# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f26eb34a-969a-5311-b1bc-1c8f2b65e71b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.07.2020 D-4936/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4936-2019_2020-07-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4936/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, 

Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch lic. iur. Ariane Burkhardt, 

(…)  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 23. August 2019 / N (…). 

 

 

 

D-4936/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin reiste am 3. Juni 2016 in die Schweiz ein und 

suchte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

B._______ um Asyl nach. Am 23. Juni 2016 wurde sie dort zu ihrer Identi-

tät, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen befragt. Das SEM 

hörte sie sodann am 27. Februar 2018 ein erstes Mal ausführlich zu ihren 

Asylgründen an.  

A.b Dabei brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie 

stamme aus C._______ und gehöre dem Clan der Ashraf an. Im Jahr 2006 

habe sie zum ersten Mal geheiratet. Sie habe vier Kinder aus erster Ehe. 

Ab dem Jahr 2013 habe sie auf dem Markt einen Stand mit Esswaren und 

Tee betrieben. Ihr Marktstand sei ein Treffpunkt für Beamte und Ausländer, 

darunter auch Angehörige der African Union Mission in Somalia (AMISON), 

gewesen. Nachdem sie diese Arbeit aufgenommen habe, sei sie mehrfach 

von Al Shabab, insbesondere einem ihrer Anführer namens M., behelligt 

worden. Sie sei wegen ihrer Arbeitstätigkeit beschimpft, und ihr sei vorge-

worfen worden, durch Geschäfte mit Ungläubigen schmutziges Geld zu 

verdienen. Ausserdem habe M. versucht, sie als Selbstmordattentäterin 

respektive Bombenlegerin zu rekrutieren. Als sie von einem geplanten At-

tentat im Mai 2014 in der Nähe von D._______ erfahren habe, habe sie der 

Polizei Meldung erstattet, worauf die Bombe rechtzeitig entschärft worden 

sei. Daraufhin habe sie einen wütenden Drohanruf von Al Shabab erhalten. 

Sie und ihr Mann, welcher für die Behörden gearbeitet habe, seien als Un-

gläubige beschimpft worden. Ihrem Sohn E._______ sei in der Folge eine 

Brandwunde an der Hand zugefügt worden. Die Polizei habe ihnen nicht 

helfen können. Am 27. Mai 2014 sei ihr Mann von Al Shabab verschleppt 

und mutmasslich umgebracht worden. Sie selbst habe weiterhin täglich An-

rufe von Al Shabab erhalten. Zudem sei sie einmal von der Ehefrau von M. 

mit einer Waffe bedroht und aufgefordert worden, M. zu heiraten und für Al 

Shabab zu kämpfen. Ihre Probleme mit Al Shabab habe sie den Behörden 

nicht gemeldet, weil sie und ihre Angehörigen sonst umgebracht worden 

wären. Ende Februar/Anfang März 2015 sei sie nach F._______ gezogen. 

Sie habe jedoch weiterhin telefonische Drohungen von Al Shabab erhalten 

und sei zur Zusammenarbeit aufgefordert worden. Auch ihre Mutter sei be-

droht worden, zudem habe Al Shabab die Beschneidung ihrer Töchter be-

fohlen. Sodann habe die Frau von M. ihrer Mutter eine an sie (die Be-

schwerdeführerin) adressierte Vorladung eines Shabab-Gerichts in 

D-4936/2019 

Seite 3 

G._______ überbracht. Sie sei beschuldigt worden, mit Ungläubigen zu-

sammenzuarbeiten. Da sie nicht zum Gerichtstermin erschienen sei, sei 

sie in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden. Sie habe sich in der Folge 

entschlossen, aus Somalia auszureisen. Sie habe Kontakt mit H._______ 

aufgenommen, welcher seit vielen Jahren in der Schweiz lebe, und diesen 

im Juni 2015 (religiös) geheiratet. H._______ sei eigens zur Hochzeit nach 

F._______ gekommen und Ende Juli 2015 wieder in die Schweiz zurück-

gekehrt. Am 10. Januar 2016 sei sie aus Somalia ausgereist. Nach der 

Ausreise habe sie von ihrer Mutter erfahren, dass Al Shabab immer noch 

anrufe und nach ihr (der Beschwerdeführerin) frage. Dies habe erst aufge-

hört, als ihre Mutter vorgegeben habe, sie sei auf der Reise nach Europa 

im Meer ertrunken. Von ihrem zweiten Ehemann H._______ sei sie inzwi-

schen nach einem Streit wieder geschieden.  

A.c Mit Eingaben vom 13. Juni 2018 und 5. Juli 2018 teilte die Rechtsver-

treterin dem SEM mit, die Beschwerdeführerin habe ihr gegenüber geltend 

gemacht, dass sie aufgrund des gemischtgeschlechtlichen Teams bei der 

Anhörung vom 27. Februar 2018 nicht alles habe sagen können. Das SEM 

führte daher am 10. Oktober 2018 eine zweite Anhörung in einem reinen 

Frauenteam durch.  

Dabei brachte die Beschwerdeführerin vor, sie habe im Januar 2014 ein 

Auto mit Fahrer gemietet, um zum Einkaufen von C._______ nach 

F._______ zu gelangen. Unterwegs seien sie von bewaffneten Strassen-

räubern angehalten worden. Die Räuber hätten sie mehrfach vaginal und 

anal vergewaltigt und sie dabei im Intimbereich mit einem Messer schwer 

verletzt. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt habe sie sich bei ei-

ner in G._______ wohnhaften Freundin erholt und sei danach nach 

C._______ zurückgekehrt. Al Shabab habe dann im Jahr 2015 irgendwie 

von diesem Vorfall erfahren. Deswegen habe sie Mitte Januar 2015 eine 

Vorladung des Gerichts in G._______ erhalten. Das Gericht habe befun-

den, sie müsse gesteinigt werden, da sie ihren Mann betrogen habe. Eben-

falls im Januar 2015 habe sie einen Anruf eines Shabab-Anführers erhal-

ten. Er habe sie beschuldigt, mit fremden Männern zu schlafen, ihr gedroht 

und gesagt, sie müsse vor Gericht erscheinen. Sie habe daraufhin jede 

Nacht an einem anderen Ort übernachtet. Am 28. Februar 2015 sei sie 

nach G._______ gezogen. Danach habe ihre Mutter einen weiteren Brief 

erhalten, worin gestanden habe, sie (die Beschwerdeführerin) müsse so-

fort zurückkommen. Die Beschwerdeführerin erwähnte zudem, dass sie 

beschnitten sei und auch ihre Töchter beschnitten worden seien.  

D-4936/2019 

Seite 4 

A.d Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-

fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: eine Kopie des B-Ausweises 

von H._______, ein Foto der Handverletzung ihres Sohnes E._______, 

eine Bestätigung von (…) vom 7. September 2018 sowie ein Schreiben von 

(…) vom 17. September 2018.  

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 23. August 2019 fest, die Asylvorbrin-

gen der Beschwerdeführerin seien teils unglaubhaft, teils nicht asylrele-

vant. Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asyl-

gesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Infolge Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete das SEM jedoch die vorläu-

fige Aufnahme der Beschwerdeführerin an.  

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 24. September 

2019 beantragte die Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfügung sei 

bezüglich der Dispositivziffern 1–3 aufzuheben, und es sei die Flüchtlings-

eigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Sache 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer 

Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um unent-

geltliche Verbeiständung – unter Beiordnung der Rechtsvertreterin als amt-

liche Rechtsbeiständin.  

Der Beschwerde lagen eine Vollmacht vom 23. September 2019 sowie die 

angefochtene Verfügung (beide in Kopie) bei. 

D.  

Mit Eingabe vom 25. September 2019 wurde eine Fürsorgebestätigung 

vom 24. September 2019 nachgereicht.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2019 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) gut und verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung wurde 

ebenfalls gutgeheissen und der Beschwerdeführerin wurde ihre Rechtsver-

treterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Zudem wurde das SEM 

eingeladen, innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. 

D-4936/2019 

Seite 5 

F.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 17. Oktober 2018 vollum-

fänglich an seiner Verfügung fest.  

G.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 6. November 2019 

und bestätigte die in der Beschwerde gestellten Anträgen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für 

die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

D-4936/2019 

Seite 6 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Asylpunkt im 

Wesentlichen aus, die Aussagen der Beschwerdeführerin würden mehrere 

Ungereimtheiten enthalten und seien zudem teilweise unsubstanziiert und 

unplausibel. Sie habe bei der Befragung zur Person (BzP) andere Gründe 

für die Verfolgung durch die Shabab geltend gemacht als in den Anhörun-

gen. Auf Vorhalt der Ungereimtheiten sei es ihr nicht gelungen, diese auf-

zulösen. Mehrere Sachverhaltselemente habe sie in der BzP nicht erwähnt 

(Vereitelung eines Anschlagversuchs; Versuch, sie zur Heirat mit einem 

Shabab-Anführer zu zwingen; Verurteilung durch ein Shabab-Gericht). Auf 

entsprechenden Vorhalt habe sie eingewendet, sie habe keine Möglichkeit 

gehabt, diese Dinge in der BzP anzusprechen. Dies überzeuge jedoch 

nicht. Ferner habe sie in den beiden Anhörungen im Zusammenhang mit 

der geltend gemachten Gerichtsvorladung – und verurteilung unterschied-

liche Angaben bezüglich Zustellung, Inhalt und Begründung der Vorladung 

gemacht. Aus ihren auf Vorhalt gemachten Erklärungen ergebe sich kein 

nachvollziehbares Bild der Ereignisse, zumal die geltend gemachte Verfol-

gung durch die Shabab auch nicht plausibel sei. Insgesamt sei aus diesen 

Gründen nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin von der Shabab-

Miliz verfolgt und zum Tode verurteilt worden sei und auch heute noch eine 

gezielte Verfolgung zu befürchten hätte. An dieser Einschätzung würden 

D-4936/2019 

Seite 7 

die eingereichten Beweismittel nichts ändern. Des Weiteren sei festzustel-

len, dass die geltend gemachte Genitalbeschneidung in keinem Zusam-

menhang zur Ausreise stehe und deswegen auch keine zukünftige Verfol-

gung zu befürchten sei. Dieses Vorbringen sei daher nicht asylrelevant. Die 

Flüchtlingseigenschaft sei nach dem Gesagten zu verneinen und das Asyl-

gesuch abzulehnen. 

4.2 In der Beschwerde werden zunächst der Sachverhalt und die Prozess-

geschichte wiederholt. Dabei wird angefügt, Al Shabab habe die Bevölke-

rung am Herkunftsort der Beschwerdeführerin über die Vergewaltigung in-

formiert. Ihr Stamm habe sie daraufhin verstossen, da sie dessen Ansehen 

beschmutzt habe. Ihr Onkel habe ihr mitgeteilt, es wäre besser gewesen, 

wenn sie bei diesem Überfall gestorben wäre. Ihre Kinder und ihre Mutter 

seien beschimpft und erniedrigt worden. Sodann wird auf die Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts zum Thema frauenspezifische Ver-

folgung in Somalia, namentlich BVGE 2014/27 sowie das Urteil  

D-2743/2016 vom 2. Juli 2018 verwiesen und geltend gemacht, es liege im 

vorliegenden Fall eine asylbeachtliche geschlechtsspezifische Verfolgung 

vor. Die von der Beschwerdeführerin erlittene Vergewaltigung sei glaubhaft 

und vom SEM nicht angezweifelt worden. Auch die familiären Verhältnisse 

der Beschwerdeführerin (Tode des Vaters, fehlende [erwachsene] männli-

che Familienmitglieder, Tod des ersten Ehemannes, Clanzugehörigkeit) 

seien unbestritten. Die Beschwerdeführerin gehöre einem Minderheitsclan 

(Ashraf) an. Ohnehin müssten vergewaltigte Frauen damit rechnen, von 

ihrem Clan verstossen zu werden (Verweis auf die Schnellrecherche der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] vom 28. August 2017 zu Somalia: 

Situation von vergewaltigten Frauen). Dies sei vorliegend geschehen. Es 

bestünden somit mehrere frauenspezifische Risikofaktoren: Die Beschwer-

deführerin sei Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt geworden und 

danach sozial ausgegrenzt worden. Für weitere potentielle Täter gelte sie 

nun als «Freiwild». Dazu komme, dass sie als alleinstehende, verwitwete 

Frau ohne erwachsene männliche Familienmitglieder keinen Schutz durch 

die Kernfamilie geniesse und von ihrem Clan – welcher ohnehin nur ein 

Minderheitsclan sei – verstossen worden sei. Es bestehe daher eine kon-

krete Gefahr, dass sie erneut Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt 

würde. Hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten 

Verfolgung durch Al Shabab wird sodann vorgebracht, die Vorinstanz habe 

keine objektive Gesamtwürdigung aller für und gegen die Glaubhaftigkeit 

sprechenden Elemente vorgenommen. Ausserdem habe das SEM in Ver-

letzung der ihm obliegenden Prüfungspflicht die vorhandenen Indizien für 

D-4936/2019 

Seite 8 

eine bestehende Traumatisierung (Verweis auf die Anmerkungen der Hilfs-

werkvertretung zu den Anhörungen) nicht berücksichtigt und es unterlas-

sen, ein psychiatrisches Gutachten anzuordnen oder die Beschwerdefüh-

rerin zumindest aufzufordern, einen Arztbericht einzureichen. Bezüglich 

der angeblichen Widersprüche sei vorab darauf hinzuweisen, dass die Be-

schwerdeführerin nur eine geringe Schulbildung aufweise und ihr der Ab-

lauf des Asylverfahrens fremd gewesen sei. Es sei das erste Mal gewesen, 

dass sie mit jemandem über ihre traumatischen Erlebnisse gesprochen 

habe. Anlässlich der BzP sei sie mehrfach aufgefordert worden, sich kurz 

zu halten. Zudem sei der Sachverhalt komplex. Es lägen ausserdem An-

zeichen für eine bestehende Traumatisierung vor. All dies vermöge zu er-

klären, weshalb die Beschwerdeführerin ihre Asylgründe in der BzP nur 

bruchstückhaft vorgetragen habe. Beim vermeintlichen Widerspruch be-

treffend die Sprengung des Verkaufsstandes handle es sich mutmasslich 

lediglich um eine ungenaue Übersetzung oder ein Missverständnis. Es sei 

sodann nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin die Schreiben des 

Shabab-Gerichts in G._______ weder in der BzP noch in der ersten Befra-

gung erwähnt habe, da diese nicht in einem gleichgeschlechtlichen Team 

stattgefunden hätten, die erwähnten Schreiben jedoch in direktem Zusam-

menhang mit der bekannt gewordenen Vergewaltigung stünden. Dies er-

kläre, weshalb in Bezug auf die erhaltenen Briefe Unklarheiten entstanden 

seien. Ferner seien die Schilderungen der Beschwerdeführerin bezüglich 

die Verfolgung durch Al Shabab entgegen der Auffassung der Vorinstanz 

ausführlich und authentisch ausgefallen und enthielten zahlreiche Real-

kennzeichen. Das spezielle Interesse von Al Shabab sei plausibel gemacht 

worden. Die Verfolgungsvorbringen seien als glaubhaft zu erachten. Die 

Beschwerdeführerin habe aufgrund der Drohungen durch Al Shabab unter 

unerträglichem psychischen Druck gelitten und ernsthafte Nachteile erlit-

ten. Sie sei zum Tode verurteilt worden. Bei einer Rückkehr nach Somalia 

müsse sie um ihr Leben fürchten. Sie sei daher als Flüchtling anzuerken-

nen, und es sei ihr Asyl zu gewähren. Hinsichtlich des Eventualantrags auf 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wird sodann vorgebracht, das 

SEM habe sich nicht zur geschlechtsspezifischen Verfolgung (Vergewalti-

gung), welche die Beschwerdeführerin erlitten habe, geäussert und damit 

den Sachverhalt nicht korrekt gewürdigt. Infolge dieser Verletzung des Ge-

hörsanspruchs sei die vorinstanzliche Verfügung zu kassieren.  

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, die geltend gemachte 

Vorverfolgung durch Al Shabab sei ungeachtet der Vorbringen in der Be-

schwerde nach wie vor als unglaubhaft zu erachten. Die Beschwerdefüh-

rerin habe erst auf Beschwerdeebene konkrete Probleme mit ihrem 

D-4936/2019 

Seite 9 

Clan/Stamm geltend gemacht. Dem SEM gegenüber habe sie weder die 

Aussage des Onkels, wonach es besser gewesen wäre, wenn sie beim 

Überfall gestorben wäre, noch die Verstossung durch den Clan erwähnt. 

Die Beschwerdeführerin verunmögliche durch ihre unglaubhaften Aussa-

gen betreffend die Vorverfolgung eine abschliessende Beurteilung ihres 

Gefährdungsprofils respektive könne nicht davon ausgegangen werden, 

dass sie ein Gefährdungsprofil im Sinne von BVGE 2014/27 aufweise. Ihr 

Fall sei nicht mit den in der Beschwerde zitierten Einzelfällen zu verglei-

chen. 

4.4 In der Replik wird entgegnet, die Beschwerdeführerin habe in der er-

gänzenden Anhörung glaubhaft die gesellschaftlichen Folgen einer Verge-

waltigung nach deren Bekanntwerden angesprochen und gesagt, dies 

gelte als Schande (Verweis auf A30 F56). Nach dem Bekanntwerden ihrer 

Vergewaltigung sei sie von Al Shabab bedroht und damit verfolgt worden 

(Drohanrufe; Vorladung vor das Gericht in Dinsor). Nach ihrer Flucht nach 

F._______ sei sie weiterhin telefonisch bedroht worden, zudem sei ihrer 

Mutter ein weiterer Brief der Shabab ausgehändigt worden. Die Mutter sei 

bedroht worden, und es sei die Rückkehr der Beschwerdeführerin gefor-

dert worden. Vor diesem Hintergrund sei nachvollziehbar, dass die Be-

schwerdeführerin in der ergänzenden Anhörung primär auf die Verfolgung 

seitens von Al Shabab eingegangen sei, welche auch der unmittelbare 

Auslöser für ihre Flucht gewesen sei. Nach der in der ergänzenden Anhö-

rung gestellten Frage, inwieweit «dieser Gewaltakt» das Leben der Be-

schwerdeführerin verändert habe (vgl. A30 F56), seien dazu seitens des 

SEM keine weiteren Fragen mehr gestellt worden. Wie in der Beschwerde 

erwähnt worden sei, gelte eine Vergewaltigung als Schande und habe Stig-

matisierung und Ausgrenzung zur Folge. Es sei naheliegend, dass die Be-

schwerdeführerin durch ihren Clan verstossen worden sei, auch wenn sie 

dazu von sich aus keine detaillierten Angaben gemacht habe. Das SEM 

wäre verpflichtet gewesen, den diesbezüglichen Sachverhalt in der ergän-

zenden Anhörung mittels konkreter Fragen hinreichend abzuklären. Entge-

gen dessen Auffassung weise die Beschwerdeführerin ein Gefährdungs-

profil im Sinne von BVGE 2014/17 (recte: BVGE 2014/27) auf. 

5.  

Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe den rechtserheblichen 

Sachverhalt ungenügend geprüft und gewürdigt und damit ihren Anspruch 

auf rechtliches Gehör verletzt (vgl. Ziff. II.3 der Beschwerdebegründung).  

D-4936/2019 

Seite 10 

5.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs wird von der Bundesverfassung 

garantiert (Art. 29 Abs. 2 BV) und in den Art. 26–35 VwVG konkretisiert. Er 

umfasst verschiedene Verfahrensgarantien, namentlich das Recht, mit den 

eigenen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten 

und zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen 

zu können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sach-

aufklärung und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-

kungsrecht der Parteien dar. Der Gehörsanspruch beinhaltet die Pflicht der 

Behörden, die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Be-

troffenen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu 

berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grundsätzliche 

Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Vorbringen des Rechtssu-

chenden zu befassen und Entscheide zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG; 

vgl. zum Ganzen: BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). 

5.2 Die Beschwerdeführerin machte geltend, das SEM habe sich nicht zur 

geschlechtsspezifischen Verfolgung (Vergewaltigung), welche sie erlitten 

habe, geäussert und damit den Sachverhalt nicht korrekt gewürdigt.  

5.2.1 In BVGE 2014/27 hat das Bundesverwaltungsgericht nach eingehen-

der Analyse festgestellt, dass für alleinstehende Frauen und Mädchen in 

Somalia, welche nicht unter dem Schutz eines männlichen Familienmit-

glieds stehen, ein hohes Risiko bestehe, Opfer gezielter geschlechtsspezi-

fischer Verfolgung zu werden, dies insbesondere dann, wenn sie einem 

Minderheitenclan angehören oder intern vertrieben sind. Die konsultierten 

Berichte zur Situation von Mädchen und Frauen in Somalia zeichneten ein 

erschreckendes Bild von Missbrauch und Gewalt, welche gleichermassen 

von Angehörigen der Al-Shabaab-Miliz wie auch von Soldaten der Regie-

rungstruppen, von Lagervorstehern in IDP-Lagern, ja sogar von Soldaten 

der internationalen Schutztruppen ausgehen würden. Die somalischen Be-

hörden könnten diese Frauen nicht schützen, und ein gewisser Schutz 

könne einzig von den Clan-Strukturen oder von der eigenen Kernfamilie 

ausgehen, was Frauen aus Minderheitenclans und Alleinstehende ohne 

männliche Familienangehörige besonders verletzlich mache (vgl. BVGE 

2014/2 E. 5.2 - 5.4). 

5.3 Im vorliegenden Fall bestehen ungeachtet der Frage der Glaubhaf-

tigkeit der geltend gemachten Verfolgung durch Al Shabab deutliche Hin-

weise darauf, dass die Beschwerdeführerin mehrere der vorstehend ge-

nannten Risikofaktoren erfüllt und damit als «besonders verletzlich» im 

D-4936/2019 

Seite 11 

Sinne von BVGE 2014/27 zu erachten ist. Es ist dabei vorab darauf hinzu-

weisen, dass namentlich der in BVGE 2014/27 genannte Risikofaktor der 

internen Vertreibung – welcher aufgrund der Aktenlage im vorliegenden 

Fall wohl zu verneinen wäre – nicht kumulativ zu den anderen Risikofakto-

ren erfüllt sein muss, damit die besondere Verletzlichkeit bejaht werden 

kann (vgl. dazu bereits die Regeste Ziff. 1 von BVGE 2014/27).  

5.3.1 Den Angaben der Beschwerdeführerin zufolge sind sowohl ihr Vater 

als auch ihr erster Ehemann (der Vater ihrer Kinder) verstorben. Sie hat 

keine Brüder, und sie erwähnt auch keine anderweitigen, ihr nahestehen-

den (erwachsenen) männlichen Verwandten. Der in der Beschwerde zi-

tierte Onkel (vgl. Beschwerde S. 4) scheint ihr nicht wohlgesinnt zu sein. 

Von ihrem zweiten, in der Schweiz wohnhaften Mann (religiös angetraut) 

hat sich die Beschwerdeführerin wieder getrennt. Somit bestehen Hinweise 

darauf, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine alleinstehende 

Frau handelt, welche über keine (erwachsenen) männlichen Familienan-

gehörigen verfügt, die sie bei Bedarf schützen könnten.  

5.3.2 Die Beschwerdeführerin gehört den Akten zufolge dem Clan der Ash-

raf an. Die vorherrschenden Clans in der Herkunftsregion der Beschwer-

deführerin (C._______) sind Digil und Mirifle (Clanfamilie: Rahanweyn). 

Der Clan der Ashraf gehört formal weder zur Clanfamilie der Rahanweyn 

noch zu einer anderen übergeordneten Clanfamilie und wird daher häufig 

als Minderheit kategorisiert. Immerhin pflegt der Sub-Clan der Beschwer-

deführerin (Ashraf-Hassan) gute Beziehungen zu den Leysan, einem Sub-

Clan der Mirifle (vgl. dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Rahanweyn; Ca-

nada Immigration and Refugee Board, 1. März 1999, “Somalia: Location of 

Dinsor, the dominant clans in the area, whether there has been fighting and 

current situation”, https://www.refworld.org/docid/3ae6aafa5c.html; Can-

ada Immigration and Refugee Board, 23. November 2010, “Somalia: Infor-

mation in the Ashraf clan”, https://www.refworld.org/docid/4e43af802.html; 

ACCORD, “Clans in Somalia”, Dezember 2009, S. 22, 

https://www.ecoi.net/en/file/local/1001420/90_1261131016_accord-ber-

icht-clans-in-somalia-ueberarbeitete-neuausgabe-20091215.pdf). Im Er-

gebnis muss aber festgestellt werden, dass die Beschwerdeführerin kei-

nem der an ihrem Herkunftsort einflussreichen Hauptclans angehört.  

5.3.3 Im Zusammenhang mit der Frage, ob die Beschwerdeführerin im 

Falle einer zukünftigen geschlechtsspezifischen Verfolgung auf den Schutz 

eines Clans zählen könnte, ist sodann zu berücksichtigen, dass sie in der 

D-4936/2019 

Seite 12 

ergänzenden Anhörung geltend machte, sie sei im Jahr 2014 von Stras-

senräubern vergewaltigt und im Intimbereich mit einem Messer verletzt 

worden, und die Vergewaltigung sei später in ihrem sozialen Umfeld be-

kannt geworden. Bezüglich der erlittenen Verletzungen im Analbereich 

reichte sie zwei ärztliche Schreiben zu den Akten. Das SEM hat sich in der 

angefochtenen Verfügung nicht zu diesem Sachverhaltselement geäussert 

und diese Vorbringen insbesondere auch nicht auf ihre Glaubhaftigkeit hin 

überprüft. Falls diese Vorbringen als glaubhaft erachtet würden, hätte dies 

entscheidende Auswirkungen auf die Beurteilung der Frage, ob die Be-

schwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr nach Somalia Schutz durch ei-

nen Clan erwarten könnte; denn wie in der Beschwerde unter Verweis auf 

die Schnellrecherche der SFH vom 28. August 2017 zu Somalia («Situation 

von vergewaltigten Frauen») zu Recht vorgebracht wird, gilt eine Verge-

waltigung als Schande und vergewaltigte Frauen werden stigmatisiert und 

müssen damit rechnen, von ihrem Clan verstossen zu werden.  

5.4 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zwar erwähnt, dass die 

Beschwerdeführerin Opfer einer Vergewaltigung geworden sei und ausser-

dem eine Genitalbeschneidung erlitten habe, hat dann aber in den Erwä-

gungen lediglich festgestellt, die Genitalverstümmelung sei infolge fehlen-

den Kausalzusammenhangs nicht asylrelevant. Hingegen hat es die Vorin-

stanz trotz Vorliegens der genannten aktenkundigen Hinweise gänzlich un-

terlassen, in den Erwägungen zum Asylpunkt in Anwendung der Recht-

sprechung gemäss BVGE 2014/27 zu prüfen (und bei Bedarf vorher näher 

abzuklären), ob und wenn ja welche der in BVGE 2014/27 genannten Risi-

kofaktoren die Beschwerdeführerin erfüllt und ob sie demnach allenfalls als 

besonders verletzliche Person zu qualifizieren ist, welche im Falle einer 

Rückkehr nach Somalia begründete Furcht hat, einer (erneuten) ge-

schlechtsspezifischen, asylbeachtlichen Verfolgung ausgesetzt zu werden. 

Die Vorinstanz hat dabei insbesondere auch die in der ergänzenden Anhö-

rung geltend gemachte Vergewaltigung sowie deren soziale Auswirkungen 

mit keinem Wort gewürdigt. 

5.5 Es ist damit festzustellen, dass die Vorinstanz im Rahmen ihrer Ent-

scheidfindung die wesentlichen Asylvorbringen der Beschwerdeführerin 

nicht genügend sorgfältig und ernsthaft geprüft und gewürdigt und damit 

den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat.  

6.  

Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich – das heisst un-

geachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des ergangenen 

D-4936/2019 

Seite 13 

Entscheides. Eine Heilung der Gehörsverletzung auf Beschwerdeebene ist 

im vorliegenden Fall nicht in Betracht zu ziehen, da die Gehörsverletzung 

relativ schwer wiegt und überdies die rudimentären Ausführungen des 

SEM zur Frage des Gefährdungsprofils der Beschwerdeführerin im Rah-

men der Vernehmlassung (vgl. dazu vorstehend E. 4.3) den Anforderungen 

an die Prüfungs- und Begründungspflicht offensichtlich nicht zu genügen 

vermögen.  

7.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, soweit damit die 

Aufhebung der Dispositivziffern 1-3 der vorinstanzlichen Verfügung vom 

23. August 2019 beantragt wird. Die entsprechenden Dispositivziffern der 

vorinstanzlichen Verfügung sind demnach aufzuheben, und die Sache ist 

zur erneuten Prüfung und Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es 

sich, auf die weiteren Anträge und Beschwerdevorbringen näher einzuge-

hen. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-

grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt 

auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) 

ist der Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädi-

gung von insgesamt Fr. 1200.– zuzusprechen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4936/2019 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung im Asylpunkt beantragt wurde. 

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 23. August 2019 wird hinsichtlich der 

Dispositivziffern 1-3 aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im 

Sinne der Erwägungen an das SEM zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1200.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

Versand: