# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d7190013-82cd-515a-9c4f-b155704025c5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-04-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.04.2015 BVGE 2015/27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2015-27_2015-04-20.pdf

## Full Text

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 393 

 

9 Wirtschaft – Technische Zusammenarbeit  
Economie – Coopération technique 
Economia – Cooperazione tecnica 

27 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung II 
i.S. A. gegen Eidgenössische Finanzmarktaufsicht 

B‒7550/2014 vom 30. April 2015 

Internationale Amtshilfe bei Verdacht auf Marktmanipulation (sog. 

« Scalping »). 

Art. 38 BEHG. 

1. Das Verbot der Beweisausforschung beziehungsweise von 
« fishing expeditions » ist Ausfluss sowohl des Gesetzmässigkeits- 

als auch des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes und damit des 

Rechtsstaatsprinzips (E. 3). 

2. Würde in einem Fall bei offensichtlichen Fehlern, Lücken oder 
Widersprüchen gleichwohl unbesehen Amtshilfe gewährt 

werden, so würde dies auf die Ermöglichung einer unzulässigen 

Beweisausforschung hinauslaufen. Eine solche liegt aber dann 

nicht vor, wenn ein hinreichender Anfangsverdacht sowie ein 

genügender inhaltlicher und zeitlicher Bezug und Zusammen-

hang zwischen diesem und den Transaktionen, die den 

Gegenstand des Ersuchens bilden, vorliegen (E. 4). 

3. Hinsichtlich des Anfangsverdachts ist im vorliegenden Fall weder 
ein hinreichender inhaltlicher Bezug noch ein zeitlicher 

Zusammenhang zwischen der fraglichen Transaktion und den 

vermuteten Börsengeschäften ersichtlich (E. 5.1.3–5.3.3). 

4. Verdacht der Marktmanipulation in Form des sogenannten 
« Scalpings » (E. 5.4.3). 

5. Grundsatz der Verhältnismässigkeit (E. 6). Widersprüchliches 
Verhalten im Amtshilfeverfahren (E. 6.5). 

Entraide administrative internationale en cas de soupçon de 

manipulation des marchés (ou « scalping »). 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

394 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Art. 38 LBVM. 

1. L'interdiction de la recherche indéterminée de moyens de preuve, 
autrement dit des « fishing expeditions », découle des principes de 

la légalité et de la proportionnalité et par conséquent du principe 

de l'Etat de droit (consid. 3). 

2. L'octroi de l'entraide administrative, nonobstant la présence 
d'erreurs, de lacunes ou de contradictions manifestes et sans 

autre examen, revient à permettre une recherche indéterminée de 

moyens de preuve qui est illicite. Tel n'est toutefois pas le cas 

lorsqu'il existe un soupçon initial suffisant ainsi qu'un rapport 

matériel et un lien temporel suffisants entre le soupçon et les 

transactions qui font l'objet de la demande d'entraide (consid. 4). 

3. En ce qui concerne le soupçon initial, il n'existe, dans le cas 
présent, ni rapport matériel ni lien temporel suffisants entre la 

transaction en cause et les opérations boursières supposées 

illégales (consid. 5.1.3‒5.3.3). 

4. Soupçon de manipulation de marché sous la forme dite du 
« scalping » (consid. 5.4.3). 

5. Principe de la proportionnalité (consid. 6). Comportement 
contradictoire dans la procédure d'entraide administrative 

(consid. 6.5). 

Assistenza amministrativa internazionale in caso di sospetto di 

manipolazione del mercato (cd. « scalping »). 

Art. 38 LBVM. 

1. Il divieto della ricerca indiscriminata di prove (ossia delle cd. 
« fishing expeditions ») costituisce un corollario dei principi della 

legalità e della proporzionalità, e quindi del principio dello Stato 

di diritto (consid. 3). 

2. Qualora, in presenza di errori, lacune o contraddizioni manifesti, 
fosse comunque indistintamente concessa l'assistenza amminis-

trativa, ciò equivarrebbe ad una violazione del divieto della 

ricerca indiscriminata di prove. Tuttavia, una siffatta violazione 

non ricorre quando sussiste un sufficiente sospetto iniziale 

nonché un rapporto materiale e temporale sufficiente tra il 

sospetto e le transazioni oggetto della domanda di assistenza 

(consid. 4). 

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 395 

 

3. Per quanto concerne il sospetto iniziale, nella fattispecie non 
sussiste né un rapporto materiale sufficiente né un nesso tempo-

rale tra la transazione in questione e le presunte operazioni di 

borsa (consid. 5.1.3–5.3.3). 

4. Sospetto di manipolazione del mercato sotto forma del cosiddetto 
« scalping » (consid. 5.4.3). 

5. Principio della proporzionalità (consid. 6). Comportamento 
contraddittorio nella procedura di assistenza amministrativa 

(consid. 6.5). 

 

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (nach-

folgend: BaFin) ersuchte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht 

(FINMA, nachfolgend: Vorinstanz) um Amtshilfe wegen Verdachts auf 

Marktmanipulation in Zusammenhang mit Aktien (International 

Securities Identification Numbers [ISIN] X und Y) der B. 

Zur Begründung führt die BaFin aus, eine Tätergruppe stehe im 

Verdacht, Marktmanipulation in Form des sogenannten Scalpings be-

gangen zu haben. So gebe es Anhaltspunkte, dass B.-Aktien telefonisch 

massiv beworben und dadurch Kaufinteressen am Markt erzeugt worden 

seien. Die Verdächtigen hätten ihre Aktienbestände auf diese Weise mit 

Gewinn verkaufen können. Die Aktien der B. (ISIN X) seien im Frei-

verkehr bestimmter Börsen gehandelt worden. 

Gemäss BaFin habe die C. über ein Konto der A. (nachfolgend: Be-

schwerdeführerin) einen gewissen Betrag an einen Handelsteilnehmer in 

Deutschland überwiesen, der auffällige Transaktionen in B.-Aktien 

getätigt habe. Das Datum der Überweisung sei überdies der Gründungs-

tag der B. Diese Gesellschaft sei ursprünglich unter dem Namen D. ge-

gründet und später in B. umfirmiert worden. Es seien deshalb verbotene 

« abgesprochene Geschäfte » zu vermuten, die als Vortat des Scalpings 

zu qualifizieren seien. Des Weiteren bestehe der Verdacht, dass dem 

Handelsteilnehmer in Deutschland diese Geldsumme als Entlohnung für 

seine Dienste bezahlt worden sei. Diese Überweisung sei nach bis-

herigem Kenntnisstand der einzige externe Geldein- oder -ausgang auf 

dem betroffenen Konto des Verdächtigen im vorliegend relevanten 

Zeitraum. Im Zusammenhang mit dem Konto der Beschwerdeführerin 

ersuchte die BaFin die Vorinstanz um Bekanntgabe der Identität des 

Kontoinhabers und aller wirtschaftlich berechtigter Personen und 

Auftraggeber, zudem um Mitteilung der Identität aller weiterer Personen, 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

396 BVGE / ATAF / DTAF 

 

die verfügungsberechtigt am Konto seien beziehungsweise gewesen 

seien, unter Berücksichtigung des Zeitraums der jeweiligen Vollmacht. 

Ebenfalls ersuchte die BaFin für den vorliegend relevanten Zeitraum um 

entsprechende Aufstellung der Bestände und Bestandesveränderungen 

aller Konten der involvierten Personen, wobei nebst Buchungs- und 

Betragsdaten auch Zahlungsempfänger und -absender mit Buchungs-

grund sowie Aufstellungen über Bestände und Bestandesveränderungen 

von allfälligen Depots involvierter Personen in B.-Aktien unter Ein-

schluss der Preisangabe während des genannten Zeitraums zu zählen 

seien. 

Mittels Verfügung gab die Vorinstanz dem Ersuchen der BaFin voll-

umfänglich statt und ordnete die Übermittlung der erbetenen Infor-

mationen an.  

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht. Darin stellt sie den Antrag, dass die 

Verfügung kostenfällig aufzuheben und die Amtshilfe an die BaFin zu 

verweigern sei.  

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut und hebt die 

vorinstanzliche Verfügung auf. 

Aus den Erwägungen: 

2. Das Börsengesetz vom 24. März 1995 (BEHG, SR 954.1) und 
das Finanzmarktaufsichtsgesetz vom 22. Juni 2007 (FINMAG, SR 956.1) 

enthalten je eigene Regelungen über die Amtshilfe gegenüber 

ausländischen Finanzmarktaufsichtsbehörden (Art. 38 BEHG und Art. 42 

FINMAG). Die Bestimmungen des FINMAG sind dabei subsidiär 

gegenüber denjenigen der anderen Finanzmarktgesetze (Art. 2 FINMAG; 

vgl. Botschaft vom 1. Februar 2006 zum FINMAG, BBl 2006 2829, 

2848). Im vorliegenden Fall ist deshalb Art. 38 BEHG als lex specialis 

anwendbar. 

Gemäss Art. 38 Abs. 2 Bst. a und b BEHG darf die Aufsichtsbehörde 

ausländischen Finanzmarktaufsichtsbehörden nicht-öffentlich zugäng-

liche Auskünfte und sachbezogene Unterlagen übermitteln, sofern die 

Informationen ausschliesslich zur Durchsetzung von Regulierungen über 

Börsen, Effektenhandel und Effektenhändler verwendet oder zu diesem 

Zweck an andere Behörden, Gerichte oder Organe weitergeleitet werden 

(sog. Spezialitätsprinzip) und die ersuchenden Behörden an ein Amts- 

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 397 

 

und Berufsgeheimnis gebunden sind (sog. Vertraulichkeitsprinzip). Dabei 

bleiben Vorschriften über die Öffentlichkeit von Verfahren und die 

Orientierung der Öffentlichkeit über solche vorbehalten. 

Die BaFin ist eine ausländische Aufsichtsbehörde, welcher die Vor-

instanz im Rahmen von Art. 38 Abs. 2 BEHG Amtshilfe leisten kann 

(vgl. BVGE 2011/14 E. 4; Urteil des BVGer B‒3703/2009 vom 

3. August 2009 E. 3). Sie sichert in ihrem Gesuch die vertrauliche Be-

handlung sowie die Zweckgebundenheit der Informationen zu. Der ange-

fochtene Entscheid enthält die entsprechenden Vorbehalte in Ziff. 2 des 

Dispositivs. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung 

dargelegt hat, ist die BaFin ausserdem Vollmitglied (A-Signatar) des 

« Multilateral Memorandum of Understanding concerning Consultation 

and Cooperation and the Exchange of Information » (nachfolgend: 

MMoU) der Internationalen Organisation of Securities Commissions 

(IOSCO), weshalb davon ausgegangen werden darf, dass sie die 

Anforderungen an die Spezialität (Art. 10 MMoU) und Vertraulichkeit 

(Art. 11 MMoU) der übermittelten Information einhält (vgl. BVGE 

2008/33 E. 3; Urteil des BVGer B‒5469/2010 vom 7. Dezember 2010 

E. 3.2 und 4.2.2). Es wird von der Beschwerdeführerin weder geltend 

gemacht noch gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die BaFin ihre eigenen 

Erklärungen und Zusicherungen missachten würde.  

3. Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusam-
menarbeit bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechts-

missbrauch – grundsätzlich kein Anlass besteht, an der Richtigkeit und 

Einhaltung der Sachverhaltsdarstellung und an Erklärungen anderer 

Staaten, mit denen man vertraglich zusammenarbeitet, zu zweifeln (sog. 

völkerrechtliches Vertrauensprinzip; vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2, 4.3.1 

und 4.3.3; 126 II 409 E. 4; Urteil des BGer 2A.153/2003 vom 26. August 

2003 E. 3.1). Auf diesem Vertrauen gründen letztlich das ganze vertrag-

liche Amts- und Rechtshilferecht im Allgemeinen wie auch das 

vorliegende zwischenstaatliche Amtshilfeverfahren im Besonderen (vgl. 

BVGE 2011/14 E. 2). 

Im Rahmen des Amtshilfeverhältnisses ist die ersuchte Behörde dem-

gemäss an die Darstellung des Sachverhalts in einem Ersuchen insoweit 

gebunden, als dieses nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder 

Widersprüche sofort entkräftet werden kann (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1; 

128 II 407 E. 5.2.1; BVGE 2010/26 E. 5.1). Erst eine solche Entkräftung 

könnte zum Anlass genommen werden, die Vermutung des Vertrauens in 

die ersuchende Behörde in einem einzelnen Fall umzustossen und – bei 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

398 BVGE / ATAF / DTAF 

 

gravierenden und systemischen Mängeln – die Amtshilfepraxis 

gegenüber dem entsprechenden Staat neu zu überdenken. Unter 

Umständen könnten Amtshilfeleistungen auch an weitere Bedingungen 

und Auflagen, beispielsweise an eine zusätzliche beweisrechtliche 

Dokumentierung des Ersuchens, geknüpft oder die Übermittlung ver-

traulicher Informationen verweigert werden (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2; 

BVGE 2011/14 E. 2 m.w.H.; STEPHAN BREITENMOSER, Internationale 

Amts- und Rechtshilfe, in: Ausländerrecht, Bd. VIII, 2. Aufl. 2009, 

Rz. 23.106 m.w.H.). Von der ersuchenden Aufsichtsbehörde darf aber 

nicht verlangt werden, dass sie den massgeblichen Sachverhalt lückenlos 

und völlig widerspruchsfrei darlegt, soll doch gerade das Amtshilfe-

verfahren zur Klärung noch offener Punkte und Fragen im ausländischen 

Hauptverfahren beitragen (vgl. BGE 128 II 407 E. 5.2.1; Urteil des BGer 

2A.154/2003 vom 26. August 2003 E. 4.1; BVGE 2010/26 E. 5.1).  

Das Bundesgericht und das Bundesverwaltungsgericht haben im 

Zusammenhang mit vermuteten Marktmanipulationen wiederholt fest-

gehalten, die ersuchte Behörde müsse lediglich prüfen, ob genügend 

Indizien für eine mögliche Marktverzerrung vorhanden seien. Es genüge 

hierfür die Feststellung, dass die ersuchten Informationen nicht ohne 

jeden Bezug zu den vermuteten Unregelmässigkeiten stünden. Verboten 

sind nach dieser konstanten Rechtsprechung aber reine Beweis-

ausforschungen ohne hinreichend begründeten Verdacht, das heisst 

sogenannte fishing expeditions (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1; 128 II 407 

E. 5.2.1; BVGE 2010/26 E. 5.1 m.w.H.). 

Das Verbot der Beweisausforschung beziehungsweise von fishing 

expeditions ist Ausfluss sowohl des Gesetzmässigkeits- als auch des 

Verhältnismässigkeitsgrundsatzes und damit des Rechtsstaatsprinzips 

(vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1; 128 II 407 E. 5.2.1; 126 II 126 E. 5 b/aa; 

125 II 65 E. 6a; BVGE 2010/26 E. 5.1; zum Rechtsstaatsprinzip vgl. u.a. 

BENJAMIN SCHINDLER, in: Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 

3. Aufl. 2014, Art. 5 Rz. 3 f.). Als reine Beweisausforschung gilt in 

Verfahren der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen namentlich eine 

Beweismassnahme, die mit der verfolgten Straftat keinen Zusam-

menhang aufweist und offensichtlich ungeeignet ist, die Untersuchung 

voranzutreiben, sodass das Ersuchen als Vorwand für eine unbestimmte 

Suche nach Beweismitteln erscheint. Eine verpönte und damit unrecht-

mässige Beweisausforschung liegt namentlich dann vor, wenn zur 

Begründung oder Erhärtung eines (noch) fehlenden Verdachts nach 

belastenden Beweismitteln gesucht wird, ohne dass zuvor bereits 

http://links.weblaw.ch/BGE-129-II-484

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 399 

 

hinreichend konkrete Anhaltspunkte für ein bestimmtes strafbares 

Verhalten bestehen (vgl. BGE 129 IV 141 E. 3.2; 116 Ib 89 E. 4c). Ein 

solches Beweisausforschungsverbot muss – im Lichte des Rechtsstaats-

prinzips – auch in Verfahren der internationalen Amtshilfe gelten, wenn 

kein hinreichender Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten gegeben 

ist (vgl. BVGE 2011/14 E. 5.2.2.1 m.w.H.; MADELEINE SIMONEK, 

Fishing Expeditions in Steuersachen, in: Liber amicorum für Andreas 

Donatsch, 2012, S. 903 f.; ANDREAS DONATSCH et al., in: Internationale 

Rechtshilfe unter Einbezug der Amtshilfe im Steuerrecht, 2. Aufl. 2015, 

S. 234 f. Ziff. 2.5; CHARLOTTE SCHODER, Praxiskommentar zum 

Bundesgesetz über die internationale Amtshilfe in Steuersachen, 2014, 

Art. 7 StAhiG N. 76 f.; GIOVANNI MOLO, Die neue Trennungslinie bei 

der Amtshilfe in Steuersachen: Das Verbot der fishing expeditions und 

die formellen Anforderungen an das Gesuch, ASA 80 S. 147 f. m.w.H.).  

4. Würde in einem Fall bei offensichtlichen Fehlern, Lücken oder 
Widersprüchen gleichwohl unbesehen Amtshilfe gewährt werden, so 

würde dies auf die Ermöglichung einer unzulässigen Beweisaus-

forschung beziehungsweise fishing expedition hinauslaufen (vgl. BGE 

128 II 407 E. 5.2.1 m.w.H.). Eine solche liegt aber dann nicht vor, wenn 

ein hinreichender Anfangsverdacht sowie ein genügender Bezug und 

Zusammenhang zwischen diesem und den Transaktionen, die den Gegen-

stand des Ersuchens bilden, vorliegen. Nachfolgend muss deshalb 

geprüft werden, ob und inwieweit ein hinreichender Anfangsverdacht im 

vorliegenden Fall gegeben ist.  

4.1 Dem Amtshilfegesuch vom (…) ist zu entnehmen, dass die 
BaFin einen Verstoss gegen das Verbot der Marktmanipulation 

(« sonstige Täuschungshandlung ») im Sinne von § 20a Abs. 1 Satz 1 

Nr. 3 des Wertpapierhandelsgesetzes vom 26. Juli 1994 (WpHG) 

vermutet. Ihre Anhaltspunkte hierfür sind die telefonische Bewerbung 

der B.-Aktien, die dadurch erzeugten Kaufinteressen am Markt und die 

Vermutung, die Verdächtigen hätten ihre Aktien mit Gewinn verkaufen 

können. Ein solches, als sogenanntes Scalping zu qualifizierendes 

Verhalten (vgl. hierzu BVGE 2011/14 E. 5.3.2 m.w.H.) sei nach dem 

deutschen Kapitalmarktrecht untersagt. 

Die Beschwerdeführerin bringt nun im Rahmen ihrer Beschwerde vor, 

dass dem Amtshilfeersuchen der BaFin kein hinreichender Anfangs-

verdacht zugrunde liege. Sie ist der Auffassung, einen allfälligen An-

fangsverdacht entkräften zu können, und erachtet das Verhältnismässig-

keitsprinzip als verletzt. Sie qualifiziert das Amtshilfegesuch der BaFin 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

400 BVGE / ATAF / DTAF 

 

als unzulässige Beweisausforschung beziehungsweise fishing expedition 

und rügt, dass die Vorinstanz keinerlei Prüfung vorgenommen habe, die 

auf konkrete Marktverzerrungs-Indizien hinweisen würden.  

4.2 Unter Scalping versteht das deutsche Kapitalmarktrecht die 
öffentliche Empfehlung eines Finanzinstruments, über das der soge-

nannte Scalper zuvor eine eigene Position eingenommen hat (z.B. durch 

den Kauf von Wertpapieren), um anschliessend die zu seinen Gunsten 

eintretende Preisveränderung durch Glattstellung (z.B. durch den Verkauf 

der Wertpapiere) zu nutzen (vgl. BVGE 2011/14 E. 5.3.2 m.w.H.). 

4.3 Nach ständiger Rechtsprechung muss ein Amtshilfegesuch in 
Börsensachen einen hinreichenden Anfangsverdacht für das Vorliegen 

eines Verstosses gegen das Aufsichtsrecht erkennen lassen. An den An-

fangsverdacht sind jedoch im Rahmen eines Amtshilfeverfahrens keine 

allzu hohen Anforderungen zu stellen, da im Zeitpunkt des Ersuchens 

und der Übermittlung von nachgesuchten Informationen und Indizien in 

der Regel noch nicht feststeht beziehungsweise noch nicht feststehen 

kann, ob diese der ersuchenden Behörde dienlich sein werden. Es genügt 

vielmehr, wenn die Informationen zur Unterstützung des ausländischen 

Aufsichtsverfahrens grundsätzlich geeignet erscheinen und dies im 

Gesuch schlüssig und nachvollziehbar dargetan ist. Die ersuchende 

Aufsichtsbehörde muss insbesondere den Sachverhalt darstellen, welcher 

den Anfangsverdacht auslöst, die gesetzlichen Grundlagen der Unter-

suchung nennen sowie die benötigten Informationen und Unterlagen 

aufführen (vgl. BGE 126 II 409 E. 5a; 125 II 65 E. 6b). Es reicht dabei 

aus, wenn in diesem Stadium erst Indizien oder abstrakte Hinweise auf 

eine mögliche Verletzung börsenrechtlicher Vorschriften bestehen (vgl. 

Urteil des BGer 2A.154/2003 E. 4.1; BVGE 2010/26 E. 5.1; Urteil des 

BVGer B‒2980/2007 vom 26. Juli 2007 E. 5.1). Die ersuchten Informa-

tionen dürfen aber nicht ohne jeden Bezug zu den vermuteten Unregel-

mässigkeiten stehen und nicht offensichtlich ungeeignet sein, die Unter-

suchung weiter voranzubringen (vgl. Urteil des BGer 2A.603/2006 vom 

21. Dezember 2006 E. 2; BGE 129 II 484 E. 4.1 m.w.H.). Konkrete 

schriftliche Beweismittel sind darüber hinaus nicht erforderlich, insbe-

sondere dann nicht, wenn es sich bei den in Frage stehenden Umständen 

um öffentlich bekannte Tatsachen wie Kursverläufe und andere im 

Internet erhältliche Informationen handelt und keine konkreten Anhalts-

punkte vorliegen oder vorgebracht werden, dass die von der ersuchenden 

Behörde behaupteten Sachverhaltsmomente lediglich fingiert sind (vgl. 

Urteil des BVGer B‒3703/2009 E. 4.4). 

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 401 

 

Neben dem Erfordernis eines hinreichenden inhaltlichen Bezugs zu den 

ersuchten Informationen ist für die Annahme eines hinreichenden An-

fangsverdachts gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts 

und des Bundesverwaltungsgerichts zudem erforderlich, dass die auf aus-

ländischen Finanzmärkten getätigten Transaktionen in einem zeitlich 

nahen Zusammenhang zu einer fraglichen Marktentwicklung stehen 

(vgl. BGE 129 II 484 E. 4.2; BVGE 2011/14 E. 5.3.2 m.w.H.).  

5. Im vorliegenden Fall ist zunächst unbestritten und aktenkundig, 
dass die Beschwerdeführerin keine Transaktionen in oder mit B.-Aktien 

über die Kontonummer (…) der C. getätigt hat. Ebenso unbestritten sind 

indes die Geldüberweisung von (…) am (…) über das Konto der 

Beschwerdeführerin zugunsten von E. (nachfolgend: deutscher Handels-

teilnehmer). 

(…) 

5.1 Obwohl in Verfahren der internationalen Amtshilfe keine allzu 
hohen Anforderungen an den Anfangsverdacht zu stellen sind, darf dieser 

jedoch keine offensichtlichen Fehler, Lücken oder Widersprüche haben. 

Widersprechen sich die von der ausländischen Behörde dargelegten Ver-

dachtsmomente oder weisen sie insbesondere keinen hinreichenden in-

haltlichen Bezug oder zeitlichen Zusammenhang zu den nachgesuchten 

Informationen auf oder wirken sie konstruiert, liegt möglicherweise eine 

unerlaubte Beweisausforschung vor.  

Zunächst ist für die Annahme eines hinreichenden Anfangsverdachts zu 

prüfen, ob beziehungsweise inwiefern die Zahlung von (...) einen Bezug 

zu der vermuteten Marktmanipulation aufweist.  

(…)  

5.1.1‒5.1.2 (…) 

5.1.3 Unbestrittenermassen ist die Zahlung an den deutschen Handels-
teilnehmer über (…) am (…) von der Beschwerdeführerin über die C. 

erfolgt. Der Grund dieser Überweisung ist jedoch nicht ersichtlich. So 

scheint eine Verbindung zwischen der Beschwerdeführerin und dem 

deutschen Handelsteilnehmer lediglich durch diese einzelne Transaktion 

zu bestehen. Es fehlt damit aber ein Indiz oder abstrakter Hinweis auf 

einen inhaltlichen Bezug zwischen dieser Überweisung und den vermute-

ten Börsengeschäften des deutschen Handelsteilnehmers. 

Im vorliegenden Fall fehlt insbesondere auch ein hinreichender zeitlicher 

Zusammenhang zwischen der Transaktion von (...) und der möglichen 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

402 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Marktmanipulation. Obwohl die Vorinstanz die beträchtliche zeitliche 

Verzögerung von rund einem Jahr damit erklärt, dass die BaFin gerade 

die Zeitkomponente als taktische Ursache für die Vortat des Scalping 

vermute, kann ihr darin nicht unbesehen gefolgt werden. Denn zwischen 

der fraglichen Transaktion und den Börsengeschäften bestehen keinerlei 

Indizien für eine relevante Verbindung, noch gibt es andere Hinweise 

dafür, dass diese einmalige Zahlung bei der angeblichen Marktverzerrung 

rund ein Jahr später eine Rolle gespielt haben soll. Es ist überdies nicht 

Sache des Gerichts, dem konkreten Anlass oder Grund der Zahlung 

anstelle der BaFin nachzugehen. 

(…) 

Es bestehen im vorliegenden Amtshilfeersuchen deshalb offensichtliche 

Lücken dahin gehend, dass weder ein hinreichender zeitlicher Zusam-

menhang noch ein inhaltlicher Bezug zwischen den vermuteten Börsen-

geschäften und der einmaligen Zahlung von (...) vorhanden ist. 

(…)  

5.2 Schliesslich ist nachfolgend die Relevanz der Charts der Kurs- 
und Umsatzverzerrungen, welche von der ersuchenden Behörde bei-

gelegt wurden, im Hinblick auf einen hinreichenden Anfangsverdacht zu 

prüfen. 

5.2.1 Die im Amtshilfegesuch abgedruckten Kurs- und Umsatzcharts 
sollen gemäss BaFin mit Bezug auf die betroffenen B.-Aktien (ISIN X 

und ISIN Y) die Kurs- und Umsatzverzerrungen verdeutlichen, welche 

durch Werbemassnahmen hervorgerufen worden seien. Die BaFin 

vermutet zudem, die mutmasslichen Täter hätten mehr Zeit gebraucht, als 

ursprünglich geplant, um die Listingvoraussetzungen für (Börse) zu 

erfüllen. Nachdem die Aktie am (…) schliesslich im elektronischen 

Handelssegment gelistet gewesen sei, hätten unmittelbar danach die 

verdächtigen Geschäfte eingesetzt. Der verdächtige Kunde habe bewusst 

wirtschaftlich unsinnige Transaktionen in Kauf genommen. So habe er 

am (...) zu einem höheren Kurs gekauft, als er am (...) verkauft habe. 

Ebenso habe er am (...) teurer eingekauft als verkauft. Es sei ihm folglich 

alleine darauf angekommen, Umsätze und Preisfeststellungen zu gene-

rieren, um getäuschte Anleger auf die Aktie aufmerksam zu machen und 

deren Interesse an ihnen zu wecken. Die Finanzierung dieser Verluste 

habe der Verdächtige alleine mittels Geldeingangs von der C. tragen 

können.  

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 403 

 

Mit Bezug auf die beigefügten Charts sei überdies festzuhalten, dass 

keine konkreten schriftlichen Beweismittel erforderlich seien, insbeson-

dere dann nicht, wenn es sich bei den fraglichen Umständen um öffent-

lich bekannte Tatsachen wie Kursverläufe und andere auf dem Internet 

erhältliche Informationen handle und keine konkreten Anhaltspunkte 

vorlägen beziehungsweise vorgebracht würden, dass diese Sachverhalts-

momente fingiert sein könnten. Im vorliegenden Amtshilfegesuch sei 

durchaus nachvollziehbar dargestellt, dass es Werbemassnahmen gege-

ben habe und diese, wie zumindest im Chart der ISIN (Y) dargestellt, 

jeweils Kurs- und Umsatzverzerrungen ausgelöst hätten. 

5.2.2 Die Beschwerdeführerin stellt demgegenüber infrage, ob be-
ziehungsweise inwiefern die von der BaFin aufgelisteten Verkäufe über-

haupt einen Verstoss gegen Börsenregeln darstellen würden. Es seien 

jedenfalls keine auffälligen Kursentwicklungen nachvollziehbar erklärt 

worden, sondern stattdessen « irgendwelche Charts abgedruckt, ohne 

Hinweis auf die Quelle, ohne Legende und ohne Erklärung allfälliger 

Auffälligkeiten » (…). Auf Nachfrage der Vorinstanz habe die BaFin 

lediglich die folgende Tabelle der B.-Aktien (ISIN X) gemailt. 

(…) 

Im börsenrechtlichen Amtshilfeverkehr sei zwar die doppelte Strafbarkeit 

oder Regelwidrigkeit nicht eingehend zu prüfen. Gleichwohl müsse sie 

dem Grundsatz nach gegeben sein. 

5.2.3 Im vorliegenden Fall musste die Vorinstanz die Gesuchstellerin 
auffordern, ihr die Grafik, welche die relevanten Kurs- und Umsatz-

schwankungen zeigt, zu übermitteln, weil sie auf dem Internet selber 

keine Angaben über die B.-Aktien (ISIN X) gefunden hatte. Dennoch 

erklärte die Vorinstanz, bereits das Gesuch alleine habe einen hinreichen-

den Anfangsverdacht erblicken lassen. 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt dargestellt, der ihres Erachtens den 

Anfangsverdacht auslöste, wie auch die Gesetzesbestimmungen für die 

Untersuchung sowie die benötigten Informationen und Unterlagen 

genannt. Allerdings dürfen die ersuchten Informationen nicht ohne jeden 

Bezug zu den vermuteten Unregelmässigkeiten stehen (vgl. E. 4.3). Die 

Sachverhaltsdarstellung der BaFin enthält nun aber offensichtliche 

Lücken, und auch die Indizien für eine mögliche Marktverzerrung sind 

im vorliegenden Fall ungenügend, da insbesondere der zeitliche Zusam-

menhang und damit ein wesentlicher Bezug zu der fraglichen Transak-

tion fehlt. 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

404 BVGE / ATAF / DTAF 

 

5.3 Des Weiteren ist zu prüfen, ob beziehungsweise inwiefern die 
Beschwerdeführerin als « unbeteiligte Dritte » mit Bezug auf den 

Scalping-Verdacht zu qualifizieren ist, was zur Folge hätte, dass mangels 

eines ausreichenden inhaltlichen Bezugs zwischen der Transaktion (...) 

und den Börsengeschäften ein hinreichender Anfangsverdacht von 

vornherein fehlen würde.  

5.3.1‒5.3.2 (…) 

5.3.3 Gemäss Art. 38 Abs. 4 BEHG ist die Übermittlung von 
Informationen über unbeteiligte Dritte nicht zulässig. Informationen über 

Personen dürfen in einem Amtshilfeverfahren nicht übermittelt werden, 

falls diese offensichtlich nicht in die zu untersuchende Angelegenheit 

verwickelt sind.  

Die Vorinstanz muss zwar den Sachverhalt des Amtshilfegesuchs nur 

beschränkt prüfen. Sie ist aber gleichwohl verpflichtet, die folgenden 

Voraussetzungen für die allfällige Annahme der Rechtsposition eines 

unbeteiligten Dritten zu prüfen: Erstens muss das Börsengeschäft von 

Mitarbeitenden des Effektenhändlers, der Bank oder von einem externen 

Vermögensverwalter aufgrund eines Vermögensverwaltungsauftrags 

getätigt worden sein; zweitens darf der Bankkunde in keiner Weise am 

Entscheid, das in Frage stehende Börsengeschäft zu tätigen, teilgenom-

men haben; drittens dürfen keine Zweifel an der Darstellung des Kunden 

bestehen und keine anderen Verdachtsgründe vorhanden sein. Sind diese 

Voraussetzungen gegeben, so werden der unbeteiligte Dritte geschützt 

und seine Identität nicht an die ausländische Behörde übermittelt (vgl. 

Urteil des BVGer B‒1251/2014 vom 15. Mai 2014 E. 3.2; Bericht 

FINMA [August 2009], Die internationale Amtshilfe im Börsenbereich, 

in: Aktuelle Fragen der internationalen Amts- und Rechtshilfe, 2009, 

S. 299 ff., 327 f. m.w.H.; HANS-PETER SCHAAD, in: Basler Kommentar 

Börsengesetz/Finanzmarktaufsichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 38 BEHG 

N. 127). 

5.3.3.1 Vorliegend muss insbesondere darauf hingewiesen werden, dass 
die vermuteten Börsengeschäfte vom deutschen Handelsteilnehmer aus-

gingen. Die Geldüberweisung von (...) floss demgegenüber von der C. an 

den deutschen Handelsteilnehmer. Die Börsengeschäfte und die 

Geldüberweisung fallen deshalb in dem Sinne auseinander, als sie – unter 

anderem – von unterschiedlichen Personen ausgeführt wurden. Konkret 

handelt es sich beim deutschen Handelsteilnehmer um eine externe 

Person im oben genannten Sinne. Zwischen der Transaktion und den 

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 405 

 

Börsengeschäften ist somit kein ausreichender Zusammenhang ersicht-

lich. Gemäss den dem Gericht vorliegenden Akten bestehen überdies 

keine Indizien oder Anhaltspunkte, dass die Zahlung von (...) im 

Hinblick auf die vermuteten Geschäfte in B.-Aktien getätigt wurde. Ein 

Zahlungsvermerk, der beispielsweise darauf hinweisen könnte, fehlt. 

(…) 

5.3.3.2 Als weitere Verdachtsgründe nennt die BaFin einerseits die Ent-
lohnung und andererseits die Vermutung, dass der Verdächtige allein 

durch diese Geldtransaktion die angebliche Börsenmanipulation finan-

ziert habe.  

(…) 

Des Weiteren ist festzustellen, dass keine Rückflüsse vom deutschen 

Handelsteilnehmer an die Beschwerdeführerin ersichtlich sind, die eine 

Entlohnung rechtfertigen würden beziehungsweise könnten. An diesem 

Ergebnis vermag – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – auch nichts 

zu ändern, dass die Transaktion in der Höhe von (…) am (...) der 

Gesellschaft getätigt wurde. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend 

festgestellt hat, fehlt es diesbezüglich an greifbaren Vorbringen, welche 

die Annahme einer Entlohnung rechtfertigten. 

Ebenso wenig lässt sich – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – den 

vorliegenden Gerichtsakten entnehmen, dass der deutsche Handels-

teilnehmer die anfallenden Börsenverluste allein aus der Überweisung 

von (...) habe finanzieren können. Im Gegenteil ist aus den Gerichtsakten 

ersichtlich, dass genügend Vermögenswerte seitens des deutschen 

Handelsteilnehmers vorhanden waren und er folglich nicht auf diese 

Transaktion angewiesen war beziehungsweise angewiesen sein konnte. 

Vorliegend sind die vermuteten Börsengeschäfte nicht von der Beschwer-

deführerin, sondern vom deutschen Handelsteilnehmer getätigt worden. 

Zudem gibt es keine weiteren Verdachtsgründe, die darauf hinweisen, 

dass ein Bezug zwischen den Börsengeschäften und der einmaligen 

Zahlung von (...) besteht. Demnach können die Vorbringen der Be-

schwerdeführerin, sie als unbeteiligte Dritte anzusehen, nicht als unzu-

treffend zurückgewiesen werden. Somit enthält das Amtshilfeersuchen 

auch diesbezüglich offensichtliche Mängel und Lücken, weshalb die 

Leistung von Amtshilfe gemäss Art. 38 BEHG unzulässig ist.  

5.4 Selbst wenn der Anfangsverdacht aufgrund eines engeren zeit-
lichen Zusammenhangs und inhaltlichen Bezugs noch als hinreichend im 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

406 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Lichte der beschränkten Prüfpflicht der Vorinstanz und des völkerrecht-

lichen Vertrauensprinzips beurteilt würde, müssten die nachfolgenden Er-

wägungen über das Vorliegen offenkundiger Anzeichen von Scalping 

gleichwohl zur Verneinung eines hinreichenden Anfangsverdachts und 

damit zur Ablehnung des Amtshilfeersuchens führen. 

5.4.1‒5.4.2 (…) 

5.4.3 Den Ausführungen der Vorinstanz kann zwar insofern gefolgt 
werden, als eine nähere inhaltliche Überprüfung des Gesuchs durch die 

Behörden des ersuchten Staats den Rahmen eines Amtshilfeverfahrens 

sprengen würde. So braucht insbesondere nicht geprüft zu werden, ob die 

den Gegenstand des Ersuchens bildende Transaktion von (...) eine 

« Vortat der Vortat des Scalping » darstellt oder ob es sich in casu 

überhaupt um eine « Vortat des Scalping » handelt und ob dieser 

Tatbestand im deutschen Recht in diesem Sinne existiert. Eine solche 

Abklärung wäre materieller Natur und deshalb Bestandteil der weiteren 

Untersuchung der BaFin im Rahmen des Ausgangs- beziehungsweise 

Hauptverfahrens. Im vorliegenden Fall müssen vielmehr lediglich – aber 

immerhin – ein hinreichender inhaltlicher Bezug und zeitlicher Zusam-

menhang zwischen einer Transaktion und dem fraglichen Börsengeschäft 

erkennbar sein. 

Diesbezüglich ist im vorliegenden Fall jedoch festzustellen, dass die 

Zahlung von (...) als solche kein Indiz für ein angebliches Scalping 

darstellt und damit kein hinreichender Bezug zu dieser Transaktion und 

dem untersuchten aufsichtsrechtlichen Fehlverhalten schlüssig und 

nachvollziehbar aufgezeigt wurde. Es bestehen damit offensichtlich 

weitere Mängel und Lücken für die Annahme eines hinreichenden 

Anfangsverdachts. 

5.5 (…) 

5.6 Als Zwischenergebnis ist aufgrund der vorangehenden 
Erwägungen festzuhalten, dass das Vorbringen der Beschwerdeführerin, 

im Amtshilfegesuch sei kein hinreichender Anfangsverdacht vorhanden, 

sich insofern als begründet erweist, als zwischen der Zahlung von (...) 

und der vermuteten Börsenmanipulation weder ein hinreichender inhalt-

licher Bezug noch ein zeitlicher Zusammenhang ersichtlich sind. Es sind 

deshalb auch aus diesem Grund für die Annahme eines hinreichenden 

Anfangsverdachts offensichtliche Fehler und Lücken vorhanden, welche 

eine Ablehnung des Amtshilfeersuchens erfordern.  

Internationale Amtshilfe 2015/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 407 

 

6. Zum gleichen Ergebnis der Abweisung des Amtshilfeersuchens 
gelangt man schliesslich auch bei der Prüfung der Frage, ob der 

Grundsatz der Verhältnismässigkeit im vorliegenden Amtshilfeverfahren 

bei den durch die Leistung von Amtshilfe tangierten Grund- und 

Verfahrensrechten gewahrt ist. Als verfassungs- und auch völkerrechtlich 

gewährleistete Schutzbereiche, in welche durch Amtshilfemassnahmen 

eingegriffen wird, stehen vorliegend das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 

BV; Art. 6 und 13 EMRK; Art. 14 des Internationalen Pakts vom 

16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte [UNO-Pakt 

II, SR 0.103.2]), das Recht auf Achtung der finanziellen Privatsphäre 

unter Einschluss des Datenschutzes (Art. 13 BV; Art. 8 EMRK; Art. 17 

UNO-Pakt II) sowie das Recht auf Eigentum (Art. 26 BV) im 

Vordergrund. 

6.1‒6.2 (…) 

6.3 Der in allen Rechtsbereichen zu beachtende Grundsatz der 
Verhältnismässigkeit (vgl. BGE 125 II 65 E. 6a) gilt auch im 

vorliegenden Verfahren (Art. 38 Abs. 4 Satz 2 BEHG). In der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung zur internationalen Amts- und Rechtshilfe 

wird das Erfordernis der Verhältnismässigkeit unter anderem durch die 

Pflicht, nur sachbezogene, das heisst für die Abklärung des in Frage 

stehenden Verdachts potenziell relevante Informationen zu übermitteln, 

konkretisiert (sog. Grundsätze der potenziellen Erheblichkeit, der Sach-

bezogenheit und des Übermassverbots; vgl. BGE 126 II 126 E. 5 b/aa; 

HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 

2010, Rz. 592). 

Die internationale Amtshilfe kann – analog zur internationalen Rechts-

hilfe – immer dann verweigert werden, wenn die ersuchten Akten in 

keinem angemessenen Verhältnis zu der verfolgten Tat stehen und offen-

sichtlich nicht tauglich sind, die ausländische Untersuchung zu fördern, 

sodass das Ersuchen selbst als eine unbestimmte und demzufolge unver-

hältnismässige Beweisausforschung beziehungsweise fishing expedition 

erscheint (vgl. BVGE 2011/14 E. 5.2.2.1 m.w.H.; AMADÒ/MOLO, Das 

Verbot von « Fishing Expeditions » gemäss der Entscheidung des 

Bundesverwaltungsgerichts vom 5. März 2009 und den OECD-

Standards, AJP 2009 S. 540 f. m.w.H.). 

Die ersuchte Behörde hat zur Sicherstellung des Grundsatzes der 

Verhältnismässigkeit zumindest summarisch die Relevanz der Informa-

tionen zu prüfen, um zu beurteilen, ob sie potenziell sachbezogen sind 

2015/27 Internationale Amtshilfe 

 

 

408 BVGE / ATAF / DTAF 

 

(vgl. BVGE 2011/14 E. 3 und 5.2.1 m.w.H.; vgl. PHILIPPE JACQUEMOUD, 

Revision der internationalen Amtshilfe gemäss dem Gesetz über die 

Börsen und den Effektenhandel [BEHG], SZW 2005 S. 226 Rz. 2.2.2). 

6.4 (…) 

6.5 Hierzu ist festzustellen, dass in diesen Äusserungen in dem 
Sinne offensichtliche Widersprüche vorhanden sind, als die Vorinstanz 

zunächst eine Präzisierung des Amtshilfegesuchs verlangte, in der 

späteren Vernehmlassung aber erklärte, dass bereits das Gesuch alleine 

für einen hinreichenden Anfangsverdacht genügt hätte. Überdies 

begründete sie die erhebliche zeitliche Verzögerung im Vollzugs-

verfahren von rund zwei Jahren damit, dass die BaFin die Offenlegung 

des Gesuchs zunächst verweigert habe. 

Neben den offensichtlichen Fehlern und Lücken im Hinblick auf das 

Erfordernis eines hinreichenden Anfangsverdachts ist das Amtshilfe-

verfahren deshalb auch durch ein widersprüchliches Verhalten seitens der 

Vorinstanz gekennzeichnet. In einem Amtshilfeverfahren kann es aber 

nicht Sache des ersuchten Gerichts sein, den Gründen und Ursachen von 

Transaktionen nachzugehen und damit einen inhaltlichen Bezug und 

zeitlichen Zusammenhang zwischen einer Zahlung und einem fraglichen 

Börsengeschäft zu suchen beziehungsweise anstelle der BaFin ent-

sprechende Nachforschungen zu betreiben. Unter Würdigung der 

gesamten Umstände ist aus diesen Gründen festzustellen, dass das 

Amtshilfeersuchen die rechtlichen Anforderungen nicht rechtsgenüglich 

erfüllt und damit unzulässig ist.