# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b754b3c-1954-5294-b60b-536b8300254d
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-10
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 10.03.2022 B 2022/15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2022-15_2022-03-10.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2022/15

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 05.04.2022

Entscheiddatum: 10.03.2022

Entscheid Verwaltungsgericht, 10.03.2022
Strassenverkehr, Art. 16c Abs. 1 lit. a, Art. 34 Abs. 4 SVG. Selbst wenn der 
zeitliche Abstand nicht über die gesamte Distanz von 800 Metern bei genau 
110 km/h durchwegs genau 0.49 Sekunden betragen haben, sondern 
zeitweise auch geringfügig grösser – möglicherweise aber auch geringer – 
gewesen sein sollte, liegen keinerlei konkreten Anhaltspunkte dafür vor, 
dass er insgesamt deutlich über 0.6 Sekunden gelegen hätte. Das 
Verkehrsgeschehen auf der Autobahn A1 im fraglichen Abschnitt war – wie 
sich aus dem Strafurteil des Obergerichts ergibt – geprägt durch 
schwankende, aber konstant über 110 km/h liegende Geschwindigkeiten der 
verschiedenen Fahrzeuge und Veränderungen in der Verkehrskonstellation, 
so dass jederzeit mit (schnellen) Spurwechseln und (brüsken) 
Bremsmanövern gerechnet werden musste. Ein Lieferwagen, auf den nahe 
aufgeschlossen wird, verdeckt zudem erfahrungsgemäss die Sicht auf einen 
wesentlichen Teil des relevanten Verkehrsgeschehens. Unter diesen 
Umständen lag der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar Verletzung 
von Personen und Fahrzeugen durchaus nahe. Was die Beschwerdeführerin 
im Administrativverfahren gegen diese Beurteilung vorbringt, ohne 
Beweismittel einzureichen oder auch bloss zu bezeichnen, ist nicht 
geeignet, die Schlussfolgerung des Strafgerichts, die Beschwerdeführerin 
habe auch den subjektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung 
– die mit der schweren Widerhandlung gegen die 
Strassenverkehrsvorschriften deckungsgleich ist – erfüllt, als unzutreffend 
erscheinen zu lassen (Verwaltungsgericht, B 2022/15).

Entscheid vom 10. März 2022

Besetzung

Abteilungspräsident Eugster; Verwaltungsrichterin Bietenharder, Verwaltungsrichter 

Engeler; Gerichtsschreiber Scherrer

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Verfahrensbeteiligte

A.__,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Enrico Mattiello, Eisenbahnstrasse 41, Postfach 

161, 9401 Rorschach,

gegen

Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen, Unterstrasse 28, 

9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

und

Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, Frongartenstrasse 5, 9001 St. Gallen,

Beschwerdegegner,

Gegenstand

Führerausweisentzug (Warnungsentzug)

 

Das Verwaltungsgericht stellt fest:

A.

A.__ besitzt den Führerausweis für die Kategorie B seit 1972. Sie ist im 

Informationssystem Verkehrszulassung, Subsystem Massnahmen, nicht verzeichnet. 

Gemäss Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 3. November 2018 hielt sie als 

Lenkerin des Personenwagens mit dem amtlichen Kennzeichen SG 0000__ am 

Mittwoch, 10. Oktober 2018 um 10.35 Uhr auf der Überholspur der Autobahn A1 bei 

Othmarsingen/AG über eine Distanz von rund 800 Metern und bei einer 

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Geschwindigkeit zwischen 110 und 120 km/h zum vorausfahrenden Lieferwagen einen 

Abstand von lediglich 12 bis maximal 15 Metern ein. Das Obergericht des Kantons 

Aargau sprach sie deswegen am 18. Mai 2021 wegen grober Verletzung der 

Verkehrsregeln durch ungenügenden Abstand beim Hintereinanderfahren schuldig und 

verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 330 bei 

einer Probezeit von zwei Jahren und zu einer Busse von CHF 2'400. Das Strafurteil 

wurde unangefochten rechtskräftig. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des 

Kantons St. Gallen entzog A.__ in der Folge mit Verfügung vom 8. September 2021 den 

Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die 

Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten. Gleichzeitig ordnete es 

den Vollzug der Massnahme ab spätestens 8. März 2022 an.

B.

Die Verwaltungsrekurskommission wies den von A.__ gegen die Verfügung des 

Strassenverkehrsamts vom 8. September 2021 am 23. September 2021 erhobenen 

Rekurs am 6. Januar 2022 in der Sache ab. Die Vollzugsanordnung hob sie auf.

C.

A.__ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid der 

Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 6. Januar 2022 mit Eingabe ihres 

Rechtsvertreters vom 20. Januar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den 

Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid, 

soweit der Rekurs nicht gutgeheissen worden sei, aufzuheben und der Führerausweis 

sei ihr für maximal einen Monat zu entziehen, eventualiter die Angelegenheit zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz oder an das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt 

(Beschwerdegegner) zurückzuweisen.

Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 28. Januar 2022 auf die Erwägungen 

des angefochtenen Entscheides und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der 

Beschwerdegegner beantragte am 3. Februar 2022 ebenfalls die Abweisung der 

Beschwerde. Die Beschwerdeführerin verzichtete stillschweigend auf eine 

abschliessende Äusserung.

Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen der 

Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit 

wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:

1. Eintreten

Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nicht einzutreten ist auf 

den Antrag, die Verfügung des Beschwerdegegners vom 8. September 2021 sei 

aufzuheben, weil der angefochtene Rekursentscheid an deren Stelle getreten ist 

("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E. 1.4; BGer 1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1 

und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015 E. 1.2). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen 

sind erfüllt: Die Beschwerdeführerin, die im vorinstanzlichen Verfahren mit ihrem 

Begehren, der Führerausweis sei ihr lediglich wegen einer mittelschweren 

Widerhandlung und für die Dauer eines Monats zu entziehen, unterlag, ist zur Erhebung 

der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde 

gegen den Rekursentscheid vom 6. Januar 2022 wurde mit Eingabe vom 20. Januar 

2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die 

gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 

VRP). Auf die Beschwerde ist – unter dem genannten Vorbehalt – einzutreten.

2. Rüge der unrichtigen Feststellung des Sachverhalts

Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts 

durch die Vorinstanz. Die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, die 

Beschwerdeführerin sei nicht nur vorübergehend, sondern während einer Strecke von 

rund 800 Metern oder während ungefähr 25 Sekunden mit einem Abstand von 0.49 

Sekunden hinter einem Lieferwagen hergefahren. Das Strafurteil habe zwar eine 

Abstandsverletzung von 0.49 Sekunden angenommen, nicht jedoch während der 

gesamten Strecke von 800 Metern. Das wäre auch aktenwidrig, zumal erwiesen sei, 

dass der Abstand teilweise um die 0.6 Sekunden betragen habe. Über welche Distanz 

die Beschwerdeführerin somit den Abstand von 0.6 Sekunden eingehalten habe, lasse 

sich nicht sagen und ergebe sich auch aus dem Strafurteil nicht. Beweismittel, mit 

denen sich diese Behauptungen belegen liessen, legt die Beschwerdeführerin nicht 

vor.

Die Vorinstanz ist in tatsächlicher Hinsicht davon ausgegangen, die 

Beschwerdeführerin habe über eine Distanz von rund 800 Metern bei einer 

Geschwindigkeit von rund 110 km/h einen Abstand von maximal 15 Metern – 

entsprechend 0.49 Sekunden – zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten. Diese 

Tatsachen stehen im Einklang mit den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil, auch 

wenn das Strafgericht in der zusammenfassenden Erwägung die Distanz von 800 

Metern nicht mehr ausdrücklich genannt hat. Das Obergericht hat die von der 

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Kantonspolizei zum Vorgang erstellte Videoaufzeichnung für die Zeit von 10:35.12 bis 

10:35.50 Uhr eingehend analysiert, den rapportierenden Kantonspolizisten als Zeugen 

einvernommen und ein von der Beschwerdeführerin eingereichtes Privatgutachten 

gewürdigt (vgl. act. 7/8, Seiten 20-23). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, der 

Abstand habe zeitweise um die 0.6 Sekunden betragen, stützt sie sich auf ein – im 

Straf-, nicht aber im Administrativverfahren eingereichtes – Privatgutachten. Aus dem 

Strafurteil ergibt sich, dass diese Abstände im Bereich von 0,6 Sekunden im 

Wesentlichen – 10:35.00 und 10:35.12 Uhr – ausserhalb des vom Strafgericht 

herangezogenen Zeitraums ermittelt wurden. Einzig der Zeitpunkt 10:35.18 Uhr liegt 

innerhalb dieses Zeitraums. Zum einen beträgt aber – gemäss der Darstellung im 

Strafurteil – auch hier der zeitliche Abstand weniger als 0.6 Sekunden, und zum 

anderen verbleibt auch für die Zeit zwischen 10:35.18 und 10:35.50 Uhr – 32 Sekunden 

bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h – eine zurückgelegte Strecke von knapp einem 

Kilometer (977 Meter).

Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung, die sich hinsichtlich Geschwindigkeit und 

Abstand zudem an die für die Beschwerdeführerin günstigsten Angaben im 

Polizeirapport hält, ist deshalb nicht zu beanstanden. Selbst wenn der zeitliche 

Abstand nicht über die gesamte Distanz von 800 Metern bei genau 110 km/h 

durchwegs genau 0.49 Sekunden betragen haben, sondern zeitweise auch geringfügig 

grösser – möglicherweise aber auch geringer – gewesen sein sollte, liegen keinerlei 

konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass er insgesamt deutlich über 0.6 Sekunden 

gelegen hätte. Die Beschwerdeführerin hat denn auch verzichtet, die Beweismittel aus 

dem Strafverfahren einzureichen oder – soweit sie nicht ohnehin darüber verfügt – 

deren Edition zu beantragen.

3. Rüge der Rechtsverletzung

In rechtlicher Hinsicht ist umstritten, ob die Vorinstanz das Verhalten der 

Beschwerdeführerin zu Recht als schwere Widerhandlung gegen die 

Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a des 

Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) qualifiziert hat.

Rechtsgrundlagen

Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten, mittelschweren und schweren 

Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16a-c des 

Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG). Gemäss Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a 

SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer durch grobe Verletzung von 

Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf 

3.1. 

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nimmt. Die Annahme einer schweren Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte 

objektive Gefährdung und ein qualifiziertes Verschulden voraus. In objektiver Hinsicht 

wird verlangt, dass die Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet wurde. Dabei genügt 

nach der Rechtsprechung eine erhöhte abstrakte Gefährdung, die vorliegt, wenn in 

Anbetracht der jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls der Eintritt einer konkreten 

Gefährdung oder gar einer Verletzung naheliegt. Subjektiv erfordert der Tatbestand der 

groben Verkehrsregelverletzung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend 

verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung 

grobe Fahrlässigkeit (vgl. anstelle vieler BGer 1C_63/2021 vom 11. November 2021 

E. 4.1 mit Hinweisen auf BGE 131 IV 133 E. 3.2 und weitere Rechtsprechung). Diese ist 

zu bejahen, wenn sich der Täter der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise 

bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kommt aber auch in Betracht, wenn der Täter die 

Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. Die 

Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall voraus, dass das 

Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit 

beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber 

fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen (momentanen) 

Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen. Je schwerer die 

Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv 

zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorliegen (BGer 6B_164/2020 

vom 20. Juli 2021 E. 2.4.2 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 131 IV 133 E. 3.2, 142 

IV 93 E. 3.1 und weitere bundesgerichtliche Rechtsprechung).

Gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG ist gegenüber allen Strassenbenützern ein ausreichender 

Abstand einzuhalten, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und 

Hintereinanderfahren. Nach Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, 

VRV) hat der Fahrzeugführer beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand 

zu wahren, sodass er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden 

Fahrzeugs rechtzeitig halten kann. Was unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinne 

von Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV zu verstehen ist, hängt von den 

gesamten Umständen ab. Dazu gehören unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und 

Sichtverhältnisse sowie die Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge. Die 

Rechtsprechung hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem 

Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, eine einfache 

Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Im Sinne von Faustregeln wird für 

Personenwagen auf die Regel "halber Tacho" (entsprechend 1.8 Sekunden) und die 

Zwei Sekunden-Regel abgestellt. In der Lehre wird ausserorts und auf Autobahnen bei 

günstigen Verkehrsverhältnissen bei Abständen von weniger als 1/6 der 

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Geschwindigkeit beziehungsweise 0,6 Sekunden in der Regel eine schwere 

Widerhandlung angenommen. Von diesem Grundsatz geht auch das Bundesgericht 

aus (vgl. BGer 1C_442/2017 vom 26. April 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Nach der 

Rechtsprechung kann eine grobe Verkehrsregelverletzung bereits vorliegen, wenn der 

erforderliche Mindestabstand auf einer Strecke von weniger als 300 Metern 

unterschritten wird, denn die Dauer des regelwidrigen zu nahen Auffahrens stellt nur ein 

Element der zu berücksichtigenden Gesamtumstände dar (vgl. BGer 6B_1037/2020 

vom 20. Dezember 2021 E. 1.4 mit Hinweisen auf BGE 131 IV 133 E. 3.1 und 3.2.2 und 

weitere straf- und massnahmerechtliche bundesgerichtliche Rechtsprechung).

In Bezug auf die rechtliche Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde 

gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht an die Einschätzung des 

Strafgerichts gebunden, ausser die rechtliche Qualifikation hänge stark von der 

Würdigung von Tatsachen ab, die das Strafgericht besser kennt, etwa weil es die 

beschuldigte Person persönlich einvernommen hat. Die Verwaltungsbehörde hat 

jedoch auch im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung die Einheit der Rechtsordnung zu 

beachten und widersprüchliche Urteile soweit vertretbar zu vermeiden (vgl. anstelle 

vieler BGer 1C_63/2021 vom 11. November 2021 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 136 II 

447 E. 3.1 und weitere Rechtsprechung).

Würdigung

Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, es habe sowohl an einer ernstlichen Gefahr 

(dazu nachfolgend Erwägung 3.2.1) als auch an einem schweren Verschulden (dazu 

nachfolgend Erwägung 3.2.2) gefehlt.

3.2. 

Objektiver Tatbestand

Im Zusammenhang mit der verursachten Gefahr macht die Beschwerdeführerin 

geltend, der Faustregel des Abstands von 1/6-Tacho beziehungsweise 0.6 Sekunden 

komme keine absolute Bedeutung zu. Zu würdigen seien die konkreten Umstände. 

Während welcher Strecke der Abstand nicht eingehalten worden sei, sei unklar. Das 

Verkehrsaufkommen sei nicht sehr hoch gewesen. Das Strafgericht sei davon 

ausgegangen, der Abstand sei grösser gewesen als in verschiedenen 

bundesgerichtlichen Urteilen, in welchen bei 0.33, 0.15, 0.4 und 0.45 Sekunden eine 

"mindestens" mittelschwere Widerhandlung angenommen worden sei. Der Bremsweg 

bei einem Lastwagen/Lieferwagen sei bedeutend länger. Deshalb sei ein näheres 

Auffahren mit einem Personenwagen mit besserer Bremsverzögerung tolerierbar. Eine 

grosse konkrete Gefahr für die Sicherheit anderer werde hervorgerufen, wenn in der 

hypothetisch angenommenen konkreten Gefährdungssituation ein hohes Unfall- und 

3.2.1. 

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Verletzungsrisiko bestehe. Sogar die Vorinstanz gehe aber davon aus, bei einem 

abrupten Abbremsen wäre ein Auffahrunfall mit "möglicherweise" schweren Folgen 

kaum zu vermeiden gewesen. Zumindest in Bezug auf das Verletzungsrisiko könne 

nicht von einer hohen Wahrscheinlichkeit die Rede sein, die Gefahr bewege sich 

lediglich im Bereich des Möglichen.

Mit den Hinweisen der Beschwerdeführerin auf die unterschiedlichen 

Bremsverzögerungen und die fehlende erhöhte Gefährdung hat sich das Strafgericht 

auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen, die Einwendungen seien 

unbehelflich. Auch die im Administrativverfahren zusätzlich vorgebrachten Hinweise 

vermögen nichts daran zu ändern, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin 

geeignet war, in objektiver Hinsicht eine erhöhte abstrakte Gefährdung zu bewirken. – 

Die Vorinstanz verweist zu Recht auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach 

ein zeitlicher Abstand von 0.54 Sekunden bei regem Verkehr auf dem Überholstreifen 

einer Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h während rund 40 Sekunden 

unabhängig von der Beschaffenheit der Fahrzeuge und auch bei günstigen Strassen-, 

Verkehrs- und Sichtverhältnissen eine erhöhte abstrakte Gefahr bewirkt (vgl. BGer 

6B_30/2010 vom 25. Februar 2010 E. 3.3.1; vgl. auch 1C_731/2013 vom 10. Dezember 

2013 E. 3.1). Ein Abstand zum Vorderfahrzeug auf dem Überholstreifen einer Autobahn 

mit einer Geschwindigkeit von 112 km/h auf einer gemessenen Strecke von 399.60 m 

mit einem zeitlichen Abstand von 0.57 Sekunden begründet nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch bei günstigen Strassen-, Verkehrs- und 

Sichtverhältnissen eine erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von Art. 16c SVG (vgl. BGer 

1C_746/2013 vom 12. Dezember 2013 E. 2.5 mit Hinweis auf 1C_183/2013 vom 21. 

Juni 2013 E. 4.2). Auch in einem neueren Entscheid, in welchem ein Abstand von 15.8 

Metern bei einer Geschwindigkeit von 118 km/h (0.48 Sekunden) auf der ersten 

Überholspur einer Autobahn bei starkem Verkehrsaufkommen über eine Distanz von 

500 Metern zu beurteilen war, stand ausser Frage, dass damit der objektive Tatbestand 

der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt war (vgl. BGer 6B_164/2020 vom 20. Juli 

2021 E. 2.1).

Die Strassen- und Sichtverhältnisse waren zwar vergleichsweise günstig, das 

Verkehrsaufkommen jedoch – wie im Polizeirapport und im Strafurteil festgehalten wird 

und angesichts von Ort und Zeit der Widerhandlung ohne Weiteres plausibel ist – rege. 

Das Verkehrsgeschehen auf der Autobahn A1 im fraglichen Abschnitt war – wie sich 

aus dem Strafurteil des Obergerichts ergibt (act. 7/8 Seite 24) – geprägt durch 

schwankende, aber konstant über 110 km/h liegende Geschwindigkeiten der 

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verschiedenen Fahrzeuge und Veränderungen in der Verkehrskonstellation, so dass 

jederzeit mit (schnellen) Spurwechseln und (brüsken) Bremsmanövern gerechnet 

werden musste. Ein Lieferwagen, auf den nahe aufgeschlossen wird, verdeckt zudem 

erfahrungsgemäss die Sicht auf einen wesentlichen Teil des relevanten 

Verkehrsgeschehens. Unter diesen Umständen lag der Eintritt einer konkreten 

Gefährdung oder gar Verletzung von Personen und Fahrzeugen durchaus nahe. 

Deshalb rechtfertigt es sich nicht, von der Beurteilung durch das Strafgericht und von 

der Faustregel des zeitlichen Abstands von 0.6 Sekunden oder weniger für die 

Annahme einer erhöhten abstrakten Gefährdung abzuweichen.

Subjektiver Tatbestand

Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Verschulden sei nicht schwer. Ein schweres 

Verschulden liege dann vor, wenn der Fahrzeugführer ein rücksichtsloses oder sonst 

schwerwiegend verkehrsregelwidriges Verhalten manifestiert habe. Der 

Beschwerdeführerin werde aber lediglich vorgeworfen, eine wichtige beziehungsweise 

elementare Verkehrsregel verletzt zu haben, was jedoch ein mittelschweres 

Verschulden bedeute.

Bei der Abstandsregel von Art. 34 Abs. 4 SVG handelt es sich um eine wichtige 

Verkehrsregel von grundlegender Bedeutung. Sie soll gewährleisten, dass das 

nachfolgende Fahrzeug bei überraschendem Bremsen des Vordermanns rechtzeitig 

zum Stillstand gebracht werden kann (vgl. BGer 6B_502/2016 vom 13. September 

2016 E. 3). Das Obergericht hielt fest, die Unterschreitung des genügenden Abstands 

beim Hintereinanderfahren sei das Resultat einer bewussten Entscheidung, konsequent 

aufzuschliessen und zu drängeln. Der Fahrstil der Beschwerdeführerin werde sodann 

fortgesetzt mit der Frequenz bezüglich des eingeleiteten Überholmanövers (vgl. act. 7/8 

Seite 24). Es hat seine Beurteilung des Verhaltens der Beschwerdeführerin hinsichtlich 

des subjektiven Tatbestands nicht allein damit begründet, sie habe eine wichtige 

beziehungsweise elementare Verkehrsregel verletzt. Vielmehr stützte es sich auch auf 

die Videoaufzeichnung und die Befragung des rapportierenden protokollierenden 

Polizisten und der Beschwerdeführerin. Damit waren dem Strafgericht die Umstände, 

aus denen auf die für die rechtliche Würdigung bedeutsamen inneren Tatsachen 

geschlossen werden kann, besser bekannt als den Administrativbehörden. Was die 

Beschwerdeführerin im Administrativverfahren gegen diese Beurteilung vorbringt, ohne 

Beweismittel einzureichen oder auch bloss zu bezeichnen, ist nicht geeignet, die 

Schlussfolgerung des Strafgerichts, die Beschwerdeführerin habe auch den subjektiven 

Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung – die mit der schweren Widerhandlung 

3.2.2. 

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4. Verletzung der Begründungspflicht durch den Beschwerdegegner

Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin – eventualiter – auch im Beschwerdeverfahren 

eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch den Beschwerdegegner. Die Vorinstanz 

ist nach eingehender und zutreffender Auseinandersetzung mit der Frage zum Schluss 

gekommen, der Vorwurf sei unbegründet. Allein daraus, dass der Beschwerdegegner 

die Verfügung noch am Tag des Eingangs der Stellungnahme der Beschwerdeführerin 

erlassen hat, kann nicht auf eine unzureichende Auseinandersetzung mit ihren 

Vorbringen geschlossen werden. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin das 

rechtliche Gehör gewährt, indem sie ihr bekanntgab, von welchem Sachverhalt und von 

welchen rechtlichen Schlüssen sie auszugehen gedenke. Damit war die wesentliche 

Ausgangslage für die Verfügung dargestellt. Es verblieb dem Beschwerdegegner die 

Aufgabe, sich mit den Einwendungen, soweit sie für den Ausgang des Verfahrens 

wesentlich hätten sein können, auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung war – 

wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat – zwar sehr knapp. Indessen war daraus aber 

auch ohne Weiteres zu schliessen, dass alle jene Einwendungen, die in der 

Begründung der Verfügung nicht ausdrücklich erwähnt wurden, als von vornherein für 

den Ausgang des Verfahrens unwesentlich beurteilt wurden. Im Übrigen wäre eine 

Verletzung des rechtlichen Gehörs zufolge unzureichender Begründung durch das 

Rekursverfahren vor der Vorinstanz, welcher umfassende Kognition und insbesondere 

auch die Überprüfung der Angemessenheit der Verfügung des Beschwerdegegners 

zusteht (vgl. Art. 46 Abs. 1 VRP), geheilt.

5. Zusammenfassung und Kosten

Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet. Sie ist 

dementsprechend, soweit darauf einzutreten ist, abzuweisen. Bei diesem Ausgang des 

Verfahrens sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von 

CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 

941.12). Sie ist mit dem von der Beschwerdeführerin in der gleichen Höhe geleisteten 

Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen 

(Art. 98 Abs. 1 und Art. 98  VRP).

 

gegen die Strassenverkehrsvorschriften deckungsgleich ist – erfüllt, als unzutreffend 

erscheinen zu lassen.

Schlussfolgerung

Die Beschwerde erweist sich damit auch hinsichtlich der rechtlichen Würdigung als 

unbegründet.

3.3. 

bis

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Demnach erkennt das Verwaltungsgericht auf dem Zirkulationsweg zu Recht:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2.

Die Beschwerdeführerin bezahlt die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von 

CHF 1'500 unter Verrechnung mit dem von ihr in der gleichen Höhe geleisteten 

Kostenvorschuss.

3.

Ausseramtliche Kosten werden nicht entschädigt.

 

 

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		2025-07-19T01:57:02+0200
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