# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d141b8e-9873-5335-aa8b-f2e583268460
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-12-23
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung. Medizinischer Sachverhalt respektive 80%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit unstrittig, Statusfrage strittig. Auf Abklärungsbericht ist abzustellen und von einer 60%igen Erwerbstätigkeit ohne Aufgabenbereich auszugehen.
**Docket/Reference:** IV.2019.00337
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00337.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00337
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
2
3.
Dezember 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Ueli
Kieser
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1976 geborene
X.___
,
Systemadministrator
, meldete sich am 18. Januar 2013 unter Hinweis auf Schwindelattacken, Ausfälle des Gleichgewichtsorgans, Gleichgewichtsverlust, Sehstörungen, Stürze, Angstzustände, Schlafstörungen, Übelkeit, wechselnde Müdigkeit und Kopfschmerzen bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3)
. Die Sozialversicherungsanstalt
des Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und veranlasste insbesondere ein
e
polydisziplinäre (Allgemeine Innere Medizin, Neu
rologie,
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, Psychiatrie und Psychotherapie) Begutachtung bei der
Y.___
(Expertise vom 27. Januar 2014, Urk. 6/29/2-24
). Am 25. April 2014 informierte die IV-Stelle den Versi
cherten darüber, dass
die Dienstleistungen im Bereich berufliche Eingliederung
gleichentags
abgeschlossen seien, da es
aktuell
offen sei, ob er das Angebot zur Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt an
nehmen wolle (Urk. 6/34).
In der Folge ordnete die IV-Stelle ein psychiatrisches Verlaufsgutachten bei
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, an (Expertise vom 13. Juli 2018, Urk. 6/118/1-57). Am 29. August 2018 führte die IV-Stelle
beim
Versicherten eine Abklärung der be
einträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (Bericht vom
31. Au
gust 2018, Urk. 6/122). Mit Vorbescheid vom 16. November 2018 (Urk. 6/126) stellte die
IV-Stelle die
Zusprache
einer
Viertelsr
ente
(Invaliditätsgrad
:
48 %)
in Aussicht,
wogegen
der Versicherte am 10. Dezember 2018 Einwand (
Urk. 6/132) erhob
und eine Aktennotiz
seines Rechtsvertreters
vom 6. Dezember 2018 (Urk. 6/132/3-4) einreichte
.
Am 18. April 2019 sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten eine
Viertel
s
rente
ab 1. Juli 2013 zu (Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob der Versicherte am 10. Mai 2019 Beschwer
de (Urk. 1) und bean
tragte, die
Verfügung
vom 18. April 2019
sei insoweit aufzuheben, als ihm keine höhere als eine
Viertelsrente
zugesprochen werde
,
und es sei ihm ab 1. Juli 2013 eine ganze Rente zu gewähren (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2019 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Der Be
schwerdeführer hielt in der Replik vom 12. August 2019 (Urk. 8) an seinen An
trägen fest.
A
m 26. August 2019
verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf
das Einreichen
einer Duplik (Urk. 10), was dem Beschwerdeführer am 10. September 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung vom 18. April 2019 (Urk. 2)
damit, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Pro
grammierer zu 80 % seit 1. Februar 2011 eingeschränkt sei.
Anlässlich der Haus
halt
s
abklärung vom 29. August 2018 habe sich gezeigt, dass
er
im gesunden Zu
stand maximal eine Erwerbstätigkeit von 60 % ausüben
würde und die übrigen 40 % seine Freizeit wären. Somit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 48 %, was zu einer
Viertelsrente
führe (S. 3).
In der Beschwerdeantwort (Urk. 5) präzisierte die Beschwerdegegnerin, dass die Aussage der ersten Stunde relevant und deshalb
auf den Abklärungsbericht vom 31. August 2018 und nicht auf die Aktennotiz vom 6. Dezember 2018 abzustellen sei. Im Weiteren sei der Beschwerdeführer nie zu 100 % erwerbsfähig gewesen
und es gehe aus der Aktennotiz nicht nachvoll
ziehbar hervor, was für eine Tätigkeit er im Gesundheitsfalle ausüben würde. Er habe lediglich angegeben, dass er wahrscheinlich 160 %
[richtig: 180 %]
arbeiten würde, wobei er nicht dargelegt habe, wie er dieses Pensum konkret realisierten würde. Ein 60 %-Pensum
[richtig: 80
%
]
in einer selbständigen Erwerbstätigkeit
neben einer vollzeitlichen unselbständigen Erwerbstätigkeit sei nicht plausibel.
Schliesslich
habe er in der Befragung
angegeben,
er
könne
sich ein 60 %-Pensum ebenfalls vorstellen.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf die Aktenno
tiz vom 6. Dezember 2018
auf den Standpunkt (Urk. 1)
,
er wäre ohne gesundheit
liche Einbusse zu (mindestens) 100 % erwerbstätig, und zwar sowohl in einer unselbständigen wie auch selbständigen Tätigkeit. D
abei
resultiere unter Berück
sichtigung
d
er durch die Beschwerdegegnerin (zutreffend) festgelegten
Einbusse im erwerblichen Bereich von 80 %
eine ganze
Rente.
Die Annahme der Beschwer
degegnerin, der Beschwerdeführer wäre ohne gesundheitliche Einschränkung zu 60 % im Erwerbsbereich tätig gewesen, sei unzutreffend. A
ufgrund des Abklä
rungsberichts
sei
offensichtlich, dass
er
die Frage
nach der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle
nicht verstanden habe. Im Bericht sei
zudem
nicht festgehalten worden,
dass er neben der 60%igen Erwerbstätigkeit ein Hobby betreiben oder die Freizeit geniessen würde
, vielmehr habe er darauf hingewiesen, dass er die restlichen 40 % in private IT-Tätigkeiten und mehr Freizeit investieren würde, womit ausgedrückt werde, dass er nebst der unselbständigen auch eine selbstän
dige Tätigkeit ausgeführt hätte
(S. 4 f.)
.
In der Replik (Urk. 8) präzisierte der Be
schwerdeführer, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung bereits seit dem Jahre
2004 bestehe,
de
m Gutachten von Dr.
Z.___
keine Hinweise auf eine von ihm beabsichtigte Teilzeittätigkeit zu entnehmen sei und in seinem Lebens
alter eine Vollzeittätigkeit typisch sei (S. 2 Ziff. 4).
3.
Unbestritten blieb der medizinische Sachverhalt
und die seit 1. Februar 2011
(
vgl.
Urk. 6/124 S. 17)
bestehende 80%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (Urk.
2 S. 4, Urk. 1 S. 2 Ziff. 2
).
Die psychiatrische
Expertin
Dr.
Z.___
gin
g in ihrem Gutachten vom 13.
Juli 2018 (Urk. 6/118/1-57) von folgenden Diagnosen aus
(S. 41 ff.)
: Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) als Differen
zialdiagnose, Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0), Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und
Borderline
-Anteilen (ICD-10 F60.3, F60.8),
riskanter Gebrauch respektive Alkohola
bhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10
F10.8, F10.24)
als Differenz
ialdiagnose
und
Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.25).
Unter Hinweis auf
mittelschwere bis schwere
Einschränkungen
zahl
reicher Fähigkeiten (
Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Struktu
rierung von Aufgaben,
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit
, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Proaktivität und Spontanaktivitäten, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Fähigkeit zur Konversation und zum Kontakt mit Dritten, Gruppenfähigkeit, Fähigkeit zu engen dyadischen Be
ziehungen; S. 50 ff.) attestierte
sie
sowohl in der angestammten Tätig
keit als Sys
temadministrator als
auch in einer Verweistätigk
eit eine Arbeitsfähigkeit von 2 mal 1 Stunde
pro Tag
.
Als Voraussetzungen an einen geeigneten Arbeitsplatz
nannte sie
klare Aufgaben,
ein
en
klaren
Rahmen, regelmässige Zeiten,
eine
mög
lichst selbständige Tätigkeit, keine Entwicklungs- oder Projektarbeit, kein
en regelmässigen
Kundenkontakt, keine direkte Zusammenarbeit mit Kollegen
, Wertschätzung und klare Grenzsetzungen, wobei ein Einzelarbeitsplatz oder Homeoffice mit regelmässigen Besprechung
en am Arbeitsplatz günstig sei
. Dabei entspreche die Tätigkeit als Systemadministrator prinzipiell einer sehr gut ange
passten Tätigkeit (S. 53 f.). Darauf ist im Folgenden abzustellen.
Strittig ist demgegenüber die Qualifikation des Beschwerdeführers
als
Teilzeiter
werbstätige
r und somit die Frage, in welchem zeitliche
n
Umfang er im Gesund
heitsfalle erwerbstätig wäre (Urk. 1 S. 2 Ziff. 2, Urk. 8 S. 1 Ziff. 3).
Während
die Beschwerdegegnerin
von
eine
r
Erwerbstätigkeit von 60 % und einem Freizeitbe
rei
ch von 40 % ausging (Urk. 2 S. 4
), postulierte der Beschwerdeführer eine 100%ige Erwerbstätigkeit (Urk. 1 S. 6 Ziff. 6).
4.
4.1
4.1.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode
der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a
IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis
zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothe
tische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
Bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher
ten Person
ohne
Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
bemisst sich die Invalidität rechtsprechungsgemäss nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder einer Unterva
riante (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches Bemessungsver
fahren) davon. Dabei ist das
Valideneinkommen
nach Massgabe der ohne Ge
sundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen, wobei entschei
dend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Wäre sie gesund
heitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeitspen
sum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung ein
zustehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das
–
ärztlich festzulegende
–
Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtig
ung geleistete (BGE 131 V 51 E.
5.1.2; wi
e
dergegeben in BGE 142 V 290 E.
5).
In Präzisierung dieser Rechtsprechu
ng hat das Bundesgericht in BGE
142 V 290 entschieden, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im (al
lein versicherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypotheti
schen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist
(E. 7.3)
.
4.1.
2
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Ja
nuar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Be
stimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Be
teiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massge
bend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
4.1.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehens
abläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hin
weisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
4.2
4.2.1
Anlässlich der Haushalt
s
abklärung vom 29. August 2018 (Urk. 6/122) gab der Beschwerdeführer an, dass er ab Juni 2006 mit einem 60 %-Pensum als Program
mierer
beim
A.___
gearbeitet habe. Per Januar 2011 habe er die Anstellung gekündigt, einerseits wegen internen zwischenmenschli
chen Problemen
mit dem Vorgesetzten, andererseits aufgrund seiner gesundheit
lichen Problematik, welche sich währen
d
der Anstellung massiv verstärkten
,
wes
halb
es
zu einem Arbeitsleistungsab
fall gekommen sei. Vom Mai 2012 bis Ende Juli 2012 habe
er
nochmals mit einem 50 %-Pensum
beim
A.___
als Programmie
rer gearbeitet und im Anschluss ein Jahr lang von seinem Ersparten gelebt. Auf
grund seiner stetig verschlechternden gesundheitlichen Situation habe er sich nicht mehr in der Lage gefühlt, eine Arbeitsstelle zu suchen (S. 2). Danach habe er versucht
,
im privaten Bereich in de
r IT-Branche tätig zu werden, könne sich aufgrund der Lärmemissionen der
[Wohnungs-]
Nachbarn aber nicht konzentrie
ren. Wenn er seine Ruhe habe, könne er zirka 8 bis 10 Stunden pro Woche arbei
ten, wobei er keine Kraft habe, um eine selbständige Erwerbstätigkeit aufzubauen und er ohne Entgelt ausschliesslich für Freunde und Bekannte arbeite (S. 3).
Im Weiteren führte der Beschwerdeführer aus
(vgl. Ziffer 2.5: wie wäre die beruf
liche Situation ohne Gesundheitsschaden)
, dass seine Schwester vor 11 Jahren an einem Herzstillstand plötzlich verstorben sei. Er habe ihren Tod nur schwer ver
kraften können und es sei ihm seither
bewusst geworden
, wie schnell es gehen könne. Sein Ziel sei seither, das Leben zu geniessen und sich ausser der Erwerbs
tätigkeit auf sein Privatleben zu fokussieren. Mehr als einer ausserhäuslichen Er
werbstätigkeit
von 60 %
wäre er auch bei guter Gesundheit nicht nachgegangen. Die restlichen 40 % hätte er in private IT-Tätigkeiten und mehr Freizeit investiert (S. 3).
Unter dem Titel Festlegung der Qualifikation
nannte
die Abklärungsperson
60 % Erw
erbstätigkeit und 40 % Freizeit
und hielt als Begründung Folgendes fest:
In beruflicher Hinsicht sei die Anstellung des Beschwerdeführers
beim
A.___
relevant, wobei er vom 1. Juni 2006 bis 31. Januar 2011 mit einem Pensum von 60 % gearbeitet habe. Der Beschwerdeführer habe das Arbeitsverhältnis ei
nerseits auf
grund
von
vermehrt
auftretendem Schwindel
, Kopfwehattacken
und
Schwierig
keit
en beim Fokussieren am PC
und andererseits wegen
zwischenmenschlichen Konflikte
n
gekündigt. Seither sei er nicht mehr erwerbstätig gewesen. Gestützt auf die ärztlichen Unterlagen
werde
ihm
eine 80 bis 85%ige Arbeits
un
fähigkeit angestammt und angepasst attestiert.
Die Frage betreffend die Situation
im Ge
sundheitsfall sei
ihm
dreimal gestellt worden.
Er
habe die hypothetische Frage verstanden und mit N
achdruck
auch
auf Nachfragen hin
,
betont, dass er aktuell bei guter Gesundheit ein 60%iges Arbeitspensum leisten würde. Die restlichen 40 % würde er in die Freizeit, unter anderem auch in sein Hobby der IT-Branche
(= Freizeit)
investieren (S. 3).
Zusammenfassend hielt die Abklärungsperson fest, dass der Beschwerdeführer als 60
%
im Erwerb und 40 % Freizeit zu qualifizieren sei. Er habe vor Ort mehrmals betont, dass er auch bei guter Gesundheit nicht mehr als 60 % arbeiten würde, weil ihm mehr Freizeit zu haben, sehr wichtig sei
. Entsprechend bestehe kein Aufgabenbereich, weshalb keine Einschränkungen zu gewichten seien
(S. 4).
4.2.2
In der Aktennotiz
des Rechtsvertreters vom 6. Dezember
2018 (Urk. 6/132/3-4) bestätigte der Beschwerdeführer, dass er vor der aktuellen Befragung mit dem Anwalt nicht über den Anspruch auf die Invalidenrente gesprochen habe. Der Beschwerdeführer führte aus, dass er sich gar nicht vorstellen könne, wie seine Situation ohne gesundheitliche Einbusse wäre, da er schon seit 10 Jahren einge
schränkt sei. Wenn er die Frage aber beantworten müsse, dann würde er sagen, dass er so viel wie möglich arbeiten würde.
In der Tätigkeit, welche
er gelernt habe
,
würde er im Gesundheitsfalle
mindestens 180 %
arbeiten, wobei er sowohl selbständig
als auch
unselbständig tätig wäre. Auf die Frage des Rechtsvertreters, ob er sich im Gesundheitsfalle auch vorstellen könne, 60 % zu arbeiten und daneben Freizeit zu haben, hielt er fest, dass er sich 60 % ebenso vorstellen könne wie 100 %
. Wahrscheinlich
er sei aber 180 %, da er zu 100 % arbeiten
und darüber hinaus noch IT-Arbeiten erledigen würde. Er sei von der Beschwerdegegnerin gefragt worden, was er tun würde, wenn er gesund wäre, worauf er geantwortet habe, dass er sich dies überhaupt nicht vorstellen könne. In der Folge sei er explizit gefragt worden, was er früher gearbeitet habe, worauf er mit 60 % geantwortet habe.
4.3
4.3.1
Nach der Rechtsprechung stellt der durch die
Beschwerdegegnerin
eingeholte Bericht über die Abklärung vor Ort eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage zur Ermittlung des
Umfangs der Erwerbstätigkeit
von Versicherten dar. Für den Beweiswert eines entsprechenden Berichtes ist analog auf die Rechtspre
chung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 352 E. 3a und b, BGE 122 V 160 E. 1c) zurückzugreifen. Sind die entsprechenden Kriterien (vgl.
E. 4.1
.2
hievor
) erfüllt, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift
diesfalls
in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsre
sultate (zum Beispiel infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht.
4.3.2
Das Gespräch zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (vgl. E. 4.2.1
hievor
) fand am 29. August 2018 beim Beschwerdeführer statt. Die sozialen, beruflichen und finanziellen Verhältnisse waren der Abklä
rungsperson ebenso bekannt wie die bestehenden Diagnosen und die sich daraus ergebenden Einschränkungen. Die Angaben des Beschwerdeführers
wurden aus
reichend berücksichtigt und der Berichtstext erschei
nt
objektiv und ausgewogen und
ist
sorgfältig verfasst, plausibel und begründet. Er ist somit voll beweiskräftig (vgl. E. 4.1.2
hievor
) und es kann grundsätzlich darauf abgestellt werden.
4.3.3
Soweit der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Aktennotiz vom 6. Dezember 2018 (vgl. E. 4.2.2
hievor
) vorbringt, er würde im Gesundheitsfalle
so viel wie möglich respektive
zu 180 % arbeiten, ist Folgendes
festzuhalten: Der Beschwer
deführer hat
ab
Juni 2006
(
bis Januar 2011
)
mit einem Pensum von 60 % b
eim
A.___
gearbeitet
, das «für ihn gereicht habe»
(Urk.
6/10/2 und
6/18/9
-11). In der Zeit davor bezog er mehrheitlich Arbeitslosentschädigung
respektive
war nicht erwerbstätig
oder
arbeitete bei der
B.___
und der C
.___
, wobei aufgrund der tiefen Eink
ommen gemäss IK-Auszug
vom 30. Januar 2013
(Urk. 6/9
) davon auszugehen ist, dass er jeweils nicht
in
einem 100 %-Pensum arbeitete.
Entsprechend
ist überwiegend wahrscheinlich, dass
der Beschwerdeführer auch vor Eintritt der gesundheitlichen Einschränkung im Februar 2011 (vgl. E.
3
hievor
)
nie zu 100 % erwerbstätig gewesen
ist
, weshalb
sein Hinweis auf eine 180%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle
wenig plau
sibel
und eine praktische Umsetzung eines Arbeitspensums von 180 % - unab
hängig davon, ob es sich um eine selbständige und/oder unselbständige Tätigkeit handelt – mehr als fraglich
erscheint.
Des Weiteren
sind die Angaben des Be
schwerdeführers in der Aktennotiz widersprüchlich, hielt er doch fest, dass er sich sowohl eine 60, 100 wie auch 180%ige Erwerbstätigkeit vorstellen könne.
Ins Leere geht
sodann
der
Einwand
des Beschwerdeführers
,
wonach er bereits seit dem Jahre 2004 gesundheitlich beeinträchtigt sei und
sich
die in der IV-Anmeldung angegebenen
Arbeitspensen
(Urk. 6/
3 S. 4 Ziff. 5.4) auf eine Zeit
spanne bezogen, in welcher
er
bereits gesundheitlich
eingeschränkt
gewesen sei (Urk. 8 S. 2 Ziff. 4). Gemäss der Feststellung der Beschwerdegegnerin – welche seitens des Beschwerdeführers nicht bestritten wurde – besteht eine gesundheit
liche Einschränkung seit Februar 2011 (Urk. 2 S. 4) respektive gemäss den Anga
ben des Beschwerdeführers
vom
6. Dezember 2018
, wo er angab, dass er seit
10 Jahren gesundheitlich eingeschränkt sei
(
siehe auch
Urk.
6/118 S.
28, wo Sommer 2010 erwähnt wird)
.
Im Weiteren
kann aus der Bemerkung des Be
schwerdeführers gegenüber der psychiatrischen Gutachterin Dr. med.
Z.___
, man
habe
während der Zeit der IT-Blase
im IT-Bereich
auch ohne ETH-Abschluss
Fr. 10'000.-- verdienen könne
n
(Urk. 6/118/1-57
S. 23),
nicht
auf
eine
100%ige Erwerbstätigkeit
geschlossen werden
(Urk
. 8 S. 2 Ziff. 4). Diese Aussage wurde im Zusammenhang mit dem vom Beschwerdeführer
im Jahre 1997
begon
nenen ETH
-Studium
bzw. dessen Abbruch
gemacht und betraf somit nicht
die Frage nach
seiner
Qualifikation als
Vol
l- oder Teilzeiter
werbstätiger. Gleiches gilt für den Hinweis, wonach sich der Beschwerdeführer als 40-Jähriger in einem Le
bensalter befinde, in welchem eine Vollzeittätigkeit typisch sei (S. 2 Ziff. 4)
. Eine solche Vollzeittätigkeit erweist sich nicht
als
gerichtsnotorisch, woran insbeson
dere
auch nicht die Kritik
der ehemaligen Freundin
des Beschwerdeführers be
treffend Teilzeitarbeit etwas ändert
. Nicht zu überzeugen vermag schliesslich der Einwand, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Haushaltsabklärung die Frage nach dem Umfang der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle n
icht verstanden (Urk. 1 S. 5, Urk. 8 S. 3
). Bei der Befragung am 6. Dezember 2018 (vgl. E. 4.2.2
hievor
) wurde ebenfalls die Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit bei voller Gesundheit gestellt
(Frage 2)
, w
obei der Beschwerdeführer
weder angab, die Frage nicht zu verstehen
,
noch um entsprechende Klärung der Frage bat. Viel
mehr hielt er fest, dass er sich nicht vorstellen könne, wie seine Situation ohn
e gesundheitliche Einbusse wäre. Dies zeigt,
dass er den Kern
der Frage
v
erstanden hat
, zumal
gemäss seinen eigenen Angaben
die
Bedeutung der
Statusfrage vor der Be
fragung nicht
mit seinem Rechtsvertreter
thematisiert worden ist
(Urk. 1 S. 3 Ziff. 4).
4.4
Im Lichte der obigen Erwägungen kann
folglich
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auf die Annahme einer 60%igen Erwerbstätigkeit
ohne Aufgabenbereich
abgestellt werden.
Vor diesem Hintergrund erübrigen sich die beantragten Zeu
geneinvernahmen (
Urk.
1; antizipierte Beweiswürdigung, BGE 144 V 361 E. 6.5) und
der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invaliditätsgrad von 48 %
ist
nicht zu beanstanden, weshalb
sich die Verfügung vom 18. April 2019 (Urk. 2) als rechtens erweist und
die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Da es
im vorliegenden Verfahren
um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Ueli
Kieser
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais