# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 317152e3-d542-5afd-a9d7-9f7716e3bce6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 12.05.2022 IV 2021/104
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2021-104_2022-05-12.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/104

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 15.08.2022

Entscheiddatum: 12.05.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 12.05.2022
Art. 56 ff. ATSG. Auf eine sich nur formal, aber nicht inhaltlich gegen eine 
bestimmte Verfügung richtende Beschwerde kann nicht eingetreten werden 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Mai 
2022, IV 2021/104).

Entscheid vom 12. Mai 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2021/104

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Advokatin lic. iur. Andrea Mengis, c/o Procap Schweiz, 

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

IV-Leistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Januar 2017 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum 

kaufmännischen Angestellten bei einem Versicherungskonzern absolviert. Zuletzt habe 

er als kaufmännischer Angestellter einen Jahreslohn von 84’000 Franken erzielt. Der 

Psychiater Dr. med. B.___ berichtete im Februar 2017 (IV-act. 11), der Versicherte leide 

seit dem 16. Lebensjahr an einer Agoraphobie mit einer Panikstörung. Der 

Schweregrad habe über die Jahre stetig zugenommen. Grundsätzlich bestünden keine 

kognitiven Einschränkungen. Der Versicherte sei aber für den Wiedereinstieg auf eine 

möglichst „stressfreie“ Arbeitssituation und auf eine gewisse zeitliche Flexibilität 

angewiesen. Das Pensum sollte zunächst auf drei bis vier Stunden pro Tag angesetzt 

werden. Die Prognose sei vorsichtig optimistisch, obwohl das Leiden chronifiziert sei. 

Im April 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine Frühinterventionsmassnahme 

in der Form eines „Job Coaching“ zu (IV-act. 28 und 31). Der 

Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte im September 2017 (IV-act. 38), 

gemäss den Zwischenberichten des „Job Coach“ erweise sich die Wiedereingliederung 

des Versicherten auf dem ersten Arbeitsmarkt als schwieriger denn erwartet. Bevor die 

nächsten Schritte getan würden, sollte die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nochmals 

beurteilt werden. Im Oktober 2017 konnte der Versicherte dann allerdings einen 

Arbeitsversuch beginnen, der zunächst erfolgreich verlief (vgl. IV-act. 42). Die IV-Stelle 

sprach ihm mit einer Verfügung vom 20. November 2017 ein Taggeld für die Dauer des 

Arbeitsversuches zu (IV-act. 53). Die Arbeitgeberin forderte im Februar 2018 eine 

Steigerung der Präsenz sowie eine erhöhte Flexibilität des Versicherten bezüglich der 

Arbeitszeiten als Voraussetzungen für eine Festanstellung (vgl. IV-act. 62 f.). Der 

Versicherte konnte sein Pensum in der Folge zwar steigern, aber nicht jene Leistung 

A.a. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

erbringen, die die Arbeitgeberin für eine Festanstellung forderte (vgl. IV-act. 64). Nach 

dem Ende des Arbeitsversuchs am 30. April 2018 konnte der Versicherte allerdings 

einen weiteren Arbeitsversuch für ein Tochterunternehmen beginnen (vgl. IV-act. 68). 

Im Mai 2018 erkrankte der Versicherte am „Pfeiffer’schen Drüsenfieber“, weshalb er für 

längere Zeit arbeitsunfähig war (vgl. IV-act. 73 und 95–7). Da er in der Folge weiterhin 

nur unregelmässig zur Arbeit erschien und stark schwankende Leistungen erbrachte, 

brach die Arbeitgeberin den Arbeitsversuch per Ende August 2018 ab; der „Job 

Coach“ hielt gegenüber dem Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle fest, 

massgebend sei wohl nicht die Angst- und Panikstörung, sondern vielmehr eine 

emotionale Problematik respektive ein „Peter Pan-Syndrom“ (vgl. IV-act. 78). Mit einer 

Mitteilung vom 30. August 2018 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um 

berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 82).

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Neuropsychologe C.___ am 20. Juni 2019 

ein neuropsychologisches Gutachten (IV-act. 111). Er hielt fest, die Untersuchung habe 

insgesamt vier Stunden gedauert. Das Verhalten des Versicherten sei unauffällig 

gewesen. Die Symptomvalidierungstests hätten keine Hinweise auf eine negative 

Antwortverzerrung geliefert, weshalb die Testergebnisse als valide zu qualifizieren 

seien. In den Tests habe der Versicherte keine Beeinträchtigungen der Belastbarkeit, 

des Gedächtnisses, der Lernfähigkeit und der allgemeinen Intelligenz gezeigt. 

Gesamthaft sei das kognitive Leistungsprofil damit unauffällig und durchschnittlich 

gewesen, weshalb aus neuropsychologischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Am 27. Juli 2019 erstattete der Psychiater PD 

Dr. med. D.___ im Auftrag der IV-Stelle ein fachärztliches Gutachten unter 

Berücksichtigung der Ergebnisse der neuropsychologischen Testung durch den 

Sachverständigen C.___ (IV-act. 115). Er führte aus, der Versicherte habe angegeben, 

dass er in einem geringen Pensum im Bereich der medizinischen Massage arbeiten 

könne und dass er nun gerne die zweijährige Ausbildung zum medizinischen Masseur 

absolvieren würde. Er könne sich vorstellen, in diesem Beruf eine konstante Leistung 

zu erbringen, ohne durch die Panikattacken oder die Angststörung beeinträchtigt zu 

sein. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, der objektive klinische Befund sei 

vollständig unauffällig gewesen. Die testpsychologischen Ergebnisse, die anhand 

verschiedener Selbstbeurteilungsfragebögen gewonnen worden seien, seien ebenfalls 

A.b. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unauffällig gewesen. Diagnostisch leide der Versicherte an einer gegenwärtig 

weitgehend remittierten Agoraphobie mit einer Panikstörung. Im Vordergrund stünden 

sozialphobische Ängste bezogen auf Gruppensituationen und Situationen mit einer 

ausgeprägten sozialen Interaktion. Darüber hinaus bestehe ein schädlicher Gebrauch 

von Benzodiazepinen, möglicherweise auch noch ein Abhängigkeitssyndrom. Der vom 

Versicherten ins Auge gefasste Ausweg aus der gegenwärtigen problematischen 

angstbesetzten Situation in der Form eines Wechsels der Tätigkeit erscheine als so 

vielversprechend, dass dieser beruflichen Weiterentwicklung Priorität einzuräumen sei. 

Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im kaufmännischen und Bürobereich oder im 

Aussendienst einer Versicherung könne nur noch zu 20–30 Prozent ausgeübt werden. 

Eine adaptierte Tätigkeit sei zunächst zu 50 Prozent zumutbar. Falls sich die Annahmen 

des psychiatrischen Sachverständigen bestätigten, sollte rasch eine uneingeschränkte 

Arbeitsfähigkeit erreicht werden können. Am 5. November 2019 notierte Dr. med. E.___ 

vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 117), das Gutachten werfe 

diverse Fragen inhaltlicher und formaler Art auf. Es enthalte keine konkreten 

Schilderungen der Einschränkungen durch die Ängste im Arbeitskontext. Der 

Sachverständige habe keine Stellung zur Persönlichkeit des Versicherten genommen. 

Die Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte Tätigkeit sei nicht hinreichend 

nachvollziehbar begründet worden. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung für eine adaptierte 

Tätigkeit sei prognostisch abgegeben worden. Das in Auftrag gegebene 

Drogenscreening sei nicht durchgeführt worden. Der Sachverständige habe den 

Medikamentenspiegel nicht bestimmt. Diverse Diskrepanzen (u.a. regelmässige 

Teilnahme an Eishockey-Matches) seien nicht diskutiert worden.

Am 2. Oktober 2020 beauftragte die IV-Stelle den Psychiater Dr. med. F.___ mit 

einer fachärztlichen Begutachtung des Versicherten (IV-act. 141). Der Sachverständige 

erstattete das Gutachten am 15. Dezember 2020 (IV-act. 144). Er hielt fest, der 

objektive klinische Befund sei völlig unauffällig gewesen. Der Versicherte sei überzeugt, 

dass er an einer Agoraphobie leide, habe jedoch auf spezifische Rückfragen hin keine 

entsprechenden Symptome angeben können. Die Laboranalyse habe die Einnahme 

von Paroxetin und Alprazolam belegt und die Einnahme von Benzodiazepinen gezeigt. 

Diagnostisch lägen zwei spezifische isolierte Phobien im Zusammenhang mit der 

Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und mit der Ausübung einer kontrollierenden 

A.c. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

Bürotätigkeit mit entsprechender Leistungsförderung und Kontrolle sowie eine 

psychische und Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen bei einem ständigen 

Substanzgebrauch vor. Die Kriterien für die Diagnose einer Agoraphobie seien nicht 

erfüllt, denn der Versicherte könne bei grösseren Eishockeyspielen mit Freude zusehen, 

Flughäfen aufsuchen, in ferne Länder fliegen und alleine Auto fahren. Da die 

Angststörung bezüglich der Tätigkeit im kaufmännischen Bereich auf ganz spezifische 

Situationen begrenzt sei, könne sie nicht als eine Agoraphobie oder als eine soziale 

Phobie interpretiert werden. Die isolierten Phobien wiesen einen erheblichen 

Schweregrad mit einem jahrelangen konstanten Vermeidungsverhalten auf. Die 

Suchterkrankung sei nicht schwer ausgeprägt; es handle sich um eine sekundäre 

Erkrankung. Sie bewirke keine kognitiven Beeinträchtigungen. Trotzdem sei ein 

Benzodiazepinentzug dringend indiziert. Für die angestammte Tätigkeit sei eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Eine adaptierte Tätigkeit sei dem 

Versicherten dagegen uneingeschränkt zumutbar. Die RAD-Ärztin Dr. med. G.___ 

qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 150).

Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle verglich den zuletzt erzielten Lohn mit dem 

statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne (Kompetenzniveau 2) und ermittelte so 

einen Invaliditätsgrad von 17,2 Prozent (IV-act. 151). Mit einem Vorbescheid vom 25. 

Februar 2021 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Abweisung des 

Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-

act. 153). Dagegen wandte der Versicherte am 9. April 2021 ein (IV-act. 156), er sei 

nicht primär an einer Rente, sondern an beruflichen Eingliederungsmassnahmen 

interessiert. Das Gutachten von Dr. F.___ belege, dass er seinen erlernten Beruf nicht 

mehr ausüben könne. Der Sachverständige Dr. F.___ habe festgehalten, dass der 

Versicherte einfache, niederschwellige Hilfstätigkeiten ausüben könne. Vor diesem 

Hintergrund sei unverständlich, weshalb die IV-Stelle vom Kompetenzniveau 2 

ausgegangen sei. Mit einer Verfügung vom 22. April 2021 wies die IV-Stelle das 

Rentenbegehren ab (IV-act. 158).

A.d. 

Am 21. Mai 2021 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend: der 

Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. April 2021 erheben 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Ver­

fügung, die Gewährung von beruflichen Massnahmen in der Form einer Berufsberatung 

und einer Umschulung sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle 

(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zu weiteren Abklärungen. Zur Begründung 

führte sie aus, der Sachverständige Dr. F.___ habe eine widersprüchliche 

Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, denn einerseits habe er für leidensadaptierte 

Tätigkeiten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert, andererseits habe er aber 

festgehalten, dass der Beschwerdeführer in der „selbst gewünschten angepassten 

Tätigkeit“ nur zu 80–100 Prozent, also nur zu 90 Prozent, arbeitsfähig sei. Für die 

Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens müsse auf den 

statistischen Zentralwert im Kompetenzniveau 1 abgestellt werden. Zudem sei ein 

„Leidensabzug“ zu berücksichtigen. Die Erwerbseinbusse betrage damit mehr als 20 

Prozent, weshalb ein Anspruch auf eine Umschulung bestehe.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Juli 2021 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, der Anspruch auf berufliche 

Massnahmen habe nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung gebildet. Der 

Beschwerdeführer habe nach dem Erlass der Mitteilung vom 30. August 2018, mit der 

sein Begehren um berufliche Massnahmen abgewiesen worden sei, nie eine 

anfechtbare Verfügung verlangt. Die Abweisung des Begehrens um berufliche 

Massnahmen sei deshalb verbindlich geworden. Bezüglich des Rentenanspruchs 

erweise sich die Berechnung in der angefochtenen Verfügung als rechtmässig, weshalb 

die Beschwerde abzuweisen sei.

B.b. 

Am 13. Juli 2021 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege 

bewilligt (act. G 7).

B.c. 

Der Beschwerdeführer liess am 9. August 2021 geltend machen (act. G 9), er 

bestreite „im Grundsatz“ nicht, dass sein Begehren um berufliche Massnahmen am 30. 

August 2021 abgewiesen worden sei. Mit seiner Eingabe vom 9. April 2021 gegen den 

Vorbescheid vom 25. Februar 2021 habe er aber ausdrücklich erneut eine 

Kostengutsprache für eine Berufsberatung und eine Umschulung beantragt. Die 

Beschwerdegegnerin habe bis dato nicht über dieses Begehren entschieden, womit sie 

das Verfahren in einer unangemessenen und pflichtwidrigen Weise verzögert habe.

B.d. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.

Der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens beschränkt sich auf die Überprüfung der 

angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem 

des vorangegangenen, mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossenen 

Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Der Beschwerdeführer hat im Januar 2017 

sowohl berufliche Eingliederungsmassnahmen als auch eine Rente beantragt, letzteres 

gemäss seinen eigenen Angaben allerdings nur eventualiter. Nachdem eine konkrete 

Reintegrationsmassnahme gescheitert war, hat die Beschwerdegegnerin das Verfahren 

betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen am 30. August 2018 per sofort 

abgebrochen, indem sie einen weiteren Anspruch des Beschwerdeführers auf 

berufliche Massnahmen verweigert hat. Ihren Entscheid hat sie zwar nur in der Form 

einer Mitteilung im Sinne des Art. 51 ATSG und des Art. 58 IVG in Verbindung mit dem 

Art. 74  IVV eröffnet, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt gewesen sind, 

weshalb eine Verfügung hätte ergehen müssen, aber dem Beschwerdeführer ist 

Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. September 2021 auf eine Duplik (act. 

G 11).

B.e. 

Am 16. September 2021 liess der Beschwerdeführer ein Schreiben der 

Beschwerdegegnerin vom 12. August 2021 einreichen (act. G 12 und G 12.1), in dem 

diese geltend gemacht hatte, sie habe in der Verfügung vom 22. April 2021 Stellung 

zum neuen Begehren um Berufsberatung und Umschulung genommen. Der 

Beschwerdeführer folgerte daraus, dass der Anspruch auf berufliche Massnahmen 

entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin in deren Beschwerdeantwort vom 

8. Juli 2021 und entgegen einer kürzlich erfolgten „Relativierung“ des Schreibens vom 

12. August 2021 eben doch zum Gegenstand des Beschwerdeverfahrens gehöre.

B.f. 

Die Beschwerdegegnerin nahm am 8. Oktober 2021 Stellung zu dieser Eingabe 

(act. G 14). Sie hielt fest, die Sachbearbeiterin, die das Schreiben vom 12. August 2021 

verfasst habe, sei einem Irrtum unterlegen, denn sie habe fälschlicherweise ange­

nommen, die Ausführungen zur Invalidenkarriere bezögen sich auf die umschulungs­

spezifische und nicht (nur) auf die rentenspezifische Invalidität. Die 

Beschwerdegegnerin habe der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers die Situation 

am 8. September 2021 telefonisch erklärt und die Sache richtiggestellt.

B.g. 

ter

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

jedenfalls klar gewesen, dass die Beschwerdegegnerin damit sein Begehren um 

berufliche Eingliederungsmassnahmen abgewiesen hat, wie er in seiner Replik selbst 

eingeräumt hat. Ob, wie und innert welchem Zeitraum der Beschwerdegegner gegen 

diese Mitteilung hätte vorgehen müssen, ist für dieses Beschwerdeverfahren irrelevant, 

denn entscheidend ist, dass die Beschwerdegegnerin den Gegenstand des 

Verwaltungsverfahrens ab dem 30. August 2018 auf die Prüfung eines 

Rentenanspruchs des Beschwerdeführers eingeschränkt hat. Das geht beispielsweise 

aus der internen Notiz vom 30. August 2018 hervor: „Da bereits viele Massnahmen im 

Rahmen der BM durchgeführt wurden, sind keine weiteren BM angezeigt und der Fall 

wird zur Einleitung der weiteren Abklärungen zur Bestimmung der AF an die 

Rentenabteilung weitergeleitet“ (IV-act. 81). Mit der angefochtenen Verfügung vom 22. 

April 2021 hat die Beschwerdegegnerin schliesslich das sich lediglich noch auf den 

Rentenanspruch beschränkende Verwaltungsverfahren abgeschlossen. Den 

Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens könnte folglich ausschliesslich die Frage 

nach einem Rentenanspruch des Beschwerdeführers bilden. Mit seiner „Beschwerde“ 

vom 21. Mai 2021 hat der Beschwerdeführer aber nur die Gewährung beruflicher 

Eingliederungsmassnahmen beantragt. Ein Anspruch auf berufliche Massnahmen hat 

jedoch nicht zum Gegenstand der Verfügung vom 22. April 2021 gehört. Die Auslegung 

der Verfügung vom 22. April 2021 und der Beschwerdeschrift vom 21. Mai 2021 zeigt 

also, dass sich die „Beschwerde“ zwar formal gegen die Verfügung vom 22. April 2021 

gerichtet, inhaltlich aber auf einen ausserhalb der Verfügung vom 22. April 2021 

respektive des mit dieser Verfügung abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens bezogen 

hat. Der Beschwerdeführer hat dies in seiner Replik selbst eingeräumt, denn er hat 

geltend gemacht, seine Eingabe vom 9. April 2021 gegen den Vorbescheid vom 25. 

Februar 2021 habe eigentlich keine Einwände gegen jenen Vorbescheid enthalten, 

sondern sei als ein neues Leistungsbegehren zu verstehen, weshalb auch die inhaltlich 

jener Eingabe entsprechende Beschwerdeschrift nichts anderes als ein Beharren auf 

dem neuen Leistungsbegehren gewesen sein kann. Da der Beschwerdeführer in der 

Replik geltend gemacht hat, die Beschwerdegegnerin habe eine Rechtsverzögerung 

begangen, indem sie sich bislang nicht mit dem neuen Leistungsbegehren befasst 

habe, ist zu prüfen, ob die sich vermeintlich gegen die Verfügung vom 22. April 2021 

richtende Beschwerde eine Rechtsverzögerungsbeschwerde im Sinne des Art. 56 Abs. 

2 ATSG gewesen ist. Das ist nicht der Fall gewesen, da die seit langen Jahren im 

Sozialversicherungsrecht tätige Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers die 

Beschwerde weder als eine Rechtsverzögerungsbeschwerde bezeichnet noch einen 

entsprechenden Beschwerdeantrag gestellt hat. Das Schreiben der 

Beschwerdegegnerin an den Beschwerdeführer vom 12. August 2021 ist für dieses 

Beschwerdeverfahren irrelevant, weil für die Beantwortung der Eintretensfrage nur der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Inhalt der Verfügung vom 22. April 2021 massgebend ist und weil die 

Beschwerdegegnerin den Inhalt jener Verfügung nicht nachträglich hat verändern 

können. Auch der vom Beschwerdeführer erwähnte Grundsatz „Eingliederung vor 

Rente“ ändert nichts am Gegenstand der Verfügung vom 22. April 2021, denn bei 

einem Invaliditätsgrad, der – wie unten dargelegt wird – selbst ohne eine berufliche 

Eingliederung weniger als 40 Prozent beträgt, kann keine Schadenminderungspflicht im 

Sinne des Grundsatzes „Eingliederung vor Rente“ (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 

4. Aufl. 2020, Vorbemerkungen N 86 ff., mit Hinweisen) zur Diskussion stehen. Obwohl 

die Eingabe vom 21. Mai 2021 keinen Hinweis darauf enthält, dass sie sich gegen die 

Abweisung des Rentenbegehrens richten würde, ist sie als eine Beschwerde gegen die 

Verfügung vom 22. April 2021 zu behandeln, auf die einzutreten ist. Soweit sie sich auf 

berufliche Massnahmen bezieht, kann allerdings mangels eines Bezugs zum 

Streitgegenstand nicht darauf eingetreten werden.

2.

Der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung setzt gemäss dem Art. 28 Abs. 

1 lit. c IVG einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent voraus. Für die 

Bemessung der Invalidität wird nach Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer 

ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem 

Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre. 

Der Beschwerdeführer hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert und dann als 

Kaufmann gearbeitet. Er hat dabei zuletzt ein Erwerbseinkommen von 85’351 Franken 

erzielt. Gemäss dem in jeder Hinsicht überzeugenden Gutachten von Dr. F.___ vom 15. 

Dezember 2020 leidet er nur an zwei spezifischen isolierten Phobien im 

Zusammenhang mit der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und mit der 

Ausübung einer kontrollierenden Bürotätigkeit mit entsprechender Leistungsförderung 

und Kontrolle, was bedeutet, dass er zwar die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als 

Aussendienstmitarbeiter eines Versicherungskonzerns nicht mehr, jede 

leidensangepasste Tätigkeit im kaufmännischen Bereich aber weiterhin 

uneingeschränkt ausüben kann. Als kaufmännischer Angestellter mit der seinem 

Jahrgang entsprechenden Berufserfahrung könnte der Beschwerdeführer einen Lohn 

von mindestens 12 × 6’769 ÷ 40 × 41,7 = 84’680 Franken erzielen (LSE 2016, T17, 

Berufsgruppe 41, Alter 30–49). Der Invaliditätsgrad beträgt folglich lediglich 0,79 

Prozent. Damit erweist sich die Abweisung des Rentenbegehrens als rechtmässig.

3.  

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzu­

setzenden Gerichtskosten wären an sich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu­

erlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ist er von der 

Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, befreit. Da ihm auch die unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat seiner Rechtsvertreterin eine 

Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes 

abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der Vertretungsaufwand im Zusammenhang mit den 

beruflichen Eingliederungsmassnahmen ist nicht erforderlich gewesen, weil er sich auf 

einen ausserhalb des Streitgegenstandes liegenden Gegenstand bezogen hat. 

Bezüglich der Rentenfrage ist nur ein unterdurchschnittlicher Aufwand betrieben 

worden, weshalb die Entschädigung auf 80 Prozent von 2’000 Franken, also auf 1’600 

Franken, festgesetzt wird. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst 

gestatten, wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur 

Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).

Entscheid

1. Auf die Beschwerde betreffend berufliche Massnahmen wird nicht eingetreten.

2. Die Beschwerde betreffend Rente wird abgewiesen.

3. Der Beschwerdeführer ist von der Pflicht, die Gerichtskosten von 600 Franken zu 

bezahlen, befreit.

4. Der Staat hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers mit 1’600 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 12.05.2022
	Art. 56 ff. ATSG. Auf eine sich nur formal, aber nicht inhaltlich gegen eine bestimmte Verfügung richtende Beschwerde kann nicht eingetreten werden (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Mai 2022, IV 2021/104).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T01:46:18+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen