sei, es hätten 

bereits sämtliche Informationen auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin gesi-

chert werden können. Es sei nie abschliessend geklärt worden, ob es Nach-

richtenverläufe via SMS, WhatsApp oder andere Apps sowie Anrufe via Apps 

gegeben habe. Damit sei der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden 

(act. 42 N 6).

1.2 Die Staatsanwaltschaft beantragte demgegenüber die erneute Abweisung 

dieses Beweisergänzungsantrags mangels Substantiierung (Prot. S. 86). Es 

liege kein Grund vor, das Mobiltelefon zu beschlagnahmen. Aus dem Antrag 

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erhelle nicht, aus welchen Gründen das Mobiltelefon nach über 1.5 Jahren 

umfassend ausgewertet bzw. nach welchen Informationen/Tatsachen durch-

sucht werden sollte. Sämtliche im Zusammenhang mit der Beurteilung der 

vorliegenden Sache relevanten Daten seien bereits erhältlich gemacht wor-

den und würden im Recht liegen. Eine umfassende Auswertung resp. Durch-

suchung des Mobiltelefons der Geschädigten sei unter dem Aspekt der Ver-

hältnismässigkeit nicht angezeigt und würde eine reine "fishing expedition" 

darstellen, was im übrigen im Entsiegelungsverfahren ebenso vom Verteidi-

ger in Bezug auf die umfassende Durchsuchung des Mobiltelefons des Be-

schuldigten ausgeführt worden sei. Weiter liege auch kein Hinweis dafür vor, 

dass sich die Geschädigte sich irgendwie der falschen Anschuldigung strafbar 

gemacht haben sollte.

2.1 Vorliegend gilt der sog. Untersuchungsgrundsatz, welcher Folgendes besagt: 

Die Strafbehörden klären von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat 

und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen ab (Art. 6 Abs. 1 

StPO). Sie untersuchen die belastenden und entlastenden Umstände mit glei-

cher Sorgfalt (Art. 6 Abs. 2 StPO). Gemäss Abs. 1 sind die Strafbehörden ver-

pflichtet, von Amtes wegen alle Untersuchungshandlungen vorzunehmen und 

alle Beweise zu erheben, die für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten 

Person von Bedeutung sind, um so dem Ziel der Ermittlung der materiellen 

Wahrheit möglichst nahezukommen. Welche Tatsachen für die Beurteilung 

von Bedeutung sind, ergibt sich aus den materiell-strafrechtlichen Normen, 

die auf der Grundlage des bestehenden Tatverdachts zur Anwendung kom-

men (könnten). Zu ermitteln sind neben den Umständen, aus denen sich das 

Vorliegen sämtlicher Tatbestandsmerkmale ergibt, auch die Umstände, aus 

denen sich ergibt, dass Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe nicht 

gegeben sind. Zu ermitteln sind weiterhin die Tatsachen, die für die Strafzu-

messung von Bedeutung sein können. Welche Umstände dies sind, ergibt 

sich aus den jeweils in Betracht kommenden Normen des StGB (WOHLERS, 

in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-

schen Strafprozessordnung, 3. Auflage 2020, N 5 f. zu Art. 6).

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2.2 Wie bereits mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) festgehalten, geht 

aus den Akten hervor, dass die Staatsanwältin unmittelbar im Anschluss an 

die privatklägerische Einvernahme vom 20. Juli 2023 (act. 6/4) deren Mobil-

telefon sichtete und drei Nachrichten zu den Akten genommen wurden (vgl. 

act. 17/1 mit Anhang). In der entsprechenden Aktennotiz vom 21. Juli 2023 

(act. 17/1) führte die Staatsanwältin aus, dass keine weiteren Nachrichten auf 

dem Handy hätten gefunden werden können und es habe auch keinerlei Hin-

weise auf weitere Chatpartner oder Anrufer/Angerufene gegeben. Aus den 

Akten geht zudem hervor, dass am Tag nach der Tat von der Kantonspolizei 

Zürich Screenshots des Mobiltelefons der Privatklägerin erstellt und zu den 

Akten genommen wurden. Sie zeigen den Chat- und Anrufverlauf zwischen 

F._____ und der Privatklägerin via der Applikation Snapchat (vgl. act. 2/3). 

Ferner wurden am 30. Juni 2023 ergänzend weitere Screenshots jeweils von 

der Anrufliste der Privatklägerin sowie F._____ erstellt (vgl. act. 2/4). Insofern 

wurde das Mobiltelefon der Privatklägerin sowohl durch die Staatsanwalt-

schaft als auch die Kantonspolizei Zürich gesichtet und relevante Textnach-

richten und Anrufdaten sichergestellt. Die Verteidigung brachte – auch anläss-

lich der Hauptverhandlung – nicht vor, inwiefern sie darüber hinaus heute auf 

dem Mobiltelefon der Privatklägerin noch sachrelevante Beweismittel finden 

will, zumal sich Snapchat-Nachrichten innert 24 Stunden löschen und seit 

dem Vorfall bereits ein Jahr vergangen ist. Aus den Akten ergeben sich kei-

nerlei Hinweise für weiterführende mit dem Sachverhalt in Zusammenhang 

stehende Kontakte und/oder Nachrichten der Privatklägerin, abgesehen der 

bereits gesicherten mit F._____ und deren Vater. Schliesslich geht es vorlie-

gend nicht um den Vorwurf einer Vergewaltigung im Rahmen eines voraus-

gehenden bereits bestehenden oder sich anbahnenden Kontakts mit dem Be-

schuldigten, wie dies häufig der Fall ist, sondern um eine Vergewaltigung 

durch einen bis dahin gänzlich unbekannten, zufällig getroffenen Mann. Eine 

der Tat vorausgehende oder nachträgliche sachverhaltsrelevante Kommuni-

kation der Privatklägerin – abgesehen von der bereits gesicherten – ist daher 

äusserst unwahrscheinlich und rechtfertigt keine eingehende Durchsuchung 

des Mobiltelefons der Privatklägerin. Die Staatsanwaltschaft verletzte den Un-

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tersuchungsgrundsatz mangels entsprechender Hinweise für sachdienliche 

weitere Beweise auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin in Bezug auf die vor-

liegend zu beurteilende Vergewaltigung insofern nicht. Der entsprechende 

Beweisantrag der Verteidigung ist folglich weiterhin abzulehnen.

C. Antrag auf Beizug der Strafakten des Bezirksgericht Hinwil i.S. Privatklägerin 

gegen G._____ betreffend Vergewaltigung

1.1 Die Verteidigung beantragt weiter – wie bereits im Untersuchungsverfahren 

(vgl. act. act. 10/5, 10/10 und 10/15) und beim hiesigen Strafgericht mit Ein-

gabe vom 1. Oktober 2024 (act. 29) – den Beizug der Strafakten des Bezirks-

gerichts Hinwil i.S. Privatklägerin gegen G._____ betreffend Vergewaltigung, 

welches mit einem Freispruch endete. Gemäss Verteidigung gehe es darum, 

nach Mustern oder Auffälligkeiten im Aussageverhalten der Privatklägerin zu 

forschen und um die Frage, inwiefern eine bewusste oder unbewusste falsche 

Anschuldigung persönlichkeitsadäquat sei oder Erinnerungen aus früheren 

Situationen/Fantasiegebilden auf den vorliegend zu beurteilenden Vorwurf 

übertragen worden seien, zumal die Privatklägerin selber ausgeführt habe, in 

der Vergangenheit bereits mehrfach vergewaltigt worden zu sein und auch in 

Zukunft zu werden. Dies gelte erst recht, weil die entsprechenden Akten be-

reits beigezogen worden seien und daher auch der Verteidigung bzw. dem 

Beschuldigten zugänglich zu machen seien (act. 42 N 9). Dem ungeschwärz-

ten entsprechenden Urteil des Bezirksgerichts Hinwil, welches die Verteidi-

gung durch die Familie des damals Beschuldigten habe erhältlich machen 

können, könne entnommen werden, dass der Modus der Vorgehensweise der 

Privatklägerin derselbe zu sein scheine. Diese deute einvernehmliche Hand-

lungen in sexuelle Handlungen mit Zwang um, wobei der Geschlechtsverkehr 

selber jeweils durch beide Beschuldigten vehement bestritten werde (act. 42 

N 10 f.). Ferner mache die Privatklägerin in beiden Verfahren ein "Freezing" 

geltend, welches durch ein Rufen Dritter aufgelöst worden sei (act. 42 N 12). 

Ebenso habe die Privatklägerin in beiden Verfahren ausgeführt, dass sie von 

den Beschuldigten am Oberkörper runtergedrückt worden sei, während sie 

auf dem Rücken gelegen habe (act. 42 N 13 ff.).

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1.2 Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung des entsprechenden Be-

weisantrags und liess ausführen (Prot. S. 83), es gehe um das, was in der 

Nacht vom 29. Juni 2023 zwischen der Geschädigten und dem Beschuldigten 

vorgefallen sei, weshalb die Akten des Jugendgerichts Hinwil nicht von Be-

deutung seien. Diesbezüglich werde vollumfänglich auf das Schreiben der An-

klägerin vom 20. Oktober 2023 verwiesen. Die Akten seien begründet nicht 

zum Bestandteil des Verfahrens gemacht worden, andernfalls die Persönlich-

keitsrechte von verfahrensunbeteiligten Personen massiv verletzt worden wä-

ren und das Amtsgeheimnis nicht gewahrt worden wäre. Ausserdem seien 

seit dem Urteil des Jugendgerichts fünf Jahre vergangen. Das Urteil stamme 

aus dem Jahr 2020 und habe einen Vorfall aus dem Jahr 2017 zum Inhalt 

gehabt, als die Geschädigte noch jugendlich gewesen sei. Aus diesen Akten 

und dem Verhalten der Geschädigten könne nicht auf den vorliegenden Fall, 

welcher sich acht Jahre später ereignet habe, geschlossen werden. Das hie-

sige Sachgericht habe im Rahmen der Beweiswürdigung zu entscheiden, ob 

die im vorliegenden Verfahren getätigten Aussagen der Geschädigten glaub-

haft seien. Die vorliegenden Akten seien zu berücksichtigen und nicht solche 

aus dem Jahr 2020 und weiter zurück. Die Verteidigung verkenne, dass es 

sich bei den früheren Akten nicht um Aktenstücke handle, welche zur direkten 

oder objektiven Aufklärung des vorliegenden klassischen Vier-Augen Delikts 

dienen könnten.

2. Im Rahmen der Strafuntersuchung wurden die Akten im Strafverfahren gegen 

G._____ wegen Vergewaltigung (Verfahren Nr. DJ200001 / Urteil vom 18. Au-

gust 2020) zwar beigezogen (act. 17/2/1). Der Verteidigung wurde indes nur 

das weitgehend geschwärzte entsprechende Urteil zur Einsicht zugestellt we-

gen dem Bestehen sensibler Daten und Irrelevanz der Aussagen der Privat-

klägerin – so die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 20. Oktober 2023 

(act. 17/2/6). Auch das hiesige Bezirksgericht wies den entsprechenden Be-

weisantrag mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 (act. 30) ab, mit Verweis auf 

die Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der ergänzenden Begründung, 

dass seit dem Urteil einige Zeit vergangen sei und vom damaligen Aussage-

verhalten der Privatklägerin nicht auf den vorliegenden Sachverhalt geschlos-

- 16 -

sen werden könne. Es sei im Rahmen der Beweiswürdigung zu entscheiden, 

ob deren Aussagen glaubhaft seien.

3.1 Nach Art. 194 Abs. 1 StPO ziehen die Staatsanwaltschaft und die Gerichte 

Akten anderer Verfahren bei, wenn dies für den Nachweis des Sachverhalts 

oder die Beurteilung der beschuldigten Person erforderlich ist. Verwaltungs- 

und Gerichtsbehörden stellen ihre Akten zur Einsichtnahme zur Verfügung, 

wenn der Herausgabe keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Ge-

heimhaltungsinteressen entgegenstehen (Art. 194 Abs. 2 StPO). Der Inhalt 

der beizuziehenden Akten ist den Strafbehörden im Zeitpunkt des Beizugsge-

suchs nicht – jedenfalls nicht im Detail – bekannt. Entsprechend steht – aus-

ser im Fall des Antrags einer Partei und der antizipierten Beweiswürdigung – 

nicht der Anspruch auf rechtliches Gehör im Vordergrund, sondern der Unter-

suchungsgrundsatz gemäss Art. 6 StPO mit der Verpflichtung, den verfah-

rensrelevanten Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären. Entsprechend sind 

Staatsanwaltschaft und Gerichte zum Beizug von Akten verpflichtet, sofern 

diese zur Abklärung des Sachverhalts oder zur Beurteilung des Beschuldigten 

erforderlich sind. Zufolge des Untersuchungsgrundsatzes sind die Strafbehör-

den grundsätzlich zum Beizug der Akten verpflichtet. Es sind diejenigen Akten 

beizuziehen, welche sachverhaltsrelevant sind. Insbesondere ist dadurch der 

Sachverhalt zu erstellen bzw. zu ergänzen, welcher für die Subsumtion unter 

die Tatbestände und allfällige Rechtfertigungsgründe zufolge des Untersu-

chungsgrundsatzes gemäss Art. 6 StPO erforderlich erscheint. Die Würdi-

gung des Inhalts der beigezogenen Akten ist Sache des Strafrichters. Neben 

den sachverhaltsrelevanten Akten sind die Akten beizuziehen, welche im 

Strafverfahren zur Beurteilung der Person des Beschuldigten notwendig sind. 

Bestehen im Einzelfall Zweifel über die Notwendigkeit des Beizugs der fragli-

chen Akten, ist gestützt auf die Kriterien betreffend die antizipierte Beweis-

würdigung zu entscheiden. Danach kann auf den Beizug der Akten verzichtet 

werden, wenn die Strafbehörde aufgrund bereits abgenommener Beweise 

ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, ihre Über-

zeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert. Im Begeh-

ren um Aktenherausgabe ist kurz anzugeben, inwiefern die betreffenden Ak-

- 17 -

ten für die Zwecke des Strafverfahrens notwendig sind, damit die ersuchte 

Behörde und die Beschwerdekammer dies gegebenenfalls überprüfen kön-

nen. Es versteht sich von selbst, dass den Parteien Einsicht in die beigezoge-

nen Akten zu gewähren ist, und zwar unabhängig davon, ob diese für den 

Ausgang des Verfahrens als relevant oder irrelevant erachtet werden. Die 

Parteien sind berechtigt, dazu Stellung zu nehmen. Werden Fremdgutachten 

beigezogen, so können sich die Parteien nicht nur zum Inhalt des Fremdgut-

achtens und zur Person des Experten zu äussern. Sie können auch Ergän-

zungsfragen stellen. Damit der Anspruch auf Akteneinsicht wahrgenommen 

werden kann, ist die Strafbehörde, welche die Akten beizieht, grundsätzlich 

verpflichtet, die Parteien über den Aktenbeizug zu informieren (DONATSCH, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 

Strafprozessordnung, 3. Auflage 2020, N 5 ff. zu Art. 194).

3.2 Das Recht auf Akteneinsicht ist Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör 

(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO). Die grundsätzlich vollum-

fängliche Akteneinsicht ist den Parteien nach Art. 101 Abs. 1 StPO spätestens 

nach der ersten Einvernahme der beschuldigten Person und der Erhebung 

der übrigen wichtigsten Beweise durch die Staatsanwaltschaft zu gewähren. 

Sind die beiden Voraussetzungen kumulativ erfüllt, ist die Staatsanwaltschaft 

bzw. die Verfahrensleitung (Art. 102 Abs. 1 StPO) verpflichtet, ein Gesuch um 

Akteneinsicht nach diesem Zeitpunkt zu genehmigen, vorbehältlich einer Ein-

schränkung des rechtlichen Gehörs nach Art. 108 StPO. Nach Art. 108 Abs. 1 

StPO können die Strafbehörden das rechtliche Gehör aber einschränken, 

wenn der begründete Verdacht besteht, dass eine Partei ihre Rechte miss-

braucht (lit. a) oder dies für die Sicherheit von Personen oder zur Wahrung 

öffentlicher oder privater Geheimhaltungsinteressen erforderlich ist (lit. b). Bei 

den privaten Geheimhaltungsinteressen im Sinne von Art. 108 Abs. 1 lit. b 

StPO geht es zunächst um die Wahrung der Privatsphäre, mithin den Geheim- 

und Privatbereich. Im Weiteren geht es um die Wahrung des Geschäfts-, Fa-

brikations-, Bank- und Patentgeheimnisses. Wer die Akteneinsicht durch eine 

Partei eines Strafverfahrens mit Beschwerde anfechten möchte, hat seine 

(angeblichen) berechtigten Geheimhaltungsinteressen ausreichend zu sub-

- 18 -

stantiieren. Es ist eine Interessenabwägung anhand der konkreten Umstände 

vorzunehmen. Eine Verweigerung der Akteneinsicht wird im Lichte von Art. 36 

BV nur als grundrechtskonform erachtet, als ein konkurrierendes Geheimhal-

tungsinteresse überwiegt und der Ausschluss verhältnismässig ist (LIEBER, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Zürcher StPO Kommentar, 

3. Auflage 2020, N 6b ff. zu Art. 108).

3.3 Die vorgenannten Erwägungen gelten in Bezug auf Akten betreffend einen 

Beschuldigten, welcher im Strafverfahren grundsätzlich gewisse Eingriffe in 

seine Grundrechte dulden muss, da das öffentliche Interesse an der Strafauf-

klärung gegenüber den privaten Interessen des Beschuldigten doch sehr stark 

ist. Diese Überlegungen können jedoch nicht ohne Weiteres auch in Bezug 

auf Geschädigte angewendet werden, selbst wenn es sich um ein Vier-Augen-

Delikt handelt. Vorliegend sollen nach Ansicht der Verteidigung Akten von 

Personen parteiöffentlich gemacht werden, die entweder gar nichts mit dem 

vorliegenden Straffall zu tun haben (G._____) oder lediglich als Geschädigte 

und nicht als Beschuldigte am vorliegenden Straffall beteiligt sind. Diese doch 

äusserst schützenswerten privaten Interessen dieser Personen überwiegen 

gegenüber dem Interesse des Beschuldigten, allenfalls die Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin mit diesen Akten erschüttern zu können. Dies gilt erst recht, 

da die Glaubwürdigkeit nur in Bezug auf den vorliegenden Fall relevant ist und 

nicht anhand von zeitlich weit entfernten weiteren Fällen hergeleitet werden 

kann. Dasselbe gilt selbstverständlich für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

der Aussagen der Privatklägerin. Ein solches Argumentationsgebäude ge-

stützt auf einen weiteren Fall seitens der Verteidigung würde von vornherein 

einer kritischen Würdigung nicht standhalten. Nur weil die Geschädigte sich 

bereits einmal mit einem solchen Vorwurf konfrontiert sah und vermutet, sie 

könnte noch weitere Male Opfer von sexueller Gewalt sein, heisst das keines-

falls, dass sie in Bezug auf den vorliegenden Fall unglaubwürdig ist. Die 

Glaubwürdigkeit muss für jeden Fall gesondert betrachtet werden. Die von der 

Verteidigung verlangten Strafakten betreffend den weit zurückliegenden Fall 

i.S. G._____ sind insofern für den vorliegenden Fall von vornherein irrelevant. 

Ausserdem konnte die Verteidigung die beantragten Strafakten mittlerweile 

- 19 -

offenbar selber über Dritte erhältlich machen, weshalb sie anlässlich der 

Hauptverhandlung gewisse Passagen aus diesen Akten zitierte (vgl. act. 42 

N 12 ff.). Die von der Verteidigung aufgeworfenen Aussagen der Privatkläge-

rin legen indes keine brisanten Umstände dar, welche die Glaubwürdigkeit der 

Privatklägerin derart erschüttern würden, dass sich die Parteiöffentlichkeit der 

entsprechenden Akten aufdrängen würde. So ist es bei Vergewaltigungsvor-

würfen im Allgemeinen üblich, dass solche seitens der Beschuldigten bestrit-

ten und aus Eigenschutz heraus als einvernehmliche sexuelle Handlungen 

umgedeutet werden. Auch das Herunterdrücken des Oberkörpers durch Be-

schuldigte und das anfängliche Freezing der Opfer sind keine Seltenheit in 

solchen Verfahren, weshalb aus solch allgemeinen ähnlichen Sachverhalts-

elementen nicht darauf geschlossen werden kann, es handle sich um erlo-

gene oder auch nacherlebte Darstellungen. Weitere frappante Ähnlichkeiten 

der beiden Strafverfahren zum Nachteil der Privatklägerin konnten den Straf-

akten offenbar nicht entnommen werden, ansonsten sie sicherlich Eingang 

ins Plädoyer gefunden hätten. Folglich sind die Interessen der Privatklägerin 

und dem Dritten G._____ auch unter diesem Aspekt höher zu gewichten und 

es rechtfertigt sich nicht, die herausverlangten Strafakten parteiöffentlich zu 

machen, zumal sich die Staatsanwaltschaft von vornherein an keiner Stelle 

darauf stützt. Dem entsprechenden Antrag der Verteidigung ist daher erneut 

nicht stattzugeben.

D. Antrag auf Einholen eines Glaubwürdigkeits-/Glaubhaftigkeitsgutachten be-

treffend die Privatklägerin und deren Aussagen, unter Beizug deren sämtli-

cher Krankenakten

1.1 Die Verteidigung beantragt die vollumfängliche Edition sämtlicher Krankenak-

ten der Privatklägerin und darauf basierend ein psychiatrisches Gutachten 

(act. 42 N 74). Die Privatklägerin leide an diversen psychischen Erkrankun-

gen, namentlich an einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Border-

line-Typ), depressiven Störung, Aufmerksamkeitsstörungen sowie gar psy-

chosomatischer Symptomatik. Überdies sei schädlicher Gebrauch von Can-

nabis festgestellt worden. Selbst der behandelnde Oberarzt empfehle ein fo-

- 20 -

rensisch-psychiatrisches Gutachten. Nach Ansicht der Verteidigung seien be-

reits die Aussagen der Privatklägerin derart unglaubhaft, dass sich ein psych-

iatrisches Gutachten betreffend die Tragweite der psychiatrischen Diagnosen 

erübrige. Sollte das Gericht aber eine Verurteilung in Betracht ziehen, sollte 

die Privatklägerin zuvor begutachtet werden (act. 42 N 72 f.).

1.2 Die Staatsanwaltschaft lehnt den Beizug sämtlicher medizinischer Akten über 

die Geschädigte demgegenüber ab (Prot. S. 85 f.). Diese Akten würden für 

die Aufklärung der vorliegend eingeklagten Sache nichts beitragen. Eine an-

geschlagene psychische Gesundheit sei kein Beleg dafür, dass eine Person 

per se nicht oder vermindert glaubwürdig sei, sich Lügen bediene, Unwahr-

heiten erzähle oder nicht Opfer einer Straftat werden könne, wobei sie auf 

BGer 6B_681/2012 vom 12. März 2013 hinwies. Darin sei ausdrücklich fest-

gehalten worden, dass psychische Störungen sowie auch frühere sexuelle 

Übergriffe keine Zweifel an den Aussagen der Geschädigten rechtfertigen. 

Das Gericht habe die Aussagen der Beteiligten und die gesamten Umstände 

zu würdigen, wobei die kritische Analyse bzw. Würdigung der Aussagen 

selbst im Vordergrund stehe. Entscheidend sei, ob eine Aussage hinsichtlich 

eines konkreten Sachverhalts an sich und in sich glaubhaft sei. Es dürfe nicht 

von der Persönlichkeit auf die allgemeine Glaubwürdigkeit der Aussagen einer 

Person abgestellt werden. Wenn die Verteidigung davon ausgehe, aus erhält-

lich gemachten medizinischen Akten könnten Rückschlüsse auf die Glaub-

würdigkeit der Geschädigten und daraus auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-

gen gezogen werden, so schlage dies fehl. Weitere Abklärungen über den 

Gesundheitszustand seien daher aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht an-

gezeigt. Zum ärztlichen Befund vom 25. Juni 2023 sei der Vollständigkeit hal-

ber zu erwähnen, dass sich die Bemerkung unter Ziff. 12, wonach ein foren-

sisch-psychiatrisches Gutachten empfohlen sei, offensichtlich auf die weitere 

Behandlung der Geschädigten im Rahmen der ambulant-psychiatrischen 

Therapie beziehe und eine offensichtlich zielgerichtete und erfolgverspre-

chende Massnahme ermöglichen oder zumindest begünstigen solle. Das 

habe nichts mit der Einschätzung ihrer Glaubhaftigkeit im Strafverfahren zu 

tun. Aus diesem Grund sei diese Ziffer von der Anklägerin nicht berücksichtigt 

- 21 -

worden. Der Antrag, es sei ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zu er-

stellen, sei höchst fragwürdig. Die Voraussetzungen für die Erstellung eines 

solchen forensisch-psychiatrischen Gutachten sei nicht ansatzweise gege-

ben, wobei sie auf Art. 10 Abs. 2 der Verordnung über psychiatrische und psy-

chologische Gutachten im Straf- und Zivilverfahren hinweise. Es gehe vorlie-

gend nicht um die Sache bzw. um die Frage der Schuldfähigkeit der Geschä-

digten. Falls dem so wäre, wäre vielmehr ein Glaubhaftigkeitsgutachten zu 

erstellen, was aber in dieser Sache auch nicht erforderlich sei, weil das nur in 

äussersten Ausnahmefällen gemacht werde, was nicht vorliege.

1.3 Die Verteidigung fügte dem hinzu (Prot. S. 90), dass sich der Hinweis des 

Arztes nicht nur auf die adäquate Behandlung beziehe. Er verweise auf die 

Ergänzungen des ärztlichen Befunds vom 6. Oktober 2023 Frage 1.2, wonach 

die Glaubwürdigkeit nicht Inhalt der Therapie des Arztes sei. Der Arzt emp-

fehle hierfür eine Begutachtung.

2.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Prüfung der Glaubhaftig-

keit von Aussagen primär Aufgabe des Gerichts, wobei sich eine Begutach-

tung durch eine sachverständige Person nur bei besonderen Umständen auf-

drängt. Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder schwer interpretier-

bare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei ernsthaften Anzei-

chen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen beein-

trächtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Zeuge 

unter dem Einfluss von Drittpersonen steht. Das Gericht hat einen Ermes-

sensspielraum bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten 

Umstände des Einzelfalls der Beizug einer sachverständigen Person notwen-

dig ist (vgl. LANGER/BONIN, in: Ackermann/Garré/Godenzi/Jeker/Sträuli/Wohl-

ers, forumpoenale 5/2024 Nr. 30, Urteil BGer 7B_182/2022 vom 9. November 

2023, S. 329 mit Hinweisen auf BGE 129 IV 179 E. 2.4, Urteil 

BGer 6B_297/2013 vom 27. Mai 2013 E. 1.4.1 und Urteil BGer 6B_681/2012 

vom 12. März 2013 E. 3.2 und weitere). Dies gilt auch für Aussagen von Aus-

kunftspersonen.

- 22 -

2.2 Solche Gutachten dienen der Überprüfung der Glaubhaftigkeit und Verläss-

lichkeit von Aussagen. Das Bundesgericht betont, dass es primär Aufgabe 

des Gerichts ist, Aussagen zu würdigen. Der Beizug einer sachverständigen 

Person zur Erstellung eines aussagepsychologischen Gutachtens liegt im Er-

messensspielraum der Gerichte, wobei die Notwendigkeit eines Gutachtens 

stark von den spezifischen Umständen des jeweiligen Falles abhängt. Aussa-

gepsychologische Gutachten sollen nicht routinemässig, sondern nur unter 

bestimmten, besonderen Umständen eingeholt werden. Gemäss Bundesge-

richt drängt sich bei Aussagen, die komplexe psychologische Aspekte bein-

halten – sowohl in der Aussage selbst als auch betreffend die einzuverneh-

mende Person –, ein aussagepsychologisches Gutachten und damit der Bei-

zug von sachverständigen Personen auf. Die bundesgerichtlichen Erwägun-

gen zur Einholung aussagepsychologischer Gutachten unterstreicht die Be-

deutung der Aussagewürdigung durch die Gerichte und stellt dabei klar, dass 

derartige Gutachten kein routinemässig einzusetzendes Instrument sind. Die 

Entscheidung, ob ein Gutachten einzuholen ist, wird dem Ermessen des Ge-

richts anheimgestellt, wobei der Entscheid auf einer sorgfältigen Abwägung 

der spezifischen Umstände des Einzelfalls basieren muss. Diese Vorgaben 

sollen die Rechte der Betroffenen schützen und die Integrität des Verfahrens 

gewährleisten (vgl. LANGER/BONIN, a.a.O., S. 330 mit Hinweisen auf Urteil 

BGer 6B_522/2022  vom 26. Oktober 2022 E. 1.1.3 und weitere).

2.3 Die Glaubhaftigkeit von (Zeugen-)Aussagen nimmt eine zentrale Rolle in der 

Beweiswürdigung ein. Die Beurteilung dieser Glaubhaftigkeit ist ein komple-

xer Prozess, der durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst wird. Dieser 

Bundesgerichtsentscheid legt den Grundstein für die Verwertbarkeit und da-

mit die Beweistauglichkeit der Einvernahmen. Der Beweiswert sodann ist von 

diversen weiteren Faktoren abhängig. Dazu zählen die Umstände der Beob-

achtung, also wie, unter welchen Bedingungen und aus welcher Perspektive 

das bezeugte Ereignis wahrgenommen wurde. Ferner spielt die Zeitspanne 

zwischen dem bezeugten Ereignis und der Aussage eine wichtige Rolle, da 

mit zunehmendem zeitlichen Abstand die Erinnerung an das Geschehene ver-

blassen kann. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Art der Fragestellung. 

- 23 -

Angesichts dieser Faktoren ergibt sich die Notwendigkeit einer kritischen und 

differenzierten Herangehensweise bei der Bewertung von Aussagen im Rah-

men der Urteilsfindung. Die Schulung der professionellen Akteure in der Me-

thodik der Befragung und der kritischen Analyse von Aussagen trägt entschei-

dend zur Vermeidung von Fehlurteilen bei (vgl. LANGER/BONIN, a.a.O., 

S. 330).

3.1 Dem ärztlichen Befund von Dr. med. H._____, Oberarzt in der psychiatrischen 

Universitätsklinik Zürich, vom 25. September 2023 (act. 13/6) kann entnom-

men werden, dass die Privatklägerin seit dem 29. September 2020 in ambu-

lant-psychiatrischer Behandlung steht und sie beim besagten Oberarzt letzt-

mals am 6. und 22. März 2023 in Therapie war. Die Patientin sei langjährig in 

ambulanter psychiatrischer Behandlung, welche je nach Situation eine Krisen-

intervention, eine medikamentöse Behandlung oder eine Psychotherapie im 

engeren Sinn beinhalte. Im System seien folgende Diagnosen der Vorbehand-

ler vermerkt: Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, rezidivierende de-

pressive Störung, Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität, sonstige 

Essstörung, Zustand nach psychotischer Symptomatik und schädlicher Ge-

brauch von Cannabis. Eine Schizophrenie werde nicht aufgeführt. Beim letz-

ten Termin vom 22. März 2023 sei die Privatklägerin bewusstseinsklar und 

unauffällig gewesen. Auch hätten keine akute Suizidalität, Selbstverletzungs-

tendenzen oder eine Fremdgefährdung vorgelegen. Zu keinem Zeitpunkt der 

Konsultationen im März 2023 seien Selbstverletzungen ein Thema gewesen. 

Als eigene Bemerkung bzw. Feststellung bracht der Oberarzt an, dass ein 

forensisch-psychiatrisches Gutachten empfehlenswert sei.

3.2 Auf entsprechende Ergänzungsfragen der Verteidigung und der unentgeltli-

chen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin hin ergänzte Dr. med. H._____ 

seinen Arztbericht am 6. Oktober 2023 (act. 13/13) dahingehend, dass die Be-

urteilung der Glaubwürdigkeit nicht Inhalt seiner Therapie sei und er hierfür 

eine Begutachtung empfehle. Weitere sachrelevante Angaben konnte er 

keine machen.

- 24 -

4. Vorliegend können dem Arztbericht von Dr. med. H._____ vom 25. Septem-

ber 2023 und der Ergänzung vom 6. Oktober 2023 keinerlei psychische Stö-

rungen der Privatklägerin entnommen werden, welche eine forensisch-psych-

iatrische Begutachtung aufdrängen würden. Gestützt auf die vermerkten psy-

chischen Probleme in der Vergangenheit können auch keine psychischen Stö-

rungen ausgemacht werden, welche die Aussagen der Privatklägerin von 

vornherein in Zweifel ziehen könnten. So führen beispielsweise weder ADS 

noch Depressionen zu geistigen Defiziten im Aussageverhalten von Perso-

nen, zumal deren damaliger Psychiater Dr. H._____ anlässlich der letzten 

Konsultationen im März 2023, d.h. kurz vor dem vorliegend zu beurteilenden 

Vorfall im Juni 2023, auch keine fallrelevanten psychischen Auffälligkeiten bei 

der Privatklägerin feststellen konnte. Die Privatklägerin schien damals stabil 

zu sein, weshalb sie schliesslich auch nicht mehr regelmässige psychologi-

sche Betreuung in Anspruch nahm. Die Privatklägerin selber gab anlässlich 

der polizeilichen Befragung zwar an (act. 6/1 Frage 35), in der Tatnacht Sui-

zidgedanken gehabt zu haben, weshalb sie ihren Kollegen F._____ angerufen 

und sie einen "Suff" daraus gemacht hätten. Anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme ergänzte sie aber (act. 6/4 Fragen 395 f.), dass sie 

– auf einer Skala von eins bis zehn – ihre psychische Stabilität in der Tatnacht 

mit einer fünf bewerten würde. Sie bestätigte weiter, dannzumal zwar Suizid-

gedanken gehabt zu haben, aber solche Gedanken zu haben, sich Verletzun-

gen zuzufügen und dann auch tatsächlich Suizid zu begehen, sei etwas an-

deres. Vor Schranken ergänzte sie schliesslich (Prot. S. 14), dass sie damals 

eine schwere Zeit gehabt und viel getrunken habe, weil ihr Freund einen Mo-

nat zuvor mit ihr Schluss gemacht habe, was gesessen habe. So habe eins 

zum anderen geführt. Deren Vater ergänzte anlässlich der Zeugeneinver-

nahme vom 13. September 2023 zusammengefasst (act. 7/3 Fragen 75, 84 f. 

und 110 ff.), dass sich seine Frau und er vor einem halben Jahr getrennt hät-

ten, seine Tochter nun bei ihm lebe und sie gewisse Probleme habe, bei-

spielsweise mit der Lehrstelle. Er bestätigte, dass sie sich bis vor zwei Jahren 

geritzt und Suizidgedanken gehabt habe. Ebenso sei einst ADS diagnostiziert 

und ein Verdacht auf Boderline berichtet worden. Demgegenüber berichtete 

- 25 -

er aber, dass er zurzeit keinerlei psychische Probleme mehr wahrnehme. Er 

erlebe seine Tochter sehr gut, offen, kontaktfreudig und aufgestellt. Sie trinke 

zwar ab und an Alkohol, aber Drogen nehme sie seit 29. Januar 2023 keine 

mehr, was die negativen Urinproben seither bestätigen würden. Insofern kann 

zusammengefasst festgehalten werden, dass die Privatklägerin im Tatzeit-

raum zwar mit gewissen privaten Problemen konfrontiert war, wie die Tren-

nung ihrer Eltern, ihre Lehrstellensituation sowie die Trennung ihres Freun-

des, weshalb sie häufiger Alkohol konsumierte und sich teils niedergeschla-

gen fühlte, wie ihre erwähnten Suizidgedanken zeigen. Irgendwelche Anzei-

chen von geistigen Störungen, welche ihr Aussageverhalten beeinflussen 

könnten, waren jedoch auch explizit im Tatzeitraum keine ersichtlich. Nur weil 

die Privatklägerin damals durch die Probleme nicht gänzlich in ihrer Mitte war, 

besteht noch kein Anlass dafür, die Privatklägerin forensisch-psychiatrisch 

oder aussagepsychologisch begutachten zu lassen. Die Aussagen des Ober-

arztes betreffend seine Empfehlung einer forensisch-psychiatrischen Begut-

achten sind so zu verstehen, dass die an ihn gestellten Fragen fundierter ab-

zuklären wären, wenn eine genauere und fundiertere Beantwortung derselben 

nötig wäre. Auch die Ergänzungsfragen der Verteidigung und der unentgeltli-

chen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin in Bezug auf die Glaubwürdig-

keit der Privatklägerin konnte der Oberarzt mangels nötigen Sachverstands 

nicht beantworten, so dass er eine Begutachtung ins Feld führte, sofern diese 

Fragen genauer abzuklären wären. Die Notwendigkeit einer solchen genaue-

ren Abklärung liegt indes mangels konkreter Anhaltspunkte hinsichtlich eines 

geistig instabilen Zustands der Privatklägerin, welche eine solche eingehende 

Abklärung rechtfertigen würden, gerade nicht vor. Somit ist weder ein foren-

sisch-psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand der Privatklägerin 

noch ein aussagepsychologisches Gutachten der Privatklägerin gestützt auf 

deren Geisteszustand im Tatzeitraum angezeigt. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass die Privatklägerin den vorliegend zu beurteilenden Vorfall unmittelbar 

nach dessen Geschehen erzählte. Es handelt sich nicht um einen weit zurück-

liegenden Vorfall, welcher nach einer psychiatrischen Behandlung geltend ge-

macht wird und somit die Aussagen der Geschädigten in einem anderen Licht 

- 26 -

erscheinen lassen und Zweifel in Bezug auf die Aussagenwahrheit und -ge-

nauigkeit sowie das Erinnerungsvermögen oder die Einflussnahme Dritter 

aufwerfen würde. Die Aussagen der Privatklägerin sind insofern im Rahmen 

der gerichtlichen Aussagenwürdigung auf ihre Glaubhaftigkeit zu überprüfen 

und nicht mittels eines aussagepsychologischen Gutachtens. Dem entspre-

chenden Beweisantrag der Verteidigung ist daher nicht stattzugeben.

III.
SACHVERHALT

A. Allgemeines

1. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem Beschuldigten den in der die-

sem Urteil beigehefteten Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt vor 

(act. 24). Der Beschuldigte gestand dabei den äusseren Ablauf des Anklage-

sachverhalts im Wesentlichen ein (vgl. act. 5/2 und Prot. S. 42 ff.). Namentlich 

streitet er nicht ab, dass er die Privatklägerin in der Nacht vom 28./29. Juni 

2023, 00.05 Uhr, auf deren Heimweg vom Bahnhof I._____ an der J._____-

strasse getroffen, sich mit ihr unterhalten, sich mit ihr zunächst auf einen 

Spielplatz in der Nähe der Kreuzung mit der K._____-strasse begeben und 

sie sich dort auf einer Sitzbank sitzend weiter unterhalten haben. Weiter be-

stätigte der Beschuldigte auch, mit der Privatklägerin sodann weiter zum 

Spielplatz beim Schulhaus "L._____" gegangen zu sein, sich mit der Privat-

klägerin dort auf eine Hängematte gelegt und ersten Körperkontakt gehabt zu 

haben sowie sodann mit ihr auf den Turm der dortigen Rutschbahn hochge-

stiegen zu sein, worauf sich die Privatklägerin vom Spielplatz abwendete. 

Ebenso bestätigte der Beschuldigte, der Privatklägerin dann nachgelaufen 

und mit ihr bis zum Spielplatz bei deren Wohnort gelaufen zu sein, wo sie sich 

erneut auf eine Bank gesetzt haben. Der Beschuldigte streitet alsdann auch 

nicht ab, dass es auf jener Bank zu sexuellen Handlungen gekommen war. 

Der Beschuldigte stellt allerdings in Abrede, dass die sexuellen Handlungen 

mit der Privatklägerin gegen deren Willen vollzogen worden sein sollen und 

er mit seinem Penis in die Privatklägerin eingedrungen sein soll. Sein Penis 

- 27 -

habe deren Vagina lediglich berührt (vgl. act. 5/2 Frage 35 und 69). Folglich 

ist der Sachverhalt bezüglich der genauen körperlichen Kontakte, mithin der 

sexuellen Handlungen, des Beschuldigten und der Privatklägerin nachfolgend 

zu erstellen.

2. Zur Erstellung des Sachverhalts bzw. der fraglichen Sachverhaltselemente 

dienen im Wesentlichen neben den Aussagen des Beschuldigten in der Haf-

teinvernahme vom 30. Juni 2023 (act. 5/2) sowie der Befragung vor Schran-

ken vom 18. März 2025 (Prot. S. 32 ff.) die folgenden relevanten Beweismittel:

- die Aussagen der Privatklägerin als Auskunftsperson in deren polizeili-

chen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 6/1), der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme vom 20. Juli 2023 (act. 6/4) sowie der Befragung vor 

Schranken vom 18. März 2025 (Prot. S. 10 ff.);

- die Zeugenaussagen von D._____ (Vater der Privatklägerin) in der poli-

zeilichen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 7/1) und der staatsanwalt-

schaftlichen Zeugeneinvernahme vom 13. September 2023 (act. 7/3);

- der durch die Kantonspolizei Zürich mittels Screenshots sichergestellte 

Chat-Verlauf zwischen der Privatklägerin und F._____ auf der Applika-

tion "Snapchat" sowie der Anrufliste zwischen der Privatklägerin und 

F._____ im Tatzeitraum (act. 2/3-4);

- die pharmakologisch-toxikologischen Gutachten vom Institut für Rechts-

medizin der Universität Zürich betreffend den Beschuldigten vom 21. Juli 

2023 (act. 14/6) und betreffend die Privatklägerin vom 7. September 

2023 (act. 15/11) sowie das pharmakologisch-toxikologische Ergän-

zungsgutachten vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich 

betreffend die Privatklägerin vom 28. September 2023 (act. 15/18);

- der Bericht zur Blutalkoholanalyse der Privatklägerin durch das Institut 

für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 30. August 2023 

(act. 15/12);

- 28 -

- die Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin und des 

Beschuldigten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 

26. Juli 2023 (act. 15/9) bzw. 11. August 2023 (act.14/7)

- sowie das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zü-

rich vom 10. August 2023 (act. 16/12) hinsichtlich Überprüfung und Aus-

wertung der anlässlich der ärztlichen Untersuchung der Privatklägerin im 

Universitätsspital Zürich vom 29. Juni 2023 entnommenen Abstriche 

(act. 16/12).

3.1.1Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach 

seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Beste-

hen unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-

gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Eine strafrechtliche Verur-

teilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichen-

der Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel dar-

über bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorge-

worfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Ge-

richt eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vor-

liegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, 

das Gericht aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abs-

trakte theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausrei-

chen, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausge-

schlossen werden können (TOPHINKE, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Art. 1-195 

StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 58 ff. zu Art. 10).

3.1.2Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begrün-

den. Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen we-

der von der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tat-

sachen zu überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende 

- 29 -

Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche 

und nicht zu unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven 

Sachlage aufdrängen), so muss es die beschuldigte Person freisprechen 

(BGE 143 IV 214, E. 5.3.2; BGE 138 V 74, E. 7; BGE 127 I 38, E. 2a; je mit 

Hinweisen).

3.2.1Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist an-

hand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, 

welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inne-

ren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die 

Angaben erfolgen. Es darf aber nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die 

allgemeine Glaubwürdigkeit des Aussagenden abgestellt werden, sondern 

auf die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese 

sind einer Analyse bzw. kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das 

Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen 

ist (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, 

SJZ 81, S. 53 ff.). 

3.2.2Zu einer seriösen Aussagenwürdigung gehört somit zunächst die Prüfung der 

Frage, wie die Motivlage der aussagenden Personen beschaffen ist (vgl. HER-

MANUTZ/LITZCKE, Vernehmung in Theorie und Praxis, Stuttgart/München/Han-

nover/Berlin/Weimar/Dresden 2009, 2. Auflage, S. 30). Dies gründet auf der 

Einsicht, dass auch erfundene Aussagen sogenannte Realitätskriterien in hin-

reichender Zahl aufweisen können. Dies betrifft vor allem einfachere Sachver-

halte bei nur wenigen Einvernahmen sowie Aussagen, die auf realen Ge-

schehnissen basieren und nur durch geringfügige Änderungen bzw. Hinzufü-

gungen zu einer falschen Sachdarstellung werden können. Die Motivlage 

muss gerade dann bei der Beweiswürdigung einbezogen werden, wenn sie 

auf Grund äusserer Umstände besonders problematisch erscheint. So ist un-

ter anderem abzuklären, ob sich in der Persönlichkeit oder in der Beziehung 

zum Beschuldigten Besonderheiten, die ein Motiv für eine Falschbezichtigung 

erkennen lassen, zeigen. Dabei ist stets zu beachten, dass ein allfälliges Motiv 

- 30 -

allein noch kein Grund ist, der Aussage zu misstrauen. Erst das Hinzutreten 

weiterer – in dieselbe Richtung weisender – Indizien, z.B. das Fehlen einer 

hinreichenden Zahl sog. Realitätskriterien, gibt Anlass, solche Aussagen als 

unzuverlässig zu verwerfen (HERMANUTZ/LITZCKE, a.a.O., S. 26; Entscheid 

des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich vom 24. Mai 2004, Proz.-Nr. 

AC040005, E. II.1.4).

3.2.3Bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von Aussagen hat sich die soge-

nannte Aussageanalyse durchgesetzt. Nach deren empirischem Ausgangs-

punkt erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche geistige 

Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die aussa-

gende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leis-

tungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Er-

lebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise 

vorgenommen, dass eine Aussage durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente 

Qualitätsmerkmale, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Ent-

stehungsgeschichte sowie des Aussageverhaltens auf Fehlerquellen über-

prüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert wer-

den. Bei der Glaubhaftigkeitsbewertung ist immer davon auszugehen, dass 

die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass 

diese Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht 

mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die 

Alternativhypothese, dass die Aussage wahr sei (BGE 133 I 33, E. 4.3; 

BGE 129 I 49, E. 5.; je mit Hinweisen). Zu achten ist inhaltlich auf Strukturbrü-

che innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch auf Wi-

dersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl 

von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen (BENDER/HÄ-

CKER/SCHWARZ, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 5. Auflage 2021, S. 77 ff. 

und S. 180 ff.).

B. Aussagen der Privatklägerin

1.1 Die Privatklägerin wurde im Rahmen des Ermittlungs- und Untersuchungsver-

fahrens insgesamt zweimal – je einmal von der Kantonspolizei Zürich und der 

- 31 -

Staatsanwaltschaft – einvernommen (act. 6/1 und 6/4). Betreffend die staats-

anwaltschaftliche Einvernahme liegt eine Videoaufzeichnung vor (vgl. Anhang 

zu act. 6/4). Der Beschuldigte konnte die staatsanwaltschaftliche Einver-

nahme zusammen mit seinem Verteidiger per Videoübertragung in einem 

Übertragungsraum selber mitverfolgen und sein Ergänzungsfragerecht aus-

üben, wobei ihm die Befragung durch einen Dolmetscher jeweils auf Türkisch 

übersetzt wurde (vgl. act. 6/4 S. 1).

1.2.1Die Privatklägerin deponierte ihre Aussagen als Auskunftsperson unter Straf-

androhung von Art. 303-305 StGB, was allerdings nicht generell zu erhöhter 

Glaubwürdigkeit führt. In Fällen der sogenannten "Vier-Augen-Delikte", wo 

sich also Täter und Opfer alleine gegenüber stehen und wo keine weiteren 

Zeugen vorhanden sind, kann nicht gesagt werden, dass das Fakt der Andro-

hung von Straffolgen resp. der Ermahnung zur wahrheitsgemässen Aussage 

dem Opfer generell zu erhöhter Glaubwürdigkeit verhilft. Entscheidend ist 

auch in diesem Fall – wie bereits dargelegt – die Glaubhaftigkeit der konkreten 

Aussagen der Beteiligten (vgl. OGer ZH Verfahren Nr. SB150350 vom 

18. Mai 2016, E. 5.2.4).

1.2.2Zu beachten gilt, dass die Privatklägerin direkte Geschädigte ist, weshalb sie 

zumindest emotional am Verfahren beteiligt ist und zufolge der Geltendma-

chung von Zivilforderungen auch ein finanzielles Interesse am Ausgang des 

vorliegenden Strafverfahrens haben dürfte. Ein allfälliges finanzielles Inter-

esse der Geschädigten ist allerdings höchstens marginal zu gewichten, da der 

Beschuldigte als Sozialhilfeempfänger mittellos ist (vgl. nachstehend) und die 

Zivilforderungen der Privatklägerin kaum einen finanziellen Vorteil bringen 

dürften. Konkrete Hinweise, weshalb sie den Beschuldigten zu Unrecht belas-

ten und das Risiko einer Bestrafung mit Freiheits- oder Geldstrafe auf sich 

nehmen sollte, sind insofern keine ersichtlich. Auch der Beschuldigte brachte 

diesbezüglich nichts Wesentliches vor, zumal sich die beiden vor dem vorlie-

gend zu beurteilenden Vorfall nicht kannten (act. 5/2 Fragen 41 f.). Der Be-

schuldigte gab anlässlich der Hafteinvernahme vom 30. Juni 2023 (act. 5/2 

Frage 76) an, die Privatklägerin erhebe gegen ihn den vorliegenden Vorwurf, 

- 32 -

weil er mir ihr keinen Sex gehabt habe. Angesichts der Tragweite dieses Vor-

wurfs auch für die Privatklägerin durch die langwierigen und aufreibenden Ein-

vernahmen erscheint ein solch lapidarer Grund doch eher abwegig und steht 

der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin nicht entgegen. Ein Hinweis auf ein 

mögliches Motiv für eine Falschaussage lässt sich folglich nicht herleiten.

2.1 Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 29. Juni 2023 (act. 6/1), d.h. am 

Morgen nach dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall, führte die Privatkläge-

rin zum konkreten Tathergang weitgehend spontan und in freier Rede im We-

sentlichen aus (Frage 28), sie habe an jenem Abend ihren Kollegen F._____ 

zum Bahnhof begleitet, nachdem sie den Abend bei ihr zuhause miteinander 

verbracht und zusammen Alkohol getrunken hätten. Auf dem Nachhauseweg 

sei sie vom Beschuldigten angesprochen worden, als sie an seinem Wohnort 

vorbeigegangen sei. Sie seien ins Gespräch gekommen, sie habe den Be-

schuldigten sympathisch gefunden, habe mit ihm zusammen "saufen" wollen, 

zumal er auch einen Becher in der Hand gehabt habe, und sie hätten sich 

sodann zu einem Spielplatz begeben, wo sie sich unterhalten hätten. Der Be-

schuldigte habe dann an einen ruhigen Ort, namentlich den Friedhof, gehen 

wollen, da sie nahe der Hauptstrasse gewesen seien. Dies habe sie aber ab-

gelehnt und habe ihn überredet, auf dem Spielplatz bei ihnen in der Schule zu 

bleiben, wo sie sich auf eine Hängematte und er zu ihr gelegt habe. Der Be-

schuldigte habe sie gefragt, ob er ihr einen Kuss geben dürfe, was sie bejaht 

habe. Er habe sodann gefragt, ob sie auf der Rutsche ein wenig allein sein 

könnten, worauf sie sich oben auf die Rutsche begeben hätten. Als sie oben 

gewesen seien, habe sie ein ungutes Gefühl bekommen, habe ihre Sachen 

gepackt und gesagt, sie müsse einem Kunden telefonieren. Sie habe F._____ 

angerufen und ihm ihre Lage erklärt, welcher ihr geraten habe, davonzuren-

nen. Sie habe aber ein schlechtes Gewissen gehabt, den armen Menschen 

einfach allein zurückzulassen. Sie sei etwas schneller losgelaufen, der Be-

schuldigte sei ihr aber gefolgt. F._____ habe ihr geraten, im zickzack zu lau-

fen, damit er ihr nicht nachkomme. Der Beschuldigte habe sie aber eingeholt. 

Dann habe sie einen kleinen Filmriss und sie seien irgendwann bei ihr zu-

hause auf die Bank gesessen und sie habe weiter "gesoffen". Der Beschul-

- 33 -

digte habe sie irgendwann nicht mehr in Ruhe gelassen. Sie seien irgendwie 

vom Sitzen ins Liegen gekommen und er sei auf jeden Fall irgendwann in ihr 

drin gewesen. Da habe sie es in ihrem besoffenen Zustand das erste Mal mit 

Worten und Taten so gut es gegangen sei geschafft, zu sagen, dass sie das 

nicht wolle. Irgendwann habe sie auf dem Boden ihr Natel vibrieren sehen, in 

ihren Hörgeräten einen Anruf gehört – es sei F._____ gewesen – und habe 

abnehmen wollen. Sie habe beabsichtigt, dass dieser mithöre und höre, wenn 

sie nein sage und etwas nicht wolle. In jenem Fall hätten sie abgemacht, dass 

F._____ ihren Vater oder die Polizei anrufen sollte, da sie nicht im Zustand 

gewesen sei, das zu machen, und F._____ sich für sie melden sollte. Irgend-

wann sei ihr Vater aus dem Haus gekommen und habe sie gesucht, worauf 

sie zu sich gekommen und zu diesem gerannt sei. Ihr Vater habe den Be-

schuldigten verfolgt und dann sei die Polizei gekommen.

Auf konkretes Befragen hin ergänzte sie, sie habe zuvor mit F._____, welchen 

sie seit drei Wochen kenne, 1.5 Liter Berliner Luft getrunken und habe ein 

paar Stunden vor der Tat mit jenem einvernehmlich bei ihr zuhause geschütz-

ten Geschlechtsverkehr gehabt (Fragen 37 ff. und 44). Ihren Alkoholisie-

rungszustand gab sie mit einer 7 oder 8 an – auf einer Skala von 1 bis 10 

(Frage 49). Auf dem zweiten Spielplatz habe sie ein ungutes Gefühl bekom-

men und F._____ "Hilfe" geschrieben, weil der Beschuldigte mit ihr ins Juhee 

rauf gewollt (gemeint wohl die Rutsche) und sie vorher bereits gemerkt habe, 

wie er sie anfasse. Dieser habe sie am Gesäss über ihren Hotpants angefasst 

(Fragen 77 ff.). Zudem habe er sie in der Hängematte auf den Mund geküsst, 

auch wenn das für sie ok gewesen sei. Sie wisse nicht mehr genau, ob er sie 

weiter berührt habe (Fragen 81 ff.). Sie habe auf dem zweiten Spielplatz 

F._____ angerufen und ihm vorgängig "Hilfe" zur Absicherung geschrieben, 

damit er sie höre und hätte eingreifen können (Fragen 86 f.). Sodann sei sie 

auf Anraten von F._____ einfach weggegangen, ohne etwas zum Beschuldig-

ten zu sagen. Sie habe eigentlich hinter dem Schulhaus durch gehen wollen, 

damit der Beschuldigte sie nicht nochmal sehe, aber dort seien sie am Bauen 

gewesen (Fragen 93 ff.). Sie habe daher nicht unbemerkt gehen können und 

der Beschuldigte habe sie nach Hause begleitet. Dabei sei sie mit F._____ 

- 34 -

noch am Telefon gewesen. Sie könne sich aufgrund eines Blackouts nicht 

mehr daran erinnern, ob sie auf dem Heimweg noch etwas gesprochen hät-

ten. Sie könne sich erst wieder an die Bank bei ihr zu Hause erinnern (Fra-

gen 101 ff.). Dort habe sie Musik gehört und sie habe weiter getrunken. Der 

Beschuldigte habe sie gefragt, ob sie etwas "rummachen" wollten, was sie 

verneint habe. Sodann sei er ziemlich schnell handgreiflich geworden. Er 

habe sie auf die Bank gelegt, indem er sie an den Handgelenken nach unten 

gedrückt habe, er habe sie mit einer Hand an ihrem Oberkörper unten gehal-

ten, ihr die Hose ausgezogen, ihre Unterhose zur Seite gestülpt und sei mit 

seinem Penis vaginal in sie eingedrungen – ohne Kondom (Fragen 107 ff.). 

Dabei habe sie ein Bein am Boden und eins auf der Bank gehabt (Frage 120). 

Der Beschuldigte sei dabei nicht zum Samenerguss gekommen, da er von 

ihrem Vater unterbrochen worden sei (Fragen 125 ff.). Der Beschuldigte habe 

sie irgendwas zwischen sanft und hart gepackt, sie an den Seiten angefasst, 

ihre Brüste unter und über den Kleidern berührt und er habe versucht, sie ins 

Gesicht und allenfalls auch am Hals zu küssen (Fragen 129 ff.). Sie habe sich 

– so gut es gegangen sei – mit Händen und Füssen rücklings gewehrt und 

habe auch nein gesagt, so dass es für den Beschuldigten definitiv erkennbar 

gewesen sei, dass sie keinen Geschlechtsverkehr gewollt habe (Fra-

gen 142 ff.). Sodann habe auch F._____ angerufen, worauf es ihr gelungen 

sei, ihr Handy unter der Bank zu ergreifen und das Telefon entgegenzuneh-

men, obwohl der Beschuldigte dies zu verhindern versucht habe. Sie habe um 

Hilfe gerufen und F._____ mithören lassen, dass sie sich verbal gewehrt 

habe. Der Beschuldigte habe ihr aber mit seiner linken Hand etwa ein bis zwei 

Minuten den Mund zugehalten (Fragen 147 ff.). Der Beschuldigte habe dann 

von ihr abgelassen, als ihr Vater aus dem Haus gekommen sei. Sie habe ihn 

weggestossen, habe sich von der Bank gekugelt und sei zu ihrem Vater ge-

rannt. Der Beschuldigte sei noch kurz stehen geblieben, sei aber geflüchtet, 

als ihr Vater auf ihn zugelaufen sei, nachdem sie ihm berichtet habe, was 

passiert sei (Fragen 159 ff.). Sie habe sich während des Vorfalls betrunken 

und machtlos gefühlt. Anfänglich sei sie aufgrund ihrer Alkoholisierung wider-

- 35 -

standsunfähig gewesen. Sodann habe sie sich aber verbal und körperlich ge-

wehrt (Frage 170).

2.2 Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 20. Juli 2023 

(act. 6/4), d.h. rund ein Monat nach dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall, 

gab die Privatklägerin sodann in freier Erzählung zusammengefasst und sinn-

gemäss Folgendes zu Protokoll (Frage 21): Sie habe den Beschuldigten auf 

dem Nachhauseweg vom Bahnhof getroffen. Dieser sei dann zu ihr gelaufen, 

sie hätten festgestellt, dass beide am Alkohol trinken seien, weshalb sie ihn 

gefragt habe, ob sie dies zusammen tun wollten. Sie seien dann zusammen 

auf einen Spielplatz gelaufen, wo sie sich etwas kennengelernt und weiter 

getrunken hätten. Der Beschuldigte habe dann an einen ruhigeren Ort gehen 

wollen, worauf sie auf den Spielplatz bei der Schule gegangen seien. Dort 

hätten sie zuerst auf einer Hängematte "gechillt", worauf der Beschuldigte auf 

die dortige Rutsche hinauf habe klettern wollen. Als sie dort oben gewesen 

seien, habe der Beschuldigte etwas zum Draufsitzen ausgelegt, wobei sie re-

lativ schnell bemerkt habe, dass dies in eine komplett andere Richtung gehe, 

als sie das gewollt habe. Sie habe daher ihre Sachen gepackt und habe ihm 

mitgeteilt, dass sie telefonieren müsse, worauf sie F._____ angerufen und al-

les erzählt habe. Dieser habe ihr geraten, zu gehen. Sie habe sich allerdings 

schlecht gefühlt, den Beschuldigten alleine zu lassen und einfach zu gehen. 

Auf den Rat von F._____ hin sei sie aber gleichwohl gegangen. Als sie das 

Schulareal verlassen habe, habe sie aber bemerkt, dass der Beschuldigte ihr 

nachgelaufen sei. Daher habe sie mit F._____ abgemacht, ihn am Telefon zu 

belassen, damit dieser die Polizei oder ihren Vater hätte alarmieren können, 

weil sie hierfür bereits relativ viel Alkohol getrunken habe. Sodann seien sie 

zusammen an ihren Wohnort gelaufen, wobei sie ein Blackout habe, was auf 

diesem Weg passiert sei. Jedenfalls seien sie an ihrem Wohnort auf dem 

Spielplatz gewesen, wo sie weitergetrunken hätten und er ihr immer etwas 

näher gekommen sei. Daraufhin habe sich die Situation schnell geändert. Er 

habe ihren Alkohol auf den Boden gestellt, sie sei relativ schnell auf der Bank 

gelegen und er habe sie mit seiner Hand an ihrem Brustkasten unten behal-

ten, als sie wieder habe aufsitzen wollen. Sodann habe sie sich vergewissert, 

- 36 -

dass F._____ noch am Telefon sei und habe diesem kommuniziert, was ge-

rade passiere. Ebenso habe sie ihn darum gebeten, alle Hebel in Gang zu 

setzen, falls er irgendetwas hören sollte, was sie nicht wolle oder was auch 

immer. Währenddessen habe der Beschuldigte ihr die Shorts ausgezogen, 

worauf sie diese wieder habe anziehen wollen und ihm gesagt habe, dass sie 

das nicht wolle. Sie habe die Hose aber nicht mehr anziehen können. Sodann 

sei er irgendwann in sie eingedrungen, worauf sie versucht habe, ihn mit den 

Händen wegzustossen, und ihm gesagt habe, dass sie dies nicht wolle. Dies 

habe nicht funktioniert, worauf F._____ ihren Vater angerufen habe. Dieser 

sei irgendwann herausgerannt und habe ihren Namen geschrien. Das sei für 

sie wie ein Weckruf gewesen und der Beschuldigte sei erschrocken. Sie habe 

dann aufstehen, sich anziehen und zu ihrem Vater rennen können. Als dieser 

den Beschuldigten bemerkt habe, sei er ihm nachgerannt, habe ihn aber nicht 

mehr erwischt.

Auf konkretes Befragen der Anklägerin hin ergänzte sie im Einzelnen, es sei 

ihre Idee gewesen, zusammen weiter zu trinken, worauf sie sich auf eine Bank 

auf einen Spielplatz gesetzt und sich in Englisch und gebrochenem Deutsch 

unterhalten hätten (Fragen 32 ff.). Sie habe eine Flasche Berliner Luft dabei 

gehabt, immer wieder angesetzt und auch der Beschuldigte habe drei- bis 

viermal einen Schluck daraus genommen (Fragen 47 ff.). Der Beschuldigte 

habe dann an einen ruhigeren Ort gehen und weiter der Strasse folgen wollen. 

Dies habe sie aber nicht gewollt, worauf sie als Kompromiss auf dem Spiel-

platz bei der Schule bzw. dem Kindergarten L._____ Halt gemacht hätten 

(Fragen 54 ff.). Sie hätten dort auf einer Hängematte gelegen und weiterge-

trunken, worauf er sie gefragt habe, ob er ihr einen Kuss geben dürfe. Das sei 

für sie ok gewesen, weshalb er ihr einen Kuss auf die linke Wange gegeben 

habe. Zudem habe er einmal ungefragt seine rechte Hand auf ihren linken 

Oberschenkel – etwa 1.5 Handbreiten unterhalb ihrer Hüfte, nahe ihres Intim-

bereichs – gelegt und sei damit langsam von aussen nach innen gestrichen. 

Das sei für sie nicht mehr ok gewesen. Sie habe aber nichts gesagt. Zu wei-

teren Berührungen sei es in dieser Hängematte nicht gekommen (Fra-

gen 61 ff.). Als sie zur Rutsche gegangen seien, sei sie hinten am Holzgelän-

- 37 -

der oberhalb der Treppe gestanden und der Beschuldigte auf der Treppe hoch 

zur Rutsche. Als er dann seine Jacke oder was auch immer ausgebreitet habe 

und aufgrund des vorausgehenden Handgriffs an ihren Oberschenkel habe 

sie ein ungutes Bauchgefühl bzw. Angst bekommen, da sie von der Rutsche 

auch schlecht wieder runtergekommen wäre und es relativ eng gewesen sei. 

Sie habe nur "chillen", reden und saufen wollen, während der Beschuldigte 

definitiv etwas anderes gewollt habe. Sie spekuliere darauf, dass er habe her-

ummachen oder Sex haben wollen (Fragen 82 ff.). Als sie F._____ angerufen, 

ihm die Situation auf der Hängematte und der Rutsche geschildert und er ihr 

geraten habe, wegzugehen, habe sie ein schlechtes Gewissen gehabt, den 

Beschuldigten allein zurückzulassen, weil sie es schlimm finde, einfach zu ge-

hen. Es sei verletzend, wenn Leute einfach gehen würden. Das kenne sie von 

sich. Sie habe ihm kein schlechtes Gefühl vermitteln wollen (Frage 106). Sie 

sei schliesslich zusammen mit dem Beschuldigten auf dem schnellsten Weg 

nach Hause gelaufen, obwohl sie lieber alleine gegangen wäre. Das habe sie 

ihm aber nicht gesagt. F._____ sei die ganze Zeit am Telefon geblieben, um 

alle Hebel in Bewegung zu setzen, falls er irgendetwas höre, was sie nicht 

wolle. Sie sei definitiv zu alkoholisiert gewesen, um etwas zu unternehmen. 

Sie habe rennen wollen, habe aber gemerkt, dass sie dazu nicht mehr in der 

Lage sei und sei einfach schnell gelaufen. Sie habe nicht mehr gerade laufen, 

geschweige denn etwas "checken" können. Das habe der Beschuldigte be-

stimmt bemerkt, so wie sie in Schlangenlinien gelaufen, im Zeug herumgefal-

len und getorkelt sei (Fragen 108). Bei ihr zu Hause hätten sie sich auf eine 

Bank gesetzt, wobei er sich links neben sie gesetzt und immer näher zu ihr 

hingerutscht sei. Er habe ihr gesagt, sie solle aufhören, zu trinken, habe ihr 

die Flasche aus der Hand genommen und auf den Boden gestellt. Sodann sei 

er aufgestanden, habe ihre Beine ums Bänkli genommen bzw. sie ein wenig 

an ihren Beinen gedreht, so dass sie schief auf der Bank zum Liegen gekom-

men sei und ihre Füsse am Schluss wieder am Boden gewesen seien. Sie 

habe sich in dieser Position relativ unwohl gefühlt und habe sich wieder auf-

setzen wollen, worauf er seine Hand auf einer Skala von eins bis zehn mit 

einem Kraftaufwand von drei oder vier auf ihren Brustkorb gelegt und drauf 

- 38 -

geachtet habe, dass sie auf der Bank liegen bleibe. Plötzlich habe er ihr die 

Shorts mit Gummizug mit beiden Händen runtergezogen, so dass sie noch an 

ihren Füssen gewesen seien (Fragen 123 und 128 ff.). Sie habe sich zu jenem 

Zeitpunkt nicht wehren können. Sie sei aufgrund der Alkoholisierung benom-

men und nur körperlich anwesend bzw. wie in einem Schock gewesen. Bis 

sie realisiert habe, was passiere, sei er schon in ihr drin gewesen (Fra-

gen 146 ff.). Der Beschuldigte habe dabei ein wenig angewinkelt zu ihr ge-

standen, um ihr die Hose auszuziehen. Danach sei er vor ihr gewesen, leicht 

nach vorne gebeugt und mit dem Oberkörper zu ihr in der Hocke, wobei sie 

nicht mehr sagen könne, wo sich seine Füsse befunden hätten und wie er 

genau in der Hocke gewesen sei (Fragen 158 ff.). Daraufhin habe sie ver-

sucht, F._____ anzurufen, worauf der Beschuldigte ihre Handgelenke gefasst 

und diese mit einem Kraftaufwand von drei bis vier – auf einer Skala von eins 

bis zehn – nach oben gedrückt habe. Sie habe versucht, dagegen zu drücken, 

was ihr aber nicht gelungen sei, da der Beschuldigte stärker gewesen sei (Fra-

gen 168 ff.). Sodann habe der Beschuldigte ihre Unterhose zur Seite gescho-

ben und sei in sie eingedrungen. Daraufhin habe sie verbal und mit den Hän-

den versucht, sich zu wehren. Sie habe auf Englisch "No. Please stop. I don't 

want this" gesagt und habe versucht, ihn an der Brust und an der Schulter 

wegzustossen und sich abzudrehen, was aber nicht geklappt habe, weil er 

stärker gewesen sei (Fragen 175 ff. und 222). Sodann sei der Beschuldigte 

mit seinem erigierten Glied in sie eingedrungen, als er leicht über ihr gewesen 

sei, und habe mehrere stossartige Bewegungen gemacht. Sie könne aller-

dings nicht sagen, ob er zu jenem Zeitpunkt gestanden habe und wo sich ihr 

Becken befunden habe (Fragen 192 ff.). Sie habe auch nicht auf seine Hände 

geachtet. Sie habe aber darauf geachtet, zu ihrem Handy zu kommen, da 

F._____ zu jenem Zeitpunkt noch am Telefon gewesen sei. Sie habe zudem, 

bis der Beschuldigte aufgehört habe, immer wieder nein gesagt (Fragen 217 f. 

und 230). Sie habe beim Eindringen kurz Schmerzen in ihrer Scheide verspürt 

(Fragen 227 f.). Der Beschuldigte habe manchmal versucht, ihr Küsse am 

Hals zu geben, wobei sie nicht mehr wisse, ob ihm dies auch gelungen sei 

(Fragen 233 f.). Auch könne sie jetzt nicht mehr sagen, ob er ihr noch den 

- 39 -

Mund zugehalten habe (Fragen 236 ff.). F._____ habe sie währenddessen 

zweimal angerufen, wobei es ihr das zweite Mal gelungen sei, den Anruf ent-

gegenzunehmen. Das erste Mal habe der Beschuldigte wie gesagt ihre Hände 

am Handgelenk über ihren Kopf und ihr Natel auf den Boden gelegt. Das 

zweite Mal sei sie fast vom Bänkli gefallen, um den Anruf entgegenzunehmen, 

da sie sich in Richtung Boden gelehnt habe. Dies sei noch relativ am Anfang 

und schwierig gewesen, da der Beschuldigte bereits in ihr drin gewesen sei. 

Sie habe dabei nicht mit F._____ sprechen können, sondern erst als es vorbei 

gewesen sei (Fragen 239 ff.). Als sie ihren Vater gehört habe, habe sie die 

Situation erkannt und sei weggerannt. Es sei dann alles sehr schnell gegan-

gen und sie könne zum heutigen Zeitpunkt – trotz Vorhalt ihrer Aussagen vor 

der Polizei – nicht mehr sagen, wie es dann genau von statten gegangen sei 

(Fragen 261 ff.). Auch könne sie nicht mehr sagen, ob es – nebst dem Kuss 

auf die Backe – zu weiteren Küssen gekommen sei. Sie sei sich aber sicher, 

dass sie solche nicht gewollt hätte (Fragen 333).

2.3 Vor Schranken gab die Privatklägerin dann in freier Rede zu Protokoll (Prot. 

S. 14 f.), sie sei auf dem Heimweg vom Bahnhof mit dem Beschuldigten ins 

Gespräch gekommen. Sie hätten sich gut verstanden, seien zusammen zu 

einem Spielplatz gelaufen, hätten sich dort auf eine Bank gesetzt und geredet. 

Sie habe weiter getrunken. Sodann seien sie auf seine Initiative hin weiter 

gegangen. Dabei habe er eigentlich zum Friedhof gehen wollen. Das sei ihr 

aber zu gruselig gewesen, worauf sie auf ihren Vorschlag hin auf den Schul-

hausplatz gegangen seien. Dort hätten sie sich auf eine Hängematte gesetzt, 

worauf er etwas "touchy" geworden sei. Der Beschuldigte habe schliesslich 

zur Rutschbahn hoch gewollt. Dort habe sie sich nicht hingesetzt, da ihr die 

Situation nicht gepasst habe. Auf dem Weg zur Rutschbahn habe sie F._____ 

geschrieben und ihn angerufen, um ihm zu sagen, dass sie sich in einer 

"Scheiss-Situation" befinde. Dieser habe ihr geraten, zu gehen, was sie an-

fänglich abgelehnt habe, da sie es asozial finde, sich einfach "zu verpissen". 

Das kenne sie aus eigener Erfahrung und tue weh. F._____ habe sie aber 

überreden können, trotzdem zu gehen. Sie habe sodann hinter dem Schul-

haus durchgehen wollen. Dort sei aber gebaut worden. Er müsse sie daher 

- 40 -

beim Gehen gesehen haben. Sie sei im betrunkenen Zustand halb am Ren-

nen gewesen. Da sei er ihr nachgekommen und sie seien zusammen an ihren 

Wohnort gelaufen, wo sie noch auf eine Bank gesessen seien. Dort sei es zu 

einer Vergewaltigung gekommen, wobei es zurzeit sehr viel sei und es ihr 

daher schwer falle, über den eigentlichen Kern der Vergewaltigung zu spre-

chen.

Auf entsprechendes Befragen seitens des Gerichts hin gab sie im Einzelnen 

an, sie und F._____ hätten versucht, immer am Telefon zu bleiben, wobei er 

oder sie immer wieder angerufen hätten, wenn die Verbindung abgebrochen 

sei, als ihr Handy in der Hose gewesen sei oder dergleichen. Dies sei zu ihrer 

Absicherung gewesen, weil sie es kenne, nicht zu allem nein sagen oder sich 

wehren zu können. Weiter gab sie an, dass sie nicht mehr wisse, warum sie 

nicht einfach nach Hause gegangen sei, als sie an ihrem Wohnort angekom-

men seien (Prot. S. 16). Auf der Bank habe der Beschuldigte ihre Beine so 

rüber genommen, dass sie nur noch habe liegen können. Das habe ihr nicht 

gepasst, worauf sie sich habe aufrichten wollen. Das sei ihr aber nicht gelun-

gen, da er sie runtergedrückt habe. Darauf sei sie liegen geblieben. Das Te-

lefon habe sie dabei auf dem Boden neben der Alkoholflasche gehabt (Prot. 

S. 17). F._____ habe sie einmal angerufen, wobei es ihr nicht gelungen sei, 

den Anruf entgegenzunehmen, da der Beschuldigte ihre Hände genommen 

und über ihren Kopf auf die Bank gedrückt habe. Beim zweiten Anruf, als der 

Beschuldigte ihre Hand losgelassen habe, habe sie schnell genug reagiert 

und den "Swipe" geschafft. Sie wisse aber nicht mehr, ob sie dabei mit 

F._____ gesprochen habe oder das Telefon nur zur Absicherung entgegen 

genommen habe. Der Beschuldigte habe ihr sodann mit beiden Händen die 

Hose mit Gummizug runtergezogen und habe die Unterhose zur Seite ge-

schoben. Dabei sei sie – glaube sie – mit dem Oberkörper auf der Bank und 

ihrem Gesäss bündig auf der Kante der Bank und der Beschuldigte Angesicht 

zu Angesicht über ihr gewesen (Prot. S. 18 f.). Weiter wiederholte sie, dass 

ihre Hände vom Beschuldigten mit einer Hand längere Zeit nach oben ge-

drückt worden seien, in dem er sie an den Handgelenken festgehalten habe, 

bis der Beschuldigte irgendwann losgelassen habe. Bevor der Beschuldigte 

- 41 -

in sie eingedrungen sei, habe sie sich nicht zur Wehr gesetzt, da sie in einer 

Starre gewesen sei und sich nicht habe bewegen können. Beim Eindringen 

habe sie aber auf jeden Fall gezeigt, dass sie das nicht wolle mit "Stopp" und 

"Nein". Ferner habe sie versucht, ihn an Brust und Schultern wegzudrücken. 

In ihrem betrunkenen Zustand habe sie aber keine Chance gehabt. Auch zu-

vor habe sie nicht ja zu den Handlungen des Beschuldigten gesagt, auch 

wenn sie sich nicht direkt gewehrt habe. Sie habe aber auch nicht erwartet, 

dass es in diese Richtung weitergehe (Prot. S. 20). Als ihr Vater nach ihr ge-

rufen habe, sei der Beschuldigte aufgeschreckt, sei aufgesprungen und habe 

um sich geschaut. Das sei ihre Chance gewesen, wegzugehen. Sie sei auf-

gestanden, habe ihn zur Seite gestossen, habe ihre Sachen genommen und 

sei zu ihrem Vater gerannt (Prot. S. 21). Sie sei sich aber nicht sicher, ob sie 

wirklich gerannt sei. Es habe sich jedenfalls schnell angefühlt, wobei es sich 

aufgrund ihrer Alkoholisierung schneller angefühlt haben könnte, als es wirk-

lich gewesen sei (Prot. S. 22). Zur Situation bei der Rutsche gab sie an, dass 

sie sich nicht mehr daran erinnern könne, wer als erstes die Rutsche hoch-

geklettert sei. Sie könne sich aber definitiv noch daran erinnern, dass er eine 

Jacke ausgebreitet und sich hingesetzt habe. Sie sei aber stehen geblieben 

und zum Telefonieren wieder runtergestiegen (Prot. S. 24). Auch wisse sie 

nichts von Körperkontakt oder Geknutsche vor dem eigentlichen Akt auf dem 

Bänkli vor ihrem Wohnhaus. Das würde sie – trotz ihres Alkoholkonsums – 

noch wissen, wenn dem so gewesen wäre (Prot. S. 24 f.). Sie erinnere sich 

zudem auch nicht mehr daran, ob sie der Beschuldigte auch an den Brüsten 

angefasst habe (Prot. S. 25).

2.4.1Die Privatklägerin erzählte das Kerngeschehen am besagten Abend in allen 

drei Befragungen im Wesentlichen gleich bzw. praktisch widerspruchsfrei – 

so wie es in der Anklageschrift umschrieben ist (vgl. act. 24 S. 2 ff.):

Sie habe den Beschuldigten zufällige getroffen und habe ihn aufgefordert, mit 

ihr zu kommen und zu trinken. Sie hätten sich auf einer ersten Bank hingesetzt 

und persönlich kennengelernt und seien sodann auf einen zweiten Spielplatz 

weitergezogen. Sie habe sich auf dem zweiten Spielplatz aber unwohl gefühlt, 

- 42 -

da sie seitens des Beschuldigten ihr unangenehme Annäherungsversuche 

gespürt habe, worauf sie nach einem Anruf bei ihrem Kollegen F._____ allein 

habe nach Hause gehen wollen. Sie habe rennen wollen, sei aufgrund ihres 

Alkoholkonsums aber dazu nicht mehr in der Lage gewesen. Der Beschuldigte 

sei ihr gefolgt, worauf sie zusammen an ihren Wohnort gegangen seien. Dabei 

habe sie einen Filmriss und könne sich erst wieder daran erinnern als sie bei 

ihr auf dem Spielplatz auf einer Bank gesessen seien. Auf jener hätten sie ein 

wenig weitergetrunken, worauf der Beschuldigte ihr relativ schnell immer et-

was näher gekommen sei. Sie habe ihm zu verstehen gegeben, dass sie nicht 

mit ihm rummachen wolle. Er habe aber ihre Beine so um die Bank gedreht, 

dass sie ins Liegen gekommen sei. Sie habe sich wieder aufrichten wollen, 

da ihr nicht wohl gewesen sei so. Der Beschuldigte habe dies aber verhindert, 

indem er sie auf dem Brustkorb wieder runtergedrückt habe. Als sie das Te-

lefon habe zur Hand nehmen wollen, habe er sie ausserdem auch mit einer 

Hand an den Handgelenken gefasst und diese über ihren Kopf auf die Bank 

gedrückt habe. Der Beschuldigte habe sodann ihre Hose bis auf die Knöchel 

ausgezogen, ihren Slip zur Seite geschoben, sei mit seinem erigierten Penis 

vaginal in sie eingedrungen und habe mehrere Stossbewegungen gemacht. 

Dabei sei der Beschuldigte leicht über sie gebeugt gewesen. Bis zu jenem 

Zeitpunkt sei sie aufgrund des Schocks in einer Starre gewesen und habe 

sich nicht bewegen können. Als er in sie eingedrungen sei habe sie aber an-

gefangen, sich körperlich und verbal zu wehren, indem sie versucht habe, ihn 

am Oberkörper wegzustossen, und ihm auf Englisch immer wieder "Stop" und 

"Nein" gesagt habe. Das habe aber alles nicht geklappt. Sodann sei ihr Vater 

aus dem Haus gekommen und habe sie gerufen, weshalb der Beschuldigte 

von ihr abgelassen habe und sie habe zu ihrem Vater rennen können.

Diesen Ablauf schilderte die Beschuldigte in allen Befragungen inhaltlich kon-

stant, teils frei und auf entsprechendes Befragen hin – sofern sie sich noch 

daran erinnern konnte – auch umfassend und detailliert. Sie übertrieb nicht, 

indem sie den Beschuldigten beispielsweise besonders gewalttätig oder 

forsch beschrieb. Im Gegenteil führte sie aus, dass dieser sie nicht sehr fest 

anfasste oder auf die Bank drückte und ihre Beine schwungvoll um die Bank 

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drehte. Zudem beschrieb sie den Beschuldigten als sympathisch. Sie gab 

auch zu, dass sie es gewesen sei, die nach ihrem Zusammentreffen den Vor-

schlag gemacht habe, zusammen weiterzuziehen und sie habe ihm auf dem 

zweiten Spielplatz gar die Erlaubnis gegeben, sie auf die Wange zu küssen. 

Die Privatklägerin stellte den Beschuldigten insofern nicht in einem schlechten 

Licht dar, wie dies im Falle einer Lüge zu erwarten wäre und auch oftmals 

gemacht wird. Sie belastete den Beschuldigten auch nicht übermässig, son-

dern gab an, sich an gewisse Details nicht mehr zu erinnern zu können oder 

sich nicht mehr sicher zu sein, wenn dem so war, wie beispielsweise, ob der 

Beschuldigte eine Jacke oder etwas anderes auf den Boden der Rutsche 

legte, oder ob er sie an den Brüsten anfasste oder nicht oder er ihr den Mund 

zuhielt oder nicht. Im Falle einer Lüge wäre bei solchen Details eine klare 

Aussage in Richtung Bejahung zu erwarten.

2.4.2Die Privatklägerin legte sodann dar, dass sie doch sehr alkoholisiert gewesen 

sei und sich aufgrund dessen nicht mehr an alles erinnern könne oder sich 

auch aufgrund dessen nicht derart habe verhalten können, wie sie dies in 

nüchternem Zustand getan hätte. Dem Gutachten zur körperlichen Untersu-

chung vom Institut für Rechtsmedizin vom 26. Juli 2023 hinsichtlich der pri-

vatklägerischen Untersuchung unmittelbar nach dem Tatzeitraum (29. Juni 

2023, 4.30 - 6.45 Uhr) kann hierzu entnommen werden, dass diese zwar 

grösstenteils orientiert, aber merkbar alkoholisiert gewesen sei (act. 15/9 

S. 2), weshalb sie auch gewisse Anweisungen zur Überprüfung der Aufmerk-

samkeit nicht verstanden habe (vgl. act. 15/7 S. 2). Ferner bescheinigt das 

pharmakologische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 7. Septem-

ber 2023 (act. 15/11 S. 2) der Privatklägerin rund vier Stunden nach dem vor-

liegen zu beurteilenden Ereignis einen Blutalkoholwert von 1.05 - 1.17 ‰. 

Weitere Fremdsubstanzen wie Drogen oder Medikamentenwirkstoffe wurden 

keine festgestellt (S. 4). Der Bericht zur Blutalkoholanalyse des Instituts für 

Rechtsmedizin vom 30. August 2023 (act. 15/12) legt sodann nach Rückrech-

nung der Blutalkoholkonzentration dar, dass die Privatklägerin zum Zeitpunkt 

des Ereignisses eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 1.49 ‰ aufge-

wiesen haben muss, wobei mangels entsprechender Angaben hierzu ein all-

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fälliger Nachtrunk nicht berücksichtigt werden konnte. Gemäss dem pharma-

kologisch-toxikologischen Ergänzungsgutachten vom 28. September 2023 

(act.15/18) kann sodann entnommen werden, dass zum Zeitpunkt des Re-

sorptionsendes, d.h. 1.00 Uhr, eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 

1.25 ‰ und höchstens 2.12 ‰ vorgelegen haben muss, wobei der Nachtrunk 

mangels entsprechender Angaben in der Rückrechnung nicht berücksichtigt 

werden konnte. Die Privatklägerin war insofern sicherlich sehr betrunken. 

Dem pharmakologisch-toxikologischen Gutachten (act. 15/11 S. 3) kann 

hierzu entnommen werden, dass bei einer Alkoholkonzentration von 1.5 ‰ 

von einer "deutlichen Betrunkenheit" auszugehen ist und mit Uneinsichtigkeit, 

Distanzlosigkeit und nachlassendem Kurzzeitgedächtnis zu rechnen sei. Den 

Screenshots vom Mobiltelefon der Privatklägerin vom Chat auf Snapchat mit 

dem Zeugen F._____ am 29. Juni 2023 (act. 2/3) können sodann diverse un-

verständliche und mit vielen Schreibfehlern versehene Nachrichten der Pri-

vatklägerin an den Zeugen im Tatzeitraum entnommen werden wie beispiels-

weise "Oks Pla S Hilfe" (0:28), "Weer kd ich chb wider da .min y das" (1:09), 

"DIe kn das uscj gad" (1:12) und schliesslich "Bulle nemmdad mini kleoywr 

undso" (1.49). Diese weisen ebenso auf eine deutliche Betrunkenheit der Pri-

vatklägerin im Ereigniszeitraum hin, auch wenn der Nachtrunk in der ansch-

liessenden Blutalkoholmessung nicht berücksichtigt werden konnte. Ange-

sichts dieser nachgewiesenen starken Alkoholisierung der Privatklägerin im 

Ereigniszeitraum erscheinen Erinnerungslücken, eine verzögerte Wahrneh-

mung und teils verschwommene Eindrücke der Privatklägerin einleuchtend. 

Auch die von der Privatklägerin beschriebene Schwierigkeit, sich schnell vom 

Beschuldigten zu entfernen oder sich gegen ihn zu wehren erscheint ange-

sichts dieser Betrunkenheit begreiflich. Ferner ist so auch zu erklären, warum 

sich die offenbar von Natur aus sehr offene und kommunikative Privatklägerin 

überhaupt in eine solche Situation brachte, sie mit einem wildfremden Mann 

in der Nacht durch I._____ zog, ohne daran zu denken, welche Bedeutung 

der Beschuldigte diesem Treffen beimass, und sie sich kaum im Stande sah, 

sich gegen den Beschuldigten zu wehren, als dieser sich ihr auf der Bank vor 

ihrem Wohnhaus weiter annäherte. Auch wenn der Tatvorgang seitens der 

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Privatklägerin doch eher naiv und leichtgläubig anmutet, ist ihr Verhalten 

durch ihren Alkoholkonsum und ihre offene, kommunikative Art doch erklärbar 

und erscheint nicht derart abwegig, um von vornherein als völlig unvorstellbar 

zu gelten.

2.4.3Trotz der dargelegten Alkoholisierung konnte sich die Privatklägerin an di-

verse, individuell geprägte, für die Privatklägerin offenbar bedeutende Details 

erinnern, welche die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen unterstreicht. So führte 

die Privatklägerin beispielsweise sowohl in der polizeilichen Befragung als 

auch vor Schranken selber aus, dass der Beschuldigte nach ihrem ersten Halt 

auf einer Bank an einen ruhigeren Ort, konkret den Friedhof, habe gehen wol-

len. Ferner legte sie in allen drei Befragungen ohne entsprechende Frage dar, 

dass der Beschuldigte auf der Rutsche oben auf dem Spielplatz seine Jacke 

oder dergleichen an den Boden gelegt habe. Weiter führte sie aus, dass sie 

nach dem Herunterklettern von der Rutsche eigentlich habe hinter dem Schul-

haus unbemerkt verschwinden wollen, dort aber gebaut worden sei, weshalb 

sie einen anderen Weg – im Blickfeld des Beschuldigten – habe nehmen müs-

sen. Sodann führte sie im Rahmen des eigentlichen Vergewaltigungsakts in 

allen Befragungen von sich aus jeweils aus, dass der Beschuldigte ihr die 

Alkoholflasche aus der Hand genommen und diese auf den Boden neben der 

Bank gestellt habe. Solche eigentlich an sich doch unbedeutende Details las-

sen sich bei erfundenen Aussagen nicht wiederfinden, da Lügen doch eher 

von pauschalen, abstrakten und detailarmen Aussagen geprägt sind. Der Pri-

vatklägerin waren diese speziellen Details doch wichtig und blieben ihr beson-

ders in Erinnerung, weshalb sie sie von sich aus mehrfach erwähnte. Ferner 

ist festzuhalten, dass die Privatklägerin in allen Befragungen authentisch er-

klärte, warum sie sich vom Spielplatz mit der Rutsche nicht sofort entfernte, 

als ihr F._____ dazu riet. Sie wollte den Beschuldigten nicht einfach so stehen 

lassen, da sie Mitleid mit diesem hatte. Sie kenne es von sich, einfach so 

stehen gelassen zu werden, und habe das dem Beschuldigten nicht auch an-

tun wollen – so die Privatklägerin sinngemäss. Die Privatklägerin teilte so ihre 

inneren Gedanken/Gefühle mit und nicht nur die äusseren Wahrnehmungen, 

was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht, da auch dieses 

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Detail an sich nicht zentral ist und im Falle einer Lüge kaum so ergänzt worden 

wäre.

2.4.4Auf den Videoaufnahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der Pri-

vatklägerin ist sodann erkennbar, dass die Privatklägerin v.a. im Zusammen-

hang mit Fragen zum eigentlichen Vergewaltigungsakt sehr nervös wirkte und 

mit ihrem Gummi am Handgelenk spielte bzw. diesen spicken liess, teils auf 

den Tisch starrte oder die Arme verschränkte und sich am Oberarm kratzte. 

Diese Nervosität und Angespanntheit legt indes keine solche wegen eines 

allfälligen schlechten Gewissens aufgrund einer falschen Anschuldigung dar, 

sondern anhand ihrer Körperhaltung kann beobachtet werden, dass es der 

Privatklägerin nahe geht, zumal die Privatklägerin die Fragen wie erwähnt 

doch sehr ausführlich und detailliert beantwortete, soweit sie sich daran zu 

erinnern vermochte. Die umschriebenen Erinnerungen schienen noch sehr 

prägnant vorhanden zu sein. Auch vor Schranken, d.h. Monate nach dem vor-

liegenden Ereignis, war di