# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7038ca6b-3d0e-559c-a102-19a1e16b0070
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-13
**Language:** de
**Title:** Rückweisung zur erneuten psychiatrischen Begutachtung bei ungenügendem Gutachten im Verwaltungsverfahren und mehrfachen stationären Aufenthalten.
**Docket/Reference:** IV.2019.00445
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00445.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00445
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
1
3.
Juli 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1969 geborene
X.___
verfügt über keine berufliche Ausbil
dung und reiste 1993 aus der Türkei in die Schweiz ein; sie ist Mutter von vier Kindern (1983, 1985, 1989, 1994;
Urk.
6/9 S. 1-5).
Die Versicherte war zuletzt ab Oktober 2006 bei der
Y.___
als Reinigerin angestellt (Urk. 6/22). Infolge
seit März 2008 bestehender gesundheitlicher Probleme (
Kör
pe
rschmerzen, Kopfweh,
Depression
; letzter effektiver Arbeitstag:
7.
März 2008,
Urk.
6/22 S. 1)
meldete
sie
sich am
1
0.
November 2009 bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/9
S.
7-9). Diese liess die Versicherte psychiatrisch abklären (psychiatrisches Gutachten vom 1
5.
August 2010,
Urk.
6/23) und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2011 ab (
Urk.
6/30).
1.2
Aufgrund einer Versch
lechterung der psychischen Beschwerden musste die Ver
sicherte in der Zeit vom 2
3.
September bis zum 1
4.
Oktober 2013 stationär behandelt werden (
Z.___
,
Urk.
6/39/10)
.
D
ie erneute Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte am 2
8.
Januar 2014 (
Urk.
6/34). Die IV-Stelle ver
anlasste die erneute psychiatrische Begutachtung der Versicherten
und
das ent
sprechende Gutachten erging am 3
1.
August 2014 (
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Urk.
6/45). Mit Verfügung vom 23.
Novem
ber 2015 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit ab 1.
September 2014 eine halbe Rente zu (
Urk.
6/59,
Urk.
6/63).
1.3
Mit Schreiben vom 1
2.
Januar 2016 regte die IV-Stelle eine Beratung zum beruf
lichen
Wiedereinstieg an (
Urk.
6/69).
Am 2
5.
Mai 2017
wurde eine zweite
Hospi
talisation
in
der
Z.___
nötig (bis 1
9.
Juni 2017,
Urk.
6/96).
In der Zeit vom 1
4.
bis 2
1.
Dezember 2017 weilte die Versicherte an der
B.___
zur stationären Behandlung (Urk. 6/130).
Die Ein
gliederungsbemühungen wurden mangels Eingliederungspotential
s
am 2
0.
Dezember 2017 eingestellt (Urk. 6/84).
Mit Schreiben vom
5.
Februar 201
8
informierte die Versicherte über die Ver
schlechterung ihres Gesundheitszustandes (
Urk.
6/86).
Die IV-Stelle veranlasste ein weiteres Mal die psychiatrische Begutachtung der Versicherten
.
D
as entspre
chende Gutachten von
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, erging am
4.
Oktober 2018 (
Urk.
6/113). Mit Vorbescheid vom 1
2.
Oktober 2018 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenerhöhungsge
suchs in Aussicht (
Urk.
6/116) und
am
1
7.
Mai 2019
verfügte sie entsprechend
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 1
8.
Juni 2019 Beschwerde und beantragte, es s
ei
die Sache zur erneuten psychiatrischen Begutachtung an die IV-Stelle zurückzuweisen; eventualiter sei der Beschwerdeführerin
ab Februar 2018 eine
eine
halbe Rente übersteigende Rente zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Verfahrensrechtlich sei die Möglichkeit zur Beschwerdeergänzung und Nachre
ichung von medizinischen Unterla
gen im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels zu gewähren, weiter sei im Beschwerdeverfahren eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung zu veranlas
sen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
August 2019 beantragte die Beschwerdegegne
rin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom 2
2.
August 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine
Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbring
en (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C.___
von einem unveränderten Gesund
heitszustand und einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen sei. Es bestehe damit weiterhin Anspruch auf die bisherigen Rentenleistungen (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass auf das Gutachten von
Dr.
C.___
nicht abgestellt werden könne. So verneine dieser eine dauerhaft
e
Verschlechterung aktenwidrig in erster Linie unter Hinweis auf die in den Jahren 2015 bis 2017 erzielten Einnahmen (
Urk.
1 S. 4 f.). Weiter fehle eine genügende Auseinandersetzung mit der ab 2016 beleg
ten gesundheitlichen Verschlechterung
,
als die Beschwerdeführerin habe hospi
talisiert werden müssen (S. 5).
Auch lege
Dr.
C.___
nicht nachvollziehbar dar, gestützt auf welche Befunde es nach den stationären Behandlungen zu einer Ver
besserung gekommen sei (S. 6); demgegenüber würden die neuen Befunde in der Verschlechterungsmeldung der
B.___
vom
6.
Februar 2018 ausführlich beschrie
ben. Der Hinweis auf die Ferientauglichkeit sei ebenfalls verfehlt, die Hoffnung auf eine Verbesserung in der Heimat h
abe sich nicht verwirklicht (S.
7).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bildet die Verfügung vom 2
3.
November 2015 (
Urk.
6/63), welche sich in medizinischer Hinsicht auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A.___
vom 3
1.
August 2014
sowie die ergän
zende Stellungnahme vom 2
2.
September 2014
stützte (
Urk.
6/45
, Urk. 6/47
).
Dr.
A.___
diagnostizierte dannzumal eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
chronischer depressiver Zustand mittleren Grades (ICD
-10 F33.11;
Urk.
6/45 S. 12). Ausgehend von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Zeit
punkt der Hospitalisation im September und Oktober 2013 habe seit diesem Zeit
punkt bis heute eine generelle Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % bestan
den (S. 15). Zum heutigen Zeitpunkt sei in irgendeiner ungelernten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen, wobei eine Steigerung aufgrund der
Chronifizierungstendenz
auch auf längere Sicht nicht möglich sei (
Urk.
6/47
S.
3).
3.
3.1
D
er
für den Austrittsbericht der
Z.___
vom 1
0.
Juli 2017 verant
wortliche
Facharzt und die Psychologin
(Hospitalisation vom 2
6.
Mai bis 1
9.
Juni 2017
,
Urk.
6/96
)
diagnostizierte
n
eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwere depressive
Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3) sowie einen Verdacht auf paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0).
Nach dem stationären Aufenthalt in ihrer Klinik im Jahr 2013 sei die Beschwer
deführerin ein weiteres Mal stationär in der
D.___
gewesen. Vor einem hal
ben Jahr habe sie einen Suizidversuch unternommen (
Urk.
6/96 S. 1
; vgl. auch
Urk.
6/145/2-3
). Das psychotische Erleben beinhalte erstrangige Symptome einer Schizophrenie, was wohl schon viele Jahre bestehe. Die Diagnose paranoide Schi
zophrenie, verkompliziert durch schwerwiegende Lebensabschnitte und depres
sive Verstimmungen
,
erscheine somit gegeben, sei aber durch den Verlauf noch zu bestätigen (S. 4).
3.2
Die für den Austrittsbericht der
B.___
vom 2
2.
Dezember 2017
verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten aus psychiatrischer Sicht anamnestisch eine
schizoaf
fektive
Störung, gegenwärtig depressiv (ICD-10 F25.1) sowie anamnestisch eine andauernde Persönlichkeit
s
änderung nach Extrembelastung/Trauma (PT
BS).
Der Eintritt sei auf Zuweisung erfolgt, bei depressiver Episode mit psychotischen Symptomen vor dem Hintergrund einer bekannten
schizoaffektiven
Störung (
Hospitalisation
vom 1
4.
bis 2
1.
Dezember 2017;
Urk.
6/130 S. 1).
Mit Schreiben vom
6.
Februar 2018 informierten die involvierten Fachärzte der
B.___
dahingehend, dass es der Beschwerdeführerin seit ca. einem ¾ Jahr deutlich schlechter gehe und von einer vollständigen Invalidität auszugehen sei. So habe sie im Rahmen des Klinikaufenthalts in
Z.___
im Mai 2017 erstmals explizit formuliert, dass sie Stimmen höre, die sie zum Suizid auffordern würden. Des Weiteren habe sie über
kommentierende und dialogisierende Stimmen berichtet; auch sei deutlich geworden, dass sie unter einem Vergiftungs- und Verfolgungs
wahn leide (
Urk.
6/85).
Auch im Verlaufsbericht vom
5.
März 2018 berichteten die Fachärzte der
B.___
über einen verschlechterten Gesundheitszustand bei vollständiger Arbeitsunfä
higkeit
ab
1.
Januar 2017
(
Urk.
6/91).
3.3
Dr.
C.___
diagnostizierte in seinem Gutachten vom
4.
Oktober 2018 mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F33.11;
Urk.
6/113 S. 14).
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit dem 2
2.
Septem
ber 2014 weder nachhaltig verschlechtert noch nachhalt
ig verbessert, was auch die erzielten Einkommen in den Jahren 2015, 2016 und 2017 bestätigen würden. Auch gegenwärtig könne von einer mittelschweren depressiven Symptomatik ausgegangen werden bei einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Eine
schizoaffektive
Störung oder eine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis könne nicht bestätigt werden. Auch eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrem
belastung könne ausgeschlossen werden
,
ebenso ein psychotisches Zustandsbild. Vielmeh
r leide die Beschwerdeführerin
an einer neurotischen Fehlentwicklung, welche das Ausmass von Pseudohalluzinationen angenommen habe. Die attes
tierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem
1.
Januar 2017 könne nicht bestätigt werden, was auch den erzielten Einkünften 2007 (richtig wohl: 2017) widerspr
e
che (S. 19).
3.4
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 1
1.
Februar 2019 führte
Dr.
C.___
aus, dass im Austrittsbericht der
B.___
vom 2
2.
Dezember 2017 keine definitive psychiatrische Diagnose gestellt worden sei; eine weitere diagnostische Abklä
rung habe dabei nicht stattgefunden. Auch die von den
Fachärzten der
B.___
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
könne nicht plausibilis
iert werden. Anlässlich der 7-tä
gigen Hospitalisation habe die Beschwerdeführerin keine psy
chotischen Symptome gezeigt, weshalb auch keine entsprechend
e Diagnose gestellt worden sei.
Hinsichtlich der Einkommen sei ihm tatsächlich ein Fehler unterlaufen, da die Beschwerdeführerin die im Guta
chten zitierten Einkommen in den
Jahren 2005, 2006 und 2007 erzielt habe und nicht in den Jahren 2015, 2016 und 201
7.
Er entschuldige sich für die Fehlinterpretation, die allerdings in keine
r
Art und Weise Einfluss auf seine diagnostische Beurteilung und sozialmedizinische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit habe (
Urk.
6/140).
4.
4.1
Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin zuletzt im Jahr 2007 uneingeschränkt einer erwerblichen Täti
gkeit nachgehen konnte (Urk.
6/41 S. 2)
.
Im Jahr 2015 erzielte sie in den Monaten März bis Mai ein geringes Einkommen. D
emgegenüber war sie in den Jahren 2016 und 2017
gar
nicht erwerbstätig (
Urk.
6/89). Auch wenn
Dr.
C.___
das entsprechende Verse
hen in seiner ergänzenden Stellungnahme zum Gutachten
einräumt
, vermag seine Argumentation, dass dies ohne Einfluss auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bleibe, nicht zu überzeugen. So wird die Erzielung der entsprechenden Einkom
men an mehreren Stellen des Gutachtens erwähnt
(
Urk.
6
/
113 S. 9, S. 10 oben
und S. 19) und stellte für die Begründung
, es lägen keine
produktiven psychoti
schen Symptome vor
(S. 10)
, und
einer weiterhin bestehenden 50%igen Arbeits
fähigkeit ein wesentliches Argument dar.
Unklar bleibt dabei, wie aus den erziel
ten (geringen) Einkommen auf eine 50%ige Arbeitsunfäh
igkeit geschlossen wer
den kann (vgl. S. 9).
Ungenau ist auch die ergänzende Stellungnahme vom 1
1.
Februar 2019, da die im Gutachten erwähnten Einkommen in den Jahren 2015 bis 2017 (
Urk.
6/113 S. 9) nicht den Einkommen der Jahre 2005 bis 2007
(
Urk.
6/41 S. 2)
entsprechen
, wie dies Dr.
C.___
nun geltend macht. Insgesamt lassen die Argumentation im Gutachten sowie die ergänzende Stellungnahme auf mangelhafte Aktenkenntnisse
und
mangelhafte
Sorgfalt
schliessen. Auf das Gut
achten vom 4.
Oktober 2018 kann schon allein deshalb nicht abgestellt werden.
Nicht zu überzeugen vermag weiter
auch die Argumentation, dass sich die akten
mässig dokumentierte Zunahme der akustischen Halluzinationen sowie
der
Ver
giftungs
- und Verfolgungswahnideen nicht mit einer lediglich einwöchigen sta
tionären Behandlung (an der
B.___
) erklär
en
lasse
(
Urk.
6/113 S. 15 unten). So ergibt sich aus den Akten, dass schon der Austritt aus
der
Z.___
im Sommer 2017 nicht auf ärztlichen Rat hin erfolgt
war
. Der Austritt sei durch Fernbleiben der Patientin in noch sehr vulnerablem Zustand mit psychotischen Symptomen erfolgt (
Urk.
6/96 S. 4). Ähnlich gestaltete sich die Beendigung der Behandlung an der
B.___
im Dezember 201
7.
So boten die Fachärzte der
B.___
der Beschwerdeführerin eine diagnostische Abklärung an, während sich diese dahin
gehend äusserte, dass sie den aktuellen Aufenthalt eher im Sinne einer Krisenin
tervention nutzen wolle (
Urk.
6/130 S. 3).
Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht zulässig, aufgrund der Dauer der erfolgten stationären Behandlungen eine allenfalls erfolgte Verschlechterung der Beschwerden per se zu verneinen. Dem
gegenüber führte
Dr.
C.___
aus, dass die antipsychotische Medikation mit 5 mg
Risperdal
täglich mit den von der
B.___
mit Schreiben vom
6.
Februar 2018 erwähnten Beschwerden übereinstimme (
Urk.
6/113 S. 10 oben). Dennoch befand es der Gutachter nicht für nötig, den fehlenden Austrittsbericht
der
B.___
einzu
holen und anderweitig Kontakt mit den behandelnden F
achärzten aufzunehmen, zumal es sich bei der
B.___
nach Ansicht von
Dr.
C.___
um eine hochkarätige Institution handelt (
Urk.
6/140 S. 1).
Soweit
Dr.
C.___
davon ausging, es lägen höchstens Pseudohalluzinationen vor, da die Versicherte die akustischen Wahrnehmung
en als realitätsfremd betrachte (
Urk.
6/113 S.
16)
,
ist festzuhalten, dass die Versicherte sich wiederholt
Halluzi
nationen oder Wahnideen
nur durch Veränderung der
äusseren Situation entzie
hen konnte.
So wurde im
Austrittsbericht der
Z.___
vom
10.
Juli 2017
festgehalten, die Versicherte
habe
sich
den Forderungen der Stimme ihres Vorgesetzten
, der sie aufforderte, die Scheiben im
Raucherecken der Klinik reini
gen zu müssen,
vorerst
entziehen können, was jedoch immer schwieriger gewor
den sei, da der V
orgesetzte nicht aufgehört habe
zu fordern. Dies habe die Versi
cherte
zum Austreten bewogen (
Urk.
6/96
S. 4).
Der freiwillige Eintritt in die
B.___
erfolgte nach den Angaben der Versicherten, da sie unter der Vorstellung gelitten habe, Lebensmittel könnten – möglicherweise durch ihren Ehemann - vergiftet sein. Die Symptomatik sei für sie nicht mehr tragbar gewesen, weswegen sie sich für den Klinikaufenthalt entschieden habe (
Urk.
6/130 S. 2).
In der Folge wurde die
Risperdaldosis
erhöht (
Urk.
6/130/4, 6/
113/6-7
).
Ob damit die Versicherte die Halluzinationen und Wahnideen durchgängig als realitätsfremd betrachten konnte, ist zumindest zweifelhaft.
Was sodann den
Hinweis betrifft, die «
Risperidon
dosis
»
liege gegenwärtig «labor
mässig» im weitgehend toxischen Bereich und müsse reduziert werden,
und die
auch
damit im
Zusammenhang stehende
psychomotorische Verlangsamung
sei
bei der
Bemessung der Arbeitsfähigkeit
nur teilweise zu berücksichtigen
(
Urk.
6/113 S. 16 f.), ist festzuhalten, dass eine Laboruntersuchung nicht akten
kundig und im Gutachten auch nicht erwähnt ist (
Urk.
6/113 S. 13 f.).
4.2
Zusammenfassend kann auf das Gutachten von
Dr.
C.___
vom
4.
Oktober 2018 nicht abgestellt werden. Hinsichtlich der Berichte der Fachärzte der
B.___
sowie der
Z.___
ist
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen
, dass
behan
delnde
Arztpersonen
beziehungsweise Therapiekräfte
aufgrund ihrer
auftrags
rechtliche
n
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Auch wenn die Fachärzte der
B.___
sowie der
Z.___
ein einheitliches Bild zeichnen, erscheint es für die verlässliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht dennoch
unerlässlich, eine erneute psych
iatrische Begutachtung zu veranlassen; dazu ist
die Sache
a
n die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Damit wird dem Hauptantrag der Beschwerdeführerin auf Rück
weisung zur
weiteren Abklärung entsprochen. Im vorliegenden Verfahren eine gerichtliche Verlaufsbegutachtung anzuordnen ist damit obsolet.
Vor einer erneuten Begutachtung wird die IV-Stelle bei den behandelnden Fach
ärzten Verlaufsberichte einzuholen haben, die insbeso
ndere auch Aufschluss dar
über
geben, welche
M
edikation im Verlauf erfolgt war
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten,
der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, wel
che in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berück
-
sichtigung
der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
1
7.
Mai 2019
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, über
das Gesuch um Erhöhung der Rente vom 8.
Februar 2018
neu
entscheide
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’000
.-- (
inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty