# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e492d887-a9e9-5e15-8e2d-d977a370b9c1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.05.2007 D-6030/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6030-2006_2007-05-24.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6030/2006
zom/umk
{T 0/2}

Urteil vom 24. Mai 2007

Mitwirkung: Richter Martin Zoller, Richter François Badoud, 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas
Gerichtsschreiberin Katarina Umegbolu 

A._______, geboren (...), alias A._______, geboren (...), Afghanistan,
vertreten durch Dominik Löhrer, (...),

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,

Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 10. Juli 2006 i.S. Vollzug der Wegweisung 

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A. Der  Beschwerdeführer,  ein afghanischer  Staatsangehöriger  und ethnischer  Tad-
schike  mit  letztem Wohnsitz  in  Z._______,  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen 
Angaben  zufolge  im  (...)  2006  und  gelangte  via  Peshawar  nach  Islamabad  in 
Pakistan,  wo  er  zunächst  zirka  fünf  Wochen  blieb.  Am  19.  Mai  2006  sei  der 
Beschwerderführer  nach  Paris  geflogen  und  zwei  Tage  später  per  Bahn  in  die 
Schweiz eingereist. Am 22. Mai 2006 stellte der Beschwerdeführer im Empfangs- 
und Verfahrenszentrum Z._______ ein Asylgesuch.  Dort wurde er vom BFM am 
31.  Mai  2006  summarisch  und  am 26.  Juni  2006  zu  seinen  Asylgründen  direkt 
angehört. 

Anlässlich  der  Befragungen machte  der Beschwerdeführer  im Wesentlichen gel-
tend,  während der  Herrschaftszeit  von Nadjibullah in  Afghanistan hätten diverse 
Personen aus seiner näheren Verwandtschaft  wichtige Ämter im Staat bekleidet. 
So seien sein Onkel mütterlicherseits, O._______, höchster Richter und sein Vater 
hochrangiger Offizier in der Armee gewesen. Im Jahre 1992 hätten verschiedene 
Mujaheddin-Gruppen in Afghanistan die Macht übernommen und viele Morde - un-
ter  anderem auch an seinen  Familienangehörigen -  begangen.  Als  er  zirka  vier 
oder  fünf  Jahre  alt  gewesen sei,  sei  sein  Vater  in  Z._______ von ihm feindlich 
gesinnten  Mujaheddin  umgebracht  worden,  welche  vermutungsweise  Mitglieder 
der  Sayaf-Gruppe  gewesen  seien.  Die  Anhänger  Sayafs  würden  bis  heute  im 
Quartier  Z._______ herrschen.  Sein Onkel  O._______ sowie ein weiterer  Onkel 
seien gleichfalls Opfer der Mujaheddin geworden. Im (...) 2006 habe ein Fremder 
vor  ihrem  Haus  nach  ihm gefragt.  Sein  Nachbar  N._______  habe  ihm  darüber 
erzählt  und  auch  berichtet,  dass  weitere  Personen  in  einem  unweit  parkierten 
Geländewagen gewartet hätten. Wahrscheinlich habe es sich bei den unbekannten 
Personen um Anhänger der Sayaf-Mujaheddin gehandelt.  Über den Vorfall  habe 
seine  Mutter  umgehend  bei  der  Polizei  Anzeige  erstattet,  was  allerdings  keine 
grösseren Konsequenzen nach sich gezogen habe. Nach zirka zwei Tagen sei der 
Fremde nämlich wieder an ihrer Haustüre erschienen und habe sich erneut nach 
der  Familie  erkundigt.  Dieses  Mal  habe  ihr  Untermieter  U._______  mit  dem 
Unbekannten  gesprochen  und  später  die  Mutter  informiert.  Diese  habe  sofort 
beschlossen,  dass er,  der Beschwerdeführer,  aus Afghanistan ausreisen müsse. 
Zwei Tage später habe er daher sein Elternhaus verlassen und sei zirka am (...) 
2006 aus seinem Heimatland ausgereist.

B. Am 31. Mai 2006 führte das BFM mit dem Beschwerdeführer eine Nachbefragung 
zu dessen Alter, Bildung und familiärem Hintergrund durch. Die Vorinstanz hielt im 
Wesentlichen fest,  dass der Beschwerdeführer entgegen seinen Vorbringen voll-
jährig sei. Der Beschwerdeführer erklärte, mit der Annahme der Vorinstanz keine 
Probleme zu haben.

C. Mit Verfügung vom 10. Juli 2006 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwer-
deführers ab und ordnete gleichzeitig dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie 
den Vollzug an. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die 
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftig-

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keit  nicht  stand;  ausserdem sei  der Vollzug der Wegweisung zulässig,  zumutbar 
und möglich.

D. Mit Beschwerde an die Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) vom 28. Juli 
2006  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter,  die  ange-
fochtene Verfügung sei hinsichtlich des angeordneten Wegweisungsvollzugs (Dis-
positivziffern 4 und 5 des vorinstanzlichen Entscheids) aufzuheben und es sei fest-
zustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung unzulässig  beziehungsweise  unzu-
mutbar sei. Infolge dessen sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessua-
ler Hinsicht  ersuchte der Beschwerdeführer  um Verzicht  auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses  sowie  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege.  Auf 
die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägun-
gen eingegangen.

E. Mit Zwischenverfügung vom 7. August 2006 teilte der damals zuständige Instruk-
tionsrichter  der ARK dem Beschwerdeführer  mit,  dass  er  den Ausgang des Be-
schwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Ferner  verzichtete  der  In-
struktionsrichter  antragsgemäss auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses und 
verwies das Gesuch um unentgeltlichen Rechtspflege auf den Endentscheid. 

F. Das BFM schloss in seiner Vernehmlassung vom 12. September 2006 auf Abwei-
sung der Beschwerde. 

G. Der Beschwerdeführer hielt in seiner Stellungnahme vom 27. September 2006 an 
seinen Anträgen fest. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Bundesgesetzes  über  das  Bundesverwaltungsgericht  vom 
17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen des BFM, welche in Anwendung des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ergangen sind; das Bundesverwaltungsge-
richt entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  bei  der  ARK am 31.  Dezember  2006  noch  hängigen  Beschwerdeverfahren 
wurden per 1. Januar 2007 durch das Bundesverwaltungsgericht übernommen und 
werden durch dieses weitergeführt; dabei findet das neue Verfahrensrecht Anwen-
dung (Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verletzung  von 
Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserhebli-
chen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs.  1 
AsylG).

4

2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; der Beschwerdeführer ist le-
gitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]).  Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.

3. Wie bereits in der Zwischenverfügung der ARK vom 7. August 2006 festgehalten 
wurde, richtet sich die Beschwerde gemäss den Anträgen nur gegen den Vollzug 
der von der Vorinstanz verfügten Wegweisung (Dispositivziffern 4 und 5 der ange-
fochtenen Verfügung). Somit ist die vorinstanzliche Verfügung vom 10. Juli 2006, 
soweit sie die Frage des Asyls und der Flüchtlingseigenschaft betrifft,  in Rechts-
kraft  erwachsen.  Auch  die  Wegweisung  als  solche  (Dispositivziffer  3)  ist  damit 
grundsätzlich nicht mehr zu überprüfen. Im Folgenden ist daher lediglich zu unter-
suchen, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als durchführbar er-
achtet hat oder ob allenfalls an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme an-
zuordnen ist. 

4.

4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, 
so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be-
stimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; 
Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Aus-
länder vom 26. März 1931 [ANAG, SR 142.20]). 

4.2 Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in 
den Heimatstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden 
kann.  Er  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz 
einer Weiterreise des Ausländers in seinen Heimat-,  Herkunfts-  oder einen Dritt-
staat entgegenstehen. Der Vollzug kann insbesondere nicht zumutbar sein, wenn 
er  für  den  Ausländer  eine  konkrete  Gefährdung  darstellt  (Art.  14a  Abs.  2  -  4 
ANAG).

4.3 Niemand darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in 
dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 
AsylG gefährdet sind oder in dem die Gefahr besteht, dass er zur Ausreise in ein 
solches Land gezwungen wird (Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 25 Abs. 2 der Bundes-
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 [BV, SR 
101]).

4.4 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 
gegen Folter  und andere grausame,  unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105)  und der  Praxis  zu Art.  3 der Konvention zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, 
SR 0.101)  darf  niemand in  einen Staat  ausgeschafft  werden,  in dem ihm Folter 
oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 
droht.

5

5.

5.1 Die Vorinstanz erachtete den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in 
den Heimatstaat als zulässig, zumutbar und möglich. 

5.1.1 In seinen Erwägungen hält das BFM zunächst fest, der Beschwerdeführer erfülle 
die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung 
gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG keine Anwendung finde. Ferner seien aus den Akten 
keine  Anhaltspunkte  ersichtlich,  wonach  der  Beschwerdeführer  im  Falle  seiner 
Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer durch 
Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der 
Wegweisung sei damit zulässig.

5.1.2 Im Weiteren  führt  das  BFM aus,  die  Rückschaffung  des  Beschwerdeführers  in 
dessen  Heimatland  erscheine  angesichts  der  allgemeinen  Lage  in  Afghanistan 
grundsätzlich  als zumutbar. Da in Afghanistan keine Situation allgemeiner Gewalt 
herrsche,  könne trotz Sicherheitsdefiziten in einzelnen Provinzen nicht von einer 
allgemeinen  konkreten  Gefährdung  der  Bevölkerung  ausgegangen  werden.  Der 
Regierung unter  Präsident  Karzai  sei  es gelungen,  die Situation im Land insge-
samt zu stabilisieren, dies insbesondere durch die Einbindung eines Grossteils der 
lokalen Machthaber, den Aufbau eines Sicherheitsapparates und die Entwaffnung 
der Milizen. Die Amtseinsetzung des Parlaments sei ebenfalls ein wichtiger Schritt 
in Richtung Stabilisierung der Situation im Land. In Sicherheitsbelangen werde die 
afghanische Regierung weiterhin von der internationalen Schutztruppe ISAF (Inter-
national  Security  and Assistance Force)  unterstützt  und auch die Wiederaufbau-
teams (Provincial Reconstruction Team PRTs) seien nach wie vor im Einsatz. Die 
Teilnehmer der internationalen Afghanistan-Konferenz von Anfang 2006 hätten zu-
dem beschlossen, dem Land für weitere fünf Jahre Wiederaufbauhilfe zu gewäh-
ren. Ferner sprächen auch keine individuellen Gründe gegen eine Rückkehr des 
Beschwerdeführers  in  sein  Heimatland.  So  habe  der  Beschwerdeführer  die  be-
hauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft darlegen können und ernsthafte Zweifel, 
welche  aufgrund  von physischen Reifemerkmale  entstanden  seien,  nicht  auszu-
räumen  vermocht.  Trotz  wiederholter  Aufforderung  habe  der  Beschwerdeführer 
keine Identitäts- oder Reisepapiere abgegeben, was die Absicht der Beschwerde-
führers erkennen lasse, seine Identität zu verschleiern. Im Weiteren seien die An-
gaben  des  Beschwerdeführers  zu  seiner  Reise  nach  Z._______  nicht 
nachvollziehbar,  ist  doch  davon  auszugehen,  dass  der  Schlepper  den 
Beschwerdeführer für den Fall einer Grenzkontrolle weitaus besser instruiert habe, 
als  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemacht.  Auch  die  Angaben  des 
Beschwerdeführers  zu  seinem  Vater  anlässlich  der  Nachbefragung  seien  vage 
ausgefallen  und  seine  diesbezüglichen  Erklärungen  wenig  überzeugend. 
Schliesslich  hätten  sich  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführers  als  unglaubhaft 
erwiesen,  was  dessen  Glaubwürdigkeit  zusätzlich  erschüttere.  Die  vom 
Beschwerdeführer  behauptete  Minderjährigkeit  müsse  vor  diesem  Hintergrund 
stark  angezweifelt  werden  und der  Beschwerdeführer  habe damit  praxisgemäss 
die  Folgen  der  Beweislosigkeit  zu  tragen.  Hinsichtlich  der  illegalen  Reise  des 
Beschwerdeführers  von  Afghanistan  nach  Europa  sei  im Weiteren  festzuhalten, 
dass  eine solche in  der  Regel  von Schlepperbanden  organisiert  werde und viel 
koste. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 
beziehungsweise dessen Familie oder Verwandtschaft über entsprechend grosse 

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finanzielle  Mittel  verfügen.  Der  Beschwerdeführer  sei  darüber  hinaus  jung  und 
gesund,  und  es  sei  nichts  erkennbar,  das  seinem  Wiedereinstieg  in  die 
Gesellschaft  Afghanistans  im  Wege  stehen  würde.  Eine  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers sei damit zumutbar.

5.1.3 Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  schliesslich  technisch  möglich  und  praktisch 
durchführbar.

5.2 In seiner Beschwerdeschrift hält der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Aus-
führungen im Wesentlichen entgegen, angesichts der aktuellen Sicherheitslage in 
Afghanistan  sei  eine  Rückkehr  dorthin  derzeit  nicht  zumutbar.  Berichte  der 
Schweizerischen Flüchtlingshilfe  über Afghanistan vom 1. März 2004 sowie vom 
3.  Februar  2006  wie  auch  ein  Bericht  des  UNHCR  vom  April  2005  gäben 
diesbezüglich näher Auskunft. Von der dortigen Situation sei er persönlich insoweit 
betroffen, als dass er seit seiner Ausreise keinen Kontakt zur Familie gehabt habe 
und folglich  auch nicht  wisse,  wo sich  Mutter  und Schwester  aufhalten  würden. 
Vorstellbar sei, dass beide Frauen entführt und der Prostitution zugeführt worden 
seien, zumal kein männlicher Familienangehöriger zu ihrem Schutz anwesend sei. 
Sehr wahrscheinlich hätten Mutter und Schwester den Wohnort verlassen. Darüber 
hinaus sei er nie zur Schule gegangen und könne nur wenig lesen und schreiben. 
Seiner Mutter habe er beim Schneidern geholfen. Angesichts dieser Umstände sei 
es für ihn unmöglich, seinen Lebensunterhalt  selber zu verdienen. Zudem sei er 
nicht volljährig, was von der Vorinstanz jedoch bestritten werde. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz ihrerseits daran fest, die Beschwerde-
schrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweistmittel,  welche 
eine Änderung ihres Standpunkte  rechtfertigen könnten.  Hingegen hätten Abklä-
rungen  bei  den  zuständigen  deutschen  Asylbehörden  ergeben,  dass  der  Be-
schwerdeführer  unter  der  Identität  A._______,  geboren  am  (...)  in  Z._______, 
Afghanistan, am (...) nach Deutschland eingereist sei und einen Asylantrag gestellt 
habe. Am (...) sei der Asylantrag von den deutschen Behörden abgelehnt worden, 
worauf  der  Bescherdeführer  am (...)  2006 hätte  nach Afghanistan zurückgeführt 
werden  sollen.  Zu  diesem  Zeitpunkt  sei  der  Beschwerdeführer  indes  bereits 
untergetaucht.

5.4 In seiner Stellungnahme bestätigt der Beschwerdeführer zunächst die vorinstanzli-
chen Abklärungsresultate betreffend die Asylantragsstellung in Deutschland. Aller-
dings vermöge er weder die eine noch die andere Identität nachzuweisen. Sicher 
sei hingegen, dass er in Afghanistan aufgewachsen sei. Eine Rückkehr dorthin sei 
aber nach wie vor nicht möglich. Er habe seit seiner Ausreise keinerlei Kontakt in 
seine  Heimat  und  wisse  folglich  nicht,  wohin  er  gehen  könne.  Seine  Lage  sei 
schwierig. Das mit der Beschwerde beantragte Begehren um vorläufige Aufnahme 
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges werde weiterhin aufrecht erhal-
ten und seine persönliche Situation habe sich seither auch nicht gebessert. Im Ge-
genteil würden ihn täglich Nachrichten erreichen, gemäss welchen sich seine Lage 
stetig verschärfe. Ein Urteil in Deutschland wäre zum heutigen Zeitpunkt vielleicht 
anders ausgefallen.

7

6.  

6.1

6.1.1 Wie aus der vorinstanzlichen Verfügung hervorgeht, ist es dem Beschwerdeführer 
nicht  gelungen,  eine  gemäss  Art.  3  AsylG  relevante  Gefährdung  nachzuweisen 
oder glaubhaft  zu machen. Die Erwägungen des BFM zur Frage der Flüchtlings-
eigenschaft und Asylgewährung bleiben in der Rechtsmitteleingabe des Beschwer-
deführers unangefochten. Die Normen des flüchtlingsrelevanten Non-refoulement-
Prinzips (Art.  5 AsylG, Art.  25 Abs. 2 BV, Art.  33 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) schützen jedoch 
nur Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG beziehungs-
weise Art.  1 A FK erfüllen. Auf abgewiesene Asylbewerber mit  fehlender Flücht-
lingseigenschaft  findet  dieses  Rückschiebeverbot  keine Anwendung.  Eine Rück-
kehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat ist unter dem Aspekt von Art. 5 
AsylG und Art. 33 FK damit rechtmässig. 

6.1.2 Sodann ergeben sich weder aus den als unglaubhaft erkannten Aussagen des Be-
schwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass ihm für den Fall 
einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine 
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotene Strafe oder Behandlung drohen wür-
de. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte sowie je-
ner  des UN-Anti-Folterausschusses müsste  der Beschwerdeführer  eine konkrete 
Gefahr nachweisen oder  glaubhaft  machen,  dass ihm im Falle  einer Rückschie-
bung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission,  EMARK  2001  Nr.  16 
S. 122, Nr. 17 S. 130 f. sowie 1996 Nr. 18 S. 182 ff. mit weiteren Hinweisen). Dies 
ist dem Beschwerdeführer jedoch nicht gelungen.

6.1.3 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Afghanistan ist folglich 
zulässig.

6.2 Aus  humanitären  Gründen,  nicht  in  Erfüllung  völkerrechtlicher  Pflichten  der 
Schweiz, wird auf den Vollzug der Wegweisung verzichtet, wenn die Rückkehr in 
den Heimatstaat für den Betroffenen eine konkrete Gefährdung darstellt  und aus 
diesem Grund nicht zumutbar ist. Eine solche Gefährdung kann angesichts der im 
Heimatland herrschenden allgemeinen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bür-
gerkrieg  oder  durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  auf-
grund anderer Gefahrenmomente, wie beispielsweise dem Fehlen einer notwendi-
gen medizinischen Behandlungsmöglichkeit, angenommen werden (vgl. Botschaft 
zum  Bundesbeschluss  über  das  Asylverfahren  vom  22.  Juni  1990,  BBl 1990  II 
668).

6.2.1 Die ARK hat sich in EMARK 2003 Nr. 10 und 30 eingehend zur Lage in Kabul ge-
äussert und die Unterschiede zwischen dem Grossraum Kabul und anderen Regio-
nen Afghanistans dargestellt. Infolge der vergleichsweise günstigeren Situation hat 
sie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  unter  bestimmten  strengen  Voraus-
setzungen, insbesondere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer gesicherten 
Wohnsituation,  als  zumutbar  erachtet.  In  einem weiteren  Urteil  vom 25.  Januar 
2006, publiziert  in EMARK 2006 Nr. 9, bestätigte und aktualisierte die ARK ihre 

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Rechtsprechung  aus  dem  Jahre  2003. Zusätzlich  zu  Kabul  erachtete  sie  den 
Wegweisungsvollzug in weitere Provinzen im Norden von Kabul (Parwan, Baghlan, 
Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  Herat  und  die  Gegend  von 
Samangan) unter den in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen Bedingungen 
als  zumutbar.  In  die  übrigen  Provinzen  würden  hingegen  weiterhin  militärische 
Aktivitäten stattfinden  und eine permanente  Unsicherheit  bestehen,  weshalb  ein 
Wegweisungsvollzug dorthin nach wie vor als unzumutbar zu betrachten sei. Das 
Bundesverwaltungsgericht  sieht  vorderhand  keine  Veranlassung,  von  dieser 
Rechtsprechung abzuweisen. 

6.2.2 Der Beschwerdeführer ist eigenen Angaben zufolge ethnischer Tadschike und leb-
te  von  seiner  Geburt  bis  zur  Ausreise  in  Z._______.  Laut  Aussagen  des 
Beschwerdeführers  wohnten  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  seine  Mutter  und 
Schwester  im  eigenen  Familienhaus  im  Stadtteil  Z._______  In  seiner  Rechts-
mitteleingabe  macht  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  geltend, 
nach seiner Flucht hätte beide Frauen vermutlich ein schreckliches Schicksal ereilt 
und es sei sehr wahrscheinlich, dass auch sie den Wohnort verlassen hätten. Den 
Vorbringen des Beschwerdeführers kann nicht geglaubt werden. Wie in der ange-
fochtenen Verfügung festgestellt  und durch die Abklärungsresultate aus Deutsch-
land bestätigt, entbehrten die geltend gemachten Asylbegründungen, insbesonde-
re aufgrund der zeitlichen Diskrepanz mit dem Aufenthalt in Deutschland, jeglicher 
Grundlage.  Die  anlässlich  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  geltend  gemachten 
Ausführungen zur Rolle der Mutter bei der angeblichen Ausreise aus Afghanistan 
im (...) 2006 erweisen sind folglich allesamt als konstruiert und die weiteren Vor-
bringen auf Beschwerdeebene zum möglichen Schicksal der Mutter und Schwester 
bleiben spekulativ und werden weitgehend substanzlos in den Raum gestellt. Den 
Aussagen des Beschwerdeführers kann vor diesem Hintergrund kein glaubhafter 
Kerngehalt abgewonnen werden. Darüber hinaus widerspricht sich der Beschwer-
deführer in seiner Stellungnahme, wenn er einerseits ausführt, seit vier Jahren kei-
nen Kontakt  zu seinem Heimatland  zu haben,  wenig  später  hingegen vorbringt, 
täglich Nachrichten zu erhalten, gemäss welchen sich die Lage in Afghanistan ver-
schärft habe und seine Situation immer schlimmer werde. Nicht nachvollziehbar ist 
dabei,  warum sich  der  Beschwerdeführer  in  all  dieser  Zeit  bei  denselben unbe-
kannten Quellen nicht auch um Informationen über Mutter und Schwester geküm-
mert hat. Vor diesem Hintergrund kann daher ohne Weiteres davon ausgegangen 
werden, dass die Mutter und Schwester des Beschwerdeführers weiterhin in Kabul 
leben, wo der Beschwerdeführer auch über weitere Verwandtschaft verfügen dürf-
te.

6.2.3 Im Weiteren ist der Beschwerdeführer aktenkundig gesund und ledig und selbst 
unter Annahme seines unglaubhaften Geburtsdatums im (...) mittlerweile volljährig. 
Sodann darf auch die Wohnsituation des Beschwerdeführers als gesichert gelten, 
besitzt seine Familie doch ein eigenes Haus, in welchem die Mutter wohnt und wo 
sich  deren  Schneiderei  befindet.  Einige  Zimmer  des  Hauses  sind  sogar  un-
tervermietet.  Darüber hinaus ist  der Beschwerdeführer  offensichtlich des Schrei-
bens und Lesens hervorragend kundig (vgl.  in fliessender  Schrift  durch den Be-
schwerdeführer persönlich ausgefülltes Personalienblatt, Akte A2/2, S. 1) und ver-
fügt  gemäss  eigenen  Angaben  über  langjährige  Berufserfahrung  als  Schneider. 
Schliesslich gehört  er der in Z._______ vorherrschenden ethnischen Gruppe der 

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Tadschiken an. Insgesamt ergeben sich aus den Akten damit  keinerlei  Hinweise 
auf ein spezifisches Schutzbedürfnis des Beschwerdeführers. Es ist somit davon 
auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr wieder in seinem 
Elternhaus bei  seiner Familie leben und sich mit  deren Unterstützung  auch  eine 
wirtschaftliche  Existenz  wird  aufbauen  können.  Es  steht  dem Beschwerdeführer 
folglich offen und ist diesem zuzumuten, sich wieder in Z._______ niederzulassen.

6.2.4 Nach dem Gesagten ist  der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung des 
Beschwerdeführers zumutbar.

6.3 Der Rückkehr des Beschwerdeführers stellen sich schliesslich auch keine unüber-
windlichen  Hindernisse  tatsächlicher  Natur  entgegen.  Insbesonderer  obliegt  es 
dem Beschwerdeführer,  sich  in  Zusammenarbeit  mir  der  Vorinstanz  bei  der  zu-
ständigen Vertretung seines Heimatlandes die für eine Rückreise notwendigen Do-
kumente zu beschaffen (Art.  8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegwei-
sung auch als möglich zu bezeichnen ist. 

6.4 Der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  steht  daher  in  Übereinstim-
mung mit den zu beachtenden Bestimmungen und ist insgesamt zu bestätigen. Die 
Vorinstanz hat den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und 
möglich erachtet.  Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 – 4 ANAG).

7. Aus diesen Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundes-
recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest-
stellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.

8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Beschwerdeführer 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber weiterhin von seiner Bedürf-
tigkeit auszugehen ist und die Beschwerde nicht von vornherein als aussichtslos 
bezeichnet werden konnte, ist in Gutheissung des Gesuches um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 
Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. Dieses Urteil geht an:

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, 2 Expl. 

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den  Akten 
(Ref.-Nr. N ...) 

- (...)

Der Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Katarina Umegbolu